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EXOTISCHE SCHMETTERLINGE 



Dr. 0. STAUDUTGEH und Dr. E. SCHATZ. 



IL Theil. 



Die Familien und Gattungen 
der Tagfalter 



Dr. E. Sehatz. 



Verlag von G. Löwensohn in Fürth (Bayern). 
1893. 



s 



Die Familien und Gattungen 



der 



TAGFALTER 

systematisch und analytisch bearbeitet 

von 

Dr. E. SCHATZ. 

Nach dem Tode des Verfassers fortgesetzt 
von 

J. HÖBEH. 



Mit 50 lithographischen Tafeln 

und 78 in den Text gedruckten Holzschnitten. 



Verlag von G. Löwensohn in Fürth (Bayern). 
1892. 



Inlialtsverzeiclmiss. 

Seite 

EmleituDg 1 

Systematik 2 

Geographische Verbreitiuig der Schmetterlinge 7 

Geographische Verbreitung der Schmetterlinge nach Familien 22 

Farben der Schmetterlinge 2& 

Einiges über das Flügelgeäder 32 

System der Tagschmctterlinge 36 

I. Papilioniden 38 

II. Pieriden . 52 

III. Danaiden 75 

IV. Neotropiden • . . 85 

V. Acraeiden 101 

VI. Heliconiden 10-i 

VIT. Nymphaliden 108 

. VIII. Morphiden 181 

IX. Brassohden 190 

X. Satyriden 195 

XI. Libytheiden 226 

XII. Eryciniden 227 

XIII. Lycaeniden 259 

Rea-ister . 283 



Er sdieiniangszeit 
der einzelnen Lief ernngen. 

Dezember 1885 1. Lieferung mit Text von Seite 1—32 und Tafeln 1—10 

1886 2. 

•September 1887 3. , 

■Oktober 1888 4. . . .. „ 

November 1889 5 

März 1892 6. „ . „ „ 

ferner mit Titeln, Inhaltsverzeichniss und Vorwort. 



33—92 „ 


11—16 


93-136 „ 


17—26 


137—180 „ 


, 27—34 


181—224 , 


., 35—42 


225—284 „ 


„ 43—50 



Vorvs^ort. 



Es ist eine Pflicht der Pietät, hier an erster Stelle 
-des leider viel zu früh dahingeschiedenen Schöpfers des 
vorliegenden Werkes zu gedenken. 

Ernst Schatz ist geboren am 28. August 1844 in 
dem kleinen Orte Carmin in Polen, woselbst seine Eltern 
ein Landgut besassen. Schon früh ward er Waise und 
kam zu Verwandten nach Koblenz. In diesem Orte ver- 
lebte er seine Kindheit und genoss Unterricht auf dem 
Gymnasium, bis er die Universität zu Berlin zum Studium 
der Chemie und Philosophie bezog; hier erwarb er sich 
den Titel eines Doctors der Philosophie. 

Zur weiteren Ausbildung in seinem Berufe hielt er 
sich während des Jahres 1875 in England und danach 
in verschiedenen Orten Deutschlands auf, und etablirte 
dann in Dresden ein Droguengeschäft. Hier verheirathete 
er sich im Jahre 1879 mit Clara Homa, verzog aber im 
folgenden Jahre aus Gesimdheitsiücksichten nach dem 
nahe bei Dresden gelegenen ländlichen Radebeul, woselbst 
er bis zu seinem am 22. April 1887 erfolgten Ableben 
die Fabrikation von Anilinpräparaten betrieb. 

Schon von Kindheit an zeigte er grosses Interesse 
für die Natur durch Sammeln von Pflanzen und Insekten; 
in späteren Jahren und zwar so lange, bis die immer mehr 
Zeit in Ansjv'uch nehmende Pflege seines eigenen kranken 
Körpers ihm die Möglichkeit nicht mehr bot, hielt er sich 
eine fast vollständige Sammlung lebender einheimischer 
Singvögel und betrieb auch eifrig das Studium der I^epi- 
dopterologie. Bei letzterem erkannte er bald den Mangel 
eines auch weiteren Kreisen zugänglichen Werkes zum 
Feststellen der Gattungen der exotischen Schmetterlinge, 
Tind der Wunsch, diese Lücke in der entomologischen 
Litteratur selbst auszufüllen, fand festen Boden, als Herr 
Dr. Staudinger sich bereit erklärte, ihn mit Eath und 
That bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Ohne die 
weitgehende Unterstützung von Seiten des letztgenannten 
Herrn mit natürlichem Materiale und Litteratur wäre die 
Herstellung dieses Werkes ganz unmöglich gewesen. 

Obwohl Dr. Schatz etwa zehn Jahre lang an dem 
vorliegenden Werke gearbeitet hat, so konnte er doch 
kein abgeschlossenes, druckreifes Manuscript hinterlassen, 
da sein chronisches Lungenleiden ihn in den letzten Jahren 
seines Lebens hinderte, anstrengende Arbeiten zu ver- 
richten. So hat er nur das Erscheinen der zweiten Lie- 
ferung erlebt. 

Schatz war ein sehr ideal veranlagter Charakter, und 
seine Bewunderung hervorragender Naturerzeugnisse (z. B. 
besonders schöner Schmetterlinge) grenzte an Enthusias- 
mus, in dem ihm wohl mitunter die Sachen anders er- 
schienen, als sie thatsächlich sind. 



Durch vorliegendes Werk hat er sich zweifellos den 
Dank vieler Kenner und Freunde der Schmetterlinge ver- 
dient, und wäre ihm ein längeres Dasein beschieden ge- 
wesen, so würde er sich sicher um die Entomologie noch 
weitere Verdienste erworben haben. 

Das Ableben Dr. Schatz's hatte die Herstellung des 
Werkes selbstverständlich zum Euhen gebracht, und da 
sich anscheinend für die Portsetzung des Werkes Niemand 
finden wollte, so wagte ich es, mich um die Nachfolge in 
der Autorschaft zu bewerben, in der Hoffnung, dass ich 
durch den mehrjährigen Verkehr mit dem Abgeschiedenen, 
der sich in der Hauptsache auf das vorliegende Werk 
bezog, in den Stand gesetzt worden sei, dasselbe im Sinne 
seines Autors fortzuführen und zum Abschlüsse zu bringen. 
Das Urtheil darüber, ob mir dies gelungen ist, steht den 
sachverständigen Lesern dieser Schrift zu. 

Ich muss bekennen, dass es mir noch mehr als dem 
Dr. Schatz an natürlichem Materiale zu vorliegender Ar- 
beit gebrach, und dass ich für die mir in dieser Bezie- 
hung von Seiten des Herrn Dr. Staudinger zu Theil 
gewordene Unterstützung grossen Dank schuldig bin. 
■ Auch Herrn Dr. H. Langhans, dem die technische 
Leitung des Unternehmens und dabei namentlich die Her- 
stellung der Tafeln grosse Mühe verursacht hat, statte ich 
hiemit den besten Dank ab. 

Bezüglich der Tendenz des vorliegenden Werkes 
nmss ich bemerken, dass nur beabsichtigt wurde, eine 
systematische Bearbeitung der bereits aufgestellten Genera, 
keinesfalls aber eine systematische Bearbeitung der sämmt- 
lichen Tagschmetterlinge zu schaffen. Die Charaktere der 
einzelnen Gattungen sind daher auch meist nur von einer 
Art bei kleineren, von wenigen Arten bei grösseren Gat- 
tungen genommen worden, und nur dem Zufalle haben 
wir es zu verdanken, wenn wir in einzelnen Fällen die 
Nothwendigkeit der Aufstellung neuer Gattungen erkannten. 
Die Ausschliessung der Hesperiden von der Be- 
arbeitung musste aus verschiedenen Gründen erfolgen und 
zwar zunächst mangels genügender Vorarbeiten, dann, weil 
es sich ohne zeitraubendes weiteres Eindringen in die 
Materie gar nicht übersehen lässt, ob eine Bearbeitung 
dieser Familie im Rahmen dieses Werkes möglich ist, und 
schliesslich, um den Abschluss des Werkes nicht ins Un- 
gewisse zu verschieben. 

Schliesslich gestatte ich mir, zur Erklärung des in 
dem vorliegenden Werke bestehenden Widerspruches 
zu bemerken, dass Dr. Schatz ein eifriger Anhänger der 
Mimicry-Theorie war, ich jedoch einen anderen Stand- 
punkt einnehme. Über die Ursachen jener wunderbaren 
Ähnlichkeit in Form und Zeichnung bei Schmetterlings- 



11 



V E W E T. 



arten, die nach ihrem inneren Baue weit von einander 
getrennt sind, bin ich ganz der Meinung Dr. Paul 
Hahnel's, die er in seinen „entomologischen Erinne- 
rungen an Südamerika" (Iris, Dresden, Band III p. 310 

flg.) kundgiebt. Er erklärt das erwähnte Factum als eine 
Folge gleichartigerEntwickelungsrichtung von 
Urzeiten her, und verwirft völlig die Mimicry- Theorie, 
der er nicht nur die fortbildende, sondern auch jede arter- 
haltende Kraft abspricht. Die im Sinne gedachter Theorie 
als „mimetische Arten" bezeichneten Formen nennt er 
„Parallelformen" und betrachtet sie als freie Selbstvvieder- 
holungen der Natur. Ich kann hier auf die bezeichnete 
geistvolle Schrift Hahnel's leider nicht näher eingehen, 
und die liimiciy-Theorie ist so allgemein bekannt, dass 
eine Erklärung derselben an diesem Orte entbehrlich ist. 
Ich gestatte mir aber zur Vervollständigung der Hahnel'- 
schen Ausführungen einige andere Gesichtspunkte anzu- 
führen, die die Mimicry-Theorie als völlig unhaltbar er- 
scheinen lassen. 

Wenn, wie die Mimicry-Theorie behauptet, gewisse 
Arten sich (mit grösserem oder geringerem Erfolge) be- 
müht haben, ein Kleid anzunehmen, in dem andere, durch 
besondere Eigenschaften, als schlechten Geruch und Ge- 
schmack etc., vor der Verfolgung durch Vögel geschützte 
Arten erscheinen, so würde dies bei den sogen, nachahmen- 
den Arten ein zielbewusstes Streben voraussetzen, das 
aber bei Geschöpfen, die in der Organisation und Intelligenz 
so niedrig stehen, nicht gesucht werden darf. Oder wollte 
man, der heutigen Naturanschauung völlig widersprechend, 
in diesen Fällen das Eingreifen einer höheren Macht be- 
haupten, so dürfte dieser der Vorwurf der grössten Unge- 
rechtigkeit nicht vorenthalten werden, da sie ja im Stande 
sein müsste, jeder Art Schutzmittel vor der Verfolgung zu 
gewähren (wenn dies aus naturökonomischen Rücksichten 
überhaupt anginge), wobei sie gar nicht einmal genöthigt 
gewesen wäre, derartige Kunststückchen zu machen, wie 
sie angeblich die Mimicry fertig gebracht hat; doch nein, 
sie lässt es nicht einmal bei dieser Ungerechtigkeit be- 
wenden, sondern wird sogar so grausam, Arten, deren 
nächste Verwandte ein vor der Verfolgung leidlich 
schützendes Kleid besitzen, einen Ilabit aufzuzwingen, den 
die am meisten verfolgten Arten tragen, und sie somit 
dem Verderben zu überliefern; ich meine hiemit z. B. 
die afrikanischen pieridenartigen Lycaeniden. 

Die eine wie die andere Eiklärung der Thatsachen 
ist also völlig unannehmbar, und es ist gegenwärtig wohl 
das Richtigste, die Auffassung Hahnel's zu adoptiren. 
Es finden hiedurch auch diejenigen Fälle äusserlicher 
Ähnlichkeit hinreichende Erklärung, in welchen es sich 
nicht um Erlangung besonderer V ortheile handeln kann 
(Callithea — Agrias etc.). Aber auch die sogen, mime- 
tischen Arten selbst weisen darauf hin, dass sie ihr Kleid 
nicht der Nachahmung, sondern gleichartiger Entwickelungs- 
richtung zu verdanken haben ; so die euploeenartigen 
Papilio-Arten, die im männlichen Geschlechte den Euploea- 
Männern, im weiblichen Geschlechte den Euploea- Weibern 

Dresden, im November 1891. 



ähneln. Wenn es sich darum gehandelt hätte, diesen 
Thieren ein vor Verfolgung schützendes Äussere zu ge- 
währen, so würde es genügt haben, sie mit dem Habitus 
des einen Geschlechts der nachgeahmten Art zu beklei- 
den, wie denn auch die den nicht geschlechtsdimorphcn 
Danais-Arten ähnlichen Papilio-Arten gleichfalls keinen 
Geschlechtsdimorphismus zeigen. Diese Ähnlichkeit ist 
übrigens in den allermeisten Fällen nur eine ganz all- 
gemeine, und die wenigen Ausnahmen (Papilio Caunus, 
Lagleizei, Ridleyanus etc.) können bezüglich des Charak- 
ters der äusseren Gestalt nichts anderes beweisen ; wir 
dürfen vielmehr alle diese abweichenden Arten (wie auch 
Druryia Antimachus) als Überreste von Formen betrachten,. 
die in vergangenen Zeiten eine ähnliche Entwickelung be- 
sassen, wie sie viele unserer heutigen Formen zeigen. 

Da ich also eine Nachahmung nicht annehme, sa 
bleibt mir noch übrig, eine Erklärung zu versuchen be- 
züglich des bei Papilio Merope bestehenden Polymorphis- 
mus der Weibchen, der bisher auch als Mimicry gedeutet 
worden ist. Polymorphismus im weiblichen Geschlechte 
ist vielen Arten eigen, aber nur bei denjenigen Arten hat 
man dies als Nachahmung gedeutet, für die es ähnliche 
Formen giebt; in den anderen Fällen (z. B. Papilio 
Memnon etc.) hat man sich damit begnügt, Polymorphis- 
mus zu constatiren. Darum ist es unrichtig, die zufällige 
(geringere oder grössere) Ähnlichkeit der Weibchen von 
P. Merope mit anderen Schmetterhngen als das Resultat 
des Nachahmungstriebes hinzustellen, umsomehr, als diese 
Ähnlichkeit (mit Hypolymnas- und Elymnias-Arten) den 
Merope-Weibchen keinerlei Vortheil gewährt; es scheint 
vielmehr der Umstand, dass diese Ähnlichkeit mit den 
Lokalformen der vorgenannten Arten ziemlich congruent ist, 
zu beweisen, dass auch dieser Polymorphismus auf gleich- 
artiger Entwickelungsrichtung mit den bezeichneten Arten 
basiit. 

Die Verschiedenheit des männlichen Geschlechts von 
P. Merope beruht, wie angenommen wird, auf männlicher 
Präponderauz;*) da nun in gewissen Gegenden die 
Männchen in der Gestalt der Weibchen auftreten (P. An- 
tinorii in Abessinien), in anderen Fällen hingegen die 
Weibchen den Männchen gleichen (P. Meriones in Mada- 
gascar), so muss hier zwischen männhcher und lokaler 
Präponderanz unterschieden werden, während die verein- 
zelten Fälle von Formengleichheit der Geschlechter von 
Pap. Polytes als individuelle Präponderanz der Weibchen 
zu bezeichnen ist. 

Zuletzt stelle ich an die geehrten Leser die Bitte,. 
Irrthümer und Fehler, die sich in diesem AVerke wahr- 
scheinlich finden werden, unter Berücksichtigung der grossen 
Schwierigkeiten, mit denen die Bearbeitung dieser Materie 
verbunden ist, freundlichst zu entschuldigen, und die Ver- 
sicherung zu acceptiren, dass es nicht an gutem Willen 
gefehlt hat, eine ihren Zweck erfüllende Arbeit zu schaffen.. 



*) efr. Eimer, die Artbildung mid Verwandtschaft bei deu 
Schmet eilingen; Jena 1889. 



J, Röber. 



Einleitung. 




ie Fortschritte, welche die beschreiben- 
den Naturwissenschaften seit Linne's 
W Zeiten a-emacht haben, häno-en zum 
£)• grössten Theil mit der genaueren 
Kenntniss der Erdoberfläche zusam- 
men, und vornehmlich waren es die 
Tropen mit ihrer üppigen Pflanzen- 
welt, ihrem reich entwickelten Thierleben und einer an's 
Wunderbare grenzenden Fülle und Verschiedenheit der 
Insektenformen, welche die Naturforscher zu immer neuen 
Entdeckungen begeistert haben. 

Seit jenen Tagen, einem Zeitraum von wenig mehr 
als hundert Jahren, — welch' ein Unterschied in der 
Kenntniss der Schmetterlinge! Damals besclirieb Linne 
in seiner XI. Ausgabe des Natursystems (1 766) unter dem 
Namen Papilio 273 Tagfalter, eine Zahl, welche heute 
bereits von der Ga ttun gPapilio allein um das anderthalb- 
fache überschritten ist und kaum den 30. Theil von dem 
ausmacht, was bis jetzt in den Annalen der Naturwissen- 
schaft beschrieben und niedergelegt worden ist. 

Unter den denkwürdigen Erfoi'schungsreisen sind vor 
allen zu nennen : A. v. Hvmholdfs zu Anfang dieses 
Jahrhunderts unternommene Expedition zur Aufschliessnng 
des Orino CO- Gebietes, die Fahrt der „Coquille" in das 
Südmeer unter dem französischen Admiral d'UrviUe 
(1822—25), die bald darauf folgende der „Asti-olabe" 
(1826 — 29), deren entomologische Ausbeute von Bois- 
dvval beschrieben wurde, und in den fünfziger Jahren 
die österreichische Novara-Expe Ution, welche das Haupt- 
material für das grosse iconographische Werk von Felder 
hergab. Alle diese grossen Forschungsreisen trugen in 
hervorragender Weise dazu bei, die Kenntniss der Natur- 
wissenschaft zu vermehren, aber sie dienten nicht aus- 
schliesslich der Entomologie, — ihr Hauptsehwerpunkt 
lag vielmehr m der allgemeinen Erforschung des Landes 
selbst, seiner Fauna und Flora. Yon grösster Bedeutung 
für die entomologisohe Wissenschaft und speciell für die 
Schmetterlinge waren aber die langjährigen Reisen von 
Ä. B. Wallace im malayischen Archipel und von H. Bates 
im Amazonen gebiet in den fünfziger Jahren, welche fast 
ausschliesslich die Erforschung der Insektenfauna zu ihrem 
Hauptstudium machten imd eine ungeheure Ausbeute mit 
nach Hause brachten. 



In neuerer Zeit ist es vor allem Dr. Btinidtnger, 
dessen fortdauernde Bestrebungen, die entomologischen 
Schätze der Tropenländer systematiscli durch wissen- 
schaftlich gebildete Reisende heben zu lassen und sie 
dadurch der Wissenschaft zugänglich zu machen, den 
vollsten Dank aller Entomologen verdient. Welch' ein 
Wandel hat sich auch hier vollzogen! Noch vor zwanzig 
Jahren waren die blauen Morphiden, die grossartigen 
Ornithopteren eine Seltenheit in einer Privatsammlung und 
nur die Museen oder auserwählte und mit reichen Mitteln 
versehene Liebhaber konnten sich rühmen, dergleichen 
Prachtformen zubesitzen. Heute sind die Tropenschätze auch 
solchen Naturforschern zugänglich, welche nur über beschei- 
dene Mittel verfügen und denen es weniger darauf ankommt, 
prachtvolle Unicas, als vielmehr nur einen Überblick über die 
ganze Schmetterlingsfauna der Tropen zu gewinnen. 

So ist in dem letzten Jahrzehnt in der reichen Um- 
gebung von Panama und am Vulcan Chiriqui von Bibbe 
gesammelt, das grosse Amazonengebiet von Dr. Hahnel 
systematisch erforscht, das Amurland von Christoph 
und der malapsche Archipel von Dr. Blaten, welcher noch 
jetzt dort weilt, bereist worden, neben einer Menge ständiger 
Sammler, welche auf allen 5 Welttheilen verbreitet sind. 

Wenn nun auch grosse Länderstreckeu der Erde in 
entomologisoher Beziehung noch vollkommen .imerforscht 
sind (wir ermnern nur an ungeheure Walddistrikte 
Brasiliens südlich vom Amazonenstrom, an Patagonien, 
an das tibetanische und chinesische Hochgebirge, an das 
Innere Afrika's, welches sich erst jetzt durch die deutschen 
Colonien am Camerun der ohne Revolver reisenden 
Wissenschaft erschliesst), so wird sich die Zahl der zu 
erwartenden neuen Insecten und vornehmlich der Tag- 
schmetterliuge doch nicht in dem Maasse vermehren, als 
in dem vorhergehenden Zeitraum. Anders verhält es sich 
mit den Nachtschmetterlingen. Diese sicherlich in eben- 
solcher Fülle verbreitete Thierklasse ist durch ihre ver- 
borgene Lebensweise, zum Theil auch .durch ihre Klein- 
heit oder weniger iu's Auge fallende Färbung der Auf- 
merksamkeit der Forscher entgangen und daher auch 
nicht in demselben Maasse gesammelt worden, wie die 
Tagschmetterlinge. Daher scheint uns eine allgemeine 
systematische Behandlung der gesammten Sclunetterlinge 
vorläufig noch vollkonmien verfrüht, während das System 



SYSTEMATIK. 



derTagschmetterlinge im grossenund ganzen feststeht und die 
■etwa noch zu erwartenden neuen Entdeckungen keine wesent- 
lichen Veränderungen in demselben hervorbringen werden. 
Die nachfolgende systematische Darstellung wird sich 
daher auch nur auf die sog. Tagfalter oderßhopaloeeren 
Tjeschränken, deren Artenzahl nach sorgfältiger Zählung 
der bis auf die heutigen Tage veröffenthchten neuen 
Äukömmlinge sich auf rund 10000 Stück belaufen mag. 
Doch düi-fen wir nicht vergessen, dass der Speciesbegriff 
in neuerer Zeit enger begrenzt wird und viele sogenannte 
Arten nur Abarten oder Yarietäten, ja vielleicht auch nur 
Crenerationen ein und derselben Art sein mögen. 



Das System, welches wir der folgenden Darstellung 
zu Gninde gelegt haben, ist in den Hauptzügen dasselbe, 
welches Bat es 1862aufgestellthatund welches jetzt von den 
meisten Lepidopterologen angewendet wird. Der Familien- 
begriff hat sich seit Linne's Zeiten nur insofern geändert, 
als die Namen gewechselt worden sind und das, was 
Linne Sub-Genus nannte, jetzt zum Range einer Familie 
erhoben worden ist. Daher wird es für das Verständniss 
der Systematik von grossem Nutzen sein, wenn wir den 
Entwickelungsgang derselben von Linne bis auf unsere 
Zeit kurz verfolgen, und hauptsächlich die Veränderungen 
hervorheben, welche dieselbe durchgemacht hat. 



-ae- 



Systematik. 



Geschichtliche Darstellung der Systematik. 

Linne betrachtete in seiner 1. Ausgabe des Natur- 
systems alle Schmetterlinge als zu zwei Gattungen gehörend, 
deren erste er Papilio (unsere Tagfalter) nannte und ihnen 
alle Nachtfalter als Phalaena gegenüberstellte. Erst in 
seinen späteren Ausgaben stellte er dazwischen noch die 
Gattung Bplnnx auf und theilte zugleich diese Genera 
in mehrere Subgenera, welche vrir hier nur von Papilio, 
als in den Rahmen unserer Arbeit liegend, besonders 
aufführen. Papilio erhielt 5 Subgenera, von denen 
3 weiter getheilt wurden, so dass wir im ganzen 8 Unter- 
abtheilungen besitzen, welche bereits deutlich die jetzigen 
Familien erkennen lassen. 

Diese sind folgende : 

1. Papiliones Equites. 

a. P. Equites troes 
h. P. Equites achivi 

2. P. Helicovii . . . 



3. P. Danai. 

a. P. Danai candidi . „ 
'^. P. Danai festivi . „ 

4. P. Ni/mphales. 

a. P. Nymphales geinmati „ 
h. P. Nymplialespli.alerati „ 

5. P. Plebefi. 

n. P. Plebeji rurales „ 

}i. P. Pleheji urhicolae , 



unsere heutigen Papilionen. 

f, „ Heliconier u. 

Neotrojjiden. 



Pieriden. 
Danaiden. 

Satyriden. 
Nymphaliden. 

Lycaenen. 
Hesperiden. 



Dieses Linne' sehe System bildete für lange Zeit die 
Grundlage imd den Ausgangspunkt für die folgenden, und 
•vrs sehen hier fast schon die Famihen in derselben Weise 
begrenzt, wie sie auch heute noch angenommen und 
allgemein gültig sind, obgleich die Charaktere, welche 
Linne zur Unterscheidung benützte, bald von diesen, bald 
von jenen Körpertheilen hergenommen sind. Auch hier 
hat sich der Scharf bhck des Meisters vollkommen bewährt, 
welcher das Charakteristische einer jeden FamUie sofort 
herausfand. Die späteren Forschungen konnten nm- die 
Charaktere genauer feststellen und erweitern und sie 
hauptsächhch nach einheithcher Richtung anwenden — 
sie bestätigen aber, ob sie nun von der Raupenform 
oder von einzelnen Theilen des Schmetterlings her- 
genommen wurden, nur die Richtigkeit der Linne 'sehen 
Eintheilung. 

Der nächstfolgende Systematiker, Etienne Geoffroy de 
St. Hilaire, nahm als Grundlage seines Systems die Zahl 
der Füsse und in zweiter Linie die Form der Raupen an. 
Seine 8 Abtheilungen stimmen fast ganz mit Linne überein, 
wie ein vergleichender Blick auf die folgende Darstellung 
zeigen wird ; aber sein System entbehrt der AUgemeinlieit, 
da es nur die europäischen Formen umfasst und daher 
die beiden grossen Familien Heliconii und Danai festivi 
vollkommen fehlen. 

1. Familie. Vierf'üssige [Tetrapi). 

a. Dornraupen und Eckflügler (Urtkae). 

h. Dornraupen und Pundflügler (Adippe). 

c. Dornlose Baupen. Vorderfiisse sehr hurz. ßtaeraj. 



SYSTEMATIK. 



•S. Familie. Sechsfüssler (Hexapi). 

a. Grosse Schmetterlinge (Machaon). 
h. Kleine ^ (ßetulae). 

C. Argusfalter fPhlaeaa, Bubi). 

d. Estrojjes (Comma, Malvarwm). 

e. Weisslinge (Napl, Blmmni, Hyah). 

Einen weiteren Fortscliritt in der Systematik finden wir 
'dagegen schon bei Fabricius, einem der bedeutendsten nach- 
linneischen Entomologen. Er folgte in seiner Mantissa zu- 
nächst noch deraltenLinne' schenEintheilimg,aberin seinem 
Sy st ema Glossatarum, welches die ganzen Schmetterlinge 
imifassen sollte, indessen unvollendet bheb, und uns nur durch 
eine kurzelJbersicht in Illiger's Magazin 1807 erhalten ist, 
fasste er den Genusbegriff viel schärfer auf und theilte die 
■Linne' sehe GattungPapiho allein in 41 neue Genera,bei deren 
Unterscheidung er sich hauptsächlich aufPühler und Palpen, 
seltener auf die Vorderfüsse stützte. Die Diagnosen von 
Fabricius sind kurz, häufig überraschend genau, daher auch 
.jetzt noch eine grosse Menge seiner Genera, wenn auch nicht 
immer in ursprünglicher Fassung, aufrecht gehalten werden. 

Unter den Nachfolgern Fabricius' ragt Latreille durch 
'die Grossartigkeit seiner Natui'auffassung, durch die immense 
-Beherrschung des ganzen Insektenreiches vor allen übrigen 
-hervor. Die FamiUen- und Gattungsbegriffe wurden von 
ihm noch schärfer ausgebildet und zur Diagnose benutzte 
•er nicht allein die bereits bekannten Charaktere, sondern 
^auch die Raupen- und Puppenform. 

Bei Latreille finden wir zum ersten male die Bezeich- 
nung Diurna (für die ursprüngheh Linne'sche Gattung 
-Papilio), denen er die Grepusc larien imd Noctue gegen- 
'überstellte und sie als Familienbegriife auffasste. 

Diese theilte er dann weiter in Tribus, von denen die 
■Diurnen zwei enthalten : Papilio nid eii und Hesperiden. 

Folgendes ist eine kurze Darstellung seines Systems, wel- 

■ ches wir nur in der ersten Familie weiter verfolgen, da die Cre- 

.puscularien und Noctuen ausserhalb unseres Rahmens liegen. 

Faiii. 1. Diurna (Linne's genus Papilio). 

Trib. 1. Papilionidae. 

I. Raupen länglich, fast cylindrisch. 
1. Puppen am Schwanz und durch 

einen Querfaden befestigt. 
Ä. Innenrand der Htß. ausge- 
schnitten, Klauen einfach . . 1. Papilio, 

2. Parnassius, 

3. Thais. 
B. Innenrand nicht ausgeschnit- 
ten und sich über den Bauch, 
erstreckend. Klauen einfach 

oder 2spaltig 4. Golias, 

5. Pieris. 
~2. Pupp)en am Schwanz aufgehängt. 

A. Alle Füsse beim 5 ähnlich, 
die beiden vorderen beim O 

kurz 6. LihytJiea. 

B. Die Vorderfüsse in beiden 
Geschlechtern sehr kurz. 

a. Klauen einfach. 

* Palpen sehr von einan- 
der entfernt. 

f Palpen nicht über den 
Kop>f hervorragend . . 7. Danais, 
8. Idea. 



ff Palpen deutlich her- 
vorragend 9. Heliconia, 

10. Acraea. 
** Palpen genähert . . 11. Gethosia. 
b. Klauen zweispaltig. 

* Palpen wenig zusam- 
mengedrückt. Discoidal- 
zelle offen 12. Argynnis, 

13. Vanessa, 

14. Biblis, 

13. Nymphalis. 
** Palpen sehr zusammen- 
gedrückt. Discoidalzelle 
der Htß. geschlossen . . IG. Morpho, 

17. Brassolis, 

18. Satyr US. 
IL Raupen eirund oder asselfOrmig. 

1. Vorderfüsse sehr kurz . . . 19. Erycina. 

2. Alle Füsse von gleicher Form 20. Myrina, 

21. Polyommatus. 
Trib. 2. Hesperidae. . . . 22. Hesperia, 

23. Urania. 

Die Charaktere keimten hier nur ganz kurz angegeben 
werden; sie sind in seinem System, welches Latreille 
zuerst in den „Genera Crustaceorum et Insectorum" 
1806 — 09 veröffenthchte, sehr weitläufig und genau gehalten 
und eine getreue Wiedergabe würde die Übersicht er- 
schweren. In der folgenden Zeit brachte Latreille noch 
mehrere Verbesserungen an, ohne die Grundeintheilung 
zu verändern und gab noch zweimal, 1825 in seinen 
„Familles naturelles du Regne animal" und 1829 
in Cuvier's „Regne animal" eine Übersicht derselbea. 

Unsere heutigen Kenntnisse von der Struktur vieler Arten 
haben manche Latreille'schen Charaktere als unrichtig 
erwiesen. Auffallend ist die Annahme von zweispaltigen 
Klauen bei Argynnis, Vanessa, Bibhs, Morpho und Bras- 
solis etc., welche keineswegs solche, sondern nur einfache 
besitzen; auch die offene Htfl.-Zelle bei Morpho ist 
Latreille entgangen, wodurch sich diese Gattung von 
Brassolis unterscheidet. 

Im allgemeinen sind auch heute noch die Latreille'- 
schen Gattungen, soweit sie nicht bereits von Fabricius 
aufgestellt waren, in voller Gültigkeit. Die vielfachen 
Neuentdeckungen von Arten haben eine mannigfache Ab- 
trennung in neue Genera bewirkt, während der Stamm 
mit den Latreille'schen Typen noch den alten Namen trägt. 

Der nächste Autor, welchen wir erwähnen, ist der 
Schwede Dalman und sein System ist desshalb so wichtig, 
weil hier zum ersten male und mit vielem Glück auf das 
Flügel-Geäder Rücksicht genommen wird. Es ist in den 
Grundzügen dem Latreille'schen ähnlich. Er theilte die 
Diurnen zunächst in zwei grossere Familien, deren erste 
(die Latreille'schen Papilioniden) aber nach den Füssen 
in 2 Abtheilungen getrennt ist: Vier- und Sechsfüssige, 
von denen die erstere 5 Genera: Limenitis, Aglais, Ar- 
gi/nnis, Melitaea, Erebia, die letztere aber 4 Genera: 
Aiiiuryssus (P. Machaon), Doritis, Ganoris und Zephyrius 
enthält, während seine zweite Familie uur aus Hesperia 
allein gebildet ist. 

Auch Godart und nach ihm Duponchel benutzten 
unabhängig von Dalman das Geäder zur genaueren 
Charakteristik der Genera, und dem ersteren verdanken 



SYSTEMATIK. 



■ys'ir hauptsi'chlieh den Hinweis auf die aufgeblasenen 
Costalnerven der Satp-iden und der Bibüden, welche für 
die spätere Trennung von so grosser Wichtigkeit wurden. 

Inzwischen war die Entomologie auch in Deutschland 
zu hoher Blüthe gelangt und hatte eifrige Förderer 
gefunden, unter denen wir namentlich die beiden Wiener 
Lehrer Denis und SchiffermUller nennen, welche haupt- 
sächlich durch eifriges Erforschen der Jugendstände viel 
zur Kenntniss der Schmetterlingswelt, speciell der Wiener 
Gegend, beitrugen und ihr darauf gegründetes System, 
welches kurz als „Wiener Verzeichni ss" bekannt 
ist, noch zu Linne's Lebzeiten 1876 veröffentlichten. Li 
gleichem Sinne, aber das ganze europäische Faunengebiet 
umfassend, arbeitete Ochsenheimer und nach dessem Tode 
Treitscke, deren zahlreiche Beobachtungen in ihrem 
ausgezeichneten Werke über die „Europäischen 
Schmetterlinge" (1807— 1836) niedergelegt und für 
alle späteren Bearbeitimgen grundlegend geblieben sind. 
Auch ihr System beruht im wesentlichen, was die Tag- 
schmetterlinge betrifft, auf der Raupenform. 

Zu gleicher Zeit erschienen auch die Abbildungen 
der europäischenund exotischen Schmetter- 
linge von Jacob Hühner und wenn auch der Vorzug 
seiner Werke mehr in der künstlerischen Ausführung als 
in ihrer systematischen Behandlung liegt, so werden sie 
doch stets ein Denkmal deutschen Fleisses bleiben 
und Uiren Werth behalten. Rabner stellte eine grosse 
Menge neuer Genera auf und oft mit überraschendem 
Scharfblick trennte er bereits die Gattungen, ohne sie 
indessen wissenschaftlich zu begründen. In diesem Mangel 
liegt die schwächste Stelle seiner Arbeiten imd hat lange 
Zeit eine gerechte Würdigung derselben verzögert. 

Wir dürfen bei dieser Gelegenheit eines andern Natur- 
forschers, des Engländers Tlorsfield, nicht vergessen, 
welcher die exacte Forschungsmethode von Denis und 
Schiffermüller auf einen Theil der Exoten anwandte und 
während eines längeren Zeitraumes auf Java die Ver- 
wandlungsgeschichte vieler dort heimischen Schmetterlinge 
studirte. Diese auch heute noch als classisch geltenden 
Untersuchungen sind in dem berühmten „C atalog of 
the Lepidopter. Insects in the East-India 
Museum" niedergelegt und enthalten die Abbildungen 
der Raupen von über 100 exotischen Tag-Schmetterlingen. 
Sein System ist ein so merkwürdiges und von allen 
bisherigen abweichendes, dass wir es kurz anführen. Es 
kann als Ausdruck jener eigenthümlichen naturphilosophi- 
schen Richtung gelten, welche auch von Oheii in Deutsch- 
land verfolgt wurde rmd die sich im wesentlichen auf die 
Annahme gründet, dass die Natur in jeder grösseren 
Klasse die Formen der anderen wiederholt. Die Tag- 
Schmetterlinge wurden nach der Raupenform in 5 grössere 
Abtheilungen getheilt, und diese nach der Ähnlichkeit 
mit anderen Thierklassen genannt. Diese sind : die 
Vermiformes , die Juliformes, 8coloj>endriformes, Tliy- 
snnKriformes und Anopluriformes. 

Dieses System ist, ausser vonHorsfield selbst, wohl 
kaum von einem andern Naturforscher angenommen worden 
und es zeigt deutlich, dass die Charaktere, wenn sie nur 
von einer Seite hergenommen werden, stets zu einem 
künstlichen, unnatürlichen System führen müssen. Hier 
finden sich Satp-iden mit Nymphalis und Apatura einer- 
seits vereinigt, anderseits Danais und ArgjTinis, also 



Formen, welche systematisch ausserordenthch weit aus- 
einanderstehen, während nahe verwandte Gattungen wie 
Prothoe und Nymphalis weit getrennt sind. 

Für die Systematik von grösstor Bedeutung waren 
dagegen die Arbeiten Boisduval's, dessen darauf bezüg- 
liches Hauptwerk, die 1836 erschienenen und leider un- 
vollendet gebliebenen Species General des Lepi- 
dopter es, die Grundzüge seines Systems enthalten. Seine 
Methode gründet sich zum Theil auf die Raupenform, 
zum Theil auf das vollkommene Insekt und baut sich 
auf das Latreille'sche System auf, doch verwarf er die. 
ursprünglichen 8 Haupteintheilungen Linne's, die von 
Latreille genannten Diurnen,Crepuscularien undNoctumen 
und theilte sämmtliche Schmetterlinge nach ihrer Fühler-, 
bildung zunächst in 2 grosse Hauptabtheilungen, deren 
erster, die Diumen umfassend, er den bereits von Dumeril 
angewendeten Namen Rliopalocei-en gab und ihnen die. 
Htteroceren entgegenstellte, welche die Latreille'schen 
Crepuscularien und sämmtliche Noctumen enthielten. Die 
Rhojjaloceren, diejenige Gruppe, welche für uns allein in. 
Betracht kommt, theilte er dann nach Art der Puppen-, 
bildung in 3 Sectionen : 

1) solche, welche am Schwanz und durch einen 
Querfaden befestigt sind, Succincti, 

2) solche, w"elche einfach am Schwanzende auf-, 
gehängt sind, Susjpe'isi, und 

8) solche, welche ein Cocon bilden — Incoluti. 

Jede dieser Sectionen theilte er dann in tribus, deren. 
Charaktere sowohl von der Raupe, als vom vollkommenen. 
Insekt hergenommen werden. Unter den letzteren werden 
die Füsse und Palpen bevorzugt. Zur weiteren Fest'-. 
Stellung der Genera wird das Geäder, die Form der- 
Fühler, Füsse, Palpen, Brust, Flügel, ja in einigen Fällen 
auch die Zeichnung des Schmetterlings herangezogen. 

Wir geben in folgendem eine kurze Darstellimg des. 
Boisduval'&chen Systems, da es für lange Zeit mass-. 
gebend war. 

Rhopalocei'es : 

Sect. 1. Succincti. 
Puppe am Schwanz und durch einen 
Querfaden in Form eines 
Gürtels hefcsticji. 
A. Sechs Fasse in beiden Geschlech- 
tern. Baiipen verlängert 



■ B. Sechs Füsse in beiden Geschlech- 
tern. B.aupen sehr verkürzt . 

G. Vier Füsse beim Q. beinahe 
immer sechs Füsse beim '^■ 
Baupien abgeliürzt 

D. Vier Füsse i i beiden Geschlech- 
ter.-. Baupen verlängert 

Sect. 2. S u s p e n E 

Puppie einfach am Schwanz auf- 
gehängt. Antennen sehr ge- 
nähert und beinahe a i ihrer 
Basis zusammenstehend. 
a. Tarsus-Klauen einfach . 



Papilioniden. 
Pieriden. 

Euineni'len. 
Ljcaeniden. 



Eryciniden. 
Peridromiden. 



Banaiden. 
Heliconiden. 



SYSTEMATIK. 



b. Tarsns-Klaueji stark 2tlieil!g 0. Nymplialiden. 

10. Brassoliden. 

11. MorjjJiideii. 

12. Sattiriden. 

13. BihUden. 
E. Vier Fiis.'se heim O , sechs beim. ^. 

Baupen verlängert 14. Lihiftliiden. 

Sect. ä. Involuti. 
Pvi^pe in einem Cocon eiirgeschlossci. 
Antennen von ihrer Basis 
weit entfernt. 
F. Sechs Füsse in beiden Geschlech- 
tern. Bavpen mit eingeschnür- 
tem Hals 15. He.^)eri]en. 

Auch das Boisduvarsclie System ist trotz seiner un- 
zweifelhaft grossen Vorzüge verlassen, seit durch genauere 
Kenntniss der Jugendzustände und der Structurorgane des 
vollkommenen Insekts manche falschen Auffassungen ver- 
bessert werden konnten. Zuerst waren es die Peridro- 
miden, welche aus den Succincti entfernt und in die 
Nymphaliden gereiht wurden, nachdem Bates entdeckt 
hatte, dass die Latreille' sehen Beobachtungen über ihre 
Puppenverwandlnng irrig waren. Des ferneren wurden 
die Eumeniden und Lycaenen vereinigt und zu der Klasse 
mit unvollkommenen männlichen Vorderfüssen gestellt. 

Boisduval veröffentlichte seine „Species General" im 
Jahre 1836, aber dieses Werk blieb leider unvollendet 
und nur die beiden ersten Familien der Ehopaloceren 
und Heteroceren wurden von ihm herausgegeben. Viele 
seiner Genera sind nur durch Manuscriptnamen ohne 
Diagnose bekannt geworden und erst von späteren 
Forschern genau umschrieber. Die classische Behandlung 
der Papilionen und Pieriden, der einzigen Familien, welche 
wir von ihm besitzen, lässt es tief bedauern, dass der 
Verfasser nie die Zeit gefunden hat, bis zu seinem 1879 
erfolgten Tode dieses grossartig angelegte Werk zu vollenden. 

Um so erfrevdicher ist es, dass wir in jener Zeit bald 
darauf ein "Werk erhielten, welches einen vollkommenen 
Ersatz, wenn auch nach anderer Richtung hin darbot. 
Dies sind die berühmten „Genera of the Diurnal 
Lepidoptera" von DmMedaj/, ein Werk von so grossem 
Fleisse und von so genauer Beobachtimgsgabe, dass es 
noch für lange Zeiten ein Vorbild für alle systematischen 
Darstellungen bleiben wrd. Doubleday war es leider; 
nicht vergönnt, diese Arbeit zu vollenden ; sie wurde nach 
seinem frühen Tode in gleichem Sinne von Westwood 
weiter fortgeführt. Hewitson gab nur die Figuren dazu. 
In diesem classischen Werke finden wir zum ersten male 
bei den Tagschmetterlingen die Genera, wie sie bis dahin 
bekannt geworden oder durch die minutiösen Unter- 
suchungen sich ergaben, in genauer Weise diagnosticirt 
(in fast zu genauer) und daran anschliessend eine Auf- 
zählung aller damals bekannten Arten, so dass es zugleich 
als ein Catalog der gesammten zu jener Zeit bekannten 
Tag-Schmetterlinge betrachtet werden kann. Im System 
befolgte Doubleday genau die Boisduval'sche Anord- 
nung, nur dass er die Eumeniden mit den Lycaenen ver- 
band und die Acraeen, welche bei Boisduval noch mit 
den Heliconiern vereinigt waren, von diesen als eigene 
Familie abtrennte. 

Doubleday' s Werk kann als der Markstein einer 



Periode gelten, welche sich weniger durch abschliessende 
Resultate, als durch emsiges Sammeln von Thatsachen 
auszeichnete. In diese Zeit fielen auch die beiden epoche- 
machenden Reisen von Ä. R. Wallace wnA Bates, und die 
Novara-Expedition. Der hiedurch plötzlich entstandene un- 
geheure Zuwachs an Material, vornehmlich aber die aus- 
gezeichneten Beobachtimgen von Bates waren es, welche: 
der Systematik mit einem Schlage ein ganz verändertes: 
Ansehen gaben. 

Bates' System. Bates veröffentlichte die Grundlagen 
seines Systems in dem Journal o f Entomologie 
1865 und 1866, nachdem er vorher die Resultate seiner 
Beobachtungen in verschiedenen Abhandlungen bekannt 
gemacht. Unter diesen ist es hauptsächlich die Puppen- 
bildung der Agero".iien, die Trennung der Helioonier in 2 
grössere Abtheilungen : in die ächten oder Acraeid-Heliconier 
und die Danaid-Heliconier, und die bessere Umgrenzung der 
Erioyniden, welche für die Systematik eine specielle Bedeutung 
hatten. Er nimmt nach der Fussbildung des vollkommenen 
Insekts 5 grössere Familien an, welche er dann weiter- 
nach verschiedenen Merkmalen in Unterfamilien theilte,, 
die den B eis du val' sehen Familien fast ganz entsprechen. 
Diese Familien sind kurz folgende : 

Fam. 1. Nymplialidae. 

Torderfüsse in beiden Geschlechtern unvollkommen,, 
beim ^ die Tarsalklauen fehlend, beim o die 
Vordertarsen rudimentär, aus 1 oder 2 dornlosen 
Gliedern bestehend. Puppe frei am Schwanzende 
aufgehängt. 

a. Untere Discocellularader im. Htß. vollkommen. 

subfa/n. 1. Danainae. 
„ 2. Satyrinae. 
„ 3. Brassolinae. 
„ 4. Acraeinas. 
„ 5. Heliconinae. 

b. Untere Discocellularader, im Htfl. irenigstens, mehr 
oder iveniger verkümmert. 

subfam. 6. Nymphalinae. 
Fam. 2. E r y c i u 1 d a e. 

Sechs vollkommene Füsse beim ^, vier beim O, die 

Vordertarsen mir aus 1 oder 2 Gliedern bestehend 

und dornlo.s: 

subfam. 1. Libytheinae. 
„ 2. Stalachtinae. 
„ 3. Erycininae. 

Fam. 3. Lycaenidae. 

Sechs vollkommene Füsse beim ^, vier beim O j an. 
den Vordertarsen entweder eine oder beide Tarsal- 
Klauen fehlend, aber unterseits dicht bedornt. Puppe 
am. Schicanz und durch einen Querfaden, befestigt. 

Fam. 4. P a p i 1 i o 11 i d a e. 

Sechs vollkommene Füsse in beiden Geschlechtern.. 
Pujrpeam Schwanz und durch einen Querfaden befestigt.. 

subfam. 1. Pierinae. 
„ 2. Papilioninae. 

Fam. 5. H e s p e r i d a e. 

Sechs vollkommene Füsse in beiden Geschlechtern. 
Hintertibien mit 2 Spornpaaren. Puppe mit mehreren 
Fäden befestigt, oder in einem losen Cocon liegend- 



'6 



SYSTEMATIK. 



Bates' System zeichnet sich zunächst durch eine lichtvolle 
Gruppiiung aus und trügt in ausgezeichneter Weise den Ver- 
wandtschaften der einzelnen Familien Rechnung. Auch ist der 
Werth derselbenjiatürlicher ausgedrückt, als in jedem anderen 
System, so dass wir es als den vollkommensten Ausdruck 
einer natürlichen Anordnung betrachten können. Die Ein- 
ziehung der Ageronien, desgleichen der liibliden und 
-Eiimeniden und die Vereinigung der Morphiden mit den 
-Nymphajiden sind die hauptsächlichsten äusserlichen 
Unteischiede von Boisduyal's System. In der Auffassung 
•des Familienbegriffes geht Bat es einen ScWtt weiter, 
indem er nach der Fussbildung zunächst 5 grosse Haupt- 
femihen annimmt und diese in Unterfamilien theilt, 
"wähi'end Boisduval für seine 3 grösseren Abtheilungen 
als Unterscheidungsmerkmal die Befestigung der Puppe 
■wählte. 

Das Bates'sche System kann als der Abschluss der 
an Entdeckungen reichsten Epoche der wissenschafthchen 
Lepidopte; oll gie gelten, und wenn wir hiomitunserehistorische 
Darstellung schliessen könnten, so wollen wir der Voll- 
ständigkeit wegen noch km-z die Arbeiten der Gebr. 
Speyer, sowie Felders und Herricli- Schaff er s erwähnen, 
welche nicht wenig dazu beitrugen, die Ansichten zu 
klären und das Verständniss zu erweitern. Die Gebr. 
■Speyer zeigten (und unabhängig von ihnen liorsfield, 
■welcher eine ähnliche Beobachtung bereits 1822 gemacht 
liatte), dass die männlichen Vorderfüsse der Lycaenen 
■durchaus nicht den vollkommenen Bau besitzen, wie man 
bisher angenommen, sondern dass sie in eigenthümlicher 
"Weise verändert, bezw. verkümmert, wenn auch nicht so 
weit wie die der Nymphalidcn sind. Felder trennte zuerst 
die sog. Danaid-Hehconier von den ächten Heliconiern 
und vereinigte sie mit den Danaiden selbst, ein Arrangement, 
welches fast allgemein angenommen wurde. "Weniger 
erfolgreich waren die Bemühungen Herrich- ScM ff ei-'s, die 
letzte Familie wieder zu trennen und den grössten Theil 
derselben, sowie auch die Acraeen mit den Hehconiern zu 
Tere'nsn. Auch seine beiden aus den Satyriden neu auf- 
gestellten Familien : die Rhagadinen und Haeterinen wurden 
von keinem späteren Autor anerkannt, imd was seine 
Bünen und Elymniinen betrifft, (welche nur die Gat- 
tung Elymnias der Boisduval'sohen Bibliden begriif), 
so Averden sie jetzt allgemein zu den Satyriden gerechnet. 

"Was nun das System betrifft, dessen wir uns bei der 
folgenden Darstellung bedienen, so ist es im wesentlichen 
das i?afes'sche, welches wir soeben genauer besprochen 
'haben. Die einzige grössere Veränderung, welche wü- 
■darin vorgenommen, und von der wir glauben, dass sie 
vielleicht den Beifall der Entomologen finden wird, ist die 
Erhöhung der Bat es' sehen sog. Danaid-Heliconier zum 
Range einer eigenen Famihe, welche wir ilu'es Vor- 
konunens wegen „Neotropiden" nannten. Die "Wieder- 
herstellung der Morphiden im Sinne Boisduval's kann 
kaum als ein Rückschritt bezeichnet werden, da die Ver- 
einigung derselben mit den Nymphaliden- wohl nirgends 



angenommen worden ist. Nur in einem Punkte sind wir 
von Bates abgewichen, indem wir die Papilionen m die 
Spitze stellten, und dies-'n die Pieriden und in weiterer 
Folge die Familien anreihten, welche Bates unter dem 
Collectivnnmen „Nymphaliden" begriff. Dieses Arrangement 
ist ganz unwesentlich und berührt die Ilauptzüge der 
Bates'schen Eintheilung in keiner "Weise. Schon Bates 
sagt in der Einleitung zu seinem System (.Journ. of En- 
tomologie I. pag. 218): „Es mag von geringerer "Wichtig- 
keit sein, in welcher Reihenfolge eine Zahl natürlicher 
Familien in einem beschreibendon "Werke behando't wird; 
aber es ist nüthig, dass klare und correcte Ideen von ihrer 
wahren Verwandtschaft zu einander so weit als möglich 
sollten erworben werden." 

Wir glauben, dass die Danaiden in gewisser Richtung 
näher zu den Pieriden verwandt sind, als zu einer andern 
Famihe, — anderseits haben wir aber auch eine ähnliche 
Verwandtschaft der Lycaenen und Pieriden zu con- 
statiren. Da es nun nicht möglich ist , zu gleicher 
Zeit diese Familien nebeneinander darzustellen, so muss 
noth wendigerweise die eine der andern folgen. Auch 
dürfen wir nicht vergessen, dass die Natur sich nicht ein' 
seitig nach einer Richtung hin entwickelt hat, sondern 
strahlenförmig, und dass eine grosse Zahl verbindender 
Mittelglieder, die zweifellos existirt haben, längst zu Grunde 
gegangen und daher die gegenseitigen Verwandtschafts- 
züge oft verwischt sind. Deshalb sehen wir die Aufgabe 
der Systematik auch weniger darin, die jetzt existu-endcn 
Formen gewaltsam in Reilien von natürlichem Zusammen- 
hang zu pressen, als vielmelir den Spm-on nachzuforschen, 
welche die früheren Voreltern zurückgelassen haben. 

Die Keimfeniss von der geographischen Verbreitung der 
jetzigen Lebewelt und die Schlüsse, welche wir daraus 
auf die Umgestaltung der Erdoberfläche und deren. 
Bewohner in früheren Zeitperioden ziehen können, werden 
daher ein mächtiges und ausgezeichnetes Hülfsmitte! sein, 
diesem idealen Ziele nr.her zu kommen. Eine kurze, 
mehr auf weitere xVnregung berechnete als erschöpfende 
Darstellung der geograjjhischen Verbreitimg der Tag- 
Schmetterlmge wird deshalb dem systematischen Theile 
vorausgehen. 

Die wahre Erkenntniss von der Verwandtschaft der 
einzelnen Formen zu einander wird uns erst dann er- 
schlossen sein, wenn wir die Entwickelungsgeschichte 
jeder einzelnen Alt, vom Ei beginnend bis zu deren 
Vollendung, genau kennen und einen "Überblick haben 
werden von den zahllosen untergegangenen Geschlechtern, 
welche die Erde in früheren Zeitepochen bewohnt haben. 
Aber imsere heutigen Kenntnisse, so mangelhaft sie schon 
in der höheren Thierwelt erscheinen, sind m dieser 
Richtung bei den Schmetterlingen äusserst fragmentarisch. 
Daher wii'd auch jedes System nothwendigerweise unvoll- 
ständig bleiben und nur der Ausdruck von der mehr oder 
minder scharfsinnigen Deutung sein können, welche sein 
Autor den geringen uns erhaltenen Spuren zu geben vermag- 



Greogi-apliisclie "V^ei-ljr-eitxirig: 



der Seh nnetterli nge. 



Obgleich die Schlüsse, welche man aus der Verbreitung 
der Tagschmetterlinge ziehen kann, nicht denselben all- 
gemeinen Werth besitzen, Avie diejenigen, welche sich aus 
der Verbreitung der gesammten Thierwelt ergeben, so 
können sie doch dazu dienen, gewisse Thatsachen zu 
erklären, die ohne genaue Kenntniss dieser ^Verhältnisse 
vollkommen unverständlich wären. Um nur ein Beispiel 
anzuführen, welches speciell für diejenigen Entomologen 
von grossem Werth sein dürfte, welche nur sogenannte 
„Europäer" sammeln, so ist das isolirte Vorkommen von 
Leucophasia, Araschnia, Theola, Nemeobius und anderer 
Gattungen im europäischen Faunengebiet, deren nächste 
Verwandte wir erst in den südamerikanischen Tropen 
antreffen, ganz unbegreiflich, wenn man nicht eine Land- 
verbindung zwischen diesen beiden Erdtheilen annimmt, 
auf welcher die Einwanderung solcher fremdländischen 
Formen vor sich gehen konnte. Und dass dies thatsächlich 
in früheren geologischen Epochen stattgefunden haben 
muss, zeigt nicht nur die fast gleiche nordamerikanische 
und europäische Fauna, sondern auch das Vorkommen rein 
europäischer Formen, wie Argynnis, Colias und Erebia in 
den Hochlanden Chile und Peru's. Dieser gegenseitige Aus- 
tausch ging sicherlich auf emer Landenge, welche jetzt 
von der Behringsstrasse durchbrochen ist, von statten und 
die europäischen Formen, welche meist bergliebend waren, 
wanderten die grossen Gebirgszüge entlang, welche sich 
im Westen Nordamerika's bis nach Centralamerika und 
der grossen Andenkette fortsetzen, bis sie wieder das 
für sie geeignete Klima auf den chilenischen Höhen 
fanden und sich dort in der ursprünghchen Form erhalten 
konnten. Anderseits haben wir in Europa die. oben 
angeführten Gattungen als die letzten Überbleibsel .ur- 
■ sprünglich südamerikanischer Formen zu betrachten, welche 
sich bis in die gemässigte Zone verbreiteten, hier aber nicht 
' entfernt za jener grossen Formversehiedenheit gelangten, 
als wie ihre Verwandten in den üppigen Tropengebieten. 

Diese eine Thatsache zeigt hinreichend, wie wichtig es 
fü'- das allgemeine Verständriss ist, nicht allein die Fauna 
des eigenen Landes, sondern überhaupt der ganzen be- 
wohnten Erde zu kennen, und so geben wir in folgendem 
einen kurzen iJberblick über die sogenannten zoolo- 
gischen Eegionen, und daran anschhessend eine 
allgemeine Schilderung der betreffenden Schmetterlings- 
faunen. 



Zoologische Regionen. 

Die sechs zoologischen Eegionen oder Faunengebiete, 
in welche A. B. Wallace die Erde eintheilt, sind so aus- 
gezeichnet gewählt, dass wir nichts besseres thun können, 
als sie unserer Darstellung zu Grunde zu legen. Die 
Abgrenzung der einzelnen Gebiete ist eine sehr natürliche 
und fällt meistens mit den natürhchen Grenzen der 
Continente zusammen ; nur das europäische Gebiet hat 
eine Ausdehnung auf das 6 — 7 fache erhalten, da es mit 
den ungeheuren Landstrecken des nördlichen und ge- 
mässigten Asiens vereinigt wurde. 

Diese 6 Eegionen sind nun folgende : 



1. Palaearktische Region 

2. Aeihiopische Region 

3. Orientalische Region 

4. Australische Region 

5. Neotropische Region 

6. Nearittische Region 



(Europa, Nord- und MiUel- 

Äsieiif Kordafrika) . 
(Afrika und Madagascaf). 
(Indien, China u. Sunda-Inseln). 
(Australien, ISeu-Guinea u. ma- 
layiscJi. Archij}el, Neuseeland). 
(Südamerika u. tropisches Nord- 

Amciika, Antillen). 
(Nordamerika). 



Jede dieser Eegionen wird noch in 4 Subregionen 
gctheilt, welche aber für unsere Darstellung nur in einigen 
Fällen von besonderer Wichtigkeit sind. Wir werden sie 
daher erst bei der Eegion selbst, wenn nöthig, anführen. 

1. Pal.ieai'ktisclie Region. 

Wir können hier nur in allgemeinen Zügen ein Bild 
dieser ungeheuren Eegion geben, welche nicht allein ganz 
Europa, sondern auch den grössten TheU Asiens und die 
nördlichen Theile Afrikas umfasst. Eäumlich ist sie die 
grösste Eegion der Erde und geht in ihren südlichen 
Grenzen allmälig in die afrikanische einerseits, anderseits 
in die asiatische Fauna über, so dass die Schmetterlinge 
dieser Theile bereits einen halbtropisehen Charakter tragen. 
Im Norden wird sie durch das Meer begrenzt und hängt 
nahe zusammen mit dem westlichen Nordamerika, von 
dem sie nur durch die Behringsstrasse getrennt ist und 
in frülierer Zeit wahrscheinlich mit ihr verbunden war. 

Die Zahl der bekannten Tagschmetterlinge dieser 
grossen Eesion beläuft sich nach den neuesten Schätzungen 



GEOGEAPHISOHE VERBREITUNG. 



auf 5a. 580 Arten, welche sich auf 9 Familien und 
50 Gattungen vertheilen, von denen allein 14 ihr eigen- 
thümlich sind. In dieser Hinsicht überragt sie bei weitem 
die nordamerikanische Region, mit welcher sie stets ver- 
glichen wird und welche ihr auch an Artenzahl fast 
gleich kommt (ca. 505 Arten), unter denen aber kaum 
3 eigenthümliche Gattungen sind. 

Die für die palaearktische Region charakteristischen 
Genera sind : 



Doritis 

Ismene 

Thais 

Luelidvrfin 

Sericinus 

Mesapia 

Davidina 

Leiicojjliasia 

Äraschnia 

Melanarcjia 

Triphysa 

Pulycoina 

Laeosojn's 

Keneohius 



Papilioniden 



Fieriden 

Nymphaliden 
Satyriden 

Lycaenen 
Eryciniden, 



immerhin ein ziemlicher Betrag von Specialität, nament- 
lich unter den Papilioniden, welche die auffallende Arniuth 
an Schmetterlingen in dieser räumlich so grossen Region 
so ziemlich ausgleicht. 

Obwohl die Fauna des ganzen palaearktischen Gebiets 
eine gewisse Gleichmässigkeit zeigt und sich erst ändert, 
wenn man sich semen Grenzen nähert, so wollen wir 
doch gerade hier die sogenannten TJnterregionen etwas 
genauer abhandeln, weil die erste das engere europäische 
Faunengebiet einschliesst und daher das grösste Interesse 
beansprucht. 

a. Europäische Subregion. (Mittel- und Nord-Europa.) 

Diese ist von allen Regionen die bestbekannte, und 
■wird im Süden durch die Pyrenäen, die Alpen, den 
Balkan und die Kaukasuskette begrenzt; im Osten 
durch den Ural und das caspische Meer. Gegen Westen 
und Norden sind die umfluthenden Meere die natürlichen 
Grenzen und hier geht sie allmäh g in die arktische 
Region über. 

Ihr allgemeiner landschaftUcher Charakter ist in glück- 
licher Weise zusammengesetzt durch Höhenzüge und frucht- 
bare Ebenen, welche mit bewaldeten Strecken abwechsehi 
und von zahlreichen Flüssen durchströmt werden, wodurch 
eine grosse Abwechselung hervorgerufen wird, welche für 
dieEntwickelung thierischen Lebens ausserordenthch günstig 
■wirkt und noch dadurch unterstützt wird, dass das Klima 
ein gemässigtes ist. Dieses verdankt Europa zimi grössten 
Theil seinen tief ausgeschnittenen Meeresküsten, wodurch 
ein grosser Theil derselben durch den warmen Golfstrom 
direkt bespült wird. 

Die Tagschmetterhnge dieser Region sind nicht sehr 
zahh-eich und nach dem neuesten Stande der Art-Auf- 
fassung belaufen sie sich auf ungefähr 150—180 Stück, 
also etwa den vierten Theil der Gesammtheit der palaeark- 
tischen Region. Eigenthümhche Gattungen besitzt diese 
Subregion nicht, aber der hervorstechendste Charakter- 
zug ist ein unverhältnissmässiger Reichthum an Satyriden 



und Lycaenen. Wir wollen kurz die FamiHen und Gat-. 
tungen anführen. 

Papiiionen. Ton den 3 hier vorkommenden Gattungen 
besitzt I'dpiUo, deren grösster Reichthum sich erst in 
den Tropen entfaltet, nur 2 Vertreter, den bekannten- 
Machaon und Podahrius, welche sich östhch bis zum 
Altai verbreiten, im Süden aber durch ähnhche Formen 
ersetzt werden. Tliais ist mit 2 Arten, Parnassius mit- 
3 Arten vorhanden, letztere nur auf den alpinen Höhen- 
zügen vorkommend. 

Die Pieriden sind gut vertreten, wenn auch die. 
einzelnen Gattungen nicht zahlreich an Arten sind. Von den 
6 Gattiragen ist Leucophasia der grossen palaearktischen 
Region eigenthümlich, Phyllocliaris und AnthocJiaris sind 
2 der ganzen gemässigten Zone (also auch Nord- Amerika) 
angehörende Genera, die aber besser in der mittel- 
ländischen Fauna entwickelt sind, während Pieris, Colias 
und Rhodocera, drei dm-chaus cosmopolitische Gattungen, 
welche sowohl in den Tropenzonen als auch in der ge- 
mässigten gleich vorkommen, hier mit je einigen Arten, 
vertreten sind, von denen die der Gattung Pieris durch, 
ihre grosse Individuenzahl oft zur förmlichen Landplage, 
viärd. 

Von den Lycaenen haben wir Lycaena imd Polyom^ 
matus sehr gut entwickelt, denn von ersterer sind gegen 
40 Arten, von letzterer 8 als Bewohner bekannt. Von 
den ächten Theclen besitzen wir nur 6 Arten, ein geringer 
Theil im Vergleich zu der imgeheuren Zahl, welche die 
amerikanische und speciell die tropische südamerikanische . 
Fauna entwckelt. Von den übrigen Gattungen ist nur 
noch Zepliyrus durch 2 Arter, die Z. Quercus und Betulae, 
vertreten. 

Die beiden Familien Libytheiden und Eryciniden, 
finden wir nur in je 1 Art wieder; bei der letzteren. 
Familie haben wir dasselbe Verhältniss zu constatiren, 
wie bei Thecla, da hier nur 1 Art der so grossartig in. 
den südamerikanischen Tropen entwickelten Famihe vor- . 
konmit. 

Nymphaliden. Die grosse Nymphahden-Familie hat 
8 Gattungen, aber für diese Unterregion keine eigenthüm- 
hche, wohl aber ist dies der Fall mit der grossen palaeark-. 
tischen Region selbst, auf welche die Gattung Äraschnia*) 
alleüi beschränkt ist. Die Vanessen ( Vanessa, Grajjta und ; 
Pyrameis) die ArgyiiDiden(Argynnis,B7-enthis vmi Melitaea), 
beide hauptsächhch der gemässigten Zone angehörend, 
sind zahlreich vertreten und es fallen namentlich die 
Vanessen durch üire Schönheit auf, welche den tropischen 
Verwandten in keiner Weise nachstehen. Die Gattungen 
Limenitis (3 Arten), Äpatura (2 Arten) und Neptis 
(2 Ai-ten) gehören mehr den östlichen Tropen an, und 
entsenden hier ihre letzten Ausläufer, ebenso wie Charaxes, 
dessen Hauptgebiet Africa ist und der die südlichen Grenzen 
unserer Region nur eben mit dem bekannten Ch. Jasius. 
berührt. 

Die Satyriden sind verhältnissmässig ebenso zahlreich 
•wie die vorhergehenden vertreten, da wir hier 6 Genera, 
finden, von denen zwar keines dem speciellen europäischen. 



■•*) Araselinia steht in den meisten europäiselien Faunen noch 
als Vanessa, ist aber geneiiseh scliaif von dieser getrennt. liire, 
nächsten Verwandten finden uir erst im tropischen Siid-Amerilia,. 
unter der Galfung Phyciodes und Coatlantona. 



GEOGRAPHISCHE VEEBßEITüNG. 



Gebiete, wohl aber 2 Gattungen (Melaiuiiyia und Trijyhjsa) 
der grossen palaeavktischen Zone eigenthümlich sind. Von 
den übrigen Genera sind namentlich Sntyrus, Fararge, 
Epinephele und Coenonympha gut entwickelt und tragen 
sehr -viel zur Charakteristik der europäischen Schmetterlings- 
fauna bei. Die Erebien sind namentlich auf den Alpen 
in grosser Artenzahl vorhanden und die Gattung Oeneis 
(Chionobas), welche überhaupt eine polare ist, findet sich 
nicht allein in den nördlichen Theilen Europas, sondern 
auch in einer Art auf den Schweizer Alpen wieder. 

In der letzten Pamihe, den Hesperiden, haben wir 
nur einige 20 Arten auf 6 Gattungen vertheilt, welche 
kaum eine Vorstellung von dem ungeheuren Reichthum 
geben, den diese FamiUe in den Tropen entwickelt. Es 
sind Spilothyrus (Erynnis) [die einzige Hesperiden-Gattung, 
welche dem palaearktischen Gebiet fast eigenthümlich ist, 
aber eine Art kommt zufälligerweise auch in Mexico, 
eine andere in Japan vor], Hesperia (Syrichthus), Niso- 
niades, Thifmelicus, Cyclopidea und Carterocephalus. 

b. Mittelländische Subregion. 

Diese Subregion umfasst das ganze südliche Europa 
von den Abhängen der Pyrenäen, der Alpen, des Balkans 
bis zum Kaukasus. Sie umschliesst alle Länder des mittel- 
ländischen Meeres und sogar den nördlichen Theil Afrikas, 
die nördliche Hälfte Arabiens und Persiens bis zu dem 
Laufe des Indus. Ihr vorwiegender Charakter ist ein 
bergiges Hochland, welches sich in dem östlichen Theil 
bis 1500 Meter erhebt; aber durch die Cultur des 
Menschen sind viele der ursprünglichen Wälder zerstört 
und diese Theile zeigen daher einen fast wüstenai-tigen 
Charakter. Wo aber durch Flussläufe der Mangel an 
Wasser ersetzt ist, erhebt sich die Vegetation zu einer 
grossen Üppigkeit und die Lage des Landstriches bringt 
es mit sich, dass ein ewiger Frühling hier herrscht. 

Zu dieser Region rechnet man auch noch die canarischen 
Inseln, sowie Madeira und die Azoren, welch letztere, 
obwohl gegen 1000 Seemeilen vom Pestlande entfernt, 
dennoch mit ihm unverkennbar sowohl in Fauna als 
Flora verwandt sind. 

Für diese Region charakteristisch sind Thais und Dori- 
tis, die erstere schon die europäische Subregion streifend 
und Doritis nur in Ost-Europa und Klein-Asien verbreitet. 
Auch finden sich einige neue Papilionen, namentlich ein 
interessantes Mittelglied zwischen dem langgeschwänzten 
Podalirius und Machaon, der bekannte Alcranor. Unter 
den Pieriden tritt Zegris als charakteristisch auf, wenn 
auch nicht als durchaus eigenthümlich, da eine Art in 
Nord- Amerika gefunden ward, und Phyllocharis und 
Anthocharis erreichen hier den Höhepunkt ihrer Ent- 
vyickelung. Auch sendet die rein tropische Gattung 
Idmais einen Ausläufer bis in dieses Gebiet. Von den 
Danaiden tritt nur der bekannte D. Chrysippus als neuer 
Bürger der Subregion auf. Auffallend ist die geringe 
Zunahme der Arten und Gattungen bei den Nymphaliden. 
Wir haben hier nur die neue Gattung Thaleropis (eine 
Art Schillerfalter) aus Klein-Asien, einige neue Arten von 
Vanessa (v. Callirhoe von den canarischen Inseln) und 
Argynnis zu erwähnen. Unter den Satyriden erreicht 
Melanargia hier ihre höchste Entwickelung und neue 
Arten von Pararqe, Epinejpliele, Coenonympha und Satyrus 
ersetzen die europäischen Formen. Die indische Gattung 



Yßhthima beti'itt in einigen wenigen Arten die südöstlichste 
Grenze des Gebiets. In der Familie der Lycaenen hin- 
gegen haben wir Thestor, Polycaena und Laeosopis als 
neue Gattungen und durchaus eigenthümlich, das afrika- 
nische Genus Aphnaeus mit einigen Arten und die be- 
trächtliche Vermehrung von Lycaena, Polyommatus imd 
Thecla an Ai'ten zu constatiren. 

In der letzten Familie, den Hesperiden, finden wir 
keinen Ziiwachs an neuen Gattungen, sondern nur eine 
Vermehrung europäischer Formen, namentlich von Kiso- 
nmdes, Hesperia (Syrichthus) und Thymelicus. 

c. Sibirische Region und Amur-Gebiet. 

Dieser ungeheure Landcomplex zeigt einen durchaus 
verschiedenen Charakter in seinen einzelnen Theilen, der 
sich aus hohen Gebirgszügen, immensen ausgedehnten 
Wäldern, Weideländern und trostlosen Wüsten neben an- 
nnithigen Thälern zusammensetzt. Im Süden grenzt er 
unmittelbar an die Himalaya- Kette der indischen Region und 
hier ist die Schmetterlingsfauna schon stark mit orien- 
talischen Arten gemischt. Im allgemeinen trägt aber die 
Thierwelt einen durchaus europäischen Charakter. 

Neue und diesem Gebiet eigenthümliche Gattungen sind 
nur Hyperinnestra, Triphysa und Luehdorfia mit je einer 
Art, die erstere in Persien und am caspischen Meere fliegend, 
die andere auf den Altai und Ost-Sibirien beschränkt, 
Luehdorfia, erst neuerdings- entdeckt, gehört speciell 
dem östlichen Amurgebiet an. Aber wir finden von den 
europäischen Gattungen eine Menge neuer Arten, von 
denen wir nur im allgemeinen berichten können. 

Bei den Papilionen treten noch der schöne Xuthus, 
die fast tropische Form Maackii (mit ihrer FrühUngs- 
generation Baddei) am Amurgebiet auf Diese letztere 
gehört der farbenprächtigen Porw-Gruppe an, welche in 
dem Himalaya-Gebiet ihre höchste Ausdehnung gewinnt. 
Die Parnassier sind auf den alpinen Höhenzügen in 
grosser Mehrzahl mit einer Menge prächtiger Arten ver- 
treten, so dass sie gerade für diese Region speciell 
charakteristisch erscheinen. Dasselbe gilt auch für die 
Pieriden- Gattung Colias, welche hier zu den grössten und 
farbenprächtigsten Ai-ten entwickelt ist. Von den Lycaenen 
ist es hauptsächlich Zephyrus, welche sich hier an Arten 
vermehrt mid bereits einen tropischen Charakter annimmt, 
wie die grünglänzende /S;«(7r<7(/rf«9ja und Taxila. Die Gattung 
Lycaena selbst ist nicht sehr specialisirt im Vergleich zu der 
grossen Menge an Arten, welche schon Europa enthält; die 
meisten sind europäische Formen, welche bis hier vordringen, 
nur 9 — 10 neue Arten finden wir als solche verzeichnet. Die 
europäischen Nymphalide n-Gattun gen L im enitis xmANeptis 
dagegen zeigen eine bedeutende Zunahme an Ai-ten, da 
diese ja hauptsächhch im tropischen Indien entwickelt 
und die Europäer als die letzten Ausläufer in westlicher 
Richtung zu betrachten sind. Es treten sogar einige wirkhch 
tropische Gattungen in dieses Gebiet ein, wie Euripus 
mit der schönen grossen E. Schrenkii. Von den Neptis- 
Arten ist die merkwürdigste die N. Baddei, von. 
einer von den zahlreichen andern Arten ganz ver- 
schiedenen Foi-m und Flügelzeichnung. Die grossen,, 
der o-emässigten Zone angehörenden Gattungen Vanessa 
(Grapta und Pyrameis), Melitaea und Argynnis sind hier 
meist durch rein europäische Formen vertreten. Sie zeigen 
nur eine ganz geringe Zunahme an neuen eigenthüm- 



10 



GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



liehen Arten. Unter diesen ist die Arg. Sagana mit dem 
so abweichend gefärbten ^ wohl die interessanteste. Den- 
selben Charakter zeigen auch die Satyriden: die meisten 
em'opäischen Gattungen sind über das grosse. Gebiet ver- 
breitet, mit Ausnahme solcher wie Melanargia, welche 
ilire Heimath mehr in der mittelländischen Zone besitzen; 
die alpinen Erebien und arktischen Oeneis werden ebenso 
auf dem Höhenzuge des Urals und Altai wiedergefunden, 
aber doch nicht in so auffallender Menge, wie auf den 
alpinen Gebirgen Europas und nur in wenigen eigenthüm- 
lichen Arten. Die grossen Gattungen Safi/rus, Pararge 
und Coenonymjyha gehen bis an die Grenzen des Gebiets, 
•ohne sich durch grosse Artenzahl oder eigenthiimliohe 
Formen auszuzeichnen, da ihr Hauptgebiet mehr in 
den gebirgigen Theilen Europas liegt. Nur die kleine 
Gattung Tripki/sa ist dieser Region eigenthümlich. 

Lider letztenFamilie,denHesperiden, haben wir nur die 
Zunahme von Arten europäischer Gattungen zu verzeichnen. 

4. Japan und Nord-China. 

Diese letzte der 4 Subregionen des grossen palaeavkti- 
■schen Gebietes wird von den meisten Entomologen nicht 
mehr hiezugerechnet, da sie bereits ein bedeutendes 
tropisches Übergewicht m ihrer Fauna enthält. Wir führen 
sie gleichwohl hier an, um die "VVallace'sche Reihenfolge 
nicht zu unterbrechen. 

Im allgemeinen entspricht das Klima dieser Region 
■dem des gemässigten Südost-Europas, wo weder strenge 
"Winter noch übermässig trockene und heisse Sommer mit 
einander so stark contrasth'en, wie in der sibirischen Region. 
Daher ist hier eine üppige und mannichfaltige Vegetation 
entwickelt, welche nicht ohne Einfluss auf das Insekten- 
leben geblieben ist. Zu dieser Region müssen auch die 
nördlichen Abhänge des Himalaya-Gebü'ges gerechnet 
werden, welche sich wie ein Keil in die fast arktische 
Fauna Thibets und die tropische indo-chinesische ein- 
schieben. Wir können hier nur die auffallendsten Formen 
erwähnen. Die Papilionen werden bereits durch die rein 
ti'opische Paris- und P?-o<enor-Gruppe repräsentut und 
die langschwänzigen Gattungen Sericinus vmd Armandia 
vertreten hier die hauptsächKch mittelländische Thais. 
Eigenthümlich dieser Region sind nur die Hochgebirgs- 
thiere Mesapia und Davidina, Pieriden-Gattungen, welche 
einen lljergang zu - den Parnassiern bilden und die 
Nymphaliden-Gattung Isodema. Ausserdem betreten Nejitis, 
Athyma und Euripus, die grosse Thaumantis (Morphide) 
und von den Satyriden die rein tropische Neope, Debis, 
Mycalesis und Yplithima, sowie einige neue Hesperiden- 
G-attungen wie Plesioneura, Resperilla, Isoteinon und 
Daimio diese Region, neben einer Menge rein euro- 
päischer Formen. 

2. Aethiopisclie Region. 

Für unsere Zwecke wird es genügen, die afrikanische 
Region, welche ganz Afrika bis zur Sahara im Norden 
und die südlichere Hälfte Arabiens, sowie Madagascar 
und die Mascarenen begreift, mit Ausnahme der letzteren 
im Ganzen zu behandeln. Die Fauna von Madagascar 
ist so eigenthümlich gestaltet, und enthält so merk- 
würdige, von Afrika unabhängige Formen, dasses besser er- 
scheint, ihr einige ei'läuternde Worte besonders zu widmen. 



Auch die afrikanische Schmetterlingsfauna zeigt be- 
merkenswerthe charakteristische Züge, sowohl durch vor- 
wiegend isolirte Formen, als auch durch Verwandtschaft 
mit der amerikanischen und indo-australischen Region. 
Der nördliche Theil Afrika's wird fast ganz von der 
Wüste Sahara eingenommen, welche sich östlich bis an 
die Flussthäler des Nils ausdehnt. An diese schliesst sich 
ein ungeheures einförmiges Hochplateau mit heissem und 
trockenem Klima an, bedeckt mit endlosen Gras- 
flächen, welche nur an der Küste und hui und wieder im 
Innern durch eingestreute Wälder unterbrochen werden. 
Diese im höchsten Grade an Thier- und Pflanzen-Gestalten 
einförmige Region wird hauptsächlich durch den Nil, im 
Süden durch den Zambesi und einer Menge kleiner Fluss- 
läufe, welche sich in's Meer ergiessen, bewässert, deren 
nie versiegbare Reservoire die grossen Landseen im 
Innern Afrika's bilden, welche wieder aus den hier zu 
mächtiger Höhe ansteigenden Gebirgszügen gespeist werden. 

Ganz verschieden ist dagegen die westliche aequatoriale 
Region Afrika's, welche den üppigsten tropischen Charakter 
zeigt und hauptsächlich aus einem Waldland besteht, das 
sich bis zu der Wasserscheide des Nils erstreckt. Die 
Flussläufc, welche es durchströmen, sind der Congo und 
Benue, neben einer Menge kleiner Bäche und Ströme, 
welche dem Küstengebiete angehören. Diese Region 
bildet den productivsten Theil Afrika's, aber auch zugleich 
denjenigen, welcher ims am wenigsten bekannt ist, so dass 
man bei der Beurtheilung semer Fauna dies wohl be- 
achten iiiuss. 

Schliessüch dürfen wu- nicht die südüchste Spitze 
Afrika's übersehen, das sogenannte Capland, welches aber 
in zoologischer Hinsicht nicht die Bedeutung besitzt, 
wie in botanischer durch seine wunderbar entwickelte 
Flora, die diesen kleinen Erdstrich so berühmt gemacht 
hat. Die wenigen Uim eigenthümüchen Schmetterhngs- 
Formen gehören den allgemeinen Typen an und gehen 
allmälig in die angrenzende Fauna über. 

Wir wollen nun km'z die Familien mid Genera auf- 
zählen, welche für Afrika charakteristisch und eigenthüm- 
lich sind imd seuier Fauna das bestimmende Gepräge 
aufdrücken. 

Von den 14 Familien der Tagsclimetterlinge werden 
liier nur 10 gefunden, aber nicht eiae einzige Familie ist 
Afrika specieU eigeuthümüch. Die hier fehlenden 4 Famiüea 
sind: Brassoliden, Hehoonier, Neotropiden und die Mor- 
phiden ; die 3 ersteren rein südamerikanisch, die letztere dem 
amerikanischen und indo-australischen Gebiet angehörend^ 

Hauptsächlich fällt der Mangel an grossen Morphiden- 
ähnhchen Formen auf, denen Afrika nichts ähnliches an 
die Seite zu stellen hat, während die Heliconier und 
Neotropiden durch die Acraeen hinlänglich ersetzt sind, 
welche, wenn auch nicht auf Afrika allein beschränkt, 
hier aber ausserordentüch entwickelt sind und augen- 
scheinlich dieselbe Stellung im Haushalte der Natur ein- 
nehmen, wie die beiden erwähnten Familien in Südamerika 
und die Danaiden in Indo-Australien. 

Die Papilioniden-Famiüe ist sehr arm an Gattungen, 
da ausser PaplLlo selbst nur noch eine eigenthümUche 
Gattung, Bruryia, und eine Ornithoiitera-kxt hier vor- 
kommt. Die Parnassier und die Thais-Gruppe fehlen 
hier gänzUch und auch die Papilionen sind nicht sehr 
zahlreich vorhanden, da bis jetzt erst einige 30 Arten, 



GEOGEAPHISCHE VERBEEITUNG. 



11 



■aber alle von ganz abweichendem Habitus, hier gefunden 
worden sind. Dies ist ein sehr auffallender Charakterzug 
von Afrika, wenn man den ungeheuren ßeichthum 
■an Arten vergleicht, welchen die südamerikanische Eegion 
^(circa 200) und die indo-australische (circa 170) dagegen 
besitzen. Dieser Mangel kann zum Theil aus unserer 
Unkenntniss gerade des productivsten Theiles herrühren, 
findet aber auch darin seine Eikli'rung, dass fast zwei 
Drittel von Afrika einen durchaus gleichartigen Charakter 
besitzt und dieselben Foimen sowohl im Norden als auch 
im Süden, ohne zu vaiüren, vorkommen. 

Der merkwürdigste afrikanische Papilio ist unstreitig 
'der riesige Bruryia Antimachus von der aequatorialen 
Westküste und der Insel Fernando Po, welcher unter 
allen PapiUonen der Erde nicht seines gleichen hat und 
wie ein Zeuge langst vergangener Schöpfungsperioden in 
die jetzige Fauna hereinragt. Die übrigen Papilionen 
.gehören theils speciell für Afrika charakteristischen Formen 
■an, wie z. B. die Ucalegon- und Ze)io5«'«-Gruppe, theils 
solchen von allgemeiner Verbreitung. Ausser diesen finden 
sich einige ganz isolirt dastehende Arten, welche in keiner 
Verwandtschaft zu irgend einer Cliuppe der übrigen 
Zonen stehen. 

Pieriden. Nur 2 Genera mit je 1 Art, die merk- 
würdige, zart durchsichtige Fseudo230?itia und Teraoolus 
•(dessen generelle Aufstellung aber noch zweifelhaft ist) 
sind für Afrika eigenthümlich. Den hauptsächlichsten 
'Charakterzug bilden die Gattungen Callosune vrad Idviaits, 
welche hier ihren Höhepunkt erreichen, aber auch nocli 
bis in das indische Gebiet vordringen. 

Aus dem indo-australischen Gebiet (iln-em Haupt- 
•quartiere) finden wir hier die Gattung Eronia und Tachjjris 
wieder, beide ziemhch zahlreich an Arten, aber ganz merk- 
würdig verändert und in einem von den indischen Formen 
.ganz abweichenden Habitus und Färbungsstil. 

Die rein tropischen Formen JEiirema und CatoiJsiUa 
■sind in einigen Arten, wenn auch nicht so zaMreich als in 
den übrigen Gebieten, vorhanden und das cosmopoMtische 
'Genus Pieris enthält einige durchaus von dem allgemeinen 
Typus abweichende Formen. Als weitere Bewohner 
• Afrika's, aber durch ihre geringe Artenzahl wenig auffallend, 
•führen wir noch an: Culias und Pontia (mit nur je 1 Art) 
und eine zweifelhafte Species von Ixias. 

Danaiden. Diese hauptsächlich indo-austrahsche Fa- 
milie ist in Afrika nur durch eine eigenthümliche 
Gattung Ämaiiris mit 8 Arten und einigen, wenigen 
-Danaiden-Arten (hauptsächlich die blaugrüne D. Limnince) 
vertreten. Eu2}lo'een, sowie die übrigen Danaiden-Gattungen 
fehlen auf dem afrikanischen Festlande gänzlich, aber 
3 äclite Euploeen konmien auf Madagascar und den 
Mascarenen vor. 

Heliconier und Neotropiden fehlen in Afrika gänz- 
lich ; sie werden durch die hier stark entwickelten Acraeen 
vertreten. Diese Familie ist, wenn auch nicht auf Afrika 
■allein beschränkt, doch für dieses ausseiordentlich charak- 
teristisch, da hier nicht allein zwei Drittel aller bekannten 
Arten vorkommen, sondern dieselben auch in der Struktur 
von den amerikanischen Arten etwas abweichen. Die 
wenigen (4 — 5) indischen Arten können daher den rein 
■afrikanischen Charakter dieser Familie nicht verwischen. 
Die grosse Nymphaliden-Familie enthält eine Menge 
•für Afrika eigenthümliche Gattungen und ist diejenige. 



welche der Schmetterlingsfauna das besondere Gepräge 
verleiht. Doch steht sie in betreff der Zahlen weit hinter 
den beiden übrigen grossen Tropen-Gebieten zurück, denn 
nur ein Sechstel aller bekannten Gattungen kommen in 
Afrika vor und von diesen ist etwa die Hälfte eigen- 
thümlich. Der Rest zeigt mit Ausnahme zweier Gattungen 
(Hypanartia und Crenis) eine durchaus indische Verwandt- 
schaft. "Wir können hier nur die hervorragendsten Erschei- 
nungen berühren, und müssen wegen der Details auf die 
einzelnen Familien verweisen. 

Auffällig ist der Mangel dar Argi/iiiiis- und Melitoeen- 
Gruppe, da hier nur 1 Gattung (Laohnoptera) und über- 
haupt ausserdem nur noch eine indische Art, Argynnis selbst 
aber gar nicht vorkommt. Dagegen ist die 1 «Hessa-Gruppe 
sehr gut entwickelt und nicht allein durch eine Menge sehr 
schöner und auffällig gefärbter Arten, sondern auch durch eine 
eigenthümliche und 3 wenigstens fast eigenthümhclie Gat- 
tungen, welche hier ihren Höhepunkt erreichen, vertreten. Von 
diesen nennen wir nur die schöne und grosse, für Afrika durch- 
aus charakteristische Gattimg Salamis, ziemlich artenreich, 
mit einigen prachtvoll gefärbten und auf der Rückseite 
phantastisch gezeichneten Species, (von denen war nur die 
zart rosa schillernde 8. Änacardii, die dunkelblauen 
Cytora und Temora erwähnen) ; die zahlreichen, nicht 
minder schön gezeichneten, aber in der Grösse weit zurück- 
bleibenden Precis, die 3 eng zusammenhängenden imd 
sich durch ein besonderes Strukturmerkmal aus- 
zeichnenden ErgoUs, Eurytela und Hgjjanis, die Kallima 
und Junonia, alle von eigenthümUchem und in der Farben- 
zusammenstellung abweichendem Äusserem, und specieU 
für Afrika charakteristisch, wenn gleich einige Arten bis 
nach dem indo-austrahschen Gebiet vordringen. Das 
vereinzelte Vorkommen von 2 Arten der rein südamerika- 
nischen Hypaiiartia ist auffällig und bemerkenswerth. 
Hieran anschliessend führen wir auch noch als für 
Afrika eigenthümlich die Gattung Grenis an, welche nahe 
verwandt mit der südamerikanischen Eunica ist und den 
einzigen östlichen Vertreter dieser für die neotropische 
Region so charakteristischen Gruppe bildet. 

Aus der Biademm- und Lirnjeniiis-Gruppe haben wir, 
ausser Hypolimnas selbst, noch die für Afrika eigenthüm- 
liche, fast nur aus mimetischen Formen bestehende, 
Pse , dacraea, Cafuna und einige schöne Cyrestis-Avten zu 
erwähnen. Die Limenitis-Gruppe fehlt in Afrika ganz, 
Apatura wird nur durch eine Thaler opis-Axt repräsentü't, 
aber die A'e^y^^i-Gruppe ist durch die grosse und 
schöne Euxanthe, sowie durch mehrere Neptis-Axtea. gut 
vertreten. 

Dagegen finden wir eine grosse und artenreiche Gruppe 
schöner Schmetterlinge , ganz auf Afrika beschränkt 
und nahe verwandt mit den indischen Euthahen; es 
sind dies die Gattungen Euryphene, Rorhalaeosoma, 
Cymotlioe, Aterica, weit über 100 meist schöne, oder 
doch charakteristisch gefärbte Arten enthaltend, worunter 
einige von ganz auffallender Erscheinung, wie die einfach 
scharlachrothe E. Coccinata. Die Gattung Romalaesoma 
ist diejenige, welche am meisten von allen Nymphaliden 
in ihrem Äussern abweicht, und die carminviolett an- 
gehauchte Rückseite steht unter den Tagschmetterlingen 
ganz einzig da. — Den Schluss der Nymphaliden bildet 
eine Reihe grosser und glänzend gefärbter Cha^-axes-kxtBii, 
welche so recht bezeichnend für die ganze östliche Tropen- 



12 



GEOGRAPHISCHE VEEBEEITUNG. 



fauna sind. Afrika besitzt allein gegen 40 Arten, also 
über dieHälfte der aus 5a. 75 Arten bestehenden Gattung, 
meist prächtige und schöne Erscheinungen, und darunter 
Formen von ganz abweichendem Charakter (Zi-ngha, 
Neanthes, Eupale), wie sie sonst nirgends wieder beobachtet 
werden. Auch ist eine nahe verwandte Gattung Palla 
(6 Arten) eigenthünihch. Die Charaxes-Gruppe ist für 
Afrika sehr bezeichnend und bildet einen Hauptzug für 
die Schmetterlingsfauna dieses Landes, während sie in 
Süd-Amerika ganz fehlt, aber hier durch eine grosse Menge 
verwandter Gattungen ersetzt wird. 

Satyriden. Die Zahl der von Afrika (ohne Madagascar) 
bekannten SatjTiden beläuft sich auf ungefähr 60 Stück, 
auf 1 1 Gattungen vertheilt — eine so geringe Zahl im 
Vergleich zu den übrigen Faunengebieten, dass wir die 
Ursachen hievon nicht allein unserer augenblicklichen 
Unkenntniss eines grossen Theiles des Landes zuschreiben 
können, sondern sie im Charakter der Oberfläche suchen 
müssen. Satyriden sind hauptsächlich Wiesenbewohner, 
da sich die Raupen, wie bekannt, von Gräsern nähren; 
und dieser Umstand giebt uns eine genügende Erklärung 
für den Mangel dieser Familie, da Afrika zu einem grossen 
Theile von dürren und trockenen Ebenen bedeckt ist. 

Es ist auch auffallend, dass die 6 für Afrika eigen- 
thümlichen Gattungen (Gnojjhodes, Bicydus, Leijtoneura, 
Coeiiyra, Feriplysia und Meneris) meist sehr artenarm 
Bind, und die übrigen, wie Mycalesis, Maniola, Yphthima, 
welche hier eine grössere Artenzahl besitzen, zu Gattungen 
gehören, welche im indischen und europäischen Faunen- 
gebiete in einer ausserordentlich grossen Menge von Arten 
auftreten, oder doch, wie Melanitis, weit über ein grosses 
Areal verbreitet sind. 

Die afrikanischen Satyriden unterscheiden sich im 
Äussern nicht wesentlich von denen anderer Faunengebiete. 
Sie sind meist ebenso dunkel und düster gefärbt und ihre 
geringe Zahl trägt wenig zur Charakteristik der Fauna bei. 

Eryciniden und Libytheen. Nur wenige Arten dieser 
Familien aus den Genera Alisara und Lihythea bewohnen 
dieses Gebiet und verschwinden vollständig in der übrigen 
Fauna. Dagegen sind die Lycaenen in ausgezeichnetster 
"Weise verti-eten und durch eine Menge eigenthümlicher 
Gattimgen und Arten repräsentirt. Eine Gruppe merk- 
würdiger, von dem Typus der Lycaeniden ganz abweichen- 
der Gattungen sind für Afrika eigenthümlich. Es smd 
dies: Mimacraea, Pseuderesia, Pentila, Liptena, Alaena 
(welche bisher stets zu den Acraeen gerechnet wurde, 
aber eine ächte Lycaenide ist). Einige Arten, wie schon 
der Name andeutet, sind Nachahmer von Acraeen, andere 
wieder gleichen weissen oder gelben Pieriden, und auch 
im Bau und in der Struktur kommen diese Formen dem 
Pieridentypus am nächsten, so dass man versucht wird, 
dieselben als Mittelgheder beider Famihen zu halten. Das 
Auftreten reinweisser und gelber Farbtöne m dieser sonst 
meist blau oder orange gefärbten Familie ist zum mindesten 
auffallend. 

Andere eigenthümliche oder charakteristische Gattungen 
sind : Äxiocerces und Lycaenesthes mit zahlreichen Arten ; 
Äphiams, von denen einige bis in das palaearktische 
Gebiet verbreitet sind, (Ä. Syphax und Verwandte), 
Phytala, Epitola, Hewitsonia und Deloneura, von denen 
nur Epitola mit mehreren Arten, die übrigen aber nur 
aus je einer Art, aber von ganz abweichendem Bau und 



Flügelfärbung bestehen. Mehrere gut und zahlreich ent-, 
wickelte Gattungen sind auch dem indo-australischen 
Gebiet eigen; es sind Hypolycaena, Jolaus, Sithon, 
Myrina, Deudorix imd auch 2 Arten jener merkwürdigen, 
Castnienartigen Lycaenide, der Liphyra, deren eine Art 
in Indien heimisch ist, sind in Afrika an der äquatorialen 
"Westküste gefunden worden. Auch die grosse cosmo-. 
politische Gattung Lycaena selbst ist mit einer ziemlichen 
Artenzahl hier vertreten, aber Thecla, so reich in Süd■^, 
Amerika entwickelt, fehlt fast gänzlich. 

Ln ganzen haben wir 14 eigenthümliche Gattungen 
von 24 überhaupt hier vorkommenden, mit mehr als 
200 Arten für Afrika zu verzeichnen. 

In der letzten Familie, den Hesperiden, sind .3 arten- 
arme Genera nur auf Afrika beschränkt. Es sind Ahaiitis^ 
Ccratrichia und Caprona. Die übrigen gehören zum Theil 
indo-australischen Formen, wie Ismene und Tagiades, oder- 
weit verbreiteten Gattungen an, wie Pamphila und Hes-. 
peria. Auch rein südamerikanische Gattungen, wie Ooey-. 
netra, Leucochitronea, Pardaliodes kommen hier vor und; 
dies ist der zweite Fall von Verwandtschaft zwischen diesen 
beiden so weit getrennten Faunengebieten. Einen dritten 
werden wir in der madagassischen Fauna kennen lernen. 

Im allgemeinen ist die Hesperiden-Familie nicht gut ver- 
treten, da überhaupt nur 1 7 Gattungen mit wenig mehr als 1 00- 
Arten bekannt sind, zweifellos eine viel zu geringe Zahl für- 
dieses ausgedehnte Faunengebiet, welche zum grössten Theili 
unserer mangelhaften Kenntniss zuzuschreiben ist. 

Madagascar und die Mascarenen. 

(Bourbon, Mauritius, Rodrigues.) 

Die Fauna dieser grossen Insel und ihrer Satelhten 
ist sehr eigenthümlich und steht zu der afrikanischen in 
demselben Verhältniss, wie diejenige von Neu-Seeland zu 
Australien oder der Antillen zu Süd-Amerika, obwohl sich 
dies nicht so sehr in den Schmetterlingen als in anderen 
Thierklassen ausspricht. Sie zeigt Verwandtschaften zn 
der südamerikanischen und indischen, ebenso wie zur 
afrikanischen Region. 

Nur eine Gattung mit einer Art, die ganz isolirt 
stehende, bald zu den Satyriden, bald zu den NjTnpha- 
hden gestellte Heteropsis Drepana scheint Madagascar- 
eigenthümlich zu sein 

Unter den Papilioniden haben wir einige schöne, auf- 
fallende Arten zu verzeichnen, wie den Antenor, welcher ver-. 
wandt mit der indischenPolydorus-Gruppe ist und eme Gruppe, 
eigenthümlicher, blaugrün gebänderter, schwanzloser Papilio_ 
(von denen eine Art auch auf dem afrikanischen Continent- 
gefunden wird), deren Verwandte wir ebenfalls erst 
in der indischen Eurypylus-Gruppe wiederfinden. Einige, 
ächte Euploeen, etwas modificirt und dadurch äusserlich, 
ganz verschieden von den indischen Arten, kommen nur 
hier und nicht auf dem afrikanischen Festland vor. Unter 
den Nymphahden sind die specifisch afrikanischen Gat^ 
tungen Salamis, Precis, Gharaxes und Eurytela gut ver- 
treten, aber auch die beiden merkwürdigen südamerikanische 
afrikanischen Gattungen liypanartia und Crenis, letztere- 
nahe mit Eunica verwandt, durch einige Arten repräsentirt. 

Das auffälligste Beispiel naher amerikanischer Ver-> 
wandschaft ist jedoch das Vorkommen jener färben-, 
prächtigen Heterocere, der Urania Eipheus, eines der 
schönsten Schmetterlinge der ganzen "Welt, von dem man 



GEOGRAPHISCHE VEEBREITUNG. 



13 



nur sagen kann, dass seine Flügel verschwenderiscli mit 
goldgrüner, silbernen nnd bronzeglänzenden Flecken imd 
Binden geschmückt sind, dessen nächste Verwandte wir 
erst in der brasilianischen Fauna wiedertreffen. 

Wir erwähnen ausnahmsweise dieses Faktums, obwohl 
Urania nicht zu den Tagschmetterlingen gehört und daher 
auch nicht in den Eahmen unserer Darstellung passt, um 
die merkwüi'dige Fauna Madagascar's noch deutlicher zu 
iUustriren. Auch andere Thierklassen bieten hiezu ge- 
nügende Beispiele. 

Die Erklärung solcher eigenthümlichen Züge in der 
Verbreitung der Insektenwelt ist ausserordentlich schwierig 
und ohne Hinzuziehen der übrigen Thierklassen ganz 
unmöglich. Wir begnügen uns daher, nur anzuführen^ 
dass auch andere Thatsachen dafür sprechen, dass eine 
frühere Landverbindung von Madagascar und dem indischen 
Continent, anderseits eine solche zwischen Südamerika und 
dem afrikanischen Festlande stattgefunden haben muss, 
und dass solche vereinzelte Formen wahrscheinlich zu 
einst weit verbreiteten Tj^pen gehört haben, die jetzt 
zum Theil ausgestorben sind, sich aber in einigen Arten 
je nach den Bedingungen, unter welchen sie weiter leben, 
entweder in ursprünghcher Weise erhalten oder auch zu 
anderen Formen umgebildet haben. 

3. Oi'ientalischc Region. 

Diese Region mit fast rein tropischem Charakter ist 
eine der reichsten der Erde und wird hierin nur noch von 
der neotropischen übertroffen. Ihre Grenze ist im Norden und 
Westen durch die palaearktischeRegion gegeben, in welchesie 
allmälig übergeht, und wird hauptsächlich durch die grosse 
Himalaya-Kette im Norden Vorderindiens dargestellt. 

Sie umfasst ganz Vorder-Indien, die Insel Ceylon, 
Hinter-Indien und von den grossen Sunda-Inseln Sumatra, 
Borneo und Java, sowie die Philippinen. Ihre Grenze 
gegen die australische Region bildet die Insel Celebes 
und dieser insvüare Theil wu'd auch die indomalayische 
Region genannt, im Gegensatz zur austromalayischen, 
welche sich östlich von Celebes bis nach Neu-Guinea 
erstreckt. 

Der physiognomische Charakter dieser Region ist m 
seinen einzelnen Theilen ein verschiedener und dem- 
entsprechend haben wir auch eine sehr verschiedene Fauna 
hier entwickelt. Dies ist die Veranlassung, die orientalische 
Region in mehrere Subregionen zu theilen, deren erste 
das ganze Vorder-Indien ohne die südliche Spitze begreift 
^- einer der am wenigsten reichen Theile in Folge seines 
trockenen Klimas ; die zweite die Stidspitze Indiens und 
Ceylon, die dritte den Himalaya-District imd die vierte 
die ganze insulare Region und die Halbinsel Malacca. 
Die beiden letzten Subregionen sind die am reichsten 
entwickelten imd bilden eine ununterbrochene Kette von 
ausschUesslich tropischen Wäldern, welche sich von den 
Südabhängen des Himalaya bis an die Grenze der Region 
erstrecken. Hier allein entwickeln sich die typischen 
aequatorialen ' Lebeformen zur höchsten Blüthe und in 
einer Mannichfaltigkeit, welche sich nicht allein in der 
gi-ossen Artenzahl, sondern auch in einer grossen Menge 
von Individuen ausspricht. 

Für unsere Darstellung können wir auf die genaue 
Eintheiluna; in Subregionen keine Rücksicht nehmen und 



nur dort die vorwaltenden Unterschiede berühren, wo sie 
als bedeutende Erscheinungen in den Vordergrund treten. 
Unter diesen ist es hauptsächlich der Himalaya-District, 
welcher durch seine physische Beschaffenheit eine we- 
sentlich verschiedene Fauna beherbergt und durch seine 
Lage bereits Elemente der palaearktisohen Region 
einschliesst. 

Die Schmetterlingsfauna des Himalaya ist besonders 
hoch entwickelt und enthält viele nur diesem Gebirge 
eigenthümliche Arten ; aber der vorwiegende Theil leitet 
sich von den Tj^en der malayischen Region oder selbst 
der palaearktischen ab, so dass wir hier nur kurz die- 
jenigen Formen nennen werden, welche für dieses Gebiet 
charakteristisch sind. 

Auffallend ist der Reichthum an schönen und grossen 
Papilionen aus der Paris-, Protenor- und Pliiloxenus- 
Gruppe und von den Ornithopteren ist der 0. Amjjhrisius 
mit atlasgelben Hinterflügeln, einer der ausgezeichnetsten 
Vertreter dieser Gruppe, hier heimisch. Der prachtvolle 
Teinojjalpus Imperialis ist auch auf diese Region be- 
schränkt und kommt nur auf den östlichen Höhen des 
Himalaya vor. 

Auch haben wir hier einen Vertreter der langsohwän- 
zigen Thais, der Armandia imd einige schöne Parnassier 
als Bewohner der Gebirgsregion zu erwähnen. Charak- 
teristische imd für diese Region eigenthümliche Gattungen 
smd: Neope, Orinoma und iü/iap/iicer« (Satyriden) ; Enispe, 
eine Morphide, und eine eigenthümliche Gruppe Nympha- 
liden, welche ausschliesslich auf dieses Hochgebirge be- 
schränkt ist, nämlich: Hestina, die grosse hestienartige 
Penthema Lisarda, Calinaga Buddha und Äbrota Mirus, 
alles Gattungen mit nur je einer oder (Hestina) 3 — 4 
Arten. Auch ist die Apaturen-QnviY^Q hier in ausser- 
gewöhnlioher Weise entwickelt und durch schöne und 
auffallende Formen, wie die beiden Castalia-AxteTi, die 
weisse silberglänzende Helcyra (mit noch einer Art in 
Amboina), die goldschimmernde Dilipa Morgiaaa und 
Neiirosüjma, sowie durch schöne Apaturen selbst vertreten. 
Von den Eryciniden ist Dodona, von den Lycaenen 
Ilerda eigenthümlich. 

Die übrige Himalaya-Fauna wird gebildet durch schöne 
Euploeen, prachtvolle Thaumaniis, von denen die T. Cama- 
deva einen der schönsten und grössten Vertreter der 
östUchen Morphidcn darstellt; auffallende Nymphaliden 
aus der Diademen- und Limenitis-G:TAY^<i, und einer 
Menge kleiner, aber schön gefärbter Lycaenen und 
Eryciniden, eine FüUe prächtiger Pieriden, welche 
diesen Distrikt in Betreff des Reichthums und der 
Schönheit seiner Formen nur wenig dem folgenden 
nachstehen lassen. 

In der malayischen Region erreicht das Thierleben der 
östhchen Erdhälfte seine höchste Entwicklung und hier 
findet man auch in günstigster Weise alle Bedingimgen 
für ein reiches Insektenleben vereinigt: die äquatoriale 
Lage, einen üppigen Waldreichthum, verbunden mit un- 
gemeiner Feuchtigkeit, und em Klima, welches sich durch 
einförmige, aber nicht übermässige Hitze auszeichnet. 
Diese Bedingungen sind nur noch an zwei Punkten der 
Erde in gleicher Weise vorhanden, im Amazonengebiet 
Südanierika's und im äquatorialen Westafrika, und diese 
Länder allein können daher mit der reichen Fauna des 
malayischen Archipels verglichen werden. Die Schmetter- 



14 



GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



linge dieser Region stehen an FarbGuschünlieit und Fonn- 
verschiedenheit denen der übrigen Tropenländer in keiner 
"Weise nach, wenngleich es sich nicht läugnen lässt, dass 
ihnen die auffallenden -liiid stark contrastiren den rothen 
und blauen Tinten, wie sie z. B. die Südamerikaner zeigen, 
fehlen. Aber sie besitzen in den grossen Ornithopteren 
und Papihonen Formen von so wunderbarer Schönheit, 
dass üinen, in dieser Gruppe wenigstens, der erste Rang 
^or allen anderen Faunengebieten zukommt. Die hohe 
Entwiokelung des Papiho-Typus ist ein sehr bemerkens- 
werther Zug der malayischen Inscktenwelt und lässt sie 
hiedurch sofort von den übrigen unterscheiden. An Zahl 
der eigenthümhchen Gattungen und Arten steht sie der 
südamerikanischen Region nach, übertrifft aber bei weitem 
die äquatoriale afrikanische Region. 

Wir wollen nun kurz diejenigen Familien und Gat- 
tungen anfühi'en, welche für diese Region eigenthümlich 
siud oder derselben das charakteristische Gepräge ver- 
leihen. Auch bemerken wu-, dass die meisten Gattungen 
auch die sog. austromalayische Region bewohnen, welche 
sich von Celebes östhch bis Neu-Guinea erstreckt imd 
welche eine Unterabtheilung der folgenden australischen 
Region bildet. Die folgenden Gattungen geben daher ein 
allgemeines Bild der ganzen sogen, „malayischen Region". 

Weder die orientalische noch die malayische Region 
besitzt eine eigenthümliche Familie für sich, aber die 
Danaiden sind vorzugsweise diesem östlichen Tropengebiet 
eigenthümlich imd daher auch sehr charakteristisch für 
die ganze Region. Die übrigen Familien sind meist 
cosmopolitisch, nur die Morphiden sind der orientahschen 
und neotropischen Region gemeinsam. 

Die Papilionen sind, wie bereits erwähnt, in hervor- 
ragender Weise entwickelt und wenn auch die Zahl der 
Arten nicht die Höhe erreicht, wie in Südamerika, so 
gehören dieselben doch in der Mehrzahl Gruppen an, 
welche nur diesem Gebiete eigenthümlich sind. Ungefähr 
1 50 Arten werden Im ganzen malayischen Distrikt gefunden 
und gegen 100 Arten allein in dem indo-malayischen. 
Die prachtvolle Pa?'ZÄ-Gruppe mit goldbestäubten Flügeln, 
die grosse, schwarz und weiss gefleckte lielenus-Gi-u'p'pe, 
die Polydorus-Gv\ij>])e , vorwiegend mit carminrothen 
Flecken geschmückt, die J/e;;i7ion-Gruppe, meist in 
dunkle Farben gekleidet und mit merkwürdig ver- 
schieden gezeichneten 2$' oft in 2 — 3 Formen, die 
grünblaue Ein-y2nbis-G:ra])]}e, die letngschyf'ä.nzigeAntiphates- 
Gruppe, unseren Segelfaltern gleichend, die Paradoxa- 
Gruppe, welche die dunkelblauen Euploeen nachahmt und 
andere mehr, welche genauer im beschreibenden Theile 
erwähnt werden, sind die hauptsächlichsten Formen der 
Gattung Papilio. Von den Ornithopteren haben wu' 
die prachtvolle 0. Brookeana, auf Borneo und Malacca 
beschränkt — einer der herrhchsten Schmetterlinge der 
östlichen Tropen und durch Form und Flügelfärbung gleich 
ausgezeichnet — und die Pc/nysewi-Gruppe mit schwarzen 
Vdfln. und atlasglänzenden gelben Htfhi. Diese Gruppe 
ist gerade für die i n d o - malayische Subregion sehr 
charakteristisch und verbreitet sich östlich bis zu den 
Molukken, dem Grenzpunkte der Region, während in der 
austro -malayischen Subregion die P>-<ö;r«(Ä-Gruppe auf- 
tritt. Auch ist der kleine langgeschwänzte Leptocircas 
für dieses Gebiet eigenthümlich. 

Unter den Pieriden haben wir die grossen llehomoia- 



Arten mit rother Flügelspitze, äusserlich unserer Cardamines 
gleichend, aber riesengross im Verhältniss hiezu erscheinend, 
die kleineren, ähnKch gefärbten Ixias, die unten so schön 
gezeichneten Delias, die blassblauen Eronien und 
Tachijris, die beiden letzten Gattungen auch bis Afrika 
vordringend, zu erwähnen. Die rein tropischen Gattungen 
Catojjsilia und Etirenia sind in grosser Anzahl vorhanden, 
neben einer Menge schön gezeichneter Pterfs- Arten, welche 
es ganz vergessen lassen, dass diese Familie meist in ein- 
fache weisse Farben gekleidet ist. Eigenthümlich ist nur 
Dercas, welche sich vom Himalaya bis Sumatra verbreitet. 

Die Danaiden sind speciell für diese Region charak- 
teristisch; nicht weniger als 200 Arten werden hier ge- 
funden. Hauptsächlich sind es die dunklen, blauschillern- 
den Eujjloeen, welche der Fauna dieses Landes ein sü 
charakteristisches und von der südamerikanischen ganz ab- 
weichendes Gepräge aufdrücken. Die Gattung llanais 
selbst mit gegen 30 Arten, die grossen halbdurchsichtigen 
Hestien und Ideojpsis, ein Mittelglied zwischen diesen und 
Danais, sind auch speciell dieser Region eigenthümlich. 
Die Danaiden ersetzen augenscheinhch in den östlichen 
Tropen die HeUconier und Neotropiden Südamerika's, von 
denen nur die letzteren in dem Hamadryas in der austo- 
malayischen Region einen Vertreter besitzen. Dagegen 
sind die Acraeen nur in werugen (3 — 4) Arten vor- 
handen und tragen nichts zur Charakteristik der Fauna bei_ 

Die Nymphaliden sind sehr gut durch eine Menge 
von Gattungen repräsentirt, wenngleich nur zwei, Avinosia 
mid Tanaecia, speciell diesem Gebiete eigenthümlich sindj 
aber eine grosse Menge eigenthümlicher Foinien gehören 
dem malayischen Archipel an. Am entwickeltsten zeigt 
sich die ^i/Y/rj/nnw-Gruppe, aus welcher nicht weniger als 
6 Gattungen diesem Gebiete eigenthümUch sind. Die 
schönen rothen Gethosien, mit einem merkwürdigen Zick- 
zackmuster auf der Rückseite, die prachtvoll violett 
schillernden Terlnos, die grossen Gynthien sind die heiwor- 
ragendsten. Argynnis selbst (und auch einige Melitaeen) 
kommt sowohl auf dem Himalaya als auch in der ganzen 
Region vor, aber nicht sehr zahh'eich, sondern wkd 
durch die überall gemeinen CirrooJiroen ersetzt. 

Bei den Vanessen haben wir 4 eigenthümhche imd 
charakteristische Gattungen: Symhrenthia, Pseudergolis, 
Bliinopalpa und JJoleschallia ; Vanessa selbst ist nur 
durch eine speoielle Art, die grünblaue V. Charonia, 
ebenso wie Pyrameis durch den AUerweltsbürger P. Gardui 
vertreten; aber hier nehmen die bunten Junonien und 
Precis ihre Stelle ein, auch zeigt sich ein starkes afrika- 
nisches Element gerade in dieser Gruppe, mdem nicht 
weniger als 5 vorwiegend afrikanische Gattungen einen 
oder mehrere Vertreter hier besitzen. Auffallend ist das 
Fehlen irgend einer Form aus der Gatagi-ammen-Chwp'pe, 
welche in Südamerika so bedeutend entwickelt ist, und 
dies ist einer der charakteristischen Züge der indo- 
malayischen Fauna, welche sich dadurch sofort von der 
neotropischen unterscheidet. Die Piademen-Grrup'pe ist 
durch die schöne liypolimnas imd die zartgestreifte Gyrestis 
vertreten, welche sich aber weit verbreiten, erstere 
selbst in einer Art bis Südamerika, letztere bis Afrika. 

Dagegen ist die Limeniti s- Gruppe hier in gross- 
artigster Weise entwickelt und scheint in dieser Region 
ihr Centrum zu haben, von wo einzelne Zweige bis in 
das palaearktische Gebiet, ja selbst bis Afrika vordringen. 



GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



15 



Bpeciell charakteristisch sind die Gattungen Fartliejics und 
Lebadea, und die Neptis-ähnliche Athyma nebst einigen 
-kleineren; Limenitis selbst ist ungefähr durch 15 Arten 
vertreten und Ne.ptis in grosser Artenzahl vor-handen ; 
letztere geht bis in's afrikanische Gebiet. Eine andere 
'Gruppe, die Euthalien, ist auch auf diese Region be- 
■schränkt und speciell charakteristisch für dieselbe. Euthalia 
mit gegen 50 Arten geht bis in den Ilimalaya-Distrikt, 
aber nicht weiter östlich, als bis Celebes ; Tnnaecia ist 
für die indo-malayische Region eigenthümhch und Sym- 
phaedra mit einigen schönen Arten dem ganzen Malayen- 
Distrikt. 

Die Äpaturen, deren Hauptgebiet das Ilimalaya- 
Gebirge ist, werden nur in wenigen Arten gefunden. 
'Charakteristisch ist kein Genus allein, aber in Austro- 
Malayen sind einige hervorragende Formen, welche wir 
■später kurz erwähnen werden. Dagegen ist die Gattung 
Gharaxes über das ganze Gebiet verbreitet und in einer 
Menge grosser und schöner Arten vorhanden, welche den 
rein afrikanischen Charakter dieser Gattung etwas beein- 
trächtigen. Aus dieser Gruppe haben wir noch einen 
gloriosen Vertreter von Frnthoii, einer mehr australischen 
tlattung, zu erwähnen, die auf Malacca und Borneo hei- 
mische Fr. Caledonia, von so prachtvoll und phantastisch 
schön gezeichneter Rückseite, dass sie darin von keinem 
•andern Schmetterling übertroffen wird. 

In der nun folgenden Familie , den IVIorphiden, 
haben wir prachtvolle Formen, wie die Zeuxidien, die 
grossen Thaumantis, Cleroma, Amathusia und andere 
mehr, welche diese Familie in betreff ihrer Reichhaltig- 
keit und Farbenschönheit nur wenig den südamerikanischen 
Morphiden nachstehen lässt. Eigenthümliche Gattungen 
sind: Zeuxidia und Xanthotae7iia, nur auf den westlichen 
malayischen Distrikt beschränkt. 

Die Satyriden besitzen eine Menge schöner mid 
■auffallender Formen. Hervorragend, sei es an Artenzahl 
oder durch ihr Aeusseres, sind : die Gattung Mycalesis, 
welche an Stelle unserer Hipparchien tritt und in grosser 
Menge alle offenen Waldlichtungen belebt, Ypltliima. wenn 
auch nicht so zahlreich, doch ebenfalls reichlich vorhanden, 
-die grosse Neorina, die im männlichen Geschlecht pracht- 
voll blau glänzende Ftychandra, auf den Philippinen und 
Gilolo vorkommend, nahe mit Lethe verwandt und im ^ 
■ihr ganz gleichend, die merkwürdige Zethera von durch- 
aus verschiedenem, wenig SatjTiden-artigem Gepräge, die 
ebenso zahlreiche Gattung Lethe, mehr den nördlichen 
Theüen angehörend, und andere Gattungen mehr, welche 
weniger hervortreten. Auch die Gattung Elymnias, welche 
wir zu den Satyriden rechnen, ist speciell für den ganzen 
Malayen-Distrikt charakteristisch und ihre oft Euploeen- 
artig gezeichneten Arten werden bis in die äusserste 
Grenze der austrahschen Region, ja selbst eine Art auch 
in Afrika gefunden. 

Die Lycaensn sind in grossartigster Weise ent- 
wickelt und in dieser Familie ist eine so grosse Specialität 
vorhanden, wie in keiner andern. 

Wir können hier nur die auffälligsten Formen nennen. 
Die grossen blauen Amblypodien sind hervorragend nicht 
allein durch ihre zahlreichen Arten, sondern auch durch 
die Grösse und die Schönheit derselben, welche es ganz 
vergessen lässt, dass sie zu den meist kleinen Lycaenen 
gehören. 



Die Gattungen Mlletus und Allotiaus, für den ganzen 
Distrikt charakteristisch, sind trüb und dunkel ge- 
färbte kleine Schmetterlinge, von wenig Lycaenen-artigem 
Charakter, aber eine Art kommt auch in Afrika vor; 
dagegen sind die Jolaus-kxi&ti , die langgeschwänzten 
Sithon und Deudorix in grosser Mannichfaltigkeit vor- 
handen, aber nicht speciell eigenthümlich, da auch Arten 
in Afrika vorkommen. Lycaena selbst hat ungefähr 
150 Arten in dieser Region, einige von grosser Schünlieit, 
aber die Thielen, welche für die brasilianische Zone so 
charakteristisch sind, fehlen gänzlich. Im ganzen werden 
ungefähr 500 Arten Lycaenen hier gefunden — eine Zahl, 
welche nur üin weniges geringer ist, als die, welche Süd- 
Amerika an Lycaenen besitzt (510). 

Dagegen sind die Eryciniden ausserordentlich arm 
repräsentirt und nur 3 Gattungen, Zemeros, Taxüa und 
Abisara werden hier gefunden. Diese sind auch nicht 
einmal auf die Region allein beschränkt, sondern ver- 
breiten sich bis zum Himalaya — in einigen Arten selbst 
bis Afrika. 

In der letzten Familie, den Hespericlen, haben wir 
18 Gattungen mit ungefähr 200 Arten, von denen drei 
eigenthümhch sind: Gapila, Pisola vtad Iteimon, der Rest 
dem ganzen indo-austrahschen Gebiet gemeinschaftlich 
und darunter ungefähr 10 Gattungen, welche dem ganzen 
Tropengürtel der Erde angehören. 

4. Australische Region. 

Die australische Region begreift ausser Australien selbst 
noch die nördhch davon gelegene grosse Insel Neu-Guinea 
und die ganze Inselkette bis Celebes westlich, Neu-Seeland 
imd das grosse polynesische Inselreich im stillen Ooean, 
welches sich über ein Areal von 100 Längengraden 
ausdehnt. Mit Ausnahme von Neu-Guinea und den daran- 
hegenden kleinen Inseln, welche fast ganz äquatorial 
sind und eine gleich üppige Fauna und Flora beher- 
bergen, wie die indo-malayische Region, ist das australische 
Gebiet arm an Thierleben und hauptsächlich steht Australien 
selbst im schroffsten Gegensatz zu der reich entwickelten 
malayischen Region, wegen seines wüstenartigen, allem 
Thier- und Pflanzenleben feindlichen Charakters. 

Das Festland Australien nebst Tasmanien zeigt somit 
ein von Keu-Guinea sehr verschiedenartiges Aussehen 
und bildet eine besondere Subregion, welche wir als 
speciell australische bezeichnen. Neu-Guinea und das 
Inselreich bis Celebes kann als Fortsetzung der indo- 
malayischen Region gelten und wird als austro-malayische 
Subregion im Gegensatz zur indo-malayischen betrachtet, 
während Neu-Seeland und das polynesische Inselreich 
zwei weitere Subregionen abgeben, deren jede für sich 
ganz charakteristische Züge aufweist. Wir haben somit 
ebenfalls 4 Subregionen: Australien, Austro-Malayen, 
Neu-Seeland und Polynesien. 

Das Insektenleben der einzelnen Regionen ist ganz 
auffallend von einander verschieden. Während die Pacific- 
Inseln und Neu-Seeland ausserordentlich arm an Schmetter- 
lingen sind (auf letztgenannter Insel sind im ganzen nur 
15 Arten gesammelt worden), finden wir in Austro-Malayen 
dieselbe Mannichfaltigkeit und Fülle der indo-malayischen 
Region und eine grosse Zahl von Insekten ist beiden 
Gebieten eigenthümlich, so dass der Charakter dieser Sub- 



16 



GEOGEAPHISOHE VE EB LEITUNG. 



reo-ion nicht wesentlich von dem der vorhergehenden ab- 
weicht. Fast alle Gattungen, welche wir in unserer 
Skizze der indo-malayischen Region genannt haben, be- 
wohnen auch die austro-malayische, so dass wir uns hier 
nur darauf beschränken können, diejenigen zu nennen, 
welche diesem Gebiet als eigenthttinhch angehören. 

Das Festland Australien ist, wie schon bemerkt, sehr 
arm an Schmetterlingen, ausgenommen in seinen nördlichen 
und tropischen Theilen, wo nahe malayische Formen 
vorkommen. In Süd-Australien sind kaum 40 Arten, 
in Queensland gegen 100 gefunden worden. Die 
für Australien speciell eigenthümlichen Gattungen sind : 
Xenica, Heteronymplm und Hypocysta, 3 Gattungen 
aus der Satyridenfamilie, 2 Lycaenen-Gattungen : Ogyris 
und ütica, imd 3 Gattungen Hesperiden: Trape.zites, 
EuscJiemon und Ancistroides. Das merkwürdigste austra- 
lische Lepidopteron ist indessen unstreitig der Eurycus, 
halb Parnassier und halb Papiho, dessen einzigen Yer- 
wandten wir erst in dem argentinischen Eiiryades, seinem 
Antipoden, antreffen. Unter den übrigen Bewohnern des 
Festlandes finden wir einige bemerkenswerthe Papilionen, 
wie den eigenthümlichen, ganz isoliit dastehenden 
P. Madeyaims und P. Jegeus, die 0. Rirluiwndia, die 
kleinste Form der grünen Ornithopteren, und andere mehr. 

Austro-malayische Subregion. Die grosse Insel Neu- 
Guinea im Norden von Australien bildet die Central-Masse 
dieser Region und um sie vertheilt sehen wir eine Gruppe 
von kleinen Inseln, worunter die Molukken im Westen 
imd die Salomonsinseln im Osten die bemerkcnswerthesten 
sind. Alle stimmen in den Hauptzügen ihrer Schmetter- 
lingsfaunen mit Neu-Guinea überein und diese ist durch 
die begünstigte äquatoriale Lage, in Folge dessen 
durch den Reichthum an üppigen tropischen Wäldern 
durch grosse Feuchtigkeit zu einer gleichen Höhe ent- 
wickelt, wie die indo-austrahsche. Eine eigenthümliche 
Stellung nimmt die Insel Celebes ein, welche an der 
äussersten Grenze dieser Region hegt und auch gewöhn- 
hch zu ihr gerechnet wird. Sie zeigt so viel merk- 
würdige Züge, dass wir später mit einigen Worten die 
Schmetterüngsfauna derselben berühren werden. 

Fast alle Familien und Gattungen, welche wir bei der 
indo-malayischen Region genaimt haben, gehören auch 
der austro-malayischen an, so dass es nur eine nutzlose 
Wiederholung wäre, wollten wir dieselben hier noch ein- 
mal anführen. Wh- nennen daher nur diejenio-en Gat- 
tungen, welche neu hinzukommen oder doch wenigstens 
für diese Region charakteristisch sind. 

Unter diesen ist Hamadryas, ein naher Verwandter 
der südamerikanischen Ithomien und der einzio-e Vertreter 
der Neotropiden auf der östlichen Hemisphäre, bemerkens- 
werth ; Teaaris und liyantis, eme Gruppe einfach gefärbter, 
aber mit grossen Augen gezeichneter Morphiden, zwei 
schöne Nymphahden-Gattungen : Prothoü und Mynes, von 
denen die erstere aber eine prachtvolle Art auch in 
Malacca und Borneo besitzt, und zwei neue Schillerfalter, 
die grosse Spater Wirt nniEulaceyra ; Dicallaiieiira, eineEry- 
ciniden-Gattung und Elodina, eine kleine merkwürdio-e Pie- 
ride, nahe mit Pieris verwandt. Von den Lycaenen haben 
wh- den prachtvollen kleinen Hypoclirysops, oberseits im 
tief dunklen Blau oder feurig orangeroth glänzend, unter- 
seits verschwenderisch mit Gold und Silber geschmückt. Am 
grossartigsten sind aber die Papilionen entwickelt : die herr- 



liche blaue L77/S6'e6-Gruppe, die ^-Itf^/cz^s-Gruppe und vor 
allem die P?-iart(?<s-Gruppe mit prachtvoll smaragdgrünen 
Bändern auf den sammtschwarzen Oberflügeln sind speciell 
dieser Region eigenthümlich. Der bemerken swertheste Zug 
besteht in der Zersphtterung der letzteren in mehrere Formen, 
oder Arten, welche auf einen kleinen Kreis, oft auf eine kleine 
Insel allein isolirt sind. Der grosse 0. Priamus, der 
„Fürst der Schmetterlinge", kommt nur auf Amboina 
und Halmahera vor, die entgegengesetzte Form Richmondia, 
der kleinste der grünen Ornithopteren , auf der Süd- 
Ostseite Australiens, in Neu-Süd- Wales ; Pegasus auf Neu-, 
Guinea, Poseidon auf den Aru-Inseln, u. s. w. vor. 
Prachtvolle Farbenvarietäten, wie der goldgelbe Gr'ösus sind 
nur auf Batjan, der orangefarbene Lydius auf Gilolo, der 
grüngelbe, überaus prächtige Tlthonus auf Waigeu, dieblaue. 
C/cyiY^i'artfflaufNeu-Irland, dem östlichstenPunkte der Region 
beschränkt. Alles dies beweist ein ungeheures Zeitalter, 
innerhalb welchem die Zersplitterung des Landes vor sich 
gegangen sein muss, und erklärt zugleich viele eigenthüm-. 
hohe Züge in der Schmetterlingsfauna dieser Region. 

Neu-Guinea, die Heimath des Paradiesvogels, wird 
nebst den kleinen nahen Inseln auch die Papua-Region 
genannt, doch ist der grösste Theil seines Innern noch 
unbekannt und mit dem Schleier des Geheimnissvollen 
bedeckt. Seit aber Deutschland einen Theil der Insel er- 
worben hat, ist zu hoffen, dass auch die Erforschung des 
innern Landes energisch in die Hand genommen wird und 
manche Schätze dieses wunderbaren Eilands gehoben w- erden. 

Besser ist dies mit den Molukken und Celebes der 
Fall, welche gerade in den letzten Jahren wiederholt von. 
wissenschaftlichen Sammlern besucht worden sind. Unter 
den ersten ist die kleine Insel Amboina merkwürdig, nicht 
allein durch den effectiven Reichthum seiner Schmetter- 
lingsfauna, sondern durch die überwiegende Grösse und 
Schönheit seiner Bewohner im Vergleich zu nahen Ver- 
wandten der benachbarten Inseln. ITm ein Beispiel zu 
geben, erwähnen wir nur den Priamus und die Helena 
aus der Ornithoptera-Gruppe, den blauen Ulysses, den 
grossen Gambrisius, dessen ^ der grösste aller ächten. 
Papilio ist, die Hestia Idea und Euploea Älea von den Da-. 
naiden ; aus der Nymphahden-Familie die schöne Diadema 
Pandarus und den Charaxes Euryalus — alles Formen 
von Riesengrösse im Vergleich zu solchen der umhegen- 
den Inseln. 

In anderer Hinsicht merkwürdig ist die Schmetter- 
lingsfauna von Celebes. Fast drei Viertel aller dort vor- 
kommenden Arten (etwa 200) sind dieser Insel eigenthüm- 
lich, aber unter diesen befindet sich nicht eine einzige 
eigenthümhche Gattung. Viele specifisch orientalische er- 
reichen hier ihre äusserste östliche Grenze, aber auch 
einige austrahsche Formen gehen nicht weiter westhch 
als bis Celebes, so dass die Fauna dieser Insel gewisser- 
massen eine Mischung beider Gebiete darstellt. Auch in 
anderer Hinsicht zeichnen sich die celebensischen Schmet- 
terlinge von allen übrigen aus, und zwar durch eine Eigcn- 
thümhchkeit in Form, Grösse und Farbe, welche Arten 
aus ganz verschiedenen Gruppen in gleicher Weise zeigen. 
Dieser merkwürdige Charakterzug wurde zuerst von 
Wallace beobachtet und des näheren in seiner geogra- 
phischen Verbreitung der Thiere beschrieben. 

Die Eigenthümhchkeit in der Flügelform besteht darin,^ 



GEOGRAPHISCHE VEEBREITUNG. 



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dass die Vdfl. oft segelartig zugespitzt und an der Flügel- 
basis plötzlich gebogen oder geknickt sind. Sehr schön 
zeigen dies z. B. die Tachyris Zarinda und der Papilio 
Giqon. Dessgleichen findet man häufig einen violetten 
Schiller bei Gattungen, denen dieser Schmuck sonst 
■vollkommen fehlt. Dies zeigen z. B. sehr schön die cele- 
bensische Form der Hehomoia Glaucippe., die Cethosia 
Myrina, Atella Celehensis und Messaras Maeonides, deren 
zahbeiche Verwandte keine Spur dieses Schillers tragen. 
Auch an Grösse und Farbenschönheit überragen viele 
celebensische Schmetterlinge die anderer Länder, und er- 
wähnen wir nur als Beispiel für viele den prachtvollen 
Papilio Blumei, ein wahres Juwel in der schon so reich 
geschmückten Paris-Gruppe und den langschwänzigsten 
Papilio der ganzen Welt, den P. Androcles. 

Mit wenigen Worten wollen wir noch der auffallend 
armen Schmetterlingsfauna Neu-Seelands gedenken, welches 
als dritte australische Subregion betrachtet wird. Auf 
dieser räumlich fast England gleichen Insel sind bis jetzt 
nur 15 Arten Tagschmetterlinge gefunden worden, von 
denen 9 dieser Insel eigenthümlich sind. Es sind 2 Pyra- 
7»ie;'s-Arten, 1 Lycaerm, 4 Arten Polyommatiis, 1 JErehia und 
eine speciell nur auf Neu-Seeland vorkommende Satyiiden- 
Gattung mit einer Art: der Ärcjyrophenga Antipodum, 
einem kleinen Erebien-artigen Schmetterling. Die übrigen 
hier vorkommenden Lepidopteren sind : der AUerwelts- 
wanderer P?/ra»;ejs Gardui, die ebenfalls in der Wanderung 
begriffene nordamerikanische Danais Erippus, die weit- 
verbreitete Hypolimnas Bolina, und einige australische 
Formen von Hamadryas, Gatopsilia und Lycaenit. 

Etwas reicher an Arten ist das grosse polynesische 
Inselreich, welches die vierte australische Subregion büdet. 
An eigenthümlichen Gattungen haben wir hier nur die 
kleine Xois auf den Fidji-Inseln, eme Satyride und 
mehrere Arten Danais, Euploea, Lycaena, Pieris und 
Tachyris, sowie einige Papilionen. Erwähnenswerth ist 
noch das Vorkommen einer Colias-Art, der G. Ponteni 
und der Pyrameis Ta.mmeainea auf den Sandwich-Inseln. 

Im ganzen sind einige 50 Arten Tagschmetterlinge aus 
dieser Region bekannt, von denen die meisten wohl eigen- 
thümlich sind, aber zu rein indo-australischen Gattungen 
gehören. 

5. Neotropische Region. 

Die neotropische oder südamerikanische Region über- 
trifft alle anderen Regionen nicht allein durch die grosse 
Menge ihr eigenthümlicher Arten, sondern auch durch die 
wundervolle Farbenpracht ihrer Bewohner. Kein Land 
der Erde kann sich in dieser Hinsicht mit ihr vergleichen 
und wenn auch die östhchen Tropen Uianche grossartige 
Formen besitzen, wie z. B. die prächtigen Ornithopteren, 
so stehen diesen in Südamerika doch so hoch entwickelte 
Tjrpen gegenüber, wie die blaubeschwingten Morphiden, 
die gloriosen Agrias und eine Menge kleiner, aber exquisit 
gefärbter Schmetterlinge, dass jedes andere Gebiet durch 
den Reichthum dieser Farben verdunkelt wird. 

Die neotropische Region ist in jeder Weise gut be- 
grenzt und besteht nicht allein aus dem grossen süd- 
amerikanischen Continente, sondern auch aus dem tropischen 
TheU Nordamerikas und den westindischen Inseln, den 
Antillen. 

An der Westküste Südamerikas zieht sich, wie ein 



Blick auf die Karte lehrt, die gewaltige Andenkette hin, 
eine Erhebung von mächtiger Höhe, welche sich bis nach 
Centralamerika ausdehnt und hier mit den südliehen 
Ausläufern des nordamerikanischen Felsengebirges, den 
Rocky Mountains, zusammentrifft. Dadurch wird das 
grosse Areal in zwei Regionen , ein Bergland und 
eine flache Ebene geschieden, von denen die letztere in 
ihrer grössten Ausdehnimg mit einem ununterbrochenen 
üppigen Walde bedeckt ist und von dem mächtigen 
Amazonas und seinen Nebenflüssen der ganzen Länge nach 
durchflössen wird. Hier, fast nahe unter dem Äquator,, 
entwickelt sich jene üppige Tropenvegetation und ein 
Thierleben von so reicher Mannigfaltigkeit, wie es nirgends, 
in so grosser Ausdehnung wieder vorkommt und nur noch 
an zwei Punkten der Erde, im malayischen Archipel und 
den inneren tropischen Theilen We?tafrikas, annähernd 
erreicht wird. 

Ganz im Gegensatz zu diesem üppigen Waldleben 
stehen die Hochplateaus der Anden und jene Theile von 
Südamerika, welche ausserhalb der Wendekreise liegen. 
Diese bilden ein Flachland mit unübersehbaren Grassteppen 
und ziehen sich bis nach Patagonien hin. Hier ist die- 
Fauna und Flora gänzlich verschieden und zeigt einen 
alpinen, ja oft einen geradezu europäischen Charakter.. 
Diese Region wird als die chilenische bezeichnet, im 
Gegensatz zur brasilianischen, welche den ganzen tropi- 
schen Theil Südamerikas umfasst. Eine dritte Subregion, 
Centralamerika und den südhchen Theil Nordamerikas, 
begreifend, ist im wesentlichen nicht von der grossen 
brasilianischen Region verschieden. Dagegen zeigen die 
Antillen, die vierte Subregion, einen so gänzhch ab- 
weichenden Charakter, der sich nicht allein in der Armutb 
seiner Fauna , sondern auch in ganz eigenthümlichen,. 
dem Festlande vollkommen fremden Formen ausspricht,^ 
dass wir diese Region kurz besonders besprechen werden. 

Die Schmetterlingsfauna von Südamerika, speciell von 
Brasilien, ist so reich entwickelt, mit einer so grossen Fülle- 
an eigenthümhchen Arten, geschmückt mit einem Glanz und, 
einer Pracht der Färbimg, dass sie nicht allein an Zahl der 
Arten allen .8 tropischen Regionen der östlichen Erdhälfte- 
gleichkommt, sondern sie in gewisser Hinsicht sogar über- 
trifft. Zwei Familien allein, die Heliconier und Brassoliden, 
sind ganz auf sie beschränkt und zwei weitere, die 
Neotropiden und Eryciniden, fast ganz dieser Region 
eigenthümlich. Die übrigen Famihen sind in grossartigster 
Weise entwickelt und wenn auch in einigen die Zahl 
der ihr eigenthümlichen Gattungen hinter der anderer 
Gebiete zurückbleibt, so wird dieser Mangel durch eiae 
grössere Arten zahl wieder aufgewogen. 

Die Papilioniden zeigen diese Eigenthümlichkeit am 
auffälligsten, da ausser Papilio selbst keine andere Gattung 
hier gefunden wird, als der Eitryades und dieser auch 
nur in dem aussertropischen TheU Südamerikes, in den 
La Plata-Ländern vorkommt. Die Gattung Papilio ist 
in ausserordentlicher Menge von Arten vorhanden,, 
fast die Hälfte aUer bekannten Formen kommt hier 
vor und ihre Typen sind ganz verschieden von denen 
der östlichen Hemisphäre. Als charakteristische Gruppen 
nennen ydv vor allen die dunkelgrüne i/yciJa«- Gruppe, 
die ornithopterenartige, aber bedeutend kleinere Sesostris- 
Gruppe, mit einem prächtig smaragdgrünem Flecken auf 
den sammtschwarzen Vdfln. ; die weit verbreitete und 



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GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



zahlreiche Vertumnu.i- und Anchises-Gruip^e, die grossen 
gelben 'Ihoas und Torquatus mit zahh'eichen Verwandten 
und die schöne langschwänzige Profe«i7aM6-Gruppe, welche 
unseren Segelfalter repräsentirt und in zahlreichen Arten 
Torhanden ist. 

Die Pieriden sind ebenfalls ausgezeichnet entwickelt 
und genau die Hälfte der Gattungen (20) werden hier 
gefunden, von denen 13 allein dieser Region zukommen. 
Die übrigen 7 gehören theils grossen cosmopolitischen 
Gattungen an, (Pieris, Gonopteryx, Golias) oder den 
beiden bekannten tropischen Geschlechtern Catopsilia 
und Eurema, theils solchen, welche diese Region mit 
Ifordamerika gemeinsam besitzt. Von den eigenthümlichen 
Gattungen sind Phulia, Eroessa, (dem einzigen süd- 
amerikanischen Vertreter unserer Anthocharis) und Scali- 
doneura auf die chilenischen Hochgebirge beschränkt, der 
merkwürdige Styx auf Peru, Euckeira auf Mexico und 
Xrikoffoma auf die Antillen, Venezuela und Mexico, während 
die übrio-en sich über das ganze tropische Areal ausdehnen 
und in vielen schön gefärbten und gezeichneten Arten 
vorkommen. Von diesen nennen wir nur die artenreiche 
Gattung Dismorpida, ausgezeichnet durch ihre mimetischen 
Formen und noch dadurch merkwürdig, dass sie in der 
südamerikanischen Fauna ganz isolirt dasteht imd ihre 
nächsten Verw^andten erst in unserer europäischen Leuco- 
phasia wiederfindet. 

Ein eio-enthümlicher Parallelismus waltet auch zwischen 
den Gattungen Pereute (Ärchonias) und BajJtonoura 
•einerseits und den mdo-australischen DeKas und Tachyris- 
Arten anderseits ob, welche unter sich sehr nahe venvandt 
sind und sich gegenseitig zu vertreten scheinen. Die Euremen 
und Gatopsilien sind in grossartigster Weise entwickelt und 
letztere oft in ungehem-er Individuenzahl vorhanden, 
während die Gattung Pieris an Arten weit die übrigen 
Regionen übertrifft und fast ein Drittel aller bekannten 
enthält. Gonopteryx ist durch 2—3 Arten, aber von 
riesio-er Grösse, vertreten und die Gattung Colias 
geht selbst bis in die äusserste Spitze Patagoniens und 
ist auch auf den Hochgebirgen des tropischen Südamerika 
gefnnden worden. 

In der nun folgenden Famihe, den Danaiden, haben 
•wir nur das Vorkommen von 2 — 3 Arten iJanais zu 
erwähnen und zwei eigenthümliche Gattungen, welche 
früher mit der folgenden Gruppe vereinigt waren. 

Diese bilden unsere neue Familie „Neotropiden" und 
sind, wie dies schon der Käme andeutet, ganz oder doch 
fast ganz auf die vorhegende Region beschränkt. Nur 
eine Gattung, Hamadryas, gehört ausschliesslich dem 
australischen Gebiete an. 

DieNeotropiden geben der südamerikanischen Schmetter- 
hngsfauna einen ganz bestimmten Charakterzug durch ihre 
auffällig schmale, an Libellen erinnernde Flügelform und 
ersetzen hier die Danaiden der alten Welt. Sie kommen 
am zahlreichsten in dem Amazonengebiet vor und hier 
sind es besonders die zarten durchsichtigen Ithoinien, die 
bunten Melinaeen, Mechanitis und Ceratinia-Arten, die 
grossen Euploeen-ähnlichen Tithoreen, welche die üppigen 
tropischen Wälder bewohnen, während Eutresis, Olyras und 
Athesis mehr auf die Hochländer der Anden beschränkt sind. 

In noch höherem Maasse tragen die ächten Heliconier 
mit ihren bunten Farben und einer der vorigen Familie 
ähnhchen Flügelbildung dazu bei, der südamerikanischen 



Fauna ein charakteristisches Gepräge zu geben, da sie 
nicht allein sehr zahlreich an Arten, sondern auch an 
Individuen sind und in wundervoller Weise die Waldregion 
beleben. Die Gattung Ileliconius selbst (mit gegen 120 
Arten) breitet sich über das ganze tropische Gebiet aus 
und dringt selbst in einer Art, dem allbekannten H. Chu- 
ritonius, bis in das gemässigte Nordamerika vor, während 
Eueides mehr dem nördlichen Brasilien angehört. 

Auch die fast rein afrikanische Familie der Acraeen 
ist durch einige 40 Arten hier vertreten, welche äusserlicb 
sowohl als auch durch geringe Strukturverschiedenheiten 
von den Afrikanern getreimt sind, die es vielleicht wünschens- 
werth erscheinen lassen, diese Formen als besondere 
Gattung von Acraea abzutrennen. 

In den Nymp/taliden tritt der Gegensatz zwischen der 
östlichen und westlichen Hemisphäre am schärfsten und 
deutlichsten hervor und ganze Gruppen treten hier auf, 
welche den übrigen Paunengebieten entweder vollständig 
fehlen oder doch nur in wenigen Arten vorhande.i sind. 
Unter diesen tritt besonders die Eunica und Catagramma- 
Gnippe hervor, welche der südamerikanischen Fauna 
jenes farbem-eiche und bunte Colorit geben, wodurch sie 
sich so auffäUig von den übrigen unterscheidet. 

Die ^n?j/?iMis-Gruppe ist nur durch 2 oder 3 Genera 
repräsentirt, welche in Form und Flügelfärbung ganz von 
den typischen Arten abweicheji. Unter diesen ist besonders 
die eigenthümlich grasgrün gefärbte Metamorpha Dido, 
eine der auffälligsten und charakteristischsten Erscheinungen 
dei südamerikanischen Tropen, und ebenso wie die nahe 
verwandten, auf der Rückseite mit den glänzendsten Silber- 
flecken gesclimückten i)io;ie-Arten auf Südamerika be- 
schränkt, aber von letzter Gattung gehen auch einige 
Arten in das gemässigte Nordamerika. Dagegen enthält die 
ilf«^«toeeH-Gruppe mehrere eigenthümliche Gattungen, 
darunter eine (Phycindes) , welche nicht allein eine ausser- 
ordentlich grosse Artenzahl, sondern auch viele niLmetische 
Formen darunter besitzt. 

Die Vanessen sind eher arm als reich zu nennen; nur 
eine schöne und grosse Gattung, Napeocles, nahe mit der 
afrikanischen Salamis verwandt, ist eigenthümlich — ausser- 
dem gibt es Vertreter von Junonia, Pyrameis und Vanessa 
(unter den letzteren sogar eine speciell europäische Art, 
unsere F. Äntiopa) und eine Gattung hat Südamerika 
mit Afrika gemeinsam (Hypanartia). In grossartiger 
Weise ist dagegen die Eunica- und 6'ato(/ra;Hma-Gruppe 
entwickelt, mit zahh'eichen Gattungen und Arten, alle 
von prachtvoller Schönheit und verschwenderisch mit 
Purpur, Blau und Orange geschmückt. Sie wird hieria 
nur noch von der Nymphalis-Giixpiie überboten, in welcher 
wir Formen von so brillanter Färbung besitzen, wie die 
herrlichen Agrias, die blau schillernden Preponen, die 
scharlachfarbenen Siderone und ein Heer von dunklen 
Anaeen mit seltsam gesichelter Flügelform, dass nichts 
ähnUches in der Insektenwelt wieder gefunden wird. 
Speciell eigenthümlich sind auch die Ageronien, gleich, 
merkwürdig durch das knackende Geräusch, welches sie 
beim Fliegen hören lassen und durch ihre Gewohnheit, 
sich mit platt angelegten Flügeln wie die Spanner an 
die Baumstämme zu setzen. 

Die iij»eMji!i«-Gruppe wird nur durch die Gattung 
Adelpha mit zahlreichen Arten repräsentirt und die 
Apatiiren durch die Gattung Chiorippe, welche jetzt von 



GEOGEAPHISOHE VERBREITUNG. 



19 



-Apatura abgetrennt ist und deren Arten hier einen Glanz 
\ind Schiller erreichen, welcher weit ihre östlichen Ver- 
wandten übertrifft. 

Im ganzen haben wir 66 Nymphaliden-Gattungen reprä- 
■sentirt, genau die Hälfte der ganzen Familie, und von diesen 
60 allein der südamerikanischen Fauna eigenthümlich. 

In noch gi'ossartigerer Weise sind die Morphiden ver- 
treten, welche mit enorm entwickelten Schwingen und ge- 
■schmückt mit den prachtvollsten Azurtinten eine der am 
meisten in die Augen fallenden Schmetterlingsgruppen der 
^südamerikanischen Tropen bilden, ja in einigen Arten von 
von einem Glanz und Feuer der Färbung erscheinen, wie 
in der herrlichen M. Oypris, einem Schmetterling von so un- 
vergleichlicher Schönheit, dass sein Autor wohl mit Recht 
sagen durfte: „omnium papihonum bellissimus." In dieser 
Gattung erreicht der Schmetterlingstypus den Höhepunkt 
■seiner Entwickelung, indem das Flugvermögen auf das voll- 
•kommenste durch die mächtigen Flügel und den kurzen Leib 
■ausgebildet ist. Obwohl nur die Gattung Morjjho allein 
-hier vorkommt, so steht sie doch keineswegs an Formen- 
reichthum ihren östlichen Verwandten nach, denn nicht 
■weniger als 40 Arten sind bekannt — ebenso viel als alle 
indischen Morphiden zusammen genommen. 

Die Brassoliden sind ganz auf Südamerika beschränkt 
■und für diese Region eigenthümlich. Auch hier erreichen 
die Formen eine bedeutende Grösse ; aber es sind meist 
in der Dämmerung fliegende Insekten und in dunkle, 
Venn auch reiche Farben gekleidet. "Wir erwähnen nm- 
"die grossen üaligo-kxten, den berühmten Dynast or Napoleon, 
einen der grössten Tagsohmetterlinge von fast ganz 
castnienartigem Charakter, Opsijihanis \inä. Brnssolis selbst, 
und die reich blauschillernden Eriphanis-Aiien. 

In der nächsten Familie, den Satyriden, haben wir 
'ebenfalls eine Menge eigenthümlicher Gattungen, aber das 
Yerhältniss derselben ist nicht so auffallend, wie bei den 
-Nyiuphaliden. Von den 67 Gattungen kommen 28 hier 
vor und 23 sind eigenthümlich. Unter diesen sind 
'die zarten, durchsichtigen, rosa und violett gefleckten 
Saeteren, die reicher, aber dunkel gefärbten Pierellen 
'■und Antirrltaeen, die in zahlreichen Arten auftretenden 
Euptichien die auffälligsten Formen. Ausserdem gibt es 
noch ein Heer meist einfach braun gefärbter Pedaliodes, 
Lasiophila, Taygetes und Ly inanoptoila- Arten und anderer 
-mehr, welche die Erebien des Nordens vertreten und nament- 
lich die Höhenzüge der Andenausläufer bevölkern. 

Unter den Lycaenen finden wir einen auffallenden 
-Mangel an Gattungen, indem überhaupt nur 6 hier ge- 
•funden werden, von denen eine, Eumaeus, nur auf Gentral- 
Amerika und die Antillen beschränkt ist, 3 andere nur 
aus je einer Art bestehen und daher wenig zm' Charakteristik 
■der Fauna beitragen. Dagegen ist die Gattung Thecla 
in einer Grossartigkeit entwickelt, dass die Arten derselben 
-allein ein Drittel sämmtlicher Lycaeniden ausmachen, und 
obwohl die meisten nur klein von Gestalt erscheinen, doch 
so feurig mit goldgrünen und blauen Tinten, ja in einzelnen 
Fällen auf der Rückseite so verschwenderisch mit Gold 
lind Silber geschmückt sind, dass die Autoren glaubten, 
'dies in den Namen ausdrücken zu müssen (Imperialis, 
Regalis, Ducalis, Coronata etc.) 

Auch die Eryciniden, eine Familie kleiner, aber wunder- 
voll gezeichneter Schmetterlinge, sind fast ganz auf Süd- 
•Amerika beschränkt und bilden eine sehr charakteristische 



Erscheinung der dortigen Tropenwelt. Nicht weniger als 
800 Arten sind bereits von diesen beschrieben worden ; 
sie treten in einer Fülle von Formen und in so wechsel- 
voller Combination der Farbe auf, dass nichts auf der 
Erde mit ihnen verglichen werden kann. Auch ist es 
nutzlos, Beispiele anzuführen, da sie doch keinen Begriff 
von der verwirrenden Menge an Farbenzusammenstellungen 
dieser kleinen lieblichen Geschöpfe geben können. 

In der letzten Familie, den Hesperiden, haben wir 
ebenfalls eine ungeheure Entwicklung an reich gefärbten 
Arten, die es ganz vergessen lässt, dass diese Gruppe 
meist in dunkle, wenig hervorstechende Farben gekleidet ist. 

Fassen wir die Schmetterlingsfauna des tropischen 
Südamerikas noch einmal zusammen, so haben wir als 
hervorragendsten Charakterzug: Grosser Reichthum an 
Arten, verbunden mit einer enormen Specialisirung ihrer 
Formen. Dies zeigt deutlich folgende summarische 
Zusammenstellung gegenüber den übrigen Faunen gebieten. 

Hiimntcr eiiieiifhüm- 





Gatluiifieii 


mit (ja. Arten 


ii-he Gaitiuigen 


Papilioniden 


1 


200 


— 


Pieriden 


20 


380 


13 


Danaiden 


3 


10 


2 


Neotropiden 
Acraeen 


19 
1 


410 
40 


18 


Hehconier 


2 


140 


2 


Nymphaliden 
Libytheen 
Morphiden 
Brassoliden 


66 
1 
1 

8 


680 
2 

48 
70 


60 

1 

8 


Satyriden 
Lycaeniden 
Eryciniden 
Hesperiden 


28 
6 

74 
42 


410 
500 
850 
820 


28 

4 

74 
26 



272 4560 231 

also mehr als die Hälfte aller bekannten (494) Gattungen 
mit einer Artenzahl, welche die der ganzen östlichen 
Hemisphäre noch um einige hundert übertriff't. 

Chilenische Subregion und Fauna der Antillen. 

Wu- müssen noch kurz einige Worte über die chilenische 
Subregion und die Fauna der Antillen sagen, welche von 
der eben geschilderten reichen brasilianischen ganz ver- 
schieden sind. Die chilenische Region begreift die 
Westabhänge der ganzen Andenkette und den ausser- 
tropischen Theil Südamerikas in sich ; sie ist ziemlich arm 
an Schmetterlingen und kann in keiner Hinsicht mit dem 
Reichthum des tropischen Südamei-ikas verglichen werden. 
Es erklärt sich dies leicht aus der Beschaff'enheit des 
Landes, welches einer Entwickelung des Pflanzen- und 
Thierlebens nicht günstig ist, das in seinen südlicheren 
Theilen mit einförmiger Gras-Vegetation bedeckt ist und 
daher nur wenige specialisirte Formen hervorgebracht hat. 
Am zahlreichsten sind die Satyriden verti-eten, von denen 
es ja bekannt ist, dass sich die Raupen hauptsächlich von 
Gräsern nähren und viele Gattungen bergliebend sind. 

Einer der merkwürdigsten Züge der chilenischen Fauna 
besteht darin, dass viele Formen mit solchen der gemässigten 
Zone übereinstimmen. Unter den Nymphaliden kommt die 
Gattung Brenthis (Argynnis) mit 6 Arten, von Satyriden 
die Gattung Erehia, Hipparchia, Oeneis (mit einer schönen 
silberglänzenden Art) , femer ein ächter PolyommasKt 



20 



GEOGEAPHISOHE VERBREITUNG. 



(welcher sonst nicht in Brasilien gefunden wird) und 
einige Colias-Arten vor, — alles Formen, welche der 
gemässigten Zone angehören. Dagegen finden sich auch 
Gattungen, welche ihren Ursprung aus der brasilianischen 
Palma leicht verrathen ; z. B. Stihomorpha, Eteona, Apo- 
demia, Hesperocliaris, Thracides ; oder es sind weit ver- 
breitete Formen, wie Calliclnjas und Lycaena. 

Eigenthümliche Gattungen für diese Höhen-Region sind 
ferner noch: Phulia und Eroessa, zwei Pieriden mit je 
einer Ai't, von denen Eroessa nahe mit unserer Anthookaris 
verwandt ist, und für die Ebene der bemerkenswerthe 
Euryades, ein Zwischenglied zwischen Papilio und Par- 
nassius, welcher aber nur in dem La Plata-Gebiete vor- 
kommt und seinen nächsten Verwandten erst in dem 
australischen Eurycus wiederfindet. 

Die Fauna der Antillen ist in derselben Weise 
durch eigenthümliche Formen ausgezeichnet, aber es waltet 
ein grosser Unterschied zwischen der chilenischen und 
dieser Subregion ob. Obgleich die Vegetation dieser 
Inseln denselben üppigen tropischen Charakter wie das 
nahe liegende Festland zeigt, so herrscht nicht allein im 
Insektenleben, sondern auch in der ganzen übrigen Thier- 
welt eine relative Armuth vor. Eine Verwandtschaft 
derselben zu der südamerikanischen Fauna ist zweifellos 
vorhanden, aber viele Genera sind in ganz eigenthümlicher 
"Weise abgeändert, die auf ein ungeheures Zeitalter schliessen 
lassen, innerhalb welchem die Veränderung der Formen vor 
sich gegangen ist, seitdem die Inseln von dem Festland 
abgetrennt worden und die Formen isohrt geblieben sind. 

Auffallend ist der Mangel an grossen Morphiden und 
Brassoliden, obwohl dieselben auf dem nahen Festlande 
in ausserordentlicher Fülle entwickelt sind. Auch andere 
specifisch südamerikanische T3'pen fehlen entweder ganz, 
oder sind doch nur in wenigen Arten vorhanden, wie 
HeUconius und die Neotropiden. Zwei Gattungen sind 
ausschliesslich diesem insularen Gebiet eigenthümlich, 
nämlich: Callisto, eine Satyride, und die kleine Lucinia, 
der einzige Verwandte der Catagramma, ein imscheinbarer 
Vertreter dieser reichgeschmückten Gruppe, welcher nur 
noch in der Zeichnung der Htfl. die Abstammung erkennen 
lässt. Zwei andere Gattungen, die schöne grosse Clothilda 
mit wenigen Arten (welche allgemein zu der Argynnis- 
GiTippe gerechnet wird, aber auch Charaktere derDanaiden- 
Pamilie besitzt), Krikogonia (nahe mit Gonopteryx 
verwandt) und Eumaeus, eine grüngefärbte Lycaene, 
kommen sowohl hier als auch auf dem amerikanischen 
Festlande und in Centralamerika vor. Der Rest ist von 
südamerikanischen Typen abgeleitet, wenn auch die ein- 
zelnen Arten sich in eigenthümlicher Weise unterscheiden. 
Ein wundei-voUer Papilio, der P. Gundlachianus aus Cuba, 
ist das bemerkenswertheste Beispiel solcher Variation. 

Im ganzen haben wir 46 Genera mit etwas über 
100 Arten, ein karger Ersatz für den üppigen Pflanzen- 
reichthum dieser Inselwelt, und wenn auch diese Zahl 
nicht genau richtig ist, da noch immer ungehobene Schätze 
hier zu finden sind, ja, wenn wir sie selbst um das 
doppelte erhöhen, so steht sie doch in keinem Verhältniss 
zu dem Reichthum an Insektenlcben, welches das benach- 
barte Festland beherbergt. 



6. Neai'ktische Region. 

Diese letzte Region ist gut durch ihre natürlichea 
Grenzen umschrieben und umfasst das ganze Nordamerika 
mit Ausnahme der südlichen tropischen Theile. Sie reicht 
im Norden bis in die arktische Zone hinein und ist nur 
durch eine schmale Meerenge, die Behringsstrasse, voa 
der palaearktischen Region getrennt, mit welcher sie in 
vielfacher Hinsicht übereinstimmt. Die ungeheuren Wald-, 
distrikte im Norden, die grosse Bergkette, welche sie der 
ganzen Länge nach durchzieht und sich bis an die Land-. 
enge von Panama fortsetzt, die grossen Seen und das, 
Flusssystem des Mississipi und Missouri geben dieser 
Region einen bestimmten physiognomischen Charakter. 

Die compacte Ländermasse, deren grösste Breite im. 
Norden liegt, unterscheidet Nordamerika wesentlich von 
Europa, mit welchem es immer verglichen wird, obwohl es im, 
allgemeinen ein rauheres Klima besitzt, als Europa in gleichen 
Breiten. Doch ist es an Tagschmetterhngen viel reicher, 
wie dieses ; in einigen durch Klima und Lage begünstigten 
Distrikten, wie die Mississipi-Ebenen und die Landstriche, 
in Californien, ist es sogar relativ reicher als Süd-Europa. 

Die Schmetterlingsfauna Nordamerikas trägt einen, 
durchaus europäischen Charakter und nur im Süden 
mischen sich tropische Formen bei. Im ganzen sind 
ungefähr 500 Arten beschrieben worden, im Vergleich zu. 
der speciell europäischen Fauna eine sehr grosse Zahl 
und nur wenig dem ganzen grossen palaearktischen Gebiet 
nachstehend. Diese Übereinstimmung wird besser hervor-, 
treten, wenn wir kurz die Gattungen nennen, welche beide. 
Continente gemeinsam besitzen und diejenigen, welche, 
jedem derselben eigenthümlich sind. 

A. Gattungen, welche beiden Gebieten 
gemeinsam sind. 
Papilioniden : Papilio, Parnassius. 
Pieriden : Pieris, (Eurema), Gonopteryx, Colias, An-. 

tliocharis, Pliyllocharis, Midea, Zegris. 
Danaiden : (Danais). 
Nymphaliden : Argynnis, Melitaea, Grapta, Vanessa, 

Pyrameis, Limenitis. 
Libytheen : Lihythea. 
Satyriden : Erebia, Oeneis, Satyrus, Hipparchia, 

Goenonympha. 
Lycaeniden: Polyommatus, Lycaena, Tliecla, Zephyrus. 
Hesperiden : Pamphila, Thymelicus, Hesperia, Hetero-... 

pterus, Nisoniades, 
im ganzen 32 Genera von 50, also mehr als die Hälfte, 
welche hier überhaupt gefunden werden. Mit Ausnahme, 
der eingeklammerten Gattungen sind fast alle der ge- 
mässigten Zone eigenthümhch. Nur Papüio, Colias, 
Gonopteryx, Pieris, PjTameis, Libythea, Lycaena, Thecla 
und die Hesperiden sind cosmopolitisch oder werden auch, 
in den Tropen gefunden. 

B. Gattungen, welche nur in den betreffen- 
den Regionen vorkommen. 
(Die mit * versehenen sind ausschhessKch eigenthümlich.)^ 



Nordamerikanische : 



PapiUoniden 



Palaearktische : 
[ Doritis* 
I Hypermnestra^ 

Thais* 
{ Luehdorfia* 



GEOGEAPHISOHE VEEBEEITUNG. 



21 



Nordamerikanische : 

Meganostoma \ 
Nathalis J 

Dione 

Evptoieta 

Fhyciodes 

Anaea 

Doxocopa* 

Eiiptycliia 



Feniseca* 

Apodemia 
Charis 

6 Hesperide>i- 
Gattungen 

Sa. 17 Gattungen. 



Pieriden 
Nymphaliden • 

Satyriden 

Lycaenidei 

Eryciniden 
Hesperiden 



Palaearktische : 

Leucophasia* 

Mesapia* 

Davidina* 

Äraschnia" 

Thaleropis 

Neptis 

Apatiira 

Charaxes 

Melanargia* 

Trijyhysa* 

EpiMiepitele 

Tliestor* 

Folycaena* 

Laeosopis* 



Nt 



emeootus' 



Sa. 19 Gattungen. 



Mit Ausnahme von Feniseca, Doxooopa und einiger 
Hesperiden sind es alle südamerikanische Formen und in 
dieser Hinsicht steht die nordamerikanische Fauna weit 
hinter der europäischen zui-ück, da wir hier nicht weniger 
als 14 nur diesem Gebiet eigenthümliche Gattungen, in 
Nordamerika dagegen blos 2 haben. 

Wir werden nun kurz zur Vervollständigung des Bildes 
die einzelnen Familien genauer betrachten und die hervor- 
ragenden charakteristischen Züge der nordamerikanischen 
Fauna erwähnen. 

Papilioniden. Diese Familie ist durch eine Reihe 
schöner imd auffällig gefärbter Papüionen (17 Arten), 
welche der speciell nordamerikaraschen Polyxenus- und 
ö?aMc?/,s-Gruppe angehören, und einige Pamassiics-KxteTX 
auf den Rocky-Mountains vertreten, dagegen fehlt die 
ganze Thais-Gruppe gänzlich. Eine Parnassius-Art (P. 
Smintheus) ist mit dem europäischen P. Delius nahe ver- 
wandt, wenn nicht identisch. Unser P. Machaon wird 
durch eine schöne und grössere Art, den P. Zolicaon, 
P. Podalirius durch den mehr grün gefärbten Ajax vertreten. 

Pieriden. Ausser Pieris selbst mit 15 Arten, von 
denen eine Gruppe als Neoi^liasia abgetrennt wurde und 
speciell eigenthümlich ist, haben vrir hier noch ca. 20 Colias- 
Arten, von denen 8 der arktischen Zone angehören und 
zum Theil auch zum palaearktischen Gebiet gerechnet 
werden. 3 Gattungen : Meganostoma, Nathalis und Eurema, 
gehören vorwiegend dem südamerikanischen Gebiet an. 
AntJiocharis (6 Arten), Pliylloclia7-is (1 Art) und Zegris (1 Art) 
gleichen unseren europäischen. Die Gattung Midea ist sehr 
charakteristisch für Nordamerika, wenn sie auch nicht 
eigenthümlich ist, da eine Art auch in Japan vorkommt. 

Die DanaidenundHeliconier, zwei tropische Famihen, sind 
hier nur durch wenige Arten vertreten. Yon Heliconius geht 
nur der bekannte H. Gliaritonia bis zum 30. Grad in die ge- 
mässigte Zone, während die beiden Dajiais- Arten weiter nörd- 
lich vordringen. Von diesen ist der D. Erippus dieselbe Art, 
welche, noch jetzt in der Wanderung begriffen, bereits einen 
grossen Bezirk der ganzen südlichen Erdkugel erobert 
hat imd schon bis Neu-Seeland vorgedrimgen ist. 



Unter den Nytnphaliden haben wir aus der Argynnis- 
Gruppe Argyiinis selbst und Melitaea in reicher Arten- 
zahl über das ganze Gebiet verbreitet, darunter schöne 
und grosse Formen, von denen wir nur die prachtvolle 
Nokomis, Idalia und vor allem die A. Diana nennen 
wollen, deren ^ von Riesengrösse und ganz abweichend 
dunkel blaugrün gefärbt ist. Diane, Euptoieta rnii Fhyciodes 
sind südamerikanische Formen, welche bis in die gemässigte 
Zone vordringen. Auch die Vanessen sind gut entwickelt,, 
namentlich die Gattung Grapta, welche in grosser Ar-tenzahl 
auftritt (1 Arten), während Vanessa nur dm-ch 2 eigenthüm- 
liche Arten und zwei europäische (^ F. Antioparni^ V-album) 
repräsentirt wird. Pyrameis hat keine besondere Art auf- 
zuweisen, aber F. Atalanta und Cardui sind hier ebenso 
häufig wie bei uns. Ausser diesen ist noch eine Junonia- 
Art im südlichen Theile Nordamerika's einheimisch. 

Die Gattung Limenitis ist durch 5 schöne und auf- 
fällig gefärbte Arten repräsentu-t , alle ganz verschieden 
von den imsrigen; eine derselben ähnelt dem Danais 
Erippus so täuschend, dass es schwierig ist, beide auf 
den ersten Blick zu unterscheiden. Dagegen fehlt Neptis 
vollständig; aber eine schöne Art, welche gewöhnlich zu 
der südamerikanischen Gattung Adelpha (welche hier 
Limenitis vertritt) gerechnet wird, findet sich in Californien. 

Von A&s\Apaturen oder Schillerfaltern haben wirnur 2 Ar- 
ten, welche jetzt als besondere Gattung aufgefasst werden und 
nichts von dem prachtvollen Schillerbesitzen, der ihre östlichen 
und südamerikanischen Verwandten auszeichnet. Die grosse 
Nymphalis-Gm^^e. ist nur durch eine Anaea-Axt, welche ge- 
ringe Strukturabweichung zeigt, vertreten. Im ganzen haben 
wir etwa 100 Nymphaliden- Arten ; am zahlreichsten sind die 
Gattungen Argynnis, Melitaea und Phyciodes vertreten. 

In der folgenden Familie, den Satyriden, ist em relativer 
Mangel vorhanden undkeine Gattung aus dieserreichencosmo- 
politischen Familie ist speciell Nordamerika eigenthümlich. 
Die arktische Regionund die Höhenzüge der Rocky-Mountains 
beherbergen einige Oeneis- imd Erehia-Axien (von denen 
einige mit europäischen Formen identisch sind). Ausserdem 
kommen noch Goenonympha (unser C. Famphüus wird auch 
in Colorado gefunden), ein Satyrus und etwa 10 Hip- 
parcTiien vor, und aus dem südamerikanischen Gebiet 
betritt Euptychia in einigen Arten diese Region. Im 
ganzen haben wir 6 Genera mit einigen 30 Arten, sehr 
wenig im Vergleich mit dem palaearktischen Gebiet. 

Lycaeniden. In dieser Familie ist die Gattung Feniseca 
(mit Polyommatus verwandt) eigenthüniKch. Ausserdem 
sind Polyommatus selbst mit 17 Arten (worunter auch 
unser F. Fhlaeas), Lycaena mit einigen 60 Arten und 
Thecla mit ungefälu- 50 Ai-ten gut vertreten. Ausser 
2 Zephyrus-ATten kommen keine andere Gattmigen hier vor. 

Von den Eryciniden gehen nur 2 tropische Gattungen 
(Apodemia und Charis) mit wenigen Arten bis in die 
gemässigte Zone und die Libytheen haben nur eure 
amerikanische Art aufzuweisen. 

Dagegen haben wir in den Hesperiden, der letzten 
Famihe, sehr viele Arten (circa 160), aber kerne eigen- 
thümlichen Gattungen. Unter ilmen ist Pampihila alleia 
mit weit über 100 Arten vertreten, und wie Thyme- 
licus, Hesperia, Heteropterus mid Nisoniades auch in 
Europa heimisch, wähi-end der Rest theils südamerikanischen, 
theils weit verbreiteten Gattungen angehört. 



Greograpliisclie A^er-br-eitimg; 

der Schmetterlinge nach Familien. 



l<]s ist ebenso interessant als belehrend, die Verbreitung 
der Schmetterlinge nun nochmals, aber in Familien zu- 
sammengefasst, zu verfolgen und den umgekehrten "Weg 
einzuschlagen, den wir eben durchwandert haben. Da- 
dui-ch werden die Thatsachen durchsichtiger und klarer 
auseinander gehalten. 



Fam. 1. Papilioniden. 

(14 Genera mit ca. 500 Arten.) 

Diese Familie hat eme vollkommen universelle Ver- 
breitung, erreicht ihren Höhepimkt aber erst im äqua- 
torialen Gürtel der Erde. Da die Gattung Papilio allein 
über neun Zehntel der ganzen Familie begreift, so treten 
die Charakterzüge der einzelnen Regionen schon deutlich 
in dieser einen Gattung hervor. Jede der grösseren 
Regionen besitzt eine oder melirere für sie eigenthümhche 
Gruppe: so die indische die goldbestäubte Pa?-2Ä- Gruppe, 
die australische Region die ^«(/ez(s-Gruppe ; die Zenohius- 
Gruppe ist Afrika eigenthümlich, die ^leMeas-Gruppe aus- 
schliesslich auf Südamerika beschränkt. Die beiden 
gemässigten Regionen, die europäische und nordamerika- 
nische, haben Formen, welche über die ganze Welt ver- 
breitet sind. 

Die übrigen Gattungen sind mehr oder minder den 
einzelnen Regionen eigenthümlich. Die herrlichen Orni- 
thoptera oder die „Vogelflügler", welche vielleicht den 
Höhepunkt des ganzen Schmetterlingstypus auf der öst- 
hchen Erdhälfte darstellen, gehören der indo-austi-alischen 
Region an, besitzen aber auch eine Art in Afrika. 
Druryia, mit dem grössten bis jetzt gefundenen Tag- 
schmetterling, dem Antimaclms, ist nm- auf die "Westküste 
Afrikas beschränkt. Teinopalpus gehört dem Hmialaya- 
Gebirge, Ärmandia den Höhenzügen Chinas, die lang- 
schwänzigen Leptocircus-Äxten der indomalayischen Region 
an. Die ParraassiMÄ-Gruppe ist fast durchaus alpin und 
kommt hauptsächlich auf den Gebk-gen der nördUohen Erd- 
hälfte sowohl Nordamerikas als Europas und Asiens vor, 
geht aber in einigen Arten bis zum Himalaya. Die 
palaearktische Region besitzt die grösste Menge an ihr 
eigenthümhchen Gattungen : Hypennnestra, Doritis, Seri- 



cinus und Thais, wodurch der auffällige Mangel an 
Papilionen dort hinreichend ersetzt wird. Australien 
besitzt nur eine eigenthümhche Gattung : den pamassius- 
artigen Evrycus, und Südamerika den nahe verwandten 
E.iryades, aber nur auf die La Plata-Region beschränkt. 
Nordamerika hat keine ihm eigenthümhche Gattung. 



Fam. 2. Pieriden. 

(40 Genera mit 5 a. 8.50 Arte n.) 

Die Pieriden oder „"Weisshnge" sind ebenso universell 
verbreitet, wie die vorhergehende Famihe, und Vertreter 
hievon finden sich bis zu den äussersten Grenzen des 
thierischen Lebens überhaupt. Ihre Verbreitung zeigt uns 
am deutlichsten die Theilung der geographischen Regionen 
in eine östliche und westhche Hälfte oder in die alte und 
neue "Welt, da beide ungefähr die gleiche Anzahl ihr 
eigenthümlicher Gattungen besitzen. 

Diejenigen Genera, welche beiden Erdhälften gemein- 
sam zukommen, sind: die grosse Gattung Pieris selbst, 
Golias, Anthocharis, Phyllocharis, Zegris, Midea, Gonop- 
teryx, Catopsilia und Eurema. Die beiden letzten Gat- 
tungen sind nur dem Tropengebiet eigenthümlich, Antho- 
charis und ihre nahen Verwandten Phj^Uocharis, Zegris 
und Midea auf die nordamerikanische und palaearktische 
Region beschränkt, während Pieris den ganzen Erdkreis 
umspannt, Colias und Gonopteryx dagegen mehr zerstreut 
auf verschiedenen Theileu beider Hemisphären vorkommen. 

Die für die südamerikanische Region speciell 
eigenthümhchen Gattungen sind : Pereute, Archonias, 
Hespierocharis, Dapjtonoura, DismorpMa, Leucidia und 
Leptophohia, die meisten ziemlich zahheich, und über die 
ganze tropische Region verbreitet. Eroessa, Phulia und 
Scalidoneura. (mit je einer Art) sind nur auf die chile- 
nischen, resp. peruanischen Hochgebirge, Eucheira (mit 
1 Art) auf Mexico beschränkt. Krikogoiiia gehört aus- 
schliesslich Mexico und den Antillen an, während Megano- 
Stoma und Nathalis mit dem gleichen Verbreitmigsbezirk 
wie letztere noch bis in die südlichen Theile Nordamerikas 
vordringen. Nordamerika hat keine speciell ihm eigen- 
thümhche Pieriden-Gattuns, aber aus der grossen Gattung 



GEOGEAFHISCHE VEEBEEITUNG. 



23 



Vieris eüie nur hier vorkommende Gruppe (Neo- 
phasia). Das interessanteste Lepidopteron aus der 
Pieriden-Familie ist unstreitig der merkwürdige 8tyx 
Infernalis Stgr., halb Pieride, halb Erycinide, welcher 
bis jetzt nur an einer beschränkten Stelle in Peru 
gefunden worden ist und daher auch noch zu den 
eigenthümlichen Gattungen Südamerikas gerechnet wer- 
tien muss. 

Die indische Region hat zwei eigenthümliche Gat- 
tungen aufzuweisen: Prioneris uxiA. Deroas, die australi- 
sche nur eine Elodina ; aber beide Regionen zusammen 
besitzen noch die zahlreich entwickelten Deltas, Hehomoia 
und Ixias, und mit Afrika gemeinsam Pontia, Eronia und 
Tachyris, die letztere Gattung mit einem einzelnen Vertreter 
in Südamerika (T. Ilaire). Afrika speciell eigenthümlich 
ist die zarte und ganz abweichend geäderte Pseitdopontia, 
sowie Teracolus, und fast auf Afrika beschränkt die ausser- 
ordentlich zahlreich an Arten entwickelten Gattungen 
Callosune und Idmais, welche hier ihren Höhepxmkt 
■erreichen, aber sich östlich bis in das indische Gebiet 
Terbreiten. Das palaearktische Faunengebiet 
endlich besitzt nur eine ganz isolirt stehende und ihm 
speciell eigenthümliche Gattung, Leucopliasia, deren nächste 
Verwandte wir erst in den Dismorphien Südamerikas an- 
treffen, und die beiden merkwürdigen Gattimgen Mesapia 
und Davidina auf dem thibetanischen Hochlande, welche 
einen Übergang zu den Parnassiern bilden. 

Interessant sind die parallelen Züge, welche die Faunen- 
;gebiete beider Erdhälften aufweisen. Die Tachyris- und 
Delias-Arten, welche so hoch in den östlichen Tropen 
entwickelt sind, werden in Südamerika durch die nicht 
minder reich gestalteten Pereute-, Archonias- und Dapto- 
noura-Arten vertreten. Die zarte halbdurchsichtige Pontia 
aus Afrika und Indo-Austrahen hat einen nahen Ver- 
wandten in der kleinen Leucidia Brasiliens. Noch augen- 
scheinlicher tritt dies Verhältniss in den Faunen Nord- 
-Amerika's und Europa's, resp. Nordasiens auf, denn 
hier sind nur die Arten verschieden und nicht 
■die Gattimgen ; nur Leucophasia fehlt in Nordamerika 
vollständig und die ihr am nächsten stehende Form 
(Dismorphia) findet man erst in den Tropen Brasiliens, 
so dass man annehmen kann, sie wäre in Nord- 
Amerika bereits ausscestorben. 



Fann. 3. Danafden. 

(7 Genera mit 5 a. 230 Arte n.) 

Diese rein tropische Familie gehört im allgemeinen 
■■der östlichen Erdhälfte an; nur 2 Gattungen, Lycorea 
und Ituna, kommen auch in Südamerika vor und 2 Danais- 
Arten verbreiten sich über das ganze amerikanische 
Territorium bis in die gemässigte Zone. Die grosse 
'Gattung Euploea, sowie Hestia und Ideopsis gehören fast 
ausschliesslich dem indo-austi'alischen Faunengebiet an, 
aber zwei Euploea-Arten kommen auch auf Madagascar 
und den Mascarenen vor, berühren aber nicht das afrika- 
nische Festland. Hier werden sie dm-ch die für Afrika 
specieU eigenthümliche Gattung Amauris verti-eten. Danais 
selbst ist vorwiegend indo-australisch, verbreitet sich aber 
auch in einigen Arten über Afrika und Amerika und geht 
"selbst in die gemässigte Zone sowohl Nordamerika's als 



auch Europa's, ohne indessen den rein tropischen Charakter 
dieser Familie zu verwischen. Von einer Art (D. Erippus) 
ist ja bekannt, dass sie noch jetzt im "Wandern begriffen 
ist und ihren Verbreitungsbezirk immer weiter nach 
Osten ausdehnt. 



Farn. 4. Neotropiden. 

(19 Genera mit f; a. 420 Arten.) 

Wie bereits der Name andeutet, ist diese Familie, 
wenn auch nicht stricte, so doch fast ganz auf die neo- 
tropische (südamerikanische) Region beschränkt. Nur die 
Gattung Hamadryas gehört dem australischen Gebiet an. 
Die übrigen Gattungen verbreiten sich über das ganze 
tropische Südamerika, Central amerika und die südlichen 
Theile Nordamerika's. Die wichtigsten Gattungen sind: 
die zarten durchsichtigen Ithomien, Napeogenes, die 
letzteren oft täuschend nachahmend, Geratinia und Me- 
chanitis, die grossen, in der Flügelform an die Euploeeu 
erinnernden Tiilioreen, die Heliconien-artigen Melinaeen 
und andere mehr, welche alle dem südamerikanischen 
Faunengebiet ein charakteristisches Gepräge verleihen imd 
augenscheinlich die Danaiden des Ostens in dem Haushalt 
der Natur zu ersetzen bestimmt sind. 



Farn. 5. Heliconiden. 

(2 Genera mit 5 a. 140 Arten.) 

Die ächten Heliconier, generisch näher mit den Nym- 
phaliden als mit den vorhergehenden Neotropiden ver- 
wandt, — denen sie aber in Flügelform und -Färbung 
oft täuschend gleichen und früher auch mit ihnen vereinigt 
waren — sind ganz neotropisch und bilden einen hervor- 
ragenden Zug der südamerikanischen Schmetterlingsfauna. 
Nur eine Art, der bekannte H. Cliaritonia, geht bis in 
die südlichen Theile Nordamerika's, bis Florida. Von den 
beiden Gattmigen ist Heliconius ausserordentlich zahlreich 
an Arten, oft von abwechselnder bunter Flügelfärbung, 
und über das ganze Gebiet verbreitet, während Eueides 
(mit 20 Arten) mehr auf die nördUchen Theile Brasiliens 
und Centralamerika beschränkt ist. 



Farn. 6. Acraeiden. 

(1 Genus mit c a- 12.5 Arte n.) 

Die Acraeen bestehen nur aus der Gattung Acraea 
selbst, welche aber sehr zahlreich an Arten ist und ihr 
Hauptcentrum hauptsächlich in Afrika besitzt, wo allein 
gegen 80 Arten vorkommen und hier augenscheinlich die 
Heliconier Südamerika's ersetzen. In dem indo-australischen 
Gebiet kommen nur 4 Arten vor; aber in der neotropischen 
Region finden sich einige 40 ächte Acraeen neben den 
Hehconiern. Diese amerikanischen Acraeen und eine 
indische Art haben sich bereits ziemlich weit specialisirt, 
so dass sie vielleicht in späterer Zeit als besondere Gat- 
tungen von Acraea abgetrennt werden. Die typische 
Gattung mit dem grössten Theil der Arten würde dann 
speciell für Afrika eigenthümlich sein. 



24 



GEOCtRAFHISCHE VERBREITUNG. 



Farn. 7. Nymphaliden. 

(132 Genera mit 5a. 1700 Arten.) 

Diese Familie ist sowohl an Genera als an Arten die 
iimfangreichste und besitzt eine durchaus universelle Ver- 
breitung. Von einer Art, unserem Pyrameis Gardui, ist 
es ja bekannt genug, dass sie fast den ganzen Erd- 
kreis bewohnt. 

Bei der grossen Zahl der Gattungen hat es keinen 
Zweck, diese hier im Detail zu behandeln ; wir beschränken 
uns nur darauf, das Bild des Verbreitimgsbezirkes dieser 
Familie in einigen grossen Zügen wiederzugeben und ver- 
weisen im übrigen auf die Famihe selbst, bei welcher die 
geographische Verbreitung specieller und eingehender 
besprochen ist. 

Der leichteren Übersicht wegen haben wir die Nym- 
phahden in mehrere Gruppen getheilt, deren genauere 
Begründung man ebenfalls bei der speciellen Bearbeitung 
der Famihe findet. Es sind dies folgende : 

1. ylr^ydJiis-Gruppe 

2. Melitaeen- „ 

3. Vanessen- „ 

4. Eunica- „ 

5. Ageronien- „ 

6. Diademen- „ 

7. Neptis- „ 

8. Limenitis- „ 

9. Euthalien- „ 

10. Ajjaturen- „ 

1 1 . Pseudoni/mjyJialis-Grru.^'pe 

1 2. Nymjjhalis-Gra])])e. 

Die Ar gynnis- Gruppe, welche unsere „Perlmutter- 
falter" enthält, verbreitet sich vorherrschend über die 
gemässigte Zone, aber einige Zweige gehen bis in die 
Tropen, wo sie sich zu grosser Specialität entwickelt haben. 
Die artenreiche Gattung Argynnis und die nahe ver- 
wandte Brenthis sind vorwiegend palaearktisch und 
nearktisch, gehen auf der östhchen Erdhälfte bis in das 
indo-australisohe Tropengebiet, fehlen aber ganz im 
tropischen Südamerika ; hier tritt aber Brenthis plötzlich 
in einigen Arten auf den chilenischen Hochgebirgen auf. 
Dieses merkwiu-dige Factum wurde bereits genügend bei 
Betrachtung der chilenischen Fauna erörtert und eine 
Erklärung dafür gegeben. 

Speciell der südamerikanischen Fauna eigenthümhch 
sind die Gattungen Golaenis (Metamorpha) und Agraulis, 
welche so nahe mit den Hehooniem verwandt sind, dass 
sie mit diesen von neueren Systematiken! sogar zu einer 
engem Gruppe, den sog. Maracuj a-F altern ver- 
bunden werden (wegen ihrer gemeinsamen Futterpflanze, 
einer Maracujä genannten Passiflora) und ein verbindendes 
Ghed zwischen Heliconiem und Nymphaliden bilden. 
Aoraulis und eine andere südamerikanische Gattung, 
Euptoieta, dringen sogar bis in die gemässigte Zone 
Nordamerikas vor. Die interessanteste Gattung aus dieser 
Gruppe ist aber die halb Danaiden- halb Nymphaliden- 
artige Clothilda, welche speciell den Antillen und Oentral- 
Amerika eigenthümhch ist und ihre Entstehung wahr- 
scheinlich der langen Isolirung der westindischen Insel- 
Gruppe verdankt. 

Afrika speciell ist ausserordentlich arai an Argynniden ; 
nur eine Gattung, LachnojAera, ist eigenthümhch und 



ausserdem kommt nur noch 1 Art der indischen Gattung 
Atella hier vor. Argynnis fehlt mit Ausnahme der nörd- 
lichen Theile, welche aber zum palaearktischen Gebiet 
gerechnet werden, hier ganz. Die übrigen Gattungen 
verbreiten sich über das grosse indo-australische Gebiet, 
von denen wir nur kurz die meist prachtvoll roth gefärbten 
Gethosien^ die tief sammtblauen Terinos, die grossen 
orangegelben Gynthien und die zahlreichen Cirrochroen 
erwähnen. Die Gattung Atella ist Afrika und Indien 
gemeinsam. 

In der folgenden M e 1 i t a e e n - G r u p p e finden wir 
eine überwiegende Entwicklung in der w estlichen Erd-, 
hälfte und nur die Gattungen Melitaea und Araschnia, 
die letztere specieU dem europäischen Gebiete eigenthüm- 
lieh, verbreiten sich auch über die östliche gemässigte. 
Zone, ohne indessen die Tropen zu erreichen. Die zahl- 
reichsten Gattungen dieser Gruppe sind Phyciodes (150- 
Arten), fast ganz auf Südamerika beschränkt, und Melitaea 
mit 38 Arten, von denen ungefähr die Hälfte Nordamerika 
angehört, die andere Hälfte über das ganze palaearktische 
Gebiet verbreitet ist, doch kommen auch 2 Arten auf- 
dem Himalaya vor. Die übrigen nur auf Süd- 
Amerika beschränkten Gattungen sind: Microtia (1 Art), 
Gnatlioti-iche (1 Art), Anemeca (2 Arten) und Goatlantona 
(5a. 12 Arten), die letztere der nächste Verwandte unserer 
Araschnia. Afrika und das ganze indo-australische Gebiet 
besitzen keine ihnen eigenthümliche Gattungen aus der 
Melitaeen-Gruppe. 

Die Vanessen oder Eckflügler haben eine, 
absolut universelle Verbreitung und der Gegensatz zwischen 
den tropischen und gemässigten Faunen tritt hier bei 
weitem nicht so scharf hervor, als in den übrigen Gruppen.' 
Eine jede der 3 grossen tropischen Regionen hat eine, 
oder zwei speciell charakteristische Gattungen, so Süd- 
Amerika : Napeocles, Anartia und liypanartia, die letztere 
aber merkwürdigerweise mit 2 Arten in Afrika; Afrika: 
Salamis; Indo-Australien : Rhinopalpa, Pseudergolis und 
Dolesehaüia. Die übrigen Gattungen siad theils cosmo- 
politisch, theils über die ganze tropische oder gemässigte, 
Zone verbreitet. 

Für die letztere speciell eigenthümhch ist die Gattung. 
Vanessa, wenn auch nicht absolut auf sie beschränkt. 
Diese wird in den Tropen durch die nahe verwandten 
Junonia, in Afrika und Indo-Austrahen auch noch durch 
Precis ersetzt. Charakteristisch für Afrika oder doch vor- 
wiegend afrikanisch ist die kleine ,E;«rj/ieZa-Gruppe, 
während Kallima mehr dem indischen Faunengebiet an- 
gehört, aber auch 2 — 3 Vertreter in Afrika hat. Die. 
grösste Verbreitung besitzt die Gattung Pyrameis und; 
von dieser specieU unsere P. Gardui, welche mit Aus- 
nahme Südamerika's fast auf allen Theilen der Erde, 
gefunden worden ist. 

Die nun folgende Eunica-Gruppe ist mit einer- 
einzigen Ausnahme, der afrikanischen Gattung Grenis, 
dm'chaus für das tropische Südamerika charakteristisch 
mid diese Grappe ist es vornehmUch, welche der bra- 
sihanischen Fauna jenes prachtvoUe Colorit verleiht, wo- 
durch sie sich mit einem Schlage so ausserordentlich von 
den übrigen auszeichnet. 

Hier finden wir eine so hohe Entwicklung von Parben- 
schönheit, gepaart mit Verschiedenheit in Foi-m und- 
Flüarelgestalt, wie in keiner andern Familie und diese. 



GEOGEAPHISOHE VERBREITUNG. 



25 



Gruppe bildet einen wesentlichen Zug der südamerika- 
nischen Schmetterlingsfauna. "Wir können nur die hervor- 
ragenden Gattungen erwähnen : Eiinicu selbst (fa. 50 Arten), 
meist mit dem prachtvollsten blauen Schiller geschmückt, 
die blauen Myscelien, hauptsächlich auf die Gebirgsgegenden 
beschränkt, im Gegensatz zu den mehr die feuchten "Wälder 
der Ebene hebenden Epicalien, von denen einige Arten 
im Geschleehte so verschieden gefärbt sind, dass sie sogar 
als besondere Gattungen aufgestellt wurden, der pracht- 
volle blaugrün und orangegelb gebänderte Ohrinus 
mit rein grüner Unterseite, das zahlreiche Heer der 
kleineren, in den feurigsten blauen, rothen und gelben 
Tönen gefärbten Catagrammen, Callicoren und Perisamia- 
Arten, die tiefblauen Cnllitheen — alles Gattungen von 
so wundervoller Schönheit, wie sie m solcher "Vereinigung 
nirgends wieder vorkommen und nur in den Eryciniden 
etwas ähnliches wieder finden lassen. 

Die A g er onien- Gruppe ist ebenfalls für Südamerika 
charakteristisch und ihr ausschliesslich eigenthümhch. 
Eine ähnhche oder verwandte Gattung kommt weder in 
Afrika noch in Indo-Australien vor. Ausser Ageronia 
(15 Arten), welche sich nebenbei noch durch ganz merk- 
würdige Gewohnheiten (sie sitzen immer mit den Flügeln 
platt angedrückt wie die Spanner und lassen beim Fliegen 
ein knackendes Geräusch hören) auszeichnen, haben vdr 
noch die prachtvolle Batesia (1 Art) und Pandora 
(5 Arten), sowie die kleine Ectima (5 Arten) aus dieser 
Gruppe zu erwähnen. 

Die grosse D iademen- Gruppe dagegen ist aus- 
schliesslich den östhchen Tropen eigenthümlich. Eine 
kleine Gruppe meist einfach gefärbter Schmetterlinge 
gehört nur dem Himalaya-Gebiet an. Es sind: Galinaga, 
Hestina, Herona, Eurijjus, Isodema und Penthema, meist 
nm' wenige Arten enthaltend. Amnosia und die schöne, 
zartgestreifte Gyrestis gehören auch hierher, aber letztere 
hat auch einige Arten in Afrika und erstreckt sich bis 
nach dem malayischen Archipel, während liypolimnas 
selbst über die ganze östliche Tropensphäre verbreitet ist 
xmd von den äussersten Inseln Polynesiens bis nach 
Afrika, in emer Menge schöner, oft prachtvoller Arten 
vorkommt. Selbst in Süd-Amerika ist eine Art, wahr- 
scheinlich als Irrgast, beobachtet worden. 

In dieser und der folgenden Gruppe tritt der nach- 
ahmende Charakter besonders stark hervor und zeigt sich 
bei den Hypolimnas- Arten mehr bei den ^9 *'^ "i^n O cf- 
In der Neptis-Gruppe, welche mit der vorhergehenden 
nahe verwandt ist, haben wir nur die Verbreitung von 
Neptis selbst zu erwähnen, da nur diese Gattung und 
eine rein afrikanische, die schöne, aber nur wenige grosse 
Arten enthaltende Euxanthe hieher gehört. Neptis 
(88 Arten) ist über das ganze östliche Tropengebiet ver- 
breitet und geht sogar in einigen Arten bis in das palae- 
arktische Gebiet, aber das Hauptcentrum seiner Entwicklung 
liegt in der indoaustralischen Region. 

Die Limenitis-Gruppe gehört sowohl der gemässigten 
Zone als auch den Tropen der ganzen Erde an. Fast 
jede Region hat ihre eigenthümlichen Vertreter. Die 
Gattung Limenitis selbst (28 Arten) ist sowohl in Nord- 
amerika als in der ganzen palaearktischen Zone einheimisch 
und erreicht ihren Höhepunkt in der indoaustralischen 
Region, fehlt aber ganz in Südamerika, wo sie durch die 
ähnliche Adelpha (70 Arten) hinreichend ersetzt wird. 



Afrika besitzt ebenfalls keine speciellen Limenitis-Arten, 
aber nahe "Verwandte in der Gattung Pseudacraea- 
und Catuna. Ausser diesen Gattimgen giebt es noch eine 
Menge anderer, welche auf das indoaustralische Gebiet 
beschränkt sind, von denen wir nur die wichtigsten er- 
wähnen. Es sind: Parthenos, Lebadea und Athyma 
(42 Arten) die letzte Gattung ein vollkommenes Ebenbild 
von Neptis und wahrscheinhch von dieser copirt. 

Die Euthalien-Gruppe dagegen ist vollkommen 
tropisch und ausnahmslos auf die östliche Hemisphäre 
beschränkt. Sowohl Afrika als Indo-Australien besitzen 
eine Anzahl nur für diese Länder charakteristischer 
Gattungen und keine mit einander gemeinsam. Die für 
Afrika wichtigeren sind : die artenreiche Euryphene (38 Arten), 
die schöne und auffallend gezeichnete Gymothoe (33 Arten) 
Romalaeosoma (33 Arten), oft auf der Rückseite charak- 
teristisch carminroth gefärbt, und Aterica (18 Arten),, 
während die Euthalien (57 Arten) selbst und ihre nahen 
Verwandten Tanaecia (12 Arten) uxiASymphaedra (10 Arten) 
auf die indische Region beschränkt sind und die australische 
nur in wenigen Arten berühren. 

Die Apaturen-Gruppe zeigt uns wieder das merk- 
würdige Factum, dass sie auf beiden Seiten der Erde 
vorkommt, aber in Afrika vollkommen oder doch fast 
vollkommen fehlt. Fast jede grössere Region hat ihre 
eigenthümlichen Genera : Süd-Amerika die an schillernden 
Glanz alle Mitglieder übertreffende GJdorippe (20 Arten),, 
welche jetzt von Apatura abgetrennt worden ist; Nord- 
Amerika die nur aus 2 Arten bestehende Z>oa:oco2;ffl. Ajmtura 
(10 Arten) selbst ist hauptsächlich palaearktisch, aber 
einige Arten gehen bis in die tropische indische Zone, 
wenngleich die Mehrzahl auf den Höhen des Himalaya 
gefunden wird. Die schöne und grosse Apaturina und 
Eulaceura mit je 1 Art sind malayisch, Dichorragia 
und Helcyra (2 Arten) auf den Himalaya und einige- 
Inseln des malayischen Archipels beschränkt. Das europäische 
und afrikanische Paunengebiet haben keine ihnen speciell 
eigenthümlichen Gattungen aus dieser Gruppe, aber beiden 
gemeinsam ist ein kleines, nur aus 2 Arten bestehendes 
Genus : Thaleropis, von dem eine Art auch imr in dem 
aussereuropäischen Kleinasien gefunden wird. 

Die schöne und grosse Nymphalis-Gruppe ist haupt- 
sächhch dem östlichen Tropengebiet eigenthümlich und 
betritt die südlichen Theile der gemässigten Zone nur in 
einer Art, dem bekannten Gharaxes lasnis. Den höchsten 
Antheil an Arten hat Gharaxes selbst (ca. 80), voa 
denen mehr als die Hälfte allein in Afrika vorkommen 
und für diese Fauna ausserordentlich charakteristisch sind. 
Der Rest vertheilt sich auf das indoaustralische Gebiet. 
Südamerika besitzt keine ächten Gharaxes, aber nahe- 
Verwandte in den prachtvoll blau schillernden Preponen, 
(20 Arten), den herrlichen Agrias, einer der farbenpräch- 
tigsten Gattung der ganzen Schmetterlingswelt, den Megi- 
stanis (3 Arten) und den feurig rothen Siderone (6 Arten). 

In der letzten Gruppe, den Pseudo-Nymphaliden^ 
haben wir umgekehrt den Schwerpunkt der Entwickluno- 
in den südamerikanischen Tropen zu suchen, wo allein 
Anaea mit ca. 70 Arten schon einen bestimmenden Charakter- 
zug der Tagschmetterlinge ausmacht. Ausser dieser um- 
fangreichen Gattung gehören noch einige kleinere, wie 
Protogonms, Smyrna, Pycina, Aganisthos mit durchschnitt- 
lich nur wenigen Arten diesem Gebiete an, während das 



26 



GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



indische keine Gattungen aus dieser Gruppe besitzt und 
nur der australischen Region zwei Genera — Frothoe 
und Mynes — eigenthümhch sind. Nur eine Prothoe-Art, 
die auf der Rückseite so prachtvoll gezeichnete P. Caledonia, 
überschreitet die äussersten Grenzen und dringt bis nach 
Malacca vor. 



Farn. 8. Morphiden. 

(11 Genera m i t ca. 100 Arte n.) 

Die Morphiden sind rein tropisch und nur auf die 
südamerikanische und indo-australische Region beschränkt, 
während sie auf dem dazwischen liegenden Afrika voll- 
kommen fehlen, öder bis jetzt wenigstens nicht gefunden 
worden sind. 

Ihre Verbreitung ist insofern eine ganz eigenthümliche, 
als Südamerika nur eine Gattung, Morplio selbst, aber 
in ziemlicher Artenzahl (ga. 50) besitzt, während die öst- 
lichen Faunengebiete wohl 10 Gattungen, aber zusammen 
auch kaum mehr an Arten aufweisen, als Südamerika, 
so dass sich in der Arten zahl die beiden Erdhälften voll- 
kommen gleich bleiben, in der Zahl der Gattungen 
aber ein bedeutendes Übergewicht in den östHchen Tropen 
stattfindet. Die wichtigsten dieser Gattungen sind: 
Ämathusia (7 Arten), die prachtvolle Zeuxidia (8 Arten), 
die oft herrlich blauschillernde Thaumantis mit 10 Arten, 
von denen einige den Morphiden Südamerikas an Grösse 
und Schönheit nichts nachgeben; die grossaugigen Tenaris, 
(ga. 16 Arten), hauptsächlich auf die australische Region 
beschränkt und mehrere kleinere über das ganze Gebiet 
zerstreute Gattungen. 

Die Morphiden Südamerikas können als die höchste 
Vollendung des Schmetterlingstypus auf der westlichen 
Erdhälfte angesehen werden, indem sie von einer riesigen 
Grösse und mit den prachtvollsten Azurtinten geschmückt 
eiad, wie sie in dieser Vollendung nirgends mehr vor- 
kommen. Sie finden ihr Gegenstück nur in den Ornithopteren 
der östlichen indoaustralischen Region. 



Farn. 9. Brassoliden. 

(8 Gattungen mit ca. 75 Arten.) 

Die Brassoliden sind nur auf Südamerika beschränkt 
und haben dieselbe Verbreitung wie die Gattung Morpho. 
Einige Arten sind ebenfalls von Riesengrösse, aber meist 
in dunkle Farben gekleidet und zudem sind es in der 
Dämmerung fliegende Schmetterlinge, so dass sie nicht so 
bestimmend auf den Charakter der südamerikanischen 
Insektenfauna wirken, wie die vorige Familie. Von den 
8 Gattungen ragen durch ihre Grösse oder ihre Artenzahl 
hervor : Dynastor (.3 Arten) mit dem hochinteressanten 
D. Napoleon, Caligo mit 26 Arten, welche die grössten 
der vorliegenden Familie enthalten, die dunkle, blau- 
schülemde Eriplianis (6 Arten), die kleine und seltene, 
etwas abweichend gebildete Narope ; Brassolis und Opsi- 
phanis, ziemlich zahlreich an Arten, sind über das ganze 
Gebiet verbreitet, während die überaus seltene Penetes 
mit nur 1 Art bisher blos an einer beschränkten Stelle 
in Brasilien gefunden v«rd. 



Farn. 10. Satyriden. 

(67 Genera mit ca. 950 Arten.) 

Die Satyriden sind über den ganzen Erdkreis ver- 
breitet und gehen selbst bis in die arktische und antarktische 
Zone. Ein grosser Theil der Gattungen enthält nur 
wenige Arten und diese sind auf einen kleinen Bezirk 
beschränkt. Die einzige Gattung, welche eine cosmo- 
politische Verbreitung besitzt, ist Maiiiola (5a. 70 Arten), 
hauptsächlich für die gemässigte Zone charakteristisch, 
aber Vertreter in alle Faunengebiete entsendend; fast 
cosmopolitisch ist Hipparchia (5a. 50 Arten), welche 
nm- in Afrika und Australien fehlt. Europa und 
Nordamerika gemeinsam sind nur die Gattungen Goeno- 
nympha und Chionobas, letztere speciell charakteristisch, 
für die arktische Zone, aber auch mit einer Art auf 
dem Himalaya und einer zweifelhaft hiezu gehörenden 
Art, dem silberfarbenen Gh. Argenteus, auf den chileni- 
schen Hochgebirgen. 

Die europäische Fauna besitzt nur zwei ihr eigen- 
thümliche Gattungen: Melanargia und Triphysa; die 
afrikanische deren 6: Gnophodes (3 Arten), Bicyclus 
(5 Arten), Leptoneura (4 Arten), Goenyra und Periplysia 
mit je einer Art; Madagascar die merkwürdige Hete- 
ropsts Drepana. 

Die hauptsächlichsten für Indo-Australien charakteri- 
stischen Gattungen sind: Lethe (40 Arten), Melanitis 
(5 Arten), Yjphthima (30 Arten) und Mycalesis, letztere 
ausserordentlich zahh-eich (über 100 Arten), unsere Hip- 
parchien ersetzend und selbst bis Afrika verbreitet, sowie 
die merkwürdige Elymnias (5a. 40 Arten), bisher ais 
besondere FamiKe betrachtet, jetzt aber allgemein mit 
den Satyriden vereinigt, mit 2 Arten m Afrika. Die 
übrigen Gattungen sind meist sehr- arm an Arten und 
haben auch einen beschränkten Verbreitungs bezirk, im 
ganzen haben wir in Indo-Australien 28 Satyridun- 
Gattungen, mit ga. 270 Arten, vertreten, von denen die 
indische Region 9 ihr eigenthümUche Gattungen, nämUch ; 
Zophoessa, Neope, Orinoma, Neorina, Anadebis, Palaeo- 
nympha, Gallerebia, Bhaphicera, Zipaetis, Australien deren 
6 besitzt, nämlich: Bletogona, Heteronympha, Xois, 
Acr Ophthalmia, Hypocysta und die speciell nur auf Neu- 
seeland vorkommende Argyropheiiga. 

Den höchsten Betrag an Specialität erreicht auch in 
dieser Familie die neotropische Region, indem nicht allein 
30 Gattungen hier vertreten, sondern von diesen fast alle 
auch speciell eigenthümhch sind. 

V7ir können hier nur die wichtigsten nennen. Es sind : 
die zarten durchsichtigen Githaerias und deren Verwandte, 
Pierella, Antirrhaea ; die zahlreichen Euptychien (5a. 170 
Arten), Lymanopoda, Pedaliodes, Oxeoschistus, Lasiophila, 
Pronophila, Taygetes und Gorades, alle ziemhch zahlreich 
an Arten und ohne nähere Verwandtschaft in den übrigen 
Paunengebieten. Die interessanteste Satyride ist unstreitig 
der Bia Actorion, dessen systematische Stellung aber 
noch keineswegs sicher ist. 

Die nordamerikanische Region schhesshoh hat keine 
ihr speciell eigenthümliche Gattung imd steht auch an 
Artenzahl bedeutend der em'opäischen nach. Einige 
Euptychien gehen bis Canada, die übrigen Arten gehören 
zu europäischen Formen. 



GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG. 



27 



Farn. 11. Libytheiden. 

(1 Genus mit 5. a. 10 Arten.) 
Diese nur aus der einzigen Gattung Libythea bestehende 
Familie ist in allen Regionen gefunden worden und scheint 
einem früher weit verbreiteten Stamme anzugehören, 
welcher jetzt im Aussterben begriffen ist. Das Vor- 
kommen einzelner Überreste auf so isolirten Stellen, wie 
der Insel Mauritius und den Antillen, lässt dies vermuthen. 



Fann. 12. Eryciniden. 

(83 Genera mit 5a. 900 Arten.) 

Die von uns in etwas andeier Weise vorgenommene 
Theilung der Eryciniden in 3 Unterfamilien, und zwar 
den Nemeobiinen, Euselasiinen und Lemoniinen, 
erleichtert die Übersicht der geographischen Verbreitung 
dieser Familie ungemein, indem die Nemeobiinen aus- 
schhesslich der östlichen Zone angehören, die Lemoiinen 
und Euselasiinen, welche elf Zwölftel aller Gattungen ent- 
halten, dagegen fast ganz auf das tropische Südameiika 
beschränkt sind und ebensoviel zur Charakteristik der 
dortigen Insektenfauna beitragen , wie die Heliconier 
imd Neotropiden. 

Die wenigen Gattungen der östlichen Hemisphäre sind : 
Nemeobius (1 Art), welche für das europäische Gebiet 
eigenthümhch und überhaupt der einzige Vertreter der 
Eryciniden in der palaearktischen fiegion ist; Dodona, 
Zemeros, Taxila, Dicallaneura und Stiboges, alle ziemlich 
arm an Arten und zum Theil auf Nordindien oder auf 
das indo-mala5dsche Gebiet beschränkt. Die grösste Ver- 
breitung hat Abisara (12 Arten), da sie sowohl der indo- 
chinesischen und malayischen Region angehört, als auch 
auf Afrika und Madagasoar gefunden wird. 

Der ganze Rest der Eryciniden, und zwar 76 Gattungen, 
gehört fast ausschliessheh dem neotropischen Gebiet an. 
Bei der grossen Mannichfaltigkeit der Formen hat es 
keinen Zweck, dieselben hier im Detail zu behandeln und 
verweisen wir deshalb auf die Famihe selbst. 

Der grösste Theil der amerikanischen Eryciniden be- 
wohnt die feuchten Tropenwälder des Amazonenthals, 
jenes Walddistrikts, der an Üjjpigkeit alle übrigen äqua- 
torialen Gegenden weit übertrifft. Nur 4 Arten gehen 
überhaupt in die gemässigten Theile Nordamerikas, ohne 
indessen den rein tropischen Charakter der Familie zu 
verwischen. Zwei Gattungen, Lepricornis und Metapheles, 
'sind auf Mexiko beschränkt und etwa 15 sind Brasilien 
und Mexiko gemeinsam. 



Farn. 13. Lycaeniden. 

(50 Genera mit 5a. 1500 Arten.) 

Die Lycaenen sind vollkommen cosmopolitisch und in 
'der gemässigten Zone verhältnissmässig ebenso reich ent- 
wickelt, wie in den Tropen. Einige Gattungen, wie 
Lycaena und Thecla, sind ausserordentlich artenreich imd 
übertreffen darin selbst die grosse Gattung Papilio. Die 
.erste, Lycaena mit qa.. 420 Arten, hat den Verbreitungs- 
bezirk der Familie, während Thecla (5a. 540 Arten) ihren 
Höhepunkt in den Tropen Südamerikas erreicht, wo allein 
gegen 470 Arten vorkommen, gegenüber einigen 50 in 



Nordamerika und etwa 14 im palaearktischen Gebiet. 
Afrika und Indo-Australien besitzen nur 2 — 3 als Irrgäste 
anzusehende Thecla-Arten. Diese hohe Entwicklung der 
Theclen in Südamerika muss den dortigen Mangel an 
weitei en eigenthümlichen Gattungen verdecken, denn ausser 
einigen Lycaenen besitzt die neotropische Region nur noch 
4 ihr eigenthümliche Gattungen, nämlich Lamprospüus, 
Theorema, Trichonis und Eumaeus, die letztere sogar 
nur auf Centralamerika, die Antillen und Mexico beschränkt, 
welche aber so artenarm sind (nur je 1 — 2 Arten ent- 
haltend), dass sie wenig zm- Charakteristik der Fauna bei- 
tragen. Den grössten Betrag an Specialität hat Afrika 
aufzuweisen, indem nicht weniger als 15 Gattungen für 
diese Region charakteristisch sind:' Fentila, Liytena, 
Mimacraea, Älaena (früher zu den Acraeen gerechnet), 
Fseuderesia, Arrugia, Grudaria, Lycaenesthes, D' Urbania, 
Axiocerces, Oapys, i-'hytala, Epitola, Jdewitsonia und 
JJelaneura. Dann folgt die indische Region mit 6 Gat- 
tungen: AUotiiMS, Ilerda, Poritia, Camena, Liphyra 
und Curetis, zum Theil nur dem Himalaya-Gebiet an- 
gehörend; Australien und Austro-Malayen mit 8; dem 
prachtvollen, tief azurblauen oder orangefarbenen Hypo- 
chrysops, den nicht minder schönen und glänzenden 
Vtica und Ugyris. Selbst die palaearktische Region hat 
3 ihr eigenthümliche Gattungen aufzuweisen ; Laeosopis, 
Thestor und die neue Folycaena, welche aber auf die 
südlichen Theile beschränkt sind, und die nordamerikanische 
die Gattung Feniseca, nahe mit Polyommatus verwandt. 

Ausser diesen speciell jeder Region eigenthümlichen 
Gattungen erwähnen wir noch: Folyommatus, ziemhch 
zahlreich an Arten (5a. 48), welche hauptsächüch in der 
gemässigten Zone beider Erdhälften entwickelt ist, aber 
auch wenige Arten fast in jeder andern Region, selbst iu 
Chile und Neu-Seeland, besitzt ; die allen drei östlichen 
Tropen- Gebieten gemeinsamen Gattungen ÜÄeiMs (14 Arten), 
Lucia (6 Arten), Jalmeuus (8 Arten), die zahlreiche 
Hypolycaena (29 Arten), Jolaus (37 Arten), Sithon 
(70 Arten) und Leudorix (86 Arten). Auf die grosse 
indo-australische Region beschränkt ist die an Alten zahl- 
reiche Gattung Amblypodia (ga. 95 Stück) oft von be- 
deutender Grösse und in den prachtvollsten blauen Tinten 
gefärbt, während Aphnaeus (mit 2 Arten bis in das süd- 
liche em-opäische Gebiet vordringend) und Myrina Indien 
und Afrika gemeinsam sind. 

Der auffallendste Zug in der geographischen Ver- 
breitung der Lycaeniden ist unstreitig die relative Armuth 
der neotropischen Region an ihr eigenthümlichen Gattungen. 
Aber die ungeheure Menge von Thecla-Arten neben zahl- 
reichen Lycaenen lassen diese Region ebenso reich er- 
scheinen, wie die übiigen Tropengebiete. Man darf auch 
nicht vergessen, dass diese grosse Gattung vielleicht in 
kurzer Zeit, bei genaueren Studien, als es bis jetzt mög- 
hch war, in mehrere kleine getrennt werden wird^ so dass 
sich auch im Verhältniss der Gattungen eme grössere 
Gleichförmigkeit ergeben wird, als es bis jetzt der Fall ist* 



Farn. 14. Hesperiden. 

(62 Genera mit 1500 Arten). 

Die Hesperiden, unsere letzte Familie, und mit den 
vorhergehenden der Tagfalter nur lose zusammenhängend 



:28 



GEOeEAPHlSOHE VEEBREITUNG. 



bilden eine ungeheure Gruppe kleiner, meist dimkelge- 
färbter Schmetterlinge, welche hauptsächlich die Tropen 
bewohnen, von denen aber noch viele unbekannt und un- 
beschrieben sind. Die Zahl der bekannten Arten 
erreicht fast die Höhe der Nymphaliden und die Gesammt- 
menge aller Arten wird sich nach imgefiihrer Schätzung 
auf 2000 bei Ulfen, eine enorme Zahl, von der die kleine 
Menge europäischer Formen kaum eine Vorstellung gibt. 
Ebenso unvollkommen wie unsere Kenntnis-; der Arten 
ist auch die richtige Gruppirung der Familie in Gattungen, 
so dass wir für unsere Darstellung nur auf die besser 
bekannten Genera angewiesen sind. 

Die am imivcrsellsten verbreiteten Gattungen sind 
Pamphiln (ca. 330 Arten), Fyrichfhis (80 Arten) und 
Nisouiades (9a. 50 Arten); diejenigen, welche allen Tropen- 
gebieten gemeinsam, sind Garystus (g-a. 100 Arten), 
Proteides (ga. -56 Arten). Nur auf Afrika und Indo- 
Australien beschränkt sind: Isnieiie (5a. 65 Arten), 
Astictopterus (13 Arten), Tajiades (fa. 80 Arten mit 
einer Art in Südamerika). Den grüssten Betrag an eigen- 
thüralichen Gattungen hat Südamerika; es werden nicht 
allein 48 Gattungen hier gefunden, sondern 25 sind speciell 
eigenthümlioh, von denen allerdings viele nur wenige 
Arten enthalten und vielleicht auch sehr unsicher begründet 
sind. Die an Arten zahlreichsten Gattungen sind: Thymele 
(60 Arten mit 2 Arten in Nordamerika), Pyrrhopyge 
(80 Arten), Erycides (ga. 40 Arten) und Achlyodes 
(ga. 45 Arten). Die australische Region hat 12 Gattungen, 
von denen 8 eigenthümlioh sind: Trapezites (5 Arten), 
Euschemon (1 Art) uniS. Äncistroides (2 Arten); die indische 
Region 18 Gattungen, von denen ebenfalls 3 eigenthümlich 
sind {Capüa, Pisola und Iteimon mit je einer Art). Die 
afrikanische Region hat 18 Gattungen, mit 8 eigenthüm- 
h'chen: Ahantis, Ceratricliia und Caprona, sämmtlich 
ziemlich artenarm; einige besitzt Afrika mit Südamerika 
zusammen, den Rest mit Indo-Australien, oder es sind 
cosmopolitische Gattungen. 

Die palaearktische Region ist die an Arten und 
Gattungen ärmste. Es werden nur einige 70 Arten als 
Bewohner zu 7 meist universell verbreiteten Gattungen 
gehörend aufgeführt; nur eine Gattung, Erynnis (Spüothyrus)^ 
ist fast eigenthümlich, aber es kommt eine Art auch in 
Mexico vor. Die nordamerikanische Region besitzt keine 
eigenthümliche Gattung, aber über 160 Arten, auf 11 
Gattungen vertheilt, von denen 4 auch in Südamerika 
gefunden werden, fünf mit der palaearktischen Region 
gemeinsam sind und der Rest cosmopolitischen, weit ver- 
breiteten Gattungen angehört. 



Zusammenfassung und Schluss. 

Die eben geschilderten 14 Familien der Tagschmetter- 
linge repräsentiren ungefähr 9000 Arten, welche etwa 
500 Gattungen (genauer 497) angehören. Rechnet man 
Mezu die noch zu erwartenden neuen Arten, so können 
als Summe der auf der Erde existirenden Diurnen rund 
zehntausend Arten angenommen werden. Diese ver- 
theilen sich ungefähr zur Hälfte auf Amerika einerseits 
und Europa, Asien, Afrika und Australien anderseits und 
zwar so, dass wiedemm Südaroerika allein 272 Gattungen 
mit etwa 4500 Arten besitzt und von diesen 231 Gattungen 



speciell diesem "Welttheil eigenthümlich sind. Di-ese That-. 
Sache ist insofern von "Wichtigkeit, als sie die einfache 
Theilung der Erde in eine östliche und westliche Region 
besser zulässt, als in die von uns angenommenen 6 Regionen, 
und hierin fast genau mit der Verbreitung der Vögel, 
speciell der Fasserinen, nach Wallace übereinstimmt. 
In der That ist der ganze Charakter der südamerikanischen 
Insektenfauna so auffallend verschieden von demjenigen 
der östlichen Hemisphäre, dass er nur mit Zuhülfenahme 
langer geologischer Epochen erklärt werden kann. "Wir 
haben hier 3 grosse charakteristische Familien nur allein 
auf Südamerika beschränkt: dieHeliconifrr, Neotropiden 
und die Brassoliden; eine andre, die Eryciniden, 
fast ausschliesslich darauf. In den übrigen Familien zeigt 
sich in Bezug auf die Gattungen ein anderes Verhältniss, 
indem fast die Hälfte der Gattungen speciell eigenthümlich 
sind und ohne nähere Verwandtschaft mit solchen der- 
östlichen Erdhälfte aufzuweisen. Inzwischen bietet das 
Vorkommen gewisser isolirter Formen sowohl in Südamerika 
als auch m andern Gebieten, deren Verwandte wir erst 
an weit entfernten Punkten wieder antreffen oder welche, 
auch ganz vereinzelt ohne jede Beziehung zu anderen 
jetzt lebenden Geschlechtem stehen, manches Problem 
zur Lösung dar. 

In einigen Fällen konnten wir die Verbreitung euro- 
päisch-asiatischer Formen und vice versa durch Annahme, 
einer früheren Landverbindung der östlichen und westlichen 
Erdhälfte erklären imd die "Wanderung von europäischen 
Argynnisformen bis in die chilenischen Hochlande ver- 
folgen. Zu dieser Zeit muss die ganze südamerikanische 
Insektenfauna bereits einen hohen Grad von Specialität 
erreicht haben und dies setzt wieder eiue vorherige 
Isolation während einer ungeheuren Zeitepoche voraus, 
in welcher sich die allmälige Differenzirung der Arten 
vollziehen konnte, lange bevor die Einwandrang nordischer 
Formen stattfand. 

Die fossilen Überreste, welche man von Insekten 
und speciell von Schmetterlingen in den Kohlenschiefem 
Belgiens und des Saarbeckens gefunden hat, beweisen, 
dass diese Thierklasse bereits zu einer Zeit, wo noch; 
nicht der Säugetliiertypus sich entwickelt hatte, so hoch, 
organisirt war, dass unsere sämmtlichen Typen in jener 
Periode schon vorkommen und Formen die damalige. 
Erdoberfläche bevölkert haben, welche der heutigen 
Insektenwelt ganz nahe stehen. Sie setzt eine StabUität> 
der Gattung voraus, welche es ermöglicht, wenigstens, 
einige befremdende Züge in der Verbreitung der heutigen 
Insektenwelt zu erklären. 

So können wir leicht verstehen, warum die nord- 
amerikanische und europäische Fauna so viel Verwand- 
schaftliches mit einander gemein haben, da sie lange Zeit 
mit einander verbunden waren; warum die erste so wenig 
südliche Formen besitzt, weil die Verbindung mit Süd- 
amerika erst in neuerer Zeit (geologisch gesprochen) 
durch Heben der Andenkette vor sich gegangen ist. 
Auch das Vorkommen isolirter Formen ist verständlich, 
oder von nahe verwandten Fonnen an zwei weit entfernten 
Plätzen. Denn weim es durch die Funde fossiler Insekten 
erwiesen ist, dass sich der Typus der heutigen Insekten-^, 
weit schon in jenen Zeitepochen vollkommen ausgebildet 
hatte, so liegt nichts Unwahrscheinliches darin, dass sich, 
auch einige Formen dieser Perioden bis auf den heutigen, 



FAEBEN. 



29 



Tflg erhalten haben und vielleicht die letzten Übevreste 
eines jetzt ausgestorbenen Stammes bilden, welcher eine 
mehr oder minder grosse Verbreitung besass. Solche in 
unsere heutige Lebewelt gar nicht mehr hinein passende 
Formen sind: der merkwürdige Styx in Peru, die 
P.->eadopoidla Parado.ra und der Antimo.clius Westafrikas, 
der australische Eun/cus, halb Parnassier und halb Papilio. 
Auch das Vorkommen von nahe verwandten Formen auf 
weit entlegenen Punkten kann auf das theilweise Aussterben 
einer einst über ein grösseres Areal verbreiteten Stamm- 
form gedeutet werden. Eines der auffallendsten Beispiele 
bietet die Verbreitung der Urania (eine Art auf Mada- 
gascar, die andern in Südamerika) und der Gattimg 
Lihiithea dar. Von dieser letzteren finden wir auch heute 
noch Überreste fast in allen Rosinnen, und das Vorkommen 



einzelner Arten auf solchen Punkten, deren Isolation 
während langer Zeitepochen hinlänglich durch andere That- 
sachen bewiesen ist, wie z. B. den Antillen und Mauritius, 
zeigt uns in eklatanter Weise, dass diese Arten Über- 
reste eines einst über die ganze Erde verbreiteten 
Stammes sind, welcher sich bis auf den heutigen Tag- 
erhalten hat, dessen nähere Verwandte aber längst aus- 
gestorben sind. 

Die übrige Schmetterlingswelt hat sich dann naclV 
den unendlich variirenden Gesetzen der Anpassung und 
Vererbung zu jener Fülle und Pracht der Gestalten ent- 
wickelt, welche den Naturforscher zu immer erneuter- 
Bewunderung hini'eisst und ihn anregt, aus dem besonderen 
das allgemeine Gesetz herauszufinden, dem alle Lebewesea 
luiterworfen sind. 



U'a.r-beiT der Sclaiiiettei*liiia'e. 



Die prachtvollen Farben, womit die meisten Schmetter- 
linge und hauptsächlich die Exoten geschmückt sind, ver- 
danken ihre Entstehung nicht allein einem wirklichen, 
in den Schuppen*) abgelagerten Farbstoff, sondern 
beruhen häufig auf sog. I n t e r f e r e n z e r s c h e i n u n g e n , 
bei denen das Licht durch die Schuppen farbig zerlegt 
wird, während sie selbst ungefärbt oder in einem ganz 
andern Ton gefärbt sind. 

Zu dieser letzteren Abtheilung gehören die brillantesten 
Farbentöne, welche -vs'ir unter den Schmetterlingen antretfen : 
die prachtvoll blauen Farben der Morphiden und Lycaenen, 
die smaragdgrünen Bänder des Priamus, die goldig imd 
silberschillernden Flecken der Uraniden und viele andere 
mehr, während die erste Klasse fast alle gelben und 
rothen, z. Th. auch grünen Farbstoffe begreift, denen wir 
am häufigsten in der Familie der Pieriden begegnen. 
Um sich von der letzteren Thatsache zu überzeugen, 
genügt es schon, ein Flügelfragment irgend einer feurig 
gefärbten Callidryas, z. B. Argante, oder die orangefarbene 
Flügelspitze unserer Anthocharis Cardamines, oder den 
Flügel des Citronenfalters mit Alcohol auszukochen, wobei 



*) Bei einigen Sehüietlerlingen ist aneh die Fliigelmembran 
gefärbt und merkwiirdigerweise sind es stets gi-iin geflirbte gewesen 
oder gelblieh grüne, z. ü. Colaenis Dido, Danais Cleona, 
Papilo Phoreas etc., bei denen wir dies beobielitct haben. 



sich dieser in kurzer Zeit schön gelb färben wird. Da- 
gegen gelingt es niemals, aus den schönsten blauen Mor- 
phiden oder Lycaenen weder durch Alcohol, noch durch 
irgend ein anderes Lösungsmittel, wie Chloroform, Benzol, 
Äther etc. eine Spur von Farbstoff herauszuziehen. Die 
Leichtigkeit, womit der gelbe Farbstoff in Lösung gebracht 
w'erden kann, veranlasste uns, denselben etwas näher zu 
untersuchen. Zu diesem Zwecke wurden die zerschnittenen 
Flügel von ungefähr 20 Exen-iplaren von Callidryas Argante 
und einer nahe verwandten Art wiederholt mit Alcohol 
ausgekocht, die Lösungen kochend filtrirt und vereinigt. 
Es gelang nicht, den Farbstoff vollkommen hiedurch 
auszuziehen, immer blieben die Flügel, wenn auch nur 
schwach, etwas gefärbt zurück. Vollständig und leicht 
gelingt aber die Entfärbung mit 2procentiger kochender 
Sodalösung, welche ebenfalls zum Ausziehen des Farb- 
stoffes benutzt werden kann, worin sich aber der Farbstoff 
in kurzer Zeit zersetzt. Die Spirituosen Lösungen, namentlich 
die ersten concentrirten Auszüge, trübten sich bald nach 
dem Erkalten und schieden den Farbstoff' in Form eines 
wolkigen Niederschlags ab, nach 2 Tagen war er voll- 
kommen als gelbbraunes Sediment auf dem Boden abo-e- 
setzt, während die darüber stehende Flüssigkeit fast farblos 
wai-. Abfiltriit und auf dem Filter getrocknet, erscheint 
er von brauner Farbe. Unter dem Mikroskop erschien 
er aus übciaus kleinen ki-ystallinischcn Asgregaten zu- 



30 



FAEBEN. 



sammcngesetzt. Er ist in kaltem Aleohol unlöslich, leicht 
in kochendem, aber nicht in Aether, Benzol, Petroleimi, 
■Chloroform etc. Auch von kalter Salzsäure und Salpeter- 
säure wird er gelöst, von letzterer aber sehr schnell zersetzt. 
■Concentrirte Schwefelsäure zeigt keine Veränderung und 
gibt auch keine Farbreaction. In kalter 2procentiger 
Sodalösung ist er schwierig, leicht in kochender mit tief- 
gelber Farbe löslich, wird aber bald zersetzt, da sich die 
Lösung entfärbt. 

Um die Veränueiungen, welche Metallsalze auf 
organische Farbstoffe in der Regel hervorbringen, zu 
prüfen, wurden nacheinander verschiedene Mengen des 
trocknen Farbstoffs mit Eisenchlorid, chromsaurem Kali, 
Ivupfcrsulfat, Ferridcyankalium, snderseits mit reducirenden 
Substanzen, wie schweflige Säure behandelt, aber alles 
ohne Resultat — der Farbstoff blieb vollkommen unver- 
ändert. Ein Versuch auf Stickstoffgchalt mittelst Natrium- 
metall ergab ebenfalls ein negatives Resultat, doch ist 
•dieser letztere Versuch nicht absolut beweisend, da die 
■darfiuf verwendete Menge zu gering war. 

Um zu prüfen, ob der gelbe Farbstoff auch von 
anderen thierischen Geweben aufgenommen wird, wm-de 
■ein weisser Wollenfaden in eine frische, spirituöse Lösung 
•des Farbstoffes eingehangen, aber es zeigte sich, dass 
derselbe selbst nach 3 Tagen nur schwach gefärbt war 
■und nach dem Trocknen keineswegs gelb, sondern chamois- 
artig, welches wahrscheinlich von der geringen Menge 
trockenen Farbstoffes herrührt, der sich beim Erkalten 
innerhalb des Gewebes ausschied und mechanisch anhaftete. 

Obgleich die Resultate dieser Untersuchung nur 
raano-elhaft sein konnten, schon wegen der ausserordentlich 
geringen Menge von Farbstoff, welche in den Schuppen 
vorhanden ist, so genügten sie doch, um den Weg für 
eine spätere genauere Untersuchung mit mehr Material 
anzudeuten. Auch zeigt das Verhalten gegen verschiedene 
Reagentien und hauptsächlich gegen Schwefelsäure (welche 
nicht blaugefärbt wird), dass dieser Farbstoff wesentlich 
verschieden ist von demZoofulvin, welches von Krucken- 
berg in den gelben Vogelfedern so häufig gefunden 
■wurde und, wie es scheint, sehr verbreitet in der höheren 
Thierwelt ist. Ganz ebenso leicht gehngt es auch noch, 
andere gelbe vmd rothe Schmetterlingsflügel durch siedenden 
Aleohol zu entfärben. Die rothen Tachyris-Arten (Nero, 
Domitia, Zarinda) geben eine tief rothe Lösung, die orange- 
farbene Eurema Proterpia eine gelbe, die blutrothe Eur. 
Coccinata gibt merkwürdigerweise an Aleohol nur einen 
o-elben Farbstoff ab imd es scheint, dass hier die rothe 
Färbung eine Mischung von wirklichem Farbstoff mit 
■emer Interferenzerscheinung ist. 

Von den rein grünen Farben zeigt die grüne Unter- 
■seite und das prachtvoll blaugrüne Band der bekannten 
Epicalia Obrinus genau dasselbe Verhalten; der Aleohol 
' färbt sich in letzterem Falle schön blaugrün. Auch die 
im frischen Zustande grasgrüne Colacnis Dido iässt sich 
leicht entfärben, ebenso wie unsere Geometra Papilionaria. 

Eine Menge anderer Beispiele von wirklich rothen, 
gelben und grünen Farbstoffen Hesse sich hier noch auf- 
zählen, welche als solche in den Schuppen vorhanden 
sind. Es ist uns aber nicht gelungen, jemals einen wirklich 
I)lauen Farbstoff durch ein Lösungsmittel zu erhalten und 
-es scheint fast, dass ausnahmslos alle blauen Farben 
•optische sind, wie dies auch von Kru ck enb erg für die 



A'ogclfedern constatirt ist. Es mögen daher die obigen 
Beispiele genügen, da eine genauere Untersuchung, vor 
der Hand wenigstens, durch die Kostbarkeit des Materials 
einerseits, anderseits aber auch durch die ausserordentlich 
geringe Menge von Farbstoff, welche in den Schuppen 
enthalten, ausgeschlossen ist. Um sich schnell über 
die Wahrscheinlichkeit eines wirklichen Farbstoffes oder 
einer Interferenzfarbe zu orientlren, genügt es, einige 
Schuppen in Canadabalsam zu legen und unter demMikroskop 
bei durchfallendem Licht zu betrachten. Der wirkliche Farb- 
stoff' verändert sich nur sehr wenig, dieinterferenzfarbe ver- 
schwindet aber sofort und macht der wirklichen Farbe Platz, 
welche in den meisten Fällen ein schwaches Hellgelb oder 
Hellbraun ist. Zu den wirklichen Farbstoffen gehören auch 
alle dunkelbraunen bis tiefschwarzen Farbentöne, welche 
wir bei der überwiegenden Mehrzahl der Schmetterlinge, 
ja fast bei allen Arten in einigen Flecken oder Punkten 
beobachten und welche auch die Grundfarbe der meisten 
so prachtvoll blauschillernden Morphiden und Lycaenen 
sind. Dieser Farbstoff Iässt sich fast gar nicht durch 
kochenden Aleohol ausziehen, etwas leichter schon mit 
2procentiger Soda oder schwacher alcoholischer Kalilösung. 
Selbst wenn man die Flügel mit alkalischer Pepsinlösnng 
bei 35" längere Zeit erst andaut (wie dies von Krucken- 
berg mit Erfolg bei renitenten \ ogelfedern angewendet 
WTirde), gelingt es doch nur äusserst schwierig, den 
Farbstoff' in genügender Menge in Lösung zu erhalten. 
Derselbe scheint weit verbfeitet za sein, aber durchaus 
nicht einheitlicher Natur, da sich nicht alle Arten gleich 
verhalten. 

Fast alle Schmetterlingsfarben werden durch oxydirende 
Agentien, wie Salpetersäure und Chlor, in kurzer Zeit 
zerstört und dieses Verhalten benutzt man mit bestem 
Erfolge, um die Flügel durchsichtig zu machen und das 
Geäder besser erkennen zu können (siehe das folgende 
Capitel). Aber auch hier verhalten sich nicht alle Farben 
gleich. Eine merkwürdige Ausnahme zeigt der Pap. Phorcas, 
ein schöner africanischer Papilio mit breiten, smaragdgi'ünen 
Bändern, dessen schwarze Flügelparthien ganz leicht 
durch Chlorkalk gebleicht werden, die grünen Stellen 
aber nach stundenlanger Einwu'kung noch tief grün ge- 
färbt sind. Auch der dunkelbraune Farbstoff' der Euploeen, 
der gelbe von Danais Cleona, ist sehr widerstandsfähig 
und alles dies scheint zu beweisen, dass die Farbstoffe 
selbst bei gleicher Nuance unter sich verschieden sein 
müssen, da sie sich gegen chemische Reagentien verschieden 
verhalten. —^ 

Was nun die zweite Art von Farben betritt'!, welche 
wir kurzweg „optische Farben" nennen wollen, so sind 
dieselben nicht allein den Schmetterlingen eigen, sondern 
auch in anderen Thierklassen weit verbreitet, namentlich 
unter den Vögeln. Das prachtvoll glänzende Gefieder 
der Colibri, der blaue Metallglanz der Pfauenfeder, das 
Schillern am Halse der Taube beruhen im wesentUchen 
auf denselben Ursachen, welche den herrlichen blauen 
Schiller der Morphiden und Lycaenen, die goldigen Reflexe 
auf den Flügeln der Polyommatus-Arten, das prachtvolle 
Smaragdgrün auf dem Priamus oder das goldgrüne Band 
der 0. Brookeana hervorbringen. 

Die blauen Farbentöne verdanken ihre Entstehung 
wahrscheinlich weniger der Interferenz der Lichtstrahlen, 
als einer über dem dunklen Grunde gelagerten trüben 



FARBEN. 



31 



^Schicht der Schuppen, durch welche das Licht an den- 
selben reflectirt wird, ähnlii;h wie uns die entfernten 
Berge blau erscheinen, wenn wir sie durch eine gesättigte 
AtmosphSre betrachten. Man kann sich hievon leicht 
überzeugen, wenn man ein Stückchen Flügel einer Morphide 
oder Lyi'-acne auf einem Objektglase abdruckt. Die Unter- 
seite der Schuppen, wc'che nun umgekehrt liegen, schillert 
■durchaus nicht mehr, sondern ist einfach braun, wie im 
durchgehenden Lichte gefärbt. Anderseits zeigen die 
blauen Schuppen der ürvilliana, dass dies nicht immer 
die alleinige Ursache der Blaufärbung ist, denn diese 
erscheinen sowohl auf Vorder wie Bückseite gleich glänzend 
blau bei auffallendem Licht, in der hellgelben Comple- 
mentärfarbe bei durchfallendem Licht. In derselben "Weise 
erscheinen die grünen Schuppen des Priamus bei durch- 
gehendem Licht hochroth orange und die orangegelben des 
Croesus tief grasgrün. Dies sind wirkliche Interferenz- 
erscheinungen des Lichtes und beruhen darauf, dass die 
einzelnen Lichtwellen bei den durchlaufenden unendlich 
dünnen Schuppen sich gegenseitig stören und beeinflussen. 
Die Farben hängen dann einfach von der Dicke der 
■Schuppen ab; die Schuppen brauchen hiebei selbst wenig 
oder gar nicht gefärbt zu sem. Sehr schön kann man 
dies beobachten, wenn man die Schuppen in Canadabalsam 
legt, wobei die feurigen Faiben sofort verschwinden und sie 
nur in ihrer ursprünglichen, meist sehr blassen Körperfarbe 
erscheinen. Es kommen indessen auch Combinationen 
beider Fälle vor und diesen vei'dankt z. B. die schöne 
Callosune Jone ihre prachtvoll violette Flügelspitze. Die 
Schuppen derselben sind ursprünglich earminroth gefärbt, 
aber es mischt sich noch eine blaue Interferenzfarbe bei, 
wodurch sie violet erscheinen. 

Es ist bekannt, dass die meisten Schuppen der Länge 
nach feingestreift sind und oft auch noch Querstreifen 
besitzen. Für die Farbenerscheinung sind diese Streifungen 
sicherlich von keiner Bedeutung, da sie sowohl bei den 
vollkommen farblosen der Pieriden eben so häuflg wie 
bei den farbigen vorkommen. Ja in den brillantesten 
Farben, z. B. des Morpho Cypris und den Ornithopteren- 
Arten, sind die Schuppen fast gar nicht oder doch nur 
sehr undeutlich gestreift. Dagegen scheinen sie eine 
Bedeutung bei dem sog. Schillern zu haben, wie es die 
Apaturen so vorzüglich zeigen. Die Schuppen liegen stets 
parallel zur Längsachse des Flügels und der Schiller 
erscheint rnr stärksten, wenn man den Flügel von sich 
abgewendet hält und das Licht in einem Winkel von ca. 
4.5" darauf fällt. 

Noch wollen wir zum Schluss mit wenigen Worten 
der metallglänzenden Gold- und Silberfarben erwähnen, 
welche wir bei vielen Schmetterlingen finden und welche 
•in Feuer und Glanz nichts dem natürlichen Metalle nach- 



geben. Selbst unsere heimische Fauna zeigt hievon viele 
Beispiele, aber die höchste Pracht erreicht diese Schmuck- 
farbe doch erst in den Tropen. Wir nennen nur die 
ganz silberglänzende Oeneis Argenteus, die Dione Moneta, 
den Ilelicopis Cupido, dessen Hinterflügel auf der 
Rückseite wie mit Silbertropfen besprengt sind, die 
prachtvollen Uranien, die Ornith. Brookeana mit dem 
goldgrünen Bande über die Vorderflügel. Auch diese 
glänzenden Farben verdanken ihre Entstehung der Inter- 
ferenz der Lichtstrahlen, aber es müssen hiebei noch 
andere Factoren mitwirken, worunter ein aussergewohnlich 
starkes Reflexions vermögen der Schuppen, die Resorption von 
Lichtstrahlen durch die Farbe der Schuppen und nach den 
Untersuchungen Leidig's, auch eine Luftschicht innerhalb 
der Schuppen selbst die hauptsächlichsten sind. Eine 
genauere Erklärung ohne grossen physikahschen Apparat 
von Formeln und Zeichnungen wäre nicht möglich und 
würde hier auch zu weit führen; dies gehört in das 
Capitel der reinen Physik. 

Es ist eine unbestrittene Thatsache, wenn auch nicht ganz 
ohne Ausnahmen, dass die Farben der Tropenschmetterlinge 
um vieles feuriger und intensiver sind, als die der Be- 
wohner der gemässigten Zone. Der Satz, dass es die 
glühenden Strahlen der Tropensonne allein sind, welche 
diese Farben zeitigen, ist, in dieser Fassung wenigstens, 
ohne jeden wissenschaftlichen Werth. Sicher ist die Ur- 
sache darm zu suchen, dass auch die Lebensthätigkeit 
der Insekten unter den Tropen eine viel energischere und 
grössere ist, als in höheren Breiten, und dass in Folge 
dessen auch die Darwinianischen Gesetze sich deutlicher 
und erkennbarer im äussern ausprägen, als bei unseren 
Bewohnern. Da die ganze Schmetterlingswelt absolut 
abhängig ist von der Pflanzenwelt und diese sich unter 
den Tropen zu einer Grossartigkeit und Fülle entwickelt, 
in erster Linie durch die excessive Wärme, welche eine 
natürliche Folge von der veränderten Stellung der Sonne 
ist, und durch grosse Feuchtigkeit der Atmosphäre, so 
sind es allerdings wenigstens mittelbar die Sonnenstrahlen, 
welche die Farben hervorbringen. Aber die grossartige 
Pracht und die wundervolle Vertheilung der einzelnen 
Farbentöne, welche wir mit immer steigender Bewunderung 
bei den Tropenbewohnern walirnehmen, ist doch wohl 
(wenn es keine Schutzfarben sind) dem allgememen Gesetze 
der sexuellen Zuchtwahl zuzuschreiben, welches hier 
energischer und thätiger wirkt, als in minder begünstigten 
Lokalitäten und hauptsächhch die männlichen Individuen 
vor den weibhchen bevorzugt. 

Daher wird die schöne Mythe, welche die Sonnenstrahlen 
se.bst sich verkörpern lässt auf den Flügeln dieser leicht- 
beschwingtenLuftbewohner, wenn auch nicht absolute Richtig- 
keit, doch immerhin einen Schein von Wahrheit besitzen. 



'■-3gS^3<E:zi= 



Eiiaiges lTl3er' cLa.s ^PlligelgeädLer-. 



(Hiezu Taf. 1.) 



Die Wichtigkeit des Ge.äilers zur systematisclien Be- 
stimmung und schärferen Trennung der Genera tritt 
immer mehr hervor, seit das Material aus den tropischen 
Ländern so riesenmässig angewachsen ist, und es erscheint 
daher unbedingt nüthig, sich mit diesem Gegenstande 
zuerst vertraut zu machen, bevor man zur Ei-lcennung der 
Gattungen selbst übergehen will. 

Die älteren Autoren , wie L i n n 6 , F a b r i c i u s , 
Latreille, nahmen wenig oder gar keine Rücksicht 
auf den Aderverlauf, und wenn die Genera, welche dieselben 
aufstellten, auch heute noch zum Theil in gleichem Um- 
fange gültig sind, so liegt dies meistentheils darin, dass 
die Zahl derselben damals eine weit geringere war und 
aus diesen sich erst nach und nach durch Abspaltung die 
späteren Gattungen entwickelten. 

Auch darf man nicht vergessen , dass es meistens 
europäische Gattungen waren, welche in den Jugend- 
zuständen besser bekannt sind und schon hierin gute Merkmale 
zur generischen Trennung darboten. Von den meisten 
Exoten sind uns aber die Raupen und Puppen völlig 
unbekannt und wir sind daher zur generellen Trennung 
nur auf das vollkommene Insekt angewiesen. Ausser den 
Mundtheilen, Fühlern und Füssen ist es nun hauptsächlich 
das Fiügelgeäder , welches in seiner verschiedenartigen 
Ausbildung gestattet, nicht allein ganze Familien darauf I 
zu gründen, sondern auch hauptsächlich Gattungen näher 
zu begrenzen. Die genaue Ivenntniss des Adersystems ist 
daher unei'lässlich, wenn man die Systematik der Schmetter- 
linge verstehen will. 

Die erste genauere Anwendung des Geäders nach 
dieser Richtung hin finden wir schon beiDalmann und 
andern Systematikern, aber erst Doubleday und W e s t - 
w d verwertheten diese Methode ausschliesslich zvu' Auf- 
stellung vieler neuen Genera, welche sie als Resultate von 
zahllosen mühsamen, zu diesem Z\\ec\i.e gemachten Unter- 
suchungen in iliren berühmten „Genera of Diurnal 
Lepidop t era" zuerst bekannt machten. 

Man kann dieses "Werk als bahnbrechend für die 
jSystematik der Tagschmetterlinge betrachten, da hier zum 
ersten male sämni fliehe damals bekannte Gattungen 
genau diagnosticirt und die einzelnen Körpertheile be- 
schrieben wurden, und zwar mit einer solchen Genauig- 
keit, dass sie auch heute noch die sicherste Grundlage 
für alle .späteren Untersuchungen bilden. Von den Nach- 
folgern ist es hauptsächlich Herrich-Schäffer, welcher 
das Geäder in vollem Umfange für die Systematik der 
europäischen Schmetterlinge benutzte und hiediu'ch ebenso 
bahnbrechend wirkte, wie Doubleday für die Exoten. 



Wenn man einen Flügel mit blosem Auge beti-achtet,, 
oder selbst mit der Lupe, so wird man selten ein klares, 
Bild des Geäders bekommen, weil die Schuppen meisten- 
theils zu dicht stehen und daher die Adern, und zwar 
gewöhnlich an den wichtigsten Stellen, bedecken. Aus 
diesem Grunde muss der Flügel erst abgeschuppt, resp. 
durchsichtig gemacht werden und dies geschieht entweder 
durch mechanisches Abschuppen oder durch Einwirkung 
chemischer Agentien. 

Bei Objekten, deren Kostbarkeit ein solches Verfahren, 
welches fast immer mit der Zerstörung derselben gleich- 
bedeutend ist, ausschliesst, kann man sich auch damit 
behelfen, durch Betupfen mit reinem Alcohol oder Benzin 
eine momentane, wenn auch nicht vollkommene. Durch- 
sichligkeit herzustellen. Nach Verdunstung der Flüssigkeit 
ist der Flügel dann vollkommen intact geblieben. 

Von den erwähnten Methoden ist die erstere leicht 
da anzuwenden , wo frische Exemplare zur Verfügung 
stehen, und besteht einfach darin, dass man den Flügel 
zwischen 2 Blättchen feinen Sclu-eibpapiers mittelst des 
Fingernagels oder eines Falzbeins unter Anwendung eines 
gewissen Druckes abpresst. Eine weiche elastische Unter- 
lage, ein Buch Papier z. B., befördert die Arbeit sehr, 
auch kann man die Stelle des Papiers, wo der Flügel 
liegt, zuerst etwas anhauchen. Nach einigen Zügen legt 
man den Flügel auf eine andere Stelle und wiederholt 
das Verfahren, bis das Skelett genügend rein ist. Bei 
kleinen Exemplaren, wie Lycaenen, ist die Methode sehr 
zu empfehlen. Grossere Arten, wie imsere Vanessen, 
bleiben indessen an den starken Adern stets unrein. Hier 
muss man mit einem kurz abgeschnittenen Pinsel nach- 
helfen, indem man den Flügel auf einem flachen Teller 
mit einigen Tropfen Spiritus anfeuchtet und nun durch vor- 
sichtiges Streichen die Schuppen ablöst. Altere Exemplare 
zerreissen gewöhnlich bei diesem Verfahien, selbst wenn 
sie vorher auf feuchtem Sand aufgeweicht sind, und für 
diese Objekte giebt das folgende chemische Verfahren 
ganz ausgezeichnete Präparate. 

Die Methode, welche hier zur Anwendung kommt, 
beruht auf einer Bleichung des Flügels mittels Chlorkalk. 
Die Resultate, welche man bei richtiger Anwendung 
damit erhält, sind imübertroffen; selbst die dichtfilzigen 
Schwärmer, wie Atropos, geben ebensoleicht als zarte 
Schmetterlinge die glashellsten Präparate und die Adern 
treten in einer Schärfe hervor, wie sie nie durch mechanisches 
Abschuppen erreicht wird. Dabei ist die Anwendung so 
einfach und leicht, auch fast kostenlos, dass sie in der 
That als das vollkommenste aller bis jetzt bekannten 



FLÜGELGEÄDEE. 



33 



Verfahren bezeichnet werden muss. Man beginnt zunächst 
dnmit, sich eine Lösung von Chlorkalk in Wasser herzu- 
stellen und zwar in dem Verhältniss von 1:10. Da diese 
Lösung eine Hauptsache mit ist, um gute Resultate zu 
erlangen, so muss zu ihrer Darstellung eine gewisse 
Sorgfalt angewendet werden. 3Ian schüttet also z. B. 
nicht den Chloika'k einfach in eine Flasche mit Wasser, 
sondei'u zerreibt ihn erst in einem Mörser mit etwas 
Wasser zu einem dicken Brei und fügt dann erst die nöthige 
Menge Wasser nach und nach zu. Nach 24stündiger 
Ruhe in einer Flasche ist die klare Lösung zum Gebrauche 
fertig. Mit 30 Gramm Chlorkalk imd 300 Gramm Wasser 
kann man viele hunderte von Präparaten darstellen. Man 
bedarf dann zur weiteren Ausführung nichts weiter, als etwas 
reine Salzsäure. Das Verfahren selbst ist nun folgendes. 
Die abzuschuppenden Flügel werden zuerst in starken 
Spiritus getaucht (dies darf man nicht vergessen, denn 
sonst nehmen die Flügel keine Lösung an; sondern 
schwimmen oben auf!) und in ein kleines, ihrer Grösse 
angemessenes Glasgefäss gelegt, worauf man dann etwa 
1 cm hoch die Chlorkalklüsung giesst und das Gefäss 
mit einer Glasplatte bedeckt. Wir bedienen ims zu 
diesem Zwecke der sog. Trinknäpfchen für Canarienvögel, 
welche sich ganz vorzüglich hiezu eignen und wohl überall 
für wenige Pfennige zu haben sind. Die Zeitdauer der 
Einwirkung ist nun eine sehr verschiedene und richtet 
sich ganz nach der Stärke und dem Alter des Flügels. 
Zarte Flügel sind in 10 — 15 Minuten bereits völlig 
gebleicht; Vanessen z. B. können ohne Schaden 1 — 2 
Stunden darin liegen, Schwärmerfiügel einen ganzen Tag. 
Hiefür gibt es keine allgemein gültige Regel, sondern 
es muss die Erfahrung das meiste thun. Es ist daher 
von grossem Vortheil, zuerst mit werthlosem Material 
Versuche anzustellen, bevor man gute Flügel anwendet. 
Meistens liegen die Flügel zu lange in der Flüssigkeit 
und da der Chlorkalk nicht allein die Schuppen bleicht, 
sondern auch dieselben, sowie die Flügelmembran auf- 
löst, so ist ein zu lange dem Chlor ausgesetzter Flügel 
unrettbar verloren. Eine gute Probe zu diesem Zweck 
ist das öftere Herausheben des Flügels mittelst eines 
Glasstabes oder einer Pincette; ist er noch steif und 
höchstens an dem Saume etwas zusammengefallen, so hat 
es noch keine Gefahr ; ist er aber durch die ganze 
Masse erweicht, so ist es die höchste Zeit, wenn 
nicht gar zu spät, ihn aus der Lösung herauszunehmen. 
Man legt ihn dann in ein anderes Gefäss mit reinem 
Wasser, dem einige Tropfen Salzsäure zugefügt sind, 
lässt ihn hier eine Viertelstunde liegen und überträgt ihn 
dann auf dieselbe Weise in reines Wasser, wo er beliebig 
lange liegen kann, bis die geringen Säure- und Chlorspuren, 
welche dem Flügel noch anhaften, vollends entfernt sind. 
Ein gutes Präparat muss bereits im Wasser vollständig 
durchsichtig erscheinen. Die Uhertragung auf Glas 
geschieht in der Art, dass man die betreffende Glasplatte 
von unten unter den im Wasser schwimmenden Flügel schiebt 
und durch leises Heben ihn in gewünschter Lage zu er- 
halten sucht. Zweckmässig bringt man Vdfl. und Htfi. 
auf ein Glas; nur bei grossen Objekten, wie Morphidcn 
und Ornithopteren, ist es besser, die beiden Flügel ge- 
sondert zu halten, da die Grösse der Glastafel eine spätere 
mikroskopische Unteisuchung unmöglich machen würde. 
Nachdem der Flügel etwas abgetrocknet ist, legt man 



ein genau gleich grosses Glas darauf und beklebt die- 
Ränder mit Papierstreifen. Eine Etiquette mit Namea 
vollendet schliesslich das Präparat. 

Gute Präparate müssen selbst nach dem Ti'ocknen voll- 
kommen glrishell erscheüien; oft werden sie nach kurzer Zeit 
ganz kreidig-weiss und undurchsichtig, und dies ist ein Be- 
weis, dnss sie nicht lange genug im Chlorkalk gelegen haben. 
Will man sich die Mühe einer nochmaligen Behandlung er- 
sparen, so genügen ein paar Tropfen Spiritus, zwischen die- 
G'aswandung getröpfelt, um das Präparat dennoch tauglich zui- 
Untersuchung zu machen; freilich erscheinen die Adern durch 
die Flüssigkeitsränder nicht so schön und deut'ich, wie in, 
einem guten Präparat, aber bei einiger Übung wird man 
leicht d!o richtigen Ränder von den nur durch Spiritus, 
hervorgebrachten unterscheiden lernen. 

Ein anderes Verfahren, welches von Herrn Ribbe- 
durch Zufall entdeckt wurde und ebenfalls ganz ausge- 
zeichnete Resultate giebt, besteht darin, dass man den- 
Flügel mit Collodium bestreicht und nach dem Trocknen 
desselben (welches in wenigen Minuten geschehen ist) 
die häutige Schicht, an welcher alle Schuppen fest an- 
kleben, mit einer Pincette abzieht. Diese Methode eignet 
sich ihrer schnellen Ausführung wegen namentlich für 
partielle Untersuchungen, bei denen es nur darauf an- 
kommt, eine bestimmte wichtige Stelle abzuschuppen. 
Sie ist ebenso elegant wie leicht ausführbar. 

Bevor wir nun zur weiteren Beschreibung des Geäders 
übergehen, erwähnen wir noch kurz, dass die Bezeichnung- 
der Adern durch die Anfangsbuchstaben derselben im 
ganzen Werk dieselbe ist. Wir geben diesen Zeichen 
vor den Herrich - Schäffer'schen Zahlen den Vorzug,, 
da sie doch zugleich, wenn auch in verkürzter Form, 
das ausdrücken, was sie wirklich bedeuten, während die- 
Zahlen erst geistig in die Begriffe umgesetzt werden müssen. 

L'm nun die abweichende Form mancher Geäder 
richtig verstehen und deuten zu können, beginnen wir- 
mit der Darstellung eines normalen Aderverlaufs, und 
zwar des Morpho Menelaus L. Es hat dies noch den. 
Vortheil, dass derselbe genügend gross ist, um die Adern 
auch ohne Vergrösserung an dem natürlichen Flügel 
deutlich erkennen zu können. Zum bessern Verständniss. 
sind die einzelnen Ader-Systeme farbig dargestellt und 
diese harmoniren genau mit denen der übrigen abgebildeten 
und etwas abweichenden Flügel. 

In jedem Vorderflügel sehen wir 4 grössere Adern 
frei aus der Flügelwurzel entspringen, von denen zwei 
nahe dem Vorderrande, die dritte in der Flügelmitte,. 
und die letzte nahe am Innenrand verlaufen. Die erste, 
meist sehr starke Ader, welche nahe am Vorderrand' 
(costa) entlang läuft, ist die Costale (C); sie ist stets; 
ungetheilt, oft an ihrer Basis blasig aufgetrieben (wie- 
bei der Mehrzahl der Satyriden) imd verläuft immer in 
den Vorderrand. Dieser zimächst und mit ihr parallel 
gehend ist die schwächere Subcostale (SC) welche stets; 
verästelt ist imd deren Aste von 3 bis 5 wechseln. Die 8 
ersten Aste verlaufen immer in den Vorderrand, Ast 
4 und 5 zum Theil in diesen, zum Theil in den Aussenrand. 

Der Costale entsprechend, aber am Inuenrand entlang- 
laufend, geht die Sub mediana, mit Ausnahme einer 
Famihe (Papilio, Fig. 3.) ebenfalls ungetheilt. Die vierte- 
Hauptader ist die grosse und starke, stets 3ästige Mediana,, 



"34 



FLÜGELGEÄDER. 



welche iiiohv in der Flugeliiiittc ihren Verlauf nimmt, 
und deren Aste stets in den Aussenrand münden. Wir 
haben also 2 äussere Adern, die Costale (C) und Sub- 
mediana (SM), beide ungetheilt und in der Abbildung 
■blau gezeichnet, und 2 innere, stets verästelte Adern, 
die Subcostale (SC) imd die Mediana (M), die erstere 
roth, die letztere braun gezeichnet. Der freie Raum 
-zwischen den beiden Innern SC und M wird die Zelle 
genannt, und diese ist in der Flügelmitte durch 3 kleine 
•Queradern, der oberen, mittleren und unteren 
-Discooellular-Ader (ODC, MDC und UDC) geschlossen. 
-Aus diesen Quoradern entspringen 2 weitere Längsadern 
omd münden zwischen dem letzten Ast der Mediana und 
■dem letzten Subcostalast in den Aussenrand: die obere 
und untere Radiale (OR und UR), welche auch häufig 
Discoidaladern genannt werden. Wir geben der ersten 
Bezeichnung, welche von Bat es herstammt, den Vorzug, 
■um eine Verwechselung mit den ähnlich klingenden 
Discocellularen zu vermeiden. Die Radialen und Disco- 
■cellularen sind in der Abbildung ebenfalls roth gezeichnet. 
Ausser diesen Ilauptadern sehen wir noch eine kleine 
Verbindungsader zwischen der Mediana und der Submediana, 
-«'eiche in dieser Grösse nur den Morphiden und Papilioniden 
eigen ist, aber als kurzer Sporn vielfach vorkommt. In 
■der Abbildung ist sie mit einem '* bezeichnet. 

Das Geäder der Hinterflügel ist dem der Vorderflügel 
in der Anlage vollkommen gleich gebildet, mir sind die 
Verhältnisse der einzelnen Adern durch die verschiedene 
Rolle, welche dieser Flügel spielt, etwas verändert. Die 
erste augenfällige Verschiedenheit ergiebt sich aus der 
Anwesenheit einer fünften Hauptader, der Innenrands- 
ader (lA) welche noch unterhalb der Submediana und 
vollkommen frei von ihr, aus der Flügelwurzel entspringt. 
Dieses ist die Regel, aber eme ganze Familie, die Papiho- 
niden, bildet hievon eme Ausnahme und besitzt diese Ader 
nicht (Fig. 3), dafür aber in den A'orderflügeln eine 
mehr, also den umgekehrten Fall hi verschiedenen Flügeln. 
Die zweite Abweichung der Hinterflügel von den Vorder- 
flüge'.n liegt in der unverzweigten Subcostale, und dies 
hängt nahe mit der Form des Flügels und dessen Stellung 
zusammen, da der Grund, den Vorderrand durch kurze 
Queradern zu stützen, hier augenscheinlich fortfällt. Im 
übrigen ist das Geäder der Hinterflügel dem der Vorder- 
flügel gleichgebildet, aber es treten noch einige kleine 
Aderfortsätze auf, welche wir kurz erwähnen wollen. 

Der erste derselben ist die sog. Präcostalader (PC), 
ein kurzer Zweig, welcher sich von der Costalader kurz 
nach ihrem Urspiung abtrennt vmd entweder gerade, oder 
nach innen oder aussen gebogen ist und selbst gegabelt 
vorkommt. (Fig. 4.) In einigen Familien, z. B. bei den 
Lycaenen (Fig. 5) und in der Dryaden-Abtheilung der 
Pieriden (siehe diese) ist er verkümmert oder ganz ver- 
schwunden. Sein Zweck ist augenscheinlich, die Vorder- 
randsecke zu verstärken. Einen ähnlichen Zweig besitzt 
auch die Subcostale, aber dieser ist meist so unter der 
Costale verborgen und mit ihr verwachsen, dass er selten 
sichtbar ist. Nur in dem Falle, dass er weiter vom Ur- 
sprung der Hauptader entspringt und erst m einer gewissen 
Entfemimg mit der Costale verwächst, kann man ihn 
deutlich sehen. Dieser Zweig hat keinen besonderen 
Kamen, aber die kleine Zelle, welche er einschliesst, heisst 
die Präcostalzelle und man kann deutlich ihre Ent- 



stehung verfolgen von dem ersten Beginnen des Zweiges 
bei dem Basaltheil einer Erycinide (Fig. 5), der schmalen 
bei Morpho (Fig. ]) bis zur wohl ausgebildeten bei 
Papilio (Fig. 3). Die Subcostalader wird von einigen 
Autoren auch jetzt noch als 2ästig angesehen und dafür 
nur eine Radialader im Htfl. angenommen. Für diese 
Annahme sprechen zwar einige Gründe, doch viel mehr 
dagegen. Wenn man den Htfl. als in den Hauptzügen 
dem Vdfl. gleich gebildet ansieht, so bedarf es nur eines 
Hinweises auf die gleiche Entwicklung dieser beiden 
liadialadern in sogenannten anormalen Formen, z. B. 
Mechanitis (Fig. 4) um zu erkennen, dass es hier die 
Radialen und nicht ein Subcostalast ist, welche sich conform 
dem Vdfl. umgebildet haben, und dies veranlasst uns, 
auch im Htfl. zwei Radialen statt nur einer anzunehmen. 
Übrigens ist diese ganze Frage von gar keiner Bedeutung, 
da die Subcostale und die Radialen durchaus nur zu einem 
System gehören, es daher ganz gleichgültig ist, welche 
Namen ihnen gegeben werden. 



Von dieser normalen Form des Geäders leiten sich 
nun alle übrigen ab und entstehen meist durch Ver- 
kümmerung oder Verwachsung einzelner Adern oder 
durch eine Verrückung in der Stellung selbst. Ausserdem 
treten noch km-ze Äste, sogenannte blinde oder Rück- 
lauf-Adern, oder Gabelungen am Ursprung der Ader 
auf. Diejenige Ader, welche am meisten variirt, ist die 
Subcostale, während die Costale in allen Fällen stets 
unverändert bleibt. Von den 5 Ästen können 2 ver- 
kümmern, so dass die SC selbst nur 3 ästig erscheint. 
Dies ist der Fall bei vielen Pieriden, bei Lycaenen und 
Eryciniden. Die nächste Ader, welche sehr veränderlich 
ersclieint, ist die obere Discocellulare (ODC). Diese kann 
so verkürzt werden, dass die obere Radiale genau aus 
der Subcostale entspringt (Fig. 4), ja selbst zum Theil 
mit ihr verwächst (Fig. ö). Bei einer Art, Pseudopontia, 
verwachsen sogar beide Radialen mit der Subcostale, 
ein Fall, der nicht wieder bei Tagschmetterhugen beobachtet 
wird. Die Verwachsung der OR mit SC iiat stets zur 
Folge, dass die ODC fehlt und daher die Zelle nur 
durch 2 Discocellularen, den MDC und UDC geschlossen 
wird, bei Pseudopontia sogar nur dm'ch eine, die UDC. 
Der entgegengesetzte Fall tritt ein, wenn die untere 
Discocellulare verkümmert, und dann erscheint die Zelle 
offen. Diese Form findet man bei vielen Nymphaliden 
und in den Hinterflügeln auch bei Morpho (Fig. 1). Die 
Mediana ist in allen Fällen stets dreiästig • und Ver- 
kümmerungen kommen hier (wenigstens bei den Tag- 
faltern) nicht vor. Die Submediana dagegen sehen wir 
in 2 Richtungen sich verändern: entweder entsendet sie 
einen kurzen Zweig an ihrer Basis in den Innenrand und 
dies ist typisch für die ganze Familie der Papilioniden 
(Fig. 3), oder sie gabelt sich am Grunde wie bei den 
Danaiden, den Neotropiden und zum Theil auch Lycaenen 
und Pieriden. Diese Gabelung entsteht aber nicht durch 
eine Spaltung der Ader selbst, sondern durch Verwachsung 
eines kleinen Fortsatzes, welcher von dem dickeren Theile 
der Flügelbasis ausgeht, wie man dies deutlich bei solchen 
Formen beobachten kann, wo diese Gabelung noch in 
der Bildung begriffen ist (Fig. 9, welche den unteren 
Theil der Kailima Inachis vorstellt). 



FLÜGELGEÄDEE. 



35 



Andere Fortsätze an den Adern selbst, sog. bündü 
Zweige, finden sich oft an den Discocellularen der Danaidcn 
'und Neotropiden und namentlich in der letzten Familie 
sind sie von grosser Bedeutung für die generische Be- 
stimmung. Wir bezeichnen sie mit „riicklaufende Ader", 
weil sie meist in die Zolle blind zurücklaufen. 

Unter Rücksichtnahme dieser eben angedeuteten Ver- 
änderungen, wird es nun leicht sein, die etwas abweichenden 
Geäder, welche wir in Fig. 2 — 5 dargestellt haben und 
welche zugleich die JLauptformen bei den Tagschmetter- 
lingen bilden, richtig zu deuten. Fig. -S stellt unseren 
Papilio Machaon L. vor. Hier erscheint die Medianader 
4ästig, aber dieser vierte Ast ist in "Wirklichkeit die 
"'■untere Eadiale (UR.) Die 3 Discocellularen sind gut 
entwickelt und 5 Snbcostaläste vorhanden. Diese Bildung 
kommt nur noch in der Pieriden Gattung Dismorphia 
und in den Htün. bei einigen Neotropiden (Fig. 4) 
vor. In den Htfln. ist die lA verkümmert. "Wesentlich 
abweichend hieven ist das Geäder einer Pieride 
(Fig. 2 Tachyris Ilaire). Hier ist die Subcostale nur 
4ästig, die ODC fehlt ganz, weil die OR aus der 
Subcostale entspringt (d. h. am Grunde mit ihr verwachsen 
ist), daher die Zelle auch nur durch 2 Discocellularen 
MDC und UDC geschlossen ist. Die Submediana ist an 
■■•der Basis gegabelt. 

Ein ähnliches Verhältniss finden wir bei einer Neo- 
tropide (Mechanitis L'olymnia L. Fig. 4). Hier ist die Zelle 
des Yäü. auch nur durch 2 Discocellularen geschlossen, 
aber die obere Eadiale ist nicht mit SC verwachsen, 
sondern entspringt aus der Zellecke. Die Submediana 
ist gleichfalls an der Basis gegabelt. Im übrigen bietet 
der Vdfl. keine grossen Abweichungen von dem allgemeinen 
Typus dar, desto grössere dagegen der Htfl. Hier sehen 
wu' zunächst die Mediana ebenso anscheinend 4ästig, wie 
bei Papilio im Yorderflügel; auch erscheint die OR nicht 
als Zweig der SC, wie in fast allen übrigen Füllen, 
sondern ähnUch, oder besser, genau so gebildet, wie in 
dem normalen "Vdfl. und gerade dieser Umstand kann 
als der beste Beweis dienen, dass die OR kein Zweig 
derSubcostale ist. Sie entspringt daher aus demVereinigungs- 
,punkt der ODC mit MDC. Diese letztere ist nach innen 
gewinkelt und sendet einen kurzen blinden Zweig (die 
-rücklaufende Ader) in die Zelle. Die UDC dagegen steht 



in gleicher Richtung wie die Medianader, wodurch sieh 
eben die ansohemend 4ästige Form derselben erklärt. 

Yiel schwieriger ist das Geäder der Lycaenen (Fig. 5) 
zu deuten, da bei diesen die UR im "Verhältniss zu OR 
ausserordentlich fein und zart erscheint und gar nicht 
mit der oberen zusammen zu hängen scheint, diese viel- 
mehr als richtige Subcostalader auftritt. Dieselben Ver- 
hältnisse finden sich auch im Htfl. "Wenn wir aber unter 
den Lycaenen Formen begegnen, welche dem normalen 
Typus gleichgebildet sind, z. B. in der Gattung Liptena, 
und allmälig die "Übergänge verfolgen, welche zu unserer 
etwas anormalen Form führen, so können wir auch hier 
die Radialen als solche und nicht als Zweige der Sub- 
costalader ansehen. 

Noch müssen wir schliesslich einige "Worte über den 
Ausdruck „offene und geschlossene Flügelzelle" 
sagen, weil diese beiden entgegengesetzten Formen häufig 
dazu dienen, Gattungen, ja selbst ganze Famihen, von 
einander zu treimen. 

Die offene FlügelzeUe sehen wir in ausgezeichneter 
"Weise dargestellt in dem Htfl. des Morpho (Fig. 1), 
die geschlossene dagegen in dessem Vdfl. und in den 
Htfln. aller übrigen abgebildeten Arten. In diesem Falle 
ist die betreffende Ader, die UDC, von derselben Stärke 
und gleicher Struktur, wie die übrigen. Aber gerade diese 
kurze Ader beginnt häufig theilweise zu verkümmern, 
und zwar in der Regel von der Mitte aus (z. B. Danais), 
so dass auf beiden Seiten noch km-ze Fortsätze der ur- 
sprünglichen Ader, oder auch nur eine zarte Verdickung der 
Flügelmembran selbst zurückbleibt. Diese theilweise Ver- 
kümmerung kann man in allen Stadien bei verschiedenen 
Familien beobachten, am meisten aber bei den Nympha- 
hden, bei denen ebenso oft durch absolutes Fehlen, als 
auch durch theilweises Verkümmern die Zelle off'en oder 
geschlossen erscheint. 

Daher darf man diesen Ausdruck bei den Nympha- 
liden nicht so worthch nehmen wie bei anderen Familien, 
bei denen die Zelle durch eüie vollkommene Ader 
geschlossen ist. 

Diessindim allgemeinen die Hauptabweichungen von dem 
normalen Geäder, welche bei den Tagschmetterlingen vor- 
kommen. Einzelne seltene Fälle von Variation werden wir bei 
dembetreft'enden Genus selbst anführen undzu erklären suchen. 



System der Tagsehmetterlinge. 



A. Sechs vollkommene Füsse in beiden Geschlechtern. 
Puppe am Schwanz und durch einen Querfaden befestigt. 

Farn. 1. Pcipili0nid6n. Vorderfusse mit einem Dorn an der Schiene. Klauen einfach. 

Innenrand der Htfl. ausgeschnitten, den Leib nicht bedeckend. Sub- 
medianader der Vdfl. mit einem kurzen Zweig an der Plügelwurzel. 

Fam. 2. Pieridßn. Vorderfussschienen ohne Dorn. Klauen zweispaltig. Innenrand 

der Htfl. nicht ausgeschnitten, den Leib in der Ruhe bedeckend. 
Submediana ohne Zweig, oft aber an der Basis gegabelt. 

B. Vier vollkommene Füsse in beiden Geschlechtern. 
Vorderfusse verkümmert; die od mit eingliedrigem, die 99 mit; 
fünfgliedrigem Tarsus, beide klauenlos. Puppe hängend. 

Fam. 3. Dänäid6n. Jtaupen glatt, mit langen fleischigen Fortsätzen versehen. Sub- 

mediana der Vdfl. an der Basis gegabelt. 99 Vorderfusse mit 
keulig verdicktem Tarsus. Zellen geschlossen. 

Fam. 4. N60tr0pid6l1. Raupen mit kurzen Erhöhungen bedeckt. Submediana der Vdfl. 

an der Basis gegabelt. 9$ Vorderfusse mit langem und dünnen 
Tarsus. Zellen geschlossen. 

Fam. 5. Acrä6id6n. Raupen mit verzweigten Doinen besetzt. Submediana der Vdfl. 

nicht gegabelt. Mediana an der Basis ohne Haken. Palpen 
erweitert, mit einzelnen Haaren rundum besetzt. Zellen geschlossen., 

Fam. 6. HcllCOnidCn. Raupen mit verzweigten Dornen besetz*. Submediana der Vdfl. 

nicht gegabelt. Mediana am Grunde mit einem kurzen Haken 
versehen. Palpen zusammengedrückt, seitlich mit Schuppen, 
vordei'seits mit Haaren bedeckt. Zellen geschlossen. 

Fam. 7. NyiTiphälidCn. Raupen bedornt oder glatt. Zellen beider Flügel oder wenigstens 

der Htfl. off'en, oder wenn geschlossen, durch eine feine verkümmerte 
(nicht röhrige) Ader. 

Fam. 8. Morphidetl. Raupen mit zweispaltigem Schwanz, glatt oder behaart. Zellen 

der Vdfl. geschlossen, der Htfl. offen. 



SYSTEM DEE TAGSCHMETTERLINGE. 37 

Farn. 9. BräSSOlidOn. Eaupen gewöhnlich mit zweispaltigem Schwanz. Htfl. mit ge- 
schlossener Zelle und einer deutlichen Präcostalzelle. 

Fam. 10. SätyridCn. Raupen glatt, mit zweispaltigem Schwanz. Flügelzellen geschlossen. 

Palpen zusammengedrückt, mit langen borstigen Haaren besetzt. 

C. Vier vollkoinmene Füsse beim cT- Vorderfüsse 

verkümmert, mit eingliedrigem, klauenlosen 
Tarsus. 
Sechs vollkommene Füsse beim $. Vorderfüsse 
bedeutend kleiner als die übrigen, 

Fam. 11. LibythoidOn. Raupen glatt. Puppen am Schwanz aufgehängt. Palpen sehr 

gross und schnabelförmig. 

Fam. 12. ErycinidCn. Raupen verschieden. Puppen steif aufgerichtet, oder auf einem 

Blatt liegend oder selbst hängend. Palpen normal. 

D. Vier vollkommene Füsse beim J; die Vorder- 

füsse verküminert, Tarsus in eine hornige 
Fam. 13. Lycaeniden. Spitze endend, innenseits dicht bedornt. 

Sechs vollkommene Füsse beim g; die Vorder- 
füsse kleiner als die übrigen. 

E. Sechs vollkommene Füsse in beiden Ge- 

schlechtern. Schienen der Hinterfüsse (mit 
Fam. 14. Hesperiden. wenigen Ausnahmen) gespornt. Puppe 

mit Fäden befestigt oder in einenn losen 
Cocon eingeschlossen. 



=iE3>tg23E-i 



Familie I. 



P a x) i 1 i c> ^ i d. ^ 1^- 




Ficj. 3. ^ Fig. 2 



Fig. 1. Pa p i 1 i M a e h a n L. in natürlicher Grösse, Seitenansicht, um die sechs entwickelten Beine, 

die anseheinend vierästige Medianader der Vdfl. und den ausgeschnittenen Innenrand der Htfl. zu zeigen. 

Fig. 2. Vergrösserter Vorderfass, mit dem blattartigen Dorn * an der Schiene. Fig. 3. Vergrösserte Klauen. 

Fig. 4. Kjjjf der Raupe. Fig. o. Anheftiing der Puppe. 



"Wir stellen die Papilioniden an die Spitze des 
Systems, da wir in ihnen den vollkommensten Typns der 
Schnietterlingsfonn erblicken. Sie erreichen den Plühe- 
punkt ihrer Entwickelung erst in dem Tropengürtel der 
Erde, wo sie in einer Farbenpracht und Grösse auftreten, 
von der unsere „Schwalbenschwänze und Segelfalter" nur 
eine schwache Vorstellung geben können. 

Diese Famihe ist sehr gut durch mehrere überein- 
stimmende Merkmale charakterisirt, von denen die folgenden 
am schärfsten hervortreten : 

Sechs V ollk oni m c n e ntv) i ch elte Beine in 
beiden Geschlechtern, deren Vorderftissschienen einen 
hlattarticj en Dorn tragen. 

Klauen einfach , ohne Anhängsel"^'). 
Vdfl. und Htfl. mit geschlossener Zelle; die 
untere Badialader der Vdfl. so mit der Mediana 
verbunden, dass diese 4ä stiq ersehe i n t ; die 
Suhrnediana an der Basis einen hurzen Zveig 
i n d, en In n e n r a n d aussendend. 



*) Nur eine Ausnahme ist bis jetzt bekannt: bei Leptocireus 
Curius Doubl., und zwar ist es in dieser Gattung nur diese Art allein, 
welche zweispaltige Klauen wie die Pieridcu besitzf, wahrend die 
übrigen Arten normale Klauen tragen. 



ITffl. am Innenrande ausgeschnitten, ivodurch die 
In n e n r a ndsader (la bei Herr ich- Sc h ä ff e r) 
fehlt und der Hinterleib unbedeckt bleibt. 

Raupen icahenförmig, am ersten Halsringe mit 
2 zurückziehbaren fleischigen Fäden versehen. 

Puppen son-ohl am Schtoanze als auch um die Mitte 
des Leibes durch eitlen Faden befestigt. 

Die in beiden Geschlechtern vöUig entwickelten Vorder- 
beine und die Anheftung der Puppen haben die PapiHo- 
niden mit den Pieriden gemeinsam, erstere unterscheiden 
sich aber von letzleren ausser durch die Raupen- 
form hinlänglich durch den Dorn an den Vorder- 
füssen, die einfachen Klauen (deren einzige Aus- 
nahme übrigens diesen sonst sehr guten Charakter wenig 
verändert), den ausgeschnittenen Innenrand der 
Htfl. und das dadurch bedingte Fehlen der Innenrands- 
Ader, während die Pieriden die letztere stets besitzen 
und der Innenrand normal entwickelt ist, so dass er den 
Hinterleib in der Ruhe völlig bedeckt. Bei einigen 
Papilioniden, z. B. 0. Brookeana, P. Semperi, wii-d aller- 
dings eine oft übermässige Entwickelung des Innenrands 
beobachtet, aber dann ist derselbe so umgeschlagen, dass 
der Hinterleib dennoch unbedeckt bleibt. Auch ist die 



PAP1LI0NIDP]N. 



39 



Innenrandsadcr in dioseii Füllen nie richtig ausgebildet, 
sondern oft an ihrer Basis verkümmert. 

Von den übrigen Familien der Tagschmetterlinge 
lassen sich die Papilionen noch leicht durch ein sehr 
brauchbares Kennzeichen, welches auch i'usserlich sofort 
•wahrnehmbar ist, nämlich durch die anscheinend 4 ästige 
Median-Ader der Ydfl., unterscheiden. Diese Bildung 
konmit nur noch bei der Pieriden-Gattnng Dismorphia 
(in den Htfln. auch noch bei einigen Neotropiden) voi-, 
die indessen schon durch ihren Habitus erkannt werden. 

Das ausgezeichnetste Merkmal aller Papilioniden in- 
dessen ist der kurze Zweig, welchen die Submediana an 
ihrer Basis in den Imienrand sendet und welcher wesent- 
lich verschieden von der umgekehrten Bildung ist, welche 
die sogenannte Gabelung der Submediana an ihrer Basis 
bei den Danaidcn, Lycaenen, Pieriden und einigen Nympha- 
liden hervorbringt. Dieser kurze Zweig entspringt direkt 
aus der Submedian-Ader selbst und verläuft in schwacher 
Krümmung in den Innenrand; er ist so charakteristisch 
für alle Papilionen, dass jede hiezu gehörige Art sofort 
daran erkannt werden kann und mit Recht kann man 
daher diesen Zweig der Submediana kurzweg die „kleine 
Papilionenader" nennen. 

Ausser den sogenannten Schwalbenschwänzen (sit venia 
verbo! obwohl viele Arten diesen Schmuck nicht besitzen) 
werden noch die Parnassior und die Thais-Gruppe zu 
den Papilioniden gerechnet. Diese sind zwar äusserlich 
ganz wesentlich von den typischen Formen verschieden, 
besitzen aber alle charakteristischen Familieneigenthüm- 
hchkeiten vollkommen entwickelt, auch sind sie durch 
interessante Mittelformen mit den echten Papilioniden 
verbunden : Die Parnassier-Gruppe durch den merkwürdigen 
australischen Eiu-ycus und die südamerikanische Gattung 
Euryades, die Thais-Gruppe durch die langgeschwänzten 
asiatischen Formen Armandia und Sericinus. Mit Aus- 
nahme der Pieriden haben die Papilioniden zu keiner 
anderen Tagschmetterlingsl'amilie eine nähere Verwandt- 
schaft und man muss annehmen, dass die Papilioniden 
und Pieriden wohl einem gemeinsamen Stamme entsprossen 
sind, sich später aber getrennt und ganz unabhängig von 
einander parallel entwickelt haben. Einige Ueberbleibsel 
dieses gemeinsamen Stammes haben wir sicher in jenen 
seltenen, wahrscheinlich im Aussterben begriffenen Pieriden- 
Gattungt n Mesapia und Davidina, sowie nach einer 
Eichtung hin in unserer gemeinen A. Crataegi zu 
suchen, welche unvei'kennbare Achnlichkeiten mit Par- 
nassius besitzen. 

Die Papilioniden enthalten zur Zeit 14 Gattungen, 



von denen die meisten freilich arm an Spccies (G nur 
aus je 1 Art, 4 nur aus 2—3 Arten bestehend) sind. 
Im Gegensatz dazu zeigt das Genus Papilio eine unge- 
heure Entwickelung und ist eine der an Arten zahlreichsten 
Gattungen der Tagsehmetterlinge überhaupt, denn es sind 
bis jetzt bereits ^'a. 4.50 Speoies bekannt geworden, eine 
Zahl, die nur noch von zwei anderen Genera, Lycaena 
und Thecia, erreicht bez. übertroffen wird. 

Geographische Verbreitung. Der Verbreitungs- 
bezirk der Papilioniden erstreckt sich über die ganze 
Erde mit Ausnahme der nordhchsten und südlichsten 
Punkte, doch hat der grüsste Theil der Gattungen nur 
eine beschränkte Ausdehnung. Die 77(«ts-Gruppe ist 
ausschliesslich der gemässigten Zone eigenthümlioh, Far- 
nassitis ist auf die alpinen Gegenden beschränkt; letzterer 
geht zwar bis in die Tropenzone (Himalaya), doch findet 
er sich hier nur in solcher Hohe, in welcher die Tem- 
peratur jener der gemässigten Zone gleichkommt. Auch auf 
den Hochgebirgen Nordamerikas finden sich 2 — 3 Arten, 
doch nicht in Chile, dessen Fauna so grosse Aehnlichkeit 
mit der der nordhchen gemässigten Zone hat, wenigstens 
ist bis jetzt noch kein Parnassius hier entdeckt worden. 
Doritis und Tliais gehören dem Mittelmeer-Gebiete, 
Armandia und Sericinus China, die Thais-ähnliche 
Ltiehdorfia dem Osten Sibiriens, Hypermnestra der tar- 
tarischen Hochebene an. Rein tropische Gattungen und 
nur auf Indo-Australien beschränkt sind: Teinopaljjus 
(auf dem Himalaya), Gmithoptera (mit einer abirrenden 
Art in Africa) und Laptocircus. Australien eigenthümlich 
ist der Parnassius-ähnliche Eurycus, während Süd-Amerika 
nur eine charakteristische Gattung, den mit Papilio nahe 
verwandten Euryades besitzt. In Afrika haben wir als 
eigenthümliche Gattung nur die riesige Druryia, während 
Papilio selbst über die ganze Frde verbreitet ist, aber 
erst unter den Tropen zur höchsten Entwickelung gelangt. 

Die Papilioniden lassen sich ungezwungen in drei 
grössere Gruppen theilen, welche durch Papilio, Parnassius 
und Thais als Typen derselben vorgestellt werden. Da 
aber einzelne Glieder oft in einem oder dem anderen 
Charakter von der Hauptform abweichen, so geben wir 
zunächst einen allgemeinen Schlüssel der ganzen Familie, 
in welchem freilich mehrere nahe verwandte Gattungen 
weit auseinanderstehon. Dies lässt sich nicht vermeiden, da der 
Schlüssel nur praktische Zwecke erfüllen soll : das leichtere 
Bestimmen der Genera, und daher die Charaktere häufig von 
rcui äusserlichen Merkmalen hergenommen sind. Die ausführ- 
lichere Diagnose, sowie die Unterscheidungsmerkmale findet 
man dann bei den betreffenden Gattunjren selbst. 



A. S u b c s t a 1 e der V d f 1. 4 ä s t i g. 

a) obere Badiale z. 2Ii. mit SC verwachsen., daher OD C fehlend, Flilgel halb durclisichtiij . . Pai'liassius. 
h) obere Badiale frei aus der Querader; Flii<jel beschuppt HyperilUiestra. 

B. S u b c s t a 1 e der V d f 1. 5 ä s t i g. 
a) Palpjeii u-eit iÜjer den Kopjf hervorragend. 

* Präcostahclle fehlend oder sehr klein Tliais. 

** !> gross. 

t Fliigelspitze scharf vorgezogen ToillopalpilS. 

ff „ abgerundet. 

.jter Subcostalast am Zellende SericillllS. 

Stil' ,, weit nach demselben Amiaildia. 



40 



PAPILIONIDEN. 



h) Palpen Idein, nicht iiher den Kopf ragend. 

* 3t«i' Subcostcdast frei aus der Subcostah'. am Zellende entsprirnjend. 

f ODC nur 1/8 so lang als MDC Eui'vades. 

ff ODC ebenso lang oder Uuujer als MDC. 

Vdfi. durchsicläig ElirvcilS. 

j Papilio. 

Vdfl. völlig beschuppt Ol'llitlioptei'a. 

I Di'uryia. 

** 3ie'' Subcostalasf frei aus der Subcostale ireit nach dem Zellende entsprinrjend . 

f Flügel halbdurchsichtig Doi'itis. 

ff „ beschuppt Luchdoi'fia. 

*** 5'«'' Subcoslnlast aus dem 4ten Aste entspringend, daher mit diesem auf gemeinsamem 

Stielt', (Ideine, durchsichtige, langgeschwänzte Schmetterlinge) Leptocil'CIlS. 



1. Papilio-Gruppe. 

Palpen klein, Subcostale .5 ästig, Mediana am Grunde 
mit einem hlsinen Queraste. 
Hiezu gehören die folgenden Gattungen: 

Drui'yia West-Afrika. 

Ornithoptera .... Indo-Australien, AVest-Afrika. 

Papilio Mundus. 

Teinopalpus .... Hinialaya. 

Leptocil'CIlS Indo-Malayen. 

Eiiryades Argentinien. 

Exii'VCUS Australien. 

Die Gattung Teinopalpus macht insofern eine Aus- 
nahme, als die Palpen sehr lang, über den Kopf ragend, 
sind. Ihren übrigen Charakteren nach gehört sie un- 
zweifelhaft in diese Gruppe. 

1. Druryia Auriv. (i Art.) 

Taf. 2. D. Antimachus Dru. 
fi. Palpe des q. b. Vordeifnssldiiiicn. 

Wir beginnen die Reihe der Papilioniden-Gattungen 
mit der Charakteristik eines der merkwürdigsten Schmetter- 
linge überhaupt: des Antimachus Dru., welcher erst 
kürzlich von Aurivillius wegen seiner abweichenden 
Form von Papilio als besondere Gattung abgetrennt 
wm-de. 

Die Charaktere, woduieh sieh Dniryia von Papilio nach 
Aurivillius unterscheidet, liegen in der dritten Subcostale, welche 
in die Spitze und nicht, wie bei Papilio, iu den Vorderrand des 
Flügels mündet, dem geraden Vorderrande der Htfl., der geraden 
Innenrand sad er und dem weder eingerollten noch gefal- 
teten Innenrnnde deiseUien. 

Im übrigen sind die Verhältnisse genau wie bei 
PaplHo: die Fühler kurz, allmälig zur Kolbe verdickt, 
gebogen, die Verzweigung der Subcostale, 2 Aeste vor 
dem Zellende, der dritte Ast am Zellende selbst, Ast 4 
und 5 eine ziemlich grosse Gabel bildend, deren Längen- 
verhältniss zum Stiele sich wie .3 : 1 verhält (bei Papilio 
im Durchschnitte wie 2,6 : 1). 

Die Querader an der Basis der Mediana, welche die 
SM nicht erreicht, und die zweispaltige Präcostale mit 
grosser Präcostalzelle sind den Bildungen der Papilionen 
ganz gleich. 



Die einzige Art dieser Gattung, der berühmte Anti- 
machus Dru., ist der grösste bis jetzt bekannte Tag- 
schmetterling, denn er misst in der Flügelspannung bis 
226 mm (der grÖsste Priamus d" 194 mm, ^ 216 mm 
in der Staudinger'schen Sammlung, Morpho Hecuba 
160 mm, Dynastor Napoleon 142 mm). Seine Heimath 
ist, soweit bis jetzt bekannt, die äquatoriale Westküste 
Afrikas. Da nun die neuen deutschen Colonien am 
Camerun in dieses Gebiet fallen, so ist zu hoffen, dass 
dieser bis jetzt noch ausserordenthch seltene Schmetterling 
häufiger nach Deutschland kommen wird. 

Wie aus der Abbildung im ersten Theile zu ersehen 
ist, nimmt dieses gigantische Thier unter allen Papilioniden 
durch seine langen, schmalen Vdfl., durch die braune 
Grundfarbe der Oberseite und die sandgelbe, schwarz- 
gefleckte Unterseite eine ganz gesonderte Stellung ein. 
Es ragt fremd in die jetzige Lebewelt hinein, ein Zeuge 
längst vergangener Schöpfungsperioden; wie deren Afrika 
noch mehrere aufzuweisen hat. 

2. Ornithoptera Boisd. (oa. 15 Arten.) 

Taf. 2. 0. Priamus L. var. Arruana Feld. 

a. Palpe von 0. i\linos Cram. (^ . b und c. Hinterleibsende von 

0. Minop. d. Schwärze Schuppen von 0. Priamus L. e. Farbige 

Schuppen von 0. Piismus L., f. von 0. Crossus Wall., 

g. vun UiviUlina Gue'. 

Auch diese Gattung wurde aus dem grossen Fornien- 
kreise Papilio bereits 1832 von Boisduval abgetrennt 
und darin eine Gruppe der farbenprächtigsten .und schönsten 
Schmetterlinge des asiatischen Faunengebiets vereinigt, 
welche sich durch ausserordentlich starke Entwickelung 
der Vdfl. auszeichnen und daher den Namen „Vogel- 
flügler" wohl verdienen. Die Charaktere indessen, auf 
welche Boisduval die Gattung gründete, sind durchaus 
nicht stichhaltig, wie dies bereits von Wallace nachge- 
wiesen wurde, allein auch der Charakter, welchen Wallace 
zur Unterscheidung von Papilio angiebt und welcher in 
den grösseren Analklappen des O beruht, ist nicht brauch- 
bar, da er sich ebenso bei einigen Papilionen wiederfindet. 
Das beste, einigermassen constante Merkmal neben der 
ausgezeichneten, nicht zu verkennenden Flügelform bleibt 
noch das Längenverhältniss der aus den Subcostalästen 
4 und 5 gebildeten Gabel zum Stiele, welches sich bei 
Ornithoptera nach vielen angestellten Messungen im Durch- 
schnitte wie 5,5 : 1 verhält, bei Papilio hingegen nach 



l'APILIONIDEN. 



41 



ungefähr 450 ]V[essungen zu 2,6 : 1 ermittelt wurde. Im 
übrigen sind Palpen, Fühler, das weitere Geäder denen 
A'on Papilio vollkommen gleich. Die Raupen besitzen, 
abgesehen von ihrer Stärke, auf dem Rücken ein oder 
zwei Reihen fleischiger Fortsätze, auch haben einige Arten 
am Prothorax zweispaltige Scheiden zur Aufnahme der 
Tentakeln. Aber weder die Raupenform, noch auch die 
letzterwähnte Bildung der Scheiden ist ausschliesslich den 
Ornithopteren eigen, denn ähnliche Formen finden sich 
auch bei Papilio wieder, namentlich in der Polydorus- 
Gruppe, welche auch noch dadurch mit Ornithoptera 
übereinstimmt, dass sie die gleichen Futterpflanzen, meist 
Aristolochia- Arten, besitzt. 

Die Arten dieser Gattung gehören mit Ausnahme einer 
einzigen, der afrikanischen Zalmoxis, dem rein tropischen 
indo-australischen Gebiete an. Sie lassen sich ungezwungen, 
sowohl ihrer Verbreitung, als auch ihrer verschiedenen 
Gestalt und Färbung nach in 2 gesonderte Gruppen 
trennen und ihre geographische Trennung ist so scharf, 
dass die Formen der einen Gruppe, mit Ausnahme der 
Grenzgebiete, nie in dem Gebiete der andern gefunden 
werden. Diese Grenzscheide bildet ungefähr die Insel 
Celebes und die Molukken. estlich von letzteren bis 
zu den engeren Grenzen des australischen Gebiets ver- 
breitet sich die Priamus-Gruppe, deren Arten mit smaragd- 
grünen Bändern auf sammetschwarzen Vdfln. geschmückt 
sind (in einigen Fällen auch mit' solchen von goldgelber 
oder blauer Farbe), westlich davon die Pompeus-Gruppe 
mit einfach schwarzen Vdfln. und at^asgelbcn Htfln, welche 
die grossen Sunda-Inseln und das ganze indische Festland 
bis zum Fusse des Hinialaya bewohnt. Wo beide Gebiete 
zusammen stossen, wie auf den Molukken, kommen auch 
beide Formen mit einander vor. Eine dritte Form, zu 
welcher nur die ganz alleinstehende Brookeana Wall. 
gehört, ist auf Borneo, Sumatra und Malakka beschränkt. 

Die Ornithoptera-Aiten gehören zu den farbenpräch- 
tigsten und grössten Schmetteriingen der alten "Welt und 
nur die südamerikanischen Morphiden können mit ihnen 
in dieser Hinsicht wetteifern. Man kann sie unbedingt 
als die höchst entwickelte Stufe des Schmettei'lingslebens 
der östlichen Erdhälfte betrachten, da sie in jeder Weise 
die vollkommenste Bildung desselben darstellen. 

Die specielle Beschreibung der hervorragendsten Arten 
wurde bereits in ausführhchster Weise im I. Theile gegeben. 
Hier beschränken wir uns nur darauf, das Bild dieser 
hochinteressanten Gattung durch einige biologische Notizen 
und Untersuchungen über die Farben-Varietäten, welche 
sie in so hohem Maasse auszeichnen, zu vervollständigen. 
In letzter Hinsicht steht die Priamus-Gruppe, deren 
überaus prächtig gefärbte o o sich so auffällig von ihren 
einfachen 59 unterscheiden, unter allen Schmetterlingen 
ganz vereinzelt da. Wir finden diese Gruppe über einen 
grossen, meist insularen Landstrich verbreitet, aber ge- 
spalten in eine Menge von Varietäten und mehr oder 
minder modificu't in der Flügelform oder Zeichnung, ja 
selbst in der Flügelfärbung — von denen einige bereits 
so specialisirt sind, dass sie nach heutigen Begriffen 
unbedenklich als Arten aufgefasst werden — und diese 
einzelnen Foimen fast immer auf einen räumlich sehr 
kleinen Bezirk, meist eine isolirte Insel, allein beschränkt. 
Auf der westlichen Grenze haben wir die höchste Ent- 
wickeluna; nach der Grössenrichtung; hin und zwar auf den 



Inseln Ceram und Amboina, welche fast unter dem Aequator 
gelegen und durch tropische Ueppigkeit sich auszeichnend, 
den 0. Prianms L., den „Fürst der Schmetterlinge", wie ihn 
der alte Linnaeus nannte, und zugleich die grösste 
Form der grünen Varietäten beherbergen. Entgegengesetzfr 
hievon auf der östlichsten Grenze, in Neu-Süd- Wales,. 
Avelches bereits ausserhalb der Tropenzone liegt, kommt 
die kleinste grüne Form, die 0. Richnondia Gray — ein 
Zwerg gegenüber dem Priamus — vor. Zwischen diesen- 
beiden Extremen finden sich Übergänge und Varietäte» 
in der Flügelform und -Zeichnung auf zerstreut 
liegenden Gebieten der ganzen papuanischen Region vor. 
Aber ausserdem haben wir noch 4 prachtvolle Farben- 
Varietäten : den goldgelben Grösus Wall., einen der herrlich- 
sten Schmetterlinge der indischen Tropenwelt, welcher nur 
auf der kleinen Insel Batjan allein vorkommt, den noch 
feuriger gefärbten orangefarbenen Lydius Feld, auf der 
Batjan nahen Insel Halmahera, die prachtvoll blaue ürvil- 
liaaa Guer. von Neu-Irland, der äussei'sten Grenze der- 
Region, und den Tithonus De Haan von Waigeu, einen 
Schmetterling von einziger Schönheit, halb Crösus, halb- 
Priamus, dessen Htfl. eine mächtig entwickelte Haarbürste 
am Innenrande tragen und welcher von allen Formen der 
Priamusgruppe am meisten specialisirt ist. 

Einen solchen Fall von Trichroismus bei ein und der- 
selben Art (denn 0. Tithonus ist eine völlig verschiedene- 
Art) finden wir nur noch bei den Heliconiern, und zwar 
bei H. Doris, welche ebenfalls in 3 Farben- Varietäten 
mit rotken, b!auea oder grünen Htflu. auttritt. Aber 
abgesehen davon, dass die Natur dieser Färbun«- eine- 
von den Ornithopteren ganz verschiedene ist*), waltet 
hier ein bedeutender Unterschied ob, denn diese 3 Va- 
rietäten der H. Doris finden sich alle zugleich an der- 
selben Lokalität, ja sie stammen sogar aus einer Brut. 
In der Priamusgruppe dagegen sind diese verschiedenen 
Formen vollkommen isolirt und unabhängig von einander 
über ein grosses Areal zerstreut und jede Varietät ist 
auf ein kleines Gebiet beschränkt. 

Die Ursachen nun, welche eine solche Veränderuno- in 
der Farbe hervorbringen können, Averden wahrscheinhch. 
dieselben sein, welche jede andere Veränderung in der 
Form bedingen, denn es beruht, wie wir bereits gena:uer 
in dem Capitel über die Farben ausgeführt haben, die- 
Färbung der Schuppen nicht auf einem in ihnen abo-elao-erten 
Farbstoffe, sondern auf einer sogenannten Interferenz- 
erscheinung und die hiedurch hervorgerufenen Farben 
hängen wieder von der Form der Schuijpen selbst, von 
ihrer Stärke und ihrer Textur ab. 

Wenn wir nun gesehen haben, dass sich eine Veränder- 
rung nach der Grössenrichtung hin auf einem begrenzten 
Distrikte nachweisen lässt, nicht aliein bei einzelnen Be- 
wohnern, sondern bei ganzen Thierklassen — wie dies 

thatsächlich mit der kleinen Insel Amboina der Fall ist 

so ist es wohl denkbar, dass auch dieselben Gesetze in 
anderen Lokahtäten mit einer nach irgend welcher- 



*) Bei Helionaiiis D-nris sind die Schuppen durch einen \fhk- 
liohen Kartistoff gefärbt, -wie mnii sieh leicht dnreh Behandlung mit 
alcoholischer Kalilauge — wodurch der FarbstolT sof-rt zerstört 

wird, während eine Inlerferenzei scheinung nicht darunter leidet 

überzeugen l;ann. Durch Einlegen in Canadabilsam wird der ent- 
gegengesetzte Effect hervorgebracht: hier verschwindet sofort die-. 
Inlerferenzfurbe, wälircnd die SioiTfarbe bleibt. 



42 



PAPILIONIDEN. 



Eichtung abändernden Bodenbescliaffenheit und Lage, 
oder verschiedenem Klima sicli nach einer anderen Rich- 
tung hin äussern werden, sei es nun in der Flügelform 
oder Färbung. Diese Facta in Verbindung mit den all- 
gemeinen Gesetzen der Variation, der geschlechtlichen Zucht- 
wahl und der Annahme einer langen Isolation der be- 
treffenden Lokalitäten könnten vollständig genügen, auch 
die Farben- Varietäten der Priamusgruppe zu erklären. — 
Die zweite Ornithopteren-Gruppe umfasst alle die 
Arten, welche atlasgelbe Htfl. besitzen, und diese haben 
einen dem der Priamusgruppe genau entgegengesetzten 
Verbreitungsbezirk, indem sie sich von den Molukken 
"westlich über die Philippinen, die grossen Simda-Inseln, 
das indische Festland bis zum Fusse des Himalaya ver- 
theilen. Auf den Molukken, gewissermassen dem neutralen 
Grenzgebiete zwischen dem Gebiete der Prianuisgruppe 
und dem der gelben Ornithopteren, sind beide Formen 
mit einander vertreten und so finden wir auch auf Amboina 
eine der schönsten und grössten Arten, die (>. Helena L., 
in Gesellschaft des Pjiamus. 

In dieser Gruppe sind die Formen schon besser 
specialisirt als in der vorhergehenden, und es werden 
mehrere gute A.rten davon unterschieden, von denen wir 
nur noch als Typen den 0. Pomjjeus Gram, mit samniet- 
schwarzerVdfl.-Oberseiteundgelben, seidenglänzenden Htfln., 
sowieden etwas ab weichend gezeichneten U. HippohjtusCram. 
von Celebes und den Molukken anführen. Die §9 dieser 
Arten sind ebenfalls beträchtlich grösser als die cfd* 
und meistens trüb gefärbt, aber von den d'cT nicht so 
auffallend verschieden, wie die der Priamus-Gruppe. 

Die 0. Brookeana Wall., die dritte Form der 
Ornithopteren, steht unter allen übrigen Arten ganz einzig 
da; es ist dies wohl der schönste Schmetterling des 
ganzen indo-australischen Faunengebiets und wir können 
es uns nicht versagen, die Original-Beschreibung seines 
Entdeckers A. R. "Wallace, welcher ihn 1859 zuerst an 
der Nordküste Borneo's fand, hier wiederzugeben. 

„Dieses prachtvolle Thier hat sehr grosse spitze Flügel, 
in der Form einer Sphinx-Motte ähnlich. Es ist tief 
sammtschwarz mit einem gebogenen, sich über die Flü- 
gel von einem Ende zum andern erstreckenden Bande 
Ton glänzend metallgrünen Flecken. Jeder Fleck ist genau 
wie eine dreieckige Feder gestaltet und es macht einen 
ähnlichen Eindruck, wie eine Reihe von Deckfedern des 
mexikanischen Trogons auf schwarzen Sammet gelegt." 

Der einzige Vertreter der Ornithopteren in Afrika ist 
die 0. Zalmoxis Reu:, von der Calabarküste. Bisher 
stand dieser Schmetterling als Papilio in wenig ähn- 
licher Nachbarschaft. Wenn w'ir das Genus Ornithoptera 
gelten lassen, sd gehört Zalmaxis unzweifelhaft hieher, 
da sie alle Charaktere dieser Gattung in ausgesprochener 
"Weise besitzt: die charakteristische Flügelform, die grossen 
männlichen Analklappen und die grosse aus SCi und 5 
gebildete Gabel in dem Vdfl. Uebrigens zeigt schon 
ein ganz äusserliches Merkmal: der rein gelbe oder 
doch nur mit einigen schwarzen Flecken am Grande ver- 
sehene Hinterleib, die Zugehörigkeit zu Ornithoptera, da 
ein solcher rein gelb gefärbter Leib unseres Wissens bei 
keinem Papilio sich voi-findet. Die merkwürdige Farben- 
zusammenstellung (der (S ist bis jetzt allein bekannt), 
eigenthümlich blaugrün auf der Oberseite, braungelb auf 
der L'nterseite, hat diese Ornithoptera mit keiner andern 



Art gemeinsam und so stellt sie selbst unter den paradoxen 
Erscheinungen, an denen das afrikanische Thierleben sehr 
reich ist, einzig da. 

3. Papilio L. («a. 450 Arten.) 

Taf. 2. P. Polyctor L. 
a. Fühlur. li. Klauen des Vurdeifiisses. e. Palpe. 
Diese für die ganze Familie typische Gattung ist die 
einzige unter den vielen jetzt angenommenen (circa 500) 
Gattungen der Tagschmetterlinge, welche den von Linne 
für die Gesammtheit gegebenen Namen behalten hat. 
Linne kannte s. Z. überhaupt nur 273 Tagschmetterlinge, 
eine Zahl, welche sich jetzt mehr wie verdreissigfachthat und 
von den Papilionen allein bereits überholt wird. 

Wir geben die Merkmale dieser Gattung etwas ge- 
nauer, da wir uns bei den folgenden Gattungen öfters hier- 
auf beziehen werden. 

Kopf gross, mit runden stark hert-ortretenden Äur/en und kaum bis zur 
Hälfte der Stirn reichenden, fest angedrückten Palpen, deren beide 
erste Glieder im Q fast immer voWcommen vertcac/isen, iibriijena 
zlemtich dick und luurstartif/ gehramnit, beim Q i^iehr oder weni^ 
ijer deutlich zweigliedrig und Vorderseite mit langen steifen Maaren 
besetzt sind; das letzte Glied ist sehr kletn, knoptformij und hm 
angedrückt behaart. 
Fühler massig lang, gebogen, mit allmählich verdickter Kolbe. 
Vorderflügel im allgemeinen dreieckig, oft sichelförmig gebogen, oft 
eifönnig. Costalrippe stets länger als die schmale Zelle, welche 
zwei Drittel des Flügels einninintt und imm&i' geschlossen ist, 
Subcostale öästig, 2 Aste in ziemlicher Entfernung, aber gleichen 
Abständen von einander vor dem Zellende (der eiste Ast manch' 
■mal vi.it der Costale verwachsen, loie z. li. bei P. lüdleganus), 
der 3te in seiner Stellung wechselnd, entwedei' vor dem Zellende, 
oder j^enau an demselben, oder auch nach diesem sich abziceigend. 
Ast 4 und 5 bilden eine ziemlich grosse Gabel, weklie sicli zum 
Stiel im Durchschnitt tele 2,6 zu I verhält u?ul deren beide 
Aste in den Aussenrand münden; UDC und MDC 
von gleicher Länge, grade, UDC in der Jiiciitung der 
Medianader , woditrch die untere Jiadialctder als 4ter 
Ast der Mediana ersjheint; an der 2/asis der Jljäiana eine kleine 
Querader, zoelc/te entweder am J^nde jrei oder -mit der gegenaOer' 
liegenden iStihinediana verwachsen ist; am Grunde der Suomediana 
ein kurzer Zweig, -welcher in den Innenrand ■mdiidet {die sog. 
FajiiioneuaderJ . 
Hinter fl ligel 'mit gebogenem Vorderrande und in den meisten Fül- 
len tief au-yjesclinittenem Innenrande, an der üteu Medianader 
geschwänzt oder ungeschuünzt. Fi cuostaluaer 2spaltig , Frä- 
costalzelle stets vorhanden, Discoidulzelle immer gcsciuosstn. 
Vorderfüsse mit stark entwickeltem Sporn an den Seidenen; Klauen 

einfach, fast grade. 
Faupen versclücdenartig gestaltet, mit liedten liaar lo ser Fleisch' 
zapfen, oder auch glatt; am 1. Hinge ^nU 2 zurückzieh' 
baren Tentakeln, welche aber nic/it in Sckeklen sitzen, verseilen. 

Von den näher verwandten Gattungen lasst sich Pa- 
pilio nicht leicht durch em einzelnes Merkmai aliein er- 
kennen, da viele Charaktere auch anderen zukommen. 
Die 5 ästige Subcostale trennt sie schart von der Par- 
nassier-Grup2}e, aber nicht von der Tliais-Gruppe, bei der 
wieder die laugen Palpen em gutes und siclieres Unter- 
scheidungsmerkmal sind. Die mehr difticilen Charaktere 
der nahe verwandten Gattungen Leptocircus, Teinopalpus, 
Ornithoptera etc. sind bei diesen genauer augegebeu. 

Der Verbreitungsbezirk ist, wie bereits erwähnt, ein 
rein kosmopoütischer, aber die Papilio-Arten gehen nicht 
so hoch nach den Polarkreisen wie andere Gattungen. 
Ihre Verschiedenheit an Gestalt und Färbung nimmt in 
gleichem Maasse zu, als man sich den Tropen nähert. 



PAPILIONIDEN. 



43 



Vo sie ihren Höhepunkt erreichen und zu einer Fülle der 
schönsten und grossartigsten Formen sich entwickeln. 
Bei der grossen Zahl der bis jetzt bekannten Arten ist 
es fast unmöglich, einige typische Beispiele zur Charak- 
teristik der Gattung auszuwählen. Wir geben daher in 
folgendem, als Ergänzung der im I. Theile abgebildeten 
Arten, einen kurzen Überblick der einzelnen Faunen- 
gebiete und der dort vorkommenden Gruppen, welche 
für jedes Gebiet eigenthümlich sind. 

Europäisches Fanuengebiet. 

Das europäische Faunengebiet ist, selbst wenn man 
die Grenzen als mit dem palaearktischen zusammenfallend 
betrachtet, ausserordentlich arm an Arten, da es deren 
nur 6 besitzt; eine geringe Zahl im Vergleich zur Ge- 
sanimtheit und selbst Nordamerika gegenüber, welches 
sonst an Artenzahl ziemlich mit dem europäischen Faunen- 
^gebiete übereinstimmt. Auch ist für dieses grosse Gebiet 
keine speoielle Form eigenthümlich, da sowohl F. Machaon 
L. als P. Podalirius L., Hospiton Gene, Xiitlius L. und 
Alexanor Esp. einer Gruppe angehören, welche über die 
ganze Erde verbreitet ist, und der östliche P. Baddei Brevi. 
(Maackü Men.) zu der tropischen Paris-Gruppe zu rechnen 
ist. Zwei von diesen Arten haben einen sehr kleinen 
Verbreitungsbezirk : Hospiton ist auf Corsica und Sardi- 
nien, Alexanor auf Südeuropa und Kleinasien beschränkt, 
während unsere deutschen Schwalbenschwänze par es- 
cellence : Machaon und Podalirius, das ganze grosse Gebiet 
bewolmen und erst im Osten sich ihnen Xuthus und der 
halbtropische Raddei zugesallen. 

Iiulo-aiistralisches Gebiet. 

Der Übersichtlichkeit wegen fassen wir die beiden 
^grossen Fannengebiete der östlichen Hemisphäre: das 
indische und australische, zusammen. Unter der Fülle von 
Formen^ welche dieses hauptsächlich tropische Gebiet 
bevölkern, können wir nur die hervorragendsten Gruppen 
erwähnen und von diesen auch nur einige wenige Ver- 
treter, welche gevvissermassen die Typen derselben dar- 
stellen. Wegen der Details müssen wir im übrigen auf 
den I. Theil dieses Werkes verweisen, in welchem die 
meisten typischen Arten abgebildet sind. Die höchste 
Entfaltung der Gattung findet sich im malayischen Archipel, 
jenem Inselgebiet, welches fast ganz äquatorial sich von 
der Südspitze ]linter-Indiens bis Reu-Guinea erstreckt. 
Hier allein finden sich gegen 100 verschiedene Papilio- 
Arten vereinigt. Australien selbst ist arm an Papilionen, 
da es nur an den Küsten fruchtbare Landstriche besitzt, 
aber einige typische Formen Averden hier gefunden, welche 
für diesen Welttheil charakteristisch sind. Auf dem 
indischen Festlande ist der südliche Abhang des Himalaya- 
Gebirgs wegen seines grossen Eeichthums an schönen 
und farbenprächtigen Papilionen bemerlcenswerth , im 
übrigen aber ebenso produktiv an Arten, wie andere 
günstiger gelegene Landstriche. 

Polydorus-Grupp e. Grundfarbe meist schwarz mit 
rothen Flecken. Der typische Pohjdorus L. ist unge- 
schwänzt; er verbleitet sicli von den Molukken bis Austra- 
lien. Einer der hervorragendsten Vertreter, überhaupt einer 
der schönsten Papilionen ist der belcannte P. Hector L. 
aus Vorder-Indien, dessen geschwänzte Htfl. mit feurig 
blutrothen Flecken reich geziert sind. Die Eaupen 



dieser Gruppe kommen denen der Gattung Ornithop- 
tera am nächsten und leben auch wie diese auf Aristo- 
lochia-Arten. 

Coon-Gruppe. Sie charakterisirt sich durch unge- 
wöhnlich schmale Vorder- und Hinterflügel, und lange spatel- 
fürmige Schwänze. Grundfarbe ist ein mattes Grauschwarz. 
Der typische Coon Fabr. kommt auf Java vor und Irat 
auf den Htfln. gelbe Flecken. Andere Formen, wie Rhodifer 
ButL, Doulledaiji Wall, sind lokal und haben roth ge- 
fleckte HtH. 

Pammon-Grupp e. Die oo mit schwarzer Grund- 
farbe und weissen Fleckenbinden besitzen ausser normal 
gefärbten §2 auch solche von ganz verschiedenartiger 
Färbung, oft in 2 — 3 Formen. Der typische Pamiaon L. 
ist einer der gemeinsten Schwalbenschwänze des süd- 
östlichen Asiens. Seine Raupe lebt auf Citrus. Ahnliche 
Formen, wie Theseus Gram., Alpilienor Cram. und der 
ungeschwänzte Nicanor Feld, kommen auf den grossen 
Simda-Inseln bis zu den Molukken vor. 

Die Aegeus-Gruppe verbreitet sich von den Moluk- 
ken, der westUchen Grenze der australischen Fauna, bis 
Australien selbst uad ist für diese Gebiete sehr charak- 
teristisch. P. Äegeiis Don., die typische Form, kommt nur 
auf dem austrahschen Festlande vor. Die d^o sind meist 
einfach schwarz und weiss gefärbt, ungeschwänzt, die ^5 
dagegen sehr verschieden, wie in der vorigen Gruppe. 
Einer der grössten Schwalbenschwänze, der Gambrisius 
Cram. von Amboina, gehört zu dieser Gruppe. 

Helenus-Gruppe. Die im aligemeinen sich ähnelnden 
Arten besitzen einige schöne und grosse Formen. P. Hele- 
nus L. mit einfach schwarzen Vdtln. und Htfln. und einem 
grossen, gelblich-weissen Flecken am Vorderrand der letzte- 
ren, verbreitet sich weit durch das ganze südöstliche Asien. 
Der kleinere aber sonst ähnlich gefärbte Nephelus Boisd. 
von Celebes ist namentlich durch den starken Contrast 
seiner tief sammtschwarzen Vdfl. mit den rein weissen 
Flecken auf den Htfln. auffallend. 

Paris-Gruppe. Diese und die folgende enthalten 
wohl die prächtigsten Papilioniden der alten Welt. Die 
Paris- Gruppe hat die Tracht der vorhergehenden Helenus- 
Gruppe, aber die Flügel sind oberseits auf dunkel sanimt- 
grünem Grunde wie mit Goldstaub übersät, welcher sich 
oft zu breiten Bändern vereinigt. Statt des weissen 
Fleckens besitzen tie an derselben Stelle einen solchen 
von prachtvoll blaugrüner oder tief dunkelblauer Farbe. 
Ihr Hauptgebiet ist das nördliche Indien bis China, 
wo solche reichgeschmückte Formen, wie P. Paris L., 
Bianor Cram., Krisckna Moore, Polyctor Boisd. etc. 
ziemlich häufig vorkommen und selbst einige Arten bis 
in das Grenzgebiet der palaearktischen Zone vordringen. 
Dieses selbst besitzt in P. Raddei Brem. und Maackii 
2Ieii. Veitreter dieser Gruppe, wenn auch nicht so reich 
gefärbt, wie die indischen Arten. Nach dem Süden zu 
nehmen die Foimen mehr blaue und grüne Atome auf, 
wie Peranthiis Fair, von Hinter-Iudien und Java, Äda- 
mantius Feld, und Blamei Boisd. von Celebes, dieser 
letztere von auffallender Pracht selbst unter den schon 
so überaus reich geschmückten Arten der Paris-Gruppe 
und ausgezeichnet durch seine langen, azurblauen Schwänze 
und die breite hellgrüne Binde ; er bildet den Übergang zur 

Ülysses-Grup p e , deren llauptvertreter der berühmte 
Ulysses L. von Ceram und Amboina ist. Dieser schöne, 



44 



PAPILIONIDEN. 



in seiner Heimatli durchaus nicht seltene Schmetterhng 
hat die Flügel zur Hälfte mit prachtvollem Ultramarin- 
blau geschmückt und belebt die Wälder seiner eng- 
begrenzten Heimath in Gesellschaft des 0. Priamus, der 
0. Helena und anderer schöner Schmetterlinge mehr. 
Nahe verwandte Arten finden sich über das ganze austro- 
malayische Gebiet verbreitet und selbst noch in Neu- 
Caledonien wird eine kleine Form, P. Montrouzieri Boisd. 
gefunden. Wir erwähnen nur noch den Telegonus Feld. 
von Halmahera und Batjan, dessei wie mit blauen Thrä- 
nen betupfte Htfl. die Franzosen zu dem poetischen Na- 
men „Ulysses aux larmes" veranlasst haben. 

Memnon-G r u p p e. Hiezu gehören meist grosse Formen 
mit gänzlich verschieden gefärbten Geschlechtern: die <So 
ungeschwänzt, von dunkler Grundfarbe, mit helleren 
Atomen bestreut, die sich oft zu breiten, bläulichweissen 
Flecken vereinigen, die 9$ gänzlich in Form und Färbung 
verschieden, geschwänzt und ungeschwänzt und auf den 
Htfln. mit rothen und weissen Flecken versehen. Der 
typische, im d" einfach schwarzblau gefärbte Memnoii L. 
kommt auf den grossen Sunda-Inseln vor mit oft 3 ver- 
schiedenartigen weiblichen Formen. Eine der schönsten 
Arten ist der P. Polymnestor Cram. aus Indien und 
Ceylon mit silberblauen Htfln. und einer Reihe schwarzer 
Flecken vor dem Aussenrand. 

Nox-Gruppe. Der Name deutet bereits an, dass 
diese Arten von dunkler Grundfarbe sind. Es gehören 
hiezu der fast ganz schwarze P. Nox Swains von Java 
und die älmhche Noctis Heio.- aus Borneo. Auch rech- 
nen wir hiezu den prachtvollen P. Semperi Feld, aus 
Manilla, der sich durch seinen feurig rothen Kopf und 
Hinterleib auszeichnet. Bei dieser Art ist der .Innenrand 
der IM. nicht ausgeschnitten, sondern zu ungeheurer 
Grösse entwickelt und auf der Oberseite mit einem dichten 
Filz graugelbhcher Haare bekleidet. Im Leben ist dieser 
Flügeltheil nach innen umgeschlagen. Hier findet sich 
auch, wie bei der eine ähnhche Htfl.-Bildung zeigenden 
0. Brookeana, die sonst den Papilioniden fehlende Innen- 
rands-Ader vor, wenn auch dieselbe an ihrer Basis ver- 
kümmert ist. 

Eurypylus-Gruppe. Die Arten dieser Gruppe be- 
sitzen alle mehr oder minder entwickelte grüne oder 
blaugrüne Flecken und Binden auf schwarzem Grunde. 
Es o-ehören hiezu einige sehr schön gefärbte Arten. 
Der t)T)ische P. Eimjpylus L. ist von den Moluk- 
ken bis zu den Papua-Inseln verbreitet. P. Milon 
Feld, ist durch seine tief blaugrüne Farbe ausgezeichnet. 
P. Cloantlms Westw. vom Himalaya mit halbdurch- 
sichtigen Flügeln ist in der Form etwas abweichend, 
während P. Agamemnon L., einer der gemeinsten Papi- 
lionen im ganzen Faunengebiet, durch seine olivengrüne 
Färbung auffällt. 

Antiphates-Gruppe. Diese Gruppe, zu der auch 
unser „Segelfalter" gehört, findet sich in allen Faunen- 
gebieten der Erde wieder, entwickelt sich aber hier zu 
bedeutender Grösse, als deren vohendetsten Vertreter wir 
den langgeschwänzten P. Androcles Boisd. von Celebes 
anführen. Dieser prachtvolle, schwarz vmd weiss gefärbte 
Schmetterling bietet nach Wallace's Schilderung beim 
Flieo-en einen wundervollen Anbhck dar, indem die langen 
weissen Schwänze we 2 Fahnen hinterher flattern. Beim 
Sitzen trägt er sie hoch erhaben, als wollte er sie vor 



Beschädigung schützen. Er kommt nur in Celebes vor, 
wurde aber an einzelnen Stellen ziemlich häufig von den, 
neueren Reisenden angetroffen. Der typische P. Aidiphati&. 
Cram. ist durch das ganze südöstliche Faunengebiet ver- 
breitet. Ausserdem gibt es noch 10 — 12 weitere Arten, 
welche aber alle kleinere Gebiete bewohnen und im, 
allgemeinen dem Typus ähnlich sind. 

Blinietische Foi'inen. Bei der grossen Mannichfaltig-, 
keit, in welcher die Papilionen auftreten, kann es nicht 
Wunder nehmen, auch Formen zu begegnen, welche in 
ihrem Äussern ganz von dem allgemeinen Typus ab-, 
weichen und Arten aus ganz verschiedenen Familien 
täuschend ähnlich sehen. Die Ursachen dieser auffallenden, 
Erscheinung können ganz verschieden sein. Gewöhnhch 
werden dieselben auf das Bestreben zurückgeführt, durch 
Annahme einer anderen Form einen gewissen Schutz zu. 
erreichen, der eben dem Vorbilde nach irgend einer 
Richtung hin bereits veriiehen ist. Aber man könnte diese. 
Ähnlichkeit vielleicht auch als Folge ein und derselben 
Ursache auffassen, die sich bei verschiedenen Thierea nach 
einer Richtung hin, hier speciell in der Färbung und 
Flügelform, äussert. Dies würde oft die Thatsache weni-, 
ger gezwungen erklären, a's das Nachahmen aus dem, 
ersten Grunde, vorzüglich da, wo wir bei nahestehenden 
Formen gerade den entgegengesetzten Fall beobachten. 

Wir erwähnen als Beispiel nur die auffallendsten 
Formen : 

P. Paradoxa Zink und Verwandte, sehen den dunkel-, 
blauen Euploeen in der Form der Midamus-Gruppe sehr- 
ähnlich. Am interessantesten ist der P. Caunus Westw. 
von Malacca und Borneo, welcher die E. Rhadamanthus^ 
eine ganz abweichend gefärbte, ebendort ganz gemein&. 
Euploea, nachahmt. 

P. Laylaizei De.puis. aus Nord-West-Neu-Guinea. Dieser- 
erst im Jahre 1877 entdeckte Papilio ist wohl das wunder- 
barste Beispiel von Nachahmung, welches wir unter den, 
Tagschmetterlingen antreffen, denn das Vorbild ist der- 
Nyctalemon Agathyrsus, ein Schmetterling, welcher- 
nicht einmal zu den Diurnen, sondern zu den Uraniden ge-. 
hört. Die Entdeckung des P. Laglaizei brachte s. Z. die- 
ganze entomologische Welt in Aufregung, da man einen 
solchen Fall der Nachahmung bei den Papilionen wohl nicht- 
erwartet hatte. Das alte Mährchen von dem P. Ripheus- 
Dru., welchen Drury in seinem grossen Exotenwerk abbil- 
det, und welcher seit jener Zeit, also seit 100 Jahren, nie 
wieder gefunden wurde, gehört daher nicht zu den Un-. 
wahrscheinhchkeiten. Dieses nach der Abbildung geradezu 
prachtvolle Thier sieht der bekannten Urania Ripheus 
aus Madagascar täuschend ähnlich und wurde auch stets, 
als solche gedeutet, trotz der Papilionen-Fühler, welche 
für künstlich angesetzt gehalten wurden. Wir haben aber 
bei dem D. Antimachus denselben Fall erlebt, dass erst 
jetzt Schmetterlinge wiedergefunden vnirden, welche vor- 
100 Jahren bereits bekannt waren. 

P. Agestor Gray aus Nordindien ähnelt getreu der 
Danais Tytia Gray, welche ebenfalls dort vorkommt^ 
Eine grosse Reihe anderer Arten, wie Xenocles Bouhl., 
Macareus Godt. von Borneo, Deucalion Boisd. von, 
Celebes, Laodocus de Haan aus Malacca ähneln nur im, 
allgemeinen dem Habitus der Gattung Danais, und zwar- 
den grün oder weiss gefärbten Arten. 



PAPILIONIDEX. 



45 



Isolirtc Foi'iiioii. Noch wullen \\h- mit wenigen 
Worten einige Papilio-Avten evwiihnen, welche ganz fremd 
unter den bis jetzt hekannten dastehen. Sie scheinen 
Gruppen anzugehören, welche den Höhepunkt ihrer Ent- 
wicklung bereits erreicht haben mid jetzt im Aussterben 
begriffen sind. Zu diesen Arten gehört namentlich der 
P. Evan Douhl. aus Nord- Indien, mit langen, sichelförmig 
gebogenen Vdfln. und hellbrauner Grundfarbe, der nicht 
minder originelle P. (li/afi Westir. aus Sikkim, der zottig 
behaarte Codrus Cram. mit gi unlieben Längsbinden 
(Ceram und Amboina), zu dessen Verwandtschaft die ebenso 
haarigen EmpcrJorli's Fuhr, und JIciJoji Fitld. gehören, 
und der kleine grünlichweisse P. Mni-Icjjiiiius Leach. aus 
Australien, welcher zu keiner der vorhei-gehenden Arten 
irgend eine Beziehung zeigt. 

Afi'ikaiiisches Faiiiiciigcbiet. 

Wenngleich das afrikanische Faunengeliiet nicht ent- 
fernt die Zahl an Arten besitzt, wie das Aoihergehende 
indo-australische, so Avird dieser ^langcl doch cinigermassen 
durch die ausserordentliche Verschiedenheit der Formen 
ausgeglichen. Auch darf man nicht vergessen, dass ge- 
rade von Afrika ein grosser Theil seines Innern noch 
völlig unaufgeschlossen ist, namentlich jene Striche, welche 
unmittelbar unter dem Äquator liegen und daher eine 
grosse Ausbeute an neuen Arten versprechen. 

P. Demoleus L. Dieses ist der gemeinste Papilio des 
afrikanischen Faunengebietes und verbreitet sich nicht 
allein über ganz Afrika, sondern tritt auch in etwas ver- 
änderter Form in dem indo-australischen Gebiete als P. 
Eritlioniuü Cram. auf. Der P. Demoleus ist ein sehr 
schön gezeichneter, schwanzloser Papilio^, etwas grösser als 
unser Machaon und von derselben hellgelben Grundfarbe 
und ähnlicher Zeichnung. Er ist ausserordentlich charak- 
teristisch für die afrikanische Schmetterlingsfauna, da er 
sich über das ganze Gebiet (mit Ausnahme des n('irdlichen 
zur palaearktischen Zone gerechneten Theiles) liis zum Cap 
der guten Hoffnung verbreitet und gewisserniassen unseren 
Machaon hier vertritt. 

Zenobia-Gruppp. Diese einfach schwarz gefärbte und 
weiss gebänderte, schwanzlose Gruppe ist ebenfalls sehr 
charakteristisch für Afrika und enthält ungefähr 4 — o 
Arten, von denen einige insofern interessant sind, als sie 
ungleich gefärbte 29 besitzen, welche andere Schmetter- 
linge nachahmen. So ist das 9 des P. CijrKjrfn Fahr. 
der Elymnias Phegea ganz ähnlich, das ^ tles P. Ecke- 
reoides Trim. der Amauris Echeria (einer Danaide) 
nachgebildet. 

Ucalegon-Gruppe. Im Habitus und der Flügelfärbung 
erscheint diese Gruppe der vorhergehenden sehr ähnlich. 
Sie ist auf das tropische westliche Afrika beschränkt und 
enthält einige sehr charakteristische, aber nicht auffallend 
gefärbte Schmetterlinge. 

Nireus-Gruppe. Diese meist grosse und schöne Arten 
enthaltende Form ähnelt im allgemeinen der Eurypylus- 
Gruppe des indischen Gebietes und zeichnet sich durch 
ein blaugrünes Band über die schwarzen Flügel aus. Der 
typische Nireus L. verbreitet sich über das ganze ^littel- 
und Südafrika, die übrigen 3 — 4 Arten sind aber auf 
Madagascar und die Mascarenen beschränkt und zeigen 
hierin eine deutliche Verwandtschaft mit der indo-austra- 
lischen Fauna. 



Leonidas-Gruppe. Der P. Leonidas Fahr, gehört be- 
reits zu denjenigen Arten, welche Danaiden nachahmen 
imd hier ist es die weitverbreitete D. Limnice, welche 
als Vorbild gedient hat. Einige schöne Arten, wie den 
olivgrünen Cyrnus Boüd., beherbergt Madagascar, welches 
sich überhaupt durch seine ganz abweichende Fauna aus- 
zeichnet. 

Poiicenes-Gruppe. Diese langgeschwänzte Gruppe 
ist der Repräsentant unseres Segelfalters und entspricht 
der Antiphates-Gruppe Indiens. Sie findet sich in einigen 
Arten über ganz Afrika verbreitet, aber meist von hell- 
grüner Grundfarbe. Der typische P. Policenes Cram. ist 
im ganzen südwestlichen Afrika ziemlich häufig. Den 
etwas abweichenden Evomhar Boisd. von Madagascar 
werden wir bei dessen Fauna erwähnen. 

Von den ganz isoürten Formen, welche meist in einer 
oder zwei Arten auftreten, erwähnen wir nur noch den 
schönen, mit einer breit smaragdgrünen Binde und langen 
spateiförmigen Schwänzen versehenen P. Phorcas Cram. 
aus dem tropischen Westafrika, den kleinen weissen P. 
Pijlades FiJjr. und den grossen P. Hespertis Westtr., 
welcher auf schwarzem Grunde mit breiten weissgelben 
Flecken gezeichnet ist. 

3Iiiiictische Ävtcil. Ausser dem bereits erwähnten 
P. Leonidas ist der interessanteste unstreitig der P. Rid- 
leyanus ]\'lrite, welcher der Acraea Egina täuschend 
ähnlich sieht, mid das gleiche eigenthümliohe Roth wie 
diese besitzt. Dieselbe Acraea wird auch noch von einem 
anderen Schmetterlinge aus einer sehr weit entfernten Fa- 
milie, den Nymphaliden, von der Pseudacraea Boisdu- 
valii Doubl, nachgeahmt und es scheint fast, als wenn die 
Danaiden Afrikas (mit denen die Acraeen nahe verwandt 
sind) sich ebenso durch irgend eine schützende Eigen- 
schaft auszeichnen, als die der übrigen Länder, von denen 
es .sicher feststeht, dass sie wegen eines ihnen anhaften- 
den unangenehmen Geruchs von den kerbthierfressenden 
Vögeln verschmäht werden. Bei P. Merope Cram. sind 
es nur die 99- welche nachahmen, und dieser Schmetter- 
hng wird noch dadurch interessant, dass es mehrere 
Formen der 99 ^'^ einem ganz verschieden gefärbten 
O gibt. Dieser ist ein einfach gelblich und schwarz 
gezeichneter, langgeschwänzter Papilio, aber die 99 
ahmen zum Theil Amauris Niavius L. (eine Danaide), 
zum Theil gewisse Hypohmnas-Arten nach. In Madagas- 
car finden wir dieselbe Art als P. J/eriones Feld., aber 
modificirt, wieder, und deren 99 gleic-iien merkwürdiger- 
weise vollkommen djn od'- Man vergleiche übrigens 
die genaue Dars*"ellung dieser interessanten, wichtigen 
Thatsachen im I. Theile. 

3Ia(lagascai' nud die 3Iascareneii. 

*_)bwohl die madagassische Fauna stets zu Afrika ge- 
rechnet wird, so wollen wir doch die Papilionen, welche 
dieses merkwiu'dige Ins^lgebiet bewohnen, besonders er- 
wähnen als eine Erweiterung der kurzen Daten, welche 
wir gelegentlich der allgemeinen geographischen Ver- 
breitung gegeben haben. Die Schlüsse, welche wir hier- 
aus gezogen haben, sind dort ebenfalls kurz angegeben. 
Der hervorragendste Papilio ist der grosse P. Antenor 
Dru., mit rothem Kopf und Halskragen, und dunkel 
schwarzgrünen, weissgefleckten Flügeln. Dieser steht in 
der ganzen afrikanischen Fauna vollkommen vereinzelt da 



4(3 



PAPILIONIDEN. 



und seine nächsten Yerwandten finden wir erst in der 
Pülydonis-CTruppe des indo-australischen Gebietes wieder. 
8peciell für Madagascar und die Mascarenen charakte- 
ristisch, wenn auch nicht absolut eigenthünilich, ist die 
Keihe der schön blau gebänderten P. Epiphorhas Boisd.. 
Orilirizun Boisd., Disparilis Boisd. und Pliorhiutta L. 
(die letziteren in Bourbon einheimisch), welche auf dem 
Festlando nur den Nireus als Vertreter besitzen, und bes- 
ser als Zweig der indischen Eurypylus-Gruppe aufgefasst 
-werden. Aus der Leonidas-Grappe heben wir noch den 
chöiion olivgrünen P. Cijrmis Boisd., nahe verwandt mit 
dem indischen P. Agamemnon, aus der Policenes-Gruppe 
den etwas abweichenden P. Ecomhar Boisd. hervor. Die 
übri.f-en 2 — 3 Arten, welche noch Madagascar bewohnen, 
o-ehüren afrikanischen Formen an. Aus diesen Thatsachen 
spricht deutlich eine nahe Verwandtschaft der madagassi- 
schen Fauna mit der indischen, welche auch noch durch 
das Vorkommen anderer indischen Formen bestätigt wird. 

Siulaiiioi'ikaiiisches Fauucngebiet. 

iJie Zahl der hier vorkommenden Arten beläuft sich 
auf ungefähr 200 Stück, fast ebensoviel als die der übri- 
"•en tropischen Gebiete zusammen genommen; aber es 
fehlen hier die grossartigen Formen Indo-Australiens, wie 
die Paris-Gruppe, die blaue Ulysses-, die Memnon-, Aegeus- 
xmd Ilelenus-Gruppe. Dagegen besitzt; Südamerika eine 
Reihe eigenthümlicher Typen, die für dieses Gebiet cha- 
rakteristisch und ihm eigenlhümlich sind. 

Auch hier können wir nur die grösseren und hervor- 
ragenderen Gruppen erwähnen und müssen wegen der 
Details auf den I. Theil verweisen, in welchem die mei- 
sten tv]);schen Arten abgebildet sind. 

Polyciair.as-Gruppe. Die Grundfärbung dieser unge- 
schwänzten Gruppe ist ein dunkles Schwarzgrün mit einer 
gelblichen Flcckenbinde am Aussenrande. Der typische 
Pohjdaiiias L. ist über das ganze tropische Südamerika 
bis Mexico verbreitet und überall häufig zu finden. 

Lycidas- Gruppe. Sie zeichnet sich durch meist ein- 
farbige, stahlgrüne Grundfärbung aus und die Ydfl. sind 
stets verlängert, Htfl. ebenfalls schwanzlos. Es gehören 
ausser dem häufigen typischen P. Lycidas C'nnn. der 
schöne Crassus Gram, mit gelblich-weissen Längsfiecken 
auf den Vdfln., der charakteristische P. Latinus Feld, imd 
mehrere andere hiezu. 

Sesostris- Gruppe. Diese für die neotropische Piegion 
so charakteristische Gruppe hat einen Ornithopteren-artigen 
Habitus, ist aber von weit geringerer Grösse, sonst über- 
aus schön gefärbt. Auf den sammtartig schwarzen Vdfln. 
liesitzen die (Sd einen prächtig smaragdgrünen Flecken, 
auf den Htfln. einige Arten sogar noch eine feurig car- 
minrothe Binde. Auch zeichnen sich die (36' durch einen 
Büschel langer, kreismnd gestellter und aufgerichteter 
ilaare am Innenrande aus, welcher, wie bei den Ornitho- 
pteren, übermässig entwickelt, und mit einem weissen filzarti- 
gen Überzüge bedeckt ist. Die 59 sind ganz verschieden 
gefärbt imd haben keinen grünen, sondern einen weiss- 
lichen Flecken auf den Vdfln., in allen Fällen aber eine 
breite rothe Fleckenbinde auf den Htfln. 

Vertumnus- Gruppe. Es ist dies eine der an Formen 
reichsten Gnippen mittolgrosser und schwanzloser Papilios 
von charakteristischem Fiügelschnitte. Die (S d haben 
auf den Vdfln. einen <;-rün-bläuliehen Flecken, auf den 



Htfln. einen rothen auf scliwtirz^>m Grunde. Der Saum 
ist schwarz und weiss geseheckt. Auch hier sind die 
92 verschieden und meist trüber gefärbt, mit meist weis- 
sen Flecken auf den VdHn. Der typische P. Vertumnus 
Cram., welchem die meisten Arten dieser Gruppe gleichen, 
ist im ganzen Amazonengebiete häufig. 

An3llis8S-Gruppe. Diese ist ebenso häufig vertreten 
wie die vorhei'gehende und mit dieser in Habitus und 
Flügelfärbung vollkommen übereinstimmend, unterscheidet 
sich aber durch einen roih und schwarz gescheckten 
Saum. Es gehören hiezu einige schöne und auffallende 
Formen, wie P. Aneliises L. selbst, Zacynthus Fahr., 
Äeiieides Esp., dessen 00 sich durch sehr spitze Vdfl. 
auszeichnen. Die Anchises-Gruppe ist hauptsächlich im 
Amazonengebiete heimisch und geht bis Central-Amerika, 

Pompeus-Gruppe. Die mehr sichelartig gebogenen 
V'dfl. zeichnen diese ebenfalls weitverbreitete und zahl- 
reiche Gruppe aus, welche im allgemeinen den beiden 
vorigen ähnlich ist, aber ohne den grünen Flecken auf den 
Vdfln., wogegen sie einen schönen camiin-violetten auf den 
Htfln. besitzt. Sie ist ebenso weit verbreitet. 

Agavus- Gruppe. Hiezu gehören meist kleine ge- 
schwänzte Papilios von schwarzer Grundfarbe und mit 
mit einer weissen oder blassgelben Längsbinde auf den 
Vdfln. Ihr Hauptgebiet ist das südliche Biasilien. Eine 
schöne und auffallende Form mit grün-schwarzen Vdfln. 
und am Innenrande rothgefleckten Htfln. ist der P. 
Peri-Jie' ras Boisd. aus Paraguay und Argentinien. 

Lycortas- Gruppe. Sie bildet den Übergang zu der 
folgenden Gruppe und hat stark gezackte Htfl. Die Zacken 
erscheinen als kurze Schwänzchen. Die Mitglieder dieser 
Gruppe sind meist grosse, dunkle Papilios, deren 99 
gleich gefärbt sind und auf schwarzer Grundfarbe eine 
gelbe Längs- oder Quorbinde besitzen. Ihr Hauptquartier 
ist das nördliche Brasilien bis Central-Amerika. P. Ly- 
cortas Feld., Laetitia Btitl. und der schöne Bitias Godt, 
aus Peru sind die bemerkenswerthesten Formen. 

Androgeus-Gruppe. Die ÖO dieser meist grosse 
und schöne Arten enthaltenden Gruppe sind von gelber 
Grundfarbe, mit schlanken gebogenen Vdfln. imd gezack- 
ten und kurz geschwänzten Htfln., übrigens breit schwarz 
berandet. Ganz verschieden gefärbt sind die 99' ^^'elcl^ß 
oft in 2 Farben-Varietäten auftreten und meist stahlblaue 
Htfl. besitzen. 

Thoas-Gruppe. Der P. Thoas L. ist ein sehr 
grosser, geschwänzter Papilio von gelber Grmidfarbe und 
schwarzer Zeichnung, im ganzen Südamerika heimisch 
oder durch ähnliche Formen vertreten und für diese lie- 
gion ausserordentlich charakteristisch, da er überall häufig 
vorkommt. Es gehören hiezu noch einige ähnlich ge- 
färbte Arten, auch rechnen wir hieher die Torquatus- 
Gruppe, welche aber in der Zeichnung etwas abweicht. 

Protesilaus- Gruppe. Diese Gruppe bilden die lang- 
schwänzigen Formen vom Typus unseres „ Segelfalters '' 
und es gehören hiezu eine Menge schöner und in der 
Mehrzahl auch häufiger Arten. Einer der gemeinsten und 
am ganzen Amazonas überall häufig vorkommenden ist 
der P. Protesilaus Z.; ebenso häutig in Columbien bis 
Central-Amerika ist ^U/esilaus Boisd.; auch gehört hiezu 
der grüne J/iilolmis Unisd. Eine nahe verwandte Gruppe 
bildet der schöne P. üolumlus JL-ir. aus dem oberen 
Amazonen"oliift und Bulicaon Crfnii. nebst Verwandte, 



PAPILIONIDEN. 



47 



A.uch rechnen wir zu dieser Grupjie noch ehiige luittalleiid 
geformte, langschwiinzige und schön gefärbte Papihos, 
wie den feurig orangerothen 1'. Mnrchandii Boisd. aus 
Central- Aiiierik i und den tief dunkelgelbon Tliijnsfi't! Jim. 
aus Siid-Bi'asilien. 

Obwohl mit dieser Aufzählung der lieichthuni der 
südamerikanischen Papilinnen noch Imigo nicht erschöpft 
ist und viele vereinzelte Formen, wie der unserem Machaon 
ähnelnde, aber dunklere P. Ami'n'ci's Kall., ferner Trioiias 
Goch., Fizarro Sfijr. etc. zu erwähnen wären, so wollen wir 
mir noch einige auffällige mimetisohe Formen nnfiihren, da 
diese in den meisten Fällen hochinteressant sind, l'nter 
diesen fallen besonders a>if: der braungelbe /'. Zai//-eiis 
Doiihl. aus Venezuela und Cohinibien, welcher getreu die 
Lycuria ülcolaca copirt, und der stahlblau glänzende P. 
Pausanias Jleir., welcher auflallend durch l^'lügclform einem 
Heliconius gleicht und speciell H. Clytia nachahmt, der 
P. Euterjrinus Salv. (Jod., tauschend dem ^ der schö- 
nen Pieride Euterpe Charops ähnlich und wie diese mit 
einem scharlachrothen Querbande über die A'dfl. geschmückt, 
und last not least den erst vor wenigen Jahren von Di'. 
Hahnel entdeckten und auch ihm zu Ehren benannten 
P. Tfnhndititfjr., welcher mit seinen halbdurchsichtigen, 
schwarzbebänderten Flügeln die bekannte .^fethona Psidii 
nachahmt. 

Noi'daiiit'rikiiiiisches Fmiiiengcbiet. 

Wir wollen zum Schluss mit wenigen Worten auch 
der nordamerikanischen Papilionen gedenken, da dieses 
Faunengebiet die grösste Analogie mit dem europäischen 
zeigt. Es sind im Ganzen 17 Arten bekannt, eine ziem- 
lich grosse Zahl dem palaearktisehen Gebiet gegenüber. 
Sie gehören keiner speciell eigenthümlichen Gruppe an, 
sondern Formen, welche eine allgemeine Verbreitung be- 
sitzen, aber etwas moditicirt erscheinen, wje z. B. die be- 
kannten P. Fohj.f lins Fuhr, und Glaiiciis L. Der P. 
Ajii.r L. und dessen Verwandte sind die Vertretei' unse- 
res Podaliiius. P. ^[achaon hat einen nahen Verwandton 
in dem P. Zidii-ami floi.-«/. und eine schfine, aber dunkel 
gefärbte Art, der ./•'. llutiilu.'i Boisd.. ähnelt dem ost- 
sibirischen Xuthus. ])ieser ungewöhnliche Reichtlnim an 
Papilionen bildet einen auffallenden Charakterziig des 
nordamerilvanischen Faunengebietes, dessen specitiseher 
Mangel an ihm eigenthümlichen Gattungen aus der Pa]ii- 
Honiden-Familie, wie beispielsweise Eui'opa deren 4 tiesitzt, 
dadurch aufo-ewoKen wird. 



4. Teinopalpus Hope. (i Art.) 

Taf. 2. T. Imperialis Hope O • 
a. i'iilpe. Ij. Kliiiien. 
Der einzige scharfe Charakter, welcher diese nahe 
mit Papille verwandte Gattung von ihr unterscheidet, liegt 
in den übermässig langen und weit über den Kopf 
hervorragenden Palpen. Diese sind ringsum dicht 
mit kurzen Haaren besetzt, bei dem o (das ausserordent- 
lich sehene ^ liig n'f^ht ^"'' l^ntersuchung vor) deutlich 
Sgliedrig, mit fast gleichlangem, schwachgebogenen ersten 
und zweiten Gliede und halb so langem, allmählich schwä- 
cher werdenden Endgliede. Auch ist die ODC kaum 
'^,ii so lann; als die nach innen aebogene MDC, 



während bei l'apilio beide von gleicher Länge und 
gerade sind. 

Im übrigen stinnnt Teinopalpus fast genau mit Papi'io 
überein. 

Die einzige bis jetzt bekannte Art, der T. Liij)erialis 
I-fojje. ein ])rachtvoller Schmetterling von sammtartiger, 
oUvengriiner Flügelfirbung und mit einem goldgelben 
Flecken auf den Iltfln., hat eher die äussere Erscheinung 
eines Chaiaxes als eines Papille. Auch im Geäder findet 
zwischen diesen beiden systematisch so weit auseinander- 
stehenden Gattungen eine grosse "Übereinstimmung statt, 
da sowohl bei Charaxes als Teinopalpus die 3 ersten 
Subcostaläste ganz eng an einander geschlossen und pa- 
rallel längs des Vorderrandes verlaufen. 

Der d trägt an der 3. Medianader der Iltfl. einen 
kurzen schmalen Schwanz; das sonst ähnliche, nur matter 
gezeichnete O ausser diesem noch 2 kleinere Schwänze 
an den beiden Iladialadern, wie sie auch öfters bei Cha- 
raxes, aber an der Medianader, auftreten. 

Das Vorkommen dieser ganz allein stehenden, hervor- 
ragenden Papilionen-Gattung ist auf die östhchen Höhen 
des Ilimalayas beschränkt. 



5. LeptocirCUS SwainS. (ta. 5 Arten.) 

Taf. 2. L. Curius Fabr. 

a. Palpe (staik vcrgr.). b. Klauen, e. Klauen von L. Decius, 
d. Klauen von L. Ennhis. 

Die Arten dieser Gattung sind kleine, aber im Ver- 
hältniss zu ihrer Grösse ausserordentlich lang gesclrwänzte 
Schmetterlinge mit glashellen, durchsichtigen oder grün- 
lich gefärbten und schwarz bordirten Flügeln, deren we- 
sentlichster Charakter in der eigenthümlichen Gabelung 
des 3. Suboüstalastes liegt. Diese Bildung kommt in 
keiner Papilioniden-Gattung mehr vor und wird nur noch 
bei den Lycaenen beobachtet. 

Bemerkenswerth ist ferner noch, dass wir in dieser 
Gattimg eine Art (L. C,ir!.,i.s Fahr.) finden, welche, ab- 
weichend von den übrigen, 2spaltige Klauen besitzt — 
die einzige Ausnahme unter den vielen Papilioniden, bei 
denen dieselben stets einfach sind. (Fig. b, c und d.) 

Die Palpen sind bti J.ejiluclreus uusseivrdentlwh Mein, kurz und dick, 
feal an den Yurderkopf ijedriklct und vorn mit langen steifen 
Haaren bekleidet. dciiUich :s,jliedri,j, das Bndglied sehr klein und 
kmiifiinniij. (l-y. „. stall. vergr.J^ 

Die Custale und Medianader der Vdjl. sind sehr stark enticickelt, 
die üuöcostule mit 2 Asten ror dem Zeltende, Äst 3 aus dem 
-ilen ents^iringcnd und dieser wiederum kurs nach 
dem Zellende aus dem öten, welcher in den Atissenrand 
nuindet. Sou-o/d die kleine Verbindungsader zicischen Mediana, 
■und Suömediana, ab aurh der kurze Innenrandast der ktzteren 
stets vorhanden. 

Die JUnterfliigel") .lelir lang gr-sr/ncibirJ, am Innenrande gefaltet, die 
Falten :.unidgesdil,ig,:n. I,u,r,u„nd-Ader fehlend. l'C einfach, 
nach au.Hsen gebagen, I'rikustat~elk deutlich vorhanden, die Zelle 
seihst ausserordentlich Hein und kurz. 

Der Verbreitungsbezirk dieser rein indo-malayischen 
Gattung ist ein ziemlich grosser, und geht von Nord- 
Indien bis zu den Philippinen. Die bis jetzt bekannten 



*) In dar Zeichnung des Hills, ist statt ÜB — Öü zu setzen 
und die darunter liegende, etwas zn sclju-ach gezeichnete Ader mit 
UK zu bezeichnen. 



48 



l'APILIONIDEX. 



5 — Arten gleichen sich alle so sehr, dass die Kennt- 
niss einer Art genügt, um die Gattung in den übrigen 
sofort wieder zu erkennen. 



6. Euryades Feld. (2 Arten.) 

Taf. 3. Eu. Duponchelii Luc. o • 
a. Prtlj'e des Q • ''■ Palpe des Q. c. Klauen des q . 

Diese und die folgende Gattung sind zwei wichtige 
und bemerkenswerthe Mittelglieder zwischen Papilio und 
Parnassius. Euryades nähert sich im Äussern mehr den 
Eapilionen, während Eurycus, welcher genau auf dem 
entgegengesetzten Theil der Erde vorkommt, mehr den 
Parnassius-artigen Charakter bewahrt hat. 

Von Papiho unterscheidet sich Enryades sofort durch 
die freiliegenden männlichen Geschlechtswerk- 
zeuge, welche bei Papilio stets von 2 Klappen bedeckt 
sind. Ausserdem entspringt der 3te Subcostalast nach 
dem Zellende, und die Aste 4 und 5 bilden eine kür- 
zere Gabel, als sonst bei Papiho üblich. Auch ist die 
ODC sehr kurz, kaum '/s so lang wie die stumpf 
nach Innen gewinkelte MDC, während sie bei Papilio von 
nahezu gleicher Länge und stets gerade ist. Die Präcostale 
der Htfl. ist einfach, gerade, die Präcostalzelle ziemlich 
gross. 

Ein ebenfalls ausgezeichneter Charakter, aber nur beim 
d" gut entwickelt, ist das verdickte letzte Fussglied 
der Vorderfüsse, dessen Unterseite mit einer doppelten 
und sehr regelmässig gestellten Reihe kleiner Dornen be- 
setzt ist. (Fig. c.) 

Auch die ^^ ^'^■^ Euryades haben einen von den 
Papilionen sehr verschiedenen Geschlechts-Apparat, welcher 
mehr mit der bekannten Parnassiusform übereinstimmt. 
"Wie bei dieser Gattung haben die 99- ^^ß^" *uch nur 
erst nach der Begattung, eigenthümliche Anhängsel in 
Form zweier langen, hasenohrförmigen Lappen am 8ten 
Hinterleibsringe, welche für sieh vollkommen unbeweg- 
lich sind. Sie entsprechen den bekannten Taschen der 

Es sind bis jetzt nur 2 Arten dieser interessanten 
Gattung bekannt, beide auf die östhchen Laplata-Länder 
Südamerikas beschränkt. Über die Gewohnheiten der einen 
Art, des E. Duponchelii Luc, haben wir von Burmei- 
ster einige Notizen erhalten. Danach kommt derselbe 
häufig um Parana vöi-, ist sogar ganz gemein in La Paz 
(Entre Rioz), fehlt aber gänzlich im Westen und Norden 
der argentinischen Republik. Er ist ungemein scheu, 
fliegt im hellen Sonnenscheine ziemlich hoch und lässt 
sich schwer fangen. Nur in der Jlorgenfriscbe, wo er 
noch frostig steif unter den grossen Schirmblüthen der 
überall gemeinen Fenchelpflanze sass, war er leicht zu 
überraschen. Er fliegt in 2 Generationen. Die Raupe 
wurde auf Algarobenbüschen gefunden. 

7. Eurycus Boisd, (i Art.) 

Taf. 3. En. Cressida Feld. 

a. Palpe des Q. b. Palpe des (^. c. Vorderfuss des (^. 

Der Eurycus Cressida, die einzige sichere Art dieser 
Gattung, hat vollkommen das durchsichtige Aussehen eines 
Parnassius, aber mit Papilio-artiger Flügelforni; doch sind 



die Htfl. ungeschwänzt, in der l'alpenbildung und im 
Geäder ist er aber wenig von letzteren verschieden und 
daher auch leicht von Parnassius zu unterscheiden. 

Die Palpen sind ausserordentlich Jclein, rorderseiU am Grunde 
mit lanrjen, alhnühlith nach oben zu abnehmenden Haaren besetzt^ 
die baden ersten Glieder son-ohl beim Q, als auch beim Q roU- 
huvimen rerwachsen, das Bndf/lied l-lein, lüiv/lich eifonnij. (Firj. «, b) 

Fahler allnmhlicli zu einer Kalbe rerdicht, t/erade, wie bei Parnassius, 
nicht (lebofjen. 

Geäder der Vorder- und Hinterßilijel nicht von Papilio verschieden. 
JTifl. am. Innenrande ti'f ausrjeschnitlen. Präcostale sehr Hein, 
nach innen zurücVfjeboijen, Prä cosialzelle unfjewöhn- 
lich fjross. 

Auch diese Gattung zeigt die ersten Tarsusglieder 
der o- Vorderfüsse verdickt wie bei Euryades und auch 
in derselben Weise mit 2 Reihen kleiner Dornen be- 
setzt. (Fig. c) 

Von Parnassius unterscheidet sich Eurycus leicht durch 
die öästige Subcostalader (bei Parnassius stets 4ästig) 
die kurzen Palpen und die ungewöhnlich grosse Prä- 
costalzelle; von Papilio durch die geraden, nicht ge- 
bogenen Fühler, die kleine nach innen gebogene 
PC der Htfl. und die verdickten Tarsen des ersten O" 
Fusspaares. 

Die 59 besitzen einen ähnlichen Geschlechtsapparat, 
wie die Parnassien, aber die Aiihängsel sind kürzer und 
laufen in zwei Spitzen aus. 

Das Vaterland dieser hochinteressanten Gattung ist 
Australien und dies ist um so bemerkenswerther, als wir 
erst auf dem entgegengesetzten Theile der Erde, aber in 
derselben Breitenzone, dem einzigen Verwandten, dem 
oben bs^chrlebenen Eiryadss, begegnen. Diese beiden 
Gattungen sind Mittelglieder zweier sehr verschiedenartiger 
Formen, von denen die eine sich heute noch über die 
ganze Erde verbreitet, während die andere jetzt nur auf 
die alpinen Höhenlagen beschränkt ist und weder in 
Australien noch in den Laplata-Ländern mehr angetroffen 
wird. Dies scheint uns anzudeuten, dass diese beiden 
Gattungen noch Ueberbleibsel eines längst vergangenen 
Stammes sind, welcher sich nach 2 Richtungen hin, zu 
den heutigen Papilionen und Parnassiern, entwickelt hat, 
diese Mittelformen selbst aber im Aussterben begriff'en sind. 



2. Parnassius-Gruppe. 

Palpen massig lang, niclit Hhcr den Kopf liervoi-ragend. 
Suhcostale vieist 4ästig. Jleih'niia am Grunde ohne Querast., 

P.iriiassnis . . . Gebirge der nördlichen Erdhälfte. 
Doi'itis .... Kleinasien. 
HypeiMiinestra . . Persien und Turkestan. 

Die Gattung Doritis allein besitzt eine .Sästige Suh- 
costale, steht aber in allen übiigen Verhältnissen Parnas- 
sius am nächsten. 

8. Parnassius Latr. (ta. 25 Arten.) 

Taf. 3. P. Apollo L. 

a. Fühler des (^ . b. Palpe des Q. e. Vordei-fussklanen des Q. 

d. Schuppen von der Mitte, e. vom Piaiid, f. vom Sauin der Vdfl. 

Dieses den Sammlern von Europäern wohlbekannte Ge- 
nus hat ein so charakteristisches äusserliches Gepräge, 
dass es wohl mit keinem anderen, ausser dem vorher- 



PAPILIONIDEN. 



49 



g( hen den, verwechselt weiden kann. Sein Hnnptchanikter 
liegt in der 4ästigen Subcostalader, welche von den 
Papilioniden-Genera nur noch die Gattung Ilypermiiestra 
besitzt (daher diese auch früher mit Parnassius vereinigt 
war). Von dieser unterscheidet sich Parnassius leicht 
durch die ha'.bdurchscheinendea Fiügel. 

Der allgemeine Fnraiiien-C'harakter der P.ipilioniden, 
nrmlich der Sporn an den Vorderscliicnen, die anscheinend 
4nstige Mediauader, die kleine Papilionenader und der 
tiefe Ausschnitt am Iniienrande der IM. ist auch in dieser 
Gruppe scharf ausgebildet, es fehlt ihr aber (und auch 
der ThaivGruppe) die für die ächten Papilionen so charak- 
teristische "\'eibindungsader zwischen der Mediana und 
Submediana, Folgendes sind die speciellen Charaktere 
für Parnassius: 

Kopf Mein, ^oftitj behaart^ mit iceni;/ herfurra{jendeii Aiujoi. Fühler 
hurz und gerade^ mit allniäklich verdicJäer Kolbe. Palpen sehr 
diiwii, soirohl heiin Q als Q deutlich Sijliedrig, rjeradeund 
Vorderseite mit lanr/eu steifen Haaren besetzt. Das Ite und 2te 
Glied von ziemlich (/leicher iJinfje, das 3te Glied bei den einzelnen 
Arten wechselnd., stets aber verlüiu/ert, nie hiopfformirj. 

TlUgel am Bande durchscheinend, viit abfjeinmdeter Spitze. Subcostale 
4ästirj, der Ite Ast vor dem. Zellende, der 2te entireder lairz 
vor demselben odei' am Ze/lende seihst entspringend- Ast H und 4 
eine ziemlich grosse Gabel bildend. Zelle lang und schmal 

Obere Madialader direht ans der Subcostale entsprlnge^ul, oder auch 
z. Th. mit ihr verwaclisen fMnemosgne, StubbenchrßiJ, daher die 
ODC fehlrnd: MDC nach innen gebogen, UDC kleiner ak 
letztere. Mediänader an der Basis ohne Querast, 

Jl interfliigel am, Innenrand stark ausgeschnitten, Präcostale einfach, 
gerade, Prckosfahelle fehlend oder doch nur undeutlich vor- 
handen (da der sie bildende Ast der SC mehr oder Keniger mit 
der Costalader verwachsen ist) 

Klauen einfach, fa^t gerade, bei einigen Arten von glev-hcr, bei andern 
von verschiedener Länge. 

llauiien iralzenßirmig, irehhhaarij und mit km'zen Erhöhungen verseilen. 

Pup2)en in einem leichten Seidengrsninnste verborgen, bUialichwei.ss bereift. 

Die Parna=sius-Arten, von denen jetzt ungotVihr 25 be- 
kannt sein mögen, sind fast nusschliessüch A'pen-Bewohner 
und ihr Hauptgebiet bilden die irochgebirge der östlichen 
gemässigten Zone von den europäischen Alpen an bis zum 
Kaukasus, Ural, dem Altai und thibetanischen Hochlande. 
Einige Arten werden selbst in der Ti-openzonc, auf dem 
ITimalaya-Gebirgf, gefunden, aber nur in solcher Höhe, 
deren Klima dem der gemässigten Zone gleichkommt. 
Auch sind zwei bis drei Arten von den Pocky Mountains 
Nordamerikas bekannt, und von diesen ist eine Art, F. 
Smtntheiis Douhl. Hetr., wenn nicht identisch, so doch 
ganz nahe mit unserem europäischen Deüus verwandt. 

Der allbekannte F. Apollo L. von den Schweizer 
A'pen kann als Typus der ganzen Gattung dienen, da er 
nicht allein an Grösse, sondern auch durch seine einfache 
Schönheit den ersten Eang einnimmt. Von den übrigen 
Arten erwähnen wir nur noch den F. ^tuhbi^itdorjH Mi'n. vom 
Amurgebiet, eine Varietät der europäischen Mnemosyne, 
W(^!cher dadurch bemerkensweith ist, dass er äusserlich 
die grösste Annäherung an den Aporia Ciataegi zeigt 
und auch im Geäder die abweichendste Form darbietet; 
ferner den schönen F. Hardwickä Gratj und Cliarltonius 
Grai/, beide vom Himalaya, und den erst vor kurzem ent- 
deckten grossen und prächtigen F. Liipi-rator Ol ertJi. aus 
dem thibetanischen Hochgebirge, der sich hauptsächlich durch 
zwei grosse blaue Augen auf den Htfln. auszeichnet. 

Es dürfte nicht uninteressant sein, hier einige kurze 



Bemerkungen über die Fiügelschuppen der Parnassier und 
deren Verwandten einzutlechten, da sich die einzelnen 
Genera auch hierin bedeutend unterscheiden. Die Flügel 
von Parnassius sind, wie allgemein bekannt, nur an der 
vorderen Hälfte bestäubt, gegen den Rand hin aber fast 
durchsichtig. Dies rührt keineswegs von dem Mangel an 
Schuppen, sondern von der ganz verschiedenen und zwar 
viel schmäleren, fast haarartigen Form derselben her. 
Die Schuppen der Plügelbasis sind fast genau dem Pique- 
Zeichen der französischen Spielkarten gleich gebildet, 
werden gegen den Flügel-Rand hin aber immer schmäler, 
bis sie fast linienförmig erscheinen und daher die Flügel- 
membran nicht mehr so voll bedecken. Bei Doritis sind 
die Hauptsohuppen vollkommen kreisrund und werden erst 
gegen den Rand hin spitzig. Euryous hat die Schuppen 
des dunklen Theils normal, spateiförmig mit ausgezähnelter 
Spitze, die der durchsichtigen Parthien dagegen keilförmig 
zweilappig; gegen das Plügelende werden sie dreilappig und 
gehen allmählich in die normalen Schuppen über. Thais 
und Hypermnestra hat eine Mittelform zwischen den Parnas- 
siusschuppen und der normalen Form, und diese findet man ne- 
ben vollkommen runden merkwürdigerweise auch wieder bei 
Pieris Crataegi und zwar nur bei dieser einen Art, während die 
übrigen Pieriden die bekannte spateiförmige Form zeigen. 
Indessen erwähnen wir, dass auch bei P. Crataegi einige 
Flügelparthien mit solchen Schuppen bedeckt sind, immer- 
hin aber beweist das Vorkommen einer Parnassius- ähn- 
lichen Form, dass auch eine innere Verwandtschaft zu 
dieser Gruppe bestehen muss. Auf eine andere, ebenso 
interessante Bildnng der Parnassius-Giuppe, nämlich auf 
die eigenthümlichen Anhängsel der 9$ Geschlechtsorgane, 
müssen wir uns leider versagen, näher einzugehen, da wir 
doch nichts Neues, sondern nur das allgemeine bekannte 
anführen könnten. Die wahreBedeutungdieses merkwürdigen 
taschenähnlichen Organs, welches sich bei den Weibchen 
erst nach eifulgter Begattung entwickelt, ist auch heute 
noch unaufgeklärt, und es ist nur zu bedauern, dass wir in 
solchen einfachen biologischen Fragen immer noch soweit 
znrüekgeblieben sind, wähnmd die beschreibende Wissen- 
schaft rastlos vorwäits schreitet. 



9. Doritis Fabr. (i Art.) 

Taf. 3. D. Apollinus Hbst. 

fi. Vorilerfiiss des q. b. Palie des q. e. Vorderfusskliiiiea des q, 
d. Schuppen vom Saum, e. vom EaiiJ, f. von der JllMe der Flliael. 
Obgleich Doritis durch die halbdurchsichtigen Flügel 
äusserlich mehr mit Parnassius verwandt erscheint, unter- 
scheidet sie sich doch wesentlich von diesem durch die 
kurzen Palpen, die 5 ästige Subcostalader, und die- 
verschiedene Stellung der Aste derselben. 

Fdhler kurz, mit deutlicher, etn-as gebogener Kolbe- 

Palpen klein, deutlich gegliedert, nicld über den Kopf hervorragend., 
mit langen borstenähnlichen Haaren bekleidet. 

Flügel halbdurchsichtig, eigen thümlich zerknitter t, mit 
Hastiger Subcostalader; die beiden ersten Aste nahe zu- 
sammen vor dem. Zeltende, Ast 3 und 4 sehr genähert und in 
zicndicher Entfernung lucch demselben sich abztreigend. ODC fehlt, 
da die obere Päd iale sich direkt vor der Sabco-üah aJjzKcigt- 3/DC 
schwach nach innen gebogen. 

Hinterflügel mit einfacher, nach innen gebogener Präcostale, ohne 
Pi äco-italzellc. 



50 



PAPILIONIDRX. 



iHclicnhel der Fiisae uni/eu-öhvUch rerdlcil: Klauen einfach, aber 
imjkkh hm-). 

Die Raupe ist der von Pnrnassius ähnlich, sie lebt 
auf Avistolochia hastata. Puppe kurz und dick, am Kopfe 
abgestumpft und unterhalb dir Flügelscheiden eingeschnürt. 

Der schöne D. Aj3oUii,u.s Hbst, die einzige bis jetzt 
bekannte Ait, wird allgemein zur europiiischen Fauna ge- 
rechnet, da er einzeln auf der europäischen Seite des Bosporus 
gefangen wurde. Seine Heimath ist Kleinasien und Syrien. 

10. Hypermnestra Men. (i Art.) 

Taf. 3. H. Helios Nick, d"- 
n. J'nljie. b. Pc-liii|'l'C. 
Auch diese Gattung schUesst sich trotz der dichtbe- 
schuppten Flügel eng an Parnassius an, aber der iiussere 
Habitus, die Anlage der nur in einigen Flecken bestehenden 
Zeichnung, die verdickten Schenkel und die Schnppen- 
form der Flügel zeigen wiederum deutlich eine Annäherung 
zur Thais-Gruppe. 

Tal^ien und Fdkler tote bei Parnassius gebildet. 

Suhcostalader 4Ustir/. ODC deutlich vorhanden. Präcostale 
der Ifmterfliir/el schwach nach aussen (jehorjen. 

Von Parnassius, mit dem Hypermnestra die 4ästige Sub- 
costale gemeinsam besitzt, unterscheidet sich diese Gattung 
sofort durch die deutlich entwickeile ODC; von der 
Thais- Gruppe wird sie sicher durch die nur 4 ästige 
Subcostale getrennt. 

Die Raupe ist (nach Christoph) dick, fast genau wie 
die von Machaon, hellgrün mit weissen, hinten gelben 
Quergürteln auf der Mute jeden Segments und einigen 
schwarzen Punkten darin. Sie lebt auf Zygophyllum 
Turcomanicum. Die Puppe ruht tief in der Erde. 

Bis jetzt ist nur 1 Art, die //. Helios Kick., bekannt, und 
diese auch nur in Tuikestan und Persien gefunden worden. 



3. Thais-Gruppe. 

Falpen lang, über den Kopf hervorragend ■ Subcostale 

üästig, Mediana am Grunde ohne Querast. 

Thais Südeuropa, Kleinasien. 

Liiclidorfia .... Amur. 

Sei'icinns 1 ^, . 

,. I ... Chma. 
Ai'inandia j 

BeiLuehdorfia sind die Palpen nicht so lang wie beiThais; 

in den Hauptcharakteren stimmt sie aber mit dieser übercin. 



11. Thais Fabr. (3 Arten.) 

Taf. 3. Th. Polyxena W. V. 6. 
a. Fühler, b. Palje des Q . c. VorJerfuss des q . 
Die diitte grossere Gruppe in dieser Familie W'ird von 
der Gattung Thais und deren Verwandten gebildet. Sie 
besitzen ebenfalls den kurzen Submedianast, aber nicht die 
kleine Yerbindungsader zwischen Mediana und Submediana. 
Das Hauptmerkmal der Gruppe sind aber die langen, 
oft weit über den Kopf hervorragenden Palpen. Thais 
speziell charakterisut sich durch folgende Merkmale : 

Fühler kurz, ridt allvtählich verdirhter, etwas gebogener Kolhe- 
Palpen weit ilher den Kopf hervorratjend., deutlich .'igliedi'if/, 
intnduvi mit steifen J'Iaaren besetzt, mit kurzem f/ebof/enen Basal- 
f/liede, geradem Mltteljlicde, doppelt so lartfjetu, dünnem Ertdfjliede. 



Subcostalader .0 ästig, 2 Aste nrihe zusammen vor dem Zellende, 
der .'j. und 4 bald iKicli demaelhen sich abzweigend. ODC ent' 
ireder fehlend, (dann entspringt die obere Radiale direkt aus der 
Subcostale und ist selbst q, 't noch viit ihr verwacli^en) oder klein, 
aber deutlich ror/umden. 3IDÖ na h innen gewinkelt PC eiw 
fach, }iach innen gebigen; Präcos'alzetle klein oder auch ganz 
Jehleiid. 

Schenkel stark verdickt; Ltztc.-i Tarsusjlied am Ende gescliwollen; 
Klauen einfach, in einigen Arten vjn unjlel-her Länge. 

li a Uj) e n behaart, rei/ienweise mit kurzen be/iaarten Tuberkeln besetzt. 
Puj}2>e ohne Gespinnst, am Kofe itiul Ilintcrleibsende befestigt. 

Die Gattung Thais mit ihren 3 Arten gehört aus- 
schliessicli dem europäischen Faunengebiete an und ist 
daher für dasselbe sehr charakteristisch. Die nächst- 
folgenden Genera vertreten sie im Osten der grossen 
palaearktischen Zone. Nordamerika und die tropischen 
Länder besitzen kiine näheren Verwandten. 



12. Luehdorfia Crüg. (i Art.) 

Taf. 3. L. Puziloi Ersch. d- 
a. Void-^rfuss dc-s (^ . b. Palpe des (^. c. Voideifussklnieii des Q. 
Die Stellung dieser eigonthümlichen Gattung ist weder 
genau in der Thais-Gruppe, noch bei den Parnassiern. 
Die grösste Ähnlichkeit in der Struktur hat sie noch mit 
Doritis, die lussere Erscheinung aber ttellt sie unzweifel- 
haft in die Nachbarschaft von Thais. 

Die Palpen sind kürzer als bei TJiais, aber länger wie bei 
Doritis, nicht über den KopJ JteiTorragend, Sjliedrig, mit steifen 
Hnar&i besetzt 

Fühler schii'acli gebogen, iidt allmählich verdickter Kflbe, Vordei'rand der 
V^rdcrflägel ausg€schicei;f, Subcostalader ßästig, mit 2 Asten vor 
dem Zeltende; UDC klein, aber deutlich vorhanden. 

Hinter f lüg el mit ein'a:hor, nach inne.i gzbojemr Pähoitatailer und 
deutlicher Prucostalzelle 

Füsse -mit stark verdv-kten Schenkeln; Klauen einfa-li, f(v<t gerade. 
(^ A nalklappen mit dichtem, braunem 1' ilze l ekleidet. 

Von Thais unterscheidet sich Ijuehdorfia durch die 
kürzeren, nicht über den Kopf hervorragenden Palpen, 
durch die wohl ausgebildete Prixostalzelle, die verschieden 
gestalteten Klauoi und die dicht behaarten Afterklappen 
des d* ; von Doritis nicht allein durch die gänzlich be- 
schuppten Flügel, sondern auch durch die deutlich vor- 
handene ODC und Präcostalzelle. 

Die Raupe und Puppe der L. Puziloi Ersch., der 
einzigen bis jetzt bekannten Art, ist näher im I. Theile 
beschrieben, woselbst auch der Schmetterling abgebildet ist. 

Sein Vaterland ist das südöstliche Amurgebiet bis zur 
Küste des japanischen Meeres. Er gehört also noch dem 
palaearktischen Faunengebiete an. 



13. Sericinus Westw. (4 Arten.) 

Taf. 3. S. Telmona Gray. 
11. Palpe des Q. b. Vordeifiisslilinen des q. 
Durch die Palpenbildung schliesst sich Sericinus direkt 
an Thais, durch die wohlentwickelte Präcostalzelle und 
die langgeschwänzten Htfl. an Papilio an. Er ist ein 
wirkliches Mittelglied zwischen diesen beiden, sonst so 
weit entfernten Gruppen. 

Fühler kurz, schwach gebogen, alhnählich verdickt. Palpien weit 
über den Kopf h er ro r r ag end, behaart, deutlich Sgliedrig^ 
mit gebogenem unteren Gliede, '^eradem Mittel- und Endgliede. Vdß, 
mit öästiger Subcostalader', der Lvsfe und zweite Ast vor dem. 
Zeltende, der diitte genau am Zeltende selbst, der vierte und 



PAPILIONIDEN. 



51 



ß'mfte eine ziemlich grosse Gabel hildend. ODC klein, aber 

deutlich vorhanden ; MDC stumpf nach innen gevnnkelt. 
Sinter flügel auf dem 3ten Medianaste langgeschwänzt, mit 

undeutlich 3spaltlgei' Präcostale und wohl eniwiclcelier grosser 

Präcostalzelle. 
Fusshlauen einfach, gerade, von ungleicher Länge, 

Durch die langen Schwänze unterscheidet sich Serici- 
nus leicht von Thais, mit welcher er sonst in allen we- 
sentlichen Punkten übereinstimmt, daher man Sericinus 
auch richtig als eine geschwänzte Form von Thais be- 
trachten kann. Von Papilio wird er schon durch die 
Palpenform getrennt. 

Die bis jetzt bekannten 4 Arten, über welche man 
das Nähere im I. Theile findet, sind ausschliesslich dem 
chinesischen Faunengebiete eigenthümlich. Über Raupen- 
und Puppenzustand ist noch nichts bekannt. 



14. Armandia Blanch. (2 Arten.) 

Taf. 3. A. Thaitina Blanch. d'- 
a. Klauo. b- Palpe. 

Auch diese nur im thibetanischen Hochlande vorkommende 
Gattung gehört der langgeschwänzten Thais-Gruppe an. Sie 
unterscheidet sich von Thais selbst schon durch die grosse 



Präcostalzelle der Htfl., von dem nahe verwandten 
Sericinus durch die Stellung des 3ten Subcostal- 
astes, welcher hier weit nach dem Zellende entspringt. 
Ausserdem sind noch die kleine ODC, der gerade 
Vorderrand der Htfl. und die 3 ungleich langen 
Schwänze, deren grösster spateiförmig ist, fiu" diese 
Gattung charakteristisch. 

Fülller, Palpen und Fussklauen sind wie bei Sericinus 
gebildet. 

Die besser bekannte, immerhin aber noch sehr seltene 
Art (eine zweite ganz nahe verwandte Art wurde unter dem 
Gattungsnamen Bhutan itis beschrieben; das Nähere dar- 
über, sowie Abbildung der Armandia, vide im I. Theile) 
ist die schöne A. Thaitina Blanch., welche erst vor we- 
nigen Jahren von dem französischen Missionär Abbe Ar- 
mand David im Innern Chinas entdeckt wurde. Sie hat 
ein von allen bisher bekannten Formen ganz verschiedenes 
Aussehen. Die schwarz-braunen, blass gelb gestreiften 
Vdfl., die schmalen Htfl. mit den 3 allmählich an Grösse 
abnehmenden spateiförmigen Schwänzen und die breite 
blutrothe, blau geränderte Fleckenbinde am Innenwinkel 
lassen das Thier in unseren Augen ebenso seltsam er- 
scheinen, als die langzopfigen Bewohner ihres gemein- 
samen Vaterlandes. 



Familie 2. 

F i e 1' i cL e Ti- 





FigA. 



Fig. 1. Pieris Rrassieae L., von der Seite, um die 6 entwickelten Beine (von denen die 3 reeh'sseitigen 

abgenommen find) nnd den nicht ausgesclinittenen Inneni'and der Htfl. zn zeigen. Fii. 2. Vergrösserter 

Vorderfiisf, oline Anhängsel an der Tibia. Fig. 3. Zweispaltige Klane. Fig. 4. Anheftung der Puppe. 



Die Pieriden schliessen sich iiaturgemiiss an die Pa- 
pilionideii an, mit denen sie viele Merkmale gemeinsam 
besitzen. Ihre Hauptcharaktere sind folgende: 

Sechs vollkommen entwickelte Beine in hei- 
den Geschlechtern; Vorderfussschienen dor- 
nenlos; Klauen zweispaltig , mit oder ohne An- 
häncjsel. Fig. 2 und 3. 

Vdfl. und Htfl. mit geschlossener Zelle, 
die 8 uh median ad er stets einfach, ohne liuien- 
randsast und durch keine Querader -mit der 
Mediana verbunden , an ihrer Basis aber oft 
zweispaltig. 

Htfl. mit icohlenticickeltem Innenrande, xoel- 
cher den Hinterleib in der Ruhe vollkommen um- 
schliesst; Innenrands ader stets vorhanden. Fig.l. 
Raupen glatt oder behaart, nach dem Kopf und 
Hinterleihsende zu verjüngt, ohne surückziehbare 
Tentakeln. 

Pupp enmitvorgezogener Kopf spitze, am Schivanz- 
ende und in der Mitte durch einen Quer- 
fad rn befestigt. Fig. 4. 
Kopf, Palpen, Fühler und Form der Flügel sind bei 
den Pieriden sehr Yerschiedenartig gebildet, so dass diese 
Theile keinen allgemeinen Familiencharakter darbieten. 
Auch zeigt das Geäder kein besonderes Gepräge, doch 
geben die vielen Abweichungen desselben innerhalb der 
Familie selbst gute, ja fast ausnahmslos alle Genus- 
charaktere. 



Von den Papilioniden, mit denen die Pieriden die 
meiste Verwandtschaft zeigen und mit welchen sie die 
6 vollkommen entwickelten Beine, sowie die Anheftung 
der Puppe gemeinsam haben, lassen sich dieselben, wie 
bereits ausführlich bei dieser Familie angegeben, leicht 
durch den wohl entwickelten Innenrand der Htfl. und 
durch die nie fehlende Innenrandsader, die zweispaltigen 
Klauen und den Mangel des blattartigen Dorns an deii 
Vorderfussschienen und des kurzen Zweiges an der Sub- 
mediana der Vdfl. unterscheiden. 

Zum Unterschied von den übrigen Familien der Tag-- 
Schmetterlinge bieten schon die vollkommen entwickelten 
Vorderfüsse, welche nur um weniges kürzer als die Mit- 
tel- und Hinterfüsse sind, ein sicheres, nie trügendes 
Merkmal. Dies ist namentlich wichtig zur Unterscheidung 
von solchen Familien, bei denen die ^9 ebenfalls voll- 
ständig entwickelte Vorderfüsse besitzen (Lycaenen, Ery-- 
ciniden); hier sind sie aber stets viel kürzer als die übri-. 
gen Beine.*) 

Die Pieriden stehen durchaus nicht so isolirt da, wie 
es beim ersten Anblick der ganzen Familie erscheinen 
mag — sie haben nach dreifacher Richtung hin Ver- 
wandtschaften aufzuweisen. 



*j Die einzige Ausnahme von dieser Eegel bildet die Gattung 
Styx, bei welcher die Vorderfüsse bedeutend kürzer als die übrigen 
sind. Diese Gattung ist indessen so abnorm, dass sie den Werth. 
des Charakters der gmzen Familie nieht beeinträchtigen kann. 



PIEEIDEN. 



53 



Zunächst sind es die Papilionen, wie dies bereits bei 
dieser Familie hinreichend erörtert wurde. Dann finden 
wir unter den afrikanischen Lycaenen*) einige Formen, 
wie in der Gattung Liptena und deren Verwandten, welche 
auch üusserlieh durch die rein weisse oder gelbe, unter 
den L3-eaenen ganz abnorme Flügelfiirbung an die Eu- 
remon oder Pontia erinnern, und im Geäder sich noch 
einige Züge dieser Gattungen bewahrt haben (z. B. die 
Stellung der Subcoslaläste, das Fehlen der Präcostale, 
das Einmünden der Adern in die Einschnitte des Aus- 
senrandes, nicht in die Kerben). Das auffälligste Beispiel 
bietet indessen die Gattung Eronia äiv. In diesem merk- 
würdigen Pieridengenus, dessen Arten schon eine Zu- 
sammenwürfehmg der fremdartigsten Formen bilden, ha- 
ben wir ganz bestimmte Anklänge an die Lycaenen und 
Danaideii: an die erste Familie durch die zarte Pontia- 
ähnlichc E. Pharis; an die Danaiden durch die indische 
Valeria-Gruppe, welche , sich nicht allein im Geäder dem 
Danaiden-Typus nähert, sondern auch in den ^9 For- 
men ihnen äusserlich völlig gleicht. Wenn nun vielleicht 
auch diese letztere Thatsacho eher auf eine Nachahmungs- 
erscheinung zurückgeführt werden muss, so finden wir 
doch bei Eronia den specifischsten Danaiden-Charakter, 
nämlich die an der Basis zweispaltige Submediana, unter 
allen Pieriden am deutlichsten ausgeprägt, wie folgende 
Nebencinanderstellung zeigt: 





Lnteier Theil eines Vorderflägels 
von Ei'unia Ai'j;i;i. 



Derselbe von 
Danais. 



Auch die so charakteristische Spiegelbildung der männ- 
lichen Euplöen zeigt sich noch in einigen Eronia-Arten 
erhalten, besser aber in den Dismorphieii, welche viel- 
leicht den Neotropiden gegenüber in einem ähnlichen Yer- 
hältniss stehen. 

Ausserdem giebt es noch unter den Pieriden einige 
Formen, welche speziell gewissen Ilcliconiern und Acraeen 
gleichen, doch sind dies sicherlich Fälle der Nachahmung, 
wie sie aucli in anderen Familien vorkommen und welche 
nichts mit der Stammesverwandtschaft zu thun haben. 



Allgemeine Geschichte der Gattungen. 

Es ist gerade bei dieser Familie ausserordentlich lehr- 
reich, die Geschichte der Gattungen seit Linne's Zeiten 



*) Wu' erwähnen gleich hier, dass die von Rutler in den 
Transaet. Ent. Soe. 1874 neu aufgestellte Pieiiden^aitung Lari- 
nopoda (wekhe auch von ICirby in seinem Nachtrage zum Cata- 
loge der Tagsehmetferlinge als solche aufgenommen worden ist) in 
der That nichts anderes als eine Liptena, also eine echte Lycaenide 
ist, wie dies unzweifelhaft die (^^q -Vorderfusse beweisen, welche 
wir an einem in der Staudinger'sehen Sammlung befindliehen 
Exemplare aus Gabun genau untersuchen konnten. Butler 
stellte seine Gattung nur nach einem weibliehen Exemplare 
auf und so ist es wohl erklärlich, dass er eine Ljcaene 
für eine Pieride hielt, da auch die QQ der Lycaenen in der 
Palpenform und den Vorderfüssen hinlängliche Meikmale besitzen, 
die sie von den Pieriden unterscheiden lassen. — Man vei'gleiche 
auch darüber das bei Liptena Gesagte. 



zu vpifoigen, da s'ch die Trennung derselben ganz all- 
mähüeh innerhalb eines Zeitraumes von 100 Jahren voll- 
zogen hat, während dies bei den anderen Familien mehr 
sprungweise geschah. 

Die Pieriden stellen bei Linne die Dana! candidi 
vor, im Gegensätze zu den Danai festivi, welche unsere 
heutigen Danaiden begreifen. Erst Fabricius spaltete 
diese Gruppe weiter und stellte für die Pieriden 2 Genera 
auf: Fontia und Colias, deren Charaktere nur auf Füh- 
ler und Palpen begründet waren. lii der That lassen sich 
fast sämmtliche Pieriden zwanglos auf dies(> beiden Ur- 
typen zurückführen. 

Latreillo zweigte gar keine neuen Genera ab, cha- 
rakterisirte die beiden alten aber noch schärfer, indem er 
den Raupen- imd Puppenzustand in Betracht zog. Von 
nun an lässt sich bis auf unseie Tage eine schrittweise- 
Theilung dieser beiden Ilaupttypen verfo'gen, je mehr 
das Material aus den Tropenländern sich häufte und die 
Untersuchungsmethoden strenger wurden. 

Leach trennte üonojpterijx von Colias, Dalmann 
Leiitalk, Swainson Euterpe nnd Teracolus von Pieris 
ab, welch' letzterer Name von Schrank schon früher als 
der Fabricius'sche Pontia für diese Gruppe gebraucht 
wurde. 

Jae. Ilübner stellte eine grosse Menge Gattungen 
auf, von denen sich nur einige, wie Eronia, Delias, Eii- 
rema, erhalten haben. Boisduval treimte A\q Antlioclinris- 
Arten von Pieris, stellte IdmaiK, NathaUs, Thestias und 
Iphias (die beiden letzteren bereits von Ilübner unter 
llelomoia und Ixias als Genera eikannt, aber erst von 
Boisduval eharakterisirt) auf, und gab den alten Fabri- 
ciu-'schen Namen Fontia einer kleinen Gruppe des Genus 
Pieris; auch sonderte er die Callidri/ndfiii und Dercas 
von der Colias-Gruppe ab. 

Doubleday behielt in seinen „Genera" die meisten 
Boisduval' sehen Gattungen bei, trennte aber einige in 
Unterabtheilungen, die jetzt allgemein als Genera betrach- 
tet werden, wie z. B. Callosune md Eroi'ssa von Antho- 
chai'is und Leacidia von Eurenia. 

Ilerrich-Scliäffer benutzte hauptsächlich das Geäder 
und gründete auf den Unterschied desselben Fereute,. 
Pkulia und Midea. Felder stellte Elodina und Ihspe- 
roclinris, Eeakirt die amerikanischen Gattungen Kriko- 
(jonia und Mcganostoina auf, welche bis dahin mit Colias 
und Gonopteryx veieinigt waren. 

Wallace bearbeitete in ausführlicher Weise die Pie- 
riden der üsthchen Tropen und stellte 2 neue Genera: 
Tacliyi-is imd Frioneris aus der alten Gattung Pieris auf. 

Butler veröffentlichte 1871 seine „Revision of the 
Pioridae" und trennte darin hauptsächlich das Genus 
Pieris in mehrere neue Genera, auch bearbeitete er spä- 
ter die drei grossen und schwierigen Genera Teracolus, 
Idmais und Callosune und zog sie in eine Gattung zu- 
sammen. Seine Ansichten über die Grenzen der generel- 
len Charaktere werden nicht von allen Entomologen ge- 
theilt und werden wir das Nähere über diese neuen 
Gattungen bei den betreffenden Genera selbst bringen. 

Neueren Datums endlich sind die von Staudinger 
aufgestellte interessante Gattung Styx, die merkwürdige 
Fseudopontia von Plotz und die von Ch. Oberthür 
zuerst als Papilionide beschriebene Davidiiin. Eine neue 



54 



PIEEIDEN. 



Gattung, Fhijllocharis, ist vom Verfassen- in diesem AVeilce 
aufgestellt und charakterisirt. 

In der folgenden Bearbeitung nehmen wir 4] gut 
umschriebene Genera an mit rn. 950*) Arten, deren Ver- 
breitung wir nun in allgemeinen Zügen und etwas genauer, 
als es in der Einleitung geschehen konnte, darlegen wollen. 



Geographische Verbreitung der Pleriden. 

Die Pieriden sind eine absolut cosmopolitisehe Familie 
und werden überall gefunden, wo nur die geringsten Be- 
dmgungen für animalisches Leben vorhanden sind : in der 
afrikanischen "Wüste sowohl, als auch auf dem mit ewi- 
gem Schnee bedeckten Himalaja und den Andenketten. 
Sie dringen von allen Schmetterlingen am weitesten in 
der arktischen Zone vor und unter den gemässigten 
Himmelsstrichen gehören sie zu den häiafigsten Erschei- 
nungen. Was die Individuenzahl einzelner Arten betrifft, 
so ist diese grösser als bei irgend einer andern Familie ; 
sie können selbst unter günstigen Bedingungen zur förm- 
lichen Landplage werden. Ihren höchsten Betrag an Spe- 
zialität erreichen sie abe- erst in den Tropen, wo sie an 
Farbenpracht mit den schönsten Arten anderer Familien 
welteifern. Denn obwohl auch die Pieriden der Tropen 
im allgemeinen das bescheidene Kleid unserer „Weiss- 
linge" als Grundfarbe tragen, so gesellen sich hiezu doch 
die feurigsten gelben, rothen und orangefarbenen Tinten, 
welche mit Schwarz verbunden alle möglichen Farbentöne 
■und Muster hervorbringen. Grüne Farben treten nur auf 
■der Eücksfite der Flügel auf. Dagegen fehlt den Pieri- 
den das reiche ßothbraun der Nymphaliden und das glän- 
zende Blau der Lycaenen und Morphiden, mit einigen 
wenigen Ausnahmen, bei denen aber diese Farbe nur in 
•einem matten, abgestumpften Tone auftritt. 

Das Vorkommen eines rein violetten Farbtones bei 
■einigen Arten dieser Familie {Callosune Jone und i erw.) 
ist auch eine bemerkenswerthe Thatsaohe und um so in- 
teressanter, a's diese Farbe in der Thierwelt zu den 
grössten Seltenheiten gehört — unter den Tagschmetter- 
lingen, soviel uns bekannt, vielleicht der einzige Fall — 
während die violetten Blüthen in der Pflanzenwelt eine 
ganz gewöhnliche Erscheinung sind. 

Die geographische Verbi'eitung der Pieriden bestätigt 
die in der Einleitung begründete Ansicht über den wahr- 
scheinlichen früheren Zusammenhang von Nordamerika 
mit Asien vollkommen, indem wir in Nordamerika nicht 
allein eine ganz ähnliche Pieriden-Fauna wie in Europa 
und Nordasien, sondern auch einige beiden Erdtheilen 
gemeinsame Arten finden. In Südamerika dagegen er- 
reichen die Pieiiden einen so hohen Betrag von Spezia- 
lität, wie in keinem anderen, räumlich weit grösseren Be- 
zirke der Erde, denn über die Hälfte aller Gattungen 
kommen hier allein vor und mehr als i/s derselben sind 
ihm eigenthümlich. Um ein' klares Bild der ganzen A'er- 
Ijreitung zu geben, wollen wir, mit dem bekannteren be- 
ginnend, zunächst das sog. europäische Faunengebiet in 
wenigen Zügen schildern Tind hieran die Fnunengebiete 
der anderen Länder anschliessen. 



*) Durch einen Druelifehler sieht Sei'e 22 in der geograi'hischen 
A'erhreitung 850. 



Europäisches Faiineiigebict. 

(Palaearktisches Gebiet.) 
Trotz seiner grossen räumlichen Ausdehnung ist dieses 
Gebiet im Vergleiche mit anderen arm an Gentri und 
Arten, da nur einige 70 Pieriden als Bewohner desselben 
bisher bekannt geworden sind, die sich auf folgende 12 
Genera voitheilen: 

cn. 20 Alten auf Pierin, 
ca. 29 „ „ Colias, 

4 „ „ Phyllocliaris, 

9 „ „ Antliocliaris; 

4 „ „ Gonopteryx, 

2 „ „ Zegris, 
1 „ „ Idinais, 

1 „ „ Micha, 

2 „ „ Mesapia, 

1 „ „ Davidina, 

2 „ „ Eurema. 

2 „ „ Leucophasia. 

Dagegen besitzt es 3 ihm eigenthümliche Gattungen: 
Leucophasia, deren nächste Verwandte wir erst in Dis- 
morphia von Südamerika wieder finden, und Mesapia und 
Davidina, zwilH ochlandsgattungen aus den thibetanischen 
und chinesischen Gebirgen an den änssersten Grenzen 
der Region. 

Die Fauna von Mitteleuropa und speziell Deutschlands 
setzen wir als bekannt voraus und erwähnen nur, dass 
sich die Anthocharis- Arten nach dem Süden hin vermeh- 
ren und hier erst Zegris und Idmais auftreten. Letztere 
ist eine speziell afrikanische Gattung, welche ihren letz- 
ten Ausläufer, die bekannte Idmais Fausta, in das süd- 
östliche Faunengebiet sendet. 

Es treten nun, j(! mehr wir uns der Tropenzone nähern, 
immer neue Formen hinzu, bis endlich unter dem Aequa- 
torialgüitel Afrikas und Asiens der Höhepunkt erreicht 
wird. 

Afi'ikaiiisclics Fauncngebiet. 

Afrika besitzt ungefähr dieselbe Zahl an Gattungen 
(12, darunter 2 eigenthümliche), aber bereits gegen 200 
Arten, welche zum grössten Theil anderen Formen ange- 
hören, als sie das palaearktische Gebiet bewohnen. Ea 
treten neu hinzu : Lktllositn -, Idviais und Teracolus, die 
letztere nur 1 Art enthaltend, aber Afrika eigenthümlich, 
während Callosune und Idmais, welche die Anthocharis- 
Porm der gemässigten Zone dai stellt, hier das Haupt- 
centrum ihrer Entwicklung haben und namentliuh Callo- 
sune durch eine Menge von Arten für Afrika ausserordentlich 
charakteristisch ist. Beide senden einige Zweige bis in 
das indische Gebiet, Idmais sogar eine Art in das südliche 
palaearktische, während Puatia der ganzen afrikanischen 
und indischen Region angehört und selbst bis Nord- 
australien vordringt. 

Die interessanteste afrikanische Pieridengattung ist die 
Pseudoponfia mit der einzigen Art P. Paradoxa, welche 
völlig isolirt dasteht und Afrika durchaus eigenthümlich ist. 

Von den Bewohnern Indiens finden wir Eronia und 
Taclijjris, aber in der Form etwas modificirt und den 
verschiedenartigen Verhältnissen angepasst, hier wieder, 
ebenso auch die Gattungen Eurema und Gallidryas, welche 
der ganzen tropischen Zone eigen sind. 



PIP]EIDEN. 



Von den aus der ouropiiischen Fauna her bekannten 
Gattungen entwickelt sich noch die überall vorkommende 
Pieris ziemlich zahlreich, aber in einer von unserer 
europäischen Form abweichenden llichtung, und Colias. 
die letztere aber nur in einer Art.. 

Ein merkwürdiger Zug hi der Flügelförbung zeichnet 
auch die afrikanische Pieridonfauna in ganz auffallender 
Weise vor den Pieriden anderer Gebiete aus, niimlich 
durch das Vorwalten jenes eigenthüinlichen röthlich-gelben 
Falbentones, welcher unwilikührlich die Erinnerung an san- 
dige Wüstenstrecken wachruft. Mehr oder minder findet 
man diese Fiirbung fast in allen Familien bei einzelnen 
Arten wieder, am auffälligsten und in grosster Concen- 
tration bei den Aoraeen (dem sog. Aeraeenroth). Es ist 
dies ein so charaktei-istisches Merkmal der afrikanischen 
Schmettcrüngsfauna, dass man daraus fast mit Sicherheit 
das Vaterland ei'kennen kann, und hängt vielleicht mit 
dem wüstenartigen Charakter eines grossen Theils des 
Landes zusammen. 

Indo-axistriilisches Faimciij^ebiet. 

Auch hier wie in der Folge überhaupt haben wir der 
Übersichtlichkeit halber die beiden grossen Faunengebiete 
der östlichen Halbkugel, Indiens und Australiens, in eines 
zusammengezogen. Die Anzahl der Pieriden-Gattungen, 
welche hier voikommen, beträgt bereits 20 und an Arten 
sind bis jetzt gegen 250 beschrieben worden, eine hohe 
Zahl, welche nur von Südamerika übertroffen wird. 

Speziell eigenthümlich dieser Fauna sind die Genera: 
Bellas, I'rioiieris, Helomoia, Ixias (mit nur einer ab- 
irrenden Art in Afrika, deren Zugehörigkeit zu dieser 
Gattung indesssn zweifelhaft ist), Dercas und Elodlna. 
die letztere nur auf Australien, Celebes und die Papua- 
Eegion beschränkt. 

Die Gattungen Eronln und TacJiyrls verbreiten sich 
auch bis Afrika, und von den beiden allgemein tropischen 
Gattungen Ehtouki und Gallldrijas finden sich zahlreiche 
Vertreter in dem ganzen Faunengebiete. Pieris, die zahl- 
reichste Gattung der Familie, ist ausserordentlich ■ stark 
entwickelt und auch von Goiwptei-yx und Colias haben 
wir einige Arten zu verzeichnen. Die speziell für Afrika 
charakteristischsten Genera Gallosune und Idwais senden 
einige Zweige bis in den malayischen Archipel, Pontia 
verbreitet sich bis Nordaustralien, 

Die höchste Entwickelung sowohl an Artenzahl, als 
an Farbenpracht erreichen die Pieriden im malayischen 
Archipel, da hier einige Formen von ausserordentlicher 
Grösse und mit den feurigsten rothen Tinten geschmückt 
vorkommen. Nur noch in dem südamerikanischen Ge- 
biete findet sich ein ähnlicher Eeichthum wieder. 

Südamerikanisches Faiiiiengebiet. 

Dasselbe steht in sofern allen übrigen Gebieten voran, 
als es den höchsten Betrag an Spezialität zeigt, indem 
nicht allein die Hälfte der Gesamm.l menge aller Gattungen 
überhaupt dort vorkommt, sondern von diesen 13 ihm 
allein eigenthümlich sind. Auch in der Artenzahl über- 
ragt dieses Gebiet die übrigen Faunen beträchthch, da 
Ijereits gegen 400 Arten beschrieben sind, also fast eben- 
soviel, als die drei östlichen Tropengebiete zusammen 
besitzen. 

Von den eigenthümlichen Gattungen Südamerikas sind 



die nur aus je ! Art bestehende PhuUa und Erorssa auf 
das chilenische Hochgebirge, und 8caltdo)ieura auf Peru 
beschränkt; zwei andere, ebenfalls mit nur je 1 Art, ha- 
ben eine sehr beschränkte Verbreitung: Eucheira in Süd- 
Mexiko und Styx, eine der merkwürdigsten Tagschmet- 
terlinge und vollkommen isolirt in der reichen Tropen- 
fauna stehend, in Süd-Peiu, während Leucidia, Hespe- 
roc/iaris, Per. Ute, Ärchonias und Daptonoura über das 
ganze Gebiet verbreitet sind. Die eigenthümliche Gattung 
Dismorpjhia. (wohl das am meisten nachahmende Genus) 
erreicht im Amazonengebiete seinen Höhepunkt. Kriko- 
gonia, Nathalis und Meganostoma senden einige Arten in 
das benachbarte südliche Nordamerika. Von den cosmo- 
pohtischen Gattungen findet sich Pieris in grosser Arten- 
zahl, Colias auf den Hochlanden Chiles und selbst auf 
dem südpolaren Feuerlande, G-onoptenj.r am Amazonen- 
strome und hier zu ungelieurer Grösse entwickelt. Die 
beiden bekannten tropischen Gattungen Eurenta und Cal- 
lidryas sind in grossartiger Weise vertreten und überall 
häufig zu finden. 

Ein bemerkenswerther Zug in der südamerikanischen 
Pieridenfauna besteht darin, dass sich zwischen ihr und 
der indoaustralischen Fauna parallele Formen finden, welche 
sich gegenseitig zu vertreten scheinen. 

Die im Osten so zahlreichen Tachyris-Arten z. B. 
werden hier durch die ebenso zahlreich entwickelte 
Daptonoura, die Gattung Delias durch die ebenso farben- 
reichen Permite- kxtBu ersetzt. Es ist auch interessant, 
dass einige Gattungen Repräsentanten aus dem jeweilig 
entgegengesetzten Faunengebiete besitzen, wie z. B. die 
rein östliche Tachyris in der südamerikanischen T. Iluire, 
die sonst nur auf Brasilien beschränkte Leucidia auf der 
kleinen Insel Timor (Sunda-Iiis.) in der Leucid. Inij)ura 
einen Vertreter hat. (Dieser letztere Fall ist indessen etwas 
zweifelhaft). 

Die afrikanischen Gattungen Callosune und Idmais da- 
gegen fehlen hier gänz'ich, besitzen aber in der chilenischen 
Gattung Eroessa einen nahen Verwandten. 

NoiHlamerikaiiisclies Fannengcbiet. 

Das nordamerikanischc Faunengebiot sclihesslich zeigt 
in seinen nördlichen Distrikten einen durchaus europäischen, 
im Süden einen subtropisch-südamerikanischen Charakter. 
Es kommen hier nicht allein fast alle europäischen Gat- 
tungen, sondern auch einige wirklich europäische, oder doch 
ganz nahe verwandte Arten vor. Nur die Gattung Leu- 
cophasia fehlt hier vollständig und dies ist um so auf- 
fallender, als wir deren nächste Verwandte, die Dismorphien, 
in Südamerika antreffen, von denea Leucopliasia zweifel- 
los abstammt und daher auch vor ihrer Einwanderung in 
das palaearktische Gebiet Nordamerika bewohnt haben muss. 
Speziell charakteristisch ist nur das Genus Neophasia 
(jetzt von Pieiis getrennt) und Midea, welches aber nicht 
auf Nordamerika allein beschränkt ist, da eine Art in 
Japan gefunden wird. Die Zahl der nordamerikanischea 
Pieriden beläuft sich auf einige 50 Stück, welches gegen- 
über dem palaearktischen Gebiet eine Differenz von circa 
20 Arten ausmacht. Am zahlreichsten ist die Gattung 
Colias mit Qa. 20 Arten vertreten, welche nördlich bis 
an die äusserste Grenze animalischen Lebens vordringen 
(Col. Boothii). Diesen Fall hnben wir auch in der süd- 



56 



PIEEIDEN. 



amerikfinischcn Polar-Faiinn, wo noch die Col. Lesbia 
gefunden wird. 

Durch die eigenthümlicho Lage Nordamerikas erklärt 
es sich ferner, dass einige sonst nur tropische Gattungen 
Südamerikas, wie Eurenia und Merjnnosfoma, bis in die 
höheren nördlichen Regionen durch Arten vertreten sind. 



Indem wir uns nun vom allgemeinen zum speciellen 
Theil wenden, wollen wir noch kurz beme;ken, dass wir 
versucht haben, die Pieriden der leichteren Übersicht 
wegen in 4 grössere Gruppen zu theilen. Nur die Gattung 
Styx nehmen wir hievon aus, da dieses merkwürdige 
Genus in jeder Beziehung so vereinzelt dasteht und so 
wenig Verwandtschaft zu den übrigen Pieriden zeigt, dass 
es besser gesondert beschrieben wird. 

Die übrigen Gattungen lassen sich schon nach ihrem 
Habitus auf die beiden ursprünglichen Fabricius'schen 
Typen zurückführen, denen wir noch 2 weitere Formen: 
Anthocharis und Verwandte, sowie die Dlsmorphiden zu- 
gefügt haben. 

AVir erhalten so vier Gruppen: 



I. Dismorphiden 
IL Eigentl. Pieriden 

HL Dryaden 

IV. Cliariden 



(Typus Dismoi'phia Hübn.) 
(Typus Pieris Sehr.) 
(Typus Catopsilia Hübn.) 
(Typus Anthocharis Boisd.) 



Die unterscheidenden Charaktere derselben sind im 
alln-emeinen gut ausgedrückt, aber bei einigen Gattungen, 
welche eine Mittelstellung zwischen 2 Gruppen einnehmen 
(z. B. Eurema, Hebomoia, Eronia) bedürfen dieselben doch 
einer Ero-gnzung. Dies wolle man bei der Bestimmung 
der Genera mittelst der Schlüssel im Auge behalten. 

I. Styx Stgr. (1 Art.) 

Taf. 4. St. Infernalis Stgr. J. 
a. Fühler h. P.ilj-'C, c. Flügelsi^hnppe, d. Tarsus des Vordeifiisses. 
e. einzel.ie Kl:iue i desselben. 
Nur mit grosser Zurückhaltung stellen wir dieses 
merkwürdige Genus unter die Pieriden, mit denen es 
wohl eine gewisse Ähnlichkeit hat, sich aber durch 
sehr wichtige, von der ganzen Famihe abweichende Cha- 
raktere unterscheidet. Eher stimmt dasselbe mit den 
Ervciniden überein, und wir würden Styx daher unbe- 
denklich zu dieser Familie rechnen, wenn die J'o nicht 
vollkommen entwickelte Vorderfüsse hätten. Diese sind 
zwar ebenso wie auch bei den 59- fast um die Hälfte klei- 
ner, als die Mittel- und Hinterfüsse und also im gewissen 
Sinne auch etwas verkümmert, aber sie besitzen einen 
vollkommen ausgebildeten Sgliedrigen und mit 2 einfachen 
Klauen versehenen Tarsus, während der c^- Tarsus der 
Eryciniden vollständig verkümmert ist, ohne Ghederung 
und ohne Klauen. In dieser Hinsicht stehen sie auf glei- 
cher Stufe, wie die 59- Vorderfüsse der Eryciniden, 
welche ebenfalls um die Hälfte kleiner als die übrigen 
Püsse, aber ebenso vollkommen wie diese sind. Die Vor- 
derfüsse der Pieriden hingegen sind fast gleich, oder doch nur 
wenig kürzer wie die übrigen, sowohl im O als 9 ^^' 
schlecht, und tragen ausnahmslos zweispaltige Klauen. 



Stellen wir die hauptsächlichsten Chiraktcre beider 
Familien gegenüber und vergleichen wir damit diejenigen 
von Styx, so ist unzweifelhaft, dass die SEchrzahl dersel- 
ben auf die Eryciniden passt: 

Pieriden. 1 Styx. 1 Eryciniden. 



Alle H Fmapaure vjU-\ q imd Q Vorder- 
loniiuenausf/eOUdet Vor- derfüsse ausfiehiUlet^ aber 
derfüs^e nur irenil'j hür- nur halb so lauf] als die 



?:cr als die ührvjcii. 
Klaueil T.ireispallij- 
VDC die ^fedtana 
stets im JjuJ-, am Ur- 
spritivj des 3ten Astes 
treffend. 



Innenrand stark ent- 
V'wLelt, in der Ihdie den 
Jlhiterieib bedeekend. 

SM der Vdfl. an der 
Uasts selten 2spaltirj. 

SC der IJtfl. stets an 
der Basis mit der C'o- 
stale vtrwaehsen. 



iihrifjen. 

Klauen einfach. 

UDC iVe Mullana am 
Ursin'unrj des '2ten Astes 
treffend. 



Jnnenrand scliiraeh 
entiüickelt, den Hinterleib 
nicht bedeckend. 

SM der Vdfl. an der 
Basis 2spaltij. 

SC an der Basis j 



Q Vonlertnsse rer- 
kiliiunert., 9 Vorderf/tsse 
aus^ebtUlet, aher nur halb 
»> lanij als die ubrü/en. 

Klauen einfach. 

('PC die Mediana in 
der Melirzahl am J^r- 
sprunfj des 2 ten Astes 
treffend, selten im Bu(j 
fXeTneuljünen., KttsslaslU 
neu). 

Innenrand in der 
r/rös<t3n Mehr;:ahl nur 
.achtfach entivijkelt. 

SM an der Basis stets 
^spaltuj. 

SC an der Basis in 
der fjrvssten Mehrzahl 
]frei (Lemoniiuen undEu- 
\selasilnen), rericaehsen 
nur hei yemeobiincn. 

Aus dieser Vergleichung lässt sich entnehmen, dass 
mit Ausnahme der entwickelten OO Vorderfüsse die 
sämmtlichen hervorragenden Charaktere auf die Eryciniden, 
und zwar auf die Unterfamilie Lemoniiuen passen, von 
denen sie aber unbedingt durch die o o Vordeifüsse ge- 
trennt sind.*) 

Zur Zeit ist die Frage, ob Styx vielleicht besser eine 
eigene Familie für sich bildet, etwa in dem Range der 
Libythecn, noch nicht zu entscheiden, da über die frühe- 
ren Zustände bis jetzt absolut nichts bekannt ist. .Nur 
soviel ist s'.cher, dass diese Gattung dem Schmetterling 
nach weder eine Pieride noch eine Erycinide ist, sondern 
nach ihren Charakteren zwischen beiden Familien steht. 

"Wir stellen sie daher an den Anfang der Familie, um 
ihre Ausnahmsstellung zu kennzeichnen und geben in Fol- 
gendem die generellen Charaktere etwas genauer, als es 
für dieses Werk sonst üblich, da sich auch in minder 
wichtigen Organen Eigenthümlichkeiten finden, die wir 
bis jetzt nur bei Styx beobachtet haben. 

Kühler robust, klein, nn/jefähr ein Drittel so lan^j als die Vdfl., mit deiä- 
llch abgesetzter länjlicher, innen aus^eJiöhlter., aus S Gliedern zu- 
samme'ngesetzter Kolbe. 

Bülpien sehr klein, gebogen, mit einzelnen steifen Haaren be.^elzt, Mtttel- 
und Basalglied fast zusammengewachsen, gegen das Ende all- 
mählich schwächer -werdend, Endglied sehr fdein, fast rerküminert, 
längllcli. 

Vdfl, mit gerader, etwas über die Zelle kinausgeliender Costale und öästiger 
Suhcostale, deren erster Ast kurz vor dem ZelleruLe, der zweite in 
gleicher E.Uternung danach, der dritte ungejälir in zwei Drittel Ent- 
fernung von Fliigelspitze entspringt, Ast 4 und 5 eine l:urze Gabel 
bildend, deren letzter Ast in die Sjrltze mündet. Obere Badiale 
an der Basis bis über den zweiten Suicostalast hinaus rertcachsen, 
daher ODC felilend. 3IDC und UDC ehien starken Bogen naeh 
innen bildend und die Mediana genau am Ursprung des ziceiten. 



*) Leider war es uns nicht möglieh, Styx noch auf ein anderes 
charakteristisches Merkmal der Lemoniinen, nämlich auf das eigeu- 
lliümliehe, fast borstenartige Organ am Grnnde der Hifl. zu unter- 
suchen, da dies nur bei abgeschuppten Exemplaren deutlieh sicht- 
bar ist und uns von dieser ausserordentlich seltenen Art kein eigenes 
Exemjdar, %Yelches wir gern geopfert hätten, zur Verfügung stand. 



PIEEIDEN. 



57 



Asfen trej/eiiJ, ilalier Zelle lawj und schmal, am oberen Ende aus- 
(jc-ichniUen. l'DC etiran länt/er als MDC, 2 kurze blinde Ader- 
fiirtsüLze in die Zelle sendend. Submediana an der Ilasis zzceispaltlg. 

II'jl. iiiit kurzer, am Ende 2jablifjer Custalader*) und nach innen gehogener 
PC, veUhe sich nach SC abzioeigt Svhcostale am Ursprung frei; 
obe)-e Itadiale als zicelter Ast der Sulcosialader erscheiiicnd und in 
gleicher ItlcJduag tele diese. ODC sehr klein, a^ier deutlich vor- 
handen. MDC und UDC in gleicher liichtanj und die Mediana 
unmittelbar nach dem Ursprung des 2fen Asfes trefend. 

Q und Q- VurderJhSserongleiiherLänge. kurz, nur halb so lang als die übrigen, 
dicht beschuppt, Fetnur in der Mitte vei'dickf, nur venig grösser als 
Tlbia und diese ron gleicher Länge wie Tarsus. Tarsus ögliedrig, 
das Ite Glied so lang, als die S folgenden, Endglied ebenso lang 
als erstes Glied, am Ende mit 2 kurzen einfachen Klauen, breitem 
IIa/tkis.sen und schmalen Anhängsel versehen, dos 2te, Ste und 
4te Glied ani-Grunde mit einem. Paar luizer Domen besetzt. 

Mittel- und Hinterfüsse stark, Eemur in der Mitte rcrdukf, ron gleicher 
Länge icie Tibia, Tarsus nur icenhj kürzer als letztere. Erstes 
Glied sj lang als die iibrigen zusammen, Endglied mit zwei 
einfachen, gebogenen Lvlauen, breitem tnchter artigen Ilafikissen und 
lanzettförmigen Aahä.igsel. Djr ganze Tarsus luiterscits mit 2 
Ileihen kurzer Dornen besetzt. 



Die einzige bis jetzt bekannte Art, der Sti/x Tnfer- 
nalis Sfgr.. ist ein mittelgrosser, einfach graug-ef-irbter, 
halbdurchsichtiger Schmetterling, in der Mitte der Flügel 
weissUch überflogen, welcher etwns in der Fliigelforni an 
die Parnassier erinnert. Aber mit diesen ist er wohl in 
keiner Weise veiwandt. Dies zeigt schon die merkwürdige 
Foim der Schuppen, welche von der runden Gestalt jener 
der Parnassius-Avten ganz abweichen, schmal, Ijinglich und 
an der Spitze tief ausgehöhlt sind. (Fig. c.) 

Die Gattung Styx gehört sicherhch als letzter über- 
lebender Zeuge einem längst ausgestorbenen Formenkreise 
an. Der einzige Fundort dieses merkwürdigen, in den 
Sammlungen noch äusserst seltenen Schmetterlings ist am 
Chanchamnyo im südöstlichen Peru. 



Gruppe I. Dismorphiden. 

FUliler zart, mit allmähUcli cerdickter, spindelförih iger oder 
stark abgesetzter knopffönnigcr Kolhe. Palpen kurz, nicht 
über, den Kopf hervorragend, oberseits und seitlich kurz 
beschtippt, vorderseits behaart. Mittel- vnd E)tdglied sehr 
klein. Subcostale öästig. Präcusiale vorhanden. 

Diese Gruppe steht unter den Pieriden vüllig isolirt 
da und enthält nur die beiden Gattungen Dismorphia 
und unsere europäische Leucophasia. Von den typischen 
Pieriden unterscheidet sie sich leicht durch die 5ästige 
Subcostale, deren Aste alle sehr kurz und in gleichen 
Entfernungen von einander abgezweigt sind, und durch die 
durchaus verschiedenen Palpen. 

Leucoi)hasia Palaearktisches Gebiet. 

Dismorphia Südamerika. 

2. Leucophasia Steph. (2 Arten) 

Taf. 4. L. Sinapis L. 

a. Palpe, b. Fühlerkolbe, c. Fusskliueii. 

Der Charakter dieser allbekannten Gattung liegt in 

der unverhältnissmässig kleinen Jlittelzelle, welche nur 

i/i der Fliigellänge eireicht, der öästigen Subcostal- 



') Dieser Charakter selieint eonsfant zn sein; wir haben ihn 
bai allen 3 nrs zugilngUehen Exemplaren (2 (^ und 1 O) gefunden. 



ad er, deren Äste alle nach dem Zell ende und in glei- 
cher Entfernung von einander entspringen, und der frei 
entspringenden oberen Radialader (Unterschinl von 
Pieris). Von der folgenden Gattung Dismorjihia, mit 
we'cher sie im Geiider und in den Palpen die grösste 
Aimlichkeit besitzt, wird sie leicht durch die kleine 
Mittelzelle und die geknöpften Fühler unterschieden. 
Die beiden bekannten Arten, /!. Sinapis L. und L. 
Bupoucheli Stgr., gehören ausschliesslich dem palaeark- 
tischen Faunengebiet an und stehen unter den Pieriden 
der östlichen Halbkugel ganz vereinzelt da, weil sie keine 
n.ähere V^erwandtschaft zu irgend einer andern Pieriden- 
gattimg dieses Gebiets besitzen. Ihr Vorkomme;! im 
europäischen b'aunengebiet wäre deshalb ganz unverständ- 
lich, wenn wir nicht in der folgenden Gattung Dismorphia, 
mit welcher sie eng verbunden ist, den ScliKissel hiezu 
hätten. Die Eiklärung dieser Thatsache haben wir kurz 
in der Ein'eitung zur allgemeinen geographischen Ver- 
breitung der Schmetterlinge angegeben. Es kann daher 
kaum auffallend erscheinen, dass wir halbwegs zwischen 
Amerika und Europa, in den Amur-Gebieten, eine Varie- 
tät der Sinapis antreff jn, bei welcher sich nocli ganz deut- 
lich die für die meisten Dismorphiden so charakteristisch 
sichelförmig umgebogene FiiigeUpitze cilia'tcn hat. 

3. Dismorphia Hübn. (ca- so Arten.) 
(Leptalis Dalni.) 

Taf. 4. D. Nehemia Boisd. ü. Fahler, b. Palpe. 
D. Arsinoe Feld. a. Fühle'-. 

Die hiezu gehörenden Arten weichen mit Ausnahme 
einer kleinen Gruppe (Nehemia und deren Verwandte, 
siehe I. Theil Taf. 15) so ausserordentUch in Flügelform 
imd Färbung von allen Pieriden ab, dass man sie auf 
den ersten Blick sicher nicht für solche halten würde; 
denn bei keiner engeren Gruppe der Tagfalter ist, der Trieb 
zur Nachahmung anderer Formen so entwickelt wie hier. 

Es gibt Arten, welche Ithomien, Heliconiern oder 
Acraeen auf ein Haar gleichen; andere wieder tragen sich 
mehr wie nahe Verwandte aus der Familie selbst, z. B. 
die Eurema- ähnlichen Formen; oder die Nehemia-Gruppe, 
welche ganz wie mittelgrosse weisse Pieriden aussehen; 
wieder andere gleichen durch die enorm entwickelten 
Htfl. gewissen Orthopteren, so dass es in der That ganz 
unmöglich ist, ein allgemeines auf Habitus, Flügelform 
oder Färbung sich beziehendes Bild dieses interessanten 
Genus mit wenigen Worten geben zu können. Wir be- 
schränken uns deshalb darauf, den Leser auf die im I. 
Theile abgebildeten Arten zu verweisen, welche die hervor- 
ragendsten Typen der Gattung darstellen. 

Der Hauptcharakter, welcher Dismorphia am besten 
von allen übrigen Pieriden unterscheidet, (mit Ausnahme 
der vorhergehenden Leucophasia) ist die 5 ästige Sub- 
costalader, deren kurze Aste in regelmässigen Ab- 
ständen von einander sich abzweigen und schief 
in den Vorderrand münden. Auch ist die papilio- 
nenartige Stellung der UDC, wodurch die untere 
lladiale als 4ter Medianast erscheint, für diese Gattung 
ausserordentlich chaiaktcristiseli. We;te;'e Merkmale sind 
die folgenden : 

Palpen kaum iilier Jen Kojif herrorra'/end, vrnlerstiti dicht behaart, 
mit tanfjein-, sehi-'ach r/ehof/eneti lia-ialjUed, ht<:lneM ländlich- 



58 



PIEEIDEN. 



eifürnüijen Mittelijlied, und sehr hUhiini. ei- oder Inopfiörimjen 
EndfjRed. Basalglied an den Seilen und auf dem Blichen mit 
einzelnen Srln-]Y(n besetzt. 

Fühler sehr zart, lang und dünn, ganz allmählich in eine 
si'indelförmige Kolhe iiberg.thend (Unterschied von Leu- 
cui.ha.ia). 

Torderfl figel von sehr verschiedener Form, normal oder vei-längert, 
eifijrmig, zugespitzt, sichelförmig oder abgeritndet, mit langer und 
schmaler Zelle. Dir erste Subcostalasl in seiner Stellung ver- 
schieden, entu-eder vor oder nach dem Zelkfiule entspringend, öfters 
mit der Costale reru-achsen (Taf. 4. D. Arsinoe). ODC ineisl 
vorhanden. Mein und senkrecht, daher beide Radialen frei ent- 
springei'id, oder durch theilv:eises Verwachsen der Oli mit der 
Sidicostale fehlend (siehe Taf. 4. D. Kehemia.) 

Minterflügel namentlich bei den (j Q ider das Normale entn-icfelt. 
PC nach innen gebogen, einfach. SC und OR auf einem 
gemeinschaftlichen Stiel, daher ODC gänzlich fehlend. 
Zelle schmal, von halber Flügellänge. 

Auf die Verschiedenheit des Uisprungs der oberen 
Eadiale (OE), ob frei aus den Disoocellularen entspringend 
oder mit SC vei wachsen, wurde von Butler das Genus 
Moschoneura mit I). Methymna Goclt. als Typus ge- 
Tjildet. In der That erscheint das Geäder dieser Gruppe, 
wozu auch D. Kehemia Boisd. gehört, auf den ersten 
Blick etwas verschieden von den typischen Dismorphien. 
In einzelnen Arten findet man indessen bei den 59 '^ßi'^its 
eine kurze Vei wachsung dei- OR mit SC, während bei 
den od der Uisprung der OR noch frei ist, z. B. bei 
D. Luhina Bull. Es handelt sich also hier nur um einen 
"mehr oder minder erfolgten Fortschritt in der Stellung einer 
einzelnen Ader. In den übrigen wichtigen Charakteren, 
z. B. den so charakteristischen Palpen, den Fühlern, der 
Stellung der unteren Radialader etc. stimmen aber diese 
Arten, selbst die extremsten Formen, so sehr mit einander 
liberein, dass kein Grund vorhanden ist, dieses gut und 
■sicher umgrenzte Genus weiter zu zerlegen. 

Die Dismorphien gehören ausschliesslich dem tropischen 
Südamerika an und wollen wir nur noch kurz bemerken, 
dass die Heliconius-, Ithomien- oder Acraeen- ahnlichen 
Arten sich leicht von diesen durch die völlig entwickelten 
Yorderfüsse unterscheiden lassen. 



Gruppe II. Pieriden. 

Fühler meist mit deutlich abgesetzter Kollie. Falpeii meist 
über den Kopf vorragend, vorderseits mit langen .steifen 
Haaren bellleidet. Endglied zugespitzt, so lang oder länger 
uls das Mittelglied, selten kleiner. Präcostale stets deut- 
lich vorhanden. Subcostalader ,3 oder 4ästig.*) 
Diese Gruppe enthält die typischen Pieriden, als deren 
Eepräsentanten wir die P. Brassicue L. betrachten. Eine 



*) ilin findet über die Zahl der Subeostaläste gerade bei den 
Pieiiden oft ganz widersprechende Angaben imd dies rührt daher, 
dass meistens die obere Eadiale, wenn sie etwas mit der SC vei- 
waehseii ist, als Ast der SC betrachtet wird. Dies führt zu grossen 
Ineonsefiuenzen. Butler nimmt z. B. bei Delias ganz richtig eine 
nur 3ästige Siibcostale an, obwohl auch hier die OR z. Th. mit SC 
verwächst. Bei Mylothris, Synehloe etc. dagegen, bei denen die 
OR ebenso verwachsen ist, zählt er sie als 4ten Subcostilast. Man 
kann sieh doch ganz leicht durch Vergleichen mit solchen Formen, 
bei denen die 01{ frei ist, z. B. Eueheira, überzeugen, dass die 
Annahme eines 4ten Subcostalastes in diesen Fällen total falsch ist. 
Ebenso leidet au^-h die Bezeichnung der Discocelluliren an dieser 
Unsicherheit. In dem noimilfn Fnll, wie z. B. Kneheira, sind alle 



kleine Gruppe, Pontla und deren Verwandte begreifend, 
sondert sich durch die etwas verschiedene Palpenbildung 
von den übrigen ab und nähert sich mehr den Euremen, 
welche wir in die folgende Gruppe gesetzt haben. Sie 
zeigt aber auch Übergänge zu den i'.chten Pieriden und 
den Lycaenen, so dass ihre natürliche Stellung ziemlich 
verwickelt ist. Die Pseudopontia, welche unstreitig dieser 
Gruppe angehört, steht in Fühler- und Palpenbildung auf 
so niedi'iger Stufe, dass wir sie, wie den Styx, für den 
letzten lebenden Repräsentanten eines längst untergegangenen 
Pieridenstammes halten; die Übergänge zu den Parnasäiern 
haben wir wahrscheinlich in den Gattungen Mesapia, 
Daeidina und der P. (Aporia) Crataegi zu suchen. 

Die Grundfärbung ist meist weiss, mehr oder weniger 
mit Schwarz gezeichnet, sehr selten gelb, aber auch in 
einzelnen Fällen roth, orange, selbst bläulich. 

Wir rechnen zu dieser Gruppe folgende Genera : 

Mfsapia | . . . Thibet. und west-chin. 

Davidiiia J Hochgebirge. 

Pieris cosmopolitisch. 

Neopliasia Nordamerika. 

Leiitopliobia 



Eiiclieiva 

Hespei'ocliai'is 

Ai'clionias 

Pereutc 

DaptcMionva 

Delias 

Prionei'is 

Tachvi'is 



Südamerika. 



Indo-Australien. 



Elodiua Australien. 

Poiitia Afrika, Indien. 

Psendopontia .... Afrika. 

Lcucidia Südamerika. 

In dem folgenden Schlüssel nehmen wir die beiden 
Gattungen Mesapia und Davidina aus, da uns das Geäder 
aus eigner Anschauung nicht bekannt ist. 

A. SubcostalederVdfl. 3ästig. 

a. Xur 1 Siibcostalast vor dem Zellende. 

* SOi am Zellende selbst . . Pseudopontia. 
** liOl in gleicher Entfernung 

nacli dem Zellende, ivie SCl 

vor demselben Elodlna. 

*** <S'6^ imd SCi in der Flügel- 
spitze eine kurze Gabelbildend. 
f Präcostale nach aussen 

gebogen Delias. 

']"\ Präcostale nach innen 

gebogen PovClltc. 

b. Zirei Subeostaläste c o r dem Zellend e . 

* i-fruji-lsjillzr gennidrt . . . Poiltla. 

** Fliigrlsiiif-:)' zagrspit-t . . Piei'is z. Th. 



3 Diseoeellularen vorhanden: die ODC, MDC und- UDC. Wenn nun 
die OR mit der SC verwächst, so lallt eo ipso die ODC fort, aber 
darum wird die MDC doch niemals zu einer ODC. 

Bei Prioneris ist aber Butler ein arger Beohachtungsfehler 
unterlaufen, denn diese besitzt in der That eine 4ästige Subcostale 
und nicht oäslig, wie er sngiebt. 



PIERIDEN. 



59 



B. S u b c s t a 1 e der Y d f I. 4 ä s t i g. 
1. OB, und SC der Htf. auf ('ineni 

qemeinscliaftlichen Stiel .... Lcucidia 

(die Ideinsten Pieiiden.) 
'). OR und ÜB vormal aus den Di's- 
cocellularen abgezweigt. 

* OB der Vdß. frei aus der 
Querzelle entspringend, nicht 
mit SC verwachsen. 
■f Nur ein Suhcostalast vor 

dem Zellende .... Hcspei'OCliai'is. 
ff Zicei Suhcostaläste vor dem 

Zellende Euclieil'a. 

** O'R der Vdfl. mit SC zum 
Theil verwachsen. 
f Nur ein Suhcostalast vor 

dem Zellende .... Al'ciionias. 
ff Zu-ei Suhcostaläste vor dem 
Zellende. 

§ O init Haarbüschel 
wuterhalb der After- 
klappen Tacliyi'is. 

§§ Cj ohne Haarbüschel. 
Aj-terMappen in 
eine halienformitje 
Spitze ausgezogen Daptonoui'a. 
AfterMappen ge- 
rundet .... Pieris 

(Leptophobia und jN'eophasia.) 
Afterklappen ge- 
rundet. Vorder- 
rand der Vdfl. 
fein gesägt . . Pi'ioiiei'is. 



4. Mesapia Gray. (2 Aiten.) 

Mesapia wird von Kirby unter die Papilioniden ge- 
stellt und zwar zu Anfang derselben und zunächst den 
Parnassiern, um gewissermassen anzudeuten, dass sie ein 
Mittelglied zwischen diesen und den Pieriden ist. Da 
uns dieselbe nur aus der H e wit s on'schen Abbildung 
der il/. Feloria^ Hew. bekannt ist und diese sich durch 
nichts von dem Pieridentypus unterscheidet, als durch ge- 
drungene Gestalt und compactere Fühler, so stellen wir 
sie vorläufig hieher, bis eine spätere genauere Untersuchung 
ihre wahre Stellung aufgeklärt haben wird. 

Da auch von Gray, ihrem Autor, keine Genusdiagnose 
gegeben wurde, so müssen wir uns darauf beschränken, 
diese Gattung hier nur namentlich aufzuführen. 

Die M. Peloria Hew. wurde auf den höchsten Gipfeln 
'des thibetanischen Hochgebirges gefunden und das im 
britischen Museum befindliche Originalexemplar ist wahr- 
■scheinlich das einzige bis jetzt existirende Stück dieser 
Art. Eine zweite wurde von Bat es als M. Shawii be- 
schrieben und später von Moore als neue Gattung 
-Baltia aufgestellt mit der Bemerkung „nahe verwandt 
mit Mesapia'". Die Gattungsdiagnose, welche derselbe 
..giebt, lässt gar keinen Zweifel darüber, dass auch Baltia 



eine ächte Pieride ist. Wie sich dieselbe aber von 
Mesapia unterscheidet, wird mit keinem Wort erwähnt. 
Da nun auch, soviel uns bekannt, keine Genus-Diagnose 
von Mesapia existirt, so ist man völlig über die unterscheiden- 
den Merkmale von dieser im Unklaren. Wir bemerken 
nur noch, dass Moore wie Butler die OR als üten 
Suhcostalast zählt, denn er spricht nur von einer Radiale, 
die obere ist also wahrscheinlich mit der Subcostale zum 
Theil verwachsen. 

Die M. Shawü Bates wird als ein mittelgrosscr 
Schmetterling von weisser Grundfarbe beschrieben, an 
der Plügelbasis dicht schwarz bestäubt, an der Vordor- 
randseeke ockergelb, mit einem grossen schwarzen, Seckigen 
Flecken am Zellende nebst verschiedenen kleineren Flecken 
am Aussenrande und einer kurzen schwarzen Binde über 
die Flügelspitze; die Htfl. dunkelgrau bestäubt; Palpen 
ockergelb ; Fühler schwarz und weiss geringelt. Sie wurde 
in Höhen von 4 — 5000 m. in Yarkand gefunden. 

5. Davidina Oberth. 

Auch diese erst neuerdings beschriebene Gattung wird 
von ihrem Autor unter die Papilioniden gestellt, ohne in- 
dessen in der Diagnose auch imr eines der für diese 
Familie so charakteristischen Merkmale zu erwähnen und 
dadurch ihre Zugehörigkeit zu denselben zu beweisen. Die Ab- 
bildung in den „E t u d e s" zeigt im Gegentheil, dass Davidina 
eher eine Pieride ist, da zwei äusserhche Merkmale der 
Papilioniden, welche in einer genauen Zeichnung ganz 
gut wieder zu geben sind, nämlich die anscheinend 4ästige 
Medianader und die kleine Papilionenader, hier vollkom- 
men fehlen. 

Zwar wird in der Beschreibung fortwährend auf Thais 
und Sericinus Bezug genommen und Davidina mit diesen 
verglichen; allein das Geäder zeigt mit diesen Gattungen 
keine Ähnlichkeit, es ist vielmehr das des allgemeinen 
Pieridentypus. 

Folgendes ist die kurze inhaltreiche Diagnose, womit 
dieses neue Genus in die Wissenschaft eingeführt wurde 
und welche wir im Original wiedergeben, um nichts von 
ihrer Vollständigkeit einzubüssen. 

i'O Antennes courtes k massue assez epaisse; palpes 
saillants; Corps et abdomen greles, alles entieres, rondes, 
ä nervures saillantes, dont une fourchue dans l'interieur 
de chaque cellule discoi'dale." 

In einem späteren Nachtrag wird nur noch ganz im 
allgemeinen auf den Bau der Fühler, Palpen; des Kör- 
pers, der Flügeltextur hingewiesen und dieser mit Sericinus 
und Thais verglichen, obgleich gerade diese Theile keine 
absolute Antwort auf die Frage, ob Papilionide oder Pie- 
ride, geben können. Eine genauere Darstellung des Flügel- 
geäders, oder die mikroskopische Untersuchung der Fuss- 
klauen, ob einfach oder zweispaltig, oder der A^orderfuss- 
tibien hätte dies sofort entschieden. Die als ganz beso i- 
ders charakteristisch für diese Gattung angeflUirte Gabe- 
lung in den Zellen findet man bei vielen Pieriden. 

So muss auch die Stellung dieser sicherlich sehr in- 
teressanten Gattung noch unentschieden bleiben, welche 
ebenso, wie die vorige, einen Übergang zu Parnassius zu 
bilden scheint. 

Die einzige Art, JJ. Armandi Obsrth., wurde auf dem 
höchsten Gipfel des P6-Hoa-Chan in JS'. W. China gefun- 



60 



PIERIDEN. 



d m und ihr Flug wird wie der eines Parnassiers ge- 
sohildert. 



6. Pieris Schrk. (ga. no Arten.) 

Taf. 5. 

Das Genus Pieris enthält pc'.bst nach Ausscheidung 
solcher Formen, welche die jetzt allgemein angenommenen 
Gattungen Delias, Taehyris, Euterpe, Daptonoura etc. bil- 
den, noch immer gegen 170 Arten und darunter Formen, 
welche mehr oder minder von dem Typus abweichen und 
von denen einige sicher mit derselben Berechtigung als 
besondere Gattungen neben den obigen betrachtet wer- 
den können. Es ist daher auch nicht möglich, für alle 
Arten zugleich gültige Charaktere zu geben, da die Gattung 
Pieris nicht einheitlicher Natur, wie etwa Papilio, zu sein 
scheint, sondern einen Complex von Formen bildet, die 
verschiedenen Stämmen angehören. Eine weitere Thei- 
lung des Genus, wie sie unter anderem auch von But- 
ler in seiner „Revision of the Pieiidae" versucht wiu'de, 
Ut desshalb durchaus gerechtfertigt. Allein jeder Versuch, 
diese grosse Gruppe in ihre Componenten zu zerlegen, 
scheitert an der Unmasse der Mittelformen und der Un- 
beständigkeit der Charaktere. Eine dieser Butler'schen 
neuen Genera, nlimlich Leptophobia, scheint uns in- 
dessen genügend begründet zu sein, um sie als selbst- 
st'indige Gattung aufzuführen; eine zweite, Neophasia 
Behrens, glauben wir auch als solche ansprechen zu 
dürfen. Die übrigen hingegen werden wir als Subgenera 
betrachten. 

AVir fassen die Gattung Pieris (mit P. Brassicae L. als 
Typus) im S^nne Wallace's auf, der wohl wie selten 
ein anderer Naturforscher dazu berufen ist, in solchen 
Fragen, w'elche die Abstammung berühren, ein Urtheil 
abzugeben ; auch konnte er jahrelang die tropischen For- 
men in ihrem Verhältniss zur lebenden Natur beobachten. 
Die Resultate seiner Studien sind in einer ausgezeichneten 
Arbeit über die Pieriden der indischen und australischen 
Region niedergelegt. 

Die Gattung Pieris lässt sich nun als solche kurz da- 
durch charakterisiren, dass die in der Mehrzahl 4ästige 
Subcostalader stets2Aste vor dem Zellende aus- 
sendet, der dritte Ast meist gut entwickelt ist und mit 
dem vierten eine mehr oder minder grosse Gabel in der 
Flügelspitze bildet. Die Grösse der Gabel ist aber sehr 
verschieden, von der kaum erkennbaren bei P. Brassicae 
bis zu der ziemlich grossen bei P. Crataegi lassen sich 
leicht alle Zwischenstufen finden. Dies hängt nur davon 
ab, wo die obere Radialader, welche stets ein 
Stück mit der Subcostale verwachsen ist, 
sich von dieser abzweigt. Entspringt sie sehr hoch, so 
^üllt der Grund, die Flügelspitze noch durch eine zweite 
Ader zu stützen (und dies ist eben die SC';j) fort, wie 
bei P. Agathina, Daplidice, Penhybris etc. Daher ist das 
Fehlen oder Vorhandensein des 3. Subcostalastes von ge- 
ringerer Bedeutung für den Genus-Charakter. Auch ver- 
wächst öfters der erste SCast mit der Costale (P. Me- 
sentina), aber bei ganz nahen Verwandten ist er frei. 

Ein weiterer Charakter für Pieris ist der glatte 
ungesagte Vorderrand der Vdfl. und die schwach 
behaarten Afterklappen des c?, welche nur in weni- 
gen Fällen schwach zugespitzt, sonst aber meist abgenin- 



det, aber nie in eine hakenförmige Spitze ausgezogen 
sind, wie bei Daptonoura. Auch fehlen den d"d" Pieris 
die Haarbüschel am Ilinterleibsende. (Unterschied von 
Taehyris). 

Die Fühler sind im allgemeinen mit deutlicher Kolbe 
versehen ; von der schwach anschwellenden und allmählich 
sich verdickenden Form des P. Crataegi bis zu der knopf- 
förmigen der Daplidice sind alle Jlittelstufen vertreten. 

Die Palpen meist über den Kopf hervorragend und 
an der Vorderseite mit langen steifen Haaren dicht be- 
setzt. Das Endglied so lang oder länger als das 
Mittelglied, dünn und zugespitzt; das Mittelglied 
nur wenig kürzer, als das schwach gebogene Basalglied. 

Wir geben nun in Folgendem die verschiedenen Grup- 
pen, in welche man Pieris theilen- kann und welche un- 
gefähr mit den Butler'schen Genera zusammenfallen. 
Die Nomenklatur ist in einigen Fällen von derjenigen 
Butlers verschieden und dies erklärt sich daraus, dass 
Butler den ursprünglichen F ab ri cius' sehen Genus- 
namen Pontia für die P. Crataegi (den Pabricius- 
schen Typus derselben) beibehalten hat, während wir den 
S ehr an k' sehen Namen Pieris bevorzugen und als 
Typus P. Brassicae betrachten. Er gab daher den Na- 
men Pieris einer ganz anderen Gruppe, welche ungefähr 
mit der H ü b n e r ' sehen P e r r h y b r i s zusammenfällt und 
für die B is duv al' sehe Pontia den neuen Namen 
Nychitonn. Es würde hier zu weit führen, die Gründe 
für und geg(3n diese Ansichten zu discutiren, und ver- 
weisen wir auf Butler's Originalarbeit in der ,Cistala 
Entomologica I." 

Subgenus Aporia Hübn. Der Typus dieser nur wenige 
Arten enthaltenden Gruppe ist der allbekannte P. 
Crataer/i L., welcher nach einer bestimmten Richtung 
hin die äusserste Form von Pieris darstellt. Durch 
die verwandten Arten Aqathon Gray, Soracto, Moore, 
NabßUica Boisd. geht sie in die indische Mesentina- 
Gruppe über. Schon die kürzeren Palpen, die weniger 
stark entwickelte Fühlerkolbe, das etwas abweichende 
Geäder, die fast gerade PC charakterisirt sie. Die 
Subcostale ist hier 4ästig und der 4te Ast bildet mit 
dem 3ten eine ziemlich grosse Gabel. 
Die P. Crataegi ist unzweifelhaft eine der interessantesten 
Pieridenformen. Obwohl alle Charaktere der Gattung 
und Familie gut entwickelt sind, zeigt sie doch schon 
äusserlich durch den ganzen Habitus, ihren durchaus von 
den übrigen Pieris-Arten verschiedenen Flug etc. eine 
Annäherung an die Parnassier und es ist wohl wahrschein- 
lich, dass wir gerade in dieser Art noch eine wirldiche 
Mitlelform beider Familien vor uns haben. Die Form 
der Palpen nähert sich mehr deijenigen von Parnassius; 
am auffälligsten tritt dies aber in den Flügelschuppen 
hervor. Diese sind von der bekannten lanzettförmigen, 
schmalen Gestalt der Pieriden total verschieden, zeigen 
vielmehr eine ovalere, mehr runde Form und diejenigen 
vom Vorderrand der Htfl. sind geradezu kreisförmig, wie 
sie nur bei Parnassius vorkommen! 

Butler trennte die mit Crataegi so nahe verwandten Ar- 
ten Agathen rmd Nabehica als Metap oria ab und vereinigte 
mit der ersteren dagegen einige 30 Arten, darunter ziem- 
lich verschiedenartige Formen, z. B. die nordamerikanische 



PIEEIDEX. 



61 



P. Menapia Feld., welche Behrens a's Neophasia ab- 
getrennt hat, die indische Nerissa Fabr., Asjiasia StoU.t 
Judifh Fahr. etc. und viele Arten, -welche bisher in der 
Gattung Euterpe standen. 

Subg. Piei'is Schvk. Diese Gruppe enthält diejenigen For- 
men, welche man gewöhnlich als die typischen Pieris 
betrachtet. Sie liisst sich charakteiisiren durch die aus- 
nehmend kurze Gabel, welche der 3te und 4te Sub- 
costa'ast in der Plügelspitze mit einander bilden, die 
schiefe MDC der Vdfl., welche nur halb so lang als 
die gerade UDO ist, die fast in einer Linie liegenden 
MDC und UDC der lltii. Die PC \^t stets nach 
aussen gebogen. Dieses Subgenus ist w-eit verbreitet 
und es gehören ausser europäischen auch noch die 
meisten amerikanischen und einige indische Arten hiezu. 
Sabg. Synchloe Hiibn. Das Kennzeichen derselben liegt 
in der nur 3ästigen Subcostale und der fast senk- 
1 echten UDC der Vdti. und IM. Uie Fiihlerkolbe 
ist fast knopffüimig. lliezu gehören P. DapUdice 
L. und Verwandte. 
Subg. PciTliybris Hübn. Die Aiten dieser Gruppe, w-elche 
nur im tropischen Amerika vorkommen, zeichnen sich 
durch die oft gänzlich verschiedenartigen Geschlechter 
aus; namentlich sind es die J?- welche oft täuschend 
den bunten Danaid-Hehconiern ähneln. In der Struk- 
tur sind sie in keiner Weise durcli irgend ein scharfes 
Merkmal von Pieris getrennt. Die Subcostale ist meist 
3ästig, aber in einzelnen Arten tritt auch noch der 
4te Ast als kurzer Zweig in der Flügelspitze auf. In 
der Stellung der Discocellularen ist kein bemerkens- 
werther Unterscliied von Synchloe. 
Diese Gattung ist daher als solche einzuziehen, wie 
dies bereits Herrich-Schäffer und Boisduval gethan. 
Von Butler werden die hiezu gehörenden Arten als die 
typischen Pieris betrachtet. 

Subg. Mylotbi'is Hiibn. Die Arten P. Agathina Gram., 
Poppea Godt. und Verwandte, welche hiezu gehören, 
werden von Kirby unter Tachyris gestellt, allein 
sie können schon deswegen nicht in diese Gattung 
gehören, weil den o o die Analbüschel fehlen. Auf 
diesen ausgezeichneten Ciiarakter ist das Genus Tachy- 
ris von Wallace gegründet und das Fehlen oder 
Vorhandensein der Haarbüschel entscheidet unbedingt 
über die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Gattung. 
Mylothris besitzt ebenfalls eine nur 3ästige Sub- 
costale; sie charakterisirt sich ferner durch die etwas 
mehr gewinkelte und geradere UDC der Vdfl., stimmt 
aber sonst in allen Punkten mit Pieris überein. 
Subg. Belenois Hiibn. In der typischen P. Gali/pso 
Dru. ist das Verhältniss der Discocellularen ein anderes, 
als bei den übrigen Arten dieser Gruppe, indem hier 
die MDC sowohl im Vdfl. als Htfl. länger als die 
UDC ist. Auch ist der Vorderrand gerade und etwas, 
W'enn auch nur schwach, gesägt. Bei Mesentina Gram. 
und deren Verwandten ist gewöhnlich die UDC länger 
als die MDC und alle Übergänge zu der ersten Form 
sind vorhanden. Die Subcostale ist stets 4ästig, mit 
gut entwinkeltem vieiten Ast in der Flügelspitze. Die 
Fühler tragen eine deutliclie eiförmige, flache Kolbe. 
(In der Abbildung ist die Fühlerkolbe von P. Calypso 
zu schmal.) 



Dieso Gruppe ist sehr weit verbreitet, aber hauptsäch- 
lich in Afrika und Indo-Australien entwickelt. 
Snbg. Tatocliil.i Bntl. Diese Gruppe enthält die Auto- 
dice-ähnlichen Formen, w^elche der chilenischen Fauna 
angehören ; auch hier ist die Subcostale 4ästig, aber 
die MDC nur 1/3 so lang als UDC, welche nur schwach 
gebogen, fast gerade ist. In den Htfln. stehen die 
l)eiden Radialen nahe zusammen und MDC ist uno-e- 
fähr nur ein Fünftel so lang als UDC. 
Subg. Herpaeiiia Biitl. Zu diesem Subgenus gehört nur die 
nfiikanische P. Eriphia Godt., welche allerdings in den 
Längenverhältnissen der Discocellularen etwas von dem 
Typus abweicht, indem hier die MDC ausserordenthch 
klein ist und senkrecht steht, während UDC stark geboo-en 
ist. Allein in dem übrigen Geäder und der nach 
aussen gebogenen PC der Htfl. stimmt sie gut mit 
Pieris überein und kann a's ein etwas abweichender 
und isolirtor Zweig des i'ieridenstammes betrachtet 
werden, wie sieh dies auch in der äussern Erscheinung 
und der merkwürdigen Ähnlichkeit mit unserer Mel. 
Galathea L. ausspricht. 

Die Gattung Pieris ist über den ganzen Erdkieis ver- 
breitet, erreicht aber erst in den Tropen den Höhepunkt 
ihrer Entwicklung. Dass sich einige nahe verwandte, 
sogar identische Arten im europäischen und nordamerika- 
nischen Faunengebiet vorfinden, wurde bereits in der o-eo- 
graphischen Verbreitung der Familie erwähnt. Unter den 
Tropenbewohnern gibt es einige sehr schone und auffallende 
Arten, wie z. B. die blau überhauchte P. Tenuicornis Butl. 
aus Südamerika, die P. Aiisia Boisd. und Buniae Hübn., 
unserer Brassicae ähnlich, aber von Eiesengrösse; aus 
dem indischen Gebiet die P. Aspmsia Stall, mit leuchtend 
gelben Htfln., die fast schwarze Java Spann, aus Java 
selbst, die schöne und grosse Eperin Boisd. und andere 
mehr, welche in dem I. Theil abgebildet sind. 

7. Leptophobia Buti. (i Art.) 

Taf. 5. L. Eleone Doubl. How. 
a. Palpe. 

Der Typus dieser Gattung ist die kleine hellgelbe 
L. Eli'ODv Doubl. Heic. aus Südamerika, welche in ihrem 
Geäder und auch in der Form der Vdfl. und Htfl. ziem- 
hch bedeutend von Pieris abweicht und dadurch ihre 
generische Abtrennung rechtfertigt. 

Bei Leptophobia ist die PC stets nach innen ge- 
richtet, während sie bei Pieris nach aussen umgebogen 
oder gerade ist. Die Subcostale ist 4ästig; die beiden 
ersten Äste vor dem Zellende, Ast 3 und 4 bilden eine 
sehr kleine Gabel in der Flügclspitze. Die OR ist fast 
zur Hälfte mit SC verwachsen. Der Hauptcharakter liegt 
indessen in der sehr Ivurzen MDC der Htfl., welche kaum 
i/4 so lang als die schwach gebogene und weniger schief 
stehende UDC ist. 

Butler rechnet zu dieser Gattung 15 Arten, von denen 
die bekannteren die P. Tocaria Feld, und die bläulich 
gefärbton Gaesia Luc. und deren Verwandte sind (eine 
der schönsten Repräsentanten derselben, die P. Tenuicornis 
Butl. ist im I. Theil abgebildet). Allein diese Formen 
zeigen den Gattungscharakter durchaus nicht mehr so 
deutlich und gehören unserem Subgen. Pieris an. Wahr- 



62 



PIEEIDEX. 



scheinlich itt die L. Eleone, deren niiff'alloiKl gelbe Flügel- 
fiiibung unter den südamerikanischen Pieris-Foimen ganz 
vereinzelt dasteht, die einz'ge Art dieser Gattung. 



8. Neophasia Behrens. (2 Arten.) 

Taf. 5. N. Menapia Feld, 
a. l'lililer. l,i. Palpo. 

Diese Gattung steht der folgenden Archonias durch 
Flügelschnitt, Geäder und auch in der Palpenbildung näher 
als l'ieris, von der sie sich hauptsächlich durch die nach 
innen gebogenen PC de;' Htfl. unterscheidet. Von Ar- 
chonias wird sie allerdings schon durch die Abzweigung 
zweier Subcostaläste vor dem Zellende getrennt; es fin- 
den sich aber unzweifelhaft Übergänge vor, welche beide 
Gattungen mit einander verbinden, wie dies sehr schön 
und deutlich die Diagramme bei Archonias zeigen. 

Die SteU.ung und Richtung der Präcostale ist bei den 
Tagschmetterlingen ziemlich constant und giebt oft noch 
■einen biauchbaren Charakter zur Unterscheidung naher 
Füimen ab, wo andere Meikmale versagen. Es scheint 
uns fast, als wenn bei den engeren Pieriden zwei grössere 
Stämme sich paiallel mit einander entwickelt hätten, die 
noch heute an der verschieden gestellten Präcostale sich 
unterscheiden lassen. Zu dem einen gehören die typischen 
Pieriden, zu dem anderen Formen wie Archonias, Pereute, 
Hesperocharis, Daptonoura etc. Es würde hier zu weit 
führen, die Schlüsse aus dieser Thatsache zu ziehen, 
welche ein eigenthümliches Licht auf die geographische 
Yerbreitung der Pieriden wirft. 

Zu der Gattung Neophasia gehören wahrscheinlich 
nur sehr wenige Arten; die typische iV. Menaina Feld. 
gehört dem nordamerikanischen Gebiet an und ist eine 
mittelgrosse Pieride von eigenthümlich zarter, rein weisser 
FJügelfärbung, an der Spitze mit einigen schwarzen Flecken 
gezeichnet. Eine andere Art wird in Californien gefunden. 

9. Eucheira Westw. (i Art.) 

Taf. 4. E. Socialis Westw. 
a. Palpe. 

Diese zur Zeit nur eine Art zählende Gattung findet 
am besten hier ihre Stellung, da sie ebenfalls dem Formen- 
kreise mit nach innen gebogener PC angehört. 

Sie unterscheidet sich leicht von allen Pieriden dieser 
Gruppe durch die freie, nicht mit der Subcostale 
verwachsene obere Eadialader (OR), daher ist die 
Zelle, welche zudem ausserordentlich lang und schmal, 
fast zwei Drittel der Flügellängo einnimmt, durch drei 
Discocellularen deutlich geschlossen, von denen die obere 
allerdings sehr klein ist. Nur bei Hesperocharis tritt noch 
derselbe Fall ein; von dieser lässt sie sich, abgesehen 
von dem durchaus verschiedenen Aussehen, leicht durch 
die gänzlich verschiedene Stellung der Subcostaläste trennen, 
da bei Eucheira stets zwei Aste vor dem Zellende stehen, 
bei Hesperocharis aber nur einer. Kopf und Palpen sind 
lang behaart; Fühler mit eiförmiger allmählich in den Stiel 
übergehender Ko'be. Subcostale wie bei Pioris 4ästig, 
mit 2 Ästen vor dem Zellende, Ast .3 und 4 eine ziem- 
lich grosse Gabel bildend. 

Die einzige bis jetzt bekannte Art, die E. Socialis 



U'eniic. aus Mexico, hat ein etwas fremdartiges Aussehen. 
Die Vdfl. haben einen ähnlich ausgebogenen Yorderrand 
wie Parnassius. Im übrigen ist das mittelgrosse Thier 
rauchgrau mit einer weisslichen Fleckenbinde über beide 
Flügel. Die Raupen haben die merkwürdige Gewohnheit, 
zu ihiem Aufenthalte einen förmlichen S;\ck zu weben, 
in welchem sie colonienweise leben (daher der Species- 
name Soc'alis.) 



10. Hesperocharis Feld. (?a. lo Arten.) 

Taf. 6. H. Marchalii Guer. 
a. Paljje. h. Fühler. 

Durch die frei aus der Querader entspringende 
OR der Vdfl. schliesst sich Hesperocharis eng an die 
vorhergehende Gattung Eucheira an, von der sie sich 
aber leicht durch das gänzhch verschiedene Äussere, so- 
wie durch Abzweigung nur eines Subcostalastes vor 
dem Zellende unterscheidet. Sie ist nahe verwandt 
mit der folgenden Archonias und gehört wie dies 3 dem 
Pieridenstamme mit nach innen gebogener Präcostale an. 
Voa allen ähnlichen Gattungen wird sie (neben dem cha- 
rakteristischen freien Ursprung der OR) durch die eigen- 
thümliche Stellung der beiden letzten Subcostaläste ge- 
trennt, welche nur noch bei Eroiiia wiedergsfunden wird. 
Diese hat aber eine 5 ästige, Hesperocharis nur eine 
4ästige Subcostalader. 

Der erste Subcostalast entspringt nämlich allein vor 
dem Zellende, und der 2te und 3te nahe zusammen 
sehr weit nach demselben, fast in der Flügel- 
spitze, in welcher der letzte 4te Ast mit Ast 3 eine 
kurze Gabel bildet und unterhalb der Spitze in den 
Aussenrand mündet. Hiedurch unterscheidet sich Hespe- 
rocharis (namentlich diejenigen Arten, -welche äusserUch 
ganz wie Archoniasformen aussehen,) sehr leicht von 
Archonias, da bei dieser der 2te Subcostolast stets sehr 
bald nach dem Zellende abgezweigt ist. 

Die Palpen sind wie bei dieser gebildet; das End- 
gUed etwas kleiner als das Mittelglied. Die. Fühler tra- 
gen eine allmählich anschwellende Kolbe, deren Ende 
abgestumpft ist. Die Präcostale ist nach innen gebogen. 
ODC der Vdfl. stets deutlich vorhanden, wenn 
auch sehr klein. MDC und UDC von fast gleicher 
Länge, schwach gebogen und schief in die Mediana 
mündend. 

Die Arten dieser ebenfalls rein südamerikanischen 
Gattung verbreiten sich von Mexico durch das ganze 
tropische Gebiet. Sie sind äusserlich von einander sehr 
verschieden und zeigen Anklänge bald nach dieser, bald 
nach jener Richtung hin. Die Hirlanda-Gmpjte erinnert 
an die Perrhybris-Gruppe von Pieris ; H. Marchalii durch 
die etwas ausgezähnten Flügel und den ausgebogenen 
Vorderrand der Htfl. an die Dysonis-Form von Pereute; 
die gelbe //. Grocea Bates durch die ganze Flügelform an die 
Daptonourn-Arten. In den beiden Hauptcharakteren stim- 
men aber diese so verschieden erscheinenden Formen 
vollkommen überein und es ist sehr wahrscheinlich, dass 
wir in Hesperocharis noch den Rest eines alten Stammes 
vor uns haben, der sich nach den jeweiligen Bedingungen 
äusserlich umgebildet hat. Die aus der Queiader frei 
entspi'ingendo OR scheint dies ebenfalls zu bestätigen. 



PIEEIDEN. 



63 



11. Archonias Hübn. (ca- 50 Arten.) 
(Euterpe Swaius.) 

Taf. 4. A. Critias Feld, 
p. Palpe. 

Kopf, Palpen und Fühler sind iihnlich wie bei Pieris 
gebildet, von welcher Archonias sich nur durch die Stellung 
der Suboostaläste und die nach innen gebogene Priicostale 
unterscheidet. 

Bei Archonias entspringt nianlich nur der Ite Ast 
vor dem Zellende, der 2te an oder nach demsel- 
ben, während Ast 3 und 4 eine kurze Gabel in der 
Fliigelspitzc bildet. (Bei Pieris stets zwei vor dem Zell- 
ende). Doch niuss bemerkt werden, dass sich unverkenn- 
bar ein allmählicher Übergang durch eine Reihe verbin- 
dender Mittelglieder zwischen Pieris und Archonias nach- 
weisen i?sst, der auch in der äusseren Erscheinung zur 
Geltung kommt. 

Folgendes kleine Schema zeigt die schrittweise An- 
näherung an Pieris am besten : 




Arehon. Critias. A. Bitliys. A. Modesta. Pieris Mesentina. 

Diejenigen Arten, bei welchen der 2te Subcostalast 
am Zellende entspringt, wurden von Butler unter dem 
Namen Catasticta als besonderes Genus mit A. Nint- 
hice Boisd. als Type abgetrennt; die übrige Diagnose 
deckt sich vollständig mit der von Archonias, und die 
deutlich vorhandenen Übergänge beweisen, wie wenig das 
neue Genus begründet ist. 

Sehr verschiedenartige Formen gehören zu dieser Gat- 
tung, welche ausschliesslich dem tropischen Amerika eigen- 
thümlich ist. Die im I. Theil abgebildeten Arten A. Cri- 
tias Feld., Corcyra Feld., Alodesta Luc. imd Fitana Feld. 
repräsentiren die hauptsächlichsten Formen in ausgezeich- 
neter "Weise. Noch wollen wir erwähnen, dass die Tereas- 
Gruppe, zu welcher A. Critias gehört, gewisse Papilioniden 
nicht allein in Gestalt und Färbung, sondern auch in ihrem 
ganzen Wesen, dem Fluge etc. nachahmt. 

12. Pereute H. S. (ca. 12 Arten.) 

Taf. 4. P. Charops Boisd. 
a. Pulpe. 

Dieses Genus wurde von Herrich-Schäffer von der 
■Swainson'schen Gattung Euterpe, welche die vorher- 
gehende Archonias mitenthielt, wegen der nur Sästigen 
Subcostalader (bei Archonias 4ästig) abgetrennt. Im 
übrigen unterscheidet sich Pereute (Umkehrung von Eu- 
terpe) nicht wescnthch von Archonias. Der Ite SCast 
entspringt vor dem Zellende, der 2te und 3te bildet 
in der Flügelspitze eine kurze Gabel. Die Palpen und 
Fühler sind wie bei Pieris gebildet, die letzteren meist 
etwas länger und mit allmählich verdickter flacher Kolbe 
versehen. Die Präcostalader ist, wie bei Archonias, nach 
innen gebogen. 

Die hiezu gehörenden Arten lassen sich auch schon 
dem Ausseren nach in 2 ganz verschiedene Gruppen thei- 
len, von welchen die eine, mit P. Charops Boisd. als 
•Typus, durchaus ganzrandige Flügel, die andere dagegen 



stark ausgeschnittene, fast gezähnte Flügel besitzt, als 
deren Vertreter man P. Dysoni Douhl. ansehen kann 
und wovon die im I. Theil abgebildete neue Art, P. Chi- 
riquensis Stgr., eine gute Vorstellung gibt. Ausserdem 
finden sich noch einige geringe Abweichungen in der 
Richtung der Discocellular-Adern. Diese Formen werden 
von Butler als Genus Leodonta abgetrennt. 

Auch diese Gattung ist nur auf das tropische Süd- 
amerika beschränkt und enthält einige der prachtvollst 
gefärbten Pieriden dieses Faunengebiets. Sie wird in 
Indoanstralien durch eine ganz nahe verwandte Form, 
die nachfolgende Delias vertreten, deren Arten fast noch 
reicher gefärbt sind, als diese. 

13. Delias Hübn. (ca. 50 Arter.) 
(Thyca Wallciisi'.) 

Taf 4. D. Belladonna Fabr. 
a. Palpe, b. Flililer. 

Dieses an Formen so reiche indo-australische Pieriden- 
geschlecht schliesst sich sehr eng rn die vorhergehende 
Gattung an, von welcher es sich kaum durch ein con- 
stantes Strukturmerkmal trennen läpst. Das beste Unter- 
scheidungszeichen ist noch die nach aussen umge- 
bogene Präcostale, welche bei Pereute stets nach 
innen gerichtet ist. Auch in rein äusserhchem^ in der 
Flügelform und zum Theil in der Färbung, findet eine 
grosse Uebereinstimmung namentlich mit der Charops- 
Gruppe statt. Von Pieris und den übrigen Gattungen 
unterscheidet sich Delias sehr scharf durch die nur Sästige 
Subcostale, deren Lage aber wesentUch von der auch 
bei Pieris vorkommenden Säftigen Foim verschieden ist, 
da hier augenscheinlich der 2te SCast verkümmert ist, 
während bei Pieris der 3te Ast fehlt. Es zweigt sich 
nämlich nur 1 Subcostalast vor dem Zellende ab 
(bei Pieris stets 2) und der 2te bildet mit dem 
3ten eine kurze Gabel in der Flügelspitze. Die 
Fühler und Palpen sind durchaus denen von Pieris ähn- 
lich, — die Präcostalader ist schief, nach aussen gebogen. 

Die Schmetterlinge dieses an Arten ziemlich reichen 
Genus bilden ein charakteristisches Moment der indo-austra- 
lischen Fauna, da einige von ihnen sehr gemein sind und 
gewissermassen dort unsere Wcisslinge repräsentiren. Sie 
sind ziemlich gross und oft sehr reich mit den verschieden- 
sten Farbentönen, namentKch auf der Unterseite geschmückt, 
mehr wie irgend eine andere Pieriden-Gruppe. Ihr Auf- 
enthalt sind die weiten Tropenwälder, welche sich vom Fusse 
des Himalaja durch die Sunda-Inseln, Molukken, Philippinen, 
den malajischen Archipel bis nach Nordaustralien ausdehnen. 
Alle fliegen schwach und langsam (im Gegensatze zu den 
Tachyris- Arten) und umschweben hoch oben die Kronen der 
Urwaldsbäume; sie setzen sich gerne auf Blätter. Die Raupen 
sind nicht glatt, wie bei den Pieriden, sondern mit langen 
Haaren bekleidet, die Puppen an der Unterseite stachelig. 

Das Nähere über die einzelnen Arten, von welchen 
die abgebildeten D. Belladonna Fai., Aruna Boisd., 
Candida Voll., Pyramus Wall., Eucliaris Dm., Nigrina 
Fabr., Egialea Gram., Agostiiia Hew. und Dorimenc Cram. 
zugleich ein prachtvolles und treues Bild des ganzen Formen- 
reichthums geben, da sie gewissermassen als Vei treter 
ebensovieler Gruppen gelten können, findet man im I. 
Theil dieses Werkes. Unter diesen fallen naiuentlich die 



64 



PIEßlDEN. 



reich chi-omgelb gofiirbte D. Aruiia mit schiiceweissen 
Fühlern, die dunkle, schwarz und gelb gefleckte Belladonna 
duich ihre Grösse und Schönheit besonders auf. 

14. Prioneris Wall, (ca- 7 Arten.) 

Taf. 6. P. Thestylis Doubl. 
a. Fühle^ h. Nipp. 

AVir schliessen hier gleich ein nur aus wenigen Arten 
bestehendes Genus an, dessen Vaterland ebenfalls Indien 
ist und welches im Habitus den Dehas-Arten am nnchsten 
steht. Von diesen unterscheidet es sich jedoch durch die 
4ästige Subcostale, welche wie bei Pieris 2 Äste vor 
dem Zellende aussendet; von Pieris und deren Verwandten 
durch den gesiigten Vorderrand und von Tachyris 
(bei welchen eine Art ebenfalls gesügten Band besitzt) 
durch den Mangel des Analbüschels. 

A's Piepräsentanten der Gattung wurden F. lliPMylis 
iJoiJ.I. und Autotlnshe Huhn, gewählt, wovon namentlich 
die erstere eine der stattlichsten und grössten Pieriden 
der östlichen Fauna ist. 



Uie beiden folgenden Genera stehen in dem gleichen 
Verhältniss zu einander, wie Dolias und Pereutc : Tachy- 
ris gehört dem östlichen, Daptonoura dem westlichen Tro- 
pengebiet an. Nur eine Art der sonst rein indo-australi- 
schen Tachyris findet sich merkwürdigerweise auch in 
Südamerika wieder. 

15. Tachyris Wall, (ca- 70 Arten.) 
(Appias Hübn.) 

Taf. 6. T. Zarinda Bolsd. 
a. Palpe, b. Q Hiiiterloib- 

Die Arten dieser von Wallace erst fest umgrenzten 
Gattung lassen sich, allerdings nur im d" Geschlecht, 
leicht durch ein ausgezeichnetes Merkmal, nämlich durch 
zwei steife Haarbüschel, welche sich an der Unterseite 
der Afterklappen befinden, von allen Pieriden unterschei- 
den. In Geäder, Palpen und Fühlern stimmnn sie voll- 
ständig mit Pieris überein, so dass die Bestimmung, wenn 
nur ein 9 Exemplar vorliegt, kein absolut sicheres Re- 
sultat geben kann. Die Flügelform und der Pärbungsstyl 
wechseln in weiten Grenzen, so dass auch diese Theile 
keine allgemein gültigen Merkmale darbieten. 

Diese Gattung ist nächst Pieris und der vorhergehen- 
den Dehas eine der zahh-eichsten an Arten; ihr Verbrei- 
tungsbezirk erstreckt sich nicht allein über das ganze 
indo-australische Faunengebiet (woselbst sie auch am reich- 
sten entwickelt ist), sondern auch über Afrika und 
merkwürdigerweise kommt selbst in Südamerika ehie 
Art, T. Ilaire Godt. , vor. Diese von Kirby 
und andern Autoren zu Daptonoura gerechneten 
Arten sind sichere Tachyris, wie bereits Butler 
nachgewiesen hat, da die Sd die so charakteristischen 
Haarbüschel deutlich besitzen und die Analklappen durch- 
aus nicht in einen Haken vorgezogen sind, sondern wie 
bei Tachyris und Pieris abgerundete Spitzen haben. Eine 
kleine Verschiedenheit von ihren indischen Verwandten 
in der Struktur zeigt die T. Ilaire aber doch, indem der 
Vorden-and der Vdfl. wie bei Prioneris fein gesägt ist. 
(Siehe Fig. 2 auf Taf. ]. Flügel-Gcädcr.) Da dieser 



Charakter von Wallace als vollkommen genügend zur 
Trennung zweier Gattungen betrachtet wird (Pieris und 
Prioneris), so ist es wohl möglich, dass auch T. I'aire eine 
besondere Gattung bildet. 

Die Gewohnheiten der Tachyris-Arten sind denen der 
vorhergehenden Delias ganz entgegengesetzt. Sie sind 
meist starke Flieger, (daher auch der so charakteristische 
Gattungsname von tachys, schnell), welche unstät die 
grossen Lichtungen und Waldränder durcheilen und sich 
selten auf Blumen niederlassen. Abei' die d'cf versammeln 
sich oft in Trupps zu vielen Hunderten in der Manier 
der Callidryaden an feuchten Flussufern oder Regenlachen. 
Die Raupe ist nach Wallace (dem wir nicht allein die 
Aufstellung, sondern auch die meiste Kenntniss dieser 
Gattung verdanken) haarig mit 4 — 6 Längsreihen von 
Stacheln, die Puppe mit 2 seitlichen Stacheln. 

Unter den zahlreichen Formen des indo-australischen 
Gebietes finden sich einige von ganz merkwürdiger Fär- 
bung und Gestalt; es sind dies die einfach blutroth oder 
orangegelb gefärbten T. Nero Fab., Domitia Feld., Zarinda 
Boisd., die zart bläuliche T. Celestiua Buisd., und die 
2\ Placidia Stall, mit olivenbraunen Flügeln (wohl die 
einzige Pieride von diesem Fai benton) und andere mehr. 
Auch die Form der Flügel ist verschieden. Bei einigen 
Alten sind sie fast pfeilförniig, so dass ihr schneller Flug 
hieraus wohl erklärt werden kann, bei andern, namentlich 
den O, mehr gerundet. Auch sind die Geschlechter ein- 
zelner Arten oft ausserordentlich verschieden gefärbt, ja 
es kommen Fälle vor, dass 2 ungleich gefärbte 9$ zu 
einem O gehören, wie die hellgelben und weissen QQ 
zu der blauen T. Celestina; bei andern bleiben o und 
2 auf gleicher Färbungsstufe stehen, wie wir dies ja auch 
in andern Gattungen beobachten. 

Die afrikanischen Arten besitzen einen von den indo- 
australischen Verwandten ganz verschiedenen Habitus und 
nähern sich mehr den dort einheimischen Pieridenfoimen. 
Auch diese zeigen oft eine Zumischung von jenen bereits 
mehrfach erwähnten röthlich gelben (wüstengelben) Farben- 
tönen, welche speciell für die afrikanische Fauna so 
charakteristisch sind. 



16. Daptonoura Butl.*) (ca. IÖ Arten.) 

Taf. 6. D. Lycimnia Cram. 

a. Fühler, b. Palpe, c. (^ AiialUUppoii. 

Durch die Flügelform, gleiches Geäder, Palpenbildung 
und die zarten, allmählich in die Kolbe auslaufenden 
Fühler schliesst sich diese Gattung eng an Tachyris an, 
welche sie augenscheinhch in Südamerika vertritt. Doch 
unterscheidet sie der Mangel der Haarbüschel 
und die nicht stumpfen, sondern in eine scharfe 
hakenartige Spitze vorgezogenen After klap- 
pen der 00 nicht allein von dieser, sondern auch von 
Pieris und deren Verwandten. Das Geäder und die 
Palpen sind genau wie bei Pieris gebildet. Die Subcostal- 
ader ist 4ästig und sendet 2 Aeste vor dem Zellende aus. 
Ast 3 und 4 bilden eine ziemlich grosse Gabel in der 
Flügelspitze; die PC ist dagegen nach innen gebogen. 
Die weiss oder hellgelb gefärbten Arten bewohnen aus-, 
schliesslich das tropische Südamerika. 



") Butler schreibt „Dapton u ra". 



PIERIDEN. 



65 



Die nun folgenden 4 Gattungen bilden eine kleine 
engere Gruppe für sich innerhalb der typischen Pieriden, 
von denen sie sich hauptsächlich durch die Form der 
Palpen, deren letztes Glied ziemlich kurz und eiförmig 
zugespitzt ist, unterscheiden. Sie zeichnen sich durch eine 
ausserordentlich zarte Plügeltextur aus und die meisten 
Arten sind kleine oder doch nur mittelgrosse Schmetter- 
linge. Den Übergang zu Pieris bildet Elodina; mit Eurema 
werden sie durch Leucidia verbunden. 

17. Elodina Feld. (ca. 7 Arten.) 
Taf. G. E. Angulipennis Feld. 

3. Kühler, li. Pnlye. 

Die Gattung Elodina bildet einen schönen Übergang 
von Pontia zu den typischen Pieriden, deren charakteristische 
Form der Palpen sie bereits besitzt, aber im Geäder sich 
noch eng an Pontia anschhesst. Von dieser unterscheidet 
sie sich indessen leicht dadurch, dass nur ein Sub- 
costalast vor dem Zellende abgezweigt ist, und 
durch die zugespitzten Vorderflügel; in den Htfln. 
auch durch die normale Abzweigung der UDC, so dass 
alle 3 Discocellularen entwickelt, wenn auch von ungleicher 
Grösse sind. Von Pieris wird sie ebenfalls schon durch 
die Abzweigung nur eines Subcostalastes vor dem Zellende 
getrennt, (bei Pieris stets 2) hauptsächlich aber durch 
das Fehlen der MDC im Vdfl., da die UR aus der oberen 
Zellspitze direkt entspringt, wodurch die Zelle nur durch 
eine Disoocellularader, die UDC allein, geschlossen ist. 

Die wenigen hiezu zählenden Arten gehören aus- 
schliesslich dem australischen Faunengebiete an. Es sind kleine 
zarte, weissgefärbte Schmetterlinge mit schwarzer Flügel- 
s^iitze, von durchaus Pieriden-artigem Aussehen, durch die 
obigen Charaktere aber leicht von diesen zu unterscheiden. 

Es ist sehr interessant, die fortschreitende Stellung 
der UDC in den 3 Genera Elodina, Pontia und Pseu- 
dopontia zu beobachten. Bei Elodina entspringt dieselbe^ 
wie auch bei den typischen Pieriden, aus der unteren 
Radiale (UR) nach deren Abzweigung von der oberen, 
wodurch eben die MDC entsteht; bei Pontia ist sie bereits 
so nach innen gerückt, dass sie mit UR aus einem Punkte 
entspringt (daher fehlt hier MDC); bei Pseudopontia end- 
lich kommt sie aus der oberen Radiale, und giebt so zur 
Bildung einer wahren ODC Veranlassung, während MDC 
zugleich fehlt. Hier stehen nun die beiden Radialen 
auf einem gemeinschaftlichen Stiel. Bei den Dismorphien, 
Leucophasia, Leucidia und vielen Euremen sind es die 
Subcostale und die obere Radiale, welche durch die eigen- 
thümliche Stellung der MDC gestielt erscheinen, während 
ODC fehlt. 

18. Pontia Boisd. (2 Arten.) 
(Nycliitoiia Bntl.) 

Taf. 6. Pontia Alcesta Crani. 
a. Fühler, b. Palpe. 
Die Arten dieser Gattung sind kleine, zarte, weiss 
gefärbte Schmetterlinge mit abgerundeter, meist schwarzer 
Flügelspitze und einem schwarzen Flecken auf den Vdfln. 
Sie unterscheiden sich von Pieris leicht durch die ver- 
schiedenartig gebildeten Palpsn, deren End- und Mittel- 
glied stets sehr kurz ist, durch die Fühler und das 
Geäder der IM. 



Palpen sehr Iteiii, mUhur::em, seliief abgeschnittene a Mlttel- 
ijlleJe und s^titzem, noch Heineren Endijliede, übrigem 
rorderseits lang behaart 

l-'iihler ::lemlic]i lang, Tnitspindelförm lg er, zu^am-rnngedr ächter Kolbe. 

Vdfl. mit abgerundeter Sjiitze. Subcostale Sättig, mit 2 Ästen vor 
dem /Seilende. Die obere Radiale (OB) auf ein Drittel mit Subcostale 
verirachsen. Untere Hadi-ile (ÜB) fast genau an der oberen Zellspitze 
entspringend, viodurch MDC sehr kurz erscheint, oder selb.ü fehlt. 
UDC nach innen gebogen. Zelleziemlich gioss, länger a^s die Flügelhälfte. 

Jltfl. abgerundet. PC klein, nach aussen geio<jen. UDC an der Ab- 
zweigung der Hinteren Radiale oder harz davor entspringend, wo- 
durch die beiden Radialen kurz gestielt erschthun (nicht SC und iJB, 
ii:ie bei den Euremen und der folgendin Leucidia) 

Die Gattung Pontia wurde von Boisduval aus dem 
grossen Pieridenstamm abgetrennt und ihr der ursprüng- 
liche alte F a b r i c i u s 'sehe Name dieser Gruppe gegeben. 
Butler stellte die Fabriciui'sche Gattung wieder her, deren 
erste typische Art die P. Crataegi war, und gab daher den 
B is du val'schen Pontia -Arten einen neuen Namen: 
Nychitona. Wenn man indessen die schon vorFa bri- 
cius aufgestellte Schrank'sche Gattung Pieris gelten 
lässt, so ist ein Namenwechsel wohl kaum mehr nöthig. 

Die wenigen Arten dieser Gattung sind hauptsächlich 
auf das tropische Afrika und Vorderindien bis Celebes be- 
schränkt und es ist sehr wahrscheinlich, dass es nur Formen 
ein und derselben Art sind. 



19. Pseudopontia Plötz. (i Art.) 

Taf. 4. Vi. Paradoxa Feld. 
a. P.ilfiep, li, e, d, Flligelschuppen, e. letztes Fiissglied. 

Diese merkwürdige afrikanische Gattung weicht in ein- 
zelnen Charakteren und im Geäder anscheinend so sehr 
von allen Pieriden ab, dass ihre Zugehörigkeit zu dieser 
Familie noch neuerdings angezweifelt wurde. (Butler hält 
sie sogar in seiner Revision der Pieriden für eine „ m otlt" 
d. i. Heterocere !) Allerdings besitzen die Fühler keine 
deutliche Kolbe, sondern bestehen nur aus einer Reihe 
allmählich verdickter Glieder*) und auch die Palpen stehen 
auf einer so niedrig entwickelten Stufe, wie wir es nur 
noch bei Styx beobachtet haben. Allein das Geäder, so 
abnorm es auch im ersten Augenblick erscheinen mag, 
lässt sich bei genauer Vergleiohung mit andern Pieriden, 
z. B. der nächstverwandten Pontia (Taf. 6) leicht deuten 
und die zweispaltigen Klauen (Fig. e) lassan keinen Zweifel 
darüber, dass Pseudopontia eine ächte Pieride ist. 

Die beiden Radial ädern (OR und UR) der Vdfl. 
entspringen nämlich direkt aus der Subcos- 
tale, ein Fall, der allerdings bei keiner bis jetzt bekannten 
Pieride wieder vorkommt. Daher ist überhaupt nur eine 
Disoocellularader, die untere, vorhanden, durch welche 
die Zelle geschlossen wird. Die Subcostale selbst ist nur 
Sästig; der erste Ast entspringt vor dem Zellende, der 
zweite genau am Ende selbst und der dritte Ast bildet 
mit der OR eine Gabel. 

Auch das Geäder der Iltfl. zeigt eine merkwürdige 
Abweichung von allen bekannten Formen, da hier die 
C s t a 1 e und Subcostale sich scheinbar kreu- 
zen, indem sie durch gegenseitige Einbiegung und An- 
näherung mit einander verwachsen sind. 



*) Leider besasseii alle uns zur Veifüguag stehenden E.xem^lare 
dieser imuierhiu nueh seltenen Gattung verstummdlre Fühler, so dass 
wir liein gci.aueres vergrössertes Bild derfelben geben konnten. 



66 



PIEEIDEN. 



Ausserdemist roch die runde Form der Flügel, 
die auffallend kleine Zelle derselben, die kolben- 
losen Fühler, der deutlich abgesetzte Hals nebst den 
grossen halbkugelförmigeii Augen (welche an die ähnliche 
Bildung unserer Florfliege liemerobia Perla L. erinnert) 
für diese Gattung charakteristisch. Durch das merkwürdige 
Geäder unterscheidet sich Pseudopont'a hinlänglich von 
allen Pieriden, namentlich von den Pontia-Arten, mit denen 
sie noch am ersten verwandt ist. 

Die einzige bis jetzt bekannte Ait, die Pn. Paradoxa 
Feld., gehört ausschliesslich dem tropischen "Westafrika an. 
Dieser Schmetterling bat in seiner äussern Erscheinung 
etwas ungemein Zartes und Duftiges. Die Flügel sind 
nur schwach bestäubt, fast durchsichtig und schillern bei 
gewisser Beleuchtung in den zartesten Regenbogenfarben. 
Körper und Leib sind im Verhältniss zu den Flügeln 
ausserordentlich klein. Die Flügelschuppen haben eine 
ganz merkwürdige, tief 2spaltige Form, welche gegen den 
Band hin allmählich in eine einfach zugespitzte übergeht. 
(Fig. b, c, d.) 



20. Leucidia Doubl. (« Arten.) 

Taf. 6. L. Brephos Hübn. 

Diese südamerikanische Gattung ist nahe mit Pontia 
verw"andt und vertritt dieselbe gewissermassen in der 
westlichen Erdhälfte. Sie enthält die kleinsten Pieriden- 
Fornien, wie denn die L. Breplios Rllhii. aus dem 
Amazonengebiet kaum 20 mm. Flügelspannung besitzt. 

Die Palpen sind bei Leucidia ebenfalls sehr kurz und 
vorderseits und seitlich dicht beschuppt und behaart. Die 
Fühler sind der ganzen Länge nach dicht beschuppt 
und allmähhch zu ein-er kleinen Kolbe verdickt. Vdfl. fast 
birnförmig, mit abgerundeter Flügelspitze. Sub- 
costale 4ästig, der erste Ast weit vor dem Zell- 
ende, der 2te bald nach demselben abgezweigt. Ast 3 
und 4 eine kurze Gabel bildend. OR zur Hälfte mit SC 
verwachsen, daher ODC fehlend. MDC nur wenig kürzer 
als die nur schw'ach gebogene UDO. 

Die Htfl. haben den Vorderrand fast gerade, 
schwach ausgebuchtet; PC einfach nach innen gebogen. 
SC und OR auf gemeinschaftlichem Stiel entspringend. 

Die Leucidia-Arten waren früher mit den Euremen 
vereinigt, mit denen sie aber weniger verwandt als mit 
Pontia sind. Sie können mit den ersteren (mid hier auch 
nur mit den weissen Formen) kaum verwechselt werden, 
da sie sich schon äusserlich durch die abgerundete Flügel- 
spitze hinlänglich unterscheiden. Die Abzougung der Sub- 
costaläste und die eigenthümlich gabelförmige Stellung 
der OR und SC kommt zwar auch bei den Earemen voi', 
aber diesen fehlt stets die PC der Htfl; auch ist die 
Form der Palpen und die Bekleidung derselben mit breiten 
Schuppen eine durchaus verschiedene. 

Ton Pontia unterscheidet sich Leucidia leicht durch 
die 4ästige Subcostalader und die gabelförmig gestellten 
SC und. OR der Htfl. 

Von den wenigen bis jetzt bekannten Arten gehören 
5 ausschliessUch dorn tropischen Südamerika an; eine 
6te Ai-t wird noch von Timor angegeben, also von dem 
gerade entgegengesetzten Tl.cile der Erde. Dies wäre der 
umgekehrte Fall wie bei T. Ilaire Godt. Es sind kleine 
zarte, meist weiss oder gelblich gefärbte Schmetterlinge. 



Gruppe III. Dryaden. 

Fühler kurz, kräftij, inaUt kolbenlos, nur ganz allmählich 
gegen das Ende verdickt, sehr selten mit deutlich abge- 
setzter Kolbe. Palpen mir wenig über den Kopf hervor- 
ragend, mit grossen angepressten Schuppen bekleidet. 
Mittel- und Endglied kurz, letzteres knöpf j'örmig oder 
schwach zugespitzt. Bubcostale 3 oder 4ästig. Präcostale 
fehlend oder doch mir schwach entwickelt. 
Die Dryaden enthalten die Catopsilien, Gonopteryx, 
Cohas und deren Verwandte, welche sich schon durch 
ihren robusten Bau, dann aber auch sehr scharf durch 
die ganz verschiedene Fühler- und Palpenbildung, die 
Raupen- und Puppenfonn von der vorhergehenden Gruppe 
unterscheiden. Die Grundfarbe ist. meistens gelb oder 
ein feuriges Orange, sehr selten, nur bei einzelnen Euremen 
und Catopsilien, weiss, (bei diesen eher ein grünliches Weiss.) 
Die Gattung Eurema gehört unzweifelhaft ihren ganzen 
Charakteren nach hieher, obwohl sie auch einige Ver- 
wandschaft zu Pontia und Leucidia zeigt. Nathalis hat 
stark geknöpfte Fühler und bildet einen Übergang zu 
den folgenden Chäriden. AVir rechnen zu den Dryaden 
folgende Genera: 

Euvema 1 rp , ,. 

^ ... ' ganzes iropenscbiet. 

Catopsiliaj ° ^ ° 

Gonopteryx cosmopolitisch. 

Ki'ikogonia Antillen u. Mexico. 

Dercas Indien. 

Colias cosmopolitisch. 

ScaliJonenva Peru. 

Meffanoistouia 1 ^, , „.. i •, 

.^^ ° ., \ .... JNord- u. biidamerika. 

Nathalis J 

Der folgende Schlüssel wird die Bestimmung derselben 
wesentlich erleichtern. 

Ä. Vdfl. mit nur 3 Bubcostalästen . Nathalis. 
B. Vdß. mit 4 Subcostalästen. 

a. 2 Subcostaläste vor dem Zellende. 

* Kleine meist gelb (orange) oder 

weiss gefärbte Schmetterlinge . Eureilia. 
** Grosse robuste Schmetterlinge. 
f Vdfl. und I'Itß. mit vorgezo- 
gener Spitze .... Gonopteryx. 

ff Vdfl nur schirach zugespitzt. 
Htß. rund. 

^ Letzter SCast stets vor oder 
in die Flügelspitze selbst 

mündend Ki'ikogonia. 

^','^' Letzter SGaststets unter der 
Flügelspitze in den Äiissen- 
rand mündend .... Catopsilia. 

b. 1 Subcostalast vor dem Zellende. 

* Letzter SCast in den Aussenrand. 
Flügelspitze abgerundet. SOi 

iveit hinter dem Zellende . . Colias. 

** Letzter SGastgenauindieFlügel- (Scalidoneura.) 
spitze oder etwas davor in den 
Vorderrand mündend. SOl am 
Zellende. 

f Vdf. scharf zugespitzt. Aus- 
senrand gerade .... Mcganostoma. 



PIERIDEN. 



67 



tt l^pitze stuinjif. Aussenrand 

(jc'irellt Dercas. 

21. Eurema Hübn. (oa. 120 Arten.) 

(Tcrias Swidns.) 

Taf. C. E. Damavis Feld. 

a. Füliler, b. Pal|ie. 

Die Euremen sind kleine, meist gelb, selten orange- 
farbene oder lein weisse Schmetterlinge mit eingezogenem 
Kopf und wenig vorstehenden nackten Augen. Die Palpen 
sind massig lang, seitlich zusammengediückt, mit grossem 
gebogenen Basalglied, kurzem eiförmigen Mittelglied und 
kleinem zugespitzten Endglied, seitlich und vorn mit breiten 
anliegenden Schuppen bekleidet. Fühler zart, mit all- 
mählich verdickter, mehr oder weniger deutlicher Kolbe. 

Die Ydtl. mit 4Kstiger Sabcostale; 2 Äste vor dem 
Zellende, Ast 3 und 4 eine kurze Gabel in der Flügel- 
spitze bildend. Die obere Radiale z. Th. mit SC ver- 
wachsen. 

Die ritfl. entweder abgerundet oder auch an Mi in 
eine Spitze vorgezogen. Priicostale fehlend. Die Stellung 
der unleren Radiale wechselnd, entweder normal aus der 
oberen abgezweigt, oder mit dieser aus einem Punkt ent- 
springend, oder selbst direkt aus der Suboostale ausgehend, 
daher SC und OR auf gemeinschaftlichem Stiele erscheinend. 

Dieses letzte Verhiiltniss veranlasste Butler, aus diesem 
in den Hauptmerkmalen gut übereinstimmenden Genus zwei 
neue abzutrennen: Sphaenogona (mit E. Ectriva Douhl. 
als Type) und Pyrisitia, dessen Tj'pus die orangefarbene 
E. Froterjpia Fab. ist. Der Übergang der einen Form 
in die andere lässt sich sehr leicht an folgenden Umriss- 
zeichnungen verfolgen, welche Mittelformen der betreffenden 
Typen darstellen. 








E. Kieippe Giiim. E. Hgc;i1jo L. E. Giatiosa Doubl. Hew. 

Die Lage der Discocellularen muss daher in Folge 
Verrückung der MDC auch eine andere werden. 

Die Raupen der Euremen sind schlank, weich behaart 
und meist von grüner Farbe. Die Puppen sind etwas 
gebogen, schwach zusammengedrückt, oberhalb gekielt, 
ohne seitliche Dornen und nach dem Kopfende zugespitzt, 
wodurch sie ebenfalls ihre Verwandschaft zu den Dryaden 
beweisen. 

Die zahlreichen Arten, welche diesem Genus angehören, 
sind über den ganzen tropischen Gürtel der Erde ver- 
breitet, aber einige Arten gehen bis in die gemässigte 
Zone, in Nordamerika selbst bis zum 45ten Breitegrad, 
während sie auf der östlichen Erdhälfte den Böten nicht 
überschreiten. 

Im allgemeinen gehören die Euremen zu den gemeinsten 
Pieriden und ihre ludividuenzahl ist oft so bedeutend, ■ 
dass sie sich zu hunderten an Plussufern oder den See- 
bänken versammeln. Sie bevorzugen hauptsächlich die 
Gärten und Plantagen oder die Hebten Stellen der tro- 
pischen Wälder und ihr Flug ist dem unserer gemeinen 
Weisslinge ganz gleich. Einige Arten besitzen einen 
g''ossen Verbreitungsbezirk und variiren bedeutend in Form 
Und Fälbung. Auch werden sehr viele in doppelter oder 



gar dreifacher Generation auftreten, daher die Bestimmung 
der einzelnen Arten sehr schwierig ist. 

Der grösste Theil der Euremen ist von gelber Flügel- 
färbung und meist mit schwarzer Flügelspitzj. Weisse 
Formen kommen nur in Südamerika vor und von den 
schön orangefarbenen giebt es nur 3 — 4 Arte;i, wovon 
eine auch im südlichen Nordamerika vorkommt. Ver- 
wechselt können höchstens die weissen Arten mit ähn- 
hchen kleinen Pieriden werden. Das Fehlen der PC ist 
hier das sicherste Unterscheidunssmerkmal. 



22. Catopsilia Hübn. (tn. 40 Arten.) 
(Ciilliilryas Boistl.) 
Taf 7. C. Argante Fabr. 
?. Fühler, b. Ptilpe. 
Durchgängig robuste Schmetterlinge von starkem Kör- 
perbau imd gelber bis orangerother oder grünlich-weisser 
Farbe im o Geschlecht oder blasserer, oft chamoisfarbiger 
im Q Geschlecht. 

Ko2\f ziemlich gross, mit hereorstehenden naclcten Augen, Brust und 
Körper mit tueichem seidenglänsenden Haar bedeckt. 

Palpen seitlich eusammengedrücJct, mit grossen angepressten 
Schup2ien hedecl;t, wenig über den Kopf hei-vorragend, mit 
sehr l-lelnem, unter den Schuppen oft versteeltem Endglied, 
hei den QQ etu-as rertäiujeri. 

Fahler ziemlieh litrz, ohne abgesetzte Kolbe, ganz allmählich von 
der Mitte cm sich verdickend, mit abgestumpfter oder gar ein- 
gekerbter Spitze. 

Vorderfiiigel dreieckig, mit langer Zelle und lästiger Suhcostak, deren 
beiden ersten Äste vor dem Zellende, Ast 3 und 4 eine ziemlich 
grosse Gabel in der Fliigelspitze bildend. Ast 4 stets in den 
Aussenrand unterhalb der Flügelspitze mündend. 
Oben-e Badiale zu ein Viertel mit der Sabcostale verwachsen. MDC 
kleiner als UDO, letztere nach innen gebogen. 

Hinterflügel gerundet, öfters' an der Mediana stumpf vorgezogen. 
Präcostale zu einem Knopf verkümmert. 

Dieses für das ganze Tropengebiet der Erde so cha- 
rakteristische Genus ist uns in den Jugendzuständen bes- 
ser bekannt als irgend eine andere exotische Pieriden- 
Gattung, da einige Arten in ihrem leuchtend gelben oder 
orangefarbenen Kleide selbst dem Laien eine auffallende 
Erscheinung in den Tropen bilden, zudem überall häufig 
vorkommen, ja oft zu hunderten die freien Grasplätze 
oder Lichtungen bevölkern. Sie fliegen sehr schnell, setzen 
sich gei-n auf Blumen oder versammeln sich in der trocke- 
nen Jahreszeit in unendlichen Schaaren an Pfützen, Fluss- 
ufern oder feuchten Stellen in den Fusswegen. Bekannt 
sind die grossen Wanderungen, welche sie vollführen und 
die unzählbare Mengen enthalten müssen, da sie oft stun- 
denlang anhalten. Die Raupen sind von grauer oder 
gelbliohgrüner Farbe, mit blassen Seitjnstreifen und mehr 
oder weniger ehagrinartiger Oberfläche. Sie leben auf 
Cassia-Arten. Die Puppen haben die charakteristische 
kahnförmigo Gestalt, welche so vielen der folgenden Gat- 
tungen eigen si;id, nach beiden Enden zugespitzt, mit sehr 
geschwollenem Oberkörper, an den Seiten aber ohne 
hervorstehende Punkte.- 

Die OO vieler Arten, namentlich der indischen, haben 
auf der Oberseite der Htfl. oberhalb der Subcostale 
einen länglich erhabenen, aus Duftschuppen bestehenden 
Flecken und correspondirend hiemit ist der Innenrand der 
Vdfl. auf der Innenseite mit einem Büschel steifer 
Haare versehen, deren Funktion nach der Ansicht neuerer 



68 



PIERIDEN. 



Forschei- darin besteht, den durch die Schuppen abge- 
sonderten flüchtigen Stoff' durch Überstreichen derselben 
zu zerstreuen. Diese Erklärung hat wirkHch etwas so 
natürliches für sich, dass alle früheren von sog. Stridula- 
tionsorganen etc. dadurch beseitigt werden. Andere Ar- 
ten haben einen solchen Haarpinsel auf der Oberseite 
der Htfl. und die Duftschuppen stehen auf der Rückseite 
der Vdfl. oder sie fehlen ganz, wie denn übeihaupt in 
diesen d'd'-Auszeichnungen eine grosse Mannichfaltigkeit 
herrscht. 

Unter den Catopsilia-Arten, deren nähere Beschreib- 
U'ig man im speziellen Theil findet, bildet die C. Menippe 
Huhn, ein merkwürdiges Mittelglied zwischen dieser und 
der folgenden Gattung Gonopteryx, so dass sie als be- 
sondere Gattung Amynthia abgetrennt wurde. Die Füh- 
ler und Palpen, so wie die Ausmündung des 4ten Sub- 
costalastes unter der Spitze in den Aussenrand, wodurch 
sich Catopsilia hauptsächhch Yon allen verwandten Gat- 
tungen unterscheidet, zeigen aber deutlich ihre Zugehörig- 
keit zu diesen, wenn gleich es sich nicht leugnen lässt, 
dass ihre äussere Erscheinung besser zu Gonopterj'x passt, 
mit welcher sie auch einige untergeordnete Charaktere 
gemeinsam hat. 

23. Gonopteryx Leach. (ca. 9 Arten.) 

Taf. 7. G. Rhamni L. 
H. Prtlp->, 1\ Fühler, c. Klanen (geöffnet). 

Der auffallendste Charakter dieser wohlbekannten Gat- 
tung liegt in den sicheFörmig umgebogenen und 
scharf zugespitzton Vdfln. und den in einen Win- 
kel vorgezogenen Htfln. Auch mündet der 4te Sub- 
costalast nicht wie bei Catopsilia in den Aussenrand, sondern 
oberhalb der Flügelspitze in den Vorderrand. 

Die Pa'pen ragen nur wenig über den Kopf hervor 
und sind mit steifen angepressten Schuppen und Haaren 
dicht besetzt. Fühler kurz, kräftig und allmählich 
gegen das abgestumpfte oder auch mit einem her- 
vorragenden Spitzchen versehenen Ende ver- 
dickt. (Unterschied von Krikogonia). 

Subcostale 4ästig, der 1. Ast stets weit vor dem 
Zellende, der 2te mehr oder weniger dem letzteren ge- 
nähert und vor dem Zellende selbst entspringend; Ast 3 
und 4 eine Gabel bildend, der 4te Ast stets in den Vor- 
derrand mündend. OR zum Theil mit SC verwachsen, 
UDO stark nach innen gebogen, in ihrer Länge zu MDC 
aber wechselnd. 

Die Htfl. haben die ausgezogene Spitze entweder am 
2ten (G. Rhamni L.) oder 3ten Medianast ('G. Clorinde 
Godt). 

Die eigenthümliche Flügelform ist für Gonopteryx so 
charakteristisch, dass sie wohl mit keiner andern Gattung 
verwechselt werden kann als mit der folgenden Kriko- 
gonia, welche aber durchaus runde Htfl. besitzt. Bemer- 
kenswerth ist noch die zu einem dünnen Stiel verküm- 
merte Form der Streckplatte an den Fussklauen, (Fig. c) 
während die Anhängsel gut entwickelt sind. 

Obwohl die Artenzahl dieser Gattung gering ist, fin- 
den sich doch in allen Faunengebieten, mit Ausnahme 
Australiens, Vertreter derselben. In dem tropischen Süd- 
amerika entwickeln sich die Formen zu einer Riesengrösse, 



wie ein Blick auf die im I. Theil abgebildete G. Clorinde 
zeigt. 

24. Krikogonia Reak. (3 Arten.) 

Taf. 7. K. Lyside Godt. 

a. Palpe, b. Fühler. 

Dieses kleine, nur aus 3 Arten bestehende Genus 
schliesst sich ganz eng an Gonopteryx an, mit dem es 
auch früher vereinigt war, sich aber durch die gerun- 
deten Htfl. und die mit einer deutlichen knopf- 
förmigen Kolbe versehenen Fühler sofort unterscheidet. 
Auch mündet der 4te Subcostalast genau in die Flü- 
gelspitze und nicht, wie bei Gonopteryx, vor derselben 
in den Vorderrand. Ausserdem sind noch die längeren, 
weit über den Kopf hervorragenden Palpen für 
diese Gattung charakteristisch. 

Mit andern Genera kann Krikogonia nicht verwechselt 
werden. 

Die wenigen Arten dieser Gattung gehören vorzugs- 
weise den Antillen und Centralamerika, dem Süden Nord- 
amerikas und Venezuela an und gleichen in ihrer äusseren 
Erscheinung etwa den 29 unserer G. Rhamni L, nur 
dass sie an der Vdfiwurzel hochgelb bestäubt sind. 

25. Dercas Boisd. (4 Arten.) 

Taf. 7. D. Verhuellii Hew. 
a. Fühler. 1i. Palpe- 

Auch dieses Genus ist ganz nahe mit Gonopteryx 
verwandt, wenngleich die Aehnhchkeit mehr im Geäder, 
den Palpen und Fühlern, als der äusseren Form der 
Flügel liegt. Diese besitzen nämlich einen an der Spitze 
ganz merkwürdig ausgeschnittenen und gezähne'.ten Aussen- 
rand, der von der 3ten Medianader ab fast ganz senk- 
recht verläuft. Die Htfi. sind am 3ten Medianast stumpf 
vorgezogen. Der Hauptcharakter der Gattung liegt in- 
dessen in der grossen, kurzen und dicken Zelle der 
Vdfl., welche kaum 1/3 der Plügellänge erreicht, und in 
der Stellung des 2ten Subcostalastes, welcher sich genau 
am Zellende selbst abzweigt. Der 4te Ast dagegen 
verläuft, wie bei der vorigen Gattung, in den Vorderrand. 

Die Fühler sind kurz und allmählich verdickt, am Ende, 
abgestumpft. Die Palpen stark beschuppt und seitlich 
zusammengedrückt, aber die einzelnen Glieder schief' 
abgeschnitten, auch ist die Präcostalader stärker ent- 
wickelt als bei irgend einer andern Dryaden-Gattung, im, 
Verhältniss zu Pieris aber immer noch verkümmert. 

Die wenigen hiezu gehörigen Arten sind auf das 
indische Faunengebiet beschränkt und unter sich sehr 
ähnhch. Eine bemerkenswerthe Ausnahme macht nur. 
D. Wallichii Doubl, welche mitten zwischen Dercas und 
Gonopteryx steht, der letzteren fast noch ähnlicher sieht, 
als ersterer. 

26. ColiaS Fabr. (ca. 50 Arten.) 

Taf. 7. C. Edusa Fabr. 

a. Fühler, b. Palpe, e. Fiissldauo. 
Dieses alte Fabricius'sche Genus, welches als ur-. 
sprünglicher Typus der Dryaden betrachtet werden kann, 
zeichnet sich von allen andern Pieriden-Gattungen durcli 



PIERIDEN. 



69 



das Fehlen jedes Anliängsels an den Pussklauen 
aus. Diese besitzen weder die Streckplatte, noch die unter 
dem Namen Paronychien bekannten zarten raembran artigen 
Gebilde, welche bei allen übrigen Pieriden angetroffen 
■werden (siehe Fig. c). Nur noch Meganostoma, welche 
aber auch jetzt noch öfter als Colias aufgefiihit wird, und 
die kleine Natha'is stimmen hierin mit Colias überein. 
Durch diesen Charakter und noch einige andere Merkmale 
wird die Stellung von Colias ziemlich isolirt. "Wir 
geben daher die Diagnose etwas ausführlich, weil gerade 
diese Gattung den europäischen Sammlern sehr genau 
bekannt ist. 

Palpen ::usainmen<jedri(ckf, länr/er (th der I\op/^ vorderseifs sotcohl mit 
Schuppen ah auch mit .steifen Haaren, seitlich aber nur viit breiten 
htr::en Srhupjyen bedecld. Erstes Glied am längsten, rfebojen, Mittel- 
tjlied l-oniich, ahftestampft, Endfjlled klein, scharf r^u^espit'ct- 

Fühler liarz,zieinli'-h stark, alhnählich in eine oben ahijestumpfte 
Kolbe nberrjehend, 

Vdfl. mit sturnjifer Ecke, Costaluder sehr starl: Subcostalader 
-iiMi;/, mit dem llen Ast veit vor dem Zellende, dem 2ten 
bald nach demselben, 3 und 4 eine litrze Gabel in der Flilfjel- 
spilze bildend. Ast 4 stets in den Aussenrand unter der 
l<'lü<j elsp itze eimniindend. Obere Badial-Ader zur Hüljte mit 
SC verwachsen. T^D(! sdw:Lch fjebojen, um vieles grösier als die 
kleine rjerade MJIt'. 

Tltfl. aticjermidet, Präcostale fehlend. 

Die einzige Gattung, mit welcher Colias verwechselt 
werden kann, ist die folgende Meganostoma, von der 
sie sich aber durch die stumpfe Flügelspitze und die 
Stellung des 2ten Subcostalastes nach dem Zellende, sowie 
das Einmünden des 4ten Astes in den Aussenrand ge- 
nügend unterscheidet; von Nathalis, mit der sie auch 
eine gewisse äussere Aehnliohkeit besitzt (neben dem sie 
eng mit einander verbindenden Hauptcharakter), wird sie 
schon durch die 4theilige Subcostalader getrennt. 

Obwohl die Gattung Colias durch ihre Verbreitung 
in allen Faunen gebieten der Erde (mit Ausnahme vielleicht 
nur des Innern Afrika's, von welchem bis jetzt wenigstens 
keine bekannt ist) rein cosmopolitisch genannt werden 
muss, so ist ihr liauptgebiet doch die nördliche Zone 
sowohl des amerikanischen , als asiatisch - europäischen 
Festlandes. In den Tropen finden sich die meisten Arten 
nur in den Hochgebirgen, aber vereinzelt kommen sie 
auch in den ebenen Theilen derselben vor. Vielleicht ist 
es diese Gattung, welche von allen Tagschmetterlingen 
am meisten nördlich vordringt, denn wir finden unter dem 
75° n. B. noch die C. Bootldi und am entgegengesetzten 
Ende auf dem Feuerland die C. Lesina. Interessant ist 
die Thatsache, dass einzelne dieser arktischen Formen in 
einem ungemein feurigen Colorit erscheinen. Die C. Lesbia 
aus Patagonien z. B. giebt an Glanz und Schiller keiner 
Tropengattung etwas nach. 

27. Scalidoneura Butl. 

Diese Gattung wurde von Butler auf eine eigenthüm- 
liche Colias-Art, die C. Hermina Butl. aus Feru gegründet, 
und ist dadurch merkwürdig, dass die obere Radiale fast 
ihrer ganzen Länge nach mit der Subcostale verwachsen 
ist und erst in der Flügelspitze eine kurze Gabel mit 
dieser bildet. Dadurch erscheint das Plügelgeäder aller- 
dings etwas auffallend; aber eine Verwachsung der oberen 
ßadiale findet auch bei Colias statt und der einzige Unter- 
schied von dieser Gattung wäre nur der, dass hier die Ver- 



wachsung ausserordentlich weit vorgeschritten ist. Wir geben 
die Original-Diagnose des Autors und bedauern nur, keine 
Abbildung des Geäders dieses zweifellos interessanten 
Schmetterlings geben zu können, da uns kein Exemplar 
desselben zur Untersuchung vorlag. 

.,Golias ähnlich, fsect. Dimer a und Eu x a nt he) mit schmäleren 
Flujehi, diiiiim Aat;nn3ii uil st.irker F i'i'erlcdbi. Vdfl. fast drei- 
ecldjj, C( slalader nach der Mitte des Vurderrandes endijend. Erster 
Subcostalast hinter der Zellrnitte, zweiter und dritter sehr schief nach 
demselben ab<je:.icei(jt, vierter Ast und obere Discoidale eine kurze 
Gabel bildend. Obere Discocellularculer sehr kurz und quer ; untere 
iier nach innen fjeu-inkelt. Ziceiter und dritter MedicLnast g&näJiert. 
H'nierfliiijel v:ie bei Colias ßiinera." 

Butler, Proc. Zuol. .So,-. ISTL 

28. Meganostoma Reak. (ca. o Arten.) 

Taf. 7. M. Cerbera Feld, 
a. I'alpe. 

Die scharf zugespitzten Vdfl., die Stellung des 
2ten Subcostalastes, welcher entweder genau aus dem 
Zellende oder selbst etwas davor entspringt (M. Caesonia) 
sowie das Einmünden des 4. Subcostalastes in die 
Flügelspitze oder kurz davor in den Vorderrand 
sind die hauptsächlichsten Merkmale, welche diese Gattung, 
deren wenige Arten auch im Aeussern eine grosse Aehn- 
lichkeit mit Colias zeigen, von letzterer unterscheidet. , 

Als ein weiterer nur dieser Gattung eigenthünilicher 
Charakter sind die msrkwürdigon Anhängssl zu betrachten 
welche die O^ an den Tarsen der Mittel- und Hinterfüsse 
besitzen und welche von ihrem Entdecker ßeakirt, dem 
wir zugleich die Aufstellung des Genus vei'danken, Eupro- 
nichien genannt werden. Sie stellen 2 kleine zarte, mem- 
branöse, Sgliederige Gebilde dar. Leider sind sie wegen 
ihrer Vergänglichkeit nur an frischen Exemplaren aufzu- 
finden und so können wir nichts Näheres, auf eignen 
Beobachtungen beruhendes, darüber mittbeilen, da wir ver- 
gebhch danach an trocknen Exemplaren gesucht haben. 

Abgesehen von diesem difficilen Charakter sind die 
obenerwähnten Merkmale i.i Verbindung mit den anhangs- 
losen Klauen vollkommen genügend, um Meganostoma 
von allen übrigen Gattungen zu unterscheiden. 

Die wenigen Arten, welche hiezu zählen und welche 
sich alle sehr ähnhch sehen, gehören dem südamerikanischen, 
z. Th. auch dem gemässigten nordamerikanischen Faunen- 
gebiet an. Das Speciellere darüber findet man im I. Theil. 

29. Nathalis Boisd. (3 Arten.) 

Taf. 7. N. lole Boisd. 
a. Fahler, b. Pa'pe. 

Die Stellung dieser Gattung neben Colias kann nicht 
zweifelhaft sein, da 2 Hauptcharaktere, die anhangslosen 
Klauen und das Fehlen der Präcostal-Ader in den Hinter- 
flügeln ihnen beiden gemeinsam sind. Aber die stark 
geknöpften Fühler, die mehr behaarten als be- 
schuppten Palpen, deren Endglied ziemlich lang und sp'tzig 
ist, zeigen eine deutUche Annäheiung zu der folgenden 
Gruppe der Chariden. 

Nathalis unterscheidet sich leicht durch die nur 
Sästige Subcostalader, von welcher stets zwei Aste 
vor dem Zellende abgezweigt sind, der zweite aber 
dem Zellende sehr nahe steht. OR ist zu '/^ ™it dem 
3ten Subcostalast verwachsen; die MDC gerade, etwas 
kürzer als die starke nach innen gewinkelte UDC. 



70 



PIEEIDEN. 



Htfl. abgeiuiidet-, PC zu einem Knopf verkümmert-. 
Die untere Eadiale nahe an der Verbindungsstelle der 
oberen Radiale mit SC abgezweigt, daher die ODC und 
MDC sehr klein, UDC n-ach innen gebogen. 

Die 3 bekannten Nathalis-Arten sind kleine, gelb und 
schwarz gefärbte Schmetterlinge und haben denselben 
Verbreitungsbezirk wie die vorige Gattung. 



Gruppe IV. Chariden. 

Fühler mit deutlich abgesetzter, oft hnopfförmiger Kolbe, 
in einigen Fällen aber auch nur allmählich verdickt, ohne 
deutliche Kolbe. Palpen über den Kopf hervorragend, 
vorderseits mit langen ahstelienden Haaren, selten mit 
Schuppen besetzt. Endglied spitzig, meist kürzer als 
Mittelglied, in icenigen Fällen rundlich. Subcostale 4 
oder üästig. Präcostale stets deutlich vorhanden. 

Zu den Chariden rechnen wir hauptsächlich die Antho- 
charis-Formen, welche sich in jeder Weise von den Pieriden 
unterscheiden, namentlich durch die gänzlich verschiedene 
Raupen- und Puppenform. In einigen exotischen Gattungen, 
Hebomoia etc., sind die Palpen und Fühler von dem Typus 
ganz abweichend gebildet und nähern sich mehr der vorigen 
Gruppe. Die Gattung Eronia nimmt eine merkwürdige 
Stellung ein, indem sich hier Formen vereinigt finden, 
welche nach drei verschiedenen Richtungen hin Anklänge 
zeigen. Da sie in der Struktur den Danaiden am nächsten 
kommt, haben wir sie an das Ende der Gruppe gestellt. 

Die Grundfarbe ist meistens weiss oder gelb (bei 
Eronia auch hellblaugrün); die OO fast immer mit reich 
gefärbter Flügelspitze. 

Folgende Gattungen gehören dieser Gruppe an. 

Phyliochai-is I .... palaearktischesu.neark- 

^^"^'^■'^ I tisches Gebiet. 

Zegi'is J 

Erocssa 1 

„, ,. Chile. 

Phulia J 

Tevacolns i 

Callo.sune Afrika und Indien. 

Itlmais ) 

Ixias 1 

xj , Indien und Malaven. 

Hebomoia J •' 

Ei'Oiiia Afrika u. Indo-Austra- 

lien. 
Schlüssel zur Bestimmung der Genera. 
. A. j\i/r eine Radialader überhaupt 

vorhanden . Pliulia. 

B. Zwei Padialadern vorhanden. 
ff. Bubcostale öästig. 

* 1 f-Aibcostala.1t vor dem Zelbnde. 

f Vorderrand ausgeschiceift . Ze,i2|"I'is. 
tt Vorderrand gerade . . . PhvHochai'is. 

* 2 Sabcostaläste vor dem Zeüendn. 
t Obere Padiale zum Theil 

mit Subcosfale verwachsen . \ Ailt'iiocliai'is. 

I 3Iiilca. 



tt (Jbere Eadiale frei aus de 
Zelle entspringend 
PC nach innen gelo(jen 
PC nach aussen gebogen . 
b. Subcostale 4ästig. 

* Olere Radiale frei aus der, 
Querrand der Zelle . 
(sehr rjrofse, feiirlj yeßrlle Sclimellerli trje) 
** Obere Radiale frei aus der 
oberen Zellecke \ 

(Idehic oder mittehjrosse fichmeUerl'mje) 
*¥* Qi,p,.p Radiale zu l/ö mit der 

üubcostale verwachsen . . . I.xia 



Ei'oessa. 
Ei'onia. 



Hebomoia. 

Tei'iicolus. 

Idmais. 

CallosTine. 



30. Anthocharis Boisd. fea.io Arten.) 

Taf. 8. A. Cardamines L. 
n. Palpe, b. l'ühler. 

Wir rechnen zu dieser Gattung nur diejenigen Arten, 
welche beim o eine roth gefärbte Flügelspitze be- 
sitzen, und trennen die einfach weiss und schwarz ge- 
färbten Formen mit der typischen ^L Tagis Huhn, als neue 
Gattung Phyllocharis ab. Die Unterschiede im Geäder 
sind bei beiden Formen gross genug, um eine Trennung 
zu rechtfertigen (bei Anthocharis stets 2 Snbcostaläste 
vor dem Zellende, bei Phyllocharis nur einer; OB bei 
Anthocharis nur wenig mit SC verwachsen, MDC ziemlich 
gross; bei Phyllocharis dagegen OK fast zur Hälfte mit 
SC verwachsen und MDC sehr klein), und da auch die 
Raupen und Pujjpen von einander etwas abweichen, so 
scheinen uns die beiden Gattungen in der Natur auch 
wohl begründet zu sein. 

Da wir die Gattung Anthocharis zugleich als Typus für 
die Chariden betrachten, geben wir die Charakteristik 
etwas ausführlicher: 

Kopf ziemlich klein, mit langen Ilaaren hedeclt. 

Aurjen grods, herrorstehend. 

Pallien u-eit über den Kojlf hervorragend, nadeiförmig, vorder^ 
seits mit langen, steijen Jlaaren besetzt, das Mitteig tied am läng- 
sten. Mlndglied kurz, mit wenig anliegenden Scliuppen bekleidet, 
zugespitzt. 

Fühler kurz, mit stark abgesetzter, eiförmiger, Jlacher Kolbe. 

Vdfl. mit öästiger Subcostale, deren beide ersten Aeste nahe 
zusammen vor dem Zellende sich abziueigen, der 3te Ast weit nach 
demselben, Ast 4 und 5 eine kurze Gabel in der I'liigelspitze bildend. 
Obere liadiale nur icenig mit SC verwachsen, MDC 'nur ein 
Drittel so gross als die nach innen gebogene UDC. 

Utfl. mit gerader PC. Untere DC nach innen gebogen, ungefähr dreimal 
so gross als MDC. 

Maupe schlank, von grüner Farbe, nach beiden Enden zu verjüngt, 
ueich behaart. 

Puppe kahnförniig, gebogen, mit stark vorgezogener Brust, beiderseits 
in eine Spitze ausgezogen, am Bücken schwach gekielt. 

Die Arten dieser Gattung, als deren- Vertreter wir 
A. Cardamines L. ansehen, gehören ausschliesslich den 
beiden grossen gemässigten Faunengebieten, also dem nord- 
amerikanischen und europäischen zugleich an. 

31. Midea H. S. (3 Art™.) 

Taf. 7. M. Scolymus Butl. 
a. Flihlei-, b. Palpe. 
Wir schalten hier gleich die nordamerikanische Gattung 
Midea ein, da sie sich kaum durch irgend ein wichtiges 



PIEEIDEN. 



71 



Struktur-Merkmal, sondern nur durch die Sichelforni der 
Vdfl. von der vorhergehenden unterscheidet. Es scheint 
fast, flls ob Herrich-S chä f f er, welcher dieses Genus 
in seinem Prodromus Lep. II p. 6 aufstellt, durch 
einen Beobachtungsfehler oder durch ein ganz zufällig 
abnormes Exemplar zu einer Trennung von Anthocharis 
veranlasst wurde. Kach seiner Definition soll nur die 
Rippe 8 (unsere SCi) aus 7 (SCö) entspringen, im Gegen- 
satz zu Anthocharis, bei welcher 8 und 9 aus 7 ent- 
springt (also SCy und 4 aus SCö). Ebenso sollen die 
Eippen 9 und 10 (unsere SCs und 2) aus dem Vorder- 
rande der Mittelzelle und Rippe 9 auf gleichem Punkte 
mit 6 (OR) aus der Zellspitze entspringen, was wenigstens 
bei allen von uns untersuchten Exemplaren nie der Fall 
ist, im Gegentheil bei Midea genau wie bei Anthocharis 
stattfindet. 

Es ist desshalb durchaus nur Ansichtssache, wenn die 
verschiedene Flügelform als generisclies Merkmal ange- 
sehen wird. Von den 3 hiezu gerechneten Arten ge- 
hören 2 dem nordamerikanischen Faunengebiet und eine 
Japan an. Ein kleiner Unterschied besteht noch darin, 
dass die PC der Htfl. an der Spitze schwach nach aussen 
gebogen ist. 



32. Phyllocharis Schatz. Oa. lO Arten.) 

Taf 8. Ph. Tagis Hübn. 
a. Kühler, b. I';ilpe. 

Fühler und Palpen sind ebenso wie bei Anthocharis 
gebildet. 

Die Sästige Subcostale sendet nur 1 Ast vor dem 
Zellende aus. Ast 2 entspringt entweder am Zellende 
selbst oder nach demselben. Ast 3 und 4 in der 
Flügelspitze, der letztere mit Ast 5 eine kurze Gabel 
bildend. Obere Radiale fast 1/3 mit SC ver- 
wachsen. MDC sehr klein oder auch fehlend. UDO 
schwach nach innen gebogen. Htfl. mit gerader PC. MDC 
derselben ^/j so lang als die nach innen gebogene UDC. 
Raupen schlank, von grüner Grundfarbe und mit einem 
•seitlichen rothen Längsstreifen. Puppen nach beiden Enden 
zugespitzt, nur wenig an der Brust vorgezogen. 

Die durchaus verschiedene Stellung der Subcosialäste, 
die Länge des mit der SC verwachsenen Theils der oberen 
Radiale, die kürzere MDC des Vdfls. geben in Verbindung 
mit der verschiedenen Raupen- und Puppenform genügende 
Merkmale, um die Aufstellung dieser neuen Gattung zu 
rechi fertigen. Das Fehlen der rothen Flügelspitze bei den 
^<^ ist ein weiteres, wenn auch untergeordnetes Zeichen 
ihrer Verschiedenheit in generischer Beziehung. 

Die Arten dieser Gattung gehören vorwiegend dem 
europäischen Faunengebiet an, einige konmien auch in 
^Nordamerika vor. 

Die Verwandtschaft dieser Gattung mit der Daplidice- 
Gruppe von Pieris zeigt sich nicht allein in der grünen 
Unterseite der Htfl., in den fast ebenso geknöpften Füh- 
lern und den abweichenden Palpen, sondern auch in der 
weiten Verwachsung der oberen Radiale mit SO. "Wir 
erwähnen noch einmal, dass die ähnlichen Pioris-Arten 
sich leicht durch die nur 3 oder 4ästige SC unterscheiden 
lassen. 



33. Zegris Ramb. (3 Arten.) 

Taf. 8. Z. Eupheme Esp. 
a. Palpe, b. Fühler. 

Auch dieses nur aus wenigen Arten bestehende Genus 
steht Anthocharis in Form und Geäder sehr nahe, dagegen 
entfernt es sich bedeutend durch die Raupen- und Puppen- 
bildung. Auch finden sich einige gute Unterschiede in 
den Fühlern imd Palpen. Fühler stark geknöpft, 
mit spindelförmiger Kolbe. Palpen vorderseits lang 
behaart. Mit t elglie d kür z er al s B as alglie d, End- 
glied sehr klein, zugespitzt. Die Oosta'.ader zeigt bereits 
die Anschwellung, wie sie den folgenden Gattungen eigen- 
thümlich ist. Vorderrand der Htfl. ist beträchtlich aus- 
geschweift. Subcostalader 5ästig. Der Ite Ast vor, der 
2te Ast in gleicher Entfernung nach dem Zellende abge- 
trennt. Ast 3 hinter der Flügelmitte, Ast 4 und 5 eine 
kurze Gabel in der Flügelspitze bildend. Obere Radiale 
fast bis zur Hälfte mit SC verwachssn. MDC sehr klein, 
schief nach innen gerichtet, UDC stark nach innen ge- 
bogen. Die Htfl. mit gerader PC bieten keine Verschie- 
denheit von Phyllocharis dar. 

Obgleich die Schmetterlinge dieser Gattung wenig 
Struktur-ITnterschiede von der vorhergehenden zeigen und 
selbst auf der Rückseite der Htfl. grün gefärbt sind, 
lassen sie sich doch auf den ersten Blick durch den ausge- 
schweiften Vorderrand und das gänzlich verschiedene 
Muster der grünen Zeichnung unterscheiden. Auch zeigen 
beide Geschlechter einen orangen Fleck in der Flügelspitze. 

Der Hauptcharakter liegt indessen in der Form der 
Raupe und Puppe. Die erstere ist dick, walzenför- 
mig und dicht behaart. Die Puppe kurz, dick, 
fast der einer Satyride ähnlich, mit geschwollenem Rücken 
und Bauch, vorderseits in eine kurze Spitze endend, hinter- 
seits eingebogen und abgekürzt. 

Sie ist nicht durch einen Q u e r f a d en b e- 
festigt (obgleich ein solcher, wenn auch rudimentär, 
vorhanden ist) sondern hegt in einem Gewebe von 
ziemhch starken Seidenhaaren. 

Diese Form der Anheftung ist bis jetzt noch bei keiner 
Pieride beobachtet worden. 

Zwei Arten sind, wie bekannt, dem süd- und südöst- 
hch ' europäischen Gebiet eigenthümlich ; 1 Art, die Z. 
Olympia Edw. kömmt in Nord-Amerika vor. 

34. Eroessa Doubl, (i Art.) 

Taf 8. E. Chilensis Guer. 
a. Fühler, b. Palpe. 

Das chilenische Genus Eroessa ist der einzige Ver- 
wandte unserer Anthocharis in Südamerika und unterscheidet 
sich von dieser hauptsächlich durch den freien Ur- 
sprung beider Radialen, so dass also die Zelle durch 
3 deutliche Quer ädern geschlossen ist. 

Der Vorderkopf ist mit einem starken steifen Haar- 
schopf versehen, Brust und Leib dagegen mit langen 
seidenartigen Haaren bekleidet. Die Palpen sind scharf 
nadeiförmig, vorderseits lang behaart, mit gleich langem 
und dünnem Mittel- und spitzigen Endglied. 

Vdfl. mit gezähneltem Aussenrand und Sästiger 
Subcostalader, deren Aste wie bei Anthocharis gestellt 
sind. ODC deutlich vorhanden, klein, MDC und UDC 
von 3facher Länge, erstere nach i)uicn gebogen, schief 



72 



PIEKIDEN. 



nach aussen gerichtet. Htfl. mit nach innen gebogener 
P r ä c s t a 1 a d e r. 

Die einzige Art E. CJiil msis Giti'r. ülegt auf den Hoch- 
gebirgen Chiles und sieht entfernt unserer A. Cardamines 
ähnlich. 

35. Phulia H. S. (i Art.) 

Taf. 7. Ph. Nymphula Blanch. 

Die Gattung Phulia enthält nur eine Species, die 
kleine P. Xi/iiißJnila Blanch., welche neben der. Leucidia 
Brephos wohl die kleinste Pieride ist und sich durch ein 
ganz merkwürdiges Geiider von allen andern Pieriden 
unterscheidet. Sie besitzt nämlich nur eine Radialader, 
welche aus der oberen Ecke der Zelle direkt entspringt. 
Die Subcostal-Adei' ist 4ästig, 2 Äste entspringen vor dem 
Zellende. Ast 3 und 4 bilden eine kurze Gabel in der 
Flügelspitze. Die Htfl. haben eine biinförmige Gestalt 
mit ausgebuchtetem Vorderrnnd und vorgezogenem Vor- 
derwinkel. D'.e PC fast gerade, kaum gebogen. Das 
übrige Geäder ist normal. 

Die Palpen sind ziem'ich gross, mit steifen Haaren 
besetzt und ragen weit über den Kopf hervor. Fühler 
enden in eine eiförmige Kolbe. 

Dieser ausserordentlich seltene, merkwüi'dige Schmetter- 
ling kommt nur in bedeutender Höhe auf den chilenischen 
imd bolivianischen Anden vor (5000 m.) Da die Kost- 
barkeit des Objectes nicht erlaubte, ein Exemplar zur 
Untersuchung abzuschuppen, so ist die Frage unentschieden, 
ob die obere Eadiale wirklich verkümmert oder nicht am 
Ende doch din-ch den 4. SCast repräsentirt wird, während 
die SC in Wahrheit nur 3ästig ist. Der 4te Subcostalast 
würde dann die obere Eadiale vorstellen, welche unge- 
wöhnlich weit mit der Subcostale, wie bei Scalidoneura, 
verwachsen ist. 

36. Teracolus Swains. (i Art.) 

Taf. 8. T. Subfasciatus Swains. 

Die drei Gattungen Teracolus Swains., C a 1 1 o s u n e 
Doubl, und Idmais Boisd. sind von Butler in eine 
einzige zusammengezogen und unter dem alten ursprüng- 
lichen Xamen Teracolus vereinigt worden. In der 
Struktur, dem Geäder, in der Fühler und Palpenbildung 
sind sie in der That so gleich gebildet, dass sich hieraus 
kein einziges sicheres Unterscheidungsmerkmal herleiten 
lässt. Wenn wir dennoch diese drei Gattungen aufrecht 
erhalten, so geschieht es nur desshalb, weil wir glauben, 
es werden sich sicherlich noch Verschiedenheiten in der 
Eaupen- und Puppenbildung, (von denen noch gar nichts 
bekannt ist) auffinden lassen. Denn wenn auch die Struk- 
turform der vollkimimenen Insekten fast die gleiche ist, 
so ist die Verschiedenheit in der Flügelfärbung doch 
so gross, dass man den g''össten Theil der Arten sicher 
daran erkennen kann. 

Zu der Gattung Teracolus rechnen wir nur die eine 
Species T. Suhfasciatus, auf welche sie gegründet worden 
ist und welche sich auch durch die mehr zugespitzten 
Flügel am meisten von Callosune und Idmais unterscheidet. 

Da das einzige uns vorliegende Exemplar aus der 
Staudinger'schen Sammlung (ein Uncium derselben) 
eine genauere mikroskopische Untersuchung der Fühler 



und Palpen verbot, so konnten wir nur das Geäder 
nach diesem ungeschuppten Exemplare wiedergeben. 
Es stimmt in allen Verhältnissen mit dem der folgen- 
den Callosune überein, daher die Diagnose derselben auch 
auf Teracolus passt. Der Kopf ist oberseits behaart; die 
Palpen mit kurzen steifen Haaren besetzt ; Endglied kegel- 
förmig. Die Vdfl. sind scharf zugespitzt mit ziemlich 
grosser, oben gebogener Zelle. 

Die einzige hiezu gehörende Art, der T. Suhfasciatus 
Eumiiis., dessen Äusseres durch die Abbildung im I. Theil 
kenntlich gemacht ist, wird in Südafrika gefunden, muss 
aber dort ausserordentlich selten sein. 



37. Callosune Doubl, (ca. loo Arten.) 

Taf. 8. C. Jone Godt. 
a. Pal|>e, b. Flihlei'. 

Kopf rrenij Iieirorrajend, wU steifen Haaren besetzt. Tnorcw: mit lan(jen 
seidenen Haaren heilecht. Palpen ziemlich harz , Unterseite horstlfj 
behaart, mit spltzhjem EfLibjlied. 

Fühler mit birn'ürmi/jer ßacher Kolbe. 

VdjL mit rjerundeter Flügehpitze, oberjtalb r/eicülbter, mehr oder minder 
breiter Zelle. Costalader gerjtn die liasis hin starJ: verdicict Sub- 
costale vierästif/., zwei Aste nahe zusamvien vor deni Zellende, 
der zweite stets sehr lanj und fast bU zur Fliijelsjnlze reichend; 
Ast 3 und 4 eine kurze Gabel bildend. Die obere Radialader 
frei, nicht mit der Subcostale verivachsen, am Zellende 
ent'spriiii/etul ; ODC fehlend oder auf einen Punkt verldimmert, MDC 
nur '/^ so lani/ als 1JDC. 

Htfl tnit nach aussen rjcbogener Präcostale, die MDC halb so lanj oder 
'iremfjer als UDC, öfters fehlend. 

Die Callosune-Arten sind durchgängig schön gefärbte 
Schmetterlinge mittlerer Grösse, von weisser oder gelber 
Grundfarbe und im männlichen Geschlecht meist mit einer 
scharlachrothcn oder feurig carminrothen, in einzelnen 
Fällen auch prachtvoll violetten oder tief bordeauxfar- 
benen, selbst ledergelben Flügelspitze.*) Die Q^ sind 
meist trüber gefärbt, und mehr mit Schwarz gezeichnet, 
aber es giebt auch Arten, bei denen die o O auf der- 
selben Stufe wie die 5$ stehen geblieben sind. (G. Pro- 
tomedia Kl.) Viele der hiezu gehörenden Arten ähneln 
durch die roth gefärbte Flügelspitze der Gattung Antho- 
charis. Von dieser können sie leicht durch die vierästige 
(nicht öästige wie bei Anthocharis) Subcostalader, durch 
die kürzeren Palpen und die frei aus der Zellecke ent- 
springende obere Eadiale unterschieden werden. Dieser 
letztere Charakter trennt sie auch von der Gattung Pieris, 
mit welcher einige fleckenlose Arten, namentlich im ^ 
Geschlecht, leicht verwechselt werden können. 

Die Gattung Callosune gehört fast ausschliesslich dem 
afrikanischen Faunengebiet an und ist hier in einer grossen 
Artenzahl (circa 100) vorhanden. Wie Dr. Staudinger 
bereits im I. Theil auseinander gesetzt hat, werden aber 
viele Arten eingezogen werden müssen, so dass sich die 
Zahl derselben bedeutend reduciren wird. Das Haupt- 
centrum ihres Vorkommens scheint Südafrika und die 
heissen Küstenstriche um das rothe Meer zu sein. Von 
hier aus sind einige Arten bis nach Indien vorgedrungen, 
doch fehlen sie gänzlich dem malayischen Archipel, Austra- 
lien und Südamerika. 



*) VVallengreen gab dieser Gattung den schönen und bezeich- 
nenden Namen „Anthopsyche" (ßliunenseele) und es ist sehr zu 
bedaueir, dass dieser ans Prioritätsrlieksichten hat weichen mi'issen. 



PIEEIDEN. 



73 



Die charakteristisch gefärbte Plügelspitze der OO 
zeichnet diese Gattung hauptsächlich von Idmais aus, bei 
welcher die Plügelfarbung entweder einfach wci;-s, oder in 
jenem eigenthümlich röthlich-gelben Farbenton gehalten ist, 
der so vielen afrikanischen Schmetterlingen eigen ist. Es 
wäre sehr interessant, die genauen phvsiognomischen 
Verhältnifse jener Länder zu kennen , wo diese beiden 
so nnhe verwandten, aber durchaus verschieden gefärbten 
Gattungen vorkommen. Die Idmais-Arten scheinen nach 
ihrer äussern Erscheinung mehr die unfruchtbaren wüstcn- 
rrt'gen Distrikte zu lieben, wählend die auffallend gef-irb- 
ten Callosimen vielleicht blumige Grasfluren bevorzugen, 
wo ihnen der Parbenschmuck von grösserem Nutzen ist. 
Unter allen Tagschmetterlingon sind es nur die Callosunen 
allein, bei denen violette Faibentüne auftreten, die sonst 
äusserer lentlich selten in der Thierwe'.t vorkommen, und 
es wäre eine wundervolle Bestätigung des allgemeinen 
Naturgesetzes von der Anpassung, wenn es sich heraus- 
stellen sollte, dass die Floren jener Distrikte, wo diese 
auffallenden Formen fliegen, vorzugweise violett gefäibte 
151üthen besitzen. 



38. Idmais Bcisd. (ea. 25 Arten.) 
Taf. e. I. Fausta 0:iv. 
a. Pal e, b. Kiihler. 

Diese Gattung stimmt im Fliigelgeäder, Bau der Palpen 
und Fühler so genau mit der v übergehenden überein, 
dass kein sicheres und gut untersclieidendes Merkmal 
dafür gegeben werden kann. Bei der geringen Konntniss 
von den Jugendzuständen fast aller hiezu und zu der vorigen 
Gattung gehörenden Arten wäre es verfrüht, schon jetzt 
über die Berechtigung dieser Gattungsaufstellung ein ür- 
theil zu fällen. Die Verschiedenheit in der Plügelfäibung 
ist bis jetzt das einzige Merkmal, wodurch sich Idmais 
von Callosune untei scheidet. Diese ist in den Extremen 
beider Gattungen, a's deren Typen wir die Callosune 
Danae Fü'k mit carminrother F!ügels])itze und die 
Idmais Fausta Oliv, von einfach löthlichgelber Grund- 
farbe und mit schwarz gefleckter Flügelspitze annehmen, 
verschieden genug. Aber es giebt in der That einige 
Formen, bei welchen man zweifelhaft ist, ob sie dieser 
oder jener Gattung angehören, da sie von beiden gleich- 
viel charakteristisches enthalten. 

Dergleichen grösseren, vielleicht noch in der Bildung 
begriffenen Foimcomplexen begegnet man im ganzen 
organischen Leben, und es hängt ganz von den individuellen 
Ansichten über die Summe der abweichenden Eigen- 
schaften ab, ob solche variable Formen in Gattungen 
getrennt oder vereinigt werden. 

Die Gattung Idmais, welche bei weitem r.icht so 
zahlreich an Alten ist (ungefähr 25 sind bekannt) wie 
Callosune, hat denselben Yerbreitungsbezivk wie die vorige 
Gattung, aber die Hälfte ihrer Arten geht bis in das in- 
clischePaunengebiet, und eine Art, die bekannts I. Fausta, 
betritt sogar die südlichen Grenzen des europäischen. 
Diese letztere Art zeigt die typische Färbung in ausge- 
zsichneter Weise und kann als massgebend für d'e 
Gattung gelten. Andere haben eine weisslichere Grund- 
farbe und sind nur an der Spitze schwach gefärbt. Dies? 
Verschiedenheiten werden durch die im I. Theil abge- 



bildeten Arten am besten illustrirt, worauf wir hiemit 
verweisen wollen. 

39. IxiaS Hübn. (ca. 12 Arten.) 
(Thcstias Boisd.) 

Taf. S. L Pirenassa Wall.) 

Die Gattung Ixias ist sehr nalie mit der vorhergehenden 
Callosune verwandt, wie dijs schon der Habitus und die 
beim O O ähnlich , meist roth oder orange gefärbte 
Flügelspitze darthut. Sie unterscheidet sich aber durch 
de theilweise mit der Subcostalader verwachsene 
obere Radiale, we'che bei Callosune stets frei aus der 
oberen Zellecke entspringt. 

Koßf ziemlich fjross und wie der Thorax thelU mit tjjr.stenförmlgen, 

thells seidenartifjen Haaren tjesef^i. 
Palj:) eil rorderselts steif bthaart^ mit starl: fjekräniaterii Bas'ilfjlled und 

sehr kltinein Jcegel/orviif/tn Endiflicd. 
Fahler mit Jjimförmtfjer KoWe versehen, 
Vdfl mit vierästlfjer Sidic State, icovon die beiden ersten Aste vor 

dem Zellende entsj^rlnjcn, Jst .5 und 4 eine ziemlich fjrnsse Gabel 

bilden. Obere Radiale ungefähr %u '/s mit der Sub- 

Jltfl. mit sclivjach gezähneltein Aussznrand', Präcostale nach aussen 
f/ebofjen, undeutlich zu-elspaltlg, der linlce Ast hiopffonnlg. 

Jlaitjje und Puppe soll sich nach Doubledatj nur '/renlg von 
AnthocliarU untersclielden . 

Die bis jetzt bekannten Arten von Ixias gehören 
aussch'.iesslich dem indischen Faunengebiete an. Eine 
Art soll auch noch in Südafrika vorkommsn, doch ist es 
sehr zweifelhaft, ob diese zu Ixias gehört, da eine Ver- 
wechslung mit der nahe verwandten Callosune nicht aus- 
ffoschlossen ist. 



40. Hebomoia Hübn. (3 Arten.) 
(Iphias Boisd.) 
Taf. 8. IL Glaucippe L. 

a. Palpe, b. Fühler. 

Diese prächtige Pleriden-G.xttung enthält die Riesen 
der ganzen Familie und zeichnet sich ausserdem durch 
das leuchtende und feurige Colorit ihrer Arten aus. 

Man kann dieselben ganz gut als gigantische An- 
thocharis bezeichnen, da sie ebenso wie diese gefärbt 
sind: entweder von weisser oder gelber Grundfarbe mit 
feurig orangerother Piüge'spitze. Das 9 ^iner Art zeigt 
sogar nur einfach schwarze Flügelspitzen, wie die An- 

thocharis-^O- 

Die Ähnlichkeit mit dieser Gittung beruht aber nur 
auf der äusseren Erscheinung allein; in der Fühler- und 
Palpenbildung nähert sie sich den Dryaden. Da schon 
die Grösse der einze'nen Arten eine Verwechslung mit 
anderen Pieriden aussohliesst, so genügt es, den Ilaupt- 
charakter dieser Gattung anzugeben, welcher darin beruht, 
dass die Fühler lang und völlig kolbenlos sind, 
sich nur allmählich gegen die Spitze zu ver- 
dicken, und die obere Radiale frei aus der Dis- 
cocellularader entspringt. 

Dieses erste Merkmal zeigt eine bedeutende Abweichung 
vom Chariden-Typus ; auch sind die Pa'pen vollkommen 
denen der Eronia gleich, so dass die Stellung in dieser 
Gruppe etwas isolirt ist. Hebomoia erscheint gewisser- 
massen als eine Mittelform dreier Gattungen, da sie 



74 



PIEEIDEN. 



Charaktere von Anthocharis, Eronia und Catopsilia in 
sich vereinigt. 

Die Raupen, vi'elche auf Capparis- Sträuchern leben, 
ähneln ganz den Catopsilien-Raupen. Sie sind dick, nacli 
beiden Enden zu verjüngt, von grüner Farbe, mit blassen 
Seitenstreifen und von chagrinartiger Obeifläche. Die Puppen 
sind kahnfönnig gebogen, mehr der Anthocharisform 
ähnlich und beiderseits in eine lange Spitze ausgezogen. 

Die wenigen bis jetzt bekannten Arten dieser hervor- 
ragend schönen Pieridengattung gehören ganz dem indo- 
malayischen Faunengebicte an. 



41. Eronia Hübn. (ca. 20 Arten.) 

Taf. 6. Eronia Tritaea Feld, 
a. Fiihler, b. Palpe. 

Diese letzte Pieriden-Gattung zeigt uns in ihren Arten 
ein so ausserordentlich verschiedenartiges Bild, dass man 
mindestens 5 Formen unterscheiden kann, von denen 4 
in Afrika allein vorkommen, die letzte aber dem indo- 
australischen Gebiet angehört. Dies spricht sich auch in 
den Stiukturmerkmalen aus, welche aus allen drei Haupt- 
gruppen zusammengesetzt erscheinen und Charaktere der 
Pieriden, Dryaden und Chariden mit einander vereinigen. 
An die erste Gruppe erinnert die Fählerbildung, an die 
Dryaden die Form der Palpen, welche seitlich zusammen- 
gedrückt und vorderseits dicht mit Schuppen und Haaren 
bekleidet sind, an die Chariden die Sästige Subcostale. 

So verschieden die einzelnen Arten nun auch erscheinen, 
so stimmen sie doch in allen Hauptmerkmalen gut über.- 
ein, und der ausgezeichnetste Charakter, welcher allen 
gemeinsam ist und sie von den ähnlichen Gattungen unter- 
scheidet, liegt in der öästigen Subcostale, deren 
beide erste Aste nahe zusammen vor dem 
Zellende, Ast 3 und 4 ebenfalls nahe zusammen, 
aber sehr weit nach demselben, fast in der 
Flu gel spitze abgezweigt sind und der letzte mit dem 
5ten Ast eine kurze Gabel in derselben bildet. Auch ist 
die obere Radiale nicht mit SC verwachsen, sondern 
entspringt frei aus der oberen Zellspitze, 
oder selbst aus einer wenn auch sehr kleinen ODC; die 
Präcostale ist nach aussen gebogen. 

Die Palpen sind kurz, kaum über den Kopf 
hervorragend, seitlich zusammengedrückt, 
dicht mit Schuppen und theilweise auch mit 
Haaren bekleidet, mit langem gebogenen Basalglied, 
kurzem eiförmigen Mittelglied und sehr kleinem Endglied. 
Die Fühler ziemlich lang, allmählich in eine mehr 
oder minder ang e seh w oll e ne Kolb e übergehend, 
das Endglied gewölbt, nicht abgeschnitten. 



In den Discocellu'aren der Vdfl. findet sich bei den 
einzelnen Arten ein geringer Unterschied, indem die 
MDC gebogen und nur 1/3 so lang als die ebenfalls ge- 
bogene UDC ist und beide ziemlich senkrecht stehen 
(bei Leda und Cleodova), oder wie bei Argia, Valeria, 
Pharis geknickt und etwa halb so lang als die mehr schiefe 
und wellenförmige UDC ist. 

In den Iltfln. ist ein ähnlicher, wenn auch nicht so 
scharf hervortretender Unterschied voi'handen. 

Bei Cleodora ist MDC '/s so lang a's die geknickte 
UDC ; bei Leda ebenso, aber die UDC ist wie bei den 
folgenden wellig gebogen. Bei Argia ist MDC etwa '■^jj 
so lang, bei Valeria fast 1/2 so lang als UDC. Auf diese 
Unterschiede gründete Butler seine neue Gattung 
Nepheronia, welche die Argia- und Pharis-Gruppe, sowie 
die indischen Eronien enthält, während er zu Eronia 
nur die Cleodora- und Leda-Gruppe rechnet. 

Der Verbreitungsbezirk von Eronia erstreckt sich über 
das ganze afrikanische und indo-australische Gebiet. Die 
Mehrzahl der Arten (etwa 15) kommt in Afrika vor, und 
diese zeigen nicht allein unter sich, sondern auch von den 
indischen Arten die grösste Verschiedenheit in der Form 
und Flügelfärbung. Die Z.?(:Za-Gi-uppe erinnert durch die 
leuchtend gelbe Flügelfärbung au die Catopsilien (in den 
blasseren <J9 noch mehr als in den 00, dessen orange- 
rothe Plügelspitze auch wieder den Callosunen ähnelt) ; 
Ärtjia Fah: und deren Verwandte zeigt den unverfälschten 
Pieris-Typus ; die zarte reinweisse Pharis Boisd. nähert 
sich mehr den Pontien mit abgerundeter Fiügelspitze. 
Nur Cleodora Kühn, steht ziemlich isolirt di. Die in- 
dischen Efonien sind im Habitus gänzlich verschieden von 
den afrikanischen; die oo haben meist eine schöne 
zarte blassbiaue Grundfärbung mit schwarz bestäubten 
Flügelrippen und die 29 einiger Arten zeigen eine auf- 
fallende Ähnlichkeit mit den Danaiden. Wenngleich 
diese Ähnlichkeit auch vielleicht nur auf mimetische Ur- 
sachen zurückgeführt werden muss, so ist Eronia doch 
diejenige Pieriden-Gattung, welche im Geäder den 
Danaiden am nächsten kommt, wie wir dies bereits oben 
erwähnt haben, und es ist wohl möglich, dass wir in ihr 
noch ein , wenn auch modificirtes Mittelglied beider 
Familien vor uns haben. Auffallend bleibt immerhin, dass 
sich nur bei den (So in dieser Gattung (und den Dis- 
morphien Südanurikas, welche vielleicht den Neotropiden 
gegenüber dieselbe Stellung einnehmen) auch die merk- 
würdige ausgebuchtete Flügelbildung wiederholt, die 
so charakteristisch für viele O O Euploeen ist und im 
engsten Zusammenhang mit dem auch hier in Euploea- 
artiger "Weise ausgebildeten Duftschuppenfelde steht, wo- 
von die Eronia Argalis Feld, (besser noch die E. Tritaea 
Feld.) im I. Theil eine Vorstellung giebt. 



III. D a. n a. i cl e n. 





Fig. 4. 



Fig. 1. Danais Erippns Cr. c^. Fig. 2 und 3. Raupe und Puppe desselben. Alles natürliclie 
Grösse. Fig. 4. VorderflligelbaBis. Fig. 5. J' und ^ Tarsus, entschuppt und 10 mal ver- 



Mit den Danaiden beginnt die Reihe jener Schiuetter- 
lingsfamilien, deren Vorderfüsse sowohl im männlichen 
als auch im weiblichen Geschlechte verkümmert sind und 
welche von Bates zu seiner Hauptfamilie „Nympha- 
lidae" vereinigt wurden. Es gehören hiezu die Danaiden, 
die echten Hell c o nier imdAcraeen, die eigentlichen 
Nymphaliden (Nymphalinen Bat.), die S a t y r i d e n 
und zwei kleinere Familien : Morphiden und Brasso- 
liden. In wie fern eine so enge Vereinigung aller 
dieser Familien mit den gegenseitigen Verwandtschaftsver- 
hältnissen im Einklang steht, werden wir kurz bei den 
Nymphahden näher zu erläutern suchen. 

"Wir betrachten zunächst die Danaiden als einen 
besonderen Stamm für sich, der sich parallel dem engeren 
-Nymphalidenstamm entwickelt hat und sich von diesem 
fundamental untei scheidet. Dieser Stamm spaltet sich in 
zwei weitere, welche fast ausnahmslos schon durch ihre 
Vaterländer geschieden werden: einen älteren, die Danai- 
den der früheren Autoren begreifend und der „alten 
Welt" speciell angehörend, und einen zweiten, die sog. 
-Danaid-Heliconier umfassend und fast ausschhess- 
lich dem neotropischen Gebiet eigenthümlich. Die Gründe, 
welche uns veranlassten, die letzteren als besondere Fami- 
lie unter dem Namen „N e o t r o p i d e n" abzutrennen und 
«ie den alten Danaiden gegenüberzustellen, geben wir 
'weiter unten in der allgemeinen Geschichte der Familie. 



Wir fassen demnach die „Danaiden" noch im Sinne 
Doubledays, aber etwas erweitert, auf, indem wir hiezu 
ausser den Genera Danais, Euploea, Hestia, Ideopsis 
und Amauris noch die beiden südamerikanischen Gattungen 
Ituna und Lycorea rechnen, während alle anderen süd- 
amerikanischen Genera, welche bisher mit ihnen vereinigt 
waren, ebenso wie auch die austrahsche Hamadryas 
unserer Neotropiden-Familie angehören. 

Der Hauptcharakter der Danaiden liegt in der Rau- 
penform, in der eigenthümlichen keulenartigen 
Missbildung der 95 Vorderfüsse, welche ausserordentlich 
von der fadenförmigen Form der Danaid-Heliconier ab- 
weichen und sonst nirgends oder doch sehr selten beobachtet 
werden, und in den ganz verschiedenartig gebildeten ge- 
schlechtlichen Auszeichnungen der C^d- entweder in Fonn 
von Haarpinseln am Hinterleibsende (Danais, wohl alle 
Euploeen*), Hestia, Ituna und Lycorea) oder daneben 



*) Die meisten Euploea-o''d' zeigen diese eharakleristisehen 
Haarpinsel im getrockneten (gespannten) Zustande nicht mehr, sei 
es, dass sie leicht abbrechen, oder von dem Thiere während des 
Todes zurückgezogen werden, wenigstens konnten wir dieselben 
oft noch beim Durchsehneiden des Hinterleibs in dea Taschen 
verborgen auffinden; auch versichert uns Herr C. Eibbe, welelier 
tausende von Euploeen gefangen hat, dass er sie bei den lebenden 
(d(J ohne Ausnahme bei allen Arten gefunden hat. 



76 



DAN AI DEN. 



noch sackartige Taschen auf den Iltfiii. (Daiiais z. Th.), 
oder schuppenartige Duftapparate ent%veder allein (Ideopsis 
und Amauris) oder mit den ersteren Formen verbunden 
(Euploea). Dagegen haben die Daraiden nie die steifen 
aufrichtbaren Haarbüschel auf der Oberseite der Htfl., 
wie die Neotropiden. Im allgemeinen werden sie noch 
durch folgende Merkmale genauer charakterisirt: 

Kopf rund, mit grossen, hervorstcli enden Augen und 
kurzen, kaum über die Stirn ]i ervorragenden 
Pallien, deren erstes Glied stets kürzer als 
das Mittelglied ist; Fühler zart und dünn. 

Vdf. itnd Htf. mit langer, schmaler, stets g esc Ji las- 
sen er Zelle. Submedianader der Vdf. an der Basis 
zweispaltig; Geäder hei O und Q gleich. 

Vorderfüsse der OO verkümmert, mit gleichlang e7i 
Schienen und Schenkeln; Fvssglied ohne 
Klauen. 

Vorderfüsse der ^^ verkümmert; die Fuss- 
qli e d er zu e i n e r u n f ö r m ig e n , u n d e u t- 
lich V i er gliedrig en und dornigen Keule 
V e rtca ch s en. 

Klauen der übrigen Füsse einfach, mit oder ohne 
Anhängsel. 

B a u p en g l att , mit fl eise h ig e n , fa d e n a r t ig e n 
Fort s ätze n versehen.") 

Bvppen länqend, mehr oder minder glockenförmig, 
kurz unterhalb der Brust etioas eingedrückt. 

Die Danaiden bilden eine ziemlich abgeschlossene 
Gruppe, welche sich auch schon in ihrem Äussern durch 
die yerlängerte Flügclform, die meist Lingcn und zarten, 
nur schwach kolbigen Fühler, die grossen Augen und den 
keulenförmigen Hinterleib auszeichnet. Von den Nym- 
phaliden und Satyriden unterscheiden sie sich leicht durch 
die an der Basis zweispaltige Submediana; von 
den wonigen ihnen im Äussern ähnlich sehenden Pieriden 
durch die verkümmerten Vorderfüsse. Die Neotropiden, 
welche am nächsten mit ihnen verwandt sind, erkennt 
man im cT an dem steifen Haarbüschel auf der Oberseite 
der Htfl., im ^ ^^ ^6^ fadenförmigen Vorderfüssen. 

Die Danaiden sind meist mittelgrosse Schmetterlinge 
von einfach dunkler, brauner oder schwarzer, selten weis- 
ser Grundfarbe, in der Gattung Euploea die OO oft mit 
dem herrlichsten blauen Schiller geschmückt. Charak- 
terisfsch sind auch die weissen Punkte bez. Striche (bei 
Hestia), welche unten am Thorax und der Plügelbasis 
Steher, aber auch in andern Familien vorkommen, doch 
nicht so frappant und allgemein wie bei den Danaiden. 
Ihre Gewohnheiten sind von denen der übrigen Tagfalter 
etwfs verschieden. Sie haben alle einen langsamen, un- 
gelenken Flug, sind mehr auf freien Grasplätzen als im 
"VValde zu treffen, setzen sich gern auf B'.nmen und haben 
derselben Geselligkeitstrieb, wie ihre amerikanischen Ver- 
wandten, die Neotropiden. Einige Arten sind die ge- 
meinsten Schmetterlinge des östlichen Faunengebiets und 
überall da zu finden, wo einigermassen die Bedingungen 



*) Leider ist zur Zeit noch gar riehfs über die Knnpen von 
Ituna und Lycorea, bekann». Es ist dies um so bedauerlicher, als 
gerade die Kenntniss dieser Raupen höchst wünsehenswerth znr even- 
tuellen Bestätigung der neuen Stellung beider genannten Genera wäre. 



ihres Lebens vorhanden sind. Die Raupen von Danais 
leben wohl alle auf Arten der Seidenpflanze (Asclcpias), 
die Euploeen dagegen, soweit bekannt, auf Ficus oder auf 
anderen milchführenden Gewächsen. Von den übrigen 
Gattungen sind die früheren Stände fast gänzlich unbekannt. 
Die Danaiden haben einen ziemlich fest umgrenzten 
Verbreitungsbezirk, denn ihre Heimath ist mit Ausnahme 
dei- beiden südamerikanischen Gattungen Lycorea und 
Ituna d:is ganze östliche Tropengebiet. Nur 2 Danais- 
Arten, der bekannte D. Chrysippus L. und D. Tytia 
Gray, streifen die südlichsten bez. südöstlichen Grenzen 
des sog. europäischen Faunengebiets, und 3 Danais-Arten 
kommen auch in Ameiika vor, und zwar gehen hievon 
2 sowohl nördlich als südlich über die Tropenzone hinaus. 
Diese Ausnahmen können indessen den rein tropischen 
Charakter der Familie nicht verwischen. Im übrigen 
ist Danais sowohl in Indo-Australien, als auch in Afrika 
heimisch, erreicht aber in Asien ihren Höhepunkt. Eu- 
ploea, Hestia und Ideopsis sind nur auf das indo-australische 
Gebiet beschränkt, aber 2 — .3 in der Färbung etwas ab- 
weichende Euploeen kommen auch auf Madagascar, Mau- 
ritius und Bourbon vor, erreichen aber nicht das afrika- 
nische Festland, sondern werden hier durch die Gattung 
Amauris ersetzt. 



Allgemeine Geschichte der Familie. 

Es ist sehr interessant, auch bei dieser Familie die 
verschiedenen Phasen ihrer Entwickelung zu verfolgen, 
da nur si das Verständniss ihrer jetzigen Umgrenzung 
und Stellung im Systeme erreicht werden kann. 

Bei Liiinäus waren die Danaiden und Pieriden als 
Subgenus Danaus noch in seiner Xten Ausgabe des 
„Natursystenis" (1758) vereinigt. Hier zeigt sich der 
Scharfblick des Meisters in schlagendster Weise, da er 
allein, wie es scheint, die nahe Verwandtschaft beider 
Familien erkannt hat, während die späteren Autoren die- 
selben weit von einander stellten. Dies Subgenus Danaus 
theilte Linne in 2 weitere Gruppen, wovon die Danai 
candidi unsere heutigen Pieriden, Danai festiri dagegen 
ungefohr unsere eigentlichen Danaiden (ohne Danaid- 
Heliconier, welche er zu Heliconius, seinem 3ten Subgenus, 
stellte) ausmachten. 

Der Name Danaus wurde indessen von einzelnen 
Nachfolgern Linne 's nur für die Candidi allein (also Pieriden) 
im generischen Sinne gebraucht, ebenso wie Festivi 
für die eigentlichen Danaiden*). Aber erst Latreille 
begründete 1805 zuerst das Genus Danaida genauer 
mit dem Pap. Plexippus L. als Typus. Später (1807) 
verwandelte er den Namen in Danais und 1809 sogar 
wieder in den ursprünglichen Linne 'sehen Namen 
Danaus zurück. Inzwischen hatte auch schon Fabriciua 



*) Diese allerdings unanfechtbare Thatsaehe vpranlasste Moore, 
den alten, längst eingebürgerten Familien-Namen Danaiden durch 
Euplocinen v.w ersetzen. Er vergipst indessen g.anz, dass alle 
diese Autoren, wek-he Danaus für die Pieriden brauchten, dies im 
generischen Sinne thaten, und eist Boisduval r'as Genus Danais 
(EupkiCa Fabr.) zum Range einer eigenen Familie erhob und 
deshalb die Freiheit halte, diese Familie zu nennen, wir er wollte. 



DANAIDEN. 



77 



in seinem Entom. S3'stenie III. 1793 die Festivi 
Linne's Yon den Candidi getrennt, aber erst in seinem 
bekannten Systeme in Illiger's Magazin 1807 die 
ersteren als besondere Gattung, aber unter dem Xamen 
Eiqjloea, und zwar ebenfalls mit dem Pap. Plexippus L. 
als Typus aufgestellt, dem er noch Pap. similis L., sowie 
Pap. Corus als weitere Typen zufügte. (Dieser Pap. Corus 
Fabr. ist nicht identisch mit der bekannten Euploea 
Core Cr., sondern (nach Moore) eine andere seltene Art.) 
Er verstand also unter Euploea genau dasselbe, was 
Latreille 1805 als Danaida, resp. Danais und 
Danaus begriff. Aus dieser klaren Darlegung geht 
wenigstens das Eine mit Gewissheit hervor, dass der 
Latreille'sche Name vor dem Fabricius'schen die 
Priorität haben muss. 

Bei Hübner finden wir in seinem „Verzeichniss 
bekannter Schmetterlinge" (1816) die Linne'schen 
Festivi nun bereits als eine Untergruppe (stirps) seines 
Tribus „ISfymphales" unter dem Kamen Limnodes und 
zwar in 3 Sectionen getheilt, von denen die ersten 4 
Genera und zwar Amauris , Hestia , Euploea und 
Änosia (die beiden letzten gleichbedeutend mit Danais) 
enthielten, die letztere dagegen unsere heutigen Euploeen, 
in 3 Genera getheilt als TrepsicJirois, Cmstia und 
Salpinx. Erst Boisduval erhob die Festivi zum ßange 
einer besonderen Familie, die er Danaiden nannte, 
sie wissenschaftlich begründete und ihr die Umgrenzung 
gab, welche sie bis zur Vereinigung mit den B ates'sehen 
sogen. Danaid-Heliconiern behielt. Seine bekannte Ab- 
neigung gegen Hübner veranlasste ihn, die bereits von 
diesem aufgestellten Genera einfach zu übersehen, und so 
theilte er das ursprüngliche Latreille'sche Genus Danais 
(mit Ausnahme von Hestia, welche Pabricius schon als 
I d e a abgetrennt hatte) in 2 Genera, und zwar in solche, 
bei denen die O O eine sackartige Falte als Auszeichnung 
besitzen und solche, welche keine besitzen. Das eratere 
hielt er als ursprünglichen Typus mit dem Namen Banais 
fest, während er der anderen Gruppe den Fabricius'- 
schen Namen Euploea gab. 

Doubleday, der nächste Bearbeiter der Familie, 
hatte in seinen „Genera" nur drei Gattungen unter den 
Danaiden : Danais und Euploea in der Umgrenzung, wie 
sie von Boisduval aufgestellt wurden, und tleatla. Da- 
gegen trennte er als Sectionen Amaurh und Ideopsis von 
Danais ab (die erste bereits von Hübner richtig erkannt), 
welche später allgemein als selbständige Genera ange- 
nommen wurden. 

Der nun folgende wichtige Schritt, die Vereinigung 
der Danaiden mit einem Theile der Heliconier, 
welche Felder 1862 (Wiener Entomol. Monatsschr. 
VI p. 74) vollzog, würde vollkommen unverständ- 
lich sein, wenn wir hier vorher nicht erst der aus- 
gezeichneten Arbeiten von Bat es über diese Familie 
erwähnten. 

Unter den Ileliconiern waren bis zu dieser Zeit zwei 
Gruppen von Schmetterlingen vereinigt, nämlich unsere 
jetzigen Neotropiden und die echten Heliconier, 
welche sich zwar äusserlich sehr ähneln, aber in der 
Organisation, im Geäder, in der Raupenbildung weit von 
einander abweichen. Diesen Unterschied, welcher sowohl 
Doubleday als Boisduval entgangen war oder doch 
nicht in seiner grossen Bedeutung von ihnen aufgefasst 



wurde, zuerst richtig klargelegt zu haben, ist das grosse 
Verdienst Bat es. Demnach trennte er die Heliconier 
in die Gruppen Acraeid - Heliconier oder sog. echten 
Heliconier und Danaid - Heliconier ; ihr hauptsächlicher 
Unterschied besteht, ausser in der Raupen- und Puppen- 
foi'm, darin, dass bei den let/.teren die Submediana ge- 
gabelt ist wie bei den Da'iaiden, bei ersteren' aber nicht. 
Eben diesen gemeinschaftlichen Charakter zwischen den 
Danaid-Heliconiern und den alten Danaiden benutzte nun 
Felder, um sie zu einer Familie zu vereinigen und in 
dieser Umgrenzung sind die Danaiden von allen darauf 
folgenden Autoren und auch von Kirby angenommen 
worden. 

Eine spätere nochmaUge Trennung, welche dannHerrich- 
Schäffer kurz darauf in seinem Prodromus versuchte, 
gehört der Geschichte an, da sie einen eklatanten Rück- 
schritt bedeutet. Ilerrich-S chä f f e r verstand unter 
den Danaiden nur die einzige Gattung Danais selbst, und 
zwar begründete er dieselbe hauptsächlich auf die „geschlos- 
sene, wenn auch schmale Wurzelzello (Präcostalzelle) der 
Htfl. und die blasige Erhabenheit der d'd' um die Mitte 
des Astes 2 der Htfl." Aber geschlossene Präcostalzellen 
kommen auch bei Euploeen und anderen Gattungen vor, 
und dass der letzte Charakter vielen echten Damis-Arten 
fehlt, werden wir bei dieser Gattung sehen. Sodann ver- 
einigte Herri ch- Schaffe r unter den Heliconiern den 
ganzen Rest : die Euploeen, Hestia, alle südamerikanischen 
Danaid-Heliconier und selbst die Acraeen, ohne auch nur 
auf die fundamentalen Unterschiede, z. B. der letzteren, 
Rücksicht zu nehmen. Soviel uns bekannt, ist auch diese 
sondei bare Familienaufstellung nie von einem andern Autor 
angewendet worden. 

Die Gründe, welche uns veranlassen, die Danaiden 
nun nochmals zu trennen und die Familie im Sinne 
Düubleday's, abar etwas erweitert, aufzufassen, sind folgende: 

3J Die R iuneit der äehteii Danaiden sind tveseyitUch verschieden von 
denen der D i!iaid-Melit)onier (Bates). Di£S2 sind stets liiit langen 
jleischigen Fäden versehenj leben auf Asclepiadeen, während die 
Danaid - Heliconier - Raupen mit harxen ^apfenartigen Brhöhmige^v 
besetzt sind, äbririens imvier mir auf Solaneen vorhmime'i. 

2) besitzen die q q ^^r Danaid-Heliconier auj der Oberseite der Htfl. 
einen steifen, au/richtbaren Haarschopf, die Danaiden aber nie, da- 
gegen als Geschlechtsmerhmale taschenartige Hlnstilljiungen oder 
Flechen auf den Flügeln, selbst Haarbüschel am Hinterleibsende, 
iceUhe aber wieder der ersten Gmppe stets fehlen. 

3) sind die QQ- Vorderpisse der Danaiden durchaus verschieden von 
denen der Danald-Hellconler, ja von allen übrigen Familien mit 
verkümmerten Varderfüssen überhaupt (mit einigen wenigeyi Ausnah- 
men): sie sind an der Spitze keulenförmig itnd. htirz, vmhrend die 

der Danaid-Heliconier lang und fadenförmig sind, 

j.^usser diesen 3 Hauptcharakteren gibt es noch einige 
untergeordnete, wie die Form der Palpen und das in beiden 
Geschlechtern stets gleiche Geäder, welche aber erst eine 
gewisse Wichtigkeit in den Fällen erreichen, in denen die 
Unterschiede noch genauer festgestellt werden müssen, 
wie in einigen neuen, jetzt zu den Danaiden gerechneten 
Gattungen. Auf die an der Basis zweispaltige Submediana 
legen wir weniger Gewicht, da diese auch anderen Fami- 
lien eigen ist, z. B. einzelnen Pieriden, den Eryciniden 
und Lycnenen und in rudimentärer Form auch bei vielen 
Nymphaliden und Heliconiern beobachtet wird. Der 
Untei schied zwischen D a n a i d e n und Danaid-Heli- 
coniern ist sicher grösser, a!» der zwischen Heli- 
coniern und Nymphaliden oder zwischen diesen 



DANAIDEN. 



und den M o v p h i d o n, j a selbst zwischen II e 1 i e o n i e r n 
und A er a e en. 

Angebahnt war diese Trennung' bereits durch mehrere 
Forscher, denn die Vereinigung zweier auch äusserlich so 
wesentlich von einander verschiedenen Gruppen^ wie sie, 
abgesehen von ihren Vaterländern, die Danaiden der alten 
"Welt und die südamerikanischen darbieten, erschien schon 
längst unnatürlich und gezwinige:i. Salvin & Godman 
vollzogen diese Trennung bereits in ihrer ausgezeichneten 
Biologie C en t r a 1- A meri ka' s, indem sie die bis- 
herigen Danaiden in 2 Gruppen — genau unseren jetzigen 
Pamilieii entsprechend — spalteten. Unser geringer Antheil 
besteht nur dai'in, die DanaidJIeüconier zum Eange einer 
besonderen Familie erhoben zu haben. 

Noch müssen wir schliesslich einer neueren Arbeit 
Moore's über die JJanaiden erwähnen, welche haupt- 
sächlich dadurch bemerkensweith ist, dass der Verfasser 
hier die merkwürdigen mimetischen Verhältnisse beleuchtet, 
W"elche zwischen Danais und Euploea einerseits, anderer- 
seits aber auch unter den einzelnen Arten derselben 
Gattung vorkommen, oder doch wenigstens von ihm erblickt 
werden, und welche nach seiner Meinung eine Analogie 
finden in den eigenthünilichen Beziehungen, welche unter 
den südamerikanischen Gattungen bestehen und von 
Bates in seiner berühmten Arbeit über diese Familie 
zur Aufstellung seiner für die Folge so wichtigen Mimicry- 
Theorie den ersten Anstoss gaben. Moore hat die die 
Mimicry betreffenden Thatsachen mit grosser Genauigkeit 
gesammelt. Er theilt die Danaiden (welche er zunächst 
Euploeiuen nennt, aus Gründen, die wir kurz in der 
historischen Übersicht anführten) in 3 grössere Gruppen, 
und zwar ,,Limiiainen^ (die engeren Danaiden begreifend) 
^Euploeii.vii"- (Euploea und Hamadryas!) und eine dritte, 
unbenannte, mit ? gezeichnete Gruppe, welche die sämmt- 
lichen südamerikanischen Gattungen enthält (also auch 
Ituna und Lycorea!). Diese 3 Gruppen sind aber sehr 
ungleichwerthig in ihren Charakteren, da die Veiwandt- 
schaft zwischen den Euploeinen und Limnainen unendlich 
grösser ist, als die zwischen diesen beiden und den Süd- 
amerikanern. ^A'ir glauben, dass tinsere Theilung eher 
in der Katur begründet ist, als diejenige Moore' s. 

Eine zweite auffällige Eigenthümhchkeit ist das Be- 
streben Moore's, die Grenzen der generischen Charaktere 
sö eng zu ziehen, dass innerhalb derselben kaum Raum 
für die geringste Veränderlichkeit, welcher doch jedes 
Lebewesen unterworfen ist, vorhanden bleibt und wir auf 
diese TV'eise schliesslich dahin kommen, den Genus- und 
Artenbegrifi' als Eines zu betrachten. Mit unseren jetzigen 
Gaitungsbegriffen ist es unvereinbar, so gut umschriebene 
und sich auch schon äusserlich abhebende, selbst dem 
Laien durch ihren bestinintt ausgeprägten Habitus sofort 
alz Ganzes entgegentretende Gattungen wie Hestia und 
Amauris noch in 3 weitere, oder die alten Gatttmgen 
Danais in 17 und Euploea gar in 46 kleinere aufzulösen, 
wie Moore dies gethan hat. 

Da für den Piahmen dieses Werks ein weiteres Ein- 
gehen auf diese minutiöse TJreihmg ohne Werth ist, so 
nehmen wir von dieser Arbeit nur in historischer Weise 
Kenntniss; die grösseren Unterabthoilungen, welche von 
Moore nach den Geschlechtsmerkmalen gemacht wurden, 
sind bei Danais und Euploea angegeben und wegen der 



Details verweisen wir auf die Original-Abhandlung u\ den 
,Proceedino;s" der zoolo"'. Gesellschaft in London 1883 selbst. 



Nach unserer Auffassung stellen sich die Danaiden 
als aus 7 Gattttngen bestehend dar mit folgenden Vater- 
ländern : 

Dauai.s Indo- Australien, Afrika, 

Amerika (Europa). 
Ideopsis \ 
Hestita Indo-Australien 

EliploCR J f'^* ^'^'- ""(^^' MadaijCLScar itnd Ma-scareiienJ 

Amaiiris Afrika. 

Lycoi'ca i 

-,, Südamerika. 

Itvma I 

Wir geben nachstehend einen kleinen Schlüssel zur 
Bestimmung der Genera: 

A. Piiicostale nach Ähziceiijuncj der Huhcontale 

von der Costale entspriiiyend. 
a. SCi mit Costale verivachsen .... Hostia. 

(grosse, halbdurchsiehtir/e Sclimetterlinge) 
h. tiüi frei, nicht verwachsen .... Euploea. 

B. Präcostale am Ursprun/je der SC ent- 

springend. 

a. Klauen einfach, ohne Anhängsel. 

* Fühler deutlich geknöpft .... Ideopsis. 
** Fühler allmälilich verdickt . . . Daiiais, 

Aiiiaui'is. 

b. Klauen mit Anhängsel. 

* 2 SC- Aste vor dem Zellende . . . Lj'COrea. 
** 1 SC- Ast vor dem Zellende . . . Ituua. 



1. Danais Latr. (ca. 40 Arten.) 

Taf. 9. D. Erippus Cr. d 
a. Palje, b. q -Voiderfuss, e. Q-Vorderfusp, d. e. Fi;ssklauen. 

Die Arten dieser formenreichon Gattung erkennt man 
hauptsächlich an den einfachen, anhangslosen 
Klauen (Fig. d. e.), den nur allmählich verdickten 
Fühlerkolben und den (w-enn vorhanden) eigenthümlichen 
sackartigen oder knop f form i gen Organen auf den 
Htfln. der od. (Siehe Htfl. der Figur.) 

Durch diese Charaktere unterscheidet sich Danais 
nicht allein von allen Euploeen, sondern auch von den 
nahe verwandten Hestia und Ideopsis. 

Genauer charakterisirt sich die Gattung noch durch 
folgende Merkmale: 

Kopf rund., mit eiförmhjen, heivjrstehenden Augen und deutlich kolblgen 
Fiüdein, deren Kolbe aber niemals scharf abgesetzt, sondern ganz 
allmählich in den Stiel übergeht. 

Palpen huum über den Kojif hervorragend, mit kurzem BasahjUede und 
zuges2ritr.tem Endgliede (Fig. aj 

Vdfl. verlängert ; das Gtäder derselben in beiden Geschlechtern gleich'. 
Std)costale fünjästig, 1. Ast stets vor dem Zellende, öfters mit der 
Costale verwachsen ; 2. Ast entweder vor dem Zellende (Cteona-Gruppe) 
oder genau am Zellende selbst (Chrysipims-Gnippe) oder bald danach 
sich abzireigend (Erippus- und Limniace-Gruppe) ; Zelle lang und 
schmal. 

JJtJ l. gerundet, viit gerader, an der Spitze schioach umgebogener oder 
gegabelter Frücostale, zvelche genau an der Vereinigungsstelle der 
Subcostale sich von der Costale abzireigt; Präcostalselte mehr oder 
minder deutlich vorhanden ; Zelle schmal; die UDC von icechselnder 



DANAIDEN. 



^9 



jÄlnfje lind Stelhing : lei der Ckona-Griq^pe lurz und rechta-inhU'j 

zur M.dlana, het- der Chrysippvs- und Erlpj^h'i-Griqype schief nach 

imicn gebogen void limger als die MDC. 
Q Q-Vorderjüsse ruit lur::em, ehjacheii oder undeutlich zu-eigliedrigen 

Tarsui ; Q C - Vorderfiisse leulcii förmig ^ xtndeuüich viergliedrig und 

donu,j.' 
Jiaiipen Kakei'ßJrniig , fjSfjen den Ko^]f versclnuülert , hesitzcii am 

3/eJi und letzten Sejinente^ ößen au-h am öten, je 2 lanrje ßetscJt'cje 

Fäden und lehen, soiceit helannt, nvsachUeadidi auf Aseleyias-Arten. 
Pu2>2>en dh.l;, tiformirf, fjriin oder TülJdich, m'it Gold fjeßecht lind in der 

Mitte e'inrjedriicht ; sie' hängen ß-el am Leibesende. 

Die einzelnen Arten weichen in manniclifacher Beziehung 
von einander ab, namentUeh ist der Charakter, welcher 
von Boisduval und spi^teren Autoren als hauptsächhch 
angegeben wird, nünhch die eigenthümlichen sack- oder 
knopffüimigen Organe auf den Htfln. der d (^ durchaus 
nicht constant, sondern wechselt in seiner Form bedeutend 
ab. In einigen Gruppen fehlt er sogar vollständig (Siniilis 
L. und Verwandte), wird aber hier durch andere Einricht- 
ungen ersetzt. Diese cfö -Auszeichnungen werden jetzt 
allgemein als „Duftorgane" bezeichnet, und ihre Funktion 
und Bedeutung ist erst in neuerer Zeit richtig aufgefasst 
worden. Gerade bei den Danaiden erscheinen sie in den 
mannichfachsten Formen und gehören zu den interessantesten 
physiologischen Erscheinungen dieser FamiKe. Der Haar- 
büschel („Duftpinsel") am Hinterleib wiilct hierbei als ein- 
faches Zersti-euungsmittel der, von den Duftschuppen abge- 
sondertei Materie, indem er darüber hinstreicht und so 
eine schnellere Verbreitung bewirkt. Wir haben dergleichen 
Apparate schon bei den Pieriden (Catopsilia etc.) erwähnt 
und werden ihnen noch in mannichfaltigen Formen in anderen. 
Familien begegnen. 

Bei den Danaiden treten dieselben nun in verschiedenen 
Formen auf und wollen wir kurz die hauptsächlichsten 
derselben erwähnen. In der Similis-Gruppe fehlten die- 
selben anscheinend, doch ist kürzlich von E. H a a s e auch 
in dieser Gruppe ein einfacher Duftapparat, welcher nur 
aus kleinen auf dem Innenrande der Htfl. bis zur Sub- 
mediana stehenden Duftschuppen besteht, entdeckt worden, 
so dass jetzt bei allen Danais-Aiten ein solcher neben 
den Haarpinseln vorzukommen scheint. 

Die einfachste Form ist diejenige, bei welchen die 
Duftschuppen k'eire, abgesonderte, malte Flecken bilden, 
welche auf der Submediana und dem ersten Medianast 
stehen. Diese Form kommt in der Cleona-Gruppe (Cleona 
Gr., Vitrina Feld.) vor. In andern dagegen schwillt ein 
Theil der Ader beträchtlich an und bildet einen tiefen 
Längskanal, in welchem die Duftschuppen sitzen, z. B. 
bei D. Albata Zink, Aglea Cr. Es finden sich sogar 
beide Formen vereinigt, wie bei der schönen D. Tytia 
Gray. Die interessanteste und weit verbreitetste Form 
hingegen ist diejenige, wo unteihalb des 1. Medianastes 
eine kleine knopfartige Vertiefung mit deuthcher Offnungs- 
spalte sich befindet, und dies zeigen z. B. alle braunen 
Danaer wie C/ni/sippus L., der amerikanische Erippus 
Cram. etc.; von den weissen auch noch Ismare Crain. und 
Lotts Cram. Bei einigen anderen, z. B. bei der bekannten 
Limniuce Cram., ist diese Vertiefung sogar sackartig auf 
der Unterseite ausgestülpt und wie eine Klappe umgelegt, 
auch bedeutend grösser als alle vorhergehenden Formen. 

Auch die Stellung der Subcostaläste und die Länge 
der Discocellularen ist verschieden, wie dies bereits in der 
Diagnose angedeutet wurde, doch kommen gerade hier 
vielfach Übergänge vor, welche die verschiedenen Formen 



verbinden, so dass diese sonst guten Charaktere kaum 
brauchbar zur Trennung sind. Im allgemeinen ist das 
Genus Danais durch die wenigen hei vorgehobenen Merk- 
male gut umschrieben, wenngleich es sich nicht leugnen 
lässt, dass eine Trennung in Gruppen für die Bestimmung 
von grossem Voitheile ist. 

Als solche führen wir an und verweisen in Betreff der 
einzelnen Alten auf den I. Theil: 

Siiiiilis-Gnii)](0. Sie ist dadurch ausgezeichnet, dass 
die Duftorgane dos d nur aus besonders beschuppten 
Feldern längs der Sil und lA bestehen ; auch ist der 
\. Subcostalast mit der Costale verwachsen. Diese 
beiden Charaktere, vereint mit den längeren Fühlern 
und den halbdurchsiohtigen weisslichen Flügeln ge- 
stalten die Arten dieser Gruppe zu den äussersten 
Grenzformen der Danais-Arten überhaupt und verbin- 
den diese Gattung mit der folgenden Ideopsis. Moore 
vereinigt diese Arten unter dem Gattungsnamen 
R a d e n a . 

Liiiiiiiace-Gl'lippc. Die halbdurchsichtigen grünlichen 
Fiügel, die nicht mit der Costale verwachsenen Sub- 
costaläste, deren erster stets vor dem Zellende, der 
2te am Zellende selbst oder bald danach entspringen, 
und die sackartige Erweiterung der Dufttasche auf 
der Unterseite der Htfl. zwischen Mi imd SM sind 
für diese Gruppe charakteristisch. Moore nennt sie 
Tirumala. 

Cleona-Gruppo. (Eavadeba Moore.) Die hiezu ge- 
hörenden Arten sind durch gedrungenen Körperbau, 
kurze imd breite Flügel und durch den Besitz zweier 
Duftflecken an Ml und SM ausgezeichnet, auch wird 
die Zelle der Htfl. durch eine sehr kurze UDC quer 
abgeschnitten. Die Grundfarbe ist meistens gelbhch 
oder grünlich; einige Arten sind vollkommen durchsichtig, 

Tytia-Grnppe. (Caduga Moore.) Sie ist nicht allein 
durch die Stellung der beiden Duftflecken — der 
eine oberhalb, der andere imterhalb des 1. Medianastes 
— sondern auch durch Hinzutreten einer dritten Form 
dieser Apparate charakteristisch. Die Submediana 
soR-ohl als die Innenrandsader ist an ihrem Ende ge- 
schwollen und in der Mitte der Länge nach tief ein- 
gedrückt, ähnlich wie bei Aglea Cr. (aber hier nur 
SM allein) und von einem Duftschuppenfelde umgeben. 
Es sind also hier 4 dergleichen Apparate vorhanden. 
Ausserdem hat diese Gruppe halb durchsichtige milcli- 
weisse Vdfl. und rothbraune Htfl., wie sie sonst keine 
andere Art besitzt. 
Die nun folgenden Gruppen sind durchgängig von 

brauner Grundfarbe. Sie besitzen alle nur ein meist knopf- 

förmiges Duftorgan zwischen SM und Mi. 

Chryibippus-Gi'iippo. (Limnas Moore.) Diese als typisch 
für die Unterabtheilung Limnaina angenommene 
Gruppe kennzeichnet sich mehr durch äussere Form, 
als ein bestimmtes Merkmal. Der Typus, D. Chrysippms L., 
wird den meisten Lesern bekannt sein, da er ja zur 
europäischen Fauna gerechnet wird. 

Plexippus-Gi'uppe. (Salatura Moore.) Sie ist durch 
die weniger ausgebuchteten Vdfl. und den concaven 
Innenrand derselben von der folgenden ähnlichen 
Gruppe unterschieden. Die Arten gehören dem in- 
dischen Faunengeblete an. 



80 



DANAIDEN. 



Erippiis-Gi'uppe. (Anosia Hübn. — Moore.) Der 
T)-pus ist der schöne grosse D. Ei-ip2}us Cram., 
{Plexijipus L.) , welcher von allen Danaiden die 
weiteste Verbreitung hat, da er von Nordamerika durch 
ganz Südamerika bis über die oceanischen Inseln und 
sogar in Neu-Guinea und Australien vorkommt. 
Wie es scheint, ist er noch jezt im "Wandern begriffen 
und schiebt seine Grenzen immer weiter nach Westen 
vor, da er auch neuerdings in Ceram gefunden 
worden ist. Charakteristisch ist die verlängerte 
Flügelform, die Stellung des 2. Subcostalastes, welcher 
nach dem Zellende sich abzweigt, der concavere 
Innenrand der Vdfl. und die lang, spitze Zelle der 
Htfl. Zu dieser Gruppe ziehen wir auch I>. G'dip- 
pus Cram. 



Der Verbreitungsbezirk der Danais-Arten erstreckt sich 
über das ganze tropische Asien , Afrika und Amerika, 
doch stehen die beiden letzten Erdtheile in Betreff der 
Artenzahl dem indo-australischen Gebiete ungemein nach. 
In Südamerika kommen nur 3 Arten vor: Ä Plexaure 
God., Gilippus Cram. und Erippits Cirim., die erste ist 
in Südamerika allein, die andern beiden sind auch in 
Nordamerika heimisch. Afrika besitzt nur Lininiace und 
einige verwandte Arten in seinen nördlichen Distrikten. 
Die übrigen vielen Arten sind ausschliesslich dem indo- 
australischen Gebiete zugehörig. 

Das Nähere über dieselben, ihre specielle Verbreitung, 
hauptsächlich aber über ihre Berechtigung als Art (da in 
neuerer Zeit eine grosse Menge „neuer Arten" aufgestellt 
wurde) findet man sehr ausführlich im I. Theile. 

2. Ideopsis Horsf. (ea- 7 Arten.) 

Taf. 9. I. Daos Boisd. 

a. Pulpe, b. Fiissldaue, e. Fiihleikolbe, darüber Durehschni t. 

Diese Gattung kann a!s eine Mittelform zwischen 
Danais und Hestia gelten und stellt gewissermassen eine 
Hestia en miniature vor. Von Dan als unterscheidet sie 
sich nur durch die deutlich abgesetzten Fühlerkolben und 
eine andere Anordnung der Duftschuppen. Diese sind 
erst vor kurzem von E. Haase bei Ideopsis nachgewiesen 
worden (welche man bisher wie bei D. Similis L. als 
fehlend annahm) und stehen in wellenförmigen Linien 
angeordnet auf der Submedianader der Htfl. Am schönsten 
zeigt dies die I. Costaiis Moore — bei den andern Arten 
sind sie wenig hervortretend, so dass Ideopsis als dasjenige 
Ghed der speciellen Danaisform erscheint, welche den 
Duftapparat am schwächsten ausgebildet zeigt, bis er bei 
Hestia ganz verschwindet. 

Der erste SCast ist, wie bei D. Similis und Hestia, 
mit der Costale z. Th. verwachsen. Von Hestia unter- 
scheidet sich Ideopsis sogleich durch die einfachen, an- 
hangslosen Klauen (Fig. b.) und die Stellung der Prä- 
costale, welche nicht nach der Abzweigung der SC, son- 
dern genau an der Abzweigungsstelle selbst sich 
von der Costale trennt. 

Die Mezu gehörenden Arten lassen sich schon durch 
ihr Äusseres in 2 scharf getrennte Gruppen theilen, von 
denen die eine mit /. Daos als Tj'pus mehr längliche, 
im Durchschnitte völlig runde Fühlerkolben, die Arten 



der andern Gruppe dagegen mehr eiförmige, im Durch- 
schnitte zusammengedrückte Kolben besitzen; im Geäder 
sind sie nicht verschieden; die erste wurde von Moore 
als Gattung Gamana von Ideopsis abgetrennt. 

Die beiden im I. Theile abgebildeten Arten I. Daos 
und Chloris zeigen die beiden Gruppen in deutlichster 
Weise. 

3. Hestia Hübn. (?a. 12 Arten.) 

Taf. y. H. Idea Clerk, 
a. Fühler, b. Palpe, e. Fiissklaue, d. (^'-, e. Q-Tarsiis, vergr. 
Die hiezu gehörenden Arten sind schon durch ihre 
auffallende Grösse und die halbdurchsichtige, weisse oder 
rauchgraue Flügelfärbung in Verbindung mit schwarzen 
Flecken und stark hervortretenden schwarz bestäubten 
Adem leicht von allen anderen I) maiden zu unterscheiden, 
mit denen sie wohl auch kaum ausser einigen Formen 
von Ideopsis verwechselt werden können. Ihre Haupt- 
charaktere liegen in den kolbenlosen dünnen Füh- 
lern, der Stellung der PC und den mit Anhäng- 
seln versehenen Fussklauen. 

Bei Hestia beschränkt sich die do -Auszeichnung nur 
auf den Besitz zweier Duftpinsel am Hinterleibsende, 
welche in einer engen Hülse stecken. 

Fahler von halber KUrperUlnrje, sehr zart, fadenförmig und haum 

an der Spitze verdichi. (I'ig a.) 
Costala'der bis zum Zdlende gehend, SuhcostaU fdnfiUtij, mit 2 Asten 

V >r dem Zellende, deren Iter mit der Costale verwachsen ist. 

II fß. ohne Duftorijaw;, mit zivelspaltiger PC, ivelche sich nach Ab- 

zweiffunff der Subcostale von der Costale abtrennt. 
Klauen der Mittel- und Ilinterfiisse stets mit Anhängseln versehen. (Fig.e.). 

Die Hestia-Arten gehören mit zu den grössten Tag- 
schmetterlingen. In ihrer Heimath heissen sie allgemein 
„Gespenster" oder „Geister", zu welchen Bezeichnungen 
ihnen ihr langsamer, schwebender Flug und ihre äussere 
Erscheinung verhelfen haben mögen. Das Hauptgebiet 
ihres Vorkommens sind der malayische Archipel und die, 
grossen Sunda-Inseln, doch kommen auch einige Arten 
auf dem Festlande (Malacca, Birmah) und auf Ceylon vor. 
Die einzige bis jetzt bekannte Raupe ist die von H. 
Malabarica (welche nach Moore von Horsfield fälschlich 
als Id. Daos abgebildet ist) ; sie ist schwarz und gelblich- 
weiss geringelt, mit rothen Flecken am Bauche und 4 Paaren 
fleischiger Fäden; die Puppe ist schlanker als die bekannte, 
glockenförmige der Danaiden. 

4. Euploea Fabr. (ca. 150 Arten.) 

Taf. 9. E. Alea Hübn. 
a. Palpe, b. o'' "\^orderfuss, c. derselbe vergrössert, d. Q Voiderfiiss, 
e. Tarsus vergr. 
Die Gattung Euploea ist die am zahlreichsten ver- 
tretene Danaidenform der östlichen Tropen und ihre oft 
recht häutigen Arten geben der indo-australischen Lepi-, 
dopterenfauna ein besonderes Gepräge. Sie bilden durch ihr 
Äusseres, den Färb ungsstyl, überhaupt durch ihren ganzen Ha- 
bitus eine sehr charakteristische Gruppe, welche wohl kaum mit 
den übrigen Danaiden, selbst in ihren abweichendsten Formen, 
verwechselt werden kann. Durch die mit Anhängsel 
versehenen Mittel- und Hinter füsse, welche, 
mit Ausnahme von Hestia allen übrigen asiatischen Da-, 
naiden fehlen, unterscheiden sie sich aufs Schärfste von 



DANAIDEN. 



81 



diesen ; von Hestia, deren Grösse und giinzlich verschie- 
dener Färbungsstyl schon von vornherein eine Verwech- 
selung ausschhesst, durch die Stellung der Subcostaläste. 
In ihrem Ausseren finden sich ziemlich bedeutende 
Verschiedenheiten in der Form der Flügel und in der 
Zeichnung der Oberseite, obwohl allen Arten ein allge- 
meiner specifischer Zug eigenthümlich ist. In den folgen- 
den Charakteren stimmen aber alle Arten gut überein: 

Fähler gcr/in das Ende allmählich verdiclit; die Palpen nur wenig 
Hier den Koj^f hervorragend^ vilt lauzeni Tkisahjliede und lieinem, 
spitzigen Endgliede. 

Vdfl. mit starker Costalrippe; 1. SuJxostalast stets vor dem Zell- 
ende, der 2. enticeder kurz vorher oder am bellende seilst oder 
f/leleh narh demselben entspringend; die idjrigen Sulcostaläste in 
gleicher Entfernung toh einander abjcsweigt. 

D C kleiny aber deutlich vorhanden, MDV melir oder n-eniger stark 
nach innen gebogen, UDO schief nach aussen; 1 oder 2 kurze, ver- 
kümmerte räcklatifende Adern enttceder an der MDC oder UDC. 

Htfl. mit zugespitzter langer, geschlossener Zelle. l'C nach der Tren- 
nung der Subcostcde v^n der Cosfale frei atifsteigend , öfters an der 
Spitze zweigabelig. Fräcostahelle bisiceilen , wenn auch klein, 
vorhanden. 

Hinterleib keulig, beim O bis zum Änaliciukel rci.hend, beim y 
kürzer. Die (j O ctusserdem am Leibesende jederseits mit einem 
fzuriickziehbaren y Haarpinsel versehen. 

QQ-Vorderfüsse mit einfachem oder uruieittlich zweigliedrigem Tarsus. 

QQ- Vorder füsse an der Spitze keidenförmig, undeutlich vierglledrig 
und dornig. 

Hinter- und Mittelf ässe stark, Klauen mit Anhängseln versehen. 



Die O O der meisten Arten besitzen a's geschlecht- 
liche Auszeichnung eigenthümlich beschuppte Stellen, 
sowohl auf der Oberseite der Vdfl. (und hier in Form 
von kurzen, wagerechten, glänzenden Streifen, den sog. 
„brands" der engl. Autoren), als auch auf den Htfln., wo 
sie den bekannten „Spiegel" bilden. Correspondirend 
hiemit stehen ähnliche Flecken auf der Rückseite der 
Vdfl. und im engsten Zusammenhang mit denselben eine 
ungewöhnliche Ausdehnung des Innenrandes. Diese 
Flecken sind jetzt allgemein als „Duftapparate" erkannt. 
.Die Form derselben ist verschieden; doch lassen sich 
gerade hierauf enger begrenzte Gruppen bilden, -welche 
auch iiusserlich gut mit einander übereinstimmen, und von 
Butler und Moore zu ihrer weiteren Eintheilung mit Erfolg 
benutzt wurden. 

Die Funktion dieser Flecken ist verschieden , denn 
nicht alle sind „Duftflecken". Die balkenartigen Streifen, 
•welche auf der Oberseite oft weiss oder bläulich gefärbt 
erscheinen (jRhadamanthus, Violae), bestehen auf der 
Rückseite aus sehr kleinen schmalen und dichtgestellten 
Schuppen, welche dadurch, dass' sie über die Duftflecken 
der Htfl. beim Aneinanderreihen der Flügel streichen, als 
Verbreitungsorgane des abgesonderten Duftes dienen. 
(Reibeflecken nach Haas e). Die wirklichen Duft- 
flecken sind die kreidig oder mehlartig beschuppten, in 
der Grösse und Ausdehnung wechselnden auf der Ober- 
seite der Htfl., welche häufig noch von einem Hof 
mehr seidig glänzender Schuppen oder einem dicken 
■haarartigen Pelz (Miclamus) umgeben sind. Oft erscheint 
in dem kreidigen Fleck noch ein meist unregelmJissiger 
metallglänzender; doch zeigt ein Bhck mit der Lupe, dass 
hier die wirklichen Duftschuppen bereits abgerieben sind 
und nur die einfach glänzende Flüselmembran vorhanden 



ist. Daher auch die verschiedene Form selbst bei den 
Htfln. ein und desselben Thieres. 

Die Duftschuppen haben je nach ihrer SteUung ein 
verschiedenartiges Aussehen; doch sind sie meist keulen- 
förmig oder länglich und ganz verschieden, wenn auch 
nicht so sehr in der Grösse von den normalen, breiteren, 
an der Spitze stets ausgezähnelten Schuppen des übrigen 
Flügeltheils. Eine grosse Mannichfaltigkeit herrscht hierin 
unter den einzelnen Arten, doch würde es zu weit 
führen, näher darauf einzugehen. Indessen wollen wir 
wenigstens eine der originellsten Formen anführen, welche 
bei der gewöhnlichen E. Midamiis L. den hellgrauen Haar- 
pelz bildet und aus langen dünnen, geschlängelten Fäden 
besteht, die an der Spitze mehr oder weniger, oft eiförmig 
verdickt sind. 

Die Zahl und Stellung der Duftflecken und namentlich 
der sog. „brands" waren es nun hauptsächlich, welche von 
verschiedenen Autoren, in neuerer Zeit namentlich von 
Butler und Moore benutzt wurden, die Gattung Euploea 
weiter zu spalten. Übrigens hatte bereits Hübner meh- 
rere selbständige Gattungen aus dieser Gruppe gebildet,, 
welche bereits oben p. 77 angeführt Avurden. 

"Wir wollen nun kurz die Gattungen sowohl von Butler 
als auch die Moore'schen anführen, um dem Leser einen 
Überblick über diese schwierige Gruppe zu verschaffen. 

Butler theilte Euploea in 6 z. Th. schon von Hübner 
benannte Gattungen , die er kurz folgendermassen 
charakterisirte : 

1. SalpiriX Hiibn. Meist grosse Arten, die <Sd stets 
mit stark ausgebogenem Innenrand der Vdfl., welche 
hf.ufig mit einem seidigen oder blauen verlängerten 
Fleck geschmückt sind („b r a n d"). Htfl. ausnahms- 
los mit einem grossen, von der Subcostalc durch- 
schnittenen, weisslichen oder gelblichen Flecken. 

a. Macroploea Butl. Hiezu die grösste Euploea,. 

die E. Aha Jlühii. von Amboina; auch die weisse 

E. Broiriii Sah', gehölt hieher. 
h. Salpinx typisch. Hiezu z. B. E. Violae Butl.,. 

die halb weisse Ässinitlata, Usipites Hcw., Ratla- 

mantliufs Fahr. etc. 

2. Cfilüplocft Butl. Die Calliploeen sind meist kleine 
Arten mit stark entwickeltem Innenrand, welcher ebenso 
wie bei voriger Gattung einen grossen gelblichen Flecken 
auf den Iltfln. bedeckt, doch ohne „brands" auf den 
Vdfln. 

Die bekannteste Art aus dieser wenig zahlreichen 
Gjuppe ist die E. Polita Erichs. 

3. Trepsiclirois Hiibii. Zeichnet sich durch die- 
verlängerten Vdfl., den unterhalb der Spitze schwach 
eingebogenen Aussenrand und sehr schwach con- 
vexen Innenrand derselben aus, ohne Spur eines 
„brand", aber die Htfl. mit einem kleinen gelblichen 
Flecken in der Zelle am 1 . SCast. 

Hiezu, wie es scheint, nur 2 — ,3 Arten, dai unter die 
' allbekannte E. 3[idainu.i L. 

4. Cvaslia Hiibn. (S(S mit mehr zugespitzten Vdfln.. 
als bei voriger; Innenrand viel mehr convex. Kein 
„brand" auf den Vdfln. und kein gelblicher Fleck in 
der Zelle. 99 ™ *^^i' Form Trepsichrois ähnlich. 

Die bekanntesten Arten aus dieser Gruppe sind die 
afrikanischen Goudotii Boisd. und Ettphon Fahr., die 



82 



DAN AI DEN. 



schöne Diocletia Jlilhu., Crameri Luc. ; diese Gmppe 

fällt fast mit I. von Moore zusammen. 

Euploea Fabr. Zum grüssten Theil in Form den 

Crastia-Arten ähnlich, aber die dd' haben einen mehr 

oder minder stark entwickelten „brand" auf den Vdfln. 

Der T)T3US ist die E. Gore Gram. Es gehören hiezu 

etwa 45 Arten nach Butler. 

Stictojjloea Butl. dd zum grüssten Theil mit 

geradem Innenrand wie die 22 • ^*^*^ 'i"*^ - S'-'* 

e n t w i c k e 1 1 e n „b r a n d s" auf den Ydfln., einer über 

dem andern gelegen. 

Der Typus ist E. Gloriose/ Butl. Es gehören etwa 
20 Arten hiezu, welche leicht an dem hervorgehobenen 
Merkmal zu erkennen sind. Diese Gattung bildet die 
Gruppe Y. bei Moore. 



Einige der Butler'schen Gattungen fallen mit 
grösseren Abtheilungen von Moore zusammen, so z. B. 
Stictoploea mit Gruppe V, Crastia mit Gruppe I. Die 
Moore'sche Eintheilung ist in ihrer Abgrenzung etwas 
schärfer und richtet sich in erster Linie nach dem Besitz 
oder Nichtbesitz der sog. „brands", dann der Zahl der- 
selben, und dem Vorhandensein des Schuppenfleckes 
(Spiegel) auf den Htfln. Sie wird dadurch übersicht- 
licher als die Butler'sche, und, weil die Kennzeichen 
leicht erkennbar, auch praktischer in ihrer Anwendung. 
Doch wird sie ebenso wie die Butler'sche früher oder 
später corrigirt werden, wenn die Funktionen der Duft- 
apparate und diese selbst genauer erkannt sein werden, 
wozu die neueren Arbeiten mehrerer Forscher bereits sehr 
viel beigetragen haben. 

Erst wenn alle Arten nach dieser Richtung hin 
untersucht und namentlich diese geschlechtlichen Aus- 
zeichnungen mit den Geschlechtsapparateu selbst verglichen 
sein werden, wird es möghch sein, zu beurtheilen, ob 
eine generelle Trennung einzelner Gruppen zulässig ist oder 
nicht. Bis dahin halten wir es für besser, das Genus 
Euploea noch in seinem alten Umfange aufrecht zu erhalten. 

Moore geht noch einen Schritt weiter wie Butler, 
indem er Flügelumriss, die Stellung der Discocellularen 
und der oberen Radiale im Ydfl. mit einander verglich und 
auf die Verschiedenheiten derselben nicht weniger als 46, 
sage sechsundvierzig, neue Genera gründete, deren 
Charaktere fast immer von Theilen hergenommen, welche 
bisher zur Unterscheidung der Arten benutzt wurden.*) 



*) Um einen Begriff zu geben, worauf die Moor e'- 
schen Genera gegründet sind, fügen wir hier 2 (_)riginal- 
Diagnosen an, wie wir sie zufällig aus der grossen Menge 
herausgreifen : 

„Paiosa n. g. Flügel k'uzer und breite: als in Vsdeba (Climena- 
Gruppe). Ydfl. mit ireiaderem Vordenande, Aussenrand weniger 
sehief. llinteiwinkel gerundet lind Hinferrand schwacli c 'nvex; 
Zelle breiter. ODC mit einem kurzen Sporn in die Zelle. Hifl. breit. 
Yorderrand breiter, Aus?enrand und Analwinkel mehr convex. 

Liegt in dieser Diagnose schon der ganze Unterschied 
nur in relativen Verhältnissen des variablen Flügelumrisses, 
so wird diese Unbestimmtheit noch überboten durch die 
unmittelbar darauf folgende Diagnose von Oranasma, 
bei welcher noch weniger bestimmte Charaktere mit den 
schon unbestimmt genug erscheinenden von Patoaa ver- 
glichen worden : 



Aus diesem Grunde betrachten wir diese „Gattungen" 
auch nur als schärfer umschriebene Gruppen, ohne ihnen 
generischen Werth zuzugestehen. 

In folgendem geben wir nun eine kurze Darstellung 
der Gruppen, in welche Moore zunächst die Gattung 
Euploea (von ihm als Unterfamilie „Euploeina'- betrachtet 
und hiezu auch der gänzlich verschiedene Ilamadryas 
gerechnet!) getrennt hat. Einige Arten jeder Abtheilung 
findet der Leser in dem I. Theile dieses Werkes abge- 
bildet, sowie auch das Nähere über Vorkommen, Variation 
etc. in der Beschreibung. 

Gruppe I. FJiigel ohne jedes Ge.sclileclitsiuei'kiMal. 
Iliezu gehören die 3 afrikanischen, durch ihre kupfer- 
braune Farbe auch äusserhch von den übrigen ab- 
weichenden Arten Goiidotä ßotsd., Euphon Eabr. 
und Besjardinsii Guer., welche Moore generell als 
V n n a abtrennt. Von den im I. Theile abgebildeten 
Arten führen wir noch an Eupl. (Soidara Moore) 
Wallacei Feld., Eupl. (Gamatoba Moore) Elchhorni 
Styr. und die sich durch eine rein sammetschwarze, 
absolut fleckenlose Oberseite auszeichnende Eupl. 
(]'adelia Moore) Goracina Hopf, aus Celebes. 

Nach E. H a a se's Untersuchungen sind diese Arten 
durchaus nicht ,,ohne jedes Geschlechtsmerkmal", son- 
dern besitzen Duftschuppen, wenn auch „wenig zahl- 
reich, ganz zerstreut". 
Gruppe IL Voi'dei'fliigel mit einem Streifen; Hinter- 
flügel oluie Spiegel. Als Typus dieser sehr zahl- 
reichen Gruppe kann die Eupl. Gore Gram, dienen, 
eine der gemeinsten Euploeen des indischen Faunen- 
gebiets. Die Pabricius'sche E. Gorus, welche als 
Typus der ganzen ursprünglichen Gattung Euploea- 
Danaus Latreille neben dem Plexippus steht, ist 
nach Moore eine ganz andere Art und gehört in die 
nächstfolgende Gruppe III. 
Gruppe III. Vorderflügel ohne Streifen, Hinterflügel 
mit einem Spiegel. Zu dieser Gruppe gehören einige 
der schönsten und grössten Arten und auch die allbekannte 
E. MidamusL. (Liirnei Moore). Über die letztgenannte 
Art herrschte nach Moore bis jetzt eine grosse Ver- 
wirrung, da hienmter stets 2 ganz verschiedene Arten 
vermengt wurden. Derjenige Schmetterling, welcher 
so gemein in Indien ist, ist nicht die Linne'sche 
Eujil. Midaimis, sondern eine zu einer ganz andern 
Gattung (Gen. Trepsichrois Hübn.) dieser Abtheilung 
gehörige Art; die echte Midamus, welche nur in 
Süd-China (Canton) vorkommt, wo indessen auch die 
andere Art fliegt, stellt Moore in die Gattung 
Salpinx und muss wegen des Besitzes eines Sammet- 
streifens auf den Vdfln. zur folgenden Gruppe ge- 
rechnet werden. Moore nennt die häufigere Art 
Trepsichrois Linnei und hält die echte Midamus 
für einen Nachahmer der ersteren. Ausser dieser ist 
im I. Theil aus Gruppe III nur noch die schöne 
weisse Eupl. Broiimi abgebildet, welche mit der 
grossen, blauschillernden Alea Hübn. und der Gorus 
Fahr, zu seiner engeren Gattung Euploea gehört. 
Gruppe IV. Voi'derfliigel mit einem Streifen, Hinter- 
flügel mit einem Spiegel. Diese an Arten reichste 

„Oranasma n. g. Unterscheidet sich von Patosi in den weniger 
dreieckiiien Ydtln., dem engeren, schieferen und unebenere:i Aussen- 
rand; Hiiilerranl mehr convex in derMitte, Htfl. mehr dreieekig oval." 



DANAIDEN. 



83 



Gruppe enthält sowohl blauschillenide als auch ein- 
fach braune Arten. Abgebildet sind im I. Theile die 
grosse Eupl. Viola Batl. aus Celebes, welche von 
Moore zur Gattung Salpinx gerechnet wird , die 
eigenthümliche Eupl. (Hirdapa Moore) Usipetes Hew. 
und die ganz abweichend gefärbte, übrigens im ganzen 
indo-malayischen Gebiete häufig vorkommende Eupl. 
(L'anisepa Moore) Rhadamanthus Fabr. Hieher gehört 
auch die echte Eupl. Midamus L., von Moore zu 
seiner Gattung Isamia nebst den schönen Arten 
Splendens und Superia gestellt. 
Gruppe V. Vorilerflügel mit 2 Streifen, Hiiiter- 
flügel spiegellos. Diese Gruppe enthält nur drei 
Genera nach Moore, von denen aber eines, die 
Stictoploea Butl., ziemlich reich an Arten ist. Aus 
dieser Gattung sind die neue Plateni Strjr. und 
Laetifca Butl. abgebildet. 



Die Euploeen sind meistens mittelgrosse Schmetterlinge 
von dunkelbrauner bis schwarzer Grundfarbe, oft weiss 
oder bläulich gestrichelt und gefleckt und im o Geschlecht 
meist mit einem prächtigen, sammtartigen, tiefblauen 
Schiller geschmückt. Dieser Schiller soll namentlich bei 
lebenden, frisch ausgekommenen Exemplaren von einem 
wundervollen Glanz sein. Am schönsten zeigt ihn die 
gew'öhnliche E. Midamus L., welche, obwohl in ihrer 
Heimath ganz gemein, doch einer der schönsten Schmetter- 
linge aus dieser Gruppe ist. Noch feuriger tritt er bei 
der seltenen E. Gloriosa Butl. aus Celebes auf, der 
E. Diocletia Huhn, und E. Polita Er., beide von den 
Philippinen. Eine der prachtvollsten Arten ist auch die 
E. Euctemon Heio. aus Celebes, deren tief sammtschwarze 
Flügel nur an den Rändern allein mit einem helleren 
Sammetblau geschmückt sind und so das Bild einer Ornith. 
Urvilliana im kleinen wiedergiebt. 

Es würde zu weit führen, hier auch noch einen Über- 
blick über die grosse Formverschiedenheit dieser an Arten 
zahlreichen Gattung zu geben, welche besser durch An- 
schauung als Beschreibung erreicht wird; doch wollen wir 
noch kurz einige bemerkenswerthe Formen erwähnen, die 
sich auffällig, sei es durch Grösse oder Färbung, aus der 
grossen Menge abheben. In erster Beziehung überragt 
die E. Älea H'dhn. aus Amboina und Ceram alle übrigen 
Arten durch ihre grossen breiten Flügel, wie viele Schmetter- 
linge dieser Inseln ihre nahen Verwandten. In der Färbung 
steht die Rhadamanthus-Gruppe ganz vereinzelt da; 
ebenso wie auch die kupferbraunen Arten von Madagascar 
imd den Mascarenen, was wohl mit der langen Isolirung 
dieser Inseln im Zusammenhang steht. Am überraschend- 
sten aber tritt uns die prachtvolle grosse, fast reinweisse 
E. Browni Salv. God. von der Duke of York -Insel 
entgegen, deren Gegenstück die tiefsammtschwarze flecken- 
lose E. Coracina Hopf, aus Celebes ist. 

Halbweisse Euploeen giebt es noch auf verschiedenen 
Inseln des malayischen Archipels, namentlich auf den 
Key-Inseln, deren Schmetterlings-Fauna sich in eigenthüm- 
licher "Weise dadurch auszeichnet, dass einzelne Arten 
überraschend zum Albinismus neigen. Diese Inseln sind 
koraliinisohen Ursprungs und ihre Ufer nach Wallace von 
„blendender Weisse''. Dergleichen Albinoformen sind die drei 
dort vorkommenden Euploeen Assimilata Feld., Eurypon 



Hew. xm^Hopferi Feld.] das auffallend weiss gezeichnete 
^ der hier vorkommenden 0. Priamus-Form, die hier im 
O fast weiss gewordene (sonst hochgelbe) Evrema Candida 
Gr. und vor allen Dingen die merkwürdigen weisslichen 
Formen der §9 von Hypol. Älimena L. (z. Th. auch des Ö . 
siehe auch bei H. Alimena das Nähere darüber). In- 
wiefern diese veränderte Grundfärbung als eine Anpassungs- 
erscheinung aufzufassen ist oder mit der durch die kalkarti- 
gen Elemente beeinflussten Pflanzennahrung im Zusammen- 
hange steht (wofür wir ziemlich sichere analoge Fälle 
bei einzelnen Lycaenen besitzen), müssen spätere genauere 
Untersuchungen lehren. Wir hielten dies auffallende Fak- 
tum für werth, hier nachträglich erwähnt zu werden, obwohl 
es besser in der allgemeinen geographischen Verbreitung 
seinen Platz gefunden hätte. Doch waren uns zu jener 
Zeit diese Thatsachen (welche Wallace auffälligerweise 
nicht erwähnt) noch nicht bekannt, sondern wurden uns 
erst später von Herrn C. Ribb e mitgetheilt, welcher längere 
Zeit auf den Key-Inseln verweilt hat. 

Die 515 der Euploeen sind in der Regel wie die 00 
gefärbt, aber der Schiller ist meistens viel weniger ent- 
wickelt oder er fehlt ganz. Nur in einer Gruppe 
(Midamus und Verwandte) sind die 2$ ganz abweichend 
von den O O gezeichnet und das Muster der Zeichnung 
stimmt in seiner Anlage mit demjenigen von Danais 
überein. Hier ist die nahe FamiKenverwandtsohaft also 
noch deutlich in den 2^ erhalten, während die OÖ — 
ebenso wie in den übrigen Arten beide Geschlechter zu- 
gleich — bedeutend differenzirt sind. 

Die Euploeen verbreiten sich über das ganze tropische 
Asien und Australien, und selbst auf den Afrika nahe- 
hegenden Inseln Madagascar, Bourbon und Mam-itius sind 
3 echte Euploeen gefunden worden, aber nicht auf dem 
Festlande selbst. Es sind langsam fliegende Schmetter- 
linge , in einigen Arten oft in ausserordentlich grosser 
Menge vorhanden und scheinen in den östhchen Tropen 
dieselbe Stellung im Haushalte der Natur einzunehmen, 
wie die Neotropiden in Süd-Amerika. Die Raupen sind 
von einigen Arten wohlbekannt und zeigen den allgemeinen 
Danaiden-Typus , doch besitzen sie 4 Paare fleischiger 
Fäden. Die Futterpflanzen scheinen die Ficus-Arten oder 
andere milchführende Pflanzen zu sein, wenigstens hat 
man bis jetzt alle Euploea- Raupen auf dieser Pflanze 
gefunden. Die Puppen haben dieselbe dicke glocken- 
förmige Gestalt wie Danais und sind ebenso wie diese 
verschwenderisch mit Gold imd Silber geschmückt. 

5. Annauris Hübn. (ca- 10 Arten.) 

Taf 9. A. Niavius L. 

a. P.il(>e, b. Fussk'.iiue, e. normale Flügelschiifpe, d- u;id 
e. Dii/tschnppe. 

Im Geäder, in der Form der Palpen, Fühler und 
Fussklauen ist Amauris . nicht von Danais verschieden. 
Der einzige einigerniassen sichere Charakter ist, ausser 
dem gänzlich verschiedenen Habitus, die Form der Duft- 
organe und die Analklappen der o O ■ Die ersteren 
stellen einen durch verschiedenartig geformte Schuppen 
gebildeten matten Fleck am untern Ende der Submediana 
dar, welcher von letzterer durchschnitten wird; die Ader 
selbst ist an dieser Stelle bedeutend angeschwollen. Bei 
einer Art (A. Vashti Butl.) fehlt sogar dieser Fleck; statt 



84 



DANAIDEN. 



dessen befinden sich lange Haaie 7.i\ beiden Seiten der 
Ader. Die Schuppen sind bei den einzelnen Arten ganz 
verschieden und oft von origineller Gestalt. Diejenigen von 
A. Infenia Batl. z. B. sind langgestielt, mit einem Knopfe 
am Ende, wie eine Stecknadel geformt (Pig. e), die von 
Ä. Kiavias L. dagegen länglich-eiförmig (Fig d), aber 
kleiner als die normalen Schuppen. (Fig c.) Die Anal- 
klappen sind breit, muschelförmig, von eigenthümlicher 
kreideartiger Beschuppung; bei Danais sind sie kurz 
behaart. 

Die Amauris-Arten, so verschieden sie auch in Form 
der Flügel und Vertheilung der Flecken sind, haben doch 
etwas so Eigenthümliches in ihrer ganzen Erscheinung, 
dass sie weder mit Danais noch mit Euploea verwechselt 
werden können. Sie sind durchgängig von braunschwarzer 
Farbe mit milch weissen, halbdurchsichfigen Flecken. In 
ihrem Habitus stehen sie ungefähr mitten zwischen Danais 
und Euploea, denn sie haben die Gestalt der ersteren, 
aber mehr den Färbungsstyl der letzteren und vertreten 
augenscheinlich die Euploeen in Afrika, ihrem speziellen 
Yaterlande. 

Die einzige Raupe, welche näher bekannt ist, die von 
A. Edieria StolL, hat nach Trimen ö Paare ziemlich 
langer fleischiger Fäden. 



6. Lycorea Doubl, (-t Arten.) 

Tat'. 9. L. Atergatis Doubl. 
a. Palpe, b. (^-VorderfusF, c. Q-Taisnp. 

Dieses südamerikanische Genus, sowie die folgende 
Ituna, war früher mit den übrigen Danaid-Heliconiern 
vereinigt. Wenngleich sie nun ihrer äusseren Erscheinung 
nach mehr mit den letzteren übereinstimmen, so zeigt 
doch der Besitz aller hauptsächlichsten Merkmale, dass 
sie zu den echten Danaiden gehören. Die O O haben 
am Leibesende ebenfalls 2 Haarbüschel, die g^-Vorder- 
füsse haben dieselbe keulenförmige Gestalt und das Ite 
Palpenglied ist stets kürzer als das Mittelglied. Auch ist 
das Geäder in beiden Geschlechtern völlig gleich und eine 
Präcostalzelle deutlich vorhanden. Über den Raupen- 
zustand ist leider bis jetzt nichts bekannt, aber selbst in 
dem Falle, dass ihre Form nicht dem allgemeinen 
Danaidentypus entsprechen sollte , ■ wären auch obige 
Charaktere allein hinreichend, um ihre Stellung in dieser 
PamiUe zu rechtfertigen. 

Lycorea unterscheidet sich von allen Danaiden durch 
die Form der Htfl.-Zelle, welche in dieser AVeise bei 
keiner andern Gattung, selbst nicht bei den Danaid- 
Heliconiern, wieder vorkommt. Sie wird durch die bei- 
den scharf nach innen gewinkelten Discocellularen 
geschlossen, aus deren Voreinigungspunkte die UR entspringt- 



Die lühler sind laiv/, nllmählich eerdicht, olme Jeulliche Kolbe, an der 
Spitze abgerundet., Palpen über die Stirn hervorragend mit einem 
Jlaarscliopfe am Ende des JUitteU/üedes- Endglied klein, swjeipitet. 
Sitbcostale fdnfd-itiy, mit 2 Asten vor dem Zellemle. Iltfl. mit 
an-eisjjaliiger Präcostale. Klauen mit Anhänysel. Hinterleib heidirj 
anc/esciacollen, -itets über den Analwinkel ragend, die QO "*^' ^ 
Haarbüscheln am Leibesende. 

Die wenigen hiezu gehörenden Arten sind aus- 
schliesslich auf das tropische Südamerika beschränkt. In 
ihrer äussern Form und Färbung erinnern sie entfernt 
an Dauais. 

Bemerkenswerth ist noch die Thatsache, dass eine 
Art, L. Cleobaea Godt., im Amazonengebiete, fast täuschend 
von dem Papilio Zagreus Doubl, und auch von einem 
Nachtschnietterlinge, der Pericopis angulata in derselben 
Lokalität, nachgeahmt wird. 



7. Ituna Doubl. (4 Arten.) 
Taf. 9. I. Lamirus Latr. 

a. Palpe, b. Q-Tarsiis. 
Erinnert Lycorea noch in etwas an die Danaiden-Form, 
so zeigt Ituna bereits eine beträchtliche Annäherung zur 
folgenden Familie und bildet einen deuthchen Übergang 
zu derselben. 

Die Palpen und Fühler sind denen von Lycorea gleich; 
aber Ituna hat nur einen Subcostalast vor dem Zellende, 
wodurch sie sich sofort von Lycorea unterscheidet. Auch 
ist die Zelle der HtP. durch die fast senkrecht stehenden. 
MDC und UDO scharf abgeschnitten, die Stellung der 
letzteren aber bei den einzelnen Arten verschieden : bei 
/. Lamirus mündet sie in den Bug des 3tes SEedianastes, 
bei Phaenarete genau in die Abzweigung desselben, bei 
Ilione dagegen zwischen dem L und 2. Aste, so eine 
schrittweise Veränderung zeigend, ö O -Vorderfüsse mit 
kurzem, undeutlich gegliedetem Fussgliede; J?"^"^'-''!^!'" 
füsse keulig verdickt. Fussklauen mit Anhängsel. 

Auch in dieser Gattung besitzen die OO am Ende, 
des keulig verdickten Hinterleibes 2 steife Haarbüschel. 
Die wenigen Arten, welche zu dieser Gattung gehören, 
sind etwas verschieden in Habitus und Färbung. /. La- 
mirus Latr., eine der grössten südamerikanischen Danaiden, 
bildet durch die schwachbestäubten Flügel gewissermassen 
den Übergang zu der vorigen Gattung, während Ilione. 
Cram. und Phaenarete Doubl. Heir. in ihrer äussern Er-, 
scheinung fast genau der Methona Psidii Cr. gleichen 
und vollkommen durchsichtige , schwarzbordirte Flügel 
besitzen. Von dieser Gattung, der einzigen, mit welcher, 
sie verwechselt werden können, lassen sie sich aber leicht 
durch die Form der Htfl.-Zelle unterscheiden. 

Alle Arten bewohnen bergige Gegenden, fehlen daher.. 
im Amazonengebiete fast ganz. 



=IE3>ca^^> 



IV. ]>^ e o 1 1* o p i cL e n. 

Fig. 3. 



Fig. 2. 




Fig. 1. Ceratiuia Euryanassa Feld. (J . Fig. 2. Banpe, Fig. 3. Puppe, beide iiat. Grösse. Kig. 4. Q und Q-Tarsu? 

lOmal Yeigr. und abgeschuppt. 



Die Gründe, welche uns veranlassten, die Bates'sclien 
Danaid-Heliconier als eigene Familie „Neotropiden" aufzu- 
stellen, haben wir bereits pag. 77 ausführlich erörtert. 
Hier geben wir nun die Charaktere der neuen Familie 
etwas ausführlicher, als es oben geschehen konnte. 

Kopf schmal, mit hervorstehenden lehanrten oder nackten 
Augen und sehr langen, dünnen, aUniiiliUch gegen 
das Ende verdickten Fählern. 

Palpen Sgliedrig , nur weniij iiher den Kopf hervor- 
ragend; erstes Glied gercolinlich lang, aber etwas 
kürz'r als Mittelglied, gebogen. Mittelglied mit einem 
Haarschopf auf dem Racken. Endglied in der Länge 
icechselnd, meistens klein und zugespitzt. 

Vdfl. mehr oder weniger verlängert; Huhmediuna an der 
Basis 2spaltig; Subcostalader öästig, der 1. Ast stets 
vor dem Zellende, der 2. am Ende sel'/st oder danach 
entspringend (mit Ausnahme von Hamadri/as, bei 
welcher 2 Aste vor dem Zellende stellen). OBG klein, 
aber deutlich vorhanden. BilcMaufende Ader ron 
MDC oder UDO. 

Htfl. mit in den Geschlechtern versohiedenartigem Geäder; 
die Zahl der Adern durch Verkümmerung einzelner 
oft verrinqert. Zelle unregelmässig, meist mit einem 
in die Zelle zurücklaufenden Aderast. Ein steifer 
Haarbusch beim OO unterhalb der Subcostalader 
(mit Ausnahme von Hamadri/as). 

Ö Ö'Vorderfüsse mehr oder weniger verkümmert ; Tibia 
und Tarsus oft zusammen zu einem einfachen Knopf 
umgebildet (Fig. 4, o). 

'^^-Vorderfüsseverkümmert,aber lang lind fadenförmig, 
mit deutlich 4- oder Sgliedrigem Tarsus (Fig. 4, ^). 



Hinter/ "Hl ketilig rrrdirkt, )neist über die Htfl. hinaus 

ragend, oh,,,- !laarpii,sel. 
llau.pfii (jhiJt ,idrf nur j.nit reih.enweisen zapfenartigeu 

Erlinhini ,r,i besetzt. 
Puppen hänijand., meist (j oll glänzend, kurz und. dick. 



Diese neu umgrenzte Familie enthält alle südamerika- 
nischen Danaid-Heliconier (mit Ausnahme von Ituna und 
Lycorea, welche ihren Charakteren nach bei den Danaiden 
geblieben sind) und die austraUsche Gattung Hamadryas., 

Die langen schmalen Vdfl., die dünnen Fühler, der 
keulenförmig verdickte, weit über die Htfl. hinausragen de- 
Hinterleib und nicht zum geringsten Theil die in 
einzelnen Fällen fast gleiche Flügelfärbung geben den 
Neotropiden eine so grosse Ähnlichkeit mit den Heli- 
coniern, dass sie seit Linn e' s Zeiten bis etwa vor zwei 
Decennien stets mit ihnen vereinigt waren. Mit den 
Heliconiern stehen sie aber in gar keiner näheren Ver- 
wandtschaft, sondern bilden einen Zweig des Danaiden- 
stammes , w'elcher, wie diese, während einer grossen 
Zeitepoche isolirt, sich unter den gleichen Bedingungen 
entwickeln konnte, und wohl zu ähnlichen Gestalten, aber 
andern Strukturformen geführt hat. Von den Heliconiern 
unterscheiden , sie sich sehr scharf schon durch die fun- 
damental verschiedene Eaupen- und Puppenform; dann 
ferner durch die an der Basis gegabelte Sub- 
medianader, die unregelmässige Htfl.-Zelle (welche 
bei Heliconius kurz und schmal, aber sehr regelmässig 
gebaut ist) und die Haarbüschel auf den Htfln. der 
cfcT, welche bei keinem Heliconier vorkommen. 

Das Geäder der Vdfl. bietet bei den Neotropiden 
keine bemerkenswerthe Abweichung von dem allgemeinen 



86 



NEOTKOPIDEN. 



Danaidentj'jHis dar und ist auch in fast allen Gattungen 
gleich gebildet. Dagegen gestaltet es sich in den Htfin. 
so verschiedenartig und difFerirt selbst in einigen Fällen 
so bedeutend in beiden Geschlechtera, das hievon fast 
ausschliesslich die Genus-Charaktere hergenommen sind. 
Es ist daher bei Bestimmung der Gattung eine Noth- 
wendigkeit, beide Geschlechter zu untersuchen, denn nur^ 
so kann ein sicheres Eesultat erreicht werden. Bei den 
Neotiopiden treten auch zum ersten Male die mei'kwür- 
digen sogen. ,,rücklaufenden Adern" auf: mehr oder 
minder lange Aderfragmente, welche gewöhnlich aus dem 
Yereinigungspunkte zweier Disoocellularen oder aus der 
Winkelspitze der gebogenen MDC oder UDC, sowohl im 
Vorder- als Hinterflügel entspringen und blind in die 
Zelle zurück verlaufen. Bei den Danaiden sind dieselben 
häufig angedeutet, aber nicht so stark entwickelt wie hiei', 
wo sie oft bis in die halbe Flügelzelle hineinragen. Ob 
sie den Beginn einer neuen Aderbildung oder noch den 
Rest einer solchen vorstellen, wird erst die vergleichende 
"Wissenschaft festzustellen haben. 

In einem nachweisbaren Zusammenhang mit der mehr 
oder minder grösseren Differenzirung des Geäders in den 
Oeschlechtern steht auch die fortschreitende Verkümmer- 
ung der c^d'-Vorderfüsse, welche in vie'en Gattungen so 
weit geht, dass nicht allein Tibia und Tarsus vollkon]men 
mit einandei- verwachsen sind , sondern bis auf einen 
kleinen, am Ende des Femur befindlichen Knopf ver- 
schmelzen (fiehe oben Fig. 4), ja selbst auch noch der 
Femur bedeutend verkürzt wird, so dass der ganze Voi'- 
derfuss fast nur aus der Hüfte (Coxa) allein besteht 
(z. B. Sais, Scada, siehe T« f. 10). Etwas Ähnliches findet 
sich nur noch in einigen Satyridcn-Gattungen, z. B. bei 
Melanargia und Satyrus, und unter den Eryciniden bei 
Mesosemia imd Eunogyra; aber dies sind doch nur Aus- 
nahmefälle, während bei den Neotropiden fast -/a aller 
Genera diese Bildung als Regel zeigen. 

Eine weitere Eigenthümlichkeit der IS^eotropiden ist 
die geschlechtliche Auszeichnung, welche alle d O der 
südamerikanischen Gattungen ohne Ausnahme und auch 
in gleicher Weise in Form eines langen oder zweier 
kürzerer steifen Haarbüschel auf den Htfln. tragen. Diese 
sind nach ^^nalogie der bei den OO -Danaiden auftreten- 
den Duftapparate ebenfalls als solche aufzufassen. Sie 
hegen nnteihalb der Subcoslalc in der Flügelzelle und 
sind in der Ruhe schief gegen den Vorderrand gerichtet 
und meist noch von den Vdfln. bedeckt, werden aber bei 
ihrer Funktion aufgerichtet, wie man gelegentlich bei 
einzelnen, wahrscheinlich in der Erregung gefangenen 
OC) sehen kann, und streichen hiebei gegen ein 
metallisch glänzendes^ aus kleinen dünnen Schuppen ge- 
bildetes, langes schmales Duftfeld auf der Unterseite der 
Vdfl. zwischen Rand und Subniedia'ia. In einzelnen 
Gattungen (Tithorea, Ithomia im engeren Sinn) liegt auch 
noch ein stark ausgebildeter Duftsehuppenfleck zwischen 
Costale und Subcostale, welchen der Haarbüschel voll- 
ständig überdeckt, und zwar besteht er aus einer tief 
eingediückten länglich ovalen Mulde, deren Inneres mit 
dicken, keuligen, ■ aufrechtstehenden Schuppen dicht ange- 
füllt ist. 

Das meiste, welches wir über das Voi kommen und 
die Lebensgewohnheiten der Neotropiden wissen , ver- 
danken wir Bates, welcher sie während einer langen 



Reihe von Jahren in dem Ilauptcentrum ihrer Heimatb, 
dem grossen Amazonengebiet, beobachten konnte. Die 
Resultate seiner Studien sind in der klassischen Arbeit 
über Heliconier in den ,Transact. Linn. Soc. XXHI." 
niedergelegt, und um so werthvoUer, als hier zum ersten 
Mal die merkwürdigen Nachahmungserscheinungen, welche 
gerade in dieser Familie so frappirend auftreten, in aus- 
führlicher Weise behandelt sind und den Anstoss zu 
seiner später so berühmt gewordenen Mimicry-Theorie 
gegeben haben. 

Unter den weiteren Bearbeitern der Familie müssen 
wir auch vor allen Doubleday nennen, welcher durch 
genaue und exakte Untersuchungen des Geäders und der 
übrigen Theile Licht in diese bisher sehr verworrene 
Familie brachte, deren einzelne Arten eben durch die 
äussei-liche Ähnlichkeit viele Autoren , namentlich aber 
Hübner, verleiteten, ganz fremdartige Formen generell zu 
vereinen. In neuerer Zeit haben wir eine ausgezeichnete 
Bearbeitung der Familie von Salvin und Godman in ihrer 
Biologie Centralamerikas erhalten, in welcher einige neue 
Gattungen aufgestellt wurden, hauptsächlich aber die 
zahllosen Ithomien zum ersten Male unter allgemeineren 
Gesichtspunkten behandelt und in mehrere Gattungen 
aufgelöst wurden. Auch finden wir hier schon die alten 
Danaiden in 2 grossere Gruppen getheilt — entsprechend 
unseren neuen Familien — und gerade die exakten Beob- 
achtungen Salvin und Godmans waren es, welche uns 
die Anregung gaben, diesen Gegenstand weiter zu ver- 
folgen. Ebenso rührt auch die weitere Eintheilung der 
Familie nach den O o -Vordeifüssen von ihnen her, welche 
wir unbedenklich annehmen, da sie ebenso sicher in ihrer 
Anwendung als auch leicht zu erkennen ist. 

Der Verbreitungsbezirk der Neotropiden ist, wie schon 
der Name andeutet , strikte auf die sog. neotropische 
Region beschränkt mit der einzigen Ausnahme von 
Hamadryas, welche dem australischen Gebiet angehört. 
Sie tragen in hervorragender Weise dazu bei, der dortigen 
Insektenfauna jenes bestimmte Gepräge zu verleihen, 
wodurch sie sich von den Faunen der östlichen Tropen 
unterscheidet. Hier ersetzen sie augenscheinlich die 
Danaiden der alten Welt und einige Arten sind in der 
gleichen grossen Individuenzahl vorhanden, wie gewisse 
Euploeen und Danaer in Indo-Australien. 

Die Neotropiden sind fast ausschliesslich Bewohner 
des dichten L'rwaldes und erreichen den Höhepunkt ihrer 
Entwickelung in den heissen Thälern des Amazonas und 
der Andenabhänge. Einige Gattungen dagegen bewohnen 
ausschliesslich die Höhenzüge, welche sich von Peru bis 
nach Centralamerika erstrecken. Sie lieben, ebenso wie 
die Heliconier und die Danaiden, die Geselligkeit, und 
man findet sie oft in ganzen Trupps bei einander. 

In der Art und Weise des Fliegens unterscheiden 
sich die Neotropiden sehr beträchtlich von den übrigen 
Familien. In den Lichtungen der Wälder halten sie sich 
mehr in der Nähe des Grundes auf, haben einen unregel- 
inässigen, langsamen und kurzen Flug, setzen sich häufig, 
die grösseren auf Blumen, die kleineren, wie die Ithomien, 
auf Blätter, namentlich dort, wo die tiefe Dämmerung 
des Waldes durch einige Sonnenstrahlen durchbrochen 
wird. Durch diese Gewohnheiten unterscheiden sie sich 
hauptsächlich von den echten Heliconiern, welche mehr 
segelnd dahingleiten und sich langsam mit horizontal aus- 



NEOTROPIDEN. 



87 



gebreiteten Flügeln bewegen, auch seltener auf Blumen 
sitzend geti offen werden, aber gerne blühende Sträucher 
'zu ihren Euheplützcn wählen. 

Die Futterpflanzen der Neotropiden sind nach Prof. 
Fritz Müller's Angaben, soweit sie bekannt geworden, 
ausschliesslich Solaneen, und es ist sehr interessant, wie 
ebengenaimter Forscher gezeigt hat, in welch' überraschen- 
der "Weise eine scheinbare Ausnahme hievon durch neue 
Untersuchungen die Regel bestätigt. Die Raupe der 
bekannten und i.icht seltenen Methona Fsidü Crcnn. lebt 
ni'mhch auf einer Brunfelsia- Art, welche bisher allgemein 
für eine Scrophularinee gehalten wurde, aber erst kürzlich 
als eine, wenn auch etwas abweichende Solanee erkannt 
ist. Wir schhessen hier gleich an, dass auch die Heliconier 
eine gemeinsame Futterpflanze (Passifloren) wie die Danais- 
Arten (Asclepias) besitzen, was eine vollkommene Be- 
stätigung der verschiedenen Fämilienangehörigkeit bildet. 
Die Puppen sind klein, am Bauch stark aufgetrieben und 
der Hinterleib zusammen geschachtelt, von prachtvoll 
gold- oder silberglänzender, wie polirtes Metall aussehen- 
der Farbe. 

Zu den Keotropiden werden jetzt 19 Gattungen ge- 
rechnet, von denen Ithomia allein mit ca. 200 Arten d'e 
weitaus zahlreichste ist. Doch ist grade diese Gattung 
neuerdings von Salvin und Godman in 10 kleinere aufgelöst 
worden, unter welchen sich mehrere mit nur wenigen 
Arten, einige se'bst mit nur einer Art befinden. Die zahl- 
reichsten Forme:i enthält Ithomia (im engeren Sinn), 
Hymenitis und Leucothyris mit ca. 30 — 40 Arten. 
Von den übrigen Gattungen ist Ceratinia mit gegen 5U 
Arten, Kapeogenes und Melinaea mit über 20 ver- 
treten. Dann folgen an Zahl die Dircennen, Titho- 
reen, die überall häufige Mechanitis, während der 
Rest nur wenige Arten enthält, oft aber an Individuen 
reichlich ersetzt, was ihnen an Specialität abgeht. 



Wir gebc;i nun zunächst eine Übersicht der Gat- 
tungen und folgen in der Ilaupteintheilung Salvin und 
Godman, welche nach Art der Yerkümmerung der 
O O-Vorderfüsse 2 grüssere Abtheilungen bildeten: solche, 
bei denen Tibia und Tarsus noch deutUch vorhanden, 
und solche, bei denen Tibia und Tarsus zu einem kleinen 
Knopf reducirt sind. Dieses unterscheidende Merkmal 
ist schon ganz gut mit blossem Auge sichtbar, besser 
noch mit der Lupe. Doch müssen wir gleich hier er- 
wähnen , dass dieser Charakter in einigen Gattungen 
(Melinaea und Methona) nicht die Schärfe besitzt wie in 
den übrigen, und in. einigen Arten die Vorderfüsse bereits 
den Beginn der Verkümmerung zeigen. Hier kann nur 
eine genaue mikroskopische Untersuchung die Frage 
entscheiden. In der weiteren Gruppirung wichen wir 
etwas von Salvin und Godman ab, indem wir die 
Ithomien-ähnlichen Formen als besondere Gruppe ab- 
trennten. Auch haben wir die Ithomien in dieser Auf- 
stellung noch als eine Gattung (im Sinne Bates') an- 
geführt, um die Übersicht nicht zu erschweren und werden 
die neuen 10 von Salvin und Godman daraus abge- 
■spaltenen Gattungen erst bei Ithomia selbst bringen. 



I. Gruppe. 

Tibia und Tarsus der dO" Vorderfüsse deutlieh vor- 
handen. 

Tithorea Olyras 

Melinaea Atliesis 

Athyrtis Methona 

Euti'esis Haniatlryas. 

II. Gruppe. 

Tibia und Tarsus der o O "Voiderfüsse zu einem 
Knopf verkümmert. 
a. Untere Discocellulare (UDO) der Htfl. mit der Mediana 

in einem stumpfen Winkel verbunden und nach 

aussen gerichtet. 



* Femur so lang ode 


• 


** Femur kürzer als 


länger als Coxa. 




Coxa. 


Jlechanitis 




Scada 


Thyi'idia 




Sais. 


Ceratinia 






Callithoniia 






Napeogenes 






Heterosicada. 






Untere Discocellulare 


(UDC) 


der Htfl. mit der Mediana 


in einem spitzen 


oder wenigstens rechten Winkel 


verbunden und nach 


innen 


gerichtet. 


Dircenna 






Epithoniia 






Itlioniia. 







Schlüssel zur Gruppe I. 

A. Ein Sulcostalast vor dein Zellende. 
a. UDC der Htfl. in einem spitzen 

oder doch nur iveniij stunijifen 
Winkel zur Mediana. 
* UDO der Htfl. gewinhelt, MDO 
(^erade. 

o PC ein facli nach innen geloqen Eutl'esis. 
00 PC an der Spitze (leejahilf 

7 UDC der Vdfl. gewinkelt . Tithorea. 

tt UDC der Vdf'l. gerade, 

MDC gewinkelt. 

§ Unterer Schenkel der 

UDC der Htfl. schief 

nach innen, wellenförmig 

gebogen Atliesis. 

§§ Unterer Schenkel drr 

UD Cder Htfl. gerade, fast 

senkrecht aif Mediana 

^ MDC sehr klein, gerade Methona. 

^', MDC lang, schief nach 

innen gerichtet . . . Athyi'tis. 
** UDC der Htfl. gerade, MDC 

gewinkelt Olyras. 

/'. UDC der Htfl. fast in gleicher 
Bichtiing mit 3Ied.iana, daher diese 
anscheinend 4ästig Melinaea, 

B. Zwei Suhcostaläste vor dem Zell'.id^j Haniadl'yas. 



NEOTEOPHiRN. 



I. Gruppe. 



T i b i a und Tarsus 
deutlich vorhanden. 



der o O ■Vorder füsse 



1. Tithorea Doubl. (?a. 18 Arten.) 

Taf. 10. T. Humboldtü Latr. 
n. Pul^.e, 1.1. (j'-Vniderfnss. 

Zu dieser Gattung gehören die schönsten und grössten 
Formen der ganzen Familie und einige Arten zeigen in 
ihrem Habitus eine bemerkenswerthe Ähnlichkeit mit 
Euploea, nicht allein durch die breitere Fliigelform, sondern 
auch durch den Besitz eines Duftschuppenfeldes zwischen 
der Costal- und Subcostalader, welches von dem steifen 
Haarbüschel bedeckt wird. 

Das Geäder der Vdfl. ist nicht wesentlich von dem 
Typus verschieden; die UDC ist nach innen gewinkelt 
und entsendet einen kurzen Ast in die Zelle aus der 
Winkelspitze ; der 2. Subcostalast entspringt genau am 
Zellende selbst. 

Die Htfl. haben eine 2 spaltige Prilcostalader und eine 
gebogene, aber nicht bis zum Aussenrande laufende 
Costale. Zelle von halber Flügelliingn, keilförmig. UDC 
nach innen gewinkelt, mit ungleichen Schenkeln, deren 
oberster sehr kurz, der untere lang und schwach gebogen 
ist und an der Winkolspitze einen kurzen Ast iji die 
Zelle sendet. 

Die Tithorea- Arten lassen sich schon Tusserlich leicht 
an den breiteren, fast dreieckigen und mehr zugespitzten 
Vdfln. erkennen. Die Htfl. sind dagegen abgerundet und 
schwach ausgezShnt, und besitzen entweder nui' 1 oder 2 
Haarbüschel unterhalb der Subcostaladei-. Hicdurch 
lassen sie sich übrigens in 2 auch äusserlich leicht er- 
kennbare Gi'uppen theilen: die erste mit einem Haar- 
busch auf den Htfln. und T. Huinboldtü Lafr. als 
Typus , enthälc die grossen Euploea - artigen Thiere ; 
während die zweite Gruppe mit T. Harmonia Cr. als 
Typus sich in ihrer äusseren Gestalt mehr den folgenden 
Melinaeen nähert und wie diese, auch zwei Haarbüschel 
besitzt. Von dieser Gattung unterscheidet sich Tithorea 
aber leicht durch die nach innen gewinkelte untere 
Discocellulare (UDC), während es bei Mehnaea die 
mittlere (MDC) ist. 

Auch bemerken wir, dass in dieser Gattung das 
Geäder der Htfl. in beiden Geschlechtern noch gleich ist 
und also die äussere Grenzform der Familie darstellt, 
■während in den folgenden Gattungen sich dasselbe immer 
weiter diflerenzirt. Hiemit steht die allmähliche Ver- 
kümmemng der o d'- Vorderfüsse in nachweisbarem 
Zusammenhang. 

Die Tithoreen verbreiten sich über das ganze tropische 
Südamerika, ausgenommen die östlichen Theile. Fast 
alle haben unter den Heliconiern Nachahmer oder doch 
ähnlich gezeichnete Formen. 

2. Melinaea Hübn. (ga. 2.5 Arten.) 

Taf. 10. M. Lilis Doubl.-Hew. 

a. Palpe, b. Q-Vorderfiiss, c. Q-Vorderfuss, d. q -Vorderfuss 

von M. Ejiina. 

Die hiezu gehörenden Arten waren früher mit Mechanitis 

vereinigt, mit denen sie im Äussern die grösste Ahnlich- 



m'U der Mediana, 

t emcheiuend. MDC In 

i! der Mitte stark 

die Zelle sendend. ODC 

'.mrjefähr in der Mitte_ 



keit besitzen imd auch die gleiche chirakteristische 
Stellung der UDC im Htfl. gemeinsam haben. Sie wurden 
daher fortwährend mit einander verwechselt, bis Bates 
durch genaue Peststellung der Charaktere beide Gattungen 
scharf umgrenzte. Melinaea unterscheidet sich von 
3Iechanitis leicht durch die normalen, nicht zu einem 
Knopf verkümmerten od Vorderfüsse und die fünf- 
gliedrigen §9 " Vorderfuss -Tarsen, während sie bei 
Mechanitis stets 4gliedrig sind. 

Von allen übrigen Gattungen der I. Gruppe wird 
Melinaea schon durch ihren Hauptcharakter getrennt, 
nämlich durch die Richtung der UDC im Htfl., welche 
als Fortsetzung der Mediana erscheint und diese daher 
scheinbar 4 ästig wird. 

"Wir geben in Nachfolgendem die Original-Diagnose 
Bates', wie sie von ihm zuerst in seiner Abhandlung 
über die Heliconier niedergelegt worden ist. 

„Palj)en kurz, anjedriicht behaart, an den Vorderkopf tjepresst: Stes 

Glied niclit so Itervorragend , als In Mechanitis und <-er/i:andten 
Oattanrjen. 

Fi-ililer sehr hinrj und zart. 
Q O - Vorderfüsse mit mehr oder wenijer verharzter Tibüi nnd Ihrsus, 

niemals zu einem Knopf redtwirt; Tihiu stets kürzer als I'emur. 
QQ- Vorderfüsse kmy. fadenförmig; Dornen riieit entfernt. 
Htfl. in leiden Geschlechtern mit weit von einantler entfernter Costal' 

und Subrostalader ; die erslere im Q fast die Fliigelspitse erreichend, 

iin Q sehr kurz, in den Vurderrand mündend. LWC in beiden. 

Geschlechtern ijcrade, fast in einer Li 

untere Radiale als 4. Medi 

einem rechten Winkel zur UDC 

ij ewinkelt itnd eine rückfjänrjirje Ader in 

eticas lantj, quergestellt , die Subeoslale 

trefend.'' Bates. 

Die Verkümmerung der o'o -Vorderfüsse ist nicht bei 
allen Arten die gleiche; ja es kommen Fälle vor, in 
welchen die Tibia bereits so verkürzt ist, dass sie sich 
der knopffürmigen Form be leutend nähert, z. B. bei J/. 
Egina (Fig. d.) doch ist hier immer noch deutlich der. 
kleine Tarsus vorhanden und nicht mit der Tibia verwachsen. 
Es bedarf daher der mikroskopischen Untersuchung, um, 
hier genau die Gattung festzustellen. 

Bei Melinaea tritt zuerst die Differenz der Geschlechter, 
im Geäder auf. Die OO besitzen stets 2 Haarschopfe. 
unterhalb der Subcostale und die Costalader erreicht- 
fast den Aussenrand des Htfls. Auch haben sie. 
einen stark beschuppten, länglich-eiförmigen Duftflecken 
zwischen Costal- und Subcostalader am Grunde ihrer. 
Abtrennung. Die §9 besitzen keine Haarbüsche und die 
Costalader erreicht nur die Mitte des Vorderrandes. 

Die Zahl der bekannten Melinaea-Arten beläuft sich 
auf ungefähr 25 Stück, welche über das ganze tropische. 
Südamerika und die hiezu gerechneten Theile Mexikos 
und Centralamerikas verbreitet sind. Die meisten Arten 
fliegen in Gesellschaft von mimetischen Mechanitis- und' 
Heliconius-Arten, und es ist sehr interessant, dass, wenn 
die Mechanitis-Art in irgend einer Weise abändert, dies. 
auch getreulich in gleicher Richtung von der betreffenden 
Melinaeaform geschieht. 

Die beiden Weinen Arten GazoriaGodt. und Fenella Hew., 
welche Kirby unter den Melinaeen aufgeführt hat und welche im 
I. Theil noch als solche abgebildet sind, haben sieh bei näherer Unter-, 
sachiing als durchaus verschieden von Melinaea gezeigt, wie dies auch 
schin ihre ganz abweichende Erscheinung ahnen liisst. Durch die. 
knopffürmigen (J'^i'- Vorderfüsse gehören sie in Gruppe II. Aber ihr. 



NEOTEOPIDKN. 



89 



Geiider slimmt auch in keiner Weise mit irgend einer nndern 
Gattung dieser Gruppe iiberein, es ist vielmelir im q dem von 
Seadi ähnlioli,im Q dagegen gleicht es Napeogenes. Wir beschreiben 
sie unter dem n'uen Genus ,,Heteroscada." 



3. Athyrtis Feld. (2 Arten.) 

Taf. 10. A. Salvini Stgi-. d- 
a. Palpe, b. o-Yorderfuss. 

Dieses Gerus war uns bishov nur aus der Beschrei- 
bung F e I d er' s in der „Wien. Ent. Monatsschrift" bekannt 
und wurde nach der einzigen damals bekannten Art, der 
A. Mtchanitis Feld, aufgestellt, Avelche in der Färbung 
der Flüge', der Form der Palpen und des Hinterleibs mit 
Melinaea {?x\ jener Zeit noch imtor Meehanitis gestellt) 
übereinstimmt; im Geiider aber von dieser gan^ verschieden 
ist und im Habitus und Form der Fühler mehr an Eu- 
tr es is erinnoit. 

Da uns kein Exemplar dieser, wie es scheint sehr 
seltenen oder vielleicht stets übersehenen Art zur Ver- 
fügung stand, so lassen wir die Original-Diagnose Felder's 
in Übersetzung hier folgen : 

„Kopf juUtehüUilr/, Fühler dann, kaum über den halben ]\>rdei'- 
rand reichend, albnählleh ::u einer sehr tschlcDihen Kolbe verdickt. 
Palpen sehr schrna'-, dicht b&i'Jtuiypt, ohne Grannenhaare. 
Vd.fl. nach der Spitze .-/( roryezoyen ; C'ustal- und Subcostaladcr gut 
tun einander entfernt; obere Discoidalader (unsere OB) der Sul- 
CGstale sehr (jeiüihert ., aber frei; untere Dtscoidale (ÜB) aus der 
Mitte der Qnerader ents'jn'iivjend , diese über der ÜB stark fjebngen 
(unsere MDC\ 

Jltfl. (des q) mit deutlich ziceitheiliyer Präcostalader; Cosiale und 
Subcoslale iveit von einander entfernt, Discoidale (ÜB) icenifj unter- 
halb der Mitte der Qaerader entspringend Discoidalzelle schmal, 
unre<jelincUsi<j ; die sog. mittlere Discocellulare eiiras schief, untere 
Dlscocellukire fast (luertjestellt , aber nicht gerade. 1. und 2. 
Medianast dienlich gebogen, der letztere vom 3. weitem- entfernt, als 
vom ersten. 

Hinterleib des q bis '7;j sei)ier Länge sehr schnud, den lanenrcmd 
dei' Htjl. fast um die Hälfte itberragend.^^ (Felder, TT7e?i. Eatom. 
Monalschrift Fl) 

Eine erst kürzlich von Dr. Hahnel entdeckte neue Art 
aus Peru, welche unzweifelhaft zu Athyrtis gehört, hat 
uns in den Stand gesetzt, nicht allein die Felder'sche 
Diagnose zu bestätigen, sondern auch eine genaue Zeichnung 
des Geäders, der Palpen und Vorderfüsse des O zu geben 
(leider fehlen auch hiev die §9X ^o ^^^^ ^^^^ dieselbe 
mit Melinaea und Eutresis vergleichen kann. 

Auch diese neue Art ähnelt im Äussern den Melinaeen, 
unterscheidet sich aber sofort von denselben durch die 
Stellung der UDO , welche nicht als Portsetzung der 
Mediana erscheint, sondern in einem stumpfen AVinkel 
zurückgebogen~und überdies gewinkelt ist, während 
sie bei Melinaea gerade und ungewinkelt, dagegen die 
MDC gewinkelt ist. In dieser Form erscheint das Geäder 
nur noch bei Eutresis (siehe diese, Taf. 10); aber die 
Palpen dieser Gattung sind stark behaart, mit längerem 
Endglied, während sie bei Athyrtis und Melinaea nur 
schwach anliegend behaart sind und ein kurzes Endghed be- 
sitzen, wie dies die Abbildung deutlich kenntlich macht. 
Das Nähere über diese interessante neue Art und deren 
Vorkommen findet man im I. Theil. 



4. Eutresis Doubl. (- Arten.) 

Taf. 10. E. Hypereia Doub!.-Hew. d- 
a. Palp=', b. (^^-Vordurfiisp. 

Der unterscheidende Charakter dieser nur aus zwei 
Arten bestehenden Gattung liegt in den stark behaarten 
Palpen, deren letztes Glied i,;i de.- Länge des Mittel- 
gliedes besitzt, und im Geäder der Htfl. 

Bei Eutresis ist die Präcostale einfach und nach 
innen gebogen; die Costalader nur schwach gebogen, 
fast von Flügellänge und nahe mit der Subcostale ver- 
laufend. Zelle am oberen Theil länger als am unteren. 
UDC stumpf nach innen gewinkelt, der untere Schenkel 
gerade, fast senkrecht auf der Medianader stehend, viel 
länger als der kleinere obere; die rücklanfende Ader 
daher nahe an der MUC entspringend. 

Die d"o besitzen imterhalb der Subcostale nur einen 
einzigen Haarbusch von der Länge der Zelle. Tarsus 
sehr kurz, mit der Tibia zusammen nur wenig länger als 
der Femur. 

Die beiden Arten sind auf die gebirgigen Theile 
Venezuelas, Ecuadors und Perus beschränkt. Sie haben 
halbdurchsichtige Flügel mit bräimlichen Flecken und 
Binden. 

5. Athesis Doubl. (4 Arten.) 

Taf. 10. A. Clearista Doubl. 9. 
a. Palpe. 

Die wenigen Arten dieser Gattung, welche ebenfalls 
nur auf den gebirgigen Theilen Südamerikas vorkommen, 
gleichen den vorigen im Habitus und Aussehen. Sie 
unterscheiden sich aber durch gewinkelte UDC der 
Vdfl. (bei Eutresis ist es MDC) und die verschiedene 
Stellung und Form des Geäders in den Htfln. 

Die Präcostalc ist 2spaltig, die Costäle weiter 
von der Subcostale entfernt, in welcher unterhalb zwei 
Haarschüpfe stehen; die ODC entspringt dem dritten 
Medianast gegenüber, wodurch die Zelle oberseits 
nicht so vorgezogen ist. Die UDC scharf nach 
innen gewinkelt, der untere Schenkel schief 
mit der Mediana verbunden , schwach wellenförmig 
gebogen und an seiner Vereinigung mit dem kurzen oberen 
eine rücklaufende Ader in die Zelle sendend. 

Diese Charaktere genügen vollkommen, um Athesis von 
den benachbarten Genera zu unterscheiden. 

6. Olyras Doubl. (■"> Arten.) 

Taf. 10. (). Montagui Butl. o"- 
a. Palpe. 

Die Gattung Olyras ist, obgleich im Äussern sehr 
mit den vorhergehenden übereinstimmend, leicht an der 
nach innen gewinkelten MDC der Htfl. zu 
erkennen, welcher Fall sonst nur noch in der L Gruppe 
bei Melinaea vorkommt, deren UDC aber als Fortsetzung 
der Mediana erscheint und daher in fast einer Linie mit 
ihr verbunden ist, während sie bei Olyras fast recht- 
winklig auf der Mediana aufsitzt. 

Auch ist hier beim O der Vorderrand der Htfl. plötzlich 
abgebogen, und die Costalader geht fast bis zur Flügel- 
spitze, während sie beim Q in den Vorderrand mündet. 



90 



NEOTEOPIDEN. 



Die Abzweigung der ODC von der Subcostale ist der 
Flügelspitze näher, als der Ursprung des 3. Medianastes, 
wodurch die Zelle beim O am oberen Ende länger erscheint. 

Die OO besitzen nur einen Haarschopf längs der 
Subcostale bis zum Zellende. 

Die wenigen bekannten Olyras-Arten sind ebenfalls 
Bergthiere und scheinen nur auf Centralanierika, Venezuela 
tmd Columbien beschränkt zu sein. Sie gleichen äusser- 
lich einzelnen Ituna- oder Lycorea-Arten. Von diesen 
werden sie indessen, ausser durch obige Merkmale, leicht 
an den Familiencharakteren unterschieden. 

7. Methona Doubl. (4 Arten.) 

Taf. 10. M. Psidii Cram. o"- 
a. Palpe, b. (^-Voiderfuss, e. Q-Vordeifusstaisus. 

Betreffs des wiederholten Namenswechsels (Methona 
für Thyridia) folgen wir den Ansichten Salvin und 
Godman's, welche den ursprünglichen Doubleday'schen 
Namen wieder in seine alten Rechte einsetzten und daher 
auch Aprotopos in Thyridia zurückverwandelten.*) 

Die Gattung Methona zeigt eine fast täuschende 
Ähnlichkeit mit der Ituna Ilione Cram. (s. diese) und 
■war auch beillübner mit dieser ur.d einer andern Art 
unter dem Gattungsnamen Thyridia vereinigt. Nach 
unserer Auffassung ist Ilione nicht allein generisch vei- 
schieden, sondern gehört sogar einer andern Familie an. 
Die ursprüngliche Gattung Thyridia dagegen, von welcher 
eben Methona und Ituna von Doubleday generisch 
abgetrennt wurden, ist nahe mit Methona verwandt. 

Methona und Thyridia stehen genau in demselben 
Verhältnisse zu einander, wie Melinaea und Mechanitis, wie 
eine kurze Vergleichung der beiderseitigen Chaiaktere 
zeigen wird. Bei Melinaea und Methona ist der d- 
Vorderfusstarsus noch deutlich vorhanden, wenn auch der 
Grösse nach verschieden ausgebildet; bei Mechanitis und 
Thyridia ist aber Tibia und Tarsus vollständig zu einem 
kleinen Knopf reducirt. 

MeUnaea und Methona haben SgUedrige ^^-Vorder- 
füsse; Mechanitis und Thyiidia dagegen 4gliedrige. Wir 
haben hier also 2 parallele Reihen in gleicher Entwick- 
lungsrichtung (welche sich auch noch bei andern Gat- 



*j Die Griinde, worauf sieh S. luul G. stiilzen, suid l;iu7, 
folgende. Hübuer hat unter Thyridia 3 Schmetterlinge vereinigt: 
Ilione Cram., Psidii L. und seine Themisto. Von diesen 
wurden Ilione als Genus Ituna und Themisto als Genus Methona 
von Doubleday abgetrennt. Es bleibt also als Typus für Thyridia 
die Psidii Linne's zurück, der Doubleday noch eine 2. Ait, die 
Th. Aedesia, zufügte und abbildete. Unzweifelhaft sind diese 3 Arten 
generisch sehaif von einander verschieden und Doubleday's 
Trennung daher ganz gereehtferiigt. Nun glaubte Kirby, dass 
Cramer's Psidii, welche generisch von Themisto nicht 
verschieden ist, ja vielleicht nur eine Abart derselben bildet, identisch 
mit Linne's P.sidii wäre, und daher eine generische Abtrennung über- 
üüEsig machte. Er Hess also beiden den ursprünglichen Namen 
Thyridia, musste aber in Folge dessen den mit Aedesia congenerisehen 
Alten einen neuen Namen geben: Aprotopos. Neuere Unter- 
suchungen indessen haben zur Gewissheit festgestellt, dass Linne's 
Psidii keineswegs mit Cramer's Psidii gleich ist, sondern die spätere 
Ino Felder ist, welche generisch mit Aedesia zusammenfällt. 
Doubleday's Aufstellung ist daher eine ganz richtige. 

Wie man sieht, handelt es sich nur um die Feststellung, was 
Linne als Psidii beschrieben hat. Der im ganzen Amazonenthaie so 
häufige Schmetterling ist die Methona Psidii Cramer's. 



tungen nachweisen lassen, wenn auch nicht so prägnant 
wie hier). Auch wollen wir nicht vergessen anzuführen, 
dass auch bei Methona, wie bei Melinaea, die <^Q- 
V^orderfüsse in ihrer Ausbildung sehr variabel sind, daher 
dieser Charakter hier nicht den grossen AVerth hat, wie 
in andern Gattungen, und zur Feststellung derselben stets 
ergänzende Charaktere herangezogen werden müssen. 

Da Methona schon im Äussern durch seine durch- 
sichtigen gelbhchen, schwarzgeränderten und gestreiften 
Flügel nicht leicht mit einer andern Gattung verwechselt 
werden kann, als mit Ituna und Thyridia, so geben wir 
zunächst die Unterschiede von diesen beiden Gattungen an. 

Von Ituna unterscheidet sich Methona im c? Ge- 
schlecht durch den Mangel der Haarbüschel am Hinter- 
leibsende, dagegen besitzt es einen Haarschopf auf den 
Htfln. unterhalb der SC. Ferner ist und zwar in beiden 
Geschlechtern die UDC bei Ituna stets gerade und senk- 
recht gestellt und nicht gewinkelt, auch mündet sie 
bei I. Ilione vor Abzweigung der 2. Medianastes, während 
UDC bei Methona stets gewinkelt und mit der Mediana 
im Bug des .3. Astes verbunden ist. 

Von T h y r i d i a unterscheidet sich Methona durch die 
zurückgebogene und schwach gewinkelte UDC, 
welche kürzer als die gerade MDC ist und die rück- 
laufende Ader aus der "Winkelspitze entsendet; auch ist 
die Innenrandsader (lA) von fast gleicher Länge wie die 
SM imd verläuft fast bis zum Innenwinkel. Bei Thyridia 
dagegen ist die UDC kurz und gerade und steht im 
stumpfen Winkel zur Medianader, während MDC 
stark gewinkelt ist und die rücklaufende Ader aus 
der Winkelspitze entsendet. Die Innenrandsader (lA) 
ist kurz und verläuft in den Innenrand. 

Die weiteren Charaktere der Gattung liegen in der 
theilweisen Verwachsung der Costal- und Sabcostalader 
der Htfl., den gleich langen und geraden ODC und MDC) 
der 2 spaltigen Präcostale und der beim o nur schwach 
gewinkelten, beim 5 wellenförmig gebogenen UDC, deren 
rücklaufende Ader beim O aus der Winkelspitze, beim $ 
aus dem Abtrennungspunkt der unteren Radiale entspringt. 

EineDifFerenz der Geschlechter zeigt sich ausserimGeäder 
auch noch in der Form der Htfl., welche beim o mit hoch- 
gewölbtem, in der Mitte plötzlich abgebrochenen Vorderrand, 
beim 5 dagegen nur mit schwach gebogenem Vorderrand 
versehen sind. 

Eine andere bemerkenswerthe und bis dahin als einzige 
Ausnahme geltende Eigenthümliehkeit dieser Gattung ist 
das Vorkommen von Haarbüscheln auch bei 5$"Formen. 
Doch gibt es auch sehr viele Individuen, denen diese 
Auszeichnung fehlt, und scheint dieselbe entweder localer 
oder individueller Natur zu sein. 

Die wenigen, noch dazu specifisch sich sehr nahe 
stehenden Arten verbreiten sich durch das ganze tropische 
Südamerika. Von diesen ist die M. Psidii Gram, die 
bekannteste und eine der gewöhnlichsten Erscheinungen 
der dortigen Insektenfauna, hauptsächlich des Amazonen- 
gebiets. 



NEOTEOPIDEN. 



91 



8. Hamadryas Boisd. (4 Arten.) 

Taf. 11. H. Zoilus Fabr. 

Über die Stellung dieser in doppelter Beziehung 
interessanten Gattung kann wohl füglich kein Zweifel 
bestehen, wenn man die Bildung der Palpen, der o O" 
und 55"^'o'"'^6rfüsse, wie überhaupt der ganzen äussern 
Erscheinung in Betracht zieht. Diese erinnert durchaus 
an die Ithomien. Ihr vereinzeltes Voikommen auf einem, 
dem Verbreitungsbezirk der Familie gerade entgegen- 
gesetzten Gebiete bietet keine unüberwindlichen Schwierig- 
keiten zur Erklärung dar. Ihre speciellen Charaktere 
stellen Hamadryas unter die I. Gruppe der Neotropiden, 
bei welcher Tibia und Tarsus des cT stets deutlich vor- 
handen ist. 

Zwar fehlt den o O auch der sonst so charakteristische 
Duftapparat der Htfl., aber von E. Haase ist wenigstens 
am Vorderrande der Htfl. eine Umschlagung nach unten 
■ — der erste Beginn desselben — beobachtet worden. 

Unter die „Euploeinen", wohin sie Moore in seiner 
neuen Arbeit gestellt hat, gehört Hamadryas aber keinen- 
falls, da sie mit diesen keine weitere nähere Verwandt- 
schaft besitzt, als wie jede andere Danaidform, im Gegen- 
theil durch die fadenförmigen § ^ "^^oi'<i6i'f 'issß (nicht 
keulenförmig, wie alle Danaiden, also auch Euploeinen), 
durch das längere Basalglied der Palpen und den Mangel 
der Haarpinsel am Hinterleib geschieden ist. Freilich 
wäre zur genauen Feststellung die Kenntniss der Raupe 
nothwendig; aber selbst in dem Falle, dass diese mehr 
einen Danaid-artigen Charakter tragen sollte, würde 
Hamadryas immer noch im Schmetterling genügend mit 
den Neotropiden übereinstimmen, wenngleich sie eine 
etwas isolirte, aber durch die Lage ihres Vaterlandes 
hinlänglich erklärbare Stellung einnimmt. 

Die Hamadryas - Arten sind kleine, Ithomien- artige 
Schmetterlinge, etwa von der Grösse und dem Aussehen 
der I. Onega Heu-., mit halb durchsichtigen, schwarz und 
weiss gefleckten Flügeln und langen zarten, allmähUch 
kolbigen Fühlern. Palpen über die Stirn hervorstehend, 
dicht behaart, mit einem Haarschopf auf dem Mittelglied, 
gebogenem längeren Basalglied und kurzem zugespitzten 
EndgUed. 

Die Vdfl. mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende; 
-MDC schwach nach innen gebogen, mit einer kurzen 
rücklaufenden Ader in die ziemlich lange Zelle. 

Htfl. mit geradem Vorderrand, einfacher, an der Spitze 
kurz nach aussen gebogenen Präcostale und schief nach 
-aussen verlaufenden Discocellularen. — Unterhalb der 
•"Subcostalader kein Haarschopf! 

Die Vorderfüsse des cf mit undeutlich 2gliedrigem 
Tarsus, dünner Tibia und kürzerem Feraur; die des 5 
fadenförmig, Femur und Tibia gleichlang, Tarsus von 
1/2 Tibienlänge, Sgliedrig, mit je einem Paar kurzer Dornen 
•an den ersten 4 Gliedern. 

Die Hamadryas-Arten werden wohl kaum, ausser mit 
Ithomien (und hier auch nur, wenn man über das Vater- 
land im Zweifel ist) mit anderen Schmetterlingen ver- 
"wechselt werden ; doch gibt es eine Keptis - Art (N. 
JPraslini Boisd.), welche auff'ällig an Hamadryas erinnert, 
indessen leicht an der offenen Htflzelle erkannt werden 



kann. Von den Ithomien unterscheidet sich Hamadryas 
schon durch die Abzweigung von 2 Subcostalästen 
vor dem Zellende (bei Ithomia stets nur einer!), im 
(S Geschlecht ausserdem durch den Mangel der Haar- 
büschel und die nicht knopfförmigen Vorderfüsse. 

Der Verbreitungsbezirk dieser in systematischer Be- 
ziehung hochinteressanten Gattung erstreckt sich von 
Nordaustralien über die ganze Papua-Region bis nach den 
Molukken. 



IL Gruppe. 



Tibia und Tarsus der o" O -Vorderfüsse zu 
einem Knopf veikümmert. 

Zu dieser weitaus grösseren Gruppe der Neotropiden 
gehören diejenigen Gattungen , welche den Familien- 
Charakter am besten ausgeprägt haben, nämlich die 
Mechanitis- und die Ithomien-ähnhchen Formen. Da die 
Bestimmung derselben eine der schwierigsten aller Tag- 
schmetterlinge ist (weil das Geäder nicht allein in den 
Geschlechtern stark abändert, sondern auch unter sich), so 
geben wir in dem folgenden Schlüssel nur die Charaktere 
der d"cf- Diese erkennt man ausnahmslos an dem (oft 
durch die Vdfl. bedeckten) steifen Haarbusch, welcher in 
diesem Falle leicht durch Emporheben der Vdfl. mittelst 
einer Nadel sichtbar wird. Auch machen wir hier noch- 
mals darauf aufmerksam, dass bei Melinaea und Methona 
der vorigen Gruppe bereits einzelne Arten so weit ver- 
kümmerte Vorderfüsse besitzen, dass sie leicht hier gesucht 
werden könnten, ohne dass man sie finden würde. Zu 
ihrer Feststellung gehört unbedingt noch ein ergänzender 
Charakter. 

Das Geäder der Vdfl. ist fast ausuahmlos bei allen 
Gattungen gleich; der Schwerpunkt der Bestimmung liegt 
in dem Geäder der Htfl. und hier ist es wieder die 
Stellung und Richtung der UDC — ob in einem stumpfen 
oder spitzen Winkel mit der Mediana verbunden — 
welche den Anhalt zu einer weiteren Theilung abgibt. 

Schlüssel für Gruppe II. 

/. UDC stumpfwinklig init der ileäiaiw 
verbunden, oft in gleicher Richtung 
mit derselben. 
A. Feniur so lang oder länger alsCoxa. 

a. UDO gerade, nicht gewinkelt. 
* MDC scharf nach innen 

gewinkelt. 

f Mediana anscheinend 4ästig Mecliailitis. 
ff Mediana Sästig. Zelle von 

halber bis -/s Flilgellänge Tliyridia. 
fff Mediana Sästig. Zelle fast 

bis zum Flügelrand reichend Callithoiuia. 
** MDC schioach nach innen 
gebogen. ODC lang, in der 
Bichtung der Zelle. . . . Heteroscada. 
*** MDC gerade, nicht gewinkelt 
in der Bichtung der Mediana 
(diese daher anscheinend ö- 
ästig), ODC kurz und quer Napeog'eiies. 

b. UDC geMyinkelt Ceratiiiia. 



92 



XEOTEOPIDEX. 



B. Feiuai- kürzer ald Coxa. 

a. 3WÜ sclncach gewinkelt, in 

derRicJdiim/ der Mediana, daher 

diese anscheinend öästig. Zelle 

fast bis zur Flügelspitze gehend Sais. 

h. MDG stark i.achinneiK^ewinkeh, 

Zelle vo t halber Flügellän^ e . Scada. 
//. UDO i. ei. ein spitzen oder rechten 

Winkel co.i der Mediana zurück-i Dil'Ceima. 

gebogen Epithoiiiia. 

i Ithoitiia. 
Den Schlüssel der Ithomien-Gruppe geben wii- erjt bei 
Ithoraia selbst, da diese schwierigen Gattungen doch nicht 
durch ein einzelnes Merkmal allein getrennt werden können. 
Das beste Resultat wird man immer erhalten, wenn man 
die Aderzeichnung auf Taf. 12 mit dem Objekt vergleicht. 
Die Ithomientafel enthält sowohl das Geäder des O- als 
5-Hiriterflügels (soweit die 99 bekannt sind.) 

Untergruppe A. 

UDO der Htfl. mit der Mediana in einem 
s t u m p f e n W i n k e 1 v e r b u n d e n u n d nach aussen 
gerichtet. 

(M e c h a n i t i s - G r u p p e.) 

9. IVIechanitis Fabr. (ca. lo Arten.) 

Taf. 10. M. Polymnia L. 
Der nahen Verwandtschaft dieser Gattung mit 
Melinaea wurde bereits bei letzterer gedacht und 
erinnern wir nochmals daran, dass der Unterschied in den 
zu eineBi einfachen Knopf verkümmerten Tibia und Tarsus 
der cJc^'-Vorderfüsse und dem 4gliedrigen O-Tarsus beruht. 
M e c h a n i t i s charakteiisirt sich ferner durch die mit 
einer rücklaufenden Ader versehenen und 
nach innen ge winkelten UD C der Vdfl. und 
die scharf nachinnengewinkelteMDC der Htfl. 
Die Medianader erscheint durch die eigen- 
thümliche Stellung der UDC 4ästig, wie bei 
Mehnaea. 

Eine grosse Differenz besteht in dem übrigen Geäder 
der Htfl. in beiden Geschlechtern. Beim o ist die 
Costale und Subcostale nur wenig am Grunde mit ein- 
ander verwachsen; die Costale verläuft dann nahe an der 
Subcostale bis zum Aussenrand. Beim 5 dagegen ist die 
Costale zu ^/ö mit der Subcostale verwachsen und biegt 
sich dann erst ab, um in den Vorderrand zu münden. 
Auch ist die ODC beim <S der Plügelspitze viel näher 
abgezweigt, als beim 9' so dass bei letzterem die Zelle 
viel kürzer erscheint. 

Die Vorderfüsse des c^ mit gleichlangem Pemur und 
Coxa; Tibia und Tarsus zu einem kleinen Knopf am 
Ende des Femur verkümmert. 

99-^'o''''ß''füsse mit 4gliedrigem Tarsus, deren erstes 
• GHed doppelt so lang, als alle übrigen zusammengenommen, 
übrigens nur am 2. und 3. Glied je ein Paar kurzer 
Dornen tragend. 

Durch diese Merkmale kann Mechanitis von den 
übrigen Gattungen der H. Gruppe leicht unterschieden 
werden. Übrigens ist die anscheinend 4 ästige Median- 



ader der Htfl. (sowohl be'm O als 9 g'eich gut ausge- 
bildet) das beste und auch ani leichtesten wahrnehmbare Kenn- 
zeichen dieser Gattung, da ausser Melinaea nur noch 
wenig andere und meist kleine Pormen eine solche oder 
■ähnliche Bildung besitzen. 

Die Mechanitis - Arten std'en gewissenuas-en die 
Neotropiden par excellence vor, di bei ihnen die 
Familiencharaktere in vollkommenster Weise ausge- 
prägt sind. Dagegen gibt es kaum eine andere Gat- 
tung, in welcher die Art-Charnktere so wenig constant 
sind, wie bei dieser. Fast jede etwas enger umgrenzte 
Lokalität — und der Verbreitungsbezirk von Mechanitis 
ist ein ziemlich grosser, denn er erstreckt sich über das ganze 
tropische Süd- und Mittelamerika — besitzt ihre besondere 
Mechanitis-Form. Interessant ist auch, dass die nach- 
ahmenden Melinaea- und Heliconius-Arten sich dann in 
der gleichen Richtung dem Vorbild anschmiegen. Das 
Hauptcentrum ihres Vorkommens 'nt wohl das üppige 
Amazonengebiet. Hier gehören sie zu den häufigsten 
Tagschmetterlingen und fallen auch sogleich durch ihre 
bunten orangebraunen mit gelb, weiss und schwarz ver- 
zierten Flügel, ebenso wie durch ihren langsamen, trägen 
Flug auf. 

10. Thyridia Hübn. (4 Arten.) 

(Aprotopos Kh'l).) 

Taf. 10. T. Melantho Bat. o'- 

a. (^'-Vii JeifaEs, b. Q-VordeifiSSlarsiis. 

Über die Nomenklatur von Thyridia haben wir kurz 
das Nüthige bei Methona bemerkt. 

Thyridia ist mit Methona in gleicher Weise verwandt, 
wifr die vorige Gattung mit Melinaea. Es finden sich 
nicht allein dieselben parallelen Verhältnisse in der Form 
der OÖ- und 99'^'^'''^®'''^^**^' sondern auch in Gestalt 
und Färbung der Schmetterlinge. Daher die fortdauernde 
Verwechselung beider Gattungen, welche erst durch die 
genauen Untersuchungen Doubleday's und die vonBates 
an Ort und Stelle ausgeführten Beobachtungen der lebenden 
Thiere gehoben sind. Um nicht noch einmal die Unter- 
schiede zwischen diesen beiden Gattungen zu wiederholen, 
welche ja bereits ausführlich bei Methona angegeben 
wurden, beschränken wir uns hier auf die Charakteri- 
sirung der Gattung selbst. 

Fühler, Palpen und Geäder der Vdfl. nicht wesentlich vom 
allgemeinen Typus verschieden. Htfl. mit 2spaltiger 
Prä costale und schwach gebogener, am Grunde 
etwas mit der Subcostalader verwachsener 
C s t a 1 a d e r , welche nahe an letzterer bis zum Aussen- 
rand geht. ODC kurz und gerade; M D C nach 
innen gewinkelt, mit einer kleinen rück- 
laufcnden Ader in der Zelle. UDC stumpf- 
winklig auf der Medianader aufsitzend, 
kleiner als das letzte M e d i a n s e gme nt. 

Die cJc^- Vorderfüsse mit zu einem Knopf ver- 
wachsenen Tibia und Tarsus. Femur von gleicher 
Länge wie Coxa. 

d'd'-Vorderfüsse fein, zart und fadenförmig. Tarsus 
nur 4gliedrig, mit einem Paar schwacher Dornen am 
Ende des 3. Gliedes. 



NEOTEOPIDEN. 



93 



Die Thyi'iilia-Arten sind ebenfalls durch das ganze 
tropische Südamerika verbreitet, aber nicht so häufig als 
die Methona- Arten. Einige weichen auch in der Färbung 
etwas ab, so dass die grosse Ähnlichkeit mit Methona 
hier weniger auftritt als in den übrigen Arten, welche in 
der That hier so gross ist, dass sie nur durch die genaueste 
Untersuchung von diesen unterschieden werden können. 



II, Ceratinia Hübn. (ca. so Arten.) 

Taf. 11. C. Euryanassa Feld, d*- und Q -IM. 

Diese Gattung hat sowohl zu Hechanitis als auch zu 
Ithomia eine nahe Verwandtschaft ; die Charaktere sind 
daher gemischt und nebenbei auch ausserordentlich 
schwankend. Sie ändern nicht allein bei ganz nahen 
Arten, sondern selbst bei Individuen ein und derselben 
Art ab. Auch zeigen sich bedeutende Abweichungen im 
Geiider der Iltfl. in beiden Geschlechtern. 

Das beste Merkmal von Ceiatinia scheint noch die 
gewinkelte UDO der Htfl. des d' zu sein (beim 9 
ist es oft die MDC), wodurch sich diese Gattung von 
Mechanitis (bei welcher stets, sowohl beim O als 5) *^'ö 
MDC stark gewinkelt ist) unterscheidet. Von den 
Ithomien kann man sie leicht an der Stellung der UDC 
erkennen, da diese nie zurückgebogen, sondern in gleicher 
Richtung der Mediana liegt oder doch im stumpfen Winkel 
mit ihr verbunden ist. 

In den Palpen, deren beiden ersten Glieder fast von 
gleicher Länge und schi\'ach behaart sind, dem kleinen, 
zugespitzten Endglied, den Fühlern und in dem Geäder 
der Vdfi. gleicht Ceratinia vollständig den Ithomien. 

Die Htfl. sind in beiden Geschlechtern verlängert, der 
Vorderrand beim O aber hochgewölbt und in der 3Iitte 
scharf herabgebogen, beim § dagegen nur scliwach ge- 
bogen. Costale und Subcostale der ö O nahe bei ein- 
ander verlaufend, vor der Flügelspitze in den Eand 
mündend, bei den ^9 dagegen am Grunde verwachsen, 
sich aber bald nach der PC von einander trennend, und 
die Costale schief in den Vorderrand mündend, die SC 
aber in den Aussenrand. Die ODC trennt sich beim d 
kurz vor dem Subcostalende ab, verläuft schief nach 
aussen und bildet mit den beiden MDC und UDC einen 
spitzen Winkel, wodurch die Zelle oben fast bis zur 
Flügelspitze verlängert erscheint. Beim 5 entspringt die 
ODC viel weiter vor dem Ende der Subcostale und ist 
in einem rechten Winkel mit den beiden Discocellularen 
• verbunden. UDC gewinkelt, fast in gleicher 
Richtung mit der M e d i a n a d e r. 

d Ö -Vorderfüsse mit knopfförmiger Tibia und Tarsus; 
Femur länger als Coxa. 

5$-Vorderfüsse fadenförmig, 4gliedrig, mit je 1 Paar 
Dornen am 2. und 3. Glied. 

Die ziemlich artenreiche Gattung ist über das ganze 
tropische Süd- und Centralamerika, selbst bis Süd-Mexiko 
verbreitet und enthält mancherlei verschiedenartige Formen, 
von denen die im I. Theil abgebildeten so ziemlich die 
Haupttypen darstellen. Man sieht hieraus, dass einige 
mehr den Ithomien, andere den Mechanitis-Arten gleichen. 
Bei Feststellung der Gattung müssen daher alle hervor- 
ragenden Charaktere benutzt werden. 



12. Callithomia Bates. (ca. lo Arten.) 

Taf. 11. C. Hezia Hcw. c' und O Htfl. 

Bei dieser Gattung (und daran anschliessend den 
echten Ithomien selbst) haben wir wieder ähnhche 
parallele Beziehungen zu einer andern (Dircenna), wie wir 
sie bei Methona und Thyridia kennen gelernt haben : 
Bei Callithomia ist die UDC der Htfl. gerade und die 
MDC gewinkelt, auch die O ^-Vorderfüsse ögliedrig — 
bei Dircenna ist die MDC gerade und die UDC gewinkelt, 
und die §5- Vorderfüsse sind nur 4gliedrig. 

Wir geben in Nachfolgendem die Original-Diagnose 
Bates', welcher das Genus aufgestellt hat, in Über- 
setzung wieder : 

.,Ko2>f, Palpen und Fahler mit denen von. Dlrcemia ylekh. Die 
lanj hehaaricn Palpen und deren lamjes zuijespltrMs JSndr/lied unler- 
sclieiJen lüde vjn Itkrmla und deren Venrandleu. 

Htfl. beim q' liurz, nut rieredir/ , heim. Q elliptisch, in beiden Ge- 
H^Jdevhtern die VDi ' '!• r<i>l , .^.niliji lang und in einem stumpfen 
Mluhl mit der JA,/ .:,,,' /. ,■ - ■.-•/t. Die MDC rjeidnhelt (mit einer 
rikl-kiHfenden Ädr:y;.l,<lni ^ fhr lan;j und narh der Fuhjelspilze 
ijericlitet. 

Vorder fusstihien und -tarsen der (Jq zu einem Ideinen Knopf 
am Ende dei Schenkels vsrkiunmert. Fusi</lieder des Q zart, 
Jader.f.Jrmiy, die einzelnen Glieder nieht susammenr/ezoi/en und an 
der Spitze i/chüuß.'- 

Bates, Trans. Linn. Soc. XXIIL (ISGiJ. 

Eine weitere Eigenthümlichkeit dieser Gattung ist noch 
die Stellung der ODC beim o im Gegensatz zum Q. Bei 
ersteiem entspringt sie fast am Ende der Subcostalader 
und ist sehr kurz, so dass die Zelle an ihrem oberen 
Ende ausserordentlich verlängert erscheint. Beim Q ist 
die ODC überhaupt gar niidit vorhanden, sondern mit 
der SC verwachsen, so dass die OR direkt aus der 
Subcostale hinter dem Zellende, ungefähr 1/4 vor dem 
Flügelrand, entspringt. 

Durch die Flügelform und die Palpenbildung nähert 
sich Callithomia den Diroeunen, unterscheidet sich aber 
hinlänglich durch das Geäder der Htfl. und auch äusserlich 
durch die mehr beschuppten Flügel, welche bei Dircenna 
halbdiirchsichtig erscheinen. 

Als Bates diese neue Gattung aufstellte, waren ihm 
nur wenige Arten, welche zudem sehr selten vorkamen, 
bekannt. Jetzt sind bereits gegen 10 beschrieben, die 
sich über das ganze tropische Gebiet Südamerilias, wenn 
auch stets nur in beschränkter Ausdehnung, verbreiten. 
Die schöne C. Hezia Hein, aus Centralamerika repräsentirt 
die Gattung in ausgezeichneter Weise. 



13, Napeogenes Bates. (ca. 30 Arten.) 

Taf. 11. X. Cyrianassa D.-H. <S- und J-PItfl. 

Auch diese Gattung, eine der interessantesten der 
ganzen Xeotropiden-Familie, verdanken wir dem Scharf- 
sinne Bates', welcher gerade hier die merkwürdigen 
Erscheinungen des ^vachahmens (Mimicry) eingehend 
beobachtet und dafür zuerst eine wissenschaftHche Er- 
klärung gegeben hat. 

Die ]!^apeogencs-Arten ahmen fast ausschliesslich die 
Ithomien und deren Verwandte nach, und dies soll sich 
nach den Versicherungen des ausgezeichneten Forschers 
nicht allein auf die äussere Gestalt und Flügelfärbung, 
sondern selbst auf die Gewohnheiten der Thiere, z. B. 



94 



N E T E P I D E N 



die Art und Weise des Fluges, erstrecken, so dass selbst 
teini Fange erst eine genaue Untersuchung des Geiiders 
den nüthigen Aufschluss geben kann. Die Napeogenes- 
Arten sind, entgegengesetzt den Ithomien, meist seltene 
Thiere, aber fast immer mit einiger Sicherheit dort zu 
ünden, wo die letzteren in einer gewissen Menge aufzu- 
treten pflegen. Ihr Anpassungsvermögen geht sogar so 
weit, dass wenn die Stammfoim in irgend einer liichtung 
abändert, dies auch getreulich von ihrem Nachahmer in 
gleicher Weise geschieht. 

Die Gattung N a p e o g e n e s ist sehr leicht an dem 
Geäder der Htfl. zu erkennen und unterscheidet sich hierin 
ganz besonders .von Ithomia, weniger von Ceratinia und 
Sais, mit denen sie früher allgemein verwechselt wurde. 
Bei Ifapeogenes stehen die UDO und MDC genau 
in derselben Kichtung wie die Medianader, da- 
durch erscheint diese Sästig und die Zelle erreicht 
fast die Flügelspitze, während bei den Ithomien die 
UDC stets zurückgebogen ist imd die Medianader normal 
Sästig ist. Diese abnorme Aderbildung finden wir nur 
noch bei einigen Ceratinia-Arten und bei Sais. Von 
beiden unterscheidet sich Napeogenes durch die entfernt 
von einander verlaufende Costal- und Sub- 
costalader und den absoluten Mangel irgend eines 
in die Zelle zurücklaufenden Adeifragments. 

Zur weiteren Charakteristik dieser Gattung geben wir 
auch hier die Original-Diagnose Bat es': 

,,Koj/fJdem; Talpen dünn mit Haaren imd Sdnqijien lesetxt, das letzte 
Glied Mein xind über die Stirn hervorraijend. Fühler nuissy lairz, 
deutlich geijen die Sintze verdield. 

Vdfl. mit dem 1. Medianast in kurzer Jintfermmj von der Flügel- 
Kiirzel. 

Untere und mittlere Discocellularader der Htfl. (UDC und 
MDO) in einem stumpfen Winl;el mit der ilediana verhundtn, leide 
von gleicher Länge, schief gegen den Torderrand gerichtet, nahe der 
Spitze (weniger schiej heim Q ah heim qJ, gerade iind schwach 
gebogen, ohne rücklaufende Ader. ODC beim Q ziemlich lang, die 
SuJjcostale nahe am Ende treffend, beim Q hiirz. weit vom Ende mit 
der Subcostale vm'bunden. 

Cosiale und Subcostale der Htjl. in beiden Geschlechtern frei 
und weit entfernt. 

Vor de rfus s tibicn und -tarsen der QQ verhiimmert. Eemnr 
rerhürzt. 

Vor derfusstarsen der QQ zart und fadenförmig."' 

Uates, Irans. Linn. Soc. XXIII. {lSr,2.) 

Wir fügen noch ergänzend hinzu, dass die 92-^"o'"- 
derfusstarsen 4gliedrig und nur am 2. und 3. Glied be- 
dornt sind. 

Durch dieses charakteristische Geäder der Htfl. 
unterscheidet sich Napeogenes auch von allen vorher- 
gehenden Gattungen. Von der folgenden Ileteioscada, 
welche namentlich im J eine grosse Ähnlichkeit besitzt, 
wird sie ausserdem durch die in der Diagnose näher 
enthaltenen Merkmale und durch die Bildung der <So- 
Yorderfüssc getrennt. 

Der Yerbreitungsbezirk dieser auch an Artenzahl 
hervorragenden Gattung erstreckt sich hauptsächlich über 
das Amazonengebiet bis Centralamerika und Südmexiko. 
In betreff der einzelnen Arten verweisen wir auf den I. 
Theil; auch müssen wir uns versagen, hier näher auf die 
interessanten mimelischen Verhältnisse einzugehen, welche 
besser durch Anschauung und Vergleichung natürlicher 
Exemplare, als durch lange Beschreibungen verstanden 
\\ erden. Die sich näher dafür Interessirenden verweisen 



wir auf die berühmte Original-Abhandlung Bates' in den 
„Transactions" der Linnean Society von 1862. 

Nov. Gen. 
14. Heteroscada Schatz. (2 Arten.) 

Taf. n. H. Gazoria Godt. S- und Q-Htfl. 

Die beiden kleinen Neotropiden, welche dieses neue 
Genus bilden, H. Gazoria Godt. (1. Janina Hew.) und 
Fendla Hev:., wurden von Ilewitson als Ithomien be- 
schrieben, von Kirb}' aber unter die Melinaeen gestellt, mit 
welchen sie, abgesehen von ihrer geringen Grösse und Ver- 
schiedenartigkeit des Äussern, auch nichteinen einzigen Uaupt- 
charakter gemeinsam besitzen, — Das Geäder der di O 
stimmt im Gegentheil mehr mit Scada überein , aber 
merkwürdigerweise zeigen die C^ eine davon ganz ab- 
weichende Bildung und ähneln den Napeogenes-^^, so 
dass Heteroscada gewissermassen als eine Mischung dieser 
beiden Formen zu betrachten ist. 

Wir geben daher eine genaue Diagnose dieser neuen 
Gattung : 

Fühler uni Palpen wie bei Scada. 

Vdfl. mit normalem Geäder; ein riicJdaufender Aderast von der 
Vereinigungsstelle der MDC und VDC. 

Q Q - Htfl. mit schinach gewölbtem, an der Spitze jylölzlich abgebogenen 
Vurderrand Träcostale einfach oder- gespalten, nach innen gebogen. 
Costal- und Subcostalader nahe zusammen bis zur Mündung ver- 
laufend, an der Basis frei. ODC von der Subcoitale ungefähr an 
ihrer halben Länge in der Sichtung der Flugelsjntze sich abzweigend, 
so lang wie 3IDC und UDO zusammen, schicaeh gebogen. MDC 
S'.hwach nach innen geboge>i, UDC im stumpfen Winkel die Mediana 
trefend, kleiner als vorige, ohne rücklaufende Ader. Zelle von "/g 
der Flügellänge. 

QQ - Htfl. eiförmig; Costale und Subcostale von einander entfernt, am 
Urspl-ung nicht vcru-achsen, ODC fehlend. MDC schief nach innen, 
gerade, UDC schwach gebogen, in einen stumpfen ]Vinkel mit der 
Mediana verbunden, Zelle von ^/g der Flügellänge. 

Vord erfasse des Q mit su einem Knopf verkümmerter Tibla und 
Tarsus. Femur von gleicher Länge yrle Coxa. 

Vorderfüsse des 5? (fehlen.) 

Die beiden Arten sind kleine, haibdurchsichtige, gelb- 
lich und grau gefärbte Schmetterlinge, etwa von dem 
Aussehen einer Scada. Wie sie unter die grossen, ihnen 
total unähnlichen Melinaeen gerathen sind, ist ganz unbe- 
greiflich. Von Scada unterscheidet sich die neue Gattung 
durch den nicht verkürzten Femur, aber auch sehr 
gewichtig durch das ganz verschiedene Geäder des Q. 
Übrigens ist auch hier die MDC nur schwach gebogen, 
ohne rücklaufende Ader , während sie bei Scada 
scharf gewinkelt und stets mit einer solchen versehen ist. 
Von Kapeogenes unterscheidet sich das ö schon durch 
die weniger lange Zelle, hauptsächlich aber durch die 
nahe mit einander verlaufende SC und Costale, die lange 
in gleicher Richtung mit SC verlaufende ODC und die 
quergestellte MDC; beim 5 vorzüglich durch die lücklaufende 
Ader an der Verbindungsstelle der MDC und UDC, welche 
allen Napeogenes-Arten fehit. Dass diese beiden Arten 
demnach keine Ithomien oder Melinaeen sein können, braucht 
nicht weiter auseinandei-gesetzt zu werden. 

Als Vaterland der //. Gazoria Godt. wird Brasilien 
überhaupt, der //. Fenella Hew. Minas-Geraes angegeben. 
Sie müssen aber relativ selten sein, da in der so reichen 
Stau din ger' sehen Sammlung nur wenige Stücke vor- 
handen sind. 



NEOTROPIDEN. 



95 



15. Scada Kirby. (ca. lo Arten.) 

Taf. 11. S. Eeckia Hübn. d'- und f-Htfl. 
a. o -Vorderfiiss. 

Die Gattung Scada und die folgende Sais (sowie auch noch 
eil Untergattung der Ithomien, Aeria, doch diese nicht in so 
auffälliger AVeise) besitzen ein gemeinschaftliches Kenn- 
zeichen in dem nur halb so langen Schenkel (Femur) der 
O O-Vorderfüsse. Hier ist also die Verkümmerung der 
letzteren auf den tiefsten Grad gesunken, und Hand in 
Hand geht hiemit eine grössere Verschiedenheit im Gei'^der 
beider Geschlechter. 

Scada liisst sich leicht, ausser an dem erwähnten 
Charakter, welcher aber erst deutlich mittelst des Mi- 
kroskops hervortritt, an der ausserordentlich langen, fast 
wage recht verlaufenden oberen Discocel- 
lularader erkennen, deren Stellung so anormal ist, dass 
sie ebenso gut als ein Zweig der Subcostalader gelten 
kann. Eine Vergleichung des Geäders mit irgend einer 
andern Neotropide wird dies deutlicher machen, als die 
genaueste Beschreibung. 

In den Pulpen, Fühlern und dem Geäder der Vdfl. 
stimmt Scada mit Mechanitis überein. Die rücklaufende 
Ader erscheint als Fortsetzung der unteren Radiale (UR). 

Ö Ö-Htfl. mit kui'zer, gerader, in einen Einschnitt des 
Vorderrandes mündenden Costale und zur Hälfte mit ihr 
verwachsenen, dann aber parallel verlaufenden Subcostale. 
Die ODC in schwachem Bogen von der letzteren sich 
abzweigend ; MDC querstehend, stark gewinkelt, mit einem 
kurzen Ast in die Zelle aus der "Winkelspitze. UDC 
stumpfwinklig mit der Mediana verbunden. PC einfach, 
nach innen gebogen. 

^O-IRfl. mit schwach gebogenem Vorderrand; Costal- 
ader bis zu -jo mit SC verwachsen, dann plötzhch sich in 
den Vorderrand biegend. ODC klein, senkrecht, ungefähr 
in der Flügelniitte abgezweigt. MDC und UDC wie 
beim O- 

O Ö -Vorderfüsse mit zu einem Knopf verwachsener 
Tibia und Tarsus. Femur nur halb so lang als Coxa. 

QC^-Vorderfüsse zart und fadenförmig, mit 4gliedrigem 
Tarsus. 

Scada stimmt in ihrer Struktur noch am nächsten 
mit Mechanitis übereiii, mit welcher sie auch von Bates 
als eine Untergattung derselben vereinigt wurde. Von 
dieser unterscheidet sie sich ausser durch die mehr ver- 
kümmerten o Ö -Vorderfüsse und den ganz abweichenden 
Habitus hauptsächhch durch die ODC, welche in solcher 
Bildung nur noch in der vorigen Gattung vorkommt. 

Die wenigen hiezu gehörenden Arten gleichen sich 
untereinander sehr. Es sind kleine, zarte, halbdurch- 
sichtige, gelb und schwarz gezeichnete Schmetterlinge, 
deren Verbreitungsbezirk sich über das ganze tropische 
Süd- und Centralamerika erstreckt. 

16. Sais Hübn. (i Artei.) 

Taf. 11. S. Moseila Hew. d- und §-IItfl. 
a- o -Vorderfuss. 

Ein kleines, nur aus wenigen Arten bestehendes Genus, 
dessen Hauptcharakter in den auf das Ausserste 
Verkümmerten cf d - Vor d er fü ss en und der in 



beiden Geschlechtern anscheinend 5 ästigen Median- 
ader der Htfl. liegt. 

Diese letztere eigenthümliche Bildung findet sich nur 
noch bei Napeogenes, von welcher sich Sais aber leicht 
durch die gewinkelte und mit einer rücklaufen den 
Ader versehene MDC der Htfl., beim ^ auch durch 
die fast völlig mit einander verwachsene Costale und 
Subcostale unterscheidet. 

Da das Geäder gerade in dieser Gattung ziemlich 
abwe'chend von allen übrigen gebaut ist, so geben wir 
die Diagnose derselben etwas genauer: 

Die Paljien sind sehr schmal und dünn, nur schirach behaart und mit 
Ideimni eifürmir/en Endglied versehen. 

Vdfl. 7nit rjleiclum Geäder in heiden Geschlechtern; die rücldaufende 
Ader entaprinyt ans der UDO. 

Htjl. des o : Yorderrand an der Spitze scharf abgebor/en. Costale 
und Subcostale eng an einander verlaufe^id, aber nicht vericachsen, 
beide in ehr Fliigelsintze mündend. PC gegabelt. ODC Icurz 
und gerade, vor der Flügelspitze abgeziceigt, daher die 
Zelle an ihrem oberen Ende ausserg ewolir.lich ver- 
längert. MDC scharf nach innen g evnnkelt, mit einer 
rücllaufenden Ader aus der Winkelspitze; X^DC gerade, 
beide in schiefer Biehtung mit der Mediana verbunden- 

Htfl. des Q: Turderrand nur schwach gebogen. Costale fast bis 
zu ihrem Ende mit SC rericachsen. PC gegabelt. ODC, 
MDC und VbO wie beim ö". 

QQ - Vorderfüsse mit sehr kleinem, kaum die halbe Hüften- 
liinge erreichenden Femur; Tibia und Tarsits am Ende 
desselben ein Knöpichen bildend. 

QQ- Vorderfüsse fadenförmig, zart, 4gliedrig. 

In dieser Gattung ist die Verkümmerung der c^d- 
Vorderfüsse am weitesten vorgeschritten. Sie erreichen 
kaum mehr '/io der Länge der Mittel- und Hinterfüsse. 
Dies in Verbindung mit dem charakteristischen Geäder 
der Htfl. unterscheidet Sais von allen übrigen Gattungen. 

Die wenigen Arten sind über das nördliche tropische 
Südamerika verbreitet, hauptsächlich auf die heissesten 
Thäler des Amazonas und der anschliessenden gebirgigen 
Theile von Ecuador und Venezuela, gehören aber immer- 
hin zu den seltenern Erscheinungen der dortisren Fauna. 



Untergruppe B. 

UDC der Htfl. mit der Mediana in ehiem 
spitzen oder wenigstens rechten Winkel verbunden 
und nach innen gerichtet. 

(I t h m i e n - G r u p p e.) 

17. Dircenna Doubl, (ca. 20 Arten.) 

Taf. 11. D. Klugii Hübn. d"- und 9-Htfl. 
a. Q-Vorderfasstarsiis. 

Die hauptsächlichsten Merkmale dieser bis jetzt etwas 
unsicher umgrenzt gewesenen Gattung sind die nur 
4gliedrigen fadenförmigen ^^"^'orderfüsse, 
die stark behaarten Palpen und die bauchige, 
in der Flügelmitte kurz ab geschnittene Zelle 
der Htfl. 

Des weiteren charakterisirt sich Dircenna noch durch 
die hochgewölbten Htfl. im d"-Geschlecht, deren Costal- 
ader am Grunde etwas mit der SC verwachsen und wellen- 
förmig gebogen ist und in den Vorderrand mündet. 
ODC fehlt gänzlich, daher entspringt MDC direkt 
aus der Subcostale und ist. schief nach aussen gebogen. 
UDC ist gewinkelt, mit einer rücklaufenden Ader aus der 



96 



XEOTEOPIDEN. 



Winkelspitze und fast senkrecht mit der Mediana ver- 
bunden. Die obere Radiale (OR) ist etwas mit SC ver- 
wachsen (daher fehlt ODC) und zweigt sich nach dem 
Zellende ab. 

Beim Q ist der Yorderrand nur schwach gebogen, 
die Costalader ist mit SC bis zur Hälfte verwachsen und 
ODC als kurzer Ast vorhanden. Im übrigen sind MDC 
und UDC wie beim o gebildet. 

d'd'-Vorderfiisse mit knopfformig verkii)nmerter Tibia 
und Tarsus. Pemur von der gleichen Länge wie Coxa. 

5)C'-Vordevfüssc zart, fadenförmig, mit 4gliedrigem 
Tarsus, deren 2. und 3. Glied stet-, das erste selten 
ein Paar kurzer Dornen tragen. 

Das Genus Dircenna wurde von Doubleday auf 
die bekannte D. Klugii Hlibn. gegründet, welche von 
II üb n er als Ceratinia aufgeführt ist und als solche eng 
mit den Ithomien vereinigt war. Doubleday legte ein 
Hauptgewicht auf die stark behaarten Palpen, beschreibt 
aber die 5$-Vorderfusstarsen als Sgliedrig. Seit dieser 
Zeit sind sehr häufig Dirconnen und Ithomien mit ein- 
ander verwechselt und untereinander geworfen worden, 
da der Doub leday'sche Hauptcharakter doch mehr 
ddev weniger relativ ist. Erst die genauen Untersuchungen 
Salvin und Godraan's haben diese Gattung sicher 
umgrenzt, so dass es möglich ist, beide gut zu unter- 
scheiden, wenn ^ 0-Yorderfüsse zur Untersuchung vorliegen. 

Wir begegnen hier nun zum dritten Male derselben 
parallelen Reihe, welche wir bereits bei Melinaea und 
Meehanitis, Methona und Thyridia erwähnten und deren 
Hauptunterschied in den 4-, bez. Sgliedrigen 5$-"V^o''der- 
füssen besteht. Auffallend ist es immerhin, dass sich dieser 
durchgreifende Strukturunterschied gerade bei solchen 
Gattungen ausgeprägt findet, welche einander nachahmen, 
denn auch Napeogenes besitzt 4gliedrige ^^-Tarsen im 
Gegensatz zu Ithomia. Es seheint fast, als wenn 2 ganz 
bestimmt von einander gesonderte Stämme in dieser Familie 
existirten, deren einzelne Zweige sich in paralleler Rich- 
tung entwickelt und unter den gleichen Be.lingungen auch 
zu gleichen oder doch ähnlichen Formen geführt haben. 
Dies würde allerdings noch eine andere Erklärung der 
sog. Mimicry zulassen. 

Die Dircennen sind meist von ansehnlicher Grösse, mit 
halbdurchsichtigen, mehr oder weniger gezeichneten Flügeln 
und ziemlich zahlreich an Arten. Ihr Verbreitungsbezirk 
erstreckt sich über das ganze tropische Süd- und Central- 
amerika bis Mexiko. Einige Arten, wie D. Klugii Unhu. 
von Centralamerika, welche zugleich als der beste Typus 
der Gattung gelten kann , und Epidero Bates vom 
Amazonas etc. gehören zu den gewöhnlichsten Erschei- 
nungen der betreffenden Schmetterlingsfaunen. 

18. Epithomia Salv. &. Godm. (2 Arten.) 

Taf. 11. E. Callipero Bat. d- und g-Htfl. 
a. Q-Vorderfiisstarsus. 

Dieses neue, auf die frühere Dircenna Callipero Bates 
gegründete Genus ist eben wegen der ögliedrigen g^" 
Tarsen von Dircenna abgetrennt worden und gehört daher 
schon dem engeren Ithomienstamm an. Es unterscheidet 
sich schon äusserlich von den Dircennen durch die be- 
stäubten, nicht durchsichtigen Flügel und erinnert in der 



FlüfeUVirbung etwas an die Callithomien, von denen es 
aber leicht durch die 2 sp al ti ge Pr ä c o stal e, die 
weniger hochgewölbten Htfl. und die ge- 
winkelte und zurückgebogene UDC unterschieden 
wird. Yon den Ithomien wird es durch die in der 
Diagnose näher angegebenen Merkmale getrennt. 

■ Wir geben hier zur genaueren Charakterisirung der 
Gattung die Original -Diagnose der Autoren in Über- 
setzung wieder : 

„Vorderrand der Biji des (^ IwcliyeiniUit ; IJDC an Ihrem 
oberen Ende in einem rechten Winkel rjelorjen, von v;o ein lanyer 
rikklauf ender Kerv entspringt IJDC einfach (jehoijen. ODC kurz, 
die Suhcostah in einem stumpfen Wiiikel nahe an ihrem Ende und 
unyefähr in 'j^ Entfernung des Vorderrandes ron der Basis ab 
treffend. Costale und Subcostale schwach aus einander gebogen, die 
Ittziere nur schwach gebogen. Erster Subcostalahs^hnitt läiiyer ah 
die 3 Medianabschnitte zusamTnen. 2. Abschnitt sehr harz. Q- Tarsus 
mit 5 Gliedern, deren 2. uhd 3. Glied Je 1 Pimr Dornen tragen." 
Salvin und Godfnan, Püol'gie Central-Amerika^. 

Die bisher allein bekannte Art der Gattung, E. 
Callipero Baten, ist auf Panama beschränkt ; eine zweite 
Art, E. Vnlera Stgr. aus Venezuela, ist im ersten Theil 
dieses Werkes beschrieben. 



19. Ithomia Hübn. (ca. 200 Arten.) 
Hiezu die Tafel 12. 

Dem Vorgänge Bates' folgend, dessen klassische 
Arbeiten über die Insektenfauna des Amazonengebiets stets 
ein rühm würdiges Denkmxl für ihn bilden werden, be- 
trachten wir die Ithomien a's einen Complex von Arten, 
denen wenigstens ausnahmslos e i n charakteristisches 
Merkmal in beiden Geschlechtern zukommt : die in einem 
spitzen oder rechten (nie aber stumpfen) Winkel mit 
der Mediana verbundene untere Discocellularader der Htfl. 
Es lässt sich indessen nicht leugnen, dass in diesem 
Pormenkreis mehrere enger begrenzte Gruppen vorhanden 
sind, welche in gewisser Richtung (namentlich im Geäder 
der Htfl.) so von einander abweichen, dass sie mit dem 
gleichen Rechte, oder vielleicht mit noch grösserem, als 
eigne Gattungen betrachtet werden können , wie einige 
der vorhergehenden. Anderseits stimmen aber wieder die 
hiezu gehiirenden Arten im Bau der Fühler, der Palpen 
und Vorderfüsse und in dem Geäder der Vdfl. so gut 
mit einander überein, dass sie auch habituell eine gut 
umgrenzte und leicht erkennbare Gruppe innerhalb der 
Neotropidenfamilie bilden. Wenn wir daher die Ithomien 
hier noch als eine Gattung behandeln, so geschieht dies 
nur, um die ohnehin schon so schwierige Bestimmung 
derselben nicht noch durch Aufnahme neuer Gattungen 
zu vermehren. Wir werden daher die 10 von Salvin 
und G o d m a n aus dem alten Genus Ithomia abge- 
trennten Genera als Untergattungen anführen, als welche 
sie leichter klassifizirt und bestimmt werden können. 

Wir geben zunächst die Charaktere, welche allen Arten 
gemeinsam sind. 

Palpen Mein, niur wenig über die Stirn hervorragend, fest angedrückt 
und nur schwach behaart, mit gebogenem Basalglied, doppell sa 
langem schwächeren Mittelglied und sehr kleinem Endglied. 

Fühler dünn, von halber Fliigellänge (ausnahmsweise etv-as länger), 
allmählich zu einer deiUlichen Kolbe verdickt. 

Vdfl. in beiden Geschlechtern mit gleichem Geäder. /Subcostale ö ästig, 
der 1. Äst vor dem Zellende, Ast 3 tmd ö mehr genähert als die 



NEOTEOPIDEN. 



97 



ülrijen. B Hellauf ende Ader hald von der MDC, buhl von VDC. 

OD(J meist fehlend oder doch nur schirach entirithelt. 
Illfl. in beiden Gesehkchtem sehr verschieden geformt und mit unjhiehem 

variablen Geäder; beim Q der Vorderrand stets hoher rjeiriilLt als 

beim Q, unterhalb und längs der Subr-nstale bis mini Ztllende mit 

einem steifen, schief liegenden Haarbvseh. l'C einfach oder gabelig. 
UDO stets nach innen gelogen oder gevinlcelt, mit ungleichen 

Schenkeln, der obere oft s> klein, dass die Ader einfach erscheint. 

Biicklaufende Ader aus der Winlcelsjiitze oder OB. 
O O ■ ^orderfüsse mit zu einem Knopf verkilmmerler Tibia und Tarsus. 

Femur entweder kleiner, oder gleichlang, oder selbst eticas länger 

als Coxa. 
QQ -Vorderfässe zart und fadenförmig, mit Sgliedrigem, am 2. 

und 3. Glied mit je 1 Paar kurzer Dornen versehenen Tarsus. 

Die einzigen Genei'a, mit denen die Itliomien über- 
haupt verwechselt werden künnen (die übrigen sch!ies?en 
schon durch ihre Grösse und ihren Habitus eine solche 
aus) sind : Ceratinia (und hier nur einzelne Arten), 
Napeogenes, Scada, Callithomia, Sais, Epithomia und 
Dircenna. Von den 5 ersten lassen sie sich unbedingt 
durch die Richtung dci- UDO unterscheiden, welche nicht 
wie bei diesen, iu der Fortsetzung der Mediana liegt, 
sondern stets nach innen zurückgebogen ist. Von Epi- 
thomia und Dircenna bilden die nur dünn behaarten L'alpen 
ein gutes Erkennungszeichen. 

Die Ithomien sind meist kleine, zarte Schmetterlinge 
von schwachem Körperbau und durchsichtigen, seltener 
bestäubten Flügeln. Sic lieben die Geselligkeit und ver- 
einigen sich oft in grossen Mengen, namentlich an solchen 
Orten, wo ein imsicheres Licht die dunklen Schatten des 
"VVald'es durchbricht und einzelne Sonnenstrahlen verloren 
auf den Blättern zittern. Derartige Plätze scheinen eine 
sfi grosse Anziehungskraft auf sie zu besitzen , dass 
ausserhalb derselben in weitem Umkreise oft kein einziges 
Thier mehr angetroffen wird. (Bäte s.) Ihr Flug ist 
sehr langsam und schwach; sie setzen sich gerne auf 
Blätter, seltener auf Blumen. Einzelne Arten sind sehr 
gemein, andere wieder selten; immerhin bilden auch sie 
durch ihre bedeutende Artenzahl und weite Verbreitung 
für die tropische Insektenfauna Südamerikas eine hervor- 
ragende Cliarakterform, denn Schmetterlinge von diesem 
riabitus finden wir erst in der australischen Fauna wieder 
(Ilaniadryas). 

Die Zahl der bis jetzt bekannten Ithomien beläuft 
sich auf weit über 200 Arten. Sie sind über das ganze 
tropische Südamerika verbreitet, gehen selbst bis in die 
südUchen Theile Nordamerikas, erreichen aber den Höhe- 
punkt ihrer Entwicklung in den äquatorialen Distrikten, 
namentlich ini Amazonengebiet aufwärts bis Central- 
amerika. Die meisten Arten haben ganz begrenzte 
Fundorte; diejenigen z. B., welche das Amazonengebiet 
bewohnen, lassen sich höchstens 2 — 300 engl. Meilen weit 
verfolgen, dann werden sie durch andere Arten ersetzt, 
obgleich Bodenbcschaifenheit, Vegetation und Klima an- 
scheinend nicht gewechselt haben. (Bäte s.) 

"Wir geben nun die 10 neuen Gattungen und deren 
abgekürzte Diagnosen, wie sie von Salvin und God- 
man aufgestellt worden sind. Auch fügen wir hier die 
kleine Gattung A e r i a hinzu, welche wegen ihrer etwas 
verkürzten Schenkel von diesen Autoren in die Nähe von 
Scada gestellt wurde, aber so gewiss in jeder Weisse mit 
den Ithomien übereinstimmt, dass sie nicht von ihnen 
getrennt werden sollte. Da die unterscheidenden Merk- 
male fast nur in dem Geäder der Iltfl. liegen, so sind 



bei den meisten Gattungen auch nur diese allein ab- 
gebildet. Um die Bestimmung in etwas zu erleichtern, 
haben wir einen kleinen Schlüssel speciell für die [thomien- 
Gruppe ausgearbeitet, aber nur für die Ö O , da die 
Unterschiede der §5 *o complicirt sind, dass sie nicht 
durch einen einzelnen Charakter allein getrennt werden. 
Auch müssen wir uns in den Diagnosen des Raumes 
wegen auf das änsserste beschränken. Der sicherste 
Weg zur Erkennung der Gattungen ist die Vergleichung 
des Geäders mit den Umrisszeichnungen der Taf. 12, 
welche sowohl die ö O - als auch 52'-'^'^- wiedergeben. 

Schlüssel für die d' cf - 1 1 h o m i e n. 

(Die (^ (j^ erkennt man sofort an dem steifen Haarbüsehei auf den 

Htfln. unterhdb der Snbiostalader. Meist ist er von den Vdfln. 

bedeckt und wird erst durch Aufheben dei selben mittelst einer 

NndBl sichtbar). 

I. UDO im Iltfl. deutlich (jeirinkeU. 

A. Obere Radiale (OB) vorhanden. 

a. MDC nur wenig kürzer als UDO, 
aller viel länger als ODC. 

* Costale und SC fast bis zttr 
Hälfte verwachsen. 
t Costale und SC einen läng- 
lich-ovalen Duftfeck um- 
schliessend, am Ende durch 
eine kurze Querader ver- 
bunden Ithomia. 

ft ohne Duftfleck; am Ende 
frei auseinander gehend. 
ODC fehlend, daher SC 
und OB aus einem Funkt 
entspringend .... Episcada. 
00 ODCdeutlich vorhanden, 
SC und OB getrennt 
entspringend. .... LeilCOthyris. 
** Costale und SC vom Grunde 

an frei verlaufend .... Callolei'ia. 

b. ]\IDC viel kürzer als UDC, 

gleichlang mit ODC .... HypOSCada. 

B. Obere Badiale (OB) vollkommen 

fehlend Ftei'Oiiymia. 

IL UDC im Hff. einfach, nicht ge- 
winkelt, ebenso lang oder kürzer als 
UDC und ODC zusammen. 
A.. ODC und MDC von gleich';r 
Länge, UDC wellenförmig ge- 
bogen Aeria. 

B. ODC nur 1/3 so lang als MDC. 

UDC gerade ' Epithoinia. 

III. UDC im Htß. einfach, nicht ge- 
winkelt, um vieles grösser als MDC 
und UDC zusammen, nach innen ge- 
bogen und fast die Zelle ctllein schlies- 
send, meist am Ende verkümmert. 
A. Obere Badiale (OB) vorhanden. 
a. Costale nur am Grunde mit 
SC verwachsen, einen ovalen 
Duftfeck einschliessend , am 
Ende ohne Querader ver- 
bunden (in einigen Arten 
fehlt der Duftfeck). . . . Hypoleria. 



98 



NEOTEOPIDEN. 



b. Costale faM bis zum Ende mit 

SC verioachse i HyiueiliÜS. 

c. Costale vollständig mit SGver- 
wachsen und daher (janzfehlend 
oder als Ictirzey Ast aus der 

Mitte der SC abgehend . . Pscudoscada. 
Obei-e Itadiale (OB) vollkommen 
fehlend Hetcrosais 



Siibgeii. 1. 
Aeria Hübn. 

Taf. 12. Ae. Agiia S. & G. 
a. (3 -Vordeifiiss. 

Typus: Äe. Agna S. dt 6. 

Femur der Q (^'-Vorderßisse eliias kleiner als Coxa, nicht so lang als 

in den übrigen Arten' 
(^ : Vorderrand der Biß. schnack gebogen. VDC einfach, icellen- 

förmig gebogen, nicht gewinkelt. MJ'C lieii.er cds OJjC. liiiddaufende 

Ader als Fortsetzung der ÜB. 
Q : UDC scharf nach innen getcinkelt, mit einer riichltnifenden Ader aus 

der ninlelspitie. 0/JC jehlend. Oll aus der SC hinter dem 

Zellende abgezweigt, 

Zu dieser Gattung gehören nur wenige kleine Arten, 
welche sich durch ihre gelbe, schwarzgezeiehnete Flügel- 
färbung auszeichnen und daran schon äusserlich leicht 
erkannt werden können. Sie haben eine entfernte Ähn- 
lichkeit mit Scada-Arten, sind aber scharf durch das 
Geäder von diesen getrennt. 



Subgen 2. 
Ithomia Hübn. 

Taf. 12. I. Iphianassa D.-H. 
a. Palpe, b. Fühler, e. (^-, d. g-Vorderfuss- 
Typus: /. Bri/wo Hübn. 

Femur der (^ Q-Vorderfüsse ebenso lang oder länger als Coxa (wie in 
allen folgenden), 

r^ : Vorderrand der Illfi. etims hochgebogen; Costale und Subcostale 
am. Grunde verwachsen, dann auseinandergebogen und einen läng- 
lich-ovalen, mit aujrechtstehenden dicken Diifischuppen besetzten 
Fleck anschliessend, am Ende verkümmert. Zelle oben länger als 
unten. TJDC gleichmässig gewinhelt, MIJC doppelt so lang als OTJC. 

Q : Vorderrand schioach gewölbt. Costale und SC am Grunde 
verwachsen, dann auseinandergehend, ohne DuJIflech. Costale am 
Ende nicht verkümmert. OJJC sehr klein. 

Diese ursprünglich typische Hübn er' sehe Form ist 
im ö leicht an dem elliptischen dunklen Duftfleck 
zwischen Costal- und Subcostalader zu erkennen. Ein 
solcher kommt unter den Ithomien nur noch bei 
H y p 1 e r i a vor. Diese ist aber leicht an der im O 
langen und einfach nach innen gebogenen ungewinkelten 
UDC zu unterscheiden; auch fehlt hier der verbindende 
kurze Querast zwischen C und SC am Ende des Fleckens. 

Zu dieser weit verbreiteten Form gehören (-n. 35 Alten, 
von ganz verschiedenartiger Zeichnung und Flügelform. 
Im I. Theile sind hievon •/. Fanamensis Bates und die 
schwarz-weisse Patilla Heu-, abgebildet. 



Siil)geii. 3. 
Calloleria S. & G. 

Taf. 12. C. Tutia Ilew. J- und J-Htfl. 

Typus : C. Tutia Hew. 

O ; Vorderrai'd hochgen:ülbt; Costale und Subcostale avi G i unde nahe zu- 
sammen, dann auseinandergehend, am Eide v:ieder genähert, aber 
ohne Duftflech UDC ungleich gewinkelt, mit kurzem oberen Schenkel. 
3IDC scliwach gebogen, länger als T'IJC. O'C seltr kurz. Zelle 
oben länger als unten. 

Q : Vorderrand schwach gewölbt: C'istale und SC vom Grunde bis zur 
Spitze uuseinandergehend ; sonst wie oben- 

Wenig zahlreich an Arten, welche alle nahe mit einander 
verwandt und meist von brauner Grundfarbe sind. Die 
abgebildete C. Anchiala Heu-, gehört hiezu. 

Subgeii. 4. 
Hyposcada S. &, G. 

Taf. 12. H. Adelfina Bates. 
Typus: //. Adelfina Bates. 

Q ; Fühler länger als in den übrigen Arten. Vorderrand an der Spitze 
plötzlich abgebogen. Costale und Subcostale von einander ertleimt. 
T'J.>C stark gewinkelt, mit längerem gebogenen unteren Schenkel. 
MDC und ODC gleichlaitg, kürzer als UJfC. Zelle oben und unten 
ja-st gleich lang. 
Q : Vorderrand schwach geirölbt, sonst wie oben- 

Auch diese Untergattung enthält nur wenige meist 
braun gefärbte Arten und ist nahe mit der vorhergehenden 
verwandt, von der sie sich durch die angeführten Merk- 
male unterscheidet. Die aussergewöhnlich langen Fühler 
sind für sie sehr charakteristisch. 

Siibgen. 5. 
Leucothyris Boisd. 

Taf 12. L. Iierdina Hew. d'-Vdfl. d'-und ^-Htfl. 
Typus: B. Iierdina Hew. 

q: Vorderrand allmählictt gebogen; Costale und SC nahe zusammen!, am 
Grunde häufig verwaclisen. Zelle oben länger als unten, oft bis zur 
Flügelspitze gehend. l'DC ungleich geioinkelt, unterer Schenkel 
länger, schwach gebogen; JlfJC länger als ODC. 

Q : Zelle oben und unten gleich lang. ODC fehlend oder sehr kurz. 

Dies ist eine der weit verbreitesten Ithomienforinen, und 
einige der gemeinsten Arten, wie /. Makrena Hew. und 
Victorina Guer. gehören hieher. Sie repräsentiren den 
durchsichtigen, schwarz und weissgefleckten Tjqjus, doch 
giebt es auch einzelne anders gefärbte Formen, wie die 
abgebildeten, der typischen Iierdina nahe stehenden Iler- 
dinoides Stgr. und Vicina S. & G. darunter. In einigen Arten 
geht die Zelle fast bis zum Aussenrand. Im allgemeinen 
ist diese Gattung gut umschrieben und durch obige Merk- 
male von andern zu unterscheiden, namentlich von der 
ähnlichen Hymenitisform, bei welcher aber die UDC im 
cT-Htfl. nicht gewinkelt, sondern nur einfach gebogen, 
übrigens von ungewöhnlicher Länge ist. 

Siibgeii. 6. 
Episcada S. &, G. 

Taf. 12. E. Sylvo Hübn. d- und ^-Htfl. 
Typus: E. Salvinia Bates. 

O I Vorderrand schwach gebogen ; Costale und SC tiaJie zusammen am 
Grunde, dann auseinander gehend, am Ende sich wieder nähernd. 



NEOTßOPIDEN. 



99 



Zelk oben länger als unten. UDC ungleich gewinlelt; MDC sehr 
gross, fast von gleicher Zange wie VCG\ OLG fehlend. Obere 
Badiale (OB) am Grunde mit SG rem-achsen tder direld aus der 
Zellspitze cnt-ip ringend. 
Q : Gostale und SG am Gmnde verwachsen. OjDG meist vorhanden, 
icenn auch kurz, sonst wie vorige. 

Der einzige Unterschied, welcher diese Gattung von 
der vorhergehenden trennt, h'egt in der z. Th. mit SC 
verwachsenen oberen Radiale, wodurch ODC vollständig 
fehlt, während sie bei Leucothyris noch deutlicli entwickelt 
ist. Doch gibt es allmähhche Übergänge hiezu, indem 
bei einzelnen Arten die Verwachsung sich auf einen Punkt 
beschränkt. Die Arten haben auch den gleichen Färbungs- 
styl und sind ebenso weit verbreitet wie die vorige. 

Siibgen. 7. 
Pteronymia Butl & Druce. 

Taf. 12. P. Simplex Salv. 
Typus: P. Aletta Hew. 

Q : Vorderrand sclnoüch gebogen. Gostale und SG nahe zusammen, am 
Grunde z. Th. venvachsen. Zelle oben %md unten gleichlang ODG 
ungleich geioinlelt, mit längerem unteren Schenlxl. JilDG gebogen. 
OIJG und obere Badiale total fehlend odcT als Icurzer Zweig 
der SG erscheinend. 

Q ; OJjG fehlend, obere Badiale aus dem oberen Zellende ents/n-ingend. 

Pteronymia gehört unzweifelhaft dem gleichen Stamm 
wie die beiden vorhergehenden Formen an; während aber 
bei Leucothyris die obere Radiale noch frei entspringt, 
ist sie bei Episcada bereits z. Th., wenn auch nur wenig, 
mit der Subcostale verwachsen. Bei Pteronymia hingegen 
ist sie mit ihr so vollkommen verwachsen, dass sie wirk- 
Hch verschwindet und daher zu fehlen scheint. Man 
kann die allmähhche Verwachsung und das Verschwinden 
derselben sehr deutlich bei einzelnen Arten beobachten, 
wo die OR noch als kurzer Ast auftritt; die 5$ l'™' 
gegen zeigen die OR noch deuthch und frei aus der 
Zellecke entspringend. 

Diese Form ist ziemhch zahlreich an Arten (ja. 40) 
imd breitet sich über ganz Brasihen bis Mexiko aus. Es 
sind meist durchsichtige, nur wenig weiss und schwarz 
gefleckte Ithomien, einige sogar vollkommen ungefleckt 
und zeichnungslos, z. B. die I. Simjdex Snlv. Einige 
neue und distincte Arten sind im I. Theile abgebildet, 
u. a. auch die auffällig orangeroth umrandete /. Bitfocincta 
8. d: G. 

Die nun folgenden 4 Gattungen weichen von den vorher- 
gehenden insofern ab, als hier meistens die ODC und 
MDC sehr klein sind und daher die beiden Radialen 
und die SC nahe zusammen stehen. Auch erscheinen 
die beiden Radialadern gegenüber der Mediana ausser- 
ordentlich zart und dünn. Die UDC dagegen ist sehr 
gross, stellt rechtwinklig auf der Mediana und ist in 
einem Bogen nach innen gerichtet, bei den (So nicht 
gewinkelt und häufig an ihrem Ende verkümmert; der 
rücklaufende Ast entspringt meist aus der unteren Spitze 
der MDC und als eine Verlängerung der unteren Radiale. 
Beiden §9 cl'igegen ist häufig die UDC, aber erst an 
ihrer äussersten Spitze, gewinkelt und der untere Schenkel 
sehr lang und gebogen. Daher scheint es fast, als wenn 
die Zelle nur durch die lange UDC allein geschlossen wäre. 



Subgeii. 8. 
Hymenitis Hübn. 

Taf. 12. H. Oto Hew. 
Typus: Sect, a: H. Oto Hew., Sect. b: H. Sosunga Eeak. 

Q : Vorderrand hoch oder schwach geicölbt. Gostale am Ende ver- 
läimmert, nicht den Band erreichend, am Grunde mit SG verwaclisen. 
UJJG an der Spitze verkümmert, einfach, nach innen gebogen. 
MDG und ODC sehr klein, gleich lang und gerade Obere Badiale 
(OB) am Ende frei oder mit SC verioachsen. Untere Badiale sehr 
fein, beide nahe an der SG verlaufend. 

Die 59 treten in 2 verschiedenen Formen auf. 

Sect. a: Gostale normal. OB und ÜB bis zur halben Länge ver- 



wachsen, beide auf einem gemeinsclmftlichen Stiel entpiingend, daher 
311) G fehlend. ODC sehr klein; UDC gross, nach innen gebogen, 
an der Sjntze gewinkelt, mit sehr kurzem oberen Schenkel. 

Sect. b; Gostale normal. Nur OB mit SG etwas verwadtsen, ÜB 
frei, daher nur ODG fehlend. MDC so gross als der kurze obere 
Schenkel der nach innen gebogenen TJlJG. (JBievon fehlt eine 
Abbildung). 

Diese distincte Ithomienform bildet ein Gegenstück 
zu Leucothyris und enthält eine Menge ähnlich gefärbter 
Arten, welche sich über das ganze tropische Gebiet bis 
Mexiko verbreiten. Unter andern gehört die grösste bis 
jetzt bekannt Ithomie, die prachtvolle //. Duillia Hew., 
hieher (eine nahe verwandte Form /. Kepos Weym. 
(Lora Stgr.) ist im I. Theile abgebildet) mit halbdurch- 
sichtigen bräunlichen Flügeln ; die ebenso schöne, aber 
mehr gefleckte H. Pardalis Salv. ; die schwarz und weiss 
gefleckte, einfache H. Oto etc. Man erkennt 
Hymenitis auf den ersten Blick an der langen, 
ungewinkelten UDC, welche fast senkrecht 
auf der Mediana steht^ sich dann nach innen 
biegt und fast die Zelle allein schliesst (da ODC und 
MDC sehr klein sind). Da die OR und UR nahe zu- 
sammen an der Subcostale stehen, so f"hlt hier die 
charakteristische Längs-Ader in der Flügeiuiitte, wie sie 
Leucothj'ris etc. zeigen. 



Siibgen. 9. 
Hypoleria S. & G. 

Taf. 12. H. Lavinia Hew. 

Typus: Sect. a: H. Lihera Salv. Sect. b: //. Polissena 
Hew. 

Q : Vorderrand hochgewölbt; Gostale und SC ain Grunde verwachsen, 
dann auseinander gehend und einen länglichen Duftßeck eimchliessend, 
am Ende nicht durch eine Querader verbunden (Sect. a); oder auch 
nahe zusammen ohne I<leck. (Sect. b). UDC am Ende verkümmert, 
einfach nach innen gebogen. MDC u/nd ODG kurz. Obere und 
untere Badiale (OB und ÜB) nahe an SG verlaufend. 

Q : Vorderrand schwach geioölbt. Gostale zw Mälfte mit SG ver- 
wachsen. UDC ungleich getvinlceü, fast so gross als die Zelle breit 
ist. Oberer Schenkel sehr kurz, MÜG sehr klein, ODC vollständig 
fehlend. OB mit SG zu '/i verwachsen. Q der Sect. b. unbekannt. 

Es gehören zu dieser Untergattung nur wenige Arten, 
die sich leicht an dem Duftfleck in Verbindung mit der 
laugen UDC erkennen und namentlich von Ithomia unter- 
scheiden lassen, oder wo dieser fehlt (Sect. b.), durch die 
übrigen Merkmale charakterisirt werden. 



100 



NEOTEOPIDEN. 



Subgen. 10. 
Pseudoscada S. & G. 

Taf. 12. Ps. Pusio S. & G. 
Typus: P. Pusio S. et- G. 

(5': Vorderrand gebogen \ Costale völlig verhümDiert oder als ganz 
Jairzer Sjmrn an der SC su, erlcennen. VDC an der Spitze rer- 
h'immert, schwach nach innen gebogen. OB und SC an ihrem 
Ende frei. 2WC und ODC harz, aber deutlieh vorhanden. 

Q ; MDC und ODC vorhanden ; beide Badialen an ihrem Ursprung frei 
entsjningend. 

Es scheint bis jetzt nur diese eine Art bekannt zu 
sein. Die fast völlige Verkümmerung der Costale ist 
allerdings auffallend; doch ist es nur ein weiterer Fort- 
schritt in der Verwachsung der Costale mit SC, wie bei 
Hvmenitis. Von dieser wird Pseudoscada durch die frei 
verlaufenden SC und OR unterschieden, auch durch die 
anders geäderten 5$- 

Siibgeii. 11. 
Heterosais S. & G. 

Taf 12. H. Sephelo Bates. 

Typus: //. Xephele Bat. 

Q : Vorderrand sclucach geti-iilbt. Costale gerade und die gebogene SC 
hurz vor dem Zellende beinahe berührend. UVC einfach, gerade, 
ungeuHnltclt und schief nach inneii gerichtet, am Ende einen hurzen 
rückUiuf enden Ast als Fortsetzung der ÜB entsendend. JIDC und 
OB vollkommen fehlend, daher die Zelle offen. ODC als 
kurzer Ast der SC vorJtanden. 

Q : ÜDC stark gebogen und geicinkelt, mit einer rücklaufenden Ader 
aus der IVinkelspitze. MDC direkt mit SC verbunden, daher auch 
hier ODC und OB vollkom7nen fehlend. 



Der einzige Fall in der ganzen Familie, dass durch 
Verkümmerung der MDC und oberen Radiale beim O die 
Htfl.-Zelle offen erscheint. Es ist nur die eine Art H. 
Nephele Bates aus dem Amazonengebiet bekannt, eine 
kleine unansehnliche Ithomie von dem Charakter der 
Makrena, aber ziemlich selten vorkommend. Das 5 l^g 
uns nicht zur Untersuchung vor. 

Fassen wir nochmals die verschiedenartigen Ithomien- 
Formen zusammen, so lassen sich .3 grössere gut um- 
schriebene Gruppen und eine kleinere deutlich unterscheiden : 

Ithomien- Gruppe. Mit stark gewinkelter ÜDC und fast gleich langen 
MDC und OJjC. Ein Dwftfleek zwischen Costale und Suhcostale* 
Die ÜB ebenso stark wie M^ und in der Eliigehnitte. 

Leucothyris-Grupipe. UDC geivinJcelt; ODC sehr klein, MDC fast 
so gross als VDC. Duftfleck fehlend. Die ÜB ebenso stark icie 
M^ und in der Elügehnitte. 

Hyjnenilis-Gruppe. ÜDC nicht geuinkelt, sehr gross, einfach 
gebogen und die Zelle fast allein schliessend. ODC und MDC sehr 
klein. VB sehr fein und dünn, nahe an der Subcostale. 

Aeria-Gruppe. Durch die hellgelbe Flügelfärbung schon ganz 
isolirt stehend. 

Es ist eine Aufgabe der Zukunft, nachzuweisen, ob 
die Unterschiede der übrigen Genera constant genug sind, 
um sie als selbständige Gattungen aufrecht zu erhalten 
oder ob sie durch Zwischenformen mit einander verbunden 
sind, wie wir es bei Leucothyris, Episcada und Pteronymia 
zu zeigen versucht haben. Dies kann nur durch um- 
fassendes Material und das vergleichende Studium aller 
Formen erreicht werden. Erst dann wird ihr generischer 
Werth richtig erkannt und vollkommen sicher gestellt sein. 



A^- ^ c r a e i cl e n. 



Fig. 3. 





Fig. J. 



Fig. *. 



Fig. 1. Aoraea Herta L. ^. * Ausstülpung des vorletzten Bauehringes. Fig. 2. und 3, Eaupe und Puppe von Acraea Thalia L., in uatiirL 
Grösse, nach der Natur gezeichnet. Fig. 5. Palpe, enthaart, daneben der Querschnitt. Fig. 4. Basaltheil des Vdfls. Fig. 6. Letztes Tarsus- 

glied des Mittelfnsses. Fig. 4, 5, 6 vergrössert. 



Mit den A c r a e e n beginnt ein ganz neuer Stamm 
der grossen Bat es' sehen Nymphalidenfamilie, welcher, 
eng mit den Hehconiern und den eigentlichen Nympha- 
Hden zusammenhängend , sich fundamental von dem 
Danaidenstamme durch die Eaupen- und Puppenform, 
im vollkommenen Insekt durch die verschiedene Struktur 
des Geäders, und die Fühler-undPalpenbildungunterscheidet. 

Zu den Acraeen wurden bis jetzt 2 Gattungen ge- 
rechnet : Acraea selbst und die von B o i s d u v a 1 auf- 
gestellte Alaena. Diese letztere ist aber durchaus keine 
Acraee, sondern eine ächte Lycaenide, wie die vollkommen 
entwickelten 59-^^orderfüsse und die bedornten Vorder- 
füsse des O hinlänglich beweisen. Sie gleicht allerdings 
in ihrem Ausseren einer kleinen Acraee, und selbst die 
Palpen haben dieselbe aufgeblasene Form; doch kommen 
solche abnormen Fälle namentlich unter den afrikanischen 
Lycaeniden nicht selten vor. 

Die ursprünghche Fab ricius'sche Gattung Acraea 
wurde schon durch Hübner, später von Doubleday 
in mehrere Untergattungen gespalten, welche von neueren 
Autoren als selbständige Genera betrachtet werden. Die 
Charaktere indessen, worauf sie gegründet sind, erscheinen 
sehr unbeständig, wie z. B. . die Abzweigung des 1. Sub- 
costalastes, welcher selbst bei Individuen ein und der- 
selben Art vor oder nach dem Zellende sich abtrennt, 
oder die Länge der d'd'-Vorderfüsse, deren Extreme 
sich leicht durch Mittelformen verbinden lassen — oder 



sie sind von dem Flügelumriss und dem allgemeinen 
Färbungsstil hergenommen, welche zwar gute Species- 
Charaktere abgeben, aber nicht zur Umgrenzung einer 
Gattung gebraucht werden sollten. AVir betrachten dem- 
gemäss die Acraeen als nur aus einer Gattung bestehend,, 
Acraea selbst, deren Charaktere zugleich diejenigen der 
Familie vorstellen. 

1. Acraea Fabr. (ca. 125 Arten.) 

Taf. 13. Hyalites bis Actinote. 

Fühler mit chutlkli al/i/esetzter KolLe. 

Palpen im Querschnilt rund, mehr oder minder starh aufgeUasen^ 
rimj-ium schwach behaart, ohne Haarschoji; auf dem liädxn und mit 
einseinen steifen Grannenhaaren besetzt. Endglied sehr hlein,. 
abgerundet. 
Vdfl. und Htfl. mit vnllhommen geschlossener Zelle. Sidicostale öästig. 
Medianader am Grunde ohne Sporn. Suhmediana an der Basis 
nicht gegabelt. 

Htfl. mit nach aussen gebogener Präcostalader; Costale bis zum Aussen- 
rand reichend. Kanal am Innenrand zur Aufnahme des Hinter- 
leibes fehlend. Jjie QQ mit taschenähnlichen Anhängseln am 
Vnterkib. 
Vorderjiisse in beiden Geschlechtern verlämmert. Klauen der übrigen 
Fiisse einfach, ohne Anhängsel, in einigen Arten (hauptsächlich beim 
(^J ungleich, die äussern am Grunde gezä/intli. 

Baupien mit verztveigten Dornen besetzt. 

Puppen hängend, von schlanker lörm, nur wenig geecht. 



102 



ACR AEIDEN. 



Die Acraeen sind mit den Heliconiern nahe verwandt. 
Sie haben dieselbe langgestreckte Fliigelform, die stets 
geschlossenen Zellen, eine gleiche Kaupenform und auch 
ein nach gleichem Plane gebautes Geäder. Sie gehören 
unzweifelhaft einem gemeinsamen Stamme an, welcher 
sich später gespalten und nach zwei Richtungen entwickelt 
hat, die sich sehr scharf durch ein kleines Merkmal, den 
am Grunde der Medianader der Vdfl. befindlichen kurzen 
Sporn, unterscheiden lassen. Die Heliconier (und auch 
Eueldes) besitzen diesen Sporn in ausgezeichneter Weise 
entwickelt, und er lässt sich durch ganze Gruppen der 
K^ymphaliden weiter bis zu den Morphiden verfolgen. 
Den Acraeen dagegen fehlt er ganz. Auch die Richtung 
der Präcostalader ist in beiden Familien entgegengesetzt 
und kann ebenso gut zur scharfen Trennung derselben 
"benutzt werden. Bei den Acraeen ist sie stets nach 
-aussen gebogen, bei den Heliconiern dagegen 
nach innen. 

Drei weitere Bildungen zeichnen noch die Acraeen 
aus, welche erwähnt werden müssen, wenn sie auch nicht 
in gleicher Weise bei allen Arten entwickelt sind. Es 
sind dies die eigenthümlichen taschenartigen Anhängsel, 
welche die 55 ^^ gleicher Weise wie die Parnassius- 
OQ besitzen, und deren Endzweck uns noch ebenso 
unbekannt wie bei diesen ist, — die unregelmässige 
Gestalt der Fussklauen, namentlich bei einzelnen O O , und 
die stark aufgeblasene Form der Palpen. Die letzteren 
variiren indessen ziemlich bedeutend in dem Grade der 
Anschw-ellung und es lassen sicli vielfache Übergänge bis 
zu einer nur schwach aufgeblasenen Form nachw'eisen, 
•wie sie hauptsächlich die amerikanischen Arten zeigen, 
welche sich mehr an die Heliconiusform anlehnen. Bei 
den tj^ischen Acraeen dagegen sind die Palpen von einer 
so merkwürdigen Gestalt, wie sie keine andere Familie 
T\'eiter besitzt, und nur nocli in der Argjmnis-Gruppe 
annähernd auftritt. Die Membran derselben ist nämlich 
ausserordentlicli zart und dünn , fast durchsichtig, und 
aussenseits mit kurzen Haaren ringsum besetzt ; aber 
dazwischen stehen einzelne stärkere, meist schwarz ge- 
färbte steife Grannenhaare. Das Basalglied ist kurz, da- 
gegen das Mittelglied von ungewöhnlicher Länge, nur 
schwach gebogen und im Durchschnitt fast kreisrund. 
Das EndgUed ist häufig bis auf einen kleinen, kaum 
sichtbaren Knopf reducirt, abgerundet. Je melir die auf- 
geblasene Form abnimmt, desto stärker wird die Behaarung, 
und in dieser Form erscheinen die Palpen bei den Unter- 
gattungen Actinote, Planema und Pareba. 

Durch die erwähnten Merkmale lassen sich die 
Acraeen auch leicht von den übrigen Familien unter- 
scheiden. Unter den Kymphaliden, speciell in der Gattung 
Phyciodes und Pseudacraea, vmd selbst unter den Pieriden 
(Dismorphia), gibt es einige Arten, welche äusserlieh 
täuschend den Acraeen gleichen. Die letzteren sind sofort 
an den wohlentwickelten Vorderfüssen und der Innen- 
randsfalte, die Phyciodes-Arten an der offenen Htfl.-Zelle 
zu erkennen, die Pseudacraeen (deren Htfl. zwar auch 
geschlossene Zellen, aber nur durch eine rudimentäre 
UDO, besitzen) durch die Ausmündung der UDC in den 
Ursprung des 3. Median-Astes, nicht wie bei Acraea in 
den Bug desselben. Von den ächten Danaiden und 
Keotropiden werden sie schon durch die ungegabelte 
Submediana getrennt. 



Die Acraeen verbreiten sich über das ganze tropische 
Gebiet beider Erdhälften, aber Afrika ist ihre eigentliche 
Heiniath, wo allein '-/3 aller bekannten Arten vorkommen 
und hier, wie es scheint, die Heliconier im Haushalt der 
Natur ersetzen. Dann folgt Südamerika mit etwa 40 
Arten, doch weichen diese Formen äusserlieh und in der 
Struktur etwas von den Afrikanern ab. Am ärmsten ist 
das indo-australische Gebiet mit Acraeen bevölkert, denn 
es waren bis vor kurzem überhaupt nur .3 Arten hievon 
bekannt, w'ovon eine dem australischen Gebiet, die beiden 
andern dem indischen angehören. Erst in letzter Zeit 
sind einige neue seltene Arten aus dem malayischen 
Archipel hinzugekommen. Yon den ersteren ist die in 
ganz Vorderindien häufige A. Vesta Fahr, auch im 
Äussern und im Geäder vollständig abweichend, während 
die übrigen sich ganz dem afrikanischen Typus anschliessen. 

Wir geben nun in folgendem die Untergattungen, wie 
sie von Doubleday in den „Genera of Diurn. Lepidop- 
tera" aufgestellt wurden, und werden die Veränderlichkeit 
der Charaktere bei jeder Gruppe besonders anführen. Wir 
wollen noch kurz bemerken, dass, wenn diese Unter- 
gattungen zu selbständigen Genera erhoben werden sollten, 
der ursprüngliche Fabricius'sche Gattungs-Jsame Acraea 
unter jeder Bedingung beibehalten werden müsste und zwar 
für diejenige Unter - Gattung, in welcher der erste 
Fabricius'sclie Typus (A. Ilorta L.) steht, also für Hyalites. 
Die beiden übrigen von Fabricius citirten Acraeen sind 
A. Terpsichore L. und A. Brassolis, die letztere wahr- 
scheinlich die Arch. Bellona Crara. (eine Pieride). 

1. Hyalites Doubl. 

Taf. 13. H. Horta L. d*. 

a. Fühler, b. Palpe, e. Durchschnitt clerselbeii, tl. Klauen des Hiiiter- 
fusses, e. o-Vorderfuss. 

Der Typus für diese Gruppe, welche gewissermassen 
die normalen Acraeen darstellt, ist die A. Horta L., eine 
in ganz Südafrika häufig vorkommen_de Art mit zur Hälfte 
halbdurchsichtigen Vdfln. (dalier auch der K^ame) , im 
übrigen aber in jenem eigenthümhchen Ziegelrotli gefärbt, 
welches am treffendsten mit „Acraeenroth" bezeichnet 
und bei so vielen afrikanischen Schmetterlingen beobachtet 
wird. Die hiezu geliörenden Arten sind mit einer Aus- 
nahme, der australischen A. Andromacha Fabr. (welche 
auch durch ihre mehr weissliche Flügelfärbung etwas ab- 
weicht), in Afrika einheimisch. Der 1. Subcostalast zweigt 
sich vor dem Zellende ab; die Vdfl. sind am Aussenrand 
gerundet; die Palpen beträchtlich aufgeblasen. 

Von den im I. Theil abgebildeten Arten dieser Gruppe 
erwähnen wir noch die A. Ljati Boisd. und die prachtvolle 
neue A. Corona Sifjr., eine der schönsten afrikanischen 
Acraeen, welche namentlich die charakteristische Flügel- 
form sehr gut wiedei'giebt. 

2. Gnesia Doubl. 

Taf. 13. G. Zetes L. d- 
a. Palpe, b. und c. q- und Q-Vorderfuss. 

Die Vdfl. des O niit schwach ausgebogenem Aus- 
senrand; die Palpen stark aufgeblasen, Uß des 
Htfls. aus der OR bald nach de rem Ursprung 
abgezweigt. Diese Gruppe wird durch die A. Zetes 



ACEAEIDEN 



103 



L. und die schöne A. E<jina Cram. repräsentirt, zwei der 
grössten afrikanischen Acraeen. Die letztere fällt durch 
ihre intensiv rothe Flügelfärbung auf. Dies ist auch die 
Art, welche durch 2, ganz verschiedenen Familien ange- 
hörende Schmetterlinge, nämlich den P a p i 1 i o R i d 1 e y a- 
nus White und die Pseudacraea Boisduvalii 
Doubl, (eine Nymphalide) täuschend nachgeahmt wird. 
Es gehören zu dieser Gruppe nur noch wenige Arten. 
Gnesia unterscheidet sich strukturell nur wenig von Hya- 
lites, aber der ganze Habitus und der Färbungsstil ist 
ein anderer. Sie ist generisch kaum von Hj'alites zu trennen. 

3. Planenia Doubl. 

Taf. 13. P. Euryta L. cf- 
a. Pal je, b. (j -VLiderfuss. 

Der 1 . Subcostalast vor oder nach dem Z e 1 1 - 
ende; Palpen nur schwach aufgeblasen, aber 
stark beschuppt und mit einzelnen Haaren 
besetzt. Aussenrand der Vdfl. gerundet. UR 
der Htfl. kurz nach dem Ursprung der Oß abgezweigt. 
Zelle kurz, kaum 1/2 der Flügellän ge. 

Die hiezu gehörenden Arten sind beim d meist mit 
einer breiten röthlichgelben, beim 5 mit einer weisslicheii 
Binde versehen, ausserdem sind die Htfl. sehr charak- 
teristisch mit radialen schwarzen Strichen zwischen den 
einzelnen Adern gezeichnet und am Grunde mit schwarzen 
Punkten bedeckt. Dies ist eine der best charakterisirten 
Gruppen, welche sich auch äusserlich sofort von den vor- 
hergehenden unterscheidet. Als Typus derselben können 
die .4. Eut-yta Cram. und die ähnliche im I. Theile auch 
abgebildete Ä. Gea Fab. gelten, zwei" schöne und grosse 
Acraeen aus dem tropischen Westafrika. 

4. Telchiiiia Hübn. 

Taf. 13. T. Eahria Boisd. O- 
a. Palpe, b. (^-Vordevfnss. 

Der 1. Subcostalast vor dem Zellende; die 
Palpen stark aufgeblasen; Aussenrand sowohl im 
d" als 5 gerundet. UR der Htfl. nahe am Vereinigungs- 
punkte der Oß und SC abgezweigt, selbst kurz davor 
direkt aus SC entspringend. 

Diese Gruppe ist sehr zahlreich an Arten und nahe 
mit Hyalites verwandt. Als Typus gilt die A. Cep/ieus 
L. (welche im I. Theil nicht abgebildet wurde, dafür aber 
die nahe verwandte A. Petraea Boisd.) Weitere bemer- 
kenswerthe Arten sind die A. Anemosa Hew. (eine der 
schönsten und charakteristischsten Acraeen von der Ostseite 
Afrika's, welche die eigenthümliche rothe Acraeenfärbung 
in der ausgeprägtesten Weise zeigt), die kleinere, in ganz 
Afrika gemeine A. Serena Fab., die mit schwarzen Punkten 
wie übersäte A. Punctatis.nma Boisd. von Madagascar 
und andere mehr, welche ausführlich im I. Theil behandelt 
sind. Zu dieser Gruppe gehört auch die zweite indische 
Acraee, die A. Violae Fab., welche äusserlich der A. 
■Cepheus ähnelt. 

5. Paveba Doitbl. 

Taf. 13. P. Vesta Fab. d- 
a. Palpe, b.Siibcostalgeäder einer Varietät, c. und d.cT-unr^ Q-Vorderfiiss. 
Die einzige hiezu gehörende Art, die indische A. Vesta 
Fab., ist durch ihre einfach ledergelbe, fast fleckenlose 



Flügelfärbung so auffallend verschieden von allen übrigen 
Acraeen und weicht im Geäder der Htfl., den Palpen 
und o-Vorderfüssen auch so bedeutend vom normalen 
Typus ab, dass ihre generisohe Abtrennung am ehesten 
gerechtfertigt wäre. Wir werden aber sehen, dass sich 
selbst zu dieser anscheinend so anormalen Form verbin- 
dende Glieder finden lassen, welche die Abtrennung kaum 
nüthig machen. 

Bei Pareba zweigt sich nämlich die untere Radiale 
in den Htfln. direkt aus d e r Su b co s t ale und 
]i e h vor der oberen ß a d i a I e ab, so dass SC 
und Oß auf einem gemeinschaftlichen Stiele 
stehend erscheinen, während bei den übrigen Acraeen die 
Uß in normaler Weise von der OR nach ihrer Abzwei- 
gung aus der Subcostale abgetrennt ist. Es lassen sich 
aber auch hier verbindende Glieder auffinden, welche den 
Übergang zu der jiormalen Form vermitteln und haben 
wir eine solche Zwischenform, bei welcher der Stiel bereits 
ausserordentlich kurz erscheint, aus der S t a u d i n g e r'sohen 
Sammlung bei Pareba mit abgebildet. (Fig. b) Hieraus 
geht hervor, dass auch dieser sonst gute Charakter nicht con- 
stant ist. Übrigens soll sich eine ähnhche Aderstellung 
nach D u b 1 e d a y auch bei einzelnen Arten in der vorigen 
Gruppe finden — wie die Diagnose durch das „selbst 
kurz davo.r direkt aus SC entspringend" angibt. Die 
Bildung bei Pareba wäre dann nicht mehr so auffallend, 
da sie nur eine nach einer bestimmten Richtung weiter 
veränderte Stellung der MDC zeigt. 

Die Länge der d"ö-Vorderfüsse steht in der Mitte 
zwischen den normalen Acraeen und den amerikanischen 
Arten. Auch die Palpen sind weniger aufgeblasen als 
bei den vorhergehenden Gruppen. 

Die A. Vesta ist eine der gemeinsten Acraeen des 
indischen Gebiets und breitet sich bis zu den Philippinen 
aus. Auch in der Färbung variirt sie ziemlich bedeutend, 
und einzelne Formen erhalten durch Hinzutreten schwarzer 
Flecken und Punkte auch hierin ein mehr acraeenartiges 
Aussehen. 

6. Actinote Hübn. 

Taf. 13. A. Thalia L. d und A. Kox Bates. 
a. Palpe, b. und e. c?- und p-Vordeifiiss. 

Hiezu gehören alle südamerikanischen Arten der Gat- 
tung Acraea. Die Palpen sind nur schwach auf- 
geblasen, aber dicht beschuppt und behaart. 
Die O O-Vorderfüsse sehr klein und in einigen 
A.rten ausserordentlich weit verkümmert; 
das Geäder dagegen mit demjenigen der normalen Acraeen 
übereinstimmend. Es lassen sich aus dieser Untergattung 
2 Gruppen bilden, deren erste durch die A. Thalia L. 
dargestellt wird und noch einigermassen den afrikanischen 
Acraeen-Tj-pus, namenthch der Gnesia-Gruppe, festhält; 
während die zweite, mit A. Callianira Hübn. als Typus, 
ganz wesentlich in der Färbung abweicht; entweder ein- 
fach stahlblau oder noch mit ziegelrothen (bei den 5$ 
gelblich-weissen) Binden gezeichnet ist. Die d'cJ'-Vorder- 
füsse der letzten Gruppe haben den äussersten Grad der 
Verkümmerung erreicht: Schiene und Fussglied zusammen 
sind kleiner als der Schenkel; bei A. Thaha L. erreichen 
sie fast die Länge desselben, während sie in der Pareba- 



104 



H E L I C N I D E N. 



Gruppe (A. Vesta Fab.) gleich oder selbst etwas grösser 
sind. Von dieser Form bis zu dem normalen Typus der 
Hyalites-Gruppe, in welchem Schiene nnd Fussglied fast 
doppelt so lang als der Schenkel sind, lassen sich leicht 
alle Übergänge finden. 

Aus diesem Grunde haben wir gezögert, auch die 
Actinote-Form als besondere Gattung aufzunehmen, da 
sie in den übrigen Charakteren keine nennenswerthe Ab- 



weichungen von dem östlichen Typus zeigt, ja in einem 
Hauptpunkte, in den OO -Geschlechtsorganen, nach den 
Untersuchungen Salvin und Godman's auffallend mit 
diesem übereinstimmt. Auch das Auftreten des charak- 
teristischen rothen Farbentons bei diesen räumlich so 
weit entfernten Acraeen kann als ein weiterer Beweis 
ihrer nahen Blutsverwandtschaft mit den afrikanischen 
Formen dienen. 



VI. H eliconicleii. 




Fig. 1- Helieonius Eucrate L., nat. Grösse. Fig. 2 und 3. Eaupe und Puppe desselben, nach der Natur gezeichnet. Fig. 5. 

Kopf von voi-p. Fig. 4. Kin Siück von der Vorderflügelbasis, um den „Mediansporn" am Grunde der Mediana zu zeigen. Fig. 6. 

Palpe, abgeschuppt, vergr., daneben Querschnitt. 



Die echten Heliconier, so genannt zum Unterschied 
von den ähnlichen Danaid-Heliconiern, den Neotropiden, 
bilden eine der charakteristischsten Sohmetterhngsfamilien 
Südamerikas, und fallen nicht allein sofort durch ihre 
schlanke, an unsere blauen Wasserlibellen erinnernde Flügel- 
form auf, sondern auch durch den Reichthum ihrer con- 
trastirenden Farben und die Menge an Arten und Indi- 
viduen, womit sie die üppigen tropischen "Waldregionen 
in so wundervoller Weise in Gesellschaft der Neotropiden 
beleben. Ihre A^erwandschaft zu den letzteren ist indessen 
nm' eine rein äusserliohe, auf der ähnlichen Flügelform 
und z. Th. auf ähnlicher Zeichnung beruhend. In wieweit 
diese durch sog. iXachahmungserscheinungen bedingt sind 



oder in der gleichen Entwicklungsrichtung unter gleichen 
oder doch ähnlichen Bedingungen ihre Erklärung finden, 
werden spätere Untersuchungen erst aufzuklären haben. 
In der Struktur stehen die Heliconier unzweifelhaft den 
Xymphaliden viel näher, als irgend einer andern Familie. 
Sie sind sogar direkt mit ihnen durch Zwischenfornien 
verbunden. Diese verbindenden Glieder lassen sich in 
fast ununterbrochener Reihenfolge von Metamorpha 
Dido L. beginnend (welche sich durch Geäder, Flügel- 
form und Zeichnungsanlage am meisten an Helieonius an- 
schKesst) durch die Gattungen Colaenis und Dione bis 
zur Argynnis-Gruppe verfolgen und ihre nahe Verwandt- 
schaft mit den Heliconiern spricht sich nicht allein in 



H E L I N I D E N. 



105 



dem fast gleichen, nach demselben Plane gebauten Geäder 
des vollkommenen Insekts aus , sondern auch in der 
gleichen Form der Raupen und selbst in den gemeinsamen 
Futterpflanzen derselben. 

Von dem Standpunkt der Entwicklungsgeschichte lassen 
sich daher die Heliconier kaum von den I^ymphaliden 
trennen, da das einzige unterscheidende Merkmal, die 
geschlossene Zelle der Iltfl., auch häufig bei diesen vor- 
kommt. Doch herrscht hierin ein durchgreifender Unter- 
schied zwischen beiden Familien: bei den HeHconiern 
ist die Ader, welche den Zellschluss bewirkt, noch voll- 
kommen entwickelt und röhrig; bei den Nymphaliden 
hingegen, wenn überhaupt vorhanden, ist sie verkümmert 
und erscheint nur als eine zarte Linie, welche durch Ver- 
dickung der Flügelmembran hervorgebracht ist. Man 
kann deshalb bei den HeUconiern wohl von einer ge- 
schlossenen Flügelzelle gegenüber der offnen der Nym- 
phaliden sprechen. 

So stellen sich uns die Heliconier als ein Zweig des 
grossen Nymphalidenstammes dar, welcher sich haupt- 
sächlich in der Richtung der Längenachse der Vdfl. ent- 
wickelt hat, parallel jenem Zweige des Danaidenstani- 
mes, welcher unter gleichen Bedingungen wohl zu ähnlichen 
Gestalten, aber abweichenden Strukturformen, den Xeotro- 
piden, geführt hat. 

Die Charaktere der Heliconier, zu denen nur 2 Gat- 
tungen gerechnet werden, Heliconius und Eiieides, sind 
kurz folgende: 
Kopf breit, mit (jrosfu'ii runden Augen; Fühler oer- 

schieden. (Pi(j- 5.) 
Palpen nur wenig über den Kopf hervorragend, im 
Darohschnitt länglich: (Fig. 6), dicht behaart, 
mit einem Haarschopf aif dem Bücken des 
Mittelgliedes. 
Vdfl. verlängert ; Subcostale öästig; Zelle durch, eine 
vollkommene unt er e DG gesch lassen. Sub- 
mediana an der Basis nicht gegabelt. Medianader 
am Grunde mit einem kurzen Sporn (Fig. 4). 
Iltfl. mit kleiner geschlossener Flügelzelle; Costalader 
bis zum Äussenrand gehend, vom }'orderrand weit 
entfernt. Präcostale nach innen gerichtet. 
Die beiden Badialadern in normaler Stellung. 
Innenrand ohne Falte für den Hinterleih. 
OO- und ^^-Vorderfüsse verkümmert; die OO mit 
einem länglichen, ungegliederten Tarsiisglied. 5" 
Tarsus -igliedrig, mit je 1 Paar kurzer Dornen an 
den Gliedern. 
Baupen mit verzweigten Dornen besetzt. Pupjpen stach- 
lig, hängend (Fiq. 3 und 3). 



Die Heliconier lassen sich , abgesehen von dem 
charakteristischen Habitus, welcher eine Verwechselung 
mit anderen Familien , ausser den Acraeen und den 
Neotropiden schon von vornherein ausschliesst, an der 
kleinen, regelmässig gebauten Htfl.-Zelle erkennen. Von 
den oft täuschend ähnlich gefärbten Neotropiden, den 
früheren Danaid-Hehconiern, unterscheiden sie sich leicht 
durch die ungegabelte Submedianader; von den 
Acraeen durch die ganz verschiedene Palpenform und die 
entgegengesetzte Richtung der Präcostale. Unter den 



Pieriden (Dismorphia) und den Nymphaliden (Phyciodes) 
gibt es einige nachahmende Formen, welche äusserlich 
täuschend gewissen Heliconiern gleichen. Die erstem 
lassen sich leicht an den normalen Vorderfüssen, die 
Nymphaliden an der offnen Htfl.-Zelle, auch an dem wohl 
entwickelten Innenrandskanal der Htfl. erkennen. Indessen 
wird jeder Zweifel gehoben, wenn man zur genauen 
Feststellung den einen oder anderen ergänzenden Familien- 
charakter hinzu nimmt. 

Die Heliconier waren seit Linnes Zeiten bis vor 
etwa zwei Decennien stets mit den Neotropiden vereinigt. 
Selbst so ausgezeichnete Systematiker wie B o i s d u v a i 
und Doubleday haben die fundamentalen Verschieden- 
heiten beider Familien nicht erkannt oder doch nicht in 
ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt. Dies erklärt sich 
z. Th. aus der ausserordentlichen Ähnlichkeit der 
Schmetterlinge, dann aber auch, dass die wesentlichen 
Unterschiede doch erst scharf in der Raupen- und Puppen- 
form auftreten, die zu jener Zeit wohl noch nicht bekannt 
waren. Die mit verzweigten Dornen besetzte Raupe und 
die stachlige Puppe eines Heliconiers sind freihch auf den 
ersten Blick von der glatten Raupe und der wie aus 
Gold polirten Puppe einer Mechanitis zu unterscheiden, 
wi^hrend die Schmetterlinge sich so ähnlich sehen, dass 
es schon eines geübten Blickes bedarf, um sie als zu 
verschiedenen Gattungen, bez. Familien gehörend zu er- 
kennen. Es ist daher das grosse Verdienst B a t e s', 
diese Trennung durch sorgfältige Beobachtungen der 
Entwicklungsgeschichte beider Familien vorbereitet zu 
haben. Aber selbst Bat es war noch in dem "Wahne 
einer näheren Verwandtschaft so befangen , dass er 
Neotropiden und Heliconier zusammen in eine Familie 
stellte und sie nur als Unterfamilien gelten liess: seine 
Acraeid-Heliconier (die echten Heliconier) und Danaid- 
Heliconier (unsere Neotropiden). Erst Felder vollzog 
die faktische Trennung, indem er die Danaid-Heliconier 
mit den alten Danaiden zu einer Familie vei-einigte und 
sich hiebci hauptsächlich auf die, auch bei den Danaid- 
Heliconiern ebenso wie bei den echten Danaiden am 
Grunde gegabelte Submedianader stützte. Die inzwischen 
weiter vorgeschrittene Kenntniss in der Entwickelungs- 
geschichte der Strukturorgane hat diesen für die damalige 
Zeit wirklich kühnen Schritt glänzend gerechtfertigt und 
die Beziehungen beider Familien zu einander immer 
klarer gestellt. Nach der heutigen Auffassung sind die 
Heliconier als ein Zweig des engeren Nymphalidenstammes 
zu betrachten und stehen zu den Danaiden in keinem 
näheren verwandtschaftlichen Verhältniss als die übrigen 
Familien der NymphaUdengiuppe. 

Wie bereits erwähnt, gehören zu dieser Familie nur 
2 Gattungen : Heliconius und E u e i d e s , welche sich 
leicht durch die Fühler — bei Heliconius ohne deutliche 
Kolbe, bei Eueides mit deutlicher Kolbe — unter- 
scheiden lassen. 

1. Heliconius Latr. (ca. 120 Arten.) 

Taf. 13. H. Doris L. 
a. Fiililer, b. Palpe, c. Quevsehnitt derselben. 
Ausser den Familiencharakteren fügen wir als Haupt- 
merkmal der Gattung Hehconius die Form der Fühler 
an, wodurch sie sich sofort von Eueides unterscheidet. 



106 



HELIOONIDEN. 



Diese sind lang und dünn, ohnp deutlich abge- 
setzte Kolbe, nur allmählich gegen die Spitze 
hin verdickt. Die Subcostale der Vdfl. ist öästig, der 
I.Ast stets vor dem Zell ende, der 2. bald nach 
demselben entspringend. ODC ist meist deutlich vor- 
handen, wenn auch sehr klein; MDC und UDC nach 
innen gebogen, letztere auch oft gewhikelt und mit einem 
kurzen blinden Aderfortsatz in der Zelle. Medianader 
an der Basis mit einem starken gekrümmten 
Haken versehen (Mediansporii). Die Htfl. sind ge- 
rundet. Costal- und Su bc o stal a d e r weit von 
einander getrennt. P r ä c o s t a 1 e sehr schief 
nach innen gebogen. Der Hinterleib ist gegen das 
Ende keulig verdickt, meist über die Htfl. hervorragend. 

Von den Heliconiern sind bereits weit über 100 
Arten bekannt, welche sich über das ganze tropische 
Südamerika, Centralamerika, die westindischen Inseln und 
Mexiko verbreiten. Eine Art, der bekannte H. Charitonia 
L., geht sogar bis in die gemässigte Zone Kordamerikas. 
Ihr Hauptgebiet ist der äquatoriale Gürtel Südamerikas, 
das Thal des Amazonas und diejenigen des angrenzenden 
Columbiens und Ecuadors. Sie steigen sogar bis zu Höhen 
von 2000 m und darüber empor. Über die Lebensweise, 
ihre Gewohnheiten und die Verwandlungsgesehichte sind 
wir einigermassen durch die vortrefflichen Beobachtungen 
vieler Reisenden unterrichtet. Die Eaupen leben jneist 
geselhg auf Passifloren ; sie gleichen ganz unseren 
Argynnis-Raupen, sind meistens unansehnlich gefärbt und 
mit verzweigten Domen besetzt, von denen die beiden 
vorderen am grössten sind. Die Puppen hängen frei an 
ihrer Schwanzspitze, oft reihenweise an einem Ast ge- 
ordnet. Die Falter schlüpfen schon nach 8 Tagen aus. 
Einige bevorzugen die dünnern Theile des Waldes, andere 
mehr die Waldränder oder feuchte Niederungen. Ihr 
Flug ist durchaus unähnlich demjenigen der Neotropiden, 
langsam und segelnd. Sie setzen sich seltener auf Blumen, 
gerne aber auf Blätter oder an die Zweige der Bäume 
und Sträucher. Ihr Geselhgkeitstrieb ist wohl ausgebildet 
und namentlich des Abends gegen Sonnenuntergang ver- 
sammeln sich einige Arten, wie Melpomene und Ehea, 
zu kleinen Trupps an bestinmiten, meist einsam gelegenen, 
buschreichen Plätzen, um hier nach Art der Mücken in 
der Luft zu tanzen. Diese anmuthigen Tanzspiele sind 
von vielen Beobachtern bestätigt worden und die Eegel- 
mässigkeit, womit die ermüdeten Tänzer von ihren 
ruhenden Genossen abgelöst werden, setzt einen gewissen 
Grad von Intelligenz voraus, wie er in dieser Insekten- 
klasse nur selten beobachtet wird. 

So mannichfaltig nun auch die äussere Erscheinung 
der Heliconier sein mag, so gering sind indessen die 
Strukturverschiedenheiten in Form und Bau der Flügel, 
des Geäders etc., und selbst nach den Untersuchungen 
Salvin und Godman's in den Sexuahen. Dies ist inso- 
fern von Wichtigkeit, als hiedurch wenigstens einzelne, 
ganz isolirt stehende und selten vorkommende Formen als 
Hybriden ihre Erklärung finden. Daneben zeichnen sich 
andere Arten durch eine stark ausgeprägte Tendenz zum 
Variiren aus. 

Auch besitzen wir gerade bei den Heliconiern einen 
so merkwürdigen Fall von Trichroismus in ein und der- 
selben Alt (//. Erato L.j, wie er unter den Tagschmetter- 
lingen nur noch einmal und zwar in der PriamusGru]ipe 



von Ornithoptera (wenn auch auf andern Ursachen be- 
ruhend) vorkommt. Dies kann als ein ausgezeichnetes 
Beispiel für die Veränderung der Farben innerhalb einer 
Art dienen und zugleich als Beweis, dass die Ursachen 
der verschiedenen Flügelfärbung auch nicht immer in der 
Verschiedenheit der Nahrung der Raupen zu suchen ist. 
Denn diese Färb Varietäten finden sich zugleich in der- 
selben Brut, welche an ein und demselben Strauche 
gelebt haben und sind mehrfach von Herrn H. Ribbe 
in ihrem Vaterlande gezogen worden. 

LTnter den zahlreichen Arten lassen sich auch bei den 
Heliconiern einzelne enger begrenzte Gruppen herausheben, 
welche die Übersicht dieser formenreichen Gattung etwas 
erleichtern. ■ Wir können hier nur einen allgemeinen 
Überblick geben und verweisen im übrigen auf den I. 
Theil, worin der Leser das Hauptsächlichste über die 
Arten und auch zugleich die meisten Typen abgebildet findet. 

Sylvaiuis-Gruppe. Zu dieser gehören hauptsächlich 
die den Neotropiden ähnelnden Arten, von meist braun- 
gelber Grundfarbe mit schwarzer Flügelspitze, worin hell- 
schwefelgelbe Flecken stehen. Die Ähnlichkeit mit der 
Melinaea- oder Mechanitisform ist ganz auffallend und in 
dieser Gruppe finden sich auch die meisten sog. Nach- 
ahmer, welche allerdings täuschend an die Vorbilder er- 
innern. Weniger ist dies mit dem typischen H. Sylvanus 
Gram, der Fall, dem sich noch eine Menge anderer an- 
schliessen, z. B. der schöne und grosse H. Xumata Gram., 
IL Eucrate liühn., H. Glaudia S. et Ci. und andre mehr. 
Von den interessanten Nachahmern erwähnen wir den H. 
Aurora Bates, (dessen Vorbild die Melinaea Lucifer 
Bat es ist), den H. Metalilis Butl., die treue Copie der 
Mel. Lilis Doubl. Hew., den prachtvollen, tief dunkel- 
kastanienbraunen und gelbgefleckten H. Pardalinus Bates 
vom oberen Amazonas, dessen ebenso prächtiger Doppel- 
gänger die Mel. P a r d a 1 i s Bates ist. Zu dieser Gruppe 
gehört auch einer der schönsten und grössten Hehconier, 
der seltene braungefleckte H. Fomarina Hew. von den 
Antillen, welcher durch seine ganze Erscheinung und Flügel- 
färbung vollkommen isolirt dasteht, wie so viele Schmetter- 
linge dieser eigenthümlichen Inselfauna. 

Wir wollen hier gleich noch einige andere Formen 
erwähnen, welche ebenfalls zu der Klasse der Nachahmer 
gehören, aber äusserlich nicht mehr mit der vorigen Gruppe 
zusammenhängen. Dies sind unter anderen der H. For- 
rnosus Bates., täuschend in der charakteristischen Seckigen 
Flügelform und in der Färbung der Tithorea Pinthias 
S. & G. von Centralamerika gleichend ; dann der H. Athis 
Douhl. Hevj., Hecuha Heio. und Cassandra Feld, von 
Columbien, welche die schönen grossen, schwarz und weiss 
gefleckten Tithoreen (T. Humboldtii und Bonplandii) 
derselben Gegend zu ihren Vorbildern gewählt haben. 

Antiochus-Gviippe. Der typische //. Antioclu.s L., 
welcher mehr dem unteren Amazonengebiet angehört, ist 
von einfach schwarzer Grundfärbung, mit zwei weissen 
Schrägbinden über die Vdfl. In anderen Arten geht die 
weisse Färbung in ein helles Schwefelgelb über, wie bei 
dem bekannten häufigen H. Apseudes Hiiln. Zu dieser 
Gruppe gehört auch der in ganz Südamerika besonders 
häufige IL Gharitonia L., dessen Äusseres durch Hinzu- 
treten mehrerer gelber Binden und Punktreihen ausserdem 
ziemlich isolirt ist. H. Charitonia ist der einzige Heliconier, 



HELICONIDEN. 



107 



welcher bis in die Südstaatei) Nordamerikas vorgedrungen 
ist, und wird noch in Florida gefunden. 

Nahe verwandt mit der Antiochus-Form ist eine kleine 
Gruppe sehr schöner stahlblau und weiss gezeichneter 
Heliconier, bei welchen einzelne Glieder noch eine weisse 
oder gelbe Randbinde an den Htfln. besitzen (H. Cydno 
Doubl. Ilew., li. Chioneus Bates, Hahneli Su/r.). Das 
Blau der Oberseite entsteht durch Hinzutreten einer Inter- 
ferenzfarbe auf der ursprünglichen schwarzen Grundfiiibung. 
Die prächtigste Art dieser Gruppe, ist der schöne grosse, 
hellblau schillernde und mit einer sehr breiten schneeweissen 
Binde über die Vdfl. gezeichnete //. k'appho Dru. von 
den Antillen, während die Art des Festlandes, IT. Leiice 
Doubl., etwas kleiner und weniger auffallend erscheint. 
Übergänge der reinen Antiochus-Form zu dieser Gruppe 
finden sich mehrfach und sind am deutlichsten in dem 
H. Eleusinus Stgr. ausgeprägt. Es treten auch rothe 
Binden auf den Htfln. auf, wie bei dem K Chjsoniimns 
Lafr. und diese Formen bilden schon Übergänge zu der 
folgenden rothen Erato-Gruppe. 

Ei'ato-Gfruppe. Die Vdfl. tragen hellgelbe, unregel- 
mässige Flecken oder Binden; die Htfl. shid dagegen 
strahlenförmig mit meist rothen Strichen gezeichnet. 
Der Typus dieser Gruppe, H. Erato L., welcher sich 
über das ganze nördliche Südamerika, Centralamerika und 
Mexiko verbreitet, ist dadurch so ausgezeichnet, dass er 
in 3 FarbenvarietäteUj mit rothen, blauen und grünen 
Htfln. auftritt. Die rothe Form ist H. Emfo L. selbst; 
die blaue dagegen H. Doris L., die grüne II. Viridis 
Stgr. Es gibt sogar Individuen, bei welchen alle 3 Far- 
bentöne zu gleicher Zeit voikommen. Auch können die 
Striche bis auf geringe Spuren verschwinden, vmd die 
Htfl. fast zeichnuiigslos erscheinen. Dem rothen Erato 
ganz ähnlich gezeichnet ist der noch feurigere H. '1 kel- 
xiope Hübn. vom Amazonas, und zwischen diesem und 
der folgenden Melpomene-Form gibt es unzähhge Übergänge. 

Melpomene-Ginippe. Diese Gruppe wird durch H. 
Melpomene L. repräsentirt, einem Heliconier von einfach 
schwarzbrauner Grundfärbung und einem breiten rothen 
Bande über die Vdfl. In dieser reinen Form kommt 
Melpomene in Centralamerika und dem angrenzenden 
Venezuela und Columbien vor. Sie beginnt erst zu varüren 
und zwar in der unglaublichsten Weise, sobald sie das 
Pluggebiet der Thelxiope betritt. Zwischen diesen beiden 
äusserlich so unähnlichen Arten sind bereits zahllose Mittel- 
formen beschrieben worden und immer neue werden hinzu 
entdeckt. Erst durch die langjährigen Beobachtungen 
Bates' sind diese Formen richtig gedeutet worden und 
gaben ihm zugleich Veranlassung zu seiner Theorie über 
die Umwandlung der Arten, welche für die darwinistischen 
Lehren zu einer so grossen Stütze wurden. 

An die Melpomene-Gruppe schliessen sich noch einige 
wenige Formen an, welche sich nach einer andern Richtung 
Verändert haben, so die Phyllis-Gruppe, deren Htfl. statt 
der Radialstreifung eine feuriggelbe Längsbinde besitzen, 
•oder die gelbe Binde entwickelt sich nur auf der Rück- 



seite der Htfl., dafür erglänzt die Oberseite in einem 
schönen stahlblauen Schiller, wie bei den prächtigen Arten 
//. Vulcaiins Butl. und Venus Stgr. Anderseits, wie in 
dem ebenfalls b^au schillerndem H. Cliestertonü Hew., 
verschwindet sogar das rothe Querband der A^dfl., und 
nur die gelbe Längsbinde der Htfl. bleibt bestehen, und 
andere Formen mehr, welche, wie H. PacMims Hew. oder 
//. Telesipjlie Doubl. Hew., entweder völlig isolirt dastehen, 
oder Übei'gänge nach anderen Richtungen hin bilden. 

Diese kurze Übersicht allein zeigt uns schon in den 
wenigen Beispielen die ganze Fülle und den Reichthum 
an tropischen Heliconiusformen, welche über das ganze 
südamerikanische Faunengebiet ausgebreitet sind. Die 
vielfachen Beziehungen, welche einzelne Arten zu einander 
oder selbst zu andern Pamihen besitzen, die merkwürdigen, 
in ihrer Ursache noch unaufgeklärten Farbencontraste ein 
und derselben Species oder nahe verwandter Arten, die 
Äusserungen eines, wenn aucli nur geringen Intellelites, 
übci'haupt ihre ganze Entwicklungsgeschichte stempeln 
die Heliconier nicht allein zu einer der charakteristischsten, 
sondern auch zu der interessantesten Sohmetterlingsklasse, 
welche das reiche neotropisehe Fnunengebiet beherbergt. 

2. Eueides Hübn. (c«. 24 Arten.) 

Tat'. 13. Eu. Isabella Gram, 
a. Palpe, b. Fühler. 

Die Gattung Eueides, früher zu den Nymphaliden ge- 
stellt^ wegen der vollkommen geschlossenen Zelle der Htfl, 
aber mit Heliconius vereinigt, unterscheidet sich von diesem 
hauptsächlich durch die kurzen, mit einer deut- 
lich abgesetzten K o 1 b e versehenen Fühler. 
Auch entspringt der erste Subcostalast in einer Gruppe 
(Aliphei-a und Verw.) am Zellende selbst, während er 
bei den übrigen Arten v o r demselben, wie bei Heliconius, 
abgezweigt ist. In dem übrigen Geäder, den Palpen und 
Vorderfüssen ist kein durchgreifender Unterschied von 
diesem voilianden. 

Die Eueides-Arten ähneln im allgemeinen sowohl den 
Heliconiern, als auch einigen Neotropiden, doch sind sie 
meist matter gefärbt und überhaupt weniger hervortretend. 
Interessant ist auch der Parallelismus zwischen einer kleinen 
Gruppe (Aliphera und deren Verw.) und der Colaenis 
Julia L., mit welcher sie nicht allein die gleiche Flügel- 
form und Färbung besitzt, nur dass sie halb so gross er- 
scheint und ilire Plügelzellen geschlossen sind, sondern 
auch im Geäder genau in derselben Weise vom Typus 
abweicht, wie Colaenis von Metamorpha. 

Auch die Eueides-Raupen sind bis jetzt nur auf Passi- 
floren gefunden worden und ihre Form ist von derjenigen 
der Heliconier nicht verschieden. 

Es sind einige 20 Arten dieser Gattung bekannt, welche 
ebenfalls dem tropischen Südamerika durchaus eigenthüm- 
lich, aber mehr den nördlichen Theilen desselben ange- 
hören und nur in wenigen Arten bis Centralamerika und 
Mexiko vordringen. 



■ 3»HNiM^«»« 



VII. N y m p li a. 1 i d e n. 




Fig. 1. Charaxes Jasius L. uat. Grösse. Fig-. 2. Diseoeellular-System des Htfls., um die TerkiiniQieite TDO zu zeigen. Fig. 3. (j"- uud Q- 

Vorderfiisse, beide abgeschuppt, 10 fach vergr. 



Die Nyraplialiden bilden unter den eigentlichen 
Tagschmetterlingen die grösste Familie, da zu ihr weit- 
aus mehr als ^ji aller bisher bekannten Genera gehören. 
Ihre Umgrenzung ist indessen etwas unsicher und gründet 
sich hauptsächhoh auf die offene Hinter flu geiz eile, 
oder wie Bat es es schärfer und richtiger ausdrückt, auf 
die „mehr oder minder atrophirte untere 
D iscocellularader" derselben. Eine offene Hinter- 
flügelzelle wird unter den Tagschmetterlingen nur noch 
bei den Morphiden gefunden, und dies veranlasste wohl 
Bates hauptsächlich, sie mit den Nymphaliden zu vereinigen. 

Indessen ist der Begriff einer offenen Flügelzelle 
durchaus relativ, wie es schon Bates in seiner Diagnose 
vorsichtig andeutet. Wirklich offene Zellen, d. h. solche, 
bei denen die ÜDC absolut verkümmert ist, besitzt nur 
die Minderheit der Nymphaliden; in der weitaus grösseren 
Zahl ist die Zelle durch eine, wenn auch sehr feine und 
zarte Ader, welche nichts anderes als eine Verdickung der 
Flügelmembran ist und offenbar das Rudiment der ein- 
stigen Ader vorstellt, geschlossen. Es können selbst 
Theile der wirklichen Ader noch an den Zellenden zurück- 
bleiben. Die allmähliche Verkümmerung derselben lässt 
sich sehr gut durch alle Stadien bis zum vollkommenen 
Verschwinden verfolgen, wenn man sich zur Beobachtung 
des Mikroskops und abgeschuppter Flügel bedient, da die 
meist stärkere Beschuppung gerade an dieser Stelle oft 
verleitet, eine wirkliche Ader anzunehmen, wo nur eine 
Hautverdickung; vorhanden ist. 



Vergleichen wir dagegen die UDC anderer Familien, 
z. B. der nahestehenden Heliconier, oder der Danaiden, 
I'ieriden etc., so finden wir dieselbe hier stets röhrig und 
von gleicher Stärke und Struktur wie die übrigen Adern. 
Aber in vielen Fällen kann man bereits den Beginn der 
Verkümmerung beobachten (z. B. bei Danais) indem die 
Wandung in der Mitte verschwindet und allmählich nur 
die Membran des Flügels zurückbleibt. Dies ist ganz 
auffallend bei einzelnen Satyriden der Fall, bei welchen 
die UDC oft in einer bereits so verkümmerten Form 
auftritt, dass sie sich von derjenigen der Nymphaliden 
kaum unterscheiden lässt. Dieser Hauptcharakter der 
Nymphaliden ist daher solchen Formen gegenüber völlig 
illusorisch und zur Charakterisirung der Famihe müssen 
noch andere Merkmale herangezogen werden. 

Es scheint uns überhaupt zweifelhaft, ob die Nym- 
phaliden in der heutigen Umgrenzung wirklich in der 
Natur begründet sind. Schon Felder hat in seinem 
„Neuen Lepidopteron" diesen Zweifel ausgesprochen und 
Bates' Zusammenziehung aller mit verkümmerten 
Vorderfüssen versehenen Familien zu seiner Hauptfamilie 
„JSTymphalidae" scheint aus denselben Gesichtspunkten 
zu entspringen, welche wir soeben angedeutet haben. Es 
ist ganz sicher, dass die Heliconier z. B. morphologisch 
mit einem Theil der Nymphahden (Colaenis und Dione) 
viel näher zusammenhängen als mit den Acraeen, obgleich 
sie doch sehr scharf von den ersteren durch eine ge- 
schlossene Flügelzelle geschieden sind. Anderseits stehen 



N Y M P H A L I D E N 



109 



die Heliconier den Acracen viel näher als z. B. den 
Neotropiden und Danaiden, oder wie die letzteren etwa 
den Satyriden oder den eigentl. Nymphaliden. Der Werth 
der einzelnen Familien zu einander ist daher ein ganz 
uno-'eicher und es ist eher anzunehmen, dass Danaiden 
bez. Neotropiden und Satyriden zwei von den eigentlichen 
Nymphaliden, wenigstens in der heutigen Insektenwelt, 
ganz verschiedene Stämme darstellen, während Heliconier, 
Acraeen und vielleicht auch die Morphiden näher mit 
den Nymphaliden verwandt sind und etwa einigen be- 
stimmter ausgeprägten Gruppen derselben, wie z. B. den 
Vanessiden, Limenitiden, Apatuicn etc. in ihrem Werthe 
zu einander entsprechen. Wir können deshalb der 
Bates'schen Vereinigung aller obengenannten Familien 
unter dem Collectivnamen , Nymphaliden" nicht beistimmen, 
glauben aber, dass sich der Begriff der Nymphaliden 
fester dadurch umgrenzen lässt, wenn sie nur mit den 
Heliconiern, Acraeen und Morphiden vereinigt und diese, 
sowie auch einige besser charakterisirte Giuppen der 
Nymphaliden als sog. Unterfamilien betrachtet werden. 
Eine Änderung im System nach dieser Richtung hin kann 
indessen nur dann mit Erfolg vorgenommen werden, w-enn 
wir besser mit der Morphologie der einzelnen Geschlechter 
bekannt sein werden. Dass nur hiedurch der Zweck er- 
reicht werden kann, zeigen u. a. die ausgezeichneten 
Untersuchungen von Fritz Müller über die Maracuja-Falter, 
welche ein ganz neues Licht auf die Verwandtschaft der 
Heliconier mit den Nymphaliden geworfen haben, während 
di«s€ Familie vorher mehr in die Nachbarschaft der Da- 
ilaiden bez. Neotropiden gestellt wurde, ja sogar lange 
Zeit hindurch mit den letzteren vereinigt war. Wir be- 
trachten demnach die Nymphaliden noch im älteren Sinne 
und charakterisiren sie kurz durch folgende Merkmale: 
Kopf mit ziemlich grossen, i achten oder leliaarten 
Augen- Fühler meist mit deutlich enticickeltf-r Kolbe; 
Palpen nahe eiisammeii stehend, an der vorderen Seite 
erweitert. 
Vdß. im allgemeinen von dreieckiger Form vnd mit nor- 
malem Geäder. Submediana an der Basis (mit sel- 
tenen Ausnahmen) ungei;ahelt. Zelle offen oder 
durch eine mehr oder minder verkümmerte 
UDO geschlossen. Der 4. Subcostalast meist 
in. den Aussenrand mündend. 
Htß. am Innenrand zur Au f nähme des Hin- 
terleibes kanalartig ausg ehuchtet. Zelle 
offen, oder durch, eine zarte, nicht röhrige, 
mehr oder weniger verkümmerte UDC geschlossen. 
Fig. 1 und 2. 
OO- lind '^'^-Vorderfüsse verkümmert; bei den OO 
der Tarsus eingliedrig, dornenlos, meist stark 
behaart; beiden ^^ 4 bis ögliedrig, mit kurzen 
Dornen am Ende der Glieder besetzt. Fig. 3. 
Raupe bedornt oder glatt, am Leihesenäe meist stumpf. 
Puppe hängend, mehr oder weniger geeckt. 

Die Nymphaliden bieten unter allen Familien die 
grössten Verschiedenheiten dar, nicht allein in der Form 
und Flügelfärbung, sondern auch in der Zeichnungsanlage. 
In vielen Gruppen ist auch das Geäder so übereinstimmend, 
dass die Genus-Charaktere vielfach von minder wichtigen 
Organen und in einigen Fällen selbst von der Flügelzeichnung 
genommen sind. Die Geschlechter unterscheiden sich im 



Geäder in der Regel nicht von einander, doch kommen 
auch einige bemerkenswerthe Ausnahmen hier vor. Grösser 
ist schon der Gegensatz in der Flügelfärbung, namentlich 
in solchen Gruppen, wo die O O sich durch einen bedeu- 
tenden Glanz und Schiller auszeichnen. Einige ausgezeich- 
nete und berühmte Beispiele von geschlechtlichem Dimor- 
phismus bieten u. a. die Arg. Sagana Douhl.-Hew., die 
Catonephele- Arten und Dynamine dar, welche sich dadurch 
erklären lassen, dass die 99 "O^h die alte ursprüngliche 
Stammform darstellen, während die do allein sich ver- 
ändert haben. 

In der Flügelfärbung weicht die Unterseite in der 
Regel bedeutend von der Oberseite ab und ist oft charak- 
teristischer und reicher gefäibt als diese. Oberseits herrscht 
als Grundfarbe meist ein schönes Braun vor, welches sich 
entweder zu helleren gelbbraunen Tönen lunwandelt oder 
selbst bis zum tiefsten Schwarz verdunkelt. Mannichfaltig 
ist die Zeichnung, welche die Grundfärbung unterbricht 
und in tausendfacher Abwechslung durch die veischiedensten 
Farben hervorgebracht wird. Gerade hiedurch erhalten 
die Nymphaliden jenes bunte Colorit, welches sie in ähn- 
licher Weise nur noch mit den Eryciniden theilen und 
sie von den meist einheitlicher gefärbten übrigen Familien 
unterscheiden lässt. Einige Gruppen aus dem südamerika- 
nischen Faunengebiet sind verschwenderisch mit Scharlach, 
Purpur und Blau geschmückt. Rein weisse Formen kommen 
höchst selten vor: einzelne Dj'namine- und Charaxes- Arten, 
die indische Gattung Helcyra; auch die grüne Plügelfirbung 
gehört zu den Ausnahmen (JI. Dido L., Charaxes Eupale 
Dru., Rückseite der Catonephele Obrinus L.) und gelbe 
Farbtöne in einiger Ausdehnung, etwa wie bei den Pieriden 
und Papilionen, fehlen ganz. In der Farbenpracht über- 
ragt Südamerika auffallend alle anderen Faunen »-ebiete 
und eine Sammlung aus der Eunica-Gruppe, den Callitheen 
und Catagrammen, oder den prächtigen Agrias und Pre- 
ponen gehört übeihaupt zu dem schönsten, was die Natur 
aus der Insektenwelt uns darbietet. 

Die geographische Verbreitung der Nymphaliden haben 
wir bereits in grossen Zügen im allgemeinen Theil ge- 
schildert und werden sie bei den einzelnen Gruppen, wo 
es nöthig ist, noch genauer geben. Hier wollen wir nur 
kurz die Entwicklungsgeschichte der Gattungen berühren 
und daran anschliessend einen Versuch zur weiteren 
Theilung der Familie in mehrere Gruppen machen. 

AVenn wir von L i n n e absehen, bei welchem die 
Nymphaliden die Pap. Nymphales phalerati im Gegensatze 
zu den Pap. Nymphales gemmati, den Satyriden, bilden, 
80 finden wir schon bei Fabricius 10 Gattungen ver- 
zeichnet : Cethosia, Apatura, Lirhenitis, Oynthia, Vanessa, 
Biblis, Neptis, Paphia, Argynnis und Melitaea. La- 
treille vertheilte dagegen alle ihm damals bekannte 
Arten nur auf 4 Gattungen: Cethosia, Argynnis, Vanessa 
und Xymplialis. Dies bedeutet sicher einen Rück- 
schritt gegenüber Fabricius und veranlasste die 
folgenden Autoren, die L a t r e i 1 1 e' sehen Gattungen von 
neuem wieder aufzulösen. Jacob Hübner stellte mit 
einem gewissen Scharfblick eine grosse Menge neuer 
Genera auf, von denen auch viele heute noch ihre 
Gültigkeit besitzen, obgleich H ü b n er sie nur sehr unvoll- 
ständig oder gar nicht charakterisirte und meistens die 
Arten nach ihrer äussern Ähnlichkeit zusamminstellte. 



110 



N y M P H A L I D E N. 



Eines der vielen Beispiele dieser Art bietet seine Gattung 
Metamor pha dar, zu welcher er die Golaenis Dido L. 
und die spätere Victorina Steneles L. stellte, zwei Schmetter- 
linge, die nach den heutigen Ansichten generisch weit 
getrennt sind. 

Leider besitzen wir von Boisduval, dem gvüssten 
Systematiker seiner Zeit, gerade von den Nymphaliden 
keine zusammenhängende Bearbeitung, da sein Hauptwerk, 
die Species general, nur die Papilioniden und Pieriden 
enthält und seine faunistischen Beiträge nur kleine Gruppen 
dieser Familie berücksichtigen. Dennoch bereicherte er 
die Wissenschaft mit vielen neuen Gattungen und gab in 
seinem Index methodicus die Giundlagen zu einer 
besseren Gruppirung der Genera. Aber erst in den 
„Genera o f Diurnal Lep i do pt er a" (1850 — 52) 
haben wir die erste vollständige wissenschaftliche Be- 
arbeitung der jS^ymphaliden mit Berücksichtigung aller 
damals bekannten Arten, und zwar von Westwood's 
Hand allein, da inzwischen der geniale Doubleday 
verstorben w-ar. Kurz darauf fielen auch die wissen- 
schaftlichen Reisen von "\Yallace und Bat es, und die 
Ausbeute an Nymphaliden aus den bisher fast unbekannten 
Gebieten des Amazonas und des malayischen Archipels 
führte der Wissenschaft plötzlich eine solche Menge neuer 
und völlig unbekannter Formen zu, dass ein reger AVett- 
eifer unter den Bearbeitein dieser Schätze stattfand. "Wir 
nennen nur die, allen Entomologen bekannten Namen 
eines Hewitson, Felder, Bates und W a 1 1 a c e 
selbst^ Butler, Salvin und Godman und anderer mehr 

War das Bestreben der Systematiker bisher darauf 
gerichtet gewesen, die ursprünglichen Gruppen bez. Genera 
der älteren Autoren immer weiter aufzulösen, so machte 
sich bald die er.tgegengpsetzte Richtung geltend, nämlich 
die bedenklich anwachsende Zahl der Gattungen unter 
allgemeineren Gesichtspunkten wieder in grössere Gruppen 
zu vereinen. Zudem war der Begriff der Kymphaliden 
unsicherer denn je. Horsfield hatte die bisherige 
Familie nach der Raupenform in 2 grössere Abtheilungen 
gespalten und fügte zu der ersteren (die Yanessen und 
Limenitiden enthaltend) noch die Danaiden, zu der zweiten, 
welcher die Adolias, Charaxes und Apaturen angehörten, 
die indischen Morphiden und Satyriden hinzu, während 
Bates nur die Morphiden allein mit seinen Kymphaliden 
vereinigt wissen wollte. Nicht wenig hat zur Klärung 
dieser Frage die kurze synoptische Bearbeitung Felder's 
(„Ein neues Lepidopteron" 1861) beigetragen, in 
welchem die Gattungscharaktere kurz und treffend hervor- 
gehoben und vor allen Dingen nach einheitlichen Gesichts- 
punkten angewendet sind. 

Versuche, die Nymphaliden in kleinere Gruppen zu 
spalten, wurden schon von Boisduval gemacht, indem 
er zwei Abtheilungen nach der Raupenform annahm : 
Apaturiden und Nymphaliden , wobei die ersteren die- 
jenigen mit glatten Raupen (Apatura, Charaxes), die 
letzteren dagegen diejenigen Gattungen mit Dornraupen 
(Argynnis, Vanessa etc.) enthielten. Später unternahm 
Herrich-S chäffer in seinem Prodromus Syste- 
maticus Lepidopt. 1864 eine Spaltung in sog. Gruppen, 
die er hauptsächlich auf das Geäder begründete. Aber 
diese Gruppen sind z. Th. so merkwürdig zusammen- 
gesetzt, dass wir kaum glauben, irgend ein anderer Autor, 
als Herrich-Sch äffer selbst, habe sie weiter ange- 



wendet. Seine Gruppe IX z. B. beginnt mit Megistanis, 
jener grossen Charaxes -ahnlichen südamerikanischen 
Nymphalide und endet mit Brenthis — Contraste, wie sie 
grösser und schärfer kaum gedacht werden können — 
und enthält dazwischen die Vanessen (in weiterem Sinne) 
Diadema, Epicalia und Argynnis. 

Dass sich bestimmte und natürliche Gruppen aus den 
Nymphaliden leicht und ohne Zwang herausheben lassen, 
beweist schon die Anordnung in jedem der zahlreichen 
Systeme, wo meist mit mehr oder weniger Scharfsinn die 
nahestehenden Formen vereinigt sind. Inwiefern diese 
aber begründet sind, kann nur durch die genaue Kennt- 
niss jeder einzelnen Art und ihrer Eutwicklungsgeschichte 
festgestellt werden. AVie weit wir aber von diesem idealen 
Ziele noch entfernt sind, braucht nur durch die einfache 
Thatsache angedeutet werden, dass wir trotz eifriger 
Bemühungen neuerer Forscher von den früheren Zuständen 
der meisten Exoten wenig oder gar nichts wissen. 

Die Verwandtschaft der einzelnen Formen zu einander 
lässt sich häufig noch an gewissen rudimentären Organen 
des Schmetterlings nachweisen, wo andere Merkmale ent- 
weder vollkommen verwischt oder nur in den früheren 
Zuständen sichtbar sind. Oft kann hiezu auch die Anlage 
der Flügelzeichnung benutzt werden, welche ganz sicher- 
lich nach ebenso unwandelbaren Gesetzen sich ausbildet, 
wie die Organe des Körpers. Auch die übereinstimmen- 
den Lebensgewohnheiten der Schmetterlinge lassen häufig 
einen Rückschluss auf die nähere Verwandtschaft zu, wo 
die Strukturverhältnisse eine solche kaum erwarten Hessen. 
Alle diese Momente müssen daher bei einer weiteren 
Theilung dieser schwierigen Familie wohl berücksichtigt 
werden. 

Gelegentlich unserer L'ntersuchungen des Flügelgeäders, 
welche wir als Gi-undlage für das vorliegende Werk 
benutzten, fanden wir, dass sich jener kurze, spornähnliche 
Ast am Grunde der Medianader, welcher so charakteristisch 
für die echten Papilionen (wo er aber meist mit der 
gegenüberliegenden Submediana verwächst) und amerika- 
nischen Morphiden ist, und den wir kurzweg „Mediansporn" 
nennen wollen , auch in andern Gattungen nachweisen 
lässt, ja selbst durch ganze Gruppen oder Familien ver- 
folgt werden kann.*) Dieser kurze Aderast war den 
englischen Autoren Doubleday und W e s t w o o d 
bei Morpho wohlbekannt, und wurde von ihnen 
speciell als „ in terno-m e d ian nervule" zur Unter- 
scheidung dieser Gattung benutzt. Später scheint keia 
Systematiker demselben eine Bedeutung beigelegt zu 
haben; nur Salvin und Godman machen in ihrer 
Biologie Centralamerikas gelegentlich bei Adelpha 
darauf aufmerksam. In andern Gruppen oder Familien 
fehlt er dagegen ganz und es ist sehr auffällig, dass es 
häufig solche sind, welche den mit einem Sporn versehenen 
nach unserer heutigen Auffassung sehr nahe stehen. Der- 
gleichen parallele Reihen haben wir z. B. in Argynnis imd 
Brenthis, Athyma und Neptis, Charaxes und Anaea, 
Morpho und den indischen Morphiden, Papilio und 
Parnassius. Selbst nahe verwandte Famihen, wie die 
Heliconier und Acraeen sind hiedurch streng geschieden. 



*) In vielen Fällen steht an Stelle desselben eine Ausehwellung 
der Ader, welche nicht mit dem Sporn verwechselt werden daif. 



N T M P H A L I D E N. 



111 



Fast immer, doch nicht ohne gelegentliche Ausnahmen, 
stehen hiemit gewisse Strukturformen oder konstante Ader- 
bildungen im engsten Zusammenhang und dies erstreckt 
sich auch häufig auf die Raupen- und Puppenform. Am 
schönsten liisst sich dies nachweisen an unserer Diademen- 
und Limenitis-Oruppe. Die ersteren besitzen keinen 
Mediansporn; die 99"^°'"'^®''^"^^*''^''^'^" ^'"'^ ausnahmslos 
am 1. bis 4. Glied bedornt und die Priicostaiader ent- 
springt stets nach der Abzweigung der Subcostalader. 
Die Limenitiden hingegen besitzen einen wohl ausgebildeten 

Mediansporn, die 99"^°'''^^'^^'''®® ^'""^ ^^^ ^™ ^- '^'^ "'• 
Tarsusglied bedornt und die I'räcostale steht fast aus- 
nahmslos am Ursprung der Subcostale. Die Diademen 
haben Dornraupen — die Limenitiden-Eaupen dagegen 
haben nur behaarte Fleischzapfen an vereinzelten Eingen. 

Wenngleich diese kleine Aderbildung nun auch keine 
so grosse Bedeutung besitzt, dass wir darauf allein eine 
Giuppirung der Nymphaliden-Geschlechter basiren können» 
so kann sie doch häufig in zweifelhaften Fällen dazu 
dienen, Licht in die verwandtschaftliehen Verhältnisse zu 
bringen, wo andere Merkmale im vollkommenen Insekt 
verwischt sind. Es gelang uns hiedurch z. B. die nahe 
Verwandtschaft der Gattung Siderone zu Charaxes 
bez. zu Prepona nachzuweisen, welche später in erfreu- 
licher Weise durch die Entdeckung der Eaupe von D r. 
W. Müller bestätigt wurde. Bisher stand Siderone stets 
in der nächsten Nachbarschaft von Anaea, mit welcher 
sie zwar äusserhch mehr übereinstimmt als mit Prepona, 
aber durchaus nicht nahe verwandt ist. In gleicher Weise 
fanden wir die beiden stets so nahe gestellten und auch 
äusserhch sehr ähnlichen Gattungen Athyma undNep- 
tis (soweit wir sie in abgeschuppten Exemplaren unter- 
suchen konnten) durch den Mediansporn scharf geschieden 
und es lag der Gedanke nahe, dass sie auch generiseh 
weiter getrennt sind, als bisher angenommen wird. Leider 
sind die früheren Zustände beider Gattungen (mit Aus- 
nahme der wenigen europäischen Neptis-Arten) noch äus- 
serst mangelhaft bekannt und es findet sich hier ein noch 
nicht gelöster Widerspruch. Athyma steht ihrer ganzen 
Struktur nach in engstem Zusammenhang mit Limenitis; 
aber die Raupe, welche Horsfield von , der Athyma 
Le'icotJioe L. abbildet, besitzt verzweigte Dornen, während 
Limenitis, wie bekannt, nur fleischige, kurz behaarle Zapfen 
trägt. Hier können nur weitere genauere Untersuchungen 
anderer Arten zum Ziele führen. Dagegen stimmt Neptis 
in der Eaupenform sehr gut mit Limenitis überein, w'äh- 
rend das Geäder des Schmetterlings so abweichend ge- 
baut ist, dass eine nähere Verwandtschaft zur Limenitis- 
Gruppe sicherlich nicht besteht. Nun finden wir gerade 
in der Limenitis-Gruppe — ebenso wie auch bei den 
parallelen Diademen — den mimetischen Zug ausseror- 
denthch stark ausgebildet und deshalb glauben wir, dass 
die Athymen eher Nachahmer der Neptisform sind. Aber 
diese Verhältnisse scheinen hier nicht so ganz einfach zu 
liegen, da wir auch bei Neptis ganz aufi'allende Beispiele 
von mimetischen Formen antreffen — ^V. BadJei Brem. 
und Praslini Boisd., von denen die erstere ja so ver- 
schieden erscheint, dass sie eher einem dunklen Pieris 
gleicht als einer echten Neptis. 

Auch nach anderer Richtung hin bietet der Besitz 
oder Mangel des Mediansporns interessante Gesichtspunkte 
dar. Wenn man die Genera in der bisher üblichen Folge 



nach diesem Merkmal in 2 Reihen ordnet, so findet 
man, dass die Gattungen mit einem Sporn schon bald bei 
Argynnis aufhören und erst wieder mit Limenitis anfangen. 
Nach unserer Meinung muss zwischen diesen beiden Gruppen 
doch eine engere Verwandtschaft bestehen, als bisher an- 
genommen wird. Scheinbar steht dem die beiderseitige 
Raupenfonn entgegen, nicht aber das Flügelgeäder, welches 
sich manche übereinstimmenden Züge bewahrt hat. So 
liegt auch bei Argynnis der 2. Suboostalast fest an der 
Hauptader an, wie bei Limenitis, und die UDC der Htfl. 
mündet stets in die Abzweigungsstelle des 2. Median- 
astes oder kurz davor. Es sind dies gewiss nur Kleinig- 
keiten, aber verwandtschaftliche Züge erhalten sich oft 
nur in solchen Spuren. Es gelingt vielleicht auch später, 
wenn die Entwicklungsgesetze der Raupen erst genauer 
studirt sein werden, auch hier diese scheinbaren 
Gegensätze aufzuklären. Abei' vor allem der Be- 
achtung werth scheint uns doch die so merkwürdig 
abweichende Flügelfärbung der 9$ '^'O" Arcjynnis Sagana. 
Doubl. Heil), zu sein, welche ja auf den ersten Blick so 
frappant an die 99 ^'^'^ Limenitis Populi erinnert. Eine 
Nachahmungserscheinung kann es unmöglich sein, da dieser 
specifische Zug nicht in der Argynnis-Gruppe vorkommt und 
die Fiuggebiete beider Arten zudem, mit ganz vereinzelten 
Ausnahmen, nicht zusammenfallen. Vielleicht liegt hier 
ein eklatanter Fall von Atavismus vor, und es spricht 
für diese Ansicht, dass es gerade die 9$ sind, w-elche 
stets die ursprüngliche Stammform festhalten, wie sich 
dies in ausgezeichneter Weise bei den südamerikanischen 
Gattungen Mysceüa und Catonephele nachweisen lässt. 

In der folgenden Gruppirung haben wir uns nicht auf 
das obige Merkmal allein beschränkt, sondern auch die 
Raupenfoim (soweit sie bis jetzt bekannt geworden), 
gewisse Strukturverhältnisse im Geäder und die Bildung 
der 99"^''°''*-^^'^"®^^ berücksichtigt, welche im allgemeinen 
gut und konstant ausgebildet sind. Durch die Raupen- 
form allein lassen sich die Nymphaliden schon in zwei 
grosse Gruppen bringen — entsprechend den beiden 
Boisduval'schen Laiterfamilien — und zweifellos sind auch 
die Unterschiede der übrigen Gruppen mehr oder minder 
in diesem Stadium nachzuweisen. Bisher sind aber unsere 
Kenntnisse der exotischen Tagschmetterlingsraupen so 
gering, dass das wenige, W'elches w^ir wissen, nicht zur 
Verallgemeinerung von Thatsachen genügend erscheint.*) 
Viele Gattungen sind sicherlich auch jetzt noch falsch 
eingestellt und müssen einer späteren Untersuchung über- 
lassen werden. 

Da wir eine kurze Charakteristik der betreffenden 
Gruppen bei jeder einzelnen selbst geben, so beschränken 
wir uns hier nur auf die Aufzählung und die Anführung 
einiger Haupttypen. 



=") Es haben sieh während der Bearbeitung einige Veränderungen 
nöthig gemacht, gegenüber der Aufstellung der Gruppen in der 
„allgemeinen geograph. Verbreilung". So sind die „Pseudonjmpha- 
liden" auf drei Genera leducirt und diese frühere Gruppe besser 
„Anaeen-Gruppe" genannt worden. Erst im Laufe des letzten 
Jahres sind uns durch die Freundliehlieit von Dr. W. Müller eine 
Menge südamerikanischer Raupen bel;annt geworden, wodurch so 
manche bisherige Auff.issung sieh als irrig erwies und die Stellung 
einiger Gattungen hoffentlich verbessert wurde. 



112 



ntmphaltdi::js. 



A. Eaupen mit mehr oder minder entwickelten 
Dornen besetzt. 

a. 59" Vorderfusstarsen am 1. — -/. Glied hedornt. 
f Mediansporn enttrickelt. 

I. Argynnis-Gruppe. 

Colaenis, Dione, Cethosia, Cynthia, Ar- 
gynnis. 
ff Mediansporn fehlend. 

II. Melitaeen-Gruppe. 

Melitaea, Phyciodes, Coatlantona. 

III. Vanessa-Gruppe. 

Hypanartia, Vanessa, Precis, Salamis, 
Kailima, Eurytela. 

IV. Diademen-Gruppe. 

Hyp olimnas, Victorina, Hestina, Eui-ypuSj 
E u X a n t h e. 

V. Ageronien-Grupps. 

A g e r n i a , P a n a c e a , E e t i m a. 
Anhang: Blbllden-Gruppe. Didonis, Cystineura, 
Vil'a. 

b. 5$ Vorderfusstarsen nur am '2. — 4. Glied 
hedornt. 

f Mediansporn fehlend. 

VI. Eunica-Gruppe. 

a. Eunica-Gruppe (im engeren Sinn.) 

Mväcelia, Catonephele, Eunica, Temenis. 

b. Catagramma-Gruppe. 

Perisama, Callicore Catagramma, 
Calli thea. 



Anhang: Gynaecla- Gruppe: Gynaecia, 
Smyrna, Callizona. 

VII. Neptis-Gruppe. 

N e p t i s (Dynamine?) 
ff Mediansporn vorhanden. 

VIII. Limenitis-Gruppe. 

Limenitis, Adelpha, Athyma, Pseud- 
acraea, Parthenos, Euryphene, Ro- 
malaeosoma und Verw. (Megalura und 
Cyrestis ?) 

IX. Euthalien-Gruppe. 

Euthalia, Symphaedra. 

B. Raupen glatt; nur am Kopf mit Hörnern 
oder kurzen Stacheln besetzt; Schwanzspitze 
2gablig. 
f Mediansporn fehlend. 

X. Apaturen-Gruppe. 

Apatura und Verw., Thaleropis, 
Dichorragia, Apaturin a. 

XI. Anaeen-Gruppe. 

Anaea, Hypna, Protogonius. 
Anhang: Pseudo-Nymphallden-Gruppe. Aga- 
nisthos, Coea, ilegistanis. 

ff Mediaiisporn vorhanden. 

XII. Nymphalis-Gruppe. 

Siderone, Prepona, Charaxes, 
P r t h e. 



I. Argynnis-Gruppe. 



Medianadrr der Vdfl. an 



weniger aufgehlasen. Raupen mit 



3Ietaiiioi'plia 

Colaenis 

Dione 

* Clothilda Antillen 

rVt ^lO^l** (Centralameriha). 

Terinos | 

Cj^ntliia I 

* Cirrochvoa ' 

Die mit einem 



Basis mit einem kurzen Sporn; Palpen mehr oder 
verzweigten Dornen besetzt. 

Lachnoptei-a Afrika. 

Snierina Madagascar. 

* Messaras ] Indo-Australien 

* Atella I (z. Th. AfnU). 

* Enptoieta Amerika, 

Argynnis \ ( Njrdlich- 

* Brentliis 1 



Südamerika 

(z. Th. yordameiikaj- 



Indo-Australien. 



i gemässigteZone 

(ChileJ. 
versehenen Gattungen besitzen den Mediaasporn nur unwillkommen oder gar nielit; sie gehören ihren übrigen Charakteren 
nach zwar zu Argynnis, stehen aber vielleicht besser in einer der folgenden Gruppen. 



Die Gattungen Metamorpha, Colaenis und Dione 
sind so eng mit den vorhergehenden Heliconiern verwandt, 
dass sie von neueren Systematikern sogar mit diesen zu 
einer besonderen Gruppe vereinigt werden, obgleich sie 
durch die offene Htfl.-Zelle scharf von ihnen geschieden 
sind. Ihre Raupen und Puppen sind gleich gebildet; sie 
besitzen eine gemeinsame Futterpflanze (Passiflora, daher 
diese Gruppe auch kurzweg nach dem portugiesischen 
Namen derselben „ Mar acu j a "- Falter genannt wird); 
das Geäder stimmt in allen Hauptpunkten mit demjenigen 



der Heliconier überein und die ^J-Falter besitzen am 
Hinterleib eine gleiche, nur dieser Gruppe zukommende 
Geruchsdrüse. Anderseits hängt Dione wieder mit den 
typischen Argynniden durch die aufgeblasenen Palpen 
zusammen, so dass sich hier in der That eine fast un- 
unterbrochene Reihe von Übergängen nachweisen lässt, 
welche eine Trennung der Colaenis -Gruppe von den 
übrigen Argynniden nicht räthlich erscheinen lässt. Hiezu 
kommt noch, dass auch die räumlich so weit entfernte 
Gattung Cethosia der indischen Tropen so eng mit Dione 



N Y M P H A L I D E N. 



113 



verwandt ist, dass sich auch nach dieser Richtung hin 
keine feste Umgrenzung findet. 

Die nahe Vorwandtschaft zu den Heliconiern liisst sich 
nun nach zwei Eichtungen hin deutlich vorfolgen. 
Metamorpha gleicht im Geäder mehr den typischen 
Heliconiern, Colaenis dagegen der Gattung Eueides, 
namentlich denjenigen Formen , welche durch die E. 
Aliphera repräsentirt werden. Aber wahrend sich eine 
weitere Veränderung in der Richtung der Helioonier nicht 
mehr nachweisen lässt, können wir, von Eueides ausgehend, 
fast eine schrittweise Entwicklung bis zur typischen 
Argynnisforni beobachten. So erscheint die Col. Julia 
sowohl im Geäder als auch im Habitus und ihrer ein- 
fachen orangebraunen Piügelfärbung noch ganz der E. 
Aliphera ähnlich, aber auf der Unterseite noch ohne jede 
Spur von Silberflecken. Andeutungen derselben finden 
sich indessen schon bei einer andern Art, der C. Euchroia, 
aber erst in der Gattung Dione treten dieselben in der 
bekannten glänzenden Weise auf. Hier entwickelt sich 
auch die schmale Flügelform zu der breiteren der 
typischen Argynnis und die bei I). Jvno noch flecken- 
artig auftretende Zeichnung der Oberseite bildet sich erst 
nach imd nach zu der scharf ausgeprägton Argynnis- 
Zeichnung bei D. Moneta um. 

Weniger klar und deutlich erscheint die Entwicklungs- 
geschichte der indischen Argynniden, denn es fehlt einigen 
nicht allein der charakteristische Mediansporn, sondern sie 
weichen auch sonst noch etwas von dem Typus ab. Es 
ist möglich, dass solche Gattungen, wie Messaras, Cynthia, 
Atella etc., ganz anderen Stämmen angehören und dass 
ihre bisherige Stellung, welche sich hauptsächlich auf die 
aufgeblasenen Palpen gründet, durchaus unrichtig ist. 
Auch hier werden erst spätere Untersuchungen Licht 
bringen und jeder Fortschritt in der Keniitniss der 
früheren Zustände ein Schritt weiter in der Lösung dieser 
schwierigen Frage sein. 

Schlüssel der Argynnis-Gruppe. 

I. Präcostale vor Abtrennung der SC 

abgezweigt ClotlliUla. 

IL Präcostale nach Abtrennung der 
SC abgezweigt. 

A. PC einfach nach innen gebogen. 

a. 2 SC- Aste vor dem Zellende 
abgetrennt. Vdfl. lang und 

schmal, grün Metamorpha. 

b. Nur 1 Ast oder keiner vor 
dem Zellende. Grundfärbung 
orange bis braun. 

* Ydß. lang und schmal; Htfl. 

unten ohne Silberßecken . Colaenis. 
** Vdf. breiter. Htfl. unten 

mit Silberflecken. . . . Dione. 

B. PC einfach, nach aussen gebogen, 
oder an der Spitze 2 gabiig. 

a. Nur 1 SC-Ast vor dem 
Zellen de. 

* Htfl.-Zelle offen. 

Fühler mit deutlicher Kolbe Lachlioptera. 
Fühler ohne deutliche Kolbe, 

fadenförmig Messaras. 

** Htfl.-Zelle geschlossen. 



f Saum stark ausgezackt. 
Oberseite meist roth oder 
heim § auch hellgrau . CetllOSia. 
f j Saum geradlinig. Ober- 
seite mit violettem Schiller Teriuos. 
"fff Saum geradlinig oder 
nur schwach gezackt, 
Oberseite braun mit 
.schwarzen, Argynnis- ( Atella. 
artigen Zeichnungen . . \ Euptoieta. 
I Brentliis. 
b. Zwei SC -Aste vor dem 
Zellende. 

* Beide Aste deutlich ge- 
trennnt vor dem Zellende. 
Fühler mit deutlicher 
knopfförmiger Kolbe . . Argynnis. 
** Hie Aste nahe zusammen 
am Zellende. 

f Fühler mit deutlicher 
Kolbe. PC an der Spitze 

2spaltig Cj'ntliia. 

jf Fühler ohne deutliche 
Kolbe. PC an der Spitz'; 
einfach CilTOClll'Oa. 



I. Metamorpha Hübn. (i Art). 

Taf. 14. M. Dido L. o"- 
a. Palpe, b. Qiiersehiiut derselben, e. (^-Vordeifuss. 

Die Gattung M eta morp h a wurde neuerdings von 
Salvin und Godman auf die bekannte M. Dido L. 
gegründet, welche bisher bei Colaenis stand, aber bereits 
bei Hübn er, zusammen mit der jetzt generisch weit 
getrennten Victorina Steneles L., unter obigem Namen 
eine eigene Gattung bildete. 

Diese Abtrennung kann nur gebilligt werden, da 
Metamorpha nicht allein im Geäder, sondern auch in der 
Piügelfärbung und Zeichnung eine so beträchthche 
Differenz von den übrigen Colaenis-Arten besitzt, dass sie 
sich auch äusserUch sofort von diesen absondert. Ausser- 
dem zeigen sich auch, nach den Untersuchungen von S. & G., 
Unterschiede in den c) cf-Gesohlechtstheilen. 

Bei Metamorpha entspringt der 1. Subcostalast 
stets weit vor dem Zellende wie bei Heliconius, der 
2. bald nach demselben, während bei Colaenis der 
1. Ast unmittelbar am Zellende selbst oder gleich dahinter 
sich abzweigt. Ferner sind die ö O -Vorderfüsse bedeutend 
kleiner, Femur und Tibia gleich lang, der Tarsus kaum 
1/3 so lang als Tibia. In den Palpen und dem übrigen 
Geäder ist kein Unterschied vorhanden. 

Die Raupe und Puppe der M. Hido L., der einzigen 
Art dieser Gattung, gleicht ganz der von Heliconius, und 
erstere lebt auch, wie diese, auf Passifloren. Der 
Schmetterling bevorzugt, nach Bat es, die offnen gras- 
bewachsenen Plätze, halbcultivirte Plantagen etc., und 
gehört überall durch seine schön grasgrün gefärbten und 
schwarz gebänderten Flügel zu den charakteristischsten 
und auffallendsten, wenn auch nicht gerade häufigsten 
Erscheinungen des südamerikanischen Faunengebiets. Der 



114 



N Y M P H A L I D E N, 



einzige Schmetterling, welcher überhaupt eine entfernte 
Ähnlichkeit mit M. Dido besitzt, ist die Victorina Sfeneles 
L. (von der sie aber leicht durch die ungeschwänzten 
Htfl. unterschieden wird) und diese Thatsache ist insofern 
von grossem Interesse, als sich der merkwürdige, specifisch 
nachahmende Zug der Diademen- Gruppe auch bei dem 
einzigen südamerikanischen Vertreter derselben noch 
deutlich in einer Art erhalten hat. 



2. Colaenis Hübn. (6 Arten). 

Taf. 14. C. Julia Fab. J. 
a. Palpe, b. Klauen des Jiitfelfusse!;, e. (^^'-^'^''l'^'f^'ss- 

Colaenis unterscheidet sich von der vorhergehenden 
Grattung, wie bereits erwähnt, durch die verschiedene 
Stellung der Subcostaläste und die längeren, kürzer be- 
haarten Tarsen der o O -Torderfüsse; von der folgenden 
Dione sehr leicht durch die mit Anhängsel versehenen 
Klauen der Mittel- und Hinterfüsse, auch äusserlich 
durch den Mangel der Sil b e r f I eck e n auf der 
Eückseite der Htfl. 

Bei Colaenis steht der 1. Subcostalast stets am 
Zellende selbst oder doch nur kurz davor (G. Euchroia, 
Julia) oder selbst kurz nach demselben (C. Fhaerusa). 
Die ODC ist sehr kurz, aber deutlich vorhanden; MDC 
gerade, schief nach innen gerichtet; die UDC entweder 
gerade und nach aussen gerichtet oder 
gewinkelt, mit längerem unteren Schenkel. Der obere 
Schenkel ist oft so klein, dass er mit dem Endpunkt der 
MDC zusammenfällt (G. Julia). 

In der Palpenform steht Colaenis genau zwischen 
Heliconius und Dione. Während Dione schon ziemUch 
stark aufgeblasene Palpen zeigt, sind sie bei Colaenis nur 
wenig über die Mitte hin verdickt und das Endglied 
länghch zugespitzt. 

O O-Vorderfüsse kurz behaart, mit gleich langem 
Tibia und Pemur; Tarsus ungefähr von halber Tibia- 
länge; Klauen der Mittel- und Hinterfüsse schwach 
gebogen , mit gleich langen , zarten lanzettförmigen 
Anhängseln. 

Die wenigen, meist einfach hellbraun oder orange- 
braun gefärbten Arten verbreiten sich über das ganze 
tropische Südamerika und einige, wie die G. Julia Fahr. 
und Fhaerusa L. gehören zu den gemeinsten Schmetter- 
Imgen dieses Faunengebiets. Die erstere geht sogar bis 
in die Südstaaten Nordamerikas. 

3. Dione Hübn. (5 Arten). 

Taf. 14. D. Moneta Hübn. 
a. Palpe, b. Klaue des Jlittelfusses, e. (^- inul d. Q-Vordeifuss. 
Dione hängt ganz nahe mit Colaenis zusammen, 
zeigt aber bereits viel stärker aufgeblasene Palpen, 
wie Argynnis selbst, und das Endghed ist sehr dünn und 
fein zugespitzt. Sie unterscheidet sich nur durch e i n 
sicheres Merkmal von beiden, nämlich durch die voll- 
kommen anhangslosen, einfachen und fast 
geraden Klauen der Mittel- und Hinterfüsse. Auch 
ist die UDC der Vdfl. nie gewinkelt, sondern nur 
einfach gebogen, aber dieser Fall kommt, wenn auch 
scheinbar, bei einer Colaenis-Art (C. Julia) vor, da hier 



der Winkel so hoch gerückt ist, dass er fast mit dem 
Ende der MDC zusammenfällt. 

Die Subcostaläste zweigen sich bei Dione in ver- 
schiedener Weise ab, selbst bei Individuen ein und der- 
selben Art. Der I.Ast entweder am Zellende selbst oder 
in wechselnder Entfernung nach demselben; der 2. ist 
vom 1. weiter entfernt, als vom 3.; dieser vom 4. in 
gleicher Entfernung wie vom 2. 

Die Präcostale der Htfl. ist nach innen gebogen 
und hinter der Abtrennung der SC von der Costale ab- 
gezweigt. (Unterschied von Cethosia.) 

In der Flügelform und -Zeichnung lässt sich bei den 
einzelnen Arten sehr gut der Übergang von der schmal- 
flügeligen Colaenis-Form zu der breiteren von Argynnis 
verfolgen. Während D. Juno Gram, noch durch ihren 
ganzen Habitus und die schmalen, schwarzen Längsbinden 
an C. Julia erinnert, werden die Flügel bei D. Vanillae 
L. schon breiter und die Binden zu Flecken aufgelöst, 
welche dann bei D. Moneta Huhn, zu der charakteristischen 
Argynnis-Zeichnung übergehen. 

Die wenigen bekannten Arten haben den gleichen 
Verbreitungsbezirk wie die vorhergehende Gattung und 
eine Art (D. Vanillae) geht ebenfalls bis in die südlichen 
Theile Nordamerikas. Alle zeichnen sich durch den 
l^rachtvollen Silberglanz der Flecken auf der Eückseite 
ihrer Htfl. aus und daran ist Dione auch äusserlich leicht 
zu erkennen. 

4. Clothilda Bianch. (6 Arten.) 

Taf. 14. CI. Insignis Salv. 
a. Pal^e, b. Klaueu des Jlitielfusses, c. Q-Voidetfuss. 

Nur mit äusserster Reserve schalten wir hier die 
Gattung Clothilda ein, welche in ihren Hauptcharakteren 
so bedeutend von dem Nyniphalidentypus abweicht, dass 
uns ihre Stelhmg in dieser Familie überhaupt zweifelhaft 
erscheint. In den meisten Organen stimmt sie vielmehr 
mit den Danaiden überein und wir glauben eher, dass 
wir hier ein höchst interessantes, uns noch erhalten ge- 
bliebenes Mittelghed des längst ausgestorbenen Urstammes 
beider Familien vor uns haben. Dafür spricht auch das 
beschränkte Vorkommen auf den Antillen, deren Isolation 
ja auf eine ungeheure Zeitepoche zurückdatirt. Doch 
kommen auch 2 Arten auf dem nahen Festlande (Central- 
amerika und Mexiko) vor, welche wahrscheinlich in 
späterer Zeit eingewandert sind. Doppelt wüiischenswerth 
wäre daher die Kenntniss der Raupe, um die richtige 
Stellung dieser, für die Systematik ausserordentlich wich- 
tigen Gattung festzustellen. 

Um zunächst die auffallendsten Charaktere zu erwähnen, 
welche Clothilda mit den Danaiden gemeinsam hat, so 
sind die Zellen beider Flügel durch eine voll- 
kommen rührige untere Discocellularader ge- 
schlossen; ferner die Submedianader der Vdfl. an 
ihrem Grunde deutlich gegabelt und die 5$"Yor- 
derfüsse ebenso keulig verdickt wie bei den echten 
Danaiden. 

Des weiteren charakterisirt sich Clothilda durch die 
Mündung des _4. Subcostalastes in den Vorder- 
rand, die stark nach innen gewinkelte UDC, die 
Abzweigung der Präcosta lader vor der 
Trennung der Subcostale von der Costa lader 



N Y M P H A L I D E N. 



115 



und die kurze Costalader der Htfl. selbst, welche 
in den Vorderrand mündet. Ebenso ist eine kleine, aber 
deutliche Priicostalzelle (wie bei Danais) vorhanden. Die 
UDO mündet in den Ursprung des 2. Medianastes. 

Die Stellung der Präcostalader vor Abzweigung der 
Subcostale ist eine der grössten Anomalien dieser Gattung 
und kommt bei keiner Nymphalide vor. Ebenso ist auch 
das Einmünden des 4. Subcostalastes in den Vorderrand 
mehr ein Charakter der Satyriden , welcher aber auch 
bisweilen bei den Nymphaliden, wiewohl selten, auftritt. 
Dagegen ist das Einmünden der UDC in den Ursprung 
des 2. Medianastes bei den Danaiden ausserordentlich 
selten und hierin stimmt Clothilda wenigstens in etwas 
mit den Argynniden überein. 

Unter den 6 bekannten Arten lassen sich zwei ein- 
ander ganz unähnliche Formen unterscheiden. Die eine 
derselben, mit Gl. Pantlierata Mart. als Typus, erinnert 
lebhaft dui ch ihren ganzen Flügelschnitt und die Zeichnung 
an eine grosse Argynnis; während die andere, welche am 
schönsten durch die Gl. Insignis Sah. repräsentirt wird, 
in der That sich noch etwas Danaidartiges in ihrem 
Äussern bewahrt hat, übrigens leicht an den carminrothen 
Flecken (welche bei 2 Arten nur auf der Rückseite auf- 
treten) erkannt wird. Das eigenthümliche Zickzaokmuster 
auf der Rückseite erinnert auch wieder an die Cethosier, 
mit welchen Clothilda auch sonst noch einige unterge- 
ordnete Charaktere gemeinsam hat und unter den 
Nymphaliden- Gattungen am ehesten verwandt ist. 

5. Cethosia Fabr. (ca. 12 Arten.) 

Taf. 14. C. Cyane Dru. d'. 
a. Palpe, b. Klauoii des MnlelfusseE, e. (^- iu;J d. Q-Voi-deifiiss. 

Diese indische Gattung zeigt in ihrer äusseren Er- 
scheinung wenig Argynnis-artiges, doch gehört sie ganz 
zweifellos dieser Gruppe an, obgleich die Palpen noch 
nicht die charakteristische, aufgeblasene Form derselben 
besitzen. Sie ist vielmehr ganz eng mit der vorher- 
gehenden Dione verwandt, welche zwar auf dem ent- 
gegengesetzten Theile der Erde vorkommt, aber in den 
Hauptcharakteren vollständig mit ihr übereinstimmt. 
Dies beweisen nicht allein der gut ausgebildete Median- 
sporn, die übereinstimmende Form der Raupen und deren 
gemeinsame Futterpflanzen (Passifloren), sondern auch die 
gleiche Form der Fussklauen, welche ebenso wie bei 
Dione vollkommen anhangslos sind — ein Charak- 
ter, der Cethosia zugleich von allen übrigen indo-australischen 
Gattungen trennt. Von Dione unterscheidet sie sich ausser- 
dem durch das ganz verschiedene Äussere, die stets nach 
aussen gerichtete Präcostalader der Htfl. und die durch 
eine zarte Scheinader geschlossene Htfl. -Zellen. 

Neben diesen hervorragenden Charakteren ist noch 
der stark buchtig-ausgezähnte Flügel r and 
und die Stellung der Subcostaläste für Cethosia von Wich- 
tigkeit. Der 1. SC- Ast entspringt kurz vor dem Zell- 
ende, der 2. in gleicher Entfernung nach dem- 
selben; Ast 3 ist vom 4. ebenso weit entfernt als dieser 
vom 2. Die Palpen sind nur massig aufgeblasen, aber 
dicht behaart; die Fühler' tragen eine allmählich verdickte, 
schwach zugespitzte Kolbe. 

Unter den Cethosien, deren Verbreitungsbezirk sich 
fast über das ganze indo-austrahsche Gebiet erstreckt, 



gibt es viele prächtig gefärbte und gezeichnete Arten, 
welche meist von einer ziegelrothen Grundfärbung sind 
und ein ganz charakteristisches Zickzackmuster auf 
der Rückseite, in einigen Arten selbst auf der Ober- 
seite der Flügel besitzen. Von den vielen Formen er- 
wähnen wir nur die über ganz Indien bis zu den Molukken 
in einer grossen Menge von Varietäten verbreitete G. 
Biblis Dm. (von denen die G. Picta Feld, durch ihre 
bunte Flügelfärbung am auffälligsten erscheint); die ein- 
fachere, aber sonst ähnlich gezeichnete G. Cyane Dru. 
von Vorderindien, die feuiig-rothe, breit schwarz bordirte 
G. Gyclippe L. von den Molukken. mit ihren prächtigen 
Varietäten Dainasippe Feld, und Ghrysijppe Fabr., und 
die violett schillernde, schmalflüglige C. Myrina Feld. 
von Celebes (wo auch kürzlich eine neue, wundervoll blau- 
glänzendeLokalforra entdecktworden ist). Die interessanteste 
Cethosia ist unstreitig die seltene C. Lescbenaultii Godt. 
von Timor, die ganz abweichend von allen übrigen Arten 
gefärbt ist und unwillkürlich an unseren „Trauermantel" 
erinnert. 

Die Raupe der G. Cyane Dru. ist nach H ors fiel d' s 
Abbildung schwarz, mit vorwiegend rothen und nur in 
der Mitte mit 2 gelben Querbändern gezeichnet, auf den 
Ringen mit Dornen besetzt. Ihre Futterpflanze ist W'Ohl 
auch eine Passiflora, wenigstens gibt Horsfield diese 
Pflanze, nach Mitthcikmg von M. J. Slater, von einer 
anderen, unbenaniiten, in der Raupe aber sehr ähnlichen 
Art an, obwohl die Passifloren mehr dem amerikanischen 
Florengebiet angehören und nur wenige Arten in dem 
indischen vorkommen. So geringfügig auch dieser Um- 
stand erscheint, so ist er doch eine willkommene Be- 
stätigung der nahen Verwandtschaft zweier räumlich so 
weit getrennten Gattungen, wie sie Cethosia und Dione 
uns darbieten. 

6. TerinOS BoiscI. (ca. ll Arten.) 

Taf. 14. T. Taxiles Hew. 

a. Palpe, b. o'- und <.-. Q-Vordeifiiss. 

Die Terin OS-Arten sind namentlich im o ■Geschlecht 
mit einem prachtvollen, blauvioletten, sammtartigen Schiller 
geschmückt und hiedurch von den nahe verwandten 
Cynthien und Cirrochroen leicht zu unterscheiden. Ihr 
Hauptcharakter liegt in den behaarten Augeu (welche 
bei den Argynniden fast durchgehends nackt erscheinen), 
in der Abzweigung der Subcostaläste und der Richtung 
der UDC, womit die Htfl.-Zeflen geschlossen sind. 

Bei Terinos steht der 1. Subcostalast vor dem 
Zellende, der 2. am Zellende selbst oder 
bald danach, der 3. und 4. nahe zusammen und 
in ziemlicher Entfernung von demselben. Die 
UDC mündet beim <S am Ursprung des zweiten 
Medianastes, beim ^ dagegen zwischen dem 
1 . und 2. Ast. Auch ist der gesägte V o r d e r r a n d 
in den Vdfln. charakteristisch. 

Die Zelle der Htfl. ist auffallend klein, und wird 
durch eine feine, in beiden Geschlechtern 
z wisch en dem 1. und 2. Mediaiiast mündende UDC 
geschlossen. Ausserdem besitzen die O < J eine eigen- 
thümliche Hautfalte zwischen dem 3. Medianast und der 
unteren Radiale, welche indessen auch noch in mehreren 
der folgenden Gattungen vorkommt. Die Präcostalader 



116 



N Y M P H A L I D E N. 



ist kurz, nach aussen gebogen und nach der Subcostale 
abgezweigt. 

Obwohl die Terinos-Arten äusserhch so abweichend 
von Argynnis erscheinen, kann man doch deutlich an 
gewissen Ideinen Kennzeichen den allgemeinen Typus in 
ihnen wiederei kennen. Die cfcT haben, wie unsere Ar- 
gynnis-Arten, als geschlechtliche Auszeichnung die Median- 
<äste der Vdfl. stark mit Duftschuppen besetzt. Die Palpen 
sind bereits beträchtlich geschwollen. Ausserdem finden 
sich auf der Kückseite schon einige charakteristische 
Argynniszeichnungen angedeutet. 

Der Yerbreitungsbezirk dieser prächtigen, aber ziemlich 
seltenen Gattung erstreckt sich ausscbliesälich über den 
malayischen Archipel 

7. Cynthia Fabr. (?a. 5 Arten?) 

Taf. 14. C. Arsinoe Cram. 
a. Palpo, b. Fühler. 

Diese Gattung zeichnet sich auf den ersten Bück durch 
die Grösse ihrer Arten aus und unterscheidet sich speciell 
von allen übrigen durch die Stellung der beiden ersten 
Subcostaläste, welche hier nahe zusammenstehen 
und fast aus einem Punkte am Zellende ent- 
springen. Auch ist der 1. Ast etw-as mit der 
Costale verwachsen; Ast 3 und 4 entspringen 
nahe zusammen fast in der Fl ügel spitze. Die 
Zelle der Vdfl. ist durch eine zarte UDC gesclilossen, 
welche die Mediana nach dem Ursprung des 2. Astes 
trifft; diejenige der Htfl. dagegen offen. Doch be- 
sitzen die d d zwischen der Mediana und der unteren 
Eadiale eine Ilautfalte wie die vorhergehenden Terinos, 
welche in ungeschuppten Exemplaren leicht als UDC 
aufgefasst werden kann; die letztere ist aber hier voll- 
kommen verkümmert. Die Prticostale ist an der Spitze 
zweispaltig, hinter dem Ursprung der Subcostale abgezweigt. 

Die Augen sind nackt; die Fühler mit allmählich 
verdickter, zugespitzter Kolbe. Die Palpen sind nur 
schwach aufgeblasen, behaart und mit einzelnen steifen 
Grannenhaaren besetzt. 

Die Cynthia-Arten sind schöne, grosse, im d-Geschlecht 
lebhaft hell orangebraun, im ^ meist grau gefärbte 
Schmetterlinge, ohne stark hervortretende Zeichnungen 
auf der Oberseite, dagegen auf der Rückseite der Htfl 
mit 2 grossen Augen, welche bei den 5$ auch deutlich 
auf der Oberseite auftreten, bei den (^<S aber oft nur 
angedeutet sind. In einigen Arten ist der Aussenrand 
der Htfl. zwischen dem 2. und 3. Medianast sogar zu 
einem kurzen Zahn oder selbst Schwänzchen vorgezogen. 
Es ist übrigens noch zweifelhaft, ob die wenigen, sich 
äusserhch sehr ähnelnden Arten, welche sich über das 
ganze indo - australische Gebiet verbreiten , wirklich 
specifisch getrennt oder nur Formen einer einzigen 
Art sind. 

8. Cirrochroa Doubl, (ca. 20 Arten.) 

Taf. 14. C. Malaya Feld. 

a. Palpe, b. Fühler. 

Cirrochroa ist ganz nahe mit Cynthia verwandt; 

man erkennt sie aber sofort an den zarten, nur 

schwach am Ende verdickten Fühlern, 



welche keine deutlich abgesetzte Kolbe 
tragen. Weitere Charaktere liegen in den stark auf- 
geblasenen Palpen, deren Endglied sehr 
fein und spitzig ist, den nackten Augen und der 
einfachen, hinter dem Ursprung der Subcostale abge- 
zweigten Präcostaladcr, welche schwach nach aussen um- 
gebogen ist. 

Im Geäder ist Cirrochroa nicht wesentlich von Cynthia 
verschieden und hiedurch unterscheidet -sie sich scharf 
von Messaras, der einzigen Argynniden-Gattung, welche 
noch kolbenlose Fühler besitzt. Die Zelle der Vdfl. ist 
durch eine feine UDC geschlossen, welche ebenso wie 
bei Cynthia in die Urspiungsstelle des 2. Medianastes 
mündet; die der Htfl. ist offen. Die OQ besitzen eben- 
falls eine Hautfalte zwischen Mediana und unteren Radiale. 

Die Cirrochroa-Arten sind von massiger Grösse und 
meist von gelblich-brauner, mehr oder weniger dunkler 
Grundfarbe. Oberseits sind sie mit einigen dunklen 
Strichen und Zeichnungen versehen, doch kommen auch 
einzelne, ganz abweichend gefärbte Arten vor. Auf der 
Unterseite besitzen sie fast immer einen perlartigen Glanz 
und zarte Längsbinden. Sie sind über das ganze indo- 
australische Gebiet verbreitet. 



9. Lachnoptera Doubl, (i Art.) 

Taf. 14. L. Jole Feld, 
a. Palpe, b. q -Voiderfuss. 

Dies ist die einzige rein afrikanische Gattung aus der 
Argynnis-Gruppe und diesem Gebiet durchaus eigenthüm- 
lich. Ausserdem kommen überhaupt nur noch 2 Atella- 
Arten und auf Madagascar die seltene Gattung Smerina 
vor, welche den ganzen Reichthum an Argynnisformen in 
Afrika vorstellen. 

Lachnoptera ist im o -Geschlecht sehr leicht an dem 
bleigrauen, filzigen Flecken am Vorderrande der Htfl. zu 
erkennen, welcher der Klasse der o o-Duftapparate an- 
gehört und daher den ^^ auch vollständig fehlt. Er 
besteht aus ausserordenthch feinen, langen, haarähnlichen 
Schuppen, die an der Spitze 2-spaltig, an der Basis da- 
gegen stielartig eingeschnürt und nach aussen gerichtet 
sind. Im Habitus, Färbung und Grösse gleicht Lachnoptera 
übrigens den typischen Cirrochroa-Arten. 

Die Charaktere, welche diese Gattung ausserdem noch 
auszeichnen, sind folgende : 

Fühler mit stumpfer, deutlich abgesetzter 
Kolbe; Palpen stark geschwollen, das Mittel- 
glied von der Mitte an plötzlich stark ver- 
jüngt, mit kurzem, dünnenundnadelspitzigen 
Endglied. Die Subcostalader mit dem 1. Aste am 
Zellende, dem 2. bald nach demselben, Ast 
3 und 4 sehr genähert, fast in der Flu gel- 
spitze sich abtrennend. (Unterschied von Cirrochroa.) 

Zelle der Vdfl. durch eine zarte, die Mediana etwas 
vor der Abzweigung des 2. Astes treffende UDC ge- 
schlossen ; diejenige der Htfl. dagegen offen. Präcostale 
einfach, nach aussen gebogen. Auch hier findet sich 
beim d die Hautfalte zwischen Mediana und UR wieder. 

Noch bemerken wir, dass die Fussklauen sehr gut 
ausgebildete Anhängsel besitzen. Nach Doubleday 
sollen sie ihnen fehlen. 



NYMPHALIDEN 



117 



Die einzige bis jetzt bekannte Art, L. Jole L., wurde 
nur im tropischen Westafrika gefunden. Die O O besitzen, 
ausser dem erwähnten bleigrauen Flecken, einen schönen 
rothvioletten Schiller auf der, übrigens einfach orange- 
braun gefiiibten und nur mit wenigen dunklen Flecken 
und Strichen gezeichneten Oberseite. 

10. Smerina Hew. (i Art.) 

Da uns von dieser anscheinend sehr seltenen 
madiigassischen Gattung kein Exemplar vorlag, so kürmen 
wir hier nur die Original-Diagnose llewitson's in Über- 
setzung wiedergeben. 

„Körper von niässlfjer Grösse und ItaU^er Länge der Iltfi. Vdfi. an der 
Spitze roryezofjen , am Aussenrande schvmh ausjeweUt. Htß. am 
Anahciiihel Vorf/ezogen. 

Kopf giois. Augen haarig. Palpen groai, spateljörmig, fspatulate), 
zweimal sn lang als der Kopf, mit Haaren bedeckt, das Eixdglied 
klein. Anleimen lang, mit deutlicher halbe. 

Vdfl. mit C'i'italader ron halber Fliujellänge. Subcostalader mit vier 
Asten,*) 2 vor dem Zelknde, 2 iiahe zusammen kalhtregs ztciscken 
Zellende und Fpitze- Zelle ^/^ der Flägellänge, durch eine regel- 
mässige Cun-e geschlossen. Die erste Disoicellulare (ODC) klein; die 
'2. und 3. (MDC und UIJL) von gleicher Lärge. 

Htfl. mit kurzer Zelle, kaum '/a cler Flägellänge, schief ges blossen. 

Q Q-Vord er fasse von massiger Länge, Femur, Tihia und Tarsus 
(welcher mit haigen Haaren bedeckt ist) gleich lang. 

Die 4 Hin ter fasse sehr Iting : Femur ftrelcher mit Haaren bedeckt 
ist) und Tibia von gleicher Länge; Tarsus länger, unterseits mit 
Domen besetzt.^' 

Hewitson, Ann. do Magaz. of JSatur Ilisi. 1S74. 

Die einzige Ait dieser neuen Gattung, S. Vindonissa 
Ilew., wird mit der Atella Sinha Koll. vorghchen, 
welcher sie in Form und Färbung gleichen soll. Die 
Gattungsunterschiede ergeben sich aus der Diagnose und 
scheinen die grossen Palpen und die gleich langen MDC 
und UDO die hervorragendsten zu sein. 

S. Vindonissa kommt nur in Madagascar vor. 

11. Messaras Doubl. (8 Arten.) 

Taf. 15. M. Erymanthis Dru. 
a. Palpe, b. Fühler, c. (^-Vorderfuss. 
Die M e ssar as- Arten werden durch zwei Charaktere 
sehr scharf von allen übrigen Gattungen dieser Gruppe 
getrennt: durch die fadenförmigen, fast kolbenlosen 
Fühler und die Einmündung des 4. Subcostalastes 
der Vdfl. in den Vorderrand. Eine ähnliche Fühler- 
bildung besitzt nur noch Cirrochroa, von der sie sich 
aber sofort durch die Abzweigung nur eines Subcostal- 
astes vor dem Zellende und die Stellung des 4. Astes 
unterscheidet. Bei allen anderen Gattungen mündet der- 
selbe entweder in die Spitze oder den Aussenrand, und 
gehört diese Stellung überhaupt bei den Nymphaliden zu 
den Ausnahmen, während sie bei den Satyriden allge- 
meine Regel ist. Vielleicht hängt hiemit auch der aus- 
gesprochen Satya'iden-artige Charakter der Messaras-Arten 
zusammen, deren Flügel gerundet und auf der Rückseite 
mit Augeiiflccken versehen sind; auch fehlt allen Arten 
der Mediansporn, was beweist, dass die Verwandtschaft 



*) Hewitson zählt das Endslüek der Ader nicht als Ast, daher 
diese bei ihm nur 4ästig ist. Nach unserer Definition ist sie 5ästig 
und der letzte Ast mündet wahrscheinlich, wie bei Atella, in den 
Aussenrand. 



zu Argynnis nur eine geringe ist. Die aufgeblasenen Palpen 
lassen es räthlich erscheinen, diese Gattung trotz der 
Anomahen noch hier zu belassen. 

Ausser den bereits erwähnten Hauptcharakteren führen 
wir als für Messaras charakteristisch noch die Form der 
Palpen an, welche sehr stark aufgeblasen sind, das 
Endghed kurz und dünn, scharf zugespitzt und mit kurzen 
Haaren bekleidet. Die Vdfl. besitzen eine kurze, breite 
und geschlossene Zelle. Der 1. Subcostalast ist gerade 
vor dem Zellende, der 2. sehr weit danach abgezweigt, 
der 3. dem 2. näher als dem 4. Ast, welcher in den Vor- 
derrand mündet, während der 5. Ast in die Spitze geht. 
Die UDC triffr die Mediana am Ursprung des 2. Astes. 

Htfl. mit offener, schmaler Zelle. PC einfach, 
nach der Subcostale abgezweigt und schief nach aussen 
gebogen. 

Die Messaras-Arten sind meist einfach braun oder 
gelblich braun gefärbt, mit wenig hervortretenden Zeich- 
nungen, und über einen grossen Theil des indo-australischen 
Gebiets verbreitet. 

12. Atella Doubl, (t Arten.) 

Taf. 15. A. Phalanta Dru. 
a. Palpe, b. (^- und e. Q-Vorderfiis?. 

Diese Gattung ist eine Mittelform zwischen Messaras 
und der typischen Argynnis. Von der ersteren wird sie 
durch die schmälere Form der Vdfl.-Zelle, die 
deutlich kolbigen Fühler und die geschlossenen 
Htfl. -Zellen unterschieden; von Argynnis scharf und 
sicher durch die verschiedene Stellung der SC-Aste. Bei 
Atella steht der 1. SC-Ast genau am Zellende, 
der 2. nach demselben, der 3. ist dem 4. näher als dem 
2. abgezweigt, während bei Argynnis stets 2 SC-Aste 
vor dem Zellende stehen. 

Die Palpen sind stark aufgeblasen, unterseits mit 
langen Haaren und steifen Grannen besetzt, oberseits nur 
schwach behaart. Endghed sehr klein und spitzig. Vdfl.- 
Zelle geschlossen, UDC die Mediana am Ursprung des 
2. Astes treffend. 

Htfl. mit kleiner, ge s chl o ssener Zelle. UDC 
sehr fein, die Mediana vor dem 2. Aste treffend. PC 
einfach, nach aussen gebogen und nach der SC abgezweigt. 
Auf der Rückseite der Htfl. sind gewöhnlich 2 Augen 
und eines im Aussenwinkel der Vdfl. entwickelt. Ausser- 
dem haben dieselben einen perlmutterartigen Glanz. 
cfcf- und ^^'Yof'i^rfüsse nicht vom normalen Typus 
abweichend. 

Der Verbreitungsbezirk der nur aus wenigen Arten be- 
stehenden Gattung erstreckt sich über das ganze indo- 
australische Tropengebiet. Eine Art, die bekannte Ä. 
Phalanta Dru., geht sogar bis Afrika; eine andere ist nur 
auf Madagascar heimisch. 

Die Raupe der A. Phalanta, eine der gewöhnlichsten 
Arten des indischen Faunengebiets, ist oberhalb hellgrün, 
unterhalb weisslich, mit kurzen verzweigten Dornen besetzt. 
Sie lebt auf einer Ixora-Art, einer in Indien heimischen 
Rubiaceen-Gattung. 

Die A. Egista Cram. mit ihrer Varietät A. Sinlta Koll. 
weicht sowohl im Geäder als im Äussern bedeutend von 
den übrigen Arten ab. Sie nähert sich in der Form den 
Cynthien und auch die 2 spaltige Präcostale, der dem 



118 



N Y M P H A L I D E N. 



Zellende viel iiühcr gerückte 2. SC- Ast und die kurz 
geschwänzten Htfl. sind mehr Charaktere dieser Cxattung 
als von xVtella. A. Egista ist gewissermassen das ver- 
bindende Glied zwischen beiden Formen. 

13. Euptoieta Doubl. (2 Arten.) 

Tat". 1.5. Eu. Hegesia Cram. 
a. Palpe, b. q -Vorderfiiss, e. Q-Vorderfusstaisus. 

Euptoieta kann als der amerikanische Veitreter von 
Atella gelten, so genau stimmen beide im Geäder und 
im Äussern überein. Sie unterscheiden sich fast nur 
durch die Form der Palpen, die bei Euptoieta etwas vom 
normalen Typus abweichenden ^5'^orderfüsse und die 
durchaus verschieden gefärbte und gezeichnete Kückseite 
der Htfl., welche namentlich ohne Augen und ohne Schiller 
sind. Die Stellung des 1. Subcostalastes ist durchaus 
variabel, selbst bei Individuen ein und derselben Art, die 
Htfl.-Zelle ist zwar im allgemeinen offen, doch kommen 
auch einzelnen Fälle vor, bei denen dieselbe durch eine 
rudimentäre UDC geschlossen ist. 

Die Palpen sind in der Mitte staik aufgeblasen, vom 
Rücken nach der Spitze zu plötzlich verjüngt, (daher der 
Rücken stumpfwinklig gebogen erscheint) mit langen 
Haaren besetzt; das Endglied sehr klein und spitzig. Die 
Fühler tragen eine deutlich abgesetzte, birnförmige Kolbe. 

Vdfl. mit dem 1. Subcostalast am Zellende selbst oder 
nach demselben; der 2. Ast dem 3. ni her entspringend 
als dem 1., Ast 3 und 4 nahe zusammen fast in der 
Flügelspitze. Zelle durch eine feine UDC geschlossen, 
welche die Mediana am Ursprung des 2. Astes trifft. 

Htfl. mit offener Zelle, oder letztere durch eine theil- 
weise rudimentäre UDC geschlossen. PC nach der SC 
abgezweigt und schief nach aussen gebogen. 

5$'Vorderfüsse mit nebeneinander ste- 
hendem 4. und 5. Glied, beide kegelförmig und 
nur 1 Dorn an der Spitze tragend; 1., 2. und 3. 
Glied mit je 1 Paar kurzer Dornen versehen. 

Die beiden bekannten Euptoieta-Arten gehören dem 
nord- und südamerikanischen Gebiete an. Es sind mittel- 
grosse, wenige auffallende Schmetterlinge von gelblich- 
brauner Grundfarbe und Argynnis- artiger Zeichnung. Die 
Raupen und Puppen sind denen von Argynnis ähnlich und 
erstere leben auf Passifloren. 

Die von Doubleday unter Melilaea aufgefiihrte, von Kirby 
aber 7,11 Aisrynnis gestellte Astarte Doubl, von Jamaii-a scheint uns 
Hieb Jer Abbildung in den „Genera" i-lier eine Euptoieta zu sein, 
da auch innere Gründe gegen die Wahraeheinliehlieit eines Vor- 
kommens dieser beiden Gattungen auf den Antillen sprechen. 

14. Argynnis Fabr. (ga. 50 Arten.) 

Taf. 15. A. Paphia L. 

O : a. Palpe, b. Fühler, e. Vorderfuss. 

Q: a. Palpe, b. Votdeifiiss. 
AVir betrachten diese wohlbekannte , grosse und 
artenreiche Gattung im Sinne Pelder's, welcher hiezu 
nur diejenigen Arten rechnet, bei denen zwei Subcostal- 
äste vor dem Zellende abgetreimt sind und deren Palpen 
stark aufgeblasen erscheinen, während diejenigen mit nur 
einem Ast vor dem Zellende und weniger stark aufge- 
blasenen Palpen von ihm zur Gattung Brenthis Hübn. 
gerechnet werden. Dass diese Trennung in der Xatur 



begiiindi-t ist, zeigt nicht allein die constante Stellung 
der Subcostaläste, sondern auch der Besitz des Median- 
sporns, welcher allen Brenthis-Arten durchaus fehlt, während 
er bei Argynnis stets gut entwickelt ist. Auch im Äussern 
und der ganzen Lebensweise ist diese Verschiedenheit 
deutlich ausgeprägt: Hier sehen wir die Arten von be- 
deutender Grösse, meist reich gefärbt und auf der Rück- 
seite mit Silberflecken geschmückt, feurig und lebendig 
in ihren Bewegungen — bei Brenthis dagegen die kleineren, 
Melitaeen-artigen Schmetterlinge mit nur müssigem Flug- 
vermögeii und fast silberloser Rückseite der Htfl. 

Wir geben die Charaktere von Argynnis etwas genauer, 
da sie zugleich den Typus dieser Gruppe vorstellt: 

Augen nacJU; Palpen stark auf geh lasen, über den Kopf hervor- 
ragend, stark behaart, Endglied sehr klein und spitzig, i'ähler 
ziemlich kurz, mit deutlich abgesetzter birnförviiger Kolbe. 
Vdfl. mit 5ästiger Suhcosfale, deren, beiden ersten Aste stets vor 
dem Zellende ahgezweigt sind, der zweite Ast inehr oder minder 
weit an die Costale gedrückt; Ast 3 dem 4. näher als dein 2. 
stehend. Zelle durch eine feine TJDC geschl ssen, welche die Mediana 
stets nach der Abzweigung des zweiten Astes, aber in wechselnder 
Entfernung von diesem verbindet. Die Medianäste des Q der 
Fliigelbasis näher und stärlxr gebogen als beim Q. 

Htfl. mit einfacher oder an der Spitze gespaltener PC, ivelche sich nach 
der Trennung der SC von der Costale dbziceigt und iiach aussen 
gebogen ist. Zelle durch eine zarte UDC geschlossen, welche die 
Mediana genau am Ursprung des 2. Astes trifft. 

(j Q -Vor der fasse fadenjijrmig; lang und fein behaart; Tarsus nur 
^jj so lang als Tibia, Hüfte sehr stark entwickelt. 

QQ Vorderfüsse von gleicher Länge der (j Q . dünn, beschujtpt 
und nur a7i der innern Seite der Tibia mit längeren Haaren be- 
kleidet; Tarsus ögliedrig, an jedem Glied, mit Ausnahme des letzten, 
ein Paar kurzer Domen tragend. 

Mittel- und Hinterfüsse rundum mit kurzen Dornen besetzt, welche 
unterseits in zwei Jielhen geformt sind. Klauen gebogen, mit An- 
hängseln ve) sehen. 

üatij^en walz&iförmig, bedornt, erstes Glied stets ein Paar längerer 
Dornen tragend. 

Puppen eckig, mit Jtervorragenden Knoten besetzt; Kopf an der 
Spitze zweUpaltig. 

Die Gattung Argynnis gehört hauptsächlich den nörd- 
lich - gemässigten Faunengebieten der ganzen Erde an; 
nach dem Süden gehen nur wenige Arten bis in die 
Tropenzone, Ä. Niphe sogar bis in das austrahsche 
Gebiet. (Die chilenischen Arten gehören zu Brenthis). 
Die Zahl der bekannten Arten beläuft sich (ohne Brenthis) 
auf ungefähr 50 Stück, welche sich fast zu gleichen 
Hälften auf das nordamerikanische und palaearktische 
Gebiet vertheilen ; nur die in der arktischen Zone vor- 
kommenden sind beiden gemeinsam. Indessen steht die 
nordamerikanische Fauna, was Schönheit und Grösse ihrer 
Arten anlangt, obenan. Hier finden wir den Silberschmuck 
der Htfl. am höchsten entwickelt, wie bei den prächtigen 
Arten A. Sokomis Edw. und Idalia Dru., und einige 
sind wahre Riesen gegenüber den Bewohnern unserer 
Zone, wie z. B. das berühmte 9 "i^r A. Diana Cram., 
dessen kolossale Grösse und blaugrüne Flügelfärbung ganz 
fremdartig anmuthet. (Siehe I. Theil. Taf. 35 O und 
2). Auch das O dieser Art weicht von dem allgemeinen 
Typus durch seinen dunklen, braunschwarzen Basaltheil 
und die fast eintönige Unterseite bedeutend von allen 
übrigen Arten ab. Einen gleich merkwürdigen, vielleicht 
noch mehr in die Augen springenden Fall von geschlecht- 
hchcm Dimorphismus haben wir ja auch in der europäischen 
Fauna und zwar bei der A. Sayana Doull. Ilew. aus den 
Amurgebieten, deren ^ so wenig Argynnis-artiges an sich 



NYMPHALIDEN. 



119 



hat, dass es von dem ersten Autor N o r d m a n n als 
besondere Gattung U a m o r a beschrieben wurde. Sie 
ähnelt auf der Oberseite dem Q der Limenitis Populi, 
während das o nicht wesentlich von dem Typus, wie er 
etwa von unserer A. Paphia repräsentirt wird, abweicht. 
Eine geringe Geschlechtsverschiedenheit finden wir fast 
bei allen europäischen Arten ausgebildet, aber weniger 
in der Plügelfärbung als im Geäder, und zwar bei den 
Medianästen der Ydfl. Diese entspringen nicht allein viel 
tiefer an der Plügelwurzel, sondern sind auf der Oberseite 
dicht mit Duftschuppen besetzt, so dass sie ganz wie er- 
haben erscheinen. Die Adern selbst sind nicht ange- 
schwollen und unterscheiden sich nach Entfernung der 
Schuppen in nichts von den übrigen. 

Die Gewohnheiten der nordamerikanischen Argynnis- 
Arten gleichen vollkommen denen unserer Fauna und da 
diese hinlänglich bekannt sein dürften, so sehen wir von 
einem weiteren Lebensbild ab. 

15. Brenthis Hübn. (9a. 20 Arten.) 

Taf. 15. B. Selene W. V. 
a. Palpp, b, o -Vordeifuss. 

Brenthis unterscheidet sich von Argynnis , wie 
bereits erwähnt, hauptsächlich dadurch, dass nur ein 
Subcostalast vor dem Zellende steht, während 
bei jener stets 2 vor demselben entspringen; auch sind 
die Palpen nur wenig aufgeblasen. Hiemit genau über- 
einstimmend fehlt allen Brenthis-Arten der kurze Median- 
sporn, der bei den echten Argynniden immer gut ausge- 
bildet ist. 

Von den 31 jetzt zum palaearktischen Gebiet ge- 
rechneten Argynnis-Arten (im älteren Sinne) zeigen diese 



Abzweigung ] 4 und zwar nach fi-eundlichst mitgetheilten 
Untersuchungen von Dr. Standfuss (welcher von jeder 
Art und deren Varietäten stets mehrere Exemplare, meist 
10 — 20 Stück untersucht hat) vollkommen constant. Da 
es vielleicht einige Leser interessiren dürfte, diese genau 
zu kennen, theilen wir sie mit. Es sind, nach der Ord- 
nung des S t a u d i n g e r' sehen Catalogs , folgende: 
ApJiirapp. Selenis, Selene, Oscarus, Eujjhrosyne, Pales, 
Chariclea, Polaris, Freija, Dia, Amathusia, Fricjcja, 
Thore, Angarensis. Es ist nun höchst interessant, dass 
diese Aiten auch in anderen systematischen Werken, wo 
sie noch zusammen mit Argynnis stehen, eine scharf ge- 
sondei'te Gruppe bilden, und also schon in ihrem Habitus 
unbewusst bestimmte Meikmale einer generellen Ver- 
schiedenheit an sich tragen müssen. Mit Daphne beginnen 
die Arten mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende, also 
die eigentlichen Argynnis. 

Von den aussereuropäischen Arten gehören die 
chilenischen (welche nach Dr. Staudinger wahrschein- 
lich nur eine einzige Form repräsentiren) sicher zu 
Brenthis. Dagegen scheint uns die A. Astarte Doubl. 
Hew. aus Jamaica, welche wir leider nicht untersuchen 
konnten, eher eine Euptoieta zu sein. Die nordamerikani- 
schen Arten zeigen ein ähnliches Verhältniss, wie die 
pa'aearktisehen, da von den 21 in der Staudin ger'schen 
Sammlung befindlichen guten Arten 6 zu Brenthis ge- 
hörten und ebenso scharf getrennt waren, ohne Übergänge 
zu bilden. Zwar zählt Kirby in seinem Cataloge 46 
nordamerikanische Argynnis-Arten auf, also mehr als das 
Doppelte, welche wir untersuchen konnten, doch ist es 
genügend bekannt, wie wenig Arten als solche berechtigt 
sind und nur Varietäten anderer vorstellen. 



IL Melitaeen-Gruppe. 



Medianader der V^djl. an der Basis ohne Sporn; Palpen mehr oder weniger aufgeblasen. Piaupen dornenlos, nur mit 

behaarten Fleischzapfen besetzt. 
Hiezu rechnen wir folgende Genera: 



Melitaea Nöi-dliclie Erdhälfte. 

Phyciodes \ 

Microtia \ .... Südamerika. 

Aneiiieca J 



Südamerika. 



Coatlaiitona | 
Giiathotriclie J 
Arasclmia Palaeai'ktisClies Gebiet. 



Diese Gruppe ist durch ihre Eaupenform gut charak- 
terisirt und führt in ihren äusseren Grenzformen zu den 
folgenden Vanessen. In einigen Gattungen sind die Palpen 
noch ebenso aufgeblasen, wie bei den Argynniden, in 
andern nähern sie sich in der Form schon den Vanessen. 
Auch die geeckte Flügelform findet sich in einzelnen Phy- 
ciodes- und Coatlantona-Arten bereits angedeutet. 

Die geographische Verbreitung dieser Gruppe geht 
von dem tropischen Südamerika, dem Hauptcentrum ihrer 
Entwicklung, durch Nordamerika bis in das palaearktische 
Paunengebiet, und es ist wohl bemerkenswerth, dass weder 
Afrika noch das grosse indo-australische Gebiet (mit Aus- 



nahme zweier verirrten Melitaeen auf dem Himalaya) einen 
Vertreter derselben besitzt. Dies lässt sich leicht durch 
den Weg erklären, den die früheren Formen dieser Gruppe 
bei ihrer Ausbreitung genommen haben und welcher bei 
ihrem Vordringen nach dem Westen zu einer Zeit statt- 
gefunden haben muss, als Nordamerika und Asien noch 
an der jetzigen Behringstrasse zusammenhingen. 

Von einem Schlüssel sehen wir ab, da einzelne Gat- 
tungen so wenig Unterschiede von einander zeigen und 
so allmähhch ineinander übergehen , dass ein einzelnes 
Merkmal gar nicht ausreicht, um sie scharf zu trennen. 
Araschnia unterscheidet sich von allen übrigen durch die 



120 



N Y M P H A L I D E N. 



behaarten Augen; Anemeca durch die kurzen und dicken 
Ö O - Vorderfüsse ; Microtia durch die eigen thümh che 
Stellung der unteren Iladiale. Nahe verwandt sind 
Mehtaea, Phyciodes, Coatlantona und Gnathotriche ; sie 
"werden z. Th. durch die Form der Palpen, z. Th. durch 
geringe Abweichungen im Geäder erkannt. 

16. Melitaea Fabr. (?a. 38 Arten.) 

Taf. 15. M. Didyma Esp. 
a. Palpp, b. (^- und Q-Vordeifuss. 

Die Melitaeen sind mit Argynnis durch diejenigen 
Arten, welche als Brenthis abgetrennt wurden, nahe ver- 
wandt und im Schmetterling schwer von ihnen zu unter- 
scheiden. Das beste Merkmal bleibt wohl das von den 
Gebr. Speyer angegebene, nämlich die Bekleidung der 
Tibicn und Tarsen der Mittel- und Hinterfüsse, welche 
bei Melitaea nur unterseits mit 2 — 3 Reihen Dornen 
besetzt sind, während sie bei Argynnis resp. Brenthis 
rundum bedornt sind. Auch die Zeichnung der Htfl.- 
Eückseite ist bei Melitaea von Bienthis durchaus ver- 
schieden und daran sind die Melitaeen wohl am leichtesten 
zu erkennen. 

Der Hauptunterschied liegt indessen in der fundamental 
verschiedenen Raupeuform beider Gattungen. Diese sind 
bei Melitaea nur mit kurzen fleischigen und behaarten 
Zapfen besetzt, bei Argynnis aber mit verzweigten Dornen. 

Die Palpen sind nicht aufgeblasen, mit langen Haaren 
bekleidet, das Endglied zugespitzt. Die Fühler mit 
deutlich abgesetzter birnförmiger Kolbe. 

Vdfl. mit 5 ästiger Subcostale, deren 1. Ast stets vor 
dem Zellende, der 2. entweder ganz nahe am Zellende 
selbst oder bald danach entspringt. Zelle der Vdfl. meist 
unvollständig geschlossen. 

Htfl. mit einfacher oder an der Spitze gabhger 
Präcostale, welche nach der Trennung der Subcostale von 
der Costale sich abzweigt. Zelle meist oft'en oder 
halbgeschlussen. 

Die Melitaeen verbreiten sich über die ganze nördlich 
gemässigte Zone beider Erdhälften. Nordamerika besitzt 
ungefähr die gleiche Zahl an Arten (18) wie Europa und 
Nordasien zusammen. Zwei Arten werden auch auf dem 
Himalaja gefunden. 

17. Phyciodes Hübn. (?a. 140 Arten.) 

Taf. 15. Ph. Leucodesma Feld. 

a. Palpe, b. Palpe von Ph. Ezra Hew. 
Die Gattungen Phyciodes Hübn. und Eresia Boisd. 
wurden sowohl von Doubleday als auch von neueren 
Autoren stets getrennt behandelt, die erstere sogar von 
Doubl, als eine Unterabtheilung von Melitaea betrachtet. 
Aber zwischen diesen drei Gattungen gibt es keine 
scharfen Grenzlinien und die Charaktere, ob sie nun von 
den Palpen oder der Plügelform hergenommen werden, 
sind sehr unsicher und unbestimmt. Wir betrachten daher 
Phyciodes und Eresia nur als eine Gattung und folgen 
darin Kirby, welcher sie zuerst vereinigt hat. 

Das unterscheidende Merkmal zwischen Phyciodes und 
Eresia liegt nur in der äusseren Flügelform und 
zwar werden zu Eresia die Arten mit verlängerten Vdfln., 
zu Phyciodes diejenigen mit mehr breiterer Flügelform 



gerechnet — wohl einer der schwächsten Genus-Charaktere, 
welcher überhaupt angewendet werden kann. Beide 
Formen werden durch zahlreiche Mittelglieder mit einander 
verbunden. 

Schärfer wird Phyciodes schon von Melitaea durch 
die Form der Palpen geschieden, welche in den tj'pischen 
Arten ziemlich stark aufgeblasen sind und ein sehr 
feines, nadelspitzes Endglied tragen. Aber auch 
dieser Charakter ist nicht constant, da auch weit weniger 
aufgeblasene Palpen mit breiterem Endglied vorkommen, 
welche sich der Melitaeenform nähern. Hier gehen beide 
Gattungen unmerklich in einander über (Fig. b.) 

Ein anderer, wenigstens für die Eresien geltender 
Unterschied wird noch von Doubleday angegeben: die 
29"^^oi'd6i'füsse sollen bei Eresia 4ghedrig sein und am 
2. und 3. Ghed je einen Dorn, am 4. aber zwei solche 
tragen, während sie bei Melitaea Sgliedrig sind und je 

1 Paar Domen am 1 . bis 4. Glied tragen. Dieser Charakter 
scheiiit uns aber auch sehr unsicher zu sein, denn die 
von uns untersuchten Eresia-Arten hatten ebenfalls 5- 
gliedrige ^^-Tarsen, wenn auch oft das letzte Glied 
weniger deutlich entwickelt ist. - 

Im Geäder stimmt Phyciodes ganz mit Melitaea über- 
ein und die Stellung der Subcostaläste ist die gleiche 
wie bei dieser. Die Vdfl.-Zelle ist geschlossen, die Htfl.- 
Zelle dagegen stets offen. 

Die Phyciodes-Arten sind in einer ausserordentlich 
grossen Anzahl (ja. 140) über Südamerika und das sub- 
tropische Nordamerika verbreitet; nur wenige Arten gehen 
nördlich bis in die gemässigte Zone. Wie ein Blick auf Taf. 
86 desl. Theiles zeigt, sind hierunter die allerverschiedensten 
Formen vereinigt. Einige ahmen sogar in auffallendster 
Weise Arten aus andern Familien nach, wie z. B. die 
Ph. Lansdorfii Godt. den Heliconius Beskei, oder die 
Ph. Acraeina Hew. und Epione S. & G. die Acraea 
Laverna Doubl. Hew. bez. A. Neleus Latr. Sie werden 
von diesen auf den ersten Blick durch die offene Htfl.- 
Zelle unterschieden. Die auffallendste Form ist wohl die 
mit einem blauen Querbande auf schwarzem Grunde 
gezeichnete P. Levina, welche völlig isolirt durch ihre Färbung 
dasteht. Die Phyciodes-Arten im engeren Sinn, also die- 
jenigen mit mehr breiteren Flügeln, lassen sich in weitere 

2 Gruppen theilen, je nachdem der Aussenrand mehr 
gerundet oder geeckt erscheint. Diese letztere Form geht 
unmerklich in die Gattung Coatlantona über. 

Über die Gewohnheiten der Phyciodes-Arten erfahren 
wir von Bates, dass sie sich darin nicht wesenthch von 
unseren Melitaeen unterscheiden. Die Eresien sind haupt- 
sächlich Waldbewohner, die Phyciodes-Arten im engeren 
Sinn lieben mehr die offnen, blumenreichen Plätze ihres 
Wohnortes. Der Flug ist langsam und schwach. Die 
Raupen und Puppen stimmen ganz mit denen unserer 
Melitaeen überein. Eine uns vorliegende Raupe einer un- 
bestimmten Art aus Blumenau (Süd-Brasihen) zeigt genau 
die fleischigen, behaarten Zapfen, wie z. B. die Melitaea 
C i n X i a. 

18. Microtia Bates. (i Art.) 

Taf 15. M. Elva Bates. 
a. Palpe, b. Q-Vorderfuss. 
Diese nur aus einer Art, der kleinen M. Elva Bates, 
bestehende Gattung ist ebenfalls nahe mit Melitaea ver- 



N Y M P H A L I D E N. 



121 



■wandt, unterscheidet aich aber sehr schön und deutlich 
durch die z. Th. mit der Subcostale verwachsene 
obere Radiale des Vdfls., welche daher direkt aus 
der ersteren, und zwar in einiger Entfernung nach 
dem Zellende entspringt. Aus diesem Grunde fehlt 
auch die ODC und die Zelle ist nur durch zwei Dis- 
cocellularen, die MDC und UDC, geschlossen. Unter den 
Nymphaliden kommt dieser Fall bei keiner Gattung mehr 
vor und daran ist Microtia unter jeder Bedingung leicht 
zu erkennen. Die Fühler sind stark geknöpft, die 
Palpen nur wenig aufgeblasen, das Endglied von derselben 
Stärke wie das Mittelglied. In dem übrigen Geäder und 
den Vorderfüssen stimmt Microtia genau mit Melitaea überein. 
Der kleine, unscheinbare, aber durch sein abweichen- 
des Geäder höchst interessante Schmetterling kommt in 
Centralamerika und Colnmbieii vor. 

19. Anemeca Kirby. (i Art.) 

Taf. IG. A. Ehrenbergü Hübn. 
a. Pal^ie, b. q -Vordeifiis=. 

Auch diese Gattung hängt nahe mit Melitaea zu- 
sammen, unterscheidet sich aber schon äusserlich durch 
die fast fleckf^nlose Oberseite von dieser und den übrigen 
Gattungen. Der Hauptcb.arakter liegt aber in den ganz 
merkwürdig geformten kurzen und dicken oö -Vor- 
derfüssen (siehe Fig. b), welche sich in dieser Weise 
bei keinem der benachbarten Geschlechter wiederfinden. 
Im Geäder ist Anenicca nicht wesentlich vom Typus ver- 
schieden ; die Palpen besitzen dieselbe Form, wie bei 
Melitaea, aber das Endglied ist stärker und länger, als 
es gewöhnlich hier vorkommt. Die Fühler haben eine 
birnförmige, gut abgesetzte Kolbe. 

Die A. Ehrenbergü Huhn., die einzige bisher bekannte 
Art, ist ganz abweichend vom Melitaeentypus gefärbt und 
gezeichnet und zeigt oberseits auf grauem Grund nur eine 
verloschene gelbliche Querbinde über die Vdfl. und 
rückenseits auf den Htfln. radiale Streifung. Sie ist aus- 
schliesslich in Mexiko heimisch. 

20. Gnathotriche Feld. (2 Arten.) 

Taf. 16. Gn. Exclamationis Koll. 
a. Palpe, b. q -Vorderfiiss. 
Gnathotriche steht ihrer Palpenbildung nach in der 
Mitte zwischen Phyciodes (speciell der Eresia- Gruppe) 
und Coatlantona. Die Palpen sind dicht zottig be- 
haart, das Mittelglied in der Mitte schwach ver- 
dickt, von gleicher Form wie bei Coatlantona, das 
Endglied aber fein und spitzig, wie bei 
Phyciodes. Die Fühler haben eine birnförmige Kolbe ; 
die Subcostale entsendet den 1. Ast kurz vor dem Zellende, 
die übrigen in gleichen Entfernungen nach demselben. 
Ein weiterer guter Charakter dieser Gattung liegt in der 
schiefen und verhältnissmässig langen ODC, welche mit 
MDC gleich lang und in derselben Richtung steht, aber 
nur 1/2 so lang als UDC ist und die Vdfl.-Zelle schliesst. 
Htfl. mit offener Zelle; PC einfach, nach aussen gebogen 
und nach der Subcostale abgezweigt. 



Bis vor kurzem war nur 1 Art, die Gn. Exclamationis 
Koll. von den Hochgebirgen Neugranadas und Venezuelas 
bekannt. Sie zeigt eine ganz auffallende Ähnlichkeit mit 
der Satyride Eteona Tisiphone Boisd., von der sie 
aber leicht durch die offene (bei Eteona geschlossene) 
Htfl.-Zello unterschieden wird. Eine 2. Art ist im I. Theil 
beschrieben. 

21. Coatlantona Kirby. (ca. 20 Arten.) 

Syucliloü Doubl. CJilosyne Biitl. 

Taf. IG. C. Narva Fab. 
a. Pal^.e, b. cf-Vuixlerfiifs. 

Die Gattung Coatlantona unterscheidet sich von Phyciodes 
durch die Form der Palpen, welche zottig behaart,, 
wenig aufgeblasen und mit längerem, ziemlich 
starken, spindelförmigen Endglied versehen 
sind, während das letztere bei Phyciodes sehr dünn und 
nadeiförmig zugespitzt ist. Doch gibt es hierin allmähliche 
Übergänge, die beide Gattungen vei binden und keine 
scharfe Grenzlinien zulassen. 

Auch im Geäder zeigen sich kleine Verschiedenheiten 
und ist es nameotlich die UDC der Vdfl., welche gerade 
und nicht gewinkelt oder gebogen erscheint, während dies- 
in genannter Gattung fast immer der Fall ist. In den 
Htfln. fehlt die UDC, daJier die Zelle offen bleibt. 

Anderseits hängt Qoatlantona sehr eng mit der 
europäischen Arasohnia zusammen und ist unzweifelhaft 
die Stammform derselben. Sie unterscheidet sich von 
dieser in der Struktur fast gar nicht, so übereinstimmend 
ist Geäder, Fühler, Vorderfüsse etc. mit ihr gebildet. Nur 
die Augen sind bei Coatlantona nackt, bei Araschnia 
dagegen behaart. 

Die Coatlantona -Arten sind meist bunt gefärbte 
Schmetterlinge von Mittelgrösse und auch im Habitus 
unserer Araschnia am ähnlichsten. Ihr Hauptgebiet ist 
Mexiko und Centralamerika. Einige Arten, wie C. Lacinia 
Hubn-, variiren ausserordentlich und dies hat zur Auf- 
stellung vieler neuen Arten Veranlassung gegeben. Es 
liegt auch nahe, anzunehmen, dass gerade die Coatlantona- 
Arten, nach Analogie der Araschnia, in verschieden ge- 
färbten Generationen auftreten. 

Von der Mannichfaltigkeit der Formen und deren 
Fiügelfärbung geben die im I. Theil abgebildeten Arten: 
G. Saundersii Douhl.Hew., Hippodrome Hübn., Poecile 
Feld, und die überaus bunte, seltene, nur auf den Antillen 
vorkommende Perezi H.-S. eine genügende Vorstellung. 



A n m. Obwohl wir die Gattung Araschnia aus 
verschiedenen, bereits angeführten Gründen in der Über- 
sicht zu der Melitaeen-Gruppe gestellt haben, halten wir 
es jetzt, nach wiederholter Untersuchung, doch für natür- 
licher, sie, ihrer bedornten Raupen wegen, mit den 
Vanessiden zu vereinen, trotz der verschiedenen Stellung 
der Subcostaläste. Sie ist ein verbindendes Glied zwischen 
beiden Gruppen und haben wir sie daher an die Spitze 
der Vanessen gesetzt. 



122 



NYMPHALIDEN. 



IIL Vanessen-Gruppe. 



Medianader der Vdß. ohne Sporn. Flügdspüze, geeckt. Zwei Suhcostaläste vor dem Zellende, 
bis 4. Tarsusglied hedornt. Baupen mit verzweigten Dornen besetzt. 
Hiezu rechnen wir die Gattungen: 

Araschiiia Pal aearkt. Gebiet. 

, Syiubreuthia Indien. 

Hypanartia Südamerika. 

(AjrUca). 

Vanessa | f Nlivdlich- 

(jri'apta J I gemässigte Zone. 

Pyrameis Mnndus. 

Pvcina Südamerika. 



'^'^-Vorderfüsse am 1. 



.Tnnonia Tropen. 

Anai'tia Südamerika. 

Precis Afrika. 

fs. r/i. Indien.) 



Pseudergolis Indoaustralien. 

Salamis Afrika. 

Napeocles Südamerika. 

Rliinopalpa Indoaustralien. 

Kallinia IndienundAfrika. 

Coryphaeola 3Iadagascar. 

Doleschallia Indoaustralien. 



Eurytela 

Ergolis 

Hypanis 



. Afrika. 

(s. Th. Indien). 



Diese natürliche Gruppe, welche durch unsere deutschen 
Yanessen sehr gut repräsentirt wird, zeichnet sich schon 
äusserlich durch die bekannte Eckflügelform aus, obwohl 
dieses charakteristische Kennzeichen in einigen Arten etwas 
verwischt ist. Ausserdem sind stets 2 Suhcostaläste*) 
Tor dem Zellende abgezweigt, und die Palpen besitzen 
ein gleichmässig starkes, aber nie aufgeblasenes MittelgHed, 
wodurch sie sich leicht von der Argynnis- bez. Melitaeen- 
Gruppe unterscheidet. 

Die Raupen der Yanessen sind mit mehreren Reihen 
steifer, spitzer und geästeter Dornen besetzt, welche in 
der Zahl bei einzelnen Ringen variiren und bei der Gat- 
tung Yanessa und deren Yerwandten (Grapta, Pyrameis) 
selbst auf dem ersten Ringe fehlen. Die Puppen sind 
eckig, hängen senkrecht, sind oft gold- oder silberfleckig, 
auf dem Kopf mit einem Paar grösserer Spitzen und 
Ideineren auf der Rückseite besetzt. 

Die Yanessen verbreiten sich über den ganzen Erd- 
ireis, sind sowohl in der gemässigten Zone als auch in 
den Tropen gut entwickelt, erreichen aber hier nicht ent- 
fernt ein so grosses Übergewicht über die Europäer, wie 
in anderen Gruppen. Die Yanessen im engeren Sinne 
{Yanessa, Grapta, Pyrameis) gehören der gemässigten 
Zone beider Erdhälften an. In Afrika werden sie durch 
Precis und Salamis, in Indoaustralien durch Junonia und 
Rhinopalpa, in Südamerika durch Hypanartia, Napeooles, 
Anartia und Junonia vertreten. Im allgemeinen sind die 
Yanessen, selbst in der Tropenzone, von Mittelgrösse, und 
veenn auch in den verschiedensten, meist dunkleren Farb- 
tönen prangend, doch nicht von der blendenden Erscheinung 
der Eunica-Gruppe. Unsere deutschen Jo, Antiopa und 
Atalanta können in dieser Hinsicht wohl mit ihren tro- 
pischen Brüdern wetteifern und überragen selbst an Grösse 
die Mehrzahl derselben. 

Wir rechnen zu den Yanessen auch noch die 3 Gat- 
tungen Eurytela, Ergolis und Hypanis, welche wegen ihrer 
stark aufgeblasenen Costalader früher zu den Bibliden 
gestellt wurden und sich am besten an die Yanessen 



*) Mit Ausnahme von Pycina und Arasehnia, bei welchen 
nur ein Ast vor dem Zellende steht. 



anschliessen, da auch die Raupenform, soweit sie bekannt 
geworden, durchaus mit dem allgemeinen Typus überein- 
stimmt. 

In dem folgenden Schlüssel ist es fast unmöglich, bei 
der grossen Unbeständigkeit vieler Charaktere die ein- 
zelnen Gattungen scharf auseinanderzuhalten. Dies wolle 
man bei Bestimmung wohl im Auge behalten und in zwei- 
felhaften Fällen die Diagnosen zu Rathe ziehen. 

I. Costalader d. Vdfl. nicht aufgeblasen. 
A. Subcostalader öästig; Aste frei. 

a. 1 Subcostalast vor d. Zellende. 

* Etfl.-Zelle offen .... Araschnia. 
** Htf .-Zelle geschlossen . . Pycina. 

b. 2 Subcostaläste vor d. Zellende. 

* ÜI>C der Vdfl. in den Bug 
des 3. Medianastes mündend, 
f Aussenrand der Vdfl. ganz- 
randig Symbrenthia. 

"j""j" Aussenrand d. Vdfl. geeckt. 

Q Innenrand der Vdfl. 

stark ausgeschnitten 

00 Innenrand gerade. 

j Aussenrajid der Vdfl. 
auf OB und Ml, der 
Htfl. auf Mi mit kur- 
zem Zahn .... 

I I Aussenrand der Htfl. 

ganzrandig .... 
I j I Htfl. auf J/3 kurz ge- 
schwänzt Hypanai*tia. 

** UDO d. Vdfl. in d. Ursprung 
des 2. Medianastes mündend. 
f Flügelspitze der Vdfl. mehr 
oder weniger stark geeSkt. 
Fühlerm. deutlich. Kolbe i Juuonia. 
(Mittlere Schmetterlinge) \ Precis. 
00 Fühler allmählich in die 
Kolbe gehend. 
I Zellen beider Flügel 
geschlossen .... Salamis. 

I I Zellen der Htfl. offen Napeocles. 



Grapta. 



Vanessa. 
(Hypanartia.) 

Pyrameis. 



NYMPHALIDEN. 



123 



ff Vdf. in eine scharfe Spitze 
ausgehend. Htß.anSMlang 
geschwänzt. 

Spitze gerade; SCö in 
den Äussenrand 
00 Spitze sichelfömrg ; SCb 
in den Vorderrand 
*** UDO der Vdfl. zwischen Ml 
und M2 mündend .... 
**** UDO der Vdfl. fehlend, daher 
Zelle offen. 

f Htfi. an Mi oder ÜB gezähnt 

ff Htfl. ohne Zahn, ganzran- 

dig, an SM kurzgeschivänzt 

B. Subcostalader 4- oder öästig ; 

1 Ast mit G verwachsen . 

II. Costalader aufgehlasen. 

A. FlUgelspitze stark geeckt (mit 
ivenigen Ausnahmen) .... 

B. Flügelspitze gerundet, Äussen- 

rand gekerbt 



Kallima. 

Coi'yphacola. 

Pscndei'golis. 

Rliinopalpa. 

Doleschallia. 

Aiiartia. 



[ Eurytela. 
I Ergolis. 

Hypanis. 



22. Araschnia Hübn. (-i Arten.) 

Taf. 16. A. Prorsa L. 
a. Fühler, b. Palpe, c. q- und d. Q-Vorderfiiss. 

Diese, den Sammlern europäischer Schmetterlinge wohl 
bekannte Gattung ist in doppelter Weise interessant. 
Einmal hat Geyer an ihr zuerst die für die Folge so 
■wichtige Entdeckung der verschiedenartig gefärbten Früh- 
jahrs- und Herbstgeneration gemacht ; dann aber ist sie 
die einzige Nymphaliden- Gattung, welche dem europäischen, 
bez. dem palaearktischen Faunengebiet speciell eigen- 
thümlich angehört. Ihre nächsten Verwandten finden sich 
erst in den südamerikanischen Tropen unter der Gattung 
Coatlantona und dieser Umstand ist ein wichtiges Beweis- 
mittel für den in früheren Zeiten stattgefundenen Zu- 
sammenhang Nordamerikas und Nordasiens, da nur auf 
diesem Wege eine Einwanderung der fremdländischen 
Formen vor sich gehen konnte. Wir haben hier augen- 
scheinlich denselben Fall, wie bei Leucophasia, und daher 
eine doppelte Bestätigung der für die gesammte geographische 
Verbreitung der Schmetterlinge so wichtigen Hypothese. 

Die Gattung Araschnia wird auch in neuerer Zeit 
immer noch zu Vanessa gestellt, obwohl sie generisch von 
dieser schon durch die Abzweigung nur eines SC-Astes 
vor dem Zellende (bei allen Vanessen ausnahmslos stets 
zwei) streng geschieden ist. Doch ist die Raupe mit 
verzweigten Dornen besetzt, wie bei den Vanessen, und 
weicht hierin bedeutend von dem Melitaeentypus ab. Es 
"wäre daher doppelt erwünscht, wenn auch die Raupen 
von Coatlantona bekannt wären, um die Frage zu ent- 
"scheiden, ob diese letztere Gattung trotz ihrer mit den 
Melitaeen übereinstimmenden Struktur doch nicht besser 
'zu den Vanessiden gestellt würde. Jedenfalls bildet 
Araschnia ein verbindendes Glied zwischen den Melitaeen 
und Vanessiden und haben wir sie deshalb an die Spitze 
•der letzteren gesetzt. 

Der Hauptcharakter von Araschnia liegt in den be- 
naarten Augen, den nicht aufgeblasenen, 
zottig behaarten Palpen und der Abzweigung 
Dur eines Subcostalastes vor dem Zellende. 



Durch letzteren Charakter unterscheidet sie sich naihent- 
hch von Vanessa und deren Verwandten ; von Coatlantona 
fast nur durch die behaarten Augen allein. Im Geäder 
schliesst sich Araschnia eng an die letztere Gattung an. 
Die Fühler haben eine mehr eiförmige, zugespitzte Kolbe; 
die Zelle der Vdfl. ist geschlossen, der Htfl. offen. Die 
Präcostale ist einfach, nach aussen gebogen und nach der 
Subcostale abgezweigt. 

Es ist bekannt, dass in Europa nur eine Art, die A. 
Levana L. mit ihrer schwarzen Herbstgeneration Prorsa 
L. vorkommt dass eine Mittelform zwischen diesen 
beiden (A. Porima 0.) äusserst selten gefunden wird, 
aber leicht künstlich erzeugt werden kann. Ausserdem 
sind noch drei weitere Arten aus den östlichen und süd- 
östlichen Theilen des palaearktischen Gebiets (Thibet, 
Amur, Japan) beschrieben worden. 

23. Symbrenthia Hübn. («a. 6 Arten.) 

Taf. 16. S. Hyppoclus Cram. 
a. Palpe, b. o -Vorderfu&s. 

Die indische Gattung Symbrenthia und die süd- 
amerikanische Hypanartia sind so nahe mit einander 
verwandt, dass nur geringe Unterschiede in der Struktur 
sie trennen. 

Bei Symbrenthia sind die Palpen dicht mit Schuppen 
und Haaren besetzt, das Mittelglied schwach gebogen, 
das Endglied kurz und eiförmig. Der 1. Subcostalast 
steht weit vor dem Zollende, der 2. am Zellende 
selbst, der 3. dem 4. näher als dem 2. abgezweigt. Die 
Zelle der Vdfl. geschlossen, der Htfl. offen. Die OR und 
UR der Htfl. nahe zusammen aus der Subcostale ent- 
springend. Präcostale undeutUch 2spaltig; Tarsus der 
O O-Vor d erf üsse eben so lang wie Tibia. 

Die Symbrenthien sind kleine bis mittelgrosse Schmet- 
terlinge, von meist orangebrauner Grundfärbung und mit 
dunklen, dem Vorderrandeparallel laufenden (nicht 
quer, wie bei ähnlichen Hypanartia-Arten) Längsbinden. 
Auf der Rückseite sind namentlich die Htfl. in der ver- 
schiedensten Weise gezeichnet und häufig mit einer gold- 
grünen Fleckenbinde versehen. 

Das Hauptcentrum ihres Vorkommens ist das Hima- 
laya-Gebiet, von wo aus sich einige Arten selbst bis in 
den malayischen Archipel verbreiten. Die abweichendste, 
von allen übrigen total verschiedene Art ist die schwarz 
und weiss gefleckte S. Hippalus Feld, von Celebes, deren 
Charaktere aber voflständig mit denen der übrigen Arten 
übereinstimmen. 

24. Hypanartia Hübn. (ca. 8 Arten.) 

Taf. 16. II. Lethe Fabr. 
a. Palpe, b. q -Vordei'fuss. 
Hypanartia unterscheidet sich von den benachbarten 
Gattungen nicht durch ein einzelnes, scharf hervortretendes 
Merkmal allein, sondern nur durch Vereinigung mehrerer, 
von denen die folgenden zugleich die Hauptcharaktere 
der Gattung vorstellen. 

Palpen nur schwach behaart^ das Mittelglied massig dich, das 
Endglied nur wenig schwächer, Jast '/s so lang und avi Ende 
abgestumjift. Die Fahler besitzen eilte deutliche, kurze und ab- 
gerundete Kolbe. 

Vdfl. mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende, luelche nahe zusam- 
menstehen, der 3. halbioegs zwischen dem Zellende und 
dem 4. Zelle durch eine gerade und. zarte üßC geschlossen. 



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Btfl. mit offner oder halb ge-ichhssener Zelle; Präcostale einfach oder an 
der Spitze undeutlich 2johlig, gerade aufsteigend und weit nach der 
Abtrennung der SC von der Costale abgezweigt. 

QQ-Vorder fasse mit gleiJilangen Femwr und Tibia; Tarsus 
nur ^/g so lang als Tibia. 

Die geographische Verbreitung dieser Gattung ist eine 
sehr eigenthümliche. Ihr Hauptgebiet ist das tropische 
Südamerika bis Mexilio und den Antillen, aber 2 Arten 
kommen auch in Südafrika vor, von denen die eine sogar 
in etwas abgeänderter Form sich auf den Mascarenen 
erhalten hat. Die amerikanischen Arten bieten beträcht- 
liche Unterschiede in der äussern Form und Färbung 
dar. Einige gleichen durch die langgeschwänzten Htfl. 
den Mogaluren, andere haben wieder eine grosse Ähnlich- 
keit mit den vorhergehenden Symbrenthien oder ein mehr 
Vanessa-artiges Aussehen. In den obigen Hauptcharakteren 
stimmen sie aber gut überein, so dass eine weitere generelle 
Theilung dieser wenig harmonischen Gattung kaum nöthig ist. 

25. Vanessa Fabr. 

Taf. 10. Y. Polychloros Fabr. 
fi. Palje, b. Fühler, e. c?- und d. Q- Voiderfuss, 

Die Gattung Vanessa stellt den Typus der 
Vanessiden im weiteren Sinn und zugleich die Grundform 
einer kleineren engeren Gruppe dar, welche als solche 
der folgenden Junonia-Gruppc gegenübersteht und sich 
von dieser durch die dicht behaarten Augen, die 
zottig behaarten (i'cJ'-Vordcrfüsse, und die 
Einmündung der UDC der V dfl. (wenn überhaupt 
vorhanden) in den Bug des 3. Medianastes, und 
nicht in den Ursprung desselben, unterscheidet. 

Mit Vanessa werden auch heutigen Tags noch häufig 
die Gattungen Grapta, Py rameis und Arasch nia 
zusammengezogen, obwohl die beiden letzten ihren ganzen 
Charakteien nach weit weniger mit Vanessa verwandt sind, 
als Graptn. Von dieser unterscheidet sich Vanessa nur 
durch die verschieden behaarten Palpen und den Innen- 
rand der Vdfl. Doch bemerken wir gleich hier, dass die 
indische I'. Charonia I)ru. eine sehr interessante Mittel- 
l'orm zwischen beiden Gattungen darstellt. Araschnia wird 
sofort durch die Abzweigung nur eines Subcostalastes 
vor dem Zellende (bei Vanessa stets 2!) getrennt, Pyrameis 
durch die kurz behaarten Palpen und die gänzlich ver- 
schiedene Zeichnung auf der Rückseite der Htfl., im 
Gegensatz zu dem charakteristischen durchgehenden Längs- 
bande über beide Flügel, welches die Vanessen auszeichnet. 

Da sich gerade über die Palpen der Vanessen die 
verschiedenartigsten und sich oft widersprechenden An- 
gaben in den systematischen Werken finden, so haben 
wir dieselben nochmals eingehend untersuclit und hievon 
eine genaue Abbildung bei jeder Gattung gegeben. 

Die Palpen von Vanessa sind vorderseits dicht mit 
breiten Schuppen und rundum mit steifen, langen Haar- 
borsten besetzt. Das Mittelglied ist fast walzenförmig, 
nur wenig dicker in der Mitte, nach dem Ende zu ver- 
schmälert; das Endghed kurz, kegelförmig, mehr oder 
weniger zugespitzt. Doch ist die Bekleidung der Palpen 
nicht in allen Arten gleich, namentlich gehen häufig d i e 
Schuppen in Haare über, immer aber sind die 
Palpen dichter behaart, als bei Grapta oder Pyrameis. 
Kur die bereits erwähnte, auch sonst durch ihre abweichende 
Plügelfflrbung ganz isolirt stehende V. Charonia macht 



hierin eine Ausnahme, als sie ebenso kurz beschuppte 
Palpen und einen- gleich ausgeschnittenen Innenrand der 
Vdfl. besitzt, wie Grapta, im Habitus aber mit Vanessa 
übereinstimmt. 

Die weiteren Charaktere von Vanessa liegen in dem 
geraden, oder doch nur schwach gewellten 
lunenrand der Vdfl., und dem, in den Vdfln. an der 
oberen Radiale (OR), in den Htfln. dagegen an 
dem 3. Medianast in einen kurzen Zahn vorgezogenen 
Aussenrand derselben. Die Vdfl.-Zelle ist ebensowohl 
offen als gesohlosäon ; in letzterem Fall mündet UDC 
stets in den Bug des 3. Medianastes. Die Prä- 
costale der Htfl. ist sehr verschiedenartig gebildet und 
durchaus nicht constant: entweder einfach oder an der 
Spitze 2 gabiig, gerade oder nach innen oder aussen ge- 
bogen. Die Fühler tragen eine allmählich verdickte Kolbe, 
deren Endglied kurz und zugespitzt ist. 

Die Vanessen stellen die Eckflügler par excellence 
dar, und ihr Verbreitungsbezirk erstreckt sich über die 
ganze nördlich-gemässigte Zone. Nur einige wenige Arten, 
wie unsere V. Antiopa L. (welche in Nordamerika ebenso 
häufig wie bei uns ist), gehen bis in die Tropen, bis 
Mexiko und Guatemala; oder, wie die V. Charonia Dru., 
welche durch ihre schwarzgrüne, mit einer breiten hellblauen 
Binde durchzogene Flügelfärbung von allen übrigen Arten 
abweicht (eine schöne Varietät derselben aus Japan ist im 
I. Theilc abgebildet), auf der östlichen Erdhälfte bis nach 
Nordindien. Merkwürdigerweis3 kommt eine ähnliche 
blaugrüne Art, V. Cyanomelas Doubl. Hevi. auch in 
Mexiko vor, die aber so selten sein muss, dass unsere 
ganze Kenntniss hievon auch heute noch auf dem einzigen 
Exemplar beruht, welches Doubleday von Boisduval 
zur Beschreibung und Abbildung in den „Genera" geliehen 
erhielt und jetzt als Unicum in der b e r t h ü r'schen 
■Sammlung steckt. 

Die übrigen Arten gehören theils dem europäischen, 
theils dem nordamerikanischen- Gebiet an. Ausser A. 
Antiopa besitzen beide Paunengebiete keine weitere Art 
gemeinsam; aber interessant ist es, wie unsere Arten durch 
nahestehende Formen ersetzt werden, z. B. die V. Urticae 
L. durch die ähnliche V. Milberti Godf., V. Vau album 
W. V. durch V. J. album Boisd. Die schönste aller 
Vanessen aber, die prächtige V. Jo L., der Edelstein 
unter unseren Tagfaltern, kommt nur in Europa und 
Nordasien vor. 



26. Grapta Kirby. (ca. i4 Arten.) 

Taf. 15. G. Interrogationis Fabr. 
a. Palpe, b. q -Voideifuss. 
Die Gattung Grapta unterscheidet sich von Vanessa, 
wie bereits erwähnt, durch den ausgeschnittenen 
Innenrand der Vdfl., den unterhalb der Spitze mehr 
ausgebuchteten Aussenrand und die verschieden- 
artige Bekleidung der Palpen. Diese sind 
vorderseits dicht beschuppt, weniger an den 
Seiten und auf dem Rücken; die Schuppen sind kurz 
und keilförmig und es stehen nur einzelne Haare 
dazwischen. Das Endglied ist kurz, kaum ^ji so lang 
wie das schwach gebogene und nicht verdickte Mittelghed. 
Die Fühler enden in eine abgestumpfte Kolbe. 



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Im Geäder und den Vorderfüssen stimmt Grapta 
vollständig mit Vanessa überein; doch sind zwischen 
diesen beiden Gattungen constante Unterschiede in den 
cJd'-Sexualien von Salvin und Godman nachgewiesen 
worden , so dass auch eine innere Berechtigung zur 
generellen Trennung vorliegt. 

Die Grapta-Arten Shneln sich alle sehr und sind an 
dem so charakteristisch ausgebogenen Plügelrand sofort 
zu erkennen. Dieser Charakter ist bei allen Arten gut 
ausgebildet. Ihr Veibreitungsbezirk erstreckt sich über 
die ganze nordlich-geninssigte Zone, am zahlreichsten sind 
sie aber in Nordamerika vertreten, wo allein gegen 10 
Arten fliegen. Hier gehen sie bis zum subtropischen 
Mexiko, auf der östlichen Erdhiilfte in gleicher Breite bis 
nach China. Europa besitzt, wie bekannt, nur 2 Arten, 
G. C-album L. und G. Egea Gr., deren Gewohnheiten 
vollkommen mit denen der Amerikaner übereinstimmen. 

27. Pyrameis Hübn. (ca- 13 Arten.) 

Taf. IG. P. Cardui L. 
a. Paliie, b. Fühler, c. q- und d. Q-Vordeifuss. 

Die Gattung Pyrameis hängt ohne Zweifel weniger 
nahe mit Vanessa zusammen, als man bisher angenommen 
hat, wie sich dies schon äusserlich in der Unterseiten- 
zeichnung ausprägt, welche in ihrem Grundcharakter 
durchaus von der Vanessenzeichnung abweicht. Diese 
leitet vielmehr nach dem Melitaeen- Typus (Araschnia, 
Coatlantona, Phyoiodes) über, während Vanessa sich durch 
ein durchgehendes dunkles Schrägband charakterisirt. 

Die Palpen sind bei Pyrameis nur weich und kurz 
behaart, nicht beschuppt wie bei Grapta, und ohne 
steife Grannenhaare wie bei Vanessa. Der Vorder- 
und Innenrand der Vdfl. ist g e r a d e , der Aussenrand 
weniger ausgebuchtet, und d er Auss en ran d derHtfl. 
ohne vorspringenden Zahn auf dem 3. 
Medianast. Die Fühler enden in eine birnfürmige 
Kolbe, deren Endglied fein zugespitzt ist. 

Das europäische Faunengebiet besitzt nur 3 Arten, 
P. Ätalanta L., Indica Hhst. und Cardui L., welche aber 
einen sehr interessanten und grossen Verbreitungsbezirk 
haben. P. Atalanta fliegt auch in Nordamerika und geht 
selbst bis in die tropische Region (Mexiko, Guatemala), 
verbreitet sich aber nicht so universell, wie P. Cardui, 
sondern wird namentlich auf der östlichen Erdhälfte (dem 
grossen australischen Inselgebiet) durch andere Arten 
ersetzt. Die P. Cardui dagegen umspannt, mit Ausnahme 
von Südamerika, den ganzen Erdkreis. Folgendes sind 
die sicher festgestellten Punkte ihres Vorkommens : 
Ganz Europa und Asien, Japan, Afrika, Madagascar, 
Australien, die polynesischen Inseln, Nord- und Central- 
amerika. In Südamerika ist sie bis jetzt noch nicht 
gefunden worden, wird aber hier durch 3 nahe verwandte 
und feuriger gefärbte Arten vertreten. Die landläufige 
Redensart von dem „W eltbürge r" Cardui ist dem- 
nach nicht absolut richtig. Immerhin ist es aber der- 
jenige Tagschmetterling, dessen Verbreitungsbezirk am 
grössten ist. P. Indica kommt auf den Canaren, im Amur- 
gebiet und in Indien vor. 



28. Pycina Westw. (2 Arten.) 

Taf. 17. P. Zamba Doubl. Ilew. 
a. Palpe, b. Fühler, e. q -Vorderfuss. 

Obwohl diese südamerikanische Gattung bisher all- 
gemein in die Nähe von Charaxes gestellt wurde, reihen 
wir sie doch gleich hier ein, da sie nach unserer Meinung 
viel mehr mit den Vanessen, speciell mit PjTameis verwandt 
ist, als mit der engeren Nymphalis-Gruppe. Hiefür spricht 
vor allen Dingen der ganze Habitus, das Vanessa-artige 
Geäder, die charakteristische Zeichnung auf der Rückseite 
der Htfl. , die zottig behaarten o O-Vorderfüsse, die 
Palpenform und die behaarten Augen — alles Charaktere, 
welche genau mit Vanessa übereinstimmen und fast mit 
Sicherheit auch auf eine Vanessa-artige Raupenform schliessen 
lassen, die aber bis jetzt noch unbekannt ist. 

Der specielle Charakter von Pycina hegt in der Ab- 
zweigung nur eines Subcostalastes vor dem 
Zellende (der einzigen Ausnahme in dieser Gruppe) 
und dem ganz eigenthümlich wellenförmig ausge- 
bogenen V r d e r r a n d der Htfl., welcher zudem 
an seinem Grunde stark vorgezogen ist. Der 2. Sub- 
costalast entspringt unmittelbar nach dem Zellende, der 
3. in 1/3 Entfernung von diesem und der Flügelspitze 
worin er mündet, während der 4. u n d 5. Ast eine 
kurze, in den Aussenrand unterhalb der 
Spitze mündende Gabel bildet. (Unterschied 
von Charaxes.) 

Die Zelle der Vdfl. ist durch eine feine, die Mediana 
im halben Bug des 3. Astes treffende UDC geschlossen; 
die der Htfl. ebenfalls geschlossen ; die UDC mündet 
normal in den Ursprung des 3. Astes. Die PC ist einfach, 
gerade, an der Spitze schief abgeschnitten und nach Ab- 
trennung der SC aufsteigend. 

Der fundamentale Unterschied von der Charaxes-Gruppe 
ergibt sich sch(m aus der Stellung der beiden letzten 
Suboostaläste, welche eine kurze Gabel unterhalb der 
Flügelspitze bilden. 

Von den beiden sich ähnelnden Arten ist die besser 
bekannte P. Zamha Doubl. Hew. auf der Oberseite von 
einer schönen, tief dunkelbraunen Grundfarbe mit breiter 
schwarzer, weissgefleckter Plügelspitze. Ausserordentlich 
charakteristisch durch ihre marmorartige Zeichnung und 
eine Augenrandsbinde ist die Rückseite der Htfl. und er- 
innert unwillkürlich hierin an unseren „Admiral" , wie 
denn P. Zamba auch im Habitus durch die geeckte 
Flügelspitze durchaus etwas Vanessen-artiges besitzt. Das 
Vorkommen dieser interessanten Gattung ist auf die 
gebirgigen Theile Südamerikas von Columbien bis Central- 
amerika beschränkt. 

29. Junonia Hübn. («a. 18 Arten.) 

Taf. 17. J. Lavinia Cram. 
a. Palpe, b. Fühler, e. Q- und d. Q-Vorderfuss. 
Die folgenden Gattungen Junonia, Precis, Salamis 
und deren nahe Verwandte Napeocles und Rhinopalpa 
stehen in einem gewissen Gegensatz zu den Vanessen im 
engeren Sinne und bilden eine kleine Gruppe für sich. 
Sie unterscheiden sich durch ihre nackten Augen, 
die nursch wachbehaarten bez. beschuppten 
Vorderfüsse und vor allen Dingen dadurch, dass 



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die UDC der Vdfl. (wenn sie überhaupt vorhanden ist) 
nicht in den Bug des 3. Medianastes, wie bei den echten 
Vanessen, sondern in den Ursprung des 3. Median- 
as t e s oder selbst kurz davor mündet. 

"Während nun aber die 3 letzten der erwähnten 
Gattungen durch gute Charaktere von einander getrennt 
sind, stimmen Precis und Junonia so genau mit einander 
überein und gehen so allmählich in einander über, dass 
sich zwischen diesen beiden Gattungen keine scharfen 
Grenzlinien ziehen lassen. 

Doubleday, welcher zuerst Junonia genauer 
charakterisirte, gibt als Hauptmerkmale die kurze, 
plötzlich abgesetzte Fühle rkolbe im Gegensatz 
zu der allmählich verdickten bei Precis an; die OQ- 
Vorderfusstarsen sollen bei Junonia 1/2 so lang, bei Precis 
nur 1/3 so lang wie die Tibien sein. Aber diese Charaktere 
sind nicht scharf, sondern äusserst relativ. Auch der 
einzige , aus den Felde r'schen Diagnosen (Neues 
Lepidopt. pag. 13), die sich sonst in den übrigen Punkten 
vollkommen decken, ersichtliche Unterschied, dass sich 
nämlich bei Junonia der 3. Subcostalast vor oder in der 
Flügelmitte, bei Precis aber nach derselben abzweigt, ist 
nicht für alle Arten massgebend, wie schon eine einfache 
Vergleichung der Pr. Octavia (gewiss einer typischen 
Precis) mit J. Lemonias L. zeigt. Das beste Unter- 
scheidungsmerkmal, zumal der typischen Formen, ist ein 
rein äusserliches: Junonia hat stets gerundete Htfl. und 
auf der Oberseite meist bestimmte Augen entwickelt; 
Precis dagegen immer etwas eckige Htfl. und die Ober- 
seite augenlos. Aber auch hier gibt es soviel Ubergangs- 
formen, dass eine sichere Umgrenzung der beiden Gat- 
tungen nicht möglich ist. 

Die Palpen sind bei Junonia, als deren Typus wir die 
J. Lemonias L. betrachten, vorderseits nur schwach be- 
schuppt, auf dem Rücken des Mittelgliedes mit einem 
längeren Haarschopf, in der Mitte nur wenig verdickt; 
das Endglied von wechselnder Länge, kegelförmig zuge- 
spitzt. Fühler mit mehr oder weni|;er birnförmiger Kolbe. 
Augen nackt. Zelle der Htfl. meist offen. Htfl. mit ein- 
facher, nach aussen gebogener oder an der Spitze 
undeutlich 2 gabiiger Präcostale. 

Die Junonien sind mittelgrosse, meist dunkelgefärbte 
Schmetterlinge, oft von ansprechender bunter Färbung. 
In den typischen Formen steht auf Vdfl. und Htfl. je ein 
grosses Auge zwischen dem 1. und 2. Medianast und ein 
kleineres zwischen den beiden Radialen; auf den Htfln. 
ist das letztere aber oft das grössere. Sie verbreiten sich 
über alle 3 grossen tropischen Faunengebiete; aber ihr 
Hauptgebiet ist Indoaustralien. Südamerika besitzt nur 
2 — 3 Arten, von welchen eine bis in die südlichen Theile 
Nordamerikas vordringt, Afrika ebenfalls nur 3, und mit 
Indien eine Art gemeinsam, die schöne hellockergelbe, mit 
einem grossen violettblauen Flecken gezeichnete /. Oenone 
L., welche sogar als Irrgast in dem südöstlichen Theile 
des palaearktischen Gebiets (Syrien) gefunden wurde. 

30. Anartia Hübn. (4 Arten.) 

Taf. 17. A. Amalthea L. 

Wir reihen dieses südamerikanische Genus gleich hier 
ein, obwohl dessen nahe Verwandtschaft mit den Junonien 



nicht auff'ällig ist, wenn man z. B. die A. Fatima Fabr. 
mit der typischen Junonia Lavinia Cram. vergleicht. 
Besser tritt dies schon bei der A. Jatrophae L. hervor, 
wenn man sie einigen indischen Arten, z. B. der J. 
Laomedia L. gegenüberstellt. Es gehört seinen ganzen 
Charakteren nach der Vanessen-Gruppe an, obwohl es 
hierin eine vollkommen isolirte Stellung einnimmt. 

Charakteristisch für Anartia ist die theilweise Ver- 
wachsung der ersten Subcostaläste, nicht allein unter sich, 
sondern auch mit der Costalader; doch stimmen die 
einzelnen Arten darin nicht genau überein ; sie zeigen 
vielmehr ein schrittweises Fortschreiten, welches schliess- 
lich zu dem gänzlichen Verkümmern eines Subcostalasts 
führt. Bei A. Jatrophae L. ist die Subcostalader normal 
öästig; der 1. Ast entspringt kurz vor dem Zellende, 
verwächst bald darauf mit der Costalader, trennt sich aber 
kurz vor dem Münden derselben in den Vorderrand, 
verwächst dann nochmals mit dem 2. Subcostalast und 
zweigt sich erst nach geraumer Entfernung von diesem 
ab, um ebenfalls als kurzer Ast in den Vorderrand zu 
münden. Der 2. Subcostalast entspringt am Zellende 
selbst, verwächst mit dem ersten an der Stelle, wo dieser 
sich von der Costale trennt, bis zu dem Punkte, wo SCi 
in den Vorderrand mündet und geht selbst bald darauf 
ebenfalls in den Vorderrand. Der 3. SC-Ast entspringt 
in der Flügelmitte, ist nur kurz am Ursprung mit SC2 
verwachsen und mündet in die Flügelspitze. Der 4. und 
5. SC-Ast bilden, wie bei allen Vanessen, eine kurze 
Gabel unterhalb der Flügelspitze und münden beide in 
den Aussenrand. 

Bei A. Amalthea L. und der nahe verwandten Fatima 
Feld, hingegen ist die Subcostalader nur 4ästig; der 1. 
Ast entspringt und verläuft vollständig wie bei Jatrophae, 
der 2. Ast ist aber vollkommen verschwunden. 
Ast 3 ist am Ursprung für eine kurze Länge mit dem 1. 
Ast verwachsen und verläuft wie bei Jatrophae in die 
Flügelspitze, Ast 4 und 5 desgl. in den Aussenrand. 

Eine Mittelstellung nimmt nun A. Lytrea Godt. ein; 
die Subcostale ist öästig; aber der 2. Ast entspringt 
nicht aus der Hauptader selbst, sondern aus dem 
ersten Ast, welches deutlich zeigt, dass er am Ursprung 
mit jener theilweise verwachsen ist. Dies giebt uns den 
Schlüssel und auch zugleich die beste Erklärung für das 
gänzliche Verschwinden des 2. Astes bei Amalthea, denn 
hier ist er in seiner ganzen Länge vollständig mit 
dem ersten Ast verwachsen und daher auch dem Auge 
nicht mehr sichtbar. 

Die übrigen Charaktere von Anartia liegen in den 
offenen Zellen beider Flügel, den in der Mitte 
etwas verdickten, kurz behaarten Palpen, 
deren Endglied nach der Spitze zu verjüngt ist, und den 
mit einer länglich-eiförmigen Kolbe versehenen 
Fühlern. Die Vdfl. sind an der Spitze nur stumpf geeckt, 
die Htfl. dagegen am Innenwinkel stark verlängert und 
hier, sowie am 3. Medianast stumpflappig vorgezogen. 
Die Präcostolader ist entweder einfach oder undeutlich 
2 spaltig. Die Vorderfüsse sind denen von Junonia ähn- 
lich, nicht zottig behaart, sondern dünn, fadenförmig und 
nur ganz fein behaart; die d^cT mit gleich langem Femur 
und Tibia und halb so langem Tarsus; die 5^ etwas 
länger, der Tarsus ebenso lang als Tibia und am Ende 
etwas angeschwollen. 



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Die 4 bis jetzt bekannten Arten gehören dem ganzen 
tropischen südamerikanischen Faunengebiet an. In der 
äusseren Gestalt, und namentlich durch die am Innen- 
winkel stumpf vorgezogenen Htfl. weichen sie von allen 
Vanessen formen bedeutend ab und nehmen eine voll- 
kommen isolirte Stellung ein. In der Flügelfiirbung 
unterscheiden sich die einzelnen Arten sehr beträchtlich 
von einander, namentlich fallen die beiden rothgebänderten 
Arten Fatima Fabr. und Amalthea L. sehr auf gegenüber 
der einfach grauen Jatrophae L. Die letztere ist eine 
der häufigsten Erscheinungen des südamerikanischen 
Faunengebiets; Amalthea verbreitet sich über das ganze 
tropische Südamerika und wird in Centralamerika durch 
die Fatima ersetzt, während A. Lytrea nur auf die Antillen 
beschränkt ist und auch in der Färbung ganz von den 
übrigen Arten abweicht. 



31. PreciS Hübn. (ca. 33 Arten.) 

Taf. 1 7. P. Amestris Dru. 

a. Palpe, b. Fühler, c. q -Vorderfuss, d. Q-Vordeibein. 

Die typischen Precis, als deren ausgezeichnetste 
Vertreter wir die P. Octavia Gram, und P. Amestris Dru. 
betrachten, haben auf der Oberseite keine Augen, die 
Fühlerkolben sind ganz allmählich verdickt und länglich; 
die Htfl. am Innenwinkel etwas vorgezogen und häufig 
aTn 3. Medianast in einen kurzen Zahn verlängert (welches 
bereits einen Übergang zu der folgenden Salamis andeutet). 
Die Zelle der Vdfl. ist sowohl geschlossen als offen, die 
der Htfl. stets offen ; die Präcostale entweder einfach oder 
an der Spitze 2gablig. 

Die für Junonia so charakteristischen Augen sind auch 
bei den meisten Precis-Arten, namentlich auf der Rück- 
seite, bereits angedeutet und es ist sehr interessant, hier 
die fortschreitende Entwicklung derselben bei den einzelnen 
Arten zu verfolgen. Ursprünglich steht nur eine einfache 
Punktreihe vor dem Aussenrande, wie z. B. bei P. Octavia; 
aber bereits bei P. Amestris werden dieselben durch einen 
helleren Kern zu kleinen Augen. Noch sind alle von 
gleicher Grösse, diejenigen zwischen den Radialen und 
dem 1. und 2. Medianast aber bereits deutlicher entwickelt, 
bis sie in P. Bhadama Boisd. als wirkliche Augen auf- 
treten und sogar auf der Oberseite erscheinen, wenn auch 
nicht in so auffallender Grösse wie bei den Junonien. 

Die Precis-Arten gehören hauptsächlich dem afrikanischen 
Paunengebiete an^ wo sie die hier fehlenden Vanessen 
ersetzen und in einer Menge höchst charakteristisch und 
auffallend gefärbter Formen auftreten. Indoaustrahen 
besitzt nur 5a. 6 Arten. In Südamerika dagegen fehlen 
sie gänzlich. Von den Afrikanern erwähnen wir nur die 
eigenthümlich blau gefärbte P. Rhadama aus Madagascar 
und die schöne, grosse, ziegelrothe Octavia Cram., sowie 
die schieferblaue Amestris Dru., beide aus Süd- bez. 
Westafrika. Am abweichendsten ist wohl die P. IVester- 
manni Westw. aus Westafrika mit vorgezogener stumpfer 
Flügelspitze, einem feurig orangerothen Flecken auf beiden 
Flügeln, und einem schön blauglänzenden am Vorderrand 
der Htfl. Sie nimmt eine völUg isolirte Stellung ein. 



32. Pseudergolis Feld. (2 Arten.) 

Taf. 17. P. Veda Koll. 
a. Palpe, b. Fühler, o. cT-Vorderfuss. 

Diese Gattung wurde von Felder auf die Precis Avesta 
Feld, gegründet und unterscheidet sich in zwei Punkten 
sehr scharf von der vorhergehenden Precis, mit welcher 
sie sonst im Habitus und auch in den übrigen Merkmalen 
übereinstimmt: Die Fühle rkolben sind hier sehr 
verlängert und die UDC mündet stets vor Ab- 
zweigung des 2. Astes in die Media nader. In 
der Plügelfärbung ist Pseudergolis gleichfalls von allen 
Precis-Arten abweichend; sie gleicht darin auffallend der 
Ergolis Ariadne L. (daher auch der Genusname), deren 
Charakteristisches in den feinen schwarzen wellenförmigen 
Linien, womit die braunen Flügel gezeichnet sind, liegt. 
Von dieser wird sie aber sofort durch die nicht auf- 
geblasene Costalader getrennt. 

Die beiden hiezu gehörenden Arten sind in Nordindien 
und Celebes einheimisch. 

33. Salamis Boisd. (?a. 8 Arten.) 

Taf. 17. S. Anacardii L. 
a. Palpe, b. (^- und e. Q-Voideifuss. 

Die 3 schönsten und grössten Gattungen dieser Gruppe: 
Salamis, Napeocles und R h i n o p a 1 p a, bilden wie- 
der eine engere Gruppe für sich und waren auch früher 
unter Salamis vereinigt. Sie zeichnen sich schon durch 
die Grösse ihrer Arten aus und stimmen auch noch darin 
überein, dass der Vorderrand der Vdfl. ungewöhnhch hoch 
gebogen ist und die Fühler keine deutlich abgesetzte Kolbe 
tragen, sondern uur allmähUch in diese übergehen. 

Interessant ist auch die geographische Verbreitung 
derselben, denn wir finden nur je eine Gattung in den 
drei grossen tropischen Faunengebieten : in Südamerika 
Napeocles, in Afrika Salamis und in Indoaustrahen 
Rhinopalpa. Sie lassen sich leicht von einander durch 
die Zellen unterscheiden, welche bei Salamis sowohl im 
Vdfl. als Htfl. geschlossen, bei Rhinopalpa aber offen 
sind, bei Napeocles dagegen ist nur die obere ge- 
schlossen, die untere offen. 

Salamis charakterisirt sich ferner dadurch, dass die 
Vdfl. sowohl an der oberen Radiale (OR), als am 1. 
Medianast in einen starken Zahn vorgezogen sind, die 
Htfl. aber an dem 3. Medianast und der Submediana 
kurz geschwänzt sind, wobei die letztere Ader genau in 
die Schwanzspitze selbst ausläuft. Doch zeigen dies auch 
einige Precis-Arten, welche einen allmählichen Übergang 
zu Salamis bilden. Die beiden ersten Subcostaläste des 
Vdfls. sind nahe zusammen vor dem Zellende abgezweigt; 
Ast 3 halbwegs zwischen diesem und dem 4. direkt 
aufsteigend. ODC ist sehr kurz, aber deuthch vor- 
handen, MDC stark gebogen, nur 1/3 so lang als die eben- 
falls stark gebogene zarte UDC, welche die 
Mediana genau am Ursprung des 2. Astes trifft. 

Htfl. mit 2spaltiger, nach der Subcostale aufsteigender 
Präcostale. ODC und MDC von gleicher Länge, UDC 
zart, wellenförmig gebogen und in die Ursprungsstelle des 
2. Medianastes mündend. (Unterschied von Precis, bei 
welcher die Htfl.-Zelle offen ist.) 



128 



NYMPHALIDEN. 



Unter den Salamis-Arten zeichnen sich einige durch 
besondere Schönheit ihrer Flügelfiirbung aus, so die grün- 
lich-weisse, zart durchscheinende S. Anucardii L., welche 
in gewisser Beleuchtung prachtvoll rosa schillert, oder 
die tief stahlblau glänzende S. Temora Feld., die braune 
Änteva Ward., mit einem prächtig violetten Flecken auf 
den Vdfln. Bis jetzt sind gegen 8 Arten bekannt, welche 
sich über das ganze tropische Afrika verbreiten (1 Art 
auf Madagascar) und für dieses Faunengebiet ebenso 
charakteristisch wie die Precis-Arten sind. 



34. Napeocles Bates. (i Art.) 

Taf. 17. N. Jucunda Hübn. 
a. Palpe, b. (^-Vorilevfnss. 

Napeocles unterscheidet sich von Salamis, ausser 
der bereits erwähnten offenen Htfl.-Zelle, schon durch 
die gerundeten, nur am Innenwinkel vorgezo- 
genen Htfl., den verschiedenen Verlauf des 3. Sub- 
costalaates, welcher an seinem Ursprung an 
die Hauptader angedrückt ist, und durch die 
fast gerade UDC, welche doppelt so gross als 
MDC ist. Die Präcostale der Htfl. ist einfach und 
gerade; die Submediana mündet nicht in die Spitze des 
Innenwinkels, sondern seitlich daneben aus. 

Die einzige bisher bekannte Art ist die schöne und 
grosse N. Jucunda Hübn. aus dem unteren Amazonenge- 
biet, welche auf tiefschwarzem Grunde mit je einem 
grossen lichtblauen, weissgekernten Flecken auf Vdfl. und 
Htfl. geschmückt ist. Sie wurde von Bates des öfteren, 
aber immer selten, in den Cacaowäldern an den Früchten 
sitzend gefunden. Sie fliegt niedrig und ausserordentlich 
schnell. 

35. Rhinopalpa Feld. (5 Arten.) 

Taf. 17. R. Polynice Gram, 
a. Palpe, b. q -Vorderfuss. 

In dieser Gattung sind die Palpen ungewöhnlich 
lang, dicht beschuppt und am Ende weit 
auseinander klaffend. Der 3. Subcostalast 
ist dem 4. viel näher als dem Zellende, gerade 
aufsteigend. Die Zellen der Vdfl. sowohl als der 
Htfl. sind vollkommen offen. Die untere Radiale 
der Htfl. ist an ihrem Ursprung wenig gebogen; 
die Präcostalader einfach, gerade, und nur an 
der Spitze kurz umgebogen. 

Die Htfl. sind am Innenrand zwischen der Submediana 
und dem 1. Medianast stumpf vorgezogen und laufen ent- 
weder an der unteren Radiale (R. Fulva, Polynice) oder 
am 3. Medianast {R. Sahina) in einen kurzen Zahn aus. 

Die wenigen Arten, meist von einer schönen braunen 
Grundfarbe mit breiten schwarzen Flügelrändern, oder, 
wie die auch in der Stellung des Htfl.-Zahncs abweichende 
R. Sahina Cram., von schwarzbrauner Plügelfärbung mit 
einem breiten hellbraunen Bande über beide Flügel, ver- 
breiten sich über die grossen Sunda-Inseln, den malayischen 
Archipel bis Nordaustralien. 



36. Kallima Westw. (6 Arten.) 

Taf. 18. K. Inachis Boisd. 

a. Palpp. 

Die Kallimen oder „Blattschmetterlinge" haben in 
ihrem Äussern so wenig Vanessa-artiges, dass sie in früheren 
Zeiten weit ab von diesen gestellt wurden, bis durch die 
Entdeckung der Raupe von Dr. Doleschall ihre rich- 
tige Stellung im System erkannt wurde. 

Kallima charakterisirt sich schon äusserlich durch den 
ganzen Habitus, welcher eine Verwechslung mit andern 
Gattungen ausschliesst. Von der folgenden Doleschaliia," 
der einzigen näher verwandten Gattung, wird sie durch 
die geschlossenen Zellen beider Flügel und die 
an der Spitze 2gablige Präcostalader getrennt. 

Die Vdfl. gehen in eine einfache mehr oder weniger 
scharfe Spitze aus; die Htfl. sind in einem kürzeren oder 
längeren Schwanz auf der Submedianader vorgezogen. 
Die Palpen sind gross, weit über den Kopf hervorragend, 
vorderseits dicht beschuppt, auf dem Rücken des Mittel- 
gliedes mit einem kurzen Haarschopf versehen. Die Fühler 
enden allmählich in eine schwache Kolbe. 

Vdfl. mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende. Ast 3 
entweder gleich nach demselben oder halbwegs zwischen 
diesem und dem 4. abgezweigt und in die Flügelspitze 
mündend. Ast 4 und 5 eine kurze Gabel unterhalb der- 
selben bildend. Zelle der Vdfl. kurz und bauchig, 
durch eine feine UDC geschlosser, welche 
etwas oberhalb des 2. Medianastes mündet. 

Htfl. mit 2gabliger Präcostale und schmaler Zelle, 
welche in gleicher Weise durch eine feine UDC wie 
im Vdfl. geschlossen ist. 

Die Kallima-Arten, speciell die indischen K. Paralekta 
Horsf. und Inacliis Boisd., haben als eine treffliche Illu- 
stration zu der Anpassungstheorie eine gewisse Berühmt- 
heit erlangt und die Ähnlichkeit der Flügelzeichnung auf 
der Rückseite mit einem welken abgestorbenen Blatte ist 
in der That für jemand, der es noch nicht gesehen hat, 
auffallend genug. Nicht allein, dass die Blattrippen selbst 
durch Querzeichnungen und der Stiel durch die Schwanz- 
spitze ganz deutlich dargestellt sind, selbst corrodirte, 
verschimmelte Stellen, wie sie häufig auf alten Blättern 
vorkommen, sind getreulich copirt. Diese Ähnlichkeit 
weiss der Schmetterling, dessen Oberseite meist in stark 
contrastirenden Tinten gefärbt ist, wohl zu benutzen, indem 
er mit zusammengeklappten Flügeln stets so an den Asten 
der betrefi^enden Sträucher ruht, dass die Flügel voll- 
kommen als ein Blatt derselben erscheinen. Die Täuschung 
ist nach Wallace so gross, dass es selbst dem aufmerk- 
samsten Beobachter kaum gelingt, den Schmetterling von 
den umgebenden Blättern zu unterscheiden. 

Die afrikanischen Arten zeigen diese eigenthümlichen 
Zeichnungen weniger in dem Masse, als die indischen ; 
eine Art, die schöne tief rothbraune und mit einer violett- 
rothen Querbinde über die Vdfl. gezeichnete K. Rtimia 
Westw., ist auch in der Flügelform etwas abweichend, 
aber generisch nicht verschieden. 

Die indischen Arten sind Schmetterlinge von ansehn- 
licher Grösse, oberseits auf stahlblau glänzendem Grunde 
mit einer breiten feurig-orangerothen oder weissen Quer- 
binde gezeichnet. Sie verbreiten sich von Nordindien bis 
Java. 



N Y M P H A L I D E N. 



12& 



37. Coryphaeola Butl. (i Art.) 

Taf. 18. C. Em-odoce Westw. 

Butler stellte diese neue Gattung nach der kleinen 
KalUma Eurodoce Westic. auf und begründete sie sehr 
ungenügend, unter Hinweis ihrer Verwandtschaft zu Paphia 
(Anaea), Kaliima und Doleschallia, darauf, dass „die Flügel 
im O mehr Kaliima, im § mehr Doleschallia gleichen, 
in Folge der schief abgeschnittenen Spitze derselben, die 
Htß. i I beiden OescMechtern in einen langen Schwanz 
verlängert sind, welcher eine Fortsetzung des Innenrandes 
bildet, und di>- Antennen eine mehr abgesetzte Kolbe tragen." 

Corj'phaeola ist sehr nahe mit Kaliima verwandt, unter- 
scheidet sich aber sehr scharf von dieser durch 2 Merk- 
male: Bei C. mündet die kurze Gabel des 4. und 5. 
Subcostalastes nicht unterhalb der Flügelspitze in den 
Aussenrand, sondern vor derselben oberhalb in den 
Vorderrand; die Präcostalc ist nicht 2spaltig, sondern 
einfach und nur an der Spitze kurz und scharf nach 
aussen umgebogen. In dem übrigen Geäder, nament- 
lich der Abzweigung der Subcostaläste und den geschlos- 
senen Plügelzellen, stimmt Coryphaeola ganz mit Kailima 
überein. 

Die einzige bisher bekannte Art ist ein kleiner unan- 
sehnlich gefärbter Schmetterling mit stark sichelförmig 
umgebogenen Flügelspitzen, dessen Htfl., w^ie bei Kaliima, 
in einen spitzen Schwanz auslaufen und auf dunklem 
Grund eine rostrotho Randbinde tragen. Er kommt nur 
auf Madagasoar vor. 



38. Doleschallia Feld. (?a. 8 Arten.) 

Taf. 18. D. Bisaltide Gram, 
a. Palpe. 

Doleschallia unterscheidet sich von Kaliima durch 
die vollkommen offenen Zellen bei d^er Flügel 
und durch die einfache, nach aussen gebogene 
Präcostale. Überdies ist der ganze Flügelschnitt und 
der Färbungsstyl ein so verschiedener, dass beide Gat- 
tungen auch hiedurch sofort zu trennen sind. 

Die Vdfl. sind an der Spitze nur schwach umgebogen 
und bilden dort eine stumpfe Ecke. Die Htfl. laufen auf 
der Submediana in einen kurzen Schwanz aus, welcher 
nach innen eingebogen ist. 

Die Palpen sind wie bei Kaliima gebildet, die Fühler 
ziemlich robust und tragen eine deutliche, allmählich 
verdickte, längliche Kolbe. Zwei Subcostaläste 
zweigen sich vor dem Zellende ab, der 3. Ast in der 
Mitte zwischen diesem und dem 4., Ast 4 und 5 bilden 
eine kurze Gabel unterhalb der Plügelspitze. 

Die wenig zahlreiche Gattung gehört ausschliesslich 
dem indo-australischen Gebiet an und verbreitet sich bis 
zu den polynesischen Inseln. Die beiden von K i r b y 
unter Doleschallia gestellten afrikanischen Arten gehören 
dieser Gattung durchaus nicht an: Cymodoce Cram. 
ist eine echte Kaliima; Eurodoce Westw. wurde von 
Butler als neue Gattung Coryphaeola mit Recht 
abgetrennt. 

Die Doleschallien sind sich alle sehr ähnlich, über 
mittelgross , von einfacher, meist brauner Grundfärbung 



und auf der Rückseite ähnlich wie die Kallimen, wenn 
auch nicht so auffällig; gezeichnet. 



Die 3 nun folgenden Gattungen bilden wieder eine 
kleine Gruppe für sich und sind durch ein sehr- 
charakteristisches Merkmal, nämlich durch die aufge- 
blasene Costalader der Vdfl., mit einander verbunden. 
Diesen Charakter findet man als Regel bei den Satyriden; 
unter den Nymphaliden besitzen ihn nur noch wenige 
Gattungen (Üidonis, Vila, Cystineura) und diese bildeten 
mit den 3 folgenden und der Gattung Elymnias die 
Bibliden Boisduval's (Euiyteliden Westw.), welche 
aber jetzt aufgelöst und unter die übrigen Familien 
vertheilt sind. 

Eurytela, Ergolis und Ilypanis stimmen in ihrem Bau 
und Geäder völlig mit den Vanessiden überein, was auch 
durch die Form der Raupe (so weit sie bekannt ist) 
bestätigt wird. 

39. Eurytela Boisd. (7 Arten.) 

Taf. 18. E. Dryope Crani. 
a. Pal; e, b. Fülilnr, c. Q -Vordeifiis?. 
Die Gattungen Eurytela und Ergolis sind in 
Geäder und Struktur so übereinstimmend gebaut, dass 
kein absolut scharfes Trennungsmerkmal hievon gegeben 
werden kann. Der Unterschied liegt mehr im Habitus 
und der Plügelfärbung und wird am besten durch An- 
schauung klar. 

Falpen raijen zceit aber den Kopf hervor^ sind aniUegend beschup2>t und 
nur am Grunde behaart, und auf dem Rücken mit hurzen 
Haaren besetzt. Mittelglied schmal und dünn, von gleicher Stärke; 
Endglied länger als das halbe Mittelglied, kurz anliegend beschuppt. 
Fallier allmählich in eine schwach abgestuvipfte Kolbe übergehend. 

Vdfl. mit jnehr oder weniger geeckter Flügelspitze. Costalader am 
Grunde stark aufgeblasen. Subcosfale öästig, mit 2 Asten vor 
dem Zellende, Ast 3 dem 4. näher als letzterem, Ast 4 und 5 eine 
kurze, unterhalb der Flügelspitze iiiündende Gabel bildend. ODG sehr 
klein, fast verkümmert; MDG Imrz, gebogen, UDC sehr fein, gerade, 
die Mediana am 2. Ast trefend. 

Htfl. mit U spaltiger Präcostale. Zelle durch eine feine UDC geschlossen, 
welche die Mediana am Ursprung des 2. Astes tri^i. 

Q Q- Vorderfüsse kurz, fadenförmig, mit langen seidenartigen Haaren 
besetzt; Tarsus ebcTiso lang als Tibia, diese etwas kürzer als Femur. 

QQ-Vorderfü sse länger ah die QQ, Tarsus gegen das Ende 
verdickt, öglicdrig, mit je 1 Paar schwacher Durnen am 1. — 4. Glied. 

Die Eurytela-Arten sind von Mittelgrösse und sehr 
verschieden gefärbt, meist auf dunklem (schwarzen) Grund 
mit helleren Flecken, Binden und Strichen ; es kommen 
aber selbst einfarbige Formen vor. Bei einigen Arten ist 
auch die Flttgelspitze nicht so stark geeckt, wie in der 
typischen E. Dryope Cram., auch finden sich in den 
Palpen und Vorderfüssen einige Abweichungen. (E. 
Fulgurata Boisd.) 

Die Mehrzahl der Eurytelen gehört Afrika an ; nur 2 
Arten sind im indo-australischen Gebiet gefunden, wovon 
die E. Castelnaui Feld, durch ihre einfach blaue Flügel- 
fäibung am auffälligsten hervortritt. 

40. Ergolis Boisd. (7 Arten.) 

Taf. 17. E. Ariadne L. 
a. Palpe, b. q- und c. Q-Vorderfuss. 
Ergolis unterscheidet sich, wie bereits erwähnt, 
structurell fast gar nicht von Eurytela, und die geringen 



130 



NYMPHALIDEN. 



Verschiedenheiten im Geiider oder der Palpenform sind 
zudem nicht constant. Dagegen ist die Pliigelform breiter 
und die Vdfl. an der Spitze fast quer abgeschnitten. 
Hieran und an der mit vielen wellenförmigen 
Linien gezeichneten Oberseite lassen sich die 
Ergolis-Artenauf den ersten Blick von den Eurytelen erkennen. 

Die Fühler sind von gleicher Foi'ni, wie bei Eurytela; 
die Palpen bis zum Grund rundum beschuppt und 
behaart, aber sonst von derselben Gesta't wie bei 
dieser. Die Zelle der Vdfl. ist stets geschlossen; die der 
Htfl. bei E. Ariadne L. und deren Verwandten offen, 
bei E. Enotrea Gram, aber durch eine feine UDO 
geschlossen. Präcostale an der Spitze zweispaltig. 

Die d"c^- und 59'^°'''^^^^"^*^ ^™^ dicht be- 
schuppt und nur kurz behaart, klein und faden- 
förmig. c^-Tarsusnur'/2solangalsTibia ; ^"Tarsusgleichlang. 

Es sind von dieser Gattung 7 Arten bekannt, von 
denen aber nur 3 im afrikanischen, dagegen 4 im indischen 
Gebiet vorkommen. Die indischen Arten, als deren Typus 
die E. Ariadne L. dient, sind meist von brauner Grund- 
farbe und auf der Oberseite mit dunklen, wellenförmigen 
oder gezackten Linien fein gestrichelt. Von den 
afrikanischen Arten ist die E. Enotrea die bekannteste 
und von einer ganz merkwürdigen Flügelfärbung, welche 
am ehesten durch ein verschimmeltes Graublau oder 
Graubraun bezeichnet wird. Von E. Ariadne ist die 
Raupe durch Horsfield bekannt geworden und gehört sie 
ganz dem Typus der Vanessa-Eaupen an. Der Kopf ist 
mit 2 längeren, der übrige Körper reihenweise mit kürzeren 
verzweigten Dornen besetzt. 

41. Hypanis Boisd. (i Art.) 

Taf. 18. H. Ilithyia Dru. 
a. Palpe, b. Fühler, e. Q -Vorderfiiss. 
Die 3. Gattung dieser kleinen Gruppe schliesst sich 



den vorhergehenden in Geäder und Palpenbildung voll- 
ständig an , unterscheidet sich aber sofort durch die 
nicht geeckten Vdfl. und den s t a r k g e k e r bte n 
Aussenrand so auffallend von diesen und überhaupt 
von allen übrigen Vanessen, dass sie nicht leicht mit einer 
andern verwechselt werden kann. Zudem ist auch die 
Flügelfiiibung von allen bisher beschriebenen verschieden 
und zeigt eher ein Ifelitaeen-artiges Aussehen durch die 
auf schön orangebraunen Grund angeordnete schwarze 
Fleckenzeichnung. 

Die Fühler sind bei Hypanis mit einer länglich 
zugespitzten Kolbe versehen; die Palpen sehr lang, 
nur oberhalb kurz beschuppt, vorderseits und auf 
dem Rücken mit langen Haaren besetzt. Endglied fast 
1/2 so lang, als das dünne, nur am Ende etwas 
verdickte Mittelglied, kurz beschuppt. Der 3. 
Subcostalast dem 4. näher als dem Zellende. 
Vdfl.-Zelle geschlossen, Htfl.-Zelle offen. 

Htfl. mit 2 spaltiger Präcostale. cTcT-Vorderfüsse 
ausserordentlich dünn, fadenförmig, mit wenigen seiden- 
artigen Haaren bekleidet; Tarsus kurz, nur '/a so lang 
als Tibia, und diese von gleicher Länge wie Pemur. 

Obgleich die Abweichungen in der Struktur nur gering 
sind, so genügen sie doch, um Hypanis in Verbindung 
mit Gestalt und Färbung sicher von den beiden vorher- 
gehenden zu unterscheiden. Die aufgeblasene Costalader 
trennt sie auch sofort von den ähnlich gefärbten Melitaeen. 
Die nur aus 1 Art (eine 2. wird von Kirby als zweifel- 
haft zugezogen) bestehende Gattung, welche aber bedeutend 
je nach ihrem Vorkommen varürt, verbreitet sich über 
ganz Afrika und geht selbst in einer Form bis nach 
Indien. Über die interessanten Varietäten findet man das 
Nähere im I. Theil. 



IV. Diademen-Gruppe. 



Medianader der Vdß. ohne Sporn, oft sachartig an der Basis aufgetrieben. Flügelspitze gerundet. <^<^-Vorderfi(sse 
am 1. bis 4. Tarsusglied bedornt. Baupen, soweit bekannt, mit Dornen besetzt. 
Zu dieser Gruppe gehören folgende Gattungen: 



Hypolimnas 



Victoi'ina Südamerika. 

I Afrika und Iiulo- 
l austvalicn. 

Stibochiona | Indien. 

Amnosia j 

Mynes Auhtronialaven. 



Hestina 

Herona 

Euviinis 

Calinaga 

Perithejua 

Isodema 



Hinialaya-Gebiet. 

(Chinesische und Indo- 
dsche Begion.) 



Obgleich die Diademen kein scharfes Merkmal 
besitzen, welches sie im Schmetterling von der vorher- 
gehenden Vanessa-Gruppe trennt, so unterliegt es doch 
keinem Zweifel, dass sie eine fest umgrenzte Gruppe 
bilden. Schon der ganze Habitus ist ein anderer, welcher 
durch die gerundete Flügelspitze, im Gegensatze zur ge- 
eckten der Vanessen, bedingt wird. Im Geäder haben 
sich zwar nur ganz geringe Eigenthümlichkeiten, wie z. B. 



der am Grunde fest an der Hauptader anliegende 2. Sub- 
costalast, (während er bei den Vanessen in der Regel 
gerade aufsteigt) in den einzelnen Gattungen erhalten; 
doch ist das Geäder selbst so vaiiirend, dass es keinen 
durchgreifenden Unterschied darbietet. Die Raupen, 
von denen bisher leider nur die von A^ictorina und 
Hypolimnas bekannt sind, besitzen wie die Vanessen 
verzweigte Dornen, doch ist anzunehmen, dass sich hierin 



N Y M P H A L I D E N. 



131 



durchgreifende Unterschiede zeigen werden, wenn erst die 
der übrigen Gattungen beliannt sein werden, wie denn 
bereits bei obigen solche und zwar in der Verkümmerung 
gewisser Dornen kürzlich von Dr. Müller nachge- 
wiesen wurden. 

Eine, der merkwürdigsten Züge der Diademen-Gruppe 
ist die hochentwickelte Tendenz zur Kahahmung anderer 
Schmetterlingsformcn, und es sind vornehmlich Danaiden- 
Gattungen, welche oft in der täuschendsten Weise copirt 
werden. In den meisten Fällen sind es die 2$ allein, 
welche diesen Zug besitzen ; doch nehmen auch in einigen 
Gattungen beide Geschlechter daran Theii. Sehr interessant 
ist es, dass sich ' dieser Zug selbst bei dem einzigen 
Vertreter der Diademen im neotropisohen Gebiet, Victorina, 
noch in einer Art erhalten hat, trotz der langen Isolations- 
epoche, welcher diese Gatlung ausgesetzt war. 

Die Diademen gehören hauptsächlich den Tropen 
Indoaustraliens und Afrikas an, und verbreiten sich östlich 
bis zu dem polynesischen Inselgebiet. Südamerika besitzt 
nur eine ihm eigenthümliche Gattung aus dieser Gruppe, 
Afrika und Australien dagegen keine ihnen ausschliesslich 
angehörende, sondern nur Arten von indischen Gattungen. 
Eine kleine, gut charakterisirte Gruppe ist speciell der 
Himalaya-Pauna eigen und einzelne Arten steigen hier 
selbst bis zu solchen Höhen hinauf, wo der tropische 
Charakter völlig aufgehört hat. 

Schlüssel zur Bestimmung der Diademen. 

I. Nur ein SG-Ast vor dem Zellende. 

A. Zellen offen 

a. SOi kurz nach dem Zellende 
aigezioeigt 

b. SOi weit nach dem Zellende 
abgezweigt 

B. Zellen beider Flügel geschlossen 

II. Zwei Suboostaläste vor dem Zellende. 

A. Zellen beider Flügel offen. 

a. Htß. an Mz kurz gesckicänzt 

b. Htß. ganzrandig .... 

B. Zelle der Vdfl. geschlossen, der 
Htfl. offen. 

a. Htfl. an Mi stumpf lappig 
vorgezogen 

b. Htfl. ganzrandig .... 
C Zellenbeider F liigel geschlossen. 

a. UDO des Vdfls. in den Ur- 
sprung d. 2. M- Astes mündend 

b. UDG des Vdfls. in den Bug 
des 3. Medianastes mündend. 
* PC nach aussen gebogen 

oder undeutlich 2 gabiig . 
** PC deiitl.nach innen gebog. 
f Costalader der Htfl,. kurz 
in d. Vorderrand niünd. 
ff Costalader d. Htfl. lang, 
in d. Aussenrand münd. 
§ UjDC der Htfl. 2 mal 
so lang als MDC . . 
§§ UDC der Htfl. gleich- 
lang mit MDC. . . 



Hestiiia ;. Th. 

Eurypiis. 
Stibochiona 



Victorina. 

1 Hestina ^. Th. 

I Hei'ona. 



Myiies. 
Hypoliiinias 



Amnosia. 
Hypoliiniias 

s. Th. 

Caliiiaga. 

Peiitheiiia. 
Isodeina. 



42. Victorina Blanch. (5 Arten.) 

Taf 19. V. Epaphus Latr. 
a. Pal[.ip, b. (^-Voiderfiisp. 

V i c t o r i n a charakterisirt sich durch mehrere gut 
ausgebildete Merkmale von allen folgenden Gattungen, 
am auffilligsten aber durch den au sse rge w ö hn 1 i ch 
hochgeschwungenen 3. Medianast der Vdfl., 
die offenen Flügelzellen und die am 3. Medianast 
kurz geschwänzten Htfl. Die Subcostalader ent- 
sendet 2 Äste vor dem Zellende, der 2. Ast liegt auf 
eine lange Strecke fest an der Hauptader an. 
Der 3. Ast steht halbwegs zwischen Zellende und dem 
4. und mündet in die Flügelspitze. Ast 4 und 5 bilden 
in normaler Weise eine kurze Gabel unterhalb derselben. 

Die Präcostalader der Htfl. ist einfach, in einiger 
Entfernung nach der SC ge r a de au f s tei gen d und 
nur an der Spitze schwach nach innen gebogen. Die 
Fühler tragen eine längliche abgestumpfte Kolbe. Die 
Palpen sind von normalem Bau. Der cf-Tarsus ausser- 
ordentlich klein, Tibia nur wenig kürzer als der Femur. 

Von Salvin und Godman wird zu Victorina nur die 
auch äusserlich sehr abweichende V. Eteneles L. ge- 
rechnet, während die übrigen Arten unter dem Double- 
day' sehen Namen Amphirene als besondere Gattung 
abgetrennt sind, obgleich alle Arten sehr gut in den 
obigen Hauptcharakteren übereinstimmen, und nur in den 
od'- Geschlechtswerkzeugen eine geringe Verschieden- 
heit zeigen. Aber der letztere Charakter ist selbst bei 
den eigentlichen Amphirene-Arten nicht constant. Wir 
haben desshalb von einer Trennung abgesehen, umsomehr, 
als sich die Verschiedenheit nur in der Flügelfärbung, 
aber nicht in dem Umriss ausspricht. 

Eine Verwechselung mit anderen Gattungen ist bei 
dem charakteristischen Äussern der Victorina-Arten kaum 
möglich. Die hellgrün gefärbte V. Steneles ähnelt, wie 
bereits erwähnt, der Metamorpha Dido. Die übrigen 
Arten sind von dieser vollkommen verschieden, und fällt 
namentlich der bekannte V. Epaphus Latr. durch seine 
hellbraunen, durch ein schmales, weisses Band von der 
schwarzen Basis getrennten Vdfl. auf. Auf der Rückseite 
der Vdfl., am Zellende, besitzen alle Arten (mit Aus- 
nahme der V. Sulpitia Gram.) eine kleine charakteristische 
Zeichnung, welche dem Laufe der Discocellularen folgt 
und aus einer zarten silberblauen, schwarz umzogenen 
Linie besteht. Gerade der Umstand, dass auch die ab- 
weichende V. Steneles dieses Merkmal zeigt, spricht für 
die Gattungseinheit der Arten. 

Der Verbreitungsbezirk erstreckt sich über das ganze 
tropische Südamerika. V. Steneles und Epaphus gehören 
zu den häufigsten Erscheinungen desselben; die übrigen 
wenigen Arten sind mehr lokal und auch seltener. 

43. Hypolimnas Hübn. (ca. so Arten.) 
(Diadema Boisd.) 

Taf. 19. H. Bolina L. ö. 

a. Palpe, b. Fühler, e. cj"- und d. Q-Vorderfiiss. 

Die Arten dieser schönen und grossen Gattung, welche 

ausschliesslich den Tropen der östlichen Erdhälfte ano-e- 

hört, stimmen in dem Umfang, wie sie von Kirby 

begrenzt wird, in allen hauptsächlichen Charakteren gut 



132 



NYMPHALIDEN. 



überein, trotzdem sie in ihrem Äussern weit von einander 
abweichen. Dies hat zweierlei Ursachen. Einmal finden 
wir gerade in dieser Gattung den nachahmenden Zug der 
Diademen in so auffälliger Weise ausgebildet (wenn auch 
mehr bei den 9$ f^'s den Oo), dass hier die ursprüng- 
liche Stammform ganz verloren gegangen ist; dann aber 
ist Hypolimnas speciell auch eine grosse Tendenz zum 
Variiren eigen, so dass selbst nahestehende Glieder auch 
im Geiider bedeutend abweichen, lliezu gehört nament- 
lich die verschiedene Ausbildung der UDC, welche bald 
vorhanden, bald verkümmert ist, so dass einige Arten 
geschlossene, andere offene IM.-Zellen besitzen. 

Da Hypolimnas zugleich den Typus unserer Diademen- 
Gruppe vorstellt, so geben wir die Charaktei-e etwas genauer: 

Augen nackt. Palpen weil über den Kopf hervorragend, 
dicht iHit anlif'geiiden Sthnpjje^i bedeckt, nur am Grunde des kurzen 
JJasalgltedts und auf dem Jiürken des BUiielglledes mit längeren, 
kammartig aufrecht stehenden Haaren bekleidet Endglied 
länglich zugespitzt. Fühler vnt deutlicher, fein zuge- 
spitzter Ko Ibe. 

Vdf l. mit starker Costalader und 5 ästiger -^'vbcostale, deren beiden ersten 
Aste vor dem Zellende stehen (der 2. nahe an der>iselben), der 3. 
ungejühr zivischen diesem und der Flügelspitze ohgezioeigt ist. Ast 
4 und 5 bilden eine kurze, in den Aussenrand unterhalb der 
Flügclspllze mündende Gabel. ODC sehr klein oder selbst fehlend. 
MJJC fjebofjen, ungefähr '/a so lamj als die feine und zarte UDC, 
welche die Mediana kurz nach dem 2. Aste trifft. 

Htfl. mit einfacher , nach aussen gebogener Präcostale, 
welche nach Abtrennung der i^'.uhcostale von der Costale schief auf- 
steigt und häufig an der Spitze mit einer knopfförmigen Andeutung 
eines 2. Astes verseilen ist. Zelle durch eine feine, in den Ursprung 
des 2. Astes mündende UDC geschlossen, oder durch theilweise oder 
gänzliche Verkümmerung derselben offen. 

Q Q-Vorderfüsse dicht beschiqjjJt, Tarsus länger beJiaart, kaum '/a 
so lang als Tibia und diese etwas kürzer als Femur. 

QQ- Vorderfüsse bedeutend länger als bei den QQ, mit langem 5- 
gliedrigen Tarsus und am. 1. — 4. Glied mit je 2 kurzen Dornen Femur 
um '/a länger als Tibia. 

Die Raupe der H. BoUna L. (nach Horsfield) ist 
mit kurzen verzweigten Dornen besetzt, und hat 2 längere 
auf dem Kopf. Puppe an der Brust eingedrückt, auf 
dem Hinterleib stachlig. 

Von den Hypolimnas-Arten erwähnen wir vor allen 
Dingen die im ganzen indischen Tropengebiet häufige 
n. Bolina L., deren o einer der schönsten Schmetter- 
linge dieser Fauna ist, von schwarzbrauner Grundfarbe, 
mit je einem grossen, weissen Flecken auf der Mitte 
jedes Flügels, welcher in gewisser Richtung in einem 
prachtvollen tiefen Blau schillert. Die 9$ dagegen sind 
vom o ganz verschieden, viel unansehnlicher gefärbt und 
ändern auf das unglaublichste ab, was zur Aufstellung 
einer Menge neuer Arten Veranlassung gab. Doch finden 
sich in einigen Lokalitäten auch 5$"Formen, welche den 
(So ähneln. Weiter verbreitet ist die im cT ähnliche 
11. Misippus L.*) welche auch Afrika bewohnt, durch ganz 
Indoaustralien verbreitet ist, und bis zu den oceanischen 
Inseln vordringt, ja selbst als Irrgast, wie bereits erwähnt, 
in Südamerika gefunden wurde. Hier ist namentlich das 
§ durch seine frappante Ähnlichkeit mit dem gewöhnlichen 
Danais Chrysippus L. bemerkensworth. Von den indischen 



*) L»a3 vereinzelte Vorkommen des H. Misippus L. in Syrien 
(palaearkt. Gebiet) und in Südamerika (Cayenne und im Innern von 
Peru) kann den rein östlich-tropibchen Cliaiakter der Gattung 
nicht verwischen. 



Formen führen wir nur noch den durch seine Grösse auf- 
fallenden //. Pandarus L. aus Amboina an, und die 
schöne, hellblau umränderte H. Alimena L. aus dem 
Papua-Gebiet, deren weisse Varietät von den Key-Inseln 
wir bereits bei Gelegenheit der weissen Eupiloeen er- 
wähnten (s. diese), eines der trefflichsten Beispiele für 
die Anpassungsfähigkeit dieser Gattung. Auch die rein 
Euploea-ähnlichen Formen, wie //. Anomala Wall, etc., 
geben hiezu eine vorzügliche Illustration. 

Die afrikanischen Arten zeigen denselben nachahmenden 
Zug, aber nach einer anderen Richtung hin, da hier 
Euploeen (wenigstens auf dem Festlande) gänzlich fehlen 
und auch eigenthche Danaer seltener vorkommen, vielmehr 
durch die Gattung Amauris ersetzt sind. So zeigen auch 
die Hypoliranas-Arten, z. B. H. AntJiedon Douhl. und H. 
Duhius Beauv., eine täuschende Ähnlichkeit mit Amauris- 
Arten. Doch finden sich auch einige selbständige Formen, 
wie die imposante, schön blau gefärbte H. Ealmacis Dru. 
und die neue, prachtvolle, grosse H. Imperialis St(/r., 
deren o aber bisher unbekannt ist. 

44. Stibochiona Butl. (2 Arten.) 

Taf. 19. St. Coresia Hübn. 
Ä. Palpe, b. (J- und e. Q-Voiderfuss. 

Stibochiona unterscheidet sich von Hypolimnas 
und den übrigen Diademen ausser anderen geringeren 
Merkmalen dadurch, dass nur ein Subcostalast vor 
dem Zellende sich abzweigt, der zweite un- 
mittelbar nach demselben aufsteigt und der 3. 
ungefähr in der Mitte zwischen dem 2. und 4 von der 
Hanptader ausgeht. Nur noch bei E u r i p u s und einigen 
Hestina-Arten zweigt sich der 2. SC-Ast nach dem 
Zellende ab, aber in viel grösserer Entfernung; auch sind 
hier die Zellen offen, bei Stibochiona geschlossen. 

Die weiteren Charaktere von Stibochiona liegen in der 
grossen, gebogenen MDC und der gleichlangen, 
fast geraden UDC der Vdfl., welche die Mediana 
am Ursprung des 2. Medianastes trifft, wodurch die ver- 
gleichsweise kurze Zelle geschlossen wird. In den Htfln. 
ist die Zelle ebenfalls geschlossen ; die Präcostale ist 
einfach, gerade aufsteigend, nur an der Spitze kurz um-: 
gebogen und nach der SC abgezweigt. Die o O-VorderT 
füsse starkbehaart, Tibia und Tarsus von gleicher 
Länge und etwas kürzer als der Femur. 

Die beiden bekannten Arten gehören dem indischen 
Faunengebiete an. Es sind mittelgrosse, dunkelgefärbte 
Schmetterlinge , mit wenigen Zeichnungen , und am 
Aussenrand der Htfl. mit einer hellblauen Augenrandbinde 
versehen. 

45. Amnosia Westw. (i Art.) 

Taf 19. A. Decora Doubl. Ilew. 
a. Palpe, b. q -Vorderfuss. 
Im Geäder, den Palpen und o o Vorderfüssen stimmt 
Amnosia fast vollständig mit dem Typus Hypolimnas 
überein und nur geringe Unterschiede trennen sie von 
demselben. Bei Amnosia zweigen sich ebenfalls 2 SC- 
Aste vor dem Zellende ab, der 3. steht aber genau 
in der Mitte zwischen diesem und deni 
4., welch letzterer sich viel weiter von der Flügelspitze 



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133 



abzweigt, als bei Hypolimnas, und mit dem 5. eine 
grosse Gabel bildet. Auch mündet die UDO der 
Vdfl. in den Ursprung des 2. Medianastes und 
nicht nach demselben, und die Prärostale der Htfl. ist 
einfach, gerade und nur an der Spitze schwach nach 
innen umgebogen. Grösser ist schon der Unterschied in 
dem äussern Habitus und der Flügelfärbung, was sich 
namentlich in der charakteristischen Form der Htfl. aus- 
spricht, welche am 3. Medianast stumpflappig 
vorgezogen sind, ähnhch der folgenden Gattung Mynes. 

Die einzige bisher bekannte Art, die schöne A. Decora 
Doiihl. Hew. von Java, ist von ziemlicher Grösse und auf 
dunkelbraunem Grund im o mit einer schönen hellblauen 
(im 5 weisslichen) Querbinde über die Vdfl. geschmückt. 



46. Mynes Boisd. (4 Arten.) 

Taf. 19. M. Guerini Wall, 
a. Palpe, b. q- und o. Q-Vordeifuss. 

Die australische Gattung Mynes nimmt eine voll- 
kommen isolirte Stellung unter den Diademen ein. Dass 
sie unmöglich zu den robusten Kyniphaliden gehören kann, 
wohin sie Kirby, und zwar neben der ihr äusserlich 
etwas ähnelnden Prothoe gesetzt hat, zeigt schon das 
total verschiedene Geäder und die Gewohnheiten des 
Schmetterlings, welche vöUig von denen der Charaxes- 
Arten abweichen. Sie gehört ihrer ganzen Struktur nach 
vielmehr dem Diademen- Stamme an, obwohl sie nicht 
gerade eine engere Verwandtschaft zu irgend einer Gat- 
tung desselben zeigt. Die eigenthümlicho Bildung der 
Htfl. verbindet sie noch am nächsten mit Amnosia, in 
deren Nachbarschaft sie auch von Felder gestellt wird. 

Das Geäder zeigt ganz den typischen Bau von 
Hypolimnas. Wie bei dieser ist die Siibcostale 5 ästig, 
zwei Aste zweigen sich vor dem Zellende ab uud der 2. 
Ast liegt sogar auf eine kurze Strecke fest an der Haupt- 
ader an. Der 3. Ast entspringt dem Zollende viel näher 
als dem 4., und mündet vor der Flügelspitze in den 
Vorderrand, der 4. und 5. bilden eine kurze Gabel, deren 
oberster Ast (Ast 4). in die Flügelspitze oder kurz 
darunter, der unterste aber in den Aussenrand mündet. 
Hiedurch unterscheidet sich Mynes sofort von Prothoe 
und überhaupt von den echten Nymphaliden, deren 4. 
SC-Ast an der Spitze umgebogen ist und mit 
Ast 5 eine sehr lange Gabel bildet. Die Vdfl.-Zelle 
ist durch eine sehr feine UDO, welche die Mediana kurz 
nach Abzweigung des 2. Astes trifft, geschlossen; die 
Htfl.-Zelle offen. Die ODC und MDC in beiden Flügeln 
sehr klein, daher die Radialen nahe zusammenstehend. 
Die PC an der Spitze nach innen gebogen und nach der 
Subcostale abgezweigt. 

Der Hauptcharakter von Mynes ist ein rein äusser- 
licher und liegt in den Htfln., welche ganz unvermittelt 
am 3. Medianast in einen stumpfen Lappen 
vorgezogen sind, ähnlich den Prothoe- Arten und viel 
stärker als bei der vorhergehenden Amnosia. Hiedurch 
und durch den eigenthümlichen Färbungsstyl ihrer Arten 
unterscheidet sich Mynes auch sofort von allen übrigen 
Diademen-Gattungen, mit denen sie auch kaum verwechselt 
werden dürfte. 



Die wenigen hiezu gehörenden mittelgrossen Arten 
ähneln sich untereinander sehr und sind oberseits von 
einer hell apfelgrünen Färbung mit mehr oder weniger 
breit angeflogenem schwarzen Aussenrand, welcher oft die 
ganze Grundfärbung überzieht. Auf der Rückseite sind 
namentlich die Htfl. durch gelbe und rothe Flecken auf 
schwarzem Grund ausserordentlich bunt gezeichnet. Das 
Vaterland erstreckt sich von Queensland an der Ostküste 
Neuhollands durch Neu-Guinea bis nach den Molukken. 



47. Hestina Westw. (5 Arten.) 

Taf. 19. H. Nama Doubl, 
a. PalpG, b. o -Vorderfiis9. 

Hestina und die folgenden 5 Gattungen bilden eine 
kleine Gruppe für sich, welche durch den gleichen Habitus, 
Färbungsstyl und gemeinsames Vaterland vereinigt sind 
und den nachahmenden Zug in besonders ausgeprägter 
W^eise an sich tragen. Ihr Ilauptcentrum ist das 
Hinialaya- Gebiet , von wo einzelne Arten bis in die 
malayische Region, nördlich bis Japan vordringen. 

Hestina unterscheidet sich durch die offenen Zellen 
beider Flügel; von dorn folgenden Euripus durch die 
Stellung der Subcostaläste und die vom Grunde an 
gebogene Präcostale, welche bei Euripus stets 
gerade aufsteigt. Doch gehen beide Gattungen in ein- 
ander über, so dass keine festen Grenzlinien gezogen 
werden können. 

Die Abzweigung der SG-Äste ist bei Hestina nicht 
constant und selbst in den einzelnen Arten verschieden. 
Bei H. Nama Doubl, entspringt der 1 . Ast in kurzer 
Entfernung vor dem Zellende, der 2. an demselben; bei 
H. Assimilis L. dagegen so weit nach demselben, als der 
1. vor dem Zellende steht. Auch zeigen sich zwischen 
beiden Arten noch andere geringe Verschiedenheiten, 
z. B. in der Stellung der Radialen, welche bei Nama ganz 
nahe zusammen, bei Assimihs dagegen weiter entfernt stehen. 

In der Fühler- und Palpenbildung, sowie in den 
Vorderfüssen weicht Hestina nicht von der typischen 
Hypolimnas ab ; nur ist die Fühlerkolbe weniger scharf 
zugespitzt, wie bei dieser. Hieraus erkennt man leicht, 
wie nahe Hestina auch mit Hypolimnas verwandt ist, als 
deren Untergattung sie ja auch von Westwood be- 
trachtet wird. Bei einzelnen Hypolimnas-Arten mit offener 
Htfl.-Zelle, wie Anthedon und Duhius , ist es sogar 
schwierig, unterscheidende Merkmale aufzufinden. Doch 
ist gerade hier der ganz abweichende Färbungsstyl beider 
Gattungen von durchschlagender Bedeutung. 

Die Hestina-Arten gleichen nämlich sowohl im o als 
Q den sog. weissen oder grünlichen Danaern, obwohl 
nicht bei allen die Ähnlichkeit so gross ist, wie bei der 
H. Nama, welche eine treue Copie der D. Tytia ist, 
während die Hypolimnas-Arten mehr die braunen Danaer 
oder überhaupt andere Danaiden-Gattungen nachahmen. 
Dieser höchst interessante Zug der Diademen wird besser 
durch Anschauung als durch lange Beschreibungen er- 
kannt, weshalb wir auf die betrefi'enden Abbildungen 
des I. Theils verweisen. 



134 



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48. Herona Westw. (i Art.) 

Taf. 19. H. Marathus Doubl. Hew. 
a. I'alpe. 

Im Geäder, der Palpen- und Fühlerbildung, überhaupt 
in der ganzen Struktur, stimmt dieses nur aus einer Art 
bestehende Genus so genau mit der vorhergehenden 
Hestina überein, dass nur der allerdings vollkommen ab- 
weichende Färbungsstyl und der etwas verschiedene 
Habitus eine Berechtigung zur Abtrennung als besondere 
Gattung darbietet. Der einzige, einigermassen wichtige 
Charakter ist die gerade aufsteigende Präcostale, 
im Gegensatz zu der einfach nach aussen gebogenen bei 
Hestina. Wir beschränken uns daher darauf, auf die 
Geäderzeichnung, bez. die Abbildung des Schmettarlings 
im I. Theil zu verweisen, welche den Unterschied deut- 
licher machen wird. 

Bei Herona stehen ebenfalls 2 Subcostaläste vor dtm 
Zeliende und der 3. Ast zweigt sich dem 4. etwas näher 
ab, als dem letzteren. Beide Zellen sind, wie bei Hestina, 
offen. Die Präcostale der Htfl. steigt gerade von der 
Costale auf und ist an der Spitze undeutlich zweigabelig. 
Der Aussenrand ist gewellt und am 3. Medianast am 
weitesten vorgezogen. 

Die einzige Art, H. Alaratlms Doubl. Hew., zeigt 
eine entfernte Ähnlichkeit mit der Abrota Mirus Fabr., 
nur dass hier die Lage der hellbraunen Binden im Vdfl. 
eine andere ist. Beide Arten kommen zusammen im 
Himalaya-Gebiet (Sikkim) vor. 

49. Euripus Westw. (6 Arten.) 

Taf. 19. E. Halitherses Doubl. Hew. d- 

a. Q- und b. Q-Pslpe, c. d- und d. Q-Vnrderfuss. 

Zu der Gattung Euripus werden so auffallig ver- 
schiedene Formen gerechnet, dass ihre Umgrenzung 
durchaus nicht fest ist. Nach einer Richtung hin geht 
sie sicher in Hestina über, mit welcher sie auch am 
nächsten verwandt ist. Wir geben daher die unter- 
scheidenden Charaktere zunächst nach dem Typus, als 
welchen wir den E. Halitherses Doubl. Hew. betrachten. 

In dieser Art unterscheidet sich Euripus von allen 
übrigen Gattungen ausser den offenen Flügelzellen 
durch die Stellung des 2. Subcostalastes, welcher weit 
nach dem Zellende und nahe dem 3. sich abzweigt. 
Nur Hestina (und Herona) haben noch offene Zellen ; 
aber hier zweigt sich der 2. Ast (und auch nur in einzelnen 
Hestina-Arten) bald nach dem Zellende ab. Doch zeigt 
die fortschreitende Stellung dieses Astes bei Hestina, dass 
dieser Charakter nicht constant ist und beide Gattungen 
eher mit einander verbindet als trennt. Von Hestina 
wird Euripus noch am besten durch die einfache, gerade 
Präcostale getrennt, während diese bei Hestina nach 
aussen gebogen ist. 

Obwohl die Halitherses-5$ äusserlich so bedeutend 
von den O O abweichen, so stimmen sie doch im Geäder 
gut m.it einander überein. Dagegen weichen sie bedeutend 
in den Palpen ab. Die oc(-Palpen sind von normalem 
Bau; die Q? dagegen aussei ordentlich verlängert, das 
Mittelglied S-förmig gebogen, an der Spitze verdickt, das 
Endglied sehr klein und eiförmig. Üb dies auch bei 
Arten mit gleich gefärbten Geschlechtern der Fall ist, 
konnten wir aus Materialmangel nicht untersuchen. 



Die Zahl der bisher bekannten Arten*) hat sich, seit 
einige als 99 längst bekannter Arten erkannt wurden, 
fast um die Hälfte vermindert. Die 9? des E. Halitherses 
gleichen durch ihre verlängerte Flügelform und Färbung 
eher einer Euploea, und gewisse Formen sogar speciell 
dem 5 der bekannten E. Rhadamanthus. Sie haben auch 
denselben langsamen und segelnden Flug, während die 
od rapide Flieger sind, von robusterem, gedrungeneren Bau 
und in keiner Weise mehr an eine Danaidform erinnern, sondern 
mehr das Bild einer dunklen Apatura mit hellen strich- 
förmigen Zeichnungen daibieten. Bei andern Arten sind 
beide Geschlechter nicht so ausserordentlich verschieden 
unter sich, aber ganz abweichend vom Typus gefärbt, so 
dass es wohl möghch ist, dass solche Formen gar nicht 
zu Euripus gehören. 

Eine nähere Untersuchung konnten wir aus Material- 
mangel nicht anstellen, und muss die genauere Umgrenzung 
dieser bis jetzt wenig harmonischen Gattung der Zukunft 
überlassen werden. 

50. Calinaga Moore, (i Art.) 

Taf. 19. C. Buddha Moore. 

!>. o -Vordeifuss. 

Diese merkwürdige Gattung, welche nur in bedeuten- 
den Höhen des Himalaya vorkommt, zeigt in ihrem 
Äussern eher einen Parnassius-artigen Charakter und 
illustrirt zugleich in instruktiver Weise, nach welcher 
Richtung hin sich der nachahmende Zug bei solchen 
Hochgebirgsthieren entwickeln kann, in deren Heimath 
Danaiden fehlen, dagegen noch Parnassier und Pieriden 
die Gegend beleben. Diese äussere Ähnlichkeit war wohl 
hauptsächlich der Grund, warum Calinaga bei Kirby 
unter die Papilioniden gerathen konnte , obgleich ihre 
Stellung von Moore schon richtig bestimmt wurde. Dass 
Calinaga keine Papilionide sein kann, beweisen doch schon 
die verkümmerten Vorderfüsse, die normale Stellung der 
UDC, das Fehlen des SM-Zweiges im Vdfl., sowie die 
wohl entwickelte Innenrandsader der Htfl. 

Calinaga weicht allerdings in einigen Bildungen etwas 
von dem Diademen- und selbst Nymphalidentypus ab. 
Zunächst und am ersten in die Augen fallend sind es 
die anscheinend durch eine wohlausgebildete UDC ge- 
schlossenen Flügelzellen, welche den Nymphaliden-Charakter 
dieser Gattung in Frage stellen. Allein bei abgeschuppten 
Exemplaren erkennt man leicht, dass, wenn auch diese 
Ader am Beginn von derselben Dicke ist, wie die übrigen, 
sie doch gegen die Mitte bereits vollkommen verkümmert 
ist und daher die Zelle immer noch offen genannt 
werden kann. 

Die weiteren Hauptcharaktere von Calinaga liegen in 
der ungewöhnlich langen und schmalen Vdfl. - 
Zelle, der Einmündung des 4. Subcostalastes in 
die Flügelspitze, und der Verbindung der UDC 
des Vdfls. mit der Mediana im Bug des 8. 
Astes, wodurch sie sich sofort von allen vorhergehenden 
Gattungen unterscheidet, während die folgenden Penthema 
und Isodema eine gleiche Bildung besitzen. Von diesen 
wird sie scharf und sicher durch die fehlende ODC im 



*) Die von Kirby zu Euripus gestellte A. Schrenkii Men. 
ist eine echte Apatura. 



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135 



Vdfl., hauptsächlich aber durch die kurze Costalader 
des Iltfls. getrennt, welche in den Verde rrand 
und nicht in den Aussenrand mündet. Die 
Prücostalader ist kurz und nach innen gebogen: 
die O Cj "Vorderfüsse sind ausnehmend klein und 
weich behaart; Tibia und Tarsus zusammen nur wenig 
länger als Pemur. 

Die einzige bisher bekannte Art, die C. Buddha Moore, 
ist durch ihren ganzen Habitus, die übermässig ent- 
wickelten Htfl. und die matt rauchschwarze, halbdurch- 
sichtige und mit weissen Flecken gezeichnete Flügel- 
fäibung so charakteristisch, dass sie wohl mit keiner 
anderen Diademenform verwechselt werden kann. Übrigens 
ist der frappante rothe Halskragen, welcher die C. Buddha 
am meisten auszeichnet, ein so auffälliges Mei'kmal, dass 
sie darin unter den ganzen Nymphaliden völlig isoürt steht. 

51. Penthema Westw. (i Art.) 

Taf. 20. P. Lisarda Doubl, 
a. Palpe, b. Fühler, e. q -Vorderfuss. 

Die einzige Art dieser Gattung, die F. Lisarda Doubl., 
hat das Aussehen und die Grösse einer Hestia, aber mit 
robusteren und dichter bestäubten Flügeln. Sie erscheint 
gewissermassen als eine riesengrosse Hestina und gehört 
mit zu den grössten Nymphaliden des indischen Faunengebiets. 

Penthema unterscheidet sich, abgesehen von ihrer 
Grösse, von Hestina und den übrigen Diademen (mit 
Ausnahme von Calinaga und Isodema) nicht allein durch 
die stets geschlossenen Zellen beider Flügel und 
die fast kolbenlosen, langen und geraden 
Fühler, sondern auch, und hauptsächlich, durch die 
Ausmündung derUDC der Vdfl. in den Bug 
des 3. Astes, und nicht in den Ursprung desselben; 
ferner durch die kleine, nach innen gebogene 
Präcostale und die Einmündung des 3. Sub- 
costalastes der Vdfl. in den Vorderrand. 
Diese beiden letzteren Charaktere besitzen nur noch 
Calinaga und die folgende Isodema. Von ersterer wird 
sie durch die kolbenlosen Fühler, die gut und 



deutlich entwickelte ODC, die lange, wellenförmig 
gebogene UDC der Vdfl. und die lange, in den 
Aussenrand mündende Costalader der Htfl. ge- 
trennt; von Isodema z. Th. durch dieselben Charaktere, 
hauptsächlich aber durch die gleich langen MDC und UDC 
im Htfl. unterschieden. 

Die Palpen sind bei Penthema von ziemlicher Grösse, 
weit über den Kopf hervorragend, stark gebogen und 
vorderseits dicht beschuppt und behaart, auf dem Rücken 
des Mittelglieds mit einem Ilaarschopf versehen. Die 
Fühler besitzen keine deutliche Kolbe, sondern verdicken 
sich allmählich gegen das Ende, welches schwach zuge- 
spitzt ist. Auch hierin zeigt Penthema eine auffallende 
Ähnlichkeit mit den Bestien. 

Das Vaterland dieser Gattung ist ebenfalls das 
Himalaya-Gebiet. 

52. Isodema Feld, (i Art.) 

(Pavaplesia Feld.) 

Taf. 20. I. Adelma Feld, 
a, Q -Voiderfass. 

Isodema ist sehr nahe mit Penthema verwandt; sie 
unterscheidet sich aber sehr leicht und schön durch die 
breitere Flügelform, die kurze, bauchige Vdfl- 
Zelle und die gut ausgebildete ODC der Vdfl., 
welche von gleicher Länge wie MDC ist. In den Htfln. 
ist die Präcostale gleichfalls nach innen gebogen, aber 
die UDC ist eben so lang, wie die schwach gebogene 
MDC, während sie bei Penthema gerade und doppelt 
so lang ist. 

Die Palpen ragen bei Isodema nicht so weit über den 
Kopf hervor und die Fühler tragen eine deutliche, wenn 
auch sehr verlängerte Kolbe. 

Die einzige Art dieser ausserordentlich seltenen Gat- 
tung, die /. Adelma Feld., ist ebenfalls ein Hochgebirgs- 
thier und wurde im Osten Chinas gefunden. Sie ist von 
ziemlicher Grösse und matt braunschwarzer Grundfärbung, 
mit einer weissen Fleckenbinde und dergleichen Punkten 
über die Vdfl. gezeichnet. 



V. Ageronien-Gruppe. 



llediana der ]'dß. ohne tijjorn, oft sackartig am Grunde aufgetrieben. '^'^-Vorderfüsse am 1. — 4. Gliede bedornt. 
Maupen mit Dornen besetzt. Puppen am Kopf mit 2 lanc/en Bändern. 
Iliezu gehören : 
Ageroiiia \ 1 Batesia ) 

(Peridromia) Südamerika. Ectiiiia I 

Panacea J | 

und haben wir als Anhang noch 4 weitere Gattungen: Didonis, Pyrrhogyra, Vila und 
Cystineura als Bibliden-Gi'lipiJC zugefügt. 



Südamerika. 



Die Gattung Ageronia, welche den Typus dieser 
kleinen, nur auf Südamerika beschränkten Gruppe bildet, 
wurde von Boisduval als eigene Familie unter seine 
„Succincti" aufgenommen, da die Puppen nach Lacor- 
daire's Beobachtungen, ganz wie bei den Pieriden, mit 



einem Faden um den Leib befestigt sein sollten. Diese 
Ansicht erwies sich durch Bat es' Untersuchungen als 
vollkommen irrig; es hängen die Puppen frei, wie alle 
Nymphaliden , an ihrem Schwanzende auf. Dagegen 
zeigen sie (nach den Beobachtungen Dr. W. Müller's) 



136 



NYMPHALIDEN. 



eine ganz merkwürdige Licht-Empfindung, indem sie sich. 
bei Beleuchtung mit dem Vorderkörper horizontal auf- 
richten, in der Dunkelheit aber wieder in die hängende 
Stellung zurücksinken.*) 

Im Geäder besitzen die Ageronien keine besonderen, 
sie von anderen Gruppen trennenden Eigenthümlichkeiten. 
Die Costalader ist meistens stark erweitert, doch nicht 
aufgeblasen ; die Zellen sind stets geschlossen. Die 
Eaupen tragen im erwachsenen Zustande auf dem Kopf 
2, an der Spitze etwas kolbige, Ilörner, auf dem Rücken 
und den Seiten mit kurzen Asten besetzte Dornen; dagegen 
sind die Puppen von ganz eigenthünilicher Gestalt und 
durch 2 lange, flu gelartige, schmale Bänder (Hürner?) zu 
beiden Seiten des Kopfes ausgezeichnet. 

Die Ageronien zeigen auch als Schmetterlinge so 
sonderbare Gewohnheiter, dass sie sich hierin von allen 
andern Tagfaltern unterscheiden. Sie ruhen nämlich nicht 
mit zusammengeklappten Flügeln, sondern legen dieselben 
glatt wie die Spanner und stets den Kopf nach unten, 
an (mit Ausnahme der Batesien), und speciell die 
Ageronia-Arten lassen beim Fliegen ein weithin erkenn- 
bares knackendes Geräusch hüien. Die Ursache dieser 
sonderbaren Erscheinung ist noch nicht aufgeklärt ; es ist 
möglich, dass hiemit die (im trockenen Zustande) 
zerknitterten Querwände der starken Costalader in Ver- 
bindung stehen. (Siehe Fig. d bei A. Ferentina, Taf. 20.) 

Die wenigen zu der Ageronien-Gruppe gehörenden 
Gattungen lassen sich äusserlich so leicht unterscheiden, 
dass ein Schlüssel überflüssig ist. Die grossen pracht- 
vollen Pandora- (Panacea)- und Batesia-Arten besitzen 
auf der ßückseite einfarbig hochrothe bis braune, bezw. 
grünliche oder gelbhche Htfl. Die Ageronien sind zum 
grössten Theil auf der Oberseite so charakteristisch 
marmoraitig verworren gezeichnet oder auch mit einem 
regelmässigen, blauen Fleckenmuster auf dunkelblauem 
oder schwarzem Grund versehen, dass sie auf den ersten 
Blick zu erkennen sind. Die kleine unansehnliche Ectima 
wird schon durch ihre geringe Grösse, dann aber auch 
an der Abzweigung nur eines SC-Astes vor dem Zellende 
unterschieden, während alle übrige Gattungen stets 2 vor 
demselben besitzen. 



53. Ageronia Hübn. (ca. 18 Arten.) 
(Ageronia et Peridromia Boisd.) 

Taf. 20. A. Ferentina L. 
a. Palpe, b. fj-, e. Q -Vorderfuss, d. Vorderfcheil der Costalader. 

A. (Peridromia) Arethusa Cr. <S und §• 
a. Palpe, b. Vorderfuss. 
Das Geäder von Ageronia ist nicht allein in den 
einzelnen Arten, sondern auch in den Geschlechtern, 
wenigstens einer Gruppe, so verschieden, dass dies 
Boisduval veranlasste , die letztere als eine neue 
Gattung, Peridromia, abzutrennen. Es werden mithin 
von ihm zu Ageronia nur diejenigen Arten gerechnet, 
welche im ö und 5 gleiches Geäder besitzen und deren 



*) Diese interessante Beobaohtung erkliiit vielleicht die Annahme 
Laeordaire's, da eine horizontal angeheftete Puppe wohl leicht 
die Verniuthung erwecken kann, als sei sie noch ausserdem durch 
einen Faden gestützt. 



Subcostaläste frei vor dem Zellende entspringen und die 
UDC in den Ursprung des 2. Medianastes mündet, 
während bei Peridromia im o die beiden ersten Sub- 
costaläste auf einem gemeinschaftlichen Stielchen stehen 
und die UDC vor dem 2. Medianast mündet. Der Umstand 
jedoch, dass hiedurch 2 so nahestehende Formen, wie 
Feionia und Ferentina, getrennt werden müssten, ferner, 
dass auch bei den 59"Pe''i'^''omien die Adern so gestellt 
sind, wie bei Ageronia und selbst auch häufig in dieser 
Stellung bei cfd* vorkommen; hauptsächlich aber, dass 
beide Gattungen in den übrigen wichtigen Theilen, wie 
Palpen, Fühlern und Vorderfüssen gut mit einander über- 
einstimmen, lässt uns von einer generellen Trennung ab- 
sehen, umsomehr, als die anscheinend so grossen Gegen- 
sätze der Flügelfärbung gerade in dieser Gattung sehr 
schön durch Mittelglieder verbunden werden , wie wir 
dies kurz in folgenden Beispielen andeuten wollen. 

Währeiid nämlich A. Ferentina als Tj-pus von Ageronia 
noch durchaus gleiehgefiiibte Geschlechter besitzt, finden wir bei 
A, Arethusa, dem Typus von Peridromia, die Geschlechter in 
äusserstem Gegensatz zu einander, luid zwar nicht allein in der 
Flügelfärbung, sondern auch in der Fliigelform: das q sammt- 
schwarz, mit hellblauen Punkten bestreut, kurzen, breiten Flügeln 
und sogar als geschlechtliche Auszeichnung mit einem grossen Duft- 
schuppenfelde auf den Htflu. in Form eines Spiegels, wie bei den 
Euploeen. Die QQ dagegen zeigen den normalen Flügelsehnitt 
und auch das Geäder von Ageronia; ihre Färbung ist viel lichter 
und sie besitzen eine weisse Querbinde über die Vdfl. In der 
nächsten Zwisc-henform, der A. Arete Doubl. Hew., ist das ^ 
schon dmehaus nicht mehr so abweichend vom Q gefärbt, besitzt 
aber noch keine weisse Querbinde; diese tritt eist in der folgenden 
A. Amphinome L. auf, bei welcher beide Geschlechter gleich- 
gefäibt sind und zwar ähnlich der Q-Arethus*. Es folgen nun 
A. Fornax Hübn. und deren Verwand'e, welche bereits ganz 
die charakteristische marmorirto Zeiehuung der Ferentina besitzen, 
aber noch deutlieh die weisse Querbinde durch eine heller bestäubte 
Stelle in den Vdfln. erkennen lassen. Diese versehwindet erst ganz 
bei der typischen Ferentina, bei welcher nun auch der geschlechtliche 
Gegensatz nicht allein in der Flügelform, sondern auch in der 
-Färbung vollkommen ausgeglichen ist. Wir haben hier also wirklieh 
eine deutlich erkennbare Entwieklungsreihe vor uns, welche, von 
Ferentina beginnend, sieh durch Feronia, Fornax, Amphinome, Arete 
bis zur Arethusa fortsetzt. Wenn man die c^'cJ' "Jß'' beiden äussersten 
Grenzformen allein, ohne die verbindenden Mittelglieder (welche 
z. Th. durch die <^Q selbst dargestellt werden) vor sieh hat, so 
würde man unbedingt Ferentina und Arethusa für zwei sehr entfernt 
stehende Gattungen halten. 

Wir betrachten demnach Ageronia und Peridromia 
nur als Untergattungen und geben zunächst die Charaktere 
von Ageronia, als der typischen Form. 

AgCrOllill Hlibll. l Fahler zart und dvnn, ziemlich lantj^ in eine 
allmählich verdickte lüngliclie Kolbe übergehend, Augen nackt, 
Palpen nur wenig iiher den Kopf liervorragend, schwach behaartj 
MittelgHed gleichmässig dick, mit zziges/jitztem, anliegend beschuppten 
Endglied. 

Geäder^ in beiden Geschlechtern gleich, Costalader und. 
Mediana der Vdfl. stark verdickt, mit unregelmüssig 
zerknitterten Querwänden (im getrockneten Zustayide), Sub: 
costale öästig; die beiden ersten Aste frei und kurz vor. 
dem Zellende entspringend (der 1. öfters mit C vericachsenj, 
der 3. zicischen Zellende und dem 4. Ast und dieser mit Ast 5. 
eine kurze, in den Aussenrand münde^ide Gabel bildend, ODO 
kurz, aber deutlich vor handen, MDC sehr stark, gerade^ 
ungefähr viermal so lang als ODC; UDC am Ursprung 
von gleicher Stärke wie MDC, allmählich sehr dünn 
werdend, nach innen gebogen und die Mediana entweder genau 
am Ursprung des 2. Astes oder kurz danach verbindend, 

Htfl. mit normalem Geäder; Zelle durch eine feilte gebogene, am 
Ursprung des 2. Medianastes mündende UDC geschlossen, PC an 



N y M P H A L 1 D E N. 



137 



cfei- Spitze 2i/abUg. nach Abzweigung der SC von der Costale 

gerade aufsteigend. 
r^(^~Vorderfusse sehr fein und dünn, seidenartig belmart 
QQ-Vorderfüsse dopixlt län{/er und siärler, mit Sgliedrigem, am 

1. bif 4. Glied bedomten Tarsus. 

Pei'idl'OIllia Boisd.: Getlder in beiden Geschlechtern 
verschieden. 

CJ": Der ]. und 3. Subcostalast der Vdjl. auf einem 
gemeinsamen Stielehen vor dem Zellende entsjtringend- 
(Der 1. ö,ters mit C venoachsen.) Ast 3 entweder kurz nach dem- 
selben oder in der Fliigelmitte entspnngend^ am. Ursprung öfters 
herabgebogen. ODC ron gleicher Länge oder länger als 
MDC; UDO einfach oder doppelt gebogen, oder fast 
gerade^ die Mediana zwischen dem 1. und 2. Ast, aber 
in wechselnder Entfernung, trefend. 

p: 1. und 2. Subcostalast frei vor dem Zellende ent- 
springend, am Ursprung des 2. Astes oder kurz davor 
treffend. 

Geäder der Illfl., Palpen, Fahler und VorderfUsse wie bei Ageronia. 

Die Ageronien bilden durch ihren ganzen Habitus, 
ihre charakteristische Fliigelfärbung und die oben bereits 
erwähnten Eigenthünilichkeiten der Lfbensweise eine ganz 
isolirt stehende Gruppe unter den südamerikanischen 
Nymphaliden. Sie sind durch das ganze neotropische 
Gebiet verbreitet, von Paraguay im Süden bis Central- 
amerika und Mexiko im Norden, und einige Arten, wie 
Ferentina und AmpMnome, gehören zu den häufigsten 
Tagschmetterlingen Südamerikas. Ihr HaUj)tcentruni ist 
aber das Amazonenthal, wo fast alle Arten zusammen 
vorkommen und so reich gefärbte Formen gefunden 
werden, wie die prachtvolle, tief sammtblaue Velutina 
Bates , die neue Albicornis Stgr. mit schnee weissen 
Fühlern, oder die grosse Alicia Bates mit untoiseits gelb 
gefärbten Htfln., welche schon einen Übergang zu der 
folgenden Gattung Panacea bildet. Hier lieben sie 
meistens die offenen, sonnigen Plätze oder die V/aldriinder, 
wo man sie häufig in der angegebenen Stellung, den 
Kopf nach unten, an Baumstämmen ruhend aiitiifft. 



54. Panacea Salv. & God. (5 Arten.) 
(Paiulora Wcstw.) 

Taf. 20. P. Prola Doubl. Hew. 
a. Palpe, b. Q-Vorderfuss. 

Die Gattung Panacea ist der nächste Verwandte der 
Ageronien und unterscheidet sich im Geäder nur durch 
die nicht so stark verdickte Costalader der Vdfl., 
die gebogene MDC und die ihrer ganzen Länge 
nach gleich massig schwache und dünne 
UDC, welche die Mediana an der Ab- 
zweigungsstelle des 2. Astes oder kurz da- 
nach verbindet. 

Die Fühler sind zart und dünn, allmählich zu einer 
Ivolbe verdickt. Die Palpen massig lang, dicht beschuppt 
und behaart, mit länglichem, zugespitzten Endglied. 

Die Vdfl. mit 5 ästiger Subcostale, mit 2 Asten vor 
dem Zellende ; der 2. Ast fast unmittelbar am Zellende 
selbst. Der 3. Ast dem letzteren näher als dem 4., 
welcher mit Ast 5 eine ziemlich grosse Gabel bildet. Die 
beiden Radialen verlaufen parallel miteinander 
(Unterschied von Batesia). Präcostale der Htfl. an der 
Spitze zweigabhg. Zelle geschlossen wie bei Ageronia. 



Die Panacea-Arten sind grosse und prächtig gefärbte 
Schmetterlinge vom Habitus der Ageronien , aber mit 
etwas sichelförmig vorgezogener Flügelspitze, von tief 
dunkelgrüner oder blaugrüner Grundfärbung, mit einer 
breiten, metallisch glänzenden, helleren Querbinde über 
beide Flügel und einigen dunklen Zeichnungen auf den 
Vdfln. Im stärksten Contrast hiezu steht die meist feurig 
roth gefärbte Rückseite der Htfl. Ihr Flug ist ausser- 
ordentlich schnell und lebhaft. Sie setzen sich, ebenso 
wie die Ageronien, mit ausgebreiteten Flügeln an flache 
Baumstämme, Mauerwände etc.; doch findet man sie auch 
häufig (nach Bates) mit zusammengeklappten Flügeln 
ruhend vor. 

Ihr Verbreitungsbezirk erstreckt sich über das ganze 
obere Amizonengebiet nebst Columbien und Ecuador. 



55. Batesia Feld, (i Art.) 

Taf. 20. B. Hemichrysa S. & G. 
a. Palpe. 

Diese neue Gattung wurde von Felder auf die 
prachtvolle, stahlblau glänzende und mit einem hochrothen 
Flecken auf den Vdfln. geschmückte B. Hypocldora — 
einem der schönsten und grössten Schmetterlinge dieser 
Gruppe — gegründet, und zu Ehren des berühmten 
Amazonenforschers benannt. Sie wurde dann später von 
K i r b y mit der vorigen Gattung vereinigt, obwohl sie- 
nicht allein sehr gute Struktur-Merkmale besitzt, sondern 
auch nach S a 1 v i n und G o d m a n wesentliche Ver- 
schiedenheiten in den c/cf-Sexualien zeigt, um ihre 
gencrische Abtrennung zu rechtfertigen. 

Von Panacea unterscheidet sich Batesia ausser dem 
gänzlich verschiedenen Habitus und Färbungsstyl sofort, 
durch ein vorzügliches und sicheres Merkmal : durch die 
in der Mitte he rabgebogene obere Radiale 
(OR), während diese bei Panacea vollkommen parallel mit 
der UR verläuft. Ausserdem wird die Zelle durch die 
geraden, gleichlangen MDC und UDC schief geschlossen. 
Auch die Palpen sind von einer wesentlich verschiedenen 
Form, dichter behaart und ra i t e i n e m k ü r z e r e n ,. 
länglich eiförmigen Endglied versehen. 

In dem übrigen Geäder stimmt Batesia mit Panacea 
überein. Die PC der Htfl. ist ebenfalls an der Spitze 
2gabhg, die Zelle durch eine feine UDC geschlossen. 

Die einzige bisher bekannte Art hat fast den gleichen 
Verbreitungsbezirk wie die Panaceen, doch gehört sie 
immerhin zu den selteneren Erscheinungen desselben, 
ÄusserUch wird sie von ihnen schon durch die gänzhch 
verschieden gefärbte Oberseite und die eintönig gelbe oder 
grünliche Rückseite der Htfl. getrennt. Ihre Lebens- 
gewohnheiten sind nach Dr. Hahnel ebenfalls ganz ab- 
weichend; sie hat nur einen schwachen, mehr schweben- 
den Flug und wird nie mit ausgebreiteten Flügeln sitzend 
gefunden, so dass sich ihre generische Verschiedenheit 
von den Panaceen also auch hierin deutlich ausspricht. 

56. Ectima Doubl, (cn. 5 Arten.) 

Taf. 20. E. Liria Fabr. 
a. PalfP, lj. f'iihler, e. o''-VorderfusE. 
Die Ectima- Arten sind die kleinsten Formen der 
Ageronien-Gruppe und unterscheiden sich von diesen und 



138 



N Y M P H A L 1 D E N. 



allen übrigen Gattungen dieser Gruppe sehr leicht dadurch, 
dass nur ein Subcostalast vor dem Zellende 
steht, während der 2. ziemlich entfernt nach 
demselben sich abzweigt. 

Die Fühler sind zart und dünn, mit deutlich ab- 
gesetzter länglicher Kolbe. Palpen klein , vor- 
derseits nur schwach behaart, starker auf dem Rücken, 
mit länglichem Endglied. 

VdH. mit nur schwach verdickter Costale. ODC fast 
fehlend oder sehr klein ; MDC schwach gebogen, 
UDC doppelt so lang, stumpf gewinkelt und 
die Mediana kurz nach dem 2. Medianaste treffend. 

H t f 1. mit einfacher, an der Spitze schwach 
nach aussen gebogener Präcostale. OO'Vorder- 



füsse sehr fein und dünn, seidenartig behaart, mit 
gleich langen Femur und Tibia und '/■^ so langem Tarsus. 

Die wenigen bekannten Arten sind unter sich ganz 
ähnlich gefärbt, auf schwarzgrauem Grunde mit einem 
weissen Querbande über die Vdfi. und ein'gen dunkleren 
bindenartigon Zeichnungen. Die Ähnlichkeit mit den 
Ageronien tritt i.usserlich sehr wenig hervor, am meisten 
noch bei der grösseren, stahlblau glänzenden E. Jonia 
Hew., aber die Ectimen haben dieselbe Gewohnheit des 
Plattsitzens wie die Ageronien, was deutlich ihre Ver- 
wandtschaft mit letzteren anzeigt. Ihr Verbreitungsbezirk 
erstreckt sich über das ganze tropische Südamerika. 



Anhang: BiTDliden-Gruppe. 



Wir schalten hier eine kleine Gruppe fremdartiger Formen ein, deren richtige Stellung noch zweifelhaft ist, und 
welche früher mit noch einigen anderen Gattungen die Bibliden Boisduval's (Euryteliden Westw.) bildeten, die 
aber jetzt aufgelöst und in mehrere Familien vertheilt sind. Ihr gemeinschaftliches Kennzeichen ist die aufgeblasene 
Costalader; sonst hängen sie unter sich nur sehr lose mit einander zusammen. 
Es gehören hiezu : 

t>i<loiiis I Südamerika. | ^^'^ \ Südamerika. 

Pyrrhogyra I I Cystineura 1 



57. Didonis Hübn. (3 Arten.) 

Taf. 20. D. Biblis Fabr. 
a. (J'-Palpe, abgeschuppt, b. q -Palpe, e. Q-Palpe. 

Der Hauptcharakter dieser Gattung liegt in dem 
merkwürdig geformten, knopfartigen Endglied der OQ- 
Palpen, welches bei geringer Vergrüsserung wie eine 
kurze steife Haarbürste oder besser: wie ein kurz abge- 
schnittener Haarpinsel aussieht, nach Entfernung der 
Haare aber von einer länglich-eiförmigen, am Grunde 
sich verengernden Gestalt ist (siehe Fig. a und b). Die 
5 ^-Palpen dagegen sind von normalem Bau (Fig. c), nur 
erreicht das Endglied fast die Hälfte des schlanken 
Mittelgliedes und ist dicht anliegend behaart. Die Fühler 
tragen eine kurze, allmählich verdickte Kolbe. 

Die Vdfl. mit am Grunde stark aufgeblasener 
Costalader. Subcostale 5 ästig, mit 2 Asten vor dem 
Zellende, Ast 3 dem 4. näher als diesem. ODC und 
MDC sehr kurz; UDC sehr fein, schwach nach innen 
gebogen, und die Mediana kurz vor dem 2. Aste treffend. 

Htfl. gerundet und am Aussenrand schwach gekerbt. 
Präcostale einfach, gerade, nach der Trennung der SC 
von der Costale schief aufsteigend. Zelle offen. 

cfci'-Vorderfusse sehr klein und dünn, dicht seiden- 
artig behaart. Tarsus J/2 so gross als Tibia. §5"^"''' 
derfüsse um i/:j länger, am 1. bis 4. Tarsusglied mit je 2 
kurzen Dornen besetzt. 

Von den wenigen bekannten Arten oder besser Rassen 
dieser Gattung ist die D. Biblis Fabr. eine der häufig- 
sten Erscheinungen des ganzen südamerikanischen Paunen- 
gebiets und steht hinsichtlich ihrer einfach braunen, nur 



am Rande der Htfl. mit einer hochrothen Binde gezeich- 
neten Flügelfärbung unter allen Tagschmetterlingen 
Südamerikas vollkommen isolirt da. Die Oo besitzen 
auf der Rückseite der Vdfl. zwischen SM und M einen 
länglichen, erhabenen, matten Duftflecken und corre- 
spondirend hiemit einen ähnlichen auf der Oberseite der 
Htfl. am Vorderrande. 

Die Raupe der D. Biblis trägt auf dem Kopf 2 lange 
ästige Dornen, welche in einen stachlichen Knopf enden 
und auf dem Rücken kürzere verästelte Dornen. Die 
Puppe hat eine sehr merkwürdige Gestalt und ist an den 
Seiten flügelartia; verbreitert. 



58. Pyrrhogyra Hübn. («a- lo Arten.) 

Taf. 21. P. Neaera L. 
a- cT"! ^- Q-Palpe, c. (^f-Vorderfuss. 

Die Gattung Pyrrhogyra besitzt ebenfalls eine 
aufgeblasene Costalader, weshalb wir sie in diese Gruppe 
gesetzt haben, obgleich ihre Stellung hier auch nicht ganz 
richtig ist. Sie schliesst sich in Form und Färbungsstyl 
am ehesten an Victorina (speciell V. Sulpitia) an, zeigt 
aber auch zur Eunica-Gruppe einige Verwandtschaft; von 
dieser wird sie aber scharf durch die am 1. bis 4. Glied 
bedornten QQ-Vorderfüsse getrennt. 

Der Hauptcharakter von Pyrrhogyra liegt darin, dass 
Costal- und Medianader zugleich aufgeblasen 
sind; dieser Fall kommt nur noch in der Eunica-Gruppe 
bei Lucinia und Bulboneura vor, mit welchen Pyrrhogyra 
aber in keiner Weise verwandt ist. 



N Y M P H A L I D E N. 



139 



Die Palpen sind in den Geschlechtern mit verschieden 
entwickeltem Endglied versehen ; beim o ist es kurz, beim 
O fast ^'/4 so lang, als das Mittelglied. Das Geäder ist 
normal. 2 Subcostaläste stehen vor dem Zellende (der 
1. meist mit C verwachsen). ODC sehr kurz, aber 
deutlich erkennbar; MDC schwach gebogen, 1/3 so lang, 
als die g e r a d e U D C , welche die Mediana schief und 
kurü nach Abzweigung des 2. Astes trifft. 

Htfl. mit kursier, undeutlich 2 gabiiger Priicostale, gerade 
aufstaigend, der rechte Ast ziemlich lang und an der 
Spitze scharf nach aussen gebogen. 

Die wenig zahlreichen Arten dieser Gattung sind 
zerstreut über das ganze tropische Südamerika verbreitet. 
Es sind mittelgrosse Schmetterlinge von eigenthümlich 
zarter, hellgrüner oder auch weisser Flügelfärbung, welche 
durch die schwarzen, mehr oder weniger breiten Flügel- 
ränder in rundliche Flecken getheilt wird. Auf der 
Rückseite sind diese Flecken in ganz charakteristischer 
"Weise durch rothe Linien umzogen , woran man die 
Pyrrhogyren auch sofort äusserlich erkennen kann. Die 
Falter lieben offene, sonnige Lichtungen, haben einen 
mehr segelnden, gleitenden Flug und setzen sich gerne 
auf die Blätter vorstehender Zweige, erheben sich aber 
plötzlich bis zu den Baumwipfeln, wenn sie gestört werden. 

59. Vila Hübn. (5 Arten.) 

(Olina Westw.) 

Taf. 2L Y. Caecilia Feld. 
J). Palpe, li. o V' Vfieifiiss 

Die Gattung Vila kennzeichnet sich schon äusserlich 
durch die verlängerten Vdfl., welche meist auf schwarzem 
Grund mit grossen halbdurchsoheinenden, weissen Flecken 
gezeichnet sind, wodurch ihr Äusseres eine gewisse Ähn- 
lichkeit mit einigen Neotropiden erhält. 

Vila unterscheidet sich von den benachbarten Genera 
sofort durch die Richtung der UDC, welche in beiden 
Flügeln zwischen dem 1. und 2. Medianast 
mündet. Wie bekannt, ist dies ein specieller Charakter 
der o Q-Peridromien und es mag einer der Gründe sein, 
■warum Vila in die Nachbarschaft der Ageronien gesetzt 
wurde. Ausserdem zeichnet sie noch die kolbenlosen 
Fühler, die stark aufgeblasene Costalader der 
Vdfl. und die Stellung des 2. Subcostalastes aus, 
welcher genau amZellende selbst entpringt. 

Die Palpen sind sehr schmal und dünn, dicht mit 
steifen Haaren besetzt, das Endghed schmäler als das 
Mittelglied und an der Spitze dichter als am Grunde be- 
haart, in beiden Geschlechtern gleich. In der ähnlichen, 
wenn auch nicht so auffallenden Bekleidung des Endgliedes 
zeigt sich eine geringe Verwandtschaft zu Didonis. Die 
Fühler sind sehr dünn, allmählich gegen das Ende ver- 
dickt, ohne deutliche Kolbe. 

Die Präcostale der Htfl. ist kurz, nach aussen gebogen. 



die Flügelzelle bisweilen offen; die cTö'-Vorderfüsse 
sehr zart und dünn, nur mit wenigen seidenartigen Haaren 
bekleidet, der Tarsus kaum i/- so lang als Tibia und 
beide zusammen nur wenig länger als Femur. 

Die wenigen kaum mittelgrossen, sich äusserlich zudem 
ähnelnden Arten sind hauptsächlich über das Amazonen- 
gebiet und die angrenzenden Länder verbreitet. Sie halten 
sich, nach Bates, mehr im Walde auf und schweben 
hier an sonnigen Plätzen langsam mit ausgebreiteten 
Flügeln über das niedere Buschwerk. 

60. Cystineura Boisd. (7 Arten.) 

Taf. 2L C. Bogotana Feld, 
n. IMpe, b. cf- iiml c. (j)-VorderfLiss. 

In dieser Gattung sind die c^ cf-Vorderfüsse soweit 
verkümmert, dass Tibia und Tarsus fast nur aus 
einem knopfähnlichen Gebilde bestehen (Fig. b), 
ähnlich einem typischen Neotropidenfuss. Dieser Fall 
kommt bei keiner Nymphalidengattung mehr vor und 
trennt Cystineura auf das schärfste von allen übrigen 
Formen dieser Familie. 

Von der vorhergehenden Viln, mit welcher sie noch 
am ehesten verwandt erscheint, unterscheidet sich Cystineura 
durch die mit einer deutlich abgesetzten, zuge- 
spitzten Kolbe versehenen Fühler, die Einmündung 
der UDC der Vdfl. in den Ursprung des 2. 
Medianastes und die zweispaltige Präcostale 
der Htfl. 

Ausserdem charakterisiit sich Cystineura noch 
durch seine Palpen, welche sehr zart und dünn, vorder- 
seits nur beschuppt und mit einzelnen Haaren bekleidet, 
auf dem Rücken aber stärker behaart sind. Das Endglied 
in beiden Geschlechtern gleich, fast von halber Länge 
des Mittelgliedes. Die Costalader der Vdfl. ist ebenfalls 
stark aufgeblasen; die Subcostale mit 2 Ästen vor dem 
Zellende, der 2. Ast unmittelbar an demselben oder kurz 
davor. ODC fehlend; MDC sehr kurz und gebogen. 
UDC fast verkümmert und die Mediana am Ursprung 
des 2. Astes treffend. 

In den Htfln. ist UDC vollständig verkümmert, daher 
die Zelle offen. Die beiden Radialen ent- 
springen nahe zusammen fast aus einem Punkte. 

Die wenigen sich äusserlich ähnelnden Arten, von 
denen nur die auf den Antillen vorkommende G. Teleboas 
Men. verschieden ist, sind hauptsächlich über das nord- 
östHche tropische Südamerika, Centralamerika bis Mexiko 
und den Antillen verbreitet. Die etwas verlängerten 
Flügel und die matten gelbhchen Farben geben den 
Schmetterlingen, welche übrigens von geringer Grösse 
sind, ein eigenthümliches abgeblasstes Aussehen. Der 
Flug und die Lebensweise derselben wird von Bates 
als mit Vila ähnelnd beschrieben. 



140 



NYMPHALIDEN. 



VI. Euniea-Gruppe. 



Medianader der Vdft. am Grunde ohne Sporn. Costal- und Medianader meist stark erweitert. ^<^-Vorderfüsse nur 

am 2. bis 4. Tarsusglied hedornt. Dornraupen. 



A. Euniea-Gruppe 

(Im engeren Sinne). 

3Iyscelia j 

Catonephele | Südamerika. 

Eunica I 

Libytliina J 

Creiiis Afrika. 



Cybdelis 

Oropliila 

Epipliile 

Bxilboneiira 

Tenienis 

Nica 



. . Sütlainerika. 



B. Catagramma-Gruppe. 

Peria 

Perisama 

Callicore 

Cyclogranima 

3Iesotaenia 

Catagramma 

Lucinia 

Haeinatera 

Antigonis 

Callithea 



Südamerika. 



C. Gynaeeia-Gruppe. 

Callizona i 

Uynaecia • • Südamerika. 

Smyrna J 



Diese Gruppe prachtvoller Scbmetterüpge ist, mit Aus- 
nahme der einzigen afrikanischen Gattung Crenis, voll- 
ständig auf die Tropen Südamerikas beschränkt, und sie 
ist es vornehmlich, welche der Insektenfauna dieses reich 
begünstigten Erdtheils jenes blendende Colorit verleiht, 
wodurch sie sich so sehr von allen andern auszeichnet. 
Sie unterscheidet sich von den vorhergehenden Gruppen 
hauptsächUch dadurch, dass die 5$"Tarsen nur am 
2. bis 4. Glied bedornt sind. Im Geäder ist kein bestimmter 
Charakter ausgeprägt, doch kann als Regel angenommen 
werden, dass die Costal- und Medianader meist stark er- 
weitert, in einigen Fällen (Bulboneura, Lucinia) selbst 
aufgeblasen sind. 

Die Raupen dieser Gruppe sind uns durch die neuer- 
lichen Untersuchungen Dr. W. Müllers*) zum grössten 
Theile bekannt geworden und eine Menge neuer That- 
sachen über Lebensweise, Gewohnheiten und Puppen- 
bildung von ihm veröffentlicht. Sie charakterisiren sich 
hauptsächlich durch die Fomi der Kopfdornen, welche 
meistens mit kurzen, rosettenartig gestellten Asten besetzt 
sind, aber vielfach in der Art der Anordnung und der 
Zahl variiren. Die Dornen des Körpers sind verschieden 
ausgebildet, häufig sogar bis auf die Kopf- und Enddornen 
verkümmei't (Catagramma), meist mit Ästen besetzt. Die 
Farbe der Raupen ist in der Regel grün; in der Ruhe 
sitzen sie platt auf einem Blatt, mit so gesenktem Kopf, 
dass die Kopfhörner das Blatt berühren („Schutzstellung"). 



Die Epicalien (speciell Catonephele, Myscelia, Eunica) 
leben auf Euphorbiaceen, die übrigen an Sapindaceen. 
Die meisten Puppen zeigen eine ähnliche Lichtempfind- 
lichkeit, wie die von Ageronia. (Müller.) 

Durch die verschiedene Stellung der Subcostaläste 
lassen sich die Gattungen dieser Gruppe in 2 weitere 
kleinere theilen, welche auch äusserhch leicht erkennbar 
sind und von denen die erste — die Eunica-Gi-xi.\)^& im 
engeren Sinn — fast stets 2 Aste vor dem Zellende und 
geschlossene Zellen besitzt, während die andere, die 
Catttfjrammen und deren Yerw. begreifend, nur 1 SC-Ast 
vor dem Zellende und die Zellen meist offen haben. 

Als Anhang zu der Euniea-Gruppe haben wir 3 unter 
sich nahe verwandte, sonst aber ziemlich isolirt stehende 
Gattungen: Gynaecia, Callizona und Smyrna zugefügt, 
welche ihren Charakteren nach am meisten mit dieser 
Giuppe verwandt sind. Dies wird auch durch die 
Untersuchungen der Raupen bestätigt. 

Da sowohl in Gruppe A als auch B einzelne Aus- 
nahmen im Geäder vorkommen, so geben wir den Schlüssel 
für beide zugleich und haben auch die Gynaeeia-Gruppe 
mit eingeschlossen. Sehr viele Merkmale mussten wir von 
dem Flügelumriss und der Färbung hernehmen, dena 
auch in dieser Gruppe sind die generellen Charaktere oft 
sehr unbestimmt im Geäder ausgeprägt. Die seltene 
Gattimg Mesotaenia haben wir ausgelassen, da uns das 
Geäder niclit aus eigener Anschauung bekannt ist. 



Schlüssel der Euniea-Gruppe. 

'2 SuhcostalästR vor dem Zellende. 

A. UlJC der Vdfl. in den Bug des 3. M- Astes mündend. 

a. Grundfarbe beim (S Hau, beim § braun, mit iveissen Zeichnungen 

b. Grundfarbe braun oder schwarz, mit gelben, orangen oder hellblaugrünen Zeichnungen 

B. UDC der Vdfl. in den Ursprung des 3. U- Astes mündend oder kurz danach. 

a. Costale und Mediana der Vdfl. blasig erweitert 

b. Costale und Mediam.a nur verdickt. 

* Palpen selir lang, sclinabelartig vorstellend 



Myscelia. 
Catonephele. 

Bulboneura. 

Libytliina. 



") Dr. Wilh. Müller, „Siidam eri kanise he Ny m pha liclenraup en." Versuch eines natiiiliohen Systems der Nymphaliden. Zoolog 
Jahibücher I. 1886. 



N Y M P H A L I D E N. 



141 



** Palpen normal. 

f BCi in der Mitte zwischen Zellende und SCi entspringend. 
Pü vom Grunde an stark nach aussen gebogen. 

§ Oherseite Iraun oder schwarz mit blauem Schiller oder blauen Zeichnungen . . . Ellllica. 

§§ Oberseite braun oder schwarz mit rothviolettem Schiller, selten helllila CrCllis. 

00 -'"'C gerade, nur an der Spitze etwas gebogen. 

§ Htfl. gerundet Callizona. 

§§ Htß. am Analwinhel vorgezogen. 

I Htfl. Seckig, unterseits zebraartig gestrichelt Gyiiaecia. 

1 1 Utfl. gerundet, unterseits marmorirt, mit 4 Augen Siuyrua. 

ff SOi näher an SCi entspringend. 
Vdfl. an OH geeckt. 

§ Augen nackt Teiueilis. 

§§ Augen behaart Epipllile. 

00 ^^dfl. mit fast geradem Aussenrand. 

. § Oberseite schwarz mit rothen Binden TciUCllis 

(T. PvUira). 

§§ Oberseite hellbraun Nica. 

ir. 1 Subcostalast vor dem Zellende. 

A. Subcostale nur 4 ästig Poi'ia. 

B. Subcostale ö ästig. 

a. Flügelzelkn geschlossen. 

* Vdfl. an OH geeckt. Fühlerkolbe länglich Cybdelis. 

** Vdfl. am Aussenrand gerundet. Fühler geknöpft • . Cullitlica. 

b. Flügelze.llen offen. 

* üostale und Mediana aufgeblasen Lucillia. 

** Costale und Mediana nur verdickt. 

f Vdfl. mit geeckter Spitze und einem blaugrünen Balkenstrich in der Zelle Oropllila. 

ff Vdfl. mit gerundetem Aussenrand. 

Rückseite der Htfl. silberweiss oder gelb, mit 2 Linien und Punkten, dazwischen . Pei'isailia. 
00 Rückseite der Htfl. gewölkt oder gestrichelt. 

§ Oberseite schwarz mit rothen Flecken Haeiliatera. 

§§ Oberseite blauviolett Antig'Ollis. 

000 Rückseite der Htfl. in verschiedenartigster bunter Weise gemustert Catagraillllia. 

III. Kein Subcostalast vor dem Zellende. 

a. Htfl. rückseits auf silbergrauem Grunde mit schwarzen Mackeln. Innerer Kreis geschlossen . Callicore. 

b. Htfl. auf bräunlichem Grund mit scliwarzen Mackeln. Innerer Kreis offer} Cyclograillllia.. 



A. Euniea-Gruppe 

(im engeren Sinne). 

Zwei Subcostaläste vor dem Zellende (mit Ausnahme von Cybdelis und Orophila). Zellen geschlossen. 



61. Myscelia Doubl. (8 Arten.) 

Taf. 18. M. Cyaniiis Doubl. Hew. 
a. Palpe, b. (^- und c. Q-Vorderfuss. 
In der Gattung Myscelia ist der Eckflügeltypus 
noch am schärfsten ausgepriigt und sie bildet demnach 
ein sehr schönes Übergangsglied der Euniea-Gruppe zu 
den vorhergehenden Vanessen. In der Struktur, dem 
Geäder, der Fuss- und Palpenbildung ist sie dagegen so 
nahe mit der folgenden Catonephele verwandt, dass 
es in der That nicht ein einziges Merkmal von Bedeutung 
giebt, um diese beiden Gattungen zu trennen. Desto 
leichter sind die Myscehen aber an der Plügelfärbung zu 
erkennen, welche, wenigstens bei den o O, stets in einem 
rein blauen Grundton und weissen Zeichnungen 
besteht, während die Catonephele-Arten hellgelbe oder 
orangefarbene, in der Obrinus-Gruppe auch bläulich- 



grüne Zeichnungen auf schwarzem oder braunem Grunde- 
zeigen. 

Das Geäder ist im allgemeinen dasjenige des Vanessen- 
typus, doch sind Costale und Medianader bereits deutlich 
angeschwollen; die Subcostale ist 5 ästig, mit 2 Asten vor- 
dem Zellende, der 3. steht in der Mitte zwischen Zellende- 
und Ast 4, welch letzterer mit Ast 5 eine kurze, unter- 
halb der Flügelspitze mündende Gabel bildet. Die Zellen 
beider Flügel sind durch eine sehr feine UDC geschlossen, 
und zwar mündet dieselbe auf den Vdfln. in den 
Bug des 3. Medianastes, auf den Htfln. dagegen,, 
wie bei allen Gattungen dieser Gruppe, in den Ursprung 
desselben. Die Präcostale ist entweder an der 
Spitze deutlich 2gablig, oder nur schwach nach 
aussen umgebogen, gerade aufsteigend und kurz nack 
der SC abgezweigt. 



142 



N Y M P H A L I D E N. 



Die Myscelien gleichen in ihrer äusseren Erscheinung 
sowohl im O" als auch im 9"GfeschIechte vollständig den 
tj'pischen ^9 der Acontius-Gruppe von Catonephele, und 
besitzen auch dieselbe charakteristische FUigelzeichnung, 
nur dass hier der Grundton der Färbung ein blauer, bei 
jenen ein gelber ist. Sie sind also gewissermassen noch 
auf derselben Stufe der Entwicklung stehen geblieben, 
wie die 5$ der verwandten Gattung. Nur in einer Art, 
der bekannten M. Orsis Dru., ist die Differenzirung der 
(Geschlechter weiter vorgeschritten, doch nicht so weit, 
wie bei den Catonephele-cfd"- da sich hier noch deutlich 
Spuren der Zeichnung und die Eckflügelform erhalten 
iahen, während bei den cfcT-Catonephelen beides voll- 
kommen verschwunden ist und völlig neue Formen sich 
gebildet haben. 

Myscelia und Catonephele gehören daher zweifellos 
«inera gemeinsamen Stamme an und es scheinen hier 
hauptsächlich die Höhenverhältnisse ihres "Wohnortes die 
Ursachen der verschiedenen Plügelfäibung zu sein, da die 
Myscehen fast durchweg Bergthiere, die Epicalien hingegen 
Bewohner der tiefen Ebene sind. Und es ist ein sehr 
interessantes Pactum, dass die einzige Ausnahme hievon, 
«ben die erwähnte M. Orsis, welche auch in den Ebenen 
vorkommt, auch im d" bereits bedeutend diff'erenzirt ist, 
wie die c^d'-Catonephelen. 

Die Myscelien haben daher einen, von der folgenden 
■Gattung ganz verschiedenen Verbreitungsbezirk. Sie be- 
wohnen die Höhenzüge der Anden von Venezuela bis 
Mexiko, und eine prachtvolle, grosse Art, die M. Äntholia 
Godt., kommt auch auf den Antillen vor. Nur die M. 
Orsis ist noch über das ganze südöstliche Brasilien ver- 
breitet. Das cf dieser Art, übrigens durch seine tiefe 
lasurblaue Flügelfärbung einer der schönsten Schmetter- 
linge dieser Gruppe, zeichnet sich auch noch durch den 
Eesitz eines Duftapparates in Form eines silberglänzenden 
Spiegels auf den Htfln. aus, in dessen Mitte ein tief- 
schwarzes Auge steht. Auch weicht diese Art in der 
Struktur insofern etwas von den übrigen ab, als hier 
der 1. Subcostalast mit der Costale verwachsen ist, wäh- 
rend er sonst frei verläuft. Doch ist diese Abweichung 
so geringfügig, dass eine hierauf gegründete generelle 
Abtrennung mit Eecht zn verwerfen wäre. Unter den 
übrigen Arten gibt es einige von grosser Schönheit und 
■erwähnen wir nur die im d' prachtvoll blau schillernde 
M. Cyaniris Douhl. liew., welche den Myscelien-Charakter 
•am ausgeprägtesten zeigt und daher als Typus der ganzen 
Gattung gelten kann. 

62. Catonephele Hübn. (ga. 17 Arten.) 
(Epicalia Wostw.) 

Taf. 18. C. Acontius L. J" und <^. 

a. Palpe, b. Vordeifuss. 

C. Obrinus L. d'. 

a, Palfe, b. cf- und Q- Vordeifuss. 

Die Epicalien oder Cat o n ep h ele-Arten hängen 

-einerseits durch die 55-Formen der Acontius-Gruppe 

mit den Myscelien, anderseits durch den in der Färbung 

ganz abweichenden C. Capenas Hew. mit der Gattung 

E u n i c a zusammen, von welcher sie sich aber sofort 

durch einen ausgezeichneten fundamentalen Charakter 

unterscheiden. Bei Catonephele mündet die UDC 



der Vdfl. in den Bug des .3. Medianastes, bei 
Eunica und deren Verwandten stets in den Ur- 
sprung desselben. 

Die übrigen Charaktere sind im Flügelgeäder oder 
den Strukturorganen weniger scharf ausgedrückt, als in 
der äussern Form und dem eigenthümlichen Färbungsstyl, 
welcher die Epicalien sofort von alen andern Gattungen 
dieser Gruppe unterscheidet. 

Palpen didit leickvppt, mit iMrzeni, in leiden Geschlechtern r/leich 
lant/en Endylied. Äugen nacht Fahler dann , mit allmählich ver- 
dickter Kolbe 
Vdfl. mit Oästijer Suhcostale, 2 Aste r^r dem Zellende, der 3. bald 
nach demselben, Ast 4 und 5 eine kurze, unterhalb der Flügelspitze 
mündende Guhel bildend. (IJJC Jehlend- MDC entweder stark 
nach innen gebogen und mit der geraden UDC die Zelle 
schief abschliessend (Acontlus-Grv-ppe) oder ndt MJJC zu- 
sammen einen einfachen, die Zelle quer abschliessenden 
Bogen bildend (Obrinits- Gruppe). (Bei (J. Capenas bald nach 
dem 2. Medianaste mündend-) 

Jltfl. mit an der Spitze 2gabliger Präcostale. UDC in den Ur- 
sprung des 2, Medianastes 'mündend. 

Q (j - Vorder füss e sehr zart und dünn, seidenartig behaart, mit 
gleich langer Tibia und Tarsus und etwas längerem Femur. 

QG- Vorder füsse etwas stärker, nur anliegend bescJtuppt, mit 5- 
glledrigem, am 2. bis 4. Glied bedornten 2'arsvji. 

Die Catonephele-Arten lassen sich dem Äussern nach 
in 2 grössere Gruppen theilen, von denen die eine, welche 
wir die „Acontius-Gruppe" nennen, ein frappantes 
Beispiel von der Verschiedenartigkeit der Geschlechter 
darbietet. Diese ist so gros?, dass OO und 5$ nicht 
allein lange Zeit für besondere Arten, sondern sogar für 
verschiedene Gattungen gehalten ■wurden. Die ^2 dieser 
Gruppe gleichen (mit einigen wenigen Ausnahmen) ganz 
den Myscehen, nur dass hier die Zeichnung von einem 
hellgelben Farbton ist. Die O O dagegen sind hievon 
sowohl in der Flügelform als auch in der Zeichnung ganz 
verschieden, und in der abweichendsten Art, dem G. 
Acontius, so bedeutend differenzirt, dass der ursprüngliche 
Charakter vollkommen verwischt ist. Diese Art zeichnet 
sich vor allen übrigen auch noch durch den Besitz eines 
Duftapparates in Form eines steifen schwarzen Haar- 
büschels auf der Rückseite der Vdfl. aus, und corre- 
spondirend hiemit steht ein breiter matter Duftflecken auf 
der Oberseite am Vorderrande der Htfl. 

Die 2. Gruppe, welche wir kurzweg nach dem be- 
kannten Typus derselben die „Obrinus-Gruppe" 
nennen wollen, ist nun in Flügelform und -Färbung total 
verschieden. Beide Geschlechter sind gleich oder doch 
fast gleich gefärbt. Die Eckflügelform, welche z. Th. 
wenigstens noch in einzelnen Arten der vorigen Gruppe 
(namentlich den 5$) festgehalten wird, ist hier voll- 
kommen verloren gegangen. Auch im Geäder, z. B. in der 
Richtung der Discocellularen, ist ein gewisser Unterschied 
vorhanden, wie dies näher in der Diagnose angegeben ist. 

Eine Mittelstellung nimmt nun G. Ga^ienas Hew. ein, 
nicht allein hinsichtlich seiner abweichenden Flügelfärbung, 
welche durch die schwarzen, weissgefleokten Vdfl. mehr 
an die Gattung Eunica erinnert, sondern auch dadurch, 
dass die UDC der Vdfl. bedeutend näher an der Ur- 
sprungsstelle des 2. Medianastes mündet, als in den 
übrigen Arten. 

Die Acontius-Gruppe steht daher den Myscelien viel 
näher, als die Obrinus-Gruppe, und zwar muss die $9" 
Form die ursprüngliche Stammform gewesen sein, aus der 



N Y Iil P H A L 1 D E N. 



143 



sich spnter die so verschiedenartigen o O im Laufe der 
Zeiten entwickelt ha.ben. 

Die Epicalien sind über das ganze tropische Süd- 
amerika, hauptsächlich die Ebenen, verbreitet und gehören 
durch den leuchtenden Contrast ihrer Flügelfiirbung zu 
den fai'benprächtigsten Schmetterlingen dieses Landes. Ihre 
Gewohnheiten sind von denen der Eunica- Arten gänzlich 
verschieden. Sie bevorzugen die lichten Stellen des 
Buschwaldes und verweilen dort am liebsten, wo einzelne 
Sonnenstrahlen den tiefen Schatten durchdringen. Unter 
allen Arten ist der bekannte C. Ohrinus L. eine der 
priichtigsteTi durch den Gegensatz seiner, mit einer zart 
hell-blaugifuien Binde geschmückten, samnitschwarzen 
Vdfl. und den feurig orangefarbenen Htfln. Auf der 
Rückseite ist der ganze Schmetterling lichtgrün gefiirbt, 
ein wundervolles Beispiel der Anpassung an seine Um- 
gebung, • dem halbbeschienenen Blätterdach des Tropen- 
waldes. Bei anderen Alten fehlt das orangefarbene Band 
der Htfl. oder ist durch ein hellblaues ersetzt. Von den 
Alten der Acontius-Gruppe zeichnet sich auch der Q- 
C. Acontius nicht minder durch seine Schönheit, als durch 
die total abweichende Flügelgestalt aus und trägt auf 
sammtschwaizem Grunde je eine kurze, feurig-orangerothe 
Halbbinde auf Vorder- und Htfl. Die übrigen Arten sind 
im o ähnlich gezeichnet und kann hiefür als Tj'pus der 
kleinere charakteristische C Xi/ctiimis WeKtu:. mit breiten 
durchgehenden, orangefarbenen Längsbinden über beide 
Flügel gelten. 



63. Eunica Hübn. (ca. 60 Arten.) 

Taf. 21. E. Flora Feld, 
a. q'- und b. Q-Palpe, e. Q- und d. Q-Vorderfuss. 

Die Gattung Eunica kann als Typus dieser Gruppe 
dienen, und steht als solcher den Myscelien einerseits, 
anderseits den Catagrammen gegenüber. Von beiden 
wird sie durch gute Charaktere getrennt: von Myscelia 
durch die Einmündung der UDC in den Ursprung 
des 2. Medianastes; von Catagramma durch Ab- 
zweigung zweier Subcos taläste vor dem 
Zellende. 

Da die weiteren Charaktere dieser Gattung nicht in 
einzelnem Merkmale liegen, zudem viele derselben bei 
der Menge der Arten schwankend sind, so geben wir eine 
kurze Diagnose derselben : 

Augen nacict; Fühler mit allmähVuh Verdichter KoUie. 

Palpen vorderseits kurz und anliegend helmart und beschuppt Endglied 
in den Arten und Geschlechtern verschieden^ heim O stets länger 
abs heim Q. 
Vdfl. mit verdicliter Costal- und Medianader. SC Sästig, mit 2 Asten 
vor dem Zellende; Ast 3 in der Mitte zwischen letzterem und Ast 4 
ahgeziceigt. ODC fehlend ; MDC nach innen gebogen, UDC in der 
Länge wechselnd, meist länger als MDC, schwach gebogen und die 
Mediana genau im Ursprung des 3. Astes treffend: M, 
beim Q öfters nahe der Fliigelhasis abgezweigt. 

Stfl. mit einfacher, vom Grunde aus nach aussfn gebogener PC, welche 
leurz nach Abtrennung der SC von der Costale faber in ungleicher 
Entfernung bei den Arten) sich abzweigt, Zelle geschlossen. 

O O - Vo r de rfü sse sehr zart und dünn, federig behaart, mit gleich 
langer Tihia und Tarsus, 

'QQ-Vorderfüsse von gleicher Länge und Stärle, mit ögliedrigem, am 
2. bis 4. Glied bedornten Tarsus. 



Eunica unterscheidet sich von Myscelia und 
Catonephele durch die Stellung der UDC der Vdfl., 
welche bei diesen Gattungen stets nach dem Ursprung 
des 2. Medianastes mündet; von Epiphile durch die 
nackten Augen, von Cybdelis und Orophila durch 
die Abzweigung zweier Subcostaläste vor dem Zellende. 
Von Temenis, Epiphile und Nica wird sie haupt- 
sächlich, neben geringeren Merkmalen, durch den Färbungs- 
styl getrennt. 

Die Eunica-Arten sind bei ihrer grossen Anzahl in 
Form und Färbung sehr verschieden, aber stets von einer 
dunkelbraunen oder schwarzen Grundfarbe, im o meist 
mit einem blauen Schiller und häufig noch auf der Ober- 
seite mit glänzendblauen Zeichnungen versehen. Nie 
kommen in dieser Gattung auf der Oberseite rothe oder 
gelbe Farbentöne vor. In der Flügelfoi'm finden sich 
ebenso bedeutende Abweichungen, wie in der Färbung. 
Es giebt Arten mit gerundeter oder geeckter Flügelspitze; 
solche von einfach dunkler Färbung ohne jeden Schiller, 
andere mit dem glänzendsten blauen Schiller geschmückt, 
wie die F. Flora Feld., Alcmena Doubl. Hew. oder die 
prachtvolle Soplionisha Cram., deren tief sammtschwarze 
Flügel noch mit einem herrlichen Saphirblau an den 
Aussenrändern umgeben sind. Eine ganz merkwürdige 
Ausnahme macht hievon die weisse silberglänzende 
E. Marrjnrita Qodt. , welche unter den vielen dunk- 
len Formen ganz isohrt steht. Die §$ sind viel 
trüber gefärbt, meist ohne jeden Schiller und oft von den 
Oö durch weisse Queibinden oder Flecken ganz ab- 
weich(!nd. Auch die Unterseite ist so verschiedenartig 
gezeichnet , dass hievon kein typisches Bild gegeben 
werden kann. In der Regel ist vor dem Aussenrand der 
Htfl. noch eine Reihe Augen entwickelt, doch in ver- 
schiedener Grösse. Von der einfach gewölkten Form big 
zu Catagramma-ähnlichen Zeichnungen finden sich alle 
Übergänge. Die oben erwähnte E. Sophonisba zeigt so- 
gar durch Hinzutreten eines orangegelben Fleckens eine 
Annäherung an die Callitheen. 

Der Vei'breitungsbezirk der Eunica-Arten erstreckt sich 
über das ganze tropische Südamerika, von Paraguay im 
Süden bis Mexiko und den Antillen, und eine Art kommt 
sogar in den Südstaaten Nordamerikas vor. Über die 
Gewohnheiten derselben haben wir von Bat es treffliche 
Schilderungen erhalten, welcher sie im Amazonengebiet, 
wo allein gegen 25 Arten vorkommen, lange Zeit be- 
obachtet hat. Die o o sind ausserordentlich gesellig, ver- 
meiden des Tags über den dichten Wald, versammeln 
sich an sonnigen Plätzen, Flussufern oder andern feuchten 
Stellen in grosser Menge und kehren erst des Abends zu 
ihren Weibchen in die Wälder zurück, in deren Schatten 
sich dieselben des Tags über und hauptsächlich in den 
Kronen der Bäume aufgehalten haben. 



64. Libythina Feld, (i Art.) 

Taf. 21. L. Cuvieri Godt. 

a. Palpe. 

Diese Gattung zeichnet sich sofort durch ein sehr 

charakteristisches Merkmal aus: durch die übermässig 

1 a n g e n P a 1 p e n in beiden Geschlechtern, welche schnabel- 



144 



N Y M P H A L 1 D E N. 



artio- weit über den Kopf hervorragen und in solcher 
Länge nur noch bei den Libytheen gefunden werden. 

Dieselben sind vorder seit s dicht und kurz 
beschuppt und nur auf dem Rücken des 
Mittel- und Endgliedes mit längeren Haaren 
besetzt. Das Endglied von gleicher Länge 
oder auch länger als das schwach gebogene 
Mittelglied. 

In den übrigen Charakteren stimmt Libythina fast voll- 
ständig mit Eunica übercin, mit der sie auch früher vereinigt 
war. Geringe Abweichungen zeigen nur der 1. Subcostal- 
ast, welcher mit der Costale verwachsen ist, und 
die üDC der Vdfl., welche die Mediana etwas nach 
dem Ursprung des 2. Astes trifft. 

Die einzige bisher bekannte Art gleicht auch äusser- 
lich gewissen Eunica-Formen ; sie ist von Mittelgrösse, 
dunkelbrauner Grundfarbe und mit einzelnen weissen 
Punkten in der Plügelspitze gezeichnet. Das o zeigt 
einen violettblauen schwachen Schiller. Sie gehört dem 
Amazonengebiet an. 

65. Crenis Boisd. (9 Arten.) 

Taf. 21. C. Amulia Gram, 
a. Pdljjp, b. (5- und c. Q-Vorderfiiss. 

Die afrikanische Gattung Crenis ist der einzige 
Vertreter der Eunica- Gruppe in den östlichen Tropen, 
und in der Struktur so nahe verwandt mit Eunica, dass 
es schwierig ist, unterscheidende Merkmale aufzufinden. 
Der einzige einigermassen hervortretende Charakter sind 
die feinen und dünnen, stärker seidig behaarten Yorder- 
füsse und eine schwache Verschiedenheit in der Fühler- 
kolbe. In den Palpen und dem Geäder sind beide Gat- 
tungen völlig gleich gebildet. 

Um so grösser ist der Unterschied in der Flügel- 
färbung, sowohl der Ober- als Unterseite. In der Regel 
ist der Grundton der Oberseite ein helleres oder dunkleres 
Braun, welches sich selbst bis zu einem tiefen Sammt- 
Bchwarz verdunkeln kann (C. Vadimonis) ; auch giebt es 
einige ganz abweichend gefärbte Arten, wie die blass- 
violetten C. BeiKjuelae Cliapiu. und Pechueli Dew. Nie treten 
aber auf der Oberseite reinblaue Parbentöne auf, und wo 
bei den OO sich ein Schiller zeigt, wie bei G. Amulia 
Cram., ist dieser stets von einem rothvioletten Ton. Dies 
ist sogar bei der Eunica-ähnlichsten Art, der sammt- 
schwarzen Vadimonis, der Fall, deren Plügelränder einen 
violett braunen Anflug besitzen. 

Auf der Rückseite sind die Arten auch sehr ver- 
schiedenartig gefärbt und haben meist einen dottergelben 
bis orangegelben Grundton. Die Zeichnungen der Htfl. 
sind ganz ähnlich denjenigen von Eunica. 

Die bis jetzt bekannten Crenis-Arten sind zum grössten 
Theil in den äquatorialen Distrikten "Westafrikas gefunden 
worden, z. Th. auch in Natal und eine Art in Madagascar. 
Es ist auffallend, dass sich in letzterem Gebiet nur die 
kleineren, wenig durch Färbung hervortretenden, einfach 
braunen Arten vorfinden, während die grossen, Eunica- 
ähnlichen, schönen Formen alle auf die Westküste be- 
schränkt sind. Es dürfte indessen noch manche neue Art 
im Innern Afrikas entdeckt werden, und die Geschichte 
dieser, durch ihre isolirte geogi-aphische Verbreitung dop- 
pelt interessanten Gattung überhaupt noch nicht zum Ab- 



schluss gelangt sein, welche namentlich durch die Un- 
kenntniss irgend einer Raupenform eine empfindliche 
Lücke darbietet. 

66. Cybdelis Boisd. (5 Arten.) 

Taf. 21. C. Mnasylus Doubl. Hew. 
a. Palfe, b. Q -Vordeifuss. 

Die beiden folgenden Gattungen zeichnen sich dadurch 
aus, dass nur ein SC- Ast vor dem Zellende abgezweigt 
ist, wodurch die Harmonie der Gruppe in etwas gestört wird. 

Ausserdem charakterisirt sich Cybdelis noch durch 
die filzig behaarten Augen, die über den 
Kopf weit hervorragenden, dicht beschupp- 
ten und s chnab el artig nach vorn gebogenen 
Palpen, deren Endglied ziemlich stark, von läng- 
licher zugespitzter Gestalt und fast von halber Länge 
des gleich starken Mittelgliedes ist. Die Fühler 
tragen eine längliche Kolbe. 

Die Vdfl. mit starker Costalader und 5 ästiger Sub- 
costale, deren 1. Ast vor dem Zellende abgezweigt ist 
und sich der Costale bedeutend nähert (fast mit 
ihr verwächst), während der 2. Ast in einiger Ent- 
fernung nach dem Zellende entspringt, der 3. 
bald darauf und dem 2. näher als dem 4. abgezweigt ist 
und kurz vor der Flügelspitze mündet. ODC sehr klein, 
aber deutlich entwickelt; MDC nach innen gebogen 
und fast von gleicher Länge wie die schwache, 
gebogene UDC, welche die Mediana etwas hinter 
dem Ursprung des 2. Astes trifft, und hierin eine 
Annäherung an Myscelia zeigt. 

Htfl. mit ausgebuchtetem, an der Wurzel stark vor- 
gezogenen Vorderrande. Präcostale einfach, an der Spitze 
nach aussen gebogen. Zelle durch eine feine, nur schwach 
gebogene UDC geschlossen. 

d'cf-Hinterfüsse dünn, seidenartig behaart, mit gleich 
langen Femur und Tibia und nur wenig kürzerem Tarsus. 
Tibia und Tarsus nicht verdickt. 

Die wenigen hiezu gehörenden Arten zeigen in ihrer 
J'lügelfärbung keine Ähnlichkeit mit den benachbarten 
Gattungen und sind auch unter sich sehr verschieden ge- 
färbt. Sie verbreiten sich, wenn auch zerstreut, über das 
ganze südamerikanische Faunengebiet. 

67. Orophila Schatz. (5 Arten.) 

Taf. 21. 0. Campaspe Hew. 
a. c^-Vorderfuss. 

Diese neue Gattung wurde auf die 0. Gampaspe Heio. 
und deren Verwandte gegründet, welche bei Kirby unter 
Myscelia stehen, aber mit dieser Gattung in keiner Weise 
zusammenhängen. Sie sind vielmehr eher mit Cybdelis 
verwandt; aber der ganz verschiedene Färbungs- 
styl, sowohl der Ober- als Unterseite, die 
vollkommen o ff enen Z eilen beiderPlügel und 
die stark erweiterten J' J'- V o r d e r f ü s s e 
unterscheiden sie hinlänglich von dieser. 

Die Palpen und Fühler sind wie bei Cybdelis ge- 
bildet. Die Subcostale der Vdfl. entsendet ebenfalls nur 
einen Ast vor dem Zellende; der 2. ist in einiger Ent- 
fernung nach demselben abgezweigt. UDC fehlend, daher 
die Zelle offen. 



NYMPHALIDEN. 



145 



Die Präcostale der Htfl. ist an der Spitze undeutlich 
zweigablig, mit längerem, nach aussen gebogenen Aste. 
Der Vorderrand ebenso wie bei Cybdelis gewellt und an 
der Vorderrandsecke hochgezogen. Zelle offen. 

Die O o - Vorderfiisse stark seidenartig behaart ; 
Femur dünn; Tibia und Tarsus stark erweitert, 
erstere fast von gleicher Länge wie Tibia und gegen die 
Spitze allmählich schmäler werdend. 

55-Vorderfüsse? 

Die wenigen bis jetzt bekannten Arten scheinen auf 
die Hochgebirge von Bolivia beschränkt zu sein. Es sind 
kleine Schmetterlinge von schwarzer Grundfärbung und 
auf den VdHn. mit metallglänzenden grünblauen Flecken 
versehen ; namentlich ist ein solcher balkenartiger Flecken 
in der Flügelzelle, wie bei den Myscelien, für sie 
charakteristisch. Auf der Rückseite haben die Vdtt. eine 
rothe Flügelwurzel und auf den Htfln. zeigen sich einige 
verloschene Zeichnungen. 

lu der äussern Erscheinung erinnern die Orophila- 
Arten an gewisse Perisamen; von diesen unterscheiden sie 
sich aber durch die geeckte Flügelform, die längeren, 
schnabelartig vorstehenden Palpen und ehie gänzlich ver- 
schiedene Zeichnung der Unterseite der Htfl. 

68. Epiphile Doubl. 

Taf. 21. E. Orea Hübn. 

a. (3- lind b. Q-Palpe, c. q -Voiderfuss. 

Die Epiphile-Arten bilden, ebenso wie die Myscelien, 
eine durch ihr Äusseres ganz gut ei kennbare Giuppe, 
ohne dass sie auffallende Merkmale in der Struktur oder 
im Gcäder zeigen, wodurch sie sich von den übrigen 
Gattungen unterscheiden. Von Myscelia, Eutiica und 
Temenis werden sie durch die behaarten Augen ge- 
trennt; von Cybdelis und Orophila durch Abzweigung 
zweier SC-Aste vor dem Zellende. Im übrigen ist der 
Färbungsstyl das charakteristische und hier wieder ein 
kleiner, dreieckiger, heller Flecken auf der 
Rückseite a m Vorder randder Htfl., welcher die 
Epiphilen leicht und sicher erkennen lässt. 

Die Palpen haben in beiden Geschlechtern eine ver- 
schiedene Länge ; sie sind dicht beschuppt, das Endglied 
des o ungefähr von ^/g, des ^ von gleicher Länge des 
Mittelgliedes. 

Das Geäder ist in beiden Flügeln von normalem Bau. 
Die Subcostale mit 2 Asten vor dem Zellende, Ast 3 dem 
4. näher als dem letzteren und mündet genau in die 
Flügelspitze. ODC fehlend oder sehr klein. MDC 
schwach gebogen, nur wenig kleiner als die gebogene 
UDO, welche genau in den Ursprung des 2. Astes trifft. 

Htfl. mit schwach ausgebuchtetem Vorderrand und 
hochvorgezogener Flügelwnrzel. Die Präcostale ist einfach, 
nach aussen gebogen und hinter der SC abgezweigt. 
Zelle geschlossen. 

O Q-Vorderfüsse dünn und seidenartig behaart; Tarsus 
etwas länger als Tibia; diese gleichlang wie der Femur. 

Die Epiphile-Arten sind in der Färbung ganz von 
den Myscelien verschieden. Die Vdfl. haben meist auf 
dunklem, oft blauschillernden Grunde eine oder mehrere 
orangefarbene Schrägbinden. Die Htfl. tragen bisweilen 
auch eine solche und sind oft im Discus mit einem grossen 



blauglänzenden Flecken versehen. Die 5^ gleichen den 
Cj O, haben aber keinen Schiller; einige sind ihren d'cT 
durchaus unähnlich. Unter den bis jetzt bekannten Arten 
giebt es einige von grosser Schönheit, wie die wundervoll 
himmelblau und rosa schillernde neue E. Electra Star. 
aus Merida oder die häufigere E. Ore.a Hiibn., welche 
zugleich einen guten Typus der Gattung darstellt. Sie 
bevorzugen die gebirgigen Theile Südamerikas und sind 
daher hauptsächlich in Columbien, Venezuela bis Central- 
amerika und Mexiko verbreitet. 



69. Bulboneura Salv. &, God. (i Art.) 

Taf 22. B. Sylphis Bates. 

Diese von Salvin & Godnian auf Temenis 
Sylphis Bates gegründete neue Gattung unterscheidet sich 
sehr schön und deutlich durch die blasig aufge- 
triebene Costal- und Medianader der Vdfl. 
von den übrigen Gattungen der Eunica-Gruppe ; von 
Epiphile, welcher sie auch äusserlich näher steht als der 
folgenden Gattung Temenis, speciell auch noch durch die 
nackten Augen. 

Im Geäder, den Palpen und Fühlern stimmt Bul- 
boneura fast vollständig mit Epiphile überein, nur ist die 
Präcostale der Htfl. deutlich an der Spitze zweigablig. 
Die Zellen beider Flügel sind durch eine feine und gerade 
UDC geschlossen, welche in den Ursprung des 2. Median- 
astes mündet. 

Die einzige Art, B. Sylphis, ist, wie schon ihr Name 
andeutet, ein überaus zart gefärbter, kleiner Schmetterling 
mit violett schimmernden Flügeln und von ähnlicher 
Zeichnungsanlange wie die Epiphilen. Sie kommt nur in 
Guatemala und Mexiko vor. 



70. Temenis Hübn. (2 Arten.) 

Taf. 22. T. Laothoe Crara. 
a. O" u'id b. Q-P.iliie, e. q -Vorderfuss. 

Temenis schliosst sich in allen Verhältnissen eng an 
Epiphile an, sowohl in der Form der Flügel, als im 
Geäder, welches in allen wesenthchen Punkten mit dieser 
Gattung übereinstimmt. Der einzige Unterschied von 
Bedeutung sind die nackten Augen, während sie bei 
Epiphile dicht behaart sind. 

Die Palpen sind dicht beschuppt; das Endglied beim 
O ungefähr ','3, beim 5 ^ber mehr als \'3 so lang, wie 
das Mittelglied. Die Fühler zart und dünn, mit schwacher,, 
länglicher, abgestumpfter Kolbe. 

Die Vdfl. mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende, von 
denen der 2. ziemlich lang ist, der 3. dem 4. sehr nahe 
steht. UDC fast doppelt so lang, als die gebogene MDC, 
nur schwach gebogen und die Mediana am Ursprung des 
2. Astes treffend. 

Htfl. mit einfacher^ nach aussen gebogener Präcostale 
und geschlossener Flügelzelle. 

Es gehören zu dieser Gattung 2 durchaus verschieden 
gefärbte Arten, welche aber in den Charakteren voll- 
ständig übereinstimmen: die T. Pidchra Ilew.^ im o auf 
sammtschwarzem blauschillernden Grund mit feurig rothen 
Querbinden in der Art der Catagrammen gezeichnet, und 



146 



NYMPHALIDEN. 



■die T. Ariadne Crum., yon einfach gelblichbrauner oderroth- 
-gelber, bis zum dunkelsten Braun abändernder Flügel- 
färbung mit oft verdunkeltem Aussenrand und Flügelspitze^ 
welche in einigen Formen noch mit einem b'auen Schiller 
überflogen sind. Über die letztere ausserordentlich 
■variirende Art und deren oft prächtige Varietäten ver- 
weisen wir auf den I. Theil. 

Der Verbreitungsbezirk erstreckt sich von Peru durch 
■das ganze Amazonengebiet bis Centralamerika und Mexiko. 

71. Nica Hübn. (.3 Arten.) 

Taf. 22. N. Canthara Doubl. 

0. Piilpe, b. o -Vordei^fuss. 

Auch diese Gattung ist ganz nahe mit Temenis ver- 
"wandt und nur durch ganz geringfügige Meikmale im 
'Geäder und in der Flügelform, hauptsächlich aber durch 
die Zeichnung auf der Rückseite der Htfl. von dieser 
unterschieden, welche hier auf einfach orangegelbem 



Grunde 2 dunkle Linien zeigt, und meist mit einigen 
silberberandeten kleinen Augen zwischen denselben. 

Die Palpen und Fühler sind denen von Temenis voll- 
ständig gleich; die Augen nackt; die Subcostale hat 
ebenfalls 2 Äste vor dem Zellende, der 1. Ast ist häufig 
der Costale staik genähert (fast verwachsen); der 3. Ast 
näher dem 4. als dem Zellende. Die Zelle ist durch eine 
feine UDC geschlossen, welche die Mediana kurz nach 
dem Ursprünge des 2. Astes trifft. 

Die Htfl. sind am Innenrand abgerundet; Prä- 
costale an der Spitze 2gablig, kurz nach dem 
Ursprung der SC abgezweigt. Zelle geschlossen. 

C) O "Vordeifüsse seidig behaart; Tibia am Ende 
etwas erweitert, mit kürzerem, am Grunde verdickten 
Tarsus. 59'^"'''ierfüsse nicht von Temenis verschieden. 

Die bekannten 3 Arten, welche vielleicht nur 
Varietäten einer einzigen vorstellen, ähneln sich sehr und 
sind kleine Schmetterlinge von einfach orangebrauner Flügel- 
fäibung, und meist mit einer schwarzen Spitze versehen. Sie 
sind über das ganze tropische Gebiet Südamerikas verbreitet 



B. Catagramma-Gruppe. 

Ei'/i Suhcostalast oder keiner vor dem Zellende. Zellen meist ofen. 



72. Peria Kirby. (i Art.) 

Taf. 22. P. Lamis Gram. 
a. Palpe, b. g -Voiderfiifs. 

Dieses kleine, nur aus einer Art bestehende Genus 
lässt sich leicht an der vier ästigen Subcostale er- 
kennen und ist im übrigen auch so abweichend gefärbt 
dass eine Verwechselung mit anderen Gattungen kaum 
möglich ist. Die Oberseite der Flügel ist nämlich einfach 
schwarzbraun, ohne jede Zeichnung, die Unterseite orange- 
gelb mit 2 dunklen Linien über beide Flügel. 

Die Subcostalader erscheint nur scheinbar 4ästig; im 
Grunde ist sie 5 ästig wie bei allen Gliedern dieser Gruppe, 
nur ist hier der \. und 2. Ast vollständig fast bis zur 
Spitze verwachsen. Man erkennt dies deutlich bei ab- 
geschuppten Exemplaren, wo der erste Ast sich aus dem 
2. an seinem Ende als kurzer Zweig absondert und in 
den Vorderrand mündet. 

In den übrigen Charakteren stimmt Peria vollkommen 
mit dem Typus überein, nur ist die Zelle der Vdfl. und 
Htfl. durch eine feine UDC, welche die Mediana kurz 
nach dem 2. Ast trifft, geschlossen. Die Präcostale ist an 
der Spitze nach aussen gebogen und hier statt des 2. 
Gabelastes nur ein kurzer Knopf entwickelt. 

Die Stellung der Peria ist am besten neben Perisama, 
an welche sie sich durch die Zeichnung der Htfl.-Rück- 
seite anschliesst. Der kleine unscheinbare Schmetterling 
gehört dem Amazonengebiete an. 

73. Perisama Doubl, (ca. 50 Arten.) 

Taf. 22. P. Oppelii Latr. 
a. Palpe, b. cf-Vorderfuss. 
Die 3 Gattungen Perisama, Callicore und Cata- 
gramma bilden das glänzendste Dreigestirn in dieser 



ohnehin schon reich gefärbten Gruppe. Sie sind eng mit 
einander verwandt, unterscheiden sich aber leicht durch 
die Stellung des 1. Subcostalastes und die Bekleidung 
der Augen. Diese sind bei Catagramma nackt, bei 
Callicore und Perisama stets behaart; bei ersterer 
steht der 1. Subcostalast nach dem Zellende, bei 
Perisama aber vor demselben wie bei Catagramma. 
Die verschiedene Zeichnung der Rückseite der Htfl. bietet 
ebenfalls ein ausgezeichnetes Unterscheidungsmittel für 
genannte 3 Gattungen dar. Bei Perisama besteht dieselbe 
nur aus 2 einfachen, geraden Linien mit einigen dazwischen 
liegenden Punkten, meist auf gelbem oder silberweissem 
Grunde; bei Catagramma und Callicore dagegen sind die 
Htfl. mit kreisförmigen und augenartigen Makeln in ganz 
charakteristischer Weise gezeichnet, bei Callicore stets auf 
silbergrauem Grund, bei Catagramma dagegen in stark 
contrastirenden Farbantönen. 

Im Geäder stimmt l'erisama fast vollständig mit Cata- 
gramma überein. Wie bei dieser steht nur 1 Subcostalast 
vor dem Zellende; der zweite entspringt kurz nach dem- 
selben. Die Zellen beider Flügel offen. Die Präcostale 
der Htfl. an der Spitze einfach oder deutlich 2 gabiig, 
kurz nach der Subcostale abgezweigt. 

Die Palpen sind dicht anliegend beschuppt, auf dem 
Rücken des Mittelgliedes ohne deutlichen Haarschopf, mit 
scharf zugespitztem Endglied. Fühler mit allmählich ver- 
dickter Kolbe. Augen behaart. 

O O -Vorderfüsse federig behaart, mit nur schwach am 
Ende verdickter Tibia und gleich langem Tarsus. 

Die Perisamen sind meist von Mittelgrösse und 
schwarzer Grundfarbe, mit einem silbergrünen Querbande 
auf den Vdfln. und einer solchen Randbinde auf den Htfln. 
Oft erscheint auch noch ein gleich gefärbter Flecken in 
der Vdfl.-Zelle, ähnlich wie bei den Orophila-Arten. Auf 



NYMPHALIDEN. 



147 



der Rückseite sind die Htfl. meist einfach silbergrau, 
blassgelb oder orangegelb, und besitzen nur 2 schwarze 
Linien, zwischen denen eine Reihe schwarzer Punkte steht, 
welche offenbar die aufs äusserste verkümmerten Augen 
der Catagramma-Zeichnung darstellen. 

Die Perisamen sind Bergbewohner und nur auf das 
westliche Südamerika, wie Colunihien, Venezuela, Neu- 
Granala und das obere Amazonen-Gebiet beschränkt; 
dem unteren Amazonas und Centralamerika fehlen sie ganz. 



74. Callicore Hübn. (ca. 25 Arten.) 

Taf 22. C. Cornelia H.-S. 
a. Pal, e, b. Q -\' rderfuss. 

Die Gattung Callicore zeichnet sich sofort von 
s"mmtlichen übrigen Gattungen der Eunica-Gruppe dadurch 
aus, dass bei ihr alle Subcostaläste nach dem 
Z e 1 1 e n d e entspringen, ein Fall, der sogar unter 
den Kymphaliden ziemlich vereinzelt dasteht. Von 
Catagramma, der ihr am nächsten verwandten Gattung, 
wird sie ausserdem durch die dichtbehaarten Augen 
und die dünnen, nicht erweiterten oo- 
V o r d e r f ü s s e getrennt. 

Palpen und Fühler sind vollständig mit denen von 
Catagramma gleich. Der 1. Subcostalast steht stets 
nach dem Zellende; die übrigen Aste sind ungefähr 
in gleicher Entfernung nach demselben abgezweigt, der 1. 
und 2. Ast häufig unter sich und mit der Costale ver- 
wachsen, aber selbst bei Individuen ein und derselben 
Art variirend. Zellen beider Flügel offen. Präcostale der 
Htfl. undeutUch 2 gabiig, nach der Subcostale abgezweigt. 

O Q-Vorderfüsse federig behaart, mit gleich langen, 
dünnen Tibia und Tarsus. 

Die Callicoren sind auch äusserlich sofort an ihrer 
charakteristischen Flügelfärbung zu erkennen. Ihre 
Grundfarbe ist ein tiefes Sammtschwarz, welches oft noch 
einen tiefblauen Schiller zeigt. Die Vdfl. und z. Th. auch 
die Htfl. tragen eine hellblaue oder silbergrüne Binde, 
deren Färbung sich in einigen Arten (z. B. C. Eupepla) 
zu einer Pracht metallischen Glanzes steigert, wie er 
selten in der Natur übertroffen wird. 

Im stärksten Gegensatz hiezu steht die Zeichnung der 
Rückseite. Die Vdfl. sind bis weit über die Hälfte tief 
carminroth gefärbt und der Contrast wird noch erhöht 
durch eine breite, schwarze Binde, welche den rothen 
Basaltheil von der weissen Flügelspitze trennt. Die Htfl. 
dagegen sind von einem silbergrauem Grundton und führen 
innerhalb zweier grösserer geschlossener Kreise zwei 
eigenthümhch geformte birnförmige und mit 2 schwarzen 
Kernen versehene Makeln, welche augenscheinlich durch 
Zusammenfliessen zweier Augen entstanden sind. 

Die Callicoren verbreiten sich zerstreut über das ganze 
tropische Südamerika von Argentinien bis Mexiko. Ihr 
Hauptgebiet sind die Cordillerenabhänge von Ecuador bis 
Centralamerika. In den niedern Theilen, wie im unteren 
Amazonengebiet, kommen sie nicht oder doch nur -sehr 
selten vor. 



75. Cyclogramma Doubl. (2 Arten.) 

Taf. 22. C. Pandana Doubl. Hew. 

Diese Gattung ist so nahe mit Callicore verwandt, dass 
sich in Struktur und Geäder kein Unterschied vorfindet, 
welcher zu einer Trennung Veranlassung geben könnte. 
Selbst der von S a 1 v i n und G o d m a n angeführte 
Charakter, dass nämlich bei Cyclogramma die ODC deut- 
lich entwickelt, bei Callicore dagegen verkümmert sein 
soll, ist nicht stichhaltig, da bei Cnl. Cornelia H.-S. die 
ODC ebenso deutlich vorhanden ist, wie bei Cyclogramma. 
Es bleibt zur Unterscheidung dieser beiden Genera — 
wenn nicht noch Differenzen bei den Raupen entdeckt 
werden sollten — also auch hier nur die allerdings ganz 
verschiedene Färbung der Oberseite übrig, deim auf der 
Rückseite ist dieselbe fast gleich und in den Iltfln. 
finden wir genau die gleiche Zeichnung der Callicoren 
wieder, wenn auch auf bräunlichem, statt silbergrauen 
Grund. Ein geringer Unterschied zeigt sich hierin in- 
sofern, als bei Cyclogramma die beiden Kreise, welche 
die Makeln umgeben, wellenförmig eingekerbt sind und 
der innere nicht geschlossen, sondern offen ist. 

Von den beiden bis jetzt bekannten Arten, welche 
sich überdies auf der Oberseite ziemlich unähnlich sehen, 
hat die C. Pandama Doull. Hew. die Grösse und auch 
den ganzen Habitus eitier Callicore, nur dass sie oberseits 
auf braunschwarzem Grunde eine orangerothe Querbinde 
über die VdH. besitzt. C. Bacchis Doubl, trägt hingegen 
auf den Vdfln. 2 weisse Flecken und auf den Htfl. einen 
violettblauen Schiller. 

Beide sind auf Mexiko und Panama beschränkt und 
scheinen nur in bestimmten Höhen vorzukommen. 

76. Mesotaenia Kirby. (i Art.) 
(Callitaenia Feld.) 

Diese Gattung, welche uns nicht aus eigener An- 
schauung bekannt ist, soll nach des Autors Angabe 
äusserlich den Callicoren gleichen , aber sich dadurch 
unterscheiden, dass zwei Subcostaläste vor dem 
Zellende abgezweigt sind. Wir müssen uns daher 
begnügen, hier die Original-Diagnose anzuführen : 

„Fühlerkolbe länr/Uch- eiförmig. Palpen schupjng- Augen be- 
haart. Zeüen aller Flügel oßen, die der Vdfl. fast regelmässig. 
Erster und zweiter Subcostalast vor dem Zellende, dritter nach der 
Flügelmitte aufsteigend. Zweite Discoidalader (US) am Ursprung 
nur sanft gebogen. Präcostalader der Htfl. nach dem Ursprung der 
ßubcostalader aufsteigend.^^ 

(Felder, Neues Lepidopteron. 1861.) 

Die einzige Art, M. Doris Feld., ist in Ecuador 
gefunden worden. Sie scheint bisher immer übersehen 
worden zu sein. 

77. Catagramma Boisd. (ga. 45 Arten.) 

Taf. 22. C. Pitheas Latr. 
a. Palpe, b. cj'- und e. Q-Vorderfuss. 
Catagramma stellt den Typus der zweiten engeren 
Gruppe dar, und geben wir daher die Diagnose etwas 
genauer. Sie unterscheidet sich von Callicore durch Ab- 
zweigung eines SC-Astes vor dem Zellende, von Perisama 
durch die nackten Augen ; ihr Hauptcharakter, welcher 
sie am meisten auszeichnet, liegt in den ungewöhnlich 
verdickten o O "Vorderfüssen. 



148 



NYMPHALIDEN. 



Palpen vorderaeiU dicht bi.sclmi^)l und am iberen -Ende da MiUeljliedes 

mit . einem kurzen Haarscluij'j: das Endglied läni/lich zwjespitzU 

Fühler mit allmählich verdickter, länglicher h'olbe. Augen nacht. 
Vdfl. mit öüstiger Subcostale, deren 1. Aat ror dem Zellende, der 2. 

in wechaelnder Entjernung nach demselbni, Aat H dem 4. näher ala 

dem letzteren abgezweigt iat. Zellen beider Flügel offen. 
Iltfl. viit elnjachir, an der Spitze nach auaaen gebogener oder undeutlich 

2gabliger Prücoatale, welche in kurzer Entfernung nach der Snb- 

loatile aufateigt. 
(J'(^-Vurderf iiaae Jederig behaart, mit atark verdichten Tibia 

und Taraua, aber diiniitvi Fenivr. 'Jursus in der Länge wecliaelnd, 

ebenao lang oder kürzer ala Tibia 
QQ-Viir der fasse dünn, nur kurz anliegend beacliuppt, mit Sgliedrlgem, 

nickt rerdickten Tarsus, am 2. bis 4. Glied mit Je 1 Paar kurzer 

Lornen heaetzt. 

Die C ata g ram 111 e n bilden eine Giuppe kleiner bis 
mittelgrosser, wundervoll gezeichneter Schmetterlinge, welche 
für die neotropische Insektenfauna ausserordentlich charak- 
teristisch sind. Sie verbreiten sich über das ganze tropische 
Südamerika, aber ihr Hauptquartier ist das grosse Thal 
des Amazonas und die angrenzenden Thiiler. Hier ent- 
falten sie eine Pracht und einen Glanz der Fiügelfärbung, 
■wie er nur noch in der folgenden Gattung Callilhea er- 
reicht, bez. übertroffen wird. 

Die Catagranimen haben den Habitus der Calhcoren 
und Perisamen, aber sie tragen in den meisten Fällen auf 
tief schwarzem, oft herrlich blauschillernden Grunde 
feuri"TOthe oder orangegelbe Binden ; doch giebt es einige 
Arten, welche ober- und unterseits den Callicoren ganz 
ähnhch sehen und mehr silbe)-giüne Farben zeigen. Die 
Htfl. sind gegen den Aussenrand oft glänzend blau gefärbt 
oder zeigen im Discus einen blaugiiinen Flecken, oder 
auch nur einen blauen Schiller. Dagegen sind sie auf der 
Rückseite ganz verschieden gezeichnet und diese charak- 
teristische Zeichnung ist es, was man „Catagr amm en- 
zeichnung* nennen könnte, und die sich in allen Arten, 
wenn auch vielfach modificirt, wiederholt. Dieselbe lässt 
sich aus der Augenrandbinde construiren, welche so vielen 
Gattungen eigenthümlich, und für die Satyriden sogar 
charakteristisch ist. Die Augen entwickeln sich und ver- 
schwinden nicht willkürUch, sondern wahrscheinlich nach 
ganz bestimmten Gesetzen. In den Fällen, wo einige 
Augen ausgebildeter als die übrigen erscheinen, sind es 
stets diejenigen zwischen dem 1. und 2. Medianast und 
der OR und SC. Dies ist auch der Fall bei Catagramma, 
wie die einfache Anordnung bei C. Pt'theas Latr. sehr 
schön zeigt. In den übrigen Arten entwickeln sich aber 
auch noch die nächststehenden Augen, fliessen zu- 
sammen und bilden nun jene 2 birnförmigen, blaugekernten 
Makeln, welche die Grundform der Zeichnung vorstellen 
und durch schwaize und hellblaue Linien auf gelbem 
Grunde kreis- und bindenförmig in mannichfacher Variation 
umzogen werden. 

Bei einzelnen Eunica-Arten ist die Augenrandbinde, 
bei andern bereits deutlich die birnförmige Makelform 
dui'ch Zusammenfliessen zweier Augen entwickelt; bei 
CaUicore sind die Augen zu Punkten reducirt, aber die 
Makelform und die kreisförmige, strichartige Umzeichnung 
noch gut ausgebildet. Bei Perisama und Peria sind zwar 
die Augen auch zu Punkten verkümmert oder ganz ver- 
schwunden, aber die Zeichnung durch 2 einfache gerade 
Linien ersetzt. 

Die Catagrammen treten in einer so grossen Fülle von 
Gestalten auf, dass wir nur wenige Arten als Typen 



nennen können. Von den einfach rothen Formen zeichnet 
sich die C. Cynosura Douhl. Ilew. durch das feurige 
Scharlach ihrer Überseite und die ungemein bunte Unter- 
seite der HtH. aus; die kleinere C. Pe.rLstera Ilew. durch 
die mehr carminrothe Fäibung ihrer Binden. Die Formen 
mit hochgelben Flügelbinden werden durch die C. Mionina 
repräsentirt, deren lltti. glänzend hellblaugrün gefärbt sind: 
eine Farbenzusammenstellung von demselben stark con- 
trastirenden Charakter, wie bei dem bekannten Cat. Obri- 
nus, aber in umgekehrter Folge. Die grösste Mehrzahl 
der Catagrammen zeigt rothe VdH. und blaue Htü., und 
hiezu gehören solche Praohtformen wie litonia Salt., 
Besperis Guer., Parima Ileiv. und die wundervolle, grosse 
Excelsior Hew., „die Schönste der Schönen", wie sie 
Hewitson nannte, deren Varietät .„Excelsissinia'^ in der 
That wohl zu dem Schönsten gehört, was die Natur her- 
vorgebra^jht hat. 

Über die Gewohnheiten der Catagrammen haben wir 
von Bates genügende Nachrichten erhalten. Die (jo 
sind in der Regel weit häufiger als die 59i ßf^en sich 
oft in bedeutender Zahl an offenen Plätzen, Flussufern 
und andern feuchten Stellen versammelt , während die 
QQ mehr vereinzelt im Schatten der Wälder verweilen 
und nur des Abends von ihren männlichen Genossen 
aufgesucht werden. 

Die Raupen der Catagrammen gehören dem allge- 
meinen Typus dieser Gruppe an, aber die Dornen des 
Körpers sind mit Ausnahme des letzten Paares ver- 
kümmert, so dass die Raupen fast nackt erscheinen. 
Dagegen sind die Kopfdornen stark entwickelt und geben 
der Raupe, ungeachtet ihrer Kleinheit, ein ziemlich unge- 
heuerliches Aussehen. Die Puppen sind an der Brust 
und den Flügelscheidjn etwas eingedrückt. 

78. Lucinia Hübn. (2 Arten.) 

Taf. 22. L. Sida Hübn. 

a. Palpe, b. q -Vorderfuss. 

Wir schhessen diese kleine Antillen-Gattung gleich hier 
an die Catagrammen an, da wir glauben, dass sie mit 
diesen nahe verwandt ist, wenngleich die Verwandtschaft 
sich weniger im Äussern als im Geäder zeigt und nur in 
der Catagrammen-ähnlichen Zeichnung der Htfl. sich eine 
Andeutung für den Ursprung dieser Gattung erhalten hat. 

Die Erklärung dieser Thatsache findet man leicht in 
dem isolirten Vorkommen der Lucinia. Catagrammen 
fehlen der heutigen Antillen-Fauna ganz, aber es ist 
wahrscheinlich, dass sich dieselben, als die Antillen noch 
mit dem Festland vereinigt waren, bis hieher verbreitet 
haben und bei der Lostrennung der Inseln einige Arten 
zurückgeblieben sind, welche sich während der langen 
Isolations-Epoche zu der Foim, wie sie sich in Lucinia 
darstellt, umgebildet haben. 

So verschiedenartig auch das Äussere der Lucinia von 
Catagramma ist, so wenig Unterschiede findet man in der 
Struktur und dem Geäder, mit der alleinigen Ausnahme, 
dass die Costale und Medianader der Vdfl., mehr 
wie in dieser Gruppe üblich, angeschwollen, fast 
aufgeblasen ist und die cTcf- Vorderfüsse nicht 
erweitert, sondern nur dünn und federig behaart 
sind. Wie bei Catagramma sind die Augen nackt, die 



NYMPHALIDEN. 



149 



Fühler sehr zait und mit länglicher Kolbe yersehen. Die 
Zellen beider Flügel sind offen. Die Präcostale der Iltfl. 
an der Spitze deutlich 2 gabiig. 

Von dieser in systematischer Beziehung hochinteressanten 
Gattung sind zwei Arten bekannt, welche sich äusserlich 
durchaus ähneln und vielleicht nur Formen einer Art 
vorstellen. Es sind kleine, rothbraun gefärbte Schmetter- 
linge, mit wenigen dunklen Flecken und im ö mit einem 
schwachen blauen Schiller versehen, deren Iltfl.-Aussenrand 
tief ausgezähnt ist. Auf der Kückseite sind die Ifttl. mit 
orangegelben Bändern und 2 silbergrünen oder hellblauen, 
rothgekernten Makeln auf seidenartig glänzendem weissen 
Grund in der charakteristischen Weise der Catagrammen 
gezeichnet. 

79. Haematera Doubl. (2 Arten.) 

Taf. 23. II. Pyramus Fabr. 
a. Palpe, b. Kühler, e. (^-Vordeifnss. 

Haematera steht äusserlich Catagramma am nächsten, 
von der sie sich aber durch die fast zeichnungslose 
Unterseite derHtfl. ,die länglich-eiförmigen 
Fühlerkolben und die wenig verdickten (Sc^- 
Vorderfüsse hinlänglich unterscheidet. In den übrigen 
Charakteren stininit sie am meisten mit der folgenden I 
Antigonis überein , von der sie allerdings nur durch 
wenige und geringfügige Merkmale getrennt wird, aber 
leicht und sicher an der gänzlich verschiedenen Piügel- 
färbung erkannt werden kann. Die Haematera-Arten er- 
innern an die rothen Catagrammen, während die Antigonis- 
Arten eine blaue Grundfärbung besitzen. 

Die Palpen sind dicht beschuppt und auf dem Rücken 
des Mittelgliedes mit einem kurzen Haarschopf versehen. 
Endglied länglich zugespitzt. Augen nackt. 

Der 1. Subcostalast der Vdfl. vor dem Zellendo, der 
2. danach in einiger Entfernung abgezweigt. Zelle beider 
Flügel offen. Präcostale der Htfl. einfach, an der Spitze 
scharf nach aussen gebogen. 

O O-Vorderfüsse federig behaart, Tibia gegen das 
Ende etwas verdickt, mit gleich langem, zugi.'spitzten Tarsus. 

Die beiden bekannten, fast gleich gefärbten Arten, 
welche sich zerstreut in dem ganzen südamerikanischen 
Faunengebiet vorfinden, sind kleine Schmetterlinge von 
schwarzer, beim cj blauschillernder Grundfärbung, mit je 
einem grossen, eigenthümlioh roth gefärbten Flecken auf 
Vdfl. und Htfl. Auf der Rückseite sind die Htfl. auf 
röthlich-grauem Grund gewölkt und gestrichelt. 

80. Antigonis Feld. (2 Arten.) 

Taf. 23. A. Felder! Bates. 
a. Palpe, b. Fühler, e. g -Vorderfuss. 

Antigonis unterscheidet sich von allen vorhergehen- 
den Gattungen durch die deutlich geknöpften 
Fühler und die Stellung des 2. Subcostalastes, 
welcher gleich unmittelbar nach dem Zellende 
sich abzweigt und ziemlich lang verläuft. 
Der 3. Ast entspringt nahe dem 4. fast in der 
Flügelspitze. 

Von den Gattungen der Eunica-Gruppe besitzt nur 
noch die folgende Callithca geknöpfte Fühler, aber diese 
ist durch ihre Grösse und schon durch den ganz ver- 



schiedenen Färbungsstyl so ausgezeichnet, dass sie wohl 
kaum mit Antigonis verwechselt werden dürfte. 

Von der vorhergehenden Haematera unterscheidet sich 
Antigonis speciell noch ausser den oben angegebenen 
Charakteren durch die schwächeren, kleineren 
und weniger behaarten Palpen und die ausser- 
ordentlich zarten und dünnen o o - Vo rderf ü sse, 
deren seidig behaarter Tarsus nur wenig kürzer als die 
Tibia ist. 

Zu dieser Gattung gehören ebenfalls nur zwei kleine, 
sich vollständig ähnelnde Arten, welche auf der Oberseite- 
schön violettblau gefärbt sind und nur in der Plügelspitze 
einige weisse oder orangpgolbe Flecken tragen. Auf der 
Rückseite sind die Htfl. dagegen auf hellgrauem Grund 
fein Sperber artig gestrichelt. 

Beide Arten gehören ausschliesslich dem Amazonen- 
gebiete an. 

81. Caliithea Boisd. (12 Arten.) 

Taf. 23. C. Sapphira Hübn. 
a. Prtlpe, b. Fühler, e. Q- und d. Q-Vordeifusä. 

Die Callitheen lassen sich von allen vorhergehende» 
Gattungen leicht an den stark geknöpften Fühlern 
und dem eigenthümlichen, von der Catagramma- 
Zeichnung ganz verschiedenen concentrischen 
Fle cken mu s ter auf der Rückseite der HtfL 
erkennen, von den Catagrammen ausserdem durch 
die geschlossenen F 1 üg el z e 1 len. Die einzige 
Gattung mit geknöpften Fühlern, Antigonis, wird schon 
durch die geringe Grösse, die ganz verschiedene Färbung- 
imd durch Abweichungen im Geäder getrennt. 
Palpen dicht besohuppt und behaart, auf dem oberen Ende dei Mittelr- 
fjliedes am stärksten. jEadfjlied klein und zugespitzt. Augen nacht. 
Vdfl. mit dem 1. Subcostalast mr dem- Zellende, dem 2. in ivechselnder 
Entfh'nung nach demselben abgetromt; der 3. Ast halbwegs zwischen- 
diesem und dem 4. oder dem letzteren näher abgezweigt. ODÖ 
deutlich vot-handen; MDC entweder gerade oder schwach gewinkelt^, 
nur wenig kurzer als die schwaclie VDiJ, welche in den Ursprung 
des 2. M-Astes mundet. 
Htfl. mit 2gabltger Prücostale. Zelle durch eine feine, schwach ge- 
bogene UJ)C geschloisen. 
Q Q -Vorderf ü.'ise dicht anliegend bcschajipt und federartig behaart,. 

mit etwas verdichten gleichlangen Tibia und Tarsus. 
QQ -Vo r d e rfii sse von gleicher Grösse und normalem Hau. 

Unter den Callitheen sind drei verschiedenartige Formen 
vereinigt, welche zwar äusserlich sehr von einander ab- 
weichen, aber in den Strukturmerkmalen gut übereinstimmen. 
Die Verschiedenheit in der Flügelfärbung erstreckt sich 
übrigens fast nur auf die Oberseite allein; auf der Rück- 
seite der Htfl. zeigen alle 3 Formen das gleiche charak- 
teristische Muster, wenn auch in den einzelnen Arten 
etwas modificirt. 

Die 1. Gruppe wird nur durch die C. Sapphira Hübn. 
allein gebildet, deren Geschlechter durchaus verschieden 
gefärbt sind, der o von einem wundervoll glänzenden 
Sapphirblau mit samratschwarzem Discus, das ^ n"^'' ^f 
der Flügelbasis hellblau bestäubt, mit einer feurig orange- 
farbenen Querbinde über die Vdfl. und silborgrüner Aussen- 
randsblnde auf den dunklen HtHn. 

Die 2. Gruppe stellt die C. Leprieurü Fniatli.. und 
deren Verwandte dar, mit glei ch ge fä rb ten Ge- 
schlechtern, aber breiteren, mehr abge- 
rundet e n V d fl n. u n d zottig behiia rt e m D iscus- 



150 



NYMPHALIDEN. 



der Htfl. Die Grundfarbe ist meist ein dunkles Blau 
mit mehr oder minder breiten silbergrünen Auasenrändern. 
Diese Form ist auch im Geäder, wie in der Abzweigung 
des 2. Subcostalastes und der Richtung der Discocellularen 
etwas abweichend und wurde von Felder als eigenes 
Oenus Cyane abgetrennt. 

Die 3. Gruppe endlich wird durch C. Marlui Heu: 
(jetzt Heu-itsonü 8tr,r.) repräsentirt und zeigt eine mehr 
zugespitzte Flügelform und in beiden Geschlechtern eine 
gleiche, wenn auch bei den 99 trübere Flügelfiirbung, 
welche auf den Vdfln. fast zur Hälfte von einem feurigen 
Eoth oder Orange mit breiter dunkler, oft blau schillern- 
der Flügelspitze ist, während die Htfl. gegen den Aussen- 
rand von einem glänzenden Blau überzogen sind. Diese 
Form hängt nahe mit der ersten zusammen und geht 
durch das 9 der C. Sapphira in diese über. 

Auf der Rückseite der Htfl. sind alle 3 Gruppen in 
gleicher charakteristischer "Weise gezeichnet. Diese Zeichnung 
ist ganz wesentlich von derjenigen der Catagrammen ver- 
schieden und besteht aus einer Anzahl concentrischer 
Fleckenreihen auf bronzefarbenem Grunde. An der 
Flügelbasis steht meist noch ein orangegelber oder 
rother Flecken. 

Über die Lebensgewohnheiten der Calliiheen haben 
wir von Bat es sehr interessante Schilderungen erhalten. 
Das Haupt-Ccntrura ihres Vorkommens bildet das grosse 
Amazonenthal, wo fast alle Arten gefunden werden, und 



die angrenzenden Gebiete von Ecuador, Peru und Co- 
lumbien. Unter allen Arten gebührt wohl dem O der 
C. Happidra der Preis der Schönheit — einem der am 
reichsten geschmückten Schmetterlinge der ganzen Welt 
— dessen Flügel je nach der Lichtstellung in allen 
Reflexen des Saphirs strahlen und von keinem andern 
darin übertreffen werden. Die C. Sapphira kommt nur 
an vereinzelten Stellen des unteren Amazonas vor. Bates 
traf sie in den Wäldern Santarems in grosser Menge, die 
Geschlechter ungefähr in gleicher Zahl und beschreibt 
enthusiastisch den Eindruck, den diese prachtvollen Ge- 
schöpfe mit ihren glänzendblauen und orangefarbenen 
Schwingen inmitten einer üppigen Waldscenerie her- 
vorbringen. 

Von den übrigen Arten erwähnen wir nur noch neben 
der weit verbreiteten, dunklen C. Leprieurii , die 
peruanische G. Optima Butl, ihr in Form und Flügel- 
schnitt gleichend, aber mit glänzend azurblauen, im Discus 
dunkleren Flügeln; die tief königsblaue G. Bucldeyi Hew., 
deren Plügelränder mit einem schmalen silbergrünen 
Bande umsäumt sind, die prachtvolle orangerothe G. 
Batesii Ilew. aus dem Amazonenthal — alles Schmetter- 
hnge von einziger Schönheit, welche nur noch von den 
Agrias-Arten übertroffen werden, denen einige in ganz 
überraschender Weise gleichen. 

Über die hier obwaltenden mimetiscben Verhältnisse 
werden wir das Nöthige bei Agrias selbst bringen. 



Anhang: C. Gynaeeia-Griippe. 

Zirei SuhcostaUiste vor dem Zellende; Zellen ijeschlossen. 

Die Gynaecia-Gruppe stimmt im Geäder ebenso gut mit dem Eunica-Typus, als mit den Diademen überein; von 
letzteren hat sich bei Callizona noch sehr gut die charakteristische Herabbie^ung des 2. Subcostalastes erhalten. Nach 
der Raupenform und den von Dr. W. Müller beobachteten übereinstimmenden Gewohnheiten derselben gehört sie der 
Eunica-Gruppe an und haben wir sie daher als ein vermittelndes Glied als Anhang aufgenommen. 

Es gehören hiezu nur die 3 Gattungen Gynaecia, Callizona und Smyrna, welch letztere stets in die Nähe 
der Preponen gesetzt wurde. Mit diesen ist sie in keiner Weise verwandt, was sich, abgesehen von der Grösse, schon in 
der mit Caflizona übereinstimmenden Flügelfärbung und Zeichnung ausspricht. 



82. Callizona Doubl, (i A.rt.^ 

Taf 23. C. Acesta L. 
a. Palpe, b. (^-Vorderfass. 

In dieser Gattung ist der Catagrammen-Typus noch in 
der äussern Gestalt erhalten und auch die Gewohnheiten 
des Schmetterhngs stimmen mit denen der Catagrammen 
ganz überein (wie uns Herr H. Ribbe mittheilt, der die 
C. Acesta vielfach beobachtet hat). Dagegen ist die 
Zeichnung der Rückseite, namentlich der Htfl., durchaus 
abweichend und lässt keine Verwandtschaft zu dieser 
Gattung mehr erkennen. 

Callizona unterscheidet sich von den Catagrammen 
und deren Verwandten durch die Abzweigung von 2 
Subcostalästen vor dem Zellende, deren 1 . in 
ziemlicher Entfernung, der 2. kurz vor dem- 
selben abgezweigt und an seinem Ursprung 
herabgebogen ist, und die geschlossenen 
Flügelzellen; von Gynaecia, der nächst verwandten Gat- 
tung, schon durch die geringere Grösse, den ganz ver- 



schiedenen Habitus, die am Analwinkel abgerundeten 
Htfl. und den am Ursprung herabgebogenen 2. Subcostalast, 
welcher erst nach dem Zollende aufsteigt. 

Die weiteren Charaktere von Calhzona Hegen in den 
schmalen und wenig gebogenen Palpen, deren 
Endglied kurz zugespitzt ist, den zarten und dünnen, 
allmählich in eine schwache abgestumpfte Kolbe 
übergehenden Fühlern und im Geäder. 

Der 1. Subcostalast entpringt in ziemlicher Ent- 
fernung, der 2. kurz vor dem Zellende, liegt 
fest an der Hauptader an und steigt erst 
nach derZelle auf. ODC sehr kurz ; MDC schwach 
gebogen, UDO die Mediana kurz vor dem 2. 
Aste treffend. 

Präcostale der Htfl. einfach, schwach nach aussen 
gebogen ; Zelle geschlossen. UDC kurz vor dem zweiten 
M-Ast mündend. 

Die G. Acesta L., die einzige Art dieser Gattung, ist 
ein kleiner ockergelb gefärbter Schmetterling mit breiten 



NYMPHALIDEN. 



151 



schwarzen Flügelecken , einer helleren Schrägbinde 
und einigen Flecken in derselben, von der Grösse und 
dem Habitus der Catagrammen. Auf der Rückseite sind 
die Htfl. sehr charakteristisch zebraartig auf rosafarbenem 
Grund gestreift. 

83. Gynaecia Doubl, (i Art.) 

Taf 23. G. Dirce L. 
a. Piil^'e, l). Q -VorderfusF. 

Gynaecia unterscheidet sich von den beiden andern 
Gattungen dieser Gruppe schon iaisserlich durch ihren 
ganz bestimmten Habitus, welcher durch die fast 3 eckige 
Form der Htfl. und den in einen stumpfen Lappen vor- 
gezogenen Analwinkel derselben bedingt wird. 

Die Palpen sind schmal, lang, dicht und kurz 
behaart; die Fühler tragen eine längliche zuge- 
spitzte Kolbe. 2 SC- Aste zweigen sich nahe zu- 
sammen vor dem Zellende ab und verlaufen 
parallel mit einander. Ast 3 halbwegs zwischen 
Zellende und dem 4. abgezweigt, welcher mit Ast 5 eine 
ziemlich grosse Gabel bildet. ODC sehr kurz; MDC Vs 
solang als die schwache, wenig gebogene UDC, welche 
in den Ursprung des 2. M-Astes mündet. 

Präcostale der Htfl. einfach, gerade, nur an der 
Spitze schwach gebogen und unmittelbar nach der 
Subcostale aufsteigend. Zelle geschlossen. 

O cS-Vorderfüsse mit gleichlangen Femur und Tibia, 
und etwas kürzerem, dicht anliegend beschuppten Tarsus. 

Die Raupe der G. Dirce ist im ausgewachsenen Zu- 
stande mattschwarz , mit gelben , später z. Th. weiss 
werdenden Dornen besetzt, welche in der Mitte einen 
Kranz kurzer Äste tragen. Die Kopfdornen sind etwas 
grösser und enden in eine Rosette. Sie lebt auf Cecropia- 
Arten, und die Ähnlichkeit der Blätter mit denen des 
bekannten Cassavestrauches (Jatropha Mannihot L.) mag 
die Ursache sein, warum letztere noch häufig fälschhch 
als Futterpflanze angegeben wird. 

Die einzige Art dieser Gattung, die G. Dirce L., ist 
über das ganze tropische Südamerika verbreitet, ohne 
irgendwo sehr häufig aufzutreten. Sie ist von Mittel- 
grösse , oberseits grau mit einer gelblichen breiten 
Querbinde über die Vdfl., auf der Rückseite aber in 
ähnlicher "Weise wie die C. Acesta auf hellerem Grund 
zebraartig gestreift. 

84. Smyrna Hübn. (2 Arten.) 

Taf. 23. S. Blomfildia Fab. 

a. Palpe, b. (^-Vordeifuss. 

Diese schöne und grosse Gattung steht in den meisten 

systematischen Werken in unmittelbarer Nachbarschaft 

der Preponen und Agrias, obgleich sie mit diesen in 



keiner AVeise verwandt ist. Auch wir hatten sie noch in 
der Einleitung zu den „Pseudonymphaliden" gesetzt (einer 
Gruppe von sehr verschiedenen Formen) und erhielten 
erst später durch Dr. W. Müller Kenntniss von der 
Raupe, welche mit derjenigen von Gynaecia vollständig 
übereinstimmt und hier für die Stellung durchaus mass- 
gebend ist. 

Auch die Charaktere des Schmetterlings stimmen so 
auffällig gut mit denjenigen von Gynaecia überein, dass 
kein Zweifel über die Richtigkeit ihrer jetzigen Stellung 
herrscht. Dies wird vollends durch gewisse kleine über- 
einstimmende Züge in der Zeichnung und in der Flügel- 
form bestätigt, wie z. B. durch den etwas vorgezogenen 
Analvvinkel der Htfl. 

Smyrna charakterisirt sich schon durch ihre Grösse 
und den robusten Körperbau ; hauptsächlich aber durch 
die ausnehmend kurze, schief abgeschnittene 
Vdfl. -Zelle und die gerade, nur an der Spitze 
schwach nach aussen gebogene PC der Htfl. 
Von den echten Nymphaliden unterscheidet sie sich sofort 
durch die kurze Gabelung des 4. und 5. SC-Astes. 

In der Palpenform, den ö o -Vorderfüssen und dem 
übrigen Geäder stimmt Smyrna vollkommen mit dem Typus 
dieser Gruppe überein. Die Palpen sind vorderseits dicht 
behaart, mit einem kurzen Haarschopf auf dem Rücken 
des gebogenen Mittelgliedes und länglich-zugespitzten 
Endglied. Fühler robust, gerade, mit länglicher, starker Kolbe. 

Vdfl. mit 2 SC-Ästen nahe zusammen vor dem Zellende; 
Ast 3 ungefähr in Vs Entfernung von diesem und Ast 
4. ODC sehr kurz ; MDC stark gebogen, Vs solang als 
die gerade, schiefliegende UDC, welche die Mediana 
kurz nach dem 2. Aste triift. 

Htfl. mit kleiner, schmaler und geschlossener Zelle, 
deren UDC kurz vor dem 2. M-Ast mündet. 

d'd'- Vorderfüsse mit kurz behaarten, gleichlangen 
Femur und Tibia und nur wenig kürzerem Tarsus. 

Es sind von dieser schönen Gattung 2 Arten bekannt, 
deren eine, die S. Blomfildia Fahr., durch das ganze 
tropische Gebiet Südamerikas allgemein verbreitet ist, 
während die andere, S. Karwinskii Hübn.., hauptsächlich 
auf Mexiko und Centralamerika beschränkt ist. Beide 
sind auf der Oberseite von prachtvoll goldbrauner Färbung 
mit breiter schwarzer, weiss gefleckter Flügelspitze. Auf 
der Rückseite sind namentlich die Htfl. in ausserordentlich 
reicher Weise verschiedenartig marmorirt und gezeichnet 
und besitzen ausserdem vor dem Rande 4 Augen, genau 
in der Stellung und Entwicklung wie bei Eunica bez. 
Catagramma. Diese Zeichnung lässt sich bis zu einem 
gewissen Grad mit derjenigen von Gynaecia vergleichen, 
bei welcher aber nur 2 Augen eben angedeutet sind und 
das oberste eben so wie bei Smyrna am meisten aus- 
gebildet ist. 



152 



NYMPHALIDEN. 



VII. Neptis-Gruppe. 



Medianader der Vdfl. am Grunde ohne Sporn; '^'^-Vorderfüsse nur am 2. bis 4. Tarsusglied hedorrit. Raupen statt 

der Dornen mit loenigen höckerigen Warzen besetzt. 
y, ,. J Iiido-Australien (Afrika). 

^^ I Palaearkt. Gebiet. 



Wir haben die Gattung N e p t i s als eine eigene 
Gruppe von den Limenitiden abgetrennt, obwohl sie mit 
diesen, namentlich in der Rxupenform, einige Verwandt- 
schaft zeigt, aber durch den Mangel des Mediansporns 
scharf getrennt ist, und darin eher mit der vorigen Gruppe 
übereinstimmt. Die Neptis-Porm steht als Sehinetterling 
ebenso isoHrt da, wie die Gattung Megalura, Cyrestis 
und Dynaraine. Dies wird durch die Form der Palpen, 
die Bildung und Richtung der Prilcostale, die verschiedene 
Ausmündung der Costale der Htfl. in beiden Geschlechtern, 
das isolirte Vorkommen eines Duftapparates (nach Haase) 
und andere kleinere Abweichungen bewiesen, und daher 
glauben wir, dass die Verwandtschaft zu Limenitis und 
speciell zur indischen Gattung A t h y m a , mit welcher 
Neptis eine allerdings ganz aussergewöhnliche iiussere 
Ähnlichkeit zur Schau trügt, nicht so gross ist, als bisher 
angenommen wurde. Wir haben die Neptis-Gruppe daher 
hier eingeschaltet, obwohl wir glauben, dass dies noch 
nicht ihre richtige Stellung ist und diese sich erst bei 
weiteren Untersuchungen ergeben wird. 

Der Mangel des Mediansporns bei J^eptts itnd die ausgezeichnete 
Enhricldung desselben bei Äthyvia und iiherhaupt bei den Livienitiden 
7far liaupisäcklich der Gnind^ diesen Gegenstand weiter zu verfolgen^ 
und u-enn es uns auch nicht miigliih itar, alle bisher bekannten Arten 
beider Gattungen darauf hin zu untersuchen (da der Sporn nur bei 
abrjeschujypien Flügeln deutlich sichtbar ist und der Werth des Mateiials 
häußij eine Abschuppimg verbot), so war das VerhäÜniss doJi vienigstens 
bei den hervorragendsten Arten constani. Dies bot zunächst ein weiteres 
ausgezeichnetes Unterscheidungsmerkmal beider Gattungen dar; es veran- 
lasste uns aber auch, dieser Aderbildung eine vermehrte Aufmerhsamlceit 
zu schenken, als deren ilesultate wir das Vorkommen bei ganzen natür- 
lichen Giuppen oder Favnlieii constatiren konnten, icie wir dies bereits 
des näheren in den' allgemeinen Geschichte der tiymphaliden erwälmt haben. 

Es erscheint ims daher viel natürlicher, die frappante äussere Alm- 
lichkeil von Athyma und Xqitis als eine Kachahmungserscheinung und 
nicht als das Ifesultat einer nahen Verwandtschaft aufzufassen. Und 
zwar muss das Vorbild irgend eine Danaidenform gewesen sein, denn es 
hat sich diese clmrakteristische Zeichnung, namentlich der balkenartige 
durchbi'ochene Flecl^n in der Vdß.-Zelle, noch deutlich erhalten ; bei an- 
deren Arten, wie 2v. Praslini, oder der ganz abweichenden N. Jladdei, 
sind die Vorbilde)' eine Hamadryas oder eine I^ieHs. Ob aber die 
Athymen wieder die Nachahvier von Neptis oder umgelcehrt oder in 
selbständiger Entn-ieklung zu ähnlichen Formen gelangt sind., wagen wir 
nicht zu entscheiden, da der viimethche Zug sich auch bei der Limenitis- 
Gruppe wiederfindet. Es ist immerhin anfallend, der charakteristischen 
Neptis- Zeichnung in der südamerikanischen Fauna hei den QQ -Formen 
einzelner Dynamine- Arten (vielleicht auch bei MT/sceliaf) zu begegnen, wo 
doch Neptis vollständig Jehlt, und es dalier keine Nachahmungserscheinung 
sein lainn; vielleicht gehörten alle diese Formen einem gemeinsamen Stamm 
an, der in Jrüheren Epochen eine viel grössere Verbreitung gehabt hat und 
welche)' sieh unter veränderten Bedingungen zu solchen äussa'lich jetzt sehr 
unälmlichen Forvioi umgebildet hat, bei denen nur noch ei)izelne Züge 
der Stummform sich erhalte)) habe)). 

Wir geben die Charakteristik der Gattung Neptis 
etwas genauer, da sie in dem jetzigen Umfange ziemlich 
bedeutende Unterschiede im Geäder, den Palpen und 
Vorderfüssen zeigt, und wählen als Typus die JV. Aceris 
Lep., weil der grösste Theil der Arten hiemit überein- 



stimmt. Die betreffenden Abweichungen werden wir dann 
weiter unten anführen. 



85. Neptis Fabr. (?a. 90 Arten.) 
Taf. 24. N. Aceris Lep. und Hordonia Stell. 
». Pal[ie, h. (^- nnd c Q-Vorderfiiss. 
Die Gattung Neptis ist schon durch ihre äussere Er- 
scheinung so scharf charakterisirt, dass sie eigentlich nur 
mit der ihr ähnlichen Athyma verwechselt werden kann. 
Von dieser unterscheidet sie sich leicht, wenn nur <S(S 
vorliegen, dadurch, dass die Costalader der Htfl. in den 
halben Vorderrand ausläuft, während sie bei Athyma 
sowohl im o als 5 bis zum Aussenrand geht. Schwieriger 
ist der Unterschied der 99'-'^''P''s, da hier die Costalader 
ebenfalls den Aussenrand erreicht. Hier ist die Form 
der Präcostale, welche bei Athyma stets genau am Ur- 
sprung der Subcostale steht, und in einem grossen 
Bogen nach aussen gerichtet ist^ während bei Neptis 
dieselbe meist gerade und erst an der Spitze etwas um- 
gebogen oder 2 spaltig ist, von durchgreifender Bedeutung. 
Auch stehen die Radialen der Htfl. bei Neptis meist nahe 
zusammen und der Abzweigung der Subcostale näher als 
wie bei Athyma. Jeder Zweifel wird indessen durch den 
Mangel des Sporns am Grunde der Medianader gehoben 
wenn abgeschuppte Exemplare zur Verfügung stehen. 

Palpen schief a)ij)oärts gerichtet, vorderseits mit langen 
steifen, abstehende)) Haaren dicht besetzt, auf dem Rüclcen 
)nit kürzere)), ohne Haarschopj ; Endglied so la)ig als das 
gerade, nur am Grunde gebogene Mittelglied, in gleicher H-ichtung 
mit diesem, allmählich zug espitzt. 

Fit hier allmählich zu einer längliche)) Kolbe verdickt. Augen nackt. ■ 

Vdfl. mit öästiger Subcostale, deren beiden ersten Aste vor dem Zelle))de, 
Ast 3 dem 4. nähe)' als dem 2. abgeziiitigt ist, Ast 4 imd ö eine 
kurze, in den Aussenrand mundende Gabel bildend. Zelle offen. 

Htfl. mit hochgocölbtem Vorderrand: Costale bei))) Q i)i den halben 
Vorderrand, beim Q in den Ausse))rand mündoid. 
Präcostale gerade, a)> der Spitze mehr oder minder 2- 
spaltig; kurz vor oder an der l'ren)tui)g der S)cbcostale aufsteigend. 
1'ad.ialadern sejir goiäher t : Zelle ofje)). 

Q Q-Vorderfüsse sehr lawz und zart, seidig behaart, mit sehr kurzem, 
fast eiförmigen Tarsus, ka)im ^ 's so lang als Tibia, diese halb so 
lang als Femur. 

QQ-Vorderfüsse stä)-ker und lä))ger als beim Q, anliegend be- 
schuppt )ind nur a)i der Innenseite des Femur behaart, mit gleich 
ta)vjer Tibia u)id Tarsus, welcher nur am 2. bU 4. Glied mit je 2 
scheuchen Domen besetzt ist. 

Die Raupen der europäischen Arten haben einen kleinen 
zweispaltigen, mit 2 Spitzen versehenen Kopf, sind gegen 
die Mitte etwas verdickt, nach dem Ende zu verjüngt, 
mit einzelnen höckerigen Wärzchen oder selbst Hörnchen 
versehen. Die Puppen am Kopf 2 spitzig, mit wenig 
hervorspringender Nase. 

Um zunächst die auffälligste Abänderung zu erwähnen, 
so entspringt der 2. Subcostalast in mehreren Arten weit 
nach dem Zellende und in dieser Gruppe ist auch die 



N Y M P H A L I D E N. 



15a 



Form der Palpen verschieden. Als Typen derselben er- 
wähnen wir: jSi. Froheivia Fabr., Ilordoiiia Stall. , Afßnis 
Feld. etc. Doch giebt es auch einige vermittelnde Formen, 
wie iV. Venilia L. Eine weitere Mannichfaltigkeit herrscht 
auch in den Längen Verhältnissen der Discocellularen der 
Htfl. Die äusserste Verkürzung zeigt hier Jv'. Frnslini 
Boisd., bei welcher die ODC fast am Ursprung der Sub- 
costale entspringt; der entgegengesetzte Fall tritt bei N. 
Venilia ein. 

Die Behaarung der Palpen ist in dem gi-öspten Theil 
der Arten dem typischen N. Äceris ähnlich, aber in der 
Frobenia-Gruppe sind sie nur kurz beschuppt und das 
Endglied viel kürzer als dort. Auch die Präcostale ist 
variirend; die Spitze mehr oder minder 2 spaltig, oft aber 
auch einfach, gerade und an der Spitze etwas umgebogen, 
nie aber so stark nach aussen gebogen, wie bei Athyma. 

Maa muss daher bei Bestimmung dieser schwierigen 
und artenreichen Gattung auf alle diese Verhältnisse 
Rücksicht nehmen; im allgemeinen können die beim o 
in den Vorderrand verlaufeiide Costale, die nahe bei ein- 
ander und kurz hinter der Subcostale entspringenden 
Radialen der Htfl., die 2 spaltige gerade oder doch nicht 



so bogenförmig nach aussen gerichtete PC und die steif- 
haarigen, lang zugespitzten Palpen als gute und sichere 
Unterscheidungsmerkmale für Neptis gelten. 

Die Gattung Neptis ist in einer grossen Artenzahl 
über das ganze indo-australische Faunengebiet verbreitet,, 
ihr Hauptquaitier ist aber die Himalaya- und chinesische 
Region, von wo aus sie sich in das palaearktische mit etwa 
7 Arten, und mit 2 Arten auch bis in das europäische 
Gebiet verbreitet hat. Ostlich erreicht sie Australien 
und geht westlich selbst bis nach Afrika, wo sie in un- 
gefähr 12 Arten auftritt. 

Im allgemeinen sind die Neptis-Arten von Jlittelgrösse- 
und auf schwarzem oder doch dunklem Grund mit sehr 
charaktei istischen weissen oder gelbbraunen Flecken und 
Binden gezeichnet. D!e abweichendste Form stellt wohl 
die K. Baddei Brem. aus den Amurgebieten vor, welche- 
indessen keine bemerken sw'erthen Verschiedenheiten im 
Geäder und den Strukturorganen zeigt und eine echte 
ISfeptis vorstellt. Dagegen gehört die vielfach noch zu 
Neptis gerechnete Nycteis zu den Apaturen, wie dies 
schon die robusten Fühler und die Piäcostalader im 
Htfl. zeio'en. 



VIII. Limenitis-Gruppe. 



Medianader der Vdß. am Grunde mit 
Präcostale am Ursprung der Subcostale. 



einem kurzen Sporn. '^'^-Vorderfässe nur am 2. bis 4. 
Baupen selten mit verzweigten Dornen, meist glatt und nui 

höckerigen Warzen oder Kegeln besetzt. 

Megaliira Südamerika. 

Cyrestis ) Indo-Austvalien 

Chersoiiea I ß- Th. A/rii-a.) 



Tarsusglied bedornt., 
mit vjenigen kurzen 



I^y»""""<^ 1 Südamerika. 

Adelplia J 

Liinieilitis I f^- Th. Europa und Kordamerilca.) 

Athyma 

Abrota 

Pandita 

Lebadea 

Neuvosigma 

Parthenos 



Indische 
Th. austral. Region. 



Pseudacraea 

Hamanvuuida 

Catuna 

Aterica 

Cynandva (nov. 

Enryphenc 

Romalaeosonia 

Cymothoe 



■> 



gen.) 



Afrika. 



Die Limenitis-Gruppe ist eine der best umgrenzten 
der Nymphalidenfamilie und steht im Habitus und in dem 
fast gleichen Aderverlauf den Diademen am nächsten, 
wird aber durch wichtige und constante Charaktere scharf 
von diesen getrennt. 

Zunächst besitzen fast alle Gattungen den Median- 
sporn (mit 2 — 3 Ausnahmen, welche vielleicht nicht hieher 
gehören). Dann sind die ^^-^orderfüsse ausnahmslos 
nur am 2. bis 4. Tarsusgliede bedornt, und die Präcostale 
der Htfl. steht genau an der Abtrennungsstelle der Sub- 
costale, ist sehr stark entwickelt, und in einem schönen, 
grossen Bogen nach aussen gerichtet. 

In den meisten Gattungen ist der 2. SC-Ast an 
seinem Ursprünge deutlich für kurze Zeit fest an der 
Hauptader angelegt und es scheint fast, als ob dieser 
Charakter einer bestimmten Reihe zukommt (Argynniden, 
Diademen), aber doch zu häufig verwischt ist, um als 



unterscheidendes Merkmal verwerthet zu w'erden. In dem 
übrigen Geäder schliessen sich die Limenitiden ganz den 
vorhergehenden Gruppen an. 

Die Raupen der Limenitiden gehören dem Typus mit 
verzweigten Dornen an, aber die Dornen sind in den 
meisten Fällen sehr differenzirt, vielfach zurückgebildet, 
oder auch ganz verkümmert. Nur in der Gattung Athyma 
(s. diese) haben sich dieselben noch vollständig erhalten. 
Bei Limenitis sind sie zum grössten Theil verkümmert 
und es zeigen sich nur einzelne kurze, keulenförmige 
Fortsätze auf dem 2. und 3. Ringe. Die Kopfdornen 
sind meistens bis auf einen Kranz kleiner Stacheln oder 
2 kleiner Spitzen verkümmert. Die Puppen haben eine 
sehr charakteristische Form durch die nasen- oder beii- 
förmig vorspringende Rückenkante ; sie sind nur massig 
zusammengediückt und der Kopf trägt zwei kurze 
Hörnchen. 



154 



NYMPHALIDEN. 



Wir haben zu dieser Crruppe einige Gattungen ge- 
stellt, welche bisher ziemlich entfernt von Limenitis standen. 
Es sind: Pseudacraea, Dynamine und die beiden 
nahe verwandten und unzertrennlichen Megalura und 
■Cyrestis. Bei Pseudacraea glauben wir auch ohne 
weitere Beweise aus der Raupen- und Puppenform ihre 
jetzige Stellung vertreten zu können; dagegen stützt sich 
unsere Annahme bei Megalura und Cyrosiis nur auf die 
Bildung der 59'^^°'-'''^^'^'^^^® ""*-' '^'•^ Stellung der Prä- 
«ostale. Beide Gattungen nehmen dem Geäder nach eine 
völlig isolirte Stellung, selbst unter andern Gruppen, ein, 
und so haben wir sie vorläufig als eine besondere kleine 
Oruppe den Limenitiden vorangestellt, bis spätere genauere 
Untersuchungen, namentlich der Jugendzustände (welche 
fast ganz unbekannt sind), ihre richtige Stellung aufgeklärt 
haben werden. 

Eine gleich isolirte Stellung nimmt die Gattung 
Dynamine ein, doch zeigt sich hier die Verwandtschaft 
zu den Limenitiden, speciell zu Adelpha, schon besser in 
■der Raupenform und auch im Geäder des Schmetterlings 
-ausgedrückt. Dass Dynamine unmöglich den Catagrammen 
angehören kann, wird durch die abweichende Strukturform 
hinlänglich bewiesen; aber auch von den typischen 
Limenitiden ist sie scharf durch den Mangel des Median- 
sporns getrennt. In dieser Hinsicht stimmt Dynamine 
■viel besser mit Neptis überein und es wäre nicht unmöglich, 
dass Dynamine der südamerikanische Repräsentant der 
östlichen Neptisform ist, wie Adelpha von Limenitis. Auf 
diese "Weise würde sich auch leicht die merkwürdige 
l^eptis-artige Zeichnung der 9$ ''l^'" Mylitta-Gruppe er- 
klären lassen, welche sich hier noch trotz der langen 



Isolation erhalten hat. Wir haben sie daher an die Spitze 
der Gruppe gestellt. 

Auf eine charakteristische Eigenthümlichkeit der 
Limenitiden wollen wir noch kurz aufmerksam machen, 
nämlich auf den nachahmenden Zug, welcher bei einzelnen 
Geschlechtern in ganz frappanter Weise, ähnlich wie bei 
den Diademen, auftritt. Doch ist er nicht so allgemein 
verbreitet, wie in dieser Gruppe und findet sich haupt- 
sächlich bei den afrikanischen Gattungen und merkwürdiger- 
weise bei den wenigen nordamerikanischen Limenitiä-Arten 
ausgebildet. Am auffälligsten scheint uns dieser Zug 
zwischen den beiden Gattungen Athyma und Keptis zu 
bestehen, wie wir bereits bei letzterer erwähnt haben. 

Die Limenitis-Gruppe ist über die ganze Erde, viel- 
leicht nur mit Ausnahme des australischen Festlandes, 
verbreitet, doch müssen einzelne Formen in früheren 
Epochen einen viel grösseren Bezirk umspannt haben, als 
in der heutigen Periode, denn nur so kann das Vorkommen 
zweier so nahe verwandten Gattungen, wie Cyrestis und 
Megalura, oder Adelpha und Limenitis auf ganz entgegen- 
gesetzten Gebieten erklärt werden. Limenitis selbst hat 
ihr Hauptquartier in der indischen Region, von wo 
einzelne Zweige bis in das europäische und nordameri- 
kanische Gebiet vorgedrungen sind. In Südamerika wird 
sie durch Adelpha, in Afrika durch Pseudac,raea vertreten. 
Die übrigen Gattungen gehören in überwiegender Mehr- 
zahl der indischen Region an, wo namenthch Athyma 
zahlreich entwickelt ist; nur wenige gehen bis in das 
malayisclie Gebiet. Die sieben afrikanischen Gattungen, 
welche wir früher zu den Euthalien stellten, sind stricte 
auf dieses Gebiet beschränkt. 



Schlüssel der Limenitis-Gruppe. 
I. Präcosfale der Htß. nach Ahtrenmmg der SG. (Abirrende Formen der Limenitis-Gruppe.) 

A. FC einfacli, entweder gerade oder nach aussen gebogen. 

a. Nur ein SC- Ast vor dem Zellende. 

* 5. SC-Ast in die Flügelspitze mündend CherSOliea. 

** 5. SC-Ast xinterhalh der Fliigelspitze in den Aussenrand mündend . . . . . . Catlina. 

b, Zioei SG-Äste vor dem Zellende. 

* Palpen lang, schnabelartig vorstehend. Htß. mit stumpfen Lappen am Linenwinkel 

und Tiurzen Schwänzchen an Mz Cvrestis z. Th. 

** Palpen kurz, icenig vorstehend. Htfl.-Puind abgerundet. f*"^''" """'' ""'^'' -'^^ 

f 5. SC-Ast in die Flügelspitze mündend. 

§ Vdfl. mit sichelartig verlängerter Flügelspitze. Zellen geschlossen Lebadea. 

§§ Tdß. mit nicht verlängerter Flügelspitze. Zelle der Htß. offen Atei'ica. 

ff 3. SC-Ast vor der Flügelspitze in den Aussenrand Dynamine. 

B. PC an der Spitze 2gablig , PartlieilOS. 

U. Präcostale der Htß. genau an der Abtrennungsstelle der SC, nach aussen gebogen. 

A. Nur ein SC-Ast vor dem Zellende. 

a. Htß. an Ma lang geschicänzt .' Megalura. 

b. Htß. iingeschicänzt. 

* SCi kurz nach dem Zellende abgezweigt ' Adelpha z. Th. 

** SCi weit' nach dem Zellende abgezweigt. (^^"^^'^ ""'''' ""'^'' ^'-^ 

f Flügel sehr verlängei-t Catuna z. Th. 

(stehe aiidi unter 1.) 
ff Flügel mehr breit als lang Cyuaudl'a. 

B. Zwei Subcostaläste vor dem Zellende. 

a. jS'Cs unmittelbar nach dem Zellende abgezweigt. 

* Palpen lang, grau behaart • ElU'J'pllCne. 

** Palpen kurz, orangebraun behaart Roiualaeosonia. 

b. SCi mitten zicischen Zellende und Sd abgezioeigt. 

* Htß. am hinenwinkel mit stumpßen Lappen und an il/g kurz geschwänzt Cyrestis 

(siehe auch unter J.J 



NYMPHALIDEN, 



155 



** Uff. i/anzrandig. 

f Zellen heider Flügel geschlossen. 

§ ÜB G fast senkrecht, gebogen, die Mediana genau am 2. Ast treffend .... Pseudacraea. 

§§ UÜG schief, die M nach dem 2. Äst treffend Neui'OSig'nia. 

ff Zellen der Vdfl. geschlossen, der Htfl. offen. 

§ Zelle der Vdfl. bauchig, harz unl dick CyiüOthol^. 

[ Liiucnitis. 

f§ Zelle lang und sclrnial J Adeln !l1 

I Abrota. 

jS'G) dem 4. SC- Äst viel näher als dem Zellende. (Unterschiede siehe im Text.) 

* Beide Zellen offen. 

f (irosse Schmetterlinge mit Neptis-artigen Zeichnungen Athvilia. 

ff Kleine, weisse, schwarz gerandete Schmetterlinge Dyiiailline z. Th. 

"* Vdfl.-Zelle geschlossen. Htfl.-Zelle offen. 

Schmetterlinfie hraim mit schwarzen Länjsstrichen PaiKllta. 

** Beide Fliigehellen geschlossen. 

Grau mit vielen v:eissen Aufjen gezeichnet rlaiSiailUlUlua. 



86. Megalura Blanch. (ca. 25 Arten.) 
(Tiiiietcs Westw.) 

Taf. 23. M. Coresia Godt. 
a. I'iili'P, b. Q- und c. C-Viudeifiiss. 

Die beiden Gatiuiigen Megalura und Cyrestis 
sind so eng mit einander verwandt, obwohl auf den ent- 
gegengesetzten Tlieilen der Erde vorkommend^ dass man 
annehmen musf, sie gehören ein und demselben Stamme 
an. In den Hauptcharakteren stimmen sie vv'ohl mit dem 
Limenitis-Typus überein; doch zeigen sie auch einige be- 
deutende Abweichungen, wie z. B. den Mangel des 
Medianspoms, die Einmündung des 4. Subcostalastes 
(statt des 3.) in die Flügelspitze, weshalb wir sie nur mit 
einiger Reserve in diese Gruppe stellen. Jedenfalls ist 
ihre Stellung neben Victorina (also in der Diademen- 
Gruppe) noch viel unhaltbarer, da sie keinesfalls mit 
diesen in der Struktur übereinstimmen. 

Der hervorragendste Charakter von Megalura liegt in 
den lang ges ch wänz ten Htfln. und den nahe bei 
einander entspringenden Radialen derselben, 
den offenen Flügelzellen und in der Abzweigung 
nur eines Subcostalastes vor dem Zellende. 
Durch letzteren Charakter unterscheidet sich Megalura 
Ton ähnlichen geschwänzten Arten der Gattung Hypanartia. 
Mit anderen südamerikanischen Gattungen dürfte sie kaum 
ihres charakteristischen Habitus wegen verwechselt werden. 

Die Verwandtschaft der Megaluren mit dem Limenitis- 
Typus zeigt sich hauptsächlich in der Palpenform, der 
Stellung der Präcostale und den ^S-'^orderfüssen. 

Falpen ziemlich lang, vorderseits dicht anliegend beschii^ypt, auf dem 

Mücken mit einem starken Haarschopf versehen. Baä Endglied 

länglich zugespitzt. 
Wühler viit allmählich Verdichter Kolbe. 
Vdfl. mit lästiger Subcostale, deren 1, Ast vor dem Zeltende, der 2. in 

einiger Entfernung nach demselben entspringt; Ast 3 und 4 nahe 

zusammen in der Flügelspiitze. Ast 4 in die Flügelspitze, Ast 5 

unterhalb derselben mündend. Zelle offen. 
S.tfl. am. 3. Medianast lang geschu-änzt und zivischen SM ur.d Mi in 

einen kurzen, stumpfen Lappen vorgezogen. PC genau, am Ursprung 

der Subcostale entspringend. Zelle aßen. 
(jQ-Vorderfüsse sehr dünn, seidig behaart, mit gleichlangeti Eemur 

und Tibia und sehr kurzem Ihrsus. 
'^Q -Vor d erfasse mit längerem, verdickten Tarsus, nur am 2. bis 4. 

Glied bedaimt. 



Über die Raupen der Megaluren ist nur das bekannt, 
was Stell vor 100 Jahren veröffentlicht hat, und bedürfen 
seine Angaben noch weitere Untersuchungen. 

Die Megaluren verbreiten sich fast über das ganze 
neotropische Faunengebiet und berühren sogar die süd- 
hchen Grenzen Nordamerikas. Sie gehören zu den 
schönsten und auffallendsten Erscheinungen der süd- 
amerikanischen Fauna und treten in einer Mannichfaltigkeit 
der Plügelfärbung auf, wovon die im I. Theil abgebildeten 
Arten eine Vorstellung geben. Unter diesen zeichnet sich 
namentlich der M. Peleus Sulz, durch seine verlängerte 
geeckte Flügelform am meisten aus. 

87. Cyrestis Boisd. (ca. 20 Arten.) 

Taf. 23. C. Thyodamas Boisd. 
n. Palpe, b. (J- und e. Q-Vorderfuss. 

Die Gattung Cyrestis bietet schon in ihrer äusseren 
Erscheinung so viel auffällige Merkmale dar, dass sie 
hiedurch vollkommen als Genus charakterisirt würde. Der 
ganze Habitus, die mehr breiten als länglichen Vdfl., der 
in einen stumpfen Lappen vorgezogene Lmenwinkel der 
Htfl., das kurz angedeutete Schwänzchen am 3. Median- 
ast — entsprechend dem langen Schwanz der Megaluren 
— schliesslich auch die feine strichartige Zeichnung 
schliessen ein Verwechselung der Cyrestis-Arten mit allen 
andern Nymphalidengattungen vollständig aus. 

Cyrestis charakterisirt sich ferner durch die unge- 
wöhnlich langen, schnabelartig vorstehenden 
Palpen, welche vorderseits mit kurzen anliegenden 
Haaren bedeckt sind, und auf dem Rücken des Mittel- 
gliedes einen Kamm steifer Haare tragen; das Endglied 
ist beim § länger als beim d"', fast ^/g des Mittel- 
gliedes erreichend und vorgeneigt. Fühler zart, allmählich 
in eine längliche Kolbe übergehend. 

Vdfl. mit 2 Subcostalästen vor dem Zellende; 
Ast 3 dem 4. näher abgezweigt, Ast 4 in die 
Plügelspitze, Ast 5 in den Aussenrand mündend. 
ODC sehr kurz, MDC gerade oder schwach gebogen, Vs 
solang, als die zarte gerade LTDC, welche die Mediana 
am Ursprung des 2. Astes triff't, aber in einigen Arten 
auch verkümmert ist. 



156 



N Y M P H A L I D E N. 



Htfl. mit einfacher gebogener PC, welche kurz nach 
Abtrennung der Suboostale, oder selbst an der Ursprungs- 
stelle derselben abgezweigt ist. Zelle entweder offen oder 
durch eine feine UDC geschlossen. 

O O-Vorderfüsse sehr zart und dünn , seidenartig 
behaart, mit kurzem Tarsus. 5$"Vorderfüsse mit Megalura 
übereinstimmend. 

Der Verbreitungsbezirk von Cyrestis ist ein ziemlich 
grosser, denn er erstreckt sich von Nordindien durch das 
ganze indo-austrahsche Gebiet bis Neu-Guinea und dem 
Bifmarckarchipel, und selbst in Ostafrika und Madagascar 
sind einige .b'ten gefunden worden. Die meisten besitzen 
eine weisse oder gelblich braune Grundfarbe und sind 
duich dunkle Längsbinden, Striche oder feine Linien in 
ganz chnrnkteristischer Weise gezeichnet. Einige Arten, 
wie C. yicea Zink, Nivalis Feld., Elegans Boisd., sind 
wii klich durch die Form der Flügel und die ungemein 
zarte Zeichnung derselben von ausnehmender Schönheit. 
Trotz ihrer kurzen Schwingen sind sie gute Flieger und 
von einigen ist beobachtet, dass sie ähnlich den süd- 
amerikanischen Evyciniden gern unter breite Blätter 
schlüpfen und hier mit ausgebreiteten Flügeln ruhen. 

88. Chersonea Dist. (2 Arten.) 

Taf. 23. Ch. Rahria Westw. 
a. Piilje, b. (35 -VoideifiiEP. 

Diese kleine Gattung war früher mit Cyrestis ver- 
einigt, ist aber mit Recht von D i s t a n t abgetrennt 
worden. Sie unterscheidet sich von Cyrestis schon durch 
die kleineren, weniger hervorragenden Palpen, deren End- 
glied höchstens Vj. des Mittelgliedes beträgt; auch ist der 
Haarkaram auf dem Rücken nicht so hervortretend. Der 
Hauptcharakter hegt aber in der Abzweigung nur eines 
Subcostalastes vor dem Zellende, und der 
AusraündungdesS.Astes in die Flügelspitze, 
während bei Cyrestis der letztere unterhalb derselben 
auso-eht. Beide Flügelzellen sind offen und die Präcostale 
der Htfl. zweigt sich weit nach der Subcostale ab. 

Die Verwandtschaft von Chersonea mit Cyrestis hat 
sich nur in einzelnen Strukturorganen erhalten, z. B. in den 
feinen, seidig behaarten Vorderfüssen ; im Geäder ist diese 
Gattung bereits sehr differenzirt. Doch erinnert der 
Habitus, die charakteristische Längsstreifung und wenig- 
stens eine Andeutung des stumpfen Lappens am Innen. 
Winkel und des Schwänzchens am 3. Medianast noch an 
Cyrestis. 

Die beiden hieher gehörenden Arten sind kleine zarte 
Schmetterlinge von schön hellbrauner Grundfarbe und 
mit feinen, dunkleren Längs- oder Querbinden über beide 
Flügel gezeichnet. Sie gehören dem indischen Faunen- 
gebiet an. 

89. Dynamine Hübn. (ga. 35 Arten.) 
(Eubagis Boisd.) 

Taf. 24. D. Anubis Hew. und D. Mylitta Cram. 

a. Palp', b. ö"- und e. Q-Vorderfuss. 

Die Dynaminen wurden bisher stets unter die 

Catagrammen gesetzt; allein Raupenform und Geäder 

zeigen deutlich, dass ihre wahre Stellung unter den 

Limenitiden oder doch in deren Nähe ist. Zwar fehlt 



ihnen der charakteristische Sporn am Grunde der Median- 
ader, aber die Präcostale st ;ht, bei einer Gruppe wenigstens, 
genau an der Abzweigungsstelle der Subcostale, wie bei 
den Limenitiden. 

Dynamine unterscheidet sich von allen übrigen Gat- 
tungen dieser Gruppe, abgesehen von ihrer Kleinheit und 
der ganz abweichenden Flügelfärbung, durch die Aus- 
mündung des 3. SC-Astes in den Vorderrand 
und nicht in die Flügelspitze. Der 4. und .5. Ast bilden 
eine kurze Gabel, von welcher der oberste Zweig 
(Ast 4) in die Spitze oder davor, der untere (Ast 
5) in den Aussenrand mündet. 

In dieser Gattung finden wir Arten mit gleich ge- 
färbten Geschlechtern und solche, deren <S d von den QP 
total abweichen. Da sich in beiden Gruppen auch Ver- 
schiedenheiten im Geäder zeigen, so sind sie von einigen 
Autoren generisch getrennt worden. Zwischen diesen 
Formen giebt es einige Mittelglieder, die eine 3. Gruppe- 
bilden, ohne gerade scharfe Unterscheidungsmerkmala 
zu zeigen. 

Die 1. Gruppe (Eubagis) wird durch die rein 
weissen Arten, wie D. Agacles Balm., Alhemon L. etc.^ 
gebildet, deren gleichgefärbte Geschlechter von einer 
zarten schneeweissen Grundfärbung und schwarzer Flügel- 
randung sind und höchstens beim o ein stahlblaue» 
Fleckchen auf den Vdfln. als Zeichen der Verwandtschaft 
besitzen. Hier ist der L SC-Ast mit der Costale- 
verwachsen und SC3 entspringt dem 4. viel 
näher als dem Zellende. Zellen beider 
Flügel sind offen. Die untere Radiale (UR) an der 
Basis wenig oder gar nicht gebogen. Prä- 
costale der Htfl. ist genau am Ursprung der SO 
abgezweigt. 

Die 2. Gruppe oder speciell die engere Gattung 
Dynamine mit D. Mi/litta Cram. als Typus hat ganz 
verschieden gefärbte Geschlechter : Die o (j meist von 
einfacher gelblichgrüner Bronzefarbe, die §5 dagegen 
schwarz und weiss gefleckt in einer Neptis-ähnlichen An- 
ordnung. Der L SC-Ast ist frei, der 3. Ast entspringt 
mehr in der Mitte zwischen Zellende und Ast 4^ 
die Zellen beider Flügel sind geschlossen und 
die PC ist etwas nach der SC abgezweigt. 

Zwischen diesen beiden Formen stehen einige Arten^ 
wie Bncidula Hew. und Verwandte. Die O O haben 
eine stahlblaue Grundfarbe und die Zeichnungen der ^^ 
schimmern deutlich durch. Die obere Zelle ist geschlossen^ 
die untere offen. PC ist nach SC abgezweigt ; SC3 steht, 
zwischen Zellende und dem 4. Ast in der Mitte. 

In den Palpen, Fühlern und Vorderfüssen, und 
hauptsächlich in der Ausmündung des 3. SC-Astes in 
den V r d e r r a n d , des 4. in die Flügelspitze 
stimmen alle Dynamine- Arten, soweit wir sie untersuchtj 
gut überein. 

Die Raupen haben (nach Dr. Mülle r) eine mehr 
kurze und breite als cylindrische Gestalt,' so dass sie 
eher einer Eryciniden- als Nymphalidenraupe gleichen. 
Die Kopfdornen fehlen vollständig. Die Dornen des 
Körpers sind zu kurzen Zapfen umgebildet und tragen 
geknöpfte oder einfache Borsten. Die Puppe hat am 
Kopf 2 kurze Hörnchen und 2 starke schnabelartige 
Vorsprünge auf dem 2. und 5. Segment. 



NYMPHALIDEN. 



157 



Die Dynaniine-Aiten sind über das ganze Tropen- 
ni'bict Südamerikas verbreitet, doch ist das Amazonenthal 
ihre eigentliche Heimath, wo allein -/g aller bekannten 
vorkommen. Auf der Rückseite der Htti. besitzen die 
Ai'ten der 2. Gruppe eine charaktei istische bindenartige 
Zeichnmig und gewöhnlich zwei Augen zwischen den 
letzteren ausgebildet, welche aber von der Catagramma- 
Zeiohnung ganz verschieden ist. Einige Arten zeichnen 
sich durch ihre ganz abweichende Flügelfärbung aus, wie 
die prachtvolle samnitschwarze, nur an der Vdfl. -Basis 
breit silbergiün gefärbte D. Zenohia Baiev. die orange- 
ge'b und goldgrün gezeichnete i>. Erchia Heic., oder die 
hellblaue Wema L>. I'ernis Heic, alle drei dem Amazonen- 
thaie angehörend. Die interessanteste Art indessen ist 
die wundervoll violett schimmernde 1). Uindla lieir.^ 
welche oberseits eher einer Eunica gleicht, aber sich die 
charakteristische Dynaraine-Zeichnung auf der Htfl.-Rück- 
seite noch ausgezeichnet bewahrt hat. 

Die Gewohnheiten der Dynamn)en sind von denen 
der Catagrammen ganz verschieden und stimmen, nach 
Bat es, darin ganz mit den Adelphen überein. Es ist dies 
höchst interessant und zeigt zugleich, da?s sich die Ver- 
wandtschaft beider Gattungen auch in solchen Ausser- 
lichkeiten erhalten hat. 

90. Adelpha Hübn. (ca. 70 Arten.) 
(Heterochvoa Boisd.) 

Taf. 24. A. Cytherea L. 
a. Palpe, b. q- und o. Q-Vorderfuss. 

Die Gattung Adelpha ist der südamerikanische 
Vertreter von Limenitis und unterscheidet sich von dieser 
mu- durch sehr geringe Verschiedenheiten in der Struktur 
des Geäders und den übrigen Organen ; dagegen ist der 
]Iabitus und Farbungsstyl so abweichend, dass beide 
Gattungen leicht daran erkannt werden können. 

Der Ilauptcharakter von Adelpha liegt in den 
behaarten Augen, den weniger stark be- 
haarten Palpen und den viel feineren od" 
Vorderfüssen; doch ist gerade das erstere Merkmal 
Limenitis gegenüber von geringerer Bedeutung, da auch 
einzelne indische Arten behaarte Augen besitzen. Die 
Abzweigung der Subcostaläste ist genau wie bei Limenitis; 
auch hier liegen der 2. und .3. an ihrem Ursprung eine 
kurze Strecke der Hauptader an. Die Zelle der Vdfl. 
ist stets durch eine feine, etwas gebogene UDO geschlossen, 
welche die Mediana entweder schief oder senkrecht, kurz 
nach dem 2. Aste, verbindet; die Zelle der Htfl. offen. 
Die Präcostale ist nach aussen gebogen und steht genau 
am Eisprung der Subcostale. 

Die d'd'-Vorderfüsse sehr fein und dünn, beschuppt. 
Tarsus -/.s der Tibia, diese wenig kürzer als der Femur. 

Im Geäder der Vdfl. weichen einige Arten (A. Lara 
Heu-., Isis Dm., Epione Goch.) insofern ab, als hier der 
2. SC- Ast nach dem Zellende entspringt. Diese Arten 
sind auch ganz abweichend gefärbt, doch stimmen sie in 
allen übrigen Merkmalen gut mit dem Typus überein, so 
dass eine generelle Trennung ganz unstatthaft wäre. 

Die Adelpha-Arten sind in einer grossen Zahl über 
das ganze tropische Südamerika bis Mexiko verbreitet. 
Sie haben fast alle den gleichen typischen Habitus und 



die Zeichnungsanlage, welche sie auf den ersten Blick 
kenntuch macht. Nur die bereits erwähnten, sich auch 
im Geäder unterscheidenden Arten sind vollständig ab- 
weichend gefärbt und auch im Habitus verschieden: A. 
Lara und Isis tragen carminrothe, Epione eine weisse 
Quer bin de über die schwarzen Vdfl. Die grosse 
Mehrzahl der Adelphen hat dagegen auf braunschwarzem, 
dimkelgestreiften Grund entweder eine orangegelbe oder 
weisse Längs binde. Diese ändert manuichfach ab, ver- 
kleinert sich oder löst sich in Flecken auf, oder ver- 
schwindet auf einem Flügel ganz. Oft ist die Vdfl.-Binde 
orange, die der Hlfl. weiss — so in mannichfaltigster 
Weise variirend und doch den allgemeinen Typus fest- 
haltend. Auf der Rückseite sind sie noch viel charak- 
teristischer durch farbige Längsbinden und Striche gezeichnet. 

Die Raupen von Adelpha gleichen, soweit sie be- 
kannt geworden, im allgemeinen den Limenitis-Raupen ; 
einige besitzen noch verzweigte Dornen, bei andern sind 
dieselben in kurze behaarte Fleischzapfen verwandelt. 
Der Kopf ist mit kurzen Dornen besetzt. Die Puppen 
sind nach Dr. W. Müller von einer sonderbaren Gestalt, 
mit 2 Hörnern am Kopf und breiten Plügelkanten, meist 
von brauner Farbe mit mehr oder weniger Metallglanz. 

Auch die. Gewohnheiten der Schmetterlinge gleichen 
ganz denen der Limenitis- Arten. Sie sind, wie Bates 
berichtet, durchaus Waldbewohncr und haben einen leb- 
haften, segelnden Flug. Sie setzen sich gerne an feuchte 
Stellen auf den Fusswegen oder an Plussufern und steigen,, 
wenn gestört, mit rapider SchneUigkeit bis zu den höchsteu 
Spitzen der Bäume empor. 

91. Limenitis Fabr. (ca. 30 Arten.) 

Taf. 24. L. Populi L. d' und L. Danava Moore, 
a. Phlpe, b. o " "'"^^ <*■ Q-Vorderfuss. 
Die Gattimg Limenitis ist in ihrer jetzigen Um- 
grenzung durchaus nicht gut umschrieben. Es finden sich 
in einzelnen Arten bedeutende Abweichungen im Geädei-- 
selbst, in den Palpen und der Bekleidung der Augen. 
Die folgende Diagnose gründet sich auf den allgemein 
angenommenen Typus L. Popiili L., und werden wir die 
auffälligsten Ausnahmen darauf anführen.*) 

A ugen nacht. 

Palpen dicht behaart, auf dem llüchen des MlttehjUedes mit eine}}y 

steifen Haarkamm besetzt. Endglied hwis, zugespitzt. 
Fühler init verlängerter stumpfer Kolhe. 
Vdfl. stets mit 2 Suhcostalmten vor dem Zellende, der 1. in einiger 

Eilt, eniuncj , der 2. unmittelbar vor demselben entspiiiu/end , an 

seinem Ursprung herabgebogen und für eine kurze Streclce an der 

Sauptader geschlossen. Ast 3 zwischen Zellende und Ast 4, am 

Ursprung etwas gebogen. OIJC kurz oder fehlend. MDC gebogen. 

UDO fehlend oder, wenn vorhanden, sehr Jein, schief die Mediana 

hurz nach dem 2. Aste trefend. 
Jltfl. mit offener Zelte, einfacher PC, velcJie sich genau am Ursprung 

der Subcostale abzweigt und in einem Bogen naclt aussen gerichtet ist.. 
Q Q -Vor der fasse dicht beschuppt, Femur und t'o.va nur an der- 

Innenseite lang behaart; Tarsus ' a von Tihia, diese nur u:enig' 

kürzer als Femur. 



*) Es nniss bemerkt weiden, dass gerade bei L. Populi der 
Mediansporn nicht deutlich entwickelt ist, während er sonst bei 
allen von uns unteisuehten Arten sehr gut ausgebildet war. Diese- 
einzige Ausnahme gerade bei dem Typus ist indessen nicht von so 
grosser Bedeutung, denn bei vielen Individuen ist der Sjjorn noch, 
als Paijiuient deutlich nachzuweisen. 



158 



N Y M P H A L I D E N. 



QQ-]^or der fasse elu-as f/rUssey, vüt ijfjUedrlyem^ am 2, bis 4- Glied 
init je 1 Paar lairzer Dornen besetzten Tarsus^ welcher von t/leidier 
Länge d&i' Tibia ist. 

Schon unsere wenigen deutschen Arten bieten Ab- 
■weichungen im Geäder dar. Bei L. Camilla Tl. V. O 
und 5 z. B. mündet die UDC genau am l'rsprung des 
2. M-Astes, bei L. Si/ii//ia L. dagegen im O wie bei 
L. Populi, also nach dem 2. Aste, beim ^ '^''^^ ^^i 
Camilla. Auch entspringt hier der 1. SC-Ast in der 
Zellmitte, während er bei den vorgenannten Arten nahe 
am Zellende abgezweigt ist. Dagegen ist der Unter- 
schied im Verlauf der UDC schon bedeutend grösser bei 
den indischen Arten. (Siehe L. Danava Moore Taf. 24.) 
Diese entspringt viel weiter hinter der Biegung der UR, 
geht schief nach unten und trifft die Mediana genau 
in der Biegung des 3. Astes. Dadurch ist die 
Zelle unten bedeutend länger als oben. Der 1. SC-Ast 
zweigt sich immer in der Zellmitte ab. Bei einigen Arten 
(L. Dudu Westw., Daraxa Douhl. Hew.) sind die Augen 
auch nicht nackt, sondern behaart. Die nordamerikanischen 
Arten (L. Ursula Fab.., Archippus Gram.) haben das 
Geäder der L. Camilla. 

Diese bedeutenden Abweichungen könnten veran- 
lassen, die indischen Formen als besonderes Genus abzu- 
trennen; sie stimmen aber sonst so gut im ganzen Habitus, 
der Flügelfärbuug und andern Charakteren überein, dass 
es uns besser erscheint, statt dessen die Diagnose zu er- 
weiteiTi und sie noch mit den übrigen zu vereinen. 

Der Verbreitungsbezi) k von Limenitis ist ein ziemlich 
grosser und erstreckt sich über Nordamerika, ganz Europa, 
Asien bis zum indischen Archipel, wo etwa die Philip- 
pinen und die Insel Celebes die östliche Grenze bilden. 
Das Hauptquartier dieser Gattung ist wohl die Himalaj-a- 
Region, von wo aus die Verbreitung bis in das europäische 
resp. nordamerikanische Gebiet erfolgte. Interessant ist 
auch die Isolation von mehreren Arten auf Celebes, welche 
sich alle durch einen besonderen Habitus auszeichnen. 
Europa besitzt, wie bekannt, nur 3 Arten ; Nordamerika 
dagegen 5, von denen 2 sich durch die Ahnhchkeit mit 
anderen, ganz entfernt stehenden Schmetterlingen aus- 
zeichnen. Es sind dies die stahlblau glänzende L. Ursula 
Fair., welche entfernt dem Pap. Philenor ähnelt, und der 
braune Danaid-artige L. ArcJu'/ipus Cram., der in der 
That den bekannten Dan. Erippus so täuschend copirt, 
dass nur eine genaue Untersuchung der Htfl.-Zellen, welche 
bei der Limenitis-Art offen, bei Danais aber geschlossen 
sind, über die generelle Zugehörigkeit Aufschluss giebt. 

92. Athyma Westw. 0;a. 40 Arten.) 

Taf. 24. A. Leucothoc L. 

X. Palpe, b. (j'-Vorderfusp. 

Bisher wurde Athyma stets nahe zu Neptis gestellt, 

wegen ihrer fast gleichen Flügelfäibung; aber sie besitzt 

zu Limenitis eine viel grössere Verwandtschaft als zu jener. 

Athyma unterscheidet sich von Limenitis nur durch 

sehr geringe Strukturdiff'crenzen. Die Abzweigung der 

beiden ersten Subcostaläste ist dieselbe; nur der 3. Ast 

entspringt viel weiter nach dem Zellende, 

fast in der Flügelspitze und nahe dem 4., während er 

bei Limenitis halbwegs zwischen diesem und dem Zellende 

steht. Beide Aste, 2. und 3., sind genau so am Ursprung 

herabgeliogen, wie bei jener Gattung. Die Zellen der 



Vdfl. offen oder durch eine feine UDC geschlossen; die 
der Htfl. stets offen. Die Costalader der Htfl. 
bis zum Aussenrand gehend. (Unterschied von 
Neptis.) Die Präcostale ist sehr stark und in einem 
grossen Bogen nach aussen gerichtet. Sie steht genau 
am Ursprung der Subcostale. Die cfo-Vorderfüsse haben 
einen sehr kleinen, aber in der L'inge wechselnden Tarsus. 
Palpen und Fühler sind wie bei Limenitis gebildet. 

So gering nun auch die Merkmale im Geäder sind, 
so leicht lässt sich anderseits Athyma von Limenitis durch 
ihre charakteristische Flügelzeichnung trennen, welche der 
Neptis-Zeichnung täuschend ähnelt und im wesentlichen 
aus weissen (oder gelblichen) Binden und Fleckenreihen 
auf dunklem (schwarzen oder braunen) Grund in einer 
bestimmten Anordnung besteht. Namentlich ist ein 
balkenartiger, am Ende oft getheilter, breiter Strich in 
der Vdfl.-Zelle charakteristisch. Diese Zeichnung zeigen 
ausser den meisten Neptis- Arten auch noch einige Apa- 
turen, A. Chevana und A. Nycteis, von denen namentlich die 
letztere ohne jede Kritik bald zu Athyma, bald zu Neptis 
gestellt wurde, aber sofort an der Stellung der PC und der 
verschiedenen Unterseite als Apatura erkannt werden kann. 

Den fundamentalen Unterschied zwischen Athyma 
und Neptis haben wir bereits bei letzterer angegeben. 

Die Raupe von Athyma ist (nach Horsfields 
Abbildung) mit verzweigten Dornen besetzt, am Kopf, 
welcher Ähnlichkeit mit Limenitis hat, steht ein Kranz 
von Stacheln. Die Dornen sind ziemlich gross. Die 
Puppe ist denen von Adelpha sehr ähnUch. 

Der Verbreitungsbezirk dieser Gattung erstreckt sich 
hauptääclilich von Indien über die grossen Sunda-Inseln 
imd den malayischen Archipel bis NordaustraUen. 

93. Abrota Moore, (i Art.) 

Taf. 24. A. Mirus Fabr. 
a. Palpe, b. Q-Vordarfiiss. 

Diese von Moore auf A. Mirus Fahr, gegründete 
Gattvmg unterscheidet sich von Athyma schon durch ihre 
Grösse und die verschiedenartig gezeichnete Unterseite. 
Ausserdem sind die Htfl.-Zellen geschlossen und der 
3. SC-Ast zweigt sich in der Mitte zwischen Zellende und 
dem 4. ab. Auch ist der cf-Vorderfusstarsus fast so lang 
als die Tibia. Die vmtere Discocellulare (UDC) ist in beiden 
Zellen gewinkelt, bei den cTcJ aber in den Htfln. öfters 
verkümmert, so dass dieser Charakter hier keine absolute 
Geltung hat. 

Die Präcostalader ist in derselben Weise wie bei 
Athyma gebildet und biegt sich in einem grossen Bogen 
nach aussen um. 

Die einzige Art dieser Gattung ist im O von schön 
orangebrauner, im grösseren ^ '^"'^ mehr dunkelbrauner 
Grundfärbung und oberseits ähnlich wie Athyma gezeichnet, 
aber auf der Rückseite mit perlmutterartig schillernden 
Zickzack-Binden ganz verschieden gefärbt. Sie gehört dem 
Himalaya-Gebiet an. 

94. Pandita Moore, (i Art.) 

Taf. 25. P. Sinope Moore, 
a. Palpe. 
Auch diese kleine, nur auf eine Art gegründete Gat- 
tuno- zeio-t nur serinffe Strukturdifferenzen ; sie ist aber 



N Y iM P H A L 1 D E N. 



159 



in gleicher Weise, wie die vorige, durch ihren Habitus 
und Fäibungsätyl ausgezeichnet. 

Bei Pandita entspringt der 3. SC- Ast nahe 
■am 4., fast in der Flügelspitze. Die Vdfl.- 
Zelle ist durch eine feine wellenförmig gebogene 
UDC geschlossen, welche genau in den Ur- 
sprung des 2. M- Ast es mündet; die Htfl. -Zelle 
dagegen offen. Die Palpen sind auch sehr charak- 
teristisch: das Mittelglied nur wenig gebogen, das Endglied 
steht gerade und senkrecht auf demselben, daher 
stehen die Palpen nicht so ab, wie in den vorigen Gattungen. 

Die nahe Abzweigung des 3. und 4. SC-Astes findet 
sich nur noch bei der afrikanischen Gattung Hamanumida 
und einzelnen Aterica- Arten ; aber auch bei der typischen 
Athyma ist der 3. Ast oft ni;her dem 4. als dem 'Zellende 
und bei Parthenos entspringt er sogar fast aus einem 
Punkte mit demselben. Von der letzteien und den 
Afrikanern wird Pandita schon durch ihr charakteristisches 
Äussere leicht getrennt, von Athyma durch .die geschlossene 
Vdfl.-Zelle. 

Die P. Sinope Moore ist ein mittclgrosser, in seiner 
äusseren Erscheinung mehr an die Adolphen Südamerikas 
•erinnernder Schmetterling von schon orangebrauner Flügel- 
färbimg mit schwarzen Längszeichnungen, we'cher haupt- 
^sächlich auf den grossen Sundainseln und Malacca vorkommt. 

95. Lebadea Feld. (4 Arten.) 

Taf. 25. L. Alankara Horsf. 
a. Pnipp, b. (3 -Vorderfiiss. 

Die Leba dea- Arten waren früher mit Limenitis 
Tereinigt, \^Tirden aber von Felder als eigene Gattung 
•abgetrennt, und unterscheiden sich von Limenitis sofort 
durch die Abzweigung der Präcostale nach dem Ursprung 
der SC und die geschlossenen Zellen beider Flügel. 
"Wir geben hier die Original-Diagnose des Autors 
"wieder , welche die weiteren Charaktere der Gattung 
YÖlhg erschöpft: 

„Fülllerheule dünn , sehr verläntjert. Pallien 
schuppig. Äugen kahl. Zellen aller Flügel ge- 
schlossen. 1. Suhcostalast der Vdf. nach der Zell- 
mitte, 2. vor dem Zellende abgezweigt, h erabgebogen , 
3. iceit Idnter der Flügelmitte aufsteigend, herab- 
gebogen, 4. bald darauf am Scheitel entspringend. 
Discocellidarader der Vdf. nach einicärts gebogen. 
2. und 3. Medianast derselben etwas entfernt. Prä- 
costalader der Htfl. nach aussen gebogen, einfacli, 
weit nach dem, Ursprung der Subcostalader auf- 
steigend.*) 

Felder, Neues Lepidopteron 1861. 
Die wenigen, unter sich sehr ähnlichen Arten zeichnen 
■sich schon durch die sichelförmig verlängerten Vdfl. und 
die trübe, gelblich-graubraune Flügelfärbung aus, welche 
■auf der Oberseite durch wellenförmige , abwechselnd 
■dunklere und hellere Zeichnungen und meist eine weiss- 
liche Binde über beide Flügel unterbrochen wird. 
■Sie gehören hauptsächlich dem indischen Gebiet an. 



^) Wir fügen dem meh hinzu, düss die l'Di? dos Illfls. genau 
■zwischen dem 1. ui d 2. Jledianast mündet. 



96. Neurosigma Butl. (i Art.) 

Taf. 25. N. Siva Westw. 
a. Pulpe, b. (J'-Vorderfass. 

Auch ohne die Differenzen in Struktur, Geäder und 
O O-Vorderfüssen würde Neurosigma durch ihre 
charakteristische Flügelfärbung den Eindruck einer neuen 
Gattung machen, als welche sie von Butler aufgestellt 
und von Adolias abgetrennt wurde. S'.c gehört aber 
zweifellos dem Limenitisstamm und nicht den Adohas an, 
zu denen sie Butler stellte. Dies beweist u. a. schon 
die grosse, charakteristisch gebogene und genau an der 
Abtrennungsstelle der SC stehende Präcostale. 

Neurosigiua unterscheidet sich sofort durch die ge- 
schlossenen Zellen beider Flügel, deren MDC 
im Vdfl. nach innen gebogen ist, UDC dagegen schwach 
wellenförmig und die Mediana kurz nach dem 2. 
Ast trifft. Der 3. SC-Ast steht zwischen Zellende 
und dem 4. und liegt bis zum 4. Ast fest an der 
Hauptader an. 

In den lltfln. sind ODC und MDC von gleicher 
Länge, UDC schwach gewinkelt, etwas länger als MDC 
und trifft die Mediana kurz nach dem 2. Ast. Der Vor- 
derrand ist fast gerade. Die oO-Vorderfüsse dünn, 
schwach seidig behaart, mit gleich langen Pemur 
und T i b i a und nur wenig kürzerem Tarsus. 

Die einzige Art, N. Hiva \] esfw. aus Nordindien, ist 
ein ziemlich grosser Schmetterling und auf hell orange- 
gelbem Grund so merkwürdig bunt mit schwarzen und 
weissen Flecken gezeichnet, wie es keine andere Gattung 
auch nur annähernd zeigt. Sie ist daher auch kaum mit 
einer andern zu verwechseln und steht in dieser Gruppe, 
wie so viele Himalaya-Forraen, völlig isoürt da. 

97. Parthenos Hübn. (4 Arten.) 

Taf. 25. P. Gambrisius Fabr. 
a. Palpe. 

Die Gattung Parthenos steht unter den Limenitiden 
völlig isolirt da, nicht allein hinsichthch ihres abweichen- 
den Geäders, sondern auch durch den ganzen Habitus 
und den eigenthümlichen Färbungsstyl. Doch stehen 
andere Merkmale wieder in vollem Einklang mit dem 
Limenitis-Typus, so dass Parthenos wohl kaum von dieser 
Gruppe getrennt werden kann, sondern zu den abweichend- 
sten Formen derselben gerechnet werden muss. 

Bei Parthenos zweigt sich die Präcostale nicht allein 
hinter der SC ab, sondern sie ist auch an ihrer 
Spitze zweigablig und meist ist auch eine schmale 
Präcostalzelle vorhanden. Dagegen ist der kurze Sporn 
am Grunde der Medianader deutlich entwickelt. In den 
Vdfln. entspringt der 1. SC-Ast in der Zellmitte, der 
2. unmittelbar vor demselben, liegt zur 
Hälfte fest an der Hauptader an und mündet 
kurz vor der Flügelspitze. Ast 3 und 4 entspringen 
ganz nahe bei einander, fast aus einem Punkte, in kurzer 
Entfernung vor der Spitze selbst. ODC fehlt; MDC kurz, 
nach innen gerichtet, UDC stark nach innen ge- 
bogen und die Mediana genau am Ursprung des 2. 
Astes treffend. D er 3. M ed i an a s t weit über die 
Zelle verlängert und in einem scharfen 
Winkel nach aussen gebogen. Zelle der Htfl. 
ebenfalls seschlossen. 



160 



NYMPHALI DEN. 



Durcli diese stark hervortretenden Charaktere wird 
Parthenos von allen übrigen Gattungen scharf getrennt. 

Die wenigen Arten sind über das ganze indische 
Gebiet bis zur Papua-Region verbreitet. Es sind ziemlich 
grosse Schmetterlinge von robustem Körperbau und einer 
ganz eigenthümlich olivengrünen oder oliv-braunen, fast 
bronzeartig schillernden Flügelfärbung (in einer Art sogar 
prächtig stahlblau schillernd), mit einer breiten, weissen, 
halbdurchsichtigen Fleckenbinde und schwarzen Zeich- 
nungen über die Vdfl., welche sich sogar bindenartig über 
den ganzen Körper und den (selbst beim <^) ausnehmend 
spitzen Hinterleib fortsetzen. 

Über die Gewohnheiten des P. Gamhrisius Fah., 
der in Indien heimischen Art, wissen wir, dass er sich 
durch einen rapiden , schnell abbrechenden Flug aus- 
zeichnet und hauptsächlich die Dschungeln bewohnt, wo 
er eben nicht zu den Seltenheiten gehört. 

Die nun folgenden Gattungen gehören ausschliesslich 
dem afrikanischen Gebiet an, und hatten wir sie früher, mit 
Ausnahme der Pseudacraea, mit den Euthalien vereinigt, 
als deren afiikanische Vertreter wir sie halten. Da sie 
im Geäder aber vollständig mit der Limenitis-Gruppe 
übereinstimmen, so zogen wir es vor, sie zu diesen zu 
stellen. Einige Gattungen zeigen etwas differirende Ver- 
hältnisse, so dass ihre jetzige Stellung noch nicht sicher 
ist; andere besitzen den mimetischen Zug in frappanter 
"Weise ausgeprägt. 

98. Pseudacraea Westw. (ca. 20 Arten.) 

Taf. 25. Ps. Lucretia Gram, 
a. Pdlpe, b. (^-Vnrdeifuss. 

Diese afrikanische Gattung gehört zweifellos dem 
Limenitisstamm und nicht den Diademen an, in deren 
unmittelbare Nähe sie von Kirby gestellt wird und bei 
"Westwood sogar eine Unterabtheilung von Hypolimnas 
bildet. Dies beweisen nicht allein der ausgebildete 
Mediansporn, sondern auch die Stellung der Präcostale 
am Ursprung der Subcostale. Pseudacraea ist demnach 
der wahre Repräsentant der Limenitiden in Afrika. 

Zu Pseudacraea werden äusserlich recht ver- 
pi-hiedenartige Formen gerechnet, und es hängt dies da- 
mit zusammen, dass sich der nachamende Zug der 
L'menitis-Gruppe hier stark ausgeprägt findet. In den 
fo'crenden Hauptcharakteren stimmen diese Arten aber, 
gut überein : 

l'alpen mässiy lang, didit heschuj^pt und auf dem ltiic!;en nur kurz 
behaart 

Fii'hler mit deullkli abgesetzter, länglich-elfvrm'u/er Kolbe. 

Vd fl. mit geschlossener Zelle: 3 Subcostaläste vor dem Zellende^ 
der 2. am Ursprung herahgebogen. Ast .3 genau in der Mitte 
r.7risclien Zellende und Ast 4 abgezweigt; der letztere mit Ast 5 
eine ziemlich grosse Gabel bildend. 01)C fehlend; MDC sehwaeh 
gebogen, nur ','3 so lang als die zarte, nach innen ge- 
bogene UDC, Vielehe die Mediana am l'rsprung des 2. 
Astes triß't. 

II t fl. mit änjach nach aussen gebogener Präcostale, welche genau an der 
Abzu-eigung der SC steht und ojt eine kleine PC- Zelle bildet. Zelle 
geschlossen. 

(^'(^' -Vorder/üsse schwach behaart, mit kurzen spindelförmigen Tarsus. 
'JiKa etwas kleiner als Femur. 

Aus dieser Gattung sind im letzten Decennium eine 
Menge neuer Arten beschrieben worden, die zumeist dem 
westlich -tropischen Afrika (drei Arten sogar der Insel 



Madagascar) angehören und aus dem noch unerforschten- 
Innern manchen Zuwachs erwarten lassen. Die meisten- 
gleichen täuschend gewissen Acraeen, einige auch Amauris- 
Arten. "Wir erwähnen als Illustration nur die P.s. liirce 
Dru. (der echte Pap. Eurytus Clerk's), welche eine getreue- 
Copie der Acraea Euryta L. ist; die der Amauris 
Echeria Stoll. gleichende Ps. Trxrquinia Trin. und 
vor allem die prachtvolle Ps. BoisducaUi Douhl., welche 
in ganz auffälliger "Weise die schone, feurig rothe A. 
E g i n a Gram, nachahmt. 

Es ist bekannt, dass auch ein kleiner afrikanischer 
PapiKo, nämlich der P. Ridleyanus White, dieser 
Acraea täuschend ähnlich sieht. "Wir haben hier also den- 
merkwürdigen Fall zu verzeichnen, dass 2, ganz ver- 
scliiedenen Familien angehörende, Schmetterlinge ein und 
dasselbe Vorbild zur Nachahmung benutzt haben. 

Um schnell darüber orientirt zu sein, ob man eine- 
Acraea oder Pseudacraea vor sich hat, genügt ein Blick 
auf die Htü.-Zelle, deren Schlussader bei Acraea in den- 
Bug des .3. Medianastes, bei Pseudacraea aber in 
den Ursprung desselben mündet. 

99. Hamanunnida Hübn. (i Art.) 

Taf. 25. H. Daedalus Fab. 
a. Palpe, b. Q -Voideifups. 

Die einzige Art dieser Gattung, 11. Daedalus Fab.. 
(Jfelea'jer Crain.) ist sofort daran kenntlich, dass die- 
grauen, bisweilen violett überhauchten Flügel oberseits mit, 
weissen, schwarz geränderten und in Reihen geordneten 
Augen bedeckt sind (daher der 2. Cramer'sche Name)., 
Sie unterscheidet sich im Geäder sehr leicht von allen 
übrigen verwandten Gattungen durch die Abzweigung des. 
3. Subcostalastes, welcher in der Flügel- 
spitze und nahe dem 4. entspringt. Auch sind 
die Palpen ungewöhnlich lang und das Endglied 
sehr klein und abgerundet Die Zellen beider 
Flügel sind geschlossen. Die o'd'-Vorderfüsse sehr fein 
und dünn, schwach behaart, Tibia und Tarsus zu- 
sammen nur wenig länger als Femur. 

Einige Aiten der folgenden Gattung Aterica haben 
die gleiche Abzweigung des 3. SG-Astes, unterscheiden 
sich aber sofort durch die Stellung der PG nach der 
Subcostale, während sie bei Hamanumida genau am Ur- 
sprung derselben steht. 

Hamanumida ist über das ganze tropische Afrika, 
verbreitet. 

100. Catuna Kirby. (5 Arten.) 

Taf. 25. G. Crithea Dru. 
a. Palpe, b. (J- iinil c. cf-V'.rderfups v. C. Coenobita Fab. 

In dieser wenig harmonischen Gattung sind zwei 
Formen vereinigt, welche in einzelnen Merkmalen sehi; 
von einander abweichen. Sie stimmen anderseits wieder 
im Geäder gut überein, so dass wir sie nicht weiter ge- 
trennt haben. 

Catuna unterscheidet sich hauptsächlich dadurch,, 
dass ein Subcostalast vor dem Zellende sich- 
abzweigt (welcher bisweilen mit der Costale verwächst), 
der 2. in bedeutender Entfernung nach dem- 
selben abgetrennt ist und der 3. in der Mitte 
zwischen Ast 2 und 4 steht. Auch äusserlich wird sie- 



NYMPHALIDEN. 



161 



leicht an der verlängerten Flügelform erkannt, 
den übermässig langen und geraden Fühlern und 
den scharf zugespitzten Palpen, deren Endglied 
senkrecht auf dem, nur am Grunde gebogenen Mittel- 
gliede steht. In dem Zellschluss, der Form der PC und 
den ci'ci'-Vorderfüssen weichen dagegen die beiden 
Formen, welche durch C. Goenohita Fah. und C. Crititea 
Dru. repräsentirt werden, ab. Bei C. Coenobita ist so- 
wohl Vdfl.- als Htfi. -Zelle vollkonamen geschlossen; 
die PC entspringt genau am Ursprung der SC und 
ist nach aussen gebogen. Die cl ö -Vorderfüsse sind 
ausnehmend klein, Tibia und Tarsus zusammen solang 
als Femur. 

C. Crithea Dru. dagegen hat nur die Vdfl.-Zelle ge- 
schlossen, die ritfl.-Zelle offen. Die PC ist einfach, gerade 
und nach dem Ursprung der SC abgezweigt. Die cfcf- 
Yorderfüsse sind lang und dünn, mit gleich langen Femur 
und Tibia und ebenso langem Tarsus. 

Auch äusserlich sind beide Formen so unähnKch wie 
möglich. Coenobita gleicht durch ihre schwarzen Zeich- 
nungen auf bläulich-weissem Grund mehr einer Nepits; 
hingegen erinnert Crithea auffällig an das J der Euryph. 
Oxione Hcw., und eine von diesen ist ganz sicher der 
Nachahmer der andern. Eine dritte, noch abweichendere 
Form, die C. Duodecimpunctata SnelL, welche sogar 
einer Arg} nnis gleicht, konnten wir wegen Mangel an Ma- 
terial nicht untersuchen. Indessen stimmen die beiden 
erwähnten Arten in der Palpenbildung, den langen Fühlern 
und der Stellung der SC-Aste ttberein, so dass wir von 
einer generellen Trennung abgesehen haben. 

101. Aterica BoiSCl. (ca. 20 Arten.) 

Taf. 25. A. Cupavia Cram. 

a. Palpe, b. q -Vorderfuss. 

Die Gattung Aterica bedarf in dem Umfang, wie 
sie jetzt aufgefasst wird, noch sehr der ■ Revision, da 
hierin Arten von sehr verschiedenem Werth enthalten 
sind, die zu einander wenig Verwandtschaft zeigen. Wir 
haben aus diesem Grunde wenigstens die abweichendste 
Form, die blauschillernde A. Afer Dru., als eigene 
Gattung Cynandra abgetrennt , welche sich durch 
mehrere Charaktere sehr scharf von den übrigen Arten 
unterscheidet, so dass hiedurch die Gattung Aterica etwas 
einheitlicher geworden ist. 

Die Schwierigkeit, gerade von afrikanischen Gat- 
tungen hinlängliches Material zu erhalten, hat auch uns 
verhindert, näher hierauf einzugehen, und geben wir die 
Charaktere nach Westwood, welcher A. Bahena Boisd. 
als Typus annahm. 

Die ö O-Palpen sind klein, dicht anliegend beschuppt, 
nur auf dem Rücken und am Grunde lang behaart, End- 
glied klein, eiförmig zugespitzt. Die Q^-Palpen bedeutend 
länger, das Endglied länglich zugespitzt. Fühler massig 
lang, mit allmählich verdickter Kolbe. 

Vdfl. mit 2, nahe zusammen vor dem Zellende 
entspringenden Subcostalästen (Ast 1 nicht in 
der Mitte wie bei Euryphene), Ast 3 dem 4. ge- 
nähert und in den Vorderrand mündend, Ast 4 
und 5 eine kurze Gabel bildend. Zelle durch eine 
feine UDC geschlossen, welche kurz nach dem 2. Aste 
in die Mediana mündet. 



Htfl. mit grosser, einfach gebogener Präcostale, 
welche nach dem Ursprung der Subcostale abgezweigt ist. 
Zelle offen. 

O O-Vorderfüsse sehr klein und dünn, weich behaart; 
Tibia etwas kürzer als Femur, mit sehr kleinem Tarsus. 
§ O-Vorderfüsse doppelt so gross, normal gebaut. 

Schon in der Stellung des 3. SC-Astes zeigt sich 
wenig Constanz, indem dieser näher dem Zellende abo'e- 
zweigt ist (A. Veronica 0mm.) als im Typus. Auch ist 
hier die Htfl.-Zelle geschlossen; doch kommt dieser Fall 
auch bei einzelnen 59 vor, während die d'd' noch 
deutlich offene Zellen besitzen. Jedenfalls charakterisirt 
sich Aterica am besten durch die Stellung der PC nach 
der Abtrennung der Subcostale. 

Die At er i ca- Arten sind im J' kleine bis mittelgrosse 
Schmetterlinge von meist dunkler, oft schillernder Grund- 
farbe, deren 95 bedeutend grösser' und ganz verschieden- 
artig gefärbt sind, und auch durch weisse oder doch 
hellere Binden oder Flecken sich auszeichnen. Sie haben 
den gleichen Verbreitungsbezirk wie ' die beiden vorio^en 
Gattungen. Eine Art, die auch in der Färbung bedeu- 
tend abweicht (A. Rabena), ist in Madagascar gefunden 
worden. 

102. Cynandra Schatz, (i Art.) 

Taf. 25. C. Afer Dru. 
a. Pali_.e, b. (i^-Vordeifuss. 

Diese neue Gattung- wurde auf die frühere Aterica 
Afer Dru. gegründet und unterscheidet sich in mehreren 
Punkten sehr wesentlich von den übrigen Aterica-Arten. 
Bei Cynandra ist nur ein SC- Ast vor dem 
Zell ende abgezweigt, der 2. und 3. entsprino-en 
ungefähr in gleichen Entfernungen nach 
demselben. Die Präcostalo der Htfl. zweio-t 
sich genau am Ursprung der SC ab und nicht 
nach demselben, die Htfl.-Zelle ist auch im cT durch eine 
stark gewinkelte UDC geschlossen. 

Auch in den übrigen Organen zeigen sich bedeutende 
Unterschiede. Die Palpen sind stärker behaart; das 
Endglied steht fast senkrecht auf dem weniger o-eboo-enen 
Mittelglied. Die Fühler sind über gewöhnlich 
lang und gerade, die d'ci'-Vorderfüsse mit dünnen, 
gleich langen Femur und Tibia und kurzem Tarsus. 

Zu dieser Gattung gehört bis jetzt nur die eine Art, 
C. Afer Dru., welche sich im cf auch schon äusserlich 
durch die prächtig blauschillernde, schwarze Oberseite, 
die ungewöhnlich langen und geraden Fühler und die 
verlängerten Htfi. auszeichnet. Das 2 ist hieven o-anz 
verschieden, bedeutend grösser, und trägt eine ockergelbe 
Querbinde über die mehr braunen Flügel. Das Vaterland 
ist die äquatoriale Westküste Afrikas. 

103. Euryphene Boisd. (<;a. 40 Arten.) 

Taf. 26. E. Cocalia Fab. 

n. Palpe, b. (^- uiul e. O-Vorderfuss. 

Der Hauptcharakter dieser Gattung liegt in dem 

unmittelbar nach dem Zellende abgetrennten 8. 

Subcostalast, den geschlossenen Flügelzellen und 

den ziemlich langen, gerade hervorstehenden 



162 



NYMPHALIDI']N, 



Palpen, wodurch sich Euryphcne hauptsächlich von der 
folgendeil Romalaeosoma unterscheidet , der einzigen 
Limenitiden-Gattung, bei welcher der '■'>. Subcostalast noch 
dieselbe Stellung zeigt. 

Die Palpen sind vorderseits dicht anliegend beschuppt 
und nur auf dem Eücken und am Grunde des 1. Gliedes 
länger behaart. Das Mittelglied ist von gleichmässiger 
Dicke ; das Endglied ist verlängert, zugespitzt. Fühler 
sehr lang, gerade, mit deutlicher, verlängerter Kolbe. 

Die Vdfl. mit zwei Subcostalästen vor dem Zellende, 
der 3. unmittelbar nach demselben abgezweigt, 
fast oder genau in die Flügelspitze mimdend; Ast 4 und 
5 bilden eine kurze, in den Aussenrand mündende 
Oabel. ODC kaum erkennbar, MDC Vs so lang als die 
schwach gebogene zarte UDC, welche die Mediana kurz 
nach dem 2. Aste trifft. 

Präcostalader gross, bogenförmig nach aussen ge- 
richtet und genau am Ursprung der SC abgezweigt. 
-Zelle geschlossen. 

d'd'- Vorderfüsse fein behaart; Tarsus nur wenig 
kürzer als Tibia, und diese kürzer als Pemur. 

QQ-Vorderfüsse etwas länger und stärker als die 
■cTd', nur beschuppt, Tarsus gleich Tibia, mit je 1 Paar 
kurzer Dornen am 2. bis 4. Glied. 

Zu dieser an Arten zahlreichen Gattung gehören 
ziemlich verschiedenartige Formen, deren generelle Zu- 
gehörigkeit noch näher zu untersuchen ist, was durch die 
Seltenheit einzelner Arten sehr erschwert wird. Es sind 
mittelgrosse Schmetterlinge, meist von dunkler, rothbrauner 
oder schwarz-grünlicher Grundfarbe, die 9$ ^"1 der Regel 
grösser und oft vom d' in Gestalt und Färbung bedeutend 
abweichend. Die §5 einiger Arten zeigen eine unver- 
kennbare Ähnlichkeit mit andern Gattungen, z. B. das 
JE. Sophus-Q mit den Eomalaeosomen, oder E. O.cione-^ 
mit der Catuna Crithea, so dass sich auch hier noch, wie 
es scheint, dieser nachahmende Zug in einzelnen Gliedern 
erhalten hat 

Der Verbreitungsbezirk dieser Gattung scheint nur 
auf das tropische "West- und Südafrika beschränkt zu sein. 

104. Romalaeosoma Blanch. (ca. 40 Arten.) 
(Eupliaedra Hiibii.) 

Taf. 26. R. Themis Hübn. 
a. Palpe, h. q -Vorderfuss. 

Die Eomalaeosomen bilden eine der charak- 
ieristischsten Schmetterlingsformen Afrikas und vertreten 
hier augenscheinhch die Symphaedren Indiens, mit denen 
sie nahe verwandt sind und auch gewisse kleine äusser- 
liche Merkmale , wie z. B. die orangebraun gefärbten 
Palpen, gemeinsam besitzen. 

Der ganz eigenartige Färbungsstyl, die kurzen, 
kaum über die Stirn hervorragenden Palpe 71 
und die Abzweigung des 3. Subcostalastes kurz 
nach dem Zellende, sind die hauptsächhchsten Charaktere 
dieser Gattung. Von Euryphene, der einzigen Gattung 
mit gleicher Aderstellung, wird sie fast nur durch die 
Form der Palpen getrennt. 

Diese sind kurz, vorderseits und auf dem Eücken 
des gegen die Spitze stark anschwellenden Mittelghedes 
dicht mit orangebraunen Haaren bekleidet, mit grösseren 



am Grunde des kurzen 1. Ghedes. Endglied sehr klein, 
zugespitzt. Fühler massig stark, allmählich zu einer 
länglichen Kolbe verdickt. 

Der 1. Subcostalast ist meist in der Zellmitte, der 
2. kurz vor dem Zellende und der 3. bald nach dem- 
selben (in etwas wechselnder Entfernung bei den einzelnen 
Arten) abgezweigt. Zellen beider Flügel geschlossen ; 
UDC der Vdfl. nach dem Eisprung des 3. M-Astes, der 
Htfl. dagegen genau in den Ursprung selbst mündend, 
beide schwach gebogen. OO- Vorderfüsse fedeilg be- 
haart, mit gleichlangen Femur und Tibia und nur wenig 
kürzerem Tarsus. 

Es lassen sich imter den Eomalaeosomen mehrere, 
in Flügelform und -Färbung durchaus verschiedene 
Gruppen unterscheiden, welche aber in den Haupt- 
charaktareii gut übereinstimmen. Die erste derselben 
wird nur durch wenige Arten, wie B. Elens Dru. und 
Riinpiiia Jleir.r gebildet und zeichnet sich durch eine 
einfarbig rostrothe Grundfärbung mit schwarzer, oft grün 
schillernder, weissgefleckter Flügelspitze und einer schwarz- 
weissen Aussenrandsbinde an den Htfln. aus. Ausserdem 
ist Thorax und Hinterleib mit grossen weissen Flecken 
bedeckt. Die 2. zahlreichere Gruppe, welche die typischen 
Formen enthält, besitzt eine sammtschwarze Grundfärbung, 
mit einer gelblichen oder bläuHch weissen Querbinde über 
die Vdfl. und meist prachtvoll goldgrün oder stahlblau 
schillerndem Discus der Htfl. Dieser Schiller, welche je 
nach der Eichtstellung wechselt, setzt sich bei einigen 
Arten bis zu den Vdfln. fort. Auf der Eückseite sind 
sie noch auffallender gefärbt, meist von lehmgelbem oder 
grünlichen Grund und an der Flügelbasis mit einem 
prächtig carminrothen Anflug, der sich bei einzelnen Arten 
(It. Xypete Hern.) fast über den ganzen Htfl. ausbreitet, 
und sogar auf der Oberseite auftritt (R. Zeuxis ll'estw.J. 
Andere Arten besitzen auf der mehr graubraunen Ober- 
seite nur ein hellblaues oder violettes Band über die 
Htfl. und eine fast rein grüne Rückseite. Diese Form 
wird am schönsten durch den B. Eupalus Fab. repräsentirt. 
Am abweichendsten sind 2 — 3 Arten, von denen die eine, 
/'. Zampa Westw., neben den obigen auch im I. Theile 
abgebildet ist, mit ganz eigenthümlich grün gefärbter 
Oberseite und rostbrauner Unterseite, welche in gewisser 
Hinsicht noch au die Eleus-Gruppe erinnert. 

Das Hauptgebiet der Romalaeosomen ist das west- 
liche äquatoriale Afrika bis zu den grossen Nilquell-Seen 
im Innern. Kur wenige Arten sind auch auf der östlichen 
Seite gefunden worden. 

105. Cymothoe Hübn.*) (ca. so Arten.) 
(Harma Westw.) 

Taf. 26. C. Theobene Doubl. Hew. 
a. Palpe, b. q -Voiderfiiss. 
Die Charakterisirung dieser Gattung ist ebenso un- 
sicher wie bei Aterica, da die einzelnen Arten sowohl im 
Geäder als auch in der äussern Form bedeutend varüren. 
Auch ist der sexuelle Dimorphismus hier so siark ent- 



*) Die G&tlung Amphidema, von H errieh-Suhäffer auf 4. 
Beclxri H.-S. gegründet und noch bei Kirby aufgefiihrf, muss ein- 
gezogen weiden, da letztere nichts weiter als düS Q der Cym. 
Theodata Hew. ist. 



N Y M P H A L 1 D E N. 



163 



■wickelt, dass das ^ einer Art sogar als besondere Gat- 
tung aufgestellt wurde. 

Als Hauptcharakter von Cymothoe muss die Ab- 
zweigung des 3. SC-Astes in der Mitte zwischen 
Zellende und dem 4. Aste betrachtet werden, denn 
■alle übrigen Charaktere sind schwankend und unsicher. 
Hiedurch unterscheidet sich C3'mot.hoe hauptsächlich von 
Euryphene, der einzigen Gattung, mit welcher eine Ver- 
wechselung wirklich in Betracht kommen kann, da die 
übrigen sich schon durch ihren verschiedenen Habitus 
kennzeichnen. Die Palpen und Vorderfüsse bieten eben- 
falls kein sicheres Unterscheidungsmerkmal dar; sie weichen 
unter sich etwas ab, sind aber sonst mit dem Typus 
übereinstimmend gebaut. 

Die Cymothoe-Arten sind meist grosse, in beiden 
Geschlechtern sehr verschieden gefärbte Schmetterlinge, 
deren Oberseite beim O in der Regel in einem ein- 
farbigen, weisslichen, gelben oder rothbraunen Grundton 



besteht; die ^9 ^"^ dagegen mehr tleckenartig ge- 
mustert oder tragen helle Binden auf dunklem Grund. Im 
Habitus ähneln sie den Euryphene-Arten, doch zeichnen 
sich einige durch einen ganz merkwürdig ausgezackten 
Flügelschnitt aus. Unter den oft sehr originell gezeich- 
neten Arten fallen besonders zwei durch ihre feurig blnt- 
roth bez. orangeroth gefärbten o O auf (C. Coccinata 
Heu-, und Sangarin Godt.) und steht diese auffallende 
Flügelfärbung wohl in der gesammten Schraetterlingswelt 
ganz einzig da. Namenthch das d der C. Coccinata, 
welches ausserdem noch einen zarten blauen Schiller über 
die tiefrothen Flügel trägt, gehört hiedurch zu den selt- 
samsten Erscheinungen Afrikas. 

Der Verbreitungsbezirk dieser Gattung ist ein etwas 
grösserer als bei den vorhergehenden, und wenn auch das 
Hauptcentrum in den äquatorialen Distrikten "VVestafrikas 
liegt, so finden sich doch auch mehrere Arten im Süden 
und Osten des Landes. 



IX. Euthalien- Gruppe. 



Medianader der VdJJ. am Grunde mit einem kurzen Sporn. Präcotitalader nacli der Ahtrennungsstelle der Subcosfale 
■abgezweigt. f^'^- Vorderfüsse am '2. Ins 4. Tarsusglied hedornt. liaupeii (soweit bekannt) mit langen, befiederten 

Dornen besetzt. 

Eutlialia i 

Tanaecia , Iiido- Australien. 

Syniphaedra I 



Die Euthalien schliessen sieh unmittelbar an die 
Limenitiden an, und es ist wohl möghch, dass spätere 
Bystematiker sie mit ihnen vereinen werden. Ihr Haupt- 
charakter liegt in der ganz auffallend verschiedenen Form 
der Raupen, welche mit langen, horizontal stehenden und 
fiederartig verzweigten Dornen besetzt sind , auf dem 
Kopfe aber keine Hörner tragen. Der, Mediansporn ist 
bei allen Gliedern wohl ausgebildet ; aber die Präcostale 
■steht nicht am Ursprung der Subcostale, wie bei den 
Limenitiden, sondern nach demselben. Die Schmetterlinge 
haben meist einen robusten Körperbau und nähern sich 
■dadurch den echten Nymplialiden. 

Nachdem wir aus dieser Gruppe die afrikanischen 
'Gattungen ausgeschieden haben, bleiben nur 3 Gattungen 
übrig: Euthalia, Tanaecia und Symphaedra, 
Yon denen Euthaha die weitaus zahlreichste an Arten ist. 
Ihr Verbreitungsbezirk erstreckt sich über das indische 
■und z. Th. auch indo-australische Gebiet. 

Die 3 Gattungen bieten im Geäder keine constanten 
Merkmale, um fie daran allein sicher zu erkennen. 
Tanaecia unterscheidet sich von Euthalia sehr gut durch 
ihre Palpenform. Symphaedra lässt sich am leichtesten 
durch die Grösse seiner Arten und den durchaus ver- 
"schiedenen Färbungsstyl erkennen, übrigens auch an der 
gelbbraunen Behaarung der Palpen, welche nur noch bei 
■den afrikanischen Romalaeosomea auftritt. 

106. Euthalia Hübn. (ca- en Arten.) 
(Adolias Boisd.) 

Taf. 26. E. Monina Fab. 
a. Palpe, b. (3 - und e. Q-Vurderfasi?. 
Selbst nach Abtrennung solcher Arten, welche jetzt 
■^Is eigene Gattungen betrachtet werden, wie Tanaöcia, 



Symphaedra, Dichorragia und Neurosigma und zum Theil 
anderen Gruppen angehören , bleiben noch genug ab- 
weichende Formen übrig, um die Umgrenzung von Eu- 
thalia ziemlich unsicher zu machen. "Wir geben daher die 
Diagnose etwas näher, und werden die Hauptmerkmale 
besonders hervorheben. 

Pallien lang, dicht hesckuppt, mit läng iicliem, yeraden 
Bndfflied, welches an der üasis ebenso breit ic.ie das Mittel- 
glied ist. Auf dem Rüchen des letzteren ein HaarsclwpJ. 

Augen nackt. 

Fühler verlängert, allmählich in eine längliche Kolbe übergehend. 

Vdfl. ineist mit offener, selten gesc/tlossener Zelle. ^Subcostale öäsiig; 
der 1. Ast in der Zellviitte abgezweigt, häufig mit der Costale und 
dem 2. Ast und dieser mit dem 3. verwachsen. Jjer 2. Ast vor 
dem Zellende, der 3. in verschiedener Entfernung danach abgezioeigU 
OOC fast Jetilend ; untere Badiale (UU) an ihrer Basis stark 
nach innen gebogen und, loenn die Zelle geschlossen ist, eine 
schief nach innen geivinlcelte MDC bildend. UDO (2cenn vorhanden) 
die Mediana liurz nach dem 2- Ast treffend. 

HtfL mit einjacher oder undeutlicli 2g abiiger Präcostale, 
welche nach der Subcostale abgetrennt ist. Jitfl.-Zelle offen. 

Q Q -Vor der fasse kurz behaart, mit gleich langer Tibia und Femur 
und eiicas hürserem Tarsus. 

OQ'Vorderfässe grösser, mit längerem, am 2. bis 4. Gliede kurz 
bedtrmten Tarsus. 

Es lassen sich in dieser Gattung verschiedene Gruppen 
bilden, die sich in der Flügelfärbung und auch im Habitus 
ziemlich bedeutend von einander unterscheiden. In der 
Lub ent in a- Gruppe sind die od" im allgemeinen von 
ohvgrüner Grundfarbe und mit rothen Flecken gezeichnet, 
während die bedeutend grösseren §C^ noch eine weisse 
Querbinde über die Vdfl. tragen. Ganz verschieden 
hievon ist die zahlreiche Monina- oder C o c y t a - Gruppe, 
deren cfcf, von einfach dunkel schwarzbrauner sammt- 
artiger Grundfärbung, einen breiten hellblauen Rand 



164 



N Y M P H A L I D E N. 



besitzen und mein' zugespitzte VdB., die viel unansehn- 
licheren, aber grösseren 99 <iägegen ganz verschieden, 
nur mit einzelnen zackenförniigen Binden über die blass 
gelbücli-grauen Flügel versehen sind. Der Monina-Gruppe 
ähnlich gefärbt ist die Phemius- Gruppe, aber im Habitus 
verschieden ; auch tragen die o O nur eine blaue Rand- 
binde auf den Iltfln. Ausser diesen Hauptgruppen giebfc 
es noch mehrere kleine, welche überhaupt nur einen oder 
doch wenige Vertreter besitzen. Dergl. alleinstehende 
Formen sind z. B. die E. Duda Stgr., die E. Dunya 
Doubl. Hew. unä E. Plateni Sf/jr.,wehhß auch im I. Theil 
abgebildet sind. 

Der Verbreitungsbezirk der Euthalien ist ein ziem- 
lich grosser, denn er erstreckt sich von Vorder- und 
Hinter-Indien über die grossen Sundainseln bis zu den 
Molukken und dem Papuagebiet. 

107. Tanaecia Butl. (ca. 12 Arten.) 

Taf. 26. T. Pulasara Moore, 
a. Pal|)e. 

Die Tanaecien scheinen noch die ursprüngliche 
Stammform der Euthalien vorzustellen, denn hier ist der 
geschlechtliche Gegensatz noch nicht so stark in der 
Flügelform und -Färbung ausgeprägt wie bei jenen, wo 
die d(S allein sich bedeutend differenzirt haben. Bei 
Tanaecia sind die d(^ noch auf der gleichen Stufe stehen 
gebheben, wie die 92) welche im allgemeinen den 9$ 
der Monina-Gruppe ähneln. 

Tanaecia unterscheidet sich von Euthalia nur durch 
die Form der Palpen (Fig. a), deren Endglied ausser- 
ordentlich fein und nadelspitzig ist und fast 
senkrecht dem am Ende stark verdickten Mittelglied 
aufgesetzt ist. In seiner Länge ist es bei den einzelnen 
Arten etwas vaviirend. Im Geäder ist kein durchgreifen- 
der Unterschied vorhanden. Die untere Radiale der Htfl. 
ist in der Regel dem Abtrennungspunkt der OR näher 
als bei Euthaha abgezweigt. 

Die Tanaecien sind im Vergleich zu Euthalia nur 
gering an Artenzahl. Sie verbreiten sich hauptsächlich 
von Hinterindien über die Sundainseln bis zum malayischen 
Archipel. 

108, Symphaedra Hübn. (^a. lo Arten.) 

Taf. 26. S. Dirtea Fab. 

a. Palpe, b. (^-Vorderfuss. 

In dieser Gattung sind ebenfalls 2 — 3 äusserlich 

durchaus verschiedene Formen vereinigt, welche aber in 

der Straktur so wenig von einander abweichen, dass sie 

hienach allein nicht generell getrennt Avcrden können. 



Die erste und zahlreichere Gruppe wird durch die 
grossen und schönen Arten repräsentirt, von denen die 
)S'. Dirtea Fab. den Typus bildet. Beide Geschlechter 
sind ungleich gefärbt: der d' einfach schwarz mit einer- 
breiten, metallisch glänzenden, hellblauen Randbinde an 
den Htfln.; das 9 bedeutend grösser, auf dunklem, 
schwarzbraunen Grund mit ockergelben bis weissen, oft 
blau angeflogenen Fleckenreihen gezeichnet. Ausserdem 
besitzen die Jcf auf der Rückseite der Htfl. einen 
Duftapparat in Form einer Tasche, welche an der SM 
liegt und von einem Büschel Ilaare bedeckt ist. 

Die Unterschiede dieser Form von Euthalia sind 
gering und hegen hauptsächlich in folgenden Abwei- 
chungen. Bei Symphaedra entspringt der 1. SC-Ast noch 
vor der Zellmitte, und der 3. Ast ungefähr in ','3 
Entfernung vom 4. und dem Zellende. Die Zellen der 
Vdfl. sind stets geschlossen, der Htfl. off-n. MDC' 
ist sehr kurz, gebogen; UDC die Mediana weit nach 
dem Ursprung des 2. Astes treffend. (Bei 
Euthalia, wenn UDC überhaupt vorhanden, fast unmittel- 
bar nach dem 2. Ast.) Präcostale einfach, nach 
aussen gebogen. 

Die Palpen sind kurz, dicht mit gelbbraunen 
Haaren bekleidet, mit stark gebogenem BasalgUed und 
langem, am Ende verdickten Mittelglied; Endglied länglich 
eiförmig. Die Fühler ausnehmend lang, gerade, mit sehr 
verlängerter Fühlerkolbe. 

Die zweite Gruppe wird durch S.Aeropus L. vorgestellt 
und ist von der vorhergehenden total verschieden. Beide 
Geschlechter sind fast gleich gefärbt, auf meist dunklem. 
Grund mit einer gelben oder orangebraunen, breiten 
durchgehenden Binde über beide Flügel. Im Geäder 
stimmt diese Form fast vollständig mit Dirtea überein. 
Auch hier sind die Palpen von gelbbrauner Farbe. Es 
gehören hiezu nur wenige Arten. 

Die Symphaedren sind zerstreut über das ganze 
indische und austromalayische Faunengebiet verbreitet.. 
Es sind grosse und robuste Schmetterlinge und nament- 
lich die Dirtea-Gruppe zeichnet sich durch einzelne im- 
posante und schöne Formen aus, wie z. B. den pracht- 
vollen S. Imperator Hew. von den Philippinen, dessen Q. 
eine der grössten Nymphaliden darstellt. Das hellblaue 
Band an den Htfln. der Jd" glänzt bei gewisser Be- 
leuchtung in den schönsten röthlichen und grünen Tinten, 
wie Perlmutter. Die 99 sind stets bedeutend grösser 
und mit zahlreichen Flecken bedeckt. Interessant ist es, 
dass bei einer Art, der neuen B. Pardalina Stgr., das 
<S noch ganz dem 9 gleicht, also nicht weiter differenzirt 
ist, wie in den übrigen Arten, sondern auf gleicher Stufe 
mit dem 9 in der Flügelfärbung stehen geblieben ist. 



X. Apaturen-Gruppe. 



Ihdlanadc/r der Vd.f. oltun Sporn. 4. und 5. Subcostalast eine kurze, unterhalb der Fliiiiel.ipitze m'dndemle Gabel bildende 
^<^- Vorder fasse am 1. bis 4. Tarsusglied bedornt. Raupen glatt, nur ain Kopf mit 2 Hörnern besetzt, der ScJucanz in 

2 Spitzen auslarifend. 
Zu den Apaturen gehören : 

Apatur.a .... Palaeavkt. 11. Ind. Gebiet. 1 Doxocopa .... Nordamerika. 

(Chlorippe) . . . Siidaiuei-ika. j 'J'lialeroiji.s . . . KIeina.sieii fj/w/.a?j 



NYMPHALIDEN. 



165 



Castalia 

Eulaceuva 

Dilipa 



Indo-An.sti'alien. 



Helcyra 

Dicliowagia 

Apatiii'iiia 



Indo-Aiistralioii. 



In dieser Gruppe der „Schillerfalter" treten zuerst 
die dornenlosen Raupen auf, im Gegensatz zu den 
bedornten, welche alle vorhergehenden Gruppen besitzen. 
Die Raupenform ist daher der Plauptcharakter, wodurch 
sich die Apaturen einerseits von den bereits beschriebenen, 
anderseits von den folgenden Gruppen der Anaeen und 
^^ymphaliden (im engeren Sinne) unterscheiden. 

Die Raupen der Apaturen sind glatt oder auch mit 
sehr feinen Wärzchen dicht besetzt, nach beiden Enden 
zu veijüngt und tragen nur auf dem Kopf 2 stumpfe 
oder an der Spitze zweitheilige Hörnchen. Der Schwanz 
endet in 2 kurze Spitzen, welche meistens dicht zu- 
sammengelegt sind und einen conischen Fortsatz bilden. 
Auf dem 7. Segment zeigt sich bei der erwachsenen Raupe 
der A. Iris (bei südamerikanischen nach Dr. M ü 1 1 e r 
auch auf 5 und 10) ein kurzer zugespitzter Fortsatz 
(Warze). Die Puppen sind seitlich staik zusammengedrückt, 
auf dem Rücken meist mit einer staik hervorspringenden 
F.ügplkante verseben und am Kopf in 2 Spitzen auslaufend. 

Das Geäder des entwickelten Schmetterlings zeigt im 
allgemeinen den Typus der Yanessiden. Der Mediansporn 
fehlt vollständig und dieser Charakter unterscheidet die 
Apaturen sofort von den Limenitiden, von denen sie ja 
auch sehr scharf durch die am 1. bis 4. Tarsusglied be- 
dornten 9$-VorderfÜBse getrennt sind. Eine Verwandt- 
schaft zu den echten Nymphalideri scheint ebenfalls durch 
das fundamental verschiedene Geäder ausgeschlossen zu 
sein, obwohl die Raupen den ISTymphalis- Raupen am 
ähnlichsten sind. Hingegen ist wieder die Puppenform 
so abweichend, dass hiedurch die Verwandtschaft in der 
Raupenform vollständig aufgehoben wird. Auch wir 
neigen uns der Ansicht Dr. W. Müller's zu, welcher eine 
grosse Übereinstimmung der Puppenform von Apatura 
und Thaleropis mit Hypanartia (einer Vanessa sehr nahe- 
stehenden Gattung) constatirt hat, dass die Apaturen den 
Vanessen am nächsten stehen und daraus hervorgegaiigen 
sind. Die charakteristische Herabbiegung des 2. SC-Astes, 
welche die Avgynniden, Diademen und Limenitiden so 
auszeichnet, aber den Vanessen durchaus fehlt, wird auch 
bei keiner Apaturenform gefunden, wohl aber findet man 
bei den letzteren einen anderen Vanessen-Charakter, die 
Einmündung der UDC der Vdfl. in den Bug des 3. 
Medianastes, wenigstens noch in 2 Gattungen erhalten : 
Dilipa und Thaleropis (bei den meisten fehlt die UDC). 
Auch die gleiche Bedornung der 29-Vo''derfüsse, das 
Fehlen des Mediansporns und die gleichen Futterpflanzen 
(Urticaceen) spricht für die Verwandtschaft zu den Vanessen. 
Schliesslich sei auch noch daran erinnert, dass sich die 
charakteristischen Augen der Apaturen auch bei vielen 
Vanessen, wenn auch nur rudimentär, aber stets genau 
in derselben Stellung nachweisen lassen. Die dornenlose 
Raupe würde ihre Eiklärung darin finden, dass die Dornen 
zurückgebildet, bez. verkümmert sind, wie wir dies in 
ähnlicher Weise bei Catagramma und Ilaematera finden. 

Es ist die Aufgabe der Zukunft, diese Beweise noch 
zu vermehren, um die systematische Stellung der Apaturen 



zu sichern, welche keineswegs in der heutigen Auffassung 
ihren richtigen Ausdruck findet. 

Die geographische Verbreitung der Apaturen ist sehr 
interessant, da sie sowohl den grossen östlichen, als auch 
den nord- und südamerikanischen Faunengebieten ange- 
hören, aber dem afrikanischen fast vollständig fehlen, 
ja vielleicht die hier vorkommende Apaturen-Art gar 
nicht dieser Gattung angehört. In Pracht der Flügel- 
färbung überragt Südamerika alle übrigen Länder, welche 
indessen eine grössere Specialität an Formen aufweisen, 
aber selbst an Artenzahl hinter diesem reichen Faunen- 
gebiet zurückbleiben. 

109. Apatura Fab. (ta. 40 Arten) 
(Aiiatnva et Chlovippe Boisd.) 

Taf. 26. A. Iris L., Schrenkii Men. und Agathina Cr. 
a. Palt'e, b. Q- und c. Q-Vor.leifiiss. 
Diese wohlbekannte und für die ganze Gruppe- 
typische Gattung charakterisirt sich nicht durch ein einzelnes 
Merkmal; wir geben daher die Diagnose etwas genauer,, 
um bei den folgenden nur kurz die unterscheidenden 
Momente hervorzuheben. 

A Ufjen nackt. 

Fallier gerade, mit starken., verlängert eiförmigen Kolben. Palpen aber 
den Kopf vorragend, mit lanjevi, stark behaarten, gebogenen Mittel- 
glied und kurzem, kegelförmigen, beschuppten Endglied. 

VdfL mit starker Costale; 2 SO-Aste vor dem Zellende, Ast 3- 
in der Fliigelmitte abgesioeigt und in die Spitze endende 
Ast 4 und 5 eine kurze, in den Aussenrand miinilende Gabel bildend. 
(>DC sehr kurz, ilDl ' etwas länger, gebogen, VDC Jehlend, daher 
Zelle offen. 

Iltfl. mit einfacher oder an der Spitze gabiiger PC, welche nach der- 
Trennung der SC von der Costale abgezzceigt und nach aussen- 
gebogen ist. Zelle offen. 

Q Q -Vorderfiisse kurz, seidig behaart, mit oft undeutlich gegliedertem- 
Tarsus, welcher kürzer als Tibia 2ind diese etit-as kürzer als Femur -ist. 

CO -Vorderfüsse länger und -stärker, mit ögliedrigem., am 1. bis 4., 
Glied kurz bedomten Tatsns. 

Zu Apatura rechnen wir nur die Arten der öst- 
hchen Hemisphäre und trennen die südamerikanischen 
als Untergattung Chlorippe ab. Der Verbreitungsbezirk 
geht über das ganze indische Fanncngebiet, ihr Haupt- 
quartier ist aber die Himalayaregion, von wo einzelne 
Alten sich über das grosse palaearktische, und 2, wie 
bekannt, auch bis in das europäische Gebiet verbreitet 
haben. Zu Apatura müssen ihrer Charaktere wegen auch 
die A. Nycteis Min. und die schöne grosse A. Schrenkii 
Miia.*) aus den Aniurgebieten gerechnet werden, welche 

*j In Uetieff der A. Schrenkii ist durch die eist liiirzlichi 
eifolgte Kenntniss der Puppe jeder Zweifel gehoben, da diese bis in 
das Detail genau mit der Apalurenpn|>pe äbereinstimiiit. Freilich, 
gehölt zur absojnten Sichel siellung die R;iuj.ieiifuiui, welche aber 
noch unbekannt ist, doch ist an ihier Apatuieiiform nicht zu zweifeln. 
Dass die Zeiehnuns der Oberseite von dem allgemeinen Typus ab- 
weicht, ist bei Apatura nicht autfallend. Auf der Rückseite stimmt 
sie im Gegentheil sehr gut mit der A. NamoHua — gewiss einer 
echten Apatura und unserer Iris nahestehend — überein; auch, 
finden sich die fiir Apatura so chaiaklerisiisehen Augen auf den. 



166 



NYMPHALIDEN. 



bisher in anderen Gattungen standen, aber nach den 
neuen Untersuchungen sicher zu Apatura gehören. Unsere 
beiden Arten, A. Iris L. und Hia W. V., repräsentiren 
die Gattung in ausgezeichneter Weise und überragen an 
Pracht des Schillers die meisten indischen Verwandten. 
Unter diesen tritt nur die glänzend himmelblau schillernde 
Ä. Namouna Douhl. mit fast silberweisser Unterseite 
und die Neptis-artig gezeichnete A. Chevana Moore her- 
Tor. Ganz abweichend ist die kleine, einfach braun- 
schwarze A. Parisatis Westn\ aus K. Indien, welche so- 
gar in einer Varietät bis zu den Philippinen geht. 

Subgen. Clilorippe Boisd. Der Unterschied, worauf 
■diese von neueren Autoren auch als selbständige Gattung 
angenommene Apaturenform gegründet wird, liegt nur in 
den etwas verbreiterten und grüngefärbten O O-Vor- 
derfüssen, deren Tarsus und Tibia 2 Längsrinnen zeigen. 
Im Geäder stimmt Chlorippe vollständig mit Apatura 
iiberein; in einzelnen Arten steht der 2. SC-Ast dem 
Zellende etwas näher, auch ist die PC oft 2 gabiig, ohne 
dass diese Charaktere constant sind. 

Die hiezu gerechneten Arten gehören alle dem 
neotropischen Paunengebiet an und verbreiten sich über 
das ganze tropische Südamerika bis Mexiko und den 
Antillen. In der äussern Gestalt sind die südamerikanischen 
Apaturen etwas verschieden von ihren östlichen Ver- 
■wandten, durch die mehr verlängerten Htfl. und mehr 
geeckten Vdfl. Auch überragen sie dieselben bedeutend 
&n Glanz der Flügelfärbung und Stärke des Schillers. 
Es lassen sich 3 Formen hierunter unterscheiden, von 
denen die erste durch die bekannte A. Laurentia Crodt. 
(Seraphina Huhn.) repräsentirt wird, deren Flügel mit 
glänzend hellgrünen Längsbinden je nach der Lichtstellung 
in einem prachtvollen tiefen Blau oder Grün schillern; 
die 2. durch die mehr einfarbig braune, violett schillernde 
A. Af/athina Gram, und die 3. Form durch die gelb oder 
orange gebänderte A. Laure Dru. dargestellt wird, welche 
in einem prachtvollen Hellblau schillern. Alle 3 Formen 
werden durch zahlreiche Arten vertreten, von denen 
namentlich die OO einiger oft in grossen Mengen auf- 
treten und zu den häufigsten Erscheinungen gehören^ 
während die ^^ überaus selten sind. 

110. DoXOCOpa Hübn. (3 Arten.) 

Taf. 27. D. Celtis Boisd. cf. 

a. c^- und b. Q-Vordeifiiss. 

Diese speciell nordamerikanische Gattung war bereits 
von Hübner von Apatura abgetrennt, aber immer wieder 
mit ihr vereinigt, obgleich sie schon äusserlich so von 
dem allgemeinen Typus abweicht, dass ihre generelle 
Trennung nur gebilligt werden kann, und welche durch 
die ganz verschiedene Bildung der o c -Sexualtheile nach 
Salvin und Godman vollends bestätigt wird. Sie 
unterscheidet sich von Apatura dadurch, dass nur ein SC- 
Ast vor dem Zellende abgetrennt ist, der 2. in 
einiger Entfernung nach demselben. Doch ist dies nicht 
-absolut constant, und es kommen auch Individuen mit 



Vdfln. lei A. Sehrenliii, wenn auch nur rudnienfär, vor. Wegen des 
TollkfUjuien übereiiistiminendeii Gtiiders wille nian die Figur auf 
Taf. 2ß mit Apatura vergleiclieu. 



2 SC-Asten vor dem Zellende vor. Die PC ist an der 
Spitze 2 gabiig. 

Die 3 bekannten und sich ähnelnden Arten, von 
denen eine in Mexiko und Centralamerika vorkommt, 
tragen alle ein sehr nüchternes, graugeflecktes Kleid 
und entbehren völlig des Schillers, der ihre Verwandten 
so auszeichnet. Eine der häufigsten nordamerikanischen 
Arten ist die 1). Cdtif< Boind, deren Raupe auf der 
Celtis occidentalis lebt, und im allgemeinen der Raupe 
unserer Iris ähnelt. 



111. Thaleropis Stdgr. (? 2 Arten.) 

Taf. 27. Th. Jonia Eversm. 
a. Palpe, b. (J'-Vordäi'fus?. 

Der interessante kleinasiatische Schmetterling, welcher 
diese neue Gattung bildet, Th. Jonia Eversm., wurde 
ursprünglich von Eversmann als Vanessa beschrieben, 
von Herrich-Schäffer aber kurz darauf schon richtig 
als Apatura gedeutet, wenngleich erhebliche Unterschiede 
ihn generell von dieser Gattung trennen. Kirby hin- 
gegen stellte ihn mit einem ? unter Precis, mit welcher er 
wohl am wenigsten verwandt ist. Indessen ist jeder 
Zweifel über seine systematischen Stellung durch die 
nachträgliche Kenntniss der Raupe gehoben , welche 
durchaus den Apaturen-Charakter besitzt. 

Thaleropis unterscheidet sich von Apatura durch 
die behaarten Augen, die geschlossenen 
Zellen beider Flügel und durch die Abzwei- 
gung des 2. SC-Astes nach dem Zellende, 
welchem bald darauf der 3. folgt. Die Präcostale der 
Htfl. ist an der Spitze 2 gabiig. 

Die Fühler besitzen eine deutliche, birnförmige Kolbe; 
die Palpen sind lang, vorderseits dicht und anliegend 
behaart, mit kurzem zugespitzten Endghed. 

O O-Vorderfüsse dünn, seidenartig behaart, mit gleich 
langen Tibia und Tarsus und etwas längerem Femur. 

Raupe glatt, nach beiden Enden verjüngt, mit zwei 
kurzen Hörnchen auf dem Kopf und zwei Spitzen am 
Ende. Puppe der von Apatura ähnlich, aber mit abge- 
stumpftem Kopfende. 

Bisher war nur die eine Art, TIi. Jonia aus Klein- 
asien bekannt; von Hewitson wurde aber 1873 eine 
neue Art aus Angola als Apatura Gleocharis beschrieben, 
welche von K i r b y^zu der inzwischen neu aufgestellten 
Gattung Thaleropis gezogen wurde, so dass der Ver- 
breitungsbezirk derselben nicht mehr auf das palaearktische 
Gebiet allein beschränkt ist, sondern auch auf Westafrika 
ausgedehnt werden muss. Thaleropis ist daher aus der 
Reihe der für das palaearktische Gebiet cigenthümlichen 
Gattungen zu streichen, wenn sich die generische Zuge- 
hörigkeit der neuen Art bestätigen sollte. 

112. Castalia Boisd. (2 Arten.) 

Taf. 27. C. Diohroa KoU. 
a. Palpe, b. Q -Vorderfiisf. 

Die beiden Arten, welche zu dieser CTattiing gehören 
und von Boisduval von Apatura abgetrennt wurden, 
sind durch ihre äussere Erscheinung so wesentlich von 
allen übrigen Apatura- Arten verschieden, dass sie sich 



NYMPHALIDEN. 



167 



«iif:h ohne die bctr.'chtlichen Unterschiede in den Stiiiklur- 
■orjunen als eigen:? Gattung ausweisen würden. 

Castalia zeichnet sich hauptsächlich durch die Furni 
•der Palpen und der o o-Vorderfüsse aus. Die ersteren 
ibcsitzen ein ül ermi'ssig verlängertes Endglied, 
welches fast die Länge des Mittelgliedes er- 
reicht und Yorderseits kurz, auf dem Kücken aber 
länger behaart ist. Die O O-Vorderfüsso sind fein be- 
haart; der Tarsus ebenso 1 an g al s Tib ia und diese 
■etwas kürzer als der Pemur. Im Geäder sind beide 
Arten etwas verschieden : bei C. Chandra Moore steht 
■der 2. SC-Ast vor dem Zellende, wie bei Apatura, bei 
C. Dichroa Koll. aber nach demselben und ist mit dem 
ersten z. Th. verwachsen. 

Es gehören zu dieser Gattung nur die beiden er- 
wähnten Arten, welche sich sehr ähneln und auf orange- 
gelbem Grund mit schwarzen und weissen Flecken und 
Bändern gezeichnet sind. Der stahlblaue Schiller tritt 
auf der Oberseite nur sehr schwach hervor, ist aber 
nieikwürdigerweise auf der bunteren Unterseite, namentlich 
•auf den schwarzen Zeichnungen, sehr stark entwickelt. 
Beide Arten kommen nur in dem Himalaya-Gebiet vor. 

113. Eulaceura Butl. (i Art.) 

Taf. 27. E. Osteria Westw. 
a. Palpe, b. q -Vordeifiiss. 

Die Gattung Eulaceura wurde auf den merk- 
'würdigen oo -Geschlechtsapparat gegründet, den die 
■einzige hiezu gehörende Art, die E. Osteria IVestw. be- 
sitzt : Die Analklappen bestehen nur aus 2 nackten 
hornigen Gebilden, welche in eine lange, schmale, schief 
abgeschnittene Spitze auslaufen und halbkreisförmig um- 
gebogen sind. Sie werden oben z. Th. durch den letzten 
Leibesring haubenartig bedeckt, der an der Aussenseite 
mit langen Fransen besetzt ist und den kurzen, spitzen, 
von zwei doppelstachlichen Seitenanhängseln umgebenen 
Penis einschliesst. Bei Apatura ibt derselbe viel länger 
und dünner und wird vollständig von den normalen 
Klappen eingeschlossen. Auch bei den 55 zeigen sich 
am Hinterleib 2 seitUche halbrunde Erhöhungen. 

Im Geäder der Vdfl. ist Eulaceura nicht vom Typus 
verschieden ; nur in den Htfln. zeigt sich in so fern eine 
Abweichung, als hier der 3. Medianast ausserordentlich 
kurz ist. Auch sind die Fühler länger und dünner und 
^Jie Kolbe mehr zusammengedrückt, als bei Apatura. 

Die einzige bisher bekannte Art wurde niu' auf Borneo 
■und Malacca gefunden. Das o hat etwas sichelförmig 
vorgezogene Ydtl. und trägt eine breite weisse Binde 
über die schwarzen, schwach violett schillernden Flügel. 
Das mattbraune 5 gleicht durch die verschiedenen Zick- 
zackzeichnungen in etwas den ^^"Euthalien aus der 
Monina-Gruppe. 

114. Dilipa Moore, (i Art.) 

Taf. 27. D. Morgiana Westw. 

a. Piilpp, b. o-Vorderfuss. 

Die Gattung Dilipa unterscheidet sich von Apatura 

nicht allein durch die behaarten Augen und die 

geschlossenen Plügelzellen, Avie Moore angiebt, 

sondern auch und hauptsächlich durch den 2. Subcostal- 



ast, welcher in ziemlicher Entfernung nach dem 
Zellende entspringt. Ausserdem ist auch die Präcostale 
2 gabiig und die O O-Vorderfüsse seidenartig behaart; 
der Tarsus länger als Tibia und diese etwas kürzer als 
der Femur. Die Tibia ist an ihrem Ende schwach ver- 
dickt. Palpen und Fühler wie bei Apatura. 

Die einzige bisher bekannte Art, ü. Morgiana ]]'estir.. 
ist von der Grösse und dem Flügelschnitt unserer lüa, 
aber von dunkelgoldgelber Grundfarbe, welche namentlich 
auf den Htfln. einen starken goldglänzenden Schiller be- 
sitzt, im übrigen mit dunkelbraunen apaturenähnlichea 
Zeichnungen versehen ist. Das ^ hat nach Moore eine 
mehr weissliche Grundfärbung. 

Sie gehört dem Himalaya-Gebiet an und scheint 
ausserordentlich selten zu sein. 



115. Helcyra Feld. (2 Arten.) 

Taf. 27. IL Hemina Hew. 

a. Palpp, b. o -Vorderfiiss. 

Wir geben zunächst in folgendem die Original-Diagnose 
dieser seltenen Gattung, da wir zur Untersuchung nicht 
die typische IL Chionippe Feld, vor uns hatten, sondern 
die //. Hemina Hew., welche wesentlich in dem Haupt- 
charakter abweicht. 

„Fü/derkolhe eiförmig. Palpen schuppig. Augen 
kahl. Zellen aller Flügel offen. Subcostale der 
Vdß. vierästig: 1. Ast in der Zellmitte, 2. sehr 
bald nach dem Zellende, 3. vor dem Scheitel auf- 
steigend. Discoidaladern (Radialen) der Vdfl. sehr 
weit von. den SC-Asten entfernt aus einer Basis 
entspringend. Präcostalader der Htfl. nach dem 
Ursprunq der Silbcostalader abgeziueigt, nach ein- 
v;ärts einen kurzen Sporn aussendend. (H. 
Chionippe n. sp.)'^ 

Felder, Neues Lepidopt. 1862. 
Der hauptsächlichste Punkt, worin IL Hemina nicht 
mit Chionippe übereinstimmt, ist die normale 5ästige 
SC-Ader. Hier zweigt sich der 2. Ast gleich nach dem 
Zellende, der 3. ungefähr inmitten zwischen letzterem und 
dem 4. ab, welcher, wie bei Chionippe, eine kurze Gabel 
mit Ast 5 bildet. Auch ist die ODC nicht von so un- 
gewöhnlicher Länge, wie bei der typischen Art, und die 
Präcostale einfach, nach aussen gebogen, nicht aber 2gabHg. 
Trotz dieser Abweichungen stimmen beide Arten 
in allen übrigen Merkmalen, in den Palpen und Fühlern 
vollständig überein; die Felder'sche Diagnose muss 
demnach dahin erweitert werden, dass auch 5 ästige Sub- 
costalen vorkommen und die 4 ästige nur eine Ausnähme 
ist. Wir haben denselben Fall bereits bei A n a r t i a 
gehabt und zugleich gezeigt, dass durch schrittweises 
Verwachsen ein Ast völlig verschwinden kann. Daher 
ist das Fehlen oder Vorhandensein eines solchen in ge- 
wissen Fällen von geringerer Bedeutung für den Genus- 
charakter. 

Die beiden bekannten Arten gehören zu den seltenen 
Schmetterlingen dieser Familie, welche eine rein weisse 
Gnmdfärbung besitzen. Sie haben den Habitus und die 
Grösse unserer Apaturen, und die (So-, welche übrigens 
keineswegs des Farailienschmucks entbehren, indem sie auf 
den schneeweissen Flügeln einen schwachen röthlichgelben 



168 



NYMPHALIDEN. 



Schiller zeigen, besitzen schwRi'ze Flügelecken nebst einigen 
dunklen Punlcten. Aufder Rückseite sind sie einfarbig silber- 
weiss. 

Die Verbreitung dieser Gattung ist sehr interessant, 
indem eine Art auf dem Himalaya, die andere auf 
der ziemlich entfernten Insel Amboina vorkommt, den 
dazwischen liegenden Gebieten aber vollkommen fehlt. 
Diese merkwürdige Verwandtschaft der Himalaya-Fauna 
mit der malajäschen haben wir bereits in der Ein- 
leitung erwähnt. 

116. Dichorragia Butl. (2 Arten.) 

Taf. 27. D. Nesimachus Boisd. 
a. ¥:i]yv, h. c5"-Vjrderfiiss. 

Butler stellte Dichorragia unter die Euthalien; 
CS kann aber gar nicht zweifelhaft sein, dass sie eine 
echte Apature ist, denn sie besitzt weder den Median- 
sporn, noch die für die Euthalien so charakteristische 
rimo'ebogene grosse Präcostalader. Auch sind die 99" 
Vorderfüsse am 1. Gliede bedornt. Ebenso spricht die 
Bildung der Palpen, überhaupt ihre ganze äussere Er- 
scheinung für ihre Stellung unter den Apaturen, von denen 
Apaturina ihr am nächsten steht. 

Dichorragia unterscheidet sich von allen Gattungen 
dieser Gruppe durch ihre einfache, fast gerade 
Präcostalader, welche an de i- Spitze schief 
abgeschnitten ist, während sie sonst meistens ge- 
gabelt oder nach aussen gebogen ist. Die Flügel- 
zellen sind wie bei Apaturina geschlossen; von dieser 
Gattung wird sie speciell noch durch die viel grössere, 
stark nach innen gebogene MDC und die 
längere Gabel des 4. und 5. Subcostalastes 
getrennt. Geschlossene Flttgelzellen kommen unter den 
Apaturen nur noch bei Dilipa und Thaleropis vor; hier 
zweigt sich aber nur 1 Subcostalast vor dem Zellende 
ab, bei Dichorragia stets zwei. 

Die äussere Erscheinung der beiden sich sehr nahe- 
stehenden Arten ist so charakteristisch, dass sie mit keiner 
anderen verwechselt werden können. Die Grundfärbung 
ist ein tiefes, mehr bläuliches Olivgrün, bedeckt mit 
schwarzen und bläulichen Flecken. Vor dem Rand steht 
eine sehr feine, aber stark ausgeprägte weisse Zickzack- 
linie und bei der einen Art ein breiter weisser Binden- 



Aussenrand der Htfl. Das für die Apaturen so charak- 
teristische Auge zwischen dem 1. und 2. Medianast ist 
auf den Vdfln. durch einen weissen Punkt, auf den Htfln. 
durch die stärkere Entwicklung gerade des hier stehenden 
Fleckens sehr schön angedeutet. 

Die beiden bis jetzt bekannten Arten haben dieselbe 
interessante Verbreitung wie die vorhergehende Ilelcyra: 
J>. Nesimacluis Boisd. kommt auf dem Himalaya — D. 
Sinus Feld, auf Ceram (Amboina) vor. Neuerdings ist 
die D. Ncsimachus auch auf Celebes gefunden worden. 



117. Apaturina H.-S. (i Art.) 

Taf. 27. A. Erminia Gram, 
a. P.il. e, b. Q -VcrdeifnsF. 

Diese prachtvolle Gattung, die letzte der Apaturen- 
Gruppe, zeichnet sich schon durch ihre imposante Grösse 
aus. Auch sind hier die für die Apaturen so charak- 
teristischen Augen zwischen dem 1. und 2. M-Ast, welche 
bei den meisten vorhergehenden Gattungen mehr oder 
weniger verwischt sind, sowohl auf der Oberseite als auch 
fiuf der Rückseite der Vd.- und Iltfl. meist vollkommen 
ausgebildet. 

Apaturina unterscheidet sich von Apatura nur 
durch die geschlossenen Flügelzellen. Palpen 
und Fühler sind denen von Apatura ganz gleich gebildet, 
und im Geäder finden sich nur unbedeutende Abweichungen; 
der 3. SC-Ast entspringt dem Zellende etwas näher und 
die Präcostalc der Iltfl. ist an der Spitze gegabelt, doch 
ist gerade die letztere Bildung bei den Apaturen wenig 
constant. 

Die einzige Art dieser Gattung, die A. Erminia Crom., 
ist eine der schönsten und grössten Apaturen-Formen der 
östhchen Tropen. Sie ist oberseits von schwarzer Grund- 
farbe und trägt nur über die Vdfi. eine gelbliche oder- 
weisse Fleckcnbinde vor der Flügelspitze; aber der Discus 
der Iltfl. und zum Theil auch die Vdfl.-Basis schillern in 
einem prachtvollen Stahlblau, welches sich je nach der 
Lichtstellung in ein metallisch-glänzendes Grün oder Violett 
verwandelt. 

Sie gehört ausschliesslich dem malayischen Faunen- 
gebiet an. 



XI. Anaeen-Gruppe 

liebst x\nliaiig: Pseiido-Nyiiiphaliclen-driippe. 

Medianader der Vdf. am Grunde ohne Sporn. 3. HC-Ast vor der Flügelspitze in den Vorderrand, 4. in die Sjpitze 
oder davor mündend, mit Ast 5 eine grosse Gabel bildend, ßaupen mit Wärzchen bedeckt, am Kopf mit kurzen ein- 

fachen oder verzweigten Dornen. 



Iliezu : 
Anaea 
Pyi'i'hanaea 



Südamerika. 



ITypiia 
Protoftoiiius 



Südainevika. 



Wir hatten in der Einleitung die XL Gruppe als 
^Pseudo-Nymphaliden " aufgeführt und hiezu ausser 
den Anaeen, welche den Haupttheil derselben ausmachten, 
noch die Gattungen Smyrna, Pycina, Prothoii und 



Mynes gerechnet. Da diese Gattungen unter sich nur 
wenig Verwandtschaft zeigten, durch ihren robusten Bau 
aber an die NymphaUden erinnerten, so nannten wir sie- 
collectiv „Pseudo-Nymphaliden". Inzwischen ist uns durch. 



N Y M P H A L I D E N. 



169 



freuudl. Unterstützung Dr. "VV. Müller 's so manche 
eüdamerikanische Raupe bekannt geworden, oder wir 
konnten die betreffenden Gattungen näher und genauer 
untersuchen, a's es früher möglich war, so dass wir 
die systematische Stellung einiger mit grösserer Sicherheit 
bestimmen konnten. Es blieben mithin als Haupttheil 
dieser Gruppe nur die Anaeen übrig, und haben wir den 
Namen der Pseudonymphaliden nur auf die 3 Genera 
Aganisthos, Coea und Megistanis, welche mit 
den Anaeen in gar keiner verwandtschaftlichen Beziehung 
stehen, übertragen und diese als Anhang behandelt. 

Die Anaeen zeigen sowohl im Schmetterling als in 
der Eaupe eine nahe Verwandtschaft zu den echten 
Nymphaliden. Wie bei diesen ist der 4. und 5. Sub- 
costalast sehr gross gegabelt und der 4. an seiner 
Spitze he rabgebogen: ein Charakter, der nur 
diesen beiden Gruppen eigenthümlich ist. Bei den Anaeen 
mündet aber der 3. SC-Ast vor der Flügelspitze in den 
Vorderrand, der 4. in die Spitze selbst oder kurz davor; 
bei den echten Nymphaliden (mit Ausnahme von Siderone 
undVerwandten), mündet dagegen der 3.Ast stets in dieFlügel- 
spitze und der 4. unterhalb derselben in den Aussenrand. 

Die Raupen der Anaeen sind dornenlos, auf dem 4. 
Segment verdickt, nach beiden Enden zu verjüngt und 
mit kurzen Fleischwarzen über den ganzen Körper be- 
deckt. Der Hinterleib trägt keine Schwanzgabel ; auf 
dem Kopf stehen einzelne, mehr oder weniger grosse 
Stacheln oder verzweigte Hörnchen. Sie leben meist an Piper- 
Arten. Die Puppen ähneln den Nymphaliden-Puppen; sie 
sind sehr gedrungen und der Hinterleib ist stark zusammen- 
gezogen. 

Eine ganz eigenthümliche Zwischenstellung nehmen 
die Gattung Siderone und Verwandte ein, welche im 
Schmetterling den Anaeen in vieler Beziehung näher stehen, 
als den Nymphaliden (z. B. durch die Fühler- und Palpen- 
bildung, das Geäder, den gleichen Habitus), .sodass sie 
hienach kaum von ihnen getrennt werden könnten. Ihren 
Raupen nach gehören sie aber unbedingt zu der folgenden 
Gruppe und dies wird auch durch den wohlausgebildeten 
Mediansporn bestätigt. Wir haben sie daher in dem 
folgenden Schlüssel mit aufgenommen, da sie leicht unter 
den Anaeen gesucht werden könnten. 

Schlüssel zur Anaeen-Gruppe. 

A. 1. und 2. Suhcostalast unter sich und 
mit der Gostale vericachsen. 

a. 3. SC-Ast sehr kurs, aus d. 4 SC-Ast 
abgezweigt, in die Costale mündend. 
* Vdß. meist sichelförmig gelogen, 

oder auch nur zugespitzt . . . Anaea. 
** Vdfi. verlängert, mit hreit ge- 
eckter Flügelspitse ProtOgOlÜUS. 

b. 3. SC-Ast vor dem 4. aus der 

Haiiptader normal entspringend. 
* SCa sehr hurz, mit Costale 
vericachsen. ...... Pyi'i'hanaea. 

** SCi sehr lang, frei bis zum 

Ende verlaufend Hypna. 

B. l.u.2.Suhcostalastfreiverlaifend, nicht 

mit Gostale, od. unter sich verwachsen Siderone 

u. Verwandte. 
(Siehe foli/eiide Grupjje.J 



118. Anaea Hübn. (ca. 50 Arten.) 
(Paphia Fabr.) 

Taf. 28. A. Morvus Fabr., A. Echemus D.-H. 
a. Palpe, b. (^-Vorderfiiss. 

Die Gattung Anaea lässt sich, nachdem wir auch 
die ^4. Troglodyta Fahr, nebst Verw., sowie die A. 
Cyanea S. cD (J. abgetrennt haben,*) dadurch charakterisiren,, 
dass die 2 ersten Subcostaläste sowohl unter sich, als mit 
der Costalader verwachsen sind, und der 3. Ast, welcher 
selbst sehr kurz ist und sofort auch mit der Costale 
verwächst, aus dem 4. Ast entspringt und nicht aus der 
Hauptader vor demselben ; des ferneren durch die kurzen, 
in eine schmale, allmählich verdickte Kolbe übergehenden 
Fühler, die stets deutlich entwickelte ODC der Vdfl. und 
die Ausmündung des 4. SC-Astes vor der Flügelspitze in 
den Vorderrand. 

Da das abnorme Geäder der Vdfl. durch Verwachsen 
und theilweises Verkümmern einzelner Äste ziemlich un- 
verständlich ist, wenn man nicht die verbindenden Glieder 
kennt, so wollen wir zunächst eine normale Form, als 
deren Tj'pus wir den A. Jlorvus Fabr. betrachten, näher 
beschreiben und daran anschliessend die auftretenden 
Abweichungen. 

In dieser Art (Taf 28) geht die Costalader scheinbar 
bis nahe zur Flügelspitze und es zweigen sich 2 SC-Aste 
vor dem Zellende ab, deren erster sehr kurz ist und bald 
]iach seinem Ursprung mit der Costale verwächst, der 

2. aber etwas länger und in der Flügelmitte gleichfalls 
mit dieser verwachsen ist. Die Hauptader spaltet sich 
nun nach dem Zellende ungefähr halbwegs zwischen 
diesem und der Flügelspitze in 2 Äste, deren oberster 
unseren vierten (nicht den dritten !) Subcostalast vorstellt 
und etwas vor der Flügelspitze, wo er noch deutlich die 
charakteristische Umbiegung erkennen lässt, in den Vor- 
derrand mündet, der untere dagegen den 5. Ast bildet 
und unterhalb der Spitze in den Aussenrand geht. Der 

3. Subcostalast selbst ist sehr klein und kurz**) und zweigt 
sich aus dem 4. ab; er verwächst bald nach seinem 
Austritt mit der Costalader. 

Dass sich die Costalader fast bis zur Flügelspitze 
fortsetzt, ist nur scheinbar und' beruht darauf, dass die 
einzelnen SC-Äste nach der Verwachsung innen wieder 
in der gleichen Richtung der Costale fortlaufen. Diese 
selbst endet kurz nach dem Zellende, und verwächst 
entweder vollständig oder tritt als kurzer Ast in den 
Vorderrand aus, unmittelbar nach ihrer Verwachsung mit 
dem 1. Subcostalast. Dies thun nun auch die 3 folgen- 
den SC-Äste, daher gehören die betreffenden kurzen Zweige 
nicht den unmittelbar vor ihnen einmündenden SC-Ästen 
an, sondern stets den vorhergehenden. 

Die meisten Anaeen sind nun nach diesem Flane gebaut, dessen 
Charakteristisches eben darin liegt, dass der 3. Subcostalast direct 
aus dem 4. entspringt und nicht vor demselben aus der Mauptadery 



*)Die Ton Salvin und Godman zuerst als Anaea beschriebene 
A. Cyanea gehurt dieser Gattung' durchaus nicht an, ja nicht einmal 
dieser Gruppe. Wir haben sie als gen. nov. l'olygrapha unter 
die echten Nymphaliden aufgenommen. 

**)Diese ganze Aderstellang lässt sich sehr schwer mit blossem 
Auge oder der Lupe erkennen, wenn man keine abgeschuppten 
Exemplare zur Verfügung hat. Selbst das Betupfen mit Spiritus 
oder Benzin führt nicht immer zum Ziel. 



170 



N r M P H A L I D E N. 



v:ie bei Jast allen Tajfalteyn. (Nur Le^tocireus und Folyfjrapha 
zeigen eine gleiche Bilihmg ) 

In einigen Alten verlammert dagegen der 1. Subcostalast t/ieihceise 
oder ganz, so dass iibei-haiq't nur ein Äst vor dem Zellende steht und 
die Subcostale 4 ästig wird. Hier ßnden sich nun 2 weitere Abweichungen 
in dem Verlauf der Aste vor: Entweder entspringt Ast 3 (hier also 
scheinbar der 2.) wie bei dem Typus aus dem 4- (hier dem 3.) und ist 
Jatiz mit der Costale vei'wachsen, oder aber er ziceigt sich normal aus 
der Hauptader ab, und die beiden letzten Aste bilden einehurze 
Gabel in der FHigekpitze. Der erste Fall tritt hei A. Echemv^s 
Doubl. Eew., Halice God.t. und Veruandte ein, und wurde Echemus 
auch wegen ihres sonst eticas abweichenden Habitus von Voubleday 
als Cymatogramma abgetrennt (wozu aber Icein Grund vorhanden ist, 
da sich hiezu alle Übergänge ßnden). Die zweite viel wichtigere und 
tiefer eingreifende Abtreichimg fndet sich bei A. Troglodyta Fabr. 
und Portia Fabr., welche auch in andern Theilen (Palpen, Vorderfiissen) 
sich bedeutend von Anaea unterscheidet. Wir haben sie deshalb als 
neue Gattung Pyrrhanaea run den Anaeen getrennt Eier ßr.det 
man auch den Beiceis, dass es der '1. SC- Ast und nicht der 2. ist, 
welcher verkümmert, da in einzelnen Individuen noch BuCimente des 1, 
Astes vorhanden sind, (siehe Taf. 28 P. Troglodyta). 

In den übrigen Organen weicht Anaea ebenfalls 
■wesentlich von dem Nymphalis-Typus ab. Die Palpen 
sind ziemlich klein, schwach gebogen, vorderseits und 
oberhalb des Mittelgliedes dicht beschuppt, und mit einem 
kurzen Haarschopf auf dem Eücken. Das Endglied ist klein 
und kegelförmig. Die Fühler sind stets kurz, allmählich 
in eine schief abgeschnittene IColbe übergehend. Die 
Zellen sind meist geschlossen. ODC ist stets deutlich ent- 
wickelt, oft lEnger als MDC; UDC die Mediana stets nach 
dem 2. Ast im Bug des 3. treffend. 

Das Geäder der Htfl. ist von normalem Bau. Die 
Präcostale ist einfach , mehr oder weniger ' nach aussen 
gebogen, stets weit nach der SC abgezweigt. 

cfd^-Vorderfüsse sehr zart und dünn, kurz behaart ;Tibia 
kürzer oder ebenso lang als Fenmi', Tarsus kleiner als Tibia. 

QQ-Vorderfüsse von gleicher Länge, anliegend be- 
schuppt, mit Sgliedrigem, am 1. bis 4. Glied kurz be- 
dorntem Tarsus. 

Die Anaeen gehören dem ganzen tropischen Süd- 
amerika an, von Südbiasilien bis Mexiko und den An- 
tillen. Sie sind sowohl in der Flügelgestalt als in der 
Färbung ausserordentlich verschieden. Meistens sind die 
Vdfl. an der Spitze sichelförmig umgebogen, der Innen- 
rand häufig halbkreisförmig ausgeschnitten und der 
Aussenwinkel ebenfalls sichelförmig gebogen — eine der 
originellsten Flügelformen in der gesammten Tagschmetter- 
lingswelt — woran man die Anaeen auf den ersten Blick 
erkennt. Die Htfl. sind entweder einfach abgerundet 
oder tragen ein oder auch wohl zwei kurze Schwänzchen 
oder Zähne an SM und dem 3. Medianast. 

Ebenso verschiedenartig ist auch die Flügelfäibuiig. 
Im allgemeinen herrscht, wie bei dem typischen A. 
3Iorvus, ein tiefes Blauschwarz mit stahlblauem Schiller 
vor. Aber eine ganze Gruppe besitzt auch eine rothe 
oder rothbraune Grundfarbe, wie die Halice-Giuppe, und 
einzelne Arten zeigen einen so glänzend blauen Schiller, 
der sich dann mit dem Roth zu einem prachtvollen Violett 
verbindet, dass diese Arten zu den schönsten Erschein- 
ungen der neotropischen Fauna gehören. Ganz isoürt 
stehende Formen sind: Die gelblich-weisse A. Electra 
Westw. aus Centralamerika , der .schöne N'essus Latr. 
nebst den verwandten A. Ttto.n Feld, und Centaurus 
Feld., mit eigenthümlich rothvioletten oder rosafarbenen 
Flecken, die blassgrünlich- gelbe A. üalUd ryan Feld. 



(welche in der That an die Catopsilien erinnert), die 
durch ihre langen schmalen, sichelförmigen Vdfl. und die 
tief indigoblau und hellgelb gefärbten Htfl. ausgezeichnete 
A. Panariste Hew., (deren 2 hievon total verschieden 
und schwarz und weiss gezeichnet ist) und andere mehr, 
welche im I. Theil genauer beschrieben und z. Th. ab- 
gebildet sind. 

119. Pyrrhanaea Schatz. (2 Arten.) 

Taf. 28. P. Troglodyta Fabr. 
a. Palpe, b. Q-VürdeifiisF. 

"Wir gründen diese neue Gattung auf die frühere 
Anaea Troglodyta Fabr., welche sich sehr scharf von 
allen Anaeen dadurch unterscheidet, dass die Subcostale 
nur 4ästig ist, der eigentliche 3. SC-Ast (hier der 
2.) normal aus der Hauptader vor dem 4. (hier dem 
3.) entspringt und dieser letztere mit dem eigentlichen 
5. Ast (hier dem 4.) eine kurze Gabel bildet. 

Auch in der Palpenform und den o o-Vorderfüssen 
weicht Pyrrhanaea bedeutend von Anaea ab; im übrigen 
Geäder stimmt sie aber fast vollständig überein. 

Die Palpen sind vorderseits und seitlich dicht mit 
breiten Schuppen, auf dem Rücken mit kurzen Haaren 
besetzt; das Endglied ist klein und zugespitzt. Die Sub- 
costale ist 4ästig mit nur einem Ast vor dem Zellende, 
welcher mit der Costale verwachsen ist. (Der normale 
1. Ast ist verkümmert.) Der 2. Ast, (eigentlich der 3.) 
zwischen Zellende und Flügelspitze direct aus der Haupt- 
ader entspringend, ist sehr kurz und mit der Costale 
gleichfalls verwachsen. Ast 3 (der normale 4.) ungefähr 
in '^li Entfernung vom Zellende abgezweigt, obeihalb 
der Flügelspitze mündend und mit Ast 4 (dem eigent- 
lichen 5.) ein kurze Gabel bildend. ODC und MDC 
kurz und gleiehlang. UDC schief nach innen die 
Mediana treffend. 

Geäder der Htfl. wie bei Anaea. 

O d-Vorderfüsse sehr kurz, Tibia kürzer als Femur, 
Tarsus '/s so lang als Tibia. 

Die beiden hiezu gehörenden Arten sind schon 
äusserlich sofort an der eigenthümlich ziegelrothen Flügel- 
färbung zu erkennen; die Vdfl. sind sichelförmig zugespitzt, 
der Innenrand aber ist gerade; die Htfl. tragen an Ms ein 
kurzes Schwänzchen. Die P. Troglodyta Fahr, verbreitet 
sich von Mexiko bis zu den Südstaaten Nordamerikas, da- 
her sie allgemein zur nordamerikanischeu Fauna gerechnet 
wird ; eine 2. Art (vielleicht nur Varietät) kommt auf den 
Antillen vor. 



120. Hypna Hübn. (i Art.) 

Taf. 28. H. Clytemnestra Cram. 
a. Palpe, b. d-Voiderfuss. 
H y p n a unterscheidet sieh von Anaea schon äusser- 
lich durch die mit Silberflecken bedeckte Unterseite der 
Htfl., welche ausserdem einen kurzen, spatelförmigen, 
schief abgeschnittenen Schwanz am 3. Medianast tragen; 
genauer aber durch die nahe zusammen in der 
Flügelmitte abgezweigten und frei verlaufen- 
den 3. und 4. Subcost a laste und die vollständig 
fehlende MDC, daher beide Radialen aus einem 
Punkte ents])ringen. ODC ist kurz, aber deutlich vor- 



N Y M P H A L I D E N. 



171 



hanckn; UDO ist nach innen gebogen und die Mediana im 
3. Ast treffend, welcher aussergewohnlich hochgebogen ist. 

Die beiden ersten SC -Aste zweigen sich vor dem 
Zellende ab, und verwachsen erst in geraumer Entfernung 
nach demselben mit der Costale ; der 4. Ast ist an seinem 
Ende bedeutend herabgebogen und mündet vor der Spitze 
in den Yorderrand. 

Die Präcostale der Htfl. ist kurz, am Ende abge- 
stumpft und fast gerade ; ausserdem ist eine schmale 
PC-Zelle vorhanden. 

Die bekannte H. Clytemnestra Gram, ist einer der 
Terbreitetsten Schmetterlinge Südamerikas. Sie ändert 
ausserordentlich in der Flügelfärbung ab und gleicht 
äusserlich ganz einer grossen Anaea, hat aber eine breite 
•weisse Querbinde über die Vdfl., deren Grundfärbung ein 
tiefes Grünschwarz oder Eothbraun ist. Durch die Silber- 
flecken und die angegebenen Charaktere ist sie indessen 
leicht von ähnlichen Anaeen zu unterscheiden. 

121. Protogonius Hübn. 

Taf. 28. P. Hippona Fabr. 
a. P:ilpf, li. (j)'- und e. C-Vcrderfuss. 
Diese Gattung hat einen so merkwürdigen Plügel- 
schnitt, dass man sie ohne nähere Untersuchung wohl 
kaum für eine Anaeenform halten würde, denn sie gleicht 
auf den ersten Blick eher einem braunen, geschwänzten 
und geeckten Heliconier oder einer Melinaea, und es ist 
auch aar n'cht zweifelhaft, dass wir hier ein Nachahmungs- 



kleid vor uns haben; aber das Geäder, die kurzen, 
stumpfen Fühler und die Raupenform zeigen zur Genüge, 
dass Protogonius eng mit Anaea verwandt ist. 

Wie bei dieser, zweigen sich 2 Subcostaläste vor 
dem Zellende ab, welche mit der Costale verwachsen; 
Ast 3 entspringt ebenfalls direct aus dem 4. 
und ist auch kurz darauf mit der Costale 
verwachsen; der 5. Ast entspringt bald nach dem 
Zellende und bildet mit Ast 4 eine grosse 
Gabel. ODC und MDC sind sehr klein und gleich lang; 
UDC ist nach innen gewinkelt. Die Präcostale 
der Htfl. ist kurz, gerade und nur an der Spitze etwas 
nach aussen gebogen ; auch ist eine schmale Präcostal- 
zelle vorhanden. Die Vdfl. sind stark verlängert und an 
der Spitze quer abgeschnitten, so dass eine breite Flügel- 
ecke entsteht, wie bei den Vanessen ; aber hier mündet der 
3. Medianast — und nicht die OR, wie bei jenen — in die 
Ecke. Die Htfl. sind an Mg mit einem spatelförraigen 
Schwanz versehen und laufen an der SM in eine Spitze aus. 

Bezüglich der vielen neuen Arten, welche in letzter 
Zeit aus dieser Gattung aufgestellt wurden, verweisen wir 
auf den I. Theil. Alle Arten oder Varietäten besitzen 
die gleiche charakteristische Flügelform und obwohl sie 
in der Färbung und Zeichnung ziemlich bedeutend von 
einander abweichen, so halten sie doch auch darin den 
gleichen Grundeharakter fest. Ihr Verbreitungsbezirk 
erstreckt sich über das ganze neotropische Faunengebiet 
von Mexiko bis SüdbrasiHen. 



Anhang ; P s e ud o ii y m p h a 1 i d e n - G r li p p e. 

Flugels])itze mündend, 4. und 5. Ast eine kurze, laiterhalb 
bildend. Baiipe (von Aganistlios) bedornt. 



Medianader am Grunde ohne Sporn ; 3. Snbcostalast in die 
derselben in d,en Aussenrand mündende Gabel 

Aganistlios j 

Coea 

Megistanis ) 
Die Pseudonymphaliden haben denselben kräftigen 
Körperbau und die staiken Flügel, wie die echten Nym- 
phaliden. Sie unterscheiden sich aber sehr schaif von 
diesen durch die Raupenform imd das Geäder, welches 
dem Vanessentypus entspricht. Hier ist stets der 4. und 
5. Subcostalast kurz gegabelt, während diese bei den 
echten Kymphaliden eine sehr lange Gabel bilden und 
der 4. Ast ausserdem an seiner Spitze umgebogen ist. 

Von den Raupen ist bisher nur diejenige von 
Aganistlios Odins durch Burmeister bekannt geworden. 
Danach ist sie dornig, mit einem Paar kolbiger Hürner 
auf dem Kopf; die Dornen sind verzweigt. Die Puppe 
ist sehr gestreckt, seitlich zusammengedrückt und mit 
Eückendornen versehen. Die Raupen der beiden anderen 
Gattungen sind noch gänzlich ULbekannt, doch ist nicht zu 
zweifeln, dass sie mit der Aganisthos-Raupe übereinstimmen 
«der wenigstens doch Ähnlicheit mit ihr haben, da die 
Schmetterlinge in der Struktur vollkommen übereinstimmen. 
Die leichte Erkennbarkeit der 3 Gattungen an ihrem 
Äussern macht einen Schlüssel überflüssig und verweisen 
"wir wegen der eenaueren Merkmale auf die Diagnosen. 



Südamerika. 



122. Aganisthos Boisd. (i Art.) 

Taf. 27. A. Orion Fabr. 
a. Palpe, b. q- und e. Q-Voideifuss. 

Der aussergewohnlich starke Thorax, der in beiden 
Geschlechtern kurze, spitzige Leib, die Form der Fühler, 
welche gerade und eine längliche, allmählich verdickte 
Kolbe tragen, sind denen von Charaxes ganz ähnlich ge- 
bildet. Der hauptsächlichste Unterschied liegt in der 
Raupe und dem Geäder. 

Bei Aganisthos zweigen sich 2 Subcostaläste vor 
dem Zellende nahe zusammen ab und verlaufen eng au 
einander geschlossen und frei. Ast 3 entspringt 
bald nach dem Zellende, liegt bis zur Hälfte 
geschlossen an der Hauptader an, biegt sich 
dann plötzlich aufwärts und mündet genau in die 
Flügelspitze. Ast 4 und 5 bilden eine kurze, in den 
Aussenrand unterhalb der Flügelspitze mündende Gabel, 
Zellen beider Flügel offen. 

Die Htfl. mit gerundetem Aussenrand ohne Schwänze 
oder Zähne. Präcostale eirfach, nach aussen gebogen, 
kurz nach der Subcostale abgezweigt. . Die Palpen sind 



172 



N Y M P H A L I D E N. 



vorderseits dicht behaart und auf dem Rücken mit einem 
starken Haarbusch versehen. Endglied ziemlich lang, 
kegelförmig zugespitzt, o O'Vorderfüsse stark behaart; 
Femur etwas länger als Tibia, mit ^'2 so langem Tarsus. 
2^-Vorderfüsse nur kurz beschuppt, mit gleiohlangen 
Pemur und Tibia und ^'ä so langem, am 1. bis 4. Glied 
stark bedorntem Tarsus. 

Die einzige Art dieser Gattung, der bekannte A. 
Orion Fahr. (Odins Fabr.) gehört zu den grössten Nym- 
phaliden der neuen Welt und ist über das ganze ueo- 
tropische Faunen gebiet bis Mexiko verbreitet. Er ist 
einer der stärksten Flieger, wie die Preponen. Die Vdfl. 
sind an der Spitze etwas stumpf-sichelförmig vorgezogen 
und oberseits auf schwarzem Grund mit einem grossen, ge- 
bogenen, goldbraunen Flecken gezeichnet. Durch die abge- 
rundeten Htfl. unterscheidet sich Orion sehr leicht von den bei- 
den folgenden Gattungen, welche geschwänzte Htfl. besitzen. 

123. Coea Hübn. (i Art.) 

Taf. 28. C. Cadmus Esp. 

a. Palpe. 

Diese Gattung war bereits von Hübner aufgestellt, 
wurde aber später von West wo od eingezogen und die 
einzige Art, die C. Cadmus Esp. (Acheronta Fahr.), zu 
Megistanis gestellt. Später wurde sie von Bates mit 
Aganisthos vereinigt, von welcher sie sich aber sofort 
durch die geschlossenen Flügelzellen unterscheidet. 

Coea steht structurell genau in der Mitte zwischen 
Aganisthos und Megistanis; von beiden unterscheidet sie 
sich durch gewisse, wenn auch geringe Merkmale, haupt- 
sächlich durch ihr Äusseres; nach Salvin und Godman 
auch in den d'd'-Sexualien, weshalb wir in der Wieder- 
aufstellung der Gattung diesen Autoren gefolgt sind. 

Von Aganisthos unterscheidet sich Coea schon durch 
die am 3. Medianast geschwänzten Htfl. und die ge- 
schlossenen Flügelzellen. Im übrigen Geäder und den 
Palpen stimmt sie dagegen fast vollständig mit diesem 
überein. Die Subcostale entsendet 2 Aste vor dem Zell- 
ende ; der 3. liegt genau so charakteristisch bis zur Hälfte 
an der Hauptader an. Die ODC ist kurz, 51 DC sehr 
klein, fast verkümmert, so dass beide Radialen fast 
aus einem Punkte entspringen. UDC gerade, die Mediana 
kurz nach dem 2. Aste treffend. Die Palpen und Fühler 
sind denen von Aganisthos gleich gebildet. 

Von Megistanis wird sie, ausser der gänzlich ver- 
schiedenen Färbung, nur durch ganz geringfügige Unter- 
schiede im Geäder, hauptsächlich durch die verkümmerte 
MDC getrennt. 

Die einzige Art dieser Gattung, C. Cadmus Esp., 
hat in der Flügelfärbung oberseits eine gewisse Ähnlich- 
keit mit dem Ag. Orion; doch ist sie bedeutend kleiner 
und an den Htfln. kurz geschwänzt. In der Flügelform 
und der Zeichnung der Rückseite ist sie dagegen ganz 
verschieden und gleicht eher einer Charaxes-Art. 

Der Verbreitungsbezirk ist derselbe wie von Aga- 
nisthos. 



124. Megistanis Hübn. (3 Arten.) 

Taf. 28. M. Baeotus Doubl.-Hew. 
a. Palpe, b. cf-Vordei fuss. 

Die Ähnlichkeit dieser Gattung mit der Charaxes- 
form der alten Welt tritt hier in der Flügelgestalt und 
Färbung so auffällig hervor, dass man Megistanis allge- 
mein als den südamerikanischen Vertreter derselben be- 
ti-achtet. Dies ist aber keineswegs der Fall. Die wahren 
Repräsentanten von Charaxes sind vielmehr die Preponen 
und Agrias, wie wir es näher bei diesen Gattungen 
zeigen werden. 

Von Charaxes unterscheidet sich Megistanis schon 
durch die kurze Gabel des 4. und .5. SC-Astes, während 
Ast 4 bei Charaxes sehr lang, bald nach dem Zellende 
entspringt und an seiner Spitze herabgebogen ist; auch 
durch die Einmündung der UDC der Vdfl. kurz nach 
dem 3. Medianast, und nicht, wie bei Charaxes, in den 
Bug desselben. 

Die grösste Übereinstimmung in der Struktur zeigt 
Megistanis mit der vorhergehenden Coea, von der sie 
mehr durch die äussere Form und Flügelfärbung, als 
durch das Geäder getrennt wird. Die Vdfl. haben einen 
durchaus Charaxes-artigen Schnitt ; die Htfl. tragen drei 
ungleich lange Schwänzchen, von denen das obere am 
grössten, die beiden andern nur zahnartig sind. Bei Coea 
ist nur das oberste entwickelt, bei Aganisthos überhaupt 
keines, daher die Htfl. ganzrandig. 

Das Geäder ist fast wie bei Coea; nur liegt der 3. 
Medianast nicht mehr so fest an der Hauptader an, ob- 
wohl die Herabbiegung noch deutlich zu erkennen ist. 
MDC ist länger als ODC. UDC fast gerade, die 
Mediana etwas nach dem Ursprung des 3. Astes treff'end, 
welcher ungewöhnlich hochgebogen ist. 

Die Palpen sind denen von Aganisthos gleich ; die 
d Ö -Vorderfüsse sind nur anliegend beschuppt, mit 
gleich langem Femur und Tibia und kürzerem, spiessför- 
migen Tarsus. 

Zu dieser schönen Gattung, welche hauptsächlich 
dem oberen Amazonasgebiet angehört, werden jetzt 3 
(bez. 4) Arten gerechnet, von denen 2 in einem ganz 
merkwürdigen Verhältnisse zu einander stehen. Beide 
stimmen in Flügelform und -Färbung fast vollständig 
überein, nur dass die eine Art, M. Baeotus Doubl.-Hew., 
hellblaue, die andere, 21. Deucalion Feld.., dagegen 
gelbe Binden über die schwarzen Flügel trägt. Auch 
die Rückseite ist fast gleich und in ganz charakteristischer 
Weise mit unzähligen schwarzen Flecken und Strichen 
auf hellerem Grund gezeichnet. Beide Arten fliegen auch 
stets zusammen und dieser Umstand mag dazu beige- 
tragen haben, dass der gelbe DeucaHon lange Zeit für 
das 5 <^6s blauen Baeotus gehalten wurde. Indessen 
haben viele Untersuchungen gezeigt, dass die gelben 
DeucaHon ausnahmslos ebenfalls cTd", demnach die 29 
beider Arten noch ganz unbekannt sind. 

Über die beiden übrigen Arten, von denen die eine, 
M. Aealus Fab., wahrscheinlich ausgestorben ist, oder, 
was uns wahrscheinlicher dünkt, eine zufällige Aberration 
des j\I. Japetus Hfgr. darstellt, verweisen wir auf den I.TheiL 



ct3y<^^^T>^^=n=^ 



XIL Nymphalis-Gruppe. 

Medianader der Vdfl. am Grunde mit einem kurzen Sporn; 3. Subcostalast in die Flücjelspitze mündend; 4. Subcosfalast 
sehr lang, an der Spitze herahgebocjen, in den Aussenrand (bei Siderone und Verwandten in die Flüjelspitze oder davor) 
mündend. Raupen glatt, am Kopfe mit 2 oder 4 Hörnern besetzt, Hinterleib in 2 mehr oder iveniger lange Spitzen endend.. 
Hiezu die Gattungen: 



Siderone 

Zaretes 

Coeiioplilebia 

Polygvaplia 

Prepona 

Agi'ias 



Südamerika. 



Chfii'axes 1 Afrika, Indo-Aiistralien> 

I (Süd -Europa). 

Palla Afi'ika. 

Prothoe Austroinalayen. 

Euxanthe Afrika (3Iadagascai'). 



In dieser letzten Gruppe der Nymphaliden haben sie 
auch zugleich den Höhepunkt ihrer Entwickelung erreicht. 
Alle Gattungen zeichnen sich durch grosse und schöne 
Fojmen aus; ihre Angehörigen zeigen kräftig entwickelte 
Brust, kurzen Leib und mächtige Schwingen, welch letz- 
tere ein ungewöhnlich starkes Adernetz besitzen. 

Die Schmetterlinge sind durchgehend ausgezeichnete 
und starke Flieger, die stundenlang ohne Ermüden ruhe- 
los dahin eilen oder die Kronen der Waldbäume umsegeln. 
Auf die Erde kommen sie selten, und dann hauptsächlich 
wohl nur, um den Durst an Regenlachen, Bachrändern 
etc. zu löschen, oder Nahrung, als welche mit Vorliebe 
thierische Excremente und ausfliessender Saft verletzter 
Bäume gewählt werden, zu sich nehmen. 

Man erkennt die echten Nymphaliden sehr leicht an 
dem vor der Plügelspitze he rabgebogenen 4. Sub- 
costalaste, welcher unmittelbar unterhalb derselben 
in den Aussenrand mündet. Bei nicht abgeschupp- 
ten Flügeln oder flüchtiger Betrachtimg hält man diese 
Biegung meist für eine kurze Gabel des 3. Astes. Dies 
ist aber keineswegs der Fall , sondern der 4. Ast ist mit 
dem 5. gegabelt und zwar sehr lang; letzterer entspringt 
meist kurz nach dem Zellende. Beide münden unterhalb 
der Flügelspitze in den Aussenrand, der 3. Ast dagegen 
genau in die Flügelspitze. Nur die Gattung Siderone und 
Verwandte (Zaretes und Coenophlebia) -weichen insofern 
ab, als hier der 4. Ast in die Flügelspitze (oder selbst 
davor), der 3. Ast dagegen stets vor der Spitze in den 
Vorderrand, wie bei den Anaeen, mündet. Doch ist auch 
bei diesen Gattungen der 4. Ast ebenso herabgebogen, 
wie bei den übrigen der Nymphalis -Gruppe angehörigen. 
Dagegen besitzen alle übrigen Gruppen , wie Apaturen, 
Limenitiden , Diademen, Vanessen etc., nur eine kurze 
Gabel aus dem 4. und 5. Aste, welche in den Aussen- 
rand unterhalb der Flügelspitze mündet, wodurch man sie 
auf den ersten BHck von den echten Nymphaliden unter- 
scheiden kann. 

Der Hauptcharakter dieser Gruppe liegt in der Raupen- 
form, und diese schHesst sich am ehesten an diejenige der 
Apaturen an. Die Raupe des typischen Charaxes ist 



glatt, in der Mitte am dicksten, nach beiden Enden zu 
verjüngt und läuft in 2 mehr oder minder lange Schwanz- 
spitzen aus. Auf dem Hinterkopfe stehen 2 oder 4 nach 
hinten gerichtete Hörner. Diese Verhältnisse lassen sich,, 
wenngleich vielfach modificirt, bei allen Gattungen, deren 
Raupen bekannt sind, leicht wiedererkennen. Die Puppe 
ist meist von gedrungener Gestalt und an den letzten Seg- 
menten stark eingezogen. 

Die echten Nymphaliden sind fast ausschliesslich 
Tropenbewohner, da nur eine Art, der bekannte Charaxes 
Jasius L., bis in die gemässigte Zone Europas vordringt. 
Den Höhepunkt erreichen sie in den äquatorialen Distrik- 
ten Südamerikas, wo nicht allein eine grössere Spezialität 
vorherrscht, sondern auch die reichst geschmückten For- 
men, wie Agrias, Prepona und Siderone vorkommen, wäh- 
rend die östlichen Tropen nur eine — allerdings grössere 
— Zahl einander ähnlicher Alten aufzuweisen haben. 

Die merkwürdige afrikanische (ja.it\mg Euxanthe haben 
wir in diese Gruppe aufgenonunen , da sie in allen Cha- 
rakteren eine echte Nymphalide ist, und ihre abweichende 
Flügelgestalt kaum einen stichhaltigen Grund, sie auszu- 
schliessen, darbietet. Sie gehört zu den abweichendsten 
Grenzformen , weshalb wir sie an das Ende der Gruppe 
gestellt haben. 

In dem folgenden Schlüssel sind viele Merkmale rein 
äusserlich , denn die Verschiedenheit im Geäder und in 
den sonstigen Organen ist so gering, dass die Gattungen 
leichter an Gestalt und Färbung zu erkennen sind. 

Schlüssel der Nymphalis-Gruppe.*) 
I. 3. SC- Ast der Vdfl. vor der Flügel- 
spitze in den Vorderrand mündend. 
Fühler kurz, allmählich verdickt. 

A. Radialadern der Vdfl. normal. 

a. Obers, schwarz m. rothen Binden Sidevone. 

b. Oberseite gelbbraun. Fl'dgelspitze 
sichelförmig Zai'etes. 

B. Radialadern auf einem gemein- 
schaftlichen Stiele Coenophlebia. 



*) Siehe auch den S.-hlüssel der vorigen Giuppe. 



174 



N Y ]\I P H A L I D E N. 



II. 3. SC-Ast der Vdß. genau in die 
Flug el spitze selbst mündend. 
Fühler lang, stark. 

A. 1. u. 2. SC-Ast m. C verwacJisen Euxailthe. 

B. 1. u. 2. SC- Ast frei verlaufend. 

a. Htfl. am 1. oder 3. M-Ast 
(od. beiden) kurz geschwänzt. 
Fühler mit deutlicher Kolbe. 

* OBu. UBd.Vfl. auf kur- 
zem Stiele Polygrapha. 

(Unterseite fein gestrichelt.) 
** UR normal aus OB abge- 
zweigt. 
f Unterseite ohne Längs- 

hinde,versch.gezeichnet Chai'axes. 
ff Unterseite mit Längs- 
binde über beide Flügel Palla. 

b. Htfl. am 3. M-Ast stumpf - 

lajipig vorgezogen .... Prothoe. 

c. Htf. ohne Schwänze , ganz- 
randig. 

* Fahler lang, ohne deutliche 
Kolbe. 

f Oberseite schwarz mit 

b la ug rÜ7ie r Längsbinde 

über beide Flügel oder 

m. solch. Fleck aifHtfl. Prepoiia. 

ff Oberseite roth od. blau 

ohne Binden . . . Ag'l'ias. 
** Fühler m. deutlicher Kolbe Cha.VAxeSs.Th. 



125. Siderone Hübn. (ca. 5 Arten.) 

Taf. 29. S. Ide Hübn. 
a. P^ilpe, l.i. o -Vorderfiiss. 

Zu Siderone wurden bisher 2 ganz verschiedene 
Formen gerechnet, welclie sich äusserlich so contrastirend 
gegenüberstehen, dass schon H ü b n e r sie in 2 Gattungen 
trennte. Da sich constante Unterschiede im Geäder fin- 
•den, 80 ist hier die Berechtigung zur Trennung ebenso 
gross wie bei Agrias und Prepona oder Palla und Cha- 
raxes. Demgemäss rechnen wir zu Siderone nur die roth 
gezeichneten Arten, walireud die braunen, an die Anaeen 
erinnernden, die Gattung Z a r e t e s bilden. 

Siderone unterscheidet sich von allen benachbarten 
Gattungen durch die charakteristische Flügelform ; von den 
Anaeen durch die frei verlaufenden beiden er- 
sten Subcostaläste; von Zaretes durch die Ein- 
mündung des4. Subcostalastes in die Flügel- 
spitze, oder kurz unterhalb derselben in den 
Aussen r and, und die gerade UDC des Vdfis. 

Die Ydfl. von Siderone sind breit, mit kurz nach 
oben ausgezogener Flügelspitze und stark nach aussen ge- 
wölbtem Innenrande. Im Geiider stimmen dieselben mit 
dem Typus üborein ; der I . und 2. Subcostalast entspringen 
kurz vor dem Zellende, Ast 3 und 4 in grösserer Ent- 
fernung nach demselben. ODG deutlich vorhanden, nur 
wenig kleiner als ilDC, L'DC gerade, die bauchige Zelle 
schief abschliessecd und nach dem Ursprünge des 2. Astes 
in die Mediana mündend. 

Htfl. an SM in einen kurzen Schwanz vorgezogen, 
mit einfacher, an der Spitze gebogener Präcostale. Zelle 



geschlossen ; UDC genau in den Ursprung des 2. Median- 
astes mündend. 

Die Palpen sind dicht beschuppt, auf dem Rücken 
mit einem starken Haarbusche versehen. Fühler kurz 
und kräftig, allmählich zu einer stumpfen 
Kolbe verdickt, (^d- und $2-VorderfÜ3se klein, 
dicht anliegend beschuppt, Tibia und Tarsus fast gleich 
lang. 

Die Siderone- Arten sind alle prächtig gefärbte Schmet- 
terlinge mit sammtsch warzer, oft blauschillernder Ober- 
seite und feurig scharlachrothen oder carminrothen Binden 
Über die Flügel. Dagegen ist die Färbung und Zeich- 
nung der Rückseite ganz verschieden und hat die grösste 
ÄhnUchkeit mit einem abgestorbenen Blatte, nach Art 
der indischen Kallimen. Hiemit im engsten Zusammen- 
hange steht auch die merkwürdige Flügelform, welche 
wir demnach als eine Schutzvorrichtung auffassen müssen. 

Der Verbreitungsbezirk erstreckt sich über das ganze 
tropische Südamerika, doch sind die meisten Arten, mit 
Ausnahme der häufigeren S. Ide Hübn., welche zugleich 
als Typus gelten kann, ziemlich selten und zerstreut auf 
gewisse Lokalitäten beschränkt. Eine der prachtvollsten 
Arten, nicht sowohl von Siderone allein, als aus dieser 
Gruppe überhaupt, ist die blauschillernde S. Syntyclie Heu\ 
aus Mexiko, deren Vdfl. und Htfl. fast zur Hälfte feurig 
scharlachroth gefärbt sind und die seltsame Flügelform 
der Gattung am auffälligsten zeigen. 



126. Zaretes Hübn. (2 Arten.) 

Taf. 29. Z. Strigosus Gmel. 
a. Palpe, b. Q-Vorderfuss. 

Die Gattung Zaretes unterscheidet sich von Siderone, 
mit welcher sie bis jetzt vereinigt war, durch die sichel- 
förmig umgebogene Flügelspitze, den halb- 
kreisförmig ausge s chnit t enen Inn enr an d der 
Vdfl., die Abzweigung des 1. Subcostalastes 
in der Zell mitte, die Ausmündung des 4. Sub- 
costalastes vor der Flügelspitze in den Vor- 
derrand, und die geb ogene UDC d er Vdfl., haupt- 
sächlich wohl auch durch die ein fac h gelbliche oder 
gelbbraune Flügelfärbung. 

Die Zaretes - Arten gleichen in ihrer äusseren Er- 
scheinung ganz den Anaeen ; von diesen unterscheiden 
sie sich , ausser in den fundamentalen Charakteren der 
Raupenform, durch die frei verlaufenden Sub- 
costaläste; auch sind die Htfl. nie am 3. Medianaste 
geschwänzt, sondern nur am Innenwinkel in einen stumpfen 
Schwanz vorgezogen. 

In den Palpen , den Fühlern und dem übrigen Ge- 
äder ist kein weiterer durchgreifender Unterschied gegen 
Siderone vorhanden. Auch die Raupenform ist vollkommen 
mit dieser übereinstimmend. 

Die beiden bekannten Zaretes - Arten sind von gelb- 
lichbrauner oder orangebrauner Grundfärbung und besitzen 
zwischen den Medianästen auf den Vdfln. 2 glashelle, 
durchsichtige, rundliche Flecken, sowohl im O - als 9 Cre- 
schlecht. Doch ist diese Bildung nicht constant genug, 
um als generischer Charakter verwerthet werden zu kön- 
nen, da sie auch bei einzelnen Anaeen vorkommt. 



N Y M P H 1 L I D E N. 



175 



127. Coenophlebla Feld, (i Art). 

Taf. 29. C. Archidona Hew. 
a. Q -Vordeifus?. 

In dieser Gattung, welche von Felder auf die frühere 
Siderone Archidona Hew. gegründet wurde, haben die 
beiden Radialen der Vdfl. eine so sonderbare Stellung, 
wie sie unseres Wissens nur noch bei der neuen Gattung 
Polygrapha voikommt und bisher bei keinem anderen 
TagschnietterHnge mehr beobachtet wurde. Sie entsprin- 
gen nämlich beide auf einem gemeinsamen lan- 
gen Stiele, und die UDO, welche die Zelle abschliesst, 
zweigt sich unmittelbar aus der ODC ab, wel- 
«he ungewöhnlich lang ist und eben den Stiel 
vorstellt. Dadurch wird die Zelle nur durch 2 Disco- 
■cellularen, die halbe ODC und UDO geschlossen, während 
MDC gänzlich fehlt. 

Ferner zeichnet sich Coenophlebla noch durch den 
fast geraden Aussenrand der Vdfl., die sichel- 
förmig e F 1 ü g e 1 s p i t z e und die grosse P r ä c o s t a 1 - 
zelle der abgerundeten Htfl. aus. 

Die einzige bis jetzt bekannte Art, die oben er- 
wähnte G. Archidona von Neu - Granada , ist von schön 
•orangebrauner Flügelfiirbung und ziemlicher Grösse. Sie 
gleicht äusserlich gewissen Anaeen, ist aber leicht an dem 
Genus- Charakter zu erkennen. 



128. Polygrapha Schatz (i Art). 

Taf. 29. P. Cyanea Salv. & Godm. 
a. Palpe, b. (^-Voiderfuss. 
Diese neue Gattvmg wurde auf die frühere Anaea 
Cyanea S. & G. gegründet und zeigt die gleiche merk- 
■würdige Stellung der beiden Radialen auf einem gemein- 
.schaftlichen, wenn auch kürzeien Stielchen , wie die vor- 
hergehende Coenophlebla. Sie ist schon im Äussern und 
in der Flügelfärbung so verschieden von allen Anaeen, 
•dass ihre ersten Beschreiber dies bereits betonten und 
■darauf aufmerksam machten. 

In derThat entspricht auch der ganze Habitus, die Plügel- 
foim, und vor allem das Geäder, namentlich der freie Verlauf 
-aller Subcostaläste, die Herabbiegung des 4. Astes und 
•die Einmündung desselben unterhalb der Spitze in den 
Aussenrand, sowie die Ausmündung des 3. genau in die 
i'iügelspitze , durchaus dem Nymphalis -Typus und nicht 
•dem der Anaeen, obwohl sich eigenthüralicherweise auch 
ein specifischer Anaeen-Charakter, nämlich die Abzweigung 
des 3. SC-Astes direct aus dem 4. hier erhalten hat, und 
-auch die Palpen mehr die Anaeenformen zeigen. 

Der Hauptcharakter von Polygrapha, wodurch 
«ie sich demnach von den übrigen Gattungen der Nym- 
phaUs-Gruppe unterscheidet , liegt daher in der eigen- 
-thümlichen Abzweigung des 8. Subcostalastes 
Ton dem 4., statt von der Hauptader, und die 
:auf einem kurzen gemeinschaftlichen Stiel chen 
■stehenden beiden Radialen (OR und UR) der 
Vdfl. , 

Wir geben nachstehend die nothwendige Diagnose 
•dieser neuen Gattung: 

-Palpen massig lang ^ gehog^i und fest an der St'trn anliege^id^ mit 
sehr kurzem, spitzen Endgliede; vorderseits hurz behaart, auf dem 
Müelien mit einem Haarschopfe. 



Fühler ziemlich lang, stark und gerade, allmählich in eine läng- 
liche, deutliche Kolbe übergehend. 

Vdfl. mit starker Citsttile tmd 5 ästiger Subcjstale; ä Aste vor dem Zell- 
ende entsjyringend , sehr lang und dicht am Vorderrand frei ver- 
laufend.. Ast H direct aus dem 4. in "3 Entfernung von 
der Flügelsp>itze entspringend und in dieselbe mündend; Ast 
4 zweigt sich kurz nach dem Zellende ab, ist an seiner Spitze herab- 
gebogen und bildet mit Ast 5 eine lange, in den Aussenrand mün- 
dende Gabel. ODC sehr lang, MDC fehlend, UDC direct 
aus ODC sich abzweigend, daher OB und UR auf einem 
gemeinsamen Stielchen; UDC die Mediana nach dem 2. Aste 
treffend. 

Htfl. an dem 3- Medianaste kurz geschuänzt, im Geäder nicht vom Ty- 
pus verschiedea; Zelle kurz und durch eine rerkümmerte UDC ge- 
schlossen. 

Q Q -Vorder fasse mit kurzem Tarsus, welcher von halber Länge der 
Tibia, diese wenig kürzer als Femur. 

QQ-Vorderfüsse'? 

Die einzige bisher bekannte Alt, P. Cyanea S. & G., 
zeigt einen durchaus Charaxes-aitigen Flügelschnitt. Die 
Htfl. sind auf dem 4. Medianaste kurz geschwänzt. Auf 
der schwarzen Oberseite besitzt sie nur eine breite hell- 
blaue Längsbinde vor dem Aussenrande, aber der ganze 
Flüo-el ist wie mit einem prachtvoll blauen, seidiggläuzen- 
den Schiller Übergossen — eine der herrlichsten Erschein- 
ungen in dieser farbenreichen Nymphaliden-Gruppe. Auf 
der Rückseite sind beide Flügel mit unzähligen kleinen 
dunklen Strichen auf silberglänzendem Grunde gezeichnet 
(daher der Genusname). 

Die P. Cyanea gehört zu den grössten Seltenheiten 
und ist bis jetzt nur in Ecuador und Peru gefunden 
worden. 



129. Charaxes Ochs. (ca. 75 Arten.) 

Taf. 29. Ch. Jasius L. 
a. Piilpe, b. o'-, 0. Q -Vorderfuss. 
Diese charakteristische Tropengattung ist den Samm- 
lern europäischer Schmetterlinge durch den Ch, Jasius L. 
wohlbekannt , da er als letzter Ausläufer die südlichen 
Grenzen des europäischen Faunengebiets betritt. Er kann 
zugleich als typischer Repräsentant der Gattung dienen, 
weshalb wir auch die Charaktere, welche bei den zahl- 
reichen Arten etwas varüren, nach dieser Art geben. Die 
Mehrzahl der Charaxes - Arten lässt sich leicht an den 2 
kurzen, aber ungleich langen Schwänzen er- 
kennen, welche am 1. und 3. Medianaste der Htfl. 
stehen. Bei einigen ist der innere nur zahnartig ausge- 
bildet, in wenigen seltenen Fällen fehlen beide Schwänze 
zugleich und man rauss zur genauen Feststellung der Gat- 
tung andere Charaktere heranziehen. 

Wir geben dieselben in folgender Diagnose, da Cha- 
raxes den Typus dieser Gruppe vorstellt und wir uns bei 
den übrigen Gattungen nur auf die Unterschiede be- 
schränken müssen: 

Augen gross, nackt. Palpen über den Kopf hervor ragend, 
mit kurzem, gebogenem, lavgbehaartem 1. Gliede, langem, schwach 
gebogenem, vorderseits km'z behaartem Mlttelgliede , auf dem Backen 
mit einem starken Haarschopfe versehen und länglich zugespitztem, 
beschupptem Endgliede. 

Fühler stark und gerade, mit länglicher, allmählich verdickter 
Kolbe 

Vdfl. fast 3 eck ig, mit starker Costal- und Medianad^.r. Subcostale 
öästig; 2 Äste vor dem Zellende, der 3. und 4. nahe ziisammen 
bald nach demselben abgezweigt, eng an den Vorderrand anliegend, 
aber nicht venvachsen, sondern frei verlaufend; der 3. in die 



176 



i\ Y M P H A L I D E N. 



l lügehpiize , der 4. in den Ait^isenrand niiindend, an seinem Ende 
kerahijehocjen und scheinbar eine Gabel mit dem 3. bildend. ODO 
sehr Idein ^ fast fehlend, MDC nur wenif/ grösser. TJDC sehr fein, 
gerade, die ilediana bald nach dem 2. Aste treffend. 

Stfl, mit mehr oder iceniger gezähntem Äiissenrande oder 2 Jcurzen 
Schtollnzen am 1. und 3. Medianaste. PrUcostale ein- 
fach, an der Spitze nach aussen gebogen, bisiveilen wndeutlich ge- 
gabelt, häußg mit einer Präcostahelle, ^tnd nach der SC abgezweigt 
Zelle ojfen oder durch eine feine, die Mediana am ürsptunge des 
2. Astes oder nach demselben treffende UDC geschlossen. M3 stark 
gebogen. 

QQ-Vorderfüsse dicht beschuppt und nur an der äussern Seite der 
Coxa lang behaart, mit Icurzem zugespitzten Jarsus, iceL 
eher in den einzelnen Arten verschieden lang, aber stets kleiner 
als Tibia ist. 

QQ-yord erfasse stärker, nur kurz beschuppt; Tarsus gegen das Ende 
verdickt, in gleicher Länge aie Tibia, am 1. bis 4. Gliede mit einem 
Paare kurzer Dornen besetzt. 

Die Charaxes- Arten sind über die ganzen östlichen 
Tropen verbreitet, doch ist Afrika ihre eigentliche Hei- 
math, wo allein mehr als -/g vorkommen und zu den 
hervorragendsten Charakterschmetterlingen dieses Landes 
gehören. Yen hier aus haben sie sich bis in das indo- 
australische Gebiet verbreitet, und eine Art betritt auch 
die südlichen Grenzen Europas. Südamerika selbst be- 
sitzt keine echten Charaxes, aber in Prepona und Agrias 
nahe Verwandte. 

AVir können aus der Fülle der Gestalten nur wenige 
Beispiele hervorheben, um die äussere Verschiedenheit in 
Form und Flügelfärbung zu illustrireu. Im allgemeinen 
herrscht, wie bei dem Ch. Jasius, ein schönes Orangebraun 
als Grundfarbe vor, welches sich bei Ch. Lucretiu.s Crom. 
zu einem tiefen Kastanienbraun verdunkelt oder selbst in 
ein reines Schwarz verwandeln kann. Oder die Grund- 
farbe ist ein gelbliches Weiss, wie bei den indischen Ar- 
ten Ch. Delphis Douhl. und Ch. Etidamippu.s Douhl. und 
geht in ein helles Grün über, welches durch schwarze 
Zeichnungen in der verschiedenartigsten Weise unter- 
brochen wird. 

Von den mehr vereinzelt dastehenden Formen er- 
wähnen wir nur: den tief indigoblauen, mit hellblauen 
Punktan bedeckten Ch. Thiridates Cram., den pracht- 
vollen, seltenen Ch. Boheiuanni Feld, aus dem Innern 
Afrikas, mit breiter hellblauer Vdfl. - Basis und mehr 
violettblauen Htfln , und vor allen den neuen Ch. Mon- 
teiri Stgr., wohl eine der schönsten Charaxes-Arten, dessen 
tiefschwarze Flügel mit prächtig ultramarinblauen Flecken 
gezeichnet sind. 

Die indischen Arten lassen sich auf 3 — 4 Formen 
zurückführen, welche von den afrikanischen in Färbung 
und Zeichnung ziemlich verschieden sind. Eine der zahl- 
reichsten wird durch die P o 1 y x e n a - Gruppe repräsen- 
tirt, Schmetterlingen von brauner Grundfärbung, mit oder 
ohne hellere Binden über die Vdfl. Ebenso artenreich 
ist auch die P y r v h u s - und Athamas- Gruppe, von 
schwarzer Grundfarbe und gelblichen oder grünlich- weis- 
sen Flecken oder Binden. Erwähnenswerth durch seine 
Grösse ist der Ch. Euryalas Cram. von Amboina und Co- 
ram, dessen sogar eine der grössten Nymphaliden ist 
und in der Flügelfärbung ganz isolirt steht. 

Unter den völlig isolirt stehenden afrikanischen For- 
men müssen wir auch noch des kleinen , schwanzlosen, 
in allen seinen Körpertheilen (selbst Fühlern und Füssen) 
grün gefärbten Ch. Eupale l)ru. erwähnen, ebenso auch 



des ganz abweichend geschwänzten gelbbraunen Ch. Ne~ 
anthes Hew. und der ähnlichen, aber hellgrün gefärbten 
Ch. Zoolina Douhl. Hein., welche durch ihre sichelför- 
migen, etwas geeckten Vdfl. und den in einen langen 
spateiförmigen Schwanz auslaufenden Analwinkel, (obwohl 
derselbe die Fortsetzung des 1. Medianastes und nicht 
der SM bildet) unwillkürlich an gewisse südamerikanische- 
Anaeen , oder besser noch an die Gattung Zaretes erin- 
nern und auch in der Bildung der Palpen , welche mit: 
dichten breiten Schuppen, statt mit Haaren, besetzt sind^ 
mit diesen übereinstimmen. Die abweichendste Form von 
allen Charaxes-Arten stellt wohl der breit rostroth gebän- 
derte Ch. Ziivjha Cram. vor, dessen 5 sogar die charak- 
teristische Flügelform verloren hat, und einem Charaxes- 
gar nicht mehr ähnlich sieht. Bei Zingha sind die Htfl. 
am Analwinkel lappenförmig vorgezogen , die Rückseite- 
ist mit schwarzen Punkten und radialen Streifen gezeich- 
net, wie sie keine andere Art zeigt. Sie erinnert hieria 
in etwas an die ebenso isolirt stehende Nymphaliden-Gat 
tung Euxanthe. Im Geäder zeigen sich indessen nur 
geringe Abweichungen (Taf. 29), so dass hierauf allein, 
keine generelle Abtrennung gegründet werden kann. 

Die Raupen und Puppen der exotischen Charaxes- 
Arten gleichen, soweit sie bekannt geworden sind, ganz, 
denen von Ch. Jasius L. Ebenso sind auch die Gewohn- 
heiten der Schmetterlinge dieselben. Wir wissen , dasa. 
alle Charaxes starke Flieger sind , die , unterstützt durch 
die mächtigen Schwingen, mit grösster Schnelligkeit und 
Ausdauer dahin schiessen oder die Kronen ihrer Lieblings- 
bäume in stetig w-iederkehrenden