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Full text of "Festschrift zur Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes beim königlichen ..."

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Einweihung des neuen Gymnasial- Gebäudes 
beim Königlichen Pädagogium in Putbus 

am 12. >er 1908. 



Inhalt: 

V. L o e b e, Geschichte des Kgl. Pädagogiums (Fortsetzung)* 
X F. Marcks, Zur Komposition rler Res gestae des Kaisers 

Augustus. 
P. Schwartz, Der erste Dakerkrieg Trajans, 
W* Steffen» Zwei Generationen Bülov 
L. HultsEseh, Zur Geschichte der Naturwissenschaften im 

19, Jahrhundert 



Putbus. 

Druck von R. Decker. 
1908. 



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zur 



Einweihung des neuen Gymnasial-Gebäudes 
beim Königlichen Pädagogium in Putbus 



am 12. November 1908. 



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Druck von R. Decker. 

1908. 



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linweihung des neuen Gymnasial-Gebäudes 
beim Königlichen Pädagogium in Putbus 

am 12. November 1908. 



Inhalt: 

V. Loebe, Geschichte des Kgl. Pädagogiums (Fortsetzung). 
J. F. Marcks, Zur Komposition der Res getetae des Kaisers 

Augustus. 
P. Schwartz, Der erste Dakerkrieg Trajans. 
W. Steffen, Zwei Generationen Biftpwfc.» 
L. Hui tz seh, Zur Geschichte der Naturwissenschaften im 

19. Jahrhundert. 



P u t b u s. 

Druck yon R. Decker. 

1908. 



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mannstand die ^tig^. Kenntnisse- vermittelt werden. Zugleich wurde 
in Verbindung ^K'fl'er tietwäiitalt "die Gründung eines Alumnats ins 
Auge gefaßt, damit die Schüler, die diese Anstalt besuchten, hier unter- 
gebracht und ihre Erziehung in geordneter Weise geleitet werden 
könne. Da indessen der vorgelegte Unterrichtsplan die höhere 
Genehmigung nicht fand, wurde derselbe dahin abgeändert, daß zwar 
der Lehrplan eines humanistischen Gymnasiums zu Grunde gelegt 
wurde, daneben aber doch die realen Fächer und die neueren Sprachen 
wesentlich berücksichtigt werden sollten. Diese Form ward dann von 
der königlichen Unterrichtsverwaltung genehmigt; auch hatte Se. Maj. 
König Friedrich Wilhelm III. in einem gnädigen Handschreiben vom 
2. März 1835 den Fürsten Malte „in Anerkenntnis seiner achtungs- 
werten patriotischen Gesinnung Seines aufrichtigsten Dankes und Seines 
Wohlwollens besonders versichert" und gleichzeitig auch in einer an 
das Königliche Ministerium erlassenen Allerhöchsten Kabinettsordre 
sich geneigt zu erklären geruht, das Patronat über die zu gründende 
Anstalt zu übernehmen, auch wegen ihres Fortbestehens einen dauernden 
Staatszuschuß verheißen. Die eine Hälfte der Baukosten wurde dem 
Fürsten zu Putbus ersetzt, für die andere ihm die Ermächtigung erteilt 
zehn Benefiziatenstellen im Alumnat oder zwölf Schulgeldfreistellen zu 
gewähren. 

Inzwischen waren in den Jahren 1833—1836 das dreistöckige 
Hauptgebäude mit einer Front von 15 Fenstern, die Wirtschaftsräume, 
das Stallgebäude, das parallel hinter dem Alumnat stehend einen nur 
schmalen Hof umschloß, und das Direktorhaus erbaut worden, auch 
Schul- und Wohnräume der Alumnen mit der nötigen Einrichtung 
versehen, und so wurde am 7. Oktober 1836 die Anstalt als König- 
liches Pädagogium eingeweiht und der Unterricht mit 37 Schülern, 
deren aber bald mehr wurden, eröffnet. Als Direktor war der Professor 
Dr. Hasenbalg berufen, dem zwei Oberlehrer, vier Adjunkten und 
drei technische Lehrer zur Seite standen. Die vorgesetzte Behörde 
war neben dem Königlichen Provinzial- Schulkollegium anfangs noch 
das Königliche Konsistorium in Stettin. Als örtliche Aufsichtsbehörde 
war von vornherein ein Kuratorium eingesetzt, an dessen Spitze der 
jedesmalige Besitzer der Grafschaft Putbus und als stellvertretender 
Vorsitzender der Direktor stehen sollte. Außerdem gehörte zu dem- 
selben der Superintendent der Oarzer Synode und ein Rechtsconsulent, 
später auch ein Vertreter der Rügenschen Ritterschaft. Auch der 1. 
Oberlehrer hat dieser Körperschaft angehört und auch der erste Orts- 
geistliche; denn Putbus, das erst in Vilmnitz eingepfarrt war, wurde 



1839 eine eigene Kirchengemeinde und der für die Schloss- 
kapelle angestellte Geistliche trat zugleich als Religionslehrer in das 
Lehrerkollegium. Als Amtswohnung für ihn und den ersten Ober- 
lehrer schenkte 1843 die Fürstin Luise das neuerbaute Haus No. 11 
am Cirkusplatz und als solche für den 2. Oberlehrer wurde 1845 
das bisher v. Rüts'sche? Haus und Grundstück an der Allee No. 18 
erworben und dadurch zugleich ein Wirtschaftshof für die Oekonomie 
und durch Verlegen der Stallgebäude in gleiche Flucht mit den Wirt- 
schaftsräumen aus dem Garten jenes Hauses ein geräumiger Spielplatz 
für die Alumnen gewonnen. Auf demselben ist dann 1870 die Turnhalle 
errichtet worden, während bis dahin das Turnen im Winter zeitweis 
entweder im Speisesaal oder in einem gemieteten Raum betrieben 
oder auch ganz eingestellt war. Im Sommer war, allerdings be- 
schränkt durch die Zeit des Badens in der See, auch in einem in der 
Nähe des Kirchhofes belegenen, dem Pädagogium vom Fürsten über- 
wiesenen Platze geturnt worden. Im Jahre 1884 wurde das neben 
dem Direktorhause gelegene früher Wienkoopsche Haus gekauft, in 
welchem, da das Alumnat eigentlich nur Raum und Einrichtung für 60 
Schüler besass, unter Leitung eines Lehrers, der dort zugleich eine Amts- 
wohnung erhielt, ein kleines Alumnat eingerichtet wurde. Als dann im 
Jahre 1888 das der Anstalt gegenüberliegende bisher dem Rendant 
Kuhn gehörige Haus erworben war, wurde das Nebenalumnat dahin 
verlegt und in das sogenannte Wienkoopsche Haus die Krankenpflege, 
der Anfangs innerhalb des Hauptgebäudes, dann im Oekonomie- 
gebäude ein Paar Zimmer überwiesen waren, verlegt, während das 
Erdgeschoss die Amtswohnung eines Oberlehrers wurde* So ist es 
bis jetzt geblieben bis auf die Jahre 1877 und 1878, in denen wegen 
Ueberfüllung des Alumnats Schüler in dem bisherigen Krankenhaus 
untergebracht waren, die Krankenpflege aber in das dem Anstaltsarzt ge- 
hörige Haus No. 2 am Cirkus verlegt war. Man hatte also in dieser 
Zeit neben dem Hauptalumnat noch zwei Nebenalumnate, in deren einem 
zeitweis 24, in dem andern 12 Alumnen untergebracht wurden, die 
aber die Hauptmahlzeiten und das Abendessen, ausgenommen in den 
Wintermonaten, im Hauptgebäude einnahmen. Jetzt ist übrigens be- 
absichtigt, auch das Erdgeschoss dieses Hauses der Krankenpflege zu- 
zuweisen, weil bei ansteckenden Krankheiten in den bisherigen 
Räumen ein Isolieren nur mangelhaft und sehr schwer bewerkstelligt 
werden kann. 

In den nächsten acht Jahren sind dann keine wesentlichen 
Aenderungen getroffen worden. 



Der Bericht Ober die Jubelfeier 1886, von dem damaligen Direktor 
Spreer verfasst, erschien im 61. Jahrgang der „Zeitschrift für das 
Gymnasialwesen" und wurde in Sonderabdruck dem Jahresbericht des 
Pädagogiums Ostern 1887 beigegeben. Dieser Bericht gibt Zeugnis 
von der zahlreichen Beteiligung, deren wir uns bei diesem Feste von Seiten 
der hohen vorgesetzten Behörde, der Universität Oreifswald, der 
höheren Schulen Pommerns und vieler angesehener Einwohner von 
Rügen und Putbus zu erfreuen hatten, von dem überaus zahlreichen 
Besuch früherer Schüler unserer Anstalt, von den Geschenken und 
Ansprachen und von dem Verlauf des ganzen Festes, das aus 
Begrüßung der Gäste und Theateraufführung, aus Festzug, Festaktus, 
Festessen und Ball bestand. Geschenkt wurde bei dieser Gelegenheit 
von Sr. Durchlaucht Fürst Wilhelm zu Putbus die Marmorbüste des 
Fürstlichen Stifters der Anstalt nebst Consoleund marmorner Widmungs- 
tafel, von den früheren Schülern das lebensgroße Ölgemälde Kaiser 
Wilhelms I. und ein mit Wappen und Inschrift besticktes kostbares 
Schulbanner; daneben wurden von Anderen wissenschaftliche Arbeiten 
und Gratulationsschriften überreicht, und zur Erinnerung an dieses Fest 
machten ehemalige Schüler die sogenannte 2. Jubiläumsstiftung zur 
Unterstützung von Söhnen früherer Lehrer und Schüler der Anstalt, die 
die Abiturientenprüfung bestanden, wenn sie sich auch einem wissen- 
schaftlichen Studium nicht widmen. „Die ganze Feier war eine herrliche 
Kundgebung der Pietät 4 ', schreibt der Verfasser jenes Festberichtes, „und 
wir können nur wünschen, daß die weiteren Generationen unserer Schüler 
von gleicher Dankbarkeit gegen die Stätte ihrer Jugendbildung beseelt 
sein werden, wie es die der ersten 50 Jahre dokumentiert haben." 

Die Fortsetzung der Geschichte des Königl. Pädagogiums, die 
wir hier geben, kann natürlich so umfangreich wie jene Darstellung 
nicht sein, da es sich nur um den kürzeren Zeitraum von 22 Jahren 
handelt. 

Die oben genannte Marmorbüste des Fürsten Malte bekam ihren 
Platz in dem Betsaal, ebenso die schöne marmorne Widmungstafel; 
und da bei dem Festdiner, dem der bereits damals in den Ruhestand 
getretene Professor Dr. Biese beiwohnte, der geistvolle Kopf dieses 
ehrwürdigen Greises auf den anwesenden Bildhauer Herrn Ochs jun. 
aus Berlin, den Meister jener Büste des Fürsten, einen tiefen Eindruck 
gemacht hatte, erbot sich dieser denselben als Gypsrelief in Medaillon- 
form darzustellen und ebenso nach einem vorhandenen Bilde als 
Pendant den Kopf des ersten Direktors der Anstalt, Dr. Hasenbalg. 
Diese Reliefs wurden nun zu Seiten der Büste des Fürsten Malte 



angebracht und erinnern so, wie die darunter befindliche Widmungs- 
tafel angibt, an die Gründung der Anstalt Das Ölgemälde Kaiser 
Wilhelms I. wurde, da der Betsaal zu niedrig war, in dem damaligen 
kleinen, später in dem neuen hohen und geräumigen Eß- und Zeichen- 
saal aufgehängt. 

Es wurde nämlich, um zuerst auf die baulichen Veränderungen 
im Pädagogium einzugehen, im Herbst des Jahres 1880 das Eckhaus 
des Cirkusplatzes und der Alleestraße, in dem bisher ein Hotel — 
dasselbe, in dem 1866 der nachmalige Fürst Bismarck übernachtet 
hatte — und eine Bäckerei gewesen war, von der Anstalt angekauft 
mit der Absicht, in dessen oberem Stockwerk einen helleren und zweck- 
mäßiger gelegenen Zeichensaal einzurichten. Dies Haus sollte durch 
einen überdachten Gang mit dem Eßsaal verbunden werden. Da kam 
man auf den Gedanken, die beiden Wände dieses beabsichtigten 
Ganges in weiterem Abstand von einander aufzuführen, mit Fenstern 
und einer Bedachung zu versehen, und erhielt so einen hohen schönen 
Saal, der neben dem Zeichenunterricht auch zu festlichen Veranstaltungen 
genügenden Raum bot. Zwischen ihm und dem alten Eßsaal war 
noch ein Zimmer zu Musikübungen eingerichtet, in dem bei Anstalts- 
bällen die Musik ihren Platz bekam; denn auch die Tanzvergnügungen, 
für die der Eßsaal sich längst als zu klein erwies, fanden nun nicht 
mehr, wie bisweilen in dieser Zeit, in dem fürstlichen Kursaale statt, 
was zu manchen Unbequemlichkeiten und Unzuträglichkeiten führte, 
sondern hier in den eigenen Räumen. Für diesen Saal, der außer 
dem Kaiserbilde noch mit Büsten geschmückt wurde, schenkte Se. 
Durchlaucht Fürst Wilhelm zu Putbus im Jahre 1901 die Ölgemälde 
König Friedrich Wilhelms HL und König Friedrich Wilhelms IV. und 
im Jahre 1906 das vorzügliche Ölbild Kaiser Wilhelms II. 

Das genannte Eckhaus wurde nun zu drei Lehrerwohnungen 
eingerichtet, und in zwei Zimmern des Erdgeschosses wurde im Herbst 
1893 die Haupt- oder Lehrerbibliothek untergebracht, die eine 
Reihe von Jahren nebst der Schülerbibliothek in dem Nebengebäude 
über den Wirtschaftsräumen aufgestellt gewesen war, aber bei ihrem 
beständigen Wachsen hier nicht mehr genügenden Platz hatte. 

Während die genannten baulichen Veränderungen den südlichen 
Teil des Anstaltsgebäudes erweiterten, wurde im Jahre 1894 am Nord- 
ende desselben ein Anbau gemacht. Die Klosets für das Alumnat 
lagen bisher getrennt von dem Hauptgebäude auf dem Hofe. Um 
diese in Verbindung mit dem Alumnat zu bringen und zugleich eine 
Warmbadeanstalt einzurichten, wurde zu diesem Zwecke hier 



nach dem Hofe zu ein kurzer zweistöckige! - Flügel angebaut, in dessen 
oberem Oeschoss dann noch ein Lehrzimmer für den naturgeschicht- 
lichen Unterricht und ein Sammlungsraum für die Lehrmittel dieses 
Unterrichtszweiges gewonnen wurden. Die im November 1895 er- 
öffnete Warmbadeanstalt enthält zwei Wannen- und sechs Douchebäden 
Das Wasser, das aus zwei Brunnen durch Benzinmotor in zwei 
Bassins, die im Hauptgebäude untergebracht sind, emporgepumpt 
ward, diente zum Teil, in einem großen Badeofen gewärmt, diesen 
Bädern und versorgte zum andern Teil das Alumnat nebst den 
Wirtschaftsräumen, sowie die angrenzenden Direktor- und Lehrer- 
wohnungen und das Krankenhaus mit Trinkwasser. In der Bade- 
anstalt konnte nun den Alumnen wöchentlich wenigstens einmal die 
Gelegenheit geboten werden in der Zeit warm zu baden, in der nicht 
in der See gebadet wird. Freilich reichten jene beiden Brunnen zur 
Versorgung des ganzen Alumnats und der anderen Häuser bald nicht 
mehr aus. Es wurde deshalb im Garten des dem Hauptgebäude am 
Cirkusplatze gegenüberliegenden Nebenalumnates ein neuer sehr wasser- 
reicher Brunnen eröffnet und dessen Wasser mittels Motors durch 
Saug- und Druckpumpen über dem Cirkusplatz nach den Bassins des 
Hauptalumnats befördert. Dieser Wasserreichtum bewirkte, daß man 
im Jahre 1907 auch daran denken konnte, das dem Pädagogium gehörige 
Haus No. 11 mit Wasser zu versorgen. 

Zwischen dem genannten Flügel mit der Badeanstalt und dem 
Direktorhause schließt eine hohe Mauer den Alumnatshof ab. Ein 
Tor in derselben bildet die Einfahrt in den Hof. Hinter dieser Mauer 
wurde nun durch Errichten einer zweiten Mauer ein überdeckter 
Gang hergestellt, der so die Direktorwohnung unmittelbar mit dem 
Alumnat verbindet. So unbedeutend diese Veränderung erscheint, ist 
sie doch von großem Werte deshalb, weil es nun dem Direktor jeder- 
zeit leicht möglich ist, aus seiner Wohnung in das Alumnat zu 
kommen, ohne sich den Unbilden der Witterung jedesmal auszusetzen. 
Zugleich bietet dieser Gang Raum zur Unterbringung der Fahrräder, 
derfcn seit dem Aufkommen dieses Sports unter den Alumnen eine 
große Anzahl vorhanden ist. 

Ein umfassender Umbau betraf die im Dachgeschoß unter- 
gebrachten beiden S c h 1 a :i s ä 1 e , die bisher nur mit Fenstern an den 
beiden Giebeln versehen, nur ungenügend gelüftet werden konnten. 
Im Jahre 1900 wurde deshalb die Umfassungsmauer des Haupt- 
gebäudes um ein Stockwerk erhöht, das steilere Dach dort durch ein 
flacheres ersetzt und so der Raum der früheren (westlichen) Abseiten 



zu den Schlaf sälen zugewonnen, durch zahlreiche Fenster heller und 
luftiger gemacht, auch durch Benutzung der nun vorhandenen Wasser- 
und Sielleitung die Beschaffung des nötigen Waschwassers und die 
Entfernung der Abwässer wesentlich erleichtert 

Gleichzeitig wurde auch die zwischen den beiden Schlafsälen 
liegende frühere Schlafstube für den diensthabenden Adjunkten zu 
einer Lehrerwohnung ausgebaut, wodurch eine andere Lehrer- 
wohnung im zweiten Stockwerk als Arbeitsräume für Alumnen ge- 
wonnen wurde. Durch diesen Frontispicebau bekam das Haupt- 
gebäude auch von vorn ein anderes Aussehen und zugleich eine 
Stelle für die große eiserne Flaggenstange, an der an bestimmten 
Festtagen die königliche Dienstflagge, an anderen hervorragenden 
Tagen die deutsche Nationalflagge weht. Durch diese Errichtung 
einer Lehrerwohnung ist den Alumnen auch in der Nacht die 
Möglichkeit geworden, bei plötzlicher Erkrankung, bei Feuers- oder 
anderer Gefahr schleunigst Rat und Hilfe herbeizurufen. 

Eine andere für die Sicherheit der Alumnen gegen Feuersgefahr 
wesentliche Verbesserung ist die in dieselbe Zeit fallende Umänderung 
der hölzernen Treppe im Hauptgebäude in eine Steintreppe mit 
in Eisenschienen gelegten granitenen Stufen bis zu den Schlafsälen 
hinauf, die zugleich den Vorteil bietet, daß das dröhnende Geräusch 
der auf- und abwärts gehenden nun abgestellt ist. 

Weiter gehört in dieselbe Zeit die Herstellung eines eigenen 
Treppenhauses für die in dem oberen Stockwerk des Hauses No. 14 
untergebrachten Krankenzimmer, wodurch die im Erdgeschoß be- 
findliche Lehrerwohnung von jenen nun völlig getrennt war. 

Das schon oben genannte Haus No. 11 war im Jahre 1842 von 
der Fürstin Luise dem Pädagogium geschenkt worden mit der Be- 
stimmung, daß im Erdgeschoß die Amtswohnung des ersten Ober- 
lehrers, im Obergeschoß die des Schloß- und Ortspfarrers sein sollte, 
der zugleich Religionslehrer der Anstalt war. Im Jahre 1891 hörte dies 
Verhältnis auf; der Geistliche war nun nicht mehr Mitglied des Lehrer- 
kollegiums, behielt aber den rezessmäßigen Gebrauch der Wohnung, 
auch gegen einige Leistungen die bisherigen Bezüge aus der Kasse 
des Pädagogiums. Während nun die Instandhaltung dieser Pastor- 
wohnung der Gemeinde obliegt, hat bei größeren baulichen Ver- 
änderungen und Reparaturen an derselben das Pädagogium als Besitzerin 
des Hauses die Hälfte der Kosten zu tragen. So ist die Erneuerung 
des Daches (1897 und 1900) und die Wiederherstellung des Balkons 



8 

1905 zur Hälfte auf Staatskosten, zur andern Hälfte aus Gemeinde- 
mitteln geschehen. 

Auch das Nebenalumnat erhielt etliche bauliche Verbesserungen. 
Abgesehen davon, daß die Lehrerwohnung daselbst geräumiger gemacht 
wurde, wurden die Klosetanlagen mit dem Wohnhause verbunden, 
die Treppen gesichert und die Wasserleitung auch diesem Hause 
zugänglich gemacht. 

Endlich seien noch erwähnt einige Besserungen in den Dienst- 
wohnungen der Häuser No. 11 und 18, in deren einem bequemere 
Treppen nach dem Souterrain, sowie bessere Erhellung desselben, im 
andern teilweise Unterkellerung hergestellt wurde. 

Aber man plante noch Größeres. Waren allerdings in den letzten 
Jahren der Fürsorge der vorgesetzten Behörden ganz wesentliche Ver- 
besserungen zu danken, so störte doch immer das Zusammenliegen der 
Wohnräume der Alumnen mit den Lehrräumen, die sehr niedrige und 
beschränkte Aula, der Mangel an Räumen für Aufbewahrung der Lehr- 
mittel und manches andere gegenüber den schönen Gebäuden, die 
anderwärts für Schulen erstanden, und es wuchs mehr und mehr der 
Wunsch auch hier erweiterte Räume und durch Trennung des Alumnats 
von den Unterrichtsräumen größere Ordnung und Bequemlichkeit 
hergestellt zu sehen. So wurden nach mehrjährigen Beratungen die 
Wünsche und Vorschläge im Jahre 1906 vor den Landtag gebracht 
und von diesem zum Bau eines Flügels für das Hauptgebäude und zum 
Umbau des Alumnatshauses die Summe von hunderttausend Mark als 
erste Rate bewilligt, während die Gesamtkosten auf 370000 Mark ver- 
anschlagt waren, und mit dem Bau begonnen. Das Wirtschafts- und 
Stallgebäude, welches im rechten Winkel an das südliche Ende des 
Hauptgebäudes sich anschloß, und ebenso auch die im Jahre 1885 
erbaute Nottreppe wurden niedergelegt und hier der Grund zu dem 
neuen Bau gelegt. Wenn zwar eine Änderung des ursprünglichen 
Planes, die die Verlegung der neuen Aula in das Parterre im Anschluß 
an die beiden vorhandenen Säle bezweckte, ein schnelleres Empor- 
wachsen des Baues hinderte, so konnte doch in den Herbstferien 
1907 das Richtfest bereits begangen werden, sodaß nun nach Ein- 
deckung des Daches und Abputzen der Außenwände auch die Her- 
stellung des Inneren in den folgenden Wintermonaten besorgt und 
der ganze Bau im Sommer 1908 vollendet werden konnte. 

Außer den Änderungen in den Baulichkeiten sind auch einige 
solche zu erwähnen inbetreff der dem Pädagogium gehörenden oder 
zur Benutzung überlassenen Grundstücke. Im Westen des Ortes 



9 

wurde von der Anstalt ein von der Grundherrschaft hergegebener 
umzäunter O a r t e n für die Ökonomie des Alumnats bebaut. Da jedoch 
diese Bestellung mehr Kosten verursachte, als Nutzen brachte, wurde die 
weitere Bebauung aufgegeben; auch der zu dem Hause No. 17 
gehörige Garten an der Bahnhofsstraße wurde wegen der zu großen 
Entfernung von der Anstalt verpachtet. Sodann erfreute sich bis vor 
einigen Jahren das Pädagogium eines eigenen Seebades am Strande 
zwischen Neuendorf und Wrechen, das ihm seit seiner Gründung 
vom Fürsten eingeräumt und wunderschön gelegen war. Der Weg 
dahin führte durch den fürstlichen Park, dann auf der Neuendorfer 
Straße weiter, endlich zwischen Feldern und Wiesen nach dem über 
der Badestelle sich erhebenden Kiefernwald. Diesen Platz entzog 
leider der Fürst unserer Anstalt, weil die Fasanen dort im Walde gestört, 
die an dem Wege gelegenen Felder nicht genügend geschont wurden 
und deren Pächter deswegen Klage erhoben hatten, auch von un- 
berechtigten Sommergästen aus Neuendorf dort gebadet und dadurch 
die Einnahme des Friedrich- Wilhelmsbades bei Lauterbach beeinträchtigt 
wurde. Nun mußte mit diesem Bade ein Vertrag geschlossen werden, 
dem Pädagogium dort neben dem Herrenbade eine neue Badestelle 
einzuräumen, die freilich weit weniger schön gelegen und von Putbus 
zehn Minuten weiter entfernt ist, sodaß das Baden der Schüler in der 
See nun leider nicht mehr wie bisher in den zwei dafür angesetzten 
Stunden absolviert werden kann. Mit uns beklagen die früheren 
Schüler den Verlust dieses so idyllisch gelegenen Badeplatzes. 

Dagegen räumte Se. Durchlaucht dem Pädagogium auf dem 
Circusplatze zwei der grasbewachsenen Karrees ein zur Herstellung 
zweier Tennisplätze, deren einen der Vater eines unserer Alumnen, 
Freiherr von Steinäcker, zu diesem Spiel einrichten ließ. 

Auch einige Einrichtungen im Innern des Alumnatsgebäudes 
mögen hier noch Erwähnung finden. Ein Zimmer wurde mit einem 
Billard und Möbeln zum Gesellschaftsraum für die älteren 
Alumnen ausgestattet, in dem diese zu gewissen Stunden der freien 
Zeit sich aufhalten, auch rauchen dürfen; ein anderes zu Handarbeits- 
zwecken mit Hobelbank und Tischlerwerkzeugen versehen. Daneben 
wurde auch für das Photographieren eine Dunkelkammer hergerichtet. 
Und wenn ich noch erwähne, daß im Jahre 1891 die Aula statt des 
bisher gebrauchten kleinen und schadhaft gewordenen Orgelwerkes 
eine größere, bessere Orgel bekam, daß neben der Landkarten- 
sammlung eine Sammlung von Anschauungsmitteln eingerichtet 
ist, die beide besonders verwaltet werden, und daß aus der Haupt- 



10 

büchersammlung eine besondere Handbibliothek abgezweigt und 
im Conferenzzimmer aufgestellt ist, so ist damit wohl die Aufzählung 
der Besserungen und Änderungen in den äußeren Einrichtungen der 
Anstalt erschöpft. 

Die Alumnen wohnen zum größeren Teile im Hauptgebäude, 
eine kleinere Anzahl bisher im Nebenalumnat Wenn nach Verlegung 
der Lehrräume in das neue Gebäude diese zu Arbeits- und Wohn- 
räumen eingerichtet sein werden, werden auch die Schüler des Neben- 
alumnats mit im großen Alumnat untergebracht. Die Frequenz des 
Alumnats ist immer eine schwankende gewesen. Vom Jahre 1886 
bis zum Jahre 1891 stieg sie (69—89), hielt sich dann bis 1896 auf 
dieser Höhe, fiel aber wieder wesentlich bis zum Jahre 1899 (64), 
stieg bedeutend bis 1904 (90), ist aber seitdem wieder zurück- 
gegangen. Mit ihr hielt etwa gleichen Schritt die gesamte Schüler- 
frequenz, die schon immer zwischen 120 und 170 variierte, aber 
in dem neuen Jahrhundert noch nicht wieder dieselbe Höhe erreicht 
hat wie im Anfang der neunziger Jahre, geschweige denn die höchste 
Zahl von 182 Schülern, die im Jahre 1876 gezählt waren. Man könnte 
meinen, daß das Fallen der Frequenz seinen Orund habe in der Auf- 
hebung der Sexta im Jahre 1900; aber diese Klasse hatte immer nur 
eine durchschnittliche Schülerzahl von 8 oder 9 aufzuweisen, da sie 
fast nur von Knaben aus Putbus besucht wurde. Am zahlreichsten 
besucht waren fast immer die mittleren Klassen und, namentlich seit den 
Neunziger Jahren, die Sekunda und die Prima. Die erstere Klasse war 
deshalb schon seit 1887 wenigstens in Mathematik und Griechisch 
(außer Homer), seit 1889 in allen Gegenständen außer den wahlfreien 
vollständig in zwei untergeordnete Klassen geteilt; die Prima, die wegen 
zu großer Schülerzahl schon einmal im Sommer 1896 in zwei unter- 
geordneten Cöten unterrichtet wurde, ward dann weiter in den Haupt- 
gegenständen außer Deutsch und seit 1899 vollständig getrennt, sodaß 
auch diese beiden Klassen nur noch in den wahlfreien Unterrichts- 
gegenständen gemeinsam unterwiesen wurden. Der zahlreichere Besuch 
der Prima in der letzteren Zeit zeigt sich schon darin, daß wir in 
diesen letzten 22 Jahren etwa 20 Abiturienten mehr entlassen 
haben als in den diesen vorausgehenden 50 Jahren. 

Besucht wird unsere Anstalt vorzugsweise von Schülern der 
Insel und von Pommern, aber auch aus Mecklenburg, aus Berlin und 
andern großen Städten. Wie früher schicken auch jetzt vielfach frühere 
Angehörige des Pädagogiums ihre Söhne hierher, um sie denselben 
gesunden Aufenthalt in unserm schönen Ort, dieselben Annehmlich- 



11 

keiten des Zusammenlebens mit Altersgenossen genießen zu lassen, 
die ihnen selbst die Erinnerung an das Putbusser Schuileben lieb 
machte. Diese Anhänglichkeit an die Stätte ihrer Jugendbildung, die- 
selbe Dankbarkeit, die so schön bei dem fünfzigjährigen Jubiläum des 
Pädagogiums hervortrat, hat sich auch weiter gezeigt z. B. in der Ver- 
einigung ehemaliger Putbusser Schüler in Berlin, dem „Putbusser 
Abend", der in seinen monatlichen Versammlungen das Band der 
einstigen Schulgemeinschaft erhält und wiederholt den Ertrag ihrer 
Geldsammlungen zu wohltätigen Zwecken hierher geschickt hat. Es 
sei auch an dieser Stelle dem Verein der aufrichtigste Dank aus- 
gesprochen für die pietätsvolle Gesinnung gegen die Schule, der seine 
Mitglieder einst angehörten. 

Die Teilung der beiden obersten Klassen (die Tertia war schon 
seit 1873 geteilt) erforderte natürlich auch vermehrte Lehrkräfte, 
und seitdem vom Jahre 1891 an der Ortsgeistliche nicht mehr Lehrer am 
Pädagogium war, wurde auch der Religionsunterricht in allen Klassen 
nun von den Religionslehrern des Kollegiums erteilt. Die Lehrer der 
Anstalt haben, ganz besonders die jüngeren Kräfte, sehr gewechselt, 
und das unten folgende Verzeichnis zeigt, daß seit dem Jahre 1886 
60 Lehrer hierhergekommen und von hier wieder fortgegangen sind; 
nur einer aus der Reihe der damals am Pädagogium tätigen Lehrer ist 
noch hier im Amt Auch die Direktoren haben gewechselt. Der 
Direktor Spreer wurde nach 15V 2 jähriger Amtstätigkeit im Herbst 1807 
an das Domgymnasium in Merseburg versetzt. Sein Nachfolger, 
Krösing, bis dahin Direktor des Progymnasiums in Schlawe, blieb nur 
7 Jahre hier und wurde 1904 an das Königliche Friedrich -Wilhelms- 
Gymnasium nach Cöln a. Rh. berufen und an seiner Stelle von eben 
diesem Gymnasium dem Professor Dr. Marcks das hiesige Direktorat 
übertragen. Der Abschied des Direktor Spreer, dem zu Ehren Se. 
Durchlaucht ein festliches Diner gab, wurde von Seiten der Schüler 
durch Überreichung zweier Kaulbachscher Kupferstiche: »Homer bei 
den Griechen« und »Das Zeitalter der Reformation« und Darbringung 
eines Fackelzuges begangen. Direktor Krösing hatte bei seinem Ab- 
schied leider jede Ovation abgelehnt. Auch die Einführung dieses 
Direktors vollzog sich wegen Erkrankung des Herrn Prov.-Schulrats 
Dr. Bouterweck in einfacheren Formen, während die des Direktor Dr. 
Marcks durch Herrn Prov.-Schulrat Dr. Friedel geschah, nach dessen 
Einführungsrede Se Durchlaucht der Fürst und der erste Oberlehrer 
denselben in Ansprachen begrüßten. Hierauf folgte man der Einladung 
zu einem festlichen Frühstück nach dem Schlösse. 



12 

Von den übrigen Lehrern traten der Zeichenlehrer und Rendant 
Rudolph Ostern 1900, die Professoren. Dr. Campe und Schömann 
Michaelis 1906, Professor Dr. Katter Michaelis 1907 in den Ruhestand. 
Auch längere Vertretungen wqjen Krankheit und infolge von Unfällen 
sind in diesen Jahren öfter nötig gewesen, ebenso wegen Beurlaubung 
von Lehrern zu militärischen Übungen oder zu Studienreisen nach 
Frankreich oder nach England. 

Auch inbetreff anderer mit dem Pädagogium in enger Beziehung 
stehenden Ämter sind im Verlauf dieser Zeit manche Veränderungen 
eingetreten, so in unseren hohen Vorgesetzten. Erfreuten wir uns 
bei dem 50jährigen Jubiläum der Anstalt noch der Anwesenheit des Geh. 
Regierungs- und Provinzial-Schulrats Dr. Wehrmann, der in geistiger 
und körperlicher Frische diesem Feste beiwohnte, so hatten wir sechs 
Jahre darauf seinen Tod zu beklagen (f 28. Nov. 1892). Während er 
36 Jahre das Amt als unser Vorgesetzter geführt hat, wurde sein 
Nachfolger Provinzial-Schulrat Dr. Bouterweck schon nach 8 Jahren 
seinem Wirkungskreise durch den Tod entrissen (f 15. April 1901 in 
Bern). An seine Stelle ist dann der Provinzial-Schulrat Dr. Friedel 
getreten, der bis dahin Direktor des Gymnasiums in Wernigerode 
gewesen war. 

Auch im Kuratorium der Anstalt sind mehrere Veränderungen 
zu verzeichnen. Se. Durchlaucht Fürst Wilhelm zu Putbus, der als 
Besitzer der Grafschaft Putbus seit 1861 den Vorsitz hatte, starb am 
18. April 1907, und an seine Stelle trat im November dieses Jahres 
Ihre Durchlaucht Frau Fürstin Marie zu Putbus; als Repräsentant der 
Rügenschen Ritterschaft trat nach dem Tode des Rittergutsbesitzers 
v. Kahlden-Neclade (f 11. März 1895) im August 1895 der Königliche 
Kammerherr und Zeremonienmeister v. Esbeck-Platen auf Capelle und 
als Rechtskonsulent oder Syndikus, nachdem der Amtsrichter Voß in 
den Ruhestand getreten war, der Justizrat Hansel in Bergen. Natürlich 
wechselte auch die Stelle des stellvertretenden Vorsitzenden mit der 
Person des jeweiligen Direktors der Anstalt. Der einzige, der seit 
jener Zeit als Kurator noch im Amte ist, ist Superintendent Ahlbory 
in Garz. 

Der Schloßprediger Pastor Eiert schied aus seiner Stelle und 
zugleich aus dem Lehrerkollegium am 3. Juli 1891. Diese beiden 
Ämter sind nun getrennt, und sein Nachfolger Pastor Triller, der Anfang 
April 1892 hierher kam, fungiert, wie oben erwähnt, zwar noch als 
Anstaltsgeistlicher, aber nicht mehr als Religionslehrer. 



13 

Die ärztliche Fürsorge für die Alumnen hatte bis Ende Juli 
1893 der Dr. Brasch, darauf Dr. Rzehulka, der aber wegen Erkrankung 
nur bis Ende dieses Jahres hier blieb. Seit Anfang des Jahres 1894 
hat dies Amt der Dr. Bohn. Die Pflege der Kranken, die seit» dem 
Tode der Frau Pastor Tiede (f 6. Juli 1879) ihre Tochter Fräulein 
E. Tiede bis 1887 besorgte (sie starb in Stralsund am 3. März 1903), 
übernahm dann Frau Schlief und nach ihrem Tode (26. März 1893) 
seit Mitte April 1893 Fräulein L Altdorfer. 

Endlich möge noch zweier langjähriger, treuer Diener der 
Anstalt gedacht werden. Der Pförtner Tiedemann, der 39 Jahre 
(1853—1892) sein Amt verwaltet hatte, starb im Ruhestand am 23. 
Oktober 1897, und am 1. November 1905 legte der Schuldiener Michaelis 
nach fast 40jährigem Dienst sein Amt nieder und wurde vom Fürsten, 
vom Direktor und vom 1. Oberlehrer in feierlicher Weise verabschiedet. 
(S. Jahresben 1906 S. 161) Seitdem haben auch diese Stellen öfter 
gewechselt 

Was den Unterrichtsbetrieb betrifft, so möge daran erinnert 
werden, daß die lateinische Sprache, der bis 1882 in Sekunda noch 
10 Stunden wöchentlich zugewiesen waren, seitdem wie in Prima in 
nur 8, in den übrigen Klassen in 9 Stunden gelehrt wurde. Nach 
den neuen Lehrplänen wurde seit 1892 ihre Stundenzahl zu Gunsten 
des deutschen, französischen und geschichtlichen Unterrichts in Prima 
und Obersekunda auf 6, in den übrigen Klassen auf 7, in Sexta und 
Quinta auf 8 herabgesetzt, aber seit 0. 1896 bekamen auch die obersten 
Klassen wieder die 7. Stunde. Der lateinische Aufsatz hörte mit 
Ostern 1891 auf. Auch der griechische Unterricht, dem in Prima 
6, in den übrigen Klassen 7 Stunden zugewiesen waren, verlor ebenfalls 
durch die neuen Lehrpläne seine 7. Stunde. 

Auch im Gebrauch der Lehrbücher sind seit 1886 manche 
Veränderungen eingetreten. Im Religionsunterricht wird statt 
Hollenbergs Hilfsbuch seit 1908 Half mann und Kösters Hilfsbuch, seit 
1900 neben Zahns bibl. Oeschichten in Quarta das biblische Lesebuch 
von Völker-Strack gebraucht, und seit 1903 ist das Schulgesangbuch von 
Kurz und Juds eingeführt. Im Deutschen wird neben dem Lesebuch 
von Muff in den obersten Klassen das von Paulsiek-Hoffmann und 
das von Paulsiek-Kinzel gebraucht. Im Latein sind seit 1899 statt 
Ellendt-Seyfferts Grammatik und Süpfles Übungsbüchern dieOstermann- 
Müllersche Grammatik nebst Übersetzungsbüchern eingeführt. Im 
Griechischen wird statt Franke-Bambergs Formenlehre und Seyfferts 
Syntax seit 1900 Weißenfels Schulgrammatik und statt des 1898 ein- 



14 

geführten Lesebuchs von Bachof seit 1904 das Elementarbuch von 
Wesener gebraucht. Im Französischen werden jetzt die Plötz- 
Kares' sehen Lehrbücher angewendet, im Englischen statt Deutsch- 
beins Lesebuch seit 1900 Tenderings Lehrbuch, im Hebräischen 
statt Oeseniüs die Grammatik von Kautzsch. In der Mathematik 
sind seit 1893 die Lehrbücher von Lieber und v. Lühmann in Gebrauch, 
in der Physik Jochmann-Hermes-Spieß, Experimental-Physik und seit 
1892 Sumpfs Anfangsgründe. Im Geschichtsunterricht, wo erst 
nach Eckerts, Herbst, D. Müller und Schenk gelehrt wurde, sind seit 1 903 die 
Lehrbücher von Neubauer und in der Geographie statt Daniels 
Lehrbuch seit 1901 Schlemmers Leitfaden der Erkunde eingeführt. 

Neben dem eigentlichen Schulunterricht, über den die jährlich 
erscheinenden Schulnachrichten Mitteilung machen, erhalten unsere 
Schüler noch in manchen anderen Gegenständen Anweisung und 
Belehrung oder sind auch selbst in gegenseitiger Anleitung und Unter- 
haltung tätig. Neben dem Schulturnen und den in neuerer Zeit während 
der Unterrichtspausen veranstalteten Freiübungen wird namentlich in 
der freien Zeit an Winterabenden unter Aufsicht von Lehrern in der 
Turnhalle geturnt. Weitere körperliche Übungen haben die Schüler 
im Baden und Schwimmen in der See und über 3 / 4 der gesamten 
Schülerzahl können schwimmen, zum teil halbe und ganze Stunden 
lang. Dazu ist im Herbst 1907 der Rudersport gekommen, indem 
der Herr Minister der Anstalt ein sehr schönes großes Ruderboot 
geschenkt hat, das am Wrechener See in einem eigenen Bootshaus auf- 
bewahrt an freien Nachmittagen, natürlich unter sachkundiger Leitung 
eines Lehrers, benutzt wird. Außer dem Tennisspiel, zu dem, 
wie oben erwähnt, zwei Plätze eingerichtet sind, wird auch häufig Fuß- 
und Schleuderball gespielt. 

In Samariterkursen werden schon ein paar Winter die 
älteren Schüler durch den Anstaltsarzt Dr. Bohn in der ersten Hilfe- 
leistung bei plötzlichen Erkrankungen und Unfällen unterwiesen. Einen 
Winter wurden auch die Schüler durch einen geborenen Franzosen, 
den der Herr Minister hierher gesandt, in der Conversation in 
dieser Sprache geübt; ein Lehrer hatte ein Gesangquartett ein- 
gerichtet und erfreute von Zeit zu Zeit in dem engeren Rahmen des 
Alumnats die Schüler durch kleine Konzerte; auch wurde an den Winter- 
abenden den jüngeren Schülern von ihren Lehrern vorgelesen, oder es 
hielten die älteren in der Aula in Anwesenheit der Lehrer kleine Vor- 
träge vor ihren Mitschülern. Für diejenigen, die sich für Holz- 
schnitzerei, Tischlerei oder Papparbeiten interessieren, 



15 

waren während einiger Winter auch Lehrkurse unter der Leitung von 
Sachverständigen eingerichtet, und für Ausflüge 1iat sich ein eigenes 
Pfeifer- und Trommlerkorps gebildet Etwa jeden zweiten Winter 
wird auch Unterricht im Tanzen erteilt, und namentlich vor Bällen 
wird diese Kunst mit großem Eifer wieder eingeübt. So ist für die 
körperliche Ausbildung, für Bewegung im Freien, wozu im Winter 
noch das Piekschlittenfahren und das Schlittschuhlaufen kommt, aber 
auch für Belehrung und Unterhaltung unserer Schüler nach Kräften 
gesorgt, und man kann es verstehen, wenn sie, auch unsere Alumnen, 
trotz der strengen Schul- und Hausordnung, die sein muß, sich in dem 
schönen Putbus mit seiner herrlichen, wald- und wasserreichen Um- 
gebung Wohlbefinden, wo sie namentlich auch mit ihren Alters- 
genossen immer in Verkehr stehen, und daß ihnen schließlich und nament- 
lich den besser gesinnten der Abschied von hier schwer wird und sie 
diese Zeit ihrer Jugendbildung in dankbarer Erinnerung behalten. 

Während in der diesen Mitteilungen vorausgehenden Geschichte 
des Pädagogiums von mehreren Besuchen der Landesherren berichtet 
werden konnte, ist seitdem nur einmal Ihre Majestät die Kaiserin 
Auguste Victoria, und zwar 1890 von Saßnitz aus, wo sie mit den 
kaiserlichen Prinzen verweilte, hier in Putbus zum Besuch der fürst- 
lichen Herrschaften gewesen; und so enthusiastisch sie von der 
Bevölkerung unseres Ortes begrüßt worden ist, so war unserer Schule 
es doch nicht vergönnt, Höchstihre Anwesenheit zu feiern, da diese 
leider in die Sommerferien fiel. 

Aber die mecklenburgischen Grossherzoglichen Herrschaften sind 
in den letzten Jahren öfter hier auf dem Schlosse zum Besuch und 
zur Jagd gewesen und wurden dann bei ihrer Ankunft und Abreise 
immer von den aus ihren Grossherzogtümern stammenden unserer 
Schüler am Bahnhof begrüßt. 

Von Festen, die unser preußisches Königshaus betreffen, wurde 
natürlich der Geburtstag Sr. Majestät immer in unserer Anstalt 
mit Festaktus und Festdiner aller Schüler und Lehrer festlich begangen. 
Ein besonders hohes Fest war die Silberhochzeit unsers Kaiser- 
paares am 27. Februar 1906, die durch dramatische Aufführung am 
Vorabend, durch Redeaktus am Festtage selbst gefeiert wurde, bei 
dem auch ein vom Musiklehrer Selchow in Musik gesetztes Festlied 
gesungen und Haydns Kindersymphonie durch das Schülerorchester 
vorgetragen wurde. Neben diesen festlichen Veranstaltungen sind 
leider in diese Periode unserer Schulgeschichte eine Reihe ernster 
Trauerfeiern gefallen. Als am 9. März 1888 Kaiser Wilhelm I. heim- 



16 

gegangen war, wurde am 22., seinem ehemals so festlich gefeierten 
Geburtstag, eine Trauer- und Gedenkfeier abgehalten und ebenso 1897 
an seinem 100. Geburtstage seiner hohen Verdienste um Preußen und 
Deutschland gedacht. Und nachdem wir am 16. Juni 1888 bei unserem 
Frühlingsausflug auf Stubbenkammer das Hinscheiden Kaiser Friedrichs 
erfahren, wurde am 30. dieses Monats eine ähnliche Trauerfeier ver- 
anstaltet wie im März für Kaiser Wilhelm I., und wiederum, als am 
8. Januar 1890 Kaiserin Augusta abgeschieden war. Auch unser 
Fürstlich Putbussches Haus wurde am 25. Oktober 1894 durch den 
Tod der Reichsgräfin Clotilde von Wylich und Lottum, der Mutter 
des Fürsten Wilhelm, in tiefe Trauer versetzt Da mit dieser die letzte 
geborene Gräfin Putbus heimgegangen war, wurde im nächsten Oster- 
programm unserer Anstalt die Geschichte und Genealogie des Hauses 
Putbus veröffentlicht, und an den Beisetzungsfeierlichkeiten dieser 
erlauchten Dame, die in Putbus, wo sie im Sommer immer weilte, 
hohe Verehrung genoß, hatte auch unsere Schule durch Kranzspenden 
und Folge im Trauerzuge Anteil gehabt; und wiederum, als am 18. 
April 1907 Se. Durchlaucht Fürst Wilhelm zu Putbus auf der Rückkehr 
aus Ägypten, wo er Linderung seiner Leiden erhoffte, in Pegli in 
Italien verschieden war, veranstaltete das Pädagogium am Abend 
desselben Tages eine auch von vielen Bewohnern unseres Ortes 
besuchte Trauerfeier und beteiligte sich durch Niederlegung von 
Kränzen an dem Sarge des um unsere Anstalt hochverdienten Ver- 
ewigten und durch Anwesenheit bei der Feier der Beisetzung, wo ihm 
ein Platz im Trauerzuge eingeräumt war. — Auch den Tod zweier 
Pommerscher Provinzial-Schulräte haben wir in dieser Zeit zu beklagen 
gehabt Als der Geh. Regierungs- und Prov.-Schulrat Dr. Wehrmann am 
28. November 1892 gestorben war, wurde am Morgen des Begräbnisses 
desselben im Pädagogium eine Trauerfeier veranstaltet, und als am 
15. April 1901 der Provinzial-Schulrat Dr. Bouterweck in B6rn uns 
durch den Tod entrissen war, wurde auch dieses verdienten Mannes 
bei der Morgenandacht in einer Rede gedacht. — Auch fünf unserer 
Alumnen hat in der Blüte der Jugend der Tod hier in unserer Anstalt 
uns entrissen: Alfred Pogge (f 17. März 1889), Fritz Wendorff (f 2. 
Juli 1895), Wolf von Klitzing (f 28. November 1896), Martin Finkbein 
t 21. Juni 1900) und August Freiherr von Maltzahn (f 5. Mai 1903). 
Sie sind zur Leichenfeier in unseren Räumen aufgebahrt und von uns 
zu ihrer letzten Reise nach der Heimat zum Bahnhofe geleitet worden. 
Da hier die Rede ist von den Trauerfeiern, so sei erwähnt, daß 
hier seit dem Bestehen des Pädagogiums noch immer jährlich am 



17 

Sonnabend Abend vor dem kirchlichen Totenfest in unserer Aula eine 
Trauervigilie als Erinnerungsfeier an die im verflossenen Kirchenjahr 
durch den Tod abgerufenen früheren Angehörigen unserer Anstalt 
abgehalten wird. Und es sei bei dieser Gelegenheit die herzliche 
Bitte an die Leser gerichtet, wenn ihnen ein solcher Todesfall bekannt 
wird, uns hierher eine Mitteilung zukommen zu lassen, weil es uns 
schmerzlich wäre, wenn ein solcher lieber Verstorbener, sei es Lehrer 
oder Schaler, bei dieser Feier unerwähnt bliebe. 

Von patriotischen Festfeiern, die in diese Jahre fielen, sei 
ausser den obenerwähnten noch der Feier des 25jährigen Bestehens 
des Deutschen Reicheis am 18. Januar 1805 gedacht und des 200- 
jährigen Bestehens des Preussischen Königtums am 18. Januar 1901; 
auch der 90. Geburtstag des General-Feldmarschall v. Moltke wurde 
hier am 25. Oktober 1890 und der 80. des Fürsten Bismarck am 1. 
April 1895 festlich begangen. Zur Feier des 100jährigen Geburtstages 
Theodor Körners machte die Anstalt am 23. September 1891 einen 
Ausflug zum E. M. Arndt-Denkmal bei Bergen und zum 100jährigen 
Todestag Schillers am 9. Mai 1905 und zum 50jährigen Todestag 
Eichendorffs am 25. November 1907 wurde ein Festaktus mit Rede 
und Deklamationen in den Räumen des Pädagogiums veranstaltet. 

Auch an der Einrichtung der neuen Schlosskirche nahm 
die Schule lebhaften Anteil. Seit dem Brande des Fürstlichen Schlosses, 
in dem sich auch eine Kapelle befand, die der Oemeinde Putbus zu 
ihrer Erbauung diente, hatte man nur einen Nebensaal des Fürslichen 
Kurhauses, der mit Altar, Kanzel und aner kleinen Orgel ausgestattet 
war, als Ort für die Gottesdienste. Im Jahre 1892 Hess nun der 
Fürst den grossen Saal dieses Gebäudes in würdiger Weise zu einem 
Gotteshause ausstatten, auch dabei einen Turm zur Aufnahme der 
von der Oemeinde gestifteten Olocken errichten. Und nachdem wäh- 
rend der Fertigstellung der neuen Kirche längere Zeit der sonntägige 
Gottesdienst in der Aula des Pädagogiums abgehalten worden war, 
wurde am Reformationsfest (6. Nov.) dieses Jahres das neue, schöne 
Gotteshaus durch den Generalsuperintendenten D. Pötter geweiht. 
In demselben bekam das Pädagogium eine grössere Anzahl von 
Sitzreihen im Schiff angewiesen, während die Schüler in der 
interimistischen Kirche von vielen Plätzen zum Altar oder der Kanzel 
gar nicht hatten sehen können. 

An den Jubiläen unserer Pommerschen Schwesteranstalten, 
des Gymnasiums in Anklam 1897, des Realgymnasiums zu Stralsund 
1902 und des Gymnasiums in Demmin 1907 beteiligte sich unser 



16 

Pädagogium durch Deputationen, die gedruckte Glückwunschadressen 
Oberreichten; nach Greif enberg 1902 und nach Treptow 1906 sandten 
wir schriftliche Glückwünsche. Auch als die Universität Greifswald 
im Juli 1907 ihr 450jähriges Jubiläum feierte, nahm der Direktor, von 
der Universität eingeladen, an diesem Feste teil und überreichte dort 
unsere auf Pergament gedruckte Epistula gratulatoria in roter Leder- 
mappe. 

Gemeinsame Ausflüge sind, wie früher auch in diesen Jahren 
oft gemacht worden, von den einzelnen Klassen mit ihrem Ordinarius, 
bisweilen auch zu Schiff, besonders häufig und zwar jedes Jahr, 
wenn die Witterung es erlaubte, zur Feier des Sedanfestes. Am 22. 
Aug. 1906 fuhr die gesamte Schülerschaft mit den Lehrern nach 
Stralsund zur Aufführung der von den dortigen Bürgern veranstalteten 
Lutherfestspiele. Sodann begab sich, so oft auf Rügen Manöver 
stattfanden, die Schule in das Manövergelände, die Gefechtsübungen 
anzuschauen: so am 6. Sept. 1892 in die Gegend von Co wall, am 7. 
Sept. 1896 nach Samtens, am 12. Sept. 1901 nach Carnitz, am 18. 
Sept. 1907 nach Casnevitz. Ebenso wurde am 14. Sepi 1894 ein Ausflug 
nach Binz gemacht, wo die Flotte im Prorer Wiek ein Nachtmanöver 
mit Torpedoangriff machte, am 5. Sept. 1895 und am 8. August 1907 
nach Sassnitz, wo die Flotte lag: und uns die Einrichtung der Torpedo- 
boote gezeigt ward, das erstere Mal auch ein grosses Schlachtschiff 
besucht werden konnte. 

Ausser diesen gelegentlichen Ausflügen feiert das Alumnat in 
Gemeinschaft mit den auswärtigen Schülern der Anstalt ein Frühlings- 
fest, ein Herbstfest und ein Winterfest. Die beiden ersteren bestehen 
regelmässig in einem Ausflug, und zwar führt das Frühlingsfest 
uns meist nach Sassnitz und Stubbenkammer. Während früher auf 
dieses Fest, weil ein grosser Teil des Weges zu^ Fuss zurückgelegt 
werden musste und man deshalb in Stubbenkammer übernachtete, 
zwei Tage verwendet wurden und das Herbstfest dann nur einen 
Nachmittag beanspruchen durfte, wurde, seitdem 1889 die Eisenbahn 
Putbus— Bergen und 1891 die Strecke Bergen— Sassnitz eröffnet war, 
dies Fest durch teilweise Benutzung der Bahn auf einen Tag beschränkt, 
so jedoch, daß bisweilen auch die Tour durch eine Seefahrt von 
Sassnitz nach Binz und von da unter Benutzung der 1895 eröffneten 
Kleinbahn nach Putbus ausgedehnt werden konnte. Das Herbst- 
fest, das sonst am Friedrich-Wilhelms-Bad in der Goor bei Putbus 
mit Spiel im Freien und Tanz in dem Saale daselbst gefeiert wurde, 
wurde später ebenfalls durch einen Ausflug nach Mönchgut, durch 



19 

Wanderungen in den Wäldern zwischen Binz, Sellin und Oöhren oder 
auch durch einen Besuch der Halbinsel Jasmund begangen; einzelne 
Male ist es auch durch einen kleinen Ball in der Turnhalle der Anstalt 
(1891, 1892 u. 1893) gefeiert worden. — Das Winterfest besteht 
in einem Ball, dem seit längeren Jahren eine theatralische Aufführung 
vorhergeht In der Turnhalle wird zu diesem Zwecke eine Buhne 
aufgeschlagen, zu der die Kulisssen frühere Schüler (v. Auerswald, 
Timm, Friedländer und andere) gemalt haben. Hier sind Scenen aus 
Schillers Wilhelm Teil (10. Febr. 1892), Wallensteins Lager, Wichern, 
Aus eigenem Rechte (18. Febr. 1896), Wildenbruch, Der neue Herr, 
Die Quitzows und andere Stücke, auch Lustspiele oder von kleineren 
Schülern dramatisierte Märchen (Däumling) in sehr netter Weise auf- 
geführt worden. Nach diesen Aufführungen folgt dann der Ball im 
Zeichensaal; und diese Feste erfreuen sich fast immer des Besuches 
der Fürstlichen Herrschaften und von Freunden und Gönnern der 
Anstalt sowie Angehörigen der Schüler, die häufig auch aus der Ferne 
zu dem frohen Feste herüberkommen. 

Ausser diesen jährlich wiederkehrenden festlichen Veranstaltungen 
sind auch öfter, zuletzt wohl auch jedes Jahr durch den Musiklehrer 
Konzerte mit den musiktreibenden Schülern gegeben worden, die 
sich ebenfalls, sowie die zuweilen von den Lehrern gehaltenen wissen- 
schaftlichen Vorträge zahlreichen Besuches aus dem Orte zu 
erfreuen hatten. 

Die Bewohnerschaft von Putbus steht in wesentlichem Connex 
mit dem Pädagogium, und neben dem fürstlichen Schloss und seinen 
Beamten ist unsere Anstalt mit allen, die zu ihm gehören, ein nicht 
unbedeutender Teil der Bevölkerung des Ortes; ja die Existenz oder 
Blüte mancher Oeschäfte ist mit bedingt durch die mannigfaltige 
Menge dessen, was die Anstalt braucht. Es ist erstaunlich, welche 
Summen für Lebensmittel und andere Lebensbedürfnisse allein das 
Alumnat jährlich ausgibt 

Es besitzt nun das Pädagogium außer dem umfangreichen Anstalts- 
gebäude, in welchem Dank der Weisheit und Fürsorge der hohen vor- 
gesetzten Behörden die weitgehendsten Verbesserungen hergestellt 
sind mit Trennung der Unterrichts- von den Alumnatsräumen, mit Ein- 
richtung alles dessen, was zu größerer Bequemlichkeit, zur Förderung 
der Gesundheit und des Wohlbefindens der Bewohner gehört, und 
außer dem nach den Forderungen der Hygiene eingerichteten Kranken- 
haus noch fünf meist zweistöckige Wohnhäuser als Amtswohnungen 
der Lehrer, in denen ebenfalls zahlreiche Besserungen vorgenommen 



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sind. Es ist eine Wasch- und eine Badeanstalt, elektrische Beleuchtung 
und Wasserleitung, hellere Klassenzimmer, luftigere Schlafsäle und 
reichlichere Wohn- und Arbeitsräume hergestellt, auch nach mensch- 
licher Berechnung ffir alles gesorgt, was etwaige Gefahren für 
Gesundheit und Leben abwehren kann. 

Auch in dem Bestand der zur Verfügung stehenden Lehrmittel 
ist ein großer Fortschritt wahrzunehmen. An wertvollen Büchern sind 
die beiden Bibliotheken wesentlich gewachsen. Die Hauptbibliothek 
zählt 2254 Werke in 4795 Bänden, besitzt daneben eine Sammlung 
von Schulprogrammen von mehr als 900 Anstalten; die Schüler- 
bibliothek, die neben Büchern zur Belehrung auch solche zur Unter- 
haltung beschafft, besitzt 3340 Werke in ca. 5000 Bänden. Außerdem 
gibt es eine gute Sammlung physikalischer Instrumente, eine reiche 
naturwissenschaftliche Sammlung, ebenso eine solche von Anschauungs- 
mitteln aller Art, die alle jährlich Bereicherungen erfahren. 

Für bedürftigere Schüler ist durch Benefiziatenstellen im Alumnat 
und durch Schulgeldfreistellen gesorgt (s. Beilage zum Osterprogramm 
1890), und mehrere Stiftungen bieten einzelnen Schülern weitere Unter- 
stützungen (s. ebenda). Die erste Jubiläumsstiftung (1861) besitzt jetzt 
ein Vermögen von über 3000 Mark, die zweite (1886) ein solches von 
6600 Mark, die ritterschaftliche Stiftung (1863) über 5700 Marter außer- 
dem bietet die hiesige Freimaurerloge Unterstützung an Schulgeld, 
und eine andere Summe ist ausgeworfen zur Beschaffung von Schul- 
büchern für ärmere Schüler. 

Das Pädagogium besitzt an Grundeigentum außer dem nun außer- 
ordentlich erweiterten Hauptgebäude und zwei Gärten jetzt sechs 
Wohnhäuser, die als Lehrerwohnungen und als Krankenhaus dienen. 

Die Einnahmen der Anstalt betrugen im letzten Jahre an Zinsen 
von Kapitalien 5901 Mk., an Hebungen von den Schülern 48025,75 Mk., 
während der Zuschuß aus Staatsfonds sich auf 41180 Mk. belief. 
Die Ausgaben, mit Ausschluß der extraordinären, erreichten im letzten 
Jahre die Höhe von ca. 112000 Mk. 

V. Loebe. 



Erster Anhang. 



Die Lehrer. 

Von den in der Festschrift 1886 genannten 122 Lehrern der Anstalt sind 
seitdem gestorben: 

1. Im Amt: Emsmann in Frankfurt a. 0. 26. Dez. 1886, Passow in Stralsund 

28. März 1887, Hubert in Rawitsch 23. Dez. 1888, Vogel in Detmold 1. 
Okt. 1891, Franck in Demmin 4. Juni 1892, Streit in Stargard 2. Sept. 
1894, Bindseil in Kolberg 19. Febr. 1896, Saegert in Demmin 7. Mai 1896, 
Endemann in Celle im Sommer 1897, Brennecke in Marienburg 24. Aug. 
1897, Seifert in Köslin 12. Dez. 1905, K. Schulz in Stettin 4. Okt. 1906, 
Spreer in Merseburg 3. Dez. 1906, Farne in Stolp 31. März 1907, Henkel 
in Lauenburg 28. Sept. 1907. 

2. Im Ruhestand, a) in Putbus: Kuhn 16. Jan. 1890, Biese 19. April 1895, 

H. Müller 4. Nov. 1896, Rudolph 8. März 1901. b) auswärts: Heidmann 
in Potsdam 5. Juli 1887, C. Müller in Bad Landeck 1888, Bolze in Cottbus 
15. Dez. 1888, Dräger in Aurich 13. Febr, 1895, Frickmann in Ückermünde 
28. März 1895, Haacke in Torgau 29. Apr. 1897, Domke in Greifenberg 17. 
Mai 1898, Vetter in Pyritz 1. Jan. 1900, Taegert in Siegen 25. Nov. 1903, 
Lothholz in Halle 18. Juni 1903, Bode in Brandenburg 12. Nov. 1905. 
Im Ruhestand leben: A. Haake seit M. 1902, Luckow, Campe und Schümann 
seit M. 1906, Katter seit M. 1907, H. J. Müller seit O. 1908. 

Es folgen nun hier die Lehrer, die seit Herbst 1886 am Pädagogium das 
Amt angetreten haben: 

1. (123) Moritz Buder, geb. 22. Juli 1858 in Pritzwalk, besuchte das 
Gymnasium in Wittstock, studierte in Berlin und Greifswald Geschichte, 
Geographie und neuere Sprachen. Nach dem Probejahr in Neustettin 0. 1885 bis 
1886 machte er im Winter 1886/87 einen Kursus auf der Central-Turn-Anstalt 
durch, war dann Hilfslehrer am Real-Progymnasium in Havelberg und wurde 
M. 1887 am Pädagogium angestellt; er ist seit 1906 Professor. 

2. (124) Dr. Hans Löhr, geb. 20. Juli 1859 zu Golkiow, war in Putbus 
Privatlehrer und absolvierte zugleich bis O. 1888 sein Probejahr; dann war er 
Lehrer an einer Privatschule in Hamburg, darauf Oberlehrer an der Ober- 
Realschule in M. Gladbach, seit O. 1897 Direktor der höh. Töchterschule in 
Quedlinburg und seit 0. 1905 in Flensburg, wo er am 2. August 1908 starb. 

3. (125) Dr. Franz Hildebrand, geb. 23. April 1858 in Cammin, besuchte 
das Gymnasium in Stargard, studierte klassische Philologie in Marburg und 
Berlin, promovierte in Halle, machte die Staatsprüfung in Berlin, das Probe- 
jahr M. 1884-1885 am K. Wilhelms- Gymnasium in Stettin, war M. 1885 bis O. 



22 

1886 Hauslehrer in Neapel, unterrichtete darauf in Stettin und Köslin, war 
0. 1888 bis 0. 1889 Hilfslehrer und Adjunkt in Putbus, wurde O. 1889 am K. 
Wilhelms-Gymnasium in Stettin beschäftigt und daselbst 1. Febr. 1893 Ober- 
lehrer und im Januar 1906 Professor. 

4. (126) Dr. Wolfram Kausche, geb. 24. Okt 1884 in Braunschweig, 
studierte von 0. 1883-1887 in Halle und Berlin Philologie und Geschichte, 
promovierte im März 1888 in Halle, war M. 1888 bis M. 1889 in Putbus Probandus 
und kam wieder M. 1886 nach Putbus als Oberlehrer und 0. 1889 nach Neu- 
stettin. Jetzt ist er Professor in Kolberg. 

5. (127) Dr. Robert Holsten, geb. 20. Mai 1862 in Langenhanshagen, 
besuchte das Gymnasium in Stralsund 0. 1875-1880, studierte Philologie in 
Leipzig und Greifswald, promovierte 14. Okt. 1884, war darauf Hauslehrer, 
machte die Staatsprüfung im März 1885 und war M. 1886 bis M. 1887 Probandus 
in Putbus. Darauf unterrichtete er bis 0. 1888 am Gymnasium in Greifswald, 
weiter bis M. 1888 an einer Privatschule in Hamburg, war darauf bis O. 1890 
Hilfslehrer und dann ordentlicher Lehrer in Putbus, ging 0. 1890 nach Stettin, 
wo er seit 1906 Professor war, und wurde Neujahr 1907 Direktor des Gymnasiums 
in Pyritz. 

6. (128) Wilhelm Fauser, geb. 28. Nov. 1880 zu Barth, besuchte das 
Realgymnasium in Stralsund bis M. 1880, studierte in Berlin und Göttingen 
Mathematik und Naturwissenschaften, bestand am 1. Mai 1886 die Staatsprüfung, 
war Probandus am Friedrich- Wilhelm-Realgymnasium in Stettin M. 1886 bis M. 
1887, war dann kommissarisch an mehreren Anstalten Pommerns, auch hier 
beschäftigt und, nachdem er Aug. 1892 bis 0. 1896 wissenschaftlicher Hilfslehrer 
gewesen, kam er nach Stettin an das K. Wilhelms-Gymnasium als Oberlehrer, 
wo er jetzt seit Jan. 1906 Professor ist 

7. (129) Dr. Fritz Peters, geb. 2. März 1862 zu Plau in Mecklenburg, be- 
suchte das Gymnasium in Schwerin bis M. 1880, studierte in Leipzig, Berlin 
und Rostock Philologie und Germanistik, promovierte in Rostock 1886, war 

1887 und 1889 in Schwerin und Greifswald am Gymnasium beschäftigt, war 
0. 1898 bis M. 1896 hier Adjunkt und Oberlehrer, seitdem in Demmin, wo 
er jetzt Professor ist. 

8. (130) Paul Grafunder, geb. 13. Juli 1860 zu Stargard i. P., besuchte 
das Gymnasium zu Demmin, studierte seit 0. 1878 Philologie, Theologie und 
Deutsch in Greifswald, Tübingen und Berlin, bestand die Staatsprüfung 14. 
Febr. 1885, absolvierte sein Probejahr 0. 1885 bis 0. 1886 in Stargard, war dann 
1889 bis 0. 1891 wissenschaftl. Hilfslehrer, darauf Oberlehrer in Putbus, ward 
0. 1898 nach Demmin versetzt, wo er im Januar 1906 zum Professor ernannt 
am 25. März desselben Jahres starb. 

9. (131) Carl Piper, geb. 17. Okt. 1862 zu Friederikenhof (Kr. Soldin), 
besuchte die Stadtschule in Tribsees, dann das Gymnasium in Stolp, später 
das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin, wo er 0. 1882 die Reifeprüfung 
bestand. Nachdem er in Greifswald, Halle und Berlin Theologie und Philologie 
studiert, war er Hauslehrer, machte die Staatsprüfung 1888 und 1891, besuchte 
im Winter 1889-1890 die Turnlehrerbildungsanstalt in Berlin und wurde nach 
Absolvierung seines Militärjahres M. 1891 Hilfslehrer in Putbus, von wo er 
M. 1892 nach Pyritz versetzt wurde. Daselbst ist er jetzt Professor. Im 
Winter 1901-1902 war er in Genf und Paris zu Sprachstudien. 



23 

10. (132) Richard Palleske, geb. 22. Jan. 1862 in Ückermünde, besuchte 
das Gymnasium in Stralsund bis O. 1881, studierte in Greifswald Philologie 
und Theologie bis M. 1884, war dann Hauslehrer und bestand die Staatsprüfung 
im März 1889. Nach Absolvierung seines Probejahres am Stralsunder Gymnasium 
ward er daselbst bis M. 1891 weiter beschäftigt, war dann Hilfslehrer in Greifs- 
wald und Putbus M. 1892 bis 0. 1893, darauf in Wollin, ward M. 1893 Oberlehrer 
in Kattowitz und ist seit M. 1902 Professor am Realgymnasium zu Landeshut 
in Schlesien. 

11. (133) Axel Boldt, geb. 14. Aug. 1860 in Carlslust bei Woldegk in 
Mecklenburg, besuchte das Gymnasium in Stargard i. P., studierte seit O. 1882 
Geschichte und Erdkunde in Berlin und Greifswald. Nachdem er eine Zeit 
lang Hauslehrer gewesen, bestand er die Staatsprüfung im Nov. 1888 in Greifs- 
wald, war darauf am Gymnasium in Stargard Probandus und später Hilfslehrer 
an mehreren Anstalten Pommerns, auch hier von O. 1895 an. Seit M. 1898 ist 
er Oberlehrer in Neustettin. 

12. (134) Hans Retzlaff, geb. 28. Nov. 1859 in Treptow a. R., studierte 
von O. 1879 in Halle, Greifswald und Königsberg. Nach der Staatsprüfung 
1884 unterrichtete er in Stettin und seit 0. 1893 in Putbus und ist jetzt Professor 
in Kolberg. 

13. (135) Emil Schröder, geb. 14. Mai 1863 in Greifswald, besuchte das 
Gymnasium bis 1882 und die Universität bis 1888 daselbst und studierte 
Philologie und Theologie. Nach der Staatsprüfung und Absolvierung seines 
Probejahres am Stadtgymnasium in Stettin war er an verschiedenen Privat- 
instituten, auch als Hauslehrer tätig, kam M. 1892 nach Wollin als Hilfslehrer 
und O. 1893 nach Putbus, wo er M. 1893 als Oberlehrer angestellt wurde. 
M. 1896 kam er nach Köslin und wurde O. 1901 von da an das Gymnasium in 
Bonn versetzt, wo er jetzt Professor ist 

14. (136) Lic. Dr. Hermann Lietz, geb. 28. Apr. 1868 in Dumgenevitz 
a. Rüg., besuchte die Gymnasien in Greifswald und Stralsund, studierte in 
Halle und Jena Theologie und Philologie, promovierte 1891, bestand 1892 das 
erste theologische Examen, 1893 die Oberlehrerprüfung und erwarb 1893 den 
Grad eines Lizentiaten der Theologie. Er absolvierte das Seminarjahr in Jena, 
das Probejahr in Putbus M. 1893 bis M. 1894, war dann bis 0. 1895 Oberlehrer 
an der Übungsschule des pädagogischen Universitätsseminars in Jena, dann 
bis M. 1896 stellvertretender Direktor eines Progymnasiums und einer höheren 
Töchterschule in Kötzschenbroda, M. 1896-1897 in England tätig, begründete 
0. 1898 das deutsche Landerziehungsheim Ilsenburg a. H., O. 1901 das zweite 
zu Haubinda in Thüringen, O. 1904 das zu Bieberstein i. d. Rhön, welche An- 
stalten er noch jetzt leitet. .ßnmvO 

15. (137) Paul Jahn, geb. 8. April 1858 in Neudamm, besuchte oifeäelMf 
die Stadtschule, dann das Gymnasium in Frankfurt a. O. und j*i Waren* amä 
studierte in Berlin, Jena und Marburg. Das Probejahr machtet IQi (1£8fe ins 
1889 in Treptow a. R., wo er dann auch Hilfslehrer war. 'Weiteihiimtctorahftetfi 
er als solcher an der Friedr. Wilhelm-Realschule in Ste^tuinündi kam l.^De»; 
1893 nach Putbus als Oberlehrer. O. 1896 wardinaarn arii ddä (F^mnäÄium in 
Pyritz versetzt, wo er später Professor wurde. inuNr.nrnv») hkIj i <«!!«»,..; h otihu« 

16. (138) Schuhmacher, ein seminariatigott laurge b lteteteb fllemeafatoleftregj 
war hier M. 1893 bis 0. 1895 Vertreter fürr^eh»e«a-ahkÄte^hnisfchen^Leht%r. 



24 

17. (139) Leo Fortte, geb. 7. Mai 1857 in Schmagorey, besuchte 1874 
bis 1877 das evang. Schullehrerseminar in Neuzelle, war dann Lehrer an der 
Stadtschule und Präparandenanstalt in Bobersberg. Er besuchte die Kgl. 
Turnlehrerbildungsanstalt, die Singakademie und die Kgl. Kunstschule in Berlin, 
machte auch einen Kursus für Sologesang und Stimmkultur und unterrichtete 
1889-1890 am Progymnasium in Grätz, 1895-1900 in Putbus, 1900-1904 am 
Gymnasium in Demmin und ist seitdem am Gymnasium in Pyritz. 

18. (140) Heinrich Paeplow, geb. 11. Aug. 1882 in Demmin, besuchte 
daselbst das Gymnasium bis M. 1890, studierte in Berlin und Greifswald alte 
Sprachen, Geschichte und Deutsch, war 1888-1889 Probandus am Marieristift 
in Stettin, dann dort, später in Stargard und Stettin Hilfslehrer, wurde 0. 1896 
in Putbus Oberlehrer und ging als solcher 0. 1900 nach Dramburg, wo er 20. August 
1905 starb. 

19. (141) Dr. Paul Klohe, geb. 90. März 1863 zu Stolp, besuchte das 
Gymnasium daselbst, studierte in Jena, Berlin und Greifswald klassische 
Philologie und Deutsch bis O. 1885 und bestand die Staatsprüfung im Dez. 1886. 
Nachdem er bis O. 1888 in Stolp sein Probejahr, bis 1889 sein Militärjahr 
absolviert, in Greifswald promoviert und in Stolp als wissenschaftlicher Hilfs- 
lehrer gewirkt, darauf noch in Halle die französische Sprache studiert hatte, 
wurde er M. 1896 in Putbus Oberlehrer, ging O. 1899 an das Domgymnasium 
in Kolberg und später nach Dramburg, wo er jetzt Professor ist. 

20. (142) Reinhold Dreist, geb. 21. Okt. 1861 in Stettin, besuchte bis 
1880 das Marienstiftsgymnasium, studierte in Halle, Greifswald und Rostock 
und machte 1889 die Lehramtsprüfung. Nach der Vorbereitungszeit 1890-1892 
in Stettin, war er Hilfslehrer an verschiedenen Gymnasien Pommerns, auch in 
Putbus, ging O. 1900 an das Schillerrealgymnasium in Stettin und wurde dort 
O. 1901 Oberlehrer. 

21. (143) Max Krösing, geb. 26. Aug. 1851 in Stettin, besuchte das Real- 
gymnasium, darauf das Marienstiftsgymnasium daselbst, studierte in Leipzig, 
Greifswald und zuletzt in Strassburg, wo er die Staatsprüfung bestand. M. 
1875 ward er Adjunkt im Internat des protestantischen Gymnasiums daselbst, 
darauf O. 1877 bis O. 1878 Probandus und weiter ordentlicher Lehrer am 
Kaiserl. Lyceum in Metz, seit M. 1883 Oberlehrer am Gymnasium in Zabern, von 
wo er O. 1889 als Direktor an das städtische Realprogymnasium nach Pillau und 
O. 1895 als solcher an das städtische Progymnasium nach Schlawe ging. M. 

1897 ward er Direktor des Pädagogiums zu Putbus und ist seit M. 1904 Direktor 
des Kgl. Friedrich- Wilhelms-Gymnasiums in Köln a. Rh. 

22. (144) August Kurz, geb. 30. März 1882 in Giesenthal, besuchte das 
Gymnasium in Pyritz, studierte darauf in Tübingen, Berlin und Greifswald 
Theologie und Philologie, bestand am 13. Februar 1886 in Greifswald die 
Staatsprüfung, war darauf Probandus am Stadtgymnasium in Stettin und 
wissensch. Hilfslehrer in Demmin, ward daselbst O. 1893 Oberlehrer, kam O. 

1898 nach Putbus und ging von hier O. 1905 an das Gymnasium in Stargard, 
wo er seit 1906 Professor ist. 

23. (145) Dr. Hermann Dibbelt, geb. 28. Nov. 1867 in Greifswald, be- 
suchte daselbst das Gymnasium bis O. 1886, studierte Philologie und Geschichte 
in Greifswald und Berlin, machte die Staatsprüfung 1891, das Seminarjahr M. 
1891-92 in Greifswald, das Probejahr 1892-93 am Stadtgymnasium in Stettin, 



25 

war dann Hauslehrer in London, an mehreren Schulen Hilfslehrer, auch in 
Putbus, kam M. 1897 nach Schlawe, darauf 0. 1899 nach Dortmund, wo er seit 
M. 1899 Oberlehrer ist - 

24. (146) Hermann Engel, geb. 14. Febr. 1861, besuchte das Marienstifts- 
gymnasium in Stettin, studierte alte Sprachen und Deutsch in Tübingen, Berlin, 
Göttingen und Kiel, bestand in Kiel die Staatsprüfung 1889, war dann Probandus 
in Stettin und Hilfslehrer an verschiedenen Anstalten der Provinz, kam 1898 
als Oberlehrer nach Putbus und ging O. 1901 an das Gymnasium in Köslin. 

25. (147) Karl Klaje, geb. 10. März 1863 in Bütow, besuchte das Pro- 
gymnasium in Schlawe und das Gymnasium in Stolp, studierte von 0. 1883 in 
Berlin und Greifswald, diente nach bestandener Staatsprüfung (1888) als Einjährig- 
Freiwilliger in Kolberg (Landwehrdienstausz. 2), war seit 1890 Privatlehrer und 
Hilfslehrer an verschiedenen pommerschen Lehranstalten, kam O. 1898 nach 
Putbus, O. 1900 nach Dramburg, später nach Mors, wo er jetz Professor ist. 

26. (148) Adolph Simonis, geb. 30. Juni 1863 in Anklam, besuchte daselbst 
das Gymnasium bis O. 1882, studierte in Greifswald und Berlin, bestand in 
Greifswald die Staatsprüfung, unterrichtete dann nach absolviertem Probejahr 
seit O. 1890 vertretungsweis in Anklam, Greifswald, Stralsund und Beigard, 
wurde O. 1896 in letzterem Ort wissenschaftlicher Hilfslehrer und O. 1899 in 
Putbus Oberlehrer. Seit O. 1902 ist er in Treptow a. R. Oberlehrer und seit 
Jan. 1908 Professor. 

27. (149) Dr. Paul Schwartz, geb. 20. Jan. 1860 in Meddersin bei Bütow, 
besuchte das Gymnasium in Neustettin bis O. 1879, studierte in Halle Philologie 
und Germanistik, promovierte daselbst im Juni 1882 und machte im März 1884 
die Staatsprüfung; darauf war er Probandus in Stargard und seit 0. 1885 in 
Dramburg, ward daselbst Oberlehrer M. 1890 und 0. 1900 nach Putbus berufen, 
wo er seit 1906 Professor ist 

28. (150) Dr. Karl Lütke, geb. 18. Dez. 1869 in Stettin, studierte nach 
dem Besuch des Marienstiftsgymnasiums seit M. 1887 in Berlin und Göttingen 
klassische Philologie, war nach bestandener Staatsprüfung Hauslehrer, promo- 
vierte im Nov. 1893 und absolvierte sein Militärjahr 1894 bis 1895. Nachdem 
er nach dem Seminar- und Probejahr, die er 0. 1896-1898 in Greif swald machte, 
bis O. 1900 an verschiedenen Anstalten Pommerns unterrichtet und seitdem in 
Putbus wissenschaftlicher Hilfslehrer gewesen war, wurde er 0. 1901 Oberlehrer 
und ging von hier als solcher M. 1902 nach Treptow a. R. 

29. (151) Otto Melahn ist geboren 2. Dez. 1873 in Stralsund; vorgebildet 
auf dem Realgymnasium daselbst, besuchte er die Universitäten Greifswald und 
Berlin und bestand 1896 in Halle dieTurnlehrer-, 1898 in Greifswald die Lehramts- 
prüfung für neuere Sprachen. Nach Ableistung des Seminarjahres in Wernigerode 
und des Probejahres in Stettin und Putbus, wurde er M. 1901 als Oberlehrer 
an das Gymnasium und die Oberrealschule in Stolp berufen. 

30. (152) Max Kirsch, geb. 10. Juni 1877 in Stargard, besuchte bis O. 1895 
das Gymnasium daselbst, studierte bis 0. 1899 in Berlin und Greifswald Theologie 
und neuere Sprachen, bestand die Prüfung pro venia concionandi und die 
Staatsprüfung, leistete sein Seminarjahr 0. 1899- M. 1900 in Stolp, sein Probejahr 
als wiss. Hilfslehrer in Putbus M. 1900- M. 1901, war dann bis O. 1905 Ober- 
lehrer am Reform-Gymnasium in Altona und seitdem am Luisenstädt. 
Gymnasium in Berlin. 



26 

31. (153) Albert Strehlke, geb. 1. März 1860 zu Summin in Westpreussen, 
besuchte das Seminar in Marienburg 1877-80, war dann dort Lehrer, nahm 
darauf an drei Zeichenkursen in Berlin teil, besuchte auch die Königl. Turn- 
lehrerbildungsanstalt daselbst, war dann am Gymnasium in Demmin beschäftigt 
und 0. 1900- Aug. 1901 in Putbus Zeichen- und Turnlehrer und Rendant Seit- 
dem ist er in Köslin. 

32. (154) Hugo Selchow, geb. 26. Oktober 1858 in Dorfstädt (Kr. Bublitz), 
besuchte die Präparandenanstalt in Barten und das Seminar in Bütow, 1893 und 
94 das Königl. akad. Institut für Kirchenmusik in Berlin, war dann Lehrer in 
Falkenburg und Schwellin, dann Lehrer und Kantor an der Stadtschule in Barth 
und ist seit Juli 1900 Musiklehrer am Pädagogium. 

33. (155) Dr. Otto Altenburg, geb. 5. August 1873 in Scholwin (Kreis 
Randow), besuchte das Wilhelms- Gymnasium in Stettin bis O. 1893, studierte 
in Halle, Göttingen und Greifswald klass. Philologie und Germanistik, promo- 
vierte in Greifswald und bestand die Staatsprüfung 1898; das Seminarjahr und 
die erste Hälfte des Probejahres leistete er in Stettin O. 1899 bis M. 1900, den 
Rest in Putbus ab, wo er einen Oberlehrer vertrat. O. 1901 bis Neuj. 1902 
war er wissensch. Hilfslehrer am Stadtgymnasium in Stettin, wo er seit Neujahr 
1902 Oberlehrer ist. 

34. (156) Richard Je seh, geb. 27. Juli 1862 in Stettin, besuchte die 
Präparandenanstalt in Daber und das Seminar in Pyritz, war im Winter 1892 
bis 1893 in der Kgl. Turnlehrerbildungsanstalt und im Zeichenkursus in Berlin, 
dann Zeichenlehrer in Wollin, darauf technischer Lehrer am Gymnasium zu 
Friedeberg (N.-M.) und ist seit 1. August 1901 Zeichenlehrer und Rendant in 
Putbus. 

35. (157) Dr. Johannes Siebert, geb. 24. Juni 1870 zu Lietzow (Kreis 
Regenwalde), besuchte das Gymnasium in Stargard, studierte seit O. 1889 in 
Halle, Tübingen und Berlin, promovierte im März 1894 in Berlin, leistete nach 
der Staatsprüfung im Juni 1895 sein Militärjahr in Greifswald ab, das Seminar- 
jahr ebenda und das Probejahr am Marienstift in Stettin, wo er M. 1896 bis 
O. 1899 auch als Hilfslehrer blieb. Von da bis O. 1901 war er Privatlehrer in 
Moskau, dann bis Weihn. 1902 Hilfslehrer in Putbus, darauf Oberlehrer in 
Lauenburg und ist seit O. 1904 am Stadtgymnasium in Halle. 

36. (158) Karl Fabricius, geb. 30. August 1868, war Schüler des 
Domgymnasiums in Güstrow, studierte O. 1887-1892 in Bonn und Berlin, 
leistete nach bestandener Staatsprüfung (Juni 1894) das Seminarjahr in Greifs- 
wald, das Probejahr bis M. 1896 in Stralsund ab, war darauf Privatlehrer, dann 
wissensch. Hilfslehrer in Schlawe, Stargard und Lauenburg, weilte auch vorher 
O. bis M. 1901 in Frankreich, unterrichtete Weihn. 1901 bis O. 1902 in Putbus 
und ist jetzt Oberlehrer in Greifenberg. 

37. (159) Oswald Domke, geb. 16. Dez. 1869 in Greifenberg, besuchte 
daselbst das Gymnasium, studierte in Greifswald und Berlin, war dann Haus- 
lehrer, bestand 1898 die Staatsprüfung und leitetete darauf zwei Jahre eine 
höhere Privatschule in Bergholzhausen in Westfalen. Nach Ableistung des 
Probejahres in Stolp bis M. 1901 war er Probandus und wissensch. Hilfslehrer 
in Putbus, ward O. 1903 Oberlehrer, war im Winter 1903-1904 in Paris und 
wurde O 1906 nach Demmin versetzt. 



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38. (160) Karl Buchholz, geb. 9. September 1879 in Jasenitz, besuchte 
das Schiller-Realgymnasium in Stettin bis M. 1897, studierte in Halle neuere 
Sprachen und Geschichte, bestand die Staatsprüfung im Juli 1902, begann M. 
1902 in Greifswald das Seminarjahr und machte im März 1903 die Turnlehrer- 
prüfung. M. 1903 kam er hierher zur Vertretung eines Lehrers und Ableistung 
des Probejahres, das er seit O. 1904 in Demmin fortsetzte. Dort wurde er 
M. 1904 als Oberlehrer angestellt 

39. (161) Dr. Gustav Marseille, geb. 20. August 1865 in Homberg 
(Rbz. Kassel), besuchte das Gymnasium in Marburg, studierte daselbst und in 
Berlin Theologie, machte beide theologische Examina und war IV2 Jahre Haus- 
lehrer. Nach weiteren Studien in Marburg bestand er daselbst die Staats- 
prüfung 1892 und promovierte im Februar 1898. Nachdem er an verschiedenen 
Anstalten der Rheinprovinz Hilfslehrer gewesen war, ward er O. 1897 Ober- 
lehrer in Düsseldorf. 0. 1902 nach Putbus berufen, weilte er im Sommer 1904 zu 
Studien in England und ging M. 1905 an die Landesschule Pforta. Er leitet 
seit Januar 1908 die Erziehungsschule Schloss Bischofstein bei Lengenfeld 
unterm Stein. 

40. (162) Dr. Wilhelm Brandt, geb. 14. März 1872 zu Horst bei Pyritz, 
besuchte das Bismarckgymnasium in Pyritz, studierte in Leipzig, Tübingen, 
Berlin und zuletzt in Greifswald, wo er auch promovierte und die Staatsprüfung 
machte. Nach dem Seminarjahr in Stolp und dem Probejahr daselbst und in 
Stettin, wo er bis O. 1902 auch Hilfslehrer war, war er O. 1902-1904 in Putbus 
und dann in Pyritz, und ist seit Juli 1903 Oberlehrer in Kolberg. 

41. (163) Dr. Martin Balfanz, geb. 1. März 1878 in Kolberg, besuchte 
daselbst das Gymnasium, studierte in Marburg, Berlin und Greifswald Theologie 
und Geschichte. Im März 1899 bestand er das Turnlehrerexamen in Halle, 
promovierte 1900 und machte die Staatsprüfung 1901. Nachdem er bis O. 1902 
in Stolp im Seminar und bis M. 1902 in Stettin, dann bis Ende Juli 1903 in 
Putbus und bis M. 1903 in Pyritz Probandus gewesen, auch sein Militärjahr 
absolviert hatte, wurde er M. 1904 in Köslin Oberlehrer. 

42. (164) Dr. Martin Heyse, geb. 22. Februar 1879 in Stettin, war 
Schüler des Schiller-Realgymnasiums bis M. 1897, studierte in Halle Mathematik 
und Naturwissenschaften, promovierte 8. Juli 1901, bestand die Staatsprüfung 
im Mai 1902, machte in Stolp, Putbus und Demmin das Seminar- resp. Probejahr 
und kam O. 1904 an das Reform-Realgymnasium (jetzt Goetheschule) in 
Wilmersdorf-Berlin. 

43. (165) Dr. Wilhelm Steffen, geb. 6. Januar 1876 in Justemin (Kreis 
Regenwalde), besuchte das Gymnasium in Greifenberg bis O. 1894, studierte in 
Berlin, Halle und Greifswald Deutsch und Geschichte, promovierte im Herbst 
1897 und machte, nachdem er 11/2 Jahr Hauslehrer gewesen war, im Juni 1899 
das Staatsexamen. Nachdem er M. 1899 bis 1900 in Stolp das Seminarjahr und 
von da bis M. 1901 am Marienstifts- Gymnasium in Stettin das Probejahr ab- 
solviert hatte, war er l 1 ^ Jahre am Gymnasium in Stargard Hilfslehrer und 
wurde O. 1903 in Putbus als Oberlehrer angestellt. 

44. (166) Daniel Wolf erts, geb. 7. Juni 1874 in Argenthai im Rheinl., bestand 
in Mors 0. 1894 das Abiturientenexamen, studierte in Halle, Bonn und Utrecht Theo- 
logie und Philologie, machte beide theologische Examina, studierte dann wieder 
in Halle, absolvierte das Staatsexamen 1899 in Bonn, das Seminarjahr in Coblenz 



28 

0. 1900-1901, das Probejahr in Trarbach bis O. 1902, war dann ebendort Hilf s- 
lehrer, wurde 0. 1903 Oberlehrer und am 1. Juli 1903 nach Putbus versetzt. 

45. (167) Dr. Friedrich Marcks, geb. 15. Mai 1860 in Krefeld, wo er auch 
das Realgymnasium, dann das Gymnasium besuchte, studierte in Bonn Philologie 
und Geschichte, promovierte im Juli 1883, machte die Staatsprüfung im Febr. 1884, 
war Probandus und Hilfslehrer 1884-86 am Gymnasium in Krefeld, war Oberlehrer 
am Gymnasium in Viersen und 1890-1904 am Friedr. Wilhelms-Gymnasium 
in Köln, wurde 1903 Professor und ist seit M. 1904 Direktor des Pädagogiums. 

46. (168) Edmund Weber, geb. 17. Okt. 1880 in Nentershausen (Hessen- 
Nassau), besuchte in Hersfeld, Cassel und Corbach das Gymnasium bis 1900, 
studierte in Leipzig, Göttingen und Greifswald, war Mai bis Juli 1904 Vertretung^ - 
weis in Putbus und nach Absolvierung des Staatsexamens und des Seminar- 
jahres seit Jan. 1906 zur Vertretung in Pyritz, seit M. 1906 in Treptow, kam 
O. 1907 nach Stolp, später nach Stargard. 

47. (169) Dr. Heinrich Eicke, geb. 15. Juli 1877 zu Neuhof bei Hildes- 
heim, besuchte das Gymnasium in Hildesheim bis O. 1900, studierte in München 
und Münster neuere Sprachen, promovierte und machte das Staatsexamen 1904 
und war hier während seines Seminarjahres seit Januar 1905 zur Vertretung. 
Das Probejahr machte er in Greifswald und Stolp und ist jetzt in Wipperfürth 
(Rheinprovinz) Oberlehrer. 

48. (170) Dr. Johannes Bethmann, geb. 21. Januar 1879 in Göttingen, 
besuchte das Gymnasinm und studierte daselbst 1897-1901 Germanistik und 
neuere Sprachen. Nach bestandenem Staatsexamen machte er in Stolp und 
Stettin sein Seminarjahr, in Stralsund sein Probejahr, war O. bis M. 1904 in 
Putbus Hilfslehrer und wurde nach Ableistung seines Militärjahres M. 1905 
Oberlehrer am Realgymnasium in Essen. 

49. (171) Rudolf Pinkernelle, geb. 16. Dez. 1876 zu Alvensleben, 
besuchte 1888-97 das Gymnasium zu Neuhaldensleben, studierte 1898-1903 in 
Halle und Königsberg Philologie und machte nach bestandener Staatsprüfung das 
Seminarjahr in Greifswald und Wolgast, das Probejahr teils in Stargard, teils 
in Putbus, wo er M. 1905 als Oberlehrer angestellt wurde. Im Winter 1907-8 
weilte er zu Sprachstudien in Frankreich. 

50. (172) Hans Kaulbach, geb. 20. Juni 1871 in Hammerstein, besuchte 
das Gymnasium in Nakel und Gnesen, studierte in Greifswald, Tübingen und 
Berlin Theologie, machte Okt. 1894 das erste theologische Examen und war M. 
1895 bis M. 1897 im Konvikt des Klostergymnasiums in Magdeburg. Nach dem 
zweiten theologischen Examen O. 1898 war er Vikar an der Stadtkirche zu 
Bromberg, dann nach Absolvierung des Examen pro fac. doc. Hilfslehrer am 
Gymnasium daselbst, im Sommer 1901 am Gymnasium in Gnesen, darauf M. 
1901-1905 Oberlehrer und zweiter Geistlicher in Schulpforta und wurde M. 
1905 nach Putbus versetzt. 

51. (173) Albert Richaud, geb. 27. April 1979 zu Chateauneuf de Gadagne 
in Frankreich, besuchte das Gymnasium in Orignon, war an verschiedenen 
Orten Lehrer und, nach Putbus geschickt zur Übung in französischer Conversation 
im Winter 1905-1906, ging er darauf nach Kolberg. 

52. (174) Erich Klein, geb. 18. Mai 1880 in Stettin, besuchte das Schiller- 
Realgymnasium daselbst, studierte neuere Sprachen in München, Halle und 
Greifswald, besuchte auch Paris und London. Nach bestandener Staatsprüfung 



29 

war er Seminarkandidat in Stettin und wurde zur Vertretung Februar bis 
April 1906 nach Putbus geschickt. Seitdem ist er Lehrer in Gartz a. 0. 

53. (175) Kurt Saar, geb. 20. Juli 1876 in Neustettin, wo er auch das 
Gymnasium besuchte, studierte M. 1894-1808 in Berlin, Marburg und Greifswald 
Theologie. Nach Absolvierung beider theologischer Examina war er Mitglied 
des Predigerseminars in Naumburg a. Qu. O. 1901-1902. Nachdem er O. 1903 
bis 1904 in Pasewalk einen Hilfslehrer vertreten, studierte er im S. S. 1904 in 
Greifswald Philologie, bestand 1905 die Prüfung, machte in Stettin das Seminar- 
jahr, wurde unter Erlass des Probejahres O. 1906 Oberlehrer in Putbus und 
kam M. 1907 an das Marienstiftsgymnasium in Stettin. 

54. (176) Otto Halbig, geb. 9. April 1862 in Schleusingen, besuchte da- 
selbst das Gymnasium, studierte in Leipzig, Halle und Greifswald. Nachdem 
er mehrere Jahre Hauslehrer gewesen, war er 1894-1905 Lehrer in Schnepfenthal, 
machte darauf M. 1905-06 das Seminarjahr in Greifswald, wurde, nachdem er 
in Wolgast einen erkrankten Oberlehrer vertreten, Sommer bis M. 1906 dem 
Pädagogium zur Vertretung überwiesen und ist seitdem wissenschaftlicher 
Hilfslehrer in Eutin. 

55. (177) Lothar Walther Hultzsch, geb. 5. April 1879 in Ober-Peilen 
(Kreis Reichenbach i. Schi.), besuchte das Gymnasium in Bernburg bis O. 1898, 
studierte bis M. 1901 in Berlin Mathematik und Naturwissenschaften, machte 
die Staatsprüfung 27. Mai 1902, das Seminarjahr in Stolp bis O. 1903, das 
Probejahr in Treptow und Demmin, ward O. 1904 in Demmin Oberlehrer und 
M. 1906 nach Putbus versetzt. 

56. (178) Richard Ziehm, geb. 11. Dezember 1878 in Stargard i. P., be- 
suchte das Gymnasium daselbst bis O. 1897, studierte in Tübingen, Halle und 
Greifswald Theologie, war O. 1900-04 Hauslehrer, und, nachdem er 1902 das 
erste theologische Examen gemacht, O. 1903-03 Mitglied des Königl. Prediger- 
seminars in Dembowalonka, bestand im Herbst 1904 das zweite theologische 
Examen und 1905 die Oberlehrerprüfung und wurde nach Absolvierung des 
Seminarjahres in Greifswald M. 1906 Oberlehrer in Putbus. 

57. (179) Walter Lau, geb. 3. Juni 1884 zu Demmin, besuchte das dortige 
Gymnasium und studierte nach der Reifeprüfung O. 1902 in Marburg, Kiel und 
Greifswald Mathematik und Naturwissenschaften. In Marburg machte er im 
März 1906 die Staatsprüfung, kam darauf an das Stralsunder Seminar und M. 
1906 zur Vertretung nach Putbus und war nach O. 1907 Probandus in Dramburg. 

58. (180) Dr. Richard Krickmeyer, geb. 20. März 1883 in Nordhausen, 
besuchte das Gymnasium daselbst. Seit M. 1901 studierte er neuere Sprachen 
und Geschichte in Halle, Besan^n und Greifswald, promovierte in Greifswald 
und bestand ebenda die Staatsprüfung im Januar 1907; dann kam er zur Ver- 
tretung nach Putbus und ging von hier nach Goldap. 

59. (181) Dr. Hermann Fraude, geb. 5. Mai 1882 in Pasewalk, war 
Schüler des dortigen Progymnasiums, darauf des Pädagogiums zu Putbus bis 
O. 1901, studierte in Marburg, Berlin und Greifswald Mathematik und Natur- 
wissenschaften, bestand im Sommer 1905 das Staatsexamen, promovierte, war 
drei Semester Assistent am botanischen Institut der Universität Greifswald, 
machte an dem dortigen Gymnasium das Seminarjahr und die erste Hälfte des 
Probejahres und wurde zur Ableistung der zweiten Hälfte und zur Verwaltung 
einer Oberlehrerstelle nach Putbus überwiesen, wo er jetzt Oberlehrer ist. 



30 

60. (182) Wilhelm Falbe, geb. 3. Dezember 1882 in Eichberg, besuchte 
0. 1892-1901 das Gymnasium in Friedeberg N.-M., studierte klassische Philologie 
und Deutsch in München, Berlin und Greifswald, wo er im Februar 1907 das 
Staatsexamen machte. Seit O. 1907 Mitglied des pädagogischen Seminars in 
Stralsund war er im Herbst 1907 in Putbus zur Vertretung. 

61. (183) Dr. William Kuehn, geb. 3. Oktober 1881 in Marienburg, 
besuchte daselbst das Gymnasium bis O. 1901, studierte in Halle und Berlin 
klassische Philologie und Geschichte, promovierte 1905 in Halle und machte im 
Sommer 1906 das Staatsexamen, darauf vertrat er in Greifenberg einen Lehrer, 
machte in Greifswald das Probejahr und kam als Probekandidat O. 1907 an das 
hiesige Pädagogium. 

62. (184) Wilhelm Berg, geb. 4. Juli 1880 in Herlinghausen in Westfalen, 
besuchte das Realgymnasium in Bielefeld, studierte seit 1899 neuere Sprachen 
und Deutsch in Bonn und Heidelberg, bestand 1905 das Staatsexamen und war 
nach absolviertem Militärjahr seit O. 1907 Mitglied des pädagogischen Seminars 
in Stralsund und M. 1907 bis O. 1908 zur Vertretung nach Putbus berufen. 



Zweiter Anhang. 



Die Abiturienten. 

Da die in der Festschrift von 1886 zuletzt aufgeführten Abiturienten in 
der Ausbildung begriffen, einen bestimmten Beruf noch nicht hatten, so sollen 
hier die der letzten 25 Jahre aufgezeichnet werden. Leider ist es über mehrere 
die nötigen Notizen zu erfahren nicht möglich gewesen. 



ZeU 
d«g Abganges 


Name 

830-S56 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 


1883 O. 


Arnold Wahnschaffe 


Geh. Regierungsrat, Ritter- 
gutsbesitzer 


Berlin 




Ernst v. Bornstedt 


war Königl. Landrat z. D. 






t 21. Dez. 1900 


in Schleswig 






Friedrich Behm 


Oberpostsekretär 


Stettin 




Rudolf Ockel 


Dr. med. Oberstabsarzt 


Verden a. A. 




Ernst Mix 


Kommerzienrat 


Danzig 


M. 


Arthur Beyer 


Dr. med., prakt Arzt 


Berlin 




W. v. Wissmann 


Hauptmann a. D., Ritterguts* 
besitzer 


Falkenberg 




Theodor Cornel 


Dr. jur., Rechtsanwalt 


Berlin 




Gustav v. Oertzen 


Drost a. D. u. Kammerherr 


Kittendorf Meckl. 




Wilh. Pogge 


Rittergutsbes. 


Roggow b. Lalendf . 


1884 0. 


A. Ockel 
t 21. Dez. 1887 






M. 


Georg Thiele 


Dr. phil., Privatdozent 


Marburg 




Franz v. Schroeder 


Rittergutsbes. 
Königl. Landrat 


Jagow b. Bernstein 




Fr. v. Maries 


Namslau 




Ew. Scherz 


Königl. Oberförster 


Brätz, Kr.Meseritz 


1885 0. 


M. Frhr. v. d. Lancken- 


Rittm. a. D., Majoratsherr 


Glevenow, Kreis 




Wakenitz. 




Grimmen 




Ernst v. Schuckmann 


Gutsbesitzer 


Rakow b. Arns- 
walde 




Th. Grüder 


Dr. med., Ober-Stabsarzt 
Inf.-Regt 176 


Thorn 




Gerh. Wegener 


Dr. med., prakt. Arzt 


Steglitz 




Rud. Spoerel 

Gust Schwarzwäller 


Dr. med., Oberstabsarzt 


Saarburg 




Dr. med., prakt Arzt. 


Stettin 




Herrn. Schultz 


Regierungsassessor 


Berlin 


M 


W. Gildemeister 


Pastor 


Schönau i, Thür. 




Gottfr. Spoerel 


Pastor 


Zieten, Kr. Anklam 




Paul Zunker 


Pastor 


Neuenkirchen bei 
Greifswald 




0. Eichler 


Redakteur d. Dtsch. Zeitung 
Dr. med., Oberstabsarzt 


Berlin 




W. Sternsdorff 


Gumbinnen 



32 



Zeit 
des Abganges 


Name 

857—801 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 




Henry Petit 


Buchdruckereibesitzer 


Berlin 




Fr. v. Wissmann 


war Hauptm. in Meiningen 






t 17. Jan. 1906 






1886 0. 


Herrn. Rubarth 


Obersteuerkontrolleur 


Beuthen a. 0. 




P. Schultze 


Pastor em. 


Putbus 




£. Herschenz 


Pastor 


Netzbruck N.-M. 




M. Uhrland 


1. Diakonus 


Pasewalk 




H. v. Heydebreck 
Herrn. Olfe 


Hauptmann u. Batteriechef 
Landrichter 


Potsdam 




Stolp i. P. 


M. 


Max Kopp 
t 17. Juli 1905 


war Strafanstaltspfarrer in 






Delitzsch 






Heinr. Bartels 


Amtsrichter 


Flensburg 




Hans Kummer 


Dr. med., prakt. Arzt 


Putbus 




Fr. v. Rosenstiel 


Rittergutsbesitzer 


Marienwalde N.-M. 




Otto Haas 
Willy Held 
Ad. Dumrath 


Pastor 
Rittergutsbesitzer 


Langenhanshagen 
Kl. Roge 




Pastor 


Rolofshagen 


1887 0. 


Fritz Kopp 


Pastor 


Stettin 




Otto Streufert 


Pastor 


Zudar a. Rügen 




0. Frhr. v. d. Lancken- 


1. Kaiserl. Botschaftsrat 


Paris 




Wakenitz 








Max Ortlepp 


Schiffsbauingenieur 


Elbing 




Ernst Bischoff 


Dr. med., prakt. Arzt 


Berlin 


M. 


K. Göring 
Kartz v. Kameke 








Rittm., Rittergutsbesitzer 


Streckenthin bei 








Cöslin 




Rieh. Anschütz 


Stabsarzt 


Rostock 


1888 0. 


Wilh. Holtz 
Joh. Wiechell 
t 5. Nov. 1892 


Rittergutspächter 


Wegezin b. Anklam 




Carl Winkler + 

£. Könne v. Wranke- 

Deminski 
Joh. Katter 


war Apotheker in Amerika 






Rittmeister i. Ulanen-Regt. 9 


Demmin 




Obergrenzkontrolleur 


Leba i. Pomm. 


M. 


Alb. Rothenberg 


Seminaroberlehrer 


Rawitsch 




Reinh. Krebs 


Militärbauinspektor 


Berlin 




E. v. Schroeder 


Rittergutsbesitzer 


Gottberg N.-M. 
Wedelsdorf bei 




E. Gebhard 


Gutsbesitzer 








Dramburg 




Arth. Menzel 


Dr. med., Schiffsarzt 






Willy Pastor 


Schriftsteller 


Berlin 


1889 0. 


Horst Lewandowski 


Gutsbesitzer 






Heinr. Wegener 


Oberlehrer 


Stolp 




J. Langheld 
David Haün 


Dr. med., Stabsarzt 


Krotoschin 




war Postbeamter in Darm- 






t 26. Mai 1903 


stadt 






Erich Weström 


Hauptmann u. Batteriechef 
Schriftsteller 


Glogau 
Berlin 




Kurt Martens 




Haub. v. Zanthier 


Leutnant 






W. Löwe 


Direktor einer Vers.-Ges. 


München 




Paul Derlin 


Dr. med., Stabsarzt 


Magdeburg 




Rieh. Witte 


Oberleutn. i. Hus.-Regt 34 






L. v. d, Marwitz 


Hauptm. a.D. d. Schutztruppe 


Ost-Afrika 


M. 


Wilh. Stelter 


Pastor 


Waase a. Ummanz 




Ernst Müller 


Pastor 


Ranzin b. Greifsw. 




Max. Schultze 


Dr. med., prakt. Arzt 





33 



Zeit 
dea Abgänge« 


Name 

906—848 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 




Kurt Schindowski 




Berlin 


1890 O. 


Leo Rudolph 


Königl. Bauinspektor 


Dramburg 




Kurt Cyrus 


Kaufmann 


Halle a. S. 




Heinr. v. Meyer 


Königl. Landrat 


Arnswalde 




Th. Gercke 


Leutnant a. D. 


Swinemünde 




Rob. v. Benda 


Rittergutsbesitzer 


Grubkow b. Ankl. 




Leop. v. Kalckreuth 








t 24. Juni 1901 








Herrn. Kittel 


Pastor 


Hindenburg bei 
Prenzlau 




Fr. Nigmann 


Postinspektor 


Berlin 




Theod. Winkler 


Pastor 


Buckowin 




Ernst Otto 








f 23. Mai 1903 






1891 O. 


Friedr. Winkler 


Dr. phil., Gymnasiallehrer 


Fürstenwalde 




Aug. Wallis 


Pastor und Oberlehrer am 
Johannesstift 


Plötzensee 




Rieh. Wittstock 


Civilingenieur 






Rob. Ahlbory 


Dr. med., Stabsarzt 


Afrika 




W. Kümmert 








Wüh. v. Bülow 


Assessor 






Max Dufft 


Pastor 


Buenos- Aires 




Friedr. Darjes 


Oberleutn. im Inf.-Reg. 149 


Schneidemühl 




Clem. v. Hagen 








Felix Ortiepp 
Paul Hempel 
Fritz Gebhardt 


Postinspektor 


Schanghai 


M. 








Konr. v* Klitzing 


Farmer 


Oserikara b. Oka- 
hand ja, S.W.- Afr. 




W. v. Seeler 


Bankbeamter 






Wüh, Braumüller 


Bergassessor u. Bergwerks- 


Mengede b. Dort- 






direktor 


mund 




Leopold Graf zurLippe 
Sigism. v. Auerswald 


regierender Fürst zur Lippe 


Detmold 




Reg.-Assessor 


Berlin 


1892 0. 


Ernst Flos 


Pastor 


Tribsees 




Fritz Jacobick 


Amtsrichter 


Lindow 




Bernhard Prinz zur 

Lippe 
Otto Graf Königsmark 


Rittmeister 


Cassel 




Oberleutn. 8. Hus. 


Paderborn 


M. 


H. Kleyenstüber t 
Erich öudowius 








Oberleutnant 


Deutsch-Ostafrika 




Jacob v. Arnim 


Rittergutsbesitzer 


Nemischhof 




Leop. v. Gersdorff 


Rittergutsbesitzer u. Land- 
schaftsrat bei d. Posener 
Landschaft 


Kirchen-Popowo 


1893 0. 


Egon Siegfried 
H. Firnhaber 


Kaufmann 


Königsberg i. Pr. 




Assessor 


Berlin 




Rud. Stuht 


Pastor 


Nelepb.Schivelbein 
Berhn 




Hub. Gudowius 


Kaufmann 




Fr. v. Britzke 








t 3. April 1899 
E. Friedländer 








war Assistenzarzt in Berlin 






t 21. Sept. 1902 
Dietr. v. Klitzing 








Landwirt 


Dieckow 


M. 


Hans Hünke 


Oberleutnant i. Jäger-Regt. 
z. Pf. 4 


Graudenz 



34 



Zeit 
des Abganges 


Name 

319-895 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 




0. Kölpin 


Dr. med., Privatdozent 


Bonn 


G. Wiechell 


Dr. med., prakt. Arzt 


Göhren a. Rg. 




Ulr. Dabis 


Oberleutnant i. Inf .-Regt. 64 


Prenzlau 




W. Laasch 


Leutnant der Schutztruppe 
Arzt am Virchow-Kranken- 


Afrika 




H. Härder 


Berlin 




haus 




G. Koppen 


Chemiker 




1 Arn. v. Kuycke f 






Kurd Neumann 


Referendar 


Stettin 




Fr. v. Schrader 


Rittergutsbesitzer 


bei Ratzeburg 


1894 0. 


Horst v. Groddeck 


Oberleutnant i. Inf.-Reg. 43 


Königsberg 




Leo Schirrmacher 


Dr. med., prakt. Arzt 


Rostock 




Jul. Braumüller 


Dr. med., prakt Arzt 


Friedenau b. Berlin 




Wilh. Grupe 


Rittergutspächter 


Mattersen, Meckl. 




Julius Ernst Prinz zur 

Lippe 
Karl Hünke 


Legationssekretär 


Belgrad 




Oberleutn. i. Hus.-Regt. 14 


Cassel 


i M. Rahn 


Dr. jur., Reg.-Assessor 


Bromberg 


! Curt Kolbe 

i 


Obertleutn. 7. 1. Ostpr. Feld- 
Art.-Reg. 16 


Königsberg 


j Otto Schultze 


Bildhauer 


Berlin 


M. ! Otto Katter 


Privatlehrer 


Putbus 


1 Hugo Timm 








Wilh. v. Nippold 


Leutnant i. Feld- Art-Regt 14 


Karlsruhe 




J. v. Bethmann-Holl- 

weg 
Woldemar Krempin 


Rittergutsbesitzer 


Runowo 










H. v. Mörner 


Oberleutnant i. Hus.-Regt. 7 


Bonn 


1895 0. 


Gust. Hammer 


Regierungsbaumeister 


Berlin 




Alex. Bischoff 


Dr. med., prakt. Arzt 


Berlin 




Franz Boldt 


Redakteur 


München 




Osk. Gerischer 


Rittergutsbesitzer 


Granow, Kr. Arns- 

walde 
Tegel 




H. Peters 


Bankbeamter 




Erich Schramm 


Dr. med., prakt Arzt 


Friedenau b. Berlin 




Herrn. Nikolai 


Reg.-Assessor 






E. W. v. Tigerström 


Landwirt 


Bassin b. Grimmen 




Friedr. Felderhoff 


Bankbeamter 


Berlin 




Heinr. v. Brockhausen 


Rittergutsbesitzer 


Mittelfeldeb.Dram- 

burg 
Bohlen b. Grog- 


M 


Rieh. Wellmann 


Pastor 








breitenbach, Th. 


1896 0. 


K. Brusch 




Ückermünde 




Eberh. Gudowius 


Oberleutn. d. Schutztruppe 


Deutsch-Ost-Afr. 




Walther Thomas 


Pastor 


Neuhaide b. Elbing 


M. 


P. Breitsprecher 
t 17. Dez. 1906 








Walt. Brüske 


Wissenschaft!. Lehrer 


Treptow a. T. 




W. v. Born-Fallois 


Reg.-Assessor 


Posen 




H. A. v. Arnim 


Leutn. i. Regt. d. Gardes du 
Corps 


Berlin 




Emil Schröder 








Siegfr. v. Schroeder 


Leutn. i.Garde-Drag.-Regt.23 


Darmstadt 




Dietloff v. Arnim 


Reg.-Ass.i.Reichskolon.-Amt 


Berlin 




Gerh. v. Unruh 


Pastor 






Eckhardt v. Bonin 


Legationssekretär 


Guatemala 



35 



Zeil 
le« Abganges 


Name 

896—448 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort. 




Leop. Holtz 


Reichsbankbeamter 


Chemnitz i. S. 


Joh." Melchereck 


Postbeamter 






Adolf Borchardt 


Dr. iur. 

Dr. jur., Rechtsanwalt 


Berlin 


1897 O. 


C. Klemck 


Ückermünde 




P. v. Richter 


Leutn. i. Alex.-G.-Gr.-Regt 


Berlin 




P. Kreysern 

Gisb. Frhr. v. Esebeck 


Forstassessor 






Leutn. i. Kür.-Regt. 8 


Königsberg i. Pr. 
Danzig 




Friedr. Schultz 


Pastor 




Wilh. Heidborn 


Landwirt 


Unruh 




H. Flörke 


Schriftsteller 


München 




Niköl. y. Weiher 


Leutn. i. 4. Garde-Feldart- 

Regt 
Reg.-Assessor 


Potsdam 




Ferd. v. Ruville 


Angermünde 




M. Wetzel 


Pastor 


Kowalskie b.Kobel- 
nitz, Posen 




Rud. Heinemann 


Ober-Postpraktikant 


Oppeln 

Voftberg b. Freien- 
walde 

Wilhelmshaven 




John Menger 


Reg.-Assessor 




Walt Braumüller 


Reg.-Baumeister 




Ernst Wulff 


Dr. med., prakt Arzt 


Stralsund 




E. Frhr. v. Massenbach 


Leutn. i. Jiger-Regt z. Pf. 2 


Langensalza 




Kurt Otto 


Postpraktikant 


Düsseldorf 




G. Stuht 


Dr. med., prakt Arzt 


Garz a. Rügen 




Günther Firnhaber 


Leutn. i. 6. Gren.«Regt 


Posen 


M. 


Paul Stubbe 


Arzt 


Neustettin 


1898 O. 


R. E. v. Borcke 


Dr. jur., Rittergutsbes. 


Heinrichshof 




Otto Metelmann 


Rittergutspächter 


Gr.-Kindshagen 




Werner v. Mantey 


Reg.-Referendar 


Schleswig 




Franz Hacker 


Gerichtsassessor 


Osterode 




Arth. v. Kaikreuth 








t 26. Mai 1898 








Heinr. Ahlbory 


Bauingenieur 


Sowade, Schlesien 




Siegfr. y. Bonin 


Referendar a. D., Ritterguts- 


Grabow,Ost-Stern- 






besitzer 


bg. 




Bruno Katter 


Kapitänleutnant 






Friedr. Broicher 


Leutn. i. 23. Drag. -Regt. 


Darmstadt 




Dietrich v. Bethmann- 

Hollweg 
W. Frhr. v. Veitheim 


Botschaftssekretär 


London 




Referendar 


Schönfliess 


M. 


P. Ehlers 


Referendar 


Schwerin i M. 




Franz Koser 


Dr. med., prakt Arzt 

Rittergutsbesitzer 

Reichsbankassistent 






Fritz Meyer 


Libnitz a. Rügen 




W. Nehls 


Oldenburg 




A. Schüder 


Oberförstercandidat 


Sassnitz 




Hans Frhr. v.Werthern 


Dr. iur., Bankbeamter 
war Rittergutsbes. v. Darsow 


Berlin 


1899 0. 


Ernst Bartels 

t 1896 
Erich Katter 












t a Aug. 1902 








Karl Sarnow 


Referendar 


Bergen a. R. 




Ernst Sass 


Bankbeamter 


Stettin 




Otto Stobbe 


Reg.-Referendar 


Danzig 




H. y. Tiedemann 


Reg.-Referendar 


Langfuhr b. Danzig 




B. Trittelvitz 


Dr. med., Assistenzarzt 


Kiel 


IL 


Max Hoffmann 








B. Pritsch 


Dr. jur., Referendar 


Berlin 



30 




1900 0. 



M. 
1901 O. 



M. 
1902 O. 



1903 O. 



1904 0. 



K. v. Schlagenteuffel 

K. Abel 

Rob. Bartelt 

Fritz v. Born-Fallois 

K. Estag 

E. Koch 

W. Krösing 
Paul Krüger 
Heinr. Leue 
W. Miers • 

Eman. Schellin 
Herrn. Schellin 
Joh. Schömann 

Adolf Stahnke 
Asmus v. Weiher 
A. Zaeske 
Karl Weisse 
Jon. Conrad 
Max Demmler 
Kurt Ebert 
Herrn. Fraude 
Erich Gebhardt 
Henning v. d. Osten 
A. v. Steuben 
Joh. Jentsch 
Karl Bastian 

D. E. Frhr. v. Canstein 
H. Gütschow 
M. Keding 
Reinh. Klütz 
Konr. Lingsch 

t 26. Okt. 1905 
Georg Schömann 
K. Frhr. v. Steinäcker 
Ernst Stuht 
Fr. v. Vog 

Chr. v. Colmar 
Th. Frhr. v. Hanstein 
L. Henning 
C. R. Sohm 
Walter Sydow 

E. U. v. Esbeck-Platen 

Siegfr. Finkbein 
Max Flos 
Ludw. Hansel 
Friedr. Witte 

H. J. v. Arnim 
Ehrenfr. v. Arnim 
Hans du Bois 
Joach. v. Born-Fallois 



Rittergutsbesitzer 

Dr. jur., Referendar 

Rechtsanwalt 

Reg «Referendar 

Kaufmann 

Leutn. L Eisenbahn-Bat. 

Südwestafrika 
Referendar 
Referendar 

Referendar b. Oberlandes- 
gericht 

Leutn. I Inf.-Regt 148 

Referendar 

Dr. med., Marine-Ober-Ass. 
Arzt 

Referendar 

Leutn. a. D., stud. agr. 

Leutn. i. Telegr.-Bat 3 

Landwirt 

Referendar 

Bauführer 

Dr. jur., Referendar 

Dr. phil., Oberlehrer 

Kaufmann 

Dr. jur., Referendar 

Leutn. I Feld-Art.-Regt 50 

cand. theol. 

Versicherungsbeamter 

Medizinalpraktikant 

cand. med. 

cand. math. 

cand. phil. 



cand. philos. 

Leutn. i. 1. Garde-Drag.-Regt. 

Referendar 

Dr. jur., Leutnant i. Garde* 

Kür.-Regt 
Leutn. i. 1. Garde-Ul.-Reg. 
Leutn. i. 3. Garde-Reg. z. F. 
Referendar 
cand. jur. 
Kriminalbeamter 
Dr. jur., Leutnant b. d. Leib- 

Garde-Hus. 
cand. theol., Hauslehrer 
Forstreferendar 
Landwirt 
Privatlehrer 

Leutn. i. 1. Garde-Feld- Art-R. 
Leutnant i 2. Drag.-Reg. 
Leutn. i. 1. Leib-Hus.-Reg. 
Leutn. i. 2. Garde-Reg. z. F. 



Steinfeld b.Pögflitz 

Greifswald 

Cassel 

Obornik 

Hamburg 



Cöln a. Rh. 
Stettin 

Stettin 

Bromberg 

Stettin 

Kiel 

Stralsund 

Halle 

Coblenz 

Beerbaum 

Charlottenburg 

Stettin 
Putbus 



Karlsruhe 
Berlin 

Halle 



Halle 
Berlin 
Stettin 
Berlin 

Potsdam 

Berlin 

Barth 

Rostock 

Berlin 

Potsdam 

Bauer bei Lassan 

Trier 

Serams 

Reiehenberg,0den- 

wald 
Berlin 

Schwedt a. O. 
Danzig*Langführ 
Berlin 



37 



Zeil 
de« Abganges 


Name 

493—545 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 




Hans Werner Cyrus 


stud. theoL 


Halle a. S. 




Rod. Galitz 


Referendar 


Greifswaid 




Witilo v. Griesheim 


Leutnant i. 2. Drag -Reg. 


Schwedt a. O. 




W. Henning 
Fentin. v. Lochow 


cand. jur. 
stud. agr. 
Forstreferendar 


Greifs wald 
Berlin 




Paul Metelmum 


Lobnitz 




Watter Radant 


cand. jur. 


Greifswald 




Fritz Reeker 


cand. jur. 


Greifswald 




Max Sdiirmer 


cand. med. 


Greifswald 




Walter Stuht 


Referendar 


Stettin 


M. 


Oak. ▼. Dewitz 


cand. jur. 


Meesow, Hinterp. 




Heim. Fock 


stud. rer. electr. 


Charlottenburg 




Kart y. Schack 


cand. jur. 


Rostock 




DetL v. Schlieffen 


Leutnant im 2. Kür.-Reg. 


Pasewalk 




Ernst Schneider 


stud. bist art 


Berlin 




Georg Schultz 


stud. phiL 
stud. jur. 


Greifswald 


1905 O. 


H. Ackermann 


Kiel 




Friedr. Arndt 


stud. ehem. 


München 




H. Brennecke 


stud. phil. 
stud. jur. 


Halle 




Wilh. v. Flügge 


Heidelberg 
Charlottenburg 




Wilh. Gronert 


stud. archit 




Rob. Grüner 


stud. rer. techn. 


Charlottenburg 




Albr. Hülbrock 


stud. op. metaU. 


Brilon 




Job. Kersten 








t 9. Dez. 1906 








Edm. v. Klitzing 


reitender Feldjäger 


Eberswalde 




Job. Partenslä 


stud. jur. 


Greifswald 




Hans Thomas 


stud. math. 


Berlin 


M. 


Klem. Bergeil 


stud. jur. 


Kiel 




Walter Geras 


stud. theoL 


Halle 




Martin Neumann 


stud. jur. 


Berlin 


1906 O. 


Felix Bredschneider 


Architekt 


Berlin 




Enno Haschenburger 
Echard von Heyden- 


Kaufmann 


Emden 




Leutnant L Jäger-Bat 3 


Lübben 




Linden 








Martin von Janson 


stud. jur. 


Bonn 




Martin Loebe 


stud. phil. 


Greifswald 




Th. Meinhold 


stud. math. 


Freiburg 




Dietr. v. Oertzen 


stud. jur. 

stud. jur. u. Einj.-Freiw. 


Greifswald 




K. W. v. Pachelbl- 

Gehag 
Kurt v. Rohr 


Potsdam 




stud. jur. 
stud. jur. 


Heidelberg 




Ph. Scharwenka 


München 




Erhard Völker 


cand. med. 


Halle 




Axel v. Zeuner 


Leutnant i. Drag.-Reg. 17 
Leutnant im 3. Kür.-Reg. 
Fahnenjunk. i. 2. Drag.-Reg. 
Fahnenjunker i. Inf.-Keg. 26 
Fahnenjunk. b K.-Gren.-Reg. 


Ludwigslust 


M. 


Erid v. Arnim 


Königsberg i. Pr. 




A. H. v. Oertzen 


Schwedt 




H. G. Schröter 


Metz 


1907 0. 


G. du Bois 


Stettin 




Ph. Frh. v. Carnap 


stud. jur. 


Heidelberg 




Fr. Cowalschky 


stud. rer. techn. 


Coblenz 




Erich Dähn 


stud. jur. 
Fähnrich 


Genf 




W. Friedensburg 


Neisse 




Ad. Helm. v. Gadow 


Fähnrich im 2. Drag.-Reg. 


Cassel 




Bruno Gerss 


Seekadett 






K. Hintze 


Einj.-Freiw. 


Kolberg 



*S 



Zelt 

4M Abgang«! 


Name 

546-466 


Jetziger Beruf 


Jetziger Wohnort 




H. A. Frh. v. Kirchbach 


Fähnr. i. 2. Garde-Drag.-Reg. 


Anklam 




Ernst Pieper 


stud. med. 


Greifswald 




H. J. v. Rohr 


stud. iur, 
stud. jur. 


Heidelberg 




Rob. v. Russdorf 


Heidelberg 
Charlottenburg 




K. Witte 


stud. rer. techn. 




R. v. Zanthier 


Einj.-Freiw. i.2. Garde-R. z. F. 


Berlin 


M. 


Siegfr. Altmann 


Fahnenjunker 


Kottbu* 




Jürgen A. v. Heyden 


stud. iur. 
stud. jur. 


Heidelberg 




Max Howitz 


Freiburg 




H. W. v. Quistorp 


stud. ehem. 


Heidelberg 




Fr. Vogt 


stud. jur. 


Berlin 


1908 0. 


W. Bartelt 


stud. theol. 


Halle 




U. Gaebel 


stud. archit 


Charlottenburg 




Hans Howitz 


stud. phil. 
stud. theol. 


Freiburg 




Friedr. Hübener 


Halle 




Lebr. v. Klitzing 


stud. jur. 


Heidelberg 




Wilh. Kummer 


stud. phil. 
stud. jur. 


Bona 




L. Graf zu Rantzau 


Göttingen 




S. v. Schuckmann 




Windhuk 




Eduard Thielow 


Kaufmann 


Hamburg 



Beendet im August 1908. 



Zur Komposition der Res gestae 
des Kaisers Augustus. 

Die beiden letzten Kapitel der Res gestae des Augustus stehen 
nach Ernst Kornemann 1 ) nicht an dem Platze, an den sie eigentlich 
gehören; zwischen K. 33 und 34 liegt nach seiner Meinung eine zu 
gewaltige Kluft, als daß der Verfasser beide Kapitel in einem Zuge 
geschrieben haben könnte. Daher nimmt er an, daß K. 34 ursprunglich 
hinter K. 13 gestanden und mit den ersten 13 Kapiteln zusammen 
die erste Niederschrift der Res gestae gebildet haben, zu einer Zeit, 
wo Augustus noch nicht daran dachte, die baden Abschnitte von 
den impensae (K. 15—24) und den kriegerischen Erfolgen (K. 25 — 33) 
hinzuzufügen. Friedrich Koepp*), der im übrigen Kornemanns Hypo- 
these von der knappen Urschrift der Res gestae und ihrer allmählichen 
Erweiterung aus guten Gründen verwirft, will doch auch die beiden 
Schlusskapitel aus ihrer überlieferten Stellung entfernen und dem 
ersten Teile, in dem er die Angabe der am Schluß erwähnten Ehren 
vermißt, angliedern. Ein Redaktor, sei es nun Tibertus selbst oder 
ein Mann seines Vertrauens, soll die beiden Schlußkapitel an ihre 
falsche Stelle gebracht haben. 

Die Annahme beider Gelehrten geht aus einer Verkennung der 
Anlage jener Schrift hervor. Auch anderwärts findet sich eine solche 
Kluft, wie sie Kornemann zwischen K. 33 und 34 sieht, z. B. zwischen 
K. 14 und 15. Die Ehren, die seinen Söhnen erwiesen worden sind, 
hat Augustus aufgezählt; nun heißt es ohne Übergang: Plebei 
Romanae viritim HS trecenos numeravi ex testamento patris mei. Es 
beginnt also der zweite Hauptteil der Schrift. Die gleiche Kluft sehen 
wir zwischen K. 24 und 25. Vorher hat Augustus von den silbernen 
Standbildern, die ihm in Rom errichtet worden waren, gesprochen 

*) Zum Monumentum Ancyranum, Klio, Beiträge zur alten Geschichte II 
(1902) 145 ff. 

*) Bemerkungen zum Monumentum Ancyranum, Mitteilungen des archäo- 
logischen Instituts, Römische Abteilung, XIX (1904) 65 f. 



40 

und erwähnt, daß er sie selbst hat einschmelzen lassen und aus dem 
Ertrage goldene Weihegeschenke in den Apollotempel gestellt hat 
Mare paravi a praedonibus, folgt dann; so schließt sich der dritte 
Hauptteil an. Wir sehen, so recht Mommsen hat 1 ), wenn er die 
Schrift in drei Hauptteile teilt, so wenig deutet Augustus diese Teile 
durch besondere Übergänge in Ciceronianischer Weise an. Eine 
solche Kluft läßt also keine Schlüsse auf die Entstehung unserer 
Schrift zu. 

Ist nun ein einschneidender Sinnesabschnitt nach K. 33 vorhanden? 
Allerdings ist dies der Fall. Nicht bloß äußerlich bilden diese beiden 
Kapitel das Ende der Schrift, sondern sie geben auch dem Gedanken 
nach den Abschluß. Trotz aller Ehren, die ihm zugefallen sind, und 
trotz alles dessen, was er für den Staat geleistet hat, ist Augustus 
der Wiederhersteller der Republik gewesen. In consulatu sexto et 
septimo, lesen wir K. 34, bella ubi civilia extinxeram, per consensum 
universorum potitus rerum omnium rem publicam ex mea potestate 
in senatus populique Romani arbitrium transtuli . . . Post id tempus 
praestiti omnibus dignitate, potestatis antem nihilo amplius habui 
quam qui fuerunt mihi quoque in magistratu conlegae. Für das 
Einzige, das er getan hat, ist einziger Dank ihm zuteil geworden; 
Augustus und pater patriae ist er genannt worden. Was als die 
Krönung des Werkes erscheint, ist auch die Krönung seiner Schrift 
Eine bewußte Kunst liegt in dieser Anlage 1 ); wer die Schlußkapitel 
aus ihrer Stellung reißt, verkennt damit die Komposition der Schrift 

Dort, wo die beiden Schlußkapitel stehen, können sie aber 
auch gar nicht entbehrt werden; versetzt man sie, so macht man die 
Schrift geradezu zu einem Torso; denn es wird doch niemand im 
Ernst annehmen, daß Augustus seinen Bericht mit K. 33 habe 
schließen können. Oder war Augustus wirklich so ungeschickt, die 
Schrift abzubrechen, statt ihr einen Abschluß zu geben, dagegen sein 
Redaktor ein so feiner Kopf, daß er dem Torso in dieser wirkungs- 
vollen Weise den Kopf aufsetzte? Koepp hält es für möglich, daß die 
Schrift der letzten Vollendung sichtlich entbehrte und ein Redaktor 
zwar nicht den Wortlaut antastete, aber die von Augustus nieder- 
geschriebenen Sätze zurechtrückte. Wirklich? Die Res gestae gehören 
zu denjenigen Dokumenten, die Augustus vor seiner Abreise aus Rom 
im Tempel der Vesta hinterlegt hatte und die nach seinem Tode von 
den Priesterinnen seinen Erben übergeben und im Senate eröffnet und 

i) Res gestae divi Augusti* S. V. 

2) Wilcken, Hermes XXXVIII (1903), 620 f. 



41 

vorgelesen wurden. Außer unserer Schrift waren es vier Dokumente 1 ): 
ein Privattestament mit der Verfügung über sein Vermögen, eine 
Bestimmung Ober seine Beisetzung, das Breviarium imperii, nämlich 
eine Übersicht über die Wehrkraft zu Lande und zur See und über 
die Finanzen, und endlich ein Dokument, das allgemeine Direktiven 
für die künftige äußere und innere Politik enthielt, also das politische 
Testament des Kaisers 9 ). Ist es wahrscheinlich, daß eins dieser 
Schriftstücke, die Augustus Ihrer Wichtigkeit wegen bei den Vestalinnen 
für den Todesfall hinterlegte, so unvollendet gewesen ist, wie Koepp 
annimmt? 

Wir dürfen also getrost die beiden letzten Kapitel an ihrer 
Stelle lassen und der Überzeugung sein, daß sie von Augustus selbst 
dorthin gesetzt und als Schlußteil der Res gestae gedacht sind. 

Sollte nun etwa dem Schlußteil auch eine besondere Einleitung 
entsprechen? 

Das 25. Kapitel steht nach Koepps Meinung auch nicht richtig: 
es soll durch den Verfasser seinen Platz hinter K. 2 erhalten haben. 
Die Erzählung der Bürgerkriege bis zur Begründung der Allein- 
herrschaft, sagt Koepp, wäre vollständig und tadellos, wenn auf K. 2, 
in dem von dem Kriege gegen Cäsars Mörder gesprochen wird, K. 25 
folgte, in dem der Krieg gegen Sextus Pompejus und gegen Antonius 
— mit Nennung der Schlacht bei Aktium ! — aufgeführt werden, und 

i) Dio 56, 32.33. Sueton Aug. 101. Tacit. Ann. 1, 8.11. Die Angaben 
Dios und Suetons gehen zwar auf eine gemeinsame Quelle zurück, dieselbe, 
die auch Tacitus benutzte - wie Horstmann nachgewiesen hat - doch stimmen 
sie nicht unter einander überein. Dio nennt aufter dem Privattestamente 
(iia&ijxcu) noch vier andere Dokumente (ßißXta) t Sueton blos drei (volumina); 
die letzteren stimmen inhaltlich mit den drei ßißXfa Dios, zu denen noch das 
politische Testament hinzukommt, das Sueton nicht erwähnt; die duo Codices 
testamenti bei diesem sind ohne Zweifel die duz9ijxai. Also muß Sueton sich 
irren, indem er ein Dokument auslägt. Auf das von ihm nicht erwähnte 
nimmt auch Tacitus Bezug. 

*) So bezeichnet von Nissen, Die literarische Bedeutung des Monumentum 
Ancyranum, Rhein. Mus. XLI (1886) 481 f. Mommsen hat zwar in Sybels Hist 
Zeitschr.LVII(1887)389f. (= Ges. Schrift. IV, 251) ausgesprochen, Augustus habe kein 
politisches Testament hinterlassen, wenigstens fehle jede Kunde davon; allein 
ich meine, so wichtige Richtlinien für die Politik, wie sie dieses Dokument 
bietet, dürften nicht ohne Grund als politisches Testament bezeichnet werden. 
Wenn Mommsen sagt, am ehesten könne die Anweisung an seine Nachfolger, 
der Bürgerschaft die Beamtenwahl zu nehmen und sie auf den Senat zu über- 
tragen (Vell. 2, 124), als so etwas bezeichnet werden, so ist dagegen nichts 
einzuwenden, da es wohl möglich scheint, dag auch dieser Rat in jenem 
Dokument gestanden hat. 



42 

man späht nach einer Erklärung, wie dieses Kapitel von der Stelle, 
an die es offenbar gehört, sich an die andere verirrt haben könnte, 
wo es jetzt den dritten Abschnitt eröffnet und sich von dem folgenden 
augenfällig abhebt, nicht nur entbehrlich, sondern geradezu anstößig 
erscheint (S. 61—62). »Wenn wir uns ins Gedächtnis rufen«, heißt 
es S. 70, »daß hinter dem zweiten Kapitel gerade die Erwähnung des 
Sieges über Pompejus und des Sieges Ober Antonius fehlt, um die 
historische Darlegung des Emporkommens des Prinzeps vollständig 
zu machen, so sehr fehlt, daß man sich bemüht hat, in dem folgenden 
Kapitel eine versteckte Andeutung dieser Siege zu finden — wer 
kann denn zweifeln, daß jenes Kapitel ursprünglich für diese Stelle 
bestimmt war?« 

Aber leider bannt diese energische Frage unsere Zweifel doch 
nicht. Was beweist denn, daß Augustus im Anfange der Schrift eine 
Erzählung der Bürgerkriege bis zur Begründung der Alleinherrschaft 
hat geben wollen? Verlangen wir das von ihm, so setzen wir unsere 
Meinung an die Stelle der seinigen. Er behandelt die Kriege gegen 
Sextus Pompejus und Antonius genau wie die anderen erst im dritten 
Teile; im ersten erwähnt er, von den Kapiteln 1 und 2 abgesehen, 
sie nur soweit, wie es nötig ist, um seine Kriegsehren zu begründen; 
die Ergebnisse der Kriege gibt der dritte Teil 1 ). Wollte Augustus 
seine Ehren mit Aufzählung seiner Triumphe beginnen, so konnte er 
dies nicht wohl tun, ohne die Tatsache, daß er oft habe Krieg führen 
müssen, zu erwähnen. Damit greift er dem dritten Abschnitte in 
keiner Weise vor. Er knüpft dann Angaben an über die Behandlung 
der unterworfenen Völker, die Zahl und Belohnung seiner Soldaten 
und die Wegnahme feindlicher Schiffe. Sucht man nach einem Platz 
für diese Mitteilungen in unserem Dokument, wo wäre ein besserer 
dafür zu finden? Ist doch alles in K. 3 Gesagte die beste Begründung 
seiner Ehren. Wenn in K. 25 einerseits die Zahl der Sklaven, die 
ihrer Strafe überliefert wurden, andererseits die Eroberungen und die 
Zahl der Senatoren, der ehemaligen und nachherigen Konsuln und 
Priester, die bei Aktium auf seiner Seite gestanden haben, angegeben 
werden, so hat das doch seinen guten Grund: ersteres zeigt Größe, 
Gefahr und Ergebnis des Krieges gegen Sextus Pompejus, letzteres 
beweist seinen großen Anhang, worauf der Verfasser naturgemäß ein 
Interesse hat hinzuweisen. Damit ist die Berechtigung des Kapitels 
an seiner Stelle hinlänglich erwiesen. 



i) Wilcken a. a. 0. 621. 



43 

Allerdings behandelt Augustus auch das, was Koepp sein 
Emporkommen als Prinzeps nennt; aber wir werden diesen Ausdruck 
modifizieren müssen. 

Augustus gibt sich als den Vorkämpfer der römischen Freiheit 
und den Wiederhersteller der Republik aus. Er hat sein erstes Heer 
geworben, um den von einer Partei geknechteten Staat zu befreien 1 ), 
hat keine Ämter, die der Überlieferung der Väter widersprachen, ange- 
nommen 1 ) und hat auf der Höhe seines Lebens alle seine Macht in 
die Hände des Senates und des Volkes zurückgelegt 8 ). Er war der 
erste Mann in Rom wie Cäsar; aber Cäsar hatte nach der verhaßten 
Königskrone gegriffen, und dies hatte seinen Mördern den Dolch in 
die Hand gedrückt. Augustus will nicht König, sondern nur princeps 
inter pares sein. Indem der 19jährige Jüngling trotz der Abmahnung 
seiner Familie die Erbschaft Cäsars übernahm, trat er auch das Erbe 
an, der Erste in Rom zu sein. 4 ) Als solcher erscheint er in den Res 
gestae, nicht als Monarch. 6 ) Darum beginnt er nicht mit der Darlegung 
seines Emporkommens bis zur Begründung seiner Alleinherrschaft, 
sondern mit seinem ersten politischen Auftreten. Die Befreiung Roms 
von der Parteiknechtschaft, die Übertragung seiner ersten amtlichen 
Befugnisse und die Rache an den Cäsarmördern faßte er darin 
zusammen. Das ist der Inhalt der beiden ersten Kapitel, die ich 
deshalb als besondere Einleitung zu der ganzen Schrift ansehe. Mit 
K. 3 beginnt dann die seine ganze Tätigkeit überblickende Darstellung 
seiner Ehren, Leistungen und Taten. 



*) Annos undeviginti natus exercitum privato consilio et privata impensa 
eomparavi, per quem rem publicam dominatione f actionis oppressam in libertatem 
vindicavi (Lat 1, 1 f.). 

*) Tijg %s Cwxhqtov xal %ov drtfiov twv 'Pwfiaiwv Ofxokoyovvtoyv %va 
im^eXrjvljg %m %e vdfiow xal rwv tqotiwv im tjj /AeyC&rQ i£ov<tt$ fiovog 
XeiQ<ytovqd'(p y (XQxyv ovde(xiav naqä rä rräiQia lihj iriofievtjv äveie^dfiijv 
(Gr. 314 f.). 

') Siehe oben S. 40. 

*) Wenn Josephus Ant lud. 18, 2, 2 (§ 32) die Herrschaft des Augustus 
auf 57 Jahre 6 Monate 2 Tage berechnet, geht er von der Testamentseröffnung 
am 17. März 44 aus. Aber Augustus hat hier vor dem Volke so sein Recht 
nicht begründen können, wenn dieses auch nach seiner persönlichen Auffassung 
darauf beruht. Hier in seinem öffentlichen Rechenschaftsberichte bezieht er 
sich naturgemäß auf sein erstes politisches Auftreten: das war die Werbung 
des Heeres. 

&) In der Auffassung des Augustus schließe ich mich den Darlegungen 
Eduard Mayers an (Augustus, Sybels Hist Zeitschr. XCI 1903, S. 385 ff.). 



44 

Die Schrift gliedert sich also folgendermaßen: 
Einleitung: Der Antritt der politischen Tätigkeit K. 1.2. 
Erster Hauptteil: Ämter und Ehren. K. 3-14. 
Zweiter Hauptteil: Aufwendungen für die römischen Bürger. K. 15—24, 
Dritter Hauptteil: Festigung und Erweiterung der römischen Macht 

K. 25-33. 
Schluß: Wiederherstellung der Verfassung und Dank des Volkes. 

K. 34.35. 

J. F. Marcki. 



Der erste Dakerkrieg Trajans- 



Die Daker, ein thrakischer, den Geten nahe verwandter Volks- 
stamm» wohnten an der Hnken Seite der Donau 1 ), im Westen seit ihrer 
Zurückdringung durch die Jazygen von der Theiß, im Norden von den 
Karpathen begrenzt, im Osten mit schwankender Grenze bis zum 
Schwarzen Meere hin sich ausbreitend. Ihr kriegerischer, eroberungs- 
lustiger Sinn, genährt durch einen starken, von den Vätern über- 
kommenen Unsterblichkeitsglauben, der sie den Tod in der Schlacht 
verachten ließ, machte sie zum Schrecken für ihre Nachbarn, besonders 
seitdem sie als Anwohner des römischen Reiches mit seltener An- 
passungsfähigkeit römische Kulturelemente, vor allem römische Kriegs- 
kunst sich zu eigen gemacht hatten. 

Anderthalb Jahrhunderte zieht sich der Name der Daker durch 
die Geschichte. Ihre Macht entfalteten sie zuerst unter Burebista, der 
die vorher getrennten Stämme unter seinem Königsszepter einte und 
durch seine siegreichen Züge bis nach Macedonien und Ulyrien in 
Julius Cäsar den Entschluß zu einem Kriegszuge reifen ließ, der aber 
infolge seines unerwarteten Todes nicht zur Ausführung kam 2 ). Mit 
dem Ende Burebistas zerfiel. zwar das Reich wieder in einzelne Stämme, 
die oft unter einander uneinig waren, aber trotzdem machten die Daker 
oft genug Einfälle in das römische Gebiet, und manchem Zeugnis 
begegnen wir dafür, von welcher Angst vor ihnen die Gemüter in 
Rom erfüllt waren 3 ). Geradezu vernichtende Schläge führten sie gegen 
die Römer, nachdem gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. 
Decebalus das Königtum erneuert und die Eroberungspolitik Bure- 
bistas wiederaufgenommen hatte. Aber gerade dies führte die Kata- 
strophe des Volkes herbei, indem Trajan, die unter Domitian schwer 



*) Daher Hör. carm. IV, 15: qui profundura Danuvium bibunt. 
«) Strabo VII, 3, 5. Suet. Div. Jul. U. Aug. 8. 

s) Hör, carm. III, 6 paene oecupatam seditionibus delevit urbem Dacus. 
sat. II, 6,53 numquid de Dacis audisti? Verg. Georg. II. 497. 



46 

verletzte Waffenehre Roms glänzend wiederherstellend, in zwei Feld- 
zügen in den Jahren 101/2 und 105/6 die Daker entscheidend schlug 
und ihr Land in römisches Kolonistenland verwandelte. 

Die Römer selbst haben diesen Kriegen Trajans und der durch 
sie herbeigeführten Gebietserweiterung die größte Bedeutung bei- 
gemessen. Trotzdem ist die schriftliche Oberlieferung darüber, wie 
über die ganze Zeit Trajans, so dürftig wie nur möglich. Von den 
Zeitgenossen verfaßte der Eroberer selber, dem durch Julius Cäsar 
begründeten Brauche folgend, Denkwürdigkeiten über die eigenen 
Taten herauszugeben, in mindestens zwei Büchern einen Bericht über 
seine Dakerkriege, von dem aber bis auf ein bei Priscian bewahrtes 
kleines Fragment 1 ) nichts mehr erhalten ist Auch Appians Darstellung 
der dakischen Kriege, die das 23. Buch seiner römischen Oeschichte 
bildete, ist uns verloren gegangen. Immerhin könnten wir befriedigt 
sein, wenn uns der die Oeschichte Trajans enthaltende Teil des Werkes 
des Cassius Dio erhalten wäre, eines Schriftstellers von militärischer 
und staatsmännischer Bildung, der als Statthalter von Pannonien infolge 
seiner Ortskenntnis und seiner persönlichen Beziehungen gewiß wie 
kein anderer in der Lage war, eine zuverlässige Darstellung zu geben. 
Aber der dürftige Auszug des Xrphilinus aus dem 11. Jahrh. ist nur 
ein sehr unvollkommener Ersatz. Dennoch ist dieser als die einzige 
zusammenhängende Darstellung der Feldzüge, die wir besitzen, von 
großem Werte. Hierzu kommen vereinzelte Nachrichten der Schrift- 
steller und inschriftliche Zeugnisse 

Oegenüber der Unzulänglichkeit der literarischen Oberlieferung 
ist um so wertvoller die Darstellung der dakischen Kriege auf dem 
200 m langen und 1 m hohen Reliefbande, das die i. J. 113 vom 
Senat und Volk dem Kaiser Trajan geweihte Ehrensäule umläuft. 
Napoleon III. hat i. J. 1861 Abgüsse der vom Fuß der Säule schwer 
zu erkennenden Reliefs herstellen lassen, die in zwei Sälen des 
lateranischen Museums 1 ) untergebracht sind, und dadurch die Dar- 
stellungen für die Betrachtung und das Studium zugänglich gemacht. 
Doch schienen alle Versuche, die Bilder in ihrem Zusammenhange zu 
erklären und für die Feststellung der geschichtlichen Tatsachen nutzbar 
zu machen, vergebliche Mühe zu sein. Schreibt doch Mommsen in 
seiner Rom. Oeschichte (V, 205): »wie niemand es wagen würde, 

*) Peter, Histor. Rom. fragm. S. 320. 

*) Die beiden andern Exemplare im Museum zu Saint Germain und im 
South-Kensington-Museum in London zeigen die Platten wieder zur Säule 
zusammengesetzt. 



47 

nach Menzels Bildern die Geschichte des siebenjährigen Krieges zu 
erfinden, so bleibt auch uns nur mit dem Einblick in halb verständliche 
Einzelheiten die schmerzliche Empfindung einer bewegten und großen, 
auf ewig verblaßten und für die Erinnerung vergangenen geschichtlichen 
Katastrophe.« 

Und doch hat mit glänzendem Erfolge Konrad Cichorius 1 ) es 
unternommen, den Gang der Dakerkriege nach der Säule zu bestimmen. 
Ausgehend von einer sehr genauen Beschreibung und Erklärung der 
einzelnen Figuren hat er in scharfer Abgrenzung nach links und rechts 
den Inhalt jedes Bildes für sich festgestellt, die Beziehungen zu den 
vorhergehenden und folgenden Szenen und den inneren Zusammenhang 
mit diesen tu ermitteln gesucht und endlich jedesmal durch einen 
Vergleich des in der Säule angedeuteten Terrains mit der tatsächlichen 
Natur des Landes den Schauplatz der Handlung bestimmt. So hat 
er die bis dahin meist toten Szenen mit neuem Leben erfüllt und in 
einen großen historischen Zusammenhang gebracht. Daß er dabei 
auch oft geirrt und den Gang der Handlung nicht immer richtig 
erkannt hat, wer wollte sich darüber wundern und deshalb seine 
Verdienste schmälern? Dies nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst 
von Petersen, der in einer sehr ausführlichen Rezension der Ausgabe 
von Cichorius, die als besonderes Buch*) erschienen ist, in voller 
Würdigung des durch ihn in der Erklärung herbeigeführten großen 
Fortschrittes gegen dessen Ergebnisse vielfach vom Standpunkte der 
Archäologen aus Widerspruch erhoben, mancher irrtümlichen Auf- 
fassung die richtige gegenübergestellt und vieles, was Cichorius als 
sicheres Resultat bezeichnet hatte, als der Begründung entbehrend 
nachgewiesen hat. Wo Cichorius und Petersen in ihren Ansichten 
von einander abweichen, wird man in der Regel sich für den letzteren 
entscheiden, während die neuerdings von v. Domaszewski 3 ) vor- 
getragenen Ansichten, die sich für den ersten Krieg besonders auf 
die Lokalisierung der Schiffsbrücke und der Ereignisse des zweiten 
Kriegsjahres (102) beziehen, nicht hinreichende Beweiskraft zu haben 
scheinen. 



i) Die Reliefs der Trajanssäule. Berlin, Reimer. Tafelband I, Die Reliefs 
des 1. dakischen Krieges. Textband II, Kommentar dazu. 1896. Tafelband II, 
Die Reliefs des 2. dakischen Krieges. Textband III, Kommentar dazu. 1900. Die 
angekündigten Textbände I, IV, V sind nicht erschienen. 

*) Petersen, Trajans dakische Kriege. I. Der erste Krieg. 1899. II. Der 
zweite Krieg. 1903. Leipzig. Teubner. 

*) Beiträge zur Kaisergeschichte. I. Die Dakerkriege Trajans auf den 
Reliefs der Säule. Philologus 66. 1906. S. 321 ff. 



48 

So ist durch die Untersuchungen von Cichorius und Petersen 
für Trajans Dakerkriege eine neue Quelle erschlossen, auf Qrund 
deren wir, wenn auch nicht in allen Einzelheiten — wo wäre das 
möglich? — so doch in den Grundzügen den Verlauf dieser Kriege 
feststellen können. 

Selbstverständlich ist nicht alles, was die Säule bietet, ohne 
weiteres in die Wirklichkeit zu übertragen. Für die Anordnung und 
Gruppierung sind wesentlich künstlerische Gesichtspunkte maßgebend 
gewesen. Auch ist wie bei allen derartigen Monumenten ihrer Be- 
stimmung entsprechend das Erhebende, Kaiser und Volk Ehrende in 
den Vordergrund gerückt und daher jede Gelegenheit zur Darstellung 
Trajans selber wahrgenommen. Doch läßt sich nirgends eine Fälschung 
der Wahrheit, auch nirgends ein Widerspruch mit den literarischen 
Quellen nachweisen. Im Gegenteil muß man sagen, daß die Darstellung 
so objektiv ist, wie sie sich irgend mit dem Zweck der Säule vereinigen 
läßt Auch Verluste und Schlappen der Römer werden nicht ver- 
schwiegen, nur werden sie in zarter, das Nationalgefühl schonender 
Weise ausgedrückt. Während wir bei einer Verheerung dakischer 
Gebiete durch römische Streifscharen diese die Ortschaften anzünden 
und die Bevölkerung niedermetzeln sehen, sehen wir bei dem ent- 
sprechenden Vorgang auf römischem Boden nur die feindlichen Corps 
dahinziehen, aber an ihrer Haltung und an ihrem Ausdruck erkennen 
wir, was sie treiben. Tote gibt es nur auf Seiten der Daker. Bei 
den Römern werden die Verluste in anderer Weise angedeutet, z. B. 
durch den Widerstand der Feinde oder durch die Richtung, in der 
sich der Kampf bewegt, oder durch die Darstellung eines Verband- 
platzes abseits von der Schlacht, wo Ärzte den verwundeten Kriegern 
Hilfe leisten. Die von Dio für die Schlacht bei Tapae bezeugten 
Verluste der Römer werden durch die Reliefdarstellung durchaus 
bestätigt. In der letzten Schlacht vor dem Fall von Sarmizegetusa i. 
J. 102 weichen selbst die Legionen teilweise zurück. Auch daß die 
Bildhauer sich nicht gescheut haben, grausame Handhingen römischer 
Soldaten darzustellen, die sicher die etwas gebildeteren Römer verab- 
scheuten, darf als Beweis des Strebens nach historischer Treue gelten. 

Besonders zeigt sich diese Neigung zur Objektivität in der 
realistischen, selbst Unwesentliches und Kleinigkeiten genau wieder- 
gebenden Darstellung und Ausführung, namentlich auch in Bezug auf 
Bekleidung und Bewaffnung. So sehen wir den Legionär, der den 
Römern die Welt erobert hat, in lebenswahrem Bilde marschieren, 
Straßen bauen, Ströme überbrücken, Lager und Kastelle bauen, Schlachten 



49 

schlagen. Auch mannigfachen, mit gleicher Treue dargestellten Barbaren- 
typen begegnen wir: neben dem »Dacus asper«, den wir in gewaltigem 
Ringen mit dem übermächtigen Gegner den Kampf der Verzweiflung 
kämpfen und schließlich unterliegen sehen, Germanen, Sarmaten, 
Mauren, Palmyrener — quam variae (gentes) unguis, habitu tarn vestis 
et armis. Auch das Gelände mit den darin liegenden Ortschaften, 
Verschanzungen u. s. w. hat der Kunstler wiederzugeben sich bemüht 
und dadurch nicht nur unsere Anschauung und Kenntnis bereichert, 
sondern uns auch in die Lage versetzt, besonders charakteristische 
Örtlichkeiten durch einen Vergleich mit der geographischen Beschaffen- 
heit des Landes zu bestimmen. 

Die nachfolgende Arbeit ist eine zusammenfassende Darstellung 
des ersten Dakerkrieges nach den Ergebnissen der neueren Unter- 
suchungen 1 ) über das Säulenrelief in Verbindung mit der schriftlichen 
Überlieferung. Eine solche schien zweckmäßig mit Rücksicht auf die 
Weitschichtigkeit des Kommentars von Cichorius und mit Rücksicht 
darauf, daß auch die Arbeit von Petersen diesen nicht ersetzt, sondern 
nur ergänzt und selbst kein volles Bild der Kriegszüge liefert. Zu- 
gleich soll gelegentlich auf besonders interessante Darstellungen der 
Säule hingewiesen werden. 

* 
Der Krieg ergab sich mit Notwendigkeit aus der unhaltbaren, 
der Römer unwürdigen Lage, wie sie durch den von Domitian i. J. 88 
mit den Dakern geschlossenen Frieden geschaffen war. Nachdem 
Decebalus die meisten Stämme von neuem geeint hatte, war er i. J. 86 
in Niedermösien eingefallen und hatte den Statthalter Gajus Oppius 
Sabinus geschlagen und getötet. Domitian begab sich darauf selber 
in die Provinz und schickte den Gardepräfekten Cornelius Fuscus über 
die Donau, aber sein Heer wurde in einer Schlacht vernichtet, die 
Feldzeichen gerieten in die Hände der Feinde, er selbst fiel. Ein neues 
Heer unter Julianus schlug den Decebalus bei Tapae, in der Nähe seiner 
späteren Hauptstadt Sarmizegetusa, aber die Erfolge dieses Sieges 
gingen verloren durch eine gleichzeitige Niederlage der Römer durch 
Markomannen, Quaden und Sueben, mit denen Decebalus in Ver- 
bindung stand. Obereilt schloß Domitian einen unwürdigen Frieden, 
durch den er sich verpflichtete, den Dakern jährlichen Tribut zu zahlen 

i) Abgesehen von den vorher genannten Arbeiten sind noch herangezogen 
worden: J. Dierauer, Beiträge zu einer kritischen Geschichte Trajans, in Büdingers 
Untersuchungen zur römischen Kaisergeschichte I. Kanitz, Römische Studien in 
Serbien: Denkschriften der Wiener Akademie. Phil.-hist. Kl. XLI S. 30. 



50 

und Werkleute zu stellen zur Unterweisung in den Werken des Friedens 
wie des Krieges (irjfiiovQYovs ncmota$ t£xwi$ xal et^WKifc xal Twlefiutijg. 
Dio 67,7). 

Decebü is wußte sehr wohl, daß dieser Friede nur so lange an- 
dauern konnte, bis sich in Rom die Forderungen der militärischen 
Ehre geltend machten. In dieser Erkenntnis traf er die weitgehendsten 
Vorbereitungen für die Landesverteidigung. Aus dem Römerreich 
warb er tüchtige Leute an und stellte sie in sein Hern Dieses selbst 
bildete er nach römischem Muster und führte römische Disziplin ein. 
Durch die römischen Baumeister, die er sich durch den Frieden ge- 
sichert hatte, ließ er Belagerungswerkzeuge und Kriegsmaschinen bauen, 
Verschanzungen und Festungen herstellen und steigerte so die Ver- 
teidigungskraft seines Landes. 

Nach Domitians Tode dauerte der bisherige Zustand unter der 
kurzen Regierung des willensschwachen Nerva fort. Aber mit dem 
von ihm adoptierten Trajan trat am 27. Jan. 98 an die Spitze des 
römischen Staates nach langer Zeit ein kraftvoller Mann, der, in der 
Liebe zum Soldatenberuf aufgewachsen, ein volles Bewußtsein von den 
großen Aufgaben hatte, die seine Stellung ihm auferlegte. Auf die 
Kunde von seiner Erhebung zum Kaiser unterbrach er die begonnene 
Arbeit der Sicherung der römischen Herrschaft in Oermanien nicht, 
und auch nach ihrer Vollendung eilte er nicht nach Rom zum feier- 
lichen Einzüge, sondern weilte zuvor den Winter 98/99 an der Donau. 
Dieser Aufenthalt darf mit den Vorbereitungen zu den Dakerkriegen, 
die für ihn unzweifelhaft schon damals beschlossene Sache waren, in 
Verbindung gebracht werden. Hier wird er die Truppen inspiziert, 
die Einrichtungen zum Schutze der Grenze eingehend geprüft und 
manche Anordnung getroffen haben. 

Fest steht, daß er die Fortführung der am südlichen Donauufer 
sich hinziehenden Orenzstraße angeordnet hat. Die ersten Anlagen 
derselben darf man, obwohl es kein direktes Zeugnis dafür gibt, 
Augustus zuweisen, der nach glücklichen Kämpfen gegen die Daker 
Mösien und Pannonien zu römischen Provinzen und dadurch die 
Donau zur festen Reichsgrenze machte. Tiberius setzte das Werk fort. 
Zwei Felseninschriften l ) zwischen den römischen Stationen ad Scrofulas 
(Dobra) und Taliata (Milanovac) weisen auf ihn als Erbauer und auf 
die Jahre 28 und 33/34 hin. Wer von Milanovac stromabwärts dem 
Ufer folgt, trifft kurz vor dem Eisernen Tore eine weitere Inschrift 1 ). 

i) c. J. L. III, 1. 1698. 
*) C. J. L. III, 1. 1699. 



51 

Heute sind nur die drei ersten Zeilen gut erhalten, vor Jahren auch 
noch die vierte, die fünfte und sechste Zeile dagegen sind arg ver- 
stümmelt und nicht sicher wiederherzustellen. Die Inschrift lautet mit 
einer Ergänzung (Arneth): 

IMP . CAESAR . DIVI . NERVAE . F . 
NERVA . TRAIANVS . AVG . GERM . 
PONTIF . MAXIMUS . TRIB . POT . IUI 
PATER . PATRIAE . COS III 
MONTIs et fLuvii ANfractiBVS 
SVPerATIS viam patEfecit. 

Hierdurch ist bezeugt, daß Trajan diese Straße i. J. 100 hat bauen 
lassen. Der Bau stand also im Zusammenhang mit den im Jahre 
darauf beginnenden Dakerkriegen. Die Straße ist eine direkte Fort- 
setzung der Tiberiusstraße. Beide sind unter ungeheuren Schwierig- 
keiten hergestellt In einer Breite von 2 m und einer Höhe von 3 m 
wurden sie in den hart an das Ufer tretenden Felsen gesprengt und 
durch eine feste Balkeneinlage über den Stromspiegel verbreitert 1 ). 

Können wir diese Strecke der Donaustraße noch heute bewundern, 
so gibt uns die Trajanssäule (Cichorius Bild I und II) ein Bild der 
Straße, wie sie sich auf dem Flachufer von Moesia inferior*) bis gegen 
das Eiserne Tor hin zur Zeit des Beginnes der dakischen Kriege 
darbot. Hiernach war die Orenze weder durch Wall noch Mauer 
noch Oraben, wie in Germanien und in der Drobrudscha, befestigt. 
Eine Kette von zweistöckigen steinernen Wachttürmen (burgi) mit 
spitzem Dach zog sich am Ufer hin, im Bilde durch eine ausgestreckte 
Fackel als Signalstation charakterisiert. Ein Palisadenzaun, der den 
Turm umgab, schützte im Notfalle die aus Auxiliartruppen bestehende 
kleine Besatzung, deren Hauptaufgabe 3 ) nicht in der Verteidigung der 
Orenze sondern neben der Zollkontrolle darin bestand, von der das 
obere Stockwerk umlaufenden Galerie das andere Ufer zu beobachten 
und eine etwaige Annäherung des Feindes sofort durch Signale zu 
melden, zunächst nach den festen Kastellen, die in ungleichen Ab- 
ständen an der Grenze errichtet waren. Von hier gelangte die Nach- 
richt weiter nach den großen, an den strategisch wichtigsten Punkten 
liegenden Legionslagern, von denen aus der ganze militärische Dienst 
in den Kastellen und Türmen geregelt wurde. In Mösien waren dies 

i) Abbildung bei Kairitz a. a. O. S. 34. 

*) Seit Domitian zerfiel Mösien in zwei Provinzen, superior und inferior, 
jede unter einem besonderen Statthalter. Die Grenze bildete der Ciabrus. 

s ) v. Domaszewski, Studien zur Geschichte der Donauprovinzen. Arch.- 
epigr. Mitteilungen aus Österreich-Ungarn. XIII, 1890. S. 141. 



52 

Singidunum (Belgrad), Viminacium (Kostolac), Troesmis (Iglitza) und 
Durostorum (Silistria). Der ganze Limes stand durch zahlreiche 
Straßen, die nach Macedonien, Thracien, Dalmatien Hefen, mit dem 
Hinterlande in Verbindung. Diese Einrichtung ermöglichte wie beim 
germanisch-rätischen Limes, daß im Falle der Bedrohung irgend einer 
Stelle die Truppen auf der ganzen Strecke sofort alarmiert und in kurzer 
Frist zusammengezogen werden konnten. Mit dem Landherr wirkten 
Hand in Hand die beiden Flotten, die die Römer auf der Donau unter- 
hielten, die classis Pannonica und classis Moesica 1 ), die den Handel 
zu schützen und den Verkehr zwischen den Kastellen zu vermitteln 
hatten. Bei Eröffnung der dakischen Kriege haben sie für den Transport 
der Truppen und die Herbeischaffung des Proviants wesentlich mit- 
gewirkt (B. II u. III). 

Im Frühjahr 101 begann Trajan den Krieg. Von einem äußeren 
Anlaß hören wir nichts. Dio 68,6 nennt als Orund einerseits den 
Unmut, den Trajan über den jährlich entrichteten Tribut empfand (%otg 
XQÜliaöi a xat exog iXdfißavov ßaqw6nevog) y andererseits die Wahr- 
nehmung, daß die Macht und der Obermut der Daker immer mehr 
wuchsen (mg Swdfietg nv^avo/nevag xal %ä tpoor^iiata öqwv). Die Ein- 
stellung des Tributs bedeutete die Kriegserklärung. An der Spitze 
eines Teils seiner Garde reiste Trajan an die Donau und übernahm 
selbst die Heeresführung. Bei der Begeisterung, mit der die Truppen 
ihm anhingen, hat dieser Umstand sicher nicht wenig zum glänzenden 
Verlauf der Kriege beigetragen. 

Die Hauptkriegsmacht wurde gebildet durch Zusammenziehung 
der in Mösien und Pannonien vorhandenen Truppen. In Mösien 
standen vier Legionen, und zwar die VII Claudia in Viminacium, die 
IV Flavia in Singidunum, die I Italia in Durostorum und die V Macedonica 
in Troesmis. Von den vier pannonischen Legionen stand die 
X Gemina in Vindobona, die XIV Gemina in Carnuntum, die 
XIII Gemina in Poetovio und die II Adiutrix in Acinquum. Es ist 
nicht anzunehmen, daß diese Truppen auch alle in Feindesland ein- 
gerückt sind. Die in Mösien stehenden werden, wenn nicht alle, so 
doch fast alle, die in Pannonien zum Teil im Feldzuge Verwendung 
gefunden haben. Durch Inschriften ist die Beteiligung bezeugt für die 
VII Claudia, IV Flavia, XIV Gemina und I Italica, also für drei 
mösische Legionen und eine pannonische. Von auswärtigen Legionen 
ist für den ersten dakischen Krieg wahrscheinlich die I Adiutrix*) aus 

i) Tacitus, Ann. XII, 30. C. I. L. III, 1. No. 4025. VI 1643. IX 3609. 
*) Sie scheint auf der östlichen Brücke (IV) über die Donau zu gehen. 



53 

Germania superior herangezogen worden, zu der Trajan in besonders 
naher Beziehung stand, seitdem er sie i. J. 89 als Legat auf Befehl 
Domitians in einem glänzend ausgeführten Marsche von Spanien 
dorthin zur Unterdrückung des Aufstandes gebracht hatte. Wie der 
in B. XLVIII neben dem Adler dargestellte Widder beweist, war im 
zweiten Kriegsjahr auch die in Germania inferior stehende leg. I 
Minervia am Kampfe beteiligt, die später während des zweiten Daker- 
krieges * Hadrian befehligte. Die beiden zuletzt genannten Legionen 
führten zusammen mit der VII Claudia den Beinamen Piae Fideles und 
zeigten an den signa eine geöffnete rechte Hand. Jedenfalls war es 
eine ansehnliche Truppenmacht, die Trajan ins Feld führte, besonders 
da die den Legionen zugewiesenen Auxiliartruppen etwa die gleiche 
Stärke hatten. 

Der Sommerfeldzug d. J. 101. 
Gegenüber einem so gefürchteten Gegner war Decebalus auf 
eine starke Stellung bedacht. Diese fand er am ersten in dem von 
einer Oebirgsmauer umschlossenen jetzigen siebenbürgischen Hoch- 
lande, wohin von der Donau nur wenige Zugänge führten. Dort 
hatte er seine Hauptstadt Sarmizegetusa *), das jetzige Varhely, angelegt, 
am Eingang des Hauptpasses durch die westlichen Bergketten, des 
sog. Eisernen Torpasses. Die Alten haben dafür die geographische 
Bezeichnung Tapae. Hier am Eisernen Torpass, durch Berge und 
starke Verschanzungen gedeckt, beschloß er mit seiner Hauptmacht 
die Annäherung des Feindes zu erwarten. 

Gegen diese Stellung rückte Trajan vor, auf welcher Strasse, 
erkennen wir aus dem Fragment seiner Kriegsbeschreibung: Traianus 
in I Dacicorum: Inde Berzobin, deinde Aizi processimus. Berzovia, 
ein am gleichnamigen Fluß, der heutigen Barzava, gelegenen Platz, 
dem heutigen Szidovin entsprechend, und Aizizis (bei Valemare) im 
Tale des Poganis waren nach der Tabula Peutingeriana römische 
Sationen an der Straße, die bei Lederata die Donau überschritt und 
in nördlicher, dann östlicher Richtung über das dakische Tibiscum nach 
Sarmizegetusa führte. Wir kennen diese Straße, auf der Trajan ge- 
zogen ist, und können dank den in der genannten Tafel angegebenen 
Entfernungen und den erhaltenen Resten die Stationen bestimmen. 
Lederata, 10 römische Meilen von Viminacium entfernt, war eins der 
zahlreichen Limeskastelle und hatte als Besatzung eine Abteilung der 
siebenten Legion. Es ist bei der alten serbischen Feste Rama anzu- 
setzen, gegenüber von Uj Palanka, wo der Kerasu, damals Apus, 

i) S. die Kartenskizze am Schlüsse der Arbeit. 



54 

mündet. Noch heute weisen Reste römischer Brückenköpfe auf beiden 
Seiten darauf hin, daß dort eine wichtige Übergangsstelle gewesen ist 

Hier bei Lederata setzte Trajan mit den westlichen Donautruppen 
und Prätorianern auf das andere Ufer über. Einen zweiten Heeres- 
flügel, hauptsächlich aus den niedermösischen Truppen gebildet, ließ 
er unter Führung von Laberius Maximus, dem Statthalter von Unter- 
mösien, weiter unterhalb der Donau hinübergehen, nicht, wie man 
früher 1 ) annahm, bei Taliata (Milanovak), wo ein größeres Kastell eine 
beliebte Obergangsstelle deckte, sondern hinter den Stromschnellen in 
unmittelbarer Nähe der späteren steinernen Brücke und des linksseitig 
gelegenen Drobetae (Turn Severin), einer alten dakischen Grenzfestung, 
die aber seit längerer Zeit 1171 Besitze der Römer war. Auf diese Stelle 
weist schon der Bau der Kunststrasse hin, die er für den Krieg doch 
wohl auch benutzen wollte*). In richtiger Weise erkannte er die 
Vorteile eines Überganges gerade an dieser Stelle, von wo mit Aus- 
nahme der eben beschriebenen Linien alle in das Dakerland führenden 
Straßen ausgingen oder sich wenigstens leicht erreichen ließen. 
Zunächst die Straße, die der östliche Heeresflügel tatsächlich gezogen 
ist. Sie lief bis Dierna am Ufer hin, folgte dann dem Czernatal, ging 
über die Teregovaer Schlüssel nach dem Temestai hinüber und ver- 
einigte sich an der Münduug der Bisztra in den Temes bei der 
dakischen Festung Tibiscum mit der von Lederata kommenden Straße. 
Auch die über den Vulkanpaß in das dakische Hochland führende 
Straße, gleichfalls für Truppen gangbar, führte von Drobetae aus. 
v. Domaszewski 3 ) allerdings glaubt, daß diese den Römern nicht be- 
kannt war, da sie in den erhaltenen Itinerarien nicht verzeichnet ist. 
Daß sie trotzdem bekannt war, beweist die Tatsache, daß bei ihrem 
Eintritt in das Gebirge am linken Ufer des Schyl ein starkes Kastell 
(Bumbesti) zu ihrem Schutze errichtet war, dessen Ruinen erhalten 
sind. Endlich war auch die durch das Tal des Alutus über den 



1) Dierauer, a. a. 0. S. 81. Kanitz, a. a. 0. S. 35. 

*) Daß die Schiffsbrücke in der Nähe der späteren Steinbrücke gewesen 
ist, scheint mir auch aus B. XL VIII u. XLIX hervorzugehen, wo ich, Petersen 
folgend, annehme, dag die Mauern dem Schutze beider Brücken dienen sollen, 
v. Domaszewski (a. a. 0. S. 325) setzt die östliche Brücke bei Oescus an, 
wo die Alutus-Strage anfing, und lägt die Armee von hier über Dierna nach 
Tibiscum marschieren. Sollte für die östlichen Truppen der Weg von Oescus 
nach Dierna auf der nördlichen Donauseite bequemer gewesen sein als auf der 
südlichen Grenzstrage? Hätte ein Obergang bei Oescus besondere Vorteile 
geboten, so hätte Trajan die steinerne Brücke doch hier bauen lassen. 

3) Philologus 65. S. 323. 



55 

Rotenturmpaß sich hinziehende Straße durch die Ebene der Wallachei 
leicht von Drobetae aus zu erreichen. 

Es ist eins der bekanntesten Bilder der Trajanssäule, das den 
Donauübergang darstellt (IV. V.), wobei der Künstler die weit von 
einander entfernten Vorgänge ganz nahe zusammengerückt hat. Links 
schreitet bei Drobetae aus dem Tor einer Festung, rechts bei Lederata 
auf einer von einem Geländer eingefaßten Bahn, die Ober neben- 
einandergestellte Schiffe gelegt ist, je eine Armee nach dem linken 
Ufer hinüben In dem Führer der rechten Armee haben wir Trajan 
zu erkennen, in dem der linken Laberius Maximus. Führer wie 
Mannschaften sind mit Schuhen (calcei, caligae) und mit kurzärmeliger, 
oberhalb der Kniee abschließender tunica bekleidet Erstere tragen 
darüber den eng anliegenden Offizierspanzer, wie er an den Statuen 
der römischen Imperatoren erscheint, außerdem bracae, paludamentum 
und das Schwert an der linken Seite. Hinter dem Führer schreitet der 
aquilifer, neben diesem die signiferi. Sie zeigen im allgemeinen die 
Ausrüstung der Auxiliartruppen, d. h. bracae, gezackten Lederkoller, 
sagum und Schwert zur rechten Seite; doch statt des ovalen Schildes 
der Auxiliaren führen sie einen kreisrunden (auf diesem Bilde wenig 
sichtbar), und die signiferi haben als Kopfbedeckung ein Tierfell, eine 
Tracht, die von den Barbaren angenommen war. Die Legionare haben 
die Beine nackt 1 ). Gepanzert erscheinen sie stets mit der lorica 
segmentata, dem Schienenpanzer *), den gewöhnlich das cingulum um- 
schließt, ein breiter Gürtel mit vorn herabhängendem Schutzriemen. 
Arm- und Beinschienen kommen nirgend vor. Der niedrige Helm 
wird, außer wenn der Feind in der Nähe ist, an der rechten Schulter 
getragen. Die Linke führt den schweren viereckigen Legionsschild. 
Das Schwert wird an der rechten Seite getragen, entweder am cingulum 
befestigt oder am balteus, der von der linken Schulter herabhängt. 
Das pilum in der rechten Hand ist von dem Künstler gewöhnlich 
nicht ausgeführt. Die in V dargestellten Reiter zeigen die Ausrüstung 
der Auxiliare zu Fuß (Lederkoller oder Kettenpanzer), die Pferde 
Riemenzeug und doppelte Satteldecken. 

Die Teilung des Heeres in zwei Expeditionscorps erinnert an 
die von Tacitus beschriebene Kriegführung des Germanicus in 
Germanien, der — ne bellum mole una ingrueret — neben dem von 
ihm selbst geführten Hauptheere ein zweites oder gar drittes zu ent~ 

*) Die Nachbildungen zeigen unrichtig die Legionare meist mit bracae 
versehen. 

') Im Legionslager von Carnuntum sind solche Panzer gefunden worden. 



56 

senden pflegte, um die Macht des Feindes zu teilen (distrahendo 
hosti) und den schon damals bewährten Grundsatz zu befolgen: 
getrennt marschieren, vereint schlagen. Auch in dem dakischen Kriege 
sollten die beiden Heeresflügel einander unterstützen und schließlich 
sich vereinigen, und zwar bei Tibiscum, wo die beiden Straßen 
zusammentrafen. Es ist anzunehmen, daß Trajan nach Möglichkeit 
mit dem östlichen Flügel Fühlung zu behalten gesucht hat. Dahin 
scheint der Befehl an die Reiterei zu gehen, die nach Abhaltung eines 
Kriegsrates und, wie es scheint, aus Anlaß desselben ausrückt (VI. 
VII.) 1 ). Auch die in XIV rasch über die Apus-Brücke schreitenden 
Auxiliare mögen einen gleichen Auftrag erhalten haben. 

Bei dieser Gestaltung der Kriegslage gewann Trajan die Möglich- 
keit zu einem methodischen und zwar langsamen aber voraussichtlich 
schließlich zum Ziele führenden Vorgehen. In der Erkenntnis nämlich, 
daß die Unterwerfung des Feindes nicht das Werk eines einzigen 
Sommers sein könne, machte er es sich zur ersten Aufgabe, eine feste 
Verbindung mit dem Römerreich zu schaffen durch Herstellung einer 
in das Innere des Dakerlandes führenden Straße und Sicherung der- 
selben durch Anlegung fester Kastelle an strategisch wichtigen Punkten. 

So nahm er denn das vor dem eigentlichen Beginn des Krieges 
übliche Reinigungsopfer 1 ) vor, wobei nach altem Brauch die drei Opfer- 
tiere sus, ovis, taurus außen 3 ) um das Lager in feierlichem Zuge vor 
der Opferung herumgeführt wurden (VIII). Die Zumutung, in sein 
Land zurückzugehen und Frieden zu halten, die germanische Burer*) 
und andere mit den Dakern verbündete Stämme an ihn richteten, wies 
er gebührend zurück (IX). J 

Die Säule stellt in B. XI— XX den Bau der festen Kastelle an 
der westlichen Straße dar, eine Arbeit, die ausschließlich von den j 

*) Diese Reiter erscheinen erst in XXI wieder, und zwar auf der östlichen ' 
Seite, auf der wir über die Donau Reiterei nicht hinübergehen sahen. I 

*) v. Domaszewski, Archäol.-epigr. Mitteilungen aus Österreich. XVI, 19 ff. | 

*) Dio 47, 38,4. Ott to xaduQöiw %6 jtqo iSn> äywwoov yiyvofxevw ivrog \ 
tov 6QV[iarog a>g xal didcoreg inoi^aavto. i 

*) Dio 68,8: fivxrjg fisyag nQogexo/xia&t} ygafifiaac Aaiivoig Aeyow, oti ' 
äXXov te tc5v <tv/xfiax o)V xav Bovqot Ttaqaivolai T^aiavy omtfw ämsvat xal ' 
elQrjvrjaai. Bild IX stellt jedenfalls diesen Vorgang dar, und zwar durch eine J 
Situation, die die Strafe für den Hochmut der Barbaren ausdrückt Deshalb 
können unter den Burern nur die germanischen Bewohner der oberen Weichsel, 
nicht die dakischen Burer in und um Buridava zu verstehen sein, und uuter den 
övfifjuzxoi nur Verbündete der Daker, nicht der Römer, obwohl wir von Ver- ' 
bündeten der Daker weiter nichts hören und es andrerseits sicher ist, dag die ' 
Römer unter den Dakern auch Freunde hatten. 



57 

Legionen ausgeführt und oft vom Kaiser selbst inspiziert wurde, 
während den Auxiliaren die Aufgabe zufiel, etwaige feindliche Angriffe 
abzuwehren. Denn Decebalus ließ das feindliche Heer unausgesetzt 
beobachten (XV) und ließ es gewiß nicht ganz unangefochten vor- 
rücken 1 ). Die ein Viereck bildenden Kastellmauern bestanden nach 
der Säule aus regelmäßigen Quadersteinen, oben bedeckt mit zwei 
Querplatten, zwischen die im rechten Winkel zur Mauer nebeneinander- 
liegende Rundhölzer eingelassen waren. Auf diese Weise war für die 
Verteidigung der Mauer ein Gang hergestellt, der durch senkrechte 
Pfosten in gewissen Abständen gestützt wurde. Auf der oberen 
Mauerplatte erhoben sich die Zinnen 3 ). 

Die von XI an dargestellten Kastelle entsprechen den in der Tab. 
Peut verzeichneten Stationen zwischen Lederata und Tibiscum: Apus 
Fluvius, Arcidava 8 ), Centum Putea, Berzovia, Azizis und Caput Bubali. 
Doch nur für Xl/XH und XIH/XIV läßt sich die Örtlichkeit mit Sicherheit 
bestimmen: es sind die beiden ersten Stationen Apus Fluvius und 
Arcidava. Apus Fluvius erreichte Trajan nach Zurücklegung von 
zwölf römischen Meilen und sicherte den Übergang durch je ein 
Kastell 4 ) auf jeder Seite. Nach weiteren zwölf Meilen baute er an 
der Mündung des Csernovec in den Apus bei dem heutigen Veradia 
auf steil zum Fluß abfallendem Plateau, für das der im Bilde angedeutete 
Wassermangel noch heute charakteristisch ist, ein neues Kastell, Arcidava. 
Die Sicherung gerade dieses Platzes mußte von besonderer Wichtigkeit 
sein, denn von hier aus war sowohl der Apus nach beiden Seiten 
als auch der Csernovec leicht zu beherrschen. Welche Kastelle im 
einzelnen unter den folgenden Bildern zu verstehen sind, läßt sich 
nicht mit Sicherheit nachweisen. Cichorius hält XIV für Centum Putea, 
XVII für Berzovia, XVIU für Aizis, (XIX Übergang über den Poganis) 
XX für Caput Bubali. v. Domaszewski 5 ) vermutet: XV— XVII Erbauung 
von Centum Putea, XVIII Marschlager von dem bereits vollendeten 
Berzovia, XX Aizis, XXII im Hintergrund Caput Bubali. 

Es folgte die Schlacht bei Tapae. Dies ist die übliche Bezeichnung, 
doch hat sie in Wirklichkeit in einiger Entfernung davon, nämlich im 



!) XVII bringen Auxiliare den ersten gefangenen Daker vor Trajan. 

*) Ausgeführte Zeichnung bei Cichorius S. 61. 

*) Die in dakischen Ortsnamen häufige Endung -dava bedeutet Ansiedelung. 
Vgl. Buridava, Sacidava. 

*) Das von der Außenmauer umschlossene Lager ist ein Marschlager, das 
nur für die Zeit des Baues besteht 

*) Philologus 65. S. 327. 



58 

unteren Bisztratal stattgefunden, wo die Ebene die Entfaltung von 
Streitkräften gestattete. Sicher hatte vorher die geplante Vereinigung 
der beiden Heere auch wirklich stattgefunden. Daß diese erst nach 
der Schlacht erfolgt sein sollte, wie Cichorius aus B. XXVI und XXVII 
beweisen zu können glaubte, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil 
die Ostarmee einen bedeutend kürzeren Weg zurückzulegen hatte. 
Wäre sie aber trotzdem später bei Tibiscum angelangt, so ist nicht 
zu glauben, daß ein Feldherr wie Trajan, ohne ihre Ankunft abzuwarten, 
seine festen Stellungen verlassen und eine Schlacht angenommen hätte, 
deren Ausgang durchaus zweifelhaft war. Diese Auffassung wird 
auch durch das Relief bestätigt, wo in B. XXII und XXIII das östliche 
Heer auf dem Marsche durch Wald dargestellt wird, indem nach 
üblicher Weise ein Teil der Legionen den Weg bahnte, der andere 
nachfolgte. 1 ) Die Vereinigung selbt stellt der Künstler in dem Schlachten- 
bilde XXIV dar, wo wir nicht nur die Truppen des Ostflügels vor 
uns sehen, sondern auch neben Trajan, der die Schlacht leitet, den 
Heerführer Leberius Maximus wiedererkennen. Doch wäre es falsch, 
hieraus zu schließen, daß die Vereinigung auch in Wirklichkeit erst 
in oder auch nur unmittelbar vor der Schlacht stattgefunden hätte. 
Sie ist sicher bei Tibiscum erfolgt. 

Zum ersten Male lernen wir hier den Gegner der Römer und 
seine Kampfesweise kennen. Von allen Barbaren, die auf der Säule 
vorkommen, erweisen sich nach der Bekleidung die Daker als die 
kultiviertesten. Der ganze Körper ist bedeckt, der untere Teil mit 
Schuhen und langen, weiten Hosen, die über den Knöcheln zusammen- 
gebunden sind, der Oberkörper mit einem langärmeligen Untergewand, 
das in der Taille gegürtet ist. Darüber liegt ein gefranster Mantel mit 
kurzen Ärmeln. Der kräftige Kopf, an dem die Haare lang herunter- 
wallen, ist unbedeckt. Nur die Vornehmen, die das Vorrecht der 
Kopfbedeckung hatten, und darum von den griechischen Schriftstellern 
ndocfOQoi im Gegensatz zu den xofirjtai, dem niederen Volk, genannt 
werden, gehen mit dem pileus (Filzkappe) auch in den Kampf. Nur 
zu Fuß kämpfen sie, Pferde gebrauchen sie nur als Transportmittel 
(XXVII. XXXI). Ihre Hauptwaffe waren Pfeil und Bogen — Hör. 
carm. III, 6, 16 missilibus melior sagittis — , auch Speere führten sie; 
waren die Wurfgeschosse verbraucht, so gingen sie zum Kampf mit 
dem Sichelschwert über. Zur Deckung diente ihnen ein ovaler Schild. 



i) Wie Tac. Ann. I, 50 Caecina cum expeditis cohortibus praeire et ob- 
stantia silvarum amoliri iubetur, legiones modico Intervalle* sequuntur. 



59 

Die Schlacht wurde geschlagen zwischen dem römischen Lager 
und einem Walde, den die Daker nach Verlassen ihrer Verschanzungen 
besetzt hatten. Aus diesem brachen sie hervor, in diesen trugen sie 
ihre Verwundeten und Toten. Wie es scheint, leitete Decebalus selbst 
den Kampf. Dieser muß besonders heftig gewesen sein, denn der 
Kunstler läßt Jupiter tonans selbst eingreifen und seine Blitze gegen 
die Daker schleudern. Aus den Zügen dieser spricht höchste Leiden- 
schaft und Erbitterung, auf Seiten der Römer nimmt der Kampf rohe, 
widernatürliche Formen an. Hier wie später (LXX1I) wird dargestellt, 
wie römische Soldaten die abgeschnittenen Köpfe der Feinde als 
Siegeszeichen zu Trajan bringen, der sich entsetzt abwendet. An einer 
Stelle stürmt ein Auxiliar, einen Kopf mit seinen Zähnen an den 
Haaren festhaltend, gegen die Feinde vor, ein Vorgang, der wohl nicht 
auf Erfindung des Künstlers beruht Daß die Daker übrigens nicht 
menschlicher verfuhren, zeigen die in den dakischen Befestigungswerken 
(XXV) aufgepflanzten Römerschädel. Die Gefangenen pflegten sie erst 
zu martern, ein Oeschäft, das wir in B. XLV die Frauen besorgen 
sehen, und dann zu töten. B. XXXVIII zeigt einen Ober ein Wagenrad 
gespannten verstümmelten Körper. So erklärt es sich, daß wir beim 
Friedensschluß i. J. 102 von einer Auslieferung der Gefangenen nichts 
hören. 

Trotz der Heftigkeit des Kampfes scheint es zu einem Eingreifen 
der, wie gewöhnlich, im Hintergrunde stehenden Legionen und 
Prätorianer nicht gekommen zu sein, wenn auch diese den Eindruck 
machen, als wollten sie sich nach dem Kampfplatze bewegen. 
Auxiliarkohorten zu Fuß, auf dem rechten Flügel unterstatzt von der 
Reiterei, die besonders schneidig vorgeht, schlagen die Schlacht. 

Unter den Auxiliartruppen erregt ein Krieger mit nicht römischer 
Bekleidung besonderes Interesse. Er kämpft mit nacktem Oberkörper 
und nackten Armen, barhäuptig, das Haar glatt heruntergestrichen. 
Die Beine sind mit faltigen Hosen bekleidet, die oben bauschig 
zusammengelegt und mit einem hier nicht sichtbaren Gurt befestigt 
sind. Unterhalb des Knies sind sie zusammengebunden und scheinen 
bis auf die Füße, die im Bilde verdeckt sind, hinabzureichen. An der 
linken Seite trägt er ein am Gurt befestigtes Schwert. Während der 
linke Arm den mit doppeltem Griff versehenen Schild hält, schwingt 
die Rechte eine mit Nägeln beschlagene Keule. Der gleiche oder 
ähnliche Typus kehrt mehrfach auf der Säule wieder, so in XXXVUI, 
wo der Gurt sichtbar ist und die bis unten herabreichenden Hosen in 
die Schuhe gesteckt sind, das struppige Haar erinnert an den Sterbenden 



60 

Gallier. Bei den beiden Männern in XL, die XLII wiederkehren, reichen 
die Hosen nur bis zu den Knieen, sie schwingen ein Schwert, dessen 
Scheide bei dem einen am balteus, beim andern am Gurt hängt. 
LXX bietet nichts Abweichendes. In LXXIi zeigt der Barbar bei sonst 
gleicher Tracht ein Band um den Kopf. Während alle diese Männer 
im Kampfe dargestellt werden, und zwar sämtlich auf römischer Seite, 
zeigt XXVII zwei bärtige Krieger, die Trajan eine dakische Gesandtschaft 
zuführen. Sie gleichen in der Bekleidung den vorher beschriebenen, 
doch tragen sie noch ein gefranstes sagum, das auf der Brust 
zusammengebunden ist. Bemerkenswert ist, daß das nach vorn 
gestrichene Haar in einen Knoten gebunden ist, was an Tac. Germ, 
c. 38 erinnert: insigne gentis obliquare crinem nodoque substringere: 
sie Suebi a ceteris Germanis separantur 1 ). Dieser charakteristische 
Haarknoten läßt keinen Zweifel darüber, daß die beiden Männer 
Germanen sind und den germanischen Auxiliarkohorten angehörten. 
Alsdann liegt die Annahme nahe, daß auch auf den andern Bildern 
Germanen bezeichnet werden sollen. Nach Tac Germ. c. 6 kämpften 
die Germanen nudi aut sagulo leves d. h. nackt oder mit einem leichten 
Mantel bekleidet. Gewöhnlich legten sie vor dem Kampfe den Mantel 
ab und kämpften mit entblößtem Oberkörper 9 ). Darum heißt es bei 
Tac. Hist. II, 22 von den Germanenkohorten: more patrio nudis 
corporibus super humeros scuta quatientium (wie in B. LXXII), und 
c. 24 nudi iuvenes, und Cäsar, bell. Gall. VI, 22 magna corporis parte 
nuda. Diese Sitte wird durch die Trajanssäule illustriert. Ciavae 
ambustae »im Feuer gehärtete Keulen« werden von Ammianus 
Marcellinus 31, 7, 12 als Wurfgeschosse der Germanen genannt. 
Übrigens begegnen wir germanischen Kriegern auch in der römischen 
Auxiliaruniform (XXXVI). Wir erkennen sie an dem Tierfell, das sie 
um Kopf und Schultern tragen. 

Doch kehren wir zur Schlacht zurück und stellen die Frage nach 
ihrem Ausgange. Dio, der von den Schlachten des ersten Krieges nur 
diese eine erwähnt, spricht nicht von einem Siege, sondern vielmehr 
von starken Verlusten. Dabei hebt er Trajans Fürsorge für die Ver- 

*) Diese Sitte, die Tacitus als suebisch bezeichnet, sprechen andere Schrift- 
steller allen Germanen zu: Seneca de ira 3,26 nee rufus crinis et coactus in 
nodum apud Germanos dedecet. Martial de speetac. 3,9 crinibus in nodimi tortis 
venere Sigambri. 

*) So schildert Agathias, hist. II, 5 einen fränkisch alamannischen Heer- 
haufen, den Butilin 553 n. Chr. nach Italien führte: Der Leib der Männer ist 
im Gefecht an Brust und Rücken nackt, umgürtet an den Hüften mit leinenen 
oder ledernen Hosen, welche die Beine bedecken« 



Gl 

wundeten hervor: als das Verbandszeug ausgegangen sei, habe er sein 
eigenes Qewand hingegeben und in Stücke schneiden lassen. Daß 
die Römer keinen entschiedenen Sieg erfochten, geht auch aus der 
Säule hervor. Denn maßgebend für die Beurteilung ist nicht, daß 
Tote und Verwundete nur auf dakischer, nicht aber römischer Seite 
vorkommen, sondern daß kein Daker fliehend dargestellt ist, vielmehr 
alle gegen die Römer vordringend. Während die späteren Schlachten- 
bilder alle eine allgemeine Bewegung nach rechts, d. h. nach der Daker- 
seite zeigen, erkennen wir hier eine Bewegung von beiden Seiten nach 
der Mitte zu. Also — aequis manibus discessum est Nach der 
Schlacht errichtete in pietätvoller Gesinnung Trajan zum Gedächtnis 
der Gefallenen einen Altar und ordnete ein jährliches Opfer an. 

Die Daker gingen darauf die Bisztra hinauf in die vorher ein- 
genommene feste Stellung zurück. Trajan folgte ihnen, aber nur eine 
kurze Strecke. Wo das Tal enger wird, stieß er neben allerlei anderen 
Annäherungshindernissen auf ein zur Sperrung des Tales angelegtes 
Bollwerk (XXV). Es bestand dies in zwei parallelen Mauern aus 
Quadersteinen mit Zinnen, die sich rechts und links unmittelbar vom 
Flusse aus quer durch das enge Tal erstreckten, die eine noch gedeckt 
durch den hier eine Biegung machenden Fluß. Eine Zugbrücke führte 
zu dem kunstvollen, die Mauer überragenden Tor. Die Anlage gehörte 
gewiß zu denjenigen, die die in Dienst genommenen römischen Bau- 
meister ausgeführt hatten. Wenn nicht zwischen den Mauern das 
dakische Nationalzeichen, ein Drache mit weit geöffnetem Rachen, an 
einer Stange befestigt, und die den Dakern eigenen Pfahlbauten *) sicht- 
bar wären, und wenn nicht die ganze Situation dafür spräche, daß wir 
dakische Werke vor uns haben, so könnte man sie für römisch halten. 
Trajan machte keinen Versuch, das Bollwerk zu nehmen, wohl 
weil er nach den Erfahrungen sich nicht für stark genug hielt. War 
er doch ein zu kluger Feldherr, um durch einen ungünstigen Abschluß 
das bisher Gewonnene aufs Spiel zu setzen. Hatte er die Daker auch 
nicht vollständig niedergeworfen, so hatten sie doch gewiß einen 
Eindruck von der Überlegenheit der römischen Macht erhalten. Und 
die Hauptsache war: durch die Herstellung der Etappenstraße hatte 
er seine Macht tief in das Innere des Landes vorgeschoben. Das war 
ein wirklicher Gewinn, dessen Bedeutung sich zeigen mußte, wenn 

i) Auf vier in den Boden eingerammten Pfählen ruhte das ganz aus 
, Brettern hergestellte Haus. In den Wänden waren Fensteröffnungen, im Fug- 
boden die Eingangstür. Auch Steinhäuser hatten die Daker (XLV). Die Ort- 
schaften waren durch einen Palisadenzaun geschützt. 



62 

er im nächsten Jahre an die Fortsetzung seiner Arbeit ging. Für dieses 
Jahr war der Krieg im wesentlichen abgeschlossen« 

Die Daker machten, pochend auf ihren vermeintlichen Erfolg, 
einen Versuch, durch Verhandlungen einen günstigen Frieden herbei- 
zuführen. Trajan empfing feierlich ihre Oesandten (XXVII). Aber deren 
trotzige Haltung und ihre Forderungen, die wir nicht kennen, ent- 
sprachen nicht der Sachlage. Eine zweite Gesandtschaft (XXVIII), viel- 
leicht von der römerfreundlichen Partei abgeschickt, um zu vermitteln 
und Trajan umzustimmen, erreichte trotz ihres bescheidenen Auf- 
tretens nichts. 

Bevor der Kaiser den feindlichen Boden aufgab, ließ er die 
Bevölkerung noch einmal alle Schrecken des Krieges fühlen, indem er 
ihr Oebiet, soweit es erreichbar war, durch ausgesandte Streifcorps 
verwüsten ließ. Die hierauf bezüglichen, leider sehr zerstörten Bilder 
gehören zu den lebendigsten und ergreifendsten des Reliefs. Hier 
eilt eine Abteilung Reiter dahin, die durch ihre Bekleidung den Eindruck 
von Halbwilden machen (nach Cich. Pannonii veredarii), auf ungesattelten 
Rossen, in der Rechten eine brennende Fackel, mit der sie die Ort- 
schaften der geflüchteten Bewohner in Brand stecken, die, wie ein 
anderes Bild zeigt, vorher ihre Herden getötet haben, damit sie nicht 
eine Beute der Feinde werden. Dort werden Zurückgebliebene, die 
noch etwas Mut und Kraft in sich fühlen, in aussichtsloser Gegen- 
wehr niedergemetzelt, während Greise und Kinder, scheu um sich 
blickend, fliehen. Viele Frauen und Kinder, darunter eine besonders 
vornehme Frau ') mit ihrem Kinde, werden als Gefangene fortgeführt 
(XXX), zur Ansiedelung auf römischem Boden bestimmt Das 
Schlimmste hat in diesen Szenen der Künstler wohl unterdrückt. 
Hätte Tacitus seinen Plan, die Geschichte Trajans zu schreiben, aus- 
geführt, so hätte er hier wohl ähnlich wie über den Überfall der Marser 
i. J. 14 berichtet (Ann. 1, 51): Caesar avidas legjones, quo latior popu- 
latio foret, quattuor in cuneos dispertit; quinquaginta milium spatium 
ferro flammisque pervastat; non sexus, non aetas miserationem attulit; 
profana simul et sacra .... solo aequantur. 

Trajan ließ dann so viel Truppen in den Kastellen zurück, wie zu 
ihrer Behauptung notwendig war, und kehrte, sei es auf dem alten Wege, 
sei es zu Schiff die Marosch und Theiß hinabfahrend, zur Donau zurück. 

*) Dio 68,9 erzählt unter den Ereignissen des zweiten Kriegsjahres, dag 
eine Schwester des Decebalus gefangen genommen sei. Steht diese Angabe an 
richtiger Stelle, so können wir also in der vornehmen Dakerin die Schwester 
des Königs nicht sehen. 



63 

Der Winterfeldzug d. J. 101/2. 

Wo Trajan sich nach der Rückkehr zur Donau aufgehalten hat, 
darüber ist direkt nichts Bestimmtes fiberliefert. Dio knüpft an die 
Ereignisse des ersten Sommers die des zweiten unmittelbar an, als 
hätte Trajan den Kriegsschauplatz inzwischen gar nicht verlassen. Nur 
durch die Säule wissen wir, daß es auch in dem zwischen diesen 
beiden Sommern liegenden Winter auf römischem Boden zu kriegerischen 
Verwickelungen gekommen ist Fröhner glaubt, Trajan habe sich im 
Winter in Sirmium aufgehalten, während Cichorius, ausgehend von 
einer falschen Deutung der in B. XXXIII dargestellten Bogen, die zu 
beiden Seiten der Mündung des Savus die hier hinüberführende Grenz- 
straße einfassen sollen, für Siscia eingetreten ist. Von derartigen Bogen 
ist aber gar nichts überliefert Das Richtige hat Petersen gefunden, 
der hierin die beiden Torbogen der bereits begonnenen, aber erst 
später vollendeten steinernen Brücke erkannt hat Bewiesen wird dies 
dadurch, daß in B. XCIX der einzige sichtbare Endbogen der fertigen 
Brücke den beiden in XXXIII gleicht und ferner dadurch, daß in beiden 
Bildern dasselbe Kastell, sei es Pontes oder Drobetae, nebst zwei 
anderen ähnlichen Bauten am Ufer zu erkennen ist Da also damals 
die Brücke zwar nicht ganz aber teilweise bestand, so muß sie damals 
im Bau gewesen sein. Und da wir in XXXIII Trajan von der Stelle, 
wo die Brücke entstand, abfahren sehen, so müssen wir annehmen, 
daß er sich nicht von irgend einem Ort dorthin begeben hat, sondern 
daß er sich hier dauernd den Winter über aufgehalten hat, um persönlich 
das große Werk zu fördern, das er sicher schon i. J. 98/99 im 
Zusammenhang mit der mit so großen Schwierigkeiten verbundenen 
Kunststraße plante, ja zu dessen Bau er vielleicht schon damals die 
ersten Anordnungen getroffen hat. Je eher die Brücke fertig war, um 
so größer konnte ihr Nutzen sein. Darum gönnte sich Trajan auch 
im Winter keine Ruhe, zog alle verfügbaren Kräfte für die Arbeit heran 
und beaufsichtigte selbst das Riesenwerk des Meisters Apollodor. Bei 
der Verehrung, mit der die Truppen an der Person des Kaisers hingen, 
mußte seine Anwesenheit außerordentlich fördernd wirken. 

Die Konzentration der Truppen am Eisernen Tor hatte freilich 
eine Schwächung des Grenzschutzes, besonders im Osten, zur Folge. 
Diese günstige Gelegenheit benutzten die Daker und machten in 
Gemeinschaft mit sarmatischen Rhoxolanen, die nördlich von der Donau 
im heutigen Bessarabien wohnten, einen Einfall in Moesia inferior. 

Die Rhoxolanen waren alte Römerfeinde. 1. J. 68 hatten sie in 
Mösien zwei römische Kohorten vernichtet, waren, durch diesen Erfolg 



64 

ermutigt und von Beutelust getrieben, in den beiden folgenden Jahren 
wiedergekommen und hatten sich über die Provinz zerstreut. Tac. 
hist. I, 79 gibt eine Beschreibung dieses Volksstammes, zu der die 
Darstellung auf der Säule (XXXI u. XXXVII) eine interessante Illustration 
ist Roß und Reiter sind von oben bis unten in einen Schuppenpanzer 
gehüllt, der an den Armen nur die Finger frei läßt und bis auf die in 
niedrigen Schuhen bestehende Fußbekleidung herabgeht. Der mit 
langem Haar bedeckte Kopf ist mit einem kegelförmigen, von Bügeln 
umzogenen Helm mit Wangen- und Nackenschutz bedeckt. Der 
Panzer machte den Schild entbehrlich. Ihre Waffe waren Lanze und 
langes Schwert. Der Gesichtsausdruck, besonders die kleinen, 
geschlitzten Augen weisen auf die mongolische Rasse hin. 

Mit ihren Rossen durchschwammen Daker und Rhoxolanen in 
getrennten Haufen die Donau, hieben die römischen Abteilungen, die 
sich ihnen etwa entgegenstellten, nieder und zogen in einzelnen Korps 
sengend und mordend durch die ganze Provinz. 

Auch die Kastelle und größeren Festungen 1 ) griffen die Daker 
ungestüm an (XXXII). Belagerungswerkzeuge, die sie den Römern 
nachgemacht und mit denen umzugehen die in ihrem Heere dienenden 
Römer 8 ) sie wohl gelehrt hatten, führten sie mit sich und suchten 
durch Widder die starken Quadermauern, denen sie sich furchtlos 
näherten, zu erschüttern. Aber hier gebot ihnen die Tapferkeit der 
Besatzungen halt. Mit blutigen Köpfen wurden sie von den Wällen 
zurückgeschickt. 

Auf die Nachricht von dem Einfall unterbrach Trajan sofort seine 
Tätigkeit beim Bau der Brücke und begab sich mit Verstärkungen 
(Prätorianern) zu Schiff. Er fuhr die Donau hinab, wobei er selber, 
wie er es gern tat, das Steuer führte, und landete bei einem Kastell 
auf dem rechten Ufer (Novae?). Hierauf ging er zu Pferde und zog 
an der Spitze leichter Truppen zu Pferde und zu Fuß, unter denen 
wir halbnackte Keulenschwinger und das Haupt mit Tierfell bedeckte, 
im übrigen in Auxiliaruniform gekleidete Barbaren erkennen, in südlicher 
Richtung, um den Feinden den Rückweg abzuschneiden. Noch während 
des Marsches (XXXVI) erhielt er die Nachricht, daß Reiterei die 
Sarmaten, die auf die Nachricht von dem Herannahen Trajans auf 
ihren flinken Rossen bereits den Heimweg angetreten hatten, erreicht 



i) v. Domaszewski glaubt, das XXXII angegriffene Kastell sei Troesmis. 
Man braucht an ein bestimmtes Kastell überhaupt nicht zu denken. 

*) XXXII, 78 erkennen wir leicht einen Römer in Dakerkleidung. Derselbe 
Mann erscheint auch XXXVIII, 97, und zwar im Kampfe mit einem Auxiliar. 



65 

und bis auf wenige, die entkommen seien, vernichtet hätten (XXXVII). 
Dasselbe Schicksal ereilte gleichzeitig eine der beim Einfall beteiligten 
Dakerabteilungen (XXXVIII). Zwar schon auf dem Rückwege, aber 
doch noch sudlich von der Donau befindlich, hatte sie das bisherige 
Glück in Sicherheit gewiegt , So versäumten sie Nachts die notwendigen 
Vorsichtsmaßregeln. Die mit Beute beladenen Wagen stellten sie 
zusammen und gaben sich in deren Nähe, ohne vorher Wachen 
bestimmt zu haben, der nächtlichen Ruhe hin. Da sahen sie sich 
plötzlich von den Römern, die sie beobachtet und umgangen hatten, 
von mehreren Seiten zugleich angegriffen. Sie versuchten zwar ver- 
zweifelte Gegenwehr, konnten sich aber vor einer völligen Niederlage 
durch die Auxiliartruppen nicht bewahren. 

Mit der Hauptmacht der Daker stieß Trajan selber am Fuße des 
Balkan zusammen und schlug sie entscheidend. Da nach dem Bilde 
XL und XLI alle Waffengattungen zugegen waren, muß die Schlacht 
vorher geplant gewesen sein. Sie wurde, wie immer, von den Auxiliaren 
eröffnet, aber nicht mit ausreichendem Erfolge. Darum gab Trajan 
den Legionen Befehl vorzugehen. Auch sie fanden harten Widerstand, 
sodaß beide Parteien starke Verluste hatten. Da griff auf dem linken 
Flügel die römische Reiterei ein, und zugleich äußerte die Artillerie 
eine unwiderstehliche Wirkung. Diesen beiden Oewalten gegenüber 
mußten die Daker weichen, zumal sie Verstärkungen für die Legionen 
und die Artillerie heranrücken sahen. So endete der Kampf mit einem 
entschiedenen Siege der Römer. Viele Tote bedeckten das Schlachtfeld 
In großer Zahl wurden die Feinde abgeschnitten und gefangen genommen, 

Das Relief lehrt uns bei dieser Gelegenheit die Beschaffenheit 
und Verwendung der römischen Feldartillerie. Die von zwei Maul- 
tieren gezogenen Geschütze sind seitwärts hinter der Schlachtreihe auf- 
gefahren. Damit die Geschosse Raum haben, sind die Tiere zur Seite 
geführt. Dies war gewiß das Werk eines Augenblicks, da die Geschütze 
keine Deichsel hatten. Sie stellen einen auf zwei Rädern ruhenden 
Kasten dar, auf dem vorn zwischen zwei aufrecht stehenden Pflöcken 
ein bogenförmiges Holz angebracht ist, unterhalb dessen die Geschosse 
liegen, die von einem hinter dem Kasten stehenden Legionär mittelst 
einer Kurbel fortgeschnellt werden. 

Zur Erinnerung an diese Siege über Daker und Sarmaten 
gründete Trajan die Stadt Nicopolis 1 ) ad Haemum, das heutige Stari- 

i) Ammianus Marcellinus 31, 5, 15 Nicopolis, quam indicium victoriae 
contra Dacos Traianus condidit Jordanes, Getica XVIII quam (Nicopolim) 
devictis Sarmatis Traianus et fabricavit et appellavit Victoriae civitatem. 



66 

Nicup bei Tirnova. Selbstverständlich sollte in dieser Stadt haupt- 
sächlich das Andenken an den letzten, von Trajan selbst erfochtenen 
Sieg fortleben. Nach dem im Altertum bestehenden Brauch wählte 
man für solche Sieges Städte den Platz, auf dem der Sieg erfochten war, 
oder die Stelle des Lagers, von dem der Sieger sich zur Schlacht be- 
geben hatte. Deshalb muß die letzte Schlacht auf dem Boden von 
Nicopolis oder in der Nähe geschlagen sein. Der Künstler hat den 
Zusammenhang der Schlacht mit der Stadtgründung dadurch aus- 
gedrückt, daß er das Schlachtenbild mit der nachfolgenden allocutio 
auf beiden Seiten mit je einem Bilde der neuen Stadt umgab, nach 
der die erste Gefangenengruppe den Blick richtet und in der nachher 
die Oefangenen erscheinen. Hier findet auch ein langer Zug von 
Männern, Frauen und Kindern Aufnahme Petersen glaubt in ihnen 
die im Sommer d. J. 101 in die Gefangenschaft in römisches Gebiet 
fortgeführte Bevölkerung zu erkennen, besonders auch die Fürstin mit 
ihrem Kinde, eine vornehme, edle Erscheinung. Sie trägt, wie alle 
Dakerinnen, ein langärmeliges, bis auf die Füße reichendes, unten in 
enge Falten gelegtes Untergewand, darüber einen Überwurf. Das nach 
hinten gekämmte Haar ist mit einem Bande umwunden und hinten 
zusammengenommen. 

Trajan begab sich darauf dorthin, wo er auf der Hinreise gelandet 
war, und fuhr die Donau hinauf zum Ausgangspunkte zurück. 



Der Sommerfeldzug d. J. 102. 

Mit Beginn des Sommers nahm Trajan die Offensive gegen die 
Daker wieder auf. Sein Kriegsplan ging dahin, von Osten her gegen 
Sarmizegetusa vorzurücken, um diese Hauptstadt, wenn nötig, durch 
einen Angriff von zwei Seiten unter Mitwirkung der im Westen zu- 
rückgelassenen Truppen zu nehmen. Darum beschloß er, in einem 
Heereszuge vorzugehen, und zwar von derselben Stelle aus, wo im 
Jahre vorher der östliche Flügel in unmittelbarer Nähe der steinernen 
Brücke über die Donau gegangen war. 

Deutlich erkennen wir in XLVI1I die Landschaft von III wieder, 
besonders auch die auf mösischer Seite gelegene Festung mit den 
drei Toren, aus deren dem Flusse am nächsten gelegenen die Truppen 
damals auszogen. Und doch zeigt nähere Betrachtung, daß hier um- 
fangreiche Veränderungen seit dem vorigen Jahre vorgenommen sind. 
Zunächst ist unmittelbar am Fluß ein Brückentor erbaut und dieses 
mit der Burg durch eine Palisadenbefestigung verbunden. Auf der 



67 

linken FluBseite sind unmittelbar vom Ufer aus zwei lange Parallel- 
mauern aus Quadersteinen gebaut. Sie ziehen sich durch ebenes 
Terrain und münden bei einem Bergkastell, zu dem ein Zickzackweg 
heraufführt. Noch ist dieses Werk nicht in allen seinen Teilen zum 
Abschluß gebracht. So ist die hintere der beiden Mauern noch nicht 
ganz fertig, auch fehlt ihr noch der Turm, der die vordere abschließt, 
und zwischen beiden vermissen wir ein Tor 1 ) als Zugang zum Kastell. 
Soviel erkennen wir, daß es sich um ein größeres Verteidigungswerk 
zur Sicherung des Flußübergangs handelt, das im letzten Winter aus- 
geführt ist, aber infolge der kurzen Zeit noch nicht hat fertig gestellt 
werden können. 1 ) Sicherlich werden die beiden Mauern mit dem 
Kastell nicht bloß dem Schutz der Schiffsbrücke, die in absehbarer 
Zeit überflüssig werden mußte, sondern auch der in nächster Nähe zu 
denkenden, im Bau befindlichen steinernen Brücke gedient haben, so- 
daß ein Angriff auf diese nicht erst beim Brückenkopf zurückgeschlagen 
werden brauchte. In der Tat sollte sich diese Anlage als notwendige 
und wirksame Schutzwehr erweisen. Denn wir wissen, daß zu Beginn 
des zweiten Krieges die Daker auf diese Mauern (XCV), die hier 
tatsächlich in der Nähe der fertigen Brücke (XC1X) erscheinen, einen 
Angriff unternahmen. Schon waren sie zwischen jene eingedrungen, 
als der in der Nähe weilende Trajan herbeieilte und sie glücklich 
zurückschlug (XCV11). 

Nach ihrem Übergang wurden die Truppen — Fußvolk, Reiterei 
und Troß — von dem genannten Bergkastell 8 ) aus von Trajan be- 
grüßt, der sich dann an die Spitze des Zuges zum Einmarsch in 
Feindesland stellte. 



*) Petersen hat erkannt, dass der auf der rechten Seite der Bürg dar- 
gestellte Zickzackweg nur eine Grundrisszeichnung des auf der andern Seite 
wirklich dargestellten Weges ist. Der Grundriss aber bietet auch das Tor, das 
in der Ausführung fehlt, weil es wohl damals noch nicht vorhanden war. 

*) Nach von Domaszewski (Philologus 65. S. 232) beginnen die Mauern 
bei Oescus, wo er die Schiffsbrücke annimmt, und gehen durch die Ebene bis 
an das Gebirge, das zwischen Drobetae und Dierna die Donau erreicht. Nach 
seiner Auffassung dienen sie nicht in erster Linie zur Sicherung der Brücke, 
sondern sollen die ganze Landstrecke nördlich von der Donau zwischen Oescus 
bis Dierna schützen. Doch konnten wir die Schiffsbrücke bei Oescus nicht an- 
setzen (S. 54). Wollte Trajan weite Strecken des römischen Gebietes auf diese 
Weise schützen, so hätte er wohl auf den natürlichen Schutz, den der Fluss 
bot, nicht verzichtet und die Befestigung nicht nördlich von der Donau, wo bei 
einem glücklichen Angriff der Feinde die ganze Besatzung verloren war, 
sondern südlich angelegt. 

») Nicht Bumbesti, wie Cichorius meint 



68 

Die Daker versuchten noch durch eine Oesandtschaft von Comati 
den Kaiser umzustimmen, jedoch vergeblich (LH). Das darauf in der- 
selben Weise wie zu Anfang des Zuges 101 stattfindende Reinigungs- 
opfer (LIII) bezeichnete den eigentlichen Beginn des Krieges. 

Da für einen Angriff auf Sarmizegetusa die Ober die Teregowaer 
Schlüssel führende Straße nicht in Betracht kam 1 ), blieb Trajan nur 
zwischen zwei Straßen die Wahl, einer kürzeren durch das Schyltal 
und den Vulkanpaß und einer längeren über den Rotenturmpaß. Beide 
waren für Truppen schwierig, immerhin aber passierbar, selbst für 
Reiterei. Da Trajan gewiß vermeiden mußte, seine Kräfte durch einen 
unnötig langen Anmarsch unter mancherlei Schwierigkeiten zu schwächen, 
muß man es von vornherein für wahrscheinlicher halten, daß er den 
Vulkanpaß benutzt hat. Cichorius in seinem Kommentar hat nach- 
zuweisen versucht, daß Trajan die längere Straße gezogen ist, und hat 
die einzelnen Ereignisse des Krieges, wie sie auf der Säule dargestellt 
sind, an ganz bestimmte Örtlichkeiten dieser Route geknüpft. Hiernach 
zog Trajan von Bumbesti im Schyltale direkt nach Osten und traf 
bei der Station Buridava (Rimnik) auf die von Oescus ausgehende, in 
das Alttal führende Römerstraße, die er dann weiter verfolgte. Diese 
verließ bei dem weiter nördlich gelegenen Castra Traiana den Fluß, 

*) v. Domaszewski a. a, 0. S. 334 ff. ist allerdings gerade für diese 
Strasse eingetreten. Er setzt B. LI = ad Mediam, LH = Praetorium, LVI = 
ad Pannonios, LVIII = Gaganis, LX s= Masclunis. In LXI soll eine Vereinigung 
von Viminacium aus heranrückender Truppen mit dem Heere des Kaisers dar- 
gestellt sein, in LXII das Schlachtfeld von Tapae: im Tale das Heer und auf 
den Höhen den Gefallenen errichtete Grabkapellen, von den Römern bewacht 
LXIV wird als Umgehung der Stellung der Daker im Eisernen Torpass durch 
die Numider, LXV als Befestigung des eroberten Passes erklärt Auf eine 
Lokalisierung aller folgenden Kämpfe wird verzichtet, v. Domaszewski nimmt 
also an, dass die kriegerischen Operationen bei Tapae, wo sie im ersten Jahre 
zum Stillstand kamen, wieder aufgenommen wurden. Hierdurch gewinnt er 
eine an sich sehr einleuchtende Erklärung dafür, dass Xiphilinus an die Er- 
wähnung der Schlacht bei Tapae mit Übergehung aller zum Teil bedeutsamen, 
dazwischen liegenden Ereignisse die Geschehnisse des zweiten Winters un- 
mittelbar anschliesst Aber was soll für die Annahme sprechen, dass in LXII 
das Schlachtfeld von Tapae dargestellt ist? Nur die auf den Höhen stehenden 
Rundbauten, die v. D. für Grabkapellen hält, die Trajan den Gefallenen er- 
richtet habe, während doch Dio nur von einem Altar zu erzählen weiss. Diesen 
haben wir uns aber auf dem Schlachtfelde selbst, d. h. in der Ebene zu denken. 
Wer wird in dem Terrain von LXII irgend eine Ähnlichkeit mit dem von XXIV 
finden? Die Auffassung des einen Bildes ist aber für v. D. bestimmend für 
die Erklärung der folgenden und vorhergehenden, die noch weniger charak- 
teristische Merkmale dessen, was er in ihnen zu erkennen glaubt, zeigen. 



69 

um den Oebirgsstock des Kozia im Osten zu umgehen und, bei 
Tilesti sich teilend, bei Praetorium (Capaceni) und Pons Vetus (Chineni) 
zum Alt zurückzukehren. Bei Caput Stenarum folgte sie weiter dem 
Lauf des Cibin, ging bei Cedoniae (Hermanstadt) nordwestlich auf 
das Marostal zu, das sie bei Apulum erreichte und bis zur Mündung 
des Strelltales verfolgte, welches schließlich auf Sarmizegetusa zu führte. 

Cichorius stützt sich im wesentlichen auf zwei charakteristische 
Bilder, für die er die Örtlichkeit genau bestimmen zu können glaubt, 
nämlich LVII, wo Trajan über zwei durch Land getrennte Brücken 
reitet, was Cichorius auf einen Obergang vom linken Ufer des Alt 
auf das rechte unter Benutzung einer Flußinsel bei Robesti bezieht 
(photographische Ansicht S. 267 des Kommentars), und das in LXXIV 
dargestellte Felsbassin, das ihm mit dem des jetzigen Kis Kalan, dem 
römischen Aquae im Strefltale (photogr. Ansicht S. 349) identisch zu 
sein scheint. Jedoch gehören LXXIV— LXXVI inhaltlich so eng zu- 
sammen, daß sie auch örtlich unmöglich zu trennen, also bei Sarmize- 
getusa anzusetzen sind (Petersen S. 80 ff). Das einzige Bild LVIII 
wird aber nicht genügen, um danach den ganzen Weg, den Trajan 
gezogen ist, zu bestimmen, zumal die gegebene Deutung nicht 
zwingend ist Im einzelnen spricht sogar so viel gegen die örtlichen 
Bestimmungen der einzelnen Kriegsereignisse, daß der Versuch, diese 
Straße als die von Trajan benutzte nachzuweisen, als nicht gelungen 
bezeichnet werden muß. Dieses negative Ergebnis, wie es Petersen 
ausführlich dargetan hat, ist deshalb von so großer Bedeutung, weil 
damit nach dem oben Gesagten eigentlich schon der Beweis erbracht 
ist, daß Trajan den Weg über den Vulkanpaß gezogen ist Ob es 
jemals gelingen wird, auch für die einzelnen Ereignisse des Krieges 
die auf der Säule dargestellte Landschaft zu bestimmen, was natürlich 
nur auf Grund eines Vergleiches mit der Natur des Landes geschehen 
könnte, muß dahingestellt bleiben. Einstweilen können wir nur für 
die letzte Schlacht die Örtlichkeit ungefähr bestimmen und müssen 
uns im übrigen darauf beschränken, den Gang des Ereignisses selbst 
nach dem Relief mit Hinzuziehung der bei den Schriftstellern er- 
haltenen Angaben festzustellen, was ja auch wichtiger ist 

Trajan rückte auf der Gebirgsstraße vor, ohne zunächst Wider- 
stand zu finden. Die Ortschaften der geflüchteten Bevölkerung gingen 
gewöhnlich in Flammen auf (LVII, LIX). Die Daker beobachteten ihn 
zwar, hielten ihn aber nicht auf, sondern zogen sich zurück (LIX 1 ), 



*) Nach Cichorius über den Perisaner Paft. 



70 

Jedes neue Kastell, das sie wie im Jahre vorher auf ihren Bergen 
entstehen sahen (Plin. epist. VIII, 4 insessa castris montium abrupta), 
mahnte sie, daß sie einem übermächtigen Gegner gegenüberständen, 
der es auf ihre Freiheit abgesehen habe. Darum suchten sie das 
Schlimmste durch eine Gesandtschaft abzuwenden. Und zwar schickten 
sie nicht, wie vorher, Comati sondern Pileati. Diese legten vor dem 
Kaiser die Waffen nieder, warfen sich zur Erde und baten ihn um 
eine persönliche Unterredung mit Decebalus, der allen Befehlen nach- 
kommen werde; wenn er sich dazu nicht entschließen könne, solle er 
wenigstens einen Vertreter schicken. Trajan lehnte die Zusammenkunft 
ab, entsandte aber den bei ihm hochangesehenen Licinius Sura und 
den praefectus praetorio Claudius Livianus ins feindliche Lager. Doch 
wurde kein Ergebnis erzielt. Diese Erzählung, die auf Dio 68,9 zurück- 
geht, wird durch die Säule bestätigt, wo in B. LXI der Empfang eines 
Pileatus in der beschriebenen Weise stattfindet. Nach Dio wurde die 
Gesandtschaft ttqo rijs ijac^g abgeschickt; auch dieses Bild hat seinen 
Platz vor der Hauptschlacht. Auch auf der Säule sind alle vorher 
abgeschickten Gesandten Comati. Also bezeichnen der schriftliche 
Bericht und die künstlerische Darstellung sicher den gleichen Vorgang. 
Aus der Entsendung von Pileati geht aber hervor, daß es Decebalus 
mehr denn je um eine friedliche Lösung zu tun war. 

Die Römer rückten weiter vor und stießen dabei nach Dio auf 
oqi] msmxttfjitwa, d. h. auf Berge mit eingebauten Bollwerken. Wir 
erwarten hiernach wohl ähnliche Befestigungen wie in B. XXV. In 
LXII sehen wir in Gebirgssenkungen eine Kette runder Türme aus 
Quadersteinen mit abfallendem Bretterdach, das jedesmal mit einem 
Klappfenster versehen ist. Von einem festen Lager aus scheinen 
Legionssoldaten in einzelnen Abteilungen gegen diese Türme vorzu- 
rücken. Nach der ganzen Situation möchte man zu der Annahme 
geneigt sein, daß durch sie Befestigungen angedeutet werden sollen, 
und so wieder in dem Bilde eine Darstellung des von Dio erwähnten 
Vorganges erkennen. Ob diese Auffassung jedoch richtig ist, ist des- 
halb sehr zweifelhaft, weil Türme dieser Art dem Zwecke der Ver- 
teidigung nicht genügen zu können scheinen und von dem Feinde 
hier auch nichts zu sehen ist. Pollen vermutete Grabkapellen, eine 
Erklärung, die v. Domaszewski wiederaufgenommen hat, Petersen 
Schatzhäuser. 

Die Römer eroberten die Bergfesten und erbeuteten viele Waffen 
und Kriegs Werkzeuge; auch fanden sie den Legionsadler, der unter 
Domitian mit dem Heere des Fuscus verloren gegangen war, so wie 



71 

i. J. 15 Stertinius inter caedem et praedam den unter Varus verloren 
gegangenen Adler der 21. Legion gefunden hatte (Tac. Ann. 1,60). 

Die jetzt folgenden offenen Schlachten wurden eingeleitet durch 
einen Kampf mit einer Abteilung maurischer Reiter (LX1V), die unter 
Fuhrung des Lusius Quietus freiwillig unter die Fahnen Trajans 
getreten waren, wie durch Dio 68, 32 bekannt ist: Kvfjiog Joimog 

MavQog wv JaxtxaS noXe/xov evttoavtog xal tov Tqautvov vqg %w 

MavQwv 0vfifiaxto$ det}&&wog rjX&e re TtQog avtov avujmyyeXwg xal fieydXa 
fyya ämdeiizaio. Über den Kampf selbst berichtet Dio 68, 8: Jovatog 
§t£Qü>&t, r^ogßaXm xal i<p6v$vae noXXovg xal Üdy^ce nXelovag. Das 
unbestimmte und unklare he'Qo&i nötigt an sich nicht, die Operationen 
des Lusius Quietus vollständig von den des übrigen Heeres zu 
trennen, wie es Cichorius getan hat, der ihn durch den Vulkanpaß 
ziehen läßt, während er das Hauptheer um diese Zeit noch im Alttale 
befindlich annimmt. Nach der Säule werden die Mauren während 
des Kampfes von Trajan von einer Höhe aus beobachtet (LXW), folglich 
ist ihr Vorgehen örtlich nicht ganz zu trennen. Es scheint sich um 
einen Umgehungsversuch gehandelt zu haben. 

Interesse erregt die Erscheinung der maurischen Reiter, großer 
und kräftiger Gestalten mit merkwürdiger Haartracht Sie haben das 
Haupthaar künstlich zu langen Locken gedreht, eine an die andere 
gereiht. Der Bart, wo er sich zeigt, ist ebenso behandelt. Die Beine 
und Füße sind völlig nackt, der Oberkörper ist nur mit einem ärmel- 
losen kurzen Gewände bedeckt, das an der rechten Schulter zusammen- 
genommen und in der Taille gegürtet ist. Mit der Linken führen sie 
einen kleinen Rundschild, mit der Rechten einen Wurfspeer. So sitzen 
sie auf kleinen, langgeschweiften Pferden ohne Sattel und ohne Zügel, 
an dessen Stelle ein um den Hals gelegter Gurt getreten ist. Diese 
Darstellung entspricht fast genau der Beschreibung der Mauren bei 
Strabo XVIII, 828: xaXXwmtovrai d'ofxwg xofitjg ifjutXoxy xal 7twyam . . . 
(idxovtai S'lTCPmat jo nXeov änb axovvog, <S%oivo%aXivoig XQ^fievot, rolg 
"rmoig xal yvfivoig. Z%ov(Sv de xal fia%aCQag . . . /xixQOtg Ximoig XQwfievoi, 
o£eai Se xal evmt&eöiv Sxri and §aßdiov olax&etöai . . . tvsXttj f.uxqä 
ßvqaivriy nXatvXoy%a i*>t*Qa. 

Nach der Drachenfahne zu urteilen, war es eine größere Abteilung, 
die ihnen gegenüberstand. Nach kurzem Gefecht gaben die Daker 
die Sache auf, viele von ihnen wurden getötet oder gefangen genommen, 
doch scheint der Rückzug geordnet vor sich gegangen zu sein. 
Ingrimm und Verzweiflung spricht aus den Gesichtszügen der aus 
dem Kampfe Zurückkehrenden. Sahen doch nach dieser Probe viele 



72 

voraus, daß sie auch in offener Schlacht nicht ihren Mann würden 
stehen können und das Schicksal entschieden sei. 

Bald sollte der Hauptzusammenstoß 1 ) (LXVI) erfolgen. Wie Im 
Jahre vorher die Daker bei der Annäherung Trajans aus den Festungs- 
werken, durch die sie das Bisztratal gesperrt hatten, zur Schlacht 
herausgekommen waren, so zogen sie auch jetzt den Römern von 
ihren Festungen aus entgegen, die sie auf der Höhe im Gebirge 
erbaut hatten. Das Relief stellt zwei Festungen dar, einen den Römern 
näher gelegenen kleinen Bau mit Palisadenbefesfigung (LXVII) und 
einen weiter entfernten stattlichen von größerer Ausdehnung (LXVII). 
Die kunstvollen, aus Säulen mit darüber liegendem Gebälk gebildeten 
Tore lassen auch in diesem Bau eine Arbeit römischer Meister 
vermuten. Es muß ein besonders wichtiges Bollwerk gewesen sein. 
Von den Befestigungen begaben sie sich hinab und besetzten einen 
Wald, um von hier aus gegen die in der Nähe befindlichen Römer 
hervorzubrechen. Ihre Aussichten schienen nicht ungünstig zu sein. 
Denn abgesehen davon, daß sie an dem Walde einen starken Rückhalt 
hatten, senkte sich auch das Gelände in der Richtung nach den 
Römern. 

Diese hatten wohl einen Angriff erwartet, vor ihrem festen 
Lager hatten sie nach dem Feind zu Schanzwerke in Gestalt kreuz- 
weise übereinandergeschichteter Balken herzustellen angefangen, an 
denen sie noch während des Kampfes arbeiteten, wie Caes. bell. 
Oall. III, 29 schreibt: Caesar Silvas caedere instituit et . . . omnem 
eam materiam, quae erat caesa, conversam ad hostem collocat. Die 
Römer waren also concaedibus muniti (Tac. ann. I, 50). 

Trajan selbst leitete wieder die Schlacht, von seinem Stabe 
umgeben. Auf die Reiterei verzichtete er dieses Mal, weil ihre Ver- 
wendung im Walde, bis in den weit hinein der Kampf sich erstreckte, 
Schwierigkeiten gemacht hätte. Die Auxiliartruppen, unterstützt von 
der Artillerie, die teils auf den Mauern des Kastells teils in den 
Verschanzungen Stellung genommen hatte, schlugen die Schlacht. 
Legiones pro vallo stetere, ingens victoriae decus citra Romanum 
sanguinem bellanti et auxilium, si pellerentur (Tac. Agr. 35). Offenbar 
haben sie nicht nötig gehabt einzugreifen, wie in der Hauptschlacht 
des Winters. 

Unter den Auxiliaren bestand der bei weitem größere Teil aus 
Irregulären. In den vorderen Reihen sehen wir die oben beschriebenen 

*) Nach Cichorius am Zusammenfluß des Alt und Cibin. 



73 

Keulenträger mit nacktem Oberkörper, in den hinteren Schleuderer 
und Bogenschützen. Letztere tragen dieselben Schuppenpanzer und 
dieselbe Kopfbedeckung wie die sarmatischen Rhoxolanen in B. XXXI 
und XXXVII. Da diese aber Feinde der Römer waren, außerdem 
stets beritten auftreten, wird an einen anderen sarmatischen Stamm 
zu denken sein. Die beiden Schleuderer haben mir den Oberkörper 
bekleidet, und zwar mit einer kurzärmeligen, gegürteten Tunika. Das 
sagum, das sie darüber tragen, dient zur Aufnahme der Geschosse, 
die der eine vermittelst einer Schleuder wirft (funditor), der andere 
mit freier Hand schwingt (librator). Der Riemen, der sich bei sonst 
unbedecktem Haupt von den Schläfen zum Kinn herunterzieht, macht 
sie (nach Gchonies S. 311) als Balearen kenntlich. Diese waren nach 
Diodor V, 18 mit drei Schleudern versehen: eine trugen sie um den 
Kopf, eine zweite um den Leib, eine dritte in der Hand. 

Die hier verwendeten Feld- und Festungsgeschütze sind ähnlich 
gebaut wie die oben beschriebenen. Die Art der Bespannung ist 
die gleiche. 

Die Daker, unter denen wir auf der Säule wieder besonders 
viele Pileati bemerken, wurden zurückgeschlagen. Eine größere 
Abteilung machte noch den Versuch, unter Benutzung eines Seitentales 
den linken Flügel der Römer zu umgehen, doch ohne Erfolg 1 ). Es 
war ein voller Sieg, den die römischen Waffen erfochten. Noch 
während des Kampfes gaben einige Häuptlinge die Sache ihres Volkes 
auf und gingen zu den Römern über. 

Wie nach dem Kampfe bei Tapae zogen sich die Daker auch 
nach dieser Schlacht, die wir als die Hauptschlacht dieses Jahres 
anzusehen haben, in die Festungen zurück, von denen sie ausgegangen 
waren. Aber während damals die Römer keinen Eroberungsversuch 
gemacht hatten, gingen sie jetzt zu ihrem Sturme vor. Damit begann 
der letzte Akt des Krieges, der zugleich zur Katastrophe führte. 

Nach dem Kampfe rückten zunächst die siegreichen Auxiliare 
gegen die kleine Festung vor. Vor den Toren kam es zu einem 
Oefecht (LXX) gegen die entweder noch auf dem Rückzuge befind- 
lichen oder ausfallenden Daker. Dieselben barbarischen Keulenschwinger 
und Schleuderer, die in der Hauptschlacht unser Interesse fesselten, 

i) Cichorius (S. 313) trennt diese Gruppe vollständig von dem eigentlichen 
Schlachtenbilde und meint, sie eile aus denPMarostale dem Kampfplatze zu, 
treffe aber nicht mehr zur rechten Zeit ein. Schon dag das auf der Höhe 
stehende Geschütz offenbar von Leuten dieser Truppe bedient wird, beweist, 
daß sie zu dem Schlachtenbilde gehört. 



74 

sehen wir hier im Sturmschritt vordringen. Die hintere Linie nimmt 
eine Gruppe Bogenschützen ein, die durch ihre merkwürdige Tracht 
als Orientalen (Palmyrener nach Cichorius) gekennzeichnet sind* Ein 
weites bis auf die Füße reichendes Gewand hüllt den Krieger ein, 
darüber ist ein gefranster Koller gezogen. Der Kopf ist mit einem 
kegelförmigen Helm, der einen Nackenschutz hat, bedeckt. Der 
Rücken trägt den Köcher. 

Die Daker wurden unter sehr starken Verlusten in die Festung 
zurückgetrieben und diese dann erobert. 

Gegen die Hauptfestung zogen die Legionen (LXXI). Nach 
einem für die Daker verlustreichem Kampfe vor den Toren schritten 
sie gegen die von zinnengekrönten Mauern Geschosse schleudernden 
Feinde, eine testudo bildend, wobei die erste Reihe, im Bilde nicht 
sichtbar, die Schilde dicht geschlossen vor sich hielt, die folgenden 
über dem Kopfe, die rechts und links an der Seite stehenden seitwärts. 
Trajan scheint bei diesem Sturm, der mit dem Fall der Festung 
endete, nicht zugegen gewesen sein. 

Nach Dio 68, 9 fällt zwischen die Besetzung der ÖQt] revewafitva 
und den Friedensschluß die Gefangennehmung einer Schwester des 
Decebalus und die Eroberung einer starken Festung ix^iov u UfyvQw)* 
und zwar erfolgte beides durch Maximus Laberius, den Statthalter 
von Niedermösien, den wir im ersten Kriegsjahre das östliche Heer 
führen sahen. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm für das 
Jahr 103 die Ehre zu teil, das Konsulat zusammen mit Trajan zu 
bekleiden. Bei der Bedeutung, die das Relief der Festung beilegt, 
darf man annehmen, daß dies die von Maximus Laberius eroberte ist 
Cichorius vermutet in ihr die bei dem heutigen Grediste nachgewiesene 
noch jetzt in Trümmern vorhandene Festung, die in der römischen 
Kaiserzeit zerstört wurde. Die hier in großer Zahl gefundenen Münzen 
stammen zum Teil noch aus der Zeit Trajans, doch geht keine über 
das Jahr 102 hinaus. Auch wenn man den Schauplatz des zweiten 
Kriegsjahres anders bestimmt, als Cichorius es tut, ist die Möglichkeit, 
daß die bei Grediste gelegene Festung damals zerstört wurde, nicht 
von der Hand zu weisen. 

Noch einen letzten verzweifelten Kampf versuchten die Daker 
(LXXII). Er muß unweit Sarmizegetusa stattgefunden haben 1 ), da die 



*) Cichorius legt ihn an den Eingang des Strelltales und lägt die Daker 
durch dieses auf Sarmizegetusa zu fliehen. 



75 

nachfolgenden Ereignisse, die das Ende des Krieges bezeichnen, sich 
an den Toren der Stadt abspielen. 

Das Gefecht stand wohl längere Zeit, da die Auxiliare den hier 
mit besonderer Wut andringenden Feinden nicht sogleich erfolgreichen 
Widerstand leisten konnten. Deshalb gab Trajan einer Abteilung der 
auch hier im Hintergrunde stehenden Legionen Befehl zum Vorgehen. 
Aber auch diese wich zum Teil zurück. Schließlich trug die Tapferkeit 
der Auxiliare doch den Sieg davon. Viele Feinde erschlugen sie und 
bahnten sich über Leichenhügel den Weg. Nicht einmal Ver- 
wundete schonte man, auch hier bildeten die Köpfe der Erschlagenen 
die Siegeszeichen. Die Daker flohen auf Sarmizegetusa zu, nicht 
geordnet, sondern in Eile und höchster Erregung. 

Decebalus blieb nur übrig, eine Belagerung seiner Hauptstadt 
auf sich zu nehmen oder sich zu unterwerfen. Im ersteren Falle war 
der Ausgang nicht fraglich. Die seit d. J. 101 im Westen des 
Eisernen Torpasses stehende Armee wäre zur Mitwirkung herangezogen, 
den Ansturm beider Heere hätte die Festung nicht aushalten können. 
In dieser Erkenntnis entschloß sich Decebalus zur Unterwerfung, 
jedoch mit dem Hintergedanken, die einzugehenden Bedingungen nicht 
zu halten, sondern auf diese Weise nur Zeit zu gewinnen, um sich 
für einen neuen Kampf zu erholen. 



Der Friede. 
Die Friedensbedingungen sind uns in dem Auszuge Dios über- 
liefert (68,9). Sie lauteten: 

1. Die Waffen, die Kriegsmaschinen und die (römischen) 
Maschinenbauer sollten ausgeliefert werden; 

2. auch die Oberläufer; 

3. die Festungen sollten niedergerissen werden (xä iQvpma 
xa&eX€ft>); 

4. das eroberte Land sollte geräumt werden (vqg xJ^ag tijg 
iaXcaxvCag aTTortijvai); 

5. Freund und Feind sollten die Daker mit den Römern 
gemeinsam haben (tovg amovg $x&Q°v$ * av y&ovg volg 'Paixaioig 
vofi&ew) und 

6. keine Römer aufnehmen und keine Angehörigen des römischen 
Reiches im Heeresdienst verwenden (pfa aviwv ohag tivä 
vnoS§%Btöait pqve mQanwqj nvl ix tijg %<m> 'Pwfxaiw ä^xijg 
XQrjö$cu). 



76 

Die Worte tfj< %iaqaa tH* taXwxviaa beziehen die meisten Ausleger 
auf von den Römern erobertes Dakeriand und meinen, die Daker 
hätten schon jetzt das ganze im Kriege besetzte Land von der Donau 
bis zum Alt und Maros mit der Hauptstadt Sarmizegetusa an 
die Römer abgetreten. Aber die Art, wie Dio sich Ober das den ein- 
gegangenen Bedingungen widersprechende Verhalten der Daker nach 
dem Frieden äußert, spricht nicht für diese Auffassung. Warum sollten 
sie auch Festungen (vor allem Sarmizegetusa nach B. LXXVI) schleifen, 
die ihnen fortan nicht mehr gehören sollten? Die Worte rf* xwqch; 
iaXwxviag werden vielmehr auf Oehiete zu beziehen sein, die die Daker 
vor dem Kriege einem andern Volke, wahrscheinlich den Jazygen, ent- 
rissen hatten. Anstatt diesen das Land herauszugeben, nahm Decebalus 
ihnen sogar ein Stück weg: tc3v 7a£vyiwv xal %d>qav nvä aTwiipievo 
(Dio 68, 10) i). 

Nur der Not gehorchend nahm Decebalus die harten Bedingungen 
an, die ihn seiner souveränen Gewalt beraubten und sein Reich zu 
einem Vasallenstaat erniedrigten. Er erschien vor Trajan und warf 
sich vor ihm zu Boden. Trajan veranlaßte ihn, Gesandte nach Rom 
an den Senat zu schicken, um den Frieden bestätigen zu lassen, was 
denn auch geschah. 

Betrachten wir jetzt die Unterwerfungsszene auf dem Relief 
(LXXV.) Sie nimmt ihrer Bedeutung entsprechend einen breiten Raum 
ein und ist auf beiden Seiten von je einem kleinen Bilde (LXXIV und 
LXXVI) stimmungsvoll umschlossen. Im Hintergrunde sehen wir 
eine Senkung zwischen zwei Bergketten, den Eisernen Torpaß, rechts 
Sarmizegetusa, links das zinnenbewehrte römische Lager. Vor diesem 
sitzt feierlich auf einem Tribunal Trajan, hinter ihm und ihm zur Seite 
Offiziere, signa und Truppen in Parade aufgestellt. Aus den Toren 
von Sarmizegetusa ist ein langer Zug dakischer Pileaten und Komaten 
gekommen; sie haben ihre Schilde niedergelegt und flehen teils am 
Boden liegend teils aufrecht stehend mit ausgestreckten Armen (einige 
gefesselt) Trajan um Gnade an. Den Abschluß bildet, auf einer 
Erhöhung stehend, in würdiger Haltung Decebalus selbst Unmittelbar 
hinter seinem Rücken führen zwei nicht zu dieser Gruppe gehörende 
Daker, mit den Köpfen über der Mauer von Sarmizegetusa hervor- 
ragend, eine geheime Unterhaltung. Was sie sich zuflüstern und 
welchen bedeutsamen Gedanken der Künstler durch sie in die ganze 



i) Hierauf hat hingewiesen Petersen a. a. O. II S. 3. Vgl. Schiller, Geschichte 
der römischen Kaiserzeit I 8 , 552. 





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Szene hineingelegt hat, erkennen wir aus Dio 68, 9: Decebalus sei 
auf alle Bedingungen bereitwilligst eingegangen, ov% oti xal ip/ievelv 
avtoUz BfuXAev, dXX ha ix rcuv Tvaqoviw äva7wev<t$. Der ganze Akt 
wird als eine Scheinunterwerfung hingestellt 

Das darauf folgende kleine Bild LXXVI stellt die Ausfuhrung 
der Vertragsbestimmungen dar, die Niederreißung der Mauern von 
Sarmizegetusa und die Räumung der eroberten Gebiete. Männer, 
Frauen und Kinder wandern ihre Herden mitnehmend aus. Im 
Gegensatz zu diesem schmerzlichen Scheiden steht auf der andern Seite 
(LXXIV) der Aufbruch der römischen Krieger, die mit ihren Gedanken 
schon in der Heimat weilend die Lagerzelte abbrechen und aus dem 
nahen Quell einen labenden Trunk auf die Reise mitnehmen. 

Aber nicht alle Truppen traten schon jetzt den Ruckmarsch an. 
Wohl um die Durchführung der Vertragsbestimmungen zu sichern, 
ließ Trajan in Sarmizegetusa und in anderen Orten Besatzungen 
zurück: ittQatonedov iv ZaQii&eyetov&i] xaraXinwv trjv te &Xh\v gcogav 
VQovQalc; iuüuaßm (Dio 68, 9). So mag denn wohl LXXVII den 
Abschied des zur Reise gerüsteten Kaisers von den zurückbleibenden 
Kriegern darstellen. 

Nach Rom zurückgekehrt, feierte er einen glänzenden Triumph 
über die Daker und Sarmaten und erhielt den Ehrennamen Dacicus. 
Auf der Säule verkündet die Siegesgöttin seinen Ruhm der Nachwelt, 
indem sie seine Taten mit dem Griffel aufzeichnet 

P. Schwartz. 



Zwei Generationen Bülows. 

Kulturbilder aus dem 17. Jahrhundert. 



Wolfenbüttel Lüneburg Kaienberg 

(Zelle) (Hannover) 

Die Linie itirbt ««^ f mi> 
1648 aui. * 



ChrteflM Ludwig, Georg Wilhelm, Johann Friedrich, Erntt Aimisi 
1641— 48 1848—64 1666—79 1678-98 

in Hannover, in Hannover, dann in Hannover. in Hannover. 

1648-44 in Lüneburg. 

in Lüneburg. f 1705. 



Georg Ludwig, 

1696—1706 

inHannover, dann 

*uch in Lüneburg, 

wird 1714 als 
Georg I.König von 
England. fllM. 

I. 

Paul Joachim von Bülow (1606—1669). 

Präsident der Hannoverschen und Zellischen Landesregierung. 

Benutzt sind: Das große Bülowsche Familienbuch, Pfeffingers 
Braunschweigische Geschichte II S. 269 ff., Zedlers Universal-Lexikon Bd. 
IV 1733 S. 1854-57. Im ganzen beruht das Kapitel auf Köcher, Geschichte 
von Hannover und Braunschweig 1648-1714. Bd. I (1648-68), Bd. II 
(1668-1674) (Publikationen aus den preug. Staatsarchiven Nr. 358). 
Joachim Hildebrands Leichenpredigt auf Paul Joachim von Bülow und 
verschiedene Trauergedichte. Celle 1669. (In einem Sammelbande des 
Hannoverschen Staatsarchivs L. P. 4» Nr. 9a- s). Lateinisches Trauer- 
gedicht auf den Tod seiner zweiten Gemahlin von P. J. Steding (L. P. 
Fol. 9a-ccc). Bei den Familien-Papieren Auszüge aus dem Testament. 

Das Mittelalter war zu Ende, das mit seinem Katholizismus, 
seiner Gotik den Menschen von der Welt und sich selber ab- und 
zum Himmel hinaufziehen wollte und doch grelle Widersprüche 
zwischen Lehre und Leben nicht überwand. Der Mensch entlief der 
Schule und schauerte jünglingsselig auf in dem Gefühl des eigenen 
Wertes, der eigenen Kraft. In das Erwachen der Geister klang das 
antike, weltfrohe Heidentum der Renaissance mächtig wie Tubaton 
hinein, und was die Renaissance nicht aufweckte, das wurde durch 
Dr. Martin Luthers Predigt von der Freiheit eines Christenmenschen 
aufgerüttelt und in den Kampf geführt. Die Reformationszeit ist wie 



80 

ein großes Knospenspringen. Luthers seelische Macht sammelte die 
ganze Erregung vorerst auf den Kampf um die Religion des freien 
Mannesgewissens, doch die Entscheidung wurde allzulange hingezogen, 
der Streit entartete, der Olaubenseifer verhärtete sich zur Gehässigkeit 
und Borniertheit Amsdorf stellte den Satz auf, gute Werke seien zur 
Seligkeit schädlich, die Flacianer schalten Melanchthon einen Ketzer 
und Fälscher der Augsburgischen Konfession^ und er betitelte sie 
dafür abgöttische, sophistische Bluthunde. Als Melanchthon starb 
(1560), wurde sein Haus von Studenten der lutherischen Gegenpartei 
gestürmt und verwüstet 

Was Wunder, wenn sich die Menge von solchem Treiben ab- 
kehrte und der mühsam verhaltenen Lebenslust die Zügel schießen 
ließ. 1575 erscheint Fischarts Oargantua, die wüste Zeitkomödie mit 
der Trunkenlitanei, wo einem der lärmende Wirrwarr einer Zechstube 
betäubend ans Ohr schlägt; Trinklieder, Schelmenlieder, Sprüche, 
Geschrei, Erbrechen, Gelächter und Schnarchen. »Wolauff, vollauff, 
vollsauff, dollauff, frisch auff, friß auf mein Brüderlein, Es sey gleich 
gut Bier oder Wein.« 1591 wird in Heidelberg das erste große Faß 
aufgestellt, in Heidelberg, wo noch eben der Katechismus der 
Reformierten erschienen war. Schützenfeste werden jetzt die großen 
Tage der Städte, und in Fischarts glückhaftem Schiff (1576) ahnt man 
nicht, daß in den gepriesenen beiden Städten Zürich und Straßburg 
noch vor kurzem etwas wie die Reformation alle Köpfe beschäftigt 
hat. — Aber der Schützenprunk des Bürgertums verbleicht schon vor 
dem aufgehenden Glanz der Fürstenhöfe. Von dem Kaiser waren die 
Landesfürsten schon so gut wie frei; mit dem cuius regio eius religio 
des Augsburger Religionsfriedens bekamen sie die erste starke Waffe 
gegen ihre Untertanen in die Hand, und bald entwanden sie den 
Ständen ihre letzten Rechte. Die 600 Hofhaltungen Deutschlands 
wurden damit jede eine Sonne im Kleinen, um die das Heer der 
Sterne kreiste. Der Adel drängt sich in die Hofämter, der Bürger ist 
glücklich, wenn er es zum Hoflieferanten, Hofprediger, Hofdichter, 
Leibmedikus bringt. Bald macht der bürgerliche Zechbruder dem 
höfischen Kavalier Platz, der zwar auch noch zu raufen und zu zechen 
liebt, und wohl wie Schwein von Schweinichen einen Abend »in 
Oottes Namen mit guten Räuschen beschließt«, der aber doch schon 
conduite lernt, zu tanzen und zu reiten weiß. 

Mit beiden Händen greift jetzt das genußfreudige Geschlecht 
nach dem Becher, den ihm die italienische Kunst der heidnischen 
Renaissance kredenzt. Die antikischen Linien und Gestalten feiern 



81 

ihre Triumphe. Aber schon werden die graden Linien dem ausgelassenen 
Geschlecht zu nüchtern; es zieht den einen Baiken vor und schiebt 
den anderen zurück, daß Licht und Schatten stärker wirken, es treibt 
die Graden zu Bogen auf und stößt sie in der Mitte auseinander, es 
dreht die Säulen zu steinernen Pfropfenziehern herum. In den Marmor- 
gestalten des bildenden Kunstlers wird die Haltung immer bewegter 
und pathetischer, die Muskeln schwellen, und die Oewänder flattern. 
Mit Rubens tobt sich in der Malerei die entfesselte Sinnenlust aus; 
selbst den Christus der Kreuzabnahme kann er als prachtvoll üppige 
Jünglingsgestalt malen. In der Poesie bezeichnen Titel wie Orobianus 
und Flöhhatz den Ton, die Abenteuer florieren, und in Shakespeare 
rauschen alle Leidenschaften zu einem mächtigen Strom zusammen; 
wie wird da drauf los gelebt und drauf los gestorben! Wer die Fülle 
nicht hat, der täuscht sie vor und tut sich in seinen Versen mit 
griechisch-römischer Weisheit und welscher Höflichkeit groß. Sogar 
die Flöhhatz empfiehlt sich in einer lateinischen Präfatio. Bald kommt 
kein Hochzeitsgedicht, kein Leichenkarmen zustande, zu dem nicht 
alle Olympier aufgeboten wären, und Opitz weiß für die deutsche 
Poeterei (1624) nur den höchsten Lohn: daß die Poeten »inn königlichen 
und fürstlichen Zimmern platz finden, von grossen vnd verständigen 
Männern getragen, von schönen leuten (denn sie auch das Frawenzimmer 
zue lesen und offte in goldt zu binden pfleget) geliebet, in die biblio- 
thecken einverleibet, öffentlich verkauftet und von jedermann gerhümet 
werden.« 

Ober dies ganze bunte Treiben fuhr der dreißigjährige Krieg mit 
eisernem Besen her. Der Schwall verstummt, und auf ein Menschen- 
alter drückt Sorge und Not alles nieder. Aber kaum verheilen die 
Wunden, da kehrt der Trubel toller zurück. 



Durch unbedachte Erbteilungen war das Braunschweigische Haus 
um allen Einfluß gekommen und mußte im dreißigjährigen Kriege alle 
Drangsale über sich ergehen lassen. Einmal eröffneten sich Aussichten 
auf gesundere Verhältnisse; im Jahre 1635 gingen die Teilherrschaften 
auf drei zurück: Wolfenbüttel, Lüneburg (Hauptstadt Zelle) und 
Kaienberg (Hauptstadt Hannover), und der Hannoversche Herzog 
Georg brachte einen Militärtraktat der drei Häuser zustande. Allein 
schon 1641 raffte der Tod den rührigen Mann hinweg. Sofort stockte 
der Vorstoß, die Herzöge lieferten sich einzeln dem Kaiser aus, und 
beim Friedensschluß (1648) ging Braunschweig leer aus; keines der 
großen geistlichen Stifter, nicht einmal Hildesheim fiel ihm zu. 



82 

Im Jahre des Friedensschlusses starb auch der Lüneburger Herzog, 
und da er kinderlos war, fiel sein Land an die Hannoversche Linie. 
Der älteste Sohn Georgs, Christian Ludwig, hätte nun Lüneburg seinem 
Herzogtum einverleiben können, wenn ihm nicht ein älteres Hausgesetz 
im Wege gestanden hätte; dies befahl die Selbständigkeit der beiden 
Teile, und so mußte Georgs zweiter Sohn, Georg Wilhelm, Anspruch 
auf den einen Teil erheben. Die beiden Brüder einigten sich dahin, 
daß Christian Ludwig nach Lüneburg übersiedeln, Georg Wilhelm in 
Hannover einziehen sollte. Für die beiden jüngeren Brüder wurden 
Apanagen ausgesetzt, für Johann Friedrich am Lüneburger Hof, für 
Ernst August am Hannoverschen. Die einzige Schwester war an den 
König von Dänemark verheiratet. 

Hannover hatte so innerhalb zehn Jahren seinen dritten Herrn, 
bis 1641 den Herzog Georg, bis 1648 seinen ältesten Sohn Christian 
Ludwig, und jetzt den zweiten Sohn Georg Wilhelm. Seinen dritten 
Herrn hatte auch Paul Joachim von Bülow. Er war von dem tapfern 
und klugen Herzog Georg »seiner guten Qualitäten und Vorsichtigkeit 
halber« zur Erziehung seiner beiden jüngsten Söhne Johann Friedrich 
und Ernst August berufen worden (2. Juli 1640). Der Nachfolger 
Christian August war aus anderm Holz als sein Vater, ein wilder und 
ungebärdiger Herr, der bei Tag und Nacht auf den Gassen rondierte, 
um Bürger zu prügeln und Fensterscheiben einzuschlagen, der seine 
Landstände tyrannisierte und durch seine Soldateska Kontribution über 
Kontribution erpressen ließ. Doch auch bei ihm blieb Bülow in 
Gunst; ihm wurde die Direktion der Kriegskanzlei und eine Stimme 
im Hofgericht (1642), später (1645) die Leitung des Kammerwesens 
übertragen. Nun folgte Georg Wilhelm, ein Kavalier, gutherzig und 
offen, aber leichtlebig durch und durch. Er trieb sich ewig in Italien, 
Holland, England, Frankreich, Spanien umher, auf Bällen und Maske- 
raden, bei Karten und Weibern, und abenteuerliches Volk drängte sich 
an seinen »fliegenden Hof«. Er ernannte Bülow zum Kammer- 
Präsidenten (1649) und schließlich zum Präsidenten der gesamten 
Landesregierung (29. Sept./9. Okt. 1661). 

Bülow hatte schon ein bewegtes Leben hinter sich, als er in 
Hannover seine Bestimmung fand. Er war am 1. Dezember 1606 zu 
Scharfstorff in Mecklenburg geboren worden. Scharfstorff war schon 
von Urgroßvaters Zeiten her in der Familie, und die Bewirtschaftung 
des Gutes scheint die Zeit der Besitzer ausgefüllt zu haben. Seine 
Eltern — seine Mutter war eine geborene Gräfin Hahn-Hahn aus dem 



83 

Hause Basedow — ließen ihn bis zu seinem 13. Lebensjahre zu Hause 
informieren und brachten ihn dann, weil sie an ihm »ein herrliches 
und zu den Studiis sonderlich inclinirendes Ingenium, auch grosse 
Gaben des Gemühts und Verstandes vermerket,« nach Lüneburg in 
die Schule des St. Michaelisklosters (1619). Zwei Jahre blieb der 
Junker dort und legte »solche gute Fundamente in humanioribus, daß 
er mit nutzen ad altiora schreiten und auff Academien sich begeben 
können.« 1621 zog er auf die Universität Rostock und blieb drei 
Jahre, 1624 siedelte er nach Jena über, 1625 nach Tübingen, wo man 
grade durch Gründung einer besonderen adligen Abteilung der neuen 
Zeit Rechnung getragen hatte. Dem Besuch der Hochschulen folgte 
die Kavaliertour; »um seine vortrefflichen Gemühtsgaben desto mehr 
zu verherrlichen«, ging er 1626 mit seinem älteren Bruder auf die 
Reise nach Frankreich. Lyon und Bourges waren die ersten Stationen; 
dann aber trieb es die Reisenden in das Paris, das sich bald zur 
Hauptstadt Europas aufschwingen sollte. Man rühmte es schon als 
die hohe Schule der Lebenskunst, und der Junker Bülow hat »in Er- 
lernung der Frantzösischen Sprache und excolirung adelmässiger 
Exercitien allen müglichen Fleiß angewendet.« Die Einübung auf die 
Pariser Parkets nahm ein jähes Ende, als 1627 auch Mecklenburg in 
den Strudel des dreißigjährigen Krieges hineingerissen wurde; ein 
Schreiben des Vaters rief den jungen Kavalier nach Hause. Am Ende 
des Jahres reiste dieser durch die vereinigten Niederlande der Heimat 
zu. Er fand sein Vaterland in den Händen Wallensteins, sein Herzog- 
haus des Thrones entsetzt. Ohne viel dynastische und konfessionelle 
Bedenken trat er in des Friedländers Dienst (Anfang 1629). Aber 
schon im folgenden Jahre mußte der Herzog Wallenstein vor dem 
Neid der Fürsten seinen Posten räumen, und damit wurde auch unser 
Junker los. Ihm war es recht; nun konnte er seine unterbrochene 
Bildungsfahrt wieder aufnehmen. Diesmal kamen der Wiener Hof und 
der Regensburger Kurfürstentag heran. Kaum war er zurückgekehrt, 
so erkrankte sein Vater und starb. Bei der Erbteilung fiel Paul 
Joachim das Stammgut Scharfstorff zu. Sieben schwere Jahre hat er 
sich abgemüht, das Out bei der schlimmen Zeit in Flor zu erhalten, 
und nur in Mußestunden konnte er seine Studien fortsetzen. Als 
Hausfrau hatte er Ilse Dorothea von der Asseburg heimgeführt. Sie 
schenkte ihm drei Söhne und fünf Töchter. Davon haben den Vater 
längere Zeit nur zwei Töchter überlebt, die sich an Herren von Kornberg 
und von Münchhausen verheirateten. 1640 kam die Berufung nach 
Hannover. Ihren näheren Anlaß weiß man nicht. 



84 

Bülow war, so scheint 66, ein formgerechter, stolzer Mann, der 
unverzagt durch die Möhsale der Zeiten ging und sich bei seinem 
Herrgott Trost und Stärkung holte. Als Student hat er den ganzen 
Inhalt des christlichen Glaubens aus Kennsprüchen der Bibel zusammen- 
gestellt, und als Minister hat er oft gesagt: In keiner Sache wollte 
ich ungerner einen Verstoß tun als bei Bestellungen der Pfarren; denn 
dies Werk gehet nicht zeitlich Hab und Hut, nicht Leib und Leben, 
sondern Seel und Seligkeit an. 

Bfllows wartete die große Aufgabe jedes deutschen Territorial- 
staates nach Schluß des furchtbaren Krieges: Wunden heilen, auf- 
richten. Mit dem Westfälischen Frieden war jeder Landesfürst in aller 
Form sein eigner Herr geworden, niemand sollte ihm gebieten, aber 
niemand auch wollte ihn beschützen. Ratlos stand er in seinem 
kleinen, zusammengewürfelten, erschöpften Land. So beginnt eine 
Zeit des Tastens und Probieren s, wie man sich in der veränderten 
Welt einrichten und behaupten könnte, ein mühseliges Versuchen, oft 
gehemmt und oft vereitelt, charakteristisch für eine Zeit, wo Deutschland 
wieder von vorne anfangen mußte, mit Gehversuchen wie ein Kind. 

Den Braunschweigischen Herzögen war ihr Weg vorgezeichnet: 
engere Vereinigung der Teilherrschaften und danach Anknüpfung mit 
den Nachbarn. So lautet auch das Programm einer Ministerkonferenz 
von 1651. Der ersten Aufgabe kam man mit dem Beschlüsse nach, 
die drei Häuser durch einen Militärverband an einander zu schließen; 
zu dem andern Zweck wollte man bei Hessen-Kassel und der schwe- 
dischen Statthalterschaft für Bremen und Verden anklopfen. Aber vom 
Beschluß zur Tat ist dazumal immer ein weiter Weg. In den Militär- 
verband sollte jeder Herzog nur mit 1000 Mann zu Fuß, 400 Reitern 
und 200 Dragonern eintreten, und trotzdem flaute die Stimmung gleich 
nach der Konferenz so merklich ab, daß man den Satz auslegte, die 
Völker brauchten nicht allezeit marschfertig zu sein, sondern sollten 
nur im Falle eines Krieges aufgebracht werden. An der Verhandlung 
mit den Nachbarn hatte Lüneburg schon alle Lust verloren und stellte 
anheim, sie aufzugeben. Das war den Hannoverschen doch zu triste; 
die leitenden Minister fuhren nach Zelle hinüber, und Bülow vor- 
nehmlich brachte die Zögernden wieder auf den Weg. 

Am 1. Februar 1652 traten glücklich braunschweigische, 
schwedische und hessische Bevollmächtigte in Hildesheim zusammen. 
Hannover war durch Hofmarschall Fürschütz und Bülow vertreten. 
Die Braunschweiger einigten sich zunächst unter sich. Sie beschlossen 



85 

einen engeren Bund zwischen Braunschweig, Schweden und Hessen 
als Teil und Grundlage eines weiteren, der den ganzen niedersächsischen 
Kreis umfassen sollte; In den engeren Bund sollte noch Hildesheim 
hineingezogen werden, während Anerbietungen des Brandenburgers 
allgemeinem Mißtrauen begegneten; Bfllow besonders versprach sich 
von dem Kurfürsten »kein fundamentum, keine Beständigkeit, keine 
vires«. So unter einander gesichert, legten sie ihre Pläne den Schweden 
und Hessen vor. Schon am 14. Februar war man handelseins: Die 
drei Traktanten verbanden sich zu einem Defensionsvertrag, der die 
Aufstellung von 2000 Mann z. R. und 4000 z. F. in Aussieht nahm, 
und versprachen, gemeinsam die militärische Organisation des nieder- 
sächsischen Kreises zu betreiben. Auch das wurde gebilligt, Hildesheim 
in den engeren Bund einzuladen, nur fügte man auf den Wunsch der 
Hessen, um den Katholischen »keine ombrage« zu geben, auch Münster 
und Paderborn hinzu. Hildesheim und Münster reservierten sich, 
Paderborn trat auf einer Tagfahrt zu Hameln, wo Bülow wieder 
zugegen war, dem Bunde bei 

Nun ging man daran, dem Bunde den Rahmen zu geben, den 
niedersächsischen Kreis zu organisieren. Auf den 9. Oktober 1652 
wurden die Kreisstände nach Lüneburg eingeladen. Es gehörten dazu 
Schweden für Bremen, Dänemark für Holstein, Brandenburg für Halber- 
stadt und Magdeburg, Köln für Hildesheim, und die Reichsstädte 
Lübeck, Ooslar, Mühlhausen und Nordhausen; ganz im Kreise lagen 
nur Braunschweig und Mecklenburg. Davon lehnte Mecklenburg von 
vorn herein ab, und die Brandenburger Gesandten reisten mit Protest 
zurück, als man den gehaßten Schweden Sitz und Stimme einräumte. 
Die übrigen verständigten sich zunächst über die Organisation der 
Kreisbehörden. Magdeburg und Schweden sollten abwechselnd das 
Direktorium führen, das Kondirektorium stand Braunschweig zu, 
Kreisoberster wurde der Lüneburger Herzog. Allgemeinen Widerspruch 
rief die Organisation einer Kreisarmee hervor, aber Magdeburg, Schweden 
und Braunschweig erklärten sie über den Kopf der Dissentierenden 
hinweg für angenommen und setzten die Truppenstärke auf 3000 
Mann z. F. und 1500 z. R. fest. Die notwendige Folge war, daß auch 
eine Kreiskasse und ein Kreiseinnehmer bestellt wurde. Dann wurde 
die Stellung zu Kaiser und Reich beraten; jede Einmischung des 
Kaisers in die Kreistage wurde für eine Verletzung der ständischen 
Privilegien erklärt, Mehrheitsbeschlüsse des Reichstages in euersachen 
als unverbindlich abgelehnt, gegen die Bevorzugung de. Kurfürsten- 
Standes protestiert. Endlich kam auch die Religionsfrage zur Sprache, 



66 

und heftig wurde gegen die »himmelschreienden Excesse« der 
Katholischen remonstriert. So ging man auseinander. 

Worte waren nicht gespart worden, aber gerade das einzige 
Reelle, die Errichtung einer Kreisarmee und Kreiskasse, war nur mit 
gewaltsamen Mitteln erreicht worden und blieb in der Ausfuhrung 
stecken; Braunschweig selber wollte die andern vorangehen lassen. 
Dafür mußte der fadenscheinigen Einigkeit noch ein saures Opfer 
gebracht werden: Schweden umstellte die freie Reichsstadt Bremen, 
und um den mächtigen Freund nicht zu verletzen, schwieg der Kreis 
stille dazu. Für Braunschweig besonders war es ein bitterer Trunk, 
wenn seine Weserpforte von einer fremden Macht verriegelt wurde. 

Die Braunschweiger schluckten den Trunk herunter, aber man 
kann sich ihre Entrüstung denken, als sie erfuhren, daß ihre Auf- 
opferung den Zweck verfehlt hatte. Der Reichstag war in Regensburg 
zusammengetreten, und statt daß Braunschweig und Schweden vereint 
gegen die kaiserlichen Ansprüche aufgestanden wären, verbreitete sich 
das dunkle Gerücht, Schweden konspiriere mit dem Kaiser. Und bald 
kam das saubere Spiel zu Tage: Schweden hatte dem Kaiser freie 
Hand gelassen, und der Kaiser gab dafür Bremen preis. Übermütig 
ging nun der Kaiser mit alten Gelüsten ins Zeug: Beherrschung der 
Fürstenpartei durch Einschub österreichisch gesinnter Herren, Ver- 
bindlichkeit der Mehrheitsbeschlüsse in Reichssteuersachen, Übergewicht 
der katholischen Stimmen auf den Reichsdeputationstagen. Die nieder- 
sächsischen Kreisstände wehrten sich auf eigene Faust, so gut es ging, 
aber sie hätten an ihrem Widerstand verzweifeln müssen, wenn nicht 
im letzten Augenblick ein Bundesgenosse an ihre Seite getreten wäre. 
Das war der vielgeschmähte Kurfürst von Brandenburg, beraten durch 
seinen Grafen Waldeck. Graf Waldecks Ziel war eine Union, ja ein 
»einiges Imperium« unter brandenburgischer Führung, und hier tat er 
den ersten Schritt seinem Ziel entgegen. Es gelang, die Verbindlichkeit 
der Mehrheitsbeschlüsse zu hintertreiben; in der Paritätsfrage kam ein 
Kompromiß zustande, wonach den drei evangelischen Kurfürsten ein 
viertes, reihumgehendes Votum zugelegt, im Fürstenrat aber die 
Mitgliederzahl auf beiden Seiten gleich gemacht wurde; dagegen hatte 
der Kaiser die Genugtuung, seine neu kreierten Fürsten glücklich 
durchzubringen. 

In Braunschweig war die Stimmung gleich verändert. Zu dem 
ungetreuen Schweden hatte sich schon im August 1653 eine Deputation, 
aus Hannover Bülow, auf den Weg gemacht und sehr deutlich an- 
gefragt, »was es für eine Bewandnis mit diesem bremischen Wesen 



87 

habe, und aus was Ursachen diese allerseits Verschanz- und Verfassung 
der Weser angesehen und vorgenommen werde«. Die schwedische 
Regierung hatte höchst befremdet getan, daß ihr Werk »ungleiche 
Gedanken« erwecken könne; es gelte nur, den Ungehorsam der Stadt 
zu brechen. Die Deputierten aber kamen mit einer Ahnung heim, daß 
die Schweden »die Kommerzien ganz auf ihre Herzogtümer den vieren« 
wollten. Noch im Dezember luden sie sich die Brandenburger zu 
vertrauten Besprechungen ein und räumten in der Konferenz — auch 
Bülow nahm daran teil — alle Mißverständnisse aus dem Wege. In 
dem weiteren Verkehr kam man dahin, Brandenburgs Zutritt zu dem 
engeren Bunde und der Kreisverfassung vorzubereiten. Allerdings 
mußte man da auf einen Wirrwarr streitender Meinungen gefaßt sein, 
und so beschloß man, derweile eine vorläufige Verbindung zu errichten. 
1655 vereinigten sich Brandenburg und Braunschweig in einem Separat- 
abkommen, demzufolge Brandenburg 2000 Mann z. F. und 600 Pferde, 
Braunschweig 1200 Mann z. F. und 3000 Pferde aufbringen sollte. 
Auf dem Papier war wieder einmal alles in Ordnung; sowie aber 
die Gewalt der Tatsachen dazwischen tritt, stäubt alles in den Wind. 
Der schwedisch-polnische und schwedisch-dänische Krieg bricht aus, 
und 1657 tritt Brandenburg auf die Seite Polens. Brandenburg fordert 
von Braunschweig Hilfe auf Grund seines Separatabkommens, Schweden 
auf Grund des engeren Bundes, und Braunschweig — retiriert vor 
beiden. Es beginnt ein Spiel voll Hinhaltung, Täuschung, Begütigung, 
gespielt aus Angst und Unentschlossenheit, bis sich eine Rettung zeigt: 
Braunschweig klammert sich an einen dritten, den Rheinischen Bund 
(gegründet 1656). Es meldet sich zum Eintritt und beantragt, seine 
beiden gefährlichen Genossen ebenfalls einzuladen und also am dritten 
Ort zu versöhnen. So drückte man sich mit Ach und Weh an einer 
Entscheidung vorbei und dankte seinem Schöpfer, als der Friede 
zustande kam. 

Man dachte aufzuatmen. Aber das Schicksal der Kleinen war 
nun einmal, überall gestoßen zu werden. Kümmerlich hatte man 
sich aus dem einen Konflikt herausgewunden, gleich hatte man sich 
in den andern verstrickt. Ueber Nacht war Frankreich Herr im 
Rheinischen Bunde und in Deutschland geworden. Noch im Früh- 
jahr 1657 hatte Bülow sagen können, die rheinischen Fürsten würden 
„alles retrahieren, was pro Frankreich in einige Allianz sich einlassen 
wolle"; nur wenige Monate, und in Braunschweig tauchte der Oe- 
danke auf, von Frankreich Subsidien zu nehmen. Bülow eiferte noch 
dagegen, bald gestand er wenigstens eine Rekognoscierung zu. Da 



öd 

bekam man aber zu hören: Braunschweig tue ja schon ohne Subsidien 
Frankreichs Willen, wozu man sich da noch in Unkosten setzen solle. 
Als Braunschweig darob den Beleidigten spielen und zur Rache nicht 
in die sofortige Verlängerung des Bundes willigen wollte, da wurde 
der Beschluß ohne Braunschweig gefaßt, und dieses mußte mit seiner 
Zustimmung klaglich nachhinken. Fertig war der Skandal, als Mainz, 
unterstützt von katholischen Ständen, mit französischen Exekutions- 
truppen im tiefsten Frieden, ohne um Erlaubnis zu fragen, nach 
Erfurt durchmarschierte und die Huldigung der halbfreien Stadt er- 
zwang. 

Was nach außen noch an Wirrungen fehlte, das kam im Innern 
hinzu. In Lüneburg hatte sich der Quälgeist Christian Ludwig ganz 
leidlich eingelebt und nahm sich in der Tat der Regierung an. 
Hannover dagegen bekam seinen fahrenden Herzog Georg Wilhelm 
jahrelang nicht zu sehen, und sein jüngster Bruder Ernst August, der 
an seinem Hof apanagiert war, entwickelte sich ganz ebenso. Zwar 
führte er 1658 auf den Wunsch seines Bruders, um den Bestand des 
Hauses zu sichern, Sophie, die Tochter des Winterkönigs, als Ge- 
mahlin heim, aber seine Abenteuer nahmen doch kein Ende. So lag 
alles in den Händen des leitenden Ministers, und das wurde jetzt 
(1661) Paul Joachim von Bülow; »dergestalt daß er in allen consiliis, 
nämlich Geheimbden und Hofrath,Consistorio und Hofgericht präsidieren 
sollte.« Die Herzogin Sophie hatte ihn schon das Jahr vorher 
»le maitre« genannt; jetzt nennt sie ihn kurzweg »le Souuerin 
d'Hannover«, und stellt ihm das Zeugnis aus: »tres raisonable et 
entreprenent.« 

So wäre am Ende alles fortgegangen, wenn nicht noch der 
dritte Bruder, Johann Friedrich, gewesen wäre, für den am Lüneburger 
Hof eine Apanage ausgesetzt war. In dem dicken Herrn steckten 
Ideen, und er wurde der Störenfried in der Wohllebigkeit des Hauses. 
1651 verlautete aus Italien, Johann Friedrich sei auf der neuesten 
Tour zur katholischen Kirche übergetreten. Das Gerücht hatte wirklich 
recht, und Johann Friedrich war in seiner Wandlung nicht zu beirren; 
Pracht und Macht der katholischen Kirche hatten es ihm angetan. 
Daheim beunruhigte man sich lebhaft, denn Christian Ludwig war 
kinderlos, und nach seinem Tode hatte Johann Friedrich Hannover 
oder Lüneburg zu beanspruchen. Die Lüneburger wollten ihm das 
Bekenntnis seiner Päpstlerei ganz und gar verbieten; Bülow wollte 
ihm allenfalls eine Privatkapelle erlauben, damit er nicht auf schlimmeres 
verfalle, gar das väterliche Testament anfechte und alle Pakte »löchrig 



89 

mache.« Man blieb in einer schwebenden Besorgnis, und nun trat 
unerwartet schnell der gefürchtete Augenblick ein: Christian Ludwig 
erkrankte und starb (1664). 

Da bei der brüderlichen Auseinandersetzung von 1641 Hannover 
übervorteilt worden war, wollte Georg Wilhelm jetzt wenigstens den 
besseren Erbteil an sich bringen. Aber ehe er noch von seinen 
unvermeidlichen Reisen heimkam, hatte sich Johann Friedrich schon 
durch einen kühnen und geschickten Staatsstreich Lüneburgs be- 
mächtigt. Es hatte aufregende Szenen gegeben. Auf die Kunde, 
Christian Ludwig liege im Sterben, war Bülow nach Zelle hinüber- 
geeilt, hatte um Audienz gedrängt, die Räte interpelliert, um wenigstens 
eine gemeinsame Besitzergreifung zu erreichen. Alles vergebens; 
Johann Friedrich hatte sich der maßgebenden Instanzen versichert 
Als der Offizier mit der Todesnachricht aus dem Tor sprengte, 
stürmte Bülow in das Schloß; aber der Staats- und Hofmeister von 
Orote vertrat ihm mit Offizieren und Soldaten den Weg. Bülow ließ 
Proklamationen seines Herrn an Schloß, Kirche und Rathaus heften: 
am Abend waren sie abgerissen, und Johann Friedrichs Wappen 
prangte an ihrer Stelle. Unverrichteter Sache mußte Bülow umkehren 
und ging nun unverhohlen auf eine Entscheidung mit den Waffen los. 
Beide Brüder rüsteten mit Erbitterung, aber noch ehe die Schwerter 
aneinander kamen, traten fremde Mächte dazwischen. Die Nachbarn 
wurden unruhig, der religiöse Hader lohte wieder auf, die Lage wurde 
höchst bedenklich, und es war ein Segen, daß Brandenburg und 
Schweden eindringlich zum Frieden redeten. Die beiden Herzogtümer 
wurden gleichgemacht; Oeorg WHhelm erhielt zwar Lüneburg, mußte 
aber Grubenhagen an Hannover herausgeben. 

Trotzdem wurde diese Krisis der erste Schritt zur Genesung. 
Man hatte doch zu handeln gewagt, das Schwert angefaßt, und das 
trug gute Früchte. Um die ausgerüsteten Truppen zu beschäftigen, 
ließ sich Georg Wilhelm zur Beteiligung an dem Münsterschen Kriege 
gewinnen; Holland gab das Geld, und im November 1665 waren 
10000 Mann lüneburgischer Truppen mobil. Viel Freude gab es zwar 
nicht, denn die Holländer zahlten nicht pünktlich und handelten lang- 
sam; trotzdem ist es das erste Mal, daß lüneburgische Truppen ins 
Feld rücken, und der Bann der Unentschlossenheit ist gebrochen. Es 
kommt ein anderer Zug in das Regiment, und man wagte es, einem 
Manne Gehör zu leihen, der öfter in Lüneburg erschien und mit seiner 
kühnen Art die Herzen fortzureißen wußte; das ist der Graf Waldeck, 



90 

der brandenburgische Staatsmann. Er gab jetzt den Lüneburgern den 
Mut zu einem wirklich tapferen Schritt 

Schweden fing wieder mit Bremen Händel an und trieb offenbar 
in den Krieg hinein. Die Lüneburger versuchten zwar, den Hader in 
Güte beizulegen, unterdes aber gingen sie mit Eifer auf den Plan einer 
antischwedischen Allianz ein, zu der sich Dänemark, die General- 
staaten, Brandenburg und Lüneburg vereinen sollten. Sie boten ihre 
Armada auf, schoben sie entschlossen an die Grenze vor und rissen 
auch ihre Vettern in Hannover und Wolfenbüttel mit sich fort Ihrer 
energischen Aktion war es zu danken, daß Schweden 1666 im Frieden 
zu Habenhausen die Reichsfreiheit der Stadt Bremen endgültig zugestand. 

Den Lüneburgern wuchs der Appetit mit dem Essen. Es gelüstete 
sie, auch nach der andern Front einmal mit Nachdruck aufzutreten. 
Frankreich hatte die Niederlande rechtlos angefallen, und der Rats- 
pensionär ging auch Lüneburg um Hilfe an. Hier schwelgte man in 
dem Gedanken, dem Franzosen so manchen Fußtritt heimzuzahlen, und 
ging rüstig ans Werk. Allein die französische Staatskunst fing den 
Kaiser und den Brandenburger weg, Lüneburg hatte sich bedenklich 
ausgesetzt und mußte noch einmal auf die alte schale Kunst des Doppel- 
spiels zurückgreifen; es begütigte Frankreich und suchte unterdes bei 
den Vettern und Schweden Deckung. Erst 1668 traten offen 3000 
Mann z. F. und 1614 Reiter in den Dienst der Generalstaaten und 
kamen eigentlich nur zum Friedensschluß zurecht. 

Eine glückliche Fügung erlaubte nun den Lüneburgern, das Heer, 
das seine Stellung so heraufgebracht hatte, auch ferner zu erhalten. 
Venedig bat um Truppen für den Krieg gegen die Osmanen, und 2400 
Fußknechte gingen dorthin ab. Sie haben heldenmütig die Wälle von 
Kandia verteidigt, und nur ein Viertel ist zurückgekehrt Die Subsidien 
aus Venedig aber erlaubten der heimischen Regierung eine Politik der 
freien Hand zu treiben und damit endgültig aus der Abhängigkeit 
von den Nachbarn und Großmächten herauszukommen. Nach 
dem Aachener Frieden (1668) schrieb der französische Gesandte: 
»Die Herzöge von Braunschweig -Lüneburg sind jetzt die 
considerabelsten Fürsten in Deutschland. Sie besitzen jetzt alle den 
Kredit, den früher die Schweden besaßen. Selbst wenn sie 30000 
Mann aufstellen wollten, würden sie es binnen einen Monats vermögen.« 

Anfang des nächsten Jahres starb Bülow. Er konnte auf ein 
mühevolles und nun auch gesegnetes Leben zurückblicken. 

Seine Gesundheit war nie so ganz zuverlässig gewesen; ein Stein- 
leiden quälte ihn öfter, und schon 1664 meldete siqh die Wassersucht. 



91 

Seine erste Oemahlin war seit seinem Eintritt in den braunschweigischen 
Dienst immerfort krank gewesen und endlich 1647 gestorben. Noch 
in demselben Jahre führte Bfilow die zweite Gattin in sein Haus, Lucia 
von Ahlefeld, die Tochter eines dänischen Obersten und Amtshaupt- 
manns zu Hadersleben. Die Ehe war glücklich, und vierzehn Kinder 
gingen daraus hervor; längere Zeit überlebt haben den Vater aber nur 
fünf Söhne. Das Vermögen, das diesen hinterblieb, betrug rund 
70000 Th. und war nach dem Testament »nicht von meinen Eltern 
ererbt, sondern durch Gottes Segen und meine in vieljährigen Hf. 
(Hochfürstlichen) Diensten übernommene große Mühe und Arbeit, auch 
durch meine und meiner jetzigen Eheliebste gute menage und redlichen 
Fleiß erst erworben.« 

Bülow starb am 11. Januar 1669. Er war Tags zuvor in herzog- 
lichen Diensten nach Lüneburg gereist, als sich sein Leiden plötzlich 
verschlimmerte und schnell zum Tode führte. Er war ganz gefaßt, 
kehrte sich noch ab, um sein Leben zu überdenken, und ließ sich 
dann das Abendmahl reichen. Seine letzten Worte waren: Nun, Gottlob, 
daß ich dies christliche Werk zu guter letzt verrichtet; daß soll auf 
dieser meiner letzten Reise mein Viatikum sein. Gott mag es mit mir 
schicken, wie er will, ich bin bereit. 

Erst am 19. Februar fand die Totenfeier statt. Der Präsident 
war in Lüneburg gestorben und dort in der Kirche des Michaelis- 
klosters, in dessen Schule er einst gegangen, stand nun sein Sarg 
aufgebahrt In später Abendstunde versammelte sich eine dichte 
Versammlung hochgestellter Männer; Herzog Georg Wilhelm und sein 
Bruder Ernst August trafen mit ihrem Hofstaat ein. Ein Freund des 
Toten, der Ober-Superintendent Joachim Hildebrand, trat vor und hielt 
die Gedenkrede über den Spruch, den der Verstorbene selber bestimmt 
hatte: »Unser keiner lebt ihm selber und unser keiner stirbt ihm selber. 
Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem 
Herrn; drum so wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.« Im 
Stile der Zeit pries er mit endlosem Phrasenschwall den Heimgegangenen 
als die Krone unseres Hauptes und rief ein Wehe über das andre. 
Beigesetzt ist Bülow in der Neustädter Kirche in Hannover (damals 
der »Vorstädtischen Kirche«), derselben, in der ein Grabstein mit 
goldenen Buchstaben anzeigt, daß hier »Ossa Leibnicii« ruhen. Bülows 
Grabkammer liegt am Turm; ein Gedenkstein ist nicht vorhanden, da 
die Angehörigen die Absicht hatten, den Sarg später nach Edemissen 
zu überführen. 



92 

Ein Aufgebot von Leichendichtern blieb natürlich auch nicht aus. 
Ein Professor des Michaelisklosters besang in Stücker hundert 
lateinischen Hexametern mit fünfzehn gelehrten Anmerkungen Bülows 
Ruhm. Ein andrer versammelte um drei fahnen- und lorbeergeschmückte 
Obelisken das ganze Heer der Abstraktionen zur Gedächtnisfeier. Ein 
dritter will »aus schuldiger Pflicht« das »Klagende Lüneburg« vorstellen: 

„Unsers Landes Haupt und Sonne (der Herzog) 

Ist beraubet Ihrer Wonne 

Die jetzt auf der Baare steht 

Drum es uns auch wil gebühren 

Traur und Klagen abzuführen 

Weil der Fall ans Hertze geht. 



Der Pericles wird gepriesen 
Dag er Treu Athen erwiesen 
Bis zerrig sein Lebens-Drat. 
Solchen Ruhm hat auch erlanget 
Unser Edler der jetzt pranget 
In dem großen Himmels-Staat." 

So geht es vierzehn Strophen durch. Am erträglichsten ist noch 
eine »Klag- und Lob-Schrifft«, die ein Johann Bunonius «aus Schuldigkeit 
aufgesetzet« hat. Er hebt an: 

„Des Herrn Bülou tapfre Thaten 
Sein getreues Thun und Rahten 
Unsers Landes starke Kraft 
Ist gefallen, hingerafft." 



und schließt: 



„Doch der Bülou Stamm noch blühet: 
Tugend-Feuer merklich glüet: 
Vaters Tugend, Glück und Treu 
In den Söhnen werde neu." 



II. 

Die fünf Söhne (1650—1737). 

Bei den Familienpapieren verschiedene Erbverträge und Auszüge 
aus dem Testament Paul Joachim von Bülows. - a) Joachim Heinrich. 
E. v. Meier, Hannoversche Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte 1680 
bis 1866. Leipzig 1898. Bd. I 518, 534 f., Bd. II 133 f., 166 ff. Briefe des 
Herzogs Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg etc., hrsg. von Graf 
Kielmannsegge. Hannover und Leipzig 1902. S. 125, 213. Zeit- und 
Geschichtsbeschreibung der Stadt Göttingen etc. Hannover und Göttingen 
1734; Vorwort. In einem Sammelbande des Hannoverschen Staatsarchivs 
L. P. Fol. 9a~ccc ein inhaltloses Leichengedicht, bei den Familienpapieren 



93 

das Testament und kleinere Stücke. - c)KunoJosua. Seine militärische 
Laufbahn nach v. Sichart, Geschichte der Kgl. Hannoverschen Armee I 
187, 206, 221/ 231, 237, 241, 244, 248, 283f., 294, 450, 482, 492, 506, 513, 517ft\, 
560, 575f. II 9, 24 49, 148, 214, 227, 2331, 238, 245, 257ff., 274, 2801, 2861, 
291, 299ft\, 325, 358ft\, 361 ff. Für den span. Erbfolgekrieg vergl. Schwenke» 
Geschichte der Hannoverschen Truppen im Spanischen Erbfolgekriege, 
Hannover 1862. v. Arneth, Prinz Eugen II 232 ff., 266, III 194. Der 
Mecklenburger Feldzug bei Pfeffinger, Braunschweigisch-Lüneburgische 
Geschichte in 755 ff. und Klüver, Beschreibung Mecklenburgs V lff. Dazu 
Matthias, Die Mecklenburgische Frage in der ersten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts. Die Urteile Friedrich Wilhelms I. bei Förster, Friedrich 
Wilhelm L Bd. III 272, 333ff., Urkb. II 65; Zs. für preuft. Geschichte und 
Landeskunde VIII 641. Die Anordnung des Leichenbegängnisses und eine 
Trauerrede in zwei Sammelbänden des Hannoverschen Staatsarchivs L. P. 
40 Nr. 9a-s und L. P. Fol. 9a-ccc. Bei den Familienpapieren einige 
Privatbriefe aus den letzten Jahren und eine Species facti über sein 
Testament, nach seinem Tode von seinem Sekretär Brandes aufgesetzt, 
mit vielen Zügen aus seinem Privatleben. Bemerkungen über Frau von 
Bülow in den Briefen des Herzogs Ernst August von Braunschweig- 
Lüneburg, hrsg. von Graf Kielmannsegge. Hannover und Leipzig 1902. 
S. 93, 125. - d) Hans Otto. Bei den Familienpapieren einige Brief- 
schaften mit Nachrichten über seinen Tod und sein Erbe. 



Die Entartung war schon vor dem dreißigjährigen Kriege da, 
jetzt geht sie in Verwilderung über. Oott ist vergessen, der irdischen 
Macht und Pracht dampfen die Opfer. In Hoffmannswaldaus Helden- 
briefen läßt ein Herzog seine Favorite zum Schein begraben und ihr 
die Messe lesen; 

„Der Himmel zürnet nicht, dass ich mich unterwinde, 
Durch Messen und Gebeth zu blenden dieses Landt, 
Der Höchste kennt mich, und auch die schöne Sünde, 
Dass, was dein Auge kan, ist ihm nicht unbekannt . . . 
Ich will dich wohl geküsst aus deinem Sarge führen, 
Getrost, in kurtzen soll dein Auferstehung sein." 

Dabei bemerkt Hoffmannswaldau im Vorwort: »kein noch so 
zärtliches und empfindliches Ohr und Auge werde ein zu schlipfriges 
oder zu kühnes Wort entdecken.« 1641 empfing den Grossen Kur- 
fürsten in Königsberg eine Ehrenpforte, bekrönt von einem himmel- 
tragenden Herkules — natürlich einem Sinnbild für den Kurfürsten, 
und auf den Ecken die Statuen der Pallas und — der Religion. Die 
Verwüstung der religiösen Gedankenwelt spricht uns noch aus den 
meisten Grabdenkmälern der Barockzeit an; mitten zwischen all den 
bauschigen Engelsgewändern grinst ein Totenkopf oder Gerippe her- 
aus. Zur Beisetzung der Königin Sophie Charlotte ließ ihr Gemahl 



04 

Aber den Eingang des Domes ein Relief meißeln, auf dem Toten- 
gerippe trauernd umherschlichen. 

Wer nicht die ganze Religion abschüttelt, der löst sich doch 
wenigstens aus ihren überlieferten Formen los und gibt sich dem 
Dienst einer Vernunft- oder Gefühlsreligion hin, aber diese Rationalisten 
und Pietisten bleiben die Stillen im Lande und verschwinden in 
der Masse. 

Die neuen Götter sind die Fürsten, die jetzt als souveräne 
Herren ihre Stände zum Teufel jagen und auf die einsame Höhe des 
Absolutismus klimmen. Alles wirft sich ihrer Erhabenheit untertänigst 
zu Füßen. Wenn Hoffmannswaldau eine Liebschaft Karls V. ver- 
arbeitet, so ändert er vorsichtig die Namen und entschuldigt sich 
noch vielmals für den Fall, daß jemand »diese dicke Maßqwe« durch- 
schauen sollte. Und Karl V. war am Ende doch schon hundert 
Jahre tot. Der Hofpoet Friedrichs I. von Besser lehrt in einem Ge- 
dicht »Ueber den Tod Wachtelchens, Sr. Kurfürstl. Durchlaucht 
schönen Hündchens, welches in der Geburt mit seinen Jungen ge- 
blieben«: »Wie sehr man streben soll (kann dies ein Hund erwerben). 
In Friedrichs Gnad und Gunst zu leben und zu sterben«. Als 
dem ersten Preußenkönig eine Tochter geboren wurde und 
gerade die Könige von Dänemark und Polen anwesend waren, ver- 
glich ein Herr von Meusebach die Prinzessin mit dem Jesuskinde, 
zu dessen Wiege die drei Könige des Morgenlandes kamen. 

Alle die sechshundert kleinen Fürstensonnen Deutschlands hatten 
nun aber auch ihre Zentralsonne gefunden, in dem roi de soleil, dem 
Schloßherrn von Versailles. Dort zog sich die größte politische 
Macht zusammen, und die Bildungskräfte folgten dem Zuge. Bis 
zum dreißigjährigen Kriege hatte die Welt aus dem Zauberborn der 
italienischen Renaissance getrunken; jezt wird er in französiche Vasen 
gefüllt und in Paris verschenkt. Die lateinischen Fremdwörter werden 
von den französchen verdrängt, ja die französische Sprache wird Ge- 
meingut aller Gebildeten. Die alten Dichter müssen den französchen 
Klassikern ihre Kleider leihen und werden dann als häßliche nackte 
Kerle davongejagt. Der Alexandriner beherrscht die Poesie. Der 
Hofpoet Canitz, dessen Mutter ihren dritten Gemahl von ihrem 
Pariser Modelieferanten bezog, erhebt die Pariser Feuerwerke, Garten- 
künste und Bücher: »Komm Freund, weil Frankreich dir in allem alles 
reicht.« In der Wissenschaft heißen fortan die gelehrten Forscher 
des Altertums Pedanten; die neuen militärischen und politischen 
Fächer, die Mathematik, Physik und Technologie, die Staats- und 



95 

Rechtshistorie, Geographie und Heraldik werden jetzt die zeit* und 
standesgemäßen, die »galanten« Disciplinen. Für Leibnitz sind die 
Universitäten mönchische Anstalten, und eine Zeitungssammlung aus 
den letzten zehn Jahren ist ihm mehr wert als hundert klassische Autoren. 

Immer toller wird der Aufwand des gesellschaftlichen Lebens, 
die Allonge-Perücke wird zum Sinnbild einer Zeit, die sich aufbläht 
und größer scheinen will, als sie ist 

Einen bewundernswerten Ausdruck hat sie gefunden in dem 
Berliner Kurfürsten-Standbild; der Kurfürst, natürlich der Oroße bei- 
genannt, im römischen Imperatorenkostüm, mit der Perücke auf dem 
Haupte, auf heftig anschreitendem Roß, über Sklaven dahinreitend. 

Das väterliche Erbe teilten 1681 die fünf Brüder Joachim Heinrich, 
Thomas Christian, Kuno Josua, Hans Otto und Wilhelm Dietrich. 
Jeder erhielt rund 10000 Th. in bar oder Landbesitz. Der Witwe blieb 
noch das Gut Abbensen, in Hannover bei Peine gelegen, angeschlagen 
zu 14000 Th. Es wurde als das Hauptgut angesehen — schon 1655 
war der Vater damit belehnt worden — und in seinem Kirchdorf 
Edemissen liegt das Erbbegräbnis der Familie. Ein kahles Gewölbe 
ist an der Südseite des Turmes angebaut, und im Innern der Kirche 
ist in die Wand ein Stein eingelassen mit der Inschrift: »Erbbegräbnis 
der Herrn von Bulau auf Abbensen, erbaut im Jahre 1691 von Lucia 
von Bulau geb. von Alefeldt und deren Söhnen.« Darüber ist links 
das Bülowsche, rechts das Alefeldtsche Wappen ausgemeißelt und 
bunt gemalt. In der schmucklosen Kirche liegt vor dem Altar der 
Grabstein einer Schwester der fünf Brüder. Die Orgel und die barocke 
Abendmahlskanne sind von Bülows gestiftet. 

1705 wurden die fünf Brüder »in Ansehung ihres guten Her- 
kommen s sowohl, als ihrer Uns angepriesenen besondern rühmlichen 
Qualitäten und erworbener vielfältiger Verdienste halber« vom Kaiser 
in den Reichsfreiherrnstand erhoben. 



a) Joachim Heinrich (1650—1724), 
Hannoverscher Grogvogt. 
Joachim Heinrich wurde 1650 geboren und besuchte das Gym* 
nasium in Göttingen. Fanden wir den Vater im Dienst des Herzogs 
Georg und seiner Söhne, so folgte Joachim Heinrich der einzigen 
Tochter, die dem dänischen König die Hand reichte; 1681 wird er als 
dänischer Geheimer Rat und Oberhof marschall genannt, 1684 ist er 
noch in dieser Stellung, 1688 nicht mehr. In diesem Jahre hat er eine 
Reise nach Italien gemacht. Wir finden ihn dann in Lüneburgische 



96 

Dienste übergetreten; dort wird er 1689 als Oberhof marschall und 
Kammerpräsident bestallt. Als der Lüneburger Herzog 1705 kinderlos 
starb und sein Herzogtum mit Hannover vereinigt wurde, da ging 
Bülows Stelle ein, und nur ein Nebenamt blieb ihm, die Verwaltung 
von zwölf Amtsvogteien in der Lüneburger Heide. Zur Entschädigung 
bekam er den klangvollen Titel Großvogt. Er starb 1724 in Hannover. 

Schon nach der Karriere darf man sich einen Mann auf der Höhe 
gesellschaftlicher Kultur denken, und ein Zeitgenosse, der Sohn eines 
anderen hannoverschen Ministers, nennt ihn auch einen ganzen honnet 
homme, der seinem Fürsten Ehre machte »par la noblesse de ses 
mani&res et par la meilleure maison, qui aie jamais est<e ä Hannovre, 
Pabord des £trangers, qui y estoient regus avec politesse et somptuosite.c 
Das Haus war mit teuren Möbeln eingerichtet, und kostbares Edel- 
metall, zumeist wohl fürstliche Geschenke, war dort angesammelt; 
darunter befand sich z. B. ein mit Brillanten besetztes Tafelstück. Diese 
Schätze wertete Bülows Testament auf 14000 Th. Die Masse schönen 
Porzellans blendete einen Prinzen des Hannoverschen Hauses, daß er 
meinte, nicht einmal Friedrich I. von Preußen habe so herrliche Stücke. 
Bewirtungen richtete Bülow mit fürstlichem Glanz aus. 

Doch auch der Ruhm aristokratischer Bildung fehlt dem Hause 
nicht. Eine riesige Bibliothek, an 10000 Bände stark, war aufgestellt, 
darunter 22 Folianten von geschriebenen Urkunden. Dieser Schatz 
wurde nach dem Tode des Besitzers der neugegründeten Universität 
Göttingen geschenkt und bildete den Grundstock ihrer Bibliothek; ein 
Kupferstich von Heumann zeigte bald den Hauptsaal der Bücher- 
sammlung als eine Sehenswürdigkeit. Auch optische und mathematische 
Instrumente gehörten zu dem Besitz. 

So zeigt uns auch das Testament den Mann, der auf seinen 
Stand und Namen hält. 

Der Großvogt konnte über ein ansehnliches Vermögen verfügen, 
obwohl er selbst die Bedienungen, denen er dreißig Jahre vorgestanden 
hatte, »zwar ansehnlich, hergegen sehr kostbar« findet. Ein Wirt wie 
er, der alle vierzehn Tage seine Rechnungen bezahlte, legte doch 
zurück. Er besaß aus dem Erbe des Vaters Gadenstedt in Hannover 
und nach dem Tode der Mutter (1698) übernahm er auch Abbensen; 
dazu hatte er das Haus in Hannover erworben. Seinen gesamten 
Besitz konnte er getrost auf 120000 Th. überschlagen. 

Generalerben werden die vier jüngeren Brüder, jeder mit rund 
24000 Th. 19000 Th. von eines jeden Erbe werden mit fidei- 
kommissarischer Haftung belegt und 12000 Th. werden für ein 



97 

Familien-Stipendium bestimmt, das jedesmal der Erziehung des ältesten 
Sohnes aus der Senioratslinie dienen soll; »wie öfters von guter oder 
negligierter Erziehung eines Knaben die Aufnahme und auch der 
Verderb und Untergang einer Familie dependiert, also man große 
Ursache hat, die Mittel, so der Höchste verleihet, um aus einem Kinde 
vor dem andern was tüchtiges zu ziehen, demselben nicht vorzuent- 
halten«. »Üble Conduite oder unfähiges Ingenium« schließen von dem 
Stipendium aus. Erlischt der Mannesstamm, so folgt der Frauenstamm; 
erlischt auch dieser, so fällt das Kapital an die Universität Helmstedt, 
mit der Bestimmung, »daß die jährlichen Zinsen davon jedesmal unter 
zwei der tüchtigsten und fleißigsten Professoren, so am mästen zu 
der studierenden Jugend, in Sonderheit des Adels Information 
contribuieren, Aber ihren ordinalen Gehalt gleich geteilet werden.« 

Besonders sorgt der Großvogt noch für sein schönes Hannoversches 
Haus. Da er es »eigentlich für die Familie bauen lassen«, so wünscht 
er, es möchte jeder Bruder daran teilhaben. Die Möbel sollen darin 
bleiben, da »ich jederzeit überaus große aversion für die publiques 
verauctionir- und Verkaufung der Mobilien und Sachen von Leuten 
von distinguirter Naissance gehabt habe«. 

Nun überrascht an dieser Persönlichkeit noch eines und berührt 
wie Morgenluft einer neuen Zeit: ein inniges religiöses Gefühl bricht 
sich durch. Ehe er sein Testament schreibt, will Joachim Heinrich 
»seinem gnädigen Gott und Vater von Grund der Seele danken, daß 
er mir die ganze Zeit meines Lebens so überschwengliche viele Wohl- 
taten am Leibe und der Seele erwiesen« und will zu dem unermeß- 
lichen Erbarmen des getreusten Vaters das kindlich feste Vertrauen 
haben, er werde, um des hochheiligen Verdienstes und der vollgültigen 
Bezahlung willen seines einzig geliebten Sohnes, meines Erlösers und 
Seligmachers, mir armen Sünder gnädig sein«, ein geheiligtes Leben 
führen helfen und endlich verleihen, daß »ich im festen Glauben und 
Vertrauen auf das alleinige Verdienst Jesu Christi vernünftig, getrost, 
sanft und selig einschlafen möge«. Das ist die Gefühlswelt des 
Pietismus/ Aus solcher Demut entspringen die Anordnungen für das 
Begräbnis. Joachim Heinrich will begraben sein neben seinem Vater 
in der Vorstädter Kirche, oder falls dessen Leiche nach Edemissen 
überführt wird, dort. Auch Abbensen soll ihm zur letzten Ruhe recht 
sein, wenn er dort gerade die Augen schließt Zeremonien verbittet 
er sieh, auser »daß man Gotte in der Kirche für meinen sei. Abschied 
danken lasse«. Seine sämtlichen Privatbriefe sollen ungelesen verbrannt 
werden. 



98 

Als der Großvogt stirb, begann Zinzendorf seine Laufbahn, in 
dem sich noch wunderbarer der alte Kavalier mit dem neuen Gefühls- 
menschen vereinigt) der uns berichtet: »Wenn ich eine schwere Lektion 
auf der Reitbahn und dem Tanzboden hatte, habe ich den Heiland 
um Hilfe angegangen«. 

b) Thomas Christian (1651—1706), 
Lüneburger Rat. 

Er war geboren 165L Im Jahre 1681 wird er Kammerjunker 
tituliert. Wie sein Bruder Joachim Heinrich trat er in dänische Dienste 
und rückte bis zum Generalmajor auf. Gestorben ist er als Lüneburger 
Rat und Oberhauptmann zu Dannenberg im Jahre 1706« Verheiratet 
war er zweimal; 1685 führte er eine Freiin von Ufflen heim, die 
Tochter eines dänischen Generalfeldzeugmeisters, 1696 eine französische 
Dame de St. Hermine. 

Aus der zweiten Ehe ging ein Sohn hervor, Georg Wilhelm; 
durch ihn pflanzte sich die Linie fort Sie endet jetzt mit der Roman- 
schriftstellerin Frieda Freiin von Bülow. 



c) Kuno Josua (1658— 1733^ 
Hannoverscher. Feklmarschall. 

Des Vaters mühseliges Leben ging dahin im Dienst eines kleinen 
landesherrlichen Territoriums, wie sie mit dem Westfälischen Frieden 
auf sich selber gestellt waren und immer behutsam und immer besorgt 
sich zwischen den Großen ein Plätzchen sucheft mußten. So geschäftig 
nun auch die Diplomaten waren, nicht eher konnte ihr Werk gesichert 
wachsen und werden, als bis ihnen die gewaffnete Hand zur Seite 
war, die den Störenfried abwehrte. Darum beginnt mit dem jähre 
1648 die Geschichte der landesherrlichen Armeen. Und wenn uns des 
Vaters Schicksal den politischen Aufbau so eines Territoriums sehen 
ließ, so können wir an seines Sohnes Lebensgang die militärischen 
Anfänge und Entwicklungen studieren. 

Kuno Josua von Bülow ist geboren am 12. Januar 1658, zehn 
Jahre nach dem Friedensschluß. Nehmen wir an, daß er 1676 in die 
Hannoversche Armee eingetreten ist, so hat er seine Dienste dem 
Kurfürsten Ernst August (1679—98) und seinem Sohn Georg Ludwig 
(Oeoig L, 1698—1727) geleistet. 

In Hannover bestanden 1676 vier Regimenter Kavallerie, sechs 
Regimenter Infanterie, ein Dragonerregimertf und eine Artillerieabteilung; 
dazu kommt noch eine Leibgarde von 109 Mann. Die Gesamtstärke 



betrug rund 15000 Mann. Die Truppen wurden von den Kompagnie- 
chefs auf eigne Rechnung geworben und dem Landesherrn angeboten. 
Dieser hatte im Allgemeinen nur die höheren Offiziere zu ernennen. 
Kein Wunder, wenn diese Söldnerkompagnien des öfteren einfach an 
eine fremde Macht vermietet wurden, und daher das bewegte Leben 
eines Soldaten von damals. Hatten sich die Hannoverschen Truppen 
eben im hollindischen Kriege (1672—79) gegen den ewigen Unruh- 
stifter Ludwig XIV. geschlagen, so finden wir sie 1685—89 mit zwei 
Korps im Kriege gegen die Türken. Das eine focht in Ungarn unter 
dem Erbprinzen Georg Ludwig, das andre trat in den Sold Venedigs. 
In baden Korps stand ein Bülow; in dem venezianischen als Kapitain, 
in dem ungarischen als Generaladjutant des Erbprinzen. Der General- 
adjutant könnte unser Kuno Josua sein; er wird uns 1685 als Major 
in der Leibgarde genannt, und denkbar wäre, daß er dem Prinzen für 
den Feldzug beigegeben wurde. 

Auf sicheren Boden kommen wir aber erst mit dem Wieder- 
ausbruch des Krieges gegen Ludwig XIV. im Jahre 1688. Der Kur- 
fürst Ernst August ging einem Traktat mit Spanien ein, und 18000 
Mann marschierten nach Brabant. Darunter befand sich ein Dragoner- 
Regiment, befehligt von unserm Kuno Josua von Bülow. Das 
Regiment war für den Feldzug neu gegründet und 1688 Bülow zum 
Oberst befördert und an seine Spitze gestellt worden. Es waren 
sechs Kompagnien, zusammen 481 Mann stark, wie bekannt durch 
Kompagniechefs geworben. Nur ein Stamm von sechzig Mann machte 
eine Ausnahme. Im Verlaufe des Feldzuges wurde das zweite 
Dragoner-Regiment aufgelöst und zwei Kompagnien von ihm den 
Bülowschen Dragonern einverleibt Die Dragoner trugen weiße 
Mondierung mit hellblauen Rabatten und Aufschlägen; Weste — paille, 
Besetzung — Gold. Von den Standarten des Regiments zeigte die 
dritte links den Vogel Bülow mit dem Ring im Schnabel und dem 
Motto: Felici auspicio. Die militärische Bedeutung der Dragoner war 
ganz eigen. Sie sollten sozusagen Kavallerie und Infanterie in eins 
sein; ihre Hauptwaffe war nicht der Pallasch, sondern der Karabiner. 

Also war eine bedeutungsvolle Waffe in Bülows Hand gelegt, 
und wir werden sehen, wie er sie zu gebrauchen weiß. Denn daß 
wir es nur im voraus verraten, er war ein Haudegen wie nur einer, 
stolz, heftig, mit jenem Zug von Ungestüm, der seiner Zeit zu eigen 
ist, ein Mann von Grandeur und honnetete, prächtig anzuschauen, 
wenn die wallende Lockenperücke auf den Harnisch herabfiel, mit 



100 

Adlernase und Adleraugen und einer tiefen senkrechten Falte zwischen 
den Brauen. 

Der Feldzug in Brabant brachte fast alle Sommer ein bis zwei 
größere Kämpfe, aber erst im Jahre 1693 können wir Bülows Anteil 
unterscheiden« Das Hannoversche Korps stand mit dem Erbprinzen 
an der Spitze unter dem Oberbefehl Wilhelms von Oranien. Die 
ganze allierte Armee hatte ein Lager auf dem rechten Ufer der kleinen 
Oeete bezogen. Dreifach so stark ruckte die französische Armee 
unter Luxemburg heran. König Wilhelm wich dem Kampfe nicht 
aus. Er hatte vor sich auf dem anderen Ufer die Ebene von St 
Croix, und diese erkor er zum Schlachtfeld. Er überschritt die Oeete 
und stellte seine Truppen auf. An seinem Rücken floß die Oeete 
vorbei, auf seinem rechten und linken Flügel liefen dieser Bäche zu 
und besäumten seine Flanken; die Front wurde durch mächtige 
Schanzwerke gedeckt, die Dörfer Laer und Neerwinden eingezäunt. 
Der Rückzug über die Oeete war durch sechs Brücken gesichert. 
Die Stellung hatte nur einen Fehler: sie war zu eng, die Truppen 
standen sich im Wege. Bülow bekam den Befehl, sich auf den 
rechten Flügel zu begeben und dort die Furten des Baches zu be- 
obachten. Er fand dort schon, mit derselben Aufgabe, zwei Reiter- 
regimenter vor. Bülow lies hinter ihnen absitzen und führte seine 
Leute an die Furten, um sie zu verbarrikadieren. Man erkennt hier 
deutlich die Besonderheit der Dragoner. Des Feindes Absicht ging 
nun gerade dahin, das Zentrum zu beschäftigen und unterdessen auf 
der rechten Flanke einzudringen. Hier lagen die Dörfer Laer und 
Neerwinden. 29 Bataillone gingen zum Sturm vor und jagten die 
Brandenburger aus Laer; vier Schwadronen dagegen, die das Dorf 
umgangen hatten und von der Seite über den Bach gehen wollten, 
wurden von Bülow geworfen. Die französische Kavallerie gab die 
verlockende Passage aber noch nicht auf; starke Abteilungen warfen 
sich auf eine andere Furt, die eines der spanischen Reiterregimenter 
zu verteidigen hatte, und dieses stob schleunigst auseinander. Die 
Oefahr war groß. Sofort eilte Bülow an die bedrohte Stelle, schnitt 
den weiteren Uebergang ab und überwältigte die bereits eingedrungenen 
Abteilungen. Die Franzosen aber gaben hier alle Versuche auf. 
Bülows Dragoner hatten eine Standarte erobert Indessen der Kampf 
in der Front verlief unglücklich. Immer aufs neue stürmte der Feind 
die Schanzen und Dörfer, und König Wilhelm ordnete den Rückzug 
an. Nun kam das Schlimmste. Die wenigen Brücken stauten die 
Abziehenden gefährlich auf, die Kavallerie fand keinen Platz, den 



-.--:•-:: v. ... : 101 

/. : ::-•-•- :*• :- : : /- 
verfolgenden Feind zu beschäftigen;" das* ganze 'ÖescKutz "ging ver- 
loren, 18000 Mann blieben auf dem Felde. Besonderes Malheur 
hatten Bölows Dragoner. Aus einem feindlichen Kavallerie-Angriff 
lösten sich zwei Eskadrons los, jagten tollkühn durch die beiden 
spanischen Reiterregimenter und hinter ihnen durch die Pferde der 
Dragoner. Zwar wurden sie abgefangen und niedergemacht, aber 
die Dragonerpferde rannten der spanischen Marode als willkommene 
Beute in die Hände. So mußten die armen Teufel von Dragonern 
zu Fuß vom Schlachtfelde stolpern. König Wilhelm aber war so be- 
friedigt von dem Regiment, daß er ihm gleich das nötige Oeld zur 
Beschaffung von Pferden schenkte. Er £oll vorher geneckt haben, 
die Mannschaft werde sich schwerlich von ihren Gäulen trennen. 
Bülow gab darum Befehl, sich nicht nach diesen umzusehen, und 
als ein Offizier äußerte, es sei doch eigentlich ein Jammer, die schönen 
Pferde verlassen zu müssen, da ward ihm von unserem grimmigen 
Bülow »mit Worten und Werken übel begegnet.« 

Die Schlacht bei Neerwinden entschied den Feldzug nicht, doch 
ermattete die Kriegführung und brachte es 1694 zu keinen Erfolgen. 
Bülows Dragoner verbrachten dies jähr in der Heimat, um sich zu 
erholen und neu zu ordnen. 1696 sind sie aber wieder im Felde, 
und ihr Oberst kommandiert jetzt als Generalmajor die ganze mobile 
Kavallerie. Aber Lorbeeren gab es nicht mehr zu pflücken; die Koalition 
lockerte sich, einer nach dem andern bot dem Franzosen die Hand, 
und 1607 machte der Ryß wicker Friede dem Kampfe ein Ende. 

Dem Friedensschluß folgte die Reduktion der Truppen; auch 
Bülows Dragoner wurden davon betroffen: sie wurden ganz unberitten 
gemacht. 

An dem Feldzug gegen Dänemark (1700) nahmen die Dragoner 
nicht teil, aber ihr Oberst fand doch Gelegenheit, seine Entschlossenheit 
zu bewähren. Der dänische General von Ahlefeld unternahm von 
Sachsen aus ein Diversion, aber Bülow und General von Ohr rafften 
eiligst die zurückgebliebenen Truppen zusammen und machten den 
Anschlag zu Schanden. 

Schon das folgende Jahr 1701 entfesselte wieder die Kriegsfurie; 
es beginnt der große, zwölfjährige Krieg zwischen Habsburg und 
Bourbon, und der Kampfpreis ist das spanische Erbe. Hannover und 
Lüneburg stellten 1702 10000 Mann in den englischen Dienst. Die 
Kavallerie des Korps war sechs Regimenter stark, d. h. gut 3000 
Mann, darunter Bülows Dragoner; Bülow selbst kommandierte wieder 
als Oeneralmajor die ganze Kavallerie. Das Korps trat unter 



102 •:•...* .V : .:.::.. : 

• ••• ••*• • • • • • • • * * 

Mariborou^svb&brfelin'" : Öle*'beiden ersten Jahre gingen mit der 
Belagerung und Erstfirmung von Festungen hin; Lüttich, Bonn, Limburg 
wurden genommen und auch Bfiiows Name dabei genannt Eine 
Wendung kommt erst mit dem Jahre 1704. 

Die oberrheinische Armee unter dem Markgrafen Ludwig von 
Baden war einem Vorstoß des Feindes unterlegen; Marlborough faßte 
den Plan, ihr zu Hilfe zu kommen und mit ihr vereint dem deutschen 
Reiche Luft zu machen. BQlow wurde in diesem Jahre 1704 mit der 
Führung des ganzen Hilfskorps betraut; es waren fünf Kavallerie- und 
vier Infanterie-Regimenter. Er erhielt Befehl, sie bei Mainz zusammen- 
zuziehen. Marlborough brich auf, unterwegs stieß das Hilfskorps zu 
ihm, und am 22. Juni reichte er der Reichsarmee die Hand. Am 2. 
Juli erhielt der Feind am Schellenberge den ersten Schlag, und als 
nun auch noch Prinz Eugen vom italienischen Kriegsschauplatz herüber- 
kam, da konnten die vereinigten Feldherrn am 13. August die 
Entscheidung aufsuchen. Sie fiel bei Höchstädt 

Marlborough führte den linken Flügel, Prinz Eugen den rechten. 
Beide gingen entschlossen auf den Feind los, aber dessen Stellungen 
waren derart gedeckt, daß die Schlacht nicht von der Steile rückte. 
Bülows Kavallerie geriet sogar in große Gefahr, als sie bei der Passage 
eines Baches plötzlich von feindlicher Kavallerie attackiert wurde; aber 
schnell gefaßt, ordnete Bülow seine Regimenter zum Gefecht und 
warf den Feind mit Bravour zurück. Zu einer Entscheidung aber kam 
es nicht Da faßte Marlborough das Zentrum des Gegners ins Auge, 
wo sich die Masse der Kavallerie postiert hatte. Mit eitlem letzten 
Entschluß schickte er seine ganze Reiterei in das feindliche Zentrum 
vor. Mit heller Todeslust sprengten die Regimenter an, Bülows 
Dragoner mitten darunter, warfen sich ohne Besinnen auf den Feind, 
und nach einem wütenden Ringen trieben sie seine Linie in der Mitte 
auseinander. Damit war der Sieg gewonnen. Marlborough dankte 
den Braunschweigischen Herzögen in eigenen Briefen für die Tapferkeit 
ihrer Truppen und äußerte: »la sattsfaction particuli&re, que nous avons 
de la conduite de Mr. de Bulau et des autres Gen. aussi bien que 
de la bravoure des Trouppes de V. A. E.« Unserem Bülow aber 
brachte das folgende Jahr den verdienten Lohn: die Ernennung zum 
Generalleutnant. — In die Winterquartiere rückten seine Truppen nach 
Mainz, er selbst ging auf Urlaub. 

Das Jahr 1705 verrann mit dem Rückmarsch in die Niederlande. 
Wegen der Winterquartiere hatte Bülow die größten Unannehmlich« 
keiten. Marlborough hatte ihm die Rheinlande bestimmt und ihm 



103 

einen Brief der Königin Anna an die einzelnen Landesfürsten mit- 
gegeben. Diese protestierten aber wie aus einem Munde und 
erreichten es, daß vier Regimenter, darunter Bülows Dragoner, für den 
Winter nach Hause gingen. 

Für 1706 hatte Bfilow die Aufgabe, die französischen Truppen 
am Mittetrhein zu überwacfien und Hilfssendungen nach den Nieder- 
landen zu verhindern. Er lagerte bei Mainz und wußte seine untätigen 
Truppen so gut in Ordnung zu halten, daß ihm zum Dank der Fürst 
von Nassau eine Quantität edelsten Weines und die oberrheinischen 
Stände 200 Pistolen schickten. Als die französische Armee doch nach 
den Niederlanden abging, erhielt auch Bülow Befehl zum Abmarsch. 

Im Jahre 1707 hielten sich die Franzosen in der Defensive, in 
Italien aber wurden Prinz Eugens Kräfte durch den Steg bei Turin 
frei. 1 708 rückte er nach Norden ab und vereinigte sich mit Marlborough. 
Den ersten Widerstand wagten die Franzosen bei Oudenarde, als die 
beiden Feldherrn über die Scheide gehen wollten. Die Vorhut kam 
noch ungestört hinüber, wurde dann aber unvermutet angegriffen. 
Acht hannoversche Schwadronen waren bedenklich ausgesetzt. Da 
erschien der Kurprinz an der Spitze der Leibschwadron der Bülowschen 
Dragoner, warf sich dem Feinde entgegen und schaffte Zeit, das 
Gefecht wieder herzustellen. Im Galopp kam die gesamte übrige 
Kavallerie nach, und endlich, spät am Nachmittag, war auch die 
Infanterie hinüber. In erbittertem Kaftipf wurde der Feind zurück* 
gedrängt Am folgenden Tage machte sich Bülow mit vierzig 
Schwadronen auf die Verfolgung, ohne viel Gewinn. 

Das Jahr 1709 brachte die letzte große Schlacht, bei Maiplaquet 
am 11 September. Die Franzosen standen auf der Hochfläche von 
Maiplaquet, in der Front durch Wälle, auf den Flanken durch dichte 
Wälder mit starken Verhauen gedeckt Die Entscheidung fiel auf dem 
rechten Flügel der Verbündeten, wo Prinz Eugen befehligte. Bülow 
hielt hier mit 31 Schwadronen in der Reserve. Es gelang, die Franzosen 
aus dem Walde zu treiben. 

Danach ermattete der Krieg, und es nahte der unwürdige Ausgang 
der meisten Koalitionen: einer ließ den andern im Stich und schloß 
auf eigne Hand mit dem Feinde ab. England ging voran. Aber ver- 
geblich hatte es gehofft, auch seine Hilfskorps neutralisieren zu können. 
An Bülow trat die Aufforderung zuerst heran. Aber der steckte bis 
zum Halse voll Empörung und schüttete sich das Herz ordentlich aus; 
weder er noch seine Truppen dienten des Soldes, sondern nur der 
Ehre wegen, und er wolle sich an die halten, die dieser treu blieben. 



104 

Die Führer des preußischen und dänischen Hilfskorps traten der 
Antwort bei, und alle drei gelobten dem Prinzen Eugen, bei ihm 
Stand zu halten, bis ihre Regierungen sie anders belehren würden. 
Diese stimmten ihnen vor der Hand zu, und erst Holland, dann der 
Kaiser wollten die Subsidien auf sich nehmen. Aber vom Wollen 
bis zum Tun war wieder einmal ein weiter Weg, das Geld blieb aus, 
es gab »Hunger und Kummer«. Die Regierungen wurden lau und 
abgünstig, und es kam dahin, daß Bülow einmal dem Prinzen Eugen 
die Ausführung eines militärischen Befehls verweigerte. Am 30. 
November 1 713 marschierten die Hannoverschen nach Hause ab. 

Mit vieler Gloria gekrönt, durfte Kuno Josua von Bülow aus dem 
Kriege zurückkehren. Noch 1712 war er zum General en chef ernannt 
worden und hatte zu seinen Dragonern das rotröckige Infanterie- 
Garde-Regiment erhalten. Es schien nun, als könnte der Held, seiner 
Lorbeeren froh, von den Mühen des Krieges ausruhen und seine 
Kraft der Schulung seiner Armee widmen. Es war auch da* schon 
schwer genug; denn dadurch, daß 1705 Lüneburg an Hannover fiel, 
war der Umfang seiner Pflichten auf das doppelte gewachsen. Aber 
im Jahre 1719 mußte der Sechzigjährige noch einmal in den Sattel 
und in einem für einen graden Soldaten widerwärtigen Geschäft 

In Mecklenburg haderten die Herzöge schon lange mit ihren 
Ständen, den Rittern und Städten. Hier gährte noch die Entwicklung, 
die in den meisten andern Territorien schon im 17. Jahrhundert 
abgeschlossen war: die Einigung der Territorialmacht in der Person 
des Landesherrn durch die Vernichtung der ständischen Sonderrechte. 
1713 hatte Karl Leopold den Thron bestiegen. Der nordische Krieg 
hatte ihn zu Rüstungen gezwungen, er war in Geldverlegenheit und 
ging seine Stände an. Die Ritterschaft, natürlich, verweigerte das Geld 
und reizte den ohnehin gewalttätigen Herzog solange, bis dieser sich 
zwei Regimenter seines russischen Oheims Peter ins Land rief und 
seine Herren Stände mit blanker Waffe zur Raison bringen wollte. 
Die Ritterschaft machte sich eiligst aus dem Staube und begann nun 
von außen eine greuliche Hetze gegen ihren Herzog. In Hannover 
gerierten sich einige der flüchtigen Junker gar als »engerer Ausschuß« 
der Stände und hielten förmliche Landtage ab. Am willigsten aber 
fand ihr Lamento am Kaiserhofe Gehör; man gönnte dem Ketzer die 
Ungelegenheiten und schürte die Zwietracht. Als es nun zu dem 
äußersten gekommen war, da machte die Habsburgische Politik feinen 
Meisterstreich; der Kaiser verhängte die Reichsexekution über den 
Herzog und übertrug sie an Hannover und Wolfenbüttel. Denn das 



105 

war zugleich ein Hieb für den gehafiten Preußenkönig; Preußen war 
der Direktor des niedersächsischen Kreises und stand mit Mecklenburg 
im Erbvergleich; sollte also exekutiert werden, so hatte Preußen die 
Leitung zu beanspruchen. Georg von Hannover scheute aber die 
Wut seines preußischen Schwiegersohnes nicht; er hoffte, Mecklenburg 
wo möglich an sich zu bringen, und gab Bfllow Befehl, die Exekution 
auszufahren. Anfang März fiberschritt dieser mit 9000 Mann die Elbe, 
wie sein Landsmann und Zeitgenosse Pfeffinger sagt, um »dem ehr- 
süchtigen Hertzog den Zügel in den Zäum zu legen, und die unbändige 
Rußische Klop-Fechter ein wenig auf den Tantz zu führen«. 

•" Wie unserm Bülow hierbei zu Mut gewesen ist, können wir 
nicht sagen. Er gehörte selber einem mecklenburgischen Adelsgeschlecht 
an und kann sehr wohl einen rechtschaffenen Haß auf den Herzog 
gehabt haben. »Ein starcker, frischer und tapfferer von Adel und 
denen Mecklenburgern über die massen angenehm«, so liest man bei 
Pfeffinger. Aber mag er auch den Herzog verwünscht haben: die 
Rolle als Reichsexekutor muß ihm höchst ungelegen gewesen sein. 
Denn hier galt es nicht, den Dragonern vorauf in den Feind zu jagen, 
hier sollte wo möglich jedes Blutvergießen vermieden und der Herzog 
nur mit einigen deutlichen Handbewegungen zum Lande hinaus 
komplimentiert werden. Es war eigentlich mehr ein Geschäft für einen 
Diplomaten, als für einen Kriegsmann, und am Ende möchte Kuno 
Josua von Bülow auf diesen federfüxischen Kriegsplan recht unchristlich 
geschimpft haben. 

Bülow hatte sich einen Plan zurecht gemacht, der jedenfalls der 
Lage -entsprach; er wollte die mecklenburgischen Truppen umstellen 
und zur Kapitulation bewegen. So schickte er den Oberst Delleur 
mit seinem Infanterie-Regiment im Bogen um die Mecklenburger herum, 
mit dem Befehl, in ihrem Rücken den Brückenpaß bei Walsmühlen zu 
besetzen. Inzwischen hatte aber der mecklenburgische Oeneral von 
Schwerin — der spätere preußische Feldmarschall — von dem Herzog 
Befehl erhalfen, sich auf Rostock zurückzuziehen. Er brach am 5. 
März vor Tau und Tage auf und kam noch im Dunkeln an den Paß 
von Walsmühlen, Der war besetzt, die Brücke abgebrochen. Schwerin 
versprach, alle Feindseligkeiten zu unterlassen, wenn man Hirn den 
Durchgang bewillige; er fand kein Gehör. Nach Schwerins Darstellung 
ist gleich nach der Verweigerung des Durchzugs eine Salve auf sein 
Tillisches Regiment gefeuert worden, und das hat seine Leute so empört, 
daß sie rachlustig die Kanonen vorgeführt und Granaten auf den Feind 
geworfen haben. Wer die Schuld an dem Blutvergießen trägt, wird 



106 

man schwerlich entscheiden wollen; es ist eben eine Unmöglichkeit, 
daß Feinde in aller Freundschaft gegeneinander operieren, und auf 
welcher Seite der erste Schuß fällt, ist am Ende ein Zufall. Der Erfolg 
war jedenfalls, daß Schwerin den Durchzug erkämpfte. Kaum aber 
ist er hinüber, da erhält er die Meldung, daß General Bfllow wut- 
schnaubend mit acht Eskadrons ihm nachjagt und die Schlappe rächen 
will. Eiligst stellt sich Schwerin in Schlachtordnung auf, und richtig, 
schon attackiert Bfilows Kavallerie heran. Und der Erfolg? Nach 
Schwerins Auffassung ist sie mit blutigen Köpfen repoussieret worden 
und hat sich nicht weiter sehen lassen; nach BOlows Berichten ist 
die ganze mecklenburgische Kavallerie Ober den Haufen geritten #nd 
die Infanterie nur darum verschont worden, weil seine Reiter von dem 
weiten Ritt erschöpft und sein Fußvolk nicht zur Stelle war. Bülow 
beruft sich auch auf das Urteil mecklenburgischer Offiziere und fügt 
hinzu, wer den Herrn Generalmajor von Schwerin recht kenne, dem 
Würden dergleichen Gaskonaden garnicht fremd vorkommen. Unbe- 
stritten bleibt, daß Schwerin seinen Abmarsch fortsetzen konnte; um 
11 Uhr vormittags kam er ^ungehindert in Schwerin an. — Bfllow 
folgte ihm langsam; und ebenso langsam wichen die herzoglichen 
Truppen zurück Endlich am 4. April traten sie auf das Pommersche 
über und lösten sich auf; Schwerin trat in preußische Dienste. In 
Rostock tagte nun eine braunschweigisch-mecklenburgische Kommisston, 
um dem Lande Ruhe zu bringen. Der »engere Ausschuß« kehrte 
zurück und wurde von der Ritterschaft feierlich begrüßt Er brachte 
auch Bülow seinen Dank und »verrichtete dies Compliment mit so 
vieler Beredsamkeit, daß der Hr. General damit sehr zufrieden war.« 
Die Exekutionstruppen marschierten vom Mai an allmählich ab; als 
letzte blieben Bülows Dragoner. Die politische Frage aber war be- 
antwortet: die Ritterschaft richtete sich nach Wohlgefallen ein; der 
Herzog kam nicht zurück, und sein Nachfolger fügte sich in das 
Geschehene. So hat Bülow zur Erhaltung des einzigen Ständestaates 
beitragen müssen, den wir heute noch in Deutschland haben. 

Einen Feind aber hatte sich Bülow aus derti Zuge mitgebracht, 
der nicht müde wurde, ihn mit Bosheiten zu bedenken. Das war kein 
geringerer als der preußische König Friedrich Wilhelm 1. Der war, 
wie wir wissen, bei der ganzen Aktion zur Seite gedrängt worden, 
und sein Groll mußte sich entladen. Die zweifelhafte Affäre bei Wals- 
mühlen kam ihm grade recht, und Bülow wurde das Ziel seiner 
grimmigen Witze. Noch nach zehn Jahren, als die Spannung mit 
Hannover wieder auf der Höhe war, spottete er über »Monsier Bülau 



107 

und seine 15000 Hannoverischen«, und bei den stürmischen Sitzungen 
im Tabakskollegium fiel mancher Hieb für ihn ab» Der kaiserliche 
Gesandte berichtet, wie der König da »von der englischen Prahlerei, 
und daß sie der gansen Welt Gesetze vorschreiben wollten, vielmal 
Erwähnung thut, und auch die Poltronerie der hannoverschen Truppen 
sehr empfindlich, auch die schlechte Conduite und üble Reputation 
des von Bulau abmahlet, und für die kaiserliche Armee und deren 
Generalität sich declariert, die Königin hingegen sehr heftig gegen die 
letztern und in faveur der andern spricht. Dahingegen der König 
verschiedene Mal ihr die Aktion im Mecklenburgischen, da der General 
.... mit 300 Pferden, den Bulau mit seinen 2000 Mann Infanterie und 
Cavallerie geschlagen hat, vorwirft« Noch toller schreibt der König 
an den alten Dessauer: »Wenn Bülow eine Ohrfeige bekommt, bevor 
er uns wieder eine giebt, er sich dreimal umkehren wird. Ist ein 
braver Held!« Man darf von dem Soldatenkönig nicht verlangen, daß 
er Bülow in einer Zeit Gerechtigkeit widerfahren ließ, wo er jeden 
hannoverisch gesinnten Preußen für einen »Coujon« erklärte. 

Ei ist das letzte Mal, daß der alte Degen ins Feld gerückt ist, 
und ein sauer verdienter Feierabend liegt vor ihm. 

Seinen Hausstand hatte Bülow in den neunziger Jahren be- 
gründet; Anna Oelgard von Ahlefeld, die Tochter eines dänischen 
Landrats und Obersten, vielleicht eine Kusine, war seine Gemahlin 
geworden und hatte ihm zwei Kinder geboren: eine Tochter Sophie 
und einen Sohn Ernst August, dieser 1697 geboren und mit den 
Vornamen des Kurfürsten getauft. Leider scheint aber das Familien- 
leben nicht ohne Stürme gewesen zu sein. 

Wohl war Bülow reich geworden. Ein Oberst bezog monatlich 
80 Th. Gehalt, das Generals-Gehalt wurde monatlich in Form einer 
Zulage bezahlt und betrug bei einem Generalmajor monatlich 60, 
Generalleutnant 100, General 200 Th. Nach altem Herkommen er* 
hielt im Kriege jeder Kommandierende von seiner Garnison ein 
»Douceur«; so bekam Bülow 1706 von den brabantischen Städten 
die Fourage für sein ganzes Regiment geschenkt An fürstlichen 
Donationen mag es auch nicht gefehlt haben. Da Bülow, außerdem 
ein guter Wirt war, so konnte er sich einen stattlichen Grundbesitz 
erwerben. Er kaufte 1712 Löhrsdorf, Satjewitz, GrofcBrode, Klaus- 
dorf und Retwisch, 1716 Siggen und Goddersdorf (Quaiendorf), 1723 
Emkendorf, sämtlich in Holstein. Vom Vater her besaß er Seelze in 
Hannover, aus dem Nachlaß seines ältesten Bruders Joachim Heinrich 
übernahm er Abbensen. Dort in Abbensen steht am Eingang des 



108 

Hofes noch ein Torweg mit zwei steinernen Pfeilern, beide gekrönt 
von Vasen mit dem Bülowschen und Ahlefeldschen Wappen mit der 
Unterschrift: »Kuno Josua Freiherr von Bülow 1723.« Das großartige 
alte Schloß mit seinen Wandmalereien und Stuckaturen ist freilich ver- 
schwunden, aber die alte Lindenallee, die darauf zuführte, ist geblieben. 
Vor dem Schlosse schmückte ein Bassin den Rasenplatz, und vier 
mächtige Barockvasen mit Darstellungen der Jahreszeiten standen um 
das Wasser; heute sind sie im Park verstreut. Auch das Haus in 
Hannover stand in Kuno Josuas Verwaltung, und ein Teil der 
Bibliothek wurde nach Abbensen überführt. Aber zum häuslichen 
Behagen fehlte doch manches. 

Die Frau Generalin scheint eine sehr resolute Dame gewesen 
zu sein. Sie gebrauchte öfter »sehr harte Expressionen« und Dienern 
drohte sie mehr als einmal, ihnen Arme und Beine entzwei zu schlagen. 
Vielleicht hatte sie den alten Soldaten gerade durch eine gewisse 
forsche Art angezogen. In der Folge ergab das aber doch mancherlei 
Reibungen« Frau Anna Oelgard begleitete ihren Gemahl in öit 
brabantischen Feldzüge und wirtschiftete mit dem Gelde wie ein 
Stabstrompeter; zweimal brachte sie ihren Mann an den Rand des 
Bankerotts, und am Ende seines Lebens seufzte Kuno josua, er hätte 
mit seiner Gemahlin vieles erlebt und drei Tonnen Goldes wäre er 
reicher, wenn er eine andere gehabt hätte als sie. Ein Prinz des 
Hauses Hannover nennt die Generalin eine dame du monde, doch 
als 1708 erzählt ward, die Generalin bleibe im Winterquartier Lier 
und wolle nicht nach Brüssel, da weidet er sich an der anzüglichen 
Frage: welche Offiziere wohl im Winterquartier seien? 

An den Kindern war auch nicht eitel Freude zu erleben. Die 
Tochter heiratete einen Kammerherrn von Steinberg, starb aber bald, 
ohne Erben zu hinterlassen. Der Sohn Ernst August lebte schon so 
in Saus und Braus und verband sich 1724 mit einer Dame, die seinen 
Leichtsinn womöglich noch fiberbot. Es war das eine Gräfin Platen, 
eine Tochter des Britannischen und Braunschweigischen Geheimen 
Staats* und Oberkämmerers Grafen Ernst August von Platen. Schon 
diese Familie war dem alten General nicht recht Der Vater war in 
Schulden gestorben, die Mutter war die Geborene von Meysenburg, 
die sich als Verfasserin eines Hofspiels einen Namen gemacht hat 
und nach Bfllows Ausdruck »ohne täglichen Umgang mit Komödianten 
nicht leben konnte.« Die beiden jungen Leute hatten jährlich 6000 
Th. zu verzehren und machten doch Schulden Ober Schulden. Kinder 
wurden ihnen nicht geboren, die Sorge für die Zukunft störte sie 



109 

also nicht. Da reisten sie angeblich zu einer Badekur nach Aachen, 
kutschierten in Wahrheit aber bis in das einzige Paris und 
kauften Pretiosen, Pferd und Wagen ein. Natürlich war der alte 
General höchlich mißvergnügt und hing einem alten Sprichwort 
nach, daß Kanzler-, Soldaten- und Pfaffengüter nicht auf den dritten 
Erben kirnen. Dem vorzubeugen, wollte er denn doch bedacht seht, 
denn wie uns sein Sekretär sagt, war neben seinem Kommando das 
seine Hauptsorge: »der Posteritaet in Familia, nach dem Exempel 
seines Herrn Vaters, ein gutes Andenken zu hinterlassen und derselben 
solche praerogativen beyzulegen, daß daferne sie sich derselben 
nützlich gebrauchen und Ihnen folgen würde, Sie nicht allein in be? 
ständigstem Flor erhalten, sondern auch in noch größeres Lustre mit 
dar Zeit gesetzet werden könnte.« 

Sein Plan war, seine Güter zu einem Fideikommiß zu vereinigen; 
in dem Fideikommiß sollte noch ein Majorat Platz finden« Erster 
Erbe sollte sein Sohn sein; ihm sollte die Descendenz seines jüngsten 
Bruders Wilhelm Dietrich folgen. Emkendorf sollte der Sitz des 
Majoratsherrn werden, und ein Schloß wurde dort aufgeführt, das er 
»nicht magnifique genug« anrichten konnte. Sobald alles geordnet 
war, wollte er sich an seinen Oönner Prinz Eugen wenden und die 
längst angebotene Erhebung in den Grafenstand erbitten; das Wappen 
hatte er sich schon entworfen. 

Lange beschäftigte ihn die Sorge, wie das Werk am besteh ein- 
zurichten sei; denn es sollte so begründet werden, daß es »vor 
Meister und Gesellen fest bestünde.« Wer seine Absicht störe, halt 
er einmal »mit besonderer Emphasi« ausgerufen, der werde machen, 
daß dereinst seine Gebeine nicht ruhig in der Erde liegen könnten, 
und diese sollten sich umdrehen, wann das geringste Pertinens aus 
seinen Gütern mal ä propos angewandt oder gar davon entwendet 
würde. Endlich 1729 wurde eine fideikommissarische Disposition 
cum annexo maioratu aufgesetzt, sachverständig geprüft und approbiert. 
Aber die Ausführung verzögerte sich durch Truppenmusterungen — 
der Siebzigjährige waltete noch immer seines Amtes und hatte die 
Freude, beim Regierungsantritt seines neuen Herrn, Georg IL (1727 
bis 1760) zum Feldmarschall ernannt zu werden — verzögerte sich 
weiter durch Gutsgeschäfte, eine Reise ins Emser Bad, urtd ehe noch 
alles erledigt war, befiel dem Alten seine lezte langwierige Krankheit. 
Im Dezember 1730 kam er von einer Reise auf seine holsteinischen 
Besitzungen zurück und wurde von einem starkem Fieber befallen, 
das die Kräfte seines Verstandes und Gesichtes angriff. Er konnte 



110 

sich aller Dinge nur »confusement« erinnern. Zwar Heß das Fieber 
im Februar nach und die Kräfte erholten sich; »zu gewissen intervaltis« 
war er bei gesundem Verstände, gewöhnlich bis die Rede auf unleidliche 
Dinge kam als »von übemäßigen Depanses, widrigen Berichten von 
Rechnung führenden Verwaltern, derer Medicorum Dicours von Ge- 
brauch der China.« Die Schwäche des Gesichtes blieb Oberhaupt. 

In seinen lichten Augenblicken kam Kuno Josua von Bülöw eifrig 
auf die Testamentssache zurück. Er erbat sich von dem nächsten 
Erben nach seinem Sohne, dem Sohne seines Bruders Wilhelm Dietrich, 
seinem Neffen Friedrich, einen Vertrauten, und als dessen Sekretär 
erschien, ging er mit ihm die Anordnungen noch einmal durch. Am 
28. März 1731 konnte er »mit großer Freudigkeit« das urtterschriebene 
und gesiegelte Testament deponieren. Es enthielt die Stiftung des 
Fideikommisses und ernannte zum Erben den Sohn Ernst August, 
danach den ältesten Sohn des Neffen Friedrich. 

Nun setzte aber mit aller Macht das Gegenspiel ein. Die Frau 
Feldmarschällin, »welche bald vor bald wieder Ihren Herrn Gemahl, 
auch Herrn Sohn war, je nachdem die Umstände ihrem Interesse und 
fahrenden Lebens-Art gemäß fürliefen«, war in diesem Falle, wo ihr 
Geldverbrauch bedroht war, natürlich wider ihren Herrn Gemahl und 
für ihren Herrn Sohn. Denn der Kammerherr Ernst August hatte 
selbstverständlich seines Vaters Absichten mit der größten Verstimmung 
begleitet; er war nicht gewillt, seinen Kredit schmälern zu lassen. 
Mutter und Sohn gingen nun mit allen Mitteln darauf aus, das 
Testament aus dem Wege zu schaffen. Die Feldmarschällin war 
anfangs für die probaten Mittel; dem Feldjäger, der den Sekretär 
Friedrich von Bülows vorgelassen hatte, wollte sie des Abends auf- 
lauern und Arme und Beine entzweischlagen lassen. Aber bald 
beschlossen die beiden, diplomatische Wege zu betreten. Sie steckten 
sich hinter die Kammerdiener des Feldmarschalls. 

Kuno Josuas Zustand verschlimmerte sich mählich. Er wurde 
immer verwirrter und heftiger. Es i$t jämmerlich, daß der ergraute 
Kriegsheld am Ausgang seines Lebens noch den König Lear spielen 
mußte. Sein Haus füllte sich mit Schmarotzern aller Art. Wohl war 
hoch eine treue Seele bei ihm, sein Sekretär Brandes; aber was wollte 
er zu dfcm Treiben der Lakaien sagen, wenn die Frau Feldmarschällin 
selber Koffer und Kammern aufbrechen ließ, um das Silberzeug zu 
entführen und mit dem Sohne zu teilen. Die Kreaturen der beiden 
drängten steh um den blöden Feldmarschall und durften sich für ihre 
guten Dienste alle Freiheiten erlauben. Da war ein Kammerdiener, 



11! 

»klein von Statur, aber groß an Boßheit«, der von Rechts wegen nur 
den Bart zu scheren hatte, der wußte den kranken Alten kunstgerecht 
zu nehmen. Er durfte auf dessen Pferden ausreiten, er kutschierte in 
dessen Chaise seine Braut und ihre Eltern ins Grüne, er schickte die 
Ordonanzen mit seinen Billets d'Amour aus und ließ sich von 
Fähnrichen Douceurs einhändigen. Ja, als sein Herr zum letzten Male 
in der Öffentlichkeit erschien — bei der großen Revue vor dem 
König — da setzte sich dieser Lümmel rechts neben ihn in die 
Staatskarosse und Keß sich huldvollst für einen Prinzen begrüßen. 
Dieses Pack war natürlich für alles feil; und. einer stahl denn glücklich 
den Depositionsschein zu dem Testament Nun schickte der Kammer- 
herr noch den Garnison-Prediger ins Haus, und siehe da! Die 
geistliche Vermahnung hatte einen wunderbaren Erfolg: das Testament 
wurde zurückgefordert und verschwand in aller Stille. 

Des Feldmarschalls Kräfte waren verflackert; von Mitte Juli 1733 
an lag er still zu Bett und am 28. (27.?) Juli morgens gegen 3 Uhr 
schloß er die müden Augen. Beigesetzt ist er in Edemissen. Das 
Leichenbegräbnis wurde mit allem militärischem Pomp gefeiert Es 
fand erst am 26. August statt Als der Sarg aus der Kirche getragen 
wurde, erdröhnte vom Wall her eine Salve aus sechs Kanonen. Ein 
Dragonerleutnant setzte sich mit einem Unteroffizier und 24 Mann an 
die Spitze. Es folgte Artillerie, eine Eskadron Dragoner, das zweite 
Bataillon Garde; jetzt kam der Leichenwagen, auf dem Sarg ein 
Harnisch und goldener Degen, ihm zur Seite vier Stabsoffiziere*; 
danach das erste Bataillon Garde, Offiziere von der Infanterie, Kutschen, 
Offiziere von der Kavallerie und zum Schluß eine Eskadron Dragoner. 
Alle Fenster und Dächer waren von einer dichten Menschenmenge 
besetzt Am Egidientor grüßte ein zweiter Artilleriesalut den toten 
Feldmarschall. Am Pferdeturm löste sich der Zug auf, und die Truppen 
traten zu beiden Seiten in Parade an; eine dreifache Salve des ganzen 
Aufgebots rief den Abschiedsgruß, und zwischen den präsentierenden 
Linien fuhr der Leichenwagen hinaus. Ein Dragoner-Kommando 
geleitete ihn bis Edemissen, das übrige Militär kehrte mit Pauken und 
Trompeten und schmetternder Kriegsmusik in die Quartiere zurück. 

Ein tapferes Herz hatte ausgeschlagen. Die Farce seiner letzten 
Tage aber war noch nicht zu Ende. 

Der Kammerherr Ernst August hatte schon drei Tage vor dem 
Tode die Pretiosen und Silberstücke bei Nacht und Nebel in seine 
Wohnung herüberschaffen lassen. Jetzt ging spornstreichs ein 
Kammer-Furier auf die Güter ab und nahm von ihnen vor Zeugen 



112 

und Notar BesMz. In feierlichster Form, nach dem Brauch uralter 
Zeit, wo man Kontrakte noch nicht schreiben und lesen konnte, 
geschah das auf dem Stammgut Abbensen. Die Untertanen mußten 
Treue schwören, ein Oerichtsakt wurde im Namen des Orafen Ernst 
August vollzogen. Der Gerichtsverwalter schloß die Haustür auf 
schnitt einen Spahn aus dem Pfosten, zündete in der Küche auf dem 
Herd ein Feuer an und löschte es wieder, grub auf dem Hof eine 
Scholle Erde auf, nahm aus dem Lustgarten eine Handvoll Erde und 
ein Reis von der Hecke, ging die Felder ab und nahm von jedem 
eine Scholle und eine Ähre — alles in Zeugengegenwart 

Selbst die Frau Feldmarschällin durfte den Tod ihres Gatten erst 
um Mittag erfahren. 

Wohl hat sich der Vetter Friedrich von Bfilow nicht gutwillig 
in das böse Spiel ergeben. Aber all sein Remonstrieren hat ihm nichts 
genutzt, Ernst August blieb der freie Herr über das Erbe. 

Die Feldmarschällin starb Anfang 1736. Ernst August hat noch 
eine glänzende Laufbahn durchmessen. 1730 wurde er in den Reichs- 
grafenstand erhoben, war Gesandter in Paris und 1757 rückte er zum 
Ober-Kammerherrn und Geheimen Kammerrat auf. 1756 zog er sich 
auf die holsteinischen Otiter zurück. 

1766 ist er gestorben, seine erste Gemahlin schon einige Jahre 
vorher, nachdem sie das Leben ausgekostet hatte; mit Erstaunen hört 
man, daß sie eines schönen Tages mit ihren Juwelen eine öffentliche 
Lotterie veranstaltet und augenscheinlich die Absicht hat, ihrem Ge- 
mahl auf und davon zu gehen. 1761 verheiratete Ernst August sich 
noch einmal mit einer Gräfin Kielmannsegge. Unter Tränen hatte die 
Braut dem Tag der Hochzeit entgegengesehen, und sie hat sich in 
der Ehe immer unglücklich gefühlt. 

Ernst August selber hat vergeudet bis an sein Ende; 1764 wurde 
schon zweier Forderungen wegen Execution erfcanttt, und es dtfohte 
schon der vollständige Konkurs. Nur durch den Verkauf dreier 
Güter wurde er abgewendet Als Ernst August starb, fielen die übrigen 
holsteinischen Güter an die Erben seines Vetters Friedrich und 
wurden von diesen aufgegeben; die hannoverschen Besitzungen kamen 
an die Linie Thomas Christians, aber schon 1785 brach über. Abbensen 
der Konkurs herein. Während des Konkurses wurde (1804) das Schloß 
samt seinen Malereien und Stuckaturen für 2300 Th. auf Abbruch ver- 
kauft und die kostbare Bibliothek für 2600 Th. losgeschlagen. Noch 
heute bekommt man in der Gegend schöne Ofenkacheln aus dem 
»alten Bülowschen Schloß« in Tagelöhnerstuben zu sehen, und heute 



113 

noch hat man dort »die Bfllows« als Verschwender im Gedächtnis. 
Erzählt man doch, »die Bfllows« seien auf Saiz Schlitten gefahren, 
wenn gerade kein Schnee gelegen habe. — Ob sich der alte Kuno 
Josua im Grabe umgedreht hat? 

In dem Rüpelspiel vor dem kindisch gewordenen Feldmarschall 
ist auch eine Szene vorgekommen, wo der eine Kammerdiener zur 
Belustigung der Genossen mit dem Marschall-Hut und -Mantel in 
die Stube trat und sich gravitätisch neben den Alten niederließ. So 
geht das Leben des Kriegshelden mit einer Parodie zu Ende. 

Die bleibende Heimat, die Kuno Josua seinem Geschlecht be- 
gründen wollte, ist verloren gegangen. Aber ein Nachfahr aus der 
Linie des jüngsten Bruders, gleich glücklich im Waffenhandwerk, ist 
gekommen und hat das Majoraf geschaffen: Bülow von Dennewitz. 
Und wohl ist es einem tröstlich und erhebend, wenn jetzt das Bild 
des alten Kriegshelden dort im Saale hängt, mit der Lockenperücke 
und dem Harnisch und den jugendlich zürnenden Augen; stolz und 
hochgemut wie damals, als er seine Kavallerie an den Feind führte. 



d) Hans Otto (1661—1729), 

Hannoverscher Landdrost. 

Hans Otto ist geboren 1661. Er hat es von den Brüdern am 
wenigsten weit gebracht; seine Laufbahn schließt mit dem Landdrosten 
zu Harburg ab. Wie sein ältester Bruder, ist er Junggeselle geblieben. 
Immerhin muß er in der gesellschaftlichen Welt gestanden haben, denn 
in seinem Nachlaß befindet sich ein Tafelgeschirr, das 1725 in London 
angefertigt ist und z. B. 12 Dutzend Teller enthält. Gestorben ist er 
zu Harburg 1729 an einem hitzigen Fieber, »wodurch«, bemerkt sein 
Schreiber, »die Republiq einen rechtschaffenen Eiferer für das all- 
gemeine Beste, Ich armer aber einen aufrichtigen Herren und hohen 
Beförderer verlohren habe«. Man trifft wieder auf den Schwulst der 
Zeit, wenn man hört, daß um seinen Tod drei Wochen geläutet wird. 

e) Wilhelm Dietrich (1664—1737). 

Ober ihn, seinen Sohn und seinen Enkel steht das Nähere im 
Hohenzollern-Jahrbuch für 1904 und 1906 und im Archiv für Kultur- 
geschichte 1905. Die Geschichte des Gutes Falkenberg enthält das Programm 
des Pädagogiums in Putbus 1905. 

Wilhelm Dietrich von Bülow ging als Kammerjunker an den 
Brandenburger Hof, als 1684 die Tochter des Herzogs Ernst August 



114 

von Hannover, Sophie Charlotte, dem Kurprinzen vermählt wurde. 
Als die Prinzessin 1701 zur ersten Königin von Preußen aufstieg, 
wurde er zu ihrem Oberhofmeister berufen. Sein Sohn Friedrich 
brachte es zum preußischen Etatsminister, während sein Enkel Ulrich 
als Freigeist in der Stille hauste. Der Urenkel ist Bfllow von 
Dennewitz. 

W. Steffen. 



Zur Geschichte der Naturwissenschaften 
im 19. Jahrhundert 



Das vergangene Jahrhundert kann mit Recht das Jahrhundert der 
Naturwissenschaften genannt werden, denn von allen Wissenschaften 
haben sie in ihm die glänzendste Entwickelung in verhältnismäßig 
kurzer Zeit durchgemacht. Im geistigen und wirtschaftlichen Leben 
sind sie zu treibenden Kräften geworden. Diese beherrschende 
Stellung verdanken sie einmal der innigen Verbindung von Wissenschaft 
und Praxis; den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung folgte sofort 
die Anwendung in der Technik, durch die die Bedeutung der Natur- 
wissenschaften im praktischen Leben . erwiesen wurde. Andererseits 
hat sich im vergangenen Jahrhundert eine Popularisierung der Natur- 
wissenschaften im weitesten Umfange vollzogen. Dadurch sind neue 
Bildungselemente in die breiten Schichten des Volkes gedrungen und 
haben dem geistigen Leben des Jahrhunderts seinen eigentümlichen 
Charakter gegeben. Eine Umbildung der gesamten Weltanschauung 
hat sich vollzogen und vollzieht sich noch unter dem Einfluß dieser 
Durchsetzung mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen. Immer mehr 
bricht sich die Anschauung Bahn, daß zur Gewinnung einer Welt- 
anschauung eine naturwissenschaftliche Grundlage erforderlich ist. 
Naturwissenschaftliche Fragen sind eben zum großen Tefl im letzten 
Grunde nicht nur fachwissenschaftliche, sondern Weltanschauungs- 
fragen. Hierin liegt der Grund für die dominierende Stellung der 
Naturwissenschaften im geistigen Leben der Gegenwart. 

Sehr viele Zweige der Naturwissenschaften sind erst eine 
Schöpfung des IQ. Jahrhunderts. Noch zu Beginn desselben haben 
sie keine selbständige Stellung. Sie erscheinen als ein Anhang der 
Wissenschaft, die damals im Mittelpunkte des geistigen Lebens stand 
und alle Bildungs- und Weltanschauungsfragen beherrschte, der Philo- 
sophie. Alle anderen Wissenschaften pflegten hier ihre Anregungen 
zu empfangen; und so ist auch für die Richtung, in der sich die Ent- 
wickelung der Naturwissenschaften im Anfang des vorigen Jahrhunderts 
bewegte, der Einfluß der Philosophie bestimmend. 



116 

Kantischer Geist hat zunächst ihre Entwickelung nachhaltig und 
dauernd beeinflußt. Während bis dahin philosophische Spekulation 
allein durch die rein logischen Operationen des Denkens selbst die 
Erscheinungen der Außenwelt zu erklären suchte, zeigte Kant, daß 
alles Erkennen auf die Erscheinungswelt, also auf das der Beobachtung 
allein zugängliche Gebiet, beschränkt ist und daß der Erkennbarkeit 
überhaupt Grenzen gesetzt sind, die wir nicht überschreiten können, 
ohne den Boden der Wirklichkeit zu verlassen. Dadurch schuf er der 
Methode naturwissenschaftlicher Forschung die erkenntnistheoretische 
Grundlage, auf der sie sich weiter entwickeln konnte. Die empirischen 
Wissenschaften treten damit selbständig den Geisteswissenschaften zur 
Seite. Kant besaß selbst ausgebreitete naturwissenschaftliche Kenntnisse. 
In ihm tritt uns zum ersten Male ein Hauch vom Geiste moderner 
Naturwissenschaft entgegen. 

Ganz anders verhält es sich mit der auf Kant folgenden Periode 
der Philosophie. Sie hat die Entwickelung der Naturwissenschaften direkt 
gehemmt. Der Philosophie Hegels galten Beobachtung und Experiment 
als unnütze Zeitverschwendung; ihre spekulative Betrachtungsweise, 
die aus der Enge der Studierstube heraus die Natur zu begreifen sucht, 
steht im größten Gegensatz zur Arbeitsweise des Naturforschers. 

Ebenso hat die Schellingsche Naturphilosophie keinen Einfluß auf 
die Entwickelung der Naturwissenschaften ausgeübt Denn wenn auch 
einzelne Gedanken in ihr an moderne Anschauungen anklingen, so 
bestand ihre Gefahr im Gegensatz zu Kant eben darin, daß sie »trotz 
aller Abhängigkeit von den naturwissenschaftlichen f orschungen ihrer 
Zeit die Empirie gering achtete. Der Mühe empirischer Beobachtung 
und langsam aufwärts führender Induktion glaubte man überhoben 
zu sein.« 

Die Folge war eine Abneigung gegen die Philosophie bei den 
Vertretern der Naturwissenschaften, eine Verachtung ihrer unfrucht- 
baren Gedankengänge. Naturwissenschaft und Philosophie entfernten 
sich immer weiter von einander, ja standen sich schließlich geradezu 
feindlich gegenüber. Lange hat es gedauert, bis auf Seiten der Natur- 
forscher das Mißtrauen schwand, das sich seit den Tagen Hegels und 
Schellings bei ihnen gegen die Philosophie festgesetzt hatte. Erst am 
Ende des Jahrhunderts sehen wir wieder gegenseitiges Verständnis 
und alsbald auch fruchtbare Einwirkung sich anbahnen. 

Im ganzen findet sich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
nur geringes Verständnis für die Denk- und Arbeitsweise der Natur- 
wissenschaften. Man muß sich diese Tatsache vergegenwärtigen, um 



117 

den Wandel in den Anschauungen, der sich in der nun folgenden 
Periode der großen Entdeckungen vollzog, zu würdigen. 

Mit der Philosophie waren die Naturwissenschaften zerfallen, der 
Aufschwung, dem sie entgegengingen, kam aus eigener Kraft Er 
knüpfte sich an eine Kette glänzender Erfolge auf allen ihren Oebieten. 
Die Philosophie ging dagegen einer Zeit des Tiefstandes entgegen; 
sie verlor das Ansehen bei den Gebildeten, das sie bis dahin besessen 
hatte, während die Naturwissenschaften berufen schienen, nunmehr 
eine Führerrolle im geistigen Leben zu übernehmen. So begann ein 
Kampf auf geistigem Gebiete, in dem schließlich eine neue Welt- 
anschauung mit den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung als 
Grundlage in hartem Ringen geschaffen wurde. 

In diese Zeit fällt auch die Wirksamkeit Alexander von Humbolds, 
der, selbst ein Mann der exakten Wissenschaften, viel zu dem Auf- 
schwünge der Naturwissenschaften beigetragen hat. 1828 fand der 
erste naturwissenschaftliche Kongreß in Berlin statt, um dessen 
Zustandekommen er sich persönlich bemühte. 1 ) Vor allem gab er durch 
seinen Kosmos die Anregung zu populärer Darstellung naturwissen- 
schaftlicher Fragen, um auch in weiteren Kreisen dafür Interesse zu 
erwecken. Das Bedürfnis nach solcher Aufklärung war zweifellos 
vorhanden. In England und Frankreich war es längst Sitte, daß der 
Forscher sich mit den Ergebnissen seiner Arbeit auch an die große 
Menge der Gebildeten wandte. Der deutsche Gelehrte verhielt sich 
diesen Bestrebungen gegenüber zunächst ablehnend, denn die Resultate 
naturwissenschaftlicher Forschung können nicht ohne eine gewisse 
Schwierigkeit dem Laien verständlich gemacht werden. Der Weg, auf 
dem sie gewonnen sind, liegt hier nicht so offen zu Tage; die Arbeit 
des Naturforschers ist mühevoll und wird nur von wenigen verstanden 
und gewürdigt Erst allmählich gelingt es, die anfängliche Ablehnung 
zu überwinden und den Laien über die Stufe kühler Bewunderung zu 
wirklichem Verständnis zu bringen. Als einer der ersten verfolgte 
nach Humboldt Liebig in seinen chemischen Briefen diese Tendenz. 
Später fanden diese Bestrebungen in Helmholtz und Dubois-Reymond 
verständnisvolle Nachfolger. Heutzutage ist man daran gewöhnt, die 
hervorragendsten Vertreter der Naturwissenschaften über die Ergebnisse 
ihrer Forschungen berichten zu hören. 

Eine stattliche Reihe bedeutender Namen bezeichnet das Aufblühen 
der Naturwissenschaften. Mancher hat zwar in der Geschichte seiner 



t) Ziegler: Die geistigen und sozialen Strömungen des 19. Jahrhunderts. 
Berlin 1899. 



118 

Wissenschaft einen hellen Klang, ist aber trotzdem kaum über die 
Grenzen der Fachkreise hinaus bekannt geworden. 

Zwei wissenschaftliche Probleme haben die geistigen Strömungen 
ihrer Zeit in besonderem Maße beeinflußt und sind zu Weltanschauungs- 
fragen geworden: die Verdrängung der vitalistischen Auffassung von 
den Lebensvorgängen durch die mechanistische und das Eindringen der 
Deszendenztheorie. In ihnen werden die letzten und höchsten Fragen, 
die die Naturwissenschaft Oberhaupt kennt, berührt: die Eigentümlichkeit 
der Prozesse, die wir als Leben bezeichnen, die Entstehung des ersten 
Lebens überhaupt und die Entwickelung, die Tiere und Pflanzen mit 
Einschluß des Menschen seitdem durchgemacht haben. 

Zu Anfang des IQ. Jahrhunderts herrschte noch allgemein die 
Ansicht, daß die Lebensvorgänge an das Vorhandensein bestimmter, 
geheimnisvoller Lebenskräfte gebunden seien, die sich durch Generationen 
hindurch ungeschwächt fortpflanzen können, im Augenblick des Todes 
aber spurlos verschwunden sein sollten. Diese Lehre bedeutete im 
Grunde den Verzicht auf jede wissenschaftliche Erklärung überhaupt. 
Zwischen organischer und anorganischer Welt gähnte eine tiefe, un- 
überbrückbare Kluft. Den ersten Stoß erhielt diese Auffassung, als 
es Wöhler in seiner Synthese des Harnstoffes gelang, organische 
Substanz aus anorganischer herzustellen. Völlig vernichtet wurde 
sie durch Helmholtz und Dubois-Reymond. Das von Robert Maier 
entdeckte, von Helmholtz wiedergefundene Gesetz von der Erhaltung 
der Kraft, das nur eine Umbildung, aber keine Neubildung von Kräften 
kennt und die Äquivalenz von Wärme und Arbeit feststellt, stellte 
unser gesamtes Naturerkennen im allgemeinen und die Auffassung 
von den Lebensvorgängen im besonderen auf eine neue Grundlage. 
Denn es war nur natürlich, daß man auch die organischen Vorgänge 
im Tier- und Pflanzenkörper im Lichte dieser neuen Auffassung ansah. 
Besonders die Physiologie wurde dadurch in neue Bahnen gelenkt; 
physikalische und chemische Methoden wurden in sie eingeführt und 
das Experiment in den Vordergrund gestellt. Die alten Bahnen der 
Naturerklärung, die noch ganz im Geiste Hegelscher Philosophie liefen, 
wurden verlassen. Johannes Müller wurde dadurch der Begründer 
der modernen Physiologie. Aus seiner Schule sind auch Helmholtz 
und Dubois-Reymond hervorgegangen. Von allen deutschen Natur- 
forschern des vorigen Jahrhunderts haben sich diese beiden Männer 
unstreitig die größten Verdienste um die Verbreitung naturwissenschaft- 
licher Kenntnisse erworben und haben damit künftigen Generationen 
eine neue Weltanschauung geschaffen. 



119 

Das Ziel der mechanistischen Lehre war, die Lebensvorgänge 
als Folge der Bewegungsvprgänge körperlicher Massen zu erklären. 
Bald gingen ihre radikalsten Vertreter noch weiter, suchten alle 
psychischen Vorgänge nur als Bewegung der Gehirnsubstanz dar- 
zustellen und kamen so zur Ablehnung der Willensfreiheit und aller 
religiösen Vorstellungen. Dieser materialistischen Auffassung, die 
ihre Erklärung einerseits als Reaktion gegen die Hegel-Schellingsche 
Philosophie, andererseits in den kirchlichen und politischen Verhältnissen 
der damaligen Zeit findet, traten andere Naturforscher scharf entgegen; 
und seinen Höhepunkt erreichte dieser sogenannte Materialismusstreit 
auf der Göttinger Naturforscherversammlung 1854. 

Das Aufblühen der Naturwissenschaften hatte die Entstehung 
materialistischer Anschauungen begünstigt, mit Hilfe der Natur- 
wissenschaften wurden sie auch wissenschaftlich überwunden. 
Kantischer Geist in Verbindung mit den Ergebnissen naturwissenschaft- 
licher Forschung hat sich hierbei am fruchtbarsten erwiesen. Nach 
dem Tiefstande um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erfolgte aus 
dem Geiste der Naturwissenschaft heraus eine Wiedergeburt der 
Philosophie. Helmholtz' Wirksamkeit ist es zu danken, daß Philosophie 
und Naturwissenschaft sich wiedergefunden haben. 1 ) In ihm vereinigt 
sich die Forschungsmethode der exakten Wissenschaften mit dem 
Interesse für philosophische Dinge. Kants Philosophie gab ihm die 
Richtschnur für sein philosophisches Denken. Mit Fechner und Lotze 
nimmt dann eine neue Periode der Philosophie ihren Ausgangspunkt 
von den Naturwissenschaften. »Die Naturforschung verschafft sach- 
liche Anknüpfungspunkte für die Behandlung der Weltanschauungs- 
fragen.« 

Während sich also die Naturwissenschaften mit der Philosophie 
wieder zu gemeinsamer Arbeit verbunden hatten, machte sich mit der 
Zeit ein gewisser Gegensatz zu den philologisch-historischen Wissen- 
schaften bemerkbar, der auch heute noch nicht ganz überwunden ist. 

Mit ihrer wachsenden Bedeutung für unser gesamtes Kulturleben 
forderten die exakten Wissenschaften einen ihrer Stellung angemessenen 
Einfluß in den Bildungsfragen der Zeit. Unsere höhere Bildung hat 
ihre Wurzeln im klassischen Altertume; die Altertumswissenschaften 
hatten infolgedessen den maßgebenden Einfluß in allen Fragen, die 
sich auf die Heranbildung der künftigen Generationen bezogen. Das 
tritt am deutlichsten in den Lehrplänen der höheren Schulen hervor: 

i) Stumpf im Archiv f. Gesch. d. Phil. 1895. 8. Bd. 



120 

Lateinisch und Griechisch nehmen bis zum Ende des Jahrhunderts 
den breitesten Raum ein und sind fast ausschließlich Träger einer 
höheren Bildung. Allenfalls die Mathematik wurde noch wegen ihres 
formalen Bildungsgehalts geschätzt. Die Naturwissenschaften fanden 
dagegen kaum Berücksichtigung, selbst in einer Zeit nicht, als sie 
bereits ihre größten Triumphe gefeiert hatten. Es war selbstverständlich; 
daß die Vertreter der Naturwissenschaften auch in diesem Punkte 
ihrer Wissenschaft die gebührende Anerkennung zu verschaffen 
suchten. Sie hatten um so mehr ein Recht dazu, als auf die raschen 
Erfolge eine Zeit der ruhigeren Überlegung gefolgt war, die der Aus- 
bildung ihrer Methoden, ihrer erkenntnistheoretischen Orundlagen 
diente; und aus der Überzeugung heraus, daß ihre Erkenntnisformen 
nicht nur für sie selbst, sondern auch für die moderne Bildung über- 
haupt Bedeutung hätten, verlangten sie, daß auch dem heranwachsenden 
Oeschlechte mehr Gelegenheit gegeben werde, seine Bildung nach 
dieser Seite hin zu erweitern. Sie wollten als Kulturfaktor auch in 
Bildungsfragen anerkannt werden. Mit ihren Forderungen sind sie 
allmählich durchgedrungen: den Erfolg zeigt das Anwachsen der Real- 
anstalten, vor allem der Oberrealschule, die stärkere Betonung des 
naturwissenschaftlichen Unterrichts auch an den Gymnasien und die 
schließlich erreichte Gleichberechtigung der 3 Arten höherer Lehr- 
anstalten. Auch hierin spiegelt sich die steigende Bedeutung der 
Naturwissenschaften im geistigen Leben wieder. 

In den Kampf um die materialistische Weltanschauung wurde 
das andere Problem hineingetragen, das etwa um dieselbe Zeit von 
England nach Deutschland kam und das sich an den Namen Darwin 
knüpft: Die Abstammungslehre oder Deszendenztheorie. 

Darwin ist nicht der Begründer einer gänzlich neuen Lehre ge- 
worden. Schon zu Ende des 18. und zu Anfang des IQ. Jahrhunderts 
hatten verschiedene Naturforscher sich zu der Ansicht bekannt, daß 
die uns umgebende Tier- und Pflanzenwelt das Produkt einer langen, 
sich über unendliche Zeiträume erstreckenden Entwickelung sei. Auch 
Goethe stand diesen Anschauungen, aus dem Werden heraus das Sein 
zu begreifen, nahe. Aber die Zeit für eine allgemeine Anerkennung 
dieser Lehre war erst gekommen, als es der Geologie und Palaeontologie 
gelungen war, durch Funde versteinerter Tier- und Pflanzenreste die 
historischen Dokumente für den Gedanken einer Entwickelung beizu- 
bringen. Darwins Verdienst ist, daß er diesem Gedanken die wissen- 
schaftliche Welt erobert hat. Die Erklärung der wirkenden Ursachen 
einer solchen Entwickelung durch natürliche Zuchtwahl, d. h. durch 



121 

eine von der Natur selbst herbeigeführte Auslese im Kampf ums 
Dasein, also durch ein rein mechanisches Prinzip, ist der Kern seiner 
Theorie, 

Daß sie gerade zur Zeit des Materialismusstreites nach Deutsch- 
land kam, hatte zur Folge, daß die Materialisten sich ihrer sofort 
bemächtigten. An und für sich hat sie nichts mit dem Materialismus 
zu tun, ebenso wenig wie Darwin jemals ein Anhänger desselben 
gewesen ist Sie hat übrigens keineswegs nur in den Kreisen des 
Materialismus Anhänger gefunden, aber sie ist auch von vornherein 
in Fachkreisen und bei Laien heftigem Widerspruch begegnet. Keine 
wissenschaftliche Hypothese hat die Gemüter der gebildeten Welt so 
in ihren Tiefen aufgewühlt. Der Zuwachs an historischen Dokumenten 
aus dem Schöße der Erde hat dem Gedanken einer fortschreitenden 
Entwicklung Recht gegeben und ihn zu einer der Grundlagen 
moderner Weltanschauung gemacht. In diesem Sinne bedeutet der 
Darwinismus nicht nur für die biologischen Wissenschaften den Anfang 
einer neuen Periode, sein Einfluß hat sich auch auf die geschichtlichen 
Wissenschaften, auf Ethik und Weltanschauung erstreckt; er ist zum 
befruchtenden Prinzip auf allen Gebieten geistigen Lebens geworden. 

In Deutschland war einer der ersten Anhänger Darwins der 
Jenaer Zoologe Ernst Haeckel. Dadurch hat er sich um die Ent- 
wicklungstheorie große Verdienste erworben. In der Folge hat er 
jedoch die Hypothese des Meisters zu einer natürlichen Schöpfungs- 
geschichte erweitert und seine monistische Philosophie und Welt- 
anschauung darauf aufgebaut. Sein Buch: die Welträtsel, will ein 
Weltbild vom Standpunkte monistischer Philosophie geben. Im Grunde 
ist dieser Monismus ein neuer Materialismus. Bei diesen Versuchen 
hat Haeckel nicht nur in philosophischen, sondern auch in natur- 
wissenschaftlichen Kreisen schärfste Zurückweisung erfahren. 

Die Kritik des Darwinismus ist von rein biologischen, wie auch 
von philosophischen Gesichtspunkten ausgegangen. Seine Gegner 
haben in der Selektion immer ein mehr negatives, d. h. ungünstig 
veranlagte Individuen vernichtendes, als positiv-schaffendes Prinzip 
gesehen. Die unmerklich kleinen Veränderungen, auf die sich die 
Selektion stützt, können nach ihrer Ansicht unmöglich im Kampf ums 
Dasein Vorteile gewähren; dies können nur fertige, entwickelte Vorteile. 
Den zufällig auftretenden Veränderungen sprechen sie die Möglichkeit 
einer Vererbung, einer dauernden Erhaltung ab; denn in der Natur sei 
eine geschlechtliche Vermischung anders oder garnicht veränderter 
Individuen unvermeidlich. So kommen sie dazu, die Bedeutung einer 



122 

Selektion zwar nicht zu verkennen, aber als wirkende Ursachen für 
die Entstehung der Arten andere Umstände anzunehmen. 

Veränderte Lebensbedingungen beeinflussen die Entwickelung des 
Körpers; aus diesem Orunde sieht der Neolamarckismus in dem Einfluß 
der Außenwelt infolge veränderter Existenzbedingungen, in dem da- 
durch bedingten Oebrauch oder Nichtgebrauch von Organen die 
Hauptursache. Eine zweite Hypothese sieht das eigentliche Prinzip 
in der Fähigkeit zur Mutation: in gewissen plötzlich auftretenden 
Variationen, durch die sich Unterformen bilden und wieder vergehen. 

Wieder andere gehen davon aus, daß sich im lebenden Organismus 
Prozesse vollziehen, die nur aus der Zweckmäßigkeit heraus zu ver- 
stehen seien, und glauben ohne die Annahme eines besonderen vitalen 
Agens nicht auskommen zu können, das aber nicht als schaffende 
Kraft anzusehen ist — das war der Gedanke des alten Vitalismus — 
sondern das nur lenkend und richtungsbestimmend in den Lebens- 
vorgängen sich äußert und damit die Möglichkeit einer Entwickelung 
vom Einfachen zum Komplizierten schafft. 

Aber das Problem der wirkenden Ursachen bei der Entstehung 
der Arten ist noch immer ungelöst. Und so ist es auch mit der Frage 
nach der Entstehung des Lebens und dem Wesen der Lebensvorgänge. 
Einige der einfachsten Eigenschaften lebender Körper hat man auch an 
anorganischen zeigen können. Aber selbst namhafte Forscher sind der 
Ansicht, daß es uns wohl kaum gelingen wird, einen Körper in der 
Retorte darzustellen, den wir als lebend bezeichnen können, nämlich 
der automatisch assimiliert und sich nach einer gewissen Zeit teilt, und 
neigen dazu, eine gewisse Sondergesetzlichkeit des Lebens anzunehmen, 
die durchaus nichts Mystisches zu haben braucht, sondern die eben in 
den uns unbekannten Eigenschaften der Eiweißkörperchen im lebenden 
Organismus zum Ausdruck kommt. 1 ) 

i) Dahl: Zur Frage: Was ist Leben? Naturw. Wochenschr. 1907. Nr. 27. 

Lothar Hultzsch. 



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