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Full text of "Festschrift für Lorenz Morsbach, dargebracht von Freunden und Schülern. Redigiert von F. Holthausen und H. Spies"

STUDIEN ZUR ENGLISCHEN PHILOLOGIE 

HERAUSGEGEBEN VON LORENZ MORSBACH 






FESTSCHRIFT 
FÜR LORENZ MORS BACH 

DARGEBRACHT 

VON 

FREUNDEN UND SCHÜLERN 



REDIGIERT 

VON 

F. HOLTHAUSEN und H. SPIES 



HALLE A. S. 
VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1913 



Verlag von Max Nieiiieyer in Halle a. S. 



Studien zur englischen Philologie. 

Herausgegeben von Lorenz Morsbacli. 

8. 

1. Spies, II einrieb, Studien zur G eschichte des englischen Pronomens 
im XV. und XVI. Jahrhundert. (Flexionslehre und Syntax) 1S97. 
XIX, 311 S. J^S- 

2. Herzfeld, Georg, William Taylor von Norwich. Eine Studie 
über den Einfluss der neueren deutschen Literatur in England. 1897. 
VIII, TIS. .fi 1- 

3. Tamson, George J., Word-Stress in English: A short Treatise 
on the Accentuation of Wurds in Middle-English as compared with 
the Stress in Old and Modern English. 1898. XIII, 1B4 S. Ji \- 

4. Roeder, Fritz, Die Familie bei den Angelsachsen. Eine kultur- 
und literarhistorische Studie auf Grund gleichzeitiger Quellen. Erster 
Hauptteil : Mann und Frau. Mit 1 Abbildung. 1899. IX, ls3S. Ji<c,— 

5. Schmeding, Otto, Ueber Wortbildung bei Carlyle. 1900. VIII, 
352 S. Ji !•»,— 

t). Cushman, L. W. , The Devil and the Vice in the English dramatic 
Literature betöre Shakespeare. 190(1. XIV, 148 S. ./£ 5,— 

7. Björk man, Erik, Scandinavian Loan-Words in Middle English. 
Parti. 19U0. VI, 192 S. Jih — 

8. Mac Gillivray, H. S. . The Influence of Christianity on the 
Vocabnlary of Old English. Parti. 1902. XXIX, 171 S. Ji^ — 

9. Schücking, Levin Ludwig, Studien über die stofflichen Be- 
ziehungen der englischen Komödie zur italienischen bis Lilly. 1901. 
109 S. Ji :< — 

10. Hackmann, Gottfried, Kürzung langer Tonvokale vor einfachen 
auslautenden Konsonanten in einsilbigen Wörtern im Alt-, Mittel- 
und Neuenglischen. 1908. XII, 19»i S. ^£6,50 

11. Björkman,Erik, Scandinavian Loan-Words in Middle English. 
Part II. 1902. S. 193— 3r.0. Jih — 

12. Boerner, Oskar, Die Sprache Roberd Mannyngs of Brunne und 
ihr Verhältnis zur neuenglischen Mundart. 1904. X, 313S. Ji%, — 

13. Wildhagen, Karl, Der Psalter des Eadwine von Canterbury. 
Die Sprache der altenglischen Glosse ; ein frühchristliches Psalterium 
die Grundlage. Mit 2 Abbildungen, li^oö. 264 S. ./i 9,— 



STUDIEN 

ZUR 

ENGLISCHEN PHILOLOGIE 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



LORENZ MORSBACH 

O. Ö. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT GÖTTINGEN 



HEFT L 

FESTSCHRIFT FÜR LORENZ MORSBACH 



HALLE A. S. 
VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1913 





M^^-ic^ 




A, Sohmidt, OSttinfen, 



FESTSCHRIFT 
FÜR LORENZ MORS BACH 



DARGEBKACHT 



VON 



FREUNDEN UND SCHÜLERN 



REDIGIERT 



VON 



F. HOLTHAUSEN und H. SPIES 



HALLE A. S. 

VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1913 






■le? 



Dem Meister, Lehrer und Freunde! 



Inlialtsverzeiclinis. 

Seite 

1. Bjürkman, Erik. Die „festermen" des ^Ifric. Eine Nanienliste 

ans York 1 

2. Förster, Max. Der Vercelli-Codex CXVII nebst Abdruck einiger 
altengliscber Ilorailien der Handschrift 20 

3. Foerster, Weudelin. Der Feuertod als Strafe in der altfrz. er- 
zählenden Dichtung IsO 

4. Hulthausen, F. Das altenglische Reimlied (s. Nachtrag S. 722) . 190 

5. Hecht, Hans. Deacon Brodie. Eine Quelleustudie zu R.L.Stevenson 
(mit einem Porträt) 201 

6. Rohde, Richard. Zu Marlowes Doctor Faustus. Erörterung einiger 
Probleme 222 

7. Mühe, Theodor. W. M. Thackeray über die Liebe 233 

8. Breier, Willi. Synthesis und Analysis des Konjunktivs in dem 
frühmittelenglischen Streitgedicht „Eule und Nachtigall" . . . 251 

9. Mauly, John Matthews. What is the Parlemeut of Foules? . . 278 
lu. Deutschbein, Max. Beowulf der Gautenkönig 291 

11. Boerner, Oskar. Reimnutersuchung über die Qualität der betonten 
langen E-Vokale bei Robert of Brunne 29'> 

12. Cornelius, Heinrich. Die englischen Ortsnamen auf -tvick, -wich 352 

13. Wildhagen, Karl. Studien zum Psalteriiim Romanum in England 

und zu seinen Glossierungen (in geschichtlicher Entwicklung) . 417 

14. Hoops, Johannes. Virginien zur Kolonialzeit. Eine kultur- 
geschichtliche Studie 473 

15. Bülbring, K. D. Untersuchungen zur mittelenglischen Metrik . 510 
K). Roeder, Fritz. Neue Beiträge zur Erziehung der angelsächsischen 

adeligen Jugend. (Dieser Beitrag erscheint in Kürze separat.) . 625 
17. Spies, Heinrich. Chaucer's religiöse Grundstimmung und die 

Echtheit der Parson's Tale 626 



Die „festermen" des J^lfric. 



Eine Namenliste aus York 



von 



Erik Björkman. 



Inhalt. 

Seite 

I. Einleitung 2 

II. Faksimile (zwischen) 4—5 

III. Die Nameuliste 5 

IV. Personennamen 6 

V. Ortsnamen 18 



Studien z. engl. Phil. L. 



Einleitung. 



Die Namenliste befindet sieh in einer Hs. in der Bibliothek 
des Münsters zu York (York Minster). Diese Hs. enthält die 
Evangelien in lateinischer Sprache. Auf der letzten Seite findet 
sich ein „Bittgebet" (bidding prayer), das von Simmons, The 
Lay Folks Mass Book (EETS. No. 71, London 1879) S. 62 
abgedruckt ist.i) 

Dieses Bittgebet endet mit den folgenden Worten: For 
Porlfeyjjes"^) saule bidde we paier noster . and for micel niere 
Saide and for ealle pa saula ])e fulluM underfengan . and on 
crist ^elyfdan . frani adames da^^e to pisum dce^e . pater noster. 

Danach folgt die Namenliste. Sie scheint von einer mit 
der vorhergehenden Eintragung zeitgenössischen Hand (d. h. 
aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts) zu stammen. 

Die Liste ist zweimal vorher veröffentlicht worden. Zu- 
erst von George Stephens, En Yorkshire Liste over dansk- 
engelske Mandsnavne fra det 11. Aarhundrede, in Blandinger 



') Über dieses „Bittgebet" sagt Simmons S. 321 : „This is the earliest 
of our York bidding prayers, and it is believed to be the earliest example 
of the bidding prayers in the Church of England which is kuown to have 
come down to us. It is written at the end of the York Gospels, but by 
another and a later hand. I took advantage of a visit from Mr. Maunde 
Thompson to obtain his opinion, and he pats it at early XI th Century, 
which quite agrees with the internal evidence; and the Gospels at 
Xth Century, but hardly at the beginning of the Century, which is the 
date traditionally assigned to them." 

*) Dies ist ein nordischer Personenname. Siehe Purferd Björkman, 
Nord. Personennamen S. 155 f. Wer dieser ßorferd war, kann wohl kaum 
entschieden werden. Vgl. Simmons S. 330. Nach dem Faksimile bei 
Stefänsson , Saga Book IV S. 293 ist der Name sicher als PorferÖ zu lesen, 
obgleich die Buchstaben fe teilweise getilgt sind. 



til Oplysning om dansk Sprog i icldre og nyere Tid udgivne af 
Universitets-JubihTcets danske Samfund, Kopenh. 1881 — 1887 
S. 60ff., dann von Jon Stefdnsson, The Oldest known List of 
Seandinavian Names in Saga- Book of the Viking Club Vol. IV, 2 
S. 294 if. 

Stefilnsson gibt aacli ein Faksimile von der Hs. Dies ist 
an gewissen Stellen ziemlich undeutlich; das schlimmste ist 
aber, dafs rechts ein Streifen abgeschnitten ist. Hierdurch 
sind ein paar Fehler verursacht worden, ja ein ganzer Name 
(Äsi) ist der Aufmerksamkeit Stefanssons (wie auch merk- 
würdigerweise vorher Stephens) entgangen. 

Der Umstand, dals sowohl dieStephenssche alsStefansonsche 
Ausgabe dieses überaus wichtigen Denkmals in mehreren Hin- 
sichten fehlerhaft ist, wird, glaube ich, einen neuen Abdruck 
rechtfertigen. Auch dürfte der Umstand, dals beide Abdrucke 
im allgemeinen wohl schwer zugänglich sind, einer neuen Aus- 
gabe eine gewisse Existensberechtigung verleihen. 

Die Liste ist ein Verzeichnis der festermen des ü^^lfrie. 
Laut des northumbrischen Priestergesetzes mufste ein Geistlicher 
bei dem Eintreten in sein Amt für sein Wohlverhalten zwölf 
Bürgen {festermen) stellen: celc preost finde Jiün XII festermen 
])at he preostlage wille hcaldan mid rihte'A) 'Und jeder Priester 
verschaffe sich zwölf Gewährsleute, dafs er die Priestergesetze 
pflichtmäfsig halten will'. 2) Wie man sieht, waren die Gewährs- 
leute des ^Ifrie viel mehr als zwölf. Ihre Zahl genau fest- 
zustellen ist nicht möglieh, da die Hs. lückenhaft ist. Die 
Namen von 76 Bürgen scheinen uns noch erhalten zu sein. 
Unter diesen sind roser und freer zweifelhaft, da sie vielleicht 
keine Namen sind, und das rätselhafte jV<^^* bildet zum höchsten 



1) Liebermaun, Gesetze der Angelsachsen I S. 380; Thorpe, Ancient 
Laws and Institutes of England II S. 290; Schmid, Gesetze der Angel- 
sachsen S. 365; Stephens Blandinger S. 63; ötefänsson, Saga Book IV 
S. 296. 

'^) Übersetzung nach Schmid a. a. 0. — Für das Wort *festmnan, 
pl. festermen fehlen andere ae. Belege. Aus mittelenglischer Zeit stammt 
die Rubrik De emptionibus sine fideiussoribus, quod anglice dicitur faster- 
mannes Rubr. Lond. zu Leg. Edvv. Conf. 38 (Liebermann , Gesetze der Angel- 
sachsen S. 668). fester- ist sicher Genetiv von ostn. foest, worüber Geländer, 
Xenia Lideniaua (Stockholm 1912) S. 257, gehandelt hat. 

1* 



den Schliils eines Namens. Auch läfst es sich wobl darüber 
streiten, ob das teilweise undeutliche Worr dna einen oder 
zwei Namen bildet. Ich meinerseits möchte darin zwei Namen 
erblicken. Der imter dem ersten TJlfcetel hinzugefügte Name 
Ascetel ist vielleicht derselbe Mann wie der später vorkommende 
Ascetel. 

Man hätte zu erwarten, dals die Zahl der Gewährsleute 
mit zwölf teilbar wäre. Zu dieser Vermutung führen uns einiger- 
malsen die nordischen Rechtsverhältnisse, die bekanntlich im 
skandinavischen England mafsgebend wurden. Die Zahl 72 
scheint aber zu klein, 84 zu grofs. 

Die Liste enthält aber andere Namen als die der Gewährs- 
leute, nämlich den Namen Elfric selbst (im Genetiv) und die 
Genetive asbeornnas(una) und scefuscilas[s]{una). Dazu kommt 
Snel, Beiname des Eleivine. Wir erhalten in dieser Weise 80 
oder wenn wir von roser und frecr absehen, 78 Namen- 
aufzeichnungen. Unter diesen kommen einige Namen mehr als 
einmal vor: Alfcetel zweimal, Ascetel zweimal, Asniund zwei- 
mal, Godtvin zweimal, Grim zweimal, Ulf zweimal, TJlfcetel 
zweimal, Grimcetel viermal. 

Die hier zu behandelnden Namen sind also, wenn wir 
roser und freer mitrechnen, 70. Unter diesen sind 44 sicher 
nordisch, sieher englisch nur 14 (darunter drei in skandinavi- 
sierter Form: Ardolf, Wul^er, Wulstain). Von den übrigen 
können einige sowohl englisch als nordisch sein. 

Der Elfric ist sicher mit dem Elfric, der 1023 zum Erz- 
bischof von York gewählt wurde, identisch. Dafür spricht 
vor allem die stattliche Zahl seiner Gewährsleute. Elfric 
starb 1051. 

Die anderen im Denkmal erwähnten Männer sind sonst 
gänzlich unbekannt. Eine Ausnahme bildet der Merleswuain; 
er hatte „Saeam et socam" in Yorkshire unter Edward dem 
Bekenner. In Urkunden aus den Regierungszeiten des Be- 
kenners und des Eroberers nennt er sich M. vice comes. Er 
muls ein ziemlich hohes Alter erreicht haben. 



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Die ISTamenliste. 



Dis sindan ]'a festermen Elfricas. 

Ulfcötel . cynin^es reue . and Merleswuaini) a7id asceteP) 

Wulstain . Ulf . Lijolf . Baraö . Farj'ain jreua . Ösulf . 
and Wulfeh . Folcric (md FA . . .3) 

we5;:;a . and Adseeorl . Gamal , ])reshyt€r . Grira . and 
Grimcetel . Asmimd . roser (?) . Grimcetel in 

barnabi . Godwina . folcer . Berböor . JBretecol . and 
Aröolf . and forna . Menniüs . and 

Wulser . j'or . incaer . and Arcetel . Siuerö . Ra)ua3n . 
arner . Colbrand . dericus . Blih . Elewin(e)0 

ud . Snel . Godwine . lefer . Eöastan . ulfer . Elnoö . 
freer . Roscetel . and Edric . Grimcetel . 

hdwer . Ascetel . Grim . incirer . Cetel . \}xe%byter . Gunner . 
Alfcetel inhil . loluarö . inburh(tun) ^) 

Vlfcetel . ^resli/tcr . Alfcetel . and Asmund . leofnoö . 
inbroöortun*') . porcetel . unbain . asi') 

Ulf . \)Yed)yter . [nrne . beorn . and Ailaf . inbraipatun . 
Wülfrie . and lustan . R6c . in hilluwi . 

(Worr?) tlna . and Gr(im)cetel . liis mab . Ra^auald . as- 
beomnaßS) suna . Ordric . 



') So Hs.; Stefänsson bat in der Photographie Merlcsivua, in der 
Abschrift Merlessuan, S. 304 Merlesuuan; alle drei Lesungen unrichtig. 
Stephens hat Merlesivain. 

2) and ascetel unter Ulfcetel mit kleinerer Schrift. Wie Stephens 
ascettel lesen konnte, ist mir unbegreiflich. 

3) Die drei fast verwischten Buchstaben nach El kann ich nicht lesen. 
Vielleicht ric'^ Weder Stephens noch Stefänsson haben gesehen, dafs 
nach El etwas gestanden haben mufs. - 

*) Das Endungs -e undeutlich. Elewin (Stephens, Stefänsson) sicher 
unrichtig. 

5) So wahrscheinlich Hs. Die Buchstaben nach burh haben weder 
Stephens noch Stefänsson bemerkt. 

^) Nicht brothortun wie Stefänsson schreibt. 

') Diesen Namen, der doch ganz deutlich ist, haben weder Stephens 
noch Stefänsson gesehen. 

») So Hs. Stephens und Stefänsson schreiben asbeornas. 



6 

pfoh . iubrernabi . Hdlw?erö . sa3fu5alasuua . and 

Aröor . 

polf . ^Ycshyter . Anöcetel . \ircBbyter. 



Personennamen. 



Ädsceorl. Ein sehr rätselhafter Name, der sieh sonst nicht 
nachweisen lälst. -ccorl ist natürlich mit dem bekannten 
ae. Wort zu identifizieren. Ist Ädsceorl eine volksetymo- 
logische Umgestaltung- von Ätsere, Adser usw. (Björkman, 
Nord. Personennamen S. 22)? Vgl. engl. Lamhecarl{e) , Odin- 
carl{e), Budcarl, altwestn. Bigrnkarl, *Slc6gliarl, Ondalcarl. 
Über den englischen Namen Ceorl siehe Searle S. 133, 
Muller, Über die Namen des nordhumbrischen Liber Vitse 
S. 126; Yg\. Ealdceorl, Äldceorl Searle ö. 195, Müller a.a.O. 
— Atsere, {*Ädsere) wurde vielleicht mit ae. adesa (adese, adse) 
'Breitbeil, Deissel, Krummaxt, Krummhacke' assoziiert. 
Oder hat der Name schon von Anfang an 'ein ceorl der mit 
einem Breitbeil usw. arbeitet' bedeutet? 

Ailaf (in Brail>atun). Nordischer Name. Siehe Björkman, 
Nord. Personennamen S. 32, Zur engl. Namenkunde S. 30. 
Der Name scheint zunächst ostnordischen Ursprungs zu sein. 

Alfcetel (zwei Männer A. u. A. in EL). Nordischer Name, 
wahrscheinlich spezifisch ostnordisch. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S. 3 f.. Zur engl. Namenkunde S. 7, 12. 
Über -cetel ebenda S. 6 ff. Vgl, Arcetel, Ascetel, Auöcetel, 
Grimcetel, Boscetel, Ulfcetel. 

Ana, falls richtig gelesen, entspricht dem altwestn. Ani, alt- 
schwed. J.we, a\tdi'är\. Ani. Wie ich. Zur engl. Namenkunde S. 13 
hervorgehoben habe, ist die Hs. aber hier sehr undeutlich. 
Wie aus der Photographie zu ersehen ist, sind die Buch- 
staben zwar an nnd für sich nicht undeutlich; es ist aber 
sehr schwierig zu entscheiden, ob dna (so Hs.) einen be- 
sonderen Namen oder nur den Schlafs eines Namens aus- 



macht. Der Akzent über d bezeichnet vielleicht, dafs dieser 
Buchstabe den Anfang eines Namens bildet. Vgl. Wolfg. 
Keller in den Joh. v. Kelle dargebrachten Untersuchungen 
u. Quellen (Prag 1908) I S. 97—120. Die Buchstaben vor 
dna scheinen Worr zu sein; wohl der ae. Name Worr (vgl. 
unten). 

Aröolf. Über diesen schwierigen Namen habe ich Nord. 
Personennamen S. 6 gehandelt. Die von mir dort vor- 
geschlagene Erklärung des Namens als eine 'skandinavisierte' 
Form von ae. Eard{iü)ulf halte ich jetzt bestimmt für die 
richtige; die von Stefansson gebotene Deutung ardr 'Pflug' 
+ iilfr ist unmöglich, zumal das End -r in arör zum Stamm 
gehört (Gen. arörs). Inlautendes d zwischen r und Vokal 
war den altskandinavisehen Sprachen nicht geläufig; dagegen 
kam d in dieser Umgebung sehr häufig vor. In einer skan- 
dinavischen Gegend wie die aus welcher unsere Liste stammt, 
mufste (durch Lautsubstitution) ae. Eard{iv)ulf zu '^Aröulf, 
Aröolf werden. 1) Der Diphthong ea fehlte ebenfalls den 
nordischen Sprachen ; a statt ea könnte aber auch auf nord- 
englische Lautverhältnisse zurückgeführt werden (vgl. Bülbing, 
Altengl. Elementarb. § 132 c). 

Arcetel. Häufiger nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S, 8, Zur engl. Namenkunde S. 14, 95. Vgl. 
Alfcetel, Ascetd, Audcetel, Grimcetel, lloscetel, Ulfcetel. 

Arner. Nach Stefdnsson S. 298 soll dieser Name mit altwestn. 
(isl.) Arnörr zusammenzustellen sein (vgl. Björkman, Nord. 
Personennamen S. 9. 2) Der Name müfste in dem Falle is- 
ländischen Ursprungs sein. Ich glaube aber nunmehr, dafs 
der Name besser mit altschwed. Arnar (Lundgren S. 14) 



1) Ähnlich altn.prüdr aus ae. *prüd, IdvarÖr (Beiname) aus ae. hläford, 
hirÖ aus ae. Jüred. Zwischen zwei Vokalen war d den nordischen Sprachen 
ungeläufig; in Lehnwörtern wird fremdes d in dieser Stellung bisweilen 
durch dd ersetzt, z. B. altwestn. kredda f. 'das Credo' aus ae. creda, 
schweä.. krydda 'Gewürz' (vgl. mnd. krüde), ae. stedda f. 'Rofs' aus ae. 
steda m. 'stallion' (anders über stedda Hellquist, Tidsskrift f. fil. 3 Raekke 12 
S. 65). 

-) Die Erklärung Stefänssons von Arnestor2) a. a. 0. als zu diesen 
Namen gehörend, ist unrichtig. Siehe Björkman, Zur englischen Namen- 
kunde S. 14. 



8 

zu verbinden ist. Wegen der Endung ist Gunner (= nord. 
Gunnar) zu vergleichen. 

Ardor. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 9, Zur engl. Namenkunde S. 14. 

Asheorn (Vater des JRaganald), Gen. Asheornnas, gehört nicht 
zu den festermen. A. ist sicher ein nordischer Name; siehe 
Björkman, Nord. Personennamen S. 10. Zu dem a der 
Endung ist auf Godwina (unten) zu verweisen. 

Asi. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 16, Zur engl. Namenkunde S. 16. Dieser Beleg 
ist mir erst durch die hier wiedergegebene Photographie 
der Hs. bekannt geworden. Er fehlt sowohl bei Stephens 
als bei Stefänsson. 

Ascetel (vielleicht zwei Männer). Sehr häufiger nordischer 
Name. Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 16if., Zur 
engl. Namenkunde S. 16 f. Vgl. Alfcetel, Arcetel, AuÖcetel, 
Grimcetel, Roscetel, Ulfcetel.. 

Asmund (zwei Männer). Nordischer Name. Siehe Björkman, 
Nord. Personennamen S. 21 , Zur englischen Namenkunde 
S. 18. 

AuÖcetel (presbyter). Nordischer Name. Siehe Björkman, 
Nord. Personennamen S. 22. Vgl. Alfcetel, Arcetel, Ascetel, 
Grimcetel, Eoscetel, Ulfcetel. 

Bar ad. Nordischer Name; siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 24 f. 

Seorn. Dieser Name kann sowohl nordisch als englisch sein. 
Vgl. Björkman, Nord. Personennamen S. 26. 

Berhöor. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 26. 

Blih. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 27, Zur engl. Namenkunde S. 25. 

Bretecol. Sicher ein nordischer Name, obgleich sich keine 
direkte nordische Entsprechung nachweisen läfst. Es gibt 
mehrere Möglichkeiten, den Namen zu erklären. In meinen 
Nord. Personennamen S. 30 — wo weiteres Material zur Be- 
leuchtung der Frage herangezogen wird — habe ich den 
Namen als *Breta-Kollr 'der britische KoW 'der aus 



Wales gebürtige Kollr'' oder dergl. aufgefafst. ') Nun ist 
aber daran zu erinnern, dafs -l^ollr als letztes Glied nordischer 
Namen nicht immer darauf beruht, dafs der Träger des 
Namens ursprünglich Kollr geheifsen hat; das erste Glied 
solcher Namen erfüllt also nicht immer die Funktion eines 
Beinamens. Im Gegenteil kommt es vor, dafs der ganze 
Name, von welchem -hollr das zweite Glied ist, ein Beiname 
ist oder gewesen ist. Beispiele sind Ami dalaJcollr, Por- 
geirr shotalcollr (Kahle, Arkiv f. nord. fil. 27 S. 38), Jiorgeirr 
afruöslcollr (Finnur Jonsson, Aaboger f. nord. Oldkynd. og 
Hist. 1907 S. 295, Björkmau, Nord. Personennamen S. 43 
Anm. 2). Jjorgeirr sJiotaJcollr bedeutet sicher ')?orgeirr, ein 
Mann, der irgendwelche Beziehungen zu den Schotten oder 
zu Schottland gehabt hat '.2) Iq einer solchen Komposition 
bedeutet -Jcollr kaum mehr als 'Mann, Individuum '3), ja macht 
sogar fast den Eindruck eines Suffixes oder Namenbildungs- 
elementes. Um -Jcollr in solchen Zusammensetzungen und 
mit dieser abgeblafsten Bedeutung zu erklären, haben wir 
zwei verschiedene Möglichkeiten in Anschlag zu bringen. 
Es mufs entweder dem Personennamen Kollr oder dem 
Appellativum Jcollr "abgerundeter Gipfel, Kopf entstammen. 
A. Die erstere von diesen Alternativen bietet an und für 
sich nichts unwahrscheinliches. In vielen Sprachen kommt 
es ja vor, dafs eine Zusammensetzung, deren zweites Glied 
ein Personenname ist, sich zu einem reinen Appellativum 
(bezw. Beinamen) entwickelt hat, dafs also die mit diesem 
Appellativum (od. Beinamen) benannte Person den betreffenden 
Personennamen nicht geführt zu haben braucht. So kann 
ja ein Mann von seinen Mitmenschen ein Ängstmeier, 
Biedermeier, Duselmeier usw. genannt werden, -*) ohne den 



^) *Breta -Kollr wäre vielleicht besser als 'Kollr der etwas mit den 
Bretar zu tun hat oder gehabt hat' aufzufassen. Man könnte es z. B. 
als 'der im Land der Bretar gewesene Kollr, der Kollr, der mit den 
Bretar gekämpft hat' auffassen. 

2) Fiunur Jonsson, Aarbeger f. nord. Oldk. og Hist. 1907 S. 195 kann 
den Beinamen skotakollr nicht übersetzen. Sein Vorschlag 'rystende, 
stödende' ist nicht einleuchtend. 

') Vgl. Björkman a. a. 0., Kahle a. a. 0. 

*) Vgl Reinius, On transferred Appellations of Human Beings 1903 
S. 140. 



10 



Familiennamen il/e^'ey zu führen; ebensogut kann ja z.B. von 
einem Bnselfritz, Quasselfritze, Cigarrenfritze,^) Gaulcelhans,'^) 
Schicatzhans, Quaclcelhans , Quasselhcms^) geredet werden, 
ohne dals der so benannte Mensch zu Iritz oder Hatis ge- 
tauft zu sein braucht. Aus dem Schwedischen brauche ich 
nur solche Wörter wie dummer jöns 'Dummerjan', larfotalasse 
'Barfülser', smörgäsnisse 'Piccolo' zu erwähnen. Englische 
Beispiele sind; ivhip-jach 'a vagabond who begs for alms 
as a distressed Seaman' (vgl. Jach 'generic name for a sailor'), 
glhn-jacJc 'a link-boy', sl:ip-jack 'a youth who rode horses 
up and down, showing them off with a view to sale; a 
shally, impertinent fellow', steeple-jach 'a man who elimbs 
steeples and fall chimmeys to make repairs, or to erect 
scaffolding'.*) Gegen diese Erklärung von afrdÖsJcollr usw. 
spricht der Umstand, dals ähnliche Bildungen, soviel ich 
weifs, im Altnordischen nicht nachgewiesen sind. 

B. Die andere Alternative ist auch nicht von vornherein 
von der Hand zu weisen. Kahle, Arkiv f. nord. fil. 26 S. 161, 
fafst slcotaJcollr als 'Schottenkopf' auf, und seine Auffassung 
führt er, Arkiv 27 S. 381 f. weiter aus; an die von mir 
eben erwähnte Möglichkeit scheint er nicht gedacht zu 
haben. Er stellt sJwtaJcollr mit den altwestn. Beinamen 
hldkollr 'Schwarzkopf', kvitJcollr 'Weilskopf, svartaltollr 
'Schwarzkopf' ganz auf eine Linie. 

Dagegen vergilst Kahle zu erwähnen, dafs schon das 
Simplex hollr 'Mannsperson' bedeuten kann. &) Es gibt 



1) Vgl. Reinins S. 86. 

2) Vgl. Reinius S. 86, 92, 129. 

3) Vgl. Reinius S. 94. 

*) Vgl. Reinius S. 68 f. — Über Namenelemente als Suffixe in 
reinen Appellativen handelt Reinins S. 137. Interessante Beispiele sind 
ae. feondulf 'furcifer', abd. rihholf 'dives' (vgl. Kluge, Nom. Stammb. 
§30), das Sufix -hart (frz. -engl. -arrf) , nbd. Wüterich, me. feminina auf 
(h)ild z. B. fostrüd 'nutrix', sünegild 'female sinner', maÖelild 'sermoci- 
natrix', grucchild 'murmnratrix' (vgl. Kluge, Nom. Stamb. §52). Da aber 
-kollr als reiaes Namenelement in den nordischen Sprachen nicht im 
eigentlichen Sinne gang und gäbe war, dürfen die nord. Beinamen mit 
-kollr nicht mit diesen Bildungen verglichen werden. 

5) Noreen, Svenska Etymologier, Uppsala 1897 S. 55, Björkman 
I. F. XXX S. 264. — Neben kollr 'Mann' steht die Femininform kolla, 



11 

zwar nur einen Beleg dafür, aber er mufs als ausschlag- 
gebend betrachtet werden: Jivi vildir Im, Jcollr minn! 
Ijüga at okkr Mariu? (Bp. 1600^^; vgl. Fritzner II S. 315). 
Ich halte Fritzners Erklärung von den Beinamen afrddslcollr, 
Fljodakolh- , slcotalcoUr für durchaus richtig, wenn er diesen 
ein Simplex Jcollr 'Mannsperson' zugrunde legt. Die Tatsache, 
dals es ein Simplex Jcollr 'Mannsperson' gab, mufs, glaube 
ich, die Frage entscheiden, da in der Weise die Schwierig- 
keiten am leichtesten und uugesuchtesten gelöst werden, i) 

Falls Bretecol nicht als nord. *Breta-KoUr aufzufassen ist 
— was ich jedoch für sehr gut möglich halte — mufs es 
zunächst mit dem nordischen Beinamen sJcotaJcollr zusammen- 
gestellt werden. Es ist dann ursprünglich ein Beiname 
(bretaJcollr) mit der Bedeutung 'ein Mann, der irgendwelche 
Beziehungen zu den Bretar oder dem Lande der Bretar 
gehabt hat' gewesen und ist späterhin zum eigentlichen 
Eigennamen geworden. In derselben "Weise ist der Eigen- 
name Scotcol, Scotecol (Domesd. B.)^) entstanden. Die Eigen- 
namen Snccol, Swartcol (Nord. Personennamen S. 125, 138) 
dürften ursprünglich 'Schneekopf, Schwarzkopf' bedeutet 
haben. FrWcol, Styrcol (Nord. Personennamen S. 43, 132 f.) 
sind wohl ursprünglich als Frid-Kollr, Styr-Kollr aufzufassen, 
obgleich jenes auch aus einem Beinamen fridJcollr ent- 
standen sein könnte (vgl. Kahle, Arkiv f. nord. fil. 27 S. 382). 

Edastan habe ich mit ae. JEäelstan zu identifizieren versucht 
(Zur engl. Namenkunde S. 30). Es gibt auch andere Fälle 
von ?- Schwund in dieser Stellung; vgl. ^therred,^) ^tJiesi, 
^tliestan bei Searle S. 62. Interessant sind ^Öe- statt 
^del- in der altengl. Chronik: z. B. ^dehdld (a. 778), 
^dered (a. 866, 871, 886, 910), JEderic (a. 1034), JEöestan 
(a. 927, F.). Mau vergleiche auch die Bemerkung bei Napier 



schwed. dial. kuUa 'Mädchen', worüber Nureen a.a.O., Kahle, Arkiv 26 
S. 161; 27 S. 3S2 gehandelt haben. Kollur ist auf Island noch Kosename 
für kleine Knaben; vgl. Finnur Jönsson, Aarbeger 1907 S. 194. 

1) Vgl. altwestn. skegg{i) in Pörolfr Mostrarskegg{i) , Fritzner III 
S. 299, Kälund. Laxdola c. VII § 25, Kahle, Arkiv 26 S. 153, 159; 27 S. 381. 

2) Bjorkman, Nord. Personennamen S. 124. 

3j Hier liegt wohl Assimilation von Ir > rr vor, vgl. Bülbring §552. 



12 

und Stevenson, Crawf. Chart. S. 99, dafs l im Namen JEöel- 
stan sehr oft nach dem Anfang des 11. Jahrh. geschwunden 
ist. Siehe auch Zachrisson, A Contribution to the Study of 
Anglo- Norman Influence on English Place -Names S. 102 f. — 
Das a der Mittelsilbe ist mit a in Godivlna zu vergleichen. 
E- steht mit in Elfricas, Elnod, Eletvine auf einer Linie. 

Edric. Häufiger englischer Name. Normalform Eadric. Siehe 
Björkman, Zur engl. Namenkunde S. 30 Anm. 3. 

El . . . (zwischen Folcric und Wesja). Dieser nunmehr teil- 
weise unleserliche Name hat wohl sicher das Namenelement 
jElf- enthalten. Vgl. Eleivine, Elfricas, ElnoÖ. 

Eletvine (uel SneT). Sehr häufiger englischer Name. Normal- 
form ^Ifwine. Wegen des anlautenden E- sind EÖastan, 
Elfricas, Elnod zu vergleichen. Das inlautende e hat auch 
Gegenstücke ; vgl. z. B. jEleric, Eleivine, ElenoÖ, Elewig, 
Eleivine im Index II zu Gruebers Catal. of Engl. Coins. 

Elfric gen. Elfricas. Sehr häufiger englischer Name ; Normal- 
form ae. Elfric. Wegen des anlautenden E sind Eöastan, 
Elnod, Eleivine zu vergleichen. Zum a der Endung siehe 
Godivina unten. 

Elnod (freer?). Englischer Name. Normalform ^Ifnod. Vgl. 
Eöastan, Eletvine, Elfricas. 

\*Elwessa bei Stephens Blandinger 1881 S. 64, Stefilusson 
S. 302, Searle S. 227 (vgl. Björkman, Zur engl. Namenkunde 
S. 30) ist aus dem alteuglischen Namenschatz auszumerzen, 
da in der Handschrift zwischen El- und Wessa drei nun- 
mehr unleserliche Buchstaben gestanden haben.] 

Farpai7i. Nordischer Name; siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 39. 

I oleer. Nordischer Name. Vgl. altschwed. JFo?/iar, altdän. 
Fulkarslef. Siehe Björkman, Zur engl. Namenkunde S. 33; 
anders Nord. Personennamen S. 41. 

Folcric. Zweifellos ein englischer Name. Keine nordische 
Entsprechung läfst sich nachweisen. Aulserdem sind Namen 
mit Fol!:- viel seltener in Skandinavien, als in England. Bei 
Lind findet sich — abgesehen von Folki und FolJcungr — nur 
Folhvardr, das vielleicht ausländischen Ursprungs ist. Bei 
Lundgren finden wir: Folkar, FoUce, Folkmar, Folkvidh, 



13 

Folhvin. Bei Searle finden sich (abgegeben von einigen un- 
sicheren oder nicht in England belegten Namen): FolcheorJtt, 
Folchurh, Folchere, Folcm(er, Folcred, Folcric, Folctveald, 
Folctvine. 

Forna. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord, Personen- 
namen S. 42, Zur engl. Namenk. S. 34. Die Endung a kann 
auf Anglisierung beruhen, könnte aber auch für e stehen 
(wie in Goihvina; siehe dies). 

Freer kann ich nicht deuten. Unsicher ob ein Name oder zu 
Elnod gehörig. 

Gamal (presbyter). Sehr häufiger nordischer Name. Siehe 
Björkman, Nord. Personennamen S. 45fif., Zur engl. Namen- 
kunde S. 35. 

Godtviiia, Godwine. Sehr häufiger englischer Name. Die 
Schreibung Godivina beruht wohl auf der beginnenden Re- 
duktion unbetonter Vokale, wodurch a und e in unbetonter 
Stellung zusammenzufallen begannen, ist also zunächst als 
umgekehrte Schreibung zu betrachten. Vgl. Asheornnassuna, 
EÖastan, Elfricas, Scefuscdasuna. 

Grim (zwei Männer: Gr. and Gr. in Cirer). Sehr häufiger 
nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personennamen 
S. 50 f., Zur engl. Namenkunde S. 38 f. 

Grimcetel (vier Männer: zwei Gr., Gr. in Barnabi, Gr. bis 
mah 'Verwandter des Ana'). Sehr häufiger nordischer Name. 
Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 51 f. Zur engl. 
Namenkunde S. 39. Vgl. Älfcetel, Ärcetel, Äscetel, Audcetel, 
Pioscetel, ülfcetel. 

Gunner. Häufiger nordischer Name, altn. Gunnarr. Björk- 
man, Nord. Personennamen S. 54f., Zur engl. Namenkunde 
S. 40. 

jy"a7?c;cpy(? CSsefujalasuna). Sicher ein nordischer Name. Siehe 
Björkman, Nord. Personennamen S. 62 f. 

Haiver. Nordischer Name, altn, Hdvarr. Siehe Stefansson, 
Saga Book IV S. 303, Engl. Hist. Review 1910 S. 595, Björk- 
man, Zur engl. Namenkunde S. 45. 

loluarÖ (in Burhtuu). Sicher ein nordischer Name, obgleich 
keine nord. Entsprechung (westn. ^Jöhiarör, ostn. *t7wZ- 
uardh[er\) belegt ist. Vgl. Björkman, Nordische Personen- 



14 

namen S. 74. lo- deutet auf westnordische Provenienz 
hin.i) 

lustan. Sicher ein nordischer Name, wahrscheinlich ost- 
nordischen Ursprungs, da die westnordische Entsprechung 
Josteinn lautet; vgl, Björkman, Nord. Personennamen S. 74, 
Zur engl. Namenkunde S. 50. Der bekannteste Träger des 
Namens war der dänische Vikingerhäuptling Justin (991), 
Thorpe, Ancient Laws I S. 284 ff., Liebermann, Gesetze 
S. 220, Flor. Worc, Sym. of Durh. Vgl. auch v. Friesen, 
Fornvännen 1909 S. 72 f. 

Cetel (presbyter). Sehr häufiger nordischer Name. Siehe 
Björkman, Nord. Personennamen S. 79, Zur engl. Namen- 
kunde S. 54. 

Colhrand (clericus). Nordischer Name (vielleicht west- 
nordischeo Ursprungs). Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 83, Zur engl. Namenkunde S. 56. 

Lefer. Nordischer Name; e statt ei {ai) deutet auf ostn. Ur- 
sprung hin. Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 90 f., 
Zur engl. Namenkunde S. 59, Lindkvist, Middle English 
place- names S. 70. -er ist die nordische Nomiuativendung. 

Leofnod (in Broöortun). Englischer Name. Siehe Searle 
S. 329. 

Li^olf. Über diesen schwierigen Namen habe ich. Zur engl. 
Namenkunde S. 60 Anm. 2, gehandelt. Ob er englischen oder 
nordischen Ursprungs ist, wage ich nicht bestimmt zu ent- 
scheiden. Hier nur eine unsichere Vermutung. Auf den Orkneys 
gab es nach dem Fiateyarbuch im 12. Jahrb. einen nordischen 
Namen Hlifulfr, Lifulfr; im gegenüber liegenden Caithness 
wohnte 1158 nach derselben Quelle ein Lifolfr i ])orsdal. 
Viel später läfst sich der Name in Norwegen nachweisen 



^) In diesem Zusammenhang möchte ich eine Bemerkung zu lulferÖ 
(Nord. Personennamen S. 74) machen. Dieser Name ist sicher nordischen 
Ursprungs, aber einen entsprechenden nordischen Namen konnte ich nicht 
nachweisen. Nun sehe ich, dafs Lind Sp. 650 einen dän. Namen Julfrid 
erwähnt. Dieser Name ist aber ein Frauenname {Julfridis Liber Mem. 
Cap. Lundensis S. SOil) kann also nicht die nordische Entsprechung zu 
lulferö sein, -ferö beruht natürlich auf Anglisierung wie AsferÖ, purferÖ, 
worüber Lindkvist, Middle English place -uames uf Scaudinaviaa orlgin 
S. 171 f. gehandelt hat. 



15 

(Lind, Norsk - isländska dopnamn Sp. 554, Rygb, Gamle 
Personnavne S. 175). — Vor u konnte auf englischem Ge- 
biet die stimmhafte labiale Spirans wohl leicht schwinden; 
eine solche Lautverbindung war ja weder der englischen 
noch der normannischen Sprache geläufig. So wurde wohl 
in England ^Lividf zu Liulf, Liolf; diese Schreibungen sind 
ziemlich häufig, wie aus dem von mir a. a. 0. zusammen- 
gestellten Material hervorgeht. Wenn meine Vermutung 
richtig ist, bezeichnet ä einen zwischen / und ti entwickelten 
Gleitlaut, i) 

Henning. Siehe Björkman, Zur engl. Namenkunde S. 62. 
Eine endgültige Erklärung des schwierigen Namens kann 
ich nicht geben. Der Name ist möglicherweise mit dem 
ersten Gliede des altschwed. Ortsnamens Mcmiinyliaaslie, 
Mcenningasker (Hellquist, Om de svenska ortnamnen pä 
-inge, -unge och -unga S. 210) zusammenzustellen. 

Merlesivuain. Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 93 f. 
Das erste Glied des Namens ist schwierig zu deuten. Wohl 
kaum mit dem urn. Personennamen w2[a]r['/]/a (Etelhem), das 
in altisl. Sprache *mwtie 'der Berühmte' geworden wäre 
(vgl. Noreen, Altisl. Gr. S. 336), zusammenzustellen? 

Ordric. Englischer Name. Siehe Searle S. 369. 

Osulf ist zunächst als englischer Name zu betrachten; vgl. 
Björkman, Nord. Personennamen S. 21 f., Zur engl. Namen- 
kunde S. 19. 

. . . pfoh (in Bffirnabi), der Schlufs eines Namens, ist sehr 
rätselhaft, jp muls zum ersten Glied des Namens gehören, 
aber Namen mit -fog sind sonst unbekannt. Es hat also 
hier wohl ein ursprünglicher Bei- oder Spottname vor- 
gelegen. 

Ra^anald (Asbeornnas suna). Nordischer Name. Siehe Björk- 
man, Nord. Personenname S. 112, Zur engl. Namenkunde 
S. 68. 



^) (Korrekturnote): Mein Freund Liden schlägt mir eine andere, sehr 
beachtenswerte Erklärung vor: wie nord. *HroÖwolfr zu *Hrüolfr (woraus 
später Hrölfr) wird, so könnte Liulf, Liolf aus einem älteren ^LiÖolf 
(vgl. altn. Lidi'arÖr) entstanden sein. Auch in dem Falle wäre g als 
Gleitlaut aufzufassen. 



16 

Moeucen. Häufiger nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S. 109 f., Zur engl. Namenkunde S. 68. R- 
statt Hr- ist wohl auf ostnordisehe Lautverhältnisse zurück- 
zuführen, braucht aber nicht notwendig zu beweisen, dafs 
der Mann selbst Däne oder Schwede war; siehe Björkman, 
Zur engl. Namenkunde S. 8 u. 9 Anm. 1. Der Stammvokal 
ce^) beruht wohl auf Anglisierung. 

Hoc (in Hillum). Höchstwahrscheinlich ein nordischer Name. 
Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 113, Zur engl. 
Namenkunde S. 70. 

Böser ({). Die Handschrift ist hier sehr undeutlich, und es 
fragt sich, ob nicht einfach die Abkürzung für preshyter 
vorliegt, wie ich. Zur engl. Namenkunde S. 70, zögernd vor- 
geschlagen habe. Es ist aber möglich, dals wir es hier mit 
einem Namen zu tun haben. Wie dieser Name zu erklären 
wäre, kann ich nicht entscheiden. 

Boscetel Nordischer Name, vielleicht spezifisch westnordisch, 
da keine Entsprechung auf ostnordischem Gebiet gefunden 
ist. Siehe Björkman, Nord. Personennamen S. 114, Zur engl. 
Namenkunde S. 70. Über R statt Hr, das wohl auf otsnordische 
Lautverhältnisse zurückzuführen ist, siehe Pioeucen oben. Zur 
engl. Namenkunde S. 8 u. 9 Anm. 1. Über -cetel {-cel) habe 
ich ebenda S. 6 ff. gehandelt. Vgl. Älfcetel, Arcetel, Äscetel, 
Audceiel, Grimcetel, Ulfcetel. 

Scefngal (Vater des Haliv(erd) gehört nicht zu den festernten. 
Vielleicht ein nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S. 115. 

SiuerÖ. Häufiger nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S. 118, Zur engl. Namenkunde S. 73. Auf- 
fallend ist w statt zu erwartendem tv ; vgl. Haiver, Halwcerd. 
Dals u hier den ?(^-Laut bezeichnet, ist aber nicht zu be- 
zweifeln; ein Gegenstück dazu hiei^i Joluard. Meine, Nord. 
Personennamen S. 118 Anm. 2, alternativ vorgetragene Zu- 
sammenstellung mit ae. Sig{e)feröf glaube ich getrost zurück- 
nehmen zu können. — cf beweist hier sicher nordischen 
Ursprung. Der Name ist, wenn mit d geschrieben, sehr 



1) Es mag erwähnt werden, dafs beide cc- Vokale in der Hs. sehr 
undeutlich sind. 



17 

schwierig von dem einheimischen Sisetcearä, Siwarcl zu 
unterscheiden. Wenn aber z. B. im Domesd. B. (Yorkshiro) 
Torcliil Siuuard Bonde (I, 324) zusammen auftreten, kann 
wohl über die nordische Herkunft des Siuuard kein Zweifel 
bestehen. 
Snel (Beiname des Elewine). Ob dieser Beiname (= das 
Adj. snell, altu snjaUr) nordischen oder englischen Ursprungs 
ist, kann ich nicht entscheiden. Weiteres Material bei 
Björkmau, Nord. Personennamen S. 125 f.. Zur engl. Namen- 
kunde S. 77 f. — Vgl. Snella bei Müller, Über die Namen 
des nordh. Liber Vita3 S. 59. 

Pirne. Nordischer, zunächst schwedischer Name. Siehe 
Björkman, Zur engl. Namenkunde S. 88f.. Stephens S. 65 
glaubt, dals Pirne zu dem folgenden Beorn gehört, Stefans- 
son bespricht den Namen nicht. 

Polf (presbyter). Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 

Personennamen S. 163. 
Por (in caer). Über diesen nordischen Namen habe ich, Nord. 

Personennamen S. 146 (vgl. Zur engl. Namenkunde S. 84) 

gehandelt. 
Porcetel. Sehr häufiger nordischer Name. Siehe Björkman, 

Nord. Personennamen S. 151 fif., Zur engl. Namenkunde S. 85. 

Ulf (zwei Männer: U. und U. presbyter). Sehr häufiger nor- 
discher Name. Siehe Björkman, Nord. Personennamen 
S. 165 f.. Zur engl. Namenkunde S. 89 f. 

Ulf er. Nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. Personen- 
namen S. 167, Zur engl. Namenkunde S. 90. 

Ulfcetel (zwei Männer: U. cyninges reue und U presbyter). 
Sehr häufiger nordischer Name. Siehe Björkman, Nord. 
Personennamen S. 168 f.. Zur engl. Namenkunde S. 91. Vgl. 
Alfcetel, Arcetel, Ascetel, Auöcetel, Grimcetel, Boscetel. 

Unhain. Sicher nordischer Name, ursprünglich Beiname; er 
entstammt dem nord. Adj. übeinn. Als Name lälst sich dieses 
Adj. in Skandinavien nicht nachweisen, das hindert aber 
nicht die Herleitung des vorliegenden Namens als völlig 
sicher zu betrachten. Stevens S. 65 betrachtet Unhain als 
Beiname des Porcetel. Das ist aber nicht notwendig zumal 
Unhain usw. auch sonst als wirklicher Eigenname (Tauf- 

Studien z. engl. Phil. L. 2 



18 

name) iu England bezeugt ist. Siebe Björkmau, Kord. 
Persouennamen S. 169 f. 

We^ga. Engliscber Name; wabrscbeinlieb Kurzname. Vgl. 
Wejga optimas (Peterb. ca 1063) Kemble, Cod. Dipl. No. 819. 

Worr(?). Die Hs. ist bier sebr undeutlicb. Sonst ist Worr 
ein gut bezeugter Name. Siebe Searle S. 505. 

Wulf eh. Engliscber Name; wsäcbs. Wulfheah. 

Wulfric. Woblbekannter engliscber Name. 

Wul^er. Häufiger engliscber Name; Normalform ae. Wulfgär. 
-ser statt -sar berubt wobl auf Skandinavisierung. 

Wulst ain ist entweder eine im ersten Gliede anglisierte Form 
von nord. Ulfsteimi oder eine im zweiten Gliede skandinavi- 
sierte Form von engl. WulfstanA) Vgl. Nord. Personen- 
namen S. 169. 



Ortsnamen. 



Barnabi, Bcernabi, jetzt vielleicbt Barnby-on- Don, Yorksb. 

West Rid. Vgl. Moormau, West Riding place- uames S. 20.2) 
Braijyatun (Ailaf in BraiJ^atun), jetzt Brayton, Yorksb., West 

Riding (sUdlicb von Selby in Barkston Asb). Vgl. Lindkvist, 

Middle Englisb place -names of Scand. origin S. 26, Moor- 

man S. 34. 
Brodortun (Leofnoö in Broöortun), jetzt Brotherton Yorksb., 

West Rid. Vgl. Moorman a. a. 0. S. 37. 
Burhtun (loluarö in Burhtuu), wobl jetzt Bnrton, falls der 

Name nicbt ausgestorben ist. Pbilips' Atlas bat 15 ver- 

scbiedene Orte in Yorksb. mit diesem Namen. 



') Letzteres scheint mir — in Anbetraclit des Übergewichts des Skandi- 
naviertums im ganzen Denkmal; vgl. Aröolf, Wulge7' — wahrscheinlicher. 
Zu vergleichen sind mittelenglische Ortsnamen mit nord. -heim, die sicher 
auf ältere Formen mit engl. -harn zurückgehen; von besonderem Interesse 
sind solche Namen im Lincsh. Sarvey (aus der Zeit Heinrichs I.) , worüber 
auf Lindkvist, Middle English place -names S. 62 f. zu verweisen ist. 

-) Es gab aber andere Orte in Yorkshire mit diesem Namen, wie 
aus dem Index zum D. B. hervorgeht. Philips' Atlas gibt nur ein Barnby 
in Yorkshire; dies liegt im nordüstlicheu Teil der Grafschaft, nicht weit 
von Lythe. 



19 

IIa (Alfcetel in Ha). Den Ort kann ich sonst nicht finden. i) 

Hillum (Roc in Hillum), jetzt Hillam (und Hillam Lodge) 

Yorksh. West Kid. (Barkston Ash). Vgl. Moorman a. a. 0. S. 98. 

Caer (J>or in Caer). In Philips' Atlas gibt es mehrere Orte in 
Yorkshire mit dem Namen Car, Carr.'^) 

Cirer (Grim in Cirer). Den Ort kann ich sonst nicht finden. 
Hat der Name irgendwie Beziehungen zu dem jetzigen 
Chirwell Yorksh. (Philips' Atlas)? 



1) Nach Stephens (S. 65) und Stcfänsson (S. 297) soll es in Yorkshire 
einen Ort Ho geben, der aber bei Philips nicht zu finden ist. 

') Car Gate, Car Green & Upper Car (Rydale Wapentake), Carr, 
West Carr, Carr End, Carr Hall, Carr Head, Carr House. 



2* 



Der Vercelli- Codex CXVII 

nebst Abdruck 
einiger altenglisclier Homilien der Handschrift 



Von 

Max Förster 



Inhalt. 

Seite 

I. Beschreibung der Handschrift 21 

IL Alter und Schriftcharakter 25 

III. Die Sprache der Handschrift 32 

IV. Herkunft der Handschrift 35 

V. Geschichte des Bekanntwerdens der Handschrift 54 

VI. Inhaltsangabe der Handschrift 64 

VII. Abdruck der Predigten II, VI, IX, XV und XXII 87 

VIII. Lexikalisches 148 



I. ßesclireibunof der Handschrift. 



Die Handschrift, die Rom 1913 in photographischer Re- 
produktion vorgelegt wird, befindet sieh in der Bibliothek des 
Domkapitels zu Vercelli i) in Oberitalien und trägt dort die 
Signatur „Cod. CXVII". Sie besteht jetzt aus 136 Pergament- 
blättern, die je 23 — 33 Zeilen enthalten, sofern sie nicht, wie 
fol. 16 a, 24 b, 29 a, 54 a, 71a, 101a, 120 b, teilweise unbeschrieben 
oder, wie die beiden letzten Seiten (fol. 136 a und 136 b), ganz 
leer gelassen sind. Die Gröfse der einzelnen Blätter beträgt 
rund 30 x 20 cm, der Schreibspiegel meist 23 X 14,4 cm. Die 
neue Reproduktion ist also um ein Drittel der Originalgrölse 
verkleinert. Das Pergament ist von jener überaus dünnen Art, 
wie sie besonders gern in England verwendet wurde, so dass, 
wie auch auf dem neuen Faksimile (z. B. fol. 33 a) deutlich zu 
sehen ist, die Schrift der anderen Seite gelegentlich hindurch- 
schimmert und das Lesen erschwert. 2) Mehrfach zeigt es 
Löcher (fol. 2, 10, 14, 19, 33, 44, 45, 46, 47, 50, 54, 55, 56, 66, 
71, 75, 76, 77, 78, 83, 84, 85, 88, 90, 92, 99, 113, 120, 131), 
die jedoch in keinem Falle den Text beeinträchtigen, da die 
schadhaften Stellen vom Kopisten ausgespart sind. Ein gleiches 



^) Die Philologen haben sich gewöhnt, diese Handschrift schlecht- 
weg als Codex Vercellensis oder Vercelli Book zu bezeichnen. Um einer 
Verwechslnng vorznbeugen, der z. B. auch Grein (Bibliothek der angel- 
sächsischen Poesie. 1S57, Bd. I, S. 364) zum Opfer gefallen ist, sei bemerkt, 
dafs die Theologie ebenfalls schlechthin von einem Codex Vercellensis 
spricht, darunter aber das berühmte, vielleicht vom Bischof Ensebins 
(f 371) geschriebene Evangeliar versteht, welches heute den kostbarsten 
Besitz des Vercellenser Domschatzes darstellt (Literatur bei L. Traube, 
Vorlesungen und Abhandlungen, Bd. I, 1909, S. 247). 

2) In Wülkers Faksimile des Codex Vercellensis (Leipzig 1S94) ist 
die durchgeschlagene Schrift mehrfach fortretouchiert, wodurch seine 
Seiten allerdings oft ein klareres Bild zeigen als die unserigen. 



22 

gilt von deu Rissen am Seitenrande von Blatt 63, 94, 98 und 
135, von denen aber die drei ersteren mit einer zwirnähnliehen 
Schnur (vgl. Wattenbaeh, Schrifttvesen des Mittelalters, 1896, 
S. 212) zusammengenäht worden sind, wenn auch bei Blatt 94 
diese jetzt wieder verloren gegangen ist. Mehrere grölsere 
Rasuren, Abschabungen und auch durch Anwendung von 
Reagentien i) hervorgerufenen Verdunkelungen beeinträchtigen 
oder zerstören die Lesbarkeit der Schrift: so auf fol. 1*, Ib, 
25 a 26 a, 36 b, 37 b, 38 a, 38 b, 42 b, 54 a, 55 b, 57 a, 65 a, 75 b, 
77a, 84a, 86a, 86b und 135b. 

Die 136 Folioblätter sind in der bekannten Weise zu 
19 Lagen vereinigt, die, so wie sie uns heute vorliegen, aus 
je zwei (bei Lage XVII), sechs (Lage III, XI, XII, XIV), sieben 
(Lage VI, XIII, XV, XVI, XIX), acht (Lage IV, V, VII, VIII, 
IX, X, XVIII) oder neun Blättern (Lage I und II) zusammen- 
gesetzt sind. Die ungerade Blätterzahl mancher Lagen erklärt 
sich daher, dafs mehrfach Pergamentstücke benutzt sind, die 
klein für einen s-anzen Boc-en waren und nur zu einem 



zu 



gCliU^V^U ■•J^^ 



Eiuzelblatte ausreichten. Diese Einzelblätter sind dann mittelst 
eines Falzes 2) eingeheftet worden. Nur in einem Falle (bei 
Bl. 136) ist ein solches Einzelblatt hinten an die Lage an- 
geklebt. Die heutige Zusammensetzung der Lagen entspricht 
jedoch nicht mehr in allen Fällen der ursprünglichen. In 
13 Fällen sind nämlich, wie Inhalt und Form der in Betracht 
kommenden Textstellen beweisen, 3) Blätter verloren gegangen. 
Dies ist der Fall hinter fol. 29, 35, 38, 42, 50, 53, 55, 63, 85, 
100, 103, 111 und 118, wahrscheinlich auch hinter f. 75 (zwei 
Blätter als Mittelbogen), so dafs, da zumeist zwei ausgefallene 
Blätter auf eine Lage treffen (VI, VII, VIII, XIV, XVI) die 
Lage XI ursprünglich mindestens 7 Blätter (statt 6), die Lagen 

^) Diese Reagentien sind vermutlich von Dr. Maier angewandt, der 
als der erste im Jahre 1834 oder 1835 im Auftrage englischer Geschichts- 
forscher die Handschrift abgeschrieben hat. 

2) Durch die Falze in der Handschrift hat sich Wülker {Grundriß 
der angelsächsischen Literatur, S. 238) zu der Annahme verleiten lassen, 
dafs einzelne Blätter herausgeschnitten seien; doch hat schon Napier 
{Zeitschrift für deutsches Altertum, Bd. XXXIII, S. 67) auf das Irrige 
dieser Ansicht hingewiesen. 

ä) Das Nähere siehe bei der Inhaltsangabe der einzelnen Stücke 
in 8 VI. 



23 

VI und XIV ursprünglich 8 (statt 6 bezw. 7), die Lagen IV und XVI 
9 (statt 8 bezw. 7) und die Lagen V, VII, VIII und wahrscheinlich 
XI 10 (statt 8) Blätter gehabt haben müssen. Im einzelnen setzen 
sich die Lagen folgendermafsen zusammen: Lage I = Bl. 1 — 9; 
Lage II = Bl. 10—18; Lage III = Bl. 19 — 24; Lage IV = 
Bl. 25 — 32; Lage V -- Bl. 33—40; Lage VI = Bl. 41—47; 
Lage VII = Bl. 48 — 55; Lage VIII = Bl. 56—63; Lage IX = 
Bl. 64—71; Lage X = Bl. 72—79; Lage XI = Bl. 80 — 85; 
LageXII = Bl. 86—91; Lage XIII = Bl. 92— 98; LageXIV = 
B1.99-104;LageXV = B1.105— 111; Lage XVI = B1. 112— 118; 
Lage XVII = Bl. 119 und 120; Lage XVIII = Bl. 121—128; 
Lage XIX = Bl. 129 — 136. Die einzelneu Lagen sind, wie 
ich glaube, und von einem anderen Schreiber, gezählt und 
signiert worden, und zwar in der Weise, dafs an den Kopf der 
ersten Seite einer jeden Lage eine römische Zahl und dann 
wieder auf den Fufs der Schlufsseite jeder Lage einer der 
Buchstaben A— T gesetzt ist. Nicht in allen Fällen sind diese 
Zahlen und Buchstaben aber jetzt noch erhalten oder erkenn- 
bar. Bei der Lage VIII und XVI fehlen beide Bezeichnungs- 
arten, weil der ganze äussere Bogen dieser Lagen verloren 
gegangen ist. Bei der Lage XI ist das Sehlufsblatt und damit 
die Buchstabensignatur L verloren gegangen. Bei der Lage I 
ist von der Zahl nichts mehr zu erkennen, da überhaupt die 
ganze erste Seite unlesbar geworden ist; doch ist diese Lage 
durch die Buchstabensignatur A auf fol. 9 b hinreichend als die 
erste gesichert. Die Lagen XVII und XIX scheinen beide der 
Buchstabensignatur (R und T) zu ermangeln; doch weisen 
beide zu Beginn die ihnen zukommenden Lagenzahlen auf. In 
den anderen Fällen sind bis auf den heutigen Tag Lagenzahl 
und -Buchstabe noch erhalten. i) 

Von etwaiger alter Paginierung ist keinerlei Spur zu 
entdecken. Die heutige Zählung der Blätter mit 1 — 135 rührt 
erst aus dem 19. Jahrhundert her. Dafs der Kopist die Hilfe 
von eingeritzten Schreiblinien und Seitenlinien nicht ver- 



') Die auf fol. 54^ stehende Zahl XVI hat mit der Lagenzählung 
nichts zu tun, schon weil sie offenbar von anderer Hand herrührt, als die 
Lagenzahlen. Freilich vermag ich nicht anzugeben, was die Zahl dort 
bedeuten soll, falls es nicht eine blofse Federprobe ist, wie das mehrmalige 
'xb' am Kopfe von fol. 119», 121«, 123« und 126». 



24 

scbmälite, lehrt schon auf unserem Faksimile z. B. fol. 24a, 
25 b, 26 b, 32 a, 61a und 131a. 

Der Kopist scheint im allgemeinen mit rechter Sorgfalt 
seiner Arbeit obgelegen zu haben, so class die Schrift überall 
deutlich und leicht lesbar geraten ist und nur selten Rasuren 
oder Korrekturen sich nötig machen und Verschreibungen oder 
Auslassungen sich finden, i). 

Auf eine kunstmäfsige Ausstattung der Handschrift ist er 
wenig bedacht gewesen. Nur dreimal (fol. 49 a, 106 b, 112 a) 
finden sieh verzierte Initialen, die aber künstlerisch betrachtet 
recht tief stehen und die Armut der Erfindung auch dadurch 
dokumentieren, dafs die JJ- Initiale auf fol. 112a eine ganz 
genaue Wiederholung desselben Buchstabens auf fol. 106 b 
darstellt. Selbst von dem bescheidenen Schmucke, der durch 
die Herbeiziehung roter Farbe erzielt wird, hat er nur spärlich 
Gebrauch gemacht: nämlich nur bei einigen Überschriften und 
Initialen auf fol. 71b, 73 b, 75 b. Sonst begnügt er sieh überall 
damit, die Überschriften und Initien durch grofse, aber völlig 
schmucklose und in ihrer Form recht nüchterne Majuskeln 
hervorzuheben, von denen allerdings zwei, an die irische Art 
erinnernd, mit Punktumrahmung (fol. 51a) bezw. Schraffier- 
füllsel (fol. 47b) versehen sind. 

Den heutigen Einband bilden zwei mit Kalbsleder über- 
zogene Holzdeckel. Er stammt nach F. Ehrle aus dem Anfang 
des 19. Jahrhunderts. Auf dem Rücken ist in schwarzer Farbe 
auf das dunkelbraune Leder aufgedruckt: 

Homiliarum 

Liber 

ignoti idiomatis 

41 

Seeolo X 

CXVII 



') Das schliefst natürlich nicht aus, dafs er mehrfach ziemlich ver- 
derbte Texte zur Schreibvorlage gehabt hat. 



25 

IL Alter und Scliriftcliarakter. . 



Irgendwelche äulsere Anhaltspunkte zur Datierung der 
vorliegenden Handschrift stehen uns leider nicht zu Gebote. 
Auch aus dem Inhalt der Texte, der poetischen sowohl wie 
der prosaischen, läfst sieh nichts für diese Frage entnehmen; 
denn die häufige Erwähnung des Weltendes, das zweimal 
direkt als nahe bevorstehend bezeichnet wird — in Hom. XI 
{ure edlra ende stviöe mislice toiveard nedlceced, fol. 73 a) und 
Hom. XV {on Öam nexstan tide, fol. 80 b) — sowie die auf 
fol. 73 a erscheinenden Klagen über Plünderung und Zerstörung 
der Kirchen und Klöster durch „heidnische Männer", womit 
natürlich die Dänen gemeint sind, beweisen zunächst nur etwas 
für die Abfassungszeit der betreifenden Homilien oder deren 
lateinischer Vorlagen und können sehr wohl auch von einem 
späteren Abschreiber beibehalten sein. 

Wir sind daher für die Datierung der Handschrift nur 
auf den allgemeinen Eindruck angewiesen, den das Alter der 
Schriftzüge auf uns macht. Leider ist nun in der Schriftkunde 
kaum ein Zweig so vernachlässigt w^orden, wüe die angel- 
sächsische Palaeographie, die erst ganz neuerdings von Wolfgang 
Keller in ihren gröbsten Umrissen festgelegt worden ist. Und 
so erklärt es sich, dals die älteren Angaben über die Ent- 
stehungszeit unseres Vercelli-Codex sehr weit auseinander gehen 
und zwischen Überschätzung und Unterschätzung seines Alters 
hin und her pendeln. Nachdem Jacob Grimm, — der erste, *) 
der seine Meinung hierüber geäulsert hat — , sicherlich be- 
trächtlich zu früh auf den „Beginn des 10. oder noch den Schlufs 
des Q.Jahrhunderts" geraten hatte, griffen Kemble,^) Wülker,^) 

^) Zwar hatte schon 174S der italienische Bibelforscher Bianchini, 
ohne den Text lesen zu können, die Schrift ins 10. Jahrhundert gesetzt 
(ne v' ha dubbio, che non sia stato scritto al piti tardi del X secolo). Aber 
das war in einem Privatbriefe geschehen, der erst 1S24 von De -Gregory, 
Istoria della vercellese letteratura, (Torino 1^2-J) Bd. IV, S. 556, publiziert 
ist und überdies von der Wissenschaft bis auf den heutigen Tag unbeachtet 
gelassen ist. — J. Grimm, Andreas und Elene (1840) S. XLV. 

2) Codex Vercellensis {London 1843) Vol. I p. IX (indirekt). 

') Grimdrifs zur Geschichte der angelsächsischen Litteratur (Leipzig 
1885) S. 237; Codex Vercellensis (Leipzig 1894) S. V und VII („oifenbar 
aus dem Anfange des elften Jahrhunderts"). 



( 



26 

Cookji) Krapp 2) und M. B, Smitb ') offenbar etwas zu hoch, in- 
dem sie den Anfang oder sogar die erste Hälfte des 11. Jahr- 
hunderts dafür in Anspruch nahmen. Erst Keller hat durch 
eine systematische Yergleichung des datierten Urkundenmaterials 
des Britischen Museums die Grundlagen zu einer objektiven 
Beantwortung der Frage geschaffen. Auf Grund seiner Zu- 
sammenstellungen können wir jetzt mit Bestimmtheit sagen, 
dafs die Schrift unseres Yercelli-Codex jenem Typus der irisch- 
angelsächsischen Cursive angehört, der sich seit der Mitte des 
10. Jahrhunderts in Süd-England, nicht ohne kontinentalen Ein- 
flufs, ^) zu einer breiteren, stumpferen, regelmälsigeren Form 
entwickelt hatte, ohne jedoch schon den gedrungenen, kräftigen 
Charakter und die völlig senkrechte Federhaltung aufzuweisen, 
die sich seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts infolge der Ge- 
wöhnung an die fränkische ]\Iiniiskel bei lateinischen Texten 
der englischen Nationalschrift mitteilte. Wir werden daher 
unsere Vercelli- Handschrift mit ziemlicher Sicherheit in die 
zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts setzen dürfen. Keller selbst 
glaubt zwar, die Eutstehungszeit noch etwas mehr einengen 
zu können: „etwa auf die Zeit von 960 — 980." Er sagt wört- 
lich auf S. 39 f. seiner Angelsäclisischen Palaeographie (Berlin 
1906): „Wülker sagt in der Einleitung zu dem Faksimile 
(p. VII): .Die Handschrift stammt der Schrift nach offenbar 
aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts.' Dagegen spricht mir 
aber der meist spitze Absatz der Tiefstriche, der sehr beliebte 
Gebrauch des runden 5, das y mit divergierenden Schenkeln 
ohne Punkt — die andern Formen, die ebengenannte mit 
Punkt, nach links gebogene Schenkel mit und ohne Punkt, und 
die F-Form kommen auch vor, sind aber selten — , ferner das 
dreistriehige a, der geschwungene Horizontalstrich bei t und g, 

1) The Dream of the Eood (Oxford 1905) f. V ('early part of the 
eleventh Century'). 

2) Andreas and the Fates of the A^wstles (Boston 1906) S. XIV 
('beginniDg of the eleventh Century'). 

=*) In The Cambridge History of English Literature (Cambridge 1907) 
Vol. I, S. 430 ('written, probably, in the eleventh Century'). 

*) Dafs sich fränkische Einflüsse seit dem 10. Jahrhundert auch in 
der englischen Buchmalerei geltend machen, ersehen wir jetzt klar aus 
Otto Homburgers lehrreicher Abhandlung über Die Anfänge der Malschide ^ 
von Winchester im X. Jahrhundert (Halle 1912) passim, bes. S. 7 ff. 



27 

und zum Sehlufs unser hohes e. In ihrer Gesamtheit seheinen 
mir diese Elemente nicht auf die erste Hälfte des 11. Jahr- 
hunderts zu weisen, sondern etwa auf die Zeit von 9(50—980." 
Neuerdings in seiner Darstellung der , angelsächsischen vSchrift' 
in Hoops licallexilion der germanischen Altertumskunde (Strafs- 
burg 1911) S. 102 hat er das Datum noch ein klein wenig nach 
unten eingeengt und die Jahre von „etwa 970 bis 980" dafür 
angesetzt. Wenn Keller nun auch mit seiner Zuweisung der 
Handschrift an das 10. Jahrhundert wohl zweifellos das Richtige 
getroffen hat, so erregt mir doch seine zu bestimmte Festlegung 
und zu enge Abgrenzung des Zeitraumes auf 20 oder sogar 
10 Jahre starkes Bedenken. Eine so genaue Datierung läfst 
sich meiner Ansicht nach bei dem Fehlen auf serer Anhalts- 
punkte allerhöchstens dann wagen, wenn uns die Erzeugnisse 
ein und derselben Schreibschule in ausgiebigem Material und 
in ununterbrochener, datierter Reihenfolge vorliegen. Was aber 
Keller zum Vergleich heranzieht, ist den allerverschiedensten 
Skriptorien entnommen, ohne Rücksicht darauf, dafs die fort- 
schreitende Entwicklung der Schrift nicht an allen Orten 
gleichen Schritt hielt. Die zeitliche Reihenfolge, die Keller 
den poetischen Haupthandschriften auf Grund der mehr oder 
weniger grofsen Altertümlichkeit ihrer Schrift innerhalb der 
zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zuweist — Exeter-MS., 
Vercelli-MS., C;cdmon-MS. und Beowulf-MS. — kann nur dann 
objektive Geltung beanspruchen, wenn es ausgemacht wäre, 
dafs der Skala der Altertümlichkeiten auch genau die zeitliche 
Reihenfolge der Entstehung entspräche. Dals dies aber keines- 
wegs der Fall ist, lehrt z. B. unsere angelsächsische Beowulf- 
handschrift, wo der zweite Schreiber, der die Schlufshälfte des 
Gedichtes kopierte, eine altertümlichere Handschrift aufweist 
als der erste Schreiber, doch aber natürlich nicht vor diesem 
geschrieben haben kann. Ebenso zeigt das Evangeliar der 
Yorker Kapitelbibliothek die erste Seite des Matthäus - 
Evangeliums „in einem runden charakteristisch englischen 
Schrifttyp, der gegen 1020 (in Canterbury?) aufgekommen sein 
mag, während der Rest der Handschrift einen älteren Stil 
vertritt." i) Aulser den lokalen Unterschieden wäre endlich 

') Otto Hombnrger, Die Anfange der Malschule von Winchester im 
10. Jahrhundert, Halle 1912, S. 56. 



28 

die noch heute zu beobachtende Verschiedenheit der Schrift 
der einzelnen Generationen zu beachten: ein alter Mann schreibt 
im selben Jahrzehnt anders als sein Sohn, so dafs man bei 
Datierungsangaben zum mindesten immer den Spielraum eines 
Menschenalters, also 30 Jahre, lassen muls. Die richtig von 
Keller beobachteten Altertüralichkeiten des Vercelli - Codex 
mögen sich daher aus einer etwas konservativeren Schreibschule 
oder aus dem höheren Alter des Kopisten erklären, ohne gerade 
eine so frühe Datierung, wie sie Keller wünscht, notwendig 
zu machen. Als einen älteren Mann möchte ich mir ohnehin 
den Kopisten unserer Handschrift vorstellen, da die grofse 
Seltenheit offenkundiger Schreibversehen und vor allem die 
grofse Gleichmäfsigkeit der Schriftzeichen den ganzen umfang- 
reichen Codex hindurch einen recht erfahrenen Abschreiber 
voraussetzen. 

Auf Grund der vorstehenden Erwägungen werden wir also 
besser tun, es bei einer allgemeineren Zeitbestimmung bewenden 
zu lassen, also die Handschrift entweder mit Holthauseni) in 
die „zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts" oder mit Brandl^) 
in „das Ende des 10. Jahrhunderts" zu verlegen. 

Es mag noch besonders erwähnt werden, dafs die lateinischen 
Zitate ebenfalls in insularer Schrift gegeben sind, noch nicht, 
wie es gegen Ende des 10. Jahrhunderts immer mehr üblich 
wird, in fränkischer Minuskel. 

Runen sind verwendet zu einem Namenachrostichon auf 
fol. 54^ und fol. 133a. Ein einzelnes Runenzeichen ist auch 
fol. 99 b Z. 15 verwendet, nämlich die Jf-Rune für das Wort 

man in gefean man meaJite s^seon (= Blickling Homilies, 

ed. Morris, S. 22335). 

Wie schon oben erwähnt, ist die ganze Handschrift von 
ein und demselben Kopisten geschrieben. Höchstens kann 
zweifelhaft sein, wie weit einzelne der spärlichen Korrekturen, 
die in etwas kleinerer Schrift meist über der Zeile angebracht 
sind, von einer anderen Hand herrühren. Die Hauptmasse 



1) Cynewtdfs Elene (Heidelberg 1910) S. IX. 

2) Brandl, Geschichte der altenglischen Literatur (in Paals Grundrifs 
der germanischen Philologie, Bd IT, S. 941 ff.), Strafsbnrg 1908, S.lllO. 



29 

dieser übergeschriebenen i) Wörter, Silben und Buchstaben 
stammt jedenfalls von dem ursprünglichen Schreiber der Hand- 
schrift her, wie die völlig übereinstimmende Form der Buch- 
staben lehrt. Aber einige wenige, wie das ^ auf fol. 88 a Z. 16, 
ra auf fol. 94a Z. 18, vorgesetztes m auf fol. 108 a Z. 8, mce^en 
und J)njmme auf fol. 128a Z. 20, das nicht zum Text gehörende 
(also Federprobe?) ivritjms am Fufse von fol. 63b, werden doch 
wohl von anderer Hand nachgetragen sein. 

Höchst fraglich ist mir, ob die Lagensignaturen von dem 
ursprünglichen Schreiber herrühren. 2) Die lagenzählenden 
römischen Zahlen weisen jedenfalls eine etwas andere Form 
der V und X auf, als sie unserem Schreiber geläufig sind. 3) 
Und jedenfalls sind die am Schluls der Lagen stehenden Buch- 
staben mit anderer, nämlich völlig steiler Federhaltung ge- 
schrieben und zeigen zum Teil auch Formen, die unserem 
Schreiber fremd sind: man vergleiche z. B. das Ä am Fufse 
von fol. 9b, das e auf fol. 40b und namentlich das f (fol. 47 b) 
und G (fol. 55 b). 

Sicher ist ein spätes Einschiebsel der verstümmelte Fsalmen- 
vers (XXVI, 9) mit Neumen, den ein Schreiber des 13. Jahr- 
hunderts auf den frei gebliebenen Raum von fol. 24 b einge- 
tragen hat. Ein gleiches gilt natürlich auch von der späten 
Federprobe auf der letzten Seite. Wenn aber Wülker meinte, 
dafs auch der Grundtext der Handschrift „wenigstens von zwei 
Händen (wahrscheinlich aber von dreien)" *) geschrieben sei, 



1) Nur fol. 113 a haben wir einen kleinen Satzteil auf dem Rande 
nachgetragen. 

^) Sie können deswegen auch nicht als Beweis dafür angeführt 
werden, wie Krapp, Andreas (Boston 1906) S. XIV, es tut, dafs die 
Handschrift in ihrer ursprünglichen Form auf uns gekommen ist. 

^) Wegen der 'V vgl. die Köpfe von fol. 33 »■ und 105^ mit fol. 13» 
Z. 3, f. 65» Z. 18, f. 7la Z. 10, f. 124^ Z. 16, f. Vlb^ Z. 7, f 12G* Z. 29, 
f. \21^ Z. 13, f. 128» Z. 4, f. 132b z. 16. Wegen der 'X' vgl. die Köpfe 
von fol. 64a, 72b, 86», 92'\ 99», 105», 119», 121», 129» mit 1531» Z. 18, 
f. 121» Z. 2, f. I28b Z. 28, f. 129» Z. 14, f. 131» Z. 13, f. 132» Z. 6, f. 132b 
Z. 22. Erwähnt mag auch werden, dafs die Neunzahl vom Lagenzähler 
mit 'IX' (f. 64'^ und 129^), vom Hauptschreiber aber mit 'Villi' (f 128» 
Z. 4) dargestellt ist. 

*) So im Codex Vercellensis (Leipzig 1894) S. VIL Näheres darüber 
gibt er in seinem Grundri/s der angelsächsischen Litteratur (Leipzig 1885) 



30 

so hat Napier Zeitschrift für deutsches Altertum Bd. XXXIII 
(1889) S. 67, sclion dag-egen Einspruch erhoben und die ganze 
Handschrift einem Schreiber zuerteilt. Und wenn die Schrift 
gelegentlich etwas kleiner (z.B. auf fol. 47a, 131a oder 132b), 
etwas enger oder etwas schräger und weniger sorgfältig (beides 
auf fol. 133b bis 135b = Guthlac) erscheint, i) so sind das 
Schwankungen, wie sie noch heutzutage bei jedem Schreiber 
innerhalb eines längeren Zeitraumes sich geltend machen. 

Abkürzungen sind, wie üblich bei angelsächsischen Texten, 
nur sehr spärlich verwendet. Am häufigsten erscheint der ge- 
schwungene Abkürzungsbalken für in oder n^ der meist am 
Ende der Wörter gebraucht ist, jedoch gelegentlich auch im 
Wortiunern erscheint, z.B. in cluhuni (= dumhum) fol. 10b, ^nme 
{^= grimme) fol. 10 b, lichälic {=lichamlic) fol. 2a und 16a, licäUce 
(= licumlice) fol. 75a, fry].)e (= frymj)e) fol. 12a, ^enwnan^ nennen' 
{== ^encemnan) fol, 13 a, tvynsünesse (= wynsumnesse) fol. 19 a, 
untrünesse (= untrumnesse) fol. 19 a, iwgehyrsUnesse (= un^e- 
hyrsiimnesse) fol. 90 a usw. Die Kopula ist mit wenigen Aus- 
nahmen durch das bekannte, den tironischen Noten entlehnte 



S. 239 an: „Die Handschrift ist nicht von einem Schreiber, sondern von 
zwei oder drei Schreibern geschrieben, besonders Lage D (25 — 32) und 
P (105 — 111), doch auch ein Teil von ist in anderer Hand geschrieben. 
Deutlich unterscheiden sich eine spitzere feinere und eine breitere Schrift, 
doch scheint mir auch eine dritte Hand zu erkennen zu sein". Allerdings 
wagt er nicht, wie er in einer Anmerkung hinzufügt, „ganz genau zu 
bestimmen, wo die eine, wo die andere Hand anfängt. Verschiedenes 
Schreibmaterial, verschiedene Beleuchtung, verschiedenes Befinden der 
Augen und manches andere können auf die Züge derselben Hand einwirken. 
Bekannt ist, wie man bei etwas schlechterer Beleuchtung unwillkürlich 
grüfser schreibt. — Aufserdem sieheu aber gerade in unserer Hand- 
schrift öfters nur ein paar Zeilen in kleinerer i^chrift, doch in gleichen 
Zügen, gleich darauf aber tritt wieder die gewöhnliche Gröfse ein (vgl. 
z. B. Andreas Bl. 31=»). Es ist nicht anzunehmen, dafs ein zweiter Schreiber 
drei, vier Zeilen geschrieben und ihn dann gleich wieder der erste abgelöst 
hätte." In der Annahme mehrerer Schreiber ist ihm Cook, Dream of the 
Rood, S. VH; Holthausen, Elene, S. IX und A. Brandl, Geschichte der Alt- 
englischen Literatur (Strafsbnrg 1908) S. 946 gefolgt. 

*) Gerade diese Seiten der Guthlac- Legende hat Gouser im Auge, 
wenn er Seite 35 sagt: „Die Schrift ist grob [sicherlich etwas viel be- 
hauptet!] und zeugt von geringer Sorgfalt", was von den übrigen Teilen 
jedenfalls in keiner Weise gut. 



31 

insulare Zeichen ^ wiedergegeben. Wo sie ausgeschrieben ist, 
erscheint sie bald als ond (z.B. fol.lOb, Ha, 2Gb, 27b 41b, 42b, 
43a 45a, 46b, 48a, 52b, 130a, 130b, 1,32b, 135a), bald als and 
z.B. fol.54b, 55a, 57a, 58a, 60b, 62a, 63a 63b, 64a, 77b, 112b). 
Auch in AYörtern wie andwlita, andsyt, andsivarode usw. wird 
das Zeichen gelegentlich verwendet. Mehrmals erscheint ein s 
für ^e, meist um die Vorsilbe auszudrücken (z. B, in geleafa 
fol.l2b, ^edale fol.lQb, gehyrsume fol.l2a, gehrecan fol.Sb, gestyre 
fol. 16a, ^csylicö fol. 16a, gcstriidiap fol. 17a, ^eopenode fol. 88a, 
Secyö fol. 110a), zuweilen aber auch am Wortende zur Flexions- 
bezeichnuug (o/fcTA?/f??^e fol. IIb, J^^e fol. 1 1 a, forestiliimise fol. 
28b). Recht häufig wird^ für 7;fe^ undj^öw für Jionne geschrieben, 
gelegentlich auch c (z.B. fol. 12b, 13a, 13b, 14a, 15a) oder cw 
(fol. 15 b, 120 b) für cwced. Die öfter vorkommende Anrede 3Ien 
pa leofcstan wird mit J//)a? (fol. 9a, 117b), Menpal (fol. 23b, 
24b, 80a, 87 b, 16b, 17 b), MenÖl (fol. 80a) oder auch blofsem Men 
(fol. 18 a) oder gar nur M (fol. 18 a, 19 a, 20 a, 20 b, 24 a, 85 a, 
85b, 90b, 91b, 92a, 93a, 94a) abgekürzt. Auch alleinstehendes 
men wird manchmal durch M (fol. 22 a, 80b) wiedergegeben. 
Ganz vereinzelt stehen die Abkürzungen lichom (am Zeilenende 
für lichoman) fol. 21», ])rU (für Jmrh) fol. 26b, aptas (für 
apostolas) fol. 71b, seilt {im sciUins) fol. 80a, Joh {{m Johannem) 
fol. 85b, dd (für Dauid) fol. 14a und 15a, dryli (Zeilenende), 
driU (Zeilenmitte) für drillten fol. 90a und 9a (2 mal), heri^ 
(am Zeilende für lierigade) fol. 19 a und middan^ (für middan- 
searde) fol. 21a, 26a. 

Die Länge eines Vokals ist hin und wieder durch einen 
akutförmigen Apex angedeutet. ') Ganz vereinzelt begegnen 
Doppelschreibungen, wie tiid (fol. 25a) oder tiid (fol. 25b). 

Etwas häufiger erscheinen Abkürzungen in den gelegentlich 
eingestreuten lateinischen Zitaten. Da uns Ludwig Traube 2) 
erst neuerdings die Wichtigkeit der Abkürzungsform^n vor 



*) Für die poetischen Texte sind die Läugebezeichnuugen zusammen- 
gestellt bei Rieb. Wiilker Bibliothek der cmgelsächsischen Poesie (Cassel 
1888), Bd. II, S. 204 — 207. Vgl. auch W. Keller, Über die Akzente in den 
angelsächsischen Handschriften (Prager Deutsche Studien VIII) Prag 1908. 

'') Traube, Perroyxa Scottorum (Sitzungsberichte der bayrischen 
Akademie der Wissenschaften, 1900) S. 497f. u. Nomina Sacra, München 
1907, S. 214f. 



32 

Augeu geführt hat, seien die Kontraktionen, Suspensionen und 
Symbole, die in den lateinischen Zitaten unserer Handschrift 
vorkommen, hier zusammengestellt: am (== amen) fol. 94b, aut 
(= autem) fol. 75b, ds {= deus) fol. 74b, di (= dei) fol. 26b, 
27a, 54b, 90a, dö {= deo) fol. 25b, 28 a, dni (= doinini) fol. 75a, 
dne {=domme) fol. 25a, 93b, dnm {= dominum) fol. 75a, dno 
(== domino) fol. 72a, 77a, m (= esset) fol. 4b, // (= autem) 
fol. 85b (2 mal), ihs, ihu oft, noJr {= nohis) fol. 4a, 25a, nri 
(== nostri) fol. 54b, j; (= j^er) in lierseuerit fol. 72 a, percipite 
f. 84b, p (=j;r[a]e) in praedicate fol. 26a, praeparatus fol. 84 b, 
presuram f. 72a, p (= pro) in xtrohihehod fol. 85b, ^ (= qui) 
fol. 27 b, qfio {^= quoniam) fol. 26b, scdm {=^ semndum) fol. 59a, 
93 b, scia sclorum {^= saecula saeculorum) fol. 85 b, 90 b, 94 b, 
scs, sca sehr oft, sps (== spiritus) fol. 27 b, ür (= uester) fol. 6b, 
ura {=uestra) fol. 27a, 72a, uoh' {= uohis) fol. IIb, 84b, xps 
sehr häufig. Die Endung -iis ist nach b mit ; {hominihus 
fol. 28b) ausgedrückt. Die Kopula et ist ausgeschrieben; nur 
einmal (fol. IIb) steht dafür das insulare Zeichen, was 
sonst im 10. Jahrhundert für lateinisches et kaum verwendet 
wird. 

Als Satzzeichen zur Markierung grülserer oder kleinerer 
Sprechpausen werden der Punkt oder Strichpunkt verwendet; 
selten, namentlich am Schluls eines Abschnittes erscheinen : , 
oder : - .1) 



111. Die Sprache der Handschrift. 

Nachdem man in Vercelli selbst, wie die Rückenaufschrift 
des Einbandes zeigt, lange Zeit mit der Sprache dieser Hand- 
schrift nichts anzufangen wuIste, wurde dieselbe zuerst von 
Professor Blume richtig als „angelsächsisch" erkannt. Die in- 
zwischen erlangte genauere Kenntnis der altenglischen Laut- 
lehre setzt uns heute in den Stand, den Sprachcharakter etwas 
näher zu bestimmen und die Handschrift einer bestimmten 
Mundart des Altenglischen zuzuweisen: nämlich dem in Süd- 



^) Vgl. W. KeUer, Angelsächsische Palaeographie , S. 50f.; Luick im 
Beiblatt zur Anglia, Bd. XXIII (1912) S. 228 ff. 



33 

westengland heimischen westsUchsisehen Dialekte, und zwar 
seiner jüngeren Form, wie sie sich etwa seit der Mitte des 
10. Jahrhunderts herausgebildet hat. Bei näherem Zusehen 
ergibt sich weiter, dafs die Sprache kein reines Jungwest- 
sächsisch ist, sondern hie und da altwestsächsische, auch einige 
kentische, vor allem aber zahlreiche anglische Sprachelemente 
einmengt. "Wie diese Dialektmischung zu erklären ist, muls 
einer Spezialuntersuchung des Sprachcharakters der einzelnen 
Texte vorbehalten bleiben. Hier sei nur darauf hingewiesen, 
dafs sich prinzipiell für das Zustandekommen dieses Sprach- 
zustaudes verschiedene Erklärungsmöglichkeiten ergeben. Die 
gewöhnliche Annahme geht dahin, dafs die Dialektmischung 
erst durch die Abschreiber hineingetragen sei. Und tatsächlich 
weisen manche Anzeichen darauf hin, dafs die Mehrzahl der 
Gedichte sowie verschiedene Prosatexte unserer Handschrift 
trotz des westsächsischen Gewandes, in dem sie uns jetzt ent- 
gegentreten, ursprünglich in anglischer Mundart geschrieben 
sind. Bei der Umschrift ins Westsächsische wäre dann manches 
möglicherweise von dem ursprünglichen Dialekte stehen ge- 
blieben — daher die anglischen Elemente in unserer Handschrift. 
Dals diese Umsetzung ins Westsächsische erst von unserem 
Kopisten vorgenommen sei, scheint nicht recht glaublich. Viel- 
mehr weisen altwestsächsische Sprachspuren in einigen Texten 
darauf hin, dafs unser Schreiber, bereits eine südliche, auf alt- 
westsächsischer Grundlage beruhende Umschrift vor sich gehabt 
hat. Wie die kentischen Dialektspuren hinein gekommen sind, 
ist nicht so leicht zu sagen. Jedenfalls sind sie zu spärlich,*) 
als dafs man mit Brandl^) kentische Herkunft des letzten Ab- 
schreibers annehmen könnte. Eher wäre die Annahme möglich, 
dafs einzelne Texte vorher durch eine kentische Kopie hin- 
durchgegangen sind. Vielleicht ist aber auch letztere Hypo- 
these nicht einmal nötig, wenn man nämlich annimmt, dafs der 
sächsische Kopist der Vercelli-Handschrift irgend einem Grenz- 
distrikte nach Kent zu angehört hat. 



^) Aus Jane Weightman, The Language and Dialed of the later Old 
English Poetnj (Liverpool 1907) S. 70 ergibt sich, dafs in den poetischen 
Teilen des Vercelli- Codex die anglischen und kentischen Sprachformen 
sich etwa wie 9 : 1 verhalten. 

*) Geschichte der altenglischen Literatur, S. 1110. 

Studien z. engl. Phil. L. 3 



34 

Eine andere Erklärungsmöglichkeit ergäbe sich, wenn wir 
zeigen könnten, dals ein ebensolcher Mischdialekt irgendwo in 
England gesprochen oder wenigstens geschrieben worden ist. 
Als wirklich gesprochenen Ortsdialekt wird sich bei dem gegen- 
wärtigen Stande der englischen Mundartenforschung diese 
Sprachform nun wohl nicht leicht erweisen lassen. Dagegen 
kann man nachweisen, dafs dasselbe Dialektgemisch in einer 
Gruppe von Handschriften begegnet, die in dem Marienkloster 
zu Worcester geschrieben sind und die Werke des Worcesterer 
Bischofs Wulfstan I. (1003—1016) enthalten. Es sind das in 
erster Linie die von dem Schreiber Wulfgeat hergestellten Ab- 
schriften Wulfstanscher Predigten in den drei Oxforder Hand- 
schriften Junius 121, Hatton 113 und Hattou 114, deren Sprache 
Heinrich Dunkhase 9 als im wesentlichen westsächsisch mit 
mercischen Beimischungen und einigen kentischen Formen 
gefunden hat. Da es sich bei diesen Predigten aus Worcester 
um Texte handelt, bei denen Verfasser und Abschreiber 
demselben Dialektgebiet augehören, wird die sprachliche 
Mischung nicht durch Umschreiben aus einem Dialekt in den 
anderen zustande gekommen sein; sondern dem Abschreiber 
mufs eine solche Sprachform, wenn auch nur als geschriebene 
Sprache, geläutig gewesen sein. Wir werden also, wenn wir 
uns vorsichtig ausdrücken wollen, jenes Westsächsisch mit 
mercisch-kentischer Beimischung, wenn nicht als Worcester- 
Dialekt, so doch als Worcesterer Schulorthographie bezeichnen 
dürfen und sagen können, dafs die Sprache unserer Vercelli- 
Handschrift mit dieser Worcesterer Schreibsprache überein- 
stimmt. Wenn sich erweisen lassen sollte, — wozu es bisher an 
den nötigen Voruntersuchungen fehlt — , dafs sich diese Schreib- 
sprache auf die Diözese Worcester beschränkt und nicht viel- 
mehr, wofür ich Anzeichen zu haben glaube, über einen breiten 
Gürtel bis Essex hin sich ausdehnt, so würde damit der Ent- 
stehungsort des Vercelli-Codex festgelegt sein. Auf jeden Fall 
wird man aber sagen dürfen, dafs vom sprachlichen Stand- 
punkte aus der Hypothese nichts im Wege stände, dafs unsere 
Vercelli- Handschrift in Worcester geschrieben ist, wo gerade 



1) Heinrich Dunkhase, Die Sprache der Wulf stan' sehen Homilien in 
Wulfgeats Handschriften, Jena 1906. 



in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts unter Abt Oswald 
(959—992), also zur Entstehungszeit des Vereelli-Codex, ein 
reiches literarisches Leben erblüht war. ') Dieser Hypothese 
stände natürlich nicht entgegen, dafs einzelne Texte desVercelli- 
Codex ursprünglich in anderen Dialekten geschrieben waren. 



TV. Herkunft der Handschrift. 



Wo die Vercelli- Handschrift geschrieben ist, und auf 
welchem Wege sie in die Kapitel-Bibliothek zu Vercelli ge- 
langt ist, lälst sich nicht mehr feststellen. 

In dem Abschnitt über die Sprache suchten wir zwar zu 
zeigen, dals der Abschreiber der Handschrift ein SUdengländer 
gewesen ist. Damit ist aber zunächst noch nicht ausgemacht, 
dals er wirklich in einem südenglischen Kloster geschrieben 
hat, ja dals die Handschrift überhaupt in England hergestellt 
ist. Sonderlich wahrscheinlich ist es freilich nicht, dals eine 
so umfangreiche Handschrift in einer Sprache geschrieben sei, 
die von der Umgebung des Schreibers nicht verstanden wurde. 
Und wenn wir hinzuziehen, dafs die Homilien, die den Haupt- 
inhalt des Manuskriptes ausmachen, doch sicherlich zum 
praktischen Gebrauch beim öffentlichen Predigen berechnet 
waren, so werden wir mit einiger Bestimmtheit die Hypothese 
ablehnen dürfen, dafs der Vercelli -Codex auf dem Kontinent 
geschrieben sei. 2) Danach würden wir also die Herstellung 
der Handschrift in England selbst, und zwar im südlichen 
England, als eine ziemlich gesicherte Tatsache hinstellen dürfen. 

Schwieriger ist die Frage, wie die Handschrift aus Eng- 
land nach Vercelli gekommen sei, schwierig besonders des- 
wegen, weil uns die Handschrift selbst keinerlei Anhaltspunkte 
dafür liefert, wir also lediglich auf Vermutungen angewiesen 



') W. Keller, Die litterarischen Bestrebungen von Worcester in 
angelsächsischer Zeit (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kultur- 
geschichte der germanischen Völker, Heft 84), Strafsburg 1900, S. llf. 

2) Jacob Grimm, Andreas und Elene (Cassel 1840) S. XL VI, glaubte, 
mit dieser Hypothese rechnen zu müssen, hielt aber auch die Entstehung 
in England für wahrscheinlicher. 

3* 



36 

sind, und weil bei den mannigfachen Beziehungen zwischen 
Vereelli und England der Möglichkeiten eben sehr viele ge- 
wesen sind. Aber alle bisher darüber aufgestellten Theorien 
sind entweder unbeweisbar oder entbehren der Wahrschein- 
lichkeit. 1) 

Am meisten Anhänger hat die älteste Hypothese gefanden, 
die schon 1845 von einem Anonymus anlälslich einer Be- 
sprechung von H. G. Knight's Ecdesiasiical ArcJütecture of 
Italy (London 1843) in der Ouarterly Revietc-) vorgetragen war 
und dann 1888 von Prof. Albert Cook im Bibliotheksbulletin 
der Universität Californien eingehender begründet worden ist.^) 
Danach wäre unsere angelsächsische Handschrift durch den 



1) Aus chronologischen Gründen völlig hinfällig ist die Theorie, 
welche der italienische Gelehrte Costanzo Gazzera 1S4T in einem Tnriner 
Akademievortrag über 'Epigrafi ed altre antichitä cristiane vercellesi' 
{Delle iscrizio7ii cristiane antiche del Piemonte discorso in 'Memorie della 
reale accademia delle scienze di Torino', Seriell, Tom. XI [Torino 1S51] 
p. 255) aufgestellt hat. Er vermutet dort, dafa der berühmte irische 
Philosoph Johannes Scotus Eringena in Vereelli gewesen sei, und dalä 
unser angelsächsischer Codex ihm gehört habe. Letzteres ist aber schon 
darum unmöglich, weil unser Codex erst über 100 Jahre nach Eriugenas 
Tode (ca. 877) geschrieben ist. — Ohne jeden Anhaltspunkt ist die 
Hypothese von Prof. Earle (in seiner Ausgabe von Tico of the Saxon 
Chronicles Parallel, Oxford 1&65, p. xxii), wonach ein uns so gut wie 
imbekannter Bischof Cyneweard von Wells im Jahre 9T5 nach Rom gereist 
sei und dabei unseren Codex in Vereelli zurückgelassen habe. Aber wir 
wissen nicht einmal, ob dieser Cyneward je in Italien gewesen ist. Earle 
folgert das nur aus der Angabe eines Gedichtes auf den König Eadgar in 
den Worcester-Annalen {Saxo7i Chronicles Parallel, ed. Ch. Plummer, 
Oxford 1S92 — 99, Vol. I, p. 120; Vol. II, p. 163), dafs Bischof Cyneweard 
975 „von Britannien gegangen sei" (of Brytene geicät). Selbst wenn diese 
poetische Phrase nicht bedeuten sollte „er starb", was doch das wahr- 
scheinlichste ist, weil der Chronist Florence von Worcester (Chronicon, 
ed. B. Thorpe, English Historical Society, 1S49, Vol. I, p. 145: [zu 974] 
Cinewardus Smnertunensis episcopxis ohiit) 974 als Todesjahr des Cyneweard 
angibt und dessen nachfolger Sigegar seit 979 urkundend (Kemble, Cod. 
Dipl., Nr. 621) nachzuweisen ist. Mit demselben Rechte wie Cyneweard 
könnte man jedem englischen Bischof, mit gröfserem Rechte jedem angel- 
sächsischen Rompilger die Übertragung des Vereelli -Codex zuschreiben. 

2) Quaterly Review, Bd. LXXV (März 1S45) S. 39Sf. 

^) A.Cook, Cardinal Guala and the Vereelli Book, im Library Bulletin 
No. 10, University of California (Sacramento 1S88) 8 Ss. Dazu A. Cook, 
Sxqjplementary l:\ote to ' Cardinal Guala and the Vereelli Book' in 'Modern 



37 

italienisclien Kardinal Guala Bicchieri i) (gest. 1227) aus Eng- 
land nach Vercelli gebracht worden. Dieser aus einem 
Vercellenser Patriziergeschlecht stammende, sehr kluge, ge- 
lehrte und für Kunst und Wissenschaft interessierte Kardinal 
war von Papst Innozenz III. als Legat nach England gesandt 
und hatte sich dort während seiner dreijährigen Amtstätigkeit 
(1216—1218) einen gewaltigen politischen Einfiufs zu erwerben 
gewufst und in Sonderheit beim Tode des englischen Königs 
Johann (1216) so geschickt in den Streit der Parteien zu 
gunsten des neuen, erst neunjährigen Herrschers Heinrich IL 
eingegriflfen, dafs ihm dieser zu dauerndem Danke verpflichtet 
blieb.2) Schon vor seiner Englandreise hatte der sehr reiche 
Kardinal Schritte getan, sein Andenken durch eine Stiftung 
in Vercelli dauernd zu erhalten: durch Urkunde vom 10. März 
1215 hatte er sich vom bischöflichen Kapitel ein Terrain für 
die Gründung eines Kanonikerstiftes abtreten lassen. Kaum 
drei Monate nach seiner Rückkehr, am 20. Februar 1219, hatte 
er die Freude, zusammen mit dem Bischof von Vercelli den 
Grundstein zu dem neuen Gebäude, das dem Apostel Andreas 3) 

Language Notes', Vol. IV, S. 212f. Siehe auch Krapp, Andreas (Boston 
1906) p. X— XIV. 

^) Vgl. Gualae Bicherii irreshyteri cardinalis S. Martini in Montibus 
vita et gesta colleda a Philadel fo Liblco [Psendouym für den Abt Giu- 
seppe Frova], Mediolani 1767 [Exemplar der Kgl. Bibl. Berlin, Sign.: 
Ce 13230] und (darauf fufsend) Gioanni Lampugnani, Sulla vita di Guala 
Bicchieri patrizio vercellese, prete cardinale di S. Martino ai Monti, cenni 
storici, Vercelli 1842 [Exemplar der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in 
München, Ital. 4«. 73 g]. 

^) Siehe H. R. Luard, On the Relations betiveen England and Borne 
during the Earlier Portion of the Reign of Henry III (Cambridge 1877) 
und Abbot Gasquet, Henry the Third and the Church (London 1905) 
S. 27—76. 

3) Die Wahl dieses Namens hat man {Quarterly Review, Vol. LXXV 
[1845] S. 398) durch den Hinweis auf die englische Andreaspfründe, aus 
der die Neugründung gröfstenteils ihren Unterhalt bezog, zu erklären 
versucht. Indes ist zu beachten, dafs das vom Bischof abgetretene Terrain 
schon vorher eine Kirche des heil. Andreas trug, die im Jahre 1169 erbaut 
war. Vermutlich hat also Guala mit Rücksicht auf diese ältere Kirche 
seine Neugründung nach dem Apostel Andreas benannt, wie diese denn 
auch in mehreren Urkunden vom Jahre 1223 und 1224 geradezu als 
'ecclesia nova S. Andreae Vercellensis' bezeichnet wird (Frova a.a.O. 
S. 134ff. und Lampugnani a. a. 0. S. lu2ff.). 



38 

geweiht wurde, zu legen; aber erst nach fünfeinhalbjähriger 
Bauzeit, am 7. Dezember 1224, konnte die feierliche Einweihung 
der dazu gehörigen Stiftskirche vollzogen werden. Es war 
dies die geräumige und prächtig ausgestattete Basilica di 
S. Andrea, die noch heute eine Sehenswürdigkeit von Vercelli 
bildet. Diese im Übergangsstil erbaute Kirche erinnert in 
vielen Konstruktions- und Dekorationselementen so stark an 
nordfrauzösisch - englische Vorbilder, dafs man lange Zeit an- 
nahm, dafs sie von einem englischen Architekten, den Guala 
mit nach Italien gebracht habe, erbaut worden sei. i) Indefs 
ist 1894 von dem französischen Archäologen C. Enlart^) der 
Nachweis erbracht, dals die Stileigentümlichkeiten der Andreas- 
kirche zu Vercelli deutlich auf die nordfranzösische Gotik 
hinweisen und dafs die Kirche also jedenfalls von den nord- 
französischeu Augustiner Chorherren erbaut ist, welche Guala 
aus St. Victor bei Paris berufen und in sein ueugegrtindetes 
Kanonikerstift eingesetzt hatte. Die isolierte Stellung, welche 
S. Andrea di Vercelli in der italienischen Kunstgeschichte ein- 
nimmt, erklärt sich hienach daraus, dals die italienische Gotik 
sieh sonst ganz und gar dem stidostfranzösischen Stile ange- 



^) So z.B. noch Fergnsson, A Eistory of Arcliitecture (London 1865 
bis 1867) Vol. II, S. 199 u. a. m. Sogar den Namen des englischen Archi- 
tekten glaubte die Vercellenser Lokaltradition zu wissen: es sei ein ge- 
wisser Brighint gewesen [Fergnsson schreibt fälschlich 'Brigwhite']. Diese 
Angabe leitet sich indes lediglich daher, dafs man im 15. Jahrhundert in 
dem Stift am 30. August den Gedenktag eines 'Joannes Dominicus 
Brighinthius' feierte, der allerdings seinem irischen Namen zufolge wohl 
ein Engländer gewesen sein mag (Carlo Emmanuele Arborio - Mella, Cenni 
istorici sulla chiesa ed abbazia di Sant' Andrea in Vercelli, Torino 1856, 
S. 27 [ein Exemplar dieses lithographierten, sehr seltenen Werkes ist in 
meinem Besitz]). 

*) C. Enlart, Origines frangalses de V arcliitecture gothique en Italic 
(Bibliotheque des ecoles frangaises d'Athenes et de Rome, fasc. LXVI, 
Paris 1894) bes. S. 18—21, 176—186 und 309; 0. Stiehl, Der Backsteinbau 
romanischer Zeit, besonders in Oberitalien und Norddeutschland, Leipzig 
1898. Der äufsere Skulpturenschmuck der Kirche rührt gröfstenteils von 
dem bekannten, ganz auf französischer Kunst fufsenden norditalienischen 
Bildhauer Benedetto Antelami her (A. Venturi, Storia deW arte italiana. 
Vol. III [Milano 1904] S. 336—340). — Mit dieser Ablehnung der englischen 
Herkunft der Andreas - Kirche fällt eine der Hauptstützen der Guala- 
Hypothese. 



39 

schlössen hat, mit dem die Zisterzienser im 12. Jahrhundert 
die Gotik in Italien einführten, während jene nordfranzösisehe 
Bauweise der Pariser Augustiner, wie sie uns in dem Vereellenser 
Andreas-Stift entgegentritt, ohne weitere Nachfolge geblieben 
ist. Auch jene vermeintlichen englischen Anklänge lassen sich 
nun leicht verstehen, da auch die englische Gotik auf die 
nordfranzösische Schule zurückgeht. 

Für den Unterhalt seiner Klostergründung hatte Kardinal 
Guala in der Weise gesorgt, dafs er noch während seines 
Aufenthaltes in England den englischen König Heinrich III. 
dazu bewog, dem von ihm zu stiftenden Andreas-Kloster in 
Vercelli die reichen Einkünfte der Priorei St. Andrews in 
Chesterton, Diözese Ely, zu überweisen. ^) Durch diese Benefiz- 
verleihung, welche durch königliches Patent vom 8. November 
1217 betätigt wurde und bis zum Jahre 1440 dem Vercelli- 
kloster verblieben ist, war also eine dauernde Verbindung 
zwischen England und Vercelli hergestellt und mithin — was 
für uns das Wichtigste ist — das ganze Mittelalter hindurch 
die Möglichkeit eines Bücheraustausches eröffnet. Befestigt 
wurde diese Verbindung dadurch, dafs Guala mit dem Kanoniker- 
stift eine Schule verband, die sich bald (1228) zu einer 
blühenden Universität entwickelte, die manchen Engländer, 



^) Die Originalausfertigungen des kgl. Verleihungspatentes sowie der 
Zustimmungsurkunde der englisclien Magnaten und der Bestätignngsurkunde 
des Bischofs von Ely befanden sich noch im 18. Jahrhundert im Archiv 
des Stiftes und sind von Frova a.a.O. S. lOOf. in Anmerkung r und s 
abgedruckt. Päpstliche Bestätigungsbullen haben wir aus den Jahren 1223, 
1227 und 1261. Als Heinrich III. grofsjährig geworden, bestätigte er die 
Verleihung durch Urkunde vom 16. Januar 1239, die wir noch heute in 
den 'Charter RoWs^ {Caleiular of Charter Rolls, Vol. I S. 234) lesen können. 
Eine vom 20. Oktober 1420 datierte Abschrift dieser Bestätigung findet 
sich im Archiv des Trinity College zu Cambridge (gedruckt von George 
Williams als Anhang zu Official Correspondence of TJwmas Bekynton, 
London 1872, Vol. II S.344, vgl. auch Vol. I S. LXXIX— LXXXI), dem diese 
Pfründe später zufiel. Vgl. J. E. Foster, The Connection of the Church 
of Chesterton ivith the Äbbey of Vercelli in 'Proceedings of the Cambridge 
Antiquarian Society', Vol. XIII (Cambridge 1909) p. 185— 212. Das dort 
zitierte Werk von Paste, L'ahhazia di S. Andrea di Vercelli (Vercelli 1907) 
ist mir imzugänglich. — Dafs Guala 'zum Prior von St. Andreas zu Chester 
[sie!] ernannt' sei, wie Wülker Codex Vercellensis -p. Y angibt, beruht auf 
einem Irrtum. 



40 

darunter auch den berühmten Oxforder Franziskaner Adam 
de Marisco (gest. 1257) anlockte. Letzterer blieb auch nach 
seiner Rückkehr in die Heimat mit Vercelli in Verbindung: 
in seinem Briefwechsel befindet sich ein Schreiben an den 
Abt Thomas von S. Andrea di Vercelli, in welchem er diesen 
um Übersendung seines neuen Werkes über das 'minisierium 
thcologicum' bittet und ihm als Gegengabe die Übersendung 
seiner eigenen Erklärung des Englischen Grufses ankündigt, i) 
Hier also ein Beispiel eines regelrechten Schriftaustausches 
zwischen Vercelli und Oxford. 

Erkennen wir nun in diesen Tatsachen allgemeine Mög- 
lichkeiten für den Weg, auf dem unser angelsächsischer Codex 
nach Vercelli gelangt sein mag, so muls speziell noch damit 
gerechnet werden, dafs Kardinal Guala selbst den Codex in 
seine Heimat mitgebracht haben kann. Wenigstens wissen wir 
aus einem kurz vor seinem Tode aufgenommenen Inventar, 2) 
dafs unter den Büchern, die er mit seiner ganzen Habe dem 
Andreaskloster hinterliels, sich wenigstens zwei 'de liitera 
Anglicana' d. h. 'in englischem Schrifttypus geschriebene' und 
wahrscheinlich also aus England stammende Handschriften 
befanden und dafs obendrein gerade diese beiden, nämlich 
eine 'bibliotheca^) de littera Anglicana, qua JD. Cardinalis ute- 
iatur in capelW und ein ' Omeliarum de capella D. Cardinalis 
de bona littera Anglicana' dem persönlichen Gebrauche Gualas 
gedient hatten. Wenn nun auch, wie man sieht, diese beiden 
Manuskripte in keiner Weise mit unserem Vercelli - Codex 
identifiziert werden können, so Heise sich doch daraus eine 
gewisse Vorliebe des Kardinals für englische Manuskripte her- 
leiten und damit die Mitnahme eines ihm unverständlichen 
angelsächsischen Codex in etwa begreiflich machen. Ja, wenn 
man jenes littera Anglicana als irisch- angelsächsische Schrift 
auffassen dürfte — was mir allerdings nicht angängig scheint ■*) 



1) Monumenta Franciscana, ed. J. S. Brewer, Vol. I (1858) S. 206. 

^) Abgedruckt bei Frova a. a. 0. S. 174 — 177 (Anm. p) und bei 
Lampugnani a. a. 0. S. 125 — 130. 

2) d. h. nach mittelalterlichem Sprachgebrauch 'eine Bibel'. 

*) Dafs es sich hierbei nicht, wie J. E. Foster S. 187 meint, um die 
Sprache, sondern lediglich um die Schrift handelt, ergeben andere Aus- 
drücke der Liste, wie 'de littera Boloniensi' (vgl. Ducange s. v. Literae; 



41 

— , so könnte man daraus einen Beweis ableiten, dafs Kardinal 
Giiala zu den Wenigen gehörte, die damals angelsächsische 
Schriftzeichen überhaupt lesen konnten, was die Mitnahme des 
damals in England für wertlos erachteten angelsächsischen 
Codex um einiges plausibler erscheinen lassen würde. 

Aus dem Vorstehenden ergibt sich also die Möglichkeit, 
dafs unser angelsächsischer Codex von Guala selbst, oder in- 
folge der durch ihn zwischen England und Vercelli angeknüften 
Verbindungen an seinen heutigen Aufenthaltsort gekommen sei. 
Sicher, oder, wie wir gleich sehen werden, irgendwie wahr- 
scheinlich ist dies aber keineswegs. Und wenn manche 
Forscher wie Pauli i) oder neuerdings J. E. Foster 2) und 
E. A. Savage^) diese Hypothese wie eine feststehende Tatsache 



Delisle, Cabinet des Mss. de la Bibliotheque Imperiale, Voll [Paris 1868] 
S. 32; F. Ehrle, Historia bibliofhecae Romanonmi Pontificuyn, Rom 1890, 
Vol.I 8.5(19; F. Ehrle und P. Liebaert, Specimina codicum latmorumVatica- 
norum, Bonn 1912, S. XXXIf. und Tafel 43 und 44), 'de littera Parisiensi' 
(Ehrle und Liebaert, a.a.O. S. XX VIII f., Tafel 41), 'de littera Lombarda', 
'de bona littera antiqua Aretina' und 'de littera antiqua' (Ehrle, Hist. 
bibl. Rom. Pont., Vol. I S. 5(i9). Gerade letzterer Ausdruck scheint mir 
dafür zu sprechen, dafs mit obigem littera Anglicana nicht die alte angel- 
sächsische Schrift gemeint ist. Wenigstens bezeichnet ein allerdings jüngerer 
vatikanischer Bücherkatalog vom Jahre 1375 mit littera antiqua Hand- 
schriften, die frühestens aus dem Ende des 12. Jahrhunderts stammen, 
da sie Briefe des heil. Bernhard (gest. 1153) oder Peter Comestors 
Historia scholastica (1170) enthalten (Ehrle, Hist. bibl. Rom. Pont., Vol.I, 
S. 569 Nr. 332 und l()7(j). Wenn dieser Katalog des U.Jahrhunderts 
schon eine allerhüchstens zwei Jahrhunderte ältere Minuskel als littera 
antiqua bezeichnet, so würde in Gualas Inventar sich dieser Ausdruck 
frühestens auf die Schrift von 1025 beziehen können, sodafs also die alte 
insulare Schrift mit dem Namen littera antiqua und nicht mit littera 
Anglicana bezeichnet wäre. Da die Ausdrücke Bologneser und Pariser 
Schrift, wo sie sonst vorkommen, sich auf zeitgenössische Varianten der 
gotischen Minuskel des 13. und 14. Jahrhunderts beziehen, so wird auch 
nnser obiges littera Anglicana nicht die alte irisch-angelsächsisch^ Kursive 
im Auge haben, sondern eine englische Abart der gotischen Minuskel, 
also etwa eine Schrift, wie sie der 1253 in England geschriebene Codex 
Urbin. 20G (Probe bei Ehrle und Liebaert, a. a. 0., Tafel 40) darstellt. 

>) Geschichte von England, Hamburg 1853, S. 512; Göttinger Gelehrte 
Anzeigen 1866, S. 1412. 

^) Proceedings ofthe Cambridge Antiquarian Society, Vol. XIII (1909) 
S. 187. 

3) Old Engliah Libraries, London [1911], S. 87. 



42 

behandeln und andere, wie Cooki) und Krapp 2) die Sache so 
gut wie bewiesen erachten, so muls dem gegenüber energisch 
auf die Schwierigkeiten hingewiesen werden, die einer solchen 
Annahme im Wege stehen. Zunächst muls betont werden, dals 
in dem obengenannten Bücherinventar des Kardinals kein Ein- 
trag sich findet, der auch nur im entferntesten auf unseren 
angelsächsischen Codex sich beziehen Heise. Man könnte 
diesem Einwand nur dadurch begegnen, dals man annähme, 
die fragliche Handschrift sei von Guala schon vor Aufstellung 
des Inventars fortgeschenkt worden. Schwerwiegender ist ein 
anderer Einwand, nämlich der, dafs unser Codex keineswegs 
als ein Bestandteil des Andreasstiftes auf uns gekommen ist, 
sondern vielmehr dem Domkapitel gehört, und dals auch für 
seine ehemalige Zugehörigkeit zu ersterem nicht das geringste 
angeführt werden kann. 3) Allerdings scheinen Kirche und 
Hospital von San Andrea alte Manuskripte nicht mehr zu be- 
sitzen; und über den Verbleib der Bücher des Andreasstiftes 
ist nichts bekannt geworden;*) möglich, dals sie ein ähnliches 
Schicksal gehabt haben, wie das Archiv des Stiftes, welches 
in den Eevolutionskriegen nach der Säkularisation (1802) bis 



1) California Library Bulletin Nr. 10 (Sacramento 18S8); The Dream 
of the Eood, Oxford 1905, S. Vf. 

2) Andreas, Boston 1906, S. X— XIV. 

3) AllerdiDgs meint J. E. Foster, a. a. 0. S. 187, dafs sich der Eintrag 
'Item Codex' in Gualas Inventar (Frova S. 175; Lampugnani S. 126) sich 
auf unsere angelsUchsische Handschrift beziehe, weil er einer näheren Be- 
zeichnung entbehre. Indessen ist zu beachten, dafs der Eintrag mitten 
unter lauter juristischen Büchern erscheint, und da unmittelbar vorher 
{Item Digestion novum) und unmittelbar nachher {Infortiatum) Teile des 
Corpus iuris genannt werden, so ist jedenfalls auch mit jenem Item Codex 
ein Teil des Corpus iuris gemeint, nämlich die bekannte Konstitutionen- 
sammlung, welche unter dem Namen Codex Justinianus läuft. Obendrein 
ist gleich darauf im Inventar von tres lihri Codicis und einer summa 
Azonis super Codicem die Rede, so dafs diese Identifizierung nicht im 
geringsten zweifelhaft sein kann. 

*) Im 18. Jahrhundert war die Bibliothek des Andreas-Stiftes noch 
erhalten. Der gelehrte Jesuit F. A. Zaccaria besuchte sie zwischen 1742 
und ] 752 und fand dort mehrere interessante Handschriften, wie z. B. einen 
Beda des 10. Jahrhunderts, vor. Vgl. F. A. Zachariae excursus litterarii 
per Italiam ab anno MDCCXLll ad annum MDCCLII, Venetiis 1754, 
Vol. I p. 59. 



43 

auf wenige Stücke verloren gegangen ist. i) Aber diese Lücke 
in unserem Wissen ist für unsere Frage deswegen irrelavent, 
weil wir nachweisen können, dafs unsere angelsächsische Hand- 
schrift schon vor der Säkularisation nicht dem Andreasstifte 
gehört, sondern sich — was man bisher nicht beachtet hat 2) — 
mindestens schon im Jahre 1748, wahrscheinlich aber bereits 
im Jahre 1602 in der Dombibliothek befunden hat. Aus dem 
Jahre 1748 haben wir nämlich einen Briefe) des berühmten 
Bibelforschers und Handsehriftenkenners Giuseppe Bianchini 
(1704 — 1764) aus Verona an den Kardinal Carlo Vittorio delle 
Laneie, in dem ersterer über die auf seinen verschiedenen 
Reisen eingesehenen Manuskripte des 'archivio Eusehiano di 
VercclW, d. h. der Dombibliothek, berichtet. In diesem Briefe 
handelt er besonders ausführlich über 'ü codice segnato col 
man. 41 . . . in lingua ignoia', der — darüber kann aus seinen 
Angaben und dem lateinischen Titel mehrerer Predigten gar 
kein Zweifel bestehen^) — mit unserem altenglischen Codex 
identisch ist. In dem von demselben Bianchini abgefafsten 
Elencus Mss. hibliothecae seit arcliivii Eiisehiani cathedralis 
Vercellensis^) wird unser Codex nochmals deutlich bezeichnet 



*) Siehe Arborlo-Mella, a. a. 0. S. 17 und 25. Auszüge ans den Urkunden 
des Stiftes, die im Jahre 1709 gemacht sind, befinden sich jetzt im Archivio 
della Curia Arcivescovile zu Yercelli. Manche jetzt verschollene Urkunde 
hat im Jahre 1767 Abt Frova in seinem Leben Gnalas gedruckt und da- 
durch für uns gerettet. — Wenn Foster a.a.O. S. IS" behauptet, 'the 
CardinaVs nianiiscripts icere early absorbed iji the library of the Cathedral 
at Vercelli', so ist dies eine durch nichts zu stützende Vermutung, die 
auch jeder Wahrscheinlichkeit entbehrt. Und wenn Fuster weiter erklärt, 
dafs in einem (gleich noch zu besprechenden) Inventar der Dombibliothek 
vom Jahre 1602 verschiedene von Gualas Büchern sich wiedererkennen 
lassen, so ist darauf zu erwidern, dafs natürlich jede mittelalterliche 
Bibliothek ihre Bibeln, ihre Homilien von Gregor und Augustin u. a. m. 
besafs, dafs aber ein irgendwie charakteristisches Detail, das eine auch 
nur wahrscheinliche Identifikation zweier Einträge ermöglichte, nicht er- 
scheint. 

-) ;Nachträgllch sehe ich, dafs schon J. E. Foster darauf hinge- 
wiesen hat. 

') Gedruckt bei G. De -Gregory, Istoria della vercellese letteratura 
ed arti, Parte IV (Torino 1S2^) S. 554-560. 

*) Siehe den Abdruck der ganzen Stelle weiter unten auf S. 55. 

*) Abgedruckt bei De-Gregory, a. a. 0. IV S. 562—566. 



u 

als Nr. 41 (CXVII) Codex saeculi X. Liher ignotae linguae, 
Videtur über Homiliarius per anni eireulum, id constat ex non- 
nullis nihricis latine conscriptis {linguae thcotiscae). Wenn 
unser Manuskript wirklich durch Kardiual Guala nach Vercelli 
gekommen wäre, so würde es zum mindesten sehr sonderbar 
sein, dals wir hier im Jahre 1748 den Codex nicht im Andreas- 
stift, sondern in der Dombibliothek vorfinden, i) Dafs die 
Handschrift schon um 1600 im Dome war, möchte ich aus 
einem anderen, zwar nicht ganz so sicheren, aber kaum anders 
deutbaren Zeugnis schlielsen: in dem alten Kataloge 2) der 
Vercellenser Dombibliothek, welchen der bischöfliche General- 
vikar Giovanni Francesco Leone am 5. Juni 1602 aufgezeichnet 
hat, findet sich unter Nr. 90 der Eintrag 'Liher Gothicus, sive 
Langohardus, {eum legere non valeo)\ der sehr wohl auf 
unsere altenglische Handschrift passen würde und höchst- 
wahrscheinlich dieselbe wirklieh im Auge hat. Wenn diese 
Deutung richtig ist, würde unser Codex also schon um 1600 
in der Dombibliothek gewesen sein, und nicht in dem Andreas- 
stift, was einigermafsen gegen die Guala-Hypothese spricht. 

Endlich noch ein letzter Einwand, der mir der schwer- 
wiegendste von allen zu sein scheint: nämlich der, dafs sich 
kein einigermafsen befriedigendes Motiv auffinden läfst, das 
den Kardinal Guala zur Mitnahme einer ihm und den Seinen 
gänzlich unverständlichen und dazu nach Format und Umfang 
reichlich grofsen, also schwer transportablen Handschrift habe 
veranlassen können. Dafs Guala für die englische Sprache 
oder überhaupt für germanisch- englische Kultur Interesse ge- 
wonnen haben könnte, ist trotz seines Aufenthaltes in England 
Dach Lage der damaligen Verhältnisse^) so gut wie ausge- 
schlossen. Vielmehr wird er dort ausschlielslich mit den 
französisch sprechenden und von französischer Kultur durch- 
drungenen Kreisen des englischen Klerus und Hochadels in 
Berührung gekommen sein. Und dafs er von französischer 



') Cook, California Library Bulletin S. 7 scheint beide für identisch 
za halten. 

-) Abgedruckt bei G. De-Gregory, a. a. 0. IV S. 567—569. 

^) Über die Französieruug des damaligen England siehe z. B. Behrens 
in Pauls Grundriss der germanischen Philologie (Strafsburg * 1901) Bd. I 
S. 952f. 



45 

Bildung eingenommen war, die er 1215 als päpstlicher Legat 
in Paris aus eigener Anschauung kennen gelernt hatte, lehrt 
zur Genüge die eine Tatsache, dafs er in sein neugegrlindetes 
Andreasstift nicht Landsleute, sondern französische Kanoniker, i) 
nämlich die Augustiner Chorherren von St. Victor bei Paris, 
einsetzte (1223), als ersten Abt einen Franzosen, den gelehrten 
Thomas von Paris (gest. 1246) berief und dals er die Kirche 
seines Stiftes von nordfranzösischen Architekten erbauen liefs. 
Wir können aber auch von der Person des Kardinals Guala 
ganz absehen und ganz allgemein behaupten, dals im 13. Jahr- 
hundert wohl kaum ein Mitglied des höheren Klerus sich für 
eine altenglische Handschrift interessierte und einen in alt- 
englischer Sprache abgefafsten Text verstehen, ja überhaupt 
die insularen Schriftzeichen des 10. Jahrhunderts hätte lesen 
können. Bekannt ist, dafs die in irisch-angelsächsischer Schrift 
geschriebenen Codices in den mittelalterlichen Bibliotheken 
2L\%lihri Scottici,'^) weil unlesbar, beiseite gestellt wurden; und 
ein in insularer Schrift lateinisch glossierter Psalter 3) der 
St. Martin's Priorei zu Dover erhielt sogar den Bibliotheks- 
vermerk: 'Psalterhmi vetus glosatum ydiomnte mcognito'. Die 
altenglische Sprache konnten nicht einmal geborene Engländer 
am Ende des 12. Jahrhunderts mehr völlig verstehen, wie uns 
zahlreiche lateinische Glossen in altenglischen Handschriften 
beweisen. *) 

Wenn wir dies alles erwägen, so muls es uns im höchsten 
Grade zweifelhaft dünken, dals ein angelsächsischer Codex 
gerade im 13. Jahrhundert — und noch mehr gilt das vom 



') Vgl. Arborio-Mella, Cenyii istorici sulla chiesa ed abbazia di 
St. Andrea in Vercelli S. 45 f. 

'^) G.Becker, Catalogi bibliothecarum antiqui (Bonn 1885) S. 323; 
Gottlieb, Über mittelalterliche Bibliotheken (Leipzig 1890) S. 320 f. ; L. Traube, 
Perrona Scottorwn (Bayer. Sitz.- Ber.), München 1900, S. 529— 532~. 

3) Jetzt in Cambridge, St. John's College, Ms. Nr. 9 ; vgl. M. R. James, 
The Ancient Libraries of Canterbury and Dover (Cambridge 1903) 
S. LXXXV und 523. 

*) So schlimm um die Kenntnis der altenglischen Sprache stand es 
selbst im Marienkloster zu Worcester, das bis an das Ende des 12. Jahr- 
hunderts eine besonders eifrige Pflegestätte der heimischen Sprache ge- 
wesen war. Vgl. W. Keller, Die litterarischen Bestrebungen von Worcester 
in angelsächsischer Zeit (Strafsburg 1900) S. 20, 



46 

14. und 15. Jahvliundert — aus England nach Vercelli gebracht 
sein sollte. Es mölste denn sein, dals er geradezu durch eine 
Laune des Zufalls oder als reine Kuriosität mitgenommen wäre. 
In der Tat greifen die Anbänger der Guala- Hypothese zu einer 
ähnlichen Begründung, indem sie annehmen, dafs Guala nur 
deswegen den sonst für ihn wertlosen Codex an sich genommen 
habe, weil sich darin ein Gedicht auf den heil. Andreas befand, 
und er sich gewissermolsen unter dem Schutz dieses Heiligen 
stehend fühlte.') Das letztere mülste aber erst noch bewiesen 
werden. Denn einen Beweis dafür vermag ich darin nicht zu 
sehen, dafs Mattbaeus Parisiensis 2) nach Art mittelalterlicher 
Chronisten, die gern Heiligentage zu Zeitangaben benutzen, 
ihn seine Rückkehr nach England 'circa festum St. Ändreae' 
— andere geben obendrein ein ganz anderes Datum an 3) — 
antreten läfst, oder dafs König Johann von England am Vor- 
abend de3 Audreasfestes im Jahre 1215 — also zu einer Zeit, 
wo Guala erst auf dem Wege nach England war 4) — die 
Stadt Eochester erobert hat. °) Und dafs die Benennung von 
Gualas Vercellenser Klosterstiftung nach einer älteren dort 
befindlichen Andreaskirche erfolgt ist, wurde schon oben- aus- 
einandergesetzt. 

Aber selbst wenn man mit der Möglichkeit rechnen wollte, 
dafs Guala dem heil. Andreas besondere Verehrung entgegen- 
brachte, so ist nicht sonderlieh wahrscheinlich, dafs er oder 
irgend ein anderer damals herausgefunden hätte, dafs unser 
Codex ein Gedicht auf den Apostel Andreas enthält, zumal 
der Name des Andreas nirgendwo in dem fortlaufend als Prosa 



') Cook, a a. 0. S. 7, erinnert in diesem Zusammenhange daran, dafs 
Guala, wie alle Kardinäle, Titularpresbyter einer römischen Kirche, und 
zwar von San Martino ai Monti war, und dafs unser Codex eine Homilie 
auf den heü. Martin enthält. Er scheint aber selbst diesem Zusammen- 
treflfen wenig Bedeutung beizulegen, worin ich ihm nur durchaus bei- 
stimmen kann. 

^) Chronica Majora, ed. H. R. Lnard, Vol. III (1S76) S. 42 f. 

^) Die Annalen von Waverley {Annales monastici, ed. H. R. Lnard, 
Vol. II [ 1 S65] S. 291 ) geben als Datum der Abfahrt : ' circa festum S. Ckmentis, 
d. h. den 23. November. 

*) Guala landete in England erst am 19. Mai 1216. 

5) Higden, Polychronicon 1. VII c. 33 (ed. Lumby, Vol. VIII [1S82] 
S. 194). 



47 

geschriebenen Texte an augenfälliger Stelle ersclieint. Wie 
schwer dies überhaupt für einen Nichtfachrnann herauszufinden 
ist, geht schon daraus hervor, dafs ein so gewiegter Iland- 
schriftenkenner wie Giuseppe Rianchini, der sich offenbar die 
Handschrift recht genau angesehen hatte, nicht bemerkt hat, 
dafs in dem Codex etwas über den heil. Andreas steht. 

Nach sorgsamster Erwägung all dieser Umstände komme 
ich zu dem Ergebnis, 1. dafs es nicht gerade unmöglich, aber 
doch sehr unwahrscheinlich ist, dafs unser angelsächsischer 
Codex durch Guala oder sein Andreasstift nach Vercelli gelangt 
sei, und 2. dafs überhaupt die ganze Zeit vom 13. bis zum 
15. Jahrhundert als ein höchst unwahrscheinlicher Zeitpunkt für 
die Herübernahme des Codex anzusehen ist. Positiv läfst sich 
aber daraus der Satz ableiten : Wenn unser Vercelli - Codex 
überhaupt als Lesestoff und nicht nur als reine Kuriosität 
nach Vercelli mitgenommen ist, so kann dies überhaupt nur 
in der Zeit zwischen 1000 und allerhöchstens 1175 geschehen 
sein. Denn dies ist der einzige in Betracht kommende Zeit- 
raum, in dem man Schrift und Sprache des Codex noch wirk- 
lich lesen konnte. Und wenn wir die gröfsere Wahrschein- 
lichkeit mitsprechen lassen wollen, so werden wir diesen 
Zeitraum sogar noch um 50 bis 75 Jahre verkürzen dürfen, 
da nach 1125 die heranblühende französische Theologie so 
völlig alles beherrschte, das Interesse und Verständnis für 
einen altenglischen Codex selbst in England nur noch eine 
vereinzelte Liebhaberei bleibt, und weil im Mittelalter die 
Wertschätzung eines Manuskriptes in genauem Verhältnis zur 
Hohe seines Alters abnimmt. 

Mit mehr Sicherheit ward man sich über diese Frage 
äufsern können, wenn es gelingen sollte, mehr Licht in die bis 
jetzt ganz ins Dunkel gehüllte Geschichte ^) der jedenfalls sehr 



^) Siehe die spärlichen Angaben, die sich ans den bei G. Ottino e 
G. Famagli, Bibliotheca hihliogra])hica Italica (Rom 1S89) Vol. I S. :iö4f. 
und U. Chevalier, Repertoire des sonrces historiqiies du Moyen-Age. Topo- 
BihUographie (1903) S. 3270 angeführten Werken gewinnen lassen. Dazu 
demnächst noch M. Vattasso, Codici Vercellesi. — Die Gründung der Dom- 
bibliothek wird dem Bischof Atto von Vercelli (924—961) zugeschrieben. 
Nach allem, was wir über diesen ungemein belesenen und rege schrift- 
stellerisch tätigen Bischof wissen (vgl. Julius Schulz, Atto von Vercelli, 



48 

alten Dombibliothek und namentlich über die Herkunft der 
vielen, mit unserer Handschrift gleichaltrigen Codices dieser 
Bibliothek zu verbreiten. Iq einem Einzelfalle ist dies nun 
schon auf Grund des zur Zeit vorliegenden Materials möglich. 
Von den zahlreichen alten Codices der Dombibliothek ist 
wenigstens noch einer nachweislich über die Alpen nach Vercelli 
gekommen. Es ist dies der ein Gregorianisches Sacramentar 
des 10. Jahrhunderts enthaltende Codex Nr. CLXXXI, der in 
einer nur wenig jüngeren Hand folgenden Eintrag ') am Ende 
aufweist : 

Nouerit astantium et futurorum popalonim pia deuotio, qnemad- 
modum Erkaubaldus, sancti Fuldensis coUegii prouisor indignus, 
Heinricho, sanctae Uairziburgensis praesali uenerabillimo , librum hnnc 
missalem deos sanctisque suis seruiendum prestetit, eo dicto, ut post 
terminnm uitae suae ad dei sauctique Bonifatü seruitinm sine dilatione 
praeseutetur. 

Diese Notiz lälst sich zeitlich einigermalsen fixieren, da wir 
die darin genannten Bücheraustauscher gut identifizieren können. 
Es sind dies auf der einen Seite der 18. Abt des Benediktiner- 
stiftes zu Fulda namens Erkanbald, der 997 an die Spitze 
seines Klosters berufen wurde und 1011 starb, 2) auf der anderen 
Seite der Würzburger Bischof Heinrich L, der von 995 bis 
1018 diese Würde inne hatte. 3) Mithin muls jene Notiz 
zwischen 997 und 1011 geschrieben sein. Wie wir hier die 
Beiden durch ein geliehenes Buch verbunden sehen, so treten 
sie auch zusammen handelnd in der Geschichte auf: als sie 
nämlich im Auftrage des deutschen Kaisers Heinrich II. im 



Göttingen 1S85), hat er jedenfalls grofsen Wert auf eine gute Bibliothek 
gelegt und darum höchstwahrscheinlich den Grund zur heutigen Dom- 
bibliothek gelegt. Überdies weisen viele der zahlreichen alten Codices 
des 10. und 1 1. Jahrhunderts der Dombibliothek einen so gleichmäfsigea 
Typus auf, dafs man sie alle demselben Skriptorium, also wohl dem in 
Attos Kloster, zuweisen möchte. Einige sicher damals in Vercelli ge- 
schriebene Handschriften nennt D. Luigi Bruzza, Delle lodi della cittä di 
Vercelli orazione (Vercelli 1842) S. 49, Aum. 36. 

^) Abgedruckt von Friedrich Blume, Iter Italicum, Berlin und 
Stettin 1824, Bd. I S. 99. 

^) Fr. Scbannat, Historia Fuldensis, Frankfurt a. M. 1729, S. 134 f. 
^) A. E. Ussermannus, E-piscopatus Wirceburgensis , Freiburg 1794. 



49 

Jalire 1003 geraeinsam eine Strafexekution an der fränkischen 
Burg- Schweinfurt zu vullzieheu hatten. Möglich, dafs seit 
jener Zeit erst ihre Freundschaft datierte, die zur lebensläng- 
lichen Überlassung jenes Sacramentars an den WUrzI)urger 
Bischof fübrte. Ob das Buch nun nach des Bischofs Tode 
wieder nach Fulda zurückgegeben ist und von dort aus den 
Weg über die Alpen genommen hat, oder ob es direkt von 
Würzburg aus nach Vercelli gekommen ist, wird sich kaum 
mehr bestimmen lassen. Aber bei den engen Beziehungen, die 
zwischen Deutschland und der Lombardei im 11. und 12. Jahr- 
hundert bestanden, kann die Übertragung eines Codex aus 
irgendeinem deutscheu Kloster nach Vercelli nicht das geringste 
Befremden erregen, zumal gerade das Bistum Vercelli im 
Mittelpunkt jener Kämpfe der lombardischen Bischöfe gegen 
den Markgrafen Arduiu von Ivrea stand, die das mehrmalige 
Eingreifen der deutschen Kaiser nötig machten. Auf einem 
dieser Züge gegen Arduin (989) batte der obengenannte Fuldaer 
Abt Erkanbald seinen Kaiser Otto III. nach Italien zu begleiten. 
Und im Jahre 1002 treffen wir den Bischof Leo von Vercelli 
beim deutschen Kaiser Heinrich II. in Bayern (Regensburg?), 
um von ihm Hilfe gegen Arduin zu erbitten, i) Mehrere Deutsche 
sal'sen im 10. Jahrhundert auf italienischen Bischofstühlen. Und 
ähnliehe Tatsachen lielsen sich noch mehrere erbringen. Sicher- 
lich können wir also behaupten, dals die Beziehungen Vercellis 
zu Deutschland im 11. und 12. Jahrhundert so rege und in- 
tensive w-aren, dafs damit die durch Guala später angebahnten 
Verbindungen auch nicht im entferntesten verglichen werden 
können. 

Gerade die genannten beiden Orte, Fulda und Würzburg, 
sind zudem aber auch rege Pflanzstätten der irisch -angel- 
sächsischen Mission gewiesen und haben seit Alters her und 
lange Zeit hindurch enge Beziehungen zu England unterhalten. 
In Fulda entsteht sogar eine blühende Schreibschule, die sich 
des insularen Alphabetes bedient; 2) Fulda habe „durchaus 



^) Samuel Lüwenfeld, Leo von Vercelli (Göttinger DissertatioD, Posen 
1877) S. 24f. 

2) Ed. Heydenreich, Das älteste Fuldaer Cartular im Staatsarchive 
zu Marburg, Leipzig 1899. 

Studien zur engl. Phil. L. 4 



50 

insulare Kultur", sagt geradezu Traube. ') Und älmlich alte 
Beziehungen zu England hat Würzburg, das heute noch mehrere 
aus England stammende oder in der Insulare geschriebene 
Handschriften aufweist."'') In Sonderheit ist hier auf die 
Handschrift Mp. th. qu. 2 der Würzburger Universitätsbibliothek 
zu verweisen, die im 6. Jahrhundert in einem norditalienisehen 
Kloster geschrieben ist, dann um 700 in einem Kloster in oder 
bei Worcester sich befand'*) und schlielslieh in der zweiten 
Hälfte des 9. Jahrhunderts in der Dombibliothek zu Würzburg 
auftaucht. Halten wir nun die beiden Tatsachen zusammen, 
dafs einerseits eine der Vercelli- Handschriften — jenes oben 
genannte Gregorianische Sacramentar — aus Würzburg oder 
Fulda kam, andererseits aber Würzburg und Fulda Hand- 
schriften aus England empfingen, so ergibt sich die weitere 
Möglichkeit, dafs unsere altenglische Handschrift nicht auf 
direktem Wege nach Vereelli gelangt ist, sondern vielleicht über 
eines der deutschen Klö.ster mit insularer Kultur, also etwa 
über Fulda oder Würzburg. Dafs die Beziehungen zwischen 
Norditalien und Deutschland gerade im 11. und 12 Jahrhundert 
besonders enge waren, also gerade in einem Zeiträume, den 
wir oben a priori als den wahrscheinlichsten Zeitpunkt für 
die Übertragung unserer alteuglischeu Handschrift erkannt 
haben, verleiht einer soleheu Annahme nur noch mehr Wahr- 
scheinlichkeit, Ja, mau könnte sogar mit einem gewissen 
Kechte vermuten, dafs jene beiden Vereelli -Manuskripte auch 
zusammen nach Vereelli gelaugt sind und vielleicht auch sonst 



1) Vorlesungen und Abhandlungen, Bd. II (Müuclien 191 1) S. 23. 

'^) L. Chr. Stern, Epistolae. beati Pauli glosatae glosa interlineali. 
Irisch-lateinischer Codex der Würzhur ger Universitätsbibliothek, Halle 1910; 
Brand), Chroust's Fund einer der ältesten angelsächsischen Aufzeichnungen 
im 'Archiv für das Stadium der neueren Sprachen und Literaturen' 
Bd. CVII, Braunschweig l',)'il, S. 103 — 105. In insularer Schrift geschrieben 
sind nach meinen Notizen z.B. die Würzburger Dss. Mp. th. fol Gl, 62, 65, 
69, 78, 79; th. q. 32 und 26 (alle s. VIII); Mp. th. q. 2Sb (um 800); Mp. 
foL 13, 48, 66 (alle s. IX). 

^) Sie gehörte laut Eintragung auf dem ersten Blatte der Äbtissin 
CuÖswiö {Cuthsauithae boec thaerae abbatissan), die sich als Vorsteherin 
eines Worcesterer Klosters um 700 nachweisen läfst; siehe Chroust, Monu- 
menta palaeographica, V (München 19oO) Tafel 2 und 3 und 'Archiv für 
neuere Sprachen' Bd. CVII S. 103 



r 



1 



gleiche Scliieksale gehabt haben. Wenigstens stimmt gut zu- 
sammen, dafs sowohl jene Würzburger Cuthswith-Handsehrift, 
als auch unser altenglischer Vercelli- Codex nach derselben 
Gegend England?, nämlich dem Bistumc Worcester hinweisen. i) 
Nach allem halte ich es also für nicht ausgeschlossen, dafs 
unser angelsächsischer Vercelli- Codex auf dem Umwege über 
Würzburg oder Fulda im 11. oder 12. Jahrhundert nach Vercelli 
gelangt ist. Auch dies ist selbstverständlich nur eine Hypo- 
these, aber eine Annahme, die manche AVahrscheinlichkeits- 
grnnde für sich hat und nicht mit solchen Schwierigkeiten zu 
kämpfen hat, wie die Guala-llypothese. 

Eine dritte Hypothese hat endlich Richard WUlker mit 
folgenden Worten aufgestellt'^): 

"Wie mir in Vercelli mitgeteilt wurde, befand sich dort schon ziem- 
lich frühe ein Hospiz für angelsächsische Pilger, welche nach Rom 
wollten. Vercelli liegt ja auch für jeden, der über den Moiit Cenis, den 
kleinen oder grofsen St. Bernhard wollte (dies waren im frühern Mittel- 
alter die Strafsen. welche für einen Angelsachsen in Betracht kamen), 
geradezu auf dem "Wege nach Rom. Hier mag bei dem Hospiz auch 
eine kleine Bibliothek gewesen sein und aus dieser dann später die 
Handschrift in den Besitz der üombibliothek übergegangen sein." 

Das Hospiz, das Wülkers Gewährsmänner hier im Auge 
hatten, ist nicht, wie Krapp a. a. 0. S. X meint, das Ospedale 
di S. Andrea (jetziges Ospedale Maggiore), das Kardinal 
Guala 1224 gegründet hat, sondern vielmehr das Ospedale 
di S. Brigida degli Scoti,^) das schon in der zweiten Hälfte 

>) Siehe oben S. 34. 

'^) Grunch-iss zh7- Geschichte der angelsächsischen Litteratur (Leipzig 
1885) S. 237; Codex Vercellensis (Leipzig 1894) S. VI; Anglia V, 454 und 
Xn, 029. 

ä) Vgl. D. Luigi Bruzza, Delle lodi della cittä di Vercelli orazione 
(Vercelli 1842) S. 4S Anui. 33, der eine handschriftliche Memoria sopra 
V ospedale degli Scoti von seinem Freunde Vittorio Mandelli herbeiziehen 
konnte. Für die so frühe Gründung des Schottenspitals im 6. Jahrhundert 
haben wir (nach Bruzza) keinen anderen Anhaltspunkt als die Angabe 
des Vercellenser Historikers Cusano in seinen Discorsi istoriali concernenti 
la vita ed azioni dt' Yescovi di Vercelli (Vercelli 1C76) S. 205 und seiner 
handschriftlich auf der Vercellenser Stadtbibliothek liegende Storia di 
Vercelli. — Mit dem Schottenspital darf nicht verwechselt werden ein 
drittes der 15 alten Spitäler Vercellis, das Ospedale dei Pellegrini, detto 
di S. Giacome delle Cascine di Strä, welches von Gualas Neffen Pietro 
Bicchieri gegründet und 1557 ebenfalls mit dem Andreas -Spital ver- 

4* 



52 

des 6. Jahrhundert gegründet sein soll, sieher aber sieh bis in 
die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen läfst 
und am 27. August 1343 mit dem Andreas -Spital vereinigt 
worden ist. Das Schottenspital wird also wohl alt genug 
gewesen sein, um die Vermittlerrolle für unseren altenglischen 
Codex gespielt zu haben. Da mir aber über die Geschichte 
dieses Instituts und seine Einrichtungen nichts vorliegt, vermag 
ich nicht zu beurteilen, wieviel Wahrscheinlichkeit die 
Wülkersche Hypothese in Anspruch nehmen kann. Immerhin 
scheint die ehemalige Existenz eines solchen Schottenspitals 
doch zu beweisen, dals der Zustrom irisch -angelsächsischer 
Kleriker nach oder durch Vercelli kein geringer gewesen ist. 
Es mag dies auch damit zusammeuhäugen, dafs Vercelli nicht 
nur auf dem Wege nach Rom, sondern auch auf dem Wege 
nach dem weltberühmten lombardischen Schottenkloster Bobbio 
liegt, das, von dem Iren Columban um 598 gestiftet, lange 
Zeit seine Beziehungen zu England aufrecht erhalten hat. i) 

Weiter ist es wohl noch nützlich, darauf hinzuweisen, dafs 
im September 1050 zu Vercelli eine Synode 2) stattfand, an der 

schmolzen ist. Vgl. Domenico Soria, Giiida di Vercelli (Vercelli 1857) 
S. 27. — Wenn Arborio-Mella, a.a.O. S. 3S, diese Scoti den heutigen 
Schotten gleichsetzt, so ist daran zu erinnern, dafs im früheren Mittelalter 
das lateinische Scoti für alle Bewohner des luselreiches, also sowohl die 
keltischen Iren, wie die germanischen Angelsachsen, gebraucht wird. 

1) Reiches Belegmaterial hierfür ist sicherlich in Ludwig Traubes 
Nachlnfs in dem Konvulut über 'Insulare Halbunziale' {Vorlesungen und 
Abhandlungen, Bd. I S. LXIV) zu finden, vor allem in dem Kapitel über 
'Das Verhältnis zwischen der irischen und italienischen Schreibschule in 
Bobbio.' 

2) Regesta Fontificum, ed. Jaffe (M8S5) Bd. I S. 538; A. Freeman, 
The ^Norman Conquest Vol. II S. 112—117; W.Hunt, The English Church 
from its Foundation to the Norman Covquest (London 1899) S. 404. Dafs 
diese Synode und ihr Befund in England Eindruck gemacht hat, lehren 
die Einträge in den altenglischen Annalen. In den Peterborough-Annalen 
z.B. heifst es (zum Jahre 1047!): se papa hcefde sinoÖ on Uercel [man 
beachte die französische Namensform I] ; 7 Ulf hiscop com ßoir-to 7 /b»*- 
neah man sceolde to-hrecan his stef, gif he ne sealde pe mare gcrsuman; 
fordan he ne cuöe don his ge-rihte swa wel, swa he sceolde, und der 
Worcester-Annalist schreibt in sichtlicher Entrüstung (zum Jahre 1 U50) : he 
(d.i. Ulf) icces syööan of-adryfon, forpan-pe he ne grefremede naht biscoplices 
poeron, sioa poet us sceamad hit nu mare to tellanne (ed. Plummer Vol. I 
p. 170f. und Vol. II p. 233). 



53 

nachweislich der englische Bischof Ulf von Dorehester (1050 
bis 1052) teilgenommen hat, um sich vom Papste seine Kon- 
sekration zu holen. Ganz ausgeschlossen, dafs Bisehof Ulf 
unsere Handschrift mit nach Vercelli genommen habe, ist es 
ja nun freilich nicht, zumal die Sprache unseres Codex die 
Gegend von Dorchester nicht ausschlösse. AVahrscheinlich will 
es mir aber nicht bedlinken, weil nach dem, was wir von Ulf 
wissen, bei ihm weder allgemeine literarische Interessen, noch 
speziell irgendein Interesse für die altenglisehe Sprache voraus- 
gesetzt werden kann. Denn einerseits wurde er von der 
bisehöflichen Prüfungskommission in Vercelli als zu unwissend 
für das Bischofsamt befunden, andererseits stand er politisch 
ganz auf Seite der französischen Partei, wobei es gleichgültig 
ist, ob er, wie uns Florence von Worchester berichtet, ein 
Normanne, oder, wie sein Name vermuten Ulf st, ein Skandinavier 
gewesen ist.i) 

Endlich möchte ich selbst noch auf eine fünfte Möglich- 
keit aufmerksam machen. Wenn wir oben den Zeitpunkt für 
die Überführung des Codex nach Vercelli auf das 11. und 
12. Jahrhundert beschränken zu dürfen glaubten, so mufs das 
dahin erweitert werden, dals im Renaissancezeitalter allerdings 
der Eifer für alte Handschriften so grols war, dafs damals 
auch ein Codex, den man zunächst nicht lesen konnte, mitge- 
nommen werden konnte. Nach einer allerdings, wie es scheint, 
recht unsicheren Lokaltradition, die Neigebaur im Serapeum, 
Bd. XVIII (1857) S. 184, verzeichnet, -vermutet' man eine so 
späte Übertragung für die obengenannte Handschrift des 
Gregorianischen Sacramentars, das aus Würzburg-Fulda stammt: 
" Wie diese Handschrift von Würzburg nach Vercelli gekommen, 
darüber ist keine Spur aufzufinden; doch vermutet man, dals 
hiesige Bischöfe als geistliche Legaten nach Deutschland ge- 
schickt wurden, z. B. Geanfrancesco Bonomio und Geanstefano 
Terrerio zu Ende des 16. Jahrhunderts, welche sie erworben 
haben könnten." Wenn diese Lokaltradition das Richtige 
träfe, so wäre es sehr wohl möglich, dafs auch unser 
angelsächsischer Codex erst in der Renaissance in Deutschland 



*) Erik Bjürkman, Noi'dische Personennamen in England (Halle 1910) 
S. 165 f. und Zur englischen Namenkunde (Halle 1912) S. 89 f. 



54 

aufgekauft und nach Vercelli gebracht sei. Aber Anhaltspunkte 
hierfür lassen sieh aus der Handschrift selbst nicht gewinnen. 
Doch sei nochmals darauf hingewiesen, dafs allerdings um 
1600 (siehe oben S. 44) der Codex schon in der Dombibliothek 
gewesen sein wird. 

Zusammenfassend würde man sich also über die Herkunfts- 
frage folgeudermafsen äufsern dürfen. Der gröfsten Wahr- 
scheinlichkeit nach wird unser angelsächsischer Codex ent- 
weder im 11. oder 12. Jahrhundert nach Vercelli gekommen 
sein , oder aber vielleicht erst im 16. Jahrhundert durch 
humanistische Bücherverkäufer erworben w^orden sein. In der 
dazwischenliegenden Zeit hatte niemand ein Interesse an einer 
alteuglischen Handschrift. Die Übertragung kann erfolgt sein 
entweder direkt von England aus, — in welchem Falle neben 
vielen anderen Möglichkeiten auch das Schottenhospital in 
Vercelli eine Rolle gespielt haben mag — , oder durch Ver- 
mittelung irgend eines kontinentalen Klosters mit englischen 
Verbindungen, sei es eines deutscheu, wie etwa Würzburg oder 
Fulda, oder auch eines französischen, wie z. B. die von dem 
Iren Columbau gegründete Abtei Luxeuil, die in engsten Be- 
ziehungen zu Bobbio stand, oder Fleury, das sich nach der 
cluniazensischen Reform einer führenden Stellung im Bene- 
diktinerorden erfreute. Wenig wahrscheinlich ist es, dafs der 
Codex durch den Kardinal Guala zu Beginn des 13. Jahr- 
hunders nach Vercelli gelangt ist. 



V. Gescliiclite des Bekanntwerdeiis 
der Handschrift. 



Die älteste Spur unseres Codex scheint jener schon oben 
erwähnte Eintrag in dem Bücherinventar des Domes zu Vercelli 
zu sein, welches der bischöfliche Generalvikar Giovanni 
Francesco Leone im Jahre 1602 angefertigt hat. ^) Dort er- 
scheint als Nr. 90 ein 



^) Abgedruckt bei G. De-Gregory, Istoria della vercellese letteratura 
ed arti, Parte IV (Torino 1824) S. 568. 



55 

Liber Gotliicus, sive Longobardus, (enm legere uon valeo), 
mit dem liöclistwahrscbeiulieli unser Codex gemeint ist. 

Wenn dieser Eintrag aber niclit ganz eindeutig ist, so be- 
zieht sich zweifellos auf unsere Handschrift, was der berühmte 
Handschriftenforseher Giuseppe Biunchini von Verona im Jahre 
1748 an den Kardinal Carlo Vittorio delle Lancie sehreibt. Da 
dies die älteste deutliche Erwähnung unserer Handschrift ist, 
mag die Stelle hier im Wortlaut folgen i) : 

"Singolarissimo e il codice segnato col nurn. 41, perche scritto con 
caratteri nostraii, ma in lingua ignota, e in meiubrane beu conservate, 
ne v' ha dnbbio, che non sia stato scritto al pii'i tardi del X secolo. 
Chi sa, che non sia in lingua Teotisca? Vülli irupiegar sii tale codice 
Hna mezza giornata, per vedere se poteva venire in cognizione dol con- 
teuuto; e per gran sortc la cosa mi riusci a secouda dcl mio, e del 
comun desiderio di quei siguori Canonici, e uomiuatameute del signor 
canouico Fiicppi. Questo signore perö non mi volle mal mostrare i 
cüdici capitolari, che avcva trasportati in sua casa, cou la facoltä del 
Capitolo, quantimqiic il degnissimo Vescovo, ed i siguuri Canonici 
bellamentc 1' andassero csortando a voler farlo, ed io gli avessi messo 
al fiauco r ottimo padre abbate D. Giuseppe Frova canouico laterauense 
in Saut' Andrea di Vercelli. Forse avrä aviiti a casa i piii preziosi, dei 
qaali in conseguenza non posso reader conto. Per quanto mi disse, 
aveva un salterio antichissimo, ed unciale, secondo 1' antica latina versione 
Itala, ed uu sacramentario d' incomparabile auticbitä. Aveva intenzione 
di stampare tutto; ma benche ogui giorno mi favorisse colla sua com- 
paguia, c mi condncesse ogni giorno nell' archivio capitolare, con tutto 
ciö non vi fu mai caso, che ml volesse mostrare i codici, che si era 
portati a casa, quantunqne ne fosse pregato e dal gentilissimo Prelato, 
e dal siguori Canonici. Io perö 1' amo, e fa lo stesso con me. Deo 
gratias. Tornaudo adunqne al codice 41 di lingtia ignota, avendolo io 
piii volte rivokato per veder se iutendeva qualche parola, ritrovai alla 
fiue, che couteueva nn omiliario per anni circuliim, e che i passi 
scritturali si riportavauo in latino secondo la nostra volgata, e cosi ancora 
i titüli. lu un luogo ho letto: incijnt narrare miracula, quae facta 
fuerxmt ante adventum Salvatoris Domini nostri Jesu Christi."^) 

In \m altro: alia omelia de die jndicii.^) In essa ho lette queste 
parole chiare chiare 



1) Gedruckt bei G. De-Gregory, a. a. , S. 556—558. 

2) Dies ist die Überschrift der VI. Vercelli-Predigt auf fol. 54^; doch 
liest die Hs. fuerant (statt fuerunt). 

ä) So lautet die Überschrift der XV. Vercelli-Homilie auf fol. SO'^ 



56 

Manna Babylonia Cananea,^ 
e questi passi: venite henedicti Patris mei : percipite regmmi, quod vobis 
paratum est ab origine mundi: diseedite maledicti, in ignem aefernum, 
qui 2)aratas est diabido, et a7igelis ejus.-) In un altro: omelia Epiffania 
Domini.^) Portero uno squarcio di tale omelia, accio si possa rif lettere 
in quäl lingua sia scritto un tale omeliario. lo la trascrissi alla meglio 
che seppi; cd in quauto ai caratteri replico non vi ebbi difficoltä, perche 
sono somigliauti a quelli degli altrl codici latini del secolo decimo. 

'■Venu Jesus a Galilaea in Jordanem, ut baptizaretur ab eo Seheled 
yom ram Galilea dam lande to Jordanem pere Cyto Joh pet he der 
pole ben gefulpad fram lum Johannes li p hibebad eum dicevs Joannes 
him p de beperede yhim to eped hpet det yy gedaveli ere det du 
me Fulpge 7 du nu to me come, respondit Jesus et dixit pet 
peter etc^) 

Altre due omelie ho potuto in detto codice rilevare, su quäle argomento 
siano State fatte dal Vescovo. 

La prima e iutitolata: de Purificatione S. Mariae,^) e la seconda: 
de Sando Martino pontiflce.^)" 

Es ergibt sich also, dafs sieh Bianchini den Codex ziem- 
lich genau angesehen hat; denn er zitiert wörtlich, wenn auch 
mit Fehlern, die lateinischen Überschriften der fünf Homilien, 
die solche in der Handschrift aufweisen (fol. 54b, 80b, 85b, 
90b, 94b), hebt aus zwei weiteren Seiten (fol. 84b und 85b) 
lateinische Zitate aus und versucht sogar von fol. 85 b einen 
altenglischen Satz zu reproduzieren, der allerdings — wenigstens 



^) Diese Eigennamen kommen tatsächlich in der Homilie nicht vor, 
müssen also aus irgendwelchen altenglischen Wörtern verlesen sein. 

-) Diese beiden Zitate (Matth. XXV, 34 und 41) stehen auf der dritt- 
letzten Seite (fol. 84 b) der Homilie. 

3) Dies die Überschrift der XVI. Vercelli-Predigt auf fol. Sö^; doch 
liest die Hs. Epyffania (statt Epiffania). 

♦) Die Stelle steht auf der ersten Seite (fol. 85 1) der ebengenannten 
Predigt, doch lautet sie in Wirklichkeit folgendermafsen: "Uenit Jesus a 
galilea in lordanem ad lohannem, ut baptizarentur ab eo; se hselend 
cwom fram ^^^^ü^ä ^^^i* lande to Iordaue»i psere ea 7 to lohannem, pset 
he öser wolde beon ^efulwad fram liim . Johannes autem prohibebaÖ eum 
dicens . lohannes him ]>cet 8a bewerede 7 him to cwseö: 'Hwset, öaet is 
^edauenlicre, Öset 5u me falwi^e, 7 öu nu to me come . Resjwndit autem 
Jesus et dixit, paet wseter . . ." 

») Dies die Überschrift der XVII. Vercelli-Predigt auf fol. 90 b. 

6) Dies die Überschrift der XVIII. Vercelli-Homilie auf fol. 94^; doch 
liest die Hs. CON d. i. Confessore (statt pontifice). 



57 

in De -Gregorys Abdruck — ein grausam verstümmeltes Alt- 
engliseh aufweist. 

Für die Wissenschaft entdeckt worden ist der Codex 
erst von dem deutschen Professor der Rechtswissenschaft 
Dr. Friedrich Blume in Halle, der in den Jahren 1821 — 23 
Italien bereiste zwecks Aufstöberung rechtshistorischer Hand- 
schriften und das reiche Ergebnis dieser Reise in einem vier- 
bändigen Werke Iter Italicum (Berlin 1824—1836) nieder- 
gelegt hat. Vom 27. Oktober bis 19. November 1822') hielt 
sich Prof. Blume in Vereelli auf und war hier der erste, der 
unseren Codex richtig als angelsächsisch erkannte. Er sagt 
darüber in seinem Iter Italicum, Bd. I (1824) S. 99 folgendes: 

" Zwei Bücher müssen über die Alpen nach Vereelli gekommen 
sein. Das erste (Cod. CLXXXI) ist ein sehr schönes Sacrameutarium 
Gregoriannm . . . Das andere (Cod. CXVII) enthält Legenden oder 
Homilien in angelsäxischer Sprache. Dies ist umso merkwürdiger, da 
keine Kapitularbibliothek in Italien andere als lateinische oder italienische 
Handschriften enthält". 

Ein kurzer Bericht über diese Entdeckung erschien dann so- 
fort von G. H. Pertz2) im "Archiv der Gesellschaft für ältere 
deutsche Geschichtskunde", Bd. V (1824) S. 585. Eine etwas 
ausführlichere Mitteilung über die Handschrift machte dann 
Blume selbst in den Nachträgen zum Iter Italicum, die er 
1832 unter dem Titel "Juristische Handschriften in Italien" 
im "Rheinischen Museum für Jurisprudenz", Bd. IV, 2. Heft 
(1832) S. 233flf. veröffentlichte. Hier gab er zum ersten. Male 
mit Unterstützung der Gebrüder Grimm auch ein paar Zeilen 
Textproben, nämlich den Anfang der XIX. Homilie. Der Ein- 
trag lautet dort auf S. 234 Anm. 3 : 

Komiliarum Über incognito sermone scriptus . . . Cod. CXVII. 

Dieser merkwürdige, saubere Folioband ist ein angelsächsisches 
Homiliarium. Ich habe zur Probe eine kleine Stelle kopiert, deren In- 
halt nach den Berichtigungen und Erläuterungen der Gebrüder Grimm 
folgender ist: 

De ptirificatione satictae Mariae. Men sceged iis and tnyngath this 



1) So nach Blumes eigener Angabe im Iter Italicum Bd. I S. 87. 
'^) Er sagt dort: "Cod. CXVII, eine sauber geschriebene Sammlung 
von Homilien in angelsächsischer Sprache." 



58 

hdlige godsj^el bevyrrc ärvyrdhayi tide, the ve nu tö dcege gode cel- 
niiMigiim tö lofe a7id to dre vyrdhiath, thcet irre (is) . . .*) 

"Jlan sagt uns nnd erinnert, dieses heilige Evangelium hindere die 
ehrwürdige Zeit, welche (das ehrwürdige Fesr, welches) wir heute Gott 
dem Allmächtigen zu Lob und Ehre feiern: das ist ein Irrtum." 

Dieselbe Textprobe nebst Übersetziiug nahm Blume in seine 
Bihliotheca Ubrorum mamiscripiorum Itcdica (Göttiugen 1834) 
S. 6 auf, nur daXs die beiden Einführungesätze anders lauten, 
nämlich : 

Homiliarum liber lingua anglosaxonica elegantissime scriptus. fol. 

Cod. CXVII. 

(Huius Cüdicis specimcn a me exscriptum Grimmiorum lacobi 
Gulielmique fratrum auxiliis emendatum atqiie explicitum, hoc est: 

De purificatioue sanctae Marias \%i..s.w. icie oben]). 

Von Blumes Entdeckung war inzwischen, vielleicht durch 
Vermittlung von Jacob Grimm, die Kunde auch nach England 
gedrungen, wo man ^on zwei Seiten unabhängig von einander 
eine Ausgabe dos Codex herauszubringen unternahm. Auf der 
einen Seite war es die Record-Commission in London, die den 
Dr. Maier ^) aus Elslingen, der damals die italienischen Biblio- 



1) Dies ist der Anfang der XVII. Vercelli-Predigt auf fol. 90^; doch 
liest die Hs. scngcd, be pysae (statt bevyrre) und is sc (statt irre). 

2) Dafs nicht, wie gewöhnlich angegeben wird (Kemble, Codex 
Vcrcelloisis S. V; Wülker, Grundriss der angelsächsischen Litteratur, S. 55 
und 241 n. ö.), diese Abschrift von Prof. Blume angefertigt ist, der nach 
seiner altenglischen Probe in der Bihliotheca Ubrorum manuscriptorum 
Italica, S. (5 (s. oben) zu urteilen, auch wenig dazu geeignet gewesen 
wäre, lehrt Blumes eigene Angabe in den Nachträgen zu seinem Iter 
Italieum, Bd. IV (Halle 1S36) S. 133: 

"S. 99. Das angelsäxische Homiliarium ist vor kurzem, auf Veranstaltung eng- 
lischer Geschichtsforsoher, von (dem nun schon verstorbeneu) Dr. Maier vollständig 
abgeschrieben worden; es haben sicli wichtige angelsäxische Lieder darin gefunden. 
(J ac. Grimm)." 

Diese Nachricht ist also Blume durch Jacob Grimm zugegangen. Dafs 
Jacob Grimm aber die Maiersche Abschrift 'gesehen' habe, wie Krapp 
S. XIX annimmt, scheint jeglichen Anhaltes zu entbehren. — Nach dem 
Wortlaut der Grimm-Blumeschen Notiz hat Dr. Maier den ganzen Codex, 
also auch die Ilomilien abgeschrieben. Damit stimmt überein die Angabe 
von Ch. W. Goodwin, The Anglo-Saxon Version of the Life of St. Guthlac, 
London 1S4S, S. IV, dafs er Benjamin Thorpe die Abschrift der letzten 
Vercelli-Predigt über Guthlac verdanke. — Wo die Maiersche Abschrift 



59 

theken zu Handschviftenstudion bereiste und 1835 oder 1836 
gestorben ist, mit einer Abschrift des Codex beauftragte, die 
dieser im Jahre 1834 oder 1835 1) angefertigt haben mufs. 
Ohne hiervon etwas zu wissen, machte sich der in Deutsch- 
land (Heidelberg, München, Göttingen) germanistisch geschulte 
englische Philologe John Mitchell Kemble (1807—1857) im 
Sommer 1834 auf den Weg nach Vercelli, verweilte jedoch 
unterwegs so lange ('einige Monate' sagt er) in Deutschland, 
dals schliefslich die Winterstürme ihm den Übergang über 
die Alpenpässe abschnitten und er unverrichteter Sache nach 
England zurückkehren mufste. Hier fand er, dafs inzwischen 
bereits die Record-Commission der Ausführung seines Planes 
nahe getreten war. 

Die Maiersche Abschrift, die übrigens eine recht gute ge- 
wesen sein mufs und anerkennenswerte Kenntnisse im Angel- 
sächsischen voraussetzt, hatte das überraschende Resultat er- 
geben, dafs jenes vermeintliche 'Homiliarium' auch 'wichtige 
angelsächsische Lieder' enthielt. 2) Von diesen sechs Gedichten 
nun liefs die Record-Commission unverzüglich einen Abdruck 
herstellen, dessen Leitung dem Oxforder Gelehrten Benjamin 
Thorpe (1782—1870) anvertraut wurde, der auch einige Text- 
besseruugen beisteuerte. Hier waren die sechs Vercelli - 
Gedichte mit sieben anderen angelsächsischen Texten (meist 



sich jetzt befindet, habe ich n-cht feststeUen können. Im Record Office 
zu London scheint sie sich, wie mir R. A. Roberts freundlichst mitteilt, 
nicht zu befinden. Wahrscheinlich ist sie in Thorpes Nachlafs geblieben. 

^) Dieses Datum erschliefse ich daraus, dafs Blume 1S:'.4 in seiner 
BibUotheca liWorum manuscripto7-um Italica von einer Abschrift noch 
nichts weifs und Ostern 183G (s. die vorhergehende Anmerkung) den 
Dr. Maier 'nun schon verstorben' nennt. 

2) Wer zuerst das Vorhandensein von Gedichten im Vercelli-Codex 
bemerkt hat, läfst sich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Nach der oben 
erwähnten Grimm -Blumeschen Notiz wird erst die Maiersche Abschrift 
dazu geführt haben. Denn bis zum Jahre 1S3() spricht Blume selbst nur 
von 'Ilomiliun' als Inhalt des Codex, wie noch lb47 Costanzo Gazzera. 
[Danach ist Wülkers Angabe im Grundrifs S. 241 Z. 11 zu berichtigen.] 
Nach der Darstellung, die Kemble 1 843 in seinem Codex Vercellensis S. V 
gegeben hat, hat er selbst allerdings schon vor Antritt seiner Reise 
(Sommer 1S34) von dem Vorhandensein der Gedichte gewufst; in solchen 
Nebenumständen ist aber dem Gedächtnis von Kemble nicht immer un- 
bedingt zu trauen. 



60 

Glossen) zu einem Quaitbande von 165 Seiten vereinigt, der 
gedacht war als "Appendix B" zu einem Berichte über die 
Notwendigkeit der Fortführung des vierten Neudruckes von 
Thomas Rymer's Foßäera (zuerst 1704 — 35 in 20 Vols., 4. Aus^g. 
1816—30 mit dem 3. Bande abbrechend), den der gelehrte 
Rechtsantiqiiar Charles Purtou Cooper (1793 — 1873) als Sekretär 
der (zweiten) Record-Commission vorlegen wollte. Da dieser 
Bericht jedoch nicht zur Ausführung gelangte, weil die Record- 
Commission — wahrscheinlich wegen der grofsen Schuldenlast, 
die sie durch ihre zu zahlreichen und zu kostbaren Publikationen 
dem Lande aufgehalst hatte i) — im Jahre 1837 aufgelöst 
wurde, so blieben die Bogen des "Appendix B" zunächst un- 
veröffentlicht liegen, ja brachten es nicht einmal zu einem Titel- 
bogen 2) oder Titelblatte. Nur aus den Bogenkustoden, welche 
"App. B. to 3Ir.Cooper's Report" lauten, kann man überhaupt 
ersehen, zu welchem Werke das Ganze 2i\^" Appendix (B.)" — so 
die Überschrift der ersten Seite — gedacht ist. In Ermangelung 
eines wirklichen Titels hat man sich gewöhnt, das Werk nach 
den Bogenkustoden als "Appendix B to 3Ir. Cooper's Eeport" 
zu zitieren. Erst im Jahre 1869 ordnete der Oberarchivar 
Lord Romilly die Verteilung der vorhandenen Exemplare^) 



^) Didionary of National Biogrcqjhy, Vol. ^ IV S. 1065. 

") Dafs ein solcher ursprÜDglich geplant war, ergibt sich daraus, dafs 
der jetzige erste Bogen gleich mit ßß signiert ist und damals allgemein, 
wie gelegentlich noch hente in England (entgegen unserem jetzigen deutschen 
Brauche), der Titelbogen als ^- Bogen gezählt wird. 

3) Willker, Änglia Bd. V (1S82) S. 453, gibt an, dafs der Appendix 
nur in 250 Exemplaren gedruckt ist. Daraus erklärt sich auch, dafs das 
Werk in Deutschland wunigstens nur schwer erreichbar ist. Ich benutze 
das Exemplar der Kgl. Bibliothek in Berlin (Signatur: Tq 454). — Wann 
der 'Appendix B' gedruckt ist, läfst sich bei dem Fehlen eines Titelbogens 
nicht mehr feststellen; doch dürfte wohl nur das Jahr tS35 oder 1836 
dafür in Betracht kommen. Vgl. S. 62 Anm. 1. — Über die Ausgabe der 
Exemplare im Jahre ls69 orientiert folgende Notiz, welche (nach freund- 
licher Mitteilung Alfred Pollards) dem Exemplare des Britischen Museums 
beigegeben ist: " Tliis voliime contains a portion of the Appendices to a 
Report on Rymer's Fwdera intended to havc been made, to the late 
Commissiotiers on Public Records, by Mr. Charles Purton Cooper, their 
Secretary. — As these Appendices have been in störe since the year 1837, 
when the Record Commission expired, and the Report was not made, 1 
have directed the Appendices, although imperfect, to be distributed in such 



61 

an. Diese offiziell ausgegebenen Exemplare tragen hinten auf 
dem Rücken des Eiiibandes in Goldschrift den Aufdruck: 
"Report on Fccdera. Äpp. B." Wie das Werk uns jetzt vor- 
liegt, bietet es die Vereelli-Gedichte ohne jede Beigabe, nach 
ihrer Reihenfolge im Manuskript abgedruckt: "The Legend of 
St. Andrew" auf Seite 47—89, "The Fatcs of the Twelve 
Äpostles" S. 90-92, "The Beparted SouVs Addrcs io the Bodtj" 
S.93— 97, "A Fragment, Moral and Bdigious" S. 98-99, "The 
Hohj Bood, a Dream" S. 100 — 104 und "The Invention of the 
Gross" S. 105 — 138. Um eine Vorstellung vom Schriftcharakter 
der Handschrift zu geben, sind Faksimile-Nachzeichnungen (in 
Originalgröfse) von zwei Seiten, nämlich fol. 43» und 75b, sowie 
der iiT-Initiale auf fol. 49a dem Bande beigefügt. Wenn die 
öffentliche Versendung des Werkes auch erst im Jahre 1S69 
erfolgte, so waren doch gleich nach Vollendung des Druckes 
einige wenige Exemplare, wn)hl nur persönliche Widmungs- 
exemplare, an englische wie an deutsche Gelehrte zur Ver- 
teilung gelangt. Zu den ersteren gehörte durch Coopers Freund- 
lichkeit J. M. Kemble, i) der im Appendix und Glossary zu seiner 



a manner as may render them most useful for Liferary and Historical 
purposes. — This volume is therefore transmitted to the British Museum 
Printed Books Department. (Gez.) Romilly, M. R., Public liecord Office 
29 May 1869." Diese Notiz Rouiillys ist auch deswegen wichtig, weil 
wir aus ihr ersehen, dafs mit dem Report, zu dem unser Werk den Appendix 
B bilden sollte nicht Cooper's General Report to the King in Council from 
the Honourable Board of Commimoners on the Public Records . . . With 
an Appendix and Index (London 1837) gemeint ist, sondern ein nicht fertig- 
gestellter "Report on Rymer's Foedera". Dies ergibt sich übrigens auch 
aus dem erstgenannten General Report Cooper's, wo es offenbar in Hin- 
blick auf unseren Appendix B heifst (Seite XXII) : "A large and valuable 
coUection has been obtaincd of notices of manuscripts of English, Scottish, 
or Itibh writers, or which relate to the affairs of the British Islands, to 
he foujid in libraries or archives on the Continent. Some of the Information 
collected is already printed, in the form of Appendixes to a Report 
on the Foedera, which is in a State of preparation." 

*) Darüber Kemble, Codex Vercellensis Bd. I S. V: " Circumstanccs 
prevented the puhlication of the book, but a few copies of it found their 
way into the hands of persons intcrested in the subject, both here and in 
Germany. One of them had been placed at my disposal (through the 
courtesy of Mr.Cooper), and had furnished important aid during the pre- 
paration of the second volume of Beöwidf; but in general the contents 
remained inaccessible and unknown." 



62 

Bcownlf-Übersetznng') davon Gebrauch machte; zu den letzteren 
der Hamburger Archivar Dr. J. M. Lappenberg-, der sein Exemplar 
wahrscheinlich der Freundschaft Benjamin Thorpes verdankte, 
der g-leich 1834 sich an die englische Übersetzung von Lappen- 
bergs Geschichte von England'^) gemacht hatte. Lappenberg 
lieh sein Exemplar Anfang 1839 an Jacob Grimm, der sieh 
sogleich die Gedichte abschrieb und von den beiden v\'ichtigsten 
und umfangreichsten, 'Andreas' und 'Elene', noch im selben 
Jahre eine Ausgabe mit trefflicher Einleitung veranstaltete, 
die 1840 zu Kassel erschien. 3) Da jeuer Appendix B eigent- 
lich nur den Charakter eines Privatdruckes trug, erwarb sieh 
so Jacob Grimm das Verdienst, den Vercelli-Codex zuerst in die 
Wissenschaft eingeführt zu haben. Der deutsehen Ausgabe folgte 
in wenigen Jahren die erste englische von Grimms Schüler und 
Freunde J. M. Kemble, als Nr. 5 und 6 der eben gegründeten 
^Ifrie Society, Teil I (1843, Umschlag 1844) den 'Andreas' ent- 
haltend, Teil II (1846) die 'Elene' und die kleineren Dichtungen.'*) 
Wenn diese Ausgabe nun auch in bezug auf die beiden Haupt- 
gedichte keinen wissenschaftlichen Fortschritt über Grimm 
hinaus bedeutete,^) so gebührt ihr doch das Verdienst, zum 
ersten Male die kleineren Gedichte des Vercelli-Codex zugäng- 
lich gemacht zu haben. Eine deutsche Gesamtausgabe aller 
Dichtungen erhielten wir in C. W. M. Greins Bthliotheh der 
angelsächsischen Poesie (Göttingen 1857 — 58), die 1883 — 97 von 
Richard Paul Wülker einer Neubearbeitung unterzogen wurde. 

1) Die Vorrede dieses 1837 erschienenen Buches ist "München, Nov. 
1S35" datiert. Wenn wir sicher sein könnten, dafs jene zahlreichen Hin- 
weise auf den Verceüi-Codex nicht erst während des Druckes eingesetzt 
sind, würde dies beweisen, dafs der Appendix B schon 1835 gedruckt 
war. Aber Kembles Werke bieten uns mehrfach ähnliche chronologische 
Schwierigkeiten. 

'^) Das Original erschien Hamburg 1834, Thorpes Übersetzung 
erst 1845. 

^) Andreas und Elene, herausgegeben von Jacob Grimm, Cassel 1840, 
bei Theodor Fisclicr. 1S2 Seiten mit Faksimile von ful. 43» (aus dem 
Ajjpendix B). Die Vorrede ist vom 1'.*. Oktober 1839 datiert. 

*) The Poetry of the Codex Vercellensis with an English Translation. 
By J. M. Kemble, M. A., London, Printed for the ^Ifric Society, 1843—46. 

*) Kembles Text des 'Andreas' ist sogar ganz auf Grimm basiert, 
wie schon 1858 Grein (Bibliothek II, 408) erkannt und Krapp, Arulrcas 
S. XIX Anm. 2 des näheren nachgewiesen hat. 



63 

FUr die Sepai'atansg-al)en der einzelnen Diclitungen miifs auf 
die Angaben in § VI verwiesen werden. 

Da die ersten Ileransgeber, Tliorpe, Grimm, Kemble und 
Grein, das Originalnianuskript selbst nicht eingesehen hatten 
und sieh also die ganze Textgestalt auf Dr. Maiers Abschrift 
stützte, so machte sich immer mehr das Bedürfnis geltend, 
eine neue Vergleichung der Handschrift herbeizuziehen. Eine 
solche Kollation nahm zuerst für die 'Elene' Prof. P. Knüll 
aus Wien vor, die iu Zupitzas Elene-Ausgabe (Berlin 1877) ver- 
wendet wurde. Ihm folgte Kiciiard Wtilker im Herbst 1881 und 
Ostern 1884-, der alle Gedichte für seine Neuausgabe von 
Greins Bibliothek verglich. Ostern 1887 ") hat Friedrich Kluge 
eine Kollation des 'Traumgesiehtes vom Kreuze' (für sein 
Angelsächsisches Lesebuch, 1888) sowie der ereten 1497 Verse 
des 'Andreas' hergestellt, die Wülker vorlag.-) Zuletzt end- 
lieh hat Arthur Napier im Sommer 1888 eine "CoUation der 
Altenylischcn Gedichie im Vercellihuch" vorgenommen ('Zeit- 
schrift für deutsches Altertum', Bd. XXXIII S. 66— 73), wobei 
er den bisher übersehenen ychliifs (28 Verse) zu den 'Fata 
Apostolorum' entdeckte. 

Die ang-elsächsischen Prosapredigten, welche fast drei Viertel 
der Handschrift ausmachen, warten bisher noch auf eine Aus- 
gabe. Nur zwei sind bereits gedruckt worden. Wülker druckte 
die kurze XIII. Homilie in der Awjlia Bd. V (1882) S. 464f. 
und Paul Gonser die fragmentarische letzte Homilie in seiner 
Ausgabe des Angelsächsischen Prosa-Lehens des heil. Guthlac 
(Heidelberg 1909) S. 117 f. Vorher hatte die Varianten des 
Guthlac-Lebens aus dem Vercelli-Manuskript Ch. W. Goodwin, 
llie Anglo-SaxonVersion of ihe Life of St. Guthlac (London 1848) 
beigebracht. Goodwin bediente sich dabei einer Abschrift des 
Vercelli- Fragments, die er der Güte Benjamin Thorpes ver- 
dankteJ) d.h. Thorpe, der ja die Handschrift selbst nie ge- 
sehen, hat ihm Dr. Maiers Kopie oder eine Abschrift davon 
mitgeteilt. Wir erhalten somit den Beweis, dals Dr. Maier, 



^) Nach freundlicher brieflicher Mitteilung Prof. Kluges vom 
27. September li)12. 

") Siehe Bibliothek Bd. II (188S) S. V. 

^) Goodwin sagt auf S. IV : "Fora transcript of this most interesting 
fragment 1 am indebted to the kindness of Mr. Benjamin Thorpe". 



6i 

wie es naeli dem Wortlaut der Grimmsehen Angabe bei Blume 
auch zu erwarten ist, nicht nur die poetischen Texte, sondern 
die ganze Handschrift abgeschrieben hat. Eine Abschrift aller 
Vercelli- Predigten hat Napier 1888 hergestellt und ich selbst 
1912 auf Grund des von Fr. Ehrle veranstalteten Faksimiles. 
Die bisher nicht belegten Wörter dieser Homilieu hat Napier 
in seinen Conirihutions to Old English Lexicographij ("The 
Philological Society's Transactions" 1906 S. 265 -358) ver- 
zeichnet, nachdem einige Proben, wie milite, ncecedo, forpylman, 
ofpyhnan und ydhylgea auf Grund der Handschrift schon von 
Friedrich Kluge im Glossar zu seinem Angelsächsischen Lese- 
huche (1. Aufl. 1888) mitgeteilt waren. Einige Nachträge zu 
Napier stelle ich am Schlüsse dieser Arbeit zusammen. 

Im Herbst des Jahres 1888 sind die 83 Seiten der Hand- 
schrift, welche Gedichte enthalten, von Dr. Ludwig Lange in 
Elberfeld in halber Gröfse photographiert für eine Lichtdruck- 
reproduktion, die 1894 unter Wülkers Leitung erschien. ') Die 
Homilien sind zum ersten Male in dem Ehrleschen Faksimile 
reproduziert und damit überhaupt der Forschung zuerst er- 
schlossen. 



VI Inlialtsaiigabe der Handsclirift. 



Die Handschrift enthält sechs Gedichte und 23 Prosa- 
predigten. Wie sich aus der folgenden Inhaltsübersicht im 
einzelnen ergibt, ist die Zusammenstellung der Handschrift 
völlig von christlich -gottesdienstlichem Interesse beherrscht. 
Denn nicht nur, dafs jene sechs Gedichte sämtlich zur Gattung 
der geistlichen Poesie gehören, sie behandeln auch sämtlich 
bekannte Predigtthemen und sind wohl alle — für das Frag- 
ment über Psalm XXVII, 3 (fol. 104a— 104b) können wir es 
seiner Kürze wegen zwar nicht direkt beweisen — teils für 
bestimmte Kirchenfeste geschrieben, nämlich den Andreastag 
('Andreas'), das Apostelfest ('Fata Apostolorum') und die 



1) Codex Vercellensis. Die Angelsächsische Handschrift zu Vercelli 
in getreuer Nachbildung, herausgegeben von Dr. Eichard Wülker, Leipzig, 
Verlag von Veit & Comp., 1894 [trotz des allgemeinen Titels nur die 
Gedichte enthaltend]. 



65 

Kreuzesei'höhuug ('Elene' und 'Tniumgesicht vom Krenz'), oder 
bestimmten Predigtgattungen zuzuweisen, wie die 'Reden 
zwischen Seele und Leib' den Fastenpredigten. Bemerkt mag 
aber werden, dafs in der Anordnung der einzelnen Texte kein 
einheitliches Prinzip, wie etwa der Aufbau des Kirchenjahres, 
befolgt ist und dafs also vermutlieh die Sammlung erst nach 
und nach ohne bestimmten Plan zustande gekommen ist. Nur die 
Predigten VII-X sowie die drei Bittwochenprodigten XI-XIII 
werden dem Schreiber höchstwahrscheinlich schon vereinigt 
zugeflossen sein. Die Interessensphäre des Sammlers liegt klar 
zu Tage. Fast gar nicht ist er interessiert für Dogmatik — 
nur die kurze Stelle über die Trinität in Homilie XIX wäre 
da zu nennen — , verhältnismäfsig wenig auch für Schrift- 
exegese (nur Hom. I, V, VI, XVI und XVII) und Hagiographie 
(Hom. XVIII, XXIII). Dagegen liegt sein Herz bei der Parä- 
nese, der 17 von den 23 Homilien gewidmet sind. Den grüfsten 
Raum nehmen Bufs- und Beichtpredigten ein (Hom. III, IV, 
VIII, IX, XV), namentlich solche, die für die Bittwoche be- 
rechnet sind (Hom. XI, XII, XIII, XIX, XX). Dabei verwendet 
er gern den Hinweis auf den Tod und das jüngste Gericht 
und kontrastiert gern die Himmelswonnen mit den Höllenstrafen. 
Ganz die Stimmung, die man bei einem Kleriker des 10. Jahr- 
hunderts erwarten würde. 

1. Fol. la— 9a: Erste Yercelli- Predigt. 

Eine Passionspredigt, die im wesentlichen eine freie Über- 
setzung von Joh. XVIII, 11 bis XIX, 42 mit kurzen exegetischen 
Einschiebseln und Ergänzungen aus den Synoptikern darstellt. 
Da die beiden ersten Seiten völlig unlesbar geworden sind, 
fehlt der Anfang für uns. 

2. Fol. 9 b— 12 a: Zweite Yercelli -Predigt. 

Eine kurze Homilie über die Schrecken des jüngsten 
Gerichtes, welche noch einmal in unserer Handschrift erscheint. 
Abgesehen vom Schlüsse findet sieh nämlich genau derselbe 
Predigttext, wenn auch in etwas jüngerer, leicht gekürzter 
und stärker ent- anglisierter Gestalt auf fol. 112a — 116* 
(= Nr. 26) wieder, wo er als zweiter Teil der XXI. Homilie 

Stadien z. engl. Phil. L, 5 



66 

auftritt. Der Scliluls (von stva sylfa civced auf fol. IIb Z. 2 
und von ido[n] ne s^orivenan auf fol. 116a Z. 20 an) ist jedoch 
an beiden Stellen gänzlich verschieden. In einer teilweise 
stark abweichenden Form, d. h. teils wörtlich, teils nur lose 
mit unserer Vercelli-Fassung übereinstimmend, findet sich die- 
selbe Predigt auch noch in der unter dem Namen des Bischofs 
Wulfstan von Woreester (1013 — 1023) laufenden altenglischen 
Predigtsammlung als Nr. XL (ed. Napier, Berlin 1883, S. 182 
bis 189), wo wiederum namentlich der Anfang und Sehlufs ganz 
anders lauten, aber von S. 182 Z. 10 bis S. 187 Z. 15 textliche 
Übereinstimmung herrscht. Interessant ist, und wohl noch 
nicht beachtet, dafs ein Teil der Predigt (bei Napier S. 186 
Z. 3 bis 19) metrische Form besitzt, was wahrscheinlich 
so zu erklären ist, dafs der Homilet, wie es nachweisbar 
mit dem altenglischen Gedichte Be domes dcege bei Wulfstan 
(ed. Napier, S. 136 Z. 25 bis S. 140 Z. 2) geschehen ist, ein 
Stück aus einem fertig vorliegenden Gedichte in seine Predigt 
aufnahm. Aber auch sonst zeigt die Predigt eine dichterisch 
gehobene Sprache. 

Da aus einer Bemerkung von Gustav Grau, Quellen und 
Verwandtschaften der älteren gcr manischen Darstellungen des 
jüngsten Gerichtes (in 'Studien zur englischen Philologie', Heft 31, 
Halle 1908) S. 192 herausgelesen werden kann, dafs unsere 
Predigt gleichen Inhalts mit der 7. Blickling-Homilie und einer 
Hatton-Predigt sei, so bemerke ich ausdrücklich, dafs dieses 
nicht der Fall ist. 

Gedruckt ist diese Predigt weiter unten unter A. 

3. Fol. 12b— 16a: Dritte Vercelll- Predigt. 

Eine Beichtpredigt zum zweiten Fastensonntage über 
Beichte, Bufse, Fasten, Gebet und Almosen. 

Die gleiche Predigt befindet sich noch in folgenden vier 
Handschriften; a) Corpus Christi College, Cambridge, Nr. 198 
(früher S. 8), ca. 1000 (aus Woreester) f. 132 b [Wanley, Cat. 
S.126]; b) Corpus Christi College, Cambridge, Nr. 162 (früher 
S. 5), 11. Jh., pag. 243ff. [Wanley, Cat. S. 118]; c) Oxford, 
Bodl. 340 (früher NE. F. 4. 10), 11. Jh., fol. 108 a [Wanley S. 12]; 
d) Oxford, Bodl. 343 (früher NE. F. 12), um 1150-70, fol. 56b 
bis 58b als "Dominica in Quadragesima" [Wanley S. 18j. 



6-? 

Gedruckt ist die Predigt nach Bodl. 343 von A. 0. Belfour, 
Twelfth Century HomUies in MS. Bodlcij 343 [Early English 
Text Society, Örigiaiil Series, Nr. 137, London 1909] S. 40—48. 

4. Fol. 16b— 24«>: Vierte Yercelli- Predigt. 

Eine Bufspredigt im Hinblick auf das jüngste Gericht 
mit längeren Reden zwischen Seele und Leib. Zu letzterem 
Thema vgl. Brandl, Altenglische Literatur, S. 1096 und Louise 
Dudley, An Early Homily on the 'Body and Soul' Theme im 
'Journal of English and Germanic Philology', Vol. VIII (1909) 
S. 225 — 253 und The Egyptian Element in the Lcgends of the 
Body and Soul (Baltimore 1911). 

Dieselbe Predigt befindet sich in der Handschrift Corpus 
Christi College, Cambridge, Nr. 41 (frliher S. 2) auf den Rändern 
von pag. 254 — 280, woraus eine Stelle, die Rede der guten 
Seele zu ihrem Leib, von Julius Zupitza im Archiv für das 
Studium der neueren Sprachen, Bd. XCI (1893) S. 379—381 
veröfifentlicht ist. Der Anfang der Homilie stimmt auch mehr 
oder weniger wörtlich überein mit einer Predigt des Corpus 
Christi College, Cambridge, Nr. 201 (früher S. 18) pag. 222 ff., 
die bei B. Thorpe, Ancient Laivs and Institutes of England 
(Loudon 1849) Vol. II S. 394ff. gedruckt ist. Eine andere Stelle 
stimmt zu einem Übergangssatze in der Pseudo-Wulfstanschen 
Homilie Nr. XXIX (ed. Napier, S. 140 Z. 3 bis Z. 8 = Vercelli 
fol. 17 b). 

Am Sehluls auf die freigelassene Hälfte von fol. 24b hat 
ein Schreiber des 13. Jahrhunderts einen Pt^almenvers (XXVI, 9 
in verstümmelter Form) mit Neumen eingetragen : B. Adiutor 
meus esto, Domine; ne derelinquas me, JDeus salutaris meus. 

5. FoL25a— 29a: Füufte Vercelli -Predigt. 

Überschrift: To middan ivintra. Ostende nohis, Domine. 

Eine rein texterklärende Homilie zum ersten Weihnachts- 
tage an der Hand der Weihnachtsperikope Lukas II, 1 — 14. 
Dieselbe Predigt befindet sich a) im Corpus Christi College, 
Cambridge, Ms. 198 (früher S. 8) fol. laff. als 'Sermo in Natale 
Domini' [Wanley p. 125] und b) im Bodl. Ms. 340 (früher NE. 
F. 4. 10) fol. la — 5b als ''Sermo in Natale Domini" [Wanley p.9]. 



68 

6. Fol. 29l>— 52b: Erstes Yercelli- Gedicht 
('Andreas'). 

Ein unter dem Titel 'Andreas' laufendes Gedicht von 
1722 alliterierenden Versen über die Leiden und Wundertaten 
der Apostel Matthäus und Andreas auf der Meuschenfresser- 
insel "Myrmidonia". Das von manchen Forschern (wohl mit 
Unrecht) dem Dichter Cynewulf beigelegte Werk ist höchst- 
wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ab- 
gefalst und zwar ursprünglich in einer anglisehen Mundart, 
die aber in der vorliegenden Aufzeichnung ins Westsächsische 
transponiert erscheint. Als Quelle lag dem Dichter eine 
lateinische Fassung der Ada s. Andreae et MaWiaei (ed. Max 
Bonnet, Acta apostolorum apocrijpha, Leipzig 1898, S. 66ff.) 
vor, nicht, wie man früher annahm, das griechische Original 
dieser Apostelakten. 

Das Gedicht ist vollständig überliefert, doch ist zwischen 
fol. 42h und 43» nach Ausweis von Versbau, Grammatik und 
Inhalt eine Lücke. Der Umfang derselben lälst sich mit Hilfe 
der Quelle dahin berechnen, dafs zwischen fol. 42 und 43 ein 
Blatt ausgefallen sein muls. 

Gedruckt ist das Gedicht von Benjamin Thorpe (1836), 
Jacob Grimm (1840), Kemble (1843), Grein (1858), Wülker 
(1888) und Basquerville (1885), die aber sämtlich überholt sind 
durch die trefflich eingeleitete und kommentierte Ausgabe von 
George Philip Krapp, Andreas and the Fates of tlie Apostles 
(Albion Series, Boston 1906). Ein um die Hälfte verkleinertes 
Faksimile des ganzen Gedichtes gab Wülker im Codex Ver- 
cellensis (Leipzig 1894); eine Seite in Originalgrölse (fol. 43») 
erschien in Faksimilezeichnung im Appendix B, woselbst auch 
die grofse Initiale von fol. 49 a reproduziert ist. Die Faksimile- 
zeichnung von fol. 43 a ist bei Grimm wiederholt. 

Die Literatur über das Gedicht siehe in Wtilkers Grund- 
riss der angelsächsischen Litteratur S. 187, Brandl, Altenglische 
Literatur S. 1040 und vor allem bei Krapp a. a. 0. S. LXXIII 
bis LXXVIII; dazu jetzt noch Grau a.a.O. S. 131— 145 und 
Carl Richter, Chronologische Studien zur angelsächsischen 
Literatur (in Morsbachs 'Studien zur englischen Philologie', 
Heft 33, Halle 1910) S. 37—40 und S. 86. 



69 

1. Fol. 52')— 51a: Zweites Yercelli- Gedicht 
('Apostelliymnus'). 

Ein Gedicht von 122 Stahreimversen, welches für alle 
zwölf Apostel Ort und Umstände ihres Martyriums angibt, 
dann die Apostelscbar um Beistand anfleht und zum Schlufs 
den Namen des Dichters in Form eines Runen-Akrostichons als 
"Cynwulf" [sie!] bietet. Gegenüber den verschiedenen Ver- 
suchen, Zweck und Charakter dieser Dichtung zu bestimmen, 
möchte ich daran festhalten, J) dafs es sich am ehesten um die 
altenglische Nachbildung eines lateinischen Apostelliymnus 
(Hymnus de Apostolis) handelt, wie solche für die Feier des 
seit dem 7. Jahrhundert im Abendlande eingeführten Festes 
aller Apostel, das teils am 1. Mai, teils am 29. Juni gefeiert 
wurde, bestimmt waren und uns mit ganz ähnlichen Auf- 
zählungen der Martyrien der einzelnen Apostel z. B. bei Mone, 
Lateinische Hymnen des Mittelalters, Bd. III (1855) Nr. 666 
bis 669 in lateinischer Form vorliegen. Da ich einen richtigen 
Apostelhymnus in dem altenglischen Gedichte sehe, kann ich 
auch den Forschern nicht beistimmen,^) die in unseren Versen 
nichts weiter als den Schlufs des vorhergehenden Andreas- 
gedichtes erkennen wollen. 3) Eine direkte Quelle für dieses 
Gedicht ausfindig zu machen, hat bisher nicht recht gelingen 
wollen ; denn keine der bisher herangezogenen lateinischen 
Apostel listen •) noch das für so frühe Zeit einzig in Betracht 

^) Ich habe diese Ansicht schon in meiner Arbeit Über die Quelle^i 
von JFAfrics Homüiae Catholicae, I. Legenden (Berlin 1892) S. 11, Anm. 1, 
ansgesprocheu, damit aber bisher keine Beachtung gefunden. 

2) Auch dem neuesten Verteidiger dieser Hypothese, Gustav Grau, 
(Quellen, S. 131 — 145, vermag ich in keiner Weise beizustimmen, zumal 
alles, was er 'Quellen' nennt, nicht vielmehr als entfernte Anklänge und 
Parallelen darbietet. — Wenn Grau meint, der mittelalterliche Leser habe 
die Erwähnung des Heldentodes des Andreas geradezu verlangt, so mufs 
ich ihn darauf hinweisen, dafs die griechisch-lateinische Quelle des eng- 
lischen Dichters, die Acta s. Andreae et Matthaei gleichfalls nichts vom 
Tode des Andreas erzählt. 

*) Aus der Form der Überlieferung läfat sich weder für noch gegen 
diese Ansicht etwas entnehmen, da die einzelnen Abschnitte des Andreas 
mit ebendenselben Majuskeln beginnen wie die selbständigen Stücke der 
Handschrift. 

*) Am besten ediert von Th. Schermaun, Indices ajiostolonmi (Leipzig 
1907) S. 206—221. 



70 

kommende Martyrologium Bedas stimmen vollständig mit 
Cynewiilfs Angaben überein. Vielleicht ist das Suchen nach 
einer besonderen Quelle aber auch überflüssig, weil die Um- 
stände des Märtyrertodes der einzelnen Apostel dem mittel- 
alterlichen Kleriker — und geistliche Bildung wird Cynewulf 
zweifellos besessen haben — sicherlich wohl hinreichend ge- 
läufig waren, um eine so kurze Zusammenstellung, wie sie 
unser Gedicht bietet, dem Gedächtnis entnehmen zu können. 
"Wer Zeile 2 des Gedichtes, wo Cynewulf sagt, dals er den 
Stoff "weither sammelte" {samnode ivide) nicht als dichterische 
Floskel auffassen will, könnte annehmen, dafs Cynewulf die 
Einzelfakten seines Hymnus der sog. Abdias- Sammlung der 
Apostelakten entnommen habe, die sich im Mittelalter und 
speziell auch in England einer ungeheuren Verbreitung erfreute.') 
Jedenfalls steht alles, was Cynewulf in diesem Apostelhymnus 
über die Apostel vorbringt, und zwar ganz genau in derselben 
Weise, in der Textzusammensetzung der Abdias-Sammlung, die 
dem Abt ^Ifric nach Ausweis seiner verschiedenen Apostel- 
predigten vorgelegen hat. 2) 

Die ersten 94 Verse unseres Gedichtes sind schon von 
Thorpe (1836,8.90—92), Kemble (1856,11,94—99), Grein 
{Bibliothek II, 7—9) und Wülker {Bihliotheh II, 87—91) ver- 
öffentlicht. Die Schlulsverse mit dem Runen-Akrostichon sind 
erst 1888 von Napier entdeckt worden, der sie in der Zeit- 
schrift für deutsches Altertum, Bd. XXXIII S. 70 — 73, mitteilte. 
Danach sind sie wiederholt von Wülker, Bihliotheh II, 566 f. 
und Codex Vercellensis S. VIII. Das ganze Gedicht zusammen 
haben wir zuerst bei Krapp, Andreas (Boston 1906) S. 69 — 73 
abgedruckt. Ein verkleinertes Faksimile des ganzen Gedichtes 
gibt Wülker im Codex Vercellensis (Leipzig 1894). 

Die Literatur über dieses Gedicht siehe bei Wülker, Grund- 
riss der Angelsächsischen Litteratur S. 242 f., Brandl, Altenglische 
Literatur S. 1043 f. und Krapp S. LXXIIIf.; dazu noch Grau, 
Quellen S. 131 — 145 und C. Richter, Chronologische Studien 
S. 40, 86 und 101. 



j 



1) Auch der Blickling-Homilet und ein irischer Prediger haben diese 
Abdias - Samminog besessen. Siehe Max Förster, Über die Quellen von 
JElfrics Homiliae Catholicae (Berlin 1S92) S. 43. 

^) Siehe Max Förster, a. a. 0., S. 43. 



71 

8. Fol. 54»>— 56a: Sechste Vercelli- Predigt. 

Überschrift: INcipit narrare mirncida, que facta fuerant 
ante adnentum Sahiatoris, äotnini nostri Jesu Christi. 

Eine zweite Weihnaehtshomilie, die nach apokryphen 
Berichten die Wiindererscheinung an Christi Geburtstage sowie 
die Flucht nach Ägypten schildert. Letztere wird nach dem 
Pseudo- Matthäus -Evangelium erzählt und zwar in meist ganz 
wörtlicher Anlehnung au die lateinische Version dieser Apokryphe 
(ed. C. de Tischendorf, Evangelia Äi)ocryplia, Leipzig 2 1876, 
S. 51 ff.). Mit fol.55b Z. 15 {Mitte-öe Herodes se cyning) setzt 
die wörtliche Übersetzung von Kap. 17 des Originals ein und 
endet auf fol. 5Ga Z. 15 mit Kap. 25 der Apokryphe. Dazwischen 
ist, wie schon der Sinn des alteuglisehen Textes lehrt, ein 
Abschnitt ausgefallen : fol. 55 b nämlich bricht mitten im Satze 
bei der Begegnung der Flüchtlinge mit den Löwen (Pseudo- 
Matthäus Kap. 18) ab und setzt nach Überspringung von 
Kap. 19 — 21 mit der zweiten Hälfte von Kap. 22 (Einzug in 
die ägyptische Stadt Sotinen) wieder ein. Im altenglischen 
Texte mufs also etwas ausgefallen sein, dessen Umfang sich 
annähernd berechnen lälst Wenn die Übersetzung in dem 
verloren gegangenen Teile so wörtlich war wie bei Kap. 17 
und 18, dann müfsten ca. 100 Zeilen, d. i. zwei Blätter, 
ausgefallen sein. War die Übersetzungstechnik aber kürzend, 
so wie sie uns am Schlüsse bei Kap. 22—24 vorliegt, so 
würden nur ca. 50 Zeilen, d. i. ein Blatt, fehlen. Für erstere 
Eventualität spricht zwar die häufig zu machende Beobachtung, 
dafs die Übersetzung anfangs wörtlich einsetzt, gegen den 
Schluls aber immermehr kürzt. Auch der nur geringe Um- 
fang der Homilie lielse vermuten, dafs ihr eher zwei Blätter 
als eines fehlen. Dagegen Heise sich folgendes für die zweite 
Möglichkeit anführen: die Zerreilsung des Sinnes lehrt, dals 
an der korrespondierenden Stelle der Lage, d. h. hinter fol. 63h, 
dem letzten Blatte der Lage H, etwas fehlt. Da diese Lage 
nun sowohl des Zahlzeichens auf dem ersten Blatte — es 
sollte VIII sein — wie des Buchstabens {E) auf dem letzten 
Blatte entbehrt, so ergibt sich, dafs der ganzen Lage H der 
äulsere Bogen, der beides tragen würde, fehlt. 

Gedruckt ist die Homilie weiter unten unter B. 



72 

9. Fol. 56b_59a: Siebente Vercelli- Predigt. 

Eine Mahnpredigt zur Warnung vor weichlichem Leben 
und Üppigkeit. Die Homilie ist in der Handschrift als zweite 
Predigt (nämlich nach den Dichtungen) bezeichnet durch eine 
römische ".//.", welche am Ende von fol. 56 a steht und einer 
".J/7." auf fol. 59 a, einer "Jllir auf fol. 61a, einer ".F." auf 
fol. 65 a und einer ".Fi." auf fol. 71» entspricht. Diese fünf 
Predigten scheinen also irgendwie zusammengehangen zu haben. 
Dann hört die Zählung der Predigten auf. 

10. Fol. 59a -61a: Achte Vercelli-Predigt. 

Als Nr. '\Ilir bezeichnet auf 59 a. 

Eine Bufspredigt unter Bezugnahme auf das jüngste Gericht 
sowie die Höllenstrafen und Himmelsfreuden. Als Quelle wird 
angegeben: Sanctus Gregorius se halega ivritere, se öis gewrit 
sette and wrat\ doch vermag ich diese Homilie bei Gregor 
nicht nachzuweisen. 

Die gleiche altenglische Predigt findet sich noch in zwei 
weiteren Handschriften : a) in Corpus Christi College, Cambridge, 
Ms. 198 (früher S. 8) fol. 43b als "Dominica .1. post TJieophania 
Bomini'' [Wanley p. 125] und b) im Oxforder Bodl. Ms. 340 
(früher NE. F. 4. 10) fol. 33 a— 35 b mit der Bestimmung für 
die "Dominica .1. post Theopliania et qiiando vohieris'^ [Wanley 
p. 10]. 

11. Fol. 61a— 65a: Neunte Yercelli -Predigt. 

Als Nr. ".IUI." bezeichnet auf fol. 61a. 

Eine Bufspredigt, die von dem dreifachen Tod und den 
fünf irdischen Vorbildern der Hölle handelt sowie die Schrecken 
der Hölle und die Seeligkeit ausmalt. Als Quelle beruft sich 
der Homilet dreimal auf ein "Buch" (fol. 63a, 63b, 65a), womit 
jedenfalls eine lateinische Predigt gemeint ist. Der zweite 
Teil schöpft aus einer thebaischen Einsiedler -Legende, die in 
ausführlicherer Form, ebenfalls aus dem Latein übersetzt, in der 
Cotton-Hs. Tib. A. III fol. 87 a— 88 b uns vorliegt und von 
J. Kemble, The Dialogue of Salonion and Saturnus (London 1848) 
Seite 84 — 86 [daraus wiederholt von A. v. Vincenti, Die alt- 
englischen Dialoge von Salonion und Saturn (Leipzig 1904) 



73 

Seite 103 — 105] gedruckt ist. Die gleiche Einsiedler-Legende 
ist benutzt in der Pseudo-Wulfstanschen Homilie XXX (ed. 
Napier, S. 146 ff.) und zwar in einer altenglisehen Form, die 
auch dem Vereelli-Homileten vorlag; denn nur so erklären sieh 
bei starken Abweichungen und Auslassungen mehrere wörtlich 
übereinstimmende Sätze und Satzfolgen (Napier 146^-24; 
14718-23; 14729 — 148^). 

Die gleiche Homilie steht in Bodl. 340 (früher NE. F. 4. 10) 
fol. 35b— 40b (Wanley S. 10) als "Dominica .IL post The- 
phania et quando volueris^\ 

Zwischen fol. 63b und 64 a fehlt ein Blatt, wie der Ver- 
gleich mit der zweiten Handschrift lehrt (=: Bodl. 340 fol. 38b 
Z.12 bis fol. 39 a Z. 26). 

Die Homilie ist mit den Varianten der Bodley-Hs. gedruckt 
weiter unten unter C. 

12. Fol. 65a-71a: Zehnte Vercelli-Predigt. 

Auf fol. 65a als Nr. ".F." bezeichnet. 

Dieselbe Homilie, welche nach drei anderen Handschriften 
von Napier unter dem Titel Larspell als Nr. XLIX der Pseudo- 
Wulftanschen Predigten (S. 250 Z. 15 bis S. 265 Z. 20) gedruckt 
ist und fragmentarisch (= Napier S. 250 Z. 15 bis S. 252 Z. 12) 
auch unter den Blickling-Homilien (ed. Morris, London 1880 
S. 105 — 107, als Nr. IX "Crist se goldbloma") sich findet; nur 
ist in unserer Vercelli- Handschrift der Predigt ein neuer Ein- 
gang vorgesetzt, welcher folgendermalseu lautet: 

Her sajaö on pyssnm halejuw bocnm be aelmihtijes Dryhtnes 
jodspelle, J'e he liim sylfum |?urh his Öa hale^an mihte ^eworhte mannuwt 
to bysene 7 to lare. 7 he sylf jecwseö his hale^an muöe, j^eah man auum 
men ^od-spel secje: 'ponne bio ic paer on middan.' 7 ]>nm bioö synna 
forjifena, J'e öget jodspel sejö 7 [nachträglich dazivischen eingefügt] 
cwiö. 7 synna pam bioö forjifene, pe hit for ^"^odes naman lustlice 
jehyreö. 7 pam biö wa aefre seworht, pe secsan can 7 nele. ForÖam 
men sculon parh Öa sodcundan lare becuman to life. 

Ein Vergleich mit den anderen Handschriften lehrt übrigens, 
dafs unser Manuskript keine sonderlich gute Textgestalt auf- 
weist und sich namentlich durch häufige Auslassungen von 
Worten und Satzteilen auszeichnet. 



74 

13. Fol. 71b— 731>: Elfte Yercelli- Predigt. 

Überschrift: "Siwl to forman gangdcege^\ 
Auf fol. 71a als Nr. ".VI." bezeichnet. 

Die nun folgenden drei Homilien stellen Predigten für die 
dreitägigen Bittgänge (Rogationen) dar, die seit dem 6. Jahr- 
hundert im Abeudlande vor Christi Himmelfahrt stattfanden. 
Die erste Bittagspredigt enthält eine Mahnung auszuharren und 
das Himmelreich zu gewinnen, wobei Ecclesiastes III, 4 {tem]}us 
flendi et tenipus ridendi) zu Grunde gelegt ist. Kulturhistorisch 
beachtenswert ist der Schluls, welcher vom nahen Bevorstehen 
des Weltendes spricht — also wird die Predigt vor dem Jahre 
1000 abgefafst sein — und nicht nur über die Plünderung und 
Zerstörung der Kirchen und Klöster durch "heidnische Männer" 
jammert — gemeint sind jedenfalls die dänischen Invasoren — , 
sondern auch über die Beraubung des geistlichen Standes — 
an Klöster wird in erster Linie zu denken sein — durch Könige, 
Bischöfe und Aldormen zu klagen hat. | 

Die lateinischen Bibelzitate weichen des öfteren von 
der hieronymianischen Version ab, sind also einem älteren 
lateinischen Homileten entnommen, der, wie z. B. Gregor der 
Grolse, noch einer vorhieronymianischen Bibel sich bediente. 



14. Fol. 73»>— 7ob: Zwölfte Yercelli- Predigt. 

Überschrift: "Sj^el to dam odrum gangdcege". 

Eine zweite Bittagspredigt über die Furcht Gottes als den 
Anfang der Weisheit (Psalm CX, 10). Als Einleitung voraus- 
gesandt ist ein Abschnitt über die Bittprozessionen, die an die 
Stelle heidnischer Feste getreten seien und bei denen man 
das Kreuzeszeichen, das Evangelienbuch und die Reliquien der 
Heiligen um Hof, Vieh und Flur tragen solle. 

Auf fol. 74a ist ein den Sinn störender Satz eingeschoben 
über die Quadragesimalzeit, der offenbar aus einer anderen 
Predigt stammt. 

15. Fol. 75b— 76b: Dreizehnte Yercelli -Predigt. 

Überschrift: "Spei to priddan gangdcege". 
Die dritte der Bittgangspredigten, die kürzeste der ganzen 
Sammlung, betont in ihrem Eingänge den Charakter jener 



I 



75 

Gangtage als Vorbereitungszeit auf das Himmelfahrtsfest. In 
einem zweiten Teile (= fol. 7Ga— b) bietet sie Mahnworte zur 
Vorbereitung auf den Tod, die gröfstenteils den toten Gebeinen 
im Grabe in den Mund gelegt sind. Syntaktisch läfst sich 
der Satzteil, mit dem fol. 75 b schliefst, nicht verknüpfen mit 
dem Satzgliede, das fol. 76 a beginnt, so dafs entweder eine 
starke Verderbnis der Textüberlieferung vorliegt oder zwischen 
beiden Seiten ein oder zwei Blätter (als mittelster Bogen) aus- 
gefallen sind. Für letztere Annahme spricht die auffallende 
Kürze der Predigt, sowie der unvermittelte Übergang von 
einem Thema zum anderen. 

Die Predigt ist 1882 in zeilengetreuem Abdruck wieder- 
gegeben von Richard Wülker in der Anglia Bd. V S. 464 f., wo 
aber upastignes (statt upafagnes) und ^eearnigan (statt gecar- 
nijan) zu lesen ist. Teilweise (fol. 75b) war sie schon 
faksimiliert im Appendix B. 

16. Fol. 76»>— 80b: Yierzeliute Tercelli- Predigt. 

Überschrift: "Larspel to sivylcere ticle swa man wile^\ 
Eine paränetische Predigt über die rechte Art des Opfers 
und, unter Heranziehung des Gleichnisses vom Schalksknecht 
(Matth. XVni, 23 — 35), über die Versöhnlichkeit und andere 
christliche Tugenden. 

17. Fol. 80b— 85b: Fünfzehnte Yercelli- Predigt. 

Überschrift: "Alia omelia de die itidicii". 

Eine Bulspredigt, welche eine apokryphe Beschreibung der 
sieben Vorzeichen des jüngsten Gerichtes, i) sowie der Scheidung 
der Gerechten und Ungerechten, bei der die Jungfrau Maria, 
der Erzengel Michael und Petrus als Fürsprecher auftreten, 
enthält. Die Legende von den Sieben Vorzeichen des Jüngsten 
Gerichts findet sich auch in zwei anderen altenglischen 
Homilien, -) in der Oxforder Handschrift Hatten 116 (früher 



1) Wenn Wülker angibt, die Predigt handele über "die Vorzeichen 
am Dienstag", ^fcs tiives dceges tacnn (Grmidriss S. iW), so trifft das nur 
für einen kleinen Abschnitt, die Vorzeichen des zweiten Tages, zu. 

'^) Auf die Übereinstimmung dieser drei Homilien hat zuerst G. Grau, 
Quellen und Vertvandtscliaften der älteren germanischen Darstellungen des 
Jimgsten Gerichtes (Halle 1908) S. 180 ff. und S. Xllf. öffentlich hinge- 



76 

Jun. 24) pag. 382 — 395 (gedruckt von mir weiter unten unter 
D, vorher teilweise von C. Hofmann in den Münchener Gelehrte 
Anzeigen, Bd. L [1860] Sp. 349 — 365 und von G. Grau, Quellen 
S. 190) und in dem zweiten Teile der VII. Blickling-Homilie 
(ed. Morris, 1880, S. 91 — 95), und zwar in inhaltlich so stark 
ühereinstimmender Form, dafs für alle drei Predigten eine 
gemeinsame lateinische Quelle anzunehmen ist. In der Vereelli- 
Handschrift bietet sieh das Ganze dar als eine Antwort Christi 
auf die Frage des Apostels Thomas, wann der Antichrist 
komme. Hier wird also die Offenbarung auf die Vermittlung 
des Apostels Thomas zurückgeführt, sodafs das Ganze füglich 
als Thomas - Apokalypse bezeichnet werden darf Dieser 
Ursprungsvermerk kann unmöglich Zusatz des angelsächsischen 
Homileten gewesen sein, sondern mufs schon in seiner 
lateinischen Vorlage gestanden haben. Da nun aber das dem 
Papst Gelasius (gest. 496) zugeschriebene Decretum de libris 
recipiendis et non recipiendis (ed. Thiele, Epistolae Bomanormn 
Pontificum genuinae, Bd. I [Braunsberg 1868] S. 465) eine 
"Revelatio quae appellatur Thoniae apocrypha" aufführt, so ist 
anzunehmen, dals die supponierte gemeinsame Quelle jener 
altenglischen Homilien eben diese verloren geglaubte Thomas- 
Apokalypse gewesen ist. Tatsächlich sind nun kürzlich, wie 
ich durch Erwin Preuschens Güte erfahre, zwei lateinische 
Texte gedruckt worden, die diese lange gesuchte Thomas- 
Apokalypse in zwei verschiedenen Rezensionen darstellen, 
nämlich eine "Epistula domini nosiri Jesu Christi ad Thomam 
discipulum suum" in ausführlicherer (interpolierter?) Fassung 
gedruckt von Friedrich Wilhelm in Deutsche Legenden und 
Legendare (Leipzig 1907) S. 40* — 42* und eine kürzere Form 
von D. P. Bihlmeyer in der Revue Bcnedictine, Vol. XXVIII 
(1911) S. 272— 274. Ein Vergleich dieser Lateiutexte mit unserer 
Vercelli-Homilie ergibt, dafs der Angelsachse im allgemeinen 
besser zu der ausführlicheren Fassung stimmt — er hat z. B. 
auch die ganze Einleitung mit den Wehrufen — , in den Einzel- 



wiesen. Die Art, wie sich Grau das Verhältnis der Homilien denkt, ver- 
mag ich mir jedoch ebensowenig anzueignen, wie vieles andere in diesem 
zwar sehr fleifsigen und anregenden, aber methodisch recht bedenklichen 
und in den Formulierungen oft unklaren, unpräzigen und unvorsichtigen 
Buche. 



77 

lesarteu der Torzeichen aber oft enger mit der kürzeren 
Fassung zusammengeht. Diese Tatsache ist nur so zu erklären, 
dafs dem Angelsachsen eine bessere und ursprünglichere Text- 
form der längeren Rezension vorgelegen hat. Ob die in der 
alteuglischen Predigt folgenden Auftritte mit Maria, Michael 
und Petrus ursprünglich der längeren Fassung angehörten oder 
erst später angefügt sind — der Angelsachse muls sie jeden- 
falls schon in seinem Lateintexte gelesen haben — , vermag 
ich nicht zu entscheiden, halte aber das letztere für wahr- 
scheinlicher. 

Die altenglische Übersetzung ist übrigens meist so wörtlich, 
dafs sie stellenweise zur Textrekonstruktion verwandt werden 
kann, i) 

Gedruckt ist die Predigt zusammen mit der Hattou-Homilie 
weiter unten unter D. 

Wie der Inhalt beweist, fehlt zwischen fol. 83h und 84a 
ein Stück Text. Möglicherweise ist ein ganzes Blatt dazwischen 
ausgefallen. 

18. Fol. 851)— OO»»: Seclizelinte Vercelli- Predigt. 

Überschrift: " Omelia Epyffania DommV\ 

Eine Epiphanias-Predigt über die Taufe Jesu 2) (Matth. III, 
13—17), die im ersten Teile eine ausführliche Exegese der 
Perikope gibt und im Schlulsteile über das Geheimnis der 
Dreinigkeit handelt. Zwischen fol. 85 b und 86a fehlt mindestens 
ein Blatt, da sowohl formell wie inhaltlich der Anfang des 
Blattes 86 nicht zum Schlufs des vorhergehenden pafst. Das 
fehlende Blatt wird den gleichfalls vermilsten Schlulsbuchstaben 
der Lage {L) getragen haben. 



^) Was Gran a.a.O. S. 180 ff. als Quellen anführt (4.Esrabuch, Johannes- 
Apokalypse, Pseudo-Johannes, Psalmen, Ephraem) kann nur die Bedeutung 
von Parallelen beanspruchen. — Die Auffindung der Quelle beweist übrigens 
auch, dafs die Fassung dos Vercelli -Codex die ursprüngliche Form der 
Vorzeichen -Legende darbietet und nicht, wie Grau S. XII meinte, die 
Predigt Hatton 116. 

2) Nach Ausweis der westsächsischen Evangelienversion, welche die 
Perikopen durch Überschriften bezeichnet, ist dies eigentlich das Evan- 
gelium für den Donnerstag nach Epiphanias. Das Perikopensystem der 
angelsächsischen Prediger sollte einmal in gröfserem Zusammenhange 
untersucht werden. 



78 

19. Fol. 90t>— 94:«>: Siebzehnte Tercelli- Predigt. 

Überschrift: "De purificatione sanda Maria^^ [sie!]. 
Eine exegetische Homilie über Christi Darstellung im 
Tempel (Lukas II, 22—39) zum Tage Maria Keinigung. 

20. Fol. 94'>_l01a: Achtzehnte Tercelli- Predigt. 

Überschrift: "De sancto Martino confessore'\ 
Eine Predigt über den heil. Martin, Bischof von Tours 
(gest. ca. 400), welche nach Max Förster im Archiv für das 
Studium der neueren Sprachen, Bd. XCI 1893) S. 200, Leben 
Taten des Heiligen im Anschlufs an seines Schülers Sulpicius 
Severus' Vita S. Martini (ed. Halm im Corpus Script, eccles. I, 
Wien 1866, S. 109 fP.) sowie seinen Tod nach Sulpicius' Epistida 
ad Bassulam (ed. Halm a. a. 0. S. 147 ff.) erzählt. 

Dieselbe altenglische Predigt findet sich noch in zwei 
weiteren Handschriften: a) in der XVIII. Blickling- Homilie 
(ed. K. Morris, Early English Text Society, London 1880, 
S. 211-227), wo der Schlufs fehlt, und b) in dem Bodl. Ms. 
Junius 86 fol. 62—81, welches mit dem Blickling-Ms. zusammen 
gegenüber unserem Vercelli-Text eine Gruppe bildet. Alle drei 
Handschriften sind zur Keinigung des Blickling-Textes heran- 
gezogen von A. Napier, Notes on the Blickling Honülies I. 
St. Martin in der amerikanischen Zeitschrift Modern Philo- 
logy, Bd. I (Chicago 1903) S. 303— 308. Napier hat dort auch 
gezeigt, dals in der Vercelli-Handschrift zwischen fol. 100h und 
und fol. 101a ein Textstück fehlt, das etwa zwei Seiten des 
Vercelli-Manuskriptes füllen würde, und dafs somit zwischen 
Blatt 100 und 101 ein Blatt ausgefallen sein muls. Dies 
stimmt trefflich damit überein, dafs auch an der korrespon- 
dierenden Stelle der Lage zwischen fol. 103 und 104 ein Blatt 
vermilst wird. Somit ist, da Blatt 99 — 104 eine Lage bilden, 
in der Lage der ganze dritte Bogen ausgefallen. 

21. FoL101i)-103i): Drittes Yercelli- Gedicht. 

Ein Gedicht von 169 Alliterationsversen, gewöhnlich be- 
titelt "Rede der Seele an den Leichnam", welches die Vor- 
würfe einer sündigen Seele an ihren Leib sowie die tröstenden 
Verheilsungsworte einer frommen Seele an ihren Leib enthält 



79 

und vermutlicli von einem Sachsen am Ende des 10. Jahr- 
hunderts gedichtet sein wird. Der erste Teil, die Hede der 
sündigen Seele (= Vers 1—129) ist auch in dem poetischen 
Sammelcodex des Kapitels zu Exeter tiberliefert, der zweite 
Teil, die Rede der tugendhaften Seele (= Vers 130—169) aber 
nur in der Vercelli-Handschrift. 

Das Gedicht ist auch in unserer Vercelli-Handschrift nicht 
vollständig überliefert: es bricht mitten im Satz und Vers mit 
fol. 103b ab, während fol. 104» mit einem neuen Gedichte 
(s. Nr. 22) und zwar gleichfalls mitten im Verse anhebt. Zwischen 
fol. 103 und 104 mufs also mindestens ein Blatt ausgefallen 
sein, was gut stimmt zu dem Ergebnis, das wir bei der Martins- 
predigt fanden, wo an der korrespondierenden Stelle der Lage 
zwischen fol. 100 und 101 ebenfalls ein Blatt fehlt. 

Gedruckt ist das Gedicht nach unserer Handschrift bereits 
1836 von Benjamin Thorpe im Appendix B, weiter 1856 von 
Kemble im Codex Ve?-ceUensis, Part. II, S. 100 — 110, in 
kritischer Herstellung unter Heranziehung der Exeterhandschrift 
1857 von Grein in der Bibliothek der angelsächsiscJien Poesie 
Bd. I S. 198—204, sowie jetzt am besten in Wülkers Bibliothek 
der angelsächsischen Poesie, Bd. II (1888) S. 92 — 107. Faksimi- 
liert ist das Gedicht bei Wülker, Codex Vercellensis (Leipzig 
1894). Weitere Literatur siehe bei Wülker, Grundriss S. 231 
und Brandl, Altenglische Literatur S. 1096; dazu noch Grau, 
Quellen und Verwandtschaften (Halle 1908) S. 174 f., der die 
Quelle gefunden haben will, sie aber nicht nennt, und C.Richter, 
Chronologische Studien zur angelsächsischen Literatur (Halle 
1910) S. 65, 98f. und 101. 

22. FoL 104a imd 104b: Viertes Yercelli- Gedicht. 

Fragment eines religiös-moralisierenden Gedichtes über die 
Falschheit der Menschen, von Grein ^Bi manna lease^ g.etauft, 
das an den Psalmvers XXVII, 3, der im Gedicht Vers 9 — 15 
zitiert wird, anknüpft und in die Hoffnung auf die Himmels- 
wonnen ausklingt. Erhalten ist nur der Schlui'steil von 47 Versen; 
dagegen ist der Anfang verloren gegangen, da, wie wir schon 
unter Nr. 21 sahen, vor fol. 104 ein Blatt ausgefallen ist. Viel 
mehr Verse, als die erhaltene Zahl, werden schwerlich fort- 
gefallen sein; denn, da das ausgefallene Blatt auch noch den 



80 

Schlufsteil des vorhergehenden Gedichtes enthalten mulste, 
bleiben höchstens anderthalb Seiten zu je 33—40 Versen für 
unser Gedicht zur Verfügung. Mithin werden höchstens 40 bis 
60 Verse fehlen, d. h. etwa die Hälfte von dem ursprünglichen 
Gedichte wird uns erhalten sein. 

Herausgegeben ist das Fragment 1836 von Benjamin Thorpe 
im Appendix B S. 98 f., 1856 von Kemble im Codex Vercellensis 
Part. II S. 79 — 82, 1858 in Greins Bihliothelx der angelsächsischen 
Poesie Bd. II S. 142f. und 1888 in Wülkers Bibliothek der angel- 
sächsischen Poesie Bd. II S. 108 — 110. Faksimiliert ist der 
Text in Wülkers Codex Vercellensis (Leipzig 1894). Weitere 
Literatur siehe bei Wülker, Grundriss S. 200 und Brandl, Alt- 
englische Literatur S. 1048. 

Wülker hat im Grundriss S. 201 das Ganze als "poetische 
Predigt über Psalm XXVIIl (XXVII) 3" bezeichnet und in 
seiner Neuausgabe der Greinschen Bibliothek unser Gedicht 
geradezu als "Predigtbruchstück über Psalm 28" betitelt, worin 
ihm Brandl, Altenglische Literatur S. 1048, mit "Predigtbruch- 
stück über Psalm 23, 3" (lies 28 oder nach der Vulgata, 27) gefolgt 
ist. Ich halte diese Bezeichnung aber nicht für empfehlenswert. 
Eine poetische Predigt über den ganzen Psalm (Wülker) kann 
unmöglich vorgelegen haben, erstens weil der erhaltene Teil 
des Gedichtes nichts von den auf Vers 3 folgenden Psalm- 
strophen 4 — 9 verwendet — für Vers 1 — 2 können wir es des 
fehlenden Anfangs wegen nicht nachweisen — und weil nach 
dem breiten Vortragsstil des erhaltenen Teils zu urteilen, in 
der verloren gegangenen Anfangshälfte dafür kein Kaum ge- 
wesen wäre; zweitens, weil das Hauptthema und die Gesamt- 
tendenz des Psalms gänzlich andere sind als in unserem 
Gedichte, welches, abgesehen von den Schlulsversen, aus- 
schliefslich über die Verleumdungssucht der Menschen handelt. 
Auch mit Beschränkung auf den dritten Vers des Psalmen 
(Brandl) halte ich diese Formulierung nicht für zutreffend, 
weil das Gedicht zur Hauptsache macht, was der Psalmen- 
vers nur nebenbei zur Ausmalung in Form eines Relativ- 
satzes vorbringt. Höchstens als paränetische Verspredigt 
werden wir meiner Ansicht nach das Fragment bezeichnen 
dürfen. 



81 

23. Fol. 104»)— 106a: Fünftes Vercelli- Gedieht. 

Ein altes, vielleicht noch in die erste Hälfte des 8. Jahr- 
hunderts gehörendes Gedicht von 156 alliterierenden Versen, 
jetzt meist als "Traumgesicht vom Kreuze Christi" bezeichnet, 
in welchem das Kreuzesholz dem Dichter in einer Vision 
erscheint und ihm selbst seine Geschichte (Kreuzigung, Kreuzes- 
abnahme, Vergrabung und Wiedorauffindung des Kreuzes und 
jetzige Verehrung) in poetisch tief empfundener Sprache und 
mit starker Anlehnung an die Anschauungen der altgermanischen 
Gefolgschaftskreise vorträgt. 

Gedruckt ist das Gedicht des öfteren: zuerst 1836 von 
Benjamin Thorpe im Appendix B und am besten in Grein- 
Wülkers BibJiotheJü der angelsächsischen Poesie, Bd. II (1888) 
S. 116 — 125 sovs^ie mit gutem Kommentar von Albert Cook, The 
Dream of the Eood (Oxford 1905). Faksimiliert ist es in 
Wülkers Codex Vercellensis (Leipzig 1894). Sonstige Literatur 
siehe bei WUlker, Grundriss, S. 139 und 189 ff., sowie bei Brandl, 
Altenglische Literatur S. 1030 — 1032; dazu jetzt noch Grau, 
Quellen und Verivandtschaften S. 175 (ein wertloser Quellenver- 
weis) und C.Richter, Chronologische Studien, S.47f., 93 und 101. 

24. Fol. 106b— 109i>: Neunzehnte Yercelll- Predigt. 

Eine Predigt für die Rogationen, die nach einer Einleitung 
über die Dreieinigkeit (ganz nach Augustins De Trinitate) 
und den Sündenfall, über das Fasten an den drei Bittagen, 
die Einsetzung desselben durch den Propheten Jonas und die 
Einrichtung der Bittprozessionen durch den Bischof Mamertus 
von Vienne sich verbreitet. 

Die gleiche Pregigt enthalten: a) Corpus Christi College, 
Cambridge, Ms. 162 (früher S. 5) pag. 403 ff. als "Feria .IL in 
Letania Maiore" [sie!] [Wanley S. 119], b) Corpus Christi 
College, Cambridge, Ms. 303 (früher S. 17) p.215ff. als "Sermo 
in Letania 3faiore" [Wanley S. 135] und c) Cotton Ms. Cleopatra 
B. XIII, fol. 42b als "Dominica ante Rogationum" [Wanley 
S. 202]. 

25. FoL 109b— 112a: Zwanzigste Tercelli-Predigt. 

Eine Bittwochenpredigt, die über das Almosengeben und 
die acht Hauptlaster handelt, — letzteres wörtlich übersetzt 

Studien z. engl. Phil. Ii. ß 



82 

aus Pseiido-Alciiins Liher de virkitihus et viiiis, Kap. 27 — 34 
(Migue, Patrologia laüna Vol. CI Sp. 632ff.), der seinerseits hier 
Cassiaus fünfte Kollation Kap. 16 ausschreibt. Der Eingangs- 
satz ist der gleiche wie bei der XI. Homilie unseres Codex, 
dann gehen aber beide Predigten völlig andere Wege, sodafs 
sich Wülkers Vermutung (Gnmdriss S. 491), es möchte sich 
um ein und dieselbe Predigt handeln, nicht als richtig erweist. 

Zwischen fol. 111 und 112 liegt eine Lücke im Text vor, 
da sowohl formell wie inhaltlich der Schlufs von 111b mit 
dem Anfang von fol. 112 a sich nicht vereinigen lälst. Auch 
die Quelle lehrt, dafs mit fol. 111b mitten in einem wörtlich 
übersetzten Satze die Übersetzung aus Alcuin abbricht. Nimmt 
man die Tatsache hinzu, dafs die Lage Q (fol. 112 — 118) der 
Lagenzahl {XVI) ermangelt, so wird man mit Bestimmtheit 
sagen dürfen, dafs hier das erste Blatt der Lage vor fol. 112 
ausgefallen ist. Wie wir unter Nr. 27 sehen werden, fehlt 
auch das Schlulsblatt der Lage, das den Buchstaben Q tragen 
sollte. Also ergibt sich, dafs der ganzen Lage der äufsere 
Bogen abhanden gekommen ist. 

Die gleiche Homilie findet sich noch in zwei Cambridger 
Handschriften des Corpus Christi College, nämlich in Ms. 162 
(früher S. 5) pag. 412 ff. als "In tertia feria in Letmiia" [Wanley 
S. 119] und in Ms. 303 (früher S. 17} pag. 219 ff. als "Alius sermo 
Fr. .III. in Bogationihus" [Wanley S. 135]. 

26. FoL 112a— 116b : Einundzwauzigste Yercelli- Predigt. 

Eine wenig einheitliche Homilie, die wohl für die Quadra- 
gesimalzeit bestimmt war. Sie handelt, ohne den Zusammen- 
hang klar herauszuarbeiten, über die Notwendigkeit eines 
gottesfürchtigen Lebens und Almosengebeus, ohne welches das 
Fasten nutzlos sei, über die "zwölf Tugenden der Seele", über 
den Opfertod Christi, über den Stolz, der sogar die Engel zu 
Fall gebracht habe, und über die Schrecken des Jüngsten 
Gerichts. Dieser letztere Teil, fol. 115a — Hßa umfassend, er- 
schien vorher auf fol. 9a — 12a unserer Handschrift schon ein- 
mal als selbständige Predigt, nämlich Nr. 2, und es kann 
daher die Frage aufgeworfen werden, ob nicht auch an unserer 
Stelle eine neue, selbständige Predigt anzunehmen sei. Gegen 
eine solche Annahme sprechen aber die zwei Tatsachen, dafs 






83 

erstens der Schreiber keine grofse Initiale anwendet, womit 
er sonst in diesem Teile der Handschrift ein neues Werk zu 
beginnen pflegt, und dafs zweitens dem vorhergehenden Teile 
jeglicher Predigtabschlufs, wie er sonst bei allen Homilien des 
Vercelli-Codex auftritt, abgeht. Über das Verhältnis der beiden 
Textfassungen des Abschnitts über das Jüngste Gericht siehe 
oben unter Nr. 2, woselbst auch weitere Literaturnachweise 
verzeichnet sind. 

27. Fol. 116b— 120'): Zweiundzwauzigste Yercelli- Predigt. 

Ein kurzer Auszug aus den beiden Büchern Synonyma 
des spanischen Bischofs Isidor von Sevilla, der wiederholt von 
angelsächsischen Homileten als Quelle zitiert wird. Der Angel- 
sachse hat von der grammatisch - stilistischen Tendenz des 
Werkes, synonyme Ausdrücke vorzuführen, so gut wie nichts 
mehr übrig gelassen, aber den erbaulichen Inhalt des Ge- 
spräches zwischen dem Menschen und der Vernunft (dem Logos) 
sehr geschickt zu einem kurzen Traktat über die Sündhaftig- 
keit des Menschen und die Frömmigkeit als einziges Rettungs- 
mittel vor den Höllenstrafen zusammengeschnitten, in dem er hie 
und da einzelne Sätze, oft in wörtlicher Übersetzung, heraus- 
gegriffen und geschickt aneinander gereiht hat. Möglich ist, 
dafs der altenglische Übersetzer bereits einen so zurecht ge- 
machten lateinischen Auszug vor sieh hatte, da er auch den 
im Originalwerke fehlenden paränetischen Schlufs ausdrücklich 
auf Isidor zurückführt. 

Der Schlufsbuchstabe der Lage (Q) fehlt auf Blatt 118 b, 
Man möchte daher annehmen, dafs nach fol. 118 ein Blatt aus- 
gefallen ist. Grammatisch - sj^ntaktisch läfst sich der Bruch 
nicht erweisen, weil das einen neuen Satz beginnende Schlufs- 
wort von fol. 118 b {GehyraÖ) sich mit dem folgenden tuen ])a 
leofestan durchaus verbinden läfst. Indes schliefst sich der 
Inhalt, wenn wir nicht tatsächlich einen Gedankensprung an- 
nehmen wollen, nicht gut an das Vorhergehende an. Auch ist 
zu beachten, dafs mit fol. 118 die Benutzung des ersten Buches 
der Synonyma mit Paragraph 50 abbricht und mit fol. 119a 
mit dem Anfang des zweiten Buches wieder einsetzt, so dafs 
also mehr als ein Drittel des ersten Buches übersprungen wäre. 
Von diesem Gesichtspunkte aus scheint es nicht unwahrschein- 

6* 



84 

lieh, dafs dazwischeu, also nacli fol. 118, ein Blatt ausgefallen 
ist. Gestärkt wird diese Annahme durch die oben unter Nr. 25 
gemachte Beobachtung, dals auch das korrespondierende 
Aufangsblatt der Lage fehlt. Also werden wir mit ziemlicher 
Sicherheit sagen dürfen, dafs der sechzehnten Lage der ganze 
äulsere Bogen fehlt, der vorn die Zahl XVI, hinten den Buch- 
staben Q getragen hat. 

Gedruckt ist diese Predigt weiter unten unter E. 

28. FoLlSla— 133i>: Sechstes Tercelli- Gedicht 

CElene'). 

Ein Gedicht von 1321 Alliterationsversen über die Auf- 
findung des Kreuzes Christi durch die Kaiserin Helena mit 
Hilfe des Juden Judas, der dann getauft als Cyriacus zum 
Bischof von Jerusalem gemacht wird. Dieses unter dem Namen 
'EleneV) der altenglischen Form von Helena, in der Literatur- 
geschichte laufende Gedicht ist nach Ausweis eines Runen- 
Akrostichons am Ende (Vers 1258 — 1270) von einem Dichter 
'Cynewulf verfalst, der es wohl in der zweiten Hälfte des 
8. Jahrhunderts in auglischer Mundart geschrieben hat, während 
es uns in der Vercelli- Handschrift in einer jüngeren, west- 
sächsischen Umschrift vorliegt. Als Quelle benutzte unser 
Dichter eine lateinische Form der Kreuzauffindungslegende, 

*) Dieser von Jacob Grimm 1840 aufgebrachte Titel ist nicht sonder- 
lich glücklich gewählt, weil Cynewulf bestimmt nicht eine Verherrlichung 
der Helena im Auge gehabt bat, wie Brand), Altenglische Literatur S. Iü42, 
anzunehmen scheint. Die ersten Spuren einer Verehrung der heil. Helena 
im Abendlande finden sich erst im 9. Jahrhundert (s. H. Kellner, Heorto- 
logie, Freiburg ^ 1911, S. 248), also nach Cynewulfs Zeit, wie denn auch 
das Gedicht die Helena nirgendwo als 'Heilige' bezeichnet, sondern ihr 
nur das Prädikat 'selig' (eadhredig Y.2ö'd = \s,t. beata) beilegt. Cynewulf 
wollte sicherlich nicht eine Person, sondern vielmehr die Auffindung des 
heiligen Kreuzes verherrlichen, die seit dem 7. Jahrhundert als Festtag im 
Abendlande begangen wurde. Dafs Cynewulf dieses Fest im Auge hatte, 
ergibt sich auch aus Vers 1228 f., wo ausdrücklich eine Feier des S.Mai 
angeordnet wird. Dies ist aber das im Abendlande übliche Datum des 
Festes der Inventio s. Crucis, während der Festtag der heil. Helena auf 
den 18. August fällt. Besser war daher der Name, den Thorpe (1836) dem 
Gedichte gegeben hatte, der es " Tlie Invention of the Gross" betitelte. 
Kemble schlofs einen Kompromifs zwischen Thorpe's und Grimm's Titel 
und nannte das Gedicht "Eietie, or the Recovery of the Gross." 



85 

wie sie als Invenlio s. Crucis oder Vita s. Quiriaci in den 
Acta Sandorum (zum 4. Mai) und sonst mehrfach gedruckt 
vorliegt, wenn auch die spezielle Textrezension der Cynewulf- 
schen Vorlage noch aufzusuchen bleibt. 

Gedruckt ist unser Gedicht von Benjamin Thorpe (1836), 
Jacob Grimm (1840), Kemble (1856), Grein (1858), Julius 
Zupitza {Cyneiüulfs Elene, Berlin 1877, 4 1899), C. W. Keut 
{Elene, Boston 1889, 21902), Wülker (1888) und mit trefflichen 
Anmerkungen von F. Holthausen {Cyneividfs Elene, Heidel- 
berg 1905, 2 1910). Ein um die Hälfte verkleinertes Faksimile 
des ganzen Gedichtes gibt Wülker im Codex Vercellcnsis 
(Leipzig 1894). Eine Seite, die erste, gab in gröfserem, aber 
immer noch fast um ein Drittel verkleinertem Faksimile — 
was der Herausgeber zu erwähnen vergessen hat — Holthausen 
in der zweiten Auflage seiner Ausgabe (1910). Weitere Literatur 
siehe bei K. Jansen, Die Cynetvidf-Forschung von ihren An- 
fängen bis zur Gegenivart (Bonn 1908), Brandl, Altenglische 
Literatur S. 1043 f. und Holthausen in seiner Ausgabe S. XflF.; 
dazu Grau, Quellen, S. 15—29 und Richter Chronologische 
Studien S. 40—45, 86—88, 101. 

29. Fol 133 i>— 135»): Dreiundzwanzigste Yercelli- Predigt 

('Guthiac'). 

Eine Homilie, die uns die Heimsuchung des heil. Guthlac 
von Croyland (gest. 714) durch zwei Teufel und deren Besiegung 
mit Hilfe des heil. Bartholomäus erzählt und offenbar für den 
11. April, den Gedenktag des heil. Guthlac, i) bestimmt war. 
In Wirklichkeit handelt es sieh dabei nicht um ein selbständiges 
Werk, sondern um einen mit der doxologischen Predigtschluls- 



^) Sein Gedenktag findet sich schon in einem der ältesten der nns 
erhaltenen klösterlichen Festkalender eingetragen, dem in dem west- 
sächsischen Kloster New Miuster zu Winchester um 1050 hergestellten 
Kalender der Cottonhandschrift Titas D. XXII (ed. R. T. Hampson, Medii 
Aevi Calendarimn [London 1847] Vol. I S. 435 if.; vgl. dazu W. de Gray 
Birch, Liber Vitae: Register and Martyrology of New Mhister and Hyde 
Abbey, Winchester, [London 1S92] S. 269 ff. und F.Piper, Die Kaiendarien 
und Martyrologien der Angelsachsen [Berlin 1862] S. 76). Ich halte es 
daher nicht für richtig, dem heil. Guthlac nur die Bedeutung eines 
'mercischen Lokalheiligen' zuzugestehen, wie es Brandl, Altenglische 
Literatur S. 1115, tut. 



86 

formel versehenen Abschnitt ans einer umfangreicheren alt- 
englischen Lebensbeschreibung des heil. Guthlac, welche voll- 
ständig in der Londoner Handschrift Cotton Vespasian. D XXI 
(aus dem 11. Jahrhundert) vorliegt und ihrerseits eine freie, 
kürzende Übersetzung der um 730 verfafsten Vita S. Giithlaci 
eines Mönches Felix darstellt. Unser Vercelli-Fragment um- 
fafst die Kapitel 4 und 5 der vollständigen Vita und verhält 
sieh textlich zur Londoner Handschrift in der Weise, dafs es 
eine ältere, den angli sehen Dialekt des Originales besser be- 
wahrende und der gemeinsamen Urhandsehrift näher stehende 
Textgestalt aufweist. Dafs unser Vercelli-Fragment aus einem 
grölseren Zusammenhange herausgelöst ist, zeigt noch das in 
der ersten Zeile stehen gebliebene "in dem erwähnten Eilande" 
{in Jjam sprecenan iglande). 

Die angelsächsische Fassung der Guthlac-Legeude ist unter 
Herbeiziehung der Lesarten des Vercelli-Fragmentes zuerst von 
Ch. W. Goodwin, The Anglo-Saxon Version of ilie Life of 
St. Guthlac (London 1848) mit englischer Übersetzung und An- 
merkungen veröffentlicht worden. Eine sehr sorgfältige Aus- 
gabe verdanken wir Paul Gonser, Das Angelsächsische Prosa- 
Leben des heil.Giithlac (Heidelberg 1909), wo auf Seite 117 — 134 
neben dem Londoner Text auch das Vercelli-Fragment voll- 
ständig abgedruckt ist. Weitere Literatur siehe bei Wülker, 
Grundriss S. 491 — 493 und Brandl, Altenglische Literatur 
S. 1114f. 

30. Fol. 136a— 136b 

sind leer. Auf fol, 136b stehen nur in jüngerer Hand in Majukel- 
schrift die Worte: CVM FERUENISSE. 



^) Nicht möchte ich hieraus mit Gonser S. S5 schliefsen, dafs "die 
einleitenden Worte der Homilie, in denen von der Besiedlung des Eilandes 
durch Guthlac die Rede gewesen sein mufs, verloren gegangen sind." 
Auch bei anderen Homilien setzt unsere Handschrift ohne besondere 
Predigteingangsformel sofort mit dem Text ein, so bei den Predigten XV 
und XXII. Das Wort sprecenan mag eben von unserem Homileten 
mechanisch seiner Vorlage entnommen sein. 



87 



VII. Abdruck der IL, VI., IX., XV. und 
XXII. Vercelli-Homilie. 



A. 

IL Yercelli- Predigt 

fol. 9 a — r2a. 

MEN DA LEOFESTAN, l>a}s myelan döm-daeses worci) 
biö swiöe ejes-lic 7 andryslic eallu?» ^esceaftum. In }?a»i 
dffi^e, ]'a bleoöriendan lijeas for-ba3rnaJ;» )^?enc blod-je-mensdan 
jeard^) 7, J>a-]'e uu her syndon on myclu;« sylpe 7 on unnyttre^) 
Äesyhöe soldes 7 seolfres 7 jod-webbes 7 wossestreona. Ac 5 
we sint nu pam je-liccost for-truwode, ]'e he us noto*) ne 
cyme. 7 on ]'am düo^e jewit sunuan leoht 7 monan leoht 7 
)>a leoht ealra tunsla. 7 on ]mm dieje biö Dryhtnes rod blöde 
flowende betweox wolcnii»^"') 7 in pa.m dse^e biö Dryhtnes 
onsyn swiöe ejeslicu 7 ondryslicii, 7 on pam hi\Ye, ]?e he wfes, 10 
l?a hine ludeas swunjon 7 uhenjon 7 hiora spatluwi him on^) 

Varianteu des 2. Teiles der XXL Vercelli-Predigt, welche ich unserer 
obigen ersten Vercelli-Fassung (= V) gegenüber mit V^ bezeichne. Man 
vergleiche den stark abweichenden Text der XL. Ps.-Wulfstan-Homilie, 
ed. Napier lS2"ff., die ich hier nur gelegentlich als W [oder B 
= C.C.C.C.419; C = C.C.C.C.201; F = Hattonll4; N = Cleopatra 
B. XIII] heranziehe, meist nur bei Differenzen zwischen V^ und V^ : 1 /)a 
V^ I pces myelan dvm-dceges worc] pcesÖe ive ^e-rced habbad 7 ge-leornod 
on hali^um bocum, se ytetnesta dce^ pysse toorulde V^ 2 hyö \ e^es- 
fullic \ ondrysenlic \ in] on \^ 3 li^,^eas for-boertiaÖ pone 4 ^eard] 
middan-^eard V^ W ] pa-pe] ponne, pe V^, pcet mancynn, pe W | her syn- 
don] ys Y'W 5 gode-ioebbes ö synt \ gelicost \ noto ne] na to V 
7 cume \ 71 f. V^ | öam \ dcege Y^ W] d(Ege pces myelan domes Y^ 8 eallra \ 
7 f. Vä 1 Öam I byd hinter rod 9 on dam \ byö 10 ondrysenlice \ 
7» f. V* 11 hyra 



') Vielleicht ist hier das angl. w^rc 'Schmerz' einzusetzen, das öfter 
von südlichen Schreibern mit tveorc 'Werk' verwechselt ist 

^) Lies middangeard mit V^ W. 

^) Das erste t über der Zeile. 

*) Lies no to = na to (V^). 

*) Die beiden Sätze stehen auch in einer Hs. (B) der Wulfstanschen 
Homilie, fehlen aber den andern Hss. (CFN). 

^) 5 [sicij über der Zeile. 



/ 



88 

spiwonJ) lu psini da33e }'a synfuUan lieofia}? 7 wepa}>, forj^an 
hie 'xv noldon hira Bynna betan, ac hie sarije aswaima]' 7 in 
susle afeallaö. In ]?am dfcse beoö blawende ]?a byman of .1111. 
sceattu)« )'yses middan-seardes. 7 j'onwe ealle arisap; swa- 

5 hwjct-swa eoYpe forswealh 7 fyr forbjernde 7 s» senete^) 7 
wildeor fr?eton 7 fii^las toba^ron, eall pcet py diüse ariseÖ. 
Ou pa,m dseje^) ure Dryh^^^^w in bis pum myclan mteseu-prymme, 
7 bis onsyne setyweö 7 bis licboman.'*) ponwe biö seo wund 
gesewen pam firen-fullum, 7 J'a?« soö-faestan be biö hal je- 

10 sewen,4) y })ouwe Iiideas mason ge-seou, poae-pe bie ler cwealdon 

7 bengon. 7 se soöfsesta dema pomie demeö ealra manna je- 
bwylcuwi i\3fter [fol. W] bis sj^lfes je-wyrbtu/». Hwa^t ponne 
}?inceö }?am synfiülan, |?a3t nobt ne sie pses bates ue jjses cealdes, 
ne paes beardes ne pies buesces, ne pajs leofes ne öa^s laöes, poet 

15 biue ponne mreje fram Drybtnes lufan Mon 7 bis^) willau 
ascadan; 7 nu nella]? bis willan wyrcean, nii we eaöe majou.ß) 

1 in] on V^ | heofaö 7 xoepai), forÖan-ße 2 noldan liyra \ sarige 
asivcemap] ponne sceolon sarie asicceman Y'^ \ i7i] on V^ 3 afeallan \ 
in] on V^ | Öam | beoö blawende] fcoiver englas blatvaÖ V^, singaÖ W | 
pa V^W] feoiver V^ | of .IUI. sceattuni] on feoiver healfa [lies healfum] 
Y^, of pam feoiver sceatum W [halfmn Korr. F] 4 pysses 5 swa- 
/afcef-siüa V* V] sioa hwcct manncynnes swa Vf \ eorÖe \ sende] be-sende 
V^ W 6 fugelas \ py V^ WJ on öam Y^ \ arist V* 7 öa,» | Jce^g 
V^J dwge sitt Y^, dcege cymeÖ W | in] on Y'^ \ pam V W] f. Y^ \ m^gen 

8 ansyne \ 7 his lichoman bis hal ge-seicen felilt V^; in W steht etwas 
anderes, s. oben 10 cwealdon 7 hengon V] ahengon 7 cwealdon Y\ 
aliengon 7 acwealdon W II öoJine | ea/ir« 12 a^ftcr VW] be Y^ | 



Siehe Note 5 S. 87. 

2) Vielleiclit besser mit V^ und W besende zu lesen. 

ä) Dahinter ist jedenfalls ein Verbum ausgefallen : so etwas wie cymeÖ 
(W und Hatton 116 pag. 3S8) oder sifAÖ {sitt V). 

*) Vielleicht ist dieser und der folgende Satz verderbt. Wenigstens 
ist die stark abweichende Lesung von W viel verständlicher: ponne biö he 
pam syyifullum stviöe wräÖ ceteowed, and pam soÖfcestum he bi/Ö bliÖe 
^esewen; vgl. auch Vercelli-Homilie XV fol. S'6^: ures Dryhtnes onsyn biÖ 
siciÖe reÖe 7 siviö', egesful 7 grim. Allerdings sagt noch Hatton 116 
pag. 388 erst Drihten cymÖ ponne on micclum viegenprimme, 7 fyr on his 
dnsyne scinep 7 blyceö und später he cetyweö pa wunda on his sidan. 

^) Hierzu ist das vorausgehende fram im Sinne zu ergänzen. 

®) Etwas klarer in W ausgedrückt : 7 pa ungesMigan yrmingas nellaö 
nü pcet gepencan ne his tvilla7i be sumon dcele wyrcan, nu hig eaöe magon. 



80 

Hwjct, la, p;i3t is ofer eul 3e-met to seeawi.'^cnne 7 to 
smjesenne, pcef )'a earman fyren-fullan seulon sarije aswfeman 
frajH ansyne ures Drihtnes 7 fram bis lialigra 7 frsan pam 
wulclre heofona-riees; 7 )?on«e 1) ^ewitaj'i) liie^) in )?a tintreso 
pa3re ecean helle. Eala, liwjct, inod2) syndon earralice a]?ri- 5 
stode,3) pixit hie ajfre L'ctan seulon ]>cp/ dea]>-berende dioful 
liis'*) on unnyttre geswipuniesse hie >) to pam jedwellan, pxt 
hie synne freuinieu 7 pa)S willan ne wyrcea]', pe hie on eorl^an 
Se-sceop 7 mid his gaste jeliffjeste 7 him eece lif for-^eaf. La, 
hwa^t meM him eallinja ne ondneda}?, hu pcet dioful him on- 10 
staileÖ ealle |^a un-rihtan weorc, pe her woihte bioö beforan 
l^aive mengeo pxs myclan domes! La, hwjet men bira ne on- 
drjeda]^ pxt myele dioful Ante-crist rnid his helle-witura 7 mid 
his yrm]>u?« 7 his pain saran suslum, pe him biol? to edleane 
bira firena golden. La, hvfxt we us ne oudnedaj? pone to- 15 
weardan eje domes-dieses, se is yrmpa dsej 7 earfoöa da35 7 



sylfes] a^enum V^ f. W [a,^enutn N] | HiccBt ponne pinceö bis tce eade 
ma,^on (Z. 16, S. SS) fehlt V^; in W ist vor Hwcpt noch ein Passus einge- 
schoben (ed. Napier IS-i* '*). 

1 ys I eal ^emd V*W] ealla ping V^ | to sceawigenne 7 f. V'^W 
2 smci'genue] smeagenne V^ W ] sceolon | sarie 3 dryhtnes 4 ponne 
geicitap hie] panon yAvito7i V*, panon geioitan W | in V^W] on V^ | 
tintrego V* W] tregan flies fin^rex^aw] V* 5 ecfl» | Eala, Jnccet bis ece 
lif forgeaf (Z. 5-9) f. V- 9 La, hiva^t] Eala, pcet V^ 10 itietm \ 01- 
(Iradad \ pc^t dioful] Öa deoflu V^ | 07istcelad 11 ge-tvorht beod [lies 
beoÖ] V^ 12 menegeo \ La] EalaY'^ 13 pcet mycle dioful] pone deofol 
V^ I his f. V^ I mid^ f. V* 14 yrrnÖmn \ Öam sarum \ beoö 15 hyra 
fyrena \ golden] agolden Y"^ | La V W] Eala Y'^ | oyidrcedaÖ 16 domes- 
dcEges] pces domes-dceges Y'^ \ ys | yrmpa V^W] yrmöe Y^ | earfoöa V 
W] carfoöncssa Y^ 



') Wahrscheinlich ist in Übereinstimmung mit V^ und W das Sätzchen 
noch zum Vorhergehenden zu ziehen und zu lesen : heofona-rices 7 panon 
gewifan i7i pa tintrego. 

'^) Wohl besser mit W zu lesen : manna mod. Jenes mod steht in 
V am Zeilenaufange, was darum zu beachten, weil beim Übergang von 
einer Zeile zur andern leicht ein Ausfall eintritt. 

^) apristode 'dreist gemacht' pafst nicht sonderlich gut zu eartnlice 
und zum folgenden Objektsatz mit gedivellan 'irreführen'. Somit ist wohl 
apystrode einzusetzen in Übereinstimmung mit W: apystrode 7 adysgode 7 
gedicealde. 

") Das eine der beiden hie ist zu streichen; in W fehlt das erste. 



90 

uu-rotnesse dxz 7 cirmes dsöÄ 7 wanunse dxz 7 sares djej 
7 sorjes 1) ävcs 7 se J'ystra da^3 ! On )^am daBje us biö set-eowed 

[foLlO^] se opena heofon 7 enjla prym, 
7 eall-wilitna hryre 7 eor]:'an for-wyrht,^) 
5 treowleasra Äe-wiiin 7 tungla jefeall, 

]niDor-rada cyrm 7 se pystra storm, 
<.])(Bya hjfta leoma'>^) 7 )mera lija bl?estm 
7 graniendra jesoeaft 7 ]'a?ra gasta sefeoht, 
7 sio Äri»»me je-syhö 7 ]?a jod-cundan mibt, 4) 
10 7 se bata scür 7 bell - warena 5) dream, 

< ^«?;-a heorga .^ehrest > ß) 7 para byraena sanj , 
7 se bnlda bryne 7 se bitera d^e^ 

< y se micla cwyld 7 /jara manna dream > ') 

1 cirmes 2 so)*^e | öawi | ftyö cetywed 3 Für die Versstelle 
gebe ich alle Siunvarianten aus W | se opena /i] se ^esewcna (| über der 
Zeile) heofon V*, sco ^eopenimg heofena W 4 eall-ioihtna V^ V^] /teZ- 
tvihta W [doch eal-ivihtna C] | eorÖan V^ W | forwyrht] fonvyrd V^ W 

6 ci/mi VV*] Äiynn W | Ö^/sim V*, ßeostra W [pistra C] | sfor»?. V* 
V^] prosm W [doch sform C] 7 die erste Halbzeile fehlt V'V*; sie 
lautet inW: Öceralyfta leoma | paraY^ \ liga Y^Y'^] ligettaW \ blcestm 
V] ^ebrasl VS hlcest W [doch gchrasil C] 8 7' f. W | sraniendra V»] 
pa grav^endan V^, /)a ^raniendan W [para grcmigendran C] | ^esceaft 
ViW] sesccafta V« | /jam V 9 7» f. W 1 sfo V^] seo V«, /)fl W | 
grimme V V-] ^»•imm^n W [ gesyhÖ VV^W [doch gesihÖe C] | mt7ii V^ 
W] mihtaY'' 10 7' f . W | helwaraW \ dream ViV-'] /iream W [doch 
ream (lies dreawi?) C] 11 der l.Halbvers f. V^V''; er lautet in W : 7&«ra 
beorga [beorha N] geberst 12 7^ f. W | bryne V'V-j bryne ofer ealle 
woruld W 13 der ganze Vers fehlt V; doch iu V^ und W lautet er: 

7 [f. WJ se micla cwyld [cwealmW] 7 para [p(era'W] manna dream [wianW] 



') Man beachte die Genetivform auf -es (Sievers, Ags. Gramm. § 252, 
Anm. 2). 

'^) Vielleicht ist mit V*W fonvyrd zu lesen. 

^) So wohl nach W zu ergänzen. 

*) Lis mihte oder mihta (V"), falls man nicht mit Napier den ganzen 
Ausdruck in den Singular transponieren will {seo godcmide mihi), wobei 
allerdings zu beachten ist, dafs alle sechs Handschriften pa godcundan 
überliefern. 

^) Vielleicht mit W hell-wara zu lesen. — Auf die Ausmerzung 
jüngerer Formen aus metrischen Rücksichten verzichte ich im folgenden. 

«) So wohl nach W zu ergänzen. 

') Wohl mit V'' und W einzuschieben. 



91 

< 7 seo sare sorli > i) 7 J'ara sawla ^edal 
7 se deaö-berenda draca 7 diofla forwyrd 
7 se nearwa seal' 7 se swearta deaf>^) 

7 se byruenda gi'wnd 7 se blodija streawr') 

7 mycen) fionda fyrhto 7 se fyrena r^n 5 

7 ^) ba3Öenra sranun^ 7 bira berisa fyll, 

beofon-warena 6) meuso 7 biora blafordes mibt 

7 ]?set myele ") jemot < 7 seo e^csfulle fyrd > ^) 

7 sio reöe rod'-') 7 se ribta dorn 

< ure fyrena edwit > 10) 7 |?ara feonda gestal 10 
7 J>a bMcan owf/wlitan 7 bifiendan word'^) 

< se forlita cyrm > 1*) 7 para folca wöp 

1 der 1. Halbvers fehlt V^ und B; er lautet in V^ und W: 7 [f. W] 
seo sarie \säre W] sorh 2 der ganze Vers fehlt W | dead-bereyida V*] 
deaä-berenda \~ \ deoßa Y"^ 3 der Vers lautet metrisch besser in W: 
se sära siÖ 7 se sorhfalla d(Fg \ seaÖ V- | dead V 4 in W in zwei Verse 
zerlegt ; s. Anm. 3 5 7 f . W | myccl V] seo mycle V^, f. W | fwnda fyrhto 
V^W] fyrhto para feonda V^ P. 7 f. VMV | hira [hyra\''] heriga fyll 
V V"] reafera wänuv^ W 7 heofon-warena V'V^] heofon - wara W 
[warn F] | men^o V] menigeo Y^, falmcegen W | Ä^ra V-, Aeora W | 
mihi W'-] /»"i/ju W 8 7 f . W | micle VS mycele V^] on^rislice W | 
der 2. Halbvers fehlt V V^ 9 7 sio [seo V-] rede rorf V V^] se reda 
icealdend W 10 der l.Halbvers fehlt V^V^; er lautet in W: nre fyrena 
edicit 11 7 f . W I andivlita7i Y'^ W \ bifiendan w. V^] pa bifiendan w. 
V«, l)cet bifiende wered W 12 der 1. Halbvers fehlt V^V^; er lautet in 
W: se forhta cyrm [cearm N] | hinter wo^ in W noch (ohne Alliteration, 
also wohl späteres Einschiebsel): pcera feonda grimnes 7 se hlilda heof 

So wohl mit V'^W zu ergänzen. 

'^) Den Anstofs bezüglich des Stabreims beseitigt die Lesart von W 
se sdra siÖ 7 se sorhfalla dceg. Vielleicht ist also so zu lesen, oder sara 
(für neariva) und sorhfulla (für swearta) einzusetzen. 

3) Dieser Vers erscheint in W in zwei zerlegt: poet brdde bealo 7 se 
byrnenda grund | pcet bitere wite 7 se blodiga stream. 

*) mycel ist jedenfalls mit W zu streichen. 

'•') Die Kopula zu Beginn der Verse, welche hier in V^ W und im 
folgenden Verse in allen Hss. fehlt, ist vielleicht durchgängig zu streichen. 

^) "Wohl mit W heofon-tvara zu lesen. 

') Wohl des Stabreimes wegen mit W ongrislice statt mycle zu lesen. 

*) So wohl nach W zu ergänzen. 

'0 Ob vielleicht mit W se reöa icealdend zu lesen? 

^°) So wohl nach W zu ergänzen. 

") Ob mit W 7 past bifiende iverod zu lesen? 

'^) So wohl nach W zu ergänzen. 



92 

ond se scamienda •) here < j se synniza heap, 

SCO gmniende neowelnes > '^) 7 sio for-slendrede^) hell 

7 ]^ara wyrma jryre. 

7 ]:>onne biö us ') jcsliwylc J'yllie ejesa set-eowed pxT ]7a 
5 fyren-fullan ponwe meahton se-wiscan, pi'et hie naifre ne wteren 
acenuede fram liiora fa^drum 7 modrum, oööe selc liiora to 
dii;»biim nytennm je-wurde. Hwjet, bim \^onne w;iere'') leofre 
ponne eal middan-jeard mid ^estreoniim, J:>e heofon be-bwylfeö. 
La, }iait we us ne oiidniidaj:', l^iait we d?ej-bwamliee je-seoö 
10 beforan urnm easum, nu we }?am oöruw ne 3e-lyfa]?, ure J^a 
ueahstau swelta]?. ") 7 ponne ]?a ') licboman biö laö-lic lejer 
Segyrwed in'') psßre eealdan [fol. ll""] cealdan"') foldan je- 

1 otid [7 V*] se scamienda [auf Rasur? V] here V* V'^] l)cet sarige 
mancijnn W \ Der 2. Halbvers fehlt V'V-^; er lautet in W: 7 se synniga 
[syngia N] heap 2 der 1. Ilalbvers fehlt V^ V^; er lautet in W: seo 

graniende neowelnes [-nys N] | seo V^ W | for-glendrede V^ W {forglcen- 
drede C, forgleddrede F)] byrnende V 3 7 f . W | gryre V* V^] ongryre 
W I dahinter noch in W ohne Alliteration, also jung: 7 pcera sorhwita 
[-iclhta N] mcBst, se nidfulla here 7 se teonfulla dceg. 4 ^ ponne V^] 
on pam dcege ns byÖ V- W | ceghioylc] celc Y^, call W | pylic V- | celywed 
V* I Peer V "V*] a«fZ W 5 mihton geiviscean V^ | ne icceren] nceron 
V 6 '^hira V ] fcedermn V | ^/ly^-fl V2 7 ^eiüwrrfe] gewurdon V^ | 
/jonjic] ponne pect Y'^, pcet ponne BCF S eall Y^ | mifZ] mid pam V* 
9 La, pcet] La, hivcet Y^ \ ondrwdaÖ Y'^ 10 eagum] eagun Y^ \ nu ive 
pam odrum ne s^lyfap fehlt V- | pa (V> W) fehlt V=* 11 sweltap Y^] 
sweltan V^, feallan 7 sweltan W | pa V'V^J pam W | ii//) V* | ladlic 
Y'^ ! leger V^V] legerbed W [/e^er C] 12 gegyred V^ I in] innan 

Y'; 7 inW I eealdan"- fehlt V» W | /"oZ^/an V^ FN] eoröan V^ B, moldan C 



^) Falls die Ergänzung des 2. Halbverses nach W richtig, müfste auch 
wohl sariga (W) statt scamienda eingesetzt werden. 

*) So wohl nach W zu ergänzen. 

3) Ob nicht vielmehr forglendrende 'verschlingend' statt (des aller- 
dings in 5 Hss. überlieferten) forglendreds. 'verschlungen' zu lesen ist? 

*) Vielleicht mit V- W besser zu lesen : On Öam dcege us biÖ. 

^) Lies mit V^ (W) pcet ivcere. — Man beachte, dafs an dieser Stelle 
(Napier 187 ^~') die Hss. BCF zu unserem Vercelli-Text stimmen, also wohl 
das Ursprünglichere bieten, während Napier die stark abweichenden 
Lesungen von N in den Text gesetzt hat. 

*) Lies mit V- W sweltan. 

'•) Lies mit W: pam lichoman. 

^) Mit W die Kopula davor zu ergänzen (7 in), ist wohl nicht nötig. 

^) Das eine eealdan ist natürlich zu streichen. 



93 

brosDodon ; 1) 7 pcet la^ne lic J?aer ge-rota)' to fulnesse 7 l'am 
wiclslitendan wyrmii»? to ajte. 

Hwjet, psat po)iue la biö sarlic sar 7 carmlio je-dal psca 
lichoman 7 ]'iere sawle, ^if ponne se earma innera man, pcßt 
is seo weri^e sawl, pe her for-wyrlit biö 7 ajiraeleasedu^) 5 
^odes be-boda, )>ii^t3) hio^) j'ouwe^) jefter paii je-dale aslidan 
seile in )\a ecean helle-witu 7 }?a3r )'oune mid dioflum drohtisan 
in morj're 7 on mane, in susle 7 on sare, on wean 7 on 
wurmum*) be-tweox deadum 7 diofluwj, 7 ■>) bryne 7 on biter- 
nesse, 7 on fulnesse 7 on eallum J>am wituwt, |^e dioflu jear- 10 
wedon fram f>8ere frymj>e, }?e hie to se-seeapene wajron 7 hie 
sylfe se-earnedon. 

Ae ntan we beon jemyndi^e ussa sawla J^earfe, 7 wyreen 
we s6d on pam daeje, pe we öurhteon ma35en. 7 forlaitan we 
morpor 7 man 7 ofer-hydyj^) 7 aifeste 7 idel-iilp 7 nn-riht- 15 

1 ^ebrosnodon] ^cbrosnad V^, ^ehrosnab BN, gebrosnoÖ CF | /)fer (V^ 
W) f. V^ 2 lücelslitendum V^ W 3 7jon«e hinter fci5 V^ | la f. V» W 
4 »Hrtnn V^ 5 u-ene V'^ | byö V^ 1 a^ymcleasudu V- ö Äeo V- | ßam 
V^ 7 sciZe] sceole V'^, sceai W i in V W] o?i V- | ecan V^ | ponne (V^ 
W) f. V- I deoflum V* | V- | drohtigan] drolünian V^, drohlnod habban 
W 8 o?i moröre V* | o?i stwZe V"- 'J lourtnuml wyrmnyn V-, ivyrDidi- 
tim W I cZeo/Zit»i V-' | 7'] on V^, in W [on C] | 7^ f. V^ 10 dioflu 
^earivedon] deof{l)um wcBS ge{g)earicodY'- 11 frympe iN^ \ to gesceapene 
wceroti] on forwurdon V^ 12 ^e-earnodon Y'^ 13 von hier an lautet 
W gänzUcli anders | iifon V* | we f. V^ | urra V* | pca{r)fa V* | wyreen 
v:e\ uton icyrcan V^ 14 dce^e f. V'^ | purh-teon ma^on Y'^ | forlceten loe] 
iito(;n) for-lceton V^ 15 moröor V^ | ofer-hydy^] 'ofer-higdo V^ | ce/isfa 
V"'' I idel-giljj] idelne ^ylp Y'^ 



') Wohl mit W zu lesen gcbrosnaö. 

^) Entweder zn bessern in 7 agiyneleasede 'nnd vernachlässigte' oder, 
was mir wahrscheinlicher dünkt, in on agimeleasedu . . . beboda (von 
forwyrht abhängig). Zu letzterem vgl. gif htva hine sylfne siciöe fonvyrce 
on mcenigfealdan synnan Eadgars Poenitential (Thorpe II, 276/"*). Vgl. 
Anm. 5. 

') Der Satz würde glätter, wenn man peet hio ponne striche. Viel- 
leicht hat aber der Übersetzer nach dem Zwischensatze damit das Subjekt 
wieder aufnehmen wollen. Das pcet möchte man aber demnach am liebsten 
entbehren. 

*) Vgl. Bülbring, Ae. Elementarbuch § 2S0. 

*) Lies on bryne (V^ W) statt 7 bryne. 

«) Vgl. Pariser Psalter LXXVII, 58: oferhydis ['Stolz'] ahofan. 



94 

wisnessa 7 uuriht-htomedas, ') ser-ajtas 7 ealo-^alnesse, dysiuessa 
7 jcdwoU-eraeftas, sitsunja 7 sifernessa, leasunja 7 licettun^a, 
tailnessa 7 twyspmecnessa, niöas 7 nearopancas, 7 heamol-scipas 
7 oallra }^ara peawa, 2) }?e dioflu on bim sylfum onstealdoD. 

5 Ac lufigen we urne Dryhten niid ealle mode 7 mtiesene, 7 mid 
eallre usse beortan 7 byjdo, mid ealre soöfestnesse 7 snyttro. 
Lufiseu we usse pa nebstan swa-swa us sylfe. 7 sin we mild- 
beorte earmum mannuw 7 elf'eodcÄum 7 un-trumu«^, ]?a?^ us 
ure Drybte« jnirb J^te^ milde weor)?e. Ond peah ure bwylc 

10 wiö oöerne [fol. 11^] je-sylte od worde oööe on worce, forbere 
be bim ]>sßt liöe-lice, pe la3S bim Jod pcet yrre, witDise, swa 
sylfa cwfeö: ^DiniiUe 7 dimitetur uoh\%\ Je-]>rowi5en we for 
ures Drybtnes lufau eall, pcet us man to earfeönessum jedöö 
ber on worulde. 

15 Hwffit, we be-bofijaö, pcet we ge-munen, bu mycel be for 3) 

US ^e-^'i'owode, sefter jjan-p'e be menuiscum licboman onfenj 
man-cynne to ecre bajlo 7 us purb l^set je-nerede of deofles 
]:>eow-dome 7 us edbwyrft forjeaf to pam ecean life, pQ we 
ser for-worbtou, jif we bit ge-earnian willap, swa se witija 

20 cwa3Ö: 'Drybten }?a je-bfeleö 7 bafa)? on beofona-rice, ]?a-pe 
ber on worulde beoö eaö-mode^) Jode 7 mannuw. 

Hwjet, we ge-byraö, l^set J'a beoö for Jode eadi^e 7 welije, 
J^a-pe on worulde bioö eaö-mode 7 manp>w8ere. Hwset we 

1 unriht-hcemcdo V- | ealu-^alnessa, disipiessa y^ 2 ge-dweoll 
dtcoll crceftas [so!] vor 7 twysprcEcnessa V^ | gytsuvga V | ^iftrnessa 
hinter dmgnessa 7 ¥'•' | 7^ f. V^ | liccetun^a 7 talnessa (7 vor fa?«.) V* 
3 niöas 7 nearu-pancas liiuter talnessa V^ | 7 lieamol-seipas f. Y- 4 eaHra 
ßara pemva] ealle pa l)eawas V- | deoflu ¥'■* | sylfum f. V^ | astealdon V* 

5 ac hifigeti we\ 7 nfon Zu^an V^ | ealliun \'^ \ 7] 7 »tirf eallitm V* 

6 nsse f. V^ | 7 hygdo] hyldo 7 V^ | eallre V | 7 snyttro f. V^ 7 Infixen 
ice'\ 7 wfo» Z»/tan ¥'•' | usse pa'\ ure \'^ \ nelistan] neahstan, pcet syndon 
ealle cristene menn V^ | sin ice] uton beon Y'' 8 elpeodi^um V* 
9 iveorpe] ivyrÖe V^ 10 ^e^ylte] agylte Y^ | on^] oÖÖe on V^ 11 pcet 
f. V^ I liÖehce] bliÖlice 7 for^yfe on pysse hal^an tide V^ ] god hinter 
yrre V \ icitnie V^ | Mit diesem Worte hört die Übereinstimmung beider 
Predigten auf, so dafs wir keine Varianten mehr zu verzeichnen haben. 



') Lies unrilit-hcemedu (V^). 

*) Wohl mit V^ zn lesen: ealle pa peawas. 

^) aus u korrigiert. 

*) Davor Schemen 3—4 Buchstaben fortradiert. 



95 

pomie ma^ou be j'am witan 7 on^itan, }'a)t )>a beoö for Jode 
earme 7 unljude, pa-^e her on worulde bioö ofer-hydisc 7 
a3fe8ti5e. Eallra synna sio is Jode lapost 7 un^ccwemost, for- 
l'an-J'e uian-eynn airest ]nuh. \>Si aifeste wreroQ on belle besencte 
7 eft J'urb mild-beortnesse; 7 eaömodnesse bie wieron j'auon 5 
alysde of diofles öeowdome. 

La hwjet, we be-hofiÄa)', pwt we iisse earan ontynen 7 usse 
heortan to pam jodspellican laruw, l'e iis man oft beforan 
8a35Ö 7 usse lareowas beodaj' 7 seesap. Hwa)t, we nu on 
idlum silpe us mid jolde 7 mid gimmu/?? searwia)' 7 blissiap 10 
7 ^laid-mode beoö, swa we wenen, l^ret we na^fre [fol. 12^^] bit 
forla^tan seylen 7 to seldan mycles urne Drihten ^e-munan 7 
ure sawle ^'earfe, f>al'e sculou bion on eenesse ajfter l?yssii»i 
life mid sawle 7 mid lichoman in svva-bwieörum-swa we ber 
nu 3e-earniap. Habben we jode hreowe ura synna, peab psat 15 
je-limpe, pcet ure hwyle wiö oöerne jesynnije on worde oööe 
on worce. pses f>onwe bot biö betst; forp'an ne biö na^fre se 
man to l?an swiöe synful, ]>cet bim symle ne sie sio bot 
alyfedu. 

Utan we nu forj'an efstan to Jode, rerj^an us se deaö 20 
jejripe, for|?an be us swiöe to nea-heceö. 7 sien we snotre 
7 soöfieste 7 mild-beorte 7 rummode 7 ribt-wise 7 a3lmes- 
Seorne 7 chenbeorte 7 frerasume 7 jod-wyrhte 7 larsume 7 
l'eowfeste 7 je-hyrsume Jode 7 urum blaforduw, 7 gej^yldise 
Jodes willan. 7 he us ponne pasa to leane forjifeö }>aet ece, 25 
p(et US Sßt fry>«-J>e je-teohod waäs. Utan we nu efstan to J^an, 
j^a hwile }^e we ura weja wealdan moton. pair hie nfefre 
leofe sedalaj? ne laj^e jesamnia}', ne na^fre da35 ne cymeö jefter 
A'xze, ne niht «fter nihte. Ae piQi biö ece leobt 7 blis 7 ece 
wuldor 7 ece jefea mid uruwi Dryhtne, middan-jeardes aly- 30 
sende, piet is efne se ilca Jod, seöe leofajp 7 ricsaf» mid 
fieder 7 mid suna 7 mid l^am haljan saste, p'am is wuldor 7 
wyrö-mynd purh ealra worulda 1) woruld aa butan ende. Amen. 



In der Hs. falsch abgetrennt: looruld aworuld. 



96 

B. 

Tl. Yercelli- Predigt 

fol. 54b_56a 

[fol. 54^] INcipit narrare miracula, qiie facta fuerant 
ante adncntum ') Saluatoris, doToini wostri iesit Christi. 

HER sajaö ymb öas mserau je-wyrd, pe to p'yssum dseje 
gewearö, |?set-te selmihtis Dryhten sylfa \>as world jesohte 7 

5 ]7urh unwemme ftemnan 011 ]?as world acenned wses to pan, 
pitöt he eall manna-cyn fram hell-wara-rice alysde 7 to heo- 
fona-riees wuldre sefremede. 7 to j^yssum daije, j^e dse^ is 
aelinihtijes Dryhtnes sebyrd-tid, ealne pjsne middan-seard mid 
niwan leohte bis to-cymes he ^efylde. And be }?ysse jewyrde, 

10 \>e we to-da3g weoröiaö, fram worulde fruman ealle Jodes 
halije s?edon; hie J?set on bocu?» 7 on hale^um leoöum suDjon. 
7 J^eahöe hit ealle s^don 7 bodedoo, hwjeöre an Jodes ]?a3ra 
haljona pcet eallra swiotelecot 2) jesang be öysses dsejes 
weoröu3a3) 7 swa cwseö: l)cet is se dsej, ]?one Dryhten je- 

15 worhte; utan we blissian 7 sefeon on him. Foröan-öe on 
f'yssum dffije ealra cyninja cyniu^ 7 ealra wealdendra waldend 
}?ysne middan-jeard for usse lufan jesohte of öam hean heofena- 
rice, foröam-}'e öa upliean mid pysse eoröliean 7 mid J^ysse 
neowolan gesceafte him wundorlice }?eowiaö. 

20 Mitte -}?e hit }?a losere eade^an tide nealsehte, )?8et-te 

Dryhten lichomlice wolde wesan je-boren, swiöe eyne-f'rym- 
liea tacen hi>w beforan samod siöedon. Arest je-eode to l'am 
se, ■*) l>e he on geboren w'ses, ]?8et nsenije men mid wsepnum 
jefeohtan ne meahton, ac hraöe, J^ses hie mid waipnum feohtan 

25 woldon, hiora earmas ajaledon 7 hira handa him ge-lugon, 7 
hie sylfe wseron to sybbe jeliöe \fol. 55'^] wacede, 7 jefeohtan 
ne meahton. Swylce l^set eac je-eode, pset-te siofon nihtum, 
ser Crist je-boren wsere, l'set sio sunne sct midre nihte onjan 
seinan, swaswa on sumera, |?onne hio hattost 7 beorhtost scinö; 

30 J?set tacnode, pißt he pas eoröliean sunnan nihtes scinende him 



') ünlesbar, weil Fleck. 
*) Lies swiotelecost. 



') Lies weordunga. 

*) Lies dce^e, wie schon Napier, Contributions S. 279 vorgeschlagen hat. 



97 

to sisl^ beforau sende. Swylci) pmt eae ^e-eode: unmanesum 
nihtum, jcr Crist seboren wies, onsprunson ]^ry wyllas 7 of 
I?ara anra Äe-liwyleum ele fleow fram turmersen oö lefen; und 
manna sehwyleuni wies for^ifen, ]\et he moste niman, swa he 
sylf wolde, para-pe |>a3i' to cwomon. Swylce manesa oöeru 5 
wuudor J'ter wieron gewordene xy j'iere . . . tide,^) pe he on 
Se-boren wies, öa nu un-eaöe mugon wesan arimede to-eacan 
]?am, )'e hie na^nis man aseejau ne ma}^. 

Da pixit se-eode pj sylfan da?Äe, j^e jyreandais^) wajs, 
f'cTSÖe Dryhten on niht geboren wa38, a^r morsensteorra upeode, 10 
öä^t se casere ferde mid ealle bis man-J^rymme to Bethlem 
J>a3re byris, }?e Dryhten on jeboren wa3S. Mitte-I^e hit pa.*) 
wa^s sio jTidde tid pses dtü^es, psc^) ^yrsan-da33 wa3S, he öa 
beseah on pa lyft onjean pa sunnan ; 7 he 5^-seah mid ealle 
his werede, l^e mid bim wies, j^ajt sio sunne beorhtor scan, 15 
]?onne hio a;fre ler seine; 7 hio wjes eall utan ymb-worpenu 
mid pry-fealde syldene hrinje. Mitte -öe A^ustus se casere 
)?set jeseah, he cisde ofer eall ]?set werud 7 cwa^ö: *I)a3t is 
Se-syne, j^tet J'is is hiofona eyninjes taeen, pe he bim beforan 
onsende ; 7 ic wat, pcet sio tid nu a3t-is, *0 I^^^t he us wille on 20 
l'as World sesecan; foröam he fram fruman middan-jeardes sied 
wa38, ... on ") oönwi wund-rum, pa ymb his je-byrd aeweden 
wairon [fol 00*], psct ]?is wäre ytemest J^ara taena, pe seeoldon 
wesan jeseepen, ser f'au-pe he on pysne middan-^eard aeenned 
wajre. Us öonne nu je-dafenaö, l^iet we }:>one wuldor-fa3stan 25 
eyning, se us his tacn swa swiotolice beforan bim sende.^) 7 
pR hraöe he abead, J^set sended wa^re to stowa se-hwylcre, 
J^iara-l^e to his riee belumpe, 7 abeodan het, ösette anra se- 

Lies sivylce. 

^) Davor ein kleiner Fleck. Auf der Photographie lälst sich nicht 
erkennen, ob Schriftzeichen darunter gestanden haben, etwa .111. (?), oder 
ob nur die Schrift der andern Seite durchscheint. 

^) syrsandce^ statt gyrstandce^ erscheint auch Z. 13. 

*) iiber der Zeile. 

^) Die Schreibung ß(e für pe begegnet nur an diesen Stellen der 
Handschrift, ist also wohl als Schreibfehler aufzufassen. 

^) Ühei cet-is 'steht bevor' vgl. Archiv f. neuere Sj^rachen CXXII, 251. 

'') Davor ein Fleck; wohl zu buton zu ergänzen. Vielleicht ist auch 
das vorhergehende he in hit zu verwandeln. 

*) Hierhinter fehlt etwas. 

Studien zur engl. Fbil. L. 7 



98 

liwylc, ]nira-f>e on earcern wjcre, pxt se waere ut-forlajten, 7 
}?a-pe oü bendum jesette wneron, pcet öa wseron ealle onlysede, 
7 p&öe for liiora mauiu« sceoldon wesan acwealde, pcet J?am 
eallum wa^re liira feorh ^ifen, 7 Ywt eallu;w scyldgum wjeron 
5 hira scylda forjifene. 

7 ]^a to ]>XYQ sylfan nibt, xr morsen-steorra up-eode, Dryhteu 
wses ge- boren on öysne middan-jeard. 1^7 bine geborene 
enslas onfenjon 7 bine sebfedon 7 bim wundorlico lof sunjon 
7 swa cwiedon: 'Wuldor on beannesse "^ode, 7 on eoröan 

10 sib mannu)» öses ^odan willan'. 

^'Mitte-öe Herodes se cyning je-ascode, J'fet Crist wfes 
Seboren on Betblem ludea byrij, be bine bet secan purb ealle 
]?a ma3^öa, pxt be wajre acweald. Ane daije, air]'an-}?e be 
Erodesi) se eyning bete ]^a cild cwellan, Drybtnes enjel 

15 Jctywde losepe on jesyböe 7 cwaiö: 'Je-nim Mariau 7 Hselend 
psdt cild 7 fer |^urb l^ait westen to E^yptum'. losep pR dyde, 
swa bim beboden wa3S. ^^ {Mit) te-pe^) by ferdon, by cwomon 
to sumum scrafe 7 bie Vf{oldon)^) restan on bim. Maria |'a 
astas of Öam nytene btebbende Hailend ]:'?et cild on bire faiöme. 

20 l3an' waii'on ]?i'y cnibtas mid losepe 7 mid Marian p'ffire 

Ps.-Mattliaei Evangelium: Kap. 13 ... Et ibi peperit masculum, quem 
circumtlederunt aiigeli nascentem et natum adoraverunt dicentes: 'Gloria 
in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae volnntatis' [Luc. II, 14] 

Kap. 17. Videns autem Herodes rex, quod illusus esset a magis, 
inflammatum est cor eius, et misit per omnes vias volens capere eos et 
interficere. Quos cum penitns inveuire non potuisset, misit in Bethleem 
et occidit omnes infantes a bimatu et infra, secundum tempus, quod ex- 
quisierat a magis. Ante unum vero diem quam hoc fieret, admonitus est 
loseph in somnis ab angelo domini, qui dixit illi: 'Tolle Mariam et infantem 
et per viam eremi perge in Egyptum' [vgl. Matth. II, 13]. Joseph vero 
secundum angeli dictum ivit. 

Kap. 18. Cumque pervenisseut ad speluncam quandam et in ea 
requiescere vellent, descendit Maria de iumento et sedens habebat lesnm 
in gremio sno. Erant autem cum loseph tres pueri et cum Maria quae- 
dam puella [simul AB] iter agentes. Et ecce subito de spelunca egressi 
sunt multi dracones, quos [videntes pueri prae nimio timore exclamaverunt. 



1) he erodes [so die Hs.], was an sich natürlich durchaus zulässig 
wäre, ist möglicherweise durch Dittographie ans herodes entstanden. 

2) Über mit ein Fleck. 

3) Teilweise von einem Fleck überdeckt. 



99 

fa3muan ^) siöiende. Semuin^a j^a ut-eodon of öam scrafe 

manije dracan, pvct . . . .'^) 

[fol.56''] '■'^denum, hy locedon on Ejypta dune, 7 hie wteron swiöe 
Sefeonde. 7 mytte-)?e hie eomou to j^aire eeastre, hie n;unigne 
euöne ntL^fdon, mid hwam hie wunian meahtou. Hy be-eyrdon 
to J^ara joda teinple. 23-7 mitte-]'e hio ineode ]\[aria hicbbende 
HiX'lend )';L't cild on hyre fiuöme, call (>a dioful-sild se-hrurou 
beforan Marian fotum, 7 hie wa^ron jelytlode. ^^B'^t mitte wa38 

Kap. 22 ... Hsec illis loquentibus ecce prospicientes] videre 
cocpenint montes Egyptios et civitates eins. Et gaudentes et exultantes 
devenerunt in finibus Hermopolis et in nnaoi ex civitatibiis Egypti, quae 
Sütinen dicitur, ingressi sunt; et quoniam in ea uulliis erat notus, apud 
quem potuissent hospitari, teuiplum ingressi sunt, quod capitolium Egypti 
vocabatur. In quo templo trecenta sexaginta quinqne idola posita erant, 
quibus singulis diebus honor deitatis in sacrilegiis perhibebatur. 

Kap. 23. Factum est autem, cum beatissima Maria cum infantulo 
temphim fuisset ingressa, universa idola prostrata sunt in terram, ita ut 
omnia convulsa iacerent penitus et confracta in faciem suam; et sie se 
nihil esse evidenter docuenint. . . . 

Kap. 24. Tunc Affrodosio [Afrodisio C] duci civitatis illius cum 
nnntiatum fuisset, cum universo exercitn suo venit ad templam. . . . lUe 
autem ingressns templam, ut vidit omnia idola in faeics suas prostrata 
iacere, accessit ad Mariam et adoravit infantem, quem ipsa in sinu suo 
portabat, et cum adorasset eum, allocutus est Universum exercitum sunm 
et amicos suos dicens: 'Nisi hie deus esset deorum nostrornm, dii nostri 
coram eo in facies suas minime cecidissent, neque in eins conspectn 
prostrati iacerent. . . . Nos ergo deos nostros quod videmus facere nisi 



*) Das von einem Fleck verdeckte Wort lautete wohl samod (vgl. 
lat. simul iter agentes in C). Vielleicht ist auch statt pcere fcetnnan dem 
Latein entsprechend an fcenine zu lesen. 

-) Das letzte Wort ist unleserlich durch einen Fleck. — Hier fehlt 
in der Handschrift mindestens ein ganzes Blatt (vgl. S. 71 unter Nr. 8) 
und damit der alteugllsche Text, welcher im Latein dem Kap. 18 Zeile 5 
{quos videntes) bis Kap. 22 Zeile 6 {prospicientes) entsprechen würde. In 
den fehlenden Abschnitten ist erzählt, wie Jesu die Drachen der Höhle 
besänftigt, wie Löwen, Panther und andere wilde Tiere mit ihnen weiter 
durch die Wüste ziehen (Kap. 19), wie Jesu eine Palme sich niederbiegen 
heifst, damit seine Mntter von den Früchten esse, und Wasser aus ihrer Wurzel 
hervorquellen läfst (Kap. 20), wie er einen Zweig dieser Palme von Engeln 
gen Himmel führen läfst (Kap. 21) und die Reise auf wunderbare Weise 
abkürzt (Kap. 22). 

7* 



100 

s?ed Afradisio l?am bere-tosan, he J^feder cwom mid ealle bis 
werode. 7 he wa3S insarisende on l?a3t templ, 7 he jeseah eal \>a 
dioful-^ild 011 eoröan liesan. He eode to Marian pißve fsemnan 
7 he se-ba^d Hallend ]?a3t cild, 7 he spraye to ealluMi bis werode 

5 7 cwicö: 'pa3röe Jns Jod ne wajre, nainise }?iD5a ura ^oda on 
byra onsyne sefeollon; 7 for)?an us is )?earf, pcet we don swa 
ura Äod, }'yl?es bis yrre 7 deaöes frecnes ofer us cume.' 

25^fter ]?an öa Dryhtnes enjel ait-eowde losepe 7 Marian, 
7 bim to cwseö: 'Hwyrfaö eft to ludea-lande; ealle syndon 

10 deade, pa.-pe sobton ]??ene cnibt to aewellanne'. 

Hffilend pa weox 7 he wses jestranjod gaste; 7 rasejene 
7 snytero he wa3S jefylled mid Jode 7 mid mannnm. Hirn 
anum wuldor 7 weorö-mynd on worulda woruld. 

Hwait we nu je-hyrdon secjan, bwylcne-hwesu dsel ymb 

15 usses Dryhtnes jebyrd, swylce eac ymb \>a wun,i) }'e he on 
bis cildhade. 2) Utan we nu eorne^) tilian, ]?set we pe sekan 
syn ponne we }?ylleca bysena usses Dryhtnes beforan us 
recean 7 rsedange'^) sehyraö. Utan we bealdan sybbe 7 lufan 
be-twiobs us; J^ionne syldeö us Jod eee mede set ussum ende. 



C. 

IX. Vercelli- Predigt 

fol. 61a — 65a. 

.ini. 

20 MEN öa leofestan, manaö ^) us 7 mynsaj? l?eos haiige boc, 

psdt we sien senayndi^e ymb ure sawle l>earfe 7 eac swa ures 

cautius fecerimus omnes, poterimus pericalum eins indignationis incurrere 
et universi in interitum devenire. . . . 

Kap. 25. Non post inultuin tempus dixit ad losepli: 'Revertere in 
terram Inda; mortui sunt, qui quaerebant animam pueri.' 

Varianten von Bodl. 340 fol. 35b — 40^ (^B): 1 us fortradiert und 
von späterer Hand vor manaÖ übergeschrieben \ mynegad \ syn 2 ytnbe 



•) Lies ivundor (oder ivnndru). 
^) Dahinter ergänze dyde. 
') d. i. georne. 
*) Lies rcedinge. 

'") Vgl. die auf gleicher Quelle beruhende Stelle der XLIV. Ps. 
Wulfstan-Homilie (ed. Napier) 22513 — 226«. 



101 

YxB nehstan dji3Äes 7 pvcve toseeadednesse ure sawle, *) ponue 
hio of öani lichoman lji3dde bion. 7 Loten we us siusallice 
bion on ^eiiiyndiu« 7 on 5e]'aDCum ]^a.>s eses-fullican djcjes 
tocyme, on öam we sculon Jode riht ajifan for ealles ures 
lifes d^udum, pe we siö oööe ser sefremedon fram fruman ures 5 
lifcs ende, 2) foröan-|'e we nu magon be-hydan 7 behelian ura 
dtcda. Ac bic bioö ]>ünDe opena 7 iiawri^eua. ForJ^an we 
babbaö micle nyd-]'earfe, J'a bwile,]7e we her syndon on pys 
la3uan life 7 on pyssnm sewitendlieum, pmt we ponce on pxre 
toweardan woruld^) msejeu 7 moton becuman to life pa38 10 
[fol. 61^'] beofonciindan rices 7 to pam wundre *) j^a^re ecean 
eadijoesse, ]ner we moton siööan orsorslice lybban 7 rixian 
butan allere onwendeduesse mid bim emne swa ure Dryhten 
Hailende Crist 7 rnid eallum bis bal^um, jif we bit jearnian ^) 
willaö mid mwm sodum djedum. 15 

Nis j'onne nainises mannes jemet, pset be ma^je asee^an 
l'ara soda 7 j^ara yönessa, pe Jod bafaö ^e-earwod^) eallum, 
]\am-)'e biue lufiaö 7 bis bodu bealdan willaö 7 gelsestan. Jif 
J^jet l^onne biö, j^'ct we willaö wyrcean bis willan 7 on bis 



1 pcere von späterer Hand geändert in Jxes \ tosctadednesse ist aus- 
radiert; dafür von anderer Hand am Rande ^e-dales | üra sdwla 2 heo \ 
lichanian \ ^elcvdd \ bion] biÖ B \ y Iceton ife] auf Rasur uton Icetan B | 
sw^allice ist ausradiert; darüber von anderer Hand l cefre B 3 beon \ on 
gemynde 7 07i gepance \ ful in egesfullican ausradiert B 4 sceolon \ agifan 
i von späterer Hand in y korrigiert B 5 fruman von ganz späterer Hand 
korrigiert in frymeöe B 6 ende] oÖ done ende B i behydan 7 fehlt B | 
ure 7 hi beoö \ opene 7 ünivrigene \ Foröan 8 miede \ on Öysum 
IcBnan 9 Öysum \ öcere 10 tvoriilde magen 11 dam tvuldre \ ecan \ 
12 eadipiysse \ sydöan orsorhlice libban 13 buton celcere dwendednysse 
mid ürum drihtne hcelendmn criste 14 ;geearninn 15 uriim ist aus- 
radiert B 16 über gemet von späterer Hand: l mceö B | /te f. B 17 ealle 
pa [a über der Zeile] god -] pa ednysse \ gegearewod 18 bebodu 19 ponne 
jbset I xoyrcan 



Lies ura saivla (B) wegen des folgenden Plurals, den ß allerdings 
wegen des anglischen hio (Plur.) in den Singular verwandelt hat. 
^) Lies (wie Hs. B) : oÖ öone ende. 
^) Lies tvorulde (B). 
*) Lies widdre (B). 
*) Lies geearnian (B). 
^) Lies gegearwod (B). 



102 

lufe jnirh-wnniaD, J^onne mason we <T3Öer je us heofonrice je- 
earnian je öonne eac, |'?et we ma^ou se-sjieliÄlice befleon ]?a 
stowe 7 pa dimman tintresan, ]'a3r belle dioflu on syndon mid 
eallum hyra wea-je-siönm 7 mid pam sawlu???, l^e hyra \anwi 

5 hlystaö 7 be byra larum lybbaö 7 to ^ode ge-cyrran nellaö 
Jnirb soöe andetnesse m^esse-preosta 7 ]mrb soöe böte, swa se 
hale^a lareow cwa^ö: 'Wa la öam manaivw, j^e sculon mid 
dioflu?» babban seardunsstowa ; i) foröam p'xr is sar butan 
frofre, 7 pscv is yrmö butan are, 7 pser is weana ma, ponne 

10 bit a3ni5 man wite to asecganne, swa bit on "Öam sealme by 
öam awriten standeö'. He cwaeö se sealm-seop [Ps. VI, 6] pmh. 
Drybtnes jife: 'Hwylc man is, 2) j^tet-te be sie Drybtues je- 
myndij, oööe hwylc is, ösette byne on belle andette!' 7 se 
sealm-seop us san^ ]?is be deaöes onlienesse 7 be helle jryre. 

15 ponne syndon ]n-j deaöas liornode on hocmn : pcet is ponne 

se {cresta deaö ber on worulde, pcet se man se-öe^) mid 
ma^nesu»^ synnuw ofer-bealden biö. ponne [fol. 6^"] is se 
aeftera dea}? psere sawle jesceadwisnes *) 7 lieboman. ponwe 



1 heofona nee 2 Öonne fortradiert B 3 deoflu 4 mid eallum 
hyra iveagesidum 7 fortradiert B | hyra larum] nu [über der Zeile] him B 
5 hyra] heora B | lihbad 6 andetnysse \ mcessepreoata f. B | vor hote 
von anderer Hand übergesclirieben dced, also do'dhote meinend B 7 haJga \ 
hinter lareow übergeschrieben von anderer Hand Dauid B | la fortradiert B | 
sceolon 8 deoflum \ eardun^ stöwe \ forban \ buton 9 buton | loeana] 
tvammge B 10 asecgenne | by dam f . B 11 standeö] Stent (korrigiert 
aus standeö) B | sceojJ, darüber von späterer Hand Dauid B 12 drihtnes \ 
hioilc I is] is on deaöe B | ^aet he sy drihtnes 13 Öcette] pe auf Rasur B | 
hine \ andette ist durchstrichen und darüber von späterer Hand geschrieben 
IncemnieB \ 7 ausradiert 14 onlicnysse von anderer Hand in gelicnysse 
korrigiert B 15 geleornod von späterer Hand korrigiert in ge-rced B 16 se 

de f. B IT md7ie^mn \ oferhealden biÖ] for biö radiert und von 

späterer Hand korrigiert in biÖ [über der Zeile] for-ivorht tciÖ god B 
18 deaö \ gesceadwimes] ^edal auf Rasur B | pces lichaman 



1) Lies eardungstowa (vgl. B). 

^) Lies mit B : is on deaÖe [■= Psalm VI, 6 : Qaoniam non est in 
morte, qui memor sit tui; in in ferne autem quis confitebitur tibi?] 

^) Streiche se-öe, wie in B. 

*) gesceadwisnes 'Klugheit' pafst nicht in den Zusammenhang. Lies 
gescead 'Trennung'. Der Korrektor von B bietet gedal (auf Rasur), was 
wohl nur eine Konjektur darstellt. 



103 

is se j^ridda deaö, ^xt pa, sawla sciilon eardijan on helle, |??ßr 
nis nfenis man, J^a^tte ma33e his scippend herijan, for öam sare, 
])e him onsitet. i) 

Emne swa öa l'ry deaöas syndon fyren-fulra, swa J^^enoe 
gyndon preo lif be öam soö-f;t'stum: an lif is, J^jet he biö on 5 
fla^see; ponne ia oöer lif, öait biö on ^odes wuldre; 7 Jn-idde 
lif is on j^a^re toweardan wonilde mid eallum hal^um. 7 se 
deaö is |>icnne for]\an to ondricdanne, foröan hine ne ma^3 
namis man for-flion. 7 se deaö is nyöer-lic; 7 he is forj'an 
nyöer-lic se deaö: J^eah se man je-wite in öa neowelestan 10 
seiafa 7 on ]^a deoppestan dene, pe on middan-jearde sy, 
):'onne sceal he [»eah-hwa^öere sweltan. And se deaö is for- 
J^am uplic: peah se man astije ofer ]?one yfemystan dad psea 
hyhslan holtes, swa-]>eah-hwa3Öere hiene se deaö ge-seceö. 
And se deaö is swiöe manij-fealdlie 7 e^eslic; 7 he is forJ^an 15 
ma^nii-fealdlic: ]'eah se man eardije in middiim bursum 7 on 
midre his ma?5Öe 7 be-tweox hiind-teoute^um jnisenda manna 
l^onwe sceal he hwa^öere sweltan. 7 se deaö is forj'an e^eslie, 
J^a^t na^ni^ man swa feor ne je-witeö nt on westen 7 swa-l?eah 
he ne mivj J'one deaö for-flion. Se deaö is jionlic, 2) foröan- 20 
\>e cild ewelaö'^) 7 unmajan. 7 se deaö is freolic 7 deoplic, 

1 sceolon earclian 2 nceni^ korrigiert in nan B | scyppend lierian 
3 onsiteö durch Radieren geändert in onsit 4 da f.B | fyren-fulra] 

auf Rasur von späterer Hand sen-fal-lum manmim B | ßcenne] auf Rasur 
von späterer Hand eac B ö be fortradiert B 6 pxt he \ iculdre] 

weorce B 7 dcere 8 pCBtine forpan f. B | ondra;denne 9 iicenig] 
ndn B | mann \ for-fieon | 7* ausradiert | niöerlic \ 7^ f.B 10 foröan niderlic \ 
i7i] on B 11 scrcEfu | öa \ dcene \ middan earde \'l ponne sceal /le] 
he sceal B | sweltan] deaÖe sioeltan B 13 forÖan upplic \ yfemestan 

14 hyhstan f.B ] hiyxe \ gesecÖ 15 mceni^-fealdlic | forÖan 16 in] 
on B 17 middere \ be-twux | hund-teonte^um f. B \ pusetid 18 sweltafi] 
deaöe siceltan \ forÖan 19 f)cet nceni;^] durch Radieren und Überschreiben 
von späterer Hand geändert in foröanpe [über der Zeile] 7ian B | mann \ 
^eicited, radiert zu geivit 20 7 f . B | forfieon \ geornlic mit ausradiertem 
r und Akzent von späterer Hand über e B 21 iinma^on 



^) Mischform aus angl. siteö und ws. sitt. 

*) Dies ^ionlic (mit Rasur [r?] vor n) meint offenbar gionglic 'jung'; 
doch las schon der beiden Hss. zu Grunde liegende Text ^ionlic, da B ein 
geornlic in geonlic bessert. Auch im Ags. Martyrologiiim (ed. Herzfeld S. 156 
Z, 18) liest eine Londoner B.S. geoidices, wo offenbar geonglices gemeint ist. 

^) l aus II gebessert. 



104 

foitan cynin^as swelta]i 7 eae l^eowe-men. 7 se deaö is ]:'islie 1) 
7 snotorlic, for-]'an-]^e se-peowan 1) sweltap 7 uöwitan. Foröan 
se deaö is iinrotlic 7 bliöelie, for)\an synfulle swelta]' [fol. 63^'] 
7 eac hali.se; j^y hyö wel wyrö,^) )?jct se deaö sy unrotlic 

5 fyren-fulluw mannu?«. 

Forj^an is deaö to ondr.nedanne, forj^an he ne myrneö 
Seonsum. Foröan we sculou ure sawle georne tilian 7 hy 
leornlice Jode jesearwian. Ne rnaes ponne eall manna-eyn 
mid hyra wordum ariman J'a god, pe Jod hafaö soöf?estiim 

10 sawlum jeearwod ^) tojeanes for hyra jastlieum worcum, 7 se 
deaö is for)?an to dr?edenne, forj^an ealle ]'a sedseledan *) sawla 

1 foröan | sxceltah | menn \ Jnslic] pristlic B 2 vor snortorlic von 
späterer Hand ein «w übergeschrieben B | forÖanöe \ ^e-peowan] dysige B | 
sivcltaÖ 3 blidlic forÖan | sioeltad 4 bid, mit he davor von späterer 
Hand übergeschrieben B | wyröe \ unrotlic] ünsnotorlic B 5 fyrenfullum] 
senfullum von späterer Hand auf Rasur B 6 ForÖan \ se deaÖ \ oti- 
drcedenne foröan \ myrnÖ 7 ^eonpmi\ geongum ne ealdum, vor ne von 
späterer Hand übergeschrieben mannum B | sceolon \ hy] hioB 8 Jofie 
gegearwian] ge-gearivian to '^odes willaji B | eal mann cynn 9 heora 
10 gegeareivod \ heora \ lücorcum 11 foröan \ to ondrckdende foröan \ 
gedoeledan f. B 



1) gepeowan als Gegensatz zu xiöwitan 'Weise, Älteste' kann wohl 
kaum, wie man rein etymologisch annehmen möchte, "Mitsklavc" bedeuten. 
Dagegen würde die Bedeutung "Verknechteter" passen, die das Substantiv 
doch wohl in Anlehnung an das Verbum gepeowian " verknechten"' gehabt 
haben mag. [Über die Verknechtung bei den Angelsachsen siehe jetzt 
den tiefgründigen Artikel bei F. Liebermann, Gesetze der Angelsachsen, II 
2. Hälfte, 1912, S. 707.] Der spätere Schreiber von B scheint das Wort 
nicht mehr gekannt zu haben, da er dysige 'Törichte' dafür einsetzt, — 
an sich kein übler Gegensatz zu uöwita, aber wohl erst spätere Konjektur. 
— Da auch im vorhergehenden Satze auf die zwei gegensätzlichen Sub- 
stantiva mit gegensätzlichen Adjektiven hingewiesen ist, so wird sich auch 
hier das unverständliche pislic auf gepeowan und natürlich snotorlic auf 
uöwitan beziehen. Die Lesart von B (pristlic 'dreist') entspricht kaum 
dieser Bedingung; ebensowenig die naheliegende Besserung von pislic in 
wislic 'weise', — man müfste dann schon unwislic lesen Und die gepeoivan 
als Repräsentanten der Umbildung und Torheit fassen. Vielleicht ist 
daher pislic in fnoivlic 'knechtisch' zu bessern, das wenigstens m einer 
Hs. der iElfricschen Grammatik (ed. Zupitza 55 1) erscheint. 

2) Lies tveorÖ oder mit B ivyrÖe. 
') Lies gegearwod (B). 

'') gedoeledan ist wohl besser mit B zu streichen. 



105 

hio 1) d.ielet^. 1) 7 j'onne bii"^ ealliim cuö, Inet sio sawl jedeö 
beforan hire. 7 {^onne hwa;öere biö beforan hyre semeted swa 
jod swa yfel, swa he 2) jcr ÄC-t'arnod ha^fde. 

Is US eac ]?onne to beliealdanne, pxt we nu onwarijan 
f>one to-cyme, 3) pxt hira ne sy to feala. ponne is \>(et a^rest ■*) 5 
Sedal wiö ealliim bis freondum; foröam bim iia'ni,-^ jcfter ne 
wedeö, 5) j^a^t bim amij to cyrae. /Ejbwylcre sawlo bic") on- 
siindriim to-seyred; 7 sio biö, swylce byre se licboma sei' je- 
worhte. I)onne breoweö hyre swiöe ]'a yfelan d:i;da; 7 J>onwe 
hie hit awendan ne magon, j'oane ncllaö hie. ß) 7 öoniie is 10 
I^jet jnidde sedal wiö ealluw coro - warum ; forj^an he nrefre 
eft to eortVwarum ne se-hwyrfeö. Ne biö funden beforan bim, 
ne huru aifter boren,') buton he ier bis jast mid jodum 



1 hio dceled] he to-d(ded B | sco saivul 2 hwceöcre fortradiert B | 
hire \ ^emctcd f.B 3 hinter ^dfZ ein 7 zwisebengefiigt B | he cer] heoB | 
hcefö, von späterer Hand gebessert in hceföe, d. i. hcefde 4 eac] f. B | 
hehealdennc, darüber von späterer Hand ivarnie7me B | poet we nu on- 
tvari^an ßoiie tocyme pcet hira] pccra yfcla j ßcera ibnihtaB 5 to fela] 
ealles to fela, dahinter übergeschrieben von späterer Hand mid us B | 
ponne] Forban B | cereste 6 foröan \ ncenig durch Radieren geändert in 
lidn mann \ cefter ne loedeÖ] to dan siviöe ne ondrcet (ans ondrcedeÖ korrigiert) 
B 7 him (enig] he him B | cyme] ne cunie B 8 i^osci/rerZ fortradiert, 
übergeschrieben von späterer Hand gedemed B | sio] auf Rasur von späterer 
Hand se dorn B | hyre se lichoma] heo hire sylf B 9 der Satz ponne 
hreoioiö bis nellaÖ hie fehlt B 10 ponne^ 11 forÖan 12 gehtvyrfeÖ 
hat das cö ausradiert, doch vergafs der Korrektor das ö einzusetzen B | biö] 
biö pa'r B 13 boren] geboren ndti göd B | (er f. B, doch von späterer 
Hand am SchUifs des Satzes übergeschrieben 



^) Lies he todceleö (B). 

2) Lies heo (B). 

^) Wegen des folgenden, sonst schwer beziehbaren hira ist vielleicht 
statt l)07ie to-cyme mit B /^cera yfela 7 pcvra unrihta zu lesen. 

*) Lies cereste (B) ; vgl. pcet pridde gedal (Z. 1 1) und pcet feorde gedal 
(S. 106 Z. 2). 

5) tcedeö 'wütet' ist doch wohl in tceneö 'wähnt' zu ändern. — Der 
stark abweichende Sinn des ganzen Satzes in B scheint auf den ersten 
Blick verständlicher, ist aber wohl kaum ursprünglicher. 

") Hierhinter ist etwas fortgefallen : aufser einer Ergänzung zu nellaÖ 
auch ein ganzer Satz, der über die "zweite Trennung" handelte. B kann 
uns nicht helfen, da ihm der ganze Passus fehlt. 

') Lies boren nan god (B). 



106 

weoreura Sfifr.Ttewod h.Tfde, ]:'a hwile |^e he w;cre mid mannum. 
Donne biö ]i?ßt feoröe sedal, pxt hine man jedajle wiö pyssuw» 
eorlieu/u') jnymme 7 plegan 7 l)lisse; 7 him for J'yssa njeuesum 
ne biö ^lenj witod. l)omie biö hit swa ejeslic for J^a^re biter- 

5 iiesse, pe on him biö se-eyöed. Forj^an he be-tyneö pa ea^an 
fram je-syhöe [fol. 63"] 7 pa earan fram ^e-hyrnesse 7 ]m 
weloras fram spra^ce 7 pa fet fram ^an^e 7 pa handa fram 
weorce 7 pa njes-öyrelu fram stence. 

Donne «fter pon be-tyneö he öa scyldejan on helle. Wa 

10 öam ]'a3t biö, pcet he l:>onne sceal bion betyned on helle. 

t)onne is leornod on bocnm, j^a^t on l^ysse worulde syn fif 
oulienessa be helle-jryre. Sio aereste onlicnes is nemned wriec;^) 
foröan se wraic ^) biö mieeles cwelmes 3) seleum, }?ara-pe he 
to-cymeö; foröan hine sona ne lysteö metes ne drynces, ne 

15 him ne biö Iseten jold ne seolfor, ne öa3r ne biö seni^ wiildor 

2 ßonne pi/stim 3 eorÖlicum \ 7 him for pyssa ncenigiim ne bid glceng 
icitod fortradiert B 4 hit bid | Öcere biternysse, -se fortradiert, doch von 
späterer Hand wieder angefügt 5 foröan he bttyn ö 6 gesihöe \ ^ehyr- 
vysse 7 iceler as 8 nces-pyrlo 9 ponne \ pan \ betyned fortradiert, 
darüber von späterer Hand ^edcet B | scylde^an] scyldi^an säicle B | der 
Satz loa pam bis betyned on helle f . B 11 geleornod fortradiert, darüber 
von späterer Hand ^e^-ed B | Sysse 12 onlicnys{se)^^~ von späterer Hand 
beidemal korrigiert in gelicnys{se) \ seo \ nemned, davor von späterer 
Hand übergeschrieben ^e B | wroic'] uaerc (beidemal) B 13 cwealmes \ 
pcera-pe 14 cymd \ lysted radiert za lyst B 15 heten, darüber vom 
ursprünglichen Schreiber (?) to ge, dahinter übergeschrieben ne B | pcer | 
cBnig, von späterer Hand korrigiert in nan B 

^) Lies eorÖlicum (B). 

-) Lies beidemal tvcerc (B). Dafs hier das anglische ivcerc 'Schmerz' 
(s. Jordan, Eigentihnlichkeiten des angl. Wortschatzes S. 52) gemeint ist, 
lehren die folgenden maskulinen se nnd he. Auch sonst verwechseln 
südliche Schreiber das anglische iccerc mit neutralem wrcec 'Bedrängnis', 
wie vier Beispiele bei Jordan S. 51 zeigen. 

^) Obiges cwelni mit dem cwelm des Daniel V. 668 sowie das cwylm der 
Boul. Prudentius-Glossen, cwylm-bcere ^5^1fric Hom. 11,260', Napiers Gloss. 
I, 920, cw€lm-b(Ere Napiers Gloss. 1, 4882, XI, 83, cwelm-bcernys ^Ifric Hom. 
I, 118^ und Gramm. 82'* {cwcelmbcernys Hs. U), civylmnes Beda IV, 9 
Hss. BO Ca, gecivylmful Haupt-GIoss. 428, gecivelmhceran Hanpt-Gloss. 470 
lehren, dafs cwelm nicht Verschreib ung für cwealm ist, sondern dafs wir 
neben dem 0- Stamme cwealm auch ein i-umgelautetes cwelm, cwylm, 
cuicBlm anzusetzen haben, das entweder einen i- Stamm darstellt oder Ein- 
flufs des Verbums cwylman aufweist. 



107 

mid bim, ]\T>t he fore-wyiisumise, j^eah bim syudon calle wuldor- 
dreamas to-^e-laidde. ponne is Inere a^fteran belle onlicnes ge- 
uemned ofer-yldo; forj'an bim i) amolsniaö j'a ea^an for öjcre 
ofer-yldo, öa-]'e wasron jleawe on je-syböe. 7 f>a earan adim- 
miaö, öaöe 'Mt meabton jebyran fncsere sansas; and sio tun^e 5 
awistlaö, 2) pe an* bjefde gerade sprajce; 7 pa earan aslapaö,^) 
pe 8ßr wa3ron ful swifte to je-byranne; 7 pa banda awiudaö/) 
]?e scY hjofdon fnl hwate fin^ras, 7 ]^(et feax afulaö, ^) pe a;r 
■w»s on fullere wa}stme; 7 pa teö ajeolewiaö, J^a-pe Wicron^) 
bwite on bywe; 7 )v/'^ oroö afulaö, ]'e wiies ;er swete on stence. 10 
Don?ie is pjcre priddan belle onlicnes her on worulde deaö 

1 pcet he foreicyvsumige radiert und von späterer Ilaud geändert 
in nc nan Kc^nsumnes B \ sy7ulo7i] sijn B | iculdor-dreamas] woruld-drcamas 
B 2 onlicnys von späterer Hand korrigiert in gelic::ys B 3 oferyld. 
fordan 4 ofer-ylde | öa-pe] pa B | ^e-sihöe 5 paöe | militon | san^as] 
sav^es B | syo 6 mvystlaÖ | 7 j6a ecraw bis ^0 gehyranne f . B 8 /"«Zi | 
/eoj I afidad} afeaUcd, das e fortradiert B 9 fulre \ ageohviaÖ pa-de ] 
wceron] (erwccronB 10 hnve \ pcet f . B | oraö | (Er rcces B 11 ponne | 
onlicnys von späterer Ilaud korrigiert in geliaiys B 



') Der lange Satz /n'»? amolsniab bis sfeHce (Z. 3 — 10) steht in leicht 
abweichender Form in der Ps.-Wulfstanschen Houiilie XXX, ed. Napier 
14729 — HS': hhn amolsniaö and adunmiad pa eagan, pe (hr icceron beorhte 
and gleatve on gesihde; and seo tunge awistlaÖ, pe cer hcefde gelinge sprcece 
and gerade; and Öa earan aslaiciad, pa-pe cer woiron fid sicifte and hrcede 
to gehyrenne fcegere dreamas and sa7igas; and pa handa awindaö, pa-Öe 
a;r licefdon ful hiccete fingras; and pcet feax afealled, pe cer leces fceger on 
hitoe and on fulre iccestme; and pa teÖ ageolwiaÖ, pa-Öe wceron cer hivite 
on hiice; and pcet oreö stincÖ and afulaö, pe cer wces swete on stence. 
[Der dann folgende Satz steht ähnlich in der IV. Vercelli-Predigt fol. IG^.] 

*) aicistlian, wie beide Ess. und Ps.-Wulfstan lesen, wird ahwistlian 
'zischen' meinen. Doch vgl. Hatton 115 f. 142'^ (Napier, Contribiitions 
S. 33S) : Seo tunge aivlyspap, seo-pe cer licefde ful recene sprcece. 

^) Wegen des folgenden swift ist wohl besser aslaioiaö 'werden träge' 
(mit Ps.-Wulfstan) als mit unserer Hs. aslapaÖ 'schlafen ein' zu lesen. In 
B fehlt der Satzteil. 

*) Ich fasse awindan hier als 'sich krümmen, krumm werden'. Toller 
nimmt fiir die Wulfstan-Stelle eine besondere Bedeutung 'to becomc weak' 
an und denkt au eine Verschreibung fiir asxoindaö, was mir aber wegen 
der Übereinstimmung zwischen Wulfstan und unseren beiden Hss. nicht 
wahrscheinlich dünkt. 

^) afulaö ist heraufgenommen aus dem Folgenden (Z. 10). Lies mit 
B und Wulfstan: afecdleö. 

'') Lies cer wceron (B nnd W). 



108 

jenemned; for}'an pomie se mau sceal sweltau, ]'onne swyrceö 
bim fram ]?a3S biises hrofe, öe he inne biö; J^oune nis iiaini^ 
streu^o, ]'{Tct hine arare, foröan be ne biö jelust-fullod metes, 
ne be ue symeö J^ysses eorö-liean riees torbtnessa. Donne is öa3ve 
5 feoröan belle onlienes byr^en [fol. 03''] uemned; forl^an pxä 
bnses brof biö nemned, i) ]'e bim on-ufan öam breostum siteö, 
7 bim mon ponue deö bis jestreona j^one wisestau^) da;!, j''iet 
is, ]Het bine ne swiceö on nanum rejule. Hafaö bim J'onue 
syööan pry jebeddan, J?aet is ponne jreot 7 melde 7 wyrmas. 

10 ponne is losere fiftan belle onlienes tintreja je-nemned; foröan 
J'Hinne nis nainis man, pxt mscge mid bis wordum aseegan, bu 
myeel psßve fiftan belle sar is. 7 peab .vii. men sien 7 }?ara 
ba;bbe a?5bwylc twa-7-bund-siofonti3 jereorda 7 3) swa feala, 
8wa ealles ]?ysses middan-geardes jereorda syndon, and l^'onne 

15 sy l:'ara seofon manna ajjhwyle to alife-') jesceapen 7 byra 

1 foröan \ gesrvyrceÖ, das zweite e fortradiert B 2 pe \ ncenig, durch 
Radieren geändert in nan B 3 strengöo, mit fortradiertem Öo B | ^elust- 
fallad 4 ^yind pyses | torJitnesse] to brucennc B | ponne \ Heere f. B, 
aber als pccre von ganz später Hand übergeschrieben B 5 onlicmji von 
späterer Hand korrigiert in .^c^icH^s B | byri^en | ^e vor nemned von späterer 
Hand übergeschrieben B | foröan 6 nemned'] gehneged, das zweite e von 
späterer Hand in ce verwandelt B | siteÖ radiert zu sit 7 man, von 
späterer Hand geändert in mce B | deÖ f. B, dafür aber von späterer Hand 
übergeschrieben of \ ivisestan] wyrsestan (n von späterer Hand) B | dcel] 
doel (ge)iHynt (ge von späterer Hand) B 8 pcet hine bis gebeddan, pcet 
is f. B 9 moldan 10 onlicnys von späterer Hand korrigiert in geliaiys B 
11 ponne, aber durchgestrichen B | nceni^] ndn B | mann 12 micel | 
seofan | wen f. B, aber von späterer Hand übergeschrieben | syn 13 ob^- 
hwylc] cele vor ha^bbe B 1 LXXII. | 7 ^ f. B | fela 14 siva f. B | 

pyses I middan eardes \ syndon vor ealles 15 pcera seofan \ to alife] d 
to life I heora 



1) nemned ist heraufgenommen aus dem Vorigen und Folgenden. 
Lies ^ehnce^ed (B: gehne^ed). 

^) Dies ivisestan ist wohl richtiger als wyrsestan in B. 

3) Streiche 7 (B). 

^) Dieses sonst nicht belegt to alife — die Lesart von B (a to life) 
ist offenbar nur die Konjektur eines jüngeren Kopisten — mufs dem 
Zusammenhange nach dasselbe bedeuten, wie das etymologisch gleiche 
an. at ei -Ufa (noch nisl. aö eiUfii), nämlich 'für alle Ewigkeit'. Wenn 
man auf Grund dieser Stelle schwanken kann, ob man fürs Alteuglische 
ein (dem an. ei-Zi/V 'ewig' entsprechendes) Adjektiv ae. ällf 'ewiglebend' 
oder ein (mit an. ei-lifi, ei-lifd vergleichbares) Substantiv ae. rdif 'ewiges 



109 

hicbbe aesbwylc siofon tun^an 7 f»ara tun.5eaa ailc lijubbe iseiie 
stemne, 7 i) ponne bwicAre iie inaÄOU )?a ealle ariman belle- 
witii. 7 emne swa mycel, swa frara beofenes brofe is to j'ysse 
eoröan,2) j'onne is leornod on balgum bocuni, J'iet sio bei sie 
swyle^) twa^) deop 7 nis na öe unvvidre. pjet bus is mid 5 
swiöe onsrist-liee frea'-) afylled 7 belle-hus bafaö forclas 
raiele. Se nama is to se-J'cnceanne jcleuiii men, butau bwius 
beorte sie mid diofles strahle )nirb-wreeen. Forj'y nis nan 
mau, j'iet be J'onwe*') awoj bine astyrian msese; 7 foröam 
is mycel l?earf aisbwyleum men to onwari^anne, l'aw-l'e 10 

1 seofan \ pcera \ isene von späterer Uaud korrigiert in a7ie B 
2 ponne von späterer Hand korrigiert in peak B | hwceÖere | pa [fortradiert] 
ealle hinter hwadere B 3 neben witu am Rande von späterer Iland 
^rere \ 7 emne f. B | sica niicel siva fram lieofones hrofe is to öyssc eoröan 
hinter bocum B 4 gcleornod korrigiert in ^ered B | seo hell sy swylce 
5 de fortradiert; dafür vor na von späterer llsrnd py übergeschrieben B | 
ünividdre 6 onp-istlice frea] egeslican [auf Rasur von späterer Hand] fyre 
B 7 miede \ ^epencenne \ menn \ buton \ hwces von späterer Hand 
korrigiert in liys B 8 sie] seo hinter streue B | deoßes \ f'oröan \ 
mann 9 hoi \ ponne] hanon B | awe^ ausradiert B | foröan | micel 
10 menn \ onivari^amie] warnianyie B 



Leben' ansetzen soll, so wird dieser Zweifel gehoben durch einen zweiten 
Beleg in unserer Homilie (Z. 115 Z. 2) , wo ällf klärlich Substantiv ist : 
/jOT bid eallum haljum auf sceapen. Andere ae. Komposita mit ä 'immer' 
sind Wühl ä-breinende (Crist V. 387), ä-libbende und ä-ivuni^ende (Bückling 
Hom. 109^), bei denen der kompositioneile Charakter allerdings nicht so 
sicher ist. 

^) Dieses 7 ist vielleicht zu streichen. 

2) Falls nicht eine plumpe Nachahmung einer lateinischen Periode 
vorliegt — was mir durchaus wahrschelulich — , wäre dieser Satzteil wohl 
besser in den Objektsatz einzubeziehen, wie die Stelle bei B auch tat- 
sächlich überliefert ist: ponne is leornod on hal^um bocum, poet emne swa 
mycel, sica fram Jieofenes hrofe is to pysse eorÖan, sio hei sie sivylce tica 
deop. Derselbe Satz erscheint in der XXX. Ps.-Wulfstanschen Homilie 
(ed. Napier, 146"*"): We habbad gerced and geleornod on halgumböcum, 
Pcet swa mycel, siva ys fram heofontim to pissere eorÖan, Poet seo hell ys 
twä stva deop and heo ys ealsioa ivid eac. 

*) Lies sivylce (B). 

*) Über die Kardinalzahl als Multiplikativ s. Zupitza, Archiv f. neuere 
S2)rachen LXXXIV, 123. Beispiele auch bei Bosworth-ToUer S. 1022 unter 
Nr. IV. 

5) Lies fyre (B). 

^) Vielleicht ist mit B panon zu lesen. 



110 

a?ni3 andjit habbe oöö i) wisdoraes aioisne d?el, pxt he |?i8 
symle ha^bbe od ^eiiiyndu;« pxve esesfallau stowe. 

ForJ^an,2) jif bwyle man biö on belle ane niht, j^onne biö 
bim leofre, jif he J^anon mot, J'a^t be bangie siofon Jausend 
5 wiutra on J'am len^estan treowe ufe-weardum , J?e ofer sie 
standet on pam bybstan sa^-elife, 3) [hier fehlt ein Blatt, dessen 
Text nach der Hs. Bodl. 340, fol. 3S'' — 5^" folgendermafsen 
lautete :] 

[fol. 3S''] 7 syn pa fet jebnndeue to 5am hehstan teljan 7 pcet 
10 beafod lianji^e ofdün-rihte 7 pa fet uprihte. 7 liim sije ycet blöd üt 
]mrh ]>Que muö 7 hine ponne jesece selc pa^ra yfela, \>e sefre on helle 
sy, 7 hiue selc yö jesece mid pam hehstan, pe seo s^ forö-brinsö, 7 
peah hiue selc tor jesece, pe on eallum clyfnwi syndon, ponne wile he 
eall ]ns [luflice] *) jTowian, wiöSau-pe he nsefre eft helle ne je-sece. 
15 Wa [biö]*) )7am mannum, \>e beoö se[teohhode] =) to Ösere stowe;®) 

1 oÖÖe 2 ge-myridum, von späterer Hand korrigiert in ^e-mynäe B 
3 foröan \ mann 4 .YII. 5 öam 6 standed, korrigiert in stcent B | 
on] y on B | dam hehstan \ sck-clyfe 

1) Lies oiöe (B). 

2) Von Z. 3 bis S. 115 Z. 7 schöpft der Homilet aus einer thebaischen 
Einsiedler-Legende, die uns in ausführlicherer altenglischer Form, ebenfalls 
aus dem Lateinischen übersetzt, in der Cotton Hs. Tiberins A. III fol. 87* 
bis 8Sb vorliegt und von Kemble, The Dialogue of Salomon and Saturmis 
(London 184S) S. 84 — 86 (daraus wiederholt von A. von Vincenti, Die ae. 
Dialoge von Salomon und Saturn, Leipzig 1904, S. 103 — 105) gedruckt ist. 
Die gleiche Einsiedler -Legende ist benutzt in der Ps.-Wulfstanschen 
Homilie XXX (ed. Napier 14(>^ — 14S**) und zwar in einer altenglischen 
Form, die auch dem Vercelli- Homileten vorlag; denn nur so erklären 
sich bei starken Abweichungen und Auslassungen mehrere wörtlich über- 
einstimmende Sätze und Satzfolgen; vgl. Verc. oben S. lOT^^^" = Napier 
1472a— 148'; s. 1093-5 = Napier UG^^i'; S. HO'* = Napier 140 1«; 
S. UP-i« = Napier 146'3-2<; S. 112^ = Napier 147"-'«; S. 112" -'^ 
= Napier 147 i®^^^ Unsere Vercelli-Homilie liest richtig Salemanes (statt 
Samsones) und bietet auch die Stelle über Saturnes dohtor in besserer 
Form, die zugleich beweist, dafs das Zusammengenanntwerden von Salomon 
und Saturn hier nur ein Zufälliges ist (s. S. 114*~^). 

^) Dahinter fehlt ein ganzes Blatt im Vercelli-Codex. — Am unteren 
Rande der Seite steht ganz links mit sehr schräger Federhaltung: writjms. 

*) Fortradiert. 

^) Fortradiert; darüber von späterer Hand: l tealde. 

") Derselbe Satz steht in der Ps.-Wulfstanschen Homilie XXX (ed. 
Napier 146"): Wd byÖ pam-pe pcer biÖ geteohhod to and dxr symble 
wunian sceal. 



111 

foröan pxT is wop buton frofrc 7 hreow ') buton reste ; 7 pxr biö peow- 
dom bnton fr^o-dome; 7 peer biö uurotuys buton jefeau; 7 pser biö 
biteniys buton swetnysse; 7 paer bi(> hi'in^or 7 J'nrst; 7 fser biÖ ^ranunj 
7 jeomruDS 7 micel [fol. 39c] wroht, 7 bi wepaö heora synna swirie 
biterlicuui tearum. 7 on heom sylfum beoö ealle heora synua ^esöne, 5 
J>a-Öe hi ser ^eworhtou, 7 ne maes nän oöres jelielpan. Ac hi ponue 
ousinnai^ sinjan swiöe sorli-fulue sanj 7 swiöe wependre stemne: 'Nu 
we ma;^on sceawian ealle üre synna beforan ealre pysse maeui^o, j'eah 
we hyo") ealle a3r ;^e\vorhtou.' Nc'') biö poer ^esibbes lafu to oörum. 
Nis paer nitni^*) man, pcet-') paer sy bis scyppeudes semyudis for öam 10 
sare, pe bim onsiteö. 7 paer beoö pa sawle forjyteue ealra pa^ra,") pe 
hi fer on 6oröan jemetton. 

Saejeö'') hit 6ac on bocum, ^(et sum deofles-jast saede anum ancran 

ealle helle -sereord"") 7 para süwla tintreja, 7 he , ") ]ni't call 

p6s middan-eard '°) naere ]'e märe dr)'5es landes ofer pone micclan 15 
Sarse^c, pe man ^nne prican aprycce on äuum brede. 7 nis ]'es middan- 
eard'") swilco se seofoöa diel ofer pone micclan jarsecs, se mid micclum 
6rma3tnyssum ealle ]'as eoiöan ütan ymb-lijeÖ. 7 lytel dtel is under 
heofonum dryjes landes, pce^ hit ne sy mid jarsecje ofer-urnen. 

9—18 Varianten ans Ps.-Wulfstan [= W] XXX (ed. Napier UGi^-a*): 
9 dcer ne by byö sybbes W 10 nis] atii nis W | ncenig] cenig W | 

iget] pe W | his scyppenäes gemyndig] getnyndig drihtenes celmihtiges W 
11 him onsiteö] he on ivunaÖ W | 7 f . W | sauia W | ealra pcera] fram 
eallmn pam W | Öe 12 ^emetto7i] cuöon hinter cer W 13 hit segö W | 
on] on halgum W | sum deoßes-^ast scede] an deofol arehte W 1 4 helle- 
^ereord] hellegryras and yrrnda W | sdwla] synfaha sawla W | tintregan] 
tintregan and susla W | he scede W | ea^ W 15 driges MV \ mycelan 
garsecg W 16 pe] ponne W | apricce W | brede] brädum brede W | 
nys W 17 swilce] buton (von anderer Hand) sicylce W | mycelan W | 
se] se Öe W 18 ormcetnysse W | öas W | ymb-ligeö] embliö W [d.i. 
tmbli^ö; ein embliöan 'Surround', wie Dood's Glossary S. öG ansetzt, gibt 
es natürlich nicht]. 



') Dahinter von späterer Hand nes (also hreownes). 

-) Das y von späterer Hand auf Easur. 

^) ^'e biö pcer bis ütan ymbli^eö (Z. 9— 18) stimmt wörtlich zu Ps.- 
Wulfstans Homilie XXX (ed. Napier), S. 146 Z. 13—24, so dafs ohen die 
Varianten gegeben werden konnten. 

■*) Durch Rasuren korrigiert in nan. 

'") Lies mit Ps.-Wulfstan: pje. 

'^) Darüber von späterer Hand pynce. 

') Mit unterpunktiertem, also getilgtem e. 

^) Vielleicht mit Ps.-Wulfstan zu lesen: helle-gryras. 

^) Auf der Rasur von späterer Hand scede, wie auch Ps.-Wulfstan liest, 

") Lies middan^eard. 



112 

Wä bis pam sawlum, pe on helle beon sceolon, ^) oröan-f'e \>cet 
helle-hns is mid swiöe läölicum sästum afj'lled. 

Uton we, men Öa leofestau, nü we syndon je^aderode on öysne 
drihtenlican dse^ . .^) we . . .^) for Jodes lufan *) pcet we 

5 [Verc. fol. 64"] be-flion ]'a helle -wita, forl^an liit is öicr-inne 
swiöe sarlic to wunisanne. 

Ac utan ^e-earwian ->) us nu öa mid iune - weardum je- 
bedum 7 mid jjeste-dome, ]'aet we ne weoröan aslidene innon 
l'a fyren-fullan J'ystro, ]^cet^) synfuUum sawlm» is je-earwod") 

10 on helle to^eanes. Ac^) utan ]?ydan us to ]\am uplican riee; 
foröau psiT is psut wuldor, psßt npenis man ne masg mid bis 
wordum asecgan öa wynsumnesse |>?es beofon-cundan lifes. 
Daßi- biö lif butan deaj'e 7 goA butan ende 7 yld butan sare 
7 da33 butan nihte; and l'ier biö je-fea butan unrotnesse 7 riee 

5 Hier beginnen wieder die Textvarianten von Bodl. 340 : befleon | 
helle-icitu \ fordan \ pcer-hme 6 über io von späterer Hand 7 sorlilice 
übergesclirieben B | wimienne 7 Aci ortradiert | uton \ ^egearwian \ Öa 
fortradiert | inweardum fortradiert 8 ^ceste-dome] gastlicum dcedum B ] 
ivurda7i I aslidene] auf Rasur ascofene von späterer Hand ) innon pa] i» 
öa B 9 fyretifullan fortradiert | ßsßt von späterer Hand korrigiert in 
ße I is] auf Rasur von späterer Hand syn | gegeareicod{e), -e angefügt 
von späterer Hand 1 Ac fortradiert | uton, daliinter tccecc (?) auf Rasur 
von späterer Hand | pydan] peodan B | ms f. B | Öam 1 1 foröan-pe \ 
pcet von späterer Hand korrigiert iüpe \ ncenig] nan B | mann 12 pa wyn- 
sumnysse 13 pcer j buton^^^^^ | deaöe | 7^ f. B 14 buton^ ^ \ unrotnysse 



1) = Napier 147 ^^^i^: wä pam saiohmi biß, pe on helle beon sceolon. 

^) Auf der Rasur von späterer Hand poit. 

3) Über der radierten Stelle von späterer Hand übergeschrieben: 
Jiogian georne. Vielleicht hatte der ursprüngliche Schreiber syn geschrieben. 

*) Zwei Wörter scheinen fortradiert; über der Zeile von späterer 
Hand fid. 

^) Lies gegearwian (B). 

•^) Dieses pset lehrt, dafs das Original das Neutrum peostre and nicht 
das Femininum pystru hatte, also pcet fyretifulle peostre las. Dafs pcet 
nicht etwa Schreibfehler für pe ist, wird dadurch bewiesen, dafs auch B 
ursprünglich ^set hatte. 

') Lies gegearwod (B). 

®J = Napier 147^*^': uton us warnian ... 7 gepeodan üs to Öam 
ujAican riee, foröatnpe pcer ys seo bliss and pmt ivuldor, pcet nan eorÖlic 
mann ne can ne ne mceg mid his wordum areccan and asecgan pa wyn- 
sumnysse and blisse pces heofonlican lifes. 



113 

butun {ivveudednesse. 7 ne j^'earf man niefre ne siiunan ne 
monan ne nteni^es eorö-liees liohtes, foröau I'ut is se ajlniih- 
tija Drybten seiuendra 7 liolitra, ]?oune ealle oöre Höht. 7 
psGT a3fre aspiinjaö öa wuldor-lioan dreamas 7 |?a }>iymlican 
sanjas, öamöe on hyra midlene wioröan. ') pjcr biö se sweta 5 
stenc 7 sio syn^alu lufn 7 sio wieusiimnes 2) butan ieleere un- 
wynsumnesse. Ne pier ne biö bunter ne öurst, ne eyle ne 
bryne ne njenij unwyusumnes semeted. 

ponne swa ö;et dioful sjcde )>am aucran be belle seryne, 
swa be bim a)r raide be beofena-riees wuldre. Swa öiet dioful 10 

1 buton onwendednysse \ pearf] be-ßearfB \ man fortradiert B | ncefre] 
pcer ndfre mannum [a von späterer Iland aus 0?, «' aus r] B | ne sunnan 
ne monan ne f. B, dafür Rasur von ca. 7 Buchstaben 2 nceni^es] ndnes 
B I leohtes 3 drihten \ scinendra] beorhtra auf Rasur von anderer Hand 
B I leohtra \ höht 4 cefre] ncefre ne B | asprin^aÖ] ablinnaÖ [b aus- 
radiert] B I Jm mindorlican 5 pampe [a von späterer Hand korrigiert 
in cb] I heora \ twüZie«e] auf Rasur von späterer Hand j»t/r/(de B | iviorban'] 
^ewurdan möt B ] sioete ß seo shi^nle \ seo ivynsumnya buton 7 ün- 
wynsumnysse 8 univynsumnys gemet 9 Der ganze Abschnitt von 

ponne siva ÖCBt dioful bis heofena-rices ivuldre 7 him (Z. 9 S. 113 bis Z. 18 
S. 114), etwa eine Seite umfassend, fehlt B. Doch kann hier zum Vergleich 
und zugleich als Probe des Verhältnisses beider die auf gleicher Quelle 
beruhende Tiberius-Homilie herangezogen werden [Tib. A. III, M. 11. Jb., 
fol. 88, ed. Kemble S. 85f., : 7 Öa cwceö se deofol to dam ancran öa-git Öus: 
Deah-Öe sie sum smetegelden dun eal mid gimmum asett at sunnan up- 
^ange on neorxna-ivovge, 7 sie donne oferhlif^e ealle eoröan bradnesse, 7 
Öcer silte Öonne sum cynebearn an-ufan Öcere ^yldenan dune, 7 he sie eac 
an-midan his fere fe^ernisse 7 Ms life, 7 he mote Öcer sittan a oÖ ende 
Ms lifes, 7 he haibbe öonne Samsones (lies: Salomones s. S. 114*) wüte 7 his 
wisdom, 7 him sie eal middangeard on ^eiceald ^^eseald mid eallum öam, 
iveltim 7 öam woruld- ^estreonum , öe heofen behweolfeÖ (d. i. behivelfan, 
kentisch für ws. behwylfan) abutan, 7 Mm Saturnas dohtor (verstümmelt, 
s. S. 114^ **), 7 öeah-Öe him ealle streamas huni^e fieowan (lies floicen) 7 
Mm Öanne an ecröan ncefre ncere ceM;^ wiÖerbrcsta (lies wiÖerbreca?) on 
pisum life, Öeah-öe him sa'on (d. i. seo7i, syji) ealle wyiisumnesse 7 ealle 
swetnessa to gehriordum (d. i. ^ereordum) forÖgeborenne, 7 him öonne sie 
sivgal sumor 7 lytel winter, 7 he Öonne sie lange to life gescajjen butan wrace 
7 butan sare, 7 he Öonne ÖeahhwceÖere ne mceg for sorgum Öcet he {öoet he zu 



*) Lies wioröan mot (B). 

^) Lies wynsumnes. Das ie scheint zu beweisen, dafs der Text aut 
eine altwestsächsische Vorlage zurückgeht, die den Schreiber oft nütigte, 
an Stelle von ie sein jüngeres y zu setzen, so dafs er in ivyn- irrtüm- 
licherweise sein y mit (hier unmöglichem) ie vertauschen konnte. 

Studien z. engl. Phil. L. g 



114 

cwseö to öam aneran: 'ppali |'a3r sy eal smffite-sylden mor set 
sunnan up^anje on neorxna-wanje 7 sio ') ofer-hlifaö^) ealle 
ioröan. 7 se man mote sittan swa dyre swa cyne-bearn ofer 
öam Äyldenan more 7 haehbe Saleraanes wlite 7 vvisdom 7 him 

5 sie eal middan-goard on ^eweald geseald mid öam ^Hstreonnm, 
}'e Äeond ealue niiddan^) syndou, 7 him [fol. 64^\ sy selee niht 
niwe bryd to bedde je-la^d 7 sio hsebbe Enone'') wlite, 
Saturnes dolitor, 7 i^U' stan sy ^ylden, 7 ealle l?a streamas 
buiiise flowen. 7 bim })onne ne sie ofer eoröan menij wiöer- 

10 breca, 7 l^nah j'e syn ^) ealle sunder-('ra?ftas 7 wnldor-san^as in 
^e-sarauode, 7 )7f'ah-J?e biene ealle freCran, 7 him sieu ealle 
swetnessa tojelfedde mid pam fa^jerestaii jestreonum, 7 bim 
j^oiHie sy siujal sumor biitan selcre ouwendednes, 7 he mote 
a lybban sare,6) - ponne, gif he wsere her ane nibt ori beofona- 

15 rices wuldre, ]?onne for') he, \>(Bt he aer od l:»yssum wuldre 
|e-lyfede, pe ic mr bi sajde ofer pcet beofena-rice, pe he a3r 
on wges pa ane niht, 7 he eft ne mote to beofena-rices wubire. 
7 him pssr ne biö nanes jefean to lytel; foipan he mot l>a3r 
a lybban 7 on wuudre*) 7 on wioröunse butan aBlere on- 

20 wendednesse mid l?ara nigon ende-byrdnessa engla 7 beab- 
streichen) on eallum Öysmn iculdre wuni^e (lies wunigen), gef he cer iccere 
ane niht on heofonum 7 eft Öider mote 7 sceanigmi dar dces heofon-cyniv^es 
ajiswne "/ da tvynsamnesse, de on heofonum bioÖ.] 18 forönn \ mot hinter 
ä libban 19 7^] on wlite 7 B | 'nu7idre] uidlre B | 7*] 7 a B | wurdunge 
bufon celcere onivcendednysse 2it para nigon bis sceapen (S. 115 Z. 2) 

ist fortradiert; dafür von späterer Hand urum drihteiie 



1) Lies se, weil mor maskulin, falls nicht für mor mit Tib. das 
Femininum dun eiuziisetien ist. 

2) Besser mit Tib. und den übrigen Verben der Optativ oferhlifie. 
^) Lies middan^eard. 

*) Lies lunone. Enone ist wohl verschrieben für Eonone, welches 
seinerseits eine Anglisierung mit Subsrituierung des jüngeren Diphthongs 
eo für die (fälschlich als Diphthong aufgefafste) Graphik iw darstellt. 

^) Wohl besser him syn (Tib.) zu lesen. 

*) Lies bu,tan sare; vgl. Tib.: lan^e to life gescapen butan wrace 7 
butan aare. 

') Die Stelle mufs verderbt sein; sie ist auch in der Tiberius-Hs. 
nicht ganz in Ordnung. Vielleicht ist nach Keuibles Besserung von Tib. 
auch hier statt for he past zu lesen: he ne mceg for sor^um on eallum 
dysum wuldre wunian, pcet. In B fehlt die ganze Stelle. 

*) Lies on widdre (B). 



115 

enjla 7 pxY wa^ron') Jode secweme. pjcr biö eallum bal^urn 
alif2) sceapen betweox enslum 7 heah-enslum 7 heah-fiuderum 
7 witcÄum 7 apostolum 7 niid raartyruwi'. 

7 J'encen we togeanes bis to-cyme, }?«'^ is se eses-fullica 
domes-d{U3,3) )7jet us J'onne ne öiirfe scamisan, }?onne be U8 5 
n^ala^cö, pxt be us sesion wille. Fortan }?R't biö mycel scamu, 
psßt man bis sylfes scami^e on l^am myclan Remote, 

paet we nu je-byrdon sec^an, f>jet we ure synna scswiean 
sculon 7 pa betan daijes 7 nibtes. 7 j'urb l^'a ylean j^inj we 
majon J?e eaö sedon, psat eorö-cimdliee men majou sewioröan 10 
biofou-wlitise, jif bie willaö eaö-modliee Jode j^'eowijan 7 
byran, 7 pser biö jelic*) biofena-rices wlite. 

Eala, [fol. 65'*] mycel is on boeuw leornod 7 bit is ^) soö- 
liee eal jesewen. Sajaö bit, f>[et on belle sy anband. '') Ne 
meabte bit pcet dioful ]'am ancran eall asecjan, bu mycel 15 
l?8er') 8wa") lewitu") bioö, pe to bim bioö jescyrede. He 
bafaö hundteoutis*) beafda, 7 be bafaö on selcum beafde hund 



2 bettcux 4 vor ßencen von späterer Hand übergeschrieben utan B | we 
fortiadiert, dafür von späterer Hand sivyöe B | se e^es-fullica domes-dce^] 
on dam egesfallican domes-dce^e B 5 sceamian 6 genealceceÖ, das 

letzte -e- ausradiert B | geseon icile. forÖan \ micel sceavm 7 sceamige | 
dam micclmn 8 pcet] hivcet B | iira 9 sceolon \ ilcan 10 eö 
eoröcmullice] eorÖlice B | geweoröan 11 hiofon-iditij;e] heofonlice B | 
hi I eadmodlice \ peowian 12 heran \ 7 /)«»• bis tüiife f . B 13 micel \ 
geleornod, 0^ und nod ausradiert B | liit] pset B 14 eall \ Sx^Ö 15 mihte \ 
pcet dioful] se deofol B | niiccle 16 pcer swa leicitu] pcere satvle wito 
B 1 beod'-^ I to über der Zeile B | He] 7 he 17 .c. /iea/iZa 1 heafde] 
pcera heafde B | .c. 



1) Lies wesan? In B ist die ganze Stelle fortradiert. 

^) Siehe oben S. 108 Anna. 7. 

^) domes in Verc. über der Zeile nachgetragen. 

*) Ob gelice 'in gleicher Weise' zu lesen ist? In B fehlt der Satzteil. 

*) Das i über der Zeile. 

•^j Dahinter ein Fleck oder Rasur ; vielleicht stand ivita dahinter. In 
B schliefst sich allerdings anhund uhue Lücke au ne mcahte an, so dafs 
vielleicht doch nichts ausgefallen ist. 

') Lies pcBre sawle witu (B). 

^) Das d über der Zeile. 

8* 



116 

eaÄena, 7 a3le l^ira esena 1) is fyre bat. 2) 7 he bafaö .c. 
lianda, 7 on vtAcre handa hnudteontis fiusra, 7 on .X'lciim fiD^re 
.c. na?3la; 7 hyra is ade 011 n^edrau wisan ascyrped. 

Eala min Dryhteu, laölic is bit foiöy on belle to bionne. 
5 Wa öam sawlum, pe-pe öser bion sculon. Hwaet, we nu je- 
byrdou seesau, bwylc bit is on belle to bionne! Foröan we 
sculon seswican nrra sj'nna 7 Jode eaömode bion mid sel- 
messum 7 mid jodum weorcum. 7 seeen we nie cyrcean mid 
eljennesse 7 mid blutran mode, 7 bidden we eaö-modliee^) 
10 bene, p'^t we ne wioröan je-teodde on pa belle-witu. Jif we 
}?senne swa don wyllaö,^) < swa > us Drybten beden ^) bafaö, 
ponne moton we mid bim 7 mid bis l?am balejan jaeste wunijean 
in ealra worulda woriüd. Amen. 



D. 

1. XV. Tercelli-Predigt (Thomas-Apokalypse) 

fol. 80 b — 85 b. 

ALIA OMELIA DE DIE IVDICIl. 

15 Man ssejö us on l^yssum bocum, bu se balja Tbomas, Jodes 

apos^ol, acsode urne Drybten, bwienne Ante-cristes eyme wa3re. 
Da wses Drybten sprecende to bim 7 öus cwseö: 

1 pcera eagena \ hat] hattre B 2 celcere 3 .c. \ heora \ nceddran 
4 drillten | forÖi \ beone 5 pe-ße Öcer] pe pcer B | beon sceolon 

6 hivilc I beone | forÖam 7 sceolon \ ure, über e von spaterer Hand a | 
eadmode beon 8 celmessuni] celmessum 7 mid fcestenuni B | secan \ 

cyrcan 9 clcennysse \ hluttrum \ eadmodlicere 10 iieorÖan \ ge- 

teohhode, darüber von späterer Hand l scofene B \ da 11 ponne \ tvillad \ 
drihte7i \ beden] bebodenB 12 hale^wn gaste wunian 13 Amen] a buton 
ende on ecr,ysse. AMEN B 

[Den lat. Text der Thomas-Apokalypse gebe ich, soweit das Fragment 
reicht, wesentlich nach der Münchener Hs. Clm. 45S5, s. IX (= MO ed. 



Lies eagena (B), falls nicht, wie anch 117 ^ (gefehta), die anglische 
Ebnung beibehalten ist. 

2) Wohl mit B zu lesen hatre. 

^) Lies eadmodlicre (B). 

*) Dahinter eine längere Rasur; doch ist vom Text nur swa fortge- 
fallen, wie B lehrt. 

s) Ob mit B (^e)boden 'geboten' statt beden 'gebeten' zu lesen ist? 



117 

Hit sedafenaö, ^cet bit sie on öara nexstan tide. i) ponne 
hun^or 7 sweorda ^efeoht biö, 7 mycel }?reat-nes j^eworden 
biö, 7 manisra folca je-febta beoö in öam nebstan tiduni 7 un- 
ribt-wisnesse 7 niöas 7 jcfest ofer eall middan-seard 7 on iunje 
cyninjas 7 on iun^an papan 7 on iun^um bisceo])nm 7 on 5 
iunsum ealdor-mannnni. 7 J'urb Jnut j'onne aviseö unsebt-nesse 
be-tweob twam cynin^um 7 twani Äebroöium. 7 jnet ^ewyröeö 
on ]?am daije, a^r se mycla da>3 bio; 7 psat eac, J^ait niinra 
majsse-preosta cwemeö ade oöruni on bis Rpra!ce, 7 bie J'onne 
nabbaö sybbe bim be-tweonum, ae bie me (^onne onsacaö^) mid 10 
swiöe myele faene mode. 7 J^onne jesybö pect fole, pixst pa, 
m;esse-preo8tas bioö mid un-ribt sefyllede ymbe biora welan. 
7 hie beoö on biora ceastrum 3) under[/o/. Si^Jöeodde, swa 
hie a^r wa?ron, öa^t biö, pset-pset hie settap gyldene heafda ') 

Fr. Wilhelm, Deutsche Legenden und Legendare (Leipzig 1907) S. 40* — 42*. 
Doch korrigiere ich den sehr verderbten Text unter Zuhilfenahme von 
Clm. 4öfi3 (=ÄP) ed. Bihlmeyer, llev. Bened. XXVIII (1911) S. 272ff. so- 
wie des Cod. Vat. Pal. 22ü (= P), in den mir E. v. Dubschiitz hochherzig 
Einsicht gestattet hat. Stellenweise habe ich versucht die Textform zu 
rekonstruieren, die dem Angelsachsen vorgelegen hat. B = Wien Pal. 16.] 

Incijnt epistula Domini nostri lesu Christi ad Thomam discijmhim 
suum [lesus dixit Thomas dii iudicii P]. Audi, Thomas, quae oportet 
fieri i7i novissimis temporibus. Erunt fames et bellum, . . ., gladius . . ., 
plurimae dissensiones in populo, . . ., iniquitas, nequitia hominum, superbia, 
temperantia [-{- Tunc erunt participationes in saeculo inter regem et regem 
}iP], ita ut unusquisque, qiiod Uli placeat, hoc loquatur; et sacerdotes mei 
inter se pacem von habebunt et ficto animo mihi sacrificabunt. . . . Tunc 
videbunt homines sacerdotes [so P] de domo Dei recedentes [P] .... Et 



1) Sicherlich wird nach dem lat. temporibus der Plural tidum zu 
zn lesen sein, wie auch Z. 3 überliefert ist; dann würde auch das vorher- 
gehende pam möglich sein. 

*) Lies onsec^ad = lat. ficto animo mihi sacrificabunt [sacri- 
ficant P]. 

ä) Das a über der Zeile. 

*) Es scheint, dafs der Angelsachse das lat. capitularium 'Kopfsteuer' 
{dantes capitularia civitatum aurum ntque argentum) nicht verstanden hat. 
Oder sollte das ae. heafod die Bedeutung 'Kopfsteuer' annehmen können? 
Dafs die Kopfsteuer au sich den Angelsachsen bekannt war, lehrt (nach 
F. Liebermann, Gesetze der Angelsachsen II 2, 55S f ) K. J^Öelreds Gesetz 
VII 1, 3 und der Wulfstan- Homilet (ed. Napier 110'^°: sceote man 
almessan . . . : swa cet heafde peninc, swa cet sylh peninc). 



118 

7 seolfrene on heora ceastrum. 7 mam'se men bioö J^onne J^uvh 
]ia l'incÄ 3e-niörade. 7 jold-liord bioö ponne je-openode seond 
eall eoröan ymb-hwyrft. 7 Jodes sewe beoö }?e-fylde. 7 mycel 
folc-jedrefnesse biö öonne ler domes dxze. 7 Jodes bus beoö 

5 aweste; 7 ]'a weofodu beoö to }:'an swiöe for-l?etene, pcet öa 
attor-coppan habbaö innan awefene. 7 J>a balijüessa beoö 
I'onne for-molsnode. 7 J>a msesse-preostas beoö }?onne on iin- 
ribt awende fra«i Jode; 7 heora eilen beoö je-brocene; 7 heora 
blis 7 heora lar biö eall to tselnesse ^e]?eoded; 7 heora ^efea 

10 sewiteö 7 for-wyröeö. 7 l^'onne biö eac on öam dasum yfeles 
nihtsumnesse. 7 lefeu-sanjas bioö ]?onne ^ewitene 7 of-tojene 
of Jodes huse. 7 eall soöftestnesse biö p>onne onblunnen; 7 
leasunja 7 jymeleasnessa Jodes beboda biö )?onne gemeted on 
öam meesse-preostum. 

15 7 l>onne arifsaö twejen ealdormen to ]?eoda werijum on 

heora dajum. ponne biö hunjeres je-nihtsiimnesse. Donne 
ariseö l>eod wiö ]?eode, 7 hie bioö J^onne aytte fram heora je- 
maerum. 

7 ]?onne ariseö sum swiöe weorö cyninj, 7 se be-beodeö 

20 ]7am manneynne, psßt man wyree ^yldene anlienesse, 7 hateö 
päit settan in Jodes cyricean 7 }?sßrto je-biddan. Biö l>onne 
on l>a tid martyra jenihtsiimnesse for öam J?ingum, psdt man 
cwelmeö l'a mseran, pe nellaö jebiddan to öam haeöenan on 
[fol 81^] licnesse. 7 a3fter öyssum jeweoröeö manna geleafan 

25 to Jode sehwyrfed; 7 hie beoö on bis halijnessa jebledsod; 7 



erunt subiecta Caesaris, sicut antea fuerunt, dantes capitularia civitatum 
aurum et argentum. Contemnabimtiir priores [?] urbinm []; thesauri 
reguni implebimtur. Erit enim turbatio rtiagna in omni populo []. Domus 
X>ei erit [] deserta; et altaria das abominabuntur, ut araneae intexant 
in eis. Sanctitas corrumpitur; sacerdotium adulterabitur; agoma frangltar 
[P; adcrescit W]; virtris dominabitur [dimiuuetur Pj; laetitia periit et 
gaudium recedit. In Ulis diebus nialum abimdahit. . . . Hymni de domo 
Dei cessabunt. Veritas non erit; avaritia abunddbit. Sacerdotium [ ] 
integrum minime invenitur. . . . 

Post ea exsurgent duo [-|-P] principes adpremendas gentes; sub quorum 
manibus fames nimiae ernnt . . ., ut exsurgat gens super geiitem et con- 
finibus suis excludantur. 

Iterum exsurget alius rex, vir versuins [P, subtiis M*]; et iuhct fieri 
imaginem aurcam [ ] [ -j- Caesaris in domo Dei adorare Pj. Tunc [P] 



119 

nnri'm halisra beoö sefylled mid py se-wuldredan wuldor- 
belme. 

7 ]?onDe aefter fean tidum ariseö sum swiöe mtere cyninj 
fram east-da^le; 7 hwjcöre se biö lufi^ende Jodes -A 7 bim 
biö seald ealle cynelice jeofa; 7 biö J'onne mycel ^enibt- 5 
sumnesse on bis dasum. 

7 pomie sauer bim ariseö eft sum oöer eynins fram suö- 
dffile. 7 se bafaö swiöe myeel on bis g;e-wealdiim; 7 fea tide 
be biö on bis djese; 7 jold-bord bioö asprunjenne wiö Koma- 
nisce peode. 7 J'onne bebeodeö se ilea cyninj, f>iet bis myela 10 
^estreon man todiele wiö bwaetes se-nibtsiimnesse 7 wiö wines 
7 for eles lufan. ') For-f'y biö beora jold asprungen; 7 swa- 
öeab bwajöere öter biö eeapes se-nihtsumnesse, 7 beora joldes 
ontimbernesse') 7 biora seolfor biö seald for bwaetes lufan. 3) 
Foröan on sie biö ]?aet seip-liöendra cwalm swa mycel, pxt 15 

ahundabunt martyria. Tunc revertiUir fides in servis Domini, et sanditas 
abundabitur, et agonia increscit. . . . 

Post i)aucum tempus exuurget rex ab Oriente, amator legis . . . ; domixn- 
que [domun que P, domum que^ W] . . praecijnt; temporibus eius [-f- P] 
omnia abundabimt. 

Et post ea Herum exsiirget rex a meridiano; orbis terranim hie {-{- P) 
obtinebit Imperium; piaucum tempus sub cidus diebus; thesauri deficient a 
stipendiis Romanis miiitibus, ita ut omnis adquisitio maioruyyi nattt, iubeatur 
cum eodem [P, et eadtm M'] rege diuidi [ ] abundavtia frumenti et vini 
et olei Caritas. Ändern [tamen P] pecuniarum, ita ut materia auri et 
argenti pro frumento dabitur, Caritas nimia. erit. Illo tempore navium 
adcessio erit in pelago, ut nemo nemini novum referat reg'i [reges M^] 
terrae. . . . 



^) for eles lufan erklärt sich aas mifsverständlicher Hinzuziehung des 
eigentlich einen neuen Satz beginnenden Caritas (Caritas autem pjecuni- 
arum) zu olei, welches eigentlich noch, wie frumenti et vini, vom vorher- 
gehenden abundatitia abhängt. 

*) Wie die latciüische Grundlage für den ganzen Satz gelautet hat, 
ist nicht recht klar. Jedenfalls ist aber ontimbernesse hier eine wörtliche 
Übersetzung von lat maffria und hat also hier seine ursprüngliche koi.krete 
Bedeutung 'Materie, Stoff' und nicht die in dem einzigen bisherigen Belege 
(Beda-Übersf-tznng IV c. 17, ed. Th Mdier 1 S. islO'» Hs. 0) vorliegende 
übertragene Bedeutung von 'Belehrung'. 

^) L)ieses for huatt's lufan ist wohl nicht durch das in der Quelle 
folgende lat. Caritas veranlafsf, sondern nur eine (allerdings ungeschickte) 
Übersetzung von pro frumento. 



120 

nsenis man ne wat to seejanne ne nseni^um eorö-eyninje i) be 
öam scip-liöendum. 

iEfter )>au ariseö oöer cynnins swiöe J^iwecrh; 7 se hafaö 
Se-weald ofer middan-jeard; 7 fea tide be biö on bis da^um. 

5 7 ]'?et mennisce cynn biö a yfeled 7 a in for-wyrd je-lseded. 
7 l^onne sefter ]\an ^viseö fram east-dsele on öam mycelan 
Babilonia-ceastre swiöe mycel buujor 7 sweorda jefeobt fram 
suö-öcele on Cananea-lande. 7 ponne {«fter pan bioö ealle 
waeteras [fol. 83"] 7 ealle wyllas on blöde. 7 steorran feallaö 

10 of beofenum on eoröau; 7 sunne biö aj'ystrod; 7 se mona 
bire-) leobt ne syleö; 7 eall bit biö on J^eostra je-cyrred. 

Dis sindon I^a fore-tacnu to l^am dajum, l?e bit nealsßceö 
to Antecristes cyme. 

Wa öam mannnm, J^e in öam dajum eardiaö ofer eoröan, 

15 for öam brojum, )^e ponne cumaö 7 euman sceolon ofer eoröan. 
Wa öam mannum, pe J^onne bus timbriaö 7 bearn jestrynaö. 
Wa öam mannum, l^e f>onne wifiaö 7 eorölieum spedum tiliaö 
7 strynaö; forl^an bie ealinja on wos winnaö 7 swincaö. Wa 
öam mannum ponne, pe 3e]?eodeö bus to buse 7 land to lande; 

Post ea exsurget alius rex, vir versutus [suptus M^], qui obtinebit 
irnperium; pauciim tempus sub cuius diebiis. Omnia malaerunt; interitus 
generis humani. Ab Oriente usque i?t Babylonia post ea autem i7iterent 
faniGS et gladius in terra Chanaan usque ad nona. Timc omnes fontes 
aquarum et putei . . . in sanguinexa. cotivertentur. Caelam commovebitur ; 
stellae cadunt in ten-am; sol mediabitur siciit luna; et luna non dabit 
lumen suwwi. . . . 

In diebus Ulis adpropinquante iam Antechristo haec sunt signa. 

( Vae) Ulis, qui habitant in terra; in diebus Ulis magnae parturitiotres 
super eos veniunt. Vae Ulis, qui aedificant, quia non habitabunt. Vae 
Ulis, qui novellant, quia sine ca^isa laborant. Vae Ulis, qui nujriias 
faciunt; ad famem et necessitatem filios generant. Vae Ulis, qui iungunt 



1) eord-cyninge lehrt, dafs auch hier der Angelsachse eine falsche 
Satzabteilung des Lateins vorgenommen hat. Eigentlich gehört das Wort 
als Nominativ zu einem neuen (vom Übersetzer ausgelassenen) Satze : Reges 
terrae et principes et tribuni et omnes locuplites commovebuntur. 

2) hire läfst sich nur auf das vorhergehende spinne beziehen, als ob 
der Mond der Sonne sein Licht nicht gäbe. Das lat. Original meirft aber 
natürlich, dafs der Mond in seinem gewohnten Lichte nicht erstrahle. Den- 
selben Sinn würden wir im Altenglischen erhalten, wenn wir hyre in his 
verwandelten, und so hat der Übersetzer vielleicht selbst auch geschrieben 
gehabt. 



121 

for|?an hit eall mid fyre forb.ierneö, 7 he sylf niid forwyröeö. 
Wa öam maunum J>üDue, ['e hie sylfe ne woldon a^r be-liealdan 
for heora synna, f>o liie xr worhton, 7 hie sebetan noldon, }'a 
hwile pe hie ]>'Mt weorö haifdon; forjnin hie J^onne bioö for- 
hiitene, J^oiine sio tid cyraeö; 7 hie j^onne icfre bioö je-niörade 5 
ä in ecnesse.' 

pis i.s }?onne \>sßs a^lmihtisan Dryhtnes sylfes miiöes cwide, 
7 he öiis wa38 eweöende: 'Ic eom se telmihtisa Dryhten 7 
eallrai) jasta nerisend. pfe^öa3t is soö, J^aet ic secse, pmt 
ealle J^is tacenii bioö a;t J^ysse worulde ende 3e-a3ty wde. *) 7 10 
eac biö swiöe mycel hunsor 7 swiöe micle adle ofer ealle 
eoröan. Foröan raanesum men biö swiöe mycel nyd-J^earf ter 
piera tide, pxt hie to Jode gehwyrfen, forj^an in öa tid ealle 
men beoö se-herjode [fol 83^] pmh ealle J^eode, 7 hie f>ODne 
feallaö in sweordes eesu»?. 15 

[/] 7 pset is l'onne j^y a^restan da^je; biö^) pcet a^reste 
fore-tacn ;er öam domes-da^je, |?a)t3) is,^) l^tet biÖ a3t öa^re 
l'riddan tide da^^es on monan-daeje, swiöe mycel seomruns, 7 
l^aer *) biö *) mycel wanun^ 7 sranunj 7 murnuns 7 sworetun^ 
7 swiöe stranjlicu word on heofenes roderum. 7 swiöe mycel 20 

domum ad domiini vel agrum ad agrum, quoniam otnnia igne conflabuntur 
[cremabuntnr PJ. Vae Ulis, qni non sibi ])raevident, cum tempus p^rmittit , 
quoniam j^ostenus [posterum M'] ia perpetuum damnabuntar. . . . 

Et scitote [-f~P]: ^90 sum pater altissitnus [altissimi P]; ego sutn 
pater omniimi spirituum [-{- P]- [ ] Haec sunt signa in fine [finitio- 
nem M'] saeculi ]mius. Ermit per universam tetram fames et pestilentiae 
magnae, necessitntes mtdtae. Tanc captivabuntw omnes hominis per uni- 
versas gentes et cadent in mncrones [-f- M^ PJ gladii [so P B, gradi M']. 

[I] In prima, die [so P M^ B] iudicii hora tertia diei erit vox magna 
et fortis in firmamento caeli; et nubes magna sanguinea descendit [aacendit 
P M-] de aquilone. Tonitrua magna et fulgura fortia se^'uuntur [M-, scque- 



*) Das r über der Zeile. 

2) Das t ist unterpangiert, also vom Schreiber getilgt. Walirscbein- 
lich wollte er sein cetyicde also korrigieren, etwa in das synouyme 
oÜgwde. 

^) Vielleicht sind diese biö und [jcet is zu streichen, so dafs der Satz 
mehr in Übereinstimmung mit dem Latein und glätter lauten würde: 7 
ßcet is ponne py cerestan dcege pcet cereste foretacn cer dam domes-dcege, 
pcet bid cet . . . 

*) Auch dieses pcer biÖ würde besser fehlen. 



122 

blodij wolcn astijeö fram norö-wearöum of beofone. 7 bioö 
f>onne swiöe mycele ]?uner-i'ade 7 mycle lijitta; 7 }?am foljiaö 
sum swiöe mycel wolcenD.^) 7 piet wolcen be-wryjö ealne 
beofon. 7 panon cymeö swiöe mycel blodig regn of öara wolcne 
5 ofer ealle eoröan. |)is syndon |?ics monan-dse^es fore-tacnu. 

[//] 7 ponne biö on Tiwes-dseje swiöe mycel stefn ^e- 

byred on east-weardnm beofones roderum; 7 swiöe mycle 

milita 7^) pser ut-eömia]? J^urb J?a beofonas-^eatii. 2) 7 ponue 

biö se beofon mid micie wolcne bewrisen fram serne-merjen 

10 oö aifen. pis syndon l^aes tiwes-dseses tacnu. 

[III] 7 l'onne ]?y j^riddan dsejp, J>8et biö on Wodnes-dges, 
set ]?8ere aefteran tide p2ßs dsejes l^'onne cymeö sige-beacen^) 
of beofonum; 7 weallas^) bioö eyrmende 7 eoröan jrundas of 
feower hwommnw l^ysses middan-^eardes. 7 se a^resta beofon 

bantur M'] Hin nubes [lies illam vubem mit M^P] et operiet illa totum 
caelum [M'' P, f. M' B]. Et erit pluvia sanguinis super totam tertam. Ista 
sunt Signa primae diei. 

[II] Secunda, autem die erit vox magna in fimiamento caeli 

ab orieyite; et potestas magna eructabitur [eruptunvit P, eruptus erit ÄP] 
per portas caeli ; et [+ P M^] cooperiet totum caelum usque in vespera. 
Ista sunt siyna secuvda.e diti. 

[III] Tertia autem die hora secunda erit vox [-{-magna M^] in 
caelo; et abtjftsi terrae dabunt de quattuor angulis mundi vocem [dabunt . . . 
mugitum P, mugebunt M'^]. Primum caelum plicabitur ut über. Et 



') Hier hat entweder der Übersetzer die grammatischen Beziehungen 
falsch aufgefafst, vielleicht verführt durch ein ebensolches korruptes illa 
nubes, wie es unsere Hs. M' bietet, oder die Kupisten haben den Text 
verdt-rbt aus 7 [streiche bioÖ] ponne siviöe mycde ßiiner-rade 7 mycle 
ligitta [streiche 7 ßam] ful^iad pam [statt sum] swide myclan icolcne [statt 
mycel icolcenn]. Für letztere Annahme spricht, dafs selbst unsere Vercelli- 
Kopie noch das pluralische Prädikat folyiap beibehalten hat, das Wuhl zu 
punerrade und Hgitta, aber nicht zu dem Singularsubjekte siim mycel 
wolcenn pafst. 

2) Das Latein zeigt, dafs jedenfalls dieses 7 zu streichen ist. 

^) Lies heofones-geatu. 

*) si^-'-feea-en 'Siegeszeichen' und das fyrm-tacen 'Feuerzeichen' der 
Hattun-Preiligt (S. i31 Z. i2) setzen beide eine andere Lesart voraus als das 
vox {magna) unserer Lateintexte. 

*) Es ist nicht rectit ersichtlich, ob weallas 'Wälle, Mauern' ein Zu- 
satz des Übersetzers ist, oder auf das in einigen Hs. (P M-; auftretende 
pinnat ('Mauerspiizen') firmamenti caeli aperitntur zurückgeht. 



123 

biö jefealden 7 tolesen, swa-swa boea leaf beoö; 7 p^t he 
eft ne ?et-yweö. 1) 7 )?onne aifter pum swiöe raöe biö. psct seo 
sweöflennesse |7a3S muö^) je-openade ^) 7 ,^runda8 aj^ystrode on 
pa. teoöan tid dseses. 7 J^onne \fol. 83"] cweöaö ealle men: 
*Wä US nu. earminsas 7 swa pynfullan, piet we a^fre J?i8 sceol- 5 
don je-bidan! Wa us f»a3s, J'ait we aifre jeatrynde wa3ron oööe 
je-borene! 7 nu we irajon je-seon 7 witan witodlice, öa^t nu 
neal^eceö ure ende-daise, swa us oft Piesdon, öaöe ure lareowas 
7 ure bofieras wserou. )?aet öas taerio sceoldon euman, }?e we 
nu 5e-seoö 7 gyt peeolnn. 7 we him dydon to bysmere. öa 10 
hie US \A\\\c s»3don! Wa us nu, earmin^as, )?iet we nu lifiaö 
to lan^e on swylcnm e^e. psm we najfre ne wendon. powne 
man üs oft f>yllic toweard Sffijde 7 laerde. hu we soeoldon to 
Jode 3<^-eyrran 7 ure earman sawle alysan of helle- wite! Ac 
we bis ne rohton; ac we lufedon miole swiöor ura wamba 15 
fylnesse 7 on ure jold 7 on ure tlenjnesse 7 on ure myclan 
^estreone 7 on reaflaeum 7 on jitsunje. Swiöor we pset 
lufedon, ponne we dydon Jodes be-boda 7 j^yllic, pe we nu 
ge-seoö. Wa öam-l?e öis eal sceal ^e-bidan!' Bis syndon J^ses 
Wodnes-da^ses taenu. 20 

[2V] 7 l^onne on I)urres-dsege J^set biö, ^'«t )?onne ariseö 3) 

[vov] npparehit confitiuo [] funms et pudor sulphurJs; ahyfifii [] obficurnbunfur 
usqne in komm decimam. Tnnc dicimt otvnes homives: 'Futo fiiiis ad- 
propitiquabit, ut pereamus.' Haec signa sunt tertiae diei. 

[IV] Quarta autem die Jiora prima terra orientis loquitur [liqua- 



*) Anch hier weifs man nicht recht, ob 7 ßcet he eft ve cetywed eine 
Ausschmücknng des Ang^ilsachsen ist oder auf das unmittelbar folgende 
et non apjmrebit zurückgeht. Im letzteren Falle bliebe allerdings für das 
ae. geopetiade des folgenden Satzes kein Lateinsubstrat, es sei denn, dafs 
das aperienfur des in Aum. 5 S. 122 genannten Sätzchens einiger Hss. 
hierhin heruntergerntscht sei. 

-) Soll man pces mnöes lesen und geopevade intransitiv fassen oder 
mud von (dem transitivem) ^eopenade abhängig machen und zu ßces etwas 
wie receit 'Rauches' ergänzen? 

') Dies nrisfd 'erhebt sich' kann wedi^r lat. loqnifur noch kaum lat. 
liquabitur wiedergeben Doch scheint der Übersetzer überhaupt die Stelle 
nicht ganz verstanden zu haben. Denn terra orientis 'das Land des Ostens' 
läfst sich nicht in ae eoröan frymöe 'der Erde Anfang' finden. Las der 
Übersetzer terrae origo, oder etwa terra oritns, das er sich so zurecht- 
deutete? 



124 

eoröan frymöe ') fram norö-djrle 7 fram east-dfele;*'') 7 eoröan 
Srundas bioö srimetiende, 7 ealle eort^au ma35en 3) on-brered 
}^onne. 7 dioful-jild biö J'ODwe tobroeen, 7 ealle je-niö-tim- 
bernesse-*) sefylled od öara dscz^e. Dis sindon pses feoröan 

5 dieses tacnu. 

[V — TT] 7 öon«e on FrijedffiÄe Jßt J^a^re syxtan tide }?onne 
breeeö heofones rodor fram east-d^ele oö öone west-rodor. 7 
|:'onne beoö [fol. 85*] lociende Dryhtnes en^las ufan on pas 
eorölican ^esceafta j'urb pa iinse-wemmedan dum. 7 f>0Dne 

10 ealle men ajfter J^an sona mid mycle ejesan swiöe sef'reade 
beoö. 7 hie ponne fleoö to nuintum 7 to denum hie to be- 
hydanne. 7 hie öus eweöaö: "We halsiaö eow, muntas 7 dena, 
pset 56 US ofer-feallen 7 be-wri^en, J'aet we iiaefre eft cwice 
sien, 7 US eoröe eac forswelje 7 swiöe hraöe je-^ripe, j^set we 

15 Djefre eft cwice arisan, foröan-pe we nsefre se-ahsodon j^yllic 

bitur M.^]; abyssus mugit [abyssi niugebunt P]. Tunc niovebitur universa 
terra a virtute terrae motus. In illo die cadent idola gentium et omnia 
aedificia terrae. Isla sunt sigtta guartae diei. 

[V — VI] Quinta autem die hora sexta [die Vorzeichen des fünften 
Tages sind in Verc. ausgelassen; statt dessen sind hier und in der Blickling- 
Homilie — nicht in der Hatton-Predigt — die des sechsten Tages ge- 
geben, wie die des siebenten zum sechsten Tage] : scinditur firmamentum 
caeli ab Oriente usque in occidentem. Erunt angeli caelorum j^rospicietites 
super terrani per [-|- P M''] aperturayn caelorum. £< o»i?ies homines [+ M''* 
Pj videbant desuper terram exercitum angdorum prospicientem de caelo. 
Tunc omnes Jiomines fugiunt [hier hört der Text in M^ auf; ich folge 
jetzt in erster Linie JP]: in speluncas montium [so P, monumentis M'] et 
abscondent se a conspectu iustorum angelorum et dicent: 'Utinam terra 



') Siehe Note 3, S. 123. 

^) Die beiden Himmelsrichtungen stehen nicht in unseren Lateintexten. 

^) Ae. mcegen entspricht dem lat. virtus, also hat der Übersetzer ent- 
weder das Latein falsch verstanden oder eine andere Lesart (etwa terrae 
universae virtiis) vor sich gehabt. 

*) 'Ein geniÖ-timbernesse ist weder sonst belegt noch läfst es sich 
etymologisch-semasiologisch recht deuten. Wenn ein Kompositum mit nid 
vorläge, so müfste dasselbe mindestens niÖ-getimbernesse heifseu. Aber 
ae. nlö 'Neid' pafst nicht in den Zusammenhang, ae. niööas 'Männer' kommt 
nur im Plural vor und ae. niö 'Abgrund'? ist höchst unsicher und eben- 
falls hier wenig passend. Vielleicht ist daher das nid gänzlich zu streichen, 
sodafs wir das bekannte getimbernesse 'Gebäude' erhielten. Oder nid ist 
hinter ,^etimbernesse zu stellen, zu niöer zu ergänzen and mit gefylled za 
verbinden, so dafs wir niÖer gefylled 'niedergefällt' erhielten. 



125 

weorc 7 ^yllic cjesa 7 J'yllic wite, syt^öan we se-borene wtDron 
7 Öeos woruld se-sceapen wa)8 7 je-worclen. Wa öam-]?e öait 
eall sceal ^ebidan." 

[VII] 7 öonne is |'a3S Sfcternes-da'Äes taeenu, l'set finm 
}^am feower secatum middan-seardes 1) biö ^efylled 011') 5 
beofones rodor mid helle - jastimi 1) 7 mid beofouliee cam- 
werod pxve cDselican 3c-sceaft. 2) 7 j^onne ]?£er biö niicel se- 
feobt be-tweob en^la 7 deofla^) 7 bie se-stefniac^ bim be- 
tweoDiDH wiö öam unchenum sastum for Jodes ]?am ^e-coreDum 

7 bis öam leofiim. 7 j^oune öa enjlas ofer-swiöaö öa werij- jq 
dan^) jastas 7 bie j'onne mid ealle ofer-eumaö. Broöor miue, 
J'is sindon ]^a3S Sieternes-dages taeno 7 j^a mibtlican, ['aj^e se- 
weoröaö a3r Öam myelan Drybtnes domes-da^je. 

[VIII] 7 l^onne on sunnan-da^^e soöliee in öam da^se ures 



aperiret se et deglutiret nos. Fixmt eyiim talia, qrialia numquam facta 
sunt, ex quo saeculum istiid creatum est.' . . . 

[VII] Septimo [der Angelsachse las Sexto] autem die hora odava 
erunt voces in quattuor angulis caeli et movetur totus aer et inqtlebitur 
angelis sanctis [miiltitudiiie angelorum P]; et faciunt inter se bellum tota 
die; et in illa die inquirentur electi ab angelis sanctis [-f- ut liberenfur P] 
de perditione saeculi. Tunc vidcbunt omnes homines, quia hora perditionis 
illorum adpropi'nqnabit. Ista sunt signa septimae diei. 

[VIII] [Von hier ab keinerlei Übereinstimmung mehr mit den 
Lateintexten.] Transactis autem Septem diebus octava die hora scxta erat 
vox tenera et suavis in caelo ab Oriente . . . 



1) Das Englische stimmt wenig gut zum Latein, welches nicht von 
den 'vier Ecken der Erde' (so Vercelli un4 Hatton HC), sondern 'des 
Himmels' spricht. Von 'Eüllengeistern' ist im Lateinischen überhaupt 
nicht die Rede; doch mag der Begriff aus lat. voces entnommen sein. — 
Endlich fehlt dem Satz ein eigentliches Subjekt; wahrscheinlich ist heofones 
rodor als Subjekt zu nehmen und das on davor zu streichen, falls es nicht 
Rest einer Kopula ond ist und damit in engerer Anlehnung ans Latein 
die vorhergehenden Worte zu einem selbständigen Satze zu ergänzen 
wären. 

*) Lies ^esceafte. 

ä) Entweder fehlt dahinter ein Wort wie werod oder, was mir wahr- 
scheinlicher düükt, die beiden Genetive selbst sind in Akkusative (englas 
7 deoflu) zu verwandeln. Wahrscheinlich hat die jüngere Akkusativform 
deofla den Anstofs gegeben, dafs englas in engla verwandelt wurde. 

*) Das d über der Zeile. 



126 

Dryhtnes onsyn biö swiöe reöe 7 swiöe ejes-ful 7 ^rim. 7 sio 
wund biö swiöe 3rim pam 1) 

\fol. 84"] borene sceoldon bion 7 to swyleum wundre^) 
5 sceoldon aefre se-weoröan. 7 J^onne jesyhö ure leofe hlsefdie 
mncta Maria, Cristes moder, |?one earman heap 7 j^one sarijan 
7 jjone dreori^an, 7 J^oune ariseÖ heo mid wependre stefne 7 je- 
fealleö to 3) Cristes cneowum 7 to bis fotum ; 7 heo swa eweö : 
'Min Drihten, Hselenda Crist, öu pe semedomadest, j^set öu 
10 waere on minuw innoöe eardiende: ne for-Iset öu nsefre ]?a 
deofla se-weald agan öus myelan heapes ymea hand-ge-worces.' 
Donne forjifeö ure Dryhten }?ryddan dael psds synfullan heapes 
]>sßYe haljan sawc^a Marian. 

ponne biö |?3er gyt be-hindan swiöe mycel heap 7 swiöe 

15 saris 7 dreorij, |?8esöe hie sefre jewurdon jestrynde. 7 ]?onne 

ariseö se halja m . . . .^) 7 crypö mid handum 7 mid fotum 7 

mid myel(e) ») teara, 7 luteö swiöe ead - modlice 

to Dryh(tn) 6) 7 to bis cneowe; 7 he öus eweö: 

'Min Drih (Os»') öu me sealdest ealdor-dom under 

20 heofena-rice, ^) J^set ic moste bion ]?in je 

sawla and-femi. 7 nu ic öe bidde, min Drih 



*) Hier liegt ein Bruch im Texte vor. Grammatiscli liefse sich zwar 
durch blof'-e Einfügung eines relativischen pe hinter pam die Verbindung 
herstellen. Aber dt-r Inhalt verlangt, dafs über das Zustaadekommen von 
pone earman heap (Z. 6), also die Scheidung der Gerechten und Uogerechten, 
kurz das eigentliche jüngste Gericht etwas berichtet wird. Wie viel aus- 
gefallen ist, ist schwer zu sagen. Vielleicht fehlt, wie noch an anderen 
Stellen, ein ganzes B att zwischen fol. 83 und 84. Eine ungefähre Vor- 
stellung von dem Ausgefallenen kann man sich machen aus dem, was 
Hatton 116 pag. 3SS ^,s. unten S. 133 f.; bietet. 

*) Lies iculdre. 

^) Über der Zeile. 

*) Eine grofse, meist 15 mm breite Rasur zieht sich schräg von 
rechts nach links über die untere Hälfte der Seite hin. Hier ist klärlich 
zu lesen: Michahel (vgl. S. 127, Z. 3). 

^) Hier mufs so etwas wie agotamysse gestanden haben. 

^) Wahrscheinlich zu lesen: to Dryktnes fotum; vgl. Z. 8. 

') Vielleicht zu lesen: min D rihten (elmihtig ; doch scheint der dritt- 
letzte Buchstabe eher ein s, r, f oder iv gewesen zu sein. 

*) Vielleicht zu lesen: undcr engla werode (oder iverodum) on heo- 
fena-rice. 



127 

ajfre i) forlaete Öus myelan heapes (s) (flu)^) ajan plnes 

hand-se-weorces.' 7 ]'(o) (|if)eö3) ure Dryhten j^am 

haljan sawc^e Micha .... (ne) *) ]?riddan dail öies sjofullan 
heapes. 

7 f'on(iie) . . . (ö)»!' '->) syt swiöe mycel werod 7 swiöe ofer- 5 

ma!tl(ic) (1) be-hindan J'ara syn-f ul [/b^. 84 *"] Ira sawla. 

7 ponne ariseö se halja HdnQtu» Petrus, his ealdor-pejn, swiöe 
Sans 7 swiöe dreorij 7 mid miclan sarigan tearnni; 7 he öonne 
mid myc'lum eadmedum fealh*ö to Ösas Ha3leDdes fotum 7 to 
his cneowu//<; 7 he öonne cweö: 'Miu Dryhteu, min Drihten 10 
selmihtis, öii me sealdest 7 rae ^e-uöest heofoua-rices ffe^an 
7 eac helle-wita, J'jet ic moste swylcne je-biiidan on eoröan, 
swylcne ic f>OQne wolde, 7 swylcne alysan, swylcne ic wolde. 
Ic bidde f>e, min Dryhten, for }?iniim cyne-dome 7 for J^inum 
f'rymme, öaet öii rae forsife öysses earman 7 öysses synfullan 15 
heapes J?riddan dael.' 7 \H)unc for-jiteö ure Dryhten öam haljan 
sawc^e Petre öoue öriddan dsel ]?tes syufulhm heapes. 

7 ponne biö jjser jyt swiöe mycel werod be-hindan 7 pcet 
Jode swiöe laö. Doune besyhö se soöfaista dema on ]>& 
swiöran healfe to his öam jecorenum 7 to his öam haJÄum, 7 20 
he Öus cweö : ' JJtnite, benechcii, patris mei •>) per-cipite re^num, 
a"') duobw^,') paratum est ab origine muticW [Matth. XXV, 34] 
He swa cwaeö: 'Ciimaö je nu, gebledsode, 7 onfoö mines fader 
rice, }?8et eow waes jeearuwad fram fruman middan-seardes.' 
7 Jjonne jyt besyhÖ ure Dryhten on pa wynstran band to öam 25 
synfulhin heape, 7 he öus cweö to him: ^DiscedUe, maledkti, 
in tönern cetcrnum, qui pre-jyaruttis est diabulo et cmylts eius'' 
[Matth. XXV, 41]. Heswacwa3Ö: 'Jewitaö, ^e awyrijde, fram 
me \foL 85"] in öa neoöemestan helle- wite 7 in öset ece fyr, 



1) Wahrscheinlich zn lesen : min Drihten, poet pu ncefre. 

2) Lies geiceald dfofixi; vgl. S. 126 Z. 1 1. 

3) Lies: 7 p07,ne fo>giftd; vgl. S. 126 Z. 12. 
*) Lies: Michahel pone; vgl. Z. 17. 

^) Lies: poyine biÖ Öcer; vgl. Z. IS. 

®) patris mei gehört eigentlich zu benedicti {oi ev?.oy7j/j.kvoc xov 
nazQoq fiov), wie es auch der Hatton-Homilet richtig fafst; aber die oben 
angegebene Interpunktion gibt die Autfassung des Vercelli- Homileten 
wieder. 

') Lies : quod iwbis (so auch die ae. Übersetzung). 



128 

öe öam diofle wies je - earwod i) 7 eow , pe je him 
hyrdon.' 

7 poune ÄcsamniaCi öa dioflu hie tosomne, 7 hie öonwe 
drifaö ]^a syufullau 7 ]'a cear-fulhin aawla to helle. 7 se halja 

5 Petrus 6'V!Ö mid 7 bereö helle-caisau on handa. Eala, broöor 
mine, hwait! öa3r maes ^e-hyran micel sorh 7 myeel waDunj 7 
myeel sworetunj 7 myeel w6p 7 toöa srist-bitun^ 7 ]?one 
hludestan sarij-cerm 7 ]?oue sarisestan stefn 7 ]?one sarijestan 
wanuDse 7 sranuDSe. 7 J^onne drifaö öa deofla pa. synfullan 

10 sawla 7 ]?a dreorigan in helle-witu. 7 hie sylfe jaö mid in 
ou pa. helle. 7 J^onwe wendeö sawc^tts Petrus ]:'anon fram j^sere 
helle- dura. 7 he be-lueeö p-a helle-duru, syöj^an ]?a earman 
sawla bioö in öa ecan helle 7 in öa eean cwylmnesse, 7 öa 
deofla mid him. 7 ]?onne wendeö him mncius Petrus )?anon 

15 fram l:'a3re helle-dura. 7 he öoune weorpeö öa cearfullan cai^e 
ofer ba3C in on pa helle. Bis he deö, foröam-}?e he ne mseg 
loeian on öset myele sär 7 on öam myelan wanunje 7 on öam 
myelan wope, pe pa earman sawla dreojaö mid öam deoflum 
in helle tintrejo. Eala, broöor mine, hu myeel 7 hu hlud biö 

20 se cuyll, ponne seo eseje fealleö in öa helle. 

Mew J)a leofestan, siööan ne öurfan l^'a synfullan 7 öa 
sorhfullan sawla wenan ne öa diofla pon ma, l?a3t hie sefre 
onfon syöp'an \fol. 85^] raste. 7 }?oune Dryhten fserö him mid 
his2) enjlum 7 mid his apostolum 7 mid his öam hali^ra werod 

25 to heofena-rice mid myelan Inymme 7 l^'ser syööan wuniaö in 
ecum wuldre. 7 hie habbaö symle ge-fean syööan 7 bliese 
mid urum Dryhtne, öam sie symble wuldor 7 wyrö-mynd 7 
ece ^efean a butan ende in secula secxdoruni. Amen. 



2. Bittwochen-Predigt aus Hattou 116 

(früher Junius 23), Ende 11. Jahrb., pag. 382—395. 

MEN pa leofestan, ]?is sinden haiige dagas mid eallu7?2 

30 cristenuw folee. 7 swa cwajö se halga lareow: Hwet we ge- 

munan magan, pcet we oft gehyrdon secgan, for hwon wise 

men )?urh haiiges gastes gife gesetton ]?as haiige gang-dagas 



^) Lies: gegearwod. 

'*) Das i über der Zeile. 



129 

f»ry to festenne 7 on to gangonne rcffer f'.'ore lialegan Drilitnes 
rode 7 to liis hnlig-ra reli([uiuj», )^a nu forögeboreue sindon 
geoud eall middan-eard fra>H ge-leafnllu/>? mannu»« to-geanes 
bis lialgan ii})stige. J^e uü on punres-dieg hij>, pect he bis j'one 
balgan licbaman ab/tf up in beofene byht^o 7 be fore ure 5 
lufan deaö ge-]'rowade 7 ge-r:efnode. 7 J'nrb bis ma^gon-]'ri;>nn 
he aeft of deal'e aras 7 bis gingrura binc jctywde 7 by inungode 
pere gastlican lare, I?e be bym a^r bis In'owunge sogde, 7 f>ry- 
7-J'rittig wintra on j'issum niiddan-gearde be wji'S. ü^^gbwyl- 
[2)ag. 585] ces godes bysene be onstalde . 7 forj'on mid mennis- 10 
cum lieboman be bine gegerode ofer bis godcundnesse, pcet he 
eae ]?urh ]>cet ma.m\m for-geafe, ^cet bi pe e]?elicor ingang 
haifdon. ForJ^on we seeolon biddan bine for bis J'era baligan 
roda weorlninga 7 bis iipstige, pe nu to morgen bi]?. 7 ealle 
balgan we sceolan biddan, pcet hi mid ns eac bidden a?lmihtigne 15 
Drihtew, pone ecan cyning, pcet be us ge-scilde wiö ge-dwohm 
7 wiö deofol-gyld 7 wiö bepene J'eoda 7 wiö arleasu;» bungre 
7 beregunge, 7 pa^t be ns sibbe for-gife 7 smyltnesse lif. 1) 7 
eae swylee we bine biddan, pcet be üs gescilde wiö grimnesse 
misenliera yfela 7 wita, }'ara-f>e be on middan-geard sende]' 20 
for manfiilra mauna synnu?;^ 

To ]nssuwi dagu?« ]nirh baligne gast ]:'ls festen 7 pas 
gangdagas ge-set weron, swa we oft on boeum ge-hyrdon secgan. 
7 swylee mid p>ere balgan ]'rinnesse 7 rode 7 mid bis balegra 
[pag. 384] reliquiuj», ]'e we mid gangaö, we sceolan mid 25 
halguw sangum bletsian ure land 7 Drihten bidden, pcet psi 
Wffistmas, l'e on eoröaa syndon, ge-]'eon motan mannu)u to 
gode 7 to helpe. Uton we bine nu georne biddan, nu he us 
for-geaf, pcet we ]>issere tide ge-bidan moston, pcet he us bis 
yrre frara ähwyrfe 2) 7 bis miidbeortnesse üs t6 Isete on eallu?« 30 
unwi life ge on^) l^issm» andweardan ge on pscm to-weardan. 

Men pa \eo festem, ge-byraö lifes bebodu, 7 l^a ecan lare 
lustlice onfoö, 7 on-gytaö ]'one cwide j^es so]?an dajman, pe 
we*) be-dydrian ne magon; forj'on Drihtew ]?us cweö: 'Se- 
pe ofer-bogeö ]:'one lareow, on-drede he hhn l^one heofonlican 35 

Lies lifes? 

2) Das y über der Zeile nachgetragen. 
^) Aus ond durch Rasur gebessert. 
*) Das e über der Zeile nachgetragen. 

Studien z. engl. Phil. L. 9 



130 

deman, ]>cet is Drilitf?^ God'. His leorneras weron lareowas 
ge-nemnede, forj'ou hi us |?a lialgan lare of Godes bocu»n secgaö 
7 l^es heofoncundan cyninges to-oyme bodiaö. ForJ^on-J'e he 
cymep to demanne ealliun middangearde, forj^on j'one sopan 
5 deman urne Drihten [i^ag. 385] we us on-dredon sceolan. 7 for 
his dorne we sceolan forhtian 7 j'one raicclan 7 J^one langan 
domes-da^g. Warnian we üs, lerl^on-j^e he cume; 7 tilian we 
georne, pcet we J'onne ge-mette synd on godum weorcum 
diBdum, 1) forp'on-J^e pcet is se myecla Drihtnes domesdseg 7 

10 ealles maneynnes. licet is yrm]:'e daig 7 gnornunge dseg, 7 
unrotnesse da.^g 7 cwanuwge'^) da3g 7 nearonesse dag 7 bytter- 
nesse dreg 7 earfoönesse da;g 7 ge-somnunga äsag heofon-wara 
7 eoröwara 7 helwara. 7 ]^cet is ge-wrixles da3g licharaan 
7 sawla. 7 ne biö naenig m^cgp ]'a3S mycclan maneynnes ge- 

15 gaderod on j'a?» dsege, pwt hine J^er ge-seyldan m^ege. Ne f'a 
snyttero ne ]'a gleawnes ne nfonig man nah swa mycel rice on 
]?issii?M middan-earde, pcet he hine j^aiv be-ladian mage beforan 
p&re awf?weardnes9e j^era halgan )?rinne8se. Dset is cyönesse 
da3g ealles maneynnes Inirh ge-sceafte fyres 7 wseteres 7 windes 

20 7 Jnmorrade [pag. 386] swij^e sträng. ])cet is bemena da?g 7 
hire leoöringa. pysne d^eg we üs on myeelre rernesse^) to- 
weardne on-gytan magon be msenifealdum ]nngu7», j'e us oft 
7 gelome he eypaö. 

Be paw diege Drihtew sylf eweö^): 'Arisa|? l?eod wiö 

25 ]?eode 7 riee wiö rice' [Lulc. XXI, 10]. pone^) biö pser j^eoda 
ge-j^ring 7 mieuigfeald reohnes") geond m^nig stowa. pas 

Zum Vergleich mag hier die entsprechende Stelle der VII. Blickling- 
Homilie, ed. Morris, S. .9i2o — 9523 Jiigr Platz finden: 

On pxm dseje jewitep heofon 7 eorpe 7 sse 7 ealle f>a pin^, ]?e on 
f>3em syndon, swa eac fore psere ilcan wyrde 5ewite}> sunne 7 moua, 7 

*) Zwischen weorcum und dcednm ist entweder ein 7 einznfügen, oder 
eines der Wörter ist zu streichen, oder es ist tveorc-dcedum zu lesen. 

^) Man beachte, dafs n hier durch einen Strich über dem Vokal ab- 
gekürzt ist. Holthausen leugnet also zu Unrecht das Vorkommen dieser 
Abkürzungsweise in ae. Texten (Archiv f. n. Sprachen CXXIII, 401). 

^) Lies hrernesse. 

*) Vgl. den lateinischen Text der Thomas-Apokalypse, wie er oben 
S. 117 ff. gegeben ist. 

^) Lies ponne. 

•) Lies hreohnes. 



I 



131 

eoröliean tticnn we iin ge-wordene oft sceawiacV I)one ') ge- 
weoröii]' ]'as taenu syfou dagiim idv j'aw dorne. 

[I] On pain uirestan dünies-djTiges tacne biö mycel stefeu 
ge-byred of J'a>» lieofones tungle, se hate]^ 'firmamentum'. 7 
blodig wolcn astiga]? nor]?aD, 7 myeele Jninorrade 7 lygytu 5 
blycetal>; 7 p(et wolcn bjierne]'^) ealne heofen; 7 bit ponne uu- 
ginna]' rinau blodigan regne. 

[II] On psim {cfteran djege stefen h\\> gebyred of beo- 
fonu;», 7 eoröe biö on-brered; 7 beofoneund leobt^) ofer-btefö 
ealne middnn-eard 0]' pes da3ge8 a3fen. 10 

[///] On psim l'riddan diege a3t ]?ere a3ftevan \pag. 387] 
tide p'JGH dxges on beofonuw fietyweö fyren-tacen, 7 of eoröan 



eal tuDjla leoht asprinsep. 7 seo rod ures Drihtnes biö arjered on pcvt 
^ewrixle para tnn;^la, seo du on middanjearde awerjde jastas flemep. 7 
on ]?8eui daeje heofon bip befealden swa-swa boc; 7 on ]?fem dseje eorpe 
bi]' forbserned to axan; 7 on p?em dseje sffe adm^ap; 7 on J'sem dseje eall 
heotona ma-jen bip onwended 7 onhrered. 7 syx dajum jer ]?issum dse^e 
Sebmpep sj'Ulce tacn te^hwylc aue dseje. 

[1] py jerestan daeje ou midne dtej ^elimpe}? mycel snornnDj 
ealra ^esceafta; 7 men jehyrap myccle stefne on heofennm, swylce paer 
man fyrde trymme 7 samnije. ponne astii^f*]' blodig wolcen mycel from 
norpdsele, 7 oforpecp ealne pysne heofon. 7 sefter psem wolene cymep 
legetu 7 punor ealne pone döej. Rinep blodij rejn set tefen. 

[II \ On psem sefteran dseje bip jehyred mycel stefu ou heofeuum 
fyrdweorodes jetrymnesse ; 7 eorpe bip onhrered of hire stowe, 7 heofon 
bip open on sumum ende on psem eastdsele. 7 mycel maejen forpcymep 
pnrh pone openan dtel. 7 )'one heofon oforpecp 7 oforwryhp set «fen. 
7 blodig rejn 7 fyren fuudlap päs eorpan to forswyljenue 7 to forb^ernenne. 
7 seo heofon bip jefeallen aet psem feower endum middanjeardes. 7 eall 
eorpe biö mid peostrnra oforpeaht set pa endlyftan tid J'ses da^jes. 7 ponne 
cwep eall folc: 'Ari^e us nu 7 miltsije se Dribten, pe on en^la endebryd- 
nesse wa^s jehered, pa he on Betleem waes acenned.' pa cleopodan hie, 
7 pus cwsedon: "Wnldor sy Jode on heanessawi 7 mannum on eorpan, 
pam-pe jödes willan syn". 

[III] py priddan daeje seo eorpe on psem norp-ende 7 on pam 
east-ende sprecap him betweonnm. 7 pa neolnessa grymetiap 7 pa eorpan 



Lies ponne. 

2) Der Begriff 'verbrennen' erscheint in keinem unserer Lateintexte, 
die beiden anderen ae. Handschriften stimmen zum Latein (operietiir). 

^) Vielleicht aus dem ignis, das die Hs. P M- zu potestas hinzufügen, 
entnommen. 

9* 



ICiO 



OJ 



deopnesse astigeö mycel sweflen lyge; 7 £et pam feower 
healfum pisses middaneardes se beofon to-berste|?; 7 mycel 
sweg cyraf> 7 ge-sweorc; 7 of helle astigej^ mycel dymuesse 
7 fulnesse stenc, 7 ofer-bfefö ]?as eoröan ane tide dseges. 
5 ponwe ongytaö syufulle men hyre forwyrö 1) 7 for-wyrbtu. 

[/T''^ On pam feorp'an daige {ram norödsele )nsses middan- 
eardes mycel brea>» astigö belle-gasta. 2) l)oüne fealleö eall 
hej'enra manna deofolgyld on p3im da3ge. 

[V] On psim fiftan daige set picre fiftan tide dseges mycel 

10 samnuuga cumaj? 7 J^iunorrade 8wy)?e mycele; 7 steorran feallap 

of beofonuw; 7 l^eostre biö swipe mycei; 7 pcet lyft bi}' on- 

hrered. ponwe ealle peoda wiösacap pme worulde; 7 bi ou- 

gitaj' ponne Üribtnes mibte. 3) 

willaj? forswel^an. ponne bip eall eorj^an msejen onweaded 7 mycel 
eorj^hrerues biö on J?sem dseje geworden. 

[IV] py feor}?an dseje ofor undern beop mycele puneras on heof- 
nnm. 7 ponne jefeallap ealle deüfoljyld. 7 )?ünue Lit bip aet sunuan 
setlgange, 7 ]ieah-hwe]7re nseaij leoht ne feteowep; 7 mcna bif» adwsesced ; 
7 beop f>eostra forp gewordene ofor ealle world; 7 steorran yrnaj? wi)7er- 
synes ealne pooe dsej. 7 men hie magan jeseon swa sutole swa on niht, 
ponne hit swipe freosep. 7 ponne on paem dseje hatigap pisse worlde 
welan 7 pa piug, pc hie nu lufiap. 

[V] py fiftan dsege set underne se heofon tobyrst from psem east- 
dsele op pone westdtel . 7 ponne eall engla-cynn lociap purh pa ontynnesse 
on manna-cynn. ponne jeseop ealle menn, pcet hit wile beon set pisse 
worlde ende. Fleop ponne to mnntum, 7 hie hydaS for para engla onsyne, 
7 ponne cwepap to paere eorpan, 7 biddap, pcet heo hie forswelge 7 ge- 
hyde, 7 wyscap, pcet hie ntefre naeron acennede from fseder ne from meder, 
swa hit geara be pon on Cristes bocum gewitgod wses, 7 pus cwepap: 
'Eadige syndon pa men, pa-pe wseron ünberende; 7 eadige syndon pa 



^) Sollte cl haben. Das Ö erklärt sich vielleicht, wenn es nicht Schreib- 
fehler ist, durch Anlehnung an das Verbum forweordan. 

2) Stimmt nicht zu unseren Lateintexten. 

^) Die Vorzeichen zum fünften Tage sind im Vercelli-Text über- 
schlagen, aber in Hatton und Bückling mitübersetzt: Quinta autem die hora 
sexta subito erunt tonitrua magna in caelo; et virtutes hiniinis et rota 
solis rapietur [aperietur M-]; et erunt tenebrae magnae in saeculo usque 
in veHj)erum; et stellae vertebuntur [vetabuntur P, cessabunt }iP] a [arf M^] 
ministerio suo. In illo die et omnes gentes ocliebunt [hadibunt M', vide- 
bunt M*] saeculum et contempent [so JPP, continebunt M'] vitani saeculi 
huius. Ista sunt signa quintaa diei. 



133 

[VI] On ]\'un sixtim djcge tet J'ere sixtan tide djeges. 
l)es heofon tohlyt fram east-diiele op pxne west-dtel; [pay.SSS] 
7 eall eng-la werod eym|? ofer eoröan 7 seeada]> ]'a soöfestan 
raen fram J\iw« arleasan. ])oüne ]?a arleasan men fleoö pcet 
heofoneunde werod hi sylfe to be-hydenne on dunum 7 on 5 
beorgu»?, 7 eweöa]': 'Untyn pn pe. la eorj'e, 7 for-swelh üs, 
)^y-les-}'e we fundene beon'. 

[VII] On pixm seofol'un da^ge fct J^ere seofoj'an tide djeges 
biö domes tacen, 7 Mi pam feovver bealfum ]?isse 1) middan- 
eardes feovver englas standap 7 blawap feower byman. l)oime 10 
be-fealdal> pes heofon to-giiedere, swylce man ane boc be-tine.^) 

7 se sunne biö on-weuded od j^eostru, 7 se mona on blöd; 7 
steorrau of heofouum fealla}?. 7 eall beofoncund ma3gen powie 
on-hrered. biö. Drihten cymö ponne on miccluMi megen-J'ri»<me, 
7 fyr on bis tinsyne seine]? 7 blyeeö; 7 on bis ymbe-bwyrfte 15 
biö swij'e myeel hrerenes. l)onne arisaö ealle ]?a men, J>a-|'e 
mid gebregdnessuwi on deap'e swulton, fram j?aw feower beal- 

innopas, J?a-pe naefre ne cecdon, 7 pa breost, Jia-pe ngefre meolcjende 
iicieroa.' 7 j'onnc hie cwepaf> to pSBva dunum 7 to ppem Lyllnin : 'Feallaf» 
ofor ns 7 ns bewreop 7 johydaö, pect we ne }nirfon ]7ysne eje len^ f»ro- 
wian fet fyssum en^lum. Nu is eal ^esyne, pcet we eer behyded hasfdon.' 

[VI] py syxtan dseje per underne ponne bip» from feower endum 
J'pere eorpan eall middanj;eard mid awerjdum jastam jefylled, pa fundiaj?, 
pcet hie willou jenimon myecle herehyp manna saula, swa Antecrist ser 
bcforan dyde. 7 ponue he cymep, ponne beotaj? he, pcet he wile pa saala 
seudan on ece witu, ]?a-]?e him heran nella]'. 7 ponne ?et nehstan bip 
he sylfa on eone wean bedrifen. Swa ponne py dseje cymep sanctus 
Michahel mid heofonlicnm preate hali^ra jasta; 7 pa ponne ofsleap ealle 
pa awerjdan; 7 on helle-jrund bodrifap for heora unhyrsumnesse Jodes 
beboda 7 for heora mäudsedum. ponne jeseop ealle jesceafta ures Dribtnes 
mihte, peah-pe hie nu mennisce men oncnawan nellau ne on^ytan. 

[VII] ponne sefter peossum pinjum bip neh ptem seofopan dseje. 
7 ponne hatep sanctus Michahel se heahen^l blawan pa feower beman set 
pissnm feower endum middan^eardes; 7 awecceap ealle pa lichoman of 
deape, peah-pe hie aer eorpe bewrijen bsefde oppe on wsetere adruncan 
oppe wildeor abiton oppe fujlas tobseron oppe fixas toslitan oppe on 
feni^e wisan of pisse worlde jewiton. Ealle hie sceolan ponne arisan 7 
forpgän to pam dorne, on swylcum heowe swa hie aer hie sylfe sefrEet- 

^) Lies ßisses. 

2) Aus dem Vorzeichen des dritten Tages herübergenommen. 



134 

inm Jnsses miüdfixigcardcs , pcet syndon, j^aj^e on [pag. 389] 
pissuw life on fyre for-ba^rnede wseron oj'pe on wsetere adrencte 
weron oj^l^e on rode ahaugene weron o]^pe on niorl^e of-slagene 
weron oj^J^e wilde- deor fra^ton o]']'e fugelas to-bseron, ealle l^a 

5 l'onnc sßt pern bymene stefne arisa]' 7 }nirh fyres leoman to 
Godes dorne gn]\ ©er ait-standap l'useud pusend engla 7 
myeel megen heali-engla 7 ealle haiige 7 so)>'feste Godes 
witegan 7 heahfrederas 7 apos^olas. Bonne letyweö Dribte»* 
]7a rode, pe he on )?rowade; 7 p'er seiueö leobt ofer eallne 

10 middangfarc^. 7 he ietyweö }m wunda on bis sidan 7 l^aera 
naegla wunda, swa pa. on bis banduw 7 fotu>«, pa he mid wes 
on rode ge-fa3stnod, swa blodig, swa bi weron on pam forman 
dege. 

Donwe cwiö se eca cyning to anra gebwyleum: ^Men ]?a 

15 \eofestan, sege me, bwet ge-worbtest pxx ol^l^e hwet ge-cwede 
]?u o|?}?e hwet gedydest p\\i Syle wedd be ]:>issu>« eallm», l^e 
ic for l^e dyde 7 for pe prowade.' 

Donwe [pag- 396\ awdswarap> se man wxwm Dribtne^) 7 cwiö: 
'Nebbe ic a3nig wedd to syllanne, nimf>e mine.' \)omie biö boe 

20 ontyned on ansyne l?es hexbstan cyninges. On }?ere b6e beoö 
awritene a^ghwylces mannes da3da, eall pmt he to gude dyde 
op>l?e to yfele gedyde on l'isum middangeard per se broper 
p2im o)>rum ne maeg gebelpan, ne se feder J^aw suna, ne pa 
neahmagas ne l^a madm-ge-streon. '^) Ne pysse worulde sehta 

25 benigne man per ge-scyldan ne mag ol>ru>». Ae Drihte?* gyldej? 
anra ge-bwyleu«* men ixiiier bis sylfes ge-wyrbtu?>L 

ponwe soj'feste 7 geeorene men forö-berap beora wuruea 
byrsumnesse, 7 Drihtnes haiige martiras beora ]n*owunga 7 
l^aera carcerna nearownessa 7 manige earfoöe, j^e bi adrigou 3) 

30 for Drihtnes uaman. Gehddode men beraj? beora hyrsuwmesse 
7 for-wyrnednesse pyssa woruldliera pinga 7 beora pa singalan 

wodan. Nses na mid ^olde ne mid jodwebbennm hrae^lum, ac mid ^odum 
d?ednm 7 hal^um we sceolan beon ^efraitwode, ^if \ve poune willaj? beon 
on pa swlpran healfe Drihtnes Hselendes Cristes mid sopfsestum saulum 7 
jecorenum, pa he sende)? on ece leoht. 

*) Das t über der Zeile nachgetragen. 
'^) Dasselbe Wort wie Beowulf 1931 (»icedtn^estreon). 
°) Falls hier nicht Verschreibung für adrugon anzunehmen ist, müfste 
hier eine alte t-umgelautete Optativform (adrygon) vorliegen. 



135 

wcccan 7 |'a drihtciilican [inig. 391] hclxxlu 7 hyra j^a gast- 
lican f>eowdomas. Lii'wecle men, J^a-l^e her ribtliee hyra lif 
libba]', hi beraö heora a.'lmes-da?da 7 hluttor lif 7 clene on 
ansyne pes hehstan scyppendes. 

Bomie cwiö se eca cyning: 'Venite, heneäicti patris mei,^) 5 
percipHc rcgmtm, qnod uohis jmratum est ab oriyhie mundi 
[Matt. XXV, 34]. Cume ge, gebletsode mines feder, 7 onfoö 
pcüt rice, pcet eow is gearu imaced 2) of frumpa. }>issere worulde.' 
Bonne pa. arleasan 7 ]n\ syufullan hi beraö nearowne w.'estm 
7 seeand-fulue on ansyue )?es beahstau scyppendes. Donne 10 
cwiö se beofona Dribte«: ^Discedite a me, maledicti, in ignem 
etermim [Matt. XXV, 41]. Fare ge fr um me, awyrigde.' 7 hi 
l'onnc ahwyrfa]? fram baligra manna dreame 7 swij^e beofigende 
belle-witu secaj^, }'iier is deaö butan life, 7 J^eostru buton leobte, 
7 breow buton frofre, 7 yrrnj^e buton ende. Der ne on-git se 15 
feder J^one sunu; [2mg. 392] ne se sunu J?one fader ne wuröa]^; 
ne seo dobter j^a modor ne lufaö; ne seo moder pd dobter ne 
niiltsaö./ Ac anra ge-bwylc bis sylfes yrmpa beofaö, for)?on- 
l^e helle-fyr nefre ne bi]' adweseed, ac a j^a dracan 7 l^a 
wyrmas j'ara arleasra manna sawla slitaö; 7 hi nefre ne beoö 20 
sweltenda. Der is eagena w6p 7 to]?a gristbitung; 7 ]?er is 
welera }Hirst, wita stow.i 

Of piissu?» tintregu)?i, men l>a leofestmt, tilien we us to ge- 
scyldene, 7 üs ge-warnige,3) ):'a hwile pe we lifes leobt habban 
moton, l^e-lffis üs feringa }^as }>eo8tru for-gripen. 7 mid georn- 25 
fullu;» mode tyligen we ure sylfra, swa lange swa we libbon 
moton, mid godu;» dedu?>i to ge-wyreenue, pcet we beofona- 
rice ge-earmian moten mid nnwi Dribtene 7 eallum bis balgu??«. 

Der is ece bliss 7 engla sangum ge-swi)7erod, 7 un-asec- 
gendlic ge-fea, 7 Godes lof, 7 unawendenlie ■*) wynsujnnyss 7 30 
se so]?e fegernes, swa us cyöde sa«c^!<s lohanne», se Drihtnes 
dyrling. He 8cea[pö^. 393]wode beofonarices wuldor, 7 he 
on beofonum wes, 7 he cweö [Ajjok XXI, 1 — 27]: 'Ic ge-seo 
niwne beofon 7 niwe eorj'an 7 J?a balgan ceastre paradisum^) 

1) Vgl. oben S. 127 Anm. 6. 

2) Man beachte das frühe Beispiel für den Übergang von ge- in i-, 
') Lies gewarnige7i. 

*) Lies luiaicendendlic. 

^) Dieses Wort ist durchgestrichen und also wohl zu tilgen. 



r- 



136 

leriisalo«, ^a'i is paraJisiu». seo wes fra?;i Gode ge-fretewod. 
7 heo wes befangen niid swipe raieelon wealle; 7 twelf gatu 
weron on J^ere eeastre, J^a wairon ge-worbte of twelf cynna 
gymmn/». 7 seo eeastre wes ymbe-seald mid Godes beorht- 

5 nesse; 7 hire sta]?ol wes of ealliim deorwyrpujM stanu??^ ge- 
fretewod; 7 hyra worj^ias i) weron }?es bluttrestau goldes. 7 
on p'ere eeastre suune ne liliteö ne mona; ae Godes beorbtuesse 
bi on-libteö. 7 seo beorbtues wes \(Bt so)?e lamb, \(Bt wes se 
ailmibtiga Dribte«. per ineodon ealle ]^eode 7 eoröcyningas; 

10 bi eomon 7 ge-segou Godes wuldor 7 bis megen-]?rim. 7 hl 
saldon Gode weorpunga.' 

7 aifter ]?on cweö umttu'S, lobawwes: 'le ge-seab mcn 
gangan of ealliu?i l^eodum, ]?a weron be-swapene ealle mid 
bwitiu)? rreglum 7 elypodon 7 cwedon {yag. 3d-i\\ "Sy belo 

15 uru?« Dribtne 7 ]?ane, pe sitteö ofer l?issu«i beab-setle: foröon 
US is mycel neod-pearf." ' 

Meji ]?a \eofestan, ]net we bidden p'a beofoueiindan ge- 
samnunge, pcet bi us eae j^ingian to J^awi celmibtigan Dribtne. 
7 mnctus Micbael pone beab-engel uton we üs on fnltu«» eigen, 

20 se is byrde neorxna-wonges 7 Ebrea p'eoda 7 a^gbwilces godes 
mannes sawle. He ge-weald baBfö,^) 7 be nefre by ne for- 
Iffit, ser be bi ge-bringe be-foran Drihtnes beab-settle. 7 l^er 
he is 7 weardal^ ealra balegra sawla, 7 seo ece bliss unasec- 
geudlic on beofona-riee, 7 pcet berigendlice rice 7 pcet smylte 7 

25 j^cet ge-sibsume, pcet God bsefö gegeareod bis balgum 7 mid 
bis megen-l^ri»2me ge-fretewod. 

Men p2i leofestan, berigen we nu l^oue a3lmibtigan Dribte)^ 
7 lufien we hine 7 wurl^ian. He is cyning ealra cyninga; 7 be 
is scyppend ealra ge-sceafta ge-segeulicra 7 ungesegenlicra ; 

30 7 he is fegerest ealra blostma; 7 he is snottro paare [2)ag. 395] 
sol>an lufe; 7 be is engla symbelues; 7 he is wuldor psera 
eadigra apo5^ola; 7 he is leobt }?3era haligra martira; 7 he is 
neorxna-wanges ece ge-fea; 7 he is belo ealra uutrumra; 7 
he is alysend J^aera ge-hieftendra ; 7 be is ealra }?inga leobt 7 

35 ealra tida. 



') Lies tvorpigas, entsprechend dem et platea civitatis aurum mundum 
der Quelle (Apok. XXI, 21). 

^) Dahinter scheint ein Genetiv Pliir. zu fehlen (godra sawla?), auf 
den sich das folgende hy bezieht. 



137 

Bidden we im. nun ]\a \eofcstan. urue Drihtc» wuldres 
kyning, ]HEt he üs ge-bwyrfe to his niildan uillan 7 he sy 
ure mildsigend 7 uro frefrigeod to his his miklheortnesse, \>(et 
he US ge-hi'de, J>jDr we on jnim ecan ge-fcan beon niotoii mid 
him 7 mid calhuw halgn;« wiinian on wiihlre 7 on weorö- 
mynte. Ile is Drihten sylfa, se-|'o leofaö 7 rixad mid siina 7 
mid }'a?« halgao gaste a biitan leghwylcu»; ende. AMEN. 



E. 

XXII. Vercelli- Predigt 

fol. 116b— 120b. 

HER sjosö, hu Banetus Isodorus i) spr^ec be (Viire sawle 
Se-dale 7 be f>{X3S lichoman. He cwteö: 

^'Min sawl on nearunesse is jeseted, 7 min jast me hataö, 10 
7 min heorte is sedrefedu, 7 mines modes nearunesse me na-tt.' 
'Eallum yflum ic eom seald', cwaiö seo synfuUe sawl, '7 eallre 
un-^e-sjclisnesse ic eom be-wrijen. Ne raetto ic najfre on 
min um life swa raycles sares ne yfeles ge-mseccan, swa ic me 
nu ?et-foran je-seo, ^foröan-J'e, swa-hwyder-swa ic fare, min 15 
un^e-sjeli^nesse me fserö mid, 7 min yfel ic uahwar be-fleon 
ne ma35, p'a ic jer ne wolde. Swa-hwyder-swa ic me hwyrfe, 
hie me samod siöiaö. Ea-la, J^a^t ic wajs pie,s heardestan je- 

S. Isidori Synonyma de lamentatione animae peccatricis (S. Isldori 
Hisp. Opera, Eom 1802, Vol. VI S. 472 fr.): 

Liber I, § 5. Homo: Auima mea iu angiistiis est, Spiritus raeus 
aestuat, cor meum fluctuat, angnatia animi possidet me, augustia auimi 
affligit me. Circumdatus sum omuibus maus, . . ., opertus iufelicitate. . . . 
Nou reperio uspiam taati luali perfugium, tauti doloris uon iuvenio argu- 
mentum, . . . ubique me infellcitas mea persequitur. . . . 

§6. Ubicumque fttgio, mala mea me iuseqnuntur; ubicumque me con- 
vertero, malorum meorum me umbra comitatur; . . ., sie mala mea fngere 
non possum. Ego ille homo ignoti nominis, homo obscnrae opiniouis, 
homo iufimi geueris; . . . .; nuUi adversus extiti, . . .; vitam mcam omnes 
laedere nituntur, . . . , conserta manu iu me pericula ingerunt, ad exitinm 
me pertrahunt, ad periculum me adducunt, .... 



^) Isodorus oder Ysodorus statt Isidoriis ist jedesmal (S. 138 Z. 13, 
16,20; S. 139 Z. 9, 21; S. 141 Z. 3; S. 143 Z. 5; S. 141 Z. 14; S. 146Z. 8; 
S. 148 Z. 24) vom Schreiber geschrieben. 



138 

l'obtes mann 7 ]ws for-cu(iestnn, Jnut ic me miiie (lajas to 
nytte ne jeclyde, }^a hwile pe ic on worulde wses. Ac öal>e 
ic hira willan worhte, [fol. 117"] hie willaö me nu Äe-sceööan. 
Hie sendaö hira handa ou me, pat hie me mid sare utateon 
5 7 to frecnessu»< ut-3eUeden. 'Nienis minuw yfliim me je- 
fiiltumaC», J'a ic sylfa ?er ne wolde. Ac eallum ic eom la^öed, 
7 ealle hie me mid searwe 7 mid inwidde onlociaJ\' 'Wala', 
cwa;ö sio synfulle sawl, 'hwam sceal ic gelyfan sefter me, oööe 
ivt hwam sceal ic jetreowöa habban, ]^a ic mine forleas? 
10 Najnig min pi^xa nehsteua jetreowne jeleafan hafa]\ Eawla, 
se ge-leafa is je- worden, 7 he is numen, 7 he n^es naworn ') 
ge-suud.' 

'On-jita]', mine J^a leofestau bearn', cwajö mnatm Isodorus, 
'7 .Tjhwylc cristen mann smeaje on him sylfiim, hu nearo se 
15 siö-fet biö J?a;re synfullan sawle. Forpan ne sceal niefre se 
cristena man beon or-sorhleas'. Cwieö sawc^tts Ysodorus: 'J^- 
J^euce nu öu, man, 7 on-jyt, jif öu sylf l>e nelt alysan, l'a 
hwile ]'e öu mihi Hwi wenst öu, pset oöres jastes hord-fict 
J?e wile alysan, jif öu sylf nelt?' 

20 'Eawla', cwa3Ö se halja Isodorus, ^'hwiet, j^aet is yfelie 

l'eaw 7 synlic, f>8et najnis j^'am synjeudum wiö-cwiö, ne nanij 
l^am man-fullan wreceö. pa jodan waädlial? on l?ysse worulde, 
7 ]'a man-fullan ge-hyhta]'. pa män-fullan wealdap» nu on 
heora rice 7 hynaö J?a godan. "Da uurihtan synt ^e-weoröode 



§ 7. Nullas mihi protectionem praebet, . . . , millus maus meis 
succnrrit, desertus sum ab omnibus liominibus; qaicumque me aspicinnt, 
aut fugiunt aiit fortasse me persequuntur, . . . Sub pietatis habitu animo 
venenatü incedunt. Velant malitiam fnco bonitatis, . . . amicitiam dolo 
Simulant; ostendunt vultu, quod in corde uou gestant. Cui credas? cui 
fidem Labeas? quem proximnm sentias? nbi iam fides? Periit fides, ablata 
est fides, nusquam tuta fides 

§ 8. ... Ubique iudicium veuale est; nullus legibus metus; . . . Im- 
punita manet male vivendi licentia. Nemo peccantibus contradicit; nee 
scelas ulciscitur quisquam. . . . Iniqui salvi fiunt; innocentes pereunt; boni 
indigent; improbi abundaut; scelerati potentes sunt. 

§ 9. lusti egent, iniqui honorantur; iusti despiciuutur, iniqui laetantur; 
iusti in maerore et luctu sunt. Impius praevalet adversus iustum; damnant 



') Lies naicern (= lat. 7ius^uam). 



139 

nu, 7 l'ii soöfiustan awcorpene. l)a uii-rihtan blis.siaö, 7 j'a soö- 
fa'stan synt on jnornuQse 7 ou licafe. 7 se ar-leasa ."^.tö nu 
beforan para soöfiostan, 7 se yfla wylt ]'ani soö-fa'stan 7 j'ara 
Äodiim. 7 ]'a uii-scyldisan beoc") witnode, 7 pa. scyldisau beoö 
for-laitene. '^For j'yllicum synnuni 7 oöium beoö j^a sawla 5 
witnode on Jodes ^e-syböe, 7 bio nat, J^onwe beo syiifnll biö, 
mid bwam bio «nt/swerise. ^''Ac bio swijaö, forJ\in-]'e beo 
nafa)' nane bylde on bire.' 

Se balja Isodorus cwa3Ö: 'Eawla, pxt sio sawl bio of öam 
lieboman aniimen biö. ^''Ealle bie bie swa wiindiÄo byrwaö 10 
7 swa fule stincende bie bie on-seuniaö 7 swa breofe bie bie 
ascufaö. 7 se lieboma liö on coröan isne je-nearwod 7 mid 
raeentunje seöryd [fol. 117''] 7 mid bendum gebunden 7 mid 
fetriuH sefaistnod. 7 J'aue synfiillan sawle ne beoö ]'a tintrejo 
Se-lytlode. ^'Ac )?a cwelleras ^) un-oflinnedlice ewelmaö, 7 15 
bie un-aseeejendlice s^ornun^e^) bire wite ma^naö, forJ^an-J^e 
öa deofln, swa-bw^et-swa bie ma^on, wa'1-breowlices bie ]'enea]> 
be bire 7 doö. 7 ]nisend-fealdum witum hie bie tiutrejiaö 
7 slitaö. 7 se lieboma ou eoröau fiünessum to-floweö, \>q we 
a>r mid wistum feddon; 20 

•Eawla', ewa3Ö se balga Ysodorus, ']'onne 3yt jeomraö seo 



iiiali bonos; houüratur iuiquiis pro iusto; instns dainuatur pro impio; iuuo- 
ccntes pro nocentibus pereunt nulla re impediente. 

§11. Testinm et iudicnm falsa et cnideli sententia iudicor. . . . Cui 
dicarnV cui credamy cui locjuar? quem adeaui? a quo consilium petam? 
in quo animum meum ponam? quem potissimum quaeram? 

§ 13. Ego autem recliuato capite, humiliato vultu, deposita facie 
sileo, taceo, iu incepto persisto silentlo . . . 

§ 16 ... Quicnmque me intuentur, omnes ut ulcerosum conteninunt, 
ut foetentem expuunt, nt leprosum tangere horrent. lacet caro astricta 
ferro, iacet pressa cateuis, iacet ligata vinculis, lacet vincta compedibns. 
Non desuut tormenta, uon desuut cruciameuta, . . . 

§ 17. Corporis mei carnifices Bovis me cruciatibus lacerant, iuaudito 
geuere poeuarum viscera mea et membra mea dilauiant; quidquid possunt, 
super me crudele excogitant; non perimor nuda morte, millc poenis ex- 
tortus, mille subactus tormentis, . . . Caro mea plagis secta computruit 



1) Das zweite l über der Zeile eingefügt. 

*) Der Text scheint hier verderbt. Las der Angelsachse iu seiner 
Quelle vielleicht gemitn statt gcnere'i 



140 

sawl, j^c liire lif iiT on rcccleaste lifde 7 cwiö : i^'Wala, pixit 
ic a)fre swa iinse-sieli^o geboren sceolde weoröau 7 pxt ic 
swa earm micldan-3eardes leoht je-seon seeolde! Wala, pa^t ic 
swa laoje 011 miniim lichaman eardijan sceolde, ]\i be me reste 
5 ge-earniÄau ne wolde! Unlust me wses to lifianne 7 Avalie to 
sweltauue, Eawla deaö, swete eart öu )'am earmum 7 )'am 
wjedliendum, 7 wunsiim 1) eart öu J'am un-rotum 7 ]'am jaor- 
niendu???; 7 biter eart öu öa?« welisum p-isse worulde, for}?an 
bie forla^tan sceolon liira blissa 7 onfoö nnrot-nessa, ]:'ese deö 

10 jclces yfeles 7 e^es.'^) 

2'Selre biö men, l^;et be s weite, jjonne be yfele lybbe mid 
synuum 7 on Jodes un-willan sy 7 unse-sselislice drobtiende, 
for]'an-]'e seo synfuUe pawl cwiö to öam deoflum, J'onüe bie 
hie tintregia]:> : 'Ic eow bidde, arisaö minum sare to fultumme 

15 7 alysaö me of l^j'ssum nearoues^um, foröam-pe ic swa earm 
ne mx^ wesau afrefredu. Foröan nnje-endedu is min snoruuns, 
7 mine wita^) ne synt je-libte, iie min sar ende naifö. Nis 
me na^nij leobt ne naenijo byldo on minum mode. Foröan J^as 
witu ic ierest aberan ne mseg.' 

20 22j)a deoflu bire j^onue a>2fZsweriaö 7 cweöaö: 'Nfiefst öu 

biht ne byldu on }^e eallra l>ara 3oda, ]m öe Jod on eoröan 

§ 19. Cur infelix natus snm? . . . Ut quid miser haue lucem vidi? 
. . . Utinam velocius egrederer a saeculo, quam sura iugressns, . . . sed, heu, 
miseris expectata uiors tarde venit. . . . Vivendi enim mihi taediuiu est, 
nioriendi votuui ... mors, quam dulcis es miseris ! mors, quam suavis 
es amare viventibns! Quam iucunda es, mors, tristibus atque maerentibns! 

§ 21. Gerte vel mors sub venit miseris. Melius est bene mori quam 
male vivere; melius est non esse quam infeliciter esse. . . . Parcite dolori 
meo, quaeso; maerori meo, quaeso, ignoscite; angustiae meae veniam date. 
. . . Non valeo consolari miser. Impatiens enim est dolor meus, infinitus est 
maeror meus; nullatenus linitur vulnus nieum; . . .\ nullus dolorum finis 
est. lam nuUa fiducia est animi;'iam ferre non potest animus; iam victus 
miseriis concidit animus. 

§ 22. Ratio: homo, quid tantum diffidis animo? . . . Cur spem at- 
que fiduciam omnem amittis? . . . 



*) Lies wynsuni. 

^) Dieser Satzteil ist verderbt. Vielleicht folgte hier etwas dem § 20 
(Mors malorum onmium finem imponit) entsprechendes. Also etwa se 
deaö oelces yfeles 7 e^es ende is. 

^) a aus e gebessert. 



141 

Seaf. ITwis jMncaö j'e J'as witn py niaran, l'e öc ;cr }'a je- 
wyrbtu ]'uhton?' 

'On3ita(\ mine )m leofestan', cw.icö se halga Isodoriis, 'hu 
mycel uearones pjere sawle biö, j'onue beo bit ^ebetan ne m;i35. 
28Foröan ne hetac^ eow, mrn J^a leofestan, [fol. IIS"] )'ysse 5 
woriilde welau be-swiean, for(\nn lieo is sceort 7 swicol eallu»?, 
pe bire fyl^eaj^ Ealle Jvis bcnendlicau earfeönessa ende babbaö; 
ae öa to-weardan ende nabba)\ Ne na^nises mannes lif ne biö 
to )'an lause, J^aet on sceortre 7 on sarijre hwile ne Äe-endije. 
Foröan sare 7 eallum öam iinrotnessum on j'ysse worulde we 10 
beoö 5e-ntette. Na)ni5 ne sie, seöe ne sari^e bis synna. 7 
wepan be seeal 7 breowsian, pißt be ne scyle on eenesse 
heofan. -"Us se-dafnaö jnirb manij-fealde eavfeönessa to 
ganjanne on beofena-rice. Lytle synt J'as la3neDdliean earfoö- 
nessa, ]'y we nu dra^fuan raagon for j'ics lufan, 7 myele synt 15 
j^a raeda 7 J'^et ece wiildor, pe he us ^e-haten ba3fö, jif we 
fullice wiö-standa]i deofles larum. "-^Swa myele swiöor swa we 
nu beoö na^tte on j'yssum life, swa myele ma we feojaö on 
öam to-weardan life. Foröan symle ^od her wundaö 7 swinjö, 
öaj'e be wile habbau 7 to pam ecan life je-la^dan. Swa-swa 20 
5old on ofne be hie syö 7 costaö; 7 swa onsa^jdnesse be bie 
onfebö. 29 foröan ne seeal nan man gnornisau on bis un- 

§ 26. Transeunt omnia saeculi huins nee permanent. . . . Nihil est 
tamdiu, niiiil tarn longuui, quod non brevi finiatnr; oiunia sub caelo finem 
suuiu habent. . . . Nemo in perpetuum expers mali est; . . . Vita ista 
lacrimis plena est, vita ista a fletibus inclioat. . . . 

§ 27. . . . Oportet nos per multas tnbulationes intrare iti regnum Dei. 
[Act. XIV, 22.] No7i sunt condignac passiones hiiius teniporis ad futuram 
gloriain, quae revelabitnr in 7wbis [Rom. VIII, 18]. Quod in praesentl est, 
momentanenm est, et leves tribulationes in nobisj quod aeternum est, supra 
modum est, pondus excellens gloriae. . . . 

§ 28. . . . Quantum enim in hoc saeculo frangimnr, tantum in perpetno 
saccnlo solidamnr; quantuui in praesenti affligimur, tantum in futuro 
gaudebimus. . . . Seuiper Deus hie vulnerat, quos ad salutem perpetuaui 
praeparat. In fornace probatur aurum; tu, ut sorde careas, tribnlationis 
Camino purgaris. . . . 

§ 29. Non igitur murmures, non blaspbemes; non dicas: 'quare 
sustineo mala? cur affligor? ut quid mala patior?' Sed magis die: 'peccavi; 
ut eram dignus, recipio." . . . Qui enim in flagellis murmurat, Deum contra 
se plus irritat, fororem Dei amplius provocat, iram Dei iudignantis plus 
sibi exaggerat. 



142 

trnmnesse ne cweöau: "Forliwan anefne ic öasyfel? oööc hwi 
eom ic iia?tecr? Wala, to-hwan l'rowije ic J'is." Ac raa öu 
scealt eweöan: "Dryhten, J^e ic synsode; swa mycel ic ne je- 
fele, swa ic wyröe eom." Seöe snornaö on bis un-trumnesse, 
5 Jod he tyi-jö 7 bis yrre he awecö. 3'^ 7 seöe bit je-j^yMlice 
a-bereö, Jod liöe he awaeaö to bim, JeJ^enc nu öu, man, 
J'oune öu sie cwylmed on j'yssum middan-jearde on j'inum 
uu-trymnesse; be-beald on jnnum mode ]^a to-weardan witu. 
ponne ]'u ^e-fele psat sar, je-myne J^set cwic-susles ') fyr. Jif 

10 öu l^e on-dra3dest pa to-weardan witu, J'onne ne sar^ast öu na 
pißs la3neudlican. 3' pa)t biö twy-feald yfel, ]??et man sarije 
bis licbamlicau earfoönessa, foröan he bie sceal J^rowian swa- 
J'eab 7 nafaö bis nane mede [fol. 118^] set Jode; ac bafaö pa 
ecan se-niörunje. 

15 32«"\\7"ite öu, man, butan Jodes willan l'e on beeymeö piet 

yrre. Ac öonne he yrre geworden biö 7 for urum synnu?w ge- 
Sremed biö, J'onne set he us J'rowunsa on, foröan-]>e he wolde 
US to bis willan sebijean. "^l)?es lichoman lustum we oftost 
ful-jan^aö; foröan he sceal bion bwilum swunjen. Se licboma 

20 oftost sesyngaö, 7 foröan he sceal beon je-un-trumod 7 witnod, 
3'Jif we woldon je-sceawian us sylfe on ure beortan, hwylce 

§ 30. Qui vero adversa patienter tolerat, Deam citius placat. . . . 
Cogita, o hoiao, quoslibet luundi cruciatus; intende animo quascumque 
saecnli poenas; . . . Compara hoc totum Gehennae, et leve est omne, quod 
pateris. Si times, illas poenas tiuie. Istae temporales sunt, illae aeternae. . . . 

§ 31. ... Eis duplex damnatio est, gemiua bis pecussio est, quia et 
hie habent initium tormeutoram et illic perfectionem poenarum. Vide, 
quia manus Dei te tradidit ad poenam. 

§ 32. Scito autem, o homo, nulluni tibi adversari potuisse, nisi Dens 
potestatem dedisset; . . .; universa, quae tibi accidunt, absqne Dei non 
veniunt vo'untate. . . . Indignatio Dei te affligere iussit; ipse iratus iussit 
te omnia mala experiri; ... Et hoc ipsum tibi pro peccato tuo diviua 
iustitia irrogat et ipsum pro culpa tibi divini iudicii infertur sententia. 

§ 33. ... Per quae enim peccasti, per haec et torqueris. Secutus es 
carnem, flagellaris in carne; in ipsa gemis, in qua peccasti; in ipsa cruciaris, 
in qua deliquisti. . . . 

§ 34. homo, discute conscientiam tuam, . . ., examina te; loquatur 
tibi cor tuum; considera meritum tuam. luste argueris, iuste flagellaris, 
iusto indicio iudicaris, . . ., iustitiae poena te premit. . . . 



1) Das zweite s über der Zeile. 



143 

we wjeron 7 us [»onne deman be nriini ge-wyrbtnni, l'onne 
n.Tvon we eft se-nic^rode on ]>am ecan dorne, ^n^c ^ye uu- 
Sesjoli^e byrnaö on J\yf?se woruldc lufaii 7 on hire .^itsnnÄC 7 
Iffitaö US eolian pa lufe J'a3S heofonlican rices seleafan.' 

Cwffiö pcet se Lalga Ysodorus: ss'fj^ lanje willaö je 5 
cristenan reeelease wunisan on Jwre fuliiesse )'a;8 licboraan 
fyrenlustes V Oflinnaö, la, ler eow se deaö ofer-eume. <^Ac eow 
J^inceö swiöe earfoöliee pa. unse-lnvieran J'eawas 7 J'a je- 
seyndan to for-hctanne; foiöan ]'y öset dioful biö on eowrum 
heortum, Yy eow eft biter se-deö ]'a swetnessa. ^^Ac wi(>- 10 
standaö him uu, |>a hwile pQ je majon 7 raoton. 7 settaö to- 
Seanes eowres liehoman histum 7') cwic-siisles fyres bryne; 
*'• 7 settaö be-foran eow J'one ejeslican dorn. ^^ 7 eowres deaöes 
dixiz se-munaö; foröan ailce üsez ws nealseceö J?iere sawle ge- 
dal 7 öixiä liehoman. '^''We witon, hw?et we on )>yssum da33e 15 
wyreende wjeron ; ac we nyton on J'ysse nihte, l?eah hio sie 
utala^dedu 7 ''"us ponne öa3t deoful la^de on bis witu, pe us 
ler on life mid paire syn-bryne'^) unasecsendliean tintrejo be 

§ 3G. ... Flagras in terreno amore, . . .; nescit satiari cupiditatis tiiae 
sitis. Novis te cottidie peccatis involvis. . . . 

§ 38. Cur in peccati sordibus uaanes? . . . Pone peccato finem; . . . 

§ 43. ... Sed heu ! difficile est pravam consaetudinem vlncere .... 

§ 46. Relucta contra malam cousuetudinem; . . . Propoue tibi ad- 
versns praesentis carnis ardores fatnri supplicii iguem ; superet aestum 
libidinis recordatio aeterni incendii; memoria ardoris Gehennae ardorem 
exclndat luxuriae. 

§ 47. ... Versetur ante oculos tuos imago faturi iudicii. . . . 

§ 48. ... De morte tiia cottidie cogita. . . . Cottidie dies ultimus appro- 
pinquat. . . . 

§ 49. Nescimns, quid nobis hodie contingat; . . .; ignoramus, si liac 
nocte animam nostram conditio mortis reposcat. . . . 

§ 50. Spiritus, qni ad peccandum saccendit, peccantem saepe subito 
raplt; . . .; qui inflectit ad vitia, pertrahit subito ad tormenta. ... (^uanti 
repente ad aeterna supplicia deducunturV . . . Alienos casus tua fac esse 
pericula; morientis vocatio tua sit emendatio; aliorum perditio tua sit 
cautio. 



^) Diese Kopula ist nacli Ausweis des Lateins zu streichen. 

'^) Hier fehlt augenscheinlich ein Verb, etwa nfyllde, als Abschlufs 
des Satzes und eine Präposition, wohl Mid, als Anfang des nächsten 
Satzes. Auch ist wohl mid pcem [statt pcere] syn-hryne (= lat. ardorem 
luxtiriae) zu lesen. 



144 

US cwylmeö, seöc we ?er bis willan worhton on worulde. For- 
öan US let Jod on j'yssu?» life, |>iet oöera manna forö-for seeolde 
bion ure je-lienesse. 

■''''Eawla, sawl, öuöe eavdodest on jnnes lichoman tin- 
5 tresum, waca 7 ^-'^e-bide )'inne Drybten, J'e-la?s j^e slajpende 
se deaö ofer-cume. Jebyraö ^ 

[fol. HO"], men |m leofestan, öa-öe ber syndoü on }?yssum folce 
dysije 7 recelease, sanjaö to deadra mauna be-byri^nesse 7 
Seseoö ]';i3r lifisendra bysene. lo bie w?eron us jelice on pysse 
10 worulde wynsumnesse lifisende 7 bim welena stryudon 7 bim 
mycla aibta biebbende wseron. Ac öas ealle synt fram bim 
anumen, pj bine ne scele nan man swa sylfne be-swican, p(^t 
be bim langes lifes wene.' 

^^i'Ac öu, man', cwce^ se balga Ysodorus, 'ie öe bidde 7 
15 balsije, 7 seornlice ic ]'e manise, J'fet öu^) nan-wibt leobt- 
lices ne leaslices ne do, ne öu l^ine synua eft ne edniwa, ne 
]?u ]nn yfel to eft ne bwyrfe. - Ac öu, ma, 3) bewite pe sylfne 
7 wite, bwset öu eart 7 for-bwan ön sie 7 bwset öu sie, 7 
forbwan pu. je-boren wseie oö|:'e to bwylere nytuesse )ni acenned 
20 vvsere, 7 to bwyleum Innje öu on pas woruld ge-eacnod wsere. 
Je-myne ]'inne seippend 7 je-myne, öset öu ge-worbt eart; 7 
ongyt, bwylcne pe Jod je-sceop. 7 semyue, bwylc^) wyrbta 

§ 51. ... Dum potes, a vitio et a peccato te revoea; dum tempus 
est, clama. . . . 

§ 63. Sucurre mihi, Deus meus, antequam moriar, anteqnam mors 
me praeveniat. . . . 

Liber Secimdns. § 1. Homo: Quaeso te, anima, obsecro te, de- 
precor te; imploro te, ne quid ultra leviter agas, ue quid inconsnlte gerag, 
ne temere aliqaid facias; ne repetatur malum, . . ., ne redeat iniquitas, ne 
denuo exoriatar nequitia. . . . 

§ 2. Ratio: Scito, homo, temetipsum; scito, quis sis; scito, cur 
ortus sis, quare natus sis, in quem usum genitus sis, quare sis faetas, qua 
conditione sis editus, aut quare sis in hoc saeculo procreatus. Memento 
conditionis tuae; naturae tuae ordinem serva. Esto, qnod factus es, 
qualem te Deus fecit, qualem te factor condidit, qualem te creator instituit. 



*) Vielleicht fehlt hier ein Blatt, aus den oben S. S3 angegebenen 
Gründen. 

^) Über der Zeile eingefügt. 

^) Lies man (== lat. homo). 

*) Lies hu-ylcne (— lat. qualem te fabricator condidit). 



145 

I''e ^c-worhte 7 hu fscjer seyppend J'e sawle on-sctte 7 sende. 
3 He öe bebt ad, piet öu healde )'inne rihtan jelcafan 7 J^jet öu 
lijebbe bylwitne geleafan 7 wunije on I>e se un-forhta 7 se 
unjc-brosuoda ^eleafa. Nfcni^ )'e mid imsnotre lare öe ^) be- 
swiee ; ne iijenis sej'worneese j'ysse woriilde öe ateo fram Jodes 5 
willan. Ne njenij J'ius l'ristlicc be Criste öu sprec; ne nxms 
wiht öweorliees be him öu ^e-byr sprecan. -^Ac öonne öu 
bine eisst on J'inum worduin, ne wiö-sac öu bine on J'iuum 
weoreum; 7 {ram ealluui. ]'am-|^e sio jcw for-byt.^) 7 nan- 
wiht wiö Jodes be-bodu öu do. Ae leofa on gode 7 sebide 10 
l^e to bim, foi-öau-}?e öurb yfelra manna j^eawas 7 bira bysna^) 
man wyrö oft be-smiten. 7 jnirb jodra J^eawa 7 bysna man 
wyrö oft Jode je-stryned. '^Ne syle öu J'ine sawle on Jnnes 
liebaman jew . . . J) ^Ac se-elajnsa öu p'm mod fram yfeluwi 
5e-]'obtum, 7 jebi ...••) eow fram J>a38 lieboman scionesse, f'a3t 15 
eowre J'obt ....•') [fol 119^] ebene 7 blutre. Foröan we 
witon, piet be urum gej^obtum we sceolon beon demede Jode'): 



§ 3. Serva rectam fidem, tene sinceram fidern, custodi intemeratam 
fidem, maneat in te recta fides. Sit in te incornipta confessionis fides. 
Nulla te insipiens doctrina decipiat-, nnlla religio per versa corruuipat; 
nuUa pravitas a fidei soliditate avertat. Nihil temere de Christo loquaris; 
nihil de Deo pravnm, nihil impium sentias. . . . 

§ 4. Non delinquas in opere, qui in fide perfectus es. Fidem tur- 
piter vivendo non polluas ; fidei integritatem pravis moribus non corrumpas. 
Nihil contra praeceptnm Dei facias. Vive in bono, nullo adiuncto malo. 
Bonos mores nulla conversatio mala coinqninet. . . . 

§ 5. ... Non des anlmam tuam in potestatem carnis. . . . A cogitatione 
noxia custodi animam tuam. . . . 

§ 6. Sit animus tuns ab omni poUutione purgatus. Sit mens tua 
pura. . . . Scito te de cogitationlbus iudicandum; Deus conscientias iudicat. 
Dens non solum carnem, sed et meutern examinat. Deus iudex et de 



Das zweite de ist zu streichen. 

^) Dahinter fehlt wohl so etwas wie öe tvidbregd. 

ä) Davor fortradiert ein byra. 

*) Ein Fleck macht das Ende dieser und der beiden nächsten Zeilen 
nnleserlich. Hier ist oifenbar zu lesen getveald (= lat. in jjotestatem). 

^) Der letzte lesbare Buchstabe ist wohl die linke Hälfte eines u, 
nicht ein i. Lies gebii^aö. 

'^) Lies pohtas sie«. 

') Lies fram Joc?e. 

Studien z. engl. Phil. L. jq 



146 

Dales ]'fet an. |'?ßt Iie ure licboman sceawaö, ac eac swylce 
ure jej'ohtas. Jod se is dema; be mivn 5e)?ohtum he msenö 
ure sawle. Foröan, j^onne hie us cumaö, utan him wiö-standan 
7 of ure heortan aweorpau öa yflan se-}^ohtas. ' For}'an ne ms^z 

5 se lieharaa nan-wiht don, butan hit pset mod wille. Utan 
cliensian ure seöohtas ponne; ure lichoma ne syn^aö.' 

^'Je-hyr öu, mann', ewaö se halja Ysodorus, '7 hlyst to 
]'an-]ie ic )'e bere, 7 onsyt, )7a-öe ic pe to manise. Ne ^e- 
wemmaö eowre lichaman öurh for-healdnesse. For eallum 

10 yflum hio ys wyrse, 7 mani^e men )nirh hie forö-cumaö. 
'-•Selre biö men, psdt he swelte, }'onne he bis licboman fyrwet- 
Syrnessum je- wenige. ') Selre wsere öaere sawle, pcet hio 
brajdlice of öam licboman anumen wrere, öonne he hie öurh 
bis synlustas for-lure. Sio for-hjefdnesse jedeö Jode j^one 

15 mannan uealreean. 1)xy sio for-bsefdnesse wunaö, J^ier wunaö 
Jod. i^-'7 sio clsennes us je-bset beofona-rice. Sio fyrwet- 
Syrnes besencö ]?one mannan on belle; 7 sio fyrwet-^yrnesse 
syleö l?one mannan |mm sweartan fynd, öe hine ge-lsedeö to 
helle-tintrejum. i^Ealaöu, man, jif öe nu syt j?ine8 licboman 

cogitationibus iudicat animam. Quando titillat prava cogitatio, non con- 
sentias illi. . . . Primam peccati snggestionem contemne; Don sinas eaui in 
corde tuo manere ; quacumque hora venerit, expelle illam. [§ 7. Si ex- 
puleris cogitatiunem a corde . . .]. ... 

§ 7. ... Non enim potest corpus corrumpi, nisi prins animas corrup- 
tu3 fuerit. . . . Munda ergo a cogitatione animum, et caro non peccat. . . . 

§ S. Audi, anima, quae loquor; ausculta, quae dico; attende, quae 
moneo. Xulla iam immunditia polluaris; . . .; ab omni te carnis corruptela 
suspende. ... Fornicatione contaminari deterius omni peccato puta; omnibus 
peccatis fornicatio maior est. 

§9. ... Melius est mori quam fornicari; . . .; melius est animam 
eflfundere quam eam per incontinentiam perdere. Continentia hominem Deo 
proximum reddit; . . .; ubi manserit continentia, ibi et Deus permanet. 

§ 10. Castitas hominem caelo iungit; . . .; castitati caeli regnum 
promittitur. . . . Libido vero in infernnm mergit hominem ; libido ad tar- 
tara hominem mittit; ad poenas tartari hominem libido perducit. 

§ 11. Quod si adhuc carnis molestias sentis, si adhuc carnis stimulis 
tangeris, si adhuc libidinis suggestione pulsaris, si animum tuum adhnc 
fomicationis titillat memoria, . . . memoriam mortis tibi obiice, . . . propone 
tibi futura tormenta; . . .; propone tibi infernorum perpetuos ignes; pro- 
pone tibi gehennae poenas horribiles. 

^) Lies ^eivemme. 



147 

unec^nessa hrinen oöpe hie öe cynsende >) fyrwet-^yrnesse lajre 
oööe nii gyt pin mod pQ for-healdnesse mynjie, Äemyne ]'a to- 
weardan 7 )?a unaseesendliean witu, hu ^rinimo hie synt. 7 
forj'au sie öc swa mycel s^^orn-fiünes pa syiina to betanne, swa 
öe wa;s jer hie to wyrcanue. Nfcnis l'inj on j'ysse worulde 5 
pe se-do ]?inra sycua sorh-leasne ; ac öurh-wuni^e on J'inre 
heortan eje 7 fyrhtu. purh j'oue e^e öu se-betest |'a syone. 
pa)!' lufu ne biö, }7{er biö ealles lifes to-lysiiesse. 

'Eala, hu ünaseesendlica sj-nt J'ysses lifes ideluessa 7 for- 
wyrda! For}'an ]?eah-J?e we hie forheten, we ne sculon ure 10 
heortan eft to him hweorfan, forJ^am-J^'e öa welan for-wyröaö 
7 öset wuklor \fol. 130"] for-wyrö 7 sio Ae^ernes for-wisnaö. 
Jod )?one maniian to bis anlicnesse je-worhte; 7 )'onne hwa^öere 
idelliee he swincö 7 on gewinne he biö drefed. He jold-hord 
samnaö; ae he ne wat, hwam he hit samnaö. foröam-]'e we 15 
ealle naeode 7 for-hetene arisaö, swa-swa we jeborene w<^eron ; 
7 to ]?am andrvsenlican we feraö naeode 7 earme 7 unrote 
7 jesworcene mid eje 7 mid fyrhöu. Beforan heah-setle pias 
ecan deman we beoö ahiedde, öonne we bioö aworpene of 
pysses rices welan 7 of l'ysse worlde se-fean. 7 we ne bioö 20 
Se-dyrstije for urum synnum urne wealdend je-sion. Ae öaöe 
nu to swiöe ne blissiaö on j^ysse leasan^) worulde welum, 
hie feoö f'onne on f'am to-weardan dorne. Daöe nu be sylf- 
wille Jode }'eowiaö, hie se-feoö ]?onne on l^iam heofonlican 
bryd-bure. 7 öaöe nu forlaitaö J^as eorölican, hie onfoö }?onne 25 
pH heofonlican. Ac öa earman 7 l^a synfullan to fyres 
tintrejura hie beoö se-to^ene. We jraniaö ]>onne, 7 ne biö, 
seöe ure ge-miltsie. We seomriaö l'onne, 7 ne biö, seöe us 
hal sedo. 

'Ac utan efestan, pa hwile pe we tide htebben, to hebbanne 3o 
ure handa to Dryhtne 7 cweöan, pait us je-haile Jod, pcet we 
ne for-wyrpen. La, hu lange we urne wealdend 7 nrne 
scyppend to hat-heortnesse je-tihten! ^Ice d^eje he us gearwaö, 
7 we bis bioö unje-inyndise. Mlce da^je he us fedeö 7 selce 
daije he us miltsaö, 7 we hira bioö for-jitende. He us fet, 35 
7 he US scylt, 7 ealle ussa nyd-pearfa he je-siehö. 7 pea\\ 



^) Lies cnyssende. 

^) Hinter s ist ein e durch Punkte getilgt. 

10* 



148 

ajlce d?e5e Ins be-bodu we liyrwaö. La, hwi ne seeamaö us? 
Utan seeamian ure, aM]>au-}?e sio tid cume, öe us nealaiceö, pmi 
we sceolon ures lifes 7 eallra ura dwda ribt agildan. 7 foröan 
uton oflinnan }'ara unarimedra metta 7 j^ara je-scyndendra je- 
5 streona 7 J^ara oft-riedra symla 7 para unribt-haimeda. 

'Utan eac oflinnan j'ara ta^lnessa, 7 uton us on |e-bedu 
ge-lom-bi}can, 7 uton ure lif ou ribtre je-wendan, «röan us 
deaö ge-5ripe. le bidde 7 balsije a^ibwylcne eristene \foLl20''] 
mann, pset we betan öas lare on ure heortan feste wunian, 7 

10 uton ne Isetan bie diofol purh bis searwa us frara animan. Ae 
utan sorsiau on öysse med-myclan tide, p?et we ne p'yrfen 
wepan in ecuesse ]>one biterestan wop. 7 utan winnan on 
}?yssu>)i l?ßnan life, }'e-la3S we prowien eft J^a ecan tintrego. 
peos tid is sceort, 7 sio ') is mycel 7 un^e-endod. Foröan 

15 piet is se wyrresta djej, se nsenijne onlyst. pser biö soht fram 
anra jebwylcum, bwait be yfeles jedyde oöj'e jodes. Wa öam 
j'onne, pe nu biö wail-breow; foröan be biö cwylmed on 
ecnesse. Wa öam, pe nele nu bis synna breowe don; for|^an 
be biö seald ponne öam reöestan feondmri, J^a bine ^rimlice 

20 deaöe cwylmaö. Xe sceolon we to swiöe arian ussum fl»sce, 
}'y Ises bit eft in for-wyrd forl?ede. Se licboma Isemen is, 
foröam-J^e be of öam je-worbt wäis, 7 be eft to duste ge- 
weoröan sceal.' 

'Ac uton we, men öa leofestan', cwceä se balja Ysodorus, 

25 'eaömodlice biddan Jod, psdt he us ge-healde her on worulde 
7 on J?{ere toweardan, seöe leofaö 7 ricsaö ää butan ende in 
ecnesse.' 



VIII. Lexikalisches. 



Der Wortsebatz der Vereelli-Homilien ist in meisterbafter 
Weise ausgeseböpft worden von Artbur Napier, Coiitrihutions 
to Old English Lexicography (Trausactions of tbe Pbilol. Soc. 
for 1906, S. 265 — 358j. Die wenigen, zum Teil zweifelbaften 



*) Dahinter ist so etwas wie ecnesse ausgefallen. 



149 

Nachträge dazu, die ich luaeben kann, mögen hier zusammen- 
gestellt werden, wobei ieh die Gelegenheit ergreife, auch ein 
paar andere bei Bosworth-Toller nicht oder nicht genau belegte 
Wörter, zum Teil solche, auf die ich in den letzten Jahren im 
Archiv für neuere Spraclien gelegentlich hingewiesen habe, 
hiermit der lexikalischen Verwertung zu erschliefsen. •) Die 
ae, Disticlia Catonis zitiere ich dabei nach meiner in Vor- 
bereitung befindlichen Ausgabe. 

äblinncdiies 'Uuterlafs' (Nel)enform zu ablinnendnes, Tl^^lfric, 
Liv. of S.) : '^od wolde, Jxvt J)am men ivccre Jus ijtcmesta dceg 
uncud, pcet lic hine forJ)a7i to Jxüi sC<searivode hiäan cenisre 
aUinnednesse , Verc. f. 76* (Hom. XIII, ed. Wülker, Anglia 
V, 465 ; danach von Hall gebucht). 

ii'ldius (IIs. liccldysg) 'Feuerung', s. unter erfle. 

aiiforugean 'gegenüber von' weist mir Herr cand. phil. Karl 
Glaeser nach aus Vesp. D. XIV fol. 52 b: Ac seo eadige ivces 
sivyde gcanysnmed mid mycelre Jjroivunge, ])a-J)a heo stod 
anforngean Cristes rode 7 hire leofe cild gesell mid irene 
nccglen on hearde treowe gefcestnod (= Thorpe, Hom. 1,444: 
foran ongean). Unsere obige Form mag für anforan angean 
verschrieben sein. Jedenfalls stellt sie aber mit ihrer Er- 
setzung des ae. foran durch onforcm eine Übergangsform 
von ae. foran ongean zu dem me. aforne^en (Layamon), 
aforiiasens (WiclifiF), aforeyens (Chaucer) u. a. dar. Vgl. afor- 
nens im Oxforder Wörterbuche. 

äere = ws. yy'e 'Ör', s. unter erfle. 

1) Meiner Überzeugung nach mnfs es das Bestreben eines jeden 
Herausgebers sein, bei aller Vorsicht möglichst viel neue Wörter und 
Formen seinem Texte zu entnehmen, und ich kann daher nicht begreifen, 
warum Prof. Belfour bei seiner Besprechung von Wildhagens Psalter- 
Ausgabe {Modern Language Revieiv VII S. 557 if.) diesem jenes Bestreben 
zum Tadel macht. Eine Übertreibung nach dieser Richtung scheint mir 
das kleinere Übel. Man bedenke, wie viele ae. Wörter den Augen der 
Forscher dadurch entschwunden sind, dafs Toller in andererseits lobens- 
werter Vorsicht all die Wörter nicht mit aufgenommen hat, für die er 
keine Belege wufste. Napier hat manches hübsche Beispiel hierfür bei- 
gebracht (z. B. scora). Übrigens kann ich auch mein Bedauern darüber 
nicht unterdrücken, dafs die mühevolle, entsagungsreiche Kleinarbeit, die 
Wildhagen an Cambridger Psalter geleistet hat, einen so wenig aner- 
kennungsfreudigen Kritiker gefunden hat. 



150 

a'tsceotau •hinwegsebiersen, entschwinden': Jic fwstcre man 
geheaU, piQt])xt he lia'fd, gyfhc Mm ondrcett, Jnxit hit wtsccote 
[opsceote A«]; J)eo man dcelS sparlice, pe man nele, ]}2Qt hit 
forhersfc. Vesp. D. XIV fol. 8» (= Disticha Catonis B, ed. 
Förster Nr. 17, ed. Müller Nr. 18). 

jctwesan 'unmittelbar bevorstehen', s. Archiv CXXII, 251 
Anm. 2 und oben S. 97 Z. 20. 

»-werd = lat. religiosus 'fromm' oder 'Ordensgeistlicher', s. 
Archiv CXXVIII, 298 Anm. 2. 

ä-llf 'ewiges Leben', Verc. fol. 63b und 64b (s. oben Hom. IX 
S. 108 Z. 15 und S. 115 Z. 2 nebst Anmerkung dazu). 

äsadiau 'völlig sättigen': Fall pact is for pan gode mannen, 
pseX heo ascunigen 7 lytel teilen 7 umvurd of pan ivele, ])e 
J)a yfela mcen ht/d of swa sw^jde asadede, 7 ])a gode mmnn 
synden hijrstige 7 gedrefde 7 unfere, pelceste heo to swyde 
blissoden on heora lichames hcele 7 on heora tvurld-ivelen. 
Vesp. D. XIV fol. 160 b = Elucidarium lib. II c. 5: Propter 
electos his redundant mali, ut haec boni despiciant, quibus 
florere etiam pessimos videant. . . . Boni autem ideo 
media, oppressione et longuore afficiuntur, ne in malis de- 
lectentur. 

astillian 'beruhigen' belegt mir Karl Glaeser aus Vesp. D. XIV 
fol. 85 b: Ke scule we ])eh ßa Jnvyre mcenn to ure ehtnysse 
gremigen, ac swydre, gyf heo astyrede hyd, mid rihtwisnysse 
astilligen (wo Thorpe, Hom. I, 554b gestillan liest). Glaeser 
vergleicht richtig das einmal in der ßeda-Übersetzung belegte 
{ge)unstillian 'beunruhigen'. 

äweiidendnes 'Änderung, Wandel': Peer ys ece med, 7 Peer ys 
lif hutan deaöe, 7 pmr ys gefea hutan unrotnesse, 7 pcer is 
leoht Ijutan pystrum, 7 äcer is wlite hutan aivendendnesse. 
Verc. fol. 112 a (Hom. XX). Tollers Suppl. zitiert zwei Glossen- 
Belege. Die Nebenform aiüendednes ist öfter belegt. 

l)eliwylfan 'überwölben', bisher aus dem Exodus-Gedicht V. 426 
und der Prosa-Exodus 142'' bekannt, erscheint auch Verc. 
fol. 10 b (s. oben S. 92 Z. 8). Die anglische Form hehweolfan 
findet sich in Tib. A. III (Eremiten - Legende, ed. Kemble, 
Dialogue of Salomon and Saturnus 86 3). Vgl. as. hehweWian, 
mnl., nnl. tvelve7i, ahd. ivelhen, an. hvelfa. 



151 

bcorhtues 'Lciieliten, Glanz': Soölicc Drylitcn (dmihtis, pc 
callu ping gesceop, ys ure lif 7 ure ludo 7 ure hiht; 7 he 
is ure ^c-f^ci 7 he ys ure strengÖ 7 he ys ure frofer 7 he 
ys ure alyscnchies 7 he ys ure gescyJdnes 7 he ys ure on- 
lihting; 7 he hyÖ on Jxvre to-weardan worulde ure wuldor 7 
ure bliss 7 ure syhh 7 ure yrfe-iveardas [lies yrfe-iveardnes] 
7 ure eoics 7 ure Icoht 7 ure beorhtnes 7 ure wlite 7 ure 
ece rest. Verc. fol. 112 a (Hom. XXI). 

berian 'schlageu, stjunpfen, kneten' — das Partizip gchcred 
ist mehrmals belegt — liegt wahrscheinlich vor in der 
Daniel -Version des Cotton-Ms. Vesp. D. XIV fol. 47 b (um 
1125): Daniel ])a worhte lau drace ])as lac. He nam pich 
7 hrysel 7 pimede togcedere 7 mid hyrstcn gemcengde 7 
berede to wclcren; 7 sead heo sivyde 7 sealde pan drace 
= Daniel c. XIV, 26 Tulit ergo Daniel picem et adipem et 
pilos, et coxit pariter fccitque massas et dedit in os draconis. 
Dann kcinnte wclcren vielleicht so etwas wie 'Mundbissen' 
beifseu, eine Bedeutung-, die durch die Harleian- Glosse 
wclriim 'buccis, buccellis' (Wr.-W. 195 32) gestützt werden 
könnte. 

besecan 'nachsuchen, bitten' erscheint in der Übersetzung von 
Joh. XIV, 1—13 (Abschiedrede) in Vesp. D. XIV fol 87 a (um 
1125): 7 eall, psat ge bcseccd cet mine fceder on minenname, 
call ic hit do = Joh. XIV, 14 : Si quid petieritis me in 
nomine meo, hoc faciam. Dies ist der älteste bisher gefundene 
Beleg für das Kompositum, da bisher die Lambeth-Homilien 
(von 1175) als früheste Stelle galten (so im Oxf. Dict). 

bl^estiu 'Blasen, Flackern', Verc. 10b (Hom. II, s. oben S. 90 
Z.7), wo Wulfstan 186^ bl(est und Verc. M. 110^ sebrasl liest. 
l)uc 'Bock' s. unter erfle. 

byrstig 'gebrochen' kennt man bisher aus einem Glossenbeleg 
(Haupts Gl. 454, Napier 0. E. Gl. I, 2037). In zusammen- 
hängendem Text erscheint es Vesp. D. XIV fol. 160 b (s. die 
Stelle oben S. 150 unter äsadian) und fol. 161b: 7 eft pcere 
byd sume yfele mcenn, pe byÖ sunjde byrstigc 7 unfere, for 
Jjan psdt heo understanden beo pan, Jjs^t bitere byd pa saregan, 
pe heo sculen on helle on ecnysse gcöroivigen for heora unrihte 
= Elucidarium lib. II c. 5 : Econtra mali qiiidam hie eye- 



152 

State, affUdione, corporis dolore suspirant, ut per haec discant, 
quam amara sint, ad quae pravis morihus festinant. 

CTveluiere 'Totschläger' zu ciuyhnan 'töten' weist mir K.Glaeser 
nach aus Vesp. D. XIV fol. 30^: Heo [die sieben Schläfer] 
ivosroii (ßdelborene for ivurlde and wurden to Jjan hceöene 
cwehnere geivreigde for hcora cristendome (= Thorpe, Hom. 
11,42413: to dam hcedenan civellere geivrehte). Vgl. oben 
S. 106 Anm. 3. 

cwidböc in der Bedeutung Tredigtsammlung' erscheint in 
Vesp. D. XIV fol. 741j: Äugusti7ius scede on his cwidhocan, 
pjdt nan mann ne mihte asmeagan Godes de 7 his hehodan 
fullice healden, hüte se-pe smijlte med hcefde 7 frig wlcere 
gedrefednysse. An den anderen Belegenstellen, die bisher 
bekannt geworden, hat cwidböc die Bedeutung 'Spruch- 
sammlung', da es mit bezug auf die Proverhia Salomonis 
und zwar c. XX, 27 gebraucht ist: on Salomonnes cividhocum 
(Cura Pastoralis ed. Sweet 257 23). Es erklärt sich diese 
Doppelbedeutung von cwidböc aus der Doppelbedeutung von 
ae. cwide 1. 'Spruch', 2. 'Predigt'. Flir letztere Bedeutung 
vgl. etwa ^Ifric, Hom. cath. II, 2 1^ {o7i o^s^er Jicera boca 
sind feowertij civyda), II, 2 1' {cetforan celcum ewyde ive 
setton da swutelunse on Leden) und I, 18 ^e (smeagaÖ pysne 
cwyde). 

cwylm 'Qual', s. oben Vercelli-Homilie IX S. 106 Z. 13 nebst An- 
merkung. 

dysis - craeftis (Hs. disi-creafti) 'zauberkuudig', s. Archiv 
CXXVIII, 300 Anm. 3. 

efncristeu 'Mitchristen', Vesp. D. XIV fol. 160h (s. den Beleg 
unter geswincleas). 

elding 'Feuerung', s. unter erfle. 

end 'und' s. Archiv CXXII, 253 Anm. 2. 

erfle (Hs. cerflce, hcerflce) 'Erbbier, Leichenschmaus', erscheint 
in einem spätaltenglischen Texte, welcher etwa um die Mitte 
des 12. Jahrhunderts auf dem vorderen Schutzblatt der aus 
St. Edmundsbury stammenden Beda- Handschrift Nr. 83 des 
Pembroke College zu Cambridge eingetragen ist. Der Text 
ist in arg entstellter Form von M. R. James in seinem 
Descriptive Catalogue of the Manuscripts in the Library of 



• I 



153 

Pemhrol-c College (Cambridge 1905) S. 73 verüffi-ntlieht worden. 
Ich drucke ilm daher nochmals ab auf Grund einer Kollation, 
die ich im August 1911 in Cambridge vorgenommen habe^): 

7 hvcelf orwn-) under pxQstces 7 dcmaices'^) 7 clcercces;*) 
7 fyf orce cd his ])ruth;^) 7 an--j -twcenti i)eni'^cs at liis 
hoferhredles;^') 7 seuen Penises at hale; 7 twa ore 7 an 3 
cere') at hrcead; 7 hol>cer hwrce') at an ^lijchca 7 at an 



') Die Erklärung dos Texfes habe ich znra gröl'stcu Teil, wie aus 
meinen Aumerkungen zu erselieu ist, F. Liebennaun und E. Sievcrs zu 
verdanken, denen hiermit herzlichst gedankt sei. 

*) Über den Rechnungswert von ü.q. ora 'Ör' im Denalagu s. jetzt 
Liebermaun, Gesetze d. Ägs. II, 2, 601. 

•'') Der linke Grundstrich des n scheint aus einem h verändert zu sein. 

— James druckt fälschlich dcccnces. 

*) Liebermann schreibt mir dazu: „Priester, Diakon, Kleriker [dies 
hier im Sondersinu 'niederer Weihen'] ist die gewohnte Abstufung." 

^) Lies prah; wegen p statt h s. Napier, O.E. Gl. I, G(> und M.Förster, 
Archiv CXXVII, 3fiT. pnth ist hier in dem gewöhnlichen Sinne von 'Sarg' 
gebraucht: at hispruh 'an seinem Sarge' (= 'bei offenem Grabe'; s. Lieber- 
mann, Ges. d. Ags. IT, 2, 479 Grab 1 ^). „Das his geht auf den redenden 
Erblasser. Dafs dieser die dritte Person (oft hinter erster) anwendet, kann 
leicht belegt werden" [so Liebermann]. 

®) oferbrcedels bedeutet nach Liebermann hier 'Bahrtuch, Sargdecke'. 

— Ein historisch nicht berechtigtes h setzt unser Schreiber mehrmals vor 
Vokale: hale 'Bier', hoper 'andere, zweite', haddy^ge 'Feuerung' (für 

elding, s. weiter unten), fceouhcerti 'vierzig', hrerflce 'Erbbier', hwrce 
'Ör'. Umgekehrt fehlt h in repcer 'Rind' {3,e. hryper). — James: hofer- 
bred les. 

') Dies are (bezw. h(ere, ere) das dem Zusammenhange nach jeden- 
falls einen kleineu Geldwert darstellt, erscheint an allen vier Stellen, wo 
es vorkommt (Z. 4 [zweimal], 8, 10), mit einem Singularbegriff verbunden, 
während als Plural stets die Form ore, bezw. orce, ora, orcen verwendet 
ist (Z. 1, 2, 3, 5, 7, 10, 11, 12). Daher wird man dieses ere als Fort- 
setzung des an. Singulars eyrir (mit i- Umlaut) auffassen dürfen, während 
das ae. oran — eine Singularform *ora ist nirgend belegt — bekanntlich 
aus dem an. Plural aurar herzuleiten ist. An der einzigen anderen Stelle, 
wo dieser Wertbegriff im Altenglischen im Singular erscheint, steht 
yre: mid prim pundum 7 mid anxmi yre (Cartularium Saxonicum, ed. de 
Gray Birch, Nr. 1130, A.D. 972— 992; vgl. Björkman, Scandinavian Loan- 
Words S. 11). Und dieses ws. yre stimmt lautlich genau zu unserem obigen 
angl. ere. — Wer daran Anstofs nimmt, dafs '2 Ore und 1 Ör' nicht zu 
'3 ()re' zusammengezogen sind, niufs wohl annehmen, dafs hinter ttca ore 
(Z. 3) etwas ausgefallen ist. Ähnlich liegt die Sache in Z. 10 (fyf ora 7 
half ticoilf ere). 



*. 



154 

hncJi;^) 7 scmvii-'j-üvcenti penises cd tvax;"^) 7 fyf one at te 

6 fi/nw^) cerflce'^) at malt 7 at hceldy^gce ; ^) 7 tiva-'j-fGioiüiarti 

jjenises at hj'wd; 7 seuentene peniies at an sivin; 7 tiva ore 

') Die Form buc, gegenüber sonstigem ae. bncca findet sich sonst 
nur noch in den Peterborough-Annalen zum Jahre 1127 (ed. Plummer 
I S. 25S). 

^) James druckt fiilschlich 'pax'l 

3) at te fyrra; cerflce 'beim ersterea Erbmahl'. Fyrre ist sicher, 
worauf mich Sievers hinweist, aus dem Sia. fyrre 'erster' entlehnt. "Wenn 
sonst von einer Ilerübernahme nordischer Zahlwörter nichts bekannt zu 
sein scheint — auch Bjürkmau sagt darüber nichts — so sei darauf hin- 
gewiesen, dafs die nordenglischen Ilomilien (ed. Small) drei weitere 
Beispiele für nordische Entlehnung der Ordinalzahlen bietet, nämlich 
achtelnde 26,11 (auch Prick of C. 6S95: aghtend) =^ an. dttande, neynd 
26, 13 (auch sonst; vgl. das Oxf. Dict. s. v. nintli) = an. nioride und 
tend 26,15 (auch Orrm, Gen. & Ex., Townl., Will., Ayenb., Prick, Hom. 
I, 219, Brunne, Hampole u. a.) = au. tionde. Bei näherem Zuschauen 
werden sich wohl noch mehr nordische Einflüsse bei den Zahlwörtern 
zeigen. Jedenfalls ist obiges fyrre der früheste Beleg eines nordischen 
Zahlwortes im Englischen. — Auch das folgende ccrfice ist — auch diesen 
Hinweis verdanke ich Sievers — aus dem an. erfiol 'Erbmahl' entlehnt. 
Dafs das nordische Wort ins Englische herübergenommen, wnfsten wir 
bereits durch einen mittelenglischen Beleg von 1459 in einem sonst lateinisch 
geschriebenen Testament aus Yorkshire: [John Alanson leaves an ox] ad 
distrib. inter propinquos et amicos raeos, scilicet ad meiim arvell [s. Oxford 
Dictionary s.v. ari'al]. Seitdem ist das ne. arval für das 16. — 19. Jahrb. 
gesichert [Belege im Oxf. Dict.] und namentlich in nordenglischen Mund- 
arten. In obigem Testament liegt uns nun der früheste Beleg für das 
englische Wort vor. — Die beiden ce in cerflce werden wohl ebenso für e 
stehen, wie das cb in ßrce 'drei', clcerc 'Kleriker', dceacn 'Diakon', brccad 
'Brot', fceouer 'vier', tucelf 'zwöW. Über das dem fyrrce cerflce 'ersten 
Erbmahl' nach Jahresfrist (?) folgende (h)opcr (h)cerflce 'zweite Erbmahl' 
siehe oben im Text S. 155 f. — James liest an unserer Stelle fälschlich 
'at tesyrroee aerflae'. 

*) Auch dies Wort erklärt mir Sievers sicherlich richtig für celding 
'Feuerung' [zum Malzen] stehend. Es wird gleichfalls eine Entlehnung 
aus dem Altnordischen sein, wo wir eidin g 'Feuerung' als nominale Ab- 
leitung zum Verbum elda 'brennen' haben, während dem ae. Celan 'brennen' 
ein heimisches nominales cüling 'Feuerung' entspricht. Über die Bildung 
von an. elditig s. F. Tamm, Et. svensk ordbok s. v. eld und Falk-Torp, Et. 
Ordbog s. v. ild. Wegen der Reduktion von -in^ >> -ig s. meine Zu- 
sammenstellung im Archiv CXXV, 6.'5 Anm. 8. Das cb (statt an. -e) in 
{h)cxildigge liefse sich durch Anlehnung an das heimische ae. (xling er- 
klären, ist aber einfacher wohl als Schreibung für e zu nehmen, wofür die 
Beispiele in der vorigen Anmerkung zu vergleichen sind, — Dafs das 






155 

an rejxvr ; 7 an ccrce ])rai hices; 7 .VIII. ^^eni^es a)i cese; 
7 prce jjenises at fysc; 7 fceouer pcenises'^) at milch. 9 

7 fyf ora"^) 7 half twculf crc'^) at te hojxer hcer/Uc; 7 
Ilafslwm^) halfmarc 7 an mentel\^) 7 Swcedce Uva ore; 7 at 
Siva'gildce twa ore; 7 Alfno]) pvest tiva viarc; Ww^oi^) 7 his 12 
sune .1. marc. Wcegen +. 

Über deu Charakter dieses Textes schreibt mir Lieber- 
maun: „Das Stück ist zweifellos Bruchstück eines letzten 
Willens für eine Weltgeistlichen- Konventuale meines Erachtens 
aus der Denelagu."' „Der Testator, oder sein 'Handpriester' 
(Hauskaplan, den wir lesen), scheint mir in Denelagu zu 
leben; vielleicht war er eines Dänen Sohn oder Enkel." 
„Man beachte, dals Schilling fehlt, Or und Mark die Rechnungs- 
werte sind, was entweder auf Denelagu oder (weniger wahr- 
scheinlich) nur auf Normannenzeit deutet." Inhaltlich scheint 
mir an dem Testamente besonders beachtenswert, dafs wir 
den Beleg haben, dafs die spezifisch -nordische Sitte des 
doppelten 'Erbmahles' — das erste am Begräbnistage, das 
zweite nach Monats- oder nach Jahresfrist — auch auf 
englischen Boden übertragen ist. Über diese Sitte berichtet 
Kr. Käluud in Pauls Grundrifs ^IH S. 427 folgendermafsen : 
„Nach der Bestattung wurde zur Ehre für den Verstorbenen 



nordische elding ins Englische gedrungen, wnfsten wir bisher durch zwei 
mitteleuglische Belege in Cursor Mundi und Prompt. Parv. [Oxf. Dict.] so- 
wie die heute noch lebendige dialektische Verwendung [Wright, £. D.D.]. 
In obigem Testament liegt uns der früheste Beleg für das englische Wort 
vor. — James druckt fälschlich 'heeldyggae'. 

^) James druckt fälschlich 'peniges'. 

') James druckt fälschlich 'orae'. 

^) Lies half twelft ere 'elfthalb Ör'. Diese im Nordischen besonders 
häufige Konstruktion (s. Fritzners Wörterbuch) findet sich im 9.-^12. Jahr- 
hundert mehrfich auch im Englischen. Vgl. Fr. Koch, Eist. Gr. des Engl. *II 
§285; Pauls Gruudrifs ^I, g.'iS und 1131; Oxford Dictionary unter half. 

*) Das a undeutlich. James: 'hofslaem'. 

^) Ich wollte dies als ae. mentel' Mantel' deuten. Doch bemerkt Lieber- 
mann: „Wenn es 'Hufe' bedeuten könnte, so wäre endlich ten-mental 
nachgewiesen; s. Gesetze II s.v. 'Zehnerschaft' ß c." 

®) Dies W(e,^en wird eine Anglisierung des typisch dänischen Namens 
Vagn sein ; vgl. E. Björkman, Nordische Personennamen in England (Halle 
1910) S. lT2f. 



156 



ein Erbiiiahl {crfi) gehalten, das zugleieli eine rechtliebe 
Bedeutung gehabt zu haben scheint, indem hierbei die Erb- 
schaft augetreten wurde. Das Erbmahl konnte mehrere 
Tage dauern; diese Gastmähler sowie die Hochzeitsmähler 
scheinen die prächtigsten und weitläufigsten Familienfeste 
gewesen zu sein. Bis das Erbmahl des Hausherrn gebalten 
war, stand dessen Hochsitz leer. Mittelalterlichen schwedischen 
Quellen zufolge hielt man am Begräbnistage selbst ein Be- 
gräbnismahl und am Jahrestage darauf im Zusammenhang 
mit der Erbteilung ein Erbmahl. In Norwegen wurde die 
Erbteilung in der Kegel am Begräbnistage selbst vorge- 
nommen." Belegstellen hierfür aus den schwedischen und 
norwegischen Gesetzen hat mir Sievers freundliehst zusammen- 
gestellt: Peer ceru Jwy öl cer iammyhit sJcal hötce at Jwal sum 
l)uengen: ceit cer hruUöp, annat giftceröl, pridire cer oßrvitöl 
[liesfermö7] Västgötalag I, Af Mandrapi 13 {Corpus iuris sveo- 
gotorum antiqui, ed. Collin und Sehlyter, Bd. I S. 15), womit 
die ähnliche Stelle im jüngeren Västgötalag (II, Dra^pare B. 27 
= Corj;. 1, 129) zu vergleichen ist; erfis gierpir iru allar af 
tacnar Gutalag I, 24, 1 {Corp. VII, 00) ; hroplöp, Jcirkiogcmgs-öl, 
vt-f(erj)a-öl, pa liik sJcal iorpas, cerue (Var. (Brfues-ööl, oerfive- 
ööl) cellce förstomesso-öl K.Magnus Erikssons Laudslag, Gifto 
ß.VIII prol. {Corp. X, 58); I ceruum cellce vtfcerjmm (Var. wt- 
fcerthaölom) ib. G. B. VIII, 4 ( Cor^J. X, 59 ) ; fcestninga-öll, 
hryllüps-öll, barns-öll, JclrJciogangs-üll, tvtfcerclhis-öU epter then 
dödha ella cerffdha-öll K. Magnus Erikssons Stadslag, Giffto- 
mala B. VII prol. {Corp. XI, 58); tvtfcerdhis-öll tha liik 
iordhas ok cer/fuis-öll som kallas aars-moot ib. VII, 5 {Corp. 
XI, 60) ; all testament, all giceld, alt thet liiksins vtfcerdh 
cer, ok graffaa-öoll, offer ok tholikt alt skal äff oskipto 
godze vtgi/fivas ok giceldas; cen all epter-gcBrdh sidhan epter 
then clödha giffs, giffui then vi som arffuit optok, swa som 
manadha-motz-ööll (Var. manadlia-oll) ok aarsmotz-ööll ok 
andra tholika eptergcerde ib. Mrffdsi B. XIX § 2 {Corp. 
XI, 98 f.); I cer/fuom eller ^üthfmrdom (Var. vtfärda-ölloni) 
K. Kristoffers Landslag, Giftamala B. VIII, 4 {Corp. XII, 66). 
Ein norwegischer Beleg ist: En hvervetna ^ess er menn 
verda dauöer, oc vill ervingi-ol efter gera, livärt sem gera 
vill at siaund ceda at Iwitugsmorne ceöa enn siöarr, pat 



157 

halla menu crviol GulaJ^ngsliig- 23 [Korges Gamle Love 
ed. Keyser und i\IuiK'li, Bd. I S. 14). Für das moderne 
englische arval vergleiche das Kapitel in lirands Ohservaüons 
on Populär Antiquiiics (Neudruck 1900) S. 442 ff.; C. Hazlitt, 
Faiths and Folklore (1905) H. 16f.; Hurland & Wilkinson, 
Lancashire Folk-Lore (18G7) S. 270; Atkinson, Glossary of 
the Cleveland Dialcd (1868). 

cynowyröc *k()niglich' weist mir Karl Glaeser in einem zweiten 
Beleg (Toller, Suppl.) nach aus Vesp. D. XIV fol. 136b: J,a 
aras se hing of liis Icyncsetie 7 mvearp Jus cynewuröe reaf 
him of, wo Thorpe, Hom. I, 246 ^^ his deorioyrde reaf liest. 

eald-nioder kennt man bisher nur in der Bedeutung 'Grofs- 
mutter'. Die ursprünglichere Bedeutung 'Vorfahrin' (vgl. 
ae. ealdfoider) hat das Wort, wie mir Karl Glaeser mitteilt, 
in einer yElfricsehen Homilie in Vesp. D. XIV fol. 53b: Purh 
ure ealdemoder [so deutlich als ein Wort in der Handschrift] 
Euan US iveard hcofone-gaten helocan 7 eft purh Marian us 
is geopened, Jmrh Jisat lieo sylf nu todceig Widder fullice in- 
ferde (= Thorpe, Hom. I, 446 ^o; purh ure ealdan modor). 

endemiBst 'letzte' erseheint in der späten Schreibung wnde- 
mest in Vesp. D. XIV fol. 86a (Anf. 12. Jahrb.): Pa ehte eadig- 
nyssen helimped to eallen gcleaffulle mannen, 7 se cendemeste 
cwide, peh he syndorlice to pan apo^iolen gecweden lucere, 
helimpd cac to eallen Cristes lymen (= Thorpe 1, 554''*: se 
oiftemysta cwyde). Das Wort war schon von Somner 
(Benson, Lye) gebucht, aber ein Beleg war bisher nicht be- 
kannt. Tollers Supplement konnte aber das Kompositum 
endemestnesse 'extremitas' aus der Regula Benedicti ed. 
Logeman S.33 Z. 15 zitieren. Bedenken, die Toller gegen die 
Richtigkeit der Überlieferung zu hegen scheint, vermag ich 
nach unserem neuen Belege des Simplex nicht mehr als be- 
rechtigt anzuerkennen. Ich verdanke obigen Beleg Herrn cand. 
phil. Karl Glaeser, der uns bald mit einer Lautlehre der 
J^lfrie sehen Homilien der Hs. Vesp. D. XIV beschenken wird. 

estellc Adj. 'fein, angenehm'. Neben dem öfter belegten Adv. 
estelice war ein Beleg für das Adjektiv bisher nicht bekannt. 
Das Adjektiv erscheint aber Vesp. D. XIV fol. 163»: Eallswa 
pa rice mmnn for pan estlice meten 7 pa gode drcencen heo 
sculen heon gefyllede mid hiternyssen, siva-siva ivces se rice 



158 

mann on helle, pe 2)i&i godspell gemund = Elucidarium lib. II 
c. 6: Nam pro epidis replentur, ut ille dives äbsinthio 
amaritudinis. Das Oxforder Wörterbuch fafst auch das 
estelice der Keutischen Glossen (W.-W. 842«) als Adjektivum 
auf, was aber falsch ist, weil es sich um eine Glosse zu den 
Proverhia Salomonis XXIX, 21 handelt, wo im Original ein 
Adverbium {delicate .... nutrit) steht. 

faldliri]>ei' 'Hürdenrind V) d.i. entweder falodhrider oder ws. 
faldhriper, erscheint in einem kurzen Text, welcher in eine 
aus St. Edmundsbury stammende Gregor - Handschrift des 
O.Jahrhunderts, Ms. Nr. 88 des Pembroke College, Cambridge, 
auf fol. 167 b in einer grofsen Hand des 10. Jhs. eingetragen 
ist. Der Text ist abgedruckt von M. R. James, A Descriptive 
Catalogue of the MSS. in the Library of Pemhroke College, 
Cambridge (Cambridge 1905) S. 81, aber in so entstellter und 
daher unverständlicher Form, dafs ich im Sommer 1911 
meinen Aufenthalt in Cambridge dazu benutzte, den Text 
mit der Handschrift zu kollationieren. Darnach lautet das 
am linken Seitenraude defekte Fragment folgeudermafsen: 

. . .1 weorc-ivyrära-) manna: .XYIII. oxana 

. . . .XXXVl. faldhrijjera^); hundteonti^ sivina; y .VI. 

... iJidnigontig *) sceapa; sifonhund flicca; 



*) Prof. F. Lieb ermann schreibt mir dazu: „Vom 'Hürdenrind' kann 
gesprochen sein entweder im Gegensatz zum Stallvieh; vielleicht diente 
jenes wesentlich der Zucht, dieses der Arbeit, wie equae silvestres 'wilde 
Pferde', im Gegensatz zu eafor 'Arbeitsganl'. Oder aber gemeint ist der 
Dung, der als wertvolles Hiirdenresidnum Gegenstand besonderer Ab- 
machung zwischen Grundeigner und Herdenbenutzer war; faldworthi heifst 
(vor 1066 schon) der Bauer, der seine Schafe nicht in die herrschaftliche 
Hürde, behufs deren Düngung, zn treiben nötig hat." Vgl. ae. feldhrißer, 
das Napier, Contribntions S. 320 belegt. 

*) Liebermann ergänzt den abgerisseneu Anfang: <is'^fo^l weorc- 
u-yrÖra, und übersetzt: „[jährliche] Abgabe [sämtlicher] Fronpflichtiger 
[insgesamt] , d. h. der GntsvoUbauern = des Dorfes als Einer Körperschaft, 
an den Grofsgutsherm beträgt: 18 Ochsen [zum Einschlachten]." — James 
druckt fälschlich: 'iveon ivvnöna', indem er die alten kurzschenkeligen 
Formen des insularen r nnd y verkennt. 

■'') James druckt fälschlich: ' faldhiu pena' . 

*) Wohl zu ergänzen zu: 7 hundnigontig [von u ist noch der rechte 
Grundstrich erhalten], so dafs der Eintrag lautete: j .VL-^-lrnndni^onti^ 
sceapa. 



i, 



159 

.... nhiind^) ceasa; .Vll. sysfras^) himi^es; ojiar 
. . . Ifhiüid^) fojira cornes^): .ccc. cecera asaiuen.-') 

Nach freundlicher Mitteilung von Felix Lieberniann, der 
durch seine tiefgründigen Anmerkungen zu dem Texte, die 
ich unten mitteilen kann, das Verständnis des Fragmentes 
überhaupt erst erschlossen hat, handelt es sich bei dem 
Stück um den „Vermerk des Gutsherrn (oder eines Amt- 
mannes) über sein (der Ortsname fehlt, vielleicht einziges) 
Herrschaftsgut, im besonderen die ihm daraus erwachsende 
Naturalien-Rente." „Natürlich könnte der Grundherr auch 
eine Kirche sein." 

fifnihte 'fünf Nächte [d.i. Tage] alt', s. Archiv CXXIX,22 
Anm. 2. 

forepryciies [lies forpryciies] 'Bedrückung' = lat. pressura: 
'In hoc mundo pxcsuram hahchitis, mundus hie gaudehit; 
uos autem tristis [lies tristes] eritis, sed tristitia uestra con- 
uertit in gaudium [Job. XVI, 20]. ^e sculon hdUban forc- 
Prycnesse on pyssum middan - gearde, 7 ^es middan - secird 
scfyhd; 7 ^e hiod un-hlide 7 hwmdere ^e hiod unsiofiende; 
hio se-cijrreö eft eow on sefcan. Verc. fol. 72a (Hom. XI). 

forlieafod 'Vorderhaupt' (B-T nur Glossen -Belege]: Manig 
man hcefd mycel fex on forheafde 7 gewurö Jjeh fcerlice calow, 
Disticha Catonis B Nr. 40. 

foriiyrwan 'bedrängen', s. Archiv CXXVIII, 57 Anm. 6. 

forscyriau 'absondern, trennen': 7 we us urne Dryhten ondrce- 
dan, Jjcenne ive hyne mid his mce^en-lnymme cumendne 
sesiod in öam dorne mid his en^lum. 7 hie Ijonne Jja en^Jas 
him leforan sinsan onsinna]) 7 cwedaÖ: 'ArisaJ) nu ealle l)a 



1) Lies sifonliund oder nigonhund. 

2) Über das Hohlmafs 'Sextar' s. Liebermann, Gesetze d. Ags. II, 2 
S. 64S und 31L — James druckt fälschlich 'avstnas'. 

^) Lies: twelfhund. 

*) James druckt fälscWich: 'folma connes'. 

^) Dazu schreibt Liebermauu: „300 Acker besät heifst: die Hinter- 
sassen haben der herrschaftlichen Domäne (die ja einen Teil des Ilerrschafts- 
guts in eigener Wirtschaft hält) 300 Äcker mit ihrem (der Bauern) Saat- 
korn zu besäen." 



IGö 

forsciriäan [forscyredan Bodl. 340 fol. 33b] 7 gehyrad 
Drijlünes stemne' Verc. fol. 59b (Hom. VIII) 

forö-ädilgiaii 'forttilgen, austilgeu, yeruicbten': Men da 

Jcofestcüi, manad us 7 myndsaö on Injssum hocum sanctus 
'^resorius se halega writere, se öis s(^writ sette 7 wrat, ])ait 
%ve ymh us sylfe eorne [seorne Bodl. 340 fol. 33a] Jjejicen. 
Leereff he us, ])Hit ive sien s^-'^nyndisc J)ara ivorda, J)e Dryhteti 
scede on his hocum, dcet Ins ivoruldlice lif sceolde forÖ-ge- 
wiian 7 forö-adUsod hion. Verc. fol. 59=^ (Honi. VIII) und 
Bodl. 340 fol. 33 a. 

foröiin^ 'Förderuüg', s. Archiv CXXV, 49 Anm. 2. 

forwyiiit n. 'Verbrechen' Verc. fol. 10b (s. oben S. 90 Z. 4) 
und Hatton 116 pag. 387 (s. oben S. 132 Z. 5). Das Wort 
war schon von Soraner-Beusou verzeichnet als: forivyrht 
'delictus\ Bosworth-Toller belegt nur das Kompositum män- 
forivyrht (Crist 1095). 

framllc 'stark', B.Archiv CXXVIII, 300 Anm. 11. Tollerweist 
mich freundlichst darauf hin, dals das Adjektivum auch im 
ae. Beda I c. 3 (iioht fromlices Hs. B) begegnet. 

full-pUDgenues 'Vollgedeihen': Po7ine ys se fifta heafod-leahtor 
se-civeden yrre. Purh Jjcet ne mceg ncm mann hahhan full- 
Inm^ennesse hys ge-J^eahtes, Verc. fol. lila (Hom. XX); vgl. 
die lat. Quelle Ps.-Alcuin, De virtutibus et vitiis c. 31: Ira 
una est de octo vitiis prmcipcdibus ; quae si ratione non 
regitur, in furorem vertitur, ita ut homo sui animi impotens 
erit, faciens quae non convenit. Das zugrunde liegende ful- 
Imngen begegnet in der Benediktiner-Regel ed. Schröer 133. 

ful-weris 'sehr müde': ive J)onne gejjeticaji, hu dysiglic ])cet sie, 

//(ait) ane on hwylcne sidfcet feran 7 ful-weyig 

on pa 7 ponne neue, Jjcet se sidfcet 7 se wej 

cefre geende. Verc. fol. 77a (Hom. XIV). Die punktierten 
Stellen sind fortradiert. 

fyrre 'erster' (an. fyrre), s. unter erfle. 

6£este-doni 'Geistigkeit', Verc. fol. 64a (s. oben Hom. IX S. 112 
Z. 8). 

sealpettau 'prahlen' zitiert Napier aus Verc. fol. 17» (Hom. IV) 
richtig mit der Bedeutung 'to hoasV. Er meint aber, dals 
es in dem Vercelli-Beleg die Bedeutung 'to live gluttonoushf 



IGl 

zu haben selieine. Ich vermag ihm darin nicht beizu- 
stimmen und glaube, dafs wir hier mit der ursprünglichen 
Bedeutung 'prahlen' sehr wohl auskommen, wenn wir die 
beiden Verbalbegriffe des Vordersatzes nicht als Synonyma 
nehmen, sondern als gesonderte Begriffe, die allerdings sich 
leicht zu einem einheitlichen Bilde, dem des prahlenden 
Prassers, verschmelzen. Die Stelle lautet in der Vercelli- 
Handschrift: Paöe her swiöost scilpettad 7 on imriht-hadian 
[nicht unrihttidum, wie Napier druckt] on oferfijllo hioö for- 
sripene, ])a hioÖ Peer on mcestum liun^re for-])rycced. Statt 
foT^ripenc druckt Napier for^rkvene, und ich mufs anerkennen, 
dals der fragliche Buchstabe keine ausgesprochene jj-Form 
hat, so dafs ein Schwanken möglich ist. Aber es ist auch 
kein entschiedenes w. Gegen die Auffassung als p spricht, 
dafs er nicht eine so energische Einziehung des Rundbogens 
aufweist wie sonst. Gegen die Auffassung als ^u spricht, 
dafs der Bogenstrich nicht so weit heruntergezogen ist, wie 
sonst beim w^ und dafs derselbe in einen (allerdings nur 
schwach ausgebildeten) Punkt ausläuft. Auch die Richtung 
und Lage der Druckstelle scheint mir eher für p als für 10 
zu sprechen. Alles in allem möchte ich also annehmen, dafs 
der Schreiber ein p meinte. Hinzukommt, dafs ich mit for- 
sriivene nichts anzufangen weifs, da ein solches Wort weder 
bisher belegt noch in etymologischen Zusammenhang zu 
setzen ist. Selbst wenn der Schreiber deutlich forgriwene 
gesehrieben, müfste es meiner Ansicht nach in for^ripene 
gebessert werden. Das letztere findet Anwendung auf eine 
zweite ähnliche Stelle derselben Homilie fol. 21b, wo der 
Schreiber deutlich he-^riicen geschrieben hat: in ofer-fyllo he 
wces be-grhven on un-riht-tidum. Da tv das j; an Häufigkeit 
des Vorkommens im Altenglischen bei weitem überragt, ist 
die psychologische Einstellung der Schreiber von vornherein 
auf iv gerichtet, so dafs dieses ihnen leichter in die Feder 
fliefst. 

searlice 'völlig, klar' (neben sonstigem ^earolice) s. S. 168 unter 
leseleoht. 

gebau. Hierzu bietet Bosworth-Toller die beiden Bedeutungen 
1. 'Befehl', 2. 'Zyklus von 15 Jahren'. Es fehlt die Ur- 
bedeutung 'Aufgebot (zu einer Versammlung)', die das Wort 

Studien z. engl. Phil. L. U 



162 

z. B. Be domes-dcege 130 hat: Bio geban micel 7 ahoden pider 
eal Adames cnosl = lat. omnes imriter honmies cogentur adesse. 
[Ich glaube, dafs das den Sinn störende ce^ie zu Beginn des 
Verses ganz zu streichen ist. Die Änderung in Jxjenne (Traut- 
mann bei H. Lohe) dünkt mir lahm.] 

Sebrasl 'Geprassel' erscheint Be dömes-dce^e 262, Wulfstan 
1392i', Verc. fol. 115b (s. oben S. 90 Z.21) und als sebrasÜ 
Wulfstan 186 & Hs. C [letzterer Beleg fehlt in Dodds über- 
haupt wenig befriedigendem Wulfstan-Glossar]. 

sebrosuian 'zerfallen' erscheint Wulfstan 1482*, 187^3 un^ 
Verc. IIa (s. oben Hom. II S. 92 Z. 12 f.). 

sebresdnes 'Not, Qual' Hatton 116 pag. 388 (s. oben S. 133 
Z. 17). Schon Somner - Benson - Lye führen ein gehregdnesse 
'terror' an. 

geörycceduysse 'Bedrücktheit, Bedrängnis' weist mir Karl 
Glaeser nach aus Vesp. D. XIV fol. 77 a: Tacna gewuröed 
on sumie 7 on mone 7 on steorran, 7 on eoröen hyö ])eoda 
geörycednysse [so mit einem c die Hs.] for gemoengednysse 
scelicra yÖan 7 siveges, wo Thorpe, Hom. I, 608 2 ' ofdriccednys 
liest. 

seelfremed 'entfremdet': Foesten ys haiig ping .... 7 se hyÖ 
"^ode s^l^eodd, seÖe liyt haliglice ded; 7 he hyÖ geelfremed 
fram middan-^erde, 7 he hyö gastlic ge-worden. Verc. 110a 
(Hom. XX). 

sehsefteud 'Gefangene', Hatton 116 pag. 395 (s.oben S.136 Z.34). 

seliealde (?) 'zufrieden, sparsam': Beo gehalde [gehealden AB] 
on Imm de 2>u hcebbe. Unpleoricre [lies Unpleolicre A, Vn- 
pleolucar B] hyt hyÖ on liÜum scype 7 07i litlum wcetere 
J)ane on miclum scype 7 on miclum tvcetre. Jul. A II fol. 142 a 
= Disticha Catonis Hs. a Nr. 27. Nun ist wohl bei der 
Übereinstimmung der beiden nicht verwandten Hss. A und 
B gehealden jedenfalls die ursprüngliche Lesung. Das schliefst 
aber nicht aus, dafs das in a tiberlieferte und formell mög- 
liche gehealde oder gehylde daneben als Adjektiv existiert hat. 

sehrorenlic 'vergänglich' belegt Napier mit zwei Beispielen. 
Ein drittes erscheint, mit falschem (stummen) d, in der 
XVI. Vercelli-Homilie: 7 he [d.i. Crist'\ swa cwoed, Pcet 
lohannes him andswerecZe 7 him to civceö, öcet öcet wcere 



163 

Sedauenlicra, J)(ßt Crist hine gefulwade, deali-lie he da liim 
io ctüome, efne siva-swa he cwcede: 'Ic eom deadlic mann 7 
gehrorendlic, 7 purh Adames scylde ic eom gebunden; 7 ic 
fordan hcebhe ]}(€s fulwihtes hceö 7 Jjcere clamsunge Itearfe' 
Verc. fol. 86 a. 

gemetues 'Mäfsigung': Gemetnysse hyö eönysse. Vesp. D. XIV 
fol. IIb r= Disiicha Catonis B Nr. 81 (A: Gemet ne secÖ 
nan selre). 

seoiid-scriöan 'durchschreiten' fehlt bei Bosworth-Toller. Doch 
findet es sich bei Wulfstan 250 3 und Anglia VIII, 302 (Hall) 
sowie in der XX. Vercelli-Homilie (Verc. fol. lila): Ponne 
ys se syxta heafod-Ieahtor ^e-civeden sleacnes, seo deraö pearle 
for-oft, J)a7n-J)e "^ode peow^ean willaö; foröam poit mod ^eond- 
scriö geond eallo pins = Ps.-Alcuin, Be virtutihus et vitiis 
c. 32: Äcedia est pestis, quae Deo famulantibus multum 
nocere probatur ; .... et otiosa mens x>er omnia discurrit. 

seoulic 'jung', Verc. fol. 62a (g. oben Hom. IX S. 103 Z. 20). 

seoiislö 'Jenseitsfahrt, Hinscheiden': Butan tweon cefter hyra 
seon-slde hie to helle-iüiium heod seJcedde, 7 ])oer ponne on 
ecnesse sceolon mid deof{l)um ivitu pa s^i^^'^^iGstaii 7 J"^ 
e^esfuUan, pe un-asecsendlic syndon, liolian. Verc. fol. 112b. 

sesejenlic 'sichtbar'. Diese anglische Form zu öfter belegtem 
WS. geseivenlic erscheint Hatton 116 pag. 394, s. oben S. 136 
Z.29. 

sestäl n. 'Anklage' erscheint im Corpus-Glossar 1421 und den 
Cleopatra-Glossen W.-W. 459''. Dazu kommen noch im fort- 
laufenden Text vier Belege in der IL, IV. und XXI. Vercelli- 
Homilie: Eala, men J?a leofestan, hu us is to ondra'danne, 
pcet 2ve stcelan sculon on domes-da'^e heforan ealles middan- 
geardes deman 7 heforan eallum menni{s)cum. cymie. 7 eall 
helle-mwsen pis sestal ^e-hyraÖ. 7 eal engia iverod j-heah- 
ensla heoÖ Py mete heforan "^ode, paot hie sculon pam sod- 
fcestum sauulum [!] onfon 7 him piniende hion. 7 eall hel- 
warena rnce^en cymp to pam dome, /)8et hie pcet s^-stal ^e- 
hyren (Verc. fol. 18b) und Verc. fol. 10b = 115b (s. oben 
S. 91 Z. 10). 

Äestefuiaii 'vor Gericht zitieren, verhandeln, festsetzen', Verc. 
fol. 83b (Hom. XV, s. oben S. 125 Z. 8). Das Simplex stefnian 

11* 



164 

ersclieint dreimal in den Peterborougli-Annalen (zu 1048 und 
1093). Das Wort stammt jedenfalls aus an. stcfna 'vor- 
laden, festsetzen' (J. Steenstrup, Danelag- S. 182f.). Zur Sache 
siebe Liebermauu, Oes. d. Ags. II 2, 724, woselbst auf Brunner, 
Deutsche Rechtsgeschichte II, 333 verwiesen ist. 

gestrod n. 'Plünderung'. Bosworth- Tollers einziger Beleg 
Boetbius e. 3 § 4 läfst diesen zweifeln, ob die Bedeutung 
'plunder' anzusetzen ist, weil das Wort bier mit einem 
sestreon der anderen Hs. konkurriert. Sieber liegt die Be- 
deutung 'Plünderung' vor in der XL Vercelli-Homilie: Magon 
we nu 07isitan, men pa leofestem, ])cet-te ure ealra ende 
swide mislice to-iveard nealceeed. Nu syndon pa "^odes cyrican 
hereafode 7 J)a iviofeda to-worpene Jmrh hosdenra manna 
^ehresp 7 g^strodu. 7 pa weallas syndon tohrocene 7 toslitene 
7 ])a godcundan hadas syndon geivanode for hyra sylfra 
gewyrhtum 7 ^eearnunsuni. Vere. fol. 73a. Hall weist auf 
Vesp. Ps. 61, 11 und die Cleopatra-Glosse jestrod 'proscriptio- 
nem' W.-W. 500 3^, leb glaube aber nicbt, dafs auf Grund 
biervon mit Hall eine zweite Bedeutung 'proscription, exiW 
anzusetzen ist; es wird nur eine ungenaue Glossierung oder 
vielmehr Anglisierung des fremden Begriffes vorliegen. 

geswencennes (Hs. geswcencennysse) 'Kummer', Nebenform zu 
geswenced7iess, erscheint Vesp. D, XIV fol. 76 a (s. die Stelle 
unter hceftnes). 

geswiucleas 'ohne Plage' erscheint in der ae. Elucidarium- 
Version von Vesp. D. XIV fol. 160b: Pa geaf God Mm ane 
wica, Jjcet he ncefre ne hyd geswyncleas [ge über der Zeile]; 
for he is smid, His heorö is seo gedrefodnysse 7 seo tyn- 
trega; ^a hameres 7 Jja heiiges synden pa costninga; pa 
tangen synden ehteres ; pa fielen 7 pa sagen synd pcera ma?ina 
tungen, pe wyrced hatunge hetweoyien heora emcristene 7 
hlidelice specad yfel = Elucidarium lib. II c. 4: Fecit eum 
Deus Idboriosum fdbrum in hoc mundo, ut coactus totis 
viribus serviat. . . . Cuius fabri caminus est afflictio et 
tribulatio; folles sunt tentationes et suggestiones ; mallei et 
forcipes sunt terrores et persecutores ; limae et serrae sunt 
linguae maledicentium et detrahentium. 

sepristlJecTing 'Erdreistung' = lat. praesumptio: Se forma 
heafod-leahtor ys ofer-modipies, seo ys ^e-cweden cwen eallra 



I 



165 

yfela. ... Of ]>cere hijd sodlice acenncd celc un-liyrsumnes 7 
^eljristlcecuns 7 s^flit 7 .scdivyJd 7 ^ylp 7 oJere manesa yfelu, 
Verc. fol. 110b = Ps.-Alcuin, De virtutihus et vitiis c. 27 : 
Frimum vitium est spirituale, superUa, . . . quae regina est 
omnium malorum. . . . Ex ipsa vero nascitur omnis in- 
oboedientia et omnis praesumptio et omnis pertinacia, con- 
tentiones, haereses, arrogantid. 

gepeoTva 'Verknecbteter' (wolil nicht 'Mitsklave'), Verc. fol. 62a 
(Hom. IX, s. oben S. 104 Z. 2). Liebermann bezweifelt diese 
Deutung. 

3eJ>wornesse 'Verkehrtheit, Schlechtigkeit' = lat. pravitas. 
Verc. fol. 119a (Hom. XXII, s. oben S. 145 Z. 5). 

Äeunfjestnian 'unfest, kraftlos machen': Poime hceß ])CBt 
dioful ^eiüorht hosan 7 strcela. ... 7 celce d(e^e pws diofles 
tvilla hiÖ, 2)set J)issa stnela nan ne sie ^eunfcestnod, ^if he 
findan mw,s, hivcer he hie afcestnian moese. Verc. fol. 24 a 
(Hom. IV). 

sewitende 'vergänglich' als Adjektiv: Pis andwearde lif is 
heard 7 s^-ivitende 7 swide s^sivincfull 7 mid manigfealdum 
costimsum. Verc. fol. 79b (Hom. XIV). 

Slaes-se^ot n. 'Glasgufs': Peer woes getymlro on Beles dci^um 
(7) lohes temple of isernum geivorcum 7 of slces-sesotum 
Vitell. A. XV = ae. Mirabilien-Version c. 24, ed. Fr. Knappe, 
Das ags. Frosastüch 'Die Wunder des Ostens^ (Berlin 1906) 
S. 58. 

SOdes-templ 'Gottestempel' Verc. fol. 91a und oft. Ich glaube, 
dafs man mehr als bisher üblich solche Komposita wird an- 
setzen müssen. Ob eine Genetivgruppe oder ein Kompositum 
vorliegt, kann man doch wohl annähernd auf Grund des 
Akzentes unterscheiden. Sobald beide Komponenten unter 
einen Akzent zusammengefafst werden, sollte man ein Kom- 
positum annehmen. [Jetzt X.Bergsten, Compound Suhstantives 
in English, Upsala 1911, S. lOOff.J 

hjeftnes 'Gefangenschaft' ist überliefert Vesp. D. XIV fol. 76a: 
Hit sceigd on halgen hocan; ])2di cefter gearan ymhryne swa 
geiüurden scide, J)vei ecdl middeneard mid hoedenra ])eode 
gedrynge 7 mid heordan [das d über der Zeile; ob von 
späterer Hand? vielleicht ist vielmehr heora zu lesen] hceft- 



166 

nysse swa swyde gedrecced 7 gedrefod ivuröeö, J)ait hine 
uneaöe cenig riht gelefcd mann mid pan heofonlicen Thinges 
tacne gebletsigen mote oöde gesenigen dürre. Pas gesivcencen- 
nysse we mugcn nu mycele mare on us sylfen ongyten, Jjonne 
we hit on hocan leornigeyi. Oder kann obiges lueftnes viel- 
leicht als 'Siclifestsetzen, Niederlassung' verstanden werden? 

haeftuiig 'Fessel': Ac Jia gode mcenn, Jie hahhcö pine on pyssen 
middcnearde, for J)an cwarterne 7 for Jja lioiftunsan heo 
seiden lidbben pa heofenlice seien; 7 for Jm sivinglen heo 
gebideö frofre 7 Misse, Vesp. D. XIV fol. 163 b = Elucidarium 
lib. II c. 6: Ita iusti pro carcere recipientur in ceterna 
tabernacula, pro verueribus ohtinehunt gaudiuni et laetitiam. 
Vgl. das hcefting 'Band' des Nicodemus-Evangeliums. 

heali-prymm 'Herrlichkeit' Be dömes-doe^e V. 96. 

healdsum {E.ä.halsiim) 'genügsam', s. Archiv CXXIX,25 Anm. 1; 

vgl. healtsumnesse, Napier, 0. E. Gl. 1,1101. 
hecen 'Bock', s. Archiv CXXV,48i. 

helle-c«se 'Höllenschlüssel', Verc. fol. 85a (Hom. XV; s. oben 
S. 128 Z. 4). 

helle - mjpseii 'Höllenschar': Pa-Jye her hioö pa mcEstan dry- 
ic^an 7 scin-lacan 7 sealdor-cr(Bfti^an 7 hjhlacan, ne cuma]) 
Jja ncefre of pcera wyrma seade 7 of Jjces dracan ceolan, pe 
is Satan nemned; Jxer cet his ceolan is poet fyr ^ebet, pcet eall 
helle-rnoßsen on his ivylme for pces fyres hceto fonveorÖeö. 
Verc. fol. 17 b (Hom. IV). 

higendlice 'eilig', die ae. Vorstufe für das me. hisendliche 
(Layamon usw.), weist mir Karl Glaeser nach aus Vesp. D. XIV 
fol. 30»: Pa nolde he heo siva higendlice acwellen, wo Thorpe, 
Hom. II, 42414 liest: Ba nolde he hi soemtinges acivellan. 

Milder Adj, 'nachträglich; lästig': Heo nebyd noefre teonlease; 
for heo byd geteontreged. mid hindre gedanca, Vesp. D. XIV 
f. 162 b = Elucidarium II c. 6 sine supplicio non sunt, quia 
saeva conscientia cruciantur. Dieses ist der früheste Beleg 
für die aus der Nominalkomposition herausgelöste adjek- 
tivische Verwendung von hinder-, die bisher erst aus dem 
13. Jahrhundert belegt war (Oxf. Dict.). 

liiiidernes 'Hinterlist' im ae. Elucidarium Vesp. D. XIV 
fol. 161b: God Icett libben Pa yfele mccnn, for pan past pa 



167 

gode heon Jmrh heon gefandode, oööc psct heo heo heöcencen 
7 gecerren of heora hindermjs.-ie 7, hate heo gecerren, hcora 
pine ivurd Jja mare = Elueidarinra lib. II c. 5: Mali ideo 
diu vivere permittwitur, ut eledi per eos exerceantur et a 
vitiis corrigantur, ipsi verso post maioribus suppliciis tor- 
queantur. 

lihvfe^er 'scbüDgestaltig': Eawla, tvif, to hwan wenest öajnnes 
lichoman hcele mid smyriuse 7 oft-pwcale 7 oörum liÖnessum? 
Of öam cijmcö unhcelo, nah [vgl. alid. nals] mwgen, J^if öu 
])a ilcan olcdonge [vgl. S. 170 unter olehtuns?] pam lichomaji 
[dahinter fehlt etwas, mindestens ein Verbuni], hitv-fa^gere 
hid, ponne hit (er looes. Vere. fol. 58 a (Hom. VII). 

hläford-swlc 11115 'Ilerrenbetrug': Yton us nu ealle pe ^eoriior 
ivarnian 7 forlcetan urne ^edivolan 7 unriM-licemedo 7 cer- 
cetas 7 ofcr-dnmcenncssa 7 hiaford-stvicunja 7 ofer-mett 7 
andan 7 oferfißle 7 ^alnesse 7 sceandlicnessa 7 leohtbrcednessa 
7 idele sproica 7 ealle widcennessa 7 eallc yfelo. Vere. fol. 110» 
(Hom. XX). 

hlytiiian '(durch Los) zuerteilen'?: Imrli maiiijfeald geivinn 7 
ear[fodnesse ausradiert] ive sculon geearnisan, Jicet we moton 
hecuman on "^odes vice; forpan ce^hivylc para manna, pe for 
Ms naman pctt ^vile, pcet he arfcestlice mid Dryhtne riesige 
on heofona-rices j^fean, he ponne ceghiüylce ehtnesse 7 ear- 
foäiiesse mid geprßde abere, siva ive panne nu purh missen- 
lico god 7 purh mmiigfeald gastlic geivin Dryhten [lies 
Dryhtne?] fultumendum lue [zu streichen] sculon tiliayi, pcet 
loe to Pam ecan sefeaji hecuman moton, pcet [lies p(Br] hid 
celc man to his yldrum hlytmeÖ [lies hlytmed?]. Vere. fol. 77b 
(Hom. XIV). 

läröeaw 'Lehrer', das man meist als Grundlage von läreow 
ansetzt (Sweet, Anglia 111,152; Sievers §43, Anm.4; ßlUbring 
§ 396), ist mehrmals in Vesp. D. XIV belegt. Schon Hall 
hatte auf die Stelle aus der Ps.-Alcuin- Version (ed. Assmann, 
Anglia XI, 374) verwiesen. Es erscheint aber auch z. B. 
Vesp. D. XIV fol. 38a (dreimal): Pa ceapmcen hinnen pan 
temple getacnodan unrihtivise laröeaives on Godes geladange. 
. . . Oxe tyled his hlaforde, 7 se laröeatv sylÖ oxen on Godes 

ciricen, ggf he hegced his laferdes teolunga Se lardeaw 

hyd culfre cepe, pe nele pa gyfe, pe Mm God forgeaf hüten 



168 

his geearnungctiy odre mannen hüte sceatte nytte don (= Thorpe, 
Hom. I, 410 ff., wo jedesmal lareow steht). Oder Vesp. D. XIV 
fol. 50b (zweimal): CivceÖen peh ceghwylce laröeawes, Jt^t 
hire sune, se-pe on Jjan ^ridden dceige mihtlice of deade aras, 
])set he eac his modre lichame of deade aroerde. . . . Eac siva 
gelice forrwel ma7iega laröeawes on heora boca setteji . . . 
(= Thorpe, Hom. 1,440 lareoiv). Oder Vesp. D. XIV fol. 123 a: 
Paulus se apostel, eallra peode laröeaw {= Thorpe, Hom. 
11,332 lareow). Oder Vesp. D. XIV fol. 128a: Purh feower 
pmg losied manna sawlen : J)8i?.t is Jmrh lehtres 7 J)urh deofles 
tyhtmige 7 ])urh laröeaiües gemeleaste 7 purh yfele ge- 
hisnunge unrihüvisra heafodmannen (= Thorpe, Hom, II, 342: 
lareowa). Oder Vesp. D. XIV fol. 146b: Ac swa-])eh seo 
gastUee getacnung Jjcere gereccednysse helimpö to Cristes 
mcenniscmjsse 7 to his geladunge, swa-siva laröeawes trahtodan 
(= Thorpe, Hom. II, 460 : lareoivas). 
leje-leoht 'Flammenlieht': Hwcet, we seseoÖ ponne gcarlice, 
2>cet ])is fyr, p)e her man leforan us hafaö, [hivcet, ])cet] is ayi 
leg, 7 hiüceöre se an leg ])reo pmis fullice on him hafad. He 
hafad cerest his sylfes onsijne, pjmt he is hwit, siva we geseon 
magon, 7 Jjonne is ])(Bt Iwidde [also fehlt etwas, das Zweite], 
J)(Bt lihteÖ eall geoiid eoröcern, sehivilum mycle ividdor ponne 
sceole. 7 po7ine is hit hivceöre an leg 7 7ie mceg cenig man 
}cet hate fram öam hivite ascadan, 7ie dcet hivite fram pam 
lege-leohte; ac JxBt is an fyr, swa we geseoö. Verc. fol. 89 b 
(Hom. XVI). 
leoht-torjednes 'Leichtfertigkeit' haben wir in der XX.Vereelli- 
Homilie (fol. lila), wo es das lat. levitas wiedergiebt: ])onne 
ys se oder heafod-leahter .gecweden gifernes, seo ys unge- 
metigende geivilnuns mgöer ge cetes ge wcutes. ... Of pcere 
hid acenned ungescead Miss 7 sceandlicnes 7 leoht-brcednes 7 
idel sprosc 7 lichoman unclcennes 7 unstadolfcestnes modes 7 
druncenes 7 galnes 7 oöere mane^a yfelo unatellmdlice 
= Ps.-Alcuin, De virtutihus et vitiis e. 28: Primum est cor- 
porate peccatum gula, id est, intemperans cihi vel potus 
voluptas. . . . De qua gula nascitur inepta laetitia, scurrilitas, 
levitas, vaniloquium, immunditia corporis, instdbilitas mentis, 
ehrietas, libido. Weitere Belege für das Wort finden sieh 
Verc. fol. 110a (s. die Stelle oben S. 167 unter hlaford-swicung) , 



160 

in der Benediktiner-Hegel ed. Schröer 76 ^^, wo der Heraus- 
geber (S. 249) fälschlich die Übersetzung 'Andentaglegen' 
vorschlägt (iviÖ leohthrcednesse idelra worda), und in der 
Aldhelm-Glosse leohthrcednesse 'lasciviae' (Napier, 0. E. Gl. 
1,4706; Z.f.d.A. IX, 515ii, wo ein falsches Glossem ange- 
geben ist). 

lyre-wreiic 'Verlust -schaffende Ränke': La, hivi ne mot ic 
hdjhan, ])(et ic me sylf hc^et ynid minum lyre-wrencum? 
Vere. 23b (Hom. IV). 

maii-cyst 'menschliche Tugend': Healdan ive eac J)cet mid 
^odum dcedum 7 mid ceöelum mcüi-cystum, pcet ive beon godum 
mannum geJice in dam. mce^enum, ])e ive don magon, 7 in dam 
dcedum, ])e lüe purliteon ma^on. Verc. fol. 93 b (Hom. XVII). 

niarmclstäu bezw. marmorstäii 'Marmorstein' erschien in der 
Phöuix-Homilie, die Fr. Kluge Encjl. Stud. VIII, 476 flF. heraus- 
gegeben hat. Die erstere Form bietet die Londoner Es., 
Vesp. D. XIV fol. 167 b (his forebreost fce^ere gelieowed simjlce 
marmelstan mceres cinneB), die letztere die Cambridger Hs., 
Corp. Chr. Coli. Nr. 198 fol. 875b (his forebreost fw^re ^e- 
hkvod sivylce marmorstan mcerost cynnes). Die Form marmel- 
stan (vgl. frühmhd. marmilstein) ist besonders deswegen 
interessant, weil sie die Grundlage für das ne. marble-stone 
ist, welche im Oxforder "Wörterbuch erst seit ca. 1200 belegt 
ist. [Das Simplex marble ist erst seit dem 14. Jahrhundert 
belegt.] 

niealni-stän 'Sandstein', s. Archiv CXXIX, 48 Anm. 1. 

mere-steall 'stehendes Gewässer' (vgl. ae. wcetersteall Gtiöläc 
c. 3 = lat. stagnum) : Ac of Jxjere oferfylle cumaö ])a un- 
rihtan lustas, s^^ice 7 on mere-stealJum wyrmas tyddriaö, 7 
of öosre semetegunse ^od wiorc, ^elice 7 of clcenre eoröan 
$ode ivcestmas. Verc. fol. 58b (Hom. VII). 

met-sceatt Verc. 73 b = ae. med-sceatt. 

napcedu 'Nacktheit' (gt. 7iaqadei): A7id ]>cer is eagena wüp 7 
toda grist-bituns ; and ])an- syndon pa unmcctan pnjstro; 7 
^a?r is egesa 7 fyrhto; 7 ])cer is siviÖ -hreownes ; 7 ])air is 
unriht-wisnes; 7 J)cer is hunger 7 ncecedu: 7 pcer is yrmöo 
7 nearones; 7 pcer is unmoete cyle 7 unahefendlic hceto ge- 
meted. Verc. 60 b (Hom. VIII); vgl. ae. nceced. 



170 

nöiidwite 'unentrinnbare Strafe' weist mir Karl Glaeser nach 
ans Vesp. D. XIV fol. 126»: Swa se lichame hjö ontend Jmrli 
imalefde lustes, swa eac heornd seo sawle ]mrh neadivüe 
(= Thorpe, Hom. II, 338^0 : öurli neadivis ivite). 

uisaniiihte 'neun Nächte (d. i. Tage) alt', s. Archiv CXXIX, 22 
Anm. 2. 

nihtsiiiuiies 'Eeichlichkeit' (vgl. ae. s^nylitsumnes) , Verc. ful. 81a 
(Hom. XV, s. oben S. 118 Z. 11). 

ofdünrihte 'direkt abwärts, hinab', Bodl, 340 fol. 38^ (s. oben 
S. 110 Z. 10). Altester Beleg für ne. doivnriglit. 

oferyldu 'übermäfsiges Alter', Verc. fol, 63a (zwei Belege), 
s. oben Hom. IX S. 107 Z. 3 f.; vgl. ae. ofereald Keg. Bened. 
ed. Schröer 61^2. 

ofweard 'abwesend', mit analogischen of-, für ae. cefivcard: 
7 we eac Iceren oÖre men, ])oyine lue to us cymen, J)cet we 
donne ealle, ])e selran sien, ^e onivearde ^e ofwearde, pas 
godspelle 7 Jm sodan lufan "^odes 7 manna eorne [= georne] 
healden anviordlice eallum tidum usses lifes. Verc. fol. 75 b 
(Hom. XII). 

ölehtuus 'Schmeichelei': "^emunaö eac, pa-de eall Iura lif 
071 ])isse 'worulde on olehtunsum lifedon, Verc. fol. 57a 
(Hom. VII) und: Bona se lichoma sceal bion unfceser, ])onne 
he mid unrotnesse 7 mid sare aseted hiö, öa cumaÖ of dam 
lidan olehtunse, Verc. fol. 58 a (Hom. VII). Ein unmittelbar 
vorhergehender Beleg derselben Homilie, dessen Wortlaut 
oben unter hlwfa'^er S. 166 zu lesen ist, bietet olecümse, 
was wohl durch psychologische Kreuzung von oleccung und 
olehtuns dem Schreiber in die Feder geflossen ist. Vgl. auch 
ölyht-ivord Blickl.-Hom. 992«. 

onäsäwan 'aufsäen auf: Imt hyö sodlice oferswiöed ])urh ^e- 
dyld 7 ])urh Ijolomodnesse 7 ])urh anAsytUc ,^escead, de "^od 
on-a-scewd on manna modum Verc. fol. lila (Hom. XX) 
= Ps.-Alcuin, De virtutihus et vitiis c. 31: Quae vincitur per 
patientiam et longaniynitatem et per rationem intellectualem, 
quam Dens inserit mentibus hmnanis. 

onblinnan 'aufhören' {= äblhman) , Verc. fol. 81a (Hom. XV, 
s. oben S. 118 Z. 12). 

onstJelan 'zuschieben, beschuldigen', Verc. fol. 10a (Hom. II, 
s. oben S. 89 Z. lOf.) und Verc. fol. 115a (ebenda). 



171 

outinibernes ist in der übertragenen Bedeutung 'Erbauung, 
Belehrung' in der ae. Beda-Version IV c. 17 belegt. Die 
urs})r angliche konkrete Bedeutung des Wortes 'Stoff, Materie' 
erseheint in der XV. Vereelli-Predigt fol. 81b (s. oben S. 119 
Z. 14). 

onunder (Hs. anunder) 'unter': Se-])e amvealdes wilneö ofer 
his hlaford, for tivam Jnngoi he his ivilhieÖ: oder for he 
ivyle pone hlaford lecgen anunder hine 7 scÜigen him mid 
J)an, pcet he sylf sitte ])e ufer; oÖde he ivyle Jjone hlaford 
hahhen up ofer hine sylfne 7 stigcn him sylf mfter 7 eae 
onhagigen, sciifcn peh simle Jione hlaford heforen. Vesp. 
D, XIV fol. IIb := Disticha Catonis B Nr. 86. Vgl. ae. onufan 
(z.B. auch Verc. fol. 63 b, s. oben S. 108 Z. 6) und onuppan. 

onwarian 'sich hüten' fol. 62b und 63b (Hom. IX, s. oben 
S. 105 Z. 4 und S. 109 Z. 10). 

orenlice 'auf serordentlich, übermäfsig': l)a he [der Mensch] 
fedde his lichoman orenlicost mid smea-mettum, Jja scearnode 
he me [der Seele] Jiws ecan hun^res. Verc. fol. 22 b. Vgl. 
ae. orcne 'aufsergewöhnlich' P'pist.Alex. Z. 554: ive da siodjjaii 
hutan orenum Jnngum mete Jji^doJi (== lat. ab securis nobis 
epulae capiicntur), Leechdoms III, 16 ^ {nan orne 'nichts Aufser- 
gewöhnliches') und III, 702'^ {^uiÖ ornum utsan^e 'gegen über- 
mäfsigen Stuhlgang'), wo Toller, meines Erachtens zu prägnant, 
die Bedeutung 'unhealthy, harmful' annimmt. Dazu ae. un- 
orne (Byrht. 256) und unornlic (Jos. IX, 5) 'gewöhnlich'. 
Auch die me. Belege von orne und unorne fügen sich diesem 
Bedeutungsansatze, der es sogar ermöglicht das (im Oxf. 
Dict. zu frz. 07-ne gestellte) oriie der me. Freiraaurerregel 
(V. 569) hierherzuziehen. 

recel 'Weihrauch': Ere mid ])inen oxen 7 offre mid Jnne recele. 
Vesp. D. XIV f. 10b = Disticha Catonis B Nr. 67. Die Form 
recel, welche die Grundlage von me. rechelen 'räuchern' 
(0. E. Hom. 11,133) und rechel-fat 'Räuchergefäfs' (vier Belege 
bei Stratmann-Bradley) ist, stellt sich zum gewöhnlichen 
ae. recels wie ae. scytel neben scytels 'Bolzen', ^yrdel 
neben syrdels 'Gürtel', pricel neben pricels 'Stachel', hi-idel 
neben br'idels 'Zügel', sticel neben sticcls 'Stachel' und sciccel 
neben sciccels 'Mantel'. Das Neuenglische hat sich stets für 



172 

die Formen ohne -s entschieden (shuttle, girdle, hridlc, sticJcle, 
prickle), auch da, wo die s-losen Formen im Altenglischen 
noch nicht belegt scheinen (ne. ridcUe gegenüber ae. rwdds\ 
ne. hurial gegenüber ae. byr^els, wo mir die Erklärung des 
Oxf. Dict. ^incorrecÜii formed as a sing.' also nicht richtig 
seheint). 

reliquia-söcu 'Aufsuchen (d. i. Besuchen) von Reliquien': 7^is 
sijndon halige da^as 7 liahvendlice 7 ussum saivhcm Icece- 
domlice. 7 us ^erised, ])cet we hie ivel hesansen mid ficstenum 
7 mid gebediim 7 77iid reliquia-socnuYO- 7 mid usse eadmod- 
lice s^in^e, Verc. fol. 71b (Hom. XI) und: 7 hie da ealle siua 
dydon, 7 gesetton ])a him hetiüinan, Jjcet man a sydÖan sceolde 
])as pry gan^dagas healdan fuUice mid fcestenum 7 mid 
celmes-sylenum 7 mid cyric-socnum 7 mid eadmodUcum. s^nge 
7 mid reliquia-socnum 7 mid eallum godum tveorcum, Verc. 
fol. 109 a (Hom. XIX). 

rynstjBf 'Runenstab' erscheint in einer J^lfricsehen Homilie 
in Vesp. D. XIV fol. 135b: 2)a axode se ealdormann pone 
hceftting, hiveöer he purh drycrceft oÖde purh rynstafes Ms 
bcendes tohrcece (= Thorpe, Homilies II, 358 11, wo rimstafas 
überliefert ist). Wie es scheint, liegt hier Anlehnung an 
ryjie vor. 

säris-cyrm 'Trauerklang', Verc. fol. 85a, s. oben S. 128 Z. 8. 

scürfäh 'regnerisch, stürmisch' = lat. imhrosus, turbulentus : 
Donne hit [der Jahresanfang] hyö monendceig, hit hyÖ scurfah 
lüinter, 7 god loenden, 7 ivindig sumer 7 storemig, 7 gesivync- 
full ha^rfest, Vesp. D. XIV fol. 75b (Bauernpraktik ed. Assmann, 
Änglia XI, 369) =-: lat. Titus D. XXVI fol. 10b (nm 1020): 
Si .11. feria [die Lunae ABEFHI] fuerint Kai. Jan., hiemps 
mixta [hnhrosa D, d.i. Clm. 14456 fol. 75b, um 820 geschrieben], 
vei' iocundum [bonum ABCDEK], aestas sicca et ventosa 
[ae. ventuosa et tempestuosa B, d. i. Tib. A III fol. 36 a] et 
vindemia 7ion bona [der Angelsachse las laboriosa, wie für 
den Freitag in K, d. i. Ps.-Beda, Migne XC, 954]. — Ein 
zweiter Beleg für scurfah steht in derselben Bauernpraktik 
zum Samstage (Vesp. D. XIV fol. 75b): Bonne hit byd Sceter- 
dceig, hit byd scurfah winter, 7 windig Imnten, 7 ealle 
tvcestmes yfeles geivcende; scep cwelleö 7 ealde mcenn = lat. 
Si .VII. feria [die Saturni BF] fuerint Kai. Jan., hiemps 



173 

turhuUnta [turhUla C^ turUnosa DGK u.a.m.], ver ventosum, 
et fructus lahoriosus erit; oves peribunt, et senes morieiitur. 

self-cwalu m. 'der Selbstmörder': 7 ])a-J)e her nellad hyra 
sijnna andettan 7 betau, Iiidas J)07iüe 7 sylf-cwalan 7 hceöene 
men, ne Jurfon hie to l)am dorne; ac hie biod sona fordemcde. 
Verc. fol. 59b (Hom. VIII). Über Selbstmord in angelsächsiselier 
Zeit s. F. Liebermann, Ocs.d.Äys. 112,479 (s.v. 'Grab' 2a D). 
Vgl. ae. self-cwalu 'Selbstmord'. [Schon Napier, 0. E. Gl. VI, 26J. 

seofonuihto 'sieben Nächte (d.i. Tage) alt', 8. Archiv CXXIX, 22 

Anm. 2. 
Siele (\vs. *s//6'/(?) 'krank', s. Archiv CXXIX, 21 Anm. 6. 
sixuihte 'sechs Nächte (d.i. Tage) alt', s. Archiv CXXIX, 22 

Anm. 2. 
siiidonisc 'aus sindonischer (d. i. indischer) Leinewand' 

(gr. öivdcöv) : Soö hit is, pcet ic hine abced 7 on clceneii syn- 

donissce hrceiyle befeold. Vesp. D. XIV fol. 88 a = Nicodemus- 

Ev., ed. Hulme, Mod. Phil. I, 592 12). Vgl. Fr. Straub, Lautlehre 

der jungeyi Nicodemus -Version (Würzburger Diss. 1908) S. 71. 
sleacmodues 'Schlaffheit, Faulheit' = lat. acedia: Witodlice 

eahta synt heafod - leahtras pridde is sleac-ynodnes 7 

unrotnes. Vere. 13a (Hom. III). 
sni^tesold 'Reingold': 7 his sweora sivilce smmte^old [smete- 

gold Vesp. D, XIVJ 7 his forebreost fcegre ^ehiwod. Corp. 

Chr. Coli. Cambr. 198 fol. 375 b = Phöuix-Homilie ed. Kluge, 

Engl Stud. VIII, 478 ^\ 

smjete-syldeii 'aus reinem Gold' ist bei Bosworth-ToUer durch 
zwei Glossen belegt. In zusammenhängendem Text erscheint 
es in der IX. Vercelli- Predigt (s. oben S. 114 Z. 1) und in 
der Eremiten -Legende von Tib. A III ed. Kemble, Salomon 
(& Saturnus 85^6 (smetegelden), s. oben S. 113, Varianten. 

spicinj 'Nagel', s. Archiv CXXV, 51 Anm. 4. 

sunnan-scima 'Sonnenschein'. Ein solches Kompositum setze ich 
an Juliane V. 166 {Min se swetesta sunnan-scima, Juliana!), 
Boethius 12^, 8923, 126 2" und Verc. fol. 59a (Hom. VIII: 
Jionne ^cer ncenig man his sylfes gewyrhta behydan ne mces, 
ne man his asenne andwlitan on Höhte wedere oööe on 
sunnan-sciman becyrran ne moe^). 

swär n. 'das Schwere; Kummer': Bis syndon sivares 7 ^e- 



174 

swinces da^as, siva we hit sylfe onsytan ma^on on Jjam 
manisfcaldum. uniednessum, ])e dieghwamlice on manna-cynn 
fealleö on misseividrum for manna jewyrhtum, Verc. fol. 73a. 

sweofleuuess 'Schwefligkeit, Schwefelranch und -Gestank', 

Verc. fol. 82 b (Rom. XV, s. oben S. 123 Z. 3). 
swiö-hreownes 'starke Eeue', s. S. 169 unter 7icecedu. 
sjn-l)ryue 'Sliudenbrennen' = lai ardot' luxuriae, Verc. fol. 118b 

(Hom. XXII, s. oben S. 143 Z. 18). 

teonleas 'ohne Leid': ßa arlease mcenn, peh Jieo liabhen on 
pysser iviirlde sum dcel heora geivilles, pehliwedere heo hyd 
wwiihtige, 7 7ie hjd heo 7icefre teonhase, Vesp. D. XIV 
fol. lG2b = Elucidarium lib. II c. 6: Reprohi, quamvis Corona 
regni potiantur, omnino impotentes sunt et nunquam sine 
supplicio erunt. Einen zweiten Beleg- aus dem Elucidarium 
s. oben S. 166 unter liinder. 

töselaöiins 'Versammlung': On Jjam synt enslcL weredu 7 riht- 
ivisra to^eladung Jjcer symle wuniendra, pcer hie ncefre leofe 
ne totivcemaj), ne lade ne sGsamniad, ne ncefre dceg ne cymed 
cefter dce^e ne niht cefter nihte. Verc. fol. 116 b (Hom. XXI). 

töhäelan 'kastrieren; schwächen': Fordon ic halsie, J)cet we 
urne lichoman 7 saiule mid ^eswincum ^estransien, ncdces mid 
idehiessum tohcelen. Verc. fol. 58 a (Hom. VII). Vgl. das 
Simplex hoelan 'kastrieren', das Schlutter aus den Leechdoms 
III, 186 21 herausgehoben und mit Hinweisen auf deutsche 
Verwandte (mnd. helen, heilen 'verschneiden', obd. heilen 
'kastrieren' u.a.m.) gestützt hat {Anglia XXX, 131). 

twysehtau 'streiten', s. Archiv CXXV,56 295. 

tyuniiite 'zehn Nächte (d. i. Tage) alt', Archiv CXXIX, 22 
Anm. 2. 

psernian, s. weiter unten unter J)ornian. 

pencendlic 'nachdenklich': Ac ive hivceöre ma^on for ])ces 
lytlan ])in;^es hysene 7 Imt mceste eac geseon 7 ])cet an ymh 
Jjencendlice leon, Jxet ive Jjy eö 07icnaican 7 onsyta^i magon. 
Verc. 89 a (Hom. XVI). 

))eof-sceaöa (?) 'Dieb', s. Archiv CXXIX, 24 Anm. 6. 

pornian 'verlieren'?: Ne ondrced pu pe dead to swyÖe. Ne 

leofeö man naht myriges, pa htvyle J)e he him ondrcett. Ne 

■ forgitt ]ju hine peh ealne, pelceste pu pornise pces ecen lifes. 



i 



175 

Vesp.D. XIV fol. 7l> = Disticha Catonis B Nr. 15 (die {luderen 
Hss. haben Jjolise Trin. C. bezw. (Jolie Julius). Aus dem Zu- 
sammenhang ergibt sieh, dals pornigen so etwas wie 'ver- 
lustig gehen' bedeuten mufs und daher irgendwie mit der 
Sippe von ae. Jjearf 'ich bedarf zusammenhängen wird, wie 
das der Bedeutung nach passende an. ])arf)ia, jünger Jjmma 
'entbehren; verlieren'. Sieher ist auch, dafs es, ebenso wie 
an. iKirna, eine Bildung mit dem inchoativen Präsensformans 
-nä- ist, Schwierigkeiten macht nur die Gestalt des Stamm- 
vokales. Ein dem an. pania genau entsprechendes Verbum 
sollte ae. *l)ear{f)nian lauten; und es scheint fast, dafs es 
ein solches Wort wirklich im Altenglischen gegeben hat. 
Wenigstens würde sich so am einfachsten das in den 
Peterborough-Auualen auftretende ])cernode 'er ging verlustig' 
{he J)us his arcehiBGO^rices Jjcernode, Laud Ms. zum J. 1119) 
erklären, welches dann Monophthongierung des ea ^ ce (^?) 
aufwiese. Dieselbe Ablautsform zeigt das me. Immen 'ent- 
behren, verlieren' (Orm, Havelok usw.), welches entweder 
die Fortsetzung des eben erwähnten heimischen ^Jjccunian 
(mit Aufgabe der ae. Dehnung) oder eine Entlehnung aus 
a.Tii.])arna darstellt. Natürlich liefse sich auch das Ixernode 
der Peterborough-Auualen mit Kluge (Pauls Grundriss ^I^OSl:), 
Björkman u. a. als Entlehnung aus dem Altnordischen auf- 
fassen, wenn man sein ce als falsch archaisierende Schreibung 
für a ansehen kann. Falls dasselbe Wort in unserem obigen 
^ornian zu suchen wäre, mülsten wir wohl Verschreibung 
von für a annehmen. Nach Sievers verlaugt aber die 
Melodie eine Form mit o, also Jiornie. Sehr wohl möglich 
wäre aber auch, dals pornian eine Ableitung zu ae. ])orfa 
'arm, entbehrend' (= an. purfi, Jmrfa 'entbehrend') wäre und 
also das o des Stammes zu Recht bestände. 

örählic 'langdauernd' (vgl. präge 'lange Zeit'): on eallen 
yniddanearde hijö swyde mycele ungedivcermjsse 7 örcüilice 
leiten on manna hearnen, Vesp. D. XIV fol. 76 b. — Sollte 
das J)yäg-hysi^ der Rätsel nicht bedeuten 'lange Zeit ge- 
schäftig' {ic sceal prasbysi^ Jjepie minum hyran georne vom 
Mühlstein, Rats. Vi)? 

pristllc Adj. 'dreist, kühn'. Während das zugehörige Ad- 
verbium pristlice bereits des öfteren nachgewiesen ist, fehlte 



176 

bisher ein Beleg für das Adjektiv, Dieses erscheint aber 
Bodl. 340 fol. 37 : se deaÖ is JmstUc 7 snotorlic, s. S. 104 Z. 1. 

))Uiiiwuneiies 'Ausdauer' = lat.j^erseverantia: Seo ])urhwune7ies 
heo is mcegen J)ces sodan weorces, siväs^vä Drillten sylf civceö: 
'se])e Imrhivunad on pam sodan weorciwi od ende, he hid hol. 
Nd se-])e god onsinned, ac scj)e on J>am go'de Jjurhwunad, 
hid hal, Tib. A III fol. 105b {Archiv CXXII,260) = Ps.-Aleuin, 
De virtutibus et vitiis c. 26: Virtus honi operis est perse- 
vermitia, ipso Domine dicente: 'Qui x>G'>'severaverit usque in 
finem, hie salvus eriV [Matth. X, 22J. Non igiiur qui coeperit 
honum, sed qui perseveraverit in bona, hie salvus erit. 

uiiähefeudlic 'unauf hebbar, unaufhörlich', Verc. fol. 60h, s. den 
Beleg oben S. 169 unter mccedu. 

uucweine 'unangenehm', s. unter unfenge. 

unfense 'unannehmbar': Nu we gehjrad, Jjoette mwstra ceghwylc 
syn mce^ hioii J)wh andetnesse 7 hote 7 Öurh da unsylibe ane. 
Für pcere hid sio ure onswgdnes "^ode unciveme 7 unfenge. 
Verc. fol. 79a. Eine Änderung in ^imdandfense verbietet 
nach Sievers die Melodie. 

ungerade 'töricht' weist mir Karl Glaeser nach aus Vesp. D.XIV 
fol. 57^: Si/7id siva-J)eh get Jja divoUice hec ceigder gea on 
Jeden gea on oenglisc, 7 heo rceded ungercede mcen (= Thorpe, 
Hom. II, 4442a: ungerade men). Das angerced 'insipidus' der 
Kubens-Glossen OY.-W. 165 le) ist nach AngUa VIII, 451 in 
ungerad zu bessern. Das Simplex gercede wird vermutlich 
in der Cleopatra- Glosse (W.-W. 399^) gercedre 'eleganti' 
stecken. 

imgescaöignysse 'Unschuld' erscheint in einer ^Ifrieschen 
Homilie in Vesp. D. XIV fol. 71b: Siva eac scyleti Godes 
folgeres, Jjset synd 2>a cristene, habhen ]ja ungescadignysse on 
heore mode, Jje cild hcefd on ylde (= Thorpe, Hom. I, 5121^^ 
wo aber unscceddignysse tiberliefert ist). 

ungesegeulic 'unsichtbar' (angl. Form), Hatten 116 pag. 394, 
8. oben S. 136 Z. 29. 

uulif 'Nicht-Leben, Tod': A^e pearf namie man tiveo^ian, 
cefter his deajje odrum Jnssa he onfehd: siva life siva un- 
life, swader his gewyrhto hiod 7 his earnun^. Verc. fol. 18 b 
(Hom. IV). 



177 

imriht-tld 'unrechte Zeit': 7 in oferfyllo he ivces hegriwen [lies 
be^ripe^i] on unrlht-Hdum, Verc. fol. 21b, wn^ Jja he swidost 
his lichoman drende unriht-tidum, ^a earnode he me Jxes 
ecan purstes, Verc. fol. 22b (beides Hom. IV). 

unseofende 'nicht -seufzend', Vere. fol. 72a (Hom. XI, s. die 
Stelle oben unter forejjnjoies). 

untimber?? 'Material' erscheint Verc. fol. 73b (Hom. XII): 
Liornodon ive, pcet s<^o hcedene liode hcefdon pry dagas 
synderlic heforan hira oörum s^wunan, Jmt hie onsuldon 
hira ^odum 7 hiera ceapes ivcestma 7 ealle hira cehta hie 
hira gode hebudon, pcet wws dioflum sijJfum, forponpe hie 
hira ^odu hcefdon geworhte of treoivum 7 of stanmn 7 of 
oörum untimhrum missenlicum. Wahrscheinlich ist aber zu 
lesen an{d)timher. Möglicherweise lag- dem Kopisten eine 
Handschrift vor, die noch die alte offene Form des a, die 
dem u einigermafsen ähnelt, anwandte. 

unwrisen Adj. 'offenbar', Verc. fol. 61a (Hom. IX, s. oben 
S. 101 Z. 7). 

ütäiiydau 'hinausnötigen, austreiben' = lat excutere : pone ys 
se syxta heafod-leahtor geciveden sleacnes . . . pis is sc leahtor, 
Pe swiäost munecas ut-amjü of hyra mynstrum on worulde 
7 hie utäwyrpÖ of hira resullican drohtunse on leahtra 
seaÖas. Of pcere hyÖ acenned slajjohies 7 sleacnes sodes 
weorces 7 unstadolfcestnes stotve 7 woruns of stoive to stowe 7 
miircnuns 7 idele spra'ca 7 oÖere mane^a yfelo. Verc. fol. lila 
(Hom. XX) ^= Ps.-Alcuin, De virtutihus et vitiis e.32: Äcedia 
est pestis. . . . Haec est, quae maxime monachos excutit de 
cella in saeculum et de regulari conversatione eiicit eos in 
ahrupta vitiorum, . . . De qua nascitur somnolentia, pigritia 
operis honi, instaUlitas loci, pervayatio de loco in locum, 
tepiditas Idborandi, taedium cordis, murmuratio et inaniloquia. 

ntieömian 'ausatmen; Atem herausströmen lassen ' = lat. erwdare, 
Vere. fol. 82 b (Hom. XV, s. oben S. 122 Z. 8). 

ütäwyrttrumian 'entwurzeln, mit der Wurzel ausreifsen': Of 
dam Dryhtnes esesan us wiorÖaÖ acenned hiortan onb{r)yrd- 
nes; of Öcere onh{r)yrdnesse eaömodnes hid acenned; of Öoere 
ead-modnesse licumlice lustas 7 ealle uncysta wiord{ad) 
utaivyrtrumade. Verc. fol. 75a (Hom. XII). 

Studien z. engl. Phil. L. 12 



178 

ütfeolan 'binausgelangen': Kces me ncefre gyt in ^üm [d.i. im 
Körper] iedc to icunianne niliies fijrst ne dce^es fyrst; ne 
iedlice noes ic ane nihtes fyrst ne dce^es on Mm, ßcer ic wiste, 
hu ic utfulse. Vere. fol. 22 a (Hom. IV). 

welöig (Hs. ^velc^i, wceleöi) 'reich' s. Archiv CXXVIII, 299 
Anm. 2. 

wjestuifjest 'fruchtbar' = Isit. fecundus, s. Archiv CXXII, 247 
Anm. 4. 

weden (d. i. ws. tvcuden 0. E. Gl. VII, 372 und VIII, 374 zu wäd 
'Waid') 'waidfarben, bläulich' erscheint im Neunkräutersegen 
Z.49 und 51 (Grein -Wülker I S.323). Zur Sache vgl. Lieber- 
mann, Ges. d. Ags. II 2, S. 728. 

weler 'Mundbissen', s. S. 151 unter lerian. 

wel-geweiide 'gut ausfallend' (vgl. ae. gewendan 'sich wenden') 
erscheint in dem Donnerbuch Vesp. D. XIV fol. 103 b (ed. 
Assmann, Anglia X, 185) : On Januarius monde gijf hit punreö, 
hit loded toiveard mpcele windes 7 ivel-gewmnde eoröe-wcestme 
7 geflit = lat. Gg. 1.1 fol. 394 b (von 1400): Mense Januarii 
si tonitrus sonuerit, ventos validos, ahundantiam frugum et 
bellum in eodem anno significat. 

wellician 'wohl gefallen' = lat. complacere: Fall Jnn yfel, pe 
da aworhtest, ä hie ])e welUcodon [so die Hs.], Verc. fol. 21b 
(Hom. IV) und: Pis is min se leofa sunu, in pam me welli- 
cade, Verc. fol. 88 b (Hom. XVI) = Mark. 1,11: Tu es filius 
meus dilectus, m te complacui. 

weorc-wyröe 'fronpflichtig', s. den Beleg oben unter faldhryper. 

weorpu (angl.) 'Würde', 9,. Archiv CXXII, 250 Anm. 7. 

wilde-swln 'Wildschwein', s. Archiv CXXIX, 44 Anm. 13. 

witelic 'reich an Strafe, (Beschwerlichkeit)': Se hunser pone 
lichoman sona acwelled 7 alyseÖ of dam ivitelica{n) life. 
Verc. fol. 58b (Hom. VII). 

wijjpilisian (mit unbetontem Präfix) 'fürsprechen, vermitteln': 
We ponne, men pa leofestan, ive ^ehyrdon oft secgan he dam 
ceöelan tocyme usses Dryhtnes 7 hu htm man in da woruld 
ivid-pinsian [Bückling -Hom. 105 ^ und Wulfstan ed. Napier 
250'" lesen nur pin^ian^ on^an. Verc. 65 b (Hom. X). 

Tföd-heortnes 'Raserei': J^emunap eac, hu pa forwwdoti, pe 
mid ivod-hcortnessc willan to wcepned-mannum hcemed 



179 

sohton, 7 callra Bahilone 7 E^ypta cyninga. Verc. fol. 57b 

(Hom.VII). 
wönin^ 'Umlierscli weifen, Abschweifen' =; lat. pervagatio, 

Verc. fol. lila (Hom. XX, s. die Stelle oben S. 177 unter 

utanydan). 
wuldorsanj 'herrlicher Sang', Verc. fol. 64^ (Hom. IX, s. oben 

S. 114 Z. 10). 

yrfeiiam.T, 'Erbnehmer, Erbe' weist mir K. Glaeser nach aus 
Vesp. D. XIV fol. 61b: Ac hit ivces swa gewunelic on J)cm 
time, ])iKt vice mjt'nn [fortradiert] scoj)e7i hcora hearnen namen 
cefter heom sijlfen, jKat hit wcere geduht J)ces ])e mare gemy7id 
Jices fceder, Jjci-Jjci se sime wcbs his yrfename 7 ^vcbs for J)y 
gecegd his fceder name, wo Thorpe. Hom. 1,478 ^1 liest: äaöa 
se sunu, his yrfcnuma, ivces geciged . . . Gegenüber dem 
älteren ae. yrfenuma (= ahd. arbinomo ; vgl. got. arlinumja) 
stellt obiges yrfenama eine dem afr. erfnama, mnl. erfname 
(noch nnl. crfgenaam, s. Frauck), mnd. crve-name 'der Erbe' 
entsprechende Umbildung da, welche auch dem me. arrßiame 
(Orm 17744) zugrunde liegt. Für letzteres eine (nicht nach- 
weisbare) altnordische Quelle anzunehmen, wie das Oxforder 
Wörterbuch unter arfname tun möchte, scheint mir danach 
nicht nötig, wenn auch der erste Bestandteil durch an. arfr 
'Erbschaft' beeinflul.st sein mufs. Eine andere Umbildung 
haben wir in dem earfcdneme (lies earfeneme) der Hatton- 
Evangelien Matt. XXI, 38, welches einem mhd. erbenceme 
'der Erbe' entspricht. 

Berichtigungeu. 

S. 48 Z. 14 lies deo (statt deos) und prestitit. 

S. 56 Anm. 1 mufs lauten: die von Biaucliini zitierten Wörter manva, 
Babilonia und Cananea finden sich in der Verc.-Hs. auf fol. 811» (s. oben 
S. 1 18 Z. 24 und S. 120 Z. 7-8). 

S. 62 Z. 17: der 2. Teil von Kembles Codex Vercellensis tiTSchien ISöt) 
(nicht 184(3). 

S. 155: Streiche in Anm. 5 die Bemerkung von Liebermaun und lies 
'zwölfthalb' in Anm. 3. 

Das S. 22 erwähnte Faksimile der ganzen Vcrcelli-Hs. erscheint 1913 
bei Danesi, Via dei Bagni, Roma. 



12* 



Der Feuertod als Strafe in der 
altfrz. erzählenden Dichtung. 



Von 



Wendelin Fo erster. 



i : 



Bei meinen Ivainstudicn beschäftigte mich n. a. vielfach 
die Verurteilung der armen Lunete zum Scheiterhaufen und 
wenn auch die Tatsache, dafs der Dichter sich diesen Zug 
aus dem Tristan geholt hat, sieher war, so versuchte ich doch, 
ob nicht durch Aveiteres Nachgehen derselbe irgend für meinen 
Gegenstand nutzbar gemacht werden könnte. „Ich erinnerte 
mich — so sehrieb ich 1902 im kl. Iv.^ S. X — dann des 
Feuertodes, mit dem die geschäftige Zofe unserer Heldin für 
Felonie (also gerade so wie Isolde wegen Ehebruch) gestraft 
werden soll, eine Strafe, für die ich in der damaligen Zeit 
vergeblich nach einem Beispiel gesucht habe. Keine Chronik, 
kein Rechtsbueh kennt m. W. etwas ähnliches. Selbst Fach- 
gelehrte, auch der selten im Stich lassende G. Baist wuIsten 
nichts beizubringen. Der Feuertod steht das eine oder andere 
Mal auf Zauberei und Giftmischerei, wird später eine fast 
nationale Institution für Ketzerei — aber für Felonie und 
Ehebruch findet sich m. W. kein Beispiel. Der Dichter ist 
aber an kein Gesetzbuch gebunden; so meint denn Baist: 
«Das poetische Strafrecht bevorzugt mit der Miene der Selbst- 
verständlichkeit die phantastischsten Strafen, das Vierteln im 
Roland, das genagelte Fafs in unseren Volksmärchen usw. 
Ausgangspunkt der Vorstellung ist neben der Legende gewifs 
auch der Leichenbrand (in Sachsen und England im 8. Jahr- 
hundert, im Norden noch erheblich länger üblich), denn wir 
müssen bei ihrer besonderen Häufigkeit im Altfranzösischen 
auch nach besonderen Ursachen fragen >." Die 3. Auflage (1906) 
gibt die Stelle genau wieder, streicht nur den letzten Satz. 

Die Frage, ob der Feuertod, zu dem Isolde und Tristan 
wegen Ehebruchs verurteilt werden, keltischen Ursprungs ist, 
stellt sich hier von selbst ein, ist zwar als solche allein m. W. 
noch nicht behandelt worden, doch hat J. Bödier (Tristan II, 



182 

130 — 167) die Frage naeli der (insularen) Keltizität i) der 
einzelnen Züge des Tristanromaus sehr eingehend und erfolgreich 
behandelt und zwar in ablehnendem Sinne. Dagegen polemi- 
siert J. Loth (Rev. eelt. 30 [1909] 270 ff.), greift aber nur einen 
einzigen Punkt seiner Aufstellungen an, nämlich dafs die Ehe 
der Kelten sehr lose war und Ehevergehen durch materielle 
Leistungen geregelt wurden, indem er aus den Gesetzbüchern 
einzelne Züge der Kulturgeschichte anführt, die für eine strengere 
Auffassung sprechen. Wenn er aber S. 278 behauptet, c'ctait 
hien Vliahitude chez les anciens Irlandais de hrüler la fcmme 
aäulüre, so ist das, gar bei dem völligen Schweigen der Gesetz- 
bücher, ein gar zu gcAvagter Schlufs, wenn man bedenkt, dafs 
die ganze keltische Literatur nach H. d'Arbois de Jubainville, 
Cours de Litt6'ature celtique, VIT, 242 nur zwei Fälle da- 
für anführen kann. So erscheint auch der Schlufs S. 277 : 
Quant au cluUiment au cas oh il n'y a pas compensation, et 
Voffense peut la refuser, nul doute quo ce n'ait cte le feu mehr 
als unsicher. Die kontinentalen Kelten, die Gallier, sind uns 
zu wenig bekannt, als dafs man hieraus irgendwelche Schlüsse 
ziehen könnte. Cäsar, Bell. gall. 6, 19, erzählt, dafs bei ihnen 
des Gattenmords verdächtige Frauen verbrannt wurden; sonst 
kennt er den Feuertod noch als Strafe für Hochverrat 1, 4, am 
gefangenen Feind 1, 58. Als militärische Strafe erwähnt in 
Bell. hisp. 20. Die germanischen und englischen Gesetze kennen 
nichts ähnliches, ebensowenig die Skandinavier. Man wird 
also mit Notwendigkeit auf die Römer selbst geführt, bei denen 
die vivicrematio eine der ältesten, schon in den ersten Zeiten 
der Republik vorkommenden Strafen ist, s, Th. Mommsen, Rom. 
Strafrecht 923. Nach Digest. 48, 19, 1. 8, § 2 und 1. 28, § 11 
werden so Sklaven, kleine Leute, ferner Brandstifter bestraft, 
später dieselbe Strafe gegen standhafte Christen (frz. Eulalia) 
angewandt, usf. 

Ich hatte vor längerer Zeit für diesen Stoff zu sammeln 
angefangen und habe auch einiges teils selbst, teils durch 
freundliche Mitteilungen anderer zusammengebracht; aber im 
Verhältnis zum weitschichtigen Gegenstand selbst ist es so 



1) Vgl. kl. CHges^ S. XLIX Anm. 1. 



183 

gering, dafs ich die Arbeit andern überlasse, die der dankbare 
Stoff hoffentlich anziehen wird, i) 



') Bei dieser Gelegenheit möchte ich, ohne auf die einschlägige 
Literatur der französischen Gesetzbücher einzugehen, auf eine vortreffliche 
deutsche Monographie anfmerksani machen, die, wie es scheint, den 
Romanisten entgangen ist. Es ist die von den Juristen gut eingeschätzte 
Arbeit von A. Coulin, Der gerichtliche Zweikampf im altfranz. Prozefs I 
(1906), der S. 148(10) für Jläuncr den Feuertod anführt als Strafe für 
Brandstiftung nach Livre des Droiz et des commandements d'office de 
justice, ed. Beautemps-Beauprc (Paris 1865) S. 823, S. 150 (1), für Frauen bei 
Verbrechen der hohen Gerichtsbarkeit nach Coustumes d'Anjou et du 
Maine 1366 (in Cout. et Instit. de l'Anjou et du Maine, J. Beautemps- 
Beauprc I« partie, T. 2 (Paris 1S79), A. Canel, n. 111 : Combat judiciaire en 
Normandie, Caen 1858. Livre des Droiz 347 (s. oben), endlich P. Violet, 
Etablissement de S. Louis I, 244, Cout. de Tonraine und das Livre de 
Justice et de Plet. — S. 107 kommt Coulin im Lauf seiner Darstellung 
aller Formalitäten des damaligen gerichtlichen Zweikampfes auch auf den 
Zweikampf Thieri- Gaueion im Oxforder Ilolandslied zu sprechen. Ich 
erwähne es hier, weil es den Rolandforschern bis jetzt unbekannt geblieben 
ist. Die Stelle lautet also: „Die ursprünglichen, allen Ständen gemein- 
samen KampfwatTen [zu Fufs] sind Stock und Schild ; noch in der Karolinger- 
zeit kannten die Franken keine anderen Waffen als fustis et scutum [zu 
jeder Feststellung geben die Fufsnoten jedesmal die urkundlichen Belege, 
die ich hier unterdrücke], während nach Ermoldus Nigellus in jener Zeit 
schon zwei comites gotici auf Grund des Personalitätsprinzips (so !) zu 
Pferd mit hasta und mncro kämpften. Diese Quelle betont aber ausdrück- 
lich, dafs diese Kampfesart den Frauken fremd war. In einer Urkunde 
für Carcasson vom Jahre l'i70 kämpft noch der caballarius beim gericht- 
lichen Kampf mit scuUim und basto; dagegen findet sich in dem um 1090 
entstandenen Chanson de Roland schon der Kampf zu Pferd für den 
ritterlichen Zweikampf. In manchen Rechtsaltertümern bleiben aber Stock 
und Schild noch bis ins 13. Jalirhuudert die übliche Bewaffnung für alle 
Stände, so insbesondere in der Normandie, wo der Kampf zu Pferd erst 
nach der Vereinigung mit Frankreich Eingang fand. Um 1300 ist jedoch 
auch in der Normandie der ritterliche Kampf stets ein Kampf zu Pferde. 
Trotzdem sprechen die Quellen in späterer Zeit, wo der Kampf zu Pferd 
für den Ritter zur Regel geworden war, noch immer von einem Kampf 
mit Stock und Schild, so sehr hatte sich dieser Ausdruck zur Bezeichnung 
des gerichtlichen Zweikampfes eingebürgert." Ich drucke diese Stelle hier 
vollständig ab, ihrer Wichtigkeit wegen, da wenig Aussicht vorhanden ist, 
dafs sie, nachdem sie sechs Jahre den Romanisten entgangen ist, in der 
Zukunft noch von irgend jemand entdeckt werden könnte. Durch die dort 
mitgeteilten Tatsachen ist sicher, dafs der Schlufsteil des Oxforder Rolands 
weder im Frankengebiet noch in der Normandie verfafst sein 
kann, da zu jener Zeit (11. Jahrh.) diese Art des Zweikampfes dort ganz 



184 

Wober stammt also der Feuertod im Tristan? Bei den 
Germanen,^) Augelsaebsen und Skandinaviern kommt der Feuer- 
tod ebensowenig vor, aucb nicbt in der engliscbeu Literatur. 
Er wird also dort desselben Ursprungs sein, wie in der kon- 
tinentalen Literatur, und auf diese und indirekt die Römer 
und die späteren Märtyrer zurückgeben. Der Urtristan, den wir 
beute erscbliefsen können, ist in Cornwall und Irland lokalisiert 
und spielt naeb der Bretagne binüber und auf diese fübren aucb 
Namensformen und anderes, wie denn aucb Berol Festländer 
ist und selbst Tbomas, der in England scbreibt, nacb den Reimen 
dortbin geboren könnte. 

L In der altfranzösiseben erzäblenden Dicbtung kommt 
die Feuertodstrafe, aufser im Tristan und Ivain, öfter vor. Ich 
ordne die Fälle, soweit dies tiberbaupt möglieb ist, in cbrono- 
logiscber Reibenfolge. 

Da ist zunächst Orson von Beauvais anzuführen. Der 
Verräter Hugo will Aeeline, die sich ihm verweigert, verbrennen 
lassen. 2022 Ardoir voiidra la dame au gent cort signori. 
2050 aufserbalb Beauvais fit Hugues fare un feu d'aubepines 
jioinnans. Mener i fait la dame qui out le euer dolant, Et 
jure Damedeu . . Qu'ü la fera ardoir . . Quant de li n'avcra 
son hon ne son talant . . . Man scbleppt sie zum Scheiterhaufen, 
sie fleht nur noch um Aufschub für ein Stofsgebet. Da kommt 
dann Doon mit den Seinigen und befreit sie. 

Ich fübre jetzt zwei Texte an, die zwar dem späten 13. Jahr- 
hundert angeboren, aber Überarbeitungen älterer, noch dem 
12. Jahrhundert angehörender Chansons de Geste sind, Berta 
mit den grolsen Füfsen von Adenet und Macaire. In der 



nnbekannt war. Es bliebe dann nur noch der Südosten und Süden übrig. 
Vgl. G. Baist, Zs. 10,508. Auf die Entscheidung der Frage nach der 
Heimat des Rolandliedes hat dieser Umstand freilich keinen Einflnfs, da, 
soviel mich seinerzeit eine eingehende Untersuchung gelehrt hat, jener 
Schlufsteil ein späterer Zusatz eines fremden Verfassers sein dürfte. 

') J.Grimm, Deutsche Rechtsaltertümer 3. A. S. 699 (Lex. Visig.), 
4. A. 11,41 (Greg. Tur.). Es wird dabei Eracle 4u95 zitiert: es kann 
dies nur Eraclius (Mafsmann) S. 306^ 4104 gemeint sein, wo l'ardee ein 
Fehler für lardee (von larder) ist. — H. Brunner, Deutsche Rechts-Gesch. 
P. 246, 11,601; R. Schröder, D. R.-G. S.A. S. 40. 78. 349. 676. 778. 781.; 
V. Amira, Grundr. z. g. Ph.^ und Abh. Münch. Ak. 1911. 



i 



185 

Berta hat die alte Margiste durch List ihre eigeue Tochter 
Aliste an Bertas, der Gemahlin Pipins, Stelle das Beilager 
teilen lassen und Berta des versuchten Mordes an Pipins ver- 
meintlicher Gattin überwiesen, worauf Pipin 476 (Seheier) be- 
stimmt: Vo ßlle (Berta) sera arse . . Als die Wahrheit offen- 
kundig geworden, verurteilt Pipin die Alte zum Scheiterhaufen 
2202 Car tu en seras arse. Die Alte bekennt ihre Schuld, 2266 
A anloir fu jugic. Dies geschieht 2293 ff. 

Im Macaire (über eine blolse Anspielung darin s. w. u. 
unter II) weist die Königin Blancheflor ebenso die Anträge 
Maeaires ab, der Rache plant S. 20 (Guessard): JDe la raine 
prenderese mo venrament. Arsa seroit a li fois ardanf, S. 26 ad 
albe espine il (der König) la fera hrusler. Der Anschlag mit 
dem Zwerg gelingt, die Königin soll verbrannt werden S. 46. 
Li rois coniande a li ses camerlant Qe cela dame iroa davant, 
de noir soia vestue e hindea ensemant Si como ferne qi vait a 
tormant. Desor la plage de li pales davant Fo aporte legne, 
espine qe pongant. Inluminer li fait on gran fogo ardant. 
Durch Naimes Hinweis auf ihre Schwangerschaft verbannt sie 
der König und übergibt sie Aubri, um sie ins Ausland zu 
bringen. Aubri wird ermordet, während die Königin entkommt, 
und später durch seinen Hund gerächt. Der besiegte Macaire 
wird dann gehängt und endlich verbrannt S. 92. 

Es folgt Parise la Duchesse, die S. 9 angeklagt wird, 
den Bovon vergiftet zu haben. Der Verräter Milon, der sie 
verteidigt, läfst sich im gerichtlichen Zweikampf besiegen, 
worauf sie zum Feuertode verurteilt wird: S. 19 Li dus a 
comande sa moillier a Her, il dit qiCil la feroit ardoir o es- 
corchier. S. 21 will sie vorher noch ihre Beichte ablegen, die 
ein schurkischer Bischof abnimmt, der dann schreit: Sire dus 
de s. Gile, ceste putain hardez! Ele a mort vostre frere . . . 
Certes, en sa confesse le m'a dit et conte. Zum Glück wirft 
sich der brave clerc Guillamne de Losanne zu ihrem Verteidiger 
auf und verlangt zuerst die Bestrafung des Bischofs: (S. 21) 
Vers le feii Vtn trainent, cns le vorent geter, Far davers lo 
visage le fönt el feu voler. Tant i fu li cuverz qiie il fu en- 
brasez; worauf die Königin zur Verbannung begnadigt wird. 

Zwei Dichtungen behandeln das gleiche Motiv, die Bestrafung 
der jugendlichen bösen Stiefmutter, die sich an ihrem Stief- 



186 

söhn, der ihre Liebe verschmäht hat. rächen will, Dolopathos 
und die Siebenweisen. Im Dolopathos verurteilt der 
Gerichtshof den Stiefsohn zum Feuertod S. 158 und 161 : La 
lois et li decres devise Q'en feu sott ars li hom ki fet Tel le- 
cherie et iel forfet. S. 348 wiederholt sich die Szene, die Stief- 
mutter besteht auf dem Verbrennen des Sohnes, wozu der 
König- wieder bereit ist, was durch Virgils Dazwisehenkunft 
verhindert wird. Dieser überführt die Stiefmutter, die nun 
S. 382 selbst verbrannt wird: Li jugeor tot erranmant Dissent 
Icelle c'estoit jiigie. Maintenant fut el feu lande Et ses xmcelles 
i lancierent. 

Ahnlich in den Siebenweisen (Keller) S. 195. Der Sohn 
erzählt seinem Vater: Cuidiies vos, s'en haut montaisse, Pere, 
que jou vos vergondaisse ? Certes, ains me laissasse xiendre, Et 
ardoir en feu et en cendre, C^avoec ma dame (Stiefmutter) ine 
coucaisse; die Königin gesteht ihre Schuld; Or avrois vos le 
jugement Que li 7niens fds devoit avoir; Car vostre cors ferai 
ardoir . . . Ales, harons! si me Vardes! was sofort geschieht 
(vgl. Rom. Rev. 1912, V. 1994. 2020). 

Sehr anziehend ist das Motiv im Veilchenroman, weil 
hier die ganze Scheiterhaufenepisode aus dem Ivain geschickt 
verwendet wird und zwar nicht allein dieses Motiv selbst in 
ganz gleicher Ausführung, sondern auch die ganze Vorgeschichte 
(vgl. S. 226 ff. der F. Michelschen Ausgabe = Iv. 4090 ff.). Auch 
hier kommt ebenso ein Riese hruiant an, Qui le pdis vait 
destruiant; Les set (Ivain: sechs 3863, von denen zwei gleich 
getötet werden, so dafs der Riese nur vier mit sich führt) 
fiex le seignor amainne, Qui mout ont trait dure semaine. 
Der Riese hat keine Eisenrüstung, sie war aus einem cuir 
gemacht, Qui fu le inel d'un serpent und kämpft mit einer 
Keule, mache, machue und iincl genannt, usf. Die Geretteten 
wollen ihren Retter zurückhalten, aber er kann nicht bleiben; 
Que jou ai un afaire empris, Dont je seroie mout repris, Se le 
metoie en noncaloir (= Iv. 3997, 4157 u. 4268). Euriaut soll 
wegen Mordes durch ein jugement verurteilt werden: Hui en 
doit on le jugement rendre, si sera tourmentee, Arse ert et la 
2)ourre ventee. Da kommt ihr Mann dazu und sieht schon 
alume un grant feu. Euriaut amenee avoient, Que en cel fu 
ardoir devoient. Desor un drap Vavoient mise trestote nue en 



187 

sa cliemise . . . Ele faisoit ja s'orison Et rcclamoit cn sa raison 
Dkl Jhcsu Christ mout hautement. Der Held tritt als ihr 
Kämpe auf und wird als solcher zugelassen: ihm tritt Melatir 
(= Senesehall im Ivain; dessen zwei Kampfgenossen hat der Vf. 
als eine zu starke Übertreibung weggelassen)') entgegen. — 
Der einzige Unterschied besteht darin, dafs der besiegte Melatir 
nicht dieselbe Strafe, also Feuer, erduldet, wie die falsch 
Angeklagte (Iv. 4570), sondern gevierteilt und gehenkt wird, 
wohl weil die Feuerstrafe nur bei Frauen angewandt wurde. 
In der Mauekine (Suchier) verurteit der König seine 
eigene Tochter Joie, weil sie ihn nicht heiraten will, zum 
Feuertod (S. 28) und befiehlt dem Senesehall, Qu' au tierchjour 
saus nul contredit Arde sa fille ens en un re . . Et se nel 
faites a estrous, Sacies, je le ferai de voiis. Voller Mitleid 
läfst dieser zwar den Scheiterhaufen anzünden, das Opfer aber 
setzt er heimlich in einem Nachen in das Meer aus. 

Endlich soll in dem von G. Gröber ungemein hart beurteilten 
anziehenden Schwanenritter (Hippeau) die Königin auf Be- 
treiben der bösen Matabrune wegen Sodomie verbrannt Averden: 
(I, S. 32) Les espines atraient et Vestrain environ. Matahrune, 
la vielle, . . Li a Jos mains loiies ausi com un larron, s. auch 
S. 35, als Elyas plötzlich für sie auftritt. Matabrune wird zur 
Strafe für ihre Ränke dann selbst zum Feuer verurteilt und 
verbrannt: S. 86—89. 

Im Thebanerkrieg 10146 befiehlt man nach Einnahme 
der Stadt alle, die sich nicht ergeben, a prendre Et ... a 
desmemhrer, En foii ardoir o afoler. Im Athis A 2055 hätte 
man die Mörder feist ardoir ou patidre, wenn man sie gefafst 
hätte, und 2100 wird ein vermeintlicher Mörder dazu verurteilt. 
Im Karrenroman bedroht der König die Mörder Lancelots del 
pandre Ou de Vardoir ou del noiier 4167. In einer Perceval- 
fortsetzung sollen zwei ptuceles verbrannt werden, ohne dafs 
wir den Grund erfahren 42241 f. Im Maugis d'Aigremont 



^) Dies ist wichtig für die methodische Behandlung von Fällen, wo 
eine Redaktion irgendein Motiv einer anderen Fassung übertrieben dar- 
stellt und man deshalb diesen Fall für sekandär, den einfacheren für ur- 
sprünglich hält. Unser Fall lehrt, dafs so ein Schlufs durchaus nicht 
zwingend ist. 



188 

bedroht Renaiit den gefaugenen Richard mit ardoir et encroer 
au vent (s. Castets, S. 405). Im Robert der Teufel verfolgt 
ein Verräter die Witwe, faire la vout ardoir par mortel träison 
(Festband Tobler S. 505). In der Chanson d'Esclarmonde, 
der Turiner Fortsetzung des Hugo von Bordeaux (hg. H. Schäffer, 
A. u. A. N. 90) bedroht Escorffaulx den jungen Hulin S. 60: 
Fd traytre inurdrier, Qni vous a delivre mon escu de cartier 
Et mon riche heaiime et mon riche destrier? Ce fist ma faulse 
niepce qui le vous vault haillier; Mais je feray son corps 
ardoir et assiller . . . 

Hierher gehören auch Floire und Blancheflor I, 2504, vgl. 
II, 2076, ferner Cleomades und Doon von Mainz, die A. Schultz 
II, 137 bereits herangezogen hat. 

Der Vollständigkeit halber nenne ich noch A. Junge, 
Gerichtsbeamte (Diss. Gott. 1906), der aus den Miracles N. D. 
noch anführt für Mörder IV, 207, V, 18, für Widersetzlichkeit 
II, 322. 

II. Aufser diesen Fällen findet sich der Feuertod gelegent- 
lich in vielen Gedichten in der Weise erwähnt, dafs jemand 
lieber sich verbrennen liefse, als dafs er etwas täte, was er 
verabscheut, also in feststehenden Redensarten, wie deren in 
demselben Sinne es mehrere gibt: lieber gehenkt, gepfählt 
w^erden, lieber ein Auge verlieren usf. 

In dieser Verwendung finden wir es z. B. Athis 6789, ebenso 
im Wilhelm von England 1205, Perc. Forts. 21525, Hervis 
von Metz 1880, Placidas 1039, Siebenweisen S. 195, Macaire 
S. 8. 10. 

Eine systematische Durchmusterung der einschlägigen Texte 
wird für II wohl noch viele andere Belege ergeben, aber wohl 
nur wenige neue Fälle für I. 

Wenn wir die einzelnen Fälle von I durchgehen, so finden 
wir, dafs aulser Theben, Athis, Karre, Maugis, wo die Strafe 
Mördern, ferner Gefangenen gilt, und Macaire, wo ein Bischof 
verbrannt wird, und Dolopathos der Königssohu wegen ver- 
meintlichem Inzest, nur Frauen damit bedroht werden, und 
zwar wegen geplantem Inzest Dolopathos und Siebenweisen, 
wegen Ehebruch Tristan und Macaire, wegen Sodomie Dolo- 
pathos und Schwanenritter, wegen Giftmord Parise, wegen 



1 



189 

grobem Betrug Berta und Maeaire, wegen verweigertem Leib 
Orson, Mnnekine und Maeaire, wegen Felonie Ivaiii und 
Veilchen. Dieselbe Strafe, die jemand für Unschuldige l)e- 
treibt, erfährt er selbst in Berta, Parise, Dolopathos und 
Siebenweisen. Erwähnt sei noch das Motiv, dafs ein un- 
schuldiges Opfer eben verbrannt werden soll, als ein Retter 
erscheint: Parise, Ivain und Veilchen, Schwanenritter und 
Dolopathos. 



I 



Das altenslisclie Reimlied. 



Von 



F. Holthausen. 



Inhalt. 



Peite 



Einleitung 191 

Hergestellter Text 192 

Übersetzung 193 

Anmerkungen 198 



H i 



Einleitung. 



Das in der Hs. Cod. Exon. fol. 94 f. erhaltene 'Reinilied' 
wurde zuerst gedruckt i) von Conybeare in seinen Illustrations 
of Anglo-Saxon Foeiry, London 1826, p. XVIlIff., dann von 
GuEST, A Uistorg of English lihijthms, London 1838 (Neu- 
bearbeitung von W. Skeat,2) London 1882, p. 388 ff.), von 
Thorpe, Codex Exon., London 1842, p. 352 ff., von Ettmüller, 
Engla and Seaxnu scopas and höceras, Quedlinburg uud 
Leipzig 1850, S. 220 ff., von Grein, Bibl. d. ags. Poesie, 2. Bd., 
Göttingen 1858, S. 137ff., von Wüi.ker in der Neubearbeitung, 
3. Bd., Leipzig 1897, S. 156ff., zuletzt von Kluge, Ang eis. Lese- 
buch, 3. Aufl. Halle 1902, S. 150 ff. Während Conybeare und 
Thorpe es fast unverändert abdruckten, steuerte Ettmüller 
schon eine Anzahl guter Besserungen bei, die dann Grein noch 
erheblich vermehrte. Neuerdings hat sich besonders Sievers 
durch seine Bemerkungen in Paul u. Braunes Beitr. IX, 235 
Aum, und XI, 345ff. um das Verständnis des Gedichtes verdient 
gemacht, ich selbst habe kleine Nachlesen geliefert im Beiblatt 
zur Anglia XX, 313 f und XXI, 12 f. 155 f. 

Eine, wenn auch sehr mangelhafte, englische Übersetzung 
des Liedes gab schon Conybeare neben dem Urtext, besser 
ist die — allerdings lückenhafte — von Thorpe S. 523 ff. Im 
Jahre 1865 veröffentliche dann Grein in Pfeiffers Germania 
X, 306 f. eine wörtliche lateinische Wiedergabe, die ebenso wie 
sein kritischer Text einen erheblichen Fortschritt gegenüber 
seinen Vorgängern bedeutet; infolgedessen gibt auch Skeats 



^) Vgl. die Literaturangaben in Wülkers Grundrifs S. 215 f, und 515; 
Brandl, Pauls Grundr.« II, lOSOf. 

*) Ich verdanke meine Kenntnis dieses Buches zwei Schülern von 
Dr. Spies, die für mich eine Kollation des Textes sowie eine Abschrift 
der Übersetzung und der Anmerkungen anzufertigen die Freundlichkeit 
hatten. 



192 

Revision von Guests englischer Übersetzung a. a. 0. im ganzen 
das Original richtig wieder, wenn auch mehrere Stellen falsch 
aufgefafst oder als gar zu dunkel einfach unübersetzt ge- 
blieben sind. 

Mit der Metrik und lleimkunst des Gedichtes beschäftigten 
sich Guest a. a. 0., dann Rieger, Zeitschr. f. Deutsche Phil. 
IV, 321 f. und Kluge, Beitr. IX,440ff. 450. 

Wie aus den Reimen und manchen stehengebliebenen 
Formen hervorgeht, war das Reimlied in anglischer Mundart 
verfafst; jedoch hat der Text durch teilweise Übertragung ins 
Westsächsische seinen ursprünglichen Charakter zum grölsten 
Teile verloren. Die alte Verbalendung -iö, die noch in den 
Versen 52 f. erhalten ist, weist nach Sievers, Beitr. XI, 352 in 
die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts als Entstehungszeit des 
Gedichtes (vgl. auch Anglia XIII, 13f); als Vorbild nimmt 



Hergestellter Text. 

Me llfes onläh, se I>i8 leht onwräh 

oud J>set torhte getäh tillice onwräh. 

Gla;d wses ic gk'owum, glenged weowum 

blissa bleo[w]um, blöstma heowum. 
5 Seegas mec segon, symbel ne älegon, 

fehgefe gefegon; fr^etwe wegow 

wic[gj ofer wongum wr^nan gongum 

lisse mid longum leoma ge/wngum. 

pä wses wsestwi äwceht, [ofer] wor[o]ld onspreht, 
10 under roderum ärceht, redmsegene oferj'CBht. 

Gestas gengdon, gersc/pe mengdon, 

lisse lengdon, lustum gleugdon. 

ScrT^en[d]scräd gläd |?urh gescäd in bräd: 

wses on lagustreame lad, per me[c] leopu ne bigläd. 

15 Hsefde ic heanne häd: ne wa3S me in halle gäd, 

}?ajt l^er röf weor[o]d räd. Oft ^ex rinc gebäd 



1 leoht 2 getah Gr.] geteoh 3 gleowum Si.] gliwum || uiowum 
G., neowum Si.] hiwum 4 bleowum Si. || heowum Si.] hiwum C feoh- 
giefe E] feorhglfe || frsetwa E.] frsetwed || waegou 6r.] wsegum 7 wieg 



193 

Kluge, Beitr. IX, 450 wohl richtig die lateinische Ilymnen- 
diehtung' an. 

Ich habe nun versucht, das Gedicht mit Beseitigung der 
zahlreichen, oft geradezu grotesken Textverderbnisse in ang- 
liseher (wenn auch nicht der ältesten) Form herzustellen und 
füge die erste deutsche Übersetzung bei, die ebenso sehr wört- 
lich wie verständlich sein soll. Vielleicht gelingt es jetzt, wo 
die meisten Schwierigkeiten beseitigt sind, dem einen oder 
andern Fachgenossen, noch diese oder jene Stelle des schwierigen 
Textes durch eine glückliche Konjektur oder Erklärung auf- 
zuhellen. — Die Namen der Gelehrten, die Textbesserungeu ge- 
liefert haben, sind folgendermafsen abgekürzt: C. = Conybeare, 
JE. = EttmUller, G. = Grein, K. = Kluge, B. = Rieger, 
Si. = Sievers, Sic. = Skeat, lli. = Thorpe. Unbezeichnete 
Konjekturen rühren von mir selbst her. 



Übersetzung-. 



Mir verlieh das Leben, der dieses Licht enthüllte 
und die herrliche Lehre trefflich enthüllte. 
Froh war ich durch Unterhaltungen, geschmückt mit neuen 
Farben der Freuden, mit der Blumen Schönheit. 
Männer besuchten mich, — Mahlzeiten hörten nicht auf — 5 
freuten sieh der Schatzspeude; Schmuck trugen 
Rosse über den Wangen stolzen Ganges 
freudig mit langen Gliederbehängen. 
Da war Gedeihen erweckt, über die Welt erblüht, 
unter dem Himmel erhöht, durch starken Rat gedeckt. 10 

Gäste gingen ein und aus, mischten Scherze ein, 
verlängerten das Vergnügen, schmückten sich mit Lust. 
Das fahrende Schiif glitt durch die Entfernung ins Weite: 
es war auf dem Wasser ein Weg, wo mir die Führung nicht 

[entglitt. 
Ich hatte hohen Rang: nicht war mir in der Halle Mangel, 15 
dafs da eine berühmte Schar ritt. Oft erwartete da ein Manu, 



Gr. II wFcenan Si.] wennan 8 gehougnm Si.] getongum 9 wsestmum 
aweaht || ofer Si. lu arealit || peabt 11 giestas || scype 13 scrifen 
14 ]?8er 15 healle 16 pser || weorud E. 

Studieu z. engl. Phil. L. 13 



194 

l'a^t he in sele scgc sincgewege, 
J^egnuiii gepege. pendeu wjüs ic wege, 
horsee mec lieredoD, bilde generedoo, 
20 fa3gre feredou, hondum beweredou. 

Swä mec bybtgtofu beold, bygedrybt befeokl, 

8ta]:'obBbtum steold, stepegongum weold, 
swelce eorp-e öl; abte ic «Idorstöl, 

galdorwordum göl: gomel sibbe ne okö\, 
25 ac wa^s gef[f]est gcr, gellende sner; 

[geJwuDiendo wer \\i[g]blBd bescier. 

Scalcas weron scearpe, scel weos hearpe: 

binde bljnede, bleoj^or dynede, 

sweglräd swinsade, swij'o ne minsade; 
30 burgsele bifade, berbt blifade, 

eilen ecnade, ead «t?(ecnade, 

fre^num frödade, fr[e]omum gödade, 

möd msegnade, myne fsegnade, 

treow telgade, tlr welgade, 
35 bled blissade, [bleow glissade,] 

gold gearwade, gim bwearfade, 

sine searwade, sib nearwade. 

From ic w^es in frsetwum, freolic in gcetwiim, 

wses min dream drybtlic, drobtoö bybtlic: 
40 foldan ic freoj'ode, folcum ic leol^ode, 

llf wa3S min longe leodum in gemonge 

tirum get^Dge, teala gebenge. — 

Nu mm brel?er is breb, beofsll'um sceb, 
neadbysgum n^b: gewTteö n^btes in ^eh, 
45 se ar in daege wjes Aeor. Scri]?eö nü deop[e] Jjeor, 

brondbord geblöwen, breostum in forgröwen, 



t 



17 ssege || gew?ege 18 ]?ege Si.] pybte || wege Si.} msegen 

20 feondum E.] feondon 21 giefu 1| hyge Sic] hige 22 steold E.] 
steald 23 swylce || ealdor 24 col St.] oll 25 geffest Si. || ger E.] 
gear 2G wer .S'i.] wier || wilbcc 27 scealcas wseron |j scyl 29 swij'e 



l 



195 

dafs er im Saale sähe einen gewichtigen Seliatz, 

den Degen angenehm. Solange ich bedcnitend war, 

priesen mich Kühne, retteten mich durch Kampf, 

führten mich schön, verteidigten mich vor Feinden. 20 

So erhielt mich erfreuende Gabe, eine liebende Schar umringte 

[mich, 
Landgüter besafs ich, stolzen Schrittes herrschte ich 
über alles, was die Erde hervorbrachte; ich hatte den llerrscher- 

[stuhl, 
sang Lieder: alte Freundschaft erkaltete nicht, 
sondern es war ein gesegnetes Jahr, es klang die Saite; 25 

dauernder Friede schnitt Kriegsruhm ab. 
Die Diener waren eifrig, helltönend war die Harfe: 
laut erseholl sie, der Klang brauste, 
Musik rauschte, die Stärke nahm nicht ab; 

der Burgf»aal bebte, ragte glänzend empor, 30 

die Kraft nahm zu, Reichtum entstand, 
ich wurde klug durch Fragen, gedieh durch Vorteil, 
der Sinn kräftigte sich, das Herz wurde froh, 
Treue sprofste, Ruhm war reich, 

Macht erfreute, [Schönheit glänzte], 35 

Gold bereitete ich, der Edelstein wanderte, 
Kostbarkeiten verfertigte ich, die Eintracht wuirde fest. 
Trefflich war ich im Schmuck, stattlich in der Rüstung, 
mein Jubel war herrlich, die Lebensweise angenehm: 
das Land befriedete ich, die Völker führte ich, 40 

mein Leben war lange unter den Leuten 
mit Ruhm verbunden, gut zusammenhängend. — 

Jetzt ist mein Herz betrübt, durch Unglücksfälle zaghaft, 
Drangsalen nahe: es geht des Nachts auf die Flucht, 
der ehedem bei Tage tapfer war. Es dringt nun tief die 45 

[Entzündung, 
der Brand, erblüht, in der Brust eingewachsen, 

30 bifade E.] beofode ]1 beorht 31 ecnade Si.] eacnade |! wsecnade Si., 
weacnade G.] beacnade 32 freaum 33 inyne E.] mine 35 blsed || 
bleo gl. erg. E. 3S iu gsetwam Si.] in iu geatwum 42 getouge || 
gehonge 43 hreh, sceh Si.] hreoh, sceoli 44 nyd || neb, fleb Si.] 
neah, fleah || nibtes 45 deor Th.] dyre |! feor 

13* 



196 



Flab is gebloweu 



50 



55 



60 



65 



70 



flylitiim tofloweu. 

micliim in gemj^nde; mödes gecynde 



gröJteö ungrynde 
bealoffis hyiimeö, 
Wffi'ig winneö, 
sär ne sinni]', 
blM bis bliuniö, 
listum linneö, 



grorn oferpynde, 
bittre tor/)^neö. 
widsTö onginneö, 
sorg Jiine cinniö, 

blisse linnjö, 
lustum ne tinneö. 
Dreamas swa ber gedreosaö, drybtsc/pe gebreosaö, 
iTf ber meu forleosaö, l^ebtras oft geceosaö. 
TreowJ'rag is tö trag, seo untrume genag, 
steapum [stjea^ole misj'äb ond a\ stund ge[b]näg. 
Swä nü wor[o]ld wendef», wyrde sende]? 
ond hetes bencZeö, btelej? [g]escendeö. 
AVe;cyn gewTteö, wa^lgär sllteö, 

flän man bwiteö, 
bald ald ]?wltep, 
wra|? äö smitep, 
searöfearo glldap», 



fläh mäb flite)?, 
borgsorg biteö, 
wra3efa3C vf'iteö, 
syngvyn sldaö, 



gro>-ntorn grtefe]', graäft [eraeft] ncefeiS, 
searohwlt sola]?, sumurhat eölaö, 
foldwela falleö, feondscipe walleö, 
eorömaegen alda]?, eilen eal[d]aö. 
Me J>8et wyrd gewsef ond getvyrM iorgcef, 
l^ffit ic gröfe grsef ond ]'?et grimme scrsaf 
fleon fläsce ne m?eg, j'onne flanhred dseg 

nmdgrapum nimef», J?onne seo uc6'b[t] becymeö, 
seo me «Öles ofonn ond mec ber eardes onconn. 



75 ]>onne licboma ligeö, lim« wyrm Jngep 

ond bim wynne gewigeö ond ]?ä wist gepigeö, 



41) greteö || ofer Si.] efen 50 brinneö Si.] byrneö || rinneö Si.] 
yrneö 51 werig 52 sorg Line] sorgum 53 blsed || linniö E.] linnaö 
55 -scype 56 leahtras 58 steaöole E.] eatole i| eal || gebiiag E. 

60 hendeö G. ] lienteö || hselej? gescendeö G. ] h8ele]:'e scyndeö 

61 wer E.\ wen C2 man E.] mou 03 borh E.] bürg 64 witeöj wri]'aö 






197 

durch Flug verbreitet. Falscbheit ist erblüht 

gar sehr im Geiste; der Natur des Gemütes 

naht uuergründliehcr Sehmerz, den Damm übersteigend, 

brennt zum Tnlioil bereit, ergiefst sich gewaltsam. 50 

Der Ermüdete kämpft, beginnt eine weite Reise, 

der Sehmerz vergeht nicht, Sorge ergreift ihn, 

seine Macht hört auf, an Freude nimmt er ab, 

an Klugheit nimmt er ab. er brennt nicht vor Lust. 

So schwindet hier der Jubel, Herrlichkeit vergeht, 55 

das Leben verlieren hier die Mensehen, oft erwählen sie Laster. 

Treue ist zu träge, Untreue drängend, 

der hohen Stätte ging es übel und die ganze Zeit ist gesunken. 

So wendet sich nun die Welt, sendet Geschicke 

und fafst Hafs, schändet die Männer. 60 

Das ^lännergeschlecht vergeht, der Mordspeer zerreilst, 

hinterlistige Bosheit eifert, Frevel glättet den Pfeil, 

Borgen macht Sorgen, das Alter schneidet die Kühnheit ab, 

die Zeit des Elends macht Vorwürfe, der Böse befleckt den Eid, 

das Sündenelend verbreitet sich, künstliche Fahrzeuge 65 

[entgleiten, 
Kummer gräbt, das Bildwerk hat keine Kunst, 
das glänzend Weil'se wird schmutzig, die Sommerhitze kühlt ab, 
der Reichtum der Erde verfällt, Feindschaft wallt, 
die Stärke der Erde altert, die Kraft erkaltet. 
Mir wob dies das Schicksal und verlieh das Verdienst, to 

dafs ich eine Grube grub und die grimme Höhle 
mit dem Fleische nicht fliehen kann, wenn der pfeilschnelle 

[(Tod) den Tag 
mit gewaltigen Griffen nimmt, wenn die Nacht herankommt, 
die mir den Erbsitz mifsgönnt und mir hier die Wohnung zur 

[Last legt. 
Dann liegt der Leichnam da, die Glieder empfängt der Wurm 75 
und trägt Lust und nimmt die Speise, 



65 syngryn E.] singrynd || sjearo C] stecra |1 glida)? E] glidep 66 grorn 
E.] grom II hafaö G8 fealleö || wealleö 69 ealdap |1 cealdaö E.] colaö 
70 gewyrht G.] gehwyrt 1| gjef Si.] geaf 71 scrief R.] graef 73 nyd || 
neaht E.] neab 74 eöles ij ofonu E.] onfonn || eardes E.] heardes 

75 limu E.] lima || pigeö Gr.] fritej? 76 and G.] ac || wynne G.] wenne || 
gepigeö E.] gej^geft 



198 

o}>]'a3t beop )'a bau [gebrosnad on] an 
ond Jet Dfhstan nau. nefne se neda tän 

h[reöjerbal;iwu;» gehroren: [f'onjne bif> se hlisa adroren. 

SO ^r Ipset eadig gef>enceö, he hine ]>e oftor swenceö, 

b/rgeö bim J^a bitran synue, hoga]> tö piere betran wynne, 

gemon iii[e]or)?a lisse, pBr sindon miltsa blisse 

byhtlice in heofona rice. Uton nü balgum gelTce 

scyldnm biscerede scyndan generede 
85 wommum biwerede, wuldre ge/«erede, 

]^er moncyn möt for meotude röt 
sööne god gese«n ond aa in sibbe gefean! 

77 b erg. G. 7S uyhstan 79 balawun her || gehroren A'.] gehlotene 



Aiiinerkungen. 

V. 3 f. Über die Reime gleoiviim etc. vgl, Sievers. Beitr. 
IX, 235. — 6. frcehve ivegon: vgl. Sievers ib. XI, 345 f. Schon 
Ettmüller fragt: frcetwa cetwcegon? — 9. ofer ivorold: vgl. 
Sievers ib. 346 und meine Bemerkungen Beibl. XX, 313. — 

10. Grein möchte rädnicegene 'mit Reitersehar' lesen. — 

11. Gerscipe stellt Guest fragend zu aisl. gär *a joke, a quiz' 
(nach Fritzner: 'spot, kaadspßg'); geadorscipe, das ich Beibl. 
XX, 313 vorschlug, scheint mir jetzt doch zu unsicher. — 
13. Vgl. Beibl. a. a. 0. — 14. Zu leo])u vgl. Sievers, Beitr. 
XI, 349 (zuV. 40). — 17. sincgeiväge: 'a weight of abundance 
of treasure' richtig Bosworth-Toller, 'weight of silver' Guest- 
Skeat. — 18. Vgl. Sievers ib. IX, 235 und XI, 347; Verf., Beibi. 
XX, 313. Sollte nicht peoden für penden zu sehreiben sein? 
— 21. Über hijgednjht vgl. Sievers, Beitr. XI, 347. — 23 f. Vgl. 



199 

bis die Gebeiue alle zusammen zerfallen sind 

und zuletzt nichts aufser dem Los der Notwendigkeit 

durch Kummer gefallen: dann ist der Ruhm dahin. 

Vorbei- bedenkt dies der Glückliche, er kasteit sieb desto 80 

[öfter, 
rettet sich vor der schweren Sünde, denkt an die bessere 

[Wonne, 
erinnert sich der Slifsigkeit der Belohnungen, wo die Freuden 

[der Erbarmungen 
lieblich sind im Himmelreich. — Lafst uns jetzt den Heiligen 

[gleich, 
von (Sünden) schulden befreit, errettet eilen, 
vor ^lakeln behütet, mit Herrlichkeit geehrt, 85 

(dahin), wo das Menschengeschlecht wegen des Schöpfers froh 
den wahren Gott sehen und immer in Frieden sich freuen darf! 



81 byrgeö 82 meorj'a G. || ]>xt G.] her 84 scerede E.] scyrede 

85 geherede G.\ geuerede 86 paer 87 geseon 



Sievers ib. — 24. Oder 1. gomenscipe, resp. -simhl ? Vgl. Sievers, 
ib. 348; Verf., Beibl. XX, 313. — 25. Vgl. Sievers, Beitr. 
XI, 348 f. — 26. Da es anglisch wiinendo (ohne -i-) heilst, ist 
das Präfix ge- notwendig, tvilhec hatte ich Beibl. XX, 313 zu 
wcelhend gebessert, näher liegt aber ivlghled, da wilbec wohl 
aus tviblec, tv'ihled entstellt sein kann. — 29. sivtpo entspricht 
genau dem got. sicinjjei. — 30. Zu hlfian verweist Sievers, 
Beitr. XI, 349 auf ahd. liba 'das Beben'. — 31. Vgl. Sievers 
a.a.O. — 32. Vgl. Verf., Beibl. XX, 313 f. Über fngn vgl. 
Förster, Engl. Stud. XXXVI, 325 f. — 38. Vgl. Sievers, Beitr. 
IX, 235. — 40. Vgl. id. ib. XI, 349 über Icojjode. — 42. Vgl. 
Sievers a.a.O.; Verf., Beibl. XX, 314. — 43 f. Vgl. Sievers, 
Beitr. XI, 350; Verf., Beibl. XXI, 12. — 45. feor ist wohl aus 
2)eor (vgl. dazu Bosworth-Toller) entstellt, wie scrlfen V. 13 aus 
scrlpeiid oder umgekehrt heaöii aus heafu Beow. 1862. J)eor 
stelle ich zu lat. ob-tUro und türunda. — 48 f. Vgl. Sievcrs, 



200 

Beitr. XL 351. — 50flf. Vgl id. ib. 352 f. — 52. Sieyers möchte 
S. 353 chman als iutrans. zu cennan, etwa in der Bedeutung 
'wachsen' erklären. Da er aber selbst auf Sal. u. Sat.107: 
donne hine forcinnad Öa cirican [1. cyrigan?] getuinnas ver- 
weist, möchte ich dasselbe Verb auch hier annehmend sorgum 
zu sorg hine bessern. — 54. Zu tinnan vgl. Verf., Beibl. XXI, 156. 

— 57. Zu trcoivpräg vgl. Verf. ib. 12. — 58. Grein Übersetzt 
stund Germ. X, 307 fragend mit 'studium', was es aber schwer- 
lich heifsen kann! — 62. Oder ist fläh-mäh als Kompositum 
zu fassen? 7näh kann sowohl Adj. m., wie Subst. n. sein! — 
63b. Grein tibersetzt gewifs richtig: 'audaciam senectus ex- 
cindit'. — 64. Was bedeutet Greins ivriteÖ hier? Sein 'rixa 
(sie!) importat' ist doch höchst unwahrscheinlich! Möglich 
wäre metrisch noch wUted, aber auch dieses Verb pafst schlecht. 

— 65. glidaj) mufs hier wohl so viel wie 'verschwinden' be- 
deuten. — 66. Vgl. Verf., Beiblatt XX, 314 und XXI, 13. — 
67. searohwlt fasse ich als Komposition (vgl. ~ cene, <^ grimm, 
'^ sceled, '^ImncoT). während Grein searo liwU liest, das er 
mit 'armatura Candida' tibersetzt. Zu sölian vgl. Verf., Beibl. 
XXI, 13; das zugehörige Adj. söl ist im Me. belegt. — 71. scrcef 
besserte schon Rieger, Zeitsehr. f. d. Phil. IV, 321, dann auch 
Sievers, Beitr. XI, 354. — 72. Grein falst dwg als Objekt, 
flänlired als 'Tod': 'quum (mors) sagittis praeceps diem 
violenta arreptione surripit.' — 73. seo ncelit: 'die Nacht des 
Todes.' — 74. onconn tibersetzt Grein direkt mit 'privat', was 
68 doch eigentlich nicht bedeutet. — 78. sc neda tan: vgl. 
hearmtänas Gen. 992. — 79. Vgl. Verf., Beibl. XX, 314. Zwischen 
V. 78 und 79 nehme ich eine Lücke an, da hier kein Zusammen- 
hang besteht; vielleicht gehört aber halawun noch in die Zeile 
hinter tän und die Lticke ist zwischen halawun und Aer? 



Doaeoii Brodle. 



Eiue Quellenstudie zu K. L. Stevenson 



von 



Hans Hecht. 



Mit einem Porträt. 



0! do bat wait tili I pnblisli the Causes 
Cel'cbrcs of Caledonia, and you will find no 
want of a novel or a tragedy for some time 
to come. 

The Heart of Mid-Lothian. Chap. I. 

In R. L. Stevensons Edinhurgh Pictiiresqiie Notes — einem 
Meisterwerke, dessen Qualitäten niemand, der nicht aus eigener 
Erfahrung die Stimmungen dieser wundervollen Stadt in sich 
aufgenommen hat, ganz zu würdigen imstande ist — findet 
sieh im vierten Kapitel — Leycnds — eine Stelle, die den 
Kommentator aus mancherlei Gründen zum Verweilen nötigt. 
Stevenson spricht da von den Legenden, die sich um die viel- 
stöckigen, düsteren Hänsermassen der High -Street ranken, 
romantischer Schauer voll, wie die Stätten, zu denen sie ge- 
hören und mit denen sie eine unauflösliche Einheit bilden. 
Eine dieser „Legenden" handelt von Deacon Brodle: 

„A great man in his day was the Deacon; well seen in 
good Society, erafty with his hands as a cabinet-maker, and 
one who could sing a song with taste. Many a Citizen was 
proud to welcome the Deacon to supper, and dismissed him 
with regret at a timeous hour, who would have been vastly 
disconcerted had he kuown how soon, and in what guise, 
his visitor returned. Many stories are told of this redoub- 
table Edinburgh burglar, but the one I have in my mind 
most vividly gives the key of all the rest. A frieud of 
Brodie's, nested some way towards heaven in one of these 
great lands, had told him of a projected visit to the country, 
and afterwards, detained by some affairs, put it off and 
stayed the night in town. The good man had lain some 
time awake; it was far on in the small hours by the Tron 
bell ; when suddenly there eame a creak, a jar, a faint light. 



203 

Softly he clarahered out of bed and up to a false window 
whieh looked upon anotlier room, and there, by the glimmer 
of a thieves' lantern, was bis good friend the Deacon in a 
mask. It is charaeteristic of the town and the town's manners 
that this little episode should have been quietly tidcd over, 
and quite a good time elai)sed before a great robbery, an 
escape, a Bow Street runner, a cock-fight, an apprehension 
in a eupboard in Amsterdam, and a last step into the air 
off bis own greatly improved gallows drop, brought the 
career of Deacon William Brodie to an end. But still, by 
the mind's eye, he may be seen, a man harassed below a 
mountain of duplicity, slinking from a magistrate's siipper- 
room to a thieves' keu, and piekeeriug among the eloses by 
the flieker of a dark lamp." i) — 

Das Thema von der Doppelnatur des Mensehen, die Ver- 
feinerung des Verkleidungsmotives naiverer Perioden, hat in 
den neueren Literaturen zahlreiche Bearbeiter und ein stets 
aufuahmebereites Publikum gefunden. Es hat sieh auch mit 
immer wechselnden Varianten, meist höchst gefährlicher Natur, 
im wirklichen Leben häufig wieder offenbart, und so durch 
die Realität seines Auftretens die Kombinationsgabe grölserer 
und geringerer Geister zu seiner Bearbeitung vielfach heraus- 
gefordert. Der englische Sensationsroman von M. G. Lewis bis 
zu Wilde und Hornung lebt davon. Stevenson hat sich wieder- 
holt in die Mysterien der Doppelexistenz vertieft, die seiner 
brillanten Erzählergabe und seiner Freude am Gegenständlichen 
den denkbar grölsten Vorschub leisteten. Seine Wiedergabe 
der Diebestragikomödie, die mit der historischen Persönlichkeit 
William Brodies verbunden ist, verrät denn auch in der Fassung, 
die sie in den Edinhurgh Piciiircsque Notes erhalten hat, deut- 
lich genug das künstlerische Wohlbehagen, das der eigenartige 
Stoff in ihm auslöst: Edinburghs Winkel und Gassen, graue, 
himmelhohe Häuserreihen, Höfe, Plätze, Treppenfluchten, bunte 
Menschenfülle, die das achtzehnte Jahrhundert dort durchein- 
ander gewürfelt hatte, der halb humoristische Zusammenstols 
des ehrsamen Bürgertums mit einem Manne, der zu gleicher 



1) The Works ofR.L.S. {Swanston Edition) I, S. 292. — Eine weitere 
hierhergehörende Episode iiu neunten Kapitel desselben Buches, S. 32(5. 



204 

Zeit als eine der Stützen dieser Gesellscliaft galt, bei Tage 
Zunftmeister und Stadtrat war, bei Nacht aber als einer der 
gefährlichsten Einbrecher seiner Zeit seine hervorragenden 
Kenntnisse als Kunsttischler zur Erforschung fremder Schränke 
und Truhen in höchst unwillkommener Weise in Anwendung 
brachte — es bedarf nur des Zugreifens sollte man glauben, 
und neben Scotts Heart of Midlothian stellt sich ein zweites 
Zeit-, Sitten- und Menschheitsgemälde von nicht geringerem 
"Werte, nicht geringerer Anziehungskraft. Stevenson hat zu- 
gegriffen, aber das Ergebnis blieb hinter den Möglichkeiten, 
die der Vorwurf in sich birgt, zurück: es ist sein gemeinsam 
mit W. E. Henley verfafstes Melodrama Deacon Brodle or the 
Doiible Life, von dem später zu reden sein wird. Einstweilen 
soll nur, von Gelingen oder Nichtgelingen abgesehen, das 
dauernde Interesse festgestellt werden, das Stevenson an den 
Vorgängen und Persönlichkeiten dieses Krimiualfalles genommen 
hat. Es ist mehrfach angedeutet worden, i) dals die Duplizität 
des unheimlichen Br. Jehßl and Mr. Ilyde auf Stevensons 
Beschäftigung mit Brodie, dem Manne mit dem „doppelten 
Leben", zurückzuführen sein könne. Ein unmittelbares Ab- 
hängigkeitsverhältnis liegt allerdings nicht vor, aber die Ge- 
schichte des Deacon Brodie gehört doch zweifellos zu seinen 
„Quellen" 2) und hat für Stevenson eine ähnliche Bedeutung, 
wie die Prozesse des Jack Sheppard und des Jonathan Wild 
für John Gay und der des Hauptmanns John Porteous für Sir 
Walter Scott. — 

Der Prozels, der sich am 27. und 28. August des Jahres 
1788 abspielte und am 1. Oktober mit der Hinrichtung der 
beiden Angeklagten sein Ende fand, ist in mancher Beziehung 
unseres Interesses wert. Er liefert ein Kulturbild von drastischer 
Anschaulichkeit. Die Gefahren des Edinburgher Lebens, die 
Abgründe, denen ein Robert Fergusson zum Opfer gefallen ist 
und die für Burns eine bedenkliche Anziehungskraft besafsen, 



^) Roughead wie unten, S. 10. Andrew Längs Einleitung zur 
Swanston Editio7i, I, S. XXXIII; L. Kellner, Die Englische Literatur wi 
Zeitalter der Königin Viktoria, S. 550, Anm. 

2) Weder L. Maier, Die Abenteuerromane R. L. Stevensons, Mar- 
burger Dissertation 1912, S, 44—51, noch Kurt Mandel, Die Belesenheit 
von R. L. Stevenson, Kieler Diss. 1912, gehen darauf ein. 



205 

tun sich vor uusereu Augen auf. Die Katastrophe Rrodies hat 
Bums zwar nicht selbst miterlebt — er befand sich während 
der in Frage kommenden Wochen in Mauchline und in Ellis- 
land — , aber zwei treilt'ende Epigramme Extempore in the Court 
of Session^) zeigen ihn uns als scharfen Beobachter der in den 
Gerichtshöfen ein- und ausgehenden Persönlichkeiten. Die 
beiden von ihm skizzierten Juristen, Sir Ilay Campbell und 
Henry Erskine, spielten in dem Brodie-Prozesse erste Rollen: 
jener als Vertreter der Krone (Lord Advoeate), dieser, vornehm 
und beredt, wie er in Burnss Epigramm erscheint, als Ver- 
teidiger des Hauptaugeklagten William Brodie. Dafs Brodie 
am Lawnraarket einer von Burns's nächsten Nachbarn war, sei 
nebenher erwähnt: sie wohnten einander gegenüber. Ebenso, 
dafs wir den ersten ausführlichen Bericht über den Prozefs 
dem eitlen, rührigen Verleger Burns's, William Creech, ver- 
danken, der als Geschworener die beste Gelegenheit hatte, den 
Gang der Ereignisse aus nächster Nähe zu verfolgen. Eine 
Menge namhafter Gestalten und Genossenschaften tritt uns in 
ungewöhnlicher Erregtheit über einen Rechtsfall entgegen, der 
von den Sammelplätzen des juristischen und literarischen 
Edinburgh bis zu der lauten Geselligkeit der bürgerlichen 
Klubs, von da zu den Hahnenkämpfen, Falschspielerkneipen, 
Verbrecherspelunken und Gefängnissen hinab- und in seinen 
Nebenerscheinungen nach London, ja bis nach Holland hinüber- 
reicht. 

Die aktenmälsigen Tatsachen sind die folgenden ^j: 



») Centenary Edition II, S. 240 nnd 430. 

^) Siehe Trial of Deacon Brodie ed. by William Roughead, W. S, 
London, Sweet & Maxwell, 1906: ein Band aus der wertvollen Serie 
^'otahle Scottish Trials. Das Werk enthält, aufser den vollständigen Ver- 
handlungsprotokollen, die natürlich seinen Mittelpunkt bilden, ^ine aus- 
führliche Darstellung des Lebens und der Taten Brodies auf dieser Grund- 
lage und in einer Reihe von Appendices ergänzendes Material verschiedener 
Art, aus dem die reichhaltige Bibliographie (S. 232— 237) und die bio- 
graphischen Angaben über die an dem Prozefs beteiligten Juristen (S. 217 
— 232) als besonders wertvoll erwähnt seien. Alle älteren Berichte über 
den Prozefs, so auch die von Roughead häufig herangezogene oben ge- 
nannte Publikation von Creech, sind damit veraltet. Die köstlichen 
Karrikatureu John Kays finden sich bei R. wieder. — Es sei in diesem 
Zusammeuhaog darauf hingewiesen, dafs Roughead auch The Trial of 



206 

Willi:nu Rrodie. geboren am 28. Sopteniber 1741, entstammte 
väteilieher- und mütteilieherseits liocbangesehenen Familien. 
Sein Vater, Francis, besafs das Bürgerrecht in Edinburgh, ge- 
hörte der Tisehlerznnft an, deren Vorsitzender (deacon) er wurde 
und die er kraft dieser Würde im Stadtrat zu vertreten hatte. 
Schliefslich erhob ihn das Vertrauen, das er allgemein genofs, 
als Schriftführer in den Ausschufs der Zünfte. Sein stattliches 
Haus mit den dazu gehörenden Liegenschaften gab der Gasse, 
zu der es gehörte, den Namen Brodie's Close, der sich an 
ihrem Eingang am Lawnmarket bis zum heutigen Tage erhalten 
hat. Sie führte ursprünglich vom Lawnmarket zur Cowgate 
herunter, ist aber jetzt gröfstenteils Neubauten zum Opfer ge- 
fallen. In dieser würdigen Umgebung verbrachte William 
Brodie seine Jugend und sein frühes Mannesalter, heranwachsend 
im Gewerbe und einträglichen Geschäfte seines Vaters, bis 
nach dessen Tode im Jahr 1782 die bedeutende Hinterlassen- 
schaft an Besitz und Vertrauen, die Francis Brodie angesammelt 
hatte, auf ihn als den ältesten Sohn überging. In diesem 
Lebensabschnitt begegnet uns Brodies Name nicht häufig, doch 
findet sich unter den Akten des Cape Club noch das Pro- 
tokoll der Sitzung (vom 25. Februar 1775), in der er unter 
die Ritter dieses hochachtbaren Ordens, der zahlreiche Nota- 
bilitäten, biedere Bürger, Künstler und Handwerker Edinburghs 
zu seinen Mitgliedern zählte, aufgenommen wurde. Unter 
anderen wohnte auch David Herd, der Lieder- und Balladen- 
sammler, in seiner Eigenschaft als ehemaliger Präsident des 
Klubs jener Sitzung bei. i) Auch sonst erfahren wir nur Ehren- 
volles über Brodie. Noch zu Lebzeiten seines Vaters erwarb 
er wie dieser das Ehrenamt eines Deacon der Tischler (1781), 
durch das er zugleich Mitglied des Stadtrats wurde, und behielt 
es mit einer einzigen Unterbrechung bis kurz vor seiner 
tragischen Entlarvung. Der Tod des Vaters machte ihn zum 
reichen Manne und obwohl seine Beziehungen zu zwei Frauen, 
Anne Grant und Jean Watt, ebensowenig unbekannt ge- 



Captain Porteous ähnlich erschöpfend behandelt hat : Hodge & Company, 
Edinburgh und Glasgow, 1909. 

^) Siehe Roughead, Appendix V, und meine Songs from David Herd's 
Mus., Edinburgh 190J, S. 36 ff. 



>K-AY-DEI. ST-LP 




MBRODIE 



Aus John Kay's Edinburgh Portraits. 



207 

blieben sein werden, wie seine ausgesprochene Neigung zum 
Spielen und Wetten, besonders bei liabnenkänipfen, so scheint 
die Ortentlichkeit von diesen Seitensprüngen des hochniögenden 
Herrn Stadt vaters doch weiter keine Notiz genommen zu haben: 
ein Beweis dafür, wie allgemein verbreitet dergleichen Laster 
bei der guten und besten Gesellschaft damals waren. Man 
fand sieh mit seinem Gewissen ab, solange es nicht zum öffent- 
lichen Skandal kam. Aufträge flössen ihm bis zuletzt in Menge 
zu, insbesondere bedachte die Stadtverwaltung ihr Mitglied in 
reichem Mafse und zog ihn häufig zu gröfseren Bauarbeiten 
an Kirchen, Brücken, unter anderem auch an der neueinzu- 
richtenden Hinrichtungsstelle an der Westmauer des Tolbooth, 
des Edinburgher Stadtgefängnisses, hinzu. So schritt er tags- 
über dahin „in a proud swaggering sort of style, bis legs 
small above the aucle, large ancle bones and a large foot, 
high brawns, small at the knees, which bend when he walks, 
as if through weakness, dressed in a black coat, vest, breeches, 
and stockings, a striped duffle great coat, and silver shoe- 
buckles." ') — Die Ausmalung seines nächtlichen Beginnens, 
das Wirken seiner zweiten Natur, worüber aus jeuer Zeit nur 
ein paar unsichere Anekdoten im Umlauf sind, muls der 
Phantasie des Lesers überlassen bleiben. — 

Im Jahre 1786 erscheinen nun einige dunkle Gestalten 
auf der Bildfläche, deren Eingreifen das tragische Ende unter 
Aufsehen erregenden Umständen bald herbeiführt. In einer 
inferioren Herberge am Grassmarket ist der aus England 
stammende Hausierer George Smith abgestiegen, erkrankt 
und zu längerem Aufenthalt genötigt worden. Seine Wege 
führen ihn unter anderem in eine Spielhölle am Fleshmarket 
Close, wo sich zwei Gesellen von dunklem Vorleben, Andrew 
Ainslie und John Brown, deren Bekanntschaft er in seiner 
Behausung gemacht hat, öfters zu löblichem Tun mit ihm ver- 
einigen. Hier tritt eines Tages bei passender Gelegenheit 
Brodie an Smith, den er in bedrängten Umständen weifs, mit 
der Bemerkung heran, es Heise sich in Edinburgh dies und 
das machen, w^enn es nur geschickt angefafst würde, und man 



*) Signalemeut Brodies in dem hinter ihm erlassenen Steckbriefe; bei 
Roughcad S. 256. 



208 

könne sich die Sache ja einmal Überlegen i) — eine Aufserung, 
die den Schlufs erlaubt, dafs Brodie schon damals kein Neu- 
ling in dem Berufe war, zu dem auch Smith wohl schon die 
nötigen Vorstudien betrieben hatte. Der Vierbund Brodie, 
Smith. Ainslie, Brown wird gebildet, und das Ergebnis seiner 
Betätigung ist eine Keihe schwerer, verwegener Einbruchs- 
diebstähle, die von November 1786 bis zum März 1788 ganz 
Edinburgh in Schrecken und Empörung versetzen. Juwelen, 
Thee, Seidenwaaren, Geld, Uhren, ja sogar das silberne Szepter 
der Universität Edinburgh fallen den Übeltätern zum Opfer, 
auf deren Ergreifung vergeblich immer höhere Summen gesetzt 
werden. Vor allem dachte kein Mensch daran, den Herrn 
Stadtrat Brodie auch nur zu verdächtigen, obwohl, besonders 
infolge eines peinlichen Zwischenfalls, als ihn ein wackerer 
Mitbürger, ein Kaminfegermeister mit Namen Hamilton, beim 
Spielen mit falschen Würfeln ertappt hatte, sein Ruf nicht 
mehr ganz so fest stand wie zuvor. 2j Aber noch im Februar 
1788 safs er in einer hochnotpeinlichen Angelegenheit als Schöffe 
zu Gericht. Unter dem ermutigenden Eindruck des unentdeckteu 
Gelingens früherer Taten wird nun ein Hauptscblag ins Auge 
gefafst, dessen Ziel nichts geringeres als die Plünderung des 
königlichen Hauptzollamtes (General Excise Office for Scotland) 
sein soll. Die Vorbereitungen werden mit der grölsten Sorgfalt 
getroffen: das Gelände und die Gepflogenheiten der Wache 
ausgekundschaftet. Abdrücke der Schlüssel zu den äufseren 
Türen besorgt und zur Forcierung des eigentlichen Kassen- 
raumes auf einem Felde bei dem benachbarten Duddingston 
eine Pflugschar entwendet. Am Nachmittag des 5. März 1788, 
zu der gewöhnlichen Essensstunde, um drei Uhr, sieht Brodie 
Gäste, meist Familienmitglieder, bei sich. Das Zusammensein 
dauert bis in den Abend hinein, dann wechselt der Meister 
schnell sein Kosttim, rüstet sich mit den nötigen Instrumenten, 
Masken, der Perücke seines in Gott entschlafeneu Vaters und 
mit Waffen aus : der Räuber ist fertig. So eilt er in gehobener 

') Erklärung Smiths, bei Rougliead S. 140. 

') Hamilton hatte den Prozefs gegen Brodie, Smith nnd Ainslie an- 
hängig gemacht, er gelangte aber nicht zur Verhandlung. Ein bissiges, 
witziges Schreiben von Hamiltons Seite veröffentlicht Ronghead, S. 262 
— 264. 



209 

Stimmung in die Wohnung Smiths, wo ihn seine Gefährten 
bereits mit Ungeduld erwarten. Theatralisch, wie er sich 
gerne gab, und sicher auch im Gefühl einer Geistesverwandt- 
schaft mit dem Helden von Gays Bettleroi)er, zieht er beim 
Eintreten eine Pistole aus der Tasche und stimmt das kecke 
Lied Macheaths an: 

Lei US take the Road. 

Hark! I hear the sound of Coaehes! 
The Hour of Attack approaches, 

To your Arms, brave Boys, and load. 

See the Ball I hold! 

Let the Chymists toil like Asses, 
Our Fire their Fire surpasses, 

And turns all our Lead to Gold, i) — 

Was in dieser Nacht folgte, entsprach keineswegs den 
gehegten Erwartungen. Zwar gelang der Einbruch, doch 
wurde in der Kasse nur wenig bares Geld gefunden. Die 
Hauptsumme lag in einem Geheimfach, das den Dieben ent- 
ging, verborgen. Ferner kehrte einer der höheren Steuerbeamten 
zufällig noch einmal in das Gebäude zurück und verscheuchte 
dadurch, ohne übrigens selbst Verdacht zu schöpfen, die Räuber. 
Brodie eilte nach Hause, warf sich wieder in seine gewohnte 
Kleidung und brachte, in der deutlichen Absicht ein Alibi 
herzustellen, den Rest der Nacht bei seiner Geliebten, Jean 
Watt, zu. Die Anderen versammelten sich in unbefriedigter, 
ziemlich gereizter Stimmung, und der Gefährlichste, nebenbei 
wegen eines früheren Verbrechens auch Gefährdetste, unter 
ihnen, Brown, ging zwei Tage darauf hin, wurde Kronzeuge, 
und verriet seine Spiefsgesellen den Behörden, einstweilen 
allerdings ohne Brodies Namen zu nennen. Mittwochs war der 
Einbruch geschehen, Samstags safsen Aiuslie und Smith im 
Old Tolbooth hinter Schlols und Riegel, und Sonntags schüttelte 
Deacon Brodie, nach einem vergeblichen Versuch, die beiden 
Verhafteten zu sehen und so den Umfang ihrer bereits ab- 
gegebenen Aussagen kennen zu lernen, den Staub Edinburghs 
von seinen Füfsen: das unheimliche Rätsel hatte eine über- 



•) Nach den Aussagen John Browns, wie oben, S. 133. 

Studieo z. engl. Phil. L. 14 



210 

raschende Lösung gefunden. „Witli wbat amazement", schrieb 
der Edinburgh Eve,nmg Courant in der Nummer, die den 
Steckbrief gegen Brodie veröffentlichte und eine Belohnung 
von if 200 für seine Verhaftung ankündigte, „must it strike 
every friend to virtue and honesty to find that a person is 
charged with a crime of the above nature [viz. house-breaking] 
who very lately held a distinguished rank among bis Citi- 
zens?" etc. etc. Recht und Ordnung erhoben triumphierend 
ihr Haupt. Ladenbesitzer und Polizei atmeten auf. Die 
Zeitungen moralisierten. 

Einstweilen aber l)efand sich die gefallene Gröfse in leid- 
licher Sicherheit zunächst in London „snug and safe in the 
house of an old female friend" und entzog sich mit Gewandt- 
heit den Kachforschungen des ihn verfolgenden königlichen 
Kriminalagenten George Williamson. Während der ganzen Zeit 
seiner Flucht, seiner Haft, des Prozesses und der letzten schweren 
Stunden seines Lebens treten Charakterzüge an Brodie zu 
Tage, die angetan sind, uns für ihn zu gewinnen und unser 
Interesse an ihm wachzuhalten, vor allem sein Humor und sein 
Mut, dann die Fürsorge, mit der er sich nach den Schicksalen 
ihm nahe stehender Persönlichkeiten, insbesondere seiner Mit- 
schuldigen und seiner unehelichen Kinder erkundigt. So schreibt 
er an den Herbergsvater Michael Henderson am Grassmarket: 
„During all my trials since I left Edinburgh, my spirits nor 
my presence of mind never once forsook me, for which I have 
reason to be thankful." ') Und in demselben Briefe berichtet 
er, er habe in London nicht weiter als 500 Schritte von Bow 
Street, dem Sitze der Kriminalpolizei, gehaust. „I did not 
keep the house all this time, but so altered, excepting the 
scar under my eye, I think you could not have rapt to me. I 
saw Mr. Williamson twice; but, although countrymen commonly 
shake hands when they meet from home, yet I did not choose 
to make so free with him, notwithstauding he brought a letter to 
me — den Haftbefehl! — ; he is a clever man, and I give him 
credit for bis conduct." — Brodie, der bedrückenden Doppel- 
rolle ledig, erscheint in bester Laune, unverzagt, von Reue un- 
belästigt, in Freiheit und im grofsen Leben nach neuen Ländern 



1) Siehe Ronghead S. 152f. 



211 

und nach neuen Zielen liintreibend. Er heabsiehtigte über 
Holland nach Amerika auszuwandern, und gelangte, wenn auch 
mit viel Verzögerung, so doch unbehelligt, unter dem ange- 
nommenen Namen John Dixon zunächst nach Vlissingen und 
von da nach Bruges und Ostende — „so I begin my travels 
where most gentlemen leave them off." ') An Bord hatte er 
die Bekanntschaft eines Ehepaares namens Geddes gemacht 
und ihm beim Abschied an der holländischen Küste Briefe an 
seine Edinburgher Freunde mitgegeben — zu seinem Verhängnis. 
Geddes schöpfte Verdacht, händigte, allerdings erst nach 
weiteren drei Wochen, die Briefe den Gerichten aus, das aus- 
wärtige Amt wurde in Tätigkeit gesetzt und schliefslich Brodie 
von dessen Abgesandten, Daly und Groves, in Amsterdam in 
einem Wandschrank, in -den er sich geflüchtet hatte, aufge- 
funden, verhaftet und nach London gebracht. Dort nahm ihn 
George Williamson in Empfang und überführte ihn nach Edin- 
burgh, wo er am 17. Juli 1788 ohne weiteren Zwischenfall in 
bester Laune und Zuversicht eintraf, um im Tolbooth seiner 
Aburteilung entgegenzusehen. 

Der Prozefs, der am 27. August zur Verhandlung kam und 
nur gegen Brodie und George Smith geführt wurde — Ainslie 
trat neben Brown als Kronzeuge auf — zeigt im Ganzen und 
im Einzelnen eine Fülle interessanter Züge, bei denen wir hier 
unmöglich länger verweilen können. Smith bot während des 
Verlaufs der Verhandlungen ein Jammerbild der Zerknirschung. 
Er war ein Sünder niedriger Klasse, tränenreich und voller 
Todesangst, Brodie dagegen blieb von Anfang bis zu Ende der 
gentleman burglar und erschien vor Gericht „säuberlich angetan 
in einem neuen, dunkelblauen Rock, moderner Phantasieweste, 
schwarzen Plüschhosen, weifsen Seidenstrümpfen, aufge- 
krempeltem Hut und mit aller Sorgfalt frisiert und gepudert."-) 
Dem Gerichtshof gegenüber legte er den gröfsten Respekt zu 
Tage und wenn sich eine erheiternde Episode zutrug, dann 
lächelte er wie ein unbeteiligter Zuhörer. Für den Kleinmut 
seines Mitangeklagten Smith hatte er nichts wie Verachtung 
übrig. Die Verteidigung, die von Henry Erskine, dem da- 



1) Roughead a.a.O. S. 151. 

*) Nach Creechs Bericht bei Roughead S, 55. 

14* 



212 

maligen Dekan der Juristen fakultät, und von John Clerk, dem 
späteren Lord Eidin, geführt wurde, hatte von vornherein einen 
verzweifelten Stand, und nahm zu einer Reihe von Spitzfindig- 
keiten und Wiukelzügen ihre Zuflucht, die das Gericht jeweils 
einstimmig und mit vollem Hecht zurückwies. Auch die 
Plaidoyers, Clerks jugendlich robuste Angriffe und Erskines 
vornehme, grofszügige Beredsamkeit, vermochten die Schöffen 
nicht umzustimmen. Insbesondere Erskines Rede bleibt als 
Meisterwerk nach Inhalt und Form, mit ihren die allgemeinen 
Kulturzustände charakterisierenden Ausführungen und gewandt 
angebrachten Zitaten aus Shakespeare und Home, bis auf den 
heutigen Tag durchaus lesenswert, i) Das Urteil aber fiel aus 
wie es ausfallen mufste. Es lautete für beide Angeklagte auf 
Tod durch den Strang. 

Nicht ohne Versuche zu seiner Begnadigung zu machen, 
aber in vollkommener Gefalstheit sah Brodie dem Ende ent- 
gegen. Noch lange zeigte man im Tolbooth die Umrisse eines 
Schachbrettes auf dem Fufsboden, die er dort zu seiner Be- 
lustigung eingeritzt hatte. Als ihn ein Freund besuchte und 



') Zu der Frage, ob die königliche Prärogative einen Verbrecher wie 
Brown zum glaubwürdigen Zeugen machen könne, stellen sich beide Ver- 
teidiger auf einen ablehnenden Standpunkt. Clerk: Gentlemen of the 
Jury, I ask you, on your oaths, can Eis Majesty make a tainted sconndrel 
an honest man? (Roughead S. 178). Erskine: He [Brown] has no doubt 
received Uis Majesty's pardon. It has been ubtained for him, at a very 
great expense, for the sole purpose of enabling him to be a witness in this 
cause. But though the Court has determined that this pardon, the crimes 
being committed in England, rehabilitates this man, and that his evidence 
is admissable; yet no pardon can restore his credibility, or render him 
an honest man. The pardon cannot alter the nature of the criminel; "can 
the Ethiopian change his skin, or the leopard his spots?" Is it possible 
that a King's pardon can resture pnrity of heart, rectitude, and integrity? 
Can "a piece of parchment with a seal dangling at it" . . . turn wickedness 
into honesty/and transmute infamy into honour? The King has no such 
perogative etc. (a.a.O. 8.185—186). Roughead verweist in seiner Ein- 
leitung S. GO auf den Parallelismus dieser Sentenzen mit Burns's: 

A prince can mak' a belted knight, 
A marquis, duke, an' a' that! 
But an honest man's aboon his might — 
Guid faith, he mauna fa' that! 

Ein unmittelbarer Zusammenhang dürfte jedoch nicht anzunehmen sein. 



21 



o 



das Gespräch auf die Gefahren des Umgangs mit Franen- 
ziramern hinlenkte, stimmte Brodie alsbald ein Lied aus seiner 
Lieblingsoper, Gays Beijgars Opera, an: 

'Tis Woman that seduces all Mankind' (Air II) 

und liefs sieh, trotz der Einwendungen des Besuchers gegen 
diese Leichtherzigkeit im Anblick des Todes, nicht davon ab- 
halten, das Lied bis zum Ende durchzusingen. Seine letzten 
Stunden haben die Entstehung einiger schwer kontrollierbarer 
Anekdoten veranlalst; so soll ein französischer Quacksalber, 
Peter Degravers, sich anheischig gemacht haben, ihn nach 
Ablauf einer bestimmten Frist wieder ins Leben zurückzurufen. 
Nach der Hinrichtung, heilst es weiter, hätten zwei seiner 
Gesellen den Leichnam auf einen Wagen gelegt und seien mit 
ihm in rasendem Tempo um den Schlofsberg herumgefahren, 
in der Hoffnung, ihm durch die Erschütterung der Fahrt zu 
körperlicher Wiederauferstehung zu verhelfen. ') Auch wurde, 
zur Erhöhung der Pikanterie des letzten Auftrittes, behauptet, 
das System des Galgens, an dem er und Smith gehängt wurden, 
der sogenannte „drop", sei von Brodie erfunden worden, und 
er selbst der erste Delinquent nach dieser Methode gewesen, 
was nicht zutrifft. 2) Allerdings hatte er zwei Jahre zuvor seine 
eigene Hinrichtungsstätte an der Westmauer des Tolbooth kon- 
struieren helfen und wird sie nun, als er genötigt war, sie am 
Nachmittage des ersten Oktober 1788 wieder zu betreten — 
diesmal nicht als Sachverständiger — mit besonderem Inter- 
esse in Augenschein genommen haben. Eine ungeheure 
Menschenmenge — der zeitgenössische Bericht spricht von 
40000 Zuschauern — wohnte der Exekution bei. Ihr gegenüber 
bewahrte Brodie, der wie immer aufs Sorgfältigste gekleidet 
erschien, das volle Mafs unerschütterlicher Ruhe. Sein grofses 
Vorbild Macheath mag ihm vorgeschwebt haben. Zweimal, als 
die Verurteilten schon auf dem Schaffott standen, mufsten die 
Stränge abgeändert werden, aber ohne Anzeichen erheblicher 
Erregung stieg Brodie wieder herab und unterhielt sich mit 



^) Kays Edinburgh Portraits (Populär Letterpress Edition) I, 
S. 182—183. 

^) R. Chambers' Traditions of Edinburgh, S. 106—107, und A'eiü 
English Didionary anter drop sb. 17. 



2U 

unibersteheiideu Bekannten. Endlich ging er aus dem Leben 
wie ein guter, erfahrener Schauspieler: ..behutsam löste er seine 
Halsbinde, knöpfte Weste und Rock auf und unterstützte den 
Henker, der ihm den Strang umlegte. Darnach zog er die 
Kappe über das Gesicht, faltete seine Arme und nahm eine 
Haltung ein, in der Unverzagtheit und Entschlossenheit zum 
Ausdruck kamen." ') Endlich gab Smith, der bis dahin un- 
entwegt gebetet hatte, durch Fallenlassen eines Taschentuchs 
das verabredete Zeichen 

Dieser abenteuerlichen Geschichte vom ..doppelten Leben" 
AVilliam Brodies, die der grolse Prozefs an den Tag gebracht 
hatte, wird Stevenson schon frühzeitig mit Spannung gefolgt 
sein. Eine Schrank, von der Hand des Meisters selbst ange- 
fertigt, soll, nach Graham Balfours Bericht, in seiner Kinder- 
stube gestanden haben.^) Die ersten Entwürfe zu einem Drama 
über den Stoff reichen, ebenfalls nach Balfour,^) bis in die Mitte 
der 1860er Jahre zurück. Die epische Darstellung, die wir 
aus den Edinburgh Flcturesque Notes kenneu, fällt in das Jahr 
1879; 1880 erfolgt ein Privatdruck des Dramas, vermutlich 
bereits in der Fassung, die es durch sein Zusammenarbeiten 
mit W. E. Henley erhielt. Spätere Ausgaben davon wurden 
1892, 1896 und 1897 veröffentlicht. Jetzt steht es natürlich 
in den gesammelten Werken, so in dem vor kurzem veröffent- 
lichten 15. Bande der Sivansion Edition, SS. 1 — 89. Auf- 
führungen haben 1882, 1884 und 1887 stattgefunden: es ist 
somit eines der ersten in der langen Reihe der heute so be- 
liebten Detektiv- Dramen. Erfolg hat das Werk augenschein- 
lich keinen gehabt. Andrew Lang erzählt in der Einleitung zur 
Stvanston Edition (Bd. I, S. XXXIII), eine Dame habe beim 
Verlassen des Theaters das Urteil gefällt: „I hope Mr. Henley 
wrote most of it." Trotzdem sollte es, sowohl um seines 
Gegenstandes als um seines Verfassers willen, nicht ganz in 
Vergessenheit geraten. 

Was haben zwei so vorzügliche Kenner des schottischen 
und insbesondere des Edinburgher Lebens wie Henley und 



') Nach Creechs Bericht bei Roughead S. 275—276. 
2) Life of IL L. Stevenson, Londun 1901, I, S. (J7. 
') Ebenda, II, S. 21.-). 



215 

Stevenson aus den Persönlielikeiten und Vorgängen gemacht, 
die sie aus Creechs oder Morrisons Prozefs-Beriehten und aus 
dem Anekdoten -Material bei Kay, Chambers und anderen 
kennen gelernt haben? Was vor allem ist aus der rassigen 
und vielseitigen Natur des Deacon selbst geworden? 

Schon der Titel sagt vieles: Deacon Jhodie or the Double 
Life. A 3Ielodnü)ia in Five Acts and Eiglit Tahleaux. Unter 
den Persons liepresented begegnen, neben den uns bereits 
bekannten historischen Haujjtpersönlichkeiten, der alte Brodie, 
gelähmt, im Kolistnhl, sowie eine Schwester des Deacon, Mary, 
und ihr Verlobter Walter Leslie, die selbdritt für die von dem 
Melodrama erwartete Rührung zu sorgen haben, ein Londoner 
Detektiv groben Stiles, Hunt, der an die Stelle des George 
Williamson der Quelle getreten ist, ein englischer Wegelagerer, 
Captain Rivers, William Lawson, Staatsanwalt (Procurator- 
Fiscal) von Edinburgh, der als Brodies Oheim eingeführt wird, 
nnd eine Reihe von Nebentiguren. Die Handlung ist auf 
einige 48 Stunden konzentriert und gruppiert sich um zwei 
Einbruchsdiebstähle, der eine bei Brodies Schwager in spe 
Leslie, bei dem Brodie ertappt, entlarvt — und wieder frei- 
gelassen wird. Aber schon in der nächsten Nacht unternimmt er, 
weniger aus freiem Willen, als unter dem Druck seiner Spiefs- 
gesellen handelnd, die Beraubung des Hauptsteuerarates. Doch 
Ainslie ist bereits Kronzeuge geworden. Hunt, der Detektiv, 
hält das Spiel vollkommen in Händen, überrascht die Ein- 
brecher und überwältigt sie. Brodie entkommt zunächst und 
ersticht auf der Flucht den Verräter Ainslie, der auf diese 
Weise schneller und gerechter Strafe anheimfällt. Der fünfte 
Akt bringt nach einer rührenden Szene zwischen Mary und 
Leslie und einer nicht weniger rührenden zwischen den Vorigen 
und Brodie, die alle von Vergebung, Reue und Grofsmut triefen, 
das heroische Ende Brodies: er stürzt sich in den Degen 
Hunts, der gekommen ist, um ihn zu verhaften, und entzieht 
sich so dem Walten des irdischen Richters. Die Fülle der 
Ereignisse, unglaubhaft in ihrer raschen, ungenügend motivierten 
Aufeinanderfolge, interessiert uns hier nicht. Auch die Mehr- 
zahl der auftretenden Persönlichkeiten ist uns in ihrer matten 
Alltäglichkeit gleichgültig. Wir sehen uns nur nach dem 
Helden um, den die Prozefsakten uns in dramatischer Lebendig- 



216 

keit, unheiinlieh. komödiantisch, tapfer, humorvoll bis nnter 
den Galgen gezeigt hatten. Von ihm ist nichts mehr übrig 
ge])liebeu, als ein weichlicher Schurke, dessen Handeln unfrei, 
dessen Benehmen von der Veruntreuung der Mitgift seiner 
Schwester an bis zu seinen häufigen Anwandlungen von Reue, 
die sich in verschiedenen Stärkeabstufungeu durch das ganze 
Stück hinziehen, stets gleich jämmerlich und abstofsend er- 
scheinen. Die Bedeutung der Quelle geht in der Bearbeitung 
verloren, und wir müssen zu der kurzen Legende in den Pic- 
tuyesqiie Notes zurückkehren, wenn wir von einer künstlerischen 
Gestaltung des Stoffes bei Stevenson sprechen wollen. Sein 
eigenes Urteil läuft übrigens dem unsrigen nicht zuwider. Nach 
den Aufführungen im Jahre 1884 schreibt er an Sidney Colvin: 
,,It is about Henley, not Brodie, that I care. I fear my affections 
are not strong to my past works; they are blotted out by 
others; and anyhow the Deacon is damn bad." ') 

Dals aber auch nach Erledigung des Melodramas das 
Problem des doppelten Lebens, das ihm mit Brodie entgegen- 
getreten war, Stevenson weiter zu fesseln vermochte, zeigt 
seine berühmte Novelle Strange Gase ofDr.JeJcyll and Mr.Hyde 
(gedruckt Januar 1886). Vorwurf und Handlung hängen in 
keiner Weise mit dem Brodie -Stoff zusammen. Umgebung, 
zeitlicher und örtlicher Charakter sind durchaus verschieden, 
übernatürliche, schauerliche, groteske Elemente sind hinzu ge- 
kommen. Aber das eigentümliche Problem ist geblieben: die 
Duplizität des Mannes, in dessen Seele Tugend und Verbrechen 
miteinander kämpfen, der bei Tag ein Forseher und ein Wohl- 
täter der Menschen, bei Nacht ihr Verderber ist, bis sein 
schlechteres Selbst sein besseres erstickt. Das Mysterium der 
Novelle, die tatsächliche Scheidung der Seelenteile in zwei 
selbständige und zunächst unabhängig von einander sich be- 
tätigende Persönlichkeiten, ist Stevensons phantastische Neu- 
schöpfung und steht wiederum in keinerlei Beziehung zu dem 
schottischen Kriminalfalle. Die psychologischen Erörterungen 
im letzten Kapitel des Dr. Jeckyll — Henry Jehyll's Füll 
Statement of the Gase — zeigen aber, soweit sie allgemeiner 



>) Leiters 1911, II, S. 188 -189; vgl. auch den Brief an Henley, ebenda, 
S. 192. 



217 

Natur sind, die Stärke der Roeiudruokung, die Stevenson durch 
seine vorausgegangene Beschäftigung mit Deaeon Brodie er- 
fahren hat. Wie weit der Einflufs Stevensons und somit des 
Brodiestoffes von hier aus Über Oscar Wilde {The Picturc of 
Borian Gray!) bis zu den Okkulisten unserer Tage hinabreieht, 
wie weit er auf der anderen Seite das zahlreiche Volk der 
Detektivromane vermehren geholfen hat, mufs späteren Unter- 
suchungen vorbehalten bleiben. Vielleicht bringt uns die von 
Marburg aus angekündigte Arbeit von Keinath über den Aben- 
teuerroman nach Stevenson die gewünschte Aufklärung. ^ — 

Einer dieser Abenteuer- und Detektivromane mufs jedoch 
erwähnt werden, denn in ihm sind, Jahrzehnte nach Stevensons 
Bearbeitung des Stoffes, die Schicksale Deacou Brodies noch 
einmal zur Darstellung gelangt. Es ist DickDonovans Beacon 
Brodie or Behind thc Maslc. London, Chatto c^ Windus, 1901. 
Über den Verfasser geben weder die Literaturgeschichten noch 
der neueste Who's Wlio irgendwelche Auskunft. Die Vorrede 
betont das Ungewöhnliche und doch zugleich Typische der 
Doppelnatur in Brodie, dessen Schicksale zeigten „how a clever 
man may lead a double life — a life by daylight, and a life 
behind a mask, which no one suspects", das Leben eines 
Mannes, der zu grofsen Ehren in seiner Vaterstadt ausersehen 
schien, aber alle Vorteile in den Wind schlug und Pfade 
wandelte, die ihn zum Galgen führten. Donovan fährt fort: 
„The extraordinary and romantic eareer of the man Stands 
out very conspicuously in the records of bis time, and in many 
respects it is so pieturesque, and so füll of the Clements of 
mystery, that in truth it reads more like fiction than fact." 
Als seine Quellen nennt er dann die Gerichtsakten (legal 
documents) und anderes bisher unbekanntes Material, dieses 
selbstverständlich eigener Erfindung. Das Geschichtliche schliefst 
sich denn in der Tat so eng an die uns bekannten Vorgänge 
vom Beginn der Übeltaten Brodies bis zu seinem Ende an, 
dafs ein Nacherzählen Kaumverschwendung wäre. Der Epiker 
bietet uns auch die Episoden, die der Dramatiker ungltick- 



*) Vgl. einstweilen die auf S. 204 f. zitierte Dissertation von Maier, 
S. 79—88 und B. Fehr, Streif züge durch die neueste englische Literatur, 
Strafsburg 1912, S. 137—140. 



218 

lieberweise unterdrUekt hatte : die Flucht, die Gefangenuahme, 
den Prozefs, die Hinrichtnag. Auch Peter Degravers, der 
französische Quacksalber, und seine Wiederbelebungsversuche 
sind nicht vergessen. Die hinzuerfundenen Episoden sind 
Kolportageliteratur. Sie schildern ein Liebesverhältnis Brodies 
mit einem ..anständigen" BUrgermädchen, Isabella Stewart, die, 
nachdem sie unbequem geworden ist, unter Mitwirkung von 
Jean Watt eines eben so gelegenen wie grausigen Todes stirbt; 
die Szenen in der Spielhölle, bei den Hahnenkämpfen und in 
den Londoner Verbrecherkneipen; die Figur des schurkischen 
Hehlers Moses Benjamin, der unter vielem Wehklagen das ge- 
stohlene Silber zu einem Spottpreise kauft, schliefslich aber 
am Galgen in Tyburn sein wohlverdientes Ende findet; Brodie 
selbst als Opfer von Strafsenräubern, die ihm das unrecht er- 
worbene Gut wieder abnehmen; endlich die Ermordung des 
Verräters Brown auf der Flucht aus Edinburgh durch ein 
Mitglied des Spielklubs — sie alle werfen Stoffmassen in die 
Erzählung, deren einzige Wirkung, ganz ähnlich wie in Steven- 
sons und Henleys Drama die ist, dals die Gestalt des Deacon 
Brodie allmählich auf das Niveau eines niedrigen Verbrechers 
herabgedrüekt wird. Die Doppelheit seines Wesens geht gleich- 
falls so gut wie ganz verloren, Feigheit, Heuehelei, Habsucht und 
Prahlerei bleiben als Grundeigenschaften seines Charakters im 
Eindruck des Lesers zurück, seine fast weiche Fürsorge für 
die mit ihm verbundenen Frauen, von der seine Briefe erzählen, 
erscheint im Roman in ihr krasses Gegenteil verwandelt, sein 
unverwüstlicher Humor tritt nur am Ende des Romanes, wo 
sich der Verfasser an das Urkundenmaterial eng anschliefst, zu- 
tage, aber er wirkt unecht, als Grimasse, denn er befindet sich 
im Widerspruche zu der voranstehenden Charakterentwicklung 
des Helden. Endlich ist, was nach dem Gesagten kaum hervor- 
gehoben zu werden braucht, auch nicht einmal der Versuch 
gemacht worden, die Gestalt des Deacon in die Edinburgher 
Atmosphäre seiner Zeit, in die reiche, noch heute so lebendige 
AVeit gesellschaftlichen und geistigen Getriebes hineinzuver- 
setzen. — 

Ein schlechtes Drama, dem der Name seines Verfassers 
ein gewisses bescheidenes Mafs von Leben erhält, ein schlechter 
Roman, der längst in verdiente Vergessenheit gesunken ist, eine 



219 

voi'treflFIiclie Skizze in .Stevensons Ediuhurgher Impressionen, 
und dahinter das Urbild, wie es vor allem die Prozefsakten über- 
liefern — William Brodie, Meister der Tisclilerzunft, der Nachbar 
Burns's, Stadtrat, Einbrecher, Gauner und Biedermann — , 
das alle diese Bearbeitungen überragt, dem Freunde dieser 
Periode schottischer Stadtkulturgeschiehte hier und dort be- 
gegnet und immer mit Interesse von ihm begrüfst werden wird: 
so steht es mit der Überlieferung und der literarischen Aus- 
gestaltung dieses eigenartigen Falles. Der Gedanke, dafs 
vielleicht ein solcher Stoff an sich unbrauchbar, und die Ver- 
brecher- und Detektivwelt überhaupt nur minderwertige Motive 
zu liefern imstande sei, ist natürlich, im Hinblick auf vor- 
handene Meisterwerke der Literatur, abzuweisen. Wir denken 
an unseres Kleist Zerbrochenen Krucj und an den Biberpelz 
Gerhart Hauptmanns, der in seiner Mutter Wolffen eine Art 
weibliches Gegenstück zu William Brodie geschaffen hat. Auch 
Sir Arthur Conan Doyle hat sich in einigen Teilen seiner Sherlock- 
Holmes - Serie über das Durchschnittsmafs der Sensations- 
novelle zu erheben und seinem weltberühmten Detektiv durch 
den Gedanken des Kampfes gegen das Prinzip des Verbrechens, 
das wie eine Spinne in einem tiefverborgenen Winkel Londons 
hockend seine verderbliehen Fäden überall hin ausspannt, un- 
zweifelhaft eine gewisse Gröfse zu verleihen gewufst. Haupt- 
manns Werk zeigt insbesondere, wie für den Künstler die Tat, 
das verbrecherische Ereignis, von geringerer Bedeutung ist, wie 
die Wirkung, die sie bei Verübenden und Betroffenen hervor- 
ruft, von geringerer vor allem wie die Charakterschilderung 
des Täters selbst. Was bei dem Sensationsroman und -Drama 
vorübergehend fesselt, erscheint schal, sobald wir die geheinmis- 
volle Kette kennen und die nervenreizende Spannung gelöst 
ist. Das Problem des verbrecherischen Charakters, dichterisch 
behandelt, werde er nun von der tragischen oder humoristischen 
Seite dargestellt, bleibt dagegen in seinem literarischen Werte 
durchaus bestehen. 

William Brodie ist dieser Tat künstlerischer Verklärung 
nicht teilhaftig geworden, und doch wäre fraglos einer da- 
gewesen, sie zu vollbringen, Walter Scott, Stevensons grolses 
Vorbild. The Heart of Midlofkian berührt in seinem Vorwurfe, 
seiner Stimmung und seiner Szenerie die Welt, in der Brodie 



220 

lebte, süudigte uud starb, so oft und so nahe, dals man 
die Frage, ob sieh der Brodiestoff Scott bei dieser Gelegen- 
heit nicht aufgedrängt habe, unwillkürlich aufwirft. Die 
Antwort fällt bejahend aus: es sind im Heart of Midlo- 
fhian Spuren der Beschäftigung Scotts mit dem Prozefs des 
Deacon nachzuweisen. Zwar spielt der Roman zur Zeit des 
Porteous- Aufstandes im Jahre 1736, Scott unterläfst es aber 
keineswegs, gelegentlich auf viel spätere Persönlichkeiten uud 
Ereignisse vorausgreifend Bezug zu nehmen. Hierher gehören 
die interessanten Anspielungen auf Robert Fergusson und auf 
den bereits erwähnten Karikaturisten John Kay im dritten 
Kapitel des Romans, S. 34—37. i) Auf S. 265—266 begegnet 
uns nun folgender Satz: „One woman", said Sharpitlaw, — 
for, like all rogues, he was a great calumniator of the fair 
sex, — „one woman is enough to dark the fairest ploy that 
ever was planned; and how could I be such an ass as to ex- 
pect to carry through a job that had two in it?" Hierzu ver- 
weist Scott in einer Anmerkung auf das „Journal of Graves 
[sie!], a Bow- Street officer, dispatched to Holland to obtain 
the surrender of the unfortunate William Brodie." 2) In diesem 
Tagebuch Groves', das bereits Creech in seinem Bericht auf 
8.227—239 abgedruckt hat, 3) begegnet bei der Beschreibung 
der Schwierigkeiten, die der Auslieferung William Brodies 
vorangingen, das ungeduldige N. B.: „No mischief but a woman 
or a priest in it, — here both." Daher die Parallele mit 
Sharpitlaw, dem „great calumniator of the fair sex.'' Auch in 
dem Geständnis, das George Staunton, alias Robertson, der 
Schurke des Romans, Jeanie Deans gegenüber ablegt, findet sich 
eine Stelle, die zum mindesten die Erinnerung an Brodies Vor- 
liebe für den Helden der Bettleroper wachruft. Staunton sagt 
da, er habe Effie, seinem Opfer, den Unterschlupf bei der 
Hexe Murdockson anempfohlen „by a letter, in which I recollect 
that I endeavoured to support the cbaracter of Macheath under 
condemnation — a fine, gay, bold-faced ruffian, who is game to 
the last. Such, and so wretchedly poor, was my ambition!"^) 

') Zitate aus der Border Edition, ed. Andrew Lang. 

2) Ebenda S. 802. 

') Jetzt bei Roughead, S. 265—268. 

*) a. a. 0. S. 497. 



221 



Scott hat als Student der Rechte in Edinburgh den Prozefs 
und die Hinrichtung Brodies selbst miterlebt, und wenn er 
von einer Darstellung der damit verbundenen Ereignisse und 
Persönlichkeiten Abstand genommen hat, so ist ihre zeitliche 
und örtliche Nähe für diesen Entschlufs gewifs mit ausschlag- 
gebend gewesen. Und doch: es ist schade um den Stoff, der, 
seiner Feder nicht unwert, sieh unter der Hand des Meisters zu 
einem kulturgeschichtlich und psychologisch gleich interessanten 
Zeitgemälde hätte entwickeln können, denn: „a great man in 
his day was the Deaeon!" 



J 



Zu Marlowes Doctor Faustus. 



Erürtenmg- einiger Probleme 






von 



Richard Rohde. ' 



I 



i 



Die Faiistusliteratur verdankt ihren immer noch wachsenden 
Umfang- nicht so sehr der Bedeutung des Stückes als der 
Schwierigkeit der Probleme, vor die seine Überlieferung uns 
gestellt hat und jetzt, nach Jahrzehnten angestrengter For- 
schungsarbeit, noch immer stellt. Es will mir scheinen, als 
ob neuerdings auch da, wo man festen Boden zu haben glaubte, 
wieder Unsicherheit und Zweifel sich einstellen wollen, infolge 
der manchmal geradezu boshaften Streiche, die der Zufall uns 
bei der Überlieferung dieses Stückes gespielt hat. Ich erinnere 

— um nur auf einzelne Lücken in unserm Wissen hinzuweisen 

— an die Tatsache, dafs der Titel der uns erhaltenen mit 
dem der 1588 erschienenen Faustballade nicht übereinstimmt, 
so dafs das auf uns gekommene Gedicht nicht, wie früher all- 
gemein geschah, zu chronologischen Beweisen benutzt werden 
kann.i) Ferner gehört hierher der Verlust der editio prince2)S 
des englischen Faustbuches, der es uns unmöglich macht zu 
entscheiden, ob, wie wir vermuten und hoffen, die uns erhaltene 
Ausgabe von 1592 mit der verloren gegangenen übereinstimmt, 
oder ob nicht doch die letztere sich in manchen Punkten mehr 
dem deutschen Original näherte. Angesichts der Legion von 
Fragen aber, die auf dem am meisten bearbeiteten Gebiet der 
textlichen Überlieferung nach wie vor der endgültigen Be- 
antwortung harren, darf man sich nicht wundern, wenn hier 
besonders eine Hypothese die andere drängt, und wenn zeit- 
weilig Vermutungen auftauchen, die alles, was als richtig galt, 
über den Haufen werfen wollen. So verlegt z. B. Venzlaff 
(a.a.O. S. 55ff.) die in B erhaltenen Zusätze in das Jahr 1588/89, 
während nach ihm das Machwerk der Herren Birde und 
Rowley verloren gegangen ist. Es würde mich zu weit führen, 



^) Vgl. G. Venzlaff, Textüberlieferung und Entstehimgsgeschichte 
von Marloioes Doctor Faustus. Diss., Berliu 1909, S. 69. 



224 

hier noch einmal im einzelnen auf seine Gründe einzugehen, 
zumal ich glaube, dafs die von H. deVries') und R. Root^) 
gegen ihn vorgebrachten Einwände im ganzen berechtigt sind, 
und dafs Venzlaffs Theorie, weil eine Art Gipfel der Kompli- 
ziertheit und Umständlichkeit, voraussichtlich nicht viele An- 
hänger finden dürfte. Aber — wie auch Root hervorhebt — 
es findet sich in seinen Ausführungen manches Gute, und so- 
viel wird man schon jetzt sagen können, dafs bei der immer 
noch ausstehenden kritischen Ausgabe des Stückes in Einzel- 
heiten B mehr heranzuziehen sein wird, als vorher meist 
angenommen wurde, s) 

Auf S. 123 ff. der oben erwähnten Besprechung geht Root 
auf die von de Vries a. a. 0. S.15ff. aufgestellte Rollen d ruek- 
hypothese ein. Er weist die sämtlichen, z. T. sehr ein- 
sehneidenden Veränderungen, die de Vries vornehmen zu müssen 
glaubte, um den Originaltext herzustellen, als unrichtig zurück 
und erklärt diese Theorie überhaupt für „over-ingenious" und 
unnötig. 

Nun habe ich schon in meiner 1910 erschienenen Schrift 
„Das englische Faustbuch und Marlowes Tragödie" (Morsbach, 
Sind. z. engl. Fhü. 43) auf S. 37ff. und 45 nachgewiesen, dafs 
die einschneidendste der de Vries sehen Änderungen aus inneren 
Gründen nicht richtig sein kann, nämlich die Zerlegung der 
Rofstäuscherszene in zwei von einander getrennte Teile. Auch 
in der Beurteilung der Stellung des Wagnermonologs Z. 1273ff. 
stimme ich Root 4) zu. Jedoch kann ich seine Gründe für die 
Beibehaltung der Stellung des Chorus Z. 922 ff. nicht aner- 
kennen. In der aus Shakespeares Heinrich V. (Schlufs des 
Prologs zu Akt II) zum Beweise herangezogenen Stelle liegen 



^) Die Überlieferung von Marlowes Doctor Fausfus, Halle 1909 
(Morsbach, Sind. z. etigl. Phil. 35). Vgl. besonders Anhang 1. 

^) Robert K. Root, Besprechung der drei 1909 erschienenen, das 
Textproblem behandelnden Schriften voti Vetizlaff, K. Schröder und de Vries. 
In Engl. Studien 43, 117 ff., vgl. besonders S. 130. 

^) Vgl. hierzu z. B. Root, Two notes on Marloive's Doctor Fanstiis. 
Engl.Stud. 43, 144fif. 

*) Prof. Morsbach, welcher am 10. Juli 1910 den Marloweschen 
Faust von Güttinger Studenten zum erstenmale in Deutschland öffentlich 
aufführen liefs, hatte diesen Monolog gleichfalls (gegen de Vries) an seiner 
überlieferten Stelle belassen. 



I 



I 



225 

die Verbältnisse doch vollkoinnicn anders als im Faustus. Root 
selbst räumt dies ein, wenn er sagt: „In Henry V. the delay 
is expressly provided for in the final lines of thc Chorus" 
(S. 124). In diesen Scbliü'szcilen wird ausdrücklich gesagt, 
dafs die Szene noch nicht sogleich nach Soutbampton ver- 
legt werden soll, sondern erst später. Dies ist im Faust nicht 
der Fall; jeder Zuschauer mufste die Szene am Kaiserhof 
erwarten. Wo wir sonst im Drama einen Chorus haben, so 
vor Szene I und VII, folgt stets unmittelbar darauf die Szene, 
auf die seine Worte hindeuten. So ist denn auch bei einer 
Aufführung des Stückes, die unter Roots Leitung im Frühjahr 
1907 in Princeton stattgefunden hat, der Chorus tatsächlich an 
die Stelle gerückt, an die er gehört, vor die Kaiserhof szene. ') 
Root hat damit selbst den Beweis dafür geliefert, dafs der 
Text nicht so einwandfrei ist, als er ihn hinstellen möchte. 

In engstem Zufiammenhange mit der Frage nach der 
Stellung des Chorus steht das schwierige Problem der beiden 
allgemein als echt geltenden Robin-Ralph-Szenen (Sz. VIII 
und IX in Qu. A). Wie die Erwähnung von Konstantinopel 
(Z. 1018 und 1020) beweist, steht Szene IX mit Recht hinter 
Szene VII, da Faust auch im Volksbuch erst nach Rom, dann 
nach der türkischen Hauptstadt kommt. Die Frage ist aber, 
ob sie ursprünglich auch, wie Root S. 124 ff. vermutet, un- 
mittelbar auf Szene VIII folgte. In der von Marlowe am 
sorgfältigsten komponierten Szenenreihe I — V finden wir jenen 
Parallelismus von ernsten und komisehen, Haupt- und Neben- 
szenen, jenen „starren Schematismus"', der Marlowe eigentüm- 
lich ist. 2) Nirgends in der ganzen Quarto A haben wir zwei 
Szenen hintereinander, in denen der Titelheld nicht auftritt. 
Diese Erwägung, sowie die Tatsache, dafs — wie die Stellung 
des Chorus zeigt — die ganze Partie zwischen Szene VII und 
X in Unordnung ist, läfst darauf schlielsen, dafs VIII und IX 
ursprünglich auch nicht zusammen standen. Dazu kommt die 
Bühnenanweisung Exeunt — Entcr zwischen zwei Szenen, in 
denen dieselben Personen auftreten, wie auch die Stellung in 
der Quarto von 1616, wo die Szene VIII vor dem die Vatikan- 



1) Vgl. Engl. Stud. 43, S. 130. 

*) R. Flacher, Kunst entivicklung, S. llSflf. 

Studien z. engl. Phil. L. 15 



226 

Szene eiuleitenden Chorus steht. Auch Venzlaff (a. a. 0. S. 32) 
hält die Stellung VIII vor IX für unmöglich und vermutet 
aufserdem mit Recht, dafs Szene V und VI in A höchstwahr- 
scheinlich durch eine Zwischenszeue getrennt gewesen sind 
(S. 30). Jedoch meint er, dies sei ein Chorus oder ein dumhshoiv 
gewesen und hält es nicht für angängig, zur Lösung der 
Schwierigkeiten einfach der Szene VIII den Platz zwischen V 
und VI anzuweisen. Wie sollte sie von dort weggekommen 
sein? Das ist die Frage, und hier ist nun meiner Ansicht nach 
der Punkt, wo der de Vriessche Gedanke allein helfen 
kann. Der Text der Quarto mag im übrigen entstanden sein, 
wie er will. Ich selbst halte es — im Gegensatz zu der 
1910 von mir vertretenen Ansicht — nicht mehr für wahr- 
scheinlich, dafs das ganze Stück nach Einzelrollen rekonstruiert 
ist. Furnivall spricht in seinem Vorwort zum Faksimile der 
ersten Hamlet-Quarto ja auch nur von den Abschriften einzelner 
weniger Rollen (des Horatio z. B.), die neben dem Steno- 
gramm zur Hand waren.') Ähnlich mag mau sich auch hier 
die Entstehung der Quarto A denken. Wenn jedoch der 
Drucker den Text einem Stenogramm verdankte oder auf 
irgend eine andere Weise erhalten hatte — ich will diese 
Frage nicht entscheiden; mit positiver Sicherheit wird sie nie 
entschieden werden — so steht fest, dafs sein Text ihn an 
dieser Stelle (Chorus 922 ff. und Robin-Ralph-Episode) gänzlich 
im Stich gelassen hat. Um aber aus dem unleugbar vor- 
handenen Dilemma herauszukommen, ist meines Erachtens der 
gangbarste, ja, bis ein besserer gefunden wird, einzige Weg 
die Annahme, der Drucker habe sich, um den Text zu ver- 
vollständigen und zu verbessern, die Rollen der in diesen 
Szenen tätigen Schauspieler verschafft und nun die Szene VIII 
und manches andere an einen falschen Platz gestellt. Nur so 
ist es möglich, den gestörten Parallelismus herzustellen, den 
Chorus 922 ff. vor die Kaiserhofszene zu setzen, wohin er un- 
bedingt gehört, und endlich die am Schluls der Szene IX 
(Z. 1007 ff.) vorhandene Unordnung zu beseitigen. Die Sach- 
lage ist also, um noch einmal zusammenzufassen, die: Roots 



*) Vgl. Münckemeyer, Prolegomena zur Darstellung d. engl. Volks- 
bühne (Diss., Göttingen 1905) S. 6S. 



227 

Ansicht, der betreffende Teil der Qu. A biete den ursprüngliebeu 
Text, seheint mir nicht haltbar. De Vries' Hypothese aber ist 
in dem Umfange, wie er sie anwenden will, ebenfalls zurück- 
zuweisen. Sie mufs insofern modifiziert werden, als man sieh 
eine Entstehung des Textes nur nach Rollenniederschriften 
nicht gut vorstellen kann. Der als Grundlage dienende Text 
wurde, wo er versagte, nach den Rollenniederschriften ergänzt 
und verbessert. Die Annahme einer solchen Ergänzung ist 
meiner Ansicht nach notwendig, so weit die Robin-Ralph- 
Episode und der mit ihr in Kollision geratene Chorus in 
Frage kommt. Ob und wie weit sonst noch, weifs ich nicht; 
auf jeden Fall aber ist eine solche Theorie nur mit der aller- 
gröfsten Vorsicht in die Praxis zu übersetzen, da sie sonst der 
Willkür Tor und Tür öffnet. De Vries hat sich sicherlich 
manchmal mehr von seinem subjektiven Gefühl leiten lassen, 
als seinem Zweck dienlich war. 

Gegenüber diesen Problemen ist die Frage, ob ursprünglich 
eine Akteinteilung vorhanden war (vgl. de Vries, a. a. 0. 
S. 20f.), ob und wie wir diese wiederherstellen können, von 
geringerer Bedeutung. Es ist aber wohl anzunehmen, dafs der 
Dichter sein Stück in der üblichen Weise einteilte. Da ich 
diese Frage in meiner Abhandlung S. 59 f. besprochen habe, will 
ich hier nur auf meine dortigen Ausführungen hinweisen. 

Ich wende mich dem zweiten Teil meiner Aufgabe zu, 
einer Erwiderung auf mehrere Einwände, die Max Förster i) 
gegen meine Vermutungen über die Entstehung des englischen 
Faustbuches erhoben hat. 

Der Gedanke, die Abfassung des englischen Faustbuches 
könnte mit John Dees Aufenthalt in Deutschland in Zu- 
sammenhang stehen, kam mir bei der Lektüre der Abhandlung 
von Herzfeld, Zur Geschichte der Faustsage in England und 
Frankreich (Tobler- Festschrift, Braunschweig 1905), die ich 
leider durch einen Zufall erst zu Gesicht bekam, als meine 
Arbeit schon druckfertig vorlag. Ich habe deshalb nur die 
Gründe, die mir für einen solchen Zusammenhang zu sprechen 
schienen, meinen Ausführungen eingefügt, ohne an eine syste- 
matische Untersuchung herantreten zu können. Letzteres wird 



') Shakespeare -Jahrbuch 47, 360 ff. 

15* 



228 

mir auch in den nächsten Jahren ebensowenig möglich sein 
wie das von Förster empfohlene Studium der Geschichte der 
deutschen Schottenklöster, bei dem übrigens wahrscheinlich 
anch der Erfolg in keinem Verhältnis zu der aufgewandten 
Muhe stehen würde. Doch will ich hier wenigstens noch auf 
einige Punkte hinweisen. Wenn es Max Förster bedenklich 
erscheint, dals ein so gelehrter, geistig hochstehender Natur- 
wissenschaftler wie John Dee sich mit der Adaption eines 
simplen Volksbuches befafst haben sollte, so ist dagegen ein- 
zuwenden, dafs es sich hier doch um ein ganz besonderes 
Volksbuch handelt, dessen Stoff die ganze damalige Welt 
mächtig packte und einen John Dee ebenso gut interessieren 
konnte, wie einen Mario we. Zumal jener selbst eine Art Faust 
war und vielleicht bei seinen alchemistischen Studien und 
Experimenten oft ähnliche Gedanken hatte, wie sie die Historie 
ihrem Helden zuschreibt. Ferner geht aus vielen Anzeichen, 
so z. B. aus der angebahnten Umgestaltung des Fausteharakters, 
hervor, dafs der Übersetzer ein Mann gewesen sein mufs, dessen 
geistiger Horizont ein wesentlich weiterer war als der des 
Deutschen, und dafs er sich dessen auch bewufst gewesen ist. 
Max Förster meint, dafs die elementare Astronomie seiner 
Vorlage Dee, dem feinen Mathematiker, sicherlich nur ein mit- 
leidiges Lächeln abzugewinnen vermochte. Nun, wir glauben 
dies Lächeln zu sehen, wenn er im Gefühl seiner Überlegenheit 
schreibt: „/ ivil opcn vnto theo tlie diuinc opinion of tliis 
confused Chaos, farre more than any rüde Germane 
Author . . . tvas ahle to iitter (S. 50), und wenn er gerade die 
ganzen astronomischen Kapitel gründlich umarbeitet. Nirgends 
im ganzen deutschen Faustbuch tindet sich eine Stelle, die wie 
die folgende auf Kenntnis des Kopernikanischen Systems 
hindeutet : „We thinJce that the Sunne rimneth his course . . . 
no, . . . the Sun ahideih perpetually in this place, and although 
ivee See him heginning to ascend in the Orient or East . . . yet 
Tie moueth not" (S. 50). So verstehen wir, wenn er sich anders- 
wo (S. 63) mit berechtigtem Stolz einen „man of understanding" 
nennt. Diese Bedenken Försters scheinen mir also nicht er- 
heblich. — Ein Vergleich der Sprache John Dees mit der des 
Faustbuehes dürfte wenig zur Lösung der Frage beitragen, da 
der Stil eines Schriftstellers sich ändert und die Sprache hier 



220 

aufserdem viel zu sehr durch die Vorlage bedingt ist, als dal's 
sie genug charakteristische Eigenheiten aufweisen könnte, um 
damit etwas, sei es für oder wider, zu beweisen. 

Schlielslich meint A[ax Förster, eine systematische Unter- 
suchung müfste erst festlegen, ob wirklieh gerade Ostdeutsch- 
land soviel besser in den geographischen Znsätzen des eng- 
lischen Faustbuches wegkomme. Eine solche genaue Prüfung 
hat mir eben gezeigt, dafs die vielen Zusätze, die der Eng- 
länder bei allen möglichen Städten Deutsehlands und Italiens 
macht, ganz verschiedenen Wert haben, wenn sie auch mit 
derselben, etwas selbstgefälligen Sicherheit gemacht werden. 
Ich erinnere an die Stelle S. Gl (Beschreibung von Basel), wo 
er sagt : „No Churcli pleased him but the Jesiiites Church, ivhich 
iims so sumptuoushj huilded and leset füll of Alabaster pülers." 
Ein Zusatz, von dem man an sich wohl annehmen könnte, dais 
er auf eigener Anschauung beruhe, der aber nichtsdestoweniger 
gänzlich unrichtig ist, wenn auch nicht so unsinnig wie der 
bei der Beschreibung von Regensburg. Hier verlegt nämlich der 
Engländer durch die Hinzusetzung des Wortes „thereon" die 
Remigiuskirche auf die Donaubrücke! (the bridge ouer thc 
same water, ivith the church standing thereon, S. 64). Be- 
sonders eingehend behandelt Max Förster die Zusätze bei 
Würzburg, die ich natürlich auch schon auf ihre Richtigkeit 
hin geprüft hatte, ohne in meiner Arbeit darauf einzugehen. 
Genau sind auch sie nicht; denn der Marienberg liegt west- 
lich von der Stadt, nicht „on the North side". Doch kommen 
solche Uugenauigkeiten auch bei den Schilderungen der ost- 
deutschen Ürtlichkeiten vor (z. B. bei der Angabe der Lage 
von Kazimierz S. 67). Aber nun kommt die Hauptschwierigkeit, 
der mit solchem Enthusiasmus beschriebene Altar (S. 63, 
Förster, a. a. 0., S. 362). Ist es möglich, dafs von einem selchen 
Kunstwerk, das mit ebenso grofser Bewunderung geschildert 
wird wie das Stralsburger Münster, nicht die geringste Spur 
geblieben sein sollte, keine Notiz in irgend einer Chronik, 
einer Urkunde, einem der zahlreichen deutschen und lateinischen 



1) Vgl. Loge mau, The English Faust-Book of 1592, S. 102. Bezieht 
man thereon auf tvater statt auf bridge (gegeu Logeman) und übersetzt es 
„daran", so wird der Uasinu, uiclit aber die Uurichtigkeit beseitigt. 



230 

geographiselieii Werke? Das ist undenkbar. AVenn wir nicht 
reine Phantasterei annehmen wollen, wie Logeraan, wohl mit 
Unrecht, tut, so bleibt nur die Möglichkeit einer Verwechslung 
mit einem xVltar in irgend einer andern Stadt; aber von 
Autopsie kann keine Rede sein. — Zu den eben besprocheneu 
Zusätzen tritt für den Westen Deutsehlands nur noch eine, 
die schon erwähnte Beschreibung des Strafsburger Münsters, 
die bei der Weltberühmtheit dieses Bauwerks auch nicht als 
Beweis für einen Aufenthalt in dieser Stadt benutzt werden 
kann. Über die bei den Beschreibungen von Basel und Konstanz 
hinzugefügten Anekdoten habe ich mich auf S. 7 f. meiner 
Arbeit ausgesprochen. 

Als nachweisbar richtige Zufügungen bleiben also für 
ganz Deutsehland abgesehen vom Osten nur die folgenden: 
bei Stralsburg die Beschreibung des Münsters, bei Würzburg 
die Feststellung, dals das Schlols auf einem Hügel steht, 
an dessen Fufse sich eine Kirche befindet, ferner die Angabe, 
dals der Main durch die Stadt flielst, nicht „daneben", wie 
es bei Spies heilst. Wenn man hiermit Zahl und Art der Zu- 
sätze vergleicht, die der Engländer bei Prag, Krakau und der 
Umgegend der letzteren Stadt macht (S. 65 — 67), so ist meines 
Erachtens kein Zweifel mehr, welcher Teil von Deutschland 
am besten wegkommt. — Wie ich an dieser Stelle einschieben 
will, wird die Richtigkeit eines der von dem Engländer ge- 
machten Zusätze, ,^the Garden ivhcre all manner of sauage 
Beasts are kept" (Besehreibung von Prag, S. 65), gestützt 
durch eine spätere Notiz, die sich in der Cosmo(jraphia pro- 
sometrica von Steph. Ritter (Marburg, 1619) findet: „Est ctiam 
hie viridarium regium amoenissimum variis exoticis planus et 
stirpibus heue excultum, in quo etiam visuntur areae, in quibus 
. . . herhae e terra pullulant. Äluntur etiam hie ligneis cancellis 
inclusi leones" (Beschreibung von Prag, S. 1014 f.) Hiernach 
wird doch wohl, wenn man die übrigen von mir a. a. 0. 
S. 4f. zusammengestellten, nachweisbar richtigen Zusätze mit 
in Betracht zieht, nicht mehr behauptet werden können, 
dals diese Angabe in das Reich der „phantastical stories" 
gehöre. 

Was nun die Frage nach der zweiten schriftlichen Quelle 
neben Spies anlangt, deren xVnnahme Max Förster auch jetzt 



231 

noch nicht völlig ausgeschlossen erscheint, so habe ich in 
diesem Jahre noch einmal, was mir in der Göttinger Universitäts- 
bibliothek an lateinischen, französischen, deutschen geo- 
graphischen Werken erreichbar war, geprüft.') Mit völlig 
negativem Erfolge. Fester als je bin ich nach dieser Prüfung 
davon überzeugt, dafs eine schriftliche Quelle, ein Buch, aus 
dem der Engländer abgeschrieben haben soll, wie Logeman 
meint, nie gefunden werden wird. Was die Zusätze des Eng- 
länders charakterisiert, ist gerade die persönliche Note, das 
otfene Auge und Ohr, das Bestreben, anscliaulich zu schildern. 
Man vergleiche mit den trockenen Aufzählungen der Sehedel, 
Münster, Postellus, Schardius, Andre Thevet etc. und ihres 
darin getreuen Abbildes, der auf Schedel beruhenden Be- 
schreibung bei Spies, einmal die kurze Stelle über das nicht 
weit von Krakau liegende Salzwerk, unter dem nach meiner 
Ansicht nur Wieliczka zu verstehen sein kann (S. 67), Man 
sieht sie vor sich, die kolossalen, neunhundert bis tausend Pfund 
schweren Steinsalzblöcke, mit ihrer Erdkruste „as hlack as the 
NetvcasÜe cooles", wenn sie losgebrochen werden, aber „as white 
as snoive", wenn sie zerschlagen sind. Die einzige Beschreibung 
von Wieliczka, die mir begegnet ist, findet sich in der „Cos- 
mograplüe universelle" von Andr^ Thevet (Paris, 1575) II, 
Livr.XX, Cap. 2, S, 884r: „Je ne veux ouhlier un village, nomme 
Wislicie, distant de quelques cinq Heues de Cracovie, aupres 
duqiiel y a force marests et de Grenouilles une milliace, les- 
quelles ne crient en Hyver ne en Este, comme fönt Celles de 
pardega . . ." Dann folgt eine Anekdote von der Heilung eines 
Kranken durch die Galle eines Fisches und eine Beschreibung 
der grolsen Müekensch wärme. Von dem Wichtigsten, dem 
Salzwerk also keine Spur.-) — Da das nicht uninteressante 

') Mit freundlicher UnterstUtzaug des Prlvatdozentea Dr., August 
AVolkenhauer in Göttingen, sowie meines Bruders, des wissenschaftlichen 
Hilfslehrers Martin Rohde, damals in Güttingeu. 

2) Ebenso erwähnt der Verfasser des deutscheu suwohl wie der des 
englischen Faustbuches in dem verhältnismäfsig langen Abschnitt, der von 
der Stadt Köln handelt (Spies, S. 60f., Engl. F.-B. S. 60) wohl die ganz 
unbedeutende Kirche von St. Ursula, nicht aber den gewaltigen Torso des 
Domes, der damals schon seit langer Zelt das Wahrzeichen der Stadt war. 
Beide kannten Köln ebensowenig ans eigener Anschauung wie der Franzose 
Wieliczka. 



232 

Werk des Frauzoseu Andr6 Thevet vielleicht mancliem Leser 
nicht so leicht zugänglich ist wie die deutscheu und die in 
Deutschland entstandenen lateinischen geographischen Werke,') 
setze ich noch als ein Beispiel für viele seine Beschreibung 
der Stadt Prag hierher (a.a.O. II S.912r.): 

„ . . . Fragile ... est dkiisee en trois; une est apj^elUe la 
jpetite Prague, laquelle est arrousee du fleuve Molta: puis y 
est la nouvelle Prague: l'autre la vieille Prague, tonte posee 
en la planure, oh est le Palais, oü les causes se vuident, et 
le College Royal: et est jointe ä la petite Prague par un pont 
de xnerre, oü y a 24 arceanx sur le Molta: et en ceste petite est 
Vcglise Cathedrale. Ceste rille se peut esgaller ä Florence en 
Itale, soit en beautc, soit en grandeur" Sehen wir von dem 
Vergleich mit Florenz ab, so wird jedem die Ähnlichkeit mit 
dem Bericht des deutschen Volksbuches auffallen, die bis zu 
der — auch von dem Engländer gebrachten — Zahl 24 der 
Brückenbogen geht. Von dem, was der Übersetzer selbständig 
hinzugefügt, findet sich hier ebensowenig wie in den deutschen 
und lateinischen Werken jener Zeit, soweit sie mir zur Kenntnis 
gekommen sind. 

Ich muls also, um zum Schlüsse zu kommen, noch einmal 
betonen, dafs ich, nach weiterer eingehender Prüfung der vor- 
liegenden Tatsachen, die Annahme einer zweiten schriftlichen 
Quelle des englischen Faustbuches neben Spies (abgesehen 
vielleicht von handschriftlichen Einzeluotizen) nach wie vor 
für ausgeschlossen halte. Ebenso erscheinen mir die von Max 
Förster erhobenen Bedenken nicht erheblich genug, um die 
Vermutung, John Dee stecke hinter dem anonymen Verfasser 
des englischen Faustbuches, zu widerlegen. Es liegt bis jetzt 
keine Tatsache von Belang vor, die sich gegen diese von mir 
aufgestellte und mit äufsern und Innern Gründen gestützte 
Hypothese mit Erfolg ins Feld führen lielse. 



') Von letzteren nenne ich aufser Simon Scliardius, Historicum 
opus (Basel 1574) und Gull. Postellns, Cosmographicae disciplinae com- 
pe)idium (Basel 1561) noch: Franciscus Irenicus, Gerinaniae exegeseos 
vol. XII (Hagenau 1518). 



W.M.Thackerav über die Liebe. 



Von 



Theodor Mühe. 



To loce and tvin is ihe best thmg, 
to love and lose is the next best. 

In allen grolsen und in den meisten kleineren Werken 
W. M, Thackerays ist Liebe, im weitesten Sinne, letzten Endes 
das ausschlaggebende Agens allen Geschehens, und an der be- 
sonderen Art, Tvie seine einzelnen Geschöpfe sich als Liebende 
oder Geliebte verhalten, pflegt der Dichter in erster Linie ihre 
Persönlichkeit überhaupt deutlich zu machen. Trotzdem ist 
kaum ein Schriftsteller in der neueren Romanliteratur so be- 
harrlich und ängstlich wie gerade Thackeray an der Detail- 
schilderung von Liebesszenen vorbeigegangen, und hat es 
keiner so konsequent vermieden, das Seelenleben Liebender in 
Individualfällen zu analysieren, wie dieser Meister realistischer 
Kleinmalerei und psychologischer Analyse. Die Erklärung 
dieses seltsamen Widerspruchs gibt an zwei Stellen seiner 
Romane der Autor selbst. In der Shabby Genteel Story 
S. 80 ') sagt er : It cannot he from want of experietice tliat I am 
imable to descrihe, step hy step, the progress of a love affair; 
nay, I am perfectly certain that 1 could, if I chose, maJce a 
most astonishing and heart-rending Über amoris; hut never- 
theless, I ahvays feel a rast repugnance to ihe followmg out 
of a subject ofthis Jciml, which I attribute to a natural diffidence 
and sharne that prevent me from enlargmg on a theme that 
has in it something sacred — certain arcana which an honest 
man, althoagh initiated into them, should not divulge. 



') Alle Zitate beziehen sich auf die Gesamtausgabe von Thackerays 
Werken in 26 Bänden im Verlage von Smith, Eider & Co., London. Die 
im gleichen Verlage 1SS6 veröffentlichten Extracts from the Writings of 
W. M. Thackeray enthalten gleichfalls einen Teil der weiterhin gegebeneu 
Belege, waren aber für die folgenden Ansfiihrungen ebenso wie für meine 
früheren üntersachungen zu Thackerays Ethik nicht verwendbar. 



ä 



235 

If such coy scniples and UusMikj delicact/ prevent one 
from passing the threshold even of an honowahle love, and 
setting down, at so mang guineas or Shillings per page, the 
pious emoUons and tendernesses of two persons chastelg and 
legally engaged in sighing, ogJing, hand-squceziiig, kissing, and 
so forth (for with such outward sig7is I belicve that the passion 
of love is expressed), if a man feel, I sag, squeamish about 
descrihing an innoce^it love, he is douhly disinclined to descrihe 
a guiJty one; and 1 haue alwags feit a kind of loathing for 
the skill of such geniusses as Eoassean or llichardson, who 
could imint ivhith such painful accuracy all the struggles and 
woes of Hclo'ise and Clarissa, — all the ivicked arts and 
triumphs of such scoundrels as Lovelace. 

Diese Bemerkungen finden ihre Ergänzung im 2. Band der 
Vivginiaus S. 171: I protest for one, love is sacred. Wherever 
I see it (as one sometimes may in the ivorld) shooting suddenly 
out of two pair of eyes; or glancing sadly even from one pair; 
or looking doivn from the mother to the haby in her lap; or 
from papa at his girVs happiyiess as she is whirling round the 
room with the captain; or from John, Anderson, as his old 
tvife comes into the room — the bonne vieille, the ever 
peerless among women; wherever I see that signal, I sag, let 
US salute it. It is not only ivrong to Jciss and teil, but to teil 
about kisses. Everybodg who has been admitted to the mystery, 
— hush about it. Down with him qui Deae sacrum vulgat 
vulgarit arcanae. Beware how you dine ivith him, he will 
print your private talk : as sure as you sail with him, he will 
throw you over. 

Die Scheu vor der Entweihung von etwas Heiligem, als 
das ihm unter allen Umständen die Liebe galt, und zugleich 
das Gefühl eine Art Vertrauensbruch zu begehen durch Ent- 
hüllung von Gedanken und Gefühlen, die jeder nur sieh selbst 
oder doch nur einem einzigen anderen Mensehen einzugestehen 
pflegt, hinderte Thackeray, anders als andeutungsweise und 
skizzenhaft auf die Bekundungen der Liebe und Leidenschaft 
bei seinen Personen einzugehen. Vielleicht werden solche zu- 
mal bei einem realietischen Schriftsteller immerhin etwas 
eigentümlich anmutenden Bedenken einigermafsen begreiflich, 
wenn man sich Thackerays ganz einzigartiges Verhältnis zu 



236 

den von ihm gescbaffeDen Gestalten vergegenwärtigt. .,1 donH 
control my characters, I am in their hands, and they talce me 
where they please. The personage does or says something, and 
I asl; »How the diclcens did he come to thinh ofthat?«'', sagt 
er von ihnen. Sie sind ihm durchaus Realitäten, gute Be- 
kannte, deren Denken und Handeln vor ihm wie vor einem 
Beichtiger offen daliegt, und zu denen er höchst persönliche 
Beziehungen von Sympathie und Antipathie unterhält, wenn- 
schon er durch die Objektivität seines Urteils über sie zu 
zeigen weifs, dafs alles verstehen alles verzeihen heilst. Mag 
sieh der Dichter nun im allgemeinen auch an das Beicht- 
geheimnis durchaus nicht gebunden halten, für ihr Liebesleben 
heilst es bei ihm in gewisser Beziehung: Diskretion Ehrensache! 

Diese Rücksicht auf seine eigenen Geschöpfe darf nicht 
als eine Art Maskierung engherziger Prüderie, wie sie Thackeray 
wohl gelegentlich vorgeworfen wird, aufgefafst werden; sie ist 
vielmehr der aufrichtige Ausdruck einer feinfühligen Ritter- 
lichkeit. Dals Thackeray durchaus nicht prüde ist, und im 
gegebenen Zusammenhang die Dinge sehr wohl beim rechten 
Namen zu nennen weils, davon ist im folgenden mehr als ein 
Bew^eis enthalten. So spärlich und unbestimmt nämlich in 
seinen Romanen Liebesbeziehungen in ihrer Entstehung und _ 

Entwicklung an konkreten Handlungen und individuellen Seelen- IJ 

Vorgängen praktisch demonstriert werden, so reichlich und 
präzise unterrichten uns über des Autors Beobachtungen und 
Auffassung über die Liebe zahlreiche theoretische, durch eine 
Fülle überaus lebendig erschauter Musterbeispiele illustrierte 
Erörterungen, die zwischen der Schilderung der Begebenheiten 
eingestreut sind. ') Diese Erörterungen mögen über das vor- 
liegende Thema Auskunft erteilen. 

Liebe im weitesten Sinne ist für Thackeray die in allen 

Menschen vorhandene Fähigkeit zum Altruismus; sie ist die 

eigentliche ethische Kraft, die je nach dem Grade ihrer Stärke 
den moralischen Wert jeder Persönlichkeit bestimmt; sie ist 

das Mysterium, durch das der Mensch über die Schranken 

') Über den Zusammenhaug von Thackerays Auffassung der Liebe 
mit seiner Ethik überhaupt, soweit diese aus direkten Zeugnissen zu er- 
schliefsen ist, cf.: Zw Ethik W. M. Thackerays , Prograrambeilage der 
O.-R.-S. Hamburg, Eimsbüttel 1910. 



237 

seiner ludividualität liinaiisg'cliobeii wird «nd sich selbst im 
Nächsteu ahnt; in dem er sieh geborgen fUhlt, und dem er in 
entscheidenden Lebensfragen mehr vertraut als selbst seinem 
Egoismus: What is the sccrct mcsmcrism tvhlch frmulship 
jjossesses, and ander which a person ordinarily sluggish or cold, 
or timid, hecomes wisc, adive and resolute, in anothcr's hchalf'^ 

— you sce, under the magnctism of frioidship, the modest man 
beconie bohl, ihe shij confident, the lazy adive, or the impetuous 
prudent and peacefal. What is it, an the other hand, that 
makes the lawyer escheiv his oivn cause, and call iii his learned 
hrother as an aduiser? And what causes the dodor, when 
ailing, to send for his rival, and not sit doiun and examine 
his own tongue in the chimney glass or ivrite his own pre- 
scription at his study-faUc? (Vanity Fair I, 234). 

Unbegreiflich in ihrem Ursprung und ihrer Wirkung, ist 
die Liebe — wie der Hafs — eine elementare Gewalt, die 
aller Berechnung spottet: Pcoplehaie, as they love, ureasonahly. 
Whether is it the more mortifying to us, the feel that we are 
disliJced or liJced undcservedly? (New com es II, 205). 

Die Liebe ist überall die gleiche geheimnisvoll heilige Macht, 
„shooting suddenly out of two pairs of eyes, glancing sadly 
even from one pair, looJcing doivn from the mother to the haby 
in her lap, or from papa at his girVs happiness, or from John 
Anderson as his old ivife comes into the roo7n" (s. o.). Es gibt 
nicht verschiedene Arten der Liebe, sondern nur verschiedene 
Anlässe zu ihrer Betätigung; es gibt also auch in diesem Sinne 
keine erste, zweite und fernere, sondern immer nur die eine 
Liebe, die von Anbeginn in der Natur eines jeden Menschen- 
kindes begründet liegt und der Betätigungsgelegenheit harrt: 

I donH believe there is any such thing Jcnoivn as first love 

— 7iot within man's or tvoman^s memory. No male or female 
rememhers his or her own christening. What? You faricy that 
your sweet mistrcss, your spoiless spinster, your blanJc maiden 
just out of the schoolroom, never carcd for any but you? And 
she teils you so? 0, you idiot! When she was four years old 
she had a tender feeling towards the Buttons who brought the 
coals up to the nursery, or the little sweep at the crossing, or 
the music master, or never mind whom. She had a secret 
longing towards her broihe/s schoolfellotv, or the third charity 



238 

hoy at church, and if occasion liad scrved, the comedij enacted 
ivith you liad heen performed along with another. I do not 
mean to saij that shc confesscd this amatory sentiment, hut that 
she had it. Lay doivn this page, and thinh how many and 
many a time you ivcre in love before you seleded the present 
Mrs. Jones as the partner of your name and aff'ection 
(Virg-inians I, 206). 

Unter den Anlässen zu altruistischer Betätigung hat der 
Geschlechtstrieb den Geist der Liebe zu beschwören die all- 
gemeinste und gröfste Macht. Durch ihn geweckt und von 
ihm beherrscht, dient die Liebe der Erhaltung der Gattung. 

If Nature had not made that j^^'ovision for each sex in the 
credulity of the other, which sees yood qualities where 7ione 
exist, good looJcs in donheys eai's, wit in their numshulls, and 
music in their hray, there would not have heen near so much 
marrying and giving in marriage as now obtains, and as is 
necessary for the due propagation and cojitinuance of the noble 
raee to ivhich we belong (Pendennis IT, 301). Mit unge- 
schminkter Deutlichkeit wird der wahre Sinn der durch Eros 
entzündeten Liebe gegenüber ethischem und religiösem Phrasen- 
tum hervorgehoben. Daher heilst es mit Bezug auf den 
Mann: 

What is the meaning of fidclity in love, and whence the 
birth of it? 'Tis a state of mind that men fall into and 
depending on the man rather than the woman. We love being 
in love, ihafs the truth on't. If ive had not met Joan, we 
should have met Kate, and adorcd her. We Jcnoiv our inistresses 
are no better than many other ivomen, nor no wittier. 'Tis 
not for these reasons we love a woman or for any special 
quality or cliarm I knoiv of; tve might as well demand that a 
lady should he the tallest woman in the ivorld like the 
Spropshire giantess, as that she should be a paragon in any 
other character, before we began to love her (Esmond 11,288). 

Und von der Frau gilt im wesentlichen dasselbe: 

You have an instinct ivitldn you which inclines you to 

attach yourself to some one: you meet Somebody: you hear 

Somebody constantly x^raised: you walk, or ride, or lüaltz, or 

talJc, or sit in the same pew at church with Somebody: you 



239 

meet again and again, and — »3farriages are made in Rcaveni-, 
your dear manima saijs, xrinning gour orange-flower wreath on, 
tvith her hlcssed eyes dinimcd ivith tears — and thcrc is a 
ivedding hvcalcfast, and you iahe off your white salin and retire 
to your coach-and-four, and you and he are a happy jiair — 
Or, the affair is hrolcen off, and then, poor dear wounded heart! 
ivhy then you meet Somebody Else, and tivine your young 
affedions round numher tivo. It is your nature so to do. Do 
you suppose it is all for the man's sähe that you love, aiid not 
a bit for your oivn? Do you suppose you ivould drinlc if you 
were not thirsty, or eat if you were not hungry? (Pendennis 
II, 164). 

Die Tatsache, dafs in diesem Zustande alle altruistischen 
Kräfte, die bei der Mehrheit der Menschen sonst latent zu 
bleiben pflegen, plötzlich frei werden und die Natur des ein- 
zelnen in g-anz ungewohntem, abnormem Lichte erseheinen 
lassen, gibt nicht selten der Liebe den Anstrich einer Krank- 
heit. Infirmity, evil, disease, siehiess, complaint, intoxicatiofi, 
delirium werden daher bei Thackeray als Synonyma für love 
gebraucht. Das Übel erfafst jeden zu seiner Zeit und nimmt 
fast stets denselben typischen Verlauf: 

For it is my opinion, Madam, that love is a bodily i7i- 
firmity, from which humanhiyid can no more escapc than from 
small pox; and ivhich attracts euery one of us, from ihe first 
duhe in the Feerage down to Jach Ketch inclusive; ivhich has 
no respect for ranh, virtue or roguery in a man, hut sets each 
in his turn in a fever; which breahs out the deuce hnoivs hotv 
or ivhy, and raging its appointed time, fills each individual of 
the one sex with a blind fury and longing for some one of 
the other (who mag be pure, gentle, blue-eyed, beautiful, and 
good; or vile, shrewish, squinting, hunchhached, and hideous, 
according to circumstances and luch) ; ivhich dies aivay, perhaps 
in the natural course, if left to have its wag, but which contra- 
diction causes to rage more furiously than ever (Catherine 
IL 31). 

Die Symptome dieser Krankheit, die in Wirklichkeit keine 
ist, sind nun infolge des Gegensatzes von Schein und Sein für 
den Unbeteiligten äufserst belustigend. Mit besonderem Nach- 
druck verweilt der Dichter immer wieder auf der Blindheit 



240 

gegenüber allem Realen, mit der Liebende geschlagen zu sein 
pflegen; so wenn es sieh um den vor keinem Vernunfttribunal 
zu rechtfertigenden Energieaufwand handelt, der in solchem 
Zustande entwickelt wird: 

The heilig ivhom a young man wishes to see, he sees. What 
business is supcrior to that of seeing her? 'Tis a litth Helles- 
pontine matter Jceeps Leander from his Ilero? He ivould die 
rather than not see her. Had he sivum out of that difficulty 
071 that stormy night and carried on a few months later, it 
might have been: »Belored! my cold and rheumatism are so 
severe that thc doctor says I must not thinh of cold bathing 
at night <.<; or »Dearestf ive have a party at tea, and you 
must'nt exped your ever fond Lambda to night <.<■, and so forth, 
and so forth. But in thc heat of his 2)assio7i water could not 
stay him; tempest could yiot frighten him; and in one of them 
he went down, white poor Herd's lamp ivas tivinhling and 
spcnding its best flame in vain (Philip 1,2); oder wenn 
plötzlich Urteile und Sympathien der Betroffenen ganz neue 
Richtung erhalten. „Er" entdeckt ungeahnte Vorzüge bei allen 
Personen, die zu „ihrem" Lebenskreis gehören und ist von 
rührender Nachsicht für alles dort etwa vorhandene Unzu- 
längliche: 

When a man is in love with one ivoman in a family, it 
is astonishing hoiv fond he becomes of every person coimected 
with it. He ingratiates himself with the maids; he is bland 
ivith the butler; he interests himself about the footman; he 
runs on errands for the daughters; he gives advice and lends 
moncy to the young son at College; he pats little dogs which 
he would liick otherivise; he smiles at old stories which woidd 
mähe him break out in yawns, werc they uttered by any one 
but papa; he drinlcs siveet port ivine for which he ivould curse 
the Steward and the whole comynittee of a club; he bears cven 
with the cantanJcerous old maiden aunt; he heats time when 
darling little Fanny performs her inece on the piano; and 
smiles when iviched lively little Bobhy upsets the coffee over 
his shiii (Virginiaus 1,178). 

„Sie" gibt „ihm" natürlich in dieser Hinsicht nichts nach: 

People will grow interesting to them for ivhom they did 
not care sixpence on the day before; as on the other hand 



241 

persans of whom thcij fancied themselves fond tviU he foimd 
to liave become msipid and disagreeahle. Then youv dearest 
Eliza or Maria of the other day, to ivhom you wrote letters 
and sent loclcs of hair yards long, ivill on a sudden he as in- 
different to you as your stujndest relation; irilst on the contray, 
ahoiit his rclations you ivill hegin to feel such a ivarm inierest! 
such a loving desire to ingratiate yourself with his mamma! 
such a Jiking for that dear kind old man his father! If He 
is in the hahit of visiting at any house, tvhat advances you 
will make to visit there too! If He has a married sister, you 
will like to spend long mornings tvith her. You will fatigue 
your servant by scnding notes to her, for which there will he 
the most pressing occasion, twice or thrice in a day. You will 
C7'y if your mamma ohjccts to your going too often to see His 
family. The only one of them you ivill dislikc, is perhaps 
his younger brother, ivho is at home for the holidays, and who 
will persist in staying in the room when you come to see 
your new dear friend, his darling second sister (Pendennis 
II, 9). 

Absolute Sorglosigkeit und Verkennuug der Schwierig- 
keiten, die das nüchterne Alltagsleben idealen Liebesträumen 
nur zu oft entgegenstellt, sind natürliche Begleiterscheinungen 
der Liebesblindheit: 

Love in some passionate and romantic dispositions nevcr 
regards consequences, or measures accomodation. Who has not 
experienced that frame of mind; what thrifty ivife has not seen 
and lamentcd her husband in that condiiion; ivhen, with rather 
a heightened colour and a deuce-may-care smile on his face, 
he comes home and announces that he has asked twenty people 
to dinner next Saturday? He doestiH know ivhom exactly; and 
he does know the dining-room ivill only hold sixteen. Never 
mind! Two of the prettiest girls can sit upon young gentlemen^s 
knees; others won't come: there' s sure to be plenty! In the 
intoxication of love people venture upon this dangerous sort of 
housekeeping ; they don't calculate the resources of their dining- 
table, or those inevitable butchers' and fisher-mongers' hills which 
will he brought to the ghastly housekeeper at the heginning 
month (Virginians II, 216). 

Die Nutzlosigkeit des Bemühens, durch Vernunfteinwirkung 

Studien z. eugl. Phil. L. \Q 



242 

einem „Übel" abzuhelfen, »wliich coniradiciion causes to 
rage more furiously than ever«, liegt auf der Hand: 

Ä man gets his own cxperience about women, and ivill 
tdke ndbodr/s hearsay; nov, indeed, is the young fellow worth 
a fig that woidd. ^Tis I that am in love ivith my mistress, 
not my old grandmother that counsels me: 'tis I that have 
fi.red the value of the thing I ivould have, and Icnoiv the prlce 
I would pay for it. It may he ivorthless to you, hut 'tis all 
my life to me ... There's some particular prize ive all of us 
value, and that every ynan of spirit will venture his life for. 
With this, it may he to achieve a great reputation for learning; 
tvith that, to he a man of fashion, and the admiration of the 
toum; with another, to consummate a great ivorh of art or 
poetry, and to go to immortality that ivay; and tvith another, 
for a certain tiyne of his life, the sole ohject and aim is a 
woman (Esmond 111,326). 

Infolge der in ihrem Zustand begründeten Beschränkung 
ihrer Urteilsfähigkeit, können Liebende nicht im vollen Umfang 
für ihr Handeln verantwortlich gemacht werden: 

It is 7iot fair to taJce down a young fellow^s words when 
he is raging in that delirium. Suppose he is in love with a 
woman tivice as old as himself have ive not read ofthe young 
gentleman who committed suicide in consequence of his fatal 
passion for Mademoiselle Ninon de VEnclos who tarned to he 
his grandmother 'i' Suppose thou art maJcing an ass of thyself, 
young Harry Warrington of Virginia! are there not people in 
England who hehaw too? Kich and ahuse him, you ivho have 
never hrayed; hut hear with him, all holtest felloiv-cardophagi: 
long-eared messmates, recognise a hrother donhey! (Virginians 
I, 173). 

Besondere Gefahren birgt die Liebesblindheit für diejenigen, 
deren Liebe keine Erwiderung findet, aber aus Berechnung er- 
hört wird; rettungslos erliegen ihnen zumeist die Betroffeneu: 

When men of a certain sort are in love, though they see 
the hooJc and the string, and the whole apparatus tvith which 
they are to he tahen, they gorge the hait nevertheless — they 
must come to it — they must swalloiv it — and are presently 
strucTc and landed gasping (Vanity Fair I, 141). Zu spät 



I 



1 



243 

erkennen sie, dafs, was sie flir Gegenliebe hielten, lediglich 
ein Spiegelbild ihrer eigenen Leidenschaft war: 

That silly dog (of ivJiom Äesoj) or the SpelUng-hooJc used 
io teil US in ijouth) beheld a heeßone in the pond, and snapped 
at it, and lost the heefbone he icas carrying. Oh, absurd cur! 
He saiv the beefbone in his uivn mouth reflcded in the treacherous 
pool, n'hich dimpled, I dare say, ivith ever so many. smiles, 
coolly sucked up the meat, and returned to its usual placidity. 
Ah! lühat a heap of tvrech lies bencath some of those quiet 
surfaces! What treasures we have dropped into them! Wliat 
chased golden dishes, n-hat precious jeivels of love, tvhat bones 
after bones, and sweetest heart's fiesh! Do not some very 
faithful and unluchj dogs jump in bodily, when they are 
Sivalloived up heads and tails entirely? When some ivomen 
comc to be dragged, it is a marvel tvhat ivill be found in the 
depths of them. Cavete canes! Have a care lunv ye lap 
that water. What do they ivant ivith us, the mischievous syren 
sluts? Ä green-eyed Naiad neuer rests until she has in- 
veigled a felloiv under the water; she sings after him, she 
dances after him; she winds round him, glittering tortuously ; 
she tvarbles and whispers dainty secrets at his cheeJc, she Jcisses 
his feet, she leers at him from out of her rushes: all her beds 
sigh out, >yCome siveet youth! Hither, hither, rosy Hylas! Pop 
goes Hylas. (Surely the fable is reneived for ever and ever?) 
Has his captivator any pleasure? Doth she take any account 
of him? No more than a fisherman landing at Brighton does 
of one out of a hundred thousand herrings (Virginians 1,165). 

Auch von den Wirkungen der „Blindheit" abgesehen, 
birgt die Liebe noch mancherlei Gefahren für Glück und "Wohl- 
ergehen derer, die sie befällt. 

Most of US play ivith edged tools at some period of our 
lives, and cut ourselves accordingly. At first the cid htirts and 
stings and doivn drops the Jcnife, and ive cry out lihe ivounded 
little babies as ive are. Some very feio unluclcy follcs at the 
game cut their heads sheer off, or stab themselves mortally, 
and perish outright, and there is an end of them. But, — 
heaven help us! — 7nany people have fingered those ardentes 
sagittas tvhich Love sharpens on his tvhetstone, and are 
stabbed, seared, pricked, perforated, tattoed all over with the 

lü* 



244 

wounds, u^ho recover, and live to he quite lively. Wir auch 
haue tasted das irdische Glück: we also have gelebt und — 
und so weiter, Warhle your death song, sweet TheJcla! 
Pcrish off the face of the earth], poor imlmonary victim, if 
so minded! Had you survived to a later period of life, you 
would have thought of a sentimental disappointment ivitliout 
any reference to the undertaher (Virginians I, 306). 

Freilieb, mag ihr Ausgang sein wie er will, eine GlUeks- 
(juelle ist jede Liebe. Gewährt glückliche Liebe die höchste 
Lust auf Erden, so ist unglückliche Liebe noch immer freuden- 
reicher als Liebeleere: 

Something like this will happen to you, young ladies, or, 
at any rate, Ict us liope it may. Yes you must go through 
the hot fts and the cold fits of that pretty fever. Your mothers, 
if they ivuidd achiowledge it, have passed through it iefore 
you were hörn, your dear p)apa heing the ohject of the passion, 
— lüho could it he hut he'^ And as you suffer it, so will your 
hrothers, in their way, and after their Tcind. More selfish than 
you: more eager and headstrong than you: they ivill rush on 
their destiny ivhen the doomed charmer maJces her appearance. 
Or if they don't and you don't, Heaven help you! As the 
gamhler said of his dice, to love and win is the hest thing, to 
love and lose is the next hest (Pendennis 11,10). % 

Doch 80 beseeligend auch die von Eros geweckte Liebe 
ist, Bestand hat sie nur, wenn sie zu einem Bunde führt, in 
dem nicht allein Mann und Weib, sondern Mensch und Mensch 
zueinander finden. Selten nur ist auf beiden Seiten dazu gleiche 
Bereitschaft vorhanden. 

I have Seen, to he sure, some people carry doivn tvith them 
into old age the actual hloom of their youthfid love, and I 
Jmow that Mr. Thomas Barr lived to he a hundred and sixty 
years old. Bat, for all that, threescore and ten is the age of 
men, and few get heyond it; and His certain that a man tvho 
marries for mere heaux yeux, considers his pari of the con- 
tract at an end ivhen the woman ceases to fulfil hers, and his 
love does not survive her heauty. I knoiü His often othei'ivise, \ 

I say; and can thinh (as most men in their own expterience 
may) of many a house, whe^-e lighted in early years, the sainted 
lamp of love hath never heen extinguished ; hut so there is 



245 

Mr. Barr, and so thcre is the grcat giant at thc fair that is 
cight fcet high — exceptions to men — aiid that poor lamp 
whercof I speak, that lights at first thc nuptial Chamber, is ex- 
tinguished hg a hundred winds and draughts doicn the chimney; 
or futters out for want of feeding. Änd then — and then it 
is Chloe i?i the dark, stark awake, and Strephon snoring un- 
heeding; or vice versa, 'tis poor Strephon that has married 
a heartless jilt, and awoke out ofthat absurd vision of conjugal 
fclicity, which ivas to last for ever, and is over like any othcr 
dream. One and other has made his hed, and so must lie in 
it, until that final day ivhen life ends, and they sleep separate 
(Esmond 1,83). 

Gewöhnlicli hält wobl nur bei der Frau die Kraft der 
Liebe zu dauernder innerer Vereinigung vor: 

A woman's first love lasts for ever^) (a man's twenty-forth 
or tiventy-fifth is perhaps the best) : you canH kill it, do what 
you lüHl; it takes root, and lives and even groivs, neuer mind 
what the soil may he in ivhich it is planied, or the bitter 
weather it must hear — often as one has seen a ivall-flower grow 
— out of a stone (Catherine S. 31). 

Hie und da ist solche Beständigkeit auch beim Mann zu 
finden : 

Some hoys have the complaint of love favourahlg and 
gcntly. Others, when ihcy get the fever, are sick unto death 
with it; or recovering, carry the marks ofthe malady dornt tvith 
them to the grave or to remotest old age (Virginians 1,173). 

Wo aber die Liebe keinen dauernden Bund zu knüpfen 
vermag, da hat ihr Tod bittere Enttäuschung und herbes Leid 
im Gefolge: 

Who does not know of eyes, lighted by love once, ivhere 
the flame shines no more? oflamps extinguished, once p)yoperly 
tnmmcd and tended? Every man has such in his house.' Such 
mementoes make our splendidest Chambers look blank aml sad; 
such faces seen in a day cast a gloom upon our sunshine. So 



') Diese Jugcudaaffassnng hat Thackeray in ihrer Uubedingtheit 
allerdings später fallen lassen, indem er durch die Gestalt von Rachael 
Esmond zeigte, wie auch die Liebe der Frau ertijtet werden kann ; cf. auch 
Pendennis II, 1G4 und Virginians I, 'JOti. 



246 

oaths miduaUy sioorn, and invocations of heavcn, and priesthj 
ceremonies, a)id fond belief, and love, so fond and faithful that 
it never douhted btit that it sliould live for ever, are all of no 
avail towards inaJcing love eternal: it dies, in spite of the 
hanns and the priest: and I have oftcn thought there should 
he a Visitation of the sich for it, and a funeral service, and 
an extreme nnetion, and an ahi in pace, It has its course, 
liJce all mortal things — its heginning, progress and decay. 
It huds and ends. Strephon and Chloc languish apart; join 
in rapture: and presently you hear that Chloe is crying, and 
Strephon has broken his crooh across her back. Can you mend 
it so as to show no marks of ruptiire? Not .all the priests of 
Hymen, not all the incantations to the gods, can mähe it 
ichole! (Esmond 1, 105f.). 

Mit der ErnüchteruDg erfolgt auch die EntdeckuDg der 
wahren Beschaffenheit des andern. Die kalte Beleuchtung des 
grauen Alltags raubt dem einstigen Idealbild allen früheren 
Glanz: 

After the illumination, when the love-lamp is put out, and 
by the common daylight ive look at the picture, what a dauh 
it looks! what a clumsy effigy! How many men and ivives 
come to this knowledge, think you? And if it be painful to a 
lüoman to find herseif mated for life to a boor, and ordered 
to love and honour a dullard; it is worse still for the man 
himself perhaps, whenever in his dim comprehension the idea 
dawns that his slave and drudge yonder is, in truth, his 
superior; that the ivoman ivho daes his bidding, and submits 
to his humonr, should be his lord; that she can think a thousand 
things beyond the power of his muddled brains; and that in 
yonder head, on the pillow opposite to him, lie a thousand 
feelings, mysteries of thought, latent scorns and rebellions, 
where he only dimly percieves the existence as they look furtively 
from her eyes: treasures of love doomed to perish tvithout a 
hand to gather them; sweet fancies and Images of beauty that 
would grow and unfold themselves into fioioer; bright wit that 
would shine like diamonds could it be brought into the sun: 
and the tyrant in possession crushes the outbreak of all 
these, drives them back like slaves into the dungeon and 
darkness, and chafes without that his prisoner is rebellious. 



247 

and his sworn suhjed undutiful and refradory (Esmund 
I, 107). 

So traurig das Erlösehen der Liebe ist, so herrlich und 
erhebend strahlt alles überwindende standhafte Liebe: 

Alas that youthful love and truth should end in hitterncss 
and Mnhniptcy! To see a yount) c<mple loving tack othcr is 
no ivonder; hut to see an old couple loving each other is the 
best sight of all (Esmond 1,109). Hallowed rememhrances of 
sacred times! If the sight of youthful love is pleasant to 
behold, how mucli more charming the aspect of the affection 
that has survived years, sorroivs, faded heauty perhaps, and 
life's düidjts, di/ferences, trouhle! (Virginians 1,303). 

Derartig gefestigte Liebe ist über Anfechtungen nicht nur 
erhaben, sondern findet darin erst die rechte Gelegenheit sieh 
zu betätigen und macht dadurch das Unglück fast willkommen: 

In the midst of grief, Love the consolcr appears amongst 
US tvith such fond blandishments and tender caresses, that one 
scarce tvishes the calamity aivay (Virginians II, 310). 

Liebe in diesem Sinne ist die Offenbarung Gottes im 
Menschen: 

Ash of your oivn hearts and memories, brother and sister, 
if we do not live in the dead ; and (to speak reverently) prove 
God by love? (Pendennis 11,260). Let us bc thanhful for 
our race, as ive thinh of the love that hlesses some of us. 
Surely it has something of Heaven in it, and angels celestial 
niay rejoice in it, and admire it (Newcomes I, 174). 

Im Vergleich zu solcher Liebe sind alle anderen Lebens- 
güter wertlos oder haben doch nur bedingten Wert. Unbe- 
dingten Wert hat nur die Liebe: 

To be rieh to be famous? What do these pro fit a year 
hence, ivhen other namcs sound louder than yours, when you 
lie hidden away under the growid, along ivith idle titles 
engraven on y<mr cofßi? But only true love lives after you 
— follows your memory ivith secret blessing — or precedes 
you, and intercedes for you. Non omnis moriar — if dying, 
I yet live iji a tender heart or two ; nor am lost and hopeless 
living, if a sainted departed soul still loves and 2)rays for me 
(Esmond 11,203). 



248 

Wahres und liöclistes Glück ist daher auch nur in echter 
reiner Liehe zu erleben: 

Canst thoii, friendly reader, count upon the fidelity of 
a}i artless and tender heart or tivo, and recJcon among the 
hlessi)igs which lieavcn hath hestowcd on thee the luve of faithful 
wmnen? Purify thine oivn heart, and try to mähe it ivorthy 
theirs. On thy hnees, on thy hiees, give thanJcs for the hlessmg 
aicarded thee! All the prizes of life are nothing compared to 
ihat onc. AU the rewards of amhition, ivealth, pleasure, only 
vanity and disappointment — grasped at greedily and fought 
for fiercely, and, over and over again, found tvorthless hy the 
weary ivinners. Bat love seems to survive life, and to reach 
heyond it. I think we taJce it ivith us xnist the grave. Do loe 
not still give it to those ivho have left us? May ive not hopc 
that they feel it for us, and that we shall leave it here in one 
or two fond hosoms, ivhen we also are gone? (Virginians 
I, 196). 

Nur zu oft freilieh wissen wir erst zu spät das Glück zu 
erkennen und zu würdigen, das treue Liebe uns bot: 

We taJce goodness, for the most 2)art, as if it was our due; 
the Marys who bring ointment for our feet get litt little thanhs. 
Some of US never feel this devotion at all, or are movcd hy it 
to gratitude or achiowledgement ; others only reeall it years 
after, when the days are past in ivhich those sweet kindnesses 
ivere spent on us, and ive offer hack our return for the debt 
by u poor tardy payment of tears. Then forgotten tones of 
love recur to us, and kind glances shine out of the past — 
oh so bright and clearf — oh so longed after! — hecause they 
are out of reach; as holiday miisic from u-ithin-side a prison 
tvall — or sunshine seen through the bars; more prized hecause 
unattainahle — more bright hecause of the contrast of present 
darkness and solitude, tvhence there is no escape (Esmond I, 91). 

Doch es liegt Trost in dem Gedanken, dafs wir Liebe 
auch über das Grab hinaus noch nachträglieh vergelten können: 

The old French satirist avers that, in a love affair, there 
is usually one p)erson luho loves, and the other qui se laisse 
aimer; it is only in later days perhaps, whe)i the treasures 
of love are spent, and the kind hand cold ivhich ministered 
them, that ive remember how tender it was; how soft to soothe, 



249 

hoiü oager fo f^hield, how readij io support and caress. The 
ears maij no longer hear which ivouJd have received our words 
of thanJcs so deJighfedlij. Let iis hope fhosc fmits of love, 
though tardy, are yet not all too latc; and tJiough wc hring 
our tributc of reverence and gratitude, it mag he to a grave- 
stone, there is an acceptance even there for the shicJcen hearVs 
ohlation of fond remorse, contritc memories, and pious tears 
(Neweomes I, 214). 

Unsere Fälligkeit, über das Grab hinaus zu lieben, ist ein 
Zeichen dafür, dafs die Liebe nicht wie der Körper vergänglich 
ist. Sie ist unsterblich wie unsere Seele. Keine Zeit und 
keine Trennung kann ihr etwas anhaben. Die folgenden Be- 
trachtungen über die Unsterblichkeit der Liebe finden sich 
Neweomes II, 86 (bis those we love?), (Neweomes I, 178 
(bis round her hiee), und Esmond 111,369): 

If love lives through all life; and survives through all 
sorrow: and remains steadfast with us through all changes; 
and in all darkness of spirit hurns hrightly; and, if we die, 
deplores us for euer and loves still equally; and exists ivith the 
very last gasp and throb of the faithful bosom — whence it 
passes with the pure soul, beyond death; surely it shall be 
immortal! Though we ivho remaiu are separated from it, is 
it not ours in Heaven? If we love still those ive lose, can ive 
althogether lose those ive love? 

It is an old saying that we forget nothing, as people in 
a fever hegin suddenly to talk the language of thcir infancy, 
we are stricken hg memory sometimes, and old affcctions rush 
hack on us as vivid as in the time ichen theg were our daily 
talk, ivhen their presence gladdened our eges, ivhen their accents 
thrilled in our ears, ivhen with passionate tears and grief we 
fiung ourselves upon their hopeless corpses. Parting is death, 
at least as far as life is coneerned. A passion conies to an 
end; it is carried off in a coffin, or weeping in a post chaise; 
it drops out of life one ivay or other, and the earth clods close 
over it, and we see it no more. But it has been part of our 
Söuls, and it is eternal. Does a mother not love her dead in- 
fant? a man his lost mistress? with the fond loife nestling at 
his side, — yes, with tiventy children smiling round her knee. 
Parting and forgetting! What faithful heart can do these? 



250 

Our ijreat thoiights, our great affedions, the Truths of our 

lifo, never leave us. Siireh/, theij cannot separate from our 

coiisciousness ; shaJl folloiv it ivithersoever that shall go; and 
are of thcir nature clivine and immortal. 

Die Liebe wird so zn jenem ewig mächtigen Band, durch 
das Gott die vergänglichen Individuen untereinander über 
Kaum und Zeit hinweg als Menschheit dauernd zusammenfügt 
und erhält. In dieser ihrer tiefsten Bedeutung erfafst und 
preist sie der Dichter, wenn er in der Voyage from Corn- 
hill to Cairo S. 207 sagt: 

The Malier has linhed togeiher the u-hole race of man with 
this cliain of love. I like to thinh that there is no man hat 
has had kindly feelings for some other, and he for his neighhoar, 
nntil ive hind together the tcliole famiJij of Adam. Nor does it 
end here. It joins heaven and earth together. For my friend 
or mij child of past days is still my friend or my child here, 
or in the home prepared for us hy the Father of all. 



Syiidiesis und Analysis des Koiijüid^üvs 

in dem fiühniiUelenglisehen 

Streitgedielit „Eule und Nacliligall". 



Vou 



Willi Breier. 



Inhalt. 

Seile. 

Einleitung 252 

I. Übersicht über die Flexion des Verbums iu EN 253 

II. Synthesis und Analysis des Konjunktivs 255 



Einleitung-. 



In den Studien zur etiglischen Philologie, Heft 40, hrsg. 
von L. Mors b ach (= Said.), hat W. Zenke ausführlich und 
erschöpfend die Synthesis und Analysis des Verbums im 
Orrmulum behandelt. Mit Recht betrachtet er seine Arbeit 
als einen Baustein zu einer Geschichte der Svnthesis und 
Analysis des Verbums in der englischen Sprache. Ehe diese 
umfassende Aufgabe in Angriff genommen werden kann, müssen 
zahlreiche Einzeluntersuchungen nachweisen, wie sich die Sprache 
wichtiger Denkmäler der englischen Literatur zu jenem Ent- 
Avicklungsvorgang im Leben des Verbums verhält. 

Die folgenden Ausführungen über die Synthesis und Ana- 
lysis des Verbums in „Eule und Nachtigall" (:= EN.) wollen 
mithelfen, die Frage der endgültigen Beantwortung entgegeu- 
zuführen. Das bekannte frühmittelenglische Streitgedicht ist 
wohlgeeignet, die Ergebnisse Zenkes zu ergänzen. EN. ist mit 
dem Orrmulum etwa gleichzeitig entstanden; denn diese 
Dichtung wird „um 1200" angesetzt, vgl. Morsbach, Mc. Gr., 
§ 3, Anm. 2, und jene muls „kurz vor oder nach 1200" ver- 
fafst sein, wie ich in den Stud., Heft 39, nachgewiesen habe. 
Die Mundart der beiden Dichter jedoch ist wesentlich ver- 
schieden. Das Orrmulum ist in der Sprache des Nordens vom 
östlichen Mittellande geschrieben; EN. dagegen weist sprach- 
lich auf den mittleren Süden hin, und zwar auf eine Graf- 
schaft westlich von Hampshire, vgl. Stud., Heft 39, § 56. 



253 



T. Übersicht ilbor die Flexion des 
Verbiims in EK 



§ 1. Die Sfiul, Heft 39. eiithulteu auf S. 134—150 eiue 
ausfuhrliebe Formenlehre des Verbums in EN. Flir den Zweck 
der vorliegenden Abhandlung genügt ein Überblick über die 
Flexion des Praesens Indikativ und Konjunktiv sowie des 
Praeteritums Indikativ und Konjunktiv. Zum Vergleich ist 
das Bild beigefügt, das die Flexion der entsprechenden Zeiten 
im Orrmulum bietet, vgl. Stwl, Heft 40, § 60, 2. 









P 


raesens. 




Orrm. 


Indikativ 


EN 




Orrm. 


EN. 


Sing. 1. 


-e 


-e 






Konjunktiv. 


2. 


-esst 


-est 




Sing. 


1 


3. 


-e]>p 


-ep 




Plur. 


-672)1 1 


Plur. 


-67171 


-eP 









Bemerkungen: 1. Die Verba eontracta und die Verben 
auf -mi haben lautgesetzlich kein -e in der Endung. 

2. Synkopierte Formen der 2. und 3. Sing. Praes. Ind. sind 
im Orrmulum und in EX. belegt. 

3. Das -i- der ursprünglich kurzsilbigen Verben auf -)' 
und bei den Verben der II. Klasse der schwachen Verben ist 
im Orrmulum geschwunden, aber in EX. erhalten, jedoch hat 
hier die Überlieferung die ursprünglich klaren Verhältnisse 
getrübt. 

4. Die der III. schwachen Konjugation angehörenden 
Verben: ae. habhan. Iibba7i, sec^{e)an und ae. wilhm haben im 
Orrmulum Ausgleich zu Gunsten des einfachen Konsonanten, 
während EX. die alten Verhältnisse bewahrt, die allerdings 
bei den Formen von ae. wilhm ebenfalls durch die Über- 
lieferung gestört worden sind. 



254 





Praet 
Starke Verben. 


eritum. 

Schwache Verben. 


Orrm. 

Sing. 1. 
o 

3. 
Plur. 


EN. 
Indikativ. 

— -e 

-enn -e{n) 


Orrm. EN 
Indikativ. 

Sing. 1. -de -de 

2. -desst -dest 

3. -de -de 
Plur. -denn -de{n) 


Sing. 
Plur. 


Konjunktiv. 

-e -e 
-enn -e{n) 


Konjunktiv. 
Sing. -de \ _^^ 
Plur. -den7i J 



Bemerkungen: 1. Die ae. Ablautreihen haben sich wie 
im Orrmulum so auch in EN. im grofsen und ganzen laut- 
gesetzlich entwickelt, und die verschiedenen Klassen der ab- 
lautenden Verben sind im allgemeinen gut erhalten. 

2. Die 2. Sing, ist im Orrmulum wie ja in der Literatur 
jener Zeit überhaupt verhältnismäfsig selten belegt, vgl. StudAO, 
§ 47. In EN., dem Streitgespräch zwischen zwei Gegnern, 
tritt sie öfter auf. 

Die Praeterito-Praesentia. 
Sie entsprechen in ihren Formen im Orrmulum und auch 
in EN. im wesentlichen dem Altenglischen, vgl. Sievers, Ags. 
Gr., §§ 517 ff. 

Das Verbum substantivum. 



Praesens. 






Praeteritum. 


Orrm. 


EN. 


Orrm. 


EN. 


Indikativ. 






Indikativ. 




Sg.l. amm 


am 


Sg.l. 


ivass 


tvas 


2. -airt (best) 


art 


2. 


wass 


ivere 


3. iss (hej), beojj) 


is 


3. 


wass 


was 


PL -sinnden 


h{e)oP 


PL 


wcerenn 


ivere{n) 


{arm) 










Konjunktiv. 






Konjunktiv. 




Sg. he{o) {si) 


he{o) 


Sg. 


wcere 


ivere 


PL Im 


l{e)o{n) 


PI. 


wcerenn 


ivere{n) 



Aum.: Genaueres über die Verteilung der Formen des ae. bion im 
Orrmulum vgl. Stxul. 40, § 59. 



255 

Zusammenfassung: Ein Blick auf die vorstehende Über- 
sicht lälst erkennen : 

1. Im Orrmulum unterscheiden sich der Form nach im 
Praesens Ind. und Konj. nur die 2. und 3. Sing., während in 
EN. nur die 1. Sing, des Praesens Ind. mit der des Praesens 
Konj. zusammenfällt. 

2. Im starken Praeteritum sind dagegen im Orrmulum 
alle drei Personen des Sing. Ind. von denen des Konj, äufser- 
lich zu unterscheiden, in EN. aber nur die 1. und 3. Person 
des Sing. 

Der Dichter von EN. hatte also in seiner Mundart einen 
gröfsereu Reichtum von äufserlieh erkennbaren Koujunktiv- 
formen zur Verfügung; denn der Vorteil, den Orrm in der 
2. Sing. Praet. der starken Verben hatte, dürfte den Nachteil, 
der sich für ihn aus dem Zusammenfall des Plur. Praes. Ind. 
mit dem des Konj. ergeben hatte, nicht voll ausgleichen. 



11. Synthesis und Analysis des Konjunktivs. 

§ 2. Der Verfall der Flexionsendungen und die dadurch 
geschaffene äufsere Gleichheit der Indikativ- und Konjunktiv- 
formen bewirkte das Aufkommen neuer Ausdrucksweisen für 
den Konjunktiv. Schon im Altenglischeu wurde das Bedürfnis 
gefühlt, den Konjunktiv mit Hilfe gewisser Verben dort sinnen- 
fällig darzustellen, wo die synthetische Konjunktivform mit 
dem Indikativ übereinstimmte. Im Mittelenglischen aber mufste 
dies sprachliche Bedürfnis in dem Mafse stärker werden, wie 
die Vereinheitlichung der Verbalflexion durch Endungsabfall 
und Endungsausgleich fortschritt. Wie nun z. B. im Verfall 
der Substantivflexiou und dem damit zusammenhängenden 
Schwinden des grammatischen Geschlechts der Substantive der 
Norden und das Mittelland dem Süden Englands gegenüber 
voran waren, so auch in der unaufhaltsamen Entwicklung, die 
immer mehr dazu führte, formelle Unterschiede zwischen In- 
dikativ und Konjunktiv aufzuheben. Im Hinblick auf den 
Bestand an äufserlieh erkennbaren synthetischen Konjunktiven 



256 

ist es begreiflich, dafs Orrm schon häufiger als der Dichter 
von EN. den Zwang empfinden mufste, zur Umschreibung zu 
greifen. In der Mundart von EN. bestund, soweit die äufsere 
Erkennbarkeit oder Nichterkennbarkeit des synthetischen Kon- 
junktivs ausschlaggebend war, nicht mehr Nötigung, zur Ana- 
lysis die Zuflucht zu nehmen, als im Spätwestsächsischen. 
Bedenkt man überdies, dafs wie in der altenglischen Zeit so 
auch im Frnhmittelenglischen die äufserlich nicht erkennbaren 
synthetischen Konjunktive dem Sprachgefühl bezüglich der 
Auffassung ihrer syntaktischen Bedeutung genügen konnten, 
so liegt auch von diesem Gesichtspunkte aus kein Grund vor, 
für den Dichter von EN. einen dringenderen Anlafs zur Ana- 
lysis des Konjunktivs zu beanspruchen als für einen Schrift- 
steller der spätws. Zeit, 

Die folgenden Paragraphen bieten die Belege für die 
Synthesis und Analysis des Konjunktivs aus EN. In der An- 
ordnung folge ich Zenke schon aus dem Grunde, den Vergleich 
zwischen beiden Arbeiten zu erleichtern, der den Abschlufs 
der Untersuchung bilden soll. 

Es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, dals 
in einzelnen Fällen nicht endgültig zu entscheiden ist, welcher 
Satzart ein Beleg zuzuweisen ist. 

Anm. : Die Belege sind der Hs. C entnommen, die in Wells: The 
Owl and the Nightmgale, Heath, London und Boston, 1907, abgedruckt 
ist. In der Schreibung der Worteinheiten bin ich oftmals, selten in Text- 
fragen von ihm abgewichen. Die aufgelüsten Abkürzungen sind im Druck 
nicht kenntlich gemacht. Ein paarmal ist auch die Hs. J, die gleichfalls 
bei Wells zu finden ist, herangezogen worden. — Die Frage, ob ein Verb 
zu den starken oder zu den schwachen zu stellen sei, ist vom ae. Sprach- 
zustand ans entschieden. 



A. Der Konjunktiv im Hauptsatze. 

I. Der Konjunktiv des Praesens. 

§ 3. Der synthetische Konjunktiv steht zum Ausdruck 
des Wunsches, Starke Verben: 

1173: Ood Almisti tvrpe him tvroj) . . , 
1382: Wrojj tvurjje heom Jjc hoJi rode . . , 



257 

Schwache Verben: 

52: so hit hiticle J)at ich mote. 

99: Dahct hahhe J)at ilke best . . . 

tobe: 993: So ho hit euer in unher sijic . . . 

do: 1092: Je.^us his soide do merci. 

§ 4. Umschrieben ist der Konjunktiv schwacher 
V^erbeu durch mote, das selbst formell Konjunktiv ist: 

987 ff.: Euer mote pu ,s ollen 7 wejjcii 
Pat Jm pi lif mote forleten, 
an sollen mote pu so he^e, 
pat uiberste ho Jnn e^e. 

§ 5. Einer Aufforderung gibt der Konjunktiv Ausdruck 
in einer Reihe von Belegen. Starke Verben: 

33: Vnwi^t, ho sede, awei pu flo ... 
177: Ac lete ive aivei pos eheste . . . 
179: j fo tve on mid rigte dorne . . . 

Schwache Verben: 

1273: oie truste no mon to his iveole . . . 
555: an pu me ansuare sif pu migt' 
do: 1781: Do ive, pe nigtegale seide, ... 
go: 297: uorp pu go. 
ae. uton\ 1779: Ah ute ive pah to him fare, . . . 

Anm. : In 33, 297 und 555 könnte man auch Belege für den Imperativ 
erblicken; 177, 179, 1779 und 1781 sind alte adhortative Plurale. 

§ 6. Umschreibung durch mai, bezw. mist erfährt der 
Konjunktiv in einigen Fällen, wo auch der Imperativ stehen 
könnte. Starke Verben: 

658: Hong up pin ax, nu Pu migt fare. 
743: Nu pu migt, hule, sitte 7 clinge. 

Schwaches Verb: 

185 f.: 7 mai hure eiper wat hi ivile 
mid riste segge 7 mid schile. 
wite: 1139: Nu pu migt lüite siherliche . . . 
1281: Nu pu mist ivite readliche . . . 

Studien z. engl. I'hil. L. 17 



258 

II. Der Konjunktiv dos Praeteritums. 

§ 7. 1. Der äulserlicli nicht erkennbare syn- 
thetische Konjunktiv drückt einen Wunsch aus, 'isur 2volde 

ist belegt: 425: He wolde 2>at he isege . . . 
1261 : . . . for ich ivolde 

pat hi wel understonde schulde . . . 
1742 f.: Ich nolde Jmt wirihtfulnesse 
me at J)en e7ide ouerlcome. 

§ 8. 2. Umschrieben ist der Konjunktiv eines schwachen 
Verbs, der eine Aufforderung ausdrückt, durch schulde in: 

1223 f.: For Alfred seide a wis ivord, 

euch Ytion hit schulde leggeon hord, ... 

§ 9. 3. Im Hauptsatz eines Bedingungssatzes steht 
der äufserlich nicht erkennbare synthetische Konjunktiv 
Praet. einmal: 

283fF.: vor nere ich neuer no Jje betere, 

[s]if ich mid chauling 7 mid chatere 
hom sehende . . . 

§10. Zur Umschreibung wird mic^fe verwendet. Schwache 
Verben: 977 f.; sohle hi sollen cdso Jm dest, 

hi migte oferen here \^p\rost. 
1503 f.: An s^f ]}e lauerd is a [tvrjecche, 
hwuch este rnigtistu xmr uecche. 
to he: 1491 ff.: gef hire lauerd is foru-urde 

an unorne at hedde 7 at horde, 
hu mi^te par beo eni luue. . . . 

§ 11. Die Analysis wird durch sholde ausgedrückt. 
Starkes Verb: 

51 ff.: sif ich Jje holde on mine uote. . . . 
7 ])u ivei'e vt of J)ine rise, 
Jm sholde st singe an ojjer tv[i]se. 
don: 381 f.: ne sholde he uor bope his ege 
so don gif he ])e bet nisege. 

§ 12. Endlich dient wolde zur Bildung der Analysis. 
Starke Verben: 



259 

1067 if.: 1)6 nistingah at Jnssc worde . . . 

gif ho mon ivere, wolde (igte. 
1419f.: Ich wolde ivip Jje maide holde, 

gif J)u hit const ariht atholde. 
1677 f.: alle heo beoj) of mine Jcunrede, 

an IV aide come gif ich hede. 

§ 13, 4. Synthetische Konjunktive im Hauptsatze 
eines konzessiven Satzgefüges: 

were: 785 f.: peg alle strengte at one were, 
monnes wit get more were. 
1026 f.: ne sunge ich hom neuer so longe, 
mi song were ispild ech del. 

§14. Aufserlich nicht erkennbar sind die synthetischen 
Formen des Konjunktivs in zwei Belegen. Sehwaches Verb: 

427 f.: ne rogte he peg floches were 
imeind . . . 
to he: 1313f.: 2)ah no preost a londe nere, 
a ivrecche neopeles pu were. 

§ 15. Die Analysis wird mit Hilfe von migte gebildet. 
Ein starkes Verb und ein schwaches Verb werden um- 
schrieben: ^oi5ff. jjQ^ em god man to hom come ... 

he migte het sitte stille . . . 

he migte het teche ane höre. ... 

§ 16. Einmal steht ivolde zur Umschreibung des Kon- 
junktivs bei einem starken Verb: 

171 f.: Ne helpP nogt Pat Jju ho to [p]riste, 
ich wolde vigte het mid liste . . . 

Der Vordersatz hat zwar nicht die Form, aber doch wohl 
die Bedeutung eines Konzessivsatzes. 

§ 17. 5. Den Beschluls der Belege für den Konjunktiv 
im Hauptsatze bilden einige Beispiele, in denen ein Potentialis 
in der Konjunktivform des Praeteritums auftritt. Die Mehr- 
zahl der Belege gestattet die Ergänzung eines Bedingungs- 
satzes, sie berühren sich also mit den in §§ 9 — 12 aufgeführten 
Fällen. 

IT* 



260 

Synthetische Formen: 

to he: 85: pe ivere icundur to one frogge . . . 

549: 'J)at nere noM rigt', pe hule sede, . . . 

§ 18. Aulserlich nicht erkennbar ist die synthetische 
Konjunktivform bei einem schwachen Verb und bei scholde: 
39: Me liiste het speten ])cme singe. . . . 
1025: Wat schold ich (J) par mid mine songe, . . . 

§ 19. Umschreibung' des Konjunktiv durch mietest, bezw. 
mihte findet statt bei zwei starken Verben: 

256: Jm 7nigtest het hoten galegale. 
1749: Äh [iv]ar mihte we hine finde? 

§ 20. In vier Belegen dient sholde zur Bildung der ana- 
lytischen Form. Starkes Verb: 

965 f.: Sholde ich for one hole hrede 
fori et e mine riste st\e\de, . . . 

Schwaches Verb: 

463 f.: [T7]a/i min er ende is ido, 

sholde ich hileue? nai, \iv]arto. 
1019 f.: he migte het sitte stille, 

for al his wile he sholde Spille, 
do: 997: Ah! ivat sholde ich among hom do! 

§ 21. Endlich wird auch ivolde{st) zur Umschreibung 
gebraucht. Starkes Verb: 

1697: sot ich ow alle wolde rede . . . 

Schwache Verben: 

69 f.: 7 eh forjje pe sulue mose, 

hire ponhes, wolde pe tot ose. 

84: mid pine cliures woldest me meshe. 



B. Der Konjunktiv in Nebensätzen. 

I. Substautivslitze. 
a) Subjektssätze. 
§ 22. Synthetische Konjunktive finden sich in einer 
Reihe von Belegen. Starke Verben: 



261 



Praesens. 225 f.: hit J)inclic[Jj] ho])e ivise 7 siirpc, 

iio^t pat J)u singe, ac Jmt ])u ivepc. 
475 ff.: Hit is gode monne iivone . . . 

])at ech gotl man his frond icnoive. . 
931: for hetere is J)at heo ^vepen here. . . . 

Schwache Verben: 

Praesens. 289 ff.: Hit is a wise monne dorne . . . 

])at me ne chide wit Jje gidie, 
ne wit ])an ofne me ne ^onie. 
Hit is gode monne iwone . . . 
pat ech god man his frond icnoive, 
an blisse mid hom sume pvoiue. . . . 
])i hit is 2)e more unriht 
pat he his luue spene on pare . . . 
Ne helpp no^t pat pu ho to [p^ristc. 
Weper is hetere of twere twom, 
pat man ho hlipe oper gram? 
So ho hit euer in unker sipe, 
pat pu ho sori 7 ich hlipe. 
\lj\et pugte pe dreim pat he ivere 
of harpe 7 pipe pan he nere, 
het puste pat he were ishote . . . 
so hit hitide pat ich mote! 



to hc 



475ff 



1548f.: 

Praes. 171: 
991 f.; 

993 f.: 



Praeter] tum. 21 ff. 



mote: 52: 



§ 23. Äulserlich nicht erkennbar ist die synthetische 
*orm in I661f.: forpan heom puhte pat heo hadde 

Pe houle ouercome, uorpan heo gradde 

§ 24. Umschreibung des Konjunktivs eines starken 
Verbums durch sholde in 

1689 ff.: Äh hit was unker uoreivard ... 
Pat we parto holde scholde . . . 



b) Objektssätze. 

Die Synthese. 

§25. 1. Der Konjunktiv ist abhängig von einem Aus- 
druck des Wollens. 

a) An die Spitze gestellt seien zwei Belege, wo der die 



262 



Praesens. 599 ff.: 



w[i]te: 439 f. 



929 f. 



1078f. 



Willensäurseruiig eutbalteude Hauptsatz zu ergänzen ist. 

Starkes Verbiim: 

Ac wat etestu, JjcU pu ne lige, 
hüte attercoppe 7 fule uliso. 
J)e lilie mid hire faire tvlite 
ivolcumep me, ])at ])u hit w [i\ t e. 

b) Im Hauptsatz steht ein Ausdruck des Wollens oder 
Nicbtwollens: Gebietens, Zustimmeus, Fürchteus, Sorgens, Ver- 
hütens. Starke Verben: 

Praesens. 673 f.: gif muj) ivijjute med hiwro 

])at me ])e horte nogt niso. 

I hidcle hom ])at heo isivike, 

Jjat lieom seolue ne hisivihe. 

pat he ne miste for his liue 

iso ])at man ivi}) hire spelce. 

1484 f.: for he mai him adrecle grame, 

an J)at he forleose pat ])er ho)igeJ). . . . 
He ivolde Jjat he isege ... 
Ich nolde Jjat unrihtfubiesse 
me at pen ende ouerJcome. 

Schwache Verben: 

Praesens. 154: ne kep[e] ich nagt pat J)u me clawe. 
201: Ich granti wcl pat he iis deme. 
1253: an bidde inoh Jjat hi heom schilde, , . . 
ich hidde Jmt men heon iiva[r]re 
an halbe gode reades 6<^[r]re. 
lohe J)at hit ne b isene. 
Lohe Jjat Jju ne bo J)are . . . 
ich nelle Jtat hi bon to sade. 
ich bidde Jmt men beon iwa[r]re ... 
Jjat he ne mai tvene 7 adrede 
Jjat sum unhivate ne[y\ him beo. 
ivite: 1467: Ah wel ich ivide Jjat Jju hit wite . . . 
go'. 745: ich graunti Jjat [w]e go to dorne. 

§ 26. 2. Der Konjunktiv ist abhängig von einem Verb 
des Meinens. Starke Verben: 

Praesens. 854: Wenest Jju hi bringe so listliche . . . 



Praeteritum. 425 f. 
1742f.: 



to he 



1221 f. 

166 

295 

452 

1221 

1266 f. 



268 

901 f.: ne wened na man for pi piphiye 
]jat cni jjyßost in chir[ch]e singe. 

961 tf.: Wcnstu pat uise tuen fo riete 
for fule venne pe ri^tte strete, 
ne sunne pe later shine . . . 

Schwache Verben: 

Praesens. 1501: pu migt wene pat pe mistidc, . . . 
844: hi ivenep pat pu segge sop. 
to he: 259: Pu xvenest pat pes dai ho pin o,se. 

303: Wenestu pat haueck ho pe ivorse . . . 
315: pu wenist pat eck song ho grislich. . . . 
1241 f.: ivenest pu, pah ich al iseo, 

pat hit for me pe rapere heo? 
cunne: 47: ]F<?['«]s^ pu pat ich ne cunne singe. 

§27. Aulserlich nicht erkennbar ist der synthe- 
tische Konjunktiv an drei Stellen. 



wule: 1554 

1748 
miste: 371 



he ueneö he wule anon tohreJce . 
an s^\t\ ich wene Jmt he wule. 
Pu wenest pat ich ne miste iso. 



Anm. lu diesem Beleg hat mi^te selbständigen Wert. In 1694: 
Ich wene dorn pe ping (pinkp J) to hard ist in C die Verbform 
verderbt. 

§ 28. 3. Der Objektssatz hat die Form einer indirekten 
Frage. Starke Verben: 

Praeteritum. 661 f.: a)i Po^te sorne on hire mode 

sif ho Ost elles understode, . . . 
1300: pu Ji[us]test ivanene he pe come, ... 

Schwache Verben: 
Praesens. 60: ne recche ich neuer what Jju segge. 
1006: hi ne recchep hu hi lihhe. 
tohe: Praes. 151 f.: 7 setvi [w]are unlcer ho 

of hrister hoive, of uairur hlo'^ 
1443: an wite iwis htvuch heo Pjc gome. . . . 
Praeteritum. 1310f.: an pu asJcedest gef ich were 

a hisemere to preost ihoded. 
do: 1010: hi nute elles [tv]at hi do. 



r 



264 

§29. Die Synthese ist äiifserlicb nicht wahrnehm- 
bar in folgenden Piaeterita: Schwaches Verb: 

1295 f.: Heo ivas hoivful 7 erede 

hivat heo J)arafter hire sede. 
were: 1180: Ich not ^ef Jm ivere gaure prest. 
JcuJ)e: 661ff.: cm JjOite gorne on hire mode . . . 
sif ho Jcu])e ogt hüte singe. . . . 

§ 30. 4. In der indirekten Rede findet sich der syn- 
thetische Konjunktiv zweimal. Starkes Verb: 

Praesens. 1269 ff.: Forjn seide Alfred swipe wel . . . 

Jjat eureuch man, Jje het him heo, 
eauer pe het he hine heseo. 
ivcre: 1764 f.: Hivi nullej) hi nimen heom to rede, 
Jjat he ivere mid heom Home. . . . 

Die Analyse. 

§ 31. Umschrieben ist der Konjunktiv zuweilen im 
01)jekt88atz, der von einer Willensäulserung abhängig ist; B 

als modales Hilfsverb ist benutzt ae. sculan, Praesens, das 
Konjunktivform hat. 

Starkes Verb: 

441 f.: hit me mid hire faire hlo 
Jjat ich shulle to hire fio. 
445: hit me Jjat ich shulle singe ... 

Schwaches Verb: 

1745 ff.: Bihote ich hahhe, soj) hit is, 

Jjat Maister Nichole, J)at is wis, 
hituxen vs deme schulte (J). 

Starkes Verb: 
Praeteritum. 1261f.: ah ich heom singe, for ich ivolde 

]iat hi wel understonde schulde. 

Schwaches Verb: 
moten: 741: a7i hidde ])at hi moten iseche ... 

Starkes Verb: 

wr2>e: 399 f.: an xvas oferd pat hire anstvare 
ne wrjje 7iogt arigt ifare. 



265 

§32. In der iiidi rekteu Frage steht der analytische 
Konjunktiv dreimal, zur Umsehreibung ist muhe, bezw. migte 
gebraucht. 

Praesens. 1581 f.: cm ,^eorne fonde]) ha heo muhe 

d ping pat him bco idu^e. 

Praeteritum, 392 f.: .... 7 lojigc poste 

wat ho parafter miste segge. 
4G9f.: an after Po^te hu he mi^te 
ansvere uinde lest mid ri^tc. 



IL Temporalsätze. 

§ 33. Das einleitende Bindewort ist ar, bezw. car. Es 
finden sich nur synthetische Konjunktive. 

Starke Verben: 

Praesens. 552 ff.: Äc ar ive to unlcer dorne fare, 

ich iville speJce toward pe 
also pu spelce toward me. 
1673 f.: ^56 schule ivite, ar ge fleo heomie, 
hwuch is pe strenpe of mine kunne. 

Schwache Verben: 

Praesens. 864 f.: Vorpi he mot, ar he wende honne, 

mid teres an mid ivope bete. . . . 
121 5 f.: gef eni mon schal rem ahide, 
al ich hit wot, ear hit itide. 

to hc: Praes. 691 f.: Vorpi nis neuere mon redles, 

ar his horte ho witles. 
1225 f.: gef Pu isihst, [er] he heo icume, 

his str[e]ncl}e is him wel neh hinume. 
1687 f.: ne schal, ar hit heo fulliche eue, 

a wreche feper on otv hileaue. 

§ 34. Die synthetische Form des Konjunktivs ist 
äulserlich nicht erkennbar. Starkes Verb: 

Praesens. 1697 ff.: ;^ot ich ow alle ivolde rede, 

ar [icK\ utheste uppon ow grede, 
pat ower fihtlac letep heo, . . . 



266 



Praeterito-Praesens: 

Praesens. 856 ff.: Nai, Jiai, hi shuUe wel auinde 

Jjat hi mid lowje ivope mote 
of höre sunnen bidde böte, 
ar hi mote euer Tcume Jmre. 



III. Bedingungssätze. 






Zumeist verbindet ^if den Bedingungssatz mit dem 
übergeordneten Satze, seltener bute. Fehlt das Bindewort, so 
tritt Inversion ein. Synthetische Formen, die äulserlich 
erkennbar sind, bieten folgende Belege. Starke Verben: 

Praesens. 795 ff.: gif tueie men gojj to ivraslinge, 

an eiper oper faste liringc, 
an pe an can swenges supe feie, . . . 
an ])e oper ne can siveng but anne, 
a7i pe is god ivijj eche manne . . . 
[w]at parf he recche of a ?no swejige. . . . 

Praeteritum. 51 ff.: ^if ich pe holde on mine uote, . . . 

pu sholdest singe an ojjer w[i]se. 
381 f.: ne sholde he uor bojje his ege 
so don sif he pe bet nise^e. 
1677 f.: alle heo beop ofmine kunrede, 
an walde come gif ich bede. 

Schwaches Verb: 

Praesens. 515f.: habbe he istunge under göre, 

ne last his luue no leng more. 

Verbum substantivum: 

Praesens. 567 f.: an bo pi piping ouergo, 

ne bop on pe craftes namo. 

Praeterit. 1067 ff.: pe nigtüigale at pisse ivorde, . . . 

gif ho mon were, wolde figte. 
1300 f.: pu [7ius]test ivanene he pe come, 
bute hit of wicchecrefte ivere. 
tu nie: 1289 f. : Bute Jm wille bet aginne, 

ne shaltu bute schäme iwinne. 



267 

§ 36. In einigen Fällen ist die Synthese nicht erkenn- 
bar. Schwaches Verbum: 
Praeteritniii. 283 ff.: vor nere ich neuer no J)e hetere, 

[cSj if *c/i micl chauling 7 mid chatere 
hom sehende . . . 
iverc: 51 ff.: sif ich pe holde on mine uote, . . . 
7 Jru were vt of Jnne rise, 
])ii sholdest singe cm ojjer w[i]se. 
IV ist e: 116: Segge[p] me sif ^e hit iviste. 

§ 37. Viermal ist die Analyse des Konjunktivs belegt. 
Zur Umschreibung dient sohle, hezw. schulde: 

975ff.: Solde euch mon wonie 7 grcde 
ri^t suich hi iveren unlede, 
sohle hi sollen also Jm dest, 
hi miste oferen here [2j]rost 

lU7f.: Bet sif ich schulde a luue bringe 
wif Oper maide, hwanne ich singe. 



IV. KouzessiYSätze. 

§ 38. Eine grolse Anzahl synthetischer Belege ist vor- 
handen. Starke Verben: 

Praesens. 303 f.: Wenestu Jmt haueclc ho pe worse, 

pos croive bigrede hirti bi J)e mershe. 
359 f.: pes Jju nime euere o[f] pan lepe, 
hit is eure ful bi hepe. 
1237ff.: pjoh pu iseo pat sum blind ynon . . . 

to pare diche his diveole fulied. . . . 
1329 f.: pah pm iseo pe steorre alswa, 

nartu Pe ivisure neauer pe mo. - 
1389: nis wunder nan pah he abide. 
1425ff.: for pah heo sum hwile pleie, 

heo nis nout feor ut of pe wcie. 
1440: Hivat mai pat chil\d], pah hit misfo)igc. 
1487 f.: An pah he pat no^t ne adrede, 

hit is unri^t 7 gret sothede. . . . 
1561 f.: Dahet pat to sivupe hit bispeJce, 

pah swucche iviues [heom] awreke. 



?68 



1015 



1025 



1543 f.: 



1273 f. 



1019 f.: For pah ]m ligge deud 7 clinyc, 
])i dej) nis naivt to none pinge. 

Praeteritimi. 132 ff.: euer he cu]) ^at he com pomie . . . 

J)C^ he a fro nest leie. 
ff.: Jjeg eni god man to honi come ... 

he miste het sitte stille. 
f.: Wat sol[de] ich par mid mine songe, 
ne siinge ich hom neuer so longe. 
1512 ff.: heo poste Jjat te nihtegale, 

pah heo wel speJce atte frume, 
hadde at pen ende misnume. 

Schwache Verben : 

Praesens. 135ff.: peg appel trendli fro[m'\ pon troive 

he cup wel ivhonene he is icume. 
La, Godd hit ivot! heo nah iweld, 
p)a\K\ heo hine maJcie huTceiveld. 
ne truste no mon to his iveole 
to swipe, pah he hahhe ueole. 

Herhi men segget a hispel, 

pes hit ne ho fuliche spei. 

peg he ho parfrom hicume, 

he cup wel luhonene he is icume. 
181 ff.: peg ive ne ho at one acorde, 

we muge het mid fayre ivorde . . . 

plaidi . . . 
233 f.: A ivis word, peg hit ho unclene, 

is feie manne a mupe imene. 

Ne ho pe song neuer so murie, 

pat he ne shal pinche wel unmurie. 

ne Jean he hine so hipenche, 

pjeg he ho gep an supe snel . . . 
879 f.: peg sume men ho purgut gode . . . 

\Ji\om longep honne nopeles. 
883 f.: vor pjeg hi hon hom solue ihorgc, 

hi ne sop her nowigt hote sorwe. 
963f.: ne sunne pe later shine, 

pjeg hit h ful ine nest pine ? 
1233 f.: pa[h] eni man heo falle in odivite, 



lohe: Praes. 127 f.: 



137 f.: 



3451 



828 f. 



269 

wi schal he mc his soj- afwite? 
1349 ff.: pah sum ivif heo of nesche mode . . . 
^at heo, Jmrh sume softes lore . . . 
77iis[r]em2')c 7 misdo sumne stunde . . . 
shal ich Jmruore beon ibunde? 
1374: pah heo heo god, me hine mal misfonge, 
1378: Bo ivuch ho ho. ... 
1015: pah hit heo sop, ich do heom god. 
1623 f.: AJi pah mi lif me heo atschote, 
pe get ich mai do gode note. 
Praeteritum. 202 ff.: vor peg he loere ivile hreme, 

7 lof him tv ere nistingale . . . 
ich tüot he is nit supe acoled. 

409 f.: . . . peg pe nigtingale 

were aferd, ho spac holde tale. 
1313 f.: pah no preost a londe nere, 

a tvrecche neopeles pu were. 
1724 f.: vor peg heo nere ihred a ivolde, 

ho ivas itogen among manlcimne (J) 
cunnc: 47 f.: We[)i\st pu pat ich ne cunne singe, 
pCs ich ne cunne of tvrifelinge? 
8 10 f.: pe hat ful ivel him sulue liue]>, 

peg he ne hunne wrench hüte anne. 
812 f.: pe fo[x\ so godne ne can nanne, 
pe[g^ he hunne so uele wrenche. 
1267 f.: l>at sum unhwate ne[y] him heo, 
pah he ne conne hit iseo. 
go: 128.5: Go so hit go. ... 
Anm. : Die Überlieferung hat den Indikativ statt des Konjunktivs 
eingesetzt in 1471 f.; An wif ah lete so[t]tes lore, 

pah spusinghendes /mnchep sore. 

§39. Nicht erkennbar ist der syntlietisclie Kon- 
junktiv in folgenden Belegen: 

Starke Verben: 

Praesens. 383 f.: Ich mai ison so ivel so on hare, 

peg ich hi daie sitte an dare. 
1235 f.: pah ich iseo his härm hiuore, 

ne comep hit nogt of me paruare. 



270 

1241 f.: icenest Im, Jiali ich al iseo, 
pat hit for me pe raj)er€ beo? 

1255 f.: Äh pah ich grede lüde an stille, 
al hit itid piir\h'\ Oodes wille. 

S e b w a c h e Verben : 
Praesens. 1257 f.: Hwi ividlep men of yne hi mene, 

pah ich mid sope heo awene. 
383 f.: Ich mai ison so ivel so on hare, 

pes ich bi daie sitte an dare. 
1259 f.: pah ich hi warni al pat ^ei', 

nis heom perfore harem no pe ner. 
hadde: 1708 fiF.: for Pah heo nadde swo hwatliche 
ifare after hire here, 
heo walde neopeles ^efe answere. 
1720 f.: for pah heo hadde steuern smale, 
heo hadde gode p[ro'\te 7 schille. 
were: 427: ne roste he peg fockes ivere. ... 
785 f.: pes alle strengpe at one ivere, 

monnes ivit get more ivere. 
1727 f.: heo migte speJce hwar heo walde, 
toiiore pe hing pah heo scheide. 

Anm. : Ein Praeteritum des Konjunktivs liegt wohl auch vor in 
1107 f.: vor hit bitidde ene sivo, 

ich am pe blipur euer mo. 

y. Finalsätze. 

§ 40. EN. entbält eine Reibe von Absiebtssätzen mit 
syntbetiseben Konjunktiven. Starke Verben: 

Praesens. 121 f.: Worp hit ut mid Pe alre ivrste, 

pat his necTce him tob erste. 

402 flp,: vor he is wis pat hardeliche 
wipj [h]is uo berp grete Hefe, 
Pat he uor aregpe hit ne fo riete. 

722 ff.: an clerJces ginnep songep tvirche . . . 
pat he pe mursPe ne u ortete, 
ac parof penche 7 bis et e, 
an nime gerne of chirchesteuene. 

8G0f.: Ich rede pi pat men bo ^ß^'e, 



271 

Ml more wepe pane singe. . . . 
973 f.: an seist Jm uisest manlcunne, 
Jtat hi hiiucpen höre sunne. 

Schwache Verben: 

Praesens. 722 ff.: an Clerkes ginne}) songes ivirche, 

Pat man ij) enc he hi pe songe . . . 
pat he pe mw\spe ne uor.sete, 
ac l)arof penche 7 hisete. 

869 ff.: for al m[i] song is of longinge, 
an imend sumdel mid tvoninge, 
pat mon hi me hine hipenche . . . 

925 f.: an lüarni men mid mine here, 

pat pi dweole song heo ne forlere. 
11 12 ff.: pu ne canst finde, ne pu nost, 

an holg stok par pu pe migt hude, 
pat me ne twenge (J) ') pine hude. 

869 ff.: for al m[i'\ song is of longinge, 

and imend sumdel mid ivoninge . . . 
pat he groni for his unwrenche; 
mid mine songe ich hine pulte, 
pat he groni for his guJte. 

927 f.: Ich ivisse men mid mi7i[e] songe, 
pat hi ne sunegi noiviht longe. 
to he: 739 f.: Ich warni men to here gode, 

Pat hi hon hlipe on höre mode. . . . 

860 f.: Ich rede pi pat men ho gare. . . . 

864 ff.: Vorpi he mot . . . 

mid teres an mid tvope hete, 

pat him ho sur pat er was sivete. 

§ 4:1. Der synthetische Konjunktiv ist äufserlich nicht 
erkennbar in einem Belege, der wohl als Finalsatz aufzu- 
fassen ist: 965 ff.: Sholde ich for one hole hrede 

forlete mine rigte st[e]de, 
Pa[t] ich ne singe hi pe hedde. . . . 

§ 42. An analytischen Konjunktiven findet sich die 
Umsehreibung mit mote, das selbst formell Konjunktiv ist: 

') C hat tivengep. 



272 



987 f.: Euer mote Jni joUe 7 tvepen, 
Jmt Jiu pi lif mote forleten. 
migte dient zur Bildung der Aualysis in 

1767 f.: an siue him reizte a uale stude, 

2)at he migte heom Home he mide. 



Tl. Folgesätze. 

§ 43. Aufserlicli erkennbar ist die synthetische 
Form des Konjunktivs in einigen Belegen. Starkes Verb: 
Praesens. 989 f.: a7i sollen mote pu so hege, 

])at utberste ho Jmi ege. 

Schwache Verben: 
Praesens. 206 ff.: Nis he vor pe nost afoled, 
J)at he, for pine aide luue, 
me adun legge 7 l)e huue; 
ne schaltu neure so him queme, 
2)at he for pe fals dom deme. 
1350 ff.: for ivummon beop of softe blöde, 
pat heo mis[r]em2)e . . . 
dürre: 1705 f.: vor nis of oiv non so Jcene, 

])at dürre abide mine onsene. 

Dieser Beleg könnte vielleicht auch als Beispiel für die 
Analyse des Konjunktivs betrachtet werden; eine sichere Ent- 
scheidung ist nicht zu treifen, da ae. dear{r) in EN. sonst nicht 
zur Umschreibung verwandt wird. 

misdo: 1350 ff.: for wummon heo]) of softe blöde, 
Jjat heo misdo ... 

§ 44. Analyse des Konjunktivs liegt in einigen Fällen 
vor. Zur Umschreibung dient wolde: 

Starkes Verb: 

1078 ff.: . . . Jjcit he ne migte for his liue 
iso Jjat man ivip hire spehe, 
fmi his horte nolde breJce. 

Schwaches Verb: 

1023 f: . . . Jjan me pat wilde folc ihringe, 
' Jiat hi me ivolde ihere singe. 



273 

mi^te umschreibt das Praeteritum eines starken Ver- 
biinia in HT-if.: . . . hu eni mon so eaiiar for, 

Jiat [h]e his heorte migte driue . . . 



\U. Modalsätze. 

§45. Es liegen eine Reihe von synthetischen Kon- 
junktiven vor. Starkes Verb: 

Praesens. 1021 ff.: he migte bct teche ane bore 

to we^e hope sheld 7 spere, 
J)an me pat tvilde folc ihringe ... 

to he: Praes. 97: ho sitte]} par so hi ho hisne. 

1271: pat euereuch man, ^e het him heo, 

eauer pe het he hine beseo. 
1378 
1533 

Praeteritum. 21 f. 



Bo tvuch ho bo. ... 

he chid 7 gred stvuch he heo wod . . . 

[b\et pu^te J)e dreini ßat he tvere 
of harpe 7 pipe pan he nere ... 

IC nie: 11: Jm starest so Jm tville abiten . .. 
305 f.: 7 go]) to him mid höre chirme 

rist so hi wille ivii him schirme. 

go: 1285: Go so hit go. ... 

§46. Nicht erkennbar ist die Synthese au einer 
Anzahl von Stellen, die den Konjunktiv Praet. enthalten. 

Starkes Verb: 

1013 f.: hi go]) biUgt mid rüge uelle, 

rigt suich hi co m e n ut of helle. 

Schwaches Verb: 

141 f.: he song so lüde 7 so scharpe, 

rigt so me griilde schille harpe. 
hadde: 145 f.: 7 sat tosvolle 7 ibolive 

also ho hadde one frogge isuolge. 
1007 f.: Hi etej) fihs an flehs unsode, 

suich tvulues hit hadde tobrode, 
tvere: 75 f.: ]nn egene boj) colblaJce 7 brode, 

rigt sivo ho weren ipeint mid tvode. 

Studien z. engl. Phil. L. ]§ 



274 

975 f.: Sohle euch mon u-onie 7 grede 

rigt suich hi iv eren unlede. ... 
1061 f.: Jm naddest non oper dorn ne läge, 
hüte mid ivilde horse were fodrage. 

VIII. Relativsätze. 

§47. Die Synthese bieten einige Belege im Praesens. 
Starke Verben: 

1343 f.: a7i maide mal luue clieose 

])at hire ivurpschipe ne forleose. 
1561: Dahet Jmt to siruj)e Kit hispehe. ... 

Seh waches Verb : 

1567 ff.: Mid heom ich wepe swi[l)\e sore, 

cm for heom bidde Cristis ore, 

pat pe lauedi sone aredde. ... 
to he: 1581 f.: an s&orne fondep hu heo muhe 

do ping J)at him heo iduge. 
cunne: 187 f.: Wu schal us seme, 

pat Tcunne 7 ^cille rigt us deme. 

§ 48. Nicht erkennbar ist die synthetische Form in 
einem Falle. 

wille: vgl. den vorhergehenden Beleg. 

§49. Die Umschreibung mit migte zeigt 

663 f.: gif ho Jcupe ogt hüte singe, 

pat migte helpe to oper pinge. 

Analyse bieten auch zwei sog. Lokalsätze, und zwar 
ist je eiumal sholde, bezw. ivolde verwandt. 

shohle: 763 f.: Oft spet tvel a lute liste, 

par muche strengpe sholde miste, 

ivolde: 1691 f.: pat ive parto holde scholde 

Par riht dom us giue wolde. 

Ergebnisse. 

§ 50. Gleich Orrm gehörte der Dichter von EN. dem 
geistlichen Stande an. Wie jener so hatte auch er ein aus- 
gebildetes Gefühl für den spraehrichtigen Gebrauch des Eng- 



275 





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276 

lisehen und somit auch für die Anwendung des Konjunktivs. 
Es sei aber nicht vergessen, dafs Orrna ein literarischer Hand- 
werker und Verseschmied war, während der Schöpfer von EN. 
als echter Dichter und Meister der Sprache zu betrachten ist. 

Nach Zenke, Stud. 4:0, § 138, enthält das Orrmulum eine 
Gesamtzahl von 1153 Konjunktiven; EN. dagegen bietet nur 
266. Zieht man jedoch die Ausdehnung und das Versmafs 
beider Dichtungen in Betracht, so weist EN. eine verhältnis- 
mäfsig weit grölsere Anzahl von Konjunktiven auf als das 
Orrmulum. 

Halten sich im Orrmulum Synthese und Analyse fast das 
Gleichgewicht (573 : 580), so herrseht in EN. die Synthese 
stark vor (218 : 53). Ein Grund für diese Tatsache ist bereits 
in § 2 angeführt: In der Mundart des Dichters von EN. standen 
noch mehr äulserlich erkennbare synthetische Konjunktiv- 
formen zur Verfügung als im Dialekt des Orrmulum. 

Im Orrmulum würden 254 von den 580 analytischen Kon- 
junktiven, wenn man sie in synthetische verwandelte, sich formell 
vom Indikativ unterscheiden, und von den 573 synthetischen 
Formen fallen 136 (oder 146?, vgl. Stud. 40, S. 86 oben) mit 
dem Indikativ zusammen. In EN. liegen die Verteilungs- 
verhältnisse folgendermalsen : Von den 53 analytischen Kon- 
junktiven würden 31 auch in der Synthese als Konjunktive 
äufserlich erkennbar sein, und unter den 213 synthetischen 
Formen befinden sich 38, die mit dem Indikativ der Form 
nach übereinstimmen. Aus diesen Zahlen geht wie für das 
Orrmulum so auch für EN. klar hervor: Oftmals wurden ana- 
lytische Konjunktive verwandt, wo bereits die Anwendung 
der Synthese den Modus deutlich zum Ausdruck gebracht hätte; 
häufig wurde die Synthese beibehalten, wo nur durch Gebrauch 
der Analyse der Modus auch äufserlich zutage getreten wäre. 

Wie Zenke richtig hervorhebt, hat bei der Verwendung 
der Analyse oft das Streben bestimmend gewirkt, eine gewisse 
Bedeutung des Konjunktivs schärfer hervortreten zu lassen. 
Orrm benutzte zur Umschreibung die Verben mote^in, murshenn, 
sliulenn, wiletin, mime und Jjurrfe, das in der Übersicht, vgl. 
Stud. 40, § 138, versehentlich nicht aufgeführt worden ist. Die 
ersten vier dieser Verben finden sich als modale Hilfsverben 
auch in EN. wieder, dazu tritt ae. weorpan. Über die Häufig- 



277 

kcit der Verwendung der einzelneu Verben vgl. die Übersicht. 
Wie im Orrmnlum so sind ;iucb in EN. die Formen der zur 
Umsehreibung des Konjunktivs benutzten Verben als formelle 
Konjunktive aufzufassen, abgesehen von einigen Belegen in 
§ 6, wo mai, bezw. mi^t zur Bildung der Analyse dient. Betont 
sei ansdrüeklich, dafs die genannten Verben nicht blol's als 
Hilfsverben des Modus, sondern auch häufig als Begriffsverben 
auftreten und dafs es daher zuw^eilen zweifelhaft ist, ob eine 
Umschreibung des Konjunktivs vorliegt oder nicht. 

Das Streben nach äufserer Kennzeichnung des Modus 
sowie nach schärferer Hervorhebung der verschiedenen im 
synthetischen Konjunktiv liegenden Bedeutungen hat nicht 
allein zu analytischen Konjunktiven geführt. Auch die Kunst- 
form, Vers und Reim, zwang die Dichter, zur Umschreibung 
ihre Zuflucht zu nehmen. Unzweifelhaft erhellt das z. B. aus 
folgender Stelle in EN.: 

1581 f.: an sporne fondep hu lieo muhe 
do Inng pat him heo idu^^e. 

Zenke weist in den Stud. 40, § 131. darauf hin, dafs 
mushenn von Orrm zur Umschreibung des Indikativs benutzt 
worden ist, und sucht mit Recht die Veranlassung dazu in der 
Metrik, da ein begrifflicher Unterschied nicht vorliegt. Mir 
scheint, dafs Orrm auch hin und wieder zur Analyse des 
Konjunktivs gegriffen hat, nur um die Silbenzahl seiner 
Septenare zusammenzubekommen. 

Das Vorhandensein der zahlreichen, äufserlich nicht er- 
kennbaren synthetischen Konjunktive bezeugt, dafs diese Formen 
noch genügten, das Modusgefühl in den Sprachträgern der 
frühme. Zeit anklingen zu lassen, vgl. z.B. hierzu den Konjunktiv 
in Konzessivsätzen. 



Wha( is Ihe Parlemeiil of Foiiles? 



Von 



John Matthews Manly. 



Inhalt. 

Seite 

Discnssiou 279 

Note on the Astrouomical Alliisiou 288 



Disciission. 



Chaucer's Parlement of Foules is currently believed 
to be an allegorical poem of eompliment, setting forth the 
wooing üf Anne of Bobemia by Riebard II of England, Friedrich 
of Meissen, and Charles VI of France, i) One of the latest 
writers says, „Koch's theory as modified by Prof. Emerson 
rests upon grounds of proof that come little short of amounting 
to a demonstration." 2) 

That this theory is more plausible in its present than in 
its original form is true; but several difficulties still remain. 

To whom was the poem intended as a eompliment? To 
Kichard, or Anne, or both? The critics are, in general, not 
very specific on this point. Let us examine the possibilities. 
If, as the astronomical allusion '^) seems to indicate, the poem 
was written and presented after Anne's arrival in England, it 
may have been intended as a eompliment to either or both. 
But is it eonceivable that it was so intended? Would a poet 
of intelligence and tact represent her at this time as undecided 
in her choice. ') whereas her very presence in England was due 
to her having decided in favor of liichard? Surely, if Chaucer 
had planned to write a poem com|)limentary to both, it would 
have been easy to contiuue and complete this poem in such a 
way as to make it a clear and unequivoeal eompliment. If it 
be contended that it was planned for either Richard or Anne 
alone, can we suppose that either would be satisfied to have 
the Situation left as it is? Years after her marriage a lady 

1) Cf. Koch, Engl.Stud., I, 2S7— 89; Chaucer Chron., 37—38; Tatlock, 
Dev. & Chron. ofCh., 4]— 44; Emerson, Mod. Phil, VIII, 45— 62. 

=) Moore, M. L. N., Jan. 1911, pp. 1— 4. 

') See „Note on the Astronomical Allusion" p. 288. 

*) The respite of a year (1. ü48) is not au allusion to the time occupied 
by the negotiations, but ouly to the faet that the next day for the choosing 
of mates would be Saint Valentine's Day of the next year. 



280 

may be flattered by an allusion to the difficiüty she bad in 
cboosing among bei* siiitors, but at or near tbe time of the 
weddiug to repvesent her as unable to deeide is not a com- 
plinient but a joke, and a joke not in tbe best taste. 

If tbe poem was written before Aune's arrival in England, 
in December 1381, it is difficult to see bow it can bave been 
intended for her. She conld not bave known of it unless 
Cbaueer bad sent it to ber in Bobemia, and tbis, wbile possible, 
is bigbly improbable. It must, tberefore, if written at tbis 
time, bave been intended as a eompliment to Eicbard. But 
can any one seriously maintain tbat Riebard would bave 
regarded it as eomplimentary, or tbat Chaucer, a courtier and 
an artist, could bave supposed tbat it v^'ould be aeeeptable to 
bim? It is true tbat, aceording to tbe current tbeory, Riebard 
is represented by the first of tbe suitors; but the lady is re- 
presented as unable to deeide whether to choose him, or an 
insignificant princeling, >) or tbat rival wbom he ealled, not 
king of France, but „nostre adversaire". It is conceivable tbat 
after tbe development of bis sineere and deep affection for 
Anne, he might bave feit no olfenee at a representation so 
derogatory to bis royal dignity; but at tbis time, wben be 
knew of Anne only by report, he can, to say tbe least, hardly 
bave feit complimented. 

Moreover, it may be questioned whether, at any time, 
Richard would bave been pleased with the emphasis upon the 
Claims of the third suitor to a more passionate devotion tban 
bis own;2) and it is equally questiouable whether it would, at 
any time, bave been diplomatic or tactful in Chaucer to make 
any reference to Friedrich , wliose Claims to Anne and 
„10000 Schock Groschen" 3) Wenzel bad eitber cancelled or 
disregarded, and would gladly bave forgotten. 

But sume stress bas been laid ui)on the aceuracy with 
which the descriptions of the suitors in the poem fit the three 
candidates.^) Tbis appearance uf aceuracy is obtained by 



^) That Friedrich later became notable for liis warlike qualities has 
no bearlng upon the Situation at this time. 
2) P. F., 470—63. 

«) Cf. Emerson, Mod. Phil., VIII, 47, n. and 50. 
*) Emerson, 02k cit., pp. 50, 57—60, and Moore, ut sujjra. 



281 

empbasiziug certain phascs of tlie Situation and disregarding 
others. ') If the poeni be taken not seriously, as au intended 
compliment to Kiebard and Anne, but, as a bit of merriment 
intended to aniuse tbe adults at the expense of tbese royal 
cbildren,-) tbe deseriptions will fit well enuugb. But if tbis 
is tbe ease, tbe poem is not a complinient to Kiebard and 
Anne, but makes sport of tbeni. 

Tbat Kiebard is bigbest in rank and birtb, tbat Friedrieb 
has served longest, tbat Cbarles' suit, if really urged at all, 
is of sbortest duration, is all literally true. But only in a 
poem designed to make tbe ebildren appear ridiculous 
could tbese niatters be stressed. In 1380, wben Cbarles V 
reeognized tbe betrotbal of Kiebard and Anne as an ac- 
complisbed fact, Kiebard was tbirteen years old, Friedrieb 
eleven, and Cbarles not yet twelve; and in May, 1382, tbe 



') Emerson (p. 58) not only finds two equally good explanatious of 
tbe „half a yere" of 1. 475; bat also sees in the langaage of the third 
suitor allnsions to the youth of Charles and bis helplessness in the hands 
of his uncles (p. 5S n. 3, p. (iO). Richard — the first suitor, the tercel eagle, 
„wyse aud worthy", „worthieste uf Knighthode, and longest hath nsed 
hit" — was, to be sure, more than thirteen in May, 13S0, wheu Charles 
was „a boy little over eleven years of age" (Emerson, p. 58, n. 3), but 
cven at the time of his marriage Richard was alinost as helpless in the 
hands of his uncles as Charles was in the hands of his; and lines suggestiug 
the condition of the one mnst have suggestcd that of the other also. 

It may be adtuitted that allegories need not go on all fours, bat 
niay be reeognized if they can uiove on three legs, or two, or even one; 
bnt how can the subject of an allusion be expected to take the sweet 
and disregard the bitter of it? Emerson belle ves that Anne would have 
reeognized, as Lowes does, in the tempest at the home-coming of Hippo- 
lita (K. T., 1. 26) an allusion to her own journey to England, and have 
been pleased; and also that Richard was shadowed forth in Palemon, a 
„kluges brother soue" (Emerson iu Studies in Lang, and Lit. in Honor 
of J. M. Hart, p. 253). Would Richard, King of England in his own 
right, have been pleased to be represeuted as son of the brother of the 
King of Castille? Or was Richard not to listen wbile this compliment 
was paid to John of Gaunt? To date a poem of Chancer's by obscure 
allusions to contemporary eveuts is a fine achievement; but allusions can 
be found almost anywhere if diligently sought. 

2) Anne was born May 11, 1366; Richard, January 6, 1367 (Wednes- 
day, the day of the Epiphany, says Froissart); Charles, December 3, 136S; 
and Friedrich, that veterau of love, March 29, 136Ü. 



282 

latest date suggested for the poem, tliey were still ehildrcu 
of fifteen, thirteeu, and tbirteen and a half. In view of this, 
wliat Cduld be more ludicrous than tbe application to llicbard 
of tbe language used in support of the claims of the royal 
eagle by tbe tercelet! 

„Me wolde tbiuke bow that tbe worthieste 
Of knighthode, and lengest bath used bit, 



Were sittiugest for her." (548—51) 

If DO other interpretati(»n of tbe poem than that proposed 
were possible, we sbould doubtless be obliged to aecept it in 
spite of tbe difficulties, but anotber Interpretation entirely 
devoid of diffieulty seems not only possible but elearly in- 
dieated by a careful study of tbe elements of tbe poem and 
tbeir provenieuce. 

It bas long been recognized that tbe general frame-work 
of tbe poem is that of the conventional love vision: tbe dream, 
tbe guide, the paradise of love, tbe temple of Venus, the 
presentation of birds or other animals in tbe ebaracter of human 
beings, the central theme of love. i) Tbe only element in the 
Parlement supposed to be new and charocteristic is the 
central Situation; namely, the assembly of birds to choose mates. 
On investigation, bowever, we find that this is as conventional 
as any of the other elements, and its use in this poem is 
conditioned, as I sball try to show, by tbe social pastime then 
in vogue which gave occasion for tbe poem. 

Tbe well known ty})e of tbe love debate, to which this 
poem belongs, is represented in mediaeval literature by numerous 
poems discussed in chapter III of Neilson's Oriyins and 
Sources of „the Court of Love."^) It presents not only the 

^) The latest discussion of tlie love visiou and its elements is that 
by Sypherd, Studies in Chaucer's House of Farne (EETS, 19ü7) Part. I, 
csp. pp. 1 — (), and 23, 24; he glves abuudant refereuces to previuus dis- 
cnssions. 

*) NeilsoD discusses the Romaricimontis Conciliuni, theAlter- 
catio Phyllidls et Florae, Florance et Blancheflor, Hueline et 
Aiglantiue, the Geste de Bianchefluur et Florence, Melior et 
Idoine, Li Fablel dou Dieu d'Amors, De Venus la Deesse 
d'Amor, and others less pertinent to our theme. 



283 

droam, the guide, and tlie i)aradise of love, biit also the 
debate before the god or goddess of love (or a representative) 
of a qiiestion of the comparative merits of h)vers. In niost of the 
poems of this type the h)vers are representatives of tvvo classcs, 
knights and clerks, but the ränge of such discussions in the 
middle ages was far wider than this, and may include any 
of the nnmerons demandes d'amours. *) 

Few themes of literary or social diseussion were more 
populär in the middle ages than those known as demandes 
d'amours.^) These are found in many and various forms, 
from the simple cases proposed in the De Amore^) of Andreas 
Capellanus and elsewhere, to the jeux-partis, partiiuens, tenzonc, 
Streitgedichte, torniamens, debats, and arrests d'amours.^) The 
qiiestions proposed present usually indeed a choice between 
two objects or two situations or two courses of action: as, 
between the knight and the clerk as the better lover, or 
between two knights, or between the canonesses and the gray 
nuus; or between the felieity of the lover who can see as often 
as he wishes bis lady who does not love him, and of the 
lover who can only see at a distance the lady who loves him. ^) 
But there are many iustances in which the problem has three 
branches. One of the most iuteresting is the partimen between 
Raimbaut de Vaqueiras and two friends concerning the pre- 



^) In the Fablei dou Dieu d 'Amors the Claims of the „vilaiuue 
gent" (that is, all who are not knights or clerks) are maintained by the 
„malvis" and the „gais" against the „espreviers" in an assembly presided 
over by the „loussignos". In the Messe des Oiseans of Jean de Condc 
the comparative attractiveness of the white canonesses and the gray nuus 
is discussed before Venus. 

^) Cf. Eero Ilvonen, Les demandes d'amours dans la litterature fran<;aise 
du moyen äge, ^euphil. Alitteilungen, Helsingsfors 1912, Nr. 5/6, pp. 128 
to 144; A. Klein, Die altfranzösischen Minnefragen; Rajna, Le Questioni 
d'Amore nel Filocolo, Romania, XXXI. 

') See especially Liber II, Cap. VII : De variis iudiciis amoris. 

*) Cf. Seibach, Das Streitgedicht in der altprov. Lyrik; Knobloch, 
Streitgedichte im Prov. u. Altfr. ; Wechssler, Ein Altfrz. Katechismus der 
Minne, Philol. u. Volksk. Arbeiten, Festschr. f. Vollmöller; Steffens, Archiv, 
XCVIII; Lubinski, Rom. Forschung., XXll; Jeanroy, iJomani«, XL, 35U ff., 
XLV, 209ff.; Fiset, Rom. Forschungen, XIX, 407 ff.; Schultz-Gora, Rotn. 
Forschungen. XXIII, 497 ff. ; etc. 

'') Cf. Klein, p. 40. 



284 

ference to be givcn to one (»f three barons, distinguished 
respectively for valor, for courtesy aud liberality, and for 
wisdom. ') Another, less interesting perhaps, is the triple jeu- 
parti of Colart aud Mabieu, as to wbetber marriage, religioas 
life, or bachelorbood is tbe i)referable condition.2) A triple 
question of considerable vogue is tbat in regard to the choice 
of ladies, involving tbe comparative attraetiveness of maid, 
"wife, and widow. 3) A somewbat peeiüiar form of tbe triple 
question is tbat preseuted in Fiez d'Amours by Jacques 
de Baisieux.*) Tbree kuigbts love tbe same lady. Sbe tests 
tbem by asking tbem to figbt in tournament in a „camieia" 
tbat sbe sends. Anotber triple problem of special interest as 
sbowing bow tbe demande d'amours was utilized in narrative, 
is presented by tbe Lai du Conseil.^) In it, a lady married 
to a rieb old man asks advice of a ebevalier „sage et bien 
appris" on tbe eboice sbe ougbt to make between tbree suitors. 
Tbe first is „preux, riebe, et mal el^ve" ; tbe secoud is „courtois, 
riebe, et mal renommö pour la prouesse"; tbe tbird „a peu de 
fortune, mais il est preux, discret, et sage". But perbaps tbe 
most interesting for our purpose is tbe triple problem preseuted 
in book IV of tbe Filocolo. Tbe tbird of tbe tbirteen 
questions of love presented under tbe presideney of Fiammetta 
is tbat presented by an unnamed lady wbo bas to cboose 
among tbree lovers wbo please her equally. The first sur- 
passes in ,.fortezza" tbe „buono Ettore"; tbe courtesy and 
liberality of tbe seeond is so great tbat bis fame reacbes to 
eitber pole; tbe tbird surpasses in wisdom all tbe wise. 

It may be noted in passing tbat immediately preeeding 
tbe episode of tbe questions of love in the Filocolo,«) Florio 



') Text in Appel, Prov. Chrest, Nr. 9S; cf. Nr. 99, which discnsses 
which of three robbers was treated worst. Cf. also the amusing one, 
Klein p. 56, Nr. 13. Eqnally amusing is that given in Hist. Litt, de la 
Fr., XXIII, 755. 

*) Jeanroy, Chansons, Jeux Fartis et Refrains Inedits du Xlll « siede, 
pp. 42-44. 

•'') Rajna, Bomania, XXXI, p. 52; cf. Hist. Litt, de la Fr., XXIII, 601 
and 717. 

*) Rajna, Romania, XXXI, pp. 72 — 74. 

•■) Hist. Litt, de la Fr., XXIII, p. 63 f. 

•) Chaucer's acquaintance with the Filocolo is well established. 



285 

reports a dream wliicli lie has liad about a gathering of birds.O 
It need not be argued thut this siiggested t(» Chaucer the idea 
of prosenting a demande d'amoiirs in the setting of a bird 
parliameut. Birds are present, eitber as spectators or as actors, 
in almost all the love visions sumniarized by Neilson,-) and 
the formal parliament of birds was a populär type of mediaeval 
literatiire. Twentv-nine such i)arliaments are listed by Seelmann 

«.1. * 

in bis artiele on „Die Vogelspraehen."^) He distinguishes 
several types. The two whieh are <»f most interest to ns are 
that in whieh the birds chuose a king, and that in whieh they 
give advice, either of a general or of a specific character. '•) 
We have seen thus far that the Parle ment of Foules 
is a conventional love visiou, in whieh the central Situation is 
a demande d'amours, presented before a parliament of birds, 
presided over by a representative ^) of the god or goddess (»f 
love, who in this case is Dame Nature. '5) It is now neeessary 



For his nse of it in Troilus and Criseyde, see Young, Mod. Phil, 
IV, 109—77, aud The Origin and Devel. of the Story of Troilus 
and Criseyde, Chap. IV. For its connectiou with the Frankeleyu's 
Tale, see Eajna, Bomania, XXXII, •20-1— 67. The Frankeleyn's Tale 
itself, it will be remembered, is a triple love problem of the type we are 
now discnssing. 

') Oj)ere Volgan, VIII, 23— 26. 

^) In Florance et Blancheflor the problem is pnt for decision 
before a conrt or assembly of birds (Neilson, p. 36). In the Geste de 
Blancheflour et Florence and iu Melior et Idoine also the birds 
render the decision (Neilson, p. 38). In the Fablei dou Dieu d'Amors 
the discussion is carried on by birds aud the nightingale presides; and iu 
De Venus la Deesse d'Amor the Situation is alinost the same (Neilson, 
pp. 41, 42). For the Messe des Oiseaus cf. Neilson, p. 67. See also 
ibid., pp. 216—27. 

*) Jahrb. f. nd. Sprachforscliung, XIV, 101— 47. To these add the 
Conseil des Oiseaux noted in Romania, XIX, 344. 

*) Loc. cit., pp. 108 — 15. 

'•') In Le Court d'Amours of Mahieu Poriier the „grand bailli" 
presides over the discussion of the problems. In the Romaricimontis 
Concilium the president is called „cardinalis domina". In the Alter- 
catio the judges are „Usus et Natura." In Machaut's Dit du Vergier 
Nature takes part in the dialogue with the author. 

*') The presenco of Nature is no doubt due to the influence of Alanus 
de Insulis, as has often been remarked; but the passage in the Planctus 
Naturae can hardly be regarded as having suggeeted the poem, even 



286 

only to emphasize the fiirtber well known fact tbat this 
asserably is beld on Saint Valentine's Day, and to point out 
the significanee of tbis fact for tbe Interpretation of the poem. 

Tbe cult of Saint Valentine appears to bave existed as 
a folk ciistom from very remote anticiuity. We are not bere 
coneerned with its origiu or early bistory. Tbe point of 
interest for us is tbat in tbe fourteeutb centuiy — apparently 
in the seeond or tbird quarter — tbis folk custom was taken 
up by courtiers and transformed into a literary and social 
amusement. I bave found uo traces of tbis earlier tban the 
poems of Granson, wbose vogue as a court poet Chaueer has 
clearly indicated in tbe well known lines of bis Envoi to tbe 
triple balade of the Compleynt of Venus. Among tbe few 
poems by Granson wbich remain to us, there are six Valentine 
poems. These are given by Piaget in Romania XIX, pp. 406, 
409, 420, 422, 424, 432. Tbe cult indicated by tbese poems 
finds expression also in Gower's CinJcante Balnäes,^) two 
of wbich are Valentines. Tbat tbe cult continued into tbe 
fifteenth Century is indicated by tbe Valentine poems written 
by Lydgate,^) or ascribed to bim, and by tbe sixteen poems 
of similar nature written by Charles of Orleans and bis friends.^) 
Wbetber any definite social Organization in connection with 
this cult was made before the year 1400 is unknown, but it 
is not unlikely tbat parallel to the organizations of tbe Flower 



thoagh it does contain the phrase animalium concilium. Both idea 
and term were common. 

') Nrs. 34 and 35 are Valentines. 

2) Clearly Valentine poems are the Flour of Cnrtesye (aee 
especiallj- the Balade and the Envoy), Skeat, Chaiicerian and Other Pieces, 
pp. 266—274; To My Soverain Lady (see especially 11. 106—12), ibid., 
pp. 2S1 — 4; and A Valentine to Her that Excelleth All, Minor 
Poems of Lydgate, ed. MacCracken, 1,304—10. The Cuckoo and 
the Nightingale belongs also to this class, as does also the Ameroas 
Complaint ascribed doubtfuUy to Chaueer, cf. Oxford ed., 1,411 — 14 
(esp. 11. 85—91). 

*) Poesies CornjAdes de Charles d'Orleans, ed. d'Hericault, I, Poeme 
de la Prison, Balade Ixvi, p. 85, Fredet au duc d'Orleans, p. 177; II, Chanson 
cxviii, cxix, p. 68, Rondeau x, p. 82, cxix, p. 144, clxxxviii, p. 193, Rondeau 
de Fredet, ibid., ccvi, ccvii, p. 210, ccviii, ccix, p. 211, Rondeau par Tigon- 
ville, p. 212, ccxxx, p. 224, cclili, p. 237. See 11,21)7 note ou 177. 



287 

and the Leaf. permanent or temporary eonrts of Saint Valentine 
were established. It is well known tliat in 1400 tliere was 
organized at Paris, on Saint Valentine'« Day, a niagniticent and 
elaborate eour amonrense, the purpose of wbieli was to 
hold meeting'S for the presentation of balades and otber poemsJ) 

That Chaucer hiniself took part in the literary features 
of such social entertainments is indicated by bis Coniplaint 
of Mars, which the introductory stan/as cleavly show to have 
been intended as a Valentine poen).^) It is therefore not 
difficult to believe that the Parlement of Foules was 
written for such an occasion and that it finds its sufficient 
explanation in this fact. 

If this view be adopted, it is no longer necessary to search 
for an historical Situation suitable to give rise to the poeni 
and to be shadowed forth in it. Every detail of the poeni 
is simply and adequately accounted for.-') The choice among 
the three suitors is a typieal triple problera of love; the choice 
is left undeeided in order to furnish a basis for aniniated 
social diseussion,^) as is so often the case with the demandes 
d'amours; the respite of a year is couditioned by the fact 
that the next assembly for choosing mates will occur ou the 
next day of Saint Valentine. 



^) A. Plaget, La Cour Amourense dite de Charles VI, Romania, 
XX, 417 — 54. Tliere is nothiög of value in Reiffeuberg's article in the 
Biill de l'Acad. Roy. de Brnxelles, VII, part I (18^0). 

*) The natnre of the poem is such that only the desire to make a 
Valentine of it can account for the setting; cf. Mauly, Harv. Studies and 
Notes (Child Memorial Volume), V, 107 ft'. The Legend of Goode 
Women is not a Valentine poem, despite the allusions to the choosing 
of mates. 

^) Skeat thought that the summer landscape contradicted the in- 
dication of Valentine's Day, and he explalned the presence pf 11. 172, 
184 — 210, by supposing that the poet was writiug in the summer; see his 
note on 1. 117. Bat these lines come from Boccaccio and are used by 
Chaucer in depicting the unchanging summer which is a conventional 
characteristic of the amorons paradise. 

The „longe day", 1. 21, is of course not intended for Valentine's Day. 

*) American and perhaps some English readers will recall the vigorous 
discussion produced by the demande d'amours of Ötockton's The 
Lady or the Tiger. 



288 

Note on tlie Astronomical Allusion. 



As wisly as I saw thee (Venus) north-north-west 

Wben I began my sweven for to write. {F.F., 113 — 19.) 

It is true that Veuus can uever be seen „nortb-nortb-west", 
but — unless tbis term ineans only „in an unpropitious 
Position", (Ab aquilone omne nialum) and is a bit of slang, as 
in Hamlet's, „I am but mad nortb-nortb-west" — tbis must 
be an inexaet pbrase for tbe extreme nortbern position of 
Venus as an evening star. Professor Forest Ray Moulton tbinks 
it a natural expressiou for a layman to use. and says tbat 
wben Venus oeeupies tbis position astrouomers always reeeive 
inquiries about „tbe new star in tbe nortb-nortb-west". Cbaucer 
had, of course, some knowledge of astronomy, but be is writing 
here, not as seientist, but as poet. 

Early in May, 1382, Venus would be tbe evening star, 
as Kocb pointed out {Clironology, pp. 37 — 38). Sbe would tben 
be visible sligbtly nortb of tbe uortb-west point, thougb not 
teebnically nortb-nortb-west. Tbis extreme nortbwest position, 
says Professor Äloulton, can be reacbed „only wben Venus is 
near ber greatest distanee nortb of tbe equator. Sbe is at ber 
greatest distanee nortb of tbe equator wben sbe is 90 o east 
of tbe vernal equinox. In ber greatest easteru elongation sbe 
is approximately 45 " east of tbe sun. Consequently, Venus is 
Seen in tbe nortb-nortb-west only wben tbe sun is about 45* 
east of tbe vernal equinox, tbat is, about May 10. A differenee 
of two or tbree weeks from tbis date would cause no very 
great differenee in tbe apparent position of Venus." 

The synodie period of Venus, tbat is, tbe period of ber 
return to tbe same position relative to tbe eartb and tbe sun, 
is 1.599 yr. On May 12, 1374, Venus was in ber greatest 
eastern elongation. Tbe following are tbe dates of similar 
positions for tbe next ten years or so: 

1374.362 = May 12, 1374 

1375.961 = Dee. 15, 1375 

1377.560 = July 23, 1377 

1379.159 =- Feb. 27, 1379 



289 

1380.758 = Oct. 2, 1380 
1382.357 == May 10, 1382 
1383.956 = Dec. 14, 1383 

The year 1380 is out of the questiou, for in September and 
October the sun sets too nearly in the west to allow Venus 
to appear very far north of west. If therefore Chaucer is 
speaking of the planet Venus, he teils us that he began to 
write bis poem in 1374, or 1382, or 1390. The first date i» 
too early and the last too late. 

This diseussion is based, of eourse, upon the usual inter- 
pretation of the lines (P. F. 113 — 19) eited at the head of 
this note. But Dr. Koch, in the second of his articles on the 
relations of the manuscripts of the P. F. (Das Handsehriften- 
verhältnis in Chaucer's „Parlement of Foules", Archiv [1903J 
CXI, p. 306-7) öfters a new interpretation of 1.117. Ms Gg. 

reaas. ^^ wisly as I saw thee north nor west. 

The Word nor has heretofore been regarded as a mere 
seribal error or variant for north, the reading of all the other 
MSS (except Tr. and Ff., whieh omit the word entirely). Koch, 
however, now suggests that it is not a seribal error but the 
only right reading. He understands the line to mean, „As 
truly as I saw thee neither north nor west, that is, south 
and east." 

If Chaucer says this, he indieates, as Koch explains, that 
Venus was morning star at the date in question. This might 
have been in 1381, when Venus was morning star from January 
to July. „Im Januar 1381 kamen aber gerade die Abge- 
sandten König Richards an den Hof König Wenzels, um für 
ihn um die Hand der Prinzessin Anna zu werben, um welche 
Freischaft, wie ich früher nachgewiesen, sich das Vogel- 
parlament dreht. Sicher wuIste aber Chaucer bei der Ab- 
fassung seines Gedichtes noch nichts vom Ergebnis dieser 
Werbung, und so dürfte es bald nach Eintritt jener Venus- 
stellung, d. h. um den 14. Februar 1381 — welcher Tag 
(s. V. 309) gleichfalls hier eine wichtige Rolle spielt — , ent- 
standen sein." (p. 307.) 

Even if this ingenious Suggestion of Koch's be admitted 
the reasons given in the present article against regarding the 

Studien zur engl. Phil. L. ^9 



290 

poem as intended for a conii)linieut to Richard or Anue and 
in favor of taking it as a Valentine poem still retain their 
foree. But it is difficult to adniit the Suggestion. 

In the first place, „I saw thee north nor west" (meaniug 
„south and east") would be, at auy period, awkward and 
questionable English. To me it seems impossible for Chaucer, 
and I thiuk all f:\miliar with the syntax of Chaucer will agree 
with me. Furthermore, in order to aceount for the presence 
in Gg. of a correct reading possessed by none of the other 
MSS, Koch himself is obliged to suppose that, in addition to 
its direet source, Gg. must occassioually have used another MS, 
nearer to the author's original than the common ancestor of 
all the cxtant MSS {Archiv, CXII, p.68). This is not impossible, 
of eourse, but the evidence adduced is hardly convincing. 
Moreover a seribe who, finding in bis direet source „north 
north west", would „correct" it to „north nor west" of a 
supposedly better copy, would not have been content to use 
the supposedly better copy „gelegentlich", but would have 
adhered to it with scrupulous fidelity. 



BeowLilf der Gautenköiiiff. 



Von 



Max Deutschbein. 



19' 



Jeder, der sich eingehender mit der Chronologie der im 
Beowulfepos auftretenden Personen beschäftigt hat,i) bemerkt 
bald, dafs die Zeitangaben, die sich auf das Alter und Lebens- 
schieksale der fraglichen Personen beziehen, oft nicht zu ein- 
ander stimmen, ja sich direkt widersprechen. Zum Teil 
erklären sieh die Schwierigkeiten aus dem Umstände, dafs ein 
Teil der Angaben des Epos wirklich auf guter historischer 
Tradition beruht, während andere nur die eigene Erfindung 
des angelsächsischen Dichters sind — dafs die fiktiv-poetischen 
Angaben nicht mit den historischen-wirklichen Zeitbestimmungen 
übereinstimmen können, ist klar. Vor allem werden davon 
jene Partien betroffen, die von Beowulf handeln, besonders 
aber soweit es sich um Beowulf den Gauteukönig handelt. — 

Dafs Beowulf je den Thron der Gauten bestiegen hat, 
halte ich für unmöglich — es ist dies nur eine Fiktion des 
angelsächsischen Dichters, der das ihm vorliegende Rohmaterial 
zu einer Art Biographie von Beowulf umgestaltete. Alles, was 
er von Beowulf als König, von seiner Verwandtschaft mit den 
W^Smundingen, mit Hygeläc erzählt, ist poetische Erfindung. 
Das hat schon MüUenhoff {Beowulf S. 14f.) richtig gefühlt, 
der mit Recht die passive Rolle Beowulfs in dem Kampfe 
gegen Onela betont und weiterhin vermutet, dafs ursprünglich 
wohl Hygelac im Mittelpunkt des epischen Interesses gestanden 
habe. Die Ereignisse gehen so vor sich, als wenn Beowulf 
überhaupt nicht existierte, einer Meinung, der sich auch neuer- 
dings Klaeber {Anglia 36, 190) anschliefst: „Kurz, die ver- 
breitete Ansicht von einem ursprünglichen historischen Beowulf, 



So neuerdings Heusler, Archiv 124, 9if. und Panzer, Beowulf 
393 Anna. 



293 

Neffen des Gautenkönigs, unterliegt schwerwiegenden Be- 
denken." 

Dazu kommt noch ein spraebliches Argument, auf das 
schon Olrik {DntimarJis Heltedigtning 1,24) aufmerksam gemacht 
hat. Vor Reowulf sitzt auf dem Throne der Gauten ein Ge- 
schlecht, deren Namen mit II heginnen (HreAel — Hygeläc 
— Ileardred); nach Beowulf regiert Wiglaf, Sohn des Weohstän 
aus dem Geschlecht der Wiejmnndiuge; ganz isoliert steht 
Beowulf, Sohn des Ecgl'eow. 

Der einzig mögliche Schlufs ist daher, dafs Reowulf ein 
Fremdling auf dem Gautenthrone ist, dafs vielmehr auf das 
Geschlecht der Hygelacs die Wiesmundinge direkt gefolgt sind. 

Diese Folgerung bringt auch Klarheit in die etwas ver- 
wirrten VerhUltuisse, die im Beowulfepos zwischen Gauten und 
Schweden zu herrschen scheinen. Die spätere skandinavische 
Überlieferung hat hier manches Ursprüngliche bewahrt. 

Aus Vers 2381 ff. in Verbindung mit 2611ff. des Epos er- 
fahren wir, dafs Kanmund und Kadgils sich gegen ihren Oheim 
Onela, den Schwedenkönig, empört haben und diese sich zu 
Heardred, dem Gautenkönig, geflüchtet haben. Onela unter- 
nimmt nun einen Kriegszug gegen Heardred und tötet diesen; 
bei dieser Gelegenheit wird Kanmund durch Weohstän getötet. 
Später (!) unternimmt Eadgils mit Beowulfs Unterstützung einen 
Rachezug nach Schweden und besiegt und tötet seinen Oheim 
Onela. 

Wenn nun die Gestalt Beowulfs unhistorisch ist, so kann 
auch Eadgils kaum mit gautischer Unterstützung in sein 
Vaterland zurückgekehrt sein. Vielmehr wird der Zusammen- 
hang folgender gewesen sein : Nach der Niederlage und Tötung 
Heardreds wird der Gautenthron wohl von den schwedischen 
Siegern besetzt worden sein — was lag für Onela näher, den 
Wie^munding Weohstän einzusetzen, der ihm so wertvolle Dienste 
geleistet hat (seil, seinen Neffen Eanmund getötet hat) und 
zwar wird wohl Weohstän schwedische Truppen zur Sicherung 
seiner neuen Macht mit nach Gautland gebracht haben. Jetzt 
wird auch verständlich, warum sein Sohn Wiglaf ein leod 
Scylfinga (V. 2603) genannt wird, ') und der oben gefolgerte 



') Die auffällige Bezeichnung ist schon früher von MüUenhoff (Anz. 



294 

Scblufssatz, dafs auf die Hygeläc-Dynastie die schwedischen 
Wssmundinge direkt gefolgt sind, neu bestärkt. 

Nur eine Schwierigkeit bleibt bestehen: wenn Weohstän 
und nicht Beowulf der Nachfolger Heardreds auf dem Gauten- 
thron gewesen ist, mit wessen Hilfe hat dann Eadgils die Rück- 
kehr in sein Vaterland bewirkt? Ich glaube, dafs hier die 
spätere nordische Überlieferung einen guten alten Kern ent- 
hält: Nach dieser sendet Eölf (= Hrööulf, Neffe des Hröösär) 
dem König Aöils 12 Berserker, die diesem im Kampf gegen 
den König Ali {■= Onela) zur Seite stehen. Aus der späteren 
nordischen Überlieferung dürfen wir also schliefsen, dals Eadgils 
mit dänischer, und nicht mit gautischer Hilfe zurückgekehrt sei. 

Über die Beziehungen Rolfs zu A(^ils haben wir m der 
altnordischen Literatur zwei Versionen — eine dänische (bei 
Saxo) und eine isländische (bei Snorri und Arngrim). i) Die is- 
ländische Darstellung ist folgende: Da der König A(Mls Hilfe 
gegen den Uplandskönig Ali braucht, wendet er sich an seinen 
Stiefsohn Hrölf, den König von Dänemark; dieser schickt ihm 
seine 12 Berserker. Aöils wird seines Gegner Herr, verweigert 
aber den Berserkern den versprochenen Lohn. Rolf entschliefst 
sich daher, nach Upsala zu ziehen, um den Lohn einzu- 
fordern. — 

Anders wird bei Saxo der Upsala-Zug Rolfs begründet: 
Yrsa, die Gemahlin des Schwedenkönigs Aöils und die Mutter 
R61fs, ist ihres geizigen Gemahls überdrüssig und wünscht, ihn 
seiner Schätze zu berauben. Sie veranlafst daher ihren Ge- 
mahl, den Stiefsohn zu sich zu berufen; dieser sollte — nach 
der Absicht Yrsas — den Sehatz seines Stiefvaters in seine 
Hände bringen und ihn mit sich fortführen. Rolf zieht darauf- 
hin nach Upsala. — 

f.d Altertum 3,177 und Bugge, Beitr. 12,50) zu deuten versucht worden. 
Nach diesen wäre der Sachverhalt folgender: Nach der Rückkehr Eadgils 
und nach dem Tode Onelas konnte Weohstän nicht länger in Schweden 
bleiben, sondern wandte sich nach Gautland, wo er von Beowulf aufge- 
nommen wurde. Beowulf hätte aber dann sehr unklug und inkonsequent 
gehandelt: erst unterstützt er den Eadgils, um ihm die Rückkehr nach 
Schweden ^u ermöglichen, dann aber nimmt er den Weohstän, den Tod- 
feind des Eadgils, bei sich auf! 

') Für das Folgende vgl. Olrik, üanmarks UeUedigtning; Hausier, 
Zeitschr. f. d. Alt. 48, SUff. 



295 

Olrik ist nun geneigt, die Begründung bei Saxo — ab- 
gesehen von der sog. Yrsa-Intrigue — für die ursprüngliche zu 
halten: AiMls lädt den Stiefsohn zu sich, um ihn zu verraten. 
Gegen diese Annahme erhebt Heusler (a.a.O. S. 81flf.) mit 
Recht Bedenken, indem er die isländische Tradition für die 
primäre hält. E^ hat also vor dem Upsala-Zug Rolfs ein 
freundschaftliches Verhältnis zwischen dem A(Mls und Rolf 
bestanden: daher die Entsendung der 12 Berserker, als Aöils 
gegen Ali kämpft. 

Nach meiner Ansieht spiegelt die isländische Überlieferung 
den älteren historischen Tatbestand wieder: Eadgils besiegt 
mit dänischer Hilfe (und zwar mit Ilrööulfs Hilfe) den Ali 
(Onela). Offenbar ist dann Eadgils seinen Verpflichtungen 
gegenüber Hrööulf nicht nachgekommen — daher der Upsala- 
Zug, — Es ist so alles recht begründet und auch mit der 
Liberlieferung, wie sie das Beowulfepos repräsentiert, in Über- 
einstimmung. — 

Damit wird für uns auch eine Erklärung überflüssig, 
die nach Olrik die letzte Ursache und Grundlage des Upsala- 
Zuges erklären soll (I. c. S. 38). Rolfs feindseliges Verhalten 
gegen Aöils beruhe auf folgenden Motiven: Onela (= Ali) 
hatte die Schwester Ilälgas (Helgi) zur Frau, des Vaters von 
Hrööulf; Ali war demnach der Onkel Rolfs. Onela und sein 
Neffe Eadgils geraten später in Streit und Olrik nimmt nun 
an, dafs sich Hrööulf auf die Seite seines Oheims gestellt habe 
und entweder ihm geholfen oder seinen Tod durch einen Zug 
gegen Aöils gerächt habe. — 

Diese Annahme, dafs Rolf sich auf Seite des Ali gestellt 
habe, ist nicht nur überflüssig, sondern sogar unmöglich für 
uns — sie hat kaum eine positive Grundlage. 

Sehen wir uns einmal die Verhältnisse in Dänemark und 
Schweden etwas genauer an, um vielleicht etwas über die Be- 
Ziehungen Alis zu Rolf zu erfahren. 

Im Beowulfepos herrscht der greise Hröösär über Däne- 
mark — zwischen ihm und seinem Neffen Hrööulf herrscht 
noch Frieden, wenn auch auf die spätere Fehde innerhalb der 
Scjoldungendyiiastie augespielt wird. Diese Fehde ist offenbar 
zum Ausbruch gekommen, als das Heer der Hadubarden eine 



296 

vernichtende Niederlage bei Heorot erfahren hatte; vgl. die 
bekannten Verse des WldsTö V. 45flf. 

HröJ^wulf ond Hröögär heoldou lengest 

sibbe ictsomne snhtorfa^dran, 

sij^l^an hv forwneeon "Wicinga cyun 

and Ingeides ord forblgdan 

forheowan a't Heorote Heaöo-Beardna ^rym. 

Ich fasse heoldon als Plusquamfekt und übersetze: Hröjnüf 
und Hrööjär hatten Frieden am längsten gehalten, Oheim und 
Neffe — als (nachdem) sie ... 

Hröösär und Hroöulf sind offenbar nach der Niederlage 
der Hadubarden in Streit geraten — wahrscheinlich über die 
Beute. Hrööulf wird wohl seinen Oheim gewaltsam vom 
Dänenthron beseitigt und ebenso seine Mitwerber und Vetter 
Hreörie. Hröömund und Heoroward verdrängt haben. ') Es ist 
natürlich nicht ganz sicher, wie sich zu dem gewalttätigen Ver- 
fahren die Schwester des Hröösär, die an Onela verheiratet 
war, gestellt — wahrscheinlich ist, dals diese gerade nicht mit 
günstigen Augen das Vorgehen Hro]^ulfs beobachtet hat. Als 
nun später Ouelas Neffen Eadmund und Eadgils sich gegen ihn 
empörten und nach ihrer Niederlage ihr Heil in der Fremde 
suchen mufsteu, gingen sie zunächst zu den Gauten — und 
als nach der Niederlage Heardreds auch hier keine sichere 
Stätte war, wird sich Eadgils nach Dänemark zu Hrööulf ge- 
wandt haben, mit dessen Hilfe dann Eadgils zurückkehrt. — 
So ist alles klar und verständlich und ohne jeden Zwang. — 

Aus dem von uns angenommenen Zusammenhang wird 
auch die Stellung Heorowards (= Hjörvarör), in der nordischen 
Überlieferung verständlieh. Nach dieser wird Rolf in Leyre 
von Hjörvarör verräterriseh überfallen und getötet. Nach der 
Bjarkimäl (9. Jahrh.) besteht das Heer des Hjörvarör aus 
gautischen bezw. schwedischen Truppen. Wie kommt nun er 
zu diesem Heere? 



^) Bei der von mir vorgeschlageneu Interpretation der WidsTÖstelle 
fällt dann auch die von manchen Forschern berührte Schwierigkeit weg, 
dafs der greise HrSÖgär des Beowulfepos noch nach der Hadubardenschlacht 
sehr lange am Leben ist. Allerdings ist zu beachten, dafs das hohe Alter 
des Hröögär im Epos möglicherweise unhistorisch und erst das Produkt 
eines Dichters ist (vgl. Ilcusler, Archiv 124, lOf.). 



297 

Die Situation mag für Heoroward nach der gewaltsamen 
Usurpation seines Vetters Hröt^ulf äufserst schwierig gewesen 
sein — in Schweden, falls er sich dorthin (zu seinem Oheim 
Onela) geflüchtet hatte, konnte er nicht auf die Dauer bleiben, 
da dort später Eadgils, der von Rolf unterstützt worden war, 
herrschte. — So blieb ihm nur Gautland übrig, wo Wiglaf 
herrscht, der leod Scylfinga, der mit Eadgils verfeindet war. 
Es ist nun wohl anzunehmen, dafs Heoroward mit Wiglafs 
Unterstützung nach Dänemark zurückkehrt, wie denn im Beowulf 
V. 1835, 1855 auf freundliche Beziehungen zwischen Dänen und 
Gauten hingewiesen wird. Dafs sich in lijörvarörs Heer Gauten 
und Schweden befinden, erscheint natürlich. 



Reiimintersiichiinof über die 

Qualität der betonten langen E -Vokale 

bei Robert of Brunne. 



Von 



Oskar Boerner. 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung 299 

Aus den Jieinien .lüO 

-er{e), ■er{e)s, -örcst .... 300 

srd, -erd 311 

-erl, -erles 312 

-ern, -enies 312 

-cd{e), -ed(e)s 312 

-U(e), -Bl(e)s, -Step, -Uen . .319 

-e, ?s 323 

-es(e), eses; -est{e), -Sstes, -esed 331 

-em{e), -sm{e)s, -emed . . . 334 

-en(e), &«(e).9 335 

-el(e), -el(e)s, ded 337 

-Eche, -eches, -echyp .... 340 



Seite 



-Bue(n), -Suyn, -caep, -Siied, 

-euyl, -Suel 

-ehe. -ekyn, -ckyr, 

-epe 

-e/"(0 



• & 



cked 



.340 
343 
343 
344 



-ece, -eees, -ecys 34.5 

-ep, -epen, -eper 345 

-end{es), -end{es), -endyp . . 345 

-eld{es), -eld(efi) 346 

-eng, -eng 348 

Zur Frage über die ^/?- Grenze 348 
Tabellen über gewisse Reim- 
Mörter 349 



Einleitung'. 

Die folgende Reimiintersuchung bietet einen Beitrng zu 
einer Reihe von Einzelaibeiten , wie sie namentlich die 
Morsbaeh'sche Schule auf dem Gebiete der mittelenglischen 
Grammatik geliefert hat. Der Forschung im einzelnen eröffnet 
sich hier immer noch ein weites Feld. Material bieten Reim- 
listen, wie sie für einzelne Denkmäler vorliegen; jedoch sind 
nur geringe Ansätze von Untersuchungen vorhanden, die das 
einzelne Wort und den einzelnen Laut erschöpfend behandeln. 
Zwar hat man einzelne Wörter durch eine mehr oder minder 
grofse Zahl von Denkmälern verfolgt; man hat auch umfassende 
Reimuntersuchungen angestellt, wie Reitemeyer, der den ge- 
samten französischen Lehnwortschatz in Denkmälern aus dem 
gesamten Sprachgebiet auf die langen e- Vokale hin untersucht 
hat (L.Reitemeyer, Die Qualität der betonten langen E-Yokale 
in den franzüsischen Lehnicörtern des Mitteleiußischen, Göttinger 
Diss., Halle 1911; hier ist auch die einschlägige Literatur ver- 
zeichnet). Dabei ergibt sich jedoch, dafs wir uns manchen 
Schlui's hinsichtlich des einzelnen Lautwertes versagen müssen, 
wenn wir nicht das einzelne Denkmal nach dieser Richtung 
hin erschöpfend behandeln. Z. B. Heise sich für den e-Laut 
in den französischen Lehnwörtern mehr feststellen, wenn auch 
der einheimische Wortschatz herangezogen würde. 

So mufs sich die Forschung vorläufig noch auf recht 
schmale Wege begeben, ehe sie imstande ist, die Laut- 
erscheinungeu für einen gröfseren Bezirk mehr oder weniger 
scharf abzugrenzen. 

Über den Wert der Reime für die Lautgeschichte hat sich 
W. Hörn in seinen Untersuchungen zur neuenglischen Laut- 
geschichte ausgesprochen (Q. u. F. 98, Strafsburg 1905). Von 
besonderm Wert sind die Werke Roberts of Brunne, weil 



300 

sie zeitlieh und örtlicli bestimmt sind und wegen ihres Um- 
fanges manchen Sehlufs gestatten, wo er bei kleineren Denk- 
mälern nicht möglich wäre. 

Die vorliegende Reimuutersuchung beschränkt sich auf die 
langen c- Vokale, auch in den französischen Lehnwörtern, da 
Keitemeyer R. of ßrunne nicht berücksichtigt hat; mehrfach 
begegnen hier Wörter, die bei Reitemeyer fehlen. Die neu- 
englische Mundart ist nur gelegentlich herangezogen worden, 
da die Wortlisten bei Ellis für unsere Zwecke nur in wenigen 
Fällen auf die mittelenglischen Verhältnisse ein Licht werfen 
konnten. 

Die Beispiele aus der Handlyng Synne beruhen auf 
eigener Sammlung, die aus der Chronik auf den Reimlisten 
von Furnivall in seiner Ausgabe. Von Reimen mit Eigennamen 
habe ich abgesehen, da sie für den Lautwert keinen sicheren 
Sehlufs zulassen. 

(H. S. = Handlyng Synne, Chr. = Chronik.) 



Aus den Reimen. 



Sichere Fälle von geschlossenen c-Reimen liegen vor, wo 
das [e] zurückgeht auf 

1. urengl. e. 

2. ae, e < ö + i, i« 

3. aangl. e mit Umlaut = ws. ca (durch Kontraktion). 

4. aangl. w, eo ohne Umlaut < wg. iu. 

5. aangl. e = ws. w, i, y <. ea -\- i, j. 

6. geschl. [e] in an. Lehnwörtern. 

7. ae. eo durch Kontraktion. 

8. ae. e, gedehnt im Wortauslaut < *e < *i. 

Das e vor r. 

-er{e), -er{e)Sf -er est, (eryst), 

L Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

lier{e) adv. : ser adv. (< an.) Chr. 15280. 

: dere {dear) H. S. 325, 3611, 3694, 3855, 3907, 
5037, 5313, 5741, 9111, 9313, 9489, 10864, 10889, 



301 

11813. — Chr. 1234, 2284, 537G, 884G, 10088, 
11606, 12280. 
here adv. : ferc (fire) H. S. 1737. 
(lere (deer) : here adv. Chr. 1508, 16420, 16454. 
(lere {(lear) : here {to hear) H. S. 4735, 5379, 0245, 10388, 
10471, 12501. — Chr. 2314, 5258. 
her (to hear) : stcre {to steer) Chr. 1450. 

Au in.: vcr (iiear) hat geschl. [e] •< aangl. we>' mit Umlaut (vgl. Verf., 
Die Sprache Hob. Mannijngs of Brunne S. 13(i, 11 Anm. 2). Über nvr mit 
[(";] vgl. W. Huru, Hisl. ne. Grammatik § S7, Anm. 2. 

?iö>-(e) : hsre adv. H. S. 5893. 
: ser « an.) Chr. :H!40. 
: (lere {deer) Chr. 0442. 
: fsr 'gesund' Chr. 16 438. 

2. Gesehl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8 im Reim auf e in 
franz. Lehnwörtern, 

her adv. : ernster Chr. 9870. 

: mater{e) H. S. 11196. — Chr. 344. 

: j^owere Chr. 4230, 8084, 9220. 

: chere 'Gesicht' H. S. 8531. — Chr. 7198. 

: manere H. S. 244, 1997, 2466, 3597, 4992, 5759, 

6224, 7087, 10358, 11053. — Chr. 2212, 7322, 

15636, 15864. 
: ryuere Chr. 8158. 
: messegere Chr. 1520. 
: scolere H. S. 8069. 
: (liibonure, nach der andern Handschr. debonurere 

H. S. 5797. 
: ^oZ?ere 'Zöllner ' H.S. 5885, vgl. W. of Wadding-ton 

5054: Peres le Theoloner; Prompt. Parv. tollare 

= 'telo7iarius' (Endung -ere!}. 
: frere H. S. 6188, 10396. 
: to aiiere H. S. 1857. 
(ler{e) dear : manere H.S. 1787, 1905, 4752, 4949, 6594, 6975. 
: c/ieTe 'Gesieht' H.S. 5154. — Chr. 9454, 12078. 
: njuer Chr. 11048. 
: clere (clear) Chr. 14880. 
here {to hear) \ prayere H. S. 753, 9310, 10502, 11135. — 

Chr. 5236, 9326, 15034. 



302 



^ou heres 

se{e)r{e)s{<SLU.) 



ner {near) 



here {to hcar) : frcre H. S. 10411, 11852. 

: mauere H. S. 4553, 7252, 9068, 9G30. — Chr. 56, 
1090, 2824, 8750, 11544, 12582, 16582. 
ehre (clear) H. S. 5922. 
tollere H. S. 5569. 
chayer Chr. 11212. 
pere {peer) Chr. 1694. 
fr er es H. S. 10459. 
auteres Chr. 7362. 
centeners Chr. 13528, 
maners Chr. 7432. 
squiers Chr. 5086. 
messcgers Chr. 1294. 
ryuers Chr. 14576. 
maners Chr. 11362. 
sonders (soldier) Chr. 9344, 14232. 
hotyler Chr. 13602. 
Corner Chr. 10316. 
plener Chr. 11172. 

poiver H.S. 8205, 11240, 12048. — Chr. 10098. 
chere 'Gesieht' H. S. 4039. 
auter H.S. 10599. 

Anm. 1: der (clear) hat geschl. [ej entsprechend den Reimen in 
andern Denkmälern, so bei Wallace (cf. W. Heuser, AngliaXYlll, 114ff.), 
desgleichen bei Reitemeyer, der nur einen auffallenden Reim auf maistere 
belegt (S. 42). 

Anm. 2: Ein seltenes Reimwort ist auster mit [e] statt [f] (mit An- 
lehnung an die häufige Endung -erie) << -nr-). Auch auster : liter (litter) 
Chr. y604 (oder [f]!). 

Anm. 3: Unrein ist wohl ner : fer {— far) Chr. 3374; oder ist in- 
folge satztieftoniger Verwendung ner anzunehmen? Die ne. Mundart hat 
[id] < me. [e]. 

3. Geschl. \e\ innerhalb der Fälle 1-8 im Reim auf e < ae.^^ 
(wg. a). 

lere {hier) : here (hear) H.S. 8063, 11025. — Chr. 9606. 
: fere 'gesund' Chr. 9650. 
rere sb. 'Lärm' (< ixQ.hreran, vgl. Verf., R. of Brunne S. 131,e, 1) 
: here {hear) Chr. 10207. 
fere 'Gefahr' : de)'e {dear) H.S. 5295. 
Ijer : her Chr. 5348. 



303 

Nach Palatalen gilt auf dem gcsanitpu Sj)rael)g'ebiet mit 
Ausiialiinc des westl. und niittl. Südens der gesehl. [eJ-Laut. 

der(e) : here {hear) H. S. 4534. 

: hür{e) (hcre) H.S. 1965, 62G2. — Chr. 1750, 3722, 
3732, 5710, 578G, 6324, 14860, 15108, 15400, 
15532, 16026. 
: ser{e) « an.) H. S. 2030. — Chr. 438, 714, 

15114. 
: ner Chr. 1938, 3276. 
Seres : sers (< an.) Chr. 10962. 

4. Verhältnisuiälsig- zahlreich sind die Reime mit franz. 
Lehnwörtern, die [e], aber auch [(;] haben: 

/ele 'Gefährte' : maneye Chr. 5526, 7878. 

were {ivere) : mauere Chr. 2736. 
fere {< fwran) : conqucre Chr. 6784 (mit [u] oder [f] vgl. Verf., 
B.of Brunne S. 123/4). 
pere : conqucre Chr. 4181, 10448, 10702. 
here {<i gebcere 'Gebahren'} : autere H. S. 9062. 
pere : preyere H.S. 10599. 

Das Suffix -ere (offene [f]-Reime). 

ledere : ivere [war) Chr. 1470. 
oherere : aumenere H. S. 5573. 
okerers : maners H. S. 2415. 



ser{e) 



Gesehl. [e]-Reime. 

power{e) H. S. 810. — Chr. 2238, 3300. 

autere H.S. 11092. 

leysere H. S. 835. 

maner{e) H.S. 902, 2334. — Chr. 2812. 

iustiser Chr. 2222. 

bacheler Chr. 10740. 

der Chr. 3062, 3922. 

daunger Chr. 2426. 

Diester Chr. 11576. 

plener Chr. 5272, 15118. 

iver! {war) Chr. 828, 2126, 9962, 16394. 



304 

6er{e)s : maneres H. S. 69, 7761. 
: pers 'gleich' H.S. 6075. 

Anm. 1: Auffallend sind die Reime mit icer {icar). ^er : wer wohl 
unrein ([?]:[?]). Reitemeyer belegt tver nur im Reim auf [e]. Vgl. 
auch Heuser a. a. 0. 

Anm. 2: Zu mester vgl. die entsprechenden Belege bei Reite- 
meyer (S. 12). 

Anm. '6: Conquere begegnet auch sonst im Reim auf geschl. [g] 
(anal, nach den stammbetonten Formen). (Vgl. Reitemeyer S. 87/88 
und Verf., R. of Brunne S. 123,4.) 

Das Wort tvej- (schott. iver{e), weir < ? vgl. Verf., R. of 
Brunne S. 136) findet sich nur im Reim auf geschl. [e\ Vgl. 
auch Reitemeyer S. 10 und Heuser, Amjlia XIX, 319fF.): 

were : sere H.S. 8095, 10768. 
: chere 'Gesicht' H.S. 5673. 
: manere H. S. 461. 
: ehre (clear) H. S. 9522. 

Unrein ist der Reim geres : feres, Handschr.D fers [=fresh) 
H.S. 2573, [e] : [^]. Über den s-Laut vgl. Verf, R. of Brunne 
S. 64 Anm. 1 und S. 285 § 176. Dieser Reim ist den dort an- 
geführten hinzuzufügen. Vgl. auch Owl and Night. 303 ivorse 
: mershe (ae. mersc > ne. marsh). Sonst habe ich noch die 
Schreibung s statt sli gefunden H. S. 7392, Handsehr. rauys, 
desgl. 7402, 7421. 

Auf Kürzung in fakultativ unbetonter Silbe deutet der 
Reim haner : fer (= far) Chr. 8446. 

5. e < ae. ^2 jm Selbstreim. 

fere (to fear) : here {hier) Chr. 9626. 
])er{e) : ay-ivhere Chr. 8578. 
: ser Chr. 5286. 

: wer{e) {were) H.S. 999, 1405, 1934, 5009, 11444. 
— Chr. 1124, 2746, 3656, 4986, 5330, 5876, 
8370, 11412, 13322, 14134, 15286. 
wei'B {were) : lühere Chr. 2976, 5702. 
her Quiir) : euery ivhere H. S. 3199. 

ivere : were (rührender Reim) H.S. 3941. 
euei-y where : ivhere H. S. 5781. 
: l)ere H.S. 12203. 
ffythelers : sangesters Chr. 4032, 



305 



6. Reime von franz. Lehnwörtern. 

Cluster : liter (Htter) Chr. 9604 (vgl. S. 302 Anm. 2). 
cheker : tahler Chr. 11396. 
cle^- : rocher Chr. 10200. 
poiver{e) : auter{e) H.S. 10384, 10492, 10631, 10801. — 
Chr. 1376. 

Jca7jser Chr. 5120, 13604 (vgl. Reitemeyer S. 20). 
per {peer) Chr. 554. 
messeger Chr. 2512. 
iver {war) Chr. 4558. 
scoJer H. S. 7999. 
saniere H. S. 4767, 11617. 
syeiisere H. S. 6445. 
pere 'gleich' H.S. 7299, 9348. 
clere H. S. 9820, 9827, 11604, 11943. 
custumer H. S. 8805. 
poer : mester Chr. 586. 

secoler Chr. 15274. 
maner{e) : hanere Chr. 9918. 

ivere (ivar) Chr. 2736. 
ryuere Chr. 3136. 
messeger Chr. 4808, 15914. 
my pere 'meinesgleichen' H.S. 1923. 
frere H.S. 10447. 
to apere H. S. 8197. 
sanier H. S. 6581. 
squier : plener Chr. 12446. 
squyere : ^^ere 'gleich' H.S. 4371. 

clere : auiere H. S. 2285, 9957, 10024, 10315. 
saniere H. S. 9966. 
manere H.S. 12419. 
vsurere : sere (< sire = ne. sir, vgl. Verf., B. of Brunne 
S. 186 Anm. 3) H. S. 2604. 

dyner : tahler H. S. 4305. 
: auter H. S. 7319. 
tresorer : spenser H. S. 6069. 

aunienere : spensere H. S. 6837. 
: mystere H. S. 6859. 

Studien z. engl. Phil. L. 2Ü 



306 



Corners 
fers (fierce) 



aumenere : powere H. S. 6917. 

auter : pecher {airz. picher = pitcher) H. S. 10748. 
archers : arblasters Chr. 12020. 
: arhalasters Chr. 13392. 
: maners Chr. 10720. 
: squiers Chr. 11422. 
: clers adj. Chr. 9900. 
bachelers : clers adj 7312. 
halyngers < auglo-frz. halengier, hallcnjer (vg-1. Oxf. Dict. 
unter Balinger; darnacli wäre diese Stelle der erste Beleg) 
: mariners Chr. 5928. 
maners Chr. 10314. 
ynessegers Chr. 6626. 
: pers {peers) Chr. 11142, 12010 (lleitemeyer 
gibt nur Belege für die Form fer). 
hostagers : peres {peers) Chr. 3450. 
: pers Chr. 4984. 
: truagers Chr. 5440. 
pcr(e)s Chr. 1358, 3896. 
messegers Chr. 6166, 11450, 11888. 
archers Chr. 14468. 
fers adj. Chr. 12054. 
pers Chr. 13106. 
squiers Chr. 3012, 4716, 12786. 
squyers Chr. 5562. 
pers Chr. 5200. 
per{e)s {peers) : truagers Chr. 4276. 
sonders {soldiers) : maners Chr. 7154. 
vserers : ßy peres H. S. 2453. 
maners : preyers H. S. 7703. 
: i?eres H.S. 12410. 
: vserers H. S. 8733. 
freres : cunseijlers H.S. 6177. 
sopers : squyers H. S. 7267. 
: (^?/wers H. S. 7291. 

7. e < ae. fe 2 : 

a) ea < wg. au. 
]jere : e(e>-e 'Ohr' H. S. 4759, 6929 [?]. 



inaner {e)i 



maryners 



messegers 



ptarceners 



307 

b) ea durch Kontraktion. 
ellesivheres : tcres 'Zähre' H. S. 115G4 [^']. 

8. ^ < ae. ea < wg. au im Reim auf Ca durch Kontraktion. 
eres 'Ohren' : teres 'Zähren' H. S. 11561 [f]. 

Anm. 1: per adv. findet sieh meist im Selbstreim (ISx), 4 x im 
Reim auf franz. Lehnwörter mit ff], 1 -< im Reim anf [p] <; ae. Pa 
-C wg. an; demgegenüber nur 2 •' : geschl. [?] in /«er adv. und ,^cr. Somit 
stellen diese beiden Fülle Ausnahmen dar, während der offene e-Laut 
in Übereinstimmung mit andern Denkmälern gilt (vgl. Reitemeyer ö. 4). 

Für uhrre findet sich kein Reim auf geschl. [<']; es steht 6 x im 
Selbstreim und 1 x auf [t'J ■< ea. 

Anm. 2: ivere prt. begegnet IßX; ßzre, 1 X: franz. [p], 2X: where; 
mithin auf [f] deutend. Siehe imter e iu offener Tonsilbe. 

Anm. 3: Das Suffix -cre reimt 1 >< auf geschl. [c] (S. 301, 2), 1 x anf [e] 
in iver (ivar) und 2 x auf franz. «• in fakultativ unbetonter Silbe. 

Anm. 4: Franz. Lehnwörter mit fakultativ unbetonter Silbe, die teils 
mit geschl. [c] teils mit off. [ej reimen, finden sich im Reim auf 

1. geschl. [e] 85 x, 

2. im Selbstreim 52 x , 

3. geschl. [p] < afrz. c, ie = auglo-frz. c <; vlt. « oder vlt. e 28 x^ 

4. -h-e (Suffix) [P] 2 X. 

Dies Ergebnis mit den weitaus überwiegenden Fällen von geschl. [e] 
(113 X) stimmt zu den Reimverhältnissen in mittelländischen Denkmälern 
überhaupt, während im Norden und in Schottland die Reime auf oft'. [^1 
öfter begegnen. 

9. e < ae. ce 2 im Reim auf e < ae. ^ 1. 

fere 'gleich' : lere vb. Chr. 12864. 
mere ' berühmt' : lere sb. (^br. 7046. 

her {Jiai7') : er adv. Chr. 4058, 14904. 
per : er Chr. 15258 [e]. 
yn fere 'zusammen' : lere vb, RS. 5055. 

Zu lere sb. vgl. Verf., R. of Brunne S. 121, Anm. Nach 
Björkman kommt an. Einflufs für den e-Laut gegenüber ae. lär 
nicht iu Frage. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Reime 
von lere mit geschl. [e] gilt auch hier der geschlossene Laut. 
Auch bei Chaucer kommt er vor (vgl. H. Cromie, Index to 
the Ellesmere Ms. of Chaucer' s Canterhury Tales, London 1875). 

Bei pjer : er hingegen ist nach dem vorhergehenden der 
off. [f] -Laut anzunehmen; überhaupt kehrt er namentlich mit 
Pere und ivere prt. innerhalb einer Reimgruppe mit off. \f,\ 

20* 



308 

liüufig wieder (vgl. Eeitemeyer S. 4/5). Vielleicht steht her 
mit offenem [f]-Lant aufserhalb der Wörter mit geschl. [e] 
< ae. ^2. Auch die ne. Mundart hat iu Übereiustimmuiig mit 
der Schriftsprache hair [fa] < me. [?] im Gegensatz zu there 
mit [id + r]. 

10, e < &e. ä K 

a) Gesicherte geschlossene [c]- Reime innerhalb der 
Gruppen 1 — 8. 

lere vb. : here {to hear) H. S. 126, 794, 2914, 4765, 5481, 
6719, 7810, 8668, 9596, 11417, 11897. — Chr. 
Handschr. P 162, 260, 8098, 15136. 

: dere (dear) H. S. 8165, 9652. — Chr. 6148. 

: here adv. H. S. 3170, 5034, 10705. — Chr. 2 
Handschr. P, 7040. 

b) Im Reim auf franz. Lehnwörter: 
lere vb. : frere H. S. 4304 [e]. 

: manere [c] H.S. 2377, 3945. - Chr. 4300, 8228. 

: preyere H. S. 4245 [e]. 
lere sb. : manere [e] H. S. 3520. 
Urs prs. : maners [e] H. S. 8618. 
lere vb. : mystere H. S. 1201 [e] (vgl. S. 304 Aum. 2). 

So weit haben sich auch für den e-Laut vor r sichere 
Verhältnisse ergeben, wie sie Heuser {Anglia XVIII, 121ff.) 
schon für Wallace festgestellt hat. Auch für die übrigen 
Denkmäler werden sich mehr imd mehr sichere Verhältnisse 
ermitteln lassen. 

e in offener Tonsilbe. 

1. Selbstreime. 

to stvere : bere vb. H. S. 787, 2705, 2793, 2899. - Chr. 3880. 
sweryst : pou heryst H. S. 637. 

heryn : siveryn (prs.) H. S. 2681. 
here vb. : dere vb. H. S. 2367, 10616. — Chr. 8882. 
lerej) : derej) (prs.) H. S. 7637, 8291, 12447. 

: ivere}) (prs.) H.S. 11973. 
heres : deres (prs.) Chr. 7968. 
here vb. : dere sb. H.S. 4101. — Chr. 8906, 12128. 

: were 'wehren' Chr. 1896, 5958, 9312,9568, 10458. 



309 

dere vb. : forhcre vb, H. S. 5375. 
deryp : stveryp H. S. 2759. 
dere prs. konj. : here 'Bär' II. S. 4053. 
bere 'Bär' : wei-e vb. H.S. 4077. 
dere sb. : wcrc \h. Chr. 6492, 6904, 7662. 
spere : were 'wehren' Chr. 1770. 
Auch here vb. : were 'tragen' H.S. 11957. 

In Verf., R. of Brunne S. 83 § 36 a 1 irrtümlich ; zu S. 84, 2 
zu stellen : jQy heuy Jjyrdon, pat y of hem bere, 
y am confoimded, my seif to were 

'wegen der schweren Last, die ich an ihr — meiner Sünde — 
trage, bin ich aufser stände, mich selbst zu tragen.' 

Vgl. W. of Wadington 8768: e porter mei mesmes ne poei. 

2. e- im Heim auf [c] (abgesehen zunächst von den c- 
Lauteu in den zweiten Gliedern von Korapositis): 

here 'Heer' : ivere prt. Chr. 6088 [e] : [?]. 

bere vb. : tvere {war) H. S. 4985. — Chr. 4322, 13422 [c] : [^. 
to swere : jxtc 'Stein' H.S. 770 [e] : [e]. 

Anm. 1 : Zu were prt. vgl. S. 307 Anm. 2. Were findet sich auch in andern 
Denkujülern des Nordens und Mittellandes verhältnisniäfsig häufig im Keim 
auf e- in oftencr Tonsilbe (vgl. Reitemeyer S. 4 5). Ich erkläre diese Fälle 
aus der häufigen satztieftonigeu Verwendung des Wortes und stelle sie 
somit auf eine Stufe mit den verhältnismäfsig zahlreichen Reimen von e- 
iu offener Tonsilbe auf c in minder betonter Silbe. So steht auch heute 
iu der Schriftsprache neben [^vt'^] << me. [ivcre] ein satzunbetontes [w?] 
< [iccr]. (Vgl. Ilorn a.a.O. S. 76 § S8.) Bei satzticftoniger Verwendung 
ist aber die Qualität des e unbestimmt, schwankend zwischen [c] und [c], 
wie es bereits Morsbach in seiner 3Ie. Grammatik (S. 14G) ange- 
nommen hat. 

Anm. 2: Auch were (war): e ist andern Denkmälern keineswegs 
unbekannt. Bei dem Nebeneinander von werre mit [f] und ivere mit [f] 
zeigt hier der e-Laut einen gewissen uufesten Charakter (vgl. Verf., li. of 
Brunne S. is4 §64, lb9,4 Anm.). Vgl. auch lüeje 'Krieg führen' : dnsivere 
unter 4 S. 310 und S. 31U Anm. 1). 

Anm. 3: Das Wort per mit geschl. [e] (■< afrz. p(i)erre) fehlt bei 
Reitemeyer. 

3. e- im Reim auf -cre in zweiten Gliedern von Kom- 
positis, die z. T. schon starke Schwächung erlitten haben und 
daher von guten Dichtern vermieden werden (vgl. Morsbach, 
Me. Or. § 67). 



310 



der(e)s prs. 

ivere (wear) 

hers prs. (hcar) 

bey{i/)s prs. 

dere vb. 

bei'e vb. 

ivere 'wehren' 
here vb. 

forhere 
dere sb. 



shappers H. S. 9655. 

hakhyteres H. S. 3527. 

Z/e^^^er^' Chr. 15832. 

hakhytcre H. S. 4213. 

baJcbytcrs H. S. 1516. 

hakhjters H. S. 3628. 

Zerferc 'Führer' H.S. 1804. 

oÄ-ererc H. S. 2420. 

hakhjtere H. S. 3549, 3604, 4170. 

answere H. S. 1317. — Chr. 4308. 

ansivere H. S. 511, 7621, 8353, 

Chr. 11650. 

answere H. S. 1077. 

answere H. S. 1769. 



10177. 



4. e im Reim auf e in franz. Lehnwörtern. 

a) In betonter Silbe: 

answere : were vb. 'Krieg führen' Chr. 4786. 

b) In fakultativ unbetonter Silbe: 

to swere : mauere H. S. 2773. 

])ou herys : preyerys H. S. 1007. 

to here : preyere H. S. 1012. 

heres : preyers H. S. 2752. 

were vb. : mauere H. S. 3670. 

: preyere H. S. 5718. 

!i;er(e)s prs. : p)reyers H.S. 11429. 

5. Minder betontes e im Selbstreim. 

answere : hysmere sb. H. S. 7400. 

A n m. 1 : Einen mehrfach vorkommenden Fall bildet der Reim der 
Endnng -er des Komparativs: 

holdere : ivere (loar) Chr. 5464. 

Anm. 2: Zn cheyre {chair{e), chaier(e) < afrz. chaire und chaiere) 
vgl. Reitemeyer S. 2o. 

fo Z;e>-e : cheyre (Handsehr. chayere) H. S. 7758 [e] : [?] 
oder auch [e]. 

Die ne. Mundart hat chair mit [faj. daneben aber in der 
Bedeutung chaise [sed] < me. [ai], wie [e^] in /*air, pair. 



311 

Alles in allem ergibt sich, tlafs c in offener Tonsilbe für 
sich steht, getrennt von [f] sowohl wie [e]. Der Reim swerc 
: x>ere mit [c] : [f] stellt eine ganz vereinzelte Ausnahme dar. 

Ganz besonders ist ein Reim hervorzuheben, der auf Dehnung 
von i in offener Tonsilbe > [ü] hinweist. Ich habe ihn in 
meiner Arbeit über R. of Brunne übersehen (vgl. S, 92). 

Steve (ae. stirian) : hsre sb. (ae. öi- = ne. hier) H. S. 8037. 
Vgl. auch die Schreibung sferyj) \)rä. II. S. 5186. 

In der ne. Mundart erscheint me. [e] ebenso wie [^] und 
[e] als [w] in to wear und to swear im Gegensatz zur Schrift- 
sprache, hingegen in t'bereinstimmung mit spear, shear vb. Der 
Laut [ta] weist auf ein älteres [e] hin, das sich mundartlich 
in spätmittelengl. oder frühneuengl. Zeit aus [?] und [e] vor 
r entwickelt haben mag. Schriftsi)rachliches [id] mag dia- 
lektischer Einschlag sein. Eine andere Vermutung spricht 
Hörn a. a. 0. § 87 aus. 

erd und -erd. 

1. Etymol. langes e im Selbstreim. 

fercle (glossiert mit ^ede < a.e. feran) : herde 'hörte' H. S. 3816, 

4883. 
forde prt. (aangl. e = ws. ce"^): herde prt. Chr. 92 P, 6002, 6382, 

7188, 8050, 9702, 11156, 12834, 16170, 16628. 

Geschl. [e] ist auch möglich in: 
ferd prt. : conquer{e)d Chr. 6782. 

2. Etymol. langes e\ e vor dehn. Kons. 

for fcrde 'Furcht' : cherche ^erde H. S. 12186. 
a-ferd{e) (ae. s^fcerde, geferde p. p. von fceran) : cherchegerde 
H. S. 8647, 8989, 9053, 9249. 
: yerd 'Gerte' H. S. 4859. 
: herd (= heard) Chr. 12458. 
ferd prt. : swerd sb. Chr. 15366. 

In allen diesen Fällen ist Kürzung des e möglich; vgl. 
Orrms ferrde (Verf., R. of Brunne S. 105, IVa, auch Morsbach, 
Me.Gr. S. 70ff.). Zu herd vgl. auch Hörn, a.a.O. S. 74 Anm., 
wonach in unserm Fall ein reiner Reim von [e] vorliegen 
kann, ebenso wie in herd : conquerd p.p. Chr. 12476. 



312 

Auf kurzes ferde (< ö + weist der Reim weyl y ferde 
: sperde (spiitae. sperren vgl. Verf., R. of Brunne S. 106 Anm.) 
H.S. 6134. ferd prt. 'ging-' : sperd p.p. Chr. 9342. 

Gesichert ist die Kürze in herd{e) prt. p. p. in den ver- 
hältnismälsig zahlreichen Reimen auf werkl 'Welt' (s. Verf., 
R. of Brunne S. 106) : H. S. 2764, 3558, 4194, 7098, 7940, 8267, 
10507, 10633, 11685. — Chr. 222, 3298, 4168, 5368, 7328, 
11336, 11480, 14874. 

hyherd : iverld Chr. 10544. 

Ebenso herd{e) prt. p.p. : sperd{e) prt. p. p. Chr. 1400, 8500, 
11624, 13166, 14288. 

Desgl. herd 'Hirt' : werlde H. S. 7098, 10508. 

Mehrfach steht herd prt. p. p. im Reim auf minder betontes 
-erd in answer{e)d Chr. 5238, 6942, 7996, 9480, 11926, 13442, 
15238. 

-erlf -erles. 

erle : cherle H.S. 10653. 
erles : cherles H. S. 8695. 

-ern, -ernes 

(vgl. Verf., R. of Brunne S. 100/101). 

serne adv. : werne vb. Chr. 7064, 8036, 8494, 8836. 
: ster7ie (star) Chr. 1682, 9032. 
gernes : tvernes prs. Chr. 640. 

Mit Kürzung des c > [e]: 
gerne (vgl. Orrms gerrne) : ferne {a.e. feorran) Chr. 5040, 10194, 
10360. 
gerti prs. : fem Chr. 9130. 
Werne vb. : esterne H. S. 10 168. 

-ed{e)f -ed{e)s. 

1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1—8. 

fede : 7iede sb. adv. H.S. 5385.— Chr. 1072, 5994, 7218. 
mede : spede vb. H. S. 8325. 
: nede Chr. 2044, 7492. 
: zede H.S. 5399. — Chr. 11374. 
ned{e) sb.adv. : sped{e) Chr. 591, 9186, 14240. 



313 



nM{c) sb. vb. : ^cdc II. S. 8677, 9587, 10324, 12205, 12213. — 
Chr. 2434, 2520, 4388, 8478, 14938, 15870, 
fede vb. : spede sb. vb. Chr. 9896, 10230, 12710. 
: mede Chr. 2044, 7492. 
spedc : ^^äZc Chr. 3370, 5212,9896, 10230, 11792, 1:;016, 
13332, 16136, 16356. 
: sede H.S. 8211, 9097, 10412, 10438, 12597. — 

Chr. 7910, 7988, 15182. 
: kcde sb. Chr. 5038. 
stcdcsh.{stced): nede Chr. 10874, 13174, 13940. 
: spede Chr. 1120, 5466. 
: sede Chr. 10100, 12680. 
7iedes sb. pl. adv. : stedes (= steeds) Chr. 12561. 
: forhvdcs prs. II. S. 9934. 
fede : Me 'Leute' Chr. 7346. 
hledc (tohleed) : ,s<^de H.S. 10541. 
Me 'Leute' : ^ede H.S. 9214. 

ledys 'Leute' H.S. 10563. 
iiede H.S. 12362. 
nede H. S. 2745. 



lede {to lead) 



thedys ^Yölker' 
forhede vb. 
hede prs. 

2. e < ae. «1 im Reim auf geschl. \e] innerhalb der 
Fülle 1—8. 

forhede prs. H. S. 1950. 

to hede 'bieten' H. S. 6603. 

sede H. S. 9140. — Chr. 1438, 10728, 11290. 

spede Chr. 1538, 6956. 8848, 11734, 11876, 14062. 

siede (steed) Chr. 11184, 12186, 15520. 

mede H. S. 4313. 

hede sb. H.S. 12181. 

nede H. S. 4887. 

7iede H. S. 4835. 

forhede prs. H. S. 683. 

7iede H. S. 643. 

nede H. S. 201. 

7iede H.S. 11341. 
hred{e) {hreadth) : sede Chr. 3100, 6702, 7512, 9172, 14006. 
sprede : sede Chr. 9046, 12146, 12784. 
Anm. 1: Geschl. [e] ist auch gesichert in ledc vb. : crzäa (ae. o'grfa) 
H.S. 4244. 



vnhyndhcde 

manhede 

falshede 

munkhede 

maji-hede 



3U 

Anni. 2: ( ber credc (= crowd) : siede Chr. 11 244 s. Oxf. Dict. unter 
crowd. Es gehört wohl zu ae. crüdan, cread, *crudon, *croden. 

Die Erböhiiug; des [f] > [e] gilt also namentlich für Icde. 
Hoofe belegt sie für Osbern Bokenam {Engl Stud. VIIT,227ff.)- 
Die sichere Scheidung zwischen [f] und [("•], die Heuser 
{Anglia XVIII, 114ff.) bei -cd annimmt, schliefst auch lede mit 
ein. Der geschlossene Laut ist für R. of Brunne gesichert, da 
auch keine sicheren Fälle von off. [e] nachzuweisen sind. Die 
Erhöhung vor Dentalen gilt auch sonst weithin (s. Dibelius, 
John Capgrave und die engl. Schriftsprache. Anglia XXlII,327if.). 
Auch für -licd ist bei R. of Brunne kein Fall von [fij nachzu- 
weisen. Heuser (J.??<7Z?a XIX, 319ff.) führt es unter den Aus- 
nahmen an, deren e schwankt. 

3. c' < ae. ä' i im Selbstreim. 

manliede : godhede H. S. 655. 
wyH-cdhedc : lede H. S. 773. 
gladehede : ivrajihede H. S. 12459. 
bred (hreadth) : Me Chr. 14980. 

4. e < ae. (^2 = aangl. e im Reim auf geschl. [e] inner- 
halb der Fälle 1—8. 

dred{c) vb. sb. : hlede Chr. 4378. 

: nedc H. S. 156, 2249, 4113, 7324, 9689, 11361. 

— Chr. 5122, 6618, 6682, 7898, 8434, 9340, 

9882, 11878, 12334, 12778, 14998. 
: sedc H. S. 1390, 2492, 3265, 3594, 6972, 8039, 

8767, 9740. — Chr. 1586, 2628, 3184, 5938, 8422, 

9488, 9594, 9630, 13630, 14462, 15674, 16452, 
: bede vb. Chr. 6590, 11774. 
: forbcTde inf. prs. H.S. 1247, 2974, 5150, 10175. 

Chr. 1540, 

furhede prs. Chr. 9400. 

lede 'Leute' Chr. 7238, 14300, 14882. 

spede H. S. 5017, 7819. — Chr. 4506, 9186, 

9374, 15828.. 
: jnede H. S. 101, 2732, 4137. 
: hede 'Obacht' H. S. 2949. 
: go to wede H.S. 3585 {^\om.mad\ Sit.ivedan 

zu toöd). 



31J 



drcdej) 
dede 'Tat' 

almes dcdc 
dcde 



dede 'taten' 
mysdede 

dedes sb. pl. 



dedijs sb. pl. 
if^fZe' Gewand' 

rede vb. 'sagen 



rede 'raten' (!) 
felawrede 



fo7-bedc]> prs. II. S. 7630. 

bMc H. S. 5299. 

fcde vb. H. S. 9907. 

fede U.S. 6622, 10787. 

ncde li.S. 12, 1479, 3465, 3639, 4525, 5672, 5886, 

5955, 6087, 6410, 6733,6939. 7166. - Chr. 13440. 

medc H. S. 344, 2443, 2822, 3146, 4562, 5141, 

6468, 6894, 7179, 8178, 9396. — Chr. 9690. 

spedc H.S. 1767, 7640, 11396. — Chr. 4280, 7410. 

forhede H.S. 2024, 7410, 9065, 10181, 11613, 

11641, 12401. 

gede H. S. 184, 194, 2856, 5776, 7876, 7906, 

8523, 10821, 11065. — Chr. 2786, 7030, 7592, 

9716, 12576, 12870. 

sedc II. S. 926. 

sede H.S. 3824, 3865, 12370. 

7iede H.S. 4391, 11689. — Chr. 5158. 

hede vb. Chr. 14064. 

forhedes prs. H. S. 8930. 

ne(?e5 sb.pl. H.S.10929,11519. - Chr. 3148, 9750. 

])0u sedes Chr. 3232. 

nedys adv. H. S, 5665. 

Sede H. S. 2343. 

spede H. S. 6853. 

, 'lesen' : ncde H.S. 6303, 6361. — Chr. 14786. 

mede Chr. 130. 

spede Chr. 200, 12136. 

forhede H. S. 8804. 

gede H. S. 4451. 

nede Chr. 11638. 

nede H.S. 11389. 



5. e < ae. re^ im Selbstreim. 

dede sb. : drede H.S. 1087, 3663, 3782, 4917, 5357, 5769, 
6287, 7403, 7569, 7713, 8955, 8976, 10837, 
10872, 11 138, 11848, 11964. — Chr. 2872, 12480. 

: rede 'lesen, sagen' H.S. 533, 3469, 4097, 4439, 
5997. — Chr. 1872, 10970, 11874. 

: rede 'raten' H.S. 5653. 



316 

dede sb. : felaurüde H. S. 16-49. 
: felawrede H. S. 7369. 
dcde 'tat' prt. : drede H.S. 6819. 

almes dede : rede 'lesen' H.S. 6915. 

mysdede : drede H.S. 3493, 4961, 8011, 9556, 11701. 
: rede 'lesen' H.S. 1015. 
dedys, dcdis, dcdes sb. pl. : redys, redis, redes prs. 'sagen, 
'lesen' H.S. 117, 1559, 5171, 6703, 10797. — 
Chr. 66, 194, 10592. 
: dredes sb.pl. Chr. 11036. 
rede 'sagen, lesen' : drede H.S. 9577. 
rede 'raten' : drede Chr. 4828, 7788. 

6. e < ae. cc- im Reim auf e < ae. «?'. 

dede sb. : Me vb. H. S. 3140, 5645, 5936. 
: sloghjjhede H. S. 5074. 
dedes, dedys : ledes, ledys prs. H. S. 4582, 4951, 5159, 6439. 

— Chr. 8400, 9424, 13404. 
drede vb. sb. : Me vb. H. S. 6107, 10666. — Chr. 934, 1138, 
2942, 6916, 7848, 13116, 14288, 16624. 
: slog]ieJ)chede H. S. 4520. 
: hauncenliede H. S. 5161. 
: maydenhede H. S. 7391. 
: cJiyldhede H. S. 7657. 
: holdhede Chr. 13466. 
: sprede Chr. 14548. 
rede prs. 'sagen, lesen' : godhede H.S. 12295. 

Nach dem Vorhergehenden haben wir in allen Fällen unter 
5 und 6 den geschl. [e]-Laut anzunehmen. Über rede s. Näheres 
S. 318. 

7. e < ae. «2 jm Reim auf e < ae. ea < wg. au. 

rede 'raten' : hrede sb. (hread) H.S. 837. 
: ded{e) (dead) Chr. 864, 1262. 
rede prs. 'raten' : forbede p. p. 'verboten' H. S. 4571 (anal. 

Form zum prt). 
red{e)sh.'n'dV: ded{e) sb. und adj. {dead) H.S. 950. 1216, 1321, 
2243, 3741, 3805, 4016, 4405, 6709, 7966, 9586, 
10742. — Chr. 4860, 5696, 5788, 7068, 7780, 
8322, 9028, 9402, 9682, 10630, 12298. 



317 

mZ(e)sb.'Kat': hrede (bread) H.S. 7301, 098G. 
: forhcdc prt. H.S. 12354. 

8. (7< ae. Sa < wg. cm im Keiin auf geselil. [t'] iiiiierluill) 
der Gruppen 1 — 8. 

iMe 'Tod' : nede Chr. 8704 (einziger Fall!). 

9. e < ae. ea < wg. au im Selbstreim. 

dcd{e) : forhed{e) prt. H. S. 2053, 2611, 12378. 

hrede \hread) H.S. 7283, 10356. 

lede 'Blei' H.S. 11728. — Chr. 9070. 

quede {ae.*cwead, vgl. Verf., R. of Brunne S. 124 

Anm. 1) H. S. 6279, 8025. — Chr. 8596. 
: dede adj. H. S. 9199. 
: hed prt. Chr. 7090, 9522, 9662, 10778, 14352, 

16204. 
: furhed Chr. 9158. 
: mished (ae. misbead von misbeodan) Chr. 2088, 

16058. 
: redie) adj. {red) H. S. 3503. — Chr. 1848, 9086. 
: on heued (head) Chr. 1526. 
qued{e) sb. : furbcd prt. Chr. 5620. 

: brede (bread) H. S. 5603. 

Auni.: Vielleicht nicht unreiu ist der Reim ded sb. : icedde 
H.S. 1704; = dcd?l, vgl. Verf., E. of Brunne S. 28,2b. Gerade vor d 
— neben t — und gerade in dem Worte dead — neben head — scheint 
die Kürzung nicht nur am frühesten eingetreten zu sein, sie findet sich 
hier aucli am häufigsten und ist im 15. Jahrh. schon ziemlich verbreitet 
gewesen (vgl. G. Hackmann, Kürzung langer Tonvokale vor einfachem 
auslautenden Konsonanten in einsilbigen Wörtern im Alt-, Mittel-, und 
Neuenglischeu in Morsbach, Stud. z. engl. Phil. Heft X, S. 142 3). Für 
das 14. Jahrh. hat Hackmann eiu gekürztes dead noch nicht belegt. Doch 
ist Orrms dcepf) wohl zu beachten. Was die Gründe für die Kürzung des 
Vokals betrifft, so hat sie Hackmann mit liecht namentlich in der Satz- 
phouetik gesucht (a. a. 0. § 7ü). Wir lassen uns m. E. überhaupt bei der 
Betrachtung des einzelnen Wortes viel zu sehr dazu verleiten, es als für 
sich allein stehend anzusehen, während wir es doch vielmehr als ein Glied 
im lebendigen Zusammenhang der Sprache betrachten sollten. So er- 
scheinen die Wörter in häufig wiederkehrenden engen syntaktischen Gruppen 
(vgl. auch Verf, R. of Brunne S. 286, 7) oder in vielfach noch engeren 
Zusammensetzungen. Dies aber trifft gerade für die Wörter dtath, dead 
und head zu, die schon im ae. geläufige Komposita bilden. Namentlich 



318 

möchte ich auf ac. dead-, dcadlic hinweisen, ebenso anf das Adj. heved- 
lich unter zahlreichen Beispielen, die das Würterbuch bietet. So sehe ich 
in unserui Reim das erste Beispiel für das gekürzte did. Die 
ne. Mundart hat neben der Kürze in dead [f] die Länge [is] bewahrt. 
Kürze gilt auch in head, lead sb., bread und red. 

Für e < ae. ^^ kommen fast ausscliliefslicli in Betracht die 
AVörter drede sb. und vb., dede sb. 'Tat' und vereinzelt auch 
= prt. 'tat(en)' und rede 1. lesen, sagen, 2, raten, 3. Rat. Als 
vereinzelte Fälle kommen hinzu: ivede 'Gewand' (3x) und 
felaivrede (ix). Auf Grund von 144 Reimen mit geschl. [e] ist 
in jenen drei Wörtern der geschl, [e]-Laut anzunehmen. Für 
rei^e jedoch gilt dieser Laut, wie es scheint, nur in der Bedeutung 
'lesen', 'sagen', wofür ich acht Reime angeführt habe, während 
ich ihn für die Bedeutung 'raten' nur in dem einen Reim 
Chr. 11638 belegt habe. Allerdings deuten die unter 5. ange- 
führten Reime von 7'ede 'raten' : dede (< ae. re^; 2x) und 
drede (ae. ce"^; 2x) auf geschl. [e\ hin. Wenn diesen vier Fällen 
nur vier gegenüberstehen, die auf off. [?J deuten, so scheint 
es fraglich, ob wir für rede in der Bedeutung 'raten' den oflF. 
[f]-Laut anzunehmen haben. Eine Scheidung zwischen [e] und 
[?] haben schon Heuser {Anglia XIX, 346) und Curtis {Anglia 
N. F. IV, V) erkannt. Jenen Reimen gegenüber stehen Reime 
von e < ae. m"^ mit e < ae. ea\ für rede ausschlief slich in der Be- 
deutung 'raten' — allerdings nur 4x — und 'Rat' (sb. < ae. 
rced) 26 X. Wenn wir dann berücksichtigen, dafs die Wörter 
dede sb. adj. {dead) und hrede {bread) mit Ausnahme eines 
einzigen Falles von dede {: nede Chr. 8764) nie im Reim auf 
geschl. [e] begegnen, auch nie im Reim auf dede (ae. ce^) und 
drede, auch nie auf lede (ae. ce > = to lead) ; dafs ferner dede 
'Tat', drede und rede 'lesen', 'sagen' im übrigen nur im Selbst- 
reim (50 x) und endlich e < ea nur im Selbstreim in dem 
Wort dede (dead) (einzige Ausnahme unter 8) — dazu zwei Fälle 
von quede sb. — vorkommen, so ergibt sich daraus die Sonder- 
stellung von rede 'Rat' und vielleicht auch 'raten', d.h. der 
oft'. [(?]-Laut, der mithin auch für dede (dead) und (juede an- 
zunehmen ist. 

Besonders sind noch die Formen scde und lede (= laid) 
mit geschl. [e] zu erwähnen (vgl. Verf , R. of Brunne S. 143/144): 

seyde prt. : nede H. S. 7709. 



319 

scijde p. 1). : nc{y)de H. S. 2020, 8586, 10130. 
Jeijdc p. p. : nede H. S. 7855. 
Ferner scyde : deyde prt. II. S. 9705 (vgl. Morsbaeli. ^[e. Qr. 
§ 130 A 6). 

c- in offener Tonsilbe. 

1. Im Selbstreini. 

hkle 'Gebet' (ae. *icrf(z*) naeb dem Oxf. Did. oder <. 3i^. sebed, 
Verf., E. of Brunne S. 84, 2) : staie sb. Ohr. 152G0. 
s/eiZcs 'Stätten': Udes sb. H. S. 9001. 

2. Im Reim auf gescbl. [e]. 

stede : crede sb. {^=^ crowd) Chr. 11244 (vgl. Verf., 7?. 
of Braune S. 124 Anm. 2). 
: drede Chr. 10570. 
: felaivredc H. S. 1879. 

Anm. 1: Es ist fraglich, ob wir in den unter 1. angeführten Belegen 
für stede Länge anzunehmen haben. Das Wort ist in präpositionaler Ver- 
wendung iin Satze oft minder betont (vgl. Morsbach, Me. Gr., §04 
Anm. 3), und eine frühe Kürzung des e wäre daher leicht erklärlich, auch 
abgesehen von der Möglichkeit einer Dehnung des Konsonanten nach dem 
Verstummen des -e (vgl. Verf., R. of Brunne S. 4'J/50). Dann hätten wir 
bed {<^^ebtd) : sted. Über spätere t-Foimen vgl. Hörn a.a.O. S. 69, Anm. 

Anm. 2: felaicrede haben wir schon mit langem [g]-Laut belegt; 
doch wäre sehr wohl Kürzung des [öj in nebentoniger Silbe möglich. Vgl. 
bei Stratmanu-Bradley veolauredden in der Aticren Riivle. 

Anm. 3: Sehr fraglich wäre die Annahme einer Kürzung in drede, 
die vor 15i)0 bisher nicht nachgewiesen ist, vgl. Hackmann, a. a. 0. S. 156, c. 
Hinsichtlich der Annahme einer Analogiewirkuug nach den Formen des 
prt. und p. p. schliefse ich mich den Ausführungen Hackmanns an (S. 195, 
§ 75). drede findet sich im frühne. nur im Reim mit [f] und [r] (vgl. 
Hörn, a. a. 0. S. 6^). Somit stellt ein Fall von e im Keim auf \e\ bei 
R. of Brunne eine ganz vereinzelte Ausnahme dar. 

-et{e)f -et{e)s, -etep, -eteti. 
1. Gescbl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

fet{e) : swete adj. H. S. 3311. 

: metc prs. {to meet) IL S. 4491. 

: let{e) prt. H. S. 5273, 11569, 11 718. — Chr. 992G. 
1240G, 14580, 14686. 
sicete : yrctc (greet) H. S. 4179. 



320 

sivete : Ute prt. H. S. 7991. 
flet sb. {fieet) : liet prt. Chr. 14536. 
schete 'scliiefsen' : metc (to meet) Chr. 8418, 13546. 

2. Geschl. [e] im Reim auf franz. e. 

sivete 'süfs' : jproiihete H. S. 5186, 11508 (afrz. prop}iete\ ge- 
lehrt). Auch Reitemeyer bringt für ;prophete 
nur Reime mit geschl. [e]. 

3. e < ae. ^ ^ im Reim auf geschl. [e] innerhalb der Fälle 1- 8. 
hyhete vb. : swete adj. Chr. 15054. 

hete 'verheifsen' : grete prs. (greet) Chr. 12742. 

4. e < ae. (c^ im Reim auf geschl. [e] innerhalb der Fälle 1-8. 

J)Ou ete prt. : J)ou Ute prt. H. S. 9417. 

stret{e) : mete {meet) H. S. 179, 2850, 3449, 8457, 8529. 
— Chr. 3382, 6308. 
sivete adj. H. S. 2101. 
sliete 'schielsen' H. S. 1371. 
Ute inf. : hete 'bessern' Chr. 9078, 
mete {meet) Chr. 7850. 
gretes prs. {greet) Chr. 7576. 
Ut prt. Chr. 3786, 13714. 
Ute prt. H. S. 3180. 
Ut prt. Chr. 15576. 



Utes 

et prt. 

sete 'als' 

ivet adj. {ivet) 



Anm. 1: grite 'weinen' -< 2.Q. ^reotan oder ^rcutan, aangl. ^»eian; 
vgl. Verf., B. of Brunne S. 122b: 

strete : grst Chr. 9124. 
lete inf. prs. : grete inf. prs. H. S. 715, S423, 11572. — Chr. 15584, 

15854. 
Anm. 2: Über biset prt. : flet (fleet) Chr. 5914, sowie set p.p. : sehet 
prt. (ae. sceaf) Chr. 12394, 14076, gret p.p. 'geweint' : set prt. Chr. 15243, 
vgl. Verf., E. of Brmne S. 122 b. 

Anm. 3: [e] : [f] liegt vor in f.et : met prt. (ae. }«P<an) Chr. 2943 
(vgl. Verf., R. of Brunne S.31,b). 

5. e < ae. ce'^ im Reim auf e <C ae. «i. 

«{?efe 'benetzen' : M^e sb. Qieat) H. S. 6669. 

Ute inf. : sivete 'schwitzen' H. S. 4258. 
: hete {heat) H. S. 7449. 
: ivete {icheat) H. S. 10024. 



321 

6. ^ < ae. (^2 im Reim auf e < ae. ea < wg. au. 

Ute inf. prs. : (jrete 'grofs' H. S. 7, C93, 743, 2365, 2985, 3960, 
11490, 12422. — Chr. 5844, 13292. 
: bete {to heat) H. S. 6801, 6813, 6827. 
: l^rcte prs. Chr. 12658. 
wetey\i.{toicet): grcte adj. Chr. 10340. 
tvetes prs. : letes prs. Chr. 10344. 

Anm. : grH prt. p. p. 'weinen' ■< ae. ^rMt oder s'^-H vgl. Verf., J{. of 
Brunne S. 226,11: 

gret prt. p. p. : forlet prt. Chr. 3614. 
: Ute inf. U. S. 5720. 
: ete prt. H. S. 12 374. 
: Ute prt. H. S. 10 485. 
: fet ifeet) Chr. 10 248. 

7. e < ae. w- im Selbstreira. 

jwe^e 'träumen' : ?c^e inf. H. S. 387, 

strcte : s^^e (ne. seat < ae. sä^^e < an.) H. S. 2599. 

8. e <. ae. ie'^ im Reim auf franz. e. 

strete : prophete H. S. 9403. 
lete inf. : proxihete H. S. 12088, geschl. \e] s. unter 2. 

9. e < ae. ea < wg. au im Selbstreim. 
^0 _^r^^e (ae. preatian) : ^re^e adj. H. S. 6397. 

gret adj. : sehet prt. (ae. st^nO Chr. 3796, 10054, 12370, 
12790, 13808, 16446. 

10. e < ae. ea im Reim auf geschl. [e\. 

gret 'grofs' : sMe 'schiefsen' H. S. 3582, 8514. 

: sket 'schnell' (< an. vgl. Verf, R. of Brunne 
S. 251) Chr. 9556. 

Die Reime sind zu wenig zahlreich, als dafs sieh zwingende 
Schlüsse daraus ziehen liefsen. Einigermafsen sieher hingegen 
erseheint der geschlossene Laut in strete (8x : geschl. [e], 
einschl. ^9ro^;/ie^e). Bei lete mag der geschl. [e]-Laut des prt. 
verstärkend eingewirkt haben, so dafs die drei Reime von great 
auf geschl. [e] durch die verhältnismäfsig zahlreichen Reime 
mit let (inf. 9x) gestützt würden. Für gret scheint der er- 
höhte [e]-Laut tatsächlich weithin gegolten zu haben (vgl. 
Verf, R. of Brunne S. 129, 11 und 139, 2). Darauf weisen auch 

Studien z. engl. Phil. L. 21 



322 

die acht Reime bei Thomas Castelford hin (s. Reitemejer 
a. a. 0. S. 91). 

Was (J< ae. ce^ betrifft, so sind lieat und stveat von Heuser 
als schwankend hingestellt worden. 

Die ne. Mundart zeigt in gewissen Wörtern Kürzung des 
Vokals, und zwar stimmt der Süden von Lincolnshire im 
Gegensatz zum Norden mehrfach mit der Schriftsprache überein; 
z. B. ivet im Süden mit [^], im Norden mit [^], death im Süden 
mit [?], im Norden mit [id]^ great im Süden mit \ed\ neben [i], 
im Norden mit [td\. Wenn nach der Annahme von Hörn 
(a.a.O. S. 70 §81) der e-Laut aus südwestlichen Mundarten 
in die Schriftsprache eingedrungen ist, so mag der e-Laut in 
Lincolnshire ihr entlehnt worden sein. 

e- in offener Tonsilbe. 
\. Im Selbstreim. 
J)ou ete prs. konj. : gete prs. konj. Chr. 12708. 

ete inf. : mete (meat) H. S. 5002, 10353. — Chr. 10528, 
11294, 16094. 
: to- freie inf. H. S. 3625. 
furgete, forgete inf. imper. : mete (meat) H. S. 6631, 6751, 6963. 
— Chr. 14119. 
gete inf. prs. : mete {meat) H. S. 4695, 6815. — Chr. 5110, 

9946, 10442, 16084. 
^ete 'essen' : mete {meat) H. S. 5383, 6017. 
: gete p. p. H. S. 8335. 
ete p. p. : gete p. p. H. S. 6213. 
forsetep : ete]) prs. H. S. 10831. 

Anm.: In den Partizipien der 1. Ablautsreihe wechselt in der Schreibung 
vielfach e mit % (y). Vgl. darüber Morsbach, Me. Gr. § 115 und Anm. 2, 
z. B. lorytyn : wetyn Handschr. 0, icrete : wete H. S. 133, tcryte : uete 
prs. H. S. 2091, 9961, ivrete : smde p. p. H. S. 2179. 

2. Im Reim auf [e]. 

ete inf. prs. : mete vb, {meet) Chr. 15732. 
: lete prt. H. S. 8676. 
: wete adj. {wet) Chr. 9952. 
: fete {feet) H. S. 8762. 
: whete {wheat) H. S. 10092. 






323 



eten p. p. 
to gete 

forgt'teiii) p. p. 



seien prt. Chr. 10540. 

flete (fleet) Chr. 7744, 8956, 15818. 

Ute inf. H.S. 10165. 

Jcte{n) p. p. H. S. 8609. — Chr. 2362. 

forlete p. p. H. S. 9756. 



Diese Reime sind Ausnahmen. Überdies wäre in den 
Partizipialformen eten, forgeten auch [e] nach Analogie des 
prt. möglich. 

Besondere Fälle. 

Kürze liegt in folgenden Reimen vor: 

get p.p. : suget 'unterworfen' Chr. 15322; vergl. die 
Schreibung suggette bei Reitemeyer a.a.O. 
S. 79. Über get s. Morsbach, Me. Gr. S. 84. 
: set p. p. Chr. 648. 
get prt. : set Chr. 13342, 13534. 
leet 'urteilte' = let : vnder-feet Chr. 284 'unterstützte' (wofür 
die andere Handschrift richtig vndersette hat). 
entermetimiiew: recet sb. Chr. 7498 (afrz. reset) neben receit; vgl. 
eniremet prs. subj. : set Chr. 12666 prs. konj. 
von settan. Reitemeyer a. a. 0. S. 79 belegt 
recet im Reim auf e. 



-e(s). 
1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

>-e (num.) : &e H.S. 207, 4227, 7407, 7997. — Chr. 604, 9508, 
12640. 

])e (pron.) H. S. 3595. — Chr. 548. 
me H. S. 8015. 
to fle H.S. 11322. 
^e H. S. 6328. 

be{e) inf. imper. p. p. : pe pron. H. S. 241, 450, 561, 729, 1629, 
2387, 2785, 3086, 3108, 3300, 3753, 4269, 
4685, 5277, 5373, 5405, 5515, 7707, 9385, 
9709, 11635, 11692, 11821, 11251, 11364, 
11404, 11821, 11941, 12042. — Chr. 1102, 
1398, 4306, 4956, 7644, 11770, 15326, 15602, 
16516. 

21* 



324 



he{e) inf. imper. \\ p. : scc p. p. H. S. 281, 1249, 1384. 

: fre KS. 807, 1539, 5691, 5853, 6421, 7053, 7461, 

11177, 11352, 12287. — Chr. 790. 
: me H. S. 871, 976, 1779, 2323, 7841, 12533. — 

Chr. 588, 1680, 5156, 7058, 11652, 15306, 15740. 
: fle inf. prs. H.S. 2045, 2633, 9705, 10674, 12001, 

12494. — Chr. 1788, 3518, 12302, 13334, 13436, 

14256, 14590. 
: he H. S. 3739, 3949, 5103, 6583, 7655. 
: fe{e) 'Besitz' H. S. 6331, 6807. — Chr. 7456. 

10750, 12008, 12550, 13110, 14068, 14730. 
: se inf. prs. H. S. 1569, 1661, 1823, 2063, 2931, 

3969, 3993, 5077, 8756, 9135, 10019, 11656, 

12396, 12505, 12590. — Chr. 2444, 3866, 4208, 

4866, 8152, 8748, 9074, 10076, 10304, 11476, 

15262, 15588, 15778. 

tre 'Baum' H.S. 12359. 

Me sb. (ae. hleo{h)) Chr. 14914. 

tve H. S. 957. — Chr. 14532. 

^e Chr. 13496. 

s{c)he H. S. 1709. - Chr. 5106. 

])e (thigh) Chr. 15756. 

pe (< Jjeoii? Furnivall S. 620 = to suffer) 

Chr. 3242. 
ss{e) inf. p. p. prs. imper. : J)e pron. H.S. 717, 1791, 2871, 6501, 

8917, 11550. 
: ])e (thigh) H. S. 2327. 
: me H.S. 2481, 3149, 4429, 4442, 6349, 11514, 

11740, 11953, 12221. — Chr. 2476, 8058, 15232. 
: he H. S. 3965, 6433, 6809. — Chr. 8180, 9292, 

12400. 

fe{e) 'Besitz' H.S. — Chr. 672. 

se H. S. 5485. 

hre (aangl. *bre, s. Verf., II of Brunne S. 137/8) 

Chr. 10334. 

^e Chr. 4674, 8516, 11640, 12292, 13752, 14590. 

fre Chr. 15076. 

Tcne Chr. 7864. 
])0u hcs : ])0u ßcs Chr. 11528. 



325 



sees prs. 
2)6 pron. 



me 



he 



fre 



fie 



hiees 



Inces ab. 'Knie' H. S. 951. 

>• pron. H.S. 312. 

fre H.S. 678, 6269, 6447, 10684. - Chr. 4282, 

16490. 

ge H.S. 10463. — Chr. 2846. 

me H.S. 1269, 2311, 2316, 3258, 5867, 10660, 

11721, 12215. 

fle inf. prs. H. S. 1854, 5099, 9'J29. — Chr. 3228, 

16288. 

ive Chr. 16580. 

he H. S. 2863. — Chr. 620, 7246. 

fe Chr. 5230. 

/)-e H. S. 5199. — Chr. 11730. 

tre 'Baum' H. S. 3843, 4757. 

fe H.S. 4461, 7908. — Chr. 4882, 9668, 13878. 

me Chr. 7500. 

se Chr. 1572, 2744, 7388. 

fe{e) Chr. 4934, 7072, 7210, 12560. 

she H. S. 10422. 

fie H. S. 7921. — Chr. 2002, 5478, 6614. 

fe Chr. 9592. 

ivc Chr. 7380. 

tre 'Baum' H. S. 8237. 

sehe Chr. 3188. 

fe Chr. 3480. 

fte Chr. 14926. 

Pre Chr. 15412. 

we Chr. 16.524. 

l,e ipeon) H. S. 4235. 

pees (fhigh) H. S. 1473. 



2. Gesehl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8 im Reim auf franz. [e]. 

k" inf prs. p.p. : vanyte U.S. 3Sl, 3345, 3432, 3690. 

: mey{g))ie H. S. 3419, 3421, 7089. — Chr. 2388, 

9274, 11300, 11986. 
: hewte H. S. 3044. 
: autoryte H. S. 3547, 12161. 
: charyteR.S. 1958, 2629, 3681, 5609, 6922, 7167, 
10913. 



326 



he inf.prs.p.p. 



]>e 



dygmjte, dignite H. S. 3934. — Chr. 15812. 

propertc H. S. 3974, 12255. 

cuntre, contre H. S. 1392, 1436, 1756, 1877, 6383, 

7725, 10554, 10958, 11120. — Chr. 14514, 

14906, 15500, 15548. 

maugre H. S. 7777. — Chr. 12898. 

cyte, cUe H. S. 1465, 2596, 8257, 8748. — 

Chr. 1906, 5530, 5774, 7698, 8020, 10188, 14168. 

pleiite H. S. 849. — Chr. 11052. 

prymjte, pryuete H. S. 2037, 2568, 3650, 3660, 

7260, 7441, 8375, 11500. — Chr. 3858, 8776. 

deere H. S. 8718. 

poiiste H. S. 4197. — Chr. 1244. 

pryue H. S. 4417. — Chr. 3394. 

gre 'zu Willen' H. S. 6571. 

soherte H. S. 7269. 

sacre H. S. 8846. 

cou7ite p. p. H. S. 8912. 

seruee H.S. 11775. 

gre 'Stufe' H. S. 1563. 

se{e) 'Sitz' H.S. 2587. — Chr. 5754, 6872, 14946. 

specyalte H. S. 9723. 

degre H.S. 10055, 11594. — Chr. 11200. 

entre H.S. 12144. — Chr. 9412. 

jnßc H. S. 12314. — Chr. 8560. 

solemp{ne)U H. S. 9631. — Chr. 6304. 

crystyanytc, cristianite H. S. 11 235. — Chr. 9138. 

assenible Chr. 7042. 

eyse Chr. 3170. 

feaute Chr. 14402, 15470. 

Trynite Chr. 14992. 

liuere Chr. 10558. 

vylte Chr. 5516. 

pyte H. S. 257, 2273, 5439, 5477. 

2)ryuyte H.S. 397, 429, 12020. 

charyte, charite H. S. 1941, 3023, 7879.- Chr. 3248. 

meyne H. S. 3417, 3517. 

gre 'Stufe' H.S. 3707. 

hoimte H. S. 7801. 



327 



se{e) in f. prs. 



J)ö : certeynte H. S. 8217. 

soherte H.S. 5921. 

chastyte H. S. 1677. 

mageste H. S. 11536. 

pauste H.S. 11837. 

cite Chr. 7484, 15094. 

mo7ic {moncy) Chr. 8996. 

saJcarc ('Konsekration', ein Teil der Messe) 

II. S. 7298. 

ejitre Chr. 1094. 

vylte Chr. 11504. 

pyte, pite H. S. 329. — Chr. 3852. 

pryue H. S. 467. 

sacre H. S. 8828. 

pryuytv, pryuete H.S. 2485, 3621, 9682, 11598. 

Chr. 7552. 
se{e)s prs. : j^^'yuyfes H. S. 7579. 
: vcmytes H. S. 9853. 
: propertes H.S. 10139. 
: cites Chr. 4088. 
se : (leere H. S. 4637. 
: pouste H. S. 6293. 
: cuntre, contre H. S. 9445. — Chr. 2524, 5850, 

10342. 

vblc sb. H. S. 10083. 

charyte H. S. 10380. 

heute H. S. 12609. 

cite Chr. 4728, 14898. 

semble sb. Chr. 15424. 

Tr^/m'^e Chr. 15142. 

gre 'Grad' Chr. 490, 10856. 

pimte Chr. 11964. 

at/5e Chr. 1900. . 

77ietjne Chr. 10518, 11158. 
me : virgmite H. S. 2876. 

jmjuyte H. S. 3592, 5749, 8121. 

chastyte H. S. 7547. 

charyte, charite H.S. 2258, 5735, 10223, 10364, 

10408. — Chr. 12252. 



328 



mc 



he 



ive pron. 

sehe 
fle 



pre 



Chr. 2074. 
- Chr. 324. 



leaute Chr. 12892. 

cuntre Chr. 694. 

pite Chr. 5210. 

eerteynete Chr. 8160. 

comonalte Chr. P 124. 

charyte fl. S. 6864. 

pryuyte H. S. 10643. - 

pyte, pite H. S. 11009. 

cu7itre H.S. 10523. 

avyse adj. Chr. 4064. 

bounte Chr. 6160, 6200. 

äte Chr. 812, 2270, 9616, 13778, 14750. 

degre H. S. 7553. — Chr. 10 626. 

digjiite Chr. 6216, 15112. 

ese adj. Chr. 7954, 9754. 

hache Chr. 15760. 

solempnete Chr. 11206. 

vanyte H. S. 4281. 

cuntre H. S. 895. 

pite Chr. 8696. 

contre Chr. 7316, 15 066. 

pite Chr. 8670. 

solempnete Chr. 5593. 

I^nwe Chr. 3410. 

mene sb. Chr. 6040. 

pouste Chr. 1174. 

cww^re H. S. 439, 10575. — Chr. 2598, 10656. 

dignite Chr. 6508. 

sacre H. S. 7949. 

autorite Chr. 14596. 

pr^/w^^^ H. S. 10 038. 

plante Chr. 4352. 

cite Chr. 1950. 

j;rme Chr. 11552. 

contre Chr. 14674. 

entre Chr. 1118. 

Germyne {Germany) Chr. 2014. 

specialte Chr. 534. 

aWse adj. Chr. 12 604. 



! 



329 



/>rß^ : certeyjitc Chr. 1152. 
thee 'Schenkel' : grs H.S. 4633. 
Jens : pyte H. S. 4878. 
Jenes : iornes Chr. 7964. 
tre : vylte H. S. 5205. 
trees : entres Chr. 5088. 
/•c(c) : pouste H.S. 6029, 11710. 
cite Chr. 1934, 2160. 
coM^re Chr. 14764. 
feante Chr. 6462, 10666, 10 946. 
fre : charyte H. S. 6850, 6875. 
pyte, pite Ch. 2938, 9248. 
(legre H. S. 8873. 
feaide Chr. 10 494. 
pryue H. S. 8902. 
Cristiente Chr. 5730. 
I^owsie H.S. 9811. 
Euere Chr. 3118. 
contre Chr. 4550. 
re^raZfe Chr. 9770. 
plente Chr. 958. 
meyne Chr. 4018. 
^Zc sb. : saiitre H. S. 4769. 
Anm. : hc : /aLs^e H.S. 9461 = falsch/. lu minder betonter Silbe 
ist Kürzung des // eiDgetroteu. Die Schreibung e, die in solchem Fall oft 
mit y wechselt, mag die flüchtige Aussprache des t andeuten, ohne dafs 
damit ein wirklicher e-Laut bezeichnet wird. 

3. 6^ < ae. fei. 

a) Im Reim auf geschl. [c] innerhalb der Fälle 1 — 8. 
se (sea) : be H. S. 1741, 3797. — Chr. 1800, 5910. 

: me H.S. 12 511. — Chr. 4240, 8796, 11526. 
: fle Chr. 6278, 6292, 8254, 9586, 10132; 10236, 

14 456. 

fe sb. Chr. 2536, 4202, 14 524. 

Jjre Chr. 660, 690, 1944, 2000, 7674, 11086. 

he Chr. 744, 3096, 9114. 

b) Im Reim auf geschl. [e] in franz. Lehnwörtern. 
se (seä) : cimtre, contre H. S. 5443, 9239. — Chr. 1488, 

1730, 3772, 6418, 8940, 9558. 



330 



se (sea) : mtre Chr. 6008, U 092. 
: meyne Chr. 8428, 9796. 
: pitc Chr. 5672. 
: cyte H. S. 877, 10729. 

Auni.: Zur Erhöhung des [f] >- [e] vgl. Luick, Lautyeschichle § 350. 
4. In franz. Lehnwörtern. 



cuntrc 



pryuytc 
cyte, cite 



dignite 
degre{e) 
autoryte 

charyte 



soUmnyte H. S. 915. 

charyte H. S. 3897. 

pyte H. S. 8071. 

ayse adj. Chr. 6438. 

cite Chr. 1334, 3086, 8958. 

meyne Chr. 9156. 

plmte Chr. 1302. 

quarre Chr. 10310. 

seine (V) Chr. 11448 (ef. Fm-nivaU II, 619). 

autoryte H. S. 1239. 

honeryte H. S. 1927. 

cimfre, cowfre H. S. 10779. — Chr. 1714, 3322, 

12 500, 14342, 16 424. 

louyite H. S. 8159. — Chr. 5508. 

iurne 'Tag' H. S. 1951. 

assemhie H. S. 9391. 

solempnete Chr. 6032. 

entre Chr. 6062. 

meyne Chr. 10014. 

dignite Chr. 2778. 

plente Chr. 3552. 

^tfe Chr. 5342. 

See Sitz Chr. 11060. 

Jolyte H. S. 2399. 

See 'Sitz' Chr. 10384. 

me?/we H. S. 7687. 

se sb. {see) Chr. 15 288. 

2;ri/we H. S. 8315. 

crystyanyte H. S. 11704. 

lounte H. S. 8723. 

maugre H. S. 6907. 

ewfre H. S. 4703. 



331 

charyte : nycets H. S. 4719. 
pryue : communaltc H. S. 5961. 
: plente Chr. 5966. 
obU sb. (Hantlschr. i'hUc) : sacvc sb. H. S. 10005. 
s^'Sitz' : poustc H.S. 11473. 
aducrsete : prosperite Chr. 11612. 
couivee adj. 'geschwänzt' : cnterlace adj. Clir. P 86. 
^wrc^e sb. : meynöe Chr. 14124. 
feaute : maugre Chr. 14148. 
flamcc (= flamen) : se sb. 'Sitz' Chr. 5762. 
?mere : mei/nc Chr. 2396. 
i?i^^ : regalte Chr. 3892, 3944. 
e?2fre : suivaiäe (= sauvete) Chr. 1060. 
wZe {valley) : esß adj. Chr. 5580. 
Ijountes : fees Chr. 13 876. 
causes (causeiray) : vales (valley) Chr. 3088. 
dies : fees Chr. 4588, 11408, 15 538. 
: contres Chr. 13988. 
mitres : /e(e)s Chr. 1930, 6864, 8708, 11586,15316,15464. 

-es{e)f -eses; est{e)f -estes; -esed, 

1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

lese iuf. prs. : chese inf. prs. H.S. 11153, 11584, 12 475. — 
Chr. 4242, 8412, 13590. 
hrcst{e) [breast) : prest{e) H. S. 945, 2533, 3655, 10080, 10855, 
11346, 11470, 11751, 12492. 
pou seest : prest H.S. 7664, 10964, 11283. 
hrest : sest Chr. 12262. 

2. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8 im Reim auf 
franz. [e]. 

flees (< aangl. fleos = ws. flys > ne. ffeece) : cites Chr. 450. 

3. e < ae. ce K 

a) Im Reim auf geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

lest{e) (sup.) : Jwu scst H. S. 8307. 

: prest{e) sb. H.S. 3013, 3203, 7605, 7934, 11547, 
11605. 



332 

b) Im Reim auf franz. e. 

mest{e) adj. : fest{c) sb. Chr. 4712, 7370. 
heste (ae. hws 'Gebeifs') : geste sb. Chr. 16698. 
hestes sb. : gestes sb. Chr. 14592. 
leste (Jeast) : /e6-^e(/casf) H.S.6986,11126,11237.— Chr.4912 
P, 11342. 
: tempest{e) H. S. S51, 7788. — Chr. 2984. 
all)cr meste : beste (beast) H. S. 6765. 

c) Im Selbstreim. 

Iest{e) sup. : 7nest{e) Chr. 2332, 2580, 7632. 

Demnach findet sich lest (least) 7x im Reim auf geschl. 
[e]. Auch Hoofe {Engl. Stud. VIlI,227ff.) führt aus Osbern 
Bokenham Belege für den geschlossenen Laut an (: brest 

< breost). Nach Di bei ins (a.a.O.) reimt John Capgrave e 

< ae. ^1 fast stets mit geschl. [e]. Der geschl. [e]-Laut dürfte 
danach gesichert sein, während Reitemeyer (S. 69) nur mit 
dem off. [e]-Laut rechnet. 

4. e < ae. ce'^. 

a) Im Reim auf geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

Jiext, Handschr. ncst{e) (< aangl. nestä) : brest sb. Chr. 7872. 
: prcst{e) {sie. jjrcost) H. S. 1679, 4403, 9202, 9637, 
10344. 
Vgl. Orrms nesst! 

b) Im Reim auf franz. e. 

res sb. (ae. rms vgl. Verf., R. of Brunne S. 123, 3) : destres Chr. 3472. 
: peie)s (peace) Chr. 1238, 4815, 5181, 16345. 
Diese Reime deuten auf offenes [?]; Reitemeyer belegt für 
destres, pes ausschlielslich [?]. 

Anm. : ChEst{e) 'Streit' (ae. ceast = aangl. *cest ■< wg. ä) : fcst{e) sb. 
Chr. 4792. — Jedoch scheinen gewisse Reime auch auf gekürztes fest zu 
deuten: f^ste : herneste H. S. 815. 
: nobleste Chr. b918. 
Vgl. ähnliche Reime bei Reitemeyer S. 71/72. 

5. e < ae. ea < wg. au (= ae. ws. [e] neben ea nach Palatalen). 
a) Im Reim auf geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

Jjou dies prt. : les sg. prs. konj. {lose) Chr. 16494. 



1 1 



333 

b) Im Selbstreim [f]. 

chcs{e) prt. : les (ae. Icas -falsch') adj. H.S. 1655, 6381. 

: les{e) prt. H.S. 11015. — Chr. 3988, 12624,14600, 

Anin. : les {a-e. leas) : slBs prs. (von sIpp) H.S. 1525 (zu Verf., Robert 
of Brunne S. 152 Auui. 1 hiuziizufiigeu I). 

c) Im Reim auf franz. c \ß]. 

chcs{e) prt. : pc{e)s {peace) IL S. 1039, 2603. — Chr. 1952, 
2570, 2576, 2796, 3102, 3908, 4002, 4500, 5540, 
5782, 5894, 7304, 8700, 9204, 9772, 10294, 10492, 
10690, 10918, 14420, 14522, 15496, 15656. 
: pres sb. {prcss) Chr. 7052, 11242, 15874. 
le{e)s prt. : prcic)s sb. Chr. 370, 720, 738, 1558, 4884, 8514, 
10762, 12818, 13184, 13222. 
: pes {peace) Chr. 6404, 8692, 10936. 
tvithoute les {leas) : ^;es sb. H. S. 2198. 
helples : pes sb. Chr. 10250. 
herteles : ^;es sb. Chr. 11564. 
ivemles : ^;re5 Chr. 7906. 
est (east) : best (beast) Chr. 12 106. 

: conquest Chr. 11018, 12626, 14066. 
: gest sb. Chr. 38 P, 6636. 
: tempest Chr. 1416. 

Anm. 1: geste {guest < an.) : feste sb. H.S. 9366. 

Anm. 2: Statt dos pl. prs. : tverynes lies des (s. Verf., R. of Brunne 
S. 240, § 122) H.S. 914.3. 

Anm. 3: Bei den Wörtern auf st ist das Scliwanken der Quantität 
zu berücksichtigen (s. Morsbacli, Me. Gr. § 61). 

6. es in franz. Lehnwörtern im Selbstreim, 

ches {choice) : pes sb, Chr. 11596. 
deces, deses 'Tod' : pes sb. Chr. 3724, 5352, 5338, 7664, 14396. 
ese sb. (aise) : plese vb. Chr. 7444. 

: sese {seize) Chr. 6388, 7142. 
pesed {=^ appeased) p.p. : sesed p.p. {seized) Chr. 11550. 
presed prt. {pressed) : sesed prt. Chr. 13612, 13812 (vgl. Mors- 
bach, Über die anglo- franz. Konsonanten- 
Dehnung, Beitr. z. vom. u. engl. Phil, Festgabe 
für W. Foerster, Halle 1902; auch Reitern ey er 
S. 89). 



334 

7ni'es {nicss of meat) : dccs (clais) Chr. 7832. 

2H'S sb. : pres (praise) Chr. 7832. 
2n'es {press, croivd) : ses inf. (cease) Chr. 13026, 13070. 
: pees Chr. 1496. 
: at trauers Chr. 13394. 
mysese : at ese H. S. 1097, 6057. 
conqucst : prest adj. Chr. 13406. 
: fest sb. Chr. 5198. 
fest{e) : gest{e) H. S. 11563. — Chr. 1774, 7578, 10372, 
11298. 
: honeste Chr. 302, 9276. 
prest{e) adj. : rest sb. Chr. 822, 1114, 9930, 10884, 14126. 
hestes sb. : gestes sb. Chr. 464, 11428. 
gestes : festes sb. Chr. 10504. 

Anm. : Auf Kürze deuten: 

X)rest{e) adj. : best sup. Chr. 13804. 

: west Chr. 11942, 13540. 
: vnfest adj. Chr. 652. 
conquest : icest Chr. 14 150. 

Der Reim ches prt. : Ics prs. (5 a) ist wohl unrein, [f] : [e] , wenn 
man nicht ches mit geschl. [e] annehmen will mit Rücksicht auf ae. ws. t-es 
mit geschl. [e] (vgl. Bülbring, Ae. Elementarbuch §315, d). Für Chaucer 
{Legend of Good Wome7i bei Marshall and Porter, Rime-index to the 
Manuscr. Texts of Chaucer' s Minor Poems, London 1887 (Chaucer -Soc.) 
finde ich einmal natheles : fies (fleece); allerdings steht hier les in minder- 
betonter Silbe. 

-ein{e), -eiH{e)Sf -enied, 

1. Geschl. [c] innerhalb der Fälle 1 — 8 und < wg. ä 
+ nas. + i, j. 

deme vb. : queme vb. H. S. 145. — Chr. 16506. 
seme vb. : queme vb. H. S. 12412. — Chr. 7390. 
hesemed prt. p. p. : demed prt. p. p. Chr. 154 P. 
: quemed prt. Chr. 7602. 
setnes : quemes vb. Chr. 578. 
queme vb. : seme vb. (< ea < au + i, j) H. S. 1305, 4822, 
6513, 9901, 11313, 12630. — Chr. 15514. 
: seme sb. Chr. 7126. 
queme]) : serny}) prs. H. S. 1903. 
hyseme : seme Chr. 6150. 



335 

demes : fernes Cbr. 11474. 
demcd p. p. : ficmed p. p. Chr. 4902 (ae. sefheman zu fleam). 
to reme (ne. hremaji, hryman zu hream) : seme vb. H. S. 7857. 

2. Gesebl. [e] innerhall) der Fälle 1 — 8 im Keim auf franz. c, 

queme vb. : antPme sb. Cbr. 15092. 
Urne inf. : creme sb. H. S. 9545. 

3. Offenes [('] < ae. ea < wg. au. 

a) Im Selbstreim. 

dreme sb. : seme 'Saum' H. S. 7597. 
eem 'Oheim' (ae. eam) : teem sb. (ae. team) Cbr. 4124, 4794. 
stremes sb, : semes sb. (ae. seam) Chr. 13970. 

b) Im Reim auf [f ] < ae. ce K 
heme (< heam) : gleme sb. H. S. 2235. 

Aum. : Statt clnie : hapWne H. S. l'J9 ist mit der andern IlaudscLr. 
clayme zu lesen. 

4. In franz. Lehnwörtern. 

hapteme : crme H. S. 9493, 9691. — Cbr. 15268. 
: cleme inf. H. S. 9560. 

-en{e)f 'en{e)s. 
1. Geschl. \ß\ innerhalb der Gruppen 1 — 8. 

quen{e) : hm{e) p. p. Chr. 772, 2116, 2092, 10414, 12048. 
: hyüven{e) Chr. 1274, 6184, 14210. 
: Seen p. p. Chr. 2528. 
grme : scheue adv. Chr. 11252. 
Jce7ie adj. : tene sb. Chr. 5826, 8598. 
he?i{e) p.p. : bytiven{e), heüven{e) H. S. 7784. — Chr. 4148, 
11562. 
: se{e)n{e) p.p. H. S. 4449, 5168, 5529, 6281, 6369, 
7059, 9881. — Chr. 3198, 4862, 5152, 10582, 
11024, 12224, 12540, 15106, 15250. 
leyn p. p. : seyn p. p. H. S. 317, 1667. 
yhen p. p. : seen p. p. Chr. 7450. 
hytwene, hehrene : tene sb. H. S. 4083. — Cbr. 2060, 2644, 14368. 
se(if)n p.p. : a^e{:y)n (oder [ai] vgl. Verf., E. of Brunne 
S. 203, 2} H. S. 523 (Handscbr. D Iscn : asm). 



336 



se7i{e) : tene sb. H. S. 3909. 
: bettvene H. S. 8203. 



Chr. 14618. 



2. Gesehl. [e] < amerc. a, e < wg. « + uas. + /. j im Reim 
auf gesehl. [e] imierhalb der Fälle 1 — 8. 

we7ie iuf. prs. : sme H. S. 3177, 3614. 

: grme adj. H. S. 1394.| 

: hytwene Chr. 14262, i5560. 

: Wie H. S. 9522. — Chr. 1250. 
ouerivcne imper. : hetwcne H. S. 5164. 

3. Gesehl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8 im Reim auf 
franz. [e\ 

hene adj. : mayntene vb. Chr. 16246. 
grmes 'grünt' : paryshenes H. S. 8659. 
Anm.: a-gene : fysycyene H. S. 1184. 

4. Erhöhtes [e] < ae. rc'. 

a) Im Reim auf gesehl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

alle he dene 'zusammen' : sen{e) H.S. 2576; Handsehr. glossiert 
rewe 'Reihe'. 

sme H.S. 1439, 7561, 8157, 8229, 10189, 11537, 
12467. — Chr. 10178, 12562. 
hßwene Chr. 1718, 2330, 3834, 10320. 
tene sb. Chr. 8364, 13946, 15126. 
tene sb. (ae. teone) H. S. 2461. 
tene sb. H. S. 4793, 12039. — Chr. 1838, 4258, 
8216, 11780, 12126, 15410. 
tene vb. (< teonian) H. S. 7471. 
iiftene Chr. 15406. 
hitwene Chr. 3494. 
to seme H.S. 12415. 
sene Chr. 8452, 9050. 
menes prs. : tenes sb. Chr. 12 138. 

b) Im Reim auf gesehl. [e] < amerc. w, e < wg. ä 
+ nas. + i, j. 

hemene 'bedeuten' : zvene vb. H. S. 6633. 
clene : wene vb. H. S. 4345. 
mme vb. : wene vb. Chr. 6888. 



I 



clene adj. 



lene (to lend) 
mene vb. 






337 

c) Im Selbstreim. 

mme vb. : clc7ie adj. H. S. 1541, 2177, 7C85, 8273, 8859, 
10500, 10824. 

d) Im Reim auf franz. e; gescbl. [e]. 

hemme vb. : emcnjstene H. S. 5120. 
menes prs. : 2)arysslienes H. S. 10881. 

Die Erböbuug von [?] > \e] ist für cUne 17 x und {be)mP7ie 
19 X gesicbert (iPne Ix). Sie ist vor n aueb sonst bäiitig 
nacbg-ewiesen worden, wie von Hoofe, Heuser, aucb Dibelius a.a.O. 

-el{e)f -el{e)Sf -eled, 

1. Gescbl. [e] innerbalb der Gruppen 1 — 8. 

ive{y)l adv. : ste{ij)l (steel) H. S. 2337. — Cbr. 1108, 5817, 
6864, 9652, 10026, 10030, 10852, 14060. 
: ivhel (= ivlieel) Cbr. 5104. 
feled (= feit) : Ineled (= hielt) Cbr. 3206. 

2. Erböbtes [e] < ae. ^i im Reim auf gescbl. [<j] innerbalb 
der Fälle 1—8. 

detjl{e) sb. : luheyl (= ivheel) H. S. 3274. 

: we{y)l{e) 'wobl' H. S. 116, 238, 371, 404, 455, 
554, 906, 1438, 1579, 2237, 2550, 2784, 3235, 
3917, 4373, 4481, 4586, 5586, 5766, 6106, 6148, 
6579, 6823, 6996, 7038, 7174, 7334, 7879, 8030, 
8068, 8089, 8527, 8701, 8842, 9441, 9458, 9815, 
9940, 9993, 10220, 10340, 10483, 10691, 10785, 
10841, 10904, 11179, 11541, 11639, 11749, 
11833, 11855, 11880, 12079, 12236, 12552, 
12619. — Chr. 176 P, 928, 1278, 1430, 1458, 
2874, 3434, 3634, 4684, 4826, 5394, 5438, 6352, 
6390, 6452, 6972, 7038, 7118, 7224, 7650,-8324, 
9102, 100056, 10790, 11682, 11782, 11928, 
12882, 15230, 15758. 

3. e < ae. ce'^ im Reim auf gescbl. [e] innerbalb der Fälle 1-8. 

te{:y)l (ae. töel, vgl. Verf., R, of Brunne S. 127, 2) : weyl H. S. 2042, 
8621. 
sele 'Zeit' : iue{y)le H. S. 5877, 6968. — Cbr. 7006. 
wj^?e'Mablzeit': ^vele H. S. 7232. 

Studien z. engl. Tbil. L. 22 



338 



4. Geschl. [e] iunerlialb der Fälle 1-8 im Reim auf franz. e. 
we{y)l 



pe(y)l H.S. 2165. — Chr. 15912. 

kateyl H. S. 3370, 10677. 

hostele H.S. 12469. 

osteyl H. S. 1937. 

spyrytuele H. S. 12 170. 

castel H. S. 3809. — Chr. 794, 1658, 5294. 

pomel Chr. 10038. 

cruel Chr. 5176. 

eschel sb. Chr. 13340, 13366, 13522. 

5. e < ae.w^ im Selbstreim. 

Kele 'Gesundheit' : dele vb. H.S. 5225. 
: ivasshele H.S. 11034. 

6. e < ae. ^ 1 im Reim auf franz. e. 

de{y)l{e) sb. : cate{y)l H.S. 1226, 5746, 11209. 

: pele 'Stange' H.S. 2119. — Chr. 4638. 
de{tj)l vb. : sele vb. {seal) Chr. 4850. 

: mele vb. (= meddle) Chr. 10 096. 
deJed p. p. : enseled p. p. (= sealed) Chr. 11890. 
hele sb. : sele vb. {seal) H. S. 7010. 

7. Franz. e {e) im Selbstreim. 

castel : quarel Chr. 8314 [§], [e] od. [e]. 

chapel : z'mt'eZ Chr. 16408. 

l-arneles (< afr. carnel) : quarels Chr. 1036. 

: manganeles (afrz. mangonel) Chr. 6790. 

Anm. 1 : Auf Kürzung deutet Jt-ey? : gospel H. S. 2S16; ferner das e 
in franz. Lehnwörtern in fakultativ unbetonter Silbe : 

castel : fei prt. (feil) Chr. 7518. |, 

c/ifli^ei : fei prt. (/e«) Chr. 12162. 
Der gekürzte Laut kommt auch mehrfach in der Schreibung zum Ausdruck, 
z. B. castell, chajjell. 

Anm. 2: sei (= seal) : lesl (loyal) Chr. 5924 geschl. [ß]. 

Anm. .3: turpel sb. (afrz. trepeil 'Erregung') : conseil sb. Chr. 1666, 
oder [e] ; vgl. Schreibungen wie conseil, auch im Reim auf kurzes e belegt 
(Reitemeyer S. 58). 

Anm. 4 : Quantitativ unrein sind : 

ecke del : gospel H. S. 3792, oder del (?) mit Rücksicht auf die 
häufige minder betonte Stellung in Zusammensetzungen 
mit euery, ecke usw., vgl. auch die Schreibung dell vb. 



' 



339 

bei Reitemeyer S. 58. Seit dem 15. Jahrb. ist die Kürze 
belegt; vgl. Ilackmann a. a. 0. S. Iö.t, § 40 b. In den 
ne. Mundarten ist die Kürze in del ziemlich verbreitet, 
vgl. Ilackmann S. 104 und 158, § 47, 1. 
hde : skylle (lies skelle) H.S. 4264. 

Die ErhöliuDg des [f] > [e] ist demnach nur für de{y)l 
gesichert, und zwar für das Subst. de{y)l. Eine Scheidung 
zwischen Subst. und Verb ist nicht zu erkennen, da das Verb 
deal nur 4 x im Reim begegnet. Der geschlossene Laut gilt 
auch in den Reimen mit franz. ^;e(e)L (Vgl. Reitemeyer S. 88/89.) 

Für Wörter wie catel ist auch sonst der geschl. [e]-Laut 
belegt, ebenso für sele (seal), obwohl Wörter mit afr. ee < vlt. 
vorton. sekundärem e + e im me. gewöhnlich off. [^] haben. 

Auch für hele ist der geschl. [e]-Laut sonst gesichert, 
z. B. bei Osberu Bokenham (Hoofe a. a. 0., S. 227 ff.) und 
Heuser, Änglia XVIII, 114 ff. 

Über das Reimwort ive{y)l vgl. Reitemeyer S. 56 Anm. 

-el(e), -el{e)s in offener Tonsilbe. 

1. Im Selbstreim. 

stele {steal) : icele 'Reichtum' (< amerc. tceolä) H. S. 2055. 
: feie adj. viel Chr. 6796. 
feie 'viel' : speie (ae. spelaii) Chr. 12428, 14270, 14470. 
Stele (steal) : forhele inf. H. S. 2047. 
: hele vb. H. S. 2149. 
feie : forhele vb. H. S. 8313. 

Anm. 1: stele (steal) : feie (ae. f{i)ellan). Vielleicht nicht unrein 
[e] : [f]. Sehr fraglich ist es, ob wir in feie kurzen Konsonanten nach 
Analogie der P'ormen der 2. und 3. sg. prs. anzunehmen haben (vgl. Verf., 
M. of Brunne S. 86, Anm. 4). Wahrscheinlicher wäre wohl, in steh Dehnung 
des Konsonanten anzunehmen, nachdem das Endungs-e verstummt war 
(s. Verf., R. of Brunne S. 49; 50). 

Anm. 2: feie 'viel' : tcele 'wählen' Chr. 7340, zu an. reZJa (s. Verf., 
R. of Brunne S. 88, § 36, Anm. 1 und S. 250). 

2. Im Reim auf franz. e. 

J)Ou steles prs. : parcelles sb. H.S. 11824. 

e : [?]. 

Abgesehen von den beiden Lehnwörtern kommt e somit 
nur im Selbstreim vor. 

22* 



340 

-ecUe, -echeSf -ecJiyJ), 

1. e < ae. (B\ 

a) Im Selbstreim. 

speche : nreche (ae. ivrcec) H. S. 8287. — Chr. 10774. 
: leclie 'Arzt' Chr. 8988. 

b) Im Reim auf e < ae. ^ '. 
speche : reche vb. Chr. 10510. 

: teche Chr. 8760. 
speches pl. : reches prs. Chr. 5004. 

e) Im Reim auf franz. e. 
speche : preche vb. H. S. 4298. 
wreche sb. : preche sb. vb. H. S. 4551. 
Anm.: wreche sb. : knoivleche H. S. 10302. 

2. e < ae. cS^ im Reim auf franz. e. 

teche : i^rec/ie Chr. 5596, 5746, 15068, 15194. 
techej) : preche]) (prs.) H. S. 9529. 

3. Franz. e im Selbstreim. 

preche : preche (andere Hdschr. teche) H. S. 11705. 

Es läfst sich aus diesen wenigen Reimen nicht erkennen, 
ob wir [q] oder [e] anzunehmen haben. Der erhöhte [e]-Laut 
ist für teche sonst vielfach belegt worden (vgl. Hoofe, Osbern 
Bokenam). Die Reime auf preche deuten allerdings auf off. [f], 
da preche meist auf off. [i^] reimt (vgl. Reitemeyer S. 84,85). 
Anderseits reimt preche auf teche in Denkmälern, in denen ce^ 
fast ausschlielslich auf geschl. [ej reimt (vgl. Dibelius a. a. 0.). 

-eue{n), -euyn, -euepf -eued, -eiii/l, -eiiel. 

1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

a) Im Selbstreim. 

leuys prs. 'glauben' : peuys 'Diebe' H. S. 2079. 

b) Im Reim auf e < ae. ce-. 
leue 'glauben' : eue (ne. eve) H. S. 7288. 

c) Im Reim auf [e] in franz. Lehnwörtern. 
byleue vb. : greue vb. Chr. 9484, 13720. 

yleued 'geglaubt' : ychmed (chevir) Chr. 15062. 



341 

mishcleucd : gruucd prs. Chr. 15 222. 

belcucd 'glaubte' : a-greucd p.p. 'bekümmert' H. S. 9076. 

nujsheleue vb. : greue vb. H. S. 9852. 

leue 'lieb' : fo greue H. S. 1613. 

: greue 'schwer' H. S. 7566. 

: cheue 'sieh unterwerfen' Chr. 15962. 

J)cues 'Diebe' : greues prs. H. S. 6091. 

Anm. : Gesclil. [f] gilt anch analogisch für das Subst. Icue (ae. Ca), 
das anch in anderen Denkmälern häufig auf geschl. [c] reimt (vgl. Verf., 
E- of Brunne S. 139, 2): 

Isue 'Erlaubnis' : greue vb. H. S. 2398. — Chr. 2892, 3234, 5916, 7324, 

73Sr), 7684, 7S36, 16 228, 16 254, 16 338. 
belsue 'Glaube' : greue vb. H. S. 8149. 
mysbekue 'Unglaube' : greue vb. H. S. 10 027. 
: meschP,ue sb. Chr. 16 280. 
Imc 'Erlaubnis' : reue {iie. ^erefa = ce^) H. S. 8792. 

Anm. 2: Eine Assonanz liegt vor in greuys (= groves) : semys prs. 
H.S. 4051. 

2. Off. [^] < ae. ea < wg. au. 

a) Im Selbstreim. 

reued p. p. : heued sb. Chr. 7250. 

b) Im Reim auf [(]] < ae. (pK 

licued[e) sb. : leued prt. p. p. H.S. 3275, 9668.— Chr. 952, 3886, 

5392, 6092, 6914, 8404, 10244, 11604, 12482. 

reue 'rauben' : heleue 'bleiben' H. S. 3315. — Chr. 4788, 

11522, 15 616. 

: leue vb. Chr. 5170, 5674, 9670, 11488, 16352. 

heued sb. : hileued (= left) Chr. 5492. 

3. [?] < ae. «1 im Reim auf franz. [f]. 
leued prs. : sesed {seized) Chr. 5318 (Asson.). 

Anm.: Unrein ist wohl der Reim ZeitefZ p. p. : saued p.p. H.S. 10306, 
denn dialektisches ä in leued läge zu fern. 

4. Franz. e im Selbstreim. 

cheue (afr. chevir) : greue vb. Chr. 15 466. 

-eue{ne) in offener Tonsilbe. 

1. Im Seibetreim. 

In allen Fällen ist auch kurzes [?] möglich. 
seuenie) : heuen{e) H. S. 7349, 7355, 7465. 



342 



seucn{e) : cuen{c) Chr. 6512, 0096. 
: neuene vb. H. S. 10154. 
: enleuene vb. Chr. 7616. 
heucne : steuene H. S. 10061. 

hcuene : neueyie H.S. 3415, 4693, 7951, 10497, 11807, 
12107, 12276. — Chr. 138 P, 2292, 14920. 
: cuene 'eben' H.S. 105, 2489, 2565, 12139, 12471. 
cuen{e) : neuen{e) Chr. 13 356. 

2. Im Reim auf [?] < ae. ce^. 
heue {to heave) : leue inf. H.S. 9698 (Ausnahme!). 

i- in offener Tonsilbe. 

Es handelt sich hauptsächlich um die beiden Wörter 
to live und to give. In der Schreibung wechselt i (</) mit e. 

geue inf. {&.e. s{i)efan) : lyue inf. H.S. 4119. 

to leue H. S. 4357. 
])0u . . . sßuys : lywjs sg. prs. H.S, 1707, Hs. D: jeuyth : leuyp. 

gyue H. S. 1839, Hdschr. D lyiiyn : seuyn, 

syue p. p. H. S. 2703. 

seue p.p. H.S. 3441. 

forseuyn H. S. 4477. 

lyue inf. H.S. 5411. 

slireuyn H. S. 15, 35. 

shryue Verbalsubst. H. S. 587. 

sepen (Assou.) H. S. 1637. 

sepyii (Handschr. ^ijuen) H. S. 8790. 

cleued prs. (ae. cUoficm, eo) H. S. 2577. 

Demgegenüber stehen zwei Reime, in denen give auf 
geschl. [e] reimt: 

seue inf. : leue 'erlauben' (aangl. Ze/a?z) H. S. 4029. 
geue vb. : leue 'glauben' Chr. 5426. 

Es fragt sich, ob wir g{g)eue, also e : [e], einen Reim, 
den wir nur in Ausnahmen bereits belegt haben, oder mit 
Dehnung von -i > [e] g(g)eue anzunehmen haben. Die Form 
geue [e] wird durch Angaben von Orthoepisten gestützt (vgl. 
Hörn, a. a. 0. §31, 78). 

Gesichert ist der geschl. [e]-Laut von evil durch zahl- 
reiche Reime: 



• seuys 

to leue 

dreue p. p. 

shreue p. p. 

dreuyn 

seue (prs.) 

seuyn 

forgeue p. p. 

syueii p. p. 

geuyn p. p. 

lyued 



343 

euijl : deuyl « co) H. S. 1019, 1272, 2145, 2674, 
3529, 3921, 3985, 7653, 8105, 8329, 10911, 
11475, 11684, 12 248, 12 577. 
iuel (1. c) : deuel Chr. 1 1 566. 

Auf me. evil [e] beruht das \l\ der Orthoepisten des 16. 
und 17. Jahrhunderts. 

-ekCf -eki/Hf -^I^U^'f -eJced. 

1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

sehe : meJce adj. H. S. 259, 5823, 8641, 11467. — 
Chr. 1476, 2488, 3948, 4532, 7834. 
hesechyj) (1. -ckyj)) : he meJcyJ) (zu meek) H. S. 783. 
sekyn : mehyn (prs.) H. S. 6573. 
hjst'ke : meke Chr. 6750, 15634. 

2. Erhöhtes [e] < [s] < ae. ea + pal. im Reim auf geschl. [e] 
(gegenüber sUdl. [f]). 

Ickc sb. (ne. leek < ae. leac) : seke Chr. 12 654, 13182. 

3. In oflFener Tonsilbe. 

a) Im Selbstreim. 

S2)eke : streke (^= to streich) H. S. 943. 

: breke H. S. 2635, 8359, 9898, 10609. — Chr. 
3662, 6938, 15 620. 

: to stehe H. S. 7742, 11224. 

: tüveke vb. Chr. 7454, 9838, 14520, 15 716. 
breke : sieke vb. Chr. 1454. 

b) Im Reim auf geschl. [e\ (Ausnahmen!). 
speke : cheke (ae. äceocian) H. S. 3190. 

steke p. p. : breke pl. prt. Chr. 13048. 
streked p. p. : cheked p. p. (= choked) Chr. 12 704. 

4. e — i in offener Tonsilbe. 

In der Schreibung Avechselt wieder e mit i (y). 
mekyl : fykyl H. S. 2683. 
bekyr : sekyr H. S. 7913, 9825. 

• epe. 

1, Geschl. [e'] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

a) Im Selbstreim. 
depe adj. : kepe vb. Chr. 1182. 



344 

b) Tni Roini auf [r] < ae. rc^. 
slepc vb. : kepe vb. H. S. 1258. 
slcpe sb. : /ct-^j)e sb. H.S. 432,4259,7751,0312. — Chr. 12 102. 

: dep Chr. 2068, 8150. 

: Jcejje vb. H. S. 9848. — Chr. 12083. 

: wepe vb. H. S. 1567, 5722. 
s{c)hcpic) : hepe vb. H.S. 4049, 4073, 5521, 10895. 

: ]cep{e) sb. H.S. 10884. — Chr. 4736, 15 380. 

2. [c] < ae. «2 im Reim auf [?] < ae. ea < wg. aw. 
sltpie) vb. : Z^p(e) vb. H. S. 12 543. — Chr. 7486, 9018, 

9202, 11530, 15 566. 
slcjje sb. : prepe {ae. preapian) H.S. 4351. 
schep : lep vb. Chr. 13 898. 

3. e < ae. «2 jm Selbstreim. 
sZ?2^ vb. : schep Chr. 11492. 

4. [?] < ae. ea < wg. au im Selbstreim. 
^J^'^i^e : hepe sb. H. S. 6065. 

Anm. 1: Das Wort slej) kommt als Subst. II x, als Verb 8x vor, 
als Subst. 6 X , als Verb 1 x im Reim auf geschl. [e]. Auf den anglisch 
geschlossenen [e]-Laut mag, beim Verb zunächst, und dann auch beim 
Subst., der geschl. [e]-Laut des prt. eingewirkt haben. 

Anm. 2: Der geschl. [c]-Laut ist auch in den Reimen auf shspe an- 
zunehmen, da shcjj mit offenem [?] südliche Form wäre, wogegen auch 
der Reim auf das Verb kspe sprechen würde. 

In dem Subst. kspe aber nehme ich analogisch geschl. [e] an nach 
dem umgelauteten Verb aangl. cq^nn == ws. cyi)an (vgl. Verf., R. of Brunne 
S. 126 c, ü). 

Anm. 3: Die Reime mit Upe halte ich nicht mehr für unrein; auch 
hier gilt geschl. [e] mit Rücksicht auf die umgelautete ae. Form hliepen 
zu *hhepan (s. Sievers, Ags. Gr. §377 Anm.). Somit bliebe nur der 
eine unreine Reim mit prepe (unter 2). 

-e/(e). 
1. Geschl. [e] innerhalb der Fälle 1 — 8. 

a) Im Selbstreim. 

lefe adj. : ])cfe sb. H.S. 1340, 2068, 2110, 2417, 5204. 

b) Im Reim auf franz. [e\ 

M^ ■■ grefe sb. (grief) H. S. 2134, 5397, 10 262, 
11117, 11185, 11366, 12 333. 



845 

lef{e) : gref{c) H.S. 3711, 9505, 12145. 
: meschef Chr. 9856. 
Anm.: clPf \nt (ae. dca/") : rhr/" prt. (ac. drcnf) Chr. 15S',i, 10 908, 
12 432; llandscbr. P dräfe : klclfe s. Verf., R. of Brunne S. 125,5, Aum. 2, 

2. Geschl. [e] in franz. Lehnwörtern. 

href 'Brief : chef (chief) Chr. 940, 4246. 
meschef : gref Chr. 14014. 

•ece, -eceSf -ecys. 

Es kommen nur franz. Lehnwörter in Frage. Geschl. [e]: 

nece {niece) : pece (piece) Chr. 12 264, 

spece : grece 'Stufe' H.S. 2413, 7277, 8319. 
grccys : pecys H. S. 3577. 
spyces (1. speces mit Hdsehr. 0) : grecys H. S. 6519. 

•e/;, -ejjen, -€j)er. 

1. OflF. [?] < ae. ^1 im Reim auf [(^] < ae. ^a < wg. aw. 
/i^T' {hcath) : s^^ prt. (ae. s^0(fa7i) Chr. 16428. 

2. e in offener Tonsilbe im Selbstreim. 

hej)cn (< an. heifcni) : he-{by-)nej)en H. S. 8579. — Chr. 6760, 

13 012, 16316. 
w1icj)cy konj. : «;e/jer sb. (< aangl. Mvecter > ne. wctlier) Chr. 
11490. 
Anm. : bep 'sind' : recZ^^ prs. H.S. lOl'O geschl. [e]. 

• encl(e)Sf •eudes, •eHclj/p» 

1. Etym. langes e im Selbstreim. 

/>liclc : frcnde H.S. 8233, 10851. 
/"mi^es : fmdcs H.S. 10927. 

2. Etym. langes e im Reim auf e vor dehnenden Kon- 
sonanten. 

fr ende : ewcüe sb. Chr. 5154. 

: ivende vb. Chr. 15 714. 
freinde : sende vb. Chr. 7465. 
frendys, frmdes : mdys, mdes prs. H.S. 2251. — Chr. 2482. 
: hides sb. H.S. 10235. 
ffrendes : sendes vb. Chr. 15922. 



346 

ffrendes : hmdes sb. (ae. cynd\ s. Verf., Robert of Brimne 
S. 103,c, l) Chr. 7160. 
wende 'wähnte' (ae. loenan) : ende Chr. 9472. 
: hende adj. H. S. 10739. 
fendcs : endes prs. H. S. 842. 

3. Gekürztes c < e im Reim auf franz. e. 
frende : amende H. S. 2452. 

Anm.: frende : neuende H. S. 7680. 

4. e im Selbstreim oder gekürztes e. 

ende sb. : hende adj. Chr. 326, 1408, 3940, 10536. 
: vnhende adj. Chr. 16022. 
: se?ide H.S.'l780, 11303. — Chr. 3158, 5138. 
: letide (< lendcm) Chr. 7 10, 3700, 4272, 7 100, 7660. 
: we7ide vb. H.S. 9081, 9185, 9568, 10368, 10475. 
11248, 11905, 12613. — Chr. 1660, 1728, 2884, 
3052, 3204. 3844, 4192, 4686, 4968, 5594, 5630, 
6228, 6714, 6800, 8352, 8668, 9778, 10474, 10674, 
13274, 13396, 14988, 15386. 
: s{c)hende vb. H.S. 12303. — Chr. 16322. 
endes sb. : tuendes prs. Chr. 14982. 
ende vb. : sehende vb. Chr. 14220. 

: loende vb. H.S. 9193, 10457, 10758. 
cndy]) : hlynde]) (1. Uendyl)) H.S. 12149. 
luende vb. : /ie^zcZe adj. adv. Chr. 1226, 7740,9320,9498, 12726. 
: hende prt. {cennan) Chr. 664. 
: lende vb. Chr. 626, 1884, 4462, 4568, 7354, 8946, 

10438, 11046, 15630. 
: sende Chr. 12532, 14940, 15026. 
: shende vb. H.S. 10146, 12054. 
lende vb. : vnhende adj. Chr. 15070. 
sende vb. : hende adv. Chr. 6052, 11080. 
lende vb. : vnhende adj. Chr. 15070. 
Gekürztes e ist demnach nur für frmd nachzuweisen. 

•eld{es)f •eldes. 

1. Etym. langes \e] im Selbstreim. 
held : held prt. Chr. 2400. 



347 

2. Etyni. laugee \('] im Keim auf c vor dehnenden Kon- 
sonanten. 

beheld{e), byheld{e) pvt. : felde H.S. 3269, 4093, 8511. — Chr. 506, 
1564, 1894, 8872, 11380, 12758. 
: scheid sb. Chr. 10046, 10842. 
: teld p.p. Chr. 11258 {tellan). 
vphelde prt. : scheide sb. Chr. 4374 P. 

held{e) prt. : fcld{e) Chr. 4158, 4658, 5904, 5990, 6414, 8522, 
12886, 13098, 13190, 13446, 13830, 13942, 
14338, 14672, 16574. 
: scheid sb. Chr. 918, 4416, 4426, 5886, 7624, 9268, 
9736, 10736, 10866, 10960, 11128, 11216, 11710, 
12372, 12414, 13526, 13726, 14234, 15154, 
15354, 15502, 16214. 
: telde sb. 'Zelt' Chr. 12598. 
: teld prt. p.p. Chr. 9442, 10798, 12816, 14054, 
15176. 
heldcd prt. (ae. äheldan, s. Bülbring § 175 Anm.) : telded p. p. 
(= tented) Chr. 12588. 

3. eld{es) im Selbstreim oder e. 

clde sb. : ivelde vb. H.S. 1093, 1163, 6437. — Chr. 476, 
760, 1936, 2218, 2280, 2724, 3144, 3246,3604, 
3726, 3770, 4132, 4436, 5044, 5522, 6026, 6272, 
6322, 7342, 9744, 13816, 14806, 15518, 16100. 
: to beide (ae. healdicm, ne. dial. io hield] s. N. 
E.D.) H.S. 9721. 
^elde inf. : icelde 'wollte' H. S. 4837. 
weldes prs. : feldes sb. pl. H. S. 9891. 
scheid sb. : teld prt. Chr. 6366, 11910. 

felde sb. : Ulde inf. Chr. 6036. 
eld{e) adj. : to hyhelde Chr. 1802. 
: teld{e) prt. Chr. 854. 
feld : scheid Chr. 8462. 

: teld prt. Chr. 3692, 11910. 
: ^eld inf. Chr. 3274. 
telde sb. 'Zelt' : weide vb. 650. 
ivelde vb. : ^elde Chr. 4232. 
^elde vb. : wilde, ivylde prt. Chr. 4914 P, 13444. 



348 



ScMc vi). : wolde prt. Chr. G2t38, 1. ivelde nach H. S. 4837. 
Danach ist Verf., R. of Brunne S. 242 § 126 
zu berichtigen. 
scheldes sb. : tcldes sb. Chr. 12808. 
: weldes prs. Chr. 12070. 

Eine Kürzung des c ist somit nicht nachzuweisen. 



-enfff -eng, 

1. Etym. langes [e] im Reim auf e vor dehnenden Kon- 
sonanten. 

hc7ig prt, : streng sb. Chr. 10010, 15196. 

2. e im Selbstreim. 

heng inf. : streng sb. Chr. 8650. 

Möglich ist heng mit Rücksicht auf Orrms henngedd. 



Zur Frage über die ^e/e- Grenze. 



Zu der viel erörterten Frage über die re/e- Grenze sei zu- 
sammenfassend noch ein Wort gesagt. 

Bei den Reimwörtern auf -ere sind sieben Fälle mit ge- 
sichertem geschl. [e\ nachzuweisen. Dazu kommt mit vorher- 
gehendem Palatal das Wort sere 24 x im Reim auf geschl. [e\ 
Das ist eine grolse Zahl im Verhältnis zu nur 27 Selbstreimen. 
Ferner sind für den geschlossenen Laut die S. 307 f. unter 9 
aufgeführten Reime auf lere beweisend. Bei -erd{e) handelt 
es sieh um das Wort {a)ferde, das 17 x im Reim auf geschl. [e] 
begegnet. 

Für dede, drede und rede ist der geschlossene Laut mit 
Sicherheit festzustellen. Höchstwahrscheinlich gilt er auch für 
strete (street). Bei lete kann das geschl. [e] auf aangl. [e] 
oder auf Analogie nach den Formen des prt. beruhen. 

Gesichert ist ferner geschl. [c] in nest (< aangl. nesta), 
wohingegen die Reime von 7-es sb. (ae. rces) auf destrqs (1 x) 
und i??s {ix) auf oflf. [?] deuten. 



349 

Von den Reimen auf -Pche sprechen die beiden vereinzelten 
Reime mit preche nicht gegen den geschlossenen Laut. 

Bei -epe bleibt am Ende nur der einzige Reim auf Jirepe 
mit off. [?] übrig. 

Das Ergebnis aus den umfangreichen Werken Roberts of 
Brunne ist somit für den off. [^]-Laut entschieden negativ. 
Daraus dürfte sich doch der positive Schlufs ziehen lassen, 
dals auf dem anglischen Boden von Lincolnshire der 
aangl. geschl. [5] -Laut gegolten hat. Was wir in den 
Denkmälern unserer Gegend an offenen [?]- Lauten finden, wird 
über die Dialektgrenzen hinausgreifende literarische Ausnahmen 
darstellen. 



Tabellen über gewisse Reimwörter. 



Ich schlielse noch eine Tabelle über das häufige oder 
seltene Vorkommen gewisser Reimwörter an. Ich führe darin 
Reimwörter auf, die wegen ihrer Häufigkeit auffallen, sodann 
solche, die hinsichtlich ihrer Bedeutung für den religiös - sitt- 
lichen und sozialen Inhalt der Handlyng Synne einerseits und 
den mehr kriegerisch-ritterlichen Inhalt der Chronik anderseits 
bedeutsam sind. Die Zahlangaben sind hie und da insofern 
nicht völlig genau, als die Reime mit Eigennamen nicht berück- 
sichtigt worden sind. 



ncie{s) H. S. 43 x 

spede 

S^de 

lede {to lead) ..... 
drede sb. und vb. . . . 
rede 'lesen', 'sagen' . . 

rede 'raten' 

rede sb. 'Rat' . . . . , 
dede (dead) adj. und sb. 

dede 'Tat' 

dede prt , 

de(y)l sb. und vb. ... 

ive(y)l 

ewrfe sb. und vb. ... 

here adv 

nEre {near) 



n 
n 
n 
» 
n 
n 
» 
n 
n 
» 
n 
n 

n 
n 



Ux 
36 X 
17 X 
55 X 
17X 

4x 
15X 
23 X 
87 X 

2x 
62 X 
71 X 

35 X 
6X 



Chr. 44 X 
„ 37 X 
„ 42 X 
25 X 
51 X 
10 X 
5x 
13X 
28 X 
19X 



45 X 
42 X 

26 X 
10 X 



87 X 
48 X 
78 X 
42 X 
106 X 

27 X 
9x 

28 X 
51 X 

106 X 
2x 

107 X 
113 X 

59 X 
61 X 
16 X 



350 



ßSre H. S. 8 X 

wEre prt , (5 x 

dear „ 1 5 x 

hear „ 45 x 

manere „ 41 x 

ausler .....'... „ — 

ßre „ lOx 

bs(n) „ 144X 

sö(") „ 55X 

pS „ 39X 

me « 16X 

he , 7x 

se (sea) „ 7 x 

(%), (vp)helde „ 



Chr. 18 X 
„ 15 X 



» 3x 

„ 45 X 

„ 34 X 

,. IX 

„ 14 X 

„ IITX 

„ 38 X 

„ 21 X 

„ 24 X 

„ 25 X 



26 X 
21X 

18X 
90 X 
75 X 

IX 

24 X 

2(51 X 

93 X 

56 X 
37 X 

31 X 

32 X 

57 X. 



1. Wörter religiös -sittliclier und sozialer Bedeutung. 

auter sauter diibonure prayere scoler frere 

H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. 
14 1 4— 1— 15 4 3— 8 — 



15 



aumenere 

H.S. Chr. 
1 — 



1 19 3 

deuyl prest ahnesdede tnysdede 

H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. 

15 1 21 — 3 — 10 — 



8 



1 16 21 3 10 

Summe für die Handlyug Synne 95, für die Chronik 6. 



2. Wörter kriegerischer und ritterlicher Bedeutung. 




arblaster 

H.S. Chr. 

— 3 



pes {p>eace) rene 'rauben' öierZe 'bluten' 

H.S. Chr. H.S. Chr. H.S. Chr. 
1 9 



3 



41 



44 

mariner 

H.S. Chr. 
— 3 



10 

deer sb. 

H.S. Chr. 
— 4 



1 



1 



hostager 

H.S. Chr. 
— 3 



archer 

H.S. Chr. 
— 5 



S2)ere 

H.S. Chr. 
— 1 



3 



1 



351 



here 'Heer' 


to shoot 


scheid 


feld 


messe ger 


H.S. Chr. 


II. S. Chr. 


II. S. Chr. 


H.S. Chr. 


H.S. Chr. 


— 1 


:{ 8 


— 30 


4 27 


1 !) 


1 


11 


30 


31 


10 


squier 


were (ivar) 


conquere 


ledere {leader) 


basier 


II. S. Chr. 


H.S. Chr. 


II. S. Chr. 


H.S. Chr. 


H.S, Chr. 


2 11 


1 11 


— 6 


1 1 


— 1 



13 



12 



Summe für die Handlj'ng Synne 17, für die Chronik 193. 



, 



Die eiißiisclien Ortsnamen 



auf 

-tvich, -wich. 

Von 

Heinrich Cornelius. 



Inhalt. 

Seite 

Einleitung 353 

Die Namenliste 357 

Zusammenfassaug 399 

Index 409 



Einleitung. 



Eine Untersucliung englischer Ortsnamen, wenn sie etwas 
tiefer eindringen soll, gehört heute nicht zu den angenehmsten 
Aufgaben auf dem Gebiete der Anglistik. Eine Vorstellung 
davon kann man sich schon machen, wenn man die einleitenden 
Worte liest zu R. E. Zachrisson, Ä Contrihution to the Study 
of Änglo-Korman Infliience on Emjlish Place-Nanies, Lund 1909. 
Es bedarf wahrlich eines grofsen Aufwands an Zeit und Ge- 
duld, an Arbeit und Mühe, um nur ein einigermalsen brauch- 
bares Material zu beschaifen. Denn gründliche Vorarbeiten 
fehlen fast ganz, und wo sie vorhanden sind, behandeln sie 
nur ganz kleine Gebiete. So mufs jeder, der eine Ortsnamen- 
untersuchung anstellen will, Haufen von Urkundensammlungen 
durcharbeiten, ohne oft einen wirklichen wissenschaftlichen 
Nutzen von dieser Arbeit für seine Untersuchung zu haben. 

Als meine Aufgabe betrachtete ich es, die Verbreitung der 
•ivick- und -z<;2c/i- Formen festzustellen und diese beiden gegen- 
einander abzugrenzen. Dafs ich mich dabei nicht auf die Fälle 
beschränken durfte, in denen wich und wich als Endung er- 
seheinen, wurde mir bald klar. So wurde also auch ivick- und 
ivich- in die Untersuchung einbezogen. Zunächst war es dem- 
nach nötig, eine möglichst vollständige Liste der zur 
Behandlung stehenden Ortsnamen anzulegen; zu diesen 
mufste ich dann Belege aus früheren Jahrhunderten sammeln. 
Diese alten Formen sollten mich vornehmlich davon überzeugen, 
dafs tatsächlich die Endung oder der Stamm des Wortes schon 
aus ae. Zeit stammt, nicht erst später die heutige Form, sei 
es durch Eiuflufs der Katasterbeamten, sei es durch volks- 
etymologische Umdeutung oder aus anderer Ursache, ange- 
nommen hat. Es genügte aber für diesen Zweck, nur Urkunden 
aus ae. und me. Zeit zu prüfen. Nach Möglichkeit mufste 

Studian z. engl. Phil. L. 23 



354 

dann versuclit werden, eine Deutung der Ortsnamen zu geben. 
Sehlierslich war es für die Lösung der Aufgabe von Wichtigkeit, 
festzustellen, wie die Ortsnamen beute gesprochen werden. 
Die Schreibung kann hier in vielen Fällen täuschen. 

Wenn dies der Gang war, dea meine Untersuchung eigent- 
lich hätte gehen müssen, so ist sie doch in ihren Ergebnissen 
hinter den Forderungen zurückgeblieben. Eine ziemlich voll- 
ständige Sammlung der Ortsnamen auf -ivicli, und -tvicJi glaubte 
ich aus Cassell's GazeUeer of Great Britain and Irelcmd, 
London 1898—1900, wohl dem gröfsten Werke dieser Art, er- 
halten zu können. Als ich dann im Sommer 1912 in England 
weilte, prüfte ich das gewonnene Material auf seine Voll- 
ständigkeit nach, indem ich Karten mit kleinem Mafsstabe auf 
die mich interessierenden Ortsnamen hin durchsah. Diese 
Prüfung überzeugte mich davon, dals das durch Cassell ver- 
mittelte Material durchaus unvollständig und lückenhaft ist, 
da viele kleine Orte überhaupt nicht erwähnt werden. Es ist 
ja auch die Frage, ob eine solche völlig einwandfreie Samm- 
lung von Ortsnamen überhaupt im Rahmen eines derartigen 
Gazetteers, der doch praktische Zwecke verfolgt, möglich ist. 
Aus diesem Grunde habe ich versucht, mein Material durch 
Prüfung einer grofsen Anzahl Karten zu vervollständigen. Es 
war natürlich, dals ich die vortrefflichen englischen Ordnance 
Survey Maps nicht gebrauchen konnte, da sie zu kostspielig 
und auch schwer erreichbar waren. Ich benutzte deshalb 
Bartholomews Keiv Eediiced Survey, Hcäf-Inch to MiUMaps. 
Aber auch, nachdem ich diese Karten einer mehrmaligen, sorg- 
fältigen Durchsicht unterzogen, glaube ich nicht, behaupten zu 
können, dafs mein Material nunmehr absolut vollständig ist. 
Denn die Karten zeigten mehrfach gerade dort Lücken, wo 
Cassells Gazetteer mir einen Ortsnamen vermittelte ; auch liefsen 
andere Karten, die zum Vergleich herangezogen wurden, er- 
kennen, dals auf Bartholomews Karten nicht alle Ortsnamen 
verzeichnet sind. Obwohl die in Frage stehenden Ortsnamen 
um etwa 200 anschwollen, ist wirkliche Vollständigkeit nur 
nahezu erreicht worden. 

Die zweite Forderung nach Belegen aus früherer 
Zeit war auch nicht vollständig zu erfüllen. Ganz abgesehen 
davon, dafs ich bei der Kürze meiner Arbeitszeit im British 



355 

Museum gar nicht das gesamte Urkundcnmaterial durchar1)eiten 
konnte, das mir dort zur Verfügung stand, war es m. E. bei 
vielen Ortsnamen schlechthin unmöglich, Belege aus früheren 
Jahrhunderten zu finden. Wenn man bedenkt, dafs gerade die 
Ortsnamen auf -tvich vielfach kleine und kleinste Orte be- 
zeichnen, so darf man sich nicht wundern, dafs Belege nicht 
aufzufinden waren. Eine weitere Schwierigkeit ergab sieh aus 
der Identifizierung der alten Belege, die manchmal unmöglich 
war, so sehr ich mich auch bemühte, darin allen Anforderungen 
gerecht zu werden. Man beachte aber, dafs z. B. der Ortsname 
Hanlwicli in irgend einer Form, sei es als Ilardeiviclce, Herd- 
wich, Uurdivick oder dergleichen, im Ganzen nicht weniger als 
40 mal im Ne. belegt ist, dabei oft mehrmals in derselben 
Grafschaft (Oxfordshire, Gloucestershire, Devonshire), und man 
wird sich eine Vorstellung davon machen können, dafs es oft 
einfach unmöglich war und sein mufste, zu sagen, welcher Ort 
nun mit der alten Form gemeint war. Noch mehr wird man 
diese Schwierigkeit erkennen, wenn man die 54 Orte nimmt, 
die nur Wiclx, Wiche, Weeh, Weehe heifsen. Von diesen hat 
Devonshire allein schon 18 Belege. Häufig kommen auch Orts- 
namen vor, um eine Person genauer zu bezeichnen. Diese 
Fälle waren naturgemäfs sehr vorsichtig zu verwerten, da eine 
Person den Namen durch ganz England tragen konnte. Wenn 
also in einer Urkunde z. B. W., fugitiuus de Berwic {Fipe Bolls 
1171/2. 132) belegt werden konnte, so war der Umstand, dafs 
die Urkunde aus Sussex stammte, doch allein kein Beweis 
dafür, das nun Berwiek in Sussex gemeint war. 

So sehr also der Wunsch bei mir bestand, möglichst für 
jeden heutigen Ortsnamen eine alte Form zu finden, so war 
dies durch die ganze Art der Arbeit und durch das Fehlen 
jeglicher Vorarbeit für eine derartige Sammlung sehr .oft un- 
möglich. 

Die weitere Forderung, die ich gern erfüllt hätte, ist 
die der etymologischen Deutung. Aber auch hier liegen 
nur sehr spärliche, brauchbare Vorarbeiten vor; ich nenne nur 
die von Skeat, Duignau, Wyld-Hirst und Moorman. So 
Gutes diese Arbeiten leisten, mir konnten sie nur wenig Nutzen 
bringen, da sie sich alle auf einen kleinen Kreis, eine Graf- 
schaft beschränken, während ich doch immer auf das Ganze 

23* 



356 

sehen mufste. So war ich gezwungen, mich darauf zu be- 
schränken, zu untersuchen, welche Bedeutung ivick, ivich in 
den verschiedenen Ortsnamen haben können, um so die aus- 
zuscheiden, die für unsere Frage der Entwicklung von ae. wie 
nicht mitsprechen dürfen. 

Gleich ungünstig liegen die Verhältnisse, wenn wir an die 
Frage der heutigen Aussprache der Ortsnamen heran- 
treten. Bücher, die uns die Aussprache aller ne. Namen 
vermitteln, gibt es nicht. Kleine Sammlungen wie Hope, 
A Glossary of Dialedal Place -nomenclature, London 1883, 
wurden gern benutzt; wenn wir hier auch nur 39 Namen auf 
-wich, -wich finden, so erhalten wir doch manchen Fingerzeig. 
Bei der grolsen Mehrzahl meiner Ortsnamen war es mir aber 
einfach unmöglich, die Aussprache festzustellen, da ich keinerlei 
Hilfsmittel zur Hand hatte. 

Über die benutzte Literatur vgl. man Zaehrisson, 
a.a.O., S. VII — XV. Einige wenige Werke sind nachzutragen: 

Wyld, H. C. in Collaboration with T. Oakes Hirst, The 
Place -Names of Lancashire, London 1911. 

Moor man, F. W., Tlie Place -Names of the West JRiding of 
Yorhshire. 1900. 

Habben, F. H., London Street Names. L, 1896. 

Middendorff, H., Ae. Flurnamenhuch. Halle 1902. 

Da vi es, G. St., Surrey Local Names. 

Victorian History of the Counties of England. (Dies 
Werk enthält in den meisten Bänden eine Bomesday Map 
der betr. Grafschaft, woraus die Lage des im D. B. 
belegten Ortes zu erkennen war. Diese überaus sorgfältig 
angelegten Karten erwiesen sich von grofsem Nutzen.) 

Ich lasse nunmehr die Sammlung der Ortsnamen folgen. 
In der Bezeichnung der Lage bin ich zunächst Cassells Gazetteer 
gefolgt und es weisen auch die Zahlen hinter den Namen 
(z. B. Hardwiclv 20) auf Cassell hin; falls der Ort mir durch 
die Karte vermittelt wurde, ist dies besonders vermerkt und 
die Lage von mir näher bezeichnet. Einige wenige Orte habe 
ich nicht auflinden können. Da aber die Quellen für die 
Namen im allgemeinen einwandfrei sind, habe ich geglaubt, 



357 

auf diese nicht verzicliten zu dürfen. In jedem Falle ist 
natiiilieli der Gewälirsniann bezeichnet worden. Die Aussprache- 
bezeichnung- nach Hope ist stets hinzugefügt. Diejenigen Orte, 
die durch die spätere Untersuchung auszuscheiden waren, sind 
durch den Druck kenntlich gemacht. Folgende Abkürzungen 
sind für die alten Formen benutzt worden: 

Anc. Chart. = Facsimiles of Anciens CJiarters in the British 
Museum ed. Bond. L. 1873—1878. 

Cart. Sax. = W. de Gray Birch, Cartularium Saxonicum. 
London 1885-1893. 

C. C. R. = Calendar of Charter llolls, I— III. L. 1903—1906. 

D. B. = Domesäay BooJc scu Liber Censualis etc., Bd. I, II, 

ed. A. Farley, London 1783, Bd. III, IV ed. IL Ellis, 
London 1816. 

F. A. = Inquisitions and Assessments relating to Feudal Aids 
etc. 7 Bde. London 1899 ff. 

Kemble, Cod. = J. M. Kemble, Codex diplomaticus aevi 
Saxonici. 6 Bde. L. 1839 — 1848. [Oft ungenau.] 

Pa. R. = Caletidar of the Patent Rolls. Rolls Series, London 
1891 ff. 

Pi. R. = The great Eolls of the Pipe. Rolls Series, London. 

Sax. Chron. = Tivo of the Saxon Chronicles parallel ed. 
Earle -Plummer. Oxford 1892. 



Die Namenliste. 



Schottland. 

1. OttersiüicJc, Shetl. isl., Island of Yell, Ostküste am Otters 
Wich, einem Meerbusen (nach Karte!). 

2. WestsandiüicJc, Shetl, Westküste von Yell, 31 n. Lerwick, 

3. MouiüicJc, Ort am Tresta Wick, Shetl., Insel Fetlar (nach 
Karte!). Auf derselben Insel: Gruting Wick, Meerbusen. 

4. Haroldstüick, am Haroldswick Bay, Shetl, 14 n. von 
Fetlar island. Die Bucht auf Karte = Haralds Bay! 

5. Eswich, auf Maiuland, Shetl., 8 ','2 Q- von Lerwick. 



358 

6. Gulbericick, 3 s. von Lerwick, Mainkmd, Shetl. 

7. HiUswicl-, Hafenort!, Mainland, Shetl., 17 n. w. von Voe. 

8. Hosivick, Ort an der Küste, Mainland, Shetl., l^/o w. von 
Sandwick. 

9. Lerwic'k, Hafenort, Mainland, Shetl., 104- n. n. o. von 
Kirkwall. 

10. LeieiiwicJc, Dorf an der Küste, Mainland, Shetl, 4 s. w. 
von Sandwick. 

11. Sandwich o, Kirchspiel, Süden von Mainland, Shetl., 
12 s. s. w. von Lerwick. 

12. ReawicTi, Gut, an Scalloway ßay, W. Shetl, 6 n. w. von 
Scalloway. 

13. Nor Wich, Bucht, auf Uist, N. Shetl, 48 n. u. o. von 
Lerwick. 

14. Sandwich 2, Kirchspiel, an sandiger Bucht, Mainland, 
Orkn., 14 w. n. w. von Kirkwall. 

15. EUwich oder Eiswich, Dorf und Bucht, auf Shapinshay, 
Orkn., 5 s. o. von Rendall 

16. Burivich, auf South Ronaldshay, Orkn., 10 n. von Dunnet 
Head in Caithness. 

17. Barswich, Vorgebirge, auf South Ronaldshay, Orkn. 

18. Mariüich Head, Vorgebirge, u. w. auf Mainland, Orkn. 

19. Otter siüich, Bucht an Nordküste von Sanday Island, 
Orkn., 26 n. n. o. von Kirkwall. 

20. Auld Wich Castle, Turm in Ruinen, als Seezeichen „the 
old man of Wick" genannt, l^/^ s. o. von Wick (7). 

21. Wich 7, Hafenort, 0. Caiths, 20 s. o. von Thurso. 

22. Treswich, Dorf, an Treswick Bay, N. 0. Caiths., 12 n, 
von Wick. 

23. Diuarwich Head, Vorgebirge, am Pentland Firth, N. Caiths, 
9 n. 0. von Thurso. 

24. Treswich, Bach (zu 22) und Wich Water (zu 20). 

25. Sandiüich 4, Dorf, 1 s. o. von Stornoway, Insel Lewis, 
Ross and Crom. 

26. Marwich, Marvig oder Malabhig, Dorf, Insel Lewis, Ross 
and Crom., S'/o s. von Stornoway. 

27. Hedderwich, Dorf, 3 n. w. von Montrose, N.-O.-Forfar. 

28. Inverwich, Wald, Invs., 7 n. von Fort Augustus. 

29. Innerwich 2, Dorf, N.-W.-Perths, 13 w. von Kenmore. 



359 

30. Inner iviclc-in-Glcnhjyi^ Dorf, N.-W.-Perths, 10 w. von 
Fortingall. 

31. Inner wich 1, Dorf, au der Nordsee, O.-IIaddiiigs, 4 s. o. 
von Dunbar. 

32. North Berivick, Ilafenort, N.-Haddings. 

33. BorthwicJc 1, Dorf, S. E. Ediubs, 12'/., s. o. von Edinburgh. 

34. FishwicJc, jetzt in Hutton, S.-O.-Berws, 5'/2 w. s. w. von 
Berwick. 

35. DaliüicJc, DatuicJc, Gut, Mitte Peebless, 7 s. w. von Peebles. 

36. Hawick 2^ Stadt, W.-Roxbs, 11 s. s. o. von Selkirk. 

37. JBorthwickbrae, Borthtvickshields, Güter am Borthwick, 
Flufs in Selks und Roxb., mündet in den Teviot, 2 m ober- 
halb Hawick. 

38. Pr est IV ick 2, kl. Stadt, W.-Ayrs, 3 n. von Ayr. 

39. Fenwick 4, Dorf, N.-Ayrs, 3^'2 n. o. von Kilmarnock. 

40. Alnwick (oder Annick) Lodge, Dorf, N. Ayrs, 3 u. o. von 
Irvinetown. 

41. Crmvick, Strom, N.-Dumfrs. 

42. Wigtoivn, Hafenort, O.-Wigs. 

43. Castleiüigg, Gut, 2'/.2 "• w. von Wbithorn, S.-O.-Wigs. 

44. Rerwiek, S.-Kirkcuds. (nach Karte), 5 s.w. von Kirkcud- 
bright. — 1305 Ovrereraik (sie!) und Nethrereraik, C.C.R. 
III, 61. 

45. Southivick 7, Ort, S.-O.-Kirkcudbs., 12 1/2 s. w. von 
Dumfries. 

46. Seniüick, ehemals Kirchspiel, S. Kirkcudbs. 

Eiiglaud. 

Isle of Man. 
Perwick Bay, Garwick Bay, Flesluvick, Bucht und „glen", 
ferner 

47. Greeniüick oder Grenaugh, Dorf und felsige Bucht, 
6 s. von Douglas. 

Northumberland. 

48. Äbberwick, Stadt am Alne, 3^2 11. von Edlinghani. — 
1346 Älherwyk F. A. IV, 66, 67. 1428 Äwbenvyke ib. IV, 86. 

49. Almcick, Stadt, N.-North. Alnwick Castle stand schon 
zur Zeit der Eroberung, da sein Eigentümer auf Senlae 



360 

Hill fiel. Aluwick Abbey, IUI gegründet. — 1217 Älne- 
wich Pa. R. 122, Alnewie ib. 127. 1218, 1226 Alncivic 
ib. 134, 159, 34. 1226 Hawmvic ib. 34. 1244 Annewic 
ib. 447. 1297 Äbmviß C. C. R. II, 470. 1307 Ahieivik 
C. C. R. III, 87. 

50. BcrwicJc-iipoJi-Tiveed, Hafeuort, 57 ^ 2 s. 0. von Edinburgh. 

— 1217—1240 Beroivic Pa. R. 122 öfter. 1277, 1279, 1281 
Bcreiviß Pa. R. 235, 331, 448. 1277 Bcrwich Pa. R. 246. 

51. BerwicJ: Hill, Stadt, S.-Northumb., 61/2 s. von Morpeth. 

— 1311 Berewyc C. C. R. III, 184. 1346 Parva Bereivih 
F. A. IV, 57. 1346 Bcrivyk ib. 58. 1428 Bercivic super 
Montem. ib. 80. 

52. Neiü BeivicJi, Stadt, 3 w. von Eglingbam. Old Bewicl; 
Dorf, 3 n. w. von Eglingbam. 1253 manor of Beivijh 
C.C.R. 1,416. 1271 Beitnßh, Beivic ib. II, 170, 172. 1428 
Beivtß F. A. IV, 79. 

53. Brotherwick, Stadt, 6 s. 0. von Alnwick. 

54. CheswicJc, kl. Dorf, 41/2 s. 0. von Berwiek. 

55. Bemvich, Stadt, IV2 0. von Alnwick. 1307 Denewic 
C. C. R. III, 87. 

56. Eachwich, Stadt, 91/2 n. w. von Neweastle. 1307 Ecfiewyh 
C. C. R. III, 83. 1346 Echewie F. A. IV, 54, Echewyh ib. 55. 
1428 Echeivyc ib. 85. 

57. ElstvicJi 1, Stadt, nahe Neweastle- lipon -Tyne. — 1271 
AUistvik, Alesivycha C. C. R. II, 172, 170. 1428 ElstwyJc 
F. A. IV, 79. 

58. ElivicJö, Stadt an der Küste, 2 n. e. von Beiford. — 1346 
Ehvyl; F. A. IV, 64 f. 1428 EhvyJc ib. 87. 

59. Fenwich 2, Ort, 9 n. 0. von Hexam. 1346 Fennetvyk 
F. A. IV, 54. 

60. Fenwicli 3, Dorf, 5 n. w. von Beiford. 1346 Fynnewyh 
F. A. IV, 64. 

61. GothericTi, nach Pa. R. — 1281 GateristvyJc Pa. R. 448. 

62. Goswick, Küstenort, 6 s. 0. von Berwick-iipon-Tweed. 

63. Haiüich 1, Ort, 7 0. von Bellingbam. 1346 Hauwyk 
F. A. IV, 54. 

64. HowicJc 1, Dorf nahe der Küste, 6 n. 0. von Alnwick. 
1230 Haivic Pa. R. 443. 1346 HoiviJc F. A. IV, 68. Hoivyk 
ib. 76. 1428 Howyk ib. 78. 



361 

65. LoivicJc 2, Dorf, 9 u. w. von Heiford. — 1277 Lowick Pa. 
R. 235, Lomß ib. 246. 1291 Loinß C. C. R. IT, 382. 1346, 
1428 Loivyh F. A. IV, 64, 87. 

66. Moriviclc 1, Ort, 2 s.w. von Waikworth. — 1167—1168 
Morewic Fi. R. 171. 1186—1188 Morcwich ib. 86. 1346 
Moreinjh F. A. IV, 57. 

67. Oshoru-yh, nach F. A. IV, 69 (1346). 

68. Prenclwick, Ort, 1 n. von Alnhani. 1346 Prcndeiiijk 
F. A. IV, 72. 1428 Prendicyk ib. 89. 

69. Prestivick 1, Ort, 6'/., n. w. von Neweastle. 1270 Prest- 
ivik C. C. R. II, 147. 1346, 1428 Presticyk F. A. IV, 58, 80. 

70. Saltivick, [Sorltiek], Ort, 3 w. von Stanniugton. 1346 
Salticyk F. A. IV, 59, Saltchjk ib. 60. 

71. Tretvick, Ort, 3 s. o. von Bolam. 1346 Treivyk F. A. IV, 59. 

72. Wahvick, Ort, 3 n. von Warden. 1262 WaUcivick C. C. R. 

II, 41. 

Durhara. 

73. Butterwick 4, Ort, 2 n. o. von Sedgefield. Boldon Book: 
Butencyk. 

74. Elivick 2^ Dorf, 8 n. von Stockton. Elwiek Hall, 9 n. o. 
von Stockton. — 1237 f. (V) Elseiuick Pa. R. 213, Elneivyk 
ib. 207. 

75. Hardivick 17. Ort, l^'o n- von Monk Hesledon. — Boldon 
Book: Herdewic, Hcrdeivyk. 1270 Hcrdeicyk C. C. R. 
II, Ulf. 

76. Huiitvick, Kirchspiel, 2 w. n. w. von Aiickland St. Andrew. 
Boldon Book: Huneivyc. 

11. Muggleswick, Ort, 9 n. n. o. von Stanhope. — Boldon 
Book: Muglyngaic. 1270 Mudingivyke, Muclingivik C. C. R. 
II, 141. 1300 Miiclingivyk ib. 484. 

78. Southwick 4, Ort, 1 n. w. von Sunderland. 

79. Westwick 3, Ort, 2 s. o. von Barnard Castle. 

80. Whickham, Stadt, 31/2 w. 8. w. von Gatcshead. 1312 
Quicham C. C. R. III, 193. 

Cumberland. 

81. Kelsick oder Kelttvick, [Kelsick], Ort, 2 d.w. von Wigton. 

82. Kesiüick 1, [Kezzick], Ort, 13 0. s. 0. von Cockermouth. 
1276 Kesewik in Derwentfelles C. C. R. II, 200. 



362 



83. Ben wich, Dorf, 11 u. o. von Penritli. 

84. W'üricicJc J2, Dorf, -l o. vou Carlisle. 1088 die Kirche 
St. Leonard als „ Warthe/vicJc cliapel " der Abtei St. Mary 
zu York übergeben. 1308 WartheivyJc C. C. R. III, 116. 

85. Warwiclc Bridge, Dorf, 5 o. von Carlisle. 

86. Wickham 2 oder Whicham, Kirehsp., 4 s.w. von Bootle. 
— D. B. Witingham. 1290 Wyünglmm C. C. K. II, 365. 
1308 Witingham ib. III, 117. 

87. Wigto7i 1, 11 w. s. w. von Carlisle. — 1202 Wigcto7i 
C. C. R. IL 40. 

Westmoreland. 

88. Biowich Bay, Teil von Ulleswater, 1 u. von Patterdale. 

89. Butter ivich 5, Ort, 71/0 s. von Penrith. 

90. Frostüich, ein „peak", 12 n. w. vou Kendal. 

91. Kearstwich, Ort, 1 n. w. von Kirkby Lonsdale. 

92. Sandivich 1, Ort am Ulleswater, 3 n. 0. von Patterdale. 

93. Sedgivich, Dorf, 4 s. von Kendal. 

Yorkshire. 

A. North Ridiug. 

94. Inglehy Barwich, Ort, 3 n. n. 0. von Yarn. 

95. Butter ifich 3, Ort 4^2 s. w. von New Malton. 

96. Earsivich, Dorf, 4'/2 n. vou York, 

97. Holwich, Dorf, 11 n. w. von Barnard Castle. 1251 Hole- 
tvic C. C. R. I, 367. 

98. Haihurn Wyhe, „narrow glen" an der Küste, 6V2 n. w. 
von Searborough, 

99. Kepu'ich, Dorf, 8 n. 0. von Thirsk. — D. B. Chipmc. 
1165—1166 Chepewich Pi. R. 44. 

100. Osbaldwich, Dorf, 2 0. von York. — D, B. Osholdeswic. 

101. Runstvich, Fischerdorf an Runswiek Bay. 1290 Rise- 
u-yh C. C. R. II, 356. 1308 Risewic C. C. R. III, 114. 

102. Stanwick 1, Dorf, 8 w. von Darlington. D. B. Stenwege, 
Steiiuueghe, Stemme ghes. 

103. Wyheham, Dorf, 7 s. w. von Searborough. D, B. Wicha\ 






363 



B. West Kidiug 



(weitere Belege bei Moormau, F. W., The Place-Namcs of ihe 
West Riding of YorJcshire, 1910). 

101. Äppletreeu'icJi, [Applewick], kl. Dorf, 8' ^ ö. o. von 
Skipton. D. B. Äpictreimie. 1272 — 1281 Appcitreivyk 
Pa. R. 405. 1278 ÄppeltreiciJc C. C. K. II, 208. 1310 
Appeltreuiß ib. III, 166. („Der Wohnort beim Apfelbaum" 
nach Moorman.) 

105. AiisticicJc, Dorf, 4 n. w. von Settle. D. B. Ousieuuic. 
1304 Oustivyh C. C. R. III, 38 (nach Moorman = eastern 
village, nach altnord. austr.). 

106. Adwich - up on-D earne , [Addick], Dorf, 8 s. w. von 
Doncaster; Kirche aus 11. Jh. — 1280 Addeivylce, Adeivyh 
C. C. R. II, 234. 

107. Ad/vickle-Street, Ort, 4 n. w. von Doncaster. — D. B. 
Adeuuic. 1269 Adeicic C. C. R. II, 120. 1291 AtheicyJc 
ib. 388 (nach Moormau = Adaiuclc, Addas Wohnort). 

108. Barnoldswick, [Barnowic, Barlic], Ort, 7V2 s. w. von 
Skipton. 

109. BarwicJc-in-Elmet, 7 n. o. von Leeds. D. B. Bercuuic. 
1228 Bereivic Pa. R. 216. 1249 BerewicJc C. C. R. I, 346. 
1251 Bereivih C. C. R. I, 367, BercivycJc ib. 357 (= barley 
wich, Moorman). 

110. CreswicJc, Ort, 2 s. w. von Ecclesfield. 

111. CowicJc 1, Ort an Don, 6 w. von Goole. 

112. DiuiJceswick, Ort, 6^0 w. von Wetherby. 

113. UldivicJc, Dorf, 1 n. o. von Bingley. D. B. Edclesuuie, 
(Helgi's oder Helgas Wohnung, Moorman). 

114. Fenivylc 1, Ort, 6 s. w. von Snaith. 1165 — 1166 FenicicJc 
Pi. R. 45. 1249 Femcyc C. C. R. I, 342. 1252 Fenifyl 
ib. 357. 

115. Giggleswick, Dorf, 8 s. o. von Ingleton. 1253 Gikeswik 
C. C. R. I, 432, (skand. gigl, cf. Björkman p. 153. Dies 
Adj. als Spitzname gebraucht, der Ort also = Gikkels 
Wohnung. Moorman). 

116. Cojjt Heivick, Ort, 2 s. o. von Ripon. 

117. Bridge Hewick, Ort, 2 o. von Ripon. (Moorman: für 
116 und 117: heah wie, hoher Ort). 



364 

118. HuntwicTc, Ort, 5 o. s. o. von Wakelield. 1280 Hunte- 
ivyles C. C. R. II, 234. 

119. IIccJcmo7i(hviJce, Kirchspiel, 2 n. w. von Dewsbury. 
(Moorman: Hecnninds 'SYohmmg. Hecmund ae. nielit belegt.) 

120. Hardivich, East, Kirehsp., 21/2 s. s. 0. vou Pontefraet. 
HardwicJc, West, Ort, 4 s. w. von Pontefraet. 

121. HardwicTc 20, Ort, 1 n. 0. von Aston -with-Augliton. — 
D. B. Hardiiic, Ärdmcic. 1251 Herden-yJc C. C. R. I, 357. 
1252 Hcrdivyh ib. 404. 1280 Hcrdeivilce ib. II, 234, (nach 
]\[oorman == Hardulfesiuic oder Heardivulfesivic auf Grund 
D. B.-Form [?]). 

122. East KeswicJc, Dorf, 4 s. w. von Wetherby. D. B. 
Chesvic, (Moorman: the eheese favm). 

123. Kildivicl', Dorf, 5 n. w. von Keighley. D. B. Chüdeuuic. 
1257 Kyhvyl C. C. R. I, 462, (Moorman: anord. Kelda 
„Quelle" + ivlc'i). 

124. Morivich 2, Dorf, 5 n. 0. von Leeds. 

125. Nuntvidc-tvith-Hoivgrave, Dorf, 2 n. von Ripon. — 
D. B. Nonneivic. 1165 — 1166 ISiunneivk. 1283 Nunetvih 
C. C. R. II, 265, (Moorman : Wohnung der Nonnen). 

126. Snaith and CoicicJc, kl. Stadt, am Aire, vgl. Beleg 111. 

127. Todicich, Dorf, 8 n. w. von Worksop. D. B. Tatevvic. 
1232 Taleivic (sie!) C. C. R. I, 146. 1300 Toteict/h ib. 
II, 489. 1316 Tateivich C. C. R. III, 302. (Moorman: 
Wohnung des TataT) 

128. W igt 011 2, Dorf, 6 n. von Leeds. 

129. Wihe 2, Dorf, 8 s. 0. von Otley. — D. B. Wie. 1285 
WyTc? C. C. R. II, 284. 

130. Wihe 1, Dorf, 4 0. n. 0. von Halifax. — D. B. Wiche, 
(Moorman: village). 

131. Wighill, Dorf, 21/.2 vou Tadeaster. 

132. WestivicJc 2, Dorf, 3 w. von Boroughbridge. — D. B. 
Westuic. 1162 — 1163 Wcstwic Pi. R. 51, (Moorman: the 
tvestern village). 

133. Yorh, Hauptst. von Yorks., vgl. Bradley, Engl. Pl.-Names 
S. 19 f. — 189 Senerus ge endode on Eoferwic, Sax. Chr. 
S. 10, römisch Eboracum. 675 uEfenvic Sax. Chr. 680 
Eorfenvic Cart. Sax. I, 80. 948 Eoforivic, Heoforivic Sax. 
Chr., Zeit Edw. I. Eofenvicscire, Kemble, Cod. 1343. 



36 



o 



10G5 Eaforivic Sax. Cbr. 1070, 1125 Eferivic. 1138 
Euenvic, Euorwic. 1166—1167 Euerwichscr Pi. K. XI, 77. 
1169 — 1170 Eueru-ich Pi. R. 35, Euerivicscr' Pi. R. 35. 
1308—1326 Evenvic C. C. R. III, oft. 

C. East Riding. 

134. ÄtwicJc, [Attie], Kirchs})., 3 n. von Hornsea. 

135. Buttern-ich 2, Dorf, 10 n, von Driffield. — D. B. Biäruic. 
1308 Butratvic. 1310 Buttermß C. C. R. III, 114, 167. 

136. Burstivich, [Böstweek], Kirchsp., 9 o. von IIull. — 1280 
Bursiiiih Pa. R. 380. 1292 Bursimcl C. C. R. II, 424, 
1308. 1309 Brusüvych ib. III, 131. 

137. BestvicJc 1, Dorf, 6'/., n. w. von Beverley. — D. B. Baseivic. 
1261 Beseu'ih C. C. R.' II, 37. 

138. Beirick, Dorf, 7 s. o. von Hornsea. — 1196 Bewic Pi. R. 
152. 1299 Bewiß C. C. R. II, 476. 

139. Hidton Cranswich, [Cransick]. Dorf, 3 s. von Driffield. 
— D. B. CransuuiCj Cranzvic. 1165 — 1166 Gafr' de 
CranJceivic oder Cranclieivic Pi. R. 44. 1228 Crans2vic Pa. R. 
208. 1292 Craunceicik, Craunswich CG. E.U,i27. 1310 
Craunceivyh C. C. R. III, 166 (hierzu käme Cransiviclc, 3 8. 
von Driffield). 

140. Cattuick, [Cattick], Dorf, 13 n. n. o. von Hüll. — D. B. 
Catingeimic, Catinvvic. 1230 Catteivyk C. C. R. I, 110 
(Anm.). 1292 Catwik C. C. R. II, 426. 

141. Elstermvick {Elstronivick), Dorf, 4 n. o. von Hedon. 

142. Etherdtvick, Dorf, 7V> n. o. von Hedon, 

143. Kilmvick, or Kilnuick-on-tlie-Wolds, Dorf, 7 s, s. w, 
von Driffield, — 1300 Külingu-yk C. C, R. II, 489. 1304, 
1307 Killingivyk C. C. R. III, 41, 83. 

144. Kilmvick Percy, Dorf, l'/2 ^- o- von Pocklington. — 
D, B. Chelingetvic. 1194 — 1195 Killingeivick Pi, R, 21. 
1232 KiUingivic Pa. R. 516, 1253 Killirign-yk C, C, R. 
I, 418. 1300 Killingeu-ik C, C, R, II, 481, 

145. Nesivick, Dorf, 5 s, w, von Driffield. 

146. Oicsttcick, Dorf, li/o n, w. von Roos. — D, B, Ousteimic. 
1272 Oustivyk C. C, R, II, 182, 1285 Oustwike ib. 308. 
1292 Oustewik ib. 427, 1297 Ousfemjk ib, III, 469. 1318 
Oustewyk ib. III, 392, 



366 

147. Smithu-ich Shoal, Sandbank in Rridlington Bay. 

148. Sunderlandivich, Dorf, 1 s. von Driftield. — D. B, Sundre- 
lanuuic, Sundreslanuic. 1308 SundarlandaKic C. C. R. 
III, 115. 

149. Wclwich, Dorf, 2 s. o. von Patrington. — D. B. Wehiuic. 

150. Wither7iu'iel-, Dorf, 12 n. w. von lluU. — D. B.V Wid- 
fornevvic, Widforneuuinc. 1292 Withormvike C. C, R. 
II, 426. 

151. Barlawieh, nicht bei Cassell. — D. B. Bernulfesivic. 

152. East Witton. 1227 EsUvidon Pa. R. 

153. Yarnwich near Kirhlmgton, nicht bei Cassell — 1296 
Yarneivylc C. C. R. II, 465 (als „depopulated" bezeichnet). 
1317 Yarnewyl ib. III, 363. 

Lancasliire 
(Belege zum Teil und Erklärungen nach Wyld-Hirst, a. a. 0.). 

154. Ardivicli, nahe Manchester. — 1282 Atherisivylce. 1502 
Ardeivyh, (Bedeutung: yEöeles-ivic, Wechsel zwischen 
l und r, vgl. Zachrisson 142). 

155. Beswich 2, nahe Manchester. — 1327 Bexivylc. 1360 
Bexivih. 1530 Bexwike (erklärt als: the place of Bece 
or Becca). 

156. Blotvich, Higher und Lower, Dürfer, 2 o. von Southport, 
w. Lancs. 

157. BortvicJc, Dorf, 2 o. von Carnforth, N.-Laucs. — D. B. 
Bereu'ic. 1272 Bereivylce. 1316 Berivicke. 1522 Barwyh. 
1597 Boriviche. 17. Jahrh. Barwiche, Borwicic, {bere-ivic 
= harley tviclc). 

158. BorzvicJc Groicnd, Dorf, 1 n. von Hawkshead, N.- Lancs. 

159. ChadtvicJc 1, Dorf, Vj^ vr. von Rochdale, S.-O.-Lancs. 
— 1329 Chadeicyle. 1369 Chadetvyh (= the abode of 
Chadd). 

160. ChadtvicJc Oreen, Ort, 3V4 s. von Billinge, S.-W.-Lancs. 

161. Elsivich 2, Ort, 41/2 d- von Kirkham, Mitte Lancs. — 
D. B. Edelesuuic. 1303 EUestviß F. A. III, 83. 1346 
Etheleswyh ib. 87. 1431 EUeswyl ib. 95. 1159—1164 
Hedthelsiwic (nach Wyld) vereitere Belege bei Wyld-Hirst 
p. 118. 



367 

162. Fishwiclc 1, Vorstadt von Preston, N.-O.-Lancs. — D. B. 
Fiscuie. 1202 Fisiric. 1203 Fishric. 1225 Fischivic. 
1252 Fiswic. 1303 Fissheivß F. A. III, 84. 1311 Fysshe- 
inßc. 1320 — 1346 ffysslmvylce. 1346 Fisslmvih F. A. 
III, 91. 1506 Fisshetrili, FisshiriJc (= the abode of 
Fish, wo Fish Personeunaine; kann aber auch das Tier 
bedeuten). 

163. Olodtvich 1 und 2, Kirchspiele, nahe Prestwich, S.-O.- 
Lanes. — 1246 — 1247 Glothicke. 1307, 1347 Glotheyk. 
1540 Glodyth, Glodethe. 

164. Hon-icJc 2, Dorf, 3 s. w. von Preston, W.-Lancs. — 
1096—1122 Hokcwike. 1149 Homica. 1202, 1210 Hocwic. 
1256 Hocu-yl: 1322 Hogivihe. 1323 Hougiryh. 1292, 
1329, 1373, 1431 Hoghwyh. 1506 Houghiiih, Hogwik, 
daneben aber: 1335 Howick, (= the wick of Hoc). 

165. Hortvich, Stadt, 5 w. n. w. von Bolton, S.-Lancs. — 
1254 Horeu-iche. 1332 Horeicich. 1332 Horwiche. 1346 
Horeivych F. A. III, 89, (ae. horu + ivic = dirty place). 

166. KiUerwich in Monsell, u. w. von ülverston. — D. B. 
Chiluestreuic. 

167. LowicJc .->, Ort, 5 n. von Ülverston, N.-Lancs. — 1202 
Lofwic. 1256 Lotvyh (ae. Lufa, Lufii, Frauenname + tvlc). 

168. Presttvich, 4 n. w. von Manchester. 1193 — 1194 Prest- 
tvich. 1200 — 1202 Presticic. 1292 Presimjch. 1311 
Presticych (= the priest's abode). 

169. SaUvich, Ort, 6 w. von Preston, N.-Lancs. — D. B. 
Saleuuic. 1200—1201 Salewic. 1256 SaUeivyke. 1320 
— 1346 SahvicJce. 1662 Salwicke. 1678 SohvicJc, daneben: 
1562 Saivick. 1630 Satvicke. 1072 Soivick {= salig-ivic 
= u'illoirwick). 

170. Urszvick, Dorf, 3 s. von Ülverston, N.-W.-Lancs. — 1189 
Hursetvic. 1202 Urstvic. 1198 — 1208 vrsivic, Ursewich. 
1277 Ursivyk. 1285 Urstvyke. 13. Jh. Ursetvyk, Urseivik. 
1346 Vrsu'icke. 1460 Ursetvyk, daneben 1283 Hurst ivicke. 

171. Wintvick 1, Dorf, 3 n. w. von Warrington, S.-W.-Lancs. 
— D. B. Wy7iequic. 1169—1170 Wmequich. 1170—1172 
Wi7ie(ßiic (diese Belege Wyld's in Personennamen! Pi. R. 
69—71, 53, 70-71, 30, 71—72, 64, 65). 1184—1185 



368 

Winewich. 1192 Wynetvicl, WyneiiMh. 1200 — 1201 
Wiiiequiq. 1208 Wenequec. 1227 Wynquic (= the dwell- 
ing of Wineca). 

172. Pi<?Z Tr?/Ä;e Bay, Bucht am Westufer von Windermere, 
N.-W.-Lanes., 1^/2 s. s. w. von Ambleside. 

Cheshire. 

173. D. B. Cepmundeiviche = Chap-mones-wyk = trades pro- 
tection town in einer Urkunde Edw. III, vgl. Transl. of 
D. B. relating to Cheshire and Lancs., by Beaumont, 
ehester 1882, p. 57, ne. nicht belegt. 

174. Keckivich oder Keketvick, Dorf, 4^-2 s. w. von 
Warrington, N.-Cbesh. 

175. Leftu'ich, Vorst. von Northwich. — D. B. Wice. 

176. Middlewich, Stadt, 41/2 n. w. von Sandbach, Mitte Chesh. 
— D. B. Müdestvic, MUdestvich. 1275, 1277 Middleirich 
Pa. K. 111, 246. (Das D. B. bezeugt hier Salzquellen.) 

177. Kant wich, anciently Wich Malhank, Stadt, 41-2 8. w. von 
Crewe. D. B. Wich (in quo erat puteus ad sal faciendum). 
1246 IT7c C. C. R. I. 310. 1253 Wycus ib. 428. 1277 de 
Wychio Mauhayn Pa. R. 233. 1283 Wych Mauhaunk C. C. 
R. IL 265. 1285 Which Mauhan ib. 293. 

178. Northwich, Stadt, 11 s.o. von Warrington. D.B.iSl'orwich 
(Salzquelle durch D. B. bestätigt). 1276 Wich C. C. R. 
II, 199. 1277 Northivich Pa. R. 246. 

179. Castle Northwich, Vorstadt von 179. 

180. Shotivick, Dorf, 7 n. w. von ehester, W.- Chesh. — D.B. 
Sotoiviche. 1278 Shoiwick Pa. R. oft. 1312 Shotetvyk 
C.C.R. III, 202 f 

181. Smethtüick 2 = Brereton-cum-Smethwick, Dorf, 3 n. 0. 
von Sandbach, Mitte Chesh. 

182. Wichaugh oder Wychough, Dorf, 1 s. von Malpas, 
S.-W.- Cheshire. 

Shropshire. 

183. Great Berivick, Ort, 2 n. w. von Shrewsbury, N.-Shrops. 
D.B. Beretvic. 1245 Peretü/c C.C.R. 1, 132. 126h Bereicik 
ib. II. 57. 1284/85, 1316 Bereivyk F. A. IV, 216, 230. 

184. Berwick 2, auf Karte B.-Maveston, 3'/4 s.o. von Shrews- 
bury, N.-Shrops. — D. B. Bereivic. 1284/85 Berewyke 



360 

F. A. IV, 219. 1346 BenviJc ib. 236. 1428 BerewyJc ib. 247. 
1431 Berewiße Mavesin ib. 269. 

185. Duddleivick, nach F.A. 1184/85 Dodelewyl:, F.A. IV, 218. 

186. Eastwich 3, Dorf, 21/2 n. w. von Elleemere, N.-Shrops. 

187. HardivicJc 13, Dorf, 2 w. von Ellesmere. 1284 Herdewy'k 

C. C. R. II, 278. 

188. Hardwich 14, auf Karte HardtvicTce Orange, 5 n. n. 0. von 
Shrewsbury. — 1320 Hanlwiclc, C. C. R. 111,426. 

189. HardivicJc 15, 3 n. 0. von Bishops Castle, S.-Shrops. 

190. Keiiivicl', Kenivick Wood, KemvicJc Park, Kenivicl: Lodye, 
Dörfer, 3 — 4 s. von Ellesmere. 

191. Ledivich, Dorf, 5 n. 0. von Ludlow, S.-Shrops. (auf Karte 
Upper LedivycJie [sie!] und Lower Ledwyche [sie!] 1 0. von 
Ludlow). D. B. Ledewic. 1284/85 Ledeivkh F. A. IV, 223. 
1290 Ledeivych C. C. R. II, 382. 

192. Mucklewick, 5 n. 0. von Chureh Stoke, W.-Shrops. — 
1316 MMelweye F. A. IV, 232. 

193. Wigtvig in Mueh Wenlock (nach F. A.) D. B. Wigeivic. 
1316 Wygelivyl- F. A. IV, 232. 

194. Wistansiüick, Dorf, 2 n.o. von Stoke-upon-Tern, N.-Shrops. 

— 1285,'86 Wystaneswyk F. A. IV, 220. 

195. Das D. B. erwähnt noch Wiche, N.-W.-Shrops. uud£'/mM?i(?e- 
wic, S.-E.-Shrops. 

Staffordshire. 

(Erklärungen und einige Belege nach Duignan, 

Staffordshire Place Narties). 

196. Basu'ich oder Berksuich, Dorf, 2 s. 0. von Stafford. — 

D. B. Berchesicic. 1259 Berkeivic C. C. R. II, 18 (A. S. 
Personenname Beorcol + tvic, „village"). 

197. Bloxwich [Bloxidge], Dorf, 3 n.w. von Walsall, O.-Staffs. 

— D. B. Blochesivic (die Endung nach Duignan = ae. wie). 

198. West Bromivich [Brumidge], Stadt, 6 n.w. von Birmingham. 

— D. B. Bromu-ic. 1228 Bromivich Pa. R. 224. 1232 
Bromwico ib. 524; nach Duignan: 12. und 13. Jahrh. 
Bromivic, Bramivic, West Bromwich, Bromicych (ae. bröm- 
ivic = „village in the broom"). 

199. Calwich, Dorf, 71/2 n. 0. von Uttoxeter, N.-Staffs. 1314 
Caloivic C. C. R. III, 278. 

Studien i, engl, Pbil, L. 24 



370 

200. Colwieh, Dorf, 6 s. o. von StaflPord, W.-Staffs.; nach 
Duignan: 11G6 Caleiricli, 13. Jahrh. Colewicli, Cohvych, oft. 
Endung = ae. tcic, Dorf. 

201. Fishcru-icl-, Dorf, 4 o. von Liebfield, S.-Staffs. 1166/67. 
Flscendc Pi. K. XI, 54. 1284, 85 Fissernilc F. A. V, 8 
(= „the fislierman's village"). 

202. Gratwich, Dorf, 4 s. w. von Uttoxeter. D. B. Oratewiche. 
1317 Gretewych C. C. R. III, 367. 12. Jahrh. Grotewich. 
13. Jahrh. Gretewyc (ae. grcat + wTc, = „great village"). 

203. Hammertvich, Dorf, 3 s.w. von Liehfield. D. B. Duae 
Hamenvich. 1166/67 Ham'wicK Pi. R. XI, 53. 12. Jahrh. 
Hamerwich, Hameriviche. 13. Jahrh. Homerivich (probably 
„Homa's village"). 

204. HardeivicTx, Dorf, 2 n. w. von Sandon, W.-Staffs. — 
1317 Herdeimß C. C. R. 111,367. 

205. Milwich, Dorf, 5 s.o. von Stone, Mitte StafFs. — D. B. 
Meleiviclie. 1166/67 MuleivicK Pi. R. XI, 53. 1304 und 
1313 Meleuyche C. C. R. III, 45, 219. 1284/85 Meluyz F. A. 
V, 4. 1316 Mulemch ib. V. 12 (probably „the Mill village"; 
it may be wich, a salt spring, as it is 3'/2 ui. only from 
Salt, where salt Springs exist). 

206. Shirleywich, Dorf, 1 s. o. von Weston-ou-Trent, Mitte 
Staflfs. (auf Karte Wichdon Lodge). 

207. Smethivich 1 [Smerrick], Stadt, 3 w. von Birmingham. — 
D. B. Smedeiüich. 1232 in Smethewico Pa. R. 524. 1284/5 
Smeyeuih F. A. V, 7 (lies y = th, wie vielfach im Me.). 
Ae. und me. smethe „smooth", flat. + tele, village „the village 
on the piain." 

208. Wich7i07', Dorf, 6V2 n- o- von Liehfield. — D. B. Wicenore. 
1284/5 Wychnor F. A. V, 7. 1290 Wichenore C. C. R. II, 342. 
1316 Wychenouere F. A. V, 15. 1428 Wychenore, Whiche- 
nore ib. 21,23. 11. Jahrh. (nach Duignan) Htviccenofre. 

209. Wighttvicli, Dorf, 3 w. von Wolverhampton. — D. B. 
WisteU'ic. 13. Jahrh. WystetvyJc, Wytetvylc {zweiter Bestand- 
teil = „village"). 

210. Wigginton, Dorf, 2 n. von Tamworth, O.-Staffs. (vgl. 
dazu Duignan unter Wiclcen, wonach Wicken, Quicleti, 
Wiggin ein Dialekt word Nordenglands ist =■ Bergesche). 



371 

Derbysbire. 

211. Greenivich 2, Dorf, nahe Ripley, S.-Derbs. 

212. HardwicJ: .s [Hardiek], Dorf, 6Vj s. o. vou Chesterfield, 
O.-Derbs. — 1271 Herdmyh C.C.R. II, 1G5. 

213. Parn-ich [Parritcb], Dorf, W.-Derbs. — D. B. Pevreivic. 
1431 Peruiche F. A. I, 295. 

214. Swamvich 1, Dorf, IV2 s. von Alfreton, O.-Derbs. 

Anm.: Ne. Pinxtoyi im D. B. = Esvotreivic, in Wnlfric Spot's will 
= Snodswic. Ne. uiclit identifiziert: pasture called „Wethertvik" i7i 
WirksKorth, Derbs. 1272 81 Pa.R. :i31 und Fenewick, 1251 C.C.R. 373. 

Nottingbamshire. 

215. Cohvicl- [Colliek], Dorf, 2 s.o. von Nottingbam. — D. B. 
Coleivic. 1302,03 Colwyh F. A. IV, 9G. 131G Cohvyk and 
Over CohryJc ib. 105. 1346 Coleicyk ib. 113. 1428 Cohii/k 
ib. 128, 141. 

216. KirJihy Hardwich in Worksop (nacb C.C.R.). Karte: 
4 8. w. von Mansfield. — 1232 Herdeivic C. C. R. 1, 165. 
1286 HerthenyJc ib. II. 330. 1316 Herthwicli, Herthetvich, 
Herdeivic, Hertivic, Herhivic C. C. R. III, 295, 303. 

217. Papplewic'k, Dorf, 7 s. von Mansfield. WQQjQl PapetvicK 
Pi.R. 135. 1168,69 Pajje^iWr ib. 95. 1247 Paj;e??a7^ C.C.R. 
I,.315. 1316 Papelivich C.C.R. III. 316. Papuhvyk F. A. 
IV, 110. 1428 Papihnß ib. 141. 

218. SlosivieJc, Dorf, 3. s. w. von Worksop. 1316 Slastcyc, 
Slasivic C.C.R. III, 295 f. 

219. Wigsley, Dorf, 1»/.. von Thorney, O.-Notts. 

Lineolnshire. 

220. Anwiclc, Dorf, 4'/2 d- 0. von Sleaford. — D. B. Amuinc. 
1228 Ameivlc Pa. R.'220. 1303 Ämnyk F. A. III, 154. 1316 
Ameivyk ib. 190. 1326 Ameivyk C. C. R. III, 493. 1346 
Anuvil- F. A. III, 205. 

221. Butter ivich 1, Dorf, 4 0. von Boston. — D. B. Butreuuic, 
1271 Butterwyh C. C. R. II, 174. 1284/5 Buterwih F. A. 
111,370. 1303. 1346 Boterivyh F. A. III, 163. 241. 1316 
Boteriüik ib. 184. 

222. East und West Biitterwiclc, Dörfer, 5 n. 0. von Epworth, 
N.- Lines. — D. B. Butruic. 1316 West ButferivyJc F. A. 

24* 



372 

III, 185. 1401/2 Botenvyl ib. 248. 1431 West Butterwylc 
ib. 364. 

223. Canwicli, Dorf, l'/2 s.o. von Lincoln. — D. B. Caneuuic, 
Canvic. 1252 Ccmeivich C. C. R. I, 383. 13. Jh. Kanewil:, 
Camriß C.C.R., F.A. oft. 1401/02 Cauneivyh F. A. 111,251. 

224. Asivich Grange (Karte) S.- Lines., 7 s.o. von Spalding. 

225. Caseu-ic7:, Dorf, 3'/4 n. o. von Stamford, S.- Lines. — D. B. 
Casvic. 1275 CasetvyJc Pa. R. 81. 1292 Caseivik C. C. R. 
II, 413. 1303 Tatewyh {rectius Casen-ylS) F. A. III, 166. 
Caseniß \h.\10. 1346 Casse?t?/Z; ib. 213. l^^lß Cassewyh 
ib. 253. 

226. Oartvicli, Dorf, 5'/2 s- o- von Sleaford. 

227. HardwicJc Grange (Karte) 5 w. s. w. von Boston. 

228. HardwicJc 6 [Harriek], Dorf, 7 w. n. w. von Lincoln. — 
D. B. Harduuic. 1284/85 Hardivyk F. A. III, 366. 1294 
Hertheivyk C. C. R. II, 455. 1316 Hertheivyl F. A. III. 187. 

229. Seopn-ick [Scawby], Dorf, 9 n. von Sleaford. — D. B. 
Scapeuic, Scapiiic. 1170/71 Scapwic Pi. R. 108. 1225 
Scajmvic Pa. R. 72. 1284/5 SMpetvüe F. A. III, 368. 1303 
Scau2m-yJcib.l4:b,170L 1316 Scauj^eivyJi ih.l90. 1346 Scaup- 
wik ib. 201, Skaupetvik ib. 213. 1401/2 Sconpivyk ib.250f. 

230. Wickenby 6V2 s. von Market Rasen. 1252 Wykingby 
C. C. R. I, 383. 1261 Wykyngeby ib. IL 36. 

231. Wigford, Lines, (nach C. C. R.) 1279, 1281 Wykeford C. C. R. 

II, 222, 249. 1291 Wickeford ib. 391. 1317 Wickford, 
Wyckford, Wycheford ib. III, 364 f. 

232. Wigtoft, Dorf, 3 s. 0. von Swineshead. 1228 Wyketoff, 
Wiketoft Pa. R. 206. 1316 Wyketoft, Wiketoft C. C. R. 

III, 319 ff. 

233. The Wykes (Manor House), 8 s.w. von Boston (Karte). 
1241 Wikes C. C. R. 1, 259. 

234. East Wykeham, Farm, 7 w. von Louth (Karte: Wykeham 
Hall). — D. B. Wichä. 1252 Wykham C. C. R. I, 392. 
1303 Wykeham F.A. III, 158. 1316 Est Wykham ib. 178, 
Wikham ib. 182. 1346 Wicham ib. 233. 1428 Wycham 
ib. 296. Est Wykeham ib. 318. 

235. West Wykeham, Lines, (nach F. A.) 1316 West Wykham 
F. A. III, 178. 1428 West Wykeham ib. 318. 

236. Wykeham, Dorf, 31/2 n. 0. von Spalding. 



373 

Norfolk. 

237. uLshwic/cen, 5 o. von King's Lynn. — D. B. IVice. 1271 
La WiJce C. C. R. 11, 168. 1302 Asse Wyki7i F. A. III, 409. 
1316 Wi/Jcen ib, 450. 1346 WykcJi ib. 523. 1428 WyJcyii 
ib. 583. 

238. Barivich 2 [Barriek], Dorf, 9 n. w. von Fakenham. — 
D. B. Bereicica. 1195 Bcrcicic Pi. R. 38. 1281 Bencyk 
Pa. R. 450. 1802 Bercmß F. A. III, 410. 1316 7 Bereiriek 
F. A. III, 452, 369. 1346 Benäc, BerwyJc ib. 516, 523. 1428 
Berwyh, Bereicyh ib. 584 f 

239. Rcpps-icith-BasttficJc [Barstwick], kleines Dorf, n. w. 
von Yarmouth. 1044 47 Bastuic Kemble, Cod. 785. D. B. 
Bastuic. 1226 Bastenic Pa. R. 80. 1302 Bastivych F. A. 
III, 437. 1316 Bastivylic) ib. 470f. 1346 Bastivyl ib. 519. 
1401/2 Bastemjlc ib. 621. 

240. Bohciclc Hall (Karte), 6 s. w. von North Walsbam. 

241. Cranwieh, Dorf am Wissey, 9 n. n. v\^. von Thetford. — 
D. B. Craneivisse. 1302 Carnuyz {Graneiüyz) F. A. III, 426. 
1316 Cranetves ib. 459. 1346 Craneicyz ib. 493. 

242. Crostwick [Crossiek], Dorf, 41/2 «• o- von Nor wich. — 
D. B. Crostivit 1230 Crostvic Pa. R. 329. 1302 CrosUceyth 
C. C. R. III, 33. 1316 Crosweyth F. A. III, 474. 

243. GoclicicJi, 4 n. von Litcham. — D. B. Gocluic. 1267 Code- 
mi- (sie!) C. CR. II, 80. 1271 G^of?es^ac7.' ib. 168. 1308 
OodwyJc ib. III, 110. 1316 GodeivyJce F. A. 111,454. 1428 
Godivilc ib. 610. 

244. Guestv^iek [Gestio], Dorf, 5 n. w. von Reepham. — D. B. 
Gegestueit (w. s. w. davon liegt Guist, D. B. Gegesete). 1253 
Geysticeyt C. CR. 1,427. 1269 GeysUceyt ib. II, 123. 1302 
Gestiveyt F. A. III, 413. 1303 Geistweit C C R. III, 35. 
1316 Gesttveyt F. A. III, 466. 1346 Geysticeyth ib. 536. 

245. Hardtvick 1 [Haddick], Dorf, 5 n. von Harleston. — D. B. 
Herdeivic. 1166,67 ÄerfZe^ac/i' Pi. R. XI, 25. 1316 ifm^- 
ivylc F. A. III, 477. 1346 Herdewyl ib. 527. 1428 Hmle- 
wiJce ib. 586. 

246. Hardtvick 10, Dorf, 1 s. 0. von King's Lynn. 1304 Herd- 
u-yck C C R. III, 43. 1310 Herdicyck F. A. III, 450. 1346 
Herdewyk ib. 521, Herdeivich ib. 521. 1401/2 Hardeivyk 
ib. 613. 1428 Hardivyk ib. 584. 



374 

247. KcHH-ic/: Hall, nneli Karte, 3 w. von King's Lynn. 

248. Kcsiricl-, nach Karte, 5 o.u.o. von North-Walsham. 1319 
KesciviJce F. A. Ill, 46G. 

249. KcsivicJc 2 [Kessick], Dorf, 3 s.s.w. von Norwieb. — D, B. 
Kescwic. 1226 Kesewic Pa. R. 78. 1302 Keswylc F. A. 111,443. 
1316, 1346, 1401/2, 1428 Kesavyh F. A. 476, 532, 589, 626. 
1318 Kesewilc C. C. R. III, 403. 

250. Nor IV ich [Norridgel, Stadt, 20 w. von Yarmoutb. Soll im 
6. Jabrbnndert gegründet sein, jedenfalls sebr alt und scbon 
])edeuteud zur Zeit der Angelsaebsen. 1004 Nordivic. 
1122 Korhtmc. 1130 Noruuic Sax. Cbron. Zeit Knuts: 
nordivic Kemble, Cod. 759, Nordwich ib. 947, Northuuicha 
ib. 1328. D. B. Nonvic. 12. und 13. Jabrbnndert Norwic\ 
in Personennamen Norwiz, Noreinjz Pa. R. oft. 

251. Oxiciclc, Dorf, 31/2 S- von Falkenbam. — D. B. Ossuic, 

1316 Oxewylx F. A. III, 454. 

252. Postivick [Possick], Dorf, 4 0. s. 0. von Norwieb. — D.B. 
Possuic. 1268 PassewyJc C. C. R. II, 92. 1302, 1316, 1346, 
1428 Posseivyk F. A. III, 418, 472, 545, 598. 1401/02 Post- 
imß F. A. III, 622. 

253. Wattonu'icJc (naeb Karte), S.-Norf., 1 s. von Watton. 

254. Westtvick 1 [Westic], Dorf, 2^U »• von N.-Walsbam. — 
D. B. Wesiivic. 1316, 1346 Westwyh F. A. III, 467, 484. 

1317 Weshvich C. C. R. III, 370. 1401,2 Westivyh F. A. 
III, 619 f. 1428 Wesüvylce \h.mi. 

255. Wichen (naeb Karte), 5 w. von Fakeubam, N.-Norf. 

256. Wich End in Syderstone, naeb F. A. 1302 Sidesterne 
Wyh F. A. 111,404, äbnlicbe Form 1346, 1401/2, 1428. 

257. Wichhampton, 8 w. s. w. von Yarmoutb. — D.B. Wich- 
hamtun. 1302, 1316 Wychampton F. A. III, 437, 472. 1346 
Wihamxiton ib. 519. 1428 Wijhhampton ib. 579. 

258. Wichmere, Dorf, 9 w. n. w. von N.-Walsbam. — D. B. 
Wicmara. 1302, 1303 Wyhemere F. A. 111,389, C. C. R. 
III, 38. 1316 Wihemere F. A. III, 462. 1346, 1428 Wyhe- 
mere F. A. III, 485, 554. 1401 02 Wyhmere ib. 616f. 

259. Wig genhall, 5 s. von King's Lynn. 1270 Wigenhal C.C.R. 
II, 155. 

260. Witebingbam, Great und Witcbingbam, Little, 10 n.w. 
von Norwieb. — D. B. Wittcinyeham. 1196 ivichig'ha' 



375 

Pi. R. 207. 11. Jahrli. Wichingham , Wychynqham F. A., 
C. C. K. 
201. Woodbasf irick [Wood-bas-tie], Dorf, 8 n. o. von Norwicli. 

— D. B. Bastuic. 1253 Wodbast(cyk C. CK. 1,431. 

Suffolk. 

262. Beiviclc Farm (nach Karte), N.-Suflf., 2 w.s. w. von Beceles. 

263. Brunsivicli Farm, 5 n. n. w. von Wiekbam Market (nach 
Karte). 

264. Dun wich, Dorf an der Küste, 4'/.2 s. w. von Soutlnvold. 

— Komisch SUomagus. Um 730, Beda: Dommoc. 890 
Dommocccaster, Alfr. the Great, Sax. Chr. : Domuc (nach 
Ingram a. a. 0.). 1200 Gervasius Domoc. D. B. Daneivic. 

12. Jahrh. Dunewic, einmal Duncivich Pi. K. 13. Jahrh. 
Dune wie, Donewyc, Dunwych, Donewich Pa. R., C. C. R. 

265. IIa rd wich 3, Dorf, 1 s. s. w. von Biiry St. Edmunds. 

266. Ipswich [Ips-ich, Ipswieh], Stadt, Hafen! 17 n. o. von 
Colehester. — 951 Gypeswich Gart. Sax. III, 210. 991 
Gipeswic, Oypeswic Sax. Chr. D. B. "^epeswiz, 12. und 

13. Jahrh. Gipesivic, Gipeswich, Gypetvic, Gipeivych oft. 

267. ira^&ers^cicÄ-, Dorf, 1 s. von Southwold. 1281 Walherdcs- 
wik Pa. K. 470. 1319 Walberdeswike C. C. R. III, 413. 1326 
WalberdesivyJcc ib. 483. 

268. Wick by Ipswieh (nachPa.R.). 1230 Wyke Pa. R. 403. 
1241 Wikes under Gippeswic C. C. R. I, 259. 1262 Wykes 
under Ipswieh ib. II, 42, 44. 

269. Wicks^s Green (nach Karte), 4 n. von Needham Market. 

270. Wieken Hall, auf Karte Wyken Hall und Wyken Lodge, 
zwischen Bardwell und Ixworth. — D. B. Wieam. 1168 9 
Wicha Pi. R. XII, 24. 1263 WiJces C. C. R. II, 47. 1346 
Wikes RA. IV, 71. 

271. Wickhambrook, Dorf, 10 n. o. von Haverhill. — D. B. 
Wicham. 1172/3 Wieham (?) Pi. R. 118. 1314, 1321 Wyk- 
hambrok C. C. R. III, 235, 437. 1316 Wickhambroke F. A. 
IV, 45. 1346. 1401/2 Wykhambrok ib. 75, 99. 

272. Wickham Market, Stadt, 5 n. von Woodbridge. — D. B. 
Wikham. 1253 Wykham C. CR. 1,418. 1304 Wieham 
CCR. III, 41. 1316, 1346 Wikham F. A. V, 42, 91. 



376 

273. Wicl-ham SJccith, Dorf, 5 s.w. von Eye. — 1253 Wuchern 
C. C. R. I, 424. 1316 WycJMm F. A. V, 34. 

274. Bishops Wicl-s, nach Pa. K. — 1277 WiJces Pa. R. 245. 
1191 conuentu de Wilccs Pi. R. 8. 

Essex. 

275. Ärdlcigh Wich (Karte), 1 w. von Ardleigb, 5 n. o. von 
Colchester. 

276. Barwich Hall, Karte: Berwich Berners Hall, 8 s. w. von 
Dunmow. — 1303, 1346 Berewyh F. A. II, 152, 174. 

277. Bertvich Place (Karte), 3'/2 s- w. von Witbam. 

278. Berwich 3 (Karte Berwich House), 4 s. s. o. von Romford. 

279. Berwich (Karte), 7 n. von Romford. 

280. Berwich in To2^pesfield (nach F. A.). — 1428 Berewyh 
F. A. II, 230. 

281. Braisivich House (Karte), 2 n. von Colchester. 

282. Bridgeivich (Karte), O.-Essex, 4 w. von Soutbmiuster. 

283. Burnham Wich (Karte), O.-Essex, 1 o. von Burnham. 

284. Clacton Wich, O.-Essex, lV-2 s- von Great Clacton. 

285. Crustwich, O.-Essex, in Little Clacton. — 1316 Crustwich 
C. C. R. III, 307. 

286. Buwmow Wich (Kaite), O.-Essex, 1 n. o. von Burnbam. 

287. Eastwich (Karte), O.-Essex, 4 s. o. von Soutbminster. 

288. Eastwich (Karte), O.-Essex, 1 s. o. von Foulness. Inder 
Nähe Eastwich Head. 

289. Froivich (Karte), O.-Essex, 3 n. o. von Brigbtliugsea. — 
1316 Frothewich C. C. R. III, 307. 

290. Furtherivich, S.- O.-Essex, 5 vf. von Soutbend. 

291. Harivich [Harridge], Hafenstadt, 18 u.n.o. von Colchester. 
— 1229 Herdwic Pa. R. 241. 1253 Heretvyh C. C. R. I, 433. 
1275 de Erewico Pa. R. 95. 1319 Harwich C. C. R. III, 414. 

292. Hatfield Wich (Karte), 1 n. von Hatfield Peverel, 2V2 S-w. 
von Witham. 

293. lay Wich (Karte), 3 s. 0. von St. Osyth. 

294. Knightstvich (Karte), 5'/2 w. von Soutbend. 

295. Land wich (Karte), O.-Essex, 2 n. 0. von Soutbmiuster. 

296. Land Wich (Karte), O.-Essex, 6 0. von Soutbend. 

297. Lee Wich (Karte), N.-O.- Essex, 2 s. w. von St. Osyth. 

298. Loiver Wich (Karte), N.-O.-Essex, 2 s.w. von Harwich. 



377 

209. Mahl 071 Wich (Karte), 1 s. w. von Maltlon. 

300. Middicwick (Karte), O.-Essex, 4 w. von Sdiitliminstor. 

301. Monl-wick (Karte), 2 s. von Colchester. 

302. Äfo7iJiSwick (Karte), S.-O.-Essex, 7 vv. von Southend. 

303. Nase Wick (Karte), O.-Essex, 31/2 s. 0. von Burnham. 

304. New Wich (Karte), O.-Essex, 41/2 s. 0. von Burnham. 

305. Northivick (Karte), S.-O.-Essex, 8 w. von Soutbend. 

306. North Wick (Karte), O.-Essex, 1 0. von Southininster. 

307. Pattiswick, Dorf, 4 0. von Braintree. — 124(3 Patcsivyck 
C. C. R. T, 292. 1265 Pateswyk ib. IL 55. 

308. Ramsey Wick (Karte), O.-Essex, 4 n. von Soutbminster. 

309. Steeple Wick (Karte), O.-Essex, 3 n. von Soutbminster. 

310. St. Osyth Wick (Karte), 41/2 n. 0. von Brig-btlingsea. 

311. Tolleshury Wick Marslies (Karte), 1 0. von Tolleshury. 

312. Ulting Wick (Karte), 1/2 s. von Ulting-, 3 n.w. von Maldon. 

313. Gt Wakering Wick (Karte), 1 0. von G^Wakering, 6 0. 
von Soutbend. 

314. Warivicks (Karte), 7 s. s. w. von Great Dunniow. 

315. Weatherwick (Karte), 2 s. 0. von Bradwell super Marc. 

316. Well Wick, N.-O.-Essex, 1 u. 0. von St. Osyth. 

317. Westivick, S.-O.-Essex, 8 w. von Soutbend. 

318. Westivick (Karte), 1 w. von Bradwell super Mare. 

319. Westivick (Karte), 4 n. n. 0. von Soutbminster. 

320. West Wick (Karte), 2 s. 0. von Soutbminster. 

321. West Wick (Karte), 6^/2 s. von Maldon. 

322. Wicken Bonhunt, Dorf, 5 s. \v. von SaftVon Waiden. 
— D. B. Wicam. 

323. Wickford, Dorf, 51/2 0. von Billericay. — 991 Wieford 
(Aneient Charters). D.B. Wiefort. 1227/8 Wycford Q.Q.U. 
1,12,82. 1303 Wycford¥.k.l\,\?,^. 1428 TFz/Ä/onZ ib.217. 

324. Wickham Bishops, Dorf, 3 n. von Maldon, In der Nähe 
Wickham Place und Wickham Hall. Zeit ^tbelstans: 
Picham Gart. Sax. II, 451. D. B. Wicham. 1221, 1303 
Wycham Pa. R. 280, F. A. II, 131. 1321 Wykham C. C. R. 
III, 435. 1346 Wijham F. A. II, 157. 1418 Wykeham ib. 189. 
Wykham ib. 204. 

325. Wickham St. Paul, Dorf, 5 n. von Halstead. — D.B. 
Wicam (y). 1316 Wykain C. C. R. III, 305. 1428 Wykham 
Sancti Pauli F. A. II, 201. 



"18 



ö<i 



326. WicJiS (Karte Wix), 4 w. s. w. von Harwich. — D. B. 
Wica. 1196 Wila Pi. R. 181. 1281, 1301, 1303, 1346, 1428 
Wykes C. C. R. II, 253, III, 22 ; F. A. II, 129, 154, 190. 

327. Great Wighorough und Little Wighorough, 8 s. von 
Colchester. — 1303 Wyghenve F. A. II, 132. 1346 Wygge- 
berice ib. 158. 1428 Wtßeherice ib. 183, 189, Wyghorive 
ib. 228. 

328. Gt Wighorough Wich (Karte), 1 s. von St. Osyth. 

329. Wiggens Green (Karte), 3 s. von Haverhill. 

330. Writtle Wich (Karte), 1 n. von Writtle, 

Cambridgesbire 
(vgl. Skeat, The Place-Xamcs of Cambridgeshirc, p. 24, 28). 

331. Benn-ich, Dorf, 6 s.w. von March {^= village of Bcnna). 

332. ChisivicJv End (Karte), 3 n. n. o. von Reyston. 

333. Hardivicli 4, Dorf, 4 o. von Caxton. — Zeit Edw. des 
Bek. Hardwic Kemble, Cod. 907. 1167/68 Hcrdwic, Herd- 
u-ich Pi. R. 108. 1171/2 Herdwich Pi. R. 117. 1251 Herdc- 
ivyl C. C. R. I, 367. 1316 Herdmße F. A. I, 157 (ae. 
Heorde-wlc). 

334. WesUvicJc 4, Dorf, 1/2 »• 0. von Oakington. — 1284/86 
M^sticiJce F. A. 1, 137. 1302/03, 1316, 1346 WesticyJce ib. 148, 
153, 167. Westwike ib. 187. 

335. Wickeji 1, Dorf, 8 n. w. von Newmarket. — 1284/86, 
1302/03, 1316, 1346 WyJces F. A. 1, 136, 142, 156, 159 (Wykes 
ist me. Plural von uijk, ae. wtc „village"; Wicken ist der 
alte Dativ tclcuni. Palatalisierung konnte hier nicht ein- 
treten. Skeat). 

336. Wickham, West, 2, Dorf, 10 s. von Newmarket. — 970, 
974 on Pichamme Cart. Sax. III, 563, 628. 1284/86, 1302/03 

Wycham F. A. 1,139, 145. 1316, 1346 Wykham ib. 155, 163. 
1428 Wikham ib. 182. 

337. Witcham, Dorf, 6 w. von Ely. — 1302'03 Wychham F. A. 
1, 151. 1346 Wicham ib. 173 (nach Skeat liegt ae. Wican, 
gen. zu Wica, das in verschiedenen Zusammensetzungen 
vorkommt, zu Grunde. Dasselbe wohl in 338 der Fall). 

338. Witchford, Dorf, 21/2 s. w. von Ely. — 1277 Wychinford (?) 
Pa. R. 215. 1314 Wicheford C. C. R. III, 244. 



370 

339. Brihthdmcicic, ne. nicht belegt. — 1166,G7 Ti. K. XI, 167. 

340. Tidhritivic. — 1314, C. C. K. III, 245. 

H u n t i n g d n 8 h i r e. 

341. Uardivick li), Dorf, 1/4 n. von Biickden. 

342. Eyncshury HardwicJc (nach F. A. und Karte), 2 w, von 
Abbotsley. 

343. Monlis llardwicl-, 21/2 n. 0. von St. Neots. 

344. Hardwicke (Karte), 3 n. 0. von Great Gransden. 

345. Ilardu'icJiS (Karte), 4 w. von Kimbolton. 

346. Spaldicick, Dorf, 7 w. von lluntingdon. — Zeit Edw. I 
Spaldicic Kemble, Cod. 907. D. B. Spalduic, Spalvice. 
1162/3 Spalde/cic PI, 11. 64. 1166 — 69 Spaldeivic, Spalde- 
wich Pi. R. 1227 Spaldeicich C. C. R. I, 42. 1229 Spalde- 
iric ib. 105. 1285 Spaldeivyk, Spaldeivik F. A. II, 467 f. 
1316 Spaldivycke ib. 471. 

347. Winwick 3, Dorf, 7 s.o. von Oundle. — 1227 Wynewinche 
C. C. R. 1,21. 1285 Wincwik F. A. 11,467. 1303, 1316 
Wyneivyk{c) ib. 470, 472. 1428 Wyn{c)wyk ib. 474, 481. 

Northamptonshire. 

348. Ast IV ick 2, Dorf, 3 s. w. von Brackley. — 1316 Adwyk 
F. A. III, 19. 1346 Aüwike ib. 446. 1428 Asteivyk ib. 41. 

349. Blathcrivick, auf Karte: Blathcrwycke, 6 n. w. von 
Onndle. — D. B. Blarewiclie, Blatherwyk. 1166/67 Blarc- 
wic Pi. R. XI, 117. 1227 Blatherwic C. C. R. I, 11, 65. 
1285 Blatherwyke F. A. 111,15. 1303, 1316 Blatherwyk 
C. C. R. III, 37, F. A. III, 25. 1324 Blaretvyk C. C. R. 
III, 464. 1346 Blathewicke F. A. III, 447. 

350. Buhviek, 7 n. w. von Oundle. — D. B. Bolewyk. 1662/3 
Bule^üic Pi. R. 37. 1166/7 Buleivich Pi. R. XI, 117.. 1167/8 
Buleivic Pi. R. 25. 1226 Bulewic Pa. R. 63, 84. 1285 Bolc- 
wike F. A. 111,18. 1293 Bolewyk C. C. R. II, 432. 1301 
Buleivik C. C. R. III, 21. 1316 Bolewyk F. A. III, 25. 

351. Hardivick 2, Dorf, 3 n. w. von Wellingborough. — um 
1066 Heordewic, Kemble, Cod. 953. D. B. Herdewiche, 
Hardeniche, Herdivyk. 1166/67 Herdewich {CJi. Herde- 
wic) Pi. R. 123. 1285 Herdeivike F. A. III, 17. 1316 Herd- 
ivyk ib. 27. 1428 Hardewik ib. 52. 



380 

352. Low ich 1, Dorf, 2 n. w. von Thrapston. — D. B. Liihwic, 
Ludowic, Lofwyc. 11G6;67 Luffcwkh Pi. R. 119. 1284 
LouwyTce, LowyJc, LomviJce F. A. 111,13. 1316 Luff'eivyk 
ib. 29. 

353. SouthwicJc 3, Dorf, 3 n. w. von Oundle. — D. B. Sothe- 
wyTc. 1275 Sotlicwß C. C. R. 11, 189. 1316 Suthinße 
F. A. III, 23. 1346 SuthwiJc ib. 447. 1428 Suthnnß ib. 46. 

354. Stanwick 2, Dorf, 1' o n. o. von Higliam Ferrere. — 
D. B. Stanwige, Stancivigge. 1137 Stancicig Sax. Cbr. 
1227 Stamvigg, Stammjgg C. C. R. 1, 19, 60. 1248, 1284 
Stanewigg{e) ib. 332. F. A. III, 14. 1302/03, 1346 Stan- 
ivyggie) F. A. I, 9, 25. 1316 Stanewic F. A. III, 29. 1428 
Stamvigge, Stanewyggc ib. 48, 51. 

355. Weekleg, Dorf, 2 n. o. von Kettering. — D. B. Wiclei. 
1218 Widegh Pa. R. 168. 

356. Wichen 2, Dorf, 31/2 w. von Stony Stratford. — D. B. 
WicM. 1166/7 Wiclia Pi. R. 122. 1169/70 WicMm ib. 19. 
1267 Wiha C. C. R. II, 69. 1284 Wile (part of WicUn) 
F. A. III, 5. Wihe Hamuncl (part of Wichen) ib. 1307 
Wyhehamond C. C. R. III, 108. 1316 Wehedyve F. A. III, 22. 
Wyhehamond ib. 1346 Wyhehamond ib. 446. 1428 Wihe- 
dyve, Wyhehamunde, ib. 43. 

357. Wi7Uüich 2, kl. Dorf, 9 n. 0. von Daventry. — 1043 
Winewican Kemble, Cod. 916. um 1050 Wynwyhe ib. 939. 
D. B. Winewiche, Wineuuiche, Winewic, Winewinche, Wyfie- 
wyh. 1235 Witiewich C. C. R. I, 206f. 1267 Wilcivihe 
ib. II, 70. 1284 Winwih F. A. IV, 441. 1316 Weimvyh 
ib. 24. 1346 Wimvih ib. 445. 1428 Wyncivyh, Weneivyg 
ib. 48, 51. 

358. Hardivich 12. N. 0. Rutlandshire, 5 n. w. von Stamford. 

Leicestershire. 

359. Whitivich [Whittich], 13 n. w. von Leicester. — D. B. 
Witeivic. 1292 Whitewyh C. C. R. II, 429. 1318 Witeivich 
ib. III, 380. 1428 Wyteivyh F. A. III, 114. 

360. a) Wigston Magna, 4 s. von Leicester. 

b) Wigsto7i Parva, 3 n. w. von Ullethorpe. 

e) Wigston, South, 4 s. von Leicester. — D. B. Wichinge- 



381 

stoiie (a, c), Wicesta7i (b), 122,1 Wijgycstanam C. C. R. 
1,15. 131G ]Vmchiiigcsto)i, Wychingeston ib. III, 31Gf., 
318. 

361. Wycomhe, nacb F. A. — 131G Wicham. 

362. Wylin, 21/2 "• w. von Ilinckley. — 1316 Wißijn F. A. 
V, 184. 

Warwickshire. 

363. Birmingbani (?) = BromwicbbamV — D. B. Bcrmingehä. 
1166/71 Brcmingcha, Brimingcham Pi. K. 1232 — 47 
Birmingcham, Burmingcham, Bermincham Pa. II. 1265, 83 
Bermingham C. C. R. II, 58, 264, 1316 Birmyngham F. A. 
V, 180. 1428 Byrmyngliam ib. V, 191. 

364. Brotmvich, Little, iiabe Birniinghaiu. 1286 Broynwych 
C. C. R. II, 329. 1428 Bromivtjche F. A. V, 190. 

365. Castle Bromwich, 4 n. 0. von Birmingbam. 

366. ChadivicJc End, Dorf, 7 n. w. von Warwiek. 

367. Chesivich near Jamworth, nacb C. C. R. 1301 Cheseivyh 
C. C. R. III, 1. 

368. Kytes Hardivich, 5 s. w. von Rugby. 

369. Priors Hardwick, Dorf, 6 p. s. 0. von Soutbam. — 1043 
Herdeivic, Herdetvyh Kemble, Cod. 916. Zt. Edvv. I, 
Herdivihe ib. 939. D. B. Herdeiviche. 1257 Herdeivyhe 
C. C. R. 1, 472. 

370. KnightivicTc, Dorf, 7V2 w. von Worcester. 1428 Knyght- 
ivyh F. A. V, 313. 

371. Wartvich 1 [Warrik], Stadt und Scblofs, Wyrengeuiße 
Beda um 730; 914 oder 915 Wcerincwic, W(Bringivic. 
Sax. Cbr. 1001 Wcerinc wicu Anc. Chart. 1062 Wterinc 
ivic scir Anc. Chart. D. B. Warwic, Warwyh. 1166/67 
Warivich, Wareivichscr\ Waretvicscr Pi. R. XI, 159. 1168/69 
Wareivic' Pi. R. 1180/81 Waretvie' Pi. R. X, 80. 1272/81 
Warivich, in Personennamen Wareivih Pa. R. 1257 — 1300 
Wareivyc, Warretvil; Warivik C. C. R. 22 und oft. 

372. Whichford, Dorf, 6 s. 0. von Sbipston-on-Stour. — D. B. 
Wieford. 1253 Wycheford C. C. R. 1,431. 1281 Wicche- 
ford Pa. R. 444. 1316 Wiclieford F. A. V, 174. 

373. Wyhen, 3 n. 0. von Coventry. Hoies de Wicliä (Wicham) 
Pi. R. 27 (?). 1257 Wyhe C. C. R. 1, 461. 



382 

Worcestershire. 

374. Baswiclc (Karte), Dorf, 1 s. von Evesham. 

375. Biiddiji gleich';!, nach Kemble, Cod., am Severn. 816 to 
budding }ncan Cart. Sax. I, 496. 

376. ChadtvicJc 3, Dorf, 1 s. w. von Hartlebury. — D. B. 
Celdvic. 1196 Chadelewic Pi. R. 170. 1232 Chadehvic 
C. C. R. 1, 172 (nach Duignan = Ceadiveallan -\- ivic- = ne. 
Ceadtvealla' s village). 

^77. ChadwicTc 3, auf Karte Chadwick Orange und Chadivicli 
Manor, 3 n. von Bromsgrove (Erklärung vgl. 376). 

378. Droit IV ich, Stadt, 7 n. o. von Woreester. — 716/17 Salt- 
wich Cart. Sax. I. 873/99 Saltivic Kemble 1075. 888 
Saltivic Kemble 1068. 961/70 at [ncan Cart. Sax. III, 386. 
1017 seaUvic Kemble 1313. 1049 Wie Sax. Chr. D. B. 
Wich. 1162/63 Wich' Pi. R. 4. 1196 Wihe Pi. R. 170. 
1236 Wych C. C. R. I, 218. 1257—1300 Wie, Wich, Wichium, 
Wikc, Wych ib. II oft. 1273 Droitivich Pa. R. 27. 1319 
Wychium C. C. R. III, 416. 1428 Wiche, Wychc, Wytton, 
Witto7i F. A. 315 (Erklärung siehe Duignan, Wores. PL N. 
p. 53 f.). 

379. Ducksivich (Karte), 2 w. von Upton-upou-Severn. 

380. Hardwick 16, Karte: Bredon's Hardivick, 2 n. o. von 
Tewkesbury. — 1212 Herdeivyk cf. Vict. Hist. Worcs p. 322. 
note b. 1319 Ilerdeivijk C. C. R. III, 415. 

381. Hardivick Green in Eldersfield (Karte), 5 w. von Tewkes- 
bury (vgl. Duignan). 

382. Henwick 1, Vorstadt von Woreester (nach Duignan 
= ae. mt Hean + wie, high village). 

383. Hida ding pic (?), belegt 904 Cart. Sax. II, 266 nahe 
Woreester. 

384. Hollickstone, 709 Halwichestan und Aliviehestan Cart. 
Sax. 1, 148. 

385. Kensivick, 4'/2 n. w. von Woreester. — D. B. Checinwiche. 
1346 Kekyngtvyk F. A. V, 307. 1428, 1431 Kekymvych 
ib. 319, 332 (nach Duignan = Cyginyes + wie, Cyging's 
village, verglichen mit 174). 

386. Knightivick (nach Cart. Sax. und Karte), 7^2 w. von 
Woreester. — 964 Cnihtapice Cart. Sax. III, 379. 1023 



383 

Ciiihtewiccüi Kemble, Cod. 738 (Diiignan: the servant's 
village). 

387. Lencluvich, 2i/.) n. von Eveshani. — 709 Lenchivic Cart. 
Sax. 1, 183. D. B. Lencheivic (= Lench village, da in der 
Nähe Lench). 

388. Ludwidge (?), nach Kemble, Cod. — 716/7 LooUcic Cart. 
Sax. I, 202. Kemble, Cod. 

389. Middel pic, belegt 972, nach Cart. Sax. = MiddleivicTc in 
Wores., vgl, dazu Beleg 395. 

390. Northu'ick 4, 2V-2 n. w. von Moreton-in-tbe Marsb. — 
1346 NonvyJc F. A, V, 310 (wie 391 = North village, 
Duiguan). 

391. Northiüich 5, Dorf, 1 s.w. von Claiues-Nortb. — 964 (?) 
Noräivica Cart. Sax. 377. D. B, Noriviche. 1108/18 Northe- 
wiJce. Survey of tbe Ilundred of Oswaldslow, ed. Hearne, 
1255 Norinjh C. C. R. I, 443. 1346, 1428 Norivylc-juxta- 
Wigorniam F. A. V, 306, 312. 1428 Northivyh ib. 318. 

392. Foiviclc (Karte), 3 s. von Worcester. — 972 Poincguuic 
Anc. Chart. 1249 Poytvick C. C. R. I, 341, 1300 Fmvyk 
C. C. R. II, 489. 1346, 1428, 1431 Poijivyh F. A. V, 305, 314, 
327 (bei Duignan nicht erklärt. Die Endung gleich village). 

393. Bushivich (Karte), 2 s, w, von Worcester. 

394. LotverWich, Upper Wich, 2 s. bezw. s.w. von Worcester 
(nach Karte), vgl. Beleg 395, 

395. Loiver Wyche, Upper Wyche, 1 s. von Great Malvern, 
letzteres schon in Ilerefordshire. Zwischen beiden liegt 
Spa. Ob wir es in Upper Wyche mit dem im Cart. Sax, 
und bei Kemble 962 belegten Uppic (Cart, Sax, III, 318) 
zu tun haben, ist schwer zu entscheiden; ob ferner Upper 
Wyche und Loiver Wyche identisch sind mit dem bei 
Habingdon, Survey II, 296 (cf. Vict. Hist. Wores. I, 287a, 
Anm.) belegten Upivich und Neather Wich, ist auch nicht 
mit Sicherheit zu sagen. Im letzteren Falle würde das 
heutige Sjya vielleicht das ebenfalls bei Habingdon genannte 
Middlewich (vgl. Beleg 389) sein. 

396. Wichen ford, 6 n. w. von Worcester. — 817 picforda 
Cart. Sax. I, 502. 1346 Wychenford F. A, V, 308. 1428 
Wichynford, Wycheneford ib. 319, 313 (nach Duiguan = The 
ford of Witchelmsf). 



384 

397. Wich 1, Dorf, ' o o. von Persbore. — D. B. Wiche, ferner 
Wicha als hereicich von St. Mary of Persore (uacli Duignan 
= ae. unc, village). 

398. Wich Episcojji (Karte), 11/.2 s, w. von Woreester. 1255 
Wiße C. C. R. I, 443. ? 972 Ähhandunas ivica Anc. Chart. 

399. Wickhamford, 3 s. o. von Evesbam. — 972 Uuiguenna 
Ane. Chart. D. B. Wiqucne. 1251 irfMmwz C. C. Pt. 1, 364. 
1428 Wyleu-one F. A. V, 317 (hier liegt wohl ae. oder 
an. ivic, vtc nicht zu Grunde, vgl. Beleg 428). 

400. Willingwiclc, ne. nicht belegt, in Bromsgrove. — D. B. 
WilUngewic. 1196 WeUngeivic Pi. R. 170. 1346 Wyling- 
ivyl- F. A.Y, 303. 1428 WyUiiesu-yJc ih. 324:. 1431 Wyllyns- 
u-ych ib. 330 (nach Duignan = the village of the Willings 
or sons of Willa). 

401. Wychbold, Dorf, 2 n. o. von Droit wich. — 692 Uuicbold 
Cart. Sax. 1, 112. 831 Wicbold Anc. Chart, und Cart. Sax. 
1, 557. D. B. Wicelhold (26 salt pans erwähnt). 1266 
Wyceband C. C. R. II, 62. 1346, 1428 Wychehaiid F. A. 
V, 302, 323. 1431 Wychehailde ib. 330 (nach Duignan 
= the palace at or near Wich [Droiüvich]). 

402. Wychbury Hill (Karte), 3 s.o. von Stourbridge, darauf 
ein „Camp" (prähistorisches Lager!). 

Herefordshire. 

403. HardwicJce 3, Dorf, 21/2 n. 0. von Hay, 

404. SheUvich, Dorf, 1 n. 0. von Holmer, 2 n. von Hereford. 
— D.B. Scehviche. 1241 SheUivich C. CR. 1,261. 1316 
Shehvyl F. A. II, 385. 

405. UllingsivicTc, Dorf, 9 n. u. 0. von Hereford. — D. B. 
Ullingivic. ca. 1127 olingeiviche' Pi. R. X, 20. 1303 üllyng- 
uyg F. A. II, 378. 1316, 1346, 1428 UUyngwyJc ib. 390, 
394, 408. 1428 OUyngivylce ib. 401. 

406. Whitivich (Karte), 6V2 n- O- von Hereford. — D.B. Wite- 
tviche. 1303 Witeivyl F. A. II, 379 1346, 1428, 1431 
Whitewyk ib. 395, 411, 421. 

Aum.: Wigmore gehört wohl nicht hierher. D.B. Wige»iore, 13. Jh. 
Wiggemora, Wyggtmore. 



385 

Monmoiithshire. 

407. Hardivich 9, 1 s. von Cbepstow. 

408. Harihvick 18, 1 o. von Abergavenny. 

409. HotvicJc 3, 2\l.2 n. w. von Chepstow. 

410. Eedivicl-, 7 w. von Newport. — 1290 Redcivic C. C. R. 
II, 301. 40. J. Edw. III. Rodeivyl F. A. II, 291. 

Gloucestershire. 

411. AshwicJce Parh (Karte), 1 s. von Marshfield. 

412. Berivick Lodge (Karte), 6V2 n. n. w. von Bristol. 

413. Oatwich (Karte), 2 s. von Grange Court Station. 

414. HardtvicJce 2, Dorf, 4 s. s. w. von Glouccster. 

415. Ilardiviclce 4, Dorf, 3 s. von Tewkesbury. — D. B. 
Herdcuuic. 1316 HardivtJie F. A. II, 266. 

416. HinchicieJc und Old HinchivicTx, 1 n. von Condieote. 

417. MalsivicJi, Dorf, 1 0. von Newent. 

418. Northivich 1, 5 s. w. von Tiiornbnry. 

419. Painswicl', 6 s.o. von Gloucester. — 1284 5 Paijndesivike 
F. A. II, 236. 1303 Paynesmße ib. 251, 258. 1316 Paynes- 
wicle ib. 276. 1321 Paynesivyk C. C. R. III, 435. 1346, 
1402 Paynesicyli{e) F. A. II, 286, 300. 

420. Bandwiclc, 8 s. von Gloucester. 

421. PedwicJc, 10 n. w. von Bristol. — 1316 Eadeivik F. A. 
11,276. 

422. Southivick 6, I1/2 s. von Tewkesbury. — D. B. Sud- 
wicha' (??). 

423. Stotvicl in Henbury (nach F. A.). — 1303 Wyke F. A. 
II, 253. 1316 Stokeivyke ib. 276. 1346 Wik ib. 289. 

424. Wick 2, Dorf, 7 0. von Bristol. — 1137/8 Wicha Fi. R. 
X,36. 1168/9 ^Yiclla, iriAft Pi. R. 118. 1253 Wyk C. C. R. 
I, 428. 

425. Wick 5, Dorf (auf Karte Loiver und Upper Wick), 2 s. 0. 
von Berkeley. 

426. Wick Rissijigton, Dorf, 3 s. von Stow-on-the-Wold. 
— 1269 Risingdon Wyk C. C. R. II, 123. 1303 Wyke 
Rysyndon F. A. 11,252. 1316 Wyke ib. 274. 1346 Wik 
et Risindon ib. 287. 

427. Cerney Wick, 2 ^. 0. von South Cerney. 

Studien z. engl. Phil. L. 25 



386 

428. Childs Wickh am, 4 s. o. von Evesbam. — 706 Childes- 
imimuon Cart. Sax. I, 173. D. B. Wiclia'. 1316 Wylcle- 
wane F. A. IT, 267. 1346 WyJcenwie ib. 292 (vgl. Beleg 399. 
Es liegt bier kaum ae. wie oder an. vic zu Grunde). 

429. Wickwai-, 4 u. von Chippiug Sodbury. — 1285 Warre 
ir^/Äe C. C. R. II, 282. 1284/5 H>/.- F. A. II, 243. 1303 
Wißewarre ib. 249. 1316 Wikkcware ih.2Q9. 1346 Wyle 
Warre ib. 283. 

430. Wickridge Street (Karte), 51/2 u- von Gloueester. 

431. Wiclsgreen (Karte), 5 w. s. w. von Gloueester. 

Oxfordshire. 

432. Hardwicl: 5, 5 n. von Bicester. — 1284/5 Herdeunke 
F. A. IV, 158. 1313 Herdeicyk C. C. R. III, 210. 1316 Herd- 
n-yke F. A. IV, 169. 1428 Herdeivike ib. 190. 

433. Hardivick 7, 2 s. 0. von Witney. — 1316 Herdwike F. A. 
IV, 162. 

434. Hardivick 11, 1 u. von Banbury. — 1267 Herdeivik 
C. C. R. II, 69. 1316 Herdewyke F. A. IV, 166. 

435. Hardivick House, 4 n. w. von Reading. 1401/2 Herd- 
ivik F. A. IV, 174. 

436. Wick in Headington (nach F. A.). — 1316 ^Yike 
F. A. IV, 168. 

437. Wickliam 5, 2 s. von Banbury. — 969 wt pic ham Cart. 
Sax. 111,519. 1044 mc/iawKemble, Cod. 775. D.B. ]I7c/ia'. 
1158 Wicha Pi. R. 34. Wikan C. C. R. III, 330. 

438. Wretchivick, 1 s. 0. von Bicester. — 1252 Wherctvyk 
C. C. R. I, 409. 1284 5 Wrecheivike F. A. IV, 158. 1316 
m-etcJiwike ib. 169. 1346, 1428 Wrechetvyk{e) F. A. 
IV, 180, 190. 

439. Wychwood Forest und Kirchspiel (dazu Ascot, Milton 
und Shipton under Wychwood). — 841 Huiccepudu Cart. 
Sax. II, 6. 13. Jahrb. Wicheivud, Wycchewode, Wycheicode 
Pa. R., Wicheivod, Wicheivood, Wycliivode, Whicheivode, 
Whucchewode C. C. R. 

Buckinghamshire. 

440. Ankerivyke (nach C. C. R.). — 1242 Ankernik C. C. R. 
I, 269. 1257 Ajikerivyk ib. 472. 



387 

441. Eton Wide, 1 n. w. von Eton. 

442. Hardwiche 1, 4 n. von Aylesbiiry. — D. B. Harduich. 
1284/8G Ilcrdcn-ilc F. A. I, 78. 1302/3 Hcrdeinß ib. 101. 
1316 Herdcnyhe ib. 111. 134G Hardcinß ib. 126. 

443. Kimhlc Wicl-, Dorf, 1 n. w. von Kimble. — 1313 W}ilca 

C. CK. 111,210. 

444. Long IV ick, Dorf, 2 n. w. von Princes Risborough. 

445. Oivlsicich, Dorf, 2 n. w. von Princes Risborough. — 1284/6 
Olvesivih F. A. I, 85. 

446. Teteluvich, Dorf, 31/4 n. von Brill. — D.E. Tochinge- 
iviche. 1302/3 Toucheiviß F. A. I, 95. 1346 Tocheiviß 
ib. 121. 

447. Tingeiviclc [Tingiek], 2. w. von Ruekingbara. — D. B. 
Tediniviche. 1162 3 Tingivich' Y\. Yi. \Q. 1166,67 Tew^e- 
wicha Pi. R. 109. 1276 Tijngcwijl; Tingenih Pa. R. 166, 236. 
1284/6 Tyngcivyke F. A. 1,87 f. 1316 Tyngeivyle ib. 108. 

418. In den „Ancient Charters*' sind in Bueks. belegt: Cyne- 
mimding uic, Udding nie, Willering nie, Jahr 869. Diese 
sind ne. nicht zu identifizieren. 

Bedfordshire. 

449. Ast IV ick 1, Dorf, 4V-2 0. von Shefford. — D. B. Estwiche. 
1284 6 Est/vil-e F. A. I, 3. 1316 ÄstwicJc ib. 19. 1346 
Estivyk ib. 23 (nach Skeat = east village, vgl. Beleg 458). 

450. Flittivieh [FiittickJ, Dorf, 2>/., s.w. von Ampthill. ~ 

D. B. Ficteiviche. 1253 FUtivyk C. C. R. I, 415. 1281 Flitte- 
ivyTi Pa. R. 476. 1284,6 Flythcmh F. A. I, 2. 1305 Flete- 
u-tß C. C. R. 111,53. 1316 Flittcuike F. A. 1,20. 1321 
Flettvyk C. C. R. III, 437. 1323 Flitivyle ib. 453. 1346 
Fhßteivyl F. A. I, 31. 1428 Fhjtmße ib. 36 (nach Skeat 
== village hy tJie Flitt). 

451. Shefford Hardwiclc, Dorf, 8'/2 s.o. von Bedford. 

452. Hardtvicle Bell End, 3 s. w. von Bedford. — 1302/3 
Herdivik F. A. 1,9. 1346 Herd{e)ivylc ib. 26, 30. 1428 Herde- 
ivyke ib. 38 (nach Skeat = herd village). 

453. Hinivick, Dorf, 3 n. n. w. von Harrold. — D.B. Haneuich, 
Heneivich, Ilaneivic, Hmeivic. 1165/73 Heneivic, Hcneivich 
Pi. R. 1302, 1317 Jlyneivyk C. C. R. III, 192, 366. 1302/3 

25* 



388 

Hijncmle, Hlneiiihe F. A. 1, 11, 12. 1346 Hijneivyh ib. 29 
(nach Skeat = ae. Hanan tvtc = Hanaus village). 

454. TilnicJc Farm (uaeh C. C. K.). — 1304 Dyhnß C. C. R. 
111,46. 1317 Dileivlc ib. 359. 

455. Wide End (uaeb F. A. und Karte), 31/2 w. von Bedford. 
1302,3 Aylcwike F.A. 1, 11. 

Hertfordsbire. 

456. Alfledawicha, D. B., 2 n. von Alswick Hall., ne. nicbt 
belegt, wabrscbeiülieb Beauchamps nabe Wyddial. 1303 
Alßadetvyl- F. A. I, 431. 1428 Aißfladeiryk ib. 446. 

457. Alstvick Hall (Karte), 10 n. n. 0. von Hertford. — D.B. 
Ahiariclie. 1303 AlstvyJc F. A. I, 431. 1428 AJstcyh ib. 446 
(uacb Skeat == JElfsige's village). 

458. Astwiclc Manor, 2 w. n. w. von Hatfield (nacb Skeat 
= Eashvick = East village). 

459. Great Barivich (Karte), S^o n. n. 0. von Wase. — 1292 
Benvik C. C. R. II, 413 (nacb Skeat = harley village). 

460. Bild IV ich Hall (Karte), 71/2 n. von St. Albaus. 

461. Childtvick, 3 n. von St. Albans. — 1249 Childivic C.C.R. 
I, 342. 1301 ChiUhvyc ib. III, 18. 1303 Childeivih Magna 
F. A. II, 427. 1402 ChyldwyJc Magna ib. 444. 1428 Childe- 
uilce Magna ib. 452 (nacb Skeat = ae. cilda tvic, children's 
village). 

462. Childivichhury, 3 n. w. von St. Albans. — 1303 C/?<7tZe- 
icik Say F. A. II, 426. 1402 ChyldeivyUsay ib. 444. 1428 
ChildeivyJcesay ib. 451. 

463. Danestvich (Karte), 2'/2 s.w. von St. Albans. 

464. Easttvicli 1, Dorf, 5 s. 0. von Ware. — D.B. Esteiviche. 
1253 Esüvyh C. C. R. I, 429. 1303, 1428 EsUvyh F. A. 
11,435,451 (nacb Skeat = east village). 

465. Haultivick (Karte), 6 u. von Hertford. 

466. Ha tvkswick (Karte) , 2 n. vou St. Albans. 

467. Ludtvick (Karte), 2 n. 0. vou Hatfield. — 1302 Lodcivyk 
C. C. R. III, 26. 

468. Marshalwiek (Karte), 1 n. 0. von St. Albans. 

469. Ramerich (Karte und F. A.), 2V-2 n- von Hitcbiu. — 1303 
Banmordwyh F. A. II, 428. 1340 Eanmortheivyh ib. 437. 
1428 Eannvorthtryh ib. 449. 



389 

470. Upwick Oreen (Karte), 8 n.w. von Bisliop Stortford (nach 
Skeat ^= Upper village). 

All. Wcstivick (Karte), 3'/., w. von St. Albans. — 1301 Wcst- 
icic C. C. R. III, 17. 1303 Viiestwick F. A. II, 426. 1402, 
1428 Westwi/k ib. 444,451. 1428 ^Vcstwi!ce ib. 452. 

472. WicJcham (Karte), 11 o. n. o. von Hertford, — D. B. 
Wichcham (naeh Skeat = A. S. wie -|- häm). 

473. WoUe7iivicJc, ne. verloren gegangen, vgl. Viet. Ili.st. Herta. 
1, 297. — D. B. Wlweneivichc. Zeit Heinr. II Wulßncivich, 
Wluenewic. 1303 Wollenwkh. 

474. High Wych, ^j-i s. w^. von Sawbridgeworth. 

M i d d 1 e s e X. 

475. Aldtcych Crescent, Name einer neuen Strafse in London, 
Name jedoch alt. — 1267 the garden in Aldetvich Fa. R. 
Später 0hl Witch Street. 

476. Candel/riJcstrete 1274 Pa. R. 1428 Candelinßstrctc 
F. A. III (in London!). 

477. Chistviclc [Chiz-ickJ, 6 w. von Hyde Park Corner. — 1316 
Chesenijk F. A. III, 374. 1428 ChestryJc ib. 379. 

478. Gamvick Corner (Karte Gannick C), 2 n. o. von Barnet. 

479. Hackney Wick, Vorstadt von London, erbaut a\i( Hackney 
Marsh. 

480. Hampton Wick, 1 o. n. o. von Hampton Court. 

481. Lundenwic = London. — 604 Sax. Chron. 

482. Outtvich (nach F. A. 111,385). — 1428 ecclesia Sancti 
Martine Ottewich, wahrscheinlich heute St. Martin's in the 
Fields, nahe Trafalgar Square. 

Kent. 

483. Bertvick (Karte), 2V2 w. von Hythe. — 697 Bereueg 
Ane. Chart. 1032 Berwican Kemble, Cod. Zeit Edw. I 
Berivica Kemble, Cod. D. B. Berewic. 1168-73 Ber{e)wica 
Pi. R. 

484. Bursttvick Island (Karte), im River Medvvay. 

485. Farivig, Dorf, 1/2 n. von Bromley. 

486. Fordivich, Dorf, 2 0. n. 0. von Canterbury. — 675 
Fordeuuicum Cart. Sax. I, 60. 747 Forcluuic ib. I, 249. 761 



390 

Forduuic ib. I. 268. Zoit Edw. I Fordm'c Kemble, Cod. 854. 
1). B. Foreivic. 1225 Fonvich Pa. R. 1230 Foreuic ib. 

487. Greenivich [Griuidg-e], Stadt, 4V2 s.o. von St. Paul's, 
London. — 1013 Grenawic, Grenwic Sax. Chr. 1044 Grecn- 
wic Kemble. Cod. 771. D. B. Greniciz. 1229 Greneivic 
Pa. R. 279. 1335 Greimiiz ib. 131. 1279 Est Greneuich 
Pa.R.317. 1316 Estgreneivich, West Grenewich F. A. 111,18. 

488. Orgarsicick, Farm, 2 n. w. von Dymchurch. — 1316 
Orgaresivyle C. C. R. III, 314. 

489. Sandwich, Stadt, 7 8. w. von Ramsgate. — 851 Nieder- 
lage der Dänen bei Sondivic, Sandicic Sax. Chr. 966 
Scmduuich Cart. Sax. III, 488. 1023 Sanduuic Kemble, 
Cod. 737. 1038 Sandivic Anc. Chart. Zeit Knuts und 
Edw. I Sandivic Kemble, Cod. 896, 1328. D. B. Sandivic, 
Sanivic, Sandivice. 1164 95 Sandwiz, Sandivich, Sanivic, 
SanivicK Pi. R. 1217 Sondiviz Pa. R. 88, Sondwich ib. 89. 
1218—1225 Sandivic Pa. R. 1247, 1274 Sandivicli C. C. R. 

I, 319, Pa. R. 1290, 1313 Sandivich C. C. R. II, 368, III, 219. 

490. Sheldivich, Dorf, 3 s. von Faversham. — 784 Scilduuic 
Cart. Sax. I, 337. 1315 Sheldivych C. C. R. III, 283. 

491. WicJcham, Fast, Dorf, 5 n. w. von Dartford; Wichham, 
West, Dorf, 4 s. o. von Croydon. — 862, 987 Wichoima 
mearc Anc. Chart. 998 Wichcemes gemwra Kemble, Cod. 700. 
D. B. Wicheham. 1284 Estivycham, Westivycham C. C. R. 

II, 276. 1318 Westivicham ib. III, 376. 1316, 1346 WyJc- 
ham F. A. III, 18, 50. 

492. Wickhamhreaux, Dorf, S'/a o. von Canterbury. — 973 
Wie hamnies gemceru Anc. Chart. D. B. Wicheham. 1196 
UilchamYi.R. 1278-81 ir^/c/iam, mWiam Pa.R, 1316 
Wiliham F. A. III, 10. 

493. Woolivich [Woolidge, Woolitch], 7 o. s. o. von St. Paul's. 
— 1044 Wideivic Kemble, Cod. 771. D. B. Huhiz. 1279 
Wolivich Fa. K 3U. 1284/5 ]FoZ«v/^ F. A. III, 8. 1316 
Woleivich ib. 18. 1346 Woleivych ib. 47. 

An in. 1: In den Anc. Chart, sind noch belegt, ne. aber nicht: 740 
marascwn qui dicitur Biscopesumc. 79S Hremping wiic. 844 52 Uuer- 
hurgeuuic = St. Werbiirgh. l)^54 swine pasture called Wiöig tvic. 

Anm. 2: In Witchling liegt ein anderer Stamm vor. D. B. Win- 
chelesmere. 



391 

S u r r e y. 

494. Anherwyhe, Gut, 3 s. o, von Windsor. 

495. Dulwich, 5 s. von St. Paurs. — 1316 Dylcirysh F. A. 
V, 107. 

496. Eastwich (Karte), 1/2 n. von Great Bookhaui. 

497. Qatwick (Karte), 1 s. s. w. von Horley. 

498. Gatwich (Karte), 5V2 9. w. von Guildford. — 947 gatapic 
Gart. Sax. II, 603. 963 gate pic ib. 111, 363. 

499. HollicJc? Zeit .Elfr. Haleuuih Gart. Sax. II, 204. Zeit 
Edw. I IMewih Keuible, Cod. 344. 1227 llaleivike C.C.R. 
I, 37. 1252 IMeuijke ib. 409. 

500. Prestiviclc (Karte), Dorf, 2 w. von Gbiddingfold. — 1251 
Prcstewic G. G. R. I, 365. 

501. Ef/ham Wich, 2 s.w. von Egham. 

502. Wilder wich (Karte), l'/^ n. von East Grinstead. 

503. Wyhc, Dorf, 6 n. 0. von Faruham. — D, B. Wucha. 1428 
Wyhc F.A. V,123. 

S u s s e X. 

504. Aldwich, 3 w. von Bognor. — 1296 AJdcwyh G. G. R. IL 

505. Berwich 1, Dorf, 7 s. 0. von Lewes. — D. B. Bereivice, 
Beruice. 1292 Berewyh G. G. R. II, 421. 1316 Bcrewyhe 
F. A. V, 138. 1401/2 Berwyke ib. 146. 

506. Bonivichs Place (Karte), 2 w. s. w. von Ifield. 

507. Drungeivich (Karte), 3 n. von Wisborough Green. — 
1307 Dringeivyh G. G. R. III, 101. 

508. Goddenwich F>>i (Karte), 2 n. von Lindfield. 

509. Hazelivich? — 947 Hctslwic Gart. Sax. II, 603. 963 
Heaseluuic ib. III, 363. 1317 Hesehvyh G. G. R. III, 359. 

510. Hohjivych (Karte), 6 w. von Tunbridge Wells. — 1320 
Holetvyche G. G. R. III, 434. 

511. Ho wich (Karte), 6 w. von Horsham. 

512. Ludiüich (Karte), 4 w. von Horsham. 

513. Lynwych House (Karte), 1 w. von Rudgwick. 

514. Neivich, Dorf, 8 n. von Lewes. — 1121 niivicha Pi. R. 
X, 12. 1316 NywiJce F. A. V, 136. 1428 Newylce ib. 165. 

515. *Orlestvick vgl. Vict. Hist. 437. — D. B. Lcmesivice. 1121 
orthlauesivica Pi. R. X, 12. 

516. Pioundwich (Karte), 41/2 s. von Ghiddingfold. 



392 

517. Rad gn- ich [Rudgiek], Dorf, 7 n. n. w. von Horsliain. — 
1260 Buggeniß C. C. r! II, 29. 1276 Rageidl: Pa. R. 152. 

518. Rumhold s WyJce, nahe Chichester. — D. B. Wiche. 
1316 RomhaldesicycJc F. A. V, 141. 1317 Rumhaldcsicyk 
C. C. R. III, 334. 1428 Rumhai diswyke, Rumholdes iryJie F. A. 
V, 157, 164. 

519. Sedgewich Castle (Karte), 3 s. von Horsham. 

520. Shopwyhe (Karte), l'/2 o. von Chichester. — 1428 
Shapu-yhe F. A. V, 157. 

521. Southivick 1, Dorf, 41/2 w- von ßrighton. — 1428 Suth- 
wyhe, Southwyh F. A. V, 152, 160. 

522. Terwich, 5 w. von Midhurst. — 1271, 1326 TortewyJc 
C. C. R. II, 169, III, 493. 

523. Wliyhe (Karte), 1 s.o. von Chichester. 

524. Wich 3, Dorf, 1 s. von Lyminster. — 1267 La Wik 
C. C. R. II, 82. 

525. Wichliam (Karte), 5^/2 n. von Shoreham. — D. ß. Wicham. 

526. WicJvhursi (Karte), 4 0. s. 0. von Tnnbridge Wells. 

527. Wich Street (Karte), 1 s.o. von Glynde Station. 

528. Kingston Wyhe, Dorf, 4 w. von Worthing. 

529. Wyhehurst (Karte), 3 w. von Cuckfield. 

530. Wytch Gross, 5 s. von East Brinstead (Karte). 

Anm.: 956 sind belegt fl^/t^M;ic, Cart. Sax. III, 143, Strodioic Anc. 
Chart. 

Berkshire. 

531. Ardington Wich (Karte), 2V2 0. n. 0. von Wantage. 

532. Banterwich Barn (Karte), 7 n. von Newbury. 

533. Bray Wich, nahe Maidenhead, Kirchspiel von Bray. 

534. Charney Wich, nahe Charney Basset (Karte), 6'/2 w. s. w. 
von Abingdon. 

535. Fyfield Wich, 2 s. von Fyfield (Karte). 

536. Heil wich 2, Ort, I1/2 n- w. von Thatcham. 

537. Littlewich Green, 3 w. von Maidenhead. 

538. Petwich (y), nach C. C. R. und F. A. — 1286 Pcttewyhe 
C. C. R. II, 336. 1316 Putwyhe F. A. I, 49. 

539. Sutton Wich, 2 w. von Button Courtney. 1316 Sutton 
et Wihe F. A. I, 53. 

540. Wich Green (Karte), 1 0. u. 0. von Abingdon. 



393 

541. JVicJcham 4 und Wicl-ham IFcath, Orte, 4 bis 5 n. w. 
von Newbury. — 767 Wicliam (?) Ancieiit Chart. 821 
Wicham Cart. Sax. I, 506. 1166/73 Wicha' Pi. R. 

542. Wickfield, nach F. A. — 1316 WykefcUe 1,50. 

Hampshire. 

543. Uagivieh (Karte), 1 w. von Godsbill, I. o. Wigbt. 1313 
Bagwich C. C. R. III, 229, 234. 

544. Brunage, 2 s. w. von Titehficld. — 962 Brimuuic [)cr 
Cart. Sax. 111,325. D. B, Brimetvic. 1316 Brunneivyche 
F. A. II. 307. 1346 Bronewych ib. 335. 1428 Bronewijchc 
ib. 357. 

545. EasttvicJc 2, Ort, 9 d. von Andover. 

546. OiitivicTc, Ort, 3 n. von Fordingbridge. D. B. Otoichc. 

547. RotherivicJc, Dorf, 7 n. n. o. von Bas^ingstoke. 

548. Soutliiüich 2, Dorf, 41/2 n. o. von I'arebam. — 13. Jh. 
Suwic, Suicylc, Suthwic, Sutliivyl- Pa. R. C. C. R. 1316 
SufJmnß F. A. 11,319. 

549. Sivanwich 2, 6 w. n. w. von Fareham. — 1231 Sivaiie- 
wic C. C. R. 1, 140. 1294 Sivanewyh C. C. R. II, 454. 

550. Weeh 1, 4 n. 0. von Andover. — 1316, 1346, 1428 Wyhc 
F. A. II, 308, 330, 346. 

551. WeeTc 5 (Karte Wych und Binstead Wyck), 2 n. 0. von Alton. 
1316 Wyhe F. A. II, 314. 

552. Weehe, nahe Winchester. — 1316 Wylce F. A. 11,321. 

553. Weel in Arreton, I. 0. Wigbt, nach F. A. 1316 Wyk F.A. 
II, 321. 

554. Wickham 1, Dorf, 12 n. w. von Portsmouth. Y).^.Wiche- 
ham. 1269 Wykham C. C. R. II, 124. 1316, 1346 Wykham 
F. A. II, 308, 336. 1428 Wykeliam ib. 356. 

555. Wigland, 5 w. von Southampton. 

556. Wick (Karte), 1 8. von Christehurch. 

557. Wick (Karte), 5 n. von Havant. 

Wiltshire. 

558. Berwick-Bassett, 6V2 n- ^^- ^"on Marlborougb. — 1228 
Berewik Pa. R. 181. 1231 Bereivic C. C. R. 1, 140. 1300 
Bereivyk ib. II, 489. 1325 Berwyk Basset ib. III, 477. 
1316 Berivilcc F. A. V, 209. 1402 Bereivyk ib. 220. 



394 

550. Bcnricl- Sf.tTamcs, Dorf, 5Vi w. s. w. von Amesbury. — 
1243, 1316 Ikrcn-ih- Pa. K. 372, F. A. V, 203. 1324, 1428 
Bcr{i}injk F. A. V, 215, 243, 296. 

560. Bcncick St. John, Dorf, 5''2 f»- von Shaftesbnry. — 1316, 
1428 Bcrewyl-e F. A. V, 201, 251. 

561. BcrtcicJc St. Leonard, 13 w. von Salisbury. — 1428 
Jknn/Jc Sancti Leonardi F. A. V, 256, 293. 

562. Chaddenwiclce, Dorf, IV2 "• 0. von Mere. — D. B. Chcdel- 
wich. 1428 Chademvyckc F. A. V, 267. 

563. PicJcicicJc, Dorf, 1/2 w. von Corsbam. 

564. SouthivicJc 5, 2 s.w. von Trowbridge. — 1194/5 Sud' icich, 
Sutwich Pi. Pt. 1322 Sothewyhe C. C. Pv. III, 446. 

565. Wadswich, Dorf, 3 s.w. von Corsbam, 

566. Wide (Karte), 2'/'2 s. von Salisbury. 

567. Farleigh Wich, Kircbspiel von Monkton Farleigb, 3 n. w. 
von Bradford-on-Avon. 

568. Brcmhill Wich (Karte), 1 n. w. von Brembill, 

569. Badhur y Wich (Karte), 1 n. von Badbury, 3 s. o. von 
Swindon. 

570. Hannington Wich, 1 n. von Haunington. 

571. llaydon Wich, IV2 Q- w. von Rodborne Cheney. — 1428 
Haydoncswyhe F. A. V. 260. 

572. Heddington Wich (Karte), 1 w. von Heddington. 

573. He s wich Farm (Karte), 4 u. von Marlborougb. 

574. Kemhle Wich (Karte), 1 s. von Kemble, 5 s. w. von 
Cirencester. 

575. West Kington Wich (Karte), V2 s. von W. Kington. 

576. Liddington Wich, 2 s. 0. von Liddiugton. 

577. Tochenham Wich, l'/2 n. von Toekenbam. 

578. Oreat and Little Wishford, 5V2 Q- ^- von Salisbury. 
— 1316 Magna et Parva Whicheford F. A. V, 212. 1324 
Wychford ib. 215. 1428 Wyccheford ib. 243. 

Anm. : lu Norridge, 1 s w. von Upton Scudainore, liegt anderer 
Stamm vor: 1332 JSWthrigge C. C. R. III, 450 

D r 8 e t s h i r e. 

579. Benvich 4, Dorf, 4V2 s. 0. von Bridport. 

580. Butterivihe in Folke, nacb F. A. — 1431 Boterivyhe 
F. A. II, 107. 



395 

581. Shapiviclc 1, 5 s. o. von Blandford. — D. R. Scapcwic. 
1267 Shapici/c C. C. R. IL 84. 1285 Sapir>/Ic F. A. II, 14, 15. 
14. u. 15. Jh. S{c)hap[c)iryk{c) F. A. 

582. Swanagc, Stadt, 877 Swanaioic Sax. Chr. — 1303, 1346 
Swancwich F. A. II, 37, 56. 1428, 1431 8wancwicn{c) 
ib. 72, 87, 109. 

583. M^ijhe Farm, 3 o. von Yeovil. — 1316 liy^e F. A. 11,41. 

584. Witchampton, Dorf, 8 o. von Rlandford. — 1). B. Wichc- 
mcüme. 1278 Wichchnmpton Pa. li. 278. 1303, 1318, 
1346, 1428, 1431 Wychampton F. A. II, 26, C.C. R. III, 391, 
F. A. II, 45, 61, 117. 

585. Wf/Jce Rcgis, Dorf, l'/i s- 'W- von Weymouth. — 955 
H7c Kenible, Cod. 435. 988 IfV/tC ib. 1284. 13. Jh. 11 VA-, 
Wyk C.C.R. 1428, 1431 Wi/kc F. A. II, 85, 115. 

Somerset. 

586. Ahlwick Court (Karte), 8 s. s. w. von Bristol. — D. B. 
Ahhic. 1260 AUlcwyk C. C. R. II, 26. 1313 Oklcwike 
ib. 111, 224. 1303, 1346, 1428, West Holdeivyk F. A. 
IV, 305, 348, 381. 

587. ^45^ Week, nahe Bishops Lydeard. 

588. Ashwick, 3 n. von Shepton Mallet. — 1061 uEscwica 
Kemble, Cod. 811. 1060/66 .Escwican ib. 821. D. B. Escc- 
wiche, Esewica. 1316 Ashwyk F. A. IV, 328. 

589. Barwick 1, l^/o s. von Yeovil. 1231 13er ewik C. C. R. 
1, 132. 1272/81 Bcreu-yk Pa. R. 64. 1284/5 Bcreivik F. A. 
IV, 273. 1303, 1316, 1346, 1428 Berewyk ib. 315, 320, 
338, 376. 

590. Bathwick, heute in Bath. — 1303 Wykc F.A. IV, 311. 
1316 Bateivyke ib. 329. 1346, 1428 Wyk{e) ib. 357, 378. 

591. Chelvey, 71/2 w. s. w. von Bristol. — D. B. Calviche. 

592. Comhivich, Dorf, 4 n. n. w. von Bridgwater. — D. B. 
Comich, Comiz. 1284/5 Comivych F. A. IV, 281. 1303, 1346 
Comuich ib. 308, 352. 1428 Comuiche ib. 394. 1431 Co7nbe- 
wyche ib. 435. 

593. Coxley Wick (Karte), ^/i n. von Coxley, 2 s. w. von Wells. 

594. Eckweek House (Karte), 5 s. s.w. von Bath. 

595. Honeyivick (Karte), 2 w. von Cole Station. — 1284/5 



396 

lluncinl-c F. A. IV. 294. 1303, 1316, 1346 HoneivyJc 
ib. 306, 322, 349. 1428 Honywiße ib. 385. 

596. Milhorne WicT<:, l'/j d.w. von Milborne Port. 

597. North wicJc 2, l'/-i w. von Mark. 

598. Northwich 3, 2 n. von Chew Magna. 

599. Shapwich 2, Dorf, 61/2 0. von Bridgwater. — 725 Scqjicic, 
Cart. Sax. L 208. 729 Schapuil- ib. 213. 971 SchcqjcwyJce 
ib. III, 575. D. B. Sapcesuica. 1172 73 Sehepfcich Pi. R. 
196. 1284/5 Schapciryl'G F. A. IV, 290. 1316 Shapeivyk 
ib. 317. 1428 Schcqmyk, ib. 404. 

600. ShocJceru'ick, I1/2 n. von Bathford. 

601. SoiithwicJc (Karte), 2'/.2 o- von Hig-hbridge. 

602. South Wich (Karte), 4 n. von Highbridge. 

603. Standeriüich, 4 0. n. 0. von Frome. — D. B. Estalrewica, 
Stalreiciche. 1284/5 Stanreivil F.A. IV, 277. 1303 Stan- 
rewyl ib. 310, 312. 1316 StaneiryJc ib. 319. 1346 Stan- 
reivyh ib. 355, Staiverivyh ib. 358. 1428 Staverwyh ib. 368. 
Stander IV ylce ib. 386. 

604. Stanton Wich (Karte), l^/o s. von Pensford. 

605. Sutton Wich (Karte), 1 s. w. von Bishop Sutton, 4 s. w. 
von Pensford. 

606. Swainswich, 3 n. 0. von Bath. — 1303 Swamvyk F. A. 
IV, 311. 1316, 1346, 1428 Sivaynesivyh{e) ib. 329, 357, 378. 
1428 Siveynestvyh ib. 410, 411. 

607. Tadwich, 3 n. von Bath. — D.B. Tatewiche. 1227 Tadeicic 
Pa. R. 157. 

608. Way Wich (Karte), 5'/2 n. w^. von Axbridge. 

609. Weeh 2, nahe Glastonbury. 1303 Wihe F. A. IV, 307. 
1346, 1428 Wyk{e) ib. 351, 367. 

610. Weeh 3, 6^/2 n. w. von Bridgwater. 1284/5, 1303, 1346, 
1428 Wyh{e) F. A. IV, 282, 308, 352, 393. 

611. Weeh 4, 7 s.w. von Axbridge. 

612. Weehfield (Karte), 41/2 n. von Dulverton. 

613. Westwich 5, h^ji n. w. von Axbridge. 

614. ""Woodwich, ne. gesehwunden, nahe Freshford. — D. B. 
Wdewica. 1303 TrocZew;?/^ F. A. IV, 311. 1316 Godewyh 
ib. 329. 1346, 1428 Wodetvyh{e) ib. 358, 378. 

615. Wich 4, 6 s. von Weston-super-Mare. 



k\ 



397 

616. WicJc (Karte), S^/j w. von Somerton, 

617. WicJc St. Lawrence, G n. vou Weston- super -Mare. — 
1428 Wyk F. A. IV, 401. 

618. Wighorough (Karte), 4 n. von Crewkerue. 

619. WyJce Champfloirer, l'/'j vv. von Briiton. — 1284/5 Wyice 
F. A. IV, 294. 1303 Wyk ib. 301. 1316 Wilke ib. 322. 
1346, 1428 Wyke ib. 346, 384. 

Devonshire. 

620. Avon Wick (Karte), 2 so. von South Brent, am Avon. 

621. Barivick (Karte), 2 w. von Winkleigh. 

622. Chawleigh Week (Karte), 2 w. von Cbawleigh, V2 s- von 
Chulmleigh. 

623. Chol wich Toivn (Karte), 2 n. v/. von Coruwood. 

624. Cookhuryweek (Karte), 1 s. w. von Cookbury. 

625. Co wick, in Exeter. — D. B. Coic. 1284/5 Cowyk, Cou- 
wyke F. A. 1,311, 314. 1316 Cowykc ib. 377. 

626. Doriveeke (Karte), 4 w. von Cullompton. 

627. Exioick, nahe Exeter. — D. B. Essoic. 

628. Germansiveek, 10 w. von Okehampton. — D. B, Wicha. 
Dazu vgl. Westiveek, 2 w. von Germansiveek, Westweekmoor, 
3 w. und Soiähiveek 1 8. von Oermansweek. 

629. Hardu'ick (Karte), 1 s. von Plympton. 

630. TIerdiüick (Karte), 1 n. 0. von Holsworthy. 

631. Highweek, Dorf, 1 n. w. von Newton Abbot. 

632. Hurdivick (Karte), 1 n. von Tavistoek. 1303 Hurdeiryk 
F. A. I, 372, 384. 

633. Langtree Week (Karte), 1 0. von Langtree, 2^/2 ?. s. w. 
von Torrington. 

634. North Week (Karte), 2'/., s. von North Tawton. 

635. Pancrasweek, Dorf, 6 0. von Bude. — 1284/6 Wyke- 
Xtranhard F. A. I, 328. 1303 Prancardiswyk ib. 357. 1346, 
1428 Wyk{e) Sancti Pancratii ib. 407, 457. 

636. Spitchtvick, Dorf, S'/a o- w. von Newton Abbot. — 1167/68 
Spikesivic Pi. R. XII, 136. 1168/9 Spichivic ib. 53. 1284/6 
Spichicik F. A. I, 318. 1303, 1346 Spychewyk ib. 348, 391. 
1316 Spicheimjk ib. 378. 

637. Stickwick (Karte), 2 u. 0. von Bovey Tracey. 



398 

638. Teig7iwecJc, ne. nicht belegt, vielleicht = 631. — 1230 
Teyneivicum Pa. R. 400. 

639. Weelx (Karte), 1 o. von Cullonipton. — 1284/6 Wyh Lange- 
ford F. A. I, 320. 1303 Wik Langeford ib. 355. 1316 
Wylce Langeford ib. 384. 

640. Weeh (Karte), 5 s. w. von Okehampton. 

641. Weeh (Karte), 2 u, w. von Totnes. 

642. Weel (Karte), 1 w. von North Tawton. 

643. Weeh (Karte), 4 s. o. von North Tawton. 

644. Weeh (Karte), 1 s. von Morehard Bishop. 

645. Week (Karte), 4'/2 s. von Torringtou. 

646. Weeh (Karte), 3 s. von Umberleigh Station. 

647. Week (Karte), 3 o. n. o. von Chnlmleigh. 

648. Week (Karte), 6'/2 w. von Tivertou. 

649. Weeh (Karte), 3 o. n. o. von Milton Abbot. — 1284/86, 
1303, 1346, 1428 Wyke F. A. I, 322, 372, 404, 451. 

650. Weeh (Karte), 5 w. s. w. von Winkleigh. — 1303 Wyh 
Tammill F. A. I, 356. 

651. Weehahorough (Karte), 5 s. von Newton Abbot. 

652. Weehe Barton (Karte), 2 w.n.w. von Christow Station. 

653. Weeks-in-the Moor (Karte), 5 w. von Okehampton, 

654. Wich, East und West, 17-2 s. o. von South Tawton. 

655. Witchcomhe (Karte), 4 s. von South Brent. 

656. Wyhe (Karte), 2'/2 o. von Crediton. 

657. Wyhe Green (Karte), 2 s. von Axmiuster. — 1284/6, 1303, 
1346 Wyk F. A. I, 319, 366, 429. 

C r n w a 1 1. 

658. Week St. Mary, 7 s. von Stratton. — D. B. Wich. 1303 
Wyk F. A. I, 202. 1306 Wik ib. 208. 1428 Wyke ib. 238. 

659. Gtreek, ancieutly Wyke, 3 s. o. von Heiston. 

660. Rossivick (nach F. A.). — 1303 Rossewyc F. A. I, 196. 
1306 Roseivik ib. 204. 1346 Bosseivyk ib. 217. 1428 
Rosnwik ib. 222. 



\ 



399 

Zusammen fassunji'. 

Wir haben uus uiiii zunächst zu fragen, welche Be- 
deutung die ne. Endung -wich, wich, das ne. Wich, 
Wich, Weck haben kann. Die Mehrzahl der Forscher ist 
Ubereinstinnueud der Meinung, dafs zwei Stämme, ae. iclc 
„Ort, Dorf" < lat. viciis oder das auord. vilc „Bucht, Bach" 
vorliegen können, vgl. J. Wright, English Dialect. Dict. unter 
ivicJc^ und 2. Doch dürfte damit die Bedeutungsniöglichkeit 
noch längst nicht erschöpft sein. Diese beiden Worte muI'Hten 
sich entwickeln zu ne. [uit/ bezw. uick], daneben findet sich 
[uaits]. Diese Form und Aussprache habe ich zwar selbst 
nicht belegen können; nur Wyld-llirst a.a.O. p. 397 stellen 
als besondere Schwierigkeit, die bisher nicht berührt sei, das 
Vorkommen von ne. wicic neben ivich [wit/] und [tvait/], z. B. 
in NanUvich [luentwaitf] hin. AVährend bei -wick und -wich 
m. E. die Schwierigkeiten nicht grofs sind, macht das Vor- 
kommen von [ivaitf^ in Nantwich und Droitivich, wofür 
Wyld-Iiirst es bezeugen, die Frage tatsächlich verwickelter. 
Da aber die «/-Form nur für eine Gruppe besonderer Orte 
belegt ist, auf die ich unten noch zurückkommen mufs, kann 
ich sie hier vorläufig fortlassen. Hier kann ich zunächst sagen, 
dafs in allen Fällen, wo ae. ivlc oder anord. vlc zugrunde liegen, 
im Ne. nur -wick [uik\, -ivich [uit/] und week [ivlk] belegt 
sind. Über die Kürzung des ae. l vgl. unten und G. Hack- 
mann, Kürzung langer Tonvokale vor einfachen, auslautenden 
Konsonanten. Morsbach, Studien X (1908) passim. Dafs die 
Kürzung in wich durch die satztieftonige Stellung in den 
Ortsnamen beschleunigt wurde, dürfen wir wohl annehmen. 
Diese tieftonige Stellung hatte ja noch zur Folge, dafs in der 
weiteren Entwicklung das anlautende lo dort meist schwand, 
wo wick Endung war (vgl. J. Marik, ?(;-Schwund im Mittel- 
und Frühneuengl., Wiener Beiträge XXXHI, S. 25), d. h. au 
Bedeutung verlor. Die meisten englischen Ortsnamen zeigen 
Schwund des w. Nun haben aber einige ne. Namen langen 
Vokal, nämlich [?]. Burstivick (136) ist Beleg für den Norden, 
zahlreiche ee-Scbreibungen scheinen es für den Süden, besonders 
für Hampshire, Somerset und Devonshire, zu bezeugen. Dieses 



400 

lange 7 kann jedoch nicht unmittelbar auf ae. l znrüekgefühvt 
werden, welches ja [ai\ hätte werden müssen, sondern es 
mufs sich dialektisch die Vokalqualität in me. Zeit verändert 
haben. 

Wann ist nun die Kürzung eingetreten? Darüber 
läfst mein Material einen bestimmten Sehhii's nicht zu. Wenn 
wir die alten Schreibungen betrachten, müssen wir zunächst 
fragen, welche Kriterien wir in ihnen für Länge und Kürze 
haben. Länge und Kürze kann -wie bezeichnen, Länge ist 
vielleicht als wahrscheinlich bei -tvi/Jc, -icylce, aber nicht als 
unbedingt notwendig anzunehmen. Sicher ist nur, dafs 
Schreibungen wie -wich, -ivicke, -ivylke Kürzung bezeichnen. 
Diese Formen sind nun im ganzen selten, müssen es auch wohl 
sein, da auch die andern Schreibungen die Kürze wiedergeben 
können. Interessant ist es aber zu sehen, wann diese gekürzten 
Formen zuerst auftreten. Der älteste Beleg dafür ist Femvich 
(114) 1105; sonst aus dem 12. Jh. nur Wynewicl: (171) 1192. 
Häufiger schon sind die Belege aus dem 13. Jh., ziemlich 
oft findet sich -wick in und seit dem 14. Jh. Wenn die 
Schreibungen wenig Schlüsse zulassen, so scheint es mir doch, 
als wenn die Kürzung seit dem 13. Jh. eingetreten ist. 

Da ae. wie und anord. -vik sich zum Ne. völlig gleich 
entwickeln mufsten, bedarf es zum Ziehen der Z^—c" Grenze 
einer Scheidung dieser beiden Wörter nicht. Genau wird sich 
auch nicht mehr sagen lassen, welches Wort im Einzelfalle zu 
zugrunde liegt. Die meisten Forscher nehmen für Küstenplätze 
wie Berwich-upon-Tweed , Norivich, Greemvich, Woolwich, 
Santhvich, Fordwich und andere die Herleitung aus dem Alt- 
nordischen als die bessere an; immerhin ist es auffällig, dafs 
die Endung -ivic sich schon im Jahre 675 belegen läfst (vgl. 
Fordiüicli 486), als von an. Eiufluls noch nicht die Rede war. 
Sonderbar ist es auch, dafs in vielen Fällen nur die Ortschaft 
heute den Namen mit der Endung -iviclx, wich trägt, nicht die 
Bucht so bezeichnet wird. Dort wo sicher anord. vtk zugrunde 
liegt, auf den Shetland-Inseln, den Orkneys und der Isle of 
Man (vgl. die Belege) führt die Bucht noch heute den Namen. 
Weshalb ist das dann im Süden nicht auch der Fall? Auch 
der Umstand, dafs für Dumvich in Sutfolk, worin höchst 
wahrscheinlich die altnordische Form vorliegt, noch im 8. und 



401 

9. Jh. Belege ohne -ivich vorhanden sind, scheint mir darauf 
hinzuweisen, dafs bei an. Einfhifs das -wie wesentlich später 
hinzutrat als G75, wo wir sie in Fordwich schon fanden. Ich 
neige deshalb der Aussicht zu, die ae. Form als die auch in 
diesen Orten zugrunde liegende anzunehmen. Eine sichere 
Entscheidung Heise sich aber nur fällen, wenn gültige Belege 
aus älterer Zeit, als ich sie bringen konnte, aufzufinden 
wären. 

Herleitung aus dem Altnordischen nehmen mehrere 
Forscher, unter ihnen Skeat, für die Formen auf -tvich an, wo 
letzteres sich in den Namen von Orten findet, in denen sich 
Solquellen befinden. Für diese Worte belegt Wyld-Hirst die 
oben erwähnte Aussprache [wait/]. Wenn auch nach J. Wright, 
Engl. Dial. Grammar ne. clitch = ae. die gerade in diesen 
Dialekten als [dait/] belegt ist, so scheinen doch diese Orts- 
namen eine Gruppe für sich zu bilden und es fragt sich, ob 
die Herleitung aus dem Altnordischen richtig ist. Schon 
Duignan, WorcestersMre Place-Names p. 177, weist darauf hin, 
dafs die Belege für Wich so alt sind, dafs man altnordischen 
Einflufs nicht annehmen dürfe (Belege unter Droitwich 378). 
Wenn Skeat demgegenüber (vgl. Duignan, Worcester Place- 
Names p. 177 Anm.) meint, dafs an. Einflufs doch möglich wäre, 
weil die Dänen doch schon zu Alfreds Zeit fast ganz England 
unterworfen gehabt hätten, so entkräftet das ra. E. nicht die 
Tatsache, dafs Saltivich schon 716 belegt ist und die Ver- 
mutung, dafs diese Zusammensetzung jedenfalls älter als 700 
ist. Aber gerade die Entwicklung des Namens Droitwich, wie 
sie das Material zeigt, ist überaus interessant, um so mehr, als 
eine derartige Entwicklung in England selten ist. Der Name 
der Stadt war zunächst Saltivich, verlor dann wahrscheinlich 
wegen Bedeutungswandlung des zweiten Wortteils den. ersten 
Bestandteil, so dafs wir schon im 10. Jh. pic finden. Im Laufe 
des 11. Jhs. verschwindet der erste Bestandteil völlig, und 
Wich allein gilt durchaus. Dann trat im 13. Jh. wieder das 
neue, aus dem Französischen stammende droit davor, das 
wahrscheinlich dadurch notwendig geworden war, dafs man 
ein unterscheidendes Merkmal zwischen den vielen Städten 
dieses Namens brauchte und dafs man die Bedeutung von 
Wich allein nicht mehr fühlte. Doch findet man neben dieser 

Studien zur engl. Phil. L, 26 



402 

neuen Bezeichnung noeli bis ins 15. Jh. hinein die ältere Form. 
Aus dieser Entwicklung des Namens folgt aber wohl der 
Schlufs, dafs Saltivich zunächst lediglich ,.Salz-Ort" bedeutete, 
eine Erklärung, für die ja auch andere Salhvick sprechen. 
Bald aber wurde die Bezeichnung wie auf die Solquelle über- 
tragen, die Bedeutung änderte sich also. Denn das ist aufser 
Zweifel, dafs ivich diese Bedeutung hat, wie das Dialektwort 
wich-waller, „Salzkocher" (vgl. Lucas, Wth. und Engl. Dial. 
Dict. unter Wych) bezeugt. Immerhin ist diese Erklärung von 
-7vich als isolierter Form von ae. wie nicht als unbedingt gültig 
anzunehmen, da die Endung -wiek in Flufsnamen bezeugt, dafs 
auch andere Deutung möglich ist. 

Die Salzstädte Englands sind ziemlich zahlreich; schon im 
D. B. ist eine grofse Zahl zu belegen (vgl. Ellis, An Intro- 
dudioti to D. B. I, 126 ff.). Von meinen Beispielen kommen 
Middlewich 176, Nantwicli 177, Northwich 178, ShirUtjwich 206, 
DroiUüich 378 und Loiver und Upper Wtjclie 395 in Frage. Diese 
Orte wären, da die Herleitung weder von ae. wie noch an. vtli 
sicher ist, bei Behandlung der Hauptfrage auszuschalten. 

Aber aufser diesen drei Bedeutungen kann noch eine 
weitere zugrunde liegen. In mehreren Ortsnamen wird wohl 
witcli („Ulme" < ae. ivic oder wice (vgl. Middendorf, Ae. Flur- 
namenbuch) die Endung bilden. Wych-Elms gab es früher 
in England vielfach, heute ist eine besonders bekannt (vgl. 
Baedecker, Grofshrit. p. 78). Das English Dial. Dict. belegt 
dies Wort allerdings nur für Somerset und Devonshire. Orts- 
namen wie High Wych (474) (vgl. dazu High OaJ: und ähnliehe) 
und Holyivych (510), auch Wych Cross (511) dürften hierher 
gehören, desgleichen Formen wie Witcham (338), während 
Witchford 339 und Whichford 372 wohl auf das Altnordische 
zurückgehen. Im Norden ist im Ne. das Dialektwort Wicke?!, 
Wicken Tree „Eberesche" zu belegen, vgl. English Dial. Dict, 
unter Wiggen, Quicken, auch Witchen. Dies wird vielleicht 
derselbe Stamm sein. Da hier im Ae. auch auslautendes -c 
vorliegt, ist natürlich kein Grund vorhanden, diese Ortsnamen 
aus unserer Untersuchung auszuschalten. 

Wich „Docht" und ivitch „Hexe" dürften in unseren 
Ortsnamen kaum vorliegen. Anhaltspunkte dafür sind Jeden- 
falls nicht vorhanden. In wieweit die Bedeutung „Vorgebirge" 



403 

und „peak", die tvicJ: in Schottland und Nordengland zu haben 
scheint (vgl. die Belege 17. 23. 90) mit unseren Wörtern zu 
tun hat, ist kaum zu sagen. 

Doch noch weitere Erklärungsraüglichkeiten sind gegeben. 
Sicher liegt in einigen Ortsnamen, zum wenigsten in einem, 
der Name des alten Stammes der Hwiccas vor, die in den 
angelsüchsiseheu Annalen erwähnt werden. Dafür sprechen 
mehrere Schreibungen, nämlich Huiccepudu für Wychivood (439), 
Hiviccenofre für Wichnor (209). Diese Ortsnamen müssen wir 
jedenfalls bei der Untersuchung ausscheiden. 

Die Annahme, dafs wtc dem Bedeutungswandel stark unter- 
lag, wie wir für ivich = „Solquelle" angenommen haben, wird 
weiter befestigt durch das zahlreiche Vorkommen insbesondere 
in Essex und dem Süden Englands in Zusammensetzungen, in 
denen ivick „Marsch, Marschland, Weide" bezeichnet. Dies ist 
sicher in Hackneij Wich der Fall, höchstwahrscheinlich bei den 
eng aneinanderliegenden Wich in Essex' Küstenmarsch. Doch 
kann hier auch die Bedeutung „Meierei, Käserei, dairy" vor- 
liegen (vgl. English Dicd. Dict. unter Wide i). Jedenfalls ist hier 
ein Bedeutungswandel eingetreten. Die in Frage kommenden 
Ortsnamen aus unserer Untersuchung auszuscheiden, liegt aber 
kein Grund vor. 

Nachdem wir so zunächst gesehen haben, welche von den 
im Material mit aufgezählten Orten für unsere Frage aus 
Gründen der Bedeutung der Endung nicht in Betracht kommen, 
müssen wir jetzt sehen, bei welchen Orten andere Gründe für 
ein Ausscheiden vorliegen. Hier haben wir vor allem die 
alten Formen zu befragen, aber auch Nebenformen, die heute 
noch im Gebrauch sind, müssen Zweifel in uns erwecken. Dies 
ist z. B. der Fall in ManvicJc (26), wozu die Formen Marvig 
und Maldbhig belegt sind. Zweifelhaft müssen wir auch werden 
bei der Schreibung -wig, da das -g auf stimmhafte Aussprache 
hinzuweisen scheint. Doch wird -wich im Ne. vielfach \ividz\ 
gesprochen, sodafs wir die Orte auf -g nicht streichen dürfen. 
Dafs weder ae. tvic noch an. vllc vorliegt, beweist der alte 
Beleg für JRenvicJc (44). Wichham oder Whicham (86) hat mit 
unserem Worte nichts zu tun, wie die alten Belege Witingham 
deutlich zu zeigen scheinen. Auch in Stanwich (102) scheint 
die Endung früher anders gelautet zu haben, da das D. B. 

26* 



404 

Stenwege und äbnliclie Formen hat. Für Glodwich (163) ist 
keine alte Form mit -ivick belegt, sodafs es auch hier zweifel- 
haft sein muls, ob wir es zur Untersuchung heranziehen dürfen. 
Wichaugh (182) ist ein sehr schwer zu deutender Name, Aus- 
scheidung scheint mir auch hier angebracht. In Muchlewick 
(192) liegt wahrscheinlich eine ähnliche Umbildung vor, wie 
in dem oben erwähnten Stamuick. Auch hier lautet die Form 
des 14. Jahrhunderts auf -wege. In Wiekenhy (230) liegt ein 
altes Wikmghy zu Grunde und kommt es deshalb für uns nicht 
in Betracht. Schwierig ist die Entscheidung bei Cranivich (241), 
wo die Belege aus früheren Jahren niemals -wich, sondern 
-wisse, -wyz, -wes zeigen. Obwohl diese Schreibung vielleicht 
nur darauf hindeutet, dals hier [ts] gesprochen wurde, scheint 
es mir ratsam zu sein, die Form ganz fortzulassen. Crostivick 
(242) und und Guesttvich (244) scheinen auch ursprünglich eine 
ganz andere Endung gehabt zu haben. Zwar ist für das erstere 
die Endung -ivic im 13. Jahrhundert bezeugt, die heutige Aus- 
sprache ist m. E. auch beweisend dafür, dafs es wirklich eine 
Zeit gegeben haben muls, wo man [hJc] sprach, die Erklärung 
der Namen ferner würde bei Annahme eines alten -tvic keine 
Schwierigkeit bereiten. Immerhin scheint mir das Gewicht 
der alten Belege auf -tveit, -2vit so bedeutend, dafs ich lieber 
auf die beiden Orte verzichten möchte. Ausscheiden mufs 
auch Witchiiigham (260), wie auch Wigston (360) auf Grund 
der alten Form. Stanwick 2 (355) muls ebenso ausgelassen 
werden wie das oben erwähnte Stanwick und wie MuMeiviclc. 
Auch hier sprechen zahlreiche Belege für andere Endung. 
Auch Wigmore in Herefordshire mulste aus gleichem Grunde 
gestrichen werden. Wiclcliamford (399) und Child's WicMiam 
(428) müssen fallen ; Wychbold (401) Wijckhurij Hill (402) sind 
auch nicht sicher auf -wich zu deuten. Schlielslich ist Comb- 
ivich (592) noch zweifelhaft ; die heutige Schreibung ist zuerst 
im 15. Jahrhundert belegt. 

Strittig ist die Bedeutung von Aldtvych, einem Namen, 
der 1905 einer neuen Strafse in London gegeben wurde, und 
zwar, um den alten Namen Wijch Street wieder aufleben zu 
lassen. Wenn also auch der Name erst kürzlich gegeben wurde, 
ist die Form selbst doch sehr alt und mufs von uns berück- 
sichtigt werden. Fraglich ist nur, was die Endung bedeutet. 



405 

F. H. Habben, London Street A^ames, deutet icijch hier auf 
ein altes Kloster, ohne allerdings diese Deutung etymologisch 
zu begründen, andere sehen die an. Form als zu Grunde liegend 
an, wieder andere glauben, dafs hier loitch = „Ulme" zu setzen 
ist. Mir selbst erscheint es aber, als wenn hier ae. iv'ic in der 
isolierten Form zu Grunde liegt, die wir oben schon besprochen, 
nämlich „Weide, Wiese, Marsch". Darauf scheint zunächst 
der alte Beleg The garclen in Aldeivych zu deuten, ferner auch 
die Bemerkungen über die Geschichte des Orts in Notes and 
Qiieries 1905, S. 411. Danach war an dieser Stelle früher ein 
ca. zwei Acker grolser Platz vorhanden, Oldiviclc, Oldwich oder 
Old Witch Close benannt. Dieser Platz war noch im Jahre 
1629 unbebaut, da in diesem Jahre Beschwerde geführt wurde 
über gewisse Leute, die versucht hatten, auf dem kleinen Platz 
zu bauen. 

Interessant sind nun die wenigen Worte, die früher die 
Form -wich gehabt, sie aber in der Entwicklung der Jahr- 
hunderte verloren. Yorh ist der hervorragendste dieser Plätze 
(man vgl. Bradley a.a.O. S. 19f.). Allerdings scheint mir die 
Kontraktion von Evervic > York wesentlich später eingetreten 
zu sein, als Bradley annimmt. Ich konnte doch noch im 
14. Jahrhundert die Form Everwic belegen, also muls bis dahin 
diese Form bekannt gewesen sein. Die Form lorviJc als 
Zwisehenform anzunehmen, ist auch gewagt; Beispiele und 
Belege habe ich dafür nicht gefunden, wüIste auch nicht, dafs 
dieser Name irgendwo belegt wäre. Sicher liegt hier aber 
altes -2ütc zugrunde. Birmingham ist von verschiedenen 
Gelehrten als Brummidgeham gedeutet worden, unter Bezug- 
nahme auf die in der Nähe liegenden Bromwich. Zachrisson 
a. a. 0. S. 2 hat aber durch den Hinweis darauf, dafs in alter 
Zeit nur Ber-, Bir- begegnen, diesen Irrtum wieder richtig 
gestellt. 

Die alte Endung ist nicht mehr zu erkennen, aber durch 
Belege aus früherer Zeit erwiesen in Holliclcstone (384) 
< Hahvichestan, Ramerich (469) < BamnordwyJc, in Brunage 
(544) < Brunuuic, in Wishford (587) < Whicheford, Swanage 
(582) < Swanawic, wahrscheinlich auch in Chelveg (591) aus 
Calviche. Von diesen sind Brunage, Swanage und Wishford 
besonders interessant, da sie die wenigen Belege für die 



406 

palatalisierte Form vermebreu in einer Gegend, in der sonst 
U'ich-Formen nicht belegt sind. 

Nachdem wir so die einzelnen Ortsnamen, soweit etwas 
darüber zu sagen ist, für die Zwecke unserer Untersuchung 
geprüft haben, möchte ich dazu übergehen, die Überlieferung 
unserer Ortsnamen bezüglich der Palatalisierung des 
auslautenden Konsonanten zu schildern. Auffallen mufs 
auf den ersten Blick, dafs das Bild kein reines ist, dafs wir 
überall die Formen auf -ivick, -loeclc vorherrschend finden, 
während -wich die Ausnahme darstellt. Es bleiben nach Ab- 
zug der oben ausgeschiedenen nur noch 44 wich-Yoxmen gegen- 
über der grofsen Zahl derer auf -ivick. Das darf aber nicht 
Wunder nehmen. Wir müssen vielmehr bedenken, dafs wie 
nur dann der Palatalisierung unterlag, wenn das c im Auslaut 
stand, also nicht in den flektierten Formen (vgl. E. Björkman, 
Scand. Loanw. S, 145). So mulsten sich notwendigerweise 
Doppelformen ergeben, und die nicht palatalisierte Form hat 
im allgemeinen den Sieg davongetragen. Leider können wir 
an Hand des Materials diesen Vorgang nicht verfolgen, da die 
Schreibungen fast stets versagen. Nur ganz wenige Belege 
zeigen durch die Schreibung -luyz, -wes, -wys oder tvicche an, 
dafs hier ein Laut vorlag, der den Schreibern Schwierigkeiten 
bereitete. Denn die oft belegten Formen mit ch sind keines- 
wegs beweisend für Palatalisierung. Das geht aus vielen 
Schreibungen hervor, wie z. B. Cheiit und Norfolch in den Pipe 
liolls. Auch c ist nicht beweisend für den [fsJ-Laut, obwohl 
es natürlich diesen Laut bezeichnen könnte. Das zeigt die 
Schreibung Wieford, im D. B. für heutiges Whichford (372) 
deutlich an. Andererseits setzen die Schreiber zuweilen h, wo 
sicher [ts] vorlag, wie in Wike statt Wiche = Droitwich. Auf 
die Schreibungen dürfen wir also nicht viel geben. 

Stellen wir nun die Verbreitung der -wich und -ivich- 
Formen fest. In ganz Schottland und dem ganzen Norden 
aufser Lancashire gibt es kein einziges -ivich, sondern nur tvick- 
Formen sind zu belegen, Whicham in Cumberland war zu 
streichen. In Lancashire begegnen neben vielen -wich auch 
zwei -lüich, Horwich (165) und Presttvich (168). In Cheshire 
sind neben wenigen wich mehrere wich zu belegen; bis auf 
Leftwich (175) haben diese aber die Bedeutung „Solquelle". 



407 

In Shropsbiro überwiogeu die wiclc durchaus, nur Ledwich (191) 
zeigt Palatalisierung. Zahlreich sind die -j^/c/i- Formen dann 
in Statfordshire, doch sind daneben einige wich zu belegen. 
Derbyshire zeigt liberwiegend wich, doch haben Grecnwich 
(211) und Parivich (213) auch hier die palatalisierte Form. 
Lincolnshire, Nottinghamshire, Leicestershire und Rutlandshire 
sind ganz frei von Palatalisieruug. Norfolk, Suffolk und Essex 
zeigen ein starkes Überwiegen von 7vicl', nur vier sichere Belege 
für -wich sind vorhanden. Cambridgeshire hat im Osten zwei 
Witch-, neben mehreren wicJc; Bedfordshire und Northampton- 
shire haben nur wicl: Warwiekshire dagegen hat schon wieder 
zwei ivich-Formeu, neben überwiegendem wicJc. Worcestershire 
hat dann neben vielen tvicJc und aulser einigen zweifelhaften 
Ortsnamen noch DucJcswich (379), Liidwidge (388) und Wichen- 
ford (396). Herefordshire, Moumonthshire, Gloucestershire, 
Oxfordshire und Buckinghamshire sind ganz frei von jeder 
palatalisierten Form. Dann treten wir wieder in das tvich- 
Gebiet Ostenglands ein: In Hertfordshire ein wych, in Middlesex 
zwei, in Kent sogar überwiegend -wich. Die übrigen Graf- 
schaften des Südens haben bis auf die nördlichste, Berkshire, 
und die westlichste, Cornwall, vereinzelte ivich-Formen. Dabei 
ist die eine Form Somersets sogar noch auszuscheiden (vgl. 
oben). 

Wir sehen also zwei deutlich von einander getrennte Ge- 
biete, die tvich-Formen enthalten. Die eine befindet sich im 
Nordwesten des Mittellandes mit dem Hauptsitz in Staffordshire 
und umfafst den Süden von Lancashire, dann Cheshire, West- 
Derby, Shropshire, StaflFordshire, Worcestershire und West- 
Warwickshire; die andere im Osten und Südosten mit dem 
Zentrum in Kent, von wo einzelne Ausläufer sich nach Norden 
und Westen erstrecken. Hier finden sich wic/i-Formen in Nor- 
folk, Suffolk, Cambridgeshire, Hertfordshire, Essex, Middlesex, 
Kent, Surrey, Suesex, Hampshire, Wiltshire, Dorsetshire und 
Devonshire. Der Südwesten und die Mitte des Mittellandes 
sind ganz frei von der palatalisierten Form. Bei der eigen- 
artigen Überlieferung können wir aber wohl kaum hieraus den 
Schlufs ziehen, dafs nun überall, wo heute -ivich-Formen fehlen, 
auch früher die Palatalisieruug nicht eingetreten sei. Das 
scheint m. E. nur für Schottland und Nord-England festzustehen. 



408 

Wir dürfeu deshalb wohl auch die Scheidung zwischen nord- 
westlicher und südöstlicher Gruppe nicht so streng nehmen. 
Wenn wir überhaupt eine Grenze ziehen wollen, kann es sich 
nur um eine Grenzlinie gegen Norden handeln und auch diese 
wiederum kann nicht unbedingte Zuverlässigkeit für sich in 
Anspruch nehmen. Denn das Mittelland beweist uns doch, dafs 
wir heute nicht unbedingt da wich-Formeu zu suchen haben, 
w^o Palatalisierung wirklich eingetreten ist. Um eine eigent- 
liche Grenzlinie kann es sich aber schon deshalb nicht handeln, 
da die Verbindung zwischen Ost- und West -England ganz 
fehlen würde. Im Westen findet sich die nördlichste Form 
{Horwich 165) in Süd-Lancashire, und die Verbreitung des 
palatalisierten ivich endigt hier genau dort, wo auch die chester- 
Form aufhört (vgl. H. Cornelius, Die ae. Diphthongierung 
durch Palatale im Spiegel der me. Dialekte in Morshacli- Studien 
XXX S. 78). Dasselbe ist der Fall im Osten. Norwich liegt 
allerdings noch nördlich von der von mir gezogenen Grenze, 
doch müssen wir bei jeder derartigen Linie etwas Spielraum 
lassen. 

Zusammenfassend muls ich sagen, dals die Frage der 
dialektischen Abgrenzung der ivich- und wich-Yoxm wohl gelöst 
ist. Wir haben zwei völlig von einander getrennte Gebiete 
mit -wich gefunden. Damit ist aber leider nicht das Gebiet 
umgrenzt worden, in welchem Palatalisierung des auslautenden 
c (vgl. K. D. Bülbring, Ae.El. §496) überhaupt eintrat. Viel- 
mehr wird in ae. Zeit neben der palatalisierten Form die nicht 
palatalisierte Form der flektierten Formen bestanden haben; 
dieser Umstand allein mulste natürlich eine Entscheidung un- 
möglich machen. 

Anmerkung: Während der Drucklegung erschien das Buch von 
H. Alexander, The Place-Names of Oxfordshire, Oxford 1912. Aus dem 
Inhahc wäre nachzutragen der weitere Beleg Berrick Prior, Bcrrick Salome 
(s. 52). Alte Formen beweisen, dafs hier dieselbe Endung wie iu Berwick 
zugrunde liegt. 



409 



I n (l e X. 



Abberwlck, Nhmiih., JS 
Adwick-le-Strcet, W. K. Yks., 107 
Adwick-upou-Dearne, W. R. Yks., 

106 
Aldwick, Süss., 504 
Aldwick Court, Hom., 5S6 
Aldwych Crescent, Middx., 475 
Alfledawiclia, Ilerts., 4ö(l 
Alnwick, Nhnmb., 49 
Alnwick Lodge, Sc. Ayrs., 40 
Alswick Hall, Herta., 457 
Aukerwyke, Biicks., 440. 
Ankorwyke, Surr., 494 
Anuick Lodgc s. Alnwick Lodge 
Anwick, Lines., 220 
Appletreewick, W. R. Yks., 104 
Ardwick, Lancs., 154 
Ashwick, Som., 5SS 
Ashwicken, Norf., 2.Ü7 
Ashwicke Tark, Gloucs., 411 
Astwick 1, Beds., 449 
Astwick 2, Nhauts., 348 
A.stwiek Manor, Herts., 458 
Aswick Grange, Lines., 224 
Atwick, E. R. Yks., 134 
Auld Wick Castle, Sc. Caitbs , 20 
Anstwick, W. R. Y'ks., 105 

Bagwich, Hants., 543 
Banterwick Baru, Berks., 532 
Barlawick, Yks., 151 
Barnoldswick, W. R. Yks., 108 
Barswick, Sc. Ork., 17 
Barwick 1, Som., 5S9 
Barwick 2, Norf., 238 
Barwick, Dev., (121 
Barwick, Great, Herts., 459 
Barwick Hall, Ess., 276 
Barwick- in-Elmet, W. R. Yks., 109 
Barwick, Ingleby, N. R. Yks., 94 
Bastwick, Repps-with-, Norf., 239 
Baswich, Staffs., 196 
Baswick, Worcs., 374 



Bathwick, Soui., 590 
Beuwick, Cambr., 831 
Borkswich, Staffs., 196 
Bcrrick Prior, — Saloiuc, s. 408 A. 
Berwick 1, Süss., 505 
Berwick 2, Shrops., 184 
Berwick 4, Dors., 579 
Berwick, Kent, 4S3 
Berwick, Ess., 279 
Berwick-Bassett, Wilts., 558 
Berwick, Great, Shrops., 183 
Berwick Hill, Nhumb., 51 
Bcrwick-in-Toppesfield, Ess., 280 
Berwick Lodge, Gloucs., 412 
Berwick, New und Old, Nhumb., 52 
Berwick, North, Sc. Haddings., 32 
Berwick Place, Ess., 277 
Berwick-St. James, Wilts., 559 
Berwick-St. John, Wilts., 560 
Berwick-St. Leonard, Wilts., 561 
Berwick- upon -Tweed, Nhumb., 50 
Beswick 1, E.R. Yks., 137 
Beswick 2, Lancs., 1.^5 
Bewick, E.R. Yks., 138 
Bewick Farm, Suff., 262 
Birmingham, Warws., 363 
Biscopesunic, Kent, 493 A. 1 
Bishops Wicks, Suff., 274 
Blatherwick, Nhauts , 349 
Bloxwich, Staffs., 197 
Blowick, Higher und Lower, Lancs., 

150 
Blowick Bay, Wmld., 88 
Bolwick Hall, Norf., 240 
ßonwicks Place, Süss., 506 
Borwick, Lancs., 157 
Borwick Ground, Lancs., 158 
Borthwick 1, Sc. Edins, 33 
Borthwick, Flufs, Sc, 37 
Borthwickbrae, Sc, Roxbs., 37 
Borthwickshields, Sc, Roxbs., 37 
ßraiswick House, Ess., 281 
Bridgewick, Ess., 282 



410 



Brihthelmewic, Cambrs., 339 
Broniwlcli, Castle, Warws.," 3r)5 
Bromwich, Little, Warws., 364 
Bromwich, West, Stafifs., 11)8 
Brotberwick, Nhumb., 53 
Bninage, Eants., 544 
Bruuswick Farm, Suff., 2(13 
Buddingwick, Worcs., 375 
Bndwick Hall, Herts., 460 
Bulwick, Nhants., 350 
Burstwick, E. R. Yks., 136 
Burstwiek Island, Keut, 4S4 
Biirwick, Sc. Ork., 16 
Butterwick 1, Lines., 221 
Butterwick 2, E. R. Yks., 1 35 
Butterwick 3, N. R. Yks., Ü5 
Butterwick 4, Dur., 73 
Butterwick 5, Wmld., 89 
Butterwick, East und West, Lines., 

222 
Butterwike, Dors., 580 

Calwicb, Staffs.; 199 
Candelwikstrete, Middx., 476 
Canwick, Lines., 223 
Casewick, Lines., 225 
Castlewigg, Sc. Wigs., 43 
Catwick, E. R.Yks., 140 
Cepmundewiche, Chesh., 173 
Chaddeuwicke, Wilts., 5G2 
Chadwick 1, Laues., 159 
Chadwick 2, Wores., 376 
Chadwick 3, Worcs , 877 
Chadwick End, Warws , 366 
Chadwick Green, Laues., 160 
Chelvey, Som., 591 
Cheswick, Nhumb., 54 
Cheswick near Tamwortb, Warws., 

367 
Childwick, Herts., 461 
Childwickbury, Herts., 462 
Chiswick, Middx., 477 
Chiswick End, Cambrs., 332 
Cholwicb Town, Devon, 623 
Colwicb, Staffs., 200 
Cülwick, Notts., 215 
Combwicb, Som., 502 



Cookburyweek, Devon, 624 
Cowick, Devon, 625 
Cowick 1, W. R.Yks., 111 
Cowick, Snaitb and, W. R. Yks., 126 
Cranswick, E. R.Yks., 139 
Crauswick, Hutton, E. R. Yks., 139 
Cranswich, Norf., 241 
Crawick, Flufs, Sc. Damfs., 41 
Creswick, W. R.Yks., 110 
Crostwick, Norf., 242 
Crustwick, Ess., 285 
Cynemunding wie, Bucks., 448 

Dalwick, Sc. Peebs., 35 
Daneswick, Herts., 463 
Dawick s. Dalwick. 
Denwick, Nhumb., 55 
Dorweeke, Devon, 626 
Droitwicb, Worcs., 378 
Drungewick, Süss., 507 
Duekswich, Worcs., 379 
Duddlewick, Shrops., 185 
Dulwich, Surr., 495 
Dankeswick, W. R.Yks., 112 
Dunwich, Suff., 264 
Dwarwick Head, Sc. Caitbs., 23 

Eacbwick, Nhumb., 56 
Earswick, N. R.Yks., 96 
Eastwick 1, Herts., 464 
Eastwick 2, Hants., 545 
Eastwick 3, Shrops., 186 
Eastwick, Ess., 287 
Eastwick, Ess., 288 
Eastwick, Surr., 496 
Eckweekhouse, Som., 594 
Eldwick, W. R.Yks, 113 
Ellwick, Sc. Ork., 15 
Elsternwick, Elstronwick, E. R.Yks., 

141 
Elswick 1, Nhumb., 57 
Elswick 2, Lancs., KU 
Elswick, Sc. Ork., 15 
Elwick 1, Nhumb., 58 
Elwick 2, Dur., 74 
Elwick Hall, Dur., 74 
Esüotrewic, Derbs., 214 A. 



I 



411 



Eswiuk, Sc. Shetl., 5 
Etherdwiek, E. R. Yks., 
Etou Wick, Backs., 111 
Exwick, Devou, (i27 



42 



Farwig, Kent, 485 
Feuwick I, W. R.Yks., 114 
Feuwick 2, Nhiimb., 59 
Fenwick 3, Nhuiub., HO 
P'enwick 4, Sc. Ayrs., .H'J 
Fishwick 1, Laues., lt')2 
Fishwick, Sc. Berws., 34 
Fisberwick, Staffs., 201 
Fleshwick, I. o. IM., 47 
Flitbwick, Beds., 45U 
Fordwicb, Kent, 486 
Froswick, Wmld., UO 
Frowick, Ess , 2>\) 
Furtlicrwick, Ess , 29il 

('anwick Corner, Middx., 478 
(larwick, Lines., 226 
Garwick Bay, I. o. M., 47 
(Tatwick, Sarr., 497 
Gatwick, Surr., 498 
Gatwick, Gloucs., 41 .'5 
Gernianswcek, Devon, (.28 
Giggleswick, W. R.Yks., 115 
Giodwick 1 nud 2, Laues., 163 
(ioddeuwick Farm, Süss., 508 
Godwick, Norf., 243 
Güswick, Nhumb., 62 
Gotherick, Nhumb., 61 
Gratwich, Staffs., 2ü2 
Greenwich, Kent, 487 
Greeuwick, Derbs., 211 
Greenwick, L o. M., 47 
Grenaiigh, s. Greenwick, L o. M. 
Gräting Wick, Bucht, Sc. Shetl, 3 
Guestwick, Norf., 244 
Gulberwick, Sc. Shetl., 6 
Gweek, Cornw., 659 

Ilamiuerwich, Staffs., 203 
Hardewick, Staffs., 204 
Hardwick 1, Norf., 245 
Hardwick 2, Nhants., 351 



11 iruwick 3, Suff, 265 
Hardwick 4, Cambs., 333 
Hardwick 5, Oxfs., 432 
Hardwick 6, Lines., 228 
Hardwick 7, Oxfs., 43:5 
Hardwick 8, Derbs., 212 
Hardwick 9, ]\Ioum., 407 
Hardwick 10, Norf., 246 
Hardwick 11, Oxf., 431 
Hardwick 12, Rutls., 358 
Hardwick 13, Shrops., 187 
Hardwick 14, Shrops., 188 
Hardwick 15, Shrops., 189 
Hardwick 16, Worcs., 380 
Hardwick 17, Dur., 75 
Hardwick 18, Monm., 408 
Hardwick 19, Hunts., 341 
Hardwick 20, W. R.Yks., 121 
Hardwick, Devon, 629 
Hardwick, East u. West, W. R.Yks., 

120 
Hardwick, Eynesbury, Hunts., 342 
Hardwick Grange, Lines., 227 
Hardwick Green, Worcs., 381 
Hardwick House, Oxfs., 435 
Hardwick, Kirkby, Notts., 216 
Hardwick, Kytes, Warws., 368 
Hardwick, Monks, Hunts., 343 
Hardwick, Priors, Warws., 369 
Hardwick, Shefford, Beds., 451 
Hardwicke 1, Bucks., 442 
Hardwicke 2, Glouc, 414 
Hardwicke 3, Herefs., 403 
Hardwicke 4, Gloucs., 415 
Hardwicke, Hunts., 344 
Hardwicke Bell End, Beds., 452 
Hardwicks, Hunts., 345 
Haroldswick, Sc. Shetl., 4 
Harwich, Ess, 291 
Haultwick, Herts., 465 
Hawick 1, Nhuuab., 63 
Hawick 2, Sc. Roxbs., 36 
Hawkswick, Herts., 466 
Hazelwick, Süss., 509 
Heckraondwike, W. R. Yks., 119 
Hedderwick, Sc. Forfs., 27 
Henwick 1, Worcs., 382 



412 



Henwick 2, Berks., 536 
Herdwick, Devou, G30 
Heswick Farm, Wilts., 573 
Hewiek, Bridge, W. R. Yks., 117 
lIcMick, Copt., W. R.Yks., 116 
Ilida ding pie, Worcs., 383 
Ilillswick, Sc. Slietl., 7 
Hiuchwick nnd Old Ilinchwick, 

Glüucs., 416 
Hiuwick, Beds., 453 
Hlidwic, Süss., 5;i0 A. 
HoUick, Surr., 499 
HoUickstoue, Worcs., 3S4 
Hülwick, N. R.Yks., 97 
Holywych, Süss., 510 
Iloneywick, Som., 595 
Horwieb, Lancs., 165 
Hoswick, Sc. Shetl., 8 
Howick 1, Nhnmb. 64 
Howick 2, Lancs., 164 
Howick, Snss., 511 
Howick, Monm., 409 
Hremping wiic, Kent, 493, A. 1 
Huntwick, W. R.Yks., 118 
Hunwick, Dnr., 76 
Hnrdwick, Devou, 632 

Innerwick 1, Sc. Haddings., 31 
Innerwick 2, Sc. Perths., 29 
lunervvick-in-Glenlyu, Sc. Perths , 30 
luverwick. Sc. luvs., 2^ 
Ipswich, Suff., 266 

Kearstwick, Wmld., 91 
Keckwick, Kekewick, Chesli., 174 
Kelsick, Cumb., 81 
Keltwick, s. Kelsick 
Kenswick, Worc, 385 
Kenwick, Shrops., 190 
Keuwick Hall, Norf., 247 
Kepwick, N. R. Yks., 99 
Keswick 1, Cumb., 82 
Keswick 2, Norf, 249 
Keswick, Norf., 248 
Keswick, East, W. R, Yks , 122 
Kildwick, W. R.Yks,, 123 
Killerwick-iü-Monsell, Lancs., 166 



Kilnwick, E. R. Yks., 143 
Kiluwick Percy, E. R. Yks., 144 
Kuightwick, Warws., 370 
Kniglitwick, Worcs., 3S6 
Kniglitswick, Ess., 294 

Landwick, Ess., 295 
Land Wick., Ess., 206 
Ledwicb, Shrops., 191 
Leftwich, Chesh., 175 
Lenchwick, Worcs., 387 
Lerwick, Sc. Shetl., 9 
Levenwick, Sc. Shetl., 10 
Littlewick Green, Berks., 537 
Longwick, Bucks., 444 
Lowick 1, Nhants., 352 
Lowick 2, Nhumb., 65 
Lowick 3, Lancs., 167 
Lndwick, Herts., 467 
Ludwick, Süss., 512 
Ludwidge, Worcs., 388 
Lundenwic, Middx., 4SI 
Lyn wick House, Süss., 513 

Malabhig s. Marwick 
Malswick, Gloncs., 417 
Marshalwick, Herts., 468 
Marvig s. Marwick 
Marwick, Sc. Lewis, 26 
Marwick Head, Sc. Ork., IS 
Middel pik, Worcs., 3S9 
Middlewich, Chesh., 170 
Middlewich, Worcs., 395 
Middlewick, Ess., 300 
Milwich, StafTs., 205 
Monkwick, Ess., 301 
Monkswick, Ess., 302 
Morwick 1, Nhumb., 66 
Morwick 2, W. R. Yks., 124 
Mouwick, Sc. Shetl., 3 
Jlucklewick, Shrops., 192 
j Muggleswick, Dur., 77 

Nantwich, Chesh., 177 
Neswick, E. R. Yks , 145 
Newick, Süss., 514 
Norridge, Wilts., 578 A. 



413 



Northwich, Chesh., 178 
Northwicb, Castle, Chesh., 179 
Northwick 1, Gloucs., 41b 
Northwick 2, Som., 597 
Northwick 4, Wurcs., 390 
Northwick 5, Worcs., 3i)I 
Northwick, Ess., ;!u5 
Norwich, Norf., 250 
Nor Wick, Sc. Shetl., 13 
Nimwick-with-Howgrave, W. R.Yks., 
125 

Orgarswick, Kent, 4SS 
Orleswick, Süss., 515 
Üsbaldwick, N. R.Yks., 100. 
Osborwyk, Nhiimb., 67 
Otterswick, Sc. Ork., 19 
Otterswick, Sc. Shetl., 1 
Oiitwich, Middx., 4S2 
Oiitwick, Hauts., 5-iü 
Owlswick, Bucks., 445 
Üwstwick, E. R. Ykä., 116 
Oxwick, Norf., 251 

Paiuswick, Gloucs., 419 
Paucrasweek, Devon, 635 
Papplewick, Notts., 217 
Parwich, Derbs., 213 
Pattiswick, Ess., 307 
Penewick, Derbs., 214 A. 
Perwick Bay, I. o. M., 47 
Petwick, Berks., 538 
Pickwick, Wilts., 563 
Postwick, Norf., 252 
Powick, Worcs., 392 
Preudwick, Nhumb., 68 
Prestwich, Laues., ICS 
Prestwick 1, Nhumb., 69 
Prestwick 2, Sc. Ayrs., 38 
Prestwick, Surr., 500 
Pull Wyke Bay, Lancs., 172 

Ramerick, Ilerts., 469 
Randwick, Gloucs., 420 
Reawick, Sc. Shetl., 12 
Redwick, Monm,, 410 
Redwick, Gloucs., 420 



Renwick, Curab., 83 
Rerwick, Sc. Kirkcuds., 44 
Rosswick, Cornw., 660 
Rotherwick, Hauts., 547 
Round wick, Süss., 516 
Rudgwick, Süss., 517 
Ptunswick, N. R.Yks., 101 
Rushwiek, Worcs., 393 

Saltwick, Nhumb., 70 
Salwick, Laues., 169 
Sandwich, Kent, 489 
Sandwick 1, Wmld., 92 
Sandwick 2, Sc. Ork., 14 
Sandwick 3, Sc. Shetl., 11 
Saudwick 4, Sc. Ross Croms., 25 
Scopwick, Liucs., 229 
Sedgewick Castle, Süss., 519 
Sedgwick, Wmld., 93 
Senwick, Sc. Kirkcuds., 46 
Shapwick 1, Dors., 581 
Shapwick 2, Som., 599 
Sheldwich, Kent, 490 
Shelwick, Herefs., 404 
Shirleywich, Staffs., 206 
Shockerwick, Som., 600 
Shopwyke, Süss., 520. 
Shotwick, Chesh., ISO 
Sloswick, Notts., 218 
Smethwick 1, Staffs., 207 
Smethwick 2, Chesh., ISl 
Smithwick Shoal, E. R. Y'ks., 147 
Suaith aud Cowick, W. R. Yks., 126 
Snodswic, Derbs., 214 A. 
Southwick 1, Süss., 521 
Southwick 2, Hants., 548 
Southwick 3, Nhauts., 353 ^ 
Southwick 4, Dur., 78 
Southwick 5, Wilts., 564 
Southwick 6, Gloucs., 422 
Southwick 7, Sc. Kirkcuds., 45 
Southwick, Som., 601 
Spaldwick, Hunts., 346 
Spitchwick, Devon, 636 
Stauderwick, Som., 6ii3 
Stanwick 1, N. R. Yks., 102 
Stauwick 2, Nhauts., 354 



414 



Stickwick, Devon, 637 
Stowick, Gloncs., 423 
Strodwic, Süss., ö'M) A. 
Snnderlandwick, E. R. Yks., 1 48 
Swainswick, Som., 6UG 
Swauage, Tors., 5S'2 
Swanwick 1, Derbs., 214 
Swanwick 2, Hants., 54!) 



Tadwick, Soin., 607 
Teignweek, Devon, 638 
Terwick, Snss., 522 
TetcLwick, Bncks., 446 
Tidbritwic, Cambrs , 340 
Tilwick Farm, Beds., 454. 
Tingewick, Bucks., 447. 
Todwick, W.ß. Yks, 127 
Treswick, Sc. Caiths., 22 
Treswiek, burn. Sc. Caiths., 24. 
Trewick, Nhumb., 71. 

rdding wie, Bucks., 44S 
Ullingswick, Herefs., 405 
Upwick Green, Herts., 470 
Urswick, Lancs., 170 
Unerburgenuic, Kent, 493 A. 1 

IVadswick, Wilts., 565 

Walberswick, Suff., 267 

AValwick, Nhumb., 72 

Warwick 1, Warws , 371 

Warwick 2, Cumb., b4 

Warwick Bridge, Curab., 85 

Warwicks, Ess., 314 

Wattouwick, Norf., 253 

Weatherwick, Ess., 315 

Week 1, Hants., 550 

Week 2, Som , 609 

Week 3, Som., 610 

Week 4, Som., 611 

Week 5, Hants., 551 

Week, Devon, o. Cullompton, 639 

Week, Devon, s.w. Okehampton, 640 ' 

Week, Devon, n. w. Totnes, 641 

Week, Devon, w. North Tawton, 612 

Week, Devon, s. o. North Tawton, 643 

Week, Devon, s. Morehard Bishop, 644 



Week, Devon, s. Torriugton, 645 
Week, Devon, s. Umberleigh Station, 

646 
Weck, Devon, o.n.o. Clmlmleigh, 647 
Week, Devon, w. Tivertou, 648 
Weck, Devon, o. n. o. Milton Abbot, 

649 
Weck, Devon, w.s.w. Wiukleigh, 650 
Weekaborough, Devon, 651 
Week, Ash, Som., 587 
Week, Chawleigh, Devon, 622 
Weeke, Hants., 552 
Wecke Barton, Devon, 652 
Weekfield, Som., 612. 
Week, Langtree, Devon, 633 
Weekley, Nhants., 355 
Week in Arreton, Hants , 533 
Week, North, Devon, 634 
Week St. Mary, Cornw., 658 
Weeks-in-the-Moor, Devon, 653 
Weiwick, E. R.yks., 149 
Westsandwick, Sc. Shetl., 2 
Westwick 1, Norf., 254 
Westwick 2, W. R. Yks., 132 
Westwick 3, Dur., 79 
Westwick 4, Cambs., 334 
Westwick, Ess., 317 
Westwick, Ess., 318 
Westwick, Ess., 319 
Westwick, Herts., 471 
Westwick, Som., 613 
Wetherwik, Derbs., 214 A. 
Whichford, Warws., 372 
Whickham, Dur., SO 
Whitwick, Herefs., 406. 
Whitwick, Leics., 359 
Whyke, Süss., 523 
Wichaugh, Chesh., 182 
Wiche, Shrops., 195 
Wichenford, Worcs., 396 
Wichnor, Staffs., 208 
Wick 1, Worcs., 397 
Wick 2, Gloucs., 424 
Wick 3, Süss., 524 
Wick 4, Som., 615 
Wick 5, Gloucs., 425 
Wick 7, Sc Caiths., 21 



i\ 



415 



Wick, Hants., 556 

Wick, Hants., 557 

Wick, Soni., 6 Kl 

Wick, Wilts, 566 

Wick, Ardingtou, Berks., 531 

Wick, Ardleigb, Ess., 275 

Wick, Avon, Devon, 620 

Wick, Badbnry, Wilts., 569 

Wick, Bray, Berks., 533 

Wick, Bremhill, Wilts., 568 

Wick, Burnham, Ess., 2S2 

Wick by Ipswich, Suff., 268 

Wick, Cerney, Gloucs., 427 

Wick, Charuey, Berks., 534 

Wick, ClactüD, Ess., 284 

Wick, Coxley, Sern., 593 

Wick, Dunmow, Ess., 286 

Wick, East und West, Devon, 654 

Wick, Egham, Surr., 501 

Wick End, Norf., 256 

Wick End, Beds., 455 

Wick Episcopi, Worcs , 398 

Wick, Eton, Bucks., 441 

Wick, Farleigh, Wilts., 567 

Wick, Fyfield, Berks., 535 

Wick, Great Wakering, Ess., 313 

Wick Green, Berks., 540 

Wick, Ilackney, Middx., 479 

Wick, Hampton, Middx., 480 

Wick, Hannington, Wilts., 570 

Wick, Hatfield, Ess., 292 

Wick, Haydon, Wilts., 571 

Wick, Heddiugton, Wilts., 572 

Wick, Jay, Ess., 293 

Wick in Headiogton, Oxfs., 436 

Wick, Kemble, Wilts., 574 

Wick, Kimble, Bucks., 443 

Wick, Land, Ess., 296 

Wick, Lee, Ess., 297 

Wick, Liddington, Wilts., 576 

Wick, Lower und Upper, Worcs., 394 

Wick, Lower, Ess., 298 

Wick, Maldon, Ess., 299 

Wick, Milborne, Som., 596 

Wick, Nase, Ess, 303 

Wick, New, Ess., 304 

Wick, Nor, Bucht, Sc.Shetl., 13 



Wick, North, Ess., 306 
Wick, Ramsay, Ess., 308 
Wick Eissington, Gloucs., 426 
Wick St. Lawrence, öoiu., 617 
Wick, St. Osyth, Esa., 310 
Wick, South, Som., 602 
Wick, Stanton, Som., 604 
Wick, Steeple, Ess., 3(i9 
Wick Street, Süss., 527 
Wick, Sutton, Som., 605 
Wick, Sutton, Berks, 539 
Wick, Tockenham, Wilts., 577 
Wick, ToUesbury-Marshes, Ess., 31 1 
Wick, Ulting, Ess., 312 
Wick Water, Sc. Caitbs., 24 
Wick, Way, Som., 60S 
Wick, Well, Ess., 316 
Wick, West, Ess., 320 
Wick, West, Ess., 321 
Wick, West Kington, Wilts., 575 
Wick, Writtle, Ess., 330 
Wicken 1, Cambrs., 335 
Wicken 2, Nhants., 356 
Wicken, Norf., 255 
Wickenby, Lines., 230 
Wicken Bonhunt, Ess., 322 
Wicken Hall, Suff., 270 
Wickfield, Berks., 542 
Wickford, Ess., 323 
Wickham !, Hants, 554 
Wickham 2, Cumb., 86 
Wickham 4, Berks., 541 
Wickham 5, Oxfs., 437 
Wickham, Herts., 472 
Wickham, Süss., 525 
Wickham Bishops, Ess., 324 
Wickham, Childs, Gloucs., 42S 
Wickham, East und West, Kent, 4'.)1 
Wickham Heath, Berks.. 541 
Wickham Market, Sutl'., 272 
Wickham St. Paul, Ess., 325 
Wickham Skeith, Suff., 273 
Wickham, West, Cambrs., 336 
Wickham, West, Kent, 491 
Wickhambreanx, Kent, 492 
Wickhambrook, Suff., 271 
Wickbamford, Worcs., 399 



416 



Wickhampton, Norl., 257 
Wickburst, Süss., 526 
Wickmere, Norf., 25» 
AVickridge Street, Gloucs., 430 
Wickwar, Gloucs., 429 
Wicks, Ess., :-t2H 
Wieks Greeu, Suff, 2t;9 
Wicksgreeu, Gloucs., 431 
Wiöig wie, Kent, 493 A. 1 
Wigborongh, Soin., 61S 
Wigborough, Great und Little, Ess., 

327 
Wigborough Wick, Great, Ess., 32S 
Wigford, Lines., 231 
Wiggenhall, Norf., 259 
Wiggeus Green, Ess., 329 
Wiggiuton, Staffs., 210 
Wighill, W.R.Yks., 131 
Wightwick, Staffs., 209 
Wigland, Uants., 555 
Wigmore, Herefs., 406 A. 
Wigsley, Notts., 219 
Wigston, Magna, Parva und South, 

Leics., 360 
Wigtoft, Lines., 232 
Wigton 1, Cumb., 87 
Wigton 2, W.K.Yks., 128 
Wigtown, Sc. Wigs., 42 
Wigwig, Shrops., 193 
Wike 1, W.R.Yks., 130 
Wike 2, W.R.Yks.. 129 
WilderNvick, Surr., 502 
Willerixigwic, Bncks , 448 
Willingwick, Worcs., 400 
Winwick 1, Lancs., 171 
Winwick 2, Nhants., 357 
Winwick, Hunts., 347 
Wishford, Great uud Little, Witts., 578 
Wistauswick, Shrops., 194 
Witchampton, Dors., 584 
Witchcombe, Devon, 655 



Witchford, Cambrs., 338 
Witchingham, Great und Little, Norf., 

260 
Witchliug, Kent, 493 A. 2 
Withernwick, E. R. Yks., 150 
Wittou, East, Yks., 152 
Wollenwick, Herts., 473 
Woodbastwick, Norf., 261 
Woodwiek, Som., 614 
Woolwich, Kent, 493 
Wretebwick, Oxfs., 438 
Wych, High, Herts., 474 
Wychbold, Wores., 401 
Wyehbury Hill, Worcs., 402 
Wyche, Lower und Upper, Worcs., 

395 
Wychough, Chesh., 182 
Wychwood Forest, Oxf., 439 
Wycombe, Leics., 361 
Wyke, Surr., 503 
Wyke, Devon, 656 
Wyke Champflower, Som., 619 
Wyke Farm, Dors., 583 
Wyke Green, Devon, 657 
Wyke, Haiburn, N. R. Yks., 98 
Wyke, Kingston, Süss., 528 
Wyke Regis, Dors. 585 
Wyke, Rumbolds, Süss., 518 
Wykeham, N. R. Yks., 103 
Wykeham, Lines., 236 
Wykeham, East, Lines., 234 
Wykeham, West, Lines., 235 
Wykehurst, Siiss., 529 
Wyken, Warws., 373 
The Wykes, Lines., 233 
Wykin, Leics., 362 
Wyteh Gross, Süss., 530 

Yarnwick, Yks., 153 
York, Yks., 133 



] 



Studien 



zum 



PsalteiMiiin lAOinanuiii in Engiand und 
zu seinen Glossier ungen 

(in geschichtlicher Entwicklung) 



von 



Karl Wildhagen. 



Inhalt. 

Seite 

Einleitung 418 

Die nordhumbrisch-mercische Zeit 427 

Alfred — ^thelstan 441 

Die Benediktiner-Reform 446 

Beginn der Noruiaunisieruug und Verflachung 401 



Studien z. engl. Phil. L. 



Einleitung. 



Die angelsächsische Kirche hat sieh in Organisation, 
Lehre, Ritus, Kursus und Gesang nach dem Muster Roms 
eingerichtet, doch nicht, wie wir im einzelnen unten sehen 
werden, ohne dabei eine gewisse, durch völkischen Charakter 
und politische Faktoren bedingte Selbständigkeit zu entwickeln, 
und hat den engen Zusammenhang mit Rom eigentlich nie 
aufgegeben. Schon gegen Ende des 7. Jahrhunderts, nach 
den grofsen Synoden zu AVhitby (664), Hertford (673) und 
Hatfield (680) und der ordnenden und zugleich aufbauenden 
Tätigkeit Theodors und Hadrians war in allen grofsen Fragen 
eine Regelung erzielt und ein einheitlicher Geist in der Kirche 
lebendig mit der Spitze in Canterbury. Der Weg dahin 
war freilich nicht ohne eine Reihe schwerer Krisen und 
Konflikte zurückgelegt. Die Anfänge im Süden waren durch 
Augustins aufopfernde Arbeit für Rom ja sehr verheifsungsvoll 
gewesen, ihre gedeihliche Entwicklung aber war durch einen 
neuen Aufschwung der schottisch-irischen Kirche unter 
Oswald von North umbrien stark in Frage gestellt. Erst 664 
wurde der Streit zwischen den beiden Kirchen endgültig zu 
Gunsten Roms entschieden, und der Grund zu einer englischen 
Nationalkirche gelegt. 

Naturgemäfs war auch der in der römischen Liturgie 
gebräuchliche Psaltertext in dieser Zeit in England bekannt 
geworden. Nicht nur August in soll Exemplare aus seinem 
Kloster mit nach Canterbury gebracht — darunter eins, das 
später fälschlich mit dem Vespasian-Ms. identifiziert worden 
ist — sondern auch Benedikt Bisco pi) wird von seinen 
vier Romreisen seinen Klöstern Wearmouth und Jä,rrow Hand- 



W. Hunt, A History of the English Church, I p. 187 flf. 



419 

Schriften des lömiselien Psalters zugeführt haben. Nichts 
davon ist uns erhalten. Auffälligerweise zeigen nun alle auch 
schon die ältesten der in England entstandenen Handschriften 
ein so charakteristisches Gepräge, dafs man vermuten könnte, 
sie seien von einer römischen Vorlage kopiert. Dem wider- 
spricht aher entschieden das handschriftliche Material des 
Psalterium Romanum, wie es auf dem Kontinent vorliegt und 
von Jacobus Faber Stapulensis,^) Lucas Holstenius,^) 
Martianajj^*) Jos. Mar. Thomasius,^) Martinetti») und 
Vallarsi^) veröffentlicht und behandelt ist. Denn auch nicht 
eine der von diesen benutzten Handschriften, noch auch eine 
der Handschriften des altlateinischen Textes, also das Psalterium 
Carnutense, ') Coislinianum,^) Corbeiense,'-') Mediola- 
nense,io) Mozarabicum, 'i) Sangermanense, i^) und Vero- 
nense, '3) noch auch einer der Kommentare bezw. die Psalmzitate 
der Kirchenväter Hilarius, Ambrosius, Augustinus, Hiero- 
nymus, Prosper und Cassiodor, die sämtlich von Sabatier 
in seinem Bibelwerk i^) ausgezogen sind, teilt die den englischen 
Texten anhaftenden Eigentümlichkeiten. Somit ist der Annahme 



^) Quincnplex Psalterium, Parisiis 1513. 

*) Anonym brsg. als Psalterium Romanum cum vettistissimis exem- 
plaribus mss. . . . collatum . . ., Komae 1663. 

^) In Ilieronymi Opera I, Parisiis 1693. 

*) Josepbi Mariae Thomasii Opera Tomus II. rec. Antonius Frauciscus 
Vezzosi, Romae 1747, wo auf p. VI die von Holstenins benutzten, auf 
p. VII die von Thomasius coUationierten Hss. abgedruckt sind. 

^) Antouii Martinetti, Dissertatio de Psalterio Romano, Rom 1745. 

®) Hieronymi Opera, Verona 1740. 

') Ms. 22 der Bibl. municipale zu Chartres aus dem 10. Jahrhundert; 
vgl. Cat. gener. des Mss. des Bibl. publ. de France, Departements t. XI p. 10, 

^) Ms. Coisl. 186 Bibl. nat. Paris aus dem 7. Jahrhundert. Enthält nur 
Ps. 18, 14 — 36, 3. 30,9-72,10; vgl. Rahlfs Septuaginta- Studien 2,6. 

^) Ms. F. I 5 Kais. off. Bibl. Petersburg aus dem 8. Jahrhundert; vgl. 
Staerk, Les Mss. Latins ... ä la bibl. imper. de St. Petersbourg, p. 24, 
pl. XXXVIII. 

»0) Rahlfs, a. a. 0. p. 29. 

") Rahlfs, a.a.O. p. 29. Das Ms. Addit. 30851 Brit. Mas. aus dem 
11. Jahrhundert in: Henry Bradshaw Society Vol. XXX (1905). 

^2) Ms. Lat. 11947 Bibl. nat. Paris aus dem 6, Jahrhundert, abgedruckt 
von Sabatier. 

13) Hrsg. von Blanchiuus; vgl. Rahlfs, p. 6. 29. 

") Bibliorum Sacrornm Latinae Vers. ant. Bd. II. 

27* 



420 

nicht auszuweicheD, dafs Letztere auf eine gemeinsame Vor- 
lage zurückgehen, die in England die ihr eigene Gestaltung 
erfahren hat. 

Der Gedanke, für England eine besondere Liturgie zu 
schaffen, mufste sich schon früh der jungen Kirche aufdrängen 
und wir wissen, dals er schon Augustin beschäftigt hat. 
Im Zweifel, welcher der bestehenden Liturgien er den Vorzug 
geben sollte, wandte er sich an Papst Gregor um Auskunft, i) 
Der Papst war weit entfernt, der neugewonnenen Provinz 
seines Reiches irgend etwas aufzuzwingen, vielmehr eifrig 
darauf bedacht, wie er die von Selbst- und Freiheitsgefühl 
durchdrungenen germanischen Geistlichen zu gefügigen und 
arbeitsfreudigen Beamten erziehen konnte. Daher riet er 
Augustin, unter Benutzung der vorhandenen Liturgien eine 
neue zusammenzustellen,-) die der angelsächsischen Kirche 
am besten eignete. So mag denn dieser den Plan gleich in 
Angriff genommen und als Grundlage des Ganzen zuerst einen 
Psalter text nach den päpstlichen Vorschlägen hergestellt 
haben, der vielleicht als Archetyp des englischen Psalterium 
Romanum und als Ausgangspunkt für alle unsere Handschriften 
zu gelten hat. Denn sonderbar ist es doch, dafs der Text, 
der sich aus einer Untersuchung des gesamten Handschriften- 
materials als gemeinsame Vorlage ergibt, durchaus den Charakter 
zeigt, den der Papst 3) in die englische Liturgie gelegt wissen 
wollte. Folgte er auch im wesentlichen der römischen Fassung, 
so blieb er doch in beträchtlichem Grade der altlateinischen 
(vorhieronymianischen) Version^) treu — vielleicht hier und 



1) Dieser antwortet: . . . Sed mihi placet, sive in Romana, sive in 
Galliarum, seu in qualibet ecclesia, aliquid invenisti quod plus omnipotenti 
Deo possit placere, soUicite eligas, et in Anglornm ecclesia, quae adhuc 
ad fidem nova est, institutione praecipua, quae de multis ecclesiis colligere 
potuisti, infundas. Non euim pro locis res, sed pro bonis rebus loca 
amanda sunt. — Haddau and Stubbs, Councils and Eccles. Docnm. III, 19. 
Beda, Historia Eccl. ed. Plummer, I, 27. Hunt, History of the Englisch 
Church I p. 27 f. 

2) Siehe Anm. 1. 

') Übrigens war Gregor dem Gallicanum ebenso wohlgesinnt wie dem 
Romanum und hat beide für seine Arbeiten benutzt. Martinetti, Dissertatio 
De Psalterio Romano, Rom 1745, p. 89 ff. 

*) Hier gebe ich einige Beispiele aus den Pss. 1—77 und zwar nur 



421 

da in Anlehnung an Hieron5'nina' Bearbeitung des Psalterium 
Gallieanum ') — , die von Gallien aus eingeführt bis zum 6. Jahr- 
hundert in England verbreitet gewesen war, 2) und brachte 
drittens eine grofse Anzahl eigener Lesarten,^) die vielleicht 
von dem englischen Bearbeiter selbst — oft nur durch Ver- 
schmelzung *) zweier vorhandener Lesungen — konstruiert und 
geeignet waren, dem Ganzen einen gewissen selbständigen 
Anstrich zu geben. Auch Cassiodor mufs schon für diese 
erste Fassung herangezogen sein, wenigstens folgen ihm alle 
Handschriften an einigen recht bemerkenswerten Stellen, &) wo 
er zum Unterschiede von der römischen und allen oder fast 
allen anderen Versionen eigene Wege geht. 

Mit dem wachsenden Ansehen der römischen Kichtung in 
England mufste auch das Psalterium Romanum und seine 
Canterbury - Gestalt an Bedeutung gewinnen. Entscheidend 
für die Zukunft beider war natürlich die Stellung, welche die 
leitenden Männer dieser Zeit zu ihnen einnehmen würden. 
Diese aber waren, wie selten wieder, eifrige Verfechter Roms 
und alles, w^as von da ausging. So hören wir, dafs Wilfriö, 
der in seiner Jugend die in der irischen -schottischen Kirche 
eingeführte gallikanische Version erlernt hatte, an Earconberts 



die Psalmstellen (der Bnchstabe rechts oben hinter dem Beleg bezieht 
sich auf die entsprechende Anmerkung in meiner Ausgabe des Cambridger 
Psalters, wo Näheres): 1,5=. 2, 13'i. 5,13b. 9, 7^. 21,16". 27, 5e. 28,9a. 
31,51». 31,9s. 33,23=1. 34, s<i. 34,24». 36,34«. 39, 5i'. 41,6i>. 42,5». 
43,23a. 44,9b. 44,15b. 45,4b. 48,20». 53,9". 56,10':. 57,30. 65,15». 
67,7''. 67, 8»<'. 67, 22«^. 67,31'^. 67, 36". 68,36«. 68,37b. 71,6a. 76,8«; 
im übrigen verweise ich auf meine Ausführungen im Eadwine- Psalter 
p. 211 ff., im Archiv f. n. Spr. 116, 159 ff. und DLZ. 1909 Sp. 3106 f. 

') Z. B. 3,8a. 7,13''. 10,8b. 14,5b. 20,9b. 20,13a. 21,18c. 34,13». 
36,23=. 49,3''. 51, 11''. 55,9c. 58, 16i. 61,10c etc. 

2) Williams, Christianity in Early Britain, Oxford 1912, p. 81 f. 449. 

^) Hier sind einige der wichtigsten (vgl. vorige Seite Anm. 4): 7, 15». 
8,8». 9,31e. 11,4a. 13,6b. 17,36». 17,45». 18,4^. 18, 9e. 43, 4=. 43, 14c. 
4«J, 7f. 48,8». 57,6b. 65, 14^. 66,8''. 69,4a. 75,12». 76,13». 77, 17e. 78, 4^. 
81,4b. 86,4a. 103,32». 104,40c. 106,10c. 108,18». 117,8°. 119,ll>. 121,4c. 
142,10b. 

*) Z.B. 57,6b. 75,12». 

•^) 17,13». 42,5». 48, 12 f. 57,6b. 57, ic. 72,14b. 76,20''. 89,9b. 
103,2». 103,11b. 107 3». 114,1». \IS,\11^. 140,5». 



422 

Hofe (652) sich rasch zn der römischen bekehrte, i) Und auch 
Benedikt Biseop mufs, während er Abt von St. Augustinus- 
Kloster war, mit ihr vertraut geworden sein. Durch sie beide 
wird der Canterbury-Text in den uordhumbrischen Klöstern 
Fufs gefafst haben. Zur allgemeinen Anerkennung und Ein- 
führung aber kam er erst infolge der kirchlichen Organisationen 
Theodors und Hadrians. Ihrem Strebeu nach einheitlicher 
Ausgestaltung der Diözesen entsprach es, wenn sie auch einen 
festen Text für die Officia diuina in Anwendung brachten. 
Welcher aber wäre hierzu geeigneter gewesen als jene Canter- 
burj'-Fassung, die von Rom autorisiert und ins Leben gesetzt 
war, und die aulserdem in ihrem altertümlichen Gewände 
dem Erzbischof als gebornem Cilicier, wie auch Hadrian, 
dem Afrikaner, besondere Sympathieen abgewinnen mufste?^) 
Zweifellos war jetzt ihre Zukunft gesichert. Denn nachdem 
sie einmal in der Liturgie Wurzel geschlagen hatte, gab es 
kein Aufhalten mehr. Eine jede Diözese wird binnen kurzem 
— schon um 700 — eine Kopie von ihr erhalten und solche 
auch für ihre Klöster und Kirchen angeregt haben. Als Aus- 
läufer dieses weitverzweigten Netzes werden die neun er- 
haltenen Handschriften 3) aufzufassen sein, die in recht ver- 



*) Psalmos . . . quos primo secundnm Hieronymi emendationem legerat, 
more Komanornm inxta quintam editionein memoraliter transmetuit, sagt 
sein Biograph Eddius Stephanus (The Great Historians of the Church of 
York, ed. Raine, Vol I p. 5). 

") Theodor war sicher geneigt, wie man bei seiner Ernennung 
befürchtete (Beda, Histor. Eccl. IV, cap. 1), den Bräuchen seiner Heimat 
Konzessionen zu machen. Besonders in monastischen Fragen galten ihm 
Antonius und vor allem Basilius mehr als Benedikt. Die Regel des Basilius 
würde er auch den englischen Klöstern als Muster zugrunde gelegt haben, 
wenn nicht der heil. CuÖbert, WilfriÖ und Benedikt Biseop u, a. den 
Benediktinern vorgearbeitet hätten. In dem 'Poeniteutiale", das zweifellos 
unter seiner Führung entstanden ist und aus leicht verständlichen Gründen 
nicht für sein Werk gehalten wurde, auch nicht von Beda, wird stets die 
Consuetudo der Griechen neben, oft gar vor, der der Römer erwähnt 
(vgl. Councils and Eccl. Doc. III, 173 ff.); Liber II cap. XII, 6 heifst es 
gar: Basilius hoc iudicauit. Von Benedikt erwähnt es kein Wort. 

ä) Psalterium Salabergae Berlin Kgl. Bibl. Hamilton 553. — Psalterinm 
zu Blickling Hall im Besitze des Marquis von Lothian. — Ms. Vespasian A I 
Brit. Mus. (A). — Ms. Junius 27 Bodl. Libr. Oxford (B). — Ms. Regius 2 
BV Brit. Mas. (D). — Ms. Addit. 37 517 Brit. Mus. (L). — Ms. Ff. 1. 23 



423 

sehiedene Gegenden weisen und zum Teil starke Umarbeitungen 
und Korrekturen erfahren haben. 

Die ältesten dieser Handschriften tragen, vielleicht in 
Anlehnung an den Archetyp, deutlich die Beziehung zum 
römischen Officium zur Schau, indem sie einmal die in 
diesem markanten, d.h. die Gebetsstunden, beginnenden Psalmen 
durch besonderen Schmuck hervorheben, und andererseits die 
in dem Officium hervortretenden liturgischen Stücke dem 
Psalter nachtragen. ') Die so ausgezeichneten Psalmen sind 
Psalm 1 (Beatus iiir qui nou abiit; der erste der 12 Psalmen, 
Vigiliae für Sonntag), 2G (Dominus inluminatio mea; Vigiliae 
für Montag), 38 (Dixi custodiam uias meas; Vigiliae für 
Dienstag), 52 (Dixit insipiens in corde suo non est deus; 
Vigiliae für Mittwoch), 68 (Saluum me fac deus; Vigiliae für 
Donnerstag), 80 (Exultate dco; Vigiliae für Freitag), 97 (Cantate 
domino canticum nouum; Vigiliae für Sonnabend), 109 (Dixit 
dominus domiuo raeo; der erste von fünf Psalmen zur Vesper 
am Sonntag). 2) Dieselbe Behandlung erfahren — dies scheint 
ein besonderes Kennzeichen der insularen Gruppe — Psalm 17 
(Diligam te domine uirtus mea) und Psalm 118 (Beati imma- 
culati in uia), 3) letzterer vielleicht auch infolge seiner bevorzugten 
Stellung in der irischen Liturgie, ') die ja in den nordhum- 
brischen Klöstern eingeführt war. Zweifellos ist in diesen 



Univ. Libr. Cambridge (C). — Ms. fonds lat. 8824 Bibl. nat. Paris (P). — 
Psalterium Eadwini Trin. Coli. Cambridge (E). Die Buchstaben in Klammern 
beziehen sich aaf die Siglen, die bis jetzt für die ae. Glossen dieser Hss. 
üblich gewesen sind. 

In irischen Mss. (z. B. Ms. C St. John College Library Cambr.) 
sind sie oft an drei Stellen eingetragen: zwischen Ps. 50 und 51, desgl. 
zwischen 100 und 101, nach Ps. 150. 

") Dieser Psalm spielte noch eine besondere Rolle im römischen 
Offizium und wird daher vor allen anderen besonders ausgezeichnet. La 
distribntion des psaumes aux divers nocturnes de la semaine, etait regl6e 
d'aprcs ce principe que le psautier etait divise en deux parties : la premiere 
s'arretait au Dixit Dominus (Ps. CIX) exclusivement et etait attribuee ä 
Toffice nocturne; la seconde ä partir du Dixit Dominus etait attribuee k 
l'office diurne (Batiffol, Ilistoire du Breviaire romain^, p. US f.). 

^) Er wurde im römischen Stundengebet täglich in den Horae (Prima, 
Tertia, Sexta, Nona) gesungen, im monastischen war er nur auf Sonntag 
und Montag beschränkt. 

*) Plummer, Bedas Eist. Eccl. II, p. 137. 



424 

ancli in der älteren Zeit der irische Brauch, den Psalter in 
drei Teile, die sogenannten drei Fünfziger, mit den Ein- 
schnitten hinter Psalm 50, 100 einzuteilen, übernommen und 
in den Handschriften zum Ausdruck gebracht worden, anfangs 
aussehlielslich, dann, nach 664, neben der römisch-liturgischen 
Einteilung, wie uns der Salaberga- und der Blickling-Psalter 
lehren. Da dieses Prinzip auch sonst von der angelsächsischen 
Kirche beibehalten und verwandt wurde, ') so könnte es sich 
auch allmählich der südlichen Buchkunst bemächtigt und 
neben dem römisch-liturgischen Fuls gefalst haben. Leider 
fehlt es an Handschriften besonders des 9. Jahrhunderts, 
um dies mit Sicherheit zu entscheiden. Wo wir daher in 
englischen Psaltern 10., 11. Jahrhunderts, die dem Süden an- 
gehören, die Psalmen 51, 101 ausgezeichnet finden, tun wir 
gut, die Möglichkeit eines Einflusses fremder und zwar entweder 
irischer oder, was wahrscheinlicher, kontinentaler Vorlagen in 
Erwägung zu ziehen. Denn auf dem Kontinent hatte der 
irische Brauch allgemeine Anerkennung und Verbreitung ge- 
funden. 2) 



Als Bnfse z.B. wurden oft der ganze Psalter, zwei Drittel oder 
ein Drittel znm Hersagen auferlegt. So wird fiftig zu einem reinen Straf- 
inafs, vgl. celc gegilda . . . gesinge an fiftig, Liebermann, Gesetze der Angel- 
sachsen VI As 8,6 (I, p. 18Ü), ähnlich: eghwüc godes öiow gesin^e twa 
fiftig, Kemble, Codex diplom. No. 226 (vol. 1, p. 293, Z. 5 v.u.). In den 
Kanzleien und Klosterschulen scheint man nach diesem Prinzip auch die 
Arbeit des Abschreibens und Glossierens der Psalterien unter den Schreibern 
verteilt zu haben, vgl. unten beim Regius- Psalter S. 451 Anm. 

') Die ganze Frage über diese Einteilungsprinzipien ist zum ersten 
Male von Goldschmidt (Der Albani -Psalter in Hildesheim 1895, p. 1 ff.) 
angeschnitten und in ihrer Bedeutung gewürdigt worden. Im folgenden 
seien zu seinen Resultaten, besonders der älteren Zeit (bis ca. 1000), einige 
Ergänzungen gestattet. Die Dreiteilung (Auszeichnung der Pss. 1. 51. 
101) ist m. E. in einer Zeit entstanden, in der eine feste Ordnung betreffs 
Verwendung des Psalters in der Liturgie noch nicht ausgebildet war. Sie 
ist also wohl nach rein formalen, praktischen Gesichtspunkten ein- 
gerichtet, gewinnt aber gerade deshalb rasch au Verbreitung und hält sich 
trotz starker Konkurrenz das ganze Mittelalter hindurch. Daher treffen 
wir sie in ältester Zeit besonders in Irland, soweit die uns erhaltenen 
Psalterien des 9.— 11. Jahrhunderts (St. John's College Cambridge Ms. C. 9; 
Brit. Mus. Vitellius XI ; Trinity College Dublin : Psalter des Ricemarchus) 
zu Schlüssen auf frühere Zeit berechtigen, und in späterer Zeit in kontinen- 
talen Klöstern, die von irischen Mönchen gegründet und durch ihre Lage 



425 

Die dem Psalter folgenden Hymnen spiegeln wohl den 
jeweiligen Stand des Kursus wieder. Demnach ergeben sich 
drei Etappen der Entwicklung, die ältesten Manuskripte 
kennen nur die zur Matutin des Sonntags und des Wochen- 
tags gesungenen Stücke aus dem alten Testament: Hymnus 



dem Einflüsse der grofseu Kulturzentren (Metz, Aachen, Tours, Corbie, 
Reims) entrückt waren, also iu der Schweiz, überdcutschland. Nicht 
selten findet eine Erweiternng zu 15 Abschnitten statt (Pss. I. 11. 21. 31. 
41 etc., z. B. im Lothar-Psalter, Add. 3776B Brit. Mns.). Aach das Franken- 
reich wird sich in früher Zeit diesem Prinzip angeschlossen haben, teils 
iu Verfolgung einer alten Tradition, die von südgallischen Klöstern aus- 
gegangen war, teils in direkter Anlehnung an Irland. 

Die übrigen Einteilungen, abgesehen von der hebräischen und byzan- 
tinischen, die hier nicht in Frage kommen, sind aus liturgischen Rück- 
sichten entstanden und entweder dem römischen Officium, wie es sich 
im 6. 7. S. Jahrhundert gebildet hatte, oder dem Benediktineroffizium 
angepafst. Ersteres war schon im 7. Jahrhundert in England (Canterbury- 
Wearmouth) bekannt und bindend geworden und verdrängte im Laufe des 
S.Jahrhunderts auch die gallikanische Liturgie im Frankenreich (Chrode- 
gang, Remedius-Alkuin, Amalar). In letzterem treffen wir daher zur Zeit 
Pippins und Karls d. Gr. in den Psalterien beide Einteilungsprinzipien 
im Kampf miteinander, bald das formale (St. Gallen, Stiftsbibl. Cod. 23 
Folkart's Psalter; Brit. Mus. Galba A XVIII: .Ethelstan-Psalter; Brit. Mus. 
Add. 37768: Lothar-Psalter, vgl. oben); oft aber doch mit Hervorhebung des 
Ps. 109 (Wien, k.k.IIofbibl. cod. 1861: Dagulfpsalter; Corp. Chr. Coli. Cam- 
bridge Ms. 111), bald das liturgische (Paris, Bibl. nat. lat. 13 159), bald beide 
nebeneinander (Paris, Bibl. nat. lat. 1152: Psalter Karls d. K.; Corp. Chr. 
Coli. Cambridge Ms. 272: Achadeus-Psalter); im letzteren Falle sind die 
Pss. 1. 51. 101 stets besonders markiert. In England herrscht im Norden 
in Anlehnung an Irland zuerst ansschliel'slich das formale Prinzip, das aber 
im 7. 8. Jahrhundert nach dem im Süden allein gebräuchlichen (Vespasian- 
Psalter) römisch -liturgischen modifiziert wird, so dafs hier bald beide 
nebeneinander auftreten (Salaberga-Psalter, Blickliug-Psalter). Das formale 
Prinzip sehen wir dann im 10. 11. Jahrhundert auch im Süden vertreten, 
weniger infolge einer Übertragung aus dem allerdings einflufsreicheu Norden 
als infolge einer erneuten Einwirkung kontinentaler (fränkischer), bezw. 
irischer Vorbilder. Die Folge ist, dafs wir jetzt im Fraukenreich bald diese 
allein, doch meist mit Ps. 109 (Regius-Ps., Cambriger-Ps., Arundel-Ps.), 
bald beide vereint vorfinden (Junius-Ps., Salisbury-Ps., Tiberius-Ps., Arundel- 
Ps. 155), in letzterem Falle aber auch mit besonderer Betonung der Pss. 1. 
51. 101. 109. — Das Benediktineroffizium spiegelt sich in englischen 
Psalterien am deutlichsten im Bosworth-Ps., z. T. auch im Harleian Ps. 2904 
wieder, die aber beide auch die eigentlichen Pausen vor Pss. 51. 101 und 
109 ansetzen. 



426 

trium puerorum (Benedicite omnia opera) aus Daniel 3.57 flir 
Sonntag; Cantieum Esaiae Propliete (Confitebor tibi domine) 
aus Isaias 12 für Montag; Cantieum Ezechiae (Ego dixi in 
dimidio dierum meorum uadam) aus Isaias 38, 10 für Dienstag ; 
Cantieum Annae (Exultauit cor meum) aus 1. Samuel (bezw. 
1. Reg.) 2,1 für Mittwoch; Cantieum Moysi Prophete (Cantemus 
domino gloriose) aus Exodus 15,1 für Donnerstag; Cantieum 
Habaeuc (Domine audiui auditum tuum) aus Habacue für 
Freitag; Cantieum Äloysi ad filios Israhel (Attende caelum et 
loquar) aus Deuteronomium 32, 1 für Sonnabend. Daneben 
existierten natürlich das Credo in der nicäno-konstantinopoli- 
tanisehen Form, wie es der Salaberga Codex bietet und 
das Pater Noster. Unter Einwirkung des Benediktiner- 
off iciums erweitert sich der Kreis bald durch die Hymnen 
Cantieum Zachariae (Benedictus dominus) aus Lukas 1, 68 
(täglich zur Matutin), Cantieum Sanctae Mariae (Magnificat 
anima mea dominum) aus Lukas 1,46 (täglich zur Vesper) und 
vielleicht noch etwas später, durch den Hymnus Siraeonis 
(Nunc dimittis seruum tuum domine) aus Lukas 2,29 (täglich 
zur Komplet). Die letzte Bereicherung erfährt der Kursus erst 
im 10. Jahrhundert durch die benediktinische Renaissance, 
Das Quicumque uult, Gloria in eccelsis, Te deum werden 
der Liturgie einverleibt, das alte Credo durch das Symbolum 
apostolicum ersetzt. 

Fast alle der in Frage kommenden Manuskripte sind mit 
altenglischen Glossen versehen, die im allgemeinen, je 
früher desto ausschliefslicher, durchaus praktischen Bedürf- 
nissen entsprangen und dienten. Daher erklärt sich die aus- 
giebige Benutzung von Vorlagen, wo solche vorhanden waren. 
Den Anspruch auf Selbständigkeit können eigentlich nur drei 
machen: die Eadwine Urglosse, Verpasian und Regius, denen 
sich für die spätere Zeit die Lambeth-Glosse anschliefst. Alle 
übrigen sind Kopieen oder Umarbeitungen. Nicht nur die 
Klosterschulen, auch die Hof- und Adelskreise mögen oft Ver- 
anlassung zu solchen Arbeiten gegeben haben. Mit besonderer 
Vorliebe aber seheinen Frauen zu diesen Hilfen in der 
Muttersprache gegriffen zu haben, um den Schwierigkeiten 
des Lateinischen Herr zu werden. Wenigstens lassen sich bei 
einigen Psalter- Handschriften deutliche Beziehungen zu Frauen 



427 

bezw. Fmiicnklöstcrn herstellen. Unter letzteren wird das 
Nunnaminstcr in Winchester, das Dank seiner Verbindung-en 
zum königlichen Hause sehr gut fundiert war und zeitweise 
grofseu Einilufs auf das öffentliche Leben, auf Kult und Moden 
ausübte, zu Zeiten eines Alfred und .Ethehvold auch eine 
starke literarische Produktion entwickelt haben. Von einigen 
unserer Glossen spinnen sich deutliche Fäden zu ihm hinüber. 



Die nordluinibrisch-mercisclie Zeit. 



Die drei ältesten Manuskripte (Salaberga, Bückling und 
Vespasian) ragen wohl in ihren Anfängen sämtlich noch 
in das 7. bezw. 8. Jahrhundert hinein. Die beiden ersteren 
stammen, wenn nicht aus nordhuuibrischen Klöstern, so doch 
bestimmt von irisch-nordhumbrischen Schreibern, während das 
letzte sicher nach Canterbury weist. Der Salaberga-Psalter 
soll, wie der Name sagt, von der heiligen Salaberga i) für das 
von ihr gegründete St. Johannis-Kloster zu Laon, das für 
Mönche und Mönchinnen eingerichtet war, geschrieben sein. 
Als einziges Zeugnis dafür gilt meines Wissens nur eine Ein- 
tragung auf fol. 26 V (hinter Psalm 50) der Handschrift, die 
eine im Auftrage der Äbtissin Adelheid 2) (ca. 1120) an- 
gefertigte Liste von Gegenständen aus der Schatzkammer des 
betreffenden Klosters darstellt. Nun hatte ja die irische Kultur 
in Gallien frühe Aufnahme und Verbreitung gefunden. Der 
heilige Columban hatte mit einem Stab von auserlesenen 
Jüngern eine Reihe gelehrter Schulen dort gegründet, in denen 
natürlich die Schrift und Kunst seiner Heimat gepflegt wurden. 
Der Brennpunkt dieses hochgespannten Lebens war das in der 



') Vgl. die Vita Sadalbergae abbatissae Landuneusis, hrsg. von 
B. Krusch in Mon. Germ. Hist., Script. Rer. Merovingicarum V (I'JIO) p. 40 ff. 
Im folgenden ist der Name Salaberga, weil er gebräuchlich geworden ist, 
beibehalten. 

*) Unter ihr geriet das Kloster in argen Verfall, so dais es durch 
Synodalbeschlufs im Jahre 112S aufgelöst wurde. Vgl. Taiee, L'abbaye 
de Saint- Jean de Laon in 'Bulletin de la Societc academique de Laon', 
tome XXI (1876) p. 20Uf. 



428 

Diözese Besaugon, am Fufse der Vogesen gelegene Luxeuil,i) 
das sich weit über die Grenzen Galliens hinaus eines hohen Rufes 
erfreute. Salaberga war in dieser Gegend vielleicht in einem 
Dorfe Mosa, in der Diözese Langres, geboren, wenigstens soll 
sie, die blind war. hier durch Eustasius,^) den Abt von Luxeuil, 
(615 — 629) das Augenlicht wieder erhalten und auf Anregung 
Walberts, des Nachfolger des Eustasius (629 — 670), sich dem 
Kloster gewidmet haben. Sie wird also durchaus in Columban- 
scheu Geiste erzogen sein und sowohl ihr erstes Kloster 
in derselben Diözese 3) wie auch das Kloster zu Laon nach 
dem Muster von Luxeuil eingerichtet haben. Irisch-angel- 
sächsische Mönche mögen in den Häusern oft Aufnahme 
gefunden und die Mönchinnen in ihrer Kunst unterrichtet 
haben. Somit würde die Entstehung einer Handschrift die in 
Schrift,^) Schmuck^) und Schreibung ß) irisch-angelsächsischen 
Charakter zeigt, in dieser Gegend nichts Auffälliges bieten. 



1) lu der Chronik von Luxeuil heilst es: Huius tempore beatus Walde- 
bertus Luxovium regebat in quo erant 600 monachi (Pertz, Mon. Germ. 
Script. III p. 220 Sp. 2). 

2) Vgl. M. Büdinger in : Sitzungsberichten der Akad. d. Wiss. Wien, 
Bd. 23 (1857) p. 376 ff. 

3) distans a Luxovio mouasterio paulo minus milibus quadraginta, 
sagt der Biograph der Salaberga (cap. 12). 

*) Die Schrift zeigt einen nach links geneigten Charakter, Die Schäfte 
von 1, b, h etc. sind nur gering erhöht, 1. b stark ausgebogen, die äufsersten 
Spitzen der Buchstaben durch dreieckige Ansätze verziert — alles im 
Gegensatz zu dem zwischen 6S0 — 691 in Irland geschriebenen Antiphonar 
von Bangor, in dem die letzten beiden Erscheinungen nur schwach aus- 
gebildet sind, aber in Übereinstimmung mit den nordhumbr. Hss. Dagegen 
erscheinen wie in jenem gewisse Buchstaben nach unten oft weit ver- 
längert (fol. 42>'. 49^^ etc.), und eine verhältnismäfsig häufige Verwendung 
der Unziale C neben J. An Abkürzungen bemerke ich h = autem (36, 20), 
p z= per, pp = propter, an Kontraktionen näm = nostram etc., scs = sanctus 
etc., sps = Spiritus. 

■') Im Gegensatz zum Antiphonar von Bangor, aber in Übereinstimmung 
mit den nordhumbr. Denkmälern ist jede Initiale mit Punkten umtupft, 
die Innenfläche meist gelb, blau oder grau ausgefüllt. Gold ist nicht 
verwandt. Auch die Ornamentik bewegt sich durchaus in den Bahnen 
der Lindisfarner und Durhamer Hss., wenn auch nicht in der Vollendung. 

*) Es begegnen häufige i für e, e für i, s für ss, ss für s und ähnliches, 
vgl. Warren, The Antiphonary of Bangor (Henry Bradshaw Society 
vol. IV. X), Part I § 24f. 



A 



429 

Und wenn man auch nicht Jinzunehmen brauchte, dai's sie von 
Salaberga selbst geschrieben sei, so könnte sie immerhin in 
ihrem Kloster und auf ihre Veranlassung- entstanden sein. 

Gegen diese Annahme erheben sieh jedoch von anderer 
Seite schwere Bedenken. Der Text des Psalters ist der 
römische, während doch im 7. Jahrhundert in Luxeuil und 
seinen Töchterklösteru irischem Brauche gemäfs sicher das 
Gallicanum eingeführt war. Er teilt ferner in allen Einzelheiten 
die Eigentümlichkeiten der Gruppe von Handschriften, die 
wir oben als insular') gekennzeichnet haben, und bekennt 
sich durch Auszeichnung der Psalmen 17, 26, 52, 68, 80, 97, 
118 zu derselben Liturgie wie jene, wenngleich er auch alter 
Tradition gemäfs, der Ausschmückung der Psalmen 1, 51, 101, 
109 seine besondere Aufmerksamkeit schenkt. Er muls also 
wohl entweder aus England importiert oder in einem der von 
Luxeuil aus gegründeten Klöster nach einem englischen Original 
kopiert sein. Letzteres wäre nur möglich gewesen zu einer 
Zeit, als das römische Officium und mit ihm der ihm eigene 
Psaltertext im Frankenreich Eingang gefunden hatten, also 
nach dem entscheidenden Vorgehen Chrodegangs in Metz 
(754) und den sich daran schlief senden Reformen Pippins. 
Ob man aber die Handschrift so spät datieren darf, scheint 
mir sehr fraglich, schon aus paläographischen Gründen. Ver- 
gleicht man mit ihr z. B. den halbunzialen Teil (fol. 11 Ir) 
im Cuöberht-Evangeliar,-) das von einem Angelsachsen im 
Westfränkischen geschrieben sein mag, so ergeben sich auf 
den ersten Blick zwar grolse Ähnlichkeiten, bei näherer 
Prüfung aber erkennt man bald, dafs der Psalter einen älteren 
Zustand repräsentiert 3) und daher, wenn jenes in der ersten 



') Merkwürdigerweise bietet auch das Credo mit keiner der neun Hss., 
die es überliefern (vgl. Barn, Facsimiles of tbe Creeds, p. IT), so viele 
und auffällige Berührungspunkte wie mit der Hs. G. g. 5. 35, Univ. Libr. 
Cambridge, die aus St. Augustine's Cauterbury stammt und der Form im 
Missale Romauum angelehnt ist. Vgl. S. 430 Anm. 1 . 

■■') Wien, k. k. Hof bibl. Cod. lat. 1224; vgl. Chronst, Monum. Pahieog. 
Ser. I, Lief. VII, Tafel 2b; Bretholz, Latein. Paläographie, p. 02. 

^) Ins Gewicht fallen die häufigen uucialen C neben 3? die äufserst 
sparsame Verwendung von Minuskel n (r, d), Abkürzungen wie näm für 
uostram, die mit dem 8. Jahrhundert aufhören (Lindsay, Contractions iu 
Early Latin Miuusc. Mss. p. 37), qm für quouiam (Lindsay, a. a. 0. p. 45), 



430 

Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden ist, vermutlich noch dem 
7. Jahrhundert zuzurechnen ist. Der Ursprung der Salaberga- 
•Hs. wird somit nicht im Frankenreich, sondern in England und 
zwar in einem der nordhumbrischen Klöster zu suchen sein. 
Mit dieser Zeit, eher als mit dem 8. Jahrhundert, verträgt sich 
auch das dem Psalter vorausgeschickte nicaeno-konstantino- 
politanische Symbolum,i) das im Frankenreich des 8. Jahr- 
hundert schon durch das apostolische, und auch in England 
gegen Ende des 7. Jahrhunderts durch das alte römische, wie 
es im Codex Laudianus und Bernensis^) vorliegt, ersetzt sein 
wird, sowie die nur sieben Nummern zählende Sammlung von 
Hymnen, 3) die auf einen wenig entwickelten Kursus der 
Liturgie schliefsen läfst. Die Handschrift mufs vor oder um 
1120 der Bibliothek des Johannis-Klosters einverleibt sein,^) 
entweder durch Vermittlung angelsächsischer Mönche, bezw. 
Geistlicher, oder höfischer Kreise, wahrscheinlich aber ersterer. 
Beziehungen zwischen fränkischen und angelsächsischen speziell 
nordhumbrischen Klöstern waren schon im 7. Jahrhundert 
augebahnt. Die grolsen Verfechter der römischen Sache in 



•) Da dieses, soviel ich weifs, noch nicht gedruckt ist, wird es hier 
manchem willkommen sein. Die gesperrten Stelleu stimmen mit dem Ms. 
G. g. 5. 35 der Univ. Libr. Cambridge (vgl. S. 429, Anm. 1) überein. Incipit 
symbulum Credo in unnm deum. patrem omnipotentem factorem caeli 
et terrae uisibilium omnium et inuisibilium et in [u]num dominum lesum 
chrisiitm filinm dei uugeuitum natum ex patre ante omnia saecula lumen 
de lumine deitm uerum de deo uero natum non factum consubstautialem 
patri pe/- quem omnia facta sunt qui propfe»- nos homines et propier 
nos^ram salutem discendit de caelo et incarnatus est de spinfu sawc^o 
ex maria uirgine et humanatus est crucifixus autem pro nobis sub pontio 
pylato passus et sepultus et resurrexit tertia die secundum scripturas 
ascendit in caelos sedit ad dexteram patris et iterum uenturus est cnui 
gloria iudicare uiuos ac mortuos cuius regni non erit finis et in spin^um 
sanctum äomiünm uiuificatorem ex patre procedentem cum patre et filio 
coadorandum et conglorificandum qui locutus est perprophetas in unaw 
Srtr.cfam catholicam et apostolicam ecclesiam confiteor unum baptisma 
in remisione peccaturum spero resurrectionem mortuorum et nitam futuri 
saeculi amen. Vgl. Lietzmann, Symbole der alten Kirche, 1906, p. 32. 

^) Burn, Facsimiles of the Creeds, p. 4. 
2) Vgl. die Aufstellung oben S. 425f. 

*) Um diese Zeit etwa wurde Adelheid Äbtissin, welche die Inventar- 
liste fol. 26 ' aufnehmen liefs. 



431 

England Wilfriö, Benedikt Biseop und Ceolfriöi) haben 
Reisen nach Rom unternommen und sieh dabei oft längere 
Zeit in Gallien aufgehalten. Laon, Langres und Luxeuil 
lagen ungefähr auf dem Wege, den die englischen Romfahrer 
einschlagen mochten. So grofs auch die Spannung zwischen 
römischer und irischer Kirche, zwischen Mönchen der ver- 
schiedenen Orden geworden sein mag, es könnten diese Männer 
doch versucht haben, die durch ihren religiösen Eifer weithin 
bekannte und angesehene Salaberga inmitten ihrer segensreichen 
Einrichtungen 2) kennen zu lernen und Propaganda für Rom zu 
machen. — Lebendiger und inniger aber wurden die Beziehungen 
zwischen beiden Ländern unter Karl d. Gr. als sich die fränkische 
Kirche im wesentlichen zu der römischen Liturgie bekannt und 
Alk u in seine literarische und organisatorische Tätigkeit in 
Karls Diensten begonnen hatte. Und im frühen 10. Jahrhundert 
wissen wir sogar von direkten Beziehungen zwischen England 
und Laon, bezw. der Abtei der Salaberga. 913 verheiratete 
sich Eadjifu, die Tochter Eduards des I., mit Karl dem 
Einfältigen von Frankreich, der in Laon residierte, und erhielt 
von ihm als Mitgift die Abtei der Salaberga, in die sie sich 
936, nach ihrer Rückkehr aus England, zurückzog. 3) In 
demselben Jahre (936) verweilte der einflufsreiche Bischof 
Odo von Ramsbury mit anderen angelsächsischen Bischöfen 
und Edlen längere Zeit in Laon, um mit dem Herzog Hugo 
dem Grolsen, der übrigens auch eine Schwester iEthelstans, 
namens Eadhild, geheiratet hatte, über die Nachfolge Ludwigs, 
des Sohnes Karls des Einfältigen und der Eadjifu zu verhandeln, 
welcher mit seiner Mutter seit 923 am Hofe seines Onkels 
Zuflucht gefunden hatte. ^) 

Die beiden übrigen Psalterien, Bückling sow^ohl wie 
Vespasian, sind mit altenglischen Glossen versehen. Zeitlich 

^) CeolfriÖ starb (716) auf einer Romreise in Langres, in deren Um- 
gebung Sadalberga ihr erstes Kloster errichtet hatte. Er hatte einen kost- 
baren Codex (den Amiatinus) bei sich, den er dem Papst zum Geschenk 
machen wollte. 

2) Nicht weniger als sieben Kirchen sollen durch sie in Laon erbaut 
worden sein (Krusch, p. 41). 

3) Bulletin de la Societe acad. de Laon XXI, 195. 
*) Hunt, History of the English Churchs I, 308. 



432 

mit ihren Glossieriingen ziisamraenznstelleii ist der Archetyp 
der Eadwine-Glosse, denn sie alle sind zu einer Zeit ent- 
standen, als Mereien das Inselreieh, sei es politisch, sei es 
literarisch, beherrschte, und seine Sprache vielleicht zur 
Schriftsprache erhoben war. i) Letzterem Denkmal habe ich 
vor Jahren eine eingehende Monographie gewidmet, in der 
ich genügend Argumente für sein hohes Alter vorgebracht 
habe. Der lateinische Text, dem wie im Salaberga- Psalter 
nur die sieben Ferial- und Sonntagshymnen angefügt waren, 2) 
wie auch seine Glosse haben im Laufe der Zeit mehrere 
Umarbeitungen erfahren, so daXs es ungemein schwer ist, aus 
der letzten um 1120 vorgenommenen Redaktion ihre ursprüngliche 
Gestalt herauszuschälen. 

Bei dem Bückling- und Vespasian - Psalter befinden wir 
uns auf etwas festerem Boden. Was den lateinischen Teil 
betrifft, so repräsentieren sie, wie schon oben angedeutet 
wurde, in charakteristischer Weise die beiden Schreibschulen 
der älteren Zeit: die nördliche mit dem Zentrum in Lindisfarne, 
die südliche in Canterbury. Der Blickling-Psalter^) kann 
sieh, in Schrift und Ornamentik mit den besten Erzeugnissen 
der nordhumbrischen Schreibkunst messen^) und wird 
sicherlich für eine Königskapelle oder eine Bischofskirche 
bestimmt gewesen sein, in der er, wie aus liturgischen Zeichen 
und Neumen (Psalm 118) hervorgeht, als Handexemplar beim 
Gottesdienst fungiert hat. Leider sind von den geschmückten 
Psalmeingängen nur die der Psalmen 38, 68, 80, 118 erhalten, 
die übrigen sind verloren: die betreffenden Blätter mit den 



1) Vgl. unten S. 436 f. 

*) Denn nur diese tragen Glossen des ersten Bearbeiters. Alle übrigen 
sind später nachgetragen; vgl. mein Vorwort zu 'Der Psalter des Eadwine' 
p. XIII f. 

^) Sir George Warner ermöglichte mir in entgegenkommender Weise 
einen Einblick in das fast nnzngängliche Ms. und schenkte mir einige 
Kopien seiner photographischen Aufnahmen für die New Palaeographical 
Society, vgl. jetzt deren letzte Lieferang plate 231. 232 (1912). 

*) Wo der Schreiber gearbeitet hat, ist kaum zu entscheiden. Er 
mag eine Kopie der Canterbury -Fassung oder diese selbst für sein Kloster 
zur Abschrift erhalten haben, er mag auch (so Warner) von seinem Konvent 
zur Abschrift nach Canterbury beurlaubt sein. 



433 

Anfängen von Psalm 51, 52, 97, 109 sind herauBgesehnitten, 
die Blätter mit Psalm 1 — 9,9 und 9,30 — 31,3, von denen 1, 
17, 26 zweifellos markiert waren, scheinen auf ähnliche Weise 
entfernt zu sein. ') Dasselbe Schicksal hat auch sämtliche 
dem Psalter folgenden liturgischen Stücke ereilt,^) die uns 
eine wortvolle Handhabe geboten hätten, die Handschriften 
chronologisch richtig einzureihen. 

Aus den in Anm. 1 und 2 erwähnten Notizen Lincoln scher 
Schreiber dürfen wir wohl schliefsen, dafs die Handschrift zu 
Lincoln gehört hat, bevor sie in den Besitz des Marquess 
von Lothian nach Blickling Hall in Norfolk überging. Dafs sie 
nicht in Lincoln geschrieben sein kann, ist klar, da diese Diözese 
erst 1067 gegründet worden ist. Auch kann ein frühes Kloster 
in oder um Lincoln, etwa Lindsey, kaum in Betracht kommen. 
Wie aber mag die Handschrift nach Lincoln gekommen sein? 
Hier helfen uns vielleicht einige alte Glossierungen in alt- 
englischer und lateinischer Sprache, die von verschiedenen, aber 
doch ziemlich gleichzeitigen Benutzern des Psalters herrühren. 
Sie sind im ausgehenden 8. oder beginnenden 9. Jahrhundert ^j 
in roter Tinte und schöner mercischer National- d.h. Kursivschrift 
geschrieben. Ein abschlielsendes Urteil über die Sprache der 
angelsächsischen Wörter 4) — 21 an der Zahl — zu fällen, 
ist bei dem geringen Material sehr gewagt, zumal auch sie 

^) Dem Psalter vorgeheftet ist ein Kalender in einer Hand des 
15. Jahrhunderts, in den Namen von städtischen Beamten Lincolns ans 
den Jahren 15U5 — 1035 eingetragen sind. 

'^) Dem Psalter augefügt sind zwei Blätter: das erste mit Evangelien 
in einer Hand 15. Jahrhunderts, das zweite wieder mit Namen von städtischen 
Beamten von Lincoln (1540 — lö35), ähnlich wie im Ms. der Blickliug 
Homilies (New Palaeogr. Soc. pl. 210). 

3) Beachte: aacoben 117, 13. — dolgsuaphe 37,0; quemde 34,14. — 
dol^suaphe 37,6. — adoen (neben dreimaligem e, s. Anm. 1, S. 434)130, 2. 
Aber: suprador 125,4. — pedr 106,29; precscype 119,5. — Viermaliges 
on neben einmaligem in. 

") Die Ausgaben von Brock (E. E. T. S. 58. 63. 73 p. 252) und Sweet 
(OE. T. p. 122) bedürfen folgender Berichtigungen bzw. Ergänzungen: pem 
ascadendum 119,4 glossiert ' desolatoriis ' (nicht ' inseparunt ! ') ; — zu 
asten 37, 9 wird die Endung de der ersten darüberstehenden Glosse p-anode 
zu ergänzen sein; — für onhrenässe 120,3 lies on hrernisse, das 'in 
commotiouem' (nicht 'obdormiet') erklärt; — iincZe ('teteuderunt') :'.C, 14 
steht Wühl unter Einflul's von 'tetendit' 7,13. 

Studien z. engl. Pbil. L. 28 



434 

nicht von einer Hand zu sein scheinen, doch darf man wohl 
behaupten, dafs sie dasselbe Bild zeigen, das die meisten 
Denkmäler dieser Periode kennzeichnet: ein Gemisch von 
anglischen, und zwar mercischeu, und südlichen besonders 
kentischen Formen, i) Der Plural forsceta für forscetan (Cata- 
racta 41,8) mag nordhumbrisch sein, doch ist eher nachlässige 
Schreibung anzunehmen, zumal da hoscm 36, 14, sm^o-n 127, 3 
von derselben Hand zu sein scheinen. In sliet 128, 4 dagegen 
wird wohl westsächsischer Einflufs vorliegen (vgl. forsliet Corpus 
Gl. 1135), der auch sonst durchzukommen scheint. Eine solche 
dialektische Mischung war nuu zwar auch in Canterbury 
möglich, wo Mönche aus den verschiedensten Gegenden zusammen- 
trafen, von hier aber knüpfen sich schwer die Fäden hinüber 
nach Lincoln. Empfehlenswerter erscheint mir auf Grund des 
westsächsischen Einschlags ein Ort an der mereischen und 
westsächsischen Grenze. Vortrefflich pafst meines Erachtens 
Dorchester in Oxfordshire direkt auf der Grenze von Mercien 
und Westsachsen, das, nachdem es im 7. Jahrhundert einige 
Zeit westsächsischer Bisehofssitz gewesen war, im 8. Jahrhundert 
Jahrzehnte lang zwischen mercischer und westsächsischer 
Herrschaft hin und her geworfen, Ende des 9. Jahrhunderts 
mercischer Bischofssitz wurde, welcher dann 1085 endgiltig 
nach Lincoln verlegt wurde. Auf alle Fälle wird das Manuskript, 
wenn es im Norden gewesen ist, schon früh in den engeren 
Machtbereich des südlichen Primats gekommen sein. Dafs es 
gegen Schluls des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts im 
Süden und zwar in der bischöflichen (über Canterbury?) 
oder königlichen Kanzlei zu Winchester gewesen sein 
mufs, beweisen die zahlreichen in ihm befindlichen jüngeren 
ae. Glossierungen aus dieser Zeit, die durchaus mit der damals 
in Winchester befindlichen Regius-Glosse übereinstimmen und 
z. T. sicher aus ihr kopiert sind. 2) Letzteres erhellt deutlich 
aus übernommenen Schreibungen und ähnlichem, wie horh^iend 



1) Beachte: ^ehtplicnissum 9,10; rvrecscyjje 119,5. — s.ltne wohl 
für saltne 106, 34. — sel^um (versehen für ]>el^um), mit i -Umlaut 132, 2. — 
sliet (ohne h) 12S, 4. — milcum 130,2. — adoen 130,2 neben asten 37,9, 
hrernisse 120,3, quemde 34,14, und kurzes e: eletrioiv 127,3. — pem 
119,4. — pa ÄJw^ja« eletri°w 127,3, 

'') Vgl. S. 451 ff. 



435 

108,11, cived 82,11 gegenüber cwcade 112,7, sCiveUsgiaii 64,10, 
wiöcist {-cijst Regina) . . . wiöceoseö 32,10. Die Glossen finden 
sich regellos über den ganzen Psalter verstreut, über schwierigen 
wie leichten Lemmata. Besonders reichlich sind die Psalmen 
34, 54, 67, 68, 77, 90, 101, 102, 103, 104, 144 bedacht. Nicht 
immer scbliefsen ^ie sich eng an die Vorlage *) an. Die wenigen 
in Psalm 125, 131, 141 zeigen anfserdem Übereinstimmungen 
mit der Junius-Glossc, die aber auch zufälliger Natur sein 
können. Welche Ursachen das Manuskript nach AVinchester 
gebracht haben, ist schwer zu sagen. Da es wohl als Reliquie 
der altwestsäehsischen Kirche betrachtet und verehrt wurde, 
kann es mit dem Erstarken Winchesters bald an dieses ab- 
getreten sein. Vielleicht auch hat es sich unter den Bücher- 
schätzen befunden, die ^-Ethelred seiner Gemahlin Emma zum 
Geschenk machte.-) Der normannische Bischof Ulf, der mit 
anderen (Robert of Jumifeges) den König völlig in seiner Gewalt 
hatte, wird bald ein Auge auf den kostbaren Codex geworfen 
und ihn bei seiner Ernennung auf den Stuhl zu Dorchester 
(1049)3) mit sich genommen haben. 1085, bei der Auflösung 
der Diözese Dorchester, ist er dann an Lincoln tibergeben, 
wird hier als wertlos an die Stadt veräufsert und schliefslich 
um die Mitte des 17. Jahrhunderts in den Privatbesitz der 
Grafen von Lothian übergegangen sein."*) Dieselbe Geschichte 
wird auch das im Besitz derselben Familie befindliche Manu- 
skript der Blickling-Homilies^) hinter sich haben. 

Die lateinische Schrift des Vespasian Psalters ist in 
schönen kontinentalen Unzialen gehalten, wie sie im 7. und 
frühen 8. Jahrhundert im Süden Englands, besonders im 
St. Augustinus- Kloster zu Canterbury, gepflegt wurden. Nur 



^) tyrin^ IIS, 139 stammt ans fiS, 10 in Regius; desgl. on un^efarenum 
106,40 aus 62,3; ntrynas 1 IS, 136 ans 106,35 iisw. 

*) eouor und aivnrtwalude 79, 14 als Beeinflussungen normannischer 
Schreibungen in Anspruch zu nehmen, wird kaum angängig sein, obgleich 
diese nach meiner Überzeugung schon im frühen 1 1 .Jahrhundert in stärkerem 
Mafse vorhanden gewesen sind, als man annimmt. 

3) Hunt, History of the English Church ^ I, 403 f. 

*) Vgl. die einschlägigen Artikel in der Encyclopaedia Britannica 
nnd im Dictionary of National Biography. 

'") New Palaeographical Society, plate 210. Vgl. die Ausgabe von 
Morris, Early English Text Society 58. 63. 73. 

28* 



436 

iu der Initial-Ornamentik ist bereits deutlich eine Einwirkung 
der irisch -uordhumbrisclien Kunst sichtbar, die ähnlich wie 
die Schrift bald im Siegeszuge von dem Süden Besitz nimmt 
und die fremden Elemente verdrängt. Die altenglische Glosse 
ist in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, also etwa 150 
Jahre später, in der spitzen mercischen Insulare geschrieben. 
Ihr sprachlicher Gruudcharakter ist ebenfalls mereisch. Damit 
braucht natürlich nicht gesagt zu sein, wie schon von anderen 
betont ist, dals sie in Mercien abgefalst ist, im Gegenteil, für 
diese Zeit war die Entstehung eines solchen Denkmals in 
Mercien kaum möglich. Denn was an Gelehrsamkeit hier 
noch vorhanden war, das scheint Alfred mit genialem Blick 
für sich und sein Land nutzbar gemacht zu haben. Schon 
872, gleich nach seinem Regierungsantritt berief er, so berichtet 
Florenz von Worcester, vier gelehrte Mercier an seinen Hof: 
Werferth, Bisehof von Worcester, Plegmund aus der Nähe von 
ehester, iEthelstan und Werwulf, da es seinem Lande an 
tüchtigen Gelehrten gebrach. Viele andere werden ihnen 
gefolgt sein. In dieser Strömung und von einem solchen Mercier, 
der sich aber in Sprache und Schrift den Gepflogenheiten 
Canterburys angepafst hatte, wird die Glosse geschrieben sein i) 
und zwar sicher wohl in Canterbury, wo der lateinische 
Text lag. Derartige Vermischungen zwischen dem Mercischen 
und Kentischen scheinen nicht auf einzelne Individuen, noch 
auf diese Zeit beschränkt geblieben zu sein, sondern schon 
seit dem 8. Jahrhundert in gröfserem Umfange stattgefunden 
zu haben. Die mercische Sprache wird in Kent nach der 
Eroberung durch iEthelbald rasch und besonders tief Wurzel 



1) Der Glossator scheint schon nach einer Vorlage gearbeitet zu 
haben. Dafür sprechen die überaus zahlreichen Schreibfehler, die einem 
selbständigen Bearbeiter kaum passiert wären, ferner Fälle wie ^odes hus 
godes (domum dei) 41, 5. Auch die verhältnismäfsig häufigen ö, ä für ce, 
ib (vgl. Zeuner §§ 14. 16, 1) werden so zu deuten sein, falls in ihnen nicht 
lautliche Verhältnisse der Vorlage durchschimmern. Diese würde wohl 
in die mercische Glanzperiode, also ins &. Jahrhundert, zu verlegen sein, 
in die Zeit König ^Ethelbalds, scheint doch die Tatsache, dafa dem Psalter 
einst eine Urkunde dieses Königs aus dem Jahre 736 vorgebunden war, 
auf eine frühe Tradition zu deuten, die das Denkmal ruit diesem in seiner 
Jugend geistlichen Studien gern ergebenen Herrscher in Verbindung 
brachte. 



437 

gefafst li.aben — drei Mereier safseu nacheinander von 731 — 759 
auf dem erzbiseliöfiieheu Stuhle zu Cauterbury — von Anfang 
an aber von dem Dialekt Canterburys als des Mittelpunkts 
der kirchlichen Verwaltung- und der Hochburg der Gelehr- 
samkeit starke Beeinflussungen erfahren haben, besonders im 
Laufe des 9. Jahrhunderts, als Mereien als politischer Faktor 
nahezu ausgeschieden und Cauterbury als Haupterbe und Hüter 
dieser Kultur übriggeblieben war, so dafs man vielleicht 
berechtigt ist, von einer mereisch-kentischen Kirchensprache 
zu reden. Eine ähnliche Veränderung durch das Kentische, 
wenn auch in schwächerem Malse, wird aus denselben Gründen 
auch mit der westsächsischen xoiry) im 10., 11. Jahrhundert 
vor sich gegangen sein. Als das Resultat eines solchen Aus- 
gleichungsprozesses also wird die Sprache der meisten Denkmäler 
des 8. und 9. Jahrhunderts, auch die der Vespasian -Glosse, 
aufzufassen sein. So erklären sich mir die häufigen e für (^, 
e für ce (besonders aus gerra. ai-[-i), lo für eo besonders in 
Wörtern, die keine lautgesetzlichen Formen mit Umlaut Jo 
neben sich hatten, also in hlod, liofa, nlolcecan, so hiofen und 
liortum über (Jiiortum), ') alles Erscheinungen, die dem späteren 
Kentischen eigen sind, so vielleicht auch, gegen Bülbring 
(Elem. 376) und Pogatscher (Literaturblatt für germanische 
und romanische Philologie 1901, 161), das e für y in ymbhwerß 
(49, 12), das, soweit ich erkennen kann, nur in solchen Texten 
begegnet, die auch sonst e für y schreiben, also z. B. in den 
Metren des Boethius (vgl. die Ausgabe Sedgefields, p. 325), im 
Bosworth- und Lambeth-Psalter. 

Im 9. Jahrhundert war im politischen und kirchlichen 
England ein grofser Umschwung eingetreten, der auch natur- 
gemäfs in Cauterbury einen neuen Kurs zur Folge hatte. 
Mereien hatte bei dem seit 802 wieder erstarkten und un- 
abhängigen Stuhl in Cauterbury, wie überall im Reiche, jeden 
Eiufluls verloren, mercische Schreiber waren in der erzbischöf- 



*) Dafs in den Yo für eo z. T. wülkürliche Übertragungen vorliegen, 
geht daraus liervor, dafs die lautgesetzlichen zo im Texte durchaus nicht 
rein bewahrt sind. Der kurze Laut wird z. B. regelmäfsig durch eo wieder- 
gegeben und auch beim langen finden sich neolnis neben niolnes, neosian 
neben iiiosian, neowe neben häufigerem niowe, nur Öeostrian, getreo- 
tvati usw. 



438 

liehen Kanzlei seltener geworden, dafür aber hatte sich dort 
schon im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts eine neue Macht 
Ausehen und Anerkennung verschaift: "Westsachsen. Um 
830 war Kent von Ecgbert erobert, der Erzbischofssitz 833 
durch Ceolnoth, wie man sagt, einen Westsachsen besetzt 
worden, dem 870 Ethelred folgte, der als Bischof von Wiltshire 
bezeichnet wird. Damit war ein stärkerer Zuzug westsächsischer 
Mönche und Geistlicher nach der kirchlichen Metropole und 
zugleich eine ßeeinflufsung der hier üblichen Schreibweise 
und Sprache seitens des Westsächsischen gegeben. Die für 
diesen Dialekt charakteristischen kurzen und langen ie für e 
in den übrigen Dialekten werden in Canterbury Eingang 
gefunden und von gewissen Schreibern als moderne Schreibung 
Verwendung gefunden haben. Ob nicht auch die zahlreichen 
le für zu erwartendes w (eo) in der Vespasian Glosse auf 
diese Weise zu deuten sind ? Sie finden sich in onsiene ') 
(ausschlielslich 65 mal), fiend (4), fiede, fiedon (6), gchiewade 
(1), pie (1), gediede (1) und übertragen in died (3), dieowe (1), 
bei Kürze in hiefene, also begreiflicherweise fast nur bei 
Länge, wo ja der Laut in der eigenen Sprache schon vorlag 
(hie, sie usw.), und in Wörtern, die lautgesetzlich lo verlaugten, 
bezw. wohl mit io gesprochen wurden. 

Von derselben Hand glossiert sind aulser dem Psalter, 
inkl. Psalm 151, auch die sich daran schlielseuden Hymnen. 
Es sind dies aufser den oben besprochenen sieben, die beiden 
aus dem neuen Testament 'Benedictus dominus' (täglich zur 
Matutin), und 'Magnificat anima mea' (täglich zur Vesper), ferner 
(auf zwei überschüssigen Blättern) die beiden ambrosianischen 
Hymnen 'Splendor paternae gloriae' (Hymnus ad Matutinos) 
und 'Deus creator omnium polique rector' (Hymnus ad 
Vespertinum) und der von den Bischöfen Caesarius und 
Aurelianus zitierte Nocturnhymnus 'Ptex aeterno domine' 
(Hymnus Diebus Dominicis).^) Zweierlei lernen wir aus dieser 
Sammlung. Einmal weist sie auf eine Zeit, in der das 
Completorium noch nicht festgesetzt, bezw. noch mit keinem 



*) Hier könnte aach der Nebenton mitgewirkt haben. 
2) Blume, Der Cursns S. Benedicti und die liturgischen Hymnen des 
6. — 9. Jahrhunderts. Leipzig 1908. p. 37. 



439 

festen Hymnus bedaclit war, sonst wäre wolil sieher das zu 
jener Gebetsstunde später i) vorgeschriebene Cantieum Simeonis: 
Nunc dimitte seruuni tuum nicht übergangen worden, in der 
ferner der Hymnus Kex aeterne noch unverkürzt lebte und 
nicht auf Ostern beschränkt war, wie es nach 900 geschah. 2) 
Zum zweiten aber weisen die letzten drei Hymnen auf Grund 
der Untersuchungen, die Blume-) augestellt hat, entschieden 
auf nicht-irische Provenienz. Hiernach begegnet der Nocturn- 
Hymnus z. B. überhaupt nicht in irischen Hymnareu ') älterer 
Zeit und wird wohl mit den beiden ambrosianischen aus der 
römischen Vorlage übernommen sein. Sicherlich sind alle drei 
mit anderen alt-benediktinisehen Hymnen im 7. Jahrhundert 
nach römischem Muster in die englische Liturgie aufgenommen 
worden, aus der sie dann im 9., 10. Jahrhundert wie auf dem 
Kontinent von der irischen Gruppe verdrängt wurden, wie wir 
unten beim Bosworth Psalter sehen werden. Der Vespasian 
Psalter nimmt also auch in hymnologiecher Beziehung eine 
sehr bedeutende Stellung ein: er bietet die älteste Quelle alt- 
benediktinischer Hymnen überhaupt und die einzige, wenn 
auch nur fragmentarisch, auf englischem Boden. 

Was aufser dem Psalter und den oben besprochenen 
Hymnen dem Manuskript angehört, stammt alles von anderen 
Händen •'') und aus anderen Zeiten. Die erste Folio mit dem 
Christusbilde ist aus einem Psalter des 13. Jahrhunderts 
wahrscheinlich von Sir Robert Cotton eingeheftet worden 
(vgl. Reproductions from Hluminated Manuscripts in the Brit. 
Mus., Series HI, plate XV). Die darauf folgenden 10 Blätter 



1) Seit Chrodegang, vgl. Baeumer, Geschichte des Breviers 1895, p. 253. 

2) Vgl. Bhime, a.a.O. pp. 75. 113. 

=*) Die Hymnen des Thesaurus Hymnologicus H. A. Daniels (= Analecta 
Hymnica medii aevi 51) 1908, p. XX ff. 

*) Von englischen Sammlungen begegnet er überhaupt nur noch im 
Durham-Ms. (B. III, 82) aus dem 11. Jahrhundert, vgl. nuten p. 458. 

*) Auch der 151. Psalm (Pusillus eram), ein pseudoepigraphisches 
Stück (aus 1. Samuel 16, 1 — 3. 17), das von Hieronj'mus aus der Septua- 
ginta mit übernommen war, gehört dem ursprünglichen Ms. nicht an, sondern 
ist auf einem besonderen Blatte zugefügt worden, doch bevor die ae. 
Glossieruug begann, da diese ihn einschliefst. Er fehlt meist den römischen 
Versionen und dringt erst mit dem Psalterium Gallicanum ein. 



440 

bringen die Prolegomena zum Psalter, im ganzen 16Nummern,0 
die in bäurischer Kapitalschrift von einer Hand des 7. oder 
8. Jahrhunderts gesehrieben sind. Fünf^) von ihnen sind 
neuerdings von Beer 3) auch im Psalter Karls des Grolsen'*) 
entdeckt, der kurz nach 783 von einem Schreiber Dagulf 
vielleicht im Auftrage Alkuins angefertigt ist.'') Was den 
Hymnen am Schlufs der Handschrift folgt, ist im 11. Jahr- 
hundert auf neuen Blättern angefügt worden und zwar von 
einer Hand. Da sind zuerst die im 10. Jahrhundert vom 
Kontinent aus eingeführten Stücke: das Te deum und das 
Quicunque uult, dann einige Gebete: Oratio Eugenii Toletani 
episcopi,^) Confessio ad dominum siue oratio (Deus inestimabilis 
misericordiae usw.),'') sanctum et uenerabile nostri redemptoris 
Signum, Ihesu Christe crucifixe, Salue crux saneta et uenerauda, 
Salue saneta crux omnium arborum gloriosissima, Te saneta 
dei crux humiliter adoro. Das Te deum und Quicumque 
uult sind mit einer ae Glosse versehen, aber von einer 
anderen Hand, die ganz im Duktus der Winchester Schule 
gehalten ist und auffällig mit der der Tiber ins- Glosse tiber- 
einstimmt. Da auch in der Psalterglosse einige Zusätze gemacht 
sind (vgl. Psalm 6, 26, 31, 37, 101, 118. 15—28, 142), die zum 
grölsten Teil aus der in Winchester befindlichen Regiusglosse 
genommen sind, so dürfte das jManuskript im Anfang des 
11. Jahrhunderts für einige Zeit in Winchester^) gewesen 
sein. Und zwar kann meines Erachtens nur Krieg oder eine 
ähnliche Gefahr hierzu Veranlassung gegeben haben, da, wie 
wir erfahren, das Manuskript als Heiligtum auf dem Altar 



^) Vgl. die ausführliche Beschreibung der Hs. im Catalogue of Ancient 
Mss. in the British Museum, II (18S4), p. 8. 

2) Epistola Damasi ad Hieronymum, Versus Damasi, Epistola Hieronymi 
ad Damasum, Versus Hieronymi, Origo psalmorum. 

^) Monumenta Palaeographica Vindobouensia, Lieferung 1 (Leipzig 
1910), p. 45, die mir A. Goldschmidt freundlichst zur Verfügung stellte. 

*) Wien, K. K. Bibl. cod. 1861; Chroust, Munum. Palaeog. Ser. II, 
11. Lief., Tafel 4. 
^ «) Beer, a. a. 0. p. 61 f. 

«) Migne, Patr. Lat. 87 col. 359. 

') Unter dem Titel 'Oratio sancti Augnstini' im Ms. Arandel 155. 

*) Auch die zahlreichen Korrekturen im lat. Text nach dem Psalterium 
Gallicannm werden aus dieser Zeit stammen. 



441 

des St. Augustinus-Klosters sorgsam })chUtet und infolgedessen 
kaum ausgeliehen wurde. Als daher 1011 die Dünen Canterbury 
])elagerten und monatelang plünderten, werden St. Augustiner- 
Mönche ihre Schätze, darunter auch unseren Psalter, nach dem 
sichereren Winchester gebracht und solange verborgen gehalten 
haben, bis die Gefahr vorüber war. 



Alfred — iEthelstan. 



Die neue Zeit, deren Vorboten sich schon im Yespasian- 
Psalter ankündigten, kam rasch heran. Mercien wurde von 
Westsachsen bald aus dem Sattel gehoben. Schon Ecgbert 
gelaug es in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, ganz England 
unter seinem Szepter zu vereinigen, allerdings nur für kurze 
Zeit. Erst als Alfred durch sein erfolgreiches Einschreiten 
gegen die Dänen und durch soziale und kirchliche Reformen 
einer gedeihlichen Friedensarbeit die Wege geebnet, und sein 
Genius der westsächsischen Sprache Kraft und Ausdauer ver- 
liehen hatte, erst jetzt setzt der eigentlich politische und 
literarische Vorstofs Westsachens ein. Die Anfänge waren 
freilich, wie zu erwarten war, recht mühsam. Denn selbst ein 
Alfred hatte die Wunden nicht zu heilen vermocht, welche die 
Einfälle der Dänen geschlagen hatten, und hatte andererseits 
auch nicht solche Erfolge über sie errungen, dafs sie das Ver- 
langen nach ferneren Raubzügen in das Südreich verloren hätten. 
Die Kraft des Volkes war lahmgelegt für Jahrzehnte. Den 
Geistlichen und Mönchen, den Trägern der Bildung und berufenen 
Erziehern des Volkes fehlte es, soweit sie nach den mörderischen 
Kriegen noch vorhanden waren, an lebendigem Interesse und 
Verständnis für diese ihre wichtigste Aufgabe, wie auch an 
sittlicher Kraft und religiösem Feuer, um die Massen in einheit- 
lichem Geiste zusammenzuhalten. Aber Anfänge, wenn auch 
nur schwache, waren doch da, und das Lebenswerk des genialen 
Königs trug unter der sorgsamen Pflege seiner Mitarbeiter und 
nächsten Nachfolger schöne Früchte. Eine emsige Tätigkeit 
beginnt allmählich unter dem Schutze des Staates und der 
Kirche, vor allem in der politischen und kirchlichen Metropole, 



442 

in Wiucliester') und Caiiterbury (uuter Plegmuiid). doch 
nicht minder in dem mit Winchester nahe verbundenen Sher- 
borne (unter Asser) und in den von Alfred gegründeten Klöstern 
zu Athelucy (unter John dem Altsachsen) und Shaftesbury. 

Sie gilt der Übertragung und Umarbeitung der alten eng- 
lischen üenkmäler ins WestsUchsische. Die bischöflischcn 
Schreiberschulen und Klöster, speziell der genannten Diözesen, 
treten in innigen Konnex miteinander, sowohl durch Austausch 
von Manuskripten wie auch durch gegenseitigen Besuch ihrer Mit- 
glieder. Cauterbury mit seinen kostbaren IIss. im St. Augustinus- 
Kloster war natürlich bei weitem der gebende Teil. Auch der 
Psalter, der wie kein anderes Buch in das Leben aller Gebildeten 
eingriff, wird um diese Zeit in Westsaehsen manche Glossierung 
erfahren haben, teils als Ergebnis literarischer Arbeiten in den 
Klosterschulen, teils auch im Anschlnls an die amtliche Tätigkeit 
der Geistlichen und Mönche, meist aber, wie ich schon oben 
hervorhob, auf Bestellung hochstehender Persönlichkeiten, vor 
allem adliger Damen, die dem Psalter stets ein reges Interesse 2) 
entgegenbrachten und des Lateins unkundig, einer Hilfe in ihrer 
^lutterspraehe bedurften. 

Zwar sind unter Eduard dem Alteren, um dem Verlaut 
der Entwicklung etwas näher zu treten, kaum nennenswerte 
Erfolge zu verzeichnen, noch auch zu erwarten, zumal da seine 
llegierungszeit noch oder wieder mit ständigen Beunruhigungen 
seitens der Dänen zu rechnen hatte. Aber mit ^-Ethelstan, 
der sich nach siegreichen Kämpfen mit den inneren und äulseren 
Feinden seines Reiches mit Stolz curagulus totius bryttannie 
nennen konnte, scheint doch ein allgemeiner Aufschwung des 
geistigen Lebens stattgefunden zu haben. Wenn uns auch die 
wichtigsten Zeugen angelsächsischer Annalistik wie die angel- 
sächsische Chronik, ^thelward u. a. gerade für seine Zeit mit 
Angaben im Stich lassen, so belehren uns doch andere zuverlässige 
Quellen, welch weitgehende literarische, künstlerische und 

') Besonders in den nenerrichteten Klöstern, dem Newminster unter 
Grimbald und dem Nunnaminster. 

-j Es scheint mir eine lohnende Aufgabe, einmal die Stellung der 
Frau zum Psalter im Mittelalter zu untersuchen. Besonders reich fliefsen 
die handschriftlichen Quellen im 12. bis 14. Jahrhundert, doch fehlt es auch 
nicht an solchen aus früherer Zeit. 



443 

religiöse Interessea dieser König- geliabt hat. Wir besitzen 
eine Keibe Gesetze') von ihm, die der späteren Zeit 'als 
Ideal für Kirchlicbkeit' galten.-) Ans der lls. Cott. Domitian 
AI (fol. 56b) und sonstigen handscbriftliehen Notizen 3) er- 
fahren wir, dafs er eine ausgewühlte Bibliothek sein eigen 
nannte. Wir wissen ferner, dafs er durch Verheiratung seiner 
fünf Schwestern enge Beziehungen mit Herrschern und durch 
diese oder seine Schwestern mit geistigen Kulturzentren (Lobbes!) 
des Kontinents gehabt hat.-*) Aus der Gründung des kornischen 
Bischoftums'') und der Klöster Middletou (Dorset) und Michelney 
(Somerset),*') aus dem freundschaftlichen Verhältnisse, das er 
mit Malmesbury und Bath unterhielt, ersehen wir eine Anteil- 
nahme an dem Gedeihen von Kirche und Mönchtum, das immerhin 
ein Verständnis für ihre Bedeutung voraussetzt, und die Unter- 
suchung der Kalcndarien bzw. Martyrologien der späteren Zeit 
lassen es als sicher erscheinen, dafs in seiner Umgebung 
besonders unter den Damen ein tiefes religiöses Leben im 
Flufs war, das mit seinem Brennpunkt in dem von Eduards 
Tochter Eadburga geleiteten Nunnaminster in einem aus- 
gedehnten Heiligenkultus Ausdruck fand.') Zahlreiche kost- 
bare Kodizes, auch Psalterien, sollen vom Kontinent^) in seine 
Bibliothek übergegangen sein, so dafs er ihm nahestehende 
Klöster damit beschenken konnte.'') Darunter befand sich wohl 
sicher auch der Psalter Cott. Galba A XVIII (Brit. Mus.),i") 



•) Liebermann, Gesetze der Angelsachsen I, p. 140 ff. 

2) Liebermann, a. a. 0. II, 2, p. 275 Sp. 2. 

3) Gottlieb, über mittelalterliche Bibliotheken p. 27i)f. 

*) Onaau, England before the Norman Conquest p. 522. Hunt, A 
History of the Euglish Church I, 306 f. 

^) Hunt, a.a.O. p. 3U0. 

«) Hunt, a. a. 0. p. 304. 

') Bishop-Gasquet, The Bosworth Psalter p. Sti. 

«) Gottlieb, a.a.O. p. 279 ff. 

") Cott. Claud. B V au die St. Peter Abtei zu Bath, Cott. Tiberius A II 
au Christ Church Canterbury, Regius I A XVIII an St. Augustine's Canter- 
bury. 

10) Catalogne of Ancient Manuscripts in the British Museum, p. 12; 
Westwood, Facsimiles of the Miniatures and Ornaments of Anglo-Saxon 
and Irish Mss., l&6b, p. y6ff, plate32; J. A. Herbert, Illnminated Mss., 
London 1910, p. 122f. 



444 

der iu Englniul von einer Hand des 10. Jnlirliunderts — auf 
Veranlassung des Königs? — Zusätze verschiedener Art erhalten 
hat. Zu letzteren gehört auch der mit einem metrischen Mar- 
tyrologium versehene Kalender, ^) in dem unter dem 26. Oktober 
der Tod Alfreds, unter dem 5. Dezember der seiner Gemahlin 
Ealhswiö eingetragen sind. Da auch der Kalender des Junius- 
Psalters Auszüge aus diesem Martyrologium, besonders aber 
die beiden erwähnten Eintragungen aufweist, so kann es keinem 
Zweifel unterliegen, dafs auch dieses Manuskript, dessen übrige 
Teile von derselben Hand in insularer Minuskel geschrieben 
sind, bis auf die Glosse in der Winchester Atmosphäre ent- 
standen und vielleicht für eine Angehörige des königlichen 
Hauses oder für das von Alfred gegründete Nunnarainster 
hergestellt ist, in dem Ealhswiö nach des Königs Tode Auf- 
nahme fand und starb (905). 

Dem entspricht denn auch die künstlerische Ausstattung 
des Psalters. ^2) Alle Psalmen beginnen mit schönen Initialen, 
die sich aus fabelhaften, meist drachenähnlichen Tiergebilden 
zusammensetzen und deren Innenfläche nicht selten durch 
Figuren von Menschen oder Tieren ausgefüllt ist. Dafs hier 
grölstenteils bodenständige Kunst vorliegen kann, erhellt aus 
der Art, wie diese Tierkörper der Verzierung dienstbar gemacht 
sind, sowie aus der in einigen Initialen auftretenden Flecht- 
und Bandversehlingungsornamentik, deren 'phantastische aber 
ausdrucksvolle Liniensprache' im allgemeinen als irisch, neuer- 
dings als typisch germanisch aufgefalst wird. 3) Sie mag im 
7. Jahrhundert aus dem Norden nach dem Süden gedrungen 
und hier im Laufe des 8. Jahrhunderts den kontinental-römischen 
Einfluls allmählich ausgeschaltet haben, ähnlich wie dies in der 
Schrift der Fall war, um dann nach einer Zeit der Sammlung 
und Vorbereitung im frühen 10. Jahrhundert zu neuem und selb- 
ständigem Leben zu erwachen. Wir begegnen ihr iu dieser Zeit 
in zahlreichen Hss. aus den grofsen Kulturzentren Winchester und 



Ilampson, Medü Aevi Kalendarium I, 397 ff. 

') Westwood, a.a.O., Tafel 34; Westwood, Palaeographia Sacra 
Pictoria N. 41. 

*) W. Worringer, Formprobleme der Gotik 1911, p. 28fif. 



445 

Cauterbury^ z.B. im Pontifikale Dunstans'^) und im Boswortli- 
Psaltei*3), und zwar zuerst in obigen Denlcniälern in Winchester, 
wo sie allerdings schon in den sechziger Jahren durch kon- 
tinentale Vorbilder verdrängt wird, doch auch an anderen Orten, 
z. B. in der heiligen Kreuzabtei zuWaltham (Aldhelni Als.) und 
in dem mit Winchester nahe verbundenen Sherijorne (Salisbury 
Psalter).-') Inwieweit in einigen, auch in Junius, Beeinflussung 
durch kontinentale Hss. anzunehmen ist, die ja in der Bibliothek 
des Königs, aber auch wohl nur da, zur Verfügung standen, 
wage ich nicht zu beurteilen. Meines Erachtens liegt aber eine 
solche vor, wenn wir hier, wie auch im Salisbury- Psalter, die 
Psalmen 51,'') 101, 119, mit den Psalmen 1, 17, 26, 38, 52, G8, 
80, 97, 109 und 118,') die, wie wir sahen, im Officium der 
englischen Kirche eine markante Stellung einnahmen, auf eine 
Stufe gestellt und durch besonderen Schmuck und Verwendung 
der Kapitale in der ersten Zeile ausgezeichnet finden. Wie ich 
oben S. 424 andeutete, ist die Auszeichnung von Pss. 51, 101 in 
dieser Zeit vor allen auf dem Kontinent gebräuchlich und wird 
daher von dort, vermutlich vom Frankenreich aus, auf Eng- 
land neuen Eindruck gemacht haben. Ahnlich verhält es sich 
mit Ps.ll9, dem ersten der 15 Gradualpsalmen (Pss. 119-133). 
Da wir diese in Hss. früherer Jahrhunderte in keiner Weise 
hervorgehoben noch, in Übereinstimmung mit dem römischen 
Officium,^) irgend welche Spuren finden, die auf liturgische Ver- 
wendung sehliefsen lielsen, so liegt es nahe, auch hierfür den 

^) Neuestens zusammeDgestellt von 0. Schoinburger, Die Anfänge der 
MalscLule von Winchester im X.Jahrhundert, Leipzig 1912, p. df. 

^) New Palaeographicai Society pl. 111, 112. 

*) Gasquet-Bishop, a.a.O., pl. 1; New Palaeogr. Society, pl. 163. 164. 

*) Palaeographicai Society, II. Series, pl. 191; Westwood, a.a.O., 
pl. 31 ; James, The Mss. in the Library at Lambeth Palace, Cambridge 
1900, p. 9. 

') Palaeographicai Society, I. Series, pl. 188. 189; Westwood, a.a.O. 
p. IUI, pl. 35. 

^) Die Initiale ist herausgeschnitten. 

') Die Blätter, Pss. 1 und 68 enthaltend, sind herausgeschnitten. 

**) Zwar vorwendet der heilige Benedikt die sog. kleinen Gradual- 
psalmen (119 — 127) für die Terz, Sext und Non der Wochentage Dienstag 
bis Samstag (Baeumer, Gesch. des Breviers, p. 175), doch scheint diese 
Vorschrift in England vor dem 10. Jahrhundert keine Beachtung gefunden 
za haben. 



446 

Ursprung auf dem Kontinent zu snchen. Und er liegt in der 
Tat in der monastisehen Bewegung des 9. und 10. Jahrhunderts, 
denn die Cluniacenser sollen jene Psalmen zuerst in die Liturgie 
des Abendlandes aufgenommen haben. Verbindungen mit clunia- 
censischen Klöstern, ja vielleicht mit Cluny selbst waren aber 
in Winchester ohne weiteres hergestellt durch ^thelstans 
Schwestern, von denen eine (Ead^ifu) an Karl den Einfältigen 
von Frankreich, eine andere (EadÄifu) an Ludwig IL von der 
Provence, eine dritte (Eadhild) an Hugo den Grofsen, den 
Grafen von Paris, verheiratet war. ') 

Der lateinische Teil des Psalters wird also mit ziemlicher 
Sicherheit in Winchester geschrieben und dann (auf Bestellung?) 
nach Canterbury geschafi't sein, um von demselben Schreiber 
nach Vespasiau glossiert zu werden. Dafs die Glosse, die 
sich im allgemeinen, auch im Wortschatz, eng der Vorlage 
anschliefst, 2) an der Hand der Vespasian-Handschrift nieder- 
geschrieben ist, geht aus einer Reihe übernommener Schreibfehler 
deutlich hervor. s) Die Sprache verrät einen starken Einschlag 
uicht-westsächsischer, d. h. kentischer-mercischer Elemente,^) 
der nicht nur auf Kosten der Verlage zu setzen ist. Sie könnte 
ein Niederschlag sein des grofsen Kampfes, der sich in der 
ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in der erzbischöflichen 
Kanzlei zu Canterbury zwischen der alten mercisch-kentischen 
y.oivTj, wenn wir so sagen dürfen, und dem an Ausdehnung und 
Ausehen gewinnenden Westsächsischen abspielte. 



Die Benediktiner -Eeform. 



Die Hervorhebung der Pss. 51. 101 in Junius könnte mm 
an sich eine rein äufsere Nachahmung sein, brauchte also keines- 
wegs einem neuen liturgischen Brauche Ausdruck zu verleihen. 



*) Oman, a. a. 0., p. 522. 

^) Leider ist sie nur bis Ps. 144, 6 erhalten, docli werden auch der 
Schlafs und die Hymnen, die wir z.T. aus dem Bosworth-Psalter erschliefsen 
können, sich nicht von Vespasian entfernt haben. 

^) Vgl. die Einleitung zu Brenners Ausgabe. 

*) Vgl. Brenners Einleitung zu seiner Ausgabe und DLZ. Jahrgg. 1909, 
Sp. 3105 flf. 



447 

Doch möchte ich glauben, dafs sie dieses in der Tat tut, dafs 
mit andern Worten schon unter ^Ethelstan eine tiefere Ein- 
wirkung der klösterlichen und kirchlichen Reformen des 
Kontinents auf die englischen Zustände auch auf liturgischem 
Gebiete ausgeübt und eine teilweise Rehabilitierung und Keu- 
belcbung des englischen Mönchtunis, das im Laufe des 0. und 
frühen 10. Jahrhunderts in gänzliche Zerrüttung geraten war, 
her])eigeführt ist, wenn auch vorläufig nur in der Macht- und 
Wirkungssphäre einzelner grofsangelegter Männer. Der dänische 
Bischof Odo von Ramsbury (927), der zu verschiedenen Malen 
mit auswärtigen Klöstern in persönliche Berührung getreten 
und besonders von seinem Aufenthalte beim Herzog Hugo 
in Laon (930) mit nachhaltigen Eindrücken in die Heimat 
zurückgekehrt war, wird sofort Schritte zu einer Umgestaltung 
der Klöster seiner Diözese, die sich über Wiltshire und Berk- 
shire ausdehnte,-) getan haben. Von grundlegender Bedeutung 
für das kirchliche Leben Englands wurden dann Odos Be- 
strebungen, als er 942 Erzbischof von Canterbury geworden war 
und von Fleury den Benediktinerhabit erworben hatte. Ob er 
bei dieser Gelegenheit wieder in Fleury gewesen ist, wissen 
wir nicht, wohl aber wissen wir, dafs er seinen Neffen Oswald, 
der unter seiner Leitung in Canterbury erzogen war, veranlafste, 
als Mönch dort einzutreten und einige Jahre der Regel gemäfs 
zu leben, denselben Oswald, der später als Bischof von Woreester 
und Erzbischof von York der Hauptmitarbeiter und Berater 
Dunstans und ^Ethelwolds werden sollte. 

Das Schicksal fügte es, dafs auch Winchester in diesem 
Augenblick der rechte Mann erstand, der, durchdrungen von 
dem Verlangen nach einer Gesundung des religiösen Lebens, 
die Gabe besals, die mannigfachen Anregungen und Lehren, 
welche ihm durch Vermittlung -/Ethelstans von auswärtigen 
Klöstern zuteil wurden, für seine Diözese nutzbar zu machen. 
Elphege, genannt Calvus, soll noch vor Odo die ersten Reform- 
versuche in Winchester angestrebt haben. 3) Seine idealen Ziele, 
seine hohe Vorstellung von der sozialen Bedeutung des i\[önch- 



1) Vgl. oben S. 431. 

") Hin, English Dioceses, p. 221 f. 

■■*) Oman, a. a. 0. p. 540. 



448 

tums übertrugen sich auf zwei junge Mönche, die von ihm fürs 
Kloster vorbereitet und zum Priester geweiht waren, Dunst an 
und iEthelwold. Sie waren berufen, die Ideen des Meisters 
zu verwirklichen und im Bunde mit Oswald durch eine nach 
religiösen und sittlichen Grundsätzen vorgenommene Um- 
gestaltung der Klöster, durch kirchliche und soziale Reformen 
das geistige Leben Englands einer gänzlichen Neugestaltung 
entgegenzuführen. Fulste ersterer, was die Klöster betraf, vor 
allem auf persönlichen Eindrücken und Erlebnissen, die er 
während seiner Verbannung (956) im St. Peters-Kloster (Blan- 
dinium) zu Gent gesammelt hatte, so letzterer auf Berichten 
seines Schülers Osgar über Fleury. Odo und Oswald, Elphege 
und Dunstan-^thelwold, das sind die Kamen, an welche die 
Geschichte der Kirche und des Mönehtums, ja die ganze Kultur 
Englands im 10. Jahrhundert für immer geknüpft ist. Freilich, 
das dürfen wir nicht vergessen, es wäre ihnen trotz aller Hin- 
gebung und Begeisterung nicht gelungen, durchzudringen, wenn 
sie nicht die volle Unterstützung des Staates gefunden hätten, 
^thelstan und vor allem Edgar verdienen in der Tat mit 
oder neben ihnen genannt zu werden. Hatte jener verstanden, 
durch eine grolszügig angelegte Politik Verbindungen mit 
kontinentalen Macht- und Bilduugszentren anzubahnen und zu 
pflegen, so gelang es diesem, seine persönlichen Interessen den 
höheren, der Wohlfahrt des Landes dienenden zu unterwerfen 
und im Einverständnis mit jenen Grolsen zu arbeiten. 

Als erste Frucht der neuen Schulung, die jetzt in die 
Kanzleien und Klöster Englands einzog, tritt uns die Regius- 
Glosse entgegen: eine in gewissem Sinne selbständige Arbeit, 
die sich in jeder Beziehung weit über ihre Vorgängerinnen 
erhebt. Der Verfasser ist bereits zu einer bemerkenswerten 
Kenntnis des Lateinischen vorgedrungen und tiberträgt gewissen- 
haft, aber nicht sklavisch, ja, er steht dem Material mit einer 
gewissen Überlegenheit und, trotz aller Scheu vor der Über- 
lieferung, kritischem Auge gegenüber, indem er den oft ver- 
derbten Text sorgfältig prüft und an der Hand zuverlässiger 
Quellen erklärt und auch verbessert. Er verfügt daneben in 
seiner IMuttersprache über ein reiches Wortniaterial, das auf 
eine ausgedehnte Ubersetzerarbeit hinweist und zugleich Zeugnis 



449 

ablegt von der enormon Entwicklung des englischen Wort- 
schatzes im 10. Jahrhundert. Für 'honor" bietet er beispiels- 
weise nicht weniger als fünf Glossen: anveorjmv^ (8,6. 28,2. 
48,13. 95,7), anreorlmisse (44,10), iveorjtscipe (48,21), ivcorjtwi^ 
(61,5) und Hi/rÖmi/nt (98,4), wo A und B nur ar haben, für 
'tabescere" sechs: tveorjnan (ßS, 12), snindan (111,10), cssian 
(118,139), weorman (118,158), sirarcian (138,21), wo A und 
B nur asuindan kennen, usw. Eine ganze Anzahl sonst nirgends 
belegter, wohl neugeprägter und spezifisch westsächsischer 
Wörter treten uns entgegen, die z. T., aber nur z. T., von 
Boeder i) und Napier 2) zusammengestellt sind. Meist sind es 
Neuschöpfungen durch Komposition wie 3) freareccere 'princeps' 
(118, 161), fromrinc 'princeps' (Hy 4, 15), geneyme 'adinuentio' 
(Hy 1, 4), ^icel^ebJand 'pruina' (Hy 7, 70), manswcBS 'mansuetus' 
(24,9), unseffid 'insensatus' (Hy6, 31); heinsislmn 'signare' 
(Hy 6, 34), freapajician 'exultare' (52, 7), ^csynthecan 'pro- 
sperare' (117,25), jnidpeahticm ^couseutire' (Hy6, 27), ofehtan 
'persequi' (43,17), riht^cliatan 'iurare' (14,4) oder durch Ab- 
leitung wie hlissis 'letans' (112, 9), sceadwi^ 'umbrosus' (Hy 
5,3); ausicm 'anxiare' (60,3. 142,4), ^ecocsicm 'eonfrigere' 
(101, 4), geliffcestnian 'uiuificare (142, 11). — Der Glossator 
hat zweifellos ältere Vorlagen benutzt, ja ich glaube, dafs er 
eine bestimmte zugrunde gelegt und verarbeitet hat. Und 
zwar wird diese Vorlage einen ähnliehen Charakter gehabt 
haben wie die ältesten Glossen und der Vespasian-Text, was 
nach den Ausführungen p. 436 f. ja nicht auffällt. Besonders 
deutlich zeigt sich ihre Eigenart in den Ps. 1 — 50. Hier finden 
wir, genau wie in Vespasian, häufige e für m, ^) besonders e für 
ce^) gegenüber fast regelmälsigem ce im folgenden Teil. 



') In seiner Ausgabe des Psalters: Studien zur engl. Philologie, Bd. 18, 
Anhang. 

■ä) Contributions to Old English Lexicography (Reprinted from the 
Philological Society's Transactions, 1906), Hertford ltiO(>, pp. 72 ff. 

ä) Die folgenden Beispiele finden sich nicht in Roeders und Napiers 
Sammlungen. 

") efter 5,11, {he) ofer^et 9,32, ic segde 15,2, (mud) sprec 16,10, 
me^ene 23, 10 usw. 

5) a) eclran 7, 10, hy tobrecon 10,4, breioas 10,5, spreca 11,7, nedrana 
13,3, icedlan 13,6 usw. b) /)w tobreddest 4,2, ^elede he 7,6, gereciun 
9,10, 22, aclensod 11,7, he ^eledde 17,20, tobredednesse 17,20 usw. 
Studien zur engl. Phil. L. 29 



450 

Wenn nun auch an sich nicht ausgeschlossen wäre, dafs 
der Bearbeiter Vespasian gekannt und benutzt hat, so müssen 
diese Abweichungen doch anderwärts ihren Ursprung haben, 
da sie sich auch da finden, wo A (B) verschiedene Lesungen 
bezw. Schreibungen aufweisen; z. B. entspricht dem hij tobrecon 
10,4 in A(B): hie ton-urpun, dem clensa 18,13 in A: scdas7ia, 
in B: i-ec/fCTzsa, dem ])u tohreddest 17,37 in A: öii s^bracddes, 
in B: J)u gehrceddes usw. Es wird ihm also wohl ein A ver- 
wandter Text vorgelegen haben, dessen Eigenarten er anfangs 
in weiterem Umfange übernommen, im Verlauf der Arbeit aber 
abgestreift hat, falls nicht mercisch- kentische Schreibertradition, 
unter deren Eindrücken er in seiner Jugend gestanden haben 
mag, ihm diese e diktiert haben sollten. Letzteres wäre in 
der Tat eine ganz plausible Deutung. Leider aber zeigen 
sich noch andere Spuren in dem Texte, die auf die Benutzung 
anglischer Quellen, und zwar wiederum anderer (vgl. Anm. 1.2) 
als A (B) schlielsen lassen. So begegnet man besonders im 
ersten Teil (Pss. 1 — 50) doch auch später häufigen o für a vor 
Nas., a für ea vor l + Kons.,') wo der ältere Junius-Text 
z. B. schon meist ea schreibt, vor allem aber häufigen icheom,'^) 
mec^) für me usw. Dasselbe Bild zeigt der Wortschatz. Im 
allgemeinen herrscht westsächsisches Material vor, unter dem 
aber ab und zu alte, nur in anglisch en Texten belegte Wörter ^) 
auftauchen. Und zwar ist die Verteilung dieser heterogenen 
Elemente oft nicht ohne Interesse für uns. Die Pss. 1 — 50 
bieten z. B. für 'ecce' nur on {in) gesihjje, von Ps. 51 an führt 
sich plötzlich efnenu ein, das ersteres ganz verdrängt und mit 
efne abwechselnd bis zum Schluls beibehalten wird. Der betr. 
erste Teil kennt nur fla für 'sagitta', Teil II (Pss. 51—100) 
setzt sofort mit strwl ein (56,5. 63,8. 77,9), ohne jedoch fia 
ganz zu vernachlässigen (76, 18. 90, 6), Teil III (Pss. 101 bis 
Schluls) hat zwei fia neben einem strcel. Dieser plötzliche 
Wechsel im Wortgebrauch an einer und derselben Stelle ist 
auffällig. Sollte etwa die Glosse die Kopie einer Arbeit sein, 



^) Beachte salde 15,7 {sdaö AB), aniualdu 70, 16 (maehte AB) usw. 

2) Beachte ic beom {Mo A, beo B) swenced 68, 18. 

3) mec 72, 24 (mic A, fehlt B). 
*) Vgl. ESt. :i9, 195f. 



451 

die von verschiedenen,') aber unter einer Leitung tätigen 
Mönchen an der Hand einer anglisclien Vorlage vorgenommen 
worden ist? Wie dem auch sei, die Gh)S8e zeigt bei über- 
wiegend westsächsischeu einen festen Stock von anglischeu 
Elementen, die mir älter scheinen als jene und nur aus ang- 
lischeu Quellen übernommen sein können. 

Wo letztere gelegen haben, läfst sich nur vermuten. 
Scheinbar nicht in Canterbury. Vielleicht hat sie iEthelwold, 
mit dessen Kreise wir die Arbeit wohl in Verbindung bringen 
dürfen, von Abingdon, das hart an der mercischen Grenze lag, 
nach Winchester mitgebracht. Vielleicht auch hat er die 
Glossierung schon dort oder in einem anderen der von ihm 
organisierten Klöster, die ihn bei der Durchführung der Re- 
formen unterstützten, ausarbeiten und das ganze Manuskript 
in Winchester kopieren lassen. Das in einem Gusse von 
einer Hand in insularer Minuskel geschriebene Werk macht 
in der Tat den Eindruck einer Kopie, was auch durch manche 
Versehen in der Glosse bestätigt wird, auf die ich ESt. 39, 195 
Anm. 3 aufmerksam gemacht habe. Dals die Glosse im 
11. Jahrhundert in Winchester gewesen ist, ist kaum in Ab- 
rede zu stellen, wenn man bedenkt, dafs verschiedene Glossen 
des 11. Jahrhunderts, deren Kalender und Maltechuik mit 
Sicherheit nach Winchester weisen, direkt aus ihr geschöpft 
haben. Auch spricht dafür der Umstand, dafs dem Psalter 
ein Officium der heiligen Jungfrau vorgeheftet ist (auf sieben 
Blättern), das nach E. S. Dewick (Henry Bradshaw Society 
vol. XXI, pp, X ff.), von einer ca. 100 Jahre späteren Hand ge- 
schrieben, sicher dem Nunnaminster in Winchester angehört 
hat, demselben Kloster also, in dem wir auch Junius ver- 
muteten. Sicherlich hat auch Regius wenn nicht hier, so in 
Newminster, unter der Aufsicht iEthelgars (964 — 980), dem 
wohl auch die literarischen Arbeiten des Kunnaminsters unter- 
stellt waren, die Gestalt erhalten, die uns vorliegt. Dals das ganze 
Werk in der Tat aus der neubenediktinischen Bewegung heraus- 
gewachsen (also rund nach 950) entstanden ist, dafür gibt uns 
die Hs. untrügliche Kriterien an die Hand. Als erstes nenne ich 



1) Vielleicht von dreien, von denen jeder fünfzig Psalmen bewältigte, 
vgl. oben S. 424, Anm. 1. 

29* 



452 

die ausschlief sliclie, wohl nach kontinentalen Mustern ein- 
gerichtete Auszeichnung der Pss. 1. 51. 101, denen von den 
übrigen nur Ps. 109 gleichgestellt ist. Eine Reihe wichtiger 
Kriterien liefert sodann der lateinische Text. Eine Lesart wie 

7 ic heo umvemme heforan ^if ic healde i ivarnie 

Et ero inmaeulatus coram eo : si obseruauero 

fram unrijhtivisnesse minre 
nie ab iniquitate mea in 17, 24, die nur in der 

Regula S. Benedictii) begegnet, konnte, ja durfte nur von 
einem Benediktiner neuen Schlages in den Text eingeführt 
werden. Sie findet sich aufserdem in dem gleichzeitigen 
Bosworth-Psalter, -) ferner im Cambridger 3) und Eadwine^)- 
Psalter, deren lateinischer Text wohl um diese Zeit fixiert 
ist, ■'^) hat aber nicht in das Psalterium Gallieanum Aufnahme 
gefunden. Auf ähnliche Weise erklären sich auch die vielen 
sonstigen Übereinstimmungen, welche die lateinischen Texte 
obengenannter 6) Psalterien im Gegensatz zu den früheren und 
späteren des 11. Jahrhunderts aufweisen.') Von besonderer 
Beweiskraft sind m. E. die ab und zu in den Text, besonders 
den des täglich gesungenen 118. Psalms,*) eingeschobenen domine 
(24,20. 101,14. 118,4,49,103,142,165), da sie fraglos auf 
eine Form der Liturgie hinweisen. Ein Kriterium von nicht 
zu unterschätzendem Werte bieten endlich die dem Psalter 
folgenden Hymnen. Nach den sechs Ferialhymnen (vgl. oben 
S. 425f.), dem Sonntagshymnus 'Benedicite omnia opera', den 
Hymnen 'Benedictus dominus', 'Maguificat' und 'Nunc dimitte' 
erscheinen hier zum ersten Male das sonntags zur Prim ge- 



•) Ed. Woelfflin, c. 7, 42, p. 18. 

'') Von späterer Hand korrigiert zu: et obseruabo. 

2) Die Glosse liest: [si ohne Glo.] ic healde. 

*) Die Glosse liest : 7 ic me geheadde. 

^) Eadwine wird ihn unverändert korrigiert Laben. 

^) Nicht selten folgt auch der Pariser Psalter diesen Lesarten. 

') Nur einige seien hier angeführt: eripiet (-piat iibr.) 21,9; ut enarrem 
(et übr.) 25,7; in erunina mea (mea fehlt iibr.) 31,4; deuerte (diu- übr.) 
33,15; iuste iudicate (iusta, recta übr.) 57,2; sie memor fui (si übr.) 02,7; 
gladii et partes . . . erunt (et fehlt iibr.) 62, 11; inhabitare in eo (in eo fehlt 
übr.) 67,19; ne me demergat (nou übr.) 68, 16. 

*) Auch der Arundel-Psalter schliefst sich VV. 49. 142. 165 an. 



453 

suiigcnc 'QuicuiiH(ue uiilt', dessen liturgisclie Vcrweuduug 
auf dem Kontinent nachweislich erst im 9. Jahrhundert ') und 
in Enghind keinesfalls vor der Reform erfolgt ist, und zum 
Schlafs der zur Matutin gesungene Festtagshymnus 'Gloria 
in excelsis', der ebenso wie das gleich zu erwähnende 
'Te deum'2) erst jetzt definitive Aufnahme in die englische 
Liturgie gefunden haben wird. Da der gleichaltrige Bosworth- 
Psalter in diesem Punkte wieder durchaus mit Regius zu- 
sammengeht, nur dafs er als Festtagshymnus das 'Te deum' 
hat, das mit dem Gloria abzuwechseln pflegte, beide also sich 
deutlich abheben einerseits gegen Vespasian (Junius), anderer- 
seits gegen die späteren Texte, so nehme ich an, dafs sich in 
ihren Hymnen der Kursus der Liturgie widerspiegelt, wie er 
sich unter den ersten Eindrücken der Reform gebildet hatte. 

Bei dem regen Verkehr, den Winchester mit allen Klöstern, 
besonders mit Canterbury, unterhielt, hat die mit grofser 
Gelehrsamkeit und allen Mitteln der Glossierungstechnik an- 
gefertigte Arbeit weit über die Hauptstadt hinaus Beachtung 
gefunden und zeitgenössische wie spätere Versuche dieser 
Art stark beeinflulst. Sie gibt den Grundstock ab zu den 
Glossen in Tiberius, Stowe und Salisbury und liefert mit 
Junius zusammen das Material zu Vitellius und Arundel. ^) 
Wir treffen Einzelglossen aus ihr in Bückling ^) und Vespasian ■■) 
und einzelne Psalmen endlich in dem Bosworth- Psalter. 

Der Bosworth-Psalter^) bildet eine würdige Ergänzung 
zu Regius. Diente dieser mit seinem grofsen, in zwei Sprachen 
(lateinisch und altenglisch) durchgeführten Erklärungsapparat, 



*) Vgl. Buchberger, Kirchl. Handlexikon, München 1907,12 und Herzog, 
Realencyklopädie. Es existierte bereits seit dem 7. Jahrhundert, vgl. Burn, 
Facsimiles of the Creeds, 1909, p. 18if. 

-) Dieses begegnet zuerst im Krönungsofficium für ^Ethelred 978 
(Cotton Ms. Claud. A III). Julian, A Dictionary of Hymnology, 1892, 
p. 1 1 30, Sp. 2. 

^) Sämtlich Hss. 11. Jahrhunderts, die dem Psalterium Gallicauum 
folgen, vgl. Liudelöf, Studien zu ae. Psalterglossen ^1904) p. 1. 

*) Vgl. üben S. 434. 

*) Vgl. oben S. 440. 

«) Vgl. The Bosworth Psalter, an Account of a Ms. . . . by Abbot 
Gasquet and Edmund Bishop, London 1908. 



454 

seiner jeden Selimucks und sonstigen Beiwerks entbehrenden 
Sachlichkeit dem wissenschaftlichen Unterricht, den praktischen 
Übungen in der reformierten Kathedral- oder Klostersehule, so 
fungierte dieser als Handexemplar im Gottesdienste, für 
die Officia divina nach der Regula S. Benedict i. Hier finden 
wir daher, wie in Regius, die charakteristische Lesung in 
Psalm 17, 24, ') hier die Drei- bezw. Vierteilung (ganzseitiger 
Sehmuck bei den Psalmen 1, 51, 101, 109), hier die Hymnen 
'Quicumque uult' und 'Te deum'. Hierzu gesellen sich in diesem 
Denkmal aber noch mehrere gewichtigere Zeugnisse. Ich verweise 
nur auf die Auszeichnung der Psalmen 1. 20. 26. 45. 59. 68. 73. 
85. 97. 118. 119. 134. 138. 141. 144,10. 148, 2) die sämtlich im 
monastischen Officium einen besonderen Platz einnehmen, 
auf die Rubriken 'Diuisio institutionis Benedict!' und 'Diuisio 
Beati Benedieti' in der Mitte des Psalm 143 und der Sabbat- 
hymue 'Attende eaelum', die zur Matutin gesungen wurde, aut 
die Teilungen der Psalmen 68. 77. 138 und 144 nach der 
Vorschrift der Regel (cap. XVIII), ferner auf die Sammlung 
der Cantica de prophetis für die dritte Nocturn, die 
ebenfalls Benedikt (cap. XI) augeordnet hatte. 

Die altenglischen Glossierungen, die sich über die 
Psalmen 40 (V.5), 50. 53. 63. 66. 68. 69. 70. 85. 101. 118—133. 
139 (V. 2, 9). 140. 142 und die Sonntagshymnen: 'Benedicite 
omnia opera', 'Quicumque uult', 'Te deum laudamus', 'Magnificat', 
'Benedictus dominus', 'Nunc dimitte' erstrecken, erscheinen in- 
haltlich als eine Kompilation aus Junius^) und Regius,*) 
worauf schon Lindelöf'') hingewiesen hat, doch zeigen sich 
im Junius-Teile deutliche Rücksichtnahmen auf Regius^) und 



^) Von späterer Hand korrigiert zu: et obseruabo. 

') Sie begegnet sonst nur in Psalterien, die aus der Beueventaner 
Schale hervorgegangen sind. 

3) Der weitaus grüfsere Teil: Pss. 40. 50. 53. 63. 66. 68. 101. IIb— 133. 
142; über die Eymnen s. unten S. 460. 

") Pss.: 69. 70. 85. 139. 140. 

^) Die altenglischen Glossen im Bosworth-Psalter (Memoires de la 
Soc. neophil. ä Helsingfors V) p. 223 ff. 

«) Z.B. 101,12: scua 7 sccadu, 101,24: sce^^e 7 ^ec2/ö, 118,13: ic 
cyöde 7 bodode. Charakteristisch für die Arbeitsweise des Glossators ist 
die Gl. londbe^en^nes (incolatus) 119, 5, eine Kontamination aus londleod 



455 

in beiden zii^^leich eine Reihe anderer, vielleicht selbständiger 
Glossierungen '■) neben nicht seltenen Modernisierungen. Ob 
der Bearbeiter aber nach diesen beiden Manuskripten ge- 
arbeitet hat, scheint mir zweifelhaft, vor allem für Junius. 
Zweifelhaft deshalb, weil die Fassung in Bosworth einige 
bedeutsame Abweichungen aufweist von den Entsprechungen 
in Junius. Erstere verwendet nämlich häufige Te (aus ea + t, 
westgerm. c nach j)2) an Stellen, wo die vermeintliche Vor- 
lage nur e hat. Dafs diese 1c ihre Ursache in der Vorlage 
haben werden, also nicht vom Schreiber stammen, beweist 
der Umstand, dals sie in dem Regius-Teile, sowie in den 
jüngeren 'Te deum '- Glossen gänzlich fehlen. Überhaupt 
kennt die ganze Regius-Glosse nicht ein Beispiel mehr für 
den kurzen und nur wenige für diesen langen Laut. Um 
blolse Schreibungen kann es sich ebensowenig handeln, da die 
ie für e anderer Herkunft nicht auftreten. Nun fand zwar der 
Schreiber solche 'Ie an anderen Stellen in seiner Vorlage vor, 
so dals er sie analog in obigen Fällen eingeführt haben könnte. 
Doch würden sie ihm dann sicher auch in dem übrigen Teil 
gelegentlich in die Feder gelaufen sein. Denn ich kann mir 
nicht denken, dafs er diesen Unterschied zwischen seinen beiden 
Vorlagen deutlich als ein Resultat sprachlicher Entwicklung 
erkannt und die ie daher in den jüngeren Teilen mit Bewulstsein 
gemieden hätte. Eine solche feine Beobachtung und Einsieht 
in sprachliche Verhältnisse dürfen wir dieser Zeit keinesfalls 
zutrauen. Eher umgekehrt: dem Schreiber mögen diese ie 
noch durchaus geläufig gewesen sein, ja er mag sie in Erinnerung 
an frühere Jahre, in denen er oft ähnliche Übertragungsarbeiten 
gemacht, ein e durch ie ersetzt hatte, mit Vorliebe verwandt 
haben im Gegensatz zu den modernen y/ des jugendlichen und 
fortschrittlichen Regius-Verfassers, die er nur aus Rücksicht auf 
diesen in den aus seinem "Werke unternommenen Partieen bei- 
behielt. Wer auch hieran nicht glauben kann, dem bleibt nichts 



(Jnnius) und cardhe^en^nes (Reglus). Ähnlich verfährt der Glossator des 
Cambridger Psalters. 

') Z.B. (Eiüepe 101,8, landbe^evga 118,19, unhalian 118,139. 

2) Beachte: acitr 50,11, 53,7, 118,37, on ieWe 118, 147; pa die^lan 
50,8, iiend{um) 53,9, 68,19, ^e(/i)ier 68, 14, 18, altes 118, 134, I5i, piester- 
nesse 119,5, liliet 124,3 etc. 



456 

weiter übrig als anzunehmen, dafs niebt Jimiiis selbst oder nur 
Jnnius dem Boswortli-Glossator als Muster gedient bat, sondern 
eine Scbwester- oder Ergänzungsarbeit von ihr, die aber ein 
reineres Westsächsisch repräsentierte. 

Dals solche Arbeiten damals existiert haben, ist wohl nicht 
zu bestreiten. Canterbury wie auch Winchester werden deren 
besessen haben, ersteres im Anschluls au Vespasiau, letzteres 
an Junius. Da nun auch Regius für Bosworth benutzt ist, 
so würde wohl Winchester als Entstehungsort der Glossen 
besonders in Frage kommen, aber auch nur dieser, nicht der 
übrigen Teile der Handschrift. Vielmehr haben wir allen Grund, 
für diese Canterbury in Anspruch zu nehmen. Ausschlag- 
gebend hierbei ist wobl weniger der Kalender, der mit 
Bishop sicher nach Canterbury weist, aber, wohl zu merken, 
von späterer Hand in karolingischen Minuskeln zugefügt ist, 
sondern die auffallende Ähnlichkeit, die der Psalter mit einem 
Denkmal aufweist, welches sicher zu Dun s tan in Beziehung 
zu setzen ist. Ich meine das Pontifikale zu Paris (Bibl. uat. 
Ms. lat. 943). 1) Diese Handschrift enthält zwei wichtige 
Dokumente: 1. auf fol. 7 die Kopie eines Briefes von Papst 
Johann XH au Duustan, in dem er dessen Primat bestätigt 
und ihm das Pallium verleiht ; 2. auf fol. 2 die Kopie eines 
Briefes, den ein Erzbischof (^ElfricV) an Bisehof Wulfsise 
von Sherborne (992 — 1001) gerichtet hat. Auf Grund des 
zweiten Briefes, der in ähnlicher Schrift gehalten ist wie der 
übrige Teil, neigt man dazu, das Manuskript letzterem Bischof 
zuzuschreiben. Ich kann mir aber nicht denken, wie der 
Bischof von Sherborne oder irgendein anderer nähere Kenntnis 
oder gar eine Abschrift von einem so wertvollen Schriftstücke, 
wie es ein Papstbrief und dazu noch dieser ist, gewonnen 
haben soll. Zweifellos würde er es aulserdem in diesem Falle 
an die Spitze des Kodex gestellt haben. Meines Erachtens 
kann die Abschrift erstens nur in der erzbischöfiichen Kanzlei 
zu Canterbury erfolgt und zweitens nur von bezw. für Dunstan 
selbst besorgt sein, denn nur er konnte ein Interesse daran haben, 
diesen Brief zu veröffentlichen und dadurch seinem Werk eine 



1) New Palaeographical Society, plate 111,112; Steffens, Latein. Paläo- 
g^aphie^ 1909, Tafel 71a; Westwood, a. a. 0. p. 128. 



457 

besondere Weihe zu verleihen. Die enge Zusanimeugehörigkeit 
des Briefes aber mit dem Pontilikale ergibt sieh sowohl durch 
seine direkte Anordnung vor diesem, wie auch daraus, dafs 
beide von derselben Hand geschrieben sind. Angesichts dieser 
Tatsachen kann man sich der Annahme kaum entziehen, dafs 
dieses Pontilikale mit dem Papstbrief in Canterbury im Auftrage 
Dunstans hergestellt und nach seinem Tode in die Hände 
Wulfsises^) gekommen ist, der ihm einige Stücke vor- und 
nachgesetzt hat. 

Der Schreiber des lateinischen Bosworth- Psalters ist nun 
sicherlich derselben Schule zuzuweisen, wie auch Schom- 
burgers-) Untersuchungen über den künstlerischen Schmuck 
der Handschriften ergeben. Seine in insularer Minuskel ge- 
haltenen Buchstaben zeigen denselben Duktus, seine Initialen 
dieselben Motive und stilistischen Eigentümlichkeiten wie 
die A-Initiale (fol. 10) im Pontilikale, wenn diese jene auch 
an technischer Vollendung w^eit hinter sich zurückläfst. Und 
auch zu Dunstan lälst sich, glaube ich, eine Brücke 
schlagen. 3) Das Manuskript enthält u. a. ein Hymnar von 90 
Nummern (fol. 105 — 128) welches das älteste in seiner Art ist 
auf englischem Boden und als Grundlage für alle späteren') 
betrachtet werden mufs. Es ist nicht etwa, wie wir erwarten 
sollten, eine Fortsetzung oder Erweiterung der Sammlung, die 
wir oben bei Vespasian besprachen, also der alten benedik- 
tinischen Hymnen, sondern schliefst sich im Gegensatz zu jenen 
der irischen Gruppe an, die im Laufe des 9. Jahrhunderts von 
Rom aus auf dem Kontinent eingeführt war und die benedik- 



') Dafs dieser in näheren Bezielinngen zu Dunstan gestanden hat, 
betont Bishop, Boswurth-Psalter, S. 62, Anm. 

2) Die Anfänge der Malschnle von Winchester, p. 3f. 

3) Vgl. Bishop, a. a. 0. p. 126. 

*) Von den übrigen acht englischen Hymuenhandschriften (vgl. Blnme, 
Anal. Hymn. 51 p. XVII) interessieren uns hier besonders die mit ae. 
Glossen versehenen: Cott. Julius A VI (10.; 11. Jahrhundert), Cott. Vespasian 
DXII (11. Jahrhundert), beide im Brit. Mus. und Ms. B III 32 in der 
Kathedralbibliothek zu Durham (11. Jahrhundert), von denen letztere ver- 
öffentlicht ist als: The Latin Hymns of the Auglo-Saxon Church, Durham 
1S51. Sie ist ebenfalls von einem Kenter und wohl in Canterbury ge- 
schrieben , wie sich aus häufigen e für y (m + und dem glossierten 
Dunstan -Hymnus (p. 98) ergibt. 



458 

tinische bald gänzlich verdrängte.') Nur in Canterbury konnte 
naturgemäfs die offizielle Einführung dieser neuen Hymnen in 
die englische Liturgie-) unternommen werden. Und hier 
wiederum nur zur Zeit des grofsen Gährungs- und Umformungs- 
prozesses und zugleich von einem Manne, dem gerade die Pflege 
des Kirchengesanges am Herzen lag. Von keinem der führenden 
Männer dieser Zeit ist dies aber mit grölserer Wahrscheinlich- 
keit anzunehmen, als von Dunstan, der eine ausgesprochene 
Vorliebe und Begabung für Musik gehabt, ja sogar selbst 
komponiert haben soll. 3) SovN'ohl einige Hymnen^) dieser Samm- 
lung wie auch einige Antiphonen und Kesponsorien im Pontifikale 
sind mit Neumen versehen, die von einer sauberen Hand ein- 
getragen sind. Das Hymnen register ist „mit grolser Sorgfalt 
systematisch geordnet" und sicher direkt von einer kontinentalen 
Vorlage^) kopiert. Daher kann es uns nicht wundern, wenn 
wir Hymnen auf englische Heilige darin vergeblich suchen. 
Letztere scheinen, soweit sie in den späteren Hymnaren 
vorliegen,^) überhaupt erst später') verfalst und — zum 



') Ich möchte veriunten, besonders wegen ihrer schönen Melodien. 
Vgl. Blume, a. a. 0. p. XIII. 

^) Ich folge Blume nicht, wenn er meint, dafs in England von jeher 
irische Hj'mneu verwandt wären. Da auf der Synode zu Cloveshoe (747) 
„für den Gesang das Buch für verbindlich erklärt wurde, das in Rom 
hergestellt war" (P.Wagner, Einführung in die gregor. Melodien ^ p. loi), 
so werden wohl auch die Hymnen die alten benediktinischen gewesen sein. 

3) Hunt, a. a. 0. p. 364. 

*) Es sind: 'Lucis creator optime', 'Iste confessor' und '[Rex] Cliriste 
splendor glorie'. Alle drei begegnen nicht in der altbenedikt. Sammlung. 
Ihre Vertonung beweist wohl, dafs sie in der Liturgie benutzt wurden. 

^) Besonderes Interesse erregt der Andreas -Hymnus 'Nobis ecce dies' 
des Rabanus Maurus. 

«) Das Durham-Ms. B III 32 enthält deren drei: Ymnus De Sancto 
Cuthberhto (Magnus miles mirabilis), Ymnus De Saneto Dunstano 
Episcopo (Aue Dunstane presulum), Ymnus De Sancto Angustino 
(Caelestis aule nobiles), dazu kommt aus Cott. Vesp. D. XII: Ymnus De 
Sancto Eadmundo Rege Et Martyre (Eadmundus martyr inclytus). 

') Sicher der Dunstan -Hymnus, vielleicht auch der auf Augustin, 
der nach Blume (Anal. Hym. 51, 165) auf Winchester beschränkt war und 
von Wulfstan, dem Kantor ^thelwolds (Liber Vitae: Register ... of 
New Minster 1892, p. 25), verfafst ist. 



459 

mindesten in Canteihury^ — liturg-isi'li nicht verwandt zu 
sein. 2) 

Beide Manuskripte, denen man nach obigen Ausführungen 
das Heimatsrecht in Canterbury nicht absprechen wird, müssen 
nach Dunstans Tode entweder durch Vermächtnis in anderen 
Besitz übergegangen oder unrechtmäfsig von anderer Seite in 
Beschlag genommen sein, was ja in dem von Säkulargeistlichen 
überfüllten Kathedralkloster leicht möglich war, besonders 
während der Zeit, in der der Stuhl noch unbesetzt war. Das 
Pontilikale kam nach Sherborne in die Hände des Bischofs 
Wulfsije, wie wir oben sahen, der Psalter wohl durch Ver- 
mittlung einer Dunstan verwandten oder nahestehenden Dame 
in das Xunnaminster zu Winchester. So wunderlich diese 
Vermutung im ersten Augenblick klingt, so gewinnt sie doch 
bei näherer Prüfung. Der gemütvolle, sentimental angelegte 
Dunstan mufs von früh auf einen besonderen Reiz auf Frauen 
ausgeübt haben. Die Überlieferung nennt Namen verschiedener, 
meist hochstehender Frauen, deren besonderer Gunst er sich 
erfreute. Auch in Canterbury w4rd sieh eine hohe Gemeinde 
in Verehrung um ihn geschart haben, aus der einige wohl 
nach seinem Tode in das dem königlichen Hause nahestehende 
Nunnaminster ül)ersiedelten. Eine von ihnen hat vielleicht den 
Psalter mit sich genommen und zur leichteren Benutzung mit 
ae. Glossen versehen au der Hand der Hss., die ihr in 
Winchester zur Verfügung standen, also vor allem Junius und 
Ivegius. Diese Überzeugung drängt sich einem auf schon nach 
paläographischer Untersuchung der Glossen, die jetzt jedem 
durch den Abdruck in der New Palaeographical- Society 3) 
ermöglicht ist. Sie sind nämlich von einer feinen und zugleich 
unsicheren, zittrigen (!) Hand') geschrieben, was vermuten 
lälst, dafs die Dame sehr betagt war. Doch auch die elementare, 
unselbständige und unstete Art der Glossierung, die zu den 



') Abgesehen vom Dunstan -Hymnus. 

-) Dies schliefse ich daraus, dafs sie aufser dem Dunstan -Hymnus 
nicht mit ae. Glossen versehen sind. 

3) Plate 114, Ps. 118, 113— 1 OS wiedergebend. 

*) Sie gleicht im Dtiktus auffällig der Janius-Glosseuhand. Vielleicht 
ist diese voa derselben Dame einige Jahrzehnte früher geschrieben worden. 
So erklärten sich auch die S. 39 besprochenen lautlichen Eigentümlichkeiten. 



460 

übrigen Inhalten des Kodex iu starkem Gegensatz steht und 
einem Mönche der neuen Schulung keine Ehre machen würde, 
iiudet so eine plausible Erklärung. Die Schreiberin muls, wenn 
nicht in Kent geboren, längere Zeit dort gelebt haben, das 
beweisen Sehreibungen wie ^engra 118, 141, cmhhwer/te 127,3, 
zenehtsmn 129,7. Die Auswahl der glossierten Psalmen scheint 
durch liturgische Eüeksichteu bestimmt zu sein,') wie ich 
vornehmlich aus den glossierten Psalmen 119 — 133, den so- 
genannten Gradualpsalmen, vermuten möchte. 

Die Quellen für die dem Psalter folgenden Hymnen- 
glossen — die Ferialhymnen sind bezeichnenderweise nicht 
glossiert — sind zum Teil schwer nachweisbar, da unser Haupt- 
gewährsmann das Juniusmanuskript, mit dem Psalm 144 ab- 
schlielst. Ivegius zeigt zwar inhaltlich, was den lateinischen 
Teil betrifft, mit Bosworth vollkommene Übereinstimmung 2) im 
Gegensatz zu allen anderen Psalter-Hss., jedoch im ae. Teile 
keine Berührungspunkte mit ihm. Die Glossen zum Benedicite, 
Benedietus und Magnifieat werden zweifellos Juuius, bzw. der 
Vorlage des Schreibers angehört haben, da sie sieh in Wort- 
schatz und Glossierungsart ganz Vespasian anpassen. Das 
'Quicumque uult' und 'Nunc dimitte' stammen jedoch sicher 
nicht aus dieser Quelle, wie sie ja auch iu Vespasian fehlen, 
mögen aber, aus ze- Schreibungen 3) zu folgern, auf Vorstufen 
fufseu, die nicht weit von Junius ab liegen können. Auf einer 
solchen beruht vielleicht die Fassung des 'Quicumque uult' im 
Salisbury-Psalter, die, wenn auch etwas modernisiert, mit dem 
in Bosworth wesentlich übereinstimmt. Das 'Te deum' endlich 
gibt sich deutlich als jüngere, mit Regius^) gleichaltrige Arbeit 
zu erkennen. 



') Vielleicht auch durch den Eindruck grofser Ereignisse (Dänen- 
einfälle 991—95!), denn mit wenigen Ausnahmen (118. 123. 126. 127. 12S. 
132. 133) sind es Bittpsalmen, die glossiert sind; vgl. die Verfügungen 
yEthelreds in Liebermann, Gesetze der Angelsachsen I, p. 262. 

-) Nur dafs es, wie schon erwähnt, für das 'Te deum' das 'Gloria 
in excelsis' hat, ebenfalls einen Festtagshymnus, der wie jenes zur Matutin 
gesungen zu werden pflegte. 

^) agieldende 2, 60; prienesse 2,5, 34, 3S ; niedde 2, 27; %oe geliefan 2, 43. 

•) Doch stammt sie nicht etwa ans Regius, wie sich mit Sicherheit 
aus dem Wortschatz ergibt. 



461 



Beginn der ISTormannisierung uiul Verllachung. 

Ein neuer Geist war in die englischen Klöster und damit 
in die gebildeten Schiebten des Volkes eingezogen. Erhielt er 
auch seine Anregung und Nahrung, seine Vorbilder von aus- 
wärts, so sind doch seine eigentlichen Ursachen und treibenden 
Kräfte in England selbst zu suchen. Sie liegen in einer orga- 
nischen Entwicklung, in einer Steigerung der Bewufstheit, des 
Lebens, die sieh im 10. Jahrhundert im englischen Volke voll- 
zogen hat und sich aus politischen und wirtschaftlichen Gründen 
hier nicht früher vollziehen konnte. Zur vollen Entfaltung 
freilich kam er erst im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts, 
als die Klöster und Kirchen dem neuen Standard angepafst 
und alle Kräfte zur Betätigung freigelegt waren. Wie mächtig 
dieser neue Impuls gewesen sein mufs, das zeigt sich am augen- 
fälligsten an dem rapiden Aufstieg der künstlerischen Produktion, 
dem sich bald ein solcher auf literarischem Gebiete anschlofs. 
Doch wird er auch, wie schon oben betont wurde, eine Ver- 
tiefung des religiösen und sittlichen Lebens, eine Hebung der 
wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Gefolge gehabt 
haben. 

Deutlich tritt der grolse Umschwung im Rahmen des 
hier behandelten Gegenstandes zutage. Es verlohnt sich, hier 
alles einmal übersichtlich zusammenzustellen. In der Schrift 
wird die Insulare, was das Lateinische betrifft, gänzlich 
durch die karolingisehe Minuskel verdrängt und zwar durch 
den unmittelbaren Einfluls ^Ethelwolds und seiner Kauzlei in 
New-Minster (Hyde Abbey), wo sie von Abingdoni) aus ein- 
geführt und ernstlich gepflegt wurde. Wir begegnen ihr unter 
den Psalterien zuerst in dem berühmten, aus jener Schule 
hervorgegangenen Harleian Manuskript 2904, 2) dann in den 
lateinischen Texten des Lambeth- und Pariser Psalters, die 
beide dem beginnenden 11. Jahrhundert angehören. Die Buch- 
malerei empfängt einen reichen Schatz neuer Motive und 



>) Sie tritt zuerst in einer Abiugdoner Urkunde auf aus dem Jahre 
961, vgl. Homburger a. a. 0. p. 39. 

*) Vgl. nuten S. 464 und Anm. 3. 



462 

Ornamente, den sich besonders die Malschulen Winchesters zu 
eigen machen und zu höchster Vollendung entwickeln. Die 
Psalmen 1. 51. 101 (und 109) werden nach Art der kontinentalen 
Psalterien, wenn nicht ausschliefslich, so doch vornehmlieh 
markiert, sei es durch ganzseitige Initialen und Verwendung 
von Kapitalen, sei es durch vor ihnen angebrachte Miniaturen. 
Zeitlich und künstlerisch den ersten Platz unter den hier in 
Frage kommenden Hss. nimmt zweiellos das erwähnte Harleian- 
Älanuskript ein. Der Kirchenmusik flielsen in den irischen 
Hymnen, welche im 9. Jahrhundert von Rom sanktioniert waren, 
eine Fülle von unbekannten Melodien und Texten zu, welche 
die bis dahin gebräuchlichen fast ganz aufser Kurs setzen. 
Das Officium divinum erfährt eine Korrektur und Erweiterung 
nach dem beuediktinischen. Die Gradualpsalmen (119 — 133), das 
'Te deum', das 'Gloria in excelsis' und das 'Quincumque uult', 
das gerade in der englischen Kirche eine grofse Rolle spielen 
sollte, werden als feste Bestandteile der Liturgie angeschlossen. 
Das Symbolum apostolicum (Credo in deum patrem), das sich in 
der uns vorliegenden Fassung im 6. 7. Jahrhundert im Franken- 
reich gebildet und durch Karl den Grofsen Anerkennung ge- 
funden hatte,') ersetzt das alte römische, 2) bis dahin in England 
übliche, das wiederum, wie mir scheint, das nicaeno-constantino- 
politanum (Credo in unum deum) ablöste, welches im Salaberga- 
Kodex vorliegt und zu dem sich wohl auch noch die Synode 
zu Hatfield^) bekannte. 

In dieser Zeit setzt nun auch der Vorstofs des im Franken- 
reich eingeführten Psaltertextes gegen die römische Version 
ein. Das Psalterium Gallicanum ist sicher schon vor der 



^) Die Religion in Geschichte und Gegenwart I, 599. 

") Erhalten im Codex Laudianns (Bodl. Oxford) und Codex Berneusis, 
vgl. Burn, Facsimiles of the Creeds (Henry Bradshaw Society, vol. XXXVI, 
1909) p. 4 und plate IV A sowie Traubes Anmerkung ebd. p. 27 zum 
Codex Beruensis. 

^) Diese anerkannte ausdrücklich die Beschlüsse der Synoden zu 
Nicaea, Konstantinopel, Ephesus, Chalcedon, Constantinopel und Rom. So 
finden sich denn in den Berichten Anklänge ans nicänische, ans nicänisch- 
konstantinopolitanische und ans athauasianische Bekenntnis. — Haddan 
nnd Stubbs, Councils and Eccl. Doc. III p. 141 f.; Swainson, The Nicene 
and Apostles' Creeds, London 1S75, p. 192fiF. 



463 

eigentlichen Reform in verseliiedenen Exemplaren, die aber aus- 
sehlielslieh kontinentalen, bzw. irischen Ursprungs waren, in 
England vertreten gewesen. Bestimmt wissen wir dies von dem 
sogenannten ^Ethelstan-Psalter, von dem S. 443f. die Rede 
war. Fraglich scheint es mir von den übrigen in englischen 
Bibliotheken erhaltenen IIss. älterer Zeit: dem Southampton- 
Psalter,!) dem Psalter Cott. Vit. F. XI;-) dem Ry 1 an ds -Psalter, 3) 
dem Achadeus-Psalter^) und dem Psalter Corp. Christ. Coli, 
Cambr. Ms. 411.^) Wie James überzeugend darlegt, ist der 
Vorletzte in den achtziger Jahren des 9. Jahrhunderts aus 
Reims^) hervorgegangen, in dessen näherer Umgebung auch 
der Utrecht-Psalter,") bis zum Jahre 1674 ein Schmuckstück 
der Cottonian-Bibliothek zu London,'') entstanden ist. Beide 



St. John's Coli. Cambridge CD; im 9. Jahrhundert iu Irland ent- 
standen, in irischen Ealbunzialen, ausgezeichnet sind Pss. 1. 51. 101 durch 
Initialen nnd Miniaturen. Vgl. Westwood, Facsiniiles p. 84, plate 30; 
Westwood, Palaeogr. Sacra Pict. plate IS; Herbert, Illuui. Mss. p. 82. 

-) Im Brit. Mus., London, aus dem ü. oder 10. Jahrhundert ganz 
im Stile des Southampton-Ps. Catalogtie of Ancient Mss. in the Brit. 
Mus. II, p. 13; Westwood, Facsimiles p. 85, plate 51, 5, G; Herbert, a. a. Ü. 
p. 81 f. 

3) The John Rylauds Library, Manchester, Ms. Lat. 133. Er ist in 
karoling. Minuskel im 9. Jahrhundert in der St. Maximin -Abtei bei Trier 
geschrieben und anzusehen als ein Produkt der berühmten Ada-Schule, 
wie aus einer Eaudnote im Kalender erbellt. 

*) Corpus Christi College, Cambridge, Ms. 272, zwischen 883 und S84 
im Auftrage eines Grafen Acbadeus in karoling. Minuskel geschrieben, 
mit Te deum, Gloria in excelsis, Quicumque, Symbolum und wertvoller 
Litanei, gehörte später zu Christ Church Canterbury. Ausgezeichnet sind, 
bezw. waren Pss. 1. 2G. 38. 51. 52. ü8. 80. 97. 101. 109, von denen nar 
Pss. 52. 97 erhalten sind. Vgl. M.R.James, A Descriptive Catalogue of 
the Mss. in the Libr. of Corp. Chr. Coli. Cambr. Part IV (Vol. II), Cambridge 
1911, p. 27ff. 

^) Im 10. Jahrhundert, vielleicht in Tours, iu karoling. Miunskel ge- 
schrieben, mit Auszeichnung der Pss. 1 (im 1 L Jahrhundert in England). 
51. 101. 109, mit Quicumque und Credo. Eine zweite Litanei ist im 11. Jahr- 
hundert in England (Canterbury?) der ursprünglichen zugefügt. James, 
a. a. 0. Part V, p. 296. 

^) Sicher ans einem Beuediktinerkloster, wie die Oratio S. Benedict! 
fol 168^ als erstes unter den Gebeten beweist. 

') J. J. Tikkanen, Die Psalterillustration im Mittelalter I, 3. Heft: Der 
Utrecht -Psalter, Helsingfors 1900; Herbert, a.a.O. p. 106 ff. 

'') Herbert, a.a.O. p. 107. 



464 

Manuskripte mögen zusammen ihren Weg nach England gefunden 
haben. Der Gelegenheiten boten sieh viele, besonders in der 
hier behandelten Zeit, doch auch früher unter Erzbischof Fulk 
von Reims, der die Kulturarbeit Alfreds mit lebhafter Teil- 
nahme verfolgte und diesem zu verschiedenen Malen Mönche 
aus seiner Diözese zur Unterstützung übersandte, i) dann aber 
namentlich durch die mannigfachen verwandtschaftlichen Bande, 
die das englische Königshaus durch Verheiratung seiner 
Prinzessinnen mit französischen Fürsten anknüpfte; ich erinnere 
an Alfred, Eadward und vor allem ^Ethelstau. Sicher erst in 
späterer Zeit nach England gekommen ist der berühmte Lothar- 
Psalter. 2) 

Es lag in der Natur der Sache, dafs man in dieser älteren 
Zeit von dem neuen Texte als solchen nur wenig oder gar 
keine Notiz nahm, da er eben im englischen Gottesdienst nicht 
verwandt wurde und von dem dort eingebürgerten nicht 
unwesentlich abwich. Dies wurde jedoch anders, als der 
monastische Gedanke in dem politisch und kulturell erstarkten 
Frankenreieh neue Nahrung und Schwungkraft erhielt und 
selbst Rom und allen mit ihm verbundenen Staaten, also 
besonders England, seinen Stempel aufdrückte. Erst jetzt 
beginnt der gallikauische Text, nach dem das Stundengebet 
der französischen Klöster eingerichtet war, in England kopiert 
und wohl auch studiert zu werden. Nur wenige dieser 
Abschriften sind auf uns gekommen, unter ihnen aber besitzen 
wir zwei von grolsem kunsthistorischen Werte, die diesen 
Verlust wohl verschmerzen lassen, das schon oft erwähnte 
Harleian Manuskript 2904 3) und den Salisburj'-Psalter, 



^) U. a. den gelehrten Grimbald von St. Bertin zu St. Omer, der erster 
Abt des New Minster wurde. 

*) Additional 37 76S, Brit. Mus. London, gesclienkt von Sir Thomas 
Brooke of Huddersfield, der ihn von Mssrs. EUis and White in London 
gekauft hatte. Ist in karoling. Minuskel zwischen 84U und 855 geschrieben 
und gehörte im frühen 10. Jahrhundert der Benediktiner -Abtei St. Hubert 
in den Ardenuen. Er enthält das Te deum, Quicumque und Symbolum 
und zeichnet aus die Pss. 1. 11. 21. 31. 41 usw. Vgl. Catalogue of Additious 
to the Mss. in the Brit. Mus. 1906—1910 p. 127 £f.; Palaeogr. Society, Ser.I, 
pl. 69. 70. 93. 94. 

ä) Über die kostbare Hs. ist oft und eingehend gehandelt worden, 
vor allem von Warner, lUuminated Mss. üi the Brit. Mus. 1899—1903 und 






465 

den einzigen Text dieser Art meines Wissens, der in englischer 
Minuskel geschrieben ist. Nicht einer aller bisher genannten 
Texte ist mit gleichzeitigen ae. Glossen versehen, denn die 
Glosse im Salisbury- Manuskript ist etwa hundert Jahre später 
eingetragen worden. Daraus dürfen wir wohl folgern, da die 
Glossen im wesentlichen praktischen Zwecken dienten, dafs 
das Gallieanum im 10. Jahrhundert noch nicht in die englische 
Liturgie eingedrungen war, hier vielmehr das Romanum, das 
uns in drei Handschriften (Regius, Bosworth und Blickling) 
glossiert vorliegt, nach wie vor seine Stellung behauptete. 
Immerhin aber müssen sich schon früh einige Lesarten des 
ersteren in das englische Officium eingeschlichen haben. Dies 
ist ja auch leicht erklärlich. Denn einmal werden wir mit 
einer ganzen Reihe auswärtiger, besonders französischer Mönche ') 
in englischen Klöstern zu rechnen haben und andererseits 
standen die führenden Kreise in Canterbury, Winchester und 
Worcester zu sehr im Banne des Neuen, das von der anderen 
Seite des Kanals auf sie eindrang, als dals sie sich gegen 
derartige Beeinflussungen hätten ganz verschliefsen können. 
Stärker wurde natürlich dieser fremde Einschlag, als infolge 
der im frühen IL Jahrhundert beginnenden verwandtschaftlichen 
Beziehungen des englischen Hofes mit dem normannischen 
Fürstenhause und vornehmlich infolge der französisches Wesen be- 
günstigenden Neigungen Eduards des Bekenuers, der während 
seines 26jährigen Aufenthalts in Ronen vollkommen normanni- 
siert war, den kontinentalen, besonders normannischen Geist- 
lichen, die sich in Mengen einfanden, Zutritt zu den geistlichen 
Ämtern, ja als Königsklerikern gar ein Vorrecht bei der Besetzung 
der Stellen eingeräumt wurde. Schon lange vor der eigentlichen 
Eroberung finden wir daher einflufsreiche und gut dotierte 

Eeproductions from Illuru. Mss., 11,4,5; Herbert, Illum. Mss. p. 116. 127. 
Unter den Hymnen finden sich das Te dernn, Gloria in excelsis, Symbolum 
und Quicumque. Besonderen Schmuck zeigen die Pss. 1. 26. 45. 61 (ver- 
loren). 52. 68. 80. 90. 97. 101. 109. 114. 115. 118. 119. 137. 143. 148. 
J. P. Gilson, der Nachfolger von Sir George Warner, hat mir über diese 
wie andere Hss. des ßrit. Mus. bereitwilligst Auskunft erteilt. 

^) Erinnert sei nur an die umfassende Tätigkeit, die Abbo, der 
spätere Abt von Fleury (988 — 1004) in Ramsey und anderen mercischen 
Klöstern entfaltete, vgl. Delisle, Ancieus Sacramentaires p. 210; Hunt, 
History of the English Church I, 377. 

Studien z. engl. Phil. L. 30 



466 

Stellen in den Händen fremder Geistliclier,^) teils Lothringer, 
teils Normannen, die sicherlich viele Schreiber aus ihrem Lande 
nach sich gezogen haben. Sie alle waren an den gallikanischen 
Text gewöhnt und werden ihn ihrem Gottesdienst zugrunde 
gelegt haben. 

Schon dem Schreiber und Glossator des Cambridger 
Psalters wird die neue Version geläufiger gewesen sein, als 
dies aus seinem Texte erscheinen mag. Denn hier und da 
sucht er Lesarten aus ihr in seinen Text hineinzubringen und, 
was mir wichtiger erscheint, auch seine Glossierung danach 
einzurichten.2) Teilweise finden sie sich zwar auch bei einem 
der Kirchenväter. Da aber sämtliche übrigen englischen Texte 
(Vespasian, Blickling, Eadwine, Junius, Regius, Bosworth) an 
diesen Stellen geschlossen der Vorlage treubleiben, und anderer- 
seits nur der Pariser Psalter, der der neuen Fassung im 
lateinischen Teil die weitesten Konzessionen ^) macht, mit dem 
Cambridger Texte zusammengeht, so kann hier einzig und 
allein Beeinflussung durch das Psalterium Gallicauum vorliegen. 
Letztere beiden Hss. zeigen auch sonst wesentliche Berührungs- 
punkte, so dafs sie wohl zu einem Kloster oder gar einer 



') 1021 wird ein gewisser Withman (Teutonicus) Abt von Eamsey, 
1033 der Lothringer Duduc Bischof von Wells, 104-1 Robert von Jumieges 
Bischof von London und 1051 Erzbischof von Canterbury, 1045 Herman, 
ein Lothringer, Bischof von Ramsbury und 105S von Sherborne, 1046 
Leofric, ein Angelsachse, aber in Lothringen erzogen, Bischof von Crediton 
und 1050 von Exeter, 1049 Ulf, ein Normanne, Bischof von Dorchester, 
1051 Wilhelm, ein Normanne, Bischof von London, 1061 Walter aus 
Lothringen Bischof von Hereford. — Vgl. Hunt, a.a.O. pp. 396. 403 flf.; 
Hill, English Dioceses pp. 233flf.; Wright, Biographia ßrit. Lit. (1842), 
pp. 511ff. 

2) Man vergleiche z.B. Pss. 13,7. 17,7. 17,48. 23,1. 24,7. 25,9. 
32,22. 44,6. 57,11. 70,22. 89,13. 89,17. 91,12. 101,6. 102,3. 111,7. 
131,11 in meiner Ausgabe. 

ä) Ich beschränke mich auf einige Beispiele: 9,23: quaeret (inquiret 
Ro); 11,7: argentum igne examinatum probatum (fehlt Ro) terrae; 12,5: 
in misericordia tua speraui (in tua mis — sperabo Ro); IG, 12 : eripe animam 
meam ab impio frameam tuam ab inimicis manus tuae (. . . frameam inimi- 
corum de manu tua Ro); 16,13: a paucis de terra diuidc eos in uita 
eorum (a paucis a terra dispertlre eos et supplanta eos in uita ipsorum Ro); 
24,18: non erubescam (domine non confundar Ro); 57,4: et uenifici in- 
cantantis sapienter (et nenificia quae iucantantur a sapiente Ro); 95,9: 
dicite in gentibus quia (fehlt Ro) dominus regnauit. 



467 

Vorlage ein Verhältnis gehabt haben. Als interessanter und für 
die Datierung wichtiger Punkt erseheint mir eine Stelle in den 
Litaneien beider, welche Martialis, den Patron von Linioges, 
unter die Apostel einreiht. Die Frage über den Ursprung der 
Apostelschaft dieses Heiligen ist, soviel ich weifs, noch nicht 
geklärt. Ob er aber wirklich vor 1000 in England als Apostel 
verehrt worden ist, wie die Mönche des St. Martialis -Klosters 
und ihr Abt Odolrich zur Stütze ihres Antrages auf dem 
Konzil zu Limoges (1031)0 behaupteten, ist bis jetzt nicht 
bewiesen und wenig glaubhaft, da sich in den englischen 
Litaneien und vielleicht auch Kaiendarien dieser Zeit unbedingt 
Spuren davon zeigen würden. 2) Auffällig ist dagegen, dafs 
im frühen 11. Jahrhundert nicht nur eine, nein, verschiedene 
Hss. auftauchen, in denen dem Heiligen diese Ehrung zuteil 
wird. Neben unseren beiden Psaltern verweise ich besonders 
auf die Litanei im Missale des Robert von Jumiöges,^) das 
nach Wilson^) zwischen 1008 und 1023 in AVinehester ge- 
schrieben und später in den Besitz Roberts gekommen sein 
soll, und auf die im Officium der heiligen Jungfrau der Hs. 
Cotton Tiberius A III, dessen Entstehung Dewick'') in die 
Jahre 1032 — 1050 verlegt. *') Dies zwingt zu der Annahme, dals 



^) Duchesne, Saint Martial de Limoges in 'Annales du Midi' 1892 
p. 324. 

-) Diese finden sich aber weder im Harleian Ms. 2904 (hier rangiert er 
unter den Confessores), noch im Bosworth- Psalter, noch im Benedictionale 
^thelwolds, noch im Pontificale Dunstaus, noch im Pontificale Lanalatense 
(Ronen, Bibl. Municipale Ms. A 27), noch im Benedictionale des Erzbischofs 
Robert (ebd. Ms. Y 7). 

») Roueu, Bibliotheque Municipale Ms. Y 6. Vgl. Hombnrger, a. a. 0. 
p. 60. 

*) The Missal of Robert of Jumicges, London 1S96 (Henry Bradshaw 
Society vol. XI), p. XXIV ff. 

^) Facsimiles of Horae De Beata Maria Uirgine, London 1902 (Henry 
Bradshaw Society vol. XXI), p. XIV. 

^) Charakteristisch für die Litaneien dieser und einiger anderer Hss. — 
des Benedictionale des Erzbischofs Robert von Rouen (Ronen, Bibl. Muuic. 
Ms. Y7), des Pontificale Lanalatense (ebd. Ms. A 27) und des Ms. Titus 
D XXVI (Liber Vitae: Register . . . of New Minster and Hyde Abbey 1892, 
p. 262) — ist ferner die Aufeinanderfolge der Apostel Johannes Jacobus, 
die sonst stets als Jacobus Johannes aufgeführt werden. 

30* 



468 

der Brauch erst nach den Synoden, i) die über die Streitfrage 
abgehalten wurden, in England bekannt geworden ist und so- 
mit alle vier Hss. frühestens nach dem ersten Konzil zu Limoges 
im Jahre 1021, wahrscheinlich aber nach 1024, als der Streit 
auf der von Herzog Wilhelm V. von Aquitanien veranstalteten 
Synode zu Paris zugunsten der Antragsteller entschieden 
wurde, geschrieben worden sind. Dafs der Erfolg nicht zum 
mindesten dem tatkräftigen Eintreten des Landesherrn zu ver- 
danken war, scheint mir dabei von Wichtigkeit betont zu 
werden. Denn dieses mag auch zu einer raschen Verbreitung 
und Annahme der Mode im übrigen Frankreich und, was für 
uns wesentlicher ist, in England, besonders am Hofe Knuts, 
mit dem Wilhelm V. wohl Verbindungen hatte, 2) beigetragen 
haben. Besonders in Winchester in der Umgebung Emmas 
wird sich der Kult rasch eingebürgert und englische Schreiber 
zur Anerkennung gezwungen haben, zumal wenn sie auf 
Bestellung von Damen aus diesen Kreisen arbeiteten. Und 
dies taten offenbar die Schreiber der beiden hier in Frage 
kommenden Psalterien. Das schmale, tascheubuchartige Format 
(18x52,5 cm) des Pariser Fsalters,^) wie wir es oft auf Minia- 
turen dargestellt finden, 4) deutet auf privaten Gebrauch hin. 
Das Gebet fol. 195 v; Te deprecor domine michi famule (uel 
famulo) tue (uel tuo) et famulis et famulabus tuis per inter- 
cessionem etc. lälst ferner keinen Zweifel darüber, dafs diese 
Hs. für eine Dame bestimmt und vielleicht gar von einer solchen 
geschrieben war. Zu einem ähnlichen Schlüsse berechtigt wohl 
der Vortritt der Sancta Scolastica unter den Virgines der 
Litanei im Cambridger Psalter. Ich denke mir, dafs er für die 
Angehörige eines Benediktinerklosters, vielleicht auch für ein 
solches selbst, angefertigt ist. 

') 1021 zu Limoges, 1023 zu Poitiers, 1024 zu Paris, 1029 zu Limoges, 
1031 (l.Nov,) zu Bonrges, 1031 (18. Nov.) zu Limoges. Hefele, Konzilien- 
gescliichte IV (1879), pp. 679. 689. 

-) Im Jahre 1023 soll ihm Knut eiuen Codex übersandt haben, in 
dem Martial als Apostel figurierte. Hefele IV, 679; Duchesne, a. a. 0. p. 324. 

^) Links läuft der lateinische Text, in karolingischer Minuskel, rechts 
parallel die altenglische Übertragung in der Insulare. 

*) Man vergleiche nur in /Ethelwolds Benedictionale bei Gage (Archaeo- 
logia 24) Tafel 4. 5. G. 7. 8. 9. 23. 24. Siehe auch Homburger, a. a. 0. 
p. 22 Anm. 2. 



469 

Beide Schreiber haben für den lateinischen wie auch eng- 
lischen Teil nach Vorlagen gearbeitet, zu denen ich eingehend 
erst in meiner Untersuchung über die Cambridger Hs. Stellung 
nehmen werde. Der des Pariser Psalters benutzte, soviel sei 
schon hier erwähnt, deren zwei in seiner Muttersprache: eine 
jüngere, anglisch gefärbte und nicht lange vor ihm ver- 
fafste, 1) der er den poetischen Teil Pss. 51 — 150 entnahm, und 
eine rein westsächsische, aber scheinbar mehrfach überarbeitete,^) 
der er die Prosaübersetzung des übrigen Teils und die Ein- 
leitungen ^) entlieh. Aus letzterer wird er auch den lateinischen 
Text, der dem Romanum folgte, im Laufe der Zeit aber z. T. 
nach dem Gallicanum umkorrigiert war, *) sowie auch die Ein- 
teilung^) und die Aufstellung der liturgischen Stücke 6) über- 
nommen haben. 



*) Znr Literatur vgl. Braudl, Geschichte der ae. Literatur 2, p. 1094; 
The West-Saxon Psalms, ed. by Bright and Ramsay, p. 149 ff. — Beweisend 
für die späte Abfassung dieses Teiles sind, abgesehen von zahlreichen 
alliterierenden Bindungen von sc mit s u.a., Verse wie Ei heora dagena 
ticl dccdun idle 77,32; pu Ms dagena tid deorce gescyrtest 88,38; ßcet pii 
tue meaht 07i midie minra dagena 101,21; Hu-cet synt pinum csne ealra 
dagena 118, S4, die metrisch nur mit spätbelegtem (!) dagena möglich sind. 

^) Für ältere wests. Vorlage sprechen häufige 7e (beachte besonders 
Ps. IT, 36) und he afierd 45,8, häufige alte io, häufige für späteres a vor 
Nas., endlich die 2. Person Sing.: du adilgas 9,5, [ßu] underpydes 17,45, 
[pu] demdcs 30, S, /jk ■;estrangodcs 37,2, forgits pn 41,11. 

^) Diese finden sich aulserdem in dem stark beschädigten Ms. Vitellius 
E XVin. — Vgl. die ausführliche Literatur in Brights Ausgabe, p. 151 ff. 

*) Nicht selten wurde eine Verschmelzung beider Lesarten angestrebt, 
z.B. 9,24, 11,3, 26,5, 30,4, 46,2. 

'■') Diese folgt noch durchaus dem alten Brauch aus der Zeit vor der 
Reform, markiert also Pss. 1, 26, 6S, 80, 97, 109. Ps. 51 scheint nur 
hervorgehoben als Ausgangspunkt eines neuen Schreibers. Sämtliche Blätter 
mit benannten Psalmen sind herausgeschnitten, dazu auch ein solches vor 
Ps. 21 und nach Ps. 150. 

') Dies sind (nach Omonts frdl. Mitteilung) : Cauticum Ezechie (Ego 
dixi), Cant. Anne (Exultauit cor menm), Cant. Moysi (Cantemus domino), 
Cant. Abbacuc (Domine andiui). Cant. Moysi ad filios Israhel (Attende 
coelum), Ymnus trium puerorum, Ymnus ad matutiuas (Te Deum), Cant. 
Zachariae (Benedictus dominus), Cant. saucte Mariae (Magnificat), Fides 
catholica Athanasii episcopi. Da fehlen auffälligerweise das Canticum 
'Confitebor tibi' für die Matutin am Montag und der Komplethymnus 
'Nunc dimitte', ersteres vielleicht nur aus Verschen, letzterer in Anlehnung 
an die Vorlage, die vielleicht mit Vespasiau übereinstimmte. Sonst stellt 
sich diese Sammlung durchaus zu Bosworth (Regius). 



470 

Beide Schreiber sind sicher nicht aus einem der grofsen 
Kulturzentren, Canterbury oder Winchester, hervorgegangen. 
Das Vorkommen von Winchesterheiligen (Swiöun, Birinus, ludoc) 
in den Litaneien ist also lediglich als Beweis zu nehmen für 
den im 11. Jahrhundert beginnenden, rasch wachsenden Einflufs 
der Winchesterkulte und Moden, welche die Schreiber vielleicht 
an Ort und Stelle selbst kennengelernt hatten. Besonders 
grofs ist der Abstand von beispielsweise Winchesterprodukten 
dieser Zeit und dem Cambridger Psalter. Seine Initialen und 
Miniaturen tragen deutlich den Stempel grofser Unreife und 
technischer Unfertigkeit. Die Schrift ist steif und plump. 
Überhaupt scheint der Schreiber nur die einheimische erlernt 
zu haben, sonst hätte er für den lateinischen Teil zweifellos 
die „moderne" karolingische Minuskel verwandt. Die lateinische 
wie die englische Vorlage werden mit grofser Willkür und 
Respektlosigkeit behandelt. Alles in allem, diese Arbeit kann 
nur von einem Manne gemacht sein, der in einem — wenigstens 
um diese Zeit — unbedeutenden und rückständigen Kloster 
vorgebildet war. Da Kenelm ') unter den englischen Märtyrern 
und Petrus unter den Aposteln allein in Kapitalen erscheinen, 
so zögere ich nicht, Win ch comb, wo ersterer verehrt wurde 
und letzterem eine Kirche geweiht war, 2) als Standort des 
Schreibers bezw. der Dame, für die er arbeitete, vorzuschlagen, 
zumal da auch die Sprache der Glosse hier und da zu einer 
solchen Annahme einlädt. Was Winchcomb einst zur Zeit 
eines Germanus und Abbo vermocht hatte, darüber belehrt 
uns das aus ihm hervorgegangene Sakramentar der Stadt- 
bibliothek zu Orleans, 3) dessen Schriftcharakter an die Monu- 
mentalität der Canterburyschreibkunst gemahnt. Die Dänen- 
kriege Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts aber 
hatten der ganzen Gegend und besonders den Klöstern arg 
mitgespielt und alle edleren Kräfte und Triebe lahmgelegt bzw. 
erstickt. Erst Knut machte in den zwanziger Jahren des 11. Jahr- 
hunderts die ersten Belebungsversuche und mit grolsem Erfolg. 



') Stadler, Heiligenlexikou III (1S58) p. 599, Chevalier, Bio-Biblio- 
graphie II, Sp. 2712. 

*) Delisle, Anciens Sacramentaires p. 214. 

') Bibliotheque municipale 127; Ilomburger pp. 0, 40, Anm. 3; Delisle, 
a.a.O. p. 211 ff. 



471 

Ihnen werden wir auch unser Denkmal zu verdanken haben. 
Die Glossieruug braucht nicht, wird aber wohl durch Ver- 
mittlung der Bestellerin in Wincheorab vor sieh gegangen sein. 
Auf alle Fälle ist sie direkt nach der Vespasian- Handschrift 
geschehen, die sich vermutlich damals in Winchester befand. 

Günstigere Verhältnisse hatten dem Schreiber Wulfwine 
des Pariser Psalters eine bessere Bildung beschieden. Er meistert 
die fremde Schrift so gut wie seine heimische. ^) Und auch 
seine künstlerischen Leistungen, von denen leider nur wenige 
Proben erhalten sind, werden den Durchschnitt überragt haben, 
sonst hätten sie sicher nicht solch „einnehmende" Liebhaber 
gefunden. Dagegen zeigt er in der Abschrift der Vorlagen 
eine ähnliche Willkür und Nachlässigkeit wie sein Zeitgenosse 
in Wincheomb. Auf Grund der eigenartigen Schreibfehler ist 
Bright2) geneigt, ihn mit dem Schreiber Wulf wi 3) der Hand- 
schrift Cotton Otho C I der westsächsischen Evangelien 
zu identifizieren, der, aus einer Urkunde zu schliefsen, in 
Malmesbury gewirkt zu haben scheint. Malmesbury erfüllt 
nun in der Tat wie kein anderer Ort alle die Bedingungen, 
die wir an die Entstehung unserer Handschrift und ihrer Vor- 
lagen zu stellen haben. Von Wichtigkeit ist erstens, dafs 
Aid heim, der erste Abt jenes Klosters, in der Litanei unter 
den Confessores auftritt. Das von Iren (675) gegründete Kloster 
war altes westsächsisches Stammgut, in dem angelsächsische 
Gelehrsamkeit ihre ersten Früchte trieb und Jahrhunderte hin- 
durch sorgsame Pflege gefunden hatte. Es zählte erste litera- 
rische Gröfsen zu den Seinen und erfreute sich der besonderen 
Gunst der westsächsischen Könige, vor allem Alfreds und 
iEthelstans, der hier begraben wurde. Hier scheint mir durch- 
aus der richtige Boden und die passende Atmosphäre für ein 
Werk, wie wir es in der aus verschiedenen lateinischen Quellen 
schöpfenden Prosaübersetzung mit den gleichfalls lateinische 
Vorlagen *) benutzenden Einleitungen vor uns haben. Malmes- 



^) Über Handschriftproben vgl. Brights Ausgabe p. 154 f., dazu West- 
wood, Facsimiles plate 122. 

2) The Gospel of Saint John (Beiles Lettres Series) 190-1, p. XIX. 

3) Für Wulfwi? 

*) Diese Argumenta wurden fälschlich Beda zugeschrieben und finden 
sich daher abgedruckt in den verschiedenen Beda -Ausgaben von 1563, 



472 

bury ist aber auch das bedeutendste Kloster au der Grenze 
der Diözese "Woreester, von dem aus sieb leicht Beziehungen 
zu Woreester und dem noch nähergelegenen Wincheomb 
einstellen mufsten, und zugleich auf der Scheide westsächsischen 
und mercischen Sprachgebiets, wo eventuell auch der mit 
anglisehen Dialektspuren behaftete poetische Teil geschrieben 
sein könnte, den der Verfasser des Benediktinerofficiumsi) 
in sein Werk verarbeitet hat. 



1612 etc., bei Migne aber unter den Opera dubia et spuria. Sie können 
schon deshalb nicht von ihiu herrühren, da der ihnen beigegebene Psalmen- 
kommentar durchaus das Psalteriam Gallicanum zugrunde legt, während 
doch Beda weniger diesem als dem Psalterium Vetus und Romanum zu- 
getan war. Vgl. auch Plummer, Bedas Hist. Eccl II, S92ff. 

^) Feiler, Das Benediktiner-Offizium, Heidelberg 1901, p. 51flf, 



Virg-inien zur Koloiiialzeit, 



Eine kulturgescliichtliche Studie 



von 



Johannes Hoops. 



Inhalt. 

Seite 

1. Eiuleitung: Die ersten Versuche britischer Kolouisatioa in Amerika 474 

2. Die Gründung des Kolonie Virginien 478 

3. Wandlungen im Verfassungssystem 484 

4. Der Tabak als Grundlage des Wirtschaftslebens 487 

5. Plantagenwirtschaft und Negersklaven 490 

6. Die Kavaliere 492 

7. Pflanzertum und Wirtschaftsleben 494 

8. Geistige Kultur 499 



1. Einleitung. 

Die ersten Tersiiclie britischer Kolonisation in Amerika. 



Die ersten kolonisatorischen Unternehmungen der Eng- 
länder fallen in eine Periode grofsen nationalen Aufschwungs. 
Unter Elisabeths glorreicher Regierung in den siebziger und 
achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts war es, als das Heldeu- 
geschlecht der Seekönige Brake, Gilbert und Raleigh, dem 
Vorbild der Spanier, Portugiesen und Franzosen folgend, die 
britische Flagge auf dem Boden Amerikas aufpflanzte. Aber 
die denkwürdige Weltumsegelung Sir Francis Brakes (1577 
bis 1580) war weniger ein kolonisatorisches Unternehmen als 
ein Freibeuterzug gegen die spanischen Niederlassungen an 
der pazifischen Küste und eine Forschungsreise. Bie erste Ex- 
pedition des Sir Humphrey Gilbert (1578 — 79) hatte zum Teil 
wohl die Aufsuchung einer nordwestlichen Burch fahrt im Auge, 
für die sich Gilbert besonders interessierte, verfolgte aber im 
übrigen auch mehr abenteuernde und kriegerische als kulturelle 
Ziele. Eine zweite Ausfahrt Gilberts 1583, die zur Gründung 
einer dauernden Niederlassung unternommen war, führte nur 
zur nominellen Besitznahme von Neufundland, verlief im übrigen 
ergebnislos und brachte der Mehrzahl der Schiffe den Unter- 
gang und ihrem Führer den Tod durch Schiffbruch. Nur das 
letzte Wort des sterbenden Befehlshabers: „The way to heaven 
is as near by sea as by land" hat das Andenken an dieses 
verunglückte Unternehmen lebendig erhalten und legt Zeugnis 
ab von dem Heldengeist, der diese englischen Seefahrer 
erfüllte. 

Eine Expedition von zwei Schiffen, die Walter Raleigh 
1584 unter Führung von Amidas und Barlow aussandte, führte 
zur Entdeckung des Landstrichs, der später die erste wirkliche 



475 

britische Kolonie werden sollte. Einem Wink Elisabeths folgend, 
nannte man ihn Virginia zu Ehren der jungfräulichen Königin. 
Die Berichte der Teilnehmer dieser Fahrt über die Natur und 
die Produkte des Landes und über den Charakter der Ein- 
gebornen waren enthusiastisch, und so schickte denn Kaleigh 
im folgenden Jahr (1585) eine neue Expedition unter Führung 
seines Vetters Sir Richard Grenvillc auf sieben Schiffen 
hinaus, die mit über hundert Personen den Anfang einer wirk- 
lichen Niederlassung macheu sollte. Sie wählten die Insel 
Roanoke an der Küste des heutigen Nord -Carolina als Ort 
der zu gründenden Ansiedlung aus; aber infolge unrichtiger 
Behandlung der Eingebornen und aus andern Gründen ging 
es ihnen nach Abfahrt der Schiffe bald schlecht, und nach 
Jahresfrist waren sie dem Verhungern nahe, als unerwartet 
Drake mit einer mächtigen Kriegsflotte vor der Insel er- 
schien und die verzweifelten Kolonisten mit nach England 
heimnahm. 

Trotz dieser schlimmen Erfahrungen und trotzdem in- 
zwischen der Krieg mit Spanien ausgebrochen war, rüstete 
Raleigh 1587 ein drittes Unternehmen aus, an dem sich etwa 
150 Kolonisten, worunter 17 Frauen, beteiligten. Sie siedelten 
sich auf derselben Stätte wie ihre Vorgänger an, aber sie 
waren ebensowenig erfolgreich wie jene, und ihr Ende war 
ungleich tragischer. Der Gouverneur dieser neuen Kolonie, 
John White, kehrte noch im Herbst 1587 nach England zurück, 
um für Unterstützung zu sorgen. Aber zwei Hilfsexpeditionen, 
die Raleigh in dem ereignisvollen Jahr 1588 aussandte, mufsten 
der kriegerischen Verhältnisse wegen umkehren. Erst 1591 
kam White als Passagier auf einem Westindienfahrer wieder 
nach Amerika. Auf der Heimreise wurde auf der Insel Roanoke 
gelandet: man fand die Ansiedlung verlassen, mit Gras über- 
wachsen, verschiedene Habseligkeiten lagen auf deni Boden 
verstreut; eine Inschrift wies auf eine benachbarte Insel als 
letzten Zufluchtsort der Ansiedler; aber ein Sturm verhinderte 
den Kapitän, dort zu landen, und White, dessen Tochter an 
einen der Kolonisten verheiratet war, mufste unverrichteter 
Dinge heimkehren. Nie hat die Welt mit Sicherheit erfahren, 
was aus den verschollenen Gründern dieser Kolonie Roanoke 
geworden ist. 



476 

Wenn alle diese Kolonisationsversuehe trotz der eifrigsten 
Bemühungen und der gröfsten pekuniären Opfer von Seiten 
Gilberts und besonders Ealeighs ein so trostloses Ende nahmen, 
so war dies zum Teil in der Ungunst der politischen Welt- 
lage begründet. Die Königin hatte Gilbert und Raleigh zwar 
durch Verleihung von Freibriefen einen gewissen offiziellen 
Küekhalt für ihre privaten Kolonisationsabenteuer gegeben, 
aber sie konnte ihnen doch nicht das ganze Schwergewicht 
der staatlichen Unterstützung angedeihen lassen. Die grofse 
Abrechnung mit Spanien lag damals in der Luft, und mitten 
in den Unternehmungen Raleighs brach der Sturm los, der die 
gewaltigste der Flotten vom Ozean hinwegfegen sollte. Fast 
zwei Jahrzehnte lang hat sich dieser Kampf zwischen Eng- 
land und Spanien hingezogen: die Vernichtung der Armada 
durch Drake im Jahr 1588 und der glänzende Seesieg von 
Cadix unter der Führung von Kaleigh, Essex und Howard 
1596 entschieden ihn, wie man weils, zu Englands Gunsten 
und gaben diesem freie Hand zur See. 

Die Niederwerfung der spanischen Weltherrschaft ist das 
grofse Lebenswerk der Elisabeth gewesen. Als es durch den 
Frieden von 1604 seinen förmlichen Abschlufs erhielt, weilte 
sie nicht mehr unter den Lebenden. So ist es gekommen, dals 
die Kolonisation Amerikas, die erste und wichtigste Frucht 
der Überwindung Spaniens, erst unter ihrem Nachfolger durch- 
geführt wurde, und es mutet uns fast wie eine Ironie des 
Schicksals an, wenn wir hören, wie die erste Regierungs- 
handlung dieses bigotten, engherzigen Pedanten darin bestand, 
dals er eben den Mann, der mit unverzagter Ausdauer sein 
Alles an die Idee des amerikanischen Kolonialreichs gesetzt 
hatte, Walter Raleigh, den heldenmütigen Liebling der Nation, 
in den Tower schickte, während andere den Lohn seiner 
Bemühungen und Erfahrungen ernteten. 

Das wichtigste zivilisatorische Ergebnis jener milsglückten 
ersten Kolonisationsversuche war die Einführung der Kartoffel 
und des Tabaks nach Europa. Der Tabak vor allem wurde 
bald ein Genulsmittel von rasch zunehmender Beliebtheit und 
dadurch zugleich ein Handelsartikel von unschätzbarer Be- 
deutung für die amerikanischen Kolonien, da er nicht so leicht 
wie die Kartoffel in Europa selbst gebaut werden konnte. Sir 



477 

Walter Raleigli hat durch sein persönliches Beispiel viel zur 
Verbreitung des Tabaksgenusses beigetragen, und keine Ver- 
ordnung weltlicher oder geistlicher Obrigkeiten hat dieses 
„Teufelskraut" seitdem aus der Zahl der menschlichen Genufs- 
pflanzen zu verdrängen vermocht. 

Die Gründung der englischen und der holländischen ost- 
indischen Kompanien IGOO und 1G02 wirkte belebend auf die 
Kolonisierung Amerikas zurück. Ein Unternehmen nach dem 
andern wurde in den ersten Jahren dos neuen Jahrhunderts 
von England aus ins Werk gesetzt. 1602 sandte Raleigh 
abermals eine Expedition nach Virginien; sie sollte u.a. erneute 
Nachforschung nach den Überlebenden von Whites Koanoke- 
Kolonie von 1587 anstellen, kehrte aber im folgenden Jahr 
ergebnislos zurück. 1602 fuhr Gosnold im Auftrag des aus 
Shakespeares Leben bekannten Earl of Southampton über 
den Ozean, wobei er zum ersten Mal auf gradem Weg nach 
Virginien segelte, statt den üblichen Umweg über die west- 
indischen Inseln zu machen. Es folgten die Fahrten von Pring 
und dem jüngeren Gilbert (beide 1603) und die vonWeymouth 
(1605). Aber alle diese Unternehmungen führten ebensowenig 
wie die früheren zu dauernden Niederlassungen. 

Ihr Mifslingen zeigt, dafs es nicht die politischen Ver- 
hältnisse allein waren, die diese älteren Kolonisationsversuche 
scheitern liefsen; ihre Hauptfehler lagen in anderer Richtung. 
Sie waren noch zu sehr von dem alten Konquistadorengeist 
getragen, von der Sucht nach Abenteuern, mühelosen Er- 
oberungen und dem raschen Erwerb blendender Reichtümer; 
es maugelte an der nötigen Erfahrung im Kolonisieren, an dem 
geeigneten Menschenmaterial, an Klugheit und Mälsigung im 
Verkehr mit den Eingebornen; vor allem aber waren die 
meisten dieser Unternehmungen nicht sicher genug fundiert 
und nicht planmäfsig genug vorbereitet und durchgeführt. 



478 

2. Die Gründung der Kolonie Virginien.O 



Schon Raleigh hatte nach seinen ersten Enttäuschungen 
erkannt, dafs die Ausrüstung dieser Kolonialexpeditionen auf 
die Dauer an die finanzielle und geistige Leistungsfähigkeit 



*) Wir sind in der glücklichen Lage, über die Anfänge der britischen 
Niederlassungen in Amerika eine ausführliche, sehr lebendig und anschau- 
lich geschriebene Darstellung aus der Feder des Captain John Smith 
zu besitzen, des Mannes, der in der ältesten Siedlungsgeschichte eine 
besonders wichtige Rolle spielte. Seine Generali Historie of Virginia, 
New England and the Summer Isles erschien 1024 und wurde 1626, 1627 
und 1632 neu aufgelegt. Ein guter Neudruck in zwei Bänden kam 1907 
im Verlag von James MacLehose and Sons zu Glasgow heraus. Die beste 
Gesamtausgabe von Smiths Werken ist die von Edward Arber in The 
English Scholar' s Library, Birmingham 1884; neu herausgegeben mit bio- 
graphischer und kritischer Einleitung von A. G. Bradley, Edinburgh, John 
Grant, 1910; 2 Bde. 

Die umfassendste Sammlung der Gesetze und sonstiger für die Ver- 
fassungsgeschichte Virginieus wichtigen Dokumente von 1606 — 1808 enthält 
das grofse 13 bändige Werk von William W. Hening, The Statutes at 
Large; heing a Colledion of all the Laws of Virginia, mit einer 3 bändigen 
Fortsetzung von S. Shepherd. 

Die wichtigste Aktensammlung für die Anfänge der virgiuischen Ge- 
schichte ist: The Records of The Virginia Company of London: The 
Court Book, from the Manuscript in the Library of Congress ed. with an 
Introductiou and Bibliography by Susan MyraKingsbury; Washington 
1906. Das 2 bändige Werk enthält aufser einer bibliographischen Übersicht 
über sämtliche bekannten Dokumente zur virgiuischen Geschichte von 
1600—1626 eine Ausgabe der Akten der Gesellschaft von 1619—24. Die 
Originale derselben sind verschollen. Die Ausgabe beruht auf einer zeit- 
genössischen Abschrift, die sich im 16. Jahrhundert zuerst im Besitz des 
Earl of Southampton, dann in der Bibliothek von William Byrd befand 
(s. unten S. 503), und die später durch Jefferson erworben und der 
Kongrefsbibliothek überwiesen wurde. 

Diese Abschrift lieferte William Stith den Hauptstoft' zu seiner 
treflflichen History of Virginia, deren erster und einziger Band 1747 zu 
Williamsburg erschien, worin der gelehrte Verfasser eine sehr sorgfältige 
und noch heute wertvolle Darstellung der ältesten Geschichte Virginiens 
bis 1624 gibt (s. unten S. 505f.). 

Für die spätere Zeit ist auch Robert Beverleys History and 
Present State of Virginia (London 1705) beachtenswert, namentlich in 
kulturgeschichtlicher Hinsicht (s. unten S. 505). 

Die besten neueren Monographian über die Geschichte Virginiens und 
seiner Nachbarstaaten sind das Buch des Engländers J. A. Doyle, The 



479 

des einzelnen zu hohe Anforderungen stellte. Eine Besserung 
trat denn auch erst ein, seitdem Gesellschaften oder Ge- 
nossenschaften die Kolonisation systematisch in die Hand nahmen. 
Nach dem Muster der Ostindisehcu Handelskompanie von 1600 
gründete sich jetzt eine Aktiengesellschaft für die Kolonisierung 
Amerikas, die am 10. April IGOC von Jakob I. einen Freibrief 
erhielt. Sie zerfiel in zwei Gruppen: die südliche oder Lon- 
doner und die nördliche oder Plymouther Kompanie, zwischen 
denen die ganze amerikanische Ostküste von Carolina bis 
hinauf nach Maine verteilt wurde. 

Und nun ging es energisch an die Ausrüstung einer neuen 
Expedition nach Virginien. An Zustrom von Teilnehmern 
fehlte es nicht. Wenn die letzten Unternehmungen auch er- 
gebnislos verlaufen waren, so hatten sie doch das öffentliche 
Interesse an Virginien mächtig erregt, und die übertriebenen 
Erzählungen der Heimkehrenden von der Üppigkeit der Vege- 
tation und dem Reichtum des Landes an Edelmetallen lielsen 
es den staunenden Bürgern Altenglands geradezu als irdisches 
Paradies erscheinen. „Virginia, earth's only paradise!" nennt 
Drayton es in einer Ode. Das Goldfieber hatte weite Kreise 
des Volks ergrilfen. In einer gelungenen Szene von Chap- 
mans und Marstons Lustspiel EasUvard Hoe!^) (1605) kommt 
diese Stimmung drastisch zum Ausdruck. Captaiu Seagull be- 
lehrt die Herren Spendall und Scapethrift, die unter seiner 
Führung au der Expedition des Industrieritters Sir Petronel 
Flash nach Virginien teilnehmen wollen, über die Natur und 
die Schätze dieses Wunderlandes (Akt III, Sz. 3). 

Seagull. Comc boys, Virginia longs tili we share the rest of her 
maidenhead. 

Spendall. Wliy, is she inhabited already with any Englisli? 

Seagull. A whole country of Engllsh is there, man, bred of those 



English m America: Virginia, Maryland, and the Carolinas (London 1882), 
und besonders das zweibändige Werk des Amerikaners John Fiske, Old 
Virginia and her Neighbours (Boston u. New York: Houghton, Miftlin & Co.; 
London: Macmillan; 1897). 

') Herausgegeben von A. H. Bullen in seiner Ausgabe von Marstons 
Werken, London ISST, Bd. 3. — Sonderausgabe von Felix E. Schelling 
in der Beiles Lettres Series, Boston 1903; in der Originalorthographie und 
mit Varianten. 



480 

that were left there in '79 ;i) they have married with the Indians, and 
rnake 'bem bring forth as beautiful faces as any we have in England ; and 
tberefore the Indians are so in love with 'hem, that all the treasure they 
have the)' lay at their feet. 

Scapethrift. But is there such treasure there, captaiu, as 1 have 
heard? 

Seagull. I teil thee, gold is more plentiful there than copper is with 
US; and for as much red copper as I can bring I'll have thrice the weight 
in gold. Why, man, all thcir dripping-pans and thelr chamber-pots are 
pure gold; and all the chalns with which they chain np their streets are 
massj' gold; all the prisoners the}' take are fettered in gold; and for 
rubies and diamonds, they go forth on holidays and gather 'hem by the 
seashore, to hang on their children's coats, and stick in their caps, as 
commonly as our children wear saffron-gilt brooches and groats with holes 
in 'hem. 

Scapethrift. And is it a pleasant country withal? 

Seagull. As ever the snn shined on: temperate, and füll of all sorts 
of excellent viauds; wild boar is as common there as our tarnest bacon 
is here; venison as mutton. And then you shall live freely there, without 
sergeants, or courtiers, er lawyers, or intelligencers .... Then for yonr 
means to advaucement, there it is simple and not preposterously mixed. 
You may be an alderman there, and never be scavenger; you may be a 
nobleman, and never be a slave. You may come to preferment enongh, 
and never be a pander; to riches and fortune enongh, and have never 
the more villaiuy nor the less wit. Besides, there we shall have no more 
law than conscience, and not too much of either; serve God enough, eat 
and drlnk enough; and enough is as good as a feast. 

Diese köstliche Satire zeigt wirkungsvoll, was für phan- 
tastische Vorstellungen von dem Eldorado jenseits des Ozeans 
damals in England verbreitet waren und von den Amerika- 
fahrern absichtlich in Umlauf gesetzt wurden. Aber die Namen 
Spendall 'Verschwender' und Scapethrift 'Tunichtgut' und die 
utopistische Schilderung, die der alte Seebär den beiden von dem 
Schlaraifenleben drüben entwirft, lassen erkennen, aus was für 
Elementen sich das Kolonistenmaterial in erster Linie zusammen- 
setzte. 

Am 19. Dezember 1606 fuhren die drei Schiffe, die von 
der Londoner Gesellschaft ausgerüstet waren, mit einer Schar 
wagemutiger Abenteurer an Bord die Themse hinunter, von 
den Wünschen der hauptstädtischen Bevölkerung und einer mehr 

*) Mufs heifsen '87: die Anspielung bezieht sich zweifellos auf die 
verschollenen Ansiedler von Roanoke, die 1587 dort landeten (s. oben 
S. 475). 



481 

schwungvollen als formvollendeten Ode Michael Draytons 

geleitet. You brave heroic minds, 

Worthy yonr country's name, 
That honour still pursue, 
Go and subdue, 
Whilst loiteriug hinds 

Lark bere at home with sbame. 

BritüDS, you stay too long, 
Quickly aboard bestow you, 
And with a merry gale 
Swell your stretched sail, 
With vows as streng 

As the winds that blow you. 

And cheerfuUy at sea 
Success you still entice, 

To get the pearl and gold, 
And ours to hold 
Virginia, 

Earth's only paradise! etc. 

Auf dem üblichen Umweg- über die Kanarischen Inseln 
und Westindien erreichten die Auswanderer nach mehr als 
vierteljähriger Fahrt das Festland Nordamerikas. Ein Sturm 
warf sie am 26. April in die Chesapeake-Bai, und hier gründeten 
sie auf einer niedrigen, militärisch günstigen Halbinsel am 
13. Mai 1607 den Ort Jamestown, den Eckstein der Kolonie 
Virginien. 

Die Ankömmlinge waren voll Entzücken über den üppigen 
Pflanzenwuchs und das milde Klima ihrer neuen Heimat, die 
sie gerade in der günstigsten Jahreszeit kennen lernten. Sie 
mulsten nur zu bald erfahren, dafs ihre Wohnstätte ein wahres 
Fiebernest war, in dem bald der grölste Teil der Ansiedler 
zugrunde ging. 

Das Menschenmaterial, das den Grundstock dieser ersten 
dauernden Niederlassung der Engländer auf amerikanischem 
Boden ausmachte, war buntscheckig, zusammenhangslos und 
in der Hauptsache unbrauchbar. Von 100 Kolonisten waren 
über die Hälfte Gentlemen, meist junge Herrchen der jeunesse 
doree, die zu Hause nicht gut getan hatten, einige davon 
aus angesehenen Familien. Die kleinere Hälfte setzte sich aus 
vier Zimmerleuten, einem Grobschmied, zwei Maurern, einem 

Studien z. engl. Phil. L. 31 



482 

Schneider, einem Chirurg, einem Barbier, einem Matrosen, einem 
Tambour, vier Knaben und einer Anzahl von Arbeitern zu- 
sammen;') gerade die wichtigsten Berufszweige, Handwerker 
und Bauern, fehlten ganz oder waren nur sehr schwach ver- 
treten. Von all diesen Männern lag die Mehrzahl unter der 
Erde Virginiens, ehe noch das Jahr zu Ende ging. 

Die Lücken, die der Tod rifs, wurden durch Nachschübe 
ersetzt. Im Januar 1608 kam ein zweiter Transport mit etwa 
120 Mann, wovon ein gutes Viertel Gentlemen waren; im Sep- 
tember 1608 folgten wieder etwa 70, davon über ein Drittel 
Gentlemen.-) In den Jahren 1609 — 10 kamen dann weitere 
500, darunter auch Frauen und Kinder. Aber die Zusammen- 
stellung aller dieser Nachschübe war nicht besser als die der 
ersten Expedition. Vergebens beschwerte sich Captain John 
Smith, der fähigste unter den Führern der jungen Kolonie, 
über die „vielen unbotmäfsigen Galans, die von ihren Freunden 
hierher geschickt wurden, um schlimmerem Los zu entgehn";^) 
vergebens bat er 1608 den Verwaltungsrat in London, man 
möge ihm „lieber dreifsig gut ausgerüstete Zimmerleute, Land- 
wirte, Gärtner, Fischer, Schmiede, Maurer und Holzhauer 
schicken als tausend von denen, die sie da hätten". *) Seine 
Stimme verhallte wie die des Rufenden in der Wüste. 

Deutlich geht aus alledem die heterogene Zusammen- 
setzung der Ansiedler hervor. Es standen sich zwei scharf ge- 



*) Siehe die Liste bei John Smith, Generali Historie III Kap. 1 (Aus- 
gabe von Arber-Bradley 3S9f., von MacLehose I S. 90 f.), wo die einzelnen 
nach Stand und Namen aufgeführt werden. 

*) Siehe die Listen bei Smith, Gen. Eist. III Kap. 4 (bei Arber- 
Bradley S. 411f. 445 f., MacLehose I S. 113f. 151). 

3) „Many unruly Gallants, packed thither by their friends to escape 
ill destinies"; Generali Eistorylll'K.z.T^. VI (Arber-Bradley 480, MacLehose 
I 189). 

*) „When you send againe I intreat you rather send but thirty 
carpenters, husbandmen, gardiners, fishermen, blacksmiths, masons, and 
diggers up of trees' roots, well provided, then a thousand of such as we 
have: for except wee be able both to lodge them, and feed them, the most 
will consume with want of necessaries betöre thej' can be made good for 
auything." Aus Smiths Rüde Ansiver, die er 1608 an den Londoner Ver- 
waltungsrat schickte {Gen. Bist. III Kap. 7: bei Arber-Bradley 444, Mac 
Lehose I 150). 



483 

trennte Schichten gegenüber: auf der einen Seite Adlige und 
Gentlemen, auf der andern niederes Volk. Das Wichtigste, ein 
solider Mittelstand, fehlte; es mangelte an Handwerkern und 
Bauern, es gebrach vor allem an einer zusammenhaltenden 
Idee: Abenteuerlust und Gewinnsucht war es, was die meisten 
herüber getrieben hatte. Der Prozentsatz der Gentlemen blieb 
andauernd ein starker: er ist für die weitere Entwicklung des 
virginischen Wirtschafts- und Verfassungslebens bedeutsam; der 
Kest waren vorwiegend Arbeiter oder Bummler und Desperados 
aus den untern Schichten des Volks. Die einen waren keine 
Arbeit gewohnt, die andern liebten sie nicht; selbst der ver- 
hältnismäfsig leichte Maisbau, die Hauptquelle für den Lebens- 
unterhalt in Virginien, war ihnen zu beschwerlich; sie hatten 
die Heimat verlassen, um in der neuen Welt mühelos reich zu 
werden, nicht um ein zweites Europa zu finden. 

Ein kommunistisches Betriebssystem, das die Grund- 
lage der jungen Kolonie bildete, war nicht gerade dazu ange- 
tan, die schlimmen Folgen einer verfehlten Zusammensetzung 
der Ansiedler zu parieren. Nach der Charter von 1606 mufsten 
alle Kolonisten für die Kompanie arbeiten, dafür wurden sie 
von ihr aus gemeinsamen Mitteln erhalten und hatten einen 
gewissen Anteil am Gewinn. Infolgedessen tat natürlich keiner 
etwas. Eine im Jahr 1609 vorgenommene Änderung der Charter, 
wonach jeder Auswanderer für seine Arbeit sieben Jahr lang 
von der Gesellschaft unterhalten werden, einen Anteilschein an 
dem Unternehmen und am Schlufs der sieben Jahre eine Land- 
parzelle erhalten sollte, lockte Hunderte neuer Auswanderer 
an, teils aus den Reihen der abenteuerlustigen oder nichts- 
nutzigen Vertreter der besseren Stände, teils aus den Kreisen 
des unbemittelten Volks und des verworfenen Pöbels, aber eine 
Besserung der Verhältnisse wurde dadurch nicht geschaflFen. 
Im Gegenteil, die Mafsregel war zunächst nur zu sehr geeignet, 
die Elemente der Faulheit, Zügellosigkeit, Unzufriedenheit und 
Anarchie in der jungen Niederlassung zu vermehren. 

Dazu kam, dals in London die Kolonien direkt als Plätze 
zum Abschieben von Faulenzern und Taugenichtsen empfohlen 
wurden, wie es ja zu andern Zeiten auch bei andern Völkern 
geschehen ist, und dals es seit 1619 stehender Brauch britischer 

31* 



484 

Gerichtsbarkeit ward, Sträflinge nach Virginien zu schicken, 
wo sie als Diener verkauft wurden. 

Unfähigkeit verschiedener der ersten Präsidenten, kon- 
stitutionelle Schwäche und rascher Amtswechsel derselben, 
beständige Gefahr der Hungersnot, Indianerüberfälle, grofse 
Sterblichkeit infolge der fieberschwangern Lage der ersten 
Niederlassung vervollständigen das trübe Bild der Ursprünge 
englischen Kolonialwesens in Amerika. 



3. Wandlungen im Verfassungssystem. 

"Wenn trotzdem diese Kolonie nicht einging, wie die früheren, 
so ist es in erster Linie das Verdienst eines Mannes, der als 
Präsident (1608 — 09) mit eiserner Faust ein autokratisches 
Szepter führte, der durch die Macht seiner furchtlosen, graden 
Persönlichkeit, seine vorausschauende Klugheit und rücksichts- 
lose Tatkraft die Widerspenstigen bändigte, die Kolonie vor 
Hungersnot bewahrte, die Indianer in Schach hielt und zugleich 
durch die Feder in England für die Sache Virginiens wirkte: 
Captain John Smith, i) Sein scharfer Verstand, seine Tapfer- 
keit und rücksichtslose Energie in Verbindung mit einer reichen 
Lebens- und Kriegserfahrung, die er sich auf zahlreichen Feld- 
zügen in allen Ländern Europas erworben hatte, machten ihn 
trotz seiner verhältnismälsig jungen Jahre rasch zu der mar- 
kantesten, überragendsten Persönlichkeit in jener Schar koloni- 
satorischer Abenteurer. Freilich aus dem minderwertigen 
Menschenmaterial fleilsige Arbeiter zu machen, Ackerbau und 
Industrie zu begründen und so die Folgen der kommunistischen 
Verfassung zu paralysieren, das hat auch Smith nicht vermocht. 
Es fehlte ihm dazu die nötige autoritative Gewalt und der 
Eückhalt an der Verfassung und an dem Londoner Ver- 
waltungsrat. 



1) Über sein abenteuerliches und ereignisreiches Leben (1580 — 1631), 
seine Persönlichkeit und seine Bedeutung für die Anfänge Virginiens 
handelt eine treffhche Monographie von A. G. Bradley in der Serie 
'English Men of Action' {Cujitain John Smith; London, Macmillan, 1905). 



485 

Erst allniiiblieli im Lauf der Jahre ergab sich durch die 
schlimmen Erfahrungen der richtige Weg, auf dem die Schäden 
des Systems allein zu beseitigen waren. Die Überführung 
anarchischer Zustände in geordnete staatliche Verhältnisse 
wird am sichersten und schnellsten durch ein vernünftig 
despotisches Regime erreicht. Hatte Smith mit seinem 
praktischen Instinkt das sofort erkannt und deshalb auf eigne 
Verantwortung und auf seine persönliche Autorität hin ein in 
der Verfassung nicht begründetes autokratisches Regiment 
geführt, so ward bald nach seinem Abgang der wählbare 
Präsident offiziell durch einen Gouverneur mit unum- 
schränkten Befugnissen ersetzt, der von der Gesellschaft 
ernannt und vom König bestätigt wurde. Die drakonische 
Gesetzgebung Dales (seit 1611) sorgte für die Herstellung und 
Aufrechterhaltung der Disziplin. Die Autorität des Königs, 
der Staatskirche und der Londoner Kompanie ward nunmehr 
aufs strengste eingeschärft. Gottes- und Religionslästerung, 
ja Fehlen beim Gottesdienst, Majestätsbeleidigung, Schmähung 
der Kompanie, unerlaubter Handel mit Indianern, böswillige 
Zerstörung der Ernte oder Tötung von Vieh wurden mit dem 
Tode bestraft, Faulheit im Tagewerk aufs strengste geahndet. 

Zugleich aber tat man einen Sehritt, der für die Gesundung 
der Verhältnisse von ungleich tiefergreifender Bedeutung war 
als der rigorose Straf kodex: man schaffte das kommunistische 
System ab und schränkte damit die Verlockung zu Mülsig- 
gang und Übertretungen und die Notwendigkeit zu strafen ein. 
Jeder gewöhnliche Einwanderer erhielt sofort drei Acker 
urbares Land und zu dessen Bearbeitung während der Saat- 
und Erntezeit einen Monat frei. Dadurch war ein natürlicher 
Anreiz zu individueller Arbeit und persönlichem Erwerb ge- 
geben. Die Wirkung war wunderbar. Verbrechen, Unordnung, 
Unzufriedenheit, Hungersnot schwanden, überall kehrten Fleils, 
Tätigkeit, Wohlstand ein. Die Arbeit von drei bis vier Mann, 
so berichtet uns ein Augenzeuge (Master Hamor),0 brachte 
fortan ebensoviel zustande wie die Arbeit von dreilsig unter 

1) Zitiert bei Bradley iu seinem Leben Smiths S. 192 und 194. Auch 
Smith selbst in seiner Gen. Hist. IV (ed. Arber-Bradley 508, MacLehose 
I 214) gibt Hamors günstiges Urteil über Dales drakonische Herrschaft 
wieder. 



486 

dem komrauiiistisclien System, das selbst die Fleilsigen ent- 
mutigt hatte. Es war ein vollständiger Sieg des in- 
dividualistischen Prinzips über das sozialistische. 

Nachdem so mit Gewaltmitteln in wenigen Jahren ge- 
ordnete Verhältnisse geschaffen waren, war die Bahn zu freiheit- 
licher Entwicklung der Kolonie geebnet. Mit dem Sieg der 
Liberalen in der Londoner Kompanie und der Wahl des Sir 
Edwin Sandys zum Schatzmeister im Jahr 1619 waren die 
Tage des Despotismus gezählt. Sandys gab 1619 der jungen 
Kolonie eine parlamentarische Verfassung, die für die 
Verfassungen der andern Kolonien vorbildlich wurde. Der 
Gouverneur blieb bestehen, aber er hatte neben sich eine be- 
ratende Körperschaft (council) und eine gesetzgebende Ver- 
sammlung, das House ofBurgesses, das bis zur Unabhängigkeits- 
erklärung von 1776 bestanden hat. Am 30. Juli 1619 hielt 
dies Abgeordnetenhaus seine erste Zusammenkunft. Damit 
beginnt die Periode der Selbstregierung, die von segensreichstem 
Einfiuls auf das Gedeihen der Kolonie war. 

Eine Schiffsladung Frauen, die im gleichen Jahr von 
England herüber kam, trug wesentlich zur Hebung des häus- 
lichen Lebens und zur Festigung der Gesittung bei. Es wurden 
feste Häuser gebaut und Möbel dafür aus England importiert. 

Die Bevölkerung nahm nun rasch zu: 1619 zählte man 
1000, 1622 schon 4000 weilse Einwohner und 22 Neger. Das 
indianische Massakre von 1622 erzeugte nur einen vorüber- 
gehenden Stillstand der Entwicklung. Selbst die Aufhebung 
der Kompanie (1624), die seit dem Sieg der Liberalen von 
König Jakob mit scheelen Augen angesehen wurde, und die 
Übernahme der Kolonie durch die Krone hatte unerwarteter 
Weise gute Wirkungen. Die Befürchtungen einer Erneuerung 
der despotischen Regierung, die sich an dies Ereignis knüpften, 
wurden durch Jakobs Tod 1625 zerstreut. Karl L, von der 
allerdings trügerischen Hoffnung auf das einträgliche Tabaks- 
raonopol geleitet, erkannte das koloniale Parlament an. Und 
als Kronkolonie war Virginien schlielslich doch mehr sich 
selbst überlassen und unabhängiger gestellt als unter der 
Herrschaft der Kompanie; denn die Krone konnte sich natur- 
gemäls nicht so viel um die Kolonie kümmern wie eine Ge- 
sellschaft, die beständig geneigt war, in ihre Verwaltung hinein- 



487 

zureden und in ihre Entwicklung einzugreifen, und die als 
Aktiengesellsebaft doch auch ihren Gewinn aus dem Kolonial- 
unternehmen haben wollte, was sich mit dem Interesse der 
Kolonie nicht notwendig deckte. 

So breiteten sich denn die Ansiedlungen in den nächsten 
Jahren immer weiter ans, und mehr und mehr wich die 
Indianergrenze zurück. Im Jahr 1629 wird die Einwohner- 
zahl auf etwa 5000 angegeben und der Bestand an Grofsvieh 
gleichfalls auf 5000 Stück geschätzt. Ziegen, Schweine, Ge- 
flügel, Fische, Wild und Korn aber waren in solcher Menge 
vorhanden, dafs man 3 — 400 Menschen mehr hätte ernähren 
können. ') 



4. Der Tabak als Grundlage des 
WirtschaHtslebens. 



Das Wirtschaftsleben der neuen Kolonie aber nahm sehr 
eigentümliche Formen an, die von denen des wirtschaftlichen 
Lebens in den Neu-England-Staaten von Grund aus verschieden 
waren. 

Über dem Eingangstor der virginischen Kolonie stand zu- 
nächst auch noch in blendenden Lettern das Wort „Gold" 
eingegraben. Die atiri sacra fames, die HoflFnuug, drüben Gold 
und Edelsteine zu finden, hatte die Mehrzahl der ersten Aus- 
wanderer über den Ozean getrieben. Es war jedenfalls kein 
Zufall, dals sich unter den Teilnehmern an der ersten Er- 
gänzungsexpedition ein Juwelier, zwei Goldschmiede und zwei 
Kaffineure befanden. 2) Bezeichnend für den Geist, der das 
ganze Unternehmen ursprünglich durchwehte, ist die Weisung, 
die der Londoner Verwaltungsrat 1608 dem Führer des zweiten 
Nachschubs, Captain Newport, mit auf den Weg gab: er solle 
nicht zurückkehren, ohne einen Klumpen Gold oder die nord- 
westliche Durchfahrt (nach dem Goldland Indien) gefunden 



1) J. Smith, Jrue Travels, Kap. 21 (ed. Arber -Bradley S. 887, Mac 
Lehose Bd. U S. 177f.). 

■') Siehe die Liste bei Smith, Generali Historie, III Kap. 4 (ed. Arber- 
Bradley 412, MacLehose Bd. I S. 114). 



488 

zu haben i) — also immer noch dieselbeu Ziele wie zu Raleighs 
Zeit. Erst laugsam wurde man durch die Erfahrung erntiehtert 
und erkannte, dals die Neue Welt doch nicht das Eldorado 
sei, das die erregte Phantasie goldgieriger Abenteurer sich 
dort ausgeträumt hatte. Man lernte einsehen, dals man, um 
reich zu werden, in Amerika ebenso gut arbeiten mlisse wie 
im alten Europa. 

Aber man fand wenigstens einen vollwertigen Ersatz für 
das Gold. Seit 1612 wurden Versuche mit dem Anbau von 
Tabak gemacht, der von den Indianern seit langem in kleinen 
Gärten gezogen worden war. John Rolfe, der weilse Gatte 
der sagenumwobenen indianischen Schönheit Pocahontas, war 
der erste, der mit einer systematischen Tabakkultur erfolgreich 
den Anfang machte. 

Trotz der Bannbulle Urbans VIII. und der Verdammung 
durch Jakob I. war der Tabakgenufs in Europa seit 1600 
immer mehr Mode geworden, und wenige Jahrzehnte nach 
seiner ersten Einführung war das neue amerikanische Genufs- 
mittel bereits ein bedeutender Handelsartikel. 

Für Virginien war der Tabak als Anbaupflanze und Erwerbs- 
mittel ganz hervorragend geeignet. Der Boden war so günstig 
wie nur möglich, der Anbau war leicht, erforderte keine grolsen 
Kapitalien und gab einen schnellen und sichern Gewann. 
Kein Wunder, dals man nach den ersten Versuchen sehr rasch 
die hohe Kaufkraft der Pflanze erkannte. Und nun warf sich 
alles mit Ungestüm auf den Tabakbau: 1617 fand Argall ihn 
unter den Kolonisten schon überall verbreitet und sogar den 
Marktplatz, die Stralsen und alle verfügbaren Plätze in James- 
town mit Tabak bepflanzt. 2) Der Tabak wurde fortan das 
Hauptprodukt des Landes und die Quelle des Wohlstands 
seiner Bevölkerung. Seine Bedeutung als Gewinnmittel liels 



') „not to retnrne without a lumpe of gold, a certaintie of the South 
sea, or one of the lost Company sent out by Sir Walter Raleigh" ; Smith, 
Gen. Hist, III, Kap. 7 (ed. Arber -Bradley 434, MacLehose Bd. I S. 138). 
Siehe auch Captain Smiths Erwiderung auf diese unsinnige Weisung in 
seiner Rüde Answer an den Verwaltungsrat : Gen. Hist., III, Kap. 7 (ed. 
Arber-Bradley 443, MacLehose I S. 148). 

2) Smith, Gen. Hist, 4. Buch (ed. Arber-Bradley 535, MacLehose Bd. I 
S. 240). 



489 

selbst dann nicht nach, als die Preise allmählich zu sinken 
begannen. 

Die Nachrichten von dem grofsartigen Erfolg der vir- 
ginischen Tabakkultiir aber wurden in England ein neues, 
wichtiges Lockmittel zur Auswanderung. Und das Menschen- 
material, das dadurch für die Kolonie gewonnen wurde, war 
ein besseres als das frühere. Die Träume von Gold und Edel- 
steinen und die kommunistischen Pläne der ersten Chartern 
hatten Glücksritter und Tagediebe angelockt; der Tabakbau 
zog vorwiegend Landwirte, Geschäftstreibende und Handelsleute 
an, solidere Elemente, die wirklich arbeiten wollten. 

Der Tabak beherrschte von jetzt an das gesamte wirt- 
schaftliche Leben Virginiens nach der guten wie nach der 
schlechten Seite. Landbau, Industrie, Handel, gesellschaftliches 
Leben, ja die intellektuelle Kultur — alles stand mehr oder 
weniger unter dem Zeichen des Tabaks. Der Tabak war 
Zahlmittel und Wertmesser: die Preise der "Waren wurden nach 
Pfunden Tabak berechnet, Steuern wurden in Tabak ausge- 
schrieben, Löhne, Gehälter, Strafen, ja Frauen und Sklaven in 
Tabak bezahlt, i) Es war für unsre Begriffe ein etwas un- 
gewöhnliches Zahlungsmittel; aber in einem Lande, das keine 
Edelmetalle lieferte, hatte der Tabak in der Tat manche 
Eigenschaften, die ihn als Ersatz dafür besonders geeignet 
machten: er war dauerhaft, er war allgemein begehrt und 
dabei doch von jedermann leicht zu beschaffen. 

In Europa ward die Nachfrage nach virginischem Tabak 
bald sehr lebhaft; er machte dem teuern westindischen empfind- 
liche Konkurrenz. Die Ausfuhr nach London war schon von 
1614 an beträchtlich, und auch in diesem Handelsverkehr mit 
dem Mutterland war der Tabak nicht nur Exportartikel, sondern 
zugleich Zahl- oder Tauschmittel. Dabei war die Kolonie 
offenbar der gewinnende Teil, denn sie tauschte dauerhafte 
oder unentbehrliche Kulturartikel gegen ein rasch verbrauchtes 
und stets wieder begehrtes Genufsmittel ein. Ein Mitglied 
der Kompanie selbst, namens Middleton, wies 1614 in einer 

') Hening, Statutes at large I 12,3 ff. Siebe Doyle, The English in 
America 255 — 58. Durch ein Gesetz von 1633 wurde bestimmt, dafs die 
Berechnung bei Verträgen, Käufen, Schulden, Strafen, in Geld nicht in 
Tabak zu geschehen habe (Hening I 216). 



490 

Parlamentsdebatte nachdrüeklicbst auf das Bedenkliche dieser 
Zahlungsweise hin. „Die Londoner Kaufleute", sagte er, „senden 
Waren aller Art hinüber und erhalten dafür Tabak statt Geld, 
zum ganz entschiedenen Nachteil des Staates. Viele Geistliche 
riechen jetzt nach Tabak, und arme Leute verschwenden vier 
Pence ihres Tagelohns des Abends in Rauch." i) 

Die ganze Bevölkerung Virginiens war somit auf die Tabak- 
kultur angewiesen, ihr Wohlstand auf dem einen Artikel auf- 
gebaut. Und das wurde in noch höherem Mafs der Fall, seit 
Karl L den Import spanischen Tabaks in England verbot, wo- 
durch Virginien das Monopol bekam. Der Reichtum der 
Kolonie wuchs nun schnell, und immer neue Scharen von 
Kolonisten wurden ins Land gezogen. 



5. Plantagenwirtscliaft und Negersklaven. 



Liegt der Charakter Virginiens als Ackerbaukolonie mit 
ausgesprochener Vorherrschaft eines einzigen Produkts in der 
natürlichen Beschaffenheit des Landes und in der hohen Kauf- 
kraft des Tabaks begründet, so wurde die Organisation des 
landwirtschaftlichen Betriebs und die Struktur der Gesellschaft 
anderseits durch Charakter und Zusammensetzung der Ein- 
wanderer und die Verwaltungspraxis der Kompanie bestimmt. 
Die soziale Schichtung in Aristokratie und Proletarier, die uns 
in den Anfängen der virginisehen Kolonie entgegentrat, ist für 
die weitere Entwicklung der Dinge mafsgebend geblieben. 

Nachdem die reichtumbringende Macht des Tabakbaus 
erkannt war, war das Streben nach Grofsgrundbesitz 
eine natürliche und unausbleibliche Erscheinung. Dieses Streben 
wurde durch die Gesellschaft begünstigt. Zwar hatte jeder 
Einwanderer oder Einführer von Einwanderern für jede ein- 
geführte Person Anspruch auf 50 Acres gegen jährlichen Zins 
von 1 Schilling auf je 50 Acres. Aber vermögende Leute 
konnten sich auch grölsere Parzellen erwerben. Die Ange- 
stellten der Kompanie vom Gouverneur abwärts wurden durch 



1) Neill, Virginia Comjmny, S. 67 (bei Fiske, Old Virginia, I 180). 



i 



491 

Verleihung- von Grundbesitz verschiedener Grölse für ihre 
Dienste entschädigt. Auch Mitglieder der Gesellschaft erhielten 
für ihre Einzahlungen grölsere Strecken Landes angewiesen, 
die sie auf ihre Kosten besiedeln und bewirtschaften sollten. 

Das waren die Anfänge des Grolsgrundbesitzes , der 
Piautagenwirtschaft, die für das virginische Wirtschafts- 
leben bis in die Gegenwart hinein ausschlaggebend geblieben 
ist. 1619 bestanden bereits elf solcher Plantagen. 

Eine direkte Folge dieser Bewirtschaftung ausgedehnter 
Areale durch einzelne Grofsgrundbesitzer war die Nachfrage 
nach billiger Arbeit. Jeder freie Kolonist suchte möglichst 
selber ein Gut zu erwerben und zu bewirtschaften; für den 
Grolsbetrieb auf den Plantagen war man deshalb gezwungen, 
sich nach billigeren Arbeitskräften umzusehn. Woher sie 
nehmen? Es ist das gleiche Problem, das auch in den 
Kolonialstaaten der Gegenwart eine solche Hauptrolle spielt. 

Der natürlichste Weg ist offenbar die Verwertung der 
Eingebornen, und die billigste Methode ist die Sklaverei. Da 
nun die stolze, aber unzivilisierbare Herrenrasse der Indianer 
sich bald als zu Dienstzwecken völlig ungeeignet erwies, so 
war es von grolser Wichtigkeit für die weitere Entwicklung 
Virginiens, dals 1619 eine Anzahl Negersklaven, wie sie in 
Westindien schon seit längerer Zeit in Verwendung waren, 
durch ein holländisches Schiff eingeführt wurde. Es waren 
ihrer zunächst etwa 20, und ihre Zahl nahm nur langsam zu: 
1649 zählte Virginien nach der Angabe einer damals erschienenen 
Broschüre ungefähr 15 000 weilse Ansiedler und 300 Neger; 
1670 schätzte Gouverneur Berkeley die Bevölkerung auf 32000 
freie Weilse, 6000 weilse Dienstleute und 2000 Negersklaven, i) 

Während der beiden ersten Drittel des 17. Jahrhunderts 
wurde die Hauptarbeit also noch von Weifsen getan. Es 
kamen hierfür verschiedene Klassen von Menschen in Frage. 
Ein beträchtlicher und nicht der schlechteste Teil dieser weifsen 
Lohnarbeiter waren die sogenannten redemptioners, arme, aber 
meist ehrenhafte Leute, die sich zur Abtragung der Reise- 
kosten vorübergehend als Sklaven verkauften. Auch kleine 
Grundbesitzer verdingten sich bisweilen als Lohnarbeiter. Dazu 



Siehe Fiske, Old Virginia, II 2. 6. 



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kamen Kriegsgefangene und als minder erwUusclite Elemente 
Proletarier aller Art und Sträflinge. 

Aber seit 1670 nimmt die Zahl der Negersklaven schnell 
zu. Im Jahr 1700 betrug die Bevölkerung Virginiens un- 
gefähr 60 000 Weif se und 6000 Neger; 1715 waren es etwa 
72000 Weifse und 23000 Neger; und 1750 standen 250 000 Weifsen 
wahrscheinlich schon 250 000 Schwarze gegenüber! i) Bedroh- 
lich entrollt sich vor unsern Augen hier bereits das Problem 
der Negerfrage, das im 19. Jahrhundert Nord und Süd der 
Vereinigten Staaten in den Bruderkrieg stürzen sollte, und 
das, nach Entscheidung der Sklavenfrage, als Rassenproblem 
bis in unsere Tage hineinragt, der Lösung durch kommende 
Geschlechter harrend. 



6. Die Kavaliere. 



Während des Bürgerkriegs zwischen König und Parlament 
nahm die Zahl der Plantagen rasch zu. Virginien war von 
jeher gut königlich und hoehkirchlich gesinnt. Im Kampf 
zwischen den Stuarts und dem Parlament stand die Kolonie 
mit Entschiedenheit auf königlicher Seite. 

Zwar waren seit 1611 auch viele Puritaner eingewandert, 
aber die Masse des Volks war gegen sie. 1631 wurde, wohl 
unter Erzbischof Lands Einflufs, von der Kolonialvertretung 
ein Uniformitäts- Gesetz angenommen, welches die Lehren und 
die Verfassung der Staatskirche in der Kolonie für allgemein- 
gültig erklärte. Das Gesetz wu