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Full text of "Flora fossilis Arctica = Die fossile Flora der Polarländer ..."

I?Iioir^ ^ssüHüs SQircBüücBa« 



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enthaltend 



die in Nordgrönland, auf der Melville-Insel, im Banksland, 

am Mackenzie, in Island und in Spitzbergen 

entdeckten fossilen Pflanzen 



von 



Bf. Oswald Meer, 

Professor am Polytechnikum und an der Universität in Zürich. 



Mit einem Anhang- über versteinerte Hölzer der arctischen Zone 

von Dr. Carl Cramer, Professor am Polytechnikum in Zürich. 



-<g-^o(^^ö^^-^- 



Zürich. 

Druck und Verlag von Friedrich Schulthess. 

J868. 



Dem Andenken 



Sir John Fraoklin's 



und seiner Gefährten 



gewidmet. 



v^. 



HAROLD ß. LEE LIBRARY 

BRIGHAM YOUNG UNtVERSlPi 

PROVO. UTAH 



Vorwort. 



Es ist bekannt, dass die Gebirge Europa's, Asiens und Amerika's eine nicht geringe Zahl von 
Pflanzenarten mit der arctischen Zone gemeinsam haben. Da man jetzt allgemein, und nach meinem 
Dafürhalten mit Recht, annimmt, dass jeder Art nur Ein Bildungsherd zukomme, haben wir diese 
gemeinsamen Arten entweder vom Norden herzuleiten, oder sie müssten umgekehrt von Süden nach 
Norden gewandert sein. Wäre das letztere der Fall, so müssten in der arctischen Zone europäische, 
asiatische und amerikanische Typen zusammengetroffen sein und sie müsste eine s6hr mannigfaltige 
Flora besitzen. Nun ist aber das Gegentheil der Fall. Es würde uns aber ferner bei solcher Annahme 
ganz unbegreiflich bleiben, warum die Hochgebirge Amerika's und Europa's mehr gemeinsame Arten 
haben als das Tiefland, und warum unter diesen gemeinsamen Arten gerade solche sind, welche jetzt 
auch im hohen Norden leben. Dies beweisst, dass diese Pflanzenarten im Norden ihren Bildungsherd 
gehabt und von doj't aus sich verbreitet haben'). Nehmen wir einen Erdglpbus zur Hand, wird uns 
auf den ersten Blick einleuchten, dass eine gleichmässige Verbreitung der Pflanzen in den Polar- 
ländern viel leichter vor sich gehen kann als unter dem Aequator, daher gegenwärtig im arctischen 
Europa, Asien und Amerika so viele gemeinsame Pflanzen und Thierarten vorkommen, während die 
tropischen Floren nach den Welttheilen sehr verschieden sind. Es wird uns auch e-uleuchten , dass 
wenn von der arctischen Zone aus unter günstigen Verhältnissen eine slrahlenförmige Verbreitung 
der Arten staltfand, diese Arten immer weiter auseinander rückten, je weiter sie nach Süden kamen, 
und so auü'allend uns jetzt auch das Vorkommen der Silene acaulis, der Saxifraga oppositifolia, der 
S. aizoides , der Salix herbacea , Veronica alpina , Arctostaphylos alpina , Linna;a borealis , Lonicera 
caerulea, Pontentilla frigida Vill. , CircaBa alpina, Epilobium alpinum u. a. m. in den Schweizer-Alpen 
und zugleich in den Gebirgen der Vereinigten Staaten Amerika's erscheinen mag, wird es uns doch 
erklärlich, wenn wir sie vom hohen Norden herleiten, wo sie noch jetzt zu Hause sind. Eine solche 
Verbreitung der nordischen Pflanzen nach Süden setzt aber andere klimatische Verhältnisse voraus 
als sie jet>it bestehen, daher wir den Zusammenhang der nordischen mit dec alpinen Flora nur ver- 
stehen können, wenn wir auf die geologischen Zeilen zurückgehen. Die Jetzige Schöpfung reicht 
in die quarläre Zeit zurück und das Verbreilungsarcal jeder Pflanzen- und Tiiierarl ist das llesullat 
eines seit dieser fernen Zeit innner forlgchendcn Nalurprocesses , in ilun spiegelt sich daher ihre 
Geschichte. Wenn nun aber wirklich zur quarlären Zeit eine solche Verschiebung der nordischen 
Pflanzen- und Thiertypen nach Süden vor sich gieng, (wie sie auch bei Meerlhieren nachgewiesen ist), 
fragt sich weiter, fand nicht auch in den frühern Zeiten eine solche Verbreitung von Norden nach 
Süden hin statt? Es fragt sich, wie sah die Polarflora zur Tertiärzeit aus? In welchem Verhältniss 
stand sie zu der gleichzeitigen Pflanzenwelt südlicher Breiten? Ist auch für sie ein Bildungsherd im 
hohen Norden zu suchen und hat schon damals von dort aus eine strahlenförmige Verbreitung der 
Typen stallgehabt? 



') Es ist dies namentlich von Dr. J. D. Hooker nachgewiesen worden. Vgl. seine wichtige Abhandlung : Outlincs of thc 
Distribution of Arctic Plauts. Transact. Lina. Soc. XXIII. S. 253. 



VI Vorwort. 

Diese Fragen sucht das vorliegende Werk zu beantworten odei wenigstens zu deren Beantwortung- 
Tiiatsachen zu sammeln. Diese lassen kaum zweifeln, dass schon zur miocenen Zeit, wie jetzt, die 
Flora der Polarlandcr eine grosse Gleichförmigkeit zeigte und dass sie mit der damalig-en europäischen 
relativ mehr gemeinsame Arten besass als gegenwärtig-. Die Thatsache, dass die Nordwestküsten Ame- 
rika's (vgl. S. 181} fast die Hälfte ihrer miocenen Pflanzen mit Europa Iheilen und dass eine beträcht- 
liche Zahl dieser Arten damals auch in der arctischen Zone zu Hause war , giebt guten Grund zur 
Ansicht, dass schon damals in dieser ein Bildungsherd von Pflanzen gewesen und von diesem aus 
eine Verbreitung nach südlichen Breiten hin stattgefunden habe '}. Der grosse Unterschied zwischen 
Einst und Jelzt besteht aber darin, dass damals über den ganzen Norden ein gemässigtes Klima ver- 
breitet war, so dass eine reiche Waldvegetation von allem Festland Besitz nehmen konnte. Da die 
Zunahme der Wärme nach südlichen Breiten eine viel allmäligere war als gegenwärtig (vgl. S. 73), 
wird das gleichmässigere Klima diese Verbreitung nach Süden sehr erleichtert haben. Nehmen wir 
eine solche strahlenförmige Verbreitung nach südlichen Breiten hin an , erklärt sich uns , wie es 
gekommen, dass nun die miocenen Felsen von Vancouver die Zweige derselben Baumart (von Sequoia 
Langsdorfii) einschliessen, wie die von ATonod im Canton Waadt, und dass die fossile Flora der Cooks- 
Halbinsel eine beträchtliche Zahl von Arten enthält, die genau mit solchen Mitteleuropa's übereinstimmen, 
obwohl diese Halbinsel auf der andern Seite der Erdkugel liegt. In Folge des gemässigten Klima's 
der Polarzone und des damit zusammenhängenden grossen Pflanzenreichlhums muss ihr Einfluss auf 
die weiter südlich gelegenen Länder ein viel grösserer gewesen sein, als in der spätem Zeit, wo durch 
.die Vergletscherung des Landes eine Verödung desselben eintrat. Zur quarlären Zeit giong mit der 
europäischen Naturwelt die grossarligste Umwandlung vor sich. Die tertiärqn Pflanzentypen wurden 
zurückgedrängt und grosscntheils zerstört, und als später wieder ein milderes Klima eintrat, konnte, da 
die Configuration der Continente sich wesentlich verändert halte , nur von Asjpn her eine neue Einwan- 
derung statifinden. Ganz anders in Amerika. Dort wird durch das allmälige Umsichgreifen der Gletscher 
die Vegetation auch nach Süden gedrängt worden sein;' in diesem weit ausgedehnten Continent, der 
bis in die Tropenwelt hineinreicht und von keinen quer durch's ganze Land laufenden hohen Gebirgs- 
ketten abgegliedert wird, konnte später bei Aenderung des Klima's die Neubekleidung des Landes von 
Süden nach Norden wieder fortschreiten, so dass hier keine so durchgreifende Veränderung i'ii 
Pflanzenreiche vor sich gieng, wie in dem kleinen, vielgliedrigen Europa. So würde sich uns erklären, 
warum die miocene europäische Flora der jetzigen und auch der miocenen Flora Amerika's (so weit 
sie bekannt ist) viel näher steht, als der jetzigen europäischan. Diese Annahme setzt eine Land- 
verbindung zwischen Europa und Amerika voraus, welche in nördlichen Breiten, bei der geringern 
Tiefe der dortigen Meere, keine sehr grossen Schwierigkeiten darbietet; dass aber diese Landver- 
bindung auch südlich vom Polarkreis statt hatte, scheint mir aus den subtropischen amerikanischen Typen 
der miocenen Flora hervorzugehen, welche nicht über die arctische Zone eingewandert sein können 
(vgl. S. 52), wie denn überhaupt durch Obiges nicht gesagt sein soll, dass die Verbreitung der 
Arten nur nach Einer Richtung vor sich gegangen sei. 

Ich hofi'e, dass vorliegende Arbeit zu Behandlung dieser wichtigen Fragen anregen und dadurch 
einen Beitrag zur Geschichte der Pflanzenwelt geben werde, da die Wendepuncte der Geschichte 
der Schöpfung in den Polarländern schärfer ausgesprochen und leichter erkennbar sind, als in unsern 
Gegenden. Sic will aber auch zu Ausmittlung des Klima's früherer Wellalter neue Thatsachen ans 



* Fand wirklich eine allmälig fortschreitende Abkühlung der Erde statt, werden die Polarländer früher bewohnbar geworden 
sein als die Tropen und daa organische Leben wird dort seinen Anfang genommen haben. 



Vorwort. VII 

Liclil bringen und wird, wie ich liolTc , zum Naclidenkcn über diese jelzt noch so nilhsclhjiflen Er- 
sciioinuiigcn Anlass geben. 

Da die in diesem \Terke behandelten Pflanzen in weit von einander entfernten öfTentiichen 
Museen aufbewahrt werden, hat es grosse Mühe gekostet, dieselben zusammenzubringen. Ich er- 
wähne dies, da es mich wegen einiger Unebenheiten in Text und Abbildungen entschuldigen soll. 
Icii halte die Arbeit abgeschlossen und die Tafeln waren lithographirt , als ich von Kopenhagen die 
reichen, von den Herrn Justizrath Olrik und Dr. Rink gesammelten Schätze erhielt. Die neuen 
Abbildungen mussten daher auf acht besondere Tafeln gebracht und diese den übrigen angefügt 
werden, wahrend es zweckmässiger gewesen wäre, die zur selben Art gehörenden Zeichnungen 
zusammenzustellen. Glücklicher Weise waren vom Text nur die sechs ersten Bogen gedruckt und 
wird das was ich in den Anmerkungen auf S. 45 u. 48 gesagt habe, berücksichtigt, so können die 
Angaben auf S. 8 u. 11 leicht darnach berichtigt werden. Es haben diese neuen Sendungen das 
Resultat der in den ersten Bogen mitgetheilten Untersuchungen nichj, verändert, nur durch Hinzutreten 
der Kreidellora und durch zahlreiche neu hinzugekommene miocene Arten unfern Horizont bedeutend 
erweitert. / 

In dem speciellen Theile habe ich mich bei den Beschreibungen und bei den Citaten möglichster 
Kürze beflissen. Da ich in meiner tertiären Flora der Schweiz die Literatur ausführlich angegeben 
habe, habe mich bei den bereits bekannten Arten darauf beschränkt, auf diese zu verweisen und nur 
die neuen, seit dieser Zeit herausgekommenen Werke nachgetragen. Immer wurde indessen der erste 
Autor, der eine Art beschrieben hat, genannt. 

Allen, welche die Freundlichkeit hatten, meine Arbeit zu unterstützen (sie sind S. 2, 3 u. 48 
erwähnt), sage ich meinen wärmsten Dank, voraus dem Herrn Prof. Rob. H. Scott, gegenwärtig 
Director der meteorologischen Stationen in London, Herrn Prof. Nordenskiöld in Stockholm und Herrn 
Justizrath Olrik in Kopenhagen, welcher während einer Reihe von Jahren Versteinerungen in Nord- 
grönland sammeln Hess. Zu lebhaftem Dank bin ich auch meinem Collegen, Herrn Prof. C. Gramer 
verpflichtet, welcher die mühsame und schwierige Untersuchung der fossilen Hölzer übernommen, und 
Herrn Dr. V. Wartha, gegenwärtig Professor am Polytechnikum in Pest, welcher die arctischen 
Kohlen und Bernsteine einer chemischen Untersuchung unterworfen hat. 



i. 



Zürich, Weihnachten 1867. 

Osw^ald Meer. 



ilüI!seD2:ieüEaeii* ^I::eDD. 



i^ 



Erster Abschnitt. 

Einleitung. 

Üas Studium der Polarlündcr hat einen eigenthümlichen Reiz, welchei' noch durcli die Wahrnehmung" 
gesteigert wird, dass im Norden, wie in unsern Hochalpen, die Grenzmarken der Pflanzen- und Thierwelt 
sich linden. Zwar regt sich das Leben so weit der Mensch im Norden und in den Alpen gekommen ist. 
Unsere Alpen sind nicht hoch genug, um die obersten Grenzen der Pflanzenwelt zu übersteigen, und auch 
die nördlichsten Puncte, welche der Mensch bis jetzt erreicht hat, sind noch vom Pulsschlage der lebendigen 
Natur berührt. Allein die Formen, in welchen sich die Natur in diesen unwirthlichen Gegenden ausgeprägt 
hat, sind sehr ärmlich und verkümmert. Die Pflanzenwelt besteht grossentheils aus Flechten und Moosen, und 
die Blüthenge wachse sind nur sehr spärlich und in kleinen Arten vertreten, von denen eine beträchtliche 
Zahl dem hohen Norden und unsern Hochalpen gemeinsam ist. Bäume überschreiten nur in ein paar Arten 
und nur an wenigen Stellen den 70® n. Br., und ganz Grönland, mit allen arctisch amerikanischen Inseln, ist 
völhg baumlos. Auch die Sträucher bleiben niedrig und manche Arten verkriechen sich in den Boden, aus 
dem sie nur ihre kleinen Zweige hervorstrecken. Es ist dies eine ähnliche Vegetation, wie wir sie bei uns 
in der Schneeregion antreffen ; es sind kleine , dichte Rasen bildende Pflanzen , welche zwischen den Fels- 
spalten sich bergen, aber keinen grünen Teppich mehr zu erzeugen vermögen. 

So unter den jetzt bestehenden klimatischen Verhältnissen. Die fossilen Pflanzen, welche in der Polar- 
zone entdeckt wurden, sagen uns aber, dass einst das Leben in üppiger Fülle in derselben entfaltet war und 
eröffnen der Speculation über die Bildung unseres Planeten und den Wechsel der Klimate ein weites, wich 
tiges Feld. Jedermann, der bei uns die Palmen und Lorbeerbäume unserer Sandsteinformation betrachtet, 
wird zum Nachdenken aufgefordert und wird sich die Frage vorlegen, wie damals, als diese Pflanzen bei 
uns lebten , unser Land ausgesehen haben möge , und welche Umänderungen im Klima vor sich gegangen 
seien. Noch viel eindringlicher rufen uns aber die zahlreichen Laub- und Nadelholzbäume der arctischen 
Zone, die Linden und Platanen, die Eichen und Buchen, die Tulpen- und Wallnussbäume, die Sequoien 
und Sumpfcypressen der Länder, die jetzt grossentheils in Eis und Schnee vergraben sind, zu, dass noch 
in der relativ späten miocenen Zeit ganz andere klimatische Verhältnisse dort bestanden haben müssen, als 
gegenwärtig. Das Studium dieser fossilen Pflanzen der Polarländer ist daher für die Geschichte der Erde 
von gi'osser Bedeutung. 

Die Kenntniss der Polarländer verdanken wir voraus dem englischen Volke. Dui-ch die Bemühungen 
der Engländer einen nördlichen SecAveg vom atlantischen zum stillen Ocean zu : finden und durch die zahl- 
reichen und mit den grossartigsten Mitteln ausgerüsteten Expeditionen, welche veranstaltet wurden, um die 
in den furchtbaren Eiswüsten eingefrorenen Schiffe aufzusuchen und ihrer Bemannung Rettung zu bringen, 
wurde die arctische Zone in den letzten Decennien in vielen Richtungen durchforscht. Die Klimatologic und 
Geographie derselben ist dadurch vielfach bereichert worden und unsere Landkarten haben seit dieser Zeit 
im nördlichen Polarkreis eine ganz andere Gestalt erhalten. Viel geringer war die naturhistorische Ausbeute. 
Wenn man aber auch bedauern muss, dass den grossartigen Unternehmungen und den ungeheuren Opfern, 
welche gebracht wurden, die wissenschaftliche Ausbeute nicht entsprach, so dürfen wir doch nicht vergessen, 
dass diese Nordpolfahrer Mühe hatten, das nackte Leben durchzubringen, daher nicht in der Lage waren, 
grössere naturhistorische Sammlungen mitzunehmen. War ja Miertsching, welcher auf der dreijährigen Reise 
von der Behringsstrasse bis zur Mercy-Bai an 4000 Pflanzen gesammelt hatte, genöthigt, sie mit seinen Tage- 
büchern im eingefrornen Schiffe zurückzulassen, und ebenso gieng es auch seinem Reisegefährten Dr. Arm- 
strong und ähnlich mit den Sammlungen, welche Sir Leop. Mac Clintock auf seiner zweiten Reise auf der 

1 



J 



2 . Einleitung. 

i\Iclvlllc- lind Prinz Pcatrick-Insel , und welche Dr. E. Kane in Nordgrönland zu Stande gebracht hatte. 
"Wenn wir die unsäglichen Mühen und Gefahren bedenken, welche diese Männer zu überstehen hatten, 
Mühsale, welche mancherorts schon vergessen zu sein scheinen, werden wir dankbar sein für das, was sie 
mitgebracht haben, und es uns zur Pflicht machen, dasselbe aufs sorgfältigste und gewissenhafteste wissen- 
schaftlich zu verarbeiten. 

Für die fossilen Pflanzen habe ich dieses in dem vorliegenden Werke versucht. Es hat zum Zweck, 
die bis jetzt in der arctischen Zone entdeckten Arten, so weit ich sie zur Untersuchung erhalten konnte, 
zusanmicnzustclkin, sorgfältig zu bcsciircibcn und durch möglichst genaue Abbildungen zur Anschauung zu 
bringen, wodurch isio einer wissenschaftlichen J>esi)rccliung zugänglich gemacht werden. 

Ks koniiiujn diese Pflanzen aus weit aus einander liegenden Gegenden der Polarzonc, die wir zunächst 
näher bezeichnen wollen. 

1. Grönland. 

Capitän Inglcficld, welcher im Sommer 1854 zum dritten Mal in das arctische Meer gesandt wurde, 
besuchte im Juli den versteinerten Wald von Atanekerdluk , der Disco-Insel gegenüber, und wurde dabei 
von Lieutenant Colomb begleitet. Beide sammelten daselbst fossile Blätter, welche sie nach Hause brachten. 
Ingleficld übergab die seinigen theilweise der Geological Survey in London, Colomb abei* dem Museum der 
Idinigl. Gesellschaft in Dublin. Dahin kam auch eine reiche Sammlung derselben Localität, welche Sir Leopold 
Mac Clintock nach Dublin gebracht hat. Er erhielt dieselbe von dem Inspector von Nordgrönland, Herrn 
01rik,^als er auf der Heimreise Ende August 1859 nach Godhavn auf Disco kam, nachdem er im vorigen 
Jahre die Ueberreste der Gefährten Franklins auf King Williams Land entdeckt und so die mit bewunde- 
rungswürdiger Energie betriebenen Nachforschungen nach denselben zu einem wenigstens theilweise befrie- 
digenden Abschluss gebracht hatte. Dass auch diese von Mac Clintock nach Dublin gebrachten Pflanzen 
sämmtlich von Atanekerdluk stammen, habe ich durch eine briefliche Mittheilung des Herrn Olrik erfahren. 
Dr. Torell brachte eine Sammlung nach Stockholm, welche sehr wahrscheinlich von derselben Stelle kommt, 
während Dr. Lyall eine Zahl von Pflanzenversteinerungen dem Museum in Kew übergab, welche er auf der 
Ostseite der Disco-Insel und nicht viel über dem Seespiegel sammelte. Es wurden mir diese von Herrn 
Dr. J. D. Hooker, Director des botanischen Gartens in Kew, anvertraut^), die von Stockholm von Herrn 
Prof. Nordenskiöld übersandt, die der Museen von Dublin und London aber von den Herren Prof. R. Scott 
und Sir Rod. Murchison. Dem Capitän Inglefield verdanke ich die Zusendung von ein paar grossen SteiuT 
platten, welche in seinem Besitze sind. Durch diese Zusendungen habe ich aug Nordgrönland ein sehr be- 
trächthehes Material erhalten, welches aber diese reichen Fundstätten noch keineswegs erschöpft, so dass 
von hier in Zukunft noch viel Neues zu erwarten ist. 

2. Arctiscli amerikanisclier Archipel. : 

Auf der Bathurst- und Melville-Insel hat Sir L. Mac Clintock Steinkohlen gesammelt und zwar auf 
letzterer in der Skene-Bai, beim Bridport- Vorgebirge und bei Cap Dundas; aus dem Banksland brachte er 
von der Mercy-Bai Kohlen, aus der Ballast-Bai aber einen Tannzapfen und fossile Hölzer nach Hause, welche 
er dem Museum der königlichen Gesellschaft in Dublin geschenkt hat. Vom Banksland hat auch Sir Rob. 
J.Mac C 1 u r e Tannzapfen und fossile Hölzer heimgebracht und in den öffentlichen Museen von Dublin und 
London niedergelegt. Es hat mir die königl. Gesellschaft in Dublin durch die freundliche Vermittlung des 
Herrn Prof. Scott diese Kleinodien ihrer Sammlung zur Untersuchung mitgetheilt. 

3. Nordcanada. 

Es ist bis jetzt erst eine am Mackenzie bei 65 <• n. Br. gelegene Localität bekannt, welche fossile 
Pflanzen geliefert hat. Es wurden solche daselbst von Dr. Richardson gesammelt und im britischen Museum 
niedergelegt, wo ich sie im Herbst 1861 gesehen und theilweise gezeichnet habe. Einige Stücke verdanke 
ich der Güte des Herrn Woodward. 



*) Die im Museum von Kew befindlichen Stücke kommen theils von Dr. Walker, welche daher wahrscheinlich von 
Atanekerdluk stammen, theils von Dr. Lyall von der oben erwähnten Stelle. Darnach ist meine Angabe in meinem Aufsätze 
.„über den versteinerten Wald von Atanekerdluk" (Zürcher Vierteljahrsschrift 1866, p. 259) zu berichtigen. 



Einleitung. 



4. Island. 



In Island hat Herr Prof. Steenstrup vor etwa 30 Jahren fossile Pflanzen in dem sogenannten Surtur- 
"brand luid den umgehenden Gesteinen gesammelt und nach Copenhagen gebracht. Er hat mir dieselben 1858 
zur Untersuchung zugesandt und habe sie damals zeichnen lassen und beschrieben. Zu gleicher Zeit erhielt 
ich von Herrn Dr. Winkler in München eine Zahl von Pflanzen, welche er 1857 auf seiner geologischen 
Reise in Island zum Theil an denselben Stellen wie Herr Steenstrup gesammelt hatte. 

5. Spitzbergeo. 

Von dieser nördlichsten Inselgruppe brachten die Herren Nordenskiöld und Blomstrand von ihren in 
den Jahren 1858, 1861 und 1864 veranstalteten wissenschaftlichen Reisen versteinerte Pflanzenreste nacli 
Stockholm, wo sie im Reichsmuseum aufbewahrt werden. Ich verdanke die Mittheilung dieser äusserst 
interessanten Stücke dem Herrn Prof. Nordenskiöld. 

Die Fundstätten fossiler Pflanzen von Island und Nordcanada sind zwar ausserhalb des Polarkreises, sie 
liegen aber demselben so nahe, dass wir dieselben mit in den Bereich unserer Untersuchung ziehen dürfen. 
Die meisten Pflanzen von Island stammen aus derselben nördlichen Breite (circa 65") wie djle von Mackenzie, 
und da diese Fundorte um 105 Längengrade von einander entfernt liegen, also gegen ein Drittheil des 
Erdumfanges, führen sie uns das Aussehen der miocenen Flora von weit auseinander liegenden Gegenden 
vor Augen und geben uns über die Verbreitung der hochnordischen miocenen Pflanzen die werthvollsten 
Aufschlüsse. 

Aus Lappland sind keine fossilem Pflanzen bekannt. Es ist dies auffallend, da Skandinavien ein uraltes 
Festland und zu vermuthen ist, dass auch auf diesem Süsswasserseen sich befunden und Süsswasser- 
sedimente mit organischen Einschlüssen sich gebildet haben. Vielleicht werden noch solche entdeckt werden. 

Auf Novaja Semlja und in dem arctischen Sibirien sind einige fossile Pflanzen gesammelt worden. 
Meine Bemühungen, dieselben zur Untersuchung zu erhalten, sind fruchtlos geblieben ; ich habe mich daher 
darauf beschränken müssen, das bis jetzt darüber Bekannte kurz zusammen zu stellen. 



Zweiter Abschnitt. 

Geologische Verhältnisse und Vorkommen der fossilen Pflanzen. 



CrstesCapitcf. 

Grönland« 

Grönland ist das umfangreichste Festland der arctischen Zone, grösser als Frankreich, Italien und 
Deutschland zusammengenommen. Es ist die reichste Fundstätte arctischer fossiler Pflanzen und bildet daiier 
den Mittelpunct unserer Untersuchungen. Gegenwärtig ist der grösste Theil des Landes mit imermesslichen 
Gletschern bedeckt, die stellenweise bis an das ]\[eer hinabreichen, und einen Hauptbildungsherd der so 
mannigfach geformten Eisberge ^) bilden , die nach dem Süden treibend selbst auf dem atlantischen Occan 
noch die Schifffahrt gefährden. Das Innere des Landes ist daher fast unzugänglich imd völlig unbekannt; 
auch die Nordgrenze ist unbestimmt; man weiss nur durch die Expeditionen von Dr. Elisa Kane und Dr. Haycs, 
dass an der Westseite das Festland bis über den 81 ° n. Br. hinausgeht, und dort durch einen schmalen Canal 
(den Smithsund) vom Grinellland getrennt ist ; wie weit es aber dort sowohl, wie an der Ostseite, gegen den Pol 
reicht, ist nicht ermittelt. Die ganze Ostseite ist von Eis umlagert und daher schwer zugängHch, wogegen 



1) Da alle wässerigen Niederschläge im Innern Grönlands in Eis und Schnee sich verwandeln, müssten die Eismassen von 
Jahr zu Jahr mehr anwachsen, wenn dieselben nicht olljährlich grosse Massen an das Meer abgeben würden. Nach Rink dringt 
der Eispanzer Grönlands an den Westküsten an 28 Stellen bis zum Meere vor, von denen 5 als Hauptströme bezeichnet werden. 
Nach Rinks Berechnung führt jeder jährlich über 1000 Millionen Cubikellen Eis in das Meer hinaus. 



Grönland. 



die Westküste bis zum 7872*^ ^- ß^*- l^inauf wenigstens zeitenweise vom offenen Meere umspült wird. Hier 
ist ein schmaler Küstenstrich von Eskimo's und bis nach Upernavik hinauf auch von einigen Europäern 
bewohnt. Das umfangreiche arctische Grönland bildet das nördliche, der südlieh vom Polarkreis liegende 
Theil das südlichelnspectorat. 

So weit sich dies nach den einzig bekannten Küstenstrichen beurtheilen lässt, bestellt die Grundlage 
von Grönland aus krystallinischem Gestein. Nach Rink ist ein hornblendei-eicher Gneis die allgemein ver- 
breitete Gcbirgsart. Auf diesem ruhen in Nordgrönland mächtige vulcanische Gebilde, welche Rink unter 
dem Namen von Trapp zusammengefasst hat. Er sagt, dass derselbe stellenweise grosse Aelmliclikeit mit 
Lava habe, stellenweise aber wie Basalt aussehe und in Säulen abgesondert sei. Diese Trappmassen sollen 
in Nordgrönland wohl zwei Drittheil des Areals bedecken und stellenweise eine Mächtigkeit von zwei- bis 
dreitausend Fuss erreiclien. Es muss daher zur Tertiärzeit eine grossartige vulcanische Thätigkeit in Nord- 
grönland geherrscht haben, welche diese Ungeheuern Gesteinsmassen zu Tage gefördert und über die 
krystallische Grundlage ausgebreitet hat. . Mit diesen Trappmassen kommen Sandsteine und ausgedehnte 
Kohlenlager vor. Es sind diese Kohlenlager unmittelbar von einem rothbraunen Gestein umgeben, welches 
nach der von Herrn Dr. V. Wartha angestellten chemischen Untersuchung aus einem derben Siderit besteht, 
der bald sehr fein, bald aber grobkörnig ist, und in dieser Form wie Sandstein aussieht. Diese Kohlenlager 
sind mit den sie umhüllenden Eisensteinen bald dem Gneise unmittelbar aufgelagert, bald aber zwischen den 
Trappmassen ') , und zwar zuweilen in mehreren über einander liegenden Schichten denselben eingelagert, 
was uns zeigt, dass die Vegetation, welche diese Kohlenmassen gebildet hat, wiederholt von den Producten 
der vulcanischen Ausbrüche überdeckt worden ist. An einigen Stellen wui'den die Kohlen nach Rink in 
natürliche Coaks,. halbraetallischen, glänzenden Anthrazit und selbst in Graphit verwandelt, und zeigen sich 
deutlich als aus einer Kohlenschicht entstanden, die mit glühendem Basalt bedeckt wurde 2). Bei Karsok im 
Omenaksfiörd hat in einer Höhe von 1000 bis 1200 Fuss ü. M. eine ganze Kohlenschicht, die von einem 
harten, halb zusammengeschmolzenen Sandstein umgeben ist, diese Umwandlung in Graphit erfahren. 

Die Kohlen bilden nach Rink meistens horizontale Lager und haben eine sehr verschiedene Mächtigkeit, 
welche aber 3 Ellen nirgends übersteigt. Es kommen diese Kohlen an der Westküste vom 69 ^ bis zum 

12 ® n. Br. vor. Am stärksten entwickelt sind sie 



auf der Disco-Insel und der derselben gegenüber- 
liegenden Küste des Festlandes, längs des Waigatt- 
sundes bis zum Omenaksfjörd ; liier sind an zahl- 
reichen Stellen Kohlenflöze aufgedeckt, so auf 
Disco an der Südostseite, wo bei Iglytiak, Makkak ^) 
und an der Schanze (Skandsen) mehrere etwa ^^ 
Ellen mächtige Schichten über einander liegen, und 
7Q im Osten der Insel bei Ritenbenk's Kohlenbruch, wo 
sie eine bedeutende Mäcbtigkeit erreichen; an der 
Disco gegenüber liegenden Küste treten sie längs der 
Küsten der grossen Noursoak-Halbinsel an so vielen 
Stellen auf, dass sie wahrscheinlich einst ein zu- 
sammenhängendes Lager über dieses weite Gebiet 
gebildet haben, aus welchem sich jetzt auf der 
Nordseite von mächtigen Gletschern umgebene, 
5 — 6000 Fuss hohe Berge erheben. Die Kohlen- 
lager sind bei Atanekerdluk (70 <* n. Br. 520w. L. 
von Gr.), bei Patoot, gegen die Mitte des Waigatt- 
sundes, Atane, Kordlutok, Nulluk, Ekkorgoät, beim 
Schleifsteinfeld, Pattorfik, Sarfarfik und bei Korne 













■^ 



Wh 

Schwimmende Eisblöcke. Kohlenflöze. Gletscher. 

A. Atanekerdluk. P. Patoot N. Noursak. H. Haseninsel 0. Omenak. R. Ri- 
tenbenk's Kohlenbruch G. Godhavn. J. Jakobshavn. SK. Schanze, a. b. c. d. 
e. Gletscher, a Sermelik-Gletscher. 6. Lille Kariaks-Gi. c. Store Kariaks-GI. 
d. Tossukateks-Gl. e Jakobshavn-Gl. 



(Kook). Aber auch auf der Uperniviks Näs, dem Innerit-Fjord (bei circa 12^ n. Br.) und auf der Haseninsel 



treten Kohlenlager auf. 






») Vgl. Rink in Etzels Grönland. S. 639. 

2) cf. Rink De danske Handclsdistrikter i Nordgrönland. Forste Deel. S. 181, und Etzel's Grönland. S. 644 u. S. 305. 

3) In der Nühe von Makkak, bei Sinikfik, kommen dicke fossile Stämme vor. Die von Dr. TorcU uns übersandten Stücke 
sind aber fast ganz in Kohle verwandelt. Die Ermittlung ihres anatomischen Baues ist daher sehr schwierig. 



• Kolilenlager. 5 

Bei Atanckerdluk finden sich zalilreiche Kohlenscliiiehten , von denen sich aber die höher gelegenen 
wegen der Höhe und Steilheit des Berges kaum nutzbar machen lassen. 

Noch mehr Kohlenschichten finden sich bei P a t o o t , indem nach Rink (S. 300) gegen 10 solcher über 
einander liegen, die V2 ^is 2 Ellen Mächtigkeit haben, und in einer Ausdehnung von 1 — 2 Meilen längs 
der Küste entblösst sind. 

Von mehreren dieser genannten Fundorte hat Herr Colomb Kohlen nach Dublin gebracht und sind 
mir von da zugekommen. Es wurden dieselben von Herrn Dr. V. Wartha, Assistenten am Laboratorium 
unsers Polytechnikums, einer chemischen Untersuchung unterworfen und die Resultate in der Zürcher Viertel- 
jahrsschrift (180G. p. 281 u. f.) veröffentlicht. Wir entnehmen derselben die folgenden Angaben. 

Erstens: Kohle von der Schanze (Skandscn). Man bezeichnet eine halbe Meilen lange Strecke an 
der Küste von Disco (ß9° 30' n. Br. u. .52^ w. L. von Gr.) mit diesem Namen. Hier sind mehrere Kolilen- 
schichtcn über einander , welche '■^/^ bis 2 Ellen IMächtigkeit haben. Die Kohle ist matt grauschwarz , ohne 
glänzenden Bruch und lässt sich in dünne Blätter spalten. Bei 100*^ getrocknet, verliert sie 10,5 pCt. Wasser. 

Zweitens: Kohle von Ritenbenk's Kulbrud') auf Disco (bei circa 10^ n. Br. u. 52" 30' w. L. 
von Gr.), Atanckerdluk gerade gegenüber, daher wohl eine Fortsetzung des dortigen Kohlenlagers. Nach 
Inglefield's Mittheilung hat das Lager eine Mächtigkeit von 5 — 6 Fuss und dehnt sich .weithin längs der 
Küste aus. Er nahm etwa 80 Tonnen ins Schiff auf. Es sieht diese Kohle ganz aus wie alte Steinkohlen, 
die Oberfläche ist mattschwarz, die Bruchstelle ist ziemlich glänzendschwarz ; sie ist schiefrig, zerfällt leicht 
in dünnere, unregelmässige Brocken und hat einen muscheligen Bruch. Hier und da bemerkt man angebrannte 
Stellen. Das Pulver ist schwarz. Bei 100" getrocknet verlor sie 16,4 pCt. Wasser. 

Drittens : Von Disco, ohne nähere Bezeichnung des Fundortes ; zerfällt auch in unregelmässige Stücke 
und ist an den Bruchstellen muschelig, glänzend kohlschwarz, wie die palseophytische Steinkohle ; das Pulver 
ist dunkelbraun. Verliert bei 100" getrocknet 9,8 pCt. Wasser. 

Viertens: Kohle von Atanckerdluk (70" n. Br. 52" w. L. von Gr,') hat einen glänzend pech- 
schwarzen, muscheligen Bruch und sieht ganz aus wie die Braunkohle von Käpfnach. Das vorliegende Stück 
(es ist eine ziemlich grosse Platte von 25 Millim. Dicke) ist ausgezeichnet durch sehr zahlreiche, feine, aber 
doch mit blossem Auge wahrnehmbare, parallele Streifen. 

Fünftens: Kohle von der nördlich von Disco, bei 70 Y2® n. Br. gelegenen Haseninsel. Diese ist von 
matt braunschwarzer Farbe, an der Bruchstelle ohne allen Glanz, zäh, etwas schiefrig, doch nicht in so 
regelmässige Blätter zer'^paltend wie die Kohle von Skandscn. Sie ist von zahlreichen Holzzweigen durch- 
zogen, die zwar verkohlt sind, aber doch noch theilweise die Jahrringe erkennen lassen. Sie enthält vielen 
Bernstein, welcher in hirse- bis erbsengrossen Körnern eingestreut ist. Es ähnelt diese Braunkohle dem 
Surturbrand Islands und den Braunkohlen des Niederrheines und des Rhöngebietes. 

Die chemische Zusammensetzung dieser bei 100 " getrockneten Kohlen ist nach Dr. Wartha folgende : 



I. 


Schanze (Skandsen). 


II, Ritenbenk. 


III. Disco. 


Kohlenstoff 


45,9 


66,1 


79,5 


Wasserstoff 


3,8 


4. 


• ' 6,7 


Sauerstoff 


19,9 


25,3 


/ 8,1 


Asche 


30,4 


4,6 


- 5,7 



100 100 100 

Nach Weglassung der Asche auf 100 berechnet erhielt Wartha folgende Resultate: 

I. Skandsen. II. Ritenbenk. IIL Disco. KäpfnacU. 

Kohlenstoff 65,8 69,2 84,3 71,8 

Wasserstoff 5,5 4,2 7,1 5,3 

Sauerstoff 28,7 26,6 8,6 22,9 . 

Die Kohlen von Ritenbenk's Kohlenbruch nähern sich in ihrer elementaren Zusammensetzung am meisten 

den miocenen Kohlen von Käpfnach (am Zürchcr-See) ; die Kohlen von Disco HI. zeichnen sich durch ihren 

auffallend grossen Kohlenstoffgehalt und ihre Armuth an Sauerstoff aus und verhalten sich- in dieser Beziehung 



') So bezeichnet auf H. Rinks Karte; nicht zu verwechseln mit Ritenbenk auf der Prinzen-Insel, Die Colonie Ritenbenk 
holte von dieser Stelle jährlich etwa 200 Tonnen Kohlen, welche von der Mannschaft der Colonie gegraben und in einer Jacht 
abgeholt wurden, daher der Name Ritenbenk's Kohlenbruch. — Auch die Colonien von Egedesmindc und von Jakobshavn liesscn 
hier Kohlen graben. Die Längen-, und Breitengrade der verschiedenen Localitäten habe ich Rinks Karte entnommen. 



Grönland. 



wie die ächten palajophytischen Stcinkolilen. Allein sie weichen von diesen anderseits durch ihr Verhalten 
zu den Lösungsmitteln ab und stimmen in dieser Beziehung zu den miocenen Kohlen. Ueber diese Verhält- 
nisse giebt folgende von Herrn Dr. Wartha angefertigte Tabelle Aufscliluss, welcher zur Vergleiehung noch 
die miocenen Koldcn von Kä])fnach und vom Rossberg (Canton Schwyz), der Dopplerit und die palaeophy- 



tische Steinkohle 


von Lütticli beigefügt sind. 




* 


1 

Fundort. 


Löslichkeit in concentr. 
Kalilauge. 


Verhalten gegen concentr. 
Salpetersäure in Siedhitze. 


Verhalten nach dem 
Verdünnen mit Wasser. 


Reaction 

der Destillations- 

producte. 


I. 
Ri'tenbenk. 


Dunkelbraune Flüssig- 
keit, mit Säuren Flocken 
abscheidend. 


Vollständig klar-gelöst 
zur gelben Flüssigkeit. 


Spuren von gelben 
Flöckchen abgesetzt. 


Sauer. 


IL 

Küste von 
Disco. 


Wird fast vollständig ge- 
löst zu einer thccrartigen 
Flüssigkeit, mit Säuren 
Alles ausscheidbar, wie 
bei Dopplerit. 


Vollständig gelöst zur 
gelben Flüssigkeit. 


Spuren von Flöckchen 
abscheidend. 


Sauer. 


III. 
Schanze. 


Dunkelbraune 
Flüssigkeit. 


Gelöst zur gelben 
Flüssigkeit, und Flöck- 
chen von SiO-^ ab- 
scheidend. 


Geringe Mengen 

gelblicher Flöckchen 

abscheidend. 


Sauer. 


IV. 

Atanekerdluk. 


Dunkelbraune 
Flüssigkeit. 


Gelöst, und gelbliche 

Flocken von Al^O^ und 

SiOo zurücklassend. 


Unbedeutende 
Flöckchen absetzend. 


Alkalisch. 


V. 

Bernstein 
führende Kohle. 


Dunkelbraune 
Flüssigkeit. 


Gelöst, gelbliche 

'Flocken von SiOa 

zurücklassend. 


Nichts abscheidend. 


Sauer. 


VI. 

Käpfnach. 


Weingelbe Flüssigkeit. 


Fast vollständig gelöst. 


Unbedeutende 
Flöckchen abscheidend. 


Sauer. 


VII. 

Rossberg 

Braunkohle. 


Weingelbe Flüssigkeit. 


Vollständig zur gelben 
Flüssigkeit gelöst. 


Unbedeutende Flocken 
abscheidend. 


Sauer. 


VIIL 
Dopplerit. 


Dunkelbraune 
Flüssigkeit. 


Vollständig bis auf 

Spuren von Si02 

gelöst. 


Nichts abscheidend. 


Sauer. 


IX. 

Lüttich 
Steinkohle. 

1 


Gar nicht angegriffen. 


Gelöst zu dunkelbrauner 
Flüssigkeit. 


Grosse Mengen von 
Flocken abscheidend. 


Sauer. 



Wir sehen aus dieser Zusammenstellung, dass sämmtliche Grönländer-Kohlen, und zwar die Kohle 
von Disco , welche in ihrem Kohlenstoffreichthum und geringen Sauerstoffgehalt mit der palseophytisehen 
Kohle übereinkommt, so gut wie die Kohle von Atanekerdluk, welche ganz zu der Käpfnacher- Kohle stimmt, 
durch concentrirte Kalilauge und Salpetersäure ') aufgelöst werden, während die palseophytisehen Kohlen ein 
etwas anderes Verhalten zeigen. Es stimmen daher in dieser Beziehung alle untersuchten Grönländer-Kohlen 



') Die Lütticbcr-Steinkohle wird von der Kalilauge nicht angegriffen, allein auch bei der miocenen Käpfnacher-Kohle ist 
dasselbe der Fall, dies jNIcrkmal daher nicht durchgreifend; etwas mehr Sicherheit scheint die Salpetersäure zu geben, die alle 
Braunkohlen vollständig löst, während sie den Anthrazit und manche Steinkohlen nicht angreift. Andere alten Kohlen, so die von 
Lüttich, werden indessen durch sie auch gelöst, beim Verdünnen werden aber grosse Mengen von Flocken abgeschieden, was bei 
den miocenen Kohlen nicht der Fall ist. Die Reaction der Destillationsproducte gibt kein Unterscheidungsmerkmal, miocene und 
pala'ophytischc Kohlen 'reagirtcn sauer und nur die mioccnc Kohle von Atanekerdluk alkalisch. Der unter das ^likroscop ge- 
brachte Rückstand zeigt in allen Grönländer-Kohlen eine grosse Menge von Holzfaserbündel und meist auch Zcllengewebe, was 
beweist, dass vorzüglich Gefässpflanzcn bei ihrer Bildung sich bethätigt haben. Dass aber auch die palseophytisehen Kohlen 
solche Reste von Gcl'üsapflanzen enthalten, sieht man bei den Kohlen der Skcne-Bai mit blossem Auge und ist schon längst durch 
sorgfältige mikroscopische Untersuchung bei den deutschen Kohlen durch Gocppert, bei den amerikanißcbcn durch J. W. Dawson 
nachgewiesen. Wir müssen daher Herrn K. F. Zinken beistimmen, wenn er sagt, dass keine physischen und chemischen Eigen- 
schaften vorhanden seien, durch welche für alle Fülle eine Braunkohle charakterisirt und von den übrigen Kohlenarten unter- 



Bernstein. Fundorte fossiler Pflanzen. 7 

mit den miocencn überein und gehören ohne Zweifel dieser Formation an. Ihr so verschiedenartiges Aussehen 
und auch Beschaffenheit rührt theils von ursprünglich verschiedener Bildung, theils aber von den Umände- 
rungen her, welche sie durch die vulcanischen Einwirkungen erfahren haben. Die Kohlen der Schanze von 
Disco enthalten so viel Mineralbestandtheile, dass bei ihrer Bildung ihr viel mehr Schlamm muss beio-emischt 
Avorden sein als bei den Kohlen der andern Localitäten, von denen aber wieder die der Hascninsel anders 
aussehen als die von Atanekerdluk und Ritenbenk. 

Von grossem Interesse ist das Auftreten des Bernsteins in den Grönländer-Kohlen. Er findet sich 
in den Kohlen der Haseninsel, wie in denen von Atanekerdluk, und hier sind einzelne Körnchen auch in 
dem Gestein bei den Blättern. Am häufigsten ist er in den Kohlen der Hascninsel. Er tritt theils in sehr 
kleinen punctförmigen, theils in hirsen- bis erbsengrossen Körnern auf, die stellenweise in grosser Menge in 
die Kohle eingebacken sind. Er ist von honiggelber bis weisslichgelber und hyacinthrothcr Farbe. Mein 
College, Herr Prof. Städeler, hat denselben untersucht und fand seine Eigenschaften mit dem der Ostsce- 
küstc übereinstimmend. Er hat 1,057 spccif. Gewicht, ist in Wasser unlöslich, in Weingeist und Aether 
thcilweisc löslich, schmilzt beim Erhitzen und entwickelt dabei den Geruch des brennenden Bernsteines; die 
Dämpfe bräunten schwach das JJlcipapier (Spur von Schwefel), das Sublimat gab mit Wasser gekocht eine 
schwach sauer rcagircnde Flüssigkeit, die mit Ammoniak neutralisirt mit Eisenchlorid einen l)räunlichen 
Niederschlag bildete. Die trockene Destillation lieferte Bern steinsäur c. Das Vorkommen dieses IJernsteines 
in der Kohle lässt nicht zweifeln, dass er eine gleichzeitige Bildung sei und der miocencn Zeit angehöre. 

Da die Grönländer-Kohlen mit unscrn Molasse-Kohlen grosse Aelmlichkcit haben, wird schon dadurch 
ihr miocenes Alter sehr Avahrscheinlich gemacht. Erwiesen Avird dies aber erst durch die Pflanzen, welche 
das die Kohlen umgebende Gestein einsehliesst. Gewiss mit Recht bemerkt Herr Olrik, der frühere Inspector 
von Nordgrönland, dass wahrscheinlich überall, wo Kohlen vorkommen, auch fossile Pflanzen sich finden 
werden. Bis jetzt hat aber Niemand an Ort und Stelle mit der nöthigen Umsicht und Ausdauer nach solchen 
Pflanzen gesucht, daher nur wenige Stellen zur Zeit als Fundorte von solchen bekannt sind. Die grosse 
Masse von Pflanzen, welche trotz dieser Umstände bis jetzt aus Grönland uns zugekommen ist, lässt auf 
einen Avunderbaren Reichthum an solchen schliessen, und ohne Zweifel werden noch reiche Schätze zum 
Vorschein kommen, wenn sie einmal systematisch gesammelt werden. 

Die erste Stelle , wo fossile Pflanzen entdeckt Avurden , ist bei Kome , einem JHausplatz am Kook-Bach 
im Busen von Omenak {10'^/^^ n. Br. u. 52** av. L.). Der Bach kommt aus einer breiten Kluft heraus und 
fliesst dort ins Meer. Das Kohlenlager ist 1 — 2 Ellen mächtig und liegt im Hintergrund der Kluft. Hier 
AA'urden schon vor 50 Jahren Kohlen gegraben und die Stelle von Gieseke untersucht. Derselbe sagt in 
seinem Tagebuch.^) darüber folgendes: „Die hier vorkommende Kohle ist meistens gemeine Braunkohle, der 
Grobkohle sich nähernd, ungemein vitriolisch und kiesig, selten Pechkohle. Der natürliche Vitriol liegt auch 
schichtenweise, faserig und mehlig in verschiedenen äusseren Gestalten in den Ablösungen der Kohle, und 
die schroffen FelsAvände des Flözes sind, besonders gegen die See zu, ganz von getrauftem, natürlichem 
Vitriol überzogen und gelb gefärbt. Der Sandstein, der Schieferthon, ja selbst der unterliegende Gneis sind 
davon geschwängert. Die Schichtung dieses Braunkohlenlagers verhält sich auf der ganzen Strecke ziemlich 
gleich und die Lager folgen von oben nach unten in folgender Reihenfolge : Sandstein — Schieferthon — 
Sandstein — Schieferthon — Sandstein — Schieferthon mit Kohle — mächtige Schicht Sandstein — Alaun- 
schiefer — Braunkohle, oft immittelbar auf Gneis ruhend — Gneis als Unterlage zuweilen sichtbar. Die Lage 
der Schiöht ist vollkommen horizontal, doch zuweilen verschoben. Selten trifft man im Schieferthon Pflanzen- 
abdrücke und zwar eine Art Farrnkraut (Aspidium). Dieselben Verhältnisse sind in Sarfarfik, wo ebenfalls 



schieden werden könne (vgl. sein grosses und lehrreiches "Werk über die Braunkohle und ihre Verbreitung. Hannover 1865. S. 5). 
Der Name „Braunkohle" passt nur für die tertiären Kohlen weniger Localitäten, in der Scliwciz haben wir fast durchgehcnds 
glänzend schwarze Kohlen, die ganz das Aussehen von alten Steinkohlen haben, und anderseits sind manche alte Kohlen, so die 
der Mclvillc-Insel, braun und sehen aus wie Braunkohlen. Es wäre daher besser, diesen Namen ganz aufzugeben und die Kohlen 
nach den Formationen, in denen sie vorkommen, zu benennen, also miocene, Kreide-, Jura-, Trias- und palaiophytische Kohlen, 
unter Avclch' letztem ich die Kohlen der sogenannten Steinkohlenformation verstehe. 

1) Es befindet sich dies ungedruckt gebliebene Tagebuch auf der Bibliothek zu Kopenhagen und verdanke obige Stelle der 
Mittheilung des Herrn Prof. Scott in Dublin. Der Bergrath C. Gieseke war von der dänischen Regierung 180ß nach Grönland 
geschickt AVorden, um die Mineralschätze dieses Landes zu untersuchen. Er verbrachte 7 Jahre daselbst, und wurde nach seiner 
Heimkunft als Professor nach Dublin berufen. Er besass die genaueste Kenntniss der Mineralien und der geologischen Verhält- 
nisse Grönlands, und es ist sehr zu bedauern, dass sein sehr reicher schriftlicher Nachlass, der von Dr. Rink benutzt wurde, nie 
veröffentlicht worden ist. ' ' 



8 



Grönland. 



für die Colonic Onienak Kohlen gegraben werden." In der Schluclit, welche diese Kohlenlager trennt, fand 
Gicsekc ein ungciieurcs Lager von wels.sem und röthlichcm Urkalkstein, der dcna Sandstein oder Kohlen- 
flöze nalic liege und zwischen röthlichem Granit sei." Aus diesen Angaben Gicsekc's geht hervor, dass auch 
die Kolilen von Korne und Sarfarfik zu den sogenannten Braunkohlen gehören, und er sagt, dass dieses Lager 
sich an der Küste westlich bis zum Slibesteens-Berg und dem Wohnplatz Killa-Kitok verfolgen lasse, also 
hier eine ähnliche Verbreitung hat, wie auf der gegenüberliegenden südlichen Seite der Noursoak-Halbinsel, 
daher sehr wahrscheinlich derselben Formation angehört. Ueber die in dieser Gegend gefundenen Pflanzen 
herrscht dagegen noch einiger Zweifel. Es wurden hier schon von Gieseke Ammoniten entdeckt, welche in 
Kopenhagen - liegen, aber unbestimmt geblieben sind. Es muss daher eine secundäre Formation (Jura oder 
Kreide) in jener Gegend sein (vielleicht obiger weisser Kalk) , deren Stellung zu der tertiären noch nicht 
ermittelt ist. Prof. Gojppert sah von hier in einem glimmerreichen Sehieferthon, welcher solchem der Stcin- 
kohlenformation ähnlich sei, die Pecopteris borealis Br. und Pecopt. falcata Gocpp., und in einem schwarzen 
Schiefer Zamites arcticus Gocpp., Sequoia Langsdorfii und einen dreinadligen Pinus. Die Sequoia Aveist diesen 
Schiefer der miocenen Formation zu, und wenn der Zamites wirklich in demselben Gestein gefunden Avurde, 
muss auch er dahin gehören. 

Eine zweite Fundstätte fossiler Pflanzen liegt beim früher erwähnten Kohlenlager von Ritenbenk's 
Kohlcnbruch, an der Ostküste der Disco-Insel. Hier hat schon Gieseke welche gefunden. Er sagt: Die Kohlen- 
grube von Ritenbenk ist die reichste und beste und wechselt in verschiedenmächtigen Betten mit Sandstein. 
Das reichste Lager ist 6 — 8 Fuss, das kleinste, welches am Grunde liegt, abef 6 Zoll mächtig. Im Sand- 
stein, der zu unterst liegt, sind Pflanzenabdrücke i). Der Sandstein reicht hinauf bis zum Trapp-Tuff. Ueber 
diesem sehr feinkörnigen Trapp-Tuff, welcher Arragonit, Zeolite und gelegentlich Analcime enthält, steigt 
eine senkrechte Wand von massivem Basalt auf, der im Westen in einigen Zacken endet. Der beiliegende 
Holzschnitt veranschaulicht diese Yerhältnisse. 2) 

Von dieser Stelle sah Prof. Goeppert das Taxo- 
dium dubium , und von hier stammen auch sehr 
wahrscheinlich die Pflanzen, welche Dr. Lyall auf 
Disco, wenig über dem- Seespiegel gesammelt und 
dem Museum von Kew übergeben hat. Das Gestein, 
in dem sie liegen, stin^mt völlig mit dem von Ata- 
nekerdluk überein und dasselbe gilt von den Pflanzen. 
Ich sah von da : Sequoia Langsdorfii , Salisburea 
borealis, Populus arctica und P. Richardsoni, Quercus 
Olafseni, Corylus Mac Quarrii, Rhamnus Eridani und 
M'Chntockia Lyallii. f- 

Die wichtigste Fundstätte ist aber Atanekerd- 
luk. Es liegt dieser Ort auf der Halbinsel Nour- 
soak, welche durch einen grossen Gletscher vom 
Festlande getrennt ist, einem Gletscher, von dem 
nördlich und südlich der Halbinsel breite Eisstiöme 
bis ins Meer hinausreichen und diesem mächtige Eis- 
berge zuführen. Atanekerdluk liegt bei 70^ n. Br. 
und 52® w. L. von Gr. Der folgende Holzschnitt, 
welcher nach einer von Herrn Lieutenant Colomb 
an Ort und Stelle gefertigten Skizze entworfen ist 
und den ich der Freundlichkeit des Herrn Prof. Scott 
verdanke, gibt ein deutliches Bild dieser Gegend. 

Zur Rechten sehen wir eine tiefe Schlucht (c. c), 
von welcher die Felsen steil aufsteigen. In derselben 
treten mehrere Kohlenschichten, mit fossilen Baum- 




Seespiegel. 



Ritenbenk's Kohlenbruch. 
Kohlenlager, b. Gelblicher Sandstein, c. Ilasalt. 



I 



1) Vgl. die betreffende Stelle aus Gieseke's Tagebuch von Prof. Scott in meinem Aufsätze „on the miocenc Flora of North 
Greenland". Journal of the Dublin roy. Soc. Ig67. S. 14. Gieseke hielt diese Abdrücke für Angelica Archangelica. Es dürfte dies 
wohl ein Farm sein. 

2) Er wurde nach einer Zeichnung deß Herrn Colomb gefertigt und verdanke denselben Herrn Prof. Scott. 



Der versteinerte Wald von Atanekerclluk. 




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Borg von Atanekerdluk. 

o. Stolle, wo die fossilen Blätter gefunden wurden. 6. b. Kohlcnliigcr. 
c. c. Tiefe Schlucht, in deren Felsen Baurastamme eingebeilet sind. 



st.ämmen, zu Tage. Die Hauptsehichten, vier an der 
Zalil, finden sich nach Rink ») 1000 Ellen vom Ufer 
entfernt und sind durch Lehm und Sandstein von 
einander geschieden, ohne die Zwischenmittel 1 Elle, 
mit ihnen 12 Ellen dick. Zur Linken der Bucht er- 
hebt sich ein kegelförmiger Berg bis über 1080 Fuss 
ü. M. Bei 800 Fuss ü. M. werden dort, wie Rink 
(S. 299) erzählt, merkwürdige Partien von Kohlen 
gefunden, welche Baumstämmen ähnlieh sehen, die 
noch in ihrer ursprünglichen aufrechten 
Stellung unter Sand und Lehm begraben 
sind; sie enthalten sehr viel Bernstein oder fossiles 
Harz, haben zum Theil einen ausgezeichneten Glanz 
und brennen mit grosser Leichtigkeit. Etwas höher (bei 
0.) ist das Lager mit fossilen Blättern, über welchem 
noch mehrere Kohlenschiehten folgen (6. ö.); es wechseln daher hier die Kohlenlager mit pflanzenführenden 
Felsschichten. Näheres darüber verdanken wir den Mittheiluiigen der Herren Capitän Inglefield und Colomb, 
welche diese Stelle am 7. Juli 1854 besucht haben. Herr Inglefield sagt darüber in seinem handschriftlichen 
Tagebuche 2) Folgendes : 

„Da kein Europäer vor und seit Rink die Ueberreste des versteinerten Waldes gesehen hat, war ein 
Besuch dieser Stelle von grossem Interesse. Wir erreichten sie 1084 Fuss ü. M., nach einer mühsamen Be- 
steigung des von Mosquitos umschwärmten Abhanges. Es wurden in verschiedeneii Höhen versteinerte Bäume 
und Holzstücke gefunden, doch keine Blätter, welche über die Natur derselben hätten Auskunft geben 
können. Endlich waren wir so glücklich, den Ort zu finden, wo grosse Massen fossiler Blätter abgelagert 
waren, und fast bei jedem Stück war der Charakter des Blattes klar und schön ausgesprochen. Die Föhre, 
die Fichte, Buche und andere Bäume, die nicht allein der gemässigten Zone angehören, waren durch diese 
Blätter klar angezeigt, die zusammengeweht, wie die Blätter eines englischen Waldes, welche der Herbstwind 
von den Zweigen gestreift hat. Wir sammelten eine grosse Anzahl schöner Stücke, bei denen jede Fiber und 
der gezahnte Rand des Blattes so vollständig erhalten war, als wenn der Wind sie so eben von den Zweigen 
abgeschüttelt hätte, obwohl diese Zeit wahrscheinlich lange vor die Tage Noah's ;^fällt. 

„Unser einheimische Führer erzählte uns, dass in der Nachbarschaft der von uns untersuchten Fund- 
stelle ein vollständiger Stamm in schräger Richtung einige Fuss aus der Seite des Hügels hervorstehe. Ich 
beschloss einen Versuch zu machen, um zu ihm zu gelangen, obwohl er am Rande eines bröckeligen Ab- 
grundes war, und da kein Anderer das Wagniss mitmachen wollte, gelangte ich mit grosser Schwierigkeit 
allein dahin, wäre aber beinahe hinuntergestürzt. In einem Winkel von ungefähr 15 ® und schräg nach NO. stand 
ein Baumstamm, dicker als mein Leib, gut erhalten und sichtbar halb verkohlt. Ich war für diese Anstrengung 
und gefährliche Kletterei wohl entschädigt. — Holz in allen Stadien der Versteinerung war umhergestreut und 
einzelne Stücke wurden gefunden, deren ursprüngliche Beschaffenheit kaum verändert war, während andere 
mit Beibehaltung des Charakters als Holz in eigentliche Kohle verwandelt waren. Wir kehrten am Abend 
mit Versteinerungen beladen an Bord zurück." 

So weit Herr Inglefield; ich füge aus dem Tagebuche des Herrn Colomb noch bei, dass der 
Hügel damals schön grün war und nur in tiefen Löchern Schnee lag. Die Gesellschaft wanderte über die 
arctische Weide und zahlreiche blühende Pflanzen, während auf der gegenüberliegenden Küste von Disco, 
welche weniger Sonne hat, die Vegetation viel weiter zurück war. Wir fanden, erzählt Colomb, den Berg, 
zu welchem wir unsere Schritte richteten, ganz aus Schichten von Steinkohle und Sandstein zusammengesetzt. 
Die sonderbarste Substanz, welche wir fanden, war eine Art braunen Steines, der bei näherer Betrachtung 
zeigte, dass ^r aus verschiedenartigen Blättern bestand, welche dicht über einander gepresst und versteinert 
waren. 

Die Blätter von Atanekerdluk, wie die der Disco-Insel liegen, wie Herr Colomb hier bemerkt, in einem 
eigcnthümlichen Gestein. Bei frischem Bruch ist es gelblichgrau und bestellt aus einer feinen, bald fein 
krystallinischen, bald dichten Masse, die Aussenfläche aber ist braunroth. Nach der von Herrn Dr. Wartha 



») De danskc Handelsdistriktcr. I. S. 172, und in Etzels Grönland. S. 299. 

2) Extract from Private Journal of Cap. E. A. Inglefield, late of H. M. S. Phoenix. July 1854. 



10 



Grönland. 



vorgenommenen chemischen Untersuchung enthält die ganze Partie des Gesteins 72,6 pCt. kohlensaures 
Eiscnoxydul. Dr. "VVartha bezeichnet daher das Gestein als derben Eisenspath (derben Siderit). Er enthält 
in den Spalten ziemlich reichlich ausgeschiedenen krystallisirten Siderit und Calcit. Merkwürdiger Weise 
bildet bei ein paar Zweigen von Sequoia (Taf. I. Fig. 14) kohlensaurer Kalk das Innere der Zweige und 
auch auf Laubblättern füllt er in einigen Fällen die Vertiefungen der Blattnerven aus. Dieselbe Zusammen- 
setzung hat auch das versteinerte braunrothe Nadelholz von Atanekcrdluk (Taf. III. Fig. 13); es besteht 
inwendig auch aus einer gelblichgrauen dichten Masse, welche gegen den Rand hin in eine rostbraune Farbe 
übergeht, die von dem Eisenoxyd herrührt, es ist daher dies Holz in einen derben Eisenspath verwandelt 
worden. 

Bei dem inwendig gelblichgrauen dichten Siderit haben wir einzelne Partien, die fast leer sind an 
Blättern, während andere ganz davon erfüllt sind. Noch reicher ist aber ein sandiges Gestein, das an der- 
selben Stelle vorkommt und wohl mit demselben wechsellagert. Es ist dies auch inwendig hell ockergelb und 
enthält eine Menge weisslicher Glimmerblättchen und Quarzsplitter. Die von Dr. Wartha vorgenommene 
Analyse zeigt, dass es aus denselben Bestandtheilen zusammengesetzt ist, nur wird hier die Hauptmasse von 
Eiseuoxyd gebildet, während das Oxydul zurücktritt. Es ist dies Gestein durch Zersetzung von kiesligem 
Siderit entstanden und wird von Wartha als kies liger Limonit bezeichnet, bei welchem die Zersetzung 
ziemlich gleichmässig vor sich gegangen ist, daher die Analyse des Kernes und die Durchschnittsanalyse 
fast denselben Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul ergeben hat. Bei der Durchschnittsanalyse erhielt 
Dr. Wartha, auf 100 Theile berechnet, für diese Gesteine folgende Zusammensetzung : 



Eisenoxydul .... 
Eisenoxyd ..... 
Kalkerde ..... 
Magnesia ..... 
Kohlensäure .... 
Wasser und orgamsche Substanz 
Saud 



Derber Eisenspath 
von 

Atanekcrdluk. 



lüeseliger Limonit 
von da. 



32,9 

26,0 

2,6 

20,1 

13,5 

3,2 



3,6 

50,1 

0,T 

0,4 

3,2 

15,6 

26,4 



Versteinertes Holz 
von da. 



32,5 

14,5 
3,6 
2,9 

26. 

12,2 
8,3 



Wir sehen daher, dass das Eisen den Hauptbestandtheil dieses die Pflanzen umschlicssenden Gesteins 
ausmacht und in günstigerer Lage müsste dasselbe zur Eisengewinnung sich sehr empfehlen. Da die Kohlen 
wahrscheinlich aus Torf entstanden sind, hat wohl eisenhaltiges Wasser sich auf diesen tertiären Torflagern 
angesammelt und das Eisen wurde durch die Pflanzen in Eisenoxydul übergeführt, so dass sie bei der Bil- 
dung dieser Gesteine mitbetheiligt waren. Es fand da ein ähnhcher Process statt wie jetzt noch bei der 
Bildung des Raseneisensteines (des Limonites), der auch in Sümpfen und Torfmooren entsteht. 

Die Masse der Blätter, welche in diesem Gestein sich abgelagert, ist wahrliaft staunenswerth, indem sie 
manche Steinplatten ganz erfüllen. Sie sind bald flach ausgebreitet und in mehreren Schichten über einander 
lic^-end, bald aber in verschiedener Richtung das Gestein durchsetzend. Die Blätter sind im Ganzen vortrefflich 
erhalten, nur wo sie massenhaft über einander liegen, sind sie an den Rändern häufig verschmolzen und dann 
nicht von einander zu trennen. Auch spaltet das Gestein sehr unregelmässig, -daher selten grössere Platten 
erhältlich sind; wenn daher bei' vielen Blättern der Rand fehlt, ist es nur, weil das Gestein dort gespalten 
ist, die Blätter sind daher sehr wahrscheinlich der Mehrzahl nach ganz und vollständig erhalten ins Gestein 
eingeschlossen werden. Bei den meisten ist die Blattsubstanz noch erhalten und bildet einen dunkelfarbigen 
Ueberzug über das Gestein, der auch das feinste Geäder noch erkennen lässt. Bei manchen ist freilich 
dieser Ueberzug abgerieben und nur der Abdruck zurückgeblieben. Auf manchen Steinplatten liegen die 
Blätter oder Zweige Einer Art beisammen, so namenthch bei Sequoien (Taf. IL Fig. 15) und Pappeln 
(Taf. IV. Fio-. 2 3 5* V. 7), auf andern sind Blätter der verschiedensten Art nahe zusammengerückt. So 
sehen wir auf der in Taf. VIH abgebildeten Steinplatte, welche eine Länge und Breite von nur 240 Mm. 
hat, auf der einen Seite: 6 Blätter von Corylus Mac Quarrii, 4 von Fagus Deucalionis, 1 von Populus arctica, 

1 von Quercus grcenlandica, 1 von Prunus Scottii, 1 Z^veig von Sequoia Langsdorfii und 1 von S. Couttsiaj, 
und auf der Rückseite derselben Steinplatte (Taf. XVII. Fig. 5): 2 Blätter von Diospyros brachysepala, 

2 Populus arctica, 2 Pinus hyperborea, 1 Blatt von Hedera Mac Clurii, 1 von Andromeda protogaja, 1 von 
•Corylus Mac Quarrii und 2 Zweige von Sequoia i also auf einer Steinplatte die Blätter von 11 Pflanzenarteu 



Der versteinerte Wald von Atanekerdluk. 



11 



in 26 Exemplaren 5 auf einer andern Platte bemerken wir: 2 Blätter von Dlospyros, 4 von Rhamnus Eridani, 
6 von Populus arctica, 1 von Juglans und einen Zweig von Sequoia, und auf der Rückseite: je ein Blatt 
von Fagus castaneajfolia , F. dentata, Planera Ungeri, Pterospermites integrifolius und Sequoia, also 9 ver- 
echicdcne Arten. Auf einer dritten Steinplatte von wenigen Zoll Umfang liegen Blattrestc von Sequoia, 
Diospyros, Populus, Andromeda, Phragmites und Taxites Olriki ; auf einer vierten solche von Mac Clintockia 
Lyallii, Fraxinus, Pliyllites celtoides, Corylus Mac Quarrii und Populus, auf einer fünften : Quercus Olafseni, 
Q. Drymeia, Adromeda protogffia mit Pilz, Fagus Deucalionis, Sequoia Langsdorfii, Carpolitlies splijerula 
und Equisctum. Es mag dies genügen um zu zeigen, wie bunt die Mischung der Arten ist, die hier in so engen 
Raum zusammengeschlossen und eine sehr reiche Flora anzeigen. Die Blätter bilden die IIau])tmassc, seltener 
sind Zweigstücke, Früchte und Samen. Doch habe ich, abgesehen von noch zweifelhaften Formen, die 
Früchte von 9 Gattungen, nämlich von Quercus, Myrica, Corylus, Ostrya, Populus, Paliurus, Galium, Prunus 
und Sequoia nachweisen können und von letzterer Gattung auch die Samen und selbst Blüthen (Taf. II, 
Fig. 19) vorgefunden. Auch von einer Weide sind Blüthenreste vorhanden (Taf. IV. Fig. 8 c). 

Auffallender Weise fehlen Mollusken völlig, während doch Planorben, Lymneen und Unionen hier zu 
erwarten wären ; auch von Säugethieren ist bis jetzt noch nichts gefunden worden , dagegen habe zwischen 
den Blättern zwei Insectenarten entdeckt, die Flügeldecke eines Blattkäferchens und einer Baumwanze 
(Taf. XIX. Fig. 15), welches die einzigen Thiere sind, welche bis jetzt aus dieser Formation Grönlands 
bekannt geworden sind. 

In der Art des Vorkommens und der Vertheilung der Blattreste innerhalb des Gesteines stimmt die 
Ablagerung von Atanekerdluk ganz mit den Süsswasserbildungen von Monod imd dem Hohen Rhonen 
überein, obwohl das Material, welches die Pflanzen uraschliesst, ganz verschieden ist. Da wie dort fand 
wohl ein Zusammenschweramen der Blätter der nähern mit einer reichen Waldvegetation bekleideten Um- 
gebung statt und ein Einhüllen derselben in den Niederschlägen des süssen Wassers. In Grönland waren 
aber dabei noch Vulcane thätig , welche zeitweise grosse Massen von Basalt und Laven über das Land 
ergossen und die vorhandenen Ablagerungen überdeckt haben. Auf diesen vulcanischen Gebilden siedelte 
sich aber eine neue Vegetation an, deren Reste zeitenweise aufs Neue verhüllt wurden. Dass aber diese 
Vegetation während der Trappausbrüche , welche Jahrtausende lang gedauert haben mögen , sich gleich 
geblieben ist, zeigt der Umstand, dass alle Pflanzen des am Meere gelegenen Ritenbenk's Kohlenbruch auf 
Disco mit denen von Atanekerdluk übereinstimmen, obschon diese Stelle 1080 Fuss ü. M. liegt und zahl- 
reiche Kohlenlager darunter sind, von denen die am Meere gelegenen wahrscheinlich denen von Disco- 
Ritenbenk entsprechen. Die Bildung des Hügels von Atanekerdluk (S. 9) muss einen beträchtlichen Zeit- 
raum umfassen, und während der Ablagerung dieser circa 1100 Fuss mächtigen Massen ist die Vegetation 
sich so gleich geblieben, dass in Ritenbenk und Atanekerdluk die Sequoien und Pappeln in gleicher Weise 
die häufigsten Bäume sind. Noch höher sind die Trappberge im Innern der Halbinsel Noursoak, welche 
bis zu 6000 Fuss ü. M. ansteigen und auf eine sehr lang andauernde vulcanische Thätigkeit dieses Landes 
schliessen lassen. ;■ 

Ueber das geologische Alter dieser petrefaetenreichen Ablagerungen geben uns die Pflanzen sichern 
Aufschluss. Von den 77 mir bis jetzt bekannt gewordenen Arten Nordgrönlands kommen, mit Beiseite- 
lassung von 3 zweifelhaften Arten (Cyperites ZoUikoferi, Populus Gaudini und Fagus dentata), 20 Arten 
auch in der miocenen FormationMitteleuropa's vor; es hat daher die Bildung derselben unzweifelhaft zur 
miocenen Zeit stattgefunden. Folgende Zusammenstellung giebt uns die Verbreitung dieser Arten. 



Grönland. 


Schweiz. 


Deutschland. 
Oestreich. 


Frankreich. 
Italien. 


Anderwärts. 


1. Osmunda Heerii Gaud. 


Rivaz. 








2. Pteris oßningensis Ung. 


Untere und obere 
Molasse. 








3. Sequoia Langsdorfii Er. ap. 


Untere Molasse. — 
Monod u. 8. w. 


Salzhausen. Wettcrau. 
Rhön. Danzig. Sam- 
land Eibiswald. Köf- 
lach. — Sarraat- und 
Congerienstufe d. Wie- 
nerbeckens. Swoszow. 


Menat. Cadibona. Sene- 
gaglia. Sarzanello. Ar- 
QOthal. 


Insel Mull. Mackcnzie. ' 
Van Couver. Kirgi- ' 
spnstcppe. Landzunge 
Takescher oder Ost- 
pnago am kcnaischcn 
Meerbusen. Ungaufer 
von Aleski. | 


4. Sequoia Couttsiiß Hr. 


— 


Danzig. 


Armissan. 


Bovey-Tracey. Hemp- | 
stead, Insel AVight. i 

i 



12 



Grünland. 



Grönland. 



5. Taxodium dubiura Stbg. sp. 



6. Phragmites ccningensis A Br. 



7. Populus Zaddachi Hr. 

8. — sclerophylla Sap. 

9. Myrica acuminata Ung. 

10. Cörylus Mac Quarrii Forb. sp. 

11. Fagus Deucalionis Ung. 



12. — castaneaefolia Ung. 



13. Quercus Drymeia Ung. 



14. — furcinervis Ross. sp. 

15. Planera Ungeri Ett. 



! 16. Platanus aceroides Gp. 

17. Diospyros brachysepala A. 
18 Andromcda protogroa Ung. 
19. Rhamnus Eridani Ung. 



20. Juglans acuminata A. £r. 



Br. 



Schweiz. 



Deutschland. 
Oestreich. 



Obere und untere Salzhausen. Samland. 
Molasse. Schoasnitz. Bilin. Köf- 

lach. Parschlug. 

ebenso. ' Sieblos. Frankfurt. 

Giinzburg. öamland. 
Wienerbecken Sarmat- 
u Congerienst 

Samland. 



Untere Molasse. 
Hohe Rhonen. 



Untere und obere 
Molasse. 

Ralligen. 

Untere und obere 
Molasse. 



Schrotzburg. Oenin- 
gen. 



Untere und obere 
Molasse. 

Locle. 



Untere und 
Molasso. 

ebenso. 



obere 



Frankreich. 
Italien. 



Sotzka. 



Rhön. Parschlug. Put- 
schirn Congerienst.des 
Wienerbeckens. 

Leoben. Maltsch. Wie 
nerbecken Sarmat- und 
Congerienst. Schem- 
nitz 

Bischofsheim. Wester- 
wald. Sagor. Sotzka. 
Parschlug. 

Altsattel. Weissenfeis. 



Schossnitz. Giinzburg. 
Bilin. Hffiring. Sotzka. 
WiencrbeckenSarmat- 
u.Congerienst. Ungarn. 

Schossnitz. Wienerb 
Sarmat- u. Congerienst. 
Tliallicim in Sieben- 
bürgen. 

Bischofsheim. Bilin. 
Swoszowice. Radoboj 
Wicncrb. Sarmatst. 



Sagor. 
Thal- 



Rhön. Sieblos. 
Sotzka. Tallya. 
heim. 

Sotzka. Radoboj. Glei- 
chenberg. Kempten. 

Bonnerkohlen. Wester- 
wald. Peissenberg. 
Köflach. Gleichenberg 
Ungarn. Siebenbürgen. 



Chiavon Guarene. Ar- 
nothal. Senegaglia. 

Guarene. Senegaglia. 



Armissan 

Menat. 

Guarene. Senegaglia. 

Menat. Guarene. Turin. 
Arnothal. Senegaglia. 

p ■ 

k 
Cadibona. 1 

Guarene.Novale.Sarzan. 
Senegaglia. Montajone. 



Piemont. Mt. Bamboli 
Arnothal. Montajone. 
Senegaglia. 

Menat. Spebach. Turin 
Chiavon. Arnothal. Se- 
negaglia. . ; 

Piemont. Turin 'Novale 



Guarene. Cadibona. Se- 
negaglia. 

Turin, Guarene. Sarzan. 
V. Arno. Montajpne. 



Anderwärts. 



Spitzbergen. Orenburg. 
Kamtschaka. Aleutea. 

Bovey-Tracey. Aleuten. 



Insel Mull. Island. Mac- 
kenzie. Spitzbergen. 

Spitzbergen. Island.? 



Island. 



Insel Mull. Island. Spitz- 
bergen. Mackenzie. 



Insel Wight, Hemp- 
stead. 



Island. 

Aleuten. Kamtschaka. 



Neun dieser Arten, nämlich Sequoia Langsdorfii, das Taxodium, die Phragmites, die Planera imd 
Piospjros, Quercus Drymeia, Andromeda protogsea, Juglans acuminata und Rhamnus Eridani sind weit ver- 
breitete miocene Pflanzen, welche damals von Mittelitalien weg bis nach Nordgrönland hinauf reichten. Ein 
paar dieser Arten, nämlich die Sequoia Langsdorfii und das Taxodium gehören zu den häufigsten Bäumen 
der Tertiärzeit und scheinen über die ganze arctische Zone verbreitet gewesen zu sein. In der Schweiz ist 
die Sequoia bis jetzt erst in der untern Molasse gefunden worden, wogegen sie in Italien und im Wiener- 
becken *) bis ins Obermiocen reicht. Die andern sieben Arten sind bei uns, wie in Deutschland und Italien, 
sowohl im untern wie obern Miocen zu Hause. Vier Arten (Osmunda Heerii , Quercus furcinervis , Mjrica 
acuminata und der Corylus) erscheinen in der Schweiz nur im Untermiocen (im Aquitanien) , eine Sequoia 
(S. Couttsiae) begegnet uns im Untermiocen von Südengland, Frankreich und Norddeutschland, eine Pappel 



*) Vgl. die vortreffliche Abhandlung von D. Stur „Beiträge zur Kenntniss der Flora der Süssvv^asserquarze, der Congerien- 
und Cerithicn-Schichten im Wiener und Ungarischen Becken." Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1867. 147. Im Wienerbecken 
werden von Süss und Stur der Belvedere-Schotter und Sand und der Congerien-Tegel vereinigt und als Congcrienstufe bezeichnet, 
zu welcher auch Epelsheim, Pikcrmi, Cucuron und Vaucluse gerechnet werden. Es gehört dieser Stufe der Mastodon longirostris 
an. An sie scliliesst sich nach unten die Sarmatische Stufe an, wozu die Cerithienschichten und die Basalttuffe von Gleichenberg, 
ferner Gossendorf, Nussdorf bei Wien, Heiligenkreuz, Tallya und Erdebonyi in Ungarn und Thalheim in Siebenbürgen gezählt 
werden; es ist diese aber wohl kaum von der Oeninger-Stufe zu trennen. 



Verbreitung der mioceneu Formation. 13 

(P. Zaddaclü) ist bis jetzt nur aus dem Samland, eine andere (P. sclerophylla) nur von Armissan bekannt, 
während die Bucbenarten in verschiedenen Gegenden von Deutschland und Italien vorkommen, welche dem 
mittlem und obcrn IMiocen zuzuzählen sind. Von den Eichen ist die Q. Drymeia in der untern und obern 
Molasse verbreitet, während die Q. furcinervis nur letzterer angehört und zwar voraus im Tongrien und 
Aquitanien auftritt. Die Platane finden Avir in der Schweiz nur im Obermiocen, und auch in Deutschland 
und Italien ist sie voraus in der obersten Molassenstufe beobachtet worden, doch zeigt ihr Vorkommen am 
Monte Bamboli, dass sie schon in der mittlem Molassenzeit in Europa war. 

Da die meisten oben erwähnten mioccnen Arten Grönlands dem Stock zeitlich und räumlich weit ver- 
breiteter Tertiärpflanzen angehören, lässt sich die Molassenstufe, welclier die Flora von Nordgrönland zuzu- 
weisen ist, nicht leicht bestimmen, um so mehr, da diese Stelle von den europäischen Fundorten so weit 
entfernt ist. Da indessen obige Zusammenstellung zeigt, dass die Flora Nordgrönlands keine Art enthält, 
welche ausschliesslich dem obern Miocen angehört, während sieben Arten (nämlich die Osmunda, Sequoia 
Couttsiaj, Populus Zaddachi und sclerophylla, Myrica acuminata, Quercus furcinervis und der Corylus) bis 
jetzt nur aus dem untern Miocen bekannt sind, kann sie mit grosser Wahrscheinlichkeit der untermiocenen 
Zeit zugetheilt werden. 

Da die Kohlen von Atanekerdluk und von Ritenbenk auf Disco unzweifelhaft derselben Zeit ange- 
hören wie die sie umgebenden pflanzenführenden Gesteine, müssen auch sie miocen sein. Dasselbe gilt von 

den Bernstein führenden Kohlen der Haseninsel. 

fr 

Da die sämmtlichen von Dr. Wartha untersuchten Kohlen Nordgrönlands ?u den Lösungsmitteln sich 
gleich verhalten, gehören sie wohl unzweifelhaft alle zu den mioccnen Kohlen und dürfen wir überhaupt diese 
ganze Kohlen- und Trappformation Nordgrönlands als eine miocene bezeichnen. Wir haben früher gesehen, dass 
dieselbe an der Westküste vom GO®'*'" bis über den 72*^®"® n. Br. sich ausdehnt, somit ein sehr grosses Areal 
einnimmt. Wie weit sie in das Innere Grönlands reicht, ist nicht zu ermitteln, da dies Land mit einer uner- 
messlichen Eisdecke bekleidet ist, die über Berg und Thal einen undurchdringlichen, ein paar tausend Fuss 
dicken Mantel gezogen hat, welcher auch im Sommer nur an der Küste von einem relativ schmalen und 
vielfach unterbrochenen grünen Gürtel umgeben ist. Dadurch dass aber das Eis aus dem hochgelegenen 
Innern nach den Küsten vordringt und dort stellenweise ins Meer hinausgestossen wird, gelangen Steine und 
fossile Hölzer, die es mitführt, aus dem Innern an zugängliche Stellen hinaus und sagen uns, dass die 
Holzvegetation einst auch über das Binnenland verbreitet war. So erzählt Rink, dass der Eisstrom, welcher 
in dem Omenak-Fjord ausmündet, Baumstämme im Innern des Landes (bei 71 <* n. Br.) in mehr als einer 
Meile Abstand vom Meer und fast 3000 Fuss ü. M. losbreche und mit sich fortnehme, und er findet es 
höchst wahrscheinlich, dass dort einst ein Wald gestanden habe. Die Trappgebirge^ welche die Kohlenlager 
und die Ueberreste dieser Waldungen bedecken, werden im Hochlande von den sie überlagernden Gletschern 
ausgehöhlt, welche die Pflanzenreste ans Tageslicht bringen und Bruchstücke kolossaler Bamustämme von 
unzugänglichen Höhen zum Meer hinabbringen. 

Es reicht wahrscheinlich die miocene Formation bis an die Ostseite von Grönland hinüber. Dort hat 
nämlich Scoresby am Cap Brewster (am Scoresby-Sund) bei 70'' n. Br. •), also genau der Hauptfundstätte 
fossiler Pflanzen Westgrönlands gegenüber, Kohlen entdeckt, welche dort nach Scoresby ebenfalls mit Trapp- 
gesteiuen in Verbindung auftreten und von derselben Beschaffenheit seien wie die Kohle der Disco-Insel. 2) 

In dem nur einen Grad nördlicher gelegenen Jamesonland wurden ebenfalls Kohlen gefunden, welche 
aber nach Prof. Jameson zur alten Steinkohlenformation gehören sollen. Nach Scoresby kommen dort bitumi- 
nöse Schiefer, Sandsteine und feinkörniger Kalk vor, welche voll organischer Ueberreste seien und Pectiniten 
und andere Zweischaler enthalten. So lange aber diese nicht genauer bestimmt und auch keine Steinkohlen- 
pflanzen nachgewiesen sind, bleibt die geologische Stellung dieser kohlenführenden Formation sehr zweifel- 
haft und dürfte viel eher eine Fortsetzung der oben erwähnten Grönlander mioccnen Bildung sein. 

Wir haben im Vorigen die Frage, ob die fossilen Pflanzen an Ort imd Stelle gewachsen oder aber 



^) Vgl. William Scoresby Tagebuch einer Reise auf den Wallfischfang. Aus dem Englischen von Kries. Hamburg. 1825. 
S, 233 u. f. Jamesons Bemerkungen S. 383. Letzterer sagt, die Kohle des Jamesonlandes sei verschieden von der Braunkohle 
des Cap Brewster; aber auch die miocenen Kohlen der Westküsten sind, wie wir gesehen haben, unter sich in ihrem Aussehen 
sehr verschieden. Es hat Herr Prof. Scott die Freundlichkeit gehabt, meinem Ansuchen zu entsprechen und in Edinburg nach den 
von Scoresby mitgebrachten Kohlen und Petrefakten geforscht. Leider scheinen dieselben verloren zu eein und dadurch die Mög- 
lichkeit der genauem Ermittlung dieser Verhältnisse vor der Hand verschwunden. 

2) Vgl. Scoresby Tagebuch. S. 244. 



14 Grönland. 

aus der Ferne hcrgcscliwcmmt seien, unberührt gelassen, müssen aber dieselbe noch einlässlich besprechen, 
da sie für Ermittlung des Klimas der mioccnen Zeit von entscheidender Bedeutung ist. 

Es ist bekannt, dass gegenwärtig an den grönländischen Küsten viel Treibliolz ans Land getrieben 
und von den dortigen Bewohnern sorgfältig gesammelt wird. Nach Rink werden in Nordgrönland jährlieh 
etwa 20, in Südgrönland aber etwa 200 Klafter ans Land gebracht. Es sind Stammstücke von meist 5-6, 
seltener von 12—16 und höchstens bis 20 Ellen Länge und gehören in Mehrzahl zu den Nadelhölzern, 
obwohl Laubhölzer keineswegs fehlen. Sie wurden wahrscheinlich von Flüssen ins Meer geschwemmt und 
gelangen, ob aus Amerika oder Sibirien kommend ist noch nicht ermittelt, nach langen Irrfahrten an die 
grönländischen Küsten. Es haben daher diese Bäume in Folge dessen eine grosse Veränderung erfahren, 
nicht nur sind alle weichern Theile, so namentlich alle Blätter, Früchte u. s. w., verloren gegangen, sondern 
auch- die Aeste wurden abgebrochen, der Stamm theilweise zertrümmert und zerstossen und nur von den 
sehr fest haftenden Wurzeln sind öfter einzelne Partien geblieben. So ist es mit dem Treibholz in Grönland 
imd dasselbe gilt von demjenigen von Island, Spitzbergen und Nordsibirien. ^) 

Die fossilen Hölzer Grönlands können möglicher Weise auf ähnliche Art zur miocenen Zeit aus grosser 
Ferne hergeschwemmt sein ; doch wird dies für die Hölzer, welche im Innern des Landes und in bedeutenden 
Höhen getroffen werden, sehr unwahrscheinlich und das um so mehr, wo dieselben in aufrechter Stellung 
gefunden werden, wie dies an dem Hügel von Atanekerdluk der Fall ist, wie wir früher gesehen haben. 
Wenn diese Bäume aus grosser Entfernung hergeschwemmt worden wären, wären sie sicher nicht in auf- 
rechter Stellung dort abgesetzt worden. 

Wir haben aber in Grönland nicht nur die Stämme, sondern auch die Blätter, Früchte und Samen der 
Pflanzen und diese in einem solchen Zustande der Erhaltung, dass sie nicht aus grosser Entfernung her- 
geschwemmt sein können. Es werden wohl an den britischen und norwegischen Küsten einige Samen aus- 
geworfen, welche mit dem Golfstrom aus dem tropischen Amerika kommen. Es sind dies aber grosse, runde, 
harte Samen, welche von einer dicken Schale umschlossen und gegen die Verwesimg geschützt sind ; überdies 
. kommen sie sehr selten vor. 2) Von Grönland aber kennen wir schon jetzt eine beträchtliche Zahl fossiler 
Früclite wnd Samen und zwar zum Theil ganz kleine Körperchen, welche einen weiten Transport nicht 
ertragen hätten. Wer wird wohl behaupten dürfen, dass die kleinen Samen imd das Blüthenährchen der 
Sequoia (Taf. IL Fig. 19), die Fruchtähre der Mjrica (Taf. IV. Fig. 15, 16), die Fruchtbecher der Osüya 
(Taf. IX. Fig. 11, 12) vom Meere von weither angeschwemmt worden seien? Wären nicht die Samen aus 
der Myricaähre bei solchem Transport ausgefallen und die Hülle, welche die Ostryafrucht umgiebt, zerstört 
worden ? Dazu kommt, dass bei den Mjrica-Früchten auch die Blätter liegen, bei den Blüthen und Zapfen der 
Sequoia auch die Zweige, und in einem Stein Blatt, Frucht und Dorn von Paliurus Colombi (Taf. XIX.Fig. 3), 
dass wir überhaupt von 8 Arten die Blätter und Früchte nachweisen konnten. Wie wäre es nun denkbar, 
dass der Zufall einen solchen Complex von Blättern und Früchten zusammengeführt hätte, wenn sie in weiter 



') Im offenen Meere wird sehr selten Treibholz gesehen und dort wird es auch nicht untersinken, da es leichter als das 
Salzwasser ist, an den Küsten aber strandet ea auf den Schlamm- und Sandbänken und wird theilweise in dieselben einge— 
schlemmt. Hier können sich daher im Laufe der Jahre grosse Massen von Holz ansammeln, um so mehr da in der arctischen 
Zone der Verwesungsprocess äussert langsam vor sich geht 

2) Es hat Herr Prof. Schübeier im öffentlichen Museum zu Christiania eine Sammlung der bis jetzt an den norwegischen 
Küsten angeschwemmten Pflanzenreste angelegt. Bisher hat er die Samen von vier Gattungen erbeutet, nämlich Entada gigalobium 
Dcc. (Mimosa scandens L.), Guilandina Bonduc, eine oder zwei Arten von Mucuna und einen noch nicht näher bestimmten kastanien— 
grossen Samen. (Vgl. Schübeier die geogr. Verbreitung der Obstbäume, p 22.) Am häufigsten findet sich der Same von Entada 
und zwar nicht nur an den norwegischen Küsten, sondern auch in Island, in cripitzbcrgen (wo Dr. Torell einen sogar in der 
Murchison-Bucht bei 80" n. Br. gesehen hat), in Archangelsk und auch auf Unalaschka. Dass aber auch diese Entadcn-Samcn 
sehr selten sind, zeigt der Umstand, dass ihnen in Norwegen und Island besondere Heilkräfte zugeschrieben und sie daher eifrig 
aufgesucht werden. Die Isländer nennen sie Lausnarsteine oder Entbindungsstein c, indem sie bei schweren Geburten 
verwendet werden, worüber Olafsen (Reise S. 225) ausführlich berichtet. In Norwegen heisscn sie Vette-Nyre (Koboldniercn), 
in Finnmarken aber Lösningss teen (Entbindungsstein). Auch hier wird der Kern in kleinen Portionen Wöchnerinnen grgcben, 
während die Schale zu Tabaksdosen verwendet wird. Es hat sich dieser Aberglaube bei den Lappländern bis auf.unsere Tage 
erhalten und der glückliche Finder solcher Bohnen trägt sie stets bei sich und erwartet von ihnen für alle seine Unternehmungen 
einen günstigen Ausgang. Derselbe Aberglaube knüpft sich auch an die Maldivischen Nüsse (Ladoicea Scchcllarum), welche an 
den Küsten der Sunda-Inseln ausgeworfen werden. Es ist die unbekannte Herkunft und die grosse Seltenheit, welche sie mit 
solchem Nimbus umgeben hat. 

Ucber die Schwimmfähigheit und die Dauer der Keimkraft der Samen im Meerwasscr haben Martins (exp6riences sur la 
persistancc de la vitalilö des grainea flottant k la surface de la mer) und Darwin (Origin of spocies. S. 358) interessante Ver- 
suche angestellt. Martins schlicsst aus denselben, dass ungefähr % der Samen im Salzwasser schwimmen, '/j aber untersinkt und 
dass von erstem etwa '/jj nach drei Monaten die Keimkraft behiilt. 



Die miocenen Pflanzen haben in Grönland gelebt. 15 

Entfernung von der jetzigen Fundstätte gelebt hätten? Dazu kommt, was wir früher von der vortrefflichen 
Erhaltung der Blätter und ihrem massenhaften Beisammensein gesagt haben. Nirgends sind Blätter südlicher 
Länder an nordischen Küsten angeschwemmt gefunden worden, da sie einen solchen Transport nicht ertragen 
würden. Dies versicherten mich Prof. Malmgren, welcher die norwegischen Küsten genau kennt und zweimal 
Spitzbergen besucht hat, und ebenso Sir Leopold M'Clintock, welcher 10 Sommer in der arctischen Zone 
zugebracht hat. Aus der Jetztzeit ist also auch nicht ein einziges Blatt bekannt, das eine solche Wanderung 
gemacht hätte, in Atanekerdluk aber müssten, bei solcher Annahme, von all' den verschiedeneu Pflanzenarteu 
die Blätter zu Tausenden zusammengeführt worden sein, und es hat überhaupt eine solche Anhäufung von 
Pflanzenstoff hier stattgefunden, dass durch denselben ganze Felslager von Siderit entstanden sind. Es müsste 
ein ganzer Wald, der aus den verschiedensten Pflanzenformen zusammengesetzt gewesen wäre, aus der Ferne 
herge;^chwommcn sein. Und was noch merkwürdiger wäre, aus dem eigenen Lande wären keine Pflanzen 
dazu gekommen, denn es fehlen eben der Flora von Atanekerdluk alle jetzigen arctischen Formen. Dass 
aber Festland da gewesen, wird auch durch die Insectenflügel bezeugt, welche bei den Blättern liegen und 
eine Landvegetation voraussetzen. 

Zu dieser PflanzenAvelt stehen die miocenen Kohlenlager Nordgrönlands in naher Beziehung; sie sind 
das Product derselben, und da dieselben eine so grosse Verbreitung und Mächtigkeit haben, weisen auch 
sie auf eine einheimische Vegetation. Sie sind sicher auf gleiche Weise aus Torfmooren entstanden, wie die 
Kohlenlager der Molasse. Die Sumpf cypresse (das Taxodium), die Mjrica, der Fieberklee (Menyanthes 
arctica), das Labkraut, das Schilfrohr, der Königsfarrn und- Schafthalm haben wahrscheinlich auf Moorboden 
gestanden, die zahlreichen Pappeln, die Weiden und die Esche die Flussufer umgeben, während der nahe 
Wald aus dunkelgrünen Sequoien, aus Eichen und Buchen, aus Platanen, Nussbäumeu, Diospyros, Prunus 
und grossblätterigen Magnolien bestand, das Buschwerk aber von der Haselnuss, den M'Clintockien , dem 
Kreuz- und Christdorn gebildet wurde. Der Boden der Wälder war wahrscheinlich von den Farrnkräutern 
überzogen und das arctische Epheu kletterte wohl in gleicher Weise an den Waldbäumen in die Höhe, wie 
sein lebender Vetter. Es hält daher nicht schwer, aus den erhaltenen und in diesem Werke abgebildeten 
Pflanzen die Flora zusammenzusetzen, welche zur miocenen Zeit Nordgrönland bekleidet hat, und diese 
Zusammensetzung bestätigt, dass eine solche Flora unmöglich aus grosser Ferne hergeschwemmt sein kann. 

Wir glauben daher aus den hier mitgetheilten Thatsachen den Schluss ziehen zu dürfen, dass die 
miocenen Pflanzen Nordgrönlands unzweifelhaft in diesem Lande gewachsen seien und dass dies bewiesen 
sei, erstens aus den aufrechten Stämmen von Atanekerdluk, zweitens dem Vorkommen der Früchte und der 
Blätter derselben Baumarten, drittens der Masse und trefflichen Erhaltung der glätter, viertens dem Vor- 
kommen von Insecten, fünftens der Verbreitung und Mächtigkeit der Kohlenlager, und sechstens aus der 
Zusammensetzung der ganzen Flora. Da der Bernstein nur in den Kohlenlagern und bei den Blättern 
gefunden wird, ist er ohne Zweifel von einer oder mehreren Baumarten des "V^aldes erzeugt worden und 
auch an Ort und Stelle entstanden.- Da die Sequoien hier, wie in der miocenen Ostseegegend, häufig waren, 
ist zu vermuthen, dass sie dabei betheiligt waren. 

Aus dieser Darstellung geht hervor, dass Grönland, so weit es bis jetzt bekannt ist, aus einer krystal- 
linischen Grundlage besteht, auf welcher in der Breite von 69 bis 12 ^ mächtige miocene Gebilde aufruhen, 
welche die Ueberreste einer reichen hochnordischen Waldflora einschliessen. Nach Rink sind in gehobenen 
Lehm- und Sandschichten an der Südostbucht und bei Pattorfik im Omenaksfjord eine Menge Conchylien 
gefunden Avorden *) ; Herr O. Mörch habe 13 Arten erkannt, von denen zwei gegenwärtig nicht mehr an der 
grönländischen Küste, wohl aber bei Island und Neufundland vorkommen, und iauch auf dem Erbprinzen- 
Eiland seien über dessen jetzigem Seespiegel Meermuscheln gefunden worden. Da gegenwärtig diese Küsten 
im Sinken begriffen sind, müssen diese Ablagerungen aus einer frühern Zeit stammen, zu welcher auch dieses 
Land bis wenigstens zur Höhe jener Ablagerungen unter Wasser stand. Es dürfte dies dieselbe plioceue 
Zeit gewesen sein , während welcher in Island und den weiter südlich gelegenen Ländern das Meer einen 
Theil des jetzigen Festlandes einnahm. 



») De danske Handelsdistrikter. Anden Deel. S. 218. Etzel. S. 647. 



IG 

3a3citcs(tnptfcf. 
Der arctisch amerikanische Archipel. 

Der Disco-Insel gegenüber liegen an der westlichen Seite der Davis-Strasse grosse unwirthliclie , nur 
spärlich von Eskimo's hewolmte Inseln. Im Norden derselben öffnet sich im "Westen der Baffinsbai der 
Lancaster-Sund, welcher den Eingang zu einem grossen Archipel bildet. Dieser wurde zuerst durch Capitän 
Parry (1819) entdeckt und war im vorigen Jahrzehnt der Hauptscliauplatz der englischen Expeditionen, 
welche zu Aufsuchung John Franklin's und seiner Gefährten veranstaltet wurden. Die zahlreichen Reise- 
berichte erzählen uns von den unsäglichen Mühsalen und Entbehrungen, Gefaliren und Abenteuern, die in 
diesem schrecklich unwirthlichen Winterland zu überstehen waren, und erfüllen uns mit Bewunderung der 
Ausdauer und Energie der Älänner, die für so edlen Zweck ihr Leben eingesetzt haben. Mehrere dieser Männer 
haben auch über die geologischen Verhältnisse dieser Gegenden wichtige Aufschlüsse gebracht, obwohl die- 
selben nicht Gegenstand specieller Studien gewesen sind. Schon Parry hat Gesteinsproben und Versteinerungen 
heimgebracht , welche von Charles König untersucht worden sind >) , mehr aber hat man Sir L. M'Clintock, 
Mac Clure und Sutherland zu verdanken und in den Reiseberichten 2) von M'Clintock und Armstrong finden 
wir mannigfache Angaben über die geologischen Verhältnisse dieses Inselreiches. 

Beim Eingang in den Lancaster-Sund besteht der östliche Theil der grossen Noird-Devon-Insel aus 
ki'ystallinischem Gestein (Granit), das auch längs der ganzen Westküste von Nord-Somerset auftritt. Der 
übrige Theil dieser beiden Inseln , wie das südliche Ufer des Lancaster-Sundes bestehen aus Uebergangs- 
gebirge, einem Kalk, der zur obersilurischen Formation gehört, und auch das kleine Griffith-Eiland, wie die 
Cornwallis-Insel "umfasst. Es geht dies unzweifelhaft aus den Versteinerungen hervor, welche in diesen 
Gegenden gesammelt wurden. Ein grosser, schöner Trilobit (Cormus arcticus Hght.) wurde auf der Griffith- 
und Cornwallis-Insel und in der Garnier-Bai (in Nord-Somerset) gefunden; langgewundene Gasteropoden 
(Loxoncma M'Clintocki Hght. und L. Rossi Hght.) sind mit einem Brachiopoden (der Atrypa phoca Salt.) 
auf der Beechy-Insel und erfüllen da ganze Felsen. Aber auch ansehnliche Steinkorallen waren hier zu 
Hause, die zum Theil mit Arten des europäischen Uebergangsgebirges übereinkommen (Cyatophyllum helian- 
thoides Goldf., Favosites gothlandica, F. polymorpha, Stromatopora concentrica, Receptaculites Neptuni), theils 
aber der arctischen Zone eigenthümlich scheinen (Calophyllum phragmoceras Siilt. und Favistella Franklin! 
Salt.). Die für die paläozoische Zeit charakteristische Gattung Orthoceras erscheint in mehreren ansehnlichen 
Arten auf der Beechy-, Griffith- (Orth. Griffithi Hght.) und Cornwallis-Insel (0. Ommaneyi Salt.). Am 
weitesten westlich tritt diese Formation auf der Prinz Royal-Insel (zwischen dem Banks- und Prinz Albert- 
Land) auf. Hier wurde von Mac Clure die Terebratula aspera Schlotth. gefunden, die mit der Art der Eifel 
völhg übereinstimmt. Nach Armstrong (S. 268)- besteht das Gestein aus einem körnigen, bituminösen Kalk, 
der zahlreiche Petrefakten (Cyatophyllum, Turbo, Buccinum, Orthis und Terebratulen) enthält. Eine benach- 
barte kleine Insel scheine aus einer Masse von Versteinerungen gebildet, namentlich Zoophyten, Corallen 
und Ein- und Zweimuschler. Sie sind von einem harten, dunkelfarbigen, bituminösen Thon und Schiefer 
umgeben. Dieser Kalkstein gehört der obersilurischen Formation an, aber auch das Untersilur ist 
in diesen Regionen vertreten. Der Kalk der Depot-Bai in der Bellot-Strasse und auf der König William-Insel 
enthält den Orthoceras moniliformis Hall und die Maclurea arctica Hght. und wird der Chazystufe zuge- 
rechnet ; der Dolomit der Furyspitze in Nord-Somerset, an den Ost- und Westküsten von Bothia und an der 
Westseite der König William-Insel gehört zur Trentonstufe und umschliesst Chsetetes Lycoperdon, Orthoceras 
moniliformis, Receptaculites Neptuni, Ormoceras crebriseptum und Huronia vertebralis. 



») Vgl. Supplement to the Appendix of Cap. Parry's first voyage. I. CCLV. Ch. König sagt davon folgendes: „The two 
specimens of sandstone containing the above mentioned secondary fossils (nämlich einen Asaphus und Reste von Encriniten), arc pretty 
similar in appearance of those other hrought from Melvillc island, which abound with the vcgetable rcmains characteristic of the 
coal sandstone. These are most of them merely impressions and filmy carbonaceous remnants of leaves (or fronds with ovate- 
lanccolate leafleta) and stems, which by their regularly placed oval marks, indicate that the prototypes belonged to the arborescent 
ferns which we observe in such great aboundance in the coal sandstone of more southern latitudes ; a proof that the inhospitable 
hyperborean region where they occur at one time displayed tho noble scene of a luxuriant and stately Vegetation. There is also 
among the specimens of sandstone from the same place one baring the Impression of a thin, longitudinally-striated atem, not 
unlikc that of some reed." Es sind diese Pflanzen indessen nie genauer untersucht und bestimmt worden. Ich wandte mich daher 
an Sir Charles Lyell, um dieselben wo möglich zur Unsersuchung zu erhalten. Er hatte die Güte, denselben im britischen Museum 
nachzuforschen, wobei sich ergeben hat, dass sie leider verloren gegangen sind. 

2) Reminiscenccs of arctic ice-Travel in Search of Sir John Franklin. Journal of Royal Dublin Society. 1857. S. 183. Die 
fossilen Mollusken und Corallen sind von Prof. Haughton bestimmt und beschrieben. 



Steinkohlenlager. 17 

Die Inseln östlich von Cornwallis, welche unter dem Namen der Parry -Inseln zusammengefasst werden, 
gehören grosscntheils der Steinkohlenformation an, und zwar ist es sehr bemerkenswerth , dass die 
nördlicli dem 7G^'^" Grad liegenden Partien aus Kohlenkalkstein (Bergkalk) bestehen, die weiter südlichen dagegen 
aus einem gelbgrauen Sandstein, der an zahlreichen Stellen Kohlenflöze einschliesst. Die Bathurst-, Melville- 
und Prinz Patrick-Insel zeigen uns diese Bildung. Im Kohlenkalk wurden am nördlichsten Punct, den 
Capitän B elclier in Nord- Albert-Land erreichte , der Spirifer Keilhavii und Productus mammatus Keys. ? 
entdeckt, der Spirifer arcticus Ilght. wurde an den Nordküsten von Bathurst und Hillock-Point auf Melville, 
Productus sulcatus am Hillock-Point bei 76® und das Lithostrotium basaltiforme auf Bathurst bei 76*' 40' 
n. Br. gefunden. 

Dieser Kohlenkalk überlagert nach Prof. Haughton ^) den Sandstein , welcher demnach älter ist. In 
diesem hat man auf der Melville-Iusel einen Trilobitcn (einen Asaphus) und Reste von Encriniten, und auf 
der kleinen Byam Martins-Inscl (bei 75" 10' n. Br.) einige fossilen Meermuscheln gefunden, nämlich eine 
gerippte Atrypa, die mit A. primipilaris von Buch verwandt, und die A. fallax, welche auch in der Kohlen- 
formation Irlands vorkommt. An diesen Stellen ist der Sandstein wahrscheinlich eine Strandbildung, während 
er an andern eine Süsswasserbildung sein dürfte. Es wird dies durch die Kohlenlager angezeigt, welche in 
Verbindung mit demselben auftreten, denn in diesen Kohlen finden wir zahlreiche Reste von Landpflanzen, 
dagegen keine Spur von Meergewächsen, und nach M'Clintock (1. c. S. 200) ist diese Steinkohle überall, wo 
sie gefunden wird, von einem gelben oder graugelben Sandstein und Eisennieren -begleitet. Leider wurden 
dieser Sandstein und diese Eisennieren nicht näher untersucht, sonst hätte man sehr wahrscheinlich in den- 
selben Pflanzenreste gefunden, wie denn die von Capitän Parry von der Mellville-Insel heimgebrachten, aber 
verloren gegangenen Pflanzen in solchem Saudstein lagen. Die Kohlenlager hab^n eine grosse Verbreitung 
und können von der Graham Moore-Bai auf der Bathurst-Insel nach der Byam Martin- und Melville-Insel 
verfolgt werd en ; hier treten sie in der Skene-Bai ,_ auf der Bridport-Halbinsel , im Hintergrund des Liddon- 
golfes und am Cap iDundas auf. Aber auch im Südosten der Prinz Patrick-Insel, wie ferner in der Gnadenbucht 
des Bankslandes wurden Kohlenlager gefunden. .Sie sind auf dem beiliegenden Kärtchen näher bezeichnet. 

Es liegt daher das Areal, über welches diese Steinkohlen verbreitet sind, zwischen dem 74®'^®'' imd 76^'®° 
Grad n. Br. und dem 96®'®° bis 121®'®" Grad w. L. und lässt auf ein sehr ansehnliches Festland zur Stein- 
kohlenzeit zurückschliessen. Das Aussehen dieser Kohlen ist sehr verschiedenartig und sie zeigen auch in ihrem 
chemischen Verhalten einige Abweichungen, so weit dies aus den kleinen Proben, welche zur Untersuchung 
verwendet werden konnten, zu ermitteln war. Es wurde dieselbe von Herrn Dr. V. Wartha ausgeführt 
imd ergab folgende Resultate, welche auf die von Sir L. M'Clintock dem Dubliner Museum geschenkten 
Stücke gegründet wurden. 

1. Kohle von der Graham Moore-Bai (75" 30' n. Br., 101 •* w. L.) auf der Bathurst-Insel, sieht 
aus wie ein grauschwar.^er Schiefer und spaltet in ziemlich dünne Platten; bildet beim Zerreiben, das ihrer 
zähen Beschaffenheit wegen schwierig ist, ein mattschwarzes Pulver. 

2. Village Point. Sieht der vorigen sehr ähnlich, ist auch schiefrig und lässt sich ziemlich leicht 
in unregelmässige Blätter spalten; sie ist grauschwarz und schwer zu einem sch^yarzen Pulver zerreiblich. 
In der dunklen Masse liegen undeutbare, feingestreifte glänzende Schuppen und ein Zweiglein von Thuites. 

3. Skene-Bai, im Südosten der Melville-Insel (75 » n. Br., 108« w. L.). Die Kohle findet sich nach Mac 
ülintock (1. c. S. 213) in Verbindung mit einem braunen, krystallinischen Kalkstein, mit kieseligen Schichten 
md mit einem graugelblichen, ins Braunrothe übergehenden Sandstein. Die Kohle lässt sich in dünne Blätter 
spalten, ist ziemlich zähe und schwer zerreiblieh, von braunschwarzer Farbe und etwas fettglänzend; an 
ler Bruchstelle mattbraun. Sie ist voll Pflanzenreste , welche-' schwarz sind und sich sehr wenig von der 
»lohlenmasse abheben, so dass man sie nur bei guter Beleuchtung wahrnimmt. Man würde an Ort und Stelle 
hne Zweifel viele Pflanzen in diesen Kohlenschiefern finden, da ich die auf Taf. XX. Fig. 1—8 abgebildeten 
'flanzenreste durch das Zerspalten eines einzigen kleinen Stückes erhalten habe. 

Bei ICOO getrocknet verlor diese Kohle 4,1 pCt. Wasser und besteht dann nach Dr. V. Wartha in 
00 Theilen aus 62,4 Kohlenstofi", 5,4 Wasserstoff, 14,5 Sauerstoff und 17,7 Asche; nach Wcgglassung der 
.sehe auf 100 Theile berechnet: 75,8 Kohlenstoff, Q,6 Wasserstoff und 17,6 Sauerstoff. 

4. Die Bridport-Bucht liegt in ders(jlben geographischen Breite, aber um einen Grad weiter west- 
h. als die Skene-Bai. Die Kohle hat ganz das Aussehen der Braunkohle; sie ist nicht schieferig, sondern. 






') cf. M'Clintock Reminisceuces. S. 249. 



18 



Arctisch-amcrikanischer Archipel. 



spaltet nach allen Richtungen; die Grundfarbe ist ein mattes Braun, aus dem zahlreiche glänzend schwarze 
Zeichnungen hervortreten, die nur von härtern, glänzenden Kohlenpartien herrühren, die als dünne Blättchen 
ZAvischen den braunen liegen. Man hat sie irrthümlich von Pflanzenresten hergeleitet ^). Es ist diese Kohle 
hart und spröde, lässt sich daher leicht zu Pulver zerreiben, das eine schwarzbraune Farbe hat. Der Bruch 
ist stellemvcisc glänzend muschelig. 

Nach M'Clintock (1. c. S. 213) kommt bei dieser Kohle ein weisser, rostroth gefleckter Sandstein und 
eisenhaltiger Thon vor. 

5. Das Cap Dundas liegt am Westende der grossen Dundas-Halbinsel (bei 74 ^ 30' n. Br. u. 113® 
45" w. L.). Hier kommen Kohlen längs des ganzen Nordufers bis zum Hintergrund des Liddon- Golfes vor. 
Das von M'Clintock vom Cap Dundas heimgebrachte Stück hat dieselbe matt braunschwarze Farbe, wie die 
Kohle von Bridport-Iulet , ist aber etwas schieferig. Es enthält viele plattgedrückten Pflanzenreste, die als 
kohlschwarze, etwas glänzende Bänder sich deutlich vom mattbraunen Grunde abheben. Ist ziemlich hart 
und spröde und das Pulver bräunlichschwarz. 

6. Gnadenbucht auf Banksland (74® n. Br.). Sieht aus wie die Kohle der Graham Moore-Bai; 
sie ist auch schieferig, matt grauschwarz, mit etwas Fettglanz an den Bruchstellen ; sehr zähe imd zerrieben 
ein matt braunschwarzes Pulver bildend. Sie brennt leicht mit heller Flamme. Von organischen Resten ist 
in dem kleinen Stück, das nach Dublin kam, nur ein fein gestreiftes Körperchen zu erkennen (Taf. XX. 
Fig. 15, vergrössert 15 b.) , welches von einer Pinusnadel herzurühren scheint. Es hat IV2 ^^11« Breite, ist 
äusserst fein gestreift, zwei sehr zarte Längsrippen treten aus der Blattfläche hervor und fassen eine ganz 
flache mittlere Furche ein. 

Zu den Lösungsmitteln verhalten sich die obigen Kohlen nach Dr. V. Wartha's Untersuchungen in 
folgender Weise : 



Fundort. 



Löslichkeit 
in concentr. Kalilauge. 



1. Graham Moore-Bai 

2. Village Point 

3. Skene-Bai 



4. Bridport 

5. Cap Dundas 

6. Gnadenbucht 



Gar nicht angegriffen. 

Ebenso. 

Selbst nach längerem 
Kochen nur weingelb 
gefärbt. 

Theilweise angegriffen. 

Gar nicht angegriffen. 
Spurweise gefärbt. 



Verhalten gegen 

concentr. Salpetersäure 

in Siedhitze. 



Gar nicht angegriffen. 

Ebenso. 

Theilweise angegriffen , 
zu dunkler Flüssigkeit 
gelöst. 

Wenig angegriffen. 

Gar nicht angegriffen. 

"Wenig angegriffen, un- 
veränderter schwarzer 
Eückstand. 



Verhalten nach dem 
Verdünnen mit Wasser. 



Nichts abscheidend. 

Ebenso. 

Gelbbraune Flocken ab- 
scheidend. 

Wenig gelbe Flocken ab- 
scheidend. 

Nicht^: abscheidend. 

Unbedeutende Flocken 
abscheidend. 



Die Reaction der Destillationsproducte aller dieser Kohlen war sauer, und der unter das Mikroscop 
gebrachte Rückstand Hess keine Holzfasern und Zellgewebe erkennen, obwohl ^iqbq Kohlen von blossem 
Auge wahrnehmbare Pflanzenreste enthalten. 

Die elementare Zusammensetzung konnte nur bei der Kohle der Skene-Bai ermittelt werden (S. 17); 
es ist aber diese für die Altersfrage von geringer Bedeutung. Wenn auch in der Regel die palajophytischen 
Kohlen mehr Kohlenstoflf und weniger Sauerstoff enthalten als die tertiären, so giebt es doch allzu viele 
Ausnahmen nach beiden Richtungen hin, als dass dieses Merkmal zur Bestimmung dieser Kohlen dienen 
könnte. Wichtiger ist ihr Verhalten zu den Lösungsmitteln und namentlich zur Salpetersäure, wie wir dies 
schon früher (S. 6) erwähnt haben. In dieser Beziehung verhalten sich nun alle oben besprochenen Kohlen 
anders als die tertiären Kohlen und müssen daher aus einer altern Zeit herrühren, über welche aber erst 
die Pflanzen nähern Aufschluss geben können. Ich habe welche in den Kohlen der Bathurst-Insel , des 
Village Point, der Skene-Bai, der Bridport-Bucht und vom Cap Dundas aufgefunden und zwar kamen die 
meisten erst zum Vorschein, als ich die Kohlenschiefer zerspaltete. Es sind im Ganzen 12 Arten. Leider 
fehlen schöne, leicht kenntliche Arten. Mehrere sind nur in so kleinen Fetzen erhalten, dass eine Be- 
stimmung nicht möglich ist. Wir können nur sagen, dass sie von Gefässkryptogamen herrühren, zu welchen 



») Mau liiclt sie für Abdrücke einer Sphenopteris (M'Clintock 1. c. 8. 213). Hierauf bezieht sich ohne Zweifel die An- 
gabe Dana'a (Manual of Gcology. 2. Aufl. p. 33Ö), dass diese Gattung auf der Melville-Insel gefunden worden sei. 



Steinkohlen-Pflanzen. 19 

auch von den genauer bestimmbaren Pflanzen 4 Arten gehören, während 3 zu den Nceggerathien. Unter 
den Farm begegnet uns eine ansehnliehe Schizopteris (Seh. Melvillensis m. , Taf. XX. Fig. 1 a. b.), 
•welche mit einer Art der deutschen Steinkohlen (Seh. anomala Br.) verwandt ist, unter den Bärlappgewächsen 
ein Lcpidophyllum und ein Lepidodendron (L. Veltheimianum, Taf. XX. Fig. 9 a.). Letztere Art 
liegt zwar nur in einem kleinen Zweigstück von der Bridport-Bucht vor und zwar in dem entrindeten Zu- 
stand, den man früher als Knorria unterschieden hatte; es stimmt dies aber in der Stellung und Form 
seiner Blattnarben so wohl mit dem Lepidodendron Veltheimianum überein, dass es mit grosser Wahrschein- 
lichkeit zu dieser Art gebracht werden darf. Es kommt diese überall im Steinkohlenland in Europa, wie in 
Amerika v or. Sie beginnt schon im obern Devonien, erreicht ihr Maximum in der untern Steinkohlenbildung, 
reicht aber bis ins Perm hinauf. Es bildete dieses Lepidodendron ansehnliche Bäume mit vielfach verzweigten 
Aesten, die dicht mit Blättern bekleidet waren. Auch in der Skene-Bai lebten Lepidodendren, wenn wenig- 
stens das Lcpidophyllum und die grossen Sporen (Taf. XX. Fig. 5 b. d.), welche in den dortigen Kohlen 
liegen, wirklich diesen Bäumen angehört haben. Die häufigsten Pflanzen scheinen aber die Nceggerathien 
gewesen zu sein, von denen drei Arten aus der Skene-Bai und dem Cap Dundas uns bekannt geworden 
sind. Zwar sind sie nur in einzelnen Blattfetzen uns erhalten geblieben, die aber in ihrer Xervation und 
Form zu den Xosggerathien stimmen, einer Gattung, die schon im Uebergangsgebirge auftritt und in der 
Steinkohlenzüit eine grosse Verbreitung hatte. 

Von diesen Pflanzen der Melville-Insel ist allerdings nur Eine Art, nämlich das Lepidodendron, mit 
einer bekannten Steinkohlenpflanze übereinstimmend, allein die Gattungen Schizopteris und Noeggerathia 
zeugen ebenfalls für die Steinkohlenformation, so dass wenigstens für die Kohlen der Skene-Bai, Bridport 
und Cap Dundas die Sache ausser Zweifel sein dürfte. Für die Kohlen der Bathur st-Insel, Village Point und 
der Mercy-Bai lässt sich dies paläontologisch noch nicht nachweisen. In denen der Bathurst-Insel haben Avir nur 
ein Nadelpaar, das mir von einer Föhrenart herzurühren scheint (Pinus BathurstI, Taf. XX. Fig. 14), und 
in den Kohlen von Village Point ein kleines Zweiglein eines Thuites (Th. Parryaiius m., Fig. 13) gefunden. 
Beide Gattungen sind für keine Formation charakteristisch. Pinus beginnt schon in der Steinkohlenzeit und 
setzt sich bis in die jetzige Schöpfung fort; Thuites ist allerdings bis jetzt nicht älter als im Lias bekannt, 
da die Art aber von allen bekannten verschieden ist, wäre es gewagt, diese Kohlen dem Lias zuzutheilen 
und werden wohl eher anzunehmen haben, dass sie wie die übrigen Kohlen dieser Gegenden der Steinkohlen- 
formation angehöre und dass Thuites hier schon in dieser auftrete. Lnmerhin ist es aber beachtenswerth, 
dass die Kohlen der Graham Moore-Bai, Village Point und Mercy-Bai in ihrem Aussehen übereinstimmen 
und von denen der Skene-Bai, Bridport und Cap Dundas, die imzweifelhaft pal^eophytisch sind, abweichen. 

Wir haben oben gesehen, dass Prof. Haughton aus den Lagerungsverhältnissen der Sandsteine, welche 
mit den Kohlen der Melville-Insel in Verbindung stehen, geschlossen hat, dass sie der altern Abtheilung der 
Kohlenformation angehören. Es wird dies auch durch die Pflanzen wahrscheinlich gemacht, indem das Lepi- 
dodendron Veltheimianum voraus dieser angehört und auch die Nceggerathien in diesen eine wichtige Rolle 
ßpielen. Sie gehören wahrscheinlich zu den sogenannten Culm schichten, deren Kohlen man wegen des 
häufigen Vorkommens des Lepidodendron (Sagenaria) Veltheimianum auch Sagenarienkohle genannt hat. Die 
eigentlichen productiven Steinkohlen (die koal measures) nehmen einen höheren Horizont ein. 

Im Nordwesten des Bankslandes bestehen dieselben Lagerungsverhältnisse, wie im Norden der Parry- 
inseln, indem auch hier ein Kalkstein, der sehr wahrscheinlich zum Bergkalk gehört, den Sandstein über- 
lagert. Nach Armstrong (S. 449) besteht die circa 80 Fuss hohe Colquhoun-Spit^je und das 100 Fuss hohe 
Cap Wrottesley am Fuss aus Schiefer und Sandstein, höher oben aus Bergkalk, ebenso das circa 400 Fuss 
Lohe Cap Austin und der gegenüberliegende 340 Fuss hohe Strandfels. Der dunkelgraue massige Kalkstein 
ist von rostfarbigen Streifen durchzogen und enthält zahlreiche Ein- und Zweischaler, die nach Armstrong 
zu Productus, Spirifer, Pecten, Cardium, Terebratula und Buccinum gehören. Dabei war fossiles Holz ver- 
schiedener Grösse und im selben Gestein wie die Mollusken. Armstrong sagt: Some pieces Avere encrusted 
with a deposit of iron; others had a sulphureous covering and emitted a disagreeable odour; but almost all 
looked black and charred, in an advanced stage of carbonization , as if partially burned; and displayed in 
numerous places, the true lustre of coal. An derselben Stelle wurde auch Anthrazit gefunden. Ein wahr- 
scheinlich aus dieser Gegend stammendes Stück versteinertes Holz ») , das von Mac Clure dem Dubliner 



') Es ist bezeichnet: Fossil Wood Baring J. lat. 740 40 '. long. 122« W. Investigator. Diese Ortsbestimmung führt auf Cap 
Wroltesley. Dr. Armstrong giebt seine Breite nur zu 74° 30' an, da er dasselbe aber die nördlichste Spitze der Baringinsel nennt. 



20 Arctiscli-fimerikanischer Archipel. 

]\Iuscuni übergeben wurde, gehört, wie Herr Prof. Gramer ermittelt hat, zu den Couiferen (Cupressinoxylon 
polyommatum Cr.) und ist so nahe verwandt mit unzweifelhaft miocenen Arten, dass dies Stück niclit 
der Steinkohlenzeit angehören kann. Es ist sehr wahrscheinlich miocen und von gleichem Alter Avie die 
Hölzer der nahen Ballast-Bai. Im Osten der Gnadenbucht besteht die nördliche Küste des Bankslandes aus 
einem dunkelbraunen Sandstein, der eine Kette von steilen, 500 — 6C0 Fuss hohen Klippen bildet, in welchem 
am Cap Hamilton die frülier erwähnten Steinkohlen gefunden wurden. 

An der Südspitze, des Bankslandes (bei 71 ^ 5' n. Br. u. 1230 w. L.) steigen steile Kalkfelsen aus dem 
]\Ieere auf und erreichen am Nelson Head die Höhe von 850 Fuss ü. M. , hinter denselben erhebt sich eine 
Reihe höherer Berge, welche nach Armstrong wenigstens ICOO Fuss hoch sind; Miertsching schätzt sie auf 
2000 Fuss. Dr. Armstrong hält dafür, dass diese Berge ebenfalls zum Bergkalk gehören, wie die Strandfelsen 
der Nord Westküste (Personal narrative, S. 453 u. S. 211), doch wurden keine Petrefakten gefunden, welche 
darüber entscheiden könnten. 

Es ist sonach das alte Steinkohl engebirg in diesem arctischen Inselreich nachgewiesen. Ob die 
Trias da vorkomme, ist noch zweifelhaft. Es hat Sir Ed. Belcher auf der Exmouth-Insel bei 77 <> 16' n. Br. 
und 96 ° w. L. und 570 Fuss ü. M. die Knochen eines grossen Ichthyosaurus entdeckt, welcher nach Owen 
dem I. actetus von Whitby nahe steht ^), und Capitän Osborne hat auf der Bathurst-Insel (bei 76 ^ 22 " n. Br. 
u. 104** w. L.) die Knochen eines Mystriosaurusartigen Thieres gesammelt. Es sind dieses Gattungen, die 
voraus dem Lias angehören, da indessen Nordenskiöld in Spitzbergen die Ueberreste eines Ichthyosaurus, 
der obiger Art sehr ähnlich sein soll, bei wohl erhaltenenen Trias-Petrefakten entdeckte, ist es sehr zweifel- 
haft, ob diese Saurier des arctischen Amerika dem Triaa oder Lias zuzuschreiben seien. 

Der Jura tritt in beträchtlicher Ausdehnung an der Ostseitc der Prinz Patrjck-Inscl auf, indem nach 
]\rClinlock der ganze östlielie Theil der Halbinsel von der Intrcpid-l^ueht ])m zur Wilkle-Spitze dieser 
Formation aiigeliörl, welche auf dem der Kohlenfonnation aiigeliörenden Sandsj^cin aufrulU, der den Westen 
der Halbinsel einnimmt. An der Wilkie-Spitze (bei 76V3Ö n. Br.) fand M'Clintock in einem anstehenden 
röthlichen Kalkstein eine ]\[enge fossiler Mollusken. Die Mehrzahl bildeten Zweischaler, doch waren dabei 
auch Ammoniten und Gaste ropoden und fossile Knochen (eines Ichthyosaurus?). Äl'Clintock war auf der 
Kückreise zum Schiff genöthigt, seine Sammlung im Stich zu lassen, da der Schlitten nicht weiter zu bringen 
war, doch hat er wenigstens einige Stücke von jener Stelle heimgebracht. Ein Ammonit (A. Mac Clintocki 
Hght.) ist nahe verwandt mit manchen Arten des obern Lias und mit dem im untern Oolith verbreiteten 
Ammonites concavus Sow. ; der Zweischaler , eine M o n o t i s (M. septenti-ionalis Hght.) ähnlich der M. in- 
ajquivalvis Goldf., wozu noch eine Pleurotomaria 2) kommt. Da keine dieser Arten mit europäischen völlig 
übereinstimmt, bleibt es zweifelhaft, ob diese Formation dem Lias oder Braun-Jura angehöre. 

Die Jüngern Glieder des Jura und, was noch mehr Beachtung verdient, die ganze Formation der Kreide 
und das Eocen fehlen diesem arctischen Inselreich, oder sind wenigstens zur Zeit nicht nachzuweisen. Dagegen 
tritt die m i c e n e Bildung auf. Dahin rechnen wir die Holzhügel des Bankslandes. Bekanntlich hat Parry 
die Küste, welche er von der Melville-Insel aus im fernen Süden auftauchen sah, mit diesem Namen bezeichnet. 
Erst durch Mae Clure ist man aber, mit diesem Land näher bekannt geworden. Er erreichte von Süden 
kommend seine Küsten im September 1850 und entdeckte den Meeresarm, welcher dasselbe vom Prinz Albert- 
Land trennt und in den grossen Melville-Sund ausmündet, wodurch zuerst nachgewiesen wurde, dass eine unmit- 
telbare Wasserverbindung zwischen der Behringsstrasse und der Baffinsbai bestehe. Er überwinterte in dieser 
Prinz von Wales-Strasse und umschiffte im folgenden Sommer, als das Eis aufging, das Banksland, welches 
er damit als eine Insel erkannte, auf welcher er Baring's Namen übertrug, doch ist der ältere, von Parry 
diesem Land gegebene, Name von den meisten , beibehalten worden. Mac Clure brachte sein Schiff auf einer 
der gefahrvollsten Fahrten, die in diesem an Schrecknissen aller Art so reichen Eismeere bis jetzt ausge- 
führt wurden, bis zur Gnadenbucht (74 <> 6' n. Br. 117 '' 55' w. L.), wo er mit seiner Mannschaft zwei 
Winter (1851 bis 1853) zubrachte und endlich, da das Eis nicht mehr auffror, sein Schiff verlassen musste 



kann dieser Unterschied von 10 Minuten wohl nicht in Betracht kommen. Würde dies Holz wirklich aus dem Kalkstein stammen, 
der obige Versteinerungen enthält, müsste es der Steinkohlenzeit angehören, sehr wahrscheinlich kommt es aber von den nahen 
tertiären Ilolzhügcln und wurde von dort an die Küste geschwemmt. 

•) Vgl. Edinbourgh new philos. journ. 1855. II. 398. 

2) Es sind diese Arten abgebildet von Haughton in M'Clintock's Reminiscences. Taf. IX. Lyell rechnet diesen Kalk zum 
XJnter-Oolith. Vgl. Priuciples. Zehnte Auflage. 1867. S. 219. 



Die Holzliügel des Bankslandes. 21 

und wie durch ein Wunder gerettet wurde '). Während der Umschiffung des Bankslandcs wurden die Küsten 
an verschiedenen Punctcn untersucht, auch von der Gnadenbucht aus häufige Ausflüge ins Innere unter- 
nommen und dabei auch auf die geologischen Verhältnisse des Landes Rücksicht genommen. Wir haben 
schon oben gesehen, dass dabei auf der Prinz Royal-Insel die silurische Formation, auf dem Bankslande 
selbst aber der Kohlensandstein und Bergkalk nachgewiesen wurde. Die wichtigste Entdeckung wurde aber 
in der Ballast-Bai im Nordwesten des Bankslandes gemacht. Nach einer glücklichen Fahrt längs der West- 
küste des Bankslandes änderte sich bei Cap Prinz Alfred (74 <> 7' n. Br.) die Scenc; es blieb zwischen dem 
hocliaufgethürmtcn Eis und dem Festland nur ein schmaler Streifcji olfenes Wa.sHcr übrig und nucli das 
Land hatte durch die zahlrciclien schroff aufsteigenden Hügel, die durch tiefe Schliicliten zerrissen waren, 
einen ungemein wilden Charakter angenonmien. Durch hohe Eisberge am Weiterkommen gehindert, begab 
sich Mac Clure mit einem Theil der Mannschaft ans Land, um Hasen und Schneehühner zu jagen, und war 
nicht wenig erstaunt, dort kegelförmige, grossenthcils aus fossilem Holz gebildete Hügel zu finden. Hören 
wir, was Sir ]\[ac Clure in seinem Tagebuche (vom 27. August) darüber sagt 2) : ^I walked to-day a sliort 
distance into the inferior ; the snow that had fallen last night lay unthawed upon thc high grounds, rendering 
the prospect most chccrless ; the hills are very remarkable, many of them peaked and Standing isolated from 
each other by precipitous gorges. The summits of these hills are about 300 feet high, ancl nothing can be 
more wildly picturesque than the gorges, which lie between them. From the summit of these singularly 
formcd hills to their base abundanee of wood is to be found , and in many placcs layers of trees are visible, 
some protruding twelve or fourteen feet, and so firm that several people may jump on them without their 
breaking. The kargest trunk yet found measured one foot seven inches in diameter." Am 5. September be- 
suchte I\[ac Clure eine Gegend, die einige Meilen von der vorhin erwähnten entfernt war und sagt von 
dieser : „I entered a ravine some miles Inland and found the north side of it, for a depth of forty feet from 
the surfacc, composcd of one mass of wood similar to what I had before seen. The whole depth of the ravine 
was about 200 feet. The ground around the wood or trees was formed of sand and shingle; some of thc 
wood was pctrified, the remaindcr very rotten and worthless ever for burning." 

Auch Dr. Armstrong spricht ausführlich von dieser merkwürdigen Entdeckung (personal narrativc, 
p. 396). Von der Küste geht ein enges, gewundenes Thal durch eine Reihe ,von Hügeln, die von aller 
Vegetation entblösst sind und von Kette zu Kette bis zu einer Höhe von 600 und 700 Fuss ansteigen, ins 
Lmere. Die tiefen und fast senkrechten Abstürze der Hügel zeigten in den engen Schluchten nichts als Sand 
und Geröll; bei circa 300 Fuss über dem Meere kommen aus dem lehmigen Grund, in welchen sie einge- 
bettet waren, die Aeste und Stämme von Bäumen zum Vorschein. Alles machte den Eindruck, dass der 
ganze Hügel aus Baumstämmen und Aesten bestehe. So weit die Ausgrabungen reichten, fand man zwischen 
dem Holz nur Lehm, und an manchen Stellen schien das vermoderte Holz allein den Boden zu bilden. Die 
«inen Stämme waren dunkelfarbig und weich und in einem Zustand halber Verkohlung oder lignitartig; 
andere waren ganz frisch und ihre Holzstructur vollständig erhalten, doch hart und dicht. An wenigen 
Stellen war das Holz blättrig mit Spuren von Kohle. Ein Stamm hatte 26 Zoll Durchmesser, ein anderer, 
der aufs Schiff gebracht wurde, bei 7 Fuss Länge einen Umfang von 3 Fuss. Andere Stücke waren 
schwerer als Wasser, obwohl sie ihre Holz struetur beibehalten hatten. Sie warcQ mit Eisen impregnirt (brown 
haematite) und hatten, angeschlagen, einen metallischen Ton. Die zahlreichen kleinen Bächlein, die aus dem 
Innern kommen, erzählt Armstrong, haben den Boden überfluthet und das Schwefeleisen, das sie enthalten, 
habe sich bei der Versteinerung des Holzes betheiligt. An derselben Stelle wurden viele Tannzapfen 
und einige Eicheln gefunden. 

Auf mehreren benachbarten Hügeln beobachtete Dr. Armstrong Lager von Holz, an welchem noch die 
Rinde zu sehen war, und Ausgrabungen stellten immer die Thatsaehe fest, dass die Hügel ganz aus Holz 
bestanden. Spätere Untersuchungen, welche einige Meilen weiter im Innern des Landes gemacht wurden, 
zeigten, dass dort dieselben Verhältnisse bestanden. Nach Armstrong hat der Verbreitungsbezirk dieser 



M Einen Bericht dieser Reise enthält: A personal narrative of the discovery of the North-West Passage, with numerous 
incidcnts of travel and aventurc during nearly five year's continous service in the arctic regions while in search of the expedition 
under Sir John Franklin, by Alex. Armstrong. M. D. London. 1857. Ferner : The Discovery of a North-West Passage by H. M. S. 
Invcstigator, Cap. Mac Clure, cdited by Captain Sherard Osborn, from Journals of Cap. Robert Le M. Mac Cluro. London. 
4. cdit. 18G5, und: Reisctagcbuch des Missionärs Joh. Aug. Miertsching, welcher als Dolmetscher die Nordpol-Expedition zur 
Aufsuchung Sir John Franklin'a auf dem Schiff Invcstigator begleitete. Gnadau. 1855. Vgl. auch meinen Vortrag über die Polar- 
ländcr. S. 15. 

2) Discovery of the North-West Passage, pag. 1G2. 



22 ArctiscL-amcrikanischcr Arcliipel. 

LignitLilclimg, so weit er bis jetzt ermittelt ist, einen Durchmesser von 8 — 10 Meilen. Die Lage der zuerst 
entdeckten und nahe an der Küste liegenden Holzhügel ist bei 74^ 27' n. Br, und 122 <> 32' 15" w. L. 

Aus dies(^n Berichten geht unzweifelhaft hervor, dass an der Nordwestseite des Bankslandes Holzablage- 
rungen von Ungewöhnlicher Mächtigkeit und Ausdehnung vorkommen. Es ist zwar zu bedauern, dass die 
Stellung dieser Ablagerungen zu den mehr nördlicher liegenden, aus Sandstein und Bergkalk bestehenden 
Hügeln, welche die Küste von der Colquhounspitze bis zur Mercy-Bai umsäumen, nicht bekannt ist, doch lassen 
die Beschaffenheit und Natur der Hölzer, sowohl wie die Tannzapfen und Eicheln, welche dort gefunden wurden, 
keinen Augenblick zweifeln, dass diese Holzhügel viel jünger sind und der tertiären Formation angehören. 
Eiclicln, die von so grossem Interesse wären, und von Dr. Armstrong und Miertsching von der Ballast-Bai 
erwähnt werden, sind zwar keine nach Europa gekommen, wohl aber Tannzapfen und Hölzer. Die erstem 
gehören einer Fichte an (Pinus Mac Clurii, Taf. XX. Fig. 16 — 18) und zwar einer Art, welche mit der 
nordamerikanischen P. alba nahe verwandt ist; ein zierliches Zweigstück (Pinus Armstrong!, Taf. XX. Fig. 19) 
rührt von einer Weisstanne her, unter den fünf Holzarten aber, welche Plerr Prof. Gramer einer sorgfältigen 
Untersuchung unterworfen hat, finden sich vier Nadelhölzer (nämlich Pinus M'Clurii, Cupressinoxylon pulchrum 
Gr., G. polyommatum Cr. und G. dubium Gr.) und ein Laubholz (Betula M'Glintocki Gr.). Wir erhalten sonach, 
abgesehen von den Eichen, die. wir bei Seite lassen müssen, da keine Früchte uns vorlagen, 6 Baumarten, und 
da jedes Holzstück eine andere Art darstellt, zeigt dies, dass diese Holzberge aus manigfaltigen Baumformen 
zusammengesetzt sind. Das Laubholz lässt nicht zweifeln, dass diese Formation nicht älter sein kann als die 
Ki-cide, die nahe Verwandtschaft aber der Pinus Mac Glurii mit lebenden Arten macht es sehr wahrscheinlich, 
dass sie jünger und zwar obertertiär sei. Es könnte nur in Frage kommen, ob sie nicht dem Diluvium ange- 
höre, allein die Verschiedenheit der Arten von den jetztlebendcn und das Vorkommen von Nadelliölzern mit 
zweireihigen Tupfein der PlolzzeUen (der Gupressinoxylon- Arten) spricht entschieden dagegen '). Ueberdies 
wissen wir ja, dass zur miocenen Zeit zahlreiche ähnliche Bäume in der arctischßn Zone zu Hause waren. 

Die Zapfen der Pinus Mac Glurii und das Zweigstück der Tanne sind von brauner Farbe, welche sie 
ohne Zweifel dem Eisen zu verdanken haben. Von den Stämmen zeigt das grosse Stück, welches Dr. Arm- 
strong (p. 397) erwähnt und das gegenwärtig im Dubliner Museum aufbewahrt wird, fast die Beschaffenheit 
frischen Holzes, während die andern versteinert sind. Von dem Birkenstämmchen hat Dr. Wartha einen 
kleinen Splitter chemisch untersucht. Das gelbbraune Pulver brauste mit Säuren auf und ergab als qualita- 
tive Zusammensetzung: Eiseuoxyd, Eisenoxydul, Manganoxydul, Kalkerde, Spuren von Magnesia, spectral- 
analytische Spuren von Baryt und Strontian, Wasser und in sehr geringer Menge Phosphorsäure und Kiesel- 
säure, ferner organische Substanz und Kohlensäure. Dr. Wartha erhielt in lOQ Theilen: 40,5 Eisenoxyd, 
21,5 Eisenoxydul, 1,4 Manganoxydul, 3,2 Kalkerde, 16,9 Kohlensäure und 16,5 Wasser und organische 
Substanzen. Es zeigt dies Holz eine ähnliche Zusammensetzung wie das versteinerte Holz von Atanekerdluk 
und ist als eine theilweise zersetzte sideritische Substanz zu betrachten. Dasselbe Aussehen hat auch das 
Holz der Gupressinoxylon-Arten. 

Es ist schwer zu sagen, wie diese Anhäufung von Holzstämmen entstanden sei. Dass sie nicht von 
Triftholz der Jetztzeit herrühren kann, geht ebensowohl aus der Lage des Fundortes wie aus der Natur der 
Hölzer hervor. Es könnte aber Triftholz der Tertiärzeit sein, welches damals sich an dieser Stelle abgelagert 
hat. Man müsste dann annehmen, dass damals das Land tiefer gelegen war und allmälig aus dem Meere 
aufstieg, während dieser allmäligen Hebung hätte sich das Holz hier abgelagert, (jregen eine solclie Annalmie 
spricht aber die Thatsache, dass solche Holzhügel nicht allein längs der Küste, sondern auch mehrere IMeilcn 
landeinwärts sich finden; wie auch die Erhaltung der Rinde an manchen Stämmen und das Zusannucn- 
vorkommen von Fruchtzapfen und Eicheln einer solchen Annahme nicht günstig ist. Viel wahrscheinlicher scheint 
mir, dass hier ein Süsswassersee gewesen sei und dass die Baumstämme in diesen zusammengeschwemmt 



*) Murchison betrachtet alle diese Hölzer der arctischen Zone als Driftholz der quartilren Periode (im Appendix zu Mac 
Clure's discovery of a North- West Passage. S. 304); er nimmt an, dass damals dies Festland unter Wasser gewesen und von 
Amerika aus grosse Holzmassen nach diesen Gegenden gelangt und zu Boden gesunken seien. Es ist nun allerdings sehr wahr- 
scheinlich, dass in dieser Zeit das jetzige Festland dieser Gegend unter Wasser stand, und es mögen manche Hölzer der arcti- 
schen Zone aus dieser und noch späterer Zeit herrühren. Allein die der Holzhügel der Ballastbai sind entschieden älter, und 
wenn Murchison sagt, es sei die Annahme, dass Bäume so hoch im Norden gewachsen seien, ganz unverträglich mit den bekannten 
Data, so beruht dieser Ausspruch auf der unrichtigen Annahme, dass diese Bäume posttertiär seien. Auch der von Capitän 
Belcher bei 75"/?° n. Br. beobachtete aufrecht stehende, mit Wurzeln veraehenc Baumstamm kann kaum zur Diluvialzeit dahin 
gekommen sein, denn in einem von Eisraassen erfüllten Meere werden die Baumstämme derart zerstossen und zersplittert, dass 
sie nicht in solchem Zustande in so hohe Breiten gelangen. 



Die Holzliügel des Bankslandes. 23 

und mit Letten und Geröll überschüttet wurden. Da diese Hügel mehrere hundert, ja wie Armstrong angiebt, 
bis 600 Fuss hoch sind, müssen diese Ablagerungen sehr lange gedauert haben. Später wären durch Aus- 
waschungen die tiefen Schluchten entstanden und die steil abstürzenden Abhänge, aus welchen nun die 
Baumstämme hervorragen. Das Wasser muss eisenhaltig gewesen sein, und dieses Eisen hat sich sehr 
wesentlich beim Versteinerungsprocess des Holzes betheiligt und spielt hier dieselbe Rolle, wie an andern 
Orten die Kieselsäure. Ob die Bäume in der Nähe gewachsen oder aus grosserer Entfernung hergeschwemrat 
worden, lässt sich nicht entscheiden, bei letzterer Annahme müsste einst das Banksland mit Nordcanada in 
Zusammenhang gewesen sein. Es ist letzteres allerdings wahrscheinlich, da aber der Süden des Bankslandes 
von 800—1000 Fuss hohen Kalkbergen, die einer vortertiären Formation angehören, umkränzt ist, könnte 
wenigstens über diese kein Fluss gekommen sein. 

Es erinnern diese Holzhügel in mancher Beziehung an den Lignit von Bovey Traccy in Devonshire. 
Dort haben wir ein 125 Fuss mächtiges Lager, das aus abwechselnden Schichten von Lignitcn, Thon und 
Sand besteht, deren 12 gezählt werden. Die Lignitschichten wechseln in Mächtigkeit von weni"-en Zoll bis 
auf 4 und selbst 6 Fuss und diese Lignite bestehen zum Theil auch aus dicken, vortrefflich erhaltenen 
Baumstämmen, deren Holz man frisch zum Theil mit dem Messer zerschneiden kann, und doch gehören sie 
dem Untermiocen an. 

Wir haben also an beiden Orten grosse horizontale Ablagerungen von wohl erhaltenen Baumstämmen, 
an beiden dazwischen Letten, der wahrscheinlich vom Fluss oder von Bächen in den See geschwemmt wurde, 
an beiden Orten sind die Stämme zum Theil noch von der Rinde bekleidet. In Bovey wurden in dem Letten 
zahlreiche Blattreste gefunden, aus welchen ich das geologische Alter dieser [Bildung ermitteln konnte. 
Auch im Letten der Holzhügel des Bankslandes würde man wahrscheinlich welche entdecken, wenn man 
darnach suchen würde, denn wir haben nicht zu vergessen, dass sie nur flüchtig untersucht werden konnten, 
pid dass man die Lignite von Bovey-Tracey 100 Jahre lang kannte und in zahlreichen Schriften beschrieben 
hat, und doch von dem Vorkommen der Blattabdrücke keine Ahnung hatte. Freilich ist kaum zu hoffen, dass 
die Ballast-Bai, dieser abgelegenste Winkel der Erde, je wieder besucht werde, denn zu Erledigung rein 
wissenschaftlicher Fragen werden, wenigstens in unserem Zeitalter, solche Reisen nicht unternommen. 

Eine ähnliche Lignitbildung wie auf Banksland scheint auch an der Südostseite der Eglington- und auf 
der Prinz Pati-ick-Insel vorzukommen; auf letzterer unter demselben Meridian, aber um zwei Grad weiter 
im Norden, nämlich bei 16^ 15' n. Br. Dort entdeckte Lieutenant Mecham im Frühling 1835 grosse 
Holzstämme, die in einen weissen Sand eingebettet waren. Einer war 30 Fuss. lang und hatte einen Um- 
fang von 4 Fuss ; ein anderer hatte einen Durchmesser von 2 Fuss und 10 Zoll ; sie waren dicht körnig 
und so schwer, dass er nur ein kleines Stück mitnehmen konnte. Aus der vortrefflichen Erhaltung der 
Rinde und aus der Lage dieser Stämme im Innern des Landes schliesst Mecham, dass sie unzweifelhaft im 
Lande selbst müssen gewachsen sein •). Auch Sir L. M'Clintock fand auf dieser Insel fossiles Holz und zwar 
bei der Giddy-Spitze (77 " n. Br,), eine Meile vom Strand entfernt und 140 Fuss über Meer (Reminiscences, 
S. 230); es waren aber nur kleine Stücke, und ob sie tertiär oder älter seien, bleibt dahingestellt. Ein von 
Lieutenant Pim von dieser Insel heimgebrachtes Stück Holz soll nach seiner mikroscopischen Structur dem 
der Pinus strobus sehr ähnlich sein, und ein anderes Stück aus der Hecla und Grimper-Bai (Älelville-Insel) 
brachte Prof. Quekett zur Lärche. Einen Föhrenstamra, der 30 Fuss über dem Seespiegel und bei 74° 59' 
n. Br. und 106° w. L. gefunden wurde, erwähnt auch Barry (Voyage for the (Discovery of the North- West 
Passage, p. 68) und einen aufrecht stehenden Stamm von Pinus, dessen Wurzeln sich über den Boden aus- 
breiteten, Capitän W. Belcher. Er sah ihn an der Ostseite des Wellington-Canals (bei 75° 30' n. Br. und 
92° 12' w. L.). So lange aber diese Hölzer nicht genauer bestimmt sind, lässt sich nicht entscheiden, welcher 
Zeit sie angehören. Dasselbe gilt von dem fossilen Holz, welches auf der Byam Martin-Insel gefunden wurde. 
Es soll zalilrcicliü und diclit stchoido Jahrringe besitzen. 

Die tertiären Holzbcrgc liegen im äussersten Westen des arctisch-amcrikanischcn Insclrciclics, aber 
auch im Osten dürfte eine tertiäre Formation vorkommen. Es sammelte Capitän Ross beim Admiralsvorgc- 
birgc, an der Südküste der Barrow-Strasse , am Strand bituminöse Schiefer und eisenhaltende Steine und 
etwa in 2/3 Höhe eines kleinen Kalkhügcls fand er Kohlen, welche dieselbe Farbe wie Braunkohlen haben 
und von Jamcson einer Jüngern Formation zugerechnet werden 2). 



*) The diacovory of a Nortli-West Passage. S. 163. 
2) Parry Journal. III. S. 145. 



2"^ Arctiscli-amcrikanisclier Archipel. 

Ueberblicken wir nochmals die geologischen Verhältnisse dieses arctisch-amerikanischen Inselreiches, 
ßo erhalten wir folgendes Profil : 

Diluvium. Granit- und Gneissblöcke. Auf der Melville-Insel und Banksland. Am Port Bowcn. 

Miocen. Holzhügel der Ballast-Bai im Banksland. Lignite der Prinz Patrick-Insel Versteinertes Holz von 

Byam Martins-Insel ? Kohlen der Barrow-Strasse ? 

Jura. Wilkie-Vorgebirg auf Prinz Patrick-Insel. Im Nordwest der Bathurst-Insel. 

Trias ? Exmouth-Insel. 

{ Berffkalk I G^inellland. Norden der Bathurst- und Melville-Insel. Osten der Prinz Patrick- 
„.,,,„ ,. J ' ' Insel. Nordküste des Bankslandes. Prinz Albert-Land. 

Steinkohlen-Formation ( ^ , ^ . ., ^ , , ^ 

1 bandstein mit j Süden der Bathurst- und Melville-Insel. Byam Martins-Insel. Süden der Eglinton- 

[ Steinkohlen. | Insel. Banksland. 

IOber- ! Nord-Devon. Cornwallis-Insel. Griffith-Insel. Cockburn-Insel. Nord-Someraet. Prinz 
I Royal-Inscl. König Williams-Insel. 
Unter- I ^^rd-Dcvon. Bellot-Strasso. Nord-Somerset. Bothia. Westküste von König Wil- 
) liams-Insel. 

Krystallinisches Gebirg. Osten von Nord-Devon. Westen von Nord-Somerset. 

Anf die krystallinische Grundlage (Granit und Gneiss), welche im Osten von Nord-Devon, wie ferner im 
Westen der Nordsomerset-Insel zu Tage tritt, wurde zuerst ein silurischer Kalkstein abgelagert, welclier 
besonders den südöstlichen Theil des Archipels einnimmt. Auf denselben folgt/^ein Kohlensandstein, welcher 
über die Parry -Inseln und das Banksland verbreitet ist und stellenweise Steinkohlenlager einsch liesst. Auf 
demselben liegt der Bergkalk, der im Norden der Parry-Inseln den Boden des Landes bildet, aber auc h die 
Nordküsten des Bankslandes einnimmt. Die Trias ist noch zweifelhaft, und auch der Jura tritt nur an einigen 
zerstreuten Puncten auf und die Kreide fehlt völlig, während die miocene Formation durch die Lignite des 
Bankslandes und der Prinz Patrick-Insel, vielleicht auch durch die versteinerten Hölzer von Byam Martin- 
Insel und die braunen Kohlen des Admiralvorgebirges repräsentirt ist. Aus den fossilen Pflanzen erfahren 
wir, dass schon zur alten Steinkohlenzeit hier Festland war, und die Sandsteine und Kohlenlager dürften 
das Areal dieser Festlandbildvmg bezeichnen. Ebenso muss zur Tc::tiärzeit Festland in dieser Gegend gewesen 
sein, auf welchem jene grossen Holzmassen sich abgelagert haben. Die tertiäre Formation, welche, wir 
zwischen Cap Bathurst und Cap Parry an der nordcanadischen Küste kennen lernen werden, setzte sich 
wahrscheinlich einst bis zum gegenüber liegenden Banksland fort *) und der amerikanische Continent hätte 
damals bis in diese hochnordischen Gegenden hinaufgereicht. Wir würden durch solche Annahme die Brücke 
erhalten, welche das gemeinsame Vorkommen einzelner Bäume in Nordgrönland und am Mackeuzie erklärt, 
indem diese Bäume zur miocenen Zeit wahrscheinlich über dieses ganze Land verbreitet waren und daher 
damals Nadelhölzer und Laubbäume Erdstriche bewaldet haben, welche jetzt unter ewigem Eis und Schnee 
begraben liegen und nur an den bestgelegenen Puncten einen dürftigen Anflug hochalpiner Vegetation 
erhalten. ,, 

Zur diluvialen Zeit scheint aber dies Land durch ein allgemeines Sinket) des Bodens eingebrochen und 
unter das Meer gekommen zu sein. Es hat Mac Clure auf der Spitze der Coxcomb-Bergreihe auf Banks- 
land in 500 Fuss Seehöhe die Cyprina islandica gefunden. Capitain Belcher sah bei 78 ^ n. Br. in beträcht- 
licher Höhe Reste eines Wallfisches, und in den Schluchten der Byam Martin-Insel wurden von Parry marine 
Muscheln (Venus) bei 75^ n. Br. beobachtet (Voyage, S. 61). Es sind ferner über diese Inseln eine Menge 
erratischer Blöcke verbreitet, welche aus anderen Gegenden gekommen sein müssen, wenigstens da wo sie 
im Innern und bedeutend über dem jetzigen Seespiegel gefunden werden. So sah M'Clintock auf der Melville- 
und Patrick-Insel Granit und Gneiss (Reminiscences, S. 218 u. 224), ebenso Dr. Armstrong auf dem Banksland, 
und nach Jameson stammen die bei Port Bowen vorkommenden Granitblöcke wahrscheinlich von dem 100 
Meilen entfernten Cap Warrender. Während dieser Zeit kann wohl eine theilweise Abspülung des frühern 
Festlandes stattgefunden haben. 



») Die Südspitze dieser Insel besteht allerdings aus Kalkfelscn, allein die nicdcrn Hügel längs der ganzen Westküste, die 
nicht näher untersucht werden konnten, sind vielleicht tertiär, denn das Aussehen des Landes bleibt sich dort (nach Armstrong, 
1>. U[)) gleich bis zum Point Colquhoun, wo es durch das Wicdcrauftrotcn der Kalkfelscn eich gänzlicli ändert. Das Innere der 
Insel ist unbekannt. 



25 

Drittes (tttpifc f. 
IVordcniiada. 

Eine wichtige Fundstätte nordischer fossiler Pfl.anzen wurde in Nordcanada am Mackenzic zwischen 
dem Fort Norman und dem Bürenseefluss , 10 engl. Meilen oberhalb seiner Einmündung in den Mackcnzie, 
bei 6b^ n. Br. entdeckt. 

Es wurden die Kohlen, welche mit diesen pflanzenführenden Gesteinen in Verbindung stellen, sclion 
im Jahr 1785 von Sir Alex. Mackenzic entdeckt, im Jalir 1825 von Sir J. Franklin und Dr. Richardson 
gesehen *), doch hat letzterer erst auf seiner zweiten Reise (1848), welche der Aufsuchung Franklins gewidmet 
war. Pflanzen von dieser Localität mitgebracht, dieselben in seinem Reisewerke 2) beschrieben und zwei Arten 
abgebildet, aber keine Deutung derselben zu geben versucht. 

Aus der ausführlichen Darstellung der Lagcrungsverhältnisse, welche Richardson (I. S. 186 u. f.) gicbt^ 
erfahren wir, dass die Kohle an der Luft in dünne Blätter zerspringt], im Uebrigen eine sehr verschiedene 
Beschaifenheit zeigt; sie enthalte viel Holzstämme, welche die Holzstructur noch deutlich erkennen lassen 
und nach Richardson, so weit sie untersucht wurden, von Nadelhölzern herrühren. In der Kohle kommen 
Selcnite, Krystalle und auch kleine Stücke Harz, vielleicht Bernstein vor. Diese Kohlen entzünden sich 
leicht und waren im Brand , als Mackenzie diese Gegenden besuchte. — Am IJfer des Bärenseeflusses sind 
1 — 4 übereinander liegende Kohlenlager zu sehen und die dicksten erreichen 3 Ellen Mächtigkeit. Diese 
Kohlenlager sind von Schichten von Nagelfluh (d. h. durch eisenschüssigen Thon verbundene Gerolle) oder 
Sandstein bedeckt. Etwa 10 Meilen oberhalb des grossen Bärenseeflusses liegt unmittelbar auf dem Kohlenbett 
ein Lager von Töpferthon, der durch einen Erdbrand gebacken wurde, so dass er wie feines, matt gelblich- 
weisses Porcellan aussieht. Li diesem gebrannten Thon liegen die Pflanzenblätter. Es spaltet derselbe in 
dünne Schichten , welche mit Blättern erfüllt sind , so dass auch liier , wie im rothbraunen Eisenstein Grün- 
lands, ganze Massen übereinander liegen, und die einzelnen Blätter in ihren Umrissen oft schwer zu bestimmen 
sind. Die Substanz der Blätter ist aber hier gänzlich verloren gegangen und wir haben nur ihre Abdrücke 
vor uns, welche aber in dem feinen, weissen Thon vortrefflich erhalten sind. Li dieser Beziehung verhalten 
sich diese Blätter ganz wie die der Alumbay auf der Insel Wight. Auch diese liegen in einem feinen, weissen 
Thon \Tnd haben nur die Abdrücke zurückgelassen, allein der Thon ist hier weich, weil nicht gebrannt, und 
kann im frischen Zustande mit dem Messer geschnitten werden, während der gebrannte Thon des Mackenzie- 
flusses sehr hart, ja theilweise glasig ist, so dass er selbst von einer Feile nicht angegriffen wird. 

Mit diesem Lignitlager ist stellenweise ein Pfeifenthon verbunden und oft. in unmittelbarer Berührung 
mit demselben. Er ist bis 1 Fuss mächtig, gclblichweiss , mild und soll gekaut einen haselnussartigen Ge- 
schmack haben. Dieser Thon wird bei Hungersnoth von den Eingebornen gegessen, aber auch zum Waschen 
der Kleider gebraucht. Richardson fand in demselben keine Spur von Infusorien. 

Diese miocene Kohlenformation erstreckt sich vom grossen Bärensee bis ^um Mackenziefluss ; sie tritt 
aber auch an zahlreichen Stellen am Fuss der Rocky Mountains (so bei Edmont 53 <> n. Br., 113" 20' w. L., 
am Sclavensee, am Smocky River, in Arkansas und am Ratonpass bei 37 <> 15' n. Br. und 104 "^ 35' av. L. und 
7000 Fuss ü. M.) auf, wie ferner auf Vaneouver und im Oregongebiet, von wo ich eine Zahl von miocencn 
Pflanzen beschrieben habe ^). Aber auch nach Norden dürfte sich dieselbe bis zur arctischen See ausdehnen. 
Es fand Richardson 1826 östlich vom Cap Bathurst bei Point Trail (bei 70" 19' n. Br.) die bituminösen 
Schiefer in Brand*). Der der Hitze ausgesetzte Thon war, wie der des Mackenzieflusses, Avie gebrannt und 
verglast, so dass der Ort einer alten Ziegelei glich. Es ist dies off'enbar dieselbe Stelle, welche ]\[ac Clure 
im September 1850 berührte und von welcher der Missionär Miertsching in seinem Tagebuch erzählt 5). Sic 
sahen am 4. September in 70" 6' n. Br. und 126" 35' w. L., zwischen Cap Bathurst und Cap Barry, grossen 
starken Rauch vom Lande aufsteigen, ebenso folgenden Tags bei 69" 51' n. Br. und 126" 18' w. L. Der 



') cf. Franklin narrative of a second expedition. S. 91, 92. 

2) J. Richardson arctic scarching expedition, a Journal of a boat-voyage through Ruperts Land and the arctic sea, in scarch 
of the discovery ships undcr command of Sir John Franklin. London 1851. II. S. 403. 

3) cf. TJebcr einige fossile Pflanzen von Vaneouver und British Columbien. Denkschriften der schweizer, naturforschenden 
Gesellschaft. 1865 

'0 Vgl. Narrative of a second expedition to the shores of the Polar sea in the years 1825—1827 by John Franklin. S. 231, 
und Richardson arctic expedition, I. S. 270. 

5) Reisetagebuch des Missionärs Aug. Miertsching, der als Dolmetscher die Nordpolexpedition zur Aufsuchung Sir John 
Pranklin'6 auf dem Schiff Investigator begleitete. Gnadau 1855. S. 45. Vergl. auch Dr. Armstrong, a personal narrative S. 203. 

4 



li 



26 Nordcanada. 

Besuch am Land zeigte, dass an 30 bis 40 starke Rauchsäulen durch verschiedene Risse aus der Erde 
kamen und rings herum einen starken Schwefelgeruch verbreiteten, so dass sie sich den Erdspalten nicht 
nähern durften. Wo der Rauch am stärksten war, schien die kochende Masse einem dicken Tei"-e ähnlich. 
Die Entzündung der Kolilen wurde Avahrschcinlicli durch die Scliwefelkiese derselben veranlasst woraus 
sich die Er/äldung Micrtscliings erklärt, dass die mitgenommenen Erdproben die Tasclicntüchcr ganz zcrfrosscu 
und in den mcIiüikm Muliagonitisch des Oapiliins Löclicr eingebrannt haben, indem sie walirnchoinlieh mit 
»Sc,li\vt'rt'l;(i!,iir(i p;»U.i'iliilU. w.u't'ii •). 

Kh inl. Hrhc AV.'ilirHclieinlieli, dasH eine genauoro UntcrHiiclmng der (JcHteino, Wolclio diese, die IhMlIiriindo 
veranhvsHcndcn, Kolileu umgeben, auch rilanzenrestc zu Tage; fördern würde. Zur Zeit aber kennen wir aus 
dieser weit verbreiteten und tief in die aretlschc Zone hineinreichenden miocenen Formation nur die von 
Kichardson aus der Gegend des Bärensee's mitgebrachten Pflanzen und müssen vor der Hand uns von diesen 
ein Bild von der Flora dieses alten Landes zu verschaffen suchen, so weit dies aus der freilich noch sehr 
geringen Zahl der deutbaren Arten möglich ist. Wir erblicken unter denselben (abgesehen von der noch 
zweifelhaften Platane) 4 Arten, die auch in Nordgrönland vorkommen, nämlich Sequoia Langsdorfii, Populus 
Richardsoni, P. arctica und Corylus Mac Quarrii, von welchen zwei auch unserer miocenen Schweizerflora 
angehören. Diese 4 Arten, denen wir in dem Glyptostrobus europaäus Br., der Grönland zwar fehlt, dagegen 
aber in der europäischen Tertiärflora eine sehr wichtige Rolle spielt, noch eine fünfte beifügen können, 
beweisen, dass diese nordcanadische Kohlenformation miocen ist. Da ich in Vancouver, am Oregon und noch 
an ein paar Stellen der Rocky Mountains dieselbe Sequoia Langsdorfii nachgewiesen habe, haben wir wohl 
zu beiden Seiten des Felsengebirges ein weites miocenes Land, das im Norden bis zur jetzigen arctischen 
See hinaufreicht. Die relativ grosse mit Grönland gemeinsame Artenzahl lässt nicht zweifeln, dass dieses 
gleichzeitige Bildungen sind. 

Dass diese Kohlenbildung bis in den äussersten Nordwesten Amerika's sich erstreckt, ersehen wir aus 
dem Vorkommen einiger miocenen Pflanzen auf den Aleuten, das Herr Prof. Goeppert nachgewiesen hat. Es 
kommen dort nach seinen Mittheiluugen 2) auf der Halbinsel Alaschka und den benachbarten aleutischen 
Inseln Kadjak, Uyak, Atha und Hudsnoi, bei etwa 59 *• n. Br., meistens in der Nähe von Ligniten, folgende 
Pflanzen vor: Sequoia Langsdorfii, Taxodium dubium, Salix varians, S. integra Gp. , Populus balsamoides, 
Alnus pseudoglutinosa Goepp., Juglans acuminata, Pliragmites oeningensis und Oamunda Doroschkiana Gp. 

Es liegen zwar diese Localitäten um 7 Grade südlich des Polarkreises, zeigpn uns aber doch eine sehr 
ähnliche Vegetation, wie die miocenen Polarländer und bilden das Bindeglied zwischen der Flora des 
Mackenzie und von Vancouver und Oregon, wie westwärts mit der miocenen Flora Asiens, indem in Kamtschaka 
Kohlen mit Bernstein und fossilen Hölzern (Cupressinoxylon Breverni Merkl.) gefunden werden und Ermann 
von da (von der Mündung des Teijils) einige fossilen Blätter heimbrachte, welche Goeppert als Juglans 
acuminata, Alnus Kefersteinii, Taxodium dubium und Cai'pinus bestimmt hat. 



TTicctcsCapitcf. 

Island. 

In derselben geographischen Breite wie am Mackenzie sind in Island fossile Pflanzen gefunden worden. 
Die südlichste Fundstätte ist etwa zwei Breitegrade vom Polarkreise entfernt, die meisten Fundorte liegen 
aber zwischen dem 65^^®" und 6Q^^^^ Grad n. Br., sind also demselben sehr nahe. Die Pflanzen treten, wie 
in Grönland und am Mackenzie, in Verbindung mit Kohlen auf, welche hier unter dem Namen von „Surtur- 
brand" 3) bekannt sind. Es hat derselbe die grösste Aehnliehkeit mit der schieferigen Bravmkohle des Nieder- 
rlieins und des Rhöngebirges. Er lässt sich (wenigstens der Surturbrand von Brjamslaeck) auch in dünne, 



1) Es gaben diese Erdbrände zu der Annahme Veranlassung, dass in jener Gegend Vulcane seien, welche auf manchen 
Karten dort verzeichnet sind, so auf der Karte des arctischen Archipels, welche Brandes seinem Buche: Sir John Franklin, die 
Unternehmungen für seine Rettung und die nordwestliche Durchfahrt (Berlin 1854), beigegeben hat. 

2) Vgl. Uebcr die Tertiärflora der Polargegenden. Abhandlungen der schlesisch. Gcsellsch. 1861. 11. «. 201, u. 1867. S. 50. 

3) So wird das Wort von den neuern Reisenden (Krug von Nidda und Dr. Winkler) geschrieben. Eggert Olafsen dagegen, 
nennt diese Kohlen bald „Sturtarbrandur" (Reise durch Island. I. S. 80), bald „Surtarbrand", auch Ibenholz, Olavius aber „Surter- 
brand" (Reise durch Island. S. 410 1. 



Fundorte fossiler Pflanzen. 27 

ja selbst papierdünnc Schichten spalten nnd die stark zusammengedrückten Blätter sind ebenfalls flach aus- 
gebreitet und heben sich öfter, wie schon Olafsen dies angiebt, durch weisse Farbe zierlich von dem braun- 
schwarzen Gestein ab, ganz wie wir dies bei den Blättern von Kaltennordheim , Eisgraben u. a. St, sehen. 
Zuweilen aber haben sie die schwarze Farbe des Gesteins angenommen und sind dann schwer in ihren 
Umrissen zu verfolgen; diese ähneln ganz den Blättern von Sieblos an der Rhön. Sehr allgemein kommen 
im Surturbrand Baumstämme vor, die eine beträchtliche Länge und Dicke besessen haben; sie sind immer 
platt gedrückt und horizontal gelagert, daher Olavius die sonderbare Meinung äussert, „diese Bäume müssen 
wagrecht gewachsen sein, aber mit den aufrecht stehenden einerlei Fortpflanzungskräfte gehabt haben." Es 
sind mir folgende Fundstätten fossiler Pflanzen bekannt geworden : 

1. Brjamslaeck (auf der Karte von O. N. Olsen als Brjanslaekr bezeichnet) am Bardaströnd im 
Nordwesten der Insel, bei circa Gö'/z^ n. Br. und circa 23^ w. L. Gr. Schon Olafsen hat das Vorkommen des 
Surturbrandes an dieser Stelle ausführlich beschrieben (Reise durch Island, I. S. 219). Wie er angiebt, liegt 
er in vier Lagen in den horizontal gelagerten Klippenfelsen, welche Lagen 2 — 4 Fuss INIächtigkeit haben. 
Die zweite Lage von oben spaltet in ganz dünne Schichten, welche mit Blättern erfüllt sind, von Avelclicn 
nach Olafsen die Eichen, Birken und Weiden zu unterscheiden seien. Diese Lithophyllen seien deutlicher 
in ihren feinen Nerven erhalten, als ein Maler sie zeichnen könnte; ja es lassen sich solche papier- 
dünnen Blätter ablösen. Diese Kohlenlager sind von Felsen bedeckt, welche einen 750 Fuss hohen Berg 

bilden. 

Die Sammlung des Herrn Prof. Steenstrup enthält von dieser Stelle 14 Arten. Der Hauptbaum war 
die Sequoia Sternbergi, von welchem Zweige und Zapfendurchschnitte gefunden wurden, dazu kommen 4 
Pinusarten (P. Steenstrupiana , P. microsperma, P. asmula und P. braehyptera) , eine Birke (B. prisca), eine 
Erle (A. Kefersteini) , eine Ulme (U. diptera) , ein Ahorn (A. otopterix) , eine Eiche (Quercus Olafseni) , der 
Tulpenbaura, die Isländer- Weinrebe, ein Kreuzdorn (Rhamnus Eridani) und ein Nussbaura (J. bilinica). Bei 
diesen Pflanzen fand sich eine kleine Käferflügeldecke (Carabites islandicus), welche zeigt, dass auch Insecten 
diesen Wald belebt haben. 

2. Hredavatn bei 64® 40' n. Br. im Westen der Insel, südlich vom Paulaberg im Borgarfjords Syssel. 
Nach Olafsen (Reise, I. 80) ist der Surturbrand hier 2 Fuss dick, zähe und schwarz und kann polirt werden i). 
Die Pflanzen, welche mir aus dieser Gegend vorlagen, waren nicht aus dem Surturbrand, sondern finden 
sich in einem weichen, gelblichweissen Tufl:'. Nach Herrn Dr. Winkler ist derselbe in einem seichten Wasser- 
graben anstehend, der auf einem Hochplateau liegt. Man gelangt zu demselben von Nordrathai aus in circa 
1200 Fuss Höhe über Meer und 800 Fuss über dem Thalgrund. Hier sah Herr Winkler besonders grosse und 
schöne plattgedrückte Baumstämme; ein Ast, den er mir zusandte, gehört einer Birke an. Diese Birken 
scheinen da häufig gewesen zu sein, da auch Blätter, Früchte und Deckblättei; gefunden wurden, welche 
drei Arten anzeigen (Betula macrophylla, B. prisca und B. Forchhammeri) ; dazu kommen 5 Pinus-Arten 
(P. thulensis, P. Martinsii, P. microsperma, P. Steenstrupiana und P. Ingolfiana), eine Eiche (Q. Olafseni), 
eine Erle (Alnus Keferseinii), eine Planera, ein Ahorn und einige Halbgräser (Carex rediviva) und Cyperites 
islandicus und nodulosus); aber auch Platanus aceroides Gp. ? und Caulinites borealis stammen wahrschein- 
lich von derselben Stelle. 

3. Laugavatsdalr; die nähere Lage dieser Fundstätte habe nicht in Erfahrung bringen können. 
Die Pflanzen liegen in einem ähnlichen weissgelben Tuff wie die von Hredavatn. Von hier erhielt ich von 
Prof. Steenstrup die Ulmus diptera, Corylus M'Quarri und Pinus Steenstrupiana. 

4. Sand afeil (Sandberg), so heisst ein niederer Bergstock, eine Meile südhch vom Kirchort Abaer 
im Austadair welches Thal von Norden her tief ins innere Hochland einschneidet, 8 dänische Meilen von 
der Küste des Skagafjord entfernt. Die Stelle liegt also im Norden von Island (bei circa 65 » 20' n. Br.) 
und ist etwa 1000 Fuss ü. M. Herr Dr. Winkler fand hier in einem gelblichweissen Tuff einige Pflanzen- 
reste, von denen ein schönes Birkenblatt (B. prisca) bestimmbar war. Winkler fand hier keinen Surturbrand, 
indess kommt solcher nach Olafsen im Skagafjord vor und in der Schlucht von Hofgil beim Hoff (circa ßG^ 
n. Br.) soll er in 3 Lagen über einander liegen und 3 Fuss Mächtigkeit haben. 



') Die Herren Robert und Gaimard übergaben dem Museum in Paris einen Tisch, der aus Lignit dieser Stelle gefertigt war. 
Der Stamm hatte einen Durchmesser von 0,650 Meter, während die dicksten lebenden Stämme, welche sie auf ihrer Ecise durch 
Island fanden, nur 0,203 Meter Durchmesser hatten. Vgl. Robert in dem grossen von Gaimard herausgegebenen Reisewerk. S 47. 
Robert meint, der Surturbrand dieser Gegend, dessen Höhe über Meer er zu 163 bis 195 Meter schätzt, habe sich einst aus Treib- 
holz in einer Meeresbucht abgelagert. 



28 Island. 

5. Husawik und Gaulthvamr. Im Nordwesten von Island liegt eine nur durch einen schmalen 
Landstreifen mit dem Hauptlande zusammenhängende Halbinsel, welche durch überaus zahlreiche und weit 
ins Land hineinreichende Fjords tief zerschnitten ist. Im Nordosten bildet einen solchen Fjord der von 
Steingrims. An demselben fand Dr. Winkler an zwei Stellen Surturbrand und fossile Pflanzen, nämlich 
in Husawik (Hausbucht) und in Graul thvamr. In Husawik, an der Südküste des Fjord bei ßb^ 40' 
n. Br. und 30 — 40 Fuss über Meer , bestehen die kohlenführenden Gebilde •) aus sandigem Tuff , thonigem 
Sphffirosiderit (zu unterst in Knollen) und Surturbrandkohle. Sie sind von grobkörnigem, dunkelgrünem 
Trapp überlagert. Die hell leberbraunen, von einer dunklen Rinde umgebenen Sphserosideritknollen haben 
einen flachmuscheligen Bruch und enthalten die Abdrücke von Blättern , unter denen die mit einem 
Pilz besetzten Blätter einer Birke (Betula prisca) , die Erle und Dombeyopsis islandica zu erkennen 
waren; 

Auch in Gaulthvamr, einem Hof der an der Nordküste des Fjord im Hintergrund eines Querthaies 
des Steingrimsfjord und einige hundert Fuss über Meer liegt, sind die Pflanzen in Knollen solchen Eisen- 
steines, welche der Tuff umgiebt. In demselben fanden sich: Sparganium valdense, Equisetum Winkleri, 
Acer otopterix (ein Blatt mit Pilzen), Salix macrophylla und Rhus Brunneri. 

Es ist noch an verschiedenen Stellen der nordwestlichen Halbinsel Surturbrand nachgewiesen worden, 
der nach Dr. Winkler überall in Verbindung mit Tuffen und Trappgesteinen auftritt, so in der Schlucht 
von Gunursstadargil (etwa 500 Fuss ü. M.) und auf dem Wege nach Bair am Ausgang des Steingrimsfjord, 
wo er zwischen massigem Trapp liegt (vgl. Winkler Island. S. 143). Das Surturbrandlager ist wahrscheinlich 
über die ganze Landeinschnürung verbreitet, welche die nordwestliche Halbinsel von dem Hauptlande trennt, 
denn es findet sich auch an der dem Steingrimsfjord gegenüberliegenden Westküste, wo Olavius (Reisen S. 455) 
im Hintergrund des Berufjord, am Berg Skirdalsbrun (bei circa 65V2*^ n. Br.) dasselbe nachgewiesen hat. Es 
liegen dort mehrere, durch weissen, weichen Tuff getrennte Bänder von Surturbrand, welche durch den 
Berg hindurchzugehen scheinen, indem sie an verschiedenen Seiten desselben zu Tage treten. Noch mäch- 
tiger sollen die Surturbrandlager im äussersten Nordwesten der Halbinsel, an den Küsten von Gränahlid 
und Stigalid sein, also innerhalb des arctischen Kreises, und nahe an diesem Kreise hat Prof. Steenstrup 
mächtige, noch mit Rinde bekleidete Baumstämme beobachtet. , 

Diese Zusammenstellung zeigt uns, dass die meisten Stellen, wo Pflanzenreste und Surturbrand vor- 
kommen, im Westen der Insel liegen, der östlichste Punct mit erkennbaren Pflanzen ist Sandafell. Allerdings 
fanden Robert und Dr. Winklcr mit Surturbrand verkohlte Pflanzenreste auch in den steil abgerissenen 
Küstenfelsen bei Halbjarnarstadir, 3 Stunden nördlich der Handelsstation Husawik im Nordostlande (circa 
6ß^ n. Br.), doch sind es unbestimmbare Reste von Zweigen. Sie sind in einem Tufflager, unter welchem 
eine Menge von trefflich erhaltenen fossilen Muscheln vorkommen, die Robert (voyage S. 54) für modern 
erklärt, während Dr. Winkler sie für pliocen hält. Es giebt ferner Olafsen an verschiedenen Stellen im 
Norden von Island (so an der Seeküste von Tiornäs und bei Skaalevig (Reise IL S. 28) Surturbrand an, 
der weithin an der Küste zu verfolgen sei und 4 — 5 Lagen von 1 — IV2 Fuss IVIächtigkeit bilden soll, und 
Robert nennt das Lager von Vapnefjordr im Hintergrund der Bai von Virki (circa 653/4" n. Br.) das be- 
rühmteste von ganz Island 2), aber Blätter sind bis jetzt in diesen Gegenden nicht gefunden worden. Aus 
dem Innern der Insel und dem ganzen Südosten sind keine Pflanzenreste bekannt. Diese Theile Islands sind 
freilich noch wenig untersucht und zum Theil auch ganz unzugänglich, so namentlich die Südostseite der 
Insel, die mit ungeheuren Gletschern (Jokülls der Isländer) bedeckt ist. 

Es findet sich der Surturbrand in sehr verschiedener Höhe; in Vindfell am Vapnefjord soll er nach 
Olavius (Reisen S. 412) sogar unter das Meeresniveau hinabreicheu , während er bei Husawik 30 — 40 Fuss 
und im Gunursstadargil 500 Fuss ü. M. liegt. Ob er ursprünglich in einem Niveau gelegen hat und dieses 
erst durch Hebung oder Senkung verrückt worden, oder ob diese Verschiedenheit eine ursprüngliche sei, 
lässt sich zur Zeit nicht sicher entscheiden, doch ist letzteres wahrscheinlicher. 

Ueberall, wo man bis jetzt in Island fossile Pflanzen und Surturbrand gefunden hat, sind sie von Tuft' 
und Trappgesteinen umgeben und zeigen sonach dasselbe Vorkommen , wie in Grönland. Hier ruhen diese 



») cf. Dr. Winkler Island, der Bau seiner Gebirge und dessen geologische Bedeutung, München 1863. S. 138. 

2) Rol)ert sagt (voyage S. 52), es sei das Lager durch seine schwärzliche Farbe schon von Weitem zu erkennen, lial)e eine 
Ausdehnung von etwa 110 Meter bei 12 Meter Höhe und bestehe aus zahlreichen, im Ganzen horizontalen, nur leicht wellig 
gebogenen Schichten; sei umgeben von einem pöridotito cellulaire, der in dicke Säulen getheilt sei. Ein Lignitstamm hatte einen 
grössten Durchmesser von 1,05 Meter und war ohne Rinde wie das Treibholz. 



Miocene Flora. 



29 



auf krystalliuischen Felsmassen (Gneiss) auf, während in Island nirgends solche zu Tage treten, j\Ian kennt 
ausser den Tuften und basaltischen, dunkelfarbigen, pyroxenischen Trappgcbilden nur hellfarbige feinkörnige 
Trachyte, -welche am Aufbau der Insel sich bethätigt haben. Ueber die Zeit, zu welcher diese Felsmasscn 
abirelaQ'ert wurden, haben wir die Pflanzen zu berathen, welche sie umschliessen. Von den 41 Pflanzenarten 
Islands, welche in diesem Werke beschrieben sind, sind 18 als miocen bekannt und hatten zum Thcil zu 
dieser Zeit eine grosse Verbreitung, wie aus folgender Zusammenstellung erhellt. 



Island. 



1. Rhytisma induratum Hr ? 

2. Sequoia Sternbergi Gp. sp. 

Brjamsl. 

3. Pinus micrnspcrma Hr. 

Brjamsl. Hredav. 

4. Sparganium valdense Hr. 

Gaulthv. 

I 5. Salix niacrophylla Hr. 
Gaulth. Hredav. 

I 6. Alnus Kefersteinü Gp. 
Hredav. Husav. 



7. Betula macrophylla Gcepp. sp. 
Hredav. 

8. Betula prisca Ett. 

Öandaf. 

y 9. Corylus Mac Qunrrii Forb. sp. 
-' Laugav. Hredav. Brjamsl. 

10. Fagus Deucalionia Ung. 
Brjamsl 

\ 11. Quercus Olafscni Hr. 
h Brjamsl. Hredav. 

I 12. Planera Ungeri Ett, 
Hredav. 



13. Platanus aceroides Gcepp. 
Hredav. 



14. Liriodendron Procaccinii Ung. 
Brjamsl. 

I 15. Acer otopterix Gp. 

i Br. Gaulth. Hredav. Tindorf. 

IG. Rliamiius Eridaui Ung. 
Brjamsl. 

i 17. Rhus Brumicri F. O. 
Gaulth. 

18. Juglans bilinica Ung. 
Brjamsl. 



Schweiz. 



Hohe Rhonen. 
Oeningen. 

Locle. 

Monod. 

Hohe Rhone. Eritz. 

Monod. 



Deutschland. 
Oestreich. 



Hajrhig Sotzka. Monte 
Promina. Bilin.. 



Schottland. 

Frankreich. 

Italien. 



Chiavon Salzedo. Zo- 
vencedo. Turin. Su- 
perga. Senegaglia. 



Cadibona. 



Arctische Zone. 



Hohe Rhone. 



Monod. Rothen- 
thurm. H. Rhone. 
Eritz. Lausanne. 
St.Gallen. Schang- 
nau. Locle. Schrotz- 
burg. Oeningen. 

Schrotzburg. Oenin- 
gen 

Eritz. Schrotzburg. 

Oeningen. Elgg. 



Eritz. St.Gallen 
Tculen. Alhia. Ucr- 
lingcn. Schrotzburg. 

Monod. Rufi. Hohe 
Rhonen. Laupen. 

Horw. Monod Eritz 
Lausanne Schrotz- 
burg. Oeningen. 



Wienerbecken sarmat. 
Stufe. 

Danzig. Salzhausen 
Sieblos. Rhön Sagor 
Bonnerkohlen Wester- 
wäld. Dilin. Wien. Par- 
schlug. Swoszowice. 
Erdöbenye 

Öehossnitz. Sarmatische 

Stufe des "Wiener- 

- beckens. Ochsenwang 

Rhön. "Wienerbecken 
Congericn- u. sarma- 
tische Stufe. 



Rhön. Parschlug. Put- 
schirn 



Hsering. Sotzka. Bonn. 
Rhön. Bilin. Köflach. 
Parschlug. "Wiener- 
becken Günzburg 
Schossnitz. 

Schossnitz. "Wiener- 
becken. Siebenbürgen 



Prevali. Stricse in 
Schlesien. Bonner- 
kohlcn. 

Sotzka. Radoboj. Glci- 
chcnbcrg. Kempten. 



Cadibona. 
Arnothal. 



Senegaglia. 



Sotzka. Bilin. "Wien 
Swoszowice. Tokay. 
Gleichenbcrg 



.Menat. Insel Mull. 



Guarene. Senegaglia. 



Guarene. Novale. Sar- 
zanello. Senegaglia. 
Montajone. 



Piemont. Mt. Bamholi. 
Arnothal. Montajone, 
Senegaglia. Insel Mull. 

Senegaglia. 



Guarene. Cadibona. Se- 
negaglia. 



Cadibona. Novale Sar- 
zancllo. Senegaglia, 
Montajone. 



Spitzbergen ? 
Spitzbergen. 



Grönland. Mackenzie. 
Spitzbergen. 

Grönland. Spitzbergen. 
Grönland. Mackenzie. 
Grönland. 



Grönland. Mackenzie. 
Spitzbergen. 



Grönland. 



Aus dieser Uebersicht geht hervor, dass die sämmtlichen oben besprochenen Localitäten Islands miocen 
.ind, und es ist wohl kaum daran zu zweifeln, dass wenigstens die tiefern Surturbrandlagcr sämmhch zu 
dieser Zeit sich gebildet haben. Die mit dem übrigen Europa gemeinsamen Arten vcrtheilcn sich der Art auf 
die verschiedenen Stufen der miocenen Formation, dass eine nähere Zeitbestimmung nicht mit voller Sicherheit 
.gegeben werden kann. Da das Sparganium valdense, PJius Brunneri und Sequoia Sternbcrgi ausschliessl.eh 
Wer doch vorherrschend im Untermiocen gefunden werden, ist es wahrscheinlich, dass Brjamslaeck und 



30 Island. 

Gaulthvamr dem Untermiocen angehören, während Hredavatn Obermiocen sein dürfte, da die Betuha macro- 
])liylla bis jetzt erst in dieser Abtheilnng beobachtet worden ist. — Bedeutend jünger ist die Abhagerung 
mit marinen Mollusken im Halbjarnarstadir. Dr. Winkler hat hier 24 Arten gesammelt, welche nach seiner 
Bestimmung der altern Pliocenformation (dem imtern Crag) angehören und ein Meer andeuten, das eine 
ähnliche Temperatur gehabt habe, als das jetzige der schottischen Küsten '). Nach Prof. Steenstrup kommen 
in Island noch jüngere Ablagerungen vor, welche Pflanzenreste einschliessen , die der jetzigen Vegetation 
von Island angehören, wie denn auch noch in unserer Zeit durch vulcanische Ausbrüche und die damit 
verbundenen Ueberschwemmungen und Schlammbildungen dieser Process der Umhüllung von Pflanzen ver- 
anlasst werden kann. Die Vorstellung, dass die Pflanzen durch die vulcanischen Tuffe und Laven in Kohle 
verwandelt werden, ist eine ganz irrige, wie die schön erhaltenen Blätter, die im Tuif des Aetna bei Fasano ~)y 
am Vesuv und in St. Jorge und Porto da Cruz in Madeira ^) gefunden werden , beweisen. Diese sind nicht 
verkolilt, weil die vulcanischen Tufl'e sie nicht im glühenden Zustand umhüllt haben, während dies allerdings 
au andern Stellen (so an der Pontinha bei Funchal in Madeira) der Fall ist, wo ich mit meinem Freunde, 
Dr. Härtung, in Holzkohle verwandelte Zweige in dem imter dem Basalt liegenden Tuffe gefunden habe. 

Der Surtnrbrand ist sehr wahrscheinlich aus Torf, und da, wo er grossentheils aus Baumstämmen bestellt, 
aus zusammengeschwemmtem Holz entstanden. Mit Kecht sagt daher Dr. Winkler (Island S. 301), dass 
damals Island Trockenland gewesen sei, indem die Beschaffenheit der Pflanzen einem weiten Wassertransport 
widerstreitet. Die Hölzer könnte man allerdings als Treibholz aus der Ferne kommen lassen , allein Avie 
Avollte man erklären, dass bei den Zweigen der Sequoia Sternbergi die Fruchtzapfen liegen, bei den Blättern 
der Birken die kleinen Samen und an derselben Stelle auch die Deckblätter, bei den Ahornblättern die 
Früchte, dass die Blätter zum Theil so wohl erhalten sind, dass auch die kleinen punctförmigen Pilze, die 
auf ihnen sich angesiedelt haben, noch zu sehen sind, dass nicht nur die Blätter von Nadelhölzern und 
Laubbäumen, sondern auch von krautartigen Gewächsen vorkommen, und dass bei einem derselben (bei 
Sparganium, Taf. XXV. Fig. 1) auch die Früchte sich finden! Dazu kommt für Brjamslaeck die Flügeldecke 
eines kleinen Käferchens, das auf dem Lande gelebt haben muss. 

Dieses Zusammenvorkommen von verschiedenen zarten Organen dei'selben Pflanze und die Art ihrer 
Erhaltung, Avie anderseits der gänzliche Mangel an McerbeAVohnern im Surturbrand und dem denselben um- 
gebenden Gestein bcAveisen, dass dieses Gebilde nicht auf dem Meeresgrund entstanden sein kann. Der Surtur- 
brand hatte sicher dieselbe Entstehung AA'ie der Kohlen der Schweizer-Molasse, der Rhön, der Wetterau und hundert 
ähnlicher Localitäten, Die in Torf verAvandelten Pflanzenablagerungen Avnrden zeitweise von Schlammmassen 
bedeckt, Avelclie in Island ihr Material wahrscheinlich von vulcanischen Ausbrüchen erhalten haben und nun 
die Tuffe bilden, die sie umhüllen und die stellenweise (so in Hredavatn, Sandafell und Laugavatsdalr) allein 
deutliche Pflanzenreste enthalten. Sie können zusammengesschwemmt sein in ähnlicher Weise wie die Tuffe, 
welche am Aetna die Blätter von Eichen, Lorbeer-, Myrten- und Mastixbäumen enthalten. Diese Tuffe Avurden 
von mächtigen basaltischen Gebilden, von dem sogeannten Trapp bedeckt, welcher aus dem Erdinnern hervor- 
brechend, nun mit dem Trachyt das feste Gerüste der Insel bildet. Von miocenen marinen Pflanzen und Thieren 
ist auf Island nirgends eine Spur gefunden Avorden, erst mit dem Pliocen treten an einigen Avenigen Küstenpuncten 
(in Halbjarnarstadir, Fossvogr und Arnabäuli) Meeresconchylien auf. Wenn daher Krug von Nidda, Sartorius 
von Waltershausen und auch Dr. Winkler die Bildung der Tuffe, Trappe und Trachyte unter dem Meeres- 
spiegel vorgehen lassen , so können sie sich allein auf die grosse Gleichförmigkeit dieser Ablagerungen 
stützen, zu deren Hervorbringung die Seebedeckung von denselben für notliAvendig erachtet Avird. Ob dieser 
Grund Avirklich so zwingender Natur sei, vermag ich nicht zu beurtheilen, das aber ist sicher, dass bei 
solcher Annahme eine grosse Senkung stattgehabt haben müsste, durch Avelche die Insel Avieder unter ^Mcer 
getaucht Avurde, um dann später aufs Neue aus demselben aufzusteigen. Wir lassen dies dahingestellt, müssen 
aber darauf aufmerksam machen, dass an verschiedenen Stellen mehrere Lager von Surturbrand über ein- 



») Robert führt von da an (S. 54) : Cyprina islandica, Mya arenaria, Natica clausa, Tellina sellidula, T. tenuis, Solen vaginn, 
S. ensis?, welche nach seiner Versicherung noch in derselben Gegend leben, während das viel vollständigere Verzcichniss von 
Dr. Winkler (S. 200) mehrere Arten enthält, die jetzt erloschen oder doch nicht mehr dort gefunden werden Robert sucht nacli- 
zuAvciöcn, dnss Island in relativ später Zeit noch gehoben worden sei ,an der Ostseitc um 33 Meter) und führt dafür eine Zahl 
von Fimdstütteii mariner Thierc über dem jetzigen geeniveau an, so in der Bai von Fossvogr, an der Küste von Ilval, bei 
Geithamvar und Ilnlbjarnarstadir, hat aber wohl ältere pliocenc und jüngere Ablagerungen mit einander vermengt. 

2) Vgl. Lyell on Lavas of mount Etna, philos. transact. 11. 1858. i*. 77G. 

^) Vgl. Lyell Clements of Gcology. S. C42. Härtung geologische Beschreibung von Madeira und Porto Santo. 137. 



Entstehung der Insel. 31 

ander liegen und durch Tutfschichten von einander getrennt sind, und dass jedenfalk eine Bedeckung der- 
selben vor ihrer Versenkung angenommen werden müsste, weil diese weichen Tuff- und Torfmassen sicher- 
lich sonst von der Brandung weggeschwemmt worden wären, wenn sie nicht eine feste, sichernde Decke 
gehabt hätten. Mir scheint es daher viel wahrscheinliclier , dass alle mioccnen Ablagerungen Islands supra- 
marin seien und erst zu Ende der Tertiärzeit einzelne Theile der Insel ins Meer versanken *). 

Anders denkt sich freilich Herr Dr. Winkler die Entstehung der Insel. Als eifriger Neptunist macht 
er den Versuch, auch diese Insel aus reinen Meeresniederschlägen zu erklären. Es giebt Herr Winkler zu, 
dass Island „vor vielen Ländern das Anrecht für eine durch und durch vulcanische Insel angeselien zu 
werden habe, und gesteht^ dass sie durch die Uniformität und Allelnherrscliaft der Masse, welche in grösster 
Aehnlichkeit erscheine mit jener, welche durch die fortwährende Vulcauenthätigkcit noch immer zu Tage 
komm'e, ein überwältigendes Prästigium für diese Theorie besitze." Wir stimmen diesem völlig bei und 
müssen gestehen, dass die Gründe, welche er für seine Ansicht vorbringt, uns sehr schwach und zum Theil 
sich selbst widersprechend scheinen. Er stützt sich voraus darauf, dass die Gängfüllungen keinen Einfluss 
auf die Wände der Spalten, welche sie passirt, ausgeübt haben und sieht dies a.Is einen Beweis an, dass die 
Masse nicht in feurig-flüssigem Zustand gewesen sein könne, hebt aber dies Beweismittel selbst wieder durch 
die Angabe (S. 296) auf, dass die Basalte der Vulcane keine verändernde Wirkung auf den Boden der 
nächsten Nähe ausgeübt haben ! Nach Herrn Winkler soll die erstarrte, mit Spalten versehene Felsmasse in 
den Schlamm eingesunken sein und dieser sei in Folge dessen durch die Spalten in die Höhe gepresst 
worden und so die Gänge durch diese sehr allmälig von unten nach oben fortgeschobene I\Iasse ausgefüllt 
worden. Dabei bleibt aber ganz unbegreiflich, wie eine aus festem Felsgerüste gebildete Insel auf weichem, 
flüssigem Schlamm hat aufruhen können. Herr Winkler nimmt selbst an, dass die Insel zur Miocenzeit 
Trockenland gewesen sei; da sie nicht in der Luft kann geschwebt haben, mus$ sie schon damals eine feste 
Basis gehabt haben und diese bildet wohl wie im benachbarten Grönland der Gneiss ; wo soll nun der weiche 
Schlamm herkommen, in welchen die Insel später versunken sein soll? Mir ist ein solcher Vorgang ganz 
undenkbar und so die ältere Ansicht, die durch Krug von Nidda^), Bunsen und Sartorius von Waltershausen 
vertreten wird, gar viel wahrscheinlicher, dass diese weichen Massen durch Zersprengen der festen Decke 
in feurig-flüssigem Zustand aus dem Erdinnern hervorgetrieben worden sei, welchen Vorgang Sartorius, der 
genaue Kenner der Vulcane der Jetztwelt, in ausgezeichneter Weise geschildert hat ^). Noch jetzt dauert die 
Thätigkeit der Vulcane in Island fort und ihre Producte stimmen mit denjenigen überein, welche den Boden 
der Insel bilden, es ist daher erlaubt, auch diesem einen ähnlichen Ursprungs zu geben und anzunehmen, 
dass die vulcanische Thätigkeit der Insel schon zur miocenen Zeit begonnen und durch alle Jahrtausende 
sich fortgesetzt habe. 



tfüiifics Capttcf. 

Die Bäreninscl und Spitzbergen. 

Hoch im Norden von Europa liegt unter 74 <> 30' n. Br. die kleine Bäreninsel, deren östlicher 
Hügel wegen seines trostlosen Aussehens vom Entdecker der Insel, Wilh. Barentz, den Namen „Jammer- 
berg" erhalten hatte. Die vielen Walrosse, welche an ihrer Küste sich angesiedelt, gaben schon im 17. Jahr- 
hundert Veranlassung zu mehrfachen Besuchen. Genauere Kunde von derselben haben wir aber erst durch 
den norwegischen Naturforseher Keilhau erhalten, welcher die Insel im August 1827 besuchte und von der- 
selben eine Sammlung von Naturalien heimbrachte. Leopold von Buch hat in einer sehr lehrreichen Ab- 



') Dass die PalagonittufTe Siciliens, welche Mecrespetrefakten enthalten, marin seien, ist nicht zu bezweifeln, in den Palagonit- 
tiiffcn von Island aber sind meines Wissens nirgends solche Thiere gefunden worden , daher kein Grund vorliegt, diesen eine 
•untermeerische Entstehung zuzuschreiben. 

2) Vgl. seine geognostischc Darstellung der Insel Island, in Karstens Archiv. VII. S. 421 u. f. 1834. Krug hielt den Trachyt 
für die eigentlich hebende Masse, welche am Seegrund durch eine ungeheure Spalte hervorgedrungen, die Trappdecke durch- 
brochen und einen Theil derselben in die Höhe gehoben habe ; spätere Unteruchungcn haben aber gezeigt, dass dem Trachytc 
Islands diese Bedeutung nicht zukommt. 

3) Vgl. seine physisch-geographische Skizze von Island, mit besonderer Rücksicht auf vulcanische Erscheinungen. Göttingca 
1847. S. 135 u. f. 



32 Die Bäreninsel. Spitzbergen. 

liandlungl) darüber berichtet und naeligewiesen, dass die dort gefundenen Sehaltliiere der alten Steinkolilen- 
formation angehören. In dem anstehenden Kalksteine waren: Productus giganteus, Pr. punctatus und Pr. 
striatus, und in losen Blöcken: Productus plicatilis, Spirifer Keilhavii, Calamopora polymorplia und Fenestella 
antiqua, es gehört daher derselbe zum Bergkalk. Auf der nördlichen Seite der Insel, nahe dem Nordhafen, 
fand Iveilhau an einem wohl 200 Fuss hohen Absturz vier Kohlenflöze zwischen grauem, feinkörnigem Sand- 
stein, von denen aber keines über eine Elle mächtig war. Auch im Osten der Insel erscheinen diese Kohlen- 
flöze. Nach Keilhau sollen diese, die Kohlen umgebenden, Sandsteinlager fast horizontal verlaufen und unter 
dem Bcrgkalk liegen, von Buch hat daher diese Kohlen der untern Steinkohlenformation zugerechnet 2). Sie 
müssten ohne Zweifel dieser angehören, wenn sie wirklich in ungestörter Lagerung unter dem Bergkalk 
liegen würden. Dieses scheint aber nicht der Fall zu sein. Prof. Nordenskiöld theilt mir brieflich mit, dass 
er im Jahr 18G4 die Bäreninscl besucht habe. Allerdings sei es nur ein kurzer Besuch gewesen, da ein 
heftiger Sturm bald nach seiner Ankunft die Anker zu lichten nöthigte, doch überzeugte er sich, dass der 
Sandstein, welcher die Kohlenlager einsehliesst, völlig übereinstimmt mit dem tertiären Sandstein von Spitz- 
bergen. Der Jammerberg besteht nach Nordenskiöld grossentheils aus Bergkalk (der in der Höhe ein Hyperit- 
lager einsehliesst), dessen Schichten aber keineswegs horizontal, sondern von O.S.O. nach W.N.W, abfallen, 
unter denselben schiesst die Ilekla Hookformation (die dem Uebergangsgebirge angehört) ein und der Sand- 
stein mit den Kohlen bildet horizontale Lager des Tieflandes , welche dem Bergkalk aufliegen , und sehr 
wahrscheinlich wie der Sandstein des Bellsundes eine mioeene Bildung sind. 

Nur zwei Grade weiter im Norden taucht zwischen 16^ 26' und 80" 50' n. Br. und 10 — 26" L. ö. Gr. 
ein ganzer Archipel von Inseln aus dem Meere auf, der von der Form seiner steil aufsteigenden Berge den 
Namen Spitzbergen erhalten hat. Auf der Westseite erheben sich die Berge in hohen Felswänden aus 
dem Meer und erreichen eine Höhe von 2 — 5000 Fuss. Die Thäler sind mit unermesslichen Gletschern aus- 
gefüllt, welche bis ins Meer hinausreichen und demselben mächtige Eisberge zuführen. Sie verschlicssen zwar 
den grössten Theil des Bodens der Vegetation, doch giebt es zahlreiche Stellen, an welchen Blüthcnpflanzen 
sich ansiedeln können, und einzelne Arten finden sich selbst bis zu 2000 Fuss ü. M. hinauf. Immerhin ist 
aber die Pflanzenwelt, von der 93 Phanerogamen bis jetzt bekannt sind, so spärlich, dass sie auch im Sommer 
kein grünes Kleid zu bilden vermag. So wenigstens im Norden und Osten der Inselgruppe, während im 
Süden imd Südwesten noch wirkliche Grasmatten vorkommen sollen. Die wild zerrissenen Berge, die gewal- 
tigen Gletscher, die hochalpine Naturwelt und die feierliche Stille, welche n\^r durch das Krachen der 
berstenden Gletscher und das Tosen der Brandung unterbrochen wird, prägen diesem hoehnordischen Lande 
einen ganz eigenthümlichen Charakter auf. Wenn wir in Gedanken die Schweiz bis zu 8000 Fuss Höhe unter 
das Meer tauchen, giebt uns das aus diesem Meere hervortretende Inselland mit seinen Gebirgen und Gletschern 
ein ungefähres Bild von Spitzbergen. 

Es wurde diese Inselgru])pe im Juni 1596 von den Holländern Barentz und Heemskerk entdeckt. Sie 
waren ausgesendet, um eine Nordostdurchfahrt nach Indien zu suchen und gelangten bis Novaja Semlja. 
Im 17. und 18. Jahrhundert führte der Walfischfang ganze Flotten in diese hochnordischen Gewässer und 
zeitweise soll eine Schiifsmannschaft von 10—12,000 Menschen sich dort zusammengefunden haben. Schon 
1633 haben 7 Matrosen den Winter dort zugebracht und sind gesund und wohl geblieben; seither haben 
öfters kleinere Jagdgesellschaften dort überwintert, und der Russe Staratschin soll 15 Jahre lang ununter- 
brochen dort zugebracht haben. Es hat aber nicht allein der Speck der Walfische und Walrosse, sondern 
auch der Drang nach wissensehafthcher Belehrung in dieses Winterland geführt, und die Namen von 
J. C. Phipps, Parry, W. Scoresby, , Martins , Bravais, Nordenskiöld, Malmgren, Toreil, Blomstrand, Chydonius 
u. a. m. werden in den Annalen der Wissenschaft immer eine ehrenvolle Stelle einnehmen. Die wichtigsten 
Ergebnisse für alle Zweige der Naturkunde lieferten die schwedischen Expeditionen vom Jahr 1858, 1861 



') Ueber Spirifer Keilhavii, über dessen Fundort und Verhältniss zu ähnlichen Formen. Abhandlungen der Acadrmie der 
Wissenschaften zu Berlin vom Jahr 1846. S. 65. Prof. Kjerulf nennt in seinem Briefe als in der Sammlung von Christiania liegende 
Arten von der ßäreninsel: Spirifer Keilhavii, Sp. striatus, Sp. punctatus, Sp. bisulcatus, Productus hemisplia^ricus und Calamopora 
polymorpha. 

2) L. von Buch erwähnt eine schöne Pecopteris, welche Keilhau in dem Kohlenflöz der Bäreninsel gefunden habe. Da die 
Bestimmung dieser Pflanze sehr wünschbar war, habe ich mich an Herrn Prof. Th. Kjerulf in Christiania gc^vendet, um dieselbe 
zur Untersuchung zu erhalten. Derselbe berichtet mir, dass kein Farrnkraut unter den von Keilhau heimgebrachten Versteine- 
rungen sich finde, sondern nur ein paar schlecht erhaltene Steinkerne von Equisetaceen. Da im miocenen Sandstein Spitzbergens 
ein Equisctum vorkommt, gehören sie vielleicht zu dieser Art. Jedenfalls beruhen also alle Angaben von Stcinkohlenpflanzen, 
"welche man auf der Bäreninsel gefunden habe, auf einem Irrthum 



Gcologisclie Verliältnisse. 



35 



lind 1864, welchen wir erst eine genauere Kenntniss der geologischen Verhältnisse verdanken, so weit di 
in einem grossen Theils mit Eis bedeckten Lande ermittelt werden können »). 



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Der Beil-Sund und Eisfjord Spitzbergens 
nach der geologischen Karte von Nordenskiöld. 

Saf. Safe-Bai. C. B. Cap ßoheman. C. Th. Cop Thordsen. S. B. Sauriberg. S. Skansberg. C. St. Cap Staralschin. Grün H. Grün Hafen 
(Green Harbour). Hr. Heers-Berg. L. Lovens-Berg. Adv. Advent-Bai. Fr. Fnthjofs-Gletscher. Ko. Kohlenberg. S.w. Sundewall-Berg. 

A,\. Axel-Insel. M.H. Middel Hook. R. Recherche-Bai. 
l. Uebergangsgebirge (Hekla Hook-Formation'. II. Bergkalk. III. Trias. IV. Jura. V. Tertiär. VI. Hyperit. VII. Gletscher. 

Die Grundlage dieser Inselgruppe bilden, wie in Grönland, krystallinische Gesteine. Die sieben Inseln 
im Norden des Archipels bestehen ganz aus Gneiss, der von Granitadern und Gängen durchzogen ist, und 
auch der Nordwesten der Hauptinsel ist vom Amsterdam-Eiland bis südlich der Magdalenen-Bai aus dieser 
Gebirgsart gebildet, welche überall in senkrecht aufgerichteten Schichten, deren ]\Iächtigkeit nicht zu be- 
stimmen ist, auftritt. Den Gneiss deckt hier und da, so in der Sorgenbai (ganz im Norden), ein krystal- 
linischer Kalk und Dolomit von blendend weisser Farbe, aber ohne Spur von Versteinerungen. Auch die 
darauf folgende Sedimentbildung (die Hekla Hook-Formation) ist ganz leer an solchen, obwohl wie Nordens- 
kiöld bemerkt, sie zur Aufnahme von solchen sich besonders geeignet hätte, so dass er zum Schluss geneigt 
ist, dass sie in einem Meere sich gebildet habe, das ganz ohne vegetabilisches und animalisches Leben 
war. Nordenskiöld vermuthet, dass sie der silurischen oder devonischen Formation angehöre. Die Schichten 
streichen meist von Nord nach Süd und sind vielfach verworfen und gefaltet. Er unterscheidet, erstens einen 
grauen Kalkstein , der von weissen Quarz- und Kalkspathadern durchzogen ist (im Nordwesten der Insel : 



') Eine sehr interessante TJebersicht der geologischen Verhältnisse Spitzbergens giebt die Abhandlung von A. E. Nordens- 
kiöld „Sketch of the Geology of Spitzbergen, translated from the transactions of the royal Swedish Academy of sciences. Stock- 
holm 1867", mit einer geologischen Karte. Ich habe diese Arbeit meiner Darstellung zu Grunde gelegt. 



34 Spitzbergen. 

Heida Hook, Krcuzbai, Mittel Hook im Bellsund) ; zweitens einen sehr dichten Quarzit, von weisser, grauer 
oder röthlicher Farbe (am Cap Irminger, am Nordeingang des Bellsundes u. s. w.) ; drittens einen dunkel- 
graueji oder rothbraunen, oft schön gestreiften Thonschiefer (im Nordosten, an der Murchison-Bai, Cap Loven, 
Hornsund u. s. w.). 

Im Nordosten von Spitzbergen (namentlicli in der Wigde Bai und Red Beach) folgen rothbraunc Lager 
von Sandstein, Kalk und Conglomeraten (die Red Beach-Lager von Nordenskiöld) und erst über diesen be- 
ginnen die Versteinerungen führenden Gesteine. 

Diese gehören in die St einkohlen -Periode. Zu unterst liegt ein unreiner, gelber, etwa 500 Fuss 
mächtiger Kalk von korallenartiger Struetur (der Ryss Insel-Kalk), so dass er aussieht, als wäre er von 
zahlreichen Korallenstämmen durchzogen, doch lässt sich an denselben nichts Organisches erkennen. Er ist 
von' Lagern aus Quarzit und Feuerstein durchzogen und nimmt die ödesten Gegenden im Nordosten der 
Insel und im Hintergrund der Klaas Billen-Bai ein Hier ist er von einem Kalkstein bedeckt, der eine Menffe 
fossiler Thiere, namentlich grosse Corallen, enthält. Nordenskiöld brachte von hier einen Corallenstock nach 
Stockholm, welcher nahezu 2 Fuss im Durchmesser hat. Am Cap Fanshaws tritt diese Formation in einer 
Mächtigkeit von 1500 Fuss auf und bildet fast horizontale Lager von Sandstein, Kalk und Feuersteinen, welche 
voll Versteinerungen sind. Der Sandstein scheint die Unterlage zu bilden, darauf liegt der Kalk (Bergkalk), in 
welchen der Feuerstein eingebettet ist. Aehnliche Lager von Bergkalk und harteij Sandsteinen finden sich noch 
an vielen Stellen Spitzbergens, so im Eisfjord am Skansberg, an der Klaas- und Sassen-Bai und Cap Staratschin, 
im Bellsund, am Frithiofs-Gletscher , der Axels-Insel und östlich der Recherche-Bai, und überall sind Ver- 
steinerungen des Bergkalkes gefunden worden, die stellenweise das Gestein ganz erfüllen. Nach Prof. Nordens- 
kiöld haben die schwedischen Naturforscher etwa 100 Thierarten in dieser Formation entdeckt, welche 
Prof. Angelin nächstens veröffentlichen wird. Es sind Arten der Gattungen Productus, Spirifer, Terebratula, 
Stacheln von Seeigeln, Stämme von Encriniten und Cyatophyllen. Im Jahr 1859 hat J. Lamont Versteine- 
rungen im Beil-Sund, namentlich auf einer kleinen Insel, 200 Fuss ü. M. , gesammelt, die J. W. Salter 
bestimmt und sämmtlich als Thiere der Kolilenf ormation erkannt hat*). Er führt 8 Arten Mollusken 
und einige Spongien und Corallen au. Unter erstem erscheinen : Productus costatus Sow. , Pr. Humboldtii, 
Pr. mammatus Keys.?, Spirifer Keilhavii Buch, und Sp. cristatus Schlotth. ; unter letztern: eine grossästige 
Stenopora, eine grosse Syringopora und eine Fenestellide mit dicken verästelten Stämmen. Schon früher hatte 
Keilhau am Bellsund den Spirifer Keilhavii und Productus giganteus Sow. entdeckt. 

Es ist in hohem Grade beachtenswerth, dass die meisten von Salter bestimmten Arten Spitzbergens 
mit solchen des europäischen Steinkohlengebirges übereinstimmen, ja einige (so Productus costatus und Spi- 
rifer Keilhavi) auch in Indien, ein anderer auch in Südamerika (Pr. Humboldti) in derselben Formation 
getroffen werden. Es machte Salter ferner darauf aufmerksam, dass die Individuen derselben Art selbst 
grösser seien als die des englischen Kohlenkalkes, was auf eine grosse Veränderung in der Temperatur des 
Meeres seit jener Zeit hinweise. 

Die hier mitgetheilten Thatsachen lassen nicht zweifeln , dass zur alten Steinkohlenzeit hier Meer ge- 
wesen sei , in welchem eine reiche Fauna sich angesiedelt hatte. Roberts glaubte aber am Bellsund auch 
Landpflanzen aus dieser Zeit gefunden zu haben und theilt daher die dort vorkommende Steinkohle auch 
dieser. Zeit zu. Er hat drei Stücke fossiler Pflanzen heimgebracht und sie als Calamites oder Sigillaria und 
Lepidodendron bezeichnet, und diese Angabe hat sich dann allgemein verbreitet 2). Nach der Abbildung zu 



*) "Vgl. Quartcrly Journal of thc Geolog. Soc, 18G0. Ö. 439. Schon früher hat Roberts aus dem Bcllffund fossile Muscheln 
nach Frankreich gebracht und in dem grossen Reisewerk abgebildet. Er hielt sie für Arten des Bergkalkes, während Kronink sie 
für Permische Arten erklärte und als Productus horridus Sow., Pr. Cancrini Murch. , Pr. Leplayi Vern.?, Pr. Robertianus Kön., 
Spirifer alatus Schi., Sp. cristatus Schi., Pleurotomaria Verneuli Rob. und Pecten Geinitzianus Kr. bestimmte. Vgl. Voyagcs au 
Spitzberg. S. 256. Nordenskiöld aber hält die von Roberts abgebildeten Arten für übereinstimmend mit denen des Bergkalkes des 
Eissundes und der Hinlopen-Strasse. Vgl. Sketch of the Geology of Spitzbergen. S. 23. Unter den von Lamont nach London 
gebrachten Versteinerungen Avaren nach Salter einige permische Arten, nämlich Spirifer alatus, ein kleiner Productus und eine 
grosse Stenopora; sie stammen aber aus einem losen Block, der vielleicht von Gilesland stammt. Nordenskiöld vermuthet indessen, 
dass er von den tausend Inseln oder Stans Foreland komme und dass dort die Permische Bildung anstehend sein dürfte. 

2) Leider habe auch ich sie in meine Urwelt der Schweiz aufgenommen (S. 17). Das Reisewerk der französischen Expedition 
„Voyagcs en Scandinavie, en Laponie, au Spitzberg et aux Feroe pendant les ann^es 1838, 1839 et 1840 sur la corvette Recherche, 
publik sous la dircction de Paul Gaimard" ist so schwer zugänglich, dass ich die Originalangabe damals nicht vergleichen konnte. 
Seither i.-st mir dies durch die freundliche Mithilfe meines Freundes Prof. Martins möglich geworden, so dass ich mich von der Unhalt- 
barkeit jener Angabe überzeugen konnte. Auch die, Angabe, dass Kane Kohlenpflanzen gefunden habe, muss unrichtig sein. Sic 
ist aus Leonhards und Bronns Jahrbuch entlehnt. In Kane's Reisewerken habe aber nirgends eine dies bestätigende Mittheilung 



Geologische Verliältuisse. 35 



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-iivthcilcu, ist (las vermeintliche Lepidodendron wahrscheinlicli ein Farrnstrunk, was aber als Calamites oder 
Sigillaria bezeichnet ist, hat mit diesen Gattungen nichts gemein und scheint fossiles Nadelholz zu sein. 
Alles was bis jetzt von alten Steinkohlenpflanzen Spitzbergens in Büchern steht, beruht daher auf Irrthum. 
Wir wissen zur Zeit nicht, ob in der Stcinkohlenperiode hier Festland gewesen sei, während der Bergkalk 
und die Permischen Muscheln die Amvesenheit des Meeres bis an den Schluss dieser grossen Periode 
beurkunden. 

Die Trias ist nach Nordenskiöld im Plintergrund des Eisfjordes am Vorgebirg, welches den Nordfjord 
von der Klaas Billen-Bai trennt, stark entwickelt. Dort sieht man auf einem Lager von Bergkalk den Hyperit 
und über demselben einen schwarzen Kalkschiefer, der mit grauem, an der Luft gelblich werdenden Kalk 
wechselt. Am Cap Thordsen tritt das unterste Lager dieser Formation auf, welches mit ITypcrit bedeckt, 
auf welchen schwarze bituminöse Kalkschichten, dann grauer Sandstein und Kalk mit kolossalen Knollen 
gelben Kalkes folgen, der wieder von Hyperit überlagert ist. In den zwischen den beiden Hyperitlagcrn 
auftretenden Gesteinen sind viele fossilen Thiere gefunden worden, welche von G. Lindström bearbeitet 
worden sind. Die wichtigste Art ist die Halobia Lommeli Wissm. , welche in Menge am Saurie und Mittel- 
Hook und am Cap Lee gefunden wurde und zu den Leitmuscheln des obern Trias (der Partnaeh-Schichten) 
gehört. Ebenso erfüllt die Halobia Zitteli Lindstr. an denselben Stellen ganze Felslager von mehreren Zoll 
Dicke und ihnen sind Monotis, Pecten, Lingula und Encriniten beigemischt; aber auch grosse Nautilus 
(N. NordenskiÖldi Lindstr. in Menge und N. trochleffiformis Lindstr.), mehrere Ceratiten (C Malmgreni 
Lindstr., C. laqueatus Lindstr. und C. ? Blomstrandi Lindstr.) und ein Ammonit (A. Gaytani Klipst. var. '?) 
sind hier gefunden worden. Was aber noch merkwürdiger ist, auch grosse Knochen kommen am Saurie Hook 
zum Vorschein, und zeigen mehrere Arten an, unter welchen nach Nordenskiöld mehrere Fisch- und einige 
Ichthyosaurus-Arten zu unterscheiden sind. Da an selber Stelle auch viele Coprolithen sich finden, muss hier 
ein Lieblingsaufenthalt' dieser Thiere gewesen sein. 

Dieselbe Formation tritt in grosser Ausdehnung an der Ostseite des Stor-Fjordes von der Whales-Spitze 
und den Tausend-Inseln bis zur Ginevra-Bai auf und erreicht da eine Mächtigkeit von 1200 Fuss. Auch 
hier wurden die Plalobia Lommeli und Saurierknochen gefunden. 

Die grosse Jura-Periode ist in Spitzbergen nur schwach vertreten, doch wurden an verschiedenen 
Stellen Versteinerungen entdeckt, welche dem obern braunen Jura (dem Kelloway) angehören. Sie finden sich 
zwischen dem Grünhafen und Sassenbai in fast horizontalen Sand- und Kalksteinen, auf welchen eckige harte 
Blöcke vorkommen, welche ein eigenthümliches Conglomerat bilden, das zwischen dem Jura und dem Miocen 
liegt. Auch im Stor-Fjord kommt die Juraformation vor, welche eine Masse von Belemniten enthält. Die von 
Herrn Lindström vorgenommenen Bestimmungen haben mehrere wichtige Arten ergeben. Die Ammoniten 
erscheinen an verschiedenen Stellen, doch meist in unbestimmbaren Resten, welche zur Gruppe der Falciferen 
jrehören : an der Sassenbai aber wurden die Abdrücke des weit verbreiteten A. triplicatus Sow. gesammelt. 
Die Belemniten sind zwar am Grünhafen und Cap Agardh sehr häufig, aber meistens durch die Oxydation 
des Schwefelkieses zerstört; sie gehören in die Gruppe der Arcuati. Von Schnecken und Muscheln erscheinen 
die Cyprilla inconspicua Lindstr., Cardium concinnum Buch., Solenomya Torellii. Lindstr., Leda nuda Keyss., 
Inoceramus? revelatus Keyss., Ancella Mosquensis Buch., Pecten demissus Bean., P. validus Lindstr., dann 
Cytherea, Tellina, Panopsea und Dentalium. Dazu kommen Fischreste und ein Seestern (Ophiura Gunu^lii 

Lindstr.). 

Nach der Lagerung unterscheidet Nordenskiöld zwei Gruppen, eine ältere, die häufige Störungen in 
den Schichten zeigt, und eine jüngere, bei welcher dies nicht der Fall ist, indessen gehören nach Herrn 
Lindström beide derselben Abtheilung des Jura an, wie die Lager des Petschora-Landes und von Miatshkova 
bei Moskau, welche Helmerson zur Kelloway-Stufe '•) (oberer Braun-Jura) rechnet. 

Von den übrigen Gliedern des Jura und von der Kreide ist zur Zeit noch keine Spur in Spitzbergen 
entdeckt worden; ebenso fehlt auch die Nummulitenbildung, überhaupt das Eocen, während die miocene 



finden können. Robert sagt über die vermeintlichen Steinkohlenpflanzen Spitzbergens (S. 91) wörtlich folgendes : „Lcs greis (luartzeux, 
rougeutres et blanc noirätre qui l'enveloppent, portent des empreintes qui m'ont paru pouvoir etre rapport^cs g^neralement h des 
Calamites ou bicn h des Sigillaires. J'ai rccueilli aussi dans le meme gros, une empreinte de plante, qui, euivant M. Ad Brongniart, 
appartient probablement k la famille des gigantesques l^pidodendrons." Nach Robert (S. 93) kommt im Bellsund in demselben 
Sandstein mit diesen Pflanzenresten ein Lager von Anthrazit vor. Es ist aber derselbe Bandstein, in welchem Nordenskiöld die 
miocenen Pflanzen entdeckt hat. 

') Hclmersen explications de la carte göologlque de la Russie. S. 8. 



36 »Spitzbergen. 

Formation eine grosse Verbreitung hat. Die Pflanzen, welche Nordenskiöld und Blomstraud im Bcllsund, 
im Eisfjord und in der Kingsbai entdeckt haben, beweisen, dass die sie umschhcssenden Sandsteine mioccn sind. 
Im Bellsund tritt dieser Sandstein am Kohlenberg östlich vom Frithjofs-Gletscher auf und bildet in einer 
jMächtigkcit von 1000 — 1500 Fuss alle Höhen, welche die Van Mijens-Bai umgeben (vgl. das Kärtchen S. 33 
und das dazu gehörende Profil des Bellsundes), wie die Halbinsel, welche diese Bai von der Van Keulens- 
Bai trennt; im Eisfjord nimmt die miocene Formation die südliche Küste ein vom Heers-Berg im Grün- 
hafen bis zur Sassenbai, und auch am Nordufer sind die aus dem Gletscher hervortretenden Vorgebirge 
(Cap Bohcman) und die Kohleninseln von dieser Formation gebildet. 

Im Bellsund liegen die Pflanzen in einem grauen, ziemlich feinkörnigen, harten Sandstein. Sie stammen 
von dem an der Nordseite des Sundes gelegenen Kohlenberg (Kolfjellet, mit k. bezeichnet in dem Profil); 
die einen sind aus einem untern Lager (bei b. des Profils) , die andern aus einem höher oben gelegenen 
(bei c). Der Stein spaltet sehr unregelmässig, daher durch das Zerspalten die dazwischen liegenden Blätter 
zerrissen werden. Die Blattsubstanz ist bei einigen verschwunden und es ist nur der Abdruck der Blatt- 
nerven geblieben, meistens aber ist sie erhalten und bildet eine dünne, dunkelfarbige Kohlenrinde. 

Aus dem Bellsunde (77*^50' n. Br.) erhielt ich 11 Arten, nämlich: Filicites deperditus, Potamogeton 
Nordenskiöldi , Pinus polaris , Tilia sp. , Taxodium angustifolium , T. dubium , Populus Richardsoni , Salix 
macrophylla ?, Alnus Kefersteinii, Corylus M'Quarrii und Fagus Deucalionis. Von diesen sind'die 6 zuletzt 
genannten Arten unter den miocenen Pflanzen von Grönland und Island und auch die übrigen Arten, so 
Aveit sie genauer bestimmbar sind, schliessen sich zunächst an miocene an, daher dieser Sandstein unzweifel- 
haft dieser Formation angehört. Die meisten Arten wurden in dem untern Lager (b. des Profils) gefunden, 
da aber das Potaniogeton Nordenskiöldi zugleich in den untern und obern Schichten vorkommt, müssen diese 
zu einer Formation gehören *). 

Die häufigste Pflanze des Bcllsundes ist das Potamogeton Nordenskiöldi, ein zartblätteriges Laichkraut, 
das uns mit der wichtigen Thatsachc bekannt macht, dass dieser Sandstein im süssen Wasser sich gebildet 
liabcn muss, da solche gross- und breitblätterigen Laichkräuter nie im Salzwasser vorkommen. Es können 
daher die hier vorkommenden Blätter nicht vom Meere hergeschwemmt sein, sie müssen an Ort und Stelle 
oder doch in der Nähe gewachsen sein. Auch von den übrigen Pflanzen sprechen manche für feuchten 
Boden, so die Taxodien, die Pappel, Erle und Weide, die wohl am Ufer desSee's gestanden haben, über 
dessen Gewässer das Laichkraut seine Blätter ausbreitete. 

Die Kohlen, welche im Bellsund vorkommen, liegen ohne Zweifel in diesen pflanzenführenden Sand- 
steinen, doch ist die Stelle, wo sie anstehend sind, nicht ganz sicher ermittelt. Am Kohlenberg wurden grosse 
Stücke etwa 500 Fuss ü. M. gefunden, und Nordenskiöld vermuthet, dass die Lager zwischen dem graulich- 
weissen Sandstein (im Profil bei c) sich finden. Die Abhänge des Berges sind aber dermassen mit Schutt 
bedeckt, dass das anstehende Gestein nur an wenigen Stellen zu sehen ist. — Westlich von der Recherche- 
Bai werden am nördlichen Ufer lose Saudsteine mit undeutlichen Pflanzenabdrücken und runden Kohlen- 
stücken gefunden, welche durch kleine Knöllchen gelben Bernsteins merkwürdig sind, welche sie enthalten. 
Auch im Innern der Bai findet man zwischen dem Geröll fossiles Harz enthaltende Kohlenstücke, welche 
ohne Zweifel aus miocenen Kohlenlagern stammen, wie die Bernstein führenden Kohlen der Haseninsel Grön- 



») Nordcnslciüld (Sketch of the Geology of Spitzbergen. S. 37) giebt für den Kohlcnbcrg^ des «cUsundes folgenden Durch- 
schnitt : erstens schwarze, sehr zerbrechliche Schiefer, stellenweise mit Schwefelkiesknollen oder Kalk mit kleinem Pyritckern 
und dazwischen dünne Lager von grauem Sandstein, die nach oben zunehmen. Hier das untere Lager der Pflanzenabdrücke (im 
Profil des Bcllsundes mit b. bezeichnet). Zweitens, graulich weisser Sandstein, der wieder in einem untern Lager durch grössere 
Festigkeit und dazwischenliegende Streifen von Schiefer und Conglomeraten sich auszeichnet und in einigen Schichten mehr als 
fussbreite dunkle Flecken enthält, und in einem obern Lager einen losen grauen Sandstein. Diese Lager nehmen die Spitze des 
Kohlcnbcrgcs ein und sind, wie die der mehr östlich, im Innern der Bucht gelegenen Berge fast horizontal mit geringem Ein- 
fallen nach Nord oder Nordost. — Nordenskiöld bezeichnet in seiner Sketch die oben erwähnten dunklen Flecken als Fucoiden, 
und kämen wirklich solche in dem Sandstein vor, so müsste dieser wenigstens theilweise eine marine oder Strandbildung sein. 
Nordenskiöld hat mir diese sämmtlichen Stücke zugeschickt, die aber nicht als Fucoiden gedeutet- werden können. Es sind nach 
meinem Dafürhalten Abdrücke von Nostochinen und weichen aufgelösten Pflanzenmassen, welche die Steine färben und auf den- 
selben oft sehr breite, aber sehr unregelmässige, dunkelfarbige Flecken und Bänder bilden. Ich habe solche in meiner Flora tertiaria 
Helvctiffi L S. 21 vom Hohen Rhonen als Nostoc protogajum beschrieben und erinnere an das sehr häufige Vorkommen dieser 
Nostochinen, welche zuweilen den Boden flacher Gewässer weithin mit mehreren Zoll hohen, grünen gallertartigen Massen über- 
ziehen. Dass diese auch in der arctischcn Zone massenhaft vorkommen, hat Middcndorff gezeigt, der sie im Taimyrland noch Ix-i 
'<4y4 u. Br. fand (vgl. Reisen, IV. S. XLI). Die schwarzen Flecken auf den Sandsteinen Spitzbergens sind so unbestimmt be- 
grenzt, dass Sic nicht° näher ch'araktcrisirt werden können und nur zeigen, dass sie nicht als Fucoiden bezeichnet werden dürfen. 



I 



Geologische Verhältnisse. 



37 



lands, doch ist zur Zeit noch nicht bestimmt, wo diese Kohlen anstehend sind, Sie sind aber wichtig, weil 
sie zeigen, dass harzreiche Bäume diese Gegend bewohnt haben müssen, als diese Kohlenlager hier gebildet 
wurden. 

Im Eisfjord sind nach Nordenskiöld (Sketch S. 38) die horizontalen Juralager mit Schichten von 
Schiefer und Sandstein bedeckt, welche hier und da mit dünnen Kalkbändcrn wechseln. Sie bilden die hohe 
Bergkette, die vom Grünhafen (Green Harbour) bis zur Sassenbai sich erstreckt. Im Hintergrund des Grün- 
hafens liegt bei IS^ n. Br. ein Berg (er ist in Nordenskiölds Karte als Heers-Berg bezeichnet), welcher am 
Fuss aus Juragesteinen (Profil Grünhafen A. IV.), höher oben aber aus miocenen Ablagerungen besteht 
(Profil V.). Es entdeckte Blomstrand in dem harten, grauen, ziemlich glimmerreichen Sandstein dieses Berges 
Ptlanzenrestc, unter welchen ein Platancnblatt (Platanus aceroides, Taf. XXXII.) zu erkennen war •). Es 
stimmt mit der miocenen Platane Mitteleuropa's überein und beweist, dass diese Sandsteine miocen sind. In 
demselben Sandstein kommt bei 700 Fuss ü. M. ein Kohlenflöz vor, das auch an andern Stellen des Eisfjordes 
zu Tage tritt und der weiter östlich gelegenen Kohlenbucht den Namen geliehen, hat. Hier sah Blomstrand 
in dem in senkrechter Wand aus dem Meer aufsteigenden Sandstein mehrere Kohlenbänder, von welchen 
das unterste und nur Avenigß Fuss über dem Seespiegel liegende 2 Fuss Mächtigkeit hat tmd fast horizontal 
ist, höher oben folgen noch 3 bis 4 Kohlenstreifen in Abständen von 4 — 10 Fuss,', — Diese mächtige mioccne 
Ablagerung ist von der jurassischen vielleicht durch harte Conglomeratlager getrennt, welche zwischen der 
Advent- und Sassenbai, 500 — 800 Fuss ü. M., eine senkrechte Wand an dem steilen Bergabhang bilden. 

Zu derselben tertiären Bildvmg gehören nach Nordenskiöld wahrscheinlich auch senkrecht aufgerichtete 
Thonschiefcr (Profil Grünhafen B. V.) auf der Westseite des Grünhafens, welche von Jurasehichten umgeben 
sind (B. IV.). Sie enthalten fossiles Holz und Geröll und Spuren von Süsswasser('?)schneckcn. Die von 
Blomstrand gesammelten Hölzer stammen nach Herrn Prof. Cramers Untersuchung von drei Nadelholzbäumen 
(Pinites latiporosus Ci'am., P. paueiporosus Gram, und P. cavernosus Cram.), welche noch nicht anderweitig 
gefunden wurden. 

Am nördlichen Ufer des Eisfjordes treten Kohlenlager in den Bergen zwischen Cap Boheman und 
Safehafen auf, sie sind aber wegen der Gletscher schwer zugänglich. Die dort liegenden kleinen Inseln 
haben von solchen Kohlenlagern den Namen Kohleninseln erhalten. 

Die dritte Loealität Spitzbergens, welche fossile Pflanzen geliefert hat, liegt bei 78° 56' n. Br. und 
11 58' ö. L. im Kohlenhafen an der Südseite der Kingsbai. Sie finden sich in einem harten, grauen 
Sandstein, welcher völlig mit dem des Bellsundes übereinstimmt, andere aber in einem zwar auch bräunlich- 
grauen, aber etwas weichern Sandstein mit zahlreichen, kleinen Gliramersplittern. Aus dem erstem haben 
wir die Populus arctica und ein grosses Lindenblatt (Tilia Malmgreni) ; in dein letztern liegen zahlreiche 
schwarzgefärbte Pflanzenreste durch einander, unter welchen ich ein Farrn (Sphenopteris Blomstrandi), einen 
Schafthalm und ein Gras erkennen konnte. Das Pappel- und Lindenblatt zeigen, dass der erstere ohne 
Zweifel miocen ist, dasselbe muss aber auch bei dem Letztern der Fall sein, denn auch dieser tritt wie jener 
in Verbindung mit dem Kohlenlager auf 2), Dieses miocene Kohlen- 
lager der Ivingsbai ist das nördlichste, welches man kennt, daher 
die Nachricht, welche Blomstrand über seine Mächtigkeit und Lage- 
rungsverhältnisse giebt, von grossem Interesse ist. Schon Scoresby 
und Keilhau haben hier Steinkohlen gefunden, doch hat erst 
Blomstrand sie im Fels anstehend nachgewiesen. — Auf beiliegen- 
dem Kärtchen ist die Gegend der Südseite der Kingsbai darge- 
stellt, in welcher das Kohlenlager anstehend beobachtet wurde. — 
Zwei hohe Gletscher treten dort gegen die etwa eine Viertelstunde 
entfernte Küste vor. Zwischen denselben liegt ein schwarzer Berg- 
(der Kohlenberg). An diesem entdeckte Blomstrand in dem Winkel 
zwischen dem Gletscher und dem Berg (1) zuerst das Kohlen- 
lager. Es folgt dasselbe in der Hauptsache dem in der Gegend 




Kohienborg. 
Steinkohlenlager der Kingsbai 



1) Der Fundort ist auf der Etiquette bezeichnet: Green Harbour, Kolfjellet vid Kolflötsen. Diese Kohlenflöze des Eisfjordes 
sind sclion längst bekannt und 1826 sollen von hier 60 Tonnen nach Norwegen gebracht worden sein. Vgl. Gaimard voyagc en 
Scandinavie etc. p. 32. 

2) Auf den Etiquetten dieser Stücke steht: Kingsbai, Kol u. Kolflötsen, Blomstrand. 1861, und bei Tilia Malmgreni : Kings- 
bai vid Kolflötsen. 1861. 



I 



38 Spitzbergen. 

Kevrsclicndcn Strciclicn, ungefähr 30° w. in schräger Kichtung gegen das Meer, in welcher Richtung Blom- 
sü-and dasselbe in den Betten der Gletscherbäche noch an drei Stellen (2, 3, 4), im Ganzen auf eine Strecke 
von circa 7000 Fuss anstehend gefunden hat. Nur an der ersten Stelle war das die Kohle umgebende Gestein zu 
beobachten. Es ist der oben erwähnte, die miocenen Pflanzen enthaltende Sandstein. Blomstrand sagt darüber 
wörtlich folgendes l) : „Der Steinkohle zunächst , sowohl über als unter und zum Theil zwischen den ver- 
schiedenen Lagern, liegt Sandstein, theils von dunkler, bräunlicher Farbe, durchzogen von feinen Gliramer- 
schuppcn mit ziemlich häufig vorkommenden Pflanzenabdrücken, theils grobsplitteriger von hellerer und an 
der Luft rothgelber Farbe, ärmer an Petrefakten. Hierauf geht der Sandstein in ein ffrobkörni^-es Con"-lo- 
mcrat mit Stücken von einer schwarzen Steinart (hartem Thonschiefer) über; die darauf folgenden Kohlen- 
lager, welche fast senkrecht, schwach gekrümmt stehen, sind getrennt durch einen schwarzen, kohlenreichen 
harten Schiefer." — „Der Theil im Westen des Hauptflözes war mit einer ;Moräncnmasse bedeckt, besteht 
jedoch wahrscheinlich aus Sandstein ; hierauf begann ein etwa 250 Fuss mächtiges Lager von einem schönen, 
Jiellcn, blaugrauen Thonschiefer, abwechselnd mit mehr oder weniger dünnen Lagern von einem theils harten, 
scliwargraucii, an der Luft rothgclbcn, sandsteinartigen Gestein, theils von einem tUmkelgrauen Mergclschiefer. 
In diesem Tlionschicfcr wurden äusserst sparsam vertheilte Fischreste angctvofl'cn. Oberhalb des Tlion- 
schiefers, welcher beim IJcbergaug verrückt und krumm gelwgen ist, beginnt (n'ne eigcnlhümUchc "-rüno 
Bergart, eine Art Sandstein, unregelmässig splittrig und ohne Spur von Schiciitung und organischen Ucber- 
rcsten, niclit unähnlich einer plutonischen Gebirgsart." — „Die absolute IMächtigkeit der Kohlenflöze lässt 
sich schwerlich mit Bestimmtheit angeben, da es zu einer vollständigen Untersucliung erforderlich gewesen 
wäre, längs der ganzen Breite der kohlenführenden Schichten das 1 — 6 Fuss dicke Schutt- und Steinla^'-er 
hinwegzugraben. Es zeigte sich aber handgreiflich, dass die Steinkohlen an verschiedenen Puncten sowohl 
an Mächtigkeit und Absturz der Lager als auch in der Beschaff enheit der Kohlen variirten." — „An einer 
Stelle (3 der Karte) gelang es mir, die Steinkohlen in einer, so viel ich finden konnte, fast ununterbrochenen 
Strecke von 8 Fuss Breite zu Tage zu legen. Die Neigung des Lagers schien etwa 60 Grad zu sein, sofern 
es nämlich die natürliche Grenze des Kohlenflözes war, die ich an der einen Seite zu finden das Glück hatte. Da 
die Steinkohle zusammengepresst und dünnschiefrig Avar, so Hessen sich hier ohne Schwierigkeit feste Stücke 
bis zur Grösse eines Kubikfusses und darüber ausbrechen. Ob dieses Steinkohlenlager, das unter den von 
mir getroffenen das mächtigste zu sein schien, wie es wahrscheinlich ist, noch von andern untergeordneten 
begleitet wird, liess sich unmöglich durch Versuche erforschen, da das Schuttlager zum Durchgraben allzu 
tief war." — ^Die schönsten Steinkohlen werden bei 4 gefunden, wo das Flöz, an drei Stellen unter dem 
Schuttlager an der Seite eines Gletseherflusses in einer zusammengelegten Längenstrecke von ungefähr 30 
Fuss hervortritt. Hier sind sie glänzendschwarz, mit muldenförmigem, splittrigem Bruche und zeigen hie. 
und da eine deutliche holzartige Textur. Die Steinkohlen bei 3 sind weniger glänzend und splittriger 
im Bruche. Auf Flächen, welche der Luft und der Feuchtigkeit lange ausgesetzt gewesen waren, haben sie 
oft eine lichtbraune Rostfarbe." — j^Die Kohle brennt ausserordentlich leicht, mit starker gelber Farbe und 
beinahe gänzlich zu Asche." 

Aus dieser Darstellung der Lagerungsverhältnisse der Kohlen der Kingsbai geht hervor, dass sie von 
den die miocenen Pflanzen enthaltenden Sandsteinen umschlossen sind und daher in dieser Zeit entstanden 
sein müssen 2). Da auch die Sandsteine des Grünhafens und des Kohlenberges d;es Bellsundes miocen sind, 



') Vgl. Blomstrand in Kongl. Svenska Wetenskaps Akademiens Handlingar. B: IV. N. 6. 1864, übersetzt von Dr. C F. Frisch 
in Petermanns Mittheilungen. 1865. S. 191. Obige Stelle und das Kärtchen ist diesen entlehnt. — Auch Nordenskiöld sagt, das» 
das reichste Kohlenlager Spitzbergens in der Kingsbai sei.' Vgl. Anteckningar tili Spitzbergens geografi of N. Dunder och A. E 
Nordenskiöld. 1865. S. 12. Und in der Sketch of the geology S. 39 sagt Nordenskiöld, dass diese Kohlenlager aus drei gefalteten 
Kohlenbändern bestehen (vgl. Profil der Kingsbai), welche in Sandstein eingebettet die miocenen Pflanzen enthalten und umgeben 
seien, erstens von einem blauen Thonschiefer mit undeutlichen Fischresten, deren Alter unbestimmt (ob Jura oder miocen V); 
zweitens einem grünen Sandstein, der wahrscheinlich zum Jura gehört (Profil IV.); drittens Kalk mit Feuersteinen, der wahr- 
scheinlich zum Bergkalk zu bringen ist, und viertens kicseligc Schiefer, welche wohl dem Uebcrgangsgebirge (Ilekla Hook und 
Krcuzbailager) angehören. Diese ältesten Lager sind in Folge einer Faltung über die miocenen geschoben. 

2) Herr Dr. Fr. Mohr sagt in seinem „Gcscliichtc der Erde" betitelten Buche S. 130, die Spitzbcrger-Kohlen bestätigen die 
Richtigkeit seiner Annohmc, dass die alten Steinkohlen aus Tangen entstanden seien, aufs glänzendste, es sei dieser neue Fund 
eine ungeheure Unterstützung, ja der Schlussstcin derselben, denn es sei hier nur eine Ablagerung von in der Ferne gewach- 
senen PHanzon möglich; in Spitzbergen sei an eine Vegetation nicht zu denken, kein Grashalm komme auf dem Festland zur 
Entwicklung; über die Temperaturverhältnisse werde man niemals Auskunft erhalten, denn nur in wenigen Wochen des bommers 
und nicht einmal in jedem sei es an einzelnen Stellen zugänglich, dagegen wuchere im Meer eine üppige Tangvegetation u. s. w." 
Nun sind aber die Kohlen Spitzbergens, wie wir gesehen haben, keine alten Steinkohlen, sondern Braunkohlen, sie zeigen, wie 



Geologische Verhältnisse. 39 

ist es kaum zu bezweifeln, dass alle Kohlen Spitzbergens dieser Formation angehören, welche im Westen 
Spitzbergens eine grosse Verbreitung hat, wahrscheinlich aber auch das Innere des Landes einnimmt. Es 
sprechen dafür die Kohlen und fossilen Hölzer, welche Lamont an den Ostküsten Spitzbergens (am Black 
Point in der Deeva-Bai) entdeckte, und die Kohlen, welche die Wallfischfänger in Menge an der Walter 
Thymcns-Strasse fanden. 

Aus dieser miocenen Bildung Spitzbergens sind uns bis jetzt im Ganzen 19 Pflanzenarten bekannt 
geworden, von welchen sie 8 Arten mit der miocenen aretischen und 5 Arten mit der miocenen mitteleuropäi- 
schen Flora gemeinsam hat; mit Island theilt sie 5, mit Grönland 6 Arten, darf daher in dieselbe Stufe der 
grossen Tertiärperiode eingereiht werden. 

Von pliocenen Ablagerungen ist aus Spitzbergen nichts bekannt, es sei denn, dass der Mytilus edulis, 
welchen die Herren TorcU und Malmgren an den Ufern der Hinlopenstrasse und Blomstrand an der Advent- 
bai in 'sub fossilem Zustand angetroffen haben, aus dieser Zeit herrühre. Gegenwärtig findet sich diese IMuschcl 
nirgends mehr in Spitzbergen, während sie an den scandinavischcn Küsten bis nach Ilammerfcst sehr häufig 
ist. In Spitzbergen ist sie wahrscheinlich während der Gletschcrzeit ausgestorben. Wie dies Land wälircnd 
dieser Zeit ausgesehen hat, ist nicht bekannt. Gegenwärtig ist das Land in langsamem Aufsteigen begriffen. 
Im Bellsund wird nach Robert (Voyage, S. 95) 39 Meter über dem jetzigen Meeresniveau eine Ablagerung 
fossiler Muscheln (Tellina, Mya und Saxicava) gefunden, die mit Arten übereinstimmen, Welche jetzt noch 
im dortigen Meere lebend getroffen werden, und Lamont sah dort 40 Fuss über dem Seespiegel und eine 
halbe Meile vom Ufer entfernt Walfischrippen, und auf einer der kleinen Inseln im Südosten Spitzbergens 
(den Tausend-Inseln) 40 Fuss über dem Seespiegel ein Skelett eines Walfisches. Auch die schwedischen 
Naturforscher fanden an fast allen Küsten Spitzbergens, mit Ausnahme des nordwestlichen Theiles, deutliche 
Anzeigen einer Hebung des Landes. An den nördlichen Küsten des Nordostlandes entdeckten sie am Cap 
Loven längs des Ufers 10 — 15 Fuss über dem Seespiegel eine Sandbank, in welcher Reste von Fischer- 
geräthen lagen, welche wahrscheinlich aus der Zeit herrührten, als die Holländer diese Gegenden besuchten. 
Walfischknochen und grosse Massen vom Moos bedeckten Treibholzes finden sich bei 20 Fuss über dem 
Meer auf den Sieben-Inseln. Subfossile Muscheln wurden in beträchtlicher Höhe an der Hinlopenstrasse und 
etwa 150 Fuss über Meer in dem Safehafen und der Adventbai des Eisfjordes beobaclitet, und am Starfjord 
fand j\Ialmgren wenigstens 100 Fuss über Meer einen beträchtlichen Theil eines Walfischskelettes. Eine 
genaue Vergleichung der holländischen Karte Spitzbergens von Giles und Outger Rep von Anfang des 
vorigen Jahrhunderts mit der. neuen schwedischen Karte zeigt Nordenskiöld (Sketch, S. 10), dass seit Mitte 
des 17. Jahrhunderts noch eine beträchtliche Hebung des Landes muss stattgefunden haben. Damit steht 
wahrscheinlich die Vergrösserung der Gletscher in Verbindung, welche ebenfalls aus dieser Vergleichung 
der Karten sich ergiebt und die in den letzten Jahrhunderten sein* beträchtlich zu sein scheint, so dass jetzt 
manche Thälcr mit Gletschern ausgefüllt sind, welche früher zugänglich waren'. So erzählt Nordenskiöld 
(Sketch, S. 9), dass er im Bellsund beim Grabhügel noch im Jahr 1858 einen Hafen fand, dessen schlam- 
miges Ufer an der Westseite durch hohe Berge, an der Nordostseite aber durch einen Hügel begrenzt war, 
auf welchem ein altes Kreuz stand (der Grabhügel im Profil Bellsund a.), während des Winters von 1860 
auf 1861 stieg der früher unbedeutende Frithjofs-Gletscher in das Tiefland hinab und deckte den Hügel 
gänzlich zu und bildet jetzt einen der grössten Gletscher Spitzbergens, welcher bis in das Meer hinausreicht 
und durch die immensen herabstürzenden Eisblöcke das Annähern der Boote verhindert. Nordenskiöld schreibt 
diesen mächtigen Eismassen Spitzbergens einen grossen Einfluss auf die Thalbildung zu und glaubt, dass 
dieselben die Thäler und Schluchten immer mehr vertiefen, so dass nach und nach das Land niedriger 
werden müsste, wenn nicht durch das fortwährende langsame Aufsteigen desselben diese Wirkung aufge- 
hoben würde. 

Gegenwärtig sind in Spitzbergen keine Vulcane mehr thätig. Aus frühern Weltaltern ist aber eine 
plutonische Bildung bekannt. Als solche haben wir eine Art dunkelfarbigen Trapp (den Hyperit) zu be- 
trachten, welcher nach Nordenskiöld die älteren Gebirgsarteu durchbrochen und sich wohl an den grossen 



Blomstrand angiebt, deutliche holzartige Textur, das sie umgebende Gestein enthält weder Tange noch marine Thiere, sondern 
gegentheils Land- und Süsswasserpflanzen (wie dies bekanntlich auch anderwärts überall der Fall ist); wir sehen daher, dass 
dieser ungeheuer wichtige Schlussstein der Theorie des Herrn Mohr dem Fundament des aus faulen Tangen errichteten Gebäudes 
vollkommen entspricht und es mit derselben dieselbe Bewandtniss hat wie mit seiner Behauptung, dass in Spitzbergen, wo jähr- 
lich 1000 bis 1200 Renthiere geschossen werden, kein Grashalm wachse, dass eine Ueberwinterung dort absolut unmöglich sei 
und wir über die Temperaturverhältnisse dieses Landes niemals Aufschluss erhalten werden 1 I 



4 



40 Spitzbergen. 

Störungen in den Lagerungsverliältnissen der Gebirge Spitzbergens betheiligt hat. Er tritt Avährend der 
Steinkohlen-, Trias- und Jura-Periode auf und ist zwischen dem Kalk- und Sandstein in mehr oder weniger 
mächtigen Schichten eingelagert; an einigen Stellen (so im Norden von Duym Point), bildet er ausschliesslich 
die Berge, welche in 1000 Fuss hohen FelsAvänden aufsteigen. Zur Jurazeit ist aber diese Thiitigkeit er- 
loschen, denn in den tertiären Ablagerungen finden wir sie nicht mehr. 

Ucberblicken Avir nochmals den geologischen Bau Spitzbergens, können wir nach Nordenskiöld (Sketch 
S. 50) die liauptmomente in folgender Weise zusammenstellen. 

^lioccn : Süsswasscrbildung mit Kohlen und Laubbäumen, Im Bellsund 1500 Fuss mächtig. 

Brauner Jura: Thonschiefer, Kalk und Sandstein. Dazwischen ein dünnes Hyperitlager. Am Agardh-Bcrg bei 

1200 Fuss mächtig. 



Trias: Schwarze bituminöso Kalklagcr, mit Sandstein und Hyperit wechselnd. Etwa 1500 Fuss mächtig. 

Saurier und Trias-Mollusken. 

Kohlen-Periode : e. Grosses regelmässiges Lager von Hyperit. 

d. Bcrgkalk mit Sandstein, Gyps und Feuersteinen. Voll Versteinerungen. 

c. Hyperitlager 

b. Cap Fanshawe, Lager mit grossen Corallen, 1000 Fuss mächtig. 

n. Ryss-Insel, Kalk oder Dolomit von 500 Fuss Mächtigkeit. 

Uebergangsgebirge : b. Rothe und rostfarbene Schiefer und Conglomerate. 

(Hekla Hook-Formation) a. Wenigstens 1500 Fuss mächtiges Lager von rothen und grünen Schiefern, grauer, weiss- 

geaderter Kalk und Quarzit. 

Krystallinisches Gebirg: b. Senkrecht aufgerichtete Lager von Glimmer und Hornblendegestcinen mit Schichten von Quar- 

ziten, krystall. Kalk und Dolomit, 
a. Gneiss und Granit. * 

Aus dieser Darstellung geht hervor, dass in Spitzbergen wie in Grönland und den arcti-sch-amcrikani- 
schen Inseln krystallinische Gesteine die Grundlage des Festlandes bilden. Das Uebergangsgebirge ist wohl 
durch mächtige Lager repräsentirt, doch kann dasselbe bei dem Mangel an Versteinerungen noch nicht den 
anderwärts ermittelten Stufen eingereiht werden. Die Conglomerate lassen auf die Nähe eines Festlandes 
schliessen, während zur Steinkohlenzeit ein von vielen Thieren belebtes Meer sich über diese Gegenden 
verbreitete. Die Trias und der Jura treten in bedeutender Mächtigkeit auf und haben uns lauter Meeresthiere 
aufbewahrt. Vom braunen Jura an fehlen alle Zwischenglieder bis zum Miocen, das als eine grosse Süss- 
wasserbildung erscheint und auf ein weites Festland zurückschliessen lässt. 



6ccf)8fc8(tnnitcf. i 

IVordsibirien. 

Von dem vielen Festland, Avelches in Asien innerhalb des arctischen Kreises liegt, haben wir nur eine sehr 
mangelhafte Kenntniss. Es wurden zwar die unermesslichen Einöden, welche längs des Eismeeres sich ausbreiten 
von Prof. G. A. Ermann und von russischen Reisenden, namentlich von Prontschischschew und seiner helden- 
müthigen Gemahlin, von den Brüdern Laptcw, von SchalauroAV und Hedenström, von Admiral Wrangel i) und 
seinen Gefährten Matiuchkine und Kozmine und in neuerer Zeit von Prof. von Middcndorff mit bewunderns- 
werther Ausdauer und Ertragung namenloser Entbehrungen untersucht, doch ist dies Land so ausgedehnt und 
seine Bereisung so schwierig, dass zur Zeit nur die ersten Grundlinien seines geologischen Baues uns bekannt 
geworden sind. Die meisten Aufschlüsse verdanken wir Middendorff, dessen vortreffliches Werk 2) viel neues 
Licht über die naturhistorischen Verhältnisse des nordasiatischen russischen Reiches gebracht hat. 

Krystallinische Gesteine sind in Nordsibirien bis jetzt erst im Taimyrland gefunden worden; es kommen 
da grosse Blöcke vor , die aus Granit, Gneiss , Glimmerschiefer u. s. w. bestehen , und die nach Middendorff 
wahrscheinlich aus dem nördlichsten Theile des Landes stammen, wo er allein (im Taimyrbusen) solche 
Gesteinsarten anstehend gesehen hat. Auch der ältesten Zeit angehörende Sedimentbildungen sind bis jetzt 
erst in dieser Gegend entdeckt worden und zwar sind es auch nur Triftgeschiebe, welche auf der Höhe der 
Taimyr-Tundra gesammelt wurden. Sie schliessen Reste von silurischen Thieren, von Orthoceras und Cala- 
mopora alveolaris und Spongites Goldf. (Middendorf I. S. 257. IV. S. 313) ein. Die von Ermann an der 



») Vgl. Lc Nord de la Sibdrie, voyage parmi les peuplades de la Russic asiatique et dans la mer glaciale, execut^ par 
MM. de Wrangel, chef de l'expedition, Matiouchkine et Kozmine, traduit du Russe par le prince E. Galitzin. 2 T. Paria 1843. 
2) Dr. A. Th. von MiddendorfT sibirische Reise. 4 Bände. 1847 bis 1860. 



Geologische Verliiütnisse. 41 

obem Lena bei Kirensk beobacliteten rotlicn Sandsteine mit obersilurischen Tlueren (Ortlioceras Ortliis und 
zwei Trilobiten) liegen ausserhalb des arctisehen Kreises. * 

In grösserer Verbeitung tritt das S t einkohl engebirg in Nordsibirien auf. Mit Sicherheit ist das- 
selbe nachgewiesen an der Lena. Dort wurde 2C0 Werst oberhalb Jakutsk zwischen Olekminsk und Bestjäch 
in einem Kalkstein am Suordach des Aldan der Calamites canngeformis und der lihodocrinus verus ge- 
funden 1). Dieser Fundort liegt nun zwar 6 Breitengrade vom Polarkreis entfernt, allein dieselbe Steinkohlen- 
formation, die aus Sandstein mit' Zwischenlagern von Letten und Steinkohlen besteht und. stellenweise von 
Kalkstein bedeckt ist, soll längs des ganzen Flussgebietes der Lena verbreitet sein, und bei genauerem Nach- 
sehen würde man wohl auch bestimmbare Pflanzen finden. So lange dies aber nicht der Fall ist, ist es 
schwer zu sagen, welcher Zeit die Steinkohlenlager angehören, welche an der untern Lena und Tun^uska 
vorkommen. 

Die Trias ist im arctisehen Asien noch nicht mit voller Sicherheit nachgewiesen, kommt aber wahr- 
scheinlich am Olenek und der neusibirischen Insel Kotjolnyi vor. Es hat Graf Keyserling von da 4 Ceratiten 
(C. Hedenströmi, C. Middendorffii , C. Euomphalus und C. Eichwaldi) beschrieben 2). Es findet sich diese 
Gattung allerdings auch in Jüngern Gebirgsschichten bis in die Kreide, aber zwei der genannten Arten 
stehen solchen von St.Cassian so nahe, dass sie mit Wahrscheinlichkeit auf Trias schliessen lassen und zur 
Annahme berechtigen, dass diese Ablagerung derselben Periode angehöre wie die St.Cassian-Bildung Spitz- 
bergens. 

An denselben Stellen finden sich Juraversteinerungen, welche nach Maak an den Quellen des 
Olenek ganze Felsen erfüllen sollen. Die Arten des Olenek haben lebhaft irisirende Schalen. Es führt Graf 
Keyserling von dieser Stelle 12 Arten auf, nämlich: 2 Belemniten (B. Kirghisensis Orb. und B. hastatus 
Blv. ?), 5 Ammoniten (A. polyptychus Keys., A. diptychus K., A. uralensis Orb., A. cordatus Sow., A. juve- 
nescens K.) , Turbo sulcostomus Phil. ? , Lyonsia Alduini Orb. , Cyprina Helmerseniana Orb. und Ancilla 
concentrica Fisch., welche nach Keyserling auf den mittlem Jura weisen und mit Arten des Petschoralandes 
übereinstimmen. 

Dieselben Juraschichten hat Middendorff auch im Taimyrland entdeckt 3), wo sie in einem schmutziggrauen 
Kalkstein liegen. Es hat Graf Keyserling aus denselben 17 Arten beschrieben, von denen die Neritina 
adducta Phil. ? , Panopa^a rugosa Goldf. , Cardium concinnum Buch. , Lucina; Phillipsiana Orb. , Gervillea 
lanceolata Goldf., Terebratula triplicata Phil, und Serpula tetragona Sow. auch anderwärts gefunden wurden. 

Die Kreide fehlt dem arctisehen Asien völlig, wenigstens ist sie zur Stunde noch nirgends aufge- 
funden Avorden *). Auch von eocenen Ablagerungen erfahren wir nichts und ebenso werden mioccne marine 
Sedimente gänzlich vermisst. Dagegen sind miocene Landbildungen in gxosser Verbreitung nachzu- 
weisen und sagen uns, dass damals hier Festland gewesen sei. Middendorff fand Lignit und Glanzkohle bei 
Tschum auf dem Weg zum Taimyrland. In der Tundra hat er am Fluss Boganida bei 71® n. Br. fossiles 
Holz gesammelt, welches Prof. Goeppert als Pinites Middendorffianus bestimmt hat (Middendorff I. S. 227. 
Taf. VII. Fig. 1 — 1) und an den Ufern des . Taimyrflusses fand er bei 74 ^ n. Br. theils versteinertes, theils 
verkohltes Holz, in welchem Goeppert auch ein Nadelholz (Pinites Bserianus Goepp.) erkannt hat. Diese 
Hölzer sind wahrscheinlich tertiär. 

Unfern der Chatangamündung (wahrscheinlich unter circa 7372° »• Br.) wurde schon zu Anfang des 
vorigen Jahrhunderts ein mächtiges Kohlenlager in Brand getroffen ; ein anderer Erdbrand unfern der untern 
Tunguska muss mindestens anderthalb Jahrhundert lang fortgedauert haben und weist ebenfalls auf ein 
weit verbreitetes Kohlenlager. Ob dieses indessen der miocenen Zeit angehöre, ist nicht sicher ermittelt, 
wogegen das freilich viel weiter südwestlich und weit ausserhalb des Polarkreises liegende, in der Kirgisen- 



1) Middendorff Reise. I. 134, 135, 151, 154. IV. 306. Olekminsk liegt bei circa COO n. Pr. 

2) In Middendorffs Reisewerk. I. 244 und IV. 302. Ceratites Middendorffi hat einen Durchmesser von 200 Hill, und ist dem 
C. ariratus Münst. nahe verwandt, der C.' Eichwaldi Keys, dem C. Busiris Münst, Graf Keyserling hat vom Olenek auch einen 
>^autilus (N, subaratus K.) beschrieben , welcher dem N. aratus Schi, des Lias sehr nahe steht. Da die Fundstätte von keinem 
Sachverständigen untersucht wurde, bleibt es zweifelhaft, ob diese Art in derselben Schicht mit den Ceratiten vorkommt, oder ob 
da wirklich Lias auftritt 

3) Middendorff Reisen. I. 253. Auch auf der neusibirischen Insel Kotjolnyi sollen ricsengn.ßse Jura-Ammonitcn vorkommen. 
«) Eichwald hat ein Riedtgras (Gyperites polaris Eichw. Lethsea rossica. II. G8. PI. III. Fig. 4) aus einem Kieselatein, der 

am Ausfluss der Lena gefunden wurde, abgebildet und sagt, er gehöre wahrscheinlich zur Kreide. Diese Angabe ist aber so 
unbestimmt, dass vor der Hand kein Werth darauf zu legen ist. Wir wissen nicht, wo dieser Kieselstein herstammt, noch auch, 

ob das anstehende Gestein zur Kreide gehöre. 

6 



42 Nordsibirien. 

steppe gelegene Kohlengebiet unzweifelhaft miocen ist >). Weiter östlich tritt erst an der Lena wieder Kohlen- 
bildung auf und das dazwischen liegende Land dürfte zur Tertiärzeit vom Meer bedeckt gewesen sein 
welches Meer wahrscheinlich mit dem grossen aralo-caspischen Seebecken zusammenhien"-. An den Ufern 
der Lena lassen sich aber zahlreiclie Braunkohlenlager aus der Gegend des Batkiaflusscs, etwa 100 Werst 
oberhalb Jakutsk bis in die Nähe des Eismeeres, in einer Erstreckung von circa 1800 Werst verfolgen. Sie 
liegen in der Gegend von Jakutsk über dem Kohlensandstein, Avelcher der alten Steinkohlenzeit angehört. 
Noch weiter im Süden erscheint diese Kohlenbildung wieder im Amurland, wo neuerdings in dem Thal der 
Bureja von Herrn Schmidt eine reiche miocene Flora entdeckt worden ist. Nach Norden zu erstreckt sich 
diese miocene Formation nicht nur bis zum Eismeer, sondern wahrscheinlich bis zu den neusibirischen Inseln. 
Auf diesen wurden ganz ähnliche Holzhügel entdeckt, wie wir sie vom Banksland beschrieben haben, und 
dass diese nicht, wie Middendorif annimmt, diluvial, sondern sehr wahrscheinlich miocen seien, gelit aus den 
Lagerungsverhältnissen hervor. Nach Hedenström treten längs der Südküste Neusibiriens in einer Erstreckung 
von 5 Werst etwa 30 Faden hohe Hügel auf, die aus horizontalen Lagern von Sandstein bestehen, welche 
mit Lagern, von bituminösen Holzstämmen wechseln. Beim Besteigen der Hügel finde man überall fossile 
Holzkohle, die mit Asche (?) bedeckt sei ; bei näherer Untersuchung zeige sich aber, dass diese Asche auch 
versteinert und so hart sei, dass man sie schwer mit einem Messer abkratzen könne. Auf der Spitze des 
Hügels finde sich eine andere Merkwürdigkeit, nämlich eine lange Reihe von Stämmen, die den vorhin 
erwähnten gleichen, aber senkrecht in dem Sandstein stehen. Die Enden, welche 7 — 10 Zoll hervorstehen, 
seien gebrochen und das Ganze sehe aus wie ein verfallener Damm. — Lieutenant Anjou erzählt von diesen 
Holzhügeln, dass sie 20 Faden hoch und dass stellenweise 50 und mehr Stämme mit ihren Enden heraus- 
gucken; die dicksten haben 10 — 11 Zoll im Durchmesser; das Holz sei nicht sehr hart, brüchig, schwarz, 
schwachglänzend. Wenn es ins Feuer gelegt wird, brenne es nicht mit einer Flamme, sondern glimme und 
gebe einen harzigen Geruch. — Die Wechsellagerung der Holzschichten mit Sandstein, die aufrechte Stel- 
lung der Bäume auf der Hügelspitze und auch die Höhe dieser Holzanhäufungen zeigen, dass sie nicht aus 
Trcibliolz entstanden sein können. Ueber ihr geologisches Alter wird zwar erst mit Sicherheit entschieden 
werden können, wenn diese Hölzer einer genauen Untersuchung unterworfen werden können; da sie aber 
unter ganz ähnlichen Verhältnissen vorkommen wie die unter demselben Breitegrad liegenden Holzberge des 
Bankslandcs, dürften sie wohl ebenfalls miocen sein. Für die grosse Verbreitung tertiärer Festlandbildungen 
im arctischcn Asien spricht auch das Vorkommen des Bernsteines und bernsteinartiger Harze, die an vielen 
Stellen des Eismeeres gefunden wurden, so am Behringmeer 2), am Ausfluss der Jana (mit Braunkohlen), an 
der Chatanga luid an der jurätskischen Küste zwischen dem Jenisei und Obi, wie er denn auch an den 
Küsten des weissen Meeres auf der Halbinsel Kanin zum Vorschein kam. 

Der Bernstein ist ein Product tertiärer Wälder, das sogenannte Noah- oder Adams-Holz dagegen 
wurde in posttertiärer Zeit abgelagert und ist als Treibholz zu betrachten, welches von den sibirischen 
Flüssen aus der Waldregion ins Meer geführt wurde, wie dies Middendorff in einleuchtender Weise gezeigt 
hat. Zur diluvialen Zeit war wahrscheinlich alles Land zwischen dem Jenisei und der Lena Meeresboden. 
Es scheint das Meer bis an den Altai gereicht zu haben, da im Baikalsee Seehunde und einige marine 
Crustaceen vorkommen, welche wahrscheinlich aus der Zeit herrühren, wo dieser See eine Bucht des Nord- 
meeres bildete. Die Meermuscheln, welche im Innern Sibiriens, 5 Breitegrade vom jetzigen Eismeer ent- 
fernt, getrofi'en werden, stimmen mit den jetzt im Eismeer lebenden Arten überein und sagen uns, dass 
diese Meeresbedeckung zu einer Zeit stattfand, wo das Eismeer schon von den jetzigen Thierarten bevölkert 
war 3). In dieses Meer mündeten die aus dem südlichen Sibirien kommenden Flüsse und- führten ihm grosse 
Holzmassen zu, welche theilweise am Strande eingeschlämmt wurden. Ailmälig wurde das Land gehoben, 
die Flüsse rückten weiter nach Norden vor und gruben sich tiefere Betten, daher gegenwärtig das in frühern 



^) Es liegt 96 Werst östlich von Orenbnrg, Das die Kohlen umgehende Gestein enthält unzweifelhafte miocene Pflanzen, 
nämlich Sequoia Langsdorfii, Taxodium dubium, Corylus insignis, Dryandra Ungeri, Zizyphus tilisefolius, die Blätter einer Buche, 
einer Hainbuche und von 3 Eichenarten. Vgl. H. Abich, Beiträge zur Paläontologie des asiatischen Rusaland. M6m. de l'Acad. des 
Bciences de St-Petersburg. VII. ser. T. VIT 1858. p. 570. 

2) Auch auf Unalaschka, Kadjak und Sitcha, wie in Kamtschaka wird Bernstein gesammelt. An der Chena, einem Kcbcn- 
fluss der Chaianga wird er von den Jakuten am Uferabsturz gegraben und Myralada genannt. Vergl. Middendorff Reisen. IV. 
S. 255. 

3) Middendorff (Reise IV. S. 251) fand im Taimyrland 60, ja bis 200 Fuss über dem jetzigen Flussspiegel und in einem 
Abstand von mehr als 200 Werst vom Meer (an der Logata) : Mya truncata, TeUina lata, Saxicava rugosa, Nucula pygmasa, Baianus 
sulcatus. 



Noaliholz. Mcammutlie. 43 

Zeiten verscliljimmte Noaliholz in den weit ausgedehnten Tundren bis 200 Fuss hoch über dem Wasserspiegel 
gefunden wird. Da das Treibholz leichter ist als das Meerwasser, sinkt es in offenem Meer nicht zu 
Boden, sondern wird nur an den Küsten abgelagert, wo es auf Sand- und Schlammbänkcn 
strandet. Zur Zeit der grösstcn Meeresbedeckung wird daher die Ilolzablagcrung am weitesten südlich vom 
jetzigen Strand stattgefunden haben und bei der allmälig fortschreitenden Hebung des Landes wird sie dann 
immer weiter nach Norden vorgerückt sein, so dass eine zonenweisc, zur Zeit freilich nicht nachweisbare 
Ablagerung der Hölzer und Thierreste anzunehmen wäre, indem jede Zone den jeweiligen Küstenrand 
bezeichnen würde. Für einen solchen Vorgang spricht der Umstand, dass im Taimyrland das Noahholz 
häufig bis zum 691/2 ^ n. Br. getroffen wird, während der Taimyrfluss jetzt nirgends das Waldgebiet erreicht, 
und noch mehr die Baschaffenheit dieses Holzes, indem es nach Middendorff zersplittert und abgerieben sei 
und ganz das Aussehen des Treibholzes habe. Die sibirische Lärche hat das PLauptmaterial für dieses Noah- 
holz geliefert, doch scheinen auch Fichten und Espen dazu beigetragen zu haben, diese ungeheuren PIolz- 
massen zu erzeugen, welche über die unermesslichen baumlosen Tundren Nordsibiriens sich verbreiten und 
seit alter Zeit den Samojedcn, Jakuten, Dolyänen und Tungusen das meiste Brennmaterial liefern. Es ist 
dies ein Erzeugniss der Diluvialzeit, während welcher da, wo Festland sich gebildet hatte, auch Torfmoore 
entstehen konnten, so dass wohl in denselben Gegenden auch ähnliche diluviale Kohlen entstehen konnten 
wie wir sie in unsern Schieferkohlen von Utznach und Dürnten haben, und es wird vielleicht eine wieder- 
holte sorgfältige Untersuchung dieser merkwürdigen Erscheinung zeigen, dass §ie nicht allein der Treib- 
holzbildung ihren Ursprung zu verdanken habe. 

In demselben diluvialen Boden mit dem Noahholz liegen die Reste grosser fossiler Thiere von 
denen das Mammuth (Elephas primigenius Bl.) und das haarige Rhinoceros (Rh. tichorhinus) viel be- 
sprochen worden sind. Der mit langen steifen Haaren und einem Wollpelz bekleidete Elephant war so häufig, 
dass nach einer Berechnung von Middendorff im Lauf der letzten zweihundert Jahre von wenio-stens 20 000 
Mammuthen die Zähne in den Handel gekommen sind und auch jetzt noch jährlich etwa 40,000 Pfund 
fossiles Elfenbein aus Nordsibirien ausgeführt wird. Middendorff weist nach (Reisen IV. 278), dass im Lauf 
von anderthalb Jahrhundert 5 bis 6 solcher Riesenthiere mit wohlerhaltenen Weichtheilen (Muskelfleisch, 
Adern noch gefüllt mit gestocktem Blut, Augen, worin noch die Iris erkennbar und Knochen mit dem Mark) 
und dem Haarkleid im festgefrornen Boden ^) gefunden worden sind. Das östliche Sibirien scheint der Hauptherd 
dieses merkwürdigen Thieres gewesen zu sein, da seine Reste hier in grösster Menge sich finden und am 
weitesten nach Noi-den reichen, indem sie auch auf den neusibirischen Inseln sehr zahlreich auftreten. Nach 
Osten können wir sie bis an die Grenzen Asiens verfolgen, sie erscheinen aber auch im russischen Amerika 
in Menge. Nach Westen geht die Verbreitung des Mammuth bekanntlich über Nord- und Mitteleuropa und 
reicht bis zu den britischen Inseln, daher dieses Thier zur Diluvialzeit einen ungemein grossen Verbreitungs- 
bezirk über einen grossen Theil der gemässigten und kalten Zone gehabt hat. Bemerkenswerth ist aber, 
dass es in Europa in der erstem, in Asien aber voraus in der letztern getroffen wird; in Europa reicht es 
nirgends zum arctischen Kxeis 2), während es in Sibirien denselben um 8 Breitengrade überschreitet. In 
Deutschland und der Schweiz tritt das Mammuth erst zur spätem Gletscherzeit auf, es fehlt dem altern 
Diluvium und der Utznacherbildung. Es ist kaum denkbar, dass das Mammuth zu einer Zeit in Nordsibirien 
gelebt habe, als über das Alpenland und den Norden Europa's unermessliche Gletscher sich ausbreiteten. 
Es trat dieses Thier in Sibirien als seiner ursprünglichen Heimat und Bildungsherd wahrscheinlich sclion 
früher auf. Nehmen wir an, dass es dort zur Zeit der Utznacherbildung zu Hause gewesen, so wissen wir, 
dass damals die Schweiz eine ähnliche Flora bekleidete wie gegenwärtig, Sibirien mag damals (in Folge der 
niedrigeren Lage des jetzigen centralasiatischen Hochlandes) noch wärmer gewesen sein als gegenwärtig und die 
Waldflora daher auch etwas weiter nach Norden gereicht haben. Es mögen diese Thiere im südlichen Sibirien 
überwintert, im Sommer aber herdemveise nach Norden gewandert sein, wie dies noch jetzt bei den Ren- 
tieren beobachtet wird, welche im Sommer in Ungeheuern Zügen aus der Waldregion zum Eismeer ziehen. 
Auf diesen Wanderungen mögen manche im Schlamm versunken imd zu Grunde gegangen sein und sich 
daraus die Thierleichen erklären, welche aufrecht stehend im gefrornen Boden gefunden wurden und uns 



») Adams hatte angegeben, dass er das Mammuth im Eis (au milieu de gla^ons) gefunden habe, spätere Untersuchungen 
haben aber gezeigt, dasa die so merkwürdig wohl erhaltenen Mammuthleichen nicht im Eis, sondern im gefrornen Schlamm liegen. 
Vgl. Middendorff Reise IV. S. 294. 

*) Eichwald sagt in der Lethtea rossica (III. S. 348): II n'existe aucune trace d'ossements de Mammouths en Finland, au 
gouvernement d'Olonetz, de St-P^tersbourg et en Eathonie. Er erscheint, obwol höchst selten, in Lifland und Curland. 



I 



44 Nordsibirien. 

sagen, dass seit dieser Zeit dieser Boden niemals aufgetliaut ist. Die Hauptmasse des sibirischen Elfenbeins 
kommt indessen von Thieren, deren Zähne allein erhalten blieben ») und diese mögen von Skeletten her- 
rühren, die wie das Noahholz aus grosser Entfernung hergesehwemmt wurden, während dies bei den mit 
Haut und Haar gefundenen Tieren kaum angenommen werden darf 2). 

Das dichte Plaarkleid des Mammuth, welches bis zu den Knieen hinabreichte, muss diesem Thiere 
Schutz gegen die, Kälte gewährt haben und dasselbe war der Fall beim haarigen Rhinoceros (Rh. ticho- 
hinus), dem steten Begleiter des Mammuth. Ein ähnliches Haarkleid hatte ohne Zweifel der Bis am ochs 
(Ovibos Pallasi Dckay sp.), dessen Knochenreste in Nordsibirien entdeckt wurden, da er dem lebenden Thier 
sehr ähnlich ist, welches selbst zur Winterszeit auf den arctisch-amerikanischen Inseln sein Leben zu fristen 
vermag. Aber auch ein Schaf (Ovis nivicola?) und das Pferd 3) erscheinen unter den diluvialen Thieren 
Nordsibiriens. Das Renthier aber wird dort aus dieser Zeit nicht erwähnt, während es doch in Europa mit 
dem Mammuth auftritt und gegenwärtig über die ganze arctische Zone verbreitet ist. 



Sicßenfcs ttapifef. 
Rückblick. 

So lückenhaft auch unsere Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der Polarländer ist, ergeben sich 
aus dem Angeführten doch einige Resultate, welche für die Geschichte der Erde von grosser Bedeutung 
sind. Die Grundlage des Bodens bilden auch hier, wie in den übrigen Theilen der Erde, krystallinische 
Gesteine und zwar der weit verbreitete Gneiss und Granit, welche in Norwegen, Spitzbergen, im Norden 
des Taimyrlandcs, in Grönland, an den ajrerikanischen Küsten, der Baffinsbai und einigen Inseln des dortigen 
Archipels zu Tage treten. Auf diese letztern folgen in ziemlich grosser Ausdehnung marine Ablagerungen 
aus der silurischen Zeit, zu denen vielleicht auch die Hecla Hook-Formation Spitzbergens gehört. Das" 
älteste nachweisbare Festland taucht auf der Melville-Insel und in Ostsibirien auf, deren Steinkohlen 
auf diesem sich gebildet haben ; es scheint einen geringen Umfang gehabt zu haben , während die marinen 
Kalke dieser Zeit (der Bergkalk) eine grosse Verbreitung hatten und auf dem nordischen amerikanischen 
Archipel, der Bäreninsel, in Spitzbergen und dem arctischen Russland (im Petschora-Land) vorkommen und 
uns von einem reichen Tlüerleben erzählen. 

Die Trias ist zur Zeit erst in Spitzbergen sicher nachgewiesen, tritt aber wahrsclieinlich am Olenek 
und hl Ncusibiricu auf; vielleicht auch auf der Exmouth-Insel des amerikanisohen Archipels. 



') Wrangcl (Voyage II. B. 8) sagt, C3 sei unerklärlich, warum so viel Zähne und Hauer, so selten aber die Knochen ge- 
funden werden, wobei er aber nicht bedacht hat, dass die letztern der Zerstörung sehn' Her unterliegen, als die erstem. — Nach 
Wrangel findet man auf den neusibirischen Inseln die am besten erhaltenen Zähne und von colossaler Grösse, die bis 197 
Kilogrammes wägen. Ein Kaufmann aus Jakutsk habe 1821 aus Neusibirien über 8000 Kilogrammes Elfenbein bester Qualität 
bezogen (Voyage IL S. 10). Am Eismeer sah er bei 700 56' n. Br. und 155" 31 ' ö L. von Gr. einen aus weissem Sand geb-l- 
deten Hügel, der mit halbvermoderten Mammuthknochen bedeckt war. 

2) Vgl. die treffliche Abhandlung von Prof. J. F. Brandt, Mittheilungen über die Naturgeschichte des Jtlammuth oder 
Mamont. St.Petersburg 1866. S. 31. Er hält dafür, dass das Mammuth von den Zweigen der Nadelhölzer gelebt habe und die 
intakt in gefrorncm Boden steckenden Leichen nicht dahin transportirt worden seien, sondern dass die Thiere an ihrem Fundorte 
gelebt haben. MiddendoriY dagegen (Reisen IV. S. 289) lässt alle im hohen Norden gefundenen ]Mammuthe durch die Flüsse dahin 
gelangen. Das Thier, welches Middcndorff im Taimyrland bei 75 o n. Br. und etwa 40 Fuss über dem ieeniveau fand, lag auf der 
Seite und die Weichtheile waren verschwunden. Dieses mochte wohl aus grosser Ferne hergeschwemmt sein. Das weltberühmte 
^lammuth, das 1799 an der Mündung der Lena entdeckt und nach 7 Jahren von Adams ausgegraben wurde, war nicht mehr an 
der ursprünglichen Lagerstätte. Das Thier, welches 1839 aus den Uferabstürzen eines Sees westlich von der Mündung des Jenisei 
zum Vorschein kam und dessen Reste in Moskau aufbewahrt werden, wurde in senkrechter Stellung gefunden, stürzte dann aber 
mit der Erde hinunter und gieng, Jahre lang der Verwitterung preisgegeben, grossentheils zu Grunde (Middendorff Reisen IV. 
S. 273. 284). Auch das Ricaenthier, welches mit Haut und Haar aus dem sandigen Ufer des ins Eismeer fliessenden Srcdnc Kolymak 
herausgespült wurde, soll in aufrechter Stellung sich vorgefunden haben (Middendorff IV. 277). Bei dem neuerdings bei 70 <> n. Br. 
gefundenen Mammuth, welches Magister Schmidt an Ort und Stelle aufgesucht hat, waren die Weichtheile verschwunden und 
nur noch grosse Bündel borstiger Haare und einzelne Hautlappen erhalten. 

3) Reste des Pferdes wurden von Middendorff am Taimyrfluss (Reisen iV. S. 292) und von Hedenström auf den neusil irischen 
Inseln gefunden Auch in der Eschscholzbai wurden Knochen entdeckt, die nicht von solchen des lebenden Pferdes zu unter- 
scheiden waren. / 



i 



Rückblick. 45 

Der vielgliedrige Jura ist nur in den mittlem Abthcilungcn nachgewiesen, tritt aber wenigstens 
in einzelnen Ablagerungen in weit auseinander liegenden Gegenden auf, auf der Patrick- und Bathurst-Inscl, 
in Spitzbergen , in Nordrussland (im Petschora-Land) , in Nordsibirien , auf den Inseln von Neusibirien und 
wahrscheinlich auch in Nordgrönland. ») Es hat daher zur Zeit des Braunjura ein weites Meer über das 
grosse arctische Gebiet sich verbreitet und es seheint über Russland bis in die Krimm hinabgereicht zu 
haben. 

Der obere weisse Jura fehlt und auch aus der Kreide sind zur Zeit keine marinen Petrefacten 
aus der Polarzone bekannt. Dagegen sind mir neuerdings von Korne aus Nordgrönland Landpflanzen zuge- 
kommen, welche der Kreide angehören. Ich habe auf S. 7 diese Fundstätte fossiler Pflanzen beschrieben 
und bemerkt, dass über die geologische Stellung derselben noch Zweifel walten. Seit Obiges gedruckt war, 
habe ich diese Pflanzen aus dem geologischen Museum zu Kopenhagen zur Untersuchung erhalten und zu 
meiner Ueberraschung gefunden, dass sie von den miocenen Grönlands ganz verschieden sind. 2) Die Laub- 
blätter fehlen gänzlich; es sind lauter Farm und Gymnospermen. Unter letztern erscheint eine Cycadee 
(Zamites arcticus Gocpp.) und ein in der obern Kreide weit verbreitetes Nadelholz (die Sequoia Reichenbachi 
Gein. sp.), unter den Farrn mehrere Gleichenien, von denen eine (Gl. Zippei) auch in Unteröstreich, in 
Böhmen und in Quedlinburg vorkommt. Sie liegen in einem dunkel-grauen Schieferthon, sehr wahrscheinlich 
in demselben, den Gieseke in der Umgebung der Kohlen angiebt (vgl. S. 7) und der die Kohlen von Korne 
deckt. In diesem Fall sind diese Kohlen viel älter als die übrigen Kohlen Nordgrönlands und müssen tiefer 
liegen als diejenigen auf der Südseite der Noursoak-Halbinsel, wofür auch angeführt werden kann, dass sie nach 
Gieseke unmittelbar dem Gneiss aufruhen. Diese sehr unerwartete Entdeckung ist wichtig, weil diese Pflanzen 
die ersten Zeugen von arctischem Festland in der Kreidezeit sind und überhaupt die einzigen Kreideverstei- 
nerungen, die uns bis jetzt aus dem hohen Norden zur Kenntniss gekommen sind. 

Ueber die chemische Zusammensetzung des Gesteins, welches diese Kreidepflanzen enthält, giebt eine 
Analyse welche Herr Dr. V. Wartha vorgenommen hat Aufschluss. Derselbe theilt mir darüber Folgendes mit : 

„Das mir zur Untersuchung übergebene Gestein ist ein dunkelgrauer bis graublauer, dünnblättriger, 
sandiger Schieferthon. Es ist leicht zerreiblich, befeuchtet im Achatmörser gerieben knirscht dasselbe 
(was auf Beimengung von etwas Sand hindeutet), es braust mit Säuren nicht auf, verliert beim Erhitzen 
Wasser und brennt sich vollständig weiss. 

„Die qualitative Analyse ergab: Kieselsäure, Spur Titansäure, Spur Phosphorsäure, Thonerde, wenig 
Eisen, Spur Kalk, Magnesia und Kali, Wasser und organische Substanz. 

„Die quantitative Analyse ergab: Kieselsäure, im Mittel aus zwei Analysen = 49,93 pCt; die auf 
bekannte Weise erhaltene Thonerde war durch sehr wenig Eisen schwach gelblich gefärbt, daher die Tren- 
nung nicht vorgenommen wurde. Ihre Menge betrug 28,22 pCt. Der Glühverlust, aus Wasser und organischer 
Substanz bestehend, betrug 14,01 pCt., der Rest von 7,84 pCt. fällt auf die Magnesia und Kali, die nicht 
besonders bestimmt wurden." ;, 

Das Gestein, welches die Kreidepflanzen umschliesst, ist daher ganz verschieden von demjenigen der 
miocenen Localitäten Grönlands. . f 

Aus der grossen Tertiärperiode sind, mit Ausnahme des Pliocen, keine Meeresablagerungen bekannt. 
In Island treten an der Grenze des Polarkreises einzelne marine Ablagerungen auf, welche aber in die 
jüngste Abtheilung des Tertiär gehören, in die Zeit, zu welcher durch eine allgemeine Bodensenkung 
Britannien in eine Zahl von Inseln aufgelöst Avar. Auch in Grönland ist diese durch eine marine Ab- 
lagerung angedeutet. Mit diesem gänzlichen Mangel an eocenen und miocenen Meeresthieren in der arctischen 
Zone hängt wohl das Auftreten ihrer reichen Landflora zusammen. Sie bezeugt uns, dass in Grönland, auf 



1) Ich habe in diesen Tagen durch Herrn Prof. Steenstrup die S. 8 erwähnten Ammoniten zur Ansicht erhalten ; der von 
Korne stellt einen unbestimmbaren Durchschnitt dar, der in einem Rollstein gefunden wurde. Von den drei andern Stücken ist 
der Fundort unbekannt, sie seien seit langer Zeit im Museum von Kopenhagen ohne nähere Bezeichnung als „Grönland". Sie 
gehören in die Gruppe der Macrocephalen und ein Stück steht dem Ammonitcs tumidus v. Bucli sehr nahe; die etwas weiter oben 
beginnende Gabelung der Rippen dürfte zur Trennung nicht hinreichen. Diese Art weist auf den obern Braunjura, daher diese For- 
mation in Grönland sich finden dürfte Die Stelle, wo diese Formation anstehend ist, ist aber noch aufzusuchen. Herr Th. Hoff 
glaubt, dass der Jura in Korne sich finde (vgl. cm Alderen af de i Grönland optratende geognost. Formationcr S. 5). Allein wir 
werden gleich zeigen, dass der dortige Schieferthon nicht zum Jura, sondern zur Kreide gehört. 

2) Herr Prof. Gceppert hatte sie für miocen gehalten, weil er eine dieser Pflanzen für die -equoia Langsdorfii genommen 
liatte (vgl. S. 8). Die mir übersandten Pflanzen haben mir gezeigt, dass dies ein Irrthum war, und dass die betreflcnden Stücke 
nicht zu Sequoia, sondern zur Pinus Crameri gehören. 



46 Rückblick. 

dem BankslancI und der Patrick-Insel, in Nordcanada, in Nordsibirien (im Ta;y-mirland und an der Lena), auf 
den ncusibirisclien Inseln, in Spitzbergen und Island, also rings um den arctisclien Kreis, Festland gewesen 
ist. Ob alle diese Fundorte von Landpflanzen nur Inseln oder aber ein zusammenhängendes Festland über 
das ganze jetzige Becken der arctisclien See gebildet haben, lässt sich zur Zeit nicht mit Sicherheit ent- 
scheiden ; so lange aber keine miocenen marinen Thiere aus dieser Zone nachgewiesen werden können, muss 
das letztere als wahrscheinlicher erscheinen, da die grosse Verbreitung der arctisclien Baumarteu auf einen 
solchen Zusammenhang des Landes schliessen lässt. 

Eine grosse Aenderung gieng zu Ende der Tertiärzeit vor sich , indem .eine allgemeine Senkung des 
Landes der Polarzone stattgehabt haben muss. Es kamen der nördliche Theil von Nordamerika und damit 
die jetzigen Inseln des arctisclien Archipels, ebenso ein Theil von Grönland, von Island, von Skandinavien, 
von Nordrussland und Sibirien unter Wasser, wie aus den früher erwähnten Thatsachen hervorgeht. Zur 
diluvialen Zeit hatte die arctische Zone wahrscheinlich viel weniger Festland als gegenwärtig, und es hat 
vielleicht, wenigstens in einzelnen Abschnitten dieses Zeitalters, fast ganz gefehlt. — Dann trat wieder eine 
Hebung des L.^ndes ein und es tauchte allmälig das Land auf, welches jetzt dort über das Meer sich erhebt. 
Mit Ausnahme von Westgrönland ist alles Land der Polarzone in langsamem Aufsteigen begriffen, Nord- 
canada, das nördlichste Grönland, Island, Spitzbergen, Skandinavien und Nordsibirien. In Skandinavien ist 
das Aufsteigen am stärksten am Nordcap, verliert sich aber bei circa dem 56^'^" Grad n. JBr., und die Süd- 
spitze Schwedens ist im Sinken begriffen. In Grönland dagegen fällt die Achse in die Nähe von 77 " n. Br., 
indem nach Kane das nördlicher liegende Land an der allgemeinen steigenden Bewegung der Polarländer 
Theil nimmt *) , während die weiter südlichen Westküsten in einer Ausdehnung von 600 engl. Meilen im 
Sinken begriffen sind, und somit eine höchst auffallende Ausnahme bilden und unä zeigen, dass dieses Steigen 
des arctisclien Landes nicht von einem Zurückweichen des Meeres aus den Polarländern hergeleitet werden 
kann 2). Die in Westgrönland zwischen dem 70^'®° und 71^'®" Grad n. Br. über dem Seespiegel gefundenen 
pliocenen Muscheln (S. 15) zeigen uns aber, dass seit der pliocenen Zeit anfangs auch dieses Land in die 
Plöhe gehoben wurde und es gegenwärtig nicht so weit sich wieder gesenkt hat, um das Niveau der pliocenen 
Muschellagcr zu erreichen. 

In Island und auf der kleinen Insel Jan Mayen sind jetzt noch Vulcane thätig und arbeiten dort an 
der Umbildung des Landes. In allen übrigen Theilen der Polarzone ist dagegen keine sichere Spur jetziger 
vulcanischer Thätigkeit zu finden, während sie zur tertiären Zeit in Island und Grönland sich in grossartig- 
ster Weise äusserte und die mächtigsten Trappgebirge über das Braunkohlenland aufthürmte. In Spitzbergen 
ist diese Thätigkeit schon zur Jurazeit erloschen, hat aber von der Steinkohlenperiode an bis zum Jura sich 
am Aufbau dieses Landes bethätigt. ^) Auf der Prinzessin-Insel auf der Ostseite des Bankslandes kommen ein 
schwarzer Basalt und durch Hitze veränderte rothe Felsen vor und auf der Eglinton-Insel Grünsteine mit 
Quarzfelsen und groben rostrothen Gerollen, deren Alter aber nicht bekannt ist. 



Dritter Abschnitt. 

üebersicht der fossilen Pflanzen der Polarzone. 

Wir kennen aus dem hohen Norden fossile Pflanzen aus vier weit auseinander liegenden Perioden, die 
.wir hier übersichtlich zusammenstellen wollen. 



') Ivane arctic explorations II. p. 278. Es beginnt die Senkung des Landes südlich vom Wostenholm-Sund, bei Upernivik 
ist sie schon sehr deutlich. 

2) Es hat Eugene Robert in dem grossen Reisewerke, das von Gaimard herausgegeben wurde, viele Thatsachen über das 
allmälige Aufsteigen des Festlandes gesammelt, leider hat er aber auf die genauere Bestimmung des Alters der voni Meere gebil- 
deten Ablagerungen nicht die nöthige Sorgfalt verwendet. Die wichtigen von Bravais bei Hammerfest gemachten Beobachtungen 
sind von Prof. Martins zusammengestellt in seinem interessanten "Werke „Du Spitzberg au Sahara" S. 131. Sie zeigen, dass die 
Hebung des Landes nicht durch ein Zurückweichen des Meeres erklärt werden kann. 

5) Es werden die Mandelsteine, welche am Ausfluss des Taimyrsees die dortige Grauwacke durchbrochen haben, von Mid- 
dendorff (öibirische Reise IV. S. 319) für vulcanischc Gebilde gehalten ; doch ist die Sache noch zweifelhaft. Die Basalte und 
absaltischcn Laven in der Umgebung des Ochotskischen Meeres und im Innern Sibiriens, namentlich in Transbaikalien, liegen 
ausserhalb des arctischen Kreises; ebenso die grossen vulcanischen Erscheinungen von Kamtschaka. 



47 

I. Steinkohlen-Periode. 

Die Zahl der uns bis jetzt bekannt gewordenen Pflanzen dieser Periode ist sehr gcrin-, aber nur weil 
man auf das Sammeln derselben an den weit abgelegenen Fundorten keine Sorgfalt verwenllet hat und das 
Wenige, was wir haben, fast nur durch Zufall uns zugekommen ist. Wir kennen zur Zeit erst welche aus 
dem arctisch-amerikanischen Archipelagus ^) und zwar fol<^ende Arten : 

1 ScLizoptcris mclvillcnsis. 5. Lepidodcndron Ppore. 0. N^ggcrathia M'Clintockii. 

2. Cycloptcns sp. G. Lcpidopl.yllum obtusum. 10. „ Franklini. 

3. Pccoptcris Bp. 7. Cardiocarpus circularia. 11. Thuitcs Parryanus. 

4. Lepidodcndron Vclthcimianum Ptb. 8. Nccggcrathia polaris. 12 Pinus Bathursti. 

Ich habe diese Pflanzen auf S. 19 besprochen. Obwol sie nur in sehr schlecht erhaltenen und daher 
schwer- deutbaren Bruchstücken auf uns gekommen sind, sagen sie uns doch, dass die Steinkohlenflora der 
Polarlcänder, wie die Europa's und Nordamerika's , vorherrschend aus Gefässkryptogamen bestand, denen 
einzelne Nadelhölzer beigemischt waren. 

II. Kreide. 

Es sind bis jetzt nur an einer einzigen Stelle, in Kome in der nordgrönländischen Bucht von Omcnak, 
Kreidepflanzen entdeckt worden. Es liegt dieser Fundort unter demselben Meridian wie Ätanekerdluk, aber 
um einen halben Grad weiter im Norden, an der gegenüberliegenden Küste der Halbinsel Noursoak. Trotz 
dieser geringen Entfernung ist die Flora gänzlich verschieden, so dass sie ^us einer ganz andern Zeit 
stammen muss. Es sind mir von da 16 Pflanzenarten zugekommen, nämlich: 

1. Sphenopteris Johnstrupi. 5. Gleicheiiia rigida. 9. Danaeites firmus. 13. Sequoia Reichenbachi. 

2. Gleichenia Giesekiana. 6. Pecopteris arctica. 10. Sclerophyllina dichotoma. 14. Pinus Peterseni, 

3- n Zippei. 7. „ borealis. 11. Zamites arcticus. 15. „ Crameri. 

4- « Rinkiana. " 8. „ hyperborea. 12. Widdringtonites gracilis. 16. Fasciculites grcenlandicus. 

Die Hauptmasse besteht demnach aus Farrnkräutern, sie bilden fast 2/3 der Arten, während in Ätanekerdluk 
nur Vi5 ; überhaupt besteht die Flora, soweit sie uns bis jetzt bekannt ist, nur aus Farrn, Cycadeen, Nadel- 
hölzern und einer Monocotyledone ; von Laubbäumen finden wir keine Spur, während Ätanekerdluk uns eine 
Fülle derselben weist. Aber auch die Farrn und Gymnospermen sind gänzlich von denen des übrigen Grön- 
land verschieden und es findet sich keine einzige übereinstimmende Art. Während die miocenen Farrn von 
Ätanekerdluk zum Theil wenigstens jetzt in Europa lebenden Gattungen einverleibt werden können, sind die von 
Kome von ganz abweichender Tracht und indischen und südamerikanischen Arten zunächst zu vergleichen. 
Die meisten Arten gehören zu den Gleichenieu und die häufigste (die Gleichenia Giesekiana) konnten wir nach 
der gabeligen Zertheilung der Blattspindeln, der Form, Nervatur und wohlerhaltenen Fruchtbildung mit 
Sicherheit einer Gattung (Gleichenia) einreihen, welche in der Kreideformation aus verschiedenen Gegenden 
Europa's bekannt ist, aber schon zur miocenen Zeit aus diesem Welttheile verschwand, und jetzt nur im 
südlichen Afrika, in Indien, Südamerika und Australien sich findet. Es können 4 Arten von Kome dieser Gattung 
zugetheilt werden, von denen eine (Gl. Zippei) auch aus der deutschen und böhmischen Kreide bekannt ge- 
worden und eine zweite (die Gl. Rinkiana m.) mit der Gleichenia (Didymosorus) comptoniifolia Deb. sp. von 
Aachen und der Gl. Kurriana Hr. von Moletein verglichen werden kann. Eben so merkwürdig ist ferner ein ■ 
mit grossen Fruchthäufchen bedeckter Farrn aus der Familie der Marattiaceen (der Danaeites firmus), welcher 
der europäischen Flora jetzt ganz fremd ist, aber in der Kreide von Aachen in einer sehr ähnliclicn Form 
auftritt. Die Sclerophyllina dichotoma schliesst sich nahe an eine Wealdeu-Art an (die Sei. nervosa Dkr. sp.), 
und dasselbe gilt von dem Zamites arcticus Goej^p., welcher dem Z. Lyellii Dkr. ungemein ähnlich sieht. 
Das Vorkommen dieser Cycadeen in Nordgrönland kann uns nicht befremden, da sie zur Kreidezeit noch 
allgemeine Verbreitung hatten, wogegen dasselbe allerdings sehr auffallend sein würde, wenn Kome miocen 
wäre. — Unter den 4 Nadelhölzern ist die Sequoia Reichenbachi Gcin. sp. (Geinitzia cretacea Endl.) 
von grosser Bedeutung. Sie bildet eine Leitpflanze für die Kreide. In Sachsen kommt sie nach Geinitz in 
dem untern und mittlem Quader- (Cenoman) und im Plänersandstein, sowie in den Plänerkalken vor, findet 
sich aber auch in Böhmen, Mähren (in Moletein) und in Belgien. Ihr Auftreten in Kome ist daher für die 
Altersbestimmung dieser Localität entscheidend. Freilich steht sie der Sequoia Stcrnbergi sehr nahe, wie sie 
anderseits auch an Geinitzia, an Volzia und selbst an Walchia erinnert. Ihre Bestimmung ist daher nicht leicht, 



') Wir haben früher gezeigt, dass auch in Ostsibirien palojophytischc Steinkolcn im arctischen Kreis sich finden, dass aber 
der Fundort der einzigen bis jetzt von dort bekannten Steinkohlenpflanze (der Calamites) ausserhalb desselben liegt. 



48 Kreideflora Grünlands. 

doch hat eine Avicdcrholtc Vcrglcichung micli immer auf diese Pflanze geführt, von Avelclier ein. schöner 
Fruchtzapfen von Molctcin mir vorhag. Herr Prof. Geinitz liatte die Freundlichkeit, mir die Originalexemplarc 
des Dresdener Museums zur Vcrglcichung zusenden, und auch diese zeigen mit dem Gröidändcr Baum grosse 
Uehercinstimmung. Er bildet wahrscheinlich den Vorläufer der Sequoia Sternbergi, welche in Grünland bis 
jetzt noch nicht gefunden wurde, wohl aber in Island vorkommt. Die drei andern Nadelliülzer sind weniger 
bezeichnend. Die Widdringtoniten beginnen in sehr ähnlichen Formen schon im Keuper und setzen sich fort 
bis ins Miocen. Sie bieten ohne Früchte wenig Anhaltspuncte zur Unterscheidung. Die Gattung Pinus 
erscheint schon in der untern Kreide Belgiens in zahlreichen Arten, und die prächtigen Zapfen, welche Herr 
Cocmans in Hainaut entdeckt hat, lassen uns schon die Gruppen der Cedern, Tannen, Arven und Weihmuths- 
kiefern erkennen; ebenso haben wir von Moletein eine prachtvolle Pinus aus der Gruppe der Weihmuths- 
kiefern. Die zwei Grünländer Arten gehüren zu den Föhren und Tannen; die Föhre (Pinus Petersen! m.) 
hat sehr dünne, lange Nadeln, die Tanne aber (Pinus Crameri m.) kurze, flache Blätter, die zweizeilig 
angeordnet waren und am meisten den Pinus-Arten aus der Gruppe von Tsuga entsprechen. Sie liegen zu 
Tausenden über einander und erfüllen das Gestein. Sie verhalten sich daher genau so, wie die Blätter der 
Pinus Linkii Dkr. im norddeutschen Wealden, denen sie auch ungemein ähnlich sehen, wie denn auch in 
der Kreide von Hainaut die Zapfen zweier Arten (P. Omalii Coem. und P. Briarti Coem.) vorkommen, welche 
in die Gruppe von Tsuga gehören, die sonach in der Kreide grosse Verbreitung gehabt haben muss. 

Von der Monoeotyledonischen Pflanze haben wir allerdings nur ein Stammstlick, es ist aber sehr wichtig, 
weil es uns wahrscheinlich macht, dass zur Kreidezeit noch baumartige Pflanzenformen dieser Abtheilung 
im hohen Norden zu Hause waren. 

Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass zur Kreidezeit in der Gegend von Omenak, in Nordgrönland 
(bei 70 ^ 38 " n. Br.) ein Nadelholz wald bestand , der von Sequoien , Führen ^ Tannen und Widdringtonien 
gebildet wurde, dass in seinem Schatten Cycadeen und zahlreiche Farrenkräuter lebten, deren häufigste 
Arten zu den Gleichenien gehüren, diesen zierlichen Farrn, welche jetzt nur noch in der tropischen und 
subtropischen Zone getroffen werden. Ich kann zur Zeit allerdings erst .drei Arten (die Sequoia Reiclienbachi, 
Pecopteris arctica und Gleichenia Zippei) nachweisen, die mit solchen der europäischen Kreide übereinstimmen, 
worunter aber gerade eine Art, welche für diese Periode sehr bezeichnend ist und es sehr wahrscheinlich 
macht, dass der Schief erthon von Kome in die unterste Stufe der obern Kreide (in das Cenomanien) zu bringen 
ist. Es ist aber sehr bcaehtensAverth , dass die Laubbäume (wenigstens nacli dem bis jetzt vorliegenden 
Material zu schliessen) damals im hohen Norden noch gänzlich fehlten und der Charakter der Vegetation 
durch das Vorherrschen der Farrn und die Gymnospermen noch wealdenartig ist, wie denn auch der Pinus 
Crameri, der Zamites und ein Farrn sich nahe an Wealden-Arten anschliessen , so dass im hohen Norden 
die obere und die unterste Kreide nicht so scharf auseinander geschieden sind, als in Deutschland, wobei 
freilich noch in Frage kommen kann, ob nicht in der Polarzone die Sequoia früher aufgetreten sei als 
in Deutschland und Belgien, in welchem Fall diese Grönländer Bildung einer altern Kreidestufe einzu- 
reihen wäre. 

i 

III. Hiocene Flora. 

Viel reicher als die Steinkohlen- und Kreide-Flora ist die der miocenen Zeit vertreten und gewährt 
uns einen viel tiefern Einblick in die Vegetationsverhältnisse der arctischen Zone dieses Weltalters. 

Es sind mir bis jetzt 1G2 Arten miocener "Pflanzen der arctischen Zone bekannt geworden i). Von 
diesen gehüren G zu den Zellen- und 12 zu den Gefäss-Kryptogamcn, 31 zu den Gymnospermen, 14 zu den 
Monocotyledonen, 99 zu den Dicotyledonen. Die Arten vertheilen sich in folgender Weise auf die Familien : 



*) -Ich hatte die Hoffnung aufgegeben, die in Kopenhagen aufbewahrten fossilen Pflanzen Grönlands zur Untersuchung zu 
erhalten und meine, auf die in Dublin, London und Stockholm befindlichen Sammlungen gegründete, Arbeit abgeschlossen. Zu 
meiner freudigen Ueberraschung erhielt ich aber Anfangs Juli durch die Herren Prof. Steenstrup und Johnstrup das in den öfTent- 
lichen und Privat-Sammlungen in Kopenhagen befindliche Material zur Bearbeitung. Die G Kisten (von über 4 Centner Gewicht) 
enthielten die von Herrn Dr. Rink in Kome entdeckten Pflanzen und die sehr reiche Sammlung, welche auf Veranstaltung des 
Herrn Justizrath Olrik, Inspector von Nordgrönland, in den Jahren 1854 bis 1866 in Nordgrönland gemacht worden war. Die meisten 
Stücke kommen von Atanckerdluk , doch befinden sich darunter einige von 3 neuen Localitüten der Insel Disco, nämlich : 1. von 
Ujararsusuk an der Oatseite von Disco im Waigattet; in einem rauhkörnigen, gclblichgrauen Sandstein mit vielen kleinen 
Glimmerblüttchen sind d-e Reste eines Pappelblattes (Populus arctica Hr.?) und ein Blüttchcn von Lcguminosites arcticus; 2 von 
Kulbjeldcne; von hier liegen zweierlei Gesteine vor, nämlich a.) ein dem vorigen ähnlicher gelbbrauner, aber mehr fein- 
körnitjcr Sandstein mit Blattresten eines "Weissdorns und einem Abdruck des Zapfens der Sequoia Langsdorfii; b.) ein gelblich- 



Miocene Flora. 



49 



Ueb ersieht 
1 der Familien. 


Miocene 
arctische Flora. 


Grönland. 


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Spitzhergen. 


Uebersicht 

der Familien. 

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arctische Flora, j 


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Island. 


Spitzbergen. 




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1 Equiseten . . . 


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Ericaceen . . . 
Ebenaceen . . 


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1 


1 


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Abictineen , . 


20 


5 


2 


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8 


4 


Oleaccen . . . 


1 


1 












(2 .1US Sibirien) 














Ilubiaceen . . 


1 


1 


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Taxineea . . . 


2 


2 


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Araliaccen . . 


2 


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1 


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— 


















Ampelideen . . 


3 


2 


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1 






Gramineen . . 


2 


2 


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Magnoliacecn 


2 


1 


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Cyppracccn . . 


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Accrineen , . 


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Typliaceen . . 


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Büttneriacecn ? . 


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1 


1 


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Tiliacecn . , . 


1 


.... 


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1 




Najadcen . . . 


2 


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1 


1 


Myrtaceen ? , . 


1 


1 


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; Smilaceen . , . 


1 


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1 


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Rhamneen . . 
Ilicineen . . . 


6 

2 


6 








1 


— 




1 














2 








— 


, 




Palicineen . . 


9 


7 


— 


4 


1 


3 


Anacardiaceen . 


1 


^ 


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1 






Myricccn . . . 


2 


2 


— 


— 


— 




Juglandeen . . 


4 


3 





, 


1 






Bctulaceen . . 


7 


2 


1 


1 


4 


1 


Pomaceen . , 


2 


2 


___ 


__ 








Cupuliferen . . 


15 


15 


— 


2 


3 


2 


Amygdaleen . . 


1 


1 





^» 


_ 






Ulmen .... 


2 


1 


— 


— 


2 


— 


Papilionaceen , 


2 


2 


— . 


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, , 


_ 




Morccn ? . . 


1 


1 


— 


— 


— 


— 


Incertee sedis 


18 


9 


•._ 


3 


6 






Platanccn . . . 


1 


1 


^^~ 


1 


1 


1 



















weisser Sandstein mit groben Quarzkörnern, enthält ein schönes Zweigstück der Sequoia Couttsise; 3. von Udsted; in einem 
dunkelbraunen, sehr feinkörnigen, wohl viel Thon enthaltenden Sandstein liegt ein Pappelblatt (Populus Gaudini) und Reste von 
Nussbaum. Näheres über die Lage dieser Fundstätten (welche in Rinks Karte nicht verzeichnet sind) habe nicht in Erfahrung 
bringen können, doch zeigen die Pflanzen, dass sie unzweifelhaft miocen sind. Dagegen haben die Pflanzen von Korne mich mit 
einer ganz neuen altern Flora Grönlands bekannt gemacht, über welche auf S. 47 berichtet habe. Die Mehrzahl der Pflanzen der 
miocenen Fundstätten war mir aus den früher untersuchten Sammlungen bekannt, doch enthält dieses sehr umfangreiche ISIaterial 
einen wahren Schatz arctischer fossiler Pflanzen, welches unsere Kenntniss der schon festgestellten Arten vielfach noch mehr 
gesichert und eine schärfere Charakteristik derselben crmögliclit hat, aber es führte uns auch gar manche merkwürdigen neuen 
Arten zu, so dass die Zahl der fossilen miocenen Arten Grönlands auf 105 sich vermehrt hj^t. Unter den neu hinzugekom- 
menen Pflanzen sind 14 bekannte miocenc Arten, nämlich : Lastrasa stiriaca, Glyptostrobus europrcug, Thujopsis euro])a!a, Sparganium 
stygium, Qucrcus Lyellii, Fagus macrophylla, Alnus nostratum, Carpinus grandis, Cornus fcrox, Ilepc longifolia, Rhamnus brevifolius, 
Rh. Gaudini, Colutca Salteri und Juglans Strozziana, von denen besonders die Lastrtca, der Glyptostrobus, die Erle und Ilagcnbuche 
als weit verbreitete miocene Pflanzen hervorzuheben sind. Die Zahl der mit Europa gemeinsamen miocenen Arten Grönlands ist 
dadurch auf 34 gestiegen. Ebenso wichtig ist aber, dass auch die Beweismittel für das grönländische Indigcnat der dort gefun- 
denen fossilen Pflanzen sich durch diese Kopenhagener Sammlung wesentlich vermehren. Ich führe als solche neuen Beweise an : 
Erstens findet sich ein sehr zartes, junges, noch gefaltetes Buchenblättchen (Taf. XL VI. Fig. L), das bis in die Zähne hinaus 
erhalten ist; es kann dasselbe nicht lange im Wasser gelegen haben, indem es da au Grunde gegangen und jedenfalls nicht seine 
ursprüngliche Faltung beibehalten hätte; zweitens, auf Taf. XLVII. Fig. 4 b. habe die Samen des Diospyros abgebildet, wie sie 
von Blättern umgeben, noch in ihrer natürlichen kreisförmigen Lage sich im Steine befinden. Offenbar sind sie noch vom Frucht- 
fleisch umgeben an diese Stelle gekommen, weil sie sonst auseluandergcfallen wären. Es ist also die Beerenfrucht von der Stein- 
substanz umhüllt worden, die harten Samen sind versteinert, die weicheren Theile der Frucht wurden in Kohlenpulver verwandelt, 
welches herausfiel, als ich den Stein zerspaltete, der zu meiner Freude diesen merkwürdigen Zeugen vorwies, welcher Jedermann 
überzeugen muss, dass er aus dieser Gegend stammt, da eine weiche beerenartige Frucht nicht lange im Wasser kann gelegen 
haben, bevor sie eingehüllt wurde. Ausser dieser Frucht erhielt ich auch den Blüthenkelch und die Basis des Fruchtkelches von 
Diospyros (Fig. 6,7), welche die Deutung bestätigen, die ich schon früher den auf Taf. XV. Fig. 10—12 abgebildeten Blättern 
gegeben hatte. Drittens haben wir von Sequoia Langsdorfii und Taxodium dubium die Abdrücke der Fruchtzapfen und zwar 
theils von ganzen Zapfen, theils aber ihren Schuppen und diese in so ausgezeichnet schöner Erhaltung (vgl. Taf. XLIV), dass die 
AbgUsse nur von frischen Fruchtzapfen stammen können. Bei den Sequoien schrumpfen die Fruchtachuppen beim Trocknen zu- 
sammen und werden stark runzlich, die Abgüsse zeigen uns, dass frische Zapfen den Prägstock gebildet haben, der diese „Denk- 
münzen der Schöpfung"' in so wunderbar schöner Weise ausgeprägt hat. — Viertens liegen neben einem aufgesprungenen Zapfen 
von Sequoia die Samen (Taf. XLIV. Fig 16), welche bei einem weiten Wassertransport längst ausgefallen wären. Die meisten 

7 



•50 Ucb ersieht der miocenen Flora, 

Die artenreichste Familie ist sonach die der Abietineen i), dann folgen die Cupulifcren, die Sallcineen, 
die Farrnkräutcr und die Birken. Da durchschnittlich nur 33/,o Arten auf die Familie kommen, zeigt diese 
Flora eine grosse Manigfaltigkeit der Formen, sagt uns aber zugleich, dass die arctische Zone noch viele 
uns zur Zeit unbekannten fossilen Pflanzen bergen muss. 

Schlicssen wir die Zellenkryptogamen aus, so erhalten wir 156 Gefässi)flanzen, von diesen waren nach 
Analogie der lebenden Arten 28 Kräuter (12 Farrn und Equiseten, 14 Mono- und 2 Dicotyledonen) und 128 
holzartige Gewächse. Von diesen letztern stellten 78 Arten wahrscheinlich Bäume, 31 aber Sträucher dar 
(von 19 Arten ist es zweifelhaft) und sagen uns, dass eine sehr manigfaltigc Waldvcgctation über diese 
hochnordischen Länder verbreitet war. Von den Nadelhölzern hatten die Taxodicn, der Glyptostrol)us und 
die Saliburca im Herbst abfallende Blätter, wälirend die übrigen 27 Arten sie sehr wahrschcinlicli während 
des- Winters behielten. Unter den Laubbäumen und Sträuchern müssen 5G Arten fallendes Laub crehabt 
haben, während 21 Arten, nach der ledrigen Beschaffcnlieit ihrer Blätter zu schliessen, zu den immergrünen 
Bäumen und Sträuchern gehörten. Es sind dies folgende Arten : Populus sclerophylla, P. arctica, Myrica 
acuminata, M. borealis, Quercus Drymeia, Q. furcinervis, Q. Steenstrupiana, Daphnogene Kanii, Haekea (?) 
arctica, Mac Clintockia dentata, M. Lyallii, M. trinervis, Andromeda protogaea und Saportana, Diospyros 
Loveni, Magnolia Inglefieldi, Hex longifolia, I. reticulata, Hedera M'Clurii, Callistemophyllum Moorii und Prunus 
Scottii. Es besass daher merkwürdiger Weise das mioeene Polarland viel mehr imniergrüne Bäume und Sträucher 
als unsere jetzige gemässigte Zone; doch sind sie mit Ausnahme des Epheu's auf Grönland beschränkt. 

Bei der noch sehr lückenhaften Kenntniss der miocenen Flora der Polarländer ist es gewagt, auf das 
Fehlen von gewissen Pflanzenformen Schlüsse zu bauen, doch darf immerhin darauf aufmerksam gemacht 
werden, dass zur Zeit noch keine Palmen, keine foinblätterigen Leguminosen, keine Cinnamomum- Arten, 
welche letztern im miocenen Europa so äusserst häufig sind, keine Poranen und Seifenbäume gefunden 
wurden, und dass die Pflanzenformen der jetzigeii gcn\ässigtcn Zone am stärksten hervortreten. Bäume und 
Sträucher von grösster Verbreitung in der arctischen Zone sind : das Taxodium dubimn, Sequoia Langsdorfli, 
Populus Ivicliardsoni und P. arctica, Alnus Kcfersteinii , Corylus M'Quarrii, Fagus Dcucalionis, Quercus 
Olafseni und Platanus aceroidcs, welche wahrscheinlich überall im Polarkreis zu Hause waren. Von diesen 
sind nur die Eiche und die beiden Pappelarten der arctischen Zone eigenthümlich, die andern Arten reichten 
bis in das mittlere Europa, ja einige bis in die Mittelmeerzone hinab. Im Ganzen enthält das Verzeichniss 
50 uns von früher her bekannte und 112 neue Arten, welche bis jetzt nur aus dem Norden uns zugekommen 
sind. Von diesen haben wir, ausser obigen weit über den Norden verbreiteten Arten, noch folgende als 
besonders beaehtenswerth hervorzuheben : Taxodium angustifolium , Salisburea borealis , Smilax Franklin!, 
Potamogeton Nordenskiöldi, Quercus groenlandica, Q. platania und Steenstrupiana^ Ulmus diptera, Daphnogene 
Kanii, die M'Clintockien, Hedera M'Clurii, Vitis islandica, arctica und Olriki, die Magnolia, die Paliurus und 
Hex, die Linde und Prunus Scottii. Diese gehören aber sicher nicht alle ausschliesslich der arctischen Flora 
an. Wir kennen die mioeene Flora des nördlichen Europa, von Amerika und Asien noch sehr wenig und 
diese mag gar manche Arten enthalten, welche mir zur Zeit erst aus dem hohen Norden bekannt sind. Sehr 
beaehtenswerth ist, dass die Pappeln eine sehr hervorragende Rolle spielen, während die Weiden nur sehr 
spärlich auftreten und die jetzigen nordischen Formen unter denselben gänzlich fehlen. Ueberhaupt finden 
wir unter diesen arctischen Pflanzen keinen einzigen Repräsentanten, der einer jetzt lebenden ausschliesslich 
arctischen Art entsprechen würde, wohl aber eine Zahl von Formen, welche solchen homolog sind, welche 
gegenwärtig von der gemässigten Zone bis in die arctische hineinreichen. Wir haben als solche zu nennen: 
Pteris Rinkiana und oeningensis, Pinus M'Clurii, Potamogeton Nordenskiöldi, Sparganium stygium, Populus 
Richardsonii und P. Zaddachi, Alnus Kcfersteinii, Corylus M'Quarrii, Betula und Menyanthes. Es sind also 
11 Arten. Weitaus die Mehrzahl der Arten ist der jetzigen Polarflora gänzlich fremd und die ihnen ähn- 
lichsten Formen sind in fernen Ländern ; es hat daher eine völlige Umwandlung im Pflanzenkleid des Nordens 



dieser so wichtigen Pflanzenreste kamen erst durch das von mir vorgenommene Spalten der Steine zum Vorschein, wie denn 
auch die Blätter selten ganz vorliegen, sondern erst sorgfältig aus dem Gestein herausgearbeitet werden müssen, indem die Blatt- 
ründer meistens vom Gestein bedeckt sind. So mühsam auch die Arbeit, hat sie üoch einen grossen Reiz; es war für mich eine 
Entdeckungsreise in die Urwelt Nordgrönlands. Sie hat eine beträchtliche Vermehrung der Tafeln nothwcndig gemacht, indem die 
8 letzten Tafeln diese neuen Pflanzen enthalten. 

*) Die Familie der Cupressinecn wäre mit ihren ö Arten auch unter den artenreichen Familien zu nennen. Es kommt aber 
in Betracht, dass unter Cuprcasinoxylon Hölzer verstanden werden, welche wenigstens theilweiso eher zu Sequoia als zu den 
Cupressinecn gehören. 



Uebersiclit der miocenen Flora. 



51 



stattgefunden. Wir finden hier dieselbe merkwürdige Mischung von Pflanzentypen, die jetzt über verschiedene 
"Wcltthcile zerstreut sind, welche uns in der miocenen Flora Mitteleuropa's in so überraschender Weise ent- 
gegentritt. Als mitteleuropäische Typen haben wir zu bezeichnen: Pteris oeningensis, P. Rinkiana, 
die Equiseten, Phragniites, Sparganium, Potamogeton, Populus Richardsoni, Salix, Alnus Kcfersteinii, Corylus 
:\rQuarrii, Fagus Deucalionis, Menyanthes, Galium und Hedera; als südeuropäische: Diospyros brachysepala, 
Paliurus, Rhus, Colutea und Prunus Scottii; als japanische: den Glyptostrobus, die Thujopsis und die Salis- 
burea, und als asiatische überhaupt: die lederblättrigen Pappeln, die Planera Ungeri, die Betula prisca, 
Juglans acuminata und wahrscheinhch auch die Quercus Steenstrupiana ; als amerikanische: die Osmunda 
Hecrii, Lastrsea stiriaca, die Taxodien und Sequoien, Pinus M'Clurii, P. Martinsi, P. Steenstrupiana und 
P. Ingolfiana, Populus Zaddachi, Betula macrophylla, 4 Eichenarten, Ostrya Walkeri, Platanus, Andromeda 
protogjea, die drei Weinreben, die Magnolia und der Tulpenbaum, die Juglans bilinica, Tilia Malmgreni, 
Ehamnus Eridani und die zwei Cratagus-Arten. Wie in der mitteleuropäischen Miocenflora tritt daher das 
amerikanische Element auch in der fossilen Flora von Grönland, Island und Spitzbergen stark hervor und 
zwar theils in Arten, welche der hohe Norden mit unsern Gegenden gemeinsam, theils aber zu eigen hatte. 
Auffallend ist indessen, dass eine Zahl solcher amerikanischer Typen, welche über das miocene Europa sehr 
verbreitet waren, bis jetzt in der Polarzone noch nicht gefunden wurden; ich nenne namentlich: Acer trilo- 
batuni, Liquidambar europseum, Populus latior und P. balsamoides, welche bei weitern Nachforschungen 
vielleicht noch zum Vorschein kommen werden, indessen auch in der miocenen Flora von Danzig und Königs- 
berg fehlen. / 

Wir haben die Pflanzen des Mackenzie und von Island in die arctische Flora aufgenommen, da die Fund- 
orte nahe am arctischen Kreis liegen. Ziehen wir diese Arten ab, erhalten wir für die Zone vom 70^'°" bis 
3Qsion Grad n. Br. 123 Pflanzenarten, in welchen derselbe Charakter sich spiegelt, wie wir ihn für die Ge- 
sammtflora angegeben haben. Unter den 39 Arten, welche durch diese zwei Localitäten hinzugekommen, 
finden sich keine Typen, welche in ihrem klimatischen Charakter von denen Grönlands abweichen. Es hat 
die Flora der gesammten arctischen Zone ein gleichartiges Gepräge, obwol jede Gegend ihre eigen thümlichen 
Arten besitzt, was freilich grossentheils von der noch sehr lückenhaften Kenntniss ihrer fossilen Flora her- 
rühren mag. Folgende Tafel zeigt uns die Zahl der bis jetzt bekannten gemeinsamen Arten: 











1 






— 


Zahl 

der 

Arten. 






Theilt mit : 






Grönland. 


Island. 


Mackenzie. 


Spitzbergen. 


Europäisch. 
Miocen. 


Grönland .... 


105 


— 


6 


. 8 


6 


34 


Island • 


41 


6 


— 


3 


5 


17 


Mackenzie . . . 


17 


8 


3 


— 


4 


3 


Spitzbergen . . . 


19 


6 


5 


4 





5 



Bei der Nachbarschaft von Island und Grönland ist es auffallend, dass die Zahl der gemeinsamen 
Arten nicht grösser ist, ja dass Atanekerdluk in Grönland mit dem viel weiter entfernten Spitzbergen ebenso 
viel Arten theilt und mit den Ligniten des Mackenzie sogar mehr als mit Island. Es dürfte dies zeigen, 
dass das miocene Grönland mit dem amerikanischen Festland und anderseits auch mit Spitzbergen in directem 
Zusammenhang stand, während es schon damals von Island durch Wasser getrennt war. Grönland theilt mit 
Spitzbergen mehrere Arten, welche ausschliesslich der arctischen Zone angehören, während (mit Ausnahme 
von Quercus Olafseni) Island nur solche Arten mit Grönland und auch mit Spitzbergen gemeinsam hat, die 
zugleich auf dem europäischen Festland vorkommen. Ueberhaupt weicht die miocene Flora von Island am 
meisten von derjenigen der übrigen arctischen Länder ab. Die zahlreichen Pinus- und Birken-Arten, das 
häufige Vorkommen des grossflügligen Ahorn und der Sequoia Stcrnbergi, dann die Ulme und der Tulpen- 
baum wie anderseits der Mangel der Pappelbäume, geben dieser Flora ihr eigenthümliches Gepräge. — Die 
Flora von Nordgrönland ist durch den wunderbaren Reichthum an Pflanzenformen ausgezeichnet. Auf 
jeden Sachverständigen, der einen Blick auf die Masse von Pflanzen wirft, welche die Eisensteine von Ata- 
nekerdluk umschliessen oder auch nur die diesem Werke beigefügten Tafeln durcliblättert, muss sich die Ucbcr- 
zeugung aufdrängen, dass hier die Ueberreste eines Waldes vergraben liegen, der aus viel manigfaltigcrn 
Baum- und Straucharten bestand, als wir jetzt irgendwo in Mitteleuropa vorfinden, denn schon jetzt konnten 
wir 7G Baum- und Straucharten aus demselben verzeichnen. Die Sequoien und Pappeln müssen allerdings 
dcu Ilauptbestand dieses Waldes gebildet haben, aber auch die Eichen und zwar in 8 Arten, die zum Thcii 



52 Uebersicht der mioccncn Flora. 

mit V2 ^^ss langen Blättern geschmückt waren, dann 4 Buclienarten, die Platane, die Dattelpflaumen- und 
Nussbäume, lederblättrige Stechpalmen und j\Iagnolicn waren nicht selten, zu denen sich Eschen, Hain- und 
Hopfen-Buchen gesellten. Und an diesen Bäumen rankten der Epheu und zwei mit prächtigen Blättern um- 
laubte Weinreben- Arten empor, während zahlreiche Gebüsche von Erlen, Haselnuss und Andromeden, von 
Cornel, Kreuzdorn und Crataegus, untermischt mit feinblättrigen Farrn, das Unterholz bildeten. Für diese 
Flora besonders auszeichnend sind die Salisburea, die Thujopsis, die Daphnogene, die merkwürdigen M'Clin- 
tockicn, die 2 Paliurus- und 2 Hex- Arten, die Magnolia, die herzblättrigen Weinreben, der immergrüne Kirsch- 
baum, die ledcrblättrigen Eichen und die Nussbäume zu nennen. Von Mackenzie sind der Glyptostrobus 
und eine Smilax hervorzuheben, und von Spitzbergen ein zierliches Farrnkraut, ein Laichkraut, das 
schmalblättrige Taxodium und die Linde. Auffallend ist, dass hier keine Birken gefunden wurden, die auch 
in Grönland bis jetzt erst in Rindenstücken und einem Blatt zum Vorschein kamen. 

Wenn die Nordcanada, Grönland und Spitzbergen gemeinsamen Arten auf ein zusammenhängendes, 
grosses miocenes Festland der arctischen Zone schliessen lassen, fragt es sich weiter, ob dieses nicht mit 
dem europäischen Festland in Verbindung stand. Die zahlreichen gemeinsamen Arten, welche schon jetzt 
nachgewiesen werden können , machen dies wahrscheinlich. Es wird sich aber fragen , in welcher Richtung 
der Anschluss an dasselbe stattfand. Eine Verbindung fand wahrscheinlich von Spitzbergen über die Bären- 
insel nach dem Nordcap statt oder vielmehr Nordgr.önland reichte bis nach Lappland hinüber. Der gänzliche 
Mangel fossiler Pflanzen in Skandinavien beraubt uns freilich des Mittels, diese Hypothese zu prüfen, viel- 
leicht wird aber diese Lücke einst ausgefüllt werden. Eine andere Verbindung kann aber auch von Süd- 
grönland aus stattgefunden haben, insofern man die Annahme einer Atlantis zulässig findet. Ich habe diese 
Idee anderweitig ^) ausführlich entwickelt und will daher hier nicht näher auf dieselbe eingehen. Nur das 
will ich erwähnen, dass durch dieselbe das Vorkommen der Pflanzenarten des miocenen Europa in der arcti- 
schen Zone und die amerikanische Färbung der miocenen Flora ihre einfachste Erklärung findet. Würde 
die miocene europäische Flora nur solche amerikanische Typen enthalten, welche auch in der miocenen 
arctischen Flora vorkommen , würde diese arctische Zone als einfachste Vermittlerin der Naturwelt beider 
Welttheile angenommen werden können, wir haben aber in der Schweiz auch subtropische amerikanische 
Typen, so die Sabalpalmen und auch die grossen Fiederpalmen, welche nicht auf diesem Wege, über den 
hohen Norden, nach Europa gekommen sein können. 

IV. Diluvium. 

Die diluviale Flora der arctischen Zone ist uns fast ganz unbekannt. Wir wissen nur, dass über die 
Tundren Nordsibiriens bis an die Küsten des Eismeeres grosse Holzmassen verbreitet sind, welche voraus 
von Lärchenbäumen herrühren, aber auch die Fichten und Espen werden unter den Noahhölzern 
erwähnt, deren ursprüngliche Heimat freilich noch vielem Zweifel unterworfen ist. Die grossen Pflanzen- 
massen der Diluvialzeit, welche im Boden Sibiriens vergraben liegen, könnten über die Flora dieser Zeit den 
besten Aufschluss geben und es ist in hohem Grade wünschbar, dass die russischen Naturforscher diesem 



1) Vgl. die tertiäre Flora der Schweiz, III. S, 343, und Recherches sur le climat et la vög6tation du pays tertiaire, S. 213, 
Urwelt der Schweiz, S. 584. Lyell hat gegen die Atlantis eingewendet, dass ich sie gerade in den Theil des Oceans verlege, wo 
er am tiefsten sei. Allein dies ist ein Irrthum. Die grösste Tiefe liegt zwischen dem südlichen Afrika und Südamerika, wo Tiefen 
von 30,000 bis 40,000 Fuss -vorkommen und bei 36 49' s. Br. und 370 6' w. L. sogar eine Tiefe von 40,236 engl. Fuss gefunden 
•wurde. Viel geringer ist die Tiefe des atlantischen Oceancs in den Gegenden, in welche ich die Atlantis verlegt habe. Ihre 
grösste Breite füllt auf die atlantische Tclegraphenlinie und auf dieser beträgt die grösste Tiefe 0,505, die geringste 0,071 und 
das Mittel 0,439 gcogr. Meilen. Es ist dies immerhin noch eine sehr bedeutende Sectiefe, aber es sind in dieser Frage nicht die 
grösatcn, sondern die mittlem Sceticfcn massgebend, und würde der Boden des atlantischen Oceancs zwischen Irland und Neu- 
fundland um 1500 bis 2000 Faden gehoben, so würde ein zusammcnhüngendcs Festland zwischen Europa und Amerika cntHtelion, 
auf welchem die tiefcrlicgendcn Gegenden als Süsswasscrsccn erscheinen würden. Von allen grossen Meeren hat der atlantische 
Ocean die geringsten Scetiefcn (vgl. G. Bischof, die Gestalt der Erde und der Mccresflilchc. S. 14). Wenn dann weiter Lyell von 
der grossen Aehnlichkeit der Corallen von St.Domingo, Antigua, Jamaica, Barbados und andern westindisclien Inseln mit den 
miocenen von Bordeaux, Dax, Saucats , Turin und des Wicncrbockens schliesst, dass kein Festland dazwischen gelegen haben 
könne, so haben wir zu entgegnen, dass die Gorallen nicht im Tiefmecre leben und ein weites, tiefes Scebcckca der Verbreitung 
derselben entgegensteht, nicht aber ein Küstenland, wie wir es durch Annahme der Atlantis erhalten würden. Sind die Südküston 
der von mir angenommenen Atlantis (vgl. das Kärtchen in meiner Tertiärllora. Taf. CLVI. Fig. 9) von Corallcnriilon umsäumt ge- 
wesen, wie wir solche in der That in dem miocenen Porto Santo antreffen, so lässt sich der Zusammenhang der miocenen euro- 
päischen Corallcn-Fauna mit der amerikanischen leicht begreifen, nicht aber bei der Annahme einea unermesslich grossen, tren- 
nenden Tiefmeeres. 



Das jetzige Klima der Polarliinder. 



53 



Gegenstand ihre Aufmerksamkeit schenken möchten. Der gefrorne Letten, welcher die Thierleichen so treff- 
lich durch alle Jahrtausende hindurch uns aufbewahrt hat, schliesst ohne Zweifel auch zahllose und ebenso 
gut erhaltene Pflanzenreste aus derselben Zeit ein, deren sorgfältiges Studium zur Ermittlung der klimati- 
schen Verhältnisse jener Periode von grösster Bedeutung sein müsste. 



Vierter Abschnitt. 

Das Klima der Polarländer. Einst und Jetzt. 



Wir haben früher gezeigt, dass die von uns besprochenen arctischen Pflanzen an Ort und Stelle ge- 
wachsen sein müssen, daher sie über das Klima, welches in frühern Weltaltern im hohen Norden geherrscht 
hat, die wichtigsten Aufschlüsse geben können. Um dieses mit dem jetzt bestehenden vergleiclien zu können, 
haben wir in folgender Tafel die mittlem Temperaturen einer Zahl der wichtigsten Localitäten der Polar- 
zone zusammengestellt. ^) 



Tafel der mittlem Temperaturen in der arctischen Zone. 

In CentigradcD. 



Mittlere 
Temperatur. 



Amerika. 



a "^ 



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Grönland. 



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Island. 



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Nor- 
wegen. 



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Spitz- 
bergen. 



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Novaja 
Semija. 



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C0t_ 

o <^' 

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Sibirien. 






3 



CO 



C5 



Im Winter 

- Frühling , 

- Sommer . 

- Herbst , . 

- ganzen Jahr 

Unterschied zwischen 
dem wärmsten und 
kältesten Monat . 

Würmster Monat . 

Kälteater Monat. . 



— 27,04 


— 33,57 


— 9,97 


— 19,55 


10,12 


2,82 


— 6,05 


— 18,05 


— 8,24 


— 17,09 


41,35 


41,60 


11,2 


5,8 


— 30,2 


— 35,8 



— 34,59 

— 21,12 



— 16,79 

— 17,87 

40,61 
2,61 
-38. 



— 17,34 

— 7,66 
5,79 

— 4,41 
-5,91 



26,4 
— 19. 



— 20,62 


— 33,62 


-1,6 


— 9,91 


— 16,90 


2,4 


4,88 


3,31 


12. 


— 4,96 


— 14,14 


3,3 


— 7,65 


— 15,25 


4. 


28,9 


41,41 


15,6 


6,1 


4,74 


13,5 


— 22,05 


— 36,67 


-2,1 



— 7,37 
+ 0,72 



11,92 



+ 1,20 
+ 1,31 



22,1 

13,2 

-8,95 



— 16,8 
--6,9 

1,3 
8,5 

— 8,6 



21. 



— 16. 

— 15,9 
2. 

-7,9 

— 9,5 



26,8 

3,06 

— 23,72 



— 39. 

— 9,36 

14,84 

— 10,97 

— 10,90 



58,12 

17,36 

— 40,76 



Ein Blick auf diese Tafel zeigt sogleich, dass die Puncte, welche eine gleiche mittlere Jalirestcmperatur 
haben, keineswegs unter denselben Breitegraden liegen und dass die Isothermen daher die Brciten-Parallel- 
kreise vielfach durchkreuzen. Ich habe eine dieser Isothermen aus Dove's Werk in unser Kärtchen einge- 
tgen, welche dies veranschaulicht. Die Isotherme von Nullgrad steigt von der Südspitze von Grönland 
über den Norden von Island bis nahe zur Bäreninsel und sinkt dann von dort über das nördliche Lappland 
zum bottnischen Meerbusen hinab, geht von dort zum weissen Meer, von wo sie sich nach Osten noch tiefer 
linabsenkt und in Sibirien in der Breite von Jakutsk bis zum Ochotskischen Meere verläuft; auch in Amerika 
enkt sich diese Linie in ähnlicher Weise wie in Asien weit nach Süden hinab. Es stellt diese Isotherme 
laher eine Ellipse dar, deren grösster Durchmesser auf Sibirien und Nordamerika fällt, der kleinste aber auf 



») Die Beobachtungen von Alten wurden in dem Kupferwerk, während 11 Jahren (Sept. 1837 bis Sept. 1848) angestellt 
md enthalten die Mittel von 9 Uhr Vorm., 3 Uhr Nachm. und 9 Uhr Abends. Vgl. Report of the british Association for 1849, 
nd Schübeier , S. 9. Niedrigere Zahlen geben die Uebersichten von Mahlmann und Martins. Ersterer gicbt Alten eine Jahrcs- 
icmperatur von 0,G, letzterer von 0,49; ersterer eine Sommertemperatur von 10,4, letzterer von 10,13 und einen wärmsten Som- 
lermonat von 11,9»*. 



54 



Das jetzige Klima der Polarländer. 



die Bcliringsstrasse und das j\rcer von Spitzbergen. Einen älmliclien Verlauf nehmen auch die übrigen weiter 
nördlich liegenden Isothermen, nur verwischt sich allmälig das durch den Golfstrom bewirkte so auffallend 
starke Aufsteigen der Isothermen an Skandinaviens Westküste. Die Isotherme von — T'/z ° steigt von der 
Disco-Insel nach dem südlichen Spitzbergen, um von da nach Osten wieder tiefer zu sinken. Die kältesten 
Gegenden der arctischen Zone fallen einentheils auf den arctisch-amerikanischen Archipel, andcrntheils auf 
Ostsibirien, welches sich durch die grössten Extreme der Temperatur auszeichnet. Es hat die kältesten Winter 
der Erde und in Jakutsk sind sie sogar um mehrere Grade kälter als auf der Melville-Insel , obschon diese 
Stadt um 12 Breitengrade südlicher liegt. 

Dieser Verlauf der Isothermen wird bekanntlich durch die verschiedene Vertheilnng von Land und 
Wasser und die damit zusammenhängenden Luft- und Meeresströmungen bedingt. Inseln und Küstenländer 
liabcn ein gleichmässigeres Klima, während im Binnenland die Winter kälter und die Sommer Avärmer 
werden, die Extreme der Temperatur daher weit greller sich aussprechen. Es hat Dove ') die normale Wärme 
des Parallels ermittelt, also die Temperatur berechnet, die dieser an allen Puncten zeigen würde, wenn die 
auf ihm wirklich vorhandene, aber verschieden vertheilte Wärme auf ihm gleichförmig vertheilt wäre. Wir 



erhalten 


SO folgende Tafel: 


























Wärmster Monat 


Kältester Monat 


; 


Breite- 
grad. 


Winter. 


Frühling. 


Sommer, 


Herbst. 


Jahr. 


in der 
arctischen Zone. 

Juli. 


in der 
. arctischen Zone. 
Januar. 


Unterschied. 


90 


— 29,90 


— 17,6 


- 1,90 


-16,40 


— 16,5 


— 0,70 


— 32,50 • 


31,80 


80 


— 27,4 


— 14,5 


0,1 


— 14,4 


— 14. 


1,1 


— 28,8 


29,9 


70 


- 21,7 


— 10,2 


5,6 


- 8,6 


— 8,9 


7,2 


— 24,4 


31,6 


ÖGV2 


— 20,3 


-7,4 


8. 


— 5,8 


— 6,38 


10,4 


— 21,6 


32. 


65 


— 19,4 


-6,2 


9,1 


-4,6 


-5,2 


10,9. 


-21,1 


32. 


60 


-14,2 


-1,6 


11,9 





— 1. 


13,5 


— 15,7 


29,2 


50 


— 5,6 


4,9 


16,1 


6,2 


5,4 


17. 


— 6,5 


23,5 


40 


5,5 


12,5 


21,6 


14,6 


13,6 


22,5 


4,6 


17,9 





26,5 


27. 


26,1 


26,2 


26,5 


25,9 


27,4 


1,5 



Die normale mittlere Jahrestemperatur beträgt daher an der Grenze defe Polarkreises in runder Zahl 
— 6^2 ^ C. , die mittlere Temperatur des Juli als des wärmsten Monates lOVz ® 0. und des Januar als des 
kältesten — 21Va<^ C. 

Diesem Klima der arctischen Zone entspricht eine sehr ärmliche Pflanzenwelt. Obwohl dieselbe ein 
grosses Areal umfasst, enthält das Verzeichniss von Hook er im Ganzen nur 762 Blüthenpflanzen. Freilich 
ist ein grosser Theil dieses Gebietes noch völlig unbekannt und Niemand weiss zu sagen, ob um den Pol, 
ja überhaupt innerhalb des 82^'®° Grades, Land oder Meer sei 2) und ob nicht zahlreiche Inseln oder auch 
ein ausgedehntes Festland nördHch und östlich von Neusibirien sich finde. Die bisherigen Erfahrungen haben 
aber gezeigt, dass die arctische Flora eine so grosse Gleichförmigkeit zeigt urid sie weiter nach Norden so 
spärlich wird, dass für die Pflanzenwelt durch Entdeckung neuen Festlandes keine grosse Bereicherung zu 
erwarten ist. 

Die arctische Flora besteht grossentheils aus ausdauernden Kräutern. 15 Arten können als Bäume ') 
und 77 als Sträucher bezeichnet werden, daher 92 zu den Holzgewächsen gehören, von denen die Weiden 
fast 74 ausmachen. Von diesen Holzpflanzen sind indessen die meisten sehr klein, wahre Zwerge, w^elche 
nur wenige Zoll über den Boden sich zu erheben vermögen, und die Bäume überschreiten nur an wenigen 
Stellen den arctischen Kreis. Da diese holzartigen Gewächse zur Beurtheilung der miocenen arctischen Flora 
von grösster Bedeutung sind, müssen wir uns dieselben etwas genauer ansehen. 

Aus ganz Grönland sind bis jetzt 320 Blüthenpflanzen bekannt geworden, von denen 207 auf das 



>) Vgl. H. W. Dove die Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde. Berlin 1852. 

2) Da im Sommer ganze Züge von Vögeln aus dem Norden Spitzbergens polwärts fliegen , muss in jener Richtung noch 
Festland sein. Middendorff' vcrmuthet, dass auch nördlich vom Taimyrland zahlreiche Inseln im Meere liegen. 

') In dem Verzeichniss von Hooker (Outlines of the distribution of Arctic Plants. S. 301) fehlen die Pinus Menziesii 
Loud. (P. Sitchcnsis Brng.) und P. Pichta Pall , welche ich hinzugerechnet habe, dagegen wurden die Pinus orientalis und Betula 
papyracea abgezogen, da letztere zur Weissbirke gehört und erstere nicht die P. orientalis L., sondern eine Varietät der P. 
Abics L. ist. 



Die jetzige Flora der Polarländer. 55 

arctisclic Gebiet dieses Landes kommen. Es fclilt demselben die Baumvesctation vollatändia; nnd auch von 
den 2.'J »Straucliavlcn, welche von da ]»ckaniit .sind, bilden die incisten wenige Zoll hohe lUischc, .so die 
JJiiiT.iitraiibe, rrciHcllxiere, Azah;a prociimbeiiH, J)iai)ensia lj4)|)()nica, Oasseo])e ietragona nnd hyjuioides, 
JOinpclnim nigrum und niehverc W(;idcnarten. JJie lai)])ländi.sche Alpeiiro.se (lili(.d. la])ponicum 1..) gehört da 
y.ii den anscluilichsten Tilanzcn. Die llolzvegctation ist hier viel ärmlicher als auf dem amerikanischen Con- 
tincnt, obwohl eine Weide (die Salix glauca L.) noch bis 2300 Fuss ü. M. getroffen wird und 10 Arten 
Blüthenpflanzen von Dr. Rink sogar noch bei 4500 Fuss ü. M. gesammelt worden sind. 

Auf dem a retisch -amerikanischen Archipel fehlt nicht allein die Baumvegetation, sondern 
auch von Sträuchern kommen nur einige Zwergweiden vor, welche sieh nur wenig über den Boden zu er- 
heben vermögen. Es ist eine eigentlich hochalpine Flora. Viel manigfaltiger Avird die Pflanzendecke auf dem 
amcr-ikani sehen Contincnt. Dr. Hooker zählt im Ganzen in der arctischcn Zone von der Behrings- 
strasse bis zum IMackenzie 364 und vom Maekenzie bis zur Baffinsbai 379 Pflanzenarten auf. Es über- 
schreiten in diesem Gebiet 7 Baumarten den arctischen Kreis. Die häufigste Art ist die Silber flehte 
(Pinus alba Ait.) *), welche im Rupertsland den Hauptnadelholzbaum darstellt. Sie bildet am Bärensee noch 
grosse Wälder und geht am Maekenzie bis zum 69^'^" ^ n. Br., während sie an den Küsten der Hudsonsbai 
bei 60^ n. Br. ihre Grenze findet. In diesen hohen Breiten bleibt sie aber klein und erreicht selten mehr 
als 30 bis 40 Fuss Höhe. Fast ebenso hoch nach Norden reicht die Schwär z flehte (Pinus nigra Alt.), 
ist aber seltener und kleiner. Auch die Bänksfölire (P. Banksiana Lamb.) göht von den grossen canadi- 
sclien Seen bis in den arctischen Kreis, während -die amerikanische Lärche denselben kaum berührt. Von 
Laubbäumen überschreiten die Pappeln, Birken und Weiden den Polarkreis. Am höchsten steigt 
die amerikanische Espe (Populus tremuloides Mich.) nach Norden , indem sie am Maekenzie bis 69 ^ n. Br. 
reicht, hier aber zum weidenartigen Busche wird, während sie welter südlich 20 bis 50 Fuss hohe Bäume 
bildet. Noch dickere Stämme besitzt die Balsampappel (P. balsamifera L.), welche am Maekenzie bis zu 
68" 37' mit der Silberfichte und der Birke (Betula alba var. papyracea Alt.) noch Wälder bildet. Dort findet 
sich auch noch eine baumartige Weide (die Salix speciosa), welche etwa 12 Fuss Höhe erreicht. Am höch- 
sten steigt daher in Amerika die Baumgrenze am Maekenzie (bis 69 ^) , sinkt 9,ber nach Osten schon am 
Kupferminenfluss auf 6772^ hinab; von dort biegt sich die Grenze nach südwärts und gelangt, den Polar- 
kreis schneidend, In der Breite von 63^ an die Westseite der Hudsonsbai, deren Ufer sie indessen erst bei 
circa 60 '* n. Br. erreicht und In Labrador sogar noch tiefer, bis auf den 58^'^®"'' n. Br. hinabsinkt. Ebenso 
senkt sich die Baumgrenze vom Delta des Maekenzie aus auch nach Westen südwärts. Sie liegt im Innern 
des Landes bei circa 67 ^ und Ist am Kotzebuesund bei 66^/4 •^ n. Br. beobachtet worden; fällt von da aber 
in raschem Bogen nach Süden, indem sie Im Flussgebiet des Kwihpak im Innern des Landes auf 66^/2^ 
und näher der Küste auf 63 ^^ hinabsinkt. Das ganze Küstenland ist dort bis über die Aleuten hinaus baum- 
los. Auf der Westküste des Felsengebirges bildet die Pinus Menziesii Loud. (P. Sitchensis Brong.) mit der 
Weissbirke (B. alba L.) und der Pappel die Baumgrenze und vertritt hier die Stelle der Silberfichte der 
östlichen Gegenden. — Zu diesen Baumarten gesellen sich zahlreiche Sträueher, als Wachholder (Juniperus 
communis imd virginiana var.), Eberesche, Weiden, Erlen (bis 68''), Zwergbirken (bis 69''), Alpenrosen (Rh. 
lapponicum), Kalmien (K. glauca), kleine Andromeden (A. polifolia, A. tetragona, A. calyculata), Schneeball 
(Viburnum Opulus, bis 68''), Bärentraube (Arctost. uva ursi, alpina), Johannisbeeren (Ribes rubrum, Hudso- 
nianum und R. lacustre), Heidelbeerarten (Vacc. uliginosum, vitis Idaäa, canadense), Azaleen (A. procumbens), 
Ledum (L. palustre), Rosen und Spirstauden (Rosa blanda, Spir^a chamaädrifolia und salicifoha), Elajagnus 
(E. argentea, bis 68 «), Shepherdien, Empetrum und Cornelarten (Cornus alba, canadensis und sueeica), welche 
bald ansehnliche, bald aber auch nur niedere, auf der Erde fortkriechende Gesträuche bilden, die zum Theil 
bis an das arctische Meer vorgerückt sind. 

Gehen wir über das Behrings-Meer nach Asien hinüber, begegnen uns an diesem Nordostende Asiens 
ganz ähnliehe Verhältnisse wie auf der amerikanischen Seite. Das ganze Küstenland ist baumlos ; selbst am 
Ausfluss des Anadur (bei circa 64 « n. Br.) fehlt die Baumvegetation gänzlich. Im Lande der Tschukschen 
wird die Baumgrenze von Seemann zu 64 <• n. Br. angegeben. Nach Westen steigt sie aber rasch polwärts 
und erreicht an der Kolyma den 69s'en n. ßr. Nach Wrangel (Voyage. IL S. 152) hört der Holzwuehs an 
der Hügelkette von Larionovl Kamene am rechten Ufer der Kolyma bei 69 » 5 ' auf und wird durch kleines 



») Vgl. Richardson arctic Scarching expedition. II. S. 316. Es enthält dies Werk die wichtigsten Angaben über die Polar- 
grcnzen der amerikanischen Pflanzen, welche ich in Obigem benutzt habe. 



56 Die jetzige Flora der Polarländer. 

Gesträuch von ein Finger Dicke ersetzt. An der rechten Seite der Kolyma bleibt er freilich schon früher 
zurück und senkt sich zwischen diesem Fluss und der Indigirka auf 68 •* herab, steigt aber an der Indigirka 
wieder zu TO^/^o n. Br. an und hält sich auch bis zur Jana bei circa 70V3^ am letztern Flusse selbst aber wieder 
bis zu 71° hinausreichend. In dieser Höhe scheint die Baumgrenze sich nun zu halten bis an die Cliatanga, so an 
der Lena, Olcnck, Anabara. und Chatanga selbst, wo sie das Maximum erreicht ^). Weiter nach Westen senkt 
sie sich aber von hier rasch nach Süden. Sie schneidet an der Pyasina den Parallel von 70'', am Jenisei 
69 ^, iimkränzt den Busen des Obi, durchschneidet dann wieder aufsteigend an diesem Flusse den Polarkreis, 
hält sich dann vom Ural westwärts eine Strecke weit nahe an denselben, reicht aber an der Petschora- 
mündung bis 6772®? senkt sich am Stiel der Kaninhalbinsel wieder zum Polarkreis, steigt dann aber an 
der Ostseite des weissen Meeres aufs neue nach Norden und erreicht im nordwestlichen Norwegen bei 71° 
(genauer 70° 40') den nördlichsten Punct in Europa. 

Diese Baumgrenze bildet durch ganz Sibirien die dahurische Lärche (Pinus dahurica Fisch.), 
welche ich aber nur als Varietät der kleinzapfigen amerikanischen Lärche (der P. microcarpa Poir.) betraclite. 2) 
Sie steht auch der europäischen Lärche (P. Larix L.) sehr nahe. Diese kommt in einer Form (P. Larix 
sibirica Led.) mit der vorigen vor und ihr gegenseitiges Verhalten zur Polargrenze ist nocli nicht genügend 
aufgeklärt. In Skandinavien fehlt die Lärche gänzlich und hier ist die Weissbirke (Betula alba und vor- 
aus die var. pubescens Erh.) an die Grenze des Baumwuchses gestellt. Bis an den Ural behauptet die 
Birke ihr Vorrecht, von dort an weiter östlich muss sie es aber der Lärche abtreten, daher man sagen kann, 
dass in Europa die Birke, in Asien die Lärche an die Grenze des Baumwuchses gestellt sei. Es sind indessen 
derselben mehrere Nadel- und Laubhölzer sehr nahe gerückt. In Skandinavien ist es die Kiefer (Pinus 
sylvestris L.), Avelche nur um 1° früher zurückbleibt (bei 70° n. Br.), auf der Halbinsel Kola eine Varietät 
der Fichte (P. Abies mediotcna Nylandcr) ^) , die im Norden von Pussland bis zum Ural stellenweise sogar 
mit der Birke um den Vorrang streitet. Im Osten des weissen Meeres tritt die Lärche hinzu, die östlich 
vom Ural rasch polwärts vorschreitet und die Fichte und Birke überliolt. Im Norden von Russland beträgt 
nach j\Iiddcndorft' der Abstand zwischen der Polargrenze der Kiefer, Fichte, Birke und Lärche nur Y4, 
selten V2 Breitengrad, ebenso noch am Obi; im Taimyrland aber hat die Lärche schon einen Vorsprung von 
2° vor der Birke und Fichte gewonnen und die Föhre bleibt am Jenisei um 5, an der Lena um 7° hinter 
der Lärche zurück. 



*) Ich bin in der Darstellung der Baumgrenzen Sibiriens den sehr wichtigen und lehrreichen Untersuchungen Middcndorffs 
gefolgt. Es giebt derselbe aber die Baumgrenze an der Lena und Chatanga zu 72 " n. Br. an. Er hat dort in solcher Breite noch 
kleine, ganz vcrzwergte Lärchen gefunden und einen solchen Lärchenzwerg in seinem Werke (IV. S. 605) abgebildet. Man kann 
aber eine Pflanze, die in 1/3 natürlicher Grösse mit Stamm und Zweigen auf einer halben Quartseite Platz findet, keinen Baum 
nennen und nach ihrem Vorkommen die Baumgrenze bestimmen wollen. Wie man von Nordrussland sagt, dass dort wohl noch 
Aepfel aber keine Apfelbäume wachsen, kann man sagen, dass bei 72 <* wohl noch Lärchenzapfen aber keine Lärchenbäume mehr 
sich finden. Die Lärchen haben sich vollständig unter die Erde verkrochen und strecken gleich den Zwergweiden nur ihre Zweige 
hervor, so dass mit Zapfen besetzte Aestchen aus dem Polster von Moos und Flechten hervorgucken und sich nur wenige Zoll 
über den Boden erheben, daher man mit aller Bequemlichkeit über diese „Bäume" wegspazieren kann. Lärchen, die als Bäume 
gelten können, finden sich an der Lena, nach Chitrov, am nördlichsten am Platze Kumakurka bei 71 24' und ebenso giebt Laptev 
für den Olenek die Lärchengrenze zu 71" n. Br. an. Und auch hier erscheinen sie eigentlich nur als Krüppel. Die Stämme sind 
kaum armsdick, ihre Gipfel häufig verdorrt, indem nur die untern durch den Schnee geschützten Aeste der fürchterlichen Kälte 
zu widerstehen vermögen, die jungen Triebe werden häufig durch Frühlingsfröste getödtct und es müssen neue Versuche zur 
Knospenbildung gemacht werden, schwarze Lichencn bedecken oft die uralten Zwerge, von deren knorrigen Acsten zahlreiche 
Bartflechten herunterhängen , so dass diese letzten Ausläufer des Baumlebens einen jammervollen Anblick gewähren und es so 
dem Reisenden begegnen kann, dass er in einem solchen sogenannten grossen Walde sich befindet und er verwundert fragt, wo 
denn eigentlich die Bäume seien, wie dies Middendorff" von dem Walde von Dudino unter 69 V2'' n. Br. erzählt (Reisen. IV. S. 596). 
Da nur in günstigen Lagen Lärchen, die eine wirkliche Baumvegetation bilden, bis 71" in Sibirien getroffen werden, ist die 
Baumgrenze von 71 wahrscheinlich zu hoch gegriffen, da diese nicht nach solchen Ausnahmen festgestellt werden sollte. Man 
sollte ein INIittel aus zahlreichen Beobachtungen zu erhalten suchen, wozu es aber auch gegenwärtig noch, trotz der grossen Menge 
von Angaben, die wir Middendorff zu verdanken haben, an Material mangelt. Es muss hier auf ähnliche Weise verfahren werden, 
wie mit Ermittlung der Höhengrenzen der Bäume, die auch nicht auf einzelne verkrüppelte Exemplare gegründet wird, die man 
in besonders günstigen Lagen (an von Felsen geschützten Stellen) oft bis zu ganz abnormen Höhen findet. 

2) Sie unterscheidet sich nur durch die vorn etwas ausgerandcten Zapfenschuppen. 

3) Sie hat stumpl'ere Zapfenschuppeu als die eigentliche P. Abies L. und wurde daher von einigen Autoren zu P. orien- 
talis L. gebraclit (so von Hooker und Middendorff); bei dieser sind aber die Zapfen kleiner, die Schuppen noch mehr zugerundet, 
heller gefärbt und die Samen sind viel kleiner und haben kürzere Flügel. Wir finden auch in den Gebirgsgegenden der Schweiz 
eine Form der Rothtanne mit stumpfer zugerundeten Zapfenschuppen, und Herr Brüggcr brachte Zapfen aus dem Engadin, von 
Parpan und von der Engstlenalp, die nahezu mit den nördlichen übereinstimmen. 



Die jetzige Flora der Polarlündcr. 57 

Von übrigen Holzgewüchsen , welche in Sibirien den aretiscben Kreis überschreiten, sind besonders 
noch folgende zu nennen: Der geraeine Wachholder reicht am Chatanga noch bis Tl^/^o n. Br., die Strauch- 
arve (Pin. pumila Reg.) im Lenagebiet bis 6873% während die Baumarve (P. Cembra L. , die Ceder der 
Sibirier) nur am Jcnisei bis zu 68 <> n. Br. geht, am Obi bei 662/3 0, am Ural bei 64 » und au der Pctschora 
bei 65° ihre Nordgrenze hat; die Weisserle (Alnus incana W.), welche am Kolabusen bis 6972® n. Br. 
getroffen wird, während die Troserle (Aln. viridis var. fruticosa Rieh.) durch ganz Sibirien bis an das 
Ochotskische Meer einen der verbreitetsten Sträucher bildet, der im Taimyrland bis 70V4°, am Jenisei bis 
6972'^ ^""^ ''^n der Chatanga bis Tl^/^o n. Br. ansteigt, freilich in diesen Breiten, wie in unsern Hochalpen, nur 
kleine niedrige Zwergbüsche bildet; die Riechpappel (Populus suaveolens Fisch.), welche als Strauch fast 
80 hoch hinaufreicht als die Lärche und an der Kolyma noch bei 6872" n. Br. getroffen wird, und ähnlich 
verhält sich die Espe (P. tremula L.), die an der Kolyma noch bei 6772°, ^^ Jenisei am Polarkreis, im 
Osten des weissen Meeres bei circa 66^ erscheint, auf der Halbinsel Kola aber bis 68", ja an einer Stelle 
(im Schuretschkoja-Busen) bis 6972° aufsteigt und im Altenfjord (bei 70") die höchste Nordgrenze erreicht. 

Wir haben oben erwähnt, dass in Skandinavien die Weissbirke (Betula alba var. pubescens) 
die Baumgrenze bildet. Sie findet sich noch auf der Insel Mageroe beim Nordcap (71" n. Br.). Freilich ist 
sie hier nur ein niedriger Busch und auch in Hammerfest (70 " 40 ' n. Br.) erscheint sie allein an geschützten 
Stellen, und nur mit etwa mannshohen und armsdicken Stämmen, wogegen sie bei Alten noch 20 — 30 Fuss 
hohe Bäume bildet. Es kann daher hier die Baumgrenze jedenfalls nicht höher hinauf als 702/3" n. Br. ge- 
setzt werden. Ihr einziger Begleiter ist hier die strauchige Eberesche (Sorbus aucuparia L.), doch folgt 
in geringem Abstand die Kiefer, welche bei Alten (70" n. Br.) noch Bäume von beträchtlicher Dicke 
bildet und weiter östlich nach Lund am Porsanger-Fjord bei 70" 20' ihre nördlichste Grenze hat.*) Dasselbe 
gilt von der Weiss er le (Alnus incana), ein paar Weidenarten (Salix pentandra und S. arbuscula), dem 
Faulbaum (Primus Padus L.) und der Espe (Populus tremula L.), welche freilich nur als Sträucher diese 
hohen Breiten bewohnen. 

Da Island nur an seinem Nordrande den arctischen Cirkel berührt, sollte man auf dieser Insel noch 
einen kräftigen Baumwuchs erwarten. Dieser ist aber sehr kümmerlich und allein durch die Weissbirke 
dargestellt, Avelche nur kleine (etwa 4 Ellen hohe) Bäume bildet und schon bei 65" n. Br. ihre Nordgrenze 
findet. Tannen und Föhren fehlen gänzlich und die Eberesche und der Faulbaum sind zu Sträuchern ge- 
worden. Die heftigen Seewinde, aber auch der Unverstand des Menschen haben an dieser niedern Baumgrenze 
wesentlich sich betheiligt, denn früher soll wenigstens die Birke in 40 Fuss hohen Bäumen aufgetreten sein 
und grosse Waldbestände gebildet haben, und es bemerkt sehr wahr Middendorff darüber (Reisen, IV. S. 612), 
je rascher man die Vorräthe aufbraucht, welche durch Jahrhunderte hindurch an der Baumgrenze aufge- 
speichert standen, desto schleuniger zieht sich die Baumgrenze von dem Menschen zurück. Im Ganzen kennt 
man aus Island 432 Blüthenpflanzen, welche sämmtlich mit europäischen Arten übereinstimmen. 

Obwohl die Bäreninsel um 8 Breitengrade vom Polarkreis nordwärts entfernt ist, wird sie doch 
nahezu von der Null-Isotherme berührt. Sie hat ein reines Seeklima, noch begünstigt durch den erwärmenden 
Einfluss des Golfstromes. Der Winter ist daher relativ sehr mild, der Boden thaijt schon Ende Mai auf und 
scheint im Sommer eine Temperatur von 2 — 3 Graden zu haben. Dessenungeachtet hat sie eine sehr dürftige 
Vegetation und von Baumvegetation ist keine Spur zu finden. Keilhau hat im Ganzen 28 Blüthenpflanzen 
auf derselben gesammelt. 

Aus dem Archipel von Spitzbergen sind 93 Blüthenpflanzen bekannt geworden 2). Es sind fast alles 
krautartige Gewächse, die sich über den Boden ausbreiten. Nur 3 Arten (Salix reticulata, S. polaris und 
Empetnnn nigrum) haben holzige Stengel, erheben sich aber kaum ein paar Zoll über den Boden, daher 
dieser Inselgruppe nicht nur die Bäume, sondern auch die Strauch er völlig fehlen. 

Diese Rundschau über die Flora der Polarländer zeigt uns, dass Spitzbergen, ganz Grönland, der 
Norden von Island, der arctisch-amerikanische Archipel, der Nordsaum von Nordamerika und von Asien 
baumlos sind. Ein Blick auf unser Kärtchen, in welches ich die Baumgrenze eingezeichnet habe, zeigt 



*) Vgl. Martins voynge botaniquö le long des c6te& septentrionales de la Norv^ge. S. 134, und die Kulturpflanzen Norwegens 
von Dr. F. Schübcler. Christiania 1862. S. 57. 

2) Vgl. A. J. Malmgren ofversigt af Spitzbergens Fanerogam Flora, Oefvers. af K. Vet. Akad. Förb. 1862. Es ist dies die 
vollständigste Zusammenstellung der von Malmgren in den Jabren 1861 und 1864 gesammelten und von seinen Vorgängern aul'gc- 
jfundenen Pflanzen. Eine Vcrgleicbung dieser Flora mit unserer alpinen gab Martins „la v6g6tation du Spitzberg compar6e k cclle 
des Alpes et des Pyren^es. M6moires de l'Acad. des scienc. de Montpellier. VI. S. 153; ferner: Du Spitzberg au Sahara. S. 83. 

8 



58 Baumgrenze im Norden. 

uns, dass dieselbe mit den Breitekreisen ebenso wenig parallel läuft als mit den Jahres-Isothermen. Nur in 
Island und in Nordwest-Norwegen fällt sie nahezu mit der Isotherme von Null-Grad zusammen, während sie 
in Amerika und Asien viel weiter nördlich liegt und erst an der Behringsstrasse wieder derselben sich nähert. 
Noch mehr weichen die Winter-Isothermen in ihrem Verlauf von der Linie der Baumgrenze ab, wogegen 
die Sommer-Isotherme von 10 '^ mit derselben eine in die Augen springende Uebereinstimmung zeigt. Die 
Isothermen vom Juli und August nehmen in der aretischen Zone einen ähnlichen Verlauf; ich habe die 
Juli-Isotherme von 10^ C. ') in die Karte eingezeichnet, weil dies die Isotherme des wärmsten Monates der 
Polarläiider ist. Vom Nordcap über Nordrussland bis nach Ostasien zeigt sie in ihrem Verlauf grosse Ueber- 
einstimmung mit der Waldgrenze, welche auch an der Behringsstrasse auf beiden Seiten dieser Isotherme 
folgt. Auch in Amerika nimmt sie im grossen Ganzen denselben Verlauf. Wenn wir das lückenhafte Material 
ins Auge fassen, welches für die Ermittlung dieser Isotherme sowohl wie der Baumgrenze zu Gebote stand, 
muss dies Resultat uns freudig überraschen und macht es wahrscheinlich, dass da wo Abweichungen sich 
finden, diese von Nebenumständen und Beobachtungsfehlern herrühren. Dies iJeigt uns in augenfälligster 
Weise, dass nicht durch die Winterkältc, sondern, wie dies schon Middendorff ipit Recht betont hat, voraus 
durch die Sommertemperatur die Polargrenze des Baumwuchses bestimmt wir^. Spitzbergen liat bei 78 ^ 
n. Br. fast dieselbe mittlere Jahrestemperatur wie Cap Franklin , der Winter ist wahrscheinlich noch um 
10 •> wärmer und selbst die Frühlingstemperatur steht etwas höher, und doch ist die Vegetation eine ganz 
andere. Am Cap Franklin haben wir noch Fichten und Pappelbäume und zahlreiche hohe Sträueher, und 
in Spitzbergen kleine, verzwergte Kräuter, die nur hie und da den Boden zu färben vermögen. Hier haben 
wir eben nur eine Sommertemperatur von IV3 '^j während dort eine solche von 10" C. und einen wärmsten 
Monat von 11** C, welche dies Räthsel lösen. Es muss diese Sommerwärme eine gewisse Zeit andauern, dass 
die Bäume ihr Holz ausreifen und ihre Samen bilden können. Nur die niedersten Pflanzen, die Cryptogamen, 
deren Fortpflanzungsprocess ein sehr einfacher und schnell vorübergehender ist, indem er meist nur in einer 
Zellentheilung besteht, können bei sehr niedriger Temperatur bestehen und sich fortpflanzen. Je verwickelter 
diese Processe sind, desto länger dauern sie und desto mehr Wärme ist dazu erforderlich. Eine Birke, eine 
Lärche, eine Tanne muss Zeit haben, um den Blumenstaub zu bilden, das Stempelgehäuse aufzubauen, defi 
Blumenstaub auf die Narbe überzutragen, den Keim und den Samen zur Reife zu bringen. Jede Pflanze 
fordert für diesen Bildungsprocess eine gewisse Wärme, und wir sehen, dass nirgends auf der Erde 2) , wo 
die Temperatur des wärmsten Sommermonats nur 9" erreicht, Waldbäume bestehen können; erst mit der 
Juli- oder August-Isotherme von 10 •* C. beginnt das Baumlcbcn, aber auch da nur mit den ersten Vorposten, 
welche mit einer wunderbaren Zähigkeit der Unbill des Klima's trotzen mid immer und immer aufs Neue 
den Versuch wiederholen, weiter polwärts vorzudringen. r^ 

Zu Bestätigung des Gesagten füge icli noch die Sommertemperatur von zwei an der nördlichen Baum- 
grenze, aber weit auseinander liegenden Puncten bei, und stelle zur Vergleielujng zwei Ilöhengrenzen dazu. 

Es beträgt die Durchsehnittstemperatur an der Baumgrenze : 

im Taimyrland. in Hammerfest. auf dem Rigi-Kulm. in Cresta im Avers. 

(70° 40' n. Br) (1784 Meter ü. M.) Haus des Beobachters. 

(1955 Meter ü. M.) 

im Juni ... 1,9 <> . 7,8 8,10 t — 

- Juli ... 9,4 11,96 10,24 '' 9,6 

- August . . . 10,6 10,85 8,54 , 10,3 

- Sommer . . 7,3 10,20 8,96 ' 9,68 

Im Taimyrland findet sich unter solchen Verhältnissen nach Middendorff (Reisen. IV. 656) noch auf- 
rechtes Krüppelholz von Lärchen; der Maimonat hatte eine Durchschnittstemperatur von — 8,8 <> und der 
September von — 1,9°, doch war das Thermometer von Mitte Mai an in der Regel über Null und ebenso 
bis Mitte September und erreichte im Juli und August einige Mal 24—26" C. Die Vegetationszeit dauerte 
also etwa 16 Wochen, wobei die lange Besonnung während der Sommermonate in Betracht kommt. Diese 
kommt auch den Pflanzen von Hammerfest zu gut, wo der Frühling bedeutend wärmer als im Taimyrland. 
Der Rigi-Kulm ist ZAvar baumlos, doch entspricht seine Höhe dem Durchschnitt der Baumgrenze der nörd- 
lichen Schweiz, die bei 5500 Fuss Par. ü. M. liegt und durch die Fichte (Pinus Abies L.) gebildet wird. 
In dieser Breite fehlt die lange Besonnung, welche die arctische Zone auszeichnet, dafür ist die Vegetations- 



*) Entlehnt aus Dove's Tafeln in seinem Werke über Verbreitung der Wärme. 

2) Auf der südlichen Hemisphäre bleiben die Bäume, und Pflanzen überhaupt, schon früher zurück als auf der nördlichen. 



]3ju\mgren/c im Norden. f/j 

zeit ■bedeutend länger, indem der Friilding früher beginnt. In den Ccntralalpen steigt die Baum^o-enze cnt- 
sprecliend der dortigen liöliern Sommertcmjjeratiu- betriielitlieh liöhcr. Im Avers liabcn wir beim Dorfc Cresta 
zwar keine Bäume mehr und die ganze Thalsohle von der Kirclic bis Juf stellt eine bäum- und strauehlose 
Alpenwicse dar, doch steigen an dem gegenüberliegenden Abliang die Arven bis ungefähr zur Höhe des 
Dorfes hinauf, so dass dies als Baumgrenze für diese Gegend angenommen werden darf. Aucli hier über- 
steigt der wärmste Monat im Mittel dreijähriger Beobaehtungen (vom J. 1856, 1857 und 1858) 10° C. Es- 
dienen somit die Baumgrenzen unseres Landes zur Bestätigung des oben gewonnenen Resultates. 

Ein Blick auf die S. 54 mitgetheilte Tafel zeigt uns, dass die normale Wärme des wärmsten Monates 
(Juli) am Polarkreis 10,4 « C. beträgt; wir können daher auf der nördlichen Hemisphäre die normale Polar- 
grenze des Baumwuchses auf etwa 67 ^ n. Br. setzen. 

' Die Zahl der Baumarten, welche an die äusserstc Nordgrenze gestellt sind und bei so gerin r^-cr Sonnner- 
wärme noch leben können, ist sehr gering und beträgt nur ein halb Dutzend, in Europa sind es die Birke 
und Führe, in Asien die Lärche und in Amerika die Silberfichte und 2 Pappelarten, welche an diese äusser- 
sten Vorposten des Baumlebens gestellt wurden. 

Die Sommertemperatur ist also der wichtige Factor, der hier in Betracht kommt und allein es erklärt, 
wie es kommt, dass in der Nähe des Kältepoles (in Ostsibirien) die Baumgrenze am weitesten polwärts vor- 
geschoben ist, weil dort die relativ wärmsten Sommer sich finden. Dabei haben wir aber nicht zu übersehen, 
dass auch die Winterkälte nicht ohne grossen Einfluss ist. Wenn auch einige wenige Baumarten (in Jakutsk) 
einen äussersten Winterfrost von — 64 <* C. zu ertragen vermögen, so ist doch diese heftige Kälte Schuld, 
dass sie so häufig Risse und Spalten bekommen und verkrüppeln. ') Audi zeigt uns ein Blick auf das Kärt- 
chen, dass die Juli-Isotherme von 10 '^ C. in Ostsibirien über die Baumgrenze hinausreicht und noch mehr 
ist dies bei der August-Isotherme von 10 '^ der Fall, wohl weil der ungemein kalte Winter in Verbindung 
mit den nasskalten Küstenwinden die Bäume dort verhindert, bis an die Grenze jener Isotherme zu gehen. 
Im Uebrigen bewegt sich jede Pflanzenart wieder innerhalb einer ihr eigenthümlichen und ihrer Constitution 
angemessenen Temperatursphäre, durch welche ihre Polar- und Aequatorialgrenz0 bedingt wird, und es giebt 
gar viele Pflanzen, Avelchen die Winterkälte ebensowohl das Vorschreiten nach Norden verbietet, wie der 
Mangel an Sommerwärme, daher im grossen Ganzen die Extreme der Wintertemperatur mit der Sommer- 
wärme zusammen das Band bilden , das ihren Verbreitungsbezirk umschliesst und bestimmt. Daraus mag 
sich uns erklären, warum in Sibirien mit seinem so extrem continentalen Klima die im Winter kahle Lärche 
um 7 Breitengrade weiter nach Norden reicht als die wintergrüne Föhre, welche doch in Europa nahezu 
an die Baumgrenze gerückt ist, weil wintergrüne Bäume von der Winterkälte immer mehr leiden werden 
als winterkahle, und darum sind überhaupt die Pflanzengrenzen in Norwegen auffallend weit nach Norden 
vorgeschoben, weil hier relativ warme Winter mit warmen Sommern sich verbinden. 

Wir mussten einen Blick auf das Klima und die Vegetation der Polarländer unserer Zeit werfen , um 
den grossen Gegensatz zu den Verhältnissen früherer Weltalter vor Augen führen zu können. Wir wollen 
nun nachsehen zu welchen Schlüssen uns ihre einstige Naturwelt berechtigt. 

I. Primäre Epoche. 

Die Flora der Steinkohlenzeit ist so verschieden von der jetztlebenden , dass sie keine sichern 
Schlüsse auf das damalige Klima gestattet. Immerhin zeigen die Nadelhölzer, die Noeggerathien und das 
Lepidodendron der Melville-Insel, dass es damals dort gar viel wärmer muss gewesen sein als gegenwärtig, 
und der Umstand, dass wenigstens eine Art (Lepid. Veltheimianum) mit einer solchen Mitteleuropa's über- 
einstimmt, macht es wahrscheinlich, dass die Vertheilung der Wärme eine gleichmässigerc gewesen sei. Dies 
wird auch durch die Thierbevölkcrung des damaligen Meeres bestätigt, indem diese einen grossen Reiclithum 
von Arten entfaltet und in Spitzbergen noch bei 78 <> n. Br. ganze Felsen erfüllt. Es sind ferner mehrere 
Arten der amerikanischen arctischen Inseln und Spitzbergens nicht allein bis Europa verbreitet, sondern 
neuerdings selbst in Indien und Südamerika nachgewiesen worden 2). Es sind dies Thiere mit grossen, starken 
Schalen, welche wahrscheinlich nicht in grossen Seetiefen gelebt haben. Dass diese Thiere aus südlichen 



*) Es schildert V. Middcndorff (IV. 8. G52) das erschütternde Knallen , das den sibirischen "Wald zur Zeit des Beginne» 
plötzlich hereinbrechender Quecksilbergefrierfröste durch das Bersten des Holzes erfüllt. 

2) Der Productus Keilhavii war nicht nur im gj^nzcn arctischen Becken zu Hause , in Spitzbergen, auf der Bärcninsel , im 
Petschora- und Nord Albert-Land, sondern ist auch im Himalaya gefunden worden. Vgl. S. 34. 



60 Klima der primären und sccundären Ejioclie. 

Breiten nach dem Norden versclnvemmt worden seien, ist nicht anzunelimen, da sie stellenweise massenhaft 
vorkommen. Auch sprechen die riff bildenden Corallen dagegen, welche in Spitzbergen noch bei 78 ^ n. Br, 
mehrere Fuss mächtige Felsen bilden und auch auf den Parry-Insel noch bei fast 77 <* n, Br. auftreten. Eine 
Art (Lithostrotion basaltiforme), welche in Europa und Amerika sich findet, scheint über das ganze arctische 
Becken verbreitet gewesen zu sein. Diese Corallenriffe zeugen dafür, dass zur Steinkohlenzeit das arctische 
Meer nicht von Eismassen bedeckt sein konnte. 

In noch älteren Formationen begegnen uns ähnliche Verhältnisse, welche wir S. 16 besprochen haben. 
Zur silurischen Zeit war im arctischen Amerika Meer und seine Fauna hatte denselben Charakter wie die 
Meeresfauna von Mitteleuropa und zum Theil dieselben Arten. In einer nördlichen Breite von 73 bis 76 * 
bauten zahlreiche Corallen ihre zierlichen Wohnungen auf, grosse stabförmige Cephalopoden (die Orthoceras) 
schwammen im Wasser, während die langgewundenen Fussschnecken und Brachiopoden wohl auf dem See- 
grunde sich angesiedelt hatten. 

IL Secundäre Epoche. 

Auch im Triasmeere der arctischen Zone hatte die Thierwelt denselben Charakter wie in Mittel- 
europa; es war von grossen Sauriern belebt, die bis zum 78 « n. Br. getroffen werden und weist uns eine 
Zahl von Muscheln und Schnecken, welche zum Theil wenigstens mit solchen südlicher Breiten überein- 
stimmen. 

Dass zur Zeit der Jurabildungen auch im hohen Norden ein Heer von Ammoniten sich eingefunden 
hatte, erfahren wir aus den Versteinerungen, die auf der Prinz Patrick-Insel, in Spitzbergen, in Nordruss- 
land, am Olenek und in Neusibirien entdeckt worden sind (vgl. S. 20, 35, 41). Auch dies sind Formen, 
welche zum Theil bis auf die Art mit solchen Mittel- und Südeuropa's übereinstimmen und uns nicht zwei- 
feln lassen, dass damals das Polarmeer eine viel höhere Temperatur gehabt hat als gegenwärtig. 

Aus der Kreideperiode kennen wir zur Zeit noch keine arctischen marinen Ablagerungen. Es ist 
indessen nicht wahrscheinlich, dass das Meer zu dieser Zeit aus dem Norden verschwunden war, und dass das 
Klima für ein reiches Thierleben geeignet war, erfahren wir aus der Kreideflora von Kome in Nordgrönland. 
Man wird daher wahrscheinlich auch im hohen Norden noch eine marine Fauna aus dieser Zeit finden. Die 
Kreideflora Nordgrönlands führt uns sehr merkwürdige Pflanzen vor. Farrenkräuter , wie sie jetzt nur in 
der tropischen und subtropischen Zone vorkommen (die Gleichenieu und Dauben), Zamien und Widdringtonien, 
die am Cap, und Sequoien, die in Californien in den ähnlichsten Typen auftreten, und ein Stammstück, das 
vielleicht einer Palme, jedenfalls einer baumartigen Monocotyledone, angehört hat, und dazu eine Föhre und 
eine Tanne, Baumformen, wie sie jetzt von Canada bis nach Mexico hinabreichen. Der klimatische Charakter 
dieser Flora stimmt so wohl zu demjenigen der Kreideflora Mitteleuropa's, dass er auf sehr ähnliche Lebens- 
bedingungen hinweist. Es scheint damals ein subtropisches Klima bis zum 71^ n. Br. hinauf geherrscht zu 
haben, und wir vermögen noch keine zonenweise Ausscheidung der Klimate nach den Breiten nachzuweisen, l) 
Ein noch ungelöstes Räthsel bleibt es aber, dass die Flora von Nebraska, welche zur Kreide gerechnet wird, 
ein ganz abweichendes Verhalten zeigt und mehr derjenigen der gemässigten Zone zu entsprechen scheint. 

III. Miocene Zeit. 

Wir haben S. 49 eine Uebersicht der uns bis jetzt bekannten miocenen Pflanzen der arctischen Zone 
gegeben. Darunter bemerken wir 128 Holzgewächse, von denen nach Analogie der lebenden Arten 78 Bäume 
gebildet haben. Gregenwärtig kennen wir aus der ganzen arctischen Zone nur 15 Baumarten und von diesen 
reichen nur 5 (die Birke , Espe , Eberesche 2) , Föhre und Lärche) in einigen Gegenden bis zum 70 « n. Br., 
während von den miocenen arctischen Bäumen 61 Arten, und 11 Arten finden sich sogar noch in Spitzbergen. 
Wir haben oben gesehen, dass die Nordgrenze des Baumwuchses auf die Juli-Isotherme von 10 <> C. fällt 



^) Leopold von Buch hatte aus dem Fehlen der Kreide in der arctischen Zone geschlosaen, dass zu dieser Zeit die Aus- 
scheidung der zonenmässigen Vertheilung der Wärme begonnen habe. Vgl. seine Abhandlung „Betrachtungen über die Verbreitung 
und die Grenzen der Kreidebildungen". Verhandl. des naturhistor. Vereines der Rheinlande. VI. 1849. S. 211. Auch bei den jetzt 
bestehenden klimatischen Verhältnissen finden sich viele Thiere im arctischen Meere und nur durch Annahme eines noch viel 
kaltem Klima's würden die Bedingungen des Thicrlcbens in diesen Breiten ausgehen. Die fossilen Pflanzen zeigen aber, dasa 
gcgcntheils die arctische Zone zur Kreidezeit ein viel milderes Klima gehabt hat als jetzt. Sollte die marine Kreide im hohen 
Norden wirklich fehlen, so müsste eine andere Erklärung (etwa durch Annahme eines grossen dortigen Festlandes) gesucht werden. 

2) Die Traubenkirsche (Prunus Padus L.) reicht zwar bis zum TOs'en Grad n. Br , doch erscheint sie nördlich von GS'/j ** 
nur als Strauch. . ' 



Klima der mioceueii Zeit. Gl 

oder auf den Normalparallel von ßl^ n. Br. Nun haben wir zur miocencn Zeit in Spitzbergen nocb Bäume 
"bei 77 und 79* n. Br., also um 10 bis 12 Breitengrade über diesen Normal parallel hinaus. Es ist aber leicht 
zu zeigen, dass zur miocenen Zeit die Baumgrenze viel nördlicher lag als 79 ^ n. Br. Wir haben im miocenen 
Spitzbergen zwei Pappelarten und eine Föhre, die somit Gattungen angehören, welche gegenwärtig die Grenz- 
wächter des Baumlebens bilden. Das war wohl auch zur miocenen Zeit so, aber neben denselben finden wir 
in Spitzbergen die Linde und Platane, welche in homologen Arten auch jetzt im Verbreitungsgebiet der 
Pappeln und Föhren vorkommen, die erstere bleibt aber polwärts um 6, letztere um 15 Breitengrade früher 
zurück. Es liegt keinerlei Grund vor anzunehmen, dass die Pappeln und Föhren zur Tertiärzeit nicht eben- 
falls viel weiter nach Norden vorgerückt seien als die Platanen und Linden ; wenn wir diesen Abstand zu der 
polaren miocenen Platanengrenze hinzufügen, gelangen wir über den Pol hinaus, d. h. wie unsere Alpen zur 
Darstellung der Grenze des vegetabilischen Lebens nicht hoch genug sind, so wären zur miocenen Zeit selbst 
die klimatischen Verhältnisse des Poles für einzelne Bäume (Pinus- und Populus- Arten) kein Ilinderniss noch 
weitern Vordringens gewesen. Dies macht es sehr wahrscheinlich, dass die miocenen Polarländcr eine reiche 
und üppige Waldflora gehabt haben , welche bis zum Pol hinaufreichte , insofern damals Festland dort be- 
standen hat. Dass diese Waldflora nicht aus armseligen, krüppelhaften Bäumen bestand, wie die Nordsibiriens, 
beweisen die aus grossen Baumstämmen gebildeten Holzberge des Bankslandes und der neusibirischen Inseln 
(S. 21, 42), wie die Hölzer und die reichen Kohlenlager Grönlands und, dass dieser Wald aus sehr manig- 
faltigen Baumarten zusammengesetzt war, die reiche Flora von Atanekerdluk. Es ist gewiss sehr beachtens- 
werth, dass hier so viele grossblättrigen Bäume vorkommen und dass die Sequoien sehr lange Jahrestriebe 
besitzen, wie solche nur unter sehr günstigen Wachsthumsbedingungen sich bilden konnten. 

Schon diese allgemeinen Verhältnisse müssen Jedermann überzeugen, dass damals ein ganz anderes Klima 
in diesen hochnordischen Gegenden geherrscht hat als gegenwärtig, wir werden aber dasselbe näher bestimmen 
1 können, wenn wir die Pflanzen der einzelnen Gegenden noch genauer auf ihren klimatischen Charakter prüfen. 

Spitzbergen. 

j Wir können nach ihrem Verhalten zum Klima die miocenen Spitzberger Pflanzen in zwei Gruppen 
bringen, in solche deren homologe oder doch nahe verwandte Arten erstens auch jetzt bis in die Polarzone 
ceichen, oder zweitens in der gemässigten Zone zurückbleiben. Zu der ersten Gruppe gehören die Pinus 
polaris, Potamogeton Nordenskiöldi , Populus Richardsoni, Alnus Kefersteinii und Corylus M'Quarrii. Ver- 
gleichen wir aber die Polargrenzen der ihnen zunächst stehenden lebenden Arten, so werden wir uns über- 
seugen, dass die meisten Arten etwa 8 Breitengrade (7*^ 50') früher zurückbleiben und bei dem Laich- 
kraut und der Hasel beträgt der Abstand über 10 Grade. Der Haselstrauch überschreitet nur in West- 
s^orwegen den Polarkreis und auch da nur um einen halben Grad, indem er nach Wahlenberg dort bis 
»70 n. Br. reicht*); nach Osten sinkt seine Polargrenze sehr rasch auf 60 und 61 " n. Br. hinab und folgt 
er Eichengrenze. Dazu kommen nun noch die Bäume der zweiten Gruppe, deren anologe lebende Arten 
eit von der Polargrenze zurückbleiben. Es sind dies die Buche, die Platane, die Linde und die Sumpf- 
ypressen, welche uns die wichtigsten Aufschlüsse über das miocene Klima Spitzbergens geben, daher wir 
e noch einzeln zu besprechen haben. 

1. Die Buche. 2) 

Die europäische Buche, welcher die miocene Art sehr nahe steht, geht in Schottland selbst in Cultur 
cht über den bl^ n. Br. hinaus, in Norwegen dagegen reicht sie nach Schübeier (die Culturpflanzcn Nor- 
|cgcns, S. 75) in Cultur bis Drontheim (63" 25'), indem sie dort noch fortkommt und in guten Jahren die 
rückte reift, wild wachsend aber hat sie hier die nördichste Grenze in Saeim (Kirchspiel Hosanger), einige 



*) Nach Schübeier „über die Verbreitung der Obstbäume ui.d beercntragenden Gesträuche, S. 32, und Culturpfl.'inzcn Nor- 
gcns", S. 74, trägt er nur bis Alatcno (GG« n Br.) reife Früchte. Es kommen auch in Norwegen die beiden Formen vor, welche 
y bei uns haben und die schon in den diluvialen Schieferkohlen und Pfahlbauten auftreten. Vgl. Urwelt der Schweiz, S. 491, 
Hl Pflanzen der Pfahl baj.tcn, S. 30. 

') Meine Angaben über die Polargrenzen der Bäume gründen sich theils auf die mir zugänglichen gedruckten Schriften 
(iJTicntlich Middendorff, Schübeier, Trautwetter, von Herder), theils aber auf briefliche Mittheilungen. Da es zu umständlich Aväre, 
JK Orts den Beobachter zu nennen, der so freundlich war, auf meine Anfragen zu antworten, will ich es hier thun und damit 
Vcn verbindlichsten Dank verbinden. Dublin: Dr. Moore. London: Dr. J. D. Hooker. Wolsingham: W. Backhouse. Perth: S-ir 
^ie Grcy Egerton. Harlem: Prof, van Breda. Berlin: Prof. Alex. Braun. Lund und Stockholm: Prof. Nordenskiöld und Dr. Fries 
^1 Königsberg: Prof Caspar! und Zaddach. 



r.2 



Miocencs Klima Spitzbergens. 



^Meilen nördlicli von Bergen bei 60 •> 37'. Sie sinkt aber schon in Scliweden auföT** und weiter nacli Osten ^) 
biegt sicli die Grenze rasch nach Süden hinab. Sie verUinft über Königsberg nacli Polen, geht dann längs 
der westlichen Grenzen Volhynicns nnd Podoliens nach Bessarabien, wo sie auf den westlichen Bergabhängen 
wächst. Sie fehlt im Innern Kusslands, wogegen sie im Caucasus und in Japan wieder auftaucht. Die ame- 
rikanische Buche (Fagus ferruginca Ait.) findet sich bei Neu-Braunschweig und Neufundland und erreicht 
dort kaum den 50^'®" Grad n. Br. , während sie nach Richardson- im Innern des Landes um einen halben 
Grad weiter nach Norden, bis zum Winipeg vordringt. 

2. DiePlatane. 

Die amerikanische Platane ist über die Vereinigten Staaten verbreitet. Sie reicht aber nicht über den 
50sien Qi-a,cl n. Br. hinaus, indem sie in Canada nicht nördlich vom Obersee sich ündct. Die orientahsche 
Platane bleibt in Europa noch früher zurück. In ganz Mitteleuropa treffen wir in Anlagen am häutigsten 
PJatanus acerifolia Willd. , deren Verhältniss zu den beiden vorigen Arten noch niclit genügend aufgeklärt 
ist. Wir finden sie in Cultur in England, Holland und im nördlichen Deutschland bis nach Elbing und 
Königsberg ; bei letzterer Stadt ist sie freilich schwer zu erhalten, wogegen siq bei Berlin sehr wohl gedeiht. 
Dasselbe ist aber auch noch der Fall in Kopenhagen und im südlichsten Schweden, so bei Lund (bei circa 
5G° n. Br.), wo sie noch ansehnliche Bäume bildet. Dagegen führt sie Schübeier unter den Culturpflanzen 
Norwegens nicht an und es scheint somit Christiania ausserhalb des künstlichen Verbreitungsbezirkes dieser 
Gattung zu liegen, noch mehr ist dies bei Petersburg der Fall. Folgende Tafel zeigt uns die Temperatur 
der wichtigsten Stationen : 



a. Innerhalb der Grenze. 

Harlcm *..... 

Kopenhagen 

Lund 

Königsberg 

b. Ausserhalb der Grenze. 
Christiania 



Breite. 



520 23' 
55 41 
55 42 
54 43 



59 54 



Jahr. 



Winter. 



Frühling 



9,6 

8,1 
7,2 
6,5 



5,3 



2,6 

— 0,3 
-1,4 

— 3,3 



-4,2 



8,8 
6,4 
5,4 
5,3 



Sommer. 



16,6 
17. 
16,7 
15,9 



15,4 



Herbst. 



Kältester 
Monat. 



10,6 
9,3 
8,3 
6,9 



1,3 
-1,5 
-3,2 
-4,2 



— 5,3 



Wärmster 
Monat. 



17,4 
17,9 
16,4 



16,6 



Zur miocenen Zeit stand die Platane am Eisfjord Spitzbergens bei 78 <> n. Br-, also um circa 18 Breiten- 
grade nördlicher als Christiania. ,v 

3. Die Linde. 

Die kleinblättrige europäische Linde (Tilia parvifolia Ehrh.) reicht nach Schübeier an den Westküsten 
Norwegens bis zum 62 ^ n. Br., der nördlichste Punct, wo sie mit Erfolg noch gepflanzt werden konnte, soll 
auf Orlandet, am nördlichen Ufer des Meerbusens von Drontheim unter 62« 42' n. Br. sein. 2) Im östlichen 
Norwegen sinkt die Nordgrenze auf 61 ^ ; sie ist auf den Alandsinseln und um' Petersburg und steigt dann 
ostwärts noch etwas höher polwärts an, indem sie >venigstens in Strauchform am Ladogasee bei 61 V4 "• Bi'- 
noch sich findet. Nach Middendorff soll sie im europäischen Russland von Finnland an und ostwärts über 
das Dwinagebiet beinahe den 62s'en Grad n. Br. erreichen, dann diesem Breitegrad fast parallel gehen, am 
Ural aber auf 59» herabsinken, Toboli bei 5872% den Irtysch bei 58« und den Obi und Tom bei 06^2^ 
n. Br. schneiden. Sie erreicht ihre östlichste Grenze am Jenisei bei 56 » n. Br., ist aber auch da, wie in 
allen höher nordischen Gegenden nur ein Strauch. Für die Grenzstationen der europäischen Linde stellen 
sich die Temperaturverhältnisse : 



') Nach einer brieflichen Mittheilung von Prof. Nordenskiöld befindet sich indessen in Finland eine Buche noch bei Frugard 
(bei 60" 35' n. Br. und 43 <> ö. L ). Es ist dies in Finland das nördlichste bekannte Exemplar und ist nur ein 1-2 Fuss hoher 
Strauch, dessen vom Schnee nicht bedeckte Aeste jeden Winter erfrieren. Er soll aber über 100 Jahre alt sein. 

2) Martins (Voyage botanique, S. 12) sah in der Stadt Drontheim noch eine kleinblättrige Linde, doch musste sie zurück- 
geschnitten werden, da die Aeste abgestorben waren. Der Stamm hatte am Grund einen Durchmesser von 0,86 M. Im Jahr 1862 
hatte sie eine Höhe von circa 35 Fuss. Bei Hernoesand (620 38') sah er noch 2 Exemplare. Vgl. auch öcbübeler die Cultur- 
pflanzen Norwegens, S. 111. 



Miocenes Klima vSpitzbcvgcus. 



63 



Dronthcim ÖS« 26' 
Umea 63» 49' , . . 
Petersburg 590 56' . 


Jahres- 
mittel 


Winter. 


Frühling. 


Sommer. 


Herbst. I^iiltcster 
Monat 


Wärmster 
Monat. 


5,4 

2,1 
3,5 


-2,4 
— 10,2 
-7,9 


4,5 
0,6 

2,1 


13,4 
14,1 
15,4 


4," 
3,1 
4,5 


-4,9 

— 11,3 

— 9,9 


14,8 
16,2 
16,5 



Die amerikanische Linde hat am Winipcgsce bei öOVz** n. Br. ihre Nordgrenxe , erscheint aber 
da nur noch als Strauch. Sie findet sich in Gürten noch in Christiania. 

Die Spitz berger Linde (TiHa Malmgreni) scheint durch ihre grossen BUittcr dieser amerikanischen 
am nächsten sich anzuschlicssen. Wenn wir aber auch Drontheim als den günstigsten Punct, wo die klein- 
blättrige europäische Linde noch, wenn auch kümmerlich fortkommt, zum Anknüpfungspunct wählen, 
trefltcn wir doch die von Blomstrand m der Kingsbai entdeckte Linde um löVz Breitengrade höher im 
iNorden an. 

4. Die Tax od ien. 

Es sind nur zwei lebende Arten Sumpfcypressen bekannt, die virginische (Taxodium distichum Rieh.) 

und die mexicanische (T. mexicanum Carr.), welche letztere sich allein durch die schmälern Blätter zu 

unterscheiden scheint. Die erstere ist in den Morästen der südlichen Vereinigten Staaten zu Hause, besonders 

zwischen 31 — 32^ n. Br. , wurde aber auch in Kentucky und in Virginien bis zum Delaware (bis etwa 

40 •^ n. Br.) getroffen. In Canada wird dieser Baum nicht mehr gesehen. Cultivirt kommt er indessen in 

Europa in viel nördlichem Breiten vor. Wir finden ihn hier und da in den Gärten und Anlagen von Bern, 

Zürich und Winterthur, und auch am letztern Orte reift er noch zuweilen die Früchte und erwächst zu 

einem ansehnlichen Baume. Li Lland gedeiht er noch in der Umgebung von Dublin, doch bleibt er da 

üiedrig, wogegen er in den Parks von London grosse Bäume bildet. In Holland kommen über 100 Jahre 

xlte Bäume vor, die aber niemals blühen, noch Früchte tragen. In Deutschland gedeiht er bei Berlin vor- 

reffhch, blüht und trägt zuweilen Frucht, auch stehen ein paar grosse Bäume in dem Pinetum von Muskau 

inSchlesien bei circa 51 V2** i^- ß^'-i welche die Winter ertragen, obwohl die jungen Exemplare leiden und iin, 

Winter zurückfrieren. In der Umgebung von Königsberg und von Stockholm hält dieser Baum im Freien 

licht mehr aus. Für Deutschland dürfte daher etwa der 53*''® Grad n. Br. die künstliche Nordgrenze dieses 

Saumes bezeichnen. 

Das Taxodium dubium Spitzbergens steht der virginischen Sumpfcypresse sehr nahe und hat daher 
ehr wahrscheinlich für seine Entwicklung auch ähnliche Wärnieverhältnisse verlangt, die sich nach folgen- 
ler Tafel bemessen lassen. 



a. Innerhalb der Grenze. 
Dublin 


Jahres- 
mittel. 


Winter. 


Frühling 


Sommer. 


Herbst. 


Kältester 
Monat. 


Wärmster 

Monat. 


9,5 
8,12 
8,40 
8,6 

5,6 


4.6 

— 1,04 

— 2,50 

— 0,6. 

— 3,6 


8,4 
8,3 
8,4 
8,1 

3,5 


15,3 
16,8 
17.2 
17,5 

16.1 


9,8 
8,6' 
8,8 
8,6 

6,5 


4,3 

— 4,3 
-3,9 
-2,6 

- 4,5 


16. 
18,4 
18,6 
18,3 

17,6 ' 


Bern 46 » 57 ' 

i Winterthur 


Berlin 52 31' . . 

! b. Ausserhalb der Grenze. 
Stockholm 



5. Die P p u 1 u s a r c t i c a 

eliört wahrscheinlich in die Gruppe der Lederpappeln (Pop. euphratica Ol.), welche gegenwärtig aui' Asien 
3schränkt ist. Sie findet sich in Centralasien, so in Thibet, bis zu sehr bedeutenden Höhen hinauf, wo sie 
"'hr kalte Winter zu ertragen hat, anderseits aber in der warmen und subtropischen Zone, so in Meso])o- 
•mien und am Jordan bei Jerielio. Da die fossile Art indessen keiner lebenden so genau entspricht, da.ss 
ir sie als homologe Art bezeichnen könnten, bleibt ihr klimatischer Charakter zweifelhaft. 

Ueberschauen wir die Temperatursphären, in welchen sich die den Spitzberger Bäumen zunächst 
ehenden lebenden Arten bewegen , werden wir sagen müssen , dass die Platane und die Sumpfcypressen 
lenigstens eine Sommertemperatur von 15—16'^ C. verlangen und dass die Wintertemperatur nicht unter 
■40 Hegen konnte, wogegen die Linde, Buche und Haselnuss auch bei ungünstigem Veriiältnissen noch 



G4 Miocencs Klima Spitzbergens. 

leben konnten, nnd noch mclir ist dies bei der Föhre, den Pappeln und Erlen der Fall. Es wird daher das 
südliche Schweden mit ö'/z his G^ C. Jalirestemperatur jetzt ein Klima haben, wie es zur miocenen Zeit bei 
78° n. Br. in Spitzbergen bestand. Das Minimum, das wir für die Kingsbai (bei 79" n. Br.), wo die Linde 
entdeckt wurde, anzunehmen haben, haben wir auf 5*^ mittlere Jahrestemperatur zu stellen. Die Kingsbai 
liegt um 32 Breitengrade nördlicher als die Mittclsehweiz und hätte darnach eine um 16^ niedrigere Tem- 
peratur gehabt als die mioccne Schweiz , für welche eine sorgfältige Combination der Naturwclt jener Zeit 
eine Mitteltcmperatur von 21 " C. ergeben hat. ^) Wir erhalten sonach für den Breitegrad eine Temperatur- 
abnahme nach Norden von 0,5 •^ C. Gegenwärtig beträgt der Temperaturunterschied, wenn Avir die Schweiz 
auf das jMeeresniveau berechnen , 20,6 ^ C. , was auf den Breitegrad 0,GG ^ C. beträgt. 2) Es war daher zur 
miocenen Zeit die Wärme gleichmässiger vertheilt, obwolil eine zonenweise Abnahme nach Norden nicht zu 
verkennen ist. Damit stimmt denn auch die Vergleichung der jetzigen Spitzberger und Schweizer Flora mit 
der miocenen überein. Von den 93 Pflanzen, welche Dr. Malmgren in Spitzbergen nachgewiesen hat, kommen 
27 Arten auch in der Schweizer-Flora vor. Von diesen werden aber nur 4 (Cardamine pratensis, Taraxacum 
palustre, Poa pratensis und Festuca ovina) auch im Tiefland getroffen, alle andern erscheinen erst in den 
Alpen und die meisten erst in beträchtlichen Höhen. Von den miocenen Pflanzen Spitzbergens aber war fast 
die Hälfte auch in der Schweiz oder deren Nachbarschaft zu Hause und die ajidere Hälfte besteht aus lauter 
Arten, welche denselben klimatischen Charakter haben. Es ist keine einzige Art darunter, welche ausschliess- 
lich alpinen oder aretischen Typen entsprechen würde. Während jetzt der ganze Hochnorden unserer Erde 
von einer eigenthümlich aretischen Flora bevölkert ist, fehlte der Tertiärzeit eine solche schärfer abgegrenzte 
hochnordische Pflanzemvelt, es ist dieselbe zum Theil aus den Arten unserer miocenen Flora zusammen- 
gesetzt, welche der jetzigen gemässigten Zone entsprechen, zum Theil aber aus Formen, die zwar dieser 
fremd sind , aber doch denselben klimatischen Charakter haben. Es hat also damals eine grössere Gleich- 
förmigkeit in der Vertheilung der Pflanzen bis in den höchsten Norden hinauf stattgefunden, und diesem 
muss ein gleichförmigeres Klima entsprechen, da mehr Arten unserer Breiten bis hoch in die Polarzone 
hinaufreichen, als dies gegenwärtig der Fall ist. 

Grönland. 

Die Fundstätten fossiler Pflanzen liegen in Grönland um 7 bis 9 Breitengrade weiter im Süden, als 
diejenigen Spitzbergens. Das Vorkommen der Pappeln, Plaselnuss, Buche, Platane und Sumpfcypresse , die 
uns schon in Spitzbergen begegnet sind, darf uns daher nicht verwundern. Ueberhaupt können wir auch 
diese Pflanzen in dieselben zwei Gruppen bringen, nämlich in Typen, deren Repräsentanten noch jetzt bis 
in die arctische Zone reichen, und in solche, Avelche den Polarkreis jetzt nicht berühren. Zu ersterer gehören 
folgende Arten: Pteris Rinkiana, Pt. oeningensis, Sparganium stygiiun, Populus Richardsoni, P. arctica, 
P. Zaddachi, Betula Miertschingi, Corylus M'Quarrii und Menyanthes arctica. Die Pteris sind mit dem Adler- 
farrn zu vergleichen, welcher von der Tropenwelt bis zum nördlichen Norwegen verbreitet ist und in der 
Präfectur von Saiten noch zwischen 67 und 68 " n. Br. vorkommt; die Populus Zaddachi entspricht der 
Balsampappel, die in Nordcanada (am Mackenzie) bis nahe zur Baumgrenze reicht; der Fieberklee gehört 
einer Gattung an, welche in Torfmooren der ganzen nördlichen Hemisphäre bis hoch im Norden vorkommt. 
Weitaus die Mehrzahl der Arten gehört zur zweiten Gruppe, von welchen jvir ausser den schon in der 
Spitzberger-Flora besprochenen Arten, besonders folgende hervorzuheben haben: 

Sequoia Langsdorfii Br. sp. 

Die ihr ungemein nahe stehende homologe Art, die S. sempervirens, bildet in Californien grosse Wälder 
und reicht von Mexico weg bis zum 42^ten Grad n. Br. hinauf. In britisch Columbien kommt dieser Baum 
nicht mehr vor. Er gedeiht in den Gärten und Anlagen des Comer-See's vortrefflich und bildet in den Villen 
von Bellagio prächtige Bäume, welche alljährhch ihre Früchte reifen. Dasselbe ist der Fall am Gcnfer-See. 
In Lausanne sehen wir schöne Bäume auf der Eglantine und in Mornex, welche alljährlich ihre Samen reifen 



») Vgl. TertiiVre Flora der Schweiz. III. S. 333. 

2) Martins (Du Spitzierg au Sahara. S. 72) berechnet den Temperaturunterschied von Paris (48» 50') und Spitzbergen bei 
TS» n Br. auf 10 0, was fast genau zu demselben' Resultat führt, indem wir auf den Breitegrad 0,65» C. Temperaturabnahme er- 
halten. Nach Dovc (Verbreitung der Wärme. S. 14) beträgt die Abnahme vom 50-60sten Grad n. Br. 6,4 C.,-vom 60-70sten 
Grad aber 7,9 C. und vom 70-806ten wieder 5,1« und vom 40— SOsten Grad n. Br 27,6» C, was auf den Breitegrad eine Ab- 
nahme von 0.69 C. trifft. 



Mioccnes Klima von Grönland. 



G5 



xmd selbst im höclistgelegencn Landgut von Lausanne, in der „Hermitage" (544 bis 595 Meter ii. "M.) halten 
sie nocli die Winter aus. In Zürich haben wir den Baum wohl im Freien und er hat bis jetzt die Winter 
ertragen, doch zeigt er nicht das freudige Gedeihen, wie in der Umgebung von Lausanne, er bleibt niedrig 
und hat bis jetzt niemals Früchte angesetzt. In Süddeutschland hält er noch bei Stuttgart im Freien aus,. 
in Berlin dagegen wird er im Gewächshaus überwintert und Versuche, die gemacht wurden, ihn im Freien 
zu ziehen, haben fehlgeschlagen. Dasselbe war in Südschweden der Fall. In Holland hat er seit 12 Jahren 
bei Harlem die Winter ertragen, aber nie geblüht. — In Frankreich zeigt er noch bei Paris gutes Gedeihen,. 
doch werden die Blüthenknospen häufig durch die Fröste getödtet, so dass er dann keine Früchte ansetzt. 
In Irland finden sich in der Umgebung von Dublin einige grosse Bäume, ebenso zeigt er bei London gutc& 
Gedeihen, doch hat er dort im letzten Winter (1866/67) gelitten und ich habe nicht in Erfahrung bringen 
können, ob er hier Früchte und Samen reife. Aus dem nördlichen England erfuhr ich durch Herrn W. Back- 
house, dass in seinem Garten in St. John bei Wolsingham (bei 54 ^ 42' n. Br., 1<> 53' w. L. und 900 engl. 
Fuss ü. M.) zAvei Exemplare stehen, welche aber in strengen Wmtern leiden und ihre jungen Aeste ver- 
heren. Nach einer ]\Iittheilung von Sir Grey Egerton steht in der Gegend von Perth in Schottland (bei circa 
50 Vs** n. Br.) am Südabhang eines Hügels ein Baum von 40 Fuss Höhe und 3 Fuss 11 Zoll Umfang, dei* 
1850 dahin gepflanzt wurde. Es haben indessen diese Sequoien in Schottland (so in Edinburg) nie geblüht 
und Früchte gereift , es liegen daher diese Standorte ausserhalb der Grenze des künstlichen Verbreitungs- 
bezirks dieses Baumes. 

Folgende Tafel zeigt uns die Temperaturen der Grenzstationen und der Puncte, die zwar diesen nahe, 
aber doch schon ausserhalb des künstlichen Verbreitungsbezirks liegen : V 



Sequoia sempervirens. 



(U 



u 



a. An der Grenze oder nahe 
derselben. 

IMorgcs *) 

Montreux 

Bei London . > 

Dublin 

b. Ausserhalb der Grenze 

Zürich 

Edinburg 

Berlin 



4G0 31' 


510 3G' 


530 23' 


47'> 22' 


550 57' 


520 31- 



Meter 

380 
385 



480 

90 

40 



CS 



9,72 

10,53 

9,G 

9,5 

9,02 

8,1 

8,4 



o 



^ 



1,03 
2,16 
3,1 
4,6 

— 0,36 
3,5 



c 



:3 



s 

s 

o 
«2 



9,59 
10,27 
9. 
8,4 

9,20 
7,9 



17,81 
18,51 
16,4 
15.3 



17,63 

13,9 

17,2 



10 



10,44 
11,17 
10 
9,8 



9,6 
7,9 
8,7 



Ol cS 



1,28 
0,19 

1,7 
4,3 



3,42 

2,8 

1^2 



„ a 

SS 



19,11 
19,9 
17,3 
16 



19,14 

14,6 

18 



10,3 
-8,5 



CS 



29,3 
28,9 



— 11,9 



28.6 



Das Vorkommen dieser Sequoia in einzelnen Parks von Schottland zeigt uns, dass dieser Baum noch 
n Gegenden leben kann, die eine mittlere Temperatur von 8^ und eine Sommertemperatur von 14" haben, 
venn der Winter mild ist, zum Reifen der Früchte bedarf er aber eine Sommertemperatur von 16 — 17". 
md da wo die Wintertemperatur unter Null ist, wie in Zürich, und der kälteste Monat bis — 3V2" beträgt, 
etzt er keine Früchte mehr an, auch wenn die Sommertemperatur auf 1772° steht, weil die jungen, mit 
knospen besetzten Triebe zurückfrieren. Wir haben daher eine Jahrestemperatur von circa 9 <>, eine Sommer- 
emperatur von etwa 16V2°j l^ei einer Wintertemperatur von 0" als die äussersten Grenzen der Temperatur- 



') Die Temperaturen der Schweizer Localitäten sind den meteorologischen Beobachtungen entnommen, welche unter Dircc- 
on des Herrn Prof. AVolf von der meteorolog. Centralanstalt der Schweiz, naturforschenden Gesellschaft bis jetzt herausgegeben 
/urden. fciie umfassen drei Jahrgänge (1864, 1865 u, 1866), aus denen ich das Mittel genommen habe. Die Beobachtungen werden 

Uhr Morgens, 1 ühr und 9 Uhr Abends angestellt. Das daraus gezogene Mittel steht um 0,25 " über dem wahren Togesmittcl, 
as aus den 24stündigen Beobachtungen erhalten wird. Die 40jährigen Beobachtungen von Basel zeigen aber, dass das Mittel der 
rei Bcobachtungsjahre (1864—1866) um 0,29 unter dem auf jene lange Reihe von Jahren gegründeten Mittel steht, welche wir 
Iso hinzuzurechnen haben, daher das Mittel, wie es in den Tabellen enthalten ist, bis auf 0,04 mit dem langjährigen :\Iittcl 

immt und in meinen obigen Zusammenstellungen unverändert beibehalten wurde. Für Genf hat Herr Prof. Plantamour das 
ihresmittel auf 9,250 berechnet, für Lausanne ergab das Mittel einer altern Beobachtungsreihe von 1763—1772 9,4 O; aus den 
ahren 1836-1855 berechnete Herr Prof. Marguet 8,4» und von 1859-1866 8,SlO. Die Instrumente, mit welchen in Lausanne die 
eobachtungcn angestellt wurden, sind mit denen des Schweiz. Observatoriums nicht verglichen worden und lassen diese Bcob- 
;htungen manche Zweifel. Lausanne bekommt durch dieselben gegenüber Basel und Zürich eine relativ auffallend niedere Tcm- 





(](] MIocencs Klima von Grönland, 

Sphäre zu bezeichnen , innerhalb welcher dieser Baum noch durch seine Früchte und Samen sich fortzu- 
pflanzen vermag. — Da die ihr so äusserst nahe verwandte Sequoia Langsdorfii in Nordgrönland noch ihre 
Früchte und Samen gereift hat, wie wir dies früher gezeigt haben, setzt sie dieselben Temperaturbedin- 
gungen voraus. 

Härter als die Sequoia sempervircns ist die S. gigantea Lindl. sp. (die Wcllingtonia). Sie erträgt die 
"Winter von Zürich sehr wohl und hat im vorigen Jahr bei Basel die Zapfen gereift, dasselbe war bei London 
und Gent in Belgien der Fall. Im botanischen Garten zu Berlin steht ein kräftiges Exemplar seit 10 Jahren 
im Freien, wird indessen im Winter durch ein Bretterhäuschen geschützt, doch soll sie in andern Gärten 
Berlins ohne Bedeckung ausgehalten haben. In Muskau in Schlesien muss sie im Winter geschützt werden, 
indem sonst die Zweige erfrieren. — ■ Wir haben oben gesehen, dass bei Wolsingham in Nordcngland (bei 
540,42' und 900 Fuss ü. M.) die S. scmpervirens in kalten Wintern zurückfriert, was dagegen bei der 
S. gigantea nicht der Fall ist, und bei Perth in Schottland steht seit 1856 ein Exemplar, das jetzt 13 Fuss 
Höhe und einen Umfang von 1 Fuss erlangt hat. Diese Art dürfte daher ihre künstliche Nordgrenze mit 
dem Taxodium theilen. Im südlichen Schweden kommen die Sequoien nicht mehr fort. 

Glyptostrobus. 

Der Glyptostrobus europseus ist höchst wahrscheinlich der Stammvater des Gl. heterophyllus Brongn. sp., 
mit dem er in Zweig- und Fruchtbildung nahezu übereinstimmt. Der letztere ist in China in den Provinzen 
Shan-tung und Kiang-nun (zwischen 24 und 36'' n. Br.) zu Hause und wird dort unter dem Namen „der 
Wassertichte" längs der Grenzen der Reisfelder gepflanzt. In Europa verhält er sich in Cultur wie die 
Sequoia scmpervirens, doch erträgt er bei Zürich die Winter noch weniger im Freien, wogegen er bei Wien 
in den Gärten aushalte. 

Salisburea. 

Es ist uns nur eine lebende Art bekannt (S. adiantifolia Sm.), welche in Chfna und Japan wild wächst, 
in unsern Anlagen aber vortrefflich gedeiht und zum ansehnlichen Baume wird. In Norddeutschland muss 
sie indessen in geschützte Lagen gebracht werden, bei Berlin gedeiht sie aber aiich an solchen schlecht und 
man sieht dort daher nirgends alte Bäume; um Muskau erträgt sie zwar die Winter, leidet aber von den 
Frühlingsfrösten. In Schweden haben die Culturversuche fehlgeschlagen, indess sagt Schübelcr (die Cultur- 
pflanzen Norwegens , S. 63) , dass sie bei Christiania die Winter aushalte ; doch spricht er nur von jungen 
Exemplaren, wohl weil von Zeit zu Zeit eintretende kalte Winter sie tödten. — Bei Dublin und in Süd- 
england bildet sie grosse Bäume und auch bei Stockton (54 Vz** n. Br.) findet sie sich, nach W. Backhouse, 
noch an einer Stelle bei 20 — 30 Fuss ü. M. 

Eichen. <- 

Von den zahlreichen nordamerikanischen Eichen bleiben die meisten schoi; in den Vereinigten Staaten 
zurück und finden sich nördlich den grossen Seen nicht mehr. Nur drei Arten (Quercus stellata Wang., 
Q. rubra L. und Q. alba L.) reichen bis zum Winipeg. Die Quercus Prinus L., welcher die Q. groenlandica 
und Q. Olafseni zunächst verwandt sind, geht nirgends in Amerika bis zum 50^'^" Grad n. Br. Ihr künst- 
licher Verbreitungsbezirk reicht dagegen weiter nach Norden; sie gedeiht sehr wohl bei Zürich, und ihre 
künstliche Nordgrenze dürfte etwa bei 55 ° n. Br. liegen. — Weiter nach Norden reicht die deutsche Eiche 
(Q. Robur L.) , indem sie an den Westküsten Norwegens bis zum 63^^®" " n. Br. reicht , in Schweden sinkt 
die Grenze auf 60 <* 40', berührt die Südküsten Finlands, setzt dann nach Esthland über und geht nach 
Petersburg, senkt sich dann südlich im Meridian von Jaroslav bis 57 Vz"- Dann steigt sie wieder etwas an 
und erreicht Nishnei Nowogorod bei 57 V4'' und Pormy bei 58 ^ Von da an fällt sie nun südlich ab. Diese 
Linie bezeichnet indessen nur die Grenze der Art, als Nutzbaum reicht sie bei Weitem nicht so weit nach 



pcratur, wobei allerdings in Betracht kommt, dass der Bcobachtungsort in der Höhe der Stadt sich findet und schon gleich unter- 
halb der ötadt, in Jilornex und Eglantine, wo die Sequoien Früchte reiften, die Luft bedeutend milder ist. Wenn wir die Beob- 
achtungen vom Jahr 1864 von Morges und Lausanne vergleichen, zeigt Morges eine um 0,35 höhere Jahrestemperatur, für den 
Sommer steigt der Unterschied auf 0,9, während er im Frühling 0,01 und im Herbst 0,190 zu Gunsten von Morges beträgt, da- 
; gegen war der kälteste Monat des Winters um 0,52 » kälter in Morges als in Lausanne, wogegen der wärmste Sommermonat um 
|0,86 höher stand. Es ist jedoch bekannt, dass in der Umgebung von Lausanne besserer Wein wächst als in Morges, so dass 
Ider ganze Abhang von Mornex (bei der Eisenbahnstation von Lausanne) bis nach Ouchy eher wärmer ist als die Umgebung von 
'^lorges. 



Miocenes Klima von Grönland. 67 

Norden (vgl. Middendorff IV. S. 575). — Wir können eine Grönländer Art (Q. atava) mit dieser deutschen 
Eiche vergleichen, doch ist sie uns zur Zeit zu unvollständig bekannt, so dass wir auf sie keinen "-rossen 
Wertli legen können. 

Drei Grönländer Arten (Q. Drymeia, furcinervis und Steenstrupiana) gehören zu den immergrünen 
Eichen; den zwei erstgenannten sind mexicanische Formen (Q. Sartorii und lancifolia) am ähnlichsten. 
Der Verhreitungsbezirk dieser Arten ist mir nicht bekannt. Die immergrüne Eiche, welche am weitesten 
nach Norden reicht, ist die Q. Hex L. Sie gedeiht noch sehr gut am Genfer-See und erzeugt auch in der 
Umgebung von Lausanne keimfähige Samen. Schon bei Zürich können wir sie nicht mehr im Freien über- 
wintern, daher das Klima von Lausanne ihre äusserste Nordgrenze bezeichnen wird. 

Die Hainbuche (Carpinus Betulus !,.)• 

Die Hainbuche wächst noch im südlichen Schweden, foiiJt aber in Finland, ebenso in Livland und 
Esthland, und der nördlichste Punct ihres Vorkommens in Russland ist nach Trautwetter (die pflanzengeogr. 
Verhältnisse des europ. Russland, S. 43) der südwestlichste Winkel Kurlands. In Lilthauen ist sie noch 
selten, wird aber häufig in Polen, Volhynien und Podolien. 

Die Hopfenbuche (Ost rya). 

Wir haben in Europa nur eine Art, die Ostrya carpinifolia , welche am Südabhang der Alpen grosse 
V"erbreitung hat, in der nördlichen Schweiz aber gänzlich fehlt, indessen hält sie nicht nur in unsern 
A.nlagen aus, sondern gedeiht auch noch im südlichen Schweden; ein Exemplar steht nach Dr. Fries bei 
Stockholm im Freien. — Weiter nach Norden reicht der natürliche Verbreitungsbezirk der vir ginischen 
Hopfenbuche (0. virginica), welche nach Richardson am Winipeg bis zum 53° n. Br. reicht. Cultivirt 
steht sie noch bei Upsala in Schweden (bei circa 60 " n. Br.). 

PI an er a. 

Die Planera Richardi, welcher die P. Uugeri ungemein nahe steht, kommt am Caucasus und in Greta 
^or, zeigt aber auch in unsern Gegenden gutes Gedeihen, und reift bei Lausanne ihre Früchte. Im botani- 
ächen Garten zu Berlin stehen junge Pflanzen im Freien, doch keine blühenden Bäume. In Dublin gedeiht 
sie sehr wohl. 

Der Dattelpflaumenbaum (Diospyros). 

Es besitzt Europa eine Art (D. Lotus L.), welche aber die Alpen nicht überschreitet, obwohl sie in 
len Gärten unserer Gegend wohl gedeiht und fast alljährlich ihre Früchte reift. Eine zweite Art (D. virgi- 
liana) findet sich in Nordamerika, reicht aber nicht bis Canada, obwohl sie in Deutschland, so bei Heidel- 
jerg, noch reife Früchte trägt. Die künstliche Nordgrenze dieser Bäume fällt wahrscheinlich mit derjenigen 
les Tulpenbaumes zusammen. Bei Dublin gedeiht noch D. Lotus, reift aber keine Früchte. Bei Upsala hat 
nan diese Art umsonst zu cultiviren versucht, wogegen sie in Kopenhagen noch vorkommen soll. Im bota- 
üschen Garten zu Berlin steht ein Exemplar seit 5 — 6 Jahren im Freien. Wir werden daher die Nordgrenze 
ies künstlichen Verbreitungsbezirkes etwa auf 55 ^ n. Br. zu setzen und das Klima von Copenhagen als für 
liese Grenze massgebend zu bezeichnen haben. 

E p h e u. 

Der Epheu fehlt in Lappland und Finland, kommt aber im südlichen Schweden und Norwegen vor, 
loch übersteigt er wohl nirgends den 60^^®° Grad n. Br. Wahlenberg giebt als nördlichsten Punct Harnäs 
a Gestrikland an. In Sibirien fehlt er gänzlich. 

Die Weinreben. 

Die grönländischen Weinreben (Vitis Olriki und arctica) schliessen sich zunächst an nordamerikanische 
^rten an, von denen die V. cordifolia von den Vereinigten Staaten bis zum Winipeg-See (50 ° n. Br.) reicht, 
-'ährend die V. indivisa W. nicht über die Ufer des Ohio in Westvirginien hinaufgeht. 

Esche. 
Die gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) ist zwar im Norden selten und reift um Petersburg die 
'rückte gewöhnlich nicht mehr , doch wird sie in Norwegen bis zum ^2^^'''^ Grad n. Br. getroffen und bei 



'CS Mioceues Klima von Grönland. 

dem Dorfe Alstadliang sollen sich sogar bei 66'^ n. Br. noch mehrere ziemlich grosse und Samen tragende 

Eschenbäurae befinden '). 

Judendorn (Paliurus). 

Der Paliurus aculcatus L, ist im Tcssin nicht selten und kommt auch in der Umgebung von Zürich 
noch fort; im nördlichen Deutschland scheint er nirgends in Gärten gehalten zu werden. 

Kreuzdorn (Rhamnus). 

Die Kreuzdorn- Arten steigen hoch in den Norden hinauf; der Rhamnus alnifolius Ilcrit. geht in Michigan 
bis zum 58*'*-^"*^ n. Br., Rh. catharticus L. in Norwegen, Finland und Russland bis zum GO^'c" °' und Rh. 
Frangula L. reicht bis gegen den Polarkreis. In Schweden und Finland wird er noch bei 641/2 ** n. Br. ge- 
troffen 2). Die miocenen Arten von Island und Grönland (Rh. Eridani und Rh. Gaudini) entsprechen aber 
nicht diesen Arten, sondern ersterer dem Rh. carolinianus Walt., welcher in Virginien und Kentucky vor- 
kommt und Canada nicht berührt, und letzterer dem Rh. grandifolius Fisch, des Caucasus. 

Nussbäume. 

Die Nussbäume sind häufig in den Vereinigten Staaten, doch geht keine Art über den Obersee 
hinaus, so dass in Amerika der schwarze Nussbaum (Juglans nigra L.) den 49^'®"? n. Br. nicht überschreitet. 
Er trägt indessen in Cultur noch in Christiania reife Früchte, wie denn auch die J. cinerea L. noch das 
Klima von Stockholm erträgt und auch bei Petersburg in guten Jahren die Früchte reift. Der gemeine 
Wallnussbaum (J. regia L.) ist in Persien, Cachemir, in Nordchina und am Caucasus zu Hause. Cultivirt. 
reift er in Westeuropa, in Norwegen bis zum Sognefjord (bei 61° n. Br.) seine Früchte ; der am nördlichsten 
vorkommende Nussbaum steht bei Drontheim (6372" ii- Br.), welcher in guten Jahren noch reife Früchte 
tragen soll 3) ; bei Stockholm muss er indessen im Winter geschützt werden , bleibt ein Strauch und setzt 
nur selten Früchte an ; in Osteuropa gedeiht er nur bis zum 52^'^" ° n. Br. In Schottland trägt er wegen zu 
niedriger Sommertemperatur keine Früchte mehr, während er dies bei Dublin reichlich thut. 

Magnolien. 

Diese prächtigen Bäume sind in Japan und Nordamerika zu Hause. Die immergrüne Magnolia grandi- 
flora gedeiht am Comer-See und bei Lugano vortrefflich, bildet aber auch bei Lausanne noch grosse Bäume, 
welche alljährlich blühen und keimfähige Samen hervorbringen. In der Umgebung von Zürich dagegen können 
wir sie nicht mehr im Freien überwintern, während die Arten mit fallendem Laub (so M. acuminata L., M. obo- 
vata Thb. und M. Yulan Desf.) noch sehr wohl gedeihen. Da die Magnolia Inglefieldi durch die am Grunde 
verschmälerten, derben, glatten Blätter mit sehr ähnlich verlaufenden Zwischennerven mit der M. grandiflora 
zunäclist verwandt ist, gehört sie in dieselbe Kategorie wie Quercus Drymeia, Prunus Scottii und die Sequoia 
Langsdorfii. ' 

Immergrüne Kirschbäume. 

Die Gattung Prunus besitzt in dem Faulbaum (Pr. Padus L.) zwar eine Art, die bis in die Polar- 
zone reicht, indem er in Norwegen bis 7OV2 ^ und in Kola bis zum 69^'^" ** n. Br. getroff'en wird, und auch 
in Amerika tritt eine Art auf (Pr. virginiana) , die bis zum 60»^®" ° n. Br. geht. Der Grönländer Prunus ist 
aber von diesen gänzlich verschieden und hat in den iederblättrigen Pr. lusitanica und lauroccrasus die 
ähnlichsten, obwohl nicht homologen Arten. Die Lorbeerkirsche gedeiht noch vortreft-lich in Lausanne und 
reift hier reichliche Früchte, während sie in Zürich öfter durch die Winterkälte leidet und nur ausnahms- 
weise Früchte ansetzt. Auch vermao; sie sich hier nicht mehr zum Baume zu erlieben. Wir haben daher liier 
die äusserstc Grenze ihres künstlichen Verbreitungsbezirks. Die Prunus lusitanica trägt bei Dublin noch 
reichlich Frucht und kann wehren der milden Winter im Norden Schottlands noch cultivirt werden. Bei uns 
verhält sie sich wie die Lorbeerkirsche, indem sie am Gcnfer-See zum grossen Strauch, ja selbst kleinen, 
buschigen Baum wird, der im Herbst alljährhch voller Früchte hängt, während wir um Zürich sie nur 
kümmerlich durchbrine-en. 



*) Vgl. F. von Herder Bemerkungen über die wichtigsten Bäume und Sträucher von Petersburg. S. 42. 

2) F. von Herder 1. c. S. 95. 

"*) Schübelcr geogr. Verbreitung der Obstbäume. S. 32. 



Miocenes Klima von Grönland. - 69 

Weissdorn (Cratasgus). 

Der Bim endo rn (Crataigus tomentosa L.), dem unsere Grönländer Arten entsprechen, ist in den Ver- 
einigten Staaten sehr verbreitet, berührt aber Canada nicht, wogegen Cr. glandulosa hier vorkommt und bis 
zum Becken des Saskatchewan geht, und dasselbe gilt von Cr. cordata Ait. 

Allen diesen hier besprochenen lebenden Pflanzen können wir fossile Arten Nord-Grönlands gegenüber- 
stellen, welche zu denselben Gattungen gehören und der Mehrzahl nach ihnen nahe verwandt sind ; ja manche 
stehen ihnen so nahe, dass sie als ihre Stammeltern betrachtet werden dürfen. In solchem Verhältniss stehen 
namentlich die Sequoia Langsdorfii zu S. sempervirens , Taxodium dubium zu T. distichum, Glyptostrobus 
curopa3us zu Gl. heterophyllus, Pojmlus Richardsoni zu P. treraula, Corylus M'Quarrii zu C. avellana, Fagus 
Deuca'lionis zu F. sylvatica und ferruginea, Qucrcus grcenlandica zu Q. Prinus, Plancra Ungcri zu PI. 
Richardi , Platanus aceroides zu P. occidentalis, Diospyros brachysepala zu D. Lotus, Hedera M'Clurii zu 
H. Helix, Vitis aretica zu V. cordifolia, Juglans acuminata zu J. regia. Diese Arten werden wir daher voraus 
zu berathen haben, wenn wir uns eine richtige Vorstellung von den klimatischen Verhältnissen von Kord- 
Grönland zu damaliger Zeit verschaffen wollen, denn es ist der Schluss erlaubt, dass so nahe verwandte Arten 
auch ähnliche klimatische Verhältnisse voraussetzen. Dazu kommen nun nocli die n^erkwürdigen lederblättrigen 
Pflanzen , welche wir unter Daphnogene und M'Clintockia aufgeführt haben. So lange ihre verwandtschaft- 
lichen Beziehungen zu lebenden Arten nicht ermittelt sind, können wir allerdings keine zutreffenden Schlüsse 
von ihnen ableiten, und auch auf die als Ficus grffinlandica und Hakea aretica bestimmten Arten wollen Avir 
keinen sehr grossen Werth legen, weil ihre generische Bestimmung noch nicht genügend gesichert ist. Immer- 
hin sagen uns aber Pflanzen mit so grossen, lederartigen Blättern, mögen sie nun zu den Laurineen, Pro- 
teaceen und Moreen oder aber zu andern Familien gehören , dass Pflanzen mit ; solchen Organen nicht in 
einem kalten Klima leben können, indem man nirgends in denselben solche findet, sondern sie jetzt nur 
auf die heisse und gemässigte Zone beschränkt sind und auch in letzterer nur im Avärmern Theile derselben 
:Vorkommen. Diese letztgenannten Pflanzen, zu denen wir noch die Lastrfßa (Phegopteris) stiriaca und Diospyros 
Loveni hinzuzufügen haben, sind die südlichsten Formen der Grönländer-Flora, deren Vorkommen so hoch 
im Norden am meisten auftallen muss. Für Aveitaus die Mehrzahl der Arten würde ein Klima ausreichen wie 
wir es jetzt in den Umgebungen des Genfer-Sees finden. Die einheimische PflanzeuAvelt ist freilich sehr ver- 
schieden, aber wir dürfen auch .die in Gärten und Anlagen gezogenen Bäume und Sträucher berathen, indem 
wenigstens diejenigen, welche im Freien ohne allen Schutz gedeihen und Blüthen und reife Früchte tragen, 
uns einen Älassstab zu Beurtheilung der Temperatursphäre geben, innerhalb welcher sieh diese Pflanzentypcu 
bewegen. "Wir haben nun oben gezeigt, dass alle früher erwähnten homologen Arten der miocenen Grönländer- 
Flora in der Umgebung von Lausanne noch gedeihen und können beifügen , dass ausser den genannten 
zahlreiche immergrüne Bäume und Sträucher in Lausanne die Winter ertragen, so die Cypresse, die Pinie, 
die Araucaria imbricata, die Korkeiche, der Lorbeer, Viburnum Tinus, Arbutus Unedo und Eriobotrya japonica. 
Der Feigenbaum erreicht daselbst eine ansehnliche Grösse und trägt alle Jahre seine Früchte. Es darf daher 
angenommen werden, dass die oben genannten gross- und lederblättrigen Gewächse Grönlands in einem ähn- 
lichen Klima hätten leben können. Anderseits ist es sehr beachtenswerth, dass schon in der Umgebung von 
'üüürich mehrere dieser Bäume und Sträucher nicht mehr gedeihen, wie die lederblättrigen Magnolien, Eichen, 
Lorbeer, Viburnum Tinus, Araucaria, Cypresse, Pinie und Erdbeerbaum oder doch nur kümmerlich fort- 
kommen und keine Früchte mehr reifen, Avie die Sequoia sempervirens, der Glyptostrobus und Prunus lusi- 
anica, Avas uns zeigt, dass der geringe klimatische Unterschied von Zürich und Lausanne genügt, imi emer 
janzen Zahl von solchen Pflanzen Grenzen zu setzen. AVährend in der AvildAvachgcnden Flora sich ein solcher 
nterschied zAvischen Lausanne und Zürich nicht ausspricht, ist er in den Culturpflanzen in überraschender 
'Veise ausgedrückt und muss sich jedem aufdrängen, der am Genfer-Sce durch die prächtigen Schattenlaubcn 
mmergrüner Eichen- und Prunusarten, des Lorbeers und Tinus wandelt. Es muss dieser Unterschied vor- 
<ighch in dem etAvas mildern Winter gesucht Averden, Avelcher durch die gegen die NordAvinde mehr ge- 
chützten Lage, der nach Süden gelegenen Abhänge des Genfer-Sees bedingt werden. In Morges stand die 
Vintertcmperatur im Durchschnitt der drei letzten Jahre um 1,36 o höher als in Zürich und das INIinimum 
■ar 1,6" geringer; der Unterschied der Sommertemperatur betrug aber nur 0,18 ». In der Stadt Lausanne 
it die Wintertemperatur Avenig geringer als in Morges und vom Bahnhof bis Ouchy ist sie wohl derselben 
Icichzusetzen, wogegen die Sommertemperatur nicht höher steht als in Zürich, Avas indessen in den Land- 
l;ütern unterhalb Lausanne (so in Mornex und in der Eglantine, wo die Sequoia die Früchte reift) der 
>11 ist. 



70 . Miocenes Klima von Island. 

Aus diesem Allem glauben wir den Scliluss ziehen zu dürfen, dass die Flora von Nord-Grönland 
"bei 70 *> n. Br. eine mittlere Jahrestemperatur von wenigstens 9» C. verlange, dass die mittlere Winter- 
temperatur sich nicht unter Null befunden haben wird, während die Sommertemperatur I6V2 — l'^Vz" C. be- 
trug und im wärmsten Monat etwa 19 » erreichte. Gegenwärtig steht dort die Jahrestemperatur bei 70'>n. Br. 
auf circa — 7<> C. *) Der Unterschied von Jetzt und der miocenen Periode beträgt demnach 16 <> C, um so viel 
muss die mittlere Jahrestemperatur in Nord-Grönland höher gestanden haben als jetzt, zu der Zeit als dort 
diese reiche Flora das Land bekleidet hat. Die Temperaturabnahme würde von der miocenen Schweiz aus 
berechnet (S. 64) auf den Breitegrad 0,52« C. betragen, während er jetzt auf Grönland berechnet 0,82 <> C. 
ausmacht. 

Zur Zeit sind erst vier miocene Thierarten aus Nord-Grönland bekannt. Es sind vier Insecten, welche 
ich zwischen den Pflanzenresten von Atanekerdluk aufgefunden habe. Sie gehören zu drei verschiedenen 
Ordnungen, zu den Coleopteren, Orthopteren und Khynchoten. Unter den erstem ist ein kleines 
Blattkäferchen und ein auffallend grosses Thier, welches zu den Trogositen gehört. Die Orthopteren sind 
durch eine Kakerlake und die Schnabelkerfe durch eine sehr grosse Baumwanze (Pentatoma) repräsentirt. Die 
jetzige Insectenfauna Grönlands besitzt keine Arten dieser Gattungen. Die Orthopteren fehlen gänzlich, 
die Rhynchoten erscheinen nur in vier ganz kleinen Arten (1 Heterogaster , 1 Tettigonia, 1 Aphis und 1 
Dorthesia) und auch die Käfer weisen uns andere Typen. So gering daher auch die bis jetzt nachweisbare 
Artenzahl ist, lässt sie uns doch auf eine ganz andere Insectenfauna schliessen, als sie jetzt die arctische 
Zone beherbergt und bestätigt namentlich durch die Pentatoma und die Trogosita die auf die Pflanzen ge- 
gründeten Resultate. 

Island. 

Nachdem wir die miocene Flora von Spitzbergen und Grönland kejmen gelernt haben, wird uns die 
reiche Baumwclt des miocenen Island nicht befremden. Es ist selbstverständlich , dass Erlen und Birken, 
Weiden und Ilasclnuss, Föhren und Tannenarten, Buchen und Eichen, Ulmen, Planeren, Nussbäume und 
Platanen damals hier leben konnten, da sie in dem um mehrere Breitengrade nördlicher gelegenen Grönland 
sich fanden und sie sind nur insofern von grossem Interesse, als ihr Vorkommen in Island zur Bestätigung 
der dort gewonnenen Resultate dient. Auch der grossfrüchtige Ahorn (Acer otopterix), der über ganz Island 
verbreitet war, der Sumach (Rhus Brunneri) und die Weinrebe (Vitis islandica) werden uns nicht befremden, 
ebensowenig der Tulpenbaum und die Sequoia Sternbergi , welche der S. gigantea zunächst verwandt ist. 
Letztere erträgt imser Klima noch besser als die Sequoia sempervirens (vgl. S, 66) und zeigt dasselbe Ver- 
halten wie der Tulpen bäum. Dieser reicht von Virginien bis zum Ohio, fehlt aber Canada und über- 
schreitet wohl kaum den 40^^®" ^ n. Br. In Europa reicht indessen sein künstlicher Verbreitungsbezirk viel 
weiter nach Norden. In Dublin wird er noch zum kräftigen Baum, der Blüthen treibt, indessen keine Samen 
reift. In Schottland kommt er nördlich von Edinburg nicht mehr zur Blüthe und. wird auch hier der künst- 
liche Verbreitungsbezirk kaum den 56^'*'" ^ erreichen. Auf dem Continent gedeiht er noch vertrefllich in der 
Umgebung von Zürich, obwohl er selten keimfähige Samen erzeugt. In Norddeutschland bildet er noch grosse 
Bäume in Göttingen, er leidet indessen in kalten Wintern, so auch in Stettin, und bei Danzig gedeiht er nicht 
mehr. Im südhchen Schweden, so bei Gothenburg und Stockholm, soll er indessen einigemal Blüthen gebildet 
haben, doch liegen diese Puncte ausserhalb seines künstlichen Verbreitungsbezirkes. Im Innern Russlands 
(so bei Kaew mit einer Januartemperatur von — 6,2 <>) haben die Culturversuche fehlgeschlagen. Hier ist es 
die Winterkälte, die ihn tödtet, in Irland und Schottland aber der kühle Sommer, der ihn verhindert Samen 
anzusetzen. Wir erhalten folgende mittlere Temperaturen für die nördlichsten Grenzorte dieses Baumes: 



») Von dieser Breite haben -wir keine Beobachtungen aus Grönland, wohl aber von Jakobshavn (69 12 ' n. Br.) und von 
Omenak (700 40' n. Br ), am erstem Ort beträgt die mittlere Jahrestemperatur (1842— 184G) — 5,910, am letztern — 7,C5 C. 
(1833—1338). Berechnen wir darnach von Jakobshavn (mit Annahme von 0,6 C. Abnahme für den Breitegrad) die Jahrestempe- 
ratur von 70 n. Br., erhalten wir — 6,39" und von Omenak aus berechnet — 7,25; das Mittel beider ergiebt — 6,82 <*. 



Miocenes Klima von IsLind und Nordcanada. 



71 



a. An der Grenze. 



Zürich 

i Dublin 

Stettin 



Göttingen 



b. Ausserhalb der Grenze, 
Schottland bei 56 56' . .' . . 
Danzig, 54 21' 



Jahres- 
mittel. 


Winter. 


Frühling 


Sommer. 


Herbst. 


Kältester 
Monat. 


Wärmster! 

Monat. ! 


9,02 


— 0,36 


9,20 


17,63 


9,6 


— 3,42 


19,14 


9,5 


4,0 


8,4 


15,3 


9,8 


4,3 


16. 


8,26 


— 0,62 


7,34 


17.47 


8,84 


— 1,43 


— 


9,1 


0,6 


— 


17,6 




— 0,75 


— 


8,6 


3,4 


7,6 


14,7 


8,7 


1,6 




7,6 


— 1,2 


6,7 


16.4 


8,4 


-2,6 


17,5 



W'n- können dalier sagen, der Tulpenbaum kann nicht mehr gedeihen in Gegenden, deren Sommerwärme 
unter 15 •* C. herabgeht, wie in solchen, deren Januartemperatur unter — 4^ herabsinkt. Da gx in Dublin 
und Ediuburg keine Samen mehr reift, liegt die Sommer-Isotherme von 15 •* an der äussersten Grenze seines 
künstlichen Verbreitungsbezirks. 

Der Tulpenbaum und die Sequoia sind die beiden südlichsten Typen der uns bis jetzt bekannten 
miocenen Isländer-Pflanzen und sie erfordern wenigstens eine Jahrestemperatur von 9 •• C. Es hat daher 
diese Isländer-Flora einen ähnlichen klimatischen Charakter wie diejenige von Nord-Grönlahd, welche durch 
die immergrünen Bäume und Sträucher, die wir da kennen gelernt haben, sogar einen etwas südlichem An- 
strich erhält. Da die Fundorte der Grönländer-Pflanzen um 5 — 6 Breitengrade höher im Norden liegen als 
die von Island , kann man versucht sein , diese auftauende Thatsache durch ein ausnahmsweise wärmeres 
miocenes Klima Nord-Grönlands zu erklären. Wahrscheinlicher ist indessen, dass Island damals eine höhere 
Temperatur hatte, welche ich früher für 60^/2^ n. Br. zu 11 ^C. angenommen habe (Flora der Schweiz. III. 
S. 338). Es ist eben 9 ^ Jahrestemperatur das Minimum , welches obige Pflanzen verlangen , die Flora von 
Spitzbergen und Grönland zeigen uns aber, dass wir für den 65^ n. Br. über dieses Minimum hinausgehen 
müssen, insofern Avenigstens nach südlichen Breiten hin eine Zunahme der Wärme stattfand, wie dies in der That 
die miocene Flora Mitteleuropas verlangt. Nehmen wir auf den Breitegrad für die miocene Zeit eine Wärme- 
zunahme von 0,5* an, so erhalten wir für Island (bei 65" n. Br.) eine Jahrestemperatur von 11,5*^. Die 
Tulpcnbaumblätter wurden bei circa 6572** n- B^'- entdeckt, wo die mittlere Jahrestemperatur circa 2* be- 
trägt, so dass sie also hier zur miocenen Zeit um 974° höher gestanden hätte. 

itSackcozie. 

So auftallend es auf den ersten Blick ist unter den Taf. XXI bis XXIV abgebildeten Pflanzen eine 
Sequoia , einen Glyptostrobus und eine Siuilax in einer Gegend zu sehen , dere;i Wintcrtemi)cratur — 21 ^ 
beträgt, so stimmen sie doch vollständig zur miocenen Flora der übrigen arctischen Zone. Sic machen uns 
aiit keinen Arten bekannt, welche der Annahme widersprechen, dass damals ein gemässigtes Klima auch in 
iieser Gegend geherrscht habe. Wie bei Island würden wir auch hier mit der Annahme einer Jahrestemperatur 
.^on 90 ausreichen, so dass dann die mittlere Jahrestemperatur um IG" höher gestanden hätte als gegen- 
ivürtig und gleich derjenigen von Nordgrönland bei 10^ gewesen sein würde. Da auch gegenwärtig trotz 
1er um 5 ° südlichem Lage das Cap Franklin (S. 53) eine noch etwas niedrigere Jahrestemperatur zeigt als 
Dmenak in Grönland, mögen schon zur miocenen Zeit ähnliche Verhältnisse bestanden haben, oder wir haben 
•'ben am ]\Iackcnzie, wie in Island, die Temperatur noch um ein paar Grade über die aus den bis jetzt uns 
)ekannt gewordenen Pflanzen ableitbaren zu erhöhen. 

Arctisch-ainerikaiiischer Archipel. 

Da nicht mit Sicherheit ermittelt werden kann, ob die Holzmassen, welche auf dem Banksland und 
Icr Paü-ick-Insel (S. 21) getroffen werden, in der dortigen Gegend erzeugt oder aber aus grösserer Entfernung 
lergeschwemmt seien, können wir sie nicht als Beweismittel einer einstigen höheren Temperatur benutzen, 
mmerhin darf hervorgehoben werden, dass die anderweitig von uns nachgewiesenen Thatsachcn nicht zweifeln 
lassen, dass zur miocenen Zeit Bäume diese Gegenden bewalden konnten. Wenn Sequoien, Gljptostrobcn, 
'nd Eichen in Nordcanada bei 65 <> n. Br. lebten und Epheu und Sassaparillen an diesen Bäumen empor- 
auktcn, wird die Birke und die Mac Clurische Fichte, deren Zapfen wir auf Taf. XX abgebildet haben, 
Ime Zweifel um 10 Breitengrade höher im Norden vortrefflich gediehen sein, wissen wir ja, dass die ihr 
'ehr nahe stehende Silberfichtc gegenwärtig in Amerika um 27 Breitengrade weiter nach Norden vorrückt 
Is die Sequoia. Dasselbe gilt von der Pinus Armstrongi. 



7*^ 



Rückblick. 



Arctischcs Asien. 

Es fclilcn Tins gcgeinvävtig noch die Mittel, uns eine genauere Einsicht in die miocenen klimatischen 
Verhältnisse dieses weiten Landes zu verschaffen. "Von den Holzbergen Neu-Sibiriens gilt was wir oben von 
denen Amerika's gesagt haben. Die aufrechten Baumstämme, welche man noch bei circa 75 •> n. Br. antraf 
(S. 42), und die Braunkohlenlager und der Bernstein Nordsibiriens machen es aber wahrscheinlich, dass auch 
hier einst die Wald Vegetation weit über die jetzige Baumgrenze hinausreichte, worauf auch das Vorkommen 
von Nussbäumen und Taxodien in Kamtschaka und derselben Bäume mit der Scquoia auf den Aleuten (bei 
öÜ'^n. Br.) hinweist, da diese Baumtypen gegenwärtig in jener Gegend weit früher zurückbleiben. Es stimmt 
sehr wohl übcrcin mit dem Vorkonunen einer Fächerpalmc und lorbeerartigen Bäumen 'n\ Britisch Colum})icn 
und dem Washington Territory an den Westküsten von Nordamerika, welche zur miocenen Zeit bis zum 
50sten ji. Br. hinaufreichten, was uns zeigt, dass damals in Amerika ganz ähnliche klimatische Verhältnisse 
bestanden haben wie in Europa, wir es also hier mit einer Erscheinung zu thun haben, welche die ganze 
nördliche Hemisphäre oder vielmehr wahrscheinlicher Weise unsern ganzen Planeten beschlägt. 



Rückblick. 

Die besprochenen Thatsachen lassen nicht zweifeln, dass die ganze miocene arctische Zone, also alle 
um den Pol gelegenen Länder, eine höhere Temperatur gehabt haben als gegenjv artig. Ob aber die Iso- 
thermen einen ähnlichen Verlauf nahmen wie jetzt oder aber mit den Breitegr^den mehr parallel verliefen, 
lässt sich gegenwärtig noch nicht bestimmen. Die miocene Isotherme von 9 ^ liegt in Grönland beim 70^'^" 
Grad n. Br., in Island und am Mackenzie kann sie auf 65 •* n. Br. hinabgesunken sein, da die bis jetzt 
ermittelten Pflanzen denselben klimatischen Charakter zeigen. Da aber die Flora von Island und von Mackenzie 
keinen einzigen Typus enthält, welcher nicht gegenwärtig auch bei einer Jahrestemperatur von 11*^ gedeiht 
und die neun Grade nur das Minimum, welche die Flora fordert, ausdrücken, kann aus den uns bis jetzt 
bekannten Thatsachen diese Frage nicht entschieden werden. 

Ich glaube in meiner tertiären Flora der Schweiz (III. S. 327 u. f.) aus- einer grossen Zahl von zu- 
sammenstimmenden Thatsachen nachgewiesen zu haben, dass zur untermiocenen Zeit die mittlere Jahres- 
temperatur der Schweiz und überhaupt Mitteleuropa's , um 9 ° C. höher stand als gegenwärtig. Mit einer 
solchen Zugabe von 9 ° reichen wir auch für die miocene Flora von Danzig upd von Island aus, nicht aber 
für Grönland, Spitzbergen und den Mackenzie, wie dies aus beiliegender Zusammenstellung hervorgeht. 



^'ö^dliche Breite. 


Aufs 

Meer reducirte 

jetzige mittlere 

Jahrestemperatur. 


]M i c e n e 

durch Zugabe von 
90 zur vorigen. 


Temperatur be 


rechnet: 


erschlossen 

aus dem Charakter 

der Flora. 


durch Annahme 
von 0,50 Abnahme 
für den Breitegrad. 


47 


12 




21» 


210 


21« 


540 21' 


7,6 




16,6 


17,5 


17 


640 8' 


4,5 




13,5 


12,1 


— 


C5V2» 


2 




11 


11,8 


9 


65 


— 7 




2 


11'/, 


9 


70 


-8,6 




2 


9,5 


9 


78 


► 


0,4 


5,5 


5,5 

i 



Schweiz 

Danzig 

T 1 1 i bei . . . 
Island , . 

/ bei . . . 

Mackenzie .... 

Nord-Grönland . . 

Spitzbergen . . . 

Wir haben hier die wirklich beobachteten Temperaturen zu Grunde gelegt; wollten wir von der von 
Dove berechneten normalen Wärme des Parallels ausgehen, würden wir für die Schweiz, Danzig, Island 
und Grönland bedeutend geringere Zahlen erhalten, für den Mackenzie dagegen höhere, weil hier die Jahres- 
temperatur weit unter, dort aber über dem Mittel des Parallels liegt. Nehmen wir die nördlichste miocene 
Flora, die wir kennen, also die von Spitzbergen und die auf diese gegründete Annahme einer Temperatur- 
abnahme von 0,50 für den Breitegrad (vgl. S. 64) zum Ausgangspunct und berechnen darnach die Abnalune 
der Wärme gegen den Pol hin, so erhalten wir die vierte Bubrik. Wir bekommen auf diese Weise eine 
Wiirmevertheilung, welche alle uns bekannten Erscheinungen, von Spitzbergen bis nach Mitteleuropa, erklärt 
und sie dürfte daher am genauesten den klimatischen^Verhältnissen entsprechen, wie sie zur miocenen Zeit auf 



Einstiges Klima der Polavländer. * 73 

der nördlichen Hemisphäre bestanden haben i). Für den Pol erhielten wir dann eine Jahreswärme von circa 
0^ während Dove gegenwärtig denselben zu — 16,5 <> bestimmt hat. Die grösste Wärme fällt "-e^-enwärtio' 
nicht auf den Acquator , sondern auf circa den 10^*^" ° n. Br. mit 26,63 ° , bis zum 20sien ^^ ß^. jg^. jj^ 
Abnahme unbedeutend, wird aber viel beträchtlicher vom 20sten ^^jg 40sien Grad. Nehmen wir an, dass zur 
miocencn Zeit vom Norden bis zum 20sten Grad eine Abnahme von 0,5° für den Breitegrad stattgehabt, 
würden wir für diese Breite, von der miocenen Schweiz aus berechnet, eine Temperatur von 3472° erhalten, 
während sie gegenwärtig dort nur 25,22° beträgt. Es ist aber sehr Avahrscheinlich, dass diese Annahme von 
341/2° viel zu hoch ist und daher die Wärmezunahme nach diesen südlichen Breiten hin eine viel "-erinnere 
war. Gegenwärtig beträgt sie nach Dove zwischen 20 und 30° n. Br. auf den Breitegrad 0,34, bei welcher 
Annahme wir für den 20^"^" Breitegrad, wie überhaupt die tropische Zone, der miocenen Periode, eine Wärme 
von 30° erhielten, also, eine Temperatur wie wir sie gegenwärtig im tropischen Afrika finden. Die miocene 
Naturwelt der Tropen ist zur Zeit noch zu wenig bekannt, um an ihr diese Frage in umfassender Weise 
zu prüfen. Die mioccnc Flora Java's scheint indessen ganz denselben Charakter zu haben , Avie die jetzige 
Indiens, ebenso die Thierwelt, so weit man diese aus den Ueberresten, die in den Vorbergen des Himalaja 
und in Central-Indien 2) entdeckt wurden, beurtheilen kann. Sie scheinen zu zeigen, dass in der Tropen weit 
während der miocenen Periode dieselben Wärmeverhältnisse herrsehten wie jetzt, und dass erst vom Wende- 
kreis des Krebses nach Norden hin eine allmäligere Wärmeabnahme stattfand, als dies gegenwärtig der Fall 
ist. Der Hauptunterschied der Wärmeverhältnisse der miocenen und jetzigen Zeit besteht also darin, dass 
gegenwärtig polwärts vom 30^"^®" Breitegrad aus eine raschere Wärmeabnahme stattfindet, als zur miocenen 
Zeit, und jetzt im Mittel die Null-Isotherme des Jahres auf den ÖS*"^^" ° n. Br. fällt, während in der miocenen 
Periode auf den Pol. 

Auf die Vegetation der Polarzone übt der lange Sommertag und die damit verbundene anhaltende Be- 
sonnung der Pflanzen einen grossen Einfluss, diese muss auch für die miocene Flora von grosser Bedeutung 
gewesen sein. Dass aber auch holzartige .Gewächse die lange polare Winternacht ertragen, zeigen uns die 
Sträucher und Bäume, welche gegenwärtig noch in dieser Zone getroffen werden. Auch ist es ja bekannt, 
dass in Petersburg zahlreiche Pflanzen südlicher Zonen in Gewächshäusern überwintert Averden, Avelche 
während langer Zeit sehr wenig Licht erhalten , Avie denn auch in unsern Breiten in den kalten Winter- 
monaten die GcAvächshäuser Avochenlang wegen der Kälte zugedeckt Averden müssen. Allerdings leiden dar- 
unter die Pflanzen, diejenigen indessen am wenigsten, Avelche Winterruhe halten, und dies wird Avohl bei 
allen miocenen Pflanzen der Polarzone der Fall gewesen sein, daher die polare Winternacht ihrem Fort- 
kommen kein absolutes Hinderniss in den Weg gelegt haben wird. Eine solche Winterruhe halten alle Pflanzen 
aiit fallendem Laub, aber auch manche Avintergrünen Bäume, so die Nadelhölzer und unsere Alpenrosen, 
svelche letztern in den Alpen während mehreren Monaten von einem Schneemantel überdeckt, also dem Lichte 
gänzlich entzogen sind. 

Blicken wir von dem nun gewonnenen Standpunete nochmals rückwärts, wird uns auffallen, dass die 
ireideflora Grönlands auf ein noch wärmeres Klima weist, als wir dies für die miocene Zeit gefunden haben 
md auch für den Braunjura, die Trias, die Steinkohlenperiode und das Silurien Aveist die Meerbevölkerung 
nit ihren Ammoniten, grossen Sauriern und Riffe bildenden Corallen auf eine höhere Temperatur hin. Es 
ehlen zur Zeit vom Silur bis Miocen noch alle Anzeigen, wenigstens organischer ■ Art, von dazAvischen fal- 
enden kältern Perioden, wobei freilieh in Betracht kommt, dass in der aretischen Zone in der Stufenfolge 
er Entwicklungs Perioden noch grosse Lücken uns begegnen und jetzt noch niemand zu sagen weisg, Avie 
iese Stelle unseres Planeten ausgesehen hat, zur Zeit als in Europa zwischen Jura und Kreide so gross- 
rtige Veränderungen vor sich giengen, wie ferner als der Flysch mit seinen so räthselhaften exotischen 
'•locken in unserm Lande sich ablagerte. Die Ausfüllung dieser Lücken ist aber von grosser Wichtigkeit, 
ena die arctische Geologie birgt die Schlüssel zur Lösung vieler Räthsel. 



*) Obiger Berechnung liegt die Annahme zu Grunde, dass die miocene arctische Flora der unterntiioccnen Zeit angehöre, 
e wir früher begründet haben. Für die Meinung, dass zur eocenen Zeit der hohe Norden die Pflanzen besessen habe, u-elclie 
'iiter, zur mioccnon, sich über Europa verbreitet haben, liegen keine Anzeichen vor. Wir finden dort keine Mischung eocener 
id miocener Arten, welche dann zu erwarten wäre, und manche Arten können wir von Nordgrönland über die Ostseeküsten, 
[Cutschland, die Schweiz bis nach Italien verfolgen. Haben wir ja ähnliche Erscheinungen auch in der jetzigen Flora; die Führe, 
irkc, Faulbaum, Eberesche sind ja auch über einen grossen Theil von Europa verbreitet und reichen von Italien bis nahe zum 
l^rdcap hinauf. 

2) Vgl. Hislop und Hunter on the Geology and Fossils of the neighbourhood of NAgpur. Quart, journ. XI. 1855. S. 345. 
i . • . • 10 



74 Einstiges Klima der Polarländer. 

"Wir haben hier die thatsäehliclicn Verhältnisse darzustellen gesucht und aus diesen unsere Sehlüsse 
abgeleitet. Wir geben gerne zu , dass diese erst dann volle Befriedigung gewähren würden , wenn wir eine 
genügende Erklärung für diesen grossen Temperaturwechsel zu geben vermöchten. Leider ist dies gegen- 
wärtig noch nicht möglich. Wir müssen uns vor der Hand begnügen, die Thatsaehen festzustellen und die 
daran sich knüpfenden Fragen möglichst klar und bestimmt zu formuliren. Ich habe früher (tertiäre Flora 
der Schweiz III. S. 342 und Recherehes sur le climat. S. 212) aus der andern Configuration von Europa 
und der Einwirkung des indischen Meeres über Aegypten für Mitteleuropa ein wärmeres Klima herzuleiten 
versucht, aber schon dort (III. S. 350) darauf hingewiesen, dass wir auf diesem Wege das Räthsel nicht zu 
lösen vermögen. Schon für Mitteleuropa ist es nicht möglich durch andere Vertheilung von Land und Wasser 
eine Wärmezugabe von 9 Graden zu erhalten, noch viel weniger vermögen wir für Island, Grönland und 
Spitzbergen die früher ermittelten Jahrestemperaturen auf solche Art zu erklären.. Wir haben uns daher 
nach einer andern Wärmequelle umzusehen und ich glaubte früher als solche die einst höhere Erdwärme 
betrachten zu sollen. Ein beträchtlicher Uebcrschuss der Erdwärme würde nicht allein auf die Atmosphäre 
einwirken, sondern auch auf das Meer, und warme Seeströmungen nach den Polargegenden veranlassen. Es 
hat aber Herr Prof. Sartorius von Waltershausen mit Recht darauf hingewiesen (1. e. S. 329), dass für die 
Tertiärzeit ein so grosser Wärmezuschuss von der Innern Erdwärme nicht mehr angenommen werden dürfe, 
weil wir sonst für die gar viel altern Perioden der Steinkohle und des Uebergangsgebirges eine Temperatur 
erhielten, welche kein organisches Leben aufkommen lassen würde. Sartorius berechnet für das Ende der 
silurischen Formation den von der Erdwärme ableitbaren Temperaturüberschuss auf 4'*, für die tertiäre aber 
auf nur Yio **• Wenn wir auch für die silurische Zeit eine höhere Temperatur apnehmen wollten, so müssen 
wir doch gestehen, dass wir für die relativ späte tertiäre Periode keinen Wärmeüberschuss mehr erhalten, 
welcher ihre Jahrestemperatur in so erheblichem Masse hätte erhöhen können. Herr Sartorius sucht daher 
das Räthsel in anderer Weise zu lösen. Er geht von der Wärmetheorie der Erde aus und nimmt als Axiom 
an, dass die exacte Naturforschung nur die Resultate anerkennen dürfe, Avelche dieser Theorie entsprechen. 
Er berechnet die ^Temperatur der Erdoberfläche bei Annahme einer gleichmässigen Seebedeckung, also eines 
reinen Sceklima's. Für die altern Perioden giebt er denselben einen Zuschuss, der von dem Uebcrschuss der 
Innern Erdwärnie hergeleitet wird. Schon für die tertiäre Formation wird aber derselbe so klein , dass er 
nicht mehr in Betracht kommen kann. Nach Sartorius können daher alle Aenderungen, die im tertiären Klima 
bestimmter Erdtheile eintreten , nur durch ande/e Land- und Wasservertheilung und durch die Erhöhung 
des Bodens über Meer bedingt werden. Das Klima der Tertiärzeit wäre daher in dfer miocenen Schweiz 
nur milder gewesen in Folge der tieferh Lage am Meer, und um die Erscheinungen der Gletscherzeit zu 
erklären, hebt Herr Sartorius unser Land um 5000 Fuss höher und deckt es mit einem grossen Süsswasser- 
see, auf dessen Eistafeln die Felsblöcke nach allen Seiten vertragen werden.^) ■ — Wir .haben es hier nur 



') Es ist diese Ansicht nicht neu. Es war die Wärmetheoi'ie der Erde, welche einen unserer grösstcn Geologen, Leop. von 
Buch, zu einem heftigen Gegner der „Eiszeit" gemacht hat, da sie mit der Annahme einer gleichmässig und allmälig fortschrei- 
tenden Abkühlung 'der Erdrinde nicht vereinbar schien. Die Documente, welche für eine einstige Vergletschcrung unsers Landes 
zeugen, wurden aber so zahlreich und so überzeugend, dass sie allmälig allen Widerstand brachen und die Ansicht allgemein Ein- 
gang fand, dass auf die warme Tertiärperiode eine Zeit gefolgt sei, während welcher über ganz Europa eine tiefere Temperatur 
geherrscht habe als gegenwärtig. Dieser Ansicht tritt Herr Sartorius entgegen und glaubt, dass auch die Schweizer Geologen sich 
überzeugen werden, dass ihre bisherige Anschauungsweise mit den Ergebnissen der exacten Naturforechung unvereinbar sei (1. c. 
S. 8). Bis jetzt hat es aber nicht den Anschein, dass dies geschehen werde; es ist zu vermuthcn, dass sie unter exacter Natur- 
forschung die möglichst umsichtige und genaue Feststellung der Thatsaehen verstehen, auf welche dann erst die Schlüsse gebaut 
werden und diese Thatsaehen sind es, welche die Hypothese vom Transport der erratischen Blöcke auf Eistafeln aufzugeben 
gcnöthigt haben. Wenn Sartorius (S. 377) Sir Charles Lyell als Vertheidiger dieser Ansicht anführt, so hat er übersehen, dass 
Lyell (in seiner Antiquity of mau S. 303) ausführlich die Gründe auseinandersetzt, warum diese ältere Hypothese verlassen werden 
musste. Ich habe sie auch in meiner Urwelt der Schweiz (S. 516) besprochen und erlaube mir auf das dort Gesagte zu verweisen. 
Ich will hier nur die Blockwälle und die Vertheilung der erratischen Blöcke hervorheben. Da die Blockwällc am Zürichsee mehrere 
hundert Fuss Höhe haben und dabei sich an keine Hügel anlehnen, sondern freistehende Dämme bilden, ist gar nicht abzusehen, 
wie Wälle von solcher Höhe und Ausdehnung durch Treibeis hätten entstehen können. Es hätte der See durch die Ablagerungen 
seines Treibeises sich aufdämmen müssen, und ein so gebildeter Wall hätte dem Wasserdruck des um einige hundert Fuss auf- 
stauten See's unmöglich widerstehen können. Zudem hätten diese Ablagerungen in gleichem Niveau' entstehen müssen , wahrend 
sie mit rcgclmäsaigem Gefäll von einigen Graden aus der Gegend von Hütten gegen Zürich sich absenken, In Betrefi" der Ver- 
theilung der erratischen Blöcke ist längst bekannt, dass die Granitblöcke des Ponteljasthales in Bündten an der linken Thalseite bis 
zum Bodensee hinab verfolgt werden können; kein einzigeä Stück liegt auf der andern Thalscite, wohl aber finden sich hier Fels- 
blöcke, welche aus dem Prättigau und Montafun stammen (Urwelt der Schweiz S. 514 u. 526). Wie wäre es nun denkbar, dass 
in einem so vielfach hin- und herf^eboo-enen Thal' alle Blöcke, die von der linken Seite hergekommen, auf dieser geblieben wären, 



Einstiges Klima der Polarländer. 



75 



mit dem tertiären Ivlima zu thun, daher wir nachsehen wollen, ob wirklich durch obige Annahme die von 
lins besprochenen Naturerscheinungen erklärt werden können. Es hat Sartorius für ein reines Seeklima der 
Tertiärzeit folgende Temperaturen berechnet *) : 



Breite. 


■ 

Jahres- 
temperatur. 


Wärmster 
Monat. 


Kältester 
Monat. 


[ 

Breite. 


Jahres- 
temperatur. 


Wärmster 
Monat 


Kältester! 
■Monat. 1 



• 30 
40 
47 
50 


2G,47 
20,14 
16,01 
12,93 
11,G1 


27,17 

23,1G 

17,2 

1G,3 

15,87 


25,77 

17,11 

12,32 

8,82 

7,35 


60 
65 
70 
78 
80 


7,48 
5,80 
4,11 
2,30 
1,92 


12,21 

10,7 

9,17 

7,58 

7,20 


2,76 
1. 

— 0,95 

— 2,95 

— 3,45 



Ein Blick auf diese Tafel zeigt uns sogleich, dass die Flora des Tertiärlandes in keiner AVeise in diesen 
Rahmen passt, mögen wir die Flora der Schweiz und von Deutschland oder die der arctischen Zone ver- 
gleichen. Zur untcrmiocenen Zeit lebten noch Palmen bei Bornstedt in Preussen und in der Schweiz hatten 
wir eine subtropische Flora, welche nicht nur Fächer- und Fiederpalmen besass, sondern auch zahlreiche 
Kampher- und Zimmtbäume, feinblättrige Cassien und Acacien. Und diese Bäume sollten in einem Klima 
gelebt haben, das nach Sartorius einen kältern Sommer besass, als wir ihn gegenwärtig bei Zürich haben! 
Allerdings giebt er ihm einen bedeutend wärmern Winter. Wir haben aber schon früher gezeigt, dass dieser 
allein das Vorkommen und Gedeihen südlicher Pflanzen nicht bedingt und eine höhere Sommertemperatur 
für sie ebenso nothwendig ist. In einem Klima, wie es Sartorius für die miocene Schweiz berechnet hat 2), 



wenn sie auf Eisschollen heruntergeschwommen wären! Schon bei Chur, wo das Thal eine starke Biegung macht, müssten die 
beider Thalseitcn untereinander gemischt worden sein und noch mehr bei Sargans (am Schollberg) , während auf den Gletschern 
die Moränen stundenweit scharf getrennt bleiben und durch sie gerade eine solche Vertheilung der aus den Alpen kommenden 
Gesteinsmassen zu Stande gebracht werden musste, wie wir sie jetzt in der ebnern Schweiz antreffen. Mit Recht haben Gyot 
und Escher von der Linth auf Ausmittlung dieser Verhältnisse grosse Sorgfalt verwendet und sie haben ähnliche Erscheinungen in 
allen unsern Blockgebieten nachgewiesen. Es ist daher sehr zu bedauern, dass Herr Sartorius gerade diese so entscheidenden 
Thataachen unbeachtet gelassen hat. Es müssen ihm wohl dieselben unbekannt geblieben sein, sonst hätte er unmöglich sagen 
können, dass seine Hypothese allen Beobachtungen vollständig genüge (S. 377). Es hebt Sartorius unser ganzes Land um 5000 
Fuss höher und verwandelt es in einen Süsswassersee ; vergebens sieht man sich aber nach der Barriere um , welche diesen See 
nach Norden, Ost und West abgeschlossen und ihm als Ufer gedient haben müsste, wissen wir ja, dass auch die Vogesen ihre 
Gletscher hatten, deren Moränen ins jetzige Rheinthal hinabreichen, dass auf der Nordseite des Schwarzwaldes, auf den Höhen 
des Hohentwiel, wie anderseits des Saleve Findlinge liegen, während das benachbarte Land offen ist und zum Theil in unabseh- 
bare Ebenen sich verläuft 1 (Vgl. Urwelt der Schweiz. S. 517.) Es setzt dies sowohl wie die Behauptung, dass alle Schweizer- 
Seen früher in einem Niveau gewesen und nur die Reste eines grossen Diluvialsee's seien, die grossartigsten Umwandlungen in 
der ganzen Configuration unsers Landes während der Diluvialzeit voraus Von diesen haben wir aber keine anderweitige Kunde, 
gegentheils zeigt uns die horizontal auf der aufgerichteten Molasse liegende Schieferkohle von Utznach mit ihren geschichteten 
Geröllbänken, dass die grosse Umgestaltung unseres Landes vor die Gletscherzeit fällt und gir manche Erscheinungen deuten 
darauf hin, dass damals unser Land im grossen Ganzen seine jetzige Configuration besass, so die Findlinge, welche durch kleine 
Hügeleinschnitte vorgedrungen sind (Urwelt der Schweiz. S 516), und die Moränen, welche manche unserer Seen einfassen Dass 
der Gcnfer-See zur Gletscherzeit dasselbe Niveau hatte wie gegenwärtig, zeigt ein schön polirter, mit Gletscherkritzen versehener 
Kalkfels, welcher bei Chillon nur 20 bis 25 Fuss über dem jetzigen Seespiegel liegt. Wäre der See (wie dies Sartorius annimmt) 
früher höher gestand n, wäre durch den Wellenschlag des Wassers die Politur zerstört worden. (Vgl. Dr J. de la Harpe roc poli 
et strie de Chillon. Bullet de la soc. vaud. des Scienc. nat. 1866. 341.) 

') Untersuchungen über die Klimate der Gegenwart und der Vorwelt. S. 156 

2) Wenn Sartorius S. 330 sagt, dass man im südlichen England und auf der Insel Wight eine Vegetation finde, welche 
der Ocninger nur wenig nachstehe, kann dies natürlich nur auf die immergrünen Cuiturgewächse sich bezichen, welche dort noch 
im Freien aushalten; es sind dieselben Arten, welche wir auch am Genfer-See noch in Gärten treffen. Der Charakter der wild 
wachsenden Flora von Südengland und der Insel Wight ist von demjenigen Oeningens ganz verschieden, und wenn auch eine Zahl von 
immergrünen Culturpilanzcn die Winter ertragen, ist nicht zu übersehen, dass sie dort keine Bltlthen und Früchte bringen. Sie würden 
ohne Zweifel nach wenigen Jahren aussterben und verschwinden, wenn sie sich selbst überlassen wären, ist ja bekannt, dass in 
England nicht einmal die freistehenden Weinreben ihre Früchte reifen und eine ganze Zahl der häufigsten Oeningcr-Pilanzen 
gehören Typen an, welche weder am Genfer-öee noch auf der Insel Wight im Freien aushalten; ich nenne namentlich die 
Cinnamomum-Ancn, die ächten Acacien, Cresalpinien, Poranen und die Palmen. Herr Sartorius spricht in seinem Werke wieder- 
holt davon, dass in Ocningcn keine Palmen vorkommen, und S. 331 sagt er: „Wären die von Heer angenommenen Tcm])cratur- 
angaben für Oeningen massgebend, so wäre kein Grund vorhanden, wesshalb bei einem solchen Klima, welches dem Siciliens 
Vollkommen entspricht, keine Palmen vorkommen sollten." Nun habe ich aber in meiner Flora tcrtiaria nicht nur eine 
Fächerpalmc, sondern sogar eine schöne Ficderpalme von Oeningen beschrieben und abgebildet (Taf. C.) und auch sonst wieder- 
holt das Vorkommen der Palmen in der obern Molasse besprochen, daher Uerr Sartorius sich hätte überzeugen können, dass in 
der That die ^'h.inzcnwelt Oeningens einem sicilischen Klima entspricht, wenn er sich die Mühe gegeben hätte, sich etwas genauer 
in der mioccnei, Flora umzusehen. 



•^ß Einstiges Klima der Polarläudcr. 

hätten in dieser niclit einmal die Sequoien ihre Früchte reifen können, die doch in der miocenen Periode 
bis hoch in die arctisclie Zone hinaufrcicliten, und von dem Gedeihen subtropischer Gewächse könnte natür- 
lich keine Rede sein. — Wir haben früher gesehen, dass die Baumgrenze mit der wärmsten ^Monatsisotherme 
von 10° zusammenfällt (S. 58). Island Avürde bei dem von Sartorius berechneten Klima, bei 05 <> n. Br., schon 
nahe an dieser Waldgrenze liegen ; wenn auch Pappeln , Birken und einige Pinusarten noch mit Noth da 
hätten leben können, so wäre dies doch bei den übrigen Bäumen nicht der Fall gewesen, weil die Sommcr- 
wärmc für ihre Entwicklung gefehlt hätte. Es kommt hier nicht allein der Tulpenbaum in Betracht, dessen 
Vorkommen in Island Herrn Sartorius sehr unbequem ist und dem er daher nur eine „sehr ephemere Exi- 
stenz auf dieser Insel " zuschreibt i), sondern auch die Sequoia, ferner die Planera, die Eiche, die Weinrebe, 
der Nussbaum, der Sumach und der Ahorn, welche gegen ein solches Klima protestiren. Gehen wir nach 
Grönland und nach Spitzbergen, so hätten wir bei 70% 77 <> 50', 78" und 79 <> n. Br. nach Sartorius ein 
Klima, in welchem kein einziger Baum mehr leben köimtc, denn auch der wärmste JMonat hätte nicht über 
9,17 bis 7 Vz" betragen, und doch haben wir aus allen diesen Breiten nicht nur Bäume nachgewiesen, sondern 
Baumtyi)en, deren Nordgrenzc gegenwärtig bei der Mehrzahl weit vom Polarkreis entfernt ist. Da wir früher 
gezeigt haben, dass diese Bäume wirklich in diesen Gegenden gelebt haben, sind wir zu der Annahme 
gezwungen, dass die arctische Zone einst viel wärmer gewesen und das ihr früher (S. 72) zugeschriebene 
Klima besessen habe, denn es wird niemand einfallen zu behaupten, dass zur Tertiärzeit die Linden, Pla- 
tanen und Sumpf cypressen in einem Klima hätten leben können, das gegenwärtig nirgends auf der Erde 
eine Spur von baumartigen Gewächsen zu erzeugen vermag. Zur miocenen Zeit hat übrigens auf der nörd- 
lichen Hemisphäre kein reines Seeklima bestanden, da schon viel Festland vorhanden war, das wohl in der 
arctischen Zone einen ebenso grossen Umfang hatte als gegenwärtig. Es wird dadurch der Sommer etwas 
wärmer geworden sein, dafür aber der Winter um so kälter, und werden auch unter den günstigsten 
Verhältnissen nur Temperaturen erhalten, wie wir sie jetzt an den Westküsten Norwegens finden, wo die 
erwärmende Wirkung des Golfstromes den Winter mildert und anderseits der Einfluss des ausgedehnten 
südlichen Festlandes die Sommertemperatur erhöht, daher hier die Isothermen am höchsten nach Norden 
hinaufsteigen und so noch bei 70 '^ n. Br. eine Sommerwärme von 10 bis 12 '^ entsteht. Und doch wie ver- 
schieden ist die miocene Flora von Atanekerdluk von der jetzigen von Hammerfest, und wer dürfte behaupten, 
dass ihr Vorkommen unter solchen Verhältnissen möglich gewesen wäre, wie gie jetzt im nördlichen Nor- 
wegen bestehen ? ■■ 

Es hat gegenwärtig Reikiawig in Island (bei 64 ° 8 ' n. Br.) gerade die mittlere Jahrestemperatur, welche 
Sartorius für die miocene Periode bei 70° n. Br. annimmt. Allerdings ist der kälteste ]\Ionat um 1° kälter, 
dagegen der Sommer viel wärmer, indem der wärmste Monat, um 4° höher steht. Also wäre das jetzige 
Island für die Waldvegetation viel günstiger gelegen, als das miocene Nordgrönland bei 70" n. Br., wie es 
Sartorius für diese Breite berechnet hat. Wenn wir nun aber die miocene Flora von Nordgrünland, wie sie 
uns auf den Taf. L bis XX. und XLV. bis L. vor Augen tritt, mit der jetzigen von Island vergleichen, 
muss jedem der immense Unterschied im ganzen Charakter dieser Pflanzenwelt auffallen, und wir werden 
finden, dass es keinen Punct auf der Erde giebt, der jetzt unter diesen Breiten ähnliche Pflanzenformen 
aufweisen kann. 

So wichtig auch ohne allen Zweifel die Vertheilung von Land und Wasser für die Constitution des 
Klima's ist, so ist doch nicht möglich, daraus allein die von uns festgestellten Thatsachen in befriedigender 
Weise zu erklären. Es ist dies um so mehr der Fall, als gerade zur miocenen Zeit viel mehr Festland in 
der Polarzonc bestanden haben muss , als in der diluvialen , während welcher das "Meer dort den grössten 
Umfang gehabt hat, da das Land seit dieser Zeit wieder im Steigen begriffen ist (vgl. S. 46). Darnach 
müsste die diluviale Polarzone wärmer als die miocene gewesen sein, wenn ihre Temperatur durch dieses 
Moment allein bedingt worden wäre, während die Beobachtung das gerade Gegenthcil ergiebt. — Da auch 
lie Acnderung der Erdachse bei Lösung dieses Räthsels kaum in Frage kommen kann 2), werden wir auf 



') 1. c. S. 33G. Herr Sartorius meint auch, die wenig mächtigen Braunkohlcnflöze Islands l)e\veisen, dass die Baumvcgetation 
vedcr grosse Dauer, noch grossen Umfabg gehabt habe. Dieselben sind indessen ebenso mächtig und ebenso verbreitet, als die 
praunkohlcnflöze der Schweiz, und die von Grönland sind überdies gar viel mächtiger und selbst in der Kings-Bai Spitzbergens 
laben wir (S. 37) ein Kohlenlager kennen gelernt, das mächtiger ist als irgend eines der Schweiz. 

i 2) i„ eijjcr neuen Form wurde diese Hypothese von Evans vorgetragen (on a possible geological cause of changcs in the 

j'Osition of the axis of the earth's crust, proced. of tho royal soc. 82. 18GG). Er nimmt an, dass die feste Erdrinde eine relativ 

I lünne Decke um die flüssige Erdmasse bilde. Diese Decke sei verschiebbar, so dass ihre Pole im Verhültniss zum flüssigen Kern 

I 



Einstiges Klima der Pokvlünder. 77 

die kosmisclicn Verhältnisse gewiesen. Es kann die Stellung der Erde zur Sonne, welche eine wenn auch 
sehr langsame, doch stetige Aenderung erfährt *), aber auch die Stellung des Sonnensystems im Welträume 
in Betracht kommen. Wenn die Sonne mit ihren Planeten um einen grössern Stern kreist, wird auch die 
Erde ihre Stelle im Weltraum stetsfort ändern und darf diesem, in Folge der verschiedenen Dichtigkeit der 
I Sterne, eine verschiedene Temperatur zugeschrieben werden, wie dies nach dem grossen Mathematiker Poisson 
I der Fall ist, so werden sich daraus auch die klimatischen Aenderungcn der Erde erklären, welche mit dem 
Gang der Erde durch den Weltraum zusammenhängen. Es ist dann zu vermuthen, dass in diesem uner- 
mcsslich langen Sonnenjahr, wärmere und kältere Perioden zu bestimmten Zeiten wiedergekehrt sind. Die 
mioccne Zeit würde dann vielleicht dem Sommer, die Glctscherzeit aber dem Winter dieses Sonnenjahres 
entsprechen. Die Temperaturänderungen, welche die in die Erde gelegten und versteinerten Pflanzen und 
Tliierc der frühern Weltalter uns verkünden, wären dann nicht in der Welse erfolgt, dass eine allmälig und 
gleichmässig fortschreitende Wärmeverminderung stattgeliabt hätte, sondern in einer grossartigen periodisch 
wiederkehrenden Wellenbewegung, welche die ITauptänderungen bedingt hätte, die durch tcllurische Vcr- 
hälmisse (namentlich Aenderungcn in. Land und Wasserbedeckung) in manigfachster Weise modificirt wurden. 
Es öftnet sich hier ein grosses Feld der Untersuchung , welches von Astronomen und Geologen gemeinsam 
zu bearbeiten ist und mit der Zeit wohl die Lösung des Räthsels bringen wird. ' 



öich ändern kli/iuen, ■während die Stellung der Erdaxe im Ganzen sich gleich bleibe. Eine solche Verschiebung der Docke wäre 
schon wogen der grossen Reibung, die durch dieselbe entstehen müsste (vgl. Hirsch sur les causes cosmiques des changcments 
de climat. S. IG), wie ^YCgen der Abplattung der Pole kaum möglich, ihr widerspricht aber auch die mioccne Flora, die im Norden, 
wie in der jetzigen gemässigten Zone, rings um die Erde dieselben Erscheinungen uns zeigt. 

*) Es hat Lyell in seiner neuen (zehnten) Ausgabe seiner Principles of Geology, I. S. 268, diese Frage in einlässlicher und 
ai:sgezcichncter Weise besiirochen. Er betrachtet die Vertheilung von Land und Wasser als Haupturaache der Klimaünderungen, 
logt aber auch (J Croll's Arbeit „on the phys'cal cause of the change of climates during geological Epoch's" berücksichtigend) 
grosses Gewicht auf die periodischen Aend,erungen in der Excentrizität der Erdbahn, welche mit den Aenderungcn im Vorrücken 
der Nachtgleicheu combinirt wird, •'. 



- •"».. •*"ii,^ '*''f^ ^ -* . _^,^i-ti;;;i_ji;i 



Beschreibung der in der arctischen Zone, in Island und am 

Mackenzie entdeckten Pflanzen. 

I. Fossile Flora von Nordgrönland. 



A. Kreide-Flora. 

Alle Arten kommen aus dem Scliieferthon von Kome (S. 7, 45) in der. Bucht von Omenak. 

I. Farm. ♦ 

1. Sphenopteris (Äsplenium?) Johnsirupi m. Taf. XLIII. Fig. 7. 

Sph. foliis bipinnatis, pinnis angulo acuto egredientibus, pinnulis liberis, erectis, basi angustatis, cuneatis, apice laciniatis, 
Dervis dichotomis. 

Alö Fundort ist nur Nordgrönland bezeichnet. Das Gestein ist aber dasselbe, wie bei den übrigen Stücken. 

Das Fig. 7 abgebildete Exemplar ist sclilecht erhalten und seine Umrisse sind schwer zu bestimmen. 

Das Blatt war gefiedert, die Fiederchen steigen steil auf und sind gegen den Grund zu allmälig verschmälert, 

vorn in Lappen getheilt und von gabelig verästelten Nerven durchzogen. Deutlicher ist ein zweites Stück 

(Fig. 7 b.). Es ist doppelt gefiedert, die Spindel ist schmal gerandet, die Blättchen frei und von einander 

abstehend, gegen den Grund zu keilförmig verschmälert, vorn deutlich eingeschnitten imd von gabelig ge- 

thciltcn Nerven durchzogen. Daneben ein zarter, gerollter Wedel. — Aehnliche; Blättchen haben Debey iind 

Ettingshausen aus der Kreide von Aachen als Äsplenium Försteri und A. Brongniarti beschrieben, die aber 

schmälere und längere Fiedern haben. ; 

2. Gleichenia Giesekiana m. Taf. XLIII. Fig. 1 a. 2 a. 3 a. XLIV. Fig. 2. 3. 

Gl. frondc dichotoma, bipinnatipartita, pinnis clongatis, linearibus, parallclis, pinnatipartitis , pinnulis patcntibus, subinde 
falcatis, oblongis, apice rotundatis, obtusia, intcgcrrimis, basi unitis, ncrvulis furcatis, aoris biscriatis, rotundis. 

Ist die häufigste Pflanze von Kome. Ausser den abgebildeten sind mir noch zahlreiche Stücke von dort zugekommen. Das 
grösatc liegt mit Scquoia Rcichenbachi, Widdringtonitea gracills und Pinus Crameri auf demselben Steine. 

Die Blattstiele sind stark und deuten auf sehr grosse Wedel ; sie sind gabUg getheilt und tragen in der 
Gabelung eine Knospe (Fig. 3 a.). Dass diese Gabelung nicht zufällig, zeigt der Umstand, dass mehrere 
solcher Gabeln sich finden und zAvei auf demselben Steine liegen. Sie sind auf der Rückseite der in Fig. 1 
abgebildeten Steinplatte. Die Fiedern sind alternierend, im rechten Winkel auslaufend, am Grund ziemlich 
weit von einander abstehend, weiter vorn genähert. Sie sind lang, parallelseitig, gegen die Spitze zu indessen 
allmälig etwas verschmälert; sie sind fiedertheilig, die Fiederchen nur am Grunde verbunden. Die Einschnitte 
sind vom Grund der Fieder bis zur Spitze derselben von derselben Tiefe. Die Seiten der Fiederchen schliessen 
bei manchen Stücken nahe zusammen, indem sie meist vom Grund aus fast parallelseitig sind und vorn 
ganz stumpf sich zurunden, an der Fiederspitze sind aber auch bei diesen Blättern die Fiederchen nach 
vorn etwas verschmälert (Fig. 1 b. c, 2 a.) und dann weiter von einander entfernt. Bei andern Stücken sind 
aber die Fiederchen weiter von einander entfernt (Taf. XLIV. Fig. 3) und schmäler; diese sind gewölbt 
und hatten offenbar umgerollte Ränder, wie wir dies auch bei den Gleichenien aus der Gruppe der Jlertensien 
häufig sehen. Zuweilen sind diese Fiederchen etwas sichelförmig gekrümmt (dies die Pecopteris falcata Goepp. 
S. 7), doch ist dies nicht constant und an demselben Wedel kommen Fiederchen mit flachen, gerade abstehenden 
und mit gekrümmten Fiederchen vor. — Der Mittelnerv ist deutlich, wogegen die seitlichen Nerven häufig ver- 
wischt sind, doch sieht man bei manchen Fiedel:chen, dass jederseits 6 — 7 solcher Secundarnerven vorhanden 



Kreide-Flora. Farrn. 79 

:;incl, "welclie fast am Grund in eine Gabel sich spalten. Sie laufen in wenig spitzen Winkeln aus und gehen 
)is zum Rand. Die Blattspindeln sind von Längsstreifen durchzogen. — Die Früchte sind bei mehreren 
j'iedern wunderschön erhalten. Bei einem Blattwedel, der von der obern Seite vorliegt, sieht man zwar nur 
lie zwei Zeilen von Wärzchen, die von den Soris herrühren; bei einem andern aber (Taf. XLIV. Fig. 2, 
krgrössert 2 b. und c), der die Unterseite zeigt, sind die Sporangien sogar mit einer schwachen Lupe zu 
ehen. Es stehen längs des Mittelnervs zwei Reihen von Fruchthäufchen ; diese sind kreisrund und bestehen 
lus 12 — 20 Sporangien (Fig. 2 c). Diese sind relativ gross und es ist an ihnen auch bei starker Vergrösse- 
ung kein Ring zu sehen. 

Es ist diese Art sehr ähnlich der Pecopteris Meriani Br. und zwar in der Form und Nervation der 
i'iederchen. Die Spindel der Fiedcr ist aber viel zarter und dünner und die Fiedcrchen sind am Grunde 
erbunden und relativ kürzer und die Fruchthäufchen aus zahlreichen Sporangien gebildet. Es gehört aber 
ie Keuperart auch zu den Gleicheniaceen , was bei keinem tertiären Farrn der Fall ist. Das Aspidium 
leyeri (Flora tert. Helvet. I. S. 36. Taf. XI. Fig. 2) ähnelt ihm von diesen noch am meisten, hat aber 
lieils einfache, theils gabiige Xervillen. Unter den Kreidefarrn steht ihr die Pecopteris striata Sternb. (Flora 
er Vorwelt. II. S. 155. Taf. XXXVII. Fig. 3 u. 4) am nächsten. Die Fiedcrchen sind auch länglich-oval 
nd mit gabiigen Tertiärnerven versehen, aber frei (pinnte pinnat«) und nach vorn gerichtet, während die der 
h-önlander-Art fast in rechten Winkeln auslaufen. Es ist mir freilich die P. striata nur aus der Abbildung 
ternbergs bekannt, welche nur zwei Blattfetzen darstellt. 

Dass dieser Farrn zu Gleichenia gehört, geht hervor, erstens aus der gabiigen Theihmg der Blattstiele, 
.'eiche gerade wie bei Gleichenia in der Gabel eine Knospe tragen ; zweitens der Bildung der Früchte, den 
inglosen, grossen Sporangien, welche auch in runde Fruchthäufchen zusammengestellt und in zwei Zeilen 
cordnet sind. Da eine unbestimmte Zahl von Sporangien im Fruchthäufchen steht, gehört sie zur Gruppe 
[ertensia Willd. und erinnert in dieser Fruchtbildung, wie auch in der Form der Fiedern und Fiedcrchen 
tbhaft an die Gleichenia (Mertensia) dichotoma- Sav. , welche in Indien sehr verbreitet ist (wir haben sie 
on Mauritius, aus Malabar, dem Nilagiri und aus Silhet). Sie kann jedoch nicht als analoge Art betrachtet 
erden, da die Früchte bei der Grönländer- Art in grösserer Zahl beisammen. stehen und der Blattstiel nur 
nmal sich zu gabeln scheint mid jedenfalls jeder Gabclast eine ganze Zahl von Blattfiedern trägt, während 
ei der Gl. dichotoma der Stiel sich wiederholt gabelt und jeder Gabclast vorn nur zwei Fiedern trägt. 

3. Gleichenia Zippei. Taf. XLIII. Fig. 4. 

Gl. folüs bipinnatis, pinnis valde approximatis, cloiigatis, linearibus, parallelis, pinnatiscctis, pinnulis obliquis, lanccolatis, 
utiusculis, iiitcgcrriniis, basi vix iniitis ; ncrvis pinnatis, nerv, secund. utrinque 3 — 5, inferioribus furcatis. 

Pecopteris Zippei Corda in Rcuss Versteinerungen der Krcidcformation S. !)5. Taf. 49, Fig. 1. Ungar Kreidopdanzen aus Oestroich. 
zungsberichle der Acad. in Wien 1867. S. ä. Taf. II. FIr. 1- 

Ich trug Anfangs Bedenken diese Pflanze zu P. Zippei Corda zu ziehen, da die Fiedcrchen dichter 
nsammen stehen und vorn mehr zugespitzt sind als in der Abbildung der böhmischen Art (aus dem untern 
uader von I\Ischeno bei Schlan). Da aber der von Unger aus der Gosauformation (der neuen Welt in 
nteröstreieh) abgebildete Farrn sehr wohl zur Grönländer-Pflanze stimmt und noch mehr ein Stück aus der 
reide von Quedlinburg, welches ich von Herrn Prof. Schenk aus dem Museum von Würzburg zur Ver- 
leidmng erhielt, stehe ich nicht an, sie damit zu vereinigen. 

Das schöne Fig. 4 abgebildete Wedelstück hebt sich nur wenig vom dunkelfarbigen Stein ab. Es 
rfte nur ein Stück einer Wedelfieder sein, der in diesem Fall dreifach fiederschnittig war. Die Blattspindcl 
dünn ; die vordere Partie umgebogen, ob dies nur zufällig oder ob dort eine Gabelung stattfand und die 
ihte Gabel verdeckt ist, ist nicht zu ermitteln. Die Fiedern stehen sehr dicht beisammen \md sind altcr- 
irend. Sie sind sehr lang und schmal, parallelseitig. Die Fiedcrchen sind an einer sehr dünnen Spindel 
Vcstigt, fast bis zum Grund frei, nur zuunterst, an der Spindel zusammengehend; sie sind etwas nach 
Mni gebogen, ganzrandig, vorn verschmälert, bald stumpflich, bald etwas zugespitzt. Die Nervatur ist sehr 
s|iwach, doch erkennt man mit der Lupe jederseits 3—4 Scitennerven, von denen die untern gabiig zertheilt, 
vjhrend die obern einfach (Fig. 4 b. vergrössert) sind. Ausser diesem grössten Stück enthält die Sammlung von 
l'penhagcn noch mehrere kleinere, die zu dieser zierlichen Art gehören. Bei einem sind die Fiedcrchen ganz 
Vi einander getrennt, der Mittelnerv ist etwas hin- und hergebogen und die Scitennerven sind deutlich gabclig. 
Sie ist von Gl. Giesekiana durch die dichte Stellung der Fiedern und die viel kleinern , nach vorn 
gVigten Fiedcrchen zu unterscheiden; von Pecopteris arctica durch die gabiige Nervatur. 

i Ich habe .von dieser Art allerdings weder die gabiigen Spindeln noch die Früchte gesehen, doch 
s'iliesst sie sich nahe an vorige an und darf darum auch zu Gleichenia gestellt werden. 



1 



80 Kreideflora. Favrn. 

4. Gleichenia Rinkiana m. Taf. XLIII. Fig. 6. 

Gl. foliis bipinnatis, pinnis vakie approximatis, elongatis, pinnatifidis, pinnulis minutis, apice rotuiidatis. 
Omeynen af Komc. Omcnak. (Rink.) 

Das einzige mir vorliegende Exemplar ist sehr stark zusammengedrückt und die Umrisse verwischt, 
so dass nur mit Mühe und bei guter Beleuchtung die Form der Fiederchen zu ermitteln ist. Wir haben eine 
dünne, von zwei Streifen durchzogene Spindel, dicht beisammenstehende alternierende Fiedern, die sich zum 
Thcil decken. Sie sind sehr lang und ßchmal, auswärts allmälig schmäler werdend, mit sehr dünner Spindel. 
Sic sind fiederspaltig. Die Fiederchen, am Grund verbVmden, vorn stumpf zugerundet. Die Nervatur ist ganz 
verwischt. 

Von Gleichenia Zippei und Pecopteris aretica durch die schmälern Fiedern und stumpf zugerundeten 
Fiederchen zu unterscheiden. Gehört wahrscheinlich zu den Gleichenien und ist ähnlich der Gleichenia 
(Didymosorus) comptoniifolia Deb. sp. der Aachener-Kreide und Gl. Kurriana m. :von Moletein. Auch in der 
Kreide von Quedlinburg kommt eine ähnliche Form vor. Es kann ferner auch die Benizia calopteris Deb. 
(Taf. V. Fig. 13, 14) in Betracht kommen, doch ist das Material zu einer genauen Vergleichung zu unvoll- 



5. Gleichenia rigida m. Taf. XLIV. Fig. 1, vergrössert 1. b. 

Gl. foliia bipinnatis, pinnis oblongo-lanccolatis, pinnatisectis, pinnulis angustis, linearibus, apice acutinsculis, basi pauhilum 
dilatatis, rigidis, patentibus, nervo medio obsoleto, soris distichis. 

Aehnelt der Pecopteris Steinmülleri Hr. des Keupers, die Fiederchen sind aber auswärts etwas ver 
schmälert. Von den Kreidearten zeigt die P. linearis Sternb. Bronn. (P. Reichiana Brongn. S. 302. Taf. CXVI. 
Fig. 7) von Niedersehöna in Sachsen eine ähnliche Blattform , sie unterscheidet sich aber' von dieser durch 
die fast wagrecht abstehenden Fiederchen, mit schwächerem Mittelnerv und den ungezahnten Rand. Aehnliche 
Blätter besitzt ferner die P. Althausii Dunker (IMonograph. der Wealdenbildung,' S. 5)' aus dem Wälderthon, 
bei der aber die Fiedern etwas sichelförmig nach vorn gekrümmt sind. 

Es liegen mehrere losen Blattfiedern nahe beisammen, welche wahrscheinlich an einer gemeinsamen 
Spindel befestigt waren. Die Spindel derselben ist ziemlich stark. Die Fiederchen laufen fast in rechtem 
Winkel von derselben aus. Sie sind sehmal, fast parallelseitig , nur zu unterst etwas verbreitert, aber kaum 
unter sich verbunden und ziemlich weit von einander getrennt, vorn sind sie schwach zugespitzt. Bei einem 
Stück (Fig. 1 c.) sind einzelne Fiederchen sogar 19 Mill. langy bei nur 2 Mill. Breite und scheinen fast 
horizontal abgehende Seitennerven schabt zu haben. Der Mittelnerv ist sehr zart und Seeundarnerven ver- 
wischt; nur an ein paar Stellen glaube ich Spuren von gabiig zertheilten Nerven bemei-kt zu haben. Auf 
einigen Blättchen bemerkt man zwei Zeilen von rundlichen flachen Wärzchen (Fig. 1 b.), welche sehr wahr- 
scheinlich die Sori darstellen. Die Fiederchen haben ein ziemlich dickes Kohlenhäutchen zurückgelassen und 
sind wohl lederig gewesen. 

Die steifen schmalen Fiederchen und die zweizeiligen runden Fruchthäufchen sind wie bei den Gleiche- 
nien, von denen namentlich die Gleichenia flabellata von Sidney eine auffallende Aehnlichkeit mit unserm 
Farm hat. . . 

0. Pecopteris aretica m. Taf. I. Fig. 13 (aus Brongniart). Taf. XLIII. Fig. 5. 

P. foliis bipinnatis, pinnis approximatis, elongatis, linearibus, apicem versus attenuatis pinnatifidis vel pinnatipattitis , pin- 
nulis obliquis, apice acutiusculis, nervis secundariis simplicibus. 

P. borealis Brongn. (ex parte) histoiredes veget fossil. I. 351. Taf. CXIX. Fig. 2. P. striata Ung. Sitzungsber. 1867. S. 9. Taf. 11. Fig. 2. 

Komc bei Omenak auf demselben Stein mit Sequoia Reichenbachi. 

Ist der Gleichenia Zippei ähnlich, aber die Blattfiedern sind auswärts allmälig verschmälert und die 
Seitenncrvcn der Fiederchen unverästelt. ^ 

Das Fig. 5 abgebildete Stück zeigt eine dünne Spindel, an welcher lange Fiedern dicht beisammen 
stehen. Sie sind schmal und auswärts allmähg verschmälert und in eine Spitze auslaufend. Die Fiederchen 
sind am Grund verbunden und die Einschnitte werden auswärts seichter ; sie sind etwas nach vorn gekrümmt, 
vom ziemlich spitzig. Vom Mittelnerv gehen jederseits 4—6 sehr zarte, einfache Seitennerven ab. 

Hierher ziehe ich das von Brongniart auf Fig. 2 abgebildete Stück , das wahrscheinlich das Ende der 
Fieder darstellt, während unsere Fig. 5 eine Seitenfieder. Die Fiedern sind weniger tief eingeschnitten und 
die äusscrste unzertheilt. Sie scheint mir wegen der auswärts allmälig verschmälerten Fiedern eher hierher 
als zu P. borealis zu gehören, wohin Brongniart sie gerechnet hat. — Was Unger als Pecopteris striata ab- 
gebildet hat (Sitzungsberichte der Wiener Academie 1867. Taf. II. Fig. 2), gehört viel eher zu vorliegender 
•^rt als zu P. striata Stbg., da die Fiederchen bis weit hinauf mit einander verbunden und vorn zugespitzt 



Kreide-Flora. Farm. 81 

sind. Wie "bei dem von Brongniart abgebildeten Stück sind die obern Fiedern ganz und auch bei den untern 
werden die Einschnitte ausAviirts seichter und laufen in eine ganze schmale Spitze aus. 

7. Pecopteris borealis Brongn. Taf. I. Fig. 14 (aus Brongniart). Taf. XLIV. Fig. 5 a. b. 

P. foliiö bipinnatis, pinnis clongatis, pinnulis obliquis, ovato-subrotundis, brevibus, acutiusculis. 
Brongniart 1. c I 351. Taf CX'X. Fig. 1. 
Omcyncn af Korne. Omcnak. D. (Rink.) 

Es hat Brongniart diese Art in seinem Werk beschrieben und giebt Grünland als Fundort an. Sehr 
wahrscheinlich slannnt sein Exenij)lar (Taf. I. Fig. 14), das er im Museum zu Kopenhagen gesehen hat, von 
Korne, denn oficnbar gehören die von mir auf Taf. XLIV. Fig. 5 a. abgebildeten Blattfiedern derselben Art 
an und diese liegen mit Zamitcs arcticus, Gleichenia Gicsekiana und Pinus Crameri auf demselben, von 
Kerne stammenden, Steine. 

Von voriger Art durch die viel breitern Fiederehen, die bis fast zur Blattspindel getrennt sind, zu 
unterscheiden. Die Figur von Brongniart zeigt, dass die Fiedern ziemlich weit aus einander stehen ; sie giebt 
nur die Basis, während unsere Exemplare deren Spitze darstellen. Die Fiederchen sind am Grund am 
breitesten, nach vorn zu sich verschmälernd und etwas zuspitzend, nach vorn geneigt. Ausser dem Mittel- 
iierv sind keine weitern zu sehen und auch dieser ist bei den mir vorliegenden Blättern sehr sehwach, 
ivährend er von Brongniart als stark vortretend bezeichnet wird. , 

Ich verstehe unter Pecopteris borealis nur die hier beschriebene und auf Brongniarts Abbildung und 
Beschreibung gegründete Art. 

S. Pecopteris hyperborea m. Taf. XLIV. Fig. 4 (zweimal vergrössert). 

P. pinnis linearibus. pInnatis, pinnulis patentibus, liberis, remotis, ovatis, apice obtusiusculis, nervis secundariis simplicibus. 

Nur ein Fiederstück, das aber von allen andern Farrn von Korne wesentlich abweicht. Es unterscheidet 
•ich namentlich durch die ganz freien Fiederchen, welche am Grunde etwas gugerundet sind und wahr- 
cheinlich nicht mit der ganzen Breite an die Spindel befestigt waren. ' 

Die Spindel ist dünn, an derselben sitzen die alternierenden, kleinen Pjederchen, die durch einen 
Zwischenraum von einander getrennt sind. Leider ist nicht mit voller Sicherheit zu ermitteln, ob die Fieder- 
jhen nur in der Mitte befestigt seien, es ist dies aber wahrscheinlich, da sie am Grund sich zurunden und 
ast etwas herzförmig erscheinen. Jedes Fiederchen ist 4 Mill. lang, bei 23/jo Mill. Breite, am Grund am 
)reitesten und nach vorn sich verschmälernd, doch dort zugerundet. Der Mittelnerv ist schwach und ver- 
vischt sich auswärts, wodurch sich die Art der Gattung Neuropteris nähert. Jederseits sind mit der Lupe, 
venigstens bei ein paar Fiederchen 4 — 5 äusserst zarte, einfache Seitennerven zu sehen. 

9. Danceites firmus m. Taf. XLIV. Fig. 20—22. ' 

D. fronde pinnata, pinnulis firmis, lineari-oblougis, basi rotundatis, apicem versus attenuatis, integerrimis, sporangiis ob- 
ngis, horizontalibus, parallelis juxta nervum primarium biserialibus, a margine remotis. 

Korne mit Gleichenia Giesekiana auf demselben Steine. (Kopenhagen) 

Die gemeinsame Blattspindel ist bei Fig. 20 zwar nicht erhalten; es liegen aber 11 Fiederchen so bei- 
ammcn, dass sie unzweifelhaft zu einem gefiederten Wedel verbunden waren, in welchem die eiiizelnen 
'iederehen 8 — 9 Millim. von einander entfernt waren. Die Breite dieser Fiederchen beträgt 8 Millim. , ihre 
'änge .aber betrug wahrscheinlich etwa 36 — 37 Mill., auswärts sind sie allmälig verschmälert. Der Mittelnerv 
it ziemlich stark und bis in die Spitze zu verfolgen, wogegen die Seitennerven ganz verwischt sind; nur 
ier und da sieht man Spuren von in rechten Winkeln auslaufenden, parallelen, äusserst zarten Seitennerven, 
ie aber zwischen den Fruchthäufchen liegen, in einzelnen Fällen scheinen sie aber auch von diesen auszu- 
ehen und diese somit auf den Seitennerven zu sitzen, wie dies bei den lebenden Marattiaceen der Fall ist. 
>och ist die Sache nicht klar; es ist die feste, fast lederartige Beschaffenheit der Blattfiedern, welche an 
iesem Zurücktreten der feinern Nerven schuld zu sein scheint. Längs des Mittelnervs haben wir zwei Reihen 
on Fruchthäufchen. Jedes hat eine Länge von 2 Mill. bei 1 Mill. Breite; sie reichen daher nur bis zur Mitte 
er Blattfläche, zwischen Mittelrippe und Rand, und längs desselben haben wir eine breite, von Früchten 
icht besetzte Blattpartie (Fig. 22 vergrössert). Im Uebrigen stehen sie sehr dicht beisammen und stellen 
urze, parallele Bändchen dar, die ziemlich stark gewölbt sind und als ovale Wärzchen erscheinen. Da 
as Blatt von der Oberseite vorliegt, sind aber die einzelnen Früchte nicht zu erkennen. — Ein zweitc^j 
xemplar (Fig. 21), das ich der gefälligen Mittheilung des Herrn Prof. Gceppert verdanke, lässt nocii" die 
emcinsame Spindel und die Basis einer Reihe von Blattfiedern erkennen. Die Spindel ist dünn und lässt auf 

11 



^"82 Kreide-Flora. Cjcadeen. 

ein doppelt gefiedertes Blatt scliliessen, die Fiederclien sind am Grund zugerundet und sitzend. Sie zeigen 
die Abdrücke der Sori als länglich ovale Vertiefungen. 

Ist sehr ähnlich dem Danaeites Schlottheimii Deb. und Ett. aus der Aachener-Kreide (die urweltl. Acro 
bryen des Kreidcgeb. von Aachen, S. 22. Taf. IIL Fig. 1); die Sori stehen aber dichter beisammen, sind 
kürzer und reichen daher nicht so weit hinaus und die Fiedern sind am Grund nicht verschmälert. 

Die feste BeschafFeuheit des Laubes, die ganzrandigen Ficderchen und die Stellung und Form der Sori 
sprechen für ein Farrn aus der Familie der Marattiaceen, von Taeniopteris, (welche wohl, wie die trefflichen 
Untersuchungen des Herrn Prof. Schenk gezeigt haben, mit Angiopteris zu vereinigen ist) unterscheidet es 
sich durch die längs der Mittelrippe stehenden Sori, von Danseopsis durch die Kürze derselben, indem sie bei 
dieser Keupcrgattung bis nahe zum Rande reichen, es mag daher am zweckmässigsten sein, sie als Danaeites 
zu bezeichnen. 

10. SclerophjUina dichotoma m. Taf. XLIV. Fig. 6. 

Sei. fo^'is andrste lincaribus, planis, tenuissime striatis. 

Auf der Rückseite des Steines, welcher die Gleichcnia Zippei enthält. 

Es sind lederartige, schmale, parallclscitige , von Streifen durchzogene Blätter, welche mehrmals sich 
gabiig theilen. Sind sehr ähnlich der Sclcroph. furcata (Heer Urwelt. Taf. H. Fig. 9) aus dem Keuper des 
Rütihard von Basel. Die Blätter haben dieselbe Breite und Streifung , sind aber mehrfach gabiig getheilt. 
Die Längsstreifen sind sehr zart, die meisten nur mit der Lupe wahrnehmbar, doch treten 2 bis 3 Streifen 
stärker hervor. 

Auf den ersten Blick konnte man an Pinusnadeln denken, die dann übereinander liegen müssten. Allein 
bei dem Fig. 6 abgebildeten Stück ist eine dreimalige Gablung zu sehen (bei a. b. und c.). Das Stück unter- 
halb a. ist allerdings doppelt so breit und zeigt eine Mittellinie, so dass es aussieht, als bestehe es aus zwei 
aneinander liegenden Blättern, allein bei b. ist dies nicht der Fall und es ist der rechts ablaufende Ast nicht 
weiter hinab zu verfolgen; dasselbe ist bei c. der Fall. Gegen Pinus aus der Gruppe der Föhren spricht 
auch, dass die Blätter flach sind, und die Krümmung derselben. — Zu derselben Gattung gehört wohl auch 
die Jeanpaulia nervosa Dkr. (Wälderbildung. Taf. V. Fig. 3), welche von den übrigen Jeanpaulien sehr 
abweicht. 

II. Cycadeen. 

IL Zamites arcticus Gcepp. Taf. HL Fig. 14 (aus Goeppert). Taf. XLIV. Fig. 5 c. 

Z. fronde pinnata, foliolis approximatis. basi fere confluentibus, suboppositis, patentissiinls , linearibus, apice obtusia, basi 
utrinque rotundatis, nervis parallelis obsoletis. 

Gcßppert im neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 1866. S. 134. Taf. II. Fig 9 u. 10. 
Omeynen af Kome. District Omenak. (Rink.) 

Von dieser merkwürdigen Pflanze sind mir neuerdings mehrere Blattstücke (eines habe auf Fig. 5. c. abge- 
bildet) aus dem geologischen Museum von Copenhagen zugekommen. Herr Prof. Goeppert hatte die Güte mir 
auch das von ihm beschriebene Blatt zur Ansicht zu senden. Die Fiederchen sind an einer 3V2 Mill. breiten 
Blattspindel befestigt und laufen von derselben fast wagrecht aus. Sie stehen so dicht beisammen, dass sich 
die Ränder berühren. Das einzelne Fiederchen ist 12 Mill. lang, bei IV2 Mill. Breite; vorn sind sie stumpf 
zugerundet, am Grund gestutzt, mit etwas gerundeten Ecken und dort auf der Fläche mit einem seichten 
Eindruck versehen. Sie sind auf der Oberseite der Spindel befestigt, so dass diese grossentheils vom Blatt- 
grund verdeckt wird, gehört daher zu Zamites und nicht zu Pterophyllum. Die Längsnerven sind verwischt 
und nur hier und da Spuren voü solchen zu erkennen. Der Blattrand ist besonders am Grund etwas aufge- 
worfen. Die Fiedern müssen lederartig gewesen sein. 

Ist so ähnlich dem Zamites Lyellianus (den Dunker irrthümlich zu Pterophyllum gebracht hat) aus 
dem norddeutschen Wealden, dass es schwer hält Unterschiede anzugeben, nur sind bei letzterer Art die 
Fiedern etwas breiter und etwas von einander entfernt. 

Auf einem Stein von Atanekcrdluk liegen neben einigen ZAveigstücken von Sequoia und Taxitcs Olriki 
einige Blattfetzen, welche denen des Zamites arcticus ähnlich sehen (Taf. L Fig. 24 d.) ; eine Vcrglcichung 
mit dem Zamites von Kome, die mir erst möglich war, nachdem die Taf. L schon gedruckt war, hat mir 
aber gezeigt, dass diese Blattfetzen nicht zu dieser Art geliörcn, indem die Längsstreifen gar viel^ stärker 
hervortreten. Sic dürften eher von einer Monocotyl.Pflanze herrühren, die aber zur Bestimmung zu fragmen- 
tarisch ist. 



Kreide-Flora. Nadelhölzer, 83 

ill. Cupressineen. 

12. Widdringtonites gracilis m. Taf. XLIII. Fig. 1 e. 3 c, vergrossert 1 e. e. f. g. 

W. ramia erectis, fastigiatis, ramulis filiformibus, confertis, foliis adpressis, alternis, obtusiusculis. 
Kome, District Omenak. 

Mehrere kleine Zweigstücke liegen zwischen den Farrnkräutern von Omenak. Das grösste (Fi"-. 1 c.) 
ist verästelt; von dem dünnen Aestchen laufen in spitzen Winkeln sehr zarte, lange Zweiglcin aus, welche 
ganz mit schuppenförmig angedrückten Blättern besetzt sind. Man sieht, dass sie alternierend sind, doch ist 
ihre Form schwer zu bestimmen. Sie sind vorn meist stumpflich, doch zuweilen auch ziemlich spitzig (Fig. 1 g.)^ 
bald gewölbt, bald aber mit einem breiten, seichten Längseindruck versehen und V/2 Mill. lan«". 

3chr ähnliche Nadelhölzer begegnen uns schon im Keuper (Widdringtonites keuperianus Hr. Urwelt 
S. 52. Fig. 31), wie anderseits im Tertiär (Widdringtonia helvetica, Ungeri, brachyphylla Sap., antiqua Sap. 
und bohemica Ett.), und es hält bei mangelnden Früchten schwer, nur an den dünnen, zarten Zweiglein, 
deren Blätter stark zerdrückt sind, diese Arten von einander zu unterscheiden. 

IV. Abietineen. ' 

13. Sequoia Reichenbachi Gein. sp. Taf., XLIII. Fig. 1 d. 2 h. 5 a. 

S. ramia elongatis, foliis decurrentibus, patentibus, falcato-incurvis, rigidis, acuminatis. 

Araucarites Reichenbachi Geinilz Charakterislii des süchs.-böhm. Kreidegebirges. S. !)8. Taf. XXIV. Fig. 4. Cryptomeria prJmaJva Corda 
D Reuss-Kreideversleinerungen. S. 89. Taf. XLVIII. Fig. 1— II. Geinitzia cretacea Endlicher Conifer. S. 281. 

Scbeint in Kome nicht selten zu sein, indem auf mehreren Platten neben Farrnkräutern einzelne Zweigstücke sich finden. 

Fig. 5 a. stellt einen zwar kurzen, aber ganzen Zweig dar. Die ersten Zweigblätter sind kurz, stumpf- 

ich und angedrückt, die folgenden abstehend, stark sichelförmig gekrümrat und in eine feine, scharfe Spitze 

luslaufend. Sie sind von derselben Länge bis gegen die Zweigspitze; nur die äussersten sind schmäler, 

;ürzer und dichter zusammengedrängt und mehr nach vorn gerichtet. Sie sind am Zweig etwas herablaufend. 

Neben den Blättern bemerken wir am Zweig noch Blattnarben, welche uns sagen, dass manche Blätter 

.bgefallen und diese sehr dicht in einer engen Spirale um den Zweig gestellt waren. Es sind diese Polster 

änglich-oval, vorn stumpflich, mit einem breiten, seichten Längseindruck (cf. Fig. 5 d. u. dd. vergrossert) 

ersehen. 

Aehnlich ist das Fig. 2 b. abgebildete Zweigstück; viel länger dagegen Fig. 1 d. Auch an diesem 

50 Millim. langen Zweige sind alle Blätter von gleicher Länge; sie sind steif, am Grund erweitert und am 

'.weig hcrablaufcnd und gleich von Grund aus sich auswärts biegend und stark sichelförmig gekrümmt. 

)ie Blattnarben stehen dicht beisammen und wir bemerken noch welche nahe an der Zweigspitze. 

Zu dieser Art gehört sehr wahrscheinlich der Fig. 8 (vergrossert 8 b.) abgebildete Same; er ist länglich-oval, 

V2 ^lilh lang und 4 Mill. breit, davon kommen circa 2 ]\[ill. auf den Kern und 2 Mill. auf den Flügelrand, 

ssen Breite ringsherum etwa 1 Mill. beträgt. Es ist dieser Same länger und schmäler als bei Sequoia Langs- 

oi-fii (cf. Taf. XLV, Fig. 16 b. c), stimmt aber in der Bildung des Kernes und Flügels so wohl zu Sequoia, 

ass er zu dieser Gattung gehören muss und somit die Bestimmung unserer Art als Sequoia noch mehr sichert. 

Eine sehr ähnliche Zweigbildung haben wir bei Nadelhölzern, welche ganz verschiedenen Gattungen 

id Formationen angehören, nämlich bei Volzia, Geinitzia und Sequoia. Bei Volzia sind die Blätter in 

rosse sehr variabel und die an der Spitze der Zweige meist viel länger als die untern, ferner sind dieselben 

)rn stumpflich und nicht so sichelförmig gebogen; bei der Sequoia Sternbergi sind die Blätter mehr 

tch vorn gerichtet und weniger gekrümmt (Taf. XXIV. Fig. 7—10), doch giebt es Zweige, wo sie ebenfalls 

ibogcn sind und denen der Grönländer-Pflanze sehr ähnlich sehen (cf. Unger Sotzka, Taf. XXIV. Fig. 5), 

merhin sind sie aber auch bei diesen Zweigen weniger abstehend, viel weniger sichelförmig gekrümmt 

id weniger fein zugespitzt und den jungen Zweigen fehlen die Blattpolster. — In allen diesen Beziehungen 

mmt die Grönländer- Art mit der Sequoia Reichenbachi überein, von der mir Prof. Geinitz wohlerlialtenc Zweig- 

cke aus dem Unterquadersandstein Sachsens zur Vergleichung übersandt hat ; wie ferner mit den Zweigen, 

i Corda in dem Werk von Reuss als Cryptomeria primaeva abgebildet hat (Taf. XLVIII. Fig. 2, 3, 8, 11). 

ir haben auch relativ dicke Zweige, stark sichelförmig gekrümmte, von einem Längsnerv durchzogene, m 

^le feine Spitze auslaufende Blätter, längliche Blattpolster, mit einer Längslinie auf dem Rücken Es gehört 

(her die Grönländer-Pflanze mit dieser in der Kreide verbreiteten Art zusammen, wenigstens wüsste ich 

^{inen Unterschied von derselben anzugeben. Die Kreidepflanze wurde gefunden im untern Quader von 

ijnnewitz , im Schieferthon des Quadersandsteines von Waltersdorf in der Oberlausitz , im Plänei«andstein 



184 Kreideflora. Nadelhölzer. 

von Goppeln und im Plüncrkalk von Strelüen, Weinbölila, Hundorf, Kutschlin, in Böhmen im Pläner von 
Ilradck, PcrutJ:, Trziblitz und Smolnitz ; in Belgien, von wo ich von Anderlues (Ilainaut) einen Zweig von Herrn 
Cocnians erhielt, der sehr wohl mit denen Grönlands stimmt; in Moletein in Mühren, Von liier sah ich einen 
schönen Fruchtzapfen aus dem Tübinger Museum, welcher zeigt, dass diese Art zu Scquoia "-chört, indem 
dieser Zapfen mit denen der Sequoien übereinstimmt. Dasselbe ist der Fall mit einem Zapfenrest aus dem 
untern Quadersandstein von Bannewitz. Einen sehr .ähnlichen, nur kleinern Zapfen hat neuerdings W. Carouthers 
(Journal of Botany, Jan. 1867) als Sequoites Woodwardi bekannt gemacht >) und ein paar kleine Zweigreste 
dazu dargestellt; die Blätter des einen (Fig. 16) sind auch stark abstehend, aber nicht sichelförmig gekrümmt. 
Von dieser Art sehr verschieden ist die Geinitzia cretacea Unger (iconographia plant, fossil. Taf. XI. 
Fig. G); bei dieser sind die Blätter nach vorn gerichtet, fest an die Zweige angedrückt, viel schmäler und 
die Zapfen lang, spindelförmig. Eine dieser ähnliche Art von Quedlinburg erhielt ich in prachtvollen Zweigen 
und Zapfen von Herrn Prof. Schenk in Würzburg zur Ansieht, welche von Sequoia sehr verschieden ist 
lind ein eigenthümliches Genus bildet, welchem der Name Geinitzia bleiben kann. 

14. Phius Pelerseni m. Taf. XLIV. Fig. 19.~ 

P. foliis gcminis (?), actaceis, longis, tcnuissimis, oligonerviis. 

Es liegen mehrere Nadeln, die wohl unzweifelhaft zu Pinus und zwar zur Gruppe dex Föhren gehören, 
)ei einander. An mehreren Stellen (a. b.) sieht man, dass je zwei Nadeln zusammengehören, es ist daher 
A'ahrscheinlich , dass je 2 einen Büschel bildeten. Die Nadeln haben nur eine Breite von 1 Mill. , müssen 
iber lang gewesen sein ; ihre Länge muss wenigstens 50 Mill. betragen haben , vielleicht waren sie aber 
lOch beträchtlich länger. Neben den Nadeln bemerkt man (bei c.) einen ovalen Eindruck, von dem ein dunkler 
rieck ausgeht und ähnelt einem Pinus-Samen, doch ist er zur sichern Deutung zu undeutlich. 

Aehnelt in den sehr dünnen Nadeln dem Pinus Quenstädti Hr. von Moletein, bei diesem stehen aber 
e 5 Nadeln im Büschel und jede Nadel zeigt einen Längsnerv. Li den dünnen langen Nadeln hat sie mehr 
\.ehnlichkeit mit den Weimuthskiefern (der Gruppe Strobus) als mit den zweinadligen Föhren. 

Der Name soll an den Grönländer Petersen erinnern, welcher Kane und später M'Clintock auf seinen 
^larreisen begleitet hat. 

15. Pinus Crameri m. Taf. XLIV. Fig. 7—18. 

P. foliiä sessilibus, distichis. planis, basi apiceque rotundatis, obtusis, medio costatis. 

Es ist dies die häufigste Pflanze von Korne und einzelne Blätter finden ' sich fast auf jedem Stein, 
tellenweise liefen sie aber zu tausenden übereinander. Sie lassen sich zum Theil aus dem Gestein ablösen 
nd sind dann flache, braunschwarze, an den Rändern durchscheinende, noch bie^-same Blättehen. Ihre Länge 
ariirt von 9 — 17 Mill., viel weniger aber ihre Breite, welche meist 2V2 Mill, selten nur 2 Mill. beträgt 
nd zwar hat die Länge der Blätter keinen Einfluss auf ihre Breite, indem ein 17 Mill. langes nur 2 Mill. 
at und anderseits ein 9V2 Mill. langes 2V2 Mill. Breite zeigt. Sie sind ganz parallelseitig, vorn ganz stumpf 
ugerundet, und dort mit einer sehr kleinen, nur bei starker Vergrösserung Avahrnehmbaren Ausrandung 
ersehen (Fig. 15). Am Grund sind sie meistens gerade gestutzt, mit abgerundeten Ecken, ohne Spur von 
tielchen. lieber die Mitte läuft eine starke Rippe, oder eigentlich sind es zwei aufgeworfene Linien oder 
ippen, die oben unterhalb der Blattspitze zusammengehen (Fig. 15). Zuweilen sciieint das Blatt zwischen 
esen Linien aufgerissen zu sein. Die Partie zwischen der Mittelrippe und dem Rand ist von äusserst feinen, 
XX bei starker Vergrösserung wahrnehmbaren Längsstreifen durchzogen. Zuweilen tritt aber einer dieser 
treifen stärker hervor. Einzelne Blätter sind mit zahlreichen, aber zufälligen Querrunzeln versehen. — 
icse Blätter sind an dünnen Zweigen befestigt und in zwei Zeilen angeordnet (Fig. 17, 18). Sie sind sitzend. 



») Herr Carouthers sagt (S. 21), es sei dies unzweifelhaft eine fossile Art .-equoia, er habe al)er den Namen Sequoites 
gewendet „in accordance with the almost universal practice of botanist", welche Practik sehr wichtig sei, da sie sogleich eine 
äsile von einer lebenden Species i^nterscheiden lasse. Mir will es aber scheinen, dass ein solches Verfahren sehr unpassend sei 
d gegen einen Hauptgrundsatz der Systematik verstösst, nach welchem für denselben Begriff auch nur Eine Bezeichnung zu 
jihlen ist. Wie soll es denn mit den diluvialen Pflanzen gehalten werden, die grossentheils mit den jetzt lebenden übereinstimmen? 
iUen ^^ir diese alle anders bezeichnen als die lebenden, nur weil wir sie in Steinen eingeschlossen finden? Mit demselben Rechte 
Isstcn dann auch alle fossilen Thiere durch besondere Gattungsnamen ausgezeichnet werden. Die von Herrn Carouthers befolgte 
inhode ist zu einer Zeit angewendet worden, in der man erst das Studium der fossilen Pflanzen begann, jetzt ist sie allgemein 
Irlasscn für alle die Fälle, wo eine Gattung mit grosser] Wahrscheinlichkeit ermittel^ ist; wo aber die Gattungsbestimmung 
ijeifdhaft, wird dies durch die Endung -ites ausgedrückt, welche dem Gattungsnamen beigefügt wird, der die ähnlichsten Formen 
Vachliesst 



Kvelde-Flova. Nadelhölzer. 85 

aber nicht am Stengel herablaufend und müssen sich leicht losgelöst haben, da wir sie in so grossen IMassen 
von den Zweigen getrennt finden und auch an den erhaltenen Zweigen nur wenige Blätter zurückgeblieben 
sind; so an dem Fig. 17 abgebildeten ein einziges. Es war dies ein schlanker Ast, mit alternierenden, nahe 
beisammen stehenden dünnen Zweigen. Blattnarben sind nicht zu sehen, wohl aber eine kleine Verdickung 
an der Basis der Zweige. Die Blätter standen dicht beisammen und die der benachbarten Zweige müssen 
sich theilweise gedeckt haben. 

Bei diesen Blättern liegen die Fig. 8 u. 9 abgebildeten Schuppen, welche sehr wahrscheinlich diesem 
Baume angehören. Fig. 8 ist 17 Mill. lang, bei 15 Mill. Breite, vorn sehr stumpf zugerundet, gegen die 
Basis etwas verschmälert. Sie zeigt eine schwache ovale Vertiefung am Grund und an der linken Seite eine 
schwache ovale Erhabenheit, die vielleicht von dem fest aufgedrückten Samen herrührt und zu dem dann 
die obere Partie als Flügel gehören würde. Im Uebrigen bemerkt man an der Schuppe feine Längsstreifen 
und in der obcrn Partie zarte Querrunzeln, während die untere, wahrscheinlich im Zapfen bedeckte Partie 
glatt ist. Die zweite Schuppe (Fig. 9 a.) ist wahrscheinlich nicht ganz erhalten. Sie ist auch rundlich, hat 
viel deutlichere Längsstreifen, von denen zwei seitliche stärker hervortreten, so dass sie in drei Partien 
getheilt erscheint. 

Es gehören diese Blätter, Zweige und Schuppen unzweifelhaft einer Pinus an und zwar weist die Form 
der Blätter, ihre Stellung und leichte Löslichkeit auf die Gruppe Tsuga, nur sind die Blätter am Grund mit 
keinen Stielehen versehen, sondern mit der ganzen Breite an den Zweig angeheftet, ähnlich wie bei P. Pin- 
sapo Boiss. Die Blätter und auch die Zapfenschuppen sind beträchtlich grösser ^.Is bei P. canadensis Miclix. 
— Unter den fossilen Arten steht ihr die Pinus (Abietites) Linkii Dkr. aus dem norddeutschen Wealden am 
nächsten. Die Blätter haben dieselbe Form, nur sind sie bei P. Linkii durchschnittlich grösser, vorn etwas 
stärker verschmälert, die Mittelrippe ist zarter, wogegen die feinern Längsstreifen etwas deutlicher sind. Es 
liegen aber diese Nadeln auch massenweise beisammen und lassen sich ebenfalls leicht von der umgebenden 
Masse lostrennen. Wir haben dieselben aus dem Osterwalde erhalten, von wo sie mir zur Vergleichung vor- 
lagen. Diese sind am Grunde nicht verschmälert, während Dunker Formen abgebildet hat, bei denen dies 
der Fall ist. (Dunker Norddeutsch. Wealden. Taf. IX. Fig. 11.) . 

Gccppert hat diese Nadeln aus Versehen für Blätter der Sequoia Langsdorfii genommen (Abhandl. der 
schlesisch. Gesellsch. 1867. S. 51, und im Jahrbuch für Mineralogie), sie sind aber vorn viel stumpfer zuge- 
rundet, am Grund nicht verschmälert und nicht am Zweig herablaufend. Schon der Umstand, dass sie lose, 
massenhaft beisammen liegen, zeigt, dass sie sich anders verhalten als die Sequoiablätter , welche fest mit 
dem Zweige verbunden sind. 

V. Monocotyledonen. 

16. Fascicidites groenlandicus m. Taf. XLIV. Fig. 23. 
F. faaciciilis vasorum 1 Mill. latis, cylindricis, sequalibus, numerosissimis f.. 

Eine I^Iasse von schwarzen, verkohlten Faden liegen beisammen und bedecken eine Fläche von 90 Mill. 
Breite, von der Fig. 13 nur eine Partie darstellt. Sie sehen ganz aus wie Gefäs^bündel eines holzigen mono- 
cotyledonen Stammes und rühren vielleicht von einer Palme her. Dass es nicht Pinusnadeln sind, zeigt der 
lUmstand, dass sie alle in selber Richtung liegen, was bei jenen sicher nicht der Fall Avärc, wie wir dies 
bei Pinus Crameri und Peterseni sehen. Auch fehlen ihnen gänzlich die Längsstreifen der Pinusnadeln, indem 
man unter dem Microscop nur in Querreihen stehende dunklere Flecken (Fig. 23 b.) sieht. Wir halten sie 
laher für Gefässbündel, welche in grosser Masse übereinanderliegen und in gerader Richtung verlaufen; sie 
sind alle von fast gleicher Dicke, welche circa 1 Mill. beträgt. Sehr ähnliche Gefässbündel haben wir bei 
licm Palmacites helveticus (cf .Flora tert. Helv. I. Taf. XL. Fig. 1). Aus der Kreide hat Corda in dem Werke 
.'on Reuss (Versteinerungen, S. 87) einen Fasciculites beschrieben, den er zu den Palmen gerechnet hat (Palma- 
Jites varians Cord.). Aehnliche Stämme kommen auch im Wealden der Insel Wight und von Norddeutschland 
»'or (Endogenites erosa St. et Webb.). 



86 

Bf miocene Flor^ von MoF^gronland. 

Erste Klasse. Cryptogamen. 

E rsteOrdnung:F II ngi. Pilze. 

j /. Spharia arctica tn. Taf. I. Fig. 5. 

Sph. pcrithcciis ovalibus, sparsis, medio imprcasis. 
Atancl;oi-dluk (Dublin). 

Auf einem lederartigen Blattfetzen sind ovale, 2 — 21/2 Mill. lange Wärzchen, welche in der Mitte einen 

länglichen Eindruck zeigen, der wohl von der Oeffnung herrührt. Hat die Grösse der Sph. evanescens (Flora 

tertiär. Hclvet. III. Taf. CXLII. Fig. 15. IG), ist aber länglich-oval und hat eine grössere, längliche Oeffnung 

(Fig. 5 b. vergrössert). 

2. Sphwria annulifera m. Taf. I. Fig. 2 — 4. 

Sph. peritheciis globosis, nigris, distinctis, in circulum dispositis et maculam pallidam circumdantibus. 
Atanekerdluk (Cap. Colomb), Auf Blattfetzen, die wahrscheinlich zu Magnolia Inglefieldi gehören. 

Aehnlich wie bei Sph. cii-eulifera Hr. von Locle und der lebenden Sph. Coryli Batsch stehen li leine, 

<uglichte Pilze in einem Kreis um eine hellere Stelle herum, welche etwa 3 Millim. Durchmesser hat. Es 

ntstehen so runde helle Flecken auf dem Blatte, die von einem Kranz von schwarzen Puneten umgeben 

iind (Fig. 2, vergrössert 2 b.). Diese Flecken sind viel grösser als bei Sph. eirculifera und ebenso auch die 

Früchte. Ganz gleich grosse Flecken haben wir bei Sph. maculifera Hr., hier sind aber die Früchte kleiner 

uid stehen in grosser Menge um den mittlem hellen Fleck herum. — Die Früchte sind kuglicht und bilden 

m Abdruck rundliehe Vertiefungen. Es sind diese Ringe theils auf den Blattnerven (Fig. S), theils Aui dem 

^^arenchym. (Fig. 2 u. 4). 

3. Rhytisma (7^ boreale m. Taf. I. Fig. 1. 

Rh. peritheciis vcrruciformibus, convexis, rimosis. 
Atanekerdluk (Dublin). 

Auf einem Blattstück der Ficus grcenlandica sitzen zahlreiche kleine Warzen, welche ohne ZAveifel von 

incm Pilz herrühren. Sie sind in der Blattsubstanz etwas eingesenkt und von einem flach-eingedrückten 

Vall umgeben. Die einen Würzchen sind klein (von IV2 Mill.) und scheinen einfach zu sein (Fig. 1 c. ver- 

;rüssert), andere dagegen haben bis 3 Mill. Breite und stellen von mehreren Furchen durchzogene Scheib- 

hen dar, ähnheh wie bei Rhytisma (Fig. 1 b. d. vergrössert). Diese machen es wahrscheinlich, dass dieser 

'ilz zu Rhytisma gehört, während die kleinern Wärzchen mehr wie Sphserien aussehen, doch fehlt allen die 

effnung. 

Zweite Ordnung: Filices. Farrn. 

4. Woodwardites arcticus m. Taf. I. Fig. 16 (vergrössert 16 b.), XLV. Fig. 2 c, XL VIII. Fig. 9. 

W. pinnis pinnatifidis (?', lobis rotundatis, denticulatis. ncrvatione dictyodroma. 

Waigattet, mit Sequoia, Populus arctica und Corylus auf demselben Stein (Dr. Torell). Andere Blattfetzen sind mit Pappel- 
ättem und Sparganium stygium auf Steinplatten der Kopenhagener Sammlung von Atanekerdlul^ 

Von diesem Farrn sah ich mir einige kleinen Blattfetzen, seine Nervatur ist abci- so ausgczciclnict, dass 

jedenfalls von allen andern Grönlands gänzlich verschieden ist und einen eigenthümliclien Typus darstellt, 

essen genauere Bestimmung aber erst bei vollständiger erhaltenen Exemplaren möglich sein wird. Die 

ervatur stimmt am besten zu derjenigen der Woodwardien, doch reichen die Maschen weiter zum Rand 

naus, daher die Gattung nicht ganz gesichert ist. 

Das Fig. 16 abgebildete Stück ist wahrscheinlich ein Fetzen einer Blattfieder, indem das ganze Blatt 
ohl gefiedert war. Grösser sind die Blattreste der Kopenhagener Sammlung, aber so verbogen vnd durch- 
aander gewirrt, dass kein klares Bild zu gewinnen ist. 

Der Mittelnerv ist dünn, von demselben gehen keine Secundarnerven aus, ondern die ganze Blatt- 
iclie ist gleiehmässig von einem Nervennetz überzogen; die Nervillen sind mehrfach gabiig getheilt und 
*jc;se Gabeln unter sich verbunden und längliehe, polygone Maschen umschliesf^cnfl. Wir haben mehrere 
Raschen hinter einander und einzelne reichen bis fast zum Rand hinaus. Die Fieder scheint bei Taf. I. 
■ g. 16 in runde und sehr stumpfe Lappen gespalten, welche am Rande mit äusserst feinen Zähnen besetzt 
i^d (cf. Fig. 16 b. vergrössert); der Taf. XL VIII. Fig. 9 dargestellte, zweimal vergrösserte Blattfetzen 



Farm. 37 

stellt walu-sclicinlich die Spitze einer Blattficder dar. Sic ist fein gezahnt, hat einen zarten Mittehierv, an 

dem die grossen Maschen liegen, die von ihnen ausgehenden Nervillcn sind gabiig gcthcilt. Auf demselben 

Stein liegen noch mehrere Fiederstücke, doch sind sie ganz zerfetzt, lassen indessen doch erkennen, dass 

•wie bei den "Woodwardicn mehrere Fiederclien an einer gemeinsamen Spindel befestigt waren. 

' Unter den tertiären Farm ähnelt auch der Filicites hcbridicus Forb. einigermassen unserer Pflanze, allein 

, die Maschen sind anders gebildet; ferner Filicites dispersus Sap. von Aix (Saporta ötudes sur la Vegetation 

! du sud-est de la France ä l'epoque tertiaire, S. 55. Taf. II. Fig. 5). 

5. Lastrcea (Phegoptcris) stiriaca. Taf. XLV. Fig. 7. 

L. frondc pinnata, pinnis linearibus, praclongia, grosse crenatis serratisve, ncrvLs secundariis e nervo primario angulo 
Bubacuto egrcdientibus, pinnatis, nex-vis tertiarlis curvatis, subparallelis, angulo acuto cxeuntibus. 
Heer Flora terl. Helv. 1. S. 31. Taf. VJI. u. VIII. Polypodiles sliriacus Unser Chlor, prol S. l2l. 
Atanekerdluk (Olrik. Kopenhagen). 

Zwei Blattfiedern dieses ausgezeichneten miocenen Farrnkrautes liegen im Abdruck neben einander. 
Es sind zwar jederseits nur 4 Tertiärnerven vorhanden, während diese Art in der Regel 6 — 7 zeigt, sonst 
aber stimmt sie in der Form der Lappen und Nervation völlig überein. Am ähnlichsten sieht sie der von 
Unger (Chloris protog. Taf. XXXVI. Fig. 2) abgebildeten Fieder, welche auch dieselbe Zahl von Tertiär- 
nerven und einen hin- und hergebogenen Mittelnerv liat. — In der geringen Zahl und Kiclitung der Tertiar- 
uerven erinnert die Art auch an die L. Bunburyi (Heer Lignite pf Bovey Tracey, S. 29), bei der aber die 
Fieder mit kurzen, scharfen Zähnen versehen ist. 

Die 2 Fiedern stehen um 20 Mill. von einander ab, und hatten eine Breite von 18 Mill. , daher sich 
ihre Ränder nahezu berührten. Sie sind mit breiten, groben, stuinpfen Zähnen versehen. Der Hauptnerv 
jeden Zahnes ist etwas hin, und hergebogen und von ihm laufen die Tertiarnerven in spitzen Winkeln aus. 
Die Anastomose der untersten ist nur an ein paar Stellen deutlich zu sehen. 

6. Sphetiopleris {Asplenium?) Micrtschingi m. Taf. XLV. Fig. 9 a. b. (vergrösscrt 9 c.) 

A. folüs pinnatis, pinnulis angulo pcraciito egrcdientibus, basi cuncatis, apicc arguto dcntatis, ncrvia dichotomis. 

AtanckcnlUik. (Olrik. Kopenhagen.) 

Neben dem Blatte von Quercus Lyell i liegen die Reste dieses zierlichen Farrnkrautea. Es ist ein Stück 
.incr JilalMicder, die aber vom abgebrochen ist, dagegen sind einige seitliche lilät.lelicn erhalt(;n und eines davon 
3t vollständig vorhanden (dasselbe vcrgrössert Fig. 9 b.); sie sind gegen den Grund zu allmälig verschmälert, 
orn zugerundet und mit scharfen, spitzen Zähnen besetzt. Der Nerv theilt sich zunächst und fast am Grrund 
a 2 Aeste, der äussere theilt sich nochmals in 2 Gabeln, die bis nach vorn verlaufen, der innere gabelt 
ich ebenfalls, von diesen Gabeln theilt sich die innere nur noch in 2 Aeste, während die äussere noch 
weimal sich gabelt. Die Gabeläste laufen in die Zähne aus. 

Von Sphenopteris Blorastrandi aus Spitzbergen durch andere Nervation und Bezahnung der Blattfieder- 
hen sehr verschieden und wohl zu Asplenium gehörend. 

Der Name soll an den Missionär Miertsching erinnern, welcher als Eskimo-Dolmetscher die Expedition 
on Sir J\rClure mitgemacht und in ansprechender Weise beschrieben hat. M'Clure erwähnt seiner in ehrender 
^'"eise in seinem Tagebuche (the discovery of a north-west passage. S. 76). 

7. Pteris oeningensis A. Br. Taf. XLV. Fig. 8 a. (vcrgrössert 8 b.) 
Pt. pinnis valde elongatis, pinnatisectis vel profunde pinnatipartitis, Lobls alternis, patefltibus, distantibus, lanceolatis, 

".egerrimis, nervis tertiarüs furcatis. 

Heer Flora icrt. Helvet. I S. 39. . • 

Atanekerdluk. .(Olrik. Kopenhagen.) 

Es sind zwar nur ein paar Blattfetzen gefunden worden, von welchen ich den deutlichsten in Fig. 8 a. 
d vcrgrössert 8 b. abgebildet habe , es stimmen aber dieselben so Avohl mit dem Oeninger Farrn überein, 
SS ich nicht anstehe, sie mit Herrn Prof. Goeppert, der dies Stück auch in Händen hatte (vgl. Verhand- 
igen der Schlesisch. Gesellsch. 1867. S. 51), mit derselben zusammenzustellen. Die Fiederchen sind bis 
f den Grund von einander getrennt, vorn etwas verschmälert, ganzrandig, die seitlichen Nerven gabiig 
^theilt. 

8. Pteris Rinkiana m. Taf. I. Fig. 12. (zweimal vcrgrössert 12 c.) 

I Pt. fronde bipinnata {?), pinnulis oblongo-lanceolatis, intcgerrimis, apice obtusiusculis, nervis secundariis pinnularum furcatis. 
I Atanekerdluk. (M'Clintok.) 

IEs sind mir nur die zwei abgebildeten Fiederchen zugekommen. Sie liegen so neben einander, dass ihr 
^•staud wahrscheinlich ihre natürliche Stellung bezeichnet, obwohl die Spindel nicht zu sehen ist. Darnach 



88 Miocene Flora von Nordgrönlancl 



waren die Ficdcrchen ziemlich weit von einander entfernt; das kleinere ist ganz erhalten vvÄ aus seiner 
Zurundung am Grunde erfahren wir, dass die Fiederchen nicht mit ihrer ganzen Breite an die Spindel be- 
festigt waren und die Fieder daher mit freien Fiederchcn besetzt war; also haben wir hier ein folium pin- 
natum, oder wohl eine pinna pinnata, welche zu einem doppelt gefiederten Blatt gehört haben wird. 

Die Fiederchen sind länglich lanzettlich, vorn ziemlich stumpf, ganzrandig und mit deutlich hervor- 
tretender Nervatur. Von dem Mittelnerv gehen zahlreiche Secundarnerven aus, von denen jeder in zwei 
Gabeläste sich spaltet, welche bis zum Rande laufen. 

Die Nervatur ist wie bei Pteris oeningensis A. Br. und Pt. caudigera Saporta. Ist von ersterer aber 
durch die am Grunde zugerundeten , freien Fiederchen , von letzterer durch die stumpfere Spitze derselben 
verschieden. 

"Neben den Blättchen liegt ein kurzes, gabiig getheiltes Spindelstück (Fig. 12 b.), welches wohl zu 
dieser Art gehört. 

9. Pecopteris Torelln m. Taf. II. Fig. 15. (vergrössert Fig. 15 b. c.) 

P. pinria apice attenuatis et acuminatis, pinnatiiidis , lobis apice rotundatis, nervis tertiariis furcatis, inferioribus sinum 
attingentibus. 

Atanckerdluk, (Dr. Torell.) 

Es sind leider nur die beiden abgebildeten Blattfetzen mir zugekommen. Diese zeigen viel Uebere'n- 
.stimmcudes nv.t der Pecopteris lignitum Gieb. (Heer Bovey Tracey. Taf. IV — VI.), welche in Bovey sclir 
häufig ist und im Untermiocen eine sehr grosse Verbreitung hatte. Die Fieder ist vorn auch zugespitzt, in 
ähnlicher Weise in Lappen gespalten und die zartern Nerven sind ebenfalls gabiig verästelt; selbst die 
Sculptov des Blattes ist übereinstimmend; wir bemerken auf der Blaltfläche stellenweise auch feine Puncte 
(Fig. 15 b.), wie bei dem Bovey Farm (Bovey Tracey. Taf. V. Fig. 1). Es weicht die Grönländer-Pflanze 
aber durch die stumpferen Lappen und durch die spitzem Winkel der Gabeläste ab. Bei der P. lignitum 
bilden sie am Grund viel offenere Winkel und die unterste Gabel ist in eigentlvümlicher Weise nach vom 
gebogen. Es muss daher die Grönländer- Art getrennt werden, gehört aber sehr wahrscheinlich zu derselben 
Gattung, welche zur Zeit noch nicht ermittelt ist. 

Die beiden Fig. 15 abgebildeten Blattstücke bilden wahrscheinlich die Spitzen von zwei Blattfiedern, 
welche demselben Wedel angehört haben. Der Mittelnerv läuft bis in die Blattspitze, der Seitennerv, der 
nach dem Lappen läuft, gabelt, sich an der Blattbasis, oder doch bald über derselben und diese Gabel theilt 
sich noch mehrmals. 

10. Osmunda Heerii Gaudin. Taf. I. Fig. 6—11. Taf. VIII. Fig. 15 b. 

0. fronde bipinnata, pinnulis sessilibus, alternis, oblongis, basi rotundatis, apioe obtusiusculis, nervis secundariis dichotom's. 

Heer Flora tert. Helvet. 111. p. 155. 

Atanekerdluk. (Colomb.) 

Bei ein paar Stücken sind die Fiederchen noch an der Blattspindel befestigt (Fig. 8 und Taf. VIII. 
Fig. 15). Diese sind klein (13 Mill. lang, 7 Mill. breit), länghch-oval und scheinen ganzrandig zu sein; jeder 
Secundarnerv ist in zwei Gabeln gespalten. Grösser ist eine andere Blattfieder (Fig. 7), die auf demselben 
Steine, aber auf der andern Seite liegt. Sie hat eine Breite von 12 Mill. bei einer Länge von 25 Mill, 
obwohl die Basis nicht erhalten ist; vorn ist sie stumpflich; der Rand ist sehr schwach und undeutlich gekerbt. 
Von dem dünnen Mittelnerv entspringen Secundarnerven, welche sehr bald in zwei Aeste sich spalten, von 
denen bald beide, bald nur der obere sich wieder in eine Gabel theilt. Aehnliche Blattfiedern finden sich 
auf einer andern Steinplatte mit Pappelbläitern (Fig. 6. 10), bei denen die gabelig zertheilten Secundarnerven 
auch sehr wohl erhalten sind; ebenso bei dem Fig. 11 abgebildeten Blättchen, dessen Rand feine Kerbzähne 
zeigt, wie Fig. 6. Die Blaltbasis ist nicht geöhrt. 

Diese grossem Blattfiedern stimmen so wohl mit denen von Rivaz überein, dass diese Grönländer- 
Pflanze unbedenklich zu dieser Art gebracht werden darf. Form und Nervation sind gleich; die Blättclien 
von Rivaz zeigen etwas deutlichere, aber immerhin sehr feine Kerbzähne, welche auch bei einigen Fiedern 
aus Grönland erhalten sind. 

Es steht diese Art der Osmunda spectabilis Willd. aus Nordamerika sehr nahe, welche durch die am 
Grund nicht gcöhrtcn Blattfiedern von der 0. regalis L. sich unterscheidet, in welchem Charakter die mioccnc 
Are sich an die amerikanische anschliesst, welche dort häufig in Moorgründen vorkommt. 

Ob wohl die von Prof. Gceppert erwähnte 0. Doroschkiana von der vorliegenden verschieden ist? 



Equisetaccen. Cupressincen. 89 

Dritte Ordnung: Calamariae. Equisetaceae. 

IL Equisetum boreale m. Taf. I. Fig. 17. Taf. XLV. Fig. 10. 13 e, f. 

E. caiile 5—6 Mill. crasso, profunde striato, vaginis brevibus, adpressis, dentatis, dentibus 5, brevibus. 
Atanekerdluk (Dublin und Kopenhagen, mit Sequoien und Birkenrinde). 

Unter diesem Namen fasse ich verschiedene Pflanzenreste zusammen, Avelche jedenfalls einem Equisetum 
angehören, allein nicht genügend erhalten sind, um uns ein vollständiges Bild dieser Pflanze zu geben. — 
Der Taf. I. Fig. 17 abgehildete Stengel hat eine Breite von ö'/z Mill. und zeigt 5 stark hervortretende 
Rippen, jede von circa 1 Mill. Breite. Sie sind von äusserst feinen, nur mit der Lupe Avahrnehmbaren Qucr- 
runzeln fein chagriniert (17 b.)- Die Zähne sind nur l'/z Mill. lang und zugespitzt. Bei andern Stücken sind 
die Stengel etwas dicker und die Rippen weniger vortretend. Fig. 10. Taf. XLV. hat 8 Mill. Dicke. Man 
bemerkt 5 Zähne, die stumpfer sind und ganz angedrückt, so dass man sie nur mit Mühe wahrnimmt. Unter- 
lialb der Zälmc sind mehrere kleine Astnarben. Es war also der Stengel mit Astwirteln versehen. 

Taf. XLV. Fig. 13 c. stellt ein Rhizom dar; an demselben sind kuglichtc Knollen befestigt; sie sind 
gegenständig und sitzend. Das Fig. 13 f. (vergrössert f. f.) abgebildete Zweiglcin gehört wohl auch hierher, 
erinnert freilich auch an Ephedra und Casuarina. Es ist deutlich gegliedert und fein gestreift. Darnach wäre 
der Stamm mit dünnen langen Zweigen besetzt gewesen, wie bei Equisetum arvensc und Telmateja. — Ob das 
Taf. L Fig. 18 (vergrössert 18 b.) abgebildete kleine Stengclstück hierher gehört, ist noch zweifelhaft. Der 
Durchschnitt zeigt eine centrale schwarze Zone, die von einem Gefässbündelkreis eingefasst ist; einen zweiten 
Elreis von Gefässbündeln bemerken wir in der äussern Zone. Aehnlich ist auch der Stengeldurchschnitt 
Fig. 19, der eine kreisrunde Scheibe darstellt. 

Ist von sämmtlichen Arten der Schweizer-Flora verschieden, aber sehr ähnlich dem Equisetum Camp- 
bellii Forb. (Quarterl. journ. of the geolog. soc. of London. VII. 1851), liat aber breitere und weniger zahl- 
reiche Rippen. ■ . • • 

Zweite Klasse. Phanerogamen. 

Erste Unterklasse. Gymnospermen. 

Erste Ordnung: Coniferen. 

Erste Familie. Ciipressineae. 

12. Taxodium duhium Stbg. sp. Taf. H. Fig. 24—27. Taf. XII. Fig. 1 c. Taf. XLV. Fig. 11 a.— d. 12. 

T. ramis perennibus foliis squamseformibus tectis, ramulis caducis filiformibus, follis distantibus, alternis, distichia, hinc 
ade duobus valde approximatis, basi angustatis breviterque petiolatis, lineari-lanceolatis, planis, unincrviia. 
Heer Flora tert. Helvet. 1. S. 49. Taf. XVII. und Taf. XIX. Fig. 3. 
Atanekerdluk (Colomb. Olrik). In Ritenbenks Kohlengrube; mehrere Zweige liegen ganz in demselben Gestein, wie die der 

origcn Localität (Kopenhagen). 

Ist in Grönland ziemlich selten, doch sind mir von da nicht nur die beblätterten Zweige, sondern auch 
.ie Zapfen zugekommen, welche über die Bestimmung dieser Art jeden Zweifel beseitigen, daher der seiner 
'.eit von Sternberg eingeführte Name (Phyllites dubius) nun unpassend geworden ist und er besser in 
'axodium miocenicum zu verwandeln wäre, wenn nicht die Aenderung eines allgemein eingeführten Namens 
edenkhch sein würde. 

Die Zweige haben eine dünne, schlanke Achse, die Blätter sind am Grund verschmälert (Taf. IL Fig. 27 
ergrössert) und nicht am Zweig herablaufend. Sie sind schmäler und zarter -als die der Sequoia Langsdorfii, 
cnen sie sonst sehr ähnlich sehen. Fig. 24 und 26 sind Zweigenden. 

Sehr wichtig sind die Zapfen. Neben einem ganzen Gewirr von beblätterten Taxodiumzweigen (Fig. 11 d.) 
nd einem Birkenast liegen in Taf. XLV. Fig. 11 drei Zapfen, welche offenbar zu Taxodium gehören. Der 
ne ist aufgesprungen (a.), die Fruchtblätter von einander abstehend und nur in ihren vertieften Abdrücken 
•halten, bei b. und c. dagegen haben wir die Zapfenschuppen, wie sie im geschlossenen Zapfen beisammcn- 
■vndcn, doch theilweise zerstört und daher in ihren Formen schwer zu bestimmen. Viel belehrender ist in 
icscr Beziehung das Fig. 12 abgebildete Stück; neben zahlreichen Zweigresten sehen wir zwei Zapfen; der 
ne (c.) ist in der Mitte auseinander gerissen , vom andern dagegen (a.) haben wir im Gestein einen voll- 
mundigen Abguss, welcher die Form und Stellung der Schuppen mit Sicherheit bestimmen lässt, nur haben 
ir zu berücksichtigen, dass bei diesem Abdruck die erhabenen Stellen vertieft erscheinen. Die Grösse ist 



I'JO ]\Iiocenc Flora von Nordgröulaud. 

genau wie beim Zapfen des Taxodium disticlium, den wir in die Höhle hineinlegen können, welche durch 
iiesen Abguss.des fossilen Zapfens entstanden ist. Auch die einzelnen Zapfenschuppen haben dieselbe Stel- 
.ung und ganz dieselbe Form. Die untern haben eine Breite von 12 Millim. bei einer Höhe von 9 i\Iillim. 
fJebcr die ]\Iitte geht eine schwach vortretende, bogenförmige Querkantc, unterhalb derselben ist die Schuppe 
^latt, oberhalb dagegen von zahlreichen, zum Rande laufenden Furchen durchzogen und sehwach gerippt. 
3er Zapfen a. war fast kuglicht und hatte eine Länge von 26 MilL Neben diesem Zapfen liegt bei b. von einer 
inzelncn Zapfenschuppe die untere glatte Partie. — In einem andern Stein fand ich beim Zerschlagen die 
Vbgüssc von 3 Zapfen ; die organische Substanz war in ein schwarzes Kohlenpulver verwandelt, das heraus- 
icl. Die Abgüsse lassen noch die Form der Zapfenschuppen erkennen, die mit den vorhin beschriebenen 
ibercinstimmt. 

Dieselben Zapfen erhielt ich auch aus dem Samland und zwar sind hier 5 Stücke noch am Zweig 
icfcstigt und lassen auch die Samen erkennen. Ich werde sie in meiner Flora des Samlandes veröffentlichen. 
)ic männlichen Blüthen haben schon früher Unger und neuerdings C. von Ettingshausen aus den Ligniten 
Whmcns dargestellt, so dass wir gegenwärtig diesen Baum in allen seinen Organen kennen. Er -steht dem 
'ax. distichum Kich. äusserst nahe, Blätter und Zapfen sind nicht zu unterscheiden und nur der Umstand, 
ass die perennierenden Zweige mit angedrückten, kurzen, schuppenförmigen Blättchen besetzt sind (Flora 
n-tiara lielv. Taf. XVII. Fig. 8), welche dem lebenden Baume fehlen, verhindert mich ihn geradezu mit 
distichum zu vereinigen. 
Die von Ettingshausen (Flora von Bilin, Taf. X. Fig. 20 — 22) abgebildeten Zapfen gehören nicht zu 
'axodium, sondern zu Sequoia Couttsise, wie schon die langen Zweige mit angedrückten, schuppenförmigen 
lättern zeigen. Auch sind diese Zapfen viel kleiner als bei Taxodium dubium. 

13. Ghjptostrobm europceus. Taf. HI. Fig. 2—5. Taf. XLV. Fig. 20—22. 

Gl. foliis squamajformibus, adpressis, basi decuri-entibus, in ramulis nonnuUia vero linearibus, patentibua, diatichis. 
Heer Flora tert. Helv. I. S. 51. 111. S. 51. Taf. XIX. XX. Fig. 1. Taxodium europajum Brongn. Glyploslrobus oeningensis A. Braun. 
Atanekerdluk. (Dubliner und Kopenhagener Sammlung.) 

Es wurden bis jetzt nur einzelne Zweige gefunden. Sie sii von dicht anliegenden, alternierenden 
lättern bedeckt, welche nicht auswärts gekrümmt sind. Sie haben eine seichte Rückenrippe, die öfter ganz 
jrwischt ist. Zapfen wurden bis jetzt in Grönland nicht gefunden, doch bemerken wir bei Taf. HI. Fig. 2 
id Fig. 5 b. undeutliche Reste von Zapfenschuppen. Von Zweigen mit abstehenden Blätteru habe nur 
puren gefunden (Taf. XLV. Fig. 20). 

Die sterilen Zweige sind denen der Sequoia Couttsise sehr älmlich und da diese in unzweifelhaften 
xemplaren von Atanekerdluk mir zukam, hatte ich anfangs die Taf. HI. abgebildeten Zweigstücke zu dieser 
rt gebracht. Seither aber erhielt ich mehrere neue Stücke aus dem Museum von Kopenhagen, welche völlig 
t Glyptostrobus übereinstimmen nnd zeigen, dass diese Art wirklich in Nordgrönland sich .findet. Ich stehe 
her nicht an, auch die Taf. HI. 2 — -5 abgebildeten Zweige hierher zu bringen, da sie in den angedrückten, 
i'iht sichelförmig auswärts gebogenen Blättern zu Glyptostrobus stimmen. 

Ui. Thujopsis europcea Sap. Taf. L. Fig. 11. (vergrössert 11 b. c.) 

Th. ramulis compr.essi8, subarticulatis, foliis squamseformibus, adpressis, quadrifariam imbricatis, lateralibua falcatis, acumi- 
13, facialibus subrhombeis, brevibus, apice brevissime acuminatis, dorso carinatis. 

G. de Saporta 6tudos sur la vögötation du sud-est de la France ä l'öpoque tertiaire. II. S. 184. Taf. 1. Fig. 5. 

Atanekerdluk (Olrik 1861). Mehrere Zweiglein auf demselben ötein mit Blattresten von Populus, Sequoia Langsdorfti, 
^plintockia und Andromeda denticulata. 

Bei Fig. 11 haben wir einen Zweig mit dicht beisammenstehenden Aestchen; die untern sind alternierend, 

iter oben sind aber auch zwei gegenständig. Sie sind platt. Die seitlichen gegenständigen Blätter sind ziemlich 

■^jit herauf mit dem Zweiglein verwachsen, dann sichelförmig gekrümmt und scharf zugespitzt ; die mittlere 

Ijittreihe besteht aus kürzern, ziemlich breiten Blättern, die gegen die Basis sich verschmälern, oben sind 

sl etwas gerundet, doch in eine Spitze auslaufend. Ueber den Rücken lauft eine dcutliclic Längskante, die 

vji der Spitze bis zur Basis verfolgt werden kann. Die seitlichen Blätter schlicssen sich an den kleinen 

sclichen Zweigen meist enge an das mittlere an, während sie am mittlem oben abstehen und auseinandcr- 

l'iten. Es stimmen die 'Zweige der Grönländer-Pflanze sehr wohl mit der Abbildmig überein, welche Graf 

^porta von der Th. europaja von Armissan gegeben hat, nur sind bei dieser die seitlichen Blätter etwas 

^v.iiger au das mittlere angedrückt, aber auch die Thujopsis massiliensis Sap. scheint mir nicht davon ver- 

s^lieden zu sein, wenigstens lässt die Abbildung die angegebenen schwachen Unterschiede (etwas kürzern, 



Abietineeii. 



91 



T\-eniger spitzen und gekrümmten seitlichen Blätter) nicht erkennen. Saporta hat von Armissan die Fruchtzapfen 
und Samen nachgewiesen, welche zeigen, dass dieser Baum zur japanischen Gattung Thiijopsis gehört und 
mit Th. dolabrata verwandt ist. 

Mit der Grünländer-Pflanze stimmt ein zierliches Zweigstück im Bernstein der Königsberger-Sammluno- 
völlig überein. Die seitlichen Blätter sind auch sichelförmig gekrümmt und an das mittlere angedrückt 
Avelches von einer Längskante durchzogen ist. Ich würde es für den Thuites Kleinianus Goepp. und ßehr. 
(Bernsteinpflanzen. S. 102. Taf. V. Fig. 6, 7) halten, wenn das Blatt dieser Art eine Mittelkante besitzen 
würde, indem die Abbildung ganz zu unserer Pflanze passt. Bei Th. Breynianus Goepp. u. Behr. (S. 101. 
Taf. V. Fig. 4. 5) ist dem Blatt der Mittclreihe eine solche Längskante gegeben, aber die seitlichen Blätter 
sind vorn mehr abstehend, nicht so stark umgebogen und an das mittlere angedrückt. Dies sind indessen 
doch wahrscheinlicli nur untergeordnete Unterschiede, so dass wohl der Thuites Kleinianus, Th. Breynianus 
und anderseits Thujopsis europ^a und Th. massiliensis zu Einer Art zusammengehören dürften. 

15. Cupressinoxylon Breverni Merkl. 

Vgl. Gramer die fossilen Hölzer, im Anhang. 



Sarfarfik. 



Vgl. Gramer 1. c. 
Atanekerdluk. 



16. Cupressinoxylon ucranicum Goep.? 



Zweite Familie. Abietiaeae. 

17. Sequoia Langsdorßi. Taf. IL Fig. 2—22. Taf. XLV. Fig. 13 a. c. 14—18. Taf. XL VII. Fig. 3 b. 

S. foliis rigide coriaceis, linearibiis, apice obtusiusculis, planis, patentibus, distichis, confcrtis, basi angustatis, adnato- 
decurrentibus, nervo medio valido, strobilis breviter ovalibiis, squatnis compluribus, peltatis. 

Heer Flora tert. Holv. I. S. 54. Taf. XX, Fig. 2. Taf XXI. Fi«. 4. Taxiles Langsdorfii Brongn. Prodr. S. 108. 208. 
Atanekerdluk. Ritenbenks Kohlenbruch (Taf II. Fig. 8. 9) und Kulsjeldene auf Disco. 

Ist mit den Pappeln der häufigste Baum des miocenen Grönland, von dem in Atanekerdluk einzelne 
Reste fast auf allen Steinplatten vorkommen. Am häufigsten sind einzelne Zweigstücke, wie solclie in Fig. 8 
bis 13 dargestellt sind, doch kommen auch grössere verästelte Zweige vor (Taf. XLV. Fig. 18 u. Taf. XLVIL 
Fig. 3 b.), nur selten dagegen einzelne Blätter, weil diese fest mit den Zweigen verbunden waren. Neben 
den Zweigen habe ich auch die Blüthen, die Fruchtzapfen xxnd die Samen aufgefunden, die Zapfen in ver- 
schiedenem Alter, ganz jung (Fig. 17) und ausgewachsen, noch geschlossen und auseinandergesprungen. Die 
meisten kamen erst beim Zerspalten des Gesteins zum Vorschein und die lehrreichsten in solchen der Kopcn- 
lagener Sammlung. Aus diesem reichen Material lernen wir diesen wichtigen Baum vollständig kennen und 
können ihn in allen wesentlichen Merkmalen mit der ihr am nächsten stehenden lebenden Art verglciclicn. 
Es ist dies die Sequoia scmpcrvirens Lamb. sp. Bei dieser haben wir an den Zweigen, welclic im Früliling 
XUS den Knospen hervorgehen, am Grund derselben eine Zahl kurzer, schuppenförmig angedrückter Blätter, 
mf welche die längern, zweizeilig geordneten Blätter folgen, an den Zweigen dagegen, welche im SonimCi* 
l'ntstehen und aus den vorigen hervorgehen, fehlen diese kurzen, schuppenförmigen Niederblätter. Dasselbe 
chen wir bei der fossilen Art, wir haben Zweige (cf. Taf. XLVIL Fig. 3), bei denen der Zweig mit solchen 
chuppenförmigen, kleinen Blättchen beginnt, und andere (vgl. Taf. XLV. Fig. 18), an welclien diese fehlen 
md die ohne Zweifel als Sommertriebe zu betrachten sind. Die Länge dieser Triebe ist variabel, niclit 
elten sind solche von 70 bis 80 Mill. Länge (vgl. einen solchen Taf. 11. Fig. 22) ; ich sali aber welche bis 
•u 110 j\Iill. Länge, was auf eine üppige Vegetation zurückschliessen lässt. In der Form stimmen die Blätter 
■öllig mit denen der Sequoia sempervirens überein, nur fehlt das kleine, feine Spitzchen, das der lebenden 
^rt zukommt, doch ist das Blatt dort keineswegs zugerundet, sondern an der Spitze etwas verschmälert, 
'ie bei S. sempervirens. Die Blätter stehen öfter so dicht beisammen, dass sich ihre Ränder fast berühren, 
'ie laufen am Grund, genau wie bei der lebenden Art, am Zweig herab, so dass dieser schief gehende Ein- 
rücke von ihnen erhält (Taf. IL Fig. 20. etwas vergrössert). Sie sind durchschnittlich etwa 12 ll\\\. lang 
ei IV2 ^lill. Breite. Der Mittelnerv ist relativ stark und behält seine Dicke bis nach vorn. Bei einzelnen 
|>lättern bemerkt man eine feine Linie innerha^D des Randes ^nd äusserst zarte, dicht stehende Querstreifen 
pg. 21), wie bei den Blättern vom Mackenzie, auch kommen, wie bei diesen, zuweilen kleine runde Scheib- 
jhen auf den Blättern vor, die in der Mitte einen Eindruck haben (Taf. XLV. 18. b.). Bei gut erhaltenen 
('lättern bemerkt man mit der Lupe noch zahlreiche, äusserst feine und dicht beisammenstehende Längs- 



02 ■ ■ Äliocene Flora von Nordorröuland 



ö' 



streifen (Flg. 14, zweimal vergrössert), wie bei Sequoia sempervirens »). — Bei einigen Stücken hat sich auf 
die Zweige die Steinsubstanz so abgelagert, dass sie wie eine Scheide um dieselben herum bildet (Fig. 10) 
und bei einigen Zweigen wird die Acliso durcli ein dünnes Rührchcn eingenommen, das aus weissem, kolden- 
Haurcm Kalk bestclil; (Fig. 14, zweimal vergrössert); an einigen Stellen bemerken wir auch in den Ver- 
tiefungen der Blätter diese weisse Kalkmasse. 

Auf einer mit Zweigstücken bedeckten Platte (Taf. II. Fig. 15) findet sich ein männliches Blüthen- 
kützchen (Fig. 19, vergrössert). Es ist oval und sitzt an einem Stiel, der mit sehuppenförmig angedrückten 
]31ättchen besetzt ist. Die Wärzchen, aus denen das Kätzchen zusammengesetzt ist, bezeichnen die Antheren 
wie sie ähnlich bei Seq. sempervirens vorkommen. Auch Fig. 18 stellt wahrscheinlich die Reste männlicher 
Blüthcnkätzchen dar. — Von Zapfen habe ich zahlreiche Stücke gesehen und die besten auf Taf. II. und 
Taf. XLV. gezeichnet. Taf. II. 17 sind Reste eines jungen Zäpfchens, wie denn auch die von mir früher 
in der Flora tertiaria (Taf. XXI. Fig. 4 d.) abgebildeten Zäpfchen und ebenso das von Ludwig (Paläonto"-r. 
8. Taf. XV. 1. 9) dargestellte, junge, unausgebildete Zapfen sind. In Taf. II. Fig. 3. 13 und 16 sind die 
Reste auseinandergefallener Zapfen, bei denen zum Theil die Zapfenstiele noch erhalten sind. Sie sind mit 
km-zen, angedrückten Blättern besetzt; auch Fig. 4 ist wahrscheinlich ein solcher Zapfenstiel. Ein schönes 
Zäpfchen ist in Fig. 2 abgebildet, es liegt auf der grossen Steinplatte mit Diospyros, Juglans, Rhamnus, 
Populus, Fagus und Planera, welche Sir M'Clintock nach Dublin gebracht hat. Es ist zwar" nur in Abdruck 
erhalten, doch ist die Form mehrerer Zapfenschuppen deutlieh; sie sind schildförmig, rhombisch, 6 Millim. 
breit bei 4 Millim. Höhe, mit einer tiefen Querfurche. Es sind wahrscheinlich mehrere Zapfenschuppen ver- 
loren gegangen, so dass der Zapfen nicht in seiner ganzen Länge vorliegt. Er ist an einem 8 Mill. langen 
Stiel befestigt, der mit sehuppenförmig angedrückten Blättern besetzt ist. Dieser Stiel sitzt an einem Zweige, 
icr abstehende Blätter hat, welche aber nur theilweise erhalten sind. — Bei Taf. VII. Fig. 6 d. haben wir 
ien Abdruck einer einzelnen Zapfenschuppe neben Myrica acuminata. Viel schöner ist aber der Abdruck 
iiner Zapfenschuppe aus der Kopenhagener Sammlung (Taf. XLV. Fig. 17, vergrössert 17 b.). Sie ist 
rhombisch, 9 Millim. breit bei 6 Millim. Höhe, in der Mitte mit einer Warze versehen, welche ringsum von 
iiner Vertiefung umgeben, wobei aber zu berücksichtigen, dass dies der Abdruck der Schuppe ist, bei 
jtvelcher der Warze eine Vertiefung entspricht. Wir erhalten so für die frische Zapfenschuppe eine rhombische, 
'i'on einem Wall umgebene mittlere Vertiefung, die an eine Furche sich anschliesst; in der Mitte der Ver- 
iefung rauss ein kleines Wärzchen gewesen sein, das im Abdruck als kleines Loch erscheint, an diesem war 
.vohl ein Mucro befestigt, der aber verloren gieng ; der Rand der Schuppe war wulstartig aufgeworfen und von 
:iahlreichen Runzeln durchzogen. Genau dieselbe Sculptur und Form zeigen die zu einem Zäpfchen zusammen 
^•estellten Schuppen eines von Herrn Menge aus den Braunkohlen von Danzig mir übersandten Stückes. Wir 
rsehen von demselben, dass die Schuppen von solcher Grösse aus der Zapfenmitte sind, während sie näher 
ler Zapfenspitze viel kleiner werden. Auch von dieser haben wir einen Abdruck h^on Atanekerdluk, welcher 
n Taf. XLV. Fig. 15 (vergrössert 15 b.) abgebildet ist. Die kleinen Schuppen sijid offenbar von der Spitze 
md \ni' sehen, dass sie auch unten in selber Weise an Grösse zunehmen, wie bei der lebenden Art. Fig. 13 a. 
;iebt uns den Längsdurchschnitt, Fig. 16 aber den Querdurchschnitt eines Zapfens. Wir sehen aus Fig. 13 a., 
'as3 die Zapfenschuppen schildförmig sind und nach unten sich allmälig verschmälern und zuspitzen. Wir 
ehen zugleich, wie sie an der Achse angeheftet sind. Am Stiel sind die Blätter verwischt, wogegen sie an 
inem unmittelbar daneben liegenden Zapfenrest noch wohl erhalten sind. Bei diesen Zapfen liegen auch 
•eblätterte Sequoienzweige. Der Querdurchschnitt (Fig. 16) zeigt uns auch die oben in einen Schild erweiterten 
üapfenschuppen. Neben diesem Zapfen liegen drei Samen. Sie sind länglich-oval, 6 Mill. lang bei 5 I\[ill. 
U-eite. Der Kern ist zwar undeutlich, doch sieht man bei Fig. 16 b., dass er etwas gekrümmt und von einem 
lügelrand umgeben ist, somit auch in dieser Beziehung mit der lebenden Art übereinstimmt. Andere Samen 
iiid Taf. n. Fig. 5 (vergrössert 5 c.), Fig. 6 u. 7 abgebildet. Diese sind auch mit einem Flügelrand ver- 
ehen, aber kleiner und mit einem geraden Kern. Es sind dies wahrscheinlich noch unreife Samen. Fig. 7 
egt auf demselben Stein mit Abdrücken der Zapfenschuppen und Populus arctica, Fig. 6 neben Zweigen 
cv Sequoia, mit Taxites Olriki, Diospyi'os brachysepala und Populus arctica. — Beim Trocknen biegen sich 
ie Samenflügel gewöhnlich zusammen und die Zapfenschuppen werden ganz runzlich; der Umstand, dass 
ie Abdrücke der Zapfenschuppen und Samen ganz so aussehen, wie bei den entsprechenden frischen 



^) Der Taxites Eumenidum Massal. (Flora Senigalliese, p. 163) ist daher kaum von unserer Art zu trennen. 



Abietineen. 93 

Organen, ist ein sehr beaclitungswerther Beweis, class sie in frischem Zustand von der Steinsubstanz umhüllt 
worden sind. 

i\rit Hülfe der Zapfendurschschnitte und Schuppen lässt sich die Form und Bildung des Zapfens mit 
Sicherlieit herstellen. Taf. XLV. Fig. 14 stellt einen solchen restaurirten Zapfen dar. Wir selien, dass der- 
selbe etwas grösser ist als der Zapfen der S. sempervirens und zahlreichere Fruchtblätter besitzt. Scquoia 
Couttsiaj stimmt in dieser Beziehung mehr mit der Seq. sempervirens als Langsdorfii überein. Den kleinen 
Mucro sehen wir allerdings bei den Grönländer Zapfen nicht, dagegen habe ihn bei einem jungen Zäpfchen 
von Monod (Flora tert. Helv. Taf. XXI. Fig. 4 d.) nacligewiesen. Er fällt auch bei den lebenden altern Zäpf- 
chen öfter ab, so dass sein Fehlen uns nicht befremden kann und wohl nur zufällig ist. 

Aus dieser Vergleichung geht hervor, dass die fossile Art in der Bildung ihrer Zweige, Blätter, Zapfen- 
schuppen und Samen ganz mit der lebenden Art übereinstimmt und dass nur die etwas grössern Zapfen 
und ihre zahlreicheren Schuppen noch für eine Trennung angeführt werden können. Da ich von S. semper- 
virens nur die Zapfen des cultivirten Baumes kenne, ist wohl möglich, dass dieser Unterschied bei Ver- 
gleichung zahlreicher wildwachsender Bäume verschwindet und wir es dann wirklich mit einer Art zu thun 
liaben, die aus der Tertiärzeit in die jetzige Schöpfung übergegangen ist. Jedenfalls sind die Unterschiede 
so gering; dass ein genetischer Zusammenhang kaum bezweifelt werden kann. 

Ich habe seiner Zeit nach zwei sehr unvollständigen jungen Zapfen, die ich in Monod entdeckte, den 
Taxites Längs dorfii als Scquoia erkannt und freue mich nun, aus viel besser erhaltenen Früchten und Samen, 
die hoch aus dem Norden uns zukamen, diese Bestimmung über allen Zweifel erheben zu können. 

Zu diesem Baume gehören wahrscheinlich die Hölzer mit scharf abgesetzten J§hrringen (Taf. HI. Fig. 13), 
«•eiche in Atanekerdluk sehr häufig versteinert vorkommen. Sie haben ganz das Aussehen von Nadelholz 
lud wie bei Scquoia hat jeder Jahrring eine scharf abgesetzte lockere, weichere innere und eine harte, feste 
iussere Partie. Die mikroscopische Untersuchung dieses versteinerten Holzes wollte aber nicht gelingen und 
äomit bleibt die Sache zweifelhaft. Aehnliche Hölzer kommen in Hessenbrücken vor, welche Ludwig auch 
luf Sequoia bezieht. (Vgl. Paläontographica 8. S. 78.) 

Henkel und Hochstetter haben die Sequoia sempervirens Endl. sonderbarer Wpise zu Taxodium gebracht 
Spiopsis der Nadelhölzer 1865. S. 263) und damit unter die Cupressineen gestellt, die S. gigantea Lindl sp. 
|.ber als Wellingtonia unter die Abietineen, während doch die S. sempervirens und gigantea in ihren gc- 
ügelten und umgewendeten Sanien und in Bildung ihrer Zapfen mit einander übereinkommen und gänzlich 
on Taxodium abweichen. Die Autoren dieser Synopsis sind mit sich selbst in Widerspruch gerathen, indem 
ie den Taxodien einen ungeflügelten Samen geben und dann einen Baum dazu rechnen, dessen Samen sie 
I3 geflügelt beschreiben ! 

18, Sequoia brevifolia m. Taf. IL Fig. 23. 

S. foliis oblongls, basi angustatis, adnato decurrentibus, confertis, patentibus, planis, disticbis, apice obtusie, infimis squamffi- 
rmibu3, adpressis. , 1^;. 

Atanekerdluk (Dublin. Kopenhagen). 

Ein schöner verästelter Zweig liegt neben Sequoia Langsdorfii und glaubte ihn anfangs als Varietät zu 
eser Art ziehen zu dürfen. Aber alle Blätter sind viel kürzer und vorn stumpfer zugerundet und müssen 
iher wohl einer andern Art angehören. Aehnliche kürzere Blätter hat Unger von Zillersdorf (iconographia 
aut fossil. Taf. XV. Fig. 13) abgebildet, diese sind aber vorn nicht stumpf zugerundet und sind daher 
)n'der Grönländer- Art verschieden. Die Blätter dieser letztern Art haben fast dieselbe Form wie bei Taxus 
irvifoHa Wend. aus Japan. Da aber bei der Grönländer-Pflanze, wie bei Scquoia sempervirens und Langs- 
)rfii, die Zweige am Grunde mit schuppenförmig angedrückten Blättern besetzt sind, gehört sie nicht zu 
axus, sondern zu Sequoia. 

I An den kleinen Zweigen haben die Blätter eine Länge von 4—7 Mill. und die grössern eine Breite 
|n 13/5 ]\Iin. ; die Blätter der dickern Zweige haben eine Breite von 21/2 Mill. Sie sind auch am Zweig 
Irablaufend, haben einen deutlichen Mittelncrv und äusserst feine Längsstreifen. Vorn sind sie stumpf zugc- 
Uidet. Jeder Zweig beginnt mit kurzen, schuppenförmig anliegenden Blättern. 

1 Einzelne Blätter, die auf derselben Steinplatte liegen, sind von äusserst feinen und zahlreichen, fast 
llrallelen, aber etwas welligen Querstreifen durchzogen, welche senkrecht auf die Mittelrippc stehen (Fig. 23 b. 
^irgrössert). Diese feine Querstreifung scheint aber zufällig zu sein, da sie nur bei einzelnen Blättern vor- 
Ijramt. — Ein Zweig dieser Art kam mir neuerdings auch aus der Kopcnhagncr Sammlung zu. 

Ob der Abdruck der Schuppe eines Zapfens, der bei diesen Zweigen liegt (Fig. 23 b.), unserer Art 



94 Miocene Flora von Nordo-rönland 



ö' 



oder aber der S. Lang.sdoriii angehöre, ist nlclit siclicr zu ermitteln; er ist zu undeutlich, um eine genauere 
Vcrgleiohung y.w gestatten. 

\I!L Sajiwia Conllsüa llccr. Tat*. III. Fig. 1. Taf. VIII. Fig. 14. Tat". XLV. Fig. 19. 

S. ramis .iltcrnis, ramiilis junioribus clongatis, gracilibus, folüs aquamtcformibuH, imbricatia, subfalcatis, mcdio dorao costatia, 
bftsi dccurrentibus; strobilis globoais, squamis pcltatis, mcdio brcviasimc mucronulatis, nigoaia , aeminibua alatis, comprcasis, 
nucleo paulo curvato. 

llcer the lignite of Bovey Tracey. S. 33. Taf. VIII. IX. X. Saporla anal, des scienc. natur. I&66. S. 193. Taf. 2. Fig. ?. 

Auf der grossen Platte (Taf. VIII.) von Atanekerdluk sind einzelne Zweigstückc vereinzelt. Kleine Zweigstücke (Taf. XLV. 
Fig. 19) in der Sammlung von Stockholm und Kopenhagen. Taf. XLV. Fig. 19 a. von Kuljeldene auf Disco, in einem weissen 
Sandstein. 

Die obige Diagnose ist nach den trefflich erhaltenen Zweigen, Früchten und Samen von Bovey Tracey 
entworfen. Aus Grönland sind mir nur Zweigstückc zugekommen. Kurze Zweigreste sind kaum von den Zwcig- 
bascn und Fruchtstielen der Sequoia Langsdorfii zu unterscheiden, daher ich anfänglich dieselben dieser Art 
zugerechnet habe. Später aber fand ich auch lange, schlanke Zweigstückc, welche ganz zu denen der Seq. 
Couttsiai stimmen und wegen ihrer dünnen Achse nicht vom Grund der Zweige stammen können. Die Blätter 
sind schuppig an die Zweige angedrückt, einzelne vorn zugespitzt und sichelförmig gekrümmt (Taf. VIII. 
Fig. 14, und ein paar Blätter vergrössert Fig. 14 b. ; ferner Taf. III. Fig. 1 und vergrössert Fig. 1 b.), am 
Kücken mit hervorstehender Kante. Zwei zierliche Zweige habe in Taf. XLV. Fig. 19 abgebildet; sie sind 
dünn und schlank, mit stark sichelförmig gebogenen und vorn fein zugespitzten Blättern besetzt. Fig. 19 b. 
ist von Atanekerdluk, Fig. 19 a. von Disco. 

Diese zuerst in Bovey Tracey entdeckte Art wurde bald darauf in Hempstead auf der Insel Wight 
(Quarterly Journal 18G2. S. 372) gefunden. Von Armissan kannte ich nur kleine Zweige, nach welchen ich 
diese Localität in meiner Arbeit über die Lignite von Bovey (S. 22) als Fundort für diese Art bezeichnet 
labe. Die spätere Entdeckung der Fruchtzapfen hat meine Bestimmung vollkommen bestätigt. Es sind diese 
Zapfen mit schönen Zweigen von Graf Saporta neuerdings abgebildet worden (cf. annales des scienc. natur. 
18GG. p. 193. Taf. 2. Fig. 2), welche darüber keinen Zweifel lassen. Aber auch die Fruchtzapfen, welche Graf 
S.iporta auf Fig. 1 C u. D. abgebildet hat, gehören nach meinem Dafürhalten zu S. Couttsia; und nicht zu 
S. Tournalii. Saporta zieht sie zu letzterer Art, Aveil bei dem Zweig Fig. 1 D. ein oberes Aestchen etwas 
ibötehendc Blätter hat; aber solche kommen auch bei S. Couttsite vor (cf. Lignite von Bovey. Taf. IX. 
Fig. 12 und Saporta 1. c. Taf. 2. Fig. 2 A.). Dass mehrere Zapfen bei Fig. 1 C. an einem Zweige stehen, 
kann um so weniger zu einer Trennung von S. Couttsiee berechtigen, da auch in Bovey Zweige mit zwei 
Zapfen vorkommen (cf. Taf. VIII. Fig. 14) und anderseits in Armissan welche mit einem einzelnen (Saporta 
. c. Taf. 2. Fig. 1 D.). Gehören aber diese Zapfen zu S. Couttsife und nicht zu S. Tournalii, so bleiben 
"ür diese Art nur die beblätterten Zweige, welche denen der S. Langsdorfii sehr ähnlich sehen und sich nur 
ladurch unterscheiden, dass die Blätter gegen die Zweigspitze hin etwas rascher an Länge abnehmen und 
m dieser selbst sehr kurz sind. Dasselbe haben wir aber bei S. sempervirens an den zapfentragenden Zweigen, 
iaher dies Merkmal zu einer Trennung nicht hinreicht. 

20. Pinus hjperhorea m. Taf. XVII. Fig. 5 f. 

P. folüs elongatis, lincaribus, S'/j J^IiH- latis, medio evidenter carinatis, nervis obsoletis. 

Atanekerdluk. (Dublin.) 

Ein circa 50 Mill. langes Blatt, das aber keineswegs in seiner ganzen Länge vorliegt, ist auf der Rück- 
eite der grossen Platte (Taf. XVII. Fig. 5 f.), ausserdem kommen auch kürzere Fragmente vor. 

Sieht aus wie ein Carex-Blatt, ist aber viel steifer und lässt keine Längsnerven erkennen, seheint mir 
iaher zu Pinus zu gehören, aber auch Podocarpus kann in Betracht kommen. Die Mitte des Blattes ist von 
iner schmalen, scharfen Längsfurche durchzogen; sie ist scharf abgesetzt und tritt auf der Rückseite als 
charfe Kante hervor. Längsnerven sind auch mit der Lupe nicht mit Sicherheit zu erkennen (cf. Taf. XVII. 
'ig. ö f. f. ein Blattstück vergrössert). 

Es muss eine lange, steife, relativ breite, flache, mit scharfer Längsrinne versehene Nadel gewesen sein, 
vie ähnliche bei manchen Weisstannen vorkommen. 



I 



I 



21. Pinus sp. Taf. I. Fig. 20. 

Atanekerdluk. (Dublin.) 

Ein Nadclpaar, das aber nur theilweisc erhalten ist, so dass eine genaue Bestimmung nicht möglich 
5t. Da zwei Nadeln beisammen standen, kann man indessen mit Sicherheit sagen, dass die Art in die Gruppe 
ier Führen gehört. Die Nadel hat eine Breite von 1 Mill., ist flach und von vier Längsstreifen durchzogen. 



Taxineen. 95 

welche aber nur an einer Stelle etwas deutlicher hervortreten (Fig. 20 b. vergrössert). Dürfte wohl mit Pinus 
polaris von Spitzbergen zusammengehören. 

Dritte Familie. Taxiueae. 

22. Taxites Otriki m. Taf. I. Fig. 21—24 c. Taf. XLV. Fig. 1. a. b. c. 

T. ramuHs gracilibua, loliis distichia liiioarihuH, npicc nbtusiusculis, basi angustatis, scssilibua. 
Nicht Hellen in AtiiucKcrdluk. (Ca)), Mac (Jlintock. Olrik). 

Dan Tat". 1. Fig. 2;* iil)gt',l)il(l(>.l(; Sliick ikI, in rliicm roUihraiiiuMi ('.iHciiHfliiissigcii Tlioii iiiul mir im 
Abdruck (>.rliah.cii. Eh liat cin(>,ii diiiuicii, Mclilaukcu , von einem Längssl rcil' diircIi/,ug(Mu<.n Zwt'ig, au 
welchem die lilätlcr zweizeilig gcHlcllt .sind. Sie sind 2.'* Mill. lang bei .') Mill. lireite; sie sind der Mehrzahl 
nach vorn verdeckt, docli sind ein paar auf der reciiten Seite bis zur Spitze zu verfolgen und diese ist 
stmnj)llich. Die Seiten .sind parallel, am Grund aber ist das Blatt verschmälert. Schöner erhalten ist der 
Taf. XLV. Fig. 1 a. dargestellte Z^veig, die Blätter sind sitzend und nicht am Zweig herablaufend, wodurch 
diese Art mit Sicherheit von Sequoia zu unterscheiden ist. Es sind diese Blätter von zaldreichen, wohl zu- 
fälligen Querrunzcln wie gestreift (Fig. 1 b. vergrössert). Häufiger als solche Zweige finden sich vereinzelte 
Blätter, von denen manche (vgl. Taf. I. Fig. 21. 22) eine Länge von 33 — 35 Mill., bei 4 und 6 Mill. Breite 
haben. Kleiner sind die Fig. 24 c. abgebildeten, welche aber immerhin noch vjel grösser sind als die der 
Sequoia Langsdorfii, von der einzelne Zweige auf demselben Steine liegen. Bei gut erhaltenen Stücken sieht 
man neben dem Mittelnerv noch zahlreiche äusserst feine Längsnerven, und wenn dazu noch Querstreifchen 
auftreten, sieht das Blatt wie chagriniert aus. 

Ist sehr ähnlich der Sequoia Langsdorfii, hat aber bei dünnen Zweigen doch viel grössere Blätter, die 
an der Basis mehr verschmälert und am Grund nicht decurrierend sind. Dadurch, wie durch die vorn nicht 
ugespitzten Blätter unterscheidet sich unsere Art von Taxites phlegetonteus Ung. (inconogr. plantarum. 
S. 31), der sie sonst ungemein ähnlich sieht. Unter den lebenden Bäumen können namentlich Cephalotaxus 
Fortunei und pedunculata Sieb, in Betracht kommen, w^elche durch ihre relativ grossen Blätter sich aus- 
zeichnen, die auch am Grund mehr verschmälert sind, als bei Sequoia. Wir dürfen diese Vermuthung um 
50 eher aussprechen, als in Atanekerdluk eine Frucht vorkommt, welche mit den Nüsschen von Taxus und 
Cephalotaxus viel Aehnlichkeit hat. Es hat eine Breite von 4 Mill. und wahrscheinlich eine Länge von 
9 Mill. (Taf. L. Fig. 4 b. und vergrössert Taf. XLV. Fig. 1 c.), ist länglich-oval, am Grunde etwas eingezogen, 
itark gewölbt und von feinen Längsrippchen durchzogen. 

23. Salishurea horealis m. Taf. ü. Fig. 1. Taf. XLVII. Fig. 4 a. 

S. foliis cuneiformibus, apicem versus sensim dilatatis. 
Disco (Dr. Lyall); Atanekerdluk (Dublin und Kopenhagen) 

Das Taf. II. abgebildete Blattstück befindet sich in Kew. Der Vorderrand fehlt, ebenso die unterste 

5asis. Es stimmt in der Nervation so völlig mit dem Blatt der Salisburea adiantifolia Sm. (Ginko biloba L.) 

iberein, dass es wohl sicher demselben Genus angehört. Bei der lebenden Art sind die Blätter gegen den 

ilattgrund auch verschmälert, dort sind meist 6 Hauptnerven zu sehen, von welchen jeder schon unten sich 

a zwei Gabeläste spaltet; jeder von diesen theilt sich bald wieder in 2 Aeste und zwar alle so ziemlich in 

clber Höhe; weiter oben gabeln sich diese wieder, aber in verschiedener Höhe und bei den meisten findet 

äher dem Rande eine nochmalige Zerspaltung in zwei Aeste statt, so dass somit jeder Hauptnerv in der 

^egel viermal sich gabiig theilt, daher am breitern Ende des Blattes viel mehr Längsnerven sind als w^eiter 

Uten. Hier und da tritt noch ein Zwischenverv auf, der frei in dem Feld entspringt und nur auf kurze 

trecken zu sehen ist. Bei dem Grönländer-Blatt fehlt der unterste Theil, welcher w^ahrscheinlich die erste 

rablung der Nerven enthält; die zweite Gablung findet in verschiedener Höhe statt, ebenso die dritte; die 

ierte fehlt, vielleicht aber nur, weil der vorderste Theil des Blattes nicht erhalten ist. Die Nerven treten 

leistens scharf hervor und sind überall von selber Stärke. Ein zweites, auch unvollständiges Blatt ist in 

er Kopenhagener Sammlung von Atanekerdluk ; es wurde 18G6 daselbst gefunden. Die Nerven verlaufen in 

anz gleicher Weise wie bei dem vorigen und sind sehr scharf ausgesprochen (Taf. XLVII Fig. 4). Es ist 

icses Blatt dem der lebenden Art sehr ähnlich, nur muss dasselbe beträchtlich länger und dabei bedeutend 

leniger verbreitert gewesen sein. Von Salisburea adiantoides Ung. von Senegaglia (cf. Massalongo und 

icarabcUi Flora Senegalliese, p. 163) unterscheidet es sich durch dieselben Merkmale. Bei dieser Art ver- 

ji-citert sich das Blatt sehr schnell und erhält so eine Form, die schwer von der S. adiantifolia zu unter- 

iheideu ist. 



[)ß Miocene Flora von Nordsrönland. 



O' 



Ob die Grönländer-Art mit der in Vancouver (cf. Lesqiierreux on some fossiis plants of recent formation. 
Silliman's amcric. Journal 1859. p. 359) entdeckten zusammenfällt, ist jetzt nicht mit Sicheriicit zu entscheiden. 
Ich besitze von letzterer nur flüchtige Durchzeichnungen, welche ich der Freundschaft des Herrn Lesquer- 
reux verdanke. Diese zeigen, dass die Art von Vancouver auch grosse, vorn aber weniger verbreiterte Blätter 
hatte, wie die Grönländer- Art ; was mich aber abhält sie zu vereinigen, ist, dass die Blätter der S. poly- 
morpha gegen den Grund zu länger ausgezogen und oben noch schmäler sind, als die der Grönländer-Art. 
Es können indessen erst mehr und vollständigere Exemplare entscheiden, ob diesem Unterschied specifischer 
Werth beizulegen sei. Jedenfalls stellen die Vancouver Blätter die extremste Form dar (die längsten und 
schmälsten Blätter), die von Grönland stehen ihr am nächsten, nähern sich aber doch schon etwas der S. adianti- 
folia und die Art von Senegaglia ist in der Blattform mit dieser fast übereinstimmend. Bei S. adianthoides 
ist das Blatt vorn gekerbt, in der Mitte aber nicht gespalten, allein auch bei der lebenden An ist dies in 
der Regel nur bei jungen Pflanzen der Fall; bei älteren Bäumen fehlt der mittlere^. Einschnitt des Blattes auch. 

Zweite Unterklasse. loDocotyledones. 

Erste Ordnung: G 1 u m a c e a e. 
Erste Familie. Graiiiiaese. 

24. Phragmites (Bningensis AI Br. Taf. III. Fig. 6. 7. 8. Taf. XLV. Fig. 6. 

Phr. culmis elongatis, striatis, foliis latis, multinervosis. 

Heer Flora tert. Helvet. 1 . S. 64. 

Atanekerdluk, mit Quercus Olafseni und Corylus IM'Quarrii (Colomb, Olrikl. 

Mehrere Blattreste ; kleine Stücke sind in Fig. 6. 6 c. und 7, vergrössert Fig. 6 b. und 7 b. abgebildet. 

Ein grösseres Blattstück (Fig. 8) hat W/2 Mill. Breite, das von circa 15 parallelen Längsnerven durch- 
zogen ist, zwischen welchen zarte Zwischennerven sich finden. Sie sind meist ganz verwischt, doch an ein 
];aar Stellen sind 5 solcher feinerer Nerven zu zählen (Fig. 8 b. wo ein Blattstück vergrössert). -Es stimmen 
diese Blattreste so wohl mit denen Oeningens überein (vgl. Flora Helv. Taf. XXIV. Fig. 10 a.), dass sie 
dieser Art zugerechnet werden dürfen. Unterscheidet sich von der lebenden Ph. communis durch den Mangel 
der Mittelrippe. ■ 

In der neuen Sendung von Kopenhagen sind mehrere Rohrstücke, welche wahrscheinlich zu vorliegender 
Art gehören. Eines hat eine Breite von 25 Mill. und ist von zahlreichen Längsstreifen durchzogen. Rührt 
jedenfalls von einer rohrartigen Pflanze her (Taf. XLV. Fig. 6); neben einem zweiten liegen Blattreste, 
welche dieselbe Nervatur haben, wie die auf Taf. III. abgebildeten. 

25. Poacites sp. Taf. III. Fig. 9. 

P. foliis 3 Mii\ latia, 14 striatis. 

Ein kurzer, 3 Millim. breiter Fetzen eines Grasblattes, der von circa 14 Längsnerven durchzogen ist. 
Bei starker Vergrösserung (Fig. 9 b.) bemerkt man zwischen denselben noch zartere Nerven, doch war die 
Zahl dieser Zwischennerven nicht zu bestimmen. Gehört wahrscheinlich zu Poacites Torelli; da es aber bei 
gleicher Zahl von Längsnerven schmäler ist, müssen wir es einstweilen noch getrennt halten. 

Zweite Familie. Cy^ieraceac. 

26. Cyperites ZolHkoferi Hr.? Taf. III. Fig. 12. 

C. foliis 8V2 Mill. latis, medio acute carinatis. 

Nur ein kleiner Blattfetzen von Atanekerdluk, welcher zur genauem Bestimmung nicht genügt. Hati^ 
ganz die Breite des C. Zollikoferi (Heer Flora tert. Helv. S. 76. Taf. XXVIH. Fig. 4) und dürfte wohl zu 
dieser Art gehören; es zeigt das Blatt auch der Länge, nach drei Falten und eine breite, scharf abgesetzte 
Mittelfurehe. Die Nerven sind aber ganz verwischt; mit der Lupe gewahrt man nur stellenweise Spuren 
derselben (Fig. 12 b. vergrössert), darnach scheint jede Blatthälfte etwa 12 Längsnerven gehabt zu haben, 
während C. Zollikoferi nur 8 besitzt. 

27. Cyperites borealis m. Taf. XLV. Fig. 3. (vergrössert 3 b.) 

C. foliis 13 MMl. latis, medio leyiter carinatis, nervis utrinque 11, alternis fortioribus, nervis transversis spr.rsis reticuktis 

Atanekerdluk 1866. (Kopenhagen.) 

Ueber die Mitte des Blattes geht eine schmale, aber ziemlich tiefe Längsfurche. Jede Blatthä^fte is 
von 11—12 Längsnerven durchzogen, von denen je ein alternierender etwas stärker ist. Die Qucräderchei] 



Typliaccen. Irideen. 97 

verbinden nur je zwei Längsadern, sind sehr schwach und zum Theil schief verlaufend (Fig. 3 b.). Grehört 
wahrscheinlich einem grossen Carex an. Das Blatt hat dieselbe Breite, wie bei Carex pendula Good. 

2S. Cyperites microcarpus m. Taf. XLV. Fig. 4 u. 5. (b. d. zweimal vergrössert.) 

C. fructibus parvulis, ellipticis, in spicam densam congestis. 
Atanekerdluk. (Olrik ) 

Mehrere sehr kleine Früchte sind in eine dichte Aehre zusammengestellt. Sie haben eine Breite von' 

IV2 Mill. bei einer Länge von 2 MilL, sind länglich-elliptisch und scheinen ein ziemlich festes Pericarpium 

zu besitzen. Wahrscheinlich gehören sie einem Carex an, doch sind sie zur sichern Bestimmung zu 

undeutlich. 

Zweite Ordnung: Spadicif lora. 
Erste Familie. Typhaceap. 

29. Sparganium stygium Hr. Taf. XLV. Fig. 2. 13 d. 

Sp. foliis linearibus, basi vaginantibus, confertis, nervis longitudinalibus 12—14, septia transversis conjunctis. 
1 Heer Flora tert. Helvet. IH. S. lOl. Taf. XLV. Fig. 1. 

Atanekerdluk. (Olrik.) 

Auf einer Steinplatte liegen mehrere Blätter, welche sehr wohl mit den Exemplaren unserer i\Iolasse 

übereinstimmen. Das Fig. 2 gezeichnete hat eine Breite von 8 Millim. , war lang und linienförmig und hin- 

'und hergebogen. Es ist von 12 scharf hervortretenden, gleich starken Längsnerven durchzogen, ohne Spur 

eines Mittelnervs, zu unterst bemerkt man einen zarten Zwischennerv, während an andern Stellen kein solcher 

zu sehen ist. Die Queräderchen sind stellenweise deutlich, stellenweise aber verwischt. Neben einem Blatt 

liegen die Keste einer Blüthenspindel (2 b.) , die wahrscheinlich zu dieser Pflanze gehört. Dazu "haben wir 

iber ferner die Taf. XLV. Fig. 13 d. abgebildeten Fruchtstände zu bringen. Wie bei Sparganium sitzen 

lie Früchte in runden Häufchen an einem dünnen Stiel. Diese Früchte sind 6V2 ^^^1 lang bei 3 Mill. grösster 

breite, diese fällt überhalb der Mitte, gegen die Basis sind sie allmälig verschmälert, und vorn zugespitzt. 

•^linzelne sind von welligen Längsstreifen durchzogen. Zwischen denselben bemerken wir die Reste der 

ilüthenscheiden in Form von Blättchen, die von welligen Streifen durchzogen sind. 

Dritte Ordnung: Ensatae. 
Erste Familie. Iridcsß. 

30. Iridium groetdandicum m. Taf. III. Fig. 10. 11. 

I. foliis Litis, plicatis, nervis parallelis numerosis, 
Atanekerdluk. (Dublin. Kopenhagen.) 

Unter diesem Namen fasse ich mehrere Blattfetzen von Atanekerdluk zusammen, welche unzweifelhaft 

n einer monocotyledonen Pflanze herrühren, deren Stellung aber noch zweifelhaft ist. Es müssen diese 

I|itter eine Breite von wenigstens 25 Mill. erreicht haben, waren von starken, weit von einander abstehenden 

Ingsnerven durchzogen, die Zwischenräume werden von zahlreichen parallelen Nerven eingenommen, zwischen 

^\lchen noch feinere Zwischennerven vorkommen. Bei dem Fig. 10 abgebildeten Stück sind die Hauptnerven 

; Mill. von einander entfernt, die Zwischenräume sind von G feineren Längsnerven durchzogen (Fig. 10 b. 

iimal vergrössert) und zwischen diesen haben wir noch ein drittes System von zartem Längsnerven, 

djen man mit der Lupe etwa 6 zählen kann (Fig. 10 c. noch mehr vergrössert). Es hatte dies Blattstück 

eil Breite von 25 Mill., vielleicht gehört aber das Stück auf den rechten Seite auch noch zum selben Blati, 

M dann 40 Mill. breit gewesen wäre. Stärker gefaltet ist der Fig. 11 abgebildete Blattfctzen. An einem 

klnern Fetzen sind die feinem Nerven sehr schön erhalten und zu je 4 zwischen stärkern (Fig. 11 b. ver- 

g4sert). Queräderchen fehlen. 

'Es erinnern diese Blattfetzen an Flabellaria, aber auch bei Iris haben wir eine ähnliche Nervation, nur. 
fiiM hier Queradern vorhanden, welche dem fossilen Blatt fehlen. 

So unvollständig auch diese Blattreste sind, weisen sie doch auf eine breitblättrige monocotjlcdone 
^fljize hin, wie jetzt keine solchen in der arctischen Zone vorkommen. 

i Als Charakter für Iridium hätten wir anzugeben : Breite monocotyledone Blätter von vielen parallelen 
•Lävsnerven durchzogen, welche von dreierlei Stärke sind. 

i 13 



98 Miocenc Flora von Nordp-rönland. 



ö' 



Dritte Unterklasse. Dicotyledones. 

Erste Cohorte Apetalar. 
Erste Ordnung: Iteoideae. . 

Erste Familie. Salicinese. 

31. Populus Richardsoni m. Taf. IV. Fig. 1—5. Taf. VI. Fig. 7. 8. Taf. XV. Fig. 1 c. 

P. foliis euborbiculatis, basi leviter emarginatis, raargine profunde crenatis, 5 — 7 nerviis, nervis primariis lateralibus erectis, 
"valdo ilexuosis, ramosis. 

Ist mit der Scquoia und Populus arctica die häufigste Pflanze in Atanekerdluk. 

Von der Populus arctica durch die tiefern Kerbzälme, die stärker hin- und hcrgcbogcnen und nicht in 
gleicher Weise gegen die Blattspitzc gerichteten seitlichen Hauptnerven zu unterscheiden ; von P. Zaddachi, 
■welcher unsere Art in den steil aufsteigenden liauptncrvcn ähnlich sieht, durch die Art der Bezahnung und 
die sehr starken Aestc der seitlichen Haupti^erven verschieden. Nach Zahnbildung und Nervatur gehört diese 
Art in die Gruppe der Zitterpappeln, während die P. Zaddachi mit den Balsampappcln zunächst verwandt 
ist. Stimmt mit den Zitterpappeln besonders in den groben, stumpfen Zähnen, in den steil aufgerichteten 
seitlichen Hauptnerven und ihren langen, wieder verästelten und hin- und hergebogenen Verzweigungen 
überein, weicht aber von P. tremvüa L., wie der miocenen P. Hcliadum Ung. durch die mehr verschmälerte 
und länger ausgezogene Blattspitze ab. Von den beiden amerikanischen Aspen (der P. trcmuloidcs Mich, und 
P. graudidentata Mich.) weicht sie in der Bezahnung ab. Bei ersterer sind die Zähne viel kleiner und regel- 
mässigei", bei letzterer zwar von derselben Grösse aber schärfer, faf^t zugespitzt. 

Die zwei ansehnlichen, Taf. IV. Fig. 3 abgebildeten beisammenliegenden Blattstücke zeigen uns, dass 
das Blatt am Grund ausgerandet, vorn aber zugespitzt war. Es ist mit grossen, stumpf zugerundeten Kcrb- 
zähncn versehen, welche bis in die Spitze des Blattes (Fig. 3 b.) zu verfolgen sind. Es sind 7 Ilauptnerven 
zu zählen, von denen aber die zwei äussersten sehr kurz sind; auch die auf diese folgenden sind kurz, 
obwohl sie mehrere, vorn in Bogen verbundene Secundarnerven aussenden; viel stärker und länger sind die 
drei übrigen Hauptnerven, welche mit ihren Aesten den grössten Theil der Blattfläche einnehmen, der mitt- 
lere läuft in die Blattspitze aus, die beiden seitHclien sind stark hin- und hergebogen; sie senden auswärts 
zunächst zwei starke, sich vorn wieder verästelnde Secundarnerven aus, die ziemlich weit vom Rande ent- 
fernte, in Zickzacklinien verlaufende Bogen bilden, an die sich aussen kleinere geschlossene Felder anschliessen, 
von welchen Nervillen in die Zähne auslaufen. Weiter oben senden diese Secundarnerven zu beiden Seiten 
noch ein paar Seitennerven aus, die sich weiter verästelnd in Bogen verbinden, "vorn aber laufen sie in einen 
Zahn aus und sind nicht zur Blattspitze hingebogen, wie dies bei P. arctica der Fall ist. 

Unvollständiger erhalten sind die in Fig. 2 abgebildeten Blätter aus dem Museum von Kew. 

Einzelne Blattfetzen sagen uns, dass diese Blätter zuweilen eine viel beträchtlichere Grösse erreicht 
haben, so die Taf. VI. Fig. 7. 8. abgebildeten Stücke. Fig. 8 ist nur auf der linken Seite bis zum Bande 
erhalten xmd zeigt dort die grossen, stumpfen Zähne. Auch dieses Blatt zeigt uns *lie langen Aeste der 
ersten seitlichen Hauptnerven und die Verbindung des ersten Astes mit dem untern Hauptnerv durch einen 
grossen, winkligen Bogen. — Anderseits kommen auch ganz kleine Blättchen -vor, welche wohl als jung^ 
Blätter an der Zweigspitze sassen. 

Zu dieser Art gehören wahrscheinlich die Taf. IV. Fig. 1 abgebildeten Pappelfrüchte. Es sind zwei 
länghche Fruchtklappen, welche an einem kurzen Stiele befestigt sind. Sie ähneln denen der Zitterpappel 
und von P. Heliadum Ung. (Heer Flora tert. Helvet. Taf. LVH. Fig. 4 b.), da auch die Blätter mit denen 
der Zitterpappeln am meisten übereinkommen, darf diese Frucht mit derselben combinirt werden. 

32. Populus Zaddachi Hr. Taf. VI. Fig. 1—4. Taf. XV. Fig. 1 b. 

P. foliis ovatis, basi leviter emarginatis, crenatis, 5 nerviis, nervis primariis lateralibus angulo acute egredientibus, medium 
Tolium longe superantibus. 

Zaddach über die Bernslein- und Braunkohlenlager dos Samlandcs. S. 29. Taf. IV. 

Atanekerdluk und Disco. (Licut Colomb. Dr. Lyall.) 

Ist viel seltener als vorige Art und von derselben vornemlich durch die viel kleinern, meist nach vorn 
|gerichtctcn Kerbzähne zu unterscheiden. In der Nervation und der Form der Zähne stimmt das Blatt mit 
iien Samländer Blättern überein, dagegen ist an den Zähnen keine Drüse zu erkennen. 
j Bei einem Blatt der Dubliner Sammlung (Fig. 1) sind die Zähne nur an wenigen Stellen erhalten und 
jvenig nach vorn gebogen. Es sind alle Secundarnerven des mittlem Hauptnervs alternierend und die eckigen 
|3ogen, in welchen sich die Nerven vor dem Rande verbinden, treten deutlich hervor. Grösser war das Fig. 3 



Salicinecii. qq 

abgebildete, aber unvollständig erhaltene Blatt. Seine Zähne sind nur an ein paar Stellen erhalten, stimmen 
aber in der Form sehr wohl zu P. Zaddachi wie denn auch in der Grösse und Blattumriss, so weit derselbe 
erhalten ist, dies Blatt am besten mit der Art des Sanilandes übereinstimmt. 

Noch zweifelhaft ist mir das Taf. XV. Fig. 1 b. (und darnach vervollständigt Taf. VI. 4) abgebildete 
Blatt von Disco, das vielleicht eher zu Vitis arctica gehört. Es ist rundlicht, sehr kurz eiförmig, die Zähne 
ziemlich scharf und nach vorn geneigt. Die .seitlichen Hauptnerven etwas hin- und hergebogen; die ersten 
zwei reichen weit nach vorn, weit über die Blatthälfte hinaus. Sie senden nur wenio-e, aber starke Aeste 
aus, Avelche bis nahe zum Rande verlaufen und dort durch zarte Bogen verbunden sind. Am mittlem Nerv 
haben wir zwei Paar gegenständiger Secundarnerven. 

33. Populus Gaudini Fischer? Taf. VII. Fig. 1—4. Taf. L. Fig. 9. 

P. foliis loiigc petiolatis, amplis, ovato-ellipticis, apice plerumquc cuspidatis, integerrimis vel undulatis. 
Heer Flora terl. Ilclvet. 11. S. 24. Taf. LXIV. 

Atanckcrdluk (Licut. Colomb). Fig. 1 u. 2 lagen in demselben Stein; dabei waren: Scquoia Langsdorfii, Iridium grccnlandicum 
and Menvanthes arctica. Fig. 3 liegt im selben Steia mit M'Clintockia trinervis. Ein anderes Stück (Taf. L. Fig. 9) liegt in einem 
oscn Block, der aus braunschwarzem Thon besteht und bei Udsted, auf der Insel Disco, gefunden wurde. 

Obige Diagnose habe aus meiner Tertiärflora entlehnt. Die in Grrönland gefundenen Blattreste sind zu 
mvollständig erhalten, um sie in dieser Weise zu charakterisieren, daher ihre Bestimmung nicht ganz ge- 
iicliert ist. 

Das ziemlich grosse Taf. VII. Fig. 2 abgebildete Blatt ist unterhalb der Mitte am breitesten und am 
>rund stumpf zugerundet, nach vorn ist es stark verschmälert (Fig. 2 u. 3) und wahrscheinlich in einen 
Gipfel ausgezogen. Es hat einen starken Mittelnerv, weit auseinanderstehende, stark hin- und hergebogene 
jccundarnerven , die aussen in gebrochenen Bogen sich verbinden, sie sind weiter verästelt, welche Aeste 
;in weitmaschiges Netzwerk bilden. Wo der Rand erhalten, ist er ganz, nur etwas wellig gebogen. 

Stimmt in Grösse und Umriss des Blattes, dem ungezahnten Rand, den weit auseinanderstehenden und 
Q starken Bogen verlaufenden Secundarnerven und der Art ihrer Verästelungen mit Populus Gaudini über- 
iu; doch entspringen die Secundarnerven in weniger spitzigem Winkel und steigen weniger steil an, was diese 
Bestimmung noch zweifelhaft lässt. 

Mehr als diese Blätter von Atanekerdluk, die in ihrer Nervatur auch an Magnolia Inglefieldi erinnern, 
llmmt das Taf. L. Fig. 9 von Udsted (Disco) abgebildete Blatt mit Populus Gaudini und zwar mit dem in 
ignau gefundenen Blatte (Flora , tert. Helv. Taf. XLIV. Fig. 7) überein, leider fehlt aber die ganze vordere 
artie, so dass nicht zu ermitteln, ob es auch in eine lange Spitze ausgezogen war. Der Mittelnerv ist stark, 
on demselben entspringen wenig über dem Blattgrund jederseits je zwei Seitennerven, die ganz nach Art 
er Pappeln hin- und hergebogen und verästelt sind, aber mehr horizontal sich ausbreiten, als beim Blatt 
ou Siguau und überhaupt der P. Gaudini, wie denn auch die weiter oben folgenden Secundarnerven weniger 
eil aufsteigen und ferner der Blattgrund stumpfer zugerundet und sehr seicht ausgebuchtet ist, so dass 
ich dies Blatt nicht völlig zu denen unserer Molasse stimmt, aber doch nicht in der Weise abweicht, dass 
i als besondere Art zu trennen ist, wozu noch in Betracht kommt, dass P. Gaudini in dieselbe Gruppe 
,ie P. mutabilis gehört, die' durch so grosse Polj'morphie der Blätter sich auszeichnet. 

34. Populus sclerophylla Sap. Taf. VII. Fig. 5. 
P. foliis firmis, ceriaceis. petiolo breviusculo, ovalibus vel orbiculatis, integerrimis. triplinerviis, nervis primariis lateralibus 
)Ctis, acrodromis, reticulato-ramosis, 

G. de Saporta le sud-est de la France ä l'epoque terliaire. Annales des sciences natur. Taf. IV. PI. 6. Fig 13. 
Atanekerdluk (Dr. Torell) ; auf der Rückseite desselben Steines s-nd zwei Blätter der Populus arctica. 
Es stimmt das vorliegende Blatt sehr wohl mit dem von Graf Saporta von Armissan beschriebenen und 
f Fig. 13 C. abgebildeten Blatte überein i). Die Form ist genau dieselbe, ebenso die derbe Icdrige Structur 
id die Nervatur. Wir haben nämlich auch drei Hauptnerven, von denen die beiden seitlichen, die nah dem 
1 attgrund 

rven aus, welche ge 

;rk ausgefüllt sind. Ueberhaupt tritt dieses feine polygone Netzwerk sehr stark hervor und giebt dem Blatt 
(ii feingitteriges Aussehen. Von dem Mittelnerv gehen weiter oben in wenig spitzen Winkeln Seitennerven 
as. Bei dem von Saporta in Fig. 13 c. abgebildeten Blatte sind diese mehr nach vorn gerichtet als beim 
Cönländer, und dies ist der einzige Unterschied,, den ich zwischen diesem und denen von Armissan finden 



d entspringen, bis gegen die Blattspitze reichen; sie senden auswärts stark bogenläufige Sccundar- 
is, welche geschlossene Felder bilden, die mit einem feinern, aber sehr deutlich vortretenden Netz- 



^) Fig. 13 A. und B. Saporta's weichen durch die in den Blattstiel verschmälerte Dlattfläche ab. 



100 Miocene Flora von Nordi^rÖnland 



kann nnd der keine Trennung "begründet, da das von Saporta Fig. 13 B. dargestellte Blatt in dieser Be- 
ziehung mit dem Grönländer stimmt. — Unser Blatt ist ganzrandig; in Arraissan kommen aber auch -svelclie 
mit kleinen stumpfen Zähnen vor, indem diese Art wie P. mutabilis und die lebende P. euphratica in dieser 
Beziehung variirt. Der Blattstiel ist dünn, etwas gebogen, nicht in der ganzen Länge erhalten; die Blätter 
von Armissan haben aber einen ziemlich kurzen Stiel. 

Gehört, wie Saporta dies schon nachgewiesen hat, in die .Gruppe der P. euphratica und mutabilis. 

35. Populus arctica m. Taf. IV. Fig. 6 a. 7. Taf. V. Taf. VI. Fig. 5. 6. Taf. VIII. Fig. 5. 6. Taf. XVII. Fig. 5 b. c. 

P foliis firmis, coriacels, petiolo longo, rotundatia, margine crenatis vel modo sinuatis. 5 — 7 nerviis, nervis primariis latera- 
libus crcctis, acrodromis, ramosis. 

Atanekerdluk (Olrik. M'Clintock. Colomb. Dr. Lyall. Dr. Torell.). Eine der häufigsten Arten. 

Die abgebildeten Blätter zeigen in Form und Randbildung so grosse Abweichungen, dass sie auf den 
ersten Blick zu mehreren Arten zu gehören scheinen. Taf. V. Fig. 9 ist rundlich, aber länger als breit und 
stumpf gezahnt; Fig. 11 hat dieselbe Form, ist aber ungezahnt; Fig. 1, 3, 8 sind breiter als lang und 
theils gezahnt (Fig. 8) theils ungezahnt (Fig. 3) , indem der Rand nur hin- und hergebogen ist. Vergebens 
suchen wir aber nach durchgreifenden unterscheidenden Merkmalen. Die Taf. V. Fig. 1, 7, 8 und Taf. VI. 
Fig. 6 abgebildeten Blätter zeigen Uebergänge von den imgezahnten zu den gezahnten Blättern und ebenso 
haben wir Uebergänge von den breiten kurzen, zu den längern schmälern Blättern. Ueberdies zeigen sie in 
der Nervation grosse Uebereinstimmung , indem immer drei stärkere Hauptnerven' spitz wärts laufen und die 
äussern zwei in spitzen Winkeln starke Aeste treiben, von denen der erste mit dem weiter nach unten 
stehenden Hauptnerv sicli in einem Bogen verbindet. 

Die drei spitzläufigen Hauptnerven geben diesen Blättern eine eigenthümliche Tracht und es kann 
in Frage kommen, ob sie bei den Pappeln richtig eingereiht seien. Die extremen Formen, wie Taf. V. Fig. 11, 
erinnern lebhaft an manche Rhamneen (Ceanothus, Zizyphus und Paliurus) ; allein bei diesen haben wir nur 
drei Hauptnerven (folia triplinervia) , während obiges Blatt deren fünf hat und sieh mit den andern fünf- 
bis siebennervigen und gezahnten Blättern so nahe verbindet, dass wir es nicht davon trennen können. 

Anderseits haben wir auch bei P. sclerophylla und Richardsoni sehr steil aufsteigende seitliche Haupt- 
nerven und scheint dieser Charakter den nordischen Pappelarten zuzukommen. 

Die Nervation der Blätter stimmt im Uebrigen zu der der Pappeln , für welche auch der lange Stiel 
und die Polymorphie der Blätter angeführt werden kann. In dieser Beziehung erinnern sie an Populus 
euphratica OL, P. diversifolia Schk. und P. pruinosa Schk. Es scheinen die Blätter auch von derber, leder- 
artiger Beschaffenheit gewesen zu sein, indem sie starke Eindrücke im Stein bilden und manche Stücke einen 
ziemlich dicken, schwarzbraunen Ueberzug zurücklassen, der von der Blattsubstanz herrührt. 

Der Blattstiel ist bei Taf. IV. Fig. 7 zu sehen, woraus wir bemerken, dass derselbe von beträchtlicher 
Länge gewesen sein muss, denn es liegt dieser nicht einmal in seiner ganzen Länge vor, indem das Gestein 
anten abgebrochen ist. 

Es bilden sonacli diese Blätter einen eigenthümlichen , wie es scheint erloschenen Typus der Pappel- 
^^attung , der aber zur Gruppe der Lederpappeln zu gehören scheint. Von den' lebenden Arten zeichnet er 
sich durch die spitzläufigen seitlichen Hauptnerven aus. Sie steht der P. sclerophylla Sap. sehr nahe, unter- 
icheidet sich aber von derselben durch die fünf- bis siebennervigen Blätter, indem sie bei jener immer drei- 
lervig sind. 

Wir haben folgende Formen zu unterscheiden : 

Var. a.) foliis brcviter ovalibus, margine sinuato-crenatis. Taf. VI. Fig. 6 a. Taf. V. Fig. 9. 
Das schöne Taf. V. Fig. 9 abgebildete Blatt ist in der Sammlung von Kew. Es ist am Grund zuge- 
undet, nicht ausgerandet. Es hat 5 Hauptnerven, die zwei seitlichen äussern sind abgekürzt und in Bogen 
nit einem Seitennerv des folgenden Hauptnervs verbunden. Diese steigen steil auf und sind vom Mittelnerv 
icht weit abstehend; sie sind auch gegen die Blattspitze gerichtet. Sie haben starke, in spitzen Winkeln 
ntspringende Secundarnerven, die in starken Bogen'" ^vbunden sind. Die Felder sind von einem sehr deut- 
ich vortretenden, weitmaschigen Netzwerk ausgefüllt. Der Rand ist mit sehr stumpfen Kerbzähnen versehen. 
i'chr ähnlich ist das Taf. VI. Fig. 6 a. abgebildete Blatt der Dubliner Sammlung, aber die Zähne sind 
loch stumpfer, das feinere Blattgeäder tritt sehr deutlich hervor. Andere Blätter haben nur einzelne 
jtumpfe Zähne. 

I Die meisten Blätter sind am Grunde stumpf zugerundet; ein Stück (Taf. V. Fig. 6) aber muss beim Stiel 
[twas ausgerandet gewesen sein. 



Salicinecn. 201 

Var. b) foliis fere orbiculalis, margine iinualis. Taf. V. Fig. 1 a., 2 b , 3, 4. 7 b. Taf. XVII. Fi"'. 5 c. 

Bei Taf. V. Fig. 3 liaben wir ein fast vollständig erhaltenes Blatt, das etwas breiter als lang, gegen 
den Grund stumpf zugerundet ist, vorn aber in eine sehr kurze Spitze ausläuft. Der Rand ist wellig gebogen, 
aber es ist nicht zur Zahnbildung gekommen. Es hat 7 Hauptnerven, der erste mittlere sendet jederseits 
kurze Secundarnerven aus; die beiden ersten seitlichen sind stark gebogen und biegen sich oben zur Blatt- 
spitze um und laufen in diese aus. Sie haben mehrere starke Secundarnerven, die sich weiter verästeln und 
in Bogen verbinden. Die darauf folgenden Hauptnerven verbinden sich oben in einem starken Bogen mit 
einem untern Ast des nächst obern Hauptnerven und senden nach Aussen auch mehrere Secundarnerven 
aus, welche, in dem Rande genäherten. Bogen sich verbinden; ein unterer Ast nimmt den kurzen äussersten, 
dem Rande sehr genäherten Hauptnerv auf. Von derselben Form scheint das Fig. 4 dargestellte Blatt 
gewesen zu sein ; ebenso Fig. 2 b. und 1 a., allein die Buchten des Blattrandes sind etwas tiefer ; Fig. 7 b. 
zeigt dieselbe Randbildung wie Fig. 3, ist aber schmäler und Fig. 1 u. 2 haben nur 5 Hauptnerven. Taf. XVH. 
Fig. 5 c. war breiter als lang und ganzrandig; am Grund sehr stumpf zugerundet. 

Der Mangel der Zähne unterscheidet zwar diese Blätter von den vorigen; sie stimmen aber in der 
Nervation so ganz mit denselben überein, dass wir sie nur als eine Form dieser Art betrachten können, um 
so mehr da Uebergänge vorhanden sind. (Fig. 1 a. 2 b.) 

Neben einem Blatte (Fig. 1. Taf. V.) liegt ein Ast, dessen Rinde mit Querstreifen versehen ist, wie 
wir dies in ähnlicher Weise bei der Birke und Aspe sehen, daher derselbe wohl mit diesen Blättern com- 
binirt werden dai-f und für die Populusnatur derselben spricht. 

Var. c) P. arctica zizijpkoides m ; foliis ovalibus, integerrimis. Taf, V. Fig. 11, 13. 

Fig. 11 ist länglich-oval, länger als breit; der Rand ist ungezahnt, nur sehr schwach wellig gebogen. 
Die beiden ersten seitlichen Hauptnerven sind fast so stark als der«mittlere und gegen die Spitze zu gebogen. 
Sie sind in gleicher Weise verästelt, wie bei dem vorigen Blatt und ihr unterer Ast verbindet sich ebenfalls 
in gleich grossem Bogen mit dem tiefer unten stehenden äussersten Hauptnerv. 

Fig. 13 ist ein kleines Blatt, das am Grund etwas ausgerandet ist, aber auch einen zahnlosen Rand 
hat wie Fig. 10, das wohl ein junges oberstes Zweigblatt sein dürfte. Ebenso Taf. IV. Fig. 6 a. 

Var. d.) foliis lanceolatis , margine obsolete crenalis. Taf. V. Fig. 12. 

Es fehlt zwar Basis und Spitze dieses Blattes, doch zeigt die erhaltene mittlere Partie, dass dies Blatt 

bedeutend schmäler und relativ länger war als das vorige und einen ganz stumpf gekerbten Rand besass. 

♦ 
Var. e.) foliis levüer crenatis, elUpticis, basin versus attenuatis. Taf. XVII. Fig. 5 b. 

Weicht durch die kleinern Zähne und die fast keilförmig verschmälerte Basis sehr von den übrigen 
Blättern ab, und es ist noch zweifelhaft, ob es wirklich zu dieser Art gehöre. Die übrigen Blattformen 
dagegen dürfen wir wohl vereinigen, da wir bei Populus euphratica und diversifolia unter den lebenden 
und bei P. mutabilis unter den miocenen Arten ähnliche verschiedenartige Blattformen an demselben Baume 
haben. 

Zu dieser Art rechne die Taf. V. Fig. 14 (vergrössert 14 b.) abgebildete" Pappelfrucht. Sic ist kurz 
eiförmig und in zwei Klappen aufgesprungen. .* 

36. Salix groenlandica m. Taf. IV. Fig. 8. 9. 10. ^ 

S. foliis ellipticis, integerrimis, paucinerviis. 

Atanekcrdiuk, mit Pappelblättern. 

Ein 20 m\\. breites, etwa 43 Mill. langes, elliptisches, vorn scharf zugespitzes, ganzrandiges Blatt, mit 
starkem Mittelnerv, von welchem jederseits 5—6 weit auseinanderstehende Secundarnerven auslaufen. Diese 
bilden sehr starke Bogen, die sich ziemlich nahe dem Rande verbinden. Von dem Mittclnerv gehen ferner 
zartere, gabiig sich theilende Nervillen aus, die nach unten sich biegen und nach Art der Weiden in den 
je untern Secundarnerv einmünden. 

Das Blatt hat dieselbe Grösse wie bei Salix Racana, ist aber vorn zugespitzt und liat weniger und 
daher weiter auseinander stehende Secundarnerven. 

Ob das Taf. IV. Fig. 8 abgebildete Blatt hierher gehört, ist mir noch zweifelhaft; die Form und die 
v\-eit auseinander stehenden Seitennerven sprechen dafür; letztere sind aber steiler aufgerichtet und weiter 
jQach vorn gebogen. Neben dem Blatt liegt ein Rest eines Zweiges (Fig. 8 b.) und des männlichen Kätzcliens 
:Fig. 8 c). An einer dünnen Spindel sind die Staubfaden befestigt, die freihch grossentheils zerstört sind. 



102 Miocene Flora von Nordgrönlaud. 

ol. Salix Raeana m. Td. IV. Fig. 11—13. Taf. XL VII. Fig. 11. 

3. folüs oblongis, integcrrimis, nervis secundariis approximatis, valde curvatis. 
Atanckerdluk, mit Populus und Scquoia. 

Aus Nordgrönland sind mir nur einige unvollständige Blattstücke zugekommen, welche aber wohl zu 

dem schönen Blatte des Tiiones von Mackenzie (Taf. XXI. Fig. 13) stimmen. ;Die Einen (Fig. 11. 12 und 

Taf. XL VII. Fig. 11) haben fast dieselbe Grösse und stellen die Blattbasis dar, ein anderes (Fig. 13) 

ist dagegen viel kleiner und wohl ein junges Blättchen. 

Zweite Ordnung: Amentaceae. 
Erste Familie. Ulyriceae. 

38. Myrica acuminata üng. Taf. IV. Fig. 14—16. Taf. VII. Fig. 6 b. c. 

I\I. folüs linearibus vel lanceolato-linearibus undique argute serrulatis vel denticulatis, basi attenuatis , apice longe acvmi- 
natis, nervis secundariis approximatis, subtilissimis ; fructibus laeviusculis, breviter ovatis, in spicam densam con^-estis. 

Unger gencra et specics plantar, fossil. S. 396. Flora von Sotzka. S 30. Taf. 6. Fig. 6—10. Taf. 7. Flg. 9. Dryandroides acuminata Heer 
Flora terl. Helv. 11. S. 103. Taf. XCJX. Fig. 17-21. Taf. C. Fig. 1-2. 

Atanckerdluk, in dem sandigen Limonit (Stockholmer Sammlung), mit einem Blattstück von Qufircus furcinervis und dem 
Abdrucke der Zapfenschuppe von Sequoia Langsdorfi'.. 

Die Fig. 14 und 14 b. abgebildeten beiden Blattstücke kamen mit der Fruchtähre (Taf. VII. Fig. 6, 
vergrössert Taf. IV. Fig. 15. 16) aus demselben Stein, als ich denselben zerspaltete, lagen also nahe bei- 
sammen. Die öVz ^i^^^' dicke Fruchtähre ist zerbrochen, so dass nur die Fig. 15. 16 dargestellte Partie bei- 
sammen blieb. Sie lässt unschwer die Gattung Myrica erkennen. Um die Mittelachse herum stehen sehr 
dicht die Früchte, welche von schmalen Schuppen umgeben waren; man erkennt eine untere Schuppe, ob 
aber auch seitliche da waren, ist nicht klar, da diese Partie zerdrückt ist. Eine schön erhaltene Frucht liegt 
neben der Aehre (Fig. 16 c. vergrössert) ; sie ist kurz oval, 3 Mill, lang bei 2^2 Mill. Dicke. Eine schwarze, 
ziemlich glatte Rinde umgiebt einen heller braungefärbten Kern, welcher ohne Zweifel den Samen darstellt, 
welcher Same, wie bei Myrica den grössten Theil der Frucht ausfüllt. In Grösse und dichter Stellung kommt 
die Frucht mit derjenigen der Myrica gale L. überein. Die Blätter sind dagegen sehr verschieden. Zwar 
sind nur zwei Fetzen erhalten, daher obige Diagnose nach den vollständigen Blättern der Schweizer Flora 
entworfen ist; sie stimmen aber so völlig mit denen der M. acuminata überein, ds^ss sie wohl sicher hierher 
gerechnet werden dürfen. Sie verschmälern sich nach vorn sehr- allmälig zur Spitze und sind am Rand mit 
sehr feinen, aber scharf geschnittenen und nach vorn gerichteten Zälnichen besetzt (Fig. 14 c. ein Blattstück 
dreimal vergrössert), wie bei den in der Flora tertiana Fig. 19 u. 21 und von Unger in der Sotzka Flora 
Taf. VII., Fig. 9 abgebildeten Blättern. Die Blattfläche ist von einem äusserst zarten Netzwerk überzogen, 
aus welchem die Secundarnerven kaum merklich hervortreten. 

Das Zusammenvorkommen der Blätter und Früchte zeigt, dass Ungers erste Bestimmung die richtige 
war und ich dieselben, Ettingshausen (Proteaceen der Vorwelt. S. 32) folgend, mit Unrecht zu den Proteaceen 
gestellt habe. Dasselbe gilt auch von der Myrica banksiajfoiia , lignitum und . selbst der hakesefolia und 
M. dryandrifolia Br., von welch' letztern der Graf Saporta die Früchte nachgewiesen hat. Dieser hat über- 
haupt zuerst die fossilen Früchte der Myriceen aufgefunden und dadurch für eine Zahl von Blattformen, 
welche ich seiner Zeit nur mit vielem Zweifel und mit Hinweis auf ihre grosse i^el^'^lichkeit mit den Myrica- 
blättern, nach Ettingshausens Vorgang, zu den Proteaceen gebracht hatte, die richtige Stellung ermittelt. 

39. Myrica borealis m. Taf. XL VII. Fig. 10. 

M. folüs coriaceis, firmis, laevigatis, lanceolato-linearibus, dentatis, dentibus obtusis, remotis, nervis secundariis distantibus, 
valde curvatis, camptodromis. 

Atanckerdluk. (Olrik.) 

Es ist nur ein Blattfetzen erhalten, der aber unverkennbar in die Gruppe von Myrica banksiajfolia 
und hakesefolia gehört, von letzterer aber durch das viel zartere Netzwerk und Zahnbildung, von ersterer 
durch die weiter auseinanderstehenden Seitennerven und Zähne und die Stumpfheit der letztern sich aus- 
zeichnet. Das Blatt ist glänzend glatt und muss derb lederartig gewesen sein. Die Zähne sind ganz stumpf, 
treten sehr wenig hervor und haben ganz seichte, stumpfe Winkel. Die Seitennerven stehen weit auseinander, 
sind stark gebogen, ihre Bogen sind dem Rande genähert. Die Felder sind mit einem sehr zarten Netzwerk 
ausgefüllt (Fig. 10 b. vergrössert). 



9. 



Betnl.iccen. Cupuliferen. ]0i 

Zweite Familie. Betulaceae 

40. Betula Miertschingi m. Taf. XII. Fig. 9. Taf. XLV. Fi«-. 11 e. 

B. foliis apice acuminatis, subtiliter dcnticulatis, nervis eecundariis craspedodromis. 
Atanekerdluk, Lei einem Blatt der M'Clintockia dentata. 

Nur die vordere Partie des Blattes, die vorn sich allmälig verschmälert; der Rand mit sehr kleinen 
Zähnchen helegt. Die Secundarnerven etwas gekrümmt i\nd in diese schmalen Zähnchen auslaufend. Von 
ihnen entspringen in fast rechten Winkeln zahlreiche Nervillen, die stark vortreten und theils durchgehend 
theils gabiig gctheilt sind. * 

Ausser diesem unvollständigen Blattrest haben wir von Atanekerdluk mehrere unzweifelhafte Zwei"-- 
oder Stanimstiickc von Betula, welche nocli mit der Rinde bekleidet sind. Bei einem Stück ist die Rinde 
ganz 'glatt und glänzend bei einem andern dagegen (Taf. XLV. Fig. 11 c.) runzlicli und mit Warzen besetzt. 
Bei allen bemerken wir die charakteristischen Querwärzchen, die kurze parallele Linien auf den Rinden 
bilden. 

41. Alnus nostratum JJng. Taf. XLVII. Fig. 12. 

Ä. foliis petiolatis, ovato vel obovato-subrotundis, apice obtusis, dentatis, nervis secundar".3 approximatis, 

Unger Chloris protog. Taf. 34. Fig. 1. Heer Flora tert. Helvet. II. S. 37. 

Atanekerdluk (Olrik 1861), mit M'Clintockia Lyallii, Quercus und Juglans auf demselben Stein. 

Die abgebildete Blätter stimmen am besten zu einem Blatt von Eritz, das ich in meiner Flora Taf. LXXI. 
Fig. 15 dargestellt habe. Es weicht diese Art vornämlich durch die zahlreichern und dicliter beisammen- 
stehenden Secundarnerven von der A. Kefersteini ab. Das Blatt ist am Grund ganz stumpf zugerundet, vorn 
gebrochen, so dass jederseitig nur 6 Secundarnerven zu sehen sind. Sie sind sich genähert, alle gleich weit 
von einander abstehend und ziemlich stark gebogen und nach vorn gerichtet. Der unterste sendet 6 Tertiär- 
nerven in die Randzähne aus, der zweite aber drei, der dritte nur einen. (Fig. 12 b.) 

Dritte Familie. CiiiiulDferec. 

f 

42. Carpimis grandis Ung. Taf. XLIX. Fig. 9. 

C. foliis ellipticis, ovato-ellipticis et ovato-lanccolatis, argute duplicato-serratis, nervis secundariis 12 — 20, strictis, par.allelis. 
Unger iconogr. pl. foss. S. 39. Sylloge plant. 3 S. 67. Heer Flora tert. Helv. I. S. 40. Carpinus Heerij;EUingsh. Flora von ßilin. S, 48. 
Atanekerdluk (Olrik). f 

Das grosse Fig. 9 dargestellte Blatt hat die Form und Nervation von Carpinus, leider sind aber die 
Zähne nur an der Basis erhalten, an fast allen übrigen Stellen aber ganz oder theilweise zerstört, so dass 
die charakteristische Bezahnung der Carpinusblätter nicht deutlich hervortritt, daher noch einige Zweifel 
über die Carpinusnatur des Blattes bleiben. Die Secundarnerven stehen etwas weiter auseinander, als bei 
den meisten Carpinusblättern unserer Molasse, indessen kommen auch bei uns (cf. Flora tert. Helv. Taf. LXXIII. 
Fig. 2 b.) welche mit ebenso weit abstehenden Nerven vor und ebenso in Bilin, von wo Unger ein Blatt 
gezeichnet hat (Sylloge pl. 3. Taf. XXI. Fig. 10), das sehr ähnlich ist. 

Das Blatt ist am Grund zugerundet und schon dadurch von Quercus furcinervis und verwandten leicht 
zu unterscheiden ; nach vorn ist es verschmälert und zugespitzt. Die Secundarnerven sind straff und parallel, 
die untersten senden mehrere Tertiärnerven in die scharfen Zähne aus, von den obern geht wenigstens von 
einzelnen ein Ast nach dem Rand aus. Einzelne Zähne sind • erhalten und wenigstens das deutlich , dass 
zwischen den grössern am Ende der Secundarnerven stehenden Zähnen kleinere vorkommen, die aber nicht 
so scharf geschnitten scheinen, wie bei Carpinus. Das Zwischengeädcr ist sehr zart und überhaupt das 
Blatt dünn. 

43. Ostrya Walkeri m. Taf. IX. Fig. 9—12. 

0. cupula ovata, longitudinaliter sulcata, foliis ovato-lanceolatis, nervis secundariis strictis, parallelis. 

Atanekerdluk. (Dublin.) 

Das Fig. 11 abgebildete Stück stimmt sehr wohl zum Fruchtbecher der Ostrya ceningensis (Flora tert. 
Helv. Taf. LXXIII. Fig. 7 u. 8), lässt aber 8 Längsnerven erkennen. Es ist 12 Mill. lang bei einer Breite 
von 11 Mill., kurz eiförmig, am Grunde mit einer rundlichen Vertiefung, welche die Inscrtionsstellc des 
Stieles bezeichnet (Fig. 11 a. vergrössert). Von dort laufen die Längsnerven aus, zwischen welchen das 
Gewebe etwas aufgedunsen ist, so dass die Nerven durch gewölbte Rippen getrennte Furclicn bilden, die in 
Bogen zur Spitze verlaufen. Die Längsnerven senden einzelne, ziemlich steil aufsteigende Aeste aus und 
die Zwischenräume sind mit einem feinen Netzwerk ausgefüllt (Fig. 11 b. ein Stück vergrössert). Ein zweites 
lileineres Stück (Fig. 12) dürfte einen jungen, noch nicht ausgewachsenen Fruchtbecher darstellen. 



104 Mioceuc Flora von NordQ,-rüiiland 



ö' 



Mit diesen Früchten vereinige ich das Flg. abgebildete Blattstück, das in Grösse und Nervation 
lebhaft an Ostrya cavpinifolia L. erinnert, freilich auch mit Carpinus grandis verglichen werden kann. 

Die Blattspitze fehlt; die Basis ist gleichseitig und zu unterst ganzrandig, weiter oben ist der Rand 
gezahnt, doch ist er nur an einer kleinen Stelle erhalten und es ist nicht zu entscheiden, ob die Bezahnun^ 
einfach oder doppelt war, welches letztere aber viel wahrscheinlicher ist. Die Secundarnerven stehen dicht und 
verlaufen, ohne sich zu verästeln, in ganz gerader Linie bis in die Zähne hinaus. Diese in halbrechten Winkeln 
entspringenden, straffen, parallelen, randläutigen Secundarnerven sind ganz wie bei Carpinus und Ostrya. 

Derselben Art gehören ohne Zweifel auch Fig. 10 und Taf. II. Fig. 23 c. an. Es sind noch junge 
Blätter mit dicht stehenden Secundarnerven und sehr deutlich vortretenden Nervillen. 

44. Conjlus Mac Quarrii. Taf. VIII. Fig. 9—12. Taf. IX. Fig. 1—8. Taf. XVII. Fig. 5 d. XIX. 7 c. 
C. folüs subcordato-cUipticIs, basi emarginatis, apice acuminatis, triplicato-serratis. 

Alnites? M'Quarrii E. Forbes Quart, journ. 1831. VII. S. 103 Corylus grosse-serrala Heer Flora terl. Helv. 11. S. 44. Taf. LXXIll. Fig. 18. 19. 
Atanekcrdluk, ziemlich häufig (Olrik. M'Clintock. Collomb) ; Disco (Dr. Lyall). 

Ich hatte früher nur unvollständige Blattreste aus Grönland in der Sammlung von Kew gesehen, welche 
aber in ihrer Nervation so grosse Uebereinstimmung mit unserer miocenen Haselnuss zeigten, dass ich sie 
zu dieser Art gerechnet habe. Die vollständiger erhaltenen Blätter der Dubliner und Kopenhagener Sammlung 
bestätigen diese Bestimmung. Mehrere Blätter liegen auf der grossen Platte Taf. VIII. bei Fig. 9, 10, 11 
und 12. Andere aber vereinzelt bei andern Pflanzen. 

Das Taf. IX. Fig. 4 abgebildete Stück zeigt uns die Blattbasis. Von dem untersten Secundarnerv 
gehen feinere Tertiärnerven aus, welche in die Zahnspitze auslaufen; die Zähne sind spitzig, nach vorn 
gebogen und an der Langscite nochmals gezahnt; wir haben also ein doppelt scharf gezahntes Blatt. Wie 
bei C. M'Q.uarrii steht die Partie, in welche der Secundarnerv ausläuft, etwas lappenartig hervor, so dass 
wir dreierlei Zähne bekommen; die grössten sind am Ende der Secundarnerven, die mittelgrossen am Ende 
der Tertiären und die kleinsten an diesen Zähnen. Am Grund ist das Blatt stumpf zugerundet und scheint 
etwas ausgcrandet zu sein. 

Bei den andern Blattstückcn ist zwar der Rand meistens zerstört, wo er aber erhalten ist (so Taf. VIII. 
t'ig. 12 u. Taf. IX. 2) ist er auch in gleicher Weise gezahnt. Die Blätter sind zum Theil gross. Die untern 
Secundarnerven senden Tcrtiärnei-ven in die Zähne aus, die Nervillen treten sehr stark hervor, entspringen in 
rechten Winkeln, sind durchlaufend oder doch wenig verästelt; das Gewebe zwischen denselben, wie auch 
lic zwischen den Secundarnerven liegenden Felder sind aufgetrieben, so dass dass ganze Blatt davon ein 
•unzliges Aussehen bekommt, was diese Haselblätter kennzeichnet. Ein paar Blätter sind bedeutend kleiner, 
ehören aber doch wohl derselben Art an. 

Die Taf. IX. Fig. 5 abgebildete Schale gehört sehr wahrscheinlich zu unserer Art. Es ist die innere 
5eite einer Haselnusssehale. Sie ist 13 IMill. lang und 8 Mill. breit, nach oben zu etwas verschmälert, daher 
iförmig. Die Schale ist ziemlich dick, an einer Stelle bemerkt man zarte Längsstreifen. Die Nuss ist etwas 
.leiuer als bei Corylus Avellana L. und nach oben mehr verschmälert. Durch dieselben Merkmale ist sie 
uch von Corylus Wiekenburgi Ung. verschieden. Ein zweites Schalenstück mit feiner Längsstreifung , das 
1 Fig. 6 abgebildet ist, ist indessen oben stumpfer zugerundet. 

Aus der Schweizer-Flora waren mir nur unvollständig erhaltene Blätter dieser Art bekannt geworden, 
päter erhielt ich welche vom Hohen Rhonen, die am Grund herzförmig ausgerandet sind, und noch schönere 
tücke von ]\Ienat aus der Auvergne, von denen ich eines in Taf. IX. Fig. 8 und einen jungen Zweig in 
'ig. 7 zur Vergleichung abgebildet habe. Das Blatt ist am Grund etwas herzförmig ausgerandet, die ersten 
ecundarnerven gegenständig und die zunächst folgenden sind diesen näher gerückt als die weiter oben 
atspringenden. Sie stehen ziemlich weit auseinander und haben Tertiärnerven. Die Nervillen entspringen in 
ichten Winkeln von den Secundarnerven, treten stark hervor und sind meist durchgehend, fast ])arallele 
ippchen bildend. Die Bezahnung ist sehr scharf und die Zähne der Secundarnerven stehen auch lappcn- 
'i-mig hervor. Nach vorn ist das Blatt allmälig verschmälert und in eine lange, schmale S])itze ausgezogen. 
üt diesen Blättern stimmt nun so weit es erhalten ist das Blatt von Artun Head überein, welches E. For])es 
ä Alnites ('?) Mac Quarrii beschrieben hat (Quart, journ. of the geolog. soc. 1851. VH. pag. 103). Ich habe 
es schon früher vermuthet (Flora tert. Helv. III. S. 314. Recherches. p. 172), imd eine Vergleichung des 
friginals in der Sammlung der geolog. Survey in London hat dies bestätigt. Die Zähne des Blattes sind weit 
psser erhalten, als die Abbildung von Forbes sie zeigt; ich gebe daher auf Taf; IX. Fig. 1 eine bessere 
hbildung desselben, da der Name, mit dem E. Forbes dies Blatt belegt hat, als der ältere angenommen 
iCrden muss. 



Cupuliferen. 105 

In ^lonat komnioi neben den 2 — 3 Zoll langen Blättern welche vor, die doppelt so gross sind, und 
auch von Grünland sind wenigstens einzelne Blattstücke erhalten, welche auf sehr grosse Blätter weisen. 
Dasselbe gilt von den Haselblättern Islands und vom Mackenzie, die bis einen halben Fuss Länge erreicht 
haben müssen. Wir bezeichnen diese Form als Corylus Mac Quarrii macrophylla und halten sie nur 
tur eine, aber allerdings sehr beachtenswerthe Varietät. Das Fig. 3 abgebildete Blattstück von GWmland (aus 
der Stockliolmcr Sammlung) muss eine Breite von 100 Mill. und eine Länge von 120 — 130 Mill. gehabt haben. 
Die untern SoeundnrnerviMj sind sliirk Verästelt, sie steigen ziemlich steil auf. In den von den Nervillen 
gebihloteu Fehlern bemerkt man ein t'eines Netzwerk, das aus poljgonen Zellen gebildet ist (Fig. 3 b. ver- 
grössert). 

Die Haselblätter von Menat, Artun Head, Island und vom Mackenzie sind am Grund ausgerandet, das- 
selbe 'war ohne Zweifel der Fall bei dem Taf. IX. Fig. 4 aus Grönland abgebildeten Blatte und ebenso 
bei ein paar Blättern, die mir neuerdings von Atanekerdluk zugekommen sind ; die grösseren Stücke sind am 
Grund nicht erhalten. 

Corylus insignis zeichnet sich durch die relativ schmälern, erst vor der j\Iitte tiefer doppelt gezahnten Blätter, 
mit etwas mehr genäherten Scitennerven von C. Mac Quarrii aus, der sie sonst sehr nahe steht. In dieser 
schmalem, längern Blattform erinnert sie an C. rostrata Ait. , die in Nordamerika und Nordostasien (Amur- 
land und Ussuri) zu Hause ist, Avährend die C. Mac Quarrii der europäischen und nordasiatischen C. Avel- 
lana L. näher steht. Sie unterscheidet sich von derselben besonders dadurch, dass die Blattspreite oben 
schmäler ist und allmälig in die Spitze übergeht (vgl. Taf. VIII. Fig. 11, 12. IX. 2, 8), während bei der 
C. Avcllana die Blätter dort breiter sind, sich stumpfer zurunden, die Spitze aber zipfelförmig sich von der 
übrigen Blattfläehc absetzt. 

Wir haben demnach über das ganze nördliche Tertiärland von Island, über Grönland bis zum Makenzie, 
wie anderseits bis nach Spitzbergen und hier bis fast zum 78^'^° Grad n. Br. eine Haselnussart verbreitet, welche 
durch ihre grossen Blätter sich auszeichnet und zugleich auch in Schottland, in Frankreich und in der 
Schweiz vorkam; eine Art, welche der jetzt über Europa (von Sicilien und Neapel bis nach Schweden und 
Norwegen) und das nördliche Asien bis an den Amur (C. Avellana dahurica Ledeb.) verbreiteten Art selu' 
nahe verwandt ist und wohl als ihre Stammmutter betrachtet werden darf. 

Neben derselben hatten wir in der Schweiz noch eine Art (Corylus insignis), welche der amerikanischen • 
C. rostrata entspricht, also hier dasselbe Verhältniss, wie es jetzt in Ussuri besteht, wo die C. rostrata und 
C. Avcllana A. (var. dahurica) beisammen leben, (cf. Regel tentamen Floraj ussuriensis. Petersb. 1861.) 

45. Facjus Deucalionis Ung. Taf. VIH. Fig. 1—4. Taf. X. Fig. 6. Taf. XL VI. Fig. 4. 

F. foliis cllipticis, dcntatis, nervis secundariis parallelis, strictis, craspedodromis 9-- 11, angulo acuto egredientibus. 
Unger Chloris protogaca. S. 101. Taf. XXVII. Eig. 5, 6. Massalongo Flora Seneg. S. 203. Taf. XXX. Fig. !). Sismonda Palconloiogie du terr. 
eri. du Piemonl. 8. -i7. Taf. XII. Fig. 1-3. XIX. 1. , 

Atanekerdluk. (Colomb. Olrik.) i 

Mehrere Blätter liegen auf der grossen, Taf. VIII. abgebildeten Steinplatte; wenn auch keines voll- 

nändig erhalten ist, so ergänzen sie sich doch, wenn wir sie zusammenstellen, so dass wir ein ganz richtiges 

Bild ihrer Form uns verschaifen können. Sic haben dieselbe Grösse, wie die von Unger in der Cldpris pro- 

oga\'i dargestellten Blätter. Das Fig. 3 abgebildete Stück ist in der vorderen Partie nicht erhalten. Es war 

änglieh-oval, im untern Theil ganzrandig, weiter vorn aber gezahnt; die Zähne sind aber kurz und stumpf- 

ich. Die Secundarnerven entspringen in halbrechten Winkeln, laufen straff ^^d gerade und unter sich 

arallel bis zum Rande ; in der bezahnten Partie in die Zähne. Vervollständigen wir die auf Taf. VIII. dar- 

.estellten Blätter, wie dies in Taf. X. Fig. 6 geschehen ist, erhalten wir jeder^eits 9—11 Secundarnerven. 

'ertiärnerven fehlen, dagegen sind zahlreiche Nervillen da, welche in rechten Winkeln entspringen und 

icilwcise durchlaufend, theilwcise aber gabiig verästelt sind. Sie stellen so ein deutliches Netzwerk dar. 

Inmittclbar neben dem Blatt Fig. 3 liegt ein zweites Buchenblatt (Fig. 4), dessen oberste Partie abgebrochen 

nd auf dem vorigen Blatt liegt. Sie ist mit ziemlich grossen, scharfen Zähnen versehen, in welche die 

'ecundarnerven ausmünden. Fig. 1 und 2 sind zwei weitere Blattstücke auf derselben Steinplatte. — Das 

shönste Buchenblatt ist mir neuerdings von Kopenhagen zugekommen (Taf. XL VI. Fig. 4); es ist fast 

ollständig erhalten, der Rand ist von der Mitte an mit einfachen Zähnen besetzt; es sind jcderseits 10 

jCcundarnerveii zu sehen. 

I Neben dem Blatt Taf. VIII. Fig. 3 liegt eine glänzende, feingestreifte Schuppe, welche wahrscheinlicli 
jic obere Partie eines Buchnüssehens darstellt (Fig. 3 c, zweimal vergrössert). Die feine Streifung ist ganz 
lio bei den Buchnüsschen. 

14 



l(j() MioceuG Flora von Nordgrönlancl. 

Es ist diese Buche der europäischen Art (Fagus sylvatica L.) einerseits, wie anderseits der amerikani- 
schen Fagus ferruginca Ait. nahe verwandt ; in der Grösse der Blätter steht sie der F. sylvatica sehr nahe 
in der Bezahnung der Blätter dagegen der F. ferruginea. In der Zahl der Nerven steht sie in der Mitte 
zwischen Leiden. Bei der F. sylvatica haben wir jederseits 8 — 10 Secundarnerven, wogegen die amerikanische 
Buche eine grössere Zaiil von Seitennerven (12 — 16) zeigt. Bei der fossilen Buche ist das feinere Blattnetz 
etwas anders gebildet, indem die Nervillen etwas mehr hervortreten und sich weniger verästeln. 

Die von Unger in seiner Chloris protogaia abgebildeten Blattstücke sind sehr unvollständig ; so weit sie 
aber erhalten, stimmen sie wohl zu unserer Art. Sie haben auch einen gezahnten Rand und in diese Zähne 
auslaufende, parallele Secundarnerven. Sehr wohl stimmen die von Sismonda 1. c. von Guarene abgebildeten 
Blätter mit denen von Grönland überein. Die F. Haidingeri Kov. gehört wohl auch zu unserer Art und stellt 
kleinere Blattstücke derselben dar. ') Es war dies die häufigste durch Europa verbreitete Buche , von der 
auch die miocenen Ablagerungen der Rhön (Bischoffsheim) schöne Blätter geliefert haben, und reicht also 
von Mittelitalien bis nach dem nördlichen Grönland hinauf. 

46. Fagus castaneaefolia Ung. Taf. X. Fig. 8. Taf. XL VI. Fig. 1. 2. 3. 

F. foliis oblongo-lanccolatis, apice acuminatis, dentatis, nervis secundariis numerosis , approximatis , parallelis strictis 
craspedodromis, aiigulo acuto egredientibus. 

Cngor Chloris protogaea. S. 104. Taf. XXVIII. Fig. 1. Sismonda I. c. Taf X. Fig. 4. Das von Euingshausen in der ßiliner Flora abgebildete 
B'alt kann nicht hierlier gehören, da es einen ganz anders gezahnten Rand hat. 

Atanekerdluk. 

Es sind zwei Formen zu unterscheiden, mit scharfen, gerade abstehenden (Fig. 2. 3 b.) und mit grössern, 
mehr nach vorn gerichteten Zähnen (Fig. 3 a.), die aber wohl zur selben Art gehören. Fig. 3 a. stellt ein fast 
vollständig erhaltenes Blatt dar; es ist gegen den Grund wie Spitze allmälig verschmälert und in eine 
schmale Spitze auslaufend, wie das von Unger abgebildete Blatt. Es hat ferner ebenfalls zahlreiche (jeder- 
seits 16, Ungers Blatt 18) Secundarnerven, die in spitzen Winkeln entspringen und in parallelen, geraden, 
unverästelten Linien in die Zähne auslaufen. Die Nervillen sind verwischt. Am verschmälerten Blattgrund 
fehlen die Zähne, während sie an der schmalen Blattspitze scharf ausgeprägt sind. 

Das zweite Blatt (Fig. 2) hat kleinere Zähne, die in der Form mehr mit denen der Ungerschen Blätter 
von Leoben übereinstimmen, aber etwas kleiner sind. Bei diesem tritt das feinere Geäder stark hervor, e 
sind zahlreiche, dicht stehende, theils einfache, theils gabiig getheilte Nervillen, welche die Felder ausfüllen. 
Grössere, aber ebenfalls gerade abstehende Zähne hat Fig. 3 b., sie sind scharf zugespitzt. Junge Blätter 
stellen Taf. X. Fig. 8 und Taf. XL VI. Fig. 1 dar. Die nahe beisammenstehenden, straffen, parallelen Secundar- 
nerven laufen in die scharfen Zähne aus. Das letztere Blättchen ist längs der Seitenrippen tief gefaltet, wie 
wir dies bei jungen Buchen- und Ilainbuchenblättern sehen, und obwohl es oft'enbar ein zartes, junges Blättchen 
war, ist es doch bis in die Zähne hinaus vortrefflich erhalten; nur fehlt der Grund desselben, welcher 
wahrscheinlich beim Zerspalten des Steines auf die Gegenplatte gekommen ist. — Es gehört diese Art wohl 
eher zu Castanea als zu Fagus und wäre wohl besser als Castanea Ungeri zu bezeichnen. ^ 

47. Fagus dentata Ung.? Taf. X. Fig. 1. 2. 7 b. 9. ' 

F. foliis ovalibus, obtusis, grosse dentatis, nervis secundariis numerosis, approximatis, simplicissimis, craspedodromis. 
ünger fossile Flora von Gleichonberg. 8. 19. Taf. II. Fig. 11. Gaudin flore fossil, italienno. 1. S. .32. Taf. VI. Fig. 5. Gceppcrt Beitrüge zur 
Terliamora Schlesiens. Paläontogr. II. S. 274. Taf. XXXIV. Fig. 3.? 
Atanekerdluk. (Dublin. Kopenhagen.) 

Die auf Taf. X. abgebildeten Blattstücke haben weniger vortretende Zähne, Avelche stärker nach vorn 
gerichtet und durch seichtere Buchten getrennt sind, als bei Ungers Blatt. Fig. 1 ist von nahe der Blatt- 
basis, an welcher die Zähne fehlen, Fig. 2 und 7 b. wahrscheinlich aus der Blattmitte und aus diesen und 
Fig. 1 wurde Fig. 9 zusammengesetzt, doch sollte die Blattfläche nicht in den Stiel sich verschmälern, sondern 



• *) Ob die Fagus attcnuata Gocppcrt (Flora von Schossnitz. pag. 18) hierher gehöre, ist mir noch zweifelhaft. Das Blatt stimmt 
in Form und Nervation wohl mit unserer Art überein, hat aber eine längere Spitze und am Rand zwischen den Zähnen, welche 
den Secundarnerven entsprechen, noch einen Zwischeuzahn, während dieser der Fagus Dcucalionis wie der F. americana fehlt. 
lEs hat Ettingshauscn neuerdings (fossile Flora von Bilin, S. 50) die Fagus Dcucalionis Ung, mit der F. Fcroniaj Ung. vereinigt 
und beruft sich dabei auf das von Unger in seiner iconograph. plant. Taf. 18. Fig. 24 abgebildete Blatt. Dieses Blatt nun sclicint 
lallcrdings nicht verschieden von F. Feroniaj, weicht aber sehr ab von der F. Dcucalionis der Chloris und den von uns mit dieser 
vereinigten Blättern. Die Nervatur und Bildung der Zähne ist völlig verschieden und es scheint mir noch sehr zweifelhaft, ob die 
|F. Feroniaj wirklich zu den Buchen gehöre; die langen Blattstiele, stark gekrümmten Scitennerven und die Art der Bezahnung 
läind gar nicht buchenartig. 



Cupiilifcrcn. iqj 

dort sich zurunden. Die Felder zwischen den Sccundarnerven sind mit zahlreichen, thcils durchgehenden 
theils g.ihlig gctheilten Nervillen ausgefüllt, welche in rechten Winkeln auslaufen. 

Diese Blattstücke gehören wahrscheinlich zu F. dentata. Sie stimmen in ihrer Zahnbildung mit dem 
von Gaudin vom Monte Bamboli abgebildeten Blatte überein, da aber die Blattspitze fehlt, bleibt diese Be- 
stimmung zweifelhaft. 

Zweifelhaft ist mir auch, ob die F. dentata Gp. mit der Art von Unger zusammengehöre, indem die 
Zähne nicht nach vorn gebogen sind und die Nervillen in spitzigen Winkeln auslaufen. 

Unterscheidet sieb von Fagus castaneajfolia durch die stumpfe Blattspitze und andere Form der Zähne j 
auch sind die Seitennerven etwas gebogen; von Quercus groenlandica durch die dichter stehenden Seiten- 
nerven, die Zahnbildung und andere Form der Basis und Spitze des Blattes. 

4S. Fagus macrophylla Ung.? Taf. XL VI. Fig. 11. 

F. foliis obovatls, acuminatis, integcrrimis plcuronervis, nervis secundariis simplicibus, craspedodromis 

Unser foss. Flora von Gleichenbcrg. S. 19. Taf. II. Fig. 10. 

Atanekerdluk (Olrik), neben dem Blatt liegt der Blüthenkclch von Diospyros. 

Es liegt nur ein unvollständiges Blatt vor; der Rand ist aber an einer Stelle erhalten und ungezahnt, 

dessenungeachtet laufen die Secundarnerven in den Rand aus, wie bei den Buchen. Auch in der Gi-össe und 

im übrigen Verlauf der Nerven stimmt es sowohl mit dem von Unger von Gossendorf abgebildeten Blatt 

überein, dass es sehr wahrscheinlich mit demselben zu einer Art gehört, wornach es ein ziemlich gz-osses, 

verkehrt eiförmiges und vorn zugespitztes Blatt gewesen sein muss. 

49. Quercus Drymeia Unger. Taf. XI. Fig. 1 — 3. 

Q, foliis longe petiolatis, lanceolatis, utrinque attenuatis, cuspidato-dentatis, nervis secundariis craspedodromis. 

Unger Chloris protog. S. 113. Taf 32. Fig. 1-4. Flora von Solzka. S. 33. Heer Flora lert. Helvet. 11.. S. 50. 111. S. 179 

Atanekerdluk; das Fig. 1 abgebildete Blatt auf demselben Stein mit Quercus Olafseni, Andromeda protoga;a mit Sphoeria 
arctica, Fagus Deucalionis, Carpolithes sphterula, Sequoia Langsdorfii in der Dubliner, ein anderes in der btockholmer Sammlung. 

Es sind mehrere Blattstücke in der Dubliner Sammlung, deren Blattbasis zwar nicht erhalten ist, deren 
vordere Partie aber so völlig mit obiger Art stimmt, dass sie wohl sicher derselben zugetheilt werden darf. 

Es sind schmale, lanzettliche, vorn in eine Spitze verschmälerte Blätter, die am Rande mit nach vorn 
gerichteten Zähnen versehen sind. Die in ziemlich spitzen Winkeln entspringenden Secundarnerven laufen in 
die Zähne aus und bleiben einfach; die von denselben in rechten Winkeln entspringenden Nervillen lösen 
sich [in ein sehr feines Netzwerk auf, das aber doch deutlich hervortritt (Taf. XJ. Fig. 2 c. ein Blattstück 
vergrössert). Das Blatt muss lederartig gewesen sein. Bei dem Blatt der Stockholmer Sammlung (Fig. 3) 
ist das feine Netzwerk auch sehr wohl erhalten und das Blatt bekommt davon eine zierliche Sculptur. 

Die Fig. 3 b. abgebildeten Blattstücke stellen wahrscheinlich die untere ungezahnte Partie des Blattes 
dar. Es liegen zwei Stücke beisammen. Sie sind lederartig, gegen die Basis verschmälert mit ziemlich steifen, 
geraden Secundarnerven versehen, die bis gegen den Rand reichen. 

Neben einem Blatt (Fig. 2 b.) liegt ein Fruchtstück, welches mir von einer Eichel herzurühren scheint 
und daher wohl zu demselben gehört. Es ist 12 Mill. lang, am Grund 8 Mill. breit und nach vorn stumpf 
zugespitzt. 

50. Quercus furcinervis Rossm. sp. Taf. VII. Fig. 6 a. 7 a. Taf. XLV. Fig. 1 d. Taf. XLVI. Fig. G. 

Q. foliis coriaceis, lanceolatis, basi in petiolum attenuatis, apice acuminatis, margine rcpando-dentatis, nervo mcdio stricto, 
secundariis anterioribus craspedodromis, apice furcatis , 

Heer Flora lert. Helvel. IJ. S. 51. 111. S. 180. Phyllites furcinervis Rossmässler Versteinerungen vo|) Altsatlel. S. 33 Taf. VII. 

Atanekerdluk. (Olrik. Dr Toreil.) •* 

Die schönsten Blätter sind in der Sammlung von Kopenhagen. Taf. XLVI. Fig. 6 ist fast vollständig 
erhalten und stimmt sehr wohl mit Taf. VIL Fig. 34 von Rossmässler überein, ebenso ein zweites, nur um 
die Hälfte kleineres Blatt. Es ist in der Mitte am breitesten, gegen die Basis und Spitze allmälig und gleich- 
massig verschmälert, derb lederartig, mit starkem Mittelnerv und ziemlich Aveit auseinanderstehenden, starken 
Secundarnerven, und deutlichen, meist durchgehenden Nervillen; die äusserste Nerville ist stark entwickelt 
'und so entsteht was Rossmässler, freilich nicht ganz richtig, eine Gablung des Secundarncrvs nennt. Die 
Zähne treten nur wenig hervor und sind stumpfer als bei den Blättern von Ralligen und aus Piemont (cf. 
Flora tert. lielv. Taf. CLL Fig. 12, 13). Sie sind durch flache, etwas wellige Buchten von einander getrennt. 

Nur ein Blattfetzen ist bei Taf. VII. Fig. 6 a. neben der Myrica aCuminata erhalten und in Fig. 7 a. 
üer Blattgrund. 



j^Qvj Miocene Flora von Nordgrönland. 

51. Quercvs LycUii Hr. Taf. XL VII. Fig. 9. 

Q. foliis subcoriaceis, petiolatis, lanceolatis, vel oblongo-lanceolatis , basl attenuatis, marginc undulatis, apicc acuminatis 
[nervo primario valido, recto, nervis secundarüs numerosis, curvatis, apice furcatis , ramulo supcriore margine valde approximato. 
f Heer ihc lisnito of üovey Tracey. S. 40. Taf. XII. Fig. 2-9. A'III. Fig. 1-4. XiV. Fig. 12 b. XV. Fig. 1. i. XVH. Fig. 4. 5. 

Atanckcrdluk. (Olrik.) 

Es sind mir nur zwei Blattstücke aus Grönland zugekommen, die aber vollständig mit den '^rössern 
Blättern von Bovey übereinstimmen, deren Diagnose ich oben gegeben habe. Die Blattobcrfläche ist glatt, 
der Rand wellig, die Seitennerven reichen bis nahe zum Rand. Am Grund ist das Blatt in den Stiel ver- 
schmälert, wie ein Stück zeigt, das nicht mehr auf die Tafel gebracht werden konnte. 

Von der Q. undulata 0. Web. der Bonner Kohlen durch den starken, geraden, nicht hin- und her- 
gcbogcnen ]\Iittelnerv und die näher beisammenstehenden Secundarnerven zu unterscheiden, von Q. furcinervis 
durch 'den zwar welligen, aber nicht gezahnten Rand. 

52. Quercus granlandica m. Taf. VIlI. Fig. 8. Taf. X. Fig. 3, 4. XI. Fig. 4. XL VII. Fig. 1. 

Q. foliis scmipcdaUbus, elongato-cllipticis, apice cuspidatis, grosse simplicitcr dentatis, dcntibus obtusiusculis ; muUinerviis 
icrvis secundarüs subparallelis, simplicibus, craspcdodromis. 
Fagus dentata Gaudln contrib. Taf. Vil. Fig. 1.? 
Atanckcrdluk, nicht selten. Disco. (Dublin. Kopenhagen.) 

Ein grosses Blattstück liegt auf der grossen Steinplatte Taf. VIII. bei Fig. 8. Es zeigt, dass die Blatt- 
lüche eine Breite von etwa 90 Millim. gehabt hat. Ein anderes Stück ist in der Sammlung von Kew von 
Disco (Taf. XI. Fig. 4), welches die Blattspitze enthält und mit dem vorigen combinirt, uns das ganze Blatt 
larstcllcn lässt, wie ich es in Taf. X. 3. versucht habe. Dieses ganze Blatt muss ohne Stiel eine Länge von 
!twa 170 Millim. (etwa V2 Rariserfuss) gehabt haben. Noch grösser waren ein paar Blätter, die mir neuer- 
lings aus dem Museum von Kopenhagen zugekommen sind; eines hat eine Länge von 134 Millim., obwohl 
3asis und Spitze fehlen; ergänzen wir diese, erhalten wir ein Blatt von circa 200 Mill. Länge; ein anderes 
grosses Blatt muss eine Breite von 100 Mill. gehabt haben. 

Das Blatt war zwar ziemlich derb und dick, doch zeigt es keine lederartige Beschaffenheit. Es ist 
^egen den Blattstiel hin verschmälert (Taf. XL VII. Fig. 1) und am Grund nicht zugerundet. Ebenso ist es 
lach vorn allmälig verschmälert und in eine scharfe Spitze auslaufend (XL 4). Es hat zahlreiche Secundar- 
lierven (jederseits etwa 17 — 18), welche ohne sich zu verästeln und unter sich fast parallel bis zum Rande 
aufcn und in den Zähnen enden. Sie sind meistens etwas gebogen , doch zuweilen auch ganz straff und 
jeradc (Taf. X. Fig. 7 a.); ich hatte früher diesen Blattfetzen wegen dieser straffen und mehr genäherten 
iccundarnerven zu Fagus castaneajfolia gerechnet, allein bei dem Taf. XL VII. Fig. 1 abgebildeten Blatt, 
as mir später zukam und vollständiger erhalten ist, ist dasselbe der Fall, und Basis und Zahnbildung 
reisen dieses zu Quercus grosnlandica. — Von den Secundarnerven gehen in rechten Winkeln zahlreiche 
\ervillen aus, die theils einfach, theJls aber gabiig getheilt sind. Die Zähne sind einfach und jedem Secundar- 
crv entspricht je ein Zahn. Er ist etwas nach vorn geneigt, stumpflich und von seinem Nachbar durcli eine 
tumpfe Bucht getrennt. — Bei einem kleinen Blatt der Stockholmer Sammlung (Taf. X. Fig. 4) sind die 
iälmc kleiner und etwas weniger scharf geschnitten und es ist mir zweifelhaft, ob dasselbe wirklich zur 
erliegenden Art oder doch vielleicht eher zu Q. furcinervis gehöre. 

Ist ähnlich der Quercus deuterogona Ung. und Q. etymodrys Ung. von (xlcichenbcrg, hat aber eine 
mger vorgezogene Spitze und grössere, schärfer vortretende Zähne. Auch ist die Blattbasis anders gebildet 
Is bei Q. et}'modrys. Von der Fagus dentata Ung. imterscheidet es sich durch die lang ausgezogene Blatt- 
)itze und den verschmälerten Blattgrund. Es hat Gaudin ein Blatt vom Mt, Bamboli abgebildet, welches 
i dieser verschmälerten Blattbasis von der Fagus dentata abweicht und lebhaft an unser Eichenblatt erinnert; 
3 fehlt ihm aber die ganze obere Hälfte, so dass eine genauere Verglcichung nicht möglich ist. Unter den 
benden Arten haben die Sumpfkastanieneiche (Quercus Prinus L.) und die gelbe Kastanieneiche (Q. castanea 
>^illd.) der Vereinigten Staaten sehr ähnlich gebildete Blätter. Bei der Q. castanea sind aber die Zähne 
Jhärfer und vorn zugespitzt, wogegen sie bei Q. Prinus L., namentlich der Varietät, welche als Q. montana 
i^illd. bekannt ist, ganz dieselbe Form haben. Bei Q. Prinus haben wir aber weniger Secundarnerven als 
ci der grönländischen Eiche und das Blatt ist in der Regel oberhalb der Mitte am breitesten. Bei der 
i-ossen Uebereinstimmung in allen übrigen Verhältnissen haben wir diese als die homologe lebende Art 
■1 betrachten. Sie ist nach A. Gray häufig von Pennsylvauien an südwärts, berührt aber Canada nicht. 



Cupulifercn. ' j^qc) 



I 



53. Querem Olafseni m. Taf. X. Fig. 5. XL Fig. 7—11. XL VI. Fio-. 10. 

Q foliis petiolatis, mcmbranaccis, amplis, ellipticis, inar^nne duplicato-dentatis, dentibus obtusiusculis ; multincrväs nervis 
sccundariis subparallclis, nonnuUis apice furcatis. craspedrodromis. ' 

Atanckerdluk, ziemlich häufig. (Dublin und Kopenhagen.) 

Ich luabe früher drei verschiedene BLattformen unter diesem Namen zusammcngefasst; das reiche neue 
^latcrial, das mir aber aus Kopenhagen zugekommen ist, hat mich überzeugt, dass diese als verschiedene 
Arten auseinander gehalten werden müssen; es sind dies: erstens die Q. OLafseni mit membranüsen, vorn 
nicht in eine Spitze verL'ingerten, stumpt'/ahnigcn Bhittern; zweiten.s die Q. platania mit sehr grossen, 
vorn in eine hange, scharfe Spitze ausgezogenen, scharfzahnigen JUättern, deren Sccundarnerven mehrere 
tertiäre in den Kand aussenden; und Q. S tecn strupiana mit kleinen, lederartigen Blättern, die ein stark 
vortrotcndes, feines Netzwerk besitzen. Alle drei Arten haben doppelte Bezahnung und unterscheiden sich 
• dadurch von Q. groenlandica. 

Die auf Taf. XL Fig. 7—12 und XL VII. Fig. 10 abgebildeten Blattstücke lassen die Form desselben 
ergänzen, was ich in Taf. X. Fig. 5 gethan habe. — Das Blatt hat einen massig langen Stiel; es ist nicht 
lederartig, in der Mitte am breitesten, nach beiden Enden gleichmässig verschmälert, vorn aber nicht hi eine 
Spitze ausgezogen. Der Rand ist gezahnt und zwar entspricht jedem Secundarnerv ein Zahn, daneben kommt 
aber noch ein etwas kleinerer Zwischenzahn vor, in welchen öfter ein Tertiärnej-v ausläuft, wodurch das 
Blatt zu einem doppelt gezahnten wird. In der untern Blattpartie sind öfter zwei Zwischennerven vorhanden. 
Die Sccundarnerven sind theils alternierend, theils gegenständig, entspringen in halbrechten Winkeln, laufen 
unter sich parallel und biegen sich erst am Rand, wo sie in die Zähne ausmünden, öfter etwas nach oben. 
Sie besitzen nur zu äusserst einzelne sehwache, in die Zähne ausmündende Tertiärnerven. Die zahlreichen 
Xervillen entspringen in fast rechten Winkeln und sind durchlaufend. 

54. Quercus platania m. Taf. XL Fig. 6. Taf. XL VI. Fig. 7. 

Q. foliis membranaceis, maximis, apice cuspidatis, margine duplicato deiitatis, dentibus acmis, incurvis; multincrväs, nervis 
sccundariis ramosis, craspcdodromis. 

Atanckerdluk. (Stockholm. Kopenhagen.) 

Das Taf. XL VI. Fig. 7 abgebildete Blatt muss eine Breite von wenigstens 110 Mill. gehabt haben, 
und erreichte wahrscheinlich eine Länge von etwa 250 Mill. oder gegen Vs Par. Fuss. Es ist nur die obere 
Partie erhalten, welche gegen die Spitze sich allmälig verschmälert und in eine lange, sehmale, ungezahnte 
Spitze ausläuft. Die untern Sccundarnerven senden mehrere Tertiarnerven aus, während die obersten einfach 
bleiben. Sie sind randläufig. Die Felder sind mit zahlreichen, theils durchlaufenden, theils gabiig sich thei- 
londen und unter einander sich verbindenden Nervillen angefüllt. Die Zähne treten an den Enden der 
Sccundarnerven stark hervor und haben eine etwas nach vorn gebogene Spitze, zwischen diesen grossen 
Zähnen sind sind ein, zwei und drei kleinere Zähne, in welche die Tertiarnerven münden. — Zu dieser Art 
gehört sehr wahrscheinlich der Taf. XL Fig. 6 dargestellte Blattfetzen, welchen ich früher zu Q. Olafseni 
gerechnet hatte, da er nach vorn in ähnlicher Weise sich verschmälert und in eine Spitze ausläuft. 

Unterscheidet sich von Q. groenlandica durch die doppelten, scharfen ,^ähne und die Verästelung 
der weiter auseinander stehenden und weniger straffen Sccundarnerven, von Q. plafseni durch diese mehr 
verästelten Nerven und die lang ausgezogene Blattspitze. Die Zahnbildung erini|ert lebhaft an Platanus, das 
Blatt war aber fiedernervig. Auch die obere Partie des Blattes der Vitis Olriki hat eine gewisse Aehnlich- 
eit, allein die Zähne sind bei Quercus platania anders gebildet und die Sccundarnerven verlaufen in anderer 
Weise. 

" 55. Quercus Steemtrupiana m. Taf. XL Fig. 5. Taf. XLVL Fig. 8. 9. 

Q. foIlis coriaceis, parvulis, ovalibus vel ellipticis, subduplicato-dentatis, dentibus argutis, nervis secundariis utrinque 8 -9, 
iinc indc furcatis. craspedodromis, arcolis evidenter reticulatis. 

Atanekerdluk. (Dublin. Kopenhagen) 

Ich habe diese Art zunächst auf das überaus zierliche Blatt der Kopenhagener Sammlung (Taf. XLVL 
^ig. 8), das mit mehrern Blättern der Q. Olafseni auf demselben Stein liegt, gegründet. Es ist elliptisch, 
n der Mitte am breitesten und nach beiden Seiten gleichmässig verschmälert uikI vorn wahrscheinlich ziigc- 
pitzt, doch fehlt diese Spitze, ohne dieselbe ist das Blatt 47 Mill. lang (mit der Spitze betrug die Einige 
wahrscheinlich 50 Mill.) bei 24 Mill. Breite. Der Rand ist insofern doppelt gezahnt, als ein Zahn am Aus- 
lauf jedes Seitcnnervs steht und ein bis zwei Zähne dazwischen, doch sind diese Zwischenzähne nur wenig 
j^leiner als die Hauptzähne. Alle Zähne sind sehr klein, aber scharf. Von dem ^littelnerv entspringen jeder- 
eits je 9 Seitennerven in ziemlich spitzen Winkeln, welche aussen ein bis zwei kurze, in die Zwischenzähne 



110 Miocene Flora von Nordgrönlancl 



auslaufende Tertiärnerven haben. Die Felder durchziehen theils einfache, theils gabiig getheiltc Nervillen 
und die dadurch entstandenen Felderchen sind mit einem äusserst zierlichen, deiUlich vortretenden und von 
blossem Auge wahrnehmbaren polygonen Netzwerk ausgefüllt, wie dies ein vergrössertes Stück dieses Blattes 
in Taf. XLVI. Fig. 8 b. zeigt. 

Mit diesem Blatt vereinige ich Fig. 9 derselben Tafel und Taf. XI. Fig. 5; es haben diese Blätter die- 
selbe Grösse und Bezahnung und auch nur eine geringe Zahl von Secundarnerven, nur scheinen diese Blätter 
vorn stumpfer gewesen zu sein. Ich hatte letzteres früher zu Q. Olafseni gebracht und es für ein junges 
Blatt gehalten. Allein die geringere Zahl von Secundarnerven und die derbere BesehatFenheit und die Bil- 
dung des Adernetzes, wie es in den neuerdings mir zugekommenen Blättern sich erkennen lässt, nöthigt es 
zu trennen. 

licderartigc Blätter von selber Grösse und ähnlicher Form und auch deutlich ausgesprochenem Netz- 
werk haben Quercus annulata Wall, und Q. echinocarpa Hook. fll. aus dem Himmalaya, aber bei diesen 
ist der Rand nur vorn und einfach gezahnt und das Netzwerk besteht aus weniger regelmässig polyedrischen 
Zellen. Auch kann die Q. cuspidata Thb. aus Japan in Betracht kommen, bei welcher manche Blätter 
ZAvischenzähne haben , doch sind die Zähne hier viel grösser. 

« 

56. Quercus? atava m. Taf. IX. Fig. 13 a. b. 

Q. foliis pinnatifidis, lobatis, lobis apice rotundatis, nervis sooundariis flexuosis. 
Atanekerdhik, mit Pappolblättern. (Dublin und Kopenhagen.» 

Es sind von dieser Art nur sehr unvollständige Blattfetzen mir zugekommen, so dass die Form des 
Blattes nicht darnach bestimmt werden kann. Die Lappenbildung ist so ähnlich derjenigen unserer Eichen, 
dass das Blatt wahrscheinlich zu dieser Gattung gehört und zwar zur selben Gruppe wie Quercus robur L., 
welche in Europa erst in den plioccnen und diluvialen Formationen auftritt. Die Form der Seitenlappen ist 
am ähnlichsten bei Quercus Farncto Ten. aus Süditalien. 

Das Blatt war wahrscheinlich fiederspaltig, wie der tiefe obere Einschnitt zeigt (Fig. 13 a.). Der breite 
Scitenlappcn war auf der untern Seite mit kleinern, stumpfen, vorn zugerundeten Lappen versehen, ähnlich 
ivie Quercus Thomasii Ten (cf. Gaudin contributions. III. Taf. II. Fig. 1). Die Seitenuerven sind stark hin- 
und hergebogen, verästelt, und zwar geht in jeden Lappen ein Ast, der wieder viele zartere Nerven aus- 
sendet, welche am Rande in Bogen sich verbinden. Die Nervation ist fast pappeUrtig und dies lässt fragen, 
ob wir hier nicht den Fetzen eines Pappelblattes vor uns haben, dessen Lappen nur durch die Steinbedeckung, 
ilso zufällig, entstanden. Dagegen spricht aber, dass in jeden Lappen ein Nerv läuft und dass die Buchten 
?on den Nervenbogen eingefasst sind, was nicht durch Zufall so gekommen sein kann. 

Dritte Familie. ([Jliiiaceac. Ulmen. 

57. Planera Ungeri EU. Taf. IX. Fig. 8 b. 

PI. foliis breviter petiolatis, basi plerumque inaequalibus, ovatis, ovato-acuminatis et ovato-lanceolatis, sequaliter serratis 
/el serrato-crenatis, dentibus simplicibus. 

Eltingshauscn foss. Flora von Wien. S. 14. Taf. 2. Fig. 5-)8. Heer Flora tert. Helvet. H. S. fiO. Taf 1,XXX. 

Atanekerdluk, auf der Rückseite der grossen Platte mit Juglans paucinervis, Diospyros u s. w., neben einem Blatt von 
?terospermites integrifolius. (Dublin.) Ein zweites Blatt in der Kopenhagener Sammlung. | 

Stimmt in der ungleichseitigen Basis, den steil aufsteigenden Secundarnerven, die vorn in die Zähne 
iich umbiegen und in den stark nach vorn geneigten Zähnen mit der Planera Ungeri überein. Die Zähne 
;ind allerdings etwas weniger tief als bei der Mehrzahl der Blattei:-' dieser Art und mehr angedrückt, ähnlich 
R-ie bei PI. emarginata ; sie sind aber einfach und die Secundarnerven nicht gabiig getheilt wie bei PI. emar- 
;inata. Da auch bei uns Blätter der PI. Ungeri mit kleinen Zähnen vorkommen (cf. Flora helv. 1. c. Fig. 4. 
Mg. 14. Fig. 18 a.), liegt kein Grund vor, das Grönländer-Blatt von PI. Ungeri zu trennen. 

Das Blatt ist ziemlich gross, eiförmig-lanzettlich, am Grund etwas ungleichseitig, vorn zugespitzt. Die 
secundarnerven entspringen jederseits je zu 9 in spitzigen Winkeln und biegen sich aussen stark nach vorn, 
Ä'o sie in einer Bogenlinie in die Zähne auslaufen. Die Nervillen sind grossentheils verwischt. 

Von der Fagus dentata, von der ein Blatt auf derselben Tafel liegt, unterscheidet sich unser Blatt 
iurch die in spitzen Winkeln entspringenden, mehr nach vorn gebogenen Secundarnerven, durch die Blatt- 
spitze und die Blattbasis. 



Moi-cen. Platanen, m 

Vierte Familie. i13orcsr. 

5S. Ficus? grcenlandica m. Taf. XIII. Fig. 1—5. Taf. XLIX. Fig. 8. 

F. folüs membranaceis, amplis, rotundatis, margine undulatis, hinc inde glandulosis, palminerviis, nervis aecundariis curvatia 
camiitodromis. 

Atanekerdluk. (Olrik. M'Clintock. Colomb i 

Das scliünste Blatt ist in der Kopenhagener Sammlung (Taf. XLIX. Fig. 8). Es hatte eine Län"-e von 
143 Mill. bei einer Breite von 122 Mill. Am Grund ist es schwach ausgerandet, dort aber etwas verschoben, 
io dass die rechte Seite etwas nach vorn verschoben erseheint und die wahrscheinlich sonst sich entsprechenden 
Hauptnerven der beiden Blatthiilftcn etwas auseinander gerückt sind. Die beiden untersten sind kurz, ge- 
bogen ,_ der dritte dagegen ist sehr lang und reicht bis zu ^4 der Blattlänge hinaus. Er sendet zahlreiche 
jSccundarncrvcn aus, die stark gekrümmt und in grossen Bogen verbunden sind, die nahe bis zum Rande 
■eichen. Dieser ist nur auf der linken Seite ein Stück weit erhalten und dort bemerkt man an demselben 
jnchrcre runde, ziemlich tiefe Eindrücke, welche wohl nur von Drüsen oder Wärzchen herrühren können, 
lic dort gestanden haben. Die beiden Blatthälften haben gleich viel Nerven und das Blatt war wahrschcin- 
ich am Grund gleichseitig. Die Felder sind mit ziemlich stark vortretenden, theils durchgehenden, theils 
xablig getheilten Nervillen ausgefüllt und in den Felderchen bemerkt man ein sehr weitmaschiges Netzwerk. 
iDie Hauptnerveu sind für ein so grosses Blatt auffallend dünn und das Blatt war nicht lederig. Die Oberfläche 
st hier und da äusserst feinkörnig. 

Zu dieser Art gehören wahrscheinlich die auf Taf. XIII. Fig. 1 — 5 abgebildeten Blattfetzen. Bei Fig. 1, 
J und 3 sehen wir einen Theil des wellig gebogenen Randes. 

Die stystematische Stellung dieser Pflanze ist noch sehr zweifelhaft; es giebt Pflanzen sehr verschiedener 
Familien mit handnervigen, ähnlich gebildeten Blättern, ohne dass es mir gelungen ist einen in der Ncrva- 
ion genau zutrefl:enden Typus zu linden. Von den fossilen Blättern nähert es sich am meisten der Ficus 
ilifefoliai A. Br. sp., daher wir es vorläufig hier unterbringen. Es weicht davon namentlich durch die glcich- 
citige Basis, die gleiche Zahl von Hauptnerven in beiden Blatthälften und den mit Wärzchen besetzten 
vand ab. — Bei einem Blattfetzcn (Taf. XIII. Fig. 6) scheint auf einer Seite eiu Nerv mehr zu sein und 
licses nähert sich der F. tiliteiolia noch mehr, und es ist mir noch zweifelhaft, ob er zur vorliegenden Art 
;ehöre. Die untersten Nerven sind' kurz, dem Rande sehr genähert und im Bogen mit einem Ast des obern 
Hauptnervs verbunden. Dieser hat weit auseinander stehende Secundarnerven. Das Zwischengeäder bildet 
grosse ]\Iaschen mit zum Theil durchgehenden Nervillen. 

Die Grönländer Blätter, welche Goeppert als Dombeyopsis tili^folia u. grandifolia bestimmt hatte (Ab- 
landl. der schlesisch. Gesellsch. 1861. S. 199), gehören zu Populus arctica. 

Füafte Familie. Plataneue. 

59. Plafmms aceroides Gcepp. Taf. XH. Fig. 1—8. Taf. XL VII. Fig. 3. 

PI. folüs palmatifidis, trilobis, rarius subqiiinquelobis, lobo mrdio utrinque 2-4 dentato, lobis lateralibus magnis dcntatis, 
entibus inaqualibus, acutis; fructibus G'/j Mill. longis. apice parum incrassatis. 

Ilccr Flora tert. Hclvet. II S. 71. Goeppert Flora von Schossaitz. S. 21. 

Atanekerdluk. (M'Clintock. Dr. Toreil und Olrik ) 

Obige Diagnose ist auf die vollständigen Blätter und Früchte unserer Molasse gegründet. Aus Grönland 
ind mir zwar zahlreiche, doch keine vollständig erhaltenen Blätter zugekommen, stellen wir aber dieselben 
usammen, erhalten wir eine deuthche Vorstellung von dieser Blattform, welche mit der Art der Molasse 
bercinstimmt und zwar die auf Taf. XII. dargestellten Blätter mit der Form, welche ich in meiner Flora 
er Schweiz IL S. 72 d. «. besehrieben und auf Taf. LXXXVIII. Fig. 13 abgebildet habe. Prof. Gojppcrt 
ährt sie in der Flora von Schossnitz als Platanus Guillelmaj auf. Die Gattung Platanus wird für Grönland 
uch durch einen Blattstiel beurkundet, welcher dort gefunden wurde und an seinem Grund die chartikte- 
istische Knospcnbildung der Platane zeigt (Taf. XII. Fig. 6. 7). Bei diesem Baume wird die Knospe von 
er Basis des Blattstieles dermassen umfasst, dass sie ganz in der Höhlung des Stieles steckt und erst ge- 
2hcn wird, wenn das Blatt abgebrochen, wird. Bei den Fig. 6. 7 abgebildeten Stücken haben wir den unten 
nvcitcrtcn Blattstiel mit der von ihm umschlossenen Knospe (Fig. 8 diese vergrössert). 

Bei den Taf. XII. Fig. 2, 4 u. 5 abgebildeten Blättern haben wir zwei grosse gegenständige basilärc Haupt- 
erven, die aber ziemlich weit von der Basis abstehen, so dass noch für einen kurzen Seitennerv Raum cnt- 
jcht, in gleicher Weise, wie dies bei dem oben erwähnten Blatt von Schrotzburg der Fall ist (Taf. LXXXVIU. 
'ig. 13), und in ähnlicher Weise auch bei den in den Blattstiel verschmälerten Formen der Platanenblätter, 



I 



112 Miocene Flora von Nordo-i-onland 



b'- 



die Willdcuow PI. ciineata genannt hat. Es ist dies eine Nervation, die an die Crednerien erinnert. Da die 
beiden starken gegenständigen Nerven höher oben angesetzt sind, erscheinen sie hier als Secundarnerven ; der 
linke sendet bei Fig. 4 nach unten 5 Aeste nacli dem Rande \md läuft in eine Spitze aus; der Rand ist 
nicht erhalten und die Zähne, die ohne Zweifel hier standen, sind abgebrochen. Die weitern Nerven, welche 
vom Mittelnerv ausgehen, sind stark und die Felder von stark vortretenden, theils einfachen, thcils gabiig 
gcthcilten Ncrvillen durchzogen. Bei einem weitern Blattstttck der Stockholmer Sammlung (Taf. XII. Fig. 2) 
haben wir wenigstens auf einer Seite die Blattbasis erhalten, welche in den Blattstiel verschmälert ist. Bei 
einem weitern Stück derselben Sammlung (Fig. 5) war sie dagegen wahrscheinlich gerundet; auf der rechten 
Seite sind ein paar Zähne erhalten ; sie sind wie bei Platanus scharf und nach vorn gerichtet. Die Felder 
sind mit einem feinen polygonen Netzwerk ausgefüllt, das theilweise schön erhalten ist. Es stimmt dies Stück 
ganz 'zu dem von Gocppert in der Flora von Schossnitz Taf. XL Fig. 4 a. (als PI. rugosa) abgebildeten 
Blatt, nur dass ihm die Runzeln fehlen, welche ohne Z^veifel dem Steine angehören. 

Das Taf. XII. Fig. 3 abgebildete Blattstück ist eine Partie der Blattmi^te, bei welcher neben den 
starken Secundarnerven noch mehrere abgekürzte von dem Mittelnerv ausgehen und durch ihre Verästelung 
weite Unterfelder bilden. Es muss dies ein grosses Blatt gewesen sein, Taf. XII. Fig. 1 a. giebt die Blatt- 
spitze. Die Zähne sind stark nach vorn gekrümmt, treten aber wenig hervor und stehen weit auseinander; 
ein paar derselben haben kleine Nebenzähne, in welche ein Tertiärnerv ausmündet. 

Reste sehr grosser Platanenblätter von Atanekerdluk sind mir neuerdings von Kopenhagen zugekommen. 
Ein Stück (Taf. XL VII. Fig. 3) stellt den untern rechten Seitenlappen des Blattes dar und lässt auf ein 
Blatt schliessen, das wenigstens die Breite von 160 Mill. (also über 1/2 Par. Fuss) gehabt haben muss und 
seine Länge wird wenigstens ebenso viel betragen haben. Der starke seitliche Hauptnerv steigt etwas weniger 
steil in die Höhe als bei den in meiner Tertiärflora abgebildeten Blättern, verhält sich aber ganz so wie bei 
Fig. 3. Taf. IX. und Fig. 1. Taf. X. der Flora von Schossnitz, nur sendet auch der schwächere untere 
Scitennerv Aeste nach dem Rande aus, wie dies in ähnlicher Weise bei Taf. XL Fig. 4 der Flora von 
Schossnitz der Fall ist, so dass wir diese Merkmale auch bei den in Schlesien gefundenen Platanenblättern 
treffen. Die Basis des Blattes ist nach oben verschoben, daher die auffallende Lage des Endzahnes. Diese 
Zähne sind gross und scharf und wie bei den lebenden Platanenblättern nach vorn gebogen. 

Dritte Ordnung: Proteinae. 
ErKte Familie. Lauriueac. 

60. Daphnogene Kanii in. Taf. XIV. und Taf. XVI. Fig. 1. 

D. foliis coriaceis, oblongis, latitudine quadruple longioribus, integerrimis, trinerviis, nervis lateralibus acrodromis, apicem 
attingentibus : petiolo cylindrico, apice incrassato. 

Atanekerdluk. (M'Clintock, Cap. Inglefield und Olrik.) 

Auf einer stark eisenschüssigen, rothbraunen Steinplatte liegen drei Blattstücke beisammen; eines stellt 
iie Basis dar (Taf. XIV. Fig. 2 a.), ein zweites (Fig. 2 b.) ein fast vollständiges Blatt mit verdeckter Blatt- 
spitze, ein drittes 58 Mill. breites Blatt läuft quer über den Stein (Fig. 2 c). Auch auf der untern Seite 
dieser Platte liegt ein Blatt derselben Art (Fig. 5). Ueberdies bemerken wir auf derselben noch Blattstücke 
von Diospyros brachysepala , von Corylus Mac Quarrii (Taf. IX. Fig. 4) und von Phyllites membranaceus 
;Taf. XIX. Fig. 9). Auf noch bedeutend grössere Blätter lässt das Taf. XVI. Fig. 1 abgebildete Blattstück 
schhessen. Es hat eine Breite von 68 Mill. und muss in der Mitte eine Breite von 76 ]\Iill. gehabt haben. 
Vervollständigen wir das Taf. XIV. Fig. 2 a. b. dargestellte Blatt, wie dies in Taf. XIV. Fig. 1 geschehen 
ist, ersehen wir, dass dieses bei circa 50 Mill. Breite eine Länge von 200 Mill. hatte, also viermal länger 
ils breit war; beim selben Längenverhältniss erhalten wir für das Taf. XVI. Fig. 1 abgebildete Blatt eine 
Länge von 304 Mill., so dass diese Blätter mit dem Stiel mehr als Einen Fuss Länge erreicht haben. 

Es müssen diese merkwürdigen Blätter eine derb lederartige Beschaffenheit gehabt haben. Es geht 
dieses ebensowohl aus ihrem feinem Adernetz, wie der dick aufgetragenen Blattsubstanz hervor. Es muss 
'laher unsere Art einen Baum oder Strauch mit sehr grossen immergrünen Blättern gebildet haben. 

Diese Blätter sind ffanzrandia* und zwar wie es scheint bis zur Spitze hinaus, die freilich bei keinem 
Blatt erlialtcn ist. Doch reicht das Fig. 2 b. abgebildete Stück selir wahrscheinlich bis nahe zur Spitze und 
pigt uns, dass das Blatt nach vorn sich sehr allmälig verschmälert. 

Die vorhin erwähnten Blattstücke sind in der Sammlung der Royal Society von Dublin und wurden 



Laurineen. ijo 



er 



ihr von Sir Mac Clintock gcsclicnkt; das Taf. XVI. Fig. 1 abgebiklctc aber befindet sich im ]\rusenm d 
gcological Survcy in London und wurde von Capitän Inglcficld gesammelt. Es zeigt uns den BLattsticl und 
muss schon vor der Witte eine Breite von 72 ]\Iill., in der ]\Iittc aber wahrsclieinlicli eine solclie von 76 Mill. 
gehabt haben. — Von derselben Grösse muss auch ein Blatt der Kopenhagener Sammlung «•cwescn sein 
von dem eine 140 Mill. lange, mittlere Partie erhalten ist. 

Der Blattstiel ist bei dem Taf. XVI. Fig. 1 abgebildeten Blatt wenigstens theilweisc, aber nur im Ab- 
druck erhalten. Der erhaltene Theil hat 22 Mill. Länge, ist aber unten abgebrochen. Seine Breite beträo-t nur 
2 Mill., da wo er aber in die Blattfläche eingeht, ist er stark verdickt und bildet einen sehr tiefen Eindruck. 
Auch der Stiel hat einen tiefen Eindruck zurückgelassen und scheint cylindrisch gewesen zu sein. Die drei 
Hauptnerven entspringen von dem verdickten Ende des Stieles; alle drei sind von gleicher Stärke; sie sind 
sehr deutlich, doch schmal und laufen bis in die Blattspitze, so weit wenigstens diese erhalten ist (Fi"-. 2 b.). 
Sie nehmen nach vorn zu an Stärke wenig ab. Die Xervillen sind nicht durchgehend, sondern bilden zunächst 
zwei unregelmässige Reihen polygoner Felder, welche mit einem sehr feinen, aber deutlich vortretenden 
Netzwerk ausgefüllt sind; von den seitlichen Hauptnerven laufen Nervillen aus, welche vor dem Band in 
flachen Bogen sich verbinden und auch Unterfelder umschliessen, die mit einem äusserst feinen, aber deut- 
lich vortretenden Netzwerk ausgefüllt sind, wie dies besonders schün bei Fig. 4, Fig. 2 c. und 3 b. (zwei- 
mal vergrössert) abgebildeten Blattstücken zu sehen ist. Am Blattgrund (Fig. 2 a.) verlieren' sich die Nervillen 
in diesem feinen Netzwerk, dafür bemerken wir aber eine Mittellinie, die jedes Längshauptfeld wieder in 
zwei Hälften theilt (Fig. 2 a. a., zweimal vergrössert). Bei dem Fig. 4 abgebildeten Blatt sind diese j\Iittel- 
l'Tiien in den beiden mittlem Feldern nur am Grund angedeutet, bei den Randfeldern aber deutlicher und 
weiter nach vorn reichend. . ^ 

Die lederartige Beschaffenheit des Blattes, seine Ganzrandigkeit, seine drei Hauptnerven und das feine 

Netzwerk, welches die Felder ausfüllt, erinnern lebhaft an die Blätter von Cinnamomum, namentlich an 

Rossmässleri (Heer Flora tert. Helvet. H. Taf. XCIII. Fig. 2 — 4. 15. 17); es Aveicht aber von Cinnamomum 

lurch die Anschwellung des Blattstiels an seiner Insertionsstelle ins Blatt, wie durch den Umstand ab, dass 

n den mittlem Hauptfeldern keine durchgehenden Nervillen sind, und durch die 'Mittellinien, die am Blatt- 

jrunde die Hauptfelder durchziehen. Noch mehr weichen aber diese Blätter von denen der Melastomaceen 

indMjrtaceen ab; bei den letztern (und zwar auch bei Myrtus caespitosa und tpmentosa, die ähnliche folia 

fiplinervia besitzen) liaben wir einen Saumnerv, bei erstem meist dicht stehende, durchlaufende Nervillen; 

•on Cocculus (von denen C. laurifolius in Betracht kommen kann) unterscheiden sich unsere Blätter durch 

las viel feinere Netzwerk, das die Unterfelder ausfüllt. Da das Blatt in der Mehrzahl der Merkmale mit 

innamomum stimmt, gehört es sehr wahrscheinlich in die Familie der Laurineen, wofür namentlich das 

orbeerartige feinere Netzwerk spricht, und wird am zweckmässigsten zu Daphnogene gestellt, welche Sam- 

iielgattung die lederartigen, dreinervigen Blätter dieser Familie einschliesst, welche noch in keine bestimmte 

xattung eingereiht werden können. 

Ein ähnliches Blatt wurde in den Sandsteinen von Van Couver entdeckt, welches L. Lesquereux zu 
innamomum (C. crassipes) gebracht hat. 

Dem Andenken des Dr. Ehsha Kent Kane, welcher mit bewundernswerther Energie die arctischen 
egionen durchforscht hat, gewidmet. 

Zweite Familie. Proteaceae. 

61. Hakea (?) arctica m. Taf. XV. Fig. 5. 6. 

11. foliis coriaceis, ellipticis, intcgerrimis, quinquenerviis, nervis .acrodromis. 

Atanekcrdluk, ein Blatt im selben Stein mit Mac Clintockia dcntata. 

Ein lederartiges, stielloses, elliptisches Blatt, welches gegen den Grund zu verschmälert ist. Von dort 
;hen fünf gleich starke Längsnerven aus ; wir haben also neben dem Mittelnerv jedcrscits zwei in Bogen 
ir Sphze verlaufende Längsnerven. Von ihnen gehen, in zum Theil sehr spitzigen Winkeln, zartere Ner- 
llcn aus, von denen einige steil ansteigend sich mit dem benachbarten Längsnerv verbinden, andere aber 
fch verästeln und ein weites, unregelmässiges Maschenwerk bilden, welches mit keinem feinern Netzwerk 
isgcfüllt ist. Diese Nervatur ist wohl erhalten bei dem Fig. 5 abgebildeten Blatte, wogegen sie bei dem 
:g. 6 dargestellten Blatt, das in einem grobkörnigen, sandigen Stein liegt, verwischt ist. Dieses giebt aber 
jn Umriss vollständiger und zeigt uns, dass der Rand ungezahnt ist. Zwar fehlt die äusserste Spitze ; es 

\ aber nicht wahrscheinlich, dass dort noch Zähne gewesen seien. 

15 . 



Mioci'iic. l''l(ir;i VKii No)(hi;röii!;ui( 



o 



Es liat dies Blatt in Form und Ncrvation so grosse Aehuliclikeit mit dem der australisclicn Hakea 
latifolia, dass es mit vieler Wahrsclieinliclikeit dieser Gattmig zugetlieilt werden darf. Fossile Blätter mit 
älmliclier Nervation haben C. von Ettingsliausen und Graf Saporta nachgewiesen und als Hakea stenocarpi- 
folia Ett., H. plurinervia Ett. und H. redux Sap. beschrieben. 

Von Populus arctica zizyphoides unterscheidet sich das Blatt durch die Xervation. Auch hat Populus 
immer lang gestielte .Blätter. 

Mac Clinlockia m. 
Folia coriacea, petlolata, apicc plcrumquc dcntata, ncrvis longitudinalibus 3 — 7, acrodromis, arcia evidenter reticulatis. 
Lederartige Blätter, bei denen 3 — 7 gleichstarke Längsnerven vom verschmälerten Blatt<xrund aus^-ehcn 
und ^cgen die Blattspitzc laufen. Die Felder sind durch Ncrvillen in Unterfeldcr abgethcilt, welche nv't 
einem zwar sehr feinen, aber deutlich hervortretenden Netzwerk ausgefüllt sind. 

Eine ähnliche Ncrvation kommt bei den Blättern mancher Proteaceen und bei den Phyllodicn der 
Acacien vor *). Bei der Acacia laurifolia W., A. melanoxylon, A. Cyclopis, A. longifolia u. a. m. haben die 
Phyllodicn auch eine ganz ähnliche Form. Sie sind stiellos, gegen die Basis allmälig verschmälert, auch von 
mehreren schmalen, aber scharf vortretenden, gleich starken und spitzläufigen Längsnerven durchzogen. Die 
Felder sind in ganz ähnlicher Weise in Unterfelder abgetheilt und diese mit einem deutlichen Netzwerk 
ausgefüllt. Auch sind diese Phyllodien öfter (so bei A. laurifolia W.) etwas sichelförmig gekrümmt, wie wir 
dies bei Mac Clintockia Lyallii und trinervis zuweilen wahrnehmen. Es weichen aber die fossilen Blätter 
von diesen Phyllodien in drei wesentlichen Puncten ab ; erstens sind sie vorn gezahnt, was bei den Phyllodien 
der Acacien meines Wissens nie der Fall ist ; zweitens besteht das feinere Netzwerk aus kürzern, polygonen 
Zellen (Fig. 2 b. 4 b.). Bei den Phyllodien sind diese Zellen in die Länge gezogen und fast parallelseitig 
[cf. Fig. 13, wo ein Blattstück von Acacia laurifolia zweimal vergrössert ist), Avas dem feinern Netzwerk ein 
:indercs Aussehen giebt als es die fossilen Blätter zeigen, und drittens sind sie (wenigstens bei M'Clintockia 
Lyallii) lang gestielt. 

Unter den Proteaceen begegnen uns bei Grevillea (so der Gr. sapida), Protea (Pr. glabra) und Hakea 
Blätter mit ähnlicher Nervation, namentlich kommen die Hakeen in Betracht, so Hakea latifolia (Fig. 14 
rergrössert) , H, oleifolia, H. dactyloides und H. elliptica R. Br. und unter den fossilen Arten die oben 
rwähntcn Pflanzen. Die lederartige Beschaffenheit des Blattes, die Art, wie es gegen den Grund sich 
verschmälert, die acrodromen Längsnerven stimmen wphl zu dieser Gattung, bei welcher ganzrandige und 
gezahnte Blätter vorkommen (so bei H. obliqua und cristata). Sie weichen aber von diesen Hakeablättern 
lurch den Stiel und die feinere Nervation ab, indem die Felder bei Hakea nicht mit einem solchen feinen, 
olygonen Netzwerk ausgefüllt sind. Es können daher diese Blätter nicht zu Hakea gehören, anderseits finden 
vir ein ganz ähnliches feineres Maschenwerk bei Banksia, Dryandra und andern Proteaceen, die aber nur 
2inen Hauptnerv haben, daher die Bildung des feinern Netzwerkes die Proteaceen nicht ausschliesst. Es 
■cheint mir daher wahrscheinlich, dass diese Blätter einen eigenthümlichen ausgestorbenen Gattungstypus in 
1er Familie der Proteaceen bilden, auf welchen ich den Namen des um die arctische Geographie und Natur- 
geschichte hochverdienten Sir Leopold Mac Clintock (gegenwärtig in der Admiralität in Janjaica) übertragen 
labe. Es bilden jedenfalls diese Blätter einen eigenthümlichen, anderseits noch nicht aufgefundenen fossilen 
^flanzeutypus, dessen Stellung im Systeme erst durch Auffindung anderweitiger Organe endgiltig bestimmt 
werden kann. 



') Blätter mit mehreren parallelen oder bogenförmigen, spitzläufigen und gleich starken Ilauptncrvcn sind bei den Mono- 
:>tyledonen sehr häufig, selten dagegen bei den Dicotyledonen, zu welchen obige unzweifelhaft gehören. Ausser bei Proteaceen 
nd Acacien finden wir welche auch bei Synantheren (Bacharis), Epacrideen (Leucopogon) , Gentianecn, Rubiaccen, Rhamneen 
'olletia), Myrtacecn, Loranthc« i, und Plantagineen. Eine sorgfältige Vergleichung aller mir zugänglichen Formen, zeigte aber bei 
len diesen Familien so wesentliche Unterschiede, dass keine mit unsern fossilen Blättern verglichen werden können. Am ähn- 
chsten noch sind unter denselben die Blätter mancher Plantagineen (so von Plantago lanceolata und Lagopus), die aber durch 
ic zartere Beschaffenheit und den breiten Blattstiel, in welchen sie allmälig verschmälert sind, sehr abweichen und einen andern 
'atttypus darstellen. Bei Viscum (bei unsenn V. album L. wie bei den indischen Arten, so bei V. falcatum) haben wir ähnliche 
ntzläufige Längsnerven, aber ein ganz anderes Zwischengeäder. 



Protcacccn. jj^ 

62. Mac Cliniochia dmtata m. Taf. XV. Fig. 3. 4. 
M. folüs coriaceis, ellipticis, apice dcntatis, ncrvis acrodromis Septem, tenuibus. 

Atanekcrdluk ; mehrere Blätter; eines auf demselben Stein mit Sequoia Langsdorfii, Populus arctica und Ilakca arctica. 
(Dublin. Kopenhagen ) 

Die Bl.attbasis fehlt, dagegen ist die ganze übrige Partie Avohl erhalten. Es ist dies Blatt von der Milt& 
aus, sowohl nach vorn wie gegen den Grund zu allmälig versehmälert und vorn in eine Spitze auslaufend. 
Am Grund war es ganzrandig, in der vordem Hälfte und bis zur Spitze aber grob gezahnt. Die Zähne 
sind lang, nach vorn gerichtet, stumpf, einige aber mit einer etwas gekrümmten Spitze verseilen (Fig. 4 c). 
Das Adernetz tritt bei den Fig. 3 u. 4 abgebildeten Blattstücken sehr deutlieh hervor und ist aus^-ezreichnet. 
Bei dem vollständigsten Stück (Fig. 4) erblicken wir 7, fast parallele Hauptnerven, von denen die 5 mitt- 
lem yon gleicher Stärke sind, nur die äussersten sind schwächer und in weniger o-erader Linie verlaufend» 
so dass sie mehr nur als die mit dem Rand parallelen Bogen der Seeundarnerven erscheinen. Drei laufen 
bis zur Spitze. Die Felder zwischen diesen Längsnerven sind mit einem deutlieh vortretenden," polygonen 
Netzwerk ausgefüllt. Das feine Netzwerk liegt zunächst in grössern Unterfeldern, welche durch etwas stärkere 
Ncrvillcn begrenzt werden (Fig. 4 b.). Diese sind, nur schwach" aufsteigend, theils durchlaufend, theils "-e- 
brochcn, aber nur sehr wenig über das feinere Netzwerk hervortretend. Die z;arten Nerven, welche in die 
Zähne auslaufen, entspringen aus den Bogen der Felder (Fig. 3 b.). Das Blatt hat eine Breite von 41 Mill. 
und erreichte wahrscheinlich circa 90 Mill. Länge. 

CS, Mac Clintockia Lyallii m. Taf. XV. Fig. 1 a. 2. XVI. Fig. 7 a. b. XVH. Fig. 2 a. b. XLVH. Fig. 13. 

Taf. XLVHI. Fig. 8. 

M. folüs longe petiolatis, coriaceia , lanceolatis, integerrimis vel modo apice denticulatis , pervis acrodromis tenuibus 5 7. 

Phylliles Lyallii Heer Vierteljahrsschrift der zürch. nalurforsch. Gesellschaft. 1862. S. 5. ' 

Atanekcrdluk häufig. (Dublin. Kopenhagen.) 

Hat die Nervatur der vorigen Art, ist aber am Grund mehr verschmälert und bis gegen die Spitze 
ganzrandig. Nur vor der Spitze finden sieh zuweilen ein paar kleine, wenig vortretende Zähne. Das Blatt 
hat einen scharf abgesetzten, dünnen, langen Stiel (Taf. XLVH. 13. und XLVHI. 8), der cylindrisch gewesen zu 
sein scheint. Es ist in der Mitte am breitesten und gegen beide Enden hin gleichmässig verschmälert und vorn 
zugespitzt (Taf. XV. 2). Es ist von 5 — 7 gleich starken Längsnerven durchzogen, welche von der Basis bis 
nach vorn und die mittlem bis in die Blattspitze reichen. Sie sind überall von selber Dicke und erscheinen 
als ganz schmale, aber scharfe Längslinien. In der Mitte des Blattes treten sie weiter auseinander. Am Blatt- 
gnind bemerken wir zwischen denselben meistens je zwei Reihen polygoner Zellen, weiter oben je vier und 
noch weiter oben findet eine noch weitere Vermehrung der Zellen, welche die Zwischenfelder füllen, statt. Hier 
sind die Zellen, welche das Netzwerk bilden, weniger regelmässig angeordnet, indem von den Hauptnerven 
Nervillen ausgehen, die ein etwas stärker vortretendes Netzwerk bilden, in welches zartere Zellen eingelagert 
sind (Taf. XV. Fig. 2 b. ein Blattstück, zweimal vergrössert). Von nahe dem Blattgrund bis über die Mitte 
hinaus haben wir zwischen je zwei Hauptnerven öfter einen zartern Zwischennerv, zu dessen Seite je zwei, 
tiefer unten je eine Zeilenreihe sich findet. Diese polygonen, sehr deutlich vortretenden Zellen, welche das 
Maschenwerk ausfüllen und gleichmässig über das ganze Blatt vom Grund bis zur Spitze sich verbreiten, 
geben dem Blatt ein lederartiges Aussehen. 

Diese Blätter sind öfter etwas sichelförmig gebogen, indem die linke Randlinie einen stärkern Bogen 
bildet als die rechte (Taf. XV. 2). Die Stiele sind selten erhalten und vollständig nur bei einem Blatt der 
Kopenhagener Sammlung (Taf. XLVHI. 8). Es haben diese Blätter durchschnittlich eine Länge von 100 Mill., 
es giebt aber welche, die nach ihrer Breite zu urtheilen fast doppelt so lang waren. 

64. Mac Clintockia trincrms m. Taf. XV. Fig. 7. 8. 9. 

M. folüs coriaceis, lanceolatis, basi attenuatis integerritris, apice dentatis, triplinervüs. 

Atanekcrdluk, mit Populus Gaudini. (Lieut Colomb.) 

An dem Fig. 7 abgebildeten Blattstücke fehlt die Spitze und Basis. Es hatte offenbar lederige Beschaf- 
fenheit und war etwas sichelförmig gekrümmt. Es ist gegen die Basis zu sehr allmälig verschmälert. Am 
Grund und bis weit nach vorn ganzrandig, vorn aber am Rande mit einigen scharfen, nach vorn gekrümm- 
ten Zähnen versehen. Eine sorgfältige Untersuchung hat mich überzeugt, dass dies wirkliche Zähne seien, 
in welchen ein feiner Nerv ausläuft (cf. Fig. 7 b., wo ein solcher vergrössert ist). Die drei Hauptrippen, 
Avclche das Blatt der ganzen Länge nach durchziehen, sind von gleicher Stärke, sehr schmal, obglcicli scharf 
'ausgesprochen. Die Felder dazwischen sind zunächst durch feine Nervillen in polygonc, ziemlich grosse 



lltj Mioccnc Flora von Nordo-vönland 



{3* 



Untcrfcldcr abgctheilt. Die Unterfelder zwischen der mittlem und den beiden seitlichen Rippen stehen mi 
der mittlem Partie in zwei Reihen, in der untern aber lösen sie sich in das feine Netzwerk auf. Von den 
beiden seitlichen Hauptnerven laufen nach aussen zarte Nervillen, die vom Rand ziemlich weit entfernt flache 
Bogen bilden und ziemlich grosse Unterfclder einschliessen, zwischen welchen und dem Rande undeutliche 
imd ins Netzwerk sich auflösende kleine Felder stehen. Alle diese Unterfelder sind mit einem deutlich vor- 
tretenden Netzwerk ausgefüllt, welches aus ziemlich grossen, mit blossem Auge leicht wahrnehmbaren, polj- 
iionen Zellen besteht. 

Der Taf. XV. Fig. 9 abgebildete Blattrest stellt wahrscheinlich die Spitze eines Blattes derselben Art dar. 
Der Rand ist mit grossen, vorwärts geneigten, durch stumpfe Buchten von einander getrennten Zähnen 
besetzt. Kleinere Zähne hat ein anderes Stück (der Stockholmer Sammlung Fig. 9 b.), das auch die Blatt- 
spitze darstellt. 

In Fig. 8 habe ich das Blatt zu vervollständigen gesucht. Es weicht diese Art zwar in Form und ' 
Nervatiou des Blattes bedeutend von den beiden vorigen ab, scheint aber doch zur selben Gattung zu ge- 
hören. Durch seine drei Hauptnerven ähnelt es der Daphnogene Kanii, unterscheidet sich aber sogleich durch 
seine Bezahnung. In der Form erinnert es lebhaft an Cocculus laurifolius, von dem es aber durch seine 
Bezahnung und feinere Nervation abweicht. 

Zweite Cohorte. Gamopeüala*. 

Erste Ordnung: Bicornes. 
Erste Familie. Ericaceoc. Don. 

65. Andromeda prologcea Ung. Taf. XVII. Fig. 5 e. 6. 

A. foliis coriaceis, lanccolatis, utrinque attcnuatis, integcrrimis, longe petiolatia, nervo priiiittno valido, secunJarüs tenuis- 
simis, valde cui'vatiS; areis a3qualiter, subtilissime reticulatis. :' 

Ungor Flora von Solzka. Taf. XXIII. Fig. 2. Heer Flora lert. Helvet. IN. S. 8. '''. 

Atanekerdluk , eia voUatändiges Blatt auf der grossen Platte, Taf. XV.'I. Fig 5 c , unvollständigere Stücke auf Taf. XV. 
f ig. 0. 

Stimmt sehr wohl zu den Blättern der Schwcizer-Molasse (vgl. besonders Taf. Gl. Fig. 26 c. d. der 
Schweizer-Flora). Bei diesen haben wir zarte Secundarncrven und ein feines Netzwerk, welches die Felder 
ausfüllt. Von den Blättern von Sotzka, welche Unger beschrieben und abgebildet hat, zeigt eines in der 
Abbildung ebenfalls deutliche Secundarnerven (Unger Sotzka. Taf. XXHI. Fig. 2) und dieses gehört wohl 
mit unsern Blättern zusammen; bei den andern von Unger dargestellten Blättern sieht man dagegen nichts 
von solchen Secundarncrven. Bei einem Blatt, das mir von Sotzka zukam, ist die ganze Blattflächc vom 
Mittelnerv bis zum Rande mit einem feinen, fast gleichmässigen Netzwerk überzogen, dessen Nervillen stark 
nach vorn gebogen sind ; es treten aber aus diesem Netzwerk keine Secundarncrven hervor. Diese Blätter 
timmen mit der Andromeda narbonensis Saporta von Armissan überein (annales des scicnccs naturelles. HL 
1866. S. 290), von welcher Saporta die Blüthen und Fruchtstände nachgewiesen hat. Hierher gehört wohl 
luch die A. protogsea Etting. Hairing. Taf. 22. Fig. 1 — 8, während die Andromeda von Tallja (A. Weberi 
Ettingshausen Flora von Tokay. Taf. H. Fig. 1) die Nervation unserer A. protogsea hat. Bei den von Massa- 
ongo von Senegagiia abgebildeten Blättern (Flora fossile Senegalliesi. S. 297. ,Taf. XXXIV. 3. 6) treten 
lie Secundarnerven und das Zwischengeäder so stark hervor, dass diese Art noch zweifelhaft bleibt. 

Die Grönländer Blätter sind derb lederartig, nach beiden Enden gleichmässig verschmälert. Sic haben 
ange Blattstiele (Fig. 6) und einen starken Mittelnerv, aber ungemein zarte, bogenläufige Secundarnerven 
die in der Zeichnung Fig. 5 e. zu stark angegeben sind) und ein gleichmässiges Netzwerk, das aus sehr 
deinen polygonen Zellen gebildet ist (cf. Fig. 5 e. e., wo ein Blattstück vergrössert). Die Felder zwischen 
len Secundarnerven sind ganz von diesem zarten Netzwerk ausgefüllt, ohne dass an demselben stärkere 
N^erven hervortreten. 

66. Andromeda denticulata m. Taf. L. Fig. 11 d. e. 

A. foliis coriaceis, lanceolatis, utrinque acvminatis, apice denticulatis , tenuissime reticulato-venoeis , nervis secundariis 
'bsoletis, in areolas subtilissimas solutia. 

Atanekerdluk. (Olrik. 1861.) Auf demselben Stein mit Thujopsis europaea, Sequoia Langsdorfii, Populus arctica und Mac 
vlintockia. 

I Ein zierliches, lederartiges Blättchen, das vorn in eine lange, scharfe Spitze ausgezogen und am Grund 

iLUch stark verschmälert ist. Es ist bis zu 2/3 Länge ganzrandig, vorn aber mit sehr kleinen, doch scharfen 



Ericaceeu. Ebenaccen. 117 

Zähnchen besetzt. Der Mittelnerv ist sehr schmal, tritt aber doch scharf hervor, von demselben gehen in 
Bogenlinien äusserst zarte Secundarnerven aus, die sich bald in dem zierlichen, feinen Netzwerk verlieren, 
das ganz gleichmässig das ganze Blatt überzieht. Hat ganz die Form und auch Nervation der A. protogaia' 
(Taf. XVII. Fig. 5 e.), unterscheidet sich aber durch die Bezahnung. Gehört wahrscheinlich in die Gruppe 
Leucothöe Don. 

67. Andromeda Saportana m. Taf, XVII. Fig. 7. 

A. foliis coriaceis, lineari-lanceolatis, basi attenuatis, intcgerrimis, nervatione tlictyodroma , nervillis reticulatis, valde 
conspicuis 

Atanekerdluk. (Dr. Torell.) Auf demselben Stein mit Sequoia Langsdorfii, Taxites Olriki, Populus arctica, Diospyroa brachy- 
sepala und Phragmitcs ccningcnsis. 

"Spitze und Basis fehlen, dagegen ist die Nervation sehr schön erhalten. Die Blattseitcn sind zuerst 
parallel, gegen den Grund zu aber allmälig verschmälert und ganzrandig. Der Mittelnerv ist zwar schmal 
tritt aber scharf hervor; die Secundarnerven treten fast in einem rechten Winkel aus demselben sind dann 
aber stark nach vorn gekrümmt und treten kaum merklich aus dem übrigen Netzwerk hervor. Dieses besteht 
aus polygonen Zellen, welche die ganze Blattfläehe mit einem sehr stark vortretenden Netzwerk überziehen 
(Taf. XVII. Fig. 7 b. ein Blattstück vergrössert). 

Steht der vorigen Art sehr nahe, ist aber durch das in der Mitte parallelseitige Blatt und das viel stärker 
vortretende Netzwerk von dieser wie von den zahlreichen von G. v. Saporta beschriebenen Arten verschieden. 
In der Blattform stimmt es ganz zu Andromeda reticulata Ett. (Hsering. S. 65. Taf. XXII. Fig. 9 Heer 
Lignit of Bovey Tracey. S. 49. Taf. XVII. Fig. 10 u. 11, und Hampstead plants proced. of the geol. soc. 
1862. S. 373. PI. XVIII. Fig. 12. 13), diese hat aber ein viel feineres Netzwerk, das nur mit der Lupe 
gesehen wird. Vielleicht stellen aber diese Stücke die Blattoberseite, das Grönländer-Blatt aber die Unter- 
seite dar, so dass sie doch zusammengehören. Vor der Hand aber müssen wir sie getrennt aufführen. 

Zweite Ordnung: Styracinae. 
Erste Familie. Ebeuncetc. 

6S. Diospijros brachysepala A. Br. Taf. XV. Fig. 10—12. XVII. 5 h. i. XL VII. 5—7. 

D. foliis pctiolatis, ellipticis utrinque attenuatis, intcgerrimis, ncrvis secundariis altcrnantibus, remotiusculis, snb angulo 
acuto cgrcdientibus, curvatis, ramosis. 

Heer Flora lert. llelv. III. S. II. ? 

Zwei schöne Blätter sind auf der Rückseite der blattrcichen grossen Platte von Atanekerdluk (Taf. XVII. Fig. 5 h, i.); zwei 
andere auf der Platte mit Juglans, Rhamnus, Fagus, Plancra (Taf X.V. Fig. 11). Dazu kcmmen noch mehrere vereinzelte Blätter 
der DuDliner und Stockholmer Sammlung, daher diese Art niclit selten gewesen i^t. 

Das Blatt ist ganzrandig; am Blattstiel verschmälert. Vom Mittelnerv gehen in etwa halbrechten Winkeln 
in ziemhch weiten Abständen starke Secundarnerven aus, die gegen den Rand^.zu starke Bogen bilden und 
sich dort verbinden. Bei einem Blatt (Taf. XV. Fig. 10) sind die zwei untersten Seitennerven gegenständig, 
während die andern alternirend sind. Die Nervillen sind zart und meist gabiig getheilt und erzeugen ein 
weitmaschiges Netzwerk. Durch dieses, wie die bogenläufigen Secundarnerven kann man diese Blätter leicht 
von den Buchenblättern unterscheiden. 

Stimmt sehr wohl mit den Blättern von Oeningen und unserer Molasse überein. Da bei einem Blatt- 
stück die untersten Seitennerven gegenständig sind wie bei Diospyros lancifolia Lesquer. (Heer Pflanzen von 
Vancouver und britisch Columbien. S. 8) schliesst sich letztere noch näher an unsere Art an und ist wohl 
kaum davon zu trennen. 

Var. b.) longifolia. Heer Flora tert. Helvct. III. S. 12. 

Auch die schmalblättrige Form dieses Blattes mit vorn länger ausgezogener Spitze kommt in Grönland 
vor (Taf. XV. Fig. 12), wie in der Schweizer-Molasse. 

Zu dieser Art gehört sehr wahrscheinlich der Taf. XLVI. Fig. 11 und Taf. XL VII. Fig. 6, vergrös- 
'sert 6 b. abgebildete Blumenkelch. Er ist wie bei Diosp. Lotus in vier Lappen gespalten, welche von der- 
selben Grösse sind, wie bei dieser lebenden Art. Sie sind lederartig, vorn stumpf zugerundet; in der ]\Iittc 
bemerken wir den Ring, an welchem die Krone befestigt war. Dieser Kelch vergrössert sich mit der Fruclit 
;and umgiebt dieselbe. Von diesem Fruchtkelch hat sich die Basis erhalten (Taf. XLVII. Fig. 7); wir 
:bemerken die vertiefte Partie, welche die Frucht umgeben und den vortretenden Hing, der sie getragen 
jiat. Von den Kelchlappen aber sind nur einzelne Reste erhalten, die aber zum Fruchtkelch von D. brachy- 

I 



18 Mioccnc Flora von Nordgrönland. 

cpala stimmen (cf. Flora tcrt. Helv. Taf. CIL 12). Die Frucht selbst haben wir, von mehreren Blättern 
[es Diospyros umgeben, bei Fig. 4 b., vergrössert Fig. 5. Man sieht 7 Samen, die in einen Kreis gestellt sind. 
;ie haben ganz dieselbe Stellung wie die 8 Samen von Diospyros Lotus L. Das Fruehtfleisch ist zerstört und 

sind die Same^ durch breite Furchen von einander getrennt. Es muss daher die Beere vom Schlamm 
.mhüllt worden sein, weil sonst die Samen auseinaudergefallen Wcären. Diese Samen sind phatt, wie bei 
). Lotus. Eine ähnliche Diospyrosfrucht mit Samen ].at Unger als D. Zollikoferi beschrieben (Sylloge plan- 
irum. S. 27. Taf. IX. Fig. 6). Auch Fig. 5 f. gehört Avahrscheinlich hierher. Es sind 12 Körperchen (Samen) 

1 einen Kreis gestellt, schliessen aber fest aneinander an, wie die Carpellen einer Malva. Bei Fig. 5 g. 
liegen zwei Früchte nahe beisammen. Sie sind kuglicht und haben die Grösse und Form der Früchte des 
)iospyros Lotus L. Bei der Frucht rechts sind zwei Samen herausgefallen , ihre Höhlen aber sind zu sehen. 
)ie andere liegt neben einem Zweigstück; ob die Rinde, die sie hier und da deckt, vom Kelch herrühre, 
>t nicht zu ermitteln. 

69, Diospijros Loveni m. Taf. VII. Fig. 7. 8. XL VII. Fig. 8. 

D. foliis firmis, coriaceis, integerrimia, nervis secundariis remotis, sub angulo acuto egredientibus, valde camptodronnis, ra- 
losis, areis argute reticulatis. 

Atanekcrdluk ; ein Blatt auf demselben Stein mit Querciis furcinervis und Olafseni (Stockholm Kopenhagen.) 
Es ist dies Blatt ausgezeichnet durch das zierliche, feine Netzwerk, das sehr scharf hervortritt, so 
ass es von blossem Auge leicht gesehen wird. Es besteht aus gleich grossen polygonen Zellen, welche die 
'clder ganz ausfüllen, die von den Verästelungen der Secundarnerven gebildet werden (Fig. 7 d. ein Blatt- 
tück vergrössert). Die Secundarnerven entspringen in einem halbrechten Winkel und theilen sich in Aeste, 
eiche in grossen Bogen sich verbinden, die vom Rande ziemlich weit entfernt sind. Basis und Spitze des 
lattes ist nicht erhalten, doch macht Fig. 8 es wahrscheinlich, dass das gi'osse Blatt vorn zugespitzt und 
ohl elliptisch war. Der Seitenrand ist ungezahnt. Es ist das Blatt lederartig gewesen, wie bei den tropi- 
:hen Diospyros- Arten. Bei dem Blatt der Kopenhagener Sammlung (Taf. XLVIL Fig. 8) ist der Rand wellig 
ebogen. Die Nervatur ist ganz wie bei den vorigen Blättern. 

i" 
Dritte Ordnung: Contortae. 

Erste Familie. Gcntiancae. 

70. Menyanlhcs arclica m. Taf. XVI. Fig. 2. 3. 

M. foliolis intcgerrimis, nervo primario striato, nervis secundariis decurrentibus, ramosis. 

Atanekcrdluk, auf demselben Stein mit Populus Gaudini. (Colomb.) 

Fig. 2 Stellt ein unvollständig erhaltenes Blatt dar, das mit den Seitenblättchen von Menyanthes in der 
igleichseitigen , verschmälerten Basis, in dem flachen Mittelnerv und den an denselben herablaufenden 
ecundarnerven übereinstimmt. 

Das Blatt ist gegen den Grund allmälig verschmälert, ganzrandig, mit ganz flacher Mittclrippe, in ihr 
:;merken wir drei Längsstreifen und feine Queräderchen (Fig. 2 b.). Die Seitennerven sind zart, am Grund 
n Mittelncrv herablaufend, stark nach vorn gerichtet und vorn in Bogen verbunden. Ebenso sind ihre 
enigen, sehr zarten Aeste in starken Bogen verbunden. Das feinere Aderuetz, welches bei Menyanthes sehr 
gcnthümlich ist, ist leider nicht erhalten. Die eine Blatthälfte ist am Grund viel schmäler als die andere. 

Ein zweites Blattstück (Fig 3 a.) stellt wahrscheinlich das mittlere Blättchen dar mit dem Blattstiel, 
Jr auch deutliche Längsstreifen zeigt. Der Mittelnerv ist ganz flach, die seitlichen sehr zart und verästelt. 
as ganze Blatt bestand wahrscheinlich aus drei Blättehen, von welchen das mittlere gestielt und glcich- 
itig, die beiden seitlichen aber sitzend und ungleichseitig waren. 

Ob diese Art mit der Menyanthes tertiana der Schweizer-Molasse zusammengehöre, ist zur Zeit nicht 
öglich zu entscheiden, da wir von dieser Art nur die Samen kennen. 

Zweite Familie. Oleacese. 

71. Fraxinus denticulaia ni. Taf. XVI. Fig. 4. 

Fr. foliolis ellipticis, sparsim denticulatis, basi attenuatis, sessilibus. 

Atanekcrdluk. In einem sandigen Stein mit Mac Clintockia Lyallil, Hedra Mac Clurii und Corylus M'Quarrii (Cap. Inglcfield.) 
' Ein einzelnes ungesticltes Blättchen, welches wahrscheinlich als Fieder eines zusammengesetzten, ge- 
Jl-derten Blattes einer Esche zu betrachten ist. Es ähnelt den Blättchen der Fr. prjedicta (Flora tert. Helv. 
il- S. 22), ist aber am Grund verschmälert und am Rand nur mit wenigen kleinen Zähneu versehen. 



Rubiaceen. Araliaceen. 119 

Es ist das Blättchen nacli beiden Enden gleiclimässig versclimälcrt. Die Xervation sehr dciitlicli. Vom 
Mittcluerv entspringen wenige Secundarnerven in spitzen Winkeln, sind weit nach vorn gebogen und bilden 
nahe dem Rande Bogen, die sie mit den nächstfolgenden Nerven verbinden. Von den untern gehen einzelne 
Aeste aus, die in die Randzähnchen auslaufen. Die Felder sind von einem feinen Netzwerk ausgefüllt. 

Das Blättchen ist kleiner als bei Fr. excelsior und stimmt in Grösse mit dem von Fr. oxyphylla M. Bieb. 
überein. 

Vierte Ordnung: Rubiacinae. 

Erste Familie. Sliibinceae. 

12. Galium antiqmim m. Taf. XVII. Fig. 8, vergrössert 8 b. 
G. fructibus sub-globosis, didymis, rugulosis. 
Atnnekcrdluk. (Mus. Dublin ) 

Zwei fast kuglichte Nüsschen, welche durch eine gerade Mittelwand zusammenhangen, bilden die Frucht, 
welche 31/2 ^^i^l- breit und 2V2 Müh hoch ist. Sie sind ungemein fein rvmzlicht und Aveissgefärbt, während 
das umgebende Gestein eine braune Farbe hat. Es ist die Frucht so ähnlich der von Galium, namentlich 
dem Galium palustre L., dass sie sehr wahrscheinlich von einer nahe verwandten Pflanze herstammt. 

h 

Dritte Cohorte. Polypclalae. 

Erste Ordnung: Um belli florae. 
Erste Familie. Araliaceae Jiiss. 

73. Hedera Mac Clurii m. Taf. XVII. Fig. 1 a. 2 c. 3. 4. 5 a. 

H. foliis longe petiolatis, margine angulatis vel sinuatis, 5 — 7 nerviis, nervis valde ramosig. 
Atanelcerdluk. (Dublin, Kopenhagen.) 

Es sind mir zwar nur unvollständige Blattstücke bekannt geworden, die wir aber zusammensetzen und 
daraus die Blattform ableiten können. Wir sehen aus dem Taf. XVII. Fig. 1 a. abgebildeten Blattrest, dass 
er einen langen, cylindrischen Stiel hatte. Die Basis ist bei diesem ausgerandet, während sie bei dem Blatte 
Taf. XVII. Fig. 5 a., das auf der Rückseite der grossen Platte (Taf. VIII.) sich findet, fast gerade gestutzt 
ist. Der durch eine gerade Linie bezeichnete linkseitige Rand deutet auf eine ähnliche Blattform, wie bei 
Hedera Helix L., nur dass die Ecken weniger hervorstehen. Auch die Nervation ist ähnlich. Wir bemerken 
nämlich fünf Hauptnerven, die nach beiden Seiten Aeste aussenden, welche in starken Bogen sich verbinden 
und so grössere Felder umschliessen. / 

Auch bei dem Blatte Fig. 1 a. haben wir fünf Hauptnerven , welche auseinanderlaufen, während bei 
dem Blatt Fig. 2 c. sieben solcher Hauptnerven zu sehen sind. Dieses Blatt ist agi Grund stumpf zugerundet, 
die Seiten sind wellig gebogen, hatten aber so weit das Blatt erhalten ist keine hervorstehenden Zipfel. Die 
Längsnerven sind stark nach beiden Seiten verästelt. Dasselbe ist der Fall bei Blatt Fig. 3, das gegen den 
Grund etwas verschmälert ist, wie bei Blatt Fig. 4, das einen stark welligen Rand besessen hat und von 
ansehnlicher Grösse gewesen sein muss. 

Das kleine, eiförmige, ganzrandige Blatt, das neben dem Blatt Fig. 1 a. bei b. liegt, gehört wahr- 
scheinhch zu den obersten Zweigblättern, welche auch bei Hedera lielix L. diese Form annehmen. Die 
alternierenden Seitennerven sind in starken, vom Rand weit entfernten Bogen verbunden. 

Ist unserm Epheu (H. Helix L.) sehr ähnlich, von demselben aber durch die nicht gelappten Blätter 
verschieden. Dadurch unterscheidet sich die nordische Art auch von der H. Kargii Oeningens, während sie 
n dieser Beziehung an die H. Strozzii Gaud. (feuilles fossiles de la Toscana. I. S. 37. Taf. XH. Fig. L 2.) 
^ich anschliesst, von der sie aber durch die etwas andere Verästelung der Hauptnerven abweicht. 

Von Populus arctica unterscheiden sich diese Blätter durch die nach beiden Seiten Aeste aussendenden 
S^auptnerven und die Richtung derselben. 

74. Cornus ferox Ung. Taf. L. Fig. 8. 

C. foliis ovatis, integerrimis penninerviis, nervis secundariis sparsis, simplicissimis, valde curvatis.' 

Ungor Sylloge plant, foss. S. 7ß. Taf. XXIV. Fig. 21. 

Atanckcrdluk. (Olrik..) 

Es sind drei Blattstücke in der Kopenhagener Sammlung, doch ist keines vollständig erhalten. Die 
"infachen, stark nach vorn gebogenen Seitennerven sind ganz wie bei Cornus, die untersten sind gcgen- 
itUndig, die obern alternierend, es sind nur wenige vorhanden, wodurch die Art von den Cornus-ßlättcrn 



120 Miocene Flora von Nordgvönlancl 



ö' 



der Scliweizcr-]\rolasse abweicht, aber mit einem von Unger von Pavschlug abgebildeten Blatte übereinstimmt, 
das indessen kleiner ist und dem die Spitze auch fehlt. Scheint in die Grruppe von Cornus sanguinea L. 
nnd alba zu gehören. 

Zweite Familie. Ainpelideae. 

75. Vilis Olriki m. Taf. XLVni. Fig. 1. 

V. foliis basi cordatis, indivisis, acute dentatis, apice acuminatis. 
Atanckcrdluk. (Olrik. 1866) 

Ein prachtvolles, bis in die Spitze hinaus erhaltenes Blatt, das mit Zweigen von Scquoia und dem 
Blatt der Juglans Strozziana in einer grossen Steinplatte liegt, und durch seine Nervation, seine Form und 
Bczahnung das Weinlaub nicht verkennen lässt. Es ist am Grunde tief herzförmig ausgcrandet mit gerun- 
deten Seiten, vorn verschmälert und in eine scharfe Spitze auslaufend. Die Seiten sind nicht gelappt, doch 
stehen die den Hauptnerven entsprechenden Zähne etwas mehr hervor, überhaupt sind die Zähne, mit welchen 
der ganze Rand besetzt ist, ungleich gross, indem die der Tertiärnerven kleiner sind als die übrigen. Sie 
sind übrigens scharf, etwas nach vorn gebogen und nicht stark vortretend. Von der Blattbasis gehen fünf 
Hauptnerven aus, die zwar scharf ausgesprochen, doch sehr sehmal sind. Die zwei untersten senden mehrere 
Aeste aus, "von denen einer fast von der Basis entspringt und drei in die Zähne auslaufende Tertiarnerven 
besitzt; auch die zwei obern seitlichen Ilauptnerven haben lange und aussen sich weiter verästelnde Secundar- 
ncrven ; vom mittlem Hauptnerv entspringen zunächst gegenständige, dann alternierende Secundarnerven, von 
denen die untern sich aussen wieder verästeln, während die obern einfach bleiben. Alle sind randläufig. 
Die Nervillen sind theils durchgehend, theils gabiig getheilt und sind grossentheils wohl erhalten. Das Blatt 
muss dünnhäutig gewesen sein. 

Schon früher erhielt ich aus Grönland den Abdruck eines Körperchens (Taf. XLVHI. Fig. 1. b., ver- 
grüssert c), das erst jetzt, nachdem auch die Blätter aufgefunden, als Weinkern gedeutet werden darf. Es ist 
kurz eiförmig, am Grund in eine schmale Spitze ausgezogen, 6. Mill. lang bei 4 Mill. Breite. In der Mitte 
ist ein hervortretender Höcker, doch ist nicht klar, ob derselbe der Mittelkante der Weinkerne entspreche. 

Es weicht die Vitis Olriki durch das nicht gelappte Blatt von der V. teutonica und islandica und der 
entsprechenden lebenden V. vulpina L. ab und nähert sich am meisten der V. cordifolia Mich, und V. (Cissus) 
indivisa Willd., zwei nordamerikanischen Arten, unterscheidet sich aber von denselben durch die viel tiefere 
Ausrandung an; Blattgrund und die weniger steil aufsteigenden Nerven. Bei der Vitis vinifera L. und 
V. labrusca L. ist der Blattgrund und die Art, wie dort die Hauptnerven auslaufen und sich verästeln auch 
sehr ähnlich, und die Form und Grösse der Blattlappen ist bekanntlich sehr variabel, doch sind diese immer- 
hin mehr oder weniger ausgesprochen und vorn ist das Blatt nicht in eine so lange Spitze ausgezogen. 

76. Vitis arctica m. Taf. XLVIH. Fig. 2. 

V. foliis basi leviter cordatis, vel rotundatis, indivisis, grosse dentatis, apice acuminatis, pervis secundariis angulo peracuto 
egredientibus. 

Atanekerdluk. (Olrik ) Auf demselben Stein mit Platanus aceroides. Ein anderes Exemplar bei Alnus nostratum. 

Unterscheidet sich von dem vorigen durch das am Grund weniger tief ausgerandete, gröber gazahnte 
Blatt, die steiler aufsteigenden Hauptnerven, die seitlichen sind etwas hin- und hergebogen, der mittlere hat 
weniger und steiler aufsteigende Secundarnerven; deren Gabeläste mehr divergieren. Der Rand ist scharf 
und grob gezahnt, doch sind die Zähne wenig nach vorn gerichtet; der Blattstiel ist dünn. Die Blattbasis 
zugerundet (Fig. 2 b.) oder seicht ausgerandet (Fig. 2 a.) ; vorn ist das Blatt verschmälert und in eine ziem- 
lich lange Spitze auslaufend (Fig. 2 c). 

Stimmt in der Grösse, Form und Bezahnung sehr wohl zu V. cordifolia Willd. und steht jedenfalls 
dieser Art noch näher, als die V. Olriki. 

Zweite Ordnung: Polycarpicae. 
£rste Familie. Itlagnoliacecc. 

77. Magnolia Ingleßeldi m. Taf. IH. Fig. 5 c. Taf. XVI. 5. 6. 8 b. Taf. XVIII. 1—3. 

M. foliis amplis, coriaceia , laevigatis, irtcgerr'mis, ellipticis, nervo mcdio crasso, nervis secundariis distantibus, ramoaia 
ilcxuosis, camptodromis, areis magnis reticulatis. 

Atanekerdluk. Die Taf. XVIII. auf einer grossen Steinplatte, welche Herrn Cap. Inglefield gehört. Neben diesen Blättern 
enthält der Stein noch Populua arctica und Sequoia Langsdorfii. — Die übrigen Stücke sind in der Dubliner, Koper'ir jener und 

Stockholmer Sammlung. 



Magnoliacecn. Myrtaceen. 121 

Die Taf. XVI. und Taf. XVIII. abgebildeten Stücke lassen auf circa V^ Fuss lange Blätter scliliessen, 
welche nahezu eine Breite von 2/^ Fuss erreicht liabcn. Die Blätter müssen lederartig gewesen sein, sie sind 
ganz glatt und haben im Leben walirschcinlich eine glänzende Oberfläche geliabt. Sie sind gegen die Basis 
alhnälig verschmälert in ähnlicher Art wie bei Magnolia grandiflora, und mit einem Stiel versehen. Ich hatte 
früher das Taf. III. Fig. 5 c. abgebildete Stück getrennt (als Phyllites laevigatus), allein auch bei dem 
Taf. XVIII. Fig. 1 abgebildeten Blatte haben wir eine ähnliche Verschmälerung am Grund und da es in; 
der Xervation zu den übrigen stimmt, dürfen wir es mit vorliegender Art vereinigen, um so mehr,. da mir 
neuerdings auch von Kopenhagen glatte, lederartige Blätter zugekommen sind, die am Grund in den Blatt- 
stiel sich verschmälern. Der Seitenrand ist bei mehreren Stücken wohl erhalten, woraus wir sehen, dass er 
ungezahnt, ganzrandig war. Die Mittelrippc ist sehr stark, bei Taf. XVIII. Fig. 3 a. und b. etwas gebogen, 
beim -Ictztcrn Blatt aber nur, weil es stark abwärts gekrümmt ist. Ich habe es in der Zeichnung mit den 
andern Blättern in eine Fläche gelegt, weil so die Nervation besser darzustellen war. Die Seitennerven sind 
viel sclnvächcr als der IMittelncrv, stehen weit auseinander, sind auswärts verästelt und da wo diese Aeste 
abgehen etwas verbogen, vorn durch Scitenäste mit dem nächst obern Seeundarnerv verbunden und zwar 
in gebrochenen Bogen, welche zartere Nerven zum Rande absenden. In die grossen Felder gehen abgekürzte 
Secundarnerven, welche in einem weiten polygonen Maschenwerk sich auflösen ; diese Maschen sind mit sehr 
feinen Zellen ausgefüllt. 

Das, Taf. XVIII. Fig. 3 a. abgebildete Blatt erinnert an Juglans, unterscheidet sich aber durch die 
hin- und hergebogenen, verästelten Secundarnerven, Avclche namentlich bei den Taf. XVI. Fig. G abgebildeten 
Blattstücken in ähnlicher Weise wie bei l^ojuilus verlaufen. Da bei Magnolia g-randiflora die Blätter auch 
lederartig und glatt glänzend sind, die Secundarnerven eine ähnliche Bildung zeigen,' vorn ebenfalls sich 
verästeln und in diesen Aesten zu Bogen sich verbinden, ferner in die grossen Felder Zwischennerven geheuj 
die sich in ein weites Maschenwerk auflösen, scheint mir die vorliegende Art zu dieser Gattung zu gehören 
und in der j\I. grandiflora ihren nächsten Verwandten zu haben. 

Ein ähnliches Blatt von Dammratsch bei Kreuzburg in Schlesien hat Goeppert (Palaäontogr. II. S. 277. 
Taf. XXXVI. 1.) als Magnolia crassifolia beschrieben ; die Secundarnerven verlaufen aber bei demselben in 
regelmässigen Bogenlinien, dasselbe ist der Fall bei M. Dianse Unger (Sylloge. I. S. 28. Taf. XI. Fig 1. 4. 
iVnd III. Taf. XIV. Fig. 4 — 7), bei welcher auch die abgekürzten Secundarnerven fehlen. 

Dritte Ordnung: Myrtiflorae. 
Erütc Familie. Myrtaccse. (?) 

78. Callistemophyllum Moorii m. Taf. XVIII. Fig. 4. 5. (zweimal vergrössert Fig. 6.) 

C. foliis coriaceis, sessilibus, integerrimis, lanceolatis, basin versus sensim attenuatis, nervo mediane tenui, marginali con- 
spicuo, nervatione dictyodroma. 

Atanckerdluk ; ein Blatt mit Populus arctlca und Richardsoni ; ein anderes vom Waigatt in der Stockholmer Sammlung. 

Ein steif lederartiges, schmal lanzettliches, gegen den Grund zu allmälig verschmälertes, ganzrandiges 
Blättchen. Es hat einen zarten Mittelnerv, der aber nach vorn sich verliert und eine scharf ausgeprägte, 
dem ßand sehr genäherte Saumlinie. Es ist nämlich längs des ganzen Saumes, und demselben sehr genähert, 
und mit ihm parallel gehend, eine feine Linie zu bemerken, welche das ganze Blatt umsäumt und wahr- 
scheinlich von einem Saumnerv herrührt. Doch war es mir nicht möglich, das IjCtztere sicher zu ermitteln. 
Jedenfalls rührt aber diese Linie nicht von einem umgerollten Blattrand her. Andere Nerven sind nicht da; 
dagegen sieht man bei starker Vergrösserung ein äusserst feinzelliges Netzwerk, welches die Oberfläche des 
Blattes gleichmässig einnimmt. (Fig. 6 b.) 

In der Form ähnlich dem C diosmoides Ett. (Flora von Haering. p. 83), aber durch die deutliche 
Saumlinie ausgezeichnet. Aehnlich den Blättern von Leptospermum, Callistemon und Melaleuca. 

Aehnlichc kleine lederartige Blättchen, deren Randlinien aber dem umgerollten Blattsaura zugeschrieben 
wird, hat Goeppert (Pflanzenreste des Bernsteines. S. 76) als Dermatophyllites beschrieben und den Ericaceen 
zugerechnet. - 



16 



t 



122 Miocene Flora von Nordgvöiiland. 

Vierte Ordnung: Columnif erae. 
Erste Familie. ButtQeriaceec. 

70. PlcrospcrmUcs inlcgrifolins m. Taf. IX. Fig. 14 a 

Pt. foliis subpcltatis, intcgcrrimis (?), subcordatis. 
Atanckcrdluk ; auf der grossen Platte mit PJanera u s. w 

Ein wenigstens an der Basis ganzrandiges Blatt. Der Mittelncrv entspringt oberhalb der Blattbasis, es 
muss dalier der Blattstiel in anderer Ebene gewesen sein als die Blattfläclie, obwohl die Insertionsstelle nicht 
weit vom Rande entfernt ist. Es scheinen von einem Punct fünf Nerven zu entspringen, die untcr.sten zwei 
sind aber sehr schwach, die zwei folgenden ziemlich stark und nach unten Tertiärnerven aussendend, welche 
vorn in Bogen sich verbinden. Die Secundarnerven sind altei-nierend. 

Ich habe in meiner Flora tert. Helv. III. S. 36 mehrere Samen unter dem Namen Pterospermites ver- 
einigt, weil sie den Samen von Pterospermum sehr ähnlich sehen. Da bei Pterospermum ähnliche schild- 
förmige Blätter vorkommen (so bei Pt. aeerifolium), wie sie obiges Blatt darstellt, scheint es mir wahrschein- 
lich, dass diese Blätter mit den Samen zu einem Genus gehören. 

* 

Fünfte Ordnung: Acera. 

Erste Familie. Accrineac. ' 

SO. Acer otopterix. Goepp. ? Taf. L. Fig. 10. 

Atanekerdhik. (Olrik) Auf der Rückseite Sequoia Couttsiai. 

Von Ahorn habe icli aus Grönland nur das sehr unvollständige in Fig. 10 abgebildete Stück gesehen. 
Es stimmt sehr wolil mit dem auf Taf. XXVIII. Fig. 6 aus Island abgebildeten Blattstück überein , da 
aber der Rand nirgends erhalten ist, bleibt die Bestimmung etwas zweifelhaft. Das Blatt ist am Grund 
auch herzförmig ausgerandet, hat fünf vom Grund auslaufende Hauptnerven, von denen die drei mittleren 
stark sind und mehrere starke Secundarnerven aussenden. 

SechsteOrdnung:Frangulaceae. 
Erste Familie. Rhamne%. 

81. Paliurus Colombi m. Taf. XVII. Fig. 2 d. Taf. XIX. Fig. 2—4. 

P. foliis ovato-ellipticis, intcgerrimis, triplinerviis, nervis lateralibus ramosis. 

Atanekerdluk. Ein Blatt auf demselben Stein mit Diospyros brachysepala, Populus Richardsoni, P. arctica und Osmunda 
Heerii Gd. Ein anderes (Taf. XVII. Fig. 2 d.) mit Hedera M'Clurii und M'Clintockia Lyallii. 

Es sind vier Blattstücke erhalten, welche den Blättern des lebenden Paliurus australis und der miocencn 
P. ovoideus, P. tenuifolius und. P. Thurmanni sehr ähnlich sehen. Herrn Philip H. Colomb, der als Lieute- 
nant die Nordpolexpedition von Inglefield begleitete und dem wir einen Theil der hier beschriebenen Pflanzen 
zu verdanken haben, gewidmet. 

I Die Blätter sind unterhalb der Mitte am breitesten und am Grund stumpf zugerundet, während vorn 
;ugespitzt. Sie sind völlig ganzrandig. Die beiden seitlichen Hauptnerven verbinden sich vorn in einem Bogen mit 
inem Ast des Mittelnervs. Sie sind kürzer als dieser und reichen nicht bis zur Blattspitze hinaus. Es entspringen 
'on demselben etwa vier ziemlich starke, aber kurze Secundarnerven, indem sie bald in starken Bogen sich ver- 
inden. Der erste geht fast vom Blattgrunde aus. Es hatte das Blatt einen dünnen Stiel. (Taf. XVII. Fig. 2 d.) 
Neben einem Blatt (Taf. XIX. Fig. 3 a.) liegt ein Fetzen einer Frucht (Fig. 3 b.), der wahrscheinlicli 
on einem. Paliurus herrührt und daher mit dem Blatte zusammengehört. Ein rundlicher Fruehtkörper scheint 
on einem breiten Rande umgeben zu sein. Auf demselben Steine liegt ferner ein Zweigstück, an dessen Seite 
in Dorn hervorsteht, daher ebenfalls auf Paliurus oder Zizyphus weist und somit zur Bestätigung obiger Be- 
timmung dient. (Fig. 3 c.) 

82. Paliurus (?} borealis m. Taf. XIX. Fig. 1. 
P. foliis ovato-lanceolatia, acuminatis, integerrimis, triplinerviis (?i, nervis secundariis angulo peracuto egrcdicntibus, ercctis. 
Atanekerdluk ; auf demselben Stein mit Pappelblättern und Sequoia. 

Ist durch das längere, schmälere Blatt und die steiler aufsteigenden Secundarnerven von voiüger Art 
erschieden. Die Basis des Blattes fehlt und es ist nicht sicher zu ermitteln, ob von derselben drei Längs- 
|erven auslaufen. Der Mittelnerv ist dünn, von ihm gehen jederseits nur ein paar, sehr steil aufsteigende, 
iitzläufige Scitennerven aus. Der linkseitige Längsnerv entspringt wahrscheinlich vom Blattgrund. 



\ 



Khamneen. 12 



o 



S3. Zizyphus hyperboreus m. Tat". XLIX. Fig. 2. 

7j. foliis lanceolatis, apice acuminatis, margine undulato-crenatis. triplinerviis. 
Atanckcrdluk. (Olrik.) 

Es sind mir nur zwei Blattstücke zugekommen, die auf ein ziemlich langes, schmales, vorn zugespitztes 
Blatt zurückschliessen lassen. Der Rand ist wellig und vorn gekerbt. Die drei Längsnerven sind fast von 
gleicher Stärke und die seitlichen reichen bis zur Spitze, soweit diese erhalten ist. Von derselben laufen 
zarte Aestchen aus, die sich in Bogen verbinden. 

Von Zizyphus Ungeri Hr. u. Z. ovata Web. (Pal^eontogr. IL Taf. XXII. Fig. 12 und VIII. Taf. LVIII. 
Fig. 13) durch den anders gebildeten Hand verschieden. 

S4. Rhammis Eridani Ung. Taf. XIX. Fig. 5. 6. 7 a. Taf. XLIX. Fig. 10. 

Rh. foliis magnis, inembranaceis, ovato-oblongis, integerrimis , nervis seoundariis utrinque 8-12, s\ibsimplicibus, margine 
caniptodromis. 

Unger Flora von Solzka S. 4S. Taf XXXI. Fig. 3-6. Heer Flora lert. Helvet 111. S. 81. Taf. CXXV. Fig 16. CXXVI. Fig 1. Pyrus iroglo- 
dytarum Unger Flora von Solzka S ö:^ Taf. KXXVII Fig. 1 5 (nicht aber Fig 8-10). 

Atanekerdliik (Dublin und Kopenhagen.) 

Die auf Taf. XIX. abgebildeten Blattstücke sind im Dubliner Museum. Fig. 7 a. ist ein grosses, am 
Grund gegen den Stiel verschmälertes Blatt. Es hat jederseits 9, in ziemlich spitzen Wickeln entspringende 
Secundarnerven ; sie sind nur wenig gebogen und reichen bis nahe zum Rand, dort sich umbiegend und in 
Bogen mit den folgenden sich verbindend. Die zarten Nervillen entspringen in fast rechten Winkeln und 
sind öfter durchlaufend. Der Rand ist ganz, nur in der Mitte etwas wellig gebogen. Mehrere Blattfetzen 
(Fig. 5, 6) liegen auf der grossen Platte mit Diospyi'os und Juglans paucinervis. — Sehr schön erhalten ist 
das Taf. XLIX. Fig. 10 abgebildete Blatt, das mit Sequoia und Populus arctica auf einer Steinplatte liegt 
und durch Herrn Olrik ins Kopenhagener Museum kam. Es ist am Grund auch in den Blattstiel auslaufend 
und hat jederseits 9 bis nahe zum Rand laufende Seitennerven. Etwas weniger am Grvmd verschmälert ist 
ein anderes Blatt der Kopenhagener Sammlung. 

Es stimmen diese Blätter ganz zu dem von Sismonda (paleont. du Picmpnt. Taf. XXII. Fig. 4) von 
Bagnasco abgebildeten Blatte, aber auch in der Schweizer-Flora haben wir Blätter von selber Grösse, Form 
und Nerv ation (Flora tert. Helv. CXXV. Fig. 16. CXXVI. Fig. 1), nur dass sie am Grund etwas weniger in 
den Stiel verschmälert sind, als Taf. XIX. 7 und XLIX. Fig. 10. Sie stimmen in dieser Beziehung mit dem 
andern Blatt von Kopenhagen. Auch die in meiner Tertiärflora Taf. CXXIII. Fig. 19 abgebildeten Blätter 
von Eriz, die ich früher zweifelnd zu Rh. deletus gezogen hatte, gehören als kleinere Blattformen eJier zu 
Rh. Eridani. 

Es ähneln diese Blätter auch denen der Buchen, bei welchen aber die Secundarnerven in straffen Linien 
bis zum Rand hinauslaufen und der Blattgrund nicht in den Stiel verschmälert ist. Von Juglans unterscheiden 
sie sich durch die schiefer aufsteigenden, viel weniger gebogenen und dem Rande mit ihren Bogen viel mehr 
genäherten Secundarnerven. Von Ficus Jynx Ung. (Flora von Sotzka. Taf. XII, Fig. 3 und Flora tert. Helv. 
n. Taf. LXXXV. Fig. 6—11) unterscheiden sich unsere Blätter durch die häutige Beschaffenheit, die weniger 
dicht stehenden und in spitzem Winkeln auslaufenden Secundarnerven und die stärkere Verschmälerung am 
Blattgrund. Es ist daher jedenfalls unser Rh. Eridani von Ficus Jynx Ung. sehr verschieden. K. von Ettings- 
hauseu vereinigt aber die Blätter, die Unger als Rhamnus Eridani (und Pyrus troglodytarum) beschrieben 
hat, mit Ficus Jynx und giebt ihnen eine lederartige Beschaffenheit (Flora von Bilin. S. 70). Ist dies wirk- 
lih der Fall, so können sie allerdings nicht zu unserm Rh. Eridani gehören, indessen bezciclinct sie Unger 
ausdrücklich als folia membranacea (Flora von Sotzka. S. 48) und die von ihm abgebildeten Blätter sind 
in der Form (sie sind am Grund auch nicht zugerundet, sondern in den Blattsiel verschmälert), in der 
Stellung und Zahl der Secundarnerven und den kürzeren Stielen denen unsers Rhamnus Eridani so ähnlich, 
dass ich sie nicht davon trennen kann. Ettingshausen vereinigt in seiner fossilen Flora von Bilin zwei sehr 
verschiedene Blattformen (Fig. 2 u. 7. Taf. XX.) unter Ficus Jynx und es ist mir sehr zweifelhaft, dass 
dieselben zusammengehören. 

85. Rhamnus brevifolius A. Br. Taf. XLIX. Fig. 1. 
Rh. foliis petiolatis, suborbiculatis , subcoriaceis, integerrimis, basi apiceque rotundatia, nervis secundariis utrinque paucis, 
caniptodromis. 

Heer Flora tert. Helvet. 111. S. 78. Taf. CXXIII. Fig. V7-30. 

Atanekerdluk. (Olrik.) 

Ein ziemlich derbes, rundliches Blättchen, mit stark bogenläufigen Seitennerven, das wohl mit denen 

Oeningens und unserer untern Molasse übereinstimmt. 



124 Miocenc Flora von Nordürönland 



»• 



86. Rhamnus Gaudini Hr. ? Taf. L. Fi"-. 6. 

Rh. folüs petiolatis, cUipticia, rarius ovalibus, undique serrulatis, nervis secundariis utrinque 8—12, marginc camptodromis, 
ncrvillis subparallclis. 

Ilccr Flora torl. Ilclv. III. S. 79. Taf. CXXIV. Fig. 4-15. 
Ataiickcrdluk (Olrik ) 

Der Fig. G dargestellte Blattfetzen stimmt sehr wohl zu ßh, Gaudini (cf. besonders Fig. 4 u. 10 meiner 
Tertiärflora). Es gehen auch von einem Mittclnerv jederseits über 9 Sccundarucrven aus, sie entspringen in 
gleichen Winkeln und Abständen, sind gekrümmt und nach vorn gebogen, ohne sich zu verästeln ; die Felder 
sind auch mit einem feinen Netzwerk ausgefüllt. Leider ist aber der Rand verdeckt und daher nicht zu er- 
mitteln, ob er in gleicher Weise gezahnt war, wie beim Blatt unserer Molasse, wodurch die Bestimmung 
unsicher bleibt. Die Diagnose ist auf die Schweizer-Blätter gegründet. 

Zweite S^ninilie. Ilicineic. 

S7. Hex longifolia Hr. Taf. XL VIII. Fig. 3—6. 

I. folüs coriaceis, nitidis, lanceolatis, margine sparsim spinuloso-dentatis, nervis secundariis valde curvatis, camptodromis, 
areis evidenter rcticulatis. 

Sismonda Prodr. (1. terl. Piem. S. 29. Taf H. Fig. 6, und Materi.aux pour sorvir a la palöontologie du icrrain tcrtiaire du Piemont. S. 62. 
Taf. XXIX. Fig 7. 

Atanekcrdluk. (Olrik. i 

Die Blätter sind dick lederartig, mit glänzender Oberfläche. Sie sind lang, gegen den Grund zu ver- 
schmälert, dort ganzrandig, in der vordem Partie dagegen mit feinen, sehr scharfen stachcLspitzigen Zähnen 
verschen. Bei Fig. 6 ist auf der linken Seite ein deutliches Stächelchen wahrnehmbar. Bei diesem Blatt tritt 
die Nervatur stark hervor und zwar auch die Secundarnerven und Nervillen, bei andern Blättern ist wohl 
der Mittelnerv stark, während schon die Seitennerven sehr zart und das Maschwerk nur mit der Lupe wahi-- 
nehmbar sind. Diese stellen wohl die Blattoberseite, jenes die Unterseite dar, was ich aus dem sonst gleichen 
Verlauf der Nerven schliesse. Sie sind stark gebogen, verbinden sieh schon vom Rand entfernt und haben 
noch zahlreiche kleine Felderchen längs des Randes. 

Die glatte, lederartige Blattbeschaffenheit, die Nervatur und Zahnbildung sind wie bei Hex, daher ich 
dies Blatt dieser Gattung zugetheilt habe. Ich erhielt dasselbe früher von Cadibona durch Prof. Gastaldi; 
bei diesem sind die Seitennerven auch zart wie bei den Blättern Fig. 3, 5, 6 aus Grönland. Bei Fig. 4 be- 
merken wir mit der Lupe eine Menge dicht beisammenstehender Strichelchen, welche aber wohl zufällig 
sein dürften. 

SS. Hex (?) reliculata m. Taf. XL VIII. Fig. 7. 

I. folüs coriaceis, oblongis, basi rotundatis, integerrimis, nervis secundariis numerosis camptodromis, areis fortiter reticulatis. 

Atanekcrdluk. (Olrik ) 

Ist ebenfalls ein derb lederartiges Blatt, das durch die am Grund dicht beisammenstehenden Secundar- 
nerven und die auffallend aTossen und stark hervortretenden Maschen sich auszeichnet. Es erinnert in dieser 
Beziehung an Hex. :. 

Die vordere Partie fehlt, wahrscheinlich war aber das Blatt von beträchtlicher Länge ; es ist ganzrandig, • 
am Grund stumpf zugerundet. Von dem Mittelnerv entspringen die zarten Secundarnerven in ziemlich spitzen 
Winkeln, unten sind mehrere sehr genähert, während weiter oben sie weiter von einander stehen. Sie sind 
vorn verästelt und die Aeste in Bogen verbunden. Diese Bogen sind sehr zart und ausserhalb derselben 
liegen noch mehrere geschlossene Felder. Alle Felder sind mit einem auffallend grossen und stark vortrcten- 
ien Maschenwerk ausgefüllt, welches von blossem Auge leicht wahrnehmbar ist. 

Siebente Ordnung: Terebinthineae. 
Ii)rs(e Fniiiilie. Juglaiidcac. 

89. Juglans acuminata A. Br. Taf. VII. Fig. 9. Taf. XII. Fig. 1 b. Taf. XLIX. Fig. 7. 

J. folüs pinnatis, foliolis oppositis, petiolatis, ovato-elüpticis vel ovato-lanceolatis, apicc acuminatis, integerrimis, nervis 
lecundariis plcrumque 10 — 14. 

Heer Flora tcrt. Ilclvel. ill. S. 8?. Taf. CXXVIII. und CXXIX. 
I Atanekcrdluk. (Dublin. Taf. XII. Fig. 1 b.; Stockholm. VIL Fig. 9 und Kopenhagen. XLIX. Fig 7.) 

I Obige Diagnose ist nach den vollständigen Blättern von Oeningen entworfen, mit denen das Fig. 9 
.ihgebildete Blattstück, so weit es erhalten ist, sehr wohl übereinstimmt und zwar voraus mit der breitblät- 
ierigen Form, welche A. Braun als Juglans latifolia bezeichnet hatte (Flora tertiaria. Taf. CXXIX. Fig. 3 



Juglandccn. Pomaceeu. 125 

und 8). Es ist bvcit, ganzrandig, die Sccundarnervcn entspringen in glciclien Abständen und unter gleichen 
Winkeln, sind ganz in derselben Weise gekrümmt und vorn in starken Bogen verbunden ; ebenso sind auch 
die Felder in selber Art wieder durch deutlich vortretende theils durchgehende, theils aber gabiig gethciltc 
Ncrvillcn in Unterfelder abgesondert, welche ein feineres, indessen fast ganz verwischtes Netzwerk "umschlics- 
scn. Das Taf. XLIX. Eig. 7 abgebildete Blatt ist, wie seine Krümmung zeigt, eine Seitenfieder, mit ziemlich 
nahe beisammenstehenden, stark gekrümmten Seitennerven. Schönere und vollständiger erhaltene Fiedcrn 
sind mir später aus der Kopenhagener Sammlung zugekommen, welche aber nicht mehr auf die Tafel ge- 
bracht werden konnten. Sie stimmen ganz zu Juglans acuminata. 

90. Juglans paucinervis m. Taf. XIX. Fig. 8. 

^. foliolis sessilibus, ovato-lanceolatis, intcgerrimis, jiervis sccuiularüs remotis. 

Atanckcrdluk, auf der grossen Steinplatte mit Diosiiyros, Rhamnus, Populus u. s. w. (Dublin). 

Die Blattform ist wie bei der Juglans acuminata, namentlich der schmälern Form (cf. Flora tertiaria. 
Taf. CXXVIII. Fig. 7) imd auch die ungleichseitige Basis und der etwas gebogene Plauptnerv spreclicn für 
eine Fieder eines zusammengesetzten Blattes. Es stehen aber die Sccundarnervcn weiter auseinander und sind 
in geringerer Zahl vorhanden, was es wahrscheinlich macht, dass es eine andere Art dai-stcUe. 

Das Blatt ist gross, ganzrandig, stiellos, an Grund die rechte Seite schmäler als die linke, aber in 
gleicher Weise zugerundet. Der Mittelnerv ist stark, die Secundarnerven sind stark gebogen und in gleicher 
Weise verbunden, wie bei den Xussblättern Oeningens. Das feinere Geäder fehlt. 

91. Juglans Slrozziana Gaud. Taf. XLIX. Fig. 3 — 6. 

J. foliolis petiolatis, intcgerrimis, lanoeolatis, basi attenuatis, insequllateris. 
Gaudin conlribuiions. 1 meni. S. 39. Taf.. VIII. Fig. 7. 8. 
Atanekerdluk (Olrik). 

Es liegen mir mehrere, doch unvollständige Blattstücke vor, welche mit den von Gaudin aus den 
untern (miocenen) blauen Mergeln des Ai'nothales beschriebenen Blättern übereinstimmen. Sie scheinen eine 
ziemlich derbe, fast lederige Beschaffenheit gehabt zu haben. Sie sind am. Grund sehr ungleichseitig imd 
verschmälert, die Secundarnerven deutlich vortretend und Bogen bildend, die dem Rande genähert sind. Das 
feinere Adernetz ist verwischt. 

Das Fig. 6 abgebildete Blatt stammt aus demselben losen Block von Udsted, welcher das Pappelblatt 
(Populus Gaudini) enthält. Die Nervation ist ganz verwischt und seine Bestimmung daher zweifelhaft, und 
stelle es nur seiner allgemeinen Form wegen hierher. 

Das Vorkommen dieser Art in Grönland ist sehr beachtenswerth, da sie in den Zwischcnländern bis- 
lang noch nicht beobachtet wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie in diesen noch zum Vorscliein kom- 
men werde. Vielleicht gehört das Blatt, welches Ludwig als Juglans ventricosa a|)gebildet hat (Paläontogr. 8. 
Taf. LVn. Fig. 3. 5), hierher. 

Achte Ordnung: Calophytae. 
Erste Familie. Pomaccac. 

92. Cratcegus antiqua m. Taf. L. Fig. 1. 2. 

C. foliis oblongo-ovalibus, basi cuneatis, in petiolum attenuatis, argute serratis, penninerviis, nervis secundarüs compluri- 
bus, angulo acuto egredientibus, inferioribus nervis tertiariis subparallelis instructis. 

Atanekerdluk (Olrik). 

Es erinnern diese Blätter in ihrer Nervation und Bezahnung an die Hasel-. und Birkenblättcr, weichen 
iber in der gegen den Blattstiel verschmälerten Basis und durch die in spitzen Winkeln entspringenden 
Secundarnerven von denselben ab. Gerade in dieser Beziehung zeigen sie eine auffallende Aehnlichkeit mit 
nanchen Cratiögusblättern, so namentlich mit der Cr. tomentosa L. Xordamerika's. Die Blätter haben dieselbe 
Form und sind auch am Grund keilförmig verschmälert, die Secundarnerven entspringen in spitzigen Winkeln, 
-uid die untern senden in gleicher Weise tertiäre in die Zähne aus, dagegen ist die Bezahnung einfacher, 
ndcm die an den Enden der Secundarnerven stehenden Zähne niclit viel grösser sind, als die übrigen. Sic 
find aber auch scharf geschnitten und fein zugespitzt. Auch bei Kubus kommen ähnliche ]51attformen vor, 
jloch sind sie am Grund nicht in dieser Weise ausgezogen. — Das grosse Blatt (Fig. 2) liegt mit zahlreichen 
Indern Blattrestcn auf demselben Stein und ist bis auf die Basis erhalten, wogegen die Kandzähne fast durch- 
iJängig fehlen. Diese sind aber bei einem zweiten Blatt (Fig. 1), wenigstens auf einer Seite vortrefllieh erhalten. 



126 IMioccnc Flora von Nord crrönl and 



93. CraUegus Warthana in. Taf. L. Fig. 3. 4. 

Cr. folüs breviter ovalibus, basi ciineatis , in petiolum attenuatis, argute Serratia, penninerviis, nervis secundariia paucis, 
ongulo acuto cgredicntibus, inferioribus iicrvis tertiariis subparallelis instructis 
Atanekcrdluk (Fig. 4) ; Kubjeldcne auf Disco (Fig. 3. Olrik. 1866). 

Steht zwar voriger Art sehr nahe, unterscheidet sich aber durch die kleinern Blätter, welche relativ 
breiter und kürzer sind, und die geringere Zahl von Secundarnerven, welche vom Mittelnerv ausgehen, und 
steht dadurch der C. tomentosa noch näher als vorige Art. Die Zähne sind auch sehr scharf geschnitten. 
Neben dem Blatt Fig. 4 liegt eine Frucht, welche ich zu Taxites Olriki bringe. Die Fig. 3 abgebildeten 
liegen in einem grauen Sandstein von Kulsjeldene. Neben dem Blatt a. bemerken Avir die undeutlichen Ab- 
drücke eines Sequoiazäpfchcns (b.); die Blattreste c. und d. sehen wir auf der Rückseite desselben Steines. 
Es enthält derselbe eine ganze Zahl von Blattfetzcn dieser Art, welche ich Herrn Dr. V. Wartha gewidmet 
habe, der meine Arbeit durch die chemische Untersuchung der Kohlen und Gesteine der arctischcn Zone 
bereichert hat. 

Zweite Familie. Aiiiygdaleac. 

94. Prunus Scottii m. Taf. VIII. Fig. 7. 

Pr. folüs coriacois, lanceolatis, margine serrulatis, nervis secundariis valde camptodromis. 
AtaDckerdluk (Colomb Olrik.) 

Ein Blatt auf der grossen Steinplatte von Atanekcrdluk (Taf. VIIL). Es ist lanzettlich, vorn zugespitzt, 
die Basis dagegen nicht erhalten. Der Rand ist fein gesägt, die kleinen Sägezähne sind nach vorn gerichtet, 
alle gleich gross. Der Mittelnerv ist schmal, aber durch eine tiefe Rinne bezeichnet, muss daher stark vor- 
gestanden haben. Die Secundarnerven sind sehr zart und treten nur wenig aus dem übrigen, deutlich aus- 
gesprochenen Netzwerk hervor. Sie sind ziemlich weit vom Rande entfernt in Bogen verbunden. Die Felder 
sind mit einem feinen, polygonen Netzwerk ausgefüllt, in welchem wieder einzelne Nerven stärker hervor- 
treten. Das Blatt muss eine lederartige Beschaffenheit gehabt haben. 

Für Prunus spricht die Art der Nervation und die Zahnbildung und zwar stimmt es in der Form 
und Bezahnung am meisten mit dem Blatt von Prunus lusitanica L., von deni es freilich durch das viel 
deutlicher vortretende feinere Netzwerk abweicht und daher nicht als homologe Art bezeichnet werden 
kann. Aehnliche Blattformen finden wir auch bei Amygdalus, so A. pereger Ung. (Sotzka. Taf. XXXIV. 
Fig. 10—14) und A. persieifolia Web. (Paläontogr. IL t. XXIV. Fig. 9). Bei letzterer Art haben die 
Blätter dieselbe Form und Zahnbildung, nur treten beim Grönländer-Blatt die Secundarnerven stärker 
hervor und sind mehr nach vorn gerichtet; bei A. pereger ist das Blatt in eine längere und dünnere Spitze 
ausgezogen. 

Zu dieser Art, die ich Herrn Prof. Rob.. Scott in London gewidmet habe, gehört wahrscheinlich ein 
Fruchtstein von Atanekcrdluk (Fig. 15 a.), der neben einem Blatt der Osmunda Heerii liegt. Er ist eiförmig, 
vorn etwas zugespitzt, 10 Mill. lang und 8 Mill. breit, von feinen , dicht stehenden eingegrabenen Puncten 
runzlich. Er war von einer dicken Kohlenrinde umgeben welche aber später grossentheils wegfiel. Diese 
deutet auf eine dicke Schale. Die Form und Grösse des Steines ist fast wie bei Prunus Laurocerasus L. 
-Den Abdruck eines sehr ähnlichen Fruchtsteines sah ich in dem hellbraunen miocenen Schiefer von 
Menat in der Auvergne. Er hat genau dieselbe Grösse, nur ist er vorn weniger verschmälert und tiefer 
runzlicht, so dass er doch wohl einer andern, aber nahe verwandten Art angehören dürfte (cf. Taf. VIII. 
Fig. 16). ' , 

Neunte Ordnung: Leguminosae. 
Erste Familie. Papilioaaceee. 

95. Colutea Salteri Er. Taf. XLV. Fig. 8 c. 

C. foliolis membranaceis, ovalibus, apice retusis, nervis secundariis tenuibus. 
. Heer Flora tert. Ilelvet. III. S. 101. Taf. CXXXIl. Fig. 47-57. 

Atanekcrdluk. (Olrik.) 

Der Abdruck von ein paar zarten Blättchen liegt neben der Pteris oeningensis. Es ist an der Spitze 
ausgerandet, am Grund verschmälert; die Seitennerven sind verwischt, nur hier und da angedeutet. Stimmt 
mit dem obern Blättchen von Fig. 47 meiner Flora wohl überein. 



Papilioiicacccn. ' 127 

96. Leguminosites arcticus m. Taf. L. Fi'o-. 5. 

L. foliolia ovalibus, basi apicpque rotundatis, nervo medio vix conapicuo 
Ujararsusuk (Disco. Olrik. 1865). 

Ein schwarzes, 17 Millim. langes und 10 Millim. breites Bliittclien, das vielleicht auch zu Colutea 
gehört und mit- der C. antiqua verglichen werden kann. Allein die Nervation ist ganz verwischt und nur der 
jMittelnerv als sehr zarte Mittellinie zu erkennen, die nach vorn sich verliert. Es ist am Grund und Spitze 
iganz stumpf zugerundet. — 

anccrtjc 8cdis. 

97. Phyllites Liriodendroides m. Taf. III. Fig. 5 d. 

?h. foliis mcmbranaccis, ap'ce truncatis (?) 

Atanekcrdluk, auf einem stark eisenschüssigen Stein mit Magnolia Inglefieldi. 

Ein dünnhäutiger Blattfetzen, dessen Form nicht zu bestimmen ist. Es scheint aber, dass die langen 
sferven nicht Hauptnerven, sondern die Secundarnerven eines grossen Blattes sind, welches vorn nach Art 
les Tulpenbaumblattes quer abgeschnitten war, so dass die Grenzlinie dort den Vorderrand darstellen würde. 
)iescm wäre der oberste Secundarnerv genähert, der zweite würde in den Zipfel des Blattes hinauslaufen; 
er dritte ist viel weiter von diesem entfernt und mit bogenläufigen Aesten versehen. Die Felder sind in 
reite polygone Unterfelder abgetheilt, welche mit einem feinen Netzwerk ausgefüllt sind. In dieser Beziehung 
rinnert das Blatt an Liriodendron, doch ist es zur sichern Bestimmung zu unvollständig erhalten. 

98. Phyllites membranaceus m. Taf. XIX. Fig. 9. ' 

Ph. foliis tenue membranaccis, quadri-nerviis, integerrimis (?), basi incequilateris, nervillis transversis, subparallelis. 
Atanekcrdluk, mit Corylus IMac Quarrii und Daphnogene Kanu auf einem Siein. i 

Fin grosses, aber zarthäutiges Blatt, das ana Grund stumpf zugerundet war. Von da entspringen vier 
l^auptnerven, der mittlere ist hin- und hergebogen und nur mit wenigen, weit auseinanderstehenden, in spitzen 
i^'inkeln entspi'ingenden Secundarnerven versehen. Auf der linken Seite ist neben demselben nur ein Haupt- 
srv, während auf der rechten zwei, und das Blatt war am Grunde ungleichseitig. Die seitlichen Nerven 
nd- stark gebogen. Die Felder werden von zahlreichen, daher dicht stehenden, unter sich fast parallelen 
ervillen eingenommen. Sie sind bogenförmig, theils einfach, theils aber gabiig getheilt. 

Gehört vielleicht zu den Leguminosen, von welchen namentlich die Gruppe der Phaseoleen in Betracht 
)mmen kann. Erinnert aber auch, namentlich in den parallelen Nervillen, an die Melastomaceen, wie ander- 
it3 an manche Urticeen. 

99. Phyllites evanescens m. Taf. L. Fig. 7. 

Ph. folio elliptico, integerrimo, tenue membranaceo, ncrvis secundariis valde curvatis, camptodromis, r.tmosis. 
Atanekcrdluk. mit Populus arctica, Taxites Olriki und ir^equoia Langsdorfii. 

Es muss ein selir dünnhäutiges, zartes Blatt gewesen sein, das wahrscheinlich einer krautartigen Pflanze 
gehört hat, von denen namentlich die Gattung Rumex in Betracht kommen kann.,. Der Mittelnerv ist dünn, 
n demselben gehen in weiten Abständen Secundarnerven aus, die bald nach oben sich umbiegen und weit 
^m Rande entfernt einen flachen Bogen bilden, der mit dem nächst obern Secundarnerv sich verbindet. 
\n dem Bogen laufen Aeste ab, die vor dem Rande sich wieder in Bogen verbinden und so Randfelder 
den. Die Hauptfelder sind mit einem sehr weitmaschigen und ungemein zarten Netzwerk ausgefüllt, das 
r stellenweise erhalten ist. 



\ 



100. Phyllites Rubiformis m. Taf. XIX. Fig. 10—12. Taf. XVI. Fig. 8 c. 

Ph foliis scrratis, nervis secundariis craspidodromis, areis reticulatis, scrobiculatis. 

Atanekcrdluk. 

Es sind mir nur einige sehr unvollständige Blattfetzen zugekommen, welche uns die Form des Blattes 
lit ermitteln lassen. Sie sind vor allen andern Blättern Grünlands ausgezeichnet durch das feinere Netz- 
•k. Wir haben nämlich in den Feldern zwischen den randläufigcn Secundarnerven zunächst zahlreiche 
^l'chgchende Nervillen und in den Felderchen, welche durch sie entstehen, ein sehr feines Netzwerk, das 
^\ gleichartigen polygonen Zellen besteht. Von diesen ist jede in der Mitte grubig eingedrückt, so dass die 
Kiidcr sehr scharf hervortreten. IMit der Lupe bekommt dadurch die Blattflächc ein feingrubiges Aussciicn. 
Ajinliche Bildung kommt bei Brombeerblättern vor, bei denen der Rand auch gezahnt und mit in diese 
^jnc auslaufenden Nerven verschen ist. Es gehören dalicr diese Blattfctzen vielleicht einer Rubus-Art an, 
^vuibcr aber erst vollständiger erhaltene Stücke entscheiden können. 



128 Mioccnc Flora von Nord crrönl and. 



10 1. Phyllites celtoides m. Taf. XVI. Fig. 7 c. 

Ph. folio basi inrequilatcro, trinervi, ncrvis lateralibus dissolutis. 
Atanckcrdluk (Cap, Inglcfield). 

Auf derselben rauhkörnigen sandigen Steinplatte mit jMac Clintockia Lyallii, Fraxinus dcnticulata und 
Corylus I^Fae Q.uavrii liegt ein r)latti'et/en mit eigenthümliciier Nervation, obwolil sein liand nicht crlialten 
ist und seine sichere Bestinnnung dadm'ch selir erseliwert wird, kann doch gesagt werden, dass es unzweifel- 
haft eine von allen im frühern beschriebenen Grönländer Pflanzen verschiedene Art bilde. Der Mittelnerv 
ist stark, neben demselben haben wir noch jederseits einen viel schwachem basalen Nerv, von denen aber 
der linkseitige höher oben angesetzt ist als der rechtseitige, der auch stärker gebogen ist, daher das Blatt 
am Grund ungleichseitig war; auch scheint es da herzförmig ausgerandet gewesen zu sein. Die seitlichen 
basalen Nerven senden auswärts starke Seeundaräste aus, die in starken Bogen zu grossen Feldern sich 
verbinden ; ferner vereinigen sich diese basalen Nerven mit dem ersten starken Seeundarnerv des Mittelnervs, 
von wo ein flacher Bogen zum zweiten Seeundarnerv läuft,' welcher Bogen als eine Fortsetzung des basalen 
Nervs erscheint. Es entstehen so grosse, am Mittelnerv liegende Hauptfelder, welche durch zartere Nervillen 
in iTnterfelder abgetheilt werden. Die i\ngleiche Basis und die drei Hauptnerven erinnern an Celtis, doch weicht 
die Bildung der Felder sehr ab; es ist diese ähnlich bei manchen Urtieeen, auch Feigenblätter können in 
Betracht kommen, so Fieus populina Hr. (Flora tert. Helv. H. Taf. LXXXVL). 

102. Carpolithes symplocoidcs m. Taf. XVI. Fig. 8 a., zweimal vergrössert Fig. 9. 

C. putamine clavato, 13 Mm. longo, 4,6 Mm. lato, basi attenuato, apice obtuse rotuiidato, longitudinaliter striato. 

Waigattet. (Dr. TorcU.) 

Eine eigenthümliche Fruehtforra, welche am meisten mit den Fruchtsteinen übereinstimmt, die Unger 
(Sylloge plant, fossil. III. S. 31) als Fruehtsteine von Symplocos gregaria und sotzkiana besehrieben und 
abgebildet hat. Der Grönländer Fruchtstein ist aber länger und am Grunde mehr verschmälert. Er ist oben 
stumpf zugerundet, der Länge nach von vier flachen Furchen durchzogen und. scheint fein punetirt gewesen 
zu sein. Die fast stielartige Verschmälerung am Grund spricht gegen Cornus; ähnliche Früchte treffen wir 
aber bei Elfeagnus. 

Neben der Frucht liegen zwei Fetzen eines gezahnten Blattes, bei welchem die Seitennerven in die 
Zähne auslaufen und fast parallele, starke Nervillen haben; ferner ein Fetze|i der Magnolia Inglefieldi, auf 
der Rückseite Fetzen von Populus. 

103. Carpolithes sphcerula m. Taf. XVI. Fig. 10, dreimal vergrössert Fig. 10 b. 

C. globosus, lividus, subtilissime striatus 

Atanekerdluk; auf demselben Stein mit Blättern von Fagus Deucalionis, der Quercus Drymeia, Olafseni, Sequoia Langs- 
dorfii und Andromeda protogaia. 

Die Frucht stellt ein 43/,o Mill. im Durchmesser haltendes Kügelehen dar, welches mit der Lupe be- 
trachtet äusserst feine, etwas wellige und verworrene Längsstreifen zeigt. Dieses Kügelehen Avar von einer 
dünnen Kohlenrinde umgeben, die aber nur am Rande erhalten ist und von einem Fruchtstein oder doch 
von einem Fruchtgehäuse herrühren dürfte. Hat ganz die Grösse und Form des C. globulus Hr. von Hamp- 
stead (Insel Wight), den ich auf Taf. III. Fig. 14—16 des Quarterly Journal of the geolog. soc. of London 
XVm. 1862. abgebildet habe; aber es fehlen ihm die Eindrücke, die wir bei jenem an Basis und Spitze 
bemerken. 

Aehnlich der Frucht von Myrica und vielleicht zu dieser Gattung gehörend ; ist aber viel grösser als 

die Frucht der Myrica acuminata. 

JOi. Carpolithes lithospermoides m. Taf. XVL Fig. 11, vergrössert Fig. 12—14. 

C. parvulug, ovatus, apice subacuminatus, bistriatus. 

Atanekerdluk. 

Ein 3V2 Mill. langes, 2V2 Mill. breites Früchtchen, oval, vorn schwach zugespitzt; Rückseite stärker 
gebogen als die Bauchseite, daher das Früchtchen etwas gekrümmt. Sculptur keine wahrnehmbar, wohl aber 
zwei Längslinien und zwei Längsrisse (cf. Fruchtdurchschnitt Fig. 14). 

Ob es ein Same oder Frucht, ist nicht zu entscheiden, letzteres aber wahrscheinlicher. In Grösse, Form 
und der schwachen Krümmung den Fruchtstücken von Lithospermum sehr ähnlich, daher wahrschemhch 
das Carpell einer Boraginee. 



Fossile Insectcn von Nordgrönland. 129 

JU5. Carpolithes bicarpellaris m. Tat'. XVI. Fig. 15, z\Yeimal vergrössert Fig. 15 b. 
C. carpellis duobus, apice acuminatis. 
Disco-Insel. (Dr. Lyall.) 

Die Frucht hat 7 Mill. Länge und 5 Mill. Breite und besteht aus zwei Carpcllen, welche der ganzen 
Länge nach und bis in die Spitze hinaus mit einander verbunden sind. An der Naht ist der Rand etwas 
aufgeworfen. Am Grund ist die Frucht ganz stumpf zugerundet. Li der Form ähnelt die Frucht derjenigen 
von Linum, bei der wir aber fünf CarpcUarblätter haben. Vielleicht haben Avir hier nur den Durchschnitt 
der Frucht, von der wir nur zwei Carpellen sehen, während eigentlich doch mehr vorhanden waren. 



Fossile Insecten von IVordgronland« 

1. Coleoptera. 

i 

I. Trogosüa insignis m. Tat". L. Fig. 12, vergrössert Fig." 12 b. 

Tr. elytris oblongis. striato-punctatis, interstitiis planis, Isevibus. 

Atanekcrdluk, bei zahlreichen Blattrestcn (IMac Clintockia, Taxodium). Olrik 1866. 

Die wohl erhaltene, grosse Flügeldecke hat eine braune Farbe. Sie ist 21*/2 Mill. lang und bei der 
Schulter o'/z Mill. breit, bei ^/^ Länge hat sie noch eine Breite von o^/iq Mill., ist aber hinten an der Naht- 
ecke zugespitzt. Sie ist flach und von neun Punctreihen durchzogen. Die Puncte sind rundlich, stehen dicht 
gedrängt, doch nicht in vertieften Streifen. Die erste Reihe läuft der Naht parallel und ebenso die zweite und 
es fehlt der abgekürzte Nahtstreifen gänzlich. Sie reichen bis zur Deckenspitze. Reihe 3 und 4 sind aussen 
verbunden, reichen aber auch bis nahe zur Spitze. 5 und 6 gehen über dieselben hinaus gegen die Decken- 
spitze. Bei 7, 8 und 9 ist der Auslauf nicht ganz deutlich, doch sieht man, dass sie. auch weit hinabreichen. Es 
scheinen 7 und 8 aussen verbunden zu sein. An der Deckenspitze bemerken wir neben den Punctreihen noch 
zerstreute Puncte, wogegen die Literstitien, in den übrigen Partien der Decke unpunctirt und ganz flach sind. 

Grösse und Form der Flügeldecke erinnert lebhaft an die Buprestiden, namentlich an die Chalcophorcn, 
von denen ich mehrere Arten in meinen Beiträgen zur Lisectenfauna Ocningcns (Taf. VII.) abgebildet habe. 
Allein die Sculj)tur der Flügeldecken ist bei den JJuprestidcn anders gebildet. Bei den gestreiften Flügeldecken 
haben wir 10 Streifen, von deuen G und 7 abgekih-zt und hinten verbunden sind; ferner haben sie immer einen 
Schildchenstrcifen. In diesem Mangel des Schildchenstreifens und im Auslauf der Punctreihen stimmt unsere 
Art mit Trogosita (namentlich mit Tr. caraboides), bei der wir auch ähnlich geformte, flache Flügeldecken 
finden. Dagegen ist die Grösse auffallend, indem nur exotische Arten (die Melambien) ebenso grosse und 
aoch grössere Formen darstellen, wogegen die europäischen lebenden und auch die bis jetzt bekannten fos- 
silen viel kleiner sind (vgl. meine Beiträge zur Insectenfauna. S. 54). Bei Pytho haben wir auch ähnliche^ 
ange schmale Flügeldecken, die aber eine ganz andere Streifung besitzen. Bei den Tenebrionen haben 
vir wohl ähnliche Punctreihen, allein die erste biegt sich beim Schildchen auswärts. In der Form der Flügel- 
lecken und im Auslauf der Streifen können auch die Gar ab öden in Betracht kommen (namentlich Spho- 
Irus und Dolichos), allein diese haben einen Schildchenstreif, in der Regel 8 Streifen und eine andere 
Punctatur. ' . 

if. Chrysomelües Fabricii m. Taf. XIX. Fig. 13., vergrössert 14. 

Chr. elytris S'/j ^^'iH. longis, oblongis. subtilissime punctulatis. 

Atanekcrdluk. 

Eine SVaMillim. lange und IV2 Millim. breite Flügeldecke. Sie ist länglich-oval, .schwach gewölbt und 
äusserst fein punctirt. Von der äussern Schulterecke geht eine schwache Kante nach hinten \md längs der 
^aht haben" wir eine feine Längslinie. 

! Dass dies eine Käferflügeldecke, ist 'nicht zu verkennen, wogegen die Bestimmung derselben sehr 
jchwierig ist. Form und Punctatur scheinen mir am meisten für ein Haltica-artiges Thierchen aus der Familie 
iCr Chrysomeliden zu sprechen. 



130 Fossile Insecten von Nordgrönland. 

If. Orthoptera. 

3. Blattidium fragile m. Taf. L. Fig. 13, vergrössert 13 b. 

Atanckcrdluk, neben Blättern und Zweigen von Sequoia Langsdorfii. 

Ist wahrscheinlich der Unterflügel eines Kakerlak, bei welchem die innere Seite eingeschlagen ist, 
daher sich die Rippen überkreuzen, wodurch die Ermittlung ihres Verlaufs sehr erschwert wird, um so mehr 
da sie theilweise ganz verwischt sind. Der Flügel hat eine Länge von 20 MilL, die vorliegende Partie eine 
Breite von 7 Mill. Die zahlreichen und nahe beisammenstehenden Rippen sind gabiig getheilt. Die Art war 
etwas kleiner als die Periplaneta Orientalis. 

III. Rhvnchota. 

4. Pentatoma horeale m. Taf. XIX. Fig. 15, vergrössert 15 b. 

Atanekerdluk ; war auf demselben Stoin mit Platonua, .Tuglans, Taxodium und Populus arctica (Taf. XII. Fig. 1); ein 
Blattfetzen der Mac Clintockia liegt unmittelbar neben dem Flügel und verdeckt grossentheils seinen Hauttheil, Fig. 15. 

Die Flügeldecke hat eine Breite von 5V2 Mill. und war wahrscheinlich 16 Mill, lang. Der Horntheil 
des Flügels ist fast ganz erhalten, nur am Grund ist eine kleine Partie verdeckt, vom Hauttheil ist nur die 
Basis zu sehen. Ersterer ist gegen den Grund zu stark verschmälert und hinten schief abgeschnitten. Der 
Binnenrand bildet eine gerade Linie. Die Flügeldecke ist ganz gleichförmig und dicht punctirt. Die Schulter- 
ader ist durch eine ziemlich tiefe Linie bezeichnet, und mit ihr fast parallel läuft eine zweite Linie, der 
äussern Mittelader entsprechend, welche einen Gabelast nach dem Binnenrand sendet. Eine weitere Linie 
verläuft nahe dem Nahtrande. Das Geäder des Hauttheiles ist verwischt. — Stellen wir zwei solcher Flügel- 
decken zusammen, wie dies in Fig. 15 c. geschehen ist, so erhalten wir ein ziemlich grosses langes Schild- 
chen. Dieses sow^ohl wie der Aderverlauf der Flügeldecke und ihre Punctatur sprechen für eine Pentatomide 
und zwar voraus für die Gattungen Pentatoma und Acanthosoma. Sie ist grösser als die bis jetzt bekannten 
tertiären Arten von Acanthosoma (cf. Insectenfauna der Tertiargebilde von Oeningen und Rodoboj. 3'*^ Abth. 
S. 39. Taf. IIL u. VIII.) und übertrifft auch die bei uns lebenden Acanthosomen um Y3 an Grösse. Unter 
den Pentatomen kommen dagegen Thiere von solcher Grösse vor und zwar schon im Tertiärland. Es steht 
in dieser Beziehung die Grönländer-Art dem P. longiceps von Oeningen (vergl. meine Insectenfauna. III. 
Taf. VII. Fig. 5) am nächsten und zeigt auch in der Form- der Flügeldecke so viel Uebereinstimmendcs, 
dass wir sie demselben Genus zutheilen dürfen. Fabricius hat in seiner Fauna grocnlandica kein einziges 
Thier aus der Ordnung der Rhynchoten und auch in der neuesten Aufzählung grönländischer Glicderthiere 
in Rink's Werk sind nur vier Arten aufgeführt und darunter nur eine aus der Familie der Landwanzen. Es 
ist ein kleines Thierchen (Heterogaster groenlandicus Zett.), das auch in Lappland vorkommt. Aus dem 
arctischen Amerika ist keine einzige Landwanze bekannt. Es stimmt daher dib fossile Art völlig zu der 
Flora des miocenen Grönland, und würde man von da nichts kennen als diesen Insectenflügei , würde er 
schon zeigen, dass die tertiäre Naturwelt Grönlands ganz von der jetzigen verschieden sei und sich näher 
an die der gemässigten Zone anschliesse. Es ist dies Thierchen um so wichtiger, da es unmöglich aus grosser 
Feme gekommen sein kann, denn gerade die Wanzen haben einen sehr schwerfälligen Flug und leben nicht 
in Pflanzen, sondern vom Raub, daher sie nicht etwa mit Holz hergekommen sein kann. 



131 

II. Arctiscli- amerikanischer Archipel. 



A. Steinkohlenpflanzesi der Melville-Insel. 

/. Schizüpleris Melmllensis m. Tat'. XX. Fig. 1 a. 

Seh. foliis furcatis, lobis clongatis, linearibus, apice truncato-rotundatis, tenerrimis, longitudinaliter nervulis striatis. nervulis 
«equalibus, parallclis. 

Bituminöser Kohlenschictcr der ^kene-Bai auf der Melville-Insel. (M'Clintock.) 

JDie Pflanze liegt in dem dunkelbraimen Kohlenschiefer, daher sie sich nur sehr wenio- von demselben 
abhebt und schwer zu erkennen ist. Bei genauem Betrachten und Anfeuchten gelingt es indessen die Form 
des dunkler' schwarzen Abdruckes zu erkennen. Das unten sehr schmale und deutlich läno-so-estreifte Blatt 
verbreitert sich allmülig nach oben und theilt sich dann in zwei Gabeln, jeder Lappen hat eine Breite von 
4i\rill., ist fast })arallclscitig und vorn stumpf zugerundet. Er ist von feineu, dicht stehenden Lilngsncrvcn 
durcli/ogcn; es war mir aber nicht möglich zu ermittcbi, ob dieselben einfach oder liier und da in Gabeln 
gctheilt sind. 

Neben dem hier beschriebenen Stück liegen zwei breitere Blattstücke (von 7 Mill. Breite, Fig. 1 b.), 
welche vorn auch stumpf zugerundet und von ähnlichen feinen Längsnerven durchzogen sind. Diese Län"-s- 
nerven sind stellenweise gabiig gctheilt. Es ist indessen noch zweifelhaft, ob sie zur selben Art oder aber 
einer andern Pflanze angehören. 

Neben den Blättern liegt eine Spore- (Fig. 1 c), welche jedenfalls einem Gefässkryptogamen angehört 
und wahrscheinlich von vorliegender Pflanze herrührt. Sie ist kugelrund. Von der Mitte gehen drei Leisten 
aus (Fig. 2 fünfmal vergrössert) , wie bei den Farrn. Sie hat 1 Millim. Durchmesser und ist daher auffal- 
lend gross. 

Es ist diese Pflanze sehr ähnlich der Schizopteris anomala Brongn. (Veget. fpss. Taf. 135. S. 384). Wir 
haben hier diese lang ausgezogene, am Grund keilförmig verschmälerte Blattbasis und gabiig getheilte Blatt- 
fläche mit feinen gleichartigen Längsnerven. Es scheint aber die Melville-Pflanze von zarterem Bau gewesen 
zu sein, denn sie bildet nur einen dünnen Ueberzug auf der Schieferplatte, wäjjirend die Pflanze von Saar- 
brück eine lederartige Beschaffenheit hatte. 

Da diese Pflanzengattung zur Zeit nur aus der Steinkohle bekannt ist, gehört die Kohle der Skene-Bai 
einer alten Formation und wohl der eigentlichen Steinkohlenbildung an. 

if. Cydopteris sp. ? Taf. XX. Fig. 3. 4. 5 a. 

In der Kohle der Skene-Bai sind mehrere Blattfetzen zu sehen (Fig. 3. 4. 5 a.), welche jedenfalls von 
einem Farrn und wahrscheinlich von einer Cyclopteris herrühren. Es gehen vom ßlattgrunde mehrere Nerven 
aus, wclclie sehr bald sich gabiig theilen (Fig. 4. 5); diese Gabeläste sind zum Theil lang (Fig. 5) und 
deuten auf ein ziemlich grosses Blatt (etwa wie bei Cycl. hjbernica Forb.) , dessen Umriss aber nicht zu 
ermitteln ist. Eine genaue Bestimmung ist daher nicht möglich. 

3. Pecopteris sp. ? Taf. XX. Fig. 6. 

Auch nur ein Blattfetzen von derselben Stelle, dessen Umriss ebenfalls uns unbekannt geblieben. Von 
einem Mittelnerv entspringen, in ziemlich spitzem Winkel, gerade, unverästelte , parallele Secundarnerven, 
etwa wie bei Pecopteris. 

i. Lepidodendron (Sagenaria) V eltheimianum Sternb. Taf. XX. Fig. 9 a. 

Siißenaria Veliheimiana Prcsl. Gp. Flora der Permischen Formation. S 135 Geinitz Flora von Hainichen-Eberdorf. Taf. IV. Fi«, ti 

Knorna acicularis Ga>pp. Ucbergangsgebirge. S. iOO. Taf. M Fig. 3. 

Knorna Sclirommiana Gcopp. J. c. Fig. 4. 

In der Bridport-Kohle liegt ein maltschwarzes Stengelstück von 10 Mill. Breite, welches bei genauerer 
Betrachtung lange, schmale, vorn zugespitzte Blattnarben zeigt, welche vollständig mit denen der Knorria 
jicicularis Goepp. übereinstimmen, deren Stämme man als entrindete Stücke des Lepidodendron Velthcimianum 
lirkamit hat, daher dieser Pflanzein-est, so klein er auch ist, doch den Zusammenhang der arctischen Kohlen- 
!lora mit der europäischen und amerikanischen beweist, denn es gehört dieses Lepidodendron zu den allge- 
laem verbreiteten Arten der untersten Abtheilung der Steinkohlenformation.' 



132 Stcinkohlcnpflaiizeu der Mclvillc-ln.sel. 

Die einzelnen Warzen haben eine Länge von circa 6 Millim., sind dabei sehr sclimal und vorn -Mi^e- 
spitzt, an der Basis in die Rinde, verlaufend. Sie stehen in einer Spirale am Ast. Die Zwischenräume zwischen 
denselben sind glatt. 

I 

' 5. Lepidophyllum obtusum m. Taf. XX. Fig. 10. 

L folüs oblongis, basi apiceque obtuse rotundatis, nervo medio basi valido antrorsum evanescente. 
Skcnc-Bai. (INI'Clintock.) 

Ein länglich-ovales ganzrandiges Blättchen, das vorn und am Grund stumpf zugerundet ist. Vom Blatt- 
grund geht ein starker Mittelnerv aus, der aber schon in der Blattmitte sich ganz verliert. Die übrige Blatt- 
fläche zeigt keine Spur von Nerven; nur aiTi Rande sind Andeutungen eines Saumnervs. 

Pic Art und Weise, wie der Mittelnerv auslauft und der Mangel aller feinern Nerven spricht für Lepi- 
dophyllum, obwohl die Zurundung an der Blattspitze bei keiner bekannten Art vorkommt. 

Die Lepidophyllen sind wahrscheinlich Blätter von Lepidodendren. 

6. Lepidodendron Spore.? Taf. XX. Fig. 5 b., vergrössert Fig. 5 d. 

Ein linsenförmiges, IV2 ^^^i^l- breites, kreisrundes, von einem schmalen flachen Rand umgebenes Körper- 
chen, das ganz mit äusserst feinen Wärzchen besetzt und in der Mitte mit einer punctförmigen Vertiefuno" 
,'ersehen ist. Die Warzenbildung ist wie bei den Sporen der liryptogamen und die Grösse spricht für eine 
Oospore von Lepidodendron. Die Lepidodendren haben nämlich wie die Selaginellen grosse und kleine Sporen 
und die Erstem kommen in Grösse mit der Melville-Spore überein. 

7. Cardiocarpus circularis m. Taf. XX. Fig. 7, zweimal vergrössert 7 b. 8. 

C. lenticularis, compressus, orbicularis, laevigatus. 
Skene-Bai. (M'Clintock) 

Ein linsenförmiges, ganz flachgedrücktes, fast kreisrundes Körperchen, das sich deutlich von der um- 
gebenden Kohlcnmasse abhebt und mit einem sehr schmalen Rande versehen ist. Auf einer Seite ist es ganz 
seicht eingedrückt. Sculptur ist keine sichtbar. Es sind zwei gleich grosse, 4 Mill. im Durchmesser haltende 
Exemplare vorhanden. Vielleicht die Fruchtkapsel von Lepidodendron Veltheimianum. 

Aehnlich den von Goeppert (Paläontogr. XII. S. 175) als junge Früchte des Cardiocarpus orbicularis 
Ett. gedeuteten Körperchen, welche er auf Taf. XXVI. Fig. 22 u. 23 abgebildet hat. Sie sind aber mehr 
kreisrund und haben einen viel schmälern Rand. 

S. Nfi'ggcrathia polaris m. Taf. XX. Fig. 1 f., Fig. 11 a. b. Fig. 12 b., vergrössert 12 b. b. 

N. pinnulis lincaribus, apice truncatis, nervis asqualibus tenuissimis, eubundulatis, hinc inde furcatis. 

Cap Dundas und Skene-Bai. (M'Clintock.) 

Ein 12 Millim. breites, vorn gerade abgestutztes Blattstück, das wenigstens 23 Millim. (cf. Fig. 12 b.) 
lang, vielleicht aber noch viel länger war, da kein Stück in seiner ganzen Länge erhalten ist. Es ist von 
zahlreichen feinen und wenig vortretenden Längsnerven durchzogen, die ,bis zijr Spitze reichen. Sie treten 
stellemveise stärker, stellenweise kaum merklich hervor und zeigen an ein paar Stellen gabiige Theilung. 
Es bekommt davon die Blattfläche ein etwas wellig gestreiftes Aussehen. 

Ist sehr ähnlich den Fiederblättchen der Noeggerathia abscissa Goeppert (Nova acta Ac. Leop. XXII. 
Taf. 217., cf. auch Roemer in Paläontogr. Taf. VII. Fig. 10), aber durch die weniger scharf vortretenden, 
weniger parallelen und an ein paar Stellen gabiig getheilten Nerven verschieden; auch ist das Blatt vorn 
gerade abgeschnitten und nicht ausgerandet. — Dawson hat ähnliche Blätter aus dem Devonien Amcrika's 
als Cordaitcs Robbii beschrieben (Quarterly Journal. XVIII. S. 316. PI. XIV. 31), aber auch bei diesen treten 
die Längsnerven stärker hervor und stehen weiter auseinander. 

Es waren wahrscheinlich die Fiedern eines zusammengesetzten, gefiederten Blattes. 

9. Nceggerathia Mac Clmfockii m. Taf. XX. Fig. 1 d. e. Fig. 12 a. 

N. foliolis oblongis, basi apiceque rotundatis, nervis aequalibus, obeoletis, parallclla. 

Skene-Bai (Fig. \ d.). Cap Dundas (Fig. 12 a.)- 

Am vollständigsten ist das Fig. 1 d. abgebildete Blättehen erhalten. Es hat eine Breite von 10 Mill. 
und eine Länge von 30 Mill., ist ganzrandig und vorn ganz stumpf zugerundet; dasselbe ist der Fall bei 
Fig. 1 e. und Fig. 12 a. Während aber diese nur in der vordem Partie erhalten sind, haben wir von 
Fig. 1 d. auch einen Theil der Blattbasis, woraus wir sehen, dass diese sich auch etwas zurundet, während 



Steinkolileii])i];ui/-cn der ^rclvillc-Iiiscl, ]33 

I sonst die Na?.gger.atliicnficd cm am Grunde mit brcitcv ganzer Seite in den Blattstiel eingefügt sind. Es ist 
dies eine Eigenthümlichkeit dieser Art, Avelche aber nicht liinreiclit, um sie von Nccggerathia auszuscheiden. 
IjDie Nervatur ist wie bei allen Blättern der Mellville-Insel, wohl in Folge des starken Druckes, dem diese 
l Blätter unterworfen waren, verwischt, doch sieht man bei guter Beleuchtung die Andeutungen zahlreicher, 
I paralleler Lilngsnerven. 

10. Nccggerathia Franklini m. Taf. XX. Fig. 12 c. d. Fig. 5 c. 

N. foliolis linearibus, clongatis, ftngustis, apicc obtusc rotundatis, ncrvis parallelis, wqualibua, subtilissimis. 
Cap Dundas (Fig. 12 c. d.). Skcnc-Bai (Fig. 5 c ). 

5—7 Mill. breite und wenigstens 50 Mill. lange parallelseitige imd vorn stumpf zugerundete Blättchen, 
welche von undeutlichen, aber zahlreichen und parallelen Längsnerven durchzogen sind. Bei einem Stück 
(Fig. 12 d'.) sieht man auch schief gehende Querstreifen, welche aber zufällig zu sein scheinen und wohl 
von Abdrücken eines früher schief darüber gelegenen Blattes herrühren dürften. Fig. 5 c. stellt die Spitze 
von zwei neben cinanderliegenden Blattfiedern dar, auf denen mit der Lupe einige zarte Längsnerven zu 
erkennen sind. 

Ist ähnlich der N. palmteformis Goepp., hat aber viel kleinere Blattfiedern. Audi Cordaites angustifolia 
Dawsou aus dem Devonien, den ich aber nur aus der Beschreibung kenne, dürfte in Betracht kommen. 

IL Thuites Parryanus m. Taf. XX. Fig. 13, vergrössert 13 b. 

Th. ramulis gracilibus, folüs quadrifariam imbricatis, squamajformibus, valde adpressis, oppositis, rhorabeis, ecarinatia. 
Goal vom Villagc Point. (Cap. M'Clintock). 

Ein sehr zartes cylindrisches Zweiglein von 2 Mill. Dicke ist ganz dicht rnit angedrückten Blättchen 

Dcsetzt. ]\Ian sieht eine mittlere Reihe und zwei seitliche. Es standen daher am ganzen Zweig die Blätter in 

rier Zeilen und scheinen je zwei und zwei gegenständig zu sein. Die mittlem sind rhombisch und 2 Mill. 

ang, vorn ziemlicli zugespitzt ; die seitlichen hatten ohne Zweifel dieselbe Form, da man aber nur die Hälfte 

edes Blättchens sieht, indem die andere auf der Rückseite liegt, erscheint es dreieckig. 

Da die Blätter gegenständig und in vier Zeilen geordnet sind, kann die Pflanze nicht zu den Lycopo- 

liaccen gehören. Wir haben diese Blattstellung bei vielen Cupressineen, zu welchen sie wohl gehört. Unter 

liescn hat Thuites Zweige mit gegenständigen, fest anliegenden Blättern, daher unsere Art in diese Gat- 

ung einzureihen ist, unter welcher wir alle Cupressineen mit gegenständigen, vierzciligen und fest an die 

iWcige angedrückten Blättern verstellen, die noch nicht bestimmten lebenden Gattungen zugetheilt werden 

önnen i). Unter den beschriebenen Arten ähnelt am meisten der Thuites Germari Dunker (jMonographie der 

orddeutschen Wealdenbildung pag. 19. Taf. IX. Fig. 10). Die kleinen Blättchen liegen ebenso dicht an, 

rodurch die Seiten des Zweiges fast geradlinig erscheinen; leider ist aber die Abbildung (wie auch Dunker 

emerkt) verfehlt und stimmt nicht zur Beschreibung, so dass eine genauere Vergleichung nicht möglich ist. 

edenfalls ist aber die Art verschieden, indem bei der Wealdenpflanze die Blättchen auf dem Rücken eine 

arina haben. Dasselbe ist der Fall bei Thuites fallax Hr. (Urwelt der Schweif. S. 80. 101. Taf. IV. 16. 

• 2. 3) aus dem Lias der Schweiz. 

Aehnliche Zweige hat auch Arthrotaxites Frischmanni Ung. (Pal^ontographica IV. pag. 41. Taf. VIII. 

ig. 4. 5) aus dem weissen Jura von Sohlenhofen und Nusplingen. Der Zweig ist aber bei der arctischen 

flanze viel dünner, die Blätter sind viel kleiner und verliältnissmässig länger und schmäler. 



IB. Bathurst - Insel. 

Von der Graham Moore-Bai der Bathurst-Insel besitzt das königliche Museum in Dublin ein kleines 
ück grauschwarzen Kohlenschiefer, der in dünne Blätter spaltet und auf diesem zwei Nadelholzblätter 
kennen lässt. 



i Wir ziehen dazu also auch die unter Cupressites aufgeführtrn Arten, so weit sie obigen Charakter haben. Die (iruppc 
Jpressitcs Gccppcrt (fossile Coniferen. S. 183) bestand aus sehr verschiedenartigen Elementen, indem Cupressites Hardtu und 
*tigiatu8 zu Sequoia, sein C. raccmosus zu Glyptostrobus gehören. 



134 Miocenc Pflanzen des Bankslandes. 

/. Pi/tus Bathursli m. Tat'. XX. Fig. 14. 

P. lolÜB goiiiiiüs, l)rcvil)iiN, U) Millim. longin, linoftiibuH, modio BubcoHtiitiM-rigidi«. 
In iler Kohle von Oruhaiii Moore-lJai jinf dor IJutliurst-Iiiecl. 

Zwei sehr kurze steife Nadeln sind am Grunde durcli eine gemeinsame Seheide verbunden; daneben 
liegen noch mehrere Nagelt'ragmcnte, von denen eines eine deutliche Mittelfurche zeigt und mit der Lupe 
)ioch einige äusserst feine Längsstreifen erkennen lässt (Fig. 14 b., wo das Blattstück vergrössert'i. Die Breite 
dieser Blätter beträgt nur 1 Millim., ihre Länge 10 Millim. 

Aehnliche Nadeln hat die Pinus Banksiana Lamb. aus Nordcanada und unter den tertiären Arten die 
P. brevifolia A. Br. und P. furcata Ung.; doch sind sie beim Petrefact von Bathurst noch kürzer und 
schmäler. 



C. Miocene ^Pflanzen des Ißankslandes. 

Vergl. S. 21. 
/. Pinus (Abies) Mac Clurii m. Taf. XX. Fig. 16—18. Taf. XXXV. Fig. 1. XXXVL Fig. 1—5. 

P. strobilis siibcylindricis, lati'udine triplo longioribus, squamis parvulis, striatie 

Zwei Zapfen aus den Holzhügeln der Ballast-Bai im Banksland (74'* 27' n. Br.). Der eine (Fig. IG) 
wurde von ]\I'Clure heimgebracht und dem Museum der geological Survey gesclienkt, der andere (Fig. 17) 
kam durch L. M'Clintoek m das königliche Museum nach Dublin. 

Der eine Zapfen ist 56 Mill. lang bei 18 Mill. Breite, der andere 59 Mill. lang und 19 Mill. breit. 
Er besitzt sehr dicht stehende, kleine, auswärts verdünnte und fein gestreifte Schuppen. Bei beiden 
Exemplaren sind die Zapfensehuppen vorn mehr oder weniger abgebrochen , daher sich leider ihre Form 
nicht mehr genau bestimmen lässt. Auch sind die Schuppen so dicht übereinanderliegend, dass ihre seitliche 
Begrenzung nur bei wenigen Schuppen deutlich ist und die Zeilen dadurch verwischt wurden. Es waren die 
Schuppen aucli in der Zapfenmittc schmal und erreichen nur eine Breite von 7 — 9 Mill. Ob sie vorn stumpf 
zugerundet und ganzrandig oder aber gezahnt waren, lässt sieh nicht ermitteln. — Der Zapfen von Dublin 
(Fig. 17 und von der Seite Fig. 18) ist etwas gekrümmt und die Lisertionsstelle seitlich und excentrisch, 
er war daher wahrscheinlich hangend; auch der zweite Zapfen (Fig. 16) ist etwas gekrümmt. Dieser ist fast 
cylindrisch, an Grund und Spitze ziemlich stumpf zugerundet, während der andere mehr zugespitzt ist und 
so dem Spindelförmigen sich nähert. Die Samen sind nicht zu sehen, müssen aber klein gewesen sein. 

Die fest mit der Achse verbundenen, längsgestreiften und auswärts nicht verdickten Zapfensehuppen 
weisen auf die Fichten, unter welchen die Weissfichte Amerika's (Pinus alba Ait.) unserer Art am nächsten 
zu stehen scheint. Sie unterscheidet sieh aber durch die etwas grössern und auch verhältnissmässig dickern 
Zapfen; bei Pinus alba haben die Zapfen eine Länge von 38 bis 50 Älill. und die grössten haben (im ge- 
schlossenen Zustande) einen Durchmesser von circa 14 Mill.; sie sind also zwischen drei- irnd viermal, die 
von P. M'Clurii aber dreimal so Lang als dick. Dabei sind die Zapfensehuppen der fossilen Art etwas schmäler. 
In dieser Beziehung nähert sich dieselbe der P. Menziesii Dougl., welche aber viel dünnere und lockerer ge- 
stellte Zapfensehuppen besitzt. 

In Grösse kommen die Zapfen mit denen der P. orientalis L. überein, während die einzelnen Schuppen 
schmäler sind. Von der P. nigra Ait. unterscheiden sie sich durch die längern, nicht kurz eiförmigen Zapfen. 

Zu dieser Art dürfte wohl der grosse Holzstamm gehören, welcher von Mac Clure an derselben Stelle 
gefunden und aufs Schiff gebracht wurde. Das Holz (Taf. XXXV. Fig. 1. XXXVI. 1—5) stimmt, wie 
schon Dr. J. D. Hooker es ausgesprochen hat ») und wie dies durch die Untersuchung des Herrn Prof. Gramer 
bestätigt wurde, mit dem der Fichten völlig überein. 

2. Pinus Armslrongi m. Taf. XX. Fig. 19. 

P, ramiüis foveis prolundis, rhomboidalibus, densia exsculptia. 

Von derselben Stelle, wie vorige Zapfen. Von Mac Clure der geological Survey geschenkt. 

Ist ein Stück eines Zweiges oder die Achse eines Zapfens. Der erhaltene Theil hat eine Länge von 
30 Mill. und eine Breite von 7 Mill., ist mit tiefen rhombischen oder rhombisch-ovalen Gruben dicht besetzt. 



') cl". Arm.strong the North-Wcst Passage. S. 397. 



PH<anzcn dos l^aiikslandcs. 135 

Jede dieser Gruben hat eine Länge von 4 Mill. bei einer Breite von 3 ]\Iill. ; sie schliessen fest aneinander 
U. Die Vertiefung stellt schief zur Achse, so dass die in der Vertiefung befestigten Körperchen (Blätter 
)der Schuppen) nach vorn müssen gerichtet gewesen sein. An einigen Stellen sind die Reste dieser Körper- 
|;hen in Form kurz abgebrochener, an der Bruchstelle runder Zapfen (Fig. 19 c. vergrössert) noch in der 
Vertiefung drin und füllen sie aus. Wo sie ausgefallen, bemerkt man eine trichterförmige, schief gegen die 
kdiae gerichtete Vertiefung, aus welcher wahrscheinlich die Gefässbündel kamen. Am obern Ende sind einige 
jrruben länglich-oval (Fig. 19 c. vergrössert), während sie an den andern Stellen mehr rhombisch sind 
Fig. 19 b. vergrössert). Die Parastichen sind deutlich ausgesprochen. 

Aehnlich gestellte, dicht beisammenstehende ßlattnarben haben wir an den Zweigen der Araucaria 
xcelsa, aber diese bilden hervortretende Warzen und keine Gruben. Ebenso stehen auch bei den Fichten 
lic Blattnarbcn als Warzen hervor, daher das vorliegende Stück nicht zu Pinus M'Cluvii gehören kann. 
)agcgen haben wir bei den Weisstannen grubcuförmig vertiefte Blattnarben und bei dem von Ga;ppcrt 
j\[onographie der fossilen Conifcren. Taf. IG. Fig. G) abgebildeten Zweige der Pinus (Abies) firma Sieb. 
P. homolepis Ant.) sind sie auch in ähnlicher Weise dicht gestellt, ebenso bei der P. Nordmanniana (Taf. XX. 
•"ig. 20, vergrössert 20 b.), aber sie sind nicht in solchen tiefen Gruben, wodurch die fossile Art sehr ab- 
veicht. Dass der Zweig einer Pinus angehört, zeigen die in einer Reihe stehenden Tüpfel der Holzzellen. 
Vielleicht gehört sie mit Pinus Steenstrupiana oder P. Ingolfiana von Island zu einer Art. 

3. Cupressinoxylon pulchrum Cram Taf. XXXIV. Fig. 1. Taf. XXXVI. Fig. G— 8. 
Vgl. Gramer die fossilen Hölzer im Anhang. i 

4. Cupressinoxylon polyommatum Cram. Taf. XXXIV. Fig. 2 a. b. Taf. XXXV. Fig. 2 — 3. 
Gramer 1. c. ' 

5. Cupressinoxylon dubium Cram. Taf. XXXIV. Fig. 3. 



Gramer 1. c. 
Gramer 1. C; 



Ij. Betula UrClintockii Cram. Taf. XXXIV. Fig. 4 a. b. Taf. XXXIX. 



III. Miocene Pflanzen vom lackenzie 

in der Nahe der Einmündung des Bärenseeflusses. 65 » n. Br. 
Gesammelt von Dr. Richardson. Vgl. S. 25. 



/. Glyptostrohus europceus Brongn. sp. Taf. XXI. Fig. 10 12. S. 90. 

Nr. 'i von Richardson arctic Searching expedition. U. S. 406. ' • /^i i 

Fig. 10, 11 und 12 stellen kleine Zweige mit abstehenden Blättern dar, wie solche beim Gl. hetero- 
hyllus Japans und bei der fossilen Art (cf. Flora tert. Helv. Taf. XVIII. Fig. 5. G. 8) vorkommen. Der 
weig Fig. 12 ist so ähnlich dem vom Hohen Rhonen in der Schweizerflora 1. c. Fig. 8 abgebildeten, dass 
iese Art vom Mackenzie damit vereinigt werden darf, obwohl mir allerdings keine Zweige mit angedrückten 
>huppenförraigen Blättern zu Gesicht gekommen sind. Wahrscheinlich wird man aber dieselben bei ^yeltcrm 
achsuchen noch auffinden. Der Taxites phlegethonteus Unger (iconograph. Taf. XV. Fig. 17), mit dem 
'r. Richardson unsere Pflanze vergleicht (arct. exped. S. 406. Nr. 2), hat viel grössere und am Grunde 
isammcngczogcne Blätter und gehört zu Sequoia Langsdorfii. 

Die Blätter sind sehr schmal, vorn gespitzt, am Grund nicht verschmälert und an der untern Seite am 
weig herunterlaufend, von einem Mittelnerv durchzogen (Fig. 10 d. und H b. vergrössert). Sie stehen dicht 
iiisammen, sind ziemlich steil aufgerichtet und weniger deutlich zweizeilig angeordnet. 
; Wir bemerken auf manchen Blättern ebenfalls kleine Querstreifchen und rundliche Scheibchen, wie bei 
5r folgenden Art. 



]•;(; iliüccne Pflanzen von; ]\Iackcnzic. 

i. Scquoia Langsdorjn Br. sp. Tat". XXL Fig. 1 — 8. S. 91. 

Nr. 1 von Richardson I. c. S. 403. Taf I. 

Am besten crlialten ist der Taf. XXI. Fig. 1 (ein Stück vergrössert Fig. 1 b.) abgebildete Zweig. Wir 
haben am Grund desselben mehrere sehuppenförmig angedrückte, kurze Xiederblättcr, weiter oben zweizeilig 
geordnete dicht beisammenstehende Blätter, welche mit der verschmälerten Basis deutlich an dem Zwei"- 
hcrablaufcn und an diesem Längsstreifen bilden. Li allen diesen Beziehungen stimmen diese Zweige mit 
denen von Grönland und aus der Schweiz überein. Ebenso in der Form der Blätter. Sie sind vorn stumpf- 
lich. Der Mittelnerv reicht bis zur Blattspitze, ohne sich über diese hinaus in eine Spitze zu verlängern. 
Die meisten Blätter zeigen im Abdruck äusserst zarte, nur mit der Lupe wahrnehmbare, wellig verlaufende Quer- 
streifen (Fig. 4 u. 4 b.), welche aber offenbar nur zufällig entstanden sind und auch bei einigen Sequoiablättcrn 
von- Grünland (vgl. Taf. IL Fig. 21, 23 b.) sich finden. Sie mögen sich beim Verhärten des Schlammes zu Stein 
gebildet haben. Dagegen deuten die feinen parallelen Längsstreifen (Fig. 4) auf äusserst zarte Längsnerven, 
wie wir sie auch bei den Grönländer-Blättern gefunden haben. Die Fig. 1 abgebildeten Blätter sind etwas 
kürzer als sie gewöhnlich bei Seq. Langsdorfii vorkommen, wogegen die Fig. 5 dargestellten ganz dieselbe 
Grösse haben. 

Der Taf. XXI. Fig. 3 abgebildete Zweig gehört wahrscheinlich auch zu dieser Art. Ich habe ihn im 
britischen ]\[useum gezeichnet und damals für einen Sequoiazweig genommen. Erst später bemerkte ich, dass 
Dr. Richardson dasselbe Stück in seinem Werk (arctie Searching expedttion. I. PI. I.) abgebildet hat. Da in 
seiner Zeichnung die Blätter am Grunde zugerundet und nicht am Zweige deeurrierend sind, habe ich darauf 
bauend dieses Zweigstück in meiner Urwelt der Schweiz (S. 306) zu Taxodium gezogen. Da indessen Fig. 1 
u. G unzweifelhaft zu Sequoia gehören, ist es mir jetzt wahrscheinlicher, dass die Abbildung in Richardsons 
Werk nicht ganz richtig ist, um so mehr da Richardsons sorgfältige Beschreibung der Pflanze (IL S. 404) 
der schiefen Eindrücke gedenkt, welche an dem Zweige durch die Art der Befestigung der Blätter entstehen. 

Bei Fig. 6 haben wir die männlichen Blüthenknospen und bei Fig. 8 b., die Abdrücke von zwei schild- 
förmigen Zapfenschuppen, welche an einem Zweige befestigt, dessen Blätter sehuppenförmig angedrückt sind. 
Bei Fig. 7 b. (vergrössert 7 c.) liegt der Abdruck eines ovalen Samens, der mit' einem Flügelrand versehen 
ist und wahrscheinlich unserer Art angehört. Vgl. auch Lyell Clements of Geology. 1865. S. 262. Fig. 202. 

Dr. Richardson vergleicht diese Art mit Taxus baccata und canadensis, mit welcher sie in der That 
in der Bildung der Zweige und Blätter viel Aehnlichkeit hat. Abgesehen von der ganz andern Frucht- und 
iSamenbildung unterscheidet sich aber der Eibenbaum durch die längern Blätter, den vorn sich verwischenden 
iMittelncrv und die feine Blattspitze. 

; Auf manchen Blättern bemerken wir kleine, kreisrunde Scheibchen, welche zuweilen in der Mitte eine 
ounctförmige Vertiefung haben. Es scheinen keine Pilze zu sein. Richardson ist geneigt, sie für Ausscheidungen 
ler Blätter zu halten. 

3. Pinus spec. Taf. XXI. Fig. 9. '■. 

Eine einzelne, steife, l'/z Mill. breite und lange Xadel, welche von einem Längsnerv durchzogen ist. 
lat die_ grösste Aehnlichkeit mit der Nadel der Pinus LIampeana Ung. (vgl. Flora tert. Helv. I. Taf. XX. 
'ig. 4 e.) und gehört vielleicht zu dieser Art, worüber aber erst vollständiger erhaltene Stücke entscheiden 
önnen. 

4. Smilax Franklini m. Taf. XXI. Fig. 18. 

Sm. foliis petiolatis, orbiculatis, quinquenerviis. 
Nr. 8 von Richardson I. c. S. 410. 

1 Es ist dies Blatt fast kreisrund, am Grund nicht ausgerandet. Der Blattstiel ist ziemlich lang und 
inn. Vom Blattgrund entspringen fünf Nerven, welche spitzwärts laufen ; die seitlichen bilden grosse Bogen 
id senden nach auswärts Aeste, die ein weites Maschenwerk erzeugen. Die Felder sind mit einem gross- 
Uigen, zarten Netzwerk ausgefüllt, welches das ganze Blatt überzieht. 

Es stimmt dies Blatt in der Nervation zu Smilax und zeigt ganz die Form von Sm. orbicularis Hr. 
flora tert. Helv. III. S. 167) unserer obern Molasse, weicht aber in dem andern Verlauf der NerviUen ab. 
, . Wr den lebenden Arten steht ihr die Sm. excelsa L. aus Georgien und die Sm. rotundifolia L. der Ver- 
T (liigten Staaten am nächsten. 

Ob das Fig. 19 abgebildete kleine Blättchen zu dieser Art gehöre, ist mir noch sehr zweifelhaft. 



> 



Miocene Pflanzen vom Mackenzie. I37 

5. Popnlus Richardsoni m. Taf. XXIII. Fig. 2 a. 3. S. 98. 

Richardsün l. c. PI. 11. S. 19«'. II. S 408. Nr. 4, 

Das von Riciiardson abgebildete Blattstück stimmt wolil zu der Art von Grönland und noch mehr die 
Bcscla-cibung , die er S. 408 von demselben gegeben hat. Die rechtwinklig vom Blattstiel auslaufende Basis 
ist etwa ein Zoll lang ganzrandig, dann gekerbt. Die Zähne sind gerundet und durch scharfe Winkel von 
einander getrennt. Von den sieben Blattrippen sind die drei mittlem viel stärker als die übrigen, von jenen 
drei mittlem biegen sich die beiden seitlichen gegen die Spitze zu. Die Blätter sind glatt und kahl. 

Hierher gehören die Taf. XXIII. Fig. 2 a. 3 abgebildeten zwei Blattfetzen, welche den mit grossen 
Zähnen besetzten Hand darstellen; besonders gross sind sie bei Fig. 3, sie sind hier stumpf zu gerundet, die 
Nervenäste zu einem Netzwerk verbunden. 

« 

6. Populus arctica m. Taf. XXI. Fig. 14. 15 a. S. 100. 

Die abgebildeten zwei Blätter stimmen völlig mit denen von Grönland überein und zwar Fig. 15 a. mit 
ier Form a. (S. 100) mit gekerbtem Rand, nur ist dasselbe am Grunde etwas ausgerandet und wird dadurch 
chwach herzförmig. Es hat 5 — 7 Hauptrippen, von denen aber die untern zwei sehr zart und kurz sind, 
vährend die beiden obersten seitlichen in grossem Bogen zur Spitze laufen. Die Art der Verästelung der- 
elben und das feinere Adernetz sind ganz wie bei den Grönländer-Blättern. Der Kand ist nur mit sehr 
chwachen, wenig vortretenden und ganz stumpfen Kerbzähnen versehen, und Fig. 14 ist fast ganzrandig, 
de Var. b. S. 101. 

Es ist dies Nr. 5 in Richardsons Werk. ■' 

7. Populus Hookeri m. Taf. XXI. Fig. 16, vergrössert 16. 

P. folüs rotundatia, longitudine latioribus , obsolete crenatis , quinque nerviis, nervis duobus lateralibus flexuosis , valde 
imosis. ^ 

Nr. 7. Richordson 1. c. S. 410. 

Das Blatt ist länger als breit, am Grund stumpf zugerundet, sehr schwach gekerbt, mit ganz kurzen, 
lumpfen Zähnen. Von den fünf Hauptrippen sind die beiden untersten sehr kurz und schwach ; die beiden 
iithchen stark hin- und hergebogen und in starke Aeste gespalten, die , in Bogqn sich unter einander ver- 
inden. Die Felder sind mit einem polygonen Netzwerk ausgefüllt. Der dünne Blattstiel ist nicht in seiner 
anzen Länge erhalten. Unterscheidet sich von den beiden voriger Art durch die nicht zur Blatts])itze ge- 
5genen seitlichen Hauptnerven und die Art der Verästelung derselben. Aehnelt der Populus latior und 
Dch mehr der P. Heliadum Ung. (Flora tert. Helv. Taf. LVII. Fig. 4 u. 5), unterscheidet sich aber durch 
e viel kleinern Kerbzähne. Gehört in die Gruppe der Zitterpappeln. 

Neben dem Blatt liegt ein ovales Körperchen, welches wahrscheinlich den Fruchtknoten dieser Pappel 
irstellt. Die Mittellinie bezeichnet die Naht der beiden Fruchtblätter und der Querstreifen am Grund die 
eile, wo der Kelch befestigt war. i 

8. Salix Raeana tn. Taf. XXL Fig. 13. S. 102. *' 

S. folüs oblongis, basi subrotundatis, integerrimis, nervis secundariis ai)proximati8, valde curvati-s. 

Nr. 16. Richardson 1. c S. 416. 

Ein 8 Millim. breites und circa 40 Millim, langes, ganzrandigcs, ovales Blatt. Es ist in der ]\littc am 

citesten, nach vorn mehr verschmälert als gegen den Grund, der ziemlicli stum])f zugcrundct ist. Der Rand 

ungezahnt, kleine Puncto scheinen Drüsen anzudeuten. Von dem ziemlicli starken Mittehicrv gehen jeder- 

jts 7—8 Sccundarnerven aus; sie entspringen in etwa halbrechtcn Winkeln, sind stark gebogen und vom 

starken, vom Rand entfernten Bogen verbunden. Die Felder sind von querlaufenden Nervillen ausgefüllt; 

einigen dieser Felder haben wir abgekürzte Seitennerven, welclie in die nächstuntem einmünden, was die 

eidenblätter charakterisirt. Aehnelt in der Blattform der Salix repens L., nur ist das Blatt grösser, nament- 

!i breiter, und unter den fossilen Arten der S. integra Goepp. von Schossnitz. 

Der Name soll an John Rae erinnern, den Begleiter Sir Richardsons, welcher die ersten sichern Spuren 
Gefährten Franklins entdeckt hat. 



d 



9. Betula sp. Taf. XXIII. Fig. 10. 

Ein Zweigstück mit der Rinde, welche durch ihre Querstreifen und rundlichen Flecken als Birkenrinde 
S'i ausweist, so dass wenigstens auf die Anwesenheit dieser Gattung an dieser Stelle geschlossen werden 
^m. Die Flecken sind kleiner und weniger dicht stehend, als bei dem Zweig aus Island. Taf. XXV. Fig. 10. 

18 



138 Mioccne Pflanzen vom Mackenzie. 

10. Cori/lus Mac Quarrii Forb. Taf. XXI. Fig. 11 c. Taf. XXI. Fig. 1—6. Taf. XXIII. Fig. 1. S. 104. 

Ist eines der häufigem Blätter des Mackenzie, welches in denselben Formen erscheint wie in Grönland. 
Taf XXI. Fig. 11 c. und Taf. XXII. Fig. 1 stellen Blätter von mittlerer Grösse dar, die zwar nur theil- 
weisc erhalten sind, doch sieht man ein Stück des doppeltgezahnten Randes, der in dieser Zahnbildung ganz 
mit der miocencn Ilaselnuss Europa's übereinstimmt (cf. Fig. 1 b., wo diese Zälme vergrössert sind), dann 
einige Scitenncrvcn, deren Tertiarncrvcn in die Zähne auslaufen und die deutlich hervortrctcndsn Nervillen. 
Ein kleines, aber am Kandc zerstörtes Blatt ist bei Taf. XXII. Fig. 2 dargestellt; ein grosses bei Taf. XXll. 
Fig. 4 mit zerstörtem Rand, aber deutlichen Nervillen; zwei sehr grosse Blätter stellen Taf. XXU. Fi"-. 3 
und 5 dar. Der Rand derselhen ist grosscntheils zerstört, doch sieht, man bei Fig. IJ wenigstens cinzelno 
D()l)l)clzähne, welche zeigen, dass der Secundarncrv in einen grossen Zahn ausmümlet, wäljreiid die Tertiär- 
nerven in kleine Seitenzähne, wie bei Corylus Avellana. Am Grunde des Blattes sind die Sccundarnerven 
genähert, während die übrigen weiter auseinandergerückt sind. Es ist dies Blatt von auffallender Grösse, 
wie bei Corylus Colurna, es kommen aber auch in Grönland und in Menat Blätter von selber Grösse vor, 
die wir als C. M'Quarrii macrophylla (S. 105) bezeichnet haben. Ebenso gross war Avahrscheinlich das 
Taf. XXIII. Fig. 1 abgebildete Blatt, dessen Rand aber ringsum zerstört ist. Die stark genäherten und 
grossen ersten Seitennerven und ihre stark entwickelten Tertiärnerven erinnern einigermassen an Platanus, 
die nächstfolgenden Seitennerven sind aber auch stark und mit Tertiärnerven versehen, was bei den Platanen- 
blättern nicht der Fall ist. 

Bei dem Taf. XXII. Fig. 6 abgebildeten Blatt steigen die untern Sccundarnerven steiler an und bilden 
einen spitzem Winkel mit dem Mittelnerv ; es ist mir daher noch zweifelhaft , ob dasselbe hierher gehöre. 

ll.Quercus Olafseni m. Taf. XXII. Fig. 7. S. 109. 

Es liegt mir nur ein Blattfetzen vor, der aber wohl zu den Blättern von Grönland (namentlich Taf. XI. 
Fig. 8 u. 11) und Island stimmt. Der Rand ist mit ziemlich grossen, stumpflichen, durch weite stumpfe 
Buchten getrennten Zähnen versehen. Die Sccundarnerven sind randläufig und jeder mündet in einen Zahn 
aus, und besitzt einen Tertiarnerv, der ganz so wie bei den Grönländer-Blättern in einen kleinern Zahn 
ausläuft. Die Nervillen sind theils durchgehend, theils gabiig getheilt und die Felderchen noch mit einem 
feinen polygonen Netzwerk ausgefüllt. 

t2. Platanus aceroides Gcepp. ? -Taf. XXI. Fig. 17 b. Taf. XXHI. Fig. 2 b. 4. S. 111. 

Die abgebildeten Blattfetzen vom Mackenzie lassen leider keine sichere Bestimmung zu, da sie zu unvoll- 
ständig erhalten sind. Bei keinem Stück ist der Rand vorhanden, wie auch die ganze obere Partie fehlt. 
iVas für Platanus spricht sind die drei Hauptnerven, die grossen Sccundarnerven, welche von den seitlichen 
;egen den Rand laufen, und die unterhalb derselben hervortretenden kleinern, abgekürzten Nerven ; zweifel- 
jiaft macht aber bei dem Taf. XXI. Fig. 17 b. abgebildeten Blatt die Krümmung der Sccundarnerven und 
)ei Taf. XXIII. Fig. 2 b. die starke Verästelung des zweiten Seeundarnervs. Jedoch treffen wir diese zu- 
reilen in ähnlicher Weise auch bei Platanus aceroides, so bei dem von Goeppert Taf. IX. Fig. 3 (Flora von 

chossnitz) und bei dem in der Flora tert. Helv. Taf. LXXXVIII. Fig. 11 abgebildeten Blättern. Die Bil- 

ung der Nervillen ist wie bei Platanus. 

IS. Hedera Mac Clurii m. Taf. XXI. Fig. 17 a. S. 119. 

Es ist das Fig. 17 a. abgebildete Blatt vollständiger erhalten als die mir von Grönland bekannt ge- 
ordenen Blattreste (vgl. S. 119). Es stimmt mit denselben in dem dünnen cylindrischen Stiel, in den fünf 
^auptnerven, welche in denselben Winkeln auslaufen und gleicher Weise sich verästeln und durch diese 
este ein weites Maschenwerk bilden, überein. 

Das Blatt war wahrscheinlich etwas länger als breit, am Grund stumpf zugerundet, vorn in eine Spitze 
I islaufend, an den Seiten stark gerundet. Die seitlichen Hauptnerven sind mehrmals gabiig getheilt, welche 
abeln sich zu einem weiten Maschwerk verbinden. 

j i4. Pterospermiies dentatus m. Taf. XXI. Fig. 15 b. Taf. XXHI. Fig. 6. 7. 

Pt. folüs subpeltatis, dentatis. 
1 Es sind nur Blattfctzen erhalten, doch zeigen ein paar Stücke ganz deutlich, dass der Blattrand über 
!c Insertionsstelle des Stieles hinausreicht und das Blatt dadurch ein schildförmiges wird. Von der Inscrtions- 



Miocene Pflanzen vom Mackenzie. I39 

stelle gehen wie bei Pterospermum acerifolium melircre kurze, zartere Nerven gegen den untern Blattrand- 
sie sind verästelt und durch Bogen mit einander verbunden ; andere Hauptnerven laufen in fast horizontaler 
Richtung aus, der stärkste aber geht nach oben und bildet den Mittelnerv, von dem in sehr weiten Abständen 
Secundarnerven ausgehen. Die Felder sind von durchgehenden oder gabiig getheilten, in Bogenlinicn ver- 
laufenden Nervillen ausgefüllt, zwischen denen ein weitmaschiges Netzwerk lieo-t. 

Bei Fig. 7 liegt der Blattstiel auf der untern Blattfläche. 

Aus Taf. XXI. Fig. 15 b. sehen wir, dass die Blattbasis gezahnt ist, ob die mit grossen Zähnen ver- 
sehenen zwei Blattfetzen, welche in Taf. XXIII. Fig. 8 u. 9 abgebildet sind, hierher gehören, ist noch 
zweifelhaft. Wäre dies der Fall, so wäre der Blattrand mit grossen, ziemlich scharfen Zähnen besetzt. 

15. Phyllites aceroides m. Taf. XXIII. Fig. 5. 

Ph. apice acuminatus, dentatus, nervis secundariis camptodromis. 

Es Stellt das Fig. 5 abgebildete Stück eine Blattspitze dar. Der Rand ist mit ungleich grossen Zähnen 
besetzt; die Secundarnerven sind vorn in Bogen verbunden, die Felder mit durchgehenden Nervillen ver- 
sehen. — Gehört vielleicht zu Acer. 

16. Antholithes amissus m. Taf. XXIII. Fig. 12., vergrössert 12 b. ' 

A. petalis orbiculatis, multinervosis, nervis furcatid. 

Ein kleines, sehr zartes rundes Blättchen, das von 7 Längsnerven durchzogen ist, von welchen die 
mittlem in zwei Gabeläste sich spalten. Es ist 4 Mill. breit und eben so lang. Ist wahrscheinlich ein Blumen- 
blatt, ähnlich dem A. lepidus Hr. Flora tert. Helv. III. S. 138. Taf. CXLI. Fig. 13. 

17. Carpolitkes Seminulum m. Taf. XXIH. Fig. 11., vergrössert 11 c. 

C. ovalis, 3 Mm. longus. laevigatus. 

Eine kleine Frucht oder wohl noch eher Same , von 3 Millim. Länge und kurz ovaler Form , glatt. 
Scheint nicht selten zu sein , und Dr. Richardson vergleicht es mit den Nüsscheu von Taxus ; ist aber viel 
kleiner und es fehlt ihm die Sculptur, wie die Ansatzstelle an der Basis, welch^ jene auszeichnet. 



IV. Lliocene Flora von Island. 



I. Cryptogamen. 
I. FuDgi. 

l. Dothidea borealis Hr. Taf. XXV. Fig. 17, vergrössert 17 b. 

D. epiphylla, rotundata vel angulato difformis, subconfluens. 

Ilecr Flora lert. Helvet. III. S. 317. 

Hredavatn, auf dem Blatt der Betula macrophylla 

Bildet auf dem Birkenblatte zahlreiche kleine Flecken; sie sind gruppweise zusammengestellt, doch 
nicht verschmelzend; nur 1, 2 bis 3 der kleinen Perithecien sind öfter verbunden und bilden dann grössere, 
eckige und unregelmässige Flecken. Jedes Perithecium ist körnig, d. h. erscheint aus sehr kleinen, runden, nur 
mit der Lupe wahrnehmbaren Wärzchen zusammengesetzt, wie bei den Dothidien. Von D. alnca Pcrs. ist die 
Art durch die oft eckigen und mehr gruppweise zusammengestellten Perithecien verschieden, scheint mir 
aber der D. betulina Fries (Syst. mycolog. H. p. 554) sehr nahe zu stehen. Unter den fossilen Arten ist 
D. acericola Hr. ähnlich, bildet aber viel kleinere Flecken. 



140 ' Mioccne Flora von Island. 

2. Sclerotium CPerisporium) Dryadum Hr. Taf. XXV. Fig. 9 a. 

Sei. sporangiis minimis, punctiformibus, nigris, rotundatis, deplanatis, folium Betul« priscse omnino obtegentibus 
(Husavik. (Dr. Winklcr.) 

Ungemein kleine, schwarze, dicht beisammenstehende Puncte bedecken die Oberfläche eines Birkenblattes 
in ähnlicher Weise wie das Sclerotium betulinum Fries (Syst. mycolog. II. S. 262) die Blätter der lebenden 
Birkenarten. Fries hat dieses Sclerotium später (IIL S. 249) zu seinem Genus Perisporium gebracht, wohin 
daher wahrscheinlich auch die fossile Art gehört; da es aber dem Sei. acericola und populicola u. a. unge- 
mein ähnlich sieht, ist es zweckmässiger die ältere Eintheilung beizubehalten. — Auch ist nicht viel einzu- 
wenden, wenn man die fossilen Sclerotien und Sphserien, welche auf den Blättern sehr ähnliche Flecken 
und Puncte bilden, unter dem gemeinsamen Namen von Sphserites zusammenfassen will. 

3. Rhytisma induratum Hr.? Taf. XXIV. Fig. 1. 

Rh. innatum, crassum, macula difformi conflucns, rugosum, margine crenatum, in labia flcxuosa dehiscens. 

Heer Flora tert. Helvet III. S. 149 Taf. CXU. Fig. 7. 

Gaulthvamr. Auf dem Blatte von Acer otopterix Goepp. (Dr. Winkler.) 

Bildet auf einem Ahornblatte schwarze, runde, gerunzelte Krusten, welche sowohl auf der Blattfläche, 

wie am Blattrande sich finden; sie sind aber kleiner und weniger dick als beim Pilz dea Hohen Rhonen, 

daher es nicht ganz sicher ist, dass er zur selben Art gehöre. Da diese Flecken indessen sehr ähnlich sehen 

denen von Rhytisma acerinum Fr., die in Grösse sehr variiren, ist es doch sehr wahrscheinlich. 

II. Eqüisetaces. 

4. Equiselum Winkleri Hr. Taf. XXIV. Fig. 2—6. 

£ caule simplici, 8 — 11 Mill, crasso, tenuissime striato, vaginato, vaginis brevibus, adpressis, apice crenatis. 

Hoer Flora terl. Holv. ni. S. 317. 

Equiselum lacustre Saporta ann. des so. nat. p. 185. Taf 3. Fig. 1. 

Gaulthvamr. (Dr. Winkler.) 

Steht dem Equisetum Braunii nahe, die Stengel sind aber dicker und feiner gestreift. Die Scheiden 
sind nur theilweise erhalten. Sie sind angedrückt, kurz, vorn gekerbt, bilden also kurze, stumpfe Zähne von 
derselben Form und Grösse wie bei E. Braunii. Es gehen 10 — 12 auf eine Stengelbreite. Bei dem Stengel- 
stück Fig. 2 b. sind die Internodien kurz; länger bei dem daneben liegenden Stengel Fig. 2 a., der von 
sehr feinen Streifen dicht du;*chzogen ist. Ein ähnliches Stengelstück liegt bei Fig. 3 und neben ihm sehen 
wir ein Stück der Scheide mit Zähnen, welche bei Fig. 4 bedeutend kleiner sind als bei Fig. 2 b., aber 
ebenfalls stumpf zugerundet. Sie rühren wahrscheinlich von einem Ast her. Bei Fig. 5 haben wir zwei relativ 
grosse Aeste, die gegenständig vom Stengel ausgehen. 

Fig. 6 ist von Sandafell und auch von Herrn Dr. Winkler doii; entdeckt worden. Es sind stark zu- 
sammengedrückte, länglich-ovale Knollen (oder Blasen), von denen zwei um einen Stengeldurchschnitt stehen 
und wahrscheinlich die Wurzelknollen unserer Art darstellen. 



II. Phanerogamen. 

I. Gymnospermffi. 
Abietinca?« 

5. Sequoia Sternhergi. Taf. XXIV. Fig. 7—10. 

S. ramis elongatis, folüs lanceolato-linearibus, rigidis, apice acuminatis, basi decurrentibus, imbricatis. 

Heer Urwelt der Schweiz. S 310. Fig. 160—163. Araucarites Sternbergi Gcepp. in ßronn's Geschichte der Natur. lil. S. 41. Unger fossile 
flora von Sotzlca. Taf. 24. Fig. 1-14 Taf. 25. Fig. 1—7. Ettingshausen Flora von Haering. S. 36. Taf. 7. Fig. 1-10. Taf. 8. Fig. 1-12. Heer Flora 
ert. Holv. I. s. 35. Taf. XXI. Fig. 5 

Brjamslaek, (Prof. Steenstrup.) 

Ist die häufigste Pflanze in dem Surturbrand von Brjamslock. Die Zweige liegen in den schwarzen, 
iünnblätterigen Kohlenschiefern drin. Die Blätter trennen sich leicht los und springen ab, daher es schwer 
uält diese Zweige zu conserviren. 

1 Die Blätter sind meist etwas breiter und länger als die von Sotzka und Haering, stimmen aber genau 
überein mit denen von der Superga von Turin, wie eine Vergleichung des schönen Zweiges, den E. Sismonda 



Abictincen. 141 

{matcriaux pour scrvir k la pal6ontologie du tcrrain tertiaire du Pieniont. Taf. IV. Fig. G) ab'^cbildct hat, 
mit unserer Fig. 9 zeigen wird. Neben dem Zweig mit solchen grossem Blättern, kommen aber aucli welche 
mit kürzern und schmälern vor, wie sie Unger abgebildet hat und wie mir solche von Hacring zur Ver- 
glcichung vorlagen. — Die Blätter sind am Grund decurriercnd , sichelförmig gebogen, vorn zugespitzt, 
steif lederartig. Der Längsnerv ist öfter nicht in der Blattmitte, sondern längs des innern Randes wie bei 
Cryptomeria. 

Nach einer Zeiclmung, die mir Prof. Steenstrup mitgetheilt hat, lag bei einem Zweig der Durchschnitt 
eines Zapfens. Die Zapfenschuppen sind wenig zahlreich, auswärts keilförmig verbreitert, vorn gestutzt und 
von Längsstreifen durchzogen, und standen um eine kurze Längsachse herum. Die Zapfen müssen darnach- 
kurz oval und beiderseits stumpf zugerundet gewesen sein, wie wir dies in der That bei dem Zapfen der 
Seq. Sternbcrgi sehen, welchen Massalongo in Chiavon entdeckt hat (cf. meine Urwelt der Schweiz. S. 310. 
Fig. 1G3 u. 161). 

Die beblätterten Zweige und die Zapfen sind sehr ähnlich denen der Sequoia gigantea Endl. aus Cali- 
fornien. Nur sind bei dieser die Fruchtblätter gegen den Grund stärker veschmälert und die obere Partie 
ist mehr verdickt. 

Piniis li. 

Es sind bis jetzt noch keine Zapfen in Island gefunden worden, wohl aber einzelne Zapfenschuppen, 
Samen und Nadeln. So unzweifelhaft auch diese zu Pinus L. gehören, so ist doch die Feststellung der Arten 
schwer und ihre Vergleichung mit den anderwärts gefundenen natürlich nur in den Fällen möglich, wo uns 
dieselben Organe zur Vergleichung vorliegen. — Von Samen sind 7 Formen zu unterscheiden, von Zapfen- 
schuppen 3 und von Blättern 2. In Betreff der Samen haben wir wohl zu berücksichtigen, dass in dem- 
selben Zapfen selten alle Samen sich entwickeln, indem einzelne in der Entwicklung zurückbleiben und 
kleinere taube Nüsschen haben. Das Taf. XXIV. Fig. 19 abgebildete Blättchen ist wahrscheinlich ein 
Deckblatt von Pinus; es ist nicht in seiner ganzen Länge erhalten und von gabiig getheilten Längsnerven 
durchzogen. 

A. Föhren. 

6. Pinus thulensis Steenstr. Taf. XXIV. Fig. 21. 

P. seminis nucula obovata, ala elongata, apicem versus sensim angustata, nucula plus duplo longiore. 
Heer Flora terliaria Helv. III. S. 318. 
Hredavatn. (Prof. Steenstrup.) 

Ein schön erhaltener Same von 19 Mill. Länge; der Kern ist 5V2 Mill. lang und 4 Mill. breit. Er ist 
verkehrt eiförmig. Der Flügel ist am Grund am breitesten, nach vom zu sich allmälig verschmälernd und 
sich zuspitzend, von zarten Längsstreifen durchzogen. Die Rückenlinie ist ziemlich gerade, die Bauchlinie 
dagegen etwas gebogen. 

Gehört nach der Form des Samenflügels zur Gruppe der Föhren. Der Same ist ungefähr von derselben 
Grösse wie bei P. sylvestris L., er ist aber am Grund viel weniger verbreitert, vorn dagegen weniger ver- 
schmälert. In der Form ähnelt er mehr dem von P. Laricio und P. Pinaster, ist aber beträchtlich kleiner 
und besonders der Flügel relativ kürzer. Er ist etwas grösser als bei P. serotina Mx. und vorn mehr ver- 
schmälert. Unter den fossilen Arten ähnelt er dem P. oceanincs Ung. (iconograph. Taf. XU. Fig. 1) und 
noch mehr dem P. echinostrobus Saporta (ann. des scienc. nat. III. 1866. Taf. 3. Fig. 1 D.")- Die Grösse 
und Form des Samenflügels stimmt ganz mit letztcrm überein, dagegen ist das Nüsschen der Art von Armissau 
viel kleiner, wobei freilich in Frage kommen kann, ob es bei dem von Saporta dargestellten Samen nicht 
verkümmert sei. Die P. echinostrobus hat fünf Nadeln in einem Büschel und Zapfenschuppen nach Art der 
Strobus. Vielleicht wird man mit der Zeit in Island auch die Zapfen und Nadeln finden, welche die Sache 
entscheiden werden. 

7. Finm Martinsi Ilr. Taf. XXIV. Fig. 22. 

P. seminis nucula obovata, ala oblonga, latiuscula, apice obtusa, nucula duplo longiore. 
Ilecr Flora terliar. Helvet. III. S. 31S. Pinus humilis Saporta ann. des scienc. natur 1863. S. 62. Taf. 3. Fig. 6 B." 
Hredavatn, bei dem Samen liegen Nadelreste (b ) und das Deckblatt einer Birke (c ). 

Aehnlich dem vorigen, aber kleiner, der Flügel vorn viel stumpfer und die Seiten mehr parallel, auch 
'ist der Flügel nur doppelt so lang als das Nüsschen, während bei P. thulensis fast 2V2mal so lang. 



142 Miocene Flora von Island, 

Der ganze Same (mit Flügel) hat eine Länge von 16 Mill., der Samenkern stark 5 Mill. bei S'/g Mill. 
Breite; der Flügel ist am Grund 41/2 Mill. breit. Der Samenkern ist verkehrt eiförmig, der Flügel am Grund 
am breitesten; die Rückenlinie und Bauchlinie sind fast in gleicher Weise schwach gekrümmt; der Flügel 
ist daher nach vorn viel weniger verschmälert als bei P. thulensis und stumpfer zugerundet. Bei dem Samten 
liegt ein Nadelfragment; es hat eine Breite von IV2 Mill. und ist von einem deutlichen Längsnerv durch- 
zogen- und gcliört Avohl eher zu P. microsperma als zu der vorliegenden Art. 

Es hat Graf Saporta (ann, des scienc. natur. 1863. Taf. 3. Fig. 6 B.) einen Pinussamen aus dem Unter- 
miocen von St. Zacharie als P. humilis abgebildet, der in Form und Grösse des Nüsschens und des Samen- 
• flügcls fast völlig mit dem Isländer übereinstimmt; er combiniert ihn mit einem Zapfen, welcher dem der 
P. montana Mill. ähnelt uud mit massig langen Nadeln, die zu zwei in eine kurze Scheide verbunden sind. 
Der Same weicht indessen in Grösse des Nüsschens imd der Form des Flügels bedeutend von dem der 
P, montana ab (cf. diesen in meiner Flora der Pfahlbauten. Fig. 83 b.) und ähnelt viel mehr dem der Pinus 
scrotina Michx. (Fig. 33) ; nur ist der Flügel dieser Art etwas breiter und vorn etwas weniger stiimpf zuge- 
rundet. — Unter den fossilen Arten kommt auch Pinus Goethana Unger (Iconographia plant. Taf. 12. Fi"-. 18. 
Flora tert. Helv. III. S. 160. Taf. CXLVI. Fig. 5) in Betracht. Der Flügel ist aber etwas grösser und seine 
Seiten sind mehr parallel. 

B. Fichtenund Tannen. 

S. Pinus (Abtes) microsperma Ilr. Taf. XXIV. Fig. 11 — 17. 

P. seminibus minutis, 8. Mill. longis, ala nucula diiplo longiore, apice obtusa. : 

Heer Flora terliaria Helvet. IJI. S. 161. Taf. CXLVI. Fig. 4. S. 318. Es wurde diese Art 1858 beschrieben, daher bei Pinus (Abies) micro- 
sperma Lindl. aus Japan, welche ISGl zuerst bekannt wurde, der Name zu andern ist. 

Der Same von Brjamslaek, ebenso der Zweig Fig. 13, wogegen die Blätter Fig. 14—16 und die Schuppe Fig. 12 von Hre- 
dav&tn sind. 

Es stimmt der Fig. 11 (vergrössert 11 b.) dargestellte Same sehr gut zu dem in meiner Flora von 
Locle abgebildeten überein, nur ist er vorn etwas weniger stumpf zugerundet, wobei indess in Betracht 
kommt, dass der Flügel des Samens von Locle an der Spitze nicht ganz erhalten ist. 

Der Same ist sammt dem Flügel 8 Mill. lang, dieser hat eine Breite von 3V2 Mill.; das Nüsschen ist 
3 Mill. lang bei 2 Mill. Breite. Es ist am Grund verschmälert, oben ganz stumpf zugerundet. Die Rücken- 
linie ist stark gebogen, die Aussenseite dagegen fast gerade. Der Flügel ist breit und kurz und oben stumpf 
zugerundet. Die Aussenseite ist stark, die Rückenlinie dagegen schwach gebogen. Es hat dieser Same die- 
selbe Grösse wie bei Pinus alba Mich. (Fig. 35 a. b. c, vergrössert d.) und zwar Flügel und Kern; aber 
der Flügel ist vorn weniger verbreitert und weniger stumpf zugerundet. In dieser Beziehung stimmt er noch 
mehr mit dem P. canadensis L. überein, mit dem er auch in Grösse übereinkommt (cf. Fig. 36 a., vergrössei-t 
b.) und ebenso mit der P. Tsuga Japans. 

Zu diesert Art gehört wahrscheinlich die Zapfenschuppe Fig. 12 von Hredavatn. Sie ist 12 Mill. lang und 
ebenso breit, am Grund keilförmig verschmälert, vorn aber ganz stumpf zugerundet und in der Mitte aus- 
I gerandet und da in der Mitte der Ausrandung mit einem Zahn versehen. Es scheint wenigstens diese Bildung 
! nicht zufällig zu sein, indem sie dafür zu regelmässig ist. Sie ist von zarten, strahlenförmig sich vertheilen- 
i den Längsstreifen durchzogen. Es ist diese Schuppe ähnlich der von Pinus alba (Fig. 35 e.), aber durch die 
Zahnbildung von derselben verschieden, ebenso von der P. Tsuga, deren Schuppen vorn stumpf zugerundet 
und sonst von selber Grösse sind; noch mehr weicht sie von der P. canadensis (Fig. 36 c.) ab, die durch 
ihre sehr kleinen Zapfen und Zapfensehuppen sich auszeichnet. Auch die Pinus nigra Mich. (Fig. 34 a. b.) 
hat ähnliche Samen, aber die Rückenlinie des Samenflügels ist stärker gebogen, und die Basis mehr ver- 
schmälert; die Zapfenschuppe (Fig. 34 c.) ist vorn stumpf zugerundet und am Grund allmälig, keilförmig 
verschmälert. 

Ob die Fig. 13—16 abgebildeten Blätter und Zweig hierher gebracht werden dürfen, ist noch sehr 
zweifelhaft. An dem Zweige bemerken wir deutlich hervortretende, warzenförmige Blattpolster, die spiralig 
angeordnet sind und von denen kurze Längsstreifen ausgehen. Die Nadeln stehen einzeln, aber diclit bei- 
sammen. Sic sind flach, 20 Mill. lang bei 1 Mill. Breite; sie sind linienförmig, paijallelseitig , vorn ziemlich 
■scharf zugespitzt, bis nahe zur Spitze von einem deutlichen Längsnerv durchzogen. Der Zweig ist (wie der 
Same Fig. 11) von Brjamslaek, einzelne Blätter wurden in Hredavatn gefunden (Fig. 14—16). Die Bildung 
der Blattpohstcr ist zwar wie bei Pinus alba und Verwandten, wogegen die Form der Blätter ganz anders 
ist als bei dieser Art. Diese hat kurze, steife, nicht flache, sondern dicke, fast vierseitige Blätter, während 



Abictineen. 14^ 

iic fossilen offenbar flach und viel länger waren. Dies hatte mich früher veranlasst, diese Blätter mit Pinus 
Stecnstrupiana zu vereinigen, allein die Bildung der Blattpolster spricht dagegen. Die P. Stecnstrupiana 
irehört ohne Zweifel in die Abtheilung der ächten Weisstannen (Picea Don.), welche keine warzenförmig- 
-ortrctendcn Blattpolster haben. Dagegen haben wir bei der Gruppe Tsuga Endl. (den Hemlocktannen) solche 
ind zugleich sehr kleine Samen. Wir haben schon oben darauf hingewiesen, dass die Samen der P. cana- 
lensis L. und Tsuga denen unserer Art sehr ähnlich sehen, die Blätter der P. canadensis sind allerdings 
iel kürzer und vorn und am Grrund zugerundet, wogegen die verwandte P. Brunoniana Wall, (aus Nepal) 
Mütter besitzt, welche eine grosse Uebereinstimmung mit denen Islands zeigen. 

Wenn der Zweig und der kleine Same wirklich zusammengehören, wofür auch das Zusammenvor- 
lommen einer Nadel mit dem Samen angeführt werden kann, scheint es mir daher wahrscheinlich, dass die 
in in* die Gruppe der Hemlocktannen gehöre, und wir hätten dann dieser Art folgende Diagnose zu geben: 
*. foliis solitariis, poUicaribus, planis, angustis, uninerviis, apice acutiusculis, strobili squamis apice unidentatis, 
eminibus minutis, ala nucula duplo longiore, apice obtusa. 

1 

<J. Pinus cemula Hr. Taf. XXIV. Fig. 20. 

P. scminibus parvulis, 12 Mill. longis, nucula obovata, ala obloiiga. I. 

Heer Flora tert. IIclv. III. S. 31H j 

Brjamslaek, bei d m Nussblatt. (Prof. Steenstrup.) 

Der ganze Same ist wahrscheinlich 11^2 Mill. lang, das Nüsschen 472 Mill. (bei 3 Mill. Breite), der 
lügel aber 7 Mill. bei 4 Mill. Breite. Es ist das Nüsschen verkehrt eiförmig; der Flügel hat in der Mitte 
iine grösste Breite, ist aber an der Spitze abgebrochen. 

Unterscheidet sich von voriger Art durch das viel grössere Nüsschen und den relativ schmälern Flügel, 
er länglich-oval ist; von P. Martinsii durch die viel geringere Grösse und den am Grund weniger verbrei- 
irten Flügel. 

Neben dem Flügel sind kleine Nadelreste. Darnach scheinen die Nadeln schmal und von mehreren 
ängsstreifen, aber von keinem Mittelnerv durchzogen zu sein. r 

10. Pinus brachyptera Hr. Taf. XXIV. Fig. 18. 

P. nucula obovata, ala dilatata, brevia, apice obtuse rotundata, nucula duplo longiore. 
Heer Flora lort. Ilclvet. III. S 318. 
Brjamslaek. (Prof. Steenstrup.) 

Ist ausgezeichnet durch den kurzen, breiten, fein gestreiften Flügel. Der ganze Same hat eine Länge 
)n 14 Mill, der Flügel 9 Mill. bei 6V2 Mill. Breite. Dieser letztere ist oberhalb der Mitte am breitesten 
id vorn sehr stumpf zugerundet. 

Deu\ Fig. 18 abgebildeten Stück fehlt der Kern; ich hal)c denselben nach einem zweiten Stück der 
jpcnhagencr Sammlung vervollständigt, von welchem ich aber nur die Zeiclmung gesehen habe. 

IL Pinus Ingoißana Steenstrup. Taf. XXIV. Fig. 27—32. 

P. foliis breviusculis, basi attenuatis, breviter petiolatis, apice retusis, strobili squamis unguiculatis, valde dilatatis, reni- 
ibus. ( btusissimis, radialim profunde striatis ; seminibus nucula ovali, ala abbreviata, rotundat«, obovata. 
Hredavatn. (Prof. Steenstrup.) 

Es wurden in Island zweierlei Zapfenschuppen gefunden, welche offenbar von einer Tanne (Picea Don) 
rrühren, die einen haben eine Länge von 15—17 Mill. und eine Breite von 16— I9V2 Mill. und sind am 
(unde zu jeder Seite des Schuppenstiels ausgerandet (P. Ingolliana), die andern aber sind beträchtlich 
isser, ind(^m sie eine Länge von 19—22 und eine Breite von 28 Mill. erreichen, und zeigen jene Aus- 
dung nicht (P. Stecnstrupiana); d'azu kommen zwei Samen, von denen der eine (Fig. 25) unzweifelhaft 
er Pinus derselben Gruppe angehören muss, während der zweite kleinere (Fig. 32) nach seiner Stellung 
cifclhafter ist, mir aber auch einer Tanne anzugehören scheint. Der grosse Same kann nur mit den grossen 
mppen combinirt werden, da seine Flügel über die kleinern Schuppen weit hinausgeragt haben würden, 
ejwird daher derselbe zu P. Stecnstrupiana, der kleinere aber zu P. Ingolfiana zu bringen sein. Zweifelhafter 
isjdie Sache bei den Nadeln. Die Fig. 27—29 abgebildeten Nadeln stimmen völlig mit Tannennadeln übcr- 
eij, allein es kann in Frage kommen, zu welcher der obigen beiden Arten sie zu bringen seien. Die kleinern 
Zpfenschuppen stimmen in Grösse ganz zu denen der P. Fraseri und auch die Form ist wenigstens insofern 
<^> ähnliche, als auch bei P. Fraseri die Schuppen vorn ganz stumpf zugerundet und am Grund mit einem 
k'lförmig verschmälerten Nagel versehen sind. 



I 



f 



144 Mioccne Flora von Island. 

Da nun die Blätter zunäclist mit denen der P. Fraseri übereinkommen, spricht eine grosse Walirscliein- 
liclikeit dafür, dass sie vax P. Ingolfiana gehören, was wohl das Zusammenbringen dieser Blätter, Zapfen- 
schuppen und Samen rechtfertigt. 

Die Blätter (Fig. 27—29, vergrössert 28 b.) sind flach, mit einem wenig vortretenden, breiten Mittel- 
nerv, der bis zur Blattspitze reicht; vorn zugerundet und deutlich ausgerandet, am Grund allmiaig in einen 
kurzen Stiel verschmälert. Sie sind 16 Mill. lang und haben 2^1^ Mill. Breite. Die Zapfenschuppen (F^g. 30 und 
31) sind derb lederartig, vorn ganz stumpf zugerundet, am Grund in einen keilförmigen, dünnen Stiel (den 
Kagel) verschmälert. Da wo derselbe in die Schuppenfläche übergeht, ist diese jederseits tief ausgerandet 
und davon erhält die Schuppe eine nicrcnförmige Gestalt. In dieser Bildung weicht die Schuppe ganz von 
derjenigen unserer Weisstanne (Pinus picea L.) ab, bei welcher die Zapfenschuppe gegen den Grund zu 
ziemlich allniälig sich verschmälert und nur einen sehr kurzen Stiel zeigt. In der Bildung dieses Nagels, 
wie in der Grösse stimmt sie dagegen sehr wohl zu P. Fraseri, bei der indessen die Ausrandung neben dem 
Unguiculum fehlt. Diese haben wir aber in ganz gleicher Weise bei Pinus religiosa Humb. und BompL 
(cf.'Fig. 38), deren Zapfenschuppen dadurch eine grosse Aehnlichkeit mit denen unserer Art erhalten, von 
der sie aber durch beträchtlichere Grösse abweichen und in dieser Beziehung mit der folgenden Art über- 
einstimmen, r 

Der Fig. 32 abgebildete Same von Hredavatn hat eine Länge von 12 MilHm. Er hat ein ovales an 
beiden Enden gleichmässig stumpf zugerundetes Nüsschen von 6 Mill. Länge und 3V2 Mill. Breite und einen 
kurzen, breiten, vorn stumpf zugerundeten Flügel, der am Grund zu beiden Seiten des Nüsschens gleich- 
mässig bis zur Basis herabläuft. Er verbreitert sich vom Grund aus allmälig und rundet sich dann von 
seiner grössten Breite an schnell und stumpf zu. Bei der Pinus Fraseri hat das Nüsschen dieselbe Länge (auch 
6 Mill.), ist aber gegen den Grund zu verschmälert. 

Zapfenschuppen von derselben Grösse und sehr ähnlicher Form besitzt auch die Pinus brachyphylla 
Maxim., welche Maximowicz neuerdings in Japan entdeckt hat, aber die Blätter sind vorn nicht ausgerandet. 

12. Pinus Steenstrupiana Hr. Taf. XXIV. Fig. 23—26. 

P. strobili squamis niagnis, uiiguiculatis, valde dilatatis, obtusissimis , cuneato-orbicularibus, radiatim profunde striatis: 
seminibus 18 Mill longis. 

Hredavatn. (Prof. Stecnstrup ) 

Die Zapfenschuppen sind nicht nur grösser als bei voriger Art, sondern namentlich dadurch verschieden, 
dass sie am Grunde neben dem Nagel nicht ausgerandet sind. Sie sind wohl auch in einen dünnen Stiel 
verschmälert, dieser geht aber ohne eine solche tiefe Ausi-andung in die Schuppenfläche über, welclie vorn 
ganz stumpf zugerundet und auch von zahlreichen strahlenförmigen Längsstreifen durchzogen ist. 

Ob die Fig. 26 abgebildete Schuppe hierher gehöre, ist mir noch zweifeliiaft. Sie ist bedeutend kleiner 
als vorige, aber am Grund auch nicht ausgerandet, und ähnelt der Schuppe der Pinus balsamea (Fig. 37). 
Dürfte von der Basis des Zapfens sein, während die gi-ossen aus der Zapfenmitte. 

Der Same, den wir hierher bringen (Fig. 25), hat einen auffallend grossen Kern (von 10 Mill. Länge 
und 6 Mill. Breite) und einen ganz kurzen, breiten, vorn stumpf zugerundeten Flügel (von 8 Mill. Länge 
und 131/2 Mill. grösster Breite). Er lauft nicht an der Seite des Samens herunter. Es hat dieser Same fast 
genau dieselbe Grösse wie bei P. religiosa, und der Flügel auch dieselbe Form (cf. Fig. 38 b. den Samen 
dieser mexicanischen Tanne), wogegen der Samenkern der fossilen Art etwas dicker und am Grunde Aveniger 
verschmälert ist. 

Da nicht nur der Same, sondern auch die Zapfenschuppen lebhaft an P. religiosa erinnern, darf diese 
wolü als die Art bezeichnet werden, welche unter den lebenden der P. Steenstrupiana zunächst verwandt 
ist. Wir haben hier die bemerkenswerthe Thatsache , dass die P. Ingolfiana in der Grösse der Samen, und 
Zapfenschuppen zunächst an die P: Fraseri sich anschliesst, in der nierenförmigen Gestalt der letztern aber 
an die P. religiosa und brachyphylla, während die P. Steenstrupiana in der Grösse der Samen und Scliuppen 
der P. religiosa entspricht, in der Form der letztern aber mehr der P. Fraseri. Aber auch die P. holophylla 
Max. und P. firma Sieb, aus Japan können in Betracht kommen, indem namentlich letztere in, der Grösse 
und Form der Schuppen und Samen mit der Isländer-Art verglichen werden kann. 



145 
II. Monocotyledones. 
Cyperaccae. 

13. Carex rediviva Hr. Tat XXV. Fig. 2 a. c, vergrössert 2 b. 

C. fructibus ovato cllipticis, apice rostratis. 
Heer Flora tert. Helv. III. S. 318 
Hredavatn. (Prof Steenstrup.) 

Ist sehr ühnlicli der Carex Rochettiana (Flora tert. lielv. III. S. 164), nur ist die Friicht etwas kleiner, 

dabei am Grund etwas mehr gerundet und die Spitze etwas deutlicher abgesetzt. Es wurden zwei Früchte 

j gefunden, die eine hat 5 Mill. Länge bei 272 ^ÜH- ßi'eite, die andere aber ist 4 Mill. lang bei selber Breite. 

r 

14. Cyperites islandicm m. Taf. XXVII. Fig. 17 u. 18, vergrössert 17 b. 18 b. 

C. fructibus monospermis, orbiculatis, compresso-lcnticularibus, aplce mucronulatis. 
Hredavatn (Fig 17) und Laugavatsdalr (Fig. 18). (Prof. Steenstrup.) ' 

Die Fig. 17 u. 18 (als Carpolithes scirpiformis) abgebildeten Früchte haben eine Länge von 4 — 5 Mill. 
bei einer Breite von 3 — 4 Mill. Sie sind in der Mitte am breitesten und oben und unten ganz stumpf zuge- 
rundet, oben aber mit einer scharf abgesetzten, kurzen Spitze versehen. 

Die Frucht ist sehr ähnlich der von Cyperus imd gehört wahrscheinlich dieser Gattung an. 

15. Cyperites (Carpolithes) nodulosus m. Taf. XXVII. Fig. 19, vergrössert 19 b. 

C. fructibus monospermis, obovatis, apice mucronulatis, basi cupuliformi insidentibus. 
Laugavatsdalr. (Prof. Steenstrup.) - [_■ 

Der vorigen ähnlich, ist aber oberhalb der Mitte am breitesten und sitzt auf einem becherförmigen 

Vürzchcu auf. Gehört wahrscheinlich zu Scirpus, indem bei dieser Gattung die Früchte oberhalb der Mitte 

m breitesten und mit einer ähnlichen kurzen, steifen Spitze versehen sind, wälirend bei Cyperus die grösste 

breite auf die Glitte der Frucht fällt, Avie bei voriger Art. 

Typhaceae. 

/f). Sparganivm valdense Hr. Taf. XXV. Fig. 1 b. — e.; 

?p. folüs latis, ncrvis longitudinalibus 22^30, interstilialibus subtilissimus 3—6, transversis obsoletis; spathis latiusculis, 
si nervis longitudinalibus IG, intcrstitialibus 4, septis transversis reticulatis ; capitulum fem^ninum ovale, fructibus oblongo- 
alibus, stylo clongato, subulato coronatis ; capitulis masculis globosis. 

Gaulthvamr, mit Acer otopterix und Equisctum Winkleri auf demselben Stein. (Dr. Winkler.) 

Eine Fruchtähre mit wohl erhaltenen Früchten und Samen, die mit den in meiner Flora tert. Helv. I. 
' 100 beschriebenen übereinstimmen. Daneben ein Blattstück (Fig. 1 c), das ganz die Nervation der Blätter 
a Monod hat. Ein kleines Blattstück auch auf Taf. XXIV. Fig. 1 b. 

Najadece. r 

17. Caulinites borealis Hr. Taf. XXIII. Fig. 13. i 

C. caulibus ramosis, tenuiter dense striatis, hinc inde punctatis, nee non verrucis magnis, annulatis notatis. 
Hredavatn ? (Prof. Steenstrup ) 
I Gehört wahrscheinlich zu Caulinites dubius Hr. (Flora tert. Helv. HI. S. 170. Taf. CXLVIII. Fig.^ 1. 2) 
Hl ist auch nnt C. Iladobojensis Unger nahe verwandt. Es sind Stengel von derselben Dicke und feinen 
S jifung wie jene und ebenso mit kleinen punctförmigen, etwas in die Breite gezogenen Wärzchen besetzt. 
^llenweise geht ein Querstreifen durch, der eine Gliederung anzudeuten scheint. Wie bei C. Radobojensis" 
. daneben grössere Warzen. Diese sind aber mit deutlichen Ringen versehen (vgl. Fig. 13 b., wo eine 
he vergrössert ist) und scheinen Insertionsstellen der Aeste zu sein. Sie sind theils zwischen den Knoten, 
Is aber bei denselben. An diesen etwai .grössern , geringelten Knoten kann ich diese Art allein unter- 
iden; ein Unterschied, dessen Werth sich nicht beurtheilen lässt, so lange man die ähnlichen lebenden 
l^flizen nicht genauer kennt. 



19 



.so 
• sc 



14t) Mioccuc Flora von Island. 

III. Dicotyledones. 
Sallciiic^e. 

18. Salix macrophylla Hr. Taf. XXV. Fig. 3 b. 

S. folüs lanceolatis, acuminatis, serrulatis , nervis secundarüs numerosis, parüm. angulo aubrecto egredientibus valdc 
curvatis. «■ ' 

Salix macrophylla Heer Flora tert. Helv. 11. S. 29. Taf. LVII. 

In einem harten grauen Tuif vom Gaulthvamr (Dr Winklcr). Weisser TufF, wohl von Hredavatn (Prof. Stcenstrup). 

Die beiden mir zugekommenen Blattstücke sind stark zerrissen, zeigen aber unverkennbar die Nervation 
der Weidcnblätter. Wir haben zahlreiche abgekürzte Seeundarn erven, welche in fast rechtem Winkel aus- 
laufen und in die steiler aufsteigenden, stark gekrümmten und nach vorn gebogenen Secundarncrven ein- 
münden. Es gellen 3—4 solcher Nerven in die Hauptfelder, welche durch viele Nervillen abgetheilt sind. 
Das Blatt war gross, am Grund wohl verschmälert, aber doch etwas zugerundet und mit einem etwas über 
1/2 Zoll langen Stiel versehen. Ob der Rand gezahnt war, ist nicht sicher zu ermitteln; an einigen Stellen 
glaubt man einige schwachen Zähne zu sehen, die aber zufällig sein können. 

Prof. Gwppcrt hat diese Art mit S. varians vereinigt. Sie steht dieser Art allerdings sehr nahe, wie 
ich dies auch in meiner Flora (S. 29) angegeben habe , unterscheidet sich aber durch die zahlreichen und 
dicht beisammenstehenden, abgekürzten Secundarncrven und die in spitzem Winkel von diesen ausgehenden 
Nervillen, wovon, wie Herr Dr. Stur sehr richtig bemerkt, die Blattfläche wiq durch auf dem Hauptnerv 
senkrecht stehende Linien gestrichelt erscheint. Vgl. Stur Beiträge zur Kenntniss der Flora der Süsswasser- 
quarze u. s. w. Wien 1867. S. 166. ■ -^ 

Bctulacear. 

11). Alims Kcfersteinii Gcepp. Taf. XXV. Fig. 4—9. 

A. strobilia magnis, squamis lignescentibus apice incrassatis. 

Gcepperl goncra plant, foss. 3. 4. Taf. 8. Fig. 18. Hoor Flora Icrt. Holv. II S. 37. 

Hredavatn (Prof. Steenstrup.) Husawik (Dr. Winkler). ' 

Wohl erhaltene Fruchtzäpfchen (Fig. 4 — 7 , vergrössert 4 b.) stimmen wohl übcreiu mit denen des 
Samlandes, wie mit der Abbildung, welche Unger in seiner Chloris protog. (namentlich niit Taf. XXXHI. 
Fig. 3) gegeben hat. Die einzelnen Fruchtblätter sind genau von derselben Grösse und auch Form, wie die . 
von Unger abgebildeten. Sie sind vorn weniger verbreitert als bei A. incana L., wogegen die Zäpfchen 
durchgehends grösser, namentlich viel dicker sind, als die der lebenden Art. Ferner hatten sie dickere Stiele. 

Das Fig. 8 (vergrössert 8 b.) abgebildete Früchtchen (von Laugavatsdalr) gehört wahrscheinlich zu 
dieser Erle. 

Von Erlenblättern sind erst einzelne Fetzen gefunden worden, deren Bestimmung nicht gesichert ist. 
Das Fig. 9 b. abgebildete Blattstück ist von Husawik und liegt unmittelbar neben einem Birkenblatt. Die 
Secundarncrven liegen weit auseinander, sind stark gebogen und senden Tertiär^erven in die feinen, scharfen 
Zähne aus. Die Nervillen treten deutlich hervor und sind zum Theil durchgelxend. Die Zähne sind kleiner 
als bei den Erlenblättern der raiocenen Kohlen von Danzig. 

20. Betula macrophylla. Taf. XXV. Fig. 11—19. 

B. foliis subcordato-ovatis, apice acuminatis, acute duplicato-serratis; nervis secundarüs utrinque 9 — 10, Btrictis parallelis. 
Alnus macrophylla Goeppert Flora von Schossnitz. S. 12. Taf. V. Fig 1. Betula fraterna Saporla I. c. PI. (i. Fig. 2 A.? 

Hredavatn ; sclieint da häufig zu sein (Prof. Steenstrup). Nach Prof. Goeppert finden sich^ Blätter dieser Art von Island 
auch in der Sammlung zu Christiania. ^\ 

Fig. 17 stellt ein fast vollständiges Blatt dar. Fig. 18 u. 19 die Blattbasis, mit dem massig langen 
Stiel; Fig. 11 zwar nur einen Blattfetzen, aber mit wohl erhaltener Bezahnung. Es ist dies Blatt sehr ähn- 
lich dem der Betula excelsa Ait. der Vereinigten Staaten. ') Das Blatt ist auch am Grund ausgerandet und 
vorn in eine schmale Spitze auslaufend ; es hat dieselbe Zahl von Secundarncrven, deren untere auch gegcn- 



>) Es hat Herr Dr. Regel diese Art, wie mir scheint mit Unrecht, mit der Betula alba L. vereinigt (Bemerkungen über die 
Gattungen Betula und Alnus. Moskau 18GG. S. 18.) Ea ist dies die gelbe Birke der Amerikaner, welche nach Richardson in den 
'nürdlichcu Staaten 00 Fuss hohe Bäume bildet, aber nicht über den Obersee hinaufreicht. Die Früchte haben viel achmälcro 
(Flügel als bei der Wciasbirkc. 



Betulaccen. j^'jf 



händig sind, ^vährend die obern alternierend; sie haben denselben Verlauf und Verästelung; es sind aber 
3ei dem fossilen Blatte die Zähne schärfer geschnitten als bei der B. excelsa, und stimmt in dieser Bczieliun"- 
nit B. lenta W. überein ; die Zähne laufen in eine feinere Spitze aus und diese ist melir nach vorn gekrümmt. 
Das von Goeppert in der Flora von Schossnitz Taf. V. Fig. 1 abgedildete Blatt stimmt so wohl mit denen von 
:sland überein, dass an deren Zusammengehörigkeit nicht zu zweifeln ist.. Mein- weicht das Taf. IV. Fi"-. 6 
bgebildete Blatt ab, indem es weniger scharf geschnittene Zähne besitzt und am Grund nicht ausgcrandet 
t. Doch ist CS nicht wohl zu trennen. Auch die Betula fraterna Saporta (Armissan. PI. 6. Fig. 2 A.) dürfte 
lierher gehören. 

Das Blatt der B. macrophylla (Fig. 17) ist am Grund schwach ausgcrandet, unterhalb der Mitte am 
reitesten, nach vorn verschmälert und in eine lange Spitze ausgezogen. Die Secundarnerven entspringen 
nter fast halbrechten Winkeln und laufen in die Zälme aus, der unterste und zweitunterste liabcn ziemlich 
tarke Tertiärnerven, Avelchc in die' Zähne ausmünden; auch die nächstfolgenden haben einen randliluii"-en 
ertiärncrv. Die Zähne, in welche die Secundarnerven auslaufen, sind grösser, länger, als die dazwischen- 
egendcn, im obcrn Thcilc des Blattes sind deren 2 — 3, im untern basalen aber. 4 — G, welclie wieder un- 
Icich gross sind, indem diejenigen, in welchen die Tevtiärnervcn ausmünden, etwas länger sind als die 
brigen. Alle diese Zähne sind aber sehr scharf; auch die bei der Blattspitze un(l hier sind sie etwas mclir 
:ich vorn gekriinnnt. Die Nervillen sind zart und wenig vortretend. Kleiner ist das Fig. 18 abgebihlete 
latt von Hredavatn ; es ist am Grund viel tiefer herzförmig ausgerandet und der erste Secundarnerv besitzt 
ehr Tertiarnervcn. Die Zahnbildung ist aber dieselbe (Fig. 18 b. sind einige Zälme vergrössert). Etwas 
veifclhafter ist der Fig. 19 a. abgebildete Blattfetzen, bei dem die Secundarnerven etwas dichter beisam- 
cnstchcn. 

In der Zahnbildung ähnelt das Blatt auch den Ulmen, weicht aber in dem Mangel an in die Zahn- 
ichtcn laufenden Tertiärnerven, in den weniger zahlreichen Seitcnnerven und in der Art der Verästelung 
irsclbcn von den Ulmen ab. 

Zu dieser Art gehört wahrscheinlich die Taf. XXV. Fig. 12 u. 19 b., vergrössert 12 b. u. 19 c. abge- 
Ulete Frucht, da sie von allen Birkenfrüchten Islands in der Grösse und Form des Nüsschens, wie in der 
)rm des Flügels am meisten mit derjenigen der B. excelsa L. übereinkommt und auch ein Stück neben 
lem Blattrest liegt. Es haben diese Früchte eine Länge von 4 Mill. und gegen 5 Mill. Bi*eite ; das Nüsschen 
elliptisch und in der Mitte am . breitesten , nach beiden Seiten ziemlieh gleichmässig sich versehmälernd, 
rn in zwei ziemlieh lange, divergierende Griffel auslaufend. Der Flügel ist vorn breiter, gegen den Grund 
mälig etwas sich verschmälernd; jede Flügelseite ist etwas schmäler als die Nüsschenbreite. 

Ist sehr ähnlieh der Frucht von Betula Dryadum Brongn. (annales des sciences natur. 1828. Taf. 3. 
^. 5. 6), indem der Flügel ganz dieselbe Form hat, weicht aber in dem nach oben zu nicht verdickten 
isschen von derselben ab. Ich muss dabei bemerken, dass die Abbildung, welche Graf Saporta (ann. des 
enc. nat. 1866. Taf. 6. Fig. 5) von dieser Frucht giebt, nicht gut gerathen ist, indem gerade das Haupt- 
njrkmal: der gegen die Basis zu verschmälerte Flügel und das oben verdickte Nüsschen, darin verwischt 
K Ich habe in Fig. 31 eine bessere zu geben versucht nach Früchten von Armissan, die ich Herrn Saporta 
': danke. 

Von den in Island gefundenen Deckblättern der Fruchtzapfen gehören wahrscheinlich die Fig. 13 — 15 

gestellten zu der vorliegenden Art, indem dieselben denen der B. excelsa entsprechen. Die Seitenlappen 

1 ganz so gebildet und auch schief gestutzt, dagegen ist der Mittellappen nicht zugespitzt, sondern vorn 

st|Tipflich. Es sind wieder zwei Formen zu unterscheiden, eine grössere, mit relativ etwas kürzerem Älittel- 

pen (Fig. 13), und eine kleinere (Fig. 14 u. 15). 

Wir haben demnach in Hredavatn nicht nur Blätter, sondern auch Früchte und Deckblätter, welelie 

Betula excelsa grosse Verwandtschaft haben und das Vorkommen dieses amerikanischen Birkentypus in 

nd bezeugen. Dass der Fig. 10 dargestellte Ast, den Dr. Winkler von Hredavatn heimbrachte, von einer 

vC herrühre, ist wohl ausser Zweifel, aber nicht zu sagen, welcher Art er zuzutheilen sei. Da an der- 

icn Stelle die Blätter der B. macrophylla vorkommen, mag er zu dieser gehören. Er hat zahlreiche, 

^iitgczogene Flecken, die unter sich zum Theil parallel laufen. 

[ Gehören die obigen Früchte und Deckblätter wirklicli zu der vorliegenden Art, so hätten wir der 
^'Snose noch beizufügen: 

! B. fructibus subobcordatis , nuculis ovalibus, ala apiccm versus dilatata circumdatis, alis nueulie 
l^udinem subaiquantibus , bracteis trilobis, lobis lateralibus abbrevjatis, subtruncatis , lobo medio apice 
ob.siusculo. 



m 
Is 
B 



c. 



148 Miocene Flova von Island. 

21. Betnla prisca Ettingsh. Taf. XXV. Fig. 20—25. 9 a. XXVI. Fig. 1 h 

B. foliis ovato-elliptici8, inajqualiter inciao-serratis , nervis secundariis ex angulo acuto exeuntibus , utrinque 8—9', roque 

distantibus, p.irallclis. 

EttinKshausen fossile Flora von Wien. S. 11. Taf. T. Fig. 17, und Flora von Bilin. S. -45. Taf. XIV. Fi« 14-16. GcEppcrl Flora von Schoss- 
nitz. S. 11. Taf. III. Fig. 11. 12. 

Sandafell, Ihi.sawik (Dr. Winkler), Brjamslaek (Prof. Steenstrup). 

Das Fig. 20 abgebildete Blatt, welches Dr. Winkler in einer weissen Wackc am Sandafell (Sandberg) 
entdeckt hat, hat einen ziemlich langen Stiel, ist eiförmig elliptisch, am Grund etwas breiter und stumpf 
ziigerundet. Aus dem starken Mittelnerv entspringen jederseits sechs sichtbare Seitennerven, Avahrschcinlich 
waren aber noch zwei höher oben am abgebrochenen Theil des Blattes. Die ersten sind gegenständig und 
bilden vier Paare; die untern senden randläufige Tertiärnerven aus, welche aber zart und zum Theil ver- 
wischt sind. Die Zähne sind scharf, aber nur wenig ungleichmässig. Die am Ende der Secundarnerven sind 
wenig grösser als die dazwischenliegenden und von diesen sind einzelne ganz, andere mit einem kleinen 
Zähnchen versehen. — Ein zweites Stück fand Dr. Winkler in der Schlucht von Husawik (Fig. 9 a.), bei 
welchem die Zähne schärfer geschnitten sind. Das Blatt ist dicht mit sehr feinen schwarzen Puneten über- 
säet (von Sclerotium Drjadum). Das daneben liegende Blattstück ist durch die gebogenen Seitennerven, die 
stärker vortretenden Nervillen und andere Bezahnung verschieden und rechn^ es zu Alnus Kefersteinii. 
Üagegcn gehört Taf. XXVI. Fig. 1 b. von Brjamslaek noch zu unserer Birkö. Es ist ein grösseres Blatt 
mit unglcichmässigen scharfen Zähnen. 

Diese Isländer Blätter stimmen sehr wohl überein mit dem Blatte, welches Ettins:shauscn 1. c. Fis:. 17 
abgebildet hat. Bei diesem Blatte bemerken wir jederseits acht Seitennerven, in Fig. 16 aber stellt er ein 
Blattstück dar, bei dem diese Nerven dichter stehen und offenbar in grösserer Zahl vorhanden waren. Es 
sind in Fig. 17 die Zähne ungleich, während er im Text sagt: foliis serratis, bei B. Brongniarti aber: foliis 
inajqualiter duplicato-serratis , so dass man denken sollte, darin bestehe der Unterschied. Ein Blick auf die 
Abbildung zeigt aber, dass ein solcher Unterschied nicht besteht. Es liegt devselbe allein darin, dass bei 
B. Brongniarti die Blätter am Grund mehr verschmälert sind und mehr und diclitcr stehende Secundarnerven 
(nämlich jederseits 10 — ^11) haben, daher Fig. 16 von Ettingshausen zu B. Brongniarti und nicht zu prisca 
gehört. — Ein sehr ähnliches Blatt hat Graf Saporta als B. Dryadum abgebildet. 

Zu der B. prisca rechne ich die Fig. 21 (vergrössert 21 b.) abgebildete Frucht. Sie hat ein eiförmiges 
Nüsschen, das am Grund etwas, mehr verdickt ist als bei voriger Art; der Flügel ist am Grund nicht ver- 
schmälert; er ist etwas schmäler als das Nüsschen. In der Form des Flügels stimmt sie mit B. Ungeri 
Andr» (Pflanzen von Szakadat. S. 5. B. Dryadum Ung. Chloris protog. t. 34. Fig. 46, und meine Flora 
t. CLII. Fig. 7); allein die Flügel sind viel schmäler, wogegen das Nüsschen am Grund breiter ist. Fast 
vöUig aber stimmt die von Goeppert (Schossnitz. Taf. XXVI. Fig. 19) abgebildete Birkenfrucht mit der 
Isländer überein. Da in Schossnitz auch die Blätter der B, prisca vorkommen, ist es wahrscheinlich, dass 
sie zu dieser Art gehört. Bei B. Bojpaltra Roxb., welche nach den Blättern als ähnlichste lebende Art zu 
bezeichnen ist, ist auch die Frucht sehr ähnlich, nur ist das Nüsschen noch etwas grösser, aber von der- 
selben Gestalt und ebenso der Flügel. 

Von den Bii'ken-Bracteen Islands gehören sehr wahrscheinlich die Fig. 22 — 25 abgebildeten zu der 
vorhegenden Art, da sie am meisten denen der B. Bojpaltra Wall, ähnlich sehen und ebensolche langen, 
schmalen Lappen besitzen. Es sind diese Deckblätter tief dreilappig, die Lappen divergierend und vorn 
tumpflich. k 

Es ist die fossile Art der B. Bojpaltra Wall, zunächst verwandt, wie eine Vergleichung der Fig. 20, 
21 u. 24 mit Regeis Zeichnungen in seiner Monographie der Birken Taf. VI. Fig. 16, 18 u. 19 zeigen wird. 
Wir können obiger Diagnose noch durch folgende Merkmale vervollständigen : 

B. fructibus suborbiculatis, nuculis ovato-ellipticis, ala nucula paulo angustiore; bracteis profunde tri- 
iobis, lobis angustis, lanceolatis, lobo medio lateralibus multo longiore. 

Die B. Bojpaltra Wall, ist in den Gebirgen von Kamoon, Gurwal, Kaschmir und des Sikkim zu. Hause 
and bildet da hohe Bäume. 

22. Dctula Forchhammeri Hr. Taf. XXV. Fig. 26, vergrössert 27. 

B. fructibus suborbiculatis, basi apiccque emarginatis, nucula angusta, fusifornvi. 

Heer Flora tert. Ilclvet. 111. S. 318. 

Hrcdavatn (Prof. Steenstrup). 

Zeichnet sich namentlich durch das schmale Nüsschen aus; die Flügel sind etwas breiter als dasselbe, 



Cupulifcrcn. ;j^9 

nämlich jede Seite iVio ^üH- "breit, während das Nüsschen circa IV2 Mill. Die Flügel sind am Grund nicht 
Iverschmälert. Die ganze Länge der Frucht beträgt 5 Mill., ebenso die Breite. 

Das Nüsschen hat ganz die Form von B. alba, wogegen die Form des Flügels sehr verschieden ist. — 
Es ähnelt diese Frucht sehr derjenigen von B. Weissii (Flora tert. Helv. Taf. LXXI. Fi«-. 22. Taf. CLII. 
Fig. 6), aber das Nüsschen ist länger. 

Wir können dieser Art von Island noch keine Blätter zutheilen, dagegen dürfen die Fi"-. 28 u. 29 ab"-e- 
bildeten Bractecn mit dieser Art combiniert werden. Die zwei andern Formen von Deckblättern haben wir 
nach Analogie der lebenden Arten auf die B. macrophylla und B. prisca vcrtheilt, es spricht daher wenig- 
stens die Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese dritte Form mit obigen Früchten zusammen "-ehöre. Es sind 
diese Deckblätter weniger tief gelappt, die Seitenlappeu stumpf zugerundet, wenig vorstehend, der mittlere 
Lappen ziemlich deutlich zugespitzt. Sie haben die stumpfen Seitenlappen der B. Icnta, nur sind sie kürzer. 

Zweifelhaft ist, ob das Fig. 30 (vergrössert 30 b.) abgebildete Deckblatt auch. hierher gehöre. Es ist nur 
jchwach dreilappig, die Seitenlappen sind sehr kurz und mehr nach vorn gerichtet, der Mittellappen vorn 
zugespitzt. — Dieselbe Form hat Goeppert von Schossnitz (Taf. XXVI. Fig. 20} abgebildet. 

Cupulirers?. 

23. Cortjlus Mac Quarrii Forb. spec. Taf. XXVI. Fig. 1 a. 2 — 4. S. 104. 

Laugavatsdalr Fig 3. Hredavatn Brjamslaek Fig. 1 a (Prof Steenstrup.) ( 

Es ist zwar kein Blatt vollständig erhalten, doch giebt uns eine Zusammenstellung der verschiedenen 
kücke den Blattumriss, nnd dieser wie die Bezahnung, die Nervatur und die Ausrandung am Grunde 
timmen völlig mit Corylus Mac Quarrii überein. Es haben auch diese Blätter weit auseinanderstehende 
tarke Secundarnerven, deutlich ausgesprochene, diirchgehende, hier und da getheilte Nervillcn und mehrere 
1 die Zähne auslaufende Tertiärnerven. Die Zähne, die am Auslauf der Secundarnerven stehen, treten auch 
ippenförmig hervor und die der Tertiärnerven etwas mehr als die dazwischenliegenden, daher wir auch 
ier Zähne von dreierlei Grösse haben. Fig. 4 zeigt die Ausrandung am Blattgrund nebst dem Blattstiel 
nd Fig. 2 die schmale, scharf gezahnte Blattspitze und das feinere Netzwerk. 

24. Fagus Deucalionis Ung. ? Taf. XXV. Fig. 32. S. 105. 

Brjamslaek. V 

Es ist nur das Fig, 32 abgebildete Blattstück mir zugekommen, das in seinen einfachen, parallelen 

eitennerven sehr wohl zu den Grönländer Blättern stimmt, da aber sein Rand nicht erhalten ist, ist diese 

estimraung noch zweifelhaft. 

25. Quercus Olafseni. Taf. XXVI. Fig. 6. S. 109. 

Brjamslaek und Hredavatn. (Prof. Steenstrup.) 

Es liegen bei Fig. 6 zwei Blattstücke neben und zum Theil übereinander ; das eine stellt die BLattspitze 

u- und wir sehen daraus, dass seine beträchtliche Breite vorn sehr schnell abnimmt, die Blattspitze also 

irz ist. Die Zähne sind gross und stumpf. Die äussersten drei Zähne sind einfach und wir haben keine 

wischenzähne, Avohl aber folgen welche tiefer unten. Wo die Secundarnerven in die Zähne auslaufen, sind 

nach vorn gekrümmt. Die Nervillcn sind deutlich, durchgehend oder gabiig getheilt. — Das zweite Blatt- 

äck ist über 3 Zoll lang und weder an der Spitze noch Basis erhalten ; es war das Blatt wohl gegen einen 

Iben Fuss lang bei etwa 3 Zoll Breite. Es hat zahlreiche, in halbrechten Winkeln entspringende Secundar- 

rven, die ganz in gleicher Weise verlaufen, wie bei den Grönländer Blättern. 

Fig. 7 c. ist wahrscheinlich auch ein Blattfetzen dieser Art. 

Von Hredavatn sah ich nur einen kleinen Blattfetzen, an dem aber die Zähne erhalten sind. Fig. ß c. 

tJImacea?. 

26. Ulmus diptera Steenstrup. Taf. XXVII. Fig. 1—3. 

U foliis amplis, basi breviter inaquilateralibus, ovatis ovalibusve, argute et dense subtiliter scrratis. 

Heer Flora tert. Hclv. III. S. 310. 

Brjamslaek u. Laugavatsdalr (Prof. Steenstrup.) Hredavatn. 

Sehr grosse Blätter. Am besten erhalten das Fig. 1 ' abgebildete Blatt von Brjamslaek. Es ist in der 



150 Miocenc Flora von Island. 

:Mittc am Lrcitcstcn und nach beiden Enden gleiclnnässig verschmälert; am Grunde schwach ausgcrandct 
und nur wenig nngleichseitig. Der Rand ist mit relativ kleinen, aber scharfen Zähnen besetzt. Die Zähne, 
welche am Auslauf der Secundarnerven stehen, sind kaum merklich grösser als die übrigen; die meisten 
Zähne sind einfach , einzelne aber noch mit einem sehr kleinen Zähnchen verschen (Fig. 1 b. ver"-rüssert). 
In diesen kleinen Zälmen weicht dies Blatt bedeutend von den übrigen tertiären, wie lebenden Ulmenarten 
ab, stimmt aber in den straMcn, parallelen, randläufigen Secimdarnerven , deren IG jederscits stehen, mit 
denselben übcrcin. Das feinere Geäder ist fast ganz verwischt. 

Ein zweites grosses Blattstück, welches die Blattspitze enthält, kenne ich nur aus der mir von Herrn 
iProf. Stccnstrup mitgetheilten Abbildung. Es war dies Blatt 3 Zoll breit und auch fein und scharf gezahnt, 
welche Zähne bis zur Blattspitze reichen. 

"Weniger gut erhalten sind die Blätter von Laugavatsdalr (Fig. 2. 3). Der Rand ist sehr undeutlich 
und grossentheils zerstört. Die Secundarnerven stehen etwas Aveiter auseinander und die untern senden 
Tertiärnerven aus ; die Nervillen treten hier und da hervor und einzelne sind durchgehend ; dazwischen aber 
haben wir ein polygones Netzwerk. Die Blattbasis ist etwas ungleichseitig. Ich bin noch zweifelhaft, ob diese 
Blätter wirklieh mit denen von Brjamslaek zu einer Art gehören, und überhaupt, ob es Ulmenblätter seien. 
Die Art der Verästelung der untern Secundarnerven ist nicht ulmenartig und erinnert an die Birken. Ein 
ähnliches Blatt haben "Weber und Wessel als Corylus rhenana bescltrieben (cf. Palfeontograph. IV. S. 134. 
Taf. XXII. Fig. 5). — Sehr ähnlich ist auch Carpinites macrophyllus Goepp. von Striese (Pal^eontogr. IL 
Taf. XXXIV. Fig. 2). Es können aber erst besser erhaltene Stücke entscheiden, ob sie zusammengehören. 

27. Planera üngeri Elt. Heer Flora tert. Helvet. II. S. 60. 
Hrcdavatn. 

Herr Prof. Gceppert sah ein Blatt dieser Art aus Island in der Sammlung von Christiania ; cf. Goeppert 

über die Tertiärflora der Polargegenden. Abhandlungen der Schlesisch. Gesellsßh. 1861. S. 201. 

Platane<e. 

28. Platanus aceroides Gcepp. Taf. XXVI. Fig. 5. S. 111. 

Hredavatn. (Prof. Steenstrup.) Prof. Gceppert führt diese Art von Island vom 65 n. Br- an. Vgl. Verhandlungen der 

schlesisch. Gesellsch. 1867 S. 50. ;■ 

Es ist mir nur ein Blattfetzen bekannt worden, der ganz zu Platanus aceroides stimmt, aber zur sichern 
Bestimmung zu unvollständig ist. Er stellt die Spitze des Mittellappens dar, welcher mit den für die Pla- 
tanen bezeichnenden nach vorn gekrümmten, scharfen Zähnen versehen ist, in welche die Secundar- 
aerven in einer Bogenlinie einlaufen. Zwischen den in die Zähne auslaufenden Secundarnerven ist ein Nerv, 
ier sich vorn in zwei Gabeläste spaltet, welche sich mit den benachbarten ganz so verbinden, wie bei Pla- 
tanus (cf. Flora tert. Helv. LXXXVH. Fig. 3. 4). - 

Die von Goeppert erwähnten Blätter befinden sich im Museum zu Christiania. 

Ampcliflefle. 

29. Vitis islandica m. Taf. XXVI. Fig.. 1 e. f. 7 a. 

V. foliis longo petiolatis , basi emarginatis , inoequilotcralibus , trincrviis, trilobatis, lobis lateralibus divaricatis, profunde et 
icute scrrotis. 

Heer Flora lerl. Helvet. III. S. 319. 
Brjamslaek. (Prof. Stccnstrup ) 

Ist sehr ähnlich der Vitis teutonica AI. Br. und vielleicht nur Varietät derselben, hat aber nur drei 
Hauptnerven, die beiden Seitenlappen sind vorn nicht zusammengeneigt, sondern divergierend und die Zähne 
iind etwas weniger tief. Auch haben mehrere einen feinen Seitenzahn, während die der V. teutonica fast 
birchgchends einfach sind. Ist auch dem Blatt von Acer otopterix sehr ähnlich, unterscheidet sich aber 
durch folgende Merkmale: Erstens ist die Basis ungleichseitig (cf. besonders Fig. 7 a.); zweitens sind die 
I^Jerven deutlicher randläufig; drittens sind die Zähne tiefer und schärfer, und viertens laufen die Lappen in 
iine scharfe, ungezahnte Spitze aus, ganz wie bei V. vulpina, welcher Art sie überhaupt am nächsten steht. 

Der Blattstiel ist lang und dünn, die Blattflächc von drei Hauptnerven durchzogen, die seitlichen senden , 
iätarke Secundarnerven in die Zähne aus. Diese sind scharf zugespitzt. 



151 
Magiioliacca?, 

SO. Liriodendron Procaccinn üng. Taf. XXVI. Fig. 7 b. Taf. XXVII. Fig. 5—8. 

L. foliis 3 — 5-lobatis, lobo mcdio emarginato, lobis lateralibüs intcgcrrimis. 

Unser ßcncra plant, fossil. S. 443. Massalongo Flora Sonogall. S. 311. Heer Flora tort. Helvel. IJI. S. 319. Urwelt der Schweiz S 331 
Ig. 186. L. helvcllcum Fischer, llcor Flora teri. Helv. III. Taf. CVIIl. Fig. fi. »Chweiz. h. 3.31. 

Brjamslack. (Prof. Stccnstrup.) 

Das Fig. 5 abgcLildetc Blattstiick ist in der Mitte gebrochen. Es ist am Grund zugerundet und ganz- 
:uidig. Von dein /ziemlich dünnen IMitleliicrv entspringen zarte, dünne Hccundarncrven. Der unterste sendet 
lue Zahl bogenläufiger Tertiilnierven naeli dem luiiide aus und verbindet sieh mit einem Ast des obern 
iecundarnervcs. Diese nächst obern Nerven sind gegenständig. J)ie Kervillen sind sehr zart. Im vierten JIau])t- 
cld von unten an, ist ein abgekürzter Sccundarnerv, der in\ Netzwerk des Feldes .sich aulhi.st. Der I\littel- 
;ippcn ist vorn ziemlich tief ausgcrandet, so dass dort ein stumpfer Winkel entsteht. Die Seitenecken sind 
,\var ziemlich spitz, aber nicht vorgezogen und der Aussenrand ist stark gerundet. Es läuft ein stark gc- 
:rümmter Secundarnerv in die obere Ecke des Mittel] appcns, der weiter verzweigt ist. Oberhalb desselben 
ntspringen noch ein paar kürzere Seitennerven. — Die Seitenlappen dieses Blattes sind zerstört; wahrschein- 
ich war jcdcrseits einer vorhanden und das Blatt somit ein dreilappiges. 

Bei einem vollständig erhaltenen Blatt aus Brjamslaek, von welchem ich aber nur die Zeichnun"- bc- 
:ommcn habe, bemerken Avir jederseits zwei scharfe Seitenlappen (cf. Urwelt der Schweiz. S. 331. Fig. 18G a.), 
nd bei einem andern Blatt (Taf. XXVI. Fig. 7 b.), das sehr wahrscheinlich auch hierher gehört, scheinen 
ie Seitenlappen völlig gefehlt zu haben, wie aus der Richtung der Secundarnerven zu schlicssen ist. Es 
lat dies Blatt einen ziemlich langen Stiel und etwas stärker vortretende und alternierende Secundarnerven. 

Es ist das Fig. 5 dargestellte Blatt dem von Eritz (Flora tert. Helv. 1. c. Fig. 6) sehr ähnlich, nament- 
ich ist der Aussenrand des Mittellappens in gleicher Weise gebogen. Von den von Massalongo abgebilde- 
en Blättcjn sind Taf. 39. Fig. 4 u. 6 am Grund in gleicher Weise zugerundet und der Mittellappen in 
eiber Art aüsgerandet. Es hat Massalongo diese Form L. Procaccinii incisum genannt (1. c. S. 312). 

Bei der lebenden Art sind die Blätter in der Regel dreilappig, doch kommen auch fünflappige vor, 
md bei einer Varietät fehlen die Seitenlappen gänzlich; das Blatt ist dort gerundet und nur an der Spitze 
usgerandet. 

An derselben Stelle, wo diese Blätter in Island gefunden werden, entdeckte Herr Prof. Steenstrup die 
'ig. 6 — 8 abgebildeten Früchte,, welche wahrscheinlich zu vorliegender Art gehören. Der Samenkern ist 
'< Miir. lang und 3Vio MilL breit, oval, flach ; der Flügel hat eine Länge von 15 Mill. bei einer Breite von 
V2 Mill., ist vorn allmälig verschmälert und stumpflich. Er ist wie der Kern von sehr kleinen Wärzchen 
imctiert und von einigen äusserst zarten und nur schwach angedeuteten Längsnerven durchzogen. In der 
orrn stimmen diese Fruchtblätter wohl mit denjenigen des lebenden Tulpenbaumes überein, ebenso in der 
igenthümlichen Sculptur, dagegen sind die fossilen viel kleiner und haben keinen so stark vortretenden 
littelnerv, wodurch diese Bestimmung etwas zweifelhaft wird. Während die Blätter denen des lebenden 
ulpenbaumes sehr nahe kommen, weichen diese Früchte jedenfalls viel mehr ab und müssen, wenn die 
usammengehörigkeit ganz gesichert werden kann, die besten unterscheidenden Merkmale zwischen der 
•benden und fossilen Art geben. 

Von den Eschenfrüchten unterscheiden sie sich durch ihre Sculptur und ihre Zuspitzung. 

Buüneriaceo;. 

SL Dombeyopsis islandica Hr. Taf. XXV' IL Fig. 10. 

D. foliis petiolatis, integerrimis, basi inaiquilateralibus, cordato-cmarginatis, palminerviis, ncrvis primariis 7. 
Heer Flora tert. llelvet. TU. S 319. 
Husawik. (Dr. Winkler). 

Ich sah nur den Fig. 10 abgebildeten Blattfetzen, welcher lebhaft an Ficus tiliicfolia A. Br. sp. erinnert. 

'enn wir das Blatt vervollständigen, erhalten wir eine Blattform, die mit der auf Taf. LXXXIV. Fig. 3 

Jr Flora tert. Helvet. abgebildeten übereinstimmt. Es weicht aber von den Blättern der Ficus tiliajfolia ab: 

■stens darin, dass beide Blattseiten gleich viel Hauptnerven haben, und zweitens, in dem feineren Geäder, 

dem wir bei jener Art durchgehende Nervillen bemerken, beim Isländer Blatt aber bilden die Nervillen ein 

inesNetzwerk. Dieselben Merkmale unterscheiden die Art von Ficus grcenlandica. Die systematische Stellung 

ir Art ist sehr zweifelhaft und der Genusname ein ganz provisorischer. Gehört wohl eher in die Familie 

ir Moreen, als der Buttneriaceen (cf. besonders Ficus nympheaefolia L.). 



152 Miocene Flora von Island. 

Das Blatt ist am Grund sehr ungleichseitig ziigerundet und herzförmig ausgcrandet Der Blattstiel ist 
nur durch einen Längseindruck bezeichnet. Vom wohlerhaltenen Blattgrund entspringen 7 Hauptnerven. Der 
mittlere ist am Grund zerstört. Er ist nicht stärker als die beiden seitlichen, so dass wir drei fast ^'leich 
starke Hauptnerven erhalten, von denen der linke seitliche am deutlichsten ist und leicht für den Mittelnerv 
genommen werden kann, da er aber nur nach der äussern Seite starke, lange Secundarncrven aussendet, 
während nach der innern (rechten) zarte und viel dichter stehende, muss er als seitlicher Hau])tnerv be- 
trachtet Averden. Die Nervillen sind zahlreich und bilden zunächst ziemlich grosse vieleckige Maschen in 
welchen ein feineres Netzwerk liegt. 

Äcerlneae. 

m 

32. Acer otopterix Gcepp. Taf. XXVHI. Fig. 1—13. 

A. foliis basi cordato-emarginatis, trilobatis, dentatis. lobis lateralibus divaricatis , fructibus maximis, aus pifflongis , ob- 
loiigis, apice rotundatis, multi-ncrvosis. 

Ga-ppcrl PaKTDonlographica H. S. 279. Taf. 138. Fig. 3 4. Unger Pnanzen von Prevali. S. 5. Fig. l.M Heer Klorn tert. Helvel. Iil. S. 199, 
Taf. CLV. Fig. 15. Urwelt der Schweiz. S. 336. Fig. 192. Biedermann Pelrefacten in der Umgebung von Winterlhur. iies Hoft. Tab. I Fig. 5. 7.' 
Aoer triangulilobum Goepp. Flora von Schossnilz. S. 35. Fig. 6 (die Blatter). Heer Flora lorl. Helvet. III. S. )9S. Tdf. CLV. Fi». 5. a. vilifoliüm" 
Weber Pal.eonlogr. II. Taf. XKli. Fig. 4 a. 

Brjamslaek (Früchte und Blätter). Hredavatn. Tindarfell. Gaulthvamr am Steingrinisfjord. (Prof. Stccnstrup und Dr. 
Winkler.) 

Ist der häufigste Baum des miocenen Island. Die Blätter liegen sowohl im Surturbrand, Avic in dem 
weissen Tuff. Es variiren die Blätter in Grösse und Form sehr. Sie alle kommen aber darin übcrcin, dass 
sie am Grund ausgerandet sind, drei Lappen haben und diese Lappen gezahnt sind. Das kleine Blatt Fig. 5 
(von Brjamslaek) ist wohl von der Zweigspitze; es hat drei Hauptnerven, einen breiten Mittellappen und 
ziemlich scharfe Zähne. Etwa doppelt so gross sind Fig. 7 u. 8 von derselben Stelle und haben auch nur 
drei Hauptnerven. Fig. 8 hat Avenig vortretende Seitenlappen und kleine, etAvas ungleiche Zähne. Die Secundar- 
ncrven, Avclche zu denselben laufen, sind vorn etAvas umgebogen. Bei Fig. 7 sind die beiden Seitenlappen 
stark divergierend und der Rand ist nur undeutlich gezahnt. Fig. 3 u. 4 sind von Gaulthvamr und von 
selber Grösse Avie vorige. Viel grösser Avaren dagegen Fig. 2 u. 6 von Brjamslaek und Fig. 1 und Taf. XXV. 
Fig. 1 von Gaulthvamr. Bei diesen haben wir neben den drei starken Hauptnerven noch ZAvei scliAvache, 
kurze am Blattgrund, also im Ganzen fünf, von denen aber die untersten niqht verästelt sind. Der Rand 
ist nur stellenAveise erhalten und zeigt uns etAvas' ungleich grosse, ziemlich scharfe Zähne. Besser erhalten 
sind dieselben bei einem grossen Blattstück, von dem ich aber nur die Zeichnung vor mir habe. Bei diesem 
sind die Seitenlappen auch nur Avenig vorstehend, an denselben treten aber zwei grosse Zähne la})pcnförmig 
hervor und sind an der Längsseite mit kürzern Zähnen besetzt. Der untere erhält die Ausmündimg des 
kurzen Basaluerves. . - f 

Dass diese Blätter einem Ahorn angehören, ist nicht zu bezAveifeln, und,' da an derselben Stelle die 
Fig. 9—13 abgebildeten Früchte vorkommen, ist ihre Zusammengehörigkeit Avohl gesichert, um so mehr da 
auch in Oeningen Frucht und Blatt vorkommen. Ein Fruchtflügel von Brjamslaek, von dem ich aber nur 
die Zeichnung erhalten habe, hat fast dieselbe Grösse, Avie die in meiner Urwelt und in der Flora tertiana 
abgebildeten Früchte ; er hat eine Breite von 27 Mill., und der erhaltene, aber nicht bis zum Kern reichende 
Theil eine Länge von 71 Mill.; er hat eine stark gebogene Rückenlinie und ist vorn auch stumpf zuge- 
rundet. Er hat ganz dieselbe Nervatur, indem er von zahlreichen gabiig getheilten Längsnerven durchzogen 
ist, welche in starken Bogcnlinien nach dem Rande verlaufen. Der Fruchtkörper ist sehr gross (Fig. 9. 10) 
und länglich-oval. Er ist dicker als bei der Oeninger Frucht, bei Avelcher freilich derselbe nicht ganz erhalten 
ist; dagegen Avurde in Elgg die vollständig erhaltene Frucht sammt dem Samen gefunden, der länglich-oval 
st (cf. Biedermann 1. c. Fig. 5). 

Viel kleiner sind die Früchte Fig. 11, 12, 13, die wir aber doch nicht trennen können, denn in Schlesien 
kommen auch solche kleinern Früchte (cf. Goeppert 1. c. Fig. 4) neben den grossen vor, und auf die erstem 
hat Goeppert seine Art gegründet, während er die grössere Frucht (seine Fig. 3) zu Acer giganteum ge- 
rechnet hat. Ich halte aber mit Unger dafür, dass sie zu A. otopterix gehöre. Fig. 12 ist von Tindarfell, 
Fig. 13 von Gaulthvamr, avo auch die Blätter sich finden. 



') Der von Unger restaurlrte Flügel ist im Vcrhältniss zur Breite zu kurz aujigcfallen. 



153 



Brjamslaek, ■• 
Es ist niii' 
reiche Unger 
on Rli. Erida;.. 



Is beim Grünliinder Blatt (Taf. XIX. Fig. 7 



J<9. Rhamnus Eridani Utic;. Waf. XXVII. Fi:;. 
• •" vier Rückseite ein kleines Blatt von /.••er otopterix. (Prof. 
w'ie Hälfte des Blattes erhalt ,d stark zerdrück' 

Pyrus troglodytarum (Flor 
nicht wesentlich verschieden 



. Sotzka. Taf. 37. 
iicint. Die Secundar- 
und sind etwas stärls 



■ b. S. 123. 

nstrup.) 

']s Stimmt namentlich zu der Form, 

;•. 1) abgebildet hat, die mir aber 

en stehen etwas weiter auseinander 

;.^ekrünimt und nacli vorn gebogen. 



Ar,:« .•ar«ll.'»eeiu. 



34. Rhiis Brunner i lusck. Taf. XXVII. Fi'. 0. 

Rh. foliolis nicmbranaceis vel subcoriaccis, scssilil.n.., ovato-cllipticis, acuminatis, duplicato inciso-dcntatis, norvis sccun- 
iriis 6 — 8, angulo aciito ogrcdicntibua, acrodromis. ' 

Ilecr Flora icrl. Hüivot. 111. S. 83. Taf. CXXVI. Fig. 12-lv. >' 

Gaulthv.amr. (Dr. "Winkler.) , 

Das Blatt ist stark ungleichseitig, war daher sehr wahrscheinlich eine seitliche Fieder eines "■cficderten 

lattes, die Basis ist ungezähnt, während weiter V(»ni der Rand deutlich doppelt gezahnt ist. Die Zähne am 

uslauf der Secundarnerven sind grösser als die am Auslauf der Tertiärnerven, wodurch die Zähne dop])elt 

ezahnt werden, näher der Blattspitze werden sie wieder einfach. Es hat jederseits sieben steil aufsteio-ende 

ccundarnerven, die wie ihre Aeste randläufig sind. Die Felder sind von deutlichen, durchgehenden Nervillen 

urchzogen. — Stimmt in Form und Art der Bezahnung mit den Blättern unserer Molasse überein (cf. nament- 

ch Flora tert. 1. c. Fig. 16>. 

Juglaiidea?. 

35. Juglans bilinica Vng. Taf. XXVIII. Fig. 14—17. 

J. foliolis brcvitor Jictiolatis, ovato-ellipticis vel ovato-lanceolatis, acuminatis, irregulariter serrulatis , nervis secundariis 
merosis, arcuatis, camptodroniis. 

ünger genora et spec. plant, fossil. S. 469. Heer Flora tert. llelv. III. S. 90. Taf. CXXX. Fig. 5-19. 
Brjamslaek (Prof. Stecnstrup). 

Bei Fig. 14 haben wir die Hälfte eines grossen Blattes, Avelches am Grunde stumpf zugerundet, vorn 
eine kurze Spitze verschmälert ist. Es ist deutlich und ziemlicli scharf gezahnt ; die Zähne sind nach 
rn gebogen. Es besitzt neun Secundarnerven, welche verästelt und vorn in Bogen verbunden sind. Die 
)gen sind vom Rande ziemlich weit entfernt. Die Felder sind durch deutliche, theils durchgehende, tlicils 
blig getheilte Nervillen in Felderchen abgetheilt. Das feinere Netzwerk ist verwischt und nur an wenigen 
eilen angedeutet. Das Blatt hat einen kurzen Stiel. — Fig. 17 giebt die Blattspitze mit wohl erhaltenem 
.nde, der mit Sägezähnen besetzt ist. Die Secundarnerven sind in Bogen verbunden. 

Diese beiden Blattstücke stimmen zu den grossen Blättern von Monod und vom Ruppen, welche ich 
meiner Flora auf Fig. 5, 6, 7 und 17 abgebildet habe. Unger hat diese grosse Blattform neuerdings als 
rya Ungeri Ett. (cf. Sylloge plantar, fossil. S. 40. Taf. XVII. Fig. 1 u. 2) beschrieben und von der 
lans (Carya) bilinica getrennt, wozu er nur die kleinern rechnet. Da er aber mit Ausnahme der Grösse 
>ne Unterschiede angiebt, sehe ich keine Veranlassung, von meiner in der Flora tertiaria S. 91 ausführ- 
icr begründeten Ansicht abzugehen, dass diese kleinern und grössern, durcli zahlrciclie j\Iittelformen in- 
ander übergehenden Formen zu Einer Art zusammengehören. 

Zweifelhaft bin ich noch über die in Fig. 15, IG imd 17 b. abgebildeten Blattreste. Fig. 15 hat den 
jezahnigen Rand und die Form der Fiedern der J. bilinica, aber die Secimdarnerven sind mehr nach vorn 
ichtet und reichen weiter zum Rand hinaus. Dasselbe gilt von Fig. 17b., dessen Seitennerven dichter 
hen. Noch stärker nach vorn gerichtet sind die Nerven bei Fig. 16, die aber in Bogen ineinanderlaufen. 



] 



/( 



Incerta? Sodis. 

36. Phyllites acutilobus m. Taf. XXVII. Fig. 11. 

« 

Ph. lobatus, lobis latcralibus acuminatis, acutia, integerrimis, nervis secundariis com])todromi8. 
Husawik. (Dr. Winkler.) 

Nur ein Blattfetzen, der aber zu keinem der früher beschriebenen Blätter gehören kaim. Vom Mittcl- 
n»i^ ist nur ein kurzes Stück erhalten. Vervollständigen wir das Blatt, wird es dreilappig. Die Seitenlappen 

20 



154 Miocene Flora von Island. 

sind sehr schmal und in eine dünne Spitze auslaufend. In denselben geht ein Nerv, der in fast rechtem 
Winkel zarte, vorn bogenläufig verbundene Seitennerven aussendet. Die Felder sind von einem feinen, poly- 
gonen Netzwerk ausgefüllt. Der Mittellappen ist auch ganzrandig, die Secundarnerven bogenläufig, die Felder 
in- polygone kleinere Felder abgetheilt, die mit kleinen Zellen ausgefüllt sind. • 

Gehört vielleicht zu Acer. Vgl. A. integrilobum. 0. Weber Palseont. Taf. XXII. Fi"- 5 b 

ST. PhyllÜes lemllus m. Taf. XXVII. Fig. 12. 

Ph. tenuis, petiolatus, ovalis,. intcgerrimus, nervo medio dcbili, nervis secundariis subtilissimis, arcia tenuissimc reticulatis. 
Brjamslaek; auf der Rückseite die Ulmus diptera. (Prof. Steenstrup.) 

Ein sehr zartes Blatt mit dünnem Stiel und Mittelnerv, äusserst zarten Seitennerven und einem zler- 
liclien feinen Netzwerk in den Feldern (cf. Fig. 12 b., wo ein Stück vergrössert ist). Da der Mittelnerv ge- 
krümmt ist, ist das Blatt wahrscheinlich ungleichseitig und wohl eine Fieder eines zusammengesetzt gefieder- 
ten Blattes. 

oS. Phyllites vaccinioidcs m. Taf. XXVII. Fig. 13. 

Ph. oblongo-ovalia , subtllissime denticulatus , penninervis, nervis secundariis densis, angulo acuto egredientibus, campto- 
dromis. 

Ilredavatn ? (Prof. Steenstrup,) < 

Ein kleines, nicht ganz erhaltenes Blättchen, das vielleicht zu Vaceinium gehört. Es ist länglich-oval, 
äusserst lein gezahnt, mit ziemlich dicht stellenden, in spitzen Winkeln entspringenden, bogenläufigcn 
Secundarnerven. 

3!K CarpoUthes Najadum m. Taf. XXVII. Fig. 15, vergrössert 15 b. . 

C. fructibus ellipticis, monospermis, 6>/^ Mill. longis, compressis. 

Hrcdavatn. (Prof. Steenstrup.) -'• 

Ein 6V2 ^lill- langes und 3V2 Mill. breites, cüiptisches Früchtchen, das an beiden Enden zugespitzt 

ist. Die eine Seite bildet einen fast halbkreisförmigen, 'die andere aber einen viel flächern Bogen; es waren 

daher wahrscheinlich mehrere Früchtchen in einen Kreis gestellt, wie bei Potamogeton, bei welcher Gattun«" 

die Früchte eine ähnliche Form haben. Vgl. z. B. P. Eseri Flora tert. Helv. Taf. XLVII. Fig. 9. 

40. CarpoUthes geminus m. Taf. XXVII. Fig. 14, vergrössert 14 b. 

C. carpcllis geminis, monospermis, ellipticis, apice mucronulatis. 
Hredavatn. (Prof. Steenstrup.) 

Es sind zwei Carpellen dicht beisammenstehend, giengen daher ohne Zweifel aus einer Blüthe hervor, 

wie bei den Juncagineen, von welchen die fossile Gattung Laharpia ganz ähnlich geformte Früchte hat, die 

öfter zu zwei beisammenstehen (cf. Flora tert. Helv. III. Taf. CXLVII. Fig. 29). Jedes Carpell ist 6 Mill. 

lang und 3 Mill. breit, ist vorn mit einer scharfen, kurzen Spitze versehen und enthält einen elliptischen 

Samen. * 

4L Carpolühcs borealis m. Taf. XXVII. Fig. 16, vergrössert 16- b. 

C. ovaliö parvulus, monospcrmus, apicc rotundatus. 
Hrcdavatn. (Prof. Steenstrup.) 

Ein 48/10 Mill. langes, 2Vio Mill. breites, ovales Früchtchen, das an beiden Enden stumpf zugerundet 
ist. Ganz ähnlich dem C. seminulum m. vom Mackenzie, aber etwas grösser. ■ 



Gliedertliiere. 

/. Carabites islmidicus m. Taf. XXVII. Fig. 21, vergrössert 21 b. 

C. clytrii« coälatis, inlorstitiis politis, glaborrimis. 

Eine kleine Käferllügeldcckc von 22/io Millim. Breite und walirscheinlich etwa Millim. Länge, die 
von acht scharfen Rippen durchzogen ist, mit ganz glatten Furchen. Gehörte wahrscheinlich einem Lauf, 
käferchen au. 



Miocenc Flora von Spitzbergen. 15,-, 

2. Daphnia Eier? Taf. XXVII. Fig. 20, vergrössert 20 b. 

Laugavatsdalr ; auf der andern Seite Ulmus diptera. 

Das Fig. 20 abgebildete Körperclien dürfte ein Behälter, der sogenannte Sattel (ephippium) der Eier 
von Daplmia oder einem iihnliclicn Krustenthierc sein. Achnliche, nur viel kleinere habe ich von Oeningen 
abgebildet (Urwelt S. 353. Fig. 20G). 



V. Eliocene Flora von Spitzbergen. 



/. Sphenopteris (Gymnogramme?) Blomslrandi m. Taf. XXIX. Fig. 1 — 5. 9 a. — d. 

Sph. foliis bipinnatis, pinnulis sessilibus, obliquis, basi cuneatis, pinnatifidis , lobis rotundatis. nervo primario dissoluto, 
lervis secundarüs angulis acutis egredientibus, valde approximatis, dichotomis. 
Aus der Kingsbai. Kohlflöz. (Blomstrand.) 

In einend weichen grauen Sandstein liegen zahlreiche Reste der Blätter in allen Richtungen durch- 
linander. Neben Stücken starker Blattstiele (Fig. 4 c. 9 c. d.) finden sich auch einzelne Blattreste, doch sind 
heselben sehr zerfetzt und ihre Form ist schwer zu bestimmen. Zwei Stücke indessen sind ziemlich Avohl 
rhalten, die in Taf. XXIX. Fig. 1 u. 2 abgebildet sind. Diese lassen nicht zweifeln, dass das Blatt gefiedert 
var, imd da neben den zarten Fiederblättern starke Blattspindeln liegen, Avaren sehr wahrscheinlich diese 
^^iederblätter an denselben befestigt und somit das Blatt ein doppelt gefiedertes. Die Wedelstiele (Fig. 4 c. 
• c.) sind flach, von Längsrippen durchzogen. Die Fiedern müssen lang gewesen sein, wie die zwar sehr 
mdeutlichen, doch nicht zu verkennenden Stücke zeigen, die Fig. 9 a. b. dargestellt sind. Die Fiederchen 
ind am Grund keilförmig verschmälert, aber sitzend. Sie sind fiederspaltig, die Lappen stumpf zugerundet. 
)ie am besten erhaltenen zwei Fiedern (Fig. 2 a.) sind fünf lappig, ausser dem Endlappen haben wir noch 
ederseits zwei Seitenlappen. Diese Lappenbildung beginnt erst in der Blattmitte;, die untere Hälfte ist un- 
;etheilt. Die Xervation ist verwischt und war nur mit Mühe zu ermitteln. Sie ist bei der zweimal vergrös- 
erten Blattfieder Fig. 3 zu sehen. Der Hauptnerv des Blattfiederchen spaltet sich schon tief unten in Gabei- 
ste, welche weiter oben wieder sich theilen, so dass in jeden Lappen mehrere seiln* zarte und in sehr spitzen 
Vinkeln entspringende Xervenäste auslaufen. 

Wenn wir die in viele Stücke zerbrochenen Blätter wieder zusammenfügen und ergänzen, erhalten wir 
osse, doppelt zusammengesetzte Wedel, mit langen Seitenfiedern , die in zahlreiche stumpfgelappte Fieder- 
hen gctheilt sind und auf diesen zahlreiche und dicht stehende Nerven zeigen. 

Die Fig. 9 g, dargestellten Zasern mögen Wurzelzasern eines Farrn sein. 

Es giebt mehrere Farrengattungen , welche in der Form der Fiederchen mit obiger Art der Kingsbai 
.ehnlichkeit haben, vornämlich Asplenium und Gymnogramme. Die Nervation stjnmit aber entschieden am 
esten zu letzterer Gattung. Die Gymnogramme calomelanos Kaulf., von der Fig. 6 ein Fiederstück dar- 
icUt, stimmt in der Nervation sehr wohl zu unserer Art und zeigt auch in der Form der Fiederchen eine 
nverkennbarc Aehnlichkeit, daher unsere Art wahrscheinlicli zu Gymnogramme gehört, vorläufig aber noch 
ei der Sammelgattung Sphenopteris unterzubringen ist. Die Aehnlichkeit mit obiger Gymnogramme ist 
tn so auffallender, da diese Art im tropischen Amerika (in Peru, Brasilien und den Antillen) zu Hause ist. 
'nter den bis jetzt beschriebenen mioccnen Farrn hat Sphenopteris recentior Ung. (Chloris ])rotog. S. 124. 
af. XXXVIL Fig. 5) sehr ähnlich gebildete Fiederchen; es laufen aber bei dieser Art nur einzelne Nerven- 
^te in die Blattlappcn. 

2. Vüicites deperdUiis m. Taf. XXIX. Fig. 7. 

1 BcUsund, Kohlenberg (Kolfjcllct), in den Kavinen. (Nordenskiöld.) 

1 Die Fig. 7 abgebildeten Stücke stellen nach meinem Dafürhalten Fragmente von sehr dicken Farrn- 

i)indeln dar, welche auf sehr grosse Wedel schliessen lassen. Sie haben eine Dicke von 30 Mill. Ucber die 



156 Miocene Flora von Spitzl)ergen. 

Mitte läuft eine breite, längsgestreifte Rinne; die Seiten sind gewölbt, von mehreren stumpfen Längsrijjpcn 
durchzogen. Das ganze ist von einer glänzenden Kohlcnrinde überzogen. — Auf andern Stüeken des Bcll- 
sund (Taf. XXXI. Fig. 4 d.) sind einzelne Blattreste eines Farrn, aber so fragmcntariscli , dass deren Be- 
stimmung niclit möglich ist. Wir können zur Stunde daher nur sagen, dass in dem Sandstein des Bellsund 
ein grosses Farnkraut vorkommt, dessen nähere Bestimmung erst vollständigere Exemplare ermöglichen 
werden. Vielleicht gehört zu derselben Art der Farrnstrunk, welchen Herr Roberts in dem Bellsund gefunden 
und als Lepidodendron beschrieben hat. (Vgl. S. 35.) 

3. Equisetum arcticmn vi. Taf. XXIX. Fig. 8. 9 e. f. 

E, caule 8—12 Mill. crasso, sulcato, vaginis acute dentatis. 
Kingsbai, Kohlilöz. (Blomstrand.) 

Die Fig. 8 abgebildeten Stengelreste liegen auf demselben Steine, Yi^. d. aber auf der Rückseite. Sie 
sind von ziemlich breiten Furchen durchzogen, die durch flache Rippen getrennt sind. In den Furchen be- 
merkt man keine Längsstreifen, wohl aber sehr feine Querrunzeln. Bei b. ist ein stark zerdrückter Knoten, 
an welchem ein paar Aeste sitzen. Bei a. ist ein Stück der Scheide, aber schlecht erhalten, doch sieht man 
dass die Zähne ziemlich gross und spitzig sind. Dadurch unterscheidet sich die Art von dem Equisetum 
Winkleri Islands, das sonst sehr ähnlich gebildete Stengel hat. 

Zu dieser Art gehören wohl auch die Fig. 9 e. f. abgebildeten Stücke; es mögen wohl Rhizome sein, 
deren Scheiden verloren gegangen, während der Knoten zu sehen ist. 

4. Taxodium dubium Sternb. sp. Taf. XXX. Fig. 3. 4. S. 89. 

Fig. 3 aus dem untern Lager des Kohlenberges im Bellsund; Fig. 4 Kohlberg der Ravinen des Bellsund; auf der Rück- 
seite desselben Stückes ist Potamogeton Nordenskiöldi iFig. 6). * 

Diese Stücke stimmen sehr wohl überein mit den jährigen Zweigen des Taxodium dubium der Schweizer- 
molasse, wie die Vergleichung der Fig. 4 mit Taf. XXI. Fig. 3 und XVII. Fig. 8 der Flora tert. Helvet. 
zeigen wird. 

Die Blätter sitzen an sehr dünnen, schlanken Zweigen, und sind am Grund nicht am Zweig herab- 
laufend. Sie sind an der Basis in ein ganz kurzes Stielchen verschmälert. Sie sind in zwei Zeilen gestellt; 
an ein- paar Stellen sind je zwei übereinanderstehende Blätter sehr nahe gerückt, so dass auf dieser Seite 
je drei Blätter zweien der andern Seite entsprechen, ganz so wie dies bein^ lebenden Taxodium distichum 
der Fall ist. Bei dem Fig. 4 abgebildeten Zweiglein haben die Blätter eine Breite von 1 Mill., die meisten 
sind vorn bedeckt oder abgebrochen, ihre Länge scheint 11 — 14 Mill. zu betragen; sie sind von einem 
Längsnerv durchzogen. Bei den Fig. 3 abgebildeten Zweigstücken sind die Blätter kürzer und dichter bei' 
sammenstehend ; sie sind aber nicht so gut erhalten, wie bei Fig. 4. Bei einem Zweigstück sind die Blätter 
fast wagrecht abstehend, einzelne auch von ihnen getrennt, beim andern sind sie nach vorn gerichtet und 
dicht beisammenstehend. •. 

5. Taxodium angustifolium m. Taf. XXX. Fig. 1, vergrössert 2. 

T. ramulis caducis ftlilbrmibus, foliis remotioribus alternis distichis, hinc inde duobus basi valde approximatia, basi angus- 
tatis et breviter petiolatis, auguste linearibus, unincrviis, apice obtusiusculis. 

Obere Lager des Kohlberges des Bellsundes. 

Es ixnterscheidet sich diese Art von Taxodium dubium durch die schmälern und relativ längern, etwas 
weiter von einander abstehenden Blätter. Da auch bei Taxodium distichum eine Form mit mehr von einander 
abstehenden Blättern vorkommt (T. nutans, foliis remotioribus sparsis Endlicher Synopsis. Conifer. S. 68), ist es 
vielleicht nur eine Varietät von Taxodium dubium; da wir aber im übrigen Tcrtiärland diese Form noch niclit 
gefunden haben, ist es rathsamer sie zu trennen. Werden einmal mehr Exemplare in Spitzbergen gcsamiuclt, 
wird sich dann mit grösserer Sicherheit entscheiden lassen, ob diese immerhin sehr beachtenswcrthe Form 
eine eigenthümliche nordisciie Art darstelle i). Man hat neuerdings die mcxicanischc Sumpfcyi)ressc (T. mcxi- 
canum Carr.) wegen ihrer schmälern Blätter von T. distichum getrennt und es dürfte das T. angustifolium 
derselben vielleicht noch mehr entsprechen als dem T. distichum. 



') Es hat Ettingshausen in seiner Flora von Bilin (ö. 3Gi sehr schmalblättrige Formen von Tuxodium dubium bcschricbca 
und abgebildet, bei diesen sind aber die Blätter viel allmäliger und stärker zugespitzt. 



Mioccnc Flora von Spitzbergen. I57 

Das Fig. 1 a. abgebildete Stück, neben welclicm Blattfetzen von Potamogeton Nordcnskiöldi und kleine 
icstc eines Farrn (Sphenopteris Blomstrandi V) liegen, ist vortrefflicli erhalten. Der Zweig (ein Stück Fig. 2 
•crgrössert) ist sehr dünn und schlank, wie bei T. dubium geht von jedem Blattansatz ein feiner Lüngs- 
trcifcn an demselben herunter. Die Blätter haben nur eine Breite von «/m Mill. bei einer Läno-e von 14 bis 
5 Mill., sie sind parallelscitig, daher schmal linienförmig, vorn zugespitzt und am Grund in ein sehr k 
iticlchen verschmälert. Sie sind zweizeilig, ziemlich weit auseinander stehend; wie bei Taxodium dubi 
,nd distichum, sind auch hier stellenweise je zwei übereinander stehende Blätter am Grunde sehr genähert 
jid fallen auf den Zwischenraum von zwei auf der andern Zweigseite stehenden Blättern (Fig. 2). Der 
littclncrv ist verhältnissraässig stark und reicht bis zur Blattspitze. 



urzes 
um 



6. Pinus polaris m. Taf. XXXI. Fig. 4 b. 

P. foliis geminis, IV2 Mill. latis, clongatis, rigidis. 

Unteres Lager des Kohlenbergea im Bellsund. 

Unter dem Erlenblatt liegt ein mit einigen Nadeln besetztes Zweigstück, welches wohl unzweifelhaft 
u Pinus gehört, das aber so zerdrückt ist, dass eine Vergleichung mit den bekannten miocenen Arten nicht 
löglich ist. Es ist wahrscheinlich, dass es zu einer der vielen bis jetzt beschriebenen Arten gehört, bis aber 
essere Stücke gefunden werden, müssen wir es getrennt halten. Es ist immerhin wichtig zu wissen, das.s 
ine Föhrenart zur miocenen Zeit in Spitzbergen gelebt hat. 

Die Blätter stehen zu zwei, es gehört somit die Art in die Gruppe der Föhren; sie sind bis auf 23 
[ill. Länge zu verfolgen, waren aber jedenfalls noch länger; ob sie gerinnt oder gestreift, ist nicht zu 
rmittcln, indessen bemerkt man auf ein paar einen feinen Längsnerv. 

Neben einem Pappelblatt der Kingsbai bemerken wir einen braunschwarzen Flecken (Taf. XXX. Fig. 9 c), 
er in der Form lebhaft an einen Pinus-Samenflügel erinnert ; am verschmälerten Grund ist eine Verdickung, 
eiche vielleicht vom Nüsschen herrührt, doch ist diese Partie so undeutlich, dass die Deutung dieses Stückes 
sveifelhaft bleibt. 

7. Pinites latiporosus Cramer. Taf. XL. 

Vgl. Cramer über die fossilen Hölzer im Anhang. 

8. Pinites pauciporosus Cram. Taf. XLI. 
Ebendaselbst. } 

9. Pinites cavernosus Cram. Taf. XLII. Fig. 1 — 10. 
Ebendaselbst. 

10. Poacites Torelli m. Taf. XXIX. Fig. 1 f., ein Stück vergrössert g. 

P. foliis lincaribiis, 5 Mill. latis, 14 striatis, laevibus. 

Von der Kingsbai, mit Farrnresten auf demselben Stein. Kohlflöz. Blomatrand. 

Ein parallelscitiges, 5 Millim. breites Blattstück, das von 14 feinen, parallelen, dicht gedrängten, gleich 
arken Längsnerven durchzogen ist. Queräderchen fehlen. 

Ist ähnlich dem Poacites laevis A. Br., hat aber gedrängter stehende Längsiierven. 

Dieser Blattrest zeigt uns, dass die miocene Flora Spitzbergens grosse, :i)reitblätterige Gräser be- 
äsen hat. 

Auf dem Taf. XXX. Fig. 9 abgebildeten Stein liegt ein Fetzen eines Rohres (Fig. 9 d.), ob dieser 
er zur vorliegenden Art oder villeicht zu Phragmites gehört habe, ist nicht zu ermitteln. 

//. Potamogeton Nordcnskiöldi m. Taf. XXX. Fig. 1 b. 5 c. d. 6. 7. 8. 

P. foliis longe petiolatisl?), magnis, ovalibus, apice obtusis, nervis longitudinalibus, curvatis 17, intcrstitiis dcnse n-ticulatis. 

£s ist dies das häufigste Blatt im Sandstein des Bellsundes. Einzelne Blattfotzcn finden sich auf den meisten Steinen, 
(ardenskiöld.) 

Fig. 5 b. und 6 a. sind Blattspitzen, Fig. 7 dagegen ist von der Blattbasis, die aber nicht völlig erhalten 
i.; Fig. 5 c. und d. sind wahrscheinlich Blattstiele. Setzen wir diese Stücke zusammen, erhalten wir em 
?j)sses, ovales, sehr lang gestieltes Blatt, welches vorn stumpf zugcrundct ist (Fig. 8). Ueber die I^Iitte des 
lütcs laufen drei genäherte Längsnerven, welche aber nicht stärker sind als die übrigen; jcdersc.ts be- 
^>:rkcn wir sieben, in weiten Bogen verlaufende und etwas weiter von einander entternte Ilauptnerven, 
v'lche alle an der Blattspitze convergieren ; wir erhalten also im Ganzen 17 Längsnerven. Da die unterste 



158 Mioccnc Flora von Spitzbergen. 

Blattbasis bei keinem Stücke völlig erhalten ist, sieht man die Art ihres Auslaufes nicht, jedentalls verbinden 
sich aber die inncrn erst tief unten mit dem mittlem Nerv. Die Interstitien zwischen je zwei Längsnerven 
sind von sehr feinen Querüderchen ausgefüllt. Sie laufen in einem etwas spitzen Winkel aus und sind also 
etwas nach vorn gerichtet. Sic sind sehr genähert und wie es scheint unverästelt, das Feld in regelmä3si<^c, 
schmale parallclogrummc Zellen thcilcnd. Bei den meisten Stücken ist die Blattsubstanz, welche dünn und 
zart gewesen zu sein scheint, verschwunden und sind nur die Abdrücke der Rippen erhalten. Das Fig. 6 
abgebildete Blattstück ist indessen noch mit einer dünnen braunschwarzen Kohlcnrinde überzo^-en 

Der Stiel ist sehr lang (Fig. 5 c. d.) und auf der Oberseite gefurcht (Fig. 5 c. ein Stück vcrgrüssert) 
Achnlichc Blätter kommen bei Orchideen, Alismaceen *) , Liliaceen und Najadccn vor. Allein nur 
bei Potamogeton haben wir dieselbe feinere Nervation und so lange dünne Blattstiele. Bei Potamo"-eton 
natahs L. und fluitans Roth, sind die Blätter fast von derselben Grösse und Form, weichen aber darin ab, 
dass der Mittelnerv dicker ist und von den Längsnerven einzelne mehr hervortreten. Auch ents])ringen die 
inncrn seitlichen höher oben aus dem Mittelnerv, wogegen bei Potamogeton pra^longus Wulf, und P. nitens 
"Web. der Mittelnerv sehr zart ist, und die seitlichen Nerven tief unten entspringen. Die l^lätter sind aber 
bei diesen Arten sitzend und auch bei P. plantagineus Duc. und P. heterophyllus Schreb. viel kürzer gestielt, 
wogegen diese in der dichten Stellung und schiefen Richtung der Queriiderchen lebhaft an die Art von 
Spitzbergen erinnern. Von den bis jetzt bekannten fossilen Arten steht P. Bruckmanni AI. B'r. (Flora tert. Helv. 
L Taf. XL VII. Fig. 7) unserer Pflanze am nächsten, hat aber kleinere Blätter mit weniger Längsnerven und 
Aveitcrn Maschen. Es bildet daher die Spitzberger Pflanze eine eigenthümliche neue Art, welche durch ihre 
grossen , sehr wahrscheinlich schwimmenden Blätter und die dichte Stellung ihrer feinen Queräderchen sich 
auszeichnet, sich aber am nächsten an das P. natans L. anzuschliessen scheint. 

Diese Art, Avie überhaupt alle breitblättrigen Laichkräuter leben ausschliesslich im süssen Wasser; nur 
ein paar Arten mit schmalen linienförmigen Blättern (P. zosteraceus Fries und pectinatus L.) bewohnen das 
salzige Wasser. Es setzt daher unsere Pflanze Süsswasser voraus und lebte wahrscheinlich in Torfgraben 
oder in einem Torfsee, nach Art des P. natans, welches auch am häufigsten an solchen Stellen gefunden 
wird. Es ist diese Art ungemein verbreitet; sie lindet sich nicht nur durch ganz Europa bis nach Island 
und Lappland, sondern auch in Nordamerika (bis zur Hudsonsbai), in Chile, am Cap, .in Abyssinien, in 
Indien, in Vandiemensland und in Neuseeland. In Lappland reicht sie in einer Form, die Laestadius P. spar- 
ganiifolius genannt, bis in die arctische Zone und wurde noch bei Mouniölf gefunden, wo überhaupt diese 
Grattung jetzt ibre nördliche Grenze hat. 

12. Populus Richardsoni m. Taf. XXXI. Fig. 1. S. 98. 

Unterts Lager des Kohlbcrges des Bellsundes. (Nordenskiöld.) 

Das Fig. 1 a. abgebildete Blatt ist zwar nur thcilweise erhalten, zeigt aber doch alle Charaktere eines 
Pappelblattcs und zwar der Populus Richardsoni. Der Rand ist mit grossen, stumpfen Kerbzähnen versehen, 
der freilich nur an der linken Seite erhalten ist; die rechte Seite und die Blattspitzc fehlen. Die Grösse 
lind Form dieser Zähne stimmt völlig mit den Blättern von Grönland überein (of. Taf. IV. Fig. 3). Von den 
sieben Hauptnerven ist der erste seitliche stark nach vorn gerichtet wie bei den Grönländer Blättern, ferner 
auch gabiig getheilt iind die äussern Aeste in gebrochenen Bogen verbunden, nur fehlt hier der tiefer unten^ 
näher der Blattbasis entspringende Secundärast, der den meisten Grönländer Blättern ' zukommt ; dafür ist der 
nächst untere Hauptnerv etwas stärker entwickelt und sendet stärkere Seitenäste aus. Die Nervillen sind wie 
bei den Grönländer Blättern. 

Von einem zweiten Blatt des Bellsundes (Fig. 2) ist nur ein Fetzen erhalten. 

13. Populus arctica m/? Taf. XXX. Fig. 9 a. S. 100. 

Von der Kingsbai. 

Das Fig. 9 a. dargestellte Blattstück enthält nur die Blattbasis, welche wohl zu der Grönländer Art 
stimmt (namentlich Taf. V. Fig. 3), und durch den ungezahnten Rand von der vorigen sich unterscheidet. 
Es ist am Grund zugerundet. Neben dem Mittelnerv steigt jederseits in starker Bogenlinic ein seitlicher 
Hauptnerv auf, der sich seitlich verästelt. Unter demselben ist ein weiterer Hauptnerv, der nach aussen 



') Bei Alisma Plantago L. haben wir sehr ähnlich verlaufende Zwischenoerven , die aber weiter auseinander stehen, danu 
hat Alisma viel weniger Längsnerven und ein vorn zugespitztea Blatt. 



Miocene Flora von Spitzbergen. 159 

in paar zarte Aeste aussendet, aber theilwcise vcrwisclit ist, wie denn auch die feinere Nervation niclit 
rhalten ist. 

Es liegen noch auf ein paar Steinen des Bellsundes einzelne kleine Fetzen von Pappelblättern, von 
|.enen aber nicht zu bestimmen ist, ob sie zur vorliegenden oder der vorigen Art gehören. 

14. Salix macrophylla Hr.? Taf. XXXI. Fig. 3 a. S. 146. 

Bellsund. 

Neben dem Buchenblatt des Bellsundcs liegt ein stark zerdrückter und an den Rändern verwischter 
ilattfetzen, welcher wahrscheinlich von einer Weide herrührt. Indessen fehlen die feinem Nerven völliu: und 
ei der sonst sehr mangelhaften Erhaltung ist diese Bestimmung sehr unsicher. Was mich bestimmt, es zu 
en Weiden zu rechnen, ist, weil die erhaltene Partie zu Salix macrophylla von Island stimmt (cf. Taf. XXV. 
'ig. 3 b.). Der dicke Mittelnerv weist auf ein grosses Blatt, von demselben entspringen ziemlich dicht stehende 
ecundarnerven, die in Bogenlinien verlaufen. 

15. Alnus Kefersteinii Goepp. Taf. XXX. Fig. 5 a. Taf. XXXI. Fig. 4 a. S. 146. 

Unteres Lager des Koblberges im Bellsund. (Nordenskiöld.) 

Das Taf. XXX. Fig. 5 a. abgebildete Blatt stimmt sehr wohl namentlich zu den Erlenblättern der 
raunkohlen von Chlapau und des Samlandes, wo sie häufig und in schön erhaltenen Exemplaren gefunden 
urden. 

Es war ein grosses Blatt mit in halbrechten Winkeln entspringenden, ziemlich weit auseinanderstehenden, 
.ndläufigen Secundarnerven , die untern senden auswärts mehrere Tertiärnerven aus, die in die Zähne aus- 
ufen. Die Felder sind mit gekrümmten, zum Theil gabiig getheilten Nervillen ausgefüllt. Der Rand ist 
emlich scharf gezahnt. 

Zu dieser Art gehört sehr walirseheinlich auch das Taf. XXXI. Fig. 4 a. abgebildete Erlenblatt, dessen 
eitcnnerven aber etwas stärker gekrümmt sind ; sie stehen noch etwas weiter auseinander ; ihre Tertiärnerven 
ufen auch in Zähne aus und die Felder sind mit durchgehenden NervtUen ausgefüllt. In diesen stärker 
ibogcncn Secundarnerven stimmt dies Blatt sehr wohl zu dem von Ettingshausen aus der Wiener Flora 
Dssile Flora von Wien. Taf. I. Fig. 19) abgebildeten Erlenblatt überein. ^ 

16. Corijlus Mac Quarrii Forb. sp. Taf. XXXI. Fig. 5. S. 104. 

Unteres liager des Kohlbcrges im BcUsund. (Nordenskiöld ) 

Es sind mir drei Blattstücke von Spitzbergen zugekommen, von denen aber keines den Rand enthält, 
as grösste ist in Taf. XXXI. Fig. 5 abgebildet, ein zweites liegt auf der Rückseite desselben grauen, 
obkürnigen Sandsteines (Fig. 6 a.), ein drittes neben dem Pappclblatt des Bellsundes (Fig. 1 b.). Es stimmen 
ese Blattstüeke in der Richtung der stark entwickelten Secundarnerven, in der Art ihrer Verästelung und in 
r Bildung der Nervillen, welche die Felder ausfüllen, so wohl mit den Haselblättern von Grünland über- 
1, dass wir sie dieser Art zuzählen dürfen, obwohl allerdings der nur an einer kleinen Stelle erhaltene 
d gezahnte Rand eine ganz sichere Bestimmung nicht zulässt. 

17. Fagus Deucalionis Ung. Taf. XXXI. Fig. 3 b. S. 105- 

Am Kohlenberg des Bellsundes. (Nordenskiöld.) ,' 

Es ist zwar nur ein Blattfetzen erhalten; derselbe stimmt aber so wohl mit dep Buehenblättern Grünlands 

erein (Taf. VIII. Fig. 1—4), dass er dieser Art zugerechnet werden darf. Die Secundarnerven entspringen 

selben Winkel und laufen in gerader Linie straff zum Rande; sie stehen in derselben Entfernung %-()u 

»ander und von ihnen gehen in rechten Winkeln zahlreiche, freilich meist verwischte Nervillen aus. Der 

l.nd ist zerstürt. 

Vielleicht ist die auf Taf. XXX. Fig. 6 b. abgebildete Versteinerung eine aufgesprungene Fruchtdcckc 
iser Art. Es ist eine braunschwarze lederige Masse, besetzt mit kleinen Wärzchen (diese vergrüssert 6 c), 
Iche vielleicht die Basis -der adgefallenen Stacheln darstellen. 

IS. Plala7ius accroides Ga;pp. Taf. XXXII. S. 111. 

, Beim Kohlonflö/. in Green Harbour (das Stlicl; ist bezeichnet: Green llurbour Ivolf.iellet vi.l KoIllötHen). niomHlrnnd. 18(11. 

I Es Hlimmt dies Blatt sowohl zu dem Platanenblatt der Schrotzburg, welciies ich auf Taf. LXXXVll. 
4'- 3 meiner TcrtiärHora abgebildet habe, dass es leicht nach demselben ergänzt werden kann. Es gicbt 
^l;- 2 ein solch vervollständigtes Blatt. 



160 Miocene Flora von Spitzbergen. 

Das Blatt hat ganz die Grösse der in iinsern Anlagen so häufig gcpflanzten Platane (Platanus aceri- 
tblia AVilld.). Es fehlt zwar die Basis, wenn wir aber die Nerven gegen dieselbe fortsetzen, werden wir uns 
.vichncll überzeugen, dass drei Hauptnerven vom Blattgrund atisgiengen, von denen der rechte seitliche sehr 
wohl erhalten ist. Er ist stark und lang und sendet nach unten wieder starke, randläufigc Secundarncrvcn 
aus, von denen sechs zu sehen sind, von welchen die mittleren je einen Tertiärnerven besitzen. Aber auch 
nach der Innern Seite sendet dieser seitliche liauptnerv Secundarncrvcn aus, die aber schwächer und stark 
nach vorn gerichtet sind, ganz wie bei der PL aceroidcs unserer Molasse. Sie stehen in denselben Abständen 
und entspringen in denselben Winkeln. Die Felder sind in gleicher Weise von in Bogen verlaufenden, theils 
einfachen, theils gabiig zertheilten Nervillen ausgefüllt. Vom Rand ist nur eine kleine Stelle an der rechten 
untern Seite erhalten, der uns zeigt, dass zwischen den Zähnen weite gerundete Buchten sich befinden, wie 
dies für Platanus bezeichnend ist. 

Wenn Avir die linke zerstörte Blattseitc nach der rechten erhaltenen ergänzen, die Nerven bis zum Pandc 
fortführen und diesen Rand mit seinen Zähnen nach den Blättern des Platanus aceroidcs unserer Molasse 
(vgl. z. B. Flora tert. lielvet. Taf. LXXXVII. Fig. 3) vervollständigen, erhalten wir das in Taf. XXXII. 
Fig. 2 wiedergegebene Bild. So müsste dieses Blatt Spitzbergens ausgesehen haben, wenn es vollständig 
erhalten gewesen. Da die linke Seite mit voller Sicherheit nach der rechten ergänzt werden kann, ist nur 
die Blattspitze und der Rand restaurirt, also die nicht colorirte Partie des Blattes. Der erhaltene Theil stimmt 
so völlig zu den. Blättern des Platanus aceroidcs, dass diese Art unzweifelhaft zu Platanus o-ehört und mit 
sehr grosser Wahrscheinlichkeit zu PL aceroidcs gebracht werden kann. 

Es reicht daher diese in der obern Molasse Italiens, der Schweiz und Schlesiens verbreitete Art über 
Schottland, Island und Grönland bis nach Spitzbergen hinauf. 

19. Tilia Malmgreni m. Taf. XXXÜI. 

T. l'oliis amplis, marginc dentatis, palmincrviis, nervis primarüs una latere duobua , altera tribus, ramosis, nervo priinario 
niedio valido, nervis sccuiidariis prrclongis, ramosis. 

Das Blatt aus der Kiiigsbai beim Kohlflöz", der Blüthenstand aus dem Bcllsund. 

Ein sehr grosses Blatt, von dem aber die vordere Partie und ein grosser Theil des Randes fehlt. Es 
ist nur der Abdruck in dem harten, grauen Sandstein erhalten und eine dünne, theil weise zerstörte Kohlen- 
rinde, welche ohne Zweifel von der Blattsubstanz herrührt. 

Der Blattstiel setzt sich in eine starke Mittelrippe fort. Von dieser entspringen am Grund auf der 
linken Seite zwei Hauptnerven. Der untere ist kurz und sendet nach aussen zwei Secundarncrvcn aus, die zum 
Rand laufen, der aber zerstört ist. Der obere ist viel stärker, bildet anfangs einen fast rechten Winkel mit 
lern Mittehierv, biegt sich dann aber in einem weiten Bogen nach vorn. Von ihm entspringen fünf Secundar- 
nerven, von denen der erste wieder gabiig sich theilt und die alle zum Rand laufen. Auf der rechten Blatt- 
>eite sind neben dem Mittelnerv drei Hauptnerven, die aber leicht übersehen werden können, da nur der 
.Abdruck ihrer Basis erhalten ist. Die äussere Partie ist zerstört, auch scheint die rechte Seite des Blattes 
't\vas verschoben zu sein, wie eine Vergleichung der Richtung der Nerven in der ausserhalb und innerhalb 
les Risses liegenden Blattpartie zeigt. In Folge dessen haben wohl die drei seitlichen Hauptnerven des Blattes 
Ulf dieser Seite eine stärkere Neigung nach vorn erhalten, als dies beim unverletzten Blatt der Fall war. 
/on dem starken Mittelncrv gehen paarweise grosse Secundarncrvcn aus, von denen auf der linken Seite 
Irci erhalten sind; die ihnen gegenüberstehenden der rechten Seite sind nur ein. Stück weit erhalten. Diese 
5ecundarnerven entspringen in circa halbrechten Winkeln und sind nur sehr wenig gebogen. Sie senden 
.ussen mehrere Tertiärnerven aus, von denen die untern nochmals sich gabeln. Sie sind randläufig. Die 
*'clder sind von zahlreichen Nervillen ausgefüllt. Diese entspringen in fast rechten Winkeln, sind theils 
urchgehend, theils aber gabiig getheilt; sie stehen etwas dichter als bei unsern Linden. 

Ist sicher ein Lindenblatt, dafür sprechen die gegenständigen, langen, verästelten und randläufigen 
iccundarnerven, die Bildun^r der Nervillen, der a'ezahnte Rand, namentlich aber das für die Linden besonders 
ezeichnende Merkmal, dass das Blatt auf einer Seite einen liauptnerv mehr hat als auf der andern, daher 
as Blatt ungleichseitig muss gewesen sein, was an dem vorliegenden Stück nicht zu sehen, da die Blatt- 
asis zerstört ist. Vom Rand ist nur eine ganz kleine Partie erhalten, die uns aber zeigt, dass er mit kurzen, 
iiemlich scharfen Zähnen versehen war. 

i In Grösse stimmt das Blatt am meisten mit dem der amerikanischen Linde (T. americana L.), indem 
iesc, auch in unsern Anlagen viel cultivierte, Art durchschnittlich grössere Blätter besitzt, als unsere cin- 
jeimische grossblätterige Linde (T. grandifolia), die übrigens der amerikanischen Linde in der Blattform so 



IGI 



nahe >Teht, dass sie von dieser schwer zu untersclieiden ist. Die fossile Art uuterscluMdet sicli von diesen 
.lurch die kleinem, vorn weniger zugespitzten, Ziihne, die etwas weniger nach vorn gericliteten ersten seit- 
hciicn Hauptnerven und die etwas dichtere Stellung der Nervillen. In Grösse kommt unser Blatt den gvösstcn 
l^lättcrn der amerikanischen Linde gleich. 

Die Linden sind im Tertiärland selten. In der Schweiz sind noch keine gefunden worden. Aus Italien 
hat .Massalongo drei Arten von Senegaglia beschrieben (T. Passcriniana, T. ^Mastajana und T. Saviana), die 
ibcr kleinere und schärfer gezahnte Blätter haben als die Spitzberger Art. Aus Sclilesien hat Gccj)pert eine 
Art (Tilia permutabilis Pah^ont. IL Taf. XXXVII. Fig. I) bekannt gemacht. 

Auf der Rückseite des Steines, welcher den Fig. 5 abgebildeten Blattrest des Corylus :\rac Quarrii des 
BcUsundcs enthält, bemerken wir bei genauerer Untersuchung die Reste eines Blüthcnstandes, der wahr- 
^cheinjich zu tuiserer Art gehört. Fig. 6 c. Die ziemlich langen Blüthenstiele sind zu einer Traube zusam- 
nmcngestellt, aussen verdickt; an einem sitzt ein ovales Körperchen, ob Elumenknospe oder junge Frucht 
st nicht zu entscheiden. Es liegt auf einem länglichen, vorn stumpf zugenmdeten Blättchen, das wahr- 
scheinlich das Deckblatt der Linde ist. Leider ist das Stück stark zerdrückt und in einem o-robkörnie-cn 
jestein, so dass nicht zu ermitteln, ob der Blüthenstand wirklich wie bei der Linde am Deckblatt be- 



ostigt ist. 



^^-\.-V--N.''--\ 



VI. Tabellarisclie üebersicht der miocenen Flora der Polarländer. 



Name der Arten. 



1. Cryptogainae. 

Erste Ordnung : Funyi. 

Sphffiria arctica PIr. 

ftnnulifera Hr 

Dothidea borealis Hr. 
•clerotium Dryadum Hr. ♦ 
Rhytisma indiiratum Hr. ? 
borcale Hr. 

Zweite Ordnung : Filices. 

LFamilie Polypo diaceac, 

Woodwardites arcticus Hr. 
fiasti'ffia stiriaca Ung. sp. 
?phcnopteri3 Rlicrtschingi Hr. 
Blomstrandi Hr 

:*tcri8 ccningcnsia A. Br. 

Rinkiana Hr. 
^ecopteria Torcllü Hr. 

!• Familie Osm tm dac cae 
)smunda Hcerii Gaud. 



''ilicitea depcrditus Ht 



Vor- 
kommen. 



Grönland 
id. 

Island. 

id. 
(Jrönland 



Bis 

jotztlx^kannto 

Polar- \uul 

Acquatorial- 

grenzen 

derselben. 



Ilomoloü'c 



ft^ 



oder analoge lebende 
Arten. 



70^ 
700 

640 40' 
650 40' 

660 

700 



Grönland 


70' 


id. 


44—700 


id. 


700 


Spitzbergen 


780 06 


Grönland 


46—700 


id. 


700 


id. 


700 


Grönland 


46 - 700 


Spitzbergen 


770 50' 



Sph. Coryli Batch. 

D. betulina Fries. 
Sei. betulinum Fr. 
Rh. acerinum Fr. 



L. prolifera Kaulf. 
Asplcniiim ? 

Gymnogramme calomela- 
nos Kaulf. V 

Pt. aquilina L. 
id. 



spectabilis W. 



Die I'olargrcnzen derselben; 



natürliche. 



künstliche. 



Europa 
bis cchweden. 

id. 

id. 

id. 



Amerika trop. 
Amerika trop. 

Evn-opa bis 68° 
Amerika. Asien. 



Cniiada bis Siis- 

katscliawan, 
circa 55 o n. Br. 



21 



162 



Tabellarische Uebersicht der miocenen Flora der Polarländer. 



Name der Arten. 



I Dritte Ordnung : Calamariai. 

Familie Equisetaceae. 

Equisetum borcale Hr. 
Wiiikleri Hr. 

arcticutn Ilr. 

II. iPhnacrogaiiiae. 

A. Gymaosperms. 
Ente Ordnung: Conifcroe. 
1. Familie. Cupressineae. 
Taxodium dubium Stb sp. 

angustifolium Hr. 
Glyptostrobus europaaua Br. sp. 

! Thujopsis europiioa 8ap. 
Cupressinoxylon Brcverni Merkl. 
ucranicum Gp. ? 

- pulchrumCram. 

- polyommatiim 

Cram. 

dubium Cram. 

2. Familie. Abietineae. 
Sequoia Langsdorfii Br. sp. 

brevifolia Hr. 
Couttsia; Hr. 
Sternbergi Gp. «p. 

Pinus thulensis Steenstr. 
Martinsi Hr. 

polaris Hr. 
hyperborea Hr. , 
Mac Clurii Hr. *' 
Armstrongi Hr. 
microsperma Hr. 
ffimula Hr. 
brachyptcra Hr 
Steenstrupiana Hr. 

Ingolüana Steenstr. 

Pinitea Middcndorfianus Gp. 
Bajrianus Gp. 
latiporosus Cram. 
pauciporosus Cram. 
cavernosus Cram. 

3. Familie. Taxineao. 
Taxitcs Olriki Hr. 
Salisburea adiantoidca Ung. 

var borealis 



Vor- 
kommen. 



Grönland 
Island 

Spitzbergen 



Grönl. Spitzb. 

Spitzbergen 

Mackcnzie. 

Grönland. 

Grönland 

id. 

id 
Banksland 

id 

id. 



Mackenzie. 
Grönland. 

Grönland 

id. 

Island 



id. 
id. 

Spitzb. Grönl.? 

Grönland 

Bankäland 

id. 

Island 

id. 

id.' 

id. 

id. 



Boganida 
Taimyrland 
Spitzbergen 

id. 

id. 



Grönland 
id. 

id. 



Bis 

jetzt bekannte 

Polar- und 

Aequatorial 

grenzen 

derselben. 



700 
45—660 

780 56' 



44-770 50' 

770 50- 

38—70» 

43—700 
55—700 

700 
740 27' 
740 40' 

733/^0 

38—700 

700 
43— 70> 
44-650 

640 40' 
640 40' , 

770 50' 

700 

740 27' 

id. 

47-65VsO 

eSVjO 

65 Vj" 
640 40' 

640 46- 



710 

740 

780 

id. 

id. 



60—700 
44—700 

700 



Homologe 

oder analoge lebende 

Arten. 



Die Polargrenzen derselben: 



E. hyemale L.? 



id. 



natürliche 



kUnstlicho 



Lappland u. Finland, 
Amerika. 



T. distichum Rieh. 

id. 
Gl. heterophyllus Br. sp. 

Th. laetevirens Lindl.? 



Nordamerika bis 
c. 400 n. Br. 



Nordchina u. Japan 
bis c. 36 0. 



In Deutschland bi.s 

530. Insel Ootland 

570. I 

Wien Zürich. 



Japan. 



3. eempervirens Lamb. sp. Californien bis 42 0. 



S. gigantea Lindl. sp. 
P. serotina Michx. 

P. alba Michx. 

P Brunoniana Wall.? 

P. religiosa Lindl. 
P. Fraseri Pursh. 



Californien 



Pennsylvanien. Ca- 
rolina. 



Nordcanada bis öflO. 



In Deutschland bis 
52 0. 



In Deutschland bis 
53"; in Schottland' 
und Gotland bis 57", 



Cephalotaxus ? 
3. adiantifolia Sm. 



Nepal 



Mexico von 4000 bis 
flOOO Fuss ü. M 

Allcghani ; geht nicht 

bis zu den grossen 

Seen. 



Schweden 60 0. 



Bei Christiania. 
59 • 54 '. . 



Japan ? 
Japan, China 



England bis 55* 
Insel Gotland 57«. 



Tabellarische Uebersicht der miocencn Flora der Polarlünder. 



16'd 





Vor- 
kommen. 


Bis 
jetzt bekannte 


Homologe 


1 
Die Polargrenzcn derselben: j 


Name der Arten. 


Polar- und 
Aequatorial- 


oder analoge lebende 
Arten. 


'— — - 


1 






grenzen 
derselben. 


natürliche. 


künstliche. 


B. Llonocotyledones. 












ErsCe Ordnung. Glumacea. 












1. Familie. Gramineae. 












Phragmites oeningensis A. Br. 


Grönland 


38 «/3— 700 


Phr. communis Trin. 


Europa bis Lappland 
und Finland. Asien. 




» 








Amerika. 




Poacitca TorcUi llr. 


Spitzb.Grönl.? 


780 66' 








2. Faiiiilii!. Cypcraceao. 










. 


Carcx rc'diviva Hr. 


iHland 


640 40' 








CyperitcH borcaÜH Hr. 


Grönland 


700 


, 






ZoUiUotVri Hr.? 


id. 


700 








ishindicuB Hr. 


Island 


640 40' 




• 




nodulosus Hr. 


id. 


id. 








microcarpus Hr 


Grönland 


700 








Zweite Ordnumj: Coronarlas. 












Familie Smilaceae. 












Smilax Franklini Hr. 


Mackenzie 


650 


Sm. excelsa und rotundi- 
folia L. 


Georgien. Armenien. 
Syrien. Griechenland 




Dritte Ordnung: Spadicißorof. 












1 1. Familie. Typhaceae. 












1 
Sparganium valdense Hr. 


Island 


45—660 


Sp. ramosum L. 


Europa bis zum süd - 

liehen Finland. Asien 

Amerika 




stygium Hr. 


Grönland 


47—700 


Sp. natans L. 


Bis Lappland 




Vierte Ordnung: Fluviales. 












Potamogeton Nordenskiöldi Hr. 


Spitzbergen 


77« 50' 


P. natans L. 


Bis zum nördlichen 
Lappland 




Caulinites borealis Hr. 


Island 


640 40' 






• 


Fünfte Ordnung: Ensata. 








r 




1 Familie Irideae. 












Iridium groenlandicum Hr. 


Grönland 


700 








C. Dicotyledones. 












l. (tofjocte, ßpetafae. 












Erste Ordnung : Iteoidece. 












1. Familie. Salicineae. 






« 






i Populus Richardsoni Hr. 


Grönl.Macken- 
zie. Spitzb. 


65—770 50' 


P. tremula L. 


Bis Hammerfest 
700 40' 




Hookeri Hr 

1 

Zaddachi Hr. 
Gaudini F. 0.? 
sclcrophylla Sap. 
arctica Hr. 


Mackenzie 

Grönland 

id. 

id. 

Grönl.Mackcn- 


650 
55—700 
47—700 

70° 
65—780 56' 


P. balsamifera L. 
P. euphratica Ol. 
id. 


Nordcanada bis 690 

Asien. 

id. 


Schweden 66«. 

1 


Salix macrophylla Hr. 

1 


zie. Spitzb. 
Island. Spitzb.? 


47—060 
vielleicht 78° 


S. fragilis und S. canari- 
ensia Sm. 


Europa Canar, 


In Schweden bis 640 


1 

- Raeana Hr. 


Mackenzie. 
Grönland. 


65—700 








grcenlandica Hr. 


Grönland. 


700 









54 



Tubclhviischc Uebcrsiclit der miocencn Flora der Polarliindcr. 



Name der Arten. 



Vor- 
kommen. 



Zweite Ordnumj : AnientacecB. 
! 1. Familie. Myriceae. 

Myrica acuminata Ung. 
borcalis Hr. 

2. Familie. B e t u 1 a c e a e. 
\lau8 Kefersteinii Gp. 

nostratum Ung. 
3etula macrophylla Gp, sp. 

prisca Ett. 
Forchhanimcri Hr 
Miertschingi Hr. 
Mac Cliiuocki Gram. 

3. Familie Cupuliferae 
^arpinus grandis Ung. 

)strya Walkeri Hr. 

)orylu8 Mac Quarr ii Forb sp. 

''agu8 Dcucalionia Ung. 

castancscfolia Ung. 
dentata Ung.? 
macrophylla Ung. 
Juercue Drymeia Ung 

furcinervis Rossm. ep. 

Lycllii Hr. 

grcenlandica Hr. 

ülafseni Hr. 

platania Hr. 
Stecnstrupiana Hr. 
atava Hr, 

4, Familie. Ulmaceae. 
'Imus diptera Steenatr. 
lanera Ungeri Ett 

ö. Familie. Moreae. 
icua? grcenlandica Hr. 

ti. Familie. Plataneae. 
Iatanu8 aceroides Gp. 



Dritte Ordnung: Proteinw. 
!• Familie. Laurineae. 
'aplinogenc Kanii Hr. 

2. Familie. Proteaceae. 

akea? arctica Hr. 

ac Clintockia dentata Hr. 

Lyallü Hr. 

trinervia Hr. 



Bis 

jetzt bekannte 

Polar- nnd 

Aecjiiatorial- 

grenzen 

derselben. 



Grönland 
id. 



Island. Spitzb. 

Grönland 
Island 

id. 

id 

Grönland 

Banksland 



Grönland 

id. 

Mackenzie. 
Grönl. Island 
Spitzbergen 
Grönl. Island 
Spitzbergen 
Grönland 

id. 

id. 

id. 

id. 

id. 

id. 

Mackenzie 
Grönl Island 

Grönland 

id 

id. 



Island 
Island. Grönl. 



Grönland 



Mackenzie. 
Grönl. Island 
Spitzbergen 



Grönland 

Grönland 
id. 
id. 
id. 



Homolo^'c 

oder analoge leoende 

Arten. 



Die Polargrenze derselben; 



natürliche. 



47—700 
70« 



47— 77 '50' 

47 — 700 
48V2— 640 40' 

48— 060 
640 40' 

700 
740 27' 



47_700 C. Betulus L. 
700 O. virginica L. 

45« j~770 50' C. avellana L 



Myrica, in Seh wcden b is 6 1«. 



Die Erle am Mackenzie bis 
680, in Norwegen bis 70°. 

B. excelsa Ait. 
B. Rojpoltra Wall. 



künstliche. 



46—770 50' 

45—700 
44-700 
45—700 
44—700 
45-700 

700 

700 

65—700 

700 
700 
700 



640 40' 
38Vj-700 



70" 



44-78» 



F. sylvatica L. 

Castanea. 



Q. Sartorii Liebm. 
Q. lancifolia Sohl. 

Q. PrinuB L. 
id. 



Q. densiflora Hook.? 



PI. Richardi. 



700 

700 
70Ö 
700 
700 



Platane, 



Hakea ep. 



Neu- Brau nschwcip. 
)ber8ee, c, 

Himalaya 



bis Obersee, c. 490 



Schweden 60 0. 



Europa, wie die 
Buche 

Canaia bis 53*^. 
Norwegen bis 66 0. 



Norwegen bis 6OV2O. 
Südeuropa, 

Gebirge Mexico'a. 
Mexico. 

Nordamerika. 
id, 

Califqrnien 



Christianiau Upsala 
c. 600. 



Drontheim öS« 25' 
Schweden öj^. 



In Deutschland bis 
550. 

id. 



Caucasus. Greta, 



Deutschland bis 530 



Nordamerikabiszum 
Obersee, 500, 



Neuholland. 



In Scliwedcn bis ÖGO. 
Insel Gotland 57", 



Tabellarische Ucbersicht der miocenen Flora der Polarlündcr. 



165 



Name der Arten. 



Vor- 
kommen. 



2. (Cofjodc. {]iiiuopctüfac. 

Erste Ordnung: Bicorms. 

1. Familie. Ericaceae. 

Andromcda protogoca Ung. 
denticulala Hr. 
- Saportana Hr. 

Zweite Ordnung: Styracinas. 

1. Familie. Ebenaceae. 

Dioapyros brachysepala A. Br. 

Loveni Hr 

Dritte Ordnung: ContortcB. 
1. Familie. Gentianeae. 
Menyanthes arctica Hr. 

2. Familie. Oleaceae. 
Fraxinus denticulata Hr 

Vierte Ordnung : Rubiacineoe. 
Familie Rubiaceae. 
Galium antiqmim Hr. 

3. (tofjoute. ]Jofi)pctafac. 

Erste Ordnung : VmbeUißorae. 
1. Familie. Arallaceae. 
Hedera Mac Clurii Hr. 

ICornus l'erox Ung 



2. Familie. Ampelideae, 
Vitis islandica Hr. ' 

- Olriki Hr 
arctica Hr. 

Zweite Ordnung : PolycarpiccB. 
Familie Magn olia ceae. 
\Iagnolia Inglefieldi Hr. 

liriodendron Procaccinii Ung. 



Dritte Ordnung: Mgrtijlorm. 

Familie Myrtaccac. 
"allistemopbyllum Moorii Hr. 



Bis 

jetzt bekannte 

Polar- und 

Aequatorial- 

grcn/.cn 

dcrsolbcn. 



Grönland 
id. 
id. 



Grönland 
Grönland 

Grönland 



Grönland 



Grönland 



Mackenzie 
Grönland 

Grönland 



Island 

Grönland 
id. 



Grönland 
Island 



\\Vxerte Ordnung: Columnifcroe. 

I 1. Familie. Tili aceae. 
I'ilia Malmgreni Hr. 



47 - - 700 
700 
700 



Grönland 



Spitzbergen 



46—700 
700 



700 



700 



700 



65—700 



700 



650 

.700 
700 



700 
44—650 



iOO 



780 56« 



Homologe 

oder analoge lebende 

Arten. 



A. (Pieris) elliptica Sieb. 



D. Lotus L. 



M. trifoliata L.? 



Fr. oxyphylla M. B. 



G. palustre L. ? 



Hed. Helix L. 



C. sanguinea L. ? 



V. vulpina L. 

V. cordifolia Michx. 
id. 



M. grandiflora L. 
L. tulipiferum L. 



Die Polargren/.cn derselben: 



nalllrlichc. 



künstliche. 



Japan 



Nordafrika. Europa 
bis 450. 



Kopenhagen 550. 
Insel Gotland 57 



In der arct.Zone von 

Europa, Amerika u' 

Asien. 



Taurien. 



Europa. 



) 

Europa bis ins süd- 
liche Schweden bis 

59 0. I 

id C. alba. Schweden 

660. 



Nord.imerika bis 

Canada. 

id. bis 500. 

id. 



Süden der Vereinig- 
ten ."^taatcn. 
Nordamerika bis 400 



T. amerirana L, i ^''^'^''"'''^}}\^, 

Die T. parvifolia Ehrh : Norwegen bis 02" 



Schweden 600. 



Philftdelphia. 
Lausanne. 

Deutsclilnnd bis 

53 /jO. Schottland bi.« 

5ü0. tüdschweden. 



Schweden fiOO. 
Dronthcim O.'iO 40'. 



IGG 



Tabellarische UebersicUt der miocciicn Flora der Polarländer. 



Name der Arten. 



2. Familie. Büttn criaccae. 
Pterospcrmitcs v tcgrifolius Hr. 

dcntatus Hr. 
Dombeyopsis islandica Hr. 

Fünfte Ordnung: Äcera. 
Familie Acerineae. 
Acer otoptcrix Gocp. 

Sechste Ordnung: Frangulacem. 

1, Familie Ilhamneae. 
Paliurus Colombi Hr. 

borcalis Hr. 
Zizyphus hyperboreus Hr. 
Rhamnus Eridani Ung. 

brcvifolius A. Br. 

Gaudini Hr. 

2. Familie. Ilicineae. 
Ucx longit'ülia Hr. 

- reticulata Hr. 



Siebente Ordnung: J'erebinthinece. 
Familie Anacardiaceae. 
[Ihus Brunneri Hr. 

2. Familie. Juglandeae. 
iuglans acuminata A. Br. 
Dilinica Ung. 
paucinervis Hr. 
Strozziana Gaud. 

Ächte Ordnung: Calophytoe, 
1. Familie. Pomaceae. 
ratffigus antiqua Hr. 
- Warthana Hr. 

2. Familie. Amygdaleae. 
runus Scottü Hr. 

Seunte Ordnung : Leguminosa. 
Familie. P apilionaceae. 
3lutea Salteri Hr. 
Jguminosites arcticus Hr 

Dubiae Sedis. 

lyllites liriodendroides Hr. 
membranaceus Hr. 
Rubiformis Hr. 
celtoides Hr. 
evanescens Hr 
acutilobus Hr. 
tencUus Hr. 
vaccinioides Hr. 
aceroides Hr. 
Iholithes umissus Hr. 
^rpoUthes Najadum Hr. 

geminus Hr. 

borcalis Hr. 

symplocoides Hr. 

spliacnila Hr 

lithospcrmoides Hr. 

bicarpcllaris Hr. 

sominulum Hr. 



Vor- 
koiinnen. 



Grönland 

Mackenzie 

Island 



Island Grönl, 



Grönland 

id. 

id. 

Island. Grönl 

Grönland 

id 

Grönland 
id. 



Island 

Grönland 

Island 

Grönland 

id. 



Grönland 
id. 

Grönland 



Grönland 
id. 

Grönland 

id. 

id. 

id. 

id. 
Island 

id. 

id 
Mackenzie 

id. 
Island 

id. 

id. 
Grönland 

id. 

id. 

id. 
Mackenzie 



Bis 

jetztbekannte 

Pdlur- und 

A('(i\i(U()rial- 

grc'iizen 

dor!<olben. 



Homologe 
oder analoge lebende 



Art 



cn. 



Die Polargrenzen derselben: 



natUrliclic. 



70» 
65" 
66» 



46—700 



70« 
70» 

70" 

47—70° 
47-700 
47—700 

45—700 
70« 



47-66° 



38 '/a— 700 J. regia L. 
44— eöVa** J. nigra L. 
70' 



70 
44—70 



70° 
700 



Acer in Canada bis 530, ^ 
Schweden bis 63 '/jO. 



P. australis L. 



Rh. carolinoanus Walt. 
Rh tetragonus L. 
Rh. grandifolius Fisch. 



R. coriaria L. 



7üO 



46—700 
70" 

70° 
700 
700 
700 
700 
GüO 
650 
640 
650 
650 
640 
64" 
64° 
700 
70O 
700 
700 
650 



Cr. tomentosa L. 
id. 

Pr. lusitanica L. 



C. arborescena L. 



Sudeuropa. 



Nordamerika. 

Cap. 

Caucasus. 



Südeuropa. 

Asien. 
I^ord^merika. 



Nordamerika. 



Sudeuropa. 



Südeuropa. 



kOti.stlichc. 



Insel Gotland 57 o. 



Norwegen bis 63 '/jO 
id. 



Cr sanguinea. id.-660 



Insel Gotland 57°. 



Schweden 600. 



1G7 

VII. Fossile Hölzer der arctischen Zone 

bearbeitet von 

Dr. C. Cr am er, Professor. 



I. Fossile Molzer von Grönland. 

Die zahlreichen Exemplare fossiler Hölzer von Grönland, welche mir, nebst den später zu besprechcn- 
cn, von meinem hochverehrten GoUegen, Herrn Prof. Heer, zur mikroscopischen Untersuchung zugestellt 
rurden, zeichneten sich leider durch eine Art der Erhaltung aus, welche die Untersuchung sehr erschwerte 
jnd die Erlangung eingermassen befriedigender Resultate fast zur Unmöglichkeit .machte. Am besten erhalten 
;ar ein Scheit von Sinikfik, mit dessen Beschreibung ich beginnen will: 

/. Cupressinoxylon Breverni Mercklin. Taf. XLU. Fig. 11 — 17. S. 4. 

Dieses Fossil, von Sinikfik (Disco-Insel), war ein 24 Cm. langes, 5 Cm. breites und 3 Gm. dickes 
tück, mit mehreren kurzen Aststummeln, an der der Stammoberfläche entsprechenden Aussenseite durch 
ahlreiche Längs- und Querrisse zerklüftet, auf dem Bruche daselbst schwarz, glänzend, steinkohlcnähnlich, 
lelir im Innern dagegen cohärent, schwarzbraun, matt, Holztextur zeigend. Da die nähei-e Untersuchung 
ZV zerklüfteten, steinkohlenartigen Kruste resultatlos war, wurde das Scheit entzwei gesägt und ein Stück 
IS der Glitte herausgesprengt. Schon ohne wpitere Präparation waren hier deutliche Jahrringe von bis 1 Mill., 
.eist aber weniger als 1 ]\Iill. Dicke sichtbar. Durch anhaltendes Kochen in Kalilauge wurde das Holz leicht 
ilmeidbar , Kochen in chlorsaures Kali haltiger Salpetersäure machte die sonst dunkelbraunen Ilolzzellcn 
.var hellgelb, aber ungemein bröckelig, so dass' diese Präparationsweise bald aufgegeben wurde. 

Alle Präparate bewiesen die Nadelholznatur des Fossiles. Auf dem Querschnitt (vgl. Taf. XLII. Fig. 11 
12) erschienen die Holzzellen in radialer Richtung meist bis fast zum Verschwinden des Lumens zusammen- 
drückt, so dass mithin obige Angaben über die Dicke der Jahrringe jedenfalls als unter der wahren, 
sprünglichen Grösse stehend zu betrachten sind. Harzgänge, wie sie den meisten unserer Abietincen 
gen sind, fehlten durchaus; Taf. XLII. Fig. 12 a. halte ich für eine zufällige Verletzung, nicht für einen 
arzgang. Auch auf der Längssehnittsansicht war von sogenannten zusammengesetzten Harzgefässcn keine 
lur zu finden, dagegen kamen hier mit braunem Harz erfüllte Holzparenchymzellen , sogenannte einfache 
arzgefässe, von 10— 30 Mikromillimetern i) oder im Mittel aus 5 Messungen von 17 Mik. Dicke nicht selten 
>r. Charakteristisch für die Holzzellen war die sehr ausgeprägte spiralige und zwar linkslaurtge Streifung 
rer Seitenwände. Taf. XLII. Fig. 14, 15, 16. Wer je das Holz von Taxus etc. genauer untersucht liat, 
inn diese Streifung nicht verwechseln mit der spiraligen Verdickung der Ilolzzellcn der Taxineen, soiulcrn 
kennt darin ein Analogon der spiraligen Streifung, wie man "sie besonders bei den Holzzellcn von Jmiipcrus, 
ipressus, aber auch bei Taxodinm, Biota, oft auch bei der gemeinen Fichte etc. beobachtet. Die Ilolzzcnon 
u-en 10—30, im Mittel aus 7 Messungen 21,5 Mik. dick (radiale Dimension), und 10—25, im j\Iittel aus 
SMessungen 17,5 Mik. breit (tangentale Dimension). Tüpfel wurden, wohl im Zusammenhang mit der Pres- 
•ng, welche das Holz erfahren hatte, nur selten an den Holzzellen wahrnehmbar; sie 'waren einreihig, klein, 
(r äussere Contour hatte einen Durchmesser von 6—7 Mik., der innere war bisweilen schief. Taf. XLH. 
lg. 15. Die Markstrahlen waren stets einschichtig, bestanden aus 1—5 übereinanderliegenden Zellen (15 
l:obachtungen) und waren dabei 15— 85 Mik. hoch. Taf. XLH. Fig. 14 u. 17.2) Die einzelne Markstrahlzelle 
nr 10—25, im Mittel für 44 Zellen 16,8 Mik. hoch. Tüpfel liess der schlechte Erhaltungszustand dos 
l^lzes an den Markstrahlzellen nicht nachweisen. 

Das beschriebene fossile Holz erinnert mit Rücksicht auf äussere Beschaffenheit und anatomischen Bau 
s sehr an Mercklin's bei Gishiga auf der Halbinsel Kamtschatka neben Bernstein gefundenes Cupressinoxylon 



') 1 Mikromillimcter oder 1 Mik. = 0,001 MIll. 

') Flg. 17 eine radiale Längsschnittsansicht eines Markstrahlcs. 



1()8 Fossile Hölzer von Grönland. 

Brevcrni*), dass ich nicht anstehe, dasselbe für identisch mit dem russischen Fossil zu halten. Bei diesem 
^varcn die Jahrringe 1 Mill. und darüber dick, die Ilolzzcllen zeigten hie und da 2 Tüpfel neben einander 
md die ]\rarkstrahlen bestanden aus 1—15, meist jedoch blos aus 1—10 übereinanderliegenden Zellcnrcihen ; 
liesc Unterschiede scheinen mir aber im vorliegenden Falle nicht sehr ins Gewicht zu fallen; es ist wohl 
mighch, dass die Pressung des Grönländer Fossiles noch stärker Avar und nur darum die Jaln-ringe relativ 
Uinncr erscheinen, Tüpfel sind bei beiden Plölzern so selten zu sehen, dass, wenn auch ich nur eine Reihe 
beobachtete, daraus noch nicht geschlossen werden darf, es kommen überhaupt nie 2 Tüpfel nebeneinander 
•or; ebenso kann es der blosse Zufall mit sich gebracht haben, dass ich nie mehr als fünfreihige ]\Iark- 
trahlcu beobachtete. 

Etwas gewagter ist es, wenn ich zwei andere fossile Hölzer von Sinikfik, deren Erhaltungszustand der 
Jnter^uchung noch ungünstiger war als derjenige obigen Scheites, ebenfalls zu Cupressinoxylon Breverni 
[ercklin stelle. Die beiden Stücke waren von unregelmässiger Form, manigfach verbogen, wie man es bei 
Vurzelholz zu beobachten pflegt. Sie zeigten einen grössten Durchmesser von circa 20 Centm., waren stark 
erkohlt, doch weniger steinkohlenartig, bloss braunschwarz, fast glanzlos, im Uebrigen mit Jahrringen von 
/j — 1 ^lill. Dicke. Gewöhnliche Harzgänge fehlten, mit braunem Harz erfülltes Holzparenchym (einfache 
larzgcfässe) waren dagegen häufig. Die Holzzellen zeigten besonders bei dem einen Exemplar (b) deutliche 
piralige Streifen. Tüpfel waren selten, klein, rundlieh oder schief elliptisch (besonders die rnnern Contouren), ' 
inreihig. Von den Markstrahlen war nie eine deutliche Ansicht erhältlieh. 

2. Ci/pressinoxtj/o/i ucranicum Goepperl (?). Taf. XXXIV. Fig. 5. Taf. XXX VHI. Fig. 7—12. 

Das fossile Holz, welches ich unter diesem Namen beschreibe, stammt -vom 70"*'^" Grad nördlicher 
Ireitc und 51 — i5 Grad westlicher Länge und wurde von Herrn Philip H. Colomb nach Dublin gebracht, 
s ist ein cii'ca 5 Cm. langes, 4 Cm. breites Stück, von bläulichgrauer bis schwärzliehblauer Farbe, und 
esteht aus 13 deutlichen, an einer Stelle verbogenen Jahrringen von zusammen 17 Mill. Dicke. Der dickste 
ilu-ring nn"sst 2,5 Mill. Taf. XXXIV. Fig. 5 Ansicht der einen Endfläche. 

• Da die Zellen des Holzes mit einem in Säuren unlöslichen Silicat ausgefüllt und daher nicht hcrstell- 
ar sind , wurde die Endfläche und eine radiale Seitenfläche des ganzen Stückes polirt und bei intensiver 
eleuchtung von oben untersucht; auch kleine Splitterchen, unter denen sich hie und da durchsichtige flnden, 
urden der Untersuchung unterworfen und zwar bei Beleuchtung von unten. =■ 

Von zusammengesetzten Harzgängen war nirgends eine Spur zu entdecken, dagegen beobachtete ich 
enigstens einmal ein Bruchstück eines einfachen Harzgefässes. Taf. XXXVIII. Fig. 11 a. b., wo s die 
raungefärbte Scheidewand zweier übereinanderliegender Zellen des Harzgefässes ist. Die Holzzellen fand 
h 25 — 56,5 Mik. , im Mittel aus 8 Messungen 46,6 Mik. dick (radiale Dimension) und 25 — 43, im Mittel 
IS 3 Messungen 35,1 Mik. breit (tangentale Dimension), auf der radialen Längsschnittsansicht an den Enden 
igespitzt und mit 1 — 2relhigen, kreisrunden Tüpfeln versehen. Taf. XXXVIII. Fig. 7, 8, 10—12. Die 
arkstrahlen waren constant einschichtig, aus 6 — 25 übereinanderliegenden Zellreihen zusammengesetzt und 
ibei 100 — 437 Mik. hoch. Die einzelne Markstrahlzelle zeigte eine Höhe von 1(5,8—24,5, im Mittel für 98 
eilen von 17,08 Mik., eine Länge (radiale Dimension) von 81 — 112, im Mittel aus 4 Messungen von 95,4 
ik. und eine Breite (tangentale Dimension) von 12,5 Mik. (1 Messung). Die Tüpfel der Markstrahlen waren 
ein, imdeutlich. Verglciclic Taf. XXXVIII. Fig. 9, wo die, wie in Fig. 11 s, braungefärbten Zellen- 
embranen zum Theil noch zu sehen sind, zum Theil von dem hier, wie auch in Fig. 8 u. 11, durchsich- 
jcn Ausfüllungsmatcrial sich abgelöst haben. 

Die Anordnung der Tüpfel an den Holzzellen, der Mangel zusammengesetzter, das Vorkommen cinfachci" 
arzgefässe veranlasst mich, das Holz zu Cupressinoxylon zu stellen. Sehen wir uns unter den bereits 
:schriebenen fossilen Hölzern um, so begegnen wir einer ganzen Reihe analoger Hölzer, insbesondere: 
ipressinoxylon ucranicum Goepp., Cupr. nodosum Goepp., Cupr. Kiprianovi Merck., Cupr. sanguineum ]\Icrck., 
ipr. erraticum Merck., auch Pinites jurassicus Goepp. Bei allen diesen Hölzern fehlen zusammengesetzte 
arzgefässe, auch Pinites jurassicus Goepp. scheint keine zu besitzen 2). Alle diese Hölzer besitzen dagegen 
ifache Harzgänge. Bei allen zeigen die Radialflächen der Holzzellen eine Reihe von Tüpfeln, bloss hie 



') Palreodeiulrologiciim Rossicum von Dr. C. E. von Mcrclclin, p. 71. 

') c Fig. 3. Taf. II. (Ucl)crsicht der Arbeiten äer schleaiachen Gesellschaft 1845). kann nicht als ein Bolchea gedeutet 
Irden. 



Fossile Hölzer von Grünland. iQ^ 

11(1 da 2 Tüpfel neben einander, nur bei Pinites jurassicus beobachtete Mercklln bis 3. Bei allen sind die 
ihrringe deutlich und von beträchtlicher Dicke: bei Cupres3. nodosum 1— SVg Mill., bei Kiprianovi 1—4 
;ill., bei sanguincum 3 — 4 Mill., bei erraticum 1—2, selten 4 Mill., bei Pinites jurassicus nach Gceppcrt 
1/2, nach Mercklin 2—3 Mill., für Cupr. ucranicum fehlen leider Zahlenangaben und ist der Goeppcrt'schcn 
ciclinung in dieser Richtung nichts zu entnehmen. Die Markstrahlen sind überall kleinporig und einschichtig'-. 
ur hinsichtlich der Zahl der übereinanderstehenden Zellreihen der Markstrahlen machen sich grössere Dif- 
renzen geltend: Cupressinoxylon Kiprianovi besitzt 1 — 8reihige Markstrahlcn, bei Pinites jurassicus sind 
e nach Gocppert 1 — 10-, nach Mercklin bis llreihig, bei Cupr. sanguincum 1 — ISrcihig, bei ucranicum 
— 20rcihig, bei erraticum 1 — 25reihig, bei nodosum 1 — 30reihig. 

Herr von Eichwald hat eine ganze Zahl Mcrcklin'scher Arten fossiler Nadelhölzer mit Cupressinoxylon 
iranicum Gapp, vereinigt^), doch scheint er mir hierin zu weit gegangen zu sein. Pinites Pachtanus Merck, 
id Pinites Mosqucnsis Merck, dürfen der zusammengesetzten Harzgänge wegeji unter allen Umständen 
cht nur nicht zu Cupr. ucranicum, sondern nicht einmal zu Cupressinoxylon gestellt werden 2) , so wcnig- 
,■< Pinites jurassicus Gocpp. , der keine zusammengesetzte, dagegen häufig einfache Harzgefässc besitzt, 
i Pinites bleiben kann; und Cupressinoxylon erraticum Teredinum Merck., diktichum Merck., Wolgicum 
crck., sequoianum i\[erck., Fritzscheanum Merck, sind durch die vorherrschend 2 — 3, ausnahmsweise selbst 
cihigcn grossen Tüpfel der Holzzellen unter sich, sowie mit Cupr. ajquale Goc])p. , lep'totichum Gocp})., 
ba3quale Gocpp. näher verwandt und verschieden von Cupressinoxylon ucranicum Gocpp., nodosum Gaq)p., 
rassicum (Pinites jur. Goepp.) mihi, sanguincum Merck., erraticum Merck., zu welchem Typus auch noch 
iprcssinoxylon sylvelstrc Merck., Severzovi Merck, und andere gehören mögen. 

Ich habe das hier beschriebene fossile Holz als Cupressinoxylon ucranicum bezeichnet, weil diese Form 
ic der zuerst entdeckten des oben angedeuteten zweiten Typus ist und eine besonders grosse Verbreitung 
t. Von den übrigen Formen dieses Typus stehen ihm Cupr. erraticum Merck, und Cupr. nodosum Guq)]). 
1 nächsten. 

3. Coniferites. Taf. HI. Fig. 13. Vgl. S. 93. 

Noch habe ich eines fossilen Holzes zu erwähnen, das in Grönland (Atanckcrdluck. Olrik IHööj häutig 
rzukommen scheint und sich auszeichnet durch die rostrothe Farbe, in Folge grossen Eisengehaltes des Vcr- 
dnerungsmaterials und durch die stark vorstehenden parallelen Rippen einzelner Seiten der unregelmäs.-^igen 
^ücke. Taf. HL Fig. 13. Die Rippen sind die Jahrringe des Holzes, haben eine Dicke von 1—4, ausnahms- 
ise 5 Mill. und zeigen bisweilen eine schon von blossem Auge, deutlicher mit Hülfe der Lupe erkeimbare 
ne Längsstreifung. Die feinen Längsstreifen müssen den Holzzellcn entsprechen, einzelne der deutlichsten 
,ren 47—85 Mill. dick. Bei Beleuchtung von oben glaubte ich auch einmal Tüpfel zu erkennen. Leider 
die Ausfüllungsmasse des Holzes in Säuren nur unvollkommen löslich und bleiben fast gar keine irgend 
mchbare Holzreste zurück, nur ein einziges Mal beobachtete ich einen Fetzen eines lOreihigcn, 170 :\[ik. 
lien Markstrahles. Durch Poliren und Anätzen der polirten Flächen war dem Fossil noch weniger bcizu- 
mmen, Splitter sind völlig undurchsichtig. ;• 

Die gewonnenen Resultate reichen hin das Holz als ein Nadelholz zu bestimmen, aber mehr lässt sicli 
ht sagen. Gocppert hat ein Exemplar dieses Fossiles als Bambusium platyplcurum (quasi intermedium) 
'.eichnct, welcher Deutung ich mich nicht anschliessen kann. Die Gründe sind im Obigen enthalten. 

Von den eben besprochenen Stücken weichen einige andere vom gleichen Fundort stammende und von 
asclbcn Versteincrungsmaterial durchdrungene fossile Hölzer ab durch den Mangel jener Rii)pen und 
:ch die sehr feine Längsstreifung. Was für Pflanzen diese angehört haben mögen, war leider- nicht von 
ne auszumitteln. 



A 



') Lethica llossica II. Vol p 45. 

2) Aus demselben Grunde würde ich Cupressinoxylon fissum Goepp. zu Pinites stellen. 



n 



170 

IE. Fossile KlöSzer des Bankslandes. 

Vergl. S. 21. 



Waren die Grönländer IT(3lzer recht dazu angctlian, den Mikroskopikcr zu cntmutlugcn, so zeigten 
(lagcg-cn die fünf fossilen Hölzer, welche Sir L. Mac Clintock und -Sir Kob. Mac Clurc vom Banksland 
herübergebracht hatten, einen Erhaltungszustand, der kaum etwas zu wünschen übrig liess. Ich habe von 
einzelnen dieser Hölzer Präparate erhalten, wie man sie schöner nicht von lebenden Hölzern darstellen könnte. 
Kur eines dieser Hölzer Avar ohne weiteres zu präpariren, leicht schneidbar: Pinus Mae Clurii Heer, doch 
wurden die Präparate bei nachherigcr Behandlung mit Säure noch reiner und durchsichtiircr: die übri^'-cn 
Hülzcr Avaren ganz n^iprägnirt mit einer eisenreichen, in Säuren jedoch leicht löslichen Mincralsubstanz, selbst 
in die Tüpfcllu'ife war die Ausfüllungsmasse eingedrungen. Taf. XXXVH. Fig. 3. Diese Hölzer mussten 
unter allen Umständen zuerst durch Säure von der Ausfüllungsmasse befreit werden. Die Zcllwändc cr- 
.schicnen alsdann hier wie dort gelblich bis bräunlich gefärbt, wurden durch Jod und Schwefelsäure nie- 
mals gebläut, waren also chemisch verändert. Vier dieser Hölzer erwiesen sich als Nadelhölzer, eines als ein 
Laubholz und zwar als eine Birke. 

/. Pi7ius Mac Clurii Heer (?). Taf. XXXV. Fig. 1. Taf. XXXVI. Fig. 1—5. S. 134. 

Von der Ballast-Bai. 

Das Stück, welches ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, war ein kleines Bruchstück von dem S. 21 
erwähnten grossen Stamm, welchen Mac Clure aufs Schiff bringen liess. Ein im Dubliner Museum aufbe- 
wahrtes Stück des letztern hat einen Durchmesser von 37 Decim. Jener besass eine dunkelbraune Farbe ; in 
dünnen Schnitten nach Behandlung mit Schwefelsäure und bei durchfallendeni Lieht erschien es goldgelb. 
Die Jahrringe waren leicht zu unterscheiden, Y2 — ^1^ -^^i^^- dick, müssen jedoch ursprünglich dicker gewesen 
sein, denn das weitzellige FrnVlingsholz war, wie die mikroskopische Untersuchung lehrte, stets zusammen- 
gepresst. Taf. XXXV. Fig. 1. Damit im Zusammenhang ti-ennten sich auch die einzelnen Jahrringe leicht 
von einander. Zwischen den Holzzcllen herabsteigende, verticale und in den Markstrahlcn verlaufende, hori- 
zontale Harzgänge waren oft wahrzunehmen, ja man konnte oft noch die zarten Wände der ursprünglich 
an der Stelle der Harzgänge befindlichen Zellen erkennen, Taf. XXXV. Fig. 1. Taf. XXXVI. Fig. 3. Die 
Holzzellen 6,1 — 46, selten 61 Mik. dick und. 15,3 — 46, selten 61 Mik. breit, besiissen selbst in der engzelli- 
geren Herbstzone auffallend dünne Wände. Taf. XXXV. Fig. 1. Waren sie nie dickwandiger oder hatten 
sich die seeundären Schichten aufgelöst? Ihre Seitenflächen zeigten nicht selten eine sehr zarte spiralige 
Streifung. Taf. XXXVI. Fig. 3. Auf dem radialen Längsschnitt waren an weiteren Holzzellen einreihige 
kreisrunde Tüpfel häufig, 2 Tüpfel neben einander kamen sehr selten vor. Der äussere Contour dieser Tüpfel 
zeigte einen Durchmesser von 13,8—18,4, im Mittel aus 7 Messungen von 16,8, der innere von 3,06—7,65, 
im Mittel aus 7 Beobachtungen von 5,8 Mik. An den Eadialflächen der engsten Herbstholzzellen kamen 
sehr kleine spaltenförmige schiefstehende Poren vor, während die Tangentalflächen dieser Zellen ebenfalls 
rundliche, jedoch einfach contourirte und nicht so grosse Tüpfel besassen wie die Eadialflächen weiterer 
Holzzellen. Vero-1. Taf. XXXVI. Fi«-. 1, 2, 5. i) Die reichlich vorhandenen Markstrahlen waren meist ein- 
schichtig, nur da, wo ein horizontaler Harzgang in denselben verlief, mehrschichtig. Taf. XXX vL Fig. 3. 
Sie bestunden des Weitern aus 2—22 übereinanderliegenden Zellenreihen und; hatten eine Höhe von 46 bis 
380 Mik. Die einzelne Markstrahlzelle, 6,9—24,5, im Mittel für 143 Zellen 17,14 Mik. hoch, 46—76,5, im 
Mittel aus 3 Messungen 61,2 Mik. lang, zeigten auf den Radialflächen kleine, rundliche, einfach contourirte 
Poren von 3,06—4,6 Mik. Durchmesser. Auch die horizontalen und tangentalen Flächen derselben waren 
mit kleinen Poren versehen. Vergl. Taf. XXXVI. Fig. 2 u. 4. 2) 

Der geschilderte anatomische Bau zeigt, dass das Holz einer Abietince angehörte. Der :\Langel grosser 
Tüpfel an den Markstrahlzellen schliesst die Gattung Pinus im engern Sinne aus, das Vorkommen zusammen- 
gesetzter Harzgefässe dagegen die Gattung Abies und Cedrus, das Holz muss einer Rothtannc oder Fichte 
angehört haben. Da nun nach Herrn Prof. Heer an der gleichen Stelle die Zapfen einer Pinus alba ver- 
wandten Fichte gefunden worden sind (Pinus Mac Clurii Heer S. 134. Taf. XX. Fig. 16-18), so liegt die 
Vcrmuthung nahe, es möchte obiges Holz von dieser Fichte herrühren und habe ich daher dasselbe auch 



') Fig. 1 i,. 2 radiale Längsschnittsansichten: Fig 5 tangcntalc Längsansicht einer Holzzcllc. 

2) Fig. 4 ist eine tangentale Längsscbnittsansicht eiücs Markstrahla bei öOOfacher Vergrosserung. 



Fossile Hölzer des Bankslaiulcs. 171 



Inntcr diesem Namen aufgeführt. Von früher beschriebenen fossilen Hölzern haben mit dem obi^'cn Aelm- 
!;iiclikcit: Pinites Silesiacus Goepp. i) (Jahrringe 2 Mill. dick, Markstrahlen 1— 12reihig) und Pinites Mosfjuensis 
blerck.2) (Jahrringe 4 — 5 Mill. dick, Markstrahlen 3— 25reihig), endlich Pinites resinosus Gccpp.3) (Jahrringe 
I5 Mill. dick, Markstrahlen 1— 2schichtig, 1 — 24reihig),; 

2. Cupressinoxylon pulchrum Cramer. Taf. XXXIV. Fig. 1. Taf. XXXVI. Fif. G— 8. 

j Aus der Ballast-Bai von Banksland, von Sir L. Mac Clintock. 

Da dieses Fossil auf Taf. XXXIV. Fig. 1 in natürlicher Grösse abgebildet ist, unterlasse icli es nälierc 
Angaben über die Dimensionen zu machen und füge hn Allgemeinen bloss bei, dass dasselbe in Fok-'C «^rossen 
Eisengehaltes rostroth, hart und spccifisch schwer ist, zur grössern Hälfte aus einem, zur kleinem aus zAvci 
Fahrriligen besteht. Der Pfeil neben Fig. 1 giebt die Ptichtung von innen nacli aussen an, der zum kleinem 
Hicil vorhandene Jahrring lag also dem Mark näher. Da die Jahrringe fast flach, sind, Ist anzunehmen, dass 
las Holz einem umfangreichen Baum angehört hat. Deutlieh von einander abgegrenzt, je o'/g ^lüh dick, 
rschcinen sie auf den natürlichen Iladialflächen schon von blossem Auge betrachtet überall eng, aber sciiarf 
iings gestreift, an zahlreichen Stellen überdies durch die Markstrahlen zart quer gestreift. Unter dem jMikro- 
cop kann man bei Beleuchtung von oben auf den Radialflächen 45 — 50 Holzzellen neben, einander zählen. 
iUsammengcsetzic Ilarzgänge habe ich nie wahrgenommen, sogenannte einfache zwar nur einmal, aber sehr 
cutlich. Die Zellen derselben waren 168 — 505 Mik. lang, 24 — 61 Mik. dick, harzlos, an den Längswänden mit 
leinen runden Poren versehen. Das Präparat befindet sieh in Canadabalsam liegend in meiner Präparaten- 
immlung. Die Holzzellen, nach Behandlung mit Salzsäure schön durchsichtig und goldgelb'''), sind radial 
iigespitzt (Taf. XXXVI. Fig. 6)," über 2,68 Mill. lang, 21,4—122,4, im Mittel aus 24 directen Messungen 
9,5, im Mittel, berechnet aus der Dicke der 2 Jahrringe und der mittleren Zellenzahl 73,7 ]\Iik. dick. Sie 
iigen oft auf lange Strecken nichts als eine zarte spiralige Streifung ^), oft, besonders gegen die Enden 
n, zahlreiche Tüpfel, bald in einer Reihe, bald in zweien, Taf. XXXVI. Fig. 6 u. 7; äusserst selten 
Dmmen 3 Tüpfel neben einander vor. Taf. XXXVI. Fig. 7, links mehr nach unten. Die Tüpfel, wenn 
Sreihig fast ausnahmslos genau neben einander, sind kreisrund oder ein wenig eckig, mit doppeltem 
ontour versehen, gross. Der äussere Contur misst 18,36 — 27,5, im Mittel aus 14 jMessungen 22,95, der 
nere 5,34 — 9,18, im Mittel aus 14 Messungen 7,04 Mik. Die Markstrahlen sind stets einschichtig, aus 
-14 übereinanderstehendeu Zellreihen zusammengesetzt, dabei 82,6 — 388,7 Mik,: hoch. Die einzelnen j\Iavk- 
i.-ahlzcllen sind 9,18—30,6, im Mittel für 164 Zellen 21,76 Mik. hoch und 131,6— 214 Mik. lang und zeigen 
)ir an den Radial wänden Poren vmd zwar in der Richtung der Höhe nie mehr als einen, in der Richtung 
<r Länge über einer -Herbstholzzelle ebenfalls bloss einen, über den andern breitem Holzzellen aber fast 
isnahmslos zwei, äusserst selten nur einen oder drei grosse, elliptische, schiefstehende, bisweilen mit dop- 
]lten Contouren versehene Tüpfel. Taf. XXXVI. Fig. 6 u. 8. Die Tüpfel der Markstrahlen zeigen einen 
|jssten Durchmesser von 15,3—27,5 Mik. Nicht selten werden die Markstrahlen oben und unten von 1—3 
ten, tüpfellosen Markstrahlzellreihen eingefasst. Fig. 6 u. 8. 

Da die Holzzellen keine Spiralfasern enthalten, ihre Tüpfel nicht alternircn, zusammengesetzte Harz- 

age fehlen, einfache vorkommen, die Markstrahlzellcn nur an den Radialflächen Poren zeigen 6), so ist das 

Iz zu Cupressinoxylon zu stellen. Der dicken deutlichen Jahrringe und der 1, 2— 3reihigen, grossen Tüpfel 

• Holzzellen wegen erinnert es besonders an Cupress. Wolgicum Merck., Cupr. sequoianum :\Ierck. und 

^pr. Fritzscheanum Merck., imterscheidet sich aber von diesen fossilen Hölzern durch die grossen, .cllipti- 

S'en, schiefgestellten, bisweilen doppelt contourirten , fast ausnahmslos über einer Frühlingsholzzelle zu 

z^ien neben einander stehenden Tüpfel der Markstrahlzellcn und durch das Vorkommen tüpfelloser Zell- 

i-'ien am obern und untern Rand der Markstrahlen (Fig. 8). Von lebenden Hölzern hat das Holz von 

^[uoia gigantca viel Aehnlichkeit damit, die Tüpfel der Markstrahlen bilden aber sehr oft an derselben 

^^Vkstrahlzelle zwei, bisweilen sogar drei horizontale Reihen, und stehen nicht selten zu 3—4 iibcr derselben 



») Fossile Coniferen p. 221. Taf. 33. Fig. 5, 6. Taf. 34. Fig. 1—2. • 

') Palffiodendrologicum Rossicum. Taf. X. Fig. 1—5. 

3) Fossile Coniferen p, 221. 

*l Ich kochte möglichst dünne Splitter in Säurp. 

^) In Fig, 6 treten diese Streifen zu stark hervor. 

') Bei den Tannen, Fichten, thcilweise auch Kiefern, bei den Lärchen und Ccdern ist dies anders. 



172 Fossile Hölzer des Baiikslandes. 

Holzzcllc nebeneinander, die Markstrahlen dieser Pflanze bestehen bis an die Ränder aus getüpfelten Zellen, 
auch enthält das Holz viel mehr einfache Harzgefässe. Von Taxodium und Cryptomcria gilt nahezu das- 
selbe, bei Taxodium mucronatura fand ich an den Querwänden der einfachen Harzgefässe punctförmigc 
Verdickungen, an den Seitenwänden keine Poren, die Markstrahlen waren hier und bei Cryptomcria japonica 
wenigreihig. Gingko biloba besitzt wenigreihige Markstrahlen, die einzelne Markstrahlzelle zeigt über jeder 
Holzzelle 1—2 Tüpfel in radialer, 2— 5 in longitudinaler Richtung ; einfache Harzgefässe fand ich hier nicht. 

3. Cupressinoxtjlon polyommatum mihi. Taf. XXXIV. Fig. 2 a. b. Taf. XXXV. Fif'. 2. 3 

Taf. XXXVH. S. 19. 

Vom 74« 40' n. Br. und 122 ^^ j^, jj jyj g invcstigator. A. D. 1851. 

Taf. XXXIV. Fig. 2 zeigt dieses fossile Holz, welches ebenfalls rostroth, hart und schwer war, in 
natürlicher Grösse. Dasselbe wurde später in der Gegend von u entzweigesägt, die eine Schnittlläche polirt, 
mit Salzsäure geätzt und gleichfalls in natürlicher Grösse gezeichnet (Taf. XXXIV. Fig. 2 b., wo die Eekc 
a der Kante a in Fig. 2 a. entspricht). Man erkennt bei Vergleiehung dieser Zeichnungen, dass das Fossil 
zum grössten Theil dreikantig war, dass die dunkel gehaltene Hälfte der Fig. 2 a. eine tangentale, die hell 
gehaltene eine radiale Längsansicht darstellt und dass die zarten Längs- und Querstreifen auf der hellen 
Hälfte der Fig. 2 a. den Holzzellen und Markstrahlen entsprechen müssen. Die Jahrringe waren auf der 
Längsansicht mit einiger Sicherheit durchaus nicht zu unterscheiden und auch auf dem Quersclmitt nach 
der angegebenen Behandlung nur mit Mühe, was sich begreift, wenn man Taf. XXXV. Fig. 2 (Darstellunf>' 
der Grenze zweier Jahrringe bei ISOfacher Vergrösserung) betrachtet. Die einzelnen Jahrringe, es sind cilf 
vollständig, vom zwölften ein Bruchtheil vorhanden, besitzen sehr ungleiche Dicke, die mikrometrische Mes- 
sung bei intensiver Beleuchtung von oben ergab 0,37 Mill. für den dünnsten, 3,05 Mill. für den dicksten. 
Xach ihrem Verlauf zu urtheilen stammt das Holzstück von keinem dünnen Stamme. Zusammengesetzte 
Harzgänge waren auf dem ganzen Querschnitt nirgends zu entdecken, einfache wurden dagegen auf Schnitten 
durch vom Ausfüllungsmaterial mittelst Säure befreite Bruchstücke wiederholt beobachtet. Eine schätzbare 
Eigenschaft dieses Fossiles bestand darin, dass die tangentale Längsseite, vielleicht in Folge einer Aus- 
waschung des Ausfüllungsmateriales durch Kohlensäure haltiges Wasser sich schneiden liess imd dass am 
untern Ende des Stückes 2 und mehr Quadratmillimeter grosse , aus blos \ — 2 Zcllsehichten bestehende 
Splitter erhältlich waren, die mit Säure behandelt die schönsten radialen Längsschnitte darstellten. Auf diese 
"Weise gelang ßs den anatomischen Bau des Holzes so genau kennen zu lernen, wie von einem noch lebenden 
Baum. Auch auf den Längsschnitten nun fehlten zusammengesetzte flarzgänge durchaus, mit rothbraunem Harz 
erfüllte einfache waren dagegen häufig. Die einzelnen Zellen derselben waren 190 — 290 Mik. lang, 15 — 20 
dick. Die Holzzellen, bis 2 Mill. lang, 20—97,95 im Mittel aus 23 Messungen 69,2 Mik. dick, 20— 6ü,6 breit 
(tangentale Dimension), sind an den Enden keilförmig und zwar tangental zugespitzt, radial quer abgestutzt. 
Vcrgl. Taf. XXXV. Fig. 3 und Taf. XXXVH. Fig. 1 (mehrere Holzzellen in ihrer ganzen Länge darstellend), 
ferner Taf. XXXVH. Fig. 2 u. 6. Sie sind auffallend dünnwandig (Taf. XXXV. Fig. 2 u. 3). Haben sich die 
Verdickungsschichten vor oder bei dem Vcrsteinerungsproccss aufgelöst? An den Iladialflächen und haupt- 
sächlich gegen die abgestutzten Enden hin zeigen sie zahlreiche Tüpfel in 2 — 5 Längsreihen. Die Tüpfel 
sind kreisrund und meist isolirt, mit doppeltem Contour versehen, beträchtlich kleiner als bei Cupr. pulchrum, 
der äussere Contour mass 12,24—15,3, im Mittel aus 6 Beobachtungen 13,77; der innere 4,6—7,6, im Mittel 
aus 6 Beobachtungen 6,4 Mik. Gewöhnlich sind die Tüpfel der Holzzellen in horizontalen Querreihen ange- 
ordnet. Siehe besonders Taf. XXXVH. Fig. 6. Die Markstralilen sind constant einschichtig, aus 2—26 über- 
einanderstehenden Zellreihen zusammengesetzt und dabei 58—661 Mik. hoch. Die einzelnen Markstrahlzellcn 
sind 15,3-30,6, im Mittel für 206 Zellen 22,5 Mik. hoch, 52—290, im Mittel aus 16 Messungen 144,4 Mik. 
lang und 13,3—17,5 Mik. breit. Sie zeigen nur an den Radialflächcn Tüpfel. Diese sind elliptisch, von einem 
Contour eingefasst, quer gestellt, kleiner als bei Cupr. pulchrum. Die grösste Dimension beträgt 9,18—13,77, 
im Mittel aus 10 Messungen 10,7 Mik. lieber einer Holzzelle befinden sich in der Längsrichtung 2—3, in 
radialer Richtung 2—5 an derselben Markstrahlzelle. Taf. XXXVII. Fig. 4—6. 

Die schwach ausgeprägten Jahrringe, die dünnwandigen Holzzellen, die zahlreichen Tüpfel der Holz- 
zcllen sind i\Ierkmale, welche der Vermuthung Raum geben, es möchte vorliegendes Holz einem Araucaritcs 
angehören, allein die Holzzellen sind da wo sie an die Markstrahlen grenzen nicht stärker verdickt, als an 
den übrigen Stellen, die Tüpfel stehen nicht so dicht beisammen, dass sie dadurch eckig würden, sondern 
sind meist isolirt, sie alterniren nicht mit einandor, sondern stehen gewöhnlich in horizontalen Reihen neben 



Fossile Hölzer des Bankslandes. I73 

einander, alles :\[crkmalc, die im Verein mit dem Felden zusammengesetzter Harzgefässc und dem liäufigcn 

Vorkommen mit braunen Harztropfen erfüllter einfacher Harzgcfässe für ein Cupressinoxjlon spreel.en. Von den 

bereits beschriebenen Arten dieser Gattung stehen ihm am nächsten : Cupr. subivquale Gcxjpp., mit 1— 3reihigen 

Tüpfeln, 2— löreihigen Markstrahlen, jedoch schmalen Jahrringen; dann Cupr. sequoianum :\Icrck., mit 1—3- 

|rcihigen Tüpfeln, 1— 43reihigen Markstrahlen, V2— 2 Mill. dicken Jahrringen; Cupr. Wolgicum Merck, mit 

l—3reihigen Tüpfeln, 1— 20reihigen Markstrahlen, bis 5 Mill. dicken Jahrringen; ganz besonders aber 

Cupr. Fritzschcanum Merck, mit 1— 4reihigcn Tüpfeln, 1— 35reihigen Markstrahlen, bis 3 I^Iill. dicken Jahr- 

i-ingen. Dabei ist hervorzuheben, dass auch die Form, Grösse und Anordnung der Tüpfel der Markstrahlcn 

bei diesem Holze dieselbe ist wie bei Cupr. polyommatum. Nur durch die schwach verdickten Holzzellcn 

imd die in Folge davon undeutlichen Jahrringe, durch die höchstens 26reihigen ]\rarkstralden und die bis 

3reihigen Tüpfel der Holzzellen unterscheidet sich Cupr. polyommatum von Cupr. Fritzschcanum vielleicht 

st aber die schwache Verdickung der Holzzellen die blosse Folge einer Auflösung der Verdickun^-sschichten 

führend des Versteinerungsprocesses. Ob die Keilform der Holzzellenden bei Cupr. polyommatum einen 

'emern Unterschied begründet, kann ich nicht entscheiden, da über die BesehaiFenheit der Enden der Holz- 

lellen von Cupr. Fritzschcanum etc. nichts bekannt ist. Bei Sequoia gigantea, womit Mercklin sein Cupr. 

equoianum und Fritzschcanum nicht ohne Grund vergleicht, habe ich die Holzzellen stets radial zugespitzt 

cefunden. 

4. Cupressinoxylon dubium mihi. Taf. XXXIV. Fig. 3. Taf. XXXVHI. Fig. 1— G. 
Bezeichnet: fossil Wood. Baring-I. lat. 733/^» N. 120° w. L. ' 

Wie man aus Taf. XXXIV. Fig. 3 sieht, stand mir von diesem Holz bloss ein Bruchstück von einem 
öchstens 4 Cm. dicken Ast zur Verfügung. Dasselbe zeigte auf der der Stammoberfläche entsprechenden 
eite einige Längsfurchen und andere Vertiefungen, war ebendaselbst stellenweise von einer dünnen, Avie 
erkohlt aussehenden, mit kleinen, glühbaren Sandkörnchen besetzten Rindenkruste überzogen, im Ucbrigen 
Dsti'oth, hart und schwer, nur durch Säuren herstellbar, wie die vorigen Hölzer. Auf den Radialflächcu 
aben sich die HolzzcUen und Markstrahlen durch zarte Längs- und Querstreifen zu erkennen , Jalirringc 
aren weder hier noch auf der polirten und geätzten Endfläche mit Siclierheit zu unterscheiden und zu 
lessen, obwohl die Holzzellen bei intensiver Beleuchtung beiderseits zu erkennen waren. Der Grund dieses 
erhaltens ist derselbe wie bei Cupr. polyommatum. Von zusammengesetzten Harzgängen habe icli selbst 
if der polirten Endfläche keine Spur wahrgenommen, aber auch einfache Harzgcfässe konnte ich nicht 
iffinden, schreibe dies aber dem Umstand zu, dass von diesem Fossil gute durchsichtige Präparate viel 
■hwieriger darzustellen sind und daher nur in geringer Zahl untersucht werden konnten. An radialen Längs- 
hnitten, die ich durch Behandlung entsprechender Splitter mit Salzsäure erlialten und, wenn sie zu dick 
aren,, mittelst Nadeln etwas dünner zu machen gesucht hatte, beobachtete ich meln-mals cigentluimlichc 
ndliche Höhlungen. Taf. XXXVIII. Fig. 2. Anfangs hielt ich dieselben für eine besondere Form von 
arzbehältcrn , seit ich aber beobachtet, dass die Wände der Holzzellen dieses Fossiles nach Entfernung 

r Ausfüllungsmasse durch Säuren weich und biegsam werden, ist mir diese Auffassung zweifelhaft ge- 

)rden und halte ich es für möglich, dass diese Höhlungen blosse Kunstproducte, hervorgebracht durch 

^. Nadelspitzen sind. Die Holzzellen, über 1,1G Mill. lang, 30,6—76,5, im Mittel aus 18 Messungen 50,2 

^k. dick und 21,0—63,1, im Mittel aus 5 Messungen 31,6 Mik. breit, sind wie bei Cupr. polyommatum 

ir dünnwandig, an den Enden keilförmig und zwar tangental zugespitzt, radial abgestutzt. Taf. XXXVHI. 

J. 1. Sie zeigen ferner an den Radialflächen, vorzugsweise gegen die Enden hin bis 4 Reihen isolirter, 
genau neben einander liegender Tüpfel Diese sind meist kreisrund, nie eckig, mit doppeltem Contour 

sehen, ungefähr so gross wie bei Cupressinoxylon ])olyommatum, aber mit relativ grösserem innern Contour. 

r grösste Durchmesser des äussern Contours beträgt 9,18—15,3, im Mittel aus 4 Messungen 12,8 .Mik., 

• grösste Durchmester des innern Contours beträgt 5,1—9,18, im Mittel aus 4 Beobachtungen 7,3 ^^lik. 

2 Markstrahlen sind stets einschichtig, bestehen aus nicht mehr als 1—4 übereinander liegenden Zcllreihcn 

1 haben eine Höhe von 24,5—91,8 Mik. Die einzelnen Markstrahlzellen sind 16,0-40, im Büttel für 3G 
^llcn 24 Mik. hoch, 45—152, im Mittel aus 8 Messungen 120 Mik. lang, zeigen in der Richtung der Höhe 
l[3, in radialer Richtung 2—3 Tüpfel über einer Holzzellc. Die Tüpfel der Markstrahlen sind elliptisch, 
qi'-r gestellt, 8—24 Mik. lang, 4-8 hoch. Vergl. Taf. XXXVHI. Fig. 1, 3—6. 

; Von Cupressinoxylon polyommatum unterscheidet sich dieses fossile Holz durch die höchstens 4reihigcn 
%h\ der Holzzellen, durch die grössere Weite des, innern Tüpfelcontours, durch die nicht über 4rcihigen 



174 



Fossile Hölzer des B.ankslandes. 



Mavkstralilcn, den ]\[aiigcl oder docli die grosse Seltenheit einfacher flarzgefüsse und durcli das Vorkommen 
jener cigcnthümlichen Ilölilen ; von Cupr. Fritzcheanum und dessen nächsten Verwandten durch die undeut- 
lichen Jahrringe, die grosse Weite des innern Contours der Holzzellentüpfel, die blos 4reihigen J\rarkstrahlen 
Jen Mangel oder die Seltenheit einfacher Harzgefüsse und das Vorkommen jener rundliehen Ilöhlun^-cn. 
Weitaus die grösstc Aehnlichkeit hat es mit dem schlesischen Cupress. äquale Gocppert und besonders mit 
einem von Danzig stammenden, dem Miocen angehörigen, braunkohlenartigen fossilen Holz, das mir von 
Herrn Prof. Heer zur mikroscopischen Untersuchung übergeben wurde und das ich ebenfalls als Cupr. äquale 
bezeichnen zu müssen glaube. Um die Vergleichung zu erleichtern, stelle ich die wesentlichsten Merkmale 
der drei Hölzer tabellarisch zusammen : 



Jahrringe 



Holzzellen 



Tüpfel der Holzzellen 



Markstrahlen 



Markstrahlzellen 



Tüpfel 
der Markstrahl Zellen 



Zusammengesetzte 
Harzgänge 



Einfache Harzgänge 



Rundliche Höhlen 



Cupressinoxylon dubium 

von 

Banksland. 



undeutlich 



radial abgestutzt 
im Mittel 50,2 Mik. dick 
dünnwandig 



hauptsächlich an den Zellenden 

1— 4reihig 

zerstreut 

äusserer Contour 9,18 — 15,3 Mik 

innerer Contour 5,1 — 9,18 Mik. 



Cupressinoxylon 

aäquale Goepp. 

von 

Schlesien. 



weit, kaum deutlich 



dünnwandig 



1 — 3reihig 

zerstreut 

klein, mehrmalen schmäler 



1 — 4reihig 



16—40 Mik. hoch 
45—152 Mik. lang 



elliptisch qucrgestellt 
über einer | 1 — 3 in der Höhe 
Hl Izzellc / 2 — 3 in radialer Rchtg. 



nicht geschon 



hie und da beobachtet 





als die Holzzellen. 


1 


—3-, selten mehrreihig 


? 


bis 
bis 


elliptisch qucrgestellt 

2 in der Längsrichtung 

3 in radialer Richtung 


— 


häufig 
mit braunem Harz 



Cupressinoxylon 
«quäle Gccpp. (?) 



von 



Da 



an zig. 



undeutlich 



radial abgestutzt 

im Mittel 50,2 INIik. dick 

dünnwandig 



hauptsächlich an den Zellenden 

1 — 3-, sehr sehen 4reihig 

zerstreut 

äusserer Contour 12,2-10,8 Mik. 

innerer Contour 4.08—0,12 Mik. 

1 — 4-, einmal G-, einmal 8reihig 



15,3-30,7 Mik. hoch 
97,95-238,7 Mik. lang 



elliptisch qucrgestellt 
1 — 3 in der Längsrichtung 
1 — 3 in radialer Kir.htung 



häufig 
mit braunem Harz 



Man sieht aus vorstehender Tabelle, dass das Holz von Danzig von Cupress. äquale Goepp. kaum zu 
ennen ist. Wenn ich das nahe verwandte fossile Holz von Banksland nicht auch als Cupress. aiquale be- 
liehne, so geschieht dies blos, weil es mir nicht gelungen ist, hier einfache Harzgefässe nachzuweisen, und 
s grossem Durchmessers des innern Contours der Holzzellentüpfel wegen, wodurch diese Tü^^fei ein etwas 
genthümliches Gepräge erhalten. 

5. Betula Mac Clintockii mihi. Taf. XXXIV. Fig. 4 a. b. Taf. XXXIX. Fig. 1—9. 

ommt nach Sir L. Mac Clintock (Reisebericht S. 212) von der Ballast-Bai und wurde von ihm bezeichnet als: Wood fossilizcd 

by brown Hscmatite 

Es Stimmt dieses Holz rücksichtlich der Erhaltungsweise mit den drei vorigen völlig überein, es ist 
)enfalls eisenreich, rostroth, hart und schwer und wird blos bei Behandlung mit Säure für eine genauere 
ntersuchung geeignet. Wie aus Taf. XXXIV. Fig. 4 a. b. zu sehen ist, stellt es ein knieförmig gebogenes 
undholz dar, an welchem die Kinde fehlt, auch die äussersten Holzringe theilweisc abgeschält sind. Wenn 
an die Bruchstücke der äussersten Jahrringe mitzählt, mögen etwa 10 Jahrringe vorhanden sein. Da wo 
e sich nicht stufenweise von einander abheben, sondern in derselben horizontalen Endfläche endigen, sind 
e nur zart von einander abgegrenzt und wurden überhaupt erst durch Anätzen mittelst Salzsäure, wodurch 
jis Ausfüllungsmaterial theilweise verschwand, die Zcllwände vorstehend wurden, deutlicher. Ich fand dieselben 
l65~2,19 MiU. dick, ein Jahrring Avar sogar blos 0,55 Mill. dick. Taf. XXXIX. Fig. 1. Schon von blossem 



Fossile Hölzer von Spitzbergen. 175 

Auge, besser mit Hülfe der Lupe, erkennt man auf der geätzten Endfläche ausser den Jahrringen zarte 
radiale Streifen, die Markstrahlen und feine, ziemlich glcichmässig vertheilte Puncto, Gcfässe. Die Unter 
suchung dieser geätzten Endfläche bei stärkerer Vergrösserung und intensiver Beleuchtung von oben Ichrtc, 
dass die äussere Grenze der Jahrringe von wenigen Reihen engerer Holzzellen gebildet wird (Taf. XXXIX. 
Fig. 2), dass die Markstrahlen aus 1—2 Zellschichtcn bestehen, die Gcfässe einzeln sind oder zu 2—4 in 
radialer Richtung neben einander stehen, hie und da auch wenigzellige parcnchymatoidische Gruppen bilden. 
Vcrgh Taf. XXXIX. Fig. 1, 2, 3. Gute Längsansichten von grösserer Ausdchmmg zu erhalten, ist sehr 
schwierig, Taf. XXXIX. Fig. G stellt einen tangentalen Längsschnitt dar, auf welchem ausser einem Ilruchstiick 
eines Gcfässcs, einigen an den Enden zugespitzten Holzzcllen und mehreren 1— 2reihigcn jMarkstrahlen etwas 
Ilolzparcnchym zu crkcimcn ist. Nicht gar zu selten findet man dagegen bei Behandlung kleiner Splitter 
mit Säure in dem Rückstand instructivc Bruchstücke von Gefässen. Die Gcfässe bestehen aus relativ weiren, 
an den Enden zugespitzten und auf dem radialen Schnitte über rcsp. unter einander etwas vorbeiwachsenden 
Zellen, deren stets schiefe Berührungsflächen leiterförmig durchbrochen sind (Taf. XXXIX. Fi"-. 4 5, 9) 
während die cylindrischen Seitenflächen gewöhnlich sehr viele dicht beisammenstehende, elliptische, f[ucr- 
gcstellte, doppcltcontourirte Tüpfel zeigen. Ich habe deren bis 10 neben einander gezählt. Taf. XXXIX. 
Fig. 7, 8. Thylleu fehlen in den Gefässen. Die Gcfässe haben eine Weite von 21 — IGO, im Mittel aus 15 
Messungen von 84,3 Mik. Die einzelne Gefässzelle fand ich 444 — 544 — 560 — 756 Mik. lang. Die Tüpfel der 
Gcfässe besitzen eine grösste Breite von 2,7 — 4,5 Mik. Die Holzzellen fand ich 12,2 — 30,6, im Mittel aus 
7 Messungen 20,98 Mik. weit. Die Markstrahlen bestanden aus 8 — 44 übereinander befindlichen Zellreihen 
und hatten dabei eine Höhe von 153 — 704 Mik. Die einzelnen Markstrahlzellen, wie die Holzzellen ohne 
jetzt noch erkennbare Tüpfel, fand ich 12,2—36,7, im Mittel für 124 Zellen, 17,3 Mik. hoch, 21,4—58,1, im 
Mittel aus 8 Messungen 41 Mik. lang und 14 — 36 Mik. breit. Die Zellen des Holzparenchymes waren 14—20 
]\Iik. weit, 140—160 Mik. lang. 

Der anatomische Bau dieses Holzes stimmt mit dem anatomischen Bau der Birken in allen wesentlichen 
Puncten so vollkommen übercin, dass man dasselbe trotz dem Fehlen der für. die Bii-ken so charakteristi- 
schen Rinde, gewiss unbedenklich als Birkenholz bezeichnen darf. Von Betula alba unterscheidet es sich 
blos durch die etwas weiteren Gefässe und die gleichmässigere Vertheilung der Gcfässe rcsp. der Gefäss- 
gruppen über die einzelnen Jahrringe. Von bereits beschriebenen fossilen Laubhölzern lassen sich mit dieser 
Form nur vergleichen : Betulinium Parisiense Unger und Betulinium Rossicum Mercklin. Bctulini\;m 
Parisicnse *) unterscheidet sich davon durch seine dickwandigen Holzzellen, durch die keine Reihen bil- 
denden Gefässe und die bis 4schichtigen Markstrahlen ; Betulinium Rossicum 2) igt ausgezeichnet durch die 
1 — 6 — lOlagerigen Markstrahlen. Bei keiner dieser Arten wurde das den lebenden Birken und auch Betula 
I Mac Clintockii eigene Holzparenchym nachgewiesen. Aus allen diesen Gründen dürfte es gerechtfertigt sein, 
jvorliegendes Holz einstweilen unter besonderm Namen aufzuführen. Bei Betulinium tenerum ünger^) wurde 
Holzparenchym beobachtet, dagegen geschieht der leiterförmig durchbrochenen schiefen Endflächen der Gc- 
fässzellen keine Erwähnung, ebensowenig bei Betulinium stagnigenum Unger*). Vergl. hierüber v. Mercklin 
in seinem Palajodendrologicum Rossicum p. 37. Bei dieser Gelegenheit sei noch die Bemerkung eidaubt, 
dass Ungers Ulminium diluviale ^) eher eine Birke zu sein scheint. 



121, Fossile mölzer vosi Green IHIas'bour auf Spitzbergen. 

Vergl. S. 37. 

Alle fossilen Hölzer von diesem Standort sind mit einer in Säure grössenthcils löslichen Mineralsubstanz, 
manche Zellen mit Schwefelkies imprägnirt und dadurch undurchsichtig, müssen aber vor dem Versteinerungs- 



^) Ucber fossile Pflanzen des Süsswasserkalkcs und Quarzes. Taf. III. Fig. 4. 

2) Pala;o(lcnclrologicum Rossicum von v. Mercklin. p. 33 und Taf, IV u. V. 

3) Chloris protog.'ua p. 118. 

*) Ucber fossile Pflanzen des Süsswasserkalkcs und Quarzes. III Fig. 4. 
•) Chloris protogsca. Taf. 25. Fig. G— 9 und pag. Ö7. 



17G Fossile Hölzer von Spitzbergen. 

process oder während desselben eine tlieilweise Zersetung erlitten haben, denn bei Behandlung von Splittern 
mit Salzsäure zerfällt gewöhnlich das übrigbleibende Zellgewebe in unzählige kleine Fetzen. Glücklicher 
Weise sind dagegen in den meisten Fällen polirte und mit verdünnter Säure kurze Zeit geätzte Quer- und 
Lüngsschnittstläehcn sehr instructiv; es wird bei dieser Operation die Ausfüllungsmasse entfernt, ohne dass 
die dadurch wenig erhaben werdenden Zellwände die nöthige Festigkeit einbüssen, um sich als continuir- 
liche Membranen zu präsentiren und ein getreues Bild des anatomischen Baues zu geben. 

/. Pinites lalipoj'osus mihi. Taf. XL. Fig. 1 — 8. 

Das Untersuchungsmaterial bestand in einem schwarzbraunen Stück von 30 Cm. Länge und dem auf 
Taf. XL. Fig. 8 dargestellten Querschnitt. Dasselbe liess auf den bloss polirten Fnd- und radialen Seiten- 
flächen mit unbewaftnetem Auge keine Jahrringe unterscheiden; bei Aetzung der Flächen aber wurden auf 
der breitern Endfläche 4 zart begrenzte Jahrringe deutlieh. Von den beiden mittlem, allein vollständig vor- 
handenen Jahrringen hat der eine eine Dicke von 3,48 — 3,9G, der andere von 5,37 — 6,1 ]\Iill. Auf der ent- 
gegengesetzten, etwas schmälern Endfläche fehlt der eine der äussern Jahrringe, Zusammengesetzte und 
einfache PLarzgefässe sind weder auf den nach Aetzung und bei intensiver Beleuchtung von oben sehr 
schönen Quer- und Längsschnittsflächen des fossilen Holzes, noch unter den durch ]\Laceration kleiner Splitter 
erhältlichen Präparaten zu entdecken. Ich hebe hervor, dass hier, wie bei den folgenden Hölzern, wofern 
sie ein solches Verfahren überhaupt zuliessen, End- und Seitenflächen Aviederholt abgescliliftcn und wieder 
geätzt wurden, um eine grössere Zahl von Beobachtungen zu ermöghehen. Die Holzzellen haben eine 
Länge von 1,9, selbst 2,7 Mill. (einmal), eine Dicke von 20 (im äussern Herbstholz) bis 90,3 (im Innern 
Frühlingsholz), im Mittel aus 33 Messungen von 62,4 Mik., eine Breite von 46,6 — 80 Mik. Sie sind mäs.sig 
verdickt, auf den Radialfluchcn reichlich mit Tüpfeln verseilen. Die Tüpfel sind sehr gross, quergezogen mit 
doppeltem Contour verschen. Der äussere Contour ist 24 — 40, im Mittel aus 14 i\lcssungen 35 Mik. breit und 
14 — 22., im Mittel aus ebenso vielen Messungen 17 Mik. hoch; der innere Contour ist 6,1 — 14, im Mittel aus 
7 Messvmgcn 8,4 J\[ik. breit und 3 — 6 Mik. hoch. Die Tüpfel der Holzzellen sind ausnahmslos einreihig, stehen 
so dicht beisammen, dass sie sich gegenseitig berühren; wiederholt habe ich 10—13, einmal sogar 40 dicht 
übereinandergereihte Tüpfel an derselben Holzzelle beobachtet. Fig. 2 — 5. Die Markstrahlen sind einschichtig, 
aus 4 — 17 übereinander stehenden Zellreihen zusammengesetzt und dabei 76,5 — 378,9 Mik. hoch. Die einzelnen 
Markstrahlzellen haben eine Höhe von 15,3 — 24,5, im Mittel für 190 Zellen von 20,64 Mik., eine Länge von 
136 — 192, im Mittel aus 11 Messungen von 152 Mik., eine Breite von 20 Mik. (eine Messung). Sie sind ohne 
Ausnahme mit quergestellten elliptischen oder rundlich 4eekigen, einfach contourirten sehr grossen Poren 
versehen. Die Breite der Poren beträgt 10 — 64, die Höhe 10 — 20 Mik. Diese ausserordentlichen Dimensionen 
bringen es mit sich, dass über einer EColzzclle in der Richtung der Länge und des Radius fast ausnahmslos 
nur je ein Porus zu liegen kommt, in der Längsrichtung habe ich nie , in der Richtung des Radius nur 
äusserst selten 2 Poren an der Scheidewand einer Holzzelle und einer Markstrahlzelle beobachtet. Die Mark- 
strahlen erhalten hierdurch ein mauerähnliches Aussehen. Fig. 6. 7. 

Der anatomische Bau dieses Holzes ist ein durchaus eigenthümlicher. Die breitgezogenen, dicht in einer 
Reihe stehenden Tüpfel der Holzzellen erinnern etwas an Goepperts Protopitys Buehana*), aber bei diesem 
Holze werden die Tüpfel der Holzzellen von einem einzigen Contour eingefasst, die Markstrahlen sind mit 
vielen sehr kleinen Tüpfeln versehen, die Jahrringe sind nicht zu unterscheiden, dagegen kommen einfache 
Harzgcfässe vor, eine Reihe wesentlicher Unterschiede. Andere fossile Nadelhölzer von ähnlichem Baue sind 
mir nicht bekannt. Wenn ich dieses fossile Holz unter dem Namen Pinites aufgeführt habe, so geschah dies 
im Hinblick auf die grossen einzahlig über einer Plolzzelle befindliehen Tüpfel der Markstrahlzellen, welche 
an das Verhalten unserer Kiefern erinnern. Dass die Markstrahlen von Pinites latiporosus nicht aus ver- 
schieden beschaffenen Zellen zusammengesetzt sind, kann kein Bedenken erregen, denn man findet auch bei 
lebenden Kiefern nicht immer zweierlei Markstrahl zellen : wichtiger ist das Fehlen der zusammengesetzten 
Harzgänge und sie mangeln bei Pinites latiporosus sieher; Kiefern ohne zusammengesetzte Harzgänge sind 
mir nicht bekannt. 

2. Pinites pauciporosus mihi. Taf. XLI. Fig. 1 — 5. 
Die Länge des untersuchten Stückes beträgt 43 Mill., die Dicke 18 Mill. Es ist ebenfalls schwarz- 
braun, wie das Stück von Pinites latiporosus und musste zum Behuf der genauem Untersuchung auf gleiche 

') Fo88ile Flora der permlachen Formation von Gccppcrt pag. 24(5 und Taf. LlX. Fig. 5. 



Fossile Hölzer von Spitzbergen. I77 

Weise behandelt werden. Mit Aetzung der polirten End- und radialen Seitenflächen mittelst verdünnter Salz- 
säure wurden 9 Jahrringe schon von blossem Auge ziemlich leicht unterseh eidbar. Zusammen 18 M\\\. dick 
zeigen die einzelnen Jahrringe eine Dicke von 1,33—2,67 Mill. Die mittlere Dicke der 7 allein vollstündio-en 
mittlem Jahn-inge beträgt 2,18 Mill. Nach dem flachen Verlauf derselben auf den Endflächen zu urthcilcn, 
muss dieses Stück gleich dem von Pinites latiporosus einem Baume von nicht geringem Umfanf' an"-chürt 
haben. Auch bei diesem Holze fehlen zusammengesetzte Harzgefässe sicher. Einfache können an undurch- 
sichtigen, bloss von oben beleuchteten Präparaten kaum wahrgenommen werden; aber auch an durchsichtigen,, 
durch Kochen kleiner Splitter in Säure erhältlichen Präparaten habe ich nie eine Spur von einfachen Harz- 
gefässcn gesehen. Die Holzzellen sind 1,56 — 1,63 Mill. lang (bei Beleuchtung mit Oberlicht gemessen), im 
Mittel aus 22 Messungen 35,4 Mik. dick (die Herbstholzzellen mindestens 10, die Frühlingsholzzellcn höch- 
stens 56,6 Mik.) und 13,3 — 56,6, im Mittel aus 7 Messungen 36,8 Mik. breit. Sie erscheinen auf den bloss 
polirten und mit Sonnenlicht beleuchteten Endflächen ziemhch dickwandig (Taf. XLI. Fig. 1), nach Aetzung^ 
der Endfläche merklich dünnwandiger (Taf. XLI. Fig. 2); an durchsichtigen Präparaten zeigen ihre Seiten- 
flächen eine feine spiralige Streifung. Taf. XLI. Fig. 3 u. 4. Die Enden der Holzzellen sind radial zugespitzt 
(Taf. XLI. Fig. 5) und die Radialflächen auffallend arm an Tüpfeln. Ich habe eine Radialfläche des Stückes 
wiederholt polirt und geätzt, bei Oberlicht sorgfältig untersucht und gleichwohl nur wenige Tüpfel beobachtet; 
an durch jMaceration erhaltenen durchsichtigen Präparaten hatte ich nie das Glück Tüpfel zu sehen. Die 
Tüpfel sind kreisrund, ihr Durchmesser schwankt zwischen 13,3 — 20 Mik., sie stehen zerstreut, nie sah ich 
2 Tüpfel neben einander. Die Markstrahlen sind einschichtig, aus 1 — 7 übereinander liegenden Zellen zu- 
sammengesetzt und dabei 53 — 173 Mik. hoch. Die einzelnen Markstrahlzellen haben eine Höhe von 6,8 bis 
27,5, im Mittel für 72 Zellen von 23,05 Mik., eine Breite von 20 Mik. Ihre radiale Ausdehnung Avar nicht 
bestimmbar. An Schliffen und durchsichtigen Präparaten zeigen sie über der einzelnen Ilolzzelle in der Längs- 
\uid radialen Richtung fast ausnahmslos bloss je einen grossen schief- oder quergestellten elliptischen oder 
rundlich 4eckigen Porus, seltener neben einem grössern schief elliptischen Perus einen kleinern. Vergleiche- 
Taf. XLI. Fig. 4 u. 5. ») 

Von bereits beschriebenen fossilen Hölzern erinnern an Pinites paueiporosus Ungcrs A;ioroxylon primi- 
genium 2) und besonders Goepperts Pinites Bajrianus 3). Allein bei Aporoxylon primigenium sind keine Jahr- 
ringe unterseheidbar, die Markstrahlen 2sehichtig, ebenfalls ohne Poren, und Pinites Barianus besitzt ausser 
sehr engen Jahrringen 1 — 30reihige Markstrahlen und einfache Harzgefässe. Wie bei Pinites latiporosus muss 
auch hier das sichere Fehlen zusammengesetzter Harzgefässe als eine auflfallende Eigenthümlichkeit hervor- 
gehoben werden für den Fall, dass dieses Holz von einer Kiefer abstammen sollte, wofür die Beschaffenheit 
der Markstrahlen spricht. 

3. Pinites cavernosus mihi. Taf. XXXIL Fig. 3. 4. Taf. XLII. Fig. 1—10. 

Ich rechne hierher 6 Stück fossile Hölzer des Reichsmuseums in Stockholm, die zum Thcil schon 

durch äussere Merkmale ihre verwandte Abkunft errathen lassen. Ich will dieselben mit A, B, C, D, E, F 

bezeichnen. Alle 6 Stücke sind von dunkelbrauner bis schwarzbrauner Farbe von dem gleichen in Säuren 

löslichen Gestein durchdrungen. A, B, C, F sind Rundhölzer von 20—45 Mill. Länge und 18—28 Mill. 

Dicke. A sitzt mit der einen Längshälfte noch im Gestein, B giebt seitlich einen grössern Ast ab. A, B, C 

iind an der Cylinderfläche fein, aber scharf längsstreifig; bei C (Taf. XXXH. Fig. 4), dessen Oberfläche 

;inerseits mehrere kleinere Astnarben zeigt, nehmen diese Streifen in der Nähe der Astnarben einen gebogenen 

Verlauf an, sonst sind sie auch hier gerade. Da und dort sind bei diesem Exemplare kohlschwarze glänzende 

lünne Rindenreste sichtbar. F ist grossentheils mit diesem kohligen Ueberzug versehen, im Uebrigen in einem 

Zustand, der jeden Versuch, über den anatomischen Bau Aufsehluss zu erhalten, scheitern macht, so dass 



») Fig. 5 Stück der polirten, dann geätzten Radiainächc des fossilen Holzes mit der Grenze zweier Jahrringe bc. intensivem 
»berlicht gezeichnet. Die dem Beschauer zugekehrten Scitenwündc der meisten Holzzellen wurden beim Poliren mehr oder wom- 
cr Avcggeschliircn und fehlen jetzt ganz oder erscheinen unregelmässig eingebrochen. Das ZoUenlumen prUsent.rt sich natürlich 
ihwarz. 

' 2j unger Pala^ontologie des ThUringer-Waldes. Theil H. Taf. XIH. und pog. 95 im XI. Band der Denkscbriften der kais 
kademie zu Wien, und Goeppcrt die fossile Flora der permischen Formation Taf. LIX. Fig. 1-3, und pog. 24o im 12. Band 

'r Palffiontographica von v. Meyer. „„„ ,„ „ .,,, ,,,„ . 

I 3) Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens von v. MiddendorfT. Band I. pag. 220. lat. VII. u. VIII., und 

tonographic der fossilen Coniferen von Gccppert. p. 212 u. Taf, 31. Fig. 1. 

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178 Fossile Hölzer von Spitzbergen. 

die Bestimmung dieses Holzes eine problematische ist. D ist ein knicförmig gebogenes, der Läiigc nach 
halbirtes Rundstück, mit der Cylinderfläche im Gestein festsitzend, nur die radiale Bruchfläche nach aussen 
kelirend. E ist ein dem rohen Gestein anhaftender, grösstentheils ganz dünner Radialschnitt,- nur am einen 
Ende ragt das fossile Holz als grössere Masse vor und konnte in der einem Querschnitt entsprechenden 
Richtung polirt und geätzt werden. Die Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung folgen in tabellarischer 
Uebcrsicht auf ncbenstelicndcr Seite. 

Nach dieser Tabelle fehlen allen diesen Hölzern sowohl einfache als zusammengesetzte Harzgefässe; 
bei B und C wurden hingegen eigenthümliche , kurz cylindrische , reihenförmig übereinander gelagerte 
Höhlungen beobachtet, die nicht Folge äusserer Verletzung der macerirteu Präparate sein können ,''son'dcrn 
im anatomischen Bau des Holzes begründet sein müssen und wohl als eine eigenthümliche Form von Harz- 
bcliältcrn zu deuten sind. Taf. XLH. Fig. 1 u. G. Da Exemplar B und C auch in allen übrigen mikro- 
skopischen, wie äussern Merkmalen die grösste Uebereinstimmung zeigen (vero-1. Taf. XLH. Fi«-. 2 4 7 9 

und das oben Gesagte), so erscheint die Identität dieser zwei fossilen Hölzer hinreichend begründet. Die 
Dilfci;enzen in den Dimensionen jener eigenthümlichen Harzbehälter und der einzelnen Markstrahlenzellen 
köimen hicgegen nicht geltend gemacht werden , bei einer grössern Zahl von- Beobachtungen würden sich 
dieselben wolil ausgeglichen haben. Von den übrigen Exemplaren reiht sich A besonders mit Rücksicht auf 
das äussere Aussehen den vorigen unmittelbar an und obgleich ich hier jene kurz cylindrischen Höhluno-en 
nicht beobachtet habe, ebensowenig die Tüpfel der Markstrahlenzellen und obgleich die Dimensionen der 
ganzen Markstrahlen und der einzelnen Markstrahlenzellen etwas grössere Abweichungen zei"-en zweifle ich 
doch keinen Augenblick an der Identität des Stückes A mit B und C. Ich bemerke, dass die Harzbehälter 
auch bei B und C selten waren und somit ihre Wahrnehmung bis auf einen gewissen Grad vom Zufall 
abhängt. Bei D wurden ebenfalls keine Harzbehälter beobachtet. Dieses Stück hat zwar ebenfalls dünne, 
doch merklich dickere Jahrringe als die drei vorgenannten Exemplare, die Markstrahlen bestehen aus einer 
etwas grössern Zahl von Zellreihen, im Uebrigen ist die Aehnlichkeit so gross, dass mir eine Trennuno- sich 
ebenfalls nicht zu rechtfertigen scheint. Und nun Exemplar E. Auch hier ist es mir nicht geglückt, durch- 
sichtige Präparate mit kurz cylindrischen Harzbehältern aufzufinden, dagegen habe ich auf der polirten und 
geätzten Endfläche an mehreren Stellen kreisrunde Lücken zwischen den Holzellen beobachtet, welche die 
Grösse jener Höhlen hatten und durch solche Höhlen hervorgebracht sein konnten. Die Gestalt und Dimension 
der Holzzellen, die Gestalt, Zahl, Anordnung und Grösse ihrer Tüpfel, der Bau und die Dimensionen der 
Markstrahlcn und ihrer einzelnen Zellen weichen nicht oder nur wenig ab von den gleichen Dingen bei den 
vorigen Hölzern, aber die Jahrringe sind sehr dick : 3,5 — 4,8 Mill. dick, dort mindestens 0,0915 (bei B und 
C), höchstens 1,134 (bei D). Exemplar E kann von einem andern Nadelholz abstammen als A — D, aber die 
Wahrscheinlichkeit, dass es von der gleichen Art herrührt, scheint mir ebenso gross zu sein. Exemplar E 
mit seinen dicken, fast flachen Jahrringen kann von einem unter günstigen Verhältnissen gewachsenen Stamm 
und aus der Zeit seines stärksten Dickcnwachsthum herrühren, Exemplar A — D können Asthölzer sein oder 
unterdrückten Stämrachen angehört haben. Ebenso grosse Differenzen zeigen unsere noch lebenden Nadel- 
hölzer. Indem ich das schreibe liegt ein Stammstück einer 26jährigen Weisstanne vor mir, die in Folge 
Druckes eine Höhe von bloss 1,66 Meter und eine Dicke von nur 14,5 Millimeter (ohne Rinde) erreicht hatte, 
ferner ein Stammstück einer 76jährigen Fichte, die aus derselben Ursache einq Höhe von bloss 1,35 Meter, 
eine Dicke von bloss 30 Millimeter (ohne Rinde) zeigt. Die mittlere Dicke leines Jahrringes beträgt somit 
im ersten Fall nicht ganz 0,3, im zweiten Fall sogar bloss 0,2 Mill., während unter günstigen Umständen 
die Tanne 5 — 7, die Fichte 3—4 Mill. dicke Jahrringe macht. 

Von bereits beschriebenen fossilen Coniferen erinnern nur Pinites Lindleyanus Goepp.i), Pinites (Pcucc 
Ungcr) minor Gocpp. 2), endlich Pinites borealis Eichwald 3) an Pinites cavernosus. Allen diesen Formen fehlen 
einfache und zusammengesetzte Harzgefässe, aber auch jene kurz cylindrischen Höhlungen. Pinites Lindleyanus 
hat sehr deutliche, 1 — 4 Mill. dicke Jahrringe, gleichförmige dickwandige, nach der äussern Grenze der Jahr- 
ringe enger werdende, mit 1- bisweilen 2reihigen, zerstreuten oder sich berührenden Tüpfeln versehene 
Holzzellen, einfache 1 — 20reihige Markstrahlen. Pinites minor zeigt deutliche, 0,5 Mill. dicke Jahrringe; die 
Holzzellen werden gegen die äussere Grenze der Jahrringe enger, die äussersten sind dickwandig. Die Tüpfel 



>) Fossile Coniferen p. 217. 

»j Unger Beitrag zur Kenntniss des Leithakalkes Taf. IV. Fig. 1—3, und Goeppert fossile Coniferen p. 220. 

3) Lethsea Rossica. Periode moderne. Taf. XIV. Fig. 1—3. 



Fossile IlÖl/cr von Spitzbergen. 



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18Ö Fossile Ilölz-er von Spitzbergen. 

sind 1- selten 2reiliig, fast genähert, die Markstralilen einfach 1 — 20reihig. Pinites borcalis hat V4 '" dicke 
Jahrringe, die Holzzcllen sind mit 1 — 2- oder Srclhigen, sich nicht berührenden Tüpfeln verschen, die 
Markstrahlen 4 — 12rcihig. Jede einzelne Markstrahlzelle zeigt 2 nebeneinander liegende Tüpfel über einer 
IlolzzcUe. Abgesehen von den kurz cylindrischen Harzbehältern weicht Pinites cavernosus durch den Habitus 
der Holzzellen und Markstrahlen von den beiden eben besprochenen Hölzern ab. Man vergleiche die Abbil- 
dungen der genannten Hölzer mit den Abbildungen von Pinites cavernosus. Von Pinites Lindleyanus steht 
mir behufs genauerer Vergleichung leider keine Abbildung zu Diensten. 



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Nachträge und Berichtigungen. 



8. 7, Zeile 11 ist statt Herr Prof. Stiidclcr zu .setzen: Prof. Dr. Wartlia. Es fülirtc derselbe die trockene 
Destillation der ITarzstückc der ITascninsel in einem eigens dafür geblasenen Glasretörtchen aus, reinigte die 
Destillationsproductc und erhielt mit Eiscnchlorid die charakteristische Reaction auf Bernsteinsüurc. Die kleine 
Zahl -verwendbarer Stücke erlaubte zwar eine quantitative Untersuchung vermittelst organischer Elementar- 
analyse nicht, der Nachweis der Bernsteinsäure macht es aber in hohem Maasse wahrscheinlich, dass dieses 
Harz achter Bernstein sei. Vergl. auch Vierteljahrsschrift der Zürcher naturf. Gesellschaft. 1866. S. 286. 
S. 8. Ueber die hier erwähnten Pflanzen und Ammoniten von Kome vgl. S. 45. 
S. 11, Z. 4 über der Tabelle statt 77 lies 105, und statt 20 lies 34. Vgl. S. 48 Anmerk. 
Zu S. 26. Durch die Vermittlung des Herrn Prof. Nordenskiöld in Stockholm erhielt ich vor Kurzem 
eine reiche Sammlung von fossilen Pflanzen zur Untersuchung, welche ein finländischer Bergmeister, Herr 
Furuhjelm, während eines achtjährigen Aufenthaltes im Alaschka-Land (im frühern Russisch- Amerika) zu- 
sammengebracht hat. Die meisten Stücke kommen von der Cooks-Halbinsel und zwar theils aus der en^-Ii- 
sehen Bai (59^21' n. Br. 151'*52' w. von Greenw.), theils vom Ufer des kleinep Flusses Niniltschit, einige 
weitere von der Insel Keku im indianischen Archipel bei Sitka. Diese liegen in einem dunkclgraucn schief- 
rigen Gestein, die von Niniltschit in einem weichen, weissgrauen Thon, der aber stellenweise durch ein seit 
langer Zeit in Brand befindliches Kohlenlager eine ziegelrothe Farbe angenommen hat. Die Pflanzen der 
englischen Bai sind in einem harten, sehr feinkörnigen, brüchigen und hellfarbigen oder bräunlichen Gestein, 
das ganz mit demjenigen überehistimmt , das in der Burrardbucht in Britisch-Columbien mioccne Pflanzen 
einschliesst. (Vgl. meine Abhandlung über einige fossilen Pflanzen von Van Couvcr und Britisch-Columbien. 
Denkschriften der Schweiz, naturf. Gesellschaft. 1865. S. 5). Wie hier ist der Fels der Cooks-Halbinsel, 
welcher die Pflanzen enthält", gegenwärtig zum Theil unter dem Seespicgel, daher an der Aussenfläche der 
5tcine marine Pflanzen und Thiere kleben, während die Mollusken (Anodonta, Paludina und Melania) und 
Hisswasserpflanzen (Trapa), welche sie umschliesscn , uns sagen, dass sie in süssem Wasser sich gebildet 
abcn, also damals das Land eine höhere Lage gehabt haben muss, als gegenwärtig. Alle diese pflanzen- 
ührcnden Gesteine treten in Verbindung mit Steinkohlenlagern auf. Die Steinkohlen der englischen Bai sehen 
cnen von Rittenbenks Kohlenbruch in Grönland sehr ähnlich und enthalten wie die Kohlen der Haseninsel 
leine Körner von Bernstein. 

Die Sammlung enthält im Ganzen 51 Pflanzenarten, von denen 49 von der Cooks-Halbinsel kommen, 
''on diesen sind 13 in unserer arctisehen Flora, nämlich: Taxodium dubium, Sequoia Langsdorfii, Taxites 
»Iriki, Salix macrophylla, Alnus nostratum, Betula prisca, B. macrophylla, Carpinus grandis, Corjlus Mac 
»uarrii, Fagus castanesefolia, F. macrophylla, Planera Ungeri und Juglans aeuminata. Wir sehen daher, dass 
ine beträchtliche Zahl von Arten von Grönland bis zu den Nordwestküsten Amerika's reicht und zwar sind 
es merkwürdiger Weise (mit einziger Ausnahme des Taxites Olriki) lauter Arten, die auch im ]\nocen 
uropa's vorkommen, wogegen wir die die arctische Zone charaktcrisirenden Arten vermissen, so namentlich 
e Populus Richardsoni, P. arctica und die Quercus Olafseni, die doch noch am Mackenzie getroffen werden, 
azu kommen nun noch 10 weitere Arten, welche dieser Nordwesten Amerika's mit dem europäischen j\Iiocen 
raeinsam hat, während diese bis jetzt noch nicht in der arctisehen Zone gefunden wurden. Es sind dies: 
Iquidambar europajum, Populus latior, P. balsamoides, P. glandulifera, P. leucophylla, Salix varians, j\Iyrica 
nksi^folia, Fagus Feronise, Quercus pseudo-castanea und Ulmus plurinervia, daher diese so ferne Gegend 
ftallender Weise 22 Arten mit Europa theilt. So weit diese mit lebenden verglichen werden können, sind 
der Mehrzahl nach Arten, die solchen Nordamerika's entsprechen. Das gilt namentlich von den Taxodien, 
quoien, dem Liquidambar, der Myrica (ähnlich der M. californica), obiger Eiche, den Pappeln, der Betula 
ijicrophylla, und auch die Hainbuche, die Haselnuss und die Weiden erscheinen wenigstens in ähnlichen 
^rmen. Aber auch die neuen Arten, die bisher noch nicht anderweitig entdeckt wurden, entsprechen wenig- 
^ns theilweise amerikanischen Formen, so eine Weinrebe, eine prachtvolle Eiche (Quercus Furuhjelmi m.), 
t^ie Buche (Fagus lancifolia m.) und zwei Nussbaumarten. Es hat daher diese Flora einen entschieden 
a'erikanischen Charakter, und wir erfahren aus derselben, dass die miocene Flora Nordamerika's in einem 



182 Naclitriige und Bericlitigungen. 

viel luilicrn Vcrliältniss zu der jetzt dort lebenden Flora steht, als die curopiüsclie Miocenflora zur jetzigen 
europäischen, daher mit dieser eine grössere Vei-;inderung vor sieh gegangen ist als mit jener. Wir erfjila-en 
aber auch, dass eine Zahl dieser amerikanischen Typen der europäischen Miocenilora im äusscrsten Westen 
Nordamerika's lebte, ohne die arctischc Zone zu berüliren und daher auf einen Zusammenhang des Fest- 
landes von Amerika und Europa in südlicher gelegenen Breiten weisen. 

Als asiatische Typen der Alaschka-Flora sind zu nennen : Betula prisca, Planera Ungeri und Ju^-lans 
acuminata; diese gehören Gattungen an, die aucli jetzt noch in der amerikanischen Flora zu Hause sind 
dagegen haben wir in einer Trapa (Tr. borealis ra.) eme jetzt Amerika fehlende Gattung und die Art der 
Cooks-Halbinsel seheint der indischen und japanischen Tr. bispinosa Roxb. am nächsten verwandt zu sein. 
lEs ist dies mit dem Taxites Olriki (insofern dieser Baum, wie mir wahrscheinlich scheint, zu Cephalotaxus 
gehört), die einzige Pflanze, welche von den Ostküsten Asiens zu stammen scheint. Es ist indessen wahr- 
scheinlich, dass auch die Gattungen Salisburea und Glyptostrobus ^) , die wir in Grönland kennen o-dernt 
haben, und von denen Lesquerreux die erstere auch in Van Couver nachgewiesen hat, zur IVIiocenzeit in 
idieser Gegend gelebt haben und vielleicht werden sie noch da gefunden werden. Mit der Miocenflora von 
Van Couver und Britisch-Columbien theilt die Cooks-Halbinsel 4 Arten, nämlich: Sequoia Langsdorfii, Planera 
[Jngeri, Diospyros lancifolia und Juglans Woodiana. Von einem Diospyros ist mir der viertheili"-e Frucht- 
ielch zugekommen. Er ist von D. brachysepala durch die schmälern, längern Lappen verschieden und o-e- 
lört wahrscheinlich zu D. lancifolia, von der ein schönes Blatt in Niniltschit gefunden wurde. 

In klimatischer Beziehung ist nicht zu verkennen, dass die Flora auf ein einstiges wärmeres Klima 
inweist, als es gegenwärtig in dortiger Gegend herrscht. Die grossblätterigen Eichen und Buchen, der 
mberbaum, die schönblättrige Weinrebe, drei Nussbaumarten, der Diospyros, die Taxodien und Sequoien 
issen dies nicht bezweifeln, denn nirgends finden wir gegenwärtig in Amerika zwischen 59 und 60° n. Br. 
lese Pflanzentypen und ebenso wenig in den Gewässern die Melanien. Vergleichen wir aber diese Flora 
it derjenigen von Nordgrönland bei 70 '^ n. Br., so müssen wir sagen, dass sie keinen südlichem Anstrich 
3 diese besitzt. Die tropischen und subtropischen Typen fehlen derselben in gleicher Weise und auch 
'3 südlichsten Formen gedeihen noch in Oberitalien und am Genfersee, so dass wir für diese Flora 
j.t einer mittlem Jahrestemperatur von 9Y2 l^is 10 ^ C. ausreichen. Indessen widerspricht die Flora auch 
i^lit einer Mitteltemperatur von 14 — 15°, zu welcher wir für diese Gegend geführt werden, wenn wir eine 
i^elmässige Wärmezunahme nach Süden nach dem früher ermittelten Verhältniss (S. 72) annehmen. Es 
"vlrde dazu das Auftreten der Fächerpalmen in Van Couver, das um circa 10 Breitengrade südlicher liegt, 
losen (vgl. fossile Pflanzen von Van Couver, S, 4.), da dies uns zeigt, dass die Palmen an der Nordwest- 
Vte Amerika's bis zur selben Nordbreite reichten wie in Europa. Da wir indessen auch am j\Iackenzie 
fl'selben Erscheinung begegnen wie auf der Cooks-Halbinsel (vgl. S. 71), ist es doch wahrscheinlich, dass 
d Isothermen zur miocenen Zeit in Grönland höher nach Norden' angestiegen sind als im Norden von 

äerika, dieser daher unter gleichen Breitegraden kälter war, worüber umfassendere und über viele Länder- 
le sich ausdehnende Untersuchungen mit der Zeit sicher genauere Aufschlüsse geben werden. 
Wir liaben oben gesehen, dass die Pflanzen und die Süsswasser-Mollusken uns zeigen, dass diese Gegend 
miocenen Zeit höher lag als gegenwärtig; gilt dies auch von den nahen Aleuten, so erhalten wir eine 
"MCte Landverbindung zwischen Asien und Amerika und die Brücke für die asiatischen Typen der ame- 
'ilnischen Miocen-Flora. 

S. 67. Die Hainbuche verhält sich in Schweden wie die Buche. Vgl. Anderson aper9u de la Vegetation 
etjes plantes cultives de la Suede. Stockholm. 1867. S. 17. Ich erhielt diese interessante Abhandlung leider 
2u|;pät, um sie noch für den Abschnitt über das Klima benutzen zu können, dagegen habe sie in der tabel- 
larchen Uebersicht der miocenen Pflanzen berücksichtigt. 

S. 90. Thujopsis europoea. Die Zweige und Blätter sind viel schmäler als bei der Tli. dolabrata und 
»n leser Beziehung scheint sie der Th. lastevirens Lindl. näher zu stehen. 

S. 91. Sequoia Langsdorfii. Ich erhielt neuerdings von Atanekerdluk auch die weiblichen Blütlien (vgl. 
Ta'iXLVn. Fig. 15 b.). An einem Zweig haben wir unten abstehende, weiter oben aber an denselben 



p Es ist darnacli die Angabe auf S. 26 Z. IG zu berichtigen, indem ich später den Glyptostrobus europmuä unter den 
GrÖ)i,ndcr Pllanzca erkannt habe. LeHquereux ist geneigt, die Ablagerung von Nanaimo auf Vau Couver für olierc Kreide zu 
J"^"'], weil er von da ein Blatt erhalten hat, das einem solcl.cn von Nebraska (Cinnamomum Ilecrii Lesq.) sehr ähnlich i«t. Nach 
"«r iichnung liegt aber nur ein Blaltfctzen von Nancimo vor, der mir zu solcher Bcalimmung nicht zu genügen sclicint. Dio 
*<^''Ö n Zweige der Sequoia Langsdorfii von Van Couver sprechen für das Miocen. 



Nachträge und Bcriclitigungen. . 5^33 

Mckte Blätter und an der Spitze ein ovales Zäpfchen, das aus kleinen, aussen verdickten Schuopcn 

ht, welche die weibliche Blüthe darstellen. Weiter vorgerückt ist das Fig. 15 dargestellte Zäpfchen. Es 

dies junge Zäpfchen in horizotalem Durchschnitt vor uns. 

S. 95. Salisburea borealis. Es ist mir neuerdings von Atanekerdluk ein fast vollständig erhaltenes Blatt 
^'iomnien, welches ganz mit Salisburea adiantoides Ung. übereinstimmt und es mir wahrscheinlich 
iflt, dass die von mir als S. borealis beschriebenen Blattreste ebenfalls zu dieser Art gehören. Wir haben 
ig in folgender Weise zu charakserisiren : 

Salisburea adiantoides Ung. Taf. XLVII. Fio-, 14. 

S. foliis late rhomboidco-subreniformibus, in petiolum long.im angustatis, margine undulatis, flabcllatim nervoso-striatis. 
Unger genera et spec. plantar, fossil. S. 392. Massalongo et Scarabelli flora Senogalliese. S. 103, Taf. 1. Fig. 1. Taf fi Fi" 18 Taf 7 Fi" 2 
Fig. 12. 

Das Blatt hat einen dünnen langen Stiel, der oben gestreift ist. Er breitet sicli oben allmälig in die 

a|läche aus, wodurch sich dies Blatt leicht von Adiantum reniforme unterscheidet. Es ist also am Grund 

ilrmig, dann aber sehr bald sich ausbreitend. Es wird das Blatt durch diese schnelle Ausbreitumr fast 

ir förmig, nur ist es am Grund nicht ausgerandef Die Nerven sind stellenweise sehr schön erhalten, 

illiweise aber verwischt. Vom untersten Grund laufen etwa G aus, die aber sehr bald sich gabiig thcilen. 

es Gabelung wiederholt sich drei bis vier Mal, ist aber schwer zu verfolgen. So weit dies der Fall ist, 

t sie mit S. adiantifolia überein (S. 95). Der Rand ist an der linken Seite erhalten. Die Ecken sind 

iirf zugerundet, vorn ist er wellenförmig gebogen, aber nicht gekerbt, neben der Mitte nur ganz seicht 

juchtet. 

Es ist dies Blatt dem der lebenden S. adiantifolia so ähnlich, dass es zweifelhaft wird, ob die fossile 

laije wirklich von der lebenden getrennt werden kann. Es ist der Rand weniger gekerbt und die Nerven 

twas dichter gestellt, doch sind dies kleine Unterschiede, welche kaum eine Arttrennung rechtfertigen 

nm. Von den Blättern von Senegaglia hat eines (Flora Seneg. Taf. 39. Fig. 12) auch einen tiefer gekerbten 

mcund bei dem Taf. XLVII. Fig. 4 a. abgebildeten Blattfetzen sind die Nerven ebenso weit auseinander 

8t(t, wie bei der lebenden Art. 

law b. S. borealis, S. 95, weicht zwar durch die viel weniger verbreiterte Blattfläche von der vorigen 

. ^ich bei der lebenden Art kommen auf demselben Baum Blätter vor, die eben so stark sich ausbreiten, 

e h S. adiantoides, und andere, bei denen dies viel weniger der Fall ist und bei denen der Seitenrand 

iiler ansteigt, so dass das Blatt keilförmig wird. Allerdings sah ich noch kein Blatt dieser Art, das so 

geworden, wie das der S. borealis, dennoch scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass letztere als 

t zu S. adiantoides gehöre, die an derselben Lokalität vorkommt. 

)ie Salisburea Procaccinii Massal. (Flora Senog. Taf. 39. Fig. 1) hat ein in der Mitte gespaltenes Blatt, 

aber der einzige Unterschied ist, kann ihm um so weniger Werth beigelegt werden, indem auch die 

i Art an demselben Baum Blätter mit ganzen und in der Mitte gespaltenen Flächen zeigt. Sie beweist 

; überaus nahe Verwandtschaft des fossilen Baumes mit der lebenden Art. 

. 109. Quercus Steeiistrupiana. Noch ähnlicher als die asiatischen Eichen scheint die Q. densiflora Hook. 

iS (lifornien dieser Art zu sein'. 

. 110. Die Ulmaceen bilden die vierte, die Moreen die fünfte, die Plataneen die sechste Familie. 



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Erklärung der Tafeln. 



Alle Figuren, bei denen nicht ausdrücklicli gesagt ist, dass sie vergrössert, gehen die natürliche Grösse. Sie 

wurden mit möglichster Sorgfalt gezeichnet; die Originalien zu denselben befinden sich in den im Texte 

bezeichneten Sammlungen. Da die Form der die Pflanzen umgebenden Steine gleichgültig ist, 

wurde sie nach dem Format der Tafeln eingerichtet. 



Taf. I. 

Taf. I. bis und mit XIX. Pflanzen aus Nordgrönland; alle bei 

denen die Lokalität nicht .angegeben ist, sind von Atanckerdluk. 

Gesammelt von den Herren Olrik, M'Clintock, Colomb, 

Ingleficld , Dr. Lyall und Dr. Torell. 

Fig. 1. Rhytisma borealc Hr. Ib. vergrössert, c. d. stärker 
vergrössert. 

, - 2 — 4. Spliffiria annulifera Hr. 2 b. vergrössert. 

- 5. Sphteria arctica Hr. 5 b. vei-grössert. 

- 6—11. Osmimda Hcerii Gaud. 

- 12. Ptcris Rinkiana Hr. a. Blattficderchcn, c, diese 

vergrössert, b. Spindel. 

- 13. Pccopteris arctica, .aus Brongniart. Von Komc. 

- 14. Pccopteris borcalis ]3rgu., aus Brongniart. Von 

Korne. 

- 15. Pccopteris Torollii Hr. 15 b. c. vergrössert. 

- IG. Woodwar d itea arcticus Hr. IG b. vergrössert. 

- 17. Kquisctum borcalo Hr. 17 b. ein Stück vcrgrössot. 

- 18. E(|uisc tum 16 b. vergrössert, 

- 19. Equisct um. 

- 20. Pin US. 20 b. ein Stück vergrössert. 

- 21. 22. 23. 24 c. Taxitcs Olriki. 

- 24 a. b. Sequoia Langsdorfii Br. sp. 

- 24 d. Unbestimmbar, nicht Zamites arcticus. 

Taf. IL 

Fig. 1. Salisburea adiantoides Ung. var. borealis. Von 
Disco. 

- 2 — 22. Sequoia Langsdorfii Brgn. sp. Fig. 2. Zweig 

mit Zäpfchen. 3. Zapfenschuppen auseinandcrgefallen. 
4. Zapi'ensticl. 4 b. ein Stück vergrössert 5 a. ein Stück 
eines Zweiges. 5 b. junge Samen. 5 c. vergrössert. 6. 7, 
Samen. 8. 9. 9 b. Zweige von Disco. 10. Zweig von 
Stcinbstanz überzogen. 11. 12. Zweige, deren Biiitter 
deutlichere Längsstreifen zeigen. 13. Zweig, neben welchem 
ein Zapfenstiel mit angedrückten Blättern. 14. Zweig ver- 
grössert , deren Achse von weisslichem kohlensaurem 
Kalk eingenommen. 15. mit Zweigen bedeckte Steinplatte, 
in der IMitte ein mäimlichcs Blüthenkätzchen. 19. diess 
vergrössert. 10. fruclittragender Zweig mit einigen Znpfen- 
schiippen. 17. Uolierre.stc eines jungen Zäpfchens. 18. Zweig 
mit zwei männlichen Blüthenkätzchen. 20 Zweigatück ver- 
grössert. 21. Bl.attstück vergrössert, mit Querstreifen. 
22. ein ganzer Jahrestrieb. 

- 23. Sequoia brevifolia Hr. 23 b. (bis) Zweigstück 

vergrössert. 23 b. neben dem Zweig, Zapfenschuppe, 
c. Carpinus. 

- 24—26. Taxodium dubium Stb. sp. 27 vergrössert. 

Taf. m. 

Fig. 1 Sequoia CouttsiajHr. 1 b vergrössert. 

- 2. 3. 4. Glyp tostrobus europrcus Br, sp. 4 b. ver- 

grössert. (Auf der Tafel irriger Weise unter demselben 

Namen wie Fig. 1.) 
-5 a. Glyptostrobus europajus. 5 a. a. vergrössert. 

b. liesto von Zi-ipfet.schuppcn. 
-5 c. Magnolia Ingleficldi Hr. 5 d. Phyllites li- 

r i d c n d r i d e s H r. 



Fig. 6— 8. Phragmites ceningensis A. Br. 6 b. 7 b. S b. 
vergrössert. 

- 9. Poacitessp. 9 b. vergrössert. 

- 10. 11 Iridium gr oenland icum Hr. 10 b, vergrössert. 

10 c. 11 b. stärker vergrössert. 

- 12. Cyperites Zollikoferi Hr.? 12 b. vergrössert. 

- 13. Nadelholz von Atanekerdluk. S. 93 u. 169. 

- 14. Zamites arcticus Gojp. von Korne. 14 b. ein Blatt- 

stUck vergrössert. Aus Goeppcrts Abhandlung Jahrb. für 
Mineralog. 18G6. Taf. II. 

Taf. IV. 

Fig. 1 — 6 b. Populus Richar dsoni Hr. 1. Früchte. 2. Blätter 
von Disco. 3. Blattbasia ijpd Spitze. 4. Blattrand. 5. mcli- 
rerc übcreinanderliegoule Blätter. 6 b. grosse Zähne. 

_ 6 a. junges Blatt von l'opulus arctica Hr. 7. Blatt mit 
Stiel. 

- 8—10. Salix groonlandica Hr. 8. Blatt mit einem 

Zweigstück und Resten eines männliclicn Blüthenkätzchens. 

- 11 — 13. Salix Racantt II r. 

- 14 — 16. Myrica acuminata Ung. 14. 14 b. Blalt.spitze. 

14 c. vergrössert. 15 c. Stück einer Fruchtährc. b. Frucht, 
c. Zapfenschuppen von Sequoia. 16. Fruchtährc. a. b. 
Deckblätter, c. Frucht. 15 u. 16. vergrössert, 

- Taf. V. 

Populus arctica. Fig. 1 a. Bhitt. b. Rindenstück. 2 a. Blatt- 
stück mit kleinen Zähnen. 2 b. mit welligem Rand ; 
ebenso Fig. 3. 4. 8. Fig. 5. 6. Blatt mit einzelnen Zähnen. 
7. mehrere übereinanderliegende Blätter, 9. Blattrand ge- 
kerbt, von Disco. 10. junge Blättchen. 

Fig. 11. 13. Populus arctica zizyphoides. 12. langes 
schmales Blatt. 14. Frucht. 14 b. vergrössert. 

Taf. VI. 

Fig. 1—4. Populus Zaddachi Hr. 

- 5—6. Populus arctia. 

- 7. 8. Populus Richardsoni. Fetzen grosser Blätter. 

Taf. VII. 
Fjg, i_4. Populus Gaudiiji Fisch."? 

- 5. Populus sclcrophylla Sap. 

- 6 a. Qucrcus für ci nervi s Rossm. ap. 6 b. c. Myrica 

acuminata. 6 d. Zapfenschuppe von Sequoia. 

- 7 b. c. Diospy ros Lovcni. 7d vergrössert. 7 a. Qucrcus 

furcinervis. ♦ 

- 8. Diospyros Lovcni, 

- 9. Juglans acuminata A, Br. 

Taf. VIII. 

Grosse Steinplatte, die Herr Colomb nach Dublin gebracht hat. 
Fjo-. 1_4. Fagus Deucalionis Ung. 

- 5—6. Populus arctica. 

- 7, Prunus Scottii Hr, 

- S. Quercus grcenlandica Hr. 

- 9-12. Cor^luB Mac Quarrii Forb ap. 



Erklürun"; der Tafeln. 



185 



Fig. 13. Scquoia La ngstl o rf ii. 

- 14. Sequoia Couttsito. 14 b. vergrössert.' 3 c. ein Stück 

eines Buchnüsschcns vcrgrüssei't. 

- 15 a. Fruchtsteiu von Prunus Scottii. b. Osmunda 

Hccrii. 

- 16. Prunuß-Steine von Menat. 

. Taf. IX. 

Fig. 1— S. Corylus Mac Quarrii Forb. sp. 1. Blatt von 
Ardtcnhcad in Scliottland, 2. 3. 4. von Atanekerdluk. 
3. C M'QuaiTÜ macroplij'Ua. 3 b. vergrössert, 5. 6. Frucbt- 

j schalen 7. 8. von !Menat in der Auvergnc. 

I - 9—12. Oötrya Walkeri Hr. 9. Blatt. 10 , junges Bliitt- 
chcn. 11. 1*2. Fruchtbecher, a. Basis schwach vergrössert. 
b*. ein Stück stärker vergrössert. 

- 13 a. b. Quercus atava Hr. 13 c. Popnlus arctica. 

13' d. Platanus. 

- 14a. Pter ospermites integrif olius Hr. 14b. Pla- 

nera Ungeri Ett 

Taf. X. 

jFig. 1. 2. Fagus dentata. Blattfetzen. 

I- 3. Quercus gr a5nlandica, vervollständigtes Blatt. 

- 4. Quercus grcenlandica. 

1- 5. Quercus Ülafseni Hr., vervollständigtes Blatt. 

- 6. Fagus Deucalionis Ung. , vervollständigt. 

- 7 a. Quercus grojnlan dica. 7 b. Fagus dentata. 

- 8. Faguscastancajfolia'üng. 

- 9. Fagus dentata, vervollständigt. 

Taf. XL 

'^ig, 1 — 3. Quercus Drymcia Ung. 1. Blattspitze. 2 a. Blatt. 
2 b. fSlück einer Eichel. 2 c. ein Blattstück vergrössert. 
3. Blattletzen. 3 b. Blattgrund. 

- 4. Quercus grcenlandica von Disco, 

- 5. Quercus ötecn s trup iana Hr. 

- 6, Quercus platania Hr. ^Fig. 5 u. 6 auf der Tafel als 

Q. Olafseni bezeichnet,) 

- 7 — 12. Quercus Olafseni. 

Taf. Xn. 

ig. 1—8. Platanus aceroides Gp. 1 a. Blatt mit kleinen, 
scharfen Zähnen, a. a. ein Zahn vergrössert. 1 b, Juglans 
acuminata. c, Taxodium. 2. 4, 5. Blattbasis, 3. mitt- 
lere Partie. 6. 7. Blattstielbasis. 8. die umschloBsene 
Knospe stärker vergrössert. 

• 9. BetulaMiertschingiHr. 

Taf. XIII. 
ig. 1 — G. Ficus? grcenlandica Hr. 

Taf. XIV. 

g. 1 — 5, Daphnogene Kanii Hr. 1, vervollständigtes Blatt. 
2 a. Basis. 2 a a. ein titück davon vergrössert. b. vordere 
Partie des Blattes, c. mittlere. 2 c. (bis) ein Stück von 
2 b, vergrössert. 3. Elattmitte. 4, linke Blattseite. 3 b. ein 
Stück vergrössert, 5, Blatt auf der Rückseite der Stein- 
platte Fig. 2, 

Taf. XV. 

g. 1 a. Mac Clintockia Lyallii Hr. von Disco. 

1 b. Populus Zaddachi? 

1 c. Populu s ar c tica. 

2. Mac Clintockia Lyallii, ganzes Blatt. 2 b. ein 
Blattstück vergrössert, 

3—4. Mac Clintockia dentata Hr. 3b. u. 4c. Zähne 
vergrössert. 4 b. Blattgcwebe vergrössert. 
I f>, C. llakea? arctica Hr. 

7. 8. fl. Mac Clintockia trinervis Hr. 7 b. ein Zahn 
1 vergrössert. 7 b. (bi.s) Blattstück schwach vergrössert. 
j b. Blattspitze. 

10, 11. 12. Diospyros brachyacpala A. Br. , 



Fig. 13. Gcäder des Phyllodiums von Acacia laurifolia 
vergrössert. ' 

- 14. Geäder von Hakea latifolia, vergrössert. 

Taf. XVI. 

Fig. 1, Daphnogene Kanii aus der Sammlung der gcolo^ical 
yurvey. 

- 2. 3 a. Menyanthes arctica Hr. 2 b. Stück des Mittel- 

nervs vergrössert. 3 b. Cyperites. 

- 4. Fraxinus denticulata Ilr. 

- 5. ü. Magnolia Inglcfieldi. 

- 7 a. b. Mac Clintockia Lyallii. 

- 7 c. Phyllites celtoides Hr. 

-8 a. Carpolithcs symplocoidea Hr. 9, vergrössert. 

- 8 b, Magnolia, 

-8 c. Phyllites Rubiformis Hr. 

- 10. Carpolithes sphairula Hr. 10 b. vergrössert. 

- 11 — 14. Carpolithes li thosp ermoides Hr. 11. natür- 

liche Grösse. 12. 13. vergrössert, 14, idealer Durchschnitt 
vergrössert. 

- 15. Carpolithes bicarpellaris Hr, 15 b, vergrössert, 

Von Disco. ' • 

Taf. XVn. 

Fig. 1. Hedera Mac Clurii Hr. a. gestieltes Blatt, b. oberes 

Zweigblatt. 

- 2 a. b. Mac Clintockia Lyallii. 

- 2 c. Hedera Mac Clurii. 

- 2 d, Paliurus Coiombi Hr. 

- 3. 4, Hedera Mac Clurii. 

- 5. stellt einen Theil der Unterseite der auf Taf. VIII, ab- 

gebildeten Steinplatte d(ir. 

- 5 a, H edera M'Clurii, b. c, Populus arctica. 

- 5 d. Corylus M 'Quarrii. 

- 5e. Andromedaprotogaja. e. e. ein Blattstück ver- 

grössert. 

- 5 f. Pinus hyperborea Hr. ff, ein Stück vergrössert, 

- 5 h. i, Diospyros brachysepala. 

- 6. Andromeda protogsea Ung. 

- 7. Andromeda Saportana Hr. «7 b. ein Blattstück ver- 

grössert. ] 

- 8 Galium antiquum. 8' b, vergrössert. 

Taf. XVIII. 

Fig. 1—3. Magnolia Inglefieldi. Fig, 3 (die Zahl fehlt aus 
Versehen auf der Tafel) drei Blätter auf einer grossen 
Steinplatte, die Herrn Inglefield gehört; das lilatt a, liegt 
auf derselben weiter von b. entfernt und wurde näher 
gerückt, um auf der Tafel Platz zu finden, 

- 4 — 5. Callistemophylluöi Moorii Hr. 6. vergrössert. 

6 a. ein Blattstück noch mehr vergrössert. 

. Taf. XIX. 

Fig. 1. Paliurus borealis, 

- 2—4. Paliurus Coiombi; 3 a, Blatt, b, Frucht, c. Zweig 

mit Stachel. 

- 5. 6. Rhamnus Eridani Ung. 

-7 a. Rhamnus Eridani. b. Populus arctica. c. Co- 
rylus M'Quarrii 

- 8. .luglans paucincrvis Hr ; ist mit Fig, 5. 6. 7 und 

Taf. X. Fig. 7. Taf. IX. Fig 14 auf derselben Steinplatte, 

- 9 Phyllites membranaceus Hr.; auf demselben Stein 

* mit Taf, IX. Fig. 4 und Taf XIV. Fig. 2. 

_ 10 12. Phyllites Rubiformis. 11 b ein Blattstück 

vergrössert. 11 c. noch stärker vergrössert. 

- 13. Chrysomelites Fabricii. 14. vergrössert. 

- 15, Pentatoma boreale; Flügeldecke neben einem 

Blattfetzen von Mac Clintockia, 15 b. Flügeldecke ver- 
grössert. 15 c. das Thicr vervollständigt, in natürlicher 
Grööse. 



24 



186 



Erklärung der Tafeln. 



Fig 
der 



Fig. 



Taf. XX. 

1 — 13 Stcinkohlenpflanzcn der Mclville-Inscl; Fig 14 von 
Bathurstinsel; Fig. 15 von der Mcrcy-Bai des Bankslandes; 
Fig. 16 — 10. von der Ballastbai. Gesammelt von 
Sir Leop. Mac Clintock und Mac Clure. 

1 a. b. Schizoptcris Melvillcnsis. c. Spore. 2. diese 
fünfmal vcrgrösscrt. 1 d. e, Nccggcrathia M 'Clin- 
tock i 1 f. N. polaris. Von der Skenc-Bai. 

- 3. 4. 5 a. Cyclopteris sp. Skene-Bai. 

-5 b. Spore von Lepidodendron; 5 d. vergrössert. 
5 c. Noeggcrathia Franklin!. Skene-Bai. 

- G. Pccopterissp. Skene-Bai. 

- 7 Cardiocarpus circularis; 7 b. 8. zweimal ver- 

grössert. Skenc-Bai. 

- 9. Lepidodendron Velth e imianu m (Knorria acicu- 

laris Gp ) Hridport inlct ; daneben glänzende Kohlcn- 
schuppen, die m;in irrig als Sphcnopteris gedeutet hat. 

- 10. Lcpidophyllum obtusum Skene-Bai. 

- 11. Nccggcrathia p olari s. a. b. Blattfetzen, vom Cap 

Dundas. c. Unbekannter Blattfetzen, c. c. derselbe ver- 
grössert. Aus demselben Kohlenstück wie Fig. 12. 

- 12. Na3ggerathia M'Clintocki. Cap Dundas. b. N. 

polaris, b. b. vergrössert. c. d. f. N. Franklini. 

- 13. ThuitesParryanus. b. yergrössert. Village Point. 

- 14. Pin US Bathursti. 14 b. vergrössert. 

- 15. Nadelstück von Pinus. 15 b. vergrössert. 

- 16—18. Pinus M'Clurii Hr. 16. Zapfen in der geolog. 

Survey von London. 17. In der Dubliner Sammlung, 18. 
Seitenansicht desselben. 

- 19. Pinus Armstrongi Hr. 19 b. c. vergrössert. 

- 20. Pinus Nordmanniana Stev. 20 b, vergrössert. 

Taf. XXI. 

Taf. XXL, XXII. und XXIIL von Dr. Richardson am 
Mackenzie gesammelte Pflanzen. 

Fig. 1—8. SequoiaLangsdorfii. 1. Zweig. 1 b. ein Stück 
davon vergrössei-t, 2. 3. Zweige. 4 u. 4 b. Blattstücke 
stark vergrössert mit feinen Querstreifen. 5. Zweig mit 
längern Blättern. 6. Männliche Blüthen 7. Zweig, daneben 
der Abdruck eines Samens. 7 c. dieser vergrössert. 8. 
Abdruck der Zapfenschuppen. 

- 9. Pinus-Nadel. 

- 10 — 12. Glyp t OS tr obus europajus. 10 b. c. Zweige 

mit abstehenden Blättern. 10 d. vergrössert. 11 a. Zweig- 
stück von vorigem; 11 b. vergrössert. 11 c. Corylus 
M'Quarrii. 12. Zweig von Gl yp tostrobus. 

- 13. Salix Raeana. 

- 14. 15 a. Populus arctica 

- 15 b. P terospe rmites dentatus. 

- 16. Populus Hooker i. 16 b. vergrössert. 16 c. Frucht- 

knoten ? vergrössert. 

- 17 a. Hedera M'Clurii. 17 b. Platanus aceroidea? 

- 18. 19. Smilax Franklini Hr. 

Taf. XXII. 

Fig. 1—6. Corylus M'Quarrii. 1 — 2. kleinere Blätter. 1 b. 
Zähne vergrössert. 3 4. 5. Corylus M'Quarrii ma- 
crophylla. 6. zweifelhaft. 

- 7. Qucrcus Olafseni, 

Taf. XXm. 
Fig, 1. Corylus M'Quarrii macrophylla. 

- 2 a, 3. Populus Richardsoni. 

- 2 b. 4. Platanus aceroides, 

- 5. Phyllites aceroides. 

- 6. Pterospcrmitcs dentatus; daneben Glyp tostro- 

bus europajus. 

- 7. 8. 9. Pterospermitesdentatus. 

- 10. Betula. Rindenstück. 

- 11. Carpolithes scminulum Hr. c. vergrössert. 

- 12 Antholithes amisaus Hr. 12 b, vergrössert. 

- 13. Caulinites borealia, b. Astnarbe vergrössert, Island. 



Taf. XXIV. 

Taf. XXIV. bis und mit Taf. XXVIII. Pflanzen aus Island, 
gesammelt von Prof. Steenstrup und Dr. Winklcr. 

Fig. 1 a. Rhytisma induratum auf einem Ahornblatt, da- 
neben Sparganium. 

- 2—6. Equisetum Winklcri. 6. Wurzelknollen. 

- 7 — 10. Sequoia Sternbergi. > 

~ 11—17. Pinus microsperma Hr. 11. Same nebst einer 
Nadel. 11 b. derselbe vergrössert. 12. Zapfenschuppe. 
13. Zweig. 14. 15. 16. 17. einzelne Nadeln. 

- 18. PinuB brachyptera Hr. 

- 19. Deckblatt. 

- 20. Pinus ffimula Hr. 

- 21. Pinus thulensis Steenstr. 

- 22 a. Pinus Martinsi Hr. b. Pinusnadel. c. Deckblatt 

von Betula prisca. 

- 23—26. Pinus Steenstrupiana Hr. 23, 24. 26. Zapfen- 

schuppen. 25. Same. 

- 27—32. Pinus Ingolfiana Steenstr. 27—29. Nadeln. 

30. 31. Zapfenschuppen. 32. Samen. 

- 33. Pinus serotina. 

- 34. Pinus nigra, Zapfenschuppe, a. b. Samen. 

- 35. Pinus alba; a. b. c. Samen, d. vergrössert. 35 c. (bis) 

Zapfenschuppe. 

- 36. Pinus canadensia. a. Same. b. vergrössert. c. Za- 

pfenschuppe. 

- 37. Pinus balsamea, Zapfenschuppe. 

- .38. Pinus religiosa; Zapfenschuppe mit einem Samen, 

Taf.: XXV. 

Fig. 1 a. Acer otopterix Gcep, 

- Ib c, Sparganium valdense Hr. d. c. Früchte ver- 

grössert. 

- 2 a. c. Carex rediviva Hr. b. vergrössert. 

- 3. Salix macrophylla Hr. a. von Gaulthvamr, b, von 

Hredavatn. 

- 4 — 9. Alnus Kefersteinii Gcep. 4.5.6.7. Zapfenreste, 

4 b. vergrössert. 8. Fruoht. 8 b. vergrössert. 9 b. Blatt, 

- 9 a. Betula prisca Ett, Blatt mit SclerotiumDrya- 

dum Hr. . 

- 10. Birkenast. .- 

- 11—19. Betula macrophylla Gp. 11. Blatt. 12 Früchte. 

12 b. vergrössert. 13. 14 15. Deckblätter. 16. Blattfctzcn, 
17. Blatt mit Dothidea borealis. 17 b. dieser Pilz 
vergrössert. 18. kleineres Blatt. 18 b. Zähne vergrössert. 
19 a. Blatt. 19 b, Frucht, 19 c. diese vergrössert, 

- 20—25. Betula prisca Ett. 20, Blatt von Sandafell, 

21, Frucht. 21 b, vergrössert 22—25. Deckblätter. 

- 26—29. Betula ForchhammeriHr 26, Frucht, 27. ver- 

grössert. 28. 29. Deckblätter. 

- 30, Deckblatt. 30 b, vergrössert. 

- 31. Betula Dryadum Br. Frucht vergrössert. Von 

Armissan. 

- 32, Fagus Dcucalionis Ung. 

Taf. XXVI. 

Fig. la. Corylus Mac Quarrii. 1 b. c. Betula prisca, 
1 d. e. f Vitis islandica Hr. Von Brjamslack, 

- 2. 3, 4, Corylus Mac Quarrii. 

- 5. Platanus aceroides, von Hredavatn. 

- 6. Quercus Olafseni, von Brjamslaek. 6 c. Blattfctzcn 

mit Zähnen, von Hredavatn. 

- 7 a. Vitis islandica. b. Liriodendron Procaccinii 

var. c. Quercus, Von Brjamslack, 

Taf, XXVII. 

Fig, 1_3. Ulmufl diptcra Steenstr, 1. von Erjamslaek. 
1 b. Zähne vergrössert. 2. 3. von Laugavatsdalr, 
-4 a, Fetzen eines Birkcnblattcs. 
-4 b. Rhamnus Eridani, Brjamslaek. 

- 5—8. Liriodendron Procaccinii, 5. Blatt, 6.7.8. 

Fruchtblätter. Brjamslack. 



Erklärung der Tafeln. 



187 



Fig. 0. Rhus Brunneri Hr. von Gaulthvamr. 

- 10. Dombeyopsis islandica Hr. Husawik. 

- 11. Phyllitesacutilobus, von Husawik. 

- 12. Phyllites tenellus; die Farbe geht auf der rechten 

Seite aus Versehen über den Blattrand hinaus. 12 b. ver- 
grössert. Brjamslack. 

- 13. Phyllites vaccinioides. 

- 14. Carpolithcs gern inus. 14 b. vergrössert. 

- 15. CarpolithesNajadumKr. 15 b. vergrössert, 

- IG. Ca rpolithcs b or ealis Hr. 16 b. vergrössert. 

- 17.18. Cyperites islandicus Hr. 17b. 18b. vergrössert 

(auf der Tafel aus Versehen als Carpolithes scirpiformis 
bezeichnet). 

- 1&. Cypcrithcs nodulosus. 19 b. vergrössert (auf der 

Tafel als Carpolithcs). 

- 20. D aphnia-Eiersattcl. 20 b. vergrössert. 

- 21. Carabitea islandicus. 21 b. vergrössert. 

Taf. XXVin. 

Fig. 1—13. Acer otopterix. 1. 3. 4. 13. von Gaulthvamr. 

2. 5. 6. 7. 8. 0. 10. 11. von Brj.amslack. 12 von Tindar- 
fell. 

- 14—17. Juglans bilinica, von Brjamslaek. 

Taf. XXIX. 

Spitzb ergen. Kingsbai. Gesammelt von Dr. Blomstrand. 

Fig. 1 a. b. c. d. e. Sphenopteris Blomstrand i. 

- 1 f. Poacites Torellii. 1 g. ein Stück vergrössert. 

- 2. Sphenopteris Blomstrand i. a. b. Blattfiedern. 

3. diese vergrössert. 

- 4 a. b. Blattfctzen obiger Sphenopteris. 4 c. ein Stück 

der Spindel. 

- 6. G ymnogramme calomelanus Kau If. 

- 7. Filicites deperditus. 

- 8. Equisetum arcticum. a. Scheide, b. Stengel mit 

Astwirtel. c, d. Stengel. 

- 9 a. b. Sphenopteris Blomstr andi ; Blattfiedern. c. 

d. Blattstiele, e. f. Equisetum arcticum. g. Wurzeln. 

Taf. XXX. 

Spitzbergen. Bellsund. Gesammelt von Prof. Nordenskiöld. 

Fig. 1 a. Taxodium angustif o lium. 2. vergrössert, 1 b. 
Potamogeton Nordens kiöldi Hr. 

3. Taxodium dubium. 

4. Taxodium dubium und Fagus. 
ö a. Alnus Keferstelni. 5 b. Potamogeton Nor- 

dcnskiöldi. c. d. Blattstiel von Potamogeton. e, ein 
Stück vergrössert. 
6 a. Potamogeton Nordenskiöldi. 6 b. Fruchtdecke 
von Fagus ? ö c. die Warzen vergrössert. 

7. Potamogeton Nordenskiöldi. 

8. Ein Blatt dieser Art vervollständigt. 

9. Populus arctica, von der Kingsbai. 

Taf. XXXI. 

Spitzbergen. Bellsund. Dr. Nordenskiöld. 
''ig. 1 a. Populus Richardsoni. 1 b. Corylus? 

- 2. Fetzen von Pop. Richards oni. 

- 3 a. Salix macrophylla? 

- 3b Fagus Deuc alionis. 
" 4 a. Alnus Kefersteinii. 

- 4 b. P i n u s ]) o 1 a r i 3, c Fetzen eines Pappclblattes. d. Frag- 
ment von Farrn. 

- 5. Corylus IM 'Quarr ii. 
-Ca. Corylus. b. c Tilia. 

Taf. XXXII. 

'ig- 1. Platanus accroides, vom Heersberg im Grlinhafcn; 
von Dr. Blomstrand. 

2. Dieses Blatt vervollständigt. 

3. 4. Pinites cavernosus Gram. 



Taf. XXXm. 

Fig. 1. Tilia Malmgreni Hr., aus der Kingsbai. 

- 2. Dieses Blatt vervollständigt. 

Taf. XXXIV. 

Fig. 1. Cuprcssinoxylon pulchrum, von Banksland, in 
natürlicher Grösse, oben aus 2 Jahrringen zusammenge- 
setzt. Der Pfeil giebt die Richtung von innen nach auasea 
an. 

- 2 a. Cupress. polyommatum, von Banksland, in natür- 

licher Grösse. 2 b. Querschnitt durch das.selbe in der 
Gegend von u in Fig. 2 a. Die Ecke u in Fig. 2 b. ist 
gleich der Kante in Fig. 2 a. 

- 3. Cupress. pulchrum, von Banksland, in natürlicher 

Grösse. 

-4 a. Betula Mac Clintocki; fossiles Stück Holz von 
Banksland in natürlicher Grösse. 4 b. Ansicht desselben 
von oben; u ßy in Fig 4 b. sind gleich a ß y in Fig. 4 a. 

- 5. Cupress. ucran icu m? Polirtc Endflüche eincsStUckes 

in natürlicher Grösse. Von Grönland 

Taf. XXXV. • 

Fossile Hölzer von Banksland. 

Fig. 1. Pinus M'Clurii, Querschnitt, h zusammengesetztes 
Harzgefäss. Das Frühlingshdlz des Jahrringes, in welchem 
das Harzgefäss liegt, Jst zusammengesetzt. 

- 2. Cupress. polyommatum. Querschnitt durch die 

Grenze zweier Jahrringe. 

- 3. Tangentaler Längsschnitt durch dasselbe Holz. 

Taf. XXXVI. 

Fig, 1 — 5. Pinus M'Clurii von Banksland. 1. radiale Längs- 
Bchnittsansicht einiger Hcrbstzcllen. 2. radialer Längs- 
schnitt durch das Früldingsholz, mit einem Markstralil. 
3. tangentale Längsschnittsansicht. Ein Markstralil zeigt 
ein zusammengesetztes Harzgefäss (h). 4. tangcnt. Längs- 
schnittsansicht eines Markstrahles, stärker vergrössert. 
5. tangentale Längsansicht einer Holzzellc, 

- 6 — 8. Cupress. pulchrum von Banksland. 6. radiale 

Längsschnittsansicht bei schwacher Vergrösserung. 7. eine 
Holzzelle in radialer Längsansicht, stark vergrössert. 
8. radiale Längsansicht eines Markstrahles, bei stärkerer 
Vergrösserung. 

Taf. XXXVII. 

Fig. 1 — 6. Cupress. polyom-matum vonBanksland 1. radia- 
ler Längsschnitt durch das Holz , schw^ach vergrössert. 
2. dito, mit einem einfiichen IJarzgefäss. 3 Stück einer 
Holzzelhvand mit 3 Tüpfeln ; zwei Tüpfclhüfc cnthalti-n 
noch Eisenoxyd Das' Präparat wurde erhalten durch 
Kratzen auf der Oberfläche des liohm.ateriales. 4. 5. 7*Iark- 
strahlzellen in der radi.ilen Längsansicht, stark vergrös- 
sert. 6. Enden einiger Holzzellcn mit zahlreichen Tüpfeln, 
stark vergrössert. 

Taf. XXXVIII. 

Fig. 1 — 6. Cupress. dubiumvon Banksland. 1. radiale Längs- 
ansicht der Enden einiger Holzzellcn. 2. radiale Längs- 
ansicht mit wahrscheinlich nur zufälligen Hölilungon, 
schwach vergrössert. 3. radiale Längsansicht einif^cr Holz- 
zcllen und eines Markstrahles 4. Stück einer Ilolzzelle. 
5. G. analoge Ansichten wie Fig 3. 

- 7—12. Cupress. ucranicum (?) von Grönland. 7. ra- 

diale Längsansicht einer Holzzellc, bei Beleuchtung von 
oben. 8. Stück einer Ilolzzelle l)ei Belouclitung von unten. 
9 Stück eines Markstrahles, bei derselben Beleuchtung. 
10. ähnliche Darstellung wie Fig. 7. 11 a. radiale Längs- 
ansiciit eines Stückes ein(!r Holzzelle mit einem angren- 
zenden einfachen Ilarzgcfus.s (h). IIb. Dasselbe Prä])nr.it 
um 90 gedreht. 12. ähnliche Darstellung wie Fig. 7 
u. 10. 

Taf. XXXIX. 

Fig. 1—9. Betula Mac Clintocki von Banksland, 1. Stüek 
der polirten, dann geatzten Endfläche des Taf. XXXIV. 
Fig. 4 a. b. dargestellten fossilen Holzes der Pflanze. 



188 



Erklärung der Tafeln. 



2 — 3. Querschnittsansichten des Holzes bei stärkerer Vcr- 
grösscrung. 4 Ein Gcfäss, an den schiefen Scheidewiinden 
der zusammengetretenen Zellen Iciterförmige Durchbre- 
chungen zeigend. 5. Ende einer Gcfässzclle mit leitcr- 
lorniig durchbrochener schiefer EndlUichc. 6. Tangentaler 
Längsschnitt durch das ITolz. 7. Stück eines Gefiisses, 
8. dito, mit prächtigen Tüpfeln. 9. Ende einer Gcfässzclle. 

Taf. XL. 

Fig. 1—8. Pinitcs latiporosus von Spitzbergen. 1. Qucr- 
sclinittsansicht des fossilen Holzes mit der Grenze zweier 
Jalirringo bei IJeleuchtung von oben. 2 — 5. Stücke von 
Ilolzzcllen in der radialen Längsansicht. In Fig. 4 ist 
das Ausfüllungsmaterial durch oäurc nicht ganz voll- 
ständig aus den Tüpfolliüfon ausgezogen worden. G u. 7. 
Vstückc von Rlarkstrahlen in der radialen Längsansicht. 
S. Die eine Endfläche des fossilen Holzes mit 4 Jahr- 
ringen in natürlicher Grösse dargestellt ; der Pfeil giebt 
die llichtung von innen nach aussen an. 

Taf. XLI. 

Fig. 1—5. Pinitcs paucip o rosus von Spitzbergen. l.Polirte 
Endfläche des fossilen Holzes, bei Beleuchtung von oben. 
2. Polirte, dann geätzte Endfläche des fossilen Holzes, 
bei Beleuchtung von oben. 3. Tangentale Längsansicht 
zweier Holzzellen mit einem zweireihigen Markstrahl, bei 
Beleuchtung von unten. 4. Radiale Längsansicht dreier 
Holzzellen mit Tüpfeln, die zu IMarkstrahlzellen führten, 
bei Beleuchtung von unten. 5. Polirte, dann geätzte 
radiale Längsansicht des fossilen Holzes mit der Grenze 
zweier Jahrringe und mit mehreren Markstrahlen, von 



oben beleuchtet. 



Taf. XLn. 



Fig. 1 — 10 Pinites cavernosus von Spitzbergen. 1. Stück 
des fossilen Holzes mit eigenthümlichen Harzbehältern (?). 

2. Radi.ale Längsansicht eines Stückes einer Holzzelle. 

3. Stücke von IMarkstrahlen in der radialen Längsansicht. 

4. Eine Markstrahlzelle in der radialen Längsansicht 

5. Polirte , dann geätzte Endfläche des fossilen Holzes 
bei Beleuchtung von oben. 6. Aehnliches Präparat wie 
Fig. 1, zugleich mit Markstrahlen, bei stärkerer Vergrös- 
serung. 7. Aehnliche Präparate wie Fig. 2. 9. MarkstralA- 
zellen in der radialnn Längsansicht. 10. Aehnliches Prä- 
parat wie Fig 2 u. 7. 

- 11 — 17. Cupressinoxylon Breverni von Grönland. 
11 u. 12. Querschnitte durch das fossile Holz. 13. Ein 
einfaches Harzgefäss. 14 — 16. Radiale Längsansichten von 
Holzzellen. 17. Tangentaler Längsschnitt durch einen 
Markstrahl 

Taf. XLm. 

Kreide-Pflanzen von Korne. Gesammelt von Dr. Rink. 

Fig. 1 a b. c. Gleich enia Giesekiana; 1 a a. ein paar 
Fiederchen vergrössert. 
Id Sequoia Reichenbach i. 

1 e. Widdringtonites gracilis; e.e. f. g. Zweigstücke 
vergrössert. 

1 f (bis) Pinus Crameri. 

2 a. Gleichcnia Giesekiana; 2 b. Sequoia Reichen- 
bachi. 

3 a. b. Gleichenia Giesekiana; a. Blattspindeln ; 
b. Fiederchen. 

3 c. Widdringtonites gracilis. 

4. Gleichenia Zippei; .4 b. Fiederchen vergrössert. 

5 a. Sequoia Reichenbachi; 5 d. u. 5 d.d. ein Ast- 
stück vergrössert, 

5 b. Pecoptcris arctica; b. (bis neben dem Stein) 
vergrössert. 

6. Gleichenia Rinkiana; G b. ein Stück vergrössert. 

7. Sphenopteris Johnstrupi. 

8. Sequoia Reichenbachi, Same. 8 b. vergrössert. 

j Taf. XLIV. 

Kreide-Pflanzen von Komc. Von Dr. Rink. 
r'6«l. 1 c. Gleichenia rigida. 1 b. vergrössert. 



Fig. 2. Gleichcnia Giesekiana mit Fruchthäufchen. 2 b. 
em paar Fiederchen vergrössert. 2 c. den Sorus noch 
mehr vergrössert. 

- 3. Gleichenia Giesekiana, schwach vergrössert. 3 b. 

Variet. falcata Gccp. 

- 4. Pecoptcris hy per b orca. 

- 5 a. b. Pecoptcris borealis Br. 5 c. Zamites arc- 

ticus Gccp. 

- G a. b. c. Sclcrophyllina dichotoma. 

- 7-18. Pinus Crameri. 7. schmales, am Zweig befestig- 

tes Blatt. 8 a. 9. Zapfenschuppe mit Nadeln. 10. 11. 13. 
14. IG. Kadcln. 12. vergrössert. 15. Nadelspitze noch 
mjihr vergrössert. 18 b. Nadel sehr stark vergrössert. 
17. 18. Zweige mit noch einzelnen Nadeln. 

- 19. Pinus Petersen i. 

- 20. 21. Danajites firmus. 22. vergrössert. 

- 23 Fasciculitcs g rconlandicu s. 23 b. ein Gefäss- 

bündel vergrössert. 

Taf. XLV. 

Taf. XLV. bis L. Miocenc Pflanzen aus Nordgrünland, einige 

von Disco, die meisten von Atanekerdluk. Gct^juumelt 

durch Vermittlung des Herrn Justizrath Olrik. 

Fig, 1 a. Taxites Olriki. Ib. vergrössert. 1 c. Frucht ver- 
grössert. 

-Id. Quercus furcinervis Rossm. sp. 
-2 a. Sparganium stygium b. Zweig, c. Woodwarditea 
areticus. 

-. 3. Cyperites borealis. 3 b. ein Stück vergrössert. 

- 4. 5. Cyperites microcarpus. 4 b. 5 b. 5 d. ver- 

grössert. 

- 6. Rohrstück von Phragmites ocningensis A. Br. 

- 7. Lastraja stiriaca Ung. sp. 

-8 a. Pteris ocningensis. 8 b, vergrössert. » 

- 8 c. Colutea Salter i. 

- 9 a. c. Sphenopteris Miertschingi. 9 b. vergrössert. 

- 10. Equisetum boreale. 

- 11 a. b. c. Zapfen von Taxodium dubium, d Zweig. 

e. Ast von Betula. 

- 12. Taxodium dubium. a. Abdruck des Zapfens, b. 

Schuppe, c. Zapfendurchschnitt, d. Zweige. 

- 13. Sequoia Langsdorfii. a. Längsdurchschnitt des 

gestielten Znpfens. b. Zapfenrest noch am Zweig befestigt, 
c. Blattreste, d. Sparganium stygium. e. Knollen 
von Equisetum. f. Aststück von Equisetum. f. f. ver- 
grössert. 

- 14 — 18. Sequoia Langsdorfii. 14. der Zapfen restau- 

rirt. 15. Spitze des Zapfens. 15 b. vergrössert. IG a. hori- 
zontaler Durchschnitt des Zapfens, b. c. Samen. 17. Ab- 
druck der Zapfenschuppe. 17 b. vergrössert. 18. ver- 
ästelter Zweig. 18 b. blattstück mit runden ScLeibchcn. 

- 19. Sequoia Couttsiai» 19 a. von Kuljeldenc auf Disco. 

19 b. von Atanekerdluk. 

- 20-22. Glyptostrobus europseus. 

Taf. XL VI. 

Fig. 1. 2. 3. Fagus castanc tcf olia Ung. 1, junges Blatt. 
2. 3 b Blätter mit gerade abstehenden Zähnen. 3. Blatt 
mit nach vorn gerichteten Zähnen. 

- 4. FagusDeucalionis Ung. 

- 5. G. Quercus furcinervis Rossm. sp. 

- 7. Quercus platania. 

- 8. 9. Quercus riteenstrupiana. 8 b. ein Blattatück 

vergrössert 

- 10. Quer cus Olafseni. 

- 11 a. Fagus macrophylla. b. Dlüthenkclch von Dios- 

pyros. 

Taf. XLVIL 

Fig. i. Quercus groenlandica, Blatt mit Zweig. 

- 2. Fraxinus denticulata. 
-3 a. Platanus aceroides Gp. 
-3 b. Sequoia Langsdorfii. 



Erklärun!? der Tafeln. 



189 



Fig. 4 a. Salisburca. b. Frucht von Diospyros brachy- 
scpala. c. c. Blätter. 

- 5. Die Frucht Fig. 4 b. vergrössert. 

- 5 f. g. Früchte von Diospyros. 

- G. Kelch von Diospyros. 6 b. vergrössert. 

- 7. Fruchtkclch von Diospyros brachysepala A. Br. 

- 8. Diospyros L o v c n i. 
-9. QuercusLyellii. 

- • 10. Myrica borealis. 10 b. ein Zahn vergrössert. 

- 11. Salix Raeana. 

- 12 a. b. Alnus u Stratum Ung. 

- 13. IM'Clintockia Lyallii. 

- 14. Salisburca adiantoidcs Ung. 

- 151 Sequoia Langsdorfii, Querdurchschnitt eines jun- 

gen Zäpfchens. 15 b. weibliches Blüthenzäptchen. 

Taf. XLVm. 

Fig. 1. Vitis Olriki. 1 b. Same. 1 c. vergrössert. 

- 2. Vitis arc tica. 

- 3—0 Hex longif olia. 

- 7. II ex reti c ulat a. 

- 8. M'Clinto ckia Lyallii. 

- 9. Woodwardites arcticus, vergrössert. 

Taf. XLIX. 

Fig. 1. Rhamnus brevifolius A. Br. 

- 2. Zizyphus hyperb oreus. 

- 3—6. Juglans Strozziana Gaud. 3— 5. von Atanekerd- 

luk. 6. von Udsted auf Disco. 

- 7. Juglans acuminata A. Br. 



Fig. 8. Ficus? groenlandicn. 

- 9. Carpinus grandis Ung. 

- 10. Rhamnus Eridani Ung. 

Taf. L. 
Fig. 1. 2. Crata5gus antiqua. 1 b. Zähno vergrössert. 

- 3. 4. Cratffigus Warthana. 3. von Kuls.jeldcne auf 

Disco; bei b. Zapfenschuppen von Sequoia Langs- 
dorfii. 4 b. Nüsschen von Taxites Olriki. 

- ö. Lcguminosites arcticus. 

- 6. Rhamnus Gaudini. 

- 7. Phyllites cvanesccns. 

- 8. Cornus ferox Ung. 

- 9. Populus Gaudini, von Udsted auf Disco. 

- 10. Acer otoptcrix, 

- 11 a. Thujopsis europroa Sap.; 11 b. c. vergrössert. 



11 d. e. Andromeda denticulata. 

12. Trogosita insignis. 12 b. vergrössert. 
Flügeldecken zusammengestellt. 

13. Blattidium fragile. 13 b. vergrössert. 



12 c. zwei 



Der Uebersichtskarte der arctischen Zone wurde die Karte 
zu Grunde gelegt, welche Herr Dr. J. D. Hooker seiner Ab- 
handlung „Outlines of the Distribution of arctic Planti" bei- 
gegeben hat. In dieselbe wurden die nordische Baumgrenze und 
die Juli-Isotherme von 10" C. eingetragen. Dem geologischen 
Kärtchen der Parry-Inseln liegt die Karte zu Grunde , welche 
M'Clintock's Reminiscenses of arctic Ice-Travel beigefügt ist. 



Register der beschriebenen Arten. 

Die mit * versehenen Namen sind Synonyma. 



Acer otoptcrix Gocpp. 
* — triangulilobiim Gp. 

* — vitiroliiim O. Web. 
*Alnitcs i\l'QujuTii Fori). 
Alnus Kcfcrstcinii Gocpp. 

* — macrophylla Goepp. 
— nostratum Ung. 

Andromeda denticulata Hr. 

— protogisa Ung. 

— Saportana Hr. 
Antliolithcs amissus Hr. 

* Araucarites Reiclienbachi 



Gein. 



Sternbergi 



Goepp. 



*Bambusium platypleurum Goepp. 
Betula Forclihammeri Hr. 

— M'Clintocki Gram. 

— macrophylla Gp. sp. 

— Miertschingi Hr. 
— • prisca Ett. 

Blattidlum fragile Hr. 

Callisteraophyllum Moorii Hr. 
Carabites islandicus Hr. 
Cardiocarpus circularis Hr. 
Carex rediviva Hr. 
Carpinus grandis Ung. 

* — Heerii Ett. 
Carpolithes borealis Hr. 

— bicarpellaris Hr. 

— geminus Hr. 

— lithosperraoides Hr. 

— Najadum Hr. 

— Scminulum Hr. 

— sphaärula Hr. 

— Symplocoides Hr. 
*Carya Ungeri Ett. 
Caulinites borealis Hr. 
Chrysomclitcs Fabricii Hr. 
Colatca Salteri Hr. 

Cornus ferox Ung. 

Corylus ]\rQuarrii Forb. sp. 104. 138. 

CvatKgus antiqua Hr. 
— Warthana Hr. 

* Cryptomeria primaeva Corda. 



122. 152 


Cupressinoxylon Breverni Mcrkl. 


91 


152 


— dubium Gram. 


135 


152 


— polyonimatinn Gram. 


135 


101: 


— pulchrum Gram. 


i;55 


146. 159 


— ucranicum Goepp.' ? 


Ol 


146 


Cyclopteris sp. 


131 


103 


Cyperites borealis Hr. 


96 


116 


islandicus Hr. 


145 


116 


— microcarpus Hr. 


97 


117 


— nodulosus Hr. 


145 


139 


— Zollikoferi Hr.? 


96 


83 
140 


Dangeites firmus Hr. 


81 




Daphnia 


155 


169 


Daplmogene Kanii Hr. 


112 


148 


Diospyros brachysepala A. Br. 


117 


135 


— Loveni Hr. 


118 


146 


Dombeyopsis islandica 


151 


103 


Dothidea borealis Hr. 


139 


. 148 

^ r>/*\ 


* Dryandroides acuminata Hr. 


102 


130 


Equisetum arcticum Hr. 


156 


121 


— boreale Hr. 


89 


154 


Winkleri Hr. 


140 


132 
145 


Fagus castaneffifolia Ung. 


106 


XrttJ 

103 
103 
154 


— dentata Ung. ? 


106 


— Deucalionis Ung. 


105. 149. 159 


— macrophylla Ung. 


10? 


129 
154 
128 
154 


Fasciculites grocnlandicus Hr. 


85 


Ficus? groenlandica Hr. 


111 


Filicites depcrditus Hr. 


155 


Fraxinus denticulata Hr. 


118 


139 


Galium antiquum Hr. 


119 


128 


* Geinitzia crctacea Endl. 


83 


128 


Gleichenia Giesckiana Hr. 


78 


153 


— Rinkiana Hr. 


80 


145 


— rigida Hr. 


80 


129 


— Zippei Cord. sp. 


79 


126 


Glyptostrobus europaius Brongn. sp. 


90. 135 


119 


* — ocningensis A. Br. 


90 


149. 159 
125 
126 


Hakea? arctica Hr. 


113 


Hedera Mac Clurii Hr. 


119. 138 


83 


Hex longifolia Hr. 


124 



Register. 



Hex reticulata Hr. 
Iridium groönlandicum Hr. 

Juglans acuminata A. Br. 

— bilinica Ung. 

— paucincrvis Hr. 

— Strozziana Gaud. 

"'Knorria acicularis Goep. 
'■■■ — Sclirainmia'na Gp. 

iLastrsea stiriaca Ung. sp. 
Leguminosites arcticus Hr. 
Lcpidodendron Veltheimianum Stbg. 
Lcpidopliyllum obtusum Hr. 
Liriodcndron Procaccinii Ung. 

Mac Clintockia dentata Hr. 
— Lyallii Hr. 

I — tri n er vis Hr. 

llagnolia Inglefieldi Hr. 
Menyanthes arctica Hr. 
Myrica acuminata Ung. 

— borealis Hr. 

Nceggeratliia Franklini Hr. 

— M'Clintocki Hr. 

— polaris Hr. 

Osraunda Heerii Gaud. 
3strya Walkeri Hr. 

'^aliurus borealis Hr. 

— Colombi Hr. 
.^ecopteris arctica Hr. 
} — borealis Brgn. 

— byperborea Hr. 

— striata Ung. 

— Torelli Hr. 

— Zippei Corda 
'entatoma boreale Hr. 
rhragmites oeningensis A. Br. 
'hyllites aceroides Hr. 

— acutilobus Hr. 

— celtoides Hr. 

— evanescens Hr. 

— liriodendroides Hr. 

— membranaceus Hr. 

— Rubiformis Hr. 

— tenellus Hr. 

— vaccinioides Hr. 
inus aemula Hr. 

' Armstrongi Hr. 

— Bathursti Hr. 

— brachyptera Hr. - 

— Crameri Hr. 

— hyperborca Hr. 

— Ingolfiana Stcenstr. 

— Mac Clurii Hr. 

— Martinsi Hr. 



•124 
97 

124 
153 
125 
125 

131 
131 

87 
127 
131 
132 
151 

115 
115 
115 
120 
118 
102 
102 

133 
132 
132 

88 
103 

122 

122 
80 
81 
81. 
80 
88 
79 

130 
96 

139 

153 

128 

127 

127 

127 

127 

154 

154 

142 

134 

134 

141 
84 
94 

143 

134 

141 



Pinus microsperma Hr. 

— Petcrseni Hr. 

— polaris Hr. 

— Stccnstrupiana Hr. 

— tliulensis Stcenstr. 
Pinites Bserianus Gp. 

— cavernosus Cram. 

— latiporosus Cram. 

— Middendorfianus Gp. 

— pauciporosus Cram. 
Planera Ungeri Ett. 
Platanus aceroides Gp. 
Poacites Torelli Hr. 
*Polypodites stiriacus Ung. 
Populus arctica Hr. 

— Gaudini F. O. 

— Hookeri Hr. 

— Richardsoni Hr. 

— scleropliylla Sap. 

— Zaddachi Hr. 
Potamogeton Nordenskiöldi Hr. 
Prunus Scottii Hr. ^. 
Pteris oeningensis A. Br. , 

— ■ Einkiana Hr. 
Pterospermites dentatus Hr. 

— integrifoli^is Hr. 

*Pyrus troglodytarum Ung. 

Quercus atava Hr. 

— Drymeia Ung. 

— furcinervis Rossm. 

— groenlandica Hr. 

— Lyellii Hr. 

— Olafseni Hr. 

— platania Hr. 

— Stccnstrupiana Hr. 

Rliamnus brevifolius A. Br. 
— • Eridani Ung. 

— Gaudini Hr. 
Rliytisma induratum fir. 
Rhus Brunneri Fisch. 

* Sagenaria Veltheimiana Prl. 
Salisburea adiantoides Ung. 

— borealis Hr. 
Salix groenlandica Hr. 

— macrophylla Hr. 

-T- Racana Hr. 
Scliizoptcris mclvillcnsis Hr. 
Sclcrophyllina dichotoma Hr. 
Sclerotium Dryadun; Hr. 
Sequoia brcvifolia Ilr. 

— Couttsiaj Hr. 

— Langsdorfii Brgn. sp. 

— Reiclienbachi Goin. sp. 

— Sternbergi Gocpp. sp. 
Smilax Franklini Hr. 



111. 138. 



100. 



110. 
150. 



137. 



98. 137. 



123. 



91. 



191 

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157 

144 

141 

41 

157 

157 

41 

157 

150 

159 

157 

87 

158 

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137 

158 

99 

98 

157 

126 

87 

87 

138 

122 

153 

110 
107 
107 
108 
108 
149 
109 
109 

123 
153 • 
124 
140 
153 

131 

183 
183 
101 
146 
101. 137 
131 

^2 
140 

93 

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136. 1.S2 

83 
140 
136 



109. 



123. 



95. 



192 



Register. 



Sparganium stygium Hr. 
— valdcnsc Hr. 


- 07 
145 


Spliairia annulifera Hr. 


86 


— arctica Hr. 


86 


Splienopteris Blomstrandi Hr. 

— Jolmstrupi Hr. 

— Miertschingi Hr. 


155 

78 
87 


*Taxites LangsdorRi Br. 


91 


— Olriki Hr. 


95 


Taxodium angustifoliuin Hr. 


156 


— dubium A. Br. 


89. 156 


* — europaium Brongn. sp. 
Thuites Kleinianus Gp. 


90 
91 



Thujopsis curopaja Sap. 
* — massilicnsis Sap. 
Tilia Malmgreni Hr. 
Trogosita insignis Hr. 

Ulmus diptera Steenstr. 

Vitis arctica Hr. 

— islandica Hr. 

— Olriki Hr. 

Widdringtonites gracilis 
Woodwardites arcticus 

Zamitcs arcticus Goepp. 
Zizyphus hyperboreus Hr. 



90. 182 

90 

160 

129 

149 

120 
150 
120 

83 
86 

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V.arslcr, KiHii-^X'ff i "' .^-li.ji'. 



Fiy. 1 2.7.b.!). Fa.^-u.s dcnUU.3. if. ^ucmis sjTÖnlaJiJlca.ä Oufivus Olalscm. f.. K;ig-iis IVmdiom.s. ";..<". K;ij;-iis .MsUiiiad;.!! 



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Ki.v. 1. D.ii,lmo..-ei,e Xanil. 2. 3. .Yenvanllios arcür.T. kTr.-udnus dcnliculala. h. 6. Ma^ol.a In"-l/ricl(1..7a.b. .'\I ri,nl.(-kia Lvallli 7.c. ri.vllitrs a-Iloi.l.-s. ö ü 
' "^ sfmplocoidcs.lO. Carpolit« spliacrnla.U.lV.Caq.olitlie.s lidio.spcniioulcs.iSCarplUhes biau'pHlans. 



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Fi.v lal. 2.1- ;i. '♦. o.a. JloU'ra .Mac niirli. 2 ;i 1» . Mac Clinlücku Lvallii, -'.d ialiunu Culombi . öl...- r..|i"l''-^ .uvlira .V.l Un-Iu.s Mac Oiiarni 
.Vc G. A,.,lcomea,i ,Mv1,Mp,-a. O.J'.Fimis l.ypcrLorea . 5.h.i.i)io.spj.us bracl.pq.ala. 7 Aii.lroiuc.la .Sai-rlaiu . ö. (ial.uin auli.iiuau . 



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jnnnbrajiaccus.lO.lZ.n.vlliLL'.sJluljüüims.l.l. ll^. Clirvsomclias l'alncii. 16. l'ciUaloma borcal.-. 



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J.o. l'2.i-.d.i\NüC};-^ei-aUiuiTi-aiil<Um. G.lVcoplcns Cp. T.8.Car.l.ormi>u.s cl.cularis. 9.Li'l)uloaeu.ln.ii Vrlll.nmuinum. 10 Lcpuloiilivllum 
ülüüuin . U. 12.l).'Noe^^;ora[hia polaris. la.TluiiresPariyaiiufl, 1^.1'iiniB BaÜiursli. IS.Pinus .16_ 18 l'iniis Mnc Cluru. W.Piiiu.s Arn.ftro.M;. 

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ll.CarpollÜios suniimiliiiii.l2.Arilholilhr.s amis.sus.ir). GiuliMiks lii.rcili.s. 



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L'l. r'lluilnisi.T Tl. \\ Mar(in>i. L'7_ .'IL'. 1'. iM'^i.lfun:! .X!. 1'. mtoiIiu üV. !'. !ii\;r;i. :'.... r.:ilUi.;;(;.l'.r;ii);i.lni.M.s .',/ . I'. lul-anicii ;k".. I'. rcli.;-i,..s:i. 

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11'. riiyJlili-Ä trm-liiis. 13. l'hj'llitfs vacrinioidcs. U. Caf])cilcllu'.-i 5;-cnMnus. Ij. rarjjolitlics X.ijaJum iG l". UrfaJis.17 18. C. Si 

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Jd,;i.b. äa.Ö. Scquoia Kt.chenbachi. l.ee.f l.v;- 3.c, VVulclnn<rliimU's -j;rarilis. 



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ll.Fajms nuci'oj)Kylla.. 



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biMchvsr.iaia. 



■u< oTonUdu-a 2 Frxximsdn^uculau. 3.a.PlaUmi.. areroi.les 3 b. kV Srip.u Lano:saortu. V. t-. r <1. .S C 7. Pio.^jn-. 

^ ^-ellii 10. Mmca borealis 11 Sali.x Raeana. 12 Aliius uosUaUim K5. M l.hnlockw Lx-alln 
H Salisburea adianU>Kles 



u. I'iosinTos Lovfni, 9. (Aicrais 



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Wuittci rt«na«^jrii k C* icui^^ 



fit' 1 Vui.s Ulnki . j! . Vius airura .'.-ü. IIpjc longnfolu 7 Ile.x rtUculaU. 6. M. Clintocku Lyallii. 9. Wooiiward.l.-.s arcUciw. 



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no-, ! Kliammis l>i-c\-jlölnis .?, Zia-))1uis h\i)frl)orfUs .'_ l'i. Jiii;iin> SlrozzKiiiii 7. Ju^-ljns ,irumiii;ilj ö Ficik -^ iiT(»iil.iiitli'...i,l!. l!.ii|>;mr '■■r.,ricli> 

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