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Full text of "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz"

Prof. Dr. Thome's 



Flora von Deutschland, 



Österreich und der Schweiz. 



Erster Band. 



Alle Rechte vorbehalten. 



Prof. Dr. Thome's 



Flora von Deutsehland, 



Österreich und der Schweiz. 



Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage. 



* 



Band L 

Mit i6o Tafeln in Farbendruck. 

botanjcal 
üAi^iäg- 



Gera, Reuss j. L. 

Friedrich von Zezseh-witz. 

Verlag „Flora von Deutschland". 

1903. 



LIBRARY 
Nt?.W YORK 
BüTANVCAL 



Aus dem Vorwort zur ersten Auflage. 



Vorliegende Flora will die Farne sowie die Blütenpflanzen Deutsch- 
lands, Österreichs und der Schweiz zur Darstellung bringen. Sollte 
dabei hier und da über die Grenzen hinübergegriffen und die eine oder 
andere, fremden Grenzbezirken angehörende Pflanze mit aufgezählt sein, so 
wird dies nicht missverstanden werden, da das Buch weniger dem Pflanzen - 
geographen als denjenigen dienen will, deren Beruf oder Neigung ein ge- 
naueres Eingehen auf die heimische Flora verlangt oder wünschenswert 
macht. Mit Rücksicht auf diesen Gesichtspunkt wurde auch Verzicht ge- 
geleistet auf die Angabe aller der Orte, welche sonst wohl als Fundort 
bezeichnet werden. 

Das Buch ist für alle Freunde der Pflanzenwelt, d. h. nicht nur 
als Handbuch für Lehrer, sondern auch für solche bestimmt, welche, ohne 
gerade Botaniker von Fach zu sein, der Pflanzenwelt näher treten wollen. 
Ist es deshalb einerseits leicht verständHch, enthält es auch nur sehr 
wenige kritische Bemerkungen und gar keine Angriffe auf andere, so wird 
doch auch andererseits das Streben nach durchaus wissenschaftlicher Be- 
arbeitung nirgends verkannt werden können, und somit darf denn diese 
Flora hoffen, dass sie auch Ärzten, Apothekern, Forstleuten, Landwirten 
und Studierenden ein treuer und zuverlässiger Führer sein werde. 

Untrennbar von der Aufgabe des Buches ist ein als Einleitung 
dienender allgemeiner Teil, welcher neben einer Erklärung der vor- 
kommenden Kunstausdrücke eine Tabelle zum Bestimmen der Gattungen 
enthält. 

Wer nie Pflanzen bestimmte, möge sich zunächst an der Bestimmung- 
einiger ihm bekannter oder auffälliger, wenn möglich im Buche abgebildeter 
Pflanzen üben. Gräser, Kreuzblütler, Doldenträger, Köpfchenblütler, Glieder 
grosser und schwieriger Gattungen oder kleinblütige Pflanzen sind vorerst 
auszuscliliessen. Zum Bestimmen der Gattung diene zunächst das Linnesche 
System; späterhin ist indes von diesem möglichst wenig Gebrauch zu 
machen, damit das viel wichtigere Erfassen der Familienkennzeichen nicht 
verabsäumt werde. 



— VI — 

Die Anordnung der Gattungen und Arten ist mit wenig Ausnahmen 
durchweg zweigliederig; passt A nicht auf die vorliegende Pflanze, dann 
gehört dieselbe zu B und die sämtlichen Unterabteilungen von A können 
übergangen werden; passt unter B die Nummer I, dann ist die II nicht 
zu beachten; so fährt man fort: passen 1, a, a, a, aa nicht, dann gehört 
die Pflanze zu 2, b, ß, b, bb u. s. w. 

Es ist hierbei zunächst nur nötig, die Beschreibungen bis zu dem Ge- 
dankenstriche „ — " durchzunehmen, da die hauptsäclilich unterscheidenden 
Merkmale vor demselben angeführt sind; doch möge man später auch die 
nach demselben folgenden Angaben einiger Aufmerksamkeit wert halten. 

Man lasse sich aber in zweifelhaften oder schwierigen Fällen nicht 
gleich zurückschrecken; um zum Ziele zu gelangen, bedarf es oft genaueren 
Umschauens in der Beschreibung der einzelnen Arten, namentlich, wenn 
Pflanzenteile, auf welche die Tabelle zurückgreift, nicht vorliegen. Selbst 
dann ist die Bestimmung noch in vielen Fällen möglich, oft aber nicht: 
daher ist beim Einsammeln die Aufmerksamkeit auf das Er- 
langen möglichst vollständiger und nicht ungewöhnlicher Stücke 
zurichten. Auf besonders fettem oder magerem, nassem, trockenem oder 
steinigem Boden, an sonnigen oder sumpfigen Orten gewachsene Pflanzen 
sind oft abweichend gestaltet und daher, so wertvoll sie auch für das 
Herbarium sein mögen, nicht zur ersten Bestimmung zu nelimen. Schwankt 
diese zwischen einer seltenen und einer wenig seltenen Art, dann möge 
man sich vorläufig stets für die häufigere entscheiden, so schwer dies auch 
erfahrungsgemäss, namentlich Anfängern, zu sein pflegt. 

Beschrieben wurden etwas über 5500 Arten, Abarten und Bastarde. 

Was das Wort oft nur andeuten kann, das soU das Bild zu voller 
Klarheit bringen, und darin ist unser Buch jedenfalls unübertroffen; ein 
Blick genügt, um die höchste Naturtreue der Pflanzenbilder, soAvie nament- 
lich die sorgfältige Auswahl und Mannigfaltigkeit der überdies farbigen Teil- 
zeichnungen zu bezeugen; abgebildet wurden 769 Pflanzen auf 616 Tafeln 
mit 5060 Einzelbildern. 



Vorwort zur zweiten Auflage. 



Wenn ein Buch wie das vorliegende eine Verbreitung von 5000 Exem- 
plare fand, dürfte es wohl einem Bedürfnisse entsprochen haben und der 
ihm gesteckten Aufgabe gerecht geworden sein. Die neue Auflage ist 
daher auch weniger eine umgearbeitete als eine ausgebaute und, wo es 
Not that, verbesserte. Neu ist jedoch vor allem die Hervorhebung der 
so oft auftretenden und bislang fast überall unbeachtet gelassenen Ver- 
schiedenheit der Blütengestaltung ein und derselben Pflanze infolge ihrer 
Bestäu bungs Verhältnisse. 

„So möge denn dieses Buch, das in mehr als einer Hinsicht 
neue Bahnen betritt, hinausziehen und allüberall, in stets 
weiter und weiter greifenden Kreisen sich und der Pflanzenwelt 
Freunde gewinnen." 

Mit diesem Wunsche beendete der Verfasser das Schlusswort der ersten 
Auflage: er wagt es, auch die neue damit hinauszusenden. 

Co In, Pfingsten 1903. 

Der Verfasser. 



Inhaltsverzeichnis. 



I. Allgemeiner Teil. 

Seite 

Die Blütenpflanzen in ihrer äusseren Gliederung; Biologisches 1 

Die Wurzelgebilde 1 

Die Stengelgebilde 2 

1. Die unterirdischen Stengel 2 

2. Die oberirdischen Stengel 2 

Die Blattgebilde 4 

Die Keimblätter 4 

Die Laubblätter 5 

Die Blattstellung 12 

Die Hochblätter 13 

Die Knospen 14 

Die Haargebilde 17 

Die Blüte 18 

Der Blütenstand 20 

Der Kelch 23 

Die Blumenkrone 24 

Die Blütenhülle 26 

Die Nektarien und das Saftmal 26 

Die Staubblätter 27 

Der Stempel 28 

Die Keimbildung (Bestäubung, Befruchtung) 30 

Wasserblütige 39 

Windblütige 39 

Tierblütige: Schneckenblütler, Vogelblütler, Insektenblütler 40 

Wirkung der Augenfälligkeit, Schauapparate 41 

Wirkung des Duftes 41 

Wirkung des Honigs 42 

Blüten bieten Obdach 42 

Blüten bieten Stoff zum Nestbau und Brutstätten 42 

Die als Kreuzungsvermittler tätigen Insekten und ihre Ausrüstung zur Ge- 
winnung von Blumennahrung 42 

Die Anpassung der Blumen an Insekten: Pollenblumen, Honigblumen, Blumen- 
gesellschaften, Immenblumen, Falterblumen, Fliegenblumen 45 

Schutzmittel der Blumen 49 



— X — 

Seite 

Die Bastardbilclungen 51 

Die FrucM 52 

Der Same 54 

Verbreitungsmittel der Früchte und Samen 55 

Die Einteilung der Pflanzen 56 

Natürliches Pflanzensystem: Engler-Prantl 58 

Künstliches System: Linne 58 

Tabelle zum Bestimmen der Gattungen 61 

Eegister 101 



II. Spezieller Teil. 

Einteilung des Pflanzenreiches 1 

Cryptogamae, Sporenpflanzen, Blütenlose 3 

1. Klasse: Filicales, Famkräuter 4 

1. Familie: Hymenophyllaceae, Hautfarne 5 

2. Familie: Polypodiaceae, Tüpfelfarne 6 

3. Familie: Osmundaceae, Rispenfarne 34 

4. Familie: Ophioglossaceae, Natterzungengewächse 35 

5. Familie: Salviniaceae, Schwimmblattgewächse 38 

6. Familie: Marsiliaceae, Schleimfarne 39 

2. Klasse: Equisetales, Schachtelhalme 40 

7. Familie: Equisetaceae, Schachtelhalme 40 

3. Klasse: Lycopodiales, Bärlappe 44 

8. Familie: Lycopodiaceae, Bärlappgewächse 44 

9. Familie: Isoetaceae, Brachsenkrautgewächse 47 

10. Familie : Selaginellaceae, Selaginellengewächse ^ 47 

Phanerogamae, Blütenpflanzen 49 

1. Unterabteilung: Gymnospermae, Nacktsamige 49 

1, Klasse: Coniferae, Nadelhölzer 49 

11. Familie: Taxaceae, Eibengewächse 50 

12. Familie: Pinaceae, Kieferngewächse öl 

2. Klasse: Gnetales, Gnetumgewächse 61 

13. Familie: Gnetaceae, Gnetumgewächse 61 

2. Unterabteilung: Angiospermae, Bedecktsamige 62 

1. Klasse: Monocotyledoneae, Einsamenlappige 62 

14. Familie: Typhaceae, Rohrkolbengewächse 65 

15. Familie: Sparganiaceae, Igelkolbengewächse 67 

16. Familie: Potamogetonaceae, Laichkrautgewächse 68 

17. FamiHe: Naiadaceae, Nixkrautgewächse 77 

18. Familie: Juncaginaceae, Blumenbinsengewächse 78 

19. Familie: Alismaceae, Froschlöff'elgewächse 79 

20. Familie: Butomaceae, Wasserlieschgewächse 81 



— XI — 

Seite 

21. Familie: Hydrocharitaceae, Frosclibissgewächse 82 

22. Familie: Gramirieae, Gräser 84 

23. Familie: Cj^peraceae, Cypergräser 180 

24. Familie: Araceae, Arongewächse 260 

25. Familie: Lemnaceae, Wasserlinsengewächse 263 

26. Familie: Juncaceae, Binsengewächse 265 

27. Familie: Liliaceae, Liliengewächse 280 

28. Familie: Amaryllidaceae, Amaryllisgewächse 313 

29. Familie: Dioscoreaceae, Schmeerwurzgewächse 317 

30. Familie: Iridaceae, Schwertelgewächse 318 

31. Familie: Orchidaceae, Knabenkrautgewächse 325 

Zusätze und Verbesserungen 355 

Register 357 



Allgemeiner Teil. 
Die Blütenpflanzen in ihrer äusseren Gliederung; Biologisches. 

Alle Teile, welche zusammen den Körper der höheren Pflanzen bilden, 
kann man einteilen in Wurzel-, Stengel-, Blatt- und Haargebilde. 

Die "Wurzelgebilde. 

Die Wurzel ist das Organ, welches im allgemeinen abwärts wachsend 
die Pflanze im Boden befestigt und Nahrung aus demselben aufsaug-t; sie 
entwickelt niemals Blätter, Blattschuppen oder Blattknospen (sogenannte 
Augen) und trägt an ihrer Spitze eine beim Eindringen in den Boden Schutz 
gewährende, wenngleich meist nur durch das Mikroskop erkennbare Wurzel- 
haube. In der Regel ist sie in Aste und Zweige (Seitenwurzeln) und in 
Fasern verzweigt und ausserdem noch mit äusserst zarten Wurzelhaaren 
bedeckt. Es giebt indes viele Pflanzen mit Wurzelarten, welche diese Be- 
dingungen nicht alle erfüllen; so dringen die Kletter- oder Klammer- 
wurzeln des Epheu (426)*) seitlich in Baumritzen oder Mauerwerk ein; 
die Wasserwurzeln zahlreicher Wasserpflanzen (Froschbiss 40) fluten im 
Wasser und die Saugwurzeln schmarotzender Pflanzen saugen aus anderen 
Pflanzen die Säfte, welcher der Schmarotzer zu seinem Leben bedarf (Klee- 
würger 539). 

Hauptwurzel nennt man die Wurzel, welche sich als eine direkte 
Verlängerung des Stengels darstellt; sie heisst Pfahlwurzel, wenn sie 
stärker ist als die sich abzweigenden Aste. 

Nebenwurzeln sind die Wurzeln, welche seitlich aus dem Stengel 
entspringen, wie z. B. die Klammerwurzeln des Epheu oder die Wurzeln 
der Ausläufer bei der Erdbeere. 



*) In Folgendem bezeichnen die eingeklammerten Zahlen stets die Nummer der- 
jenigen Tafel, auf welcher das Angeführte abgebildet ist: in der Regel wurde nur ein 
Beispiel aufgeführt. 

Thome, Flora. I. 1 



— 2 — 

Ihrer Gestalt nach kann die Wurzel spindelförmig, d. h. lang-kegel- 
förmig (Petersilie), rüben förmig, d. h. mehr oder minder kugelig bis kurz- 
kegelförmig (Rübe, Radieschen), abgebissen, d.h. plötzlich breit und stumpf 
endigend (Grosser Wegerich), walzenförmig und fadenförmig (Gräser) sein ; 
sind die Wurzeln zum Teil knolli^j:v;erdickt, so heissen sie büschelig; 
endlich kann die Wurzel noch holzig (Bäume) oder fleischig (Radieschen), 
einjährig (©), zweijährig (©) oder ausdauernd (%) sein. 

Die Stengelgebilde. 

Alle mit Blättern, Blattschuppen oder Blattknospen besetzten Teile, 
mögen dieselben ober- oder unterirdisch sein, rechnet man zu den Stengel- 
gebilden. 

1. Die unterirdischen Stengel oder Mittelstöcke. 

Besondere Arten der Mittelstöcke sind die Wurzelstöcke, die Knollen 
und die Zwiebeln. 

Die Wurzelstöcke oder RMzome sind mehr oder weniger mit kleineren, 
I schuppenartigen Blättern, Niederblättern, oder mit Narben bereits abge- 
fallener Blattschuppen sowie mit Neben wurzeln besetzt; an ihrem Ende oder 
j neben den Blattnarben entwickeln sie Knospen, welche einjährige, oberirdische 
\ Triebe entsenden; sie sind oft langgestreckt (Maiglöckchen 129; Frauen- 
schuh 158), oft kurz und gedrungen, mitunter fleischig (Sellerie), selbst 
hohl (Wasserschierling 443). 

Die Knollen sind fleischig und verdickt; ihre Blätter meist sehr klein 
und nur an jungen Exemplaren wahrnehmbar; viele besitzen in Gruben 
*^ sitzende Knospen, sogenannte Augen (Kartoffel; Knabenkraut 142). 

Die Zwiebeln sind ebenfalls fleischig; bei ihnen bildet der Stengel eine 
flache, niedrige Zwiebelscheibe, welche unten Wurzeln, oben mehr oder 
weniger fleischige, schuppige, selbst zerfasernde Blätter trägt (Küchen- 
zwiebel 122). 

Knollenzwiebel hat man eine von den Resten früherer Blätter um- 
[ I gebene Knolle genannt (Safran 137; Siegwurz 140). 

2. Die oberirdischen Stengel oder Stengel im eigentlichen 

Sinne. 

Zuweilen findet man Pflanzen mit grundständigen Blättern, welche 
fälschlich stengellose, mit wurzelständigen Blättern oder Wurzel- 
blättern genannt werden; ihr Stengel ist im Verhältnis zur Wurzel und 



— 3 — 

zu den Blättern sehr klein und unentwickelt geblieben und wird daher oft 
übersehen (Wegerich 543). 

Die entwickeltsten Formen der oberirdischen Stengel, die Holzstämme, 
findet man bei den Bäumen und Sträuchern, von denen die ersteren 
einen längeren, unverästelten Stamm besitzen, während bei den letzteren die 
Verzweigung nahe am Boden, oft schon unter der Oberfläche beginnt. Wird 
nur der untere, kleinere Teil des Stengels holzig, während der obere, grössere 
alljährlich abstirbt, wie beim Gartensalbei, so heisst der Stengel Halb- 
straueh. Stock hat man den einfachen Stengel der Palmen und einiger 
anderer ausländischer Pflanzen genannt. Krautstengel heisst der zart und 
krautig bleibende, nicht holzig werdende Stengel; einen derartigen Stengel 
besitzende Pflanzen heissen Kräuter, oder, wenn sie ansehnlich sind und 
einen ausdauernden Wurzelstock besitzen, Stauden. Mit Schaft bezeichnet 
man einen blattlosen, nur Blüten tragenden Stengel, der einem unterirdischen 
Stengel entspringt, oder einer sogenannten stengellosen Pflanze angehört; er 
ist oft einblütig (Tulpe 120), oft mehrblütig (Maiglöckchen 129; Wegerich 
543). Der Grashalm ist durch verdickte Knoten in Glieder abgeteilt, 
gewöhnlich im Innern hohl und unverzweigt (Roggen 49); der Binsenhalm 
ist dagegen markig und ohne verdickte Knoten (Flatterbinse 105). 

Diejenigen Stengel, welche die unmittelbare Verlängerung der Wurzel 
darstellen, heissen Hauptachsen, ihre Verzweigungen Seite nachsen, 
Aste oder Zweige. Die Stellung der Verzweigungen zur Hauptachse 
bedingt die allgemeine äussere Form der Pflanze, welche man deren Tracht 
oder Habitus nennt; sie heisst wirtel- oder quirlförmig, wenn in 
gleicher Höhe rund um den Hauptstengel mehrere Äste entspringen (Kiefer); 
gegenständig (Schneeball 549), wenn sich in gleicher Höhe stets zwei ein- 
ander gegenüberstehende Äste befinden; kreuzständig (Taubnessel 510), 
wenn zwei gegenständige, aber nicht in gleicher Höhe entspringende Äste- 
paare ein Kreuz bilden; gabelförmig (Mistel 187), wenn der Stengel sich 
wiederholt in zwei gleich starke Äste teilt; zerstreut, wenn auf den ersten 
Anblick ein Gesetz in der Anordnung der Verzweigungen nicht zu herrschen 
scheint. Stengelteile, welche zwischen zwei Blättern liegen, heissen Stengel- 
glieder. — Ihrer Dauer nach können die Stengel ebenso wie die Wurzeln 
einjährig, zweijährig und ausdauernd sein. 

Schneidet man den Stengel quer durch, so ist die Figur des Schnittes 
meist rund und zwar kreisrund oder nach Art einer Ellipse zusammen- 
gedrückt; oft ist sie aber auch eckig (Lippenblütler) d. h. von geraden 
Seiten begrenzt, kantig mit einwärts-gebogenen Seiten (Seggen), endlich 
rippig oder gerillt mit auswärts-gebogenen Rippen (Wasserfenchel 431). 

Seiner Gestalt nach ist der Stengel meist walzen- oder lang-kegel- 



- 4 — 

förmig, mitunter auch fadenförmig (Flachseide 489), seltener blatt- 
artig (Mäusedorn 132). 

In Bezug auf seine Richtung können der Stengel und seine Äste sein: 
aufrecht, überhängend (Trauerweide), nickend (Nickende Distel 599), 
hängend, liegend oder niedergestreckt, aufstrebend, d. h. an seinem 
Grunde liegend und an seiner Spitze aufgerichtet, kriechend, wenn er 
niederliegt und an seiner Unterseite Nebenwurzeln treibt, gekniet (Wiesen- 
Fuchsschwanz 72), flutend (Wasserranunkel 2501), windend (Winde 488, 
Flachsseide 489) und durch Ranken oder Neben wurzeln kletternd 
(Epheu 426). 

Ausläufer sind dünne, lange, aus den Achseln grundständiger Blätter 
entspringende Seitensprosse; sie schlagen oft an ihren Knoten Wurzeln und 
entwickeln dort neue Pflanzen (Erdbeere, Günsel 516). 

Ranken sind mehr oder weniger fädliche Stengel- oder Blattgebilde, 
Stengelranken (Weinstock 404) oder Blattranken (Saatwicke 377), 
mittels deren die Pflanze sich festklammert. 

Dornen, Zweig- beziehungsweise Blattdornen, sind starre, an ihrer 
Spitze stehende Gebilde, welche aus einem Stengel oder einem Blatte oder 
einem Teile solcher Organe entstanden, also nicht blosse Hautwucherungen 
sind (Schlehdorn 322; Distel 599; Stechpalme 397). Von den Dornen unter- 
scheiden sich die Stacheln, welche gleich ihnen stechen, dadurch, dass sie 
nur auf der Haut sitzen, sich also glatt abbrechen lassen, was bei den 
Dornen nicht der Fall ist (Brombeere 326). Sehr oft werden indes beide 
Bezeichnungen unterschiedlos gebraucht, wie man ja auch im gewöhnhchen 
Leben der Rose (Hundsrose 343) Dornen anstatt Stacheln zuschreibt. 

Die verschiedene Stellung der Äste zum Stengel wird bezeichnet durch 
aufrecht (Pyramidenpappel), angedrückt (Wacholder), gespreizt (Buche), 
wagerecht (Eiche), hängend (Trauerweide). 

Die Blatt gebilde. 

Blattgebilde sind die in der Regel flachen, an den Seiten des Stengels 
entspringenden Organe. 

Stellung und Bestimmung der Blätter veranlassen uns, die Blätter ein- 
zuteilen in Keimblätter, Laubblätter, Hochblätter und Blütenblätter. 

Die Blütenblätter treten mit Stengelteilen zur Bildung der Blüten 
zusammen und werden dort besprochen werden. 

Die Keimblätter. 

Die Keimlblätter, Samenlappen oder Kotyledonen, die ersten Blätter 
der jungen Pflanzen, sind schon im Samen an dem Keimling vorhanden; sie 



— 5 — 

sind bald dünn und blattartig, bald dick und fleischig, nehmen im letzteren 
Falle oft den grössten Teil des Samens ein und haben mit den späteren 
Laubblättern oft kaum etwas gemein; sie spenden der jungen Pflanze die 
in ihnen enthaltenen Stoffe als erste Nahrung und bleiben bei der Keimung 
entweder unter der Erde oder treten über dieselbe empor. Bei der Bohne 
(382) besteht der Same (Figur 2) aus der bunten Schale und dem Keimling, 
der seinerseits eine kleine Pflanze (Figur 4) darstellt, welche zwischen zwei 
halbkugeligen Keimblättern (die in Figur 4 entfernt sind) liegt. Edel- 
tanne (23, Figur 8), Kiefer (26, Figur 13), Hafer (62, Figur 5), Feige 
(182, Figur 6), Himmelsschlüssel (472, Figur 10) lassen dagegen an ihren 
Keimlingen mehr fadenförmige oder walzliche Keimblätter erkennen. Die '] 
Zahl der Keimblätter beträgt 1 bei den Monokotylen (Saathafer 62, Fig. 5) 
2 bei den Dikotylen (Bohne 382); 4 bis 11 finden sich bei einigen Nadel- 
hölzern (Tanne, Fichte, Kiefer, Lärche). Mitunter z. B. bei der Bohne ent- 
hält der Keimling ausser den Samenlappen auch schon einige andere Blätter 
(382, Figur 3 und 4). Selten hat der Keimling eine mehr oder minder 
kugelige oder fädliche Gestalt, an welcher Keimblätter nicht zu erkennen 
sind (Flachsseide 489, Breitkölbchen 146 A 7). 

Die Laubblätter. 

An einem möglichst vollständig entwickelten Blatte kann man die 
Blattscheide, den Blattstiel und die Blattfläche oder Blattspreite 
unterscheiden; meist fehlt jedoch der eine oder andere Teil. So besitzen 
die Gräser eine Scheide, aber keinen Stiel; die Apfel- und Birnbäume haben 
einen Stiel ohne Blattscheide; bei den Blättern vieler Doldenpflanzen kommen 
dagegen alle Teile vor (Engelwurz 448). 

Die Blattscheide umfasst den Stengel und legt sich röhrig um den- 7 
selben herum. Bei den Gräsern ist sie vorn gespalten "(Bluthirse 78; 
Kanariengras 81). Die gespaltene Scheide vieler Doldenpflanzen ist bauchig 
aufgetrieben; die geschlossene Scheide der Knöteriche trägt das Blatt nicht 
an ihrem oberen Ende, sondern auf dem Rücken; Scheiden der letzteren 
Art heissen Tuten (Buchweizen 196). 

Ein Blattstiel findet sich nicht immer, und man unterscheidet danach 
gestielte und sitzende Blätter. Der Stiel ist oft durch ein besonderes, 
mehr oder minder angeschwollenes Gelenk mit dem Stengel verbunden. 
Ist das Blattgelenk gross, und bleibt ein Teil desselben beim Abfallen des 
Blattes am Stengel sitzen, wie z. B. bei der Fichte (24, Figur 1), so heisst 
der zurückbleibende Teil Blattkissen. Nach dem Abfallen des Blattes 
kennzeichnet sich seine frühere Ansatzstelle durch eine Blattnarbe (Esche 
478). Der Blattstiel ist walzenförmig, halbwalzenförmig, rinnen- 



- 6 — 

förmig oder flach, zuweilen auch an den Seiten mit blattartigen Streifen 
besetzt oder geflügelt (Wiesen-Knöterich 195). 

Blattstiellose Blätter heissen sitzend; sie können den Stengel halb 
oder ganz umfassen und heissen danach halb- oder g an zsten gel- 
umfassende; letztere besitzen zuweilen eine scheidenartig gebildete Ansatz- 
stelle (Wasserranunkel 250 II). Besondere Arten stengelumfassender Blätter 
sind noch die durchwachsenen und die verwachsenen; erstere sind 
Blätter, bei welchen die Zipfel des Blattgrundes sich wieder vereinigt haben, 
letztere bestehen dagegen aus zwei an ihrem Grunde miteinander verwachsenen 
Blattflächen (Hasenöhrchen 439 A und Jelängerjelieber 550). Sind die 
sitzenden Blätter an ihrem Grunde in Lappen, welche den Stengel mehr oder 
minder umschliessen, vorgezogen, so heisst das Blatt geöhrt oder ge- 
öhrelt (Mariendistel 596). Zieht sich die Blattfläche auch an dem Stengel 
hin, dann heisst das Blatt herablaufend und der Stengel wird geflügelt 
(Eselsdistel 597); dabei heisst das Blatt ganz herablaufend, wenn sich 
der Flügel bis zum nächstuntern Blatte hinabzieht. 

Die Blattfläche, Blattspreite oder Spreite, der eigentliche Hauptteil 
des Blattes, kann ausserordentlich viele Gestalten annehmen; dieselben lassen 
sich indes ihrem Umrisse nach auf 4 Hauptformen zurückführen: auf das 
kreisrunde, das elliptische, das eiförmige und das lineale Blatt. 
Das Blatt heisst kreisrund, oder rund wenn sein Längen- und sein Quer- 
durchmesser gleich gross sind und sich in ihrer Mitte schneiden (Wasser- 
nabel 427); es ist elliptisch, wenn Längen- und Querdurchmesser sich zwar 
in ihrer Mitte schneiden, der erstere aber grösser wie der letztere ist 
(Kirschbaum 323); eiförmig oder oval wird das Blatt genannt, wenn der 
Längendurchmesser grösser als der Querdurchmesser ist und von letzterem 
unter seiner Mitte geschnitten wird (Faulbaum 324); lineal heisst das Blatt, 
wenn es oftmal länger als breit und ausserdem von unten bis fast oben hin 
gleich breit ist (Gräser). 

Diese einfachen Formen finden sich in der Regel mit Abänderungen 
an ihrem Grunde, an ihrer Spitze oder an ihrem Rande vor. 

Der Blattgruud, d. h. der Teil, womit das Blatt dem Stengel oder 
seinem Stiele ansitzt, kann zugespitzt, herzförmig, pfeilförmig und 
spiessförmig sein. 

Die Zuspitzung des Blattgrundes heisst keilförmig, wenn sie gerad- 
linig verläuft (Frauenhaar 4); ist sie aber mehr oder weniger nach innen 
gebogen und gleichzeitig das Blatt oberwärts breit und abgerundet, dann 
heisst das Blatt spateiförmig (Katzenpfötchen 576); ist die Zuspitzung 
lang und breit, so dass nur ein schmaler Blattsaum das untere stielartige 
Ende des Blattes umgiebt, so heisst das Blatt in den Blattstiel ver- 



— 7 — 

schmälert oder herablaufend (Goldrute 569). Ist der Blattgrund nicht 
zugespitzt, so heisst er abgerundet. 

Der Blattgrund heisst herzförmig, wenn er abgerundete Lappen hat, 
wie die Herzen auf den Spielkarten zeigen (Alpenveilchen 474); ist dabei 
das Blatt mehi- breit als lang, dann heisst es nierenförmig (Hasel wm'z 190). 

Der pfeilförmige (Pfeilkraut 38) und der spiessf örmige Blattgrund 
zeigen jederseits ein vorgezogenes, spitzes Ohr; der von diesen Ohren ge- 
bildete Winkel ist spitz beim pfeilförmigen, stumpf beim spiessförmigen 
Blatt (Arumblättriger Ampfer 194: Blätter an A pfeilförmig, an B spiess- 
fÖrmig). 

Die Spitze des Blattes kann spitz, zugespitzt, d.h. mit ausgezogener 
Spitze versehen, stumpf, ausgerandet, d. h. an der Mittelrippe ein- 
gebuchtet, abgestumpft oder gestutzt, d. h. gleichsam geradlinig ab- 
geschnitten sein; oft ist sie stachelig, wenn die Mittelrippe als kleine 
Spitze hervorsteht (Saatwicke 377) oder begrannt, wenn die Spitze 
borsten- oder haarähnlich ist (Roggen 49, Figur 2). 

Durch Zusammenstellung dieser Abänderungen entstehen zahlreiche, oft 
schwer zu beschreibende Blattformen. Durch Zuspitzung des Blattgrundes und 
der Blattspitze entsteht das lanzettliche Blatt (Mandel 320). Hat dieses 
seine grösste Breite unter seiner Mitte, lässt es sich mithin auf eine Eiform 
zurückführen, dann heisst es eilanzettlich; ist es sehr lang und nur wenig 
breit, dann heisst es schmal- oder lineal-lanzettlich (oberste Blätter 
des Wundklee 356). Ist das Blatt in seiner Mitte eingezogen und abwärts 
abgerundet, dann heisst es auch wohl geigenförmig. Wann das Blatt 
umgekehrt-eiförmig (Gefleckter Schneckenklee 363B), umgekehrt- 
herzförmig (Sauerklee 386), dreieckig (Guter Heinrich 202), rhomben- 
förmig (Weissbirke 174) zu nennen ist, bedarf wohl keiner weiteren Aus- 
führung; doch sei noch hinzugefügt, dass das Blatt länglich (Vogelbeere 350) 
heisst, wenn es elliptisch, oft mit Hinneigung zur Eiform und mehreremal 
länger als breit ist (länglich-umgekehrt-eiförmig; Bärentraube 467, Ringel- 
blume 588), den Namen schildförmig führt, wenn sein Stiel in der Mitte 
der Blattfläche entspringt (Wassemabel 427), schwertförmig genannt vsdrd, 
wenn es lineal und etwas steif ist (Kalmus 102), endlich Nadel heisst, 
wenn es schlank, zugespitzt und stechend ist (Nadelhölzer 22 bis 27). Selten 
sind die Blätter nicht flach, sondern mehr oder weniger faden-, selbst 
walzenförmig (Mauerpfeffer 314 A). 

Nur in verhältnismässig wenig Fällen ist die Blattfläche ohne alle 
Einschnitte; meistens finden sich entweder kleine, welche nur auf die 
Gestalt des Randes Einfluss haben, oder tiefere, welche neue Blatt- 
gestalten hervorrufen, oder endlich beide Arten an demselben Blatt vor. 



— 8 - 

Der Blattrand kann ganz (Gräser) gezähnt, gezähnelt, ausgefressen, 
gesägt, doppelt-gesägt, gekerbt, geschweift, gewimpert, dornig, drüsig, rauh 
oder scharf sein. Er heisst gezähnt, wenn er kleine Spitzen trägt und die 
durch diese entstehenden Einschnitte rundlich-buchtig sind (Dach-Pippau 610); 
gezähnelt, wenn die Zähne sehr klein sind; 

ausgebissen oder ausgefressen, wenn diese Zähne sehr ungleich, 
sind (Wiesensalbei 513); 

gesägt, wenn Zähne und Einschnitte spitz sind (Hanf 183, Hunds- 
rose 343); 

doppelt-gesägt, wenn einzelne, seltner alle Sägezähne wiederum 
einen oder mehrere kleinere Sägezähnchen tragen (Haselstrauch 173, Feld- 
rüster 179); 

gekerbt, wenn die Zähne stumpf und die Einschnitte spitz sind 
(Taubnessel 510); 

gewimpert, wenn er mit starken Haaren oder mit feinen haarähn- 
lichen Zähnchen besetzt ist (Blütendeckblätter der Zitterpappel 168); 

dornig-gewimpert, wenn er mit kleinen Dornen besetzt ist (Kratz- 
distel 600); 

dornig, wenn er einzelne stechende Dornen trägt (Stechpalme 397); 

rauh oder scharf, wenn er kleine, oft nur durch das Gefühl wahr- 
nehmbare Spitzchen trägt; 

drüsig, wenn er mit kleinen Drüsen besetzt ist und kann dann drüsig- 
gesägt (Gelbe Rose 341), drüsig-gezähnt u. s. w. sein. 

Die Blattfläche ist meist eben, oft aber auch runzelig (Brennessel 185), 
oder gefaltet (Weissbuche 172), oder am Rande kraus (Krauseminze 500), 
oder wellig (Zuckerrübe 203), eingerollt (Gränke 468) oder zurück- d. h. 
nach der Oberseite hin umgerollt (Äussere Blütenblätter des Erdrauchs 270 
Figur 1). 

Ist die Blattfläche ohne tiefere Einschnitte so heisst sie ungeteilt 
oder ganz; sind deren vorhanden, so heisst sie: 

eingeschnitten, wenn die Teilung bis zum Mittelnerv geht; 

geteilt, wenn die Teilung über die Hälfte, aber nicht bis zum Mittel- 
nerv geht; 

gespalten, gelappt oder buchtig, wenn die Teilung höchstens bis 
auf die Hälfte geht. 

Die letzten Blattformen unterscheiden sich voneinander noch in der 
Weise, dass die einzelnen Teile der Blattflächen, welche hier Lappen ge- 
nannt werden, bei den gespaltenen Blättern schmal und spitz, bei den 
buchtigen (Eiche 178) und gelappten (Leberblume 240) dagegen, abgesehen 
von den oft besonders gestalteten Blattspitzen, breit und abgerundet sind. 



— 9 — 

Die Einschnitte selbst sind bei den gelappten Blättern spitzwinklig, bei 
den buchtigen dagegen abgerundet. Nach der Zahl der Lappen unter- 
scheidet man drei-, fünf-, sieben- u. s. w. lappige oder spaltige Blätter; ein 
fünf lappiges Blatt heisst häufig auch handförmig-gelappt (Stachel- 
beere 319). 

Bei den eingeschnittenen und den geteilten Blättern heissen die Teil- 
flächen Teile oder Abschnitte; sind deren fünf oder mehr vorhanden, so 
nennt man die Blätter auch wohl handförmig-eingeschnitten oder 
geteilt (Sturmhutblättriger Ranunkel 249). Geteilte Blätter mit einander 
gegenüberstehenden Abschnitten heissen fiederteilige, und wenn sie in 
ähnlicher Weise zerschnitten sind, fiederschnittige (Wiesenschaumkraut 
275). Hier finden auch die sc'hrotsägeförmigen, leierförmigen, fuss- 
förmigen und zerschlitzten Blätter ihre Stelle. Das schrotsäsreförmisre 
Blatt ist geteilt oder gespalten, mit grossen, rück- und seitwärts stehenden 
Sägezähnen (Kuhblume 607); das leierförmige ist ein fiederteiliges, dessen 
Abschnitte von oben nach unten an Grösse abnehmen (Teesdalea 280); 
fussförmig heisst das Blatt, wenn sich der Blattstiel an seiner Spitze 
in 2 Hauptäste teilt, welche besondere Blattflächen tragen (Schwarzer Niess- 
wurz 255); zerschlitzt endlich heisst jedes unregelmässig eingeschnittene 
oder geteilte Blatt (Wasserranunkel 2501). Wiederholt sich die Teilung bei 
den einzelnen Abschnitten oder Lappen des Blattes, so entsteht das doppelt- 
fiederschnittige, drei- oder vierfach-fiederschnittige (Rollfarn 3A); 
doppeltfiederteilige (Hautfarn lA) Blatt u. s. w. 

Bei all diesen geteilten Blattformen ist aber stets auch der Gesamt- 
umriss, den man erhält, wenn man die durch die Teilung entstandenen 
Buchten und Winkel ausfüllt, zu beachten; so ist z. B. die Spreite des 
Frauenhaars (4) mehrfach -fiederschnittig aber eiförmig oder eiförmig- 
länglich, d. h. von eiförmigem oder eilänglichem Gesamtumrisse. 

Im Vorstehenden war nur von einfachen, d. h. von solchen Blättern 
die Rede, deren Blattstiel nur eine einzige Blattfläche trägt; den Gegensatz 
dazu bilden die zusammengesetzten Blätter, bei welchen der Blattstiel 
mehrere durch besondere Stielchen oder durch Gelenke mit ihm ver- 
bundene Blattflächen trägt. Das zusammengesetzte Blatt erscheint in 
2 Hauptformen, als gefingertes, finger- oder bandförmiges und als 
gefiedertes. Bei ersterem stehen an der Spitze des gemeinsamen Blatt- 
stieles mehrere Blattflächen, welche kurz Blättchen genannt werden. Ihre 
Zahl ist meist 3, 5 oder 7, seltener 4 (Lupine 354). Am häufigsten möchte 
die Zahl 3 anzutreffen sein; dann heisst das Blatt dreizählig (Klee 357). 
Das gefiederte Blatt trägt seine Blättchen, Fiederblättchen, auf 
die Länge des gemeinsamen Blattstieles, welcher hier Blattspindel genannt 



— 10 — 

wird, verteilt. Befindet sich dabei an der Spitze der Spindel ein End- 
blättclien, so nennt man das Blatt unpaarig-gefiedert; sonst heisst es 
paarig-gefiedert; der Stiel des letzteren läuft in eine Ranke oder eine 
Spitze aus oder ist kurz abgeschnitten. (Süssholz 367, Saatwicke 377, 
Wald-Erve 379). Stehen je zwei Blättchen einander gegenüber, dann bilden 
sie ein Joch, und das Blatt trägt den Namen gegen ü herstellen d-ge- 
fiedert, im Gegensatze zu dem abwechselnd-gefiederten, bei welchem 
die Blättchen keine Joche bilden. Bei einigen Wickenarten, z. B. der gelben 
Wicke, sind die unteren Blätter der Pflanze gegenüberstehend, die oberen 
abwechselnd gefiedert. Die Zahl der Joche ist für die Systematik wichtig. 
Wechseln grosse und kleine Blättchen ab, so heisst das Blatt unterbrochen- 
ge fiedert (Odermennig 339). 

In einigen Fällen wiederholen sich die Zusammensetzungen und man 
nennt dann das Blatt vielfach -zusammengesetzt. Beispiele bieten z. B. 
die doppelt-dreizähligen und die doppelt-gefiederten Blätter, d. h. 
dreizählige, beziehungsweise gefiederte Blätter, bei welchen sich an Stelle 
der Blättchen oder der Fiederblättchen dreizälilige oder gefiederte Blätter 
vorfinden (Giersch 440). Bei dem doppelt-gefiederten Blatte heissen die am 
gemeinsamen Blattstiele angehefteten Blätter Fiedern, deren Blättchen selbst 
aber Fiederchen. Die scharfe Trennung von zusammengesetzten und ein- 
fachen Blättern, wie sie in der Natur sich findet und hier durchgeführt 
ist, wird vielfach nicht beachtet und daher oft gefiedert und fiederschnittig 
kurzweg als gleichbedeutend betrachtet. 

Es versteht sich von selbst, dass alles, was in Bezug auf Anheftung, 
Rand und Teilung der einfachen Blätter gesagt wurde, in gleicher Weise 
auch von den Teilblättchen der zusammengesetzten Blätter gilt. 

Kleine Blättchen, welche zu beiden Seiten des Blattstiels am Stengel 
befestigt sind, nennt man Nebenblätter. Sie finden sich bei manchen 
Pflanzenfamilien regelmässig vor, so bei den Rosengewächsen und den Schmetter- 
lingsblütlern , während sie bei den anderen fehlen, wie bei den Ranunkel- 
gewächsen, Himmelsschlüsselgewächsen und Köpfchenblütlern. Sie sind mit- 
unter den eigentlichen Blättern sehr ähnlich, so beim Krapp (544), welcher 
gegenständige Blätter hat, infolge seiner Nebenblätter aber quirlständige 
Blätter zu besitzen scheint. In der Regel sind sie kleiner als die Blätter; 
häufig fallen sie frühzeitig ab, wie bei vielen unserer Laubbäume und 
sind dann mitunter fast spurlos verschwunden. Gross sind sie beim Stief- 
mütterchen (413) und der Brecherbse (381), ja bei der Ranken-Platterbse 
(380 A) vertreten sie das nur durch die rankenartigen Blattstiele vertretene 
Blatt. In Dornen umgewandelt sind sie bei der Stachelbeere (319). Häufig 
sind sie der Länge nach mit dem Blattstiel (Rose 342) oder auch mit- 



— 11 

einander (Brecherbse 381) mehr oder minder verwachsen. Auch das 
Blatthäutchen der Gräser (Roggen 49, Figur 1) ist als Nebenblatt auf- 
gefasst worden. 

Vielfach abhängig von der Blattgestalt (oder oft besser gesagt um- 
gekehrt) ist der Verlauf der Rippen und Adern, welche als hellere, oft 
erhabene Linien die Blattfläche durchziehen. Haupt- oder Mittelnerv 
heisst der in der Regel stärker ausgebildete Nerv, welcher die Mitte der 
Fläche durchzieht; grössere von ihm ausgehende Aste heissen Seiten rippen 
und deren Verzweigungen Adern. Besitzt ein Blatt nur einen un- 
verzweigten Hauptnerv (Kiefer), so heisst die Rippenbildung einfach; 
teilt sich der in das Blatt eintretende Nerv gleich beim Eintritt in die 
Blattfläche in mehrere Aste, so führt die Nervenbildung je nach der Gestalt 
des Blattes den Namen handnervig, fussnervig oder schildnervig. 
Wenn der Hauptnerv bis zur Spitze des Blattes verläuft und dabei nach 
beiden Seiten Äste aussendet, nennt man das Blatt fiedernervig (Ross- 
kastanie 401). 

Treten mehrere Nerven in das Blatt ein, so können dieselben gerade 
sein und unter sich gleichlaufen (Gräser), oder gebogen (Maiglöckchen 
129); das Blatt heisst danach entweder parallel- oder bogennervig. 

Die feinsten Nervenäste (Adern) bilden in den Blättern der zweisamen- 
lappigen Pflanzen fast ohne Ausnahme Sclilingen. 

Das Blatt ist meistens zu beiden Seiten der Mittelrippe symmetrisch, 
d. h. gleich gestaltet, selten unsymmetrisch, wie bei der Linde, bei 
welcher oft die eine Seite der Blattfläche grösser ist als die andere. 

Häufig finden sich an ein und derselben Pflanze ungleich gestaltete 
Blätter vor. Namentlich ist dies in ausgezeichneter Weise bei manchen 
derjenigen Wasserpflanzen der Fall, deren Blätter teils untergetaucht 
sind, teils sich über das Wasser erheben, oder flach auf demselben, 
liegend schwimmen, wie beim Pfeilkraute und den Wasserranunkeln 
(Fig. 250 I). Sehr oft sind auch die unteren Stengelblätter, namentlich 
die grundständigen, anders geformt als die oberen, und im allgemeinen 
werden die Blätter der Krautpflanzen nach der Spitze des Stengels zu ein- 
facher (Fächer-Scharte 598); auch sind mitunter die Blätter noch nicht 
blühender Pflanzen anders gestaltet als bei den blühenden (Epheu 426). 

Seiner Konsistenz nach ist das Blatt krautig, saftig (Salat), leder- 
artig (Stechpalme, Buchsbaum), oder fleischig (Fettpflanzen; Fett- 
henne 314). 

Die Dauer der Blätter ist sehr verschieden. Es genügt hier, an den 
Blattfall der sommergrünen Laubbäume im Herbste und die sogenannten 
immergrünen Pflanzen zu erinnern, bei welchen die Blätter mehrere 



— 12 — 

Jahre ausdauern; so trägt die Kiefer ihre Nadeln zwei bis drei, die Tanne 
und die Fichte acht bis zwölf Jahre. 

Die grüne Farbe, welche die Mehrzahl der Blätter besitzt, rührt von 
einem in ihnen enthaltenen Farbstoffe, dem Blattgrün oder Chlorophyll 
her. Bei einigen nicht grünen, sogenannten bleichen Pflanzen fehlt 
derselbe ganz oder doch in hohem Masse (Fichtenspargel 463, Schuppen- 
wurz 538, Kleewürger 539); solche Pflanzen sind gezwungen, als Schma- 
rotzer (Parasiten) aus andern Pflanzen, aus Tieren (zahlreiche Pilze), oder 
den in Zersetzung begriffenen Resten anderer Lebewesen ihre Nahrung zu 
holen, da dem Blattgrün die Aufgabe zufällt, die in die Pflanze auf- 
genommenen anorganischen Nahrungsstoflfe in organische, dem Pflanzenleben 
unmittelbar dienende, umzuwandeln zu assimilieren, ein Vorgang, der an 
das Verdauen der Nahrung bei den Tieren erinnert. Den Schmarotzer- 
pflanzen reihen sich zahlreiche Halbschmarotzer (Halbparasiten) an, 
welche zwar blattgrünhaltig sind und infolge davon assimilieren, aber 
dennoch durch an ihren Wurzeln befindliche Saugwurzeln (Haustorien) 
organische Substanz aus lebenden oder abgestorbenen Organismen entnehmen. 
Hierher gehören z. B. Leinblatt (189) und zahlreiche Braun wurzgewächse 
(534, 536). 

Bei den Pflanzen mit panachierten, d. h, weiss, gelb oder rot ge- 
fleckten Blättern, wie sie namentlich in Gärten gezogen werden, fehlt das 
Blattgrün an den Flecken oft gänzlich. 

Die Blattfarbe mancher Pflanzen ändert sich im Laufe des Jahres mehr 
oder weniger; so erscheinen die anfangs grünen Blätter des Weinstockes im 
Herbste oft rot, während die Blätter der Blutbuche im Frühjahre am 
meisten braunrot sind und später mehr und mehr ergrünen. 



Die Blattstellung. 

Die Laubblätter sind bei den verschiedenen Pflanzen sehr verschieden- 
artig am Stengel verteilt; man unterscheidet danach gleichhochstellende, 
gegenständige (Wasserstern 393), kreuzständige (Wolfstrapp 501), 
wirtelständige (Tannenwedel 425), sowie nicht auf gleicher Höhe an- 
geheftete, abwechselnde oder zerstreute Blätter (Birke 174, Pfirsich 321). 
So regellos die letzteren auch oft zu stehen scheinen, so lehrt ein genaueres 
Zusehen doch, dass auch sie nach bestimmten Gesetzen am Stengel verteilt 
sind. Verbindet man, um diese zu finden, auf dem kürzesten Wege die 
Anheftungsstelle eines jeden Blattes mit der des nächst jüngeren Blattes, 
so erhält man eine um den Stengel laufende Spirallinie, und bezeichnet 
man dann auf dieser Spirale die AnheftungssteUen der Blätter, dann findet 



— 13 — 

man bei jeder Pflanze, dass auf eine bestimmte Anzahl von Umläufen, 
welche die Spirale macht, eine ganz bestimmte Anzahl von Blättern kommt. 
Dabei nennt man den Verlauf der Spirale von einem Blatte bis zu dem 
nächstfolgenden, senkrecht über ihm stehenden Blatte, Blattwirbel oder 
Blattcyklus. Um für eine gewisse Pflanze das Gesetz der Blattstellung 
zu bestimmen, setzt man die Zahl der Blätter eines Blattwirbels als Nenner 
und die Zahl der Umläufe, welche die Spirale in einem Cyklus macht, als 
Zähler. So besitzen z. B. die Laubblätter des Birnbaums, der Eiche, Pappel 
und Wallnuss 2^5- Stellung, d. h. auf zwei Umgänge der Spirale kommen 
fünf Blätter, während der grosse Wegerich 3|g .Stellung besitzt. Die 
^/j -Stellung, welche sich bei vielen Liliengewächsen findet, heisst auch 
zweizeilig. 

Die Spiralen selbst können noch rechtsgewunden oder rechtsläufig 
sein, d. h. von unten links nach oben rechts verlaufen, oder umgekehrt 
linksgewunden (linksläufig). Da sich oftmals der Stengel während seines 
Wachstums dreht, wird die Erkennung der Blattstellung häufig recht schwierig, 
ja an einzelnen Exemplaren ohne Zurückgreifen auf die Lage der Blätter 
in den Knospen oft unmöglich; oft wird auch die spiralige Anordnung der 
Blätter dadurch undeutlich, dass diese büschelig, d. h. auf einem unent- 
wickelt gebliebenen Zweige stehen (Lärche 25). 

Da sich die Seitenachsen vorwiegend aus Achselknospen, d. h. aus 
Knospen entwickeln, welche in dem zwischen den Blättern und den Stengeln 
befindlichen Winkel liegen, so folgt, dass ihre Anordnung am Stengel, das 
ist die Tracht der Pflanze (vergl. S. 3), von der Blattstellung der Blätter 
abhängt, in deren Achseln sie entstanden sind. Man braucht nur eine be- 
liebige Lippenblume anzusehen, um sich davon zu überzeugen. Auch sieht 
man leicht ein, wie eine scheinbar ganz regellose Anordnung der Aste am 
Stengel durch das Fehlschlagen von Knospen oder durch eine während des 
Wachstums eingetretene Drehung des Stengels hervorgerufen werden kann. 

Die Hochblätter. 

Die Hochblätter finden sich, und daher haben sie ihren Namen, an 
den oberen Stengelteilen; sie haben die Aufgabe, die Blüten in ihrem 
Knospenzustande zu beschützen sei es eine einzelne Blüte, oder eine von einem 
gemeinschaftlichen Blütenstiele getragene Blütenmenge, einen Blütenstand. 

Nicht zur Blüte gehörende, sie auch nicht im eigentlichen Sinne des 
Wortes beschützende, der Blüte oder einem Blütenstande an dem Stengel 
vorangehende Blätter werden auch Vorblätter genannt (Linde 405, Fig. 4). 

Als Deckblätter tragen die Hochblätter, meist einzeln, selten zu 



— 14 — 

mehreren in ihrer Achsel, d. h. in dem zwischen ihnen und dem Stengel 
gelegenen Winkel, eine einzelne Blüte, oder stützen eine einzelne endständige 
Blüte; sie sind dann meist klein und grün gefärbt, oft aber auch von be- 
trächtlicher Grösse (Klappertopf 535) oder schöner Färbung (Schuppen- 
wurz 538); seltener sind sie den Laubblättern ähnlich (Hochblatt- 
hülle der Hain-Anemone 241), oder kelchähnlich (Leberblume 240), 
oder bilden sie einen zweiten Kelch, einen Aussenkelch (Eibisch 406; 
Karde 563, Figur 5 und 6); hierher gehören auch die Spreublätter der 
Köpfchenträger. 

Einen ganzen Blütenstand stützende oder umschliessende Hochblätter 
heissen Hüllblätter; es sind ihrer bald eines, bald mehrere vorhanden, 
letztere werden zusammen Hülle genannnt. Ihr Fehlen oder Vorhanden- 
sein, ihre mehr oder minder vollkommene Bildung ist zur Kennzeichnung 
mancher Familien und ihrer Blütenstände wichtig; die Balgklappen der 
Grasährchen, die Scheiden der Arongewächse, Hülle und Hüllchen der 
Doldengewächse, sowie die Hüllkelche der Köpfchenträger gehören hierher. 

Die Knospen. 

Verästelungen der Wurzel und des Stammes, sowie Blätter und Blüten 
entstehen aus den Knospen oder Augen der Pflanzen. Nach denjenigen 
Organen, welche aus ihnen hervorgehen, unterscheidet man Wurzel- 
kospen, Stammknospen, Blattknospen, ferner Blütenknospen, aus 
denen sich eine Blüte bildet, endlich Fruchtaugen oder Tragknospen, 
aus denen sich ein blühender Zweig entwickelt. 

Nach der Stellung der Knospen an der Pflanze können sie sein Gipfel - 
oder Endknospen, welche einen Zweig abschliessen, oder Seiten- oder 
Achselknospen, wenn sie in der Achsel eines Blattes, d. h. in dem 
Winkel entstehen, welchen ein Blatt mit dem Stengel bildet (Esche 478). 
Ausser diesen unterscheidet man noch Neben- oder Adventivknospen, 
welche, ohne von einem Blatte gestützt zu sein, an beliebiger Stelle des 
Stengels entspringen; sie sind im allgemeinen selten, doch gehen z. B. die 
Ranken des Weinstocks aus ihnen hervor; ebenso bilden sich die Stämm- 
chen, welche sich auf den der Oberfläche des Bodens nahe liegenden 
Wurzeln gewisser Pflanzen, z. B. der Pflaume, Sauerkirsche etc. erheben 
und Wurzelausschlag oder Wurzeltriebe genannt werden, aus Neben- 
knospen. Zuweilen brechen einzelne Knospen nicht sofort hervor, sondern 
ruhen in der Rinde, bis die übrigen Knospen der Pflanze durch ungünstige 
Verhältnisse, etwa durch späte Fröste, zerstört werden; dann erwachen 
diese Säum-, Schlaf- oder Proventiv-Augen aus ihrer Ruhe und be- 
wahren die Pflanze oft vor dem Untergange. Aber während ihrer Ruhe 



— 15 — 

nehmen sie stets an Grösse zu, und bilden z. B. die dicken Kugeln, welche 
sich in der Rinde der Buchen, Kastanien und Linden finden. Teils aus 
diesen, teils aus Nebenknospen bildet sich der Stockausschlag. Es ist 
dies jene Zweigbilduug auf. dem Stumpfe gefällter Bäume, die man bei 
Eichen und Birken findet und diese dadurch ganz besonders zum Nieder- 
waldbetrieb geeignet macht. Ferner sind hier die sogenannten Brutknospen 
oder Brutzwiebeln zu erwähnen: Knospen, welche sich von der Pflanze 
ablösen und für sich eine neue, der Stammpflanze gleiche Pflanze erzeugen 
können. Sie bilden sich zwischen den Blättern der Zwiebeln (Schlangen- 
lauch 117 Ac), auf den Blättern des Wiesenschaumkrautes, in den Blatt- 
achseln des Zahnwurz (276), sowie in den Blüten mancher Laucharten 
(Schlangenlauch 117 Ab). 

Die Ausbildungsweise der Knospen ist von grossem Einflüsse auf die 
Tracht der Pflanze. Verbleibt z. B. die Endknospe des Hauptstammes als 
solche, so wächst der Stamm lange Zeit an seiner Spitze fort, wie wir dies 
bei der Tanne sehen; die geköpfte Weide dagegen, die ihre Endknospe 
verlor, bildet an ihrem oberen Ende meist eine dichte Krone kleiner Zweige. 
Die gabelige Teilung der Mistel rührt daher, dass die Endknospe regel- 
mässig zur Blüte wird und die Seitenknospen sich zu Zweigen entwickeln. 

Die aus Knospen heranwachsenden Sprosse oder Triebe unserer 
Holzpflanzen verlängern sich, tragen Seitenknospen und heissen dann Lang- 
triebe (Zitterpappel 168B), oder aber sie bleiben klein, tragen nie Seiten- 
knospen, sind von einer Menge erhabener Querringe, den Narben abgefallener 
Knospenschuppen umgeben und heissen Kurztriebe; letztere wachsen mehr 
in die Dicke wie die Langtriebe und haben oft ein knotiges Ansehen (Zitter- 
pappel 168C, Lärche 25). Wassertriebe oder Wasserloden hat man 
saftige, aber meist wenig kräftige, aus Nebenknospen an Wurzeln oder 
älteren Stämmen und Asten auftretende Sprosse genannt. Lang- und Kurz- 
triebe haben oft verschieden gestaltete Blätter (Zitterpappel); auch sind die 
Blätter der Wassertriebe mitunter anders gestaltet als die der anderen Sprosse, 
oder die Sprosse selbst von verschiedener Form (Schwarzpappel). 

Meistens sind die Knospen, welche den Winter überdauern müssen, 
durch besondere Blätter, die Knospenhüllen, Knospendecken oder 
Knospenschuppen geschützt; diese können trockenhäutig (Eiche), oder 
kleberig (Rosskastänie), mit Haaren bedeckt, oder glatt sein; in \äelen 
Fällen, in welchen sie nicht besonders ausgebildet sind, treten gewöhnliche 
Blätter (z. B. bei der Syringe), oder besonders gestaltete, laubartige Blätter 
(z. B. bei der Erle), an ihre Stelle. In der Regel fallen die Knospenhüllen 
ab, wenn im Frühjahre die Knospen zu schwellen und das in ihnen ein- 
geschlossene Pflanzenorgan zu wachsen beginnt; bei einzelnen Pflanzen, 



— 16 — 

z. B. bei der Eiche und Buche, wachsen sie dagegen noch einige Zeit am 
Grunde nach. 

Die Stammknospe ist ein gedrängtes Bild des Stengels, weshalb man 
die gegenseitige und selbsteigene Lage der an diesem sitzenden Organe be- 
sonders gut an Knospen studieren kann, welche in geeigneter Weise, nament- 
lich der Quere nach, durchschnitten sind. 

Die gegenseitige Lage der Knospenschuppen, Laub-, Kelch- und 
Blütenblätter in der Knospe, ihre Knospendeckung, heisst im allgemeinen 
übergreifend, wenn sich die Ränder der Blätter gegenseitig decken, 
klappig dagegen (Kelch der Malve), wenn sie sich nicht gegenseitig 
decken, sondern nur berühren. Besonders wichtige Arten der überorreifen- 
den Deckung sind die ganz umfassende (Blätter des Weizens) und die 
dachziegelige, bei welcher die Ränder der äusseren Blätter über die 
inneren hergedeckt sind. Besondere Formen der letzteren sind die fünf- 
schichtige, die abwechselnde und die fahnenförmige Deckung. Bei 
der letzten umschliesst ein bedeutend grösseres Blatt die andern; sie ist 
den Schmetterlingsblüten eigen. Bei der abwechselnden Knospenlage 
wechseln zwei Reihen von Blütenhüllen regelmässig miteinander ab und 
bedecken einander (Tulpe). Die fünfschichtige Deckung (Blumen des Sauer- 
klees, Kelch und Blumenkrone des Hahnenfusses, Kelch der Rose) endlich 
ist die, wo fünf Blätter so liegen, dass zwischen zwei äusseren, ganz un- 
bedeckt-, und zwei inneren, ganz bedeckt-liegenden Blättern ein fünftes so 
eingeschoben ist, dass es mit dem einen seiner beiden Ränder über eins 
der inneren Blätter übergreift, während der andere Rand von einem der 
freien äusseren gedeckt wird. Erscheinen die ganzen Knospen schrauben- 
förmig gedreht, so heisst die Deckung gerollt oder gedreht, z, B. bei 
der Winde und Malve; liegen endlich die Blätter wie die Blumenkronen- 
blätter des Mohn, unregelmässig zerknittert in der Knospe, so ist die 
Deckung eine zerknitterte. 

Unter Knospenlage versteht man die Art der Lage des einzelnen 
Blattes in der Knospe. Flach ist sie bei den Nadeln der Nadelhölzer, 
einfach-gefaltet bei den Laubblättern der Kirsche und Linde; viel- 
fach-gefaltet bei den Laubblättern der Buche und Birke. Der Länge, 
von der Spitze nach dem Grunde hin schneckenförmig-geroUt sind 
die Blätter der Farnkräuter, der Breite nach gerollt die Blätter 
der Gräser. Nach der Oberseite zurückgerollt sind die äusseren Blüten- 
blätter des Erdrauches, eingerollt nach der Unterseite dagegen die 
des wohlriechenden Veilchens; schraubenförmig gedreht ist die Blumen- 
krone der Winde; unregelmässig zerknittert sind die Blumenblätter des 
Mohns. 



— 1^ 



Die Haargebilde. 

Wie bei den Tieren, so finden sich auch auf der Haut der Pflanzen 
Haare, als deren Anhängsel- vor. Diese sind oft walzenförmig; oft werden 
sie an ihrer Spitze allmählich dünner oder das sind mit einer kopfförmigen 
Verdickung abgeschlossen; nicht selten sind sie verzweigt, namentlich 
federig gestaltet (Bitterich 606, Figur 4). Dadurch, dass sich ihre Wände 
verdicken oder verholzen, entstehen die Borsten. Brennhaare sind Haare, 
welche in ihrem Innern einen scharfen Saft ausscheiden, der bei der Ver- 
letzung der Haare ausströmt; oft z. B. bei der Brennessel (185, Fig. 7) 
steht das Brennhaar auf einer polsterförmigen Unterlage. Einen zusammen- 
gesetzten Bau zeigen auch die hierher gehörenden Stacheln. Bei den 
Schuppen trägt ein kleines Stielchen an seiner Spitze ein schirmartig 
ausgebreitetes Haargebilde (Ölbaum 479, Figur 10). Die Drüsen bestehen 
aus blasig-auf getriebenen Haargebilden, denen die Ausscheidung klebriger, 
oft verharzender Flüssigkeiten obliegt; so sind z. B. die Knospenteile oft 
durch eine gummi-artige oder aus Gummischleim und Balsamtropfen ge- 
mischte Substanz miteinander verklebt, wie bei dem Veilchen, der Ross- 
kastanie, den Pflaumen; oft wird dadurch die Pflanze schmierig und 
klebrig wie bei der Pechnelke. Haarförmig verlängerte Drüsen, aber 
auch mit einem an der Spitze befindlichen Knopfe versehene Haare, heissen 
Drüsenhaare (Saudistel 609, Figur 2). 

Oft fehlen die Haare; dann heisst das Gebilde kahl; oft sind sie mehr 
oder weniger einzeln, zerstreut, und borstig, steif, rauh, spinn- 
webig (Köpfchen der filzigen Klette), weich oder flaumig (flaumhaarig); 
oft sind sie auch dichter gedrängt und verworren und bilden dann seiden- 
artige (wie bei den jungen Blättern der Zitterpappel), wollige (beim 
Wollkraute), filzige (Kugeldistel 589), flockige (bei manchen Königs- 
kerzen) oder zottige (bei vielen Habichtskräutern) Überzüge. 

An Stengeln und Blättern bilden die Haare Schutzmittel gegen Kälte 
oder Angriffe feindlicher Tiere, an den Früchten und Samen oft Flug- 
apparate zu deren Verbreitung; an den Wurzeln aber, deren feinste Ver- 
zweigungen meist mit Haaren, Wurzelhaaren, bedeckt sind, haben sie die 
Aufgabe, flüssige Nahrung aus dem Boden aufzunelimen und der Pflanze 
zuzuführen. 

Anhangsweise seien hier noch die für das Leben der Pflanzen gewiss 
äusserst wichtigen Wachsüberzüge über die Oberfläche erwähnt. Die- 
selben treten vorzugsweise als Reif oder Duft auf, z. B. bei den Pflaumen, 
und sind bald dichte Haufwerke sehr zarter Stäbchen oder Nädelchen, 
z. B. auf den Blättern des Roggens, bald einfache Körnerüberzüge, z. B. 

Thome, Flora. I. 2 



— 18 — 

auf den bereiften Blättern vieler Lilien. Auch die melilstaubigen Über- 
züge, z. B. das Mehlprimeln u. a., gehören hierher. 

Die Blüte. 

Die Blüte ist ein kleines, mit eigentümlich gebildeten Blättern be- 
setztes Zweiglein, und hat die Aufgabe, die Samen, die Fortpflanzungs- 
organe der Pflanzen, zu bilden. 

Die mehr oder minder vollkommene Ausbildung des Stengels bedingt 
es, ob die Blüte gestielt oder sitzend ist. 

An vollständigen Blüten unterscheidet man Kelch, Blumenkrone, 
Staubblätter und Stempel (Waid 299, Fig. 1). Die Stempel nehmen 
die Mitten der Blüten ein; um sie gruppieren sich, in Kreisen oder Spiral- 
linien geordnet, zunächst die Staubblätter, dann die Blumenkronen, endlich 
die Kelche. 

Die äusseren, mehr blattartigen Organe bezeichnet man als Blüten - 
decken und nennt sie Kelch und Blumen kröne, wenn sie aus zwei 
verschieden gefärbten, einem äusseren grünen, und einem inneren, anders 
gefärbten Blatte oder Blattkreise bestehen; ist dagegen ein solcher Gegen- 
satz nicht da, weil entweder nur ein einziges Blatt oder nur ein Blattkreis 
vorhanden ist, wie bei den Ulmen (179), oder dem Germer (110), oder weil 
zwei an Gestalt und Färbung nicht wesentlich verschiedene Kreise auftreten, 
wie bei den Lilien und Orchideen, bei Brennessel (185) und Hanf (183), 
so heisst die Blütendecke kurzweg Blütenhülle oder Perigon. 

Die inneren Teile zerfallen in Staubblätter und Stempel. Aus den 
letzteren, den weiblichen Organen, bilden sich nach vorhergegangener 
Befruchtung durch den in den männlichen Organen, den Staubblättern, 
gebildeten Blütenstaub die Früchte. 

Sind jene vier Organe vorhanden, so heisst die Blüte vollständig, 
sonst unvollständig. Vollständig sind z. B. die Blüten von Hundrose 
(343), Reseda (312) und Yergissmeinnicht (497); unvollständig ist die der 
Erle (175), Birke (174) und Esche (478), denen Kelch und Blumenkrone 
fehlen. Unvollständig sind aber auch manche Blüten, weil ihnen Staub- 
blätter oder Stempel fehlen. Die Blüten heissen zwitterig oder Zwitter- 
blüten, wenn sie Staubblätter und Stempel besitzen. Blüten, welche mit 
Staubblättern ausgerüstet sind, denen aber die Stempel fehlen, heissen 
männliche oder Staubblattblüten (das Zeichen dafür ist 3; Hanf 183, 
Fig. 1). Dagegen nennt man weibliche oder Stempelblüten diejenigen^ 
welche Stempel, aber keine Staubblätter besitzen (?; Hanf 183, Fig. 3). 
Nicht selten findet man in männlichen Blüten Ansätze von Stempeln, und 
in weiblichen Andeutungen von Staubblättern (131, Fig. 2). Beide Blüten- 



— 19 — 

arten fasst man auch unter dem Namen diklinische Blüten zusammen. 
Pflanzen mit zwitterigen und mit eingeschlechtlichen Blüten heissen viel- 
ehige oder polygamische. Unfruchtbar oder steril nennt man Blüten, 
denen Staubblätter und Stempel felilen, wie dies z. B. bei den äussersten 
Randblütchen in den Köpfchen der Blauen Kornblume der Fall ist 
(595, Fig. 4). 

Oft stehen alle Blütenteile frei auf dem etwas verbreiterten, oberen 
Ende des Blütenstieles, dem Blüten- oder Fruchtboden, solche Blüten 
heissen boden blutige (Hahnenfuss 246, Fig. 2). Oft sind einzelne Teile 
in bestimmter Weise miteinander verwachsen. Hiernach unterscheidet man 
krönen blutige und kelchblütige Blüten. Bei den Kronenblütigen 
stehen Kelch, Blumenkrone und Stempel auf dem Blütenboden, während die 
Staubblätter der Blumenkrone angeheftet sind (Lungenkraut 495, Fig. 2 
und 3); bei den Kelchblütigen trägt der Blütenboden nur Kelch und 
Stempel, während Blumenkrone und Staubblätter dem oberen Rande des 
oft krugförmig gestalteten Kelches eingefügt sind (Kirsche 323, Fig. 2). 
Bodenblütige Pflanzen heissen auch Thalamifloren, kronenblütig Corolli- 
floren, kelchblütige Calycifloren. Aber auch andere Verwachsungen 
sind häufig; so sind z. B. bei den Malven (Eibisch 406, Fig. 3) die Staub- 
fäden, bei den Köpfchenblütlern (Kuhblume 607, Fig. 2) die Staubbeutel 
zu einer Röhre vereinigt und stehen bei den Orchideen (Knabenkraut 141) 
die Staubbeutel auf dem Stempel. 

Von besonderer Wichtigkeit ist die gegenseitige Stellung der 
Blütendecken und der Staubblätter zum Stempel, ihre Einfügung oder 
Insertion. In dieser Hinsicht unterscheidet man oberständige, mittel- 
ständige und unterständige Fruchtknoten, sowie unterständige, um- 
ständige und oberständige Kelche, Blumenkronen oder Blütenhüllen und 
Staubblätter. Der Fruchtknoten heisst oberständig, wenn die übrigen 
Blütenteile an oder unter seinem Grunde angeheftet sind, wie beim Hahnen- 
fuss (246). Ist der Fruchtknoten oberständig, dann sind die übrigen Teile 
unterständig. Unterständig wird der Fruchtknoten genannt, wenn die 
übrigen Blütenteile auf seiner Spitze stehen, mithin selbst ober ständig 
sind (Myrte 419). Mittelständig oder halbunterständig endlich heisst 
der Fruchtknoten bei den Kelchblütigen, bei welchen die übrigen Blüten- 
teile an ihrem Grunde verwachsen sind und so eine Röhre bilden, welche 
den freien Stempel umgiebt, wie bei dem Faulbaum und der Kirsche 
(403, 323); Kelch, Blumenkrone und Staubblätter besitzen dabei eine um- 
ständige Einfügung. 

Blüten, welche sich durch mehrere Schnitte derart zerlegen lassen, dass 
die beiden Hälften sich wie Spiegelbilder gleichen, heissen regelmässig. 



— 20 — 

strahlig oder melirfacli symmetrisch, z, B. die Narzisse (135); giebt 
es nur einen solchen Schnitt, wie z. B. bei den Orchideen (141), so wird 
die Blüte einfach symmetrisch, zygomorph oder kurz symmetrisch 
genannt. Un regelmässige Blüten, die gar nicht in solcher Weise geteilt 
werden können, sind selten; die Spornblume gehört dahin. 

Zur Veranschaulichung aller dieser Verhältnisse muss man nicht nur 
die Blütenlängsschnitte (Goldlack 271), sondern auch die Blüten- 
grundrisse oder Diagramme (Wasserkresse 272) betrachten. 

Um ein Bild des Blütengrundrisses zu erhalten, schneidet man die 
Blütenknospe der Quere nach, d. h. senkrecht auf ihre Längs-Achse durch 
und zeichnet die gefundenen Teile in ihrer gegenseitigen Lage und Grösse 
ab. Da man aber nur selten, z. B. bei der Lilie, alle Blütenteile auf einem 
einzigen Querschnitte antrifft, fertigt man deren mehrere und setzt aus 
diesen ein Bild zusammen. In der Mitte wird der (oder die) Fruchtknoten 
durch eine annähernd ähnliche Querschnittzeichnung dargestellt; die sich 
um ihn gruppierenden Staubblätter werden nach der Form des Querschnittes 
durch den Staubbeutel gezeichnet; dann kommt mit Beachtung der Knospen- 
lage und Knospendeckung die Blumenkrone, endlich der Kelch. Zu einer 
vollständigen Figur gehört dann noch die Angabe der Stellung des Stengels 
zur Blüte. 

Die nach dem Mittelpunkte der Blüte gerichtete Seite eines Blüten- 
teiles heisst dessen Innen- oder Bauchseite, im Gegensatze zu dessen 
Aussen- oder Rückenseite; ähnliche Bezeichnungen werden angewendet, 
um die Seiten eines Blattes, einer Knospe u. s. w. in ihrer Lage zum 
Stengel zu kennzeichnen. 

Schliesslich ist noch zu bemerken, dass mitunter die Blütenteile an 
den Blüten ein und derselben Pflanze in nicht gleicher Zahl vorhanden 
sind. So sind z. B, beim Bisamkraut (562) die Endblüten in allen Teilen 
fünf-, die Seitenblüten dagegen nur viergliederig; bei der Melde (205, Fig. 1) 
ist die Hülle der Stempelblüten zweiteilig, während die der Staubblatt- 
und der Zwitterblüten vier- oder fünfteihg ist. 

Der Blütenstand. 

Die Blüten stehen entweder einzeln oder zu mehreren an einem 
nach bestimmten Gesetzen verzweigten oder verdickten Blütenstiele; im 
letzteren Falle bilden sie einen Blütenstand oder eine Inflorescenz. 

Die einzel-stelieiiden Blüten stehen zerstreut, in der Achsel je eines 
Blattes, des Tragblattes, Blütendeckblattes oder der Braktee, selte- 
ner am oberen Ende des Stengels wie bei der Einbeere (127), oder an der 



— 21 — 

Spitze eines Schaftes wie bei der Tulpe (116). Bei einigen Pflanzen mit 
wirtelständigen Blättern bildet sich in den Achseln der meisten Blätter je 
eine Blüte aus; diese Blüten bilden einen echten Wirtel oder Quirl 
(Tannenwedel 425.) 

Der Blutenstand ist entweder endständig oder achselständig, je 
nachdem er die Spitze des Stengels bildet, oder an dessen Seiten entspringt. 
Derjenige Teil der Blütenstandachse , von welchem etwaige Verzweigungen 
ausgehen, heisst Hauptachse oder Spindel; von ihm zweigen sich die 
Seitenachsen ab. Das Blatt, in dessen Achsel der Blütenstand entspringt, 
heisst Trag- oder Deckblatt. 

Zur Unterscheidung der Blütenstände dient in erster Linie die Ver- 
zweigung der Achse, daneben auch noch die Reihenfolge des Auf- 
blühens, das äussere Aussehen u. a. Offnen sich die Blüten des Randes 
oder die untersten Blüten zuerst, schreitet somit das Aufblühen von dem 
Rande nach dem Innern oder von unten nach obenhin fort (Goldrute 569, 
Eisenhart 498), dann heisst das Aufblühen centripetal, d. h. dem Mittel- 
punkte zustrebend, im Gegensatze zu dem centrifugalen Aufblühen, bei 
welchem sich die innersten oder obersten Blüten zuerst, die am Rande oder 
unten stehenden zuletzt öffnen (Kugeldistel 589, Vergissmeinnicht 497). 

Man unterscheidet einfache und zusammengesetzte Blütenstände: 
letztere lassen sich aus den ersteren in der Weise ableiten, dass die Achsen, 
welche dort Einzelblüten tragen, hier entweder zu einfachen oder wiederum 
zu zusammengesetzten Blütenständen werden. 

Die einfaclien Blütenstände zerfallen in zwei Gruppen, in traubige 
(botry tische) und in trugdoldige (cymöse); erstere blühen centripetal auf 
und haben un verzweigte Seitenachsen, letztere blühen dagegen centrifugal 
und haben fast immer verzweigte Seitenachsen. 

Die traubigen Blütenstände zerfallen in Trauben, Ähren, Dolden 
und Köpfchen. Bei Traube und Ahi-e ist die Hauptachse verlängert; 
erstere trägt gestielte, letztere sitzende Blüten (Wald-Erve 379, beziehungs- 
weise Eisenhart 498); bei Dolde und Köpfchen ist die Hauptachse dagegen 
verkürzt, endigt plötzlich und trägt auf ihrer Spitze die Blüten; auch hier 
trägt erstere gestielte, letztere ungestielte Blüten (Himmelschlüssel 472, 
beziehungsweise Distel 599). 

Besondere Formen der Ähre sind der holzige Zapfen (Fichte 24), das 
weiche und schlaffe, oft wollige Kätzchen (Zitterpappel 168), sowie der 
dicke und fleischige Kolben (Aronstab 101). 

Besondere Arten des Köpfchens sind das durch seinen Namen ge- 
kennzeichnete Blütenkörbchen (Klette 592), das Kugelköpfchen (Wer- 
muth 587) und der Blütenkrug (Feigenbaum 182). Bei Köpfchen und 



— 22 — 

Dolde findet sich an dem gemeinsamen Blütenboden häufig ein gemein- 
samer Haupt- oder Hüllkelch (Klette 592, Hundspetersilie 434). 

Die trugdoldigeu Blütenstände zerfallen in Einspaltige, Zwei- 
spaltige und Vielspaltige Trugdolden. Bei den Zweispaltigen 
Trugdolden oder Dichasien entspringen an der durch eine ausgebildete 
oder verkümmerte Blüte abgeschlossenen Hauptachse zwei einander gegen- 
überstehende und meist in gleicher Weise weiter verzweigte Seitenachsen, 
sodass nach Wegnahme der Endblüten der Blütenstand wiederholt gegabelt 
erscheint (Sternmiere 224); bei den Einspaltigen Trugdolden findet 
sich nur eine, ähnlich verzweigte Seitenachse vor. 

Bei der Vielspaltigen oder Eigentlichen Trugdolde entspringen 
unter der den Stengel abschliessenden Blüte mehrere Äste (Holunder 548). 

Stehen bei der Trugdolde die Blüten alle in einer Höhe, dann heisst 
sie auch Ebenstrauss oder Doldentraube (Schafgarbe 582, bei welcher 
die Köpfchen oben ebensträussig sind). Einspaltige, in einer Schneckenlinie 
aufgerollte Trugdolden heissen Schraubel (Taglilie 125); ist die Achse 
der Trugdolde zickzackförmig gebogen, sodass die Blütenstiele abwechselnd 
nach rechts und nach links abgezweigt sind, so heisst sie Wickel (Mauer- 
pfeffer 314, Fig. 6; Doppelwickel beim Vergissmeinnicht 497). — Trug- 
dolden mit verkürzten Blütenstielen werden Büschel (Karthäusernelke 214), 
oder wenn die Blütenstiele so kurz sind, dass die Blüten dicht aneinander 
gepresst sind, Knäuel (Bruchkraut 230) genannt. Die einspaltigen Trug- 
dolden haben oft grosse Ähnlichkeit mit Ähren oder Trauben, sind jedoch 
leicht daran zu erkennen, dass bei ihnen das Deckblatt auf der entgegen- 
gesetzten Seite der Achse gefunden wird (Blut- Auge 337), während bei den 
Ähren und Trauben die Blüte stets in der Achsel des Deckblattes sitzt 
(Weidenröschen 420). 

Zusammengesetzte Blütenstände entstehen aus einfachen, indem an 
Stelle der Einzelblüte wieder ein Blütenstand tritt; danach sind ihre Be- 
nennungen leicht zu erklären: Köpfchenähre (viele Kompositen), Ähr en- 
trauben (Arten der Segge), Ährenköpfchen (viele Cypergräser), Ähren- 
dolde, Köpfchendolde, Wickeltraube (Rosskastanie 401), Dichasien- 
kätzchen (Haselstrauch 173) u. s. w. Statt Ahrenähre, Doldendolde (Wasser- 
schierling 443), Traubentraube und Köpfchenköpfchen sagt man besser zu- 
sammengesetzte Ähre (Weizen), Dolde, Traube und Köpfchen. 

Die zahlreichen Blütenstände reicherer Zusammensetzung hat 
man nicht weiter eingeteilt; die für sie angewendeten Ausdrücke beziehen 
sich fast nur auf die Gesamttracht und kennzeichnen den Blütenstand keines- 
wegs seinem wahren Wesen nach. So versteht man unter Rispe (Hart- 
riegel 480) einen reich zusammengesetzten Blütenstand von pyramidalem 



— 23 — 

Wüchse, unter Doldenrispe (Schafgarbe 582) einen solchen von schirm- 
artigem Ansehen, unter Spirre einen solchen, bei welchem die Neben- 
achsen die Hauptachsen überragen (Marbel 108). Leicht erklären sich die 
Bezeichnungen Ährenrispe (Windhalm 71), Köpfchenrispe (Wermuth 587), 
Köpfchenspirre (Zartried 100 A), Wickelrispe (Wiederstoss 477 B) und 
ähnliche. 

Der Kelch. 

Der Kelch ist die schützende Hülle für die zarten, inneren Teile der 
Blüte. Er ist fast stets grün gefärbt und tritt in der Regel nur als 
einfacher Blattkreis auf; in seltenen Fällen ist er zweireihig (wie bei 
der Erdbeere 336, Fig, 2) oder gefärbt (Blutauge 337). 

Der Kelch ist einblätterig oder verwachsenblätterig, oder aber 
er besitzt mehrere Blätter. Er kann regel- oder unregelmässig sein; 
der unregelmässige Kelch ist fast immer symmetrisch. 

Der regelmässige, einblätterige Kelch kann ausgebreitet, stern- oder 
radförmig, keulenförmig, krugförmig, glockig, trichterförmig, 
röhrig oder walzenförmig, bauchig oder aufgeblasen u. s. w. sein. 
Dabei beachtet man noch besonders seinen Rand oder Saum und nennt 
diesen gezähnt, gespalten oder geteilt, je nachdem er nicht bis zur 
Hälfte, ungefähr bis zur Hälfte oder noch tiefer eingeschnitten ist. End- 
lich kommt auch noch die Zahl der Zähne oder Zipfel in Betracht und 
bei den vielblätterigen Kelchen die Zahl der Blätter: zwei- bis viel- 
blätteriger Kelch. Besonders häufig vorkommende Formen von unregel- 
mässigen Kelchen sind der zweilippige, gespornte und der zweisackige. 
Zweilippig heisst der einblätterige Kelch, wenn er durch zwei tiefere 
Einschnitte in eine obere und eine untere Hälfte, eine Ober- und eine 
Unterlippe, geteilt wird (Brunelle 508). Der gespornte Kelch trägt 
einen hohlen, mehr oder weniger fadenförmigen Fortsatz, Sporn (Ritter- 
sporn 258). Der zweisackige endlich besteht aus vier Blättern, von 
denen zwei an ihrem Grunde sackartig ausgebuchtet sind (Gänsekresse 274, 
Fig. 3). 

Der Dauer nach unterscheidet man hinfällige, abfallende und 
bleibende Kelche. Der hinfällige wird beim Aufblühen abgeworfen 
(Mohn 266). Der abfallende Kelch fällt gleichzeitig mit der Blumenkrone 
ab; dies geschieht mit glatter Narbe und meist an dem Grunde des Kelches; 
in seltenen Fällen (Stechapfel 522, Fig. 4) bleibt der untere Teil manschetten- 
förmig stehen. Der bleibende Kelch behält seine Form oft unverändert 
bei (Erdbeere); oft wächst er weiter, so bildet er z. B. bei der Judenkirsche 
(519) einen häutigen Sack, welcher die Frucht umschliesst. Zuweilen 



— 24 — 

nimmt er auch Anteil an der Bildung der Frucht; so bei der Wassemuss 
(•4:23, Fig. 4), deren Hörner durch Verholzung der Kelchzähne entstehen. 
Besonders bemerkenswert ist die Bildung des Fruchtkelches oder Pappus 
aus dem Kelchsaume bei den Baldriangewächsen, Kardengewächsen und 
Köpfchenblütlern (553, 555, 605). 

Die Blumenkrone. 

Die Blumenkrone oder Kor olle besteht in der Regel aus viel 
zarteren Blättern als der Kelch und ist endweder farblos (d.h. weiss) oder 
bunt. Die Ali der Färbung ist im allgemeinen von untergeordneter Wich- 
tigkeit und darf nicht zu sehr hervorgehoben werden. Bei manchen 
Pflanzen ist sie sehr veränderlich, so ist z. B. die Krone des Lungenkrautes 
beim Aufblühen rot, später violett. Selten ist die Blumenkrone grünlich, 
z. B. gelblich-grün beim Weinstocke; ausnahmsweise aber kommt es bei 
einigen Pflanzen vor, dass sich grüne, anstatt buntgefärbte Blüten aus- 
bilden, dass sie vergrünen, wie dieses namentlich bei den gefüllten Nacht- 
violen der Fall ist. Besondere Beachtung in der Färbung verdient aber 
das später zu besprechende Saftmal. 

Die Blumenkrone kann aus einem Blatte bestehen und heisst dann 
ein- oder verwachsen- blätterig, oder sie besitzt mehrere Blätter^ 
Blumenblätter, und heisst getrennt-blätterig. Sie kann regel- 
mässig oder unregelmässig sein, ist aber im letzteren Falle fast immer 
symmetrisch. 

Hauptformen der einblätterigen Blumenkrone sind: kugelig (Preissei- 
beere 466), glockenförmig (Glockenblume 561), trichterig (Winde 488), 
krugförmig, d. h. kugelig, aber am Rande eingezogen und dann wieder 
auswärts gebogen (Bärentraube 467), walzlich oder röhrenförmig (Pest- 
wurz 566, Fig. 6), präsentiertellerförmig, d. h. walzlich mit flach- 
ausgebreitetem Saume (Tausendgüldenkraut 483), rad- oder sternförmig 
(Boretsch 491), zungenförmig, d. h. mit einem bandförmigen Lappen 
endigend (Rindsauge 571, Fig. 3) und zweilippig (Lavendel 499). An 
der zweilippigen Blumenkrone unterscheidet man Oberlippe und Unter- 
lippe; sind die beiden Lippen weit geöfiftiet, so heisst die Krone rachen- 
förmig (Brunelle 508); ist dagegen der Sclilund der zweilippigen Blüte 
durch eine wulstförmige Ausbildung der Unterlippe, welche den Namen 
Gaumen führt, verschlossen, dann heisst sie maskiert (Löwenmaul 527). 

Die getrenntblätterigen Blumenkronen sind ebenfalls im allgemeinen 
kugelförmig, glockig, radförmig u. s. w. gestaltet, doch kommt bei 
ihnen vorzüglich die Gestalt, gegenseitige Stellung und Zahl der ein- 
zelnen Blätter in Betracht. In Bezusr auf erstere heissen die einzelnen 



— 2o — 

Blumenblätter ganz (Apfelbaum 349), herzförmig (Blut\vurz 334, Sellerie 
437), gezähnt (Kartäuser-Nelke 214. Fig. 1), zerschlitzt (Kukuksblume 
210). zweispaltig (Wasserdarm 228) und genagelt: letzteres ist der 
Fall, wenn die Blumenblätter am unteren Ende. Xagel, sehr schmal, am 
oberen dagegen verhältnismässig breit, platten förmig. Platte, sind 
(Lichtröschen 211). Häufig trägt ein Ki'onblatt einen Sporn (Baldrian 553); 
seltener ist dies bei mehreren (Rittersporn) oder allen Kronblättern (Akelei 
257) der FaU. 

Besonders häufige und bemerkenswerte Arten yielblätteriger Blumen- 
kronen sind die Kreuzblume, die Schmetterlingsblume, die Nelken- 
blume und die Rosenblume, denen sich die seltenere Mützenblume 
anschliesst. 

Bei der Kreuzblume finden sich vier mit den Kelchblättern ab- 
wechselnde, über Kreuz gestellte, oft genagelte Blumenblätter: sie ist der 
grossen Familie der Kreuzblütler eigentümlich (Löffelkraut 289). 

Die Schmetterlingsblume, welche der grossen Familie der Schmetter- 
lingsblütler den Namen gibt, besteht aus vier oder fünf Blumenblättern. 
Davon steht die Fahne (Segel), in der Regel das grösste Blatt, zu oberst; 
zu ihren Seiten sind die beiden Flügel angeheftet, während die Blüte nach 
unten durch das ein- oder zweiblätterige Schiffchen (Schnabel oder Kiel) 
geschlossen ist. Staubblätter oder Stempel liegen fast stets in dem Schiff- 
chen eingeschlossen (Stechginster 351). 

Die Nelkenblume besitzt einen einblätterigen, meist röhrigen Kelch, 
in dessen Grunde die fünf lang genagelten Blätter befestigt sind 
(Nelken 214). 

Die Rosenblume wird durch fünf ungenagelte Blätter gebildet, welche 
an der Stelle des krug- oder tellerförmigen Kelches ansitzen, wo dieser 
eben sich in seine Zipfel zu teilen beginnt (Hundsrose 343). 

Bei der mützenförmigen Blumenkrone sind die fünf Blätter an ihrer 
Spitze zusammengeklebt, oder besser verwachsen, und lösen sich beim Auf- 
blühen an ihrem Grunde ab, so dass sie die inneren Blütenteile wie eine 
Mütze bedecken (Weini'ebe 404). 

Die Net>eiikrone ist ein Ki-eis blatt- oder fadenartiger, oft schön 
gefärbter Organe, welche zwischen den Blumen- und Staubblättern ein- 
gereiht und bald diesen, bald jenen angeheftet sind. Bei der Narzisse 
(135) ist sie z. B. einblätterig und glockenförmig, bei der Lichtnelke bildet 
sie ein sogenanntes Krönchen am Grunde der Platte (Lichtröschen 211), 
beim Boretsch fünf Schuppen, welche den Schlund der Blumenkronen- 
röhre verschliessen (491). in der Blumenkrone der Brunelle (508) gestaltet 
sie sich zum Haarkranze, und beim Herz blatte (318) besteht sie aus fünf 



— 26 — 

Blättern, welche an ihrer Spitze in 9 bis 15 drüsentragenden Borsten 
auslaufen. 

Die absterbenden Blumenblätter werden meistens an ihrem Grunde 
durch ein Gelenk glatt abgeworfen; oft bleiben sie aber auch vertrocknet 
auf der Blüte zurück, wie bei der Glockenblume. An der Fruchtbildung 
nimmt die Blumenkrone wohl nie Anteil, wie dies beim Kelche in be- 
stimmten Fällen stattfindet. 

Die Blütenhülle. 

Ist die Blütenhülle grün gefärbt, so wird sie k eich artig (Hanf 183) 
genannt, ist sie weiss oder bunt, blumenkronartig (Orchideen und Lilien). 
Spelzartig heisst die Blütenhülle der Gräser, schuppen förmig die der 
Kätzchen vieler Laubhölzer. Im übrigen gilt von ihr in bezug auf Gestalt, 
Zahl, Anordnung und Form der Blätter fast alles, was auch beim Kelch 
und der Blumenkrone Geltung hat. Sie kann getrennt-blätterig (Schnitt- 
lauch 118) oder verbunden -blätterig sein (Knabenkraut, Narzisse 135), 
abfallen oder bleiben und dann sogar nachwachsen, wie bei der Hasel- 
nuss, endlich saftig werden, wie bei der Maulbeere. 

Im letzteren und in manchen anderen Fällen, z. B. bei Mangold und 
Seedorn, hat sie bedeutenden Einfluss auf die Fruchtbildung. 

Die Nektarien und das Saftmal. 

Ganz besondere Beachtung verdienen die Honigdrüsen oder Nek- 
tarien, die Honig oder Nektar absondernden Teile der Blüte. Sie finden 
sich bald an den Blütendecken, bald an den Staubblättern oder den 
Stempeln. Solche Nektarien sind beispielsweise die mit Schuppen be- 
deckten Vertiefungen an dem Grunde der Blumenblätter des Hahnenfusses 
(246, Fig. 4); beim Niesswurz (255, Fig. 2) sind es die hohlen Blätter des 
inneren Kreises der Blütenhülle; bei den Veilchen (412 I, Fig. 2) besitzen 
von den fünf vorhandenen Staubblättern je 2 «ein walzenförmiges Nektarium; 
beim Weinstocke (404, Fig. 2 u. 4) finden sie sich am Grunde des Frucht- 
knotens zwischen den Staubblättern, und bei den Doldengewächsen (435, 
Fig. 1) ist jeder der beiden Griffel an seinem Grunde zu einem honig- 
absondernden Organe erweitert. 

Die Nektarien liegen, wie auch aus den angegebenen Beispielen er- 
hellt, vielleicht niemals am Eingange einer Blüte, sondern derart versteckt, 
dass diejenigen Insekten, welche den Nektar geniessen wollen, auf ihrem 
Vordringen zu dem Nektarium, Staubbündel und Narbe, sei es gleichzeitig, 
sei es nacheinander, berühren und den von den Staubbündeln abgestreiften 



— 27 — 

Blütenstaub auf die Narbe, sei es derselben, sei es, wie es meist der Fall 
ist, einer anderen Pflanze übertragen müssen, und auf diese Weise die Be- 
stäubung der Blüte vollzieben. 

Bei diesem Vordringen zu dem Nektarium werden die Insekten durch 
das Saft mal, d. h. in der Farbe hervortretende Striche, Reihen von Punkten, 
Farbflecke oder Haare geleitet, welche alle nach dem Orte, an dem der 
Nektar zu finden ist, hinführen. Solche farbige Striche zeigen z. B. Himmels- 
schlüssel (472) und Glockenblume (562); Punktreihen finden sie bei Rade 
(209) und Gauklerblume (529), auffallend gefärbte Mitten der Blumen- 
krone besitzen Hornmohn (267) und Gauchheil (471), Staubfadenhaare 
bilden das Saftmal beim Wollkraut (525). Dass aber das Saftmal wirklich 
die ihm zugeschriebene Aufgabe hat, geht daraus hervor, dass Blüten, welche 
gar nicht oder nur nachts von Insekten besucht werden, auch kein Saft- 
mal besitzen; doch ist dieses nicht immer so auffallend wie in den an- 
geführten Fällen. 

Die Staubblätter. 

Die Staubblätter bestehen in ihrer vollkommenen Form aus einem 
längeren oder kürzeren, fadenartigen Stiele, dem Staubfaden, welcher, meist 
an seinem oberen Ende, die Staubbeutel oder Antheren trägt (Löwen- 
maul 527). Der zwischen die Antherenhälften eingeschobene Teil wird 
Mittelband genannt. Dasselbe ist meist klein (Melisse 506), selten gross 
(Ziest 512) oder in 2 und dann mitunter verlängerte Arme geteilt (Weiss- 
buche 172). Bei den Gräsern sitzen die Staubbeutel quer auf den Staub- 
fäden (Quecke 48). Da der Blütenstaub, der sich in den Staubbeuteln 
entwickelt, das Wesentliche an den Staubblättern ist, so kann der Staub- 
faden auch ganz fehlen; dann sind die Staubbeutel sitzend (Eisen- 
hart 498). 

Für die Einteilung der Pflanzen von Wichtigkeit sind die Art der 
Anheftung und die Verwachsung, sowie die Zahl der Staubblätter, 
weniger die Länge der Staubfäden. 

Die Staubblätter sind bald dem Boden der Blüte angeheftet (Hahnenfuss 
246), bald der Blumenkrone (Himmelschlüssel 472); selten stehen sie un- 
mittelbar auf der Narbe (Knabenkraut und Osterluzei 141 u. 191). Häufig 
sind die Staubfäden miteinander verwachsen und bilden dann eine Röhre 
(Eibisch 406), oder zwei (Süssholz 367) oder mehr Bündel (Johanniskraut 
407). Oft sind die Staubbeutel zu einer Röhre verwachsen (Familie der 
Köpfchenblütler, Kuhblume 607). Mit wenig Ausnahme besitzen alle Lippen- 
blütler zwei kurze und zwei lange Staubblätter (Melisse 506) und alle Kreuz- 
blütler zwei kurze und vier lange Staubblätter (Schaumkraut 275). 



— 28 — 

In einzelnen Fällen befinden sich an den Staubfäden eigentümliche, 
mehr oder weniger blattartige oder drüsenartige Anhängsel (Lauch 118, 
Fig. 3; Boretsch 491, Fig. 3), oft sind auch die Staubbeutel damit versehen 
(Heidekraut 469, Fig. 4; Kugeldistel 589. Fig. 4 u. 5). 

Die Staubbeutel bilden in Höhlen, die man Fächer nennt, den 
Blütenstaub oder Pollen. Dieser besteht bei den meisten Pflanzen 
aus kleinen, gelb gefärbten Körnchen, welche in der Regel einzeln und 
lose, seltener in eine wachsartige Masse eingebettet sind, letzteres z. B. bei 
den Pollinarien der Orchideen (141 Fig. 3). Ist der Blütenstaub reif, dann 
springen die Staubbeutel in vorher genau bestimmter Weise auf. In der 
Regel geschieht dies in Längsritzen, welche sich meist an der inneren, 
manchmal auch an der äusseren Seite der Staubbeutel befinden. Seltener 
öffnen sich die Antheren mit Klappen (Dann 509) oder mit zwei Löchern 
an der Spitze (Bärentraube 467). 

Der Blütenstaub ist bei vielen Pflanzen trocken und bildet eine gelbe, 
pulverartige Masse, welche bei dem Aufspringen der Staubbeutel vom Winde 
davongetragen wird; es ist dies der Fall bei allen denjenigen Pflanzen, bei 
welchen die Bestäubung, d. h. die Übertragung des Blütenstaubes auf 
die Narbe, dem Winde zufällt, die daher auch Windblütler heissen, z. B. 
bei den meisten im ersten Frühlinge blühenden Kätzchenträgern, bei Hasel- 
nuss, Birke, Pappel, Eiche u. a. Bei den Insektenblütlern dagegen, bei 
welchen der Blütenstaub von Insekten aus den Staubbeuteln auf die Narbe 
gebracht wird, ist der Blütenstaub kleberig, so dass die einzelnen Körner 
nicht nur untereinander zusammenhängen, sondern auch an dem Körper 
des die Blüte besuchenden Insektes haften bleiben, um später, wenn das- 
selbe Insekt mit einer Narbe in Berührung kommt, auf dieser abgestrichen 
zu werden. 

Die Blattnatur der Staubblätter lässt sich besonders daraus erkennen, 
dass sich sehr oft, nämlich in sehr vielen sogenannten gefüllten Blüten, 
Blumen-, anstatt der Staubblätter entwickeln, oder dass sich umgekehrt 
Staub-, anstatt der Blumenblätter ausbilden, wie man dies mitunter beim 
Hirtentäschel bemerkt. Häufig findet man auch in ein und derselben Blüte 
geradezu Übergänge zwischen den Staub-, Blumen- und Laubblättern, so 
fast regelmässig bei der Seerose (234) und den Centifolien. 

Der Stempel. 

Häufig ist die Blütenachse zwischen den Staubblättern und dem Stempel 
zu einer ring-, polster- oder becherförmigen, gekerbten oder gezähnten 
Scheibe, Diskus (Raute 388) erweitert; mitunter ist dieser Diskus zu 



- 29 — 

einem besonderen Fruclitträger verlängert oder in Zähne und Schüppchen 
aufgelöst. 

Ein vollständig ausgebildeter Stempel, Pistill, besteht aus 3 Teilen, 
dem unteren, meist verdickten Fruchtknoten, dem mittleren, dünneren 
Staubweg oder Griffel, und der oberen, rauhen oder haarigen, kleberigen 
Narbe (Kugelblume 542). 

Der Stempel wird aus blattartigen Organen, den Fruchtblättern, ge- 
bildet. Ihre Zahl, und diese ist zur Kennzeichnung der Pflanzenfamilien 
nötig, lässt sich fast immer schon äusserlich an den Nähten des Frucht- 
knotens erkennen; so kann man aus der einen Naht der Erbsenhülse (381) 
schliessen, dass sie aus einem einzigen Fruchtblatte entstanden ist, während 
die Frucht der Herbstzeitlose (109) deutlich erkennen lässt, dass sie aus 
3 Fruchtblättern hervorging. 

Oft sind die verschiedenen Fruchtblätter eines Stempels am Grunde 
verwachsen, am oberen Ende dagegen getrennt; man hat dann einen Frucht- 
knoten mit mehreren Griffeln oder Narben vor sich; so hat der Frucht- 
knoten des Gipsblümchens (216) 2, des Taubenkropfes (217) 3, des Horn- 
krautes (227) 6 Griffel; oft (viele Köpfchenträger, z. B. Alant 572, Fig. 6^ 
vollzieht sich diese Trennung erst im Griffel selbst, so dass dieser ästig er- 
scheint. Hierbei gilt es als fast ganz allgemeine Regel, dass die Griffel 
mit den Narben die Verlängerungen der Mittelrippen der Fruchtblätter sind. 
Seltener besitzen mehrere Fruchtknoten nur einen Griffel (Lavendel 499, 
Sinngrün 486). 

Stempel, welche aus einem einzigen Fruchtblatte hervorgegangen sind, 
heissen einfach, die übrigen zusammengesetzt. Vielstempelig wird 
eine Pflanze genannt, wenn sie in einer Blüte mehrere einfache Stempel 
in quirl- oder spiralförmiger Anordnung trägt (Hahnenfuss und Erdbeere 
246 und 336). 

Der Griffel ist unwesentlich und fehlt daher nicht selten (Tulpe 116);" 
ist er vorhanden, dann sitzt er in der Regel auf der Spitze des Frucht- 
knotens, selten unter derselben; im letzteren Falle heisst er seitenständig 
(Trespe und Sinau 51 und 338). 

Die Narbe dient zur Aufnahme der Blütenstaubkörner; sie ist stets 
A^orhanden und in äusserst mannigfacher Weise gestaltet: napfförmig 
(Fieberklee 484), warzig (Kreuzkraut 579), fadenförmig (Marbel 108), 
walzlich (Wegerich 543), röhrig (Eisenhart 498), zweilappig (Esche 
478), pinselförmig (Glaskraut 186), federig (Trespe 51), schildförmig 
(Mohn 265), blattförmig (Schwertlilie 139) u. a. 

Der Fruchtknoten enthält in seinem Innern eine oder mehrere Höhlen 
oder Fächer. Einfächerig ist er z. B. bei den Hülsenfrüchten (Süss- 



— 30 - 

holz 367), zweifächerig bei den meisten schotenfrüchtigen Kreuzblütlern 
(Löffelkraut 289), fünffächerig beim Apfel (349) u. s. w. 

Im Innern der Fächer sitzen die Organe, aus welchen sich die Samen 
bilden sollen und welche Samenanlagen genannt werden. Diese sind 
entweder sitzend, oder durch einen Stiel, den Träger, an bestimmten 
Stellen, welche den Namen Samenleisten oder Plazenten tragen, be- 
festigt (Weinstock 404, Fig. 5; Stechpalme 397, Fig. 4). Als Samenleiste 
kann die ganze innere Wand der Fruchtknotenfächer dienen, wie beim 
Mohn (265, Fig. 4), oder ein frei in der Mitte des Faches stehendes 
Mittelsäulchen (Gauchheil 471, Fig. 3 u. 7), oder endlich gewisse, oft 
vorspringende Stellen der inneren Fächerwand, welche wandständige 
Samenleisten genannt werden und in ihrer Zahl mit der Zahl der Frucht- 
blätter resp. Narben übereinstimmen (Stechapfel 522, Fig. 3; Bilsenkraut 
523, Fig. 3; Tabak 524, Fig. 3). Nach der Art ihrer Befestigung im 
Fache kann die Samenanlage aufrecht stehen oder hängen (Rosmarin 
514, Fig. 4; Jelängerjelieber 550, Fig. 6). 

Schneidet man eine Samenanlage der Länge nach durch und betrachtet 
die Schnittfläche mit einer Lupe, so bemerkt man, dass dieselbe aus einem 
Kern besteht, welcher in den allermeisten Fällen von einer einfachen, oder 
doppelten Haut, der Ei hülle, umgeben ist. Die Öffnung in der letzteren, 
welche sich an der Spitze des Kernes befindet, heisst Keimmund (Micropyle), 
und die Stelle, wo Kern und Eihüllen zusammeufliessen, Knosp engrund. 
Man unterscheidet drei Hauptarten von Samenanlagen: geradläufige, 
krummläufige und gegenläufige oder umgewendete. Bei der ersten 
liegt der Keimmund der Anheftungsstelle der Samenanlage gerade gegen- 
über, bei den beiden anderen neben derselben; diese unterscheiden sich 
dann in der Weise, dass der Kern der krummläufigen Samenanlage krumm, 
der der gegenläufigen dagegen gerade ist. 

Die Keimbildung:. 

Wie bereits hervorgehoben wurde, besteht die Aufgabe der Blüte in 
der Erzeugung von Samen, den Fortpflanzungsorganen der Pflanzen, und 
da das Wesentliche der Samen die in ihnen enthaltene Anlage der neuen 
Pflanzen, der Keimling ist, kann man auch sagen, Aufgabe der Blüte ist 
die Keimbildung. Die Samen gehen hierbei aus den Samenanlagen hervor, 
und sie sind eingeschlossen in der aus dem Fruchtknoten entstandenen 
Frucht. 

Soll aber aus dem Fruchtknoten eine Frucht, aus der Samenanlage 
ein Same hervorgehen, so bedarf es dazu eines Befruchtungsvorganges 
und dieser vollzieht sich f olgendermassen : Die auf die Narbe gelangten 



— 31 — 

Blütenstaubkörnclien wachsen dort, angeregt durch die von der Narbe zur 
Zeit ihrer Reife ausgeschiedenen Säfte, zu einem langen, walzenförmigen 
Schlauche, dem Pollenschlauche, aus; dieser dringt bis zum Ei, das 
heisst derjenigen Zelle aus " welcher der Keimling hervorgehen soll, vor 
und befruchtet dieselbe, indem er einen Teil seines Inhaltes an das Ei ab- 
giebt. Damit ist die erste Zelle der neuen Pflanze gebildet; aus ihr geht 
zunächst der Keimling, aus diesem die neue Pflanze durch hier nicht näher 
zu betrachtende Wachstumsvorgänge hervor. 

Bei den Nadelhölzern, deren Samenanlagen nackt, d. h. nicht in einen 
Fruchtknoten eingeschlossen sind (Wacholder 27, Fig. 5), gelangen die 
Blütenstaubkörnclien direkt auf den Knospenmund, um dort zu Pollen- 
schläuchen auszuwachsen. 

Zur Befruchtung eines Eies bedarf es nur eines einzigen Pollen- 
schlauches, sodass unter Umständen nur ein einziges Blütenkörnchen nötig 
ist, um die Befruchtung zu vollziehen und damit die Ausbildung der Frucht 
und in ihr eines Samens anzuregen. 

Nach dem Gesagten ist es zuvörderst nötig, dass die Blüte be- 
stäubt werde, d. h. dass Blütenstaub auf die Narbe, beziehungsweise auf 
die Samenanlage gelange, und dies kann sowohl durch Selbstbestäubung 
als auch durch Fremdbestäubung geschehen. Selbstbestäubung, wobei 
Blütenstaub auf die in derselben Blüte gebildete Narbe gelangt, kann ein- 
treten wenn Narbe und Blütenstaub gleichzeitig reif sind, ein Zustand, der 
Homogamie (homogam) genannt wird; Fremdbestäubung findet statt, wenn 
der Blütenstaub aus der Blüte, in der er entstand, sei es durch den Wind 
oder durch Insekten oder sonstwie, in eine andere gelangt und dort die Be- 
stäubung vollzieht. Fremdbestäubung an Blüten eines anderen Pflanzen- 
stockes hat man auch Kreuzbestäubung, Kreuzung genannt. 

Für den Erfolg der Bestäubung macht es nun in vielen, aber durchaus 
nicht in allen Fällen einen grossen Unterschied, ob dieselbe Selbst- oder 
Fremdbestäubung ist; in manchen Fällen ist der Blütenstaub derselben 
Blüte, ja sogar derselben Pflanze so wirkungslos wie eben soviel un- 
organischer Staub; in anderen treibt er Schläuche, die aber nicht bis zum 
Ei vordringen; in noch anderen tritt zwar Befruchtung ein, aber die Samen 
werden kümmerlich und sind keimungsunfähig. Alle solche Pflanzen 
können als selbst-steril, selbst-unfruchtbar, d.h. für sich allein un- 
fruchtbar bezeichnet werden (Tulpe, Lerchensporn, Wollkraut u. a.). 

Aus Verteilung, Anordnung und Reife von Blütenstaub und Narbe 
(bez. Samenanlage) ergeben sich nun folgende Möglichkeiten: 
A. Alle Pflanzen sind in Bezug auf ihre Blüte einander gleich: Ein- 
gestaltliche Pflanzen (Monomorphe Individuen). 



— 82 — 

1. Alle Blüten sind einander gleich und zwitterig: Eingestaltliche 
Blüten (Monomorphe Blüten). 
Ä. Alle Blüten sind zur Zeit der Reife von Pollen und Narbe 

knospenartig geschlossen; Kreuzung ist nicht möglich: Ge- 

schlossenblütige (Vollkommene Kleistogamie). Zur Zeit ohne 

Beispiel. 
JB. Alle Blüten offen sich; Kreuzung ist immer möglich: Offen- 

blütige (Chasmogamie), 

a. Selbstbestäubung (Autogamie) kann eintreten. 

a. Selbstbestäubung bewirkt Befruchtung (Ackerklee): Selbst- 
fruchtbare (Autocarpie). 

ß. Selbstbestäubung bewirkt keine Befruchtung (Hohlwurzeliger 
Lerchensporn): Selbstunfruchtbare (Autosterilität). 

b. Selbstbestäubung kann nicht eintreten. 

a. Selbstbestäubung kann infolge der gegenseitigen Lage von 
Pollen und Narbe oder infolge Zusammenklebens und Fest- 
sitzens der Blütenstaubkörner nicht eintreten (Hundswurz 143, 
Fig. 8): Zaunblütige (Herkogamie). 

ß. Selbstbestäubung kann nicht eintreten, weil Zellen und 
Narben in derselben Blüte zu verschiedener Zeit reif werden: 
Ungleichzeitig Aufblühende (Dichogamie). — Bei nicht 
scharf ausgeprägter Dichogamie tritt die Reife der beiden 
Organe zwar nacheinander, aber doch zeitlich so wenig ge- 
trennt auf, dass wenigstens einige Zeit hindurch beide gleich- 
zeitig thätig sein und Selbstbefruchtung vollziehen können. 
Bei scharf ausgeprägter Dichogamie ist dies nicht der Fall. 

1. Die Staubbeutel öffnen sich und entlassen den Blüten- 
staub, so dass dieser verweht, bevor die Narbe reif ist 
(Malve, Salbeiblätteriger Gamander): Erstmännliche, 
Vorstäubende (Proterandrie, Protandrie, Staubblattvor- 
reife). 

2. Die Narben sind bereits abgeblüht, vertrocknet, wenn der 
Blütenstaub entlassen wird (Augentrost, Osterluzei): Erst- 
weibliche, Nach stäuben de, (Proterogynie, Protogynie, 
Fruchtblattvorreife.) 

n. Die Blüten ein und derselben Pflanze sind von mehreren Arten: 

Mehrgestaltliche Blüten (Pleomorphe Blüten). 

Ä. Alle Blüten sind zwitterig; die einen sind oflfenblütig, die anderen 
geschlossenblütig, d. h. die einen öffnen sich zur Zeit der Reife 
von Pollen und Narbe, die anderen bleiben dann knospenartig 



- 38 — 

geschlossen (Veilchen 412 I, Fig. 5). Kleistogame (Chasmo- 
Kleistogamie, auch wohl schlechthin Kleistogamie). 
B. Die Blüten desselben Stockes unterscheiden sich durch ihr Ge- 
sclilecht, einige sind immer eingeschlechtlich. Einhäusige 
(Monoecie). 

a. Die Blüten ein und desselben Stockes sind von zweierlei Art. 
a. Der Stock trägt zwitterige und männliche Blüten (Weisser 

Germer): Männlich-Einhäusige (Audro-monoecie). 

ß. Der Stock trägt zwitterige und weibliche Blüten (Aufrechtes 
Glaskraut, viele Köpfchenblütler z. B. Wohlverleih 578): 
Weiblich -Einhäusige (Gyno-monoecie). 

y. Der Stock trägt zwitterige und geschlechtslose Blüten (Schnee- 
ball 549; Blaue Kornblume 595): Unfruchtbar-Einhäusige 
(Agamo-monoecie). 

ö. Der Stock trägt männliche und weibliche Blüten (Fichte 24): 
Eigentlich -Ein häusige (Monoecie). 

b. Die Blüten ein und desselben Stockes sind von dreierlei Ai-t, 
er trägt zwitterige, männliche und weibliche Blüten (Basilicum- 
ähnliches Seifenkraut): Dreierleiblütig-Einhäusige (Tri- 
monoecie). 

B. Die Pflanzen sind in Bezug auf ihre Blüten nicht alle einander gleich: 
Mehrgestaltliche Pflanzen (Pleomorphe Individuen). 
I. Die verschiedenen Pflanzen unterscheiden sich voneinander durch die 
Art ihrer Bestäubung. 

A. Die einen Pflanzen sind übei'\\äegend der Selbstbestäubung, die 
anderen der Kreuzbestäubung angepasst (Stiefmütterchen: die eine 
Pflanze ist vorwiegend offenblütig, die andere geschlossenblütig). 
Auto-Allogamie. 

B. Die Befruchtungswerkzeuge haben bei den einen Pflanzen gleich- 
zeitiges, bei den anderen ungleichzeitiges Aufblühen (Kriechender 
Günsel: die einen Pflanzen sind dichogam, die anderen nicht): 
Homo-Dichogamie. 

C. Die Bestäubung der verschiedenen Pflanzen wird infolge des ver- 
schiedenen Blütenbaues von verschiedenen Insekten vollzogen 
(Wasser-Schwertlilie: bei den einen Pflanzen stehen die blattartigen 
Narben 8 bis 10 mm über den Blütenhüllblätteni, sie werden von 
Hummeln bestäubt; bei den anderen Pflanzen liegen die Narben 
dicht über den Hüllblättern, sie werden von Schwebfliegen bestäubt; 
die auf Tafel 139 dargestellte Pflanze ist eine Hummelblütige) : 
Di-Entomophilie. 

Thome, Flora. I. S 



— 34 — 

IL Die verschiedenen Pflanzen unterscheiden sich voneinander durch die 
gegenseitige Stellung der Befruchtungswerkzeuge; zu voller Frucht- 
barkeit ist die Vereinigung verschiedenartiger Pflanzen notvv^endig. 
Verschiedengriffeligkeit (Heterostylie). 

A. Es giebt zwei Arten von Pflanzen, langgriffelige und kurzgriffelige. 
Bei den Blüten der ersteren ist der Grifi'el lang, steht mithin die 
Narbe hoch, während die Staubbeutel niedriger als diese stehen, 
bei denen der letzteren stehen die Staubbeutel hoch und die Narbe 
niedrig (Buchweizen 196; Himmelschlüssel 472; Lungenkraut 495). 
Volle Fruchtbarkeit tritt nur ein bei Kreuzung gleichhochstehender 
Organe: eine langgriffelige Narbe muss von hochstehenden Staub- 
beuteln bestäubt werden, eine kurzgriffelige von tief stehenden. 
Zweigestaltige (Hetero-distylie, Dimorphismus). 

B. Es giebt drei Arten von Pflanzen, lang-, mittel- und kurzgriffelige 
Bei allen dreien giebt es lange und kurze Staubblätter; bei den 
langgriffeligen überragt die Narbe die Staubbeutel der langen 
Staubblätter; bei den mittelgriffeligen steht sie zwischen den beiden 
Staubbeutelkreisen; bei den kurzgriffeligen endlich wird sie von 
allen Staubbeuteln überragt. Volle Fruchtbarkeit tritt nur bei 
Kreuzung gleichhochstehender Organe ein (Gemeiner Weiderich 
417). Dreigestaltige (Hetero-tristylie, Trimorphismus). 

TTT. Die verschiedenen Pflanzen unterscheiden sich zeitlich durch die 
Reihenfolge der Entwicklung ihrer Befruchtungswerkzeuge (Wal- 
nuss: einige Pflanzen haben Blüten mit gleichzeitig zur vollen Ent- 
wicklung gelangenden Befruchtungswerkzeugen; andere sind aus- 
geprägt erstmännlich, sodass die männlichen Blüten schon abgefallen 
sind, wenn die weiblichen befruchtungsfähig sind,noch andere erstweiblich, 
sodass die weiblichen Blüten etwa eine Woche vor den männlichen 
entwickelt sind; endlich entwickeln sich an jüngeren, erst blüh bar 
werdenden Bäumen nur weibliche Blüten). Heterodichogamie. 

IV. Die verschiedenen Pflanzen unterscheiden sich durch das Geschlecht 
ihrer Blüten. 
A. Es giebt zweierlei Pflanzen. 

a. Der eine Stock trägt zwitterige, der andere männliche Blüten 
(Silberwurz). Männlich-Zweihäusige (Andro-dioecie). 

b. Der eine Stock trägt zwitterige, der andere weibliche Blüten 
(Feld-Quendel). Weiblich-Zw ei häusige (Gyno-dioecie). 

c. Der eine Stock trägt männliche, der andere weibliche Blüten 
(Salweide). Eigentlich- Zweihäusige (Dioecie). 



— 35 — 

B. Es giebt dreierlei (Trioecie) bis sechserlei Pflanzen. Viel- 
gestaltigkeit (Pleogamie). 

a. Die Stöcke sind dreierlei Art: 

1. Zwitterig, weiblich und zwitterig- weiblich. (Viele Ranun- 
culus, fast alle Alsineen, die meisten Lippenblumen u. a.) 
Weibliche Vielgestaltigkeit. 

2. Zwitterig, männlich und zwitterig-männlich. (Viele Arten 
von Rubus, Geum u. a.) Männliche Vielgestaltigkeit, 

b. Die Stöcke sind fünf- bis sechserlei Art: zwitterig, zwitterig- 
männlich, zwitterig-weiblich, männlich-weiblich, männlich, end- 
lich weiblich. Hierbei können die Zwitter vorwalten (Evonymus 
europaeus, Fragaria vesca und coUina, Plantago media), oder 
die Zwitter treten in etwa zurück; a) die weiblichen Formen 
überwiegen: Erodium, Polygonum, Fagopyrum, Viscaria, Coro- 
naria, Silene- Arten; b) die männlichen Formen überwiegen: 
Daucus carota, Scleranthus annuus, Pulsatilla- Arten ; c) männ- 
liche und weibliche Formen halten einander das Gleichgewicht: 
Scleranthus perennis, Alchemilla- Arten, Silene vulgaris), oder 
endlich die Zwitter- und vielgestaltlichen Formen sind im Ver- 
schwinden und zweihäusige Verteilung herrscht vor (Silene- und 
Melandrium -Arten, Fragaria elatior, Valeriana dioica, Rumex- 
Arten, Rhodiola, Empetrum, Asparagus). In vielen Fällen und 
an manchen Arten wird somit durch die Zwischenstufe der 
Vielgestaltigkeit die Umwandlung von Zwitterpflanzen in zwei- 
häusige erfolgt sein und noch erfolgen. Pleistogamie; 
Äusserste Vielgestaltigkeit. 

Es steht nun fest, dass in der Regel, wenn nicht vielleicht 
immer, Befruchtung mit fremdem Blütenstäube, Kreuzung, 
günstiger wirkt, als die Selbstbefruchtung durch eigenen 
Blütenstaub. 

Um sich von dem Werte der Kreuzung, durch Versuche, wie sehr oft 
geschehen, zu überzeugen, bestäube man von den Blüten ein und desselben 
Stockes mit Hilfe eines Pinsels einige mit eigenem, andere mit fremdem 
Blütenstäube, zeichne beiderlei Blüten mit Fäden bestimmter Farbe, schütze 
sie bis zum Verblühen durch ein darüber gestülptes, über einen Holzrahmen 
gespanntes Gazenetz gegen etwaige störende Einwirkungen von Insekten 
und sammle zur Zeit der Reife die aus beiderlei Bestäubungsarten hervor- 
gegangenen Samen besonders ein; dann wird man in den allermeisten 
Fällen finden, dass die durch Kreuzung erzeugten Samen die anderen an 
Zahl, Aussehen und Gewicht übertreffen, sowie dass sie keimfähiger sind. 



— 36 — 

Bringt man schliesslich die beiderseitigen, in demselben Topfe stehenden 
Keimpflanzen in ungünstige Lebensverhältnisse, dann wird man völlig von 
dem Werte der Kreuzung dadurch überzeugt, dass die kräftigsten Pflanzen 
stets die infolge der Kreuzung entstandenen sind. Auch wird durch solche 
Versuche klar bewiesen, dass die Wirkungen der Kreuzung um so auf- 
fälliger sind, je verschiedeneren Lebensbedingungen die gekreuzten, d. h. die- 
jenigen Pflanzen ausgesetzt waren, von denen Blütenstaub und Samenknospe 
herstammten. 

Unter den vorhin gekennzeichneten Bestäubungsformen 
finden sich viele, welche eine Selbstbefruchtung geradezu aus- 
schliessen. 

Dass Eiiihäusigkeit und Zweihäusigkeit d. h. völlige Trennung von 
Staubblättern und Samenknospen auf verschiedene Blüten oder Pflanzen, 
wie wir sie z. B. l)ei der Mehrzahl der Nadelhölzer, beim Igelkolben, Mais, 
Aronstab, Buchsbaum und Wolfsmilch, beziehungsweise beim Wacholder, 
bei Pappeln, Spinat, Hopfen, Hanf und Mistel sowie bei zahlreichen anderen 
Pflanzen vorfinden, stets mit Kreuzung verbunden sein muss, bedarf keiner 
weiteren Ausführung. 

Auch die Blutenform erschwert oft die Selbstbestäubung oder ver- 
hindert sie ganz; so z. B. bei den Orchideen, Schwertlilien, Krokus, dem 
Stiefmütterchen, den Läusekräutern und manchen Lippenblumen. Dass hier 
die Selbstbestäubung bald durch die Stellung der einzelnen Teile der Blüte, 
bald durch Zusammenkleben und Festsitzen der Blütenstaubkörner oder andere 
Einrichtungen, welche man kurz als Blütenform zusammenfassen kann, un- 
möglich gemacht wird, geht daraus hervor, dass diese Pflanzen, obgleich sie 
für sich allein durchaus nicht unfruchtbar sind, dennoch niemals Frucht 
bringen, wenn man die Insekten, welche hier die Bestäubung vollziehen 
müssen, abhält. — Ein besonderes Beispiel biete das Stiefmütterchen (413, 
Fig. 1 bis 6). Bei diesem sind die Blütenblätter so zusammengeneigt, dass 
der Eingang in das Innere der Blume durch den dicken Kopf der Narbe 
fast ganz ausgefüllt wird, und der Zutritt nur durch eine schmale, mit 
Haaren besetzte Rinne, die aber direkt zu den Honigbehältern führt, möglich 
ist. Der aus den Staubbeuteln herausquellende Blütenstaub sammelt sich 
nun hinter dem Narbenkopfe und zwischen den genannten in den Figuren 
ersichtlichen Haaren an, ohne in den Narbenkopf selbst gelangen zu können. 
Ein Insekt, welches zu dem Honigsafte vordringen will, schiebt seinen 
Rüssel durch die Rinne in den Honigbehälter; bringt es dabei Blütenstaub 
an seinem Rüssel mit, so wird derselbe an dem kleberigen Narbenkopfe ab- 
gestreift und die Bestäubung ist vollzogen. Während das Insekt den Honig 
aussaugt, heftet sich aber der in der Rinne hinter dem Narbenkopfe liegende 



— 87 - 

Blütenstaub an seinen Rüssel und wird später mitgenommen. Dabei gelangt 
er nicht in den Narbenkopf, denn dieser wird, wenn das Insekt seinen 
Rüssel aus der Blüte herauszieht, durch die Lippe des Narbenkopfes 
geschlossen. Der aus diesei- Blüte mitgenommene Blütenstaub wird dann 
in der angegebenen Weise in einer anderen Blüte abgestreift. Würde das 
Insekt seinen Rüssel wiederholt in den Honigbehälter derselben Blüte ein- 
schieben, so müsste allerdings eine Selbstbestäubung eintreten, aber die 
Insekten verfahren meist nicht in dieser Weise, sondern tauchen ihren 
Rüssel nur einmal in den Honigbehälter, saugen den Nektar auf und 
besuchen dann eine andere Blüte, auch hat fremder Blütenstaub über 
den eigenen ein Übergewicht, eine Präpotenz, derart, dass der 
fremde rascher und wirksamer seine Schläuche treibt. Endlich darf man 
auch nicht denken, dass auf diese Weise viel Blütenstaub in Blüten anderer 
Pflanzenarten nutzlos verschleppt würde, denn die Beobachtung lehrt, dass 
ein solcher Wechsel in den besuchten Pflanzen bei den eifrigsten der 
blumenbestäubenden Insekten nur dann vorkommt, wenn er eben nicht zu 
vermeiden, d. h. die vorher besuchte Pflanzenart nicht weiter vorhanden 
ist; wie denn auch ein tüchtiger Bienenzüchter die verschiedenartigsten 
Honigsorten gewinnt und genau anzugeben weiss, von welcher Pflanzenart 
jede derselben herstammt (Heide-, Linden-, Kleehonig u. a.). 

Bei scharf ausgeprägtem ungleichzeitigen Aufblühen sind, wie man 
sofort einsieht, die nahe verwandten Organe durchaus nicht im stände, 
befruchtend aufeinander einzuwirken, es muss vielmehr der Stempel einer 
jeden Blüte von fremdem Blütenstäube befruchtet werden. Zu den vor- 
stäubenden Pflanzen, bei welchen sich die Staubbeutel zu einer Zeit öfinen, 
in welcher die Narben noch nicht bestäubt werden können, während sich 
die Narbenflächen erst dann ausbreiten, wenn der Blütenstaub derselben 
Blüte bereits verweht oder von Insekten fortgetragen ist, gehört z. B. die 
blaue Kornblume (595); bei ihr, und bei fast allen Zwitterblüten der übrigen 
Köpfchenblütler ist es nicht anders, bilden die Staubbündel eine Röhre, in 
welcher der Blütenstaub zu einer Zeit entleert wird, wenn der in der Röhre 
stehende Grifi'el noch verhältnismässig klein ist. Wenn dieser sich streckt, 
stösst er den Blütenstaub vor sich her und fegt ihn schliesslich mit einer 
besonderen Haarbürste völlig heraus. In diesem Zustande (Fig. 6) ist die 
Blüte nur männlich, nicht z^vitterig, trotzdem sie einen Stempel besitzt; erst 
später (nachdem Insekten oder der Wind den Blütenstaub längst weg- 
getragen haben) tritt der Griffel aus der Staubfadenröhre heraus, die Narben- 
äste breiten sich auseinander, und erst dann ist die Blüte bestäubungsfähig 
oder weiblich (Fig. 8). Da die Köpfchen der Köpfchenblütler ein deren 
Mittelpunkt zustrebendes Aufblühen haben, befinden sich sehr oft die 



— 38 — 

äusseren Blüten eines Köpfchens in ihrem weiblichen Zustande, während 
die mittleren, männlich, und die innersten noch gänzlich geschlossen sind 
(Rainfarn 586, Fig. 1); über solche Blütenköpfchen hinwegkriechende 
Insekten müssen daher fortwährend Fremdbestäubungen dadurch vollziehen, 
dass sie den Blütenstaub der inneren Blüten auf die Narben der äusseren 
verschleppen. Jetzt erkennt man auch, welche Bedeutung es hat, dass so 
viele Köpfchenblütler weibliche Randblüten besitzen: wozu sollten diese 
Blütenstaub entwickeln, da bestäubungsfähige Narben fehlen? — Auch bei 
den nach stäub enden Blüten muss Kreuzung stattfinden. Hierher gehören 
z. B. Heidekraut (469), Judenkirsche (519) und Schuppenwurz (538). 

Bei scharf ausgeprägter Dichogamie findet sich oft ein Platzwechsel, 
in der Weise, dass die Narbe diejenige Stelle einnimmt, welche vorhin die 
bei ihrer Reife bereits vertrockneten, im Wachstum zurückgebliebenen, 
durch Krümmung der Staubfäden oder sonstwie beseitigten Staubbeutel 
einnahmen, oder nach ihr innehaben werden. So bilden bei Distel- 
köpfen, der Scharte (592) u. a. erst die Staubbeutel, dann die Narben den 
Gipfel; über reife Staubbeutel, dann über Narben hinkriechende Insekten 
müssen Fremdbestäubung herbeiführen. 

Ungleich weniger verbreitet ist die TerscMedengrififeligkeit oder 
Heterostylie, bei welcher die verschiedenen Exemplare derselben Pflanzen- 
art in Bezug auf ihre Befruchtungsorgane verschieden gebaut sind. 

Ein bekanntes Beispiel von Zweigestaltigkeit bietet der Hinunelsschlüssel 
(472); bei ihm bilden die einen Exemplare ausschliesslich Blüten, deren 
Griffel kurz, d. h. etwa halb so laug als die Blumenkronröhre ist, und deren 
Staubbeutel am oberen Ende der Blumenkronröhre angeheftet sind (Fig. 3), 
während die anderen Exemplare Griffel von der ganzen Länge der Blumen- 
kronröhre, aber der Mitte der letzteren angeheftete Staubbeutel besitzen 
(Fig. 2), auch hat die langgriffelige Form eine dickere, weit rauhere Narbe 
und bedeutend kleinere Blütenstaubkörnchen als die kurzgriffelige. Es ist 
nun zunächst klar, dass sich einem Insekte, welches beide Formen besucht 
um deren Honig zu geniessen, der Blütenstaub der einen Form genau an 
derjenigen Körperstelle anheften wird, an welche sich späterhin die Narbe 
der anderen Form anlegt, und dass sich auf diese Weise notwendigerweise 
die beiden Fonnen kreuzen müssen; es ist aber auch durch zahlreiche Ver- 
suche festgestellt, dass nur durch Kreuzungen gleich hochstehen- 
der Befruchtungsorgane volle Fruchtbarkeit erzielt wird. — 
Das gleiche Gesetz gilt auch von den dreigestaltigen Pflanzen, und je 
grösser hier die Ungleichheit in der Länge der Staubblätter und Stengel 
ist, um so unvollkommener ist deren Einfluss aufeinander (Weiderich 417). 

Wenn mithin die Bestäubung, also auch die Befruchtung mit fremdem 



— 39 — 

Blütenstäube in der Regel, vielleicht sogar immer günstiger wirkt als die 
Selbstbestäubung, wenn es bei zahlreichen Pflanzen ganz besondere Ein- 
richtungen giebt, durch welche eine Selbstbestäubung unmöglich Avird, dann 
muss auch in besonderer Weise für genügende Übertragung fremden Blüten 
staubes auf die Narbe gesorgt sein; — diese Kreuzung geschieht durch 
Wasser, den Wind, oder durch Tiere, wonach man Wasserhlütige 
(Wasserblütler, Hydrophile), Windhlütige (Windblütler, Anemophile) und 
Tierhlütige (Tierblütler, Zoidiophile) unterscheidet. 

Wasserblütige. 

Die Zahl der Wasserblütigen ist sehr gering. Die merkwürdigste ist 
wohl die Vallisnerie. Ausser ihr dürfte vielleicht das Hornblatt (236) 
der einzige deutsche Wasserblütler sein, denn wenn Blütenstaubkörner mit 
Wasser in Berührung kommen, nehmen sie meist soviel davon auf, dass 
sie bersten oder aus einer Pore ihren Inhalt rasch entleeren. Aus letzterem 
Grunde gilt es denn auch fast allgemein als Regel, dass die untergetauchten 
Pflanzen, z. B. die Seerosen und der Froschbiss, ihre Blüten über das 
Wasser erheben; bei dem Wasserhelm füllen sich sogar die in Tafel 540 
(Fig. Au. 10) abgebildeten Schläuche mit Luft und heben dadurch die 
ganze Pflanze für die ganze Zeit der Bestäubung an die Oberfläche des 
Wassers. Die Tännel- und Froschlöffelarten sondern zur Zeit des Blühens 
durch eine noch nicht genau gekannte Lebensthätigkeit Luftblasen zwischen 
den zusammengeneigten Staubblättern untergetauchter Blüten ab, innerhalb 
deren sich die Bestäubung uncrestört vollzieht. 

Windblütige. 

Alle Gymnospermen sowie zahlreiche Angiospermen gehören liierher. 
Damit sich die Bestäubung sicher vollziehe, müssen sehr viele Blüten- 
staubkörner gebildet werden. In der That sieht man zur Zeit der Ver- 
stäubung um Wälder von den hierher gehörenden Kätzchenträgem und 
Nadelhölzern oft ganze Wolken von Blütenstaub schwellen. Auch darf 
dieser nicht allerwärts haften bleiben und muss daher eine trockene 
Oberfläche besitzen. Endlich müssen Staubbeutel und Narben (bezw. 
Samenanlagen) durch ihre Stellung dem Winde möglichst ausgesetzt 
sein. Die Tafeln 22 bis 27 und 159 bis 177 bieten Beispiele, wie dies 
erreicht wird. 

Es mag nicht unerwähnt bleiben, dass die Blütenstaubkörner der Nadel- 
hölzer durch zwei flügelartige, das Schweben in der Luft erleichternde An- 
hängsel ausgezeichnet sind. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen 
auch die Brennesseln (185, Fig. 2), denn ihre Staubfäden sind zurück- 



— 40 — 

gebogen und der Blütenstaub wird, wenn jene sich gerade strecken, als 
kleines Wölkchen so weit fortgeschleudert, dass er selbst bei ruhiger Luft 
zu benachbarten Stöcken gelangt. 

Tierblütige, 

Nur drei Tierkl ssen sind, so viel bis jetzt bekannt ist, an der 
Kreuzungsvermittelung von Blütenpflanzen beteiligt: Insekten, Vögel und 
Schnecken, so dass sich die Tierblütler in Schneckenblütler, Vogel- 
blütler und Insektenblütler unterscheiden lassen. 

Nach dem Wenigen, was in Bezug auf die Schneckenblütler, zu welchen 
von einheimischen Pflanzen nur das Schlangenkraut (103), sowie das Milz- 
kraut (317) gehören möchten, festgestellt ist, lässt es sich nicht mit Sicher- 
heit entscheiden, ob die gefrässigen, träge über die Blütenstände hingleiten- 
den und dabei mit ihrem schleimigen Fusse den Blütenstaub übertragenden 
Schnecken nur durch den Geschmackssinn oder auch durch Farben und 
Gerüche zum Aufsuchen der Blüten veranlasst werden. Von Vögeln und 
Insekten steht es dagegen unzweifelhaft fest, dass sie sich durch Geschmacks-, 
Gesichts- und Geruchseindrücke in der Auswahl der Blumen, denen sie ihre 
Besuche zuwenden, bestimmen lassen, und bei weitem die meisten Vogel- 
und Insektenblütler sind daher auch durch bunte Farben, oder durch Wohl- 
gerüche, oder durch Honig, welchen ihre Blüten darbieten, sofort als solche 
zu erkennen; wie ihren Kreuzungsvermittlern, so machen sie sich auch 
uns schon aus einiger Entfernung bemerkbar und werden teils für sich 
(Rose 342), teils im ganzen Blütenstande (Aster 570) mit dem Namen 
Blumen vor den schmuck- und geruchlosen Windblütlern ausgezeichnet. 

In Europa giebt es vielleicht keinen Vogelblütler ; in der tropischen 
und subtropischen Zone dagegen nähren sich zahlreiche kleine Vögel, 
namentlich Kolibris und Honigvögel, von Blumenhonig, und nicht wenige 
Blumen dieser Zonen sind diesen Vögeln als Vermittler ihrer Kreuzung 
angepasst; meist sind sie durch grosse Blüten mit brennenden Farben, sack- 
artiger Gestalt, wagerechter Stellung und massenhafter Honigabsonderung 
ausgezeichnet. 

Alle einheimischen Blumen sind ohne Ausnahme Insektenblütler. 

Die Blumen locken die Insekten an durch ihre Farbe, ihre 
Gerüche, durch Genussmittel, endlich durch nutzbare Stoffe; je 
unscheinbarer also eine Blume ist, je weniger sie duftet, Honig oder sonst- 
wie den Insekten nutzbare Stoffe enthält, um so weniger wird sie von 
Insekten besucht, und um so mehr ist sie zur Selbstbefruchtung geeignet. 

Häufig sind auch in den Blüten besondere Vorrichtungen getroffen, 
um den Insekten den Anflug zu erleichtern und ist ihnen ein Halteplatz 



— 41 — 

geboten; als solcher dient z. B. beim Frauenflachs (526 A) die Unterlippe^ 
beim Bittersüss (518) namentlich die Staubbeutel, beim Wintergrün (462) 
der Stempel. 

1. Wirkung der Augenfälligkeit, Schauapparate. An den grossen^ 
prächtig rosafarbenen Blumen der Wilden Malve wurden 31 verschiedene 
Besucher (Insektenarten) beobachtet, auf der viel kleineren und blasseren, 
an derselben Stelle aber gleich häufigen Rund blättrigen Malve dagegen 
nur 4. :Von dem Gelbweiderich (475) wächst auf sennigen Plätzen 
eine augenfälligere Form mit grösseren, lebhafter gefärbten Blüten, dieselbe 
erfährt durch häufigen Insektenbesuch regelmässig Kreuzung und befruchtet 
sich niemals oder doch nur ausnahmsweise selbst; an schattigen Gräben 
findet sich dagegen eine unscheinbare Form mit kleineren, blasseren, sich 
weniger ausbreitenden Blumenblättern, welche nur sehr spärlichen Insekten- 
besuch erfährt, dafür aber sich regelmässig selbst befruchtet. 

Durch abweichende Geschmacksrichtung nicht nur in Bezug auf Farbe, 
sondern auch in Bezug auf die Gerüche sind namentlich die Aas-, Fleisch-, 
Kotfliegen und andere Fäulnisstoffe liebende Fliegen ausgezeichnet, auf 
welche schmutzig gelbe, schwärzlich purpurne und fahl bläuliche Farben 
eine besondere Anziehungskraft ausüben, ohne dass sie jedoch deshalb 
irgend andersgefärbte Blumen verschmähten. Mit Rücksicht auf letzteres 
kann hier gleich hinzugefügt werden, dass die weit überwiegende Mehr- 
zahl der Blumenbesucher verschiedene Blumen aufsucht, und 
dass nur sehr wenige Insekten auf ganz bestimmte Blumen augewiesen 
sind, während es doch von vielen Raupen bekannt ist, dass sie nur auf 
ganz bestimmten Pflanzen leben und sich von diesen ernähren. 

Das die Blume besuchende Insekt muss aber imstande sein, den Honig 
leicht zu finden, und so besitzen denn, wenn auch nicht gerade alle, dann 
doch die meisten Insektenblütler ein Saftmal (vergl. Seite 26). Oft hat 
die Blumenkrone die Aufgabe die Insekten anzulocken, bei manchen 
Wachtelweizenarten sind es bunt gefärbte Hochblätter, bei der Dotter- 
blume (251) die blumenkronartige Blütenhülle, bei der Wiesenraute (239) 
die Staubblätter, welche die Augenfälligkeit bewirken; oft können auch 
mehrere Organe zusammenwirken, z.B. bei Akelei (257), Rittersporn (258), 
Seerose(234), oder Blumengesellschaften (v.S.46)dieAufgabe übernehmen. 

2. Wirkung des Duftes. Wer auf einem Blumenbeete Veilchen 
und Stiefmütterchen, die sich bei annähernd gleicher Blüteneinrichtung 
durch Wohlgeruch und Augenfälligkeit recht sehr unterscheiden, neben- 
einander und gleichzeitig in Blüte hat, kann sich an sonnigen Frühlings- 
tagen leicht davon überzeugen, dass das lieblich duftende Veilchen viel 
häufiger von Insekten, besonders Bienen, besucht wird, als das viel mehr 



- 42 — 

in die Augen stechende aber geruchlose Stiefmütterchen. Ein gleicher 
Unterschied findet zwischen der schokoladeähnlich gewürzhaft duftenden 
Feld winde und der weit grösseren, augenfälligeren aber geruchlosen Zaun- 
winde statt. Da die erstere nicht selten am Fusse derselben Hecken 
blüht, über welche gleichzeitig die letztere ihre grossen, weissen Blumen 
emporhebt, kann man sich auch hier leicht von der Wirkung des Duftes 
auf Steigerung des Insektenbesuches überzeugen. Nach Kot (Weissdorn), 
faulendem Urin (Aronstab) riechende Blumen werden demgemäss haupt- 
sächlich von fäulnisstoff liebenden Fliegen besucht, während sie andere 
Insekten geradezu anekeln und zurückschrecken. 

3. Wirkung des Honigs. Auf den beiden honiglosen Arten der Spier- 
staude (Spiraea filipendula und Aruncus) wurden im Verlaufe von fünf 
Sommern nur 15 verschiedene Besucher beobachtet, auf den beiden honig- 
haltenden (Spiraea salicifolia und ulmifolia) dagegen in derselben Zeit und 
in denselben Gärten 98. 

4. Bisweilen suchen die Insekten in den Blumen Obdach. Sehr viele 
Blumen, so Orchideen, Heidekräuter und Glockenblumen sind so angeheftet, 
dass die Blütendecken gewissermassen ein Regendach bilden; nachts und bei 
Regenwetter finden z. B. viele Bienenarten in den Blüten unserer Glocken- 
blumen Obdach und Schutz. 

5. Manche Blüten liefern Stoife zum Nestbau oder Brutstätten. Acan- 
thocopa papaveris, eine Biene, kleidet ihre Brutstätten mit Blumenblättern 
des Mohn aus. — Ein sehr bemerkenswertes Beispiel dafür, dass Blüten 
Brutstätten liefern, bietet die Feige (182). Die Blütenkrüge der Feige 
(Fig. 1) enthalten eingeschlechtliche Blüten, und zwar sitzen auf dem Boden 
der Urne Stempelblüten, gegen deren Eingang hin Staubfäden. Manche 
Blütenstände werden jedoch durch Verkümmerung der Staubblüten rein 
weiblich, andere dagegen dadurch rein männlich, dass die Weibchen der 
Feigen-Gallwespe in die Urne hineinkriechen und in jeden Fruchtknoten 
ein Ei legen. Die Gallwespen, welche aus diesen hervorgehen, schlüpfen 
gerade aus, wenn die Staubbeutel der männlichen Blüten aufspringen, und 
sie kommen daher völlig mit Blütenstaub bedeckt aus der Urne heraus, 
sodass sie, in Stempelblüten enthaltende Urnen hineinkriechend, diese Blüten 
bestäuben müssen (Kaprifikation der Feigen). 

Die als Kreuzungsvermittler thätiffeu Insekten und ihre Aus- 
rüstung zur Gewinnung von Blumennahrung. 

Von den einheimischen Insekten kommen nur Käfer, Fliegen, 
Schmetterlinge und Immen als Blütenbestäuber in Betracht; die 
Schnabelkerfe mit den Wanzen, die Netzflügler mit Libellen, Flor- 



— 43 — 

fliegen u. a., sowie endlich die Geradflügler mit Schaben, Grillen, Heu- 
schrecken u. a. sind nur als gelegentliche Blumenbesucher zu erwähnen. 

Von den Käfern sind einzelne wichtige Mitarbeiter bei dem Bestäubungs- 
geschäfte, wenn auch keine einzige einheimische Blume ausschliesslich, selbst 
vorwiegend durch Käfer bestäubt wird. Die auf Blumennahrung ausgehen- 
den Arten, viele verschmähen diese ganz, sind in der Regel nur imstande, 
ziemlich frei in den Blumen liegenden Honig zu gewinnen; daneben fressen 
sie aber auch Blütenstaub und sonstige zarte Blütenteile, sodass manche 
schädlich wirken. Im allgemeinen kann man sagen, dass die beim Honig- 
lecken benutzten Kieferladen bisweilen bei nahe verwandten Käferarten um 
so länger gestreckt und mehr pinselförmig behaart sind, je blumeneifriger 
die betreffende Art ist; und bei den Bockkäfern lässt sich ausserdem er- 
kennen, dass Kopf und Halsschild um so schmäler und gestreckter sind, 
je mehr die betreffende Art auf Blumenbesuch angewiesen ist. 

Die Fliegen sind als Kreuzungsvermittler der Pflanzen in weit um- 
fassenderer Weise thätig als die Käfer. Die blumeneifrigsten, die Schweb- 
fliegen (Syrphidae), Schnepfenfliegen (Empidae), Dickkopffliegen 
(Conopidae) und Wo 11 schweber (Bombylidae) sind durch einen langen 
Rüssel zur Gewinnung selbst tief geborgenen Honigs vortrefflich befähigt, 
und namentlich die Wollschweber auch mit so grosser Geschwindigkeit be- 
gabt, dass es Mühe macht, ihnen mit dem Blicke zu folgen, wenn sie in 
stossweisem Fluge von Blume zu Blume eilen und meist vor derselben frei 
schwebend ihren Rüssel in die honigführenden Behälter hineinstecken. 

Ein Beispiel zur Bestäubung durch Fliegen biete die des Gefleckten 
Knabenkrautes (142 B.) durch die Schmutziggelbe Schnepfen- 
fliege. Setzt sich diese Fliege auf die als Halteplatz bequem sich dar-, 
bietende Unterlippe der Blume und steckt ihren Rüssel in den hohlen Sporn 
um zu dem Honig zu gelangen, so stösst sie dabei unvermeidlich mit ihrem 
kleinen, fast ganz von den beiden grossen Augen bedeckten Kopfe gegen 
die über dem Eingange in den Sporn gelegenen Klebstoffbehälter. Zieht 
sie sich dann wieder aus der Blüte zurück, so nimmt sie die beiden, ihren 
Augen unterdes fest aufgekitteten Blütenstaubkölbchen als aufrecht stehen- 
den Kopfschmuck mit sich. Kaum aber hat sie die Blüte verlassen, so 
beginnen infolge des Eintrocknens die Blütenstaubkölbchen sich nach unten 
und vorn zu drehen, bis sie gerade nach vorn vom Kopfe abstehen. Wenn 
dann die Fliege an eine andere Blüte anfliegt und hier wieder ihren Rüssel 
in den Sporn steckt, so stösst sie unvermeidlich gegen die beiden Narben. 
Zieht sie sich zurück, so bleiben die mit der klebrigen Narbe in Berührung 
gebrachten Blütenstaubmassen so fest an derselben haften, dass die Narbe 
mit dem fremden Blütenstäube belesrt bleibt. 



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Fast alle Schmetterlinge sind auf Honignahrung aus den Blumen 
angewiesen. Bei ihnen ist durch Streckung, rinnige Aushöhlung und 
dichtes Aneinanderlegen aus den beiden Kieferladen ein in der Ruhe spiralig 
zusammengelegtes Saugrohr hervorgegangen, das zur Aufnahme von Honig 
vortrefflich geeignet, am Ende auch nicht selten mit starren, spitzzackigen 
Hervorragungen bewaöiiet ist, welche es zum Erbohren in saftigem Gewebe 
eingeschlossener Blumen- und Fruchtsäfte befähigen. Dieses Saugrohr bietet 
alle möglichen Abstufungen dar, von winzigen Anfängen bis zu dem 80 mm 
langen Rüssel unseres Windenschwärmers und bis zu den 25 cm langen 
Rüsseln einzelner Schwärmer Brasiliens und Madagaskars. Ganz entsprechende 
Abstufungen der Röhrenlängen zeigen aber auch die von den Schmetter- 
lingen ausgebeuteten Blumen. Eine dritte Stufenleiter spricht sich in der 
Blumenthätigkeit der Schmetterlinge aus; sie führt uns von Arten mit ver- 
kümmertem Rüssel, die nie oder nur ausnahmsweise Blumen besuchen, 
und von solchen, die ihr tändelndes Spielen nur durch flüchtigen Blumen- 
besuch unterbrechen, bis zur höchsten Geschwindigkeit der Kreuzungsver- 
mittelung, deren Insekten überhaupt fähig sind; letzteres bei den Schwärmern. 

Bei Aveitem am wichtigsten für die Kreuzungsvermittelung sind von 
allen Insekten die Aderflügier oder Immen, und von diesen die Bienen, 
deren wir in Deutschland über 200 Arten kennen, und welche für sich 
allein in dieser Beziehung mehr leisten, als alle übrigen Insekten zusammen- 
genommen. Die Bienen sind vom Ei an in ihrer ganzen Ernährung auf 
Blumennahrung angewiesen und in der mannigfachsten Weise der Gewinnung 
ihrer Nahrung angepasst. Letztere besteht teils aus Honig, teils aus Blüten- 
staub. Der zum Aufsaugen des Honigs dienende, aus der Zunge in Ver- 
bindung mit den Unterkiefern und der Unterlippe entstandene Saugrüssel 
übertrifft im ausgestreckten Zustande bei manchen Arten den ganzen Körper 
an Länge, sodass er aus entsprechend langen Blumenröhren den Honig zu 
gewinnen vermag; dazu kann er durch mehrfache Zusammenklappung so zu- 
sammengezogen werden, dass er sich vollständig in einer Aushöhlung an 
der Unterseite des Kopfes birgt und die unbehinderte Anwendung des Ober- 
kiefers gestattet. Der Blütenstaub wird mit einem besonderen Blütenstaub- 
sammeiapparate gewonnen. Bei dem einen Hauptzweige der Bienen, 
welchem die Blattschneiderbienen (Megachile), die Mauerbienen (Osmia) und 
die ihre Bruthöhlen mit abgekratzten Pflanzenhaaren auskleidenden Woll- 
bienen (Anthidium) angehören, ist es die Bauchseite des Hinterleibs, die 
sich mit einer dichten Bürste aus schräg nach hinten stehenden, starren 
Borsten bedeckt und dieser Gruppe den Namen Bauchsammler verschafft 
hat. Diese Bauchbürste dient zum unmittelbaren Abfegen des auf der Ober- 
fläche liegenden Blütenstaubes, wie ihn z. B. die Blütenkörbchen der Köpfchen- 



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blütler, die Schmetterlingsblumen u. a. darbieten. Der andere Hauptzweig der 
Bienen, die Fersensammler, zerfällt in drei Gruppen. Bei einigen haben 
sich die Hinterbeine, oft auch noch der hintere Teil der Brust mit einem 
Walde von Haaren bekleidet,' welcher sich beim Besuchen der Blumen teils 
durch unmittelbares Abstreifen, teils durch Zusammenfegen und Übertragen 
mittels der Fersenbürsten mit grossen Blütenstaubmengen anfüllt. Die so 
ausgerüsteten Erdbienen (Andrena), Ballenbienen (Halictus) u. a. betreiben 
ihre Blütenstaubernte mit bestem Erfolge in solchen Blüten, welche ein 
TJmherkriechen zwischen den Staubgefässen erfordern, um den Honig zu ge- 
winnen, z. B. bei den meisten Kreuzblütlern, Rosenblütlem, Weiden, Butter- 
blumen, Disteln, Cichorien u. a. In diesen Blumen können die bezeichneten 
Bienen fast ohne Zeitverlust, während sie dem Honig nachgehen, zugleich 
ihre Sammelbürsten mit Blütenstaub füllen. Bei der zweiten Gruppe, wohin 
z. B. die Bürstenbienen (Dasypoda) und Zottelbienen (Panurgus) gehören, 
ist die Haarbekleidung auf die Schienen und Fersen der Hinterbeine be- 
schränkt, dabei aber länger und dichter geworden und so zu raschem Ein- 
sammeln aber auch Abstreifen des Blütenstaubes in dem Baue geeignet. 
Am vollkommensten ist der Sammelapparat bei der dritten Gruppe, den 
Hummeln und Honigbienen. Diese in Staaten zusammenlebenden Bienen 
hal)en die Gewohnheit, den einzusammelnden Blütenstaub vorher mit Honig 
zu durchfeuchten, sodass er zusammenklebt und während des Transportes 
nicht leicht verloren geht; daher ist die breite Aussenfläche der Hinter- 
schienen glatt, haarlos, etwas ausgehöhlt und nur an ihren Rändern von 
steifen Borsten umsäumt; so ausgerüstet genügt sie um mächtige, die Borsten 
weit überragende Ballen honiordurchtränkten Blütenstaubes festzuhalten. 

Die Anpassung der Blumen an Insekten. 

Um durch irgend welche bestimmte Insekten ausschliesslich und doch 
in ausreichender Weise gekreuzt zu werden, muss eine Blume offenbar 
folgende Bedingungen erfüllen: 1) sich den bestimmten Insekten schon aus 
hinreichender Entfernung bemerkbar machen; 2) ihnen irgend etwas Ange- 
nehmes oder Nützliches, ein Genussmittel, bieten, durch welches sie zu 
wiederholten Besuchen derselben Blumenart veranlasst werden; 3) ihnen den 
Blütenstaub so anheften, dass er in später besuchten Blumen zum Teil auf 
der Narbe abgesetzt werden muss; 4) andere Besucher vom Wegnehmen 
der Genussmittel abhalten. Die Blumen müssen also der Sinnesentwickelung, 
dem Nahrungsbedürfnisse, der Körperbildung und Bewegungsweise der ver- 
schiedenen Insekten besonders angepasste Eigentümlichkeiten besitzen. 

Die Insektenblumen lassen sich, nach verschiedenen Gesichtspunkten, 
etwa folgendermassen gruppieren: 



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PoUenblumen. Sie bieten ihren Besuchern nur Blütenstaub, keinen 
Honig. Hierher u. a. Arten der Gattungen: Anemone, Rosa, Hypericum, 
Papaver, Sambucus, Solanum. 

Hoiiigl)lameii. Diese durch ihren Namen gekennzeichnete Gruppe 
zerfällt noch in: 

1) Blumen mit freiliegendem Honig. Der Honig ist unmittelbar 
sichtbar und daher den verschiedensten Insekten zugänglich. Hierher ge- 
hören fast alle Doldenträger, Arten von Acer und Euphorbia, Hex, Rham- 
nus u. a. Schmutzig-weiss, Weiss und Gelb sind die vorherrschenden Blüten- 
farben. 

2) Blumen mit halbverborgenem Honig. Der Honig ist nur 
unter besonderen Umständen, z. B. bei hellem Sonnenschein, sichtbar. Hier- 
her fast sämtliche Kreuzblütler, Ranunculus- und Batrachium- Arten, Caltha, 
Crataegus, Sorbus, Comarum u. a. Vorherrschende Blütenfarben sind stark 
ausgeprägtes Weiss und Gelb. 

3) Blumen mit völlig geborgenem Honig. Der Honig ist durch 
vorspringende Blütenteile, Härchen, Spitzchen u. s. w., verdeckt, oder in Ein- 
sackungen und Spornen geborgen und so den Blicken der Besucher durch- 
aus entzogen. Rote, violette und blaue Farben herrschen vor, weisse und 
gelbe treten zurück. Hierher z. B, Calluna, Geranium, Erodium, Rubus, 
Menyanthes, Lythrum, Mentha, Thymus u. a. 

Blumengesellschaften. Der Honig ist meist völlig geborgen, doch 
treten die Blüten zu geschlossenen Gesellschaften auf, werden so besonders 
auffällig und bieten auch die Möglichkeit, dass eine grössere Anzahl von 
Blüten gleichzeitig befruchtet wird. Hierher die Köpfchenträger, Knautia, 
Scabiosa, Armeria, Syringa, Daucus u. a. 

Immen-Blumen. Die Immenblumen sind meist seitlich symmetrisch, 
sodass sie die zum Honigsuchen herbeikommenden Insekten zu einem Ein- 
dringen, oft Hineinzwängen in die Blumen, sowie zu Bewegungen nötigen, 
welche zumeist nur die Immen ausführen und bereits beim Graben ihrer 
Bruthöhlen bethätigen. Die meisten Lippenblumen und Schmetterlings- 
blütigen, Löwenmaul, Fingerhut u. a., gehören hierher. Andere Blumen, wie 
die Heidekräuter, sind zwar regelmässig, aber abwärts gekehrt und da- 
durch anderen Besuchern schwer zugänglich. Die räuberischen Wespen 
verscheuchen auch durch die Furcht vor ihrem Giftstachel und ihren Fress- 
zangen die übrigen Gäste von solchen Blumen, welche sie selbst mit Vor- 
liebe besuchen. 

Sie zerfallen in Bienenblumen, die zur Ausbeutung ihres Honigs 
einen kürzeren Rüssel erfordern, und inHuramelblumen,die einen längeren 



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Rüssel erfordern; zu ersteren gehört z. B, der Schotenklee, zu letzteren der 
Wiesenklee. Die Farben der Blüten bieten grosse Mannigfaltigkeit. 

Viele sind sehr reich an Honig, enthalten denselben aber an Stellen, 
wo er nur langrüsseUgen Immen zugänglich ist; dies führt kurzrüsselige 
oft zum Einbruch; so durchbeisst die Erdhummel beim Weissen Bienensaug 
ungemein häufig die Blumenkrone an ihrer Unterseite etwas über dem Kelche 
und stiehlt, den Rüssel durch eines der Löcher steckend, den Honig, ohne 
den Blumen dafür den Dienst der Kreuzungsvermittelung zu leisten; und die 
Honigbiene, selbst zu schwach, einen derartigen Einbruch zu vollführen, be- 
nutzt die von der Erdhummel gebissenen Löcher zu gleichem Diebstahl. 

Eine ungemein zierliche Bestäubungsvorrichtung besitzt der Salbei 
(513). Bei ihm sind die eigentlichen Staubfäden unbedeutend, die Mittel- 
bänder aber um so bemerkenswerter gestaltet; während ein langgestreckter 
Arm derselben den Staubbeutel trägt, ist der andere löifelartig gestaltet und 
derartig in der Blüte aufgestellt, dass die beiden Löffel gerade den Eingang 
in die Blumenkronröhre verschliessen. Fährt nun eine Hummel mit ihrem 
Rüssel in die Blüte hinein, dann stösst sie gegen die Löffel an, die beiden, 
die Staubbeutel tragenden Fäden springen aus der Oberlippe hervor, legen 
sich dem Insekte auf den Rücken und streifen dort ihren Blütenstaub ab; 
fliegt dann das Insekt zu einer anderen Blüte, um deren Honig zu erlangen, 
dann streift es mit dem blütenstaubbeladenen Rücken an die aus der Blumen- 
ki'one hervorragende Narbe und bestäubt dieselbe. (Mit einer Nadel lässt 
sich dieser Vorgang recht schön darstellen.) 

Falter-Blumen. Alle Schmetterlinge erfreuen sich eines gut ausge- 
bildeten Geruchssinnes, die Tagfalter auch eines hochentwickelten Farben- 
sinnes. Dementsprechend finden wir zahlreiche Falterblumen mit einem 
würzigen Wohlgeruche ausgerüstet, so z. B. Nelken und Geissblatt. Ausser- 
dem besitzen die Tagfalterblumen noch lebhaft gefärbte, meist rote und 
besonders fein gezeichnete Blumenblätter, so z. B. unsere Nelken und einige 
Orchideen; während die Nachtfalterblumen, mit weisser Blütenfarbe, 
sich erst gegen Abend öffnen oder dann ihre Wohlgerüche auszuhauchen 
pflegen, wie Geissblatt, Zaunwinde u. a. Als Genussmittel bieten fast alle 
Falterblumen ihren Besuchern reichlich Honig. Die Übertragung des- 
Blütenstaubes wird den allerverschiedensten Körperteilen anvertraut: die 
Nachtviole beklebt den in die Blüte gesteckten Rüssel mit Blütenstaub: 
einige unserer Orchideen kitten ihre Blütenstaubkölbchen auf die Oberseite, 
andere auf die Unterseite oder an die Wurzel des Rüssels, wieder andere 
auf die Augen; die Nelken beheften die Unterseite des Kopfes und der 
Vorderbeine mit Blütenstaub u. s. w. Der Ausschluss anderer Besucher 
von den Genussmitteln wird von den Nachtfalterblumen schon durch die 



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Blütezeit, bei den Tagfalterblumen aber dadurch erreicht, dass der Zugang 
zu dem Honig so enge ist, dass nur Schmetterlingsrüssel durch ihn hin- 
durch können. 

riiegenblumen. Den Fliegen stehen die A^orzüge der Schmetterlinge 
und Immen nicht zu Gebote; sie müssen sich daher in der Regel mit dem 
Mitofenusse der Blumennahrunff begnügen und sind für gewöhnlich auch 
nur als Mitarbeiter bei der Blumenkreuzung von Wichtigkeit. Gesellt sich 
aber zu leicht zugänglichem Honig noch eine schmutziggelbe oder schwärz- 
lichpurpurne Farbe oder ein ekelhafter Geruch, so treten die Fliegen als 
Besucher mehr in den Vordergrund. Manche jener Blumen sind noch mit 
besonderer Einrichtung versehen, welche die einmal angelockten Gäste fest- 
halten, bis sie die Kreuzung vermittelt haben. Die Blumen kann man als 
Fallen-, Täusch- und Ekelblumen bezeichnen. 

Die vorzüglich am Kap zahlreich vertretenen Aasblumen (Stapelia) 
täuschen mit ihren grossen, purpurgefleckten und aasartig riechenden Blumen 
Aas- und Fleischfliegen so vollständig, dass diese, in der Meinung, faules 
Fleisch vor sich zu haben, in die Blumen sogar ihre Eier oder Maden 
legen, welche dort natürlich kläglich zu Grunde gehen. Von unseren ein- 
heimischen Pflanzen sind die Einbeere (Paris quadrifolia), die Fliegenorchis 
u. a. ebenfalls bemerkensAverte Täuschblumen, welche beide durch ihr 
Aussehen fäulnisliebende Fliegen zum Besuche einladen ohne ihnen eine 
entsprechende Ausbeute an Nektar zu bieten; als Ekelblumen sind der 
übelriechende Weissdorn, Holunder, Aronstab u. a. anzuführen. Bei der 
Flüchtigkeit der fäulnisstoffliebenden Insekten sind die meisten Ekelblumen 
gleichzeitig Fallenblumen. Eines der interessantesten Beispiele hiervon 
bietet der bei uns nicht seltene Osterluzei (191). Zur Zeit des Aufblühens 
ist die Blumenröhre des Osterluzei mit nach dem Blütengrunde hingeneigten 
Haaren besetzt, welche einem zu dem Kessel vordringenden Insekt den Ein- 
gang gestatten, den Austritt verwehren. Die Narbe stellt 6 Kapuzen dar, 
welche mit ihrer freien Vorderseite die Staubbeutel überdecken. Die obere 
Seite dieses Narbenkopfes ist die Narbenfläche, auf welche der befruchtende 
Blütenstaub gelangen muss; aber in diesem ersten Zustande der Blütenent- 
wickelung sind die Staubbeutel noch aUe geschlossen, und was von eben 
so grosser Wichtigkeit ist, sie liegen dem sie umgebenden Kessel der Blüten 
so enge an, dass, wenn sie auch wirklich offen wären, kein Insekt leicht zu 
ihnen sfelansen könnte. Nun beginnt ein zweiter Zustand: die bis dahin 
aufrechte Blüte fängt an überzuneigen, so dass sie erst eine horizontale, 
dann abwärts gerichtete Lage einnimmt. Gleichzeitig richten sich die freien, 
vorhin die Staubbeutel bedeckenden Narbenlappen auf und schlagen sich 
nach der Mitte des Narbenkopfes zurück; die Narbenfläche fängt an, sich 



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zu bräunen und abzusterben, und damit hat die Blüte ihren ersten, den 
weiblichen Zustand beendet. Nun öffnen sich die Staubbeutel, und der 
Kessel baucht sich aus, so dass zwischen ihm und den Staubbeuteln ein 
Zwischenraum vorhanden ist» Die Blüte ist jetzt in ihrem männlichen Zu- 
stande; ihr Blütenstaub ist reif und kann aus den Staubbeuteln entfernt 
werden. In diesem Augenblicke fangen die Haare, welche das Innere der 
Blumenröhre auskleideten, an abzusterben, sie färben sich bräunlich und 
schrumpfen zu unmerklichen Gebilden zusammen. Hierdurch ist auf einmal 
der Ausgang aus der Blüte frei und leicht zu finden, weil die Blüte mit 
ihrer Offuung abwärts geneigt ist. Wälu'end ihres ersten Zustandes soll 
die Blume also eine Anzahl Fliegen fangen, welche späterhin, mit Blüten- 
staub beladen, entlassen werden und in eine neue, im ersten Zustande be- 
findliche Blüte eindringend, diese bestäuben müssen. Schliesslich klappt sich 
die Lippe der Blume so um, dass sie die Blumenröhre ganz verschüesst, 
gleich als sollten die Insekten abgehalten werden, hier vergeblich ihr Be- 
stäubungswerk zu versuchen. 

Da nun so viele Pflanzen auf Kreuzung angewiesen sind, werden wir, 
wo die betreffenden Pflanzen sind, auch nicht lange nach deren Bestäubem 
suchen, denn wenn diese fehlen, sind jene unfruchtbar und in ihrer Aus- 
breitung beschränkt: so beginnen denn im ersten Frühlinge, zu einer Zeit, 
in welcher noch nicht viele Insekten zur Hand sind, die durch den Wind 
zu bestäubenden Pflanzen zu blühen, die Nadelhölzer, Kätzchenträger, Gräser 
und Seggen. Es folgt der Sommer, und in ihm herrschen diejenigen 
Pflanzen vor, deren Blüten von Bienenartigen Insekten bestäubt werden, 
die Lippenblumen, Rauhblätterigen, Schmetterlingsblütler u. a. Wenn es 
endlich zum Herbste geht, die bienenartigen Insekten allmählich seltener 
werden und gewisse, der Kälte mehr widerstehende Fliegen an deren 
Stelle treten, dann ändert sich abermals die Flora, und neue Pflanzen harren 
der Thätigkeit der neuen Bestäuber. — So besteht denn eine voll- 
ständige Wechselbeziehung zwischen unserenBlumen und unseren 
Insekten. 

Bei der Wichtigkeit des Insektenbesuches für die Blumen ist es für diese 
von grösster Wichtigkeit, durch besondere Schutzmittel ungebetene oder 
gar schädliche Gäste fem zu halten. Gegen Wiederkäuer und andere 
weidende Säugetiere sind die Blumen zahlreicher Pflanzen (z. B. der 
Königskerze und der Schafgarbe) durch besondere, namentlich riechende 
Stoffe derai-t geschützt, dass sie unberührt bleiben, wenn auch ihre Blätter 
abgeweidet werden. Nicht selten scheinen dieselben riechenden Öle für 
die Weidetiere als Abschreckungsmittel, für die kreuzenden Insekten dagegen 
als Anlockungsstoffe zu wirken (so z. B. beim Veilchen und Maiglöckchen). 

Thome, Flora. I. 4 



- 50 - 

Weit schlimmer noch als von diesen wenigen grossen Feinden sind die 
Blumen von einem ganzen Heere kleiner bedroht. Schnecken und Raupen 
würden vermutlich in unzäliligen Fällen alle zarten Blütenteile völlig weg- 
fressen, wenn nicht Stacheln, spitze Zähne und feste, stechende 
Borsten sie vom Auf kriechen zu den Blüten abhielten. In diesen all- 
gemein verbreiteten Schutzmitteln ist daher der Grund zu suchen, weshalb 
man jene so häufigen Tiere verhältnismässig selten als verderbenbringende 
Gäste auf Blumen antriift. Die Stellung der genannten SchutzwafFen ist in 
der Regel derart, dass sie mit ihren Spitzen den aufwärts kriechenden Tieren 
entgegenstarren. Da diese nun jede Berührung ihres weichen, leicht ver- 
letzbaren Körpers mit den Spitzen der Borsten und Stacheln sorgfältig zu 
vermeiden suchen, treten sie, an einer solchen Schutz wehr angelangt, in der 
Regel ohne weiteres den Rückzug an. Die ebenfalls weichen, flügellosen 
Blattläuse, welche so häufig, in Massen zusammengedrängt, an krautigen 
Stengeln, an der Unterseite von Blättern, an Stielen der Blütenstände und 
Blüten das saftreiche Gewebe aussaugen, werden in den Blüten nur selten 
getroffen, gewiss, weil ihnen der Zugang zu denselben durch besondere 
Schutzmittel verwehrt ist. Wollige oder spinnewebige Haare, Borsten 
oder kleine Stacheln, über welche die Blattläuse kriechen müssen, um zu 
den Blüten zu ffelanoren, halten sie in wirksamster Weise von denselben 
zurück. Auch die honigbegierigen Ameisen sind, da sie, anstatt von Blüte 
zu Blüte, von Stock zu Stock zu laufen, vielmehr die Gewohnheit haben, 
sich andauernd an denselben Honigbehälter festzusetzen, nicht nur für die 
Vermittelung der Kreuzung meist völlig nutzlos, sondern auch als Honigräuber 
geradezu schädlich. Sie werden aber nicht selten durch förmliche Leim- 
rufen, welche die bluten tragen den Stengel, z. B. bei der Pechnelke, dar- 
stellen, vom Zutritte zu den Blüten gänzlich fern gehalten; ausser den 
Ameisen bleiben auch zahlreiche andere kleine Insekten, z. B. Zwergschlupf- 
wespen, kleine Fliegen und Käfer, welche teils an den Stengel anfliegen,^ 
teils an demselben in die Höhe laufen, an diesen Leimruten hängen. Die- 
selbe Wirkung haben auch die an Stengeln, Blütenstielen und Hüllkelchen 
häufigen, aber auch an den Stengeln und Blättern nicht eben selten vor- 
kommenden Drüsenhaare infolge der von ihnen ausgeschiedenen Kleb- 
stoffe. Bei anderen Pflanzen, z. B. bei Enzianen und Disteln, bilden die 
gegenständigen Blattpaare, indem sie mit ihren unteren Teilen um den Stengel 
herum zusammenwachsen, Becken, die sich bei jedem Regengusse mit 
Wasser füllen, in welchem dann zahlreiche kleine ankriechende und an- 
fliegende Insekten^den Tod finden. 

Einen besonders wirksamen Schutz aller zarten Teile gegen Regen und 
Kälte gewährt vielen Blumen die Fähigkeit, sich je nach der Temperatur, 



— 51 - 

nach Licht- und Regenmenge, welche auf sie einwirkt, zu öffiien oder 
zu schliessen. 

Die Bastardbildungen. 

Bei jeder Fortpflanzungsweise werden die Eigenschaften der Stamm- 
pflanze auf die neuentstandene übertragen. Bei der sogenannten vegetativen, 
hier nicht weiter zur besprechenden Fortpflanzung, der Vermehrung 
durch Brutzwiebeln, Brutknospen, Ausläufer, Stecklinge, Teile 
der Wurzelstöcke, oder Veredelung, geschieht dies vollständig; durch 
Befruchtungsvorgänge dagegen mehr oder weniger unvollständig und nur 
mit Aufrechterhaltuno' der eigentlichen Merkmale. Aus dem Kerne eines 
Apfelbaums wächst z. B. stets ein Apfelbaum, nie etwas anderes heran; 
aber kaum 3 von 100 aus Apfelkernen gezogenen Bäumen tragen gleiche 
oder gar bessere Früchte, als die Stammpflanze des Kernes: 97 tragen 
kleinere, saftärmere oder sauerere Früchte. Auch bei den Birnen beträgt 
die Zalil der aus Samen gezogenen minderwertigen Sorten 97 ^/o, bei 
Pflaumen 95o/o, bei Pfii'sichen 90 ^/q u. s. w. So ist es bei wildwachsenden, 
nicht durch die Kunst des Menschen veränderten Pflanzen freihch nicht; 
aber auch hier giebt es mitunter Abweichungen von der gewöhnlichen 
Form, die den Sammler in grosse Verlegenheit setzen. 

Im allgemeinen vollziehen sich Befruchtungsvorgänge nur, wenn Blüten- 
staub und Samenknospe von derselben Pflanzenart abstammen; doch kennt 
man auch Verbindungen von verschiedenen, freilich einander nahe stehenden 
Arten. Die aus einem auf solche Weise entstandenen Keime hervorgegangene 
Pflanze ist ein Mittelding zwischen ihren Eltern; sie wird Bastard, Misch- 
ling oder Hybride genannt. Bastarde finden sich in der Natur, dank der 
Übertragung des Blütenstaubes durch den Wind oder Insekten, nicht selten 
vor, namenthch in der Nähe ihrer Eltern. Sie ähneln vielfach der einen 
Pflanze mehr als der andern; weshalb dies aber der FaU sei, ist uns noch 
gänzhch unbekannt. Sie sind oft zwergiger Natur, oder von beschränkter 
Fortpflanzung; ja man hat sich sogar daran gewöhnt, zahh-eiche Pflanzen, 
z. B. bei den Minzen, nur aus dem Grunde als Bastarde anzusehen, Aveil 
deren Staubbeutel durchgängig verkümmern und deren Früchte fehlschlagen. 
Man bezeichnet die Bastarde vielfach in der Weise, dass man di.3 Namen 
ihrer Eltern durch ein X miteinander verbindet, wobei man den Namen 
derjenigen Pflanze voransetzt, der sich der Bastard am meisten nähert: 
Cirsium oleraceum X acaule, eine Distelpflanze, ist z. B. ein Bastard von 
Cirsium oleraceum und Cirsium acaule, dessen Köpfchen wie die von olera- 
ceum, dessen Blätter wie die von acaule gestaltet sind; Cirsium acaule X ole- 
raceum, ein denselben Eltern entstammender Bastard, hat Köpfchen wie 

4t* 



— 52 — 

acaule und Blätter wie oleraceum. Aber es darf nicht verschwiegen werden, 
dass man hier, wie in zahlreichen anderen Fällen, von dem Aussehen der 
Pflanzen auf deren Bastardnatur geschlossen und diesen Scliluss noch nicht 
durch Kulturversuche, wie dies in vielen anderen Fällen geschehen ist, be- 
stätigt hat. Auf diesem Gebiete harren der Botaniker noch grosse Auf- 
gaben. Es ist endlich begreiflich, dass sich der Acker- und namentlich der 
Gartenbau der Möglichkeit der Bastardbildung bemächtigten und zahlreiche 
Nutz- und Zierpflanzen ins Leben riefen, welche sonst nicht beständen: die 
mannigfachen Rosensorten, deren Zahl sich auf mehr als tausend beläuft, 
gehören z. B. hierher. 

Die Frucht. 

Frucht im eigentlichen Sinne ist dasjenige Gebilde, welches infolge 
der Befruchtung aus einem Stempel hervorgeht. Sie umschliesst die aus den 
Samenanlagen hervorgegangenen Samen. Eine Weintraube ist mithin nicht 
eine einzelne Frucht, sondern eine Zusammenhäufung mehrerer Früchte, da 
jede Beere für sich eine Frucht darstellt. Derartige Zusammenhäufungen 
von Früchten, welche früheren Blütenständen entsprechen, heissen Frucht- 
stände, auch wohl Sammelfrüchte, und werden als Traube, Dolde, 
Ähre, Köpfchen, Trugdolde u. s. w. beschrieben. Häufig treten auch noch 
andere Blütenteile mit dem Fruchtknoten zur Bildung einer Frucht zusammen, 
solche Nachahmungen von Früchten werden Scheinfrüchte oder falsche 
Früchte genannt. So sind z. B. die Hagebutten der Rose Scheinfrüchte; 
denn sie sind hervorgegangen aus dem becherförmigen Blütenboden; die in 
ihr sitzenden Steinchen sind aber aus je einem Stempel entstanden, mithin 
die eigentlichen Früchte (343). Hierher gehört auch die Erdbeere, deren 
saftiges, wohlschmeckendes Fleisch aus dem Blütenboden heranwuchs, während 
die kleinen, auf der Oberfläche sitzenden Steinchen die eigentlichen Früchte 
sind (836). Sodann zählt die Apfelfrucht hierher; bei ihr entwickelt sich 
nur das Kerngehäuse aus dem Stempel, das dieses umgebende Fleisch aber 
aus dem Blütenboden (349). Nicht selten kommt es vor, dass sich Schein- 
früchte aus ganzen Fruchtständen bilden; so bei Feige (182), Maulbeere 
(181), Himbeere (325) u. a. 

Aus der Fruchtknoten wandung entsteht die Fruchtschale; an ihr kann 
man oft 3 Schichten unterscheiden. Die äusserste Schicht ist glatt (Kirsche), 
haarig (Pfirsich), stachelig (Stechapfel 522), bereift (Pflaume) u. s. w. Die 
mittlere Schicht ist oft fleischig und saftig (Kirsche) und wird dann Frucht- 
fleisch genannt. Die innerste Schicht ist oft sehr hart und bildet Steine 
(Kirsche). Die Frucht enthält eine oder mehrere Höhlen, Fruchtfächer; 
ihre Zahl entspricht gewöhnlich der der Fruchtknotenhöhlen; doch schlägt 



— 58 — 

nicht gerade selten das eine oder andere Fach fehl (Linde 405), oder bleibt 
taub, d. h. samenlos (Feldsalat 554). 

Besonders zu erwähnen sind die Nadelholzpflanzen, bei welchen sich 
keine Fruchtknoten, sondern nackte Samenknospen vorfinden, welche also 
auch keine eigentlichen Früchte, sondern nur Samenstände besitzen. 

Die echten Früchte lassen sich nach Engler folgendermassen anordnen: 
A. Trockenfrüchte, mit trockener, gleichartiger, holziger, lederiger oder haut- 
artiger Fruchtschale. 
I. Schliessfrüchte d. h, nicht zerfallende oder aufspringende Früchte, 

1. Nuss oder Nüsschen. Fruchtschale holzig oder lederig, den 
Samen nicht anliegend (Eichel 178, Frucht des Hahnenfusses 246). 

2. Gras- oder Kornfrucht (Caryopse). Fruchtschale trocken, der 
Samenschale fest anliegend und angewachsen (Quecke 48). 

3. Achene. Die aus einem unterständigen Fruchtknoten hervor- 
gegangene, trockene Frucht der Köpfchenblütler (Kamille 585, 
Rainfarn 586, Blaue Kornblume 595, Wiesenbocksbart 605). 

4. Flügelfrucht, ein geflügeltes Nüsschen. (Ahorn 400, Esche 478). 
IL Bruchfrüchte. Mehrsamige, trockene Früchte, welche in übereinander- 

stehende, einsamige Glieder zerfallen (Hederich 306, Süssklee 374). 
in. Spaltfrüchte. Sie gehen hervor aus einem zwei- oder mehrblätterigen 

Fruchtknoten und zerfallen in einzelne, nicht aufspringende Teile, welche 

den Fruchtblättern entsprechen (Früchte der Doldenpflanzen 428 bis 

456, Eibisch 406). 
IV. Springfrüchte. Die bei der Reife vertrocknende Fruchtwandung 

springt auf, und die Samen werden entlassen. 

1. Balö-frucht oder Schlauchfrucht, Sie entsteht aus einem ein- 
zigen Fruchtblatte und springt an der Bauchnaht auf (Trollblume 252). 

2. Hülse (legumen), Sie entsteht aus einem einzigen Fruchtblatte 
und öffnet sich durch 2 Längsspalten, von denen die eine auf der 
Bauch-, die andere auf der Rückenseite liegt (Früchte der meisten 
Leguminosen 352 u. folg.). 

3. Schote (siliqua). Sie entstet aus 2 Fruchtblättern, ist zweifächerig 
und öffnet sich mit 2 von der stehenbleibenden Scheidewand los- 
lösenden Klappen (Früchte der meisten Kreuzblütler 294, 295). 

4. Kapsel (im engeren Sinne). Sie entsteht aus 2 oder mehr Frucht- 
blättern und springt mit 2 oder mehr Rissen auf, welche sich vom 
Scheitel her bis zum Grunde oder nur eine Strecke weit fortsetzen. 

Findet dieses Aufspringen nur an der Spitze statt, so nennt man 
es Aufspringen durch Zähne (Lichtröschen 211). 



— 54 — 

Geht die Teilung ganz oder fast ganz bis zum Grunde, so nennt 
man sie Aufspringen durch Klappen oder Spalten. Werden 
dabei die Fruchtblätter voneinander getrennt, so heisst die Art des 
Aufspringens wandspaltig (Herbstzeitlose 109); wird jedes Frucht- 
blatt in seiner Mitte gespalten, so heisst das Aufspringen fach- 
sp altig (Affbdill 125); wenn dagegen die Scheidewände in d^er 
Mitte vereinigt bleiben und die Klappen sich von den Scheide- 
wänden loslösen, so nennt man das Aufspringen wandbrüchig 
(Stechapfel 522). 

5. Büchsenfrucht. Der obere Teil der Frucht wand löst sich wie 
ein Deckel ab (Gauchheil 471, Bilsenkraut 523, Wegerich 543). 

6. Porenkapsel. Die Samen werden durch kleine, an bestimmten 
Stellen entstehende Löcher entlassen (Mohn 265). 

B. Steinfrüchte. Die äusseren Schichten der Fruchtschale sind fleischig; 
die innerste bildet einen steinharten oder holzigen Steinkern. Je nachdem 
die Steinfrucht aus 1, 2 oder mehr Fruchtblättern gebildet ist, enthält 
sie 1, 2 oder mehr Steinkerne; auch kann an Stelle von 2 oder mehr 
Steinkernen ein einziger zwei- oder mehrfächeriger Stein vorhanden sein. 
Einfache Steinfrüchte sind Pflaume, Mandel, Kirsche; mehrfächerige 
oder mit mehreren Steinkernen versehene die Steinäpfel der Mispeln. 
Es giebt auch Steinfrüchte, bei denen die äussere Schicht trockener 
bleibt und aufspringt (Mandel 320). 

C. Beeren fruchte. Fruchtfleisch fleischig, nicht aufspringend (Weinstock 
404, Stachelbeere 319). 

Auch Kürbis und Apfel werden oft zu den Beeren gerechnet, wiewohl 
bei ihnen der Blütenboden mit an der Fruchtbildung beteiligt ist. Auch 
darf nicht unerwähnt bleiben, dass scharfe Grenzen zwischen den ge- 
nannten Fruchtformen nicht vorhanden sind. 

Der Same. 

Der Same besteht aus einer Samenschale und einem Kern; erstere 
bildet sich aus den Eihüllen, letzterer aus dem Knospenkern. 

Die Samenschale ist oft eine doppelte, eine äussere und eine innere; 
bei der Walnuss z. iJ. ist die äussere Samenschale das bittere, gelbe, die 
innere das darunter liegende, zarte, weisse, den Kern unmittelbar umgebende 
Häutchen. Die Samenschale ist lederig, krusten- oder steinartig, glatt, mit 
grubigen Vertiefungen oder Höckern versehen; oft ist sie geflügelt (Tanne 
23 und Fichte 24) oder trägt besondere Anhängsel, z. B. Haare (Weiden- 
röschen 420; Weide 162). 



— 55 — 

Die Anheftungsstelle der Samenschale wird Nabel genannt; sie ist an 
ihrer besonderen Färbung oder Beschaffenheit kenntlich (Kastanie 177, 
die hellere Unterseite). Vom Nabel an aufsteigende und denselben um- 
gebende Anhängsel des Samens werden Samenmantel oder Ariilus ge- 
nannt (Eibe 22, Fig. 4 bis 7; Weide 162). 

Der Kern des Samens besteht der Hauptsache nach aus dem Keim, 
Keimling, Embryo; neben demselben findet sich bei vielen Pflanzen noch 
Nährgewebe oder Sameneiweiss vor. 

Der Keim stellt in seiner einfachsten Gestalt einen kugeligen oder 
walzenförmigen Körper dar (Breitkölbchen 146); er besteht in der Regel 
jedoch aus einer Achse und einem oder mehreren Blättern. An der 
ersteren unterscheidet man ein oberes, aufsteigendes Ende, die Stamm- 
knospe oder das Federchen, von dem unteren oder absteigenden Ende 
dem Würzelchen oder der Wurzelknospe. Von den Keimblättern war 
bereits früher (Seite 4) die Rede. Der Keimling kann gerade (Heide- 
kraut 469) oder gekrümmt sein (Stechapfel 522). Wenn Eiweiss vorhanden 
ist, dann liegt der Keimling bald in dessen Mitte (Kiefer 26), bald an 
dessen Seite (Hafer 62) oder um dasselbe herum (Kornrade 209). 

Verbreitungsmittel der Früchte und Samen. 

Manche Pflanzen sind mit besonderen Vorrichtuno-en ver- 
sehen, durch welche sie selbst ihren Samen ausbreiten. 

Die Wolfsmilchgewächse heissen auch Schneller, weil einige ihren 
Samen fortschnelien; die reifen Früchte der Wolfsmilch (391) springen 
z. B. elastisch in 3 Teile, und die Frucht des Bingelkrautes (392) zerfällt in 
2 Klappen, welche ihren Samen fortschleudern. Die reifen Früchte der Spritz- 
gurke lösen sich von ihrem Stiele ab und schleudern ihren saftigen Inhalt 
samt den Kernen meterweit fort. Bekannt ist das elastische Aufspringen 
der Balsaminenkapseln (402). Die Samen des Sauerklees (386) haben eine 
fleischige Aussenhaut, welche sich auf dem Rücken öffnet und den Kern 
fortschnellt. Die Schoten des Spring-Schaumkrautes springen bei Berührung 
elastisch auf. 

Die hauptsächlichsten Verbreiter von Früchten und Samen sind Wind, 
Wasser und Tiere, von der Ausbreitung teils einheimischer, teils aus 
fremder Heimat herbeigeholter Pflanzen durch den Menschen cranz zu 
schweigen. 

Ausserordentlich mannig*fach und verbreitet sind die Vorrichtungen, 
welche dazu dienen, die Samen und Früchte durch den Wind zu verbreiten; 
bald sind es hautartige, Flügel darstellende Ausbreitungen, bald feder- 



— 56 - 

oder haarartige Anhängsel, welche dem Wmde das Fortführen seiner 
Beute ermöglichen. Geflügelte Früchte besitzen z. B. Birke (174), TUme 
(179), Ahorn (400) mid Esche (478); geflügelte Samen: Edeltanne (23), 
Fichte (24), Lärche (25), Kiefer (26), Spergel (232), Wegerich (543); 
auch das Deckblatt dient mitunter als Flügel und trägt bald einen ganzen 
Fruchtstand (Linde, 405), bald eine einzelne Frucht (Weissbuche, 172) in 
weite Fernen. Bei Weide (162), Pappel (168) und Weidenröschen (420) 
sind die Samen behaart; beim Rohrkolben (29), der Alpenrebe (238), 
namentlich aber bei zahlreichen Baldriangewächsen (553) und Köpfchen- 
blütlern (605, 607) trägt die Frucht grosse Flugvorrichtungen. 

Auch das Wasser ist nicht unthätig in der Verbreitung der Pflanzen; 
namentlich stürzen viele Alpen- und Gebirgspflanzen mit den Bächen und 
Flüssen in die Yorebene hinab. 

Wichtige Verbreiter der Pflanzen sind die Tiere, und hier sind zwei 
Wege zu unterscheiden. Viele Früchte und Samen werden ohne weiteres 
verschleppt, indem sie sich mit ihren Haken, Borsten und Stacheln oder mit 
ihrer klebrigen Oberfläche an Tieren festsetzen; so zahlreiche Grasfrüchte 
mit ihren gekrümmten, spiraligen, widerhakigen oder sonstwie ausge- 
rüsteten Grannen (63, 76), die Früchte von Klette (592), Mohrrübe (457), 
lüebkraut (545) u. a. Und wenn auch im Gebiete nicht wie bei Mont- 
pellier über 400 australische, marokkanische, ägyptische, italienische, spanische 
u. a. Pflanzen durch Schafwolle eingeführt wurden, so sind doch manche 
dadurch u. a. an der belgischen Grenze eingeführte Pflanzen zu verzeichnen; 
so der Arabische, Schwarze, Spanische und Spitzfrüchtige Schneckenklee. 
Zahlreiche Samen werden auch in der Weise verbreitet, dass Tiere Früchte 
verzehren und deren Samen als unverdaute Speisereste wieder von sich 
geben; so dürften die schön rotfrüchtige Vogelbeere (350) sowie andere 
Pflanzen wohl nur auf diese Weise durch Vögel auf die unzugänglichen 
Spitzen von Bergruinen, wo sie so oft gefunden werden, verpflanzt worden 
sein. In ähnlicher Weise wurde die aus Amerika stammende, in Südfrank- 
reich vielfach angebaute Kermesbeere durch ganz Südfrankreich, die Schweiz, 
bis nach Tirol hin verbreitet. Sowohl auf diesem, als auch auf dem 
ersteren Wege werden die von klebrigem Safte umgebenen Samen der 
Mistel (187) ausgestreut. 

Die Einteilung der Pflanzen. 

Die Gesamtheit aller Pflanzen, welche in ihren Merkmalen so über- 
einstimmen, wie diejenigen, welche von derselben Pflanze unmittelbar ab- 
stammen, nennt man Pflanzenart, Art oder Spezies. Die einzelnen 
Arten bleiben aber nur so lange innerhalb der durch die wesentlichen 



— 57 — 

Merkmale bestimmten Grenzen unverändert, als ihre Lebensbedingungen 
dieselben sind. Wenn sich diese, sei es durch Klima, Nahrung, oder das 
Verhältnis zu Menschen, Tieren oder anderen Pflanzen ändern, verschwinden 
allmählich auch einige jener Merkmale und andere treten an ihrer Stelle 
auf. Die Arten sind somit nur Vereinigungen gleicher, augenblicklich be- 
stehender Formen, und nicht von der Natur gegebene unveränderliche Ur- 
bilder; ganz abgesehen von der Wertschätzung der Merkmale durch die 
einzelnen Botaniker. 

Alle Arten, welche die wesentlichen Kennzeichen der Fortpflanzungs- 
organe, d. h. der Blüten, Sporangien u, a., gemeinsam haben, bilden zu- 
sammen eine Gattung oder ein Genus. 

Seit Linn^ erhält jede Pflanze zwei lateinische Namen, einen 
Gattungs- und einen Artennamen; der erstere steht voran, der andere folgt. 
Apfel- und Birnbaum, Pirus Malus L. und Pirus communis L., gehören 
beide zur Gattung Pirus L., und die Beifügung L., d. h. Linne, deutet an, 
dass sie von Linne jene Namen erhielten. Heute wählt man von ver- 
schiedenen Namen, welche eine Pflanze im Laufe der Zeit etwa erhielt, 
wenn es angeht, den ältesten. 

Besondere Schwierigkeiten bereiten die deutschen Namen. Was 
schon Plinius im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung schrieb — ausser 
den angeführten Pflanzen gäbe es wohl noch andere, dieselben gewährten 
aber keinen Nutzen und hätten darum auch keinen Namen — , das gilt 
noch heute: einen volksgebräuchlichen deutschen Namen hat nur ein ganz 
geringer Teil der Pflanzenarten, und dabei wechseln jene noch sehr 
oft nach den verschiedenen Landschaften Deutschlands. Der der lateinischen 
Sprache kundige Leser wird erkennen, dass die angeführten deutschen 
Namen meist nur Übersetzungen der lateinischen sind. Eine solche Be- 
nennung hat zwar manches gegen sich; sie giebt aber oft eine wertvolle 
Kennzeichnung. 

Die Gattungen werden zu Familien, diese zu Klassen und diese zu 
Abteilungen vereinigt; dazwischen schieben sich noch Unterfamilien und 
Unterabteilungen ein. Bei verwickelten Verhältnissen reicht auch dies nicht 
aus und man unterscheidet dann noch Reihen, Stämme, Gruppen u. s.w. 
Doch ,ist hierin noch wenig Feststehendes und viel Willkürliches; zur 
Zeit sind die Familien die grossen Einheiten, aus denen man das Pflanzen- 
reich aufbaut. 

Nach bestimmten Grundsätzen durchgeführte Gruppierungen der Pflanzen 
nennt man Pflanzensysteme und unterscheidet dabei natürliche und 
künstlicne. 



— 58 — 

Erstere steigen von den einzelnen Pflanzen an aufwärts, vereinigen, 
unter möglichster Berücksichtigung aller wesentlichen Merkmale, das nahe 
Verwandte, und gelangen so durch fortwährende Zusammenstellung ver- 
wandter Stufen zur allmählichen Übersicht über das ganze Gebiet. Das 
diesem Buche zu Grrunde liegende System ist ein natürliches; es schliesst 
sich in seinen Hauptzügen dem in dem Werke „Die natürlichen Pflanzen- 
faniilien" von Engler-Praiitl dargelegten System an. 

Die künstlichen Systeme schlagen den umgekehrten Weg ein, indem 
sie durch fortgesetzte, dem gewählten Einteilungsverfahren entsprechende 
Zergliederung des Ganzen schliesslich zur Betrachtung der einzelnen Pflanze 
gelangen. Von ihnen ist zur Zeit nur das Liniiesche in Gebrauch, welches 
zwar vielfach gar nicht Zusammengehöriges, z. B. Ulme und Zuckerrübe, 
Spinat und Mistel, in derselben Ordnung vereinigt, oder nahe Verwandtes, 
z. B. die Nadelhölzer oder die Gräser, voneinander trennt, deshalb in den 
letzten Jahren vielfach ganz über Bord geworfen wird, aber doch zum Be- 
stimmen der Pflanzen oft recht gute Dienste leisten kann.*) 

Linne unterscheidet: 
A. Blütenpflanzen. 

Ä. Blüten zwitterig (daneben oft auch männliche und weibliche Blüten). 
(A.) Staubbeutel nicht mit dem Stempel verwachsen. 
51. Staubbeutel nicht miteinander verwachsen. 
a. Staubfäden nicht miteinander verwachsen. 

a. Längenverhältnis der Staubfäden unbestimmt. (Aus- 
genommen III. und IV. Klasse.) 
a. Zahl der Staubfäden geringer als 20. 

I. Klasse: Monaudria , Einmäniiige. Ein freies 
Staubblatt in einer Zwitterblüte, ( Tannen- 
wedel 425.) 
IL Klasse: Diandria, Zweimännige. Zwei freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Ehrenpreis 533.) 
IIL Klasse: Triandria, Dreiiiiäiinige. Drei freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Weizen 46.) 
IV. Klasse: Tetrandria, Yiermänuige. Vier freie, 
gleichlange Staubblätter in einer Zwitterblüte. 
(Stechpalme 397.) 



*) Im vorliegenden Buche bedeuten die hinter den Gattungsnamen oder bei den 
Ai-ten eingefügten römischen Ziffern die Klasse, die arabischen die Ordnung des Linne- 
schen Systems ; z. B. Kamille (585 ; XIX, 2) giebt an, dass die auf Tafel 585 abgebildete 
Kamille zur 2. Ordnung der XIX. Klasse des Linneschen Systems gehört. 



— 59 — 

V. Klasse: Pentaudria, Fünfmäimige. Fünf freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Weinstock 404.) 
VI. Klasse : Hexandria, Seclisniäumge. Sechs freie, 
gleiclilange Staubblätter in einer Zwitterblüte. 
(Tulpe 130.) 
VII. Klasse: Heptandria, Sielbenmännige. Sieben 
freie Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Ross- 
kastanie 401 ) 
VIII. Klasse: Octaudria, Achtinännige. Acht freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Weiden- 
röschen 420.) 
IX. Klasse: Euneaudria, Neunmäunige. Neun freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Wasserliesch39.) 
X. Klasse: Decandria, Zehnmännige. Zehn freie 
Staubblätter in einer Zwitterblüte. (Leimkraut 213.) 
XL Klasse: Dodecandria, Zwölfmäimige. Zwölf bis 
neunzehn freie Staubblätter in einer Zwitterblüte. 
(Weiderich 417.) 
ß. Zahl der Staubblätter 20 oder mehr als 20. 
XII. Klasse: Icosandria, Zwanzigmännige. Zwitter- 
blüten mit zwanzig oder melu" freien, dem Rande 
des Kelches angefügten Staubblättern. (Rose 343.) 
Xin. Klasse: Polyaiidria, Yielmännige. Zwitterblüten 
mit zwanzig oder mehr freien, dem Blütenboden 
aufgesetzten Staubblättern. (Hahnenfuss 246.) 
b. Längenverhältnis der Staubfäden bestimmt. 

XIV. Klasse: Didynamia, Zweimäclitige. Zwitter- 
blüten mit zwei längeren und zwei kürzeren, freien 
Staubblättern. (Melisse 506.) 

XV. Klasse: Tetradyuamia, Yiermächtige. Zwitter- 
blüten mit vier längeren und zwei kürzeren, freien 
Staubblättern. (Schaumkraut 275.) 

Staubfäden miteinander verwachsen. 

XVL Klasse: Monadelpliia, Eiulbrüder ige. Die Staub- 
fäden sind ganz oder doch an ihrem unteren 
Ende zu einer Röhre miteinander verwachsen. 
(Eibisch 406.) 
XVIL Klasse: Diadelpliia, Zweibrüderige. Die Staub- 
fäden sind an ihrem Grunde in zwei gleiche oder 
ungleiche Gruppen oder Bündel vereinigt. (Linse 378.) 



— 60 — 

XVIII. Klasse: Polyadelphia, Vielbrüderige. Die 

Staubfäden sind an ihrem Grunde in drei oder 
mehr Gruppen oder Bündel vereinigt. (Johannis- 
kraut 407.) 
93. Die Staubbeutel sind zu einer Röhre verwachsen. 

XIX. Klasse: Syngenesia, Blüten verein. (Gift- 
lattich 608.) 
(J5.) Die Staubbeutel sind mit dem Stempel vervrachsen; sie sitzen 
auf dem Fruchtknoten, in der Nähe der Narbe. 

XX. Klasse: Gynandria, Stempelständige. (Knaben- 
kraut 141.) 
B. Blüten eingeschlechtlich. 

XXI. Klasse: Monoecia, Einhäusige. Ein und der- 
selbe Stock trägt Staubblatt- und Stempelblüten. 
(Haselstrauch 173.) 
XXII. Klasse: Dioecia, Zweihäusige. Staubblatt- und 
Stempelblüten sind auf verschiedene Pflanzen ver- 
teilt. (Korbweide 162.) 

XXIII. Klasse: Polygamia, Yielehige. Dieselbe Pflanzen- 
art besitzt Zwitter-, Staubblatt- und Stempel- 
blüten, oder doch neben Zwitterblüten noch eine 
der letzteren Blütenarten. (Esche 478.) 

B. Pflanzen ohne Blüten. 

XXIV. Klasse: Cryptogamia , Blütenlose Pflanzen. 
Hierher die Sporenpflanzen (1 bis 21). 

Die Bestimmung von Klasse und Ordnung ist nicht immer leicht, da 
die einschlägigen Verhältnisse oft verwischt oder bei verschiedenen Pflanzen 
derselben Art verschieden sind; die Karde (556) wird zur IV. Klasse ge- 
rechnet; dennoch hat die abgebildete Pflanze zAveimächtige Blüten, würde 
mithin zur XIV. Klasse gehören; aber in keine der beiden Linneschen 
Ordnungen passt sie hinein. Umgekehrt Avürden Minze (500) und Ysop 
(504) streng genommen zur IV. Klasse gehören, man zählt sie aber wie 
die übrigen Lippenblumen mit vier Staubblättern meist zur XIV. Klasse. 
Auch ist es nicht sofort zu erkennen, dass die Purpurweide (161) zu XXII, 
10 und nicht zu XXII, 1 gehört. 

Eine Übersicht aller Gattungen nach dem Linneschen System zu geben, 
liegt nicht in dem Plane des Buches. 



61 



Tabelle zum Bestimmen der Gattungen .*) 

I. Klasse: Monandria, Eiumännige. 

Zwitterblüten mit einem freien Staubblatte. 

I, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder, wenn dieser fehlt, mit einer Narbe. 

A. Sumpf- oder Wasserpflanzen. 

A. Senfkorngrosse, wurzellose, rundlich-eiförmige, unterseits kugelige, 
schwimmende Wasserpflanze. Wolffia (104, Fig. A). 

B. Blätter quirlständig. Hippuris (425). 

C. Blätter nicht quirlständig, fädlich oder grasartig. 

a. Staubbeutel sitzend. Untergetaucht im Meere lebende Pflanze. 
Zostera (31 A; XXI, 2). 

b. Staubbeutel langgestielt. Flutende Wassenpflanzen. Zannichellia 
(31 B; XXI, 1). 

B. Landpflanzen. 

A. Stengel blattlos, fleischig, gegliedert. Salicornia (198; 11, 1). 

B. Graspflanze. Eriophorum (98 B C; III, 1). 

C. Krautpflanzen. 



*) In folgendem wurde sowohl in der Umgrenzung der Ordnungen, wie in der 
Einreibung mancher Pflanzen von der von Linne selbst getroffenen mehrfach abgewichen. 
Einige Gattungen und Arten sind in ihrem Blütenbau veränderlich; Salicornia hat 
z. B. in der Regel 2, mitunter aber auch nur 1 Staubblatt in seinen Blüten; es findet 
sich daher hier in der I. und in der II. Klasse; hierauf ist bei Anführung von Sali-- 
cornia in der I. Klasse durch den Zusatz (II, 1) hingewiesen. Ähnlich verhält es sich 
mit zahlreichen anderen Pflanzen. 

Die anderen den Namen beigefügten Zahlen geben die Tafeln an, auf welchen 
eine Pflanze der betreffenden Gattung dargestellt ist; die Tafel kann dabei die ge- 
rade der Bestimmung vorliegende Art darstellen (z. B. Hippuris 425); in vielen Fällen, 
nämlich dann, wenn die Gattung mehrere Arten umfasst, wird dies aber nicht der 
Fall sein. 

Wenn die Tabelle, wie z. B. in II, 1, A auf eine Familie (hier Oleaceae) führt, 
ist dort weiter nachzusehen; es soll aber nicht immer gesagt sein, dass gerade alle 
Gattungen und Arten der betreffenden Familie dahin gehören, wohl aber deren 
Mehrzahl. 

Endlich wurde auch auf etwaige irrige Deutungen der Blüten Rücksicht ge- 
nommen; Herniaria (229) z. B. bildet zuweilen keine Blumenkrone aus und es liegt 
nahe, dann den Kelch als Blumenhülle anzusehen. 



- 62 — 

a. Blumenkrone rot, gespornt. Centranthus. 
h. „ fehlt. 

a. Blätter linealiscli. Corispermum (199; V, 2). 

ß. „ handförmig gelappt. Alchemilla arvensis (IV, 1). 

I, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit zwei Stengeln oder mit einem Stengel, der zwei Narben trägt. 

A. Sumpf- und Wasserpflanzen. Callit riebe (393; XXI, 2). 

B. Stengel blattlos, fleischig, gegliedert. Salicornia (198; II, 1). 

C. Graspflanzen. 

a. Ährchen in tiefe Höhlungen der Spindel eingesenkt. Psilurus (42 B). 

b. Ährchen frei auf zahnartigen Ausschnitten der Spindel. Festuca 
(Vulpia- Arten; III, 2). 

D. Beblätterte Krautpflanzen. 

a. Blütenhülle fehlt, oder 1 bis 2 durchsichtige Schuppen. Coris- 
permum (199; V, 2). 

b. Blütenhülle drei- bis fünfteilig. 

a. Blätter dreieckig. Die Blütenhüllen werden saftig, und mehrere 
Blütenhüllen wachsen zu einer erdbeerartigen Scheinfrucht zu- 
sammen. Blitum (201; V, 2). 

ß. Blätter nadelförmig, dreikantig. Polyen emuni (III, 1). 

I, 1. Trigynia, Dreiweibige. 

Blüten mit drei Stempeln oder mit einem Stempel, der drei Narben 
trägt. Zannichellia (31 B; XXI, 1). 

II. Klasse: Diandria, Zweimännige. 

Zwitterblüten mit 2 freien Staubblättern. 

II, 1. Monogynia, Ein weibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Bäume oder Sträucher: Familie Oleaceae (478 — 480). 

B. Schwimmende Wasserpflanzen mit linsenförmigen, aneinandergereihten 
Blättern: Familie Lemnaceae (104; XXI, 1). 

C. Blattlose Pflanze mit gegliedertem, fleischigem Stengel. Salicornia (198). 

D. Cypergräser (Simsengräser III, 1). Cladium (97); Rhynchospora (98); 
Heleocharis (99). 

E. Krautpflanzen. 

A. Blütendecken oberständig. Circaea (422); Valerianella (554; III, 1). 



— 63 — 

B, Blütendecken unterständig. 

a. Blütendecken symmetrisch. 

a. Frucht eine vielsamige Kapsel. 

aa. Kapsel einfäclierig (Familie Lentibulariaceae 540, 541). 
bb, Kapsel zweifächerig (Scrophulariaceae); Gratiola (530); 

Yeronica (532, 533); Paederota; Wulfenia. 
ß. Frucht 2 bis 4 Nüsschen. 

aa. Griffel im Grunde zwischen den 4 Fruchtknotenfächem 

stehend (Labiatae); Lycopus (501); Rosmarinus (514); 

Salvia (513). 
bb. Grifiel endständig auf dem vierfächerigen Fruchtknoten 

Verbena (498; XIV, 2). 

b. Blütendecken regelmässig. 

a. Blumenkrone rot, fünfteilig. Lythrum (417; XI, 1). 
ß. Blumenkrone gelblich weiss ; vierblätterig, oft fehlend. Lepi- 
dium ruderale (XV, 1). 

n, 2. Digyiiia, Zwelweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder einem Stempel, der 2 Narben trägt. 
A.Bäume oder Sträucher. Salix (159 bis 167; XXII). 

B. Graspflanzen. 

a. Cypergras. Cladium (97). 

b. Echte Gräser. Anthoxanthum (80); Bromus (51; III, 1); Colean- 
thus (83; III, 1); Crypsis (74; III, 1); Hierochloa (81; III, 1). 

C. Krautpflanzen. 

a. Stengel blattlos, fleischig, gegliedert. Salicornia (198; II, 1). 

b. Stengel beblättert. 

a. Blätter dreikantig, nadeiförmig. Polycnemum (III, 1). 
ß. Blätter ausgebreitet, flach. 

aa. Die Früchte sind erdbeerartige Scheinfrüchte. B 1 i t u m (2 1 ; V, 2). 
bb. Die Früchte sind nicht erdbeerartige Scheinfrüchte. 

aa. Griffel auf der Spitze des Fruchtknotens eingefügt. Cheno- 

podium (202; V, 2). 
ßß. Grifiel dem Grunde des Fruchtknotens angefügt. AI che - 
milla (338; IV, 1). 

II. 4. Tetragynia, Yierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln. 
Wasserpflanze. Ruppia (32). 



64 



III. Klasse: Triandria, Dreimännige. 

Zwitterblüten mit 3 freien Staubblättern. 

III, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Gräser oder grasartige Pflanzen. 

A. Blutenhülle besteht aus 6, zwei Kreisen angehörenden Blättern. 
Juncus (einzelne Arten 105 — 107). 

B. Blütenhülle spelzen-, schuppen- oder borstenartig oder fehlend. 

a. Blüten in einseitswendiger, einfacher Ähre. Blattscheiden gespalten. 
Nardus (74). 

b. Blüten nicht in einseitswendiger, einfacher Ähre. Blattscheiden 
nicht gespalten. Cyperaceae; Unterfamilien: Cyperoideae (95 — 97) 
und Scirpeae (97—100). 

B. Krautpflanzen. 

Ä. Fruchtknoten unterständig. 

a. Blätter wirtelständig. Asperula (546; IV, 1). 

b. Blätter gegenständig. Familie: Valerianaceae (553, 554). 

c. Blätter abwechselnd, meist grundständig. Familie: Iridaceae 
(137—140). 

B. Fruchtknoten oberständig. 

a. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

a. Kelch zweiblätterig. Montia (208). 
ß. Kelch röhrig. Lythrum (417; XI, 1). 

b. Blüte mit Blütenhülle (Amarantgewächse). Polycnemum; Ama- 
rant us (206; XXI, 5). 

III, 2. Digyuia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 

A. Gräser oder grasartige Pflanzen. 

A. Blütenhülle aus 2 abwechselnden, dreiblätterigen Kreisen gebildet. 
Juncus (105—107; VI, 1). 

B. Blütenhülle spelzenartig. Gramineae (fast die ganze Familie, 
42—83, ausgen. 80B u. 82). 

B. Kräuter. 

A. Blütenhülle ohne Deckblätter (Gänsefussgewächse). Corispermum 
(V, 2); Blitum (201; V, 2). 

B. Blütenhülle von Deckblättern gestützt. Polycnemum (III, 1). 



— 65 - 

III, 3. Trigynia, Dreiweibige. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Grasartige Pflanzen. Juncus (105 — 107; VI, 1). 

B. Kräuter. 

Ä. Blüten mit Blütenhülle oder grünlicher Blumenkrone. 

a. Blätter in vierzähligen Wirtein. Polycarpon. 

b. Blätter abwechselnd. Amarantus (206; XXI, 5). 
B. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

a. Kelch zweiblätterig, Blumenkrone fünfspaltig. Montia (208 ; III, 1). 

b. Kelch drei- bis vierteilig, Blumenkrone ebensovielblätterig. 

a. In jeder Blüte bilden sich 3 bis 4 an der Bauchseite auf- 
springende Balgkapseln. Tillaea (lY, 4). 

ß. Frucht eine drei- bis vierfächerige, klappig aufspringende 
Kapsel. Elatine triandra (408). 

c. Kelch und Blumenkrone fünfteilig oder fünfblätterig (Mier- 
gewächse). Alsine (220; X, 3); Holosteum (222; X, 3); Stel- 
laria 224; X, 3); Arenaria (225; X, 3). 

III, 4. Tetragynia, Yierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 

a. Kapsel drei- bis fünf fächerig. Elatine (408, 3). 

b. Kapsel einfächerig. Mönchia (IV, 4). 

IV. Klasse: Tetrandria, Viermännige. 

Zwitterblüten mit 4 gleichlangen Staubblättern. 

IV, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 
A. Bäume, Sträucher oder Halbsträucher. 

A. Kriechender, immergrüner Halbstrauch mit zweiblütigen Stielen. Lin- 

naea (551, XIV, 2). 
£. Bäume oder Sträucher. 

a. Frucht eine kantige Kapsel. Evonymus (398; V, 1). 

b. Frucht eine Steinbeere. 

a. Blätter silberweiss-schülferig. Elaeagnus. 
ß. Blätter nicht silberweiss-schülferig. 

1. Fruchtknoten unterständig. Blumenkrone vierblätterig. Cor- 
nus (461). 

Thoirie, Flora. I. 5 



— 66 — 

2. Fruchtknoten oberständig. Blumenkrone klein oder fehlend.. 
Rhamnus (V, 1). 
B. Krautpflanzen. 

A. Blütendecke einfach, nicht deutlich in Kelch und Blumenkrone ge- 
schieden, oder aber Blumenkrone grün. 

a. Blütendecke (Kelch und Blumenkrone grün) achtteilig, mit ab- 
wechselnd kleineren Zipfeln. Alchemilla (338). 

b. Blütendecke vierteilig. 

1. Blätter gefiedert. Sanguisorba (340). 

2. Blätter nicht gefiedert. 

a. Blütenhülle oberständig. 

(a.) Landpflanzen. Frucht eine einsamige Nuss. Thesium 

(189, V, 1). 
(b.) Sumpf- oder Wasserpflanze. Frucht eine vierklappige, 

vielsamige Kapsel. Isnardia. 
ß. Blutenhülle unterständig. 

(a.) Blütenhülle weiss. Blüten in endständiger Traube,. 

Majanthemum (130). 
(b.) Blütenhülle grün. Blüten in blattwinkelständigen 

Knäueln. Parietaria (186; XXII, 4). 

B. Blüten vollständig; Kelch und Blumenkrone deutlich unterschieden, 

a. Blumenkrone vier- oder sechsblätterig. 

1. Wasserpflanze mit rautenförmigen, schwimmenden Blättern, 
Trapa (423). 

2. Landpflanzen. 

a. Blätter lineal bis lanzettlich. Lythrum (417; XI, 1). 

ß. Meist nur ein doppelt dreizähliges Blatt; Blättchen mit 

herzförmigem Grunde. Epi medium (263). 
y. Blätter fiederschnittig. 

(a.) Frucht eine Schote. Cardamine (275; XV, 2). 

(b.) Frucht ein Schötchen. Senebiera (310; XV, 1). 

b. Blumenkrone einblätterig. 

1. Blunienkrone oberständig. 

a. Blüten in Köpfchen mit Hüllkelch. Frucht einsamig. Familie: 

Dipsaceae (555, 556). 
ß. Blüten nicht in Köpfchen. Frucht zweispaltig. Familie: 

Rubiaceae (544 — 547). 

2. Blumenkrone unterständig. 

a. Blüten in Köpfchen, Ähren oder Rispen. 

(a.) Frucht 4 Nüsschen. Verbena (498; XIV, 2). 



— 67 — 

(b.) Früclitclien einsamig. Blumenkrone blau. Globularia 

(542). 
(c.) Frucht einsamig, mit Deckel aufspringend. Plantago 
(543). . 
ß. Blüten in Scheinquirlen; Frucht 4 Nüsschen. (Lippenblumen.) 
Mentha (500; XIV, 1); Hyssopus (504; XIV, 1), Thymus 
(503; XIV, 1). 
y. Blüten einzeln; Frucht eine Kapsel. 

(a.) Blüten in den Achseln der grundständigen Blätter 

Limosella (XIV, 2). 
(b.) Blüten endständig oder blattwinkelständig. 

aa. Blumenkrone zweilippig. Lindernia (XIV, 2). 
bb. ßlumenkrone regelmässig. 

ua. Kapsel mit Deckel aufspringend. Centunculus. 
ßß. Kapsel zweiklappig. 

aa. Griffel ungeteilt, abfallend. Cicendia. 
&&. GriflFel zweispaltig, bleibend. Gentiana 
(481, 482; V, 2). 

IV, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 

A. Bäume mit büscheligen, vor den Blättern erscheinenden Blüten und ge- 
flügelten Früchten. Ulmus (179; V, 2). 

B. Blattlose, windende Schmarotzerpflanzen mit fädlichem Stengel. Cus- 
cuta (489, V, 2). 

C. Beblätterte, nicht schmarotzende Kräuter. 

A. Blüten mit grüner Blütenhülle. 

1. Blütenhülle achtspaltig mit abwechselnd kleineren Zipfeln. Ale he - 
milla (338). 

2. Blütenhülle (Kelch bei nicht entwickelter Krone) vierteilig. Her- 
niaria (230). 

B. Blüten mit unterschiedenem Kelch und Blumenkrone. 

1. Kelch zweiblätterig, abfallend. Blumenkrone vierblätterig, gelb 
Frucht schotenförmig, quer in einzelne Glieder zerfallend. 
Hypecoum. 

2. Kelch vier- bis achtblätterig oder sovielzipfelig. 

a. Blumenkrone einblätterig, gross. Gentiana (481, 482; V, 2). 

b. Blumenkrone getrenntblätterig. 

a. Blüten klein in Knäueln. Frucht einsamig, nicht aufspringend. 
Herniaria (230). 

5* 



— 68 — 

ß. Blüten rispig. Frucht eine zweisamige, z-weiklappige Kapsel. 
Buffonia. 
3. Kelch undeutlich, gestutzt, meist fehlend. 

a. Frucht fleischig, steinfruchtartig. Krone radförmig, fast glockig. 
Rubia (544; IV, 1). 

b. Frucht trocken, nüsschenartig. Krone radförmig. Galium 
(545; IV, 1). 

IV, 3. Trigynia, Dreiweibig-e. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Kelch einblätterig. Silene (212, 213; X, 3). 

B. Kelch fünfblätterig (Miergewächse). Arenaria (225; X, 3); Stellaria 
media. 

IV, 4. Tetragynia, Vierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 

A. Blattlose, Avindende Schmarotzerpflanze mit fädlichem Stengel. Cuscuta 
(489; V, 2). 

B. Beblätterte Pflanzen. 

A. Holzpflanze mit dornigen Blättern. Hex (397). 

B. Kräuter. 

1. Wasserpflanzen mit schwimmenden oder untergetauchten Blättern. 
Kelch und Blumenkrone nicht unterschieden. 

a. Blüten in gestielten, kolbenähnlichen, vielblütigen Ähren. Blüten- 
hülle vierblätterig. Potamogeton (32 — 34). 

b. Blüten in zweiblütigen Ähren. Blütenhülle fehlend. Ruppia 
(32; II, 4). 

2. Land- oder Strandpflanzen. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

a. Blüten mit 3 bis 4 Balgkapseln. 

or. Balgkapseln zweisamig. Tillaea. 
ß. Balgkapseln vielsamig. Bulliarda. 

b. Frucht eine klappig aufspringende Kapsel. 
a. Kapsel einfächerig. 

(a.) Kapsel zweiklappig. Blumenkrone verwachsenblätterig. 

Gentiana (481, 482; V, 2). 
(b.) Kapsel mehrklappig. Blumenkrone getrenntblätterig. 

(Miergewächse.) Sagina (218), Moenchia, Cerastium 

tetrandrum. 
ß. Kapsel acht blätterig. Radiola. 



— 69 - 

V. Klasse: Pentandria, Fünfmännige. 

Zwitterblüten mit 5 freien Staubblättern. 

V, 1. Ordnung: Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griflel oder einer Narbe. 

A. Kelch und Blumenkrone nicht unterschieden oder letztere im Verhältnis 
zum Kelch sehr klein bis fädlich. 

A. Fruchtknoten unterständig. Blütenhülle bleibend. Thesium (189). 

B. Fruchtknoten oberständig. 

1. Blüten mit 5 entwickelten Staubblättern und 5 Fäden ohne Staub- 
beutel. 

a. Blütenhüllblätter flach oder wenig gewölbt. Schliessfrucht. 
Herniaria (230; Y, 2). 

b. Blütenhüllblätter an ihrer Spitze knorpelig verdickt und an 
der Innenseite ausgehöhlt. Frucht eine Kapsel. Illecebrum (232). 

2. Blüten ohne unfruchtbare Staubfäden. 

a. Fruchtknoten fünf-, selten vierfächerig; Kapsel ebensoviel- 
klappig. Blutenhülle fleischfarbig. Glaux. 

b. Fruchtknoten einfächerig. Frucht eine einsamige Nuss. 

a. Blätter mit tutenförmigen Nebenblättern. Polygon um. 

(195, 196; V, 3; VIII, 3). 
ß. Blätter ohne Nebenblätter. 

(a.) Blüten von 2 Deckblättchen gestützt. Polyenemu m. 

(b.) Blüten ohne Deckblättchen. Atriplex (205; XXI). 

B. Kelch und Blumenkrone sind wohl unterschieden. 
-1. Blumenkrone einblätterig. 

(A.) Fruchtknoten oberständig. 

1. Blüten mit 2 getrennten Fruchtknoten, welche eine gemein- 
same, köpf- oder scheibenförmige Narbe tragen. Frucht 2 ge- 
trennte Balgkapseln. 

a. Blütenstaub zu Pollinarien verklebt. Vincetoxicum (487; 

V, 2). 
h. Blütenstaubkörnchen getrennt. 

a. Liegende Kräuter. Blumenkrone präsentiertellerförmig. 
Vinca (486). 

ß. Sträucher. Blumenkrone trichterig. Nerium. 

2. Fruchtknoten vierlappig, Frucht 4 einsamige oder 2 zwei- 
samige Nüsschen. Familie: Borraginaceae (490 — 497). 

3. Fruchtknoten einfach. 



— 70 — 

a. Staubblätter vor den Zipfehi der Blumenkrone eingefügt. 
Fruclit mit freiem, mittelständigem Samenträger. Familie: 
Primulaceae (471 — 476). 
6. Staubblätter mit den Zipfeln der Blumenkrone abwechselnd. 
a. Kapsel einfäclierig. 

(a.) Kapsel einsamig. Blüten violett, in ährenförmigem 

Blütenstande. Plumbago. 
(6.) Kapsel vielsamig mit 2 wandständigen Samenträgern. 
(Enziangewächse.) Menyanthes (484); Limnanthe- 
mum (485). 
(c.) Kapsel vielsamig mit freiem, mittel ständigem Samen- 
träger. Claytonia. 
ß. Kapsel 2- bis 5 fächerig. 
(a.) Holzpflanze. Azalea. 
(&.) Kräuter. 

aa. Kapsel zweiklappig; Klappen nicht an ihrer Spitze 
zweispaltig. 

aa. Staubbeutel, wenigstens die 3 oberen, ein- 
fächerig, nierenförmig. Verbascum (525). 
ßß. Staubbeutel nach dem Verstäuben schrauben- 
förmig gedreht. Erythraea (483). 
yy. Staubbeutel weder einfächerig und nieren- 
förmig, noch nach dem Verstäuben gedreht. 
(Windengewächse.) Convolvulus (488); 
Calystegia. 
bb. Kapsel dreiklappig. Polemonium. 
cc. Kapsel vierklappig oder zweiklappig und die 
Klappen an ihrer Spitze zweisjaaltig, oder mit 
einem Deckel aufspringend. Familie Solana- 
ceae (zur Hälfte; 522—524). 
y. Frucht eine Beere. Familie Solanaceae (zur Hälfte; 
(518—521). 
(jB.) Fruchtknoten unterständig, seltener halboberständig. 

1. Blumenkrone regelmässig. 

a. Kapsel vierfächerig, halboberständig, mit freiem, mittel- 
ständigem Samenträger. Samolus. 

b. Kapsel 2- bis 8 fächerig. Familie: Campanulaceae 
(559—562). 

2. Blumenkrone symmetrisch. 

a. Holzpflanze. Frucht eine Beere. Lonicera (550). 



— 71 — 

• b. Krautpflauze. Frucht eine Kapsel, Staubbeutel mit- 

einander verwachsen. Lobelia (563). 
£. Blumenkrone mehrblätterig. 

{Ä.) Fruchtknoten ober- oder mittelständig. 

1. Blumenkrone symmetrisch, gespornt. Kräuter. 

a. Drei Blumenblätter. Kapsel lünff ächerig, fünf klappig. 
Impatiens (402). 

b. Fünf Blumenblätter. Kapsel einfächerig, dreiklappig. 
Yiola (4121, 412 II, 413). 

2. Blumenkrone regelmässig, 

a. Holzpflauzen. 

1. Blumenkrone unterständig. Mit Ranken klim- 
mende Pflanzen. Familie: Vitaceae (404). 

2. Blumenkrone umständig. Nicht klimmende, oft 
dornige Pflanzen. 

a. Staub- und Blumenblätter wechseln miteinander 
ab. Evonymus (398). 

ß. Die Staubblätter stehen vor den Blumen- 
blättern. Familie: Rhamnaceae (403). 

b. Krautpflanze. Parnassia (318; V, 4). 
{B.) Fruchtknoten unterständig. Holzpflanzen. 

a. Mit Klammerwurzeln kletternde Pflanze. Hedera(426). 

b. Nichtkletternde Pflanze. Ribes (319). 

V, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 
A. Blüten ohne Blumenkrone. 

a. Frucht eine dreiklappige, vielsamige Kapsel. Polycarpon (III, 1). 
h. Frucht einsamig. 

1. Bäume. Familie: Ulmaceae (179, 180). 

2. Kräuter. 

a. Blätter, wenigstens die untem, gegenständig. Herniaria (230). 

b. Blätter zerstreut. Familie: Chenopodiaceae (192 — 203). 
^. Kelch und Blumenkrone vorhanden. 

a. Blumenkrone mehrblätterig. 

1. Blumenkrone oberständig. Familie: Umbelliferae (428 — 460). 

2. Blumenkrone unterständig. Aremonia. 

b. Blumenkrone einblätterig, unterständig. 

1. Blüten mit 2 getrennten Fruchtknoten, welche eine gemeinsame 
Narbe besitzen. 



— 72 - 

a. Blumeiikrone radförmig, fünflappig. Vincetoxicum (487). 

b. Blumenkrone glockig, in ihrem Grunde mit 5, mit den Kron- 
zipfeln abwechselnden Schüppchen. Apocynum. 

2. Blüten mit nur einem Fruchtknoten. 

a. Blattlose Pflanzen mit fädlichem, windendem Stengel. Kapsel 
zweifächerig, mit Deckel aufspringend. Cuscuta (489). 

b. Beblätterte Pflanzen. Kapsel einfächerig (Enziangewächse). 
Gentiana (481, 482), Sweertia, Lomatogonium. 

V, 3. Trigynia, Dreiweibige. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Bäume und Sträucher. 

a. Fruchtknoten unterständig (Geissblattgewächse). Sambucus (548); 

Yiburnum (549). 
1). Fruchtknoten oberständig. 

1. Blätter lineal-lanzettlich, schuppenförmig. Samen mit Haarschopf. 
Myricaria (409; XVI, 10). 

2. Blätter flach, nicht schuppenförmig. 

a. Blätter einfach, mit dornigen Nebenblättern. Frucht flügel- 
randig. Paliurus. 

b. Blätter unpaar-gefiedert. 

a. Fruchtknoten einfächerig, mit einer grundständigen Samen- 
knospe. Frucht eine trockene Steinfrucht. Rhus (896;, 
XXIII, 1). 

ß. Fruchtknoten tief-, zwei- bis dreiteilig; Samenknospen meh- 
rere, nicht grundständig. Frucht eine Kapsel. Staphy lea(399). 

B. Dorniger Halbstrauch, mit gegenständigen Blättern, Kapsel einsamig, mit 
Deckel aufspringend. Drypis. 

C. Kräuter. 

1. Blattoberseite bedeckt mit gestielten, braunroten, reizbaren Drüsen. 
Drosera (313; V, 1). 

2. Blattoberseite ohne solche Drüsen. 

{A) Blätter mit tutenförmigen Nebenblättern. Polygonum (195 bis 

197). 
(jB.) Blätter nicht mit tutenförmigen Nebenblättern. 

a. Frucht ein dreikantiges, einsamiges Nüsschen. Liegendes, kahles: 
Kraut. Corrigiola. 

b. Frucht eine vielsamige Kapsel. 

a. Kapsel dreiklappig. Telephium. 
ß. Kapsel vier- bis sechsklappig. 



— 73 — 

(a.) Blätter gegenständig. Mi erge wachse, namentlich: Ho- 
losteum (222; X, 3) und Stellaria media; andere 
selten. 

(b.) Blätter wechselständig. Liniim (387; V, 5). 
y. Frucht eine einsamige, mit Deckel aufspringende Kapsel. 

Amaranthus (206; XXI). 

V, 4. Tetragyuia, Yierweibigre. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 
A. Baum mit gefiederten Blättern. Rhus (396; XXIII, 1). 
B Kräuter. 

A. Blätter bedeckt mit gestielten, reizbaren Drüsenhaaren. Drosera 
(313; y, 1). 

B. Blätter ohne solche Drüsenhaare. 

1. Blumenkrone mit einer Nebenkrone, deren fünf Blätter je 9 bis 
13 Drüsenborsten tragen. Parnassia (318). 

2. Blumenkrone ohne solche Nebenkrone. Sagina (218; X, 5). 

V, 5. Pentagynia, Füufweibige. 

Blüten mit 5 Stempeln oder mit einem Stempel, der 5 Narben trägt. 

A. Holzpflanze mit dornigen Blättern. Hex (397; IV, 4). 

B. Kräuter. 

A. Untergetauchte Wasserpflanze mit fädlichem Stengel. Blattfläche 
muschelförmig-zweiklappig, in der Mitte blasig-aufgetrieben. Aldro- 
vandia. 

B. Land- oder Sumpfpflanzen. Blätter anders gestaltet. 

1. Blätter mit gestielten, braunroten, reizbaren Drüsen besetzt. Dro- 
sera (313; V, 1). 

2. Blätter ohne solche Drüsen. 

a. Blüten mit 5 einsamigen Nüsschen. Blätter dreizählig. Sib- 
baldia. 

b. Blüten mit 5 vielsamigen Kapseln. Blätter fleischig. Crassula. 

c. Blüten mit einer klappig oder durch Zähne aufspringenden, 
vielsamigen Kapsel. 

a. Kapsel zehnfächerig. Linum (387). 

ß. Kapsel einfächerig, mit mittelständigem Samenträger. 

(a.) Blätter mit Nebenblättern. Spergula (229). 

(b.) Blätter ohne Nebenblätter (Miergewächse). Sagina (218; 
X, 5); Cerastium (226, 227; X, 5). 

d. Blüten mit einer mützenförmig sich am Grunde ablösenden und 
abfallenden, einsamigen Kapsel. Familie Plumbaginaceae(477). 



— 74 — 

Y, 6. Polygynia, Vielweibige. 

Blüten mit mehr als 5 Stempeln. Myosurus (244). 

VI. Klasse: Hexandria, Sechsmännige. 

Zwitterblüten mit sechs freien, gleichlangen Staubblättern. 

VI, ]. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Stempel oder einer Narbe. 

A. Holzpflanzen. 

A. Sträucher mit einfachen Blättern und Beeren. 

1. Wurzellose, auf Bäumen sitzende Schmarotzerpflanze. Loranthus 
(188; XXn, 6). 

2. Nicht schmarotzender Strauch. Berberis (262). 

jB. Baum mit bandförmig-gelappten oder dreilappigen Blättern und Flügel- 
früchten. Acer (400; VIE, 1). 

B. Kräuter. 

A. Blüten unvollständig; Kelch und Blumenkrone nicht unterschieden. 

a. Blätter mit einem tutenförmigen Nebenblatte. Polygonum (195 
bis 197). 

b. Blätter ohne tutenförmiges Nebenblatt. 

1. Blütenhülle kelchartig. 

a. Blüten auf einem Kolben angeordnet (Arongewächse). Aco- 
rus (102); Calla (103). 

/?. Blüten in SpiiTen, Ähren oder Köpfchen. Familie Junca- 
ceae (105-108). 

2. Blütenhülle blumenkronartig. 

a. Fruchtknoten unterständig. Familie: Amaryllidaceae 

(133—135). 
/i. Fruchtknoten oberständig. 

aa. Frucht eine Beere (Spargelgewächse). 

(a.) Blätter pfriemlich. Asparagus (131). 
(b.) Blätter flach. 

aa. Äussere Hüllblätter am Grunde mit sackartiger 
Honiggrube. Stengel zickzackförmig gebogen. 
Streptopus. 
ßß. Blütenhülle röhrig bis glockenförmig. C o n v a 1 - 
laria (128, 129). 
bb. Frucht eine Kapsel. Familie: Liliaceae (116 bis 130). 
.B. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 



— 75 — 

a. Kapsel mit Deckel aufspringend. Niedeiiiegende Pflanze mit 
fleischigen Blättern. Portulaca (207; X, 1). 

b. Kapsel klappig aufspringend. 

1. Blumenkrone mehrblättrig. Kapsel zweifächerig. 

a. Blumenkrone rötlich - weiss. Kriechende Pflanze. Peplis. 
ß. Blumenkrone violettrot. Aufrechte Pflanze. Lythrum 

hyssopifolia (XI, 1). 
y. Blumenkrone gelb oder weiss. Aufrechte Pflanze. Schote. 

Lepidium (291; XIV, 1). 

2. Blumenkrone einblätterig. Kapsel einfächerig. 

a. Kapsel zweiklappig, mit wandständigem Samenträger. (Enzian- 
gewächse.) Gentiana (481, 482; V, 1); Chlora (VIII, 1). 

ß. Kapsel fünf- bis neunklappig, mit mittelständigera Samen- 
träger. (Himmelsschlüsselgewächse.) Trientalis (VII, 1); 
Lysimachia thyrsiflora. 

YI, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 

A. Baum. Celtis (495; V, 2). 

B. Kräuter. Familie: Polygonaceae (193 — 197; VI, 3 oder VIII, 4). 

VI, 3. Trigynia, DreiweiMge. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. Elatine hexandra (408 B). 

B. Blüten mit Blütenhülle. 

A. Blütenhülle einblätterig. 

1. Blüten und Blätter erscheinen nicht gleichzeitig. Colchicum (113). 

2. Blüten und Blätter sind gleichzeitig. Polygonuni (195 — 197; 
VIII, 3). 

B. Blütenhülle mehrblätterig. 

1. Blütenhüllblätter einreihig. Kapseln 3 fächerig, vielsamig. (Zeit- 
losengewächse.) Veratrum (HO); Tofieldia (111). 

2. Blütenhüllblätter zweireihig: 3 äussere, 3 innere. 

a. Ein Fruchtknoten; 3 Griffel mit federigen Narben. Rumex 
(193, 194). 

b. Drei Fruchtknoten. Familie: Juncaginaceae (36). 

VI, 4. Polygynia, VielweiMge. 

Blüten mit 6 und mehr Stempeln. 

A. Blätter schmal-linealisch. Blüten klein, grünlich. Triglochin mari- 
num (36). 



— 76 — 

B. Blätter langgestielt, herzförmig bis schmal-lanzettlicli. Blüten ansehnlicli 

weiss oder rötlich. Alisnia (37). 

VII. Klasse: Heptandria, Siebenmännige. 

Zwitterblüten mit 7 freien Staubblättern. 

YII, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Stempel. 

A. Bäume mit handförmig-gelappten Blättern. Familie: Hippocastanaceae 
(401). 

B. Kräuter mit einfachen Blättern. 

a. Kelch und Blumenkrone fehlen. Blüten in endständigen, vielblütigen 
Kolben mit scheidenförmiger Tute. Calla (103; VI, 1). 

b. Kelch und Blumenkrone vorhanden. (Himmelsschlüsselgewächse.) T r i e n - 
talis; Lysimachia (475; V, 1). 

VIII. Klasse: Octandria, Achtmännige. 

Zwitterblüten mit acht freien Staubblättern. 

VIII, 1. Mouogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Blüten ohne Kelch und ohne Blumenkrone in endständigen Kolben mit 
scheidenförmiger Tute. Calla (103; VI, 1). 

B. Blüte mit einfacher, einblätteriger Blütenhülle. 

a. Blätter mit tutenförmigen Nebenblättern. Polygonum (195 — 197). 

b. Blätter ohne Nebenblätter. 

1, Staubblätter dem Blütenboden eingefügt. Laurus (264; XXII, 9). 

2. Staubblätter der Blütenhülle eingefügt. Familie: Thymelaea- 
ceae (415). 

C. Blüten vollständig, mit Kelch und Blumenkrone. Kelch mitunter blumen- 
blattartig und Blumenkrone grün. 

a. Bleiche, schuppentragende, sonst blattlose Schmarotzerpflanze. Mono- 
tropa (463; X, 1). 

b. Grüne, beblätterte Pflanzen. 
1. Blumenkrone einblätterig. 

a. Kleine Sträucher, 

ß. Fruchtknoten oberständig. (Heidegewächse.) Calluna (469); 
Erica (470). 



— i i — 

ß. Fruchtknoten unterständig. Yaccinium (466). 
b. Krautpflanze mit achtspaltiger, gelber Blumenkrone. Chlora. 
2. Blumenkrone melirblätterig. 

a. Bluraenkrone regelmässig. 

a. Bäume oder Sträuclier. Flügelfrucht. Acer (400). 
ß. Kräuter. 

(a.) Fruchtknoten oberständig. Blumenkrone gelb. End- 
blüten zehnmännig. Ruta (388). 
(b.) Fruchtknoten unterständig. (Nachtkerzengewächse.) 

(or.) Kelch blumenkronenartig gefärbt. Frucht eine ein- 
fächerige Beere. Fuchsia. 
(ß.) Kelch grün. Frucht eine Kapsel. Epilobium (420); 
Oenothera (421). 

b. Blumenkrone symmetrisch, gespornt. Kelch gefärbt. Tropaeolum. 

VIII, 2. Digjnia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 

A. Bäume. Flügelfrucht. Ulmus effusa (179). 

B. Kräuter. 

A. Blüten mit Blütenhülle, 

1. Blüten mit tutenförmigen Nebenblättern. Folygonum (195 — 197; 
Vm, 3). 

2. Blätter ohne Nebenblätter. 

a. Kapsel vielsamig, zweischnäbelig. Chrysosplenium (317). 

b. Frucht einsamig, im Grunde der geschlossenen Blütenhülle. 
Scleranthus (233; X, 2). 

B. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

1. Blätter unterbrochen-fiederschnittig. Agrimonia (339; XI, 2). 

2. Blätter einfach. Möhringia muscosa (223). 

VIII, 3. Trigynia, Dreiweibige. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Blätter mit tutenförmigen Nebenblättern. Folygonum (195 — 197). 

B. Blätter nebenblattlos. 

A. Kelch einblätterig, fünfzähnig. Silene (212, 213; X, 3). 

B. Kelch 4- bis 5 blätterig oder 4- bis 5 teilig (Miergewächse). AI sine 
(220; X, 3); Möhringia (223; X, 3); Stellaria (224; X, 3). 

VIII, 4. Tetragynia, Vierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 
A. Blätter ungeteilt. 



— 78 — 

A. Staubbeutel auf der Mitte der Staubfäden. Paris (127). 
^. Staubbeutel am Ende der Staubfäden. 

1. Kelch und Blumenkrone vierblätterig. Kapsel einfäclierig. (Mier- 
gewäcbse). Sagina (218; IV, 4); Moencliia. 

2. Kelch 3- bis 4 teilig. Blumenkrone ebensovielblätterig. Kapsel 
vielfächerig. Elatine (408). 

B. Blätter geteilt. 

A. Blüten in Quirlen oder quirligen Ähren. Blätter alle untergetaucht 

kammförmig-fiederschnittig. Myriophyllum (424; XXI, 5). 
J5. Blüten in endständigen Knäueln. Endblüten vier-, Seitenblüten fünf- 
teilig. Blätter dreizählig. Adoxa (552). 

IX. Klasse: Enneandria, Neunmännige. 

ZAvitter bluten mit 9 freien Staubblättern. 

IX, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel. 

Immergrüner Baum oder Strauch. Laurus (264; XXII, 9). 

IX, 2. Hexagynia, Sechsweibige. 

Blüten mit 6 Stempeln 

Sumpfpflanze mit blumenkronenartiger Blütenhülle. Butomus (39). 

X. Klasse: Decandria, Zehnmännige. 

Zwitterblüten mit 10 freien Staubblättern. 

X, l, Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Nur 5 Staubblätter mit Staubbeuteln, dazwischen 5 unfruchtbare ohne 
Staubbeutel. 

A. Blumenkrone einblätterig, kurzglockig, mit fünfteiligem Saum. Samolus. 
J5. Blumenkrone fehlend oder 5 sehr kleine Blättchen. Herniaria (230; 
V, 2); Illecebrum (232; V, 1). 

B. Alle Staubfadeu mit Staubbeuteln. 

A. Blumenkrone fehlend. Blüten dicht-trugdoldig. Seitenblüten in der 
Regel vierzählig. Chrysosplenium (317; VIII, 2). 

5. Blüten mit Blumenkrone. 

1. Blumenkrone einblätterig. Kleine Sträucher. 



— 79 — 

a. Fruchtknoten unterständig. Frucht eine Beere. Vaccinium 
(466; VIII, 1). 

b. Fruchtknoten oberständig. Blätter lederig, immergrün. 

a. Frucht eine fünfsteinige Beere. Staubbeutel an ihrer Spitze 
mit 2 abwärts gerichteten Hörnern. Arctostaphylos (467) 
ß. Frucht eine Kapsel. 

(a.) Staubbeutel am Rücken mit 2 aufwärts gerichteten 

Hörnern. Kapsel fachspaltig. Andromeda. 
(b) Staubbeutel nicht gehörnt. Kapsel scheidewandspaltig. 
Rhododendron (465). 
2. Blumenkrone 5-, selten 4 blätterig. 

a. Blumenkrone symmetrisch. 

a. Baum mit Schmetterlingsblüten. C er eis. 
ß. Kraut; 4 Kronen blätter aufstrebend, das fünfte abwärts ge- 
neigt. Dictamnus (389). 

b. Blumenkrone regelmässig oder doch nur sehr wenig davon ab- 
weichend symmetrisch. 

a. Bleiche Schmarotzerpflanze mit Schuppenblättern. Endblüten 

5-, Seitenblüten 4zählig. Monotropa (463). 
ß. Grüne, beblätterte Pflanzen. 

(a.) Blätter einfach, lederig, immergrün. 

aa. Blätter lineal, am Rande zurückgekrümmt, unterseits rost- 
braun, filzig. Kapsel scheidewandspaltig. Ledum(464). 
bb. Blätter mehr oder weniger rundlich bis eiförmig. 
Kapsel fachspaltig. Familie: Pirolaceae (462). 
(b.) Blätter dreizählig. Blättchen umgekehrt - herzförmig. 

Oxalis (386; X, 5). 
(c.) Blätter bandförmig oder fiederschnittig. 

aa. Blätter drüsig-punktiert. Kapsel vier- bis fünffächerig, 

vielsamig. Ruta (388; YIII, 5). 
bb. Blätter nicht drüsig-punktiert. Frucht eine Spalt- 
frucht, bei welcher sich die Fruchtblätter als ein- 
samige, geschnäbelte Teilfrüchte von einer Mittel- 
säule ablösen. Familie: Geraniaceae (384, 385). 

X, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt, 
A. Blumenkrone fehlt. Blütenhülle 4- bis 5 lappig oder spaltig. 

A. 5 Staubfäden mit Staubbeuteln, 5 Fäden ohne Staubbeutel. Blätter 
mit trockenhäutigen Nebenblättern. Herniaria (230; V, 2). 



— 80 — 

B. Alle Staubfäden mit Staubbeuteln, Nebenblätter fehlen. 

1. Blätter ungestielt. Frucht einsamig im Grunde des verhärteten 
Kelches. Scleranthus (233). 

2. Blätter gestielt. Kapsel einfächerig, vielsamig. Chrysosplenium 
(317; V, 2). 

B. Blumenkrone vorhanden, zuweilen kelchartig, grünlich. 

A. Fruchtknoten halb- oder ganz-unterständig (Steinbrechgewächse). 
Saxifraga (316; X, 2); Zahlbrucknera. 

B. Fruchtknoten oberständig. 

1. Kelch ein- bis zweiblätterig. Blumenblätter lang genagelt (Leim- 
krautgewächse). 

Tunica; Dianthus (214); Saponaria Vaccaria (215); Gypso- 
phila (216). 

2. Kelch fünf blätterig. Blumenblätter nicht genagelt. Möhringia 
(223; X, 3). 

X, 3. Trigynia, öreiweibige. 

Stempel mit 3 Narben. 

A. Blätter nebenblattlos. 

A. Kelch ein- oder zM^eiblätterig. Blumenblätter langgenagelt. (Leim- 
krautgewächse.) 

Silene (212, 213); Melandryum (211); Cucubalus (217). 

B. Kelch fünfblätterig. Kronblätter nicht langgenagelt. (Miergewächse.) 
Alsine (220); Halianthus (221); Holosteum (222); Möhringia 
(223); Arenaria (225). 

B. Blätter mit schuppenförmigen Nebenblättern. Spergularia. 

X, 4. Tetragynia, Tierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 

A. Frucht eine krautig-saftige Beere mit 1 bis 5 Steinkernen. Blüten in 
Knäueln; endständige 4-, seitenständige 5zählig. Adoxa (552; VIII, 4). 

B. Frucht eine Kapsel. 

Jl. Kapsel stets an der Spitze weit offen stehend. Reseda (312; XI, 4). 
B. Kapsel im unreifen Zustande an der Spitze geschlossen. 

1. Kelch ein- oder zweiblätterig. Blumenblätter langgenagelt. (Leim- 
krautgewächse.) Agrostemma (209; X, 5); Silene (212, 213); 
Lychnis. 

2. Kelch 5 blätterig, Kronblätter nicht langgenagelt. (Miergewächse.) 
Sagina (218), Mönchia. 



— 81 — 

X, 5. Peiitagynia, Fünfweibigre. 

Blüten mit 5 Stempeln oder mit einem Stempel, der 5 Narl)en trägt. - 

A. Blüten zu 4 bis 6 in einem endständigen Köpfchen; Endblüten vier-, 
Seitenblüten fünf zählig. Adoxa (552; VIII, 4). 

B. Blüten einander gleich gestaltet. 

A. Frucht eine Beere. Kletternder Strauch mit immergrünen Blättern. 
Hedera (426; V, 1). 

B. 5 am Grunde zusammengewachsene Fruchtknoten bilden ebenso viele 
einwärts aufspringende, vielsamige Balgkapseln. Blätter fleischig. 
(Dickblattgewächse.) Crassula (V, 5); Sedum (314). 

C. Frucht eine Kapsel. Blätter nicht fleischig. 

1. Kapsel fachspaltig. Blätter dreizählig, mit umgekehrt-herzförmigen 
Abschnitten. Oxalis (386). 

2. Kapsel mit Zähnen aufspringend. 

a. Kelch fünfzähnig oder fünfspaltig. (Leimkrautgewächse.) Agro- 
stemma (209); Viscaria; Coronaria (210; X, 3); Melan- 
dryum (211; XXII, 9); Yaccaria (225; X, 2). 

b. Kelch fünfblätterig. 

a. Mit dünnhäutigen Nebenblättern. Spergula (229; V, 4). 
ß. Nebenblätter fehlen. (Miergewächse.) Sagina (218; IV, 4); 

Spergella (219); Cerastium (226, 227); Malachium 

(228); Mönchia. 

X, 6. Polygjnia, Yielweibige. 

Blüten mit 6 bis 10 Stempeln. 

A. Kletternder, immergrüner Strauch. Hedera (426; V, 1). 

B. Kräuter. 

A. Blüte mit krautiger Blütenhülle. Frucht eine mehrfächerige Beere. 
Phytolacca. 

B. Blüte mit Kelch und Blumenkrone. Frucht mehrere an ihrem Grunde 
verwachsene, einwärts aufspringende Balgkapseln. Blätter fleischig. 
Sedum (314; X, 5). 

XI. Klasse. Dodecandria, Zwölfmännige. 

Zmtterblüten mit 12 bis 19 freien Staubblättern. 

XI, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Blütenhülle oberständig. Asarum (190). 

B. Kelch und Blumenkrone unterständig. 

Thome, Flora. I. a 



— 82 — 

Ä. Kelch zweispaltig, am Grunde ringsum vom bleibenden Grunde ab- 
fallend. Kapsel einfächerig mit Deckel aufspringend. Portulaca (207). 

B. Kelch acht- bis zwölfzähnig. Kapsel zweifächerig, zweiklappig. 
Lythrum (417). 

XI, 2. Digynia, Zweiweibige. 

Blüten mit 2 Stempeln oder mit einem Stempel, der 2 Narben trägt. 

A. Fruchtknoten und Kapsel an der Spitze offen. Reseda (312; XI, 4). 

B. Fruchtknoten an der Spitze geschlossen. 

A. Blätter unterbrochen-fiederschnittig. Agrimonia (339). 

B. Blätter einfach. Euphorbia (391; XXI, 1). 

XI, 3. Trigynia, Dreiweibige. 

Blüten mit 3 Stempeln oder mit einem Stempel, der 3 Narben trägt. 

A. Fruchtknoten an der Spitze offen. Reseda (312; XI, 4). 

B. Fruchtknoten an der Spitze geschlossen. Euphorbia (391; XXI, 1). 

XI, 4. Teträgynia, Vierweibige. 

Blüten mit 4 Stempeln oder mit einem Stempel, der 4 Narben trägt. 
Fruchtknoten einfächerig, an der Spitze offen. Reseda (312). 

XI, 5. Polygynia, Yiclweibige. 

Blüten mit 6 oder mehr Griffeln. 

A. Blätter dick, fleischig. Sempervivum (315). 

B. Blätter nicht fleischig. Myosurus (244; IV, 6). 

XII. Klasse. Icosandria, Zwanzigmännige. 

Zwitterblüten mit 20 oder mehr freien, dem Rande des Kelches ange- 
hefteten Staubblättern. 

XII, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Fruchtknoten unterständig, vierfächerig. Philadelphus. 

B. Fruchtknoten frei, mittelständig, einfächerig. Rosengewächse: Unterfamilie 
Pruneae (320—324). 

XII, 2 bis XII, 5. Digynia bis Polygynia, Zwei- bis Vielweibige. 

Blüten mit 2 oder mehr Stempeln. 

A. Fruchtknoten geschlossen. Rosaceae (325 — 350). 

B. Fruchtknoten offen. Reseda (312; XI, 4). 



83 



XIII. Klasse. Polyandria, Vielmännige. 

Zwitterblüten mit 20 und mehr dem Blütenboden eingefügten Staub- 
blättera. 

XIII, 1. Monogynia, Einweibige. 

Blüten mit einem Griffel oder einer Narbe. 

A. Blumenkrone vierblätterig. 

Ä. Kelch fünfblätterig, wie die vierblätterige Blumenkrone gespornt. 
Delphinium (258). 

B. Kelch zweiblätterig. Familie: Papaveraceae (265 — 268). 

C. Kelch vierblätterig. 

1. Frucht eine langgestielte Beere. Capparis (311). 

2. Frucht eine sitzende Beere. Actaea (260). 

B. Blumenkrone fünfblätterig. 

Ä. Bäume. Kelchblätter in der Knospe klappig. Nuss einsamig. Tilia 

(405). 
B. Sträucher oder Kräuter. Die 3 inneren Kelchblätter in der Knospe 

gedreht. Kapsel 5- bis 6 klappig. Familie: Cistaceae (410, 411). 

C. Blumenkrone vielblätterig. Wasserpflanzen. Familie: Nymphaeaceae 
(234, 235). 

XIII, 2. Digynia bis Polygynia, Zwei- bis Vielweibige. 

Blüten mit 2 oder mehr Stempeln. 
Familie: Ranunculaceae (237 — 260). 

XIV. Klasse. Didynamia, Zweimächtige. 

Zwitterblüten mit 2 längeren und 2 kürzeren Staubblättern. 

XIV, 1. Gymnospermia, Nacktsamige. 

Der Griffel erhebt sich aus der Mitte des tief vier-, selten zweispaltigen 
Fruchtknotens. Jeder Abschnitt des Fruchtknotens entwickelt sich zu einem 
Nüsschen, welches wie ein nackter Same aussieht. 
Familie: Labiatae (499 — 517). 

XIV, 2. Angiospermia, Bedecktsamige. 

Die Samen sind in eine Kapsel eingeschlossen. 
A. Fruchtknoten vierfächeriff. 

Ä. Staubbeutelfächer an ihrem Grunde mit einem Dürnchen versehen. 
Blattgrünlose, nur Schuppenblätter besitzende Schmarotzer. 

6* 



— 84 — 

1. Blumenkrone oberhalb ihres Grundes abreissend, sodass dieser 
manschettenförmig stehen bleibt. Familie: Orobanchaceae (539). 

2. Blumenkrone ganz abfallend. Lathraea (538). 

S. Staubbeutelfächer an ihrem Grunde ohne Dörnchen. Blattgrün be- 
sitzende Pflanzen. (Braun wurzge wachse.) Limosella; Lindernia. 

B. Fruchtknoten zweifächerig. Familie: Scrophulariaceae (525 — 538). 

C. Fruchtknoten dreifächerig. Linnaea (551). 

D. Fruchtknoten vierfächerig; Fächer einsamig. Familie: Verbenaceae (498). 

XV. Klasse. Tetradynamia, Viermächtige. 

Zwitterblüten mit vier längeren und zwei kürzeren, freien Staubblättern. 

XY, 1. Siliculosae, Schötchenfrüchtige. 

und 

XY, 2. Siliquosae, Schotenfrüchtige. 

Familie: Cruciferae (271—310). 

XVI. Klasse. Monadelphia, Einbrüderige. 

Die Staubfäden sind ganz oder zum Teil zu einer Röhre miteinander 
verwachsen. 

Die Staubfäden sind oft an ihrem Grunde nur dadurch miteinander ver- 
bunden, dass sie selbst frei, d. h. nicht miteinander verwachsen, wohl aber 
einem Ringe eingefügt sind; dann bestimmt man, ohne auf dieses Ver- 
bundensein Rücksicht zu nehmen, z. B. Polycnemum u. a. 

XYI, 1. Tetraudria, Yiermännig-e. 

Blüten mit 4 Staubblättern. 
Radiola (IV, 4). 

XYI, 2. Pentaudria, Fünfmäunige. 

Blüten mit 5 Staubblättern. 

A. Frucht eine Beere; rankende Pflanzen. (Kürbisgewächse.) 

Bryonia (557; XXI, 6); Cucumis (558; XXI, 6); Cucurbita (XXI, 6). 

B. Frucht eine Spaltfrucht, bei welcher sich die Fruchtblätter als einsamige, 
geschnäbelte Teilfrüchte von einer Mittelsäule ablösen. Familie: Gera- 
niaceae (384, 385). 

C. Frucht eine Kapsel. 

A. Blütenstaub zu Pollinarien miteinander verbunden. Samen mit Haar- 
schopf. Vincetoxicum (487; V, 2). 

B. Blütenstaub nicht Pollinarien bildend. 



— 85 — 

1. Blumenkrone einblätterig. Kapsel fünf klappig. (Himmelsschlüssel- 
ge wachse.) 

Cortusa (V, 1); Lysimacliia (475; V, 1). 

2. Blumenkrone melirblätterig. 

a. Blumenkrone symmetrisch, gespornt. 
Impatiens (402; XIX; V, 1). 

b. Blumenkrone regelmässig. 

or. Blätter dreizählig, mit umgekelirt-lierzförmigen Blättcben. 

Oxalis (386; X, 5). 
ß. Blätter einfach, ungeteilt. Familie: Linaceae (387; V, 5; 

IV, 4). 

XVI, 3. Octandria bis Decaudria, Acht- bis Zehnin'aniiige. 

Blüten mit 8 bis 10 Staubblättern. 

A. Blüten mit 8 Staubblättern. Polygala (390; XVII, 2). 

B. Blüten mit 10 Staubblättern. 

Ä. Mit Schmetterlingsblüten (Schmetterlingsblütler). 

1. Blätter einfach oder dreizählig: Spartium; Ulex (351); Saro- 
thamnus (352); Genista (353); Cytisus; Ononis (355). 

2. Blätter fingerförmig. Lupinus (354). 

3. Blätter gefiedert: Anthyllis (356); Galega (365); Vicia la- 
thyro'ides. 

B. Blumenkrone regelmässig. 

1. Kelch einblätterig, fünfteilig. 

a. Blätter lineal-lanzettlich, schuppenförmig. Myricaria (409; 
XVI). 

b. Blätter dreizählig. Oxalis (386; X, 5). 

2. Kelch fünfblätterig. Familie: Geraniaceae (384, 385). 

XYI, 4. Polyandria, Vielinännige. 

Blüten mit mehr als 10 Staubblättern. 
Familie: Malvaceae (406). 

XVn. Klasse. Diadelphia, Zweibrüderige. 

Staubfäden an ihrem Grunde in zwei gleiche oder ungleiche Gruppen 
oder Bündel vereinigt. 

XVII, 1. Hexaudria, Sechsmännige, 

Blüten mit 6 Staubblättern. 

Familie: Fumariaceae (269, 270). 



— 86 — 

XYII, 2. Octaudria, Achtmäunige. 

Blüten mit 8 Staubblättern. 
Polygala (390). 

XYII, 3. Decaudria, Zehumänuige. 

Neun Staubfäden bilden eine Rinne, der zehnte steht vor deren Spalte. 
Unterfamilie: Papilionaceae (357 — 382). 

XVIII. Klasse. Polyadelphia, Vielbrüderige. 

Viele Staubfäden sind in 3 oder mehr Bündel miteinander verwachsen. 
Familie: Hypericaceae (407). 

XIX. Klasse. Syngenesia, Blütenverein. 

Die Staubbeutel sind zu einer Röhre miteinander verwachsen. 
A. Blüten auf gemeinschaftlichem Blütenboden und von einem gemeinschaft- 
lichen Hüllkelche umgeben; Ordnung 1 bis 5: Polygamia. Familie: 
Compositae (564 bis 612). 

XIX, 1, Syngenesia aequalis, Crleichmässiger Blütenverein, 

AUe Blüten sind zwitterig und fruchtbar; meist auch einander gleich 
gestaltet. 

Hierher*) die Gruppen: Eupatorieae (564); Carlineae (590); Car- 
duineae (596 — 600); Hypochoerideae (601); Lampsaneae (602); 
Cichorieae (603); Scorzonereae (604); Tragopogoneae (605, 606j; 
Lactuceae (607, 608); Hieracieae (609 — 612). Ausserdem die Gat- 
tungen: Spilanthes, Santolina, Carthamus, Lappa, sowie in einzelnen 
Arten und Abarten: Helichrysum, Senecio, Cineraria, Bidens, Ar- 
temisia, Centaurea. 

XIX, 2. Syngenesia superflua, Überflüssiger Blütenvereiu. 

Die Scheibenblüten sind zwitterig, die Randblüten weiblich und in- 
sofern überflüssig, als die Scheibenblütchen für sich allein fruchtbar sind. 
Hierher die Gruppen: Tussilagineae (565, 566); Asterineae oder Aste- 
reae (567—570); Buphthalmeae (571); Inuleae (572, 573); Gna- 
phalieae (574 — 576); Senecioineae (578 — 580); Helenieae; An- 
themideae (582 — 585); Artemisieae (586, 587); Xeranthemeae. 
Ausserdem die Gattungen: Silybum und Arten oder Abarten von Serra- 
tula. 



*) Ausgenommen sind die anderwärts aufgeführten Gattungen. 



— 87 — 

XIX, 3. Syngenesia frustranea, Vergeblicher Blütenverein. 

Die Scheibenblüten sind röhiig, zwitterig und fruchtbar; die Rand- 
blüten sind grösser und schöner, enthalten aber keine Staubblätter und 
nur unvollkommen ausgebildete Stempel, sind also unfruchtbar und insofern 
vergeblich vorhanden. 

Hierher die Gruppen: Heliantheae (581) und Centaurieae (591 bis 
595). Ausserdem die Gattung Galatella und Arten von Anthemis. 

XIX, 4. Syngenesia necessaria, Notwendiger Blütenverein. 

Die Scheibenblüten sind Staubfadenblüten, die Randblüten Stempel- 
blüten, beide also zur Fruchtbildung notwendig. 

Gruppe: Calenduleae (588); femer zum Teil Petasites, Filago, 
Carpesium, Antennaria, Leontopodium. 

XIX, 5. Syngenesia segregata, Getrennter Blütenyerein, 

Jedes Blütchen hat seinen besonderen, mehrblätterigen Hüllkelch (Köpf- 
chen einblütig). 

Gruppe: Echinopodeae (589). 

Nicht zur XIX., sondern zur XXL, bez. XXH. Klasse gehören strenge 
genommen die Gruppe Ambrosieae, sowie die Gattungen Antennaria 
und Leontopodium; dennoch werden sie meist hierher gerechnet. 

B. Blüten einzeln, ohne gemeinschaftliche Hülle; Ordnung 6. 

XIX, 6. Monogamia, Einehige. 

Ä. Blumenkrone einblätterig. 

1. Fruchtknoten unterständig. 

a. Rankende Pflanzen. Frucht eine Beere. Cucurbita (XXI). 

b. Aufrechte Pflanzen. Frucht eine zweifächerige Kapsel. Jasione 
(559; Y, 1). 

c. Aufrechte Pflanze. Frucht ein Nüsschen. Onosma (V, 1). 

2. Fruchtknoten oberständig. 

a, Blumenkrone radförmig. Solanum (518; V, 1). 

b. Blumenkrone symmetrisch, tiefgeschlitzt, mit fünfteilig-zwei- 
lippigem Saume. Lobelia (563; V, 1). 

B. Blumenkrone mehrblätterig; symmetrisch. 

1. Die beiden unteren Staubbeutel an ihrem Grunde mit spornartigem 
Anhängsel. Viola (412; V, 1). 

2. Staubbeutel ohne spornartige Anhängsel. Impatiens (402; Y, 1). 



XX. Klasse. Gynaudria, Stempelständige. 

XX, 1. 3Ioiiaiidria, Eiumäuui^e 
und 

XX, 2. Diaudria, Zweimüuuige. 

Hierher die Familie: Orchidaceae (141 — 158). 

XX, 3. Hexaudria, Sechsm5innige. 

Aristolochia (191). 

XXI. Klasse. Monoecia, Einhäusige.*) 

Ein und derselbe Stock trägt Staubblatt- und Stempelblüten. 

XXI, 1. Mouandria, Einmännige. 

Männliche Blüten mit einem Staubblatte. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Blätter nadeiförmig. Samenanlagen nackt, nicht in einen Frucht- 
knoten eingeschlossen (Nadelhölzer). Abietineae (23—26; XXI, 5) 
und Cupressus. 

B. Blätter flach. Samenanlagen in einen Fruchtknoten eingeschlossen. 

1. Blätter immergrün. Laurus (264; XXII, 9). 

2. Blätter sommergrün. 

a. Blätter handförmig-gelappt. Früchte nussartig. Platanus. 

b. Blätter nicht handlappig. Frucht eine Steinbeere. Rhamnus 
(403; V, 1; XXII, 5). 

B, Kräuter. 

A. Schwdmmende Wasserpflanzen mit linsenförmigen, aneinandergereihten 
Sprossen. Familie: Lemnaceae (104). 

B. Schwimmende oder ganz untergetauchte Wasserpflanzen mit gras- 
artigen Blättern. 

1. Blüten auf einem flachen, grasblattartigen Kolben, welcher seiner- 
seits von einem laubigen, scheidenartigen HüUblatte umschlossen 
wird. Zostera (31). 

2. Blüten nicht auf einem solchen Kolben vereinigt. 



*) Hier könnten vergeblich Pflanzen der vorigen Klassen gesucht werden, bei 
welchen ausnahmsweise die männlichen oder die weiblichen Befruchtungsorgane ver- 
kümmert sind, namentlich Vielehige; auch die andromonoecischen und gynomonoeci- 
schen Pflanzen sind hier nicht alle aufgezählt worden , vielmehr unter den früheren 
Klassen zu suchen. 



— S9 — 

a. Männliche Blüte (ein Staubbeutel) enge von einer krugförmigen 
Blutenscheide umschlossen. Najas (35). 

b. Staubbeutel auf einem Staubfaden. 

a. Fruchtknoten • mit einem fädlichen Griifel, der eine schild- 
förmige Narbe trägt. Zannichellia (31). 

ß. Fruchtknoten mit 2 bis 3 iadlichen Narben. Callitriche 
(393). 
C. Land- oder Sumpfpflanzen. 

1. Blüten auf einem Kolben. 

a. Kolben an seiner Spitze ganz mit Blüten bedeckt, von grosser 
blattartiger, innen weisser Blütenscheide umgeben. Calla (103; 
VI, 1). 

b. Kolben an seiner Spitze nackt, von tutenförmiger Blütenscheide 
umgeben. Ar um (101). 

c. Kolben walzenförmig. Blüten dicht gedrängt; männliche end- 
ständig. Fruchtknoten von Borsten umgeben. Typha(29; XXI, 3). 

2. Blüten nicht auf einem Kolben stehend, von einer Hülle umgeben 
und scheinbar eine Zwitterblüte darstellend. Milchende Kräuter. 
Euphorbia (391). 

XXI, 2. Diaudria, Zweimäunige. 

Männliche Blüten mit zwei freien Staubblättern. 

A. ScliAvimmende Wasserpflanzen mit linsenförmigen, aneinandergereihten 
Blättern. Lemna (104; XXI, 1). 

B. Graspflanzen. Carex (84—95; XXI, 3). 

C. Salzwasserpflanzen mit kriechendem, oberwärts flutendem Stengel und 
grasartigen Blättern. Ruppia (32; II, 4). 

D. Bäume oder Sträucher. 

A. Nadelhölzer. Abietineae (23 — 26; XXI, 5); Cupressus. 

B. Laubhölzer. Staubblätter auf den Schuppen der Kätzchen sitzend. 
Betula (174; XXI, 5). 

XXI, 3. Triandria, Dreimfiuaige. 

Männliche Blüten mit 3 freien Staubblättern. 

A. Bäume oder Sträucher. 

A. Blüten in einem fleischigen, birnförmigen Blütenkruge. Ficus (182). 

B. Blüten in Kätzchen. Nuss geflügelt. Betula (174; XXI, 5). 

B. Kräuter. 

A. Blätter sitzend, linealisch, parallelnervig. 



— 90 — 

1. Untergetauchte Wasserpflanze mit sehr fein stachelspitzig- gezähnten 
Blättern. Hydrilla. 

2. Land- oder Sumpfpflanzen, nicht untergetauchte Wasserpflanzen. 

a. Männliche Blüten rispig, endständig; weibliche ährenförmig, 
seitenständig. Angebautes Getreide. Zea (82). 

b. Männliche und weibliche Blüten ährenförmig in der Achsel 
von Deckblättern; weibliche Blüten von einem krugförmig- ge- 
schlossenen, seltener ofienen Schlauche umhüllt. Graspflanzen. 
Cariceae (84 — 95). 

c. Männliche und weibliche Blüten übereinanderstehend, ähren- 
artige Kolben oder kugelige Knäuel bildend. Typhaceae 
(29), Sparganiaceae (30). 

B. Blätter gestielt, mit breiter Fläche. 

a. Blütenhülle von Deckblättern gestützt. Amaranthus (Albersia). 

b. Blütenhülle ohne Deckblätter. Atriplex (205). 

XXI, 4. Tetrandria, Viermäuuige. 

Männliche Blüten mit 4 freien Staubblättern. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Wurzelloser, auf Bäumen schmarotzender Strauch. Vi sc um (187; 
XXII, 4). 

B. Immergrüner Strauch mit lederigen Blättern. Buxus (394). 

C. Sommergrüne Bäume. 

a. Hülle der weiblichen Blüte vierteilig. Frucht eine zusammenge- 
setzte Scheinbeere. Morus (181). 

b. Weibliche Blüte ohne Hülle. Früchte trocken. Familie: Betu- 
laceae (174, 175). 

B. Kräuter. 

A. Männliche und weibliche Blüten mit Kelch und Blumenkrone. Zartes 
Kraut mit grasartigen Blättern. Litorella. 

B. Blüten unvollständig. 

a. Blätter mit Nebenblättern. 

1. Blüten einzeln oder in Knäueln, mit vierteiliger, krautiger 
Hülle. Staubfäden vor der Verstäubung sich elastisch streckend. 
Familie: Urticaceae (185, 186). 

2. Blüten in Köpfchen. Kelch der weiblichen Blüte krugförmig. 
Sanguisorba minor (340). 

b. Blätter ohne Nebenblätter. (Gänsefussgewächse.) Atriplex (205; 
XXI, 5); Eurotia. 



— 91 — 

XXI, 5. Pentandria bis Polyandria, Fünf- bis Yielmäunige. 

Männliche Blüten mit 5 oder mehr freien Staubblättern. 
Strenge genommen gehören auch die Pflanzen XIX, 4 hierher. 

A. Bäume. 

A. Blätter nadeiförmig. Samenanlagen nackt, nicht in einen Fruchtknoten 
eingeschlossen. Nadelholzbäume. Abietineae (23 — 26). 

B. Laubholzbäume. Samenanlagen in einem Fruchtknoten. Wenigstens 
die männlichen Blüten in Kätzchen. 

1. Frucht eine einsamige, in unregelmässig sich abschälender Haut 
sitzende Nuss, Blätter unpaar gefiedert. Juglans (171). 

2. Frucht eine einsamige, in einem Fruchtbecher sitzende Nuss. 

a. Fruchtknoten drei- und mehrfächerig. Fruchtbecher nicht blatt- 
artig. Fagaceae (176—178). 

b. Fruchtknoten zweifächerig. Fruchtbecher blattartig. Unter- 
familie: Coryleae (172—173). 

3. Frucht ohne Fruchtbecher. Blätter einfach. 

a. Blütenkätzchen walzlich. Frucht zweifächerig, geflügelt. 
Betula (174). 

b. Blütenkätzchen kugelig. Frucht einfächerig, an ihrem Grunde 
von Haaren umgeben. Platanus. 

B. Kräuter. 

A. Fruchtknoten mittel- oder unterständig. 

1. Blumenkrone fehlend. Frucht nussartig, in der erhärteten Kelch- 
röhre eingeschlossen. Sanguisorba (340). 

2. Blumenkrone vorhanden. Frucht eine Kürbisfrucht (Kürbisgewächse). 
Cucumis (558, XXI, 6); Cucurbita (XXI, 6). 

£. Fruchtknoten Avirklich oder scheinbar oberständig. 

1. Frucht eine Beere. Blüten auf kopfartigem Kolben, der von einer 
Scheide gestützt ist. Calla (103; VI, 1). 

2. Frucht eine Steinfrucht. Blüten in übereinanderstehenden, kopf- 
artigen Knäueln. Sparganium (30; XXI, 3). 

3. Frucht mehrere Balgkapseln. Fettpflanze mit fleischigen Blättern. 
Rhodiola (XXII, 7). 

4. Frucht eine Spaltfrucht. Untergetauchte Wasserpflanze. Myrio- 
phyllum (424). 

5. Frucht eine Kapsel. 

a. Frucht eine Deckelkapsel. Amaranthus (206). 

b. Frucht eine zwei- bis dreiknöpfige Kapsel mit einsamigen Fächern. 
Mercurialis (392; XXII, 8). 

6. Frucht eine Nuss oder nussartiff. 



— 92 — 

a. Wasserpflanze ; untergetauchte Blätter lanzettlich, emportauchende 
pfeilförmig. Sagittaria (38). 

b. Untergetauchte Wasserpflanze imit starren, gabelig-eingeschnitte- 
nen Blättern. Ceratophyllum (236). 

c. Lanclpflanzen. 

a. Blüten in rundlichen, eingeschlechtlichen Köpfchen. Männ- 
liche Blüten mit fünfzähniger Blütenhülle, weibliche ohne 
Hülle zu zweien in einem gemeinschaftlichen Hauptkelche 
Xanthium (577). 

ß. Blüten einzeln oder geknäuelt. Männliche Blüten mit fünf- 
zipfeliger Hülle; weibliche ohne Hülle, mit zwei Vorblättern 
(Gänsefussgewächse.) Atriplex (205), Obione. 

XXI, 6. Mouadelphia bis Polyadelphia, Ein- bis Vielbriiderige. 

A. Bäume oder Sträucher. 

A. Nadelholzpflanzen. Abietineae(23 — 26). 

B. Laubholzpflanze. Myrica (170; XXH, 4). 

B. Kräuter. 

A. Kelch und Blumenkrone unterschieden, oberständig. Frucht eine 

Beere. Familie: Cucurbitaceae (557, 558). 
JB. Blütenhülle unansehnlich oder fehlend. 

a. Blüten ährenartig auf einem Kolben. Typha (29; XXI, 3). 

b. Blüten in eingeschlechtlichen Köpfchen. Xanthium (577; XXI, 5). 

XXI, 7. Syngenesia, Verwaclisene. 

Staubbeutel in eine Röhre oder in mehrere Bündel miteinander ver- 
wachsen. 

A. Blüten einzeln, mit Kelch und Blumenkrone. Frucht eine Beere. Familie: 
Cucurbitaceae (557, 558). 

B. Blüten in geknäuelten Köpfchen, welche von grossen, dicht weisswolligen 
Blättern sternförmig umgeben sind. Leontopodium (576; XIX). 

XXII. Klasse. Dioecia, Zweihäusige.*) 

Die eine Pflanze trägt männliche, die andere weibliche Blüten. 



*) Nicht selten dürften hier vergebens einhäusige Pflanzen gesucht werden, von 
denen nur eine Blütenart vorliegt (namentlich Kätzchenträger); desgleichen Pflanzen 
der früheren Klassen, bei welchen die Staubblätter oder die Stempel verkümmert sind ; 
auch die androdioecischen und gynodioecischen Pflanzen sind meist unter den früheren 
Klassen zu suchen. 



93 



A. Auordimug nach den mänulichen ßlüten. 
1. Ordnuug: Mouaudria, Eiumäuuig^e. 

Männliche Blüten mit einem Staubblatte. 

A. Bäume oder Sträucher. 

A. Blattlose Pflanze mit schachtellialmartig gegliederten Zweigen. 
Ephedra (28). 

B. Nadelhölzer. Frucht eine Scheinbeere. Taxus (22; XXII, 10); 
Juniperus (27; XXII, 10). 

C. Laubholzpflanzen. Frucht eine Kapsel. Samen mit Haarschopf. 
Salix purpurea (161; XXII, 10) und Salix Helix. 

B. Kräuter. 

A. Untergetauchte Wassei-pflanze. Najas major (35). 

B. Landpflanze mit nadelartigen Zweigen. Asparagus (131; YI, 1). 

XXII, 2. Diaudria, Zweimännige. 

Männliche Blüten mit zwei Staubblättern. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Blätter gefiedert. Blüten in Rispen. Frucht geflügelt. Fraxinus 
(478; II, 1). 

B. Blätter einfach. Blüten in Kätzchen. Samen mit Haarschopf. 
Salix (159—167). 

B. Untergetauchte Krautpflanze mit grasartigen Blättern, Yallisneria. 

C. Linsenai-tige, auf der Oberfläche des Wassers schwimmende Pflänzchen. 
Lemna (104; XXI, 1), 

XXII, 3. Triandria, Dreimännige. 

Männliche Blüten mit 3 Staubblättern. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Blätter nadelförmig. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. Frucht 
eine Steinfrucht. Empetrum (395). 

B. Laubholzpflanzen. Blüten ohne Blumenkrone. Frucht eine Kapsel. 
Salix amygdalina (160), S. fragilis X pentandra, S. fragilis X 
alba, S. undulata. 

B. Untergetauchte Wasserpflanzen mit grasähnlichen Blättern. (Froschbiss- 
gewächse.) Hydrilla; Yallisneria (XXII, 2); Elodea (III, 1). 

C. Landpflanzen. 

A. Grasartige Pflanzen. Carex dioica (84) und C. Davalliana. 

B. Krautpflanzen. 



— 94 — 

1. Mit Nebenblättern. 

a. Nebenblätter tutenförmig. Oxyria (VI, 2). 

b. Nebenblätter nicht tutenförmig. Urtica (185; XXII, 4). 

2. Ohne Nebenblätter. 

a. Stengelblätter dreischnittig oder fiederschnittig. Frucht mit 
Federkelch. Valeriana dioica und V. tripteris (553; III, 1). 

b. Blätter nicht eingeschnitten. Frucht ohne Federkelch. Atriplex 
(205; XXI, 5). 

XXII, 4. Tetrandria, Viermännige. 

Männliche Blüten mit 4 Staubblättern. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Immergrüne, wurzellose, auf Holzgewächsen schmarotzende Sträucher 
(Mistelgewächse); Viscum (187); Loranthus (188; XXII, 6). 

B. Wurzelbesitzende, nicht schmarotzende Pflanzen. 

1. Blüte mit Kelch und Blumenkrone. Rhamnus (403; IV, 1). 

2. Blüten mit Blütenhülle. 

a. Männliche Blüten zwischen dem ausbrechenden Laube versteckt, 
mit zweiblätteriger, an der Spitze verwachsener Hülle. Hippo- 
phae (416). 

b. Männliche Blüten mit vierzähliger Blütenhülle. 

«. Männliche Blüten in langen, hängenden Kätzchen. Alnus 

(175; XXI, 4). 
ß. Männliche Blüten in kugeligen Knäueln. Morus nigra 

(181; XXI, 4). 

c. Staubblätter am Grunde der Kätzchenschuppen angeheftet. 

a. Staubblätter an ihrem Grunde mit einer Drüse. Salix 

fragilis X pentandra. 
ß. Staubblätter an ihrem Grunde ohne Drüse. Stengel, Blätter 

und Blüten mit gelben Harzpünktchen besetzt. Myrica (170). 

B. Kräuter, 

A. Mit Brennhaaren. Staubfäden bei der Verstäubung sich elastisch 
streckend. Urtica dioica (185). 

B. Ohne Brennhaare (Gänsefussge wachse). Spinacia (204); Atriplex 
(205; XXI, 5); Eurotia. 

XXII, 5. Pentandria, rünfinäniiige. 

Männliche Blüten mit 5 Staubblättern. 
A. Bäume und Sträucher. 



— 95 — 

A. Nadelhölzer. Taxus (22; XXII, 10); Juniperus (27; XXII, 10). 
S. Laubhölzer. 

1. Blätter gefiedert. 

a, Blüten rispig. Staubbeutel auf Staubfäden angeheftet. Familie : 
Anacardiaceae (396). 

b. Männliche Blüten auf fädlichen Stielen gehuschelt, mit sitzen- 
den Staubbeuteln. Negundo. 

2. Blätter nicht gefiedert. 

a. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

a. Blätter eiförmig oder elliptisch. Rhamnus cathartica (V, 1) 
ß. Blätter spitz, dreilappig. Ribes alpinum. 

b. Blüten unvollständig. Salix pentandra und S. fragilis X 
pentandra. 

B. Kräuter und Halbsträucher. 

a. Kraut. Blätter länglich -eiförmig, stumpf-dreieckig bis spiessförmig. 
Männliche Hülle oft vierteilig. Spinacia (204; XXII, 4). 

b. Kraut. Blätter fünf- bis siebenfingerig-geteilt. Männliche Hülle fünf- 
teilig. Cannabis (183). 

c. Kletternder Halbstrauch. Blätter drei- bis fünflappig. Männliche 
Hülle fünfteilig. Humulus (184). 

XXII, 6. Hexandria, Sechsmännige. 

Männliche Blüten mit 6 Staubblättern. 

A. Auf Eichen schmarotzender, wurzelloser Strauch, Loranthus (188). 

B. Nicht schmarotzende, wurzelbesitzende Pflanzen. 
Ä. Laubholz. Salix pentandra (XXII, 5). 

B. Kräuter, 

1. Windende Pflanze mit fleischigem, knolligem Wurzelstock und 
pfeil- bis herzförmigen Blättern. Tamus (136). 

2. Nichtwindende Pflanzen. 

a. Zweige (meist für Blätter gehalten), borstlich, blattartig; ent- 
wickelte Blätter fehlen, Blüten auf gegliederten Stielchen. 
Asparagus (131; VI, 1). 

b. Mit entwickelten Blättern. Blütenstielchen nicht gegliedert 
Rumex (193, 194; VI, 3), 

XXII, 7. Octandria, Achtmännige. 

Männliche Blüten mit 8 Staubblättern. 
A. Bäume oder Sträucher. 



— 96 — 

A. Kelch und Blumenkrone vorhanden. Acer (400; YIII, 1). 

B. Blüten unvollständig. 

a. Blütendeckblätter ganz. Salix pentandra (XXII, 5). 

b. Blütendeckblätter gezähnt oder geschlitzt. Populus (168, 169). 
B. Kraut mit fleischigen Blättern. Kelch und Blumenkrone vierzählig. 

Radiola. 

XXII, 8. Enneandria, Keunmäuuige. 

Männliche Blüten mit 9 Staubblättern. 

A. Laubholz. Salix pentandra (XXII, 5). 

B. Wasserpflanze mit kreisrunden, an ihrem Grunde herzförmigen, schwim- 
menden Blättern. Hydro charis (40). 

C. Landpflanze mit eilanzettlichen Blättern. Mercurialis (392). 

XXII, 9. Decaiidria bis Poljaudria, Zehn- bis VielmSnnige. 

Männliche Blüten mit 10 oder mehr Staubblättern. 

A. Blüten mit 10 Staubblättern. 

A. Blüten mit Kelch und Blumenkrone. 

1. Kelch röhrig, 5 zähnig (Leimkrautgewächse). Silene otites (X, 3); 
S. inflata (X, 3); Melandryum (211). 

2. Kelch 4- bis 5 zipfelig; Zipfel nur am Grunde verbunden. Heli- 
anthus (221; X, 3). 

B. Blüten mit Blütenhülle. 

1. Laubholzpflanze. Salix pentandra (XXII, 5). 

2. Krautpflanze. Mercurialis (392; XXII, 8). 

B. Blüten mit 12 bis 20 Staubblättern. 

A. Schlammpflanze mit schwertförmigen, scharf-stachelig-gesägten Blät- 
tern. Stratiotes (41). 

B. Blätter drei- bis mehrfach-fiederschnittig. Aruncus. 

C. Blätter lanzettlich oder eilänglich. Mercurialis (392; XXII, 8). 

D. Nadelholzpflanzen. Taxus (22; XXII, 10); Juniperus (27; XXII, 10). 

C. Mit 20 und mehr dem Blütenboden eingefügten Staubblättern. 

A. Laubholzpflanze. Populus nigra (169). 

B. Kleiner Strauch mit herz-nierenförmigen, fünflappigen Blättern. 
Rubus chamaemorus. 

C. Kraut mit drei- bis mehrfach fiederschnittigen Blättern. Aruncus. 
2). Schlammpflanze mit schwertförmigen, scharf-stachelig-gesägten Blät- 
tern. Stratiotes (41). 



— 97 — 

XXII, 10. Monadelphia bis Triadelphia, Ein- bis Dreibrüderige. 

Staubfäden in ein bis drei Bündel miteinander vereinigt. 

A. Staubfäden in ein Bündel vereinigt. 

A. Nadelhölzer. 

Taxus (22); Juniperus (27). 

B. Laubhölzer. 

a. Blüten in Kätzchen. Salix purpurea (161). 

b. Blüten einzeln, anscheinend mitten auf der Blattfläche. Ruscus 
(132). 

C. Blattloser Strauch mit schachtelhalmartig gegliederten Zweigen. 
Ephedra (28). 

Z). Rankende Krautpflanze. Bryonia (557). 

B. Staubfäden in drei Bündel vereinigt. Rankende Krautpflanze. Bryo- 
nia (557). 

XXII, 11. Syngenesia, Verwachsene. 

Staubbeutel in eine Röhre vereinigt. 
Blüten in Köpfchen (Köpfchenträger). 
Antennaria (576); Filago (574). 

B. Anordnung ohne Rücksicht auf die männlichen Blüten. 

A. Bäume und Sträucher. 

A. Wurzellose, auf Holzpflanzen sitzende Schmarotzer. 
Familie: Loranthaceae (187, 188). 

B. Samenanlagen nackt, nicht in einen Fruchtknoten eingeschlossen. 
(Nadelhölzer). Taxus (22); Juniperus (27). 

C. Samenanlagen in einem Fruchtknoten. Laubhölzer. 

1. Blüten anscheinend mitten auf der ßlattfläche. Ruscus (132). 

2. Blüten nicht scheinbar der Blattfläche aufsitzend. 

a. Blätter nadeiförmig. Empetrum (395). 

b. Blätter laubartig. 

a. Blätter gefiedert. 

(a.) Frucht eine Steinfrucht. Familie: An acardia ceae (396). 

(b.) Frucht einflügelig. Fraxinus (478). 

(c.) Frucht zweiflügelig, in 2 einflügelige Teilfrüchte zer- 
fallend, Negundo. 
ß. Blätter einfach. 

Thome, Flora. I. 7 



— 98 — 

(a.) Frucht zweiflügelig, in 2 einflügelige Teilfrüchte zer- 
fallend. Acer (400). 
(b.) Frucht beeren- oder steinbeerenartig. 

aa. Frucht aus mehreren, kleinen Beeren zusammengesetzt. 
a. Baum mit unvollständigen Blüten. Morus (181). 
6. Kleiner Strauch. Blüten mit Kelch und Blumen- 
krone. Rubus chamaemorus. 
bb. Frucht eine Beere. Ribes alpinum. 
cc. Frucht mit einem oder mehreren Steinen. 

a. Blätter lineal-lanzettlich, unterseits dicht mit 
silberweissen und bräunlichen Schuppen besetzt. 
Hippophae (416). 
&. Blätter länglich-lanzettlich bis rundlich; unterseits 
nicht mit Schuppen besetzt. Rhamnus. 
dd. Frucht eine Kapsel. Samen an ihrem Grunde mit 
Haarschopf. (Weidengewächse.) 
Populus nigra (169); Salix amygdalina (160). 
S. Helix, S. fragilis X alba, S. fragilis X pent- 
andra, S. pentandra, S. purpurea, S. undulata 
ee. Frucht eine nicht oder nur schwach geflügelte Nuss, 
oder durch vergrösserte Schuppen steinfruchtartig. 
a. Stengel, Blätter und Blüten mit gelben Harz- 
pünktchen besetzt und dadurch stark aromatisch. 
Myrica (170). 
h. Nicht mit solchen Harzpünktchen besetzt. Alnus 
(175). 
B. Kräuter oder Halbsträucher. 

A. Kletternde oder windende Pflanzen. 

1. Weibliche Blüten in Kätzchen. Fruchtknoten oberständig. Ku- 
mulus (184). 

2. Weibliche Blüten in Trauben oder Trugdolden. Fruchtknoten 
unterständig. Frucht eine Beere. 

a. Stengel mit Ranken versehen. Bryonia (557). 

b. Stengel rankenlos. Tamus (136). 
IB. Wasserpflanzen. 

1. Linsenförmige, auf der Wasseroberfläche schwimmende Pflänzchen. 
Lemna (104). 

2. Grössere Pflanzen mit wohl entwickelten Blättern. 



— 99 — 

a. Weibliche Blüte ohne Hülle. Najas (35). 

b. Blütenhülle aus zwei Kreisen, einem kelchartigen und einem 
blumenkronartigen Kreise gebildet. Familie: Hydrocharita- 
ceae (40, 41). ' 

C. Grasartige Pflanzen. Carex dioica (84) und C, Davalliana. 

D. Nicht windende oder rankende oder grasartige Pflanzen. 

1. Fruchtknoten unterständig. 

a. Blüten in einem Köpfchen mit gemeinsamem Hüllkelche. 
(Köpfchenträger.) 

Antennaria (576); Filago (574). 

b. Blüten in Trugdolden. Valeriana (553). 

2. Fruchtknoten oberständig. 

a. Blüten vollständig mit Kelch und Blumenkrone. 
a. Frucht mehrere Balgkapseln. 

(a.) Blätter einfach, fleischig. Rhadiola. 
(b.) Blätter drei- bis mehrfach -fiederschnittig. Aruncus. 
ß. Frucht eine Kapsel. 

(a.) Fruchtknoten gestielt (Leimkrautgewächse). 

Melandryum (211); Silene otites und S. inflata. 
(b.) Fruchtknoten nicht gestielt. Helianthus (221). 

b. Blüten mit Blütenhülle. 

a. Pflanze mit pfriemlichen, vielfach für die Blätter angesehenen 
Zweigen und schuppenartigen Blättern. Asparagus (131). 
ß. Pflanzen mit flachen Blättern. 

(a.) Blätter mit tutenförmigen Nebenblättern. Oxyria. 
(b.) Blätter nicht mit tutenförmigen Nebenblättern. 

aa, Fruchtknoten mit einer pinseligen Narbe. Familie: 

Urticaceae (185, 186). 
bb. Fruchtknoten mit drei, seltener mit zwei pinseligen 

Narben. Rumex (193, 194). 
cc. Narben nicht pinselig. 

aa. Blätter fünf- bis siebenfingerig-geteilt. Canna- 

bis (183). 
ßß. Blätter nicht fingerig-geteilt (Gänsefussgewächse) 
Spinacia (204); Atriplex (205); Eurotia. 

XXIII. Klasse. Polygamia, Vielehige. 

Dieselbe Pflanze besitzt neben Zwitterblüten auch noch Staubblatt- und 
Stempelblüten oder nur eine Art dieser Blüten. 



— 100 — 

Diese Klasse wird jetzt ganz aufgegeben und man verteilt die dahin 
zählenden Pflanzen nach dem Baue ihrer Zwitterblüten in die anderen 
Klassen. 

Hierher gehören die androdiöcischen, gynodiöcischen und die pleogamen 
Pflanzen (vergl. Seite 34 und 35), streng genommen auch zahlreiche 
Köpfchenträger. 

XXIV. Klasse. Cryptogramia, Blütenlose Pflanzen. 

Hierher die Sporenpflanzen. 

1. Ordnung: Filices, Farnpflanzen. 

Diese Ordnung wird gebildet von den Farnkräutern (1 — 17), 
Schachtelhalmen (18) und Bärlappen (19 — 21). 

Zu den weiteren Ordnungen gehören die in dem vorliegenden Buche 
nicht behandelten Moose, Algen, Flechten, Pilze n. s. w. (vergl. 
Seite 1). 



Sachregister 

des allgemeinen Teiles. 



A. 

Abteilung 57. 

Achene 53. 

Achse, absteigende 55, 

— aufsteigende 55. 
Achselknospen 13, 14. 
Achtmännige 59. 
Adern 11. 
Adventivknospe 14. 
Ähre 21. 
Ährendolde 22. 
Ährenköpfchen 22. 
Ährenrispe 22. 
Ährentraube 22. 
Äste 3. 

— angedrückte 4. 

— aufrechte 4. 

— gespreizte 4. 

— hängende 4. 

— wagerechte 4. 
Agamomonoecie 33. 
Androdioecie 34. 
Andromonoecie 33. 
Anemophile 39. 
Angiospermia 83. 
Anpassung 45. 
Antheren 27. 
Arillus 55. 

Art 56. 

Assimilieren 22. 
Aufblühen 21, 37. 
Augen 1, 2, 14. 



Augenfälligkeit 41. 
Ausläufer 4, 51. 
Aussenseite 20. 
Auto-Allogamie 33. 
Autocarpie 32. 
Autogamie 32. 
Autosterilität 32. 

B. 

Balgfrucht 53. 
Bastard 51. 
Bastardbildungen 51. 
Bauchseite 20. 
Baum 3. 
Beeren 54. 
Beerenfrüchte 54. 
Bedecktsamige 83. 
Befruchtung 30. 
Bestäubung 28, 31. 
Binsenhalm 3. 
Blättchen 9. 
Blätter, abvs'echselnde 12. 

— gegenständige 12. 

— kreuzständige 12. 

— ungleich-gestaltete 11. 

— wirtelständige 12, 

— wurzelständige 2. 

— zerstreute 12. 
Blatt 4, 55, 

— abgestumpftes 7. 

— abwechselnd -gefiedertes 
10. 



Blatt, ausgerandetes 7. 

— begranntes 7. 

— blattstielloses 6. 

— bogennerviges 11. 

— buchtiges 8. 

— doppelt-dreizähliges 10. 

— doppelt-fiederschnittiges 
9. 

— doppelt-fiederteiliges 9. 

— doppelt-gefiedertes 9, 10. 

— dreieckiges 7. 

— dreifach-fiederschnittiges 
9. 

— dreizähliges 9. 

— durchwachsenes 6, 

— ebenes 8, 

— eiförmiges 6. 

— eilanzettliches 7. 

— einfaches 9. 

— elliptisches 6. 

— eingerolltes 8, 

— eingeschnittenes 8, 

— fiedernerviges 11. 

— tied erschnittiges 9. 

— fiederteiliges 9. 

— fingerförmiges 9. 

— fleischiges 11. 

— fussförmiges 9. 

— fussnerviges 11 

— ganzher ablaufend es 6. 

— ganzes 8. 

— gefaltetes 8. 



— 102 



Blatt, gefiedertes 9. 

— gefingertes 9. 

— gegenüberstehend-gefie- 
dertes 10. 

— geigenförmiges 7. 

— gelapptes 8 

— geöhreltes 6. 

— geehrtes 6. 

— Gesamtumriss 9. 

— gespaltenes 8. 

— gestieltes 5. 

— gestutztes 7. 

— geteiltes 8. 

— Grund des — 6. 

— grundständiges 2. 

— halbstengelumfassendes 6. 

— bandförmiges 9. 

— bandförmig-eingeschnit- 
tenes 9. 

— bandförmig-gelapptes 9. 

— bandförmig-geteiltes 9. 

— bandnerviges 11. 

— berablaufendes 6. 

— berzförmiges 7. 

— keilförmiges 6. 

— krauses 8. 

— krautiges 11. 

— kreisrundes 6. 

— länglicbes 7. 

— lanzettlicbes 7. 

— lederartiges 11. 

— leierförmiges 9. 

— lineales 6. 

— Hneal-lanzettlicbes 7. 

— nierenförmiges 7. 

— ovales 6. 

— panacbiertes 12. 

— parallelnerviges 11. 

— paarig-gefiedertes 10. 

— pfeillbrmiges 7. 

— rbombenfbrmiges 7. 

— rundes 6. 

— runzeliges 8. 

— saftiges 11. 

— scbildförmiges 7. 

— scbUdn erviges 11. 

— scbmal-lanzettlicbes 7. 

— schrotsäge^örmiges 9. 



Blatt, schwertförmiges 7. 

— schwimmendes 11. 

— sitzendes 5, 6. 

— spitzes 7. 

— spateiförmiges 6. 

— spiessförmiges 7. 

— stacheliges 7. 

— stengelumfassendes 6. 

— stumpfes 7. 

— symmetrisches 11. 

— umgekehrt-eiförmiges 7. 

— umgekeart-herzfÖrmiges7. 

— umgerolltes 8. 

— ungeteiltes 8. 

— unpaarig-gefiedertes 10. 

— unsymmetrisches 11. 

— unterbrochen-gefiedertes 
10. 

— untergetauchtes 11. 

— verwachsenes 6. 

— vielfach- zusammengesetz- 
tes 10. 

— vierfach-fiederschnittiges 
9. 

— walzenförmiges 5. 

— welliges 8. 

— zerschlitztes 9. 

— zugespitztes 7. 

— zurückgerolltes 8. 

— zusammengesetztes 9. 
Blattabscbnitte 9. 
Blattachsel 13, 14. 
Blattadern 10. 
Blattcyclus 13. 
Blattdorn 4. 
Blattfarbe 12. 

— Änderung derselben 12. 

— Ursache derselben 12. 
Blattfläche 5, 6. 
Blattgebilde 1, 4. 
Blattgelenk 5, 9. 
Blattgrün 12. 
Blattgrund 6. 

— abgerundeter 7. 

— herzförmiger 6, 7. 

— keilförmiger 6. 

— nierenförmiger 7. 

— pfeilförmiger (i, 7. 



Blattgrund, spiessförmiger 
6, 7. 

— verschmälerter 6. 

— zugespitzter 6. 
Blatthäutchen 10. 
Blattkissen 5. 
Blattknospe 14. 
Blattlappen 8. 
Blattnarbe 5. 
Blattrand 8. 

— ausgebissener 8. 

— ausgefressener 8. 

— doppelt-gesägter 8. 

— dorniger 8. 

— domig-gewimperter 8. 

— drüsiger 8. 

— drüsig-gesägter 8. 

— drüsig-gezähnter 8. 

— ganzer 8. 

— gekerbter 8. 
— • gesägter 8. 

— geschweifter 8. 

— gewimperter 8. 

— gezähnelter 8. 

— gezähnter 8. 

— rauher 8. 

— scharfer 8. 
Blattranke 4. 
Blattrippen 10. 
Blattscheide 5. 

— geschlossene 5. 

— gespaltene 5. 
Blattspindel 9. 
Blattspirale 13. 

— links-gewuudene 13. 

— links-läufige 13. 

— rechts-gewundene 13. 

— rechts-läufige 13. 
Blattspitze 7. 
Blattspreite 5, G. 
Blattstellung 12. 
Blattstiel 5. 

— flacher 5. 

— geflügelter 5. 

— halbwalzenförmiger 5. 

— riemenförmiger 5. 

— walzenförmiger 5. 
Blattstielchen 9. 



103 



Blattteile 9. 
Blattwirbel 13. 
bleiche Pflanzen 12. 
Blüte 18. 

— Aufgabe der 18. 

— bodenblütige 19. 

— diklinische 19. 

— gefüllte 28. 

— gestielte 17. 

— kelchblütige 19. 

— kronenblütige 19. 

— männliche 18. 

— regelmässige 19. 

— sitzende 17. 

— sterile 19. 

— symmetrische 20. 

— unfruchtbare 19. 

— unregelmässige 20. 

— unvollständige 18. 

— vielstempelige 29. 

— vollständige 18. 

— weibliche 18. 

— zwitterige 18. 

— zygomorphe 20. 
Blütenblätter 4. 
Blütenboden 19. 
Blütendeckblatt 20. 
Blütendecken 17. 
Blütengrundriss 20, 
Blütenform 36. 
BlütenhüUe 17, 26. 

— blumenkronartige 26. 

— kelch artige 26. 

— schuppenförmige 26. 

— spelzartige 26. 
Blütenknospe 14. 
Blütenkörbchen 21. 
Blütenkrug 21. 
Blütenlängsschnitt 20. 
Blütenlose 100. 
Blütenstand 20. 

— achselständiger 21. 

— botrytischer 21. 

— cymöser 21. 

— einfacher 21. 

— endständiger 21. 

— traubiger 21. 

— trugdoldisrer 21. 



Blütenstand, zusammenge- 
setzter 22. 
Blütenstaub 27, 28. 
Blütenverein 60, 86. 
Blume 40. 
Blumenblätter 24. 

— genagelte 25. 

— Gestalt 24. 

— SteUung 24. 

— Zahl 24. 

Blumengesellschaften 46. 
Blumenkrone 17, 24. 

— bunte 24. 

— farblose 24. 

— getrennt-blättrige 24. 

— glockenförmige 24. 

— kugelförmige 24. 

— krugförmige 24. 

— maskierte 24. 

— mützenförmige 25. 

— präsentiertellerförmige 
24. 

— rachenformige 24. 

— radfÖrmige 24. 

— röhrenförmige 24. 

— sternförmige 24. 

— trichterige 24. 

— vergrünte 24. 

— verwachsenblätterige 24. 

— walzliche 24. 

— zungenfbrmige 24. 

— zweilippige 24. 
Borsten 17, 50. 
Braktee 20. 
Brennhaare 17. 
Bruchfrucht 53. 
Brutknospe 15, 51. 
Brutstätten 43. 
Brutzwiebel 15, 51. 
Büchsenfrucht 54. 
Büschel 22. 

c. 

Calycifloren 19. 
Caryopse 53. 

centripetales Aufblühen 21. 
centrifugales Aufblühen 21. 
Chasmogamie 32. 



Chasmo-Kleistogamie 33. 
Chlorophyll 12. 
CoroUifloren 19. 
Cryptogamia 100. 

D. 

Decandria 59, 78, 86, 96. 
Deckblätter 13, 21. 
Diadelphia 59, 85. 
Diagramm 20. 

Diandria 58, 62, 88, 89, 93. 
Dichasienkätzchen 22. 
Dichasium 22. 
Dichogamie 32. 
Didynamia 59, 83. 
Di-Entomophilie 33. 
Digynia 62, 63, 64, 67, 71, 

75, 77, 79, 82, 83. 
diklinisch 19. 
Dimorphismus 34. 
Dioecia 60, 92. 
Dioecie 34. 
Diskus 28. 
Dodecandria 59, 81. 
Dolde 21. 
Doldenrispe 23. 
Doldentraube 22. 
Doppelwickel 22. 
Dorn 4. 

Dreibrüderige 97. 
Dreimännige 58, 64, 89, 93. 
Dreiweibige 62, 65, 68, 72, 

75, 77, 80, 82. 
Dreierleiblütig-Einhäusige33. 
Dreigestaltige 34. 
Dreihäusige = Trioecie 35. 
Drüsen 17. 
Drüsenhaare 17. 
Duft 17, 41. 

E. 

Ebenstrauss 22. 
Eigentlich-Einhäusige 33. 
Eigentlich-Zweihäusige 34. 
EihüUe 30, 54. 
Einbrüderige 59, 84, 97. 
EingestaltHche Blüten 32. 
Einsrestaltliche Pflanzen 31. 



— 104 



Einhäusige 33. 
Einhäusigkeit 36. 
Einmännige 58, 61, 88, 93. 
Einweibige 61, 62, 64, 65 

69, 74, 76, 78, 81, 83. 
Ekelblumen 48. 
Embryo 55. 
Endknospe 14. 
Enneandria 59, 78, 96. 
Erstmännliche 32. 
Erstweibliche 82. 

F. 

fachspaltig 54. 
Fahne 25. 
Fallenblumen 48. 
Falterblumen 47. 
Familie 57. 
Federchen 55. 
Fettpflanzen 11. 
Fieder 10. 
Fiederblättchen 9. 
Fiederchen 10. 
filzig 17. 
flaumhaarig 17. 
flaumig 17. 
Fliegenblumen 48. 
flockig 17. 
Flügelfrucht 53. 
Fremdbestäubung 31. 
Frucht 30, 52. 

— falsche 52. 
Fruchtauge 14. 
Fruchtblatt 29. 
Fruchtblattvorreife 32. 
Fruchtboden 19. 
Fruchtfach 52. 
Fruchtfleisch 52. 
Fruchtkelch 24. 
Fruchtknoten 29. 

— einfächeriger 29. 

— fünffächeriger 29. 

— mittelständiger 19. 

— Naht des 29. 

— oberständiger 19. 

— unterständiger 19. 

— zweifächeriger 29. 
Fruchtknotenfächer 29. 



Fruchtknotenhöhle 29. 
Fruchtschale 52. 
Fruchtstand 52. 
Fruchtstein 52. 
Fünfmännige 59, 69, 84, 91, 

94. 
Fünfweibige 73, 81. 

G. 

gabelförmig 3. 
Gattung 56. 
Gaumen 24. 
Gelenk 9. 
Genua 56. 

Geschlossenblütige 32. 
Gipfelknospe 14. 
Grasfrucht 53. 
Grashalm 3. 
Griffel 29. 

— endständiger 29. 

— seitenständiger 29. 
Gruppe 57. 
Gymnospermia 83. 
Gynodioecie 34. 
Gynandria 60. 
Gynomonoecie 33. 

H. 

Haare 17, 50. 
Haargebilde 17. 
Habitus 3. 
Halbparasiten 12. 
Halbschmarotzer 12. 
Halbstrauch 3. 
Halbunterständig 19. 
Halteplatz 40. 
Hauptachse 3, 21. 
Hauptnerv 11. 
Hauptwurzel 1. 
Haustorien 12. 
Heptandria 59, 76. 
Herkogamie 32. 
Heterodichogamie 34. 
Hetero-distylie 34. 
Heterostylie 34, 38. 
Hetero-tristylie 34. 
Hexandria 59, 74, 85, 88, 95. 
Hexagynia 78. 



Hochblätter 4, 13. 
Holzstamm 3. 
homogam 31. 
Homogamie 31. 
Homo-Dichogamie 33. 
Honig 26, 42. 
Honigblumen 46. 
Honigdrüsen 26. 
Hüllblätter 14. 
Hülle 14. 
Hülse 53. 
Hybrida 51. 
Hydrophile 39. 

I. 

Icosandria 59, 82. 
Immenblumen 46. 
Immergrün 11. 
Inflorescens 20. 
Innenseite 20. 
Insektenblütler 28, 40. 
Insertion 19. 
Joch 10. 

K. 

Kätzchen 21. 
Kapsel 54. 
Keim 55. 
Keimbildung 30. 
Keimblätter 4. 
Keimling 30, 55. 
Keimmund 30. 
Kelch 17, 23. 

— abfallender 23. 

— aufgeblasener 23. 

— ausgebreiteter 23. 

— bauchiger 23. 

— bleibender 23. 

— einblättriger 23. 

— einfacher 23. 

— gefärbter 23. 

— gespaltener 23. 

— gespornter 23. 

— geteilter 23. 

— gezähnter 23, 

— glockiger 23. 

— grüner 23. 

— hinfälliger 23. 



105 



Kelch, keulenförmiger 23. 

— krugfönniger 23. 

— oberständiger 19. 

— radförmiger 23. 

— regelmässiger 23. 

— röhriger 23. 

— stemfönniger 23. 

— trichterförmiger 23. 

— umständiger 19. 

— unregelmässiger 23. 

— unterständiger 19. 

— verwachsenblättriger 23. 

— vielblättriger 23. 

— walzenförmiger 23. 

— zweüippiger 23. 

— zweireihiger 23. 

— zweisackiger 23. 
Kelchblütige 19. 

Kern der Samenanlage 30 
Kiel 25. 

Klammerwurzel 1. 
Klasse 57. 

Kleistogamie 32, 33. 
Kletterwurzel 1. 
Knäuel 22. 
Knolle 2. 
Knollenzwiebel 2. 
Knospen 14. 
Knospendecke 15. 
Knospendeckung 16. 

— abwechselnde 16. 

— dachziegelige 16. 

— gedrehte 16. 

— fahnenförmige 16. 

— fünf schichtige 16. 

— gerollte 16. 

— klappige 16. 

— übergreifende 16. 

— umfassende 16. 

— zerknitterte 16. 
KjQOspengrund 30. 
Knospenhülle 15. 
Knospenkern 30, 54. 
Knospenlage 16. 

— einfach-gefaltete 16. 

— eingerollte 16. 

— flache 16. 

— gedrehte 16. 



Knospenlage, geroDte 16. 

— schneckenförmige 16. 

— vielfach-gefaltete 16. 

— zerknitterte 16. 

— zurückgerollte 16. 
Knospenschuppen 15. 
Knoten 3. 
Köpfchen 21. 
Köpfchenähre 22. 
Köpfchendolde 22. 
Köpfchenrispe 22. 
Köpfchenspirre 22. 
Kolben 21. 
Kornfrucht 53. 
Korolle 24. 
Kotyledonen 4. 

— Zahl derselben 5. 
Kraut 3. 
Krautstengel 3. 
Kreuzblume 25. 
Kreuzbestäubung 31. 
Kreuzung 31. 

Kreuzungsvermittler 42. [^-j^ 
Krönchen 25. 
kronenblütig 19. 
Kugelköpfchen 21. 
Kurztrieb 15. 

L. 

Langtrieb 15. 
Laubblätter 4, 5. 
legumen 53. 
Leimruten 50. 
linksgewunden 13. 

M. 

männliche Blüte 18. 
männliche Organe 18. 
Männlich-Einhäusige 33. 
Männlich-Zweihäusige 34. 
mehlstaubig 18. 
Mehrgestaltliche Blüten 32. 
Mehrgestaltliche Pflanzen 33. 
Mikropyle 30. 
Mischling 51. 
Mittelband 27. 
Mittelnerv 11. 
Mittelsäulchen 30. 



mittelständig 19. 
Mittelstöcke 2. 
Monadelphia 59, 84, 92, 97. 
Monandria 58, 61, 88, 93. 
Monoecia 60, 88. 
Monoecie 33. 
Monogamia 87. 
Monogynia 61, 62, 64, 65, 

69, 74, 76, 78, 81, 82, 83. 
Monomorphe Blüten 32. 

— Pflanzen 31. 
Mützenblume 25. 

N. 

Nabel 55. 
Nachstäubende 32. 
Nacktsamige 83. 
Nadel 7. 
Nährgewebe 85. 
Nagel 25. 
Narbe 29. 

— blattförmige 29. 

— fadenförmige 29. 

— federige 29. 

— napfförmige 29. 

— pinselförmige 29. 

— röhrige 29 

— schildförmige 29. 

— walzliche 29. 

— warzige 29. 

— zweilappige 29. 
Nebenblätter 10. 
Nebenknospe 14. 
Nebenkrone 25. 
Nebenwurzeln 1. 
Nektar 26. 
Nektarien 26. 
Nelkenblume 25. 
Nerv 11. 

Neunmäruoige 59. 
Niederblätter 2. 
Nüsschen 53. 
Nuss 53. 

0. 

Obdach 43. 
Oberlippe 24. 
oberständig 19. 



— 106 — 



Octandria 59, 76, 85, 86, 95. 
Offenblütige 32. 

P. 

Pappus 24. 
Parasiten 12. 

Pentandria 59, 69, 84, 91, 94. 
Pentagynia 73, 81. 
Perigon 17. 
Pfahlwurzel 1. 
Pflanzenart 56. 
Pflanzensystem 57. 

— künstliches 57. 

— Linne'sches 58. 
• — natürliches 57. 
PistiU 28. 
Platzwechsel 38. 
Plazenta 30. 
Pleistogamie 35. 
Pleogamie 35. 
Pleomorphe Blüten 32. 
Pleomorphe Pflanzen 33. 
Pollen 28. 
Pollenblumen 46. 
Pollenschlauch 31. 
Pollinarium 28. 
Polyadelphia 60, 86, 92. 
Polyandria 59, 83, 85, 91, 96. 
Polygamia 60, 86, 99. 
polygamische Pflanzen 19. 
Polygynia 74, 81, 82, 83. 
Porenkapsel 54. 
Präpotenz 37. 
Protandrie 32. 
Proterandrie 32. 
Proterogynie 32. 
Protogynie 32. 
Proventivauge 14. 

Quirl 21. 
quirlförmig 3. 

B. 

Ranke 4, 10. 
rauh 17. 

rechtsgewunden 13. 
Reif 17. 



Reihe 57. 
Rhizom 2. 
Rippen 11. 
Rosenblume 25. 
Rückenseite 20. 

S. 
Säum-Auge 14. 
Saftmal 24, 27. 
Same 30, 54. 
Samenanlage 30. 

— aufrechte 30. 

— gegenläufige 30. 

— geradläufige 30. 

— hängende 30. 

— krummläufige 30. 

— umgewendete 30. 
Sameneiweiss 55. 
Samenkern 54, 55. 
Samenlappen 4. 
Samenleiste 30. 
Samenmantel 55. 
Samenschale 54. 
Samenstand 53. 
Sammelfrucht 52. 
Saugwurzel 1, 12. 
Schaft 3. 

Schauapparate 41. 
Scheinfrucht 52. 
Schiffchen 25. 
Schlafauge 14. 
Schlauchfrucht 53. 
Schliessfrucht 53. 
Schmarotzer 12. 
Schmetterlingsblume 25. 
Schnabel 25. 
Schneckenblütler 40. 
Schötchenfrüchtige 84. 
Schote 53. 

Schotenfrüchtige 84. 
Schraubel 22. 
Schuppe 17. 

Schutzmittel der Blüten 49. 
Sechsmännige 59. 
Sechsweibige 78. 

Segel 25. 
seidenhaarig 17. 
Seitenachsen 3, 21. 



Seitenknospen 14. 
Seitenrippen 11. 
Selbstbestäubung 31. 
selbsteril 31. 
Selbstfruchtbare 32. 
Selbstunfruchtbare 31, 32. 
Siebenmännige 59. 
Siliculosae 84. 
siliqua 53. 
Siliquosae 84. 
sommergrün 11. 
Spaltfrucht 53. 
species 56. 
Spindel 21. 
spinnwebig 17. 
Spirre 23. 
Sporenpflanzen 60. 
Sporn 23. 
Spreite 6. 
Spreublätter 14. 
Springfrucht 53. 
Spross 15. 
Stachel 4, 17, 50. 
Stamm 3, 57. 
Stammknospe 14, 16, 55. 
Staubbeutel 27. 
Staubbeutelfächer 28. 
Staubblätter 17. 
Staubblattblüte 18. 
Staubblattvorreife 32. 
Staubfaden 27. 
Staubweg 29. 
Staude 3. 
Steckling 51. 
Stein der Frucht 52. 
Steinapfel 54. 
Steinfrucht 54. 
Stempel 17, 28. 

— einfacher 29. 

— zusammengesetzter 29. 
Stempelblüte 18. 
Stempelständige 60. 
Stengel 2. 

— aufrechter 4. 

— aufstrebender 4. 

— blattartiger 3. 

— eckiger 3. 

— elliptischer 3. 



107 — 



Stengel, fadenförmiger 3. 

— flutender 4. 

— geflügelter 6. 

— geknieter 4. 

— gerillter 3. 

— hängender 4. 

— kantiger 3. 

— kegelförmiger 3. 

— kletternder 4. 

— kreisrunder 3. 

— kriechender 4. 

— liegender 4. 

— nickender 4. 

— niedergestreckter 4. 

— oberirdischer 2. 

— rippiger 3. 

— überhängender 4. 

— unterirdischer 2. 

— walzenförmiger 3. 

— windender 4. 

— zusammengedrückter 3. 
Steugelgebilde 2. 
Stengelglied 3. 
stengellose Pflanzen 2. 
Stengelranke 4. 

Stock 3. 

Stockausschlag 14. 
Strauch 3. 
Syngenesia 60, 86, 92, 97. 

— aequalis 86. 

— frustranea 87. 

— necessaria 87. 

— segregata 87. 

— superflua 86. 

T. 

Täuschblumen 48. 
Tetradynamia 59, 84. 
Tetragynia 63, 65, 68, 73, 

77, 80, 82. 
Tetrandria 58, 65, 84, 90, 

94. 
Thalamifloren 19. 
Tierblütige 39, 40. 
Tierblütler 39. 
Tracht 3. 
Tragblatt 20, 21. 
Tragknospe 14. 



Traube 21. 

Triadelphia 97. 

Triandria 58, 64, 89, 93. 

Trieb 15. 

Trigyjiia 62, 65, 68, 72, 75, 

77, 80, 82. 
Trimonoecie 33. 
Trimorphismus 34. 
Trioecie 35. 
Trugdolden 22. 

— eigentliche 22. 

— einspaltige 22. 

— vielspaltige 22. 

— zweispaltige 22. 
Tute 5. 

U. 

umständig 19. 
Unfruchtbar-Einhäusige 33. 
Ungleichzeitiges Aufblühen 

32. 
Unterlippe 24. 
unterständig 19. 

V. 

Verbreitungsmittel 55. 
Veredelung 51. 
Vergrünen 24. 
Vermehrung 51. 
Verschiedengriffeligkeit 34, 

38. 
Vielbrüderige 60. 
Vielehige 60. 
Vielgestaltigkeit 35. 
Vielmännige 59. 
Vielstempelige 59. 
Vielweibige 74, 81. 
Viermächtige 59, 82, 83. 
Viermännige59, 65, 84,90,94. 
Vierweibige 63, 65, 68, 73, 

77, 80, 82. 
Vogelblütler 40. 
Vorblätter 13. 
Vorstäubende 32. 

W. 

Wachsüberzüge 17. 
wandbrüchig 54. 
wandspaltig 54. 



Wasserblütige 39. 
Wasserblütler 39. 
Wasserloden 15. 
Wassertriebe 15. 
Wasserwurzel 1. 
weibliche Blüte 18. 
weibliche Organe 18. 
Weiblich-Einhäusige 33. 
Weiblich-Zweihäusige 34. 
Wickel 22. 
Wickelrispe 22. 
Wickeltraube 22. 
Windblütige 39. 
Windblütler 28, 39. 
Wirtel 21. 
wirteiförmig 3. 
Würzelchen 55. 
Wurzel 1. 

— abgebissene 2. 

— ausdauernde 2. 

— büschelige 2. 

— einjährige 2. 

— fadenförmige 2. 

— fleischige 2. 

— holzige 2. 

— knollige 2. 

— rübenförmige 2. 

— spindelförmige 2. 

— walzenförmige 2. 

— zweijährige 2. 
Wurzelausschlag 14. 
Wurzelblätter 2. 
Wurzelgebilde 1. 
Wurzelhaare 1, 17. 
Wurzelhaube 1. 
Wurzelknospe 14, 55. 
Wurzelstock 2, 51. 

— fleischiger 2, 

— hohler 2. 

— kurzer 2. 

— langgestreckter 2. 
Wurzeltrieb 14. 

Z. 

Zähne der Kapsel 53. 
Zapfen 21. 
Zaunblütige 32. 
Zehnmännige 59. 



— 108 



zerstreut 3. 
Zoidiophile 39. 
zottig 17. 

Zwanzigmäimige 59. 
Zweibrüderige 59. 
Zweigdorn 4. 
Zweige 3. 



Zweigestaltige 34. 
Zweihäusige 60. 
Zweihäusigkeit 36. 
Zweimächtige 59, 83. 
Zweimännige 58, 62, 88, 93. 
Zweiweibige 62, 63, 64, 67, 
71, 75, 77, 79, 82, 83. 



Zwiebeln 2. 
Zwiebelscliebe 2. 
Zwitterblüten 18. 
zwitterig 18. 
Zwölfmännige 59. 
zygomorph 20. 



Einteilung des Pflanzenreiches. 



Die Zahl der in unserem Gebiete vorkommenden Pflanzenarten mag 
etwa 20 000, 4 bis 5 Tausend Blütenpflanzen, 15000 und mehr Blüten- 
lose betragen. Von letzteren betrachten wir, einem gewissen Herkommen 
folgend, mit Übergehung der niederen Formen nur die Farn pflanzen, 
und wird daher hier eine kurze Andeutung der Einteilung des Pflanzen- 
reiches genügen. 

A. Die Fortpflanzung erfolgt durch Sporen, d. h. meistens mikroskopisch 
kleine und nur aus einer einzigen Zelle bestehende Organe. Blüten 
fehlen. Cryptogamae, Sporciipflaiizeii, Blüteiilose. 

1. Blattgrünlose Pflanzen, welche während der ganzen Zeit ihres Wach- 
sens aus Protoplasma bestehen; dieses ist nicht in eine Zellhaut ein- 
geschlossen und besitzt die Fähigkeit, sich fortzubewegen; wenn es 
zur Ruhe kommt und fest wird, erzeugen sich Sporenbehälter. 
Mycetoza, Schleimpflanzoii. 

2. Die Zellen besitzen Zellhäute. Der Gegensatz zwischen Achse (Wurzel 
und Stengel) und Blättern ist noch nicht vorhanden. Tliallophyta, 
Lagerpflanzeu. 

3. Der Gegensatz zwischen Achse und Blättern ist in der Regel vor- 
handen. Die Befruchtung erfolgt durch bewegliche Samenfäden. 
I^iiibryophyta ZoTdiogama: Abteilung der Samenfädeiipflaiizen. 

a. In der Pflanze finden sich eigentliche Gefässe noch nicht vor. Aus 
der Spore entwickelt sich ein Vorkeim genanntes Gebilde, welches 
aus einer Knospe die mit den Befruchtungsorganen ausgestattete 
Pflanze hervortreibt. Die befruchtete Eizelle wächst zu einer die 
Sporen enthaltenden Kapsel heran. 1. Unterabteilung: Bryopliyta, 
Muscinei, Moose. 

b. Wurzel, Stengel und Blätter, desgleichen Gefässe sind vorhanden. 
Aus den Sporen entwickeln sich mit den Befruchtungsorganen 
ausgestattete Vorkeime. Die befruchtete Eizelle wächst zu der 
sporentragenden Pflanze heran (vgl. Tafel 4). 2. Unterabteilung: 
Pteridopliyta, Grefässkryptogameii oder Fariipflaiizeii. 

Thome, Flora I. 1 



2 Einteilung. 

B. Die Fortpflanzung erfolgt durch Samen, indem der in diesen liegende, 
aus vielen Zellen bestehende und in der Regel schon Achse und ein 
oder mehr Blätter besitzende Keimling zur neuen Pflanze heranwächst. 
Die Bildung der Samen ist die Aufgabe der zu diesem Zwecke mit 
Samenanlagen und Staubblättern ausgerüsteten Blüten. Die Befruchtung 
vollzieht sich durch Vermittelung eines Pollenschlauches, welcher aus 
einem Blütenstaubkorne hervorwächst. Abteilung: Pliaiierogamae, 
Anthophyta, Blüteiipflaiizen ; Spermapliyta, Saineiipflanzen; Em- 
l)ryopliyta-Siphoiiogama, Pollen schlaiiclipflaiizoii. 

a. Die Samenanlagen sind nicht in einen Fruchtknoten eingeschlossen, 
stehen vielmehr nackt auf schuppenförmigen Fruchtblättern oder auf 
der Blütenachse. Die Blüten sind eingeschlechtlich und bestehen 
meist nur aus Staubblättern beziehungsweise aus Samenanlagen. 
1. Unterabteilung: Grymiiospermae, Nacktsamige. 

b. Die Samenanlagen sind in einen Fruchtknoten eingeschlossen. Fast 
immer sind eine oder zwei Blütenhüllen vorhanden. 2. Unterabtei- 
lung: Aiigiosperiiiae, Beclecktsamige. 

Auf die wichtigen mikroskopischen und entwickelungsgeschichtlichen 
Einzelheiten und Unterschiede kann leider nicht näher eingegangen werden. 

Es sei hier ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass 
sich die lebendige, vielgestaltige Natur nicht in ein starres 
System einzwängen lässt; es giebt überall zahlreiche Aus- 
nahmen von der aufgestellten Begel, die nur die allgemeinen 
Verwandtschaftsverhältnisse anzugeben vermag; auch sind die 
weiterhin gegebenen Kennzeichnungen nur den Vertretern der 
einheimischen Flora angepasst und bei uns nicht vertretene 
Familien, Gattungen u. s. w. einfach übergangen. 



Cryptogamae, Sporenpflanzen, Blütenlose. 

Unterabteilung: 
Pteri(loi)Iiyta, Fariipflauzeii oder Grefässkryptogaiucii. 

Die Farnpflanzen sind vor den übrigen, niederen Blütenlosen schon 
äusserlich durcli den Besitz von Wurzeln ausgezeichnet; diese sind indes 
noch keine, die Verlängerung des Stengels darstellenden Pfalwurzeln, son- 
dern Nebenwurzeln, welche an Stelle der bald zu Grunde gehenden Haupt- 
wurzel treten. Sodann finden sich hier zuerst in der Reihe der Pflanzen 
echte Gefässe als Elemente des inneren Baues, sodass man die Farn- und 
die Blütenpflanzen auch als Gefässpflanzen den niederen, gefässlosen Pflanzen 
gegenüber stellen könnte. Vor allem gekennzeichnet sind die Farnpflanzen 
aber durch ihren Entwicklungsgang. In demselben müssen wir zwei Ab- 
schnitte oder Generationen unterscheiden: eine geschlechtliche, sporen- 
bildende, und eine ungeschlechtliche oder Vorkeirageneration. Durch die 
Keimung gehen aus den Sporen kleine. Vor keim genannte Gebilde hervor, 
auf oder in welchen die Befruchtungsorgane entstehen. In den männlichen 
Organen, den Antheridien, entwickeln sich die Samenfäden (Tafel 4, 
Fig. 4, sf.), in den weiblichen, den Archegonien, die Eizellen (Tafel 4, 
Fig. 3); die Befruchtung findet in der Weise statt, dass sich ein Samenfaden 
mit der Eizelle vereinigt. Mit dieser Vereinigung hat die erste, die Vor- 
keimgeneration, ihren Zweck erfüllt; mit der Entwickelung des befruchteten 
Eies beginnt die zweite, die sporenbildende Generation: der alsdann über- 
flüssige Vorkeim geht zu Grunde, das Ei aber wächst zu einer anfänglich 
noch mit dem Vorkeim zusammenhängenden Pflanze heran. Diese trägt 
an ihren, mitunter veränderten Blättern Sporen behalte r oder Sporan- 
gien, in denen sich die Sporen entwickeln, deren Keimung der Ausgangs- 
punkt unserer Darstellung war. — Was wir in unseren Herbarien sammeln, 
das sind die Pflanzen der sporenbildenden Generation; in der Natur ent- 
ziehen sich die oft sogar mikroskopisch - kleinen Vorkeime vollständig 
unserer Aufmerksamkeit, 

Die Farnpflanzen zerfallen zunächst in 3 Klassen : 
1. Die Sporangien entstehen zahlreich und zu kleinen Gruppen vereinigt. 
Die Blätter sind mehr oder minder reich verzweigt, selten einfach und, 

1* 



4 Filieales. 

im Verhältnis zu dem spärlich oder nicht verzweigten und ungegliederten 
Stamme, kräftig entwickelt. 1. Klasse: Filicales, Farnkräuter. 

2. Die Sporangien sitzen zu mehreren auf der Unterseite schildförmiger, in 
eine gipfelständige Ähre zusammengedrängter Blätter. Die nicht mit 
Sporangien besetzten Blätter sind gezähnte Scheiden, welche den Stengel 
an seinen Knoten umgeben. 2. Klasse : Equisetales, Schachtelhalme. 

3. Die Sporangien entspringen einzeln in den Blattachseln oder nahe am 
Grunde der Blätter auf deren Oberseite, 3. Klasse: LycojJOdiales, 
Bärlappe. 

1. Klasse: Filicales, Farnkräuter. 

Die einheimischen Farnkräuter gehören 6 Familien an : 

A. Die Pflanzen entwickeln nur eine einzige Art von Sporenbehältern und 
auch nur eine Art von Sporen. Der Vorkeim ist verhältnismässig gross 
und meist einhäusig, d. h. mit beiderlei Befruchtungsorganen ausgerüstet. 
1. Unterklasse: Isosporeae, Oleichsporis'e. 

a. Nebenblätter fehlen. Die Blätter sind im Knospenzustande nach vorne 
schneckenförmig eingerollt. Der Vorkeini ist blattgrünhaltig und 
oberirdisch. 1. Reihe: Plaiiitliallosae (mit flachem Vorkeim), Eig-ent- 
liche Farnkräuter. 

1. Die Sporenbehälter sind von einem vollständigen Ringe umgeben; 
sie sitzen auf einem über den Blattrand hinaustretenden Nerven- 
ende, sind von einem zweiklappigen Schleier umgeben und öffnen 
sich durch einen Längsriss. (Tafel 1.) 1. Familie: Hynieiiophylla- 
ceae. Hauttarne. 

2. Die Sporenbehälter besitzen einen senkrecht über den Scheitel 
laufenden unvollständigen Ring ; sie öffnen sich durch einen Quer- 
riss. (Tafel 10.) 2. Familie: Polypodiaceae, Tüpfelfarne. 

3. Die Sporenbehälter besitzen an Stelle eines Ringes in der Nähe 
ihres Scheitels eine kleine Gruppe eigentümlicher Zellen; sie öffnen 
sich an der jenen Zellen gegenüberliegenden Seite mit einem Längs- 
risse. (Tafel 14.) 3. Familie,: Osmundaceae, Rispenfarne. 

b. Nebenblätter sind vorhanden. Die Blätter stehen im Knospenzustande 
aufrecht. Der Vorkeim ist knollig, unterirdisch und blattgrünlos. 
2. Reihe: Tuherithallosae (mit knolligem Vorkeim) , Natterzungen- 
gewächse. 

Hierher 4. Familie: Ophioglossaceae, Natterzungengewächse. 

B. Die Pflanzen entwickeln in verschiedenen Sporenbehältern zweierlei 
Sporen: in den Kleinsporenbehältern (Microsporangien) zahlreiche kleine 



Hvmenophyllaceae. 5 

Sporen, Kleinsporen (Microsporen); in den Grosssporenbehältern (Macro- 
sporangien) hingegen nur eine einzige Grossspore (Macrospore). Beide 
Arten von Sporenbehältern befinden sich in geschlossenen, fruchtartig- 
umgewandelten Blattteilen, den Sporenfrüchten oder Sporocarpien. Ein 
Ring fehlt den Sporenbehältern. Die Vorkeime sind zweihäusig: die 
Kleinsporen entwickeln bei der Keimung einen kleinen, die Samenfäden 
bildenden Vorkeim, oder ihr Inhalt zerfällt unmittelbar in die Zellen, 
aus denen die Samenfäden hervorgehen. Die Grosssporen bilden einen 
kleinen, blattgrünhaltigen Vorkeim, der die zu befruchtenden Eizellen 
trägt. 2. Unterklasse: Hoterosporeae , Yersehiedensporige ; Rliizo- 
carpeae, Wurzelfanie; Hydroptericles, Wasserfariie. 

1. Klein- und Grosssporenbehälter finden sich in verschiedenen Sporen- 
früchten, aber auf derselben Pflanze. Die Blätter sind in der Knospe 
einfach gefaltet, nicht aufgerollt. 5. Familie: Salviiliaceae, SeliAvimm- 
blattgewäclise. 

2. Klein- und Grosssporenbehälter finden sich in derselben Sporenfrucht. 
Die Blätter sind im Knospenzustande schneckenförmig aufgerollt : 
6. Familie: 3Iarsiliaeeae, Sdilcimfariie. 



1. Familie: Hjmeuophjllaceae, Hautfarue. ') 

Kennzeichen siehe Seite 4. 

Gattung 1: Hymenophyilum Smith, Hautfarn. 

Bei uns nur HymoiiopliyHum tuiil)ri(lgeiise Smith, Tuiil)ri(lger 
Hautfarii. Wurzelstock kriechend, bewurzelt, sehr dünn, ausdauernd. 
Blätter zweizeilig-gestellt, kahl, selten länger als 6 cm. Blattstiel halb so 
lang als die Spreite, oberwärts deutlich bis schwach geflügelt. Blattspreite 
zart, in ihrem Gesamtumrisse länglich-eiförmig, doppelt-fiederteilig; ihre 
Abschnitte sind in der unteren Blatthälfte beiderseits, in der oberen nur 
auf der der Blattspitze zugewendeten Seite fünfteilig; die Zipfel sind 
linealisch, einfach oder gabelspaltig und entfernt scharf-gesägt. Die Frucht- 
häufchen stehen einzeln am Ende des ersten, kurzen, ungeteilten Nervs eines 
Blattabschnittes; ihr Schleierchen ist tief-zweiklappig mit halbkreisrunden 



*) Beschreibung und Unterscheidung der Ai-ten der Eigentlichen Farnkräu- 
ter vielfach in Anlehnung an das klassische und für genaueres Studium unent- 
behrliche Werk : Die Farnpflauzen von Dr. Chr. Luerssen (Rabenhorsts Krypto- 
gamenflora, Bd. 3j; ebendaher auch einige der hierher gehörenden Detailfiguren ; 
zum Teil wurde auch die Synopsis der mitteleuropäischen Flora von Ascher so n 
und Gr aebner benutzt. 



6 Polypodiaceae. 

bis verkehrt-eiförmigen, am Rande eingeschnitten gesägten Klappen. Die 
Sporenbehälter sind sitzend, haben einen vollständigen, horizontalen oder 
schiefen Ring, und öffnen sich durch einen Längsriss. Auf feuchten, 
schattigen, moosbedeckten Sandsteinfelsen, in Seitenschluchten des rechten 
Rheinufers, in Luxemburg und der sächsischen Schweiz. Selten.^) 

3. Familie: Polypoiliaeeae, Tüpfelfarne. 

Wurzelstock kriechend oder kletternd, wenigstens in der Jugend mit 
Haaren besetzt oder von ei- bis lanzettförmigen, rasch trocken werdenden 
Spreuschuppen bedeckt; letztere sind bald gleichartig gefärbt und dünn- 
wandig (bei Cystopteris, Tafel 11), bald gegittert (bei Asplenium, Tafel 8). 
Die Blätter f) sind kräftig entwickelt und im Knospenzustande schnecken- 
förmig eingerollt ; ihr Stiel ist zuweilen gegliedert (Polypodium) ; auch tragen 
sie häufig in der Jugend, selten stets, Spreuschuppen oder Haare, welche 
denen des Stengels gleich und nicht mit den besonderen Schleiern der 
Sporenbehälter zu verwechseln sind (bei Ceterach, Tafel 5). Die Sporen- 
behälter sitzen über den Blattnerven auf der Unterseite der Blätter; senk- 
recht über ihren Scheitel läuft ein unvollständiger Ring eigentümlich ge- 
bauter Zellen, dessen v erhalten ihr Aufspringen durch einen Querriss mit- 
bedingt (Tafel 10). Die Sporenbehälter bilden Frucht- oder Sporangien- 
häufchen (Sori); diese stehen entweder nackt auf der Blattfläche (bei 
Polypodium, Tafel 2) oder sie sind von dem umgeschlagenen Blattrande 
bedeckt (Adiantum, Tafel 4) oder von einem zarthäutigen, je nach den 
Gattungen verschiedenartig gestalteten Schleier (Indusium) geschützt. 

Die Tüpfelfarne werden mit Rücksicht auf die auswärtigen Arten in meli- 
rere Unterfamilien eingeteilt, von den vier, die Echten Tüpfelfarne (Poly- 
podioideae), die Streifenfarne (Asplenoideae), die Adlerfarne (Pteroideaej 
und die Schildfarne (Aspidioideae) auch bei uns vertreten sind. Hier wurde 
der leichteren Übersicht halber die ältere Zusammenfassung beibehalten, da gerade 
wichtige einheimische Gattungen und Arten Aussahmen bilden. 

A. Die Fruchthäufchen sind nicht von einem Schleier, wohl aber zuweilen 
von dem Blattrande oder von Spreuschuppen geschützt. 
I. Die Fruchthäufchen stehen stets ganz frei auf der Blattunterseite. 



') Tafel 1. Hymen ophyllnm tunbridgense Smith. A, Pflanze in 
natürl. Grösse; A^ Mittelgrosse Pflanze in doppelter Grösse; Ag Blattabschnitt 
erster Ordnung mit einem von dem Schleier eingeschlossenen Fruchthäufchen 
A^ Sporenbehälter (3 und 4 nach Luerssen). 2 bis 4 vergrössert. 

f) Anmerkung: Wenn es von fiederförmigen, fiederschnittigen u. s. w. 
Blättern fernerhin heisst, sie seien dreieckig, eiförmig, lanzettlicli u. s. w., so ist 
dies stets auf den Gesamtumriss der ganzen Spreite zu beziehen. 



Polypodiaceae. 7 

A. Das Blatt fällt mit einer glatten Narbe vom Wurzelstock ab. 
Gattung 2: Polypodium L., Tüpfelfarn. 

B. Der Blattstiel gliedert sich nicht vom Wurzelstock ab. 

1. Die Fruchthäufchen sind mehr oder weniger rundlich und zu 
beiden Seiten des Mittelnerves der von ihnen besetzten Blatt- 
abschnitte angeordnet. Gattung 3: Phegopteris Fee, Buclien- 
farii. 

2. Die Fruchthäufchen sind länglich; sie bedecken den oberen Teil 
der in die einzelnen Blattabschnitte eindringenden Nerven und 
erscheinen nicht selten gegabelt. Gattung 4: (xymiiOgTamme 
Desvaux, Nacktfarii. 

IL Die Fruchthäufchen sind wenigstens in ihrer Jugend, oft stets, bedeckt. 

A. Die Fruchthäufchen sind von dem umgeschlagenen, mitunter 
schleierartig erscheinenden Blattrande bedeckt. 

1. Die Fruchthäufchen sitzen, dem ganzen Blattrande folgend, auf 
einem diesem parallel laufenden Nerv. Gattung 5: Pteris L,, 
Saumfarn. 

2. Die Fruchthäufchen sitzen nicht auf einem dem Blattraude 
parallel-laufenden Nerv. 

a. Das obere Ende des die Fruchthäufchen tragenden Nervs ist 
nicht keulenförmig verdickt. Der Blattrand ist anfänglich 
über die Fruchthäufchen umgeschlagen, rollt sich aber später 
wieder auf. Sporentragende Blätter auffällig anders gestaltet. 
Gattung 6: Allosurus Bernhardi, ßollfarn. 

|5. Das obere Ende des die Fruchthäufchen tragenden Nervs ist 
keulenförmig verdickt. Die anfänglich getrennten Frucht- 
häufchen fliessen später oft zu einer dem Blattrande parallel- 
laufenden Linie zusammen. Sporentragende Blätter weniger 
abweichend gestaltet. Gattung 7: Clieilanthes Swartz, 
Lippenfarn. 

B. Die Fruchthäufchen sitzen auf der Unterseite besonderer, nach 
unten umgeschlagener, schleierartiger, bei der Reife brauner Läpp- 
chen des Blattrandes. Gattung 8: Adiantiim L., Haarfarn. 

C. Die Fruchthäufchen sitzen versteckt unter seidenglänzenden, zimt- 
farbenen Spreuschuppen und werden erst zur Zeit ihrer Reife teil- 
weise sichtbar. Gattung 9: Notholaena R. Brown, Triigfarn. 

B. Die Fruchthäufchen sind von einem, selten von zwei Schleiern (oft klein, 
Loupe!) geschützt. 

L Die fruchtbaren und die unfruchtbaren Blätter sind einander gleich 
gestaltet. 



Polypodiaceae. 

A. Das Fruchthäufchen säumt in langer Linie den Rand des Blattes; 
es ist von 2 Schleiern geschützt; der der Oberseite ist nach Art 
des Blattrandes umgeschlagen und überdeckt ausser den Sporen- 
behältern auch den der Unterseite des Blattes angehörenden 
Schleier, Gattung 10: Pteridium Gleditsch, Adlerfarn. 
5. Die Fruchthäufchen sind ei- bis linienförmig und sitzen in ihrem 
ganzen Verlaufe an einer Seite des Blattnervs, an den auch die 
Schleierchen angeheftet sind ; oder aber die Fruchthäufchen treten 
an ihrem oberen Ende über den Nerv hinüber und sind dann, wie 
auch ihre Schleier, haken- bis hufeisenförmig gekrümmt. 
a. Blätter (bei unserer Art) ungeteilt, lanzettlich, mit herzförmigem 
Grunde. Je zwei zusammentreffende Fruchthäufchen füllen den 
Raum zwischen zwei einander parallel-laufenden Asten der Blatt- 
nerven. Gattung 11: Scolopeiidrium L., Hirschzuiige. 
ß. Blätter geteilt, ein- bis dreifach-fiederschnittig; Fruchthäufchen 
einzeln stehend. 

1. Spreuschuppen gegittert, starr, dunkelfarbig; Fruchthäufchen 
und Schleier länglich bis linienförmig. Gattung 12 : Asi)le- 
lüiiiii L., Streifenfarn. 

2. Spreuschuppen dünnwandig, weich, hellbraun ; Fruchthäufchen 
und Schleier, wenigstens in ihrer Jugend, zum Teil haken- 
bis hufeisenförmig gekrümmt. Gattung 13: Atliyrium Roth, 
Milzfarn. 

C. Die Fruchthäufchen sitzen auf dem Rücken der Blattnerven, sind 
nach deren Seiten hin gleichmässig ausgebreitet , kreisrund oder 
nierenförmig. 
«. Der Schleier ist oberständig, d.h. sein Stielchen entspringt über 

der Anheftungsstelle der Sporenbehälter. Gattung 14: Aspidiuni 

Schwartz, Schildfarn. 
jS. Der Schleier ist unterständig. 

1. Der Schleier ist nur an einer Seite des Fruchthäufchens ent- 
wickelt, anfänglich überdeckt er dieses, später ist er zurück- 
gerollt. Gattung 15; Cystopteris Bernhardi, Blasenfarn. 

2. Der Schleier ist napf- oder schüsseiförmig und an seinem 
Rande haarartig zerschlitzt. Gattung 16: Woodsia R.Brown, 
Woodsia. 

II. Die fruchtbaren und die unfruchtbaren Blätter sind einander ungleich 
gestaltet. 

a. Die unfruchtbaren Blätter sind gross, zweifach-fiederschnittig, und 
in Form eines Trichters gestellt; in ihrer Mitte stehen die kleineren, 



Polypodiaceae. 9 

einf ach-fiedersclmittigen, fruchtbaren Blätter. Der Rand der letzteren 
ist bis zur Mittelrippe umgerollt. Der Schleier ist unterständig, 
rundlich, stark gewölbt, anfänglich das Fruchthäufchen einschlies- 
send aber bald verschrumpf end. Gattung 1 7 : Onoclea L., 
Straussfarii. 
b. Alle Blätter sind (bei unserer Art) einfach fiederspaltig, die un- 
fruchtbaren liegen nieder, die fruchtbaren stehen aufrecht. Die 
Fruchthäufchen sind linienförmig; sie laufen der Mittelrippe des 
Blattabschnittes parallel; ihre Schleier sind lang, schmal und an 
der Aussenseite angeheftet, mithin nach der Mittelrippe hin offen. 
Gattung 18: Bleeliiium L., Rippenfarii. 

Gattung 2: Polypodium L., Tüpfelfarn. 

Hierher nur Polypodium viily,are L., Grcmeiner Tüpfelfarn, Eiigel- 
süss. Wurzelstock kriechend, mit braunen, lanzettlichen Spreuschuppen 
dicht bedeckt, auf dem Rücken zweizeilig-beblättert. Blätter gegen den 
Wurzelstock abgegliedert, bis 40 cm lang, 3 bis 8 und mehr cm breit; 
mit meist langem, strohgelbem oder grünlichem Stiele. Spreite mehr oder 
minder lederig, kahl, tief-fiederig. Die Fruchthäufchen stehen einreihig 
zwischen Mittelrippe und Rand der Abschnitte, auf dem kolbenförmig ver- 
dickten Ende des ersten, vorderen Zweiges der Seitennerven; sie sind rund- 
lich. Saftfäden fehlen. Die Sporenbehälter sind langgestielt, die Sporen 
blattgrünlos, hellgelb. Sporenreife im August und September. Blätter 
überwinternd. Auf Baumwurzeln und Baumstümpfen , moosbewachsenen 
Felsblöcken, an alten Mauern und Felsspalten, seltener auf dem flachen 
Boden, Wurzelstock dann dicht unter der Erdoberfläche; vorzüglich in 
schattigen Wäldern, in Hohlwegen und Schluchten; durch das ganze Ge- 
biet, im Gebirge häufiger als in der Ebene. ^) 

Ziemlich veränderliche Pflanze, von der man zahlreiche, jedoch oft in- 
einander übergehende Formen unterschieden hat; die hauptsächlichsten sind: 
A. Blätter meist länglich-lanzettlich, seltener länglich bis eiförmig. Seiten- 
nerven meist nur zweimal gegabelt (Tafel 2, Figur 2). 
a. coinnmiie Milde, Oemeiiier Tüpfelfarn ; Blattabschnitte linealisch oder läng- 

lic'h-linealisch, g'egen das Ende rasch- und kurz-zugespitzt und namentlich 

hier deutlich kerbig-gesägt. 



*) Tafel 2. Polypodium vulgare L. A Sporangientragende Pflanze; 
1 Wurzelst ock einer kräftigen Pflanze ; der Deutlichkeit halber wurden die Spreu- 
schuppen nur an der das untere Ende eines Blattstieles tragenden Spitze gezeich- 
net ; der ältere Teil zeigt die scharf abgegliederten Blattstielnarben abgestorbener 
Blätter. 2 Blattabschnitt. Alles natürliche Grösse. 



10 Polypodiaceae. 

b. rotimdatuin Milde, Abgerundeter Tüpfelfarn ; Blattabschnitte linealisch, breit 
abg'e rundet, fast ganzrandig. 

c. attemiatum Milde, yerschniälerter Tüpfelfarn; Blattabschnitte aus breitem 
Grunde ganz allmählich verschmälert, meist ziemlich spitz und gesäg't, oder 
kerbig-gesägt, selten fast ganzrandig. 

d. angustiim Hansmann, Sehmalblätterig-er Tüpfelfarn; Blätter lang-gestielt, 
mit im Verhältnis ihrer Länge auffallend schmaler Spreite (bis 26 cm lang 
und 2 Vs bis 4 cm breit), mit meist nur einmal gegabelten Seitennei-ven. 

e. breripes Milde, Kiu-zstieliger Tüpfelfarn; Blatt klein; Stiel im Verhältnis 
zur ziemlich breiten, länglichen Spreite auffallend kurz (bisweilen nur 1 cm 
lang); Form der Blattabschnitte wie bei commune. 

f. piimilnm Hausmann, Kleiner Tüpfelfarn; Blätter klein, einschliesslich des 
Stieles nur IV2 bis 4, selten bis 7 cm laug; länglich-eiförmig oder eiför- 
mig bis fast deltaförmig, mit wenigen, oft nur 3 Paaren ganzrandiger oder 
fast ganzrandigei-, am Ende abgerundeter Abschnitte. 

g. aiu-itum Willdenow. Geölirter Tüpfelfarn; unterstes Paar der Blattabschnitte 
oder auch die folgenden Paare am Grunde ihres nach oben gewendeten 
Randes mit einem vorspringenden, ohrartigen Lappen ; selten ist der untere 
Blattabschnitt auch unterseits geölirt, sehr selten nur das unterseitige Ohr 
vorhanden. 

B. Blätter eiförmig oder ei-deltaförmig. Seitennerven meist drei- bis vier- 
mal gegabelt. 

h. seiTatum Willdenow, Oesäglier Tüpfelfarn; Blätter gross, mit bis 15 cm 
breiter, eiförmiger oder fast dreieckig -eiförmiger, meist auch sehr derber 
Spreite ; mit linealischen oder länglich-linealischen, meist vom oberen Drittel 
oder von der Mitte an zugespitzten, stark bis grobgesägten oder gekerbt- 
gesägten Blattabschnitten. Seitennerven meist dreimal-gegabelt ; Frucht- 
häufchen häufig etwas länglich, 
i. carabricum Willdenow, Kambrischer Tüpfelfarn; Blätter meist eiförmig, 
bis 17 cm breit, unterseits häufig blaugrün, mit länglichen, mehr oder weniger 
stark-zugespitzten, aber mit breitem Grunde sitzenden und oft stark herab- 
laufendenden, bis 9 cm langen und 4 cm breiten, fiederspaltig-fiederteiligen 
Abschnitten erster Ordnung; Abschnitte zweiter Ordnung bis fast 3 cm lang 
und 6 mm breit, sehr ungleich gross, ganzrandig bis kräftig-gesägt. Provinz 
Brandenburg, selten. 

C. Missbildete Formen. 

k. furcatum Milde, (iabelspaltiger Tüpfelfarn; Blatt an der Spitze mehr oder 
weniger tief (bisweilen bis zur Mitte, selten bis zum Grunde) gabelspaltig. 
1. biflduni Moore, Zweispaltiger Tüpfelfarn; untere Blattabschnitte mehr oder 
weniger tief gegabelt, obere nicht. 

m. daedaleum Milde, Schöner Tüpfelfarn; einzelne Fiedern ungewöhnlich ver- 
kürzt, sehr oft grob-gekerbt und unregelmässig gabelig. 

Gattung 3: Phegopteris Fee, Buchenfarn. 

Diese Gattung ist von Aspidium nur durch das Fehlen des Schleiers 
unterschieden und wird daher auch wohl mit diesem vereint. 



Polypodiaceae. 1 1 

A. Blätter gefiedert, mit fiederspaltigen Fiedern. Die Abschnitte sind sämt- 
lich sitzend und das unterste Paar ist nicht oder kaum grösser als die 
folgenden. Die Blattränder sind schwach gewimpert, die Nerven zer- 
streut-behaart; Spindel und Mittelnerv der Blattabschnitte mit gelb- 
braunen Spreuschuppen besetzt. Wurzelstock dünn, kriechend, schwarz- 
braun, an seinen jüngsten Teilen mit hinfälligen, braungelben Spreu- 
schuppen besetzt. Blätter bis 54 cm lang, weich-krautig. Stiel dünn, 
zerbrechlich, länger als die herzförmig-längliche Spreite. Abschnitte 
gegenständig, lanzettlich, das unterste Paar meist abwärts gerichtet. 
Zipfel länglich, ganzrandig oder gekerbt. Die Fruchthäufchen sind dem 
Rande genähert, die untersten häufig länglich, die oberen rundlich. 
Sporenreife Juli, August. %. An feuchten Stellen in schattigen Wäldern, 
auf feuchten, moosigen Felsblöcken, Baumstümpfen, Wurzeln; in der 
Ebene wie im Gebirge (bis 1900 m); vielerorts häufig. Pli. polypo- 
(lioTdes Fee, Polypodium Phegopteris Linne, Echter Buclien- 
fani. 1) 

B. Blätter doppelt- bis dreifach-fiederschnittig. Die untersten 1 oder 2 Paare 
Abschnitte sind gestielt, auch sind meist nur diese doppelt-geteilt, die 
folgenden sitzend und einfach fiederschnittig, endlich ist das unterste 
Paar bedeutend grösser als das nächste. 

1. Blätter kahl, dünnkrautig, weich, schlaff, oberseits meist lebhaft 
bläulich-grün, unterseits heller. Wurzelstock dünn, kriechend, glän- 
zend-schwarz, an seinen jüngeren Teilen mit hinfälligen, blass- 
braunen Spreuschuppen besetzt. Blätter bis 45 cm lang, kahl, drei- 
eckig; ihr Stiel ist dünn, sehr zerbrechlich, strohgelb, nur an seinem 
schwarzbraunen Grund spreuhaarig, zwei- bis dreimal so lang als 
die Spreite ; Zipfel länglich , an den untersten Abschnitten fieder- 
spaltig, sonst ganzrandig bis gekerbt. Die Sporenhäufchen sind dem 
Rande ziemlich genähert; Sporen gelbbraun. Sporenreife Juli, August. 
An denselben Orten wie die vorige und ebenso häufig. Ph. Dryoi)- 
toris Fee, Eichenfarii. 

2. Blätter an Stiel, Spindel sowie auf der Unterseite mit kurzen, blass- 
gelblichen Drüsenliärchen besetzt; derber als bei voriger, oft starr, 
meist dunkler-grün, oft gelblich-grün. Wurzelstock kriechend, ziem- 
lich kräftig, matt- oder sehr schwachglänzend-braun, an seinen jüngeren 
Teilen mit gelbbraunen Spreuschuppen besetzt. Blätter bis 60 cm 
lang, glanzlos; ihr Stiel ist dünn, strohfarben, nur in seinem oft 
schwarzbraunen Grunde mit Spreuschuppen besetzt. Zipfel lineal- 

*) Tafel IB. Phegopteris polypodioides Fee. Blattabschnitt zweiter 
Oi'dnung, vergrössert (nach Luerssen). 



12 Polypodiaceae. 

länglich, ganzrandig, oder wellig-gekerbt. Fruchthäufchen dem Rande 
ziemlich genähert, rundlich. Sporen braun. Sporenreife im Juli und 
August. In Felsspalten und zwischen Geröll auf moosigen Blöcken 
und an Mauern, doch auch auf der Erde, namentlich auf Kalkboden 
und in Gebirgen (bis 1900 m) ; stellenweise (so in der Mark) fehlend. 
Phoitoptcris ßolbertiaua AI. Braun, Storclisclmabclfarii. 

Gattung 4: Gymnogramme Desvaux, Nacktfarn. 

Hierher nur Gf>^UllOgTamme leptopliylla Desvaux, Feiul)lätteriger 

Naektfani. Ein- bis zweijähriges, bis 25 cm hohes, doch meist kleineres, 
gesellig wachsendes Pflänzchen , mit kurzem, mehrblätterigem Wurzelstock. 
Blattstiele so lang oder länger als die zarte, dünnhäutige, hell- bis gelb- 
grüne , kahle Spreite. Die nach einander auftretenden , aber gleishzeitig 
vorhandenen Blätter sind sehr verschiedengestaltig: untere rundlich-nieren- 
förmig, bandförmig eingeschnitten, folgende eiförmig einfach bis doppelt- 
fiederschnittig, grösste länglich-lanzettlich bis dreifach-fiederschnittig. Die 
Sporangienhäuichen nehmen an den ersten Blättern gewöhnlich nur das 
obere Ende der letzten Nervenäste ein; an den späteren Blättern reichen 
sie gewöhnlich bis zur letzten Gabelung, sodass das Sporangienhäufchen 
selbst gegabelt erscheint, mitunter auch noch tiefer. Fruchtreife Januar bis 
Mitte April. In kleinen, felsigen Höhlen bei Meran.^) 

Gattung 5: Pteris L., Saumfarn. 

Hierher nur Pteris erctica L., Kretiselior Saumfjirii. Wurzelstock 
kriechend, schwarzbraun mit dunkelbraunen Spreuschuppen dicht besetzt. 
Blätter einschliesslich des bis 60 cm langen Stieles etwa 1 m hoch, über- 
winternd. Spreite länglich-eiförmig, einfach-fiederschnittig, mit 2 bis 9 ent- 
ferntstehenden Paaren sitzender, oder fast sitzender, aufrecht-abstehender, 
dünnlederiger Abschnitte. Das unterste Blatt ist oft kurzgestielt und an 
seinem Grunde mit einem ihm fast an Grösse gleichkommenden Fieder- 
chen, also anscheinend zweispaltig. Die Fruchthaufen bilden lange, dem 
Rand der Blattabschnitte entlang laufende Linien, sie werden bedeckt von 
dem schmal -umgeschlagenen {'^j^ bis 1 mm breiten) dünnhäutigen, ganz- 
randigen, weisslichen Blattrande. Sporenreife Juli bis Oktober. An feuch- 
ten, besonders felsigen Orten, an den oberitalienischen Seen. 

^^ 7ürif 

^) Tafel IC Gymnogramme leptophyllaDesvaux. Ci Pflanze in natürl. 
Grösse; Cj Blattabschnitt erster Ordnung mit noch unreifen Sporangicn, ver- 
grössert (nach Liierssen). 



Polypodiaceae. 13 

Gattung 6: Allosurus Bernhardi, Rollfarn. 

Hierher nur Aliosiiriis crisjuis Bernhardi, Krauser RoUfarn 

(Cryptogramme crispa R. Brown). Wurzelstock kriechend. Blätter 20 bis 
35 cm hohe Büsche bildend,- dünn und leicht welkend, hell- bis gelblich- 
grün. Unfruchtbare und fruchtbare Blätter verschieden. Unfruchtbare 
kürzer gestielt, mit bis 11 cm langer und 6 cm breiter, eiförmiger bis 
dreieckig-eiförmiger, drei- bis vierfach-fiederschnittiger Spreite; diese hat 
5 bis 9 Paar abwechselnde, aufrecht -abstehende Abschnitte. Die frucht- 
baren Blätter sind länger gestielt; ihre Spreite ist meist länglich und drei- 
bis vierf ach-fiederschnittis; ; sie rollt sich anfänglich schleierartisr über die 
Fruchthäufchen, sodass sie halbwalzenförmig und meist wellig-eingeschnürt 
erscheint; zuletzt breitet sie sich flach aus, sodass die reifen, auf den 
Nerven endständigen Fruchthäufchen zu Tage treten. Sporenreife im August 
und September. Zwischen Felsgeröll, seltener in Felsspalten der alpinen 
und subalpinen Region, und auf höheren, selten auch auf niedrigen Ge- 
birgen, doch nicht auf Kalkboden.^) 

Gattung 7: Cheilanthes Swartz, Lippenfarn. 

1. Der Rand der fruchtbaren Blattabschnitte ist schleierartig, dünnhäutig 
oder krautig, ganzrandig oder kurz gewimpert. Spreuschuppen des 
Wurzelstockes rostbraun, düimwandig. Blattstiel gegen die Spreite hin 
abgeflacht oder wie sämtliche Spindeln auf der Oberseite schwach ge- 
furcht. — Wurzelstock kriechend, oft mehrköpfig. Blätter meist zahl- 
reich und büschelig 10 bis 12, selbst bis 20 cm lang, überwinternd, 
wohlriechend; Blattstiel bis fast dicht unter der Spreite stielrund, glän- 
zend, rot- bis dunkelkastanienbraun. Blattspreite eiförmig bis länglich 
lanzettlich, zwei- bis dreifach-fiederschnittig, derb-krautig und starr, ober- 
seits dunkelgrün, kahl, unterseits mehr oder minder kurz- und drüsig- 
behaart. Sporenreife Juni, Juli. In Spalten sonniger Felsen und an 
Mauern; im Kanton Tessin. Cheilaiithos frajiTaiis Hooker, IVohl- 
riecliciider Lii)peiiiarii. -) 

') Tafel 3A. Allosurus crispus Bernhardi. A Kräftige Pflanze mit einem 
fruclitbaren und einem unfruchtbaren Blatte. AI Zipfel mit noch umgerollten 
Blatträndern, vergvössert ; A2 Stück, stärker vergrössert; der linke Blattrand ist 
zurüfkgebogen , um die Fruchtäufchen sichtbar zu machen; om obersten Nerv 
sind Sporangien entfernt (1 und 2 nach Luerssen). 

'i Tafel 8B. Clieilanthes fragrans Hooker. B Pflanze in natür Gi'össe ; 
B 1 Blattzipfel ; an den beiden mittleren Abschnitten wurden die Ränder grössten- 
teils zurückgebogen, von dem einen Abschnitte ausserdem noch die Fruehthäuf- 
chen entfernt, um die keulenförmig- angeschwollenen Nervenenden sichtbar zu 
machen; vergrössert (1 nach Luerssen). 



14 Polypodiaceae. 

2. Der schleierartige Rand der fruchtbaren Blattabschnitte ist umsäumt von 
einem dünnen, schmalen Hautrande, dessen sehr lange Wimpern die 
ganze Unterseite wie ein spinnweb wolliger, im Alter hell-rostfarbener 
Überzug bedecken. Spreuschuppen des Wurzelstockes schwarzbraun bis 
schwärzlich, dickwandig, starr. Blattstiel und Blattspindeln walzen- 
förmig. — Im übrigen der vorigen sehr ähnlich. Fruchtreife im Früh- 
ling und Sommer. An sonnigen Felsen und Mauern, an der tirolisch- 
italienischen Grenze. Clieilanthes Szovitsii Fischer u. Meyer (Ch. 
Persica Mettenius), Szovits' Lippoiifarii. 

Gattung 8: Adiantum L., Haarfarn. 

Hierher nur Adiaiituiu Capillus Yoiieris L., Franeiihaar. Wurzel- 
stock kriechend, schwärzlich, von gelblich- bis schwärzlich-braunen Spreu- 
schuppen dicht bedeckt. Blätter mit dünnem, zerbrechlichem, bis 20 cm 
langem, glänzendem, dunkel-kastanienbraunem bis purpur-schwarzem , nur 
an seinem Grunde spreuschuppigem Stiele. Blattspreite 20 bis 30 cm und 
darüber lang und bis 20 cm breit, eiförmig bis länglich-eiförmig, zwei- bis 
vierfach-fiederschnittig. Zipfel bis 2^[^ cm lang und breit, zart, aus keil- 
förmigem Grunde rhombisch-verkehrt-eiförmig, am Rande mehr oder weniger 
bandförmig gelappt. Die fruchtbaren Läppchen des Blattrandes sind um- 
geschlagen, fast quadratisch, bis nieren- oder halbmondförmig, zuletzt 
dunkelbraun, mit hellem Saum. Die Enden der in sie eintretenden Nerven 
tragen die Sporenhäufchen. Sporenreife von Juni bis September. Nur im 
Süden des Gebietes, an feuchten Orten, unter Gebüsch, an wassertriefenden 
Felsen, Quellen, in Felsspalten und Grotten, vorzüglich auf Kalkboden.^) 

Gattung 9: Notholaena R. Brown, Trugfarn. 

Hierher nur Notliolaciia Maraiitae R. Brown, Maraiitas Trii^farn. 

Wurzelstück kriechend, kurz, graubraun, vollständig bedeckt von anfänglich 
weissen , später glänzend-rostfarbenen bis hellrotbraunen Spreuschuppen, 
Blätter bis 50 cm lang. Blattstiel etwa so lang wie die Blattspreite, walzig, 
holzig, starr, glänzend-rot-kastanien- oder purpurbraun, dicht mit kleinen 

*) Tafel 4. Adiantum capillus Veneris L. A Sporaiigi entragende 
Pflanze; 1 ein Stückchen eines sporaiigientvagenden Blattrandes; 2 ein gleiches 
Stück, dessen fruchtbarer Lappen /Airückgeschlagen Avurde, um die Fruchthäiif- 
chen 7Ai zeigen; letztere wurden von einem Teile des Lappens entfernt, um die 
Nei-ven zu zeigen ; 3 Teil des Vorkeimes mit einem Archegonium (ar), die in dem- 
selben befindliche Eizelle ist bereits befruchtet und hat sich in 2 Zellen (z) ge- 
teilt ; 4 Antheridium (an) in dem Augenblicke des Ausschlüpfens der Samenfäden 
(sf); 5 Vorkeim (v) mit der jungen Pflanze, bl deren erstes Blatt, w Wurzeln. 
1 bis 4 stark, 5 sehwach vergrössert (1 und 2 nach Luerssen). 



Polypodiaceae. 15 

Spreuschuppen besetzt; Spreite bis 8 cm breit, schmal-länglich, zugespitzt, 
doppelt-fiederschnittig, derb-lederig, oberseits dunkelgrün, unterseits von 
glänzenden, anfangs silbergrauen, zuletzt heller oder dunkler rost- bis 
kupferfarbenen, Spreuschuppen dicht bedeckt. Fiederchen länglich bis 
lineal-länglich , abgerundet. Fruchthäufchen schleierlos, unter den Spreu- 
schuppen völlig versteckt, zur Zeit der Reife teilweise sichtbar werdend, 
bisweilen nur aus einigen Sporangien bestehend, bei stärkerer Entwicklung 
mitunter dem ganzen Blattnerv folgend, selbst die ganze Unterseite des 
Blattabschnittes bedeckend. Fruchtreife Juni, Juli. An heissen, dürren 
Abhängen und Felsen, seltener an Mauern, nur im Süden des Gebietes: 
in Mähren, Niederösterreich, Steiermark, Tirol, im Kanton Tessin.*) 

Gattung 10: Pteridium Gleclitsch, Adlerfarn. 

Hierher nur die früher mit Pteris vereinigte Art Pteridiiilll aqiüliiium 
Kuhn, Adlorlarii. Wurzelstock unterirdisch, weit kriechend, verzweigt, 
an seinen braunschwarzen bis schwarzen Ast-Enden, mit kurzen, rost- 
farbenen bis dunkelbraunen, glänzenden Haaren dicht bedeckt ; jeder seiner 
Äste entwickelt jährlich nur ein Blatt. Blätter einschliesslich des langen 
Stieles bis 4 m und darüber, meist jedoch nur ^j^ bis 1 m hoch. Blatt- 
stiel dicht über seinem Grunde mit spindelförmiger brauner und filzig- 
braunhaariger Answellung, (wenn diese etwas schräg durchschnitten wird, 
zeigen die braunen Gefässbündel annähernd die Figur eines heraldischen 
Doppeladlers: daher der Name der Pflanze): sonst ist der Blattstiel kahl 
und gelbgrün bis strohfarben, ziemlich halbstielrund, auf der flachen Seite 
mit breiter, flacher Rinne. Spreite oft sehr gross, mehr oder weniger 
zurückgebrochen bis fast horizontal, meist dreieckig, doppelt- oder dreifach- 
fiederschnittig mit häufig wieder fiederspaltigen Zipfeln, lederig, seltener 
(an sehr schattigen Standorten), krautig, oberseits hell- oder gelblichgrün, 
glänzend und in der Regel kahl, unterseits kahl oder zerstreut behaart 
bis wollig. Abschnitte völlig oder fast gegenständig; die untersten Paare 
gestielt und meist doppelt-fiederschnittig, die oberen sitzend, fiederschnittig- 
fiederspaltig, bis einfach-fiederschnittig. Rand flach und meist mit einem 
umgeschlagenen Schleier; mitunter erscheint dieser Schleier auch nur als 
schmaler, dünnhäutiger, bald nicht, bald mehr oder weniger umgebogener 
Saum. Ausser diesem äusseren Schleier findet sich noch ein innerer, am 
besten im halbreifen Zustande, sonst erst nach vorsichtiger Entfernung der 



') Tafel .5B. Notholaena Marantae R. Bro^ai. B Pflanze in natürl. 
Grösse; Bj Abschnitte von der Unterseite gesehen, der eine zeigt die Spren- 
schuppen, der andere, nach deren Entfernung, den Verlauf der Nei-ven und die 
Fruchthäufchen; vergrössert (nach Luerssen). 



16 Polypodiaceae. 

Sporenbehälter, wahrnehmbarer Schleier. Sporenreife Juli bis September. 

In lichten Wäldern, auf sonnigen Abhängen, Triften, Heiderücken; zerstreut, 

häufiger truppenweise und bisweilen weite Strecken überziehend; häufig. 

Als Abarten werden angeführt: 

«. «-labrum Liierssen, Kahler Adlerfai'ii , Blütter unterseits kahl oder auf 
den Nerven zerstreut-behaart. 

ß. lainiginosum Liierssen, ^Völliger Adlerlarii, Blätter unterseits stärker 
w^eichhaarig', bis seidig-wollig. 

y. brevipcs Liierssen, Kurzstielisfer Adlerfarn, Blätter klein, sehr kurz- 
gestielt, nnt fast dem Boden aufsitzender Spreite. 

d. iiite§rerrimum Liierssen, CTlaiizMiitterig-er Adlerfarii, Abschnitte dritter 
Ordnung ungeteilt, oder nur hie und da am Grunde schwaehkerbig- 
gelapi)t. 

£. piimatlMuiu Warnstorf, Fiederteiliffer Adlerfarii, Abschnitte dritter 
Ordnung f i edertei lig. 

I. umbrosum Liierssen, Schattenliebender Adlerfarn, Blätter krautig und 
Aveich, bisweilen fast häutig, sehr zertreut-l)ehaart.*) 



Gattung 11: Scolopendrium L., Hirschzunge. 

Hierher nur Seolopeiidriuiu Yuli^'are Smith (Sc. officinarum Swartz), 
Cremeiiie Hirschziiiijie. Wurzelstock kurz aufsteigend, braun, an seinen 
jüngeren Teilen sehr dicht mit glänzend-dunkelbraunen Spreuschuppen be- 
deckt. Blätter fleischig bis mehr oder weniger lederig, bis 1 m und 
darüber lang, überwinternd. Blattstiel meist kürzer als ein Drittel der 
Spreite, spreuschuppig. Spreite bis 60 cm und mehr lang und 8 cm breit, 
aus tief -herzförmigem Grrunde länglich bis lineal-lanzettlich, meist ganz- 
randig, unterseits (wie auch oberseits die Mittelrippe) in der Jugend mit 
fast haarf örmigen , braunen , Spreuschuppen zerstreut - besetzt. Frucht- 
häufchen lang-linienförmig, zu je zweien den Raum zwischen zwei Nerven 
völlig ausfüllend ; Schleier häutig, ganzrandig, in der Jugend farblos, zuletzt 
bräunlich und zurückgeschlagen. Sporenreife Juli bis September. In 
steinigen, feuchten, schattigen Wäldern, an feuchten Felsen und in Fels- 
spalten. Im nördlichen Gebiete sehr zerstreut, im Süden und namentlich 
in gebirgigen Gegenden häufiger. Eine in unsern Gärten, auch in England 
sehr zu Missbildungen geneigte Pflanze, von der über 150 Formen unter- 



^) Tafel 6. Pteridium aquilinum Kuhn. A Teil eines Blattes; 1 Blatt- 
abschnitt letzter Ordnung von der Unterseite gesehen; 2 Stück vom Rande eines 
fruchtbaren Blattabschnittes: a Teil der Blattfläche; b der die Sporangien über- 
deckende Blattrand (vergl. Fig. 1) ist zurückgeschlagen, sodass die Sporangien 
und der zarte Schleier s sichtbar werden. 1 schwach, 2 stärker vergrössert. 



Polypodiaceae. 17 

schieden wurden, die aber in unserem Gebiete sehr gleichmässig ausgebildet 

ist; selten finden sich die Abarten: 

a. crispum Luerssen, Krause Hirschzimg'e. Spreite meist unfruchtbar, 
breit-zimgenförmig", mit stark welligen, oft klein-gekerbten Rändern und 
kräftig entwickelten, bisweilen übereinandergreif enden Lappen des 
herzförmigen Blattgrimdes. 
ß (laedaleum Luerssen, Schöne Hirsehzunge. Spreite an ihrer verbrei- 
terten Spitze wellig oder kraus; bis zum Grunde, meist aber weniger tief, 
einmal oder wiederholt gabelteilig- oder ungleichmässig-gespalten, oder 
auf verzweigtem Blattstiel zwei oder mehrere einfache oder wieder gabei- 
spaltige Spreiten tragend.*) 

Gattung 12: Asplenium L., Streifenfarn. 

A. Blätter fiederteilig. Fruchthäufchen anfangs von dichtstehenden Spreu- 
haaren verdeckt, mit mikroskopisch kleinem Schleier. — Wurzelstock 
kurz, mit schwarzbraunen bis schwärzlichen Spreuschuppen dicht besetzt. 
Blätter büschelig, fleischig-lederig, überwdnterud, 6 bis 12, seltener bis 
20 cm lang; Spreite meist nur 1 bis 1^2 cm breit, lineal-lanzettlich, 
mit wechselständigen, meist ganzrandigen, sehr selten flach gekerbten 
bis fast fiederlappigen Abschnitten; Oberseite glanzlos, auf der Spindel 
und der Mittelrippe der Blattabschnitte mehr oder weniger dicht mit 
hinfälligen Spreuschuppen bedeckt; Unterseite dicht dachziegelig mit 
anfangs silberglänzenden, zuletzt braunen, am Rande des Blattabschnittes 
wimperig vorragenden Spreuschuppen betetzt. Sporenreife Juni bis 
Oktober. In Felsspalten, an alten Mauern: im westlichen und süd- 
lichen Teile des Gebietes, in Tirol bis 2100 m.^) 

A. Ceteracli L. (Grammitis Ceterach Swartz; Ceterach officinarum 
Willdenow). Gebräuchlicher Milzfarii. 

B. Blätter ein- bis vierfach gefiedert, selten dreizählig; Fruchthäufchen 
mit deutlichem Schleier, freiliegend. 

I. Die Blattzipfel haben einen deutlichen Mittelnerv. 
A. Blätter einfach-fiederschnittig. Die Abschnitte sind rundlich oder eiför- 
mig bis länglich, meist nur gekerbt, selte nfiederspaltig oder fiederteilig. 



^) Tafel 7. Scolopendrium vulgare Smith. A Teile der Pflanze; 
1 Stück aus einem von der Unterseite gesehenen Blatte mit drei Paaren von 
Fruchthäivfchen , die zu je einem Fruchthäirfchen verschmolzen erseheinen, ver- 
grössert (1 nach Luerssen). 

') Tafel 5. Asplenium Ceterach Linne. A. Mittelgrosse Pflanze. A^ 
Stück aus dem oberen Drittel eines Blattes, von der Unterseite gesehen; von 
den beiden Blattabschnitten zeigt der eine noch die Spreuschuppenbekleidung, 
der andere, nach Entfernung der vSpreuschuppen , den Verlauf der Nerven und 
die Stellung der Fruchthäufchen, vergrössert (1 nach Luerssen). 

Thome, Flora I. 2. Aufl. 2 



18 Polypodiaceae. 

a. Blätter schmal -lineal-lanzettlicli bis linealiscli, kahl oder höchstens 
an Blattstiel und Spindel mit einzelnen haarartigen Spreuschuppen, 
oder auf der Unterseite mit zerstreuten Härchen. Schleier meist 
ganzrandig, selten gezähnelt. 

1) Blattstiel und Blattspindel beiderseits von einem schmalen, häu- 
tigen, hellbraunen (in der Jugend grünlichen), durchscheinenden, 
zerbrechlichen Flügelsaum eingefasst. — Wurzelstock kriechend, 
vielköpfig, dicht büschelig bis rasig beblättert, mit schwärzlichen, 
meist mit einem Scheinnerv versehenen Spreuschuppen besetzt, 
Blattstiel und Blattspindel elastisch, rot- bis purpurbraun', meist 
völlig kahl. Blätter derb, überwinternd, bis 32 cm lang; Zipfel 
zuletzt einzeln von dem zahnartig stehenbleibenden Stielchen ab- 
fallend. Sporenreife Juli und August. In Mauerritzen und Felsen- 
spalten, in Hohlwegen unter Baumwurzeln, vorzüglich an beschat- 
teten und etwas feuchten Orten; in den gebirgigen Teilen des 
Gebietes nicht selten, mancherorts sogar häufig; in der Ebene nur 
zerstreut bis vereinzelt und streckenweise ganz fehlend. Aspleiiiiim 
Trichomaiies L., Brauiistieliger Streifenfarn, Steinfeder. ^) 

Formenreiche Pflanze: 

Geöhrte Abart., var. auriculata Milde: Blattabschnitte teilweise am 
Grunde der oberen Hälfte geöhrt. 

Lappig-gekerbte Abart, var. lobato-erenata De Candolle: Blatt- 
abschnitte lappig- bis tief-wellig- oder buchtig-gekerbt. 

Harovs Abart, var. Harovii Milde: Blattabschnitte an ihrem Grunde 
beiderseits spiessförmig-geöhrt, meist lappig- bis buchtig-gekerbt. 

Eiiigeschiiitteiie Abart, var. iiicisa Moore: Blattabschnitte wenigstens 
teilweise fiederschnittig bis fiederspaltig. 

Schattenliebende Abart, var. umbrosa M i 1 d e : Blätter fast uiederliegend, 
dünn, schlaff, hellgrün, mit wenigen, oft nmdlichen Fruchthäufchen. 

Rundblätterige Abart, var. rotundata M i 1 d e : Blattabschnitte aus un- 
gleichhälftig-keilförmigem oder beiderseits geöhrtem Grunde fast 
rundlich. 

Kloinblätterige Abart, var. niicrophylla Milde: Blattabschnitte aus keil- 
förmigem Grunde fast länglich, 8 mm lang, 4 mm breit. 

2) Blattstiel und Blattspindel nicht gesäumt. 

a. Blaststiel rinnig mit wustigen Rändern, nur in seinem unteren 
Teile braun, im oberen Teile grün. Spindel weich, nicht 
spröde; Blattabschnitte von ihr im Alter nicht abfallend, 
unter einander und mit der Spindel fast in einer Ebene 
liegend. — Wurzelstock an seinen jüngeren Teilen dicht mit 



1) Tafel 8B. Asplenium Trichomanes L. Pflanze in natürl. Grösse; 
Bi Blattabsehnitt (1 nach Luevssen). 



Polypodiaceae. 19 

schwärzlichen, meist eines Scheinnervs entbehrenden Spreu- 
schuppen besetzt. Blätter weich, nur ausnahmsweise über- 
winternd, bis 20 cm lang, schmal lineal-lanzettHch bis linea- 
lisch. Blattabschnitte mit meist ungleichhälftig-keilförmigem 
Grunde, rundlich bis eiförniig; bisweilen tief -kerbig -einge- 
schnitten (var. inciso-crenata Milde) oder fast fiederteilig (var. 
secta Milde), völlig kahl. Sporenreife Juli, August. Gebirgs- 
pflanze, bis in die alpinen Regionen gehend und dort häufig ; 
an feuchten, schattigen Felsen, auf Mauern, unter vorspringen- 
den Baumwurzeln, namentlich auf Kalk. Aspleiliimi Airide 
Hudson, (xrünstieliger Streifenfarn. 
ß. Blattstiel flachrinnig, und wie der grösste Teil der Spindel, 
rot- bis purpurbraun, spröde. Blattabschnitte oberseits gewölbt 
(an getrockneten Exemplaren nur nach Aufweichen in Wasser 
erkennbar), gegen die Spindel senkrecht gestellt und im Alter 
von letzterer abfallend. — Wurzelstock an seinen jüngeren 
Teilen samt dem Blattstielgrunde mit schwärzlichen, schmal- 
bis lineal-lanzettlichen, meist mit Scheinnerv versehenen Spreu- 
schuppen besetzt. Blätter gut überwinternd, steif -auf recht, 
bis 22 cm lang. Sporenreife Juli, August. Oberfranken, Erz- 
gebirge, Schlesien, zerstreut; nur auf Serpentin und vielleicht 
nur eine Serpentinform von A. viride. A. adulterinuni Milde 
Bastard-Streifenfarn. 
b. Blätter lanzettlich, auf beiden Seiten samt Spindel und Stiel :'-eich- 
bis dichtdrüsig-behaart. Blattstiel nebst dem grössten Teile der ober- 
seits gefurchten Spindel glänzend-schwarz. Blätter bis 12 cm lang; 
Blattabschnitte eingeschnitten -gekerbt bis fiederspaltig oder fieder- 
teilig. Schleier angefressen- bis wimperig-gezähnelt. Spreuschuppen 
undurchsichtig-schwarz. Nur bei Fiume. A. Petrarchae De Can- 
doUe, Petrarlias Streifenfarn. 
B. Blätter doppelt-fiederschnittig; ihr Stiel kürzer als die Spreite. 

a. Blattstiel nur am Grunde braun; Spreite am Grunde stark verschmä- 
lert, lanzettHch oder üneal- lanzettlich , Spindel grau. Blätter 8 bis 
22 cm lang, überwinternd. Fiedern mit wenigen breiten, in eine 
feine Spitze ausgezogenen Zähnen. Fruchthäufchen der Mittelrippe 
sehr genähert. Sporenreife Juli bis September. Auf feuchten Felsen, 
namentlich auf Kalkgesteinen, vorzüglich den höheren Gebirgen Mittel- 
und Süddeutschlands eigen; häufig, mancherorts gemein im Schweizer 
Jura sowie den Kantonen Wallis und Waadt. (A. Halleri R. Brown.) 
A. fontannm Bernhardi, (^iiell-Streifenfarn. 

2* 



20 Polypodiaceae. 

b. Blattstiel glänzend -rotbraun; Spreite länglich'- eiförmig -lanzettlicli, 
lang zugespitzt, am Grunde kaum verschmälert. Spindel glänzend 
rotbraun. Blätter 40 cm lang, an geschützten Stellen überwinternd. 
Fruchthäufclien länglich bis eiförmig, dem Rande genähert. Frucht- 
reife Juli bis September. Auf Vogesensandstein bei Fischbach in der 
Rheinpfalz. Asploiiiiim laiiceolatum Hudson, Laiizettlicher 
Streifenfarn. 
IL Blattzipfel ohne deutlichen Mittelnerv. 

A. Blätter band- oder unregelmässig gabelig-geteilt oder eingeschnitten, 
mit 2 bis 3, selten 4 oder 5 Abschnitten. 

a. Blätter bis 17 cm, Stiel bis 12 cm lang, gerade. Spreite kahl. 
Fiedern keilf örmig-lanzettlig ; Fiederchen nach der Spitze zu etwas 
verbreitert mit 2 bis 3 langen, spitzen Zähnen. Fruchthäufchen 
einander ganz oder fast parallel gestellt. Schleier ganzrandig. In 
trockenen, sonnigen Felsspalten, auf Mauern; vorzüglich in den 
Gebirgen (bis in die untere alpine Region), seltener in der Ebene; 
im mittleren und südlichen Teile des Gebietes im allgemeinen 
häufig; in der Norddeutschen Ebene sehr zerstreut und selten. 
A. septentrionale Hoff mann. Nördlicher Streifenfarn. 

NB. Die selten vorkommende einfach-gefiederte Form von A. 
g-erinanicum hat 4 bis 10 regelmässig abwechselnde, keilförmige, voriie 
eingeschnitten-gezähnte Blattabschnitte. 

b. Blätter bis 10, Stiel bis 8,5 cm lang; nach aussen gekrümmt. 
Spreite beiderseits dicht mit kurzen, weisslichen, gegliederten 
Härchen bedeckt, bandförmig dreiteilig oder -schnittig, Abschnitte 
rhombisch - länglich , mit keilförmigem Grunde , gesägt - gekerbt. 
Fruchthäufchen unter sehr spitzen Winkeln in der Mitte des 
Blattabschnittes zusammenstossend. Schleier am Rande meist 
ausgefressen-gezähnelt. In den Dolomit-Alpen Tirols und Kärn- 
thens. A. Seelosii Leybold, Seelos' Streifenfarn. 

B. Blätter wenigstens an ihrem Grunde zwei- bis vierfach-fiederschnittig 
(bei A. germanicum selten einfach-fiederschnittig, s. o.). 

a. Schleier unregelmässig gekerbt oder eingeschnitten - gezähnt bis 
gewimpert. 

1. Blätter meist kahl, derb-krautig bis fast lederig, mit dreiecljiger 
oder eiförmiger, selten länglicher bis lanzettlicher, zwei- bis 
dreifach- (selten vierfach-) fiederschnittiger Spreite ; meist zahl- 
reich-gebüschelt, bis 25 cm lang, überwinternd, schmutzig- 
graugrün; Stiel nur an seinem Grunde dunkelbraun, sonst grün, 
meist beträchtlich länger als die Spreite. Schleier häutig, 



Polypodiaeeae. 21 

linealisch. Sporenreife Juli bis September. An Mauern und 
Felsen, namentlich auf Kalkgestein, meist gesellig; in den Ge- 
birgen des mittleren und südlicheren Teiles meist gemein; in 
den Alpen bis etwa 1900 m emporsteigend; im nördlichen 
Flachlande seltener, bisweilen sogar vereinzelt. Aspleilium 
Ruta muraria L., Mauerraute. 

Ganz abgesehen von dem sehr verschiedenen Grade der Be- 
haarung (fast kahl, wenig- bis stärker- oder drüsig-behaart), 
ist die Pflanze sehr formenreich. Zu Irrtümern geben zunächst 
Veranlassung die nicht selten zu findenden Jugend formen, 
welche alle Blattgestalten von ungeteilter bis zu doppelt-fieder- 
schnittiger Form gleichzeitig besitzen, aber an der Schwäche 
des Wurzelstocks und der Zartheit der Blätter erkannt werden 
können. 

Die Hauptformen sind: 
a. Blätter meist nicht über 6 cm lang, im Umriss meist kurz dreieckig. 

aa. Fiederchen oben abgerundet. 

««. Brimfelsii Heiifler, Brimfels' 3Iauerraute: Klein, schmutzig-griin ; 

Fiederchen fast so breit als laug, stumpf lieh, gekerbt oder 

kerbig-gezähnt bis eingeschnitten-gekerbt. 
ßß. Matthioli Heiifler, Mattliiolus' Mauerraute: Fiederchen sehr breit, 

vorne breit-abgerundet und nur ganz schwach gekerbt, fast 

ganzrandig. 

bb. Fiederchen breit, vorne abgestutzt und kammförmig-gezähnt: brevi- 
folium Heufler, Kurzblätterige Mauerraute. 
' ß. Blätter meist 10 cm und darüber lang, meist dreifach gefiedert. 

aa. Fiederchen entfernt: pseudo - germanicum Heufler, Keilblätterige 

Mauerraute. 
bb. Fiederchen mehr genähert. 

««. Fiederchen ungefähr in der Mitte am breitesten. 

1. Blätter etwa bis 12 cm lang; Fiederchen eingeschnitten-ge- 
zähnt: leptophylluni Wallroth, SchmalWätterige Mauerraute. 

2. Blätter oft bis 25 cm lang; Fiederchen eiugeschnitten-gezähnt: 
elatum Lang, Hohe MaueiTaute. 

ßß. Fiederchen keilförmig. 

1. Blätter dreifach fiederschnittig. Fiederchen eingeschnitten- 
schmalgezähnt : pseudonigiuim Heufler, Schwärzliche Mauer- 
raute. 

2. Blätter 3 bis 4-f ach fiederschnittig; Fiederchen kerbig-gezähnt: 
tenuifolium Milde, Zartblätterige Mauerraute. 

2. Blätter mehr oder weniger dicht kurz-drüsig-behaart, bis 13 cm 
lang; Spreite zart -krautig, durchscheinend, dreieckig -eiförmig, 



22 Polypodiaceae. 

zwei- bis dreifach-fiederschnittig. — Sehr selten, auf Kalk; in 
Tirol. Asplenium lopiclimi Presl, Niedlicher Streifenfarn. 

3. Blätter zuletzt kahl, bis 26 cm lang, dünn-krautig, mit eiförmig- 
länglicher bis lanzettlicher, drei- bis vierfach-fiederschnittiger 
Spreite. In Felsspalten und Geröll der Kalkalpen; selten. 
A. iissuni Kitaibel, Zerteiltl)lätteri;*er Streifenfarn. 
b. Schleier ganzrandio-. 

1. Blätter meist nur etwa 10 cm (höchstens bis 17 cm) lang, 
ziemlich derb, mit lanzettlicher Spreite. Abschnitte kurzgestielt, 
keilförmig und meist schwach - bogig gegen die Spindel ge- 
krümmt, vorne stumpf-eingeschnitten-gezähnt. — Blätter meist 
sehr zahlreich, gehuschelt, hell- bis gelblich-grün, an geschütz- 
ten Orten überwinternd, fast oder völlig kahl. Da reife Sporen 
noch nicht gefunden wurden, vielleicht ein Bastard: A. tricho- 
manes X septentrionale. In humusreichen Felsspalten und 
zwischen Geröll in Rissen von Mauern, namentlich auf thon- 
und kieselerdehaltigem Gestein, sehr selten auf Kalk, vorzugs- 
weise im Berglande und hier bis 1600 m emjjorsteigend, seltener 
und meist sehr zerstreut in der Ebene. A. sermanicum Weiss, 
Deutsclier Streifenfarn. 

2. Blätter bis 40 cm lang, lederig oder fast lederig, Spreite ei- 
förmig bis lanzettlich, zwei- bis vierfach -fiederschnittig. Ab- 
schnitte gestielt, gerade abstehend, eiförmig oder ei-lanzettlich. 
Blätter meist zahlreich, dicht gehuschelt bis rasig, häufig über- 
winternd, kahl, oberseits meist dunkel- bis gelblichgrün, unter- 
seits heller, glänzend (bisweilen silberartig) bis matt. Sporen- 
reife Juli, August. An Felsen, namentlich im westlichen und 
südwestlichen Teil des Gebietes, zerstreut. A. Adiantuni 
nigruni L., Scliwarzer Streifenfarn.^) 

Sehr veränderliche und formenreiche Art: 

A. Abschnitte gerade gestreckt -abstehend (selten bei Foiinen von 
Serpentini bogig aiifwärts-gekrümmt. 

I. Unterart: iiigrum Heufler: Absclmitte letzter Ordnung ei- 
föitnig bis länglich oder verkehrt -eiförmig, am Grunde meist 
aufwärts -gekrümmt. Blätter überwinternd, lederig, meist 
glänzend. 



^) Tafel 8A. Asplenium Ad i an tum nigriim L. Wurzelstock mit in 
Entwickelung begriffenen jungen, spiralig eingerollten Blättern, den Blattstiel- 
resten abgestorbener Blätter und einem Blatte ; A 1 gegitterte Spreuschiippe des 
Wurzelstockes, vergrössert (nach Luerssen). 



Polypodiaceae. 23 

a. Spreite so lang oder kürzer als ihr Stiel. 

a. yar. lancifolia Heufler, Lanzettblätteriger Schwarzer 
Streifenfarn. Spreite meist schmal- bis länglich-lauzettlich ; 
Abschnitte letzter Ordnung länglich bis verkehrt-eiförmig, 
am Grunde stets deutlich verschmälert, spitz-gezähnt. 

ß. var. arg^uta Heufler, Spitzzähniger Schwarzer Streifen- 
farn: Spreite ei -lanzettlich bis breit -ei -lanzettlich; Ab- 
schnitte letzter Ordnung breit-eiförmig mit unterseits stark 
vortretenden Nerven und mit verlängerten und fein zu- 
gespitzten Zähnen. 

y. var. obtusa Milde, Stunipfzähniger Schwarzer Streifen- 
farn: Spreite breit-eifönnig. Abschnitte letzter Ordnung 
breit- verkehrt-eiförmig, stumpf-, kurz- und breit-gezähnt. 

b. Spreite länger als ihr Stiel, dunkelgrün, glanzlos. 

d. rar. melaena Heufler, Schwarzgrüner Schwarzer Streifen- 
farn: Abschnitte letzter Ordnung bi-eit - eiförmig , stumpf- 
zähnig. 
II. U n t e r a r t. Serpentini Heufler (Cuneif olium Viv.) : Abschnitte 
letzter Ordnung mit keilfönnigem Grunde, meist lückwärts-ge- 
krümmt, vorne in der Regel abgestutzt. Blätter meist nicht 
überwinternd und krautig, glanzlos oder schwach -glänzend. 
Findet sich fast ausschliesslich auf Serpentin. 
E. var. genuina M i 1 d e , Serpentinhewohnender Schwarzer Streifen- 
farn : Spreite breit, eiförmig bis dreieckig. Abschnitte letzter 
Ordnung stumpf bis abgestutzt, meist nur kurz-gezähnt. 
f. var. incisa Milde, Eingeschnittenblätteriger Schwarzer Strei- 
fenfarn : Abschnitte letzter Ordnung eingeschnitten- bis hand- 
förniig- gezähnt oder lappig -eingeschnitten, die langen und 
meist linealischen Zähne häufig aufwärts-gebogen. 
rj. var. anthriscifolia Milde, Kerbelblätteriger Schwarzer Strei- 
fenfarn : Spreite lanzettlich, fast lederig, mit kleinen, schmalen 
Abschnitten letzter Ordnung. 
B. Abschnitte mit der Spitze aufwärts-gekrümmt und gegeneinander ge- 
neigt. 

III. Unterart: onopteris H e u f 1 e r. Blätter überwinternd, lederig, 
glänzend. Abschnitte letzter Ordnung meist länglich, selten 
eiförmig, 
a. Blattstiel so lang oder länger als die Spreite. 

S-. var. acuta Po 11 in i, Scharfgespitzter Schwarzer Streifen- 
farn : Spreite meist nur dünn-ledei*ig, zugespitzt, mehr oder 
weniger silberglänzend. Abschnitte mit lang-ausgezogener, 
scharfer Spitze ; Abschnitte letzter Ordnung scharf gespitzt, 
eingeschnitten-stachelspitzig-gezähnt. 
i. var. silesiaca Milde, SchlesLscher Schwarzer Streifenfarn: 
Spreite dick-Iederartig, stumpflich. Abschnitte mit stumpf- 
licher Spitze ; Abschnitte letzter Ordnung nach der stumpf- 
lichen Spitze hin mit spitzen, oberwärts mit kürzeren, 
stumpfen Zähnen. 



24 Polypodiaceae. 

b. Blattstiel kürzer als die Spreite. 

x. rar. davallioides Heiifler, Davallia-ähiilicher Schwarzer 
Streifenfarn : Unterste Abschnitte sehr lang, stumpf lieh ; Ab- 
schnitte letzter Ordnung stumpf lieh, langund sparsam-gezähnt. 

Gattung 13: Athyrium Roth, Milzfarn. 

1. Sporenhäufchen verhältnismässig gross, länglich oder haken- bis nieren- 
förmig, mit ziemlich zahlreichen Sporangien und kräftig ausgebildetem, 
auch zur Zeit der Sporenreife noch vorhandenem, länglichem, haken- 
oder nierenförmigem , gewimpertem Schleier. Blätter weich - krautig; 
ihr mit grossen, lanzettlichen Spreuschuppen besetzter Blattstiel ist 
meist viel kürzer als die grosse, bis 1 Meter lange, längliche bis lan- 
zettliche, zugespitzte, doppelt- bis dreifach-fiederschnittige oder selten 
dreifach-fiederschnittig-fiederspaltige Spreite. Fruchthäufchen einreihig, 
iederseits neben der Mittelrippe der Fiedern und Fiederchen, die unteren 
jeder Reihe haken- oder nierenförmig, die folgenden länglich. Sporen- 
reife Juli bis September. An feuchten Orten durch das ganze Gebiet 
häufig bis gemein; nach Alter und Standort sehr verschieden in Grösse 
und Länge des Blattstiels, der Form der Spreite, dem Grad deren Teilung, 
der Weich- oder Derbheit und Färbung der Blätter (an sonnigen und 
trockenen Orten derb, straff, oft gelblichgrün), an Ausbildung der 
Fruchthäufchen u. s. w. A. felix femiiia Roth, Weil)licher Milzfarn.^) 

Besondere Formengruppen sind : 
«. dentata Doli, Gezähnter Weiblicher Milzfarn: Blätter meist nur bis 30 cm 
lang, doppelt-fiederschnittig; Fiederchen ringsum kurz- oder eingeschnitten- 
gesägt oder gezähnt-gesägt. 
ß. fissidens Doli, Spaitzähni^er Weiblicher Milzfarn: Blätter bis 60 cm höher, 
doppeltfiederschnittig. Fiederchen tiefer eingeschnitten-gezähnt bis fieder- 
spaltig; luiterste an der Spitze mit 3, die folgenden mit 2 Zähnen. 
y. miütidentata Doli, Vielzähniger Weiblicher Milzfarn: Blätter meist gros, bis 
140 cm lang, doppelt-fiederschnittig-fiederspaltig bis dreifach-fiedex-schnittig 
oder selten noch mit fiederspaltigen Fiederchen; diese länglich, ringsum 
einfach-gezähnt. 

Bemerkenswert ist noch die Varietät pruinosa Moore, Bereifter W. M. : 
Blattstiel und namentlich Blattspindel meist dicht mit sehr kurzen, weissen, 
zerbrechlichen und daher leicht abfallenden, keulenförmigen Härchen besetzt. 
Monströse Formen sind nicht selten; namentlich finden sich mehr oder 
minder tief, oft bis zum Grunde, gabelteilige Blätter bisweilen zwischen nor- 
malen Blättern vor. 

2. Sporenhäufchen klein, nur in ihrer ersten Jugend haken- oder nieren- 
förmige Schleier und Fruchthäufchen zeigend; später sind die Frucht- 

^) Tafel 9. Athyrium filix femin a Roth. A Blatt. 1 unteres Ende 
eines Abschnittes; 2 Fiederchen; 1 und 2 vergrössert (nach Luerssen). 



Polypodiaceae, 25 

häufchen kreisrund. Schleier klein, ein unregelmässiges, am Rande 
einige Wimpern tragendes Läppchen, das in der Regel rasch verschrumpft 
und in reifen Fruchthäufchen nur undeutKch sichtbar ist. Blätter bis 
60 cm und darüber lang, -kurzgestielt, mit kahler, länglich-lanzettlicher, 
doppelt-fiederschnittig-fiederspaltiger bis dreifach-fiederschnittiger Spreite; 
Zipfel einfach-gesägt oder fiederspaltig. Sporenreife Juli bis September. 
Pflanze der alpinen und subalpinen Region; im mittleren und südlichen 
Teile des Gebietes nicht selten, stellenweise häufig bis gemein. Atli>Tium 
ali)estre Nylander, AlpenOIilzi'arii. 

Gattung 14: Aspidium Swaitz, Schildfarn. 

1. Untergattung: Polysticlium Schott, Punktfaril. Schleier 
kreisrund, schildförmig, in seiner Mitte dem fruchtbaren Nerv angewachsen, 

A. Blätter einfach-fiederschnittig. — Wurzelstock kurz, an jüngeren Teilen, 
wie auch der Blattstiel, mit rostfarbenen Spreublättern besetzt. Blätter 
überwinternd, derb-lederig, starr, oberseits dunkel- oder bisweilen gelb- 
lichgrün, untersei ts hellgrün, bis 60 cm lang. Spreite 6 und mehr 
mal länger als der Blattstiel, lanzettlich, ihre untersten Abschnitte aus 
beiderseits - geöhrtem Grunde viereckig bis allmählich eiförmig oder 
eiförmig-länglich; mittlere und obere Abschnitte lanzettlich, sichelförmig 
aufwärts-gekrümmt; alle am Rande scharf-stachelspitzig-gesägt. Frucht- 
häufchen der Mitte des Nervs aufsitzend, mit grossem, häutigem, am 
Rande fein- und unregelmässig-gezähneltem Schleier. Sporenreife August 
und September. Hochgebirgspflanze der mittleren und subalpinen Re- 
gionen der Alpen und von da bisweilen in die Flussthäler hinabsteigend; 
ausserdem sehr selten und vielfach nur verirrt. A. loiichitis Swartz, 
Scharfer Seliidfarii. 

B. Blätter doppelt- bis fast dreifach-fiederschnittig, länglich-lanzettlich. 

a. Blätter nur auf der Unterseite spreuhaarig, überwinternd. Schleier 
bleibend. — Wurzelstock aufsteigend bis aufrecht, an den jüngeren 
Teilen dicht spreuschuppig und an der Spitze reich mit bis 1 m 
langen Blättern besetzt; Spreuschuppen von hell - gelbbraun bis 
schwärzlich - kupferrot. Spreite lanzettlich bis länglich-lanzettlich, 
imterseits zerstreut-spreuhaarig bis (im Alter) kahl. A. aciilcatum 
Doli, Stacheliger Schilclfarii. 

Hierher 2 Unterarten: 

1. Unterart: A. lobatum Swartz, Gelappter Schildfarn: Spreite lan- 
zettlich bis fast lineal-Ianzettlich, kurz gestielt, derb-lederig", oberseits etwas 
glänzend; Spreite nach abwärts ziemlich stark verschmälert. Zipfel mit 
dorniger Spitze und stachelich-gesägtem Rande. Die Fruchthäiifchen stehen 



26 Polypodiaceae. 

in der Mitte (nicht endständig) aiif den Nerven. Sclileier ziemlich derb. 
Sporenreife Juli bis Oktober. Findet sich in mannichfachen, aber allmäh- 
lich in einander übergehenden Formen, zerstreut in Bei-g*wäldern. 

2. Unterart: A. au^iüare Doli, Ecki^rer Schildfarn: Blätter meist 
länglich-lanzettlich, an ihrem Grunde meist wenig verschmälert und häufig 
länger-gestielt , wenig derb, papierartig, meist schlaff, oberseits glanzlos. 
Zipfel wie auch die Zähne des Randes, in eine lange Granne auslaufend. 
Fruchthäufchen auf dem Nervenrücken häufig ganz oder beinahe end- 
ständig, meist klein, mit zartem Schleier, 
b. Blätter, auf Spindeln und Nerven, beiderseits spreuhaarig, nicht über- 
winternd. Schleier gross, zart und hinfällig. — Wurzelstock an den 
jüngeren Teilen mit kupferfarbenen oder gelb- bis blass-braunen 
Spreuschuppen dicht besetzt. Blätter bis 80 cm lang, weich, häutig- 
papierartig, schlaff, oberseits freudig- bis dunkelgrün, glanzlos, unter- 
seits heller. Stiel meist sehr kurz. Spreite länglich-lanzettlich, nach 
dem Grunde stark-verschmälert, doppelt bis dreifach fiederschnittig. 
Zipfel plötzlich in eine Granne ausgezogen , kerbig - gesägt und die 
Zähne plötzlich in eine Granne auslaufend. Sporenreife Juli und 
August. Auf Gebirgen in nicht zu feuchten Wäldern und Schluchten, 
sowie auf freien und sonnigen Abhängen; sehr zerstreut. Aspidium 
Braimii S penn er, Brauns Schildfjirii. 
2. Untergattung: Lastrea Bory St. Vincent, Delastre's Schild- 

farii. Schleier nierenförmig und mit der Einbuchtung dem Scheitel und 

den Seiten des fruchtbaren Nervs angeheftet. 

A. Blätter fiederschnittig-fiederteilig, mit ganzrandigen, selten unregelmässig- 
gekerbten bis fiederspaltigen Abschnitten zweiter Ordnung. Schleier 
klein, hinfällig, am Rande drüsig-gezähnelt. 

1. Wurzelstock weitkriechend, schwarz, entfernt-beblättert. Blätter steif 
aufrecht; der zerbrechliche, meist nur mit vereinzelten Spreuschuppen 
besetzte bis kahle Stiel so lang oder etwas länger als die Spreite; 
letztere länglich bis länglich-lanzettlich, an ihrem Grunde gar nicht 
oder doch nur wenig verschmälert, unterseits in der Jugend mit zer- 
streuten Spreuschuppen und sparsam mit weissen Härchen und gelb- 
lichen Drüsen besetzt. Abschnitte ganzrandig oder schwach gezäh- 
nelt; bei den fruchtbaren Blättern am Rande fast stets stark zurück- 
gerollt, sodass diese dadurch spitz und sichelförmig erscheinen. Sporen- 
reife Juli bis September. %. Höhe 30 bis 60 cm. In Torfmooren, 
Sümpfen, an bewaldeten Seeufern und in Waldbrüchen; vorzüglich in 
der Ebene, seltener im Gebirge; zerstreut; am häufigsten in Nord- 
deutschland. A. Thelypteris Swartz, Siimpf-Schildfarii. 

Bei der Form var. Rogaetziana Bolle, Ro^ätzer Sumpf- 



Polypodiaceae. 27 

Scliildfaril sind die Abschnitte zweiter Ordnung an den fruchtbaren 
Blättern nicht oder kaum umgerollt. 
2. Wurzelstock aufsteigend. Blätter dicht büschelig stehend, einen 
Trichter bildend. Blattstiel kurz , wie der untere Teil der Blatt- 
spindel mit hinfälligen Spreuschuppen, meist nur locker, besetzt. 
Spreite beiderseits verschmälert. Abschnitte länglich, stumpf, flach. 
Blattunterseite mit zahlreichen, goldgelben Drüsen und mit weissen 
Härchen bestreut, Sporenreife Juli bis September, %. Höhe 30 bis 
75 cm. In lichten, etwas sonnigen Bergwäldem gerne auf feuchtem, 
etwas moorigem Boden, namentlich im mittleren und südlichen Teile 
des Gebietes. (A, Oreopteris Swartz.) Aspidiimi moiitanuni 
Ascherson, Ber^-Schildfarii. 
B. Blätter fiederschnittig-fiederteilig bis vierfach-fiederschnittig, mit gesäg- 
ten oder stachelspitzig -gesägten Abschnitten. Schleier ziemlich gross, 
bis gross, lange bleibend. Wurzelstock aller Arten aufsteigend und 
dicht büschelig beblättert. 

A. Blätter fiederschnittig, mit fiederspaltigen bis fiederteiligen Ab- 
schnitten erster Ordnung, selten am Grunde oder in der unteren 
Hälfte doppelt- (bis dreifach-) fiederschnittig. 

1. Blätter kurzgestielt; Blattstiele samt der Spindel mit langen 
schmalen, meist hellbraunen Spreuschuppen dicht besetzt und 
mehrmals kürzer als die längliche bis breit-längliche, zugespitzte, 
am Grunde mehr oder weniger verschmälerte Spreite. Abschnitte 
aus breitem Grunde lineal-lanzettlich , zugespitzt, fiederig, selten 
fiederschnittig. Zipfel mit breitem Grunde miteinander ver- 
schmelzend, länglich, stumpf bis fast gestutzt, kerbig- bis einge- 
schnitten-gesäg-t oder an den Seiten fast ganzrandig, die Zähne nicht 
stachelspitig. Fruchthäufchen gross, der Mittelrippe genähert. 
Schleier gross, derb, meist kahl, zuerst weisslich, dann bleifarben, 
zuletzt rötlich-braun. 2|.. Sporenreife Juni bis September. Höhe 
50 bis 100 cm und mehr. In Wäldern, Gebüschen, an steinigen 
Orten; von der Ebene bis 1800 m hoch; häufig. Der Wurzel- 
stock, KMzoma Filicis, ist offizinell. A. ftlix iiias Swartz, 
Wurmfarn.^) 



^) Tafel 10 A. Aspidium filix mas Swartz. A Wurzelstock mit in der 
Entwickelung begriffenen, spiralig eingerollten Blättern, natürl. Grösse; B Blatt 
(kleines Exemplar) natürl. Grösse. 1 Abschnitt zweiter Ordnung vergrössert (nach 
Luerssen). 2 Querschnitt aus einem Blattabschnitte zweiter Ordnung, senkrecht 
zu dem sporentragenden Blattnerven n, der einen Ast in den Fruchtboden fr 
entsendet ; auf letzterem sitzen 4 Sporangien, deren eines ein Haar h trägt; s ist 



28 Polypodiaceae. 

Die hauptsächlichsten der ziemlich zahbeichen Formen unseres Ge- 
bietes, welche aber ineinander übergehende Formengruppen darstellen, sind: 

a. Der Sehleier ist flach, umfasst mit seinem Rande das Fruchthäiifchen nicht und 
zerreist nicht. 

«. Blätter 40 bis 60 cm lang'; Abschnitte fiederteilig. 

aa. Abschnitte zweiter Ordnung" an der Seite fast oder völlig ganzrandig, 
subiutegTum Doli, Gauzraudiger AVurinlaru. 

bb. Abschnitt am Seitenrande gesägt, creiiatum M i 1 d e , Gesägter Wurmfarn, 
ß. Blätter 60 bis 120 cm lang; Abschnitte am Grunde fiederspaltig. 

aa. Erstes Paar der Abschnitte zweiter Ordnung mit ohrartig vorgezogenen 
unteren Abschnitten. Blattspindel und Mittelrippe der Abschnitte erster 
Ordnung dicht spreuhaarig, deorso-lobatum ]Moore, Unterwärts gelapp- 
ter Wurmfarn. 

bb. Untere Abschnitte nicht grösser als die folgenden. Blattspindeln und 
Mittelrippe der Abschnitte spärlich-spreuhaarig, affine Ascherson, 
Verwandter Wurmfarn. 

b. Der Schleier ist gewölbt und umfasst mit seinem Rande das Fruchthäirfchen; 
zuletzt zerreisst er vom Rande nach der Anhaftungsstelle hin in 2 bis 3 
Lappen, paleaceiim Don, Spreublätteriger Wurmfarn. 

Ausserdem giebt es noch verschiedene Missbildung:en, so polydactyhim Moore, 
Vielfingeriger Wurmfarn mit wiederholt gegabelter Blattspitze, und erosum Doli, 
Ausgenagter Wurmfarn mit vielfach verkürzten Fiedern und Abschnitten. 

2. Blätter langgestielt; Blattstiel dünn, zerbrechlich, nur an seinem 
Grunde reichlich, sonst (wie auch der untere Teil der Blattspindel) 
spärlich oder sehr zerstreut mit eiförmigen, braunen Spreuschuppen 
besetzt, meist zwei Drittel bis fast ganz so lang als die schmal-läng- 
liche (unfruchtbare) bis lineal-längliche (fruchtbare), am Grunde meist 
nur wenig verschmälerte Spreite. 

a. Blätter fiederschnittig; unterste Abschnitte fiederteilig bis fieder- 
spaltig. — Unterste Abschnitte gestielt, aus herzförmigem Grunde 
dreieckig; oberste länglich bis länglich-lanzettlich, ungestielt. Die 
sporentragenden Abschnitte erster Ordnung stehen meist recht- 
winkelig zur Blattfläche und mit der Rückseite nach oben gedreht. 
Fruchthäufchen gross, zwischen Rand und Mittelrippe fast oder 
völlig mittelständig. Schleier gross, ganzrandig, kahl, zuerst weiss- 
lich, im Alter rötlich -braun. 2]-. Sporenreife Juli bis Oktober. 
Höhe 30 bis 50 cm. In Brüchen und sumpfigen Waldungen; sehr 
zerstreut. (Polystichum cristatum Roth). A. ci'istatum Swartz, 
Kaiumföruiiscr 8chil dfarii. 

b. Blätter am Grunde doppelt- bis dreifach-fiederschnittig. Unterste 
Abschnitte erster Ordnung meist breit-herzförmig, kurz-zugespitzt. 



der Schleier. 3 Sporangium; r Ring, m Stelle au der das Sporangiixm aufspringt; 
s Sporen ; d eine an dem Stiele des Sporangiums sitzende Drüse ; stark vergrössert. 



Polypodiaceae. 29 

Sporen stets verkümmert. Im übrigen wie vorige. (A. Bootii 
Tuckermann.) Aspidiiim spinulosiiiuXcTistatuiu Lasch. Boots 
Scliihlfarii. 

B. Blätter vollkommen -doppelt- fiederschnittig -fiederteilig bis vierfach- 

fiederschnittig. 

1. Blattstiel strohfarben, höchstens halb so lang als die Spreite, ziem- 
lich kräftig. 

a. Blattstiel auf der Oberseite mit breit -eiförmigen, am Rande 
meist gezähnelten Spreuschuppen dicht besetzt. Blattspreite 
derb, unterseits auf der Spindel und deren Verzweigungen mit 
schmalen, blass-kupferfarbenen Spreuschuppen besetzt, sonst kahl; 
länglich-lanzettlich, doppelt-fiederschnittig-fiederspaltig, bis -fie- 
derteilig. Blattrand ziemlich scharf- und tief-gesägt, mit spitzen 
bis kurz -stachelspitzigen Zähnen. Fruchthäuf clien mittelgross, 
auf den Abschnitten zweiter Ordnung zweireihig, der Mittelrippe 
genähert; Schleier häutig, drüsenlos, am Rande hie und da 
leicht angefressen-gezähnelt; Sporen etwas verkümmert. 2].. Aus- 
bildung der Fruchthäuf clien Juli bis September; 30 bis 60 cm 
hoch. In feuchten Wäldern; sehr selten. (A. remotum A. Braun.) 
A. fllix mas x spinn] osimi A. Braun, Entfernter Scliild- 
farn. 
b. Blattstiel auf der Oberseite mit lanzettlich- bis eiförmiüfeu, zimt- 
braunen, seidenglänzenden Spreuschuppen dicht besetzt. Blatt- 
spreite beiderseits mit gelblichen Drüsen mehr oder weniger 
reich besetzt, an der Spindel und deren Verzweigungen ziemlich 
reich spreuschuppig; länglich-lanzettlich, doppelt-fiederschnittig- 
fiederspaltig. Abschnitte zweiter Ordnung durch einen schmalen 
Flügel der Mittelrippe der Abschnitte erster Ordnung miteinander 
verbunden. Abschnitte letzter Ordnung länglich bis kurz-eirund, 
kurz-stachelspitzig-gesäg*t. Fruchthäufchen mittelgross, auf den 
Abschnitten zweiter Ordnung zweireihig und dabei einzeln den 
Einschnitten der Blattabschnitte genähert. Schleier häutig, am 
Rande und auf der ganzen Fläche drüsig, bleibend. 2].. Sporen- 
reife Juli, August. Höhe 30 bis 40 cm. An Felsen und im 
Geröll der Alpen. A. rigidnni Swartz, Steifer Scliildfarn. 
Die Abart var. pallida, Bleicher Scliildfarn (A. pallidum Link) 
ist meist grösser und derber, dreifach-fiederschnittig; die zahlreichen 
Abschnitte zweiter Oi'dnung sind kurzgestielt; die ersten Abschnitte 
dritter Ordnung sind aus zusammengezogenem, fast gestieltem Grande 
eiförmig und auch auf ihnen sitzen die Fruchthäufchen oft zwei- 
reihig-. 



30 Polypodiaceae. 

2. Blattstiel länger, bis nur ein weniges kürzer als die Spreite, jeden- 
falls bedeutend länger als die halbe Spreite, oft dunkelbraun, spar- 
sam bis reich mit Spreuschuppen besetzt. Spreite schmal-läng- 
lich bis eiförmig oder delta-eiförmig, doppelt-fiederschnittig-fieder- 
teilig bis vierfach-fiederschnittig. Abschnitte erster Ordnung locker 
gestellt bis genähert, gestielt; die untersten meist ei- oder breit- 
eiförmig und gewöhnlich in ihren abwärts-gerichteten Hälften 
breiter bis fast doppelt so breit als in den oberen, zugespitzt; 
die mittleren und oberen allmählich länglich -lanzettlich bis lan- 
zettlich. Abschnitte letzter Ordnung länglich, stumpf, gesägt bis 
eingeschnitten -gesägt, mit stachelspitzigen, sehr selten stumpfen 
Zähnen. Fruchthäufchen verhältnismässig klein, mit häutigem, 
kahlem oder drüsigem Schleier. Aspidiiim S2)iiililosum Swartz, 
Dorniger Schilclfarii. 

Veränderliche Art, mit 2, häufig auch als Arten angesehenen 
Unterarten : 

a. Blätter meist steif aufrecht. Blattstiel zerbrechlich, mit blassbraunen, 
einfarbigen Spreuschuppen meist spärlich besetzt; in der Regel so 
lang oder länger als die Spreite. Diese länglich, doppelt - fieder- 
schnittig-fiederspaltig bis -fiederteilig, sparsam mit Spreuschuppen be- 
setzt, gewöhnlich freudiggrün bis gelbgrün; Abschnitte erster Ord- 
nung an den Spitzen nicht lang ausgezogen. Schleier meist drüsen- 
los. %.. Sporenreife Juli bis November. Höhe 50 bis 60 cm, selten 
bis 1 m. In feuchten Waldungen und Waldschluchten, besonders in 
der Ebene und auf niederen Gebirgen; häufig. A. euspinulosum 
Ascher so n (A. spinulosum genuinum Milde), Echter dornig-er Schild - 
fam. 
ß. Blätter meist bogig überneigend. Blattstiel derb, mit dunkelbraunen, 
oft einen dunkleren bis schwärzlichen Mittelstrich führenden Spreu- 
schuppen mehr oder weniger reich besetzt ; in der Regel etwas kürzer 
als die eilängliche, meist drei- bis vierfach-fiederschnittige Spreite; 
letztei-e unterseits gewöhnlich reicher spreuschuppig und häufig auf 
der Spindel und den Flächen mit gelben Drüsen mehr oder minder 
reich besetzt , meist dunkelgrün. Abschnitte erster Ordnung in der 
Regel lang zugespitzt bis ausgezogen - zugespitzt. Fruchthäufchen 
grösser als bei voriger, ihr Schleier häufig drüsig. 2j.. Sporenreife 
Juli bis November; Höhe bis 150 cm. In feuchten Waldungen; nicht 
selten, mancherorts häufig. A. dilatatuiii Swartz, Verbreiterter Schild- 
farn. 

Gattung 15: Cystopteris Bernhardi, Blasenfarn. 

A. Wurzelstock meist kurz und dick, Büschel von Blättern treibend. Ge- 
samtumriss der Blattspreite länglich-eiförmig oder länglich-lanzettlich, 
nach der Spitze wie nach dem Grunde hin verschmälert. Blattstiel zer- 



Polypodiaceae. 31 

brechlicli, gelblich bis kastanienbraun, meist kürzer als die Spreite. 
Letztere zart, meist hellgrün, ein- bis dreifach-fiederschnittig ; Abschnitte 
letzter Ordnung eiförmig bis länglich, stumpf, mit kurzen, stumpfen oder 
spitzen Zähnen. Fruchthäufchen oft zusammenfliessend. Sporenreife 
Juni, August. 2j.. Höhe 10 bis 25 cm. An schattigen, feuchten Orten, 
in Fels- und Mauerritzen ; seltener in der Ebene ; in Gebirgsgegenden 
fast überall. C. fragilis Bernhardi, Zerbrecliliclicr Blaseiifarn.*) 

Veränderliche Art, die in mehrere Unterarten zerfällt: 

1. Blattspindel zart - geflügelt. Spreite doppelt -fiederschnittig mit fieder- 
spaltig - gezähnten , eiförmig -länglichen Abschnitten zweiter Ordnung. 
C. eufragilis Ascher so n, Zei'brechlicher Blasenfarn. 

2. Blattspindel nicht geflügelt. C. regia Presl., Königs-Blaseufaru. 
Hauptformen sind: 

a. Spreite fast dreifach-fiederschnittig mit lanzettliehen, tief- fiederspaltig- 
fiederteiligen Abschnitten zweiter Ordnung und ausgerandet-gezähn- 
ten Abschnitten dritter Ordnimg. Nur im Alpengebiet. C. alpina 
Link, Alpen-Blasenfani. 

b. Spreite fast vierfach-fiederschnittig; Abschnitte dritter Ordnung tief- 
fiederspaltig-gezähnt, nach oben keilförmig verbreitert. C. fumariae- 
fomiis, Koch, Erdrauehartiger Blasenfarn. 

B. Wurzelstock kriechend mit einzeln- (nicht büschelig) stehenden Blättern. 
Blattumriss deltaförmig bis breit-eiförmig. 

a. Spreite zart, sehr langgestielt, mit deltaförmigem Umriss, zwei- bis 
dreifach-fiederschnittig; Abschnitte letzter Ordnung fiederspaltig mit 
gesägt-gezähnten Läppchen; der erste Abschnitt zweiter Ordnung an 
der unteren Seite des untersten Abschnittes erster Ordnung ist länger 
als der folgende und etwa so lang als der ganze dritte Abschnitt 
erster Ordnung, Spreuschuppen am Rande drüsig. Q^. Sporenreife 
Juli, August. Höhe 15 bis 30 cm. In feuchtem Gerolle, sumpfigen 
Wäldern und an Quellen in den Alpen; zerstreut. C. montaiia Link, 
Grebirgs-Blasenfarii. 

b. Der vorigen sehr ähnlich, aber Gesamtumriss der Spreite breit- 
eiförmig; der erste Abschnitt zweiter Ordnung an der unteren Seite 
des untersten Abschnittes erster Ordnung ist weit kürzer als die 
zunächst folgenden und etwa so lang als der ganze siebente Ab- 
schnitt erster Ordnung. Spreuschuppen nicht drüsig. 2].. Sporen- 
reife Juli, August. Höhe 15 bis 25 cm. In Wäldern, im Riesen- 



^) Tafel IIA. Cystopteris fragilis Bernhardi. A. Pflanze; AI einer 
der unteren Abschnitte zweiter Ordnung, dessen Fruchthäufchen noch unreif und 
von den Schleiern bedeckt sind, vergrössert; A2 kleineres Fmchthäufchen mit 
zurückgeschlagenem Schleier, stärker vergrössert; A3 Spreuschuppe des Wurzel- 
stockes, vergrössert ; (1 bis 3 nach Luerssen). 



32 Polypodiaceae. 

gebirge, Sudeten, Karpatlien. Cystopteris siulctica AI. Braun 
u. Milde, Siuloteii-Blasoiifani. 

Gattung 16: Woodsia II. Brown, Woodsie. 

A. Blattstiel, Blattspindel und Unterseite der Spreite mehr oder weniger 
mit gelblich-braunen Spreuschuppen und Haaren besetzt. Blätter mit 
kurzem Stiele, länglich oder lanzettlich, einfach-fiederschnittig-fiederteilig. 
W. IlvMisis, R. Brown, (W. hyperborea Koch), Elba-Woodsie. ^) 

Veränderliche Art, die in 2 allmählich in einander übergehende Unter- 
arten zerfällt. 

1. Blätter kurzgestielt. Abschnitte erster Ordnung deutlich wechsel- 
ständig, rundlich eiförmig, mit abgerundeten, am Grunde keilförmigen 
Zipfeln; untere Abschnitte eingeschnitten - gekerbt. Weniger spreu- 
schuppig als folgende. Sporenreife Juni bis Oktober. %. Höhe 8 bis 
12 cm. An steinigen Gebirgsabhängen; selten. W. alpiiia Gray; 
>V. arvoiiiea Koch: IV. hyperborea R. Brown, Alpen- Woodsie. 

2. Blätter langgestielt. Abschnitte erster Ordnung fast gegenständig, 
aus breiterem Grunde länglich, stumpf, untere tief-fiederspaltig; Zipfel 
abgerundet, ganzrandig oder schwach gekerbt. Stark spreuschuppig 
und behaart. Blattstiel glänzend - rotbraun. Sporenreife Juni bis 
Oktober; die Fruchthäufchen bedecken zuletzt die ganze Blattunter- 
seite. %. Höhe 8 bis 15 cm. Auf felsigen Gebirgsabhängen. 
IV. rufidiila Koch; Hochrote IVoodsie. 

B. Blattstiel, Blattspindel und Unterseite der Spreite völlig kahl. Blätter 
kurzgestielt, einfach iiederschnittig-fiederteilig, mit abwechselnden oder 
paarweise stehenden Abschnitten erster Ordnung. Untere Abschnitte 
erster Ordnung breiter als lang, sehr stumpf-keilförmig in ein kurzes 
Stielchen zusammengezogen, am Ende abgerundet mit 2 bis 3 finger- 
teiligen Einschnitten; obere Abschnitte allmählich schmäler, eiförmig, 
zuletzt lanzettlich und immer deutlicher fiederspaltig oder fiederlappig 
mit geschweift-gezähnten Zipfeln. Höhe 4 bis 8 cm. ^i- Sporenreife 
Mai bis September. Auf Dolomitgebirgen. W. ftlahella R. Brown, 
Kahle IVoodsie. 

Gattung 17: Onoclea L., Straussfarn. 

Hierher nur 0. Striithiopteris Hoff mann (Struthiopteris germanica 
Willdenow), Deutscher Straussfarn. Wurzelstock ausdauernd, bis 20 cm 

^) Tafel IIB. Woodsia Ilvensis R. Brown. B kleine Pflanze in natürl. 
Grösse; Bj Blattabschnitt aus der Mitte des Blattes, vergrössert; B^ vom Blatte 
abgelöster, an seinem Rande haarartig zugeschlitzter Sehleier, dessen Sporangien 
bis auf 2 entfernt wurden, stärker vergrössert ; (1 und 2 nach Liierssen). 



Polypodiaceae. 33 

hoch, aufrecht, mit Blattstielresten bedeckt, zum Teil nnterirdisch und Aus- 
läufer treibend. Blätter spiralig-gestellt, einen regelmässigen Trichter bildend. 
Unfruchtbare Blätter bis l^/g m lang, weich, schlaff, aus sehr verschmälertem 
Grunde breit -lanzetthch, plötzlich zugespitzt, gefiedert -fiedersp altig; die 
untersten Fiedern abwärts gerichtet, eiförmig oder eilänglich, kaum 1 cm 
lang; die mittleren fast rechtwinkelig abstehend, Hneal-lanzettlich, zugespitzt, 
ihre Abschnitte selu* genähert, am Grunde zusammenfliessend, länglich, 
stumpflich oder abgerundet, ganzrandig oder selten gekerbt oder gezähnt. 
Fruchtbare Blätter zu 3 bis 6 in der Mitte des Trichters stehend, straff- 
aufrecht, viel kleiner, mit lineal-lanzettlicher Spreite, nach dem Grunde hin 
mit allmählich kleineren Abschnitten, diese einander genähert, fast stielartig 
und knotig zusammengerollt, nach Ausstreuung der Sporen flach ausgebreitet 
und lappig-gespalten, Fruchthäufchen in 2 Reihen die ganze Unterseite der 
Abschnitte bedeckend, die einzelnen Häufchen durch die zarten Schleier von 
einander getrennt. Fruchtzeit Juni bis August; die fruchtbaren Blätter 
überwintern. An Flussufern und auf feuchten Wiesen zwischen Gebüsch; 
durch das ganze Gebiet zerstreut, stellenweise fehlend.^) 



Gattung 18: Blechnum L., Rippenfarn. 

Hierher nur Bleelmuiu Spieaiit Roth (Bl. boreale Swartz), Gemeiner 
ßippeiifarii. Wurzelstock schräg aufsteigend, wie der Blattstielgrund mit 
hellgelb- bis dunkelbraunen lanzettKchen Spreuschuppen besetzt. Blätter 
dicht büschelig gestellt, lederig, kahl, lanzettlich, einfach -fiederschnittig, 
zweigestaltig ; unfruchtbare Blätter strahlig dem Boden aufliegend, kurz- 
gestielt, mit zahlreichen, lineahsch- länglichen, etwas sichelförmigen, mit 
breitem Grunde angehefteten und durch einen sehr schmalen Saum ver- 
bundenen Abschnitten, die unteren allmähhch verkürzt und zuletzt halb- 
kreisrund ; fruchtbare Blätter in der Mitte des Blattbüschels steif aufrecht, 
länger gestielt, ihre mit verbreitertem Grunde sitzenden Abschnitte schmäler, 
linealisch, 30 bis 50 cm lang. Schleier häutig, ziemlich stark gewölbt. 
Sporenreife Ende JuH bis September. %. Meist truppweise an schattigen, 
feuchten Waldrändern, waldigen, feuchten Abhängen und Bachufern; in 



1) Tafel 12. Onoclea Struthiopteris Hoffmaun. A imfruchtbares, 
B fruchtbares Blatt. 1 Fieder eines fruchtbaren Blattes von der Unterseite ge- 
sehen; 2 Stück ans einer Fieder eines völlig aufgerollten, fruchtbaren Blattes von 
der Unterseite gesehen ; der Rand AViirde zurückgebogeu, um die noch von ihren 
Schleiern überdeckten Fruchthäufchen zu zeigen; 3 vom Blatte abgelöstes junges 
Fruchthäufchen mit seinem Schleier, von oben gesehen; 1 bis 3 vergrössert 
(nach Luerssen). 

Thome, Flora I. 2. Aufl. 3 



34 Osmundaceae. 

der Waldregion der Gebirge oft gemein, in der Ebene meist nur zerstreut 
und oft sparsam.^) 

Besondere Formen sind : 

a. Tar. latifolia Milde, Breitblätteriger ßippenfaru. Unfruchtbare Blatt- 
abschnitte 6 mm breit imd nicht selten mit wiederholt gabelig - geteilten 
Nerven. 

ß. Tar. augustata Milde, Verschmälerter Rlppeufarn. Das unfruchtbare, unter- 
halb seiner Mitte 6 bis 7 cm breite Blatt verschmälert sich über derselben 
bis auf die Hälfte. 

y. Tar. imbricata Moore, Dacliziegelig'er Rippeufarn. Die Vorderränder der 
unfruchtbaren Blattabschnitte werden von den Hinterrändern der nächst 
vorderen Abschnitte überdeckt. 

d. Tar. serrata Wo 1 las ton, Gesägrter Rippeufarn. Die mittleren Abschnitte 
der unfruchtbaren Blätter sind von ihrer Mitte ab gegen die meist stärker 
verschmälerte Spitze hin unregelmässig-gesägt. Die Abschnitte der frucht- 
baren Blätter sind ihrer ganzen Ausdehnung nach ziemlich weitläufig- und 
flach- aber deutlich - gesägt ; die mittleren Abschnitte besitzen am ziemlich 
stark verbreiterten Grunde der oberen Hälfte einen längeren , pfriemlichen, 
aufwärts-abstehenden Zahn. 

3. Familie: Osmiuidaceae, Rispenfarne. 

Kennzeichen Seite 4. Hierher 1 Gattung: 

Gattung 19: Osmunda L., Rispenfarn. 

Hierher nur 0. regalis L., Köiiigsfarii. Der schief in dem Boden 
steckende, verzweigte Wurzelstock bildet mit seinen zahlreichen Wurzeln 
und Blattstielresten eine oft kopfgrosse, kugelige Masse. Blätter bis 1 m 
und mehr lang, in ihrem Gesamtumrisse eiförmig bis länglich, mittellang- 
gestielt. Ihr Stiel ist an seinem Grunde scheidig-flügelai-tig erweitert und 
in seiner Jugend bedeckt mit wolligen, weichen Spreuschuppen, welche sich 
später gewöhnlich nur noch an der Anheftungsstelle der Fiedern erhalten. 
Die fruchtbaren und die unfruchtbaren Blattabschnitte sind verschieden ge- 
staltet; erstere sind meist auf fiederig angeordnete Blattnerven zurück- 
geführt; letztere sind doppelt -gefiedert, mit fast gegenständigen, kurzge- 
stielten Fiedern 1. Ordnung; ihre Fiedern 2. Ordnung sind sehr kurz ge- 
stielt bis sitzend, aus schiefem, an der Oberseite des Fiederchens abgestutztem, 
an dessen Unterseite gerundetem bis fast geöhrtem Grunde länglich bis 
lanzettlich, stumpflich, selten zugespitzt, ganzrandig oder unregelmässig- 

•) Tafel 13. Blechnum Spicant Roth. A Pflanze mit 3 unfi-uchtbaren 
und 1 fruchtbaren Blatte. 1 zwei Blattabschnitte aus dem oberen Teile eines noch 
nicht völlig entwickelten fruchtbaren Blattes; vom unteren Abschnitte wurden 
die beiden Fruchthäufchen mit ihren Schleiern zxir Hälfte entfernt, um den Ver- 
lauf der Blattnerven zu zeigen; vergrössert (nach Luerssen). 



Ophioglossaceae. 35 

gekerbt. Die Sporangien sind rostrot und bilden, indem sie das Ende 
fiederig angeordneter Blattnerven einnehmen, eine Rispe mit aufrecht- 
abstehenden, meist walzigen, braunen Asten; sie sitzen bei stark zusammen- 
gezogenen Fiedern auf beiden Seiten des Blattes, bei weniger stark zu- 
sammengezogenen ganz oder fast ausschliesslich auf dessen Unterseite. Meist 
ist nur der Gipfel des Blattes fruchtbar, in seltenen Fällen (var. interrupta. 
Unterbrochener Königsfarn) sind Spitze und Grund des Blattes unfruchtbar 
und dessen mittlere Fiedern fruchtbar. 2|. Fruchtzeit Juni, Juli. Auf 
torfigem, sumpfigem Boden zerstreut.^) 

+. Familie: Opliiogloss.iceae, Xatterzuugengewäclise. 

Kennzeichen Seite 4. Hierher 2 Gattungen: 

1. Der unfruchtbare Teil des Blattes ist linealisch, lanzett-, ei- bis herz- 
förmig, stets netzaderig; der fruchtbare Teil gestielt, einfach-ährenförmig, 
er besitzt 2 Reihen, in ihrer Jugend völlig in das Gewebe des Blattes 
eingesenkter Sporenfächer; jedes dieser Fächer öffnet sich halb-zwei- 
klappig durch einen Querriss. Grattimg- 20 : Opliiog'lossiim L., Natter- 
ziiiige. 

2. Der unfruchtbare Teil des Blattes ist ein- bis zweifach -fiederschnittig, 
selten ungeteilt; seine Nerven vereinigen sich niemals netzförmig mit- 
einander; der fruchtbare Teil ist rispig-zwei- bis dreifach-fiederschnittig 
verzweigt ; die fast kugeligen Sporangien stehen zweireihig an den Ästen 
und springen durch einen Querriss zweiklappig auf. Gattung' 31 ; 
Botrychium Swartz, Mondraute. 

Gattung 20: Ophioglossum L., Natterzunge. 

Hierher 0. vulgatuni L., Gemeine Natterzunge. Wurzelstock einige 
Centimeter tief im Boden sitzend, höchstens bis etwa 1 cm lang, in der 
Regel einblätterig. Blätter 2 bis 5 cm lang, verhältnismässig langgestielt. 
Der unfruchtbare Teil des Blattes verläuft mit verschmälertem Grunde in 
einen kurzen, breiten Stiel; er hat keine Mittelrippe, ist fleischig, gelblich- 
grün und welkt leicht ab. Der fruchtbare Blattteil wird bis über 30 cm 
hoch und ist die unmittelbare Verlängerung des Blattstieles, er endigt mit 
einem Spitzchen. %. Fruchtzeit je nach der Meereshöhe Mai bis August. 
Nach Grösse der einzelnen Teile und nach Gestalt des unfruchtbaren Blatt- 
teils sehr veränderliche Pflanze. Zuweilen spaltet sich der unfruchtbare 
Blattteil in 2 Lappen oder finden sich 2 bis 3 gestielte Ähren; mitunter 

*) Tafel 14. OsmundaregalisL. A Teil eines am oberen Ende frucht- 
baren Blattes; 1 und 2 Sporangien in verschiedener Stellung, 1 in der Rücken-, 
2 in der Bauchansicht. A verkleinert. 1 und 2 stark vergrössert (nach Luerssen). 

3* 



36 Ophioglossaceae. 

träfft auch ein Wurzelstock 2 Blätter. Auf feuchten Wiesen und Triften, 
an Waldrändern; zerstreut.^) 

Eine viel kleinere, höchstens 10 cm hohe Art mit lanzettlichen bis 
schmal -lanzettlichen unfruchtbaren Blattabschnitt findet sich in Istrien. 
Ophiogiossuiii liisitaiiicum L., Lusitaiiisclic (Spanische) Natterzunge. 

Gattung 21: Botrychium Swart/, Mondraute. 

Die Blätter sind an ihrem Grunde scheidenartig gebildet , und das 
jedesmal älteste Blatt hüllt mit seiner Scheide alle jüngeren, in der Knospe 
vorgebildeten Blätter vollständig ein, 

A. Blätter stets ganz unbehaart und beiderseits mit Spaltöffnungen besetzt; 
unfruchtbarer Blattteil meist einfach oder doppelt und fiederschnittig, 
einjährig: Eiil)Otryehiuiii Prantl, Eclite Mondrauten. 
I. Blätter mehrzeilig. Unfruchtbarer Blattteil sitzend oder kurz gestielt, 
in oder über der Mitte der Blattlänge von dem sporentragenden ab- 
gezweigt. 

1. Sporentragender Blattteil meist langgestielt, den unfruchtbaren 
weit überragend; einfach-fiederschnittig, mit halbmondförmigen, 
ganzen oder mehr oder weniger tief eingeschnittenen, geschweiften 
oder gelappten, mit breit-keilförmigem Grunde angehefteten Ab- 
schnitten; diese ohne Mittelnerv. Zuweilen mit doppelter Frucht- 
rispe. %. Fruchtzeit Juni, Juli. Höhe 8 bis 25 cm. Auf 
Wiesen, Heiden, an grasigen Bergabhängen; zerstreut. B. Lunaria 
Swartz, Gremeine Mondraute. Allermannsliarniscli.-) 

2. Sporentragender Blattteil kurz gestielt, den unfruchtbaren meist 
nur wenig überragend oder kürzer als dieser; Abschnitt des 
letzteren mit deutlichem Mittelnerv. 

a. Unfruchtbarer Blattteil eiförmig bis länglich stumpf oder ge- 
stutzt; doppeltfiederteilig oder fiederteilig mit fiederspaltigen 
Abschnitten. Abschnitte erster Ordnung jederseits 2 bis 6, 
meist länglich und stumpf; Abschnitte zweiter Ordnung rund- 
lich bis länglich, stumpf. %. Fruchtzeit Juni, Juli. Trockene 
Wälder, Heiden, Hügel, namentlich im nördlichen Teile des 
Gebietes; nicht häufig. B. ramosum Ascherson (B. matri- 
cariaefolium A. Braun) Ästige Mondraute. 



^) Tafel 15 A. p h i o g 1 o s s ii in v u 1 g" a t u m L. Pflanze etwas vergrössert ; 
AI Teil der Sporangienähre mit geöffneten Sporangien; A2 Längsschnitt aus 
der Spitze der Sporangienähre, mit 9 Sporangien. 1 imd 2 vergrössert. 

') Tafel 15B. Botrychium Lunaria Swartz. Pflanze in natürlicher 
Grösse. 



Ophiog'lossaceae. 37 

ß. Unfi-ucMbarer Blattteil eiförmig bis dreieckig eiförmig, spitz; 
einfach bis doppelt fiederteilig. Abschnitte erster Ordnung länglich- 
lanzetthch bis lanzettlich, spitz; Abschnitte zweiter Ordnung 
länglich bis lanzettlich, spitz. %. Fruchtreife Juli bis August. 
Auf trockenen Grasabhängen der Westalpen: selten. Botrychiiiiu 
laneeolatum Angström, Laiizettliclie Mondraute. 
IL Blätter zweizeilig geordnet. Sporenloser Blattteil meist deutlich ge- 
stielt, weit unter der Mitte der Blattlänge sich von dem fruchtbaren 
Teile abzweigend. Zartes 3 bis 8, selten bis 15 cm hohes Pflänzchen. 
Der unfruchtbare Blattteil ist gestielt, mehr oder weniger breit ei- 
förmig, abgerundet, stumpf, dreiteilig oder einfach fiederteilig mit 
eiförmigen, am Grunde verschmälerten, ganzrandigen oder schwach- 
gekerbten Abschnitten. Der fruchtbare Blattstiel ist rispig, oft 
ähi'enförmig; im letzteren Falle gleicht das Pflänzchen der Gemeinen 
Natternzunge auffallend, ist indes an dem nicht netzaderigen Nerven- 
verlaufe der Blätter leicht zu erkennen. "^I-. Fruchtzeit Juni. Auf 
Sandboden, Triften, Wiesen, an Flussufern und Landseen sehr zer- 
streut, aber an einzelnen Standorten nicht selten. (B. Kannenbergii 
Klinsmann.) B. siiiiplex Hitchcock, Einfache Mondraute. 

Sehr vielgestaltige Pflanze. 

ct. Unfruchtbarer Blattteil in den Stiel verschmälert, ungeteilt, itiudlich bis 
umgekehrt-eiförmig: B. simplicissimum Milde, Einfachste Mondraute. 

ß. Unfruchtbarer Blattteil sitzend, dreizählig, aber jedes Blättchen gestielt. 
B. Simplex - compositum Milde, Kleeblätterig'e Mondraute. 

y. Unfruchtbarer Blattteil gestielt , herz-eifönnig, 3- bis 7-zählig-, fieder- 
spaltig bis fiederteilig. B. eordatuni Ascher so n, Herzblätterig-e Mond- 
raute. 

(f. Unfnichtbarer Blattteil gestielt, 3- bis 7-zälilig gefiedert. B. sul)eompo- 
situm ]\Iilde, Zusammenj^esetztWätteiige Mondraute. 

B. Blätter in der Jugend stets behaart, auch im Alter stets noch Reste 
der Behaarung zeigend, und unterseits mit Spaltöffnungen besetzt. Un- 
fruchtbarer Blattteil dreieckig, 2- bis 4-fach gefiedert: Pliyllobotry- 
cliium Prantl, Beblätterte 3Iondrauten. 

L Der scheidenförmige Blattgrund ist durch einen Längsspalt offen. Der 
unfruchtbare Blattteil ist sitzend, in seinem Gesamtumrisse breit drei- 
eckig eiförmig, zwei- bis vierfach-fiederteilig, mit einförmigen, stumpfen, 
fiederig eingeschnittenen, spitzzähnigen Abschnitten letzter Ordnung. 
Ganze Pflanze spärlich behaart oder fast kahl. 2[. Fruchtzeit Mai, 
Juni. In Wäldern und aufwiesen im südlichsten Teil des Gebietes; 
selten. B. Virginianum Swartz, Yir^inische Mondraute, 
n. Der scheidenförmige Blattgrund ist vollständig geschlossen. Weisslich 



38 Salviniaceae. 

behaart. Der unfruchtbare Blattteil entspringt dicht über dem Grunde 
des gemeinsamen Blattstiels, sodass es mitunter den Anschein hat, 
als seien 2 Blätter, ein fruchtbares und ein unfruchtbares, vorhanden. 
Die unfruchtbaren Blattteile sind langgestielt, dreieckig, meist doppelt- 
fiederschnittig, mit gestielten Abschnitten erster und mit herzförmigen 
oder rundlichen, schwach-gekerbten Abschnitten zweiter Ordnung. 
%. Fruchtzeit Juli, August. Höhe 8 bis 25 cm. Am Rande von 
Kiefernwäldern, auf Heiden und an sonnigen Abhängen; zerstreut. Bo- 
tryehiuin Matricariae Sprengel (B.matricarioidesWilldenow; B.rutae- 
folium A. Braun ; B. ternatum Milde) Rautenblättrig'e Mondraute. 

5. Familie: Salviniaceae, Sclnnminblattg-ewächse. 

Kennzeichen Seite 5. Hierher nur: 

Gattung 22: Salvinia Micheli, Schwimmblatt. 

Hierher: Sahiiiia iiatans Allioni, Creiiiemes Scliwimiiiblatt. An 

den Knoten des ästigen, zarten, schwimmenden, 5 bis 15 cm langen Stengels 
entwickeln sich je 3 Blätter, 2 Luftblätter und 1 Wasserblatt. Die Luft- 
blätter schwimmen auf der Wasserfläche, sie sind horizontal -ausgebreitet, 
kurzgestielt, ei-herzförmig, mit stumpfer, etwas eingedrückter Spitze; ihre 
hellgrüne Oberfläche trägt auf zahlreichen, vom Mittelnerven ausstrahlenden 
Wärzchen kleine Haarbüschel; ihre Unterseite ist braunschuppig. Das 
Wasserblatt entspringt an der Unterseite des Stengels, es hängt senkrecht 
ins Wasser hinab, ist büschelig in viele fadenförmige, mit langen, zarten 
Haaren besetzte Zipfel gespalten und hat so das Ansehen einer Wurzel, 
deren Stelle es auch vertritt. Die Sporenfrüchte sitzen zu 4 bis 8 geknäuelt 
am Wasserblatte, sie sind kugelig, von oben nach unten etwas flachgedrückt, 
aussen behaart, einfächerig und mit 9 bis 14 vorspringenden, abgerundeten 
Rippen versehen ; letzteren entsprechen ebenso viele in der Wand liegende 
Luftkanäle. Im Grunde der Frucht erhebt sich ein keulen- oder säulen- 
förmiger Sporangienträger. In den 1 bis 2 obersten Sporenfrüchten eines 
jeden Wasserblattes entwickeln sich 10 und mehr Makrosporangien, in den 
übrigen zahlreiche, viel kleinere Mikrosporangien ; erstere enthalten je eine 
Makrospore, letztere 64 Mikrosporen. %. Fruchtzeit Juni, August. Auf 
stehenden und langsam fliessenden Gewässern; zerstreut.^) 



*) Tafel 16. Salvinia natans AUioui. A Teil einer Pflanze mit Sporan- 
gienfrüchten (sf), Ib Luftblätter, wb Wasserblätter. 1 Sporangienfrucht ; 2 Längs- 
schnitt durch 2 Früchte, deren eine Mikrosporangien (mi), eine Makrosporangien 
(ma) enthält ; 3 Querschnitt durch eine Sporangnenf nicht mit Makrosporangien ; 
4 Makro-, 5 Mikrosporangien. 1 bis 5 vergrössert. 



Marsiliaceae. 39 



6. Familie: Marsiliaceae, Schleimfariie. 

Kennzeichen Seite 5. Hierher 2 Gattungen: 

1. Blätter mit vierzähliger (zweijochig- gefiederter) Spreite, (xattliiig 38: 
Marsilia L., Kleefarn. 

2. Blätter binsenartig-fadenförmig, zugespitzt, ohne Spreite. Grattuiig' 34: 
Pilularia L., Pillenkraut. 

Gattung 23: Marsilia L., Kleefarn. 

Hierher nur Marsilia quadrifolia L., Vierblätteriger Kleefarn. 

Stengel kriechend und ausdauernd. Blätter gestielt, selten über 10 cm lang; 
ihre Blättchen breit -keilförmig, vorne abgerundet, ungeteilt, kahl, matt- 
oder bläulich-grün. Die Sporenfrüchte stehen zu 2 bis 3 beisammen, sie 
entspringen oberhalb des Blattstielgrundes; ihre Stiele sind zum Teil mit- 
einander verwachsen und zwei- bis dreimal so lang als die zweizähnigen 
und bei der Reife kahlen Sporenfrüchte. Diese öffnen sich zweiklappig mit 
einer Längsspalte und besitzen auf der Innenwand einer jeden Klappe 7 bis 9, 
mit zahlreichen Makro- und Mikrosporangien gefüllte Fruchthäufchen. %■. 
Fruchtreife August bis Oktober. In Sümpfen und Gräben im Süden des 
Gebietes; zerstreut und meist selten.^) 

Gattung 24: Pilularia L., Pillenkraut, Pillenfarn- 

Hierher nur Pilularia globulifera L., Kugelfrüclitiges Pillenkraut. 

Stengel kriechend, mit zweizeilig-angeordneten, abwechselnden, 5 bis 10 cm 
langen, fadenförmigen, spreitenlosen, in ihrer Jugend schneckenartig ein- 
gerollten Blättern. Die Sporenfrüchte sind kugelig, lederig, sehr kurzgestielt, 
vierfächerig; sie springen vier klappig auf und enthalten vier Fruchthäufchen 
mit mehreren Sporangien, deren untere je eine einzige, eiförmige, in ihrer 
Mitte eingeschnürte Makrospore enthalten, während die oberen mit zahl- 
reichen, ganz kleinen Mikrospuren angefüllt sind. %. Fruchtzeit August, 
September. An Gräben, Sümpfen und Seen, besonders auf Torfboden; zer- 
streut, am häufigsten im nordwestlichen Teile des Gebietes.''*) 



^) Tafel 17 A. Marsilia quadrifolia L. Pflanze in natürlicher Grösse. 

^) Tafel 17B. Pilularia globulifera L. B Teil einer Pflanze in natür- 
licher Grösse ; B 1 Ende der Pflanze, vergrössert ; Ek Endknospe, Sk Seitenknospe 
des Stengels, f Früchte, b Blätter, w Wurzeln; B2 Querschnitt durch die Frucht 
an einer Stelle, an der Makro- und Mikrosporangien (ma nnd mi) gemengt sind, 
h Haare, vergrössert. 



40 Eqiiisetaceae. 

2. Klasse: Equisetales, Schachtelhalme. 

Hierher nur eine Familie (Kennzeichen Seite 4), mit nm* einer Gattmig: 

7. Familie: Eqiiisetaceae, Schachtelhalme. 
Gattung 25: Equisetum L., Schachtel- oder Schafthalm. 

Auf die für die Einteilung der Schachtelhalme so wesentliche An- 
ordnung und Bildung der Spaltöffnungen, die Gefässbündel und Lufthöhlen 
im Stengel kann hier nicht das Hauptgewicht gelegt werden, da sie sich 
nur dem bewaffneten Auge zeigen. 

A. Die fruchtbaren Schosse (Stengel) sind, wenigstens anfänglich, von den 
unfruchtbaren sehr verschieden, sie sind dann bleich oder rötlich, nicht 
grün, wie die erst später zum Vorschein kommenden, verzweigten, un- 
fruchtbaren. 

L Die fruchtbaren Stengel erscheinen vor den unfruchtbaren; sie sterben 
nach der Sj)orenreife, ohne Äste zu entwickeln, rasch ab. 

1. Fruchtbare Stengel fleischrot, rötlich-braun bis strohfarben, saftig, 
glatt; ihre scheidenförmigen Blätter stehen entfernt von einander; 
sie sind aufgeblasen, fast glockig, mit wenigen (meist 8), lanzett- 
lichen, zugespitzten, oft zusammenklebenden, schmutzigbraunen 
Zähnen. Unfruchtbare Stengel etwas rauh, mit 4 (3) bis 18 Furchen; 
ihre Blätter sind meist am Rande etwas trichterförmig erweitert, 
mit lauzettlichen, schwärzlichen, weiss-hautrandigen Zähnen; ihre 
Äste sind 4- (3-) bis 5-kantig; deren erstes Stengelglied ist länger 
als das zugehörige Blatt des Stengels. 2].. Die fruchtbaren Stengel 
erscheinen im März bis Mai, die unfruchtbaren im Sommer. Höhe 
15 bis 30 cm. Auf Sand- und Lehmboden gemein und ein lästiges 
Unkraut. E. arveiise L., Acker-Schaclitelhalm, Du>vok.^) 

Eine ziemlich seltene Form, deren unfruchtbare Stengel di-ei- 
kantige Äste mit dreizähnigen Blättern besitzen, wurde als be- 
sondere Art beschrieben: E. l)oreale Bongard, Nordischer 
Schaclitelhalin. 

2. Fruchtbare Stengel weiss - rötlich, schwach -gefurcht, mit einander 
genäherten, becherförmig-bauchigen, unten hell-, oben dunkelbraunen 
Blättern, deren jedes 20 bis 30 dunkelbraune, pfriemenförmige, an 



^) Tafel 18B. Equisetum arvense L. Stück des Wurzelstockes mit 
Knollen. 



Equisetaceae. 41 

der Spitze borstenförmige Zähne besitzt. Unfruchtbare Stengel 
weisslich, glatt, ungefurcht, mit kurz-cyhndrischen, 30 — 40 pfriem- 
lichen Zähnchen besitzenden Blättern; ihre Äste grün, zahlreich, in 
dichten Quirlen, dünn, rauh, achteckig, mit vierzähnigen Blättern, 
unterstes Stengelglied kürzer als das zugehörige Blatt des Stengels. 
2]., Die fruchtbaren Stengel erscheinen im April und Mai, danach 
die unfruchtbaren. Höhe 30 bis 100 cm. An feuchten, schattigen 
Orten und in Waldsümpfen, ziemlich zerstreut, doch im Süden 
häufiger. Equisetum Telmateja Ehr hart (E. maximum Lamark), 
Cirrossscheidiger Schachtelhalm. 

Bei der Abart E. serotiniim A. Braun, Spätzeitiger Schachtel- 
halm, tragen auch die grünästigen, sonst unfruchtbaren Stengel 
einen Sporenstand. 
IL Im gewöhnlichen Entwickelungsgange brechen die fruchtbaren Stengel 
astlos und bleich (auch ohne Spaltöffnungen) hervor, entwickeln aber 
nach Ausstreuung der Sporen in ihrem oberen Teile Aste und Blatt- 
grün (auch einige Spaltöffnungen). Die unfruchtbaren Stengel er- 
scheinen gleichzeitig oder ein wenig später. 

1. Blätter des fruchtbaren Stengels trichterig oder lang-cylindrisch, 
bläulich-grün, mit 10 bis 20 breit-lanzettbchen, am Rande rot- oder 
schwarzbraun - häutigen Zähnen und am Grunde der Zähne mit 
welliger, brauner oder schwarzer Querlinie. Fruchtbare Stengel 
zuerst bräunlich. Unfruchtbare Stengel graugrün, gefurcht, rauh; 
mit 8 bis 20 schwach-gewölbten Riefen und walzig-becherförmigen 
Blättern, deren Zähne lanzettförmig und braun gestrichelt sind. 
Äste meist unverzweigt, bogig -herabgekrümmt, drei-, selten vier- 
bis fünf kantig. 2J.. Fruchtbare Stengel erscheinen im April und 
Mai. Höhe 15 bis 30 cm. An feuchten, schattigen Orten. E. pra- 
tense Ehrhart, Hain-Schachtelhalm.^) 

2. Blätter gross, an ihrer S})itze trockenhäutig, mit 3 bis 6, aus je 
2 bis 4 verschmolzenen Zähnen bestehenden, stumpf -lanzettlichen 
Zipfeln ; die der fruchtbaren Stengel walzenförmig, in ihrer oberen 
Hälfte aufgeblasen, die der unfruchtbaren fast glockig. Fruchtbare 
Stengel anfänglich rotbraun ; unfruchtbare grün, meist etwas über- 
hängend, gefurcht, rauh, mit 12 bis 15 flachen Riefen; Äste zahl- 

^) Tafel 18 A. Equisetum pratense Ehrhart. A blattgTünfreier Spross, 
B und C blattgrünbesitzende Sprosse, von denen der Spross C fruchtbar, der 
andere B unfruchtbar ist; AI Längsschnitt und A2 Querschnitt des Fruchtstandes; 
A3 schildförmiges Blatt, welches an seiner Unterseite Sporangien (sp) trägt; 
A 4 Ast eines unfruchtbaren Stengels ; A 5 Astspitze. 1 bis 5 vergrössert. 



42 Equisetaceae. 

reich, fein, oft haardünn, bogenförmig herabhängend, vier- bis fünf- 
kantig, verzweigt. %. Fruchtbare Stengel im Mai und Juni. 
Höhe 30 bis 60 cm. In feuchten, schattigen Wäldern und Ge- 
büschen; meist nicht selten. Eqiüsetuiu silvaticuiii L., Wald- 
Schaclitelhaliii. 
B. Fruchtbare und unfruchtbare Schosse sind einander gleichgestaltet und 
erscheinen gleichzeitig. 

I. Stengel einjährig, ziemlich weich, grasgrün; Ähre stumpf. (Die Spalt- 
öffnungen liegen in gleicher Höhe mit den Oberhautzellen.) 

1. Stengel neun- bis zwölf kantig, mit stark vortretenden, stumpfen, 
querrunzeligen Riefen, etwas rauh. Blätter sich glockig erweiternd, 
mit gewölbten, breit -lanzettlichen, durch eine Kielfurche ausge- 
zeichneten, breit-hautrandigen Zähnen. Äste stumpf, fünf bis sechs- 
kantig; ihr erstes Stengelglied ist viel kürzer als das zugehörige 
Stengelblatt; die Asthülle ist glänzend schwarz. Fruchtzeit Mai, 
Juni. Höhe 30 bis 50 cm. In Gräben, Sumpfwiesen, auf feuchten 
Äckern; häufig. E. palustre L., Sumpf-Schaehtelhalm. 

Eine mit ährentragenden Ästen versehene Form ist var. poly- 
staehya, Villars, Vielähriger Sumpf - Scliaelitelhalm. 

2. Stengel glatt, durch die kaum vortretenden Riefen nur gestreift. 
Blätter walzenförmig und samt ihren pfriemenförmigen Zähnen dem 
Stengel angedrückt ; Zähne ohne Kielfurche, mit schmalem, weissem 
Hautrande. Äste stumpf, vier bis achtkantig; ihr erstes Stengel- 
glied kürzer als das zugehörige Stengelblatt; Asthülle kastanien- 
oder blassbraun. Fruchtzeit Mai bis Juli. Höhe bis 80 cm. In 
Sümpfen, Gräben und Morästen; häufig. E. limosum L. (E. heleo- 
charis Ehrhard), Schlamm-Schachtelhalm. 

Besondere Formen sind: var. Liimcaiia L., Liiiiies Schachtel- 
halm ganz ohne Äste, und var. polystachya Lejeune,yielähri§er 
Schlamm-Schachtelhalm mit ährentragenden Ästen. 

Eine Bastardform ist E. arveiise X limosum Lasch (E. litorale 
Kühlewein), Ufer-Schachtelhalm. Stengel sieben- bis sechszehn- 
riefig, ästig oder astlos. Blätter länglich-walzenförmig, die zunächst 
unter dem Sporenstande sitzenden glockig, sieben- bis sechszehn- 
zähnig; Zähne lanzettlich-pfriemlich, schwarz, mit schmalem Haut- 
rande. Fruchtzeit Juni. Auf feuchtem Sandboden, grasigen Dämmen 
und Äckern; sehr zerstreut. 
IL Stengel ein oder zweijährig, sehr hart, rauh, graugrün oder bräunlich; 
Rippen der Stengel und Aste spitz-zweikantig oder abgerundet-ge- 
wölbt. Ähren zugespitzt (stachelspitzig). (Spaltöffnungen im Grunde 



Equisetaceae. 43 

einer Grube oder Spalte der Oberhaut, tiefer als die benachbarten 
Oberhautzellen liegend.) 
Die Mitte des Stengels wird von einem Luftgange eingenommen. 

1. Riefen der Stengel und Äste abgerundet-gewölbt. — Stengel acht- 
bis fünfzehnrippig, einfach oder mit grundständigen, rutenförmigen 
Ästen oder bis zur Mitte mit unvollständigen Quirlen von meist 
verlängerten Ästen, graulichgrün. Blattscheiden locker, trichterig- 
röhrenförmig, gewölbt-gerippt, bedeutend länger als breit; Zähne 
pfriemenf örmig , zuletzt trockenhäutig, schlaff und bleich, oder ab- 
fallend und einen tiefer gezähnten , trockenhäutig - bleichen Rand 
zurücklassend. 2].. Fruchtzeit Juli, August. Höhe 30 bis 60 cm. 
Auf feuchtem und trockenem Sandboden; selten. (E. elongatum 
Willdenow, E. pannonicum Kitaibel.) Equisetiim ramosissüiiiim 
Desfontaines, Ästi2:er Seliaclitellialm. 

2. Riefen der Stengel und Äste zweikantig. 

a. Die Zähne der Stengelscheiden fallen frühzeitig ab (bleiben nur 
zuweilen an den obersten Scheiden) , so dass die Scheiden durch 
den vierriefigen Grund der Zähne meist kurz und stumpf gekerbt 
erscheinen. Stengelrippen flach, wenig vertieft. — Stengel in der 
Regel astlos, grün, rauh und hart, 8- bis 34-rippig; Blätter 
walzenförmig, selten am Rande sich etwas erweiternd; die ober- 
sten und untersten meist schwarz; die mittleren weisslich, oben 
und unten mit schwarzem Ringe. Später zerschlitzt das Blatt un- 
regelmässig in seinen Furchen, ^j.. Überwinterte Stengel fruchten 
im Mai und Juni, diesjährige im Juli und August. Höhe 50 bis 
125 cm. In feuchten schattigen Waldplätzen und Brüchen; nicht 
häufig. Dient als Zinnkraut zum Zinnputzen und Holzschleifen. 
E. liiemale L., Wiiiter-Scliachtellialm, Ziiiiikraut. 

ß. Die Zähne der Stengelscheide bleiben wenigstens in ihrer unteren 
Hälfte stehen; die Rippen zwischen den Stengelkanten sind breit 
und meist deutlich vertieft. 

a. Stengelscheiden eng anliegend; deren Zähne lanzettlich pfriemen- 
f örmig. Rippen 7 bis 14 , an ihren Kanten sehr rauh. Auf 
trockenem, seltener auf feuchtem Boden am Oberrhein. E. 
l)raeliyodon A. Braun, Rauhzäliiiiger Schachtelhalm. 

b. Stengelscheiden an ihrem oberen Ende abstehend ; deren Zähne 
aus breiterem Grunde plötzlich in eine später abfallende, pfriem- 
liche Spitze verschmälert. Stengel am Grunde ästig, sechs- bis 
achtrippig ; jede Rippe mit zwei , oft durch eine schwache 
Furche getrennten Reihen von Erhabenheiten. Scheidenzähne 



44 Equisetaceae. 

deutlicli vierrippig, eiförmig, trockenhäutig, weiss, durchsclieinend, 

spitzig. %. Fruchtzeit April bis Juli. Höhe 15 bis 20 cm. Auf 

sandigen Orten; selten. Equisotiiiii varieffatum Schleicher, 

Bunter Scliachtellialm. 

B. Die Mitte des Stengels wird nicht von einem Luftgange eingenommen. 

Stengel regelmässig 6- bis 8-kantig, mit 3 bis 4 rauhen Rippen und 

ebensovielen Furchen. Zähne aus bleibendem, breiteiförmigem, weissem, 

auf dem schwarzbraunen Mittelstreifen rauhem Grunde pfriemenförmig 

zugespitzt. Kärnten, sehr selten. E. scirpoides Michaux, Simseii- 

älinliclier Scliaclitellialm. 

Bei der Abart E. Wilsoiii Neumann, Wilsons Scliachtel- 
halm ist der Stengel acht- bis zwölfkantig und glatt und be- 
sitzen die Blätter einen schmalen^ schwarzen Saum. 

3. Klasse: Lycopodiales, Bärlappe. 

Die Bärlappe umfassen zwei Unterklassen mit drei Familien : 

A. Die Pflanzen entwickeln nur eine Art von Sporangien mit nur einerlei 
Sporen. Die Sporangien sitzen an dem Grunde oder an der Achsel der 
Blätter; letztere sind verhältnismässig klein und besitzen kein Blatt- 
häutchen. 1. Unterklasse : Isosporeae Grleichs]>orig'e. Hierher die 
8. Familie, Lycopodiaceae, Bärlappgewächse. 

B. Es sind zweierlei Sporangien vorhanden: Makrosporangien mit grossen, 
Mikrosporangien mit kleinen Sporen. Die Blätter besitzen ein Blatt- 
häutchen. 2. Unterklasse: Heterosporeae, Yerschiedensporige. 

a. Unsere sind Wasserpflanzen von binsenähnlichem Ausseren, mit knol- 
ligem, unverzweigtem Stamme und langen , stielrunden , an ihrem 
Grunde scheidigen Blättern. Die Sporangien sitzen einzeln in einer 
Grube des Blattgrundes, sie sind in unvollständige Kammern geteilt 
und enthalten zahlreiche Sporen, welche durch Verwesung der Spo- 
rangienwand frei werden. 9. Familie : Isoetaceae, Braclisenkraut- 
gewächse. 

b. Landpflanzen mit schlankem, meist wiederholt gabelig verzweigtem 
Stengel und kleinen, flachen Blättern. Die in der Blattachsel ent- 
springenden, später auf den Grund des Blattes rückenden Sporangien 
sind einfächerig, kurz- und dick-gestielt; sie öffnen sich klappig. Die 
Mikrosporangien nehmen die grössere, obere Hälfte der Fruchtähre 
ein, sie enthalten zahlreiche Mikrospuren, während die Makrosporan- 
gien am Grunde der Fruchtähren sitzen und in der Regel vier Makro- 
sporen enthalten. lO.Familie: SelagineHaceae, Selaginellengewäehse. 



Lycopodiaceae. 45 



8. Familie: Lycopodiaceae, Bürlappg'ewächse. 

Kennzeichen Seite 4. Hierher nur eine Gattung : 

Gattung 26: Lycopodium L., Bärlapp. 

A. Die Sporangien stehen in den Achseln oder auf dem Grunde besonders 
gestalteter, zu Ähren vereinigter Tragblätter. Der Stengel ist kriechend. 

Älireiitraseiide Bärlappe. 
I. Alle Laubblätter am Stengel und Ästen sind einander gieichgestaltet 
und meist spirahg angeordnet. 

a. Die Tragblätter der Sporangien sind den übrigen Blättern ungefähr 
gleichgestaltet; dadurch ^vird die stets einzeln stehende Fruchtähre 
undeutlich und erscheint vielfach nur als eine wenig verdickte kopf- 
förmige Anschwellung des Stengelendes. Die Blätter sind stumpf- 
lineal-pfriemlich, ganzrandig und am Rande durchsichtig-häutig; 
sie sind in fünf Reihen angeordnet und sparrig-abstehend. Die 
Sporangien öffnen sich vorne über dem Grunde mit einer Quer- 
spalte. Die wenig verzweigten Stengel sind mit vielen Wurzeln 
am Boden befestigt. %. 5 bis 10 cm lang. Fruchtzeit Juli, 
August. In Torfsümpfen, feuchten Heiden und feuchten Stand- 
plätzen; zerstreut. L. inuiidatum L., Sumpf-Bärlapp. 
ß. Die Tragblätter der Sporangien sind kürzer als die Laubblätter 
Die Sporangien öffnen sich mit einem über ihrem Scheitel der 
Fläche des Tragblattes parallel verlaufenden Riss. 

1. Die Blätter sind in fünf Reihen angeordnet; sie sind spaarig- 
wagerecht abstehend oder abwärts gerichtet, lineal-lanzettlich, 
scharf-zugespitzt , entfernt-scharf -gesägt. Die Tragblätter sind 
herzförmig. Ähren einzeln und sitzend. %. Fruchtzeit Juli bis 
September. Der kriechende Stengel wird bis 60 und mehr cm 
lang. In schattigen, feuchten Wäldern, namentlich in Gebirgen. 
L. aniiotmum L., Sprossender Bärlapp. 

2. Die Blätter sind dicht gedrängt in vielen Reihen angeordnet 
und aufwärts-gekrümmt ; sie sind linealisch, mit feinen, langen 
Borstenhaaren endigend. Die Tragblätter haben einen herzförmigen 
Grund. Die Ähren stehen meist zu zweien, seltener bis zu vier, 
sie sind langgestielt. %. Fruchtzeit Juli, August. Der kriechende 
Stengel wird 60 bis 100 cm lang. Auf Heiden, Torfmooren, 
in Nadelwäldern verbreitet; bis 1200 m im Gebirge empor- 
steigend. Die Sporen sind offizinell: Lycopodlum, Bärlapp- 



46 Lycopodiaceae. 

Samen, Streupulver, Hexenmehl, Blitzpulver. Lycopodiuill 
elavatum Keulenförmiger Bärlapp.^) 

IL Die Laubblätter sind verschieden gestaltet: Die Nebenäste sind flach; 
von ihren, in vier Reihen angeordneten Blättern haben zwei Zeilen 
scharf-gekielte und weit herab freie^ d. h. nicht angewachsene Blätter, 
während die Blätter der beiden anderen Zeilen nicht gekielt und fast 
bis zu ihrer Spitze angewachsen sind; Stämmchen, Hauptäste und 
Ährenstiele haben spiralig angeordnete, abstehende, lanzettliche Blätter. 

1. Hauptzweige stielrund. — Die Blätter der Nebenzweige sind schuppen- 
förmig-angedrückt. Die Ähren stehen fast immer zu 2 bis 6 auf 
einem gemeinsamen, langen Stiele. Der 30 bis 100 cm lange Stengel 
ist aus kriechendem Grunde in mehrere, aufrechte oder aufsteigende 
Äste geteilt. %. Fruchtzeit Juli bis September. Auf Heideboden 
und Sand, namentlich in Gebirgen. L. eomplanatiim L., Flacher 
Bärlapp. 

Bei der grasgrünen Form var. aiiceps Wallroth, Zweischneidiger 
Bärlapp, sind die Triebe eines jeden Astes fächerartig angeordnet und 
ist der Mitteltrieb eines solchen Fächers unfruchtbar. Bei der bläu- 
lichgrünen Form var. chamaecyparissus A. Braun, €jpresseiiartiger Bär- 
lapp, sind die Seitentriebe unfruchtbar und büschelig um den frucht- 
baren Mitteltrieb gestellt. 

2. Hauptzweige vierkantig. Blätter der Nebenzweige locker stehend. 
Ähren einzeln und ungestielt. Der kriechende, 8 bis 10 cm lange 
Stengel trägt büschelige, gabelig -geteilte Äste. %. Fruchtzeit 
August, September. Auf grasigen Kämmen der höheren Gebirge; 
selten. L. alpiiium L., Grebirgs-Bärlapp. 

B. Die Sporangien stehen in den Achseln unveränderter Blätter des Stengels; 
besondere Fruchtähren sind nicht vorhanden. Der Stengel ist aufrecht 
oder aufsteigend, nicht kriechend; er ist mehrmals gabelig geteilt; seine 
Äste sind einander gleich hoch und bilden oft dichte Büsche. Die 
Blätter sind in 8 Zeilen dachziegelig angeordnet, lineal-lanzettlich, derb, 
stachelspitzig und mehr oder minder aufrecht. 2].. Höhe 5 bis 15 cm. 
Fruchtzeit Juli, August. In feuchten, steinigen Wäldern der Ebene und 
Gebirge. L. Selago L., Taiiiieii-Bärlapp. 

Bei der Form var. reciirvum Kitaibel, Kriimml>lätterigcr Bär- 
lapp, sind die Blätter wagerecht-abstehend bis rückwärts -gerichtet. 



*) Tafel 19. Lycopodium elavatum L. A Teil einer fruchtbaren Pflanze. 
1 Blatt des Stengels ; 2 Blatt eines f i-uchtbaren Astes ; 3 Fruchtblatt von der Rück- 
seite; 4 Fruchtblatt mit zugehörigem, oben auf gesprungenem Sporangium ; .5 Frucht- 
blatt mit entleertem Sporangium; 6 Sporen. 1 bis 6 vergrössert. 



Isoetaceae — Selaginellaceae. 47 

9. Familie: Isoetaceae, Braebseiiki'autgewäehse. 

Kennzeichen Seite 44. Hierher nur: 

Gattung 27: Isoetes L., Brachsenkraut. 

Blätter pfriemlich, bis 15' cm lang, steif, hart, dunkelgrün, nach der 
Spitze zu allmählich, aber nicht fein zugespitzt. Makrosporen mit 
niedrigen, leistenartig- verlängerten, gebogenen, hin und wieder zusammen- 
fliessenden Höckern besetzt. 2J.. Fruchtzeit Juni bis September. Auf 
dem Grunde von Teichen und Seen mit sandigem oder steinigem Boden; 
sehr zerstreut. I. laciistris Durieu, Sumpf-Bracliseiikraut. ^) 

Nach den Blättern kann man 2 Hauptformen, (xeradblätterig'e (Forma 
rectifolia) und Grekrümmtl)lättprii2;-e (F. curvifolia) unterscheiden. 

Bei der seltenen Form var. leiospora Klinggraeff , (jlattsporiges 
Bracliseiikraut, ist die Oberhaut der Makrospore fast glatt. 
Blätter 7 bis 8 cm lang, wenig steif, freudig -grün, fein - zugespitzt. 
Makrosporen sehr dicht mit dünnen, stachelartigeu , sehr zerbrechlichen 
Wärzchen besetzt. 21. Fruchtzeit Juli bis September. Auf dem Boden 
von Teichen und Seen mit mehr schwarzem Boden, im Schwarzwald, 
mittleren Holstein und Westpreussen; selten. I. echiiiospora Durieu, 
Staehelsporiges Bracliseiikraut. 

10. Familie: Selaginellaceae, Selagiuelleiigewächse. 

Kennzeichen Seite 44. Hierher nur: 

Gattung 28: Selaginella Spring, Selaginella. 

Blätter einander gleich-gestaltet, allseitig-abstehend. — Stengel bis 4 cm 
lang, kriechend, mit aufsteigenden Ästen. Blätter vielreihig-spiralig an- 
geordnet, breit-eilanzettlich, zugespitzt, entfemt-wimperig-gezähnt. Ähre 
einzeln, endständig, 2 cm lang, auf etwa 6 cm langem, gelblichem 
Zweige. Tragblätter blasser und fast doppelt so gross wie die Stengel- 
blätter. %. Fruchtzeit Juli bis September. Auf grasigen Plätzen 
und felsigen Abhängen der höheren Gebirge; doch ausserhalb der 
Alpen nur vereinzelt. S. selaginoides, Link, (S. Spinulosa A. Braun), 
Wimperzjiliiiise Selagiiielle.^) 



^) Tafel 20. Isoetis lacustris L. A Pflanze. 1 Unteres Ende eines 
f nichtbaren Blattes mit Sporangium (sp) und darixberstehendem Blatthäxxtchen (bl) ; 
2 und 3 dasselbe in Längs- und Querschnitt, um die Einteilung des Sporangiums 
(sp) in Kammern zu zeigen; 4 Querschnitt durch den sporangientragenden Grund 
einer Pflanze, um die Verteilung der Makro- und Mikrosporangien zu zeigen. 
1 bis 4 vergrössert. (Nach Le Maout und Decaisne). 

^) Tafel 21 A. Selaginella selaginoides Link. A Pflanze mit zwei 
fruchtbaren Zweigen. AI Unfruchtbarer Zweig; A2 Fruchtblatt mit Makro- 
sporangium. 1 u. 2 vergrössert. 



48 Selaginellaceae. 

B. Blätter von zweierlei Grösse und Form : auf der Oberseite der Stengel 
stehen zwei Reihen meist kleinerer Blätter, Oberblätter; neben diesen, 
an den Seiten der Stengel, jederseits eine Reihe grösserer Blätter, 
Unter blatte r. Der miregelmässig und weithin kriechende, überall 
wurzelnde , oft grosse Rasen bildende Stengel ist nebst den Ästen 
niederliegend. 

1. Oberblätter eiförmig-lanzettlich und halb so gross wie die länglich- 
eiförmigen Unterblätter. Die 1- bis 3-mal gegabelte Ähre ist durch 
ein Stengelstück mit gleichgestalteten, eiförmigen zugespitzten Blättern 
von den Laubachsen getrennt. Felsenabhänge in der Waldregion 
der Alpen. Selagiiiella liehetica Link, Schweizer Sela- 
giiielle.^) 

2. Oberblätter etwa ^/^ der Unterblätter messend. Ähren von dem 
Laubteil der sie tragenden Stengel nicht deutlich geschieden. An 
beschatteten Orten in der Nähe der Mittelmeerküste. 8. deiiticu- 
lata Link, Oezäliiite Selaginelle. 



1) Tafel 21 B. Selaginella helvetica Link. B Teil einer Pflanze mit 
einem fruchtbaren, gegabelten Zweig'e; Bl mifruchtbarer Zweig mit grösseren 
Unter- und kleineren Oberblättern; B2 Teil eines fruchtbaren Zweiges. 1 n. 2 
vergrössert. 



Abteilung: 

Plianerogamae, Anthopliyta, Blüteiipflaiizen ; 

Speriiiapliyta, Samenpflanzen ; Embiyophyta- 

sipliono2;ama, Pollenschlauclipflanzen. 



Erste Unterabteilung der Blütenpflanzen: 
Oymnospermae, Nacktsamige; Archispermae, Ursameiipflaiizen. 

Kennzeichen Seite 2. 

Die Gymnospermae zerfallen in mehrere Klassen, von denen nur zwei 
in unserem Gebiete vertreten sind, 

a. Blüten ohne Blütenhülle. 1. Klasse: Coiiiferae, Nadelhölzer. 

b. Blüten mit Blütenhülle. 2. Klasse: Grnetales, (xiietumpflanzeil. 

1. Klasse: Coniferae, Nadelhölzer. 

Die Nadelhölzer sind harzreiche, bäum- oder strauchartige Gewächse, 
deren Stämme nicht selten Jahrhunderte an ihrer Spitze fortwachsen und 
eine Höhe von 40 und mehr Metern erreichen. Ihre Blätter sind ent- 
weder alle Laubblätter (Wacholder, Thuja), oder es wechseln Laubblätter 
ab mit häutigen Schuppen, welche als Deckschuppen der Knospen dienen 
(Tannengewächse). Die Blätter haben in der Regel einfache Umrisse 
(Nadeln), sind klein und meist vieljährig, und die Pflanzen daher immer- 
grün. Die Blüten sind stets unvollständig, entweder einhäusig, wie bei 
den Tannen, oder zweihäusig, wie bei der Eibe und dem Wacholder. Die 
Staubfadenblüte, welche einem Kätzchen gleicht, trägt am unteren Ende 
einer gemeinschaftlichen Achse laub- oder schuppenförmige Deckblättchen, 
am oberen zahlreiche Staubblätter. Die Samenblüten stehen entweder ein- 
zeln, oder zu einem zapfenförmigen Blütenstande vereinigt, sie sind ver- 
schiedenartig gestaltet; allen fehlt eine Narbe; an ihrer Stelle fängt zur 
Blütezeit ein Flüssigkeitströpfchen den vom Winde zugeführten Blüten- 
staub auf: die Nadelhölzer sind daher windblütig. 

Thome .Flora I. 2. Aufl. 4 



50 Taxaeeae. 

Im Gebiete sind 2 Familien vertreten: 

1. Die weibliche Blüte besteht aus einer Samenanlage, welche einzeln an 
der Spitze eines kleinen Zweiges steht. Der Same überragt das Frucht- 
blatt und ist steinfruchtartig; derjenige unserer Art ist von einem hoch- 
roten, fleischigen, an seiner Spitze offenen Samenmantel umgeben. 

11. Familie: Tiixaceae, Eil)eiige wachse. 

2. Die Samen sind zwischen den Fruchtblättern versteckt; sie stehen nicht 
einzeln, sondern in holzigen Zapfen, oder in fleischigen, die Samen 
völlig einschli essenden Scheinbeeren zu mehreren bis vielen beisammen. 

12. Familie: Piiiaceae, Kieferiigewäclise. 

11. Familie: Taxaeeae, Eibeug-ewäclise. 

Bei uns nur: 

Gattung 29: Taxus Toiirnefort, Eibe. XXII. 

Hierher Taxus Ibaccata L., Eibe. Die Eibe bildet immergrüne, 
dickbuschige Sträucher oder massig grosse Bäume, mit anfangs glatter, 
rotbrauner, später graubrauner, in plattenförmigen Stücken sich ablösender 
Borke. Die Nadeln stehen zweizeilig, dicht nebeneinander; sie sind ober- 
seits glänzend - dunkelgrün , unterseits matt hellgrün (von denen der Edel- 
tanne durch das Fehlen der beiden weissen Streifen auf der Unterseite 
unterschieden). Die Blüten sind zweihäusig, stehen einzeln auf vorigjährigen 
Zweigen und an ihrem Grunde umgeben von kreuzweis angeordneten 
Schuppen. Die männliche Blüte besteht aus fünf bis acht schildförmigen 
Staubblättern, welche an ihrer Unterfläche je 5 bis 6 Blütenstaubsäckchen 
tragen. Die weiblichen Blüten erscheinen als kleine, hellgrüne Knöspchen; 
sie bestehen aus je einer aufrechtstehenden Samenanlage, welche an ihrem 
Grunde mit einem sehr kleinen, napfförmigen Becher umgeben ist. Aus 
diesem Becher entwickelt sich ein dicker, scharlachroter, oben offener Samen- 
mantel. Der Same hat eine häutige, äussere und eine holzige, innere 
Schale. Der Keimling hat 6 — 7 quirlständige Samenlappen. Blütezeit 
Ende März bis anfangs Mai. Giftig. Die Eibe ist durch ganz Europa 
verbreitet, ist aber infolge ihres langsamen Wachstums und ihres ge- 
schätzten Holzes ziemlich selten geworden; zumeist findet sie sich einzeln 
oder horstweise in den Nadelwald eingesprengt, auf Kalkboden, in Pommern, 
Hannover und Thüringen.^) 



1) Tafel 22. Taxus baccata L. A Zweig mit männlichen Blüten; 
B Fruchtzweig ; 1 und 2 männliche Blüte vor und nach dem Verstäuben ; 3 weib- 
liche Blüte ; 4 und 5 Entwickelungsziistände derselben ; 6 reife Frucht ; 7 des- 
gleichen im Längsschnitt; 8 Längsschnitt durch die weibliche Blüte; a Hülle, 
b Kern der Samenanlage. 1 bis 8 vergrössert. 



Pinaceae. 51 



13. Familie: Pinaceae, Kiefemgewächse. 

Die Kieferngewächse zerfallen in 2 Unterfamilien: 

1. Blätter spiralig angeordnet; an 8eitentrieben oft zweizeilig oder an 
ganz verkürzten Trieben büschelig. Samenanlagen zu zweien an der 
der Fruchtscliuppe und umgewendet. 1. Unterfamilie: Al)ietiii('ae, 
Taiiiieiiffeiväelise. 

2. Blätter gegenständig oder quirlig. Samenanlagen aufrecht. 2. Unter- 
familie: Cupressiiieae, Cypresseiig^ewäelise. 

1. Uiiterfamilie : Abietineae, Tauueugewächse. XXI, 5. 

Die Tannengewächse sind meist hohe Bäume, seltener Sträuclier. 
Ihre Blätter sind Nadeln, d. h. linealisch, flach, steif und stechend; sie 
sind spiralig und stehen einzeln, wie bei der Tanne, oder zu mehreren 
und an ihrem Grunde scheidenartig von kleinen, trockenhäutigen Schuppen- 
blättem umgeben, auf kurzen Zweigiein, wie bei der Kiefer. Die Blüten 
sind einhäusig. Die männlichen Blüten sind kätzchenf örmig ; sie bestehen 
aus zahlreichen, spiralig einer gemeinschaftlichen Achse eingefügten Staub- 
blättern. Jedes Staubblatt trägt auf seiner Unterseite 2 durch einen Längs- 
oder Querriss sich öffnende Blütenstaubsäckchen. Der weibliche Blüten- 
stand ist ein Zapfen ; an seiner Achse trägt er spiralig gestellte, sich dach- 
ziegelf örmig deckende, häutige Deckschuppen und in deren Achseln flei- 
schige bis lederige Fruchtschuppen. Letztere tragen auf ihrer Innenseite 
je zwei nackte, d. h. nicht in einen Fruchtknoten eingeschlossene Samen- 
anlagen mit abwärts gerichtetem Knospenmunde. Bei dem Reifen über- 
holen die Fruchtschuppen die im Wachstum zurückbleibenden Deckschuppen, 
werden lederig oder holzig und bilden so mit den Deckschuppen die be- 
kannten Zapfen. Der Same ist häufig geflügelt, seine Schale lederig bis 
holzig-steinig. Der Keimling liegt in einem fleischigen, meist ölhaltigen 
Eiweiss; er hat 3 bis 5 linealische Samenlappen. 

Hierher 4 Gattungen: 
A. Die Zapfenschuppen sind gross und flach, nach ihrem oberen Rande zu 
werden sie dünner. 

Ä. Alle Blätter (Nadeln) stehen einzeln (an Kurztrieben zu mehreren 

beisammenstehende Blätter finden sich nicht vor). 

a. Die Blätter sind in der Regel kammförmig-zweizeilig ausgebreitet; 

sie sind immergrün, flach und haben auf der Unterseite zwei 

bläulich-weisse (mit Spaltöffnungen besetzte) Längsstreifen Die 

Blütenstaubsäckchen öffnen sich der Quere nach. Die Zapfen- 



52 Pinaceae. 

schuppen fallen einzeln von der vorläufig stehenbleibenden gemein- 
samen Zapfenspindel ab. Gattung 30. Abies Link, Edeltanne. 
b. Die Blätter sind meist nach allen Richtungen hin am Zweige an- 
geordnet; sie sind immergrün, vierseitig und allseitig grün und 
mit Spaltöffnungen versehen. Die Blütenstaubsäckchen öffnen sich 
der Länge nach. Die Zapfenschuppen fallen nicht von einer stehen- 
bleibenden Spindel, es fällt vielmehr der ganze Zapfen ab. 
Gattung 31: Picea Link, Fichte. 
B. Die Nadeln stehen der Mehrzahl nach in Büscheln , d.h. in sehr ver- 
kürzten Trieben beisammen. Die Endknospe solcher Kurztriebe 
wächst im Beginn des Sommers oft zu einem Langtrieb aus; an 
solchen Langtrieben stehen die Nadeln einzeln und spiralig. Die 
Blütenstaubsäckchen springen der Länge nach auf. Die Zapfen- 
schuppen bleiben an der gemeinsamen Spindel stehen. Gattung 32: 
Larix Link, Lärche, 
B. Die Zapfenschuppen sind an ihrem oberen Ende zu einer schildförmigen, 
genabelten Scheibe verdickt; sie lösen sich meist nicht von ihrer ge- 
meinsamen Spindel ab. Die Blütenstaubsäckchen öffnen sich mit 
einer Längsspalte. Die Nadeln sind immergrün, halbrund oder drei- 
eckig, sie stehen zu 2 bis 6 an einem Kurztriebe beisammen. Gattung 33: 
Pinus L., Kiefer, Föhre. 

Gattung 30: Abies Link, Edeltanne. 

Hierher: Abies alba Miller (Pinus Picea Linne, Abies excelsa Link, 
Abies pectinata De Candolle, Pinus pectinata Lamarck, Pinus Abies Duroi), 
Edeltanne, Weisstanne, Silbertanne. Sie bildet einen geraden, vollholzigen, 
im Schusse bis über 65 m hohen Stamm; ihre Krone ist anfangs pyramidal 
und sehr regelmässig quirlästig, später aber walzenförmig und nach Auf- 
hören des Höhenwuchses am Gipfel abgeplattet. Die in der Jugend glatte, 
olivenbrauue , später weissgraue Rinde verwandelt sich etwa vom 40. Jahre 
an in eine hellfarbige, in dünnen Schuppen abblätternde, oft Harzbeulen 
enthaltende Borke. Die flachen, kammförmig-abstehenden, oberseits glänzend- 
dunkelgrünen, unterseits neben dem hellgrünen Mittelnerv bläulich-weissen 
Blätter dauern 8 bis 1 1 Jahre. Die grünlich-gelb-rötlichen, männlichen Blüten 
zeigen sich namentlich im oberen Teile der Krone; die weiblichen nur an 
den allerobersten Ästen. Die Zapfen sind 8 bis 20 cm lang, walzenförmig, 
grünlich-braun; sie stehen aufrecht „wie nebeneinander aufgesteckte Kerzen" 
beisammen. Sie blüht im Süden im April, im Norden im Mai bis Juni. 
Sie findet sich in der Ebene nur spärlich, häufig hingegen im Gebirge. 



Pinaceae. 53 

Ihre Nordgrenze zieht sich etwa vom Mittehhein nach dem Südrande des 
Harzes hin. Ihr Holz ist sehr geschätzt; sie liefert Terpentin.*) 

[Gattung 31: Picea Link, Fichte. , 

Hierher nur: Picea'excelsa Link (Pinus Picea Duroi, Pinus Abies L., 
Pin US excelsa Lamarck, Abies excelsa De Candolle, Abies Picea Miller, 
Picea vulgaris Link), Fichte, Rottanne , Peehtanne. Sie bildet einen 
geraden, nach obenzu stark abfälligen, d. h. sich kegelförmig verschraä- 
lemden, walzenförmigen bis 50 m hohen Stamm und eine pyramidal-kegel- 
förmige, zugespitzte Krone. Die anfangs glatte, hell- bis rotbraune Rinde 
verwandelt sich später in eine in dünnen Schuppen abblätternde, äusserlich 
rot- oder graubraune, selten grauweise Borke. Die Hauptäste sind im all- 
gemeinen schwach, die unteren abwärts, die mittleren horizontal, die obersten 
aufwärts gerichtet. Die meist nach allen Seiten, oft aber auch fast zwei- 
zeilig abstehenden Nadeln sind viereckig und auf allen Seiten gleichmässig 
glänzend grün; sie währen etwa 7 Jahre. Die in reichen Blütenjahren oft 
über die ganze Krone verbreiteten männlichen Blüten sind vor dem Ver- 
stäuben „Erdbeeren ähnlich" kugelig oder eiförmig und schön purpurrot, 
nach dem Verstäuben länglich, gekrümmt, gelb. Die an den Spitzen vor- 
jähriger Triebe im oberen Teile der Krone sitzenden, aufrechten, weiblichen 
Blüten bilden 4- — 5 cm lange, leuchtend-purpurrote Zäpfchen; später wenden 
diese sich abwärts, so dass die walzig-spindelförmigen, 10 bis 16 cm langen 
hell- bis zimmetbraunen, seltner hell- bis gelbgrünen Zapfen abwärts hängen. 
Sie blüht im Süden bereits Ende April, im Norden Deutschlands erst Ende 
Mai, selbst anfangs Juni. Im ganzen Gebiete häufig und grosse Wälder 
bildend. Sie liefert ihr Holz und Pech.-) 



*) Tafel 23. Abies alba Miller. A blühender Zweig mit vielen männ- 
lichen Blüten, einem weiblichen Blütenzapfen und einer Zapfenspindel; B zapfen- 
tragender Zweig, zwischen den breiten, grossen Fruchtschuppen kommen die 
spitzen Deckschiippen zum Vorschein; 1 männliche Blüte; 2a und b Staubblatt 
vor und nach dem Aufspringen; 3 Deckschuppe der weiblichen, unten hei-vor- 
ragenden Blüte, von aussen; 4 Fruchtschuppe mit den beiden jungen Samen, 
überragt von der grossen Deckschuppe, von innen; b reife Fruchtschuppe 
von aussen; vor ihr steht die schmale, am oberen Ende umgebogene Deck- 
schuppe ; 6 reife Fruchtschuppe von innen , mit den beiden geflügelten Samen ; 
7 Same mit Flügel ; 8 durchschnittener Same (nebst Teil des Flügels), er zeigt den 
Keim in seinem Eiweis. Zum Teil vergrössert. 

*j Tafel 24. Picea excelsa Link. A Zweig mit mehreren kleineren 
männlichen Blüten und einem grösseren, weiblichen Blütenzapfen ; letzterer mit 
nach abwärtsgerichteten, die kleinen Deckschuppen ganz verdeckenden Finicht- 
schuppen; B reifer Zapfen ; 1 Nadel; 2 männliche Blüte verstäubt; 3 und 4 Staub 
b lätter vor und nach der Verstäubung ; 5 der Blüte entnommene Fruchtschuppe 



54 Pinaceae. 

Eigentümliche Formen sind: 

die 8clllailg"eilficllte mit wenig verzweigten, schlangenartig hin- mid her 
gewundenen Quirlästen. Vereinzelt im Gebirge. 

die Schiieeln'iU'lillclite, kurzstämmig, dicht beastet und stark verzweigt, 
dicht und struppig benadelt; auf dem Boden liegende Äste schlagen 
oft Wurzeln und entwickeln hier Tochterstämme; Wipfel oft ab- 
gebrochen und durch aufgerichtete Quirläste ersetzt. In der Schnee- 
bruchregion der mitteldeutschen Gebirge. 

die Alpeilfichte (Spitzfichte) mit lang- und schlankschäftigem, hoch hinauf 
astreinem Stamme, schmaler, spitzer Krone, kurzen, fast wagerecht ab- 
stehenden Ästen. In den Alpen und Voralpen. 

Wettertaniieil sind freistehende, alte Fichten mit vielen aufgerichteten Quirl- 
ästen; in Hochlagen der Alpen. 

Stelzeiiftchteii sind alte Fichten, deren Stamm von einem bis etwa 1 m 
über den Boden ragendem Gestelle mächtiger Wurzeln getragen wird. 

Gattung 32: Larix Link, Lärche. 

Hierher nur: Larix (leciclua Miller (Larix europaea De Candolle, 
L. excelsa Link, Pinus Larix L., Abies Larix Lamarck), Europäische Lärche, 
(xeiiieine Lärche, Lärclientaiiiie. Sommergrüner Baum, der in den Alpen 
und den Karpathen (seiner eigentlichen Heimat), auch in Parkanlagen, bis 30 m 
Höhe, einen geraden Stamm und eine tief herabreichende, pyramidal-kegel- 
förmige Krone erlangt, in Mittel- und Norddeutschland aber keine bedeutende 
Höhe erreicht und einen säbelförmigen Stamm mit unregelmässiger Krone 
und dünner Benadelung bildet. An jungen Stämmchen und an den Zweigen 
ist die Rinde glatt, ledergelb, später verwandelt sie sich in eine längs- und 
querrissige, äusserlich graubraune, inwendig schön braunrote Borke. Die 
Nadeln sind beiderseits gleichfarbig hellgrün. Sie blüht im Süden Ende 
März, im Norden des Gebietes Ende April bis Mitte Mai. Die sehr zahl- 
reichen, oft alle Zweige bedeckenden männlichen Blüten sind gelblich, die viel 
selteneren aufrechtstehenden weiblichen meist schön purpurrot, selten blass- 
grünlich. Die kleinen Zapfen sind hellbraun. Sie wird vielfach angepflanzt; 
in ihrer Heimat bildet sie an vielen Stellen teils allein, teils im Gemisch 



von innen, mit ihren beiden geflügelten Samen; 6 dieselbe von aussen, an 
ihrem Grunde die kleine Deckschuppe; 7 letztere stärker vergrössert; 8 Zapfen- 
schiippe von innen mit den beiden Samen; 9 Zapfenschuppe von aussen; 10 Same 
mit seinem Flügel ; 11 Same , rechts daneben der von ihm losgelöste Flügel. 
1 bis 7 vergrössert. 



Pinaceae. 55 

mit Fichten und Zirbelkiefern die Baumgrenze. Sie liefert den veneti- 
anischen Terpentin.*) 

Gattung 33: Pinus L., Kiefer, Föhre. 

A. Der Nabel der endständigen Scheibe, des Schildchens der Zapfenschuppe 
findet sich in der Mitte oder nahezu in der Mitte der Scheibe. Die 
Nadeln stehen zu 2 vereint und sind dann halbrund; an den Zweig- 
spitzen stehen sie mitunter zu 3 auf einem Kurztrieb, dann sind sie 
flach-dreiseitig. (Pinaster.) Blütezeit Mai, Anfang Juni. Zapfenreife 
im zweiten Herbste. 

Nach Wachstumsform, Nadel- und Zapfenbildung lassen sich 3 Arten 
unterscheiden: 

1. Pinus silyestris L., Kiefer, Föhre, IVeissfölire. Nadeln 3 bis 5 
selten bis 8 cm lang; Zapfen glanzlos, 2^1^ bis 7 cm lang; Samen- 
flügel 3 bis 4 mal so lang wie der Same. — Immergrüner bis 40 m 
hoher Baum, mit hoch hinauf astfreiem Stamme. Die oberflächlich 
laufenden Wurzeln, neben denen eine bis in das späte Alter sich 
erhaltende Pfahlwurzel vorhanden ist, treten gewöhnlich über den 
Boden hervor. Junge Stämmchen, Äste und Zweige haben eine 
glänzende, gelbe Haut, welche sich später in papierdünnen, leuchtend 
rotgelben Fetzen abschülfert und durch eine längs- oder querrissige, 
äusserlich graubraune, innen lebhaft rotbraune, bleibende Borke er- 
setzt wird. Die Krone ist in der Jugend pyramidal, im Alter flach 
gewölbt, schirmartig. Die Blüten bedecken oft die ganze Oberfläche 
der Krone; die männlichen sind kurzgestielt und hellgelb; sie stehen 
zu vielen, straussförmig zusammengedrängt am unteren Teile der jungen 
Endtriebe, weshalb dieser Teil nach dem Abfall der Blüten nackt ist 
und bleibt. Die weiblichen Blütenzapfen stehen einzeln oder zu 
zweien, selten in Quirlen an der Spitze der jungen Endtriebe; sie 
sind gestielt und hellrötlich; sie biegen sich schon im ersten Jahre 
abwärts und bilden einen ei- oder kegelförmigen, schief-auf sitzenden 
Zapfen. Dieser ist glanzlos, graugelb, grünlich- oder bräunlichgrau. 
Die erst nach dem Aufspringen des Zapfens sichtbaren inneren 
Flächen der Zapfenschuppen sind dunkelbraun. Ausser ihrem Holze 



*) Tafel 25. Larix decidua Miller. A mid B blühende und fruchtende 
Zweige; 1 männliche Blüte; 2 und 3 Staubblätter; 4 weiblicher Blütenzapfen; 
5 desgleichen der Länge nach durchschnitten; 6 Fruchtschuppe von innen, mit 
den beiden Samenanlagen; 7 reife Fruchtschuppe von aussen, nebst ihrer Deck- 
schuppe ; 8 reife Fruchtschuppe von innen, mit den beiden Samen ; 9 Same nebst 
Flügel, der Länge nach durchschnitten; 10 ganze Samen. Zum Teil vergrössert. 



56 Pinaceae. 

liefert sie Terpentin und Terpentinöl (offizinell TereWiltliiiia 
und Oleum Terebiilthiiiae), sowie eine Reihe daraus hergestellter 
Produkte: Kolophonium u. a., ausserdem Harz, Teer, Pech, 
Kienruss, Waldwolle (die zerfaserten Nadeln) und Waldwollöl. 
Nach Grösse der Zapfen, Form und Farbe des Schildchens und der 
Zapfenschuppen ist die Kiefer sehr veränderlich. Sie ist unser ge- 
meinster Waldbaum und bildet für sich und im Gemenge mit Fichten 
und Eichen grosse Waldungen ; doch gehört sie mehr der Ebene als 
dem Gebirge an. ^) 

Besondere Formen sind die Moor- oder Sumpfkiefer der Hoch- 
moore der mitteleuropäischen Gebirge: dünne, selten über mannshohe, 
bis zum Boden hinab beastete Stämmchen, mit kaum 3 cm langen, 
sehr starren Nadeln und kleinen, eiförmigen, ungleichseitig entwickel- 
ten Zapfen; ferner die Straiidkiefer der Ostseeküste mit kurzem, 
dickem, oft krummem Stamme und höchst unregelmässiger, breiter 
Krone mit dicht und struppig benadelten Zweigen; deren Quirläste 
oft senkrecht emporsteigen. 
2. Pinus laricio Poiret, Schwarzkiefer, Scliwarzföhre. Ein ver- 
änderlicher Baum, der im Gebiete nur in der Abart ß. austriaca 
Endlicher (P. austriaca Höss, P. nigricans Host, P. maritima Koch), 
Österreichische Kiefer, vertreten ist. Nadeln 9 bis 10 (selten 12 
bis 16) cm lang; Zapfen glänzend, gelbbraun, 5 bis 8 cm lang; 
Samenflügel dreimal so lang als der Same. — Bis 30 m hoher Baum 
mit schlankem Stamme und pyramidaler, im Alter schirmartig-ge- 
wölbter Krone. Die in der Jugend grünlich-braune Rinde verwandelt 
sich allmählich in eine tief rissige, äusserlich dunkel -schwarz -graue, 
bleibende Borke. Die männlichen Blüten sind walzenförmig, fast 
sitzend, gelb; die weiblichen länglich, kurzgestielt, rot. Die fast 
sitzenden Zapfen stehen bald aufrecht, bald horizontal, bald schief 



') Tafel 26. Pinus silvestris L. A Zweig mit Blüten und Frucht; 1 männ- 
liche Blüte während der Verstäubung ; 2 und 3 Staubgef ässe vor und nach der Ver- 
stäubung; 4 weiblicher Blütenstand; 5 und 6 die Fruchtschuppe in der Achsel 
der kleineren (links stehenden) Deckschuppe ; 7 Fruchtschuppe von vorn, mit den 
beiden abwärts gerichteten Samenanlagen; 8 reife Zapfen, a geschlossen, b auf- 
gesprungen ; 9 einzelne Zapfenschuppe mit dem vierseitigen Schildchen ; 10 die- 
selbe von innen, um die beiden Samen zu zeigen; 11 geflügelter Same; 12 Same, 
daneben der von ihm losgelöste Flügel; 13 und 14 ohne, bez. mit der Samen- 
schale der Länge nach durchschnittener Same; der mit mehreren Keimblättern 
versehene Keim liegt in der Mitte des Eiweisses; 15 Kurztrieb mit 2 Nadeln, 
nebst Querschnitt der Nadeln. A, 8, 9, 10, 11 und 12 natürl. Grösse, das andere 
verffrössert. 



Pinaceae. 57 

abwärts. Blütezeit Ende Mai bis Mitte Juni. Sie bildet in Nieder- 
österreich und Steiermark ausgedehnte Waldungen. Wird vorzugs- 
weise zur Pechgewinnung benutzt; liefert auch Terpentin und 
Terpentinöl (TereMiitliiiia und Oleum Terebiiithiiiae). 
3. Piniis montana Duroi (P. Mughus Scopoli, P, Pumilio Scopoli, 
P. uncinata Ramond, P. uliginosa Wimmer), Bergkiefer, Krumm- 
holzkiefer, Knieliolzkiefer, Le^^fölire, Latselie. Nadeln 2 bis 
6 cm lang; Zapfen 3 bis 5 cm lang, glänzend; Samenfiügel zweimal 
so lang als der Same. — Von der Gemeinen Kiefer unterscheidet sie 
sich durch den Mangel einer Pfahlwurzel; durch aufwärts gekrümmte 
wenig verzweigte, tief hinab benadelte Hauptäste; durch stumpfe, 
beiderseits gleichfarbig - dunkelgrüne , oft sichelförmig - gekrümmte 
Nadeln; durch 'sehr zahlreiche, dicke Sträusse bildende, sehr lebhaft 
gelbe männliche Blüten; durch meist quirlich-gestellte, schön duftig- 
violettbraune weibliche Blütenzäpfchen, durch sitzende, aufrecht-ab- 
stehende, horizontal oder schief nach unten gerichtete, gegen- oder 
quirlständige Zapfen von glänzender Farbe und durch den stets von 
einer schwärzlichen Linie umzogenen aschgrauen oder hellbraunen 
Nabel der Zapfenschuppenschildchen. Sie bildet einen bis 25 m 
hohen Baum, oder häufiger, als Krumm- und Knieholz, einen Strauch, 
dessen von einem Mittelpunkt strahlenartig sich ausbreitende Aste 
in ihrem unteren Teil auf dem Boden liegen und in ihrem oberen 
sich knieförmig aufrichten. Sie blüht Ende Mai, anfangs Juni; die 
Zapfen reifen im zweiten oder gar erst im dritten Herbst. Sie findet 
sich in den höheren Gebirgen und moorigen Hochebenen Mittel- 
europas. 

Willkomm vereinigt die nach ihrer Zapfenbildung in „zahllose 
Formen" zerfallende Art in drei Hauptgruppen: 

a. Hakenkiefer (P. uncinata Ramond). Zapfen ungleichseitig ent- 
wickelt; Schildchen der Zapfenschuppen auf der Lichtseite stärker 
entwickelt als auf der Schattenseite ; die des unteren Drittels des 
Zapfens, seltener alle, kapuzenförmig- pyramidal oder kegelförmig 
verlängert und hakenförmig nach dem Grunde des Zapfens zurück- 
gekrümmt. Zapfen grünlich, aschgrau, braungelb, bräunlich bis 
glänzend -braunrot ; sehr verschiedengestaltig. Als Baum in der 
Schweiz, in Franken, auf dem sächsischen Erzgebirge; als Strauch 
die Legföhre oder Latsche der Schweiz, des Böhmerwaldes und 
Erzgebirges. 

b. Zwergkiefer (P. Pumilio Hänke). Zapfen gleichmässig ausgebil- 
det, eiförmig, fast kugelig; Schildchen oberhalb des Nabels ge- 



58 Pinaceae. 

wölbt, unterhalb desselben vertieft. Zapfen dunkelbraun bis dunkel- 
gelb, zu Beginn der Reifezeit mit bläulichem Duft überzogen. Als 
Baum selten; als Knieholz bedeckt sie den Kamm des Riesen- 
gebirges; ebenso häufig in den Sudeten; in den Alpen seltener 
als die Hakenkiefer, 
c. Mug'liokiefer (Pinus Mughus Scopoli). Zapfen gleichmässig aus- 
gebildet, kegel- oder eikegelförmig; hell- bis dunkel-zimtbraun, 
niemals bereift. Schildcheu der Zapfenschuppen mit scharfem Quer- 
kiel. Selten baumförmig; als Knieholz häufig in den öster- 
reichischen und venetianischen Alpen. 
B. Der Nabel der Scheibe der Zapfenschuppen findet sich in der Mitte des 
oberen Randes der Scheibe oder dicht vor demselben. Die Nadeln 
stehen meist zu 5, seltner zu 4 oder 6. 

I. Die Zapfen stehen aufrecht oder seitwärts; sie sind eiförmig und zer- 
fallen nach der Samenreife (Cemhra). 

Hierher Pinus Cemhra L., Arve, Zirhel, Zirbe, Zirbelkiefer. 
Immergrüner Baum mit selten über 22 m hohem, aber bis 1,7 m im 
Durchmesser haltendem, nach oben sich stark zuspitzendem Stamme; 
Krone anfangs kegelförmig, dann walzig, hochgewölbt und ganz 
unregelmässig; Aste wagerecht abstehend und an ihren Spitzen auf- 
wärts gekrümmt. Ihre anfangs glatte, rötlich-graue, dann graue, 
warzige Rinde verwandelt sich später in eine dicke, graubraune, 
querrissige, bleibende Borke. Die Nadeln sind starr, stumpf spitzig, 
auf der äusseren Fläche dunkel-, auf der inneren meergrün ; sie haben 
eine fünfjährige Dauer. Männliche Blüten ungestielt, gelb; weibliche 
violett. Zapfen kurzgestielt, sehr stumpf-eiförmig; vor ihrer Reife 
bläulich - bereift ; reif hell - zimtbraun, glanzlos. Die 10 bis 12 mm 
langen, hartschaligen Samen enthalten einen ölreichen, essbaren Kern, 
Zirbel- oder Zirbennuss. Blütezeit Anfang Juni. Holz zu feinen 
Schnitzarbeiten gesucht. In den Alpen nicht unter 1500 m Seehöhe. 
Alte Bäume sterben von oben her ab, nach dem sie schon lange vorher 
oft zahlreiche, senkrecht aufsteigende Aste entwickelt und so wunder- 
bare Formen erhalten haben. 
IL Zapfen hängend , lang-walzig oder spindelförmig , ganz abfallend 
(Strohus). 

Hierher die erst 1705 aus Nordamerika eingeführte Weymouths- 
kiefer (P. Strohus L.), welche vielfach angepflanzt wird und schon 
in ganzen Beständen als bis fast 50 m hoher Waldbaum vor- 
kommt. 



Pinaceae. 59 

2. Unterfamilie: Cupressineae, CypressengewUchse. 

Die Cypressengewächse sind immergrüne Sträucher oder Bäume mit 
schuppen- oder nadeiförmigen Blättern. Ihre Blüten sind ein-, selten zwei- 
häusig; die männlichen bestehen aus kreuzweis-gegenständig oder in drei- 
zähligen Wirtein angeordneten Schuppenblättern, welche je 2 bis 6 Blüten- 
staubsäckchen tragen. Der weibliche Blütenstand ist ein kleiner Zapfen; 
in den Achseln seiner Schuppen stehen die 2 oder mehr, nackten und auf- 
rechten Samenanlagen, welche für sich allein die weiblichen Blüten vor- 
stellen. Die Frucht, eine Scheinfrucht, ist ein kleiner, holziger Zapfen oder 
ein Beerenzapf eu, das ist eine durch Verschmelzung der dick, weich und 
saftig gewordenen Schuppen entstandene Scheinbeere. 

Bei uns findet sich nur eine Gattung. 

Gattung 34: Juniperus L., Wacholder. (XXI oder XXII.) 
Aromatisch riechende Bäume oder Sträucher; ihre Fruchtschuppen 
verwachsen vollständig miteinander und bilden einen fleischigen Beeren- 
zapfen, welcher die Samen völlig einschliesst. 

A. Blätter nadeiförmig. Die Zapfenschuppen tragen nur je eine seitlich 
neben ihnen stehende Samenanlage, sodass diese und die Schuppen 
miteinander abwechseln. Nur der obere, meist dreigliedrige (ein- bis 
dreigliedrige) Wirtel der Zapfenschuppen ist fruchtbar. 
A. Die Nadeln sind gerade, steif, stechend. 

a. Der Durchmesser der reifen Scheinbeeren ist kleiner als die Länge 
der Blätter. 

a. Blätter oberseits hellgrün mit einer flachen, bläulichweissen 
Mittelrinne, unterseits mit einem stumpfen Kiele, der seinerseits- 
schwach längsgefurcht ist. Beerenzapfen im ersten Jahre ei- 
förmig, grün, im zweiten kugelig, dunkelschwarzbraun, blaube- 
reift; 6 bis 9 mm Durchmesser. Auf seinem Scheitel zeigt er 
drei strahlig-zusammenstossende, die Grenzen der drei ursprüng- 
lich vorhandenen Schuppen andeutende Furchen. Blütezeit 
April, Mai. Pyramidal -kegelförmige oder niederliegende (var. 
prostrata Willkomm) Sträucher, seltner mittelgrosse Bäume. 
In Nadelwäldern und auf Heiden häufig. Die Beerenzapfen 
Fructiis Juiiiperi, Wacholderbeeren, sowie das Wacholder- 
öl, Oleum Jimiperi, sind offizineil, erstere werden auch als 
Gewürz verwendet. Das Holz ist gesucht. J. comuiiis L., 
Oemeiner Wacholder, Machaiulelboom.^) 

') Tafel 27. Jimiperiis communis L. A männlicher, B weiblicher 
Blütenzweig; 1 männliche Blüte; 2 und 3 Staubblätter; 4 weiblicher Blüten- 



60 Pinaceae. 

b. Blätter oberseits zu jeder Seide des Mittelnervs mit einer 
seichten, bläulichweissen Furche, unterseits scharfkielig. Beeren- 
zapfen glänzend-braunrot, mit 10 und mehr mm Durchmesser. 
Blütezeit Mai. Massig hoher Strauch. Istrien. Jiiiiii)ei*us oxy- 
cedrus L., Ceder-Waclioltler. 
ß. Der Durchmesser der reifen und dann kugelig- eirunden, violetten^ 
am Scheitel rötlichen Scheinbeeren ist so gross oder grösser (bis 
15 mm) als die Länge der Blätter. Felsentriften bei Triest^ 
J. macroearpa Sibthorp, Orossfrüchtisier Waeliolder. 
B. Die Nadeln sind einwärts gebogen, fast sichelförmig-gekrümmt^ 
krautig, nicht stechend; sie stehen in sehr genäherten Wirtein und 
liegen auch dem Zweige etwas an, sodass sie sich fast dachziegelig 
decken. Die Frucht ist kugelig, tiefschwarz und blaubereift, ihr 
Durchmesser ist so gross wie die Blattlänge. Blütezeit Mai, Juni. 
Niederliegender, oft unter Moos halb versteckter, kleiner Strauch der 
alpinen und subalpinen Regionen, besonders an der oberen Grenze 
des Holzwuchses. J. nana Willdenow, ZAverg-Wacholder. 
B. Blätter, wenigstens der jüngeren Zweige, schuppenförmig (eigentlich mit 
ihrem grösseren unteren Teile angewachsen und nur im oberen Teile 
frei), dicht dachziegelig. Fruchtschuppen ein- bis zweiblütig ; meist ist 
der obere Wirtel der Zapfenschuppen unfruchtbar. 

A. Beerenzapfen eiförmig bis kugelig, 6 — 8 mm lang, schwarz, blau- 
bereift. — Strauch oder kleiner Baum mit niederliegenden und auf- 
steigenden Ästen, deren dünne, rutenförmige Zweige buschig zu- 
sammengezogen sind. Die Blätter der stärkeren Zweige sind mit- 
unter nadeiförmig, fast stachelspitzig-stechend und in dreigliedrigen 
Wirtein angeordnet, die der jüngeren Zweige aber schuppenförmig, 
dachziegelig und kreuzweis gegenständig; alle haben auf der Mitte 
ihres Rückens eine eiförmige bis lang-linealische Oldrüse. Blütezeit 
April, Mai. Giftig. (Sabina officinalis Garcke.) In den Alpen; 
öfters angepflanzt. J. Sabina L., Sadeliaum, Sevenbauni, Säl)en- 
baum, Sicbenbauiu, Jungfernpalme. 

B. Beerenzapfen lebhaft glänzendrot. Blätter meist sechs-, selten vier- 
zeilig. Auf den Inseln Cherso und Osero. J. phoenicea L., Rot- 
t'rüchtiger Sadebaum. 



zapfen; 5 desgleichen im Längsschnitte, mit 2 Samenanlagen; 6 reifer Becren- 
zapfen ; 7 desg'leichen im Qiiei'schnitte , mit 3 durchschnittenen Samen und zahl- 
reichen Harzbehältern; 8 Same; 9 der Länge nach durchschnittener Same. Zum 
Teil verffrössert. 



Gnetaceae. Q1 

Ailliaiigsweise erwähnt seien einige in Deutschland häufiger an- 
gepflanzte Gattungen von Cupressineen. Zapfenschuppen völlig frei oder 
nur an ihrem Grunde miteinander verschmelzend, einen kleinen mehr oder 
minder holzigen Zapfen bildend, der später seine Samen herausfallen lässt ; 
Blätter schuppenförmig, vierreihig, dachziegelig. 

A. Zapfenschuppen 6 bis 8, selten 12, vierreihig, dachziegelig, lederig. 
Samen jederseits geflügelt: Thuja Tournefort, Lebensbaum. 

B. Zapfenschuppen 6 — 8, vierreihig, dachziegelig, fast holzig. Samen un- 
geflügelt: Biota Endlicher, Morgenl all (lischer Lehenshaiim. 

C. Zapfenschuppen 6 bis 14, dick, schildförmig, unter ihrer Mitte gestielt, 
holzig, jede in der Regel mit zahlreichen (selten nur mit 2), in mehreren 
Reihen hintereinander stehenden, scharfkantigen bis schwach-zweiflügeligen 
Samen: Cupressus Tournefort, Cypresse. 

Die Gremeiiie Cypresse, C. sempervireiis L., ist ein 6 bis über 
20 m hoher Baum Südeuropas. 

2. Klasse: Gnetales, Gnetumgewächse. 

Vergl. Seite 49; bei uns nur: 

Familie 13: (xuetaceae, Onetumgewächse. 

Gattung 35: Ephedra Tournefort, Meerträubchen. XXII, 1. 

Ephedra distachya L., Europäisches Meerträuhcheii. Ein bis 

60 cm hoher, sehr ästiger Strauch mit starren, dünnen, schachtelhalmartig 
gegliederten Zweigen, welche an den Knoten sehr kleine, häutige, scheiden- 
förmige, kurz -zweizähnige Blätter tragen. Die Blüten sind zweihäusig. 
Die männlichen sitzen in achselständigen Ähren und bestehen aus einer 
einblätterig-zweilappigen Blütenhülle und einem meist 8 Blütenstaubsäck- 
chen tragenden, weit hervorragenden Staub blatte. Die weiblichen Blüten 
sitzen an besonderen, achselständigen Zweiglein, gestützt von 2 Vorblättern 
und einigen kleinen, häutigen Schuppen, die sich bei der Reife zu einer 
fleischigen , lebhaft roten Samenhülle, zu Scheinbeeren, ausbilden ; sie be- 
stehen aus einer krugförmigen Blütenhülle, aus deren enger Mündung die 
Samenanlage hervorragt. Blütezeit April, Mai. In Südeuropa, bis in die 
Südschweiz und Südtirol vordringend. ^) 



*) Tafel 28. Ephedra distachya L. A männlicher, B weiblicher Blüten- 
zweig ; 1 kleiner männlicher Blütenstand ; 2 geöffnete Frucht ; 3 Same im Längs- 
schnitt. 1 bis 3 vergrössert. 



Zweite Unterabteilung der Blütenpflanzen: 

Aiigiosi)ermae, Bedeclitsamige ; Metasi)ermae, Spätere Sanieii- 

pflaiizeii. 

Kennzeichen Seite 2. 

Die Bedecktsamigen zerfallen in 2 Klassen. 

A. Der Keimling hat fast immer nur einen Samenlappen; in den Blüten- 
teilen herrscht die Zahl 3 vor; die Blätter sind meist parallelnervig 
und einfach, selten geteilt oder gelappt. 1. Klasse: Moiiocotyledoneae, 
Eiiisameiil appige. 

B. Der Keimling hat fast immer zwei, einander gegenüberstehende Samen- 
lappen; in den Blütenkreisen herrscht die Zahl 5, seltener 4 vor; die 
Blätter sind nicht parallelnervig. 2. Klasse: Dicotyledoiieae, Zwei- 
samenlappige. 

Die hierher gehörenden Familien werden zunächst zu ßeilieil 
miteinander vereinigt, welche die allgemeinen Verwandtschafts- 
verhältnisse angeben, zum Bestimmen aber nicht geeignet sind. 

Von den 44 Reihen sind bei uns 34, mit 117 von 273 Familien 
vertreten. 

1. Klasse: Monocotyledoneae, Monocotyleae, 
Einsamenlappige. 

Die einsamenlappigen oder einkeimblätterigen Samenpflanzen zerfallen 
in 10 Reihen, von denen bei uns 6, mit 18 (von 48) Familien ver- 
treten sind. 

1. Blüten in zusammengesetzten, kugeligen oder kolbenähnlichen Blüten- 
ständen; nackt oder mit einer hochblattartigen Blutenhülle; eingeschlecht- 
lich, die männlichen mit 1 bis vielen Staubblättern, die weiblichen mit 
1 bis vielen Fruchtblättern und Samenanlagen. Samen mit Nährgewebe. 
Die einheimischen sind Sumpf-, seltener Wasserpflanzen, mit linealischen 
Blättern. 1. Reihe: Paiidaiiales, Paiidaiigartige. 

Hierlier die Familien : Typhaceae, Rohrkolbcng'ewjiehse ; Sparg:aiiiaceae, 
IgelkolbengeAv Uchse. 



Monocotyledoneae. 63 

2. Blüten ein- oder zweigeschlechtlich, mit hochblattartiger oder gefärbter 
Blütenhülle, seltener nackt, mit einem bis vielen Staub-, Fruchtblättern 
und Samenanlagen. Das Nährgewebe fehlt oder ist ganz spärlich vor- 
handen. Wasser- oder Sumpfpflanzen, 2. Reihe: Helobiae, Suiiipf- 
lilieii. 

Hierher die Familien: Potamogetoiiaceae, Laichkraiitg'ewächse ; Xaiadaceae, 
NixkraiitgCAvächse ; Juiicaginaceae, Blumenbiuseng-ewäehse ; Alisniaeeae, Frosch- 
löffelg-eAvächse; Butomaceae, Wasserlieschgewäelise ; H ydrocharitaceae , Frosch- 
bissgeAvächse. 

3. Blüten nackt oder mit einer aus Borsten oder Haaren bestehenden Hülle, 
von Hochblättern (Spelzen) bedeckt und zu meist mehrblütigen Ährchen 
angeordnet. Fruchtknoten stets einfächrig mit einer Samenanlage. Samen 
mit meist reichlichem , mehligen Eiweis. Graspflanzen. 3. Reihe ; 
Crliimiflorae, Spelzeiibltitige. 

Hierher die Familien: Oramiueae, Gräser, Cyperaeeae, Cypergräser. 

4. Blüten in einer einfachen, von einem grossen Hochblatte (spatha) um- 
schlossenen Ähre, meist eingeschlechtlich, klein, oft wenig ausgebildet. 
4. Reihe: Spatliiflorae, KoH)enl)lütige. 

Hierher die Familien: Ai'aeeae, Arong'ewäohse; Lemnaceae, AVasserliiisen- 
g'ewäclise. 

5. Blüten meist strahhg gebildet, dreizählig. Samenanlage meist umge- 
wendet. Nährgewebe fleischig oder knorpelig. 5. Reihe: Lilüflorae, 
Lilieiiblütige. 

Hierher die Familien: Juncaeeae, Bhiseiig'ewächse ; Liliaeeae, Lilieng'ewächse; 
Amaryllidaceae, Amaryllisg-ewäohse ; Dioscoraceae , Sclimeenvurzg'ewJichse ; Iri- 
daceae, SclnvertelgeAvächse. 

6. Blätter meist seitlich symmetrisch, zweigeschlechtlich. Staubblattkreise 
bei den Einheimischen sehr zurückgebildet , unter sich und mit dem 
Griffel verbunden. Fruchtknoten meist einfächerig, mit sehr vielen 
Samenanlagen. Nährgewebe fehlend, Pollenkörner zu mehreren mit 
einander verbunden. 6. Reihe : Microspermae, Kleinsamige. 

Hierher die Familie: Orchidaceae, Knabeukrautg'ewächse. 

Die hierher gehörenden, bei uns vorkommenden 18 Fami- 
lien lassen sich folgendermassen gruppieren: 

A. Blütenhülle schuppen-, haar- oder borstenförmig oder fehlend. 

I. Kleine, auf der Oberfläche des Wassers schwimmende Pflänzchen, mit 
laubartigen, linsen- oder blattähnlichen Sprossen. 25, Familie: Lem- 
naceae, Wasserlinsen gewäclise. 
n. Pflanzen mit regelrecht beblättertem Stengel. 
A. Blütenstand ein (mitunter kopfiger) Kolben. 

a. Kolben am Grunde mit einer grossen tutenförmigen oder schilf- 



54 Monocotyledoneae. 

blattartigen Scheide. Frucht eine Beere. 24. Familie: Ära- 
ceae, Aroiigewächse. 

ß. Kolben oder kopfförmige Blütenstände ohne Scheide. Frucht 
nuss- oder steinfruchtartig. 

1. Blüten ohne Blütenhülle. 14. Familie : Typhaceae, Rolir- 
kolbengewächse. 

2. Blütenhülle deutlich entwickelt. 15. Familie: Spargailia- 
eeac, IgelkolbeiigewUclise. 

B. Blütenstand kein Kolben. 

a. Untergetauchte oder schwimmende Wasserpflanzen. 

1. Blütenhülle glockenförmig, durch einige Schuppen vertreten 
oder fehlend. 16. Familie: Potamog-etoiiaeeae , Laich- 
liraiitgcwäehse. 

2. Männliche Blüte mit doppelter Blütenhülle: einer äusseren, 
röhrenförmigen oder bauchig -röhrenförmigen, und einer 
inneren, mit dem sitzenden Staubbeutel des einzigen Staub- 
blattes fast bis zur Spitze verwachsenen ; weibliche Blüte 
ohne Blütenhülle. 17. Familie: Naiadaceac, Nixkraut- 
gewächse. 

ß. Graspflanzen mit trockenhäutigen, kahnförmigen Blütendeck- 
blättern: Spelzen. Blüten in Ähren oder Rispen. 

1. Halm meist rund, knotig gegliedert; Blätter zweizeilig ge- 
stellt, Blattscheiden meist offen. Die Staubbeutel sitzen, 
mit ihrem Rücken der Spitze der Staubfäden angeheftet, 
quer auf den Staubfäden. Der Keimling liegt an einer Seite 
des Eiweisses. 22. Familie: Oramiiieae , GrrHser. 

2. Halm meist dreikantig, mit sehr langem, letztem Gliede, so- 
dass er oft ungegliedert zu sein scheint. Blätter dreizeilig 
gestellt; Blattscheiden meist geschlossen. Staubbeutel auf- 
recht, nicht mit ihrem Rücken auf den Fäden angeheftet. 
Der Keimling liegt in der Mittellinie des Eiweisses. 23. Familie: 
Cyperaceae, Cypergräser. 

B. Die Blütenhülle besteht aus zwei-, in der Regel dreiblättrigen Kreisen, 
doch sind diese Blätter oft teilweise oder ganz miteinander verwachsen 
und bilden in letzterem Falle eine viel-, meist sechszipfelige Krone. 
I. Von den beiden Kreisen der Blütenhülle ist der äussere kelch-, der 
innere blumenkronartig. 
A. Fruchtknoten oberständig. 

1, Früchtchen zahlreich, mit je einem, selten mit zwei, gebogenen 
Samen. 19. Familie: Alismaceae, FroselilöflFelgewiichse. 



Typhaccae. 65 

2. Früchtchen vielsamig. 20. Familie: Biltoinaceac, Wasser- 
liesehscwäelise. 

B. Fruchtknoten unterständig. 21. Familie: Hyclrocharitaceae, 
FroseliI)issgewäclise. 

IL Die Blütenhülle besteht aus gleichartigen Kreisen, nicht aus zwei ver- 
schiedenen, einen äusseren, kelchartigen, und einem inneren, blumen- 
kronartigen Kreise. 

A. Fruchtknoten oberständig. 

1. Die Blütenhüllen sind kelchartig, zart oder trockenhäutig. 
Sumpfpflanzen. 

a. Die Blütenhüllen sind zart. Sameneiweiss fehlt. 18. Familie 
Juneagiiiaeeae, Blumenbhiseiisewächse. 

ß. Die Blütenhüllen sind ansehnlich, trockenhäutig (spelzen- 
artig). Sameneiweiss ist vorhanden. 26. Familie: Juncaceae, 
Biiiseiigewäehse. 

2. Die Blütenhüllen sind blumenkronartig und meist ansehnlich, 
seltner klein und unscheinbar gefärbt, aber zart. 27. Familie: 
Liliaceae, Lilieiigewäelise. 

B. Fruchtknoten unterständig. 

1. Die Samenträger stehen in der Mitte der Kapsel. 

a. Die Blütenhüllen sind kelchartig. Zweihäusige Schlingpflanzen 
mit windendem Stengel. 29. Familie: Dioscoraceae , 
Schmeerwurzgeiväclise. 

ß. Die Blütenhüllen sind blumenkronartig. 

a. Blüten mit 6 Staubblättern. 28. Familie: Amarylli- 
(laeeae, Amarj llisgewächse. 

b. Blüten mit 3 Staubblättern. 30. Familie: Iridaceae, 
Schwertelseiväelise. 

2. Die Samenträger sind wandständig. Die Staubbeutel (1 selten 2) 
sind mit den in der Blütenhülle vorhandenen Teilen des Stempels 
verwachsen (sitzen auf der Narbe; Linne XX). 31. Familie: 
Orcliidaeeae, Orchideen, Knaheiikrautgewächse. 

14. Familie: Typhaceae, RolirkolbeugeMäclise. 

Schilf artige Sumpfpflanzen mit kriechendem, Ausläufer treibendem 
Wurzelstocke und langlinealischen, mit scheidenförmigem Grunde stengel- 
umfassenden Blättern. Blüten ohne Blütenhülle , eingeschlechtlich , ein- 
häusig, in übereinanderstehenden walzenförmigen Blütenkolben. Jeder 
dieser Kolben hat in seiner Jugend eine bald abfallende Blütenscheide; 
der unterste Kolben trägt die weiblichen Blüten; auf ihn folgt meist ein 

Thome, Flora. II. Aufl. 5 



66 Typhaeeae. 

die männlichen Blüten tragender Kolben; seltener sind deren mehrere 
vorhanden. Die Frucht ist nuss- oder steinfruchtartig, mit häutiger oder 
fast schwammiger Aussenschale und lederiger bis holziger Innenschale, 
Der Keimling liegt in der Axe des mehligen oder fleischigen Eiweisses. 
Hierher nur: 

Gattung 36: Thypha L.. Rohrkolben, Kolbenrohr. XXI.) 

Die männliche Blüte besteht aus zahlreichen haarförmigen Blütenhüll- 
blättern und meist 3 (1 bis 5) Staubblättern, deren Fäden fast ihrer ganzen 
Länge nach miteinander verwachsen sind. Die weibliche Blüte hat eben 
solche Haare und einen gestielten, einfächerigen, meist auch einsamigen 
Stempel mit grosser Narbe. Die Frucht ist nussartig, durch die fadenartig- 
zusammentrocknende Narbe lang-zugespitzt. — Sie sind windblütig, infolge 
ihrer Fruchtblattvorreife wird Fremdbestäubung die Regel. 

Hierher 3 Arten: 

A. Die Blätter überragen den 1 bis 2 m hohen Blütenstand. 

1. Blätter 12 bis 18 mm breit. Der untere weibliche Blütenkolben 
und der darüberstehende männliche schliessen aneinander oder sind 
doch einander sehr genähert. Narben spateiförmig oder rautenförmig- 
lanzettlich. — Fruchtkolben schwarzbraun, etwa daumendick. 21. 
Blütenzeit Juli, August. An Teichufern und Gräben; nicht selten. 
T. latifolia L., Breitl)lätteriger Eohrkoll)eii.^) 

Eine der Schweiz angehörende, im ganzen etwas niedrigere, 
schmalblätterigere (5 — 10 mm) Abart mit grauen Fruchtkolben ist 
T. Slmttleworthii Koch u. Sonder, Shiittlewortli's Iiohrkoll)eii. 

2. Blätter schmal-linealisch, ausnahmsweise bis 10 mm breit, auf dem 
Rücken gewölbt. Der weibliche und der männliche Kolben sind 
durch einen nackten Stengelteil voneinander getrennt. Narben lan- 
zettlich-fadenförmig. — Kolben weit dünner wie bei voriger. Blüte- 
zeit Juli, August. 21. Mit voriger, aber seltener. T. ang-ustifolia L., 
Sclimallblätteriger Rolirkollbeii.^) 

B. Der nur etwa 40 bis 60 cm hohe Blütenstand überragt die Blätter be- 
deutend. Männlicher und weiblicher Blütenstand durch einen nackten 
Stengelteil voneinander getrennt. — Die weiblichen Kolben sind anfangs 
walzenförmig, später länglich bis fast kugelig. Narben fadenförmig 
oder lineal-fadenförmig. — Blütezeit Mai, Juni. % Auf thonig- 



1) Tafel 29 A. Typha angustifolia L. Teile der Pflanze. B Typha 
1 at i f 1 i a L., B 1 und B 2 männliche Blüten ; B 2 im reiferen Zustande, nachdem sich 
die freien Teile der Staubfäden mehr gestreckt haben. B 3 eine fruchtbare 
grössere imd eine uufruchtbare kleinere weibliche Blüte. 1 bis 3 vergrössgj.^ 



Sparganiaceae. 67 

sandigem Boden in Sümpfen und an Flussufern im Elsass, Oberbaden, 
Baiern, der Schweiz. (T. Laxmanni Lepechin.) T. minima Funk, 
Kleinster Rohrkolben. 

15. Familie: Sparg^aniaceae, Igelkolbeiig-ewächse. 

Ausläufer treibend, krautige Pflanzen mit kugeligen Blütenkolben, 
welche in einer einfachen, zuweilen unten traubigen oder zusammengesetz- 
ten Ähre beisammenstehen ; die unteren Blütenkolben (Köpfchen) sind weib- 
lich, die oberen männlich. Die einzelnen Blüten besitzen eine aus häutigen 
Blättchen gebildete Hülle. 

Hierher nur: 

Gattung 37: Sparganium L., Igelkolben, Igelkopf. (XXI.) 

Die männlichen Blüten bestehen aus meist 3 (2 bis 6) trockenhäutig- 
schuppenförmigen Blütenhüllblättern und meist 3 (bis 8) Staubblättern, 
deren Fäden zu 2 oder 3, bis zum Grunde der Staubbeutel miteinander 
verwachsen sind. Die weiblichen Blüten stehen in der Achsel eines deut- 
lich entwickelten Deckblattes; ihre Blütenhülle besteht aus 3 oder mehr 
schuppenartigen, trockenhäutigen Blättern; dazu kommt ein sitzender, ein- 
oder zweifächeriger und ebenso viele Narben besitzender Fruchtknoten. 
Frucht steinfruchtartig. Durch meist ausgesprochene Fruchtblattvorreife 
wird Fremdbestäubung zur Regel. 

Hierher 4 Arten; 

A. Blütenstand rispig (die einzelnen kugelförmigen Blütenkolben bilden 
nicht eine einfache Traube oder Ähre). Grundständige Blätter drei- 
kantig, mit etwas hohlen Flächen. Narben linealisch; Früchtchen lang- 
geschnäbelt. '2|. Blütezeit Juli, August. Bis 60 cm lang. An Gräben 
und Teichen häufig. S. ramosiim Hudson, Ästiger Igelkolben.') 

B. Blütenstand nicht ästig. 

1. Stengel aufrecht, über das Wasser emporragend. Grundständige 
Blätter an ihrem Grunde flach gekielt und dadurch einigermassen 
dreikantig. Narbe linealisch. — Männliche und weibliche Blüten- 
kolben sind zu mehreren vorhanden; die untersten, weiblichen, sind 
gestielt und stehen in der Achsel laubiger Deckblätter; die oberen, 
männlichen, sitzen in der Achsel schuppenförmiger Deckblätter. 
Früchtchen lang-geschnäbelt. %. Blütezeit Juli, August. 30 bis 
50 cm hoch. An Gräben und Teichen häufig. S. Simplex Hud- 
son, Einfacher Igelkolben. 

^) Tafel 30. Sparganium ramosum Hudson. A blühende Pflanze. 
1 männliche, 2 weibliche Blüte, 3 Frucht; 4 Fnichtkolben; 1 bis 3 vergrössert. 

5* 



68 Potamogotonaceae. 

Bei der Varietät Flutender Igelkolben, tlultans A. Braun, 
ragt nur der Blütenstand aus dem Wasser hervor, der Stengel und die 
sehr langen Blätter fluten. Neben voriger, aber zerstreut und selten. 
2. Stengel untergetaucht flutend oder schwimmend, sodass nur der 
Blütenstand über dem Wasser hervorragt. Blätter nicht gekielt (selten 
an ihrem Grunde mit der schwachen Spur eines Kieles). 

a. Narbe kurz, linealisch. Früchtchen lang-gesclmäbelt. Männliche 
und weibliche Blütenkolben zu mehreren; die unteren, weiblichen, 
meist gestielt. Früchtchen gestielt, langgeschnäbelt. %. Blüte- 
zeit Juli, August. 60 bis 80 cm lang. In Seen und tiefen 
Teichen; selten. (S. natans L. ?). Spfirg'anlum affine Schnizlein, 

YerAvantlter Igelkolben. 

b. Narben linealisch, schief. Männliche Blütenkolben meist einzeln 
an der Spitze des Stengels, weibliche meist zu zweien. Frücht- 
chen sitzend, mit sehr kurzem Schnabel. — 21. Blütezeit Juli, 
August. 15 bis 30 cm lang. In Teichen und Sümpfen zerstreut. 
(S. natans Autorum) S. mininmm Fries, Kleinster Igelkolben. 

c. Blätter an ihrem Grunde flach gekielt. S. Simplex Tar. fluitans 
A. Braun, Flutender Igelkolben. (Siehe vorhin.) 

16. Familie: Potamo^etonaceae, Samki-autg-ewächse. 

Ausdauernde, flutende oder mit den obersten Blättern schwimmende 
Pflanzen. Blüten zweihäusig, seltener eingeschlechtlich und dann meist ein- 
häusig. Eine Blütenhülle fehlt oder sie ist glockenförmig. Staubbeutel und 
Stempel meist 4; Griffel vorhanden oder fehlend. Narbe linien- oder 
scheibenförmig. Früchtchen steinfruchtartig. Keimling gekrümmt. 

Hierher 4 Gattungen: 

A. Blüten getrennten Geschlechtes. 

a. Weibliche Blüten ohne Blütenhülle. Staubbeutel sitzend, in 2 ein- 
fächerige Hälften gespalten. Gattung 38 : Zostera L., Seegras. 

b. Weibliche Blüten mit glockiger Blütenhülle. Staubbeutel lang- 
gestielt. Gattung 39: Zannicliellia Micheli, Zannichellie. 

B. Blüten zwitterig. Staubbeutel sitzend oder fast sitzend. Griffel fehlt. 

a. Blüten mit 2 Staubblättern. Gattung 40: Ilui)pia L., ßuppie. 

b. Blüten mit 4 Staubblättern; letztere haben an ihrem Mittelbande ein 
blütenhüllenartiges Anhängsel. Gattung 41: Potamogeton Tourne- 
fort, Sam- oder Laichkraut. 

Gattung 38: Zostera L., Seegras. (XXI, I.) 
Untergetaucht im Meere lebende Pflanzen mit kriechendem Stengel 
und grasartig-linealischen, flutenden, oft meterlangen Blättern. Die blühen- 



Potamogetonaceae. 69 

den Sprosse entwickeln 2 bis 4 flache Blütenkolben; jeder derselben ist 
von einer Scheide umhüllt und trägt auf seiner vorderen Seite, zweizeilig 
angeordnet und abwechselnd einander gegenüberstehend, die einhäusigen 
nur aus einem Staubbeutel, - beziehungsweise einem Stempel, bestehenden 
Blüten. Die Fru(;ht ist eine einsamige Schlauchfrucht. Sie sind wasserblütig. 

1. Blätter drei- bis siebennervig, breit linealisch, riemenförmig. Stiel der 
Blütenscheide nach obenzu breiter. Früchte schwach gerillt. Stengel 
50 bis 130 cm lang. %. Blütezeit August, September. Auf sandigem 
und schlammigem Grunde der Ost- und Nordseeküsten gemein. Dient 
als Polstermaterial. Die Pollenzellen sind fadenförmig, mehrere Milli- 
meter lang und dicht nebeneinander gelagert; sie werden als flockige 
Masse ins Wasser entleert und von den aus der Scheide hervortretenden 
Narben aufgefangen. Da die Blütenstände nachstäubend sind, tritt in 
der Regel Wechselbestäubung ein. Zostera mariiia L., Gemeines 
Seegras. 

Bei der ziemlich seltenen Abänderung ailg'iistifolia Hornemann, 
Sclimalblätteriges Seegras, sind die Blätter schmal-lineal, fast faden- 
förmig. 

2. Blätter einnervig, schmal-lineal, fast fadenförmig. Stiel der Blütenscheide 
überall gleich breit. Früchte ganz glatt. Blätter 5 bis 30 cm lang. 2].. 
Blütezeit August. An den Küsten Norderneys, Schleswigs, Holsteins, 
bei Danzig. (Zostera Noltei Hornemann.) Z. iiaiia Roth, Zwerg- 
Seegras. ^) 

Gattung 39: Zannichellia Miclieli, Zannichellie. (XXI.) 

Wasserpflanzen, welche an ihren unteren Blattknoten im Boden 
wurzeln, oberwärts aber fluten. Blätter abwechselnd, fadenartig-linel, 2 bis 
4 cm lang. Blüten wasserblütig (der Blütenstaub fällt ins Wasser), ein- 
häusig; die männlichen bestehen aus einem Staubblatt; die weiblichen meist 
aus 4 (3 bis 8), von einer glockenförmigen Hülle umgebenen Stempeln, 
mit bleibenden, fadenförmigen Griffeln und schief -schildförmigen Narben. 
Staubblatt und Stempel finden sich meist beisammen; das Ganze ist aber 
als ein Blütenstand und nicht als eine einzige Blüte anzusehen, weil das 
Staubblatt in der Achsel eines besonderen Blattes steht. Frucht ein sitzendes 
oder zuletzt gestieltes, seitlich zusammengedrücktes, meist etwas halbmond- 
förmig-gebogenes Steinfrüchtchen. Keimling spiralig gerollt. 

') Tafel 31a. Zostera nana Roth, Teil einer Pflanze mit 2 Blütenkolben; 
al ein Blütenstand, dessen Scheide s ausgebreitet und dessen, die Staiibblätter 
und die Stempel tragender Kolben k etwas seitwärts gelegt wiirde; a2 Frucht 
von Zostera marina L. 1 und 2 vergrössert. 



70 Potamogetonaceae. 

1. Frucht langgestielt; Griffel so lang als die Frucht. Blütezeit Juli bis 
September. 21-. Im Meere und in salzhaltigen Gewässern ; sehr zerstreut. 
Zaiiiiicliellia pedicellata Fries, Laiiggestielto Zamiieliellie. 

2. Frucht kurzgestielt, fast sitzend; Griffel höchstens halb so lang als die Frucht. 

a. Griffel halb so lang als die Frucht. Blütezeit Mai bis September. 2J.. 
In stehenden und fliessenden Gewässern zerstreut. Z. palustris L., 
Kurzgcstielte Zauiiichellie. ^) 

b. Griffel nur den vierten Teil so lang als die Frucht. Blütezeit Juli 
bis September. %. An der Nord- und Ostseeküste; zerstreut. 
Zauiiichellie polyearpa Nolte, Yielf nichtige Zauiiichellie. 

Gattung 40: Ruppia L., Ruppie. (II, 4.) 
Salzwasserpflanzen mit kriechendem, an den Knoten wurzelndem, 
überwärts flutendem, fädlichem Stengel. Blätter fadenförmig, an ihrem 
Grunde breit und zu einer häutigen Scheide erweitert. Blüten wasserblütig 
(der Blütenstaub schwimmt auf der Wasseroberfläche und wird so der 
Narbe zugetrieben), zwitterig, in endständigen, zweiblütigen Ähren, welche 
an ihrem Grunde von 2, fast gegenständigen, scheidigen Blättern gestützt 
sind. Eine Blutenhülle fehlt; jede Blüte besteht aus 2 Staubblättern mit 
voneinander getrennten Hälften (daher scheinbar 4 einfächerige Staubblätter) 
und 4 oberständigen, sitzenden Stempeln, mit scheibenförmiger, sitzender 
Narbe. Die Früchtchen sind langgestielte Steinfrüchte. 

1. Gemeinsamer Fruchtstiel lang, spiralig - gewunden ; Staubbeutelhälften 
länglich; Früchtchen eiförmig, schief - aufrecht. Blütezeit August bis 
Oktober. 21-. In Salzsümpfen und an der Meeresküste, ß. maritima 
L., SeestraiKls-lluppie. -) 

2. Gemeinsamer Fruchtstiel kurz, nicht spiral- gedreht; Staubbeutelhälften 
fast kugelig. Früchtchen schief-geschnäbelt, fast halbmond-förmig, aus 
stumpfem Grunde aufstrebend. Blütezeit August bis Oktober. 2J.. Neben 
voriger, von der sie wohl nur eine Abart ist. ß. rostellata Koch, 
Schiiabelfrliclitiite Euppie. 

Gattung 41: Potamogeton Tourncfort, Sam- oder Laichkraut. (IV, 4.) 
Flutende, untergetauchte oder mit den Spross- Enden schwimmende 
Pflanzen. Die Blätter stehen abwechselnd bis fast gegenständig einander 

^) Tafi'l 31B. Zannichellia palustris L. B fruchttragende Pflanze; 
Bl Blutenstand mit einer männlichen und einer weiblichen Blüte; B2 Frucht. 
1 und 2 vergrössert. 

') Tafel 32 A. Ruppia maritima L. AI zweiblütige Ähre, die untere 
Blüte lässt zwischen den beiden StauI^bJättern die Narben der 4 Stempel erkennen; 
A2 Frucht von Ruppia rostellata Koch. 1 und 2 vergrössert. 



Potamogetonaceae. 71 

genäliert; die schwimmenden sind meist lederig, die untergetauchten haut- 
artig-zart und durchscheinend; alle haben einen Mittelnerv; dazu treten oft 
noch parallel- oder bogenförmig verlaufende und durch Quernerven mit- 
einander verbundene Längsnerven. Die Blüten sitzen zahlreich an einer 
nur zur Blütezeit aus dem Wasser auftauchenden Ähre; sie sind wind- 
blütig, zwitterig; eine Blütenhülle fehlt, doch werden oft die an den Staub- 
blättern sitzenden Schuppen (vergl. Tafel 34, Fig. A 2) dafür angesehen. 
Staubfäden sind 4, tief - zweiteilige vorhanden. Stempel sind ebenfalls 4 
vorhanden. Die Frucht ist ein Steinfrüchtchen, der Keimling gemshorn- 
artig gekrümmt. 

Da die Blätter ein und derselben Pflanze abändern, beziehungsweise 
schwimmende, bei gewissen Arten gewöhnlich vorhandene Blätter, oft 
nicht zur Ausbildung kommen, so ist die Bestimmung der hierher 
gehörenden Arten sehr schwer; dieselben zerfallen zunächst in sechs 
Stämme : 

A. Mit Ausnahme der beiden Blätter, welche der Ähre vorangehen, stehen 
die Blätter von einander entfernt und abwechselnd. Die Blätter besitzen 
eine gespaltene Blattscheide, welche meist frei als achselständiges Blatt- 
häutchen über dem Grunde des Blattstieles oder des Blattes hervortritt 
(diese Scheiden werden zuweilen auch als blattachselständige Nebenblätter 
angesehen). 

Ä. Der Blattstiel oder die Blattfläche, wenigstens der oberen Blätter 
entspringt am Grunde der Blattscheide ; letztere ist durchscheinend; 

I. Blätter rundlich bis schmal-lanzettlich, nicht linealisch. 

a. Stengel stielrund; Quernerven der Blätter einander genähert 
Früchte nicht miteinander verwachsen. 

a. Die obersten Blätter der ausgewachsenen Pflanze schwimmen 
oft; sie sind ihrer Gestalt, oft auch ihrer Substanz nach von 
den untergetauchten verschieden, 1. Stamm: Heteropliylli 
Koch, yerscliii'(leii1)lätteri«^e. 

ß. Alle Blätter sind untergetaucht und häutig. 2. Stamm: 
Homopkylli Koch .^ Uleichl)lättcri8e. 

b. Stengel zusammengedrückt-vierkantig; alle Blätter untergetaucht, 
deren Quernerven ziemlich entfernt von einander; Früchte an 
ihrem Grunde miteinander verwachsen. 3. Stamm: BatracliO- 
seris Ir misch, Frosclisalat. 

IL Blätter linealisch, grasartig oder borstenförmig, sitzend, alle unter- 
getaucht; Quernerven ziemlich entfernt von einander, oft undeut- 
lich. 4. Stamm: Cliloepliylli Koch, trrasblätterige. 



72 Potamogetoiiaceae. 

B. Die Blattfläche entspringt unter dem oberen Ende der ziemlich 
langen, dem Stengel meist enge anliegenden Scheide. 5. Stamm: 
Coleopliylli Koch, Sclieideiiblätterige. 
B. Die Blätter sind einander paarweise genähert, fast gegenständig; alle 
sind untergetaucht, mit halbstengelumfassendem Grunde sitzend, scheiden- 
los; das oberste oder die beiden obersten besitzen 2 Nebenblätter. 
6. Stamm: EiiantiophyUi Koch, Oe§'eiil)lätterige. 

1. Stamm: Heterophylli Koch, Verschiedenblätterige. 

A. Die der Blüte vorangehenden Blätter sind alle lederig und schwimmend. 

A. Die untersten Blätter sind schmal-lanzettlich, kurzgestielt und in den 
kurzen Blattstiel lang -keilförmig -verschmälert. Die oberen Blätter 
sind mehr und mehr länglich-spatelförmig; die obersten, schwimmen- 
den eiförmig-länglich und halb bis drittel so lang wie ihr Blatt- 
stiel. Die untergetauchten Blätter sind alle durchscheinend. Frische 
Früchte sind linsenförmig-zusammengedrückt, spitzrandig. %. Blüte- 
zeit Juli, August. In Torfsümpfen und Flüssen, namentlich des nord- 
westlichen Gebietes. Potamogeton si)atlmlatus Sehr ad er, Spatel- 
1)1 ätteriges Laiclikraut. 

B. Alle Blätter sind langgestielt; die untersten sind nicht in einem 
kurzen Blattstiel lang-keilförmig-verschmälert. 

1. Zur Blütezeit sind nur schwimmende Blätter vorhanden, da bis 
dahin die Spreite der übrigen verfault ist. Erstere sind lederartig, 
rundlich oder länglich, an ihrem Grunde schwach - herzförmig; 
letztere schmal-lanzettlich oder länglich; alle sind meist oliven- 
CTrün. Blattstiele auf der oberen Seite schwach-rinnenförmig. 
Frucht flach-zusammengedrückt, mit stumpfem Rande. Blütezeit 
Juli, August, %. In stehenden und fliessenden Gewässern häufig. 
P. iiataiis L., ScliwiiumoiKlcs Laiclikraut. 

2. Zur Blütezeit sind ausser den schwimmenden auch untergetauchte 
Blätter vorhanden. 

a. Blattstiele oberseits flach. Untergetauchte Blätter lanzettlich, 
schwimmende länglich; obere eiförmig und oft am Grunde 
schwach-herzförmig. Blütezeit Juli, August. %. In Sümpfen 
und Torfbrüchen, namentlich im nordwestlichen Gebiete stellen- 
weise häufig, sonst selten. (P. oblongus Viviani.) P. polygoili- 
folius Pourret, Läiiglichl)lätteriges Laicliliraut. ') 



^) Tafel 33. P o t a m o g e t o n p o 1 y g o n i f o 1 i u s Pourret. 1 Blüte, 2 Frucht, 
1 und 2 vergrössert. 



Potamogetonaceae. 73 

b. Altere Blattstiele auf der Ober- und auf der Unterseite gewölbt. 
Untergetauchte Blätter zur Blütezeit verlängert - lanzettlich, 
häutig -durchscheinend, schwimmende eiförmig oder länglich- 
lanzettlich, an ihrem Grunde spitz oder abgerundet. Frische 
Früchte zusammengedrückt, mit ziemlich spitzem Rande. Blüte- 
zeit Juli, August. %. In Flüssen; ziemlich selten, im nörd- 
lichen Gebiete häufiger als im südlichen. Potamogetoil fliii- 
taiis Roth, Fluteiides Laiclikraut. 

B. Die der Blüte vorangehenden Blätter sind den stengelständigen ähnlich, 
nur die späteren, blütenständigen Blätter schwimmen. Die schwimmenden 
Blätter sind lederig oder häutig; bisweilen fehlen schwimmende Blätter 
ganz. Die untergetauchten Blätter sind alle häutig durchscheinend. 

1. Die untergetauchten Blätter sind an ihrem Rande glatt. Die Blüten- 
stiele werden nach ihrer Spitze zu nicht dicker. 

a. Stengel einfach. Untergetauchte Blätter sitzend, länglich-lanzett- 
lich, nach beiden Seiten zu verschmälert; schwimmende lanzettlich- 
spateiförmig, in den kurzen Blattstiel verschmälert; oder aber alle 
Blätter lanzettlich-zugespitzt; bisweilen sind namentlich die oberen 
Teile der Pflanze rötlich. Früchte linsenf örmig-zusammengedrückt, 
spitzrandig. Blütezeit Juli, August. 21-. In stehenden Gewässern, 
zerstreut und mancherorts nicht selten. (P. rufescens Schrader). 
P. alpimis Balbis, Rötliches oder Alpen-Laichkraut. 

b. Stengel verzweigt. Alle Blätter sind gestielt; ihre Stiele halb 
so lang wie die Spreite; letztere ist häutig-durchscheinend. Untere 
untergetauchte Blätter lanzettlich, schwimmende fast herzförmig- 
eirund. Früchte zusammengedrückt, am Rande stumpf. Blüte- 
zeit Juli, August. 21. In Sümpfen und Gräben zerstreut; in 
fiiessenden Gewässern selten. (P. coloratus Hornemann, P. Horne- 
manni G. F. W. Meyer). P. plantag-iiieus Du Croz, Wegerich- 
hlätteriges Laichkraut. 

2. Die untergetauchten Blätter sind an ihrem Rande rauh. Die Blüten- 
stiele werden nach ihrer Spitze zu dicker. Die Stengel sind sehr 
ästig. 

a. Untergetauchte Blätter am Grunde verschmälert, sitzend, schmal- 
oder breit - lanzettlich , schlaff; schwimmende langgestielt, lanzett- 
lich oder eiförmig, lederig, mitunter fehlend. Früchte zusammen- 
gedrückt, am Rande stumpf. Blütezeit Juli, August. 2[. In 
fliessenden nnd stehenden Wassern zerstreut. (P. heterophyllos 
Schreber.) P. gramineus L., Grrashiätteriges Laichkraut. 



74 Potamogetonaceae. 

Veränderliche Pflanze ; besondere Formen sind : 
Potainosetoii lieteropliyllus Fries, Verscliiedeiiblätteriges 
Laichkraut. Untergetauchte Blätter linealisch oder lanzettlich- 
linealisch, zurück gekrümmt, meist etwas kraus und starr, 
schwimmende lanzettlich bis eiförmig-elliptisch, lederartig. 
P. Zizii Chamisso und Schlechtendal, Ziz' Laicllkrailt. 
Obere Blätter stumpf aber stachelspitzig und oft wellig; alle 
Blätter sehr gross, zwei- bis dreimal so gross wie die der 
vorigen Varietät; schwimmende 8 bis 10 cm lang, 
b. Untergetauchte Blätter am Grunde abgerundet, halbstengel- 
umfassend, lanzettlich oder lineal-lanzettlich, stets ohne Stachel- 
spitze; schwimmende länglich-lanzettlich, in den Blattstiel ver- 
schmälert, lederig, oft fehlend. Früchte zusammengedrückt, 
am Rande gekielt. Blütezeit Juni, August. 2J.. In fliessenden 
und stehenden Gewässern; nur in Norddeutschland häufiger; 
sehr selten im mittleren Gebiete. P. iiitens Weber, (rläii- 
zeiides Laichkraut. 

Bei der Varietät P. curvifolius Hartmann, Uckrümmt- 
hlätteriges Laichkraut, sind die untergetauchten Blätter 
zurückgekrümmt, lanzettlich, bisweilen ei-lanzettlich. 

2. Stamm: Homophylli Koch, Gleiehblätterige. 

Alle Blätter sind dünnhäutig und untergetaucht, nur die Blütenähren 
erheben sich über den Wasserspiegel. 

A. Blätter gestielt, eiförmig oder lanzettlich, stachelspitzig, am Rande fein- 
gesägt-rauh, wie gefirnisst glänzend. Blütenstiele nach obenzu dicker. 
Stengel ästig, Früchte zusammengedrückt, am Rande stumpf, schwach- 
gekielt. Blütezeit Juli, August. ^. In stehenden und langsam fliessen- 
den Gewässern; fast durch das ganze Gebiet zerstreut. P. luccus L., 
Spiegelndes Laicliliraut. 

B. Blätter sitzend oder stengelumfassend. Blütenstiele nach obenzu nicht 
dicker werdend. 

1. Blätter mit abgerundetem Grunde sitzend, nicht stengelumfassend, 
eiförmig oder länglich, stumpf, stachelspitzig, am Rande glatt; 
Stengel geknickt-gebogen. Blütezeit Juli, August. '4. In Flüssen 
und Seen; selten. P. decipieiis Nolte, Täuscliendes Laichkraut. 

2. Blätter aus herz- oder eiförmigem Grunde stengelumfassend. 

a. Blätter am Rande etwas rauh, eiförmig oder ei -lanzettförmig. 
Früchte zusammengedrückt, am Rande stumpf. Blütezeit Juli, 



Potamogetonaceae. 75 

August. 2j.. zerstreut. Potamogetoii perfoliatus L., Dureli- 
wacliseiies Laichkraut. ^) 

b. Blätter am Rande glatt, verlängert-länglich, stumpf und an ihrer 
Spitze mützenförmig^ zusammengezogen. Stengel geknickt-gebogen. 
Früchte zusammengedrückt, mit flügelig-gekieltem Rücken. Blüte- 
zeit Juli, August. In tiefereu, üiessenden und stehenden Gewässern; 
selten. P. praclongus Wulfen, Langes Laiclikraut. 

3. Stamm: Batraehoseris Irinisch: Frosehsalat. 

Hierher nur P. crispiis L., Krausl)lätteriges Laiclikraut. Stengel 
zusammengedrückt-vierkantig. Alle Blätter untergetaucht, sitzend, linealisch- 
länglich, ziemlich stumpf, kurz-zugespitzt, klein-gesägt, wellig-kraus, häutig- 
durchscheinend, mit ziemlich entfernt voneinander stehenden Quernerven. 
Früchte geschnäbelt, an ihrem Grunde miteinander verwachsen. Blütezeit 
Juni, August, ^i. Nicht selten. ^) 

4. Stamm: Chloephylli Koch, Grasblätterig-e. 

Alle Blätter untergetaucht, linealisch, grasartig oder borstenförmig, 
sitzend. Quernerven ziemlich voneinander entfernt. 

A. Stengel geflügelt, fast blattartig -platt -zusammengedrückt. Blätter mit 
3 bis 5 stärkeren Nerven. Frucht mit hakenförmigem Schnäbelchen. 

1. Blätter stumpf, kurz-stachelspitzig. Ähren langgestielt, etwa 6- bis 
15-blütig. Blütezeit Juli, August. ^4. In stehenden und langsam 
fliessenden Gewässern; zerstreut. (P. zosterifoHus Schumacher; F. 
complanatus Willdenow). P. compressus L., Plattsteiigeliges 
Laiclikraut. 

2. Blätter allmählich-stachelspitzig-zugespitzt. Ähren kurz-gestielt, etwa 
4- bis 6 -blutig. Blütezeit Juli, August. 21-. In stehenden Ge- 
wässern; zerstreut. P. acutiiblius Link, Spitzlilätteriges Laich- 
kraut. 

B. Stengel nicht geflügelt, stielrund oder zusammengedrückt. 

1. Blätter einnervig, ohne weitere Adern, borstlich-linealisch, allmählich 
zugespitzt. Ähre wenigblütig. Früchte halbkreisrund, flach-gedrückt, 
schwach-gekielt. Blütezeit Juni, Juli. %. In Gräben und Teichen. 



') Tafel 34B. Potamogeton perfoliatus L. 

2) Tafel 33 A. Potamogeton crispus L. A Teil der Pflanze; 1 Blüte; 
2 Staubblatt mit seiner blütenhüllblattähnlichen Schuppe; 3 Früchte; 4 einzelne 
Frucht der Länge nach durchschnitten, um den gebogenen Keimling zu zeigen. 
1 bis 4 vergrössert. 



76 Potamog'etonaceae. 

besonders der norddeutschen Tiefebene. Potainog'ctoii trichoides 
Chamisso und Schlechtendal, Haarförmigos Laielikraiit. 

2. Blätter drei- bis fünfnervig. 
a. Blätter kurz-staclielspitzig. 

A. Der Blattstiel wird nach obenzu nicht dicker. 

a. Blütenstiele zwei- bis dreimal länger als die 4- bis 8-blütige 
Ähre. — Blätter schmal -linealisch, ziemlich spitz. Früchte 
schief-eirund, schwach-gekielt. Blütezeit Juli, August. 2].. In 
stehenden und langsam fliessenden Wassern; nicht selten. P. 
pusilliis L., Kleines Laichkraut. 

b. Blütenstiele so lang als die 6- bis 20-blütige, unterbrochene 
Ähre. — Blätter linealisch, breit -abgerundet -stumpf. Frucht 
schief-elliptisch, gekielt, mit geradem Schnabel. Blütezeit Juli, 
August. ^. Sehr zerstreut. P. ol)tlisifolius Hertens und 
Koch, Stumpf blätteriges Laiclikraut. 

B. Blütenstiel nach obenzu dicker, dreimal länger als die lockerblütige 
Ähre. Blätter schmal- und kurz-linealisch. Blattscheide zwei- 
spaltig. Früchte schief-ellij)tisch, gekielt. Blütezeit Juli, August. 
2].. In Gräben und Teichen zerstreut. P. mucronatus Sehr ad er, 
Staclielsi)itziges Laichkraut. 
ß. Blätter nicht stachelspitzig, verschmälert-zugespitzt. Blütenstiele 
länger als die 6- bis 8-blütige Ähre. Früchte länglich-elliptisch, 
auf dem Rücken stumpf. Wuchs rasenartig. Pflanze im Alter ge- 
wöhnlich rötlich. Blütezeit Juli, August. In Seen und Teichen 
namentlich im Norden des Gebietes; zerstreut. (P. caespitosus 
Nolte.) P. rutilus Wolfgang, ßötliclies Laichkraut. 

5. Stamm: Coleophylli, Koch, Seheidenblätterige. 

a. Früchte schief-umgekehrt-eiförmig, halbkreisrund in trockenem Zustande 
am Rücken gekielt, mit kurzem, aufsteigendem Griffel. Blätter schmal- 
linealisch, spitz, einnervig. Ähren langgestielt. Blütezeit Juli, August. 
2].. Nicht selten. P. pectinatus L., (Kammförmiges?) Fadeuhlätte- 
riges Laiclikraut. ^) 

b. Früchte fast kugelig bis umgekehrt -eiförmig, runzelig, nicht gekielt, 
mit breiter, sitzender Narbe. Blätter fast borstenförmig, sehr spitz, ein- 
nervig. Blütezeit Juli, August. 2|.. In Landseen Norddeutschlands, 
seltener am Meeresstrande. (P. filiformis Persoon.) P. marinus L., 
Meer-Laichkraut. 



') Tafel 32B. Potamogeton pectinatus L. 



Naiadaceae. 77 

6. Stamm: Enantiophylli Koch, Gegenblätterig-e. 

Hierher nur Potamosetoii (leiisus L , Dielitblätteriges Laichkraut. 

Blätter alle untergetaucht, häutig, einander paarweise genähert, fast gegen- 
ständig, mit halbstengelumfassendeni Grunde sitzend, scheidenlos, eirund bis 
lanzettlich-linealisch, zugespitzt; das oberste oder die beiden obersten mit 
2 Nebenblättern. Ähren gabelständig, kurzgestielt. Frucht fast kreisrund, 
mit hakenförmigem Schnabel, in trockenem Zustande breitgekielt. Blüte- 
zeit Juli, August. %■. In fliessendem, meist seichtem Gewässer; im nörd- 
lichen und mittleren Teile des Gebietes sehr zerstreut; in Süddeutschland 
stellenweise häufig. 

Die Pflanze ändert ab: 

1. P. serratus L., Gresäg'tes (?) Laiclikraut. Blätter aus eiförmigem 
Grunde allmählich verschmälert-spitz, etwa 3 cm lang, 6 bis 9 mm breit. 

2. P. setaceiis L., Borsteuförniiges Laiclikraut. Blätter wie bei voriger, 
aber nur etwa 2 bis 3 mm breit. 

3. P. rigidus OjDitz. Blätter breit eiförmig. 

17. Familie: Xaiadaceae, Xixki'autgewächse. 

Hierher nur: 

Gattung 42: Naias L., Nixkraut. 

Einjährige, auf dem Grunde der Gewässer wachsende, schlanke, reich 
verzweigte, meist starre und zerbrechliche Pflanzen. Blätter linealisch, 
sitzend, mit scheidenförmigem Grunde, stachelspitzig. Die männlichen 
Blüten bestehen aus einem einzigen, fast sitzenden Staubbeutel mit röhriger 
oder bauchig-röhrenförmiger, mitunter schnabelartig-verlängerter, am Saume 
stachelig-gezähnter, äusserer Blütenhülle und mit einer, mit dem Staubblatte 
fast bis zur Spitze verwachsenen, inneren Blütenhülle. Weibliche Blüte 
ohne Blütenhülle, ein nackter, einfächeriger, mit 2 bis 4 pfriemlichen 
Narben versehener Fruchtknoten. Frucht einsamig, steinfruchtartig. Keim- 
ling gerade. Wasserblütler. 

A. Stengel und Blattrücken mit Stachelzähnen (Eunaias Ascherson). — 
Stengel steif; Blattscheiden ganzrandig; Blattflächen ausgeschweift- 
stachelzähnig. Blüten zweihäusig (XXH, 1). Höhe 8 bis 50 cm. Blüte- 
zeit August, September. In Seen, Flüssen und Teichen; sehr zerstreut. 
N. maior Allioni (Roth), (grosses Nixkraut. ^) 

B. Stengel und Blattrücken sind nicht mit Stachelzähnen besetzt (Caulinia 
Willdenow). 



^) Tafel 35. Naias maior Allioni. A Teil der Pflanze; 1 junge, 2 halb- 
3 ganz geöffnete, männliche Blüte; 4 Frucht. 1 bis 4 vergrössert. 



78 Juiic;ii;iiiaceae. 

a. Stengel steif, sehr zerbrechlich. Blätter ausgeschweift-gezähnt, zurück- 
gekrümmt. Blattscheiden fein-wimperig-gezähnelt. Höhe 4 bis 10 cm, 
selten mehr. Blütezeit August, September. Mit voriger, jedoch 
seltener. Naias minor AUioni, Kleines Nixkraut. 

b. Stengel biegsam. Blätter sehr fein-stachelspitzig-gezähnelt, abstehend. 
Blattscheiden fein-wimperig-gezähnelt. Höhe 5 bis 20 cm. Blüte- 
zeit August, September. Im Binow'schen See bei Stettin, im Brode- 
winer See bei Angermünde, im Paarsteiner See in der Mark und in 
Ostpreussen. N. flexilis Rostkovius u. Schmidt, Bieg'sames 
Nixltraut. 

18. Familie: Juucaginaceae, Blumenbinsengewächse. 

Die einheimischen Arten sind binsenähnliche Pflanzen mit schaft- 
artigem Blütenstengel und ährigem oder traubigem Blütenstande. Ihre 
Blüten sind regelmässig und zwitterig. Blütenhülle in 2 dreizähligen 
Kreisen, zart, mehr oder weniger kelchartig. Staubblätter sind 6, Stempel 
3 bis 6 vorhanden. Letztere sind ganz oder teilweise miteinander ver- 
wachsen, trennen sich aber, jeder mit seiner Narbe, bei der Fruchtreife 
voneinander. Die Früchte sind balgkapselartig, ein- bis zweisamig und 
zu Scheinfrüchten zusammengestellt. Der Keimling ist gerade. Wind- 
blütler. Hierher 2 Gattungen: 

1. Blütenhülle tief -sechsteilig, bleibend. Staubblätter 6, bodenständig; 
Staubbeutel an seinem Grunde angeheftet. Stempel nur an ihrem Grunde 
verwachsen. Früchtchen bei der Reife aufgeblasen, abstehend, innen 
aufspringend, ein- bis zweisamig. Gattung 43: Sclieuclizeria L., 
Sclieuclizerie. 

2. Blütenhülle sechsblätterig, abfallend. Staubblätter 6, dem Grunde der 
Blütenhülle eingefügt ; Staubbeutel unter seiner Mitte angeheftet. Stempel 
der ganzen Länge nach verwachsen. Früchtchen einsamig, an der 
Innenseite aufspringend, sich von unten nach oben von dem stehen- 
bleibenden Mittelsäulchen ablösend. Gattung 44: Trig-loclün L., 
Dreizaclt. 

Gattung 43: Scheuchzeria L., Scheuchzerie. (VI, 8.) 

Hierher nur Sclieuclizeria palustris L., Sumpf-Selienclizerie, ein 

10 bis 20 cm hohes Kraut, mit scheidigem, linealisch -rinnenförmigen 
Blättern. Blüten grünlich, in armblütiger Traube. Blütezeit Juni, Juli. 
2[. In Torf sümpfen, bis in die Alpen; zerstreut.^) 

>) Tafel 36 A. Scheuchzeria palustris L. A blühende Pflanze; 
AI Fruchtzweig. 



Alismaeeae. 79 

Gattung 44: Triglochin L.. Dreizack. 

a. Scheinfrucht eiförmig, unter der zurückgebogenen Narbe eingeschnürt, 
in 6 Kapsehi zerfallend. (VI, 4.) — Blätter schmal -linealisch, halb- 
stielrund. Blüten grünlich. Blütezeit Juni, Juli; 2].; 15 bis 80 cm hoch. 
Am Meeresstrande und an salzigen Quellen. T. maritiiiiuiii L., 3Ioer- 
straiids-Dreizack. 

b. Scheinfrucht kegelförmig, nach dem Grunde hin verschmälert, in 3 Kap- 
seln zerfallend (VI, 3). Sonst wie vorige. Blütezeit Juni, Juli; 2].; 
15 bis 60 cm hoch. Auf Sumpf -Wiesen; nicht selten, bis häufig. 
T. palustre L., Sumpf-Dreizack. ^) 

19. Familie: Alismaeeae, Froschlöffelgewäclise. 

Sumpf- oder Wassergewächse. Die Blätter stehen meist in grund- 
ständiger Rosette; die untergetauchten sind oft linealisch-riemenförmig, die 
schwimmenden und auftauchenden hingegen haben einen an ihrem Grunde 
scheidenförmigen Blattstiel und eine breite, ungeteilte oder spiessförmig- 
gelappte Spreite, mit bogig-verlaufenden und gegittert-verbundenen Nerven. 
Die Blüten sind regelmässig und zwitterig, selten einhäusig; sie stehen in 
traubigen, doldigen, rispigen oder trugdoldigen Blütenständen. Die Blüten- 
hüllen bilden 2, in Kelch- und Blumenkrone unterschiedene Kreise. 

Hierher 4 Gattungen: 

A. Blüten zwitterig. 

1. Früchtchen zahlreich, linsenförmig-flach-zusammengedrückt, auf der 
Aussenseite stärker gewölbt und daher nach innen zusammenneigend; 
in einem unregelmässigen Kreise angeordnet; Griffel zuletzt abfallend. 
Gattung 45: Alisiua L., Froschlöffel. 

2. Früchtchen zahlreich, nicht zusammengedrückt; kopfig-zusammen- 
gehäuft, von dem bleibenden Griffel gekrönt. Gattung 46: EchiilO- 
(loriis Engelmann, Igelsclilaucli. 

3. Früchtchen wenige, 6 bis 12, nicht zusammengedrückt; kopfig-gehäuft, 
auf der Innenseite stärker gewölbt und daher nach aussen sparrig 
auseinanderstehend. Gattung 47: Elisina Buchenau, Elisme. 

B. Blüten einhäusig. Gattung 48: Sagittaria L., Pfeilkraut. 

Gattung 45: Alisma L., Froschlöffel. (VI, 4.) 
Hierher nur Alisma Plaiitago L., Gremeiner FrosclilöfFel, ein 15 bis 

100 cm hohes, an Gräben und stehenden Gewässern gemeines Kraut mit 

') Tafel 36B. Triglochin palustre L. B Blühende Pflanze. Bl Blüten- 
grundriss; B2 Blüte im Längsschnitt; B3 Frucht in ihre 3 Kapseln zerfallend. 
1 bis 3 vei'grössert. 



80 Alismaeeae. 

grundständigen sehr lang gestielten, herzförmigen, eiförmigen oder lanzett- 
lichen bis schmal-lanzettlichen Blättern; die letzte Form kommt namentlich 
untergetauchten Blättern zu. Der Blütenstand ist quirlich-rispig, locker; die 
kleinen, blassrostroten Blüten sind lang-gestielt. Staubblätter sind 6, Stem- 
pel zahlreich vorhanden. Blütezeit Juli, August. %.^) 

Die Befruchtungswerkzeuge sind gleichzeitig reif; dann wird an der 
Innenseite eines fleischigen Ringes, der durch Verwachsung der unteren 
Enden der Staubfäden entsteht, Honig abgesondert. Dieser lockt Insekten, 
meistens Schwebfliegen , an , welche die Bestäubung vollziehen ; doch ist 
Selbstbestäubung nicht ausgeschlossen. 

Besondere ziemlich seltene Abarten sind: 

1. Alisma laiiccolatum Withering, Laiizettl)lätteriger Froschlöffel, 
mit etwa 3 cm breiten, lanzettlichen, nach dem Grunde hin verschmälerten 
Blättern. 

2. A. gramiiiifolium Ehrhart, Grrasl)lätteriger Froschlöffel, mit gras- 
artigen, bis 50 cm und mehr langen Blättern. 

3. A. arcuatuiii Michalet, Gfehogeiier Froschlöffel, Blätter schmal- 
lanzettlich; Blütenrispe vom Grunde an in bogenförmig -aufsteigende 
Aste verzweigt. 

Gattung 46: Echinodorus Engel mann, Igelschlauch. (VI, 4.) 

a. Blätter alle in grundständiger Rosette, tief-herzförmig, ziemlich stumpf, 
sieben- bis neunnervie^. Schaft bis 30 cm hoch. Blüten weiss oder 
rötlich-w^eiss, Blütezeit Juli, August. Früchte spitz und lederartig (da- 
her der Name). 2J.. In Seeen; zerstreut und selten. E. (Alisma L.) par- 
nassifoliiis Engelmann, Pariiassieii- oder Herzhlätterlger Igel- 
schlauch (Froschlöffel). 

b. Der zarte, schwimmende oder auf Schlamm kriechende und dann Avur- 
zelnde, 10 bis 20 cm ange Stengel ist beblättert. Grundständige Blätter 
lineal und ungestielt; stengelstündige sehr langgestielt, eiförmig oder 
elliptisch, dreinervig. Blüten weiss; Blütezeit Juni bis August. 2J.. In 
Sümpfen und feuchten Orten Nordwestdeutschlands; selten. E. (Alima L.) 
raiiuiiculoldes Engelmann, Halmeiifusshlätteriger Igelschlaiich 
(Froschlöffel). 

Gattung 47: Elisma Bucheuau, Elisme. (VI, 4.) 
Hierher nur Elisma (Ahsma L.) iiataiis Buchenau, Sclnvimmende 
Elisme (FroscMöffel). Grundständige Blätter riemenförmig; schwimmende 

») Tafel 37. Alisma Plantago L. A Blühende Pflanze. 1 Blüte; 2 desgl. 
im Längsschnitte; 3 Staubblätter; 4 Stempel im Längsschnitte ; 5 Fruchtköpfchen ; 
6a Früchtchen; 6b Früchtchen im Längsschnitte. 1 bis 5 und 6 b vergrössert. 



Butomaceae. 81 

eiförmig oder länglich-lanzettlich, beiderseits zugespitzt, dreinervig; in rasch 
fliessendem AVasser sind oft alle Blätter riemenförmig. Blüten weiss; Blüte- 
zeit Juni bis August. 2|.. Zartes 10 bis 45 cm langes, kriechendes und 
an der Oberfläche des Wassers flutendes, in stehenden Gewässern Nord- 
und Mitteldeutschlands zerstreut vorkommendes Pflänzchen. 

Gattung 48: Sagittaria L., Pfeilkraut- 

Hierher nur S. sasittifoliaL., (xemeines Pfeilkraut. Wurzelstock aus- 
dauernd, kriechend. Blätter grundständig, langgestielt; untergetauchte lan- 
zettlich, empoiiauchende tief-pfeilförmig. Blütenschaft einfach; 30 bis 
125 cm hoch. Blüten einhäusig, in dreiblütigen Quirlen; untere Blüten 
und Quirle meist weiblich, obere männlich. Innere Blütenblätter weiss, 
am Nagel purpurrot. Die männlichen Blüten enthalten zahlreiche Staub- 
blätter, die weiblichen auf kugeligem Fruchtboden zahbeiche Stempel 
(XXI, 5). Früchte einsamige, durch Griffel geschnäbelte Nüsschen. Blüte- 
zeit Juni, Juli. In stehenden Gewässern, an Ufera; nicht selten.^} 

Familie 20: Butomaceae, Sehwanenblumeng-ewächse. 

Bei uns nur: 

Gattung 49: Butomus L., Schwanenblume. 

Hierher Butomus uml)ellatus L. , Wasserlieseli , Doldenblütige 

Schwaiieiil)lume. Wurzelstock ausdauernd, kriechend. Blätter grund- 
ständig, schilfartig, lang-linealisch, dreiseitig, am Grunde scheidenförmig. 
Blütenschaft 60 bis 125 cm hoch. Blütenstand eine aus 2 bis 4 Schrau- 
bein zusammengesetzte Dolde, welche anfänglich von den Deckblättern 
der Teilblütenstände eingeschlossen ist. Die Blütenhülle besteht aus 2 
dreizähligen Kreisen mit rosem*oten, dunkler geäderten, nicht abfallenden 
Blättern. Staubfäden sind meist 9, Stempel meist 6 vorhanden; letztere 
sind oberständig und bilden durch den Griffel geschnäbelte , vielsamige 
Balgkapseln. Blütezeit Juni. August. Die Blüten sind verstäubende, von 
angenehmem Rosengeruch. Der am Grunde zwischen den Fruchtblättern 
abgeschiedene Nektar lockt Insekten (meist Grabwespen) zur Bestäubung 
an. In Sümpfen und Teichen häufig.-) 



*) Tafel 38. Sag-ittaria sagittifolia L. A. Pflanze, etwas verkleinert ; 
1 Blüte im Längsschnitt; 2 Staubblätter; 3 Stempel; 4 Friichtköpfchen; 1 bis 4 
vergrössert. 

') Tafel 39. Butomus umbellatus L. AB Teile der blühenden Pflanze. 
1 Blütengrundriss ; 2 Blüte; 3 desgl. der Länge nach durchschnitten; 4 Staub- 
blatt, daneben Querschnitt durch die Staubbeutel; 5 Stempelköpfchen; 6 Frucht- 
Thome, Flora I. 2. Aufl. 6 



82 Hydroc'haritaceae. 

31. Familie : Hydrocliaritaceae, Froschbissg-ewäehse. 

Hierher gehören sehr verschiedenartig gestaltete und daher auch oft 
in mehrere FamiHen verteilte Pflanzen. Das Hauptkennzeichen der Familie 
ist die oberständige , in einen äusseren , kelchartigen und einen inneren, 
blumenkronaiiigen Kreis zerfallende Blütenhülle. 

Bei uns 5, durch je eine Art vertretene Gattungen: 

A. Untergetauchte Wasserpflanzen mit gestrecktem, verzweigtem, nicht Aus- 
läufer bildendem Stengel; die Blätter sitzen quirlständig zu 2 bis 8 bei- 
sammen (selten zerstreut); sie sind klein, länglich bis lineal-lanzettlich, 
sitzend, ein-nervig. Der Fruchtknoten ist einfächerig; Narben sind 3 vor- 
handen (1. Unterfamilie: Hydrilleae oder Anaeliarideae.) 

1. Blätter sehr fein-stachelspitzig-gezähnelt. Blüten einhäusig; männliche 
Blüten mit 3 Staubblättern (XXI, 3); weibliche mit frei in der 
BlütenhüUröhre liegendem Griffel. Gattung 50: Hydrilla Richard, 
Hydrille. 

2. Blätter kieiu-gesägt. Blüten bei uns nur weiblich (im allgemeinen 
aber zwitterig, III, 3, oder einhäusig). Narben ohne Griffel im Schlünde 
der BlütenhüUröhre. Gattung 51: Elodea Richard und M ich au x, 
Elodea. 

B. Wasserpflanzen mit kurzem, Ausläufer treibendem Stengel. 

A. Untergetauchte Wasserpflanzen mit linealisch-grasartigen Blättern. 
2. Unterfamilie; Yallisiierieac. Gattung 52: Vallisiieria Michaux, 
Yallisiierie. 

B. Blätter nicht linealisch-grasartig. 3. Unterfamilie: Stratiotideae. 

a. Schwimmende Wasserpflanze mit langgestielten, rundlich-herz- 
förmigen Blättern. Gattung 53: Hydrocharis L., Froschl)iss. 

b. Untergetauchte, kaum mit den Blattspitzen auftauchende Wasser- 
pflanze mit dichter Rosette sitzender, breit-linealischer, zugespitzter, 
am Rande stachelig-gezähnter, starrer Blätter. Gattung 54: Stra- 
tiotes L,, Wassersäge. 

Gattung 50: Hydrilla Richard, Hydride. 

Hierher nur Hydrilla vcrtieillata Gas pari, (^iiirllblätterifi^e Hy- 
drille, ein im Dammschen See bei Stettin, in einigen Oderarmen und in 
einigen Seen Preussens vorkommendes, zartes, nm* sehr selten zur Blüte 
kommendes, untergetauchtes, ausdauerndes Pflänzchen, 

köpfchen ; 7 Samenanlage ; 8 Same ; 9 Same der Länge nach durchschnitten ; 
1 bis 9 vergrössert. 



Hydrocharitaceae. 83 

Gattung 51: Elodea Richard iiiid Michaxix, Elodea. 

Hierher nur Elodea eaiiadeiisis Ricliard und Michaux, Wasser- 
pest, eine aus Nordamerika seit 1836 in England, später auch in Deutsch- 
land eingeschleppte und jetzt bei uns in Gräben, Teichen und Flüssen sehr 
verbreitete, untergetauchte Wasserpflanze. Bei uns trägt sie nur weibliche 
Blüten, mit fadenförmig-schlanker 4 bis 6 cm langer am oberen Ende 3- 
bis 6-teiliger Blütenhülh-öhe. Blütezeit Juni, August. 2[. Die Vermehrung 
geschieht durch abgerissene Pflanzenstücke, welche vom Wasser, auch durch 
Wasservögel, verbreitet werden. 

Gattung 52: Vallisneria Michaux, Vallisnerie. 

Hierher nur Vallisneria spiralis L., Scliraiil)eiiförmige Vallis- 
iierie. Ausdauernde, Ausläufer treibende, untergetauchte Wasserpflanze 
mit linealischen , grasähnlichen Blättern. Blüten getrennten Geschlechtes 
und zweihäusig (XXII, 2). Die männlichen Blüten stehen in dichten 
Knäueln in einer zweilappigen Scheide; jede besteht aus einer dreiblätteri- 
gen, kelchartigen Hülle, einem (oft fehlenden) schuppenartigen Blatte eines 
inneren Blütenhüllkreises und aus zwei Staubblättern. Die weiblichen 
Blüten stehen einzeln; sie besitzen eine dreizipfelige, langröhrige äussere 
und eine aus 3 Schüppchen bestehende innere Blütenhülle; ihr Stempel 
ist einfächerig. Zur Blütezeit, Juli, August, lösen sich die männHchen 
Blüten von der Pflanze ab und schwimmen zwischen den dann auf ihren 
langen, fadenförmigen Blütenstielen an die Oberfläche des Wassers gestie- 
genen weiblichen Blüten frei umher; nach vollzogener Befruchtung rollt 
sich der Blütenstiel wieder spiralig ein und die Frucht reift unter Wasser. 
In Kanälen, Wassergräben und Seen im südlichen Teil des Gebietes. 

Gattung 53: Hydrocharis L., Froschbiss. 

Hierher nur Hydroeliaris iiiorsus raiiae L., Gremeiner Froschbiss. 

Der schwimmende Stengel treibt hier und da Rosetten schwimmender 
Blätter und im Wasser herabhängende Wurzeln. Die Blätter sind lang- 
gestielt, kreisrund, am Grunde tief -herzförmig ausgeschnitten und von 2 
grossen, häutigen Nebenblättern gestützt. Die Blüten haben eine drei- 
zählige, blassgrüne äussere und eine ebenfalls dreizählige innere, weisse 
Blütenhülle. Die männlichen Blüten entspringen zu 2 bis 3 in einer kurz- 
gestielten, aus 2 zarten Deckblättern gebildeten Scheide. Sie besitzen 3 
bis 12 Staubblätter zwischen denen sich oft unfruchtbare Staubblätter 
(Staminodien) vorfinden. Die weil)lichen Blüten stehen einzeln in ihren 
Scheiden; ihr Fruchtknoten ist unterständig mit kurzem Griffel und 6 zwei- 
en 



84 Gramineae. 

spaltigen Narben. Die Frucht ist eine trockene, sechsfächerige, vielsamige 
Beere. Blütezeit Juli, August. '4. In stehenden Gewässern und Gräben 
zerstreut; im mittleren Teile des Gebietes sehr selten. Insektenblütler.^) 

Gattung 54: Stratiotes L., Wassersäge. (XXTI.) 

Hierher nur Stratiotes aloi'des L., Aloöblättcrige Wassersäge, 

Krel>ssclieere, Wasserscliccr. Der ausdauernde, im Schlamm kriechende 
Wurzelstock trägt Rosetten starrer, schwertförmiger, an ihrem Grunde 
dreikantiger, an ihrer Spitze flacher, scharf -stach elig-gesägter^ ganz unter- 
getauchter oder nur eben auftauchender Blätter. Die männlichen Blüten 
sind gestielt; entspringen zu mehreren in einer aus 2 bis 3 Hüllblättern 
gebildeten Scheide, und bestehen aus 2 dreiblätterigen Blattkreisen (einem 
äusseren, kelchartigen und einem inneren, weissen, blumenkronartigen)aus 
12 oder mehr (15) Staubblättern und einem dazwischen stehenden, aus 
15 bis 30 drüsigen Fäden gebildeten Nektarium. Weibliche Blüten fast 
sitzend; Blütenhülle und Nektarium wie bei den männlichen Blüten; Frucht- 
knoten unterständig, mit kurzem, durch sechs zweispaltige Narben ge- 
kröntem Griffel. Frucht eine sechskantige, sechsfächerige, vielsamige Beere. 
In stehenden und langsam fliessenden Gewässern, meist gesellig; sehr zer- 
streut. Insektenblütig.^) 

33. Familie: Gramineae, Gräser. 

Unsere Gräser sind krautartige Gewächse; Holzpflanzen sind nur einige 
tropische Arten, wie die Bambusen. Ihr Stengel, der Halm, ist walzen- 
förmig, meist hohl und durch Knoten in einzelne Glieder geteilt. Die 
Blätter umfassen den Stengel mit einer geteilten Blattscheide; an der 
Grenze zwischen Blattfläche und Blattscheide findet sich ein hautartiger 
Auswuchs, das Blatthäutchen. Die Blattfläche ist stets ungeteilt, ganz- 
randig, langgestreckt und parallelnervig. Die Blüten sind Zwitterblüten, 
seltener einhäusig (Mais), sie sind in zusammengesetzten Blütenständen an- 
geordnet: vollständige und fruchtbare, sowie unvollständige, mitunter sogar 
bis auf die Spelzen verkümmerte, meist auch unfruchtbare Blüten bilden 
kleine Ährchen, welche ihrerseits in Ähren oder in Rispen ange- 
ordnet sind. Um zu entscheiden ob man eine Ähre oder eine Rispe vor 
sich habe, ist darauf zu achten, ob die Ährchen einzeln an der gemein- 



'; Tafel 40. Hydroeharis morsiis ranae L. A Blühende, mämiliche 
Pflanze. 1 männliche Blüte von oben gesehen ; 2 desgl. im Längsschnitt ; 
3 Staubblätter und Staminodien; 4 einzelnes Staubblatt; 5 desgl. nebst Stamino- 
dium ; 6 weibliche Blüte. 1 bis 6 vergrössert. 

') Tafel 41. Stratiotes aloidesL. Männllc-lie Pflanze in nat. Grösse. 



Gramineae. 85 

samen Hauptspindel sitzen, oder ob sie auf verzweigten Ästen stehen; ist 
letzteres der Fall, dann ist der Blütenstand eine Rispe, auch wenn diese 
verzweigten Äste so klein sind, dass der ganze Blütenstand das Aussehen 
einer Ähre, die dann Ährenrispe heisst, besitzt, wie dies z. B. bei dem 
Wiesenfuchsschwanze und dem Timotheegrase der Fall ist. Das einzelne 
Ährchen besteht aus einer Spindel oder Achse, an welcher die kleinen 
und unscheinbaren Blüten meistens zwischen dichtgestellten , zweizeilig 
geordneten Blättern, den Spelzen, versteckt sind. Die unteren Spelzen 
tragen in der Regel keine Blüten in ihren Achseln und dienen so als 
gemeinsame Hülle für das ganze Ährchen; sie w" erden daher Hüllspelzen 
(Kelchspelzen, Balgspelzen, Balgklappen) genannt (Tafel 48). Die Blütchen 
sind zweizeilig angeordnet und sitzen einzeln in der Achsel zweier Spelzen, 
der Deck- und der Vorspelze, Die Deckspelze (Aussenspelze, untere 
oder äussere Kronspelze) hat stets einen, oft an der Spitze oder auf dem 
Rücken der Spelze als Granne hervortretenden Mittelnerv; die Vorspelze 
(Innenspelze, obere oder innere Kronspelze) ist zarter, sie besitzt sehr selten 
einen Mittelnerv, oft aber zwei Seitennerven, sodass sie in zwei Spitzen 
endigt. Deckspelze und Vorspelze werden zusammen auch als Blüten - 
Spelzen bezeichnet, da sie die Blüten enge umschliessen. Die Stelle der 
Blütenhülle vertreten meist zwei , selten drei , mit den Blütenspelzen ab- 
wechselnde, kleine, farblose Schüppchen, Saftschuppen, Schwell- 
schuppen oder Lodi knien; diese oft als weitere Vorblätter betrachteten 
Blütenschüppchen haben an ihrem Grunde einen Schwellkörper, der zur Zeit 
der Befruchtung sehr saftreich wird und dadurch das Auseinandertreten 
der Deck- und der Vorspelze , das ist das Offnen der Blüten, hervorruft. 
Bei Gräsern wo sie wenig anschwellen, öffnen sich die Spelzen wenig, wo 
sie dünnhäutig bleiben oder ganz fehlen, bleiben die Spelzen an den Seiten 
vollkommen geschlossen und lassen die Befruchtungsorgane nur an der 
Spitze austreten. Sodann folgen drei (beim Ruchgrase zwei) Staub- 
blätter, deren Beutel quer auf langen Fäden schaukeln. Die Blüte 
schliesst mit einem oberständigen, einfächerigen und einsamigen Frucht- 
knoten, welcher meistens zwei (bei den Nardengräsern eine) feder- oder 
pinselförmige Narben trägt. Die Frucht ist eine trockenhäutige, nicht 
aufspringende Schliessfrucht, welche bei den meisten Gräsern von den 
beiden Hüllspelzen bekleidet, beschalt ist, wie bei Hafer und Gerste, seltener 
nackt aus den Spelzen herausfällt, wie bei Roggen und Weizen. Die 
Hauptmasse der Frucht nimmt das mehlige Nährgewebe ein, an dessen 
Vorderseite und Giimde der nur von der Fruchtwandung bedeckte Keim- 
ling liegt. Letzterer ist meist klein und gerade; er hat ein schildförmiges 
Keimblatt, Schildchen, in dessen vorderer Aushöhlung oder Rinne das 



86 Gramineae. 

mit mehreren Blattanlagen versehene Knöspchen und das von einem Hüll- 
gewebe umgebene Würzelchen liegt. (Tafel 62.) Oft sind alle Blüten 
und Ährchen bis auf eine einzige unfruchtbar. Die Gräser sind vs^ind- 
blütig, doch ist gelegentlicher Insektenbesuch nicht ausgeschlossen. 

Die Gräser bilden eine der grössten Pflanzenfamilien und finden sich, 
in fünf- bis sechstausend Arten, überall vor; Wiesen bilden sie indes nur 
in den gemässigten Kliniaten. Viele Gattungen werden des Stärkemehl- 
gehaltes ihrer Samen wegen gebaut, so Weizen, Spelz, Roggen, Gerste, 
Reis, Hafer, Hirse, Mais, andere sind als Wiesengrässer von hoher Be- 
deutung; giftig ist der Taumellolch, offizineil der Wurzelstock der Quecke. 

Die Einteilung" der Gräser ist noch nicht zum Abschlnsse gediehen ; scheint 
demselben indes nahe zu sein, da die mikroskopisclie Untersuchung der reifen 
Samen grosse Übereinstimmung des in denselben enthaltenen Stärkemehls bei 
Gruppen zeigte, die bereits andererseits, auf Grund der Blütenverhältnisse, auf- 
gestellt worden. Hiernach kann man 3 Unterfarailien unterscheiden: 

A. Das Stärkemehl des Nährgewebes besteht aus einfachen, vielflächigen 
Körnchen; etwa ein Zehntel der Körnchen besteht aus 2 bis 3 kleineren, 
miteinander verbundenen Teilkörnchen: 1. Unterfamilie: Saccliariferae. 

Hierher die Mais-, Bart- und Hirsegräser. 

B. Die Stärkemehlkörnchen des Nährgewebes sind aus vielen, bis über 
1000 Teilkörnchen zusammengesetzt: 2. Unterfamilie: Pliraginitlfoniies. 

Hierher die Narden-, Pfriemen-, Reis-, Hundszahn-, Glanz-, Fuchs- 
schwanz-, Windhalm-, Schwingel-, Lolch-, Hafer- und Rohrgräser, sowie 
die Seslerien. 

C. Das Stärkemehl des Nährgewebes besteht aus einfachen, eiförmig- 
ovalen Körnchen; etwa ein Zehntel der Körnchen besteht aus 2 bis 3 
kleinern miteinander verbundenen Teilkörnchen: 3. Unterfamilie: Fruilieil- 
taceac. 

Hierher die Gersten- und die Trespengräser. 

Die in unserem Gebiete vorkommenden, 63 Gattungen angehörenden 
Gräser zerfallen in 15 Gruppen und diese lassen sich mit Rücksicht auf die 
Hüllspelzen in 2 Unterfamilien bringen: 

1. Unterfamilie: Poaeoi'dcae mit zwei, selten nur einer oder ganz 
ohne Hüllspelzen; hierher gehören die 10 ersten der Aveiterhin aufgestellten 
15 Gruppen. 

2. Unterfarailie : Paiiicoiclcac mit drei oder mehr Hüllspelzen, von 
denen indessen einzelne mitunter verkümmern; hierher Gruppe 11 bis 15. 
A. Die Blüten sind einhäusig; die männlichen Blüten stehen in Ähren, 

welche zu einer endständigen Rispe vereinigt sind; die weiblichen Blüten 



Gramineae. 87 

sind hingegen zu blattwinkelständigen, von mehreren Blattscheiden um- 
hüllten Kolben geordnet. XXI, 1. 14. Gruppe: Olyreae, MaisgTäscr. 
B. Die Blüten sind zum Teil oder alle zwitterig; die etwa vorhandenen 
männlichen und weiblichen' Blüten sind nicht auf besondere, verschieden 
gestaltete Blütenstände verteilt. Fast ausschliesslich III, 2. 
I. Die Ährchen stehen in einer einzigen, mitunter lockeren, gipfelstän- 
digen Ähre. 

a. Fruchtknoten mit 2 Narben (III, 2). 

1. In der unteren Hälfte der Ähre enthalten die Ährchen nur männ- 
liche und geschlechtlose Blütchen, sind mithin taub; fruchttragende 
Zwitterblütchen finden sich erst in der oberen Hälfte der Ähre, 
Hierher die zur 12. Gruppe der Andropogoneae gezählte Gattung 
Heteropog'Oii Persoon. 

2. Fruchttragende Blütchen sind nicht auf die obere Hälfte der 
Ähre beschränkt. 

a. Der Griffel ist lang, sodass die Narbe an der Spitze des 

Blütchens hervortritt. 

Hierher die zur 7. Gruppe der Alopecuroideae gezählte 

Gattung CliamagTOStis Borkhausen. 
ß. Der Griffel fehlt oder ist sehr kurz, sodass die Narbe unten 

an den Seiten der Blüte hervortritt. 1. Gruppe: Hordeeae, 

Grerstengräser. 

Hierher auch die zu der 2. Gruppe, Festucaceae, gezählte 

Gattung Braeliypodiiiiu Palisot de Beauvais, Zwenke; die 

Unterscheidung dieser Gattung von den Gerstengräsern findet 

sich in der Einteilung der letzteren. 

b. Fruchtknoten mit einer Narbe (III, 1); 8. Gruppe: Nardeae, 
Nardeiigräser. 

IL Die Ährchen stehen in Rispen, Ährenrispen, mehreren fingerförmig 
auf der Spitze des Halmes sitzenden Ähren u. s. w., aber nicht in einer 
einzigen, gipfelständigen Ähre. 
Ä. Die Ährchen enthalten zwei oder mehr fruchtbare Blüten. 

a. Die Hüllspelzen reichen nicht bis zur Spitze der untersten Blüte 
des Ährchens, umhüllen daher nur deren unteren Teil. 

1. Die Narben sind pinselförmig und treten, da der Griffel ver- 
längert ist, aus der Mitte des Blütchens hervor. Die Spindel 
der Ährchen ist wenigstens unter den oberen Blüten seiden- 
haarig. 3. Gruppe: Ariiiidineae, Eolirgräsei'. 

2. Die Narben sind federförmig und treten , da der Griffel sehr 



88 Gramlneae. 

kurz ist oder ganz fehlt, seitlich am Grunde des Blütchens 
hervor. Die Spindel der Ahrchen ist fast immer unbehaart. 
2. Gruppe: Festuceae, Schwill gelgräscr. 

(Bei Festuca borealis Hertens und Koch überragen die 
Hüllspelzen das unterste Blütchen. Bei einigen Melica- und 
Koeleria- Arten, welche zu den Aveneen gezählt werden, er- 
reichen die Hüllspelzen nicht die Länge der untersten Blüte. 
Vergl. die Tabelle zur Bestimmung der Gattungen.) 
ß. Die Hüllspelzen sind gross; sie (in seltenen Fällen nur eine) 
sind so lang oder fast so lang als das ganze von ihnen um- 
hüllte Ahrchen, oder doch wenigstens wie dessen unterstes 
Blütchen. Der Griffel fehlt oder ist sehr kurz. 

1. Die Narben sind fadenförmig und treten aus der Spitze der 
Spelzen hervor. 4. Gruppe: Seslerieac, Scslorieii. 

2. Die Narben sind federförmig und treten am Grunde der 
Blüten hervor. 5. Gruppe: Aveiieae, Hafer£;Täser. 

(Festuca borealis sowie einige Melica- und Koeleria -Arten 
machen hier Schwierigkeiten. Vergl. die Tabelle zur Be- 
stimmung der Gattungen.) 

B. Die Ahrchen enthalten nur ein fruchtbares Blütchen. 

a. Die Ahrchen sind seitlich-zusammengedrückt, d. h. sie sind flach 
und wenden der Spindel eine schmale Seite zu. Die etwa vor- 
handenen Hüllspelzen sind mehr oder weniger kielförmig; eine 
derselben ist der Ahrenspindel zugewendet , die anderen von 
derselben abgewendet. 

1. Die Hüllspelzen sind sehr klein und hautartig, oder sie fehlen 
ganz. — Ahrchen in Rispen. 15. Gruppe: Oryzeae, ßeis- 
gräser. 

2. Die Httllspelzen sind kräftig entwickelt. 

a. Die Ahrchen stehen abwechselnd — zweizeilig an der Unter- 
seite der dreikantigen Achse in fingerartig angeordneten 
Ähren. Die Ahrchen sind einblütig; ihre Achse ist über 
die Blüte hinaus verlängert und trägt zuweilen eine obere, 
unvollständige Blüte. Die lang -pinselförmige Narbe tritt 
an der Seite der Blüte hervor. 10. Gruppe: Chloricleae, 
Hiiiidszalnigräser. 

b. Die Ahrchen stehen nicht einseitswendig an der Spindel 
der Ähre; sie sind zu Rispen oder zu Rispenähren an- 
geordnet. 



Grarnineae. 89 

a. Die Griffel sind verlängert, sodass die Narben an der Spitze 
der Ährchen hervortreten. 

aa. Das Ährchen enthält eine fruchtbare Blüte und An- 
deutungen unvollkommener, unterer Blüten; letztere sind 
oft bis auf die Spelzen verkümmert, sodass das Ährchen 
drei oder vier Hüllspelzen zeigt. 13. Gruppe: Plialari- 
(leae, Grlaiizgräser. 
hh. Das Ährchen enthält eine fruchtbare Blüte und zuweilen 
auch noch Andeutungen einer oberen Blüte. 7. Gruppe: 
Alopecurideae, Fuelisschwaiizgräser. 
h. Die Griffel sind kurz, sodass die federförmigen Narben an 
den Seiten der Blüten hervortreten. Die Ährchen enthalten 
eine fruchtbare Blüte und Andeutungen einer oberen Blüte. 
6. Gruppe: AsiTOstideao, WiiHllialmgräser. 
ß. Die Ährchen sind rund oder vom Rücken her zusammengedrückt, 
d. h. sie sind flach und wenden der Spindel der Ähre eine breite 
Seite zu; die Hüllspelzen sind daher mehr oder weniger flach, 
selten kielartig. 

1. Ährchen mit 3 Hüllspelzen. 

a. Die beiden unteren Hüllspelzen sind grösser als die häutig- 
durchsichtige, nervenlose dritte. 12. Gruppe: Andropogo- 
neae. Bartgräser. 

b. Die unterste Hüllspelze ist kleiner als die beiden oberen (sie 
fehlt bei der hierher gehörenden Gattung Tragus Haller). 
11. Gruppe: Paiiiceae, Hirseiigräser. 

2. Ährchen mit nur 2 Hüllspelzen. Die Narben sind federig 
und treten an der Seite der Spelzen hervor. 

a. Die untere Hüllspelze ist grösser als die obere, mindestens 
eben so gross. 9. Gruppe: Stipeae, PfriemeiigTäser. 

b. Die untere Hüllspelze ist klein und häutig, die obere 
mehreremal grösser, lederartig und dornig. Hierher die 
zur 11. Gruppe Paniceae gezählte Gattung Tragus Haller. 

Erste Gruppe: 

Hordeeae, Gerstengräser. 

A. Die Ährchen sind in tiefe Aushöhlungen der Spindel eingesenkt, sodass 
sie mitunter kaum über den allgemeinen Umriss der Spindel hervortreten. 
1. Die Ährchen haben eine oder zwei, pergamentartige, die Blütchen 

ganz verdeckende Hüllspelzen. Gattung 55: Lepturus R. Brown, 

I)üiiiiscliT\ aiiz. 



90 Grainineae. 

2. Die Ährchen haben nur eine lederige, schuppenartige, die Blütchen 
nicht verdeckende Hüllspelze. Die fruchtbaren Blütchen sind meist 
einmännig. Gattung 5(3: Psiliiriis Trinius, Nacktscliwaiiz. 

B. Die Ährchen stehen frei auf zahnartigen Ausschnitten der Spindel. 

A. Die Ährchen sind seitlich zusammengedrückt, d. h. sie sind flach und 
wenden der Spindel der Ähre die scharfe Kante zu; sie haben meist 
nur eine und zwar der Achse abgewendete Hüllspelze; die andere, 
der Achse zugewandte, fehlt fast immer; das am Gipfel der Spindel 
stehende Ährchen hat indes zwei Hüllspelzen. Gattung: 57: Lolilllll L., 
Loleh. 

B. Die Ährchen sind rund oder vom Rücken her zusammengedrückt, 
d. h. sie sind flach und wenden der Spindel ihre breite Seite zu. 
Die mehr oder weniger flachen, selten kielartigen Hüllspelzen stehen 
zu beiden Seiten, rechts und links von der Spindel, nicht, wie vorhin, 
derselben zu-, beziehungsweise abgewendet. 

a. Die Ährchen stehen zu mehreren beisammen; die Hüllspelzen 
kreuzen sich mit den Deckspelzen. 

1. An dem Ende der Ährenspindel steht ein Gipf elährchen ; die 
Ährchen sind meist mehrblütig und stehen zu zwei bis vier 
beisammen auf den zahnartigen Ausschnitten der Spindel; Deck- 
spelzen unbegrannt. Gattung 58: Elyiiius L., HaargTas. 

2. Die Ähre hat kein Gipfelährchen, es stehen vielmehr alle Ähr- 
chen seitlich; die Ährchen sind ein-, selten zweiblütig; sie 
stehen in Gruppen zu dreien beisammen, auch sind die Deck- 
spelzen, wenigstens beim mittleren Ährchen einer jeden Ährchen- 
gruppe, begrannt. Gattung 59: Hordeum L., Grerste. 

b. Die Ährchen stehen nahezu ausnahmslos einzeln; die Hüllspelzen 
stehen vor den Deckspelzen. 

1. Die Hüllspelzen sind sehr ungleich und mehrnervig; die 
Ährchen haben eine zerbrechliche Spindel. 

a. Die Deckspelze hat eine unter ihrer Spitze entspringende, ge- 
kniete Granne. Gattung 6 : (jfaiidiii ia Palisotde Beauvais, 
(xaiuliiüa, Älirenlialer. 

ß. Die Deckspelzen tragen an ihrer Spitze meist eine Granne; 
letztere ist stets gerade. 

Hierher die zu der 2. Gruppe Festucaceae gezählte Gattung 
Brach ypodiiim Palisot de Beauvais, Zwenke. 

2, Die Hüllspelzen sind gleich oder fast gleichlang. 



Gramineae. PI 

a. Die Spelzen haben eine einfache oder gar keine Granne. 

a. Die Hüllspelzen sind mehrnervig, bauchig; ganz oder nur 
an ihrer Spitze gekielt, stachelspitzig oder spitz. Die 
Ähre hat meist ein Gipielährchen; die Ahrchen sind drei- 
oder mehrblütig. Gattung 61: Tritieum Tournefort, 
Weizen. 

b. Die Hüllspelzen sind mehrnervig, pfriemenförmig, gekielt. 
Ein Gipfelährchen fehlt; die Ährchen sind zweiblütig, 
selten haben sie noch ein unfruchtbares drittes Blütchen. 
Gattung 62: Seeale Tournefort, ßog'g-eii. 

ß. Die Hüllspelzen sind stark bauchig, an ihren abgestutzten 

Enden zwei- bis vierzähnig, und diese Zähne laufen oft in 

eine Granne aus. Gattung 63: Aegilops L., Walch. 

Mit Zuhilfenahme der Stärkemehlbildiing zerfallen die Gei'stengräser in 
zwei Gruppen: 

1. Lolieae, Lolchgräser; sie gehören zu den Phragmitiformes; hierher 
die Gattungen Lolium, Lepturus, Psilurus, Gaudinia. 

2. Hordeae, Eigentliche Gerstengräser: sie gehören zu den Fru- 
mentaceae ; hierher die Gattungen : Hordeum, Elymus,Secale, Tritieum, 
Aegilops. 

Gattung 55: Lepturus R. BroT>Mi, Dünnschwanz. 
Kleine, einjährige, kahle Rasen. Blätter kurz, mit zusammengedrückten, 
oberAvärts bauchigen Scheiden und kurzen, abgestutzten Blatthäutchen. 

1. Hüllspelzen so lang oder doch nur wenig länger als die Blüte. — Ähre 
fadenförmig, fast stielrund, aufrecht oder ein wenig gebogen. Blütezeit 
Mai, Juni. Höhe 15 bis 30 cm. Am Meeresufer auf Sand; selten. 
(Roettboellia filiformis Roth.) Lepturus filiformis Trinius, Faden- 
förmiser Büuiiseli^ aiiz. 

2. Hüllspelzen etwa um ein Drittel länger als die Blüte. — Ähre faden- 
förmig, stielrund, im trocknen Zustande einwärts gekrümmt. Blütezeit 
Mai, Juni. 15 bis 30 cm hoch. Auf sandigen Orten, an Mauern; zer- 
streut. (Aegilops incurvata L., Rottboellia incurvata L. fil.) Lepturus 
iucurvatus Trinius, (xekrümmter Dünnschwanz.^) 

Gattung 56: Psilurus Trinius, Nacktschwanz. 

Hierher nur Psilurus nardoi'des Trinius, Nardenälinlielier Naekt- 

seliwauz. Einjälirig, kleinrasig. Stengel 20 bis 30 cm lang, fadenförmig- 



*) Tafel 42 A. Lepturus incurvatus Trinius. A.Pflanze. A 1 Teil der 
Ahrenspindel, in deren Aushöhlungen die Ährchen eingesenkt sind: vergrössert. 



92 Gramineae. 

dünn, an ihrem oberen Ende stark hin- und hergeh ogen. Blätter kurz, sehr 
schmal, fast fädlich. Die Blattscheiden sind sehr kurz und hüllen kaum 
die Knoten des Stengels ein, die oberste hingegen ist ziemlich lang und 
hüllt den Grund der etwa 8 bis 10 cm langen Ähre ein. Hüllspelze lederig 
kurz dreieckig; Blüten gewöhnlich einmännig (I, 1). Am südlichen Meeres- 
strande. ^) 

Gattung 57: Lolium L , Lolch. 

I. Nur das oberste, endständige Ährchen hat 2 Hüllspelzen; die anderen 
Ahrchen besitzen nur eine , der gemeinschaftlichen Axe abgewendete 
Spelze. 

A. Die Blütenspelzen sind krautig - häutig (an ihrem Grunde nicht 
knorpelig). Gruppe: Euloliuili, Luerssen. 

A. Ausdauernde Arten: die Wurzeln treiben neben blühenden Halmen 
gleichzeitig nichtblühende, überwinternde Blätterbüschel. 

1. Blätter in der Knospe einfach gefaltet, nachher glatt. Hüll- 
spelze ohne Granne, mitunter mit kurzer Stachelspitze etwa 
1^/2 mal so lang als die ihr zunächst stehende DecksjDelze. — 
Ahrchen abgerundet, lanzettlich, 7- bis 15 blutig. Blüht im 
Mai und Juni, oft im Herbst zum zweiten Male. Höhe 30 bis 
100 cm. 2|. Auf Wiesen, Triften, an Wegerändern gemein. 
L. pereiiiie L., Englisches BayjtTas.^) 

Eine Form mit 3- bis 4 blutigen, selbst einblütigen Ahr- 
chen ist L. teniie L., Zarter Loleli. 

2. Blätter in der Knospe gerollt. Hüllspelze, wenigstens der 
oberen Blütchen der Ahrchen, mit einer ihr an Länge gleich- 
kommenden Granne und kaum so lang als die ihr zunächst 
stehende Deckspelze. — Ahrchen lanzettlich, 10- bis 25-blütig. 
Blütezeit Juni bis Oktober. '4. Höhe 50 bis 100 cm. Ange- 
baut und auf Wiesen und Grasplätzen zuweilen verwildert. 
(L. multiflorum Lamarck.) L. italiciim AI. Braun, Italieni- 
sches Raygras.^) 



') Tafel 42 B. Psilurus nardoides Trinius B Pflanze. B 1 Auseinander- 
gebreitetes Alirclien ; vevgTössert. 

*j Tafel 43 A. Lolium perenne L. A Pflanze. A 1 ein Stück der 
Ährenspindel ohne Ährchen ; A 2 ein Stück der Ähre von der Seite (scharfen 
Kante) gesehen; A3 Ährchen mit der einen, der Axe abg'ewendeten Hüllspelze; 
A4 Hüllspelze. Zum Teil vergrössert. 

') Tafel 43 B. Lolium italicum A. Braun. 



Gramineae. 93 

B. Pflanze ein- oder zweijährig, ohne unfruchtbare Blattbüschel. 

1. Obere Blüten begrannt. Hüllspelzen kaum oder nicht halb so 
lang wie das spitze, 12- bis 20 blutige Ährchen. — Blütezeit 
Juni, Juli. Höhe 40 bis 60 cm. Auf Ackern der südlichen 
Schweiz. Loliiiiu miiltiflorum Gaudin, yiell)lütiger Lolch. 

2. Obere Blüten grannenlos. Hüllspelze länger als das halbe 
Ährchen. Ährchen stumpf, 6- bis 10 blutig. — Blütezeit Juni, 
Juli. Höhe 15 bis 25 cm. Auf trockenen Wiesen und an 
Wegen. An der Südgrenze des Gebietes. L. riglduiil Gaudin, 
Stetfer Lolch. 

B. Deckspelze unten knorpelig, schmäler als die Vorspelze. Gruppe: 
Craepalia, Schrank. 

1. Hüllspelze kürzer (meist fast so lang) als das Ährchen, meist 
wehrlos, seltener begrannt. Halme heUgrün, zai-t, 30 bis 45 cm 
hoch. Ährchen länglich-eiförmig, 4- bis 8 blutig. Blütezeit Juni, 
Juli. 0. Besonders auf Sandboden (unter Lein); durch das ganze 
Gebiet zertreut. (L. arvense Schrader, L. linicolum A. Braun.) 
L. remotiim Schrank, Leinliehender Lolch. 

2. Hüllspelze länger als das Ährchen, meist begrannt. Halm blass- 
grün mit schwach-bläulichem Anfluge, steif-aufrecht, 30 bis 100 cm 
hoch , samt den Blattscheiden rauh. Blätter breit - bandförmig, 
rückwärts scharf randig. Ähren bis 30 cm lang, mit welliger 
Sjjindel. Ährchen 5- bis 7 blutig, länglich, bei der Fruchtreife 
elliptisch, Blütezeit Juni, Juli. Unter dem Getreide; nicht selten, 
mancherorts häufig. Die Früchte sind giftig. L. temilleiltuui L., 
Taiimellolch.^) 

Die Formen inacrochaetoii A. Braun, LaiiggTanniger und 
leptochaetoii A. Braun, Schwachgraiiiüger Tauiuellolch 
werden durch ihre Namen gekennzeichnet. 

Eine Form mit glatten Halmen und Blattscheiden und sehr 
kurzen Grannen ist L. arvense Withering, Ackerlolch. 
II. Die obersten Ährchen (nicht allein das Endährchen) besitzen 2 Hüll- 
spelzen. 

1. Die Ährchen stehen in einer lockeren, ährenförmigen Traube; Tracht 
der Pflanze lolchartig. — Blütezeit Juni. "^l-. Höhe 30 bis 100 cm. 
(Festuca loliacea Curtis; Festuca elongata Erhart; Lolium festucaceum 
Lamarck.) Lolluiii pereiine X Festuca elatior. 

^) Tafel 44 A. Lolium temiileu tum L. A Pflanze; A 1 Deckspelze, ver- 
2'rössert. 



94 GraDiiueac. 

2. Blütenstand traubig, am Grunde rispig; Tracht der Pflanze die eines 
Schwingels. %. Blütezeit Juni. Höhe 110 bis 125 cm. Bei 
Rostock. (Festuca Brinkmanni AI. Braun.) Loliuili pereiiiic X 
Festiiea gigaiitea. 

Gattung 58: Elymus L., Haargras. 

A. Die bis 60 und mehr cm langen, schmalen, spitz-zulauf enden Blätter 
rollen sich später zusammen und stehen dann starr aufrecht. Die 
Ährchen in der Mitte der Ähre sind meist dreiblütig. — Wurzelstock 
stark verästelt, ausläuferartig weithin kriechend und zahlreiche bis 
über 100 cm lange Halme entsendend. Halme und Blätter meero-rün. 
Ährchen weichhaarig; Hüllspelzen auf dem Kiele gewimpert. Deck- 
spelze lanzettlich, spitz, unbegrannt. Blütezeit Juli, August. %. Auf 
den Dünen am Meeresstrande häutig, anderwärts selten. E. areiiarius 
L., Saiul-Hafer, Straiulgras.^) 

B. Die Blätter rollen sich nicht zusammen. 

a. Blattscheiden (namentlich die unteren) mit einwärts stehenden Haaren 
besetzt; Blätter kahl. — Wurzelstock kurz. Halme 60 bis 125 cm 
hoch. Ährchen zwei- bis ein-, in der Mitte der Ähre auch dreiblütig. 
Hüll- und Deckspelzen begrannt; die Grannen der letzteren viel länger 
als die Spelze. Blütezeit Juni, Juli. 21. In schattigen Laubwaldungen 
zerstreut. (Hordeum europaeum Allioni.) E. eiiropaeus L., Euro- 
l)äisclies Haargras, Waldgerste. 

b. Blattscheiden kahl; Blätter oberseits zottig. — Ährchen einblütig, 
mit Ansatz zu einer zweiten Blüte. Deckspelze sehr lang begrannt. 
Blütezeit Mai, Juni. 0. Auf Äckern und Schutt, bei Trient. E. eri- 
iiitus Seh reber, Borsteii-HaargTas. 

Gattung 59: Hordeum L., Gerste. 

I. Alle Ährchen sind sitzend. 1. Gruppe: SaYita L., Saatgerste. Die hier 
aufgezählten Pflanzen bilden wahrscheinlich nur eine einzige Art. 
A. Alle Ährchen sind zweigeschlechtlich, fruchtbar und begrannt. — 
Die fruchtbaren Ährchen sind um die gemeinsame Achse in sechs 
Zeilen derart gestellt, dass auf jeder Seite zwei Reihen etwas mehr 
vorspringen. — Die Ähre hat kein Gipf elährchen ; ihre Spindel ist 
zähe und zerfällt nicht in Glieder; die Ährchen sind einblütig; als 
Rest einer zweiten Blüte ist die über die Blüte hinaus verlängerte 



') Tafel 14 B. Elymus arenarius L. B Pflanze; B 1 aiiseinander- 
gebreitetes Ährehen, vergrössert. 



Gramineae. 95 

Achse anzusehen. Blütezeit Juni, Juli; und 0. Wichtige, überall 
angebaute Getreidepflanze. Hordeuin Yulgare L., (xemoiiic Gerste.^) 
Eine besondere Form mit gleichmässig-abstehenden vmd daher 
6 regelmässig-angeordnete Zeilen bildenden Blüten ist die seltener 
angebaute H. hexasticliiim L., Secliszeilige Oerste.-) 
B. Nur das mittelste der jedesmal zusammenstehenden drei Ahrchen ist 
zweigeschlechtlich und begrannt; die Seitenährchen sind unbegrannt, 
männlich oder unfruchtbar. 

1. Die mittleren Ahrchen und deren Grannen stehen aufrecht, sodass 
die Grannen der Ährenspindel ganz oder nahezu parallel laufen. 
Blütezeit Juni, Juli. Wichtige Kulturpflanze. H. (listicliiim L., 
Zweizeilige Uerste, Sominergerste.-) 

Besondere Kulturvarietäten sind: 

a. Frucht mit den Spelzen verwachsen. 

a. Ähre kurz, mit dichtgedrängten Ahrchen; aufrecht. H. (listi- 

chimi erectum Schübler und Martens, Kurze zweizeilige 

Grerste, Staudengerste, Blattgerste. 
ß. Ähre lang mit lockerstehenden Ährchen; nickend. H. disti- 

clnmi iiutans S c h ü b 1 e r und M a r t e n s , Greineiiie zweizeilige 

Grerste, Frühgerste, Märzgerste. 

b. Frucht nicht mit den Spelzen verwachsen. H. disticliiim uiiduiii 
Arduino, Kaffee - Uerste , ßussiselie Grerste, Agyptisclie 
Grerste. Weizeiigerste. 

2. Die mittleren Ährchen stehen schief zur Ährchenspindel; ihre eben- 
falls schief stehenden Grannen liegen alle in einer Ebene und 
bilden so einen Fächer. Blütezeit Juni, Juli; 0. Wenig an- 
gebaut. H. Zeocriton L., Pfauen-, Fächer-, Reis-, Bart-Gferste. 

IL Von den 3, jedesmal beisammenstehenden Ähren sind die seitlichen ge- 
stielt. 2. Gruppe: Murina L., Wildgerste. 

A. Halm über der Wurzel zwiebelig-auf getrieben. — %. Blütezeit Mai, 
Juni. Höhe 50 bis 70 cm. Auf Grasplätzen in Istrien; bei Preussisch- 



') Tafel 45 I. A Horde um vulgare L A Ähre; A 1 Ährchen, vergrössert ; 
2 Stellung der Ahrchen auf dem Querschnitte der Ähre, vergrössert. B Hordeum 
hexastichum L. Reife Ähre; Bl Stellung der Ährohen anf dem Querschnitt 
der Ähre vergrössert. 

") Tafel 45 II. Hör d e u m d i s t i c h u m L. A blühende Pflanze ; 1 reife Ähre ; 
daneben eine einzelne Frucht ; 2, 3, 4 Ährcheu von verschiedenen Seiten, Granne 
zum Teil abgeschnitten; 5 Blüte (vor dem Fruchtknoten die Saftschuppen); 
6 Fruchtknoten ; 7 Saftschuppe ; 8 unfruchtbares Ährchen. 2 bis 8 vergrössert. 



96 Grainineae. 

Oldendorf in Westphalen wohl nicht ursprünglich wild. (H. bulbosum 
Bertoloni.) Hordeiim strietiim Desfontaines, Steife Grerste. 

B. Halm über der Wurzel nicht zwiebelig-aufgetrieben. 

1. Hüllspelzen aller Ährchen borstlich und rauh. — 2].. Blütezeit 
Juni, Juli. Höhe 50 bis 100 cm. Auf guten, feuchten, namentlich 
auch salzigen Wiesen. (H. pratense Hudson, H. nodosum Autorum.) 
H. secaliiimn Schreber, ßoi^geiiartige Oerste. 

2. Nicht alle Hüllspelzen sind borstenartig. 

a. Hüllspelzen des mittleren Ährchens lineal-lanzettlich, bewimpert 
und in eine lange Borste auslaufend. Von den Hüllspelzen 
der seitlichen Ährchen sind die äusseren borstenartig und rauh, 
die inneren, d. h. dem Mittelährchen zunächst stehenden eben- 
falls borstlich und auf der inneren, d. h. diesem Ährchen zu- 
gewendeten Seite bewimpert. — Blütezeit Juli, August. 0, 
Höhe 15 bis 30 cm. An Wegen, auf Schutt, Mauern u. s. w. 
gemein. H. iniiriiiuiii L., Mäiise-Crerste. 

b. Alle Hüllspelzen sind ungewimpert; die inneren, d. h. dem 
Mittelährchen zugewendeten Hüllspelzen der seitlichen Ährchen 
sind halblanzettlich und etwas geflügelt; alle anderen Hüll- 
spelzen sind borstlich. Blütenzeit Mai, Juni. 0. Höhe 10 bis 
20 cm. Auf sandigem Weideboden und Marschboden; an der 
Seeküste. H. maritimiiiu Withering, Meerstrands-Grerste. 

Gattung 60: Gaudinia Palisot de Beauvais, Gaudinia, Ährchenhafer. 

Hierher nur U, Iragllis Palisot de Beauvais, (Avena fragilis L.), Zer- 
l)i*eclilielier Älirelieiiliafer. Ein 30 bis 60 cm hohes Gras von der Tracht 
eines Lolches mit Haferährchen. Halme kahl, Blätter beiderseits zottig, in 
der Knospe gerollt. Ährenspindel gegliedert. Ährchen 4- bis 7 blutig. Hüll- 
spelzen zusammengedrückt-gekielt, sehr ungleich; die untere viel kleiner als 
die obere, spitz, zwei- bis viernervig; die obere stumpf-, 5- bis 9nervig. 
Deckspelze länger als die Hüllspelzen, an der Spitze gespalten, über der 
Mitte des Rückens mit einer zuletzt geknieten Granne, welche doppelt so 
lang als die Spelze ist. Blütezeit Juni. 0. Im südlichsten Teil des Ge- 
bietes; im Norden hier und da verwildert (ausgesät?). 

Gattung 61: Triticum L., Weizen. 

A. Hüllspelzen meist ihrer ganzen Länge nach, wenigstens aber an ihrer 
Spitze scharf gekielt; die durch den Kiel entstehenden Abschnitte sind 
sehr ungleich ausgebildet (sehr ungleichseitig). Die Frucht hat eine 
schmale Furche, 



Gramineae. 97 

A. Blätter kahl. Ein- oder zweijährige Kulturpflanzen. Hüllspelzen 
bauchig -gedunsen, mehrnervig; Deckspelzen bauchig, fast gleich- 
seitig, an der Spitze scharf gekielt. (Eutriticum Godron, Echter 
Weizen.) 

L Die Achse der Ähre zerfällt bei der Reife nicht in Stücke; die 
reife Frucht fällt frei aus den Spelzen heraus. 1. Gruppe: Pyros 
Doli, Edelweizeii. 

a. Hüll- und Deckspelzen knorpelig und nur an ihrem oberen 
Ende nervig; Ähre deutlich vierkantig. 

a. Hüllspelzen im unteren Teile des Rückens abgerundet; im 
oberen Teile hingegen mit einem zwar deutlichen, indes nicht 
flügelartig vorgezogenen, in eine kurze breite Stachelspitze 
auslaufenden Kiele; breit-eiförmig, oben abgestutzt. Blüte- 
zeit Juni, Juli. Je nach der Kultur oder ©, Weizen- 
stärke, Amyhim Tritici ist offizinell. Triticum tuI- 
gjare L. (T. sativum Lamarck), Gremeiner Weizen.^) 

Infolge der ausgedehnten Kultur sind zahlreiche Abarten 
entstanden, welche sich hinsichtlich der Länge der Grannen, 
der Behaarung (kahl bis dicht -samtartig -behaart) und der 
Farbe der Ährchen, welch letztere sich von hellgelblich-weiss, 
durch rötlich und hellbläulich bis zu schwarzbraun zieht, 
unterscheiden. Sie zerfallen in folgende 4 Gruppen: 

1. Mit lockeren, längeren Ähren. 

aa. Begrannt: Grannen weizen. Bei uns meist als Winter- 
frucht, die im Herbste gesät wird, angebaut. 

hb. Unbegrannt: Kolbenweizen. Bei uns teils Winter-, 
teils Somnierfrucht. 

2. Mit dichter, kurzer Ähre. 

aa. Begrannt : Igelweizen. Als Sommerfrucht mancher- 
orts angebaut. 
hh. Unbegrannt: Binkelweizen. Als Sommerfrucht hie 
und da gebaut. 
ß. Hüllspelzen ihrer ganzen oder fast ganzen Länge nach flügelig- 
srekielt. 



*) Tafel 46 I A. Triticum vulgare muticum L. (Kolbenweizen.) A Teil 
der blühenden Pflanze. B reife Ähre; 1 Ährchen auseinandergebreitet; 2 Blüte 
mit Spelze; 3 Fiiichtknoten mit Saftschuppen ; 4 Fruchtknoten von der Rücken- 
seite; 5 Teil der Narbe; 6 Same. 1 bis 5 und 6b vergrössei-t. 

') Tafel 46 II. A Triticum vulgare aristatum L. (Granuenweizen.) 
A Reife Ähre.. A 1 Ährchen, vergrössert ; A 2 Samen. 

T hörne, Flora. II. Aufl. 7 



98 Gramineae. 

1. Hüllspelzen breit-eiförmig, halb so lang als die meist be- 
grannte Deckspelze. Blütezeit Jmii, Juli. Meist als 
Sommerfrucht angebaut. Tritleuiii turgidiiin L., Eng- 
lischer IVeizenJ) 

Eine Abart mit verzweigter Ähre ist T. eomi>Ositum L., 
Wiiiiderweizeii.-) 

2. Hüllspelzen länglich, so lang als die meist begrannte 
Deckspelze. Ährchen vierblütig, davon die 3 unteren 
fruchtbar. Blütezeit Juni, Juli. Mancherorts angebaut. 
T. durum Desfontaines, Glas-, Grcrsten-, Bartweizen.^) 

b. Hüllspelzen papierartig-häutig, lang, ihrer ganzen Länge nach 
von Nerven durchzogen, gekielt; der Kiel läuft in eine Spitze 
aus, zu deren Seiten je ein Zähnchen steht. Deckspelzeu so 
lang wie die Hüllspelzen und mit einer ihnen an Länge gleich- 
kommenden Granne. und 0. Mitunter angebaut. T. poloili- 
cum L., Polnischer Weizen/) 
H. Die Achse der Ähre zerfällt bei der Reife in Stücke. Deck- und 

Vorspelze sind knorpelig und umschliessen die bei der Reife 

nicht frei herausfallende Frucht. 2. Gruppe: Spelta Nees, Sl)elz- 

weizen. 

a. Ähre schlank, stielrundlich oder fast gleichseitig-vierseitig. Hüll- 
spelzen breit-eiförmig, gerade abgestutzt ; ihr Kiel läuft in eine 
kleine Spitze aus ; neben dieser findet sich jederseits ein kleiner, 
dicker Zahn. — Ährchen meist mit 5 Blüten, von denen indes 
meist nur die 2, selten 3 untersten fruchtbar sind. Blütezeit 
Juni, Juli ; 0, seltener 0. Mancherorts gebaut. T. Spelta L., 
Spelz, Dinkel.^) 

b. Ähre von den Seiten, auf denen keine Ährchen stehen, zu- 
sammengedrückt. Hüllspelzen schief abgestutzt, sodass die 
Spitze, in welche ihr Kiel ausläuft, an ihrem Grunde geflügelt 
erscheint. 

a. Ähre gedrungen, mit einem gipfelständigen Ährchen. Hüll- 
spelzen mit einem sehr scharf bis etwas flügelig hervor- 
tretenden, einwärts-gebogenen Kiele. Ährchen mit vier Blüten, 



') Tafel 46 II B. Triticum turgidum L. Reife Ähre. 
*) Tafel 46 II C. Triticum compositum L. Reife Ähre. 
') Tafel 47 A. Triticum durum Desf. Reife Ähre; AI Ährchen, ver- 
grössert. 

*) Tafel 47 B. Triticum polonicum L. Reife Ähre; B 1 Hüllspelze. 
*) Tafel 47 C und D. Triticum Spelta L. Reife Ähren; D 1 Teil der Ähre. 



Gramineae. 99 

von denen die beiden unteren fruchtbar sind. und 0. 
In der südlichen Hälfte des Gebietes mitunter angebaut. 
Tritlcum (lieoecuin Schrank, Emmer. 

Eine fünfblütige und dreifruchtige Abart ist T. tl'icoccum 
Schübler, Dreikorii. 
ß. Ähre sehr gedrungen, ohne gipfelständiges Ährchen. Hüll- 
spelzen mit stachelspitzig vorspringendem Kiele; neben dieser 
Spitze findet sich, meist jederseits, selten nur an einer Seite, 
ein kleiner Zahn, und diese Zähne sind nach Form und Be- 
schaffenheit oft voneinander verschieden, der eine kräftig, 
spitz und gerade, der andere häutig und stumpf. Ährchen 
meist mit 3 Blütchen, doch ist nur die unterste Blüte fruchtbar. 
Blütezeit Juni, Juli. und 0. In Gebirgsgegenden auf 
magerem, steinigem Boden, wo andere Weizenformen nicht 
mehr gedeihen, mitunter angebaut. T. lllOilOCOCeuill L., 
Einkorn. 
B. Blätter behaart. Hüllspelzen keilförmig, mit grannenartig-vortreten- 
dem Kiel ; auf den Nerven büschelig-behaart. Ähre zweizeilig; ; 
Ährchen meist vierblütig. Blütezeit Mai, Juni. 0. Unter der Saat; 
Istrien. T.villosum Marschall von Bieberstein, ZottigerWeizen. 
B. Hüllspelzen schwachgekielt, gleichseitig. Frucht mit breiter Furche. 
Ausdauernde, wildwachsende Arten, (AgTOpyriim PalisotdeBeauvais, 
Ackerweizen, (Quecke.) 
I. Wurzelstock weit kriechend. 

Ä. Blattnerven oberseits mit zahlreichen Reihen sehr kurzer Haare 
dicht besetzt, daher samtartig aussehend. 

a. Die Ährchen sitzen voneinander entfernt; die Ährenspindel 
zergliedert sich bei der Reife w^ie beim Spelzweizen; die Hüll- 
spelzen sind 9- bis II nervig und lineal-lanzettlich, etwa -,3 so 
lang wie das 5- bis 8 blutige Ährchen. — Blüten grannenlos. 
Blütezeit Juni, August. %. Höhe 30 bis 60 cm. Am Meeres- 
strande und auf den Dünen. T. jimceum L., Binsen-i^uecke. 
ß. Ährchen einander genähert; Ährenspindel bei der Reife kaum 
oder nicht zergliedernd ; Hüllspelzen 5- bis 7 nervig. 
1. Ährchen 5- bis 8 blutig; Hüllspelze 7 nervig, spitz oder 
stumpf, wehrlos oder begrannt. Die Deckspelzen erscheinen 
bei stärkerer Vergrösserung an Rand und Spitze bewimpert. 
— Blütezeit Juni, Juli. 21. Höhe 50 bis 80 cm. Am Meeres- 
strande. (T. acutum De Candolle.) T. junceum X repens, 
Spitze (Quecke. 



100 Gramineae. 

2. Ährclien 5 blutig; Hüllspelzen 5 nervig, spitz; Deckspelze an 
ihrem Grunde bis über die Mitte behaart. — Blütezeit Juni, 
Juli. Halm sehr kräftig, steif aufrecht, 100 bis 125 cm hoch. 
2].. Auf sandigen Orten an der Ostseeküste. (Agropyrum 
Elymogenes Arndt; vielleicht Bastard von der vorigen und 
Elymus arenarius L.) Triticum strictum Dethardiug, 
Steife (Quecke. 
B. Blattnerven nicht mehrzeilig- behaart, aber rauh, weil mit einer 
einfachen Reihe sehr kleiner Stacheln oder Borsten besetzt. 
a. Hüllspelzen spitz bis kurzstachelspitzig. 

5(. Äussere Hüllspelze önervig, innere 3- bis 5 nervig, aber 
meist 5 nervig. 

1. Deckspelze 5 nervig; Ahrchen zur Blütezeit von der Ahren- 
spindel nicht horizontal abstehend. — Halm 60 bis 130 cm 
hoch, meist kahl; Blätter unterseits kahl; Ahrchen in der 
Regel 5 blutig, selten mehrblütig. Hüllspelzen länger als 
das halbe Ahrchen. Blütenspelzen kalil oder behaart, 
stumpf oder spitz, mit oder ohne Granne. Blütezeit Juni, 
Juli. Höhe 60 bis 125 cm. Auf Ackern, Grasplätzen, 
an Zäunen; gemein. Lästiges Unkraut. Der weithin 
kriechende Wurzelstock, Radix Grramiiüs war offi- 
zinell. T. repeiis L., Gremeine (^uccke.^) 

Sehr formenreiche, in zahlreiche Arten zerspaltene Art. 
a. Pflanze grasgrün, Blattscheiden kahl. 

a. Deckspelze stumpflich bis kurz-stachelspitzig. rar. 

vulgare Doli, Uemeiiie Quecke. 
h. Hüll- und Deckspelzen, oder nur die letzteren be- 
grannt. rar. aristatum Doli, Begramite (Quecke. 
Diese Varietät zerfällt noch nach der Länge der 
Granne in: 

aa. Granne sehr kurz. Die Ahrchen sitzen zu 
2 bis 3 nebeneinander. rar. (lumetoruin 
Sehr eher, Heckeuquecke. 



*) Tafel 48. Triticum repens L. A var. vulgare Doli; B var. dume- 
toruin Schrebei'; C var. Vaillaiitianum Wulfen. 1 Ahrchen; 2 Fruchtknoten mit 
Staubblättern und Saftschuppen; 3 Same von verschiedenen Seiten; 4, 5 derselbe 
im Längs- und Querschnitt. 

6 Aufriss einer Grasähre, schematisch; a Achse; h Hüllspelze; d Deck- 
spelze; V Vorspelze; s Saftschuppe; I — III sind vollkommene, IV und V hin- 
gegen unfruchtbare, bis auf die Spelzen reduziei'te Blütchen. 7 Blütengrundriss, 
I und II vollkommene Blüten, III unfruchtbare Blüte. 



Gramineae. 101 

hh. Granne länger (doch kürzer als die Deck- 
spelzen), rar. Vaillaiitiaimm Wulfen, 
Taillants (Quecke. 

cc. Granne so lang wie die Deckspelze, var. sepium 
T hui liier, Zaimquecke. 

b. Pflanze hellgrün mit schwach - bläulichem Anfluge, 
gross- und breitblätterig. Deckspelze zugespitzt oder 
begrannt. (T. Leersianum Wulfen.) var. maj US Doli, 
Crosse (Quecke. 

c. Pflanze graugrün. 

a. Blattscheiden kahl. yar. glaiicuin Doli, Blau- 
grüne (Quecke. 
i. Blattscheiden rückseits rauhhaarig, var. caesium 
Presl, Grau grüne (Quecke. 
2. Deckspelze dreinervig, lanzettförmig, in eine aufwärts- 
gebogene Granne auslaufend, am Rande breit -trocken- 
häutig, am Kiele langhaarig -gewimpert; Ahrchen zur 
Blütezeit von der Ahrenspindel Avagerecht abstehend. 
Blaugrün. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 50 cm. '4. 
An trockenen Orten, zumal auf salzigem Boden. Sehr 
selten; Leitha- Gebiet, am Neusiedler See. Triticum 
cristatmn Seh reber, Kammförmige (Quecke. 
fd. Hüllspelzen 7 nervig, länglich -eiförmig, spitzlich bis kurz- 
stachelspitzig. Ahrchen 5- bis 10 blutig. — Der Gemeinen 
Quecke sehr ähnlich und vielleicht nur eine Abart davon. 
Blütezeit Juni, Juli. 2].. Höhe bis 60 cm. Am nördlichen 
und südlichen Meeresstrande. T. pungens Persoon, 
Stechende (Quecke. 
ß. Hüllspelzen und Deckspelze sehr stumpf; erstere 5- bis 7 nervig, 
halb so lang wie das meist 5 blutige Ahrchen; Deckspelze 
grannenlos oder begrannt. Der Gemeinen Quecke sehr ähnlich. 
Blütezeit Juni, Juli. 2[. Höhe 50 bis 60 cm. T. g'laucum 
Desfontaines, Meergrüne Quecke, 
n. Wurzelstock nicht mit kriechenden Ausläufern. 

1. Deckspelze grannenlos. — Halm bis 60 cm hoch; Blätter breit, 
oberseits sehr rauh. Hüllspelzen länglich, 9 nervig, wie die Deck- 
spelze sehr stumpf. Ahrchen 5- bis 10 blutig. Blütezeit Juli, 
August. 21. Auf Sand, am adriatischen Meer, in Osterreich und 
Böhmen. T. rigidum Schrader, Starre Quecke. 

2. Deckspelze begrannt. 



102 Gramineae. 

a. Granne der Deckspelze länger, bis doppelt so lang wie die 
Spelze. — Halm 100 bis 150 cm hoch. Blätter beiderseits rauh, 
oberseits graugrün, unterseits dunkelgrün. Ahrchen 3- bis 
5 blutig. Hüllspelze 3- bis 7 nervig, zugespitzt, kurz begrannt. 
Blütezeit Juli, August. '4. An Waldrändern, Zäunen, in Ge- 
büschen; meist nicht selten. Triticiiui caiiiiium L., Huiids- 
quecke. 

ß. Granne der Deckspelze kürzer als die Spelze. — Halm 25 bis 
30 cm hoch. Blätter glatt, am Rande etwas rauh. Ahrchen 
2- bis 4 blutig, zweizeilig; Hüllspelzen 3 nervig, lanzettlich, zu- 
gespitzt. Blütezeit Juni, Juli. 2].. Auf Felsen in Krain; sehr 
selten. T. l)iflorum Brignoli, Zweiblütige (Quecke. 

Gattung 62: Seeale Tou rnef o it , Roggen. 

Hierher nur Secale cereale L., Gemeiner Roggen. Halm bis 200 und 
mehr cm hoch ; Blätter flach, langscheidig. Ähre dicht, nickend, ohne Gipfel- 
ährchen, mit zäher Spindel, fast vierkantig. Ahrchen zweiblütig mit ver- 
längerter Achse, mitunter dreiblütig (var. trifloruni Doli, Dreiblütiger 
Roggen). Hüllspelzen pfriemenförmig, einnervig, rauh-gekielt. Deckspelzen 
lanzettlich, mit gerader Granne, dreinervig, an ihrem Kiel steif borstig- 
gewimpert. Blütezeit Mai, Juni. Als ein- und zweijährige Brotfrucht 
(Sommer- und Winterroggen) vielfach angebaut. \i 

Gattung 63: Aegilops L., Walch. 

A. Deckspelze mit 2 bis 3 Grannen, welche die Spelze an Länge übertreffen. 
1. Hüllspelzen kurzhaarig, meist viergrannig, stark-bauchig; abwechselnd 
stark und zart gestreift. — Halm bis 30 cm hoch, mit kurzen, fast 
dreieckigen Blättern. Ähre eirund, mit 3 bis 4 eirunden, 3- bis 4- 
blütigen Ahrchen. Blütezeit Mai. 0. An der Südgrenze des Gebietes. 
A. ovata L., Gersten^valcli, Eirunder Walcli.^) 

(A. ovata L. bildet mit Triticum vulgare L. den Bastard Aegilops 
tritieoüles Requien, Weizenälmlicher Walcli, und dieser Bastard 
soll mit Triticum vulgare L. befruchtet den weiteren Bastard A. speltae- 
formis, Spelzartiger Walcli, geben.) 



^j Tafel 49. Secale cereale L. A blühende Pflanze; B fast reife Ähre; 

1 Blatthäutchen; 2 Ährchen; 3 Blüte ohne die Spelzen; 4 Stempel und Saft; 
schvippen ; 5 Fi-uchtknoten ; (i Teile der Narbe; 7 reifes Ährchen; 8 und 9 Samen - 

2 bis 6 und 8 vergrössert. 

*) Tafel 50 A. Aeg"i lops ovata L. A Pflanze; AI viergrannige HüU- 
spelze vergrössert. 



Gramineae. 103 

2. Hüllspelzen steifliaarig, 2- bis 3 grannig; sonst der vorigen sehr ähn- 
lich. Blütezeit Mai; Höhe 30 bis 40 cm. An der Südgrenze des 
Gebietes. Aegilops triaristata W i 1 1 d e n o w, Dreigraiiiüger Walch. 
(Bildet mit Triticum vulgare L. den Bastard: AegilojJS tria- 
ristata X Triticum vulgare. 
B. Deckspelze mit 2 spitzen oder kurz-begrannten Zähnen, welche meist 
kaum so lang als die halbe Spelze sind. — Ähre walzenförmig, mit 
5 bis 6, 3- bis 4 blutigen Ährchen. Unterste beiden Blüten sehr 
kurz gestielt, zwitterig; drittes Blütchen gestielt, männlich, viertes 
unfruchtbar. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 40 cm. Im österreichischen 
Küstengebiet und auf den Inseln des Adriatischeu Meeres. A. triuil- 
cialis L., Lauggranuiger IValcli. 

Zweite Gruppe: 

Festuceae, Sckwingelgräser. 

Mit Ausnahme von Eragrostis fallen die Blütchen zur Zeit der Reife 
mit je einem Gliede der zerbrechenden Spindel ab. 

A. Die Narben entspringen unterhalb des Fruchtknotenscheitels. 

1. Deckspelze stumpf, grannenlos, an ihrem Grunde herzförmig-geöhrt. 
Gattung 64. Briza L., Zittergras. 

2. Deckspelze nicht stumpf, zugespitzt oder begrannt, meist mit einer 
rücken-, selten mit einer endständigen Granne. Gattung 65: Bro- 
mus L., Trespe. 

B. Die Narben entspringen auf dem Fruchtknotenscheitel. 
A. Deckspelze spitz oder begrannt. 

a. Jedes Ährchen hat an seinem Grunde ein unfruchtbares Seiten- 
ährchen, das nur aus zweizeilig gestellten Hüllspelzen besteht und 
einem kammförmig - gefiederten Deckblatt gleicht. Gattung 66: 
Cynosurus L., Kammgras. 

b. Die kammartigen Seitenährchen fehlen. 

1. Hüll- und Deckspelzen sind gekielt, 

I. Blattscheiden offen. Hierher einige Arten der zu den 

Aveneen gezählten Gattung Koeleria Persoon. 
IL Blattscheiden geschlossen. Deckspelze mit Granne und mit 
gewimpertem Kiel. Rispe knäuelartig-gelappt. Gattung 67: 
Dactyüs L., Knäuelgras. 

2. Deckspelzen auf dem Rücken abgerundet. Blattscheiden meist 
offen. 



104 Gramineae. 

I. Deckspelzen lanzettlicli, an ihrem Grunde nicht bauchig. 
n. Die Spindel des rispen-, selten ährenartigen Blütenstandes 
ist dreikantig; ihre Aste sind einseitig angeordnet. Die 
Vorspelzen sind an ihrem Kiele kurzhaarig bewimpert, 
an ihrem Bande aber nicht kammförmig - gewimpert. 
Gattung 68: Festiica L., Schwingel. 
ß. Die Spindel des ähren- oder traubenartigen Blütenstandes 
ist vierkantig, ihre Äste sind zweizeilig angeordnet. Die 
Vorspelzen sind an ihrem Rande kammförmig-gewimpert. 
Gattung 69: Bracliyi)0(lium Palisot de Beauvais, 
Zwenke. 
IL Die Deckspelzen sind an ihrem Grunde bauchig und laufen 
an ihrer Spitze schmal-kegelförmig, mit gerader Spitze zu; 
sie sind fünfnervig. Gattung 70: Molinia Schrank, Molinie. 
B. Deckspelze an ihrer Spitze stumpf oder abgerundet. 

51. Die Spindel der Ährchen zergliedert sich bei der Fruchtreife. 

a. Deckspelze auf dem Rücken abgerundet. 

a. Deckspelze mit 5 bis 7 starken Rippen. Gattung 7 1 : 

Glyceria R. Brown, Süssgras. 
ß. Deckspelze mit 3 erhabenen Rippen. Catapodium Link 

(zu Gattung 72: Poa L., Rispengras). 

b. Deckspelze auf dem Rücken scharf-gekielt und oft besetzt mit 
langen Wollhaaren, welche den Raum zwischen den Blütchen 
ausfüllen und die Blütchen miteinander verbinden (Blütchen 
durch Wollhaare verwebt). Gattung 72: Poa L., Rispengras. 

33. Die Spindel der Ährchen zergliedert sich bei der Fruchtreife 
nicht. 

1. Deckspelze auf dem Rücken scharf-gekielt, bei der Fruchtreife 
abfallend. Gattung 73: Eragrostis Palisot de Beauvais, 
Liebesgras. 

2. Deckspelze auf dem Rücken abgerundet; die des untersten 
Blütchens knorpelig. An der Spitze der Ährchenspindel ein 
aus blütenlosen Spelzen gebildeter keulenförmiger Körper. 
Hierher einige Arten der zu den Aveneen gezählten Gattung 87: 
Melica L., Perlgras. 

Mit Zuhilfenahme der Stärkemehibildung zerfallen die Schwingelgräser in 
zwei Gruppen : 

2. Brachypodieae, ZwenkengrUser; sie gehören zu den Fnmientaceae ; 
hierher die Gattungen: Bromus und Brachypodium. 



Gramineae. 105 

1. Festueeae, Eigentliche Schwing-elgräser; sie gehören zu den Phrag- 
mitiformes; hierher die Gattungen: Dactylis, Poa, Eragrostis, Cynosurus, 
Molinia, Glyceria, Festuca, Briza. 

Gattung '64: Briza L.. Zittergras. 

A. Blatthäutchen sehr kurz und stumpf. — Halm 30 bis 50 cm hoch. 
Rispe aufrecht mit abstehenden Ästen. Ahrchen herz- eiförmig, 5- bis 
9 blutig. Blütezeit Juni, Juli. 2].. Auf trockenen Wiesen und Triften; 
durch das ganze Gebiet, mancherorts gemein. Briza media L., Gre- 
meiiies Zittergras.^) 

B. Blatthäutchen verlängert, lanzettlich, spitz. 

1. Rispe überhängend; Ahrchen 9- bis 20 blutig, eiförmig. Blütezeit 
Mai, Juni. Höhe 30 bis 60 cm. 0. Istrien, Fiunie: zuweilen an- 
gebaut und verwildert. B. inaxima L., Grrosses Zittergras. 

2. Rispe aufrecht; Ähren 3- bis 7 blutig, dreieckig; Hüllspelzen sehr 
bauchig. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 20 bis 30 cm. G. Istrien; 
zuweilen angebaut. B. minor L., Kleines Zittergras. 

Gattung 65: Bromus L-, Trespe. 

Die Gattung zerfällt zunächst in 3 Stämme: 

A. Untere Hüllspelze drei- bis fünfnervig, obere vielnervig. Ährchen mehr 
oder minder gedunsen, nach dem Verblühen gegen die Spitze hin schmäler. 
Vorspelze borstig-gewimpert. 1. Stamm: Bromi secalini Bertoloni, 
Saat-Trespen. 

B. Untere Hüllspelze einnervig, obere dreinervig. Ährchen zusammen- 
gedrückt. 

1. Spelzen der Ährchenachse aufrecht anliegend, sodass das Ährchen 
nach dem Abblühen gegen die Spitze hin schmäler ist. Vorspelze 
an den Seitenrändern mit kurzen , aufrecht - abstehenden Haaren 
besetzt. 2. Stamm: Bromi festucacei Bertoloni, Sehwingelartige 
Trespen. 

2. Spelzen nach dem Verblühen abstehend, sodass das Ahrchen nach 
dem Verblühen nach der Spitze hin breiter wird. Vorspelze durch 
kurze Borsten kammartig -gewimpert. 3. Stamm: Bromi genuini 
Bertoloni, Eclite Trespen. 



') Tafel 51 B. Briza media L. B Pflanze; Bl wenigblütiges Ährchen. 



106 Gramiiicae. 

1. Stamm: Bromi secalini Bertoloiii, Saat-Trespen. 

A. Alle Blattscheiden sind kahl. 

i. Deckspelze dreigrannig: neben einer langen, geraden Mittelgranne 
findet sich jederseits eine kurz-begrannte Spitze; ausserdem findet sich 
jederseits in der Mitte des Seitenrandes gewöhnlich ein breiter, ei- 
förmiger, aufrechter, häutiger Zahn. Blütezeit Juni, Juli. 0. Höhe 
40 bis 80 cm. (Michelaria bromoidea Dumortier; Libertia Arduennensis 
Lejeune.) Broiims Ardueimensis Kunth, Ardeimer Trespe. 
2. Deckspelze eingrannig und ungezähnt (ohne breite, häutige Zähne zu 
ihren Seiten). — Halm, Blattscheiden und Blattunterseite kahl; Blatt- 
oberseite am Rande zerstreut-behaart. Rispe nach der Blütezeit über- 
hängend. Ährchen länglich 3- bis 15- und mehrblütig. Blüten breit- 
länglich, in der Fruchtreife zusammengezogen, stielrund, sich nicht 
deckend. Deckspelze Znervig, weisslich-hautrandig, so lang wie die 
Vorspelze, mit gerader oder schlängelig-gebogener Granne. Blütezeit 
Juni bis August. Höhe 30 bis 100 cm (auch ©?). Häufiges Un- 
kraut im Getreide. B. secaliiiiis L., ßog'^'eii-Trespe. 

In Bezug auf Grösse und Behaarung der Ährchen sowie auf Länge 
sehr veränderlich. 
a. Ährchen begrannt. 
a. Ährchen gross. 

aa. Ährchen glatt oder rauh. A'ar. grossus Koch, Grosse 

ßoggeii-Trespc. 
hh. Ährchen borstig bis samthaarig, rar. yelutiillis Koch, 
Samtährige ßoggeii-Trespe. 
h. Ährchen klein. 

aa. Ährchen glatt oder rauh. var. vulgaris Koch, Gremeine 

Roggen-Trespe. 
bh. Ährchen borstig oder weichhaarig, var.liordeacciis Gnielin, 
(xersteiiähiilielie ßoggen-Trespe. 
ß. Ährchen stachelspitzig, rar. submuticus Hagenbach, Stachel- 
spitzige Roggen-Trespe. 

B. Alle oder doch wenigstens die unteren Blattscheiden sind behaart. 
A. Deckspelze kaum so lang als die Vorspelze. 

1. Deckspelze 7 nervig, hautrandig, unter der gespaltenen Spitze mit 
einer geraden, rötlichen Granne, welche so lang wie die Spelze ist 
und sich im trockenen Zustande mitunter nach aussen biegt. — 



Gramineae. 107 

Blätter zottig, Blattscheiden weichhaarig. Fruchttragende Rispen- 
äste etwas nickend. Ährchen lineal-lanzettlich; in der Fruchtreife 
sich am Rande dachziegelig deckend. Blüten ei-lanzettlich; Blüte- 
zeit Juni, Juli. 0. Höhe 30 cm. Auf Ackern zerstreut. Bromus 
arveiisis L., Acker-TrespeJ) 

2. Deckspelze 5 nervig; fruchttragende Rispenäste aufrecht abstehend, 
nicht nickend; Blüten fast rautenförmig; im übrigen der vorigen 
ähnlich. Blütezeit Juni. (0?). Höhe 30 bis 50 cm. Auf 
Ackerrainen bei Aschersleben und Quedlinburg. B. bracliystacliys 
Hornung. Kurzährige Trespe. 
B. Deckspelze länger als die Vorspelze. 

a. Vor oder doch bei der Fruchtreife steht die Granne gespreizt von 
der Deckspelze ab. 

1. Die Granne ist anfangs gerade vorgestreckt, steht aber schon 
vor der Fruchtreife fast rechtwinkelig ab und ist nach dem 
Austrocknen gedreht. Die fruchtbaren Blüten decken sich am 
Rande dachziegelig. — Wenigstens die unteren Blattscheiden, 
desgleichen die Blätter, sind zottig- oder zerstreut -behaart. 
Ährchen kahl oder fein behaart, 12 — -ISblütig. Die Deck- 
spelze bildet in der Mitte ihres Randes einen stumpfen Winkel 
und erhält so einen vierseitigen Umriss. Rispe abstehend, 
flach überhängend. Blütezeit Mai, Juni. 0. Höhe 30 bis 
60 cm. Im Süden und Westen des Gebietes, unter der Saat 
und an Feldrainen; zerstreut. B. squaiTOSiis L., Sparrig'e 
Trespe. 

2. Granne anfangs gerade vorgestreckt, bei der Fruchtreife aber 
zurückgebogen; beim Austrocknen nicht gedreht. Die Blüten 
stehen bei der Fruchtreife etwas voneinander ab. — Blätter 
und Blattscheiden zottig-behaart. Rispe ausgebreitet, nach dem 
Verblühen einseitig überhängend. Blütezeit Mai. Höhe 30 bis 
60 cm. 0. Auf Äckern sehr zerstreut. B. patiilus Mertens 
und Koch, Al)stehen(l-1}egraimte Trespe. 

ß. Die Granne der Deckspelze ist gerade vorgestreckt, steht auch bei 
der Fruchtreife nicht gespreizt ab. 
1. Die Deckspelze ist an ihren Seitenrändern nicht gleichmässig 

abgerundet, springt vielmehr oberhalb ihrer Mitte vor und 

bildet dort einen stumpfen Winkel. 



') Tafel 52 A. B romus arvensis L. A Pflanze. 



108 Graniineae. 

a. Rispe aufrecht abstehend, bei der Fruchtreife zusammen- 
gezogen. Die Granne entspringt gerade unter der zweizähnig- 
eingeschnittenen Spitze der mit 7 vorstehenden Nerven ver- 
sehenen Deckspelze; diese ist oft (meist?) knorpelig. — 
Ganze Pflanze weichhaarig. Hüllspelzen mit silberglänzen- 
dem Hautrande. Granne von der Länge der Deckspelze. 
Ährchen bis 10 blutig, länglich -eiförmig. Blütezeit Mai, 
Juni. 0, Höhe 15 bis 50 cm. Auf Wiesen, Triften, an 
Wegen; durch das ganze Gebiet gemein. Bromus mollis L., 
Weiclihaarige Trespe. 

Kleinwüchsige Abänderungen sind: 

a. Mit kahlen Spelzen. B. hordeaceiis L., (xerstenartige 
Trespe. 

b. Mit dicht zusammengedrängten, fast stiellosen Ährchen. 
B. eonfertus Marschall von Bieber stein, Gredräilgt- 
rispige Trespe. 

b. Rispe bei der Fruchtreife einseitswendig-überhängend. Die 
Granne entspringt ziemlich tief unter der Spitze der zwei- 
zähnig-eingeschnittenen Deckspelre. — Untere Blattscheiden 
zottig, obere kurzhaarig. Ährchen 7- bis 11 blutig, länglich- 
lanzettlich. Die Blüten decken sich am Rande dachziegelig. 
Blütezeit Mai, Juni. Höhe 50 bis 100 cm. (0?). In der 
Saat, durch das Gebiet zerstreut. B. commutatus Sehr ad er, 
Yerweehselte Trespe. 

2. Die Deckspelze ist an ihren Rändern gleichmässig-abgerundet; 
ihre Seiten bilden keinen vorspringenden, stumpfen Winkel. — 
Halm flaumig; untere Blattscheiden zottig, obere Blattscheiden 
und Blattspreiten kurzhaarig. Rispe zur Fruchtzeit zusammen- 
gezogen und meist etwas überhängend. Ährchen eiförmig- 
länglich, kahl 3- bis 4-, selbst nur 1 ährig. Deckspelze 7 nervig, 
Spitze kaum ausgeschnitten; die Granne entspringt unter der 
Spitze der Deckspelze; sie ist etwa so lang wie die oft (immer?) 
knorpelige Spelze. Blütezeit Mai, Juni. und 0. Höhe 
30 bis 50 cm. Auf feuchten Äckern und Wiesen zerstreut. 
B. racemosus L., Traiibeiiförniige Trespe. 

2. Stamm: Bromi festucaeei Bertoloni, Schwing-elartig-e Trespen. 

A. Blätter in der Knospe gerollt, nebst den Blattscheiden ganz kahl. Deck- 
spelze an ihrer Spitze ausgerandet und aus der Ausrandung kurz be- 
grannt (Granne höchstens ^/g bis ^/^ Spelzenlänge) oder grannenlos. 



Gramineae. 109 

Wurzelstock kriechend, ausläufertreibend. — Rispe allseitig ausgebreitet, 
mit aufrechten bis abwärtsgeneigten Ästen, deren untere zu je 3 bis 

6 beisammen stehen. Ährchen 5- bis 7 blutig. Deckspelze 5- bis 

7 nervig. Vorspelze auf ihren beiden Rückennerven fein-wimperhaarig. 
Blütezeit Juni, Juli. Höhe 15 bis 100 cm. 2].. An Wald- und 
Wiesenrändern sowie an Wegen ; meist häufig. Bromiis inermis L e y s s e r, 
Grraimeiilose Trespe. 

B. Blätter in der Knospe gefaltet, ebenso wie auch die Blattscheiden ganz 
kahl. Grranne der Deckspelze so lang oder länger wie die halbe Spelze. 
Dichtrasig; kriechende Ausläufer fehlen. 

1. Untere Blätter und Blattscheiden rauhhaarig. — Rispe gespreizt. 
Ährchen lineal - lanzettlich , 5- bis 9 blutig. Deckspelze 5 nervig; 
Vorspelze am Rande feiuflaumig-gewimpert. 

a. Untere Äste zu je 3 bis 6 an einem Punkte entspringend. Obere 
Blätter und Blattscheiden meist kahl oder nur in der Nähe der 
Blatthäutchen etwas behaart. Staubbeutel gelb. Höhe 60 bis 
100 cm. Blätter 4 bis 6 mm breit. Blütezeit Juni, Juli. 2|. 
In Laubwäldern, namentlich der Gebirge; zerstreut. B. as])er 
Murray, Rauhhaarige Trespe. 

ß. Untere Rispenäste zu je 2 an einem Punkte entspringend. Obere 
Blattscheiden rauhhaarig. Staubbeutel violett. Grösser als vorige, 
bis 160 cm hoch. 21.. Blütezeit Ende Juli, August. In Laub- 
wäldern der Gebirge, zerstreut. Vielleicht nur eine Abart der 
vorigen. B. serotiiius Beneken, Spätbltihende Trespe. 

2. Untere Blattscheiden mit abwärts gerichteten Haaren besetzt; grund- 
ständige Blätter zerstreut-behaart und am Rande gewimpert; Halm 
und dessen Blätter kaum behaart. — Rispe allseitig entwickelt; 
untere Äste zu je 3 bis 6 an einem Punkte entspringend. Ährchen 
schmal - lanzettlich , 5- bis 10 blutig. Blütezeit Mai bis Juli. 4. 
Höhe 50 bis 60 cm. Auf Triften und unbebauten Orten, nament- 
lich im Gebirge. Durch das ganze Gebiet zerstreut ; meist selten. 
B. erectus Hudson, Aufrechte Trespe. 

3. Stamm: Bromi genuini Bertoloni, Echte Trespen. 

A. Ährchen weich-zottig-behaart (Alle Spelzen flaumhaarig und am Rande 
gewimpert). — Halm unter der Rispe kurzhaarig. Blätter und Blatt- 
scheiden flaumhaarig. Rispe nickend. Ährchen 4- bis 8 blutig. Deck- 
spelze 5 nervig, mit weisshäutiger, zweiteiliger Spitze; ihr Mittelnerv 
geht in eine scharfe, kaum spelzenlange Granne aus. Blütezeit Mai, 
Juni ; abgeschnitten blüht sie im Herbst häufig zum zweitenmal. Höhe 



110 Graminoae. 

bis 40 cm. 0. Namentlich auf Sandboden, auf unbebauten Plätzen, 
dürren Ackern, an Wegen, auf Mauern und Dächern ; gemein. Bromiis 
tectorum L., Dach-Trespe. ') 
B. Ährchen kahl. 

a. Granne der Deckspelze länger als die Spelze. 

1. Rispe sehr langästig und locker, bei der Fruchtreife stark über- 
hängend; untere Aste zu je 5 bis 6 beisammenstehend, 1- bis 
3 ährig. — Halm kahl. Blätter und Blattscheiden dünn-flaumig- 
behaart. Ährchen 7- bis 1 1 blutig. Grannen fächerförmig aus- 
gebreitet. Blütezeit Mai bis September. Höhe 15 bis 60 cm. 0. 
Auf unbebauten Orten, Mauern, an Wegerändern, Felsabhängen etc. 
gemein. B. sterilis L., Taube Trespe, Eselsliafer. 

2. Rispe sehr kurzästig, zusammengezogen, steif-aufwärts gerichtet; 
Aste zu je 2 bis 5 beisammenstehend, einährig; Ährchen 5- bis 
9 blutig. Halm oberwärts flaumig. Blüten fast immer zwei- 
männig. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 50 bis 90 cm. 0. Auf 
Kulturland; im Littorale und in Istrien. B. rigidiis Roth, 
Starre Trespe. 

b. Granne der Deckspelze kürzer als die Spelze. — Halm ganz kahl, 
30 bis 50 cm hoch. Rispe eiförmig -zusammengezogen, aufrecht. 
Ährchen 5- bis 9 blutig. Blüten fast immer zweimännig. Deckspelze 
fast bis zur Mitte zweispaltig. Blütezeit Mai, Juni. 0. In Oster- 
reich, Tyrol, im Littorale. B. iiiadriteiisis L., Spaiiisclie Trespe. 

Gattung 66: Cynosurus L., Kammgras. 

A. Blatthäutchen kurz, gestutzt; Rispe lineal, gelappt; Deckspelze mit einer 
Granne, welche etwa ein Viertel bis ein Drittel so lang wie die Spelze 
ist. — Stengel aus aufsteigendem Grunde steif aufrecht. Ährchen 
sitzend 2- bis 5 blutig, an seinem Grunde gestützt von einem kamm- 
förmigen, unfruchtbaren Ährchen, dessen Blätter ziemlich gedrängt 
stehen. Hüllspelzen einnervig, kurz stachelspitzig. Deckspelze 3- bis 
5 nervig, begrannt. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. 2j.. Auf 
Wiesen und Triften, gemein. C. cristatus L., (xemeiiies Kamm- 
isras. ■-) 

B. Obere Blatthäutchen gross, lang -lanzettlich. Rispe eiförmig, allseitig 
stachelig. Deckspelze mit einer ihr an Länge ungefähr gleichkommen- 

») Tafel 51 B. Broinus tectoruin L. B Pflanze. Bl Fruclitknoteu 
und Saftschuppen ; B 2 Ährchen, 1 und 2 vergrössert, 

*) Tafel 52 A. Cynosurus cristatus L. A Pflanze. AI Blatthäut- 
chen; A2 zwei frxichtbare Ährchen; in ihrer Mitte ein kamnifönnig gestaltetes, 
unfruchtbares Älu-chen; A3 Fruchtknoten. 2 und 3 vergrössert. 



Gramiueae. m 

den Granne. Die Blätter des unfruchtbaren Ahrchens stehen etwas 
entfernt voneinander. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 30 bis 60 cm, 0. 
An bebauten Orten, Wegen u. s. w. ; im südlichsten Teil des Gebietes. 
Cynosiiriis ecliiiiatus L., Igelstacheliges Kammgras. 

Gattung 67: Dactylis L.. Knäuelgras, Knaulgras. 

A. Blatthäutchen lang. Rispe eiförmig, mit einzelstehenden, einseits- 
wendigen, während der Blüte gespreizten Ästen, an denen die Ahrchen 
knäuelig-gehäuft stehen. — Wuchs rasig, Ausläufer fehlen. Halm ziem- 
lich glatt; Blattscheiden rückwärts rauh. Ahrchen 3- bis 4-, selten bis 
sechs- oder mehrblütig. Äussere Hüllspelze einnervig, kürzer als die 
obere, dreinervige, beide stachelspitzig. Deckspelze gekielt, mit borst- 
licher Granne ; Vorspelze ZAveikielig, mit ausgerandeter oder zweizähniger 
Spitze. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 125 cm. %■. Aufwiesen, 
Grasplätzen, Waldlichtungen häufig bis gemein. D. glomerata L., 
Glemeines Knäuelgras. ^) 

Bei der Abart liispaiiica Koch, Spaniselies Knäuelgras, ist die 
Rispe in eine lappige Ähre zusammengezogen und sind deren Aste vom 
Grunde an mit Ahrchen besetzt. 

B. Blatthäutchen in W^impern zerschlitzt. Rispe ährenartig. Wurzelstock 
ausläuferbildend. — Der vorigen ähnlich, doch kleiner. Ahrchen 7- bis 
11 blutig. Blütezeit Juni, Juli. 2J.. Am Meeresstrand bei Triest. 
D. littoralis Willdenow, Seestrands-Knäuelgras. 

Gattung 68: Festuca L.. Schwingelgras. 

Die Gattung zerfällt zunächst in 5 Stämme. 

A. Ahrchen sehr kurzgestielt, in einer einfachen, aufrechten, ährenförmigen 
Traube. 

a. Ährenstielchen dick. Pflanzen einjährig, ohne unfruchtbare Blatt- 
büschel. 1. Stamm: Xardurus Koch, Schweil'narde. 

b. Ährenstielchen fädlich. Pflanzen ausdauernd, mit unfruchtbaren Blatt- 
büscheln. 

1. Blatthäutchen kurz, mit 2 den Halm umgreifenden, rundlichen 
Ohrchen. 

A. Granne kürzer als die Deckspelze. Festuca Halleri s. 4. Stamm. 

B. Granne länger als die Deckspelze. F. bromoides s. 3. Stamm. 



*) Tafel 52B. Dactylis glomerata L. B Pflanze. Bl Ährchen, vergrössert. 



112 Gramineae. 

2. Blatthäutchen nicht zweiöhrig. F. elatior X Lolium perenne 
s. 5. Stamm. 
B. Ahrchen in lockerer Rispe. 

1. Deckspelze stumpf. Einjährig. Unfruchtbare Blattbüschel fehlen. 
Ährchenstiele kurz, dick, steif. Rispe steif. 2. Stamm: (Sclerochloa 
Koch) Scleropoa Grisebach, Starrgras. 

2. Deckspelze spitz. 

A. Blätter in der Knospe gefaltet, alle, oder doch wenigstens die 
grundständigen, borstig-gerollt. Blatthäutchen kurz, mit 2 den 
Halm umgreifenden Ohrchen. 

a. Pflanze ein- oder zweijährig, unfruchtbare Blattbüschel fehlen. 

Stielchen der Ahrchen dick oder keulenförmig. Granne der 

Decks^jelze so lang oder länger als die Deckspelze. 3. Stamm: 

Vulpia Gmelin, Fiichsschwiiigel. 
ß. Pflanze ausdauernd, mit unfruchtbaren Blattbüscheln. Stielchen 

der Ahrchen fadenförmig, an ihrer Spitze nur wenig verdickt. 

Die Deckspelze ist unbewehrt oder hat eine Granne, welche 

kürzer als die Spelze ist. 4. Stamm: Ellfestuca Ascherson, 

Echter Schwingel. 

B. Blätter flach, in der Knospe gerollt. Blatthäutchen ohne Ohrchen, 
welche den Stengel umfassen. 5. Stamm: Schedoiiorus Palisot 
de Beauvais, ßohrschiviilgel. 

1. Stamm: Nardurus Koch, Sehweifnarde, Narden-Sehwingel. 

A. Hüllspelzen länglich-lanzettlich, stumpflich, beide dreinervig; Deckspelze 
stumpflich, begrannt oder grannenlos. — Halm 15 bis 40 cm hoch, 
dünn. Ahrchen nicht einseitswendig am Halme. Blütezeit Mai bis Juli. 
0. An trockenen, sandigen Orten in den Granitvogesen und im Kanton 
Tessin; sehr zerstreut, aber an seinen Fundorten meist häufig. Festuca 
Laclieiialii Spenner, Lacheiials Schwingel. 

B. Hüllspelzen spitz, untere einnervig. Deckspelze sehr spitz, in eine 
Stachelspitze oder eine Granne verschmälert. Höhe 10 bis 30 cm. 
Ahrchen einseitswendig an dem Halme. Blütezeit Juni, Juli. O. An 
unfruchtbaren , sonnigen Orten ; im südlichsten Teile des Gebietes. 
F. tenuiflora Schrader, Kleinhlütiger Schwingel. 

2. Stamm: Scleropoa Grisebach, Starrgras. 

A. Frucht den Spelzen angewachsen. — Halm niederliegend und aufsteigend. 
Blatthäutchen zerschlitzt. Rispenäste dreikantig. Ahrchen 5- bis 12 blutig. 



Gramineae. 113 

Untere Hüllspelze einnervig, etwas länger als die obere, dreinervige. 
Blütezeit Juni, Juli. Höhe 10 bis 30 cm. ©. An trocknen, grasigen 
Orten; im südlichsten Teile des Gebietes, bei Aachen, Jena; sonst nur 
verschleppt. (Scleropoa .rigida Grisebach). Festuca rigida Kunth, 
Starrer Schwingel. 
B. Frucht den Spelzen nicht angewachsen. Hüllspelzen knorpelig. — 
Blätter flach mit aufgeblasenen Blattscheiden. Ährchen lineal-lanzettlich, 
meist vierblütig. Deckspelze mit deutlich hervortretenden Nerven. Blüte- 
zeit Juni, Juli. Halm 15 bis 30 cm lang. 0. Bei Rostock; mit BaUast 
eingeführt. F. procumtoens Kunth, Niederliegender Schwingel. 

3. Stamm: Vulpia Gmelin, Fuehsschwingel, Sehweifgras. 

A. Deckspelze zottig, dicht gewimpert, lanzettlich, mit einer sie an Länge 
übertreffenden Granne. — Rispe einseits wendig, oft fast ährenförmig- 
zusammengezogen. Obere Hüllspelze spitz, untere selir kurz oder fehlend. 
Blütezeit Mai, Juni. 0. An unbebauten Orten im Küstengebiete des 
Adriatischen Meeres; bei Genf. (F. myuros L. Vulpia ciliata Lamark.) 
F. ciliata Danthon, Gewimperter Schwingel. 

B. Deckpelze nicht zottig und bewimpert, aber ganz oder doch an ihrer 
Spitze rauh. 

a. Halm bis zur Rispe von Blattscheiden eingehüllt; Rispe überhängend, 
einseitswendig und fast ährenförmig- zusammengezogen. Ährchen 
5- bis 7 blutig. Untere Hüllspelze einnervig, viel kleiner und schmäler 
als die obere, bisweilen fehlend; obere dreinervig, doch sind die 
Seitennerven nur bis zur Mitte deutlich; beide lang-zugespitzt. Deck- 
spelze 5 nervig, mit einer Granne, welche so lang oder länger als die 
Spelze ist. Vorspelze zweikielig, am Rande gewimpert. Blüte oft 
nur ein- oder zweimännig. Blütezeit Juni bis September. Höhe 
8 bis 20 cm. und 0. Auf trockenen Hügeln und Sandfeldem 
zerstreut. (F. Myurus Ehrhart, Vulpia Myurus Gmelin.) F. Pseu- 
domyurus Soyer -Willem et, Mäuseschwanz. 

ß. Halm unter der Rispe nackt, d. h. nicht mit Blattscheiden bedeckt. 
Rispe aufrecht. 

A. Deckspelze rauh; mit einer Granne, welche länger als die Spelze 
ist. Rispe aufrecht, meist traubig- oder fast ährenartig-zusammen- 
gezogen. Äussere Hüllspelze halb so lang wie die innere. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Höhe bis 30 cm. G (auch 0?) Auf Sandboden; 
im Gebiete zerstreut. (F. sciuroides Roth, Vulpia sciuroides 
Reichenbach.) F. hromoides Auctorum. Trespen-Schwingel, 

B. Deckspelze kahl, nur an der Spitze etwas rauh, lang begrannt. 
Rispe oft zusammengezogen. Äussere Hüllspelze sehr klein, 

Thome, Flora. II. Aufl. 8 



114 Gramineae. 

schuppeuförmig , stumpf; innere lang-begrannt. Blütezeit Mai. 
Höhe 15 bis 25 cm. ©. Bei Triest. Festuca uniglumis So- 
lander, Einspelziger Schwingel. 

4. Stamm: Eufestuea Ascherson, Eohte Schwingel. 

A. Die unteren Blätter sind zusammengefaltet-borstenförmig; die halm- 
ständigen sind flach. 

1. Wurzelstock locker-rasig, ausläufertreibend. — Graugrün. Blatthäut.- 
chen sehr klein, oft fast fehlend. Rispe während der Blüte aus- 
gebreitet. Ährchen rot, bunt-angelaufen, 4- bis 9-, meist 5 blutig. 
Deckspelze lanzettlich, kürzer oder länger begrannt; doch ist die 
Granne kaum länger als die halbe Spelze. Blütezeit Mai, Juni. 0. 
Höhe 30 bis 60 cm. An Waldsäumen, Rainen, auf Sandplätzen; 
nicht selten. F. rubra L., Roter Schwingel. 

Hinsichtlich der Behaarung der Ährchen veränderliche Pflanze: bei 
der Abart F. dumetorum L.. Heckenschwingel, sind die Ährchen 
kurzzottig; bei F. arenaria Osbeck, Sand-Schwingel, sind die 
Ährchen wollig-zottig und grösser. 

Bei der den Alpen angehörenden Abart violacea Gaudin, 
Tioletter Schwingel (F. nigrescens Auctorum) mit violett -bunten 
Ährchen sind die Halmblätter etwas rinnig. 

2. Wurzelstock dicht-rasig, nicht ausläuferbildend. Rispe schlaff, meist 
einseitig nickend, zur Blütezeit mit abstehenden Ästen. Ährchen 
4- bis 5 blutig. Äussere Hüllspelze einnervig und kleiner als die 
obere dreinervige. Blütchen lanzettlich. Deckspelze begrannt; Granne 
meist etwa von der halben Länge der Spelze, selten länger. Blütezeit 
Mai, Juni. 0. Höhe 60 bis 100 cm. In trocknen Wäldern, nament- 
lich der höheren Gebirge. F. heterophylla Haenke, Yerschieden- 
hlätteriger Schwingel. 

B. Alle Blätter sind zusammengefaltet-borstlich. Deckspelze fünfnervig, 
wehrlos, kürzer oder länger begrannt; im letzteren Falle hat die Granne 
etwa die Länge der halben Spelze. Vorspelze länglich lanzettlich, mit 
zweizähniger Spitze. Ährchen 4- bis 8 blutig. Blütezeit Mai, Juni. 
Höhe 30 bis 60 cm. 2j.. Auf Wiesen und Triften, in trockenen W^al- 
dungen u. a. häufig. F. ovina L., Schaf-Schwingel.*) 



*j Tafel 53. Festuca ovina L. A. var. tenuifolia Sibthorp; B Ährchen 
von var. capillata Lamarck. C var, duriuscula L.; C 1 Ährchen von letzterer. 
B und C 1 vergrössert. 



Gramineae. 115 

Wohl das veränderlichste Gras unseres Gebietes. Man unterscheidet: 
a. Blattsclieiden fast ganz ojffen, ältere nicht faserig. Deckspelze schwach- 
fünfnervig. EuoYina Hackel, Echter Schafschwingel. 

a, Blätter der nichtblühenden Sprosse walzenförmig; getrocknet mit 
gewölbten Seitenflächen, 

1. Blätter dünn und weich, gras- oder etwas lauchgrün, etwas rauh. 
a. Ährchen klein, grannenlos. Festuca tenuifolia Sibthorp, 

Zartblättriger SchwingeL 
&. Ährchen kurz-begrannt. F. capillata Lamarck, Haar- 
Schwingel. 

2. Blätter dick und steif 

a. Blätter hechtblau, sehr rauh. F. duriuscula L., Härtlicher 

Schwingel. 
&. Blätter bläulich-grün. F. glauca Schrader, Blaugrüner 

Schwingel. 

b. Blätter der nicht blühenden Sprosse seitlich-zusammengedrückt, 
getrocknet mit gefurchten Seitenflächen; alle Blätter derb, starr, 
unbereift. (F. valesiaca Schleicher). F. sulcata Hackel, Ge- 
furchter Schaf-Schwingel. 

ß. Blattscheiden bis über die Mitte geschlossen, ältere faserig. Blätter 
dünn und weich. Deckspelzen deutlich-fünfiiervig. (F. frigida Hackel.) 
F. Halleri Auctorum, Hallers Schwingel. 

5. Stamm: Sehedonorus Palisot de Beauvais, Rohrsehwingel. 
Blatthäutchen sehr kurz-gestutzt, nicht länglich, 
a. Deckspelze mit einer Granne, welche länger als die Spelze ist. 

1. Blätter kahl, breit, am Rande sehr rauh. Rispe weit- ausgebreitet 
mit an der Spitze nickenden Ästen. Ährchen 5- bis 8 blutig. 
Untere Hüllspelze spitz, einnervig; obere dreinervig. Deckspelze 
fünfnervig, unterhalb ihrer Spitze mit einer schlängelichen, doppelt 
so langen Spelze. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 60 bis 150 cm. 2|.. 
In schattigen Wäldern häufig. (Bromus giganteus L.) F. gigantea 
Villars, Riesen-Schwingel. 

2. Blätter oberseits rauh, am Rande sehr rauh. Rispe an ihrer Spitze 
oder auch ganz ährenartig -zusammengezogen, von lolchartiger 
Tracht. Untere Ährchen kürzer als ihr Stiel; obere fast sitzend, 
linealisch, 10- bis 16 blutig. Untere Hüllspelze dreinervig, am 
Rande breit-häutig, halb so lang als die fünfnervige, schmal- 
häutig-berandete obere. Deckspelze schwach-fünfiiervig, unter der 



116 Gramineae. 

Spitze mit einer ihr an Länge gleichkommenden Granne; Blütezeit 
Juni. Höhe 100 bis 125 cm. 2J.. An Waldrändern bei Rostock. 
(F. Brinkmanni A. Braun.) Lolium perenne X Festuca gigantea 
Brinkmanns Schwingel. 

b. Deckspelze un bewehrt oder mit kurzer Granne. 
a. Blätter breit-linealisch; Äste zu zweien. 

1. Rispe ausgebreitet. Äste überhängend, rauh, verzweigt, und je 
5 bis 15 Ährchen tragend. — Wurzelstock kriechend. Halm 
1 bis 2 m hoch, am unteren Ende rohrartig. Blätter bandartig, 
tief-gefurcht, oberseits, wie auch die unteren Blatscheiden, rauh. 
Ährchen länglich-lanzettlich, 4- bis 5-, selten 6- bis 7 blutig. 
Deckspelze unbewehrt oder stachelspitzig, seltener kurzgrannig. 
Blütezeit Juni, Juli. %. In feuchten Wiesen und Gebüschen, 
an Flussuferu; zerstreut. Festuca arundinacea Seh reber, 
Kohr-Schwingel. 

2. Rispe einseitswendig-zusammengezogen, während der Blütezeit 
abstehend. Die Äste stehen meist zu zweien beisammen; von 
solchen Ästepaaren ist der eine Ast klein und meist einährig, 
der andere hingegen traubig-verzweigt und 3- bis 4 ährig. — 
Wurzelstock rasig, zuweilen etwas kriechend. Halm 30 bis 
100 cm hoch. Blätter schmal-bandförmig, ziemlich glatt. Ähr- 
chen lineal- lanzettlich, 5- bis 10 blutig. Deckspelze 5 nervig, 
bauchig, stumpf, an der Spitze gezähnelt oder mit einer unter 
der Spitze entspringenden Stachelspitze. Blütezeit Juni, Juli. 
2|.. Auf Wiesen, gemein (F. pratensis Hudson). F. elatior L., 
Hoher Schwingel. 

ß. Blätter schmal-linealisch, bis fast fadenförmig. Äste der Rispe 
einzeln, selten untere zu zweien. 

1. Rispe locker, einfach traubig oder ährenförmig, oben nickend. 
Blätter kahl, in der Jugend etwas gerollt; Ährchen sitzend, oder 
die unteren kurzgestielt; unterste zuweilen mit einem Neben- 
ährchen; 6- bis 12 blutig. Untere Hüllspelze lanzettlich, nach 
oben zu schmal-trockenhäutig, 1- bis 3 nervig, an den untersten 
Ährchen meist verkümmert; obere 3- bis 5 nervig. Deckspelze 
undeutlich 5- bis 7 nervig, zugespitzt; bei den unteren Blütchen 
der Ährchen bisweilen stachelspitzig. Höhe 30 bis 100 cm. %. 
Auf stark gedüngten Plätzen; zerstreut (F. loliacea Curtis; 
F. elongata Ehrhart; Lolium festucaceum Link; Festuca adscen- 
dens Retzius; Brachypodium loliaceum Fries.) Lolium perenne 
X Festuca elatior, Lolchartiger Schwingel. 



CTi-amineae. ^ 117 

2. Rispe ausgebreitet, locker, schlaff überhängend, mit einzel- 
stehenden, haarfeinen Asten. Blätter fast fädlich, an ihrer 
Spitze sammthaarig. Ährchen 3- bis 5-, meist 5 blutig, mit 
flaumhaariger Achse, wehrlos oder begrannt. Fruchtknoten ah 
der Spitze behaart. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 50 cm. 
2t. Auf Alpentriften in Kärnten und Krain. Festuca laxa 
Host, Schlaffer Schwingel. 
B. Blatthäutchen länglich. 

A. Fruchtknoten an der Spitze kahl. — Halme unter den Knoten und 
unter der Rispe scharf. Grundständige Blätter borstlich, halmständige 
zusammengefaltet oder flach. Rispe zusammengezogen; untere Aste 
zu 5; Ährchenspindel bärtig-behaart. Ährchen zahlreich, meist drei- 
blütig, grün, violett-angelaufen, begrannt oder wehrlos, Blütezeit 
Juli, August. Höhe 15 bis 20 cm. %. Auf den höchsten Alpen- 
jochen. F. pilosa Haller, Behaarter Schwingel. 

B. Fruchtknoten an der Spitze behaart. 

a. Alle Blätter sind stets flach; die untersten sind nicht zuletzt zu- 
sammengerollt oder fädlich. 

a. Wurzelstock rasig, nicht kriechend (selten kurze Ausläufer 
treibend); untere Blattscheiden ohne Spreite. 

1. Ahrchenachse etwas rauh. Deckspelze borstenhaarig-rauh, 
grannenlos. Blätter kahl, am Rande etwas rauh, auf der 
Oberseite blau-grau-grün, auf der Unterseite hellgrün. — 
Rispe weitläufig-verästelt, ausgebreitet; untere Aste zu je 
3 bis 4 beisammenstehend; nach dem Blühen zusammen- 
gezogen und überhängend. Äste rauh. Ährchen klein, 
3- bis 5 blutig. Äussere Hüllspelze verschmälert, sehr spitz, 
fein-punktiert-rauh, mit 5 Nerven, von denen drei hervor- 
treten; innere Hüllspelze kürzer, zweizähnig. Blütezeit Juni, 
Juli. Höhe 60 bis 125 cm. %. In schattigen Wäldern 
und Hainen, namentlich der Gebirge; zerstreut. F. silvatica 
Villars, Waldschwingel. 

2. Ährchenachse kurzflaumig. Deckspelze nicht borstenhaarig- 
rauh. Blätter oberseits rauh. — Rispe weitschweifig, über- 
hängend; untere Äste zu je 2 bis 3 beisammen stehend. 
Ährchen 3- bis 5 blutig, glänzend-gelbbraun. Deckspelze 
deutlich fünfnervig. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 60 bis 
100 cm. 21.. Auf Felsen der Yoralpen in Krain und Tirol. 
F. spectabilis Jan, Ansehnlicher Schwingel. 



j 2 g • Gramineae. 

b. Wurzelstock sehr kräftig, lange vielknotige Ausläufer treibend. 

1. Deckspelze an ihrem Grunde von einem Haarbüschel um- 
geben (Lupe!), fünfnervig, feinpunktiert-rauh, an der Spitze 
stumpf, mit 3 stachelspitzigen Zähnchen. — Halm rohrartig, 
125 bis 170 cm hoch; Blätter breit-linealisch, am Rande 
rauh. Rispe reich verästelt, ausgebreitet, an ihrer Spitze 
überhängend; Äste rauh, untere zu zweien, durch grund- 
ständige Verästelung scheinbar zu mehreren. Ährchen meist 
vierblütig. Blütezeit Juni, Juli. 2|.. In Lachen und an Fluss- 
ufem; selten und nur im nördlichen Teile des Gebietes. 
(Scolochloa festucacea Link; Donax borealis Trinius; Arundo 
festucacea Willdenow; Fluminia arundinacea Fries; Graphe- 
phorum festucaceum Asa Gray.) F. l)Orealis Hertens und 
Koch, Nordischer Schwingel, Rohrschwingel. 

2. Deckspelze an ihrem Grunde nicht von einem Haarbüschel 
umgeben, fünfnervig mit 3 stärker vorspringenden Nerven, 
sehr fein-punktiert, zugespitzt-stachelspitzig. — Halm 60 bis 
130 cm hoch, am Grunde dicht beblättert. Blätter breit- 
linealisch, am Rande rauh, oberseits bläulich-grün, unter- 
seits hellgrün. Rispe ausgebreitet, an ihrer Spitze über- 
hängend. Äste rauh, untere zu je 2 bis 3 beisammen- 
stehend. Ährchen meist fünf blutig. Blütezeit Juni, Juli. 
%. In feuchten, schattigen Gebirgswaldungen (Gehölzen) 
des südöstlichen Teiles des Gebietes. F. drymeja Hertens 
und Koch, Gehölz-Schwingel. 

ß. Wenigstens die unteren Blätter sind zuletzt zusammengerollt oder 
fädlich. Alpenpflanzen. 

a. Alle Blätter sind zuletzt zusammengefaltet bis fast stielrund. 
1. Wurzelstock rasig, nicht kriechend. 

a. Rispe länglich, etwas einseitswendig, armblütig, zur Blüte- 
zeit ausgebreitet, vor- und nachher zusammengezogen. 
Ährchen länglich, gross, 5- bis 8 blutig, bunt. Deck- 
spelze allmählich zugespitzt, kurzbegrannt oder wehrlos. 
Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 50 cm. 4. Auf 
Felsentriften der Alpen und der hohen Gebirge. F. varia 
Haenke, Bunter Schwingel. 

h. Rispe eirund, zusammengezogen, zur Blütezeit nur wenig 
ausgebreitet. Ährchen 3- bis 4-, selten 5 blutig, bunt. 
Deckspelze mit einer ihr an Länge etwa gleichkommenden 



Gramineae. 119 

Granne. Blütezeit Juli, August. Höhe 8 bis 16 cm. 
Auf Felsentriften der Alpen. Festiica pumila Villars, 
Niedriger oder Niedlicher Schwingel. 

2. Wurzelstock kriechend, nur wenig rasig. Halme 30 bis 
40 cm hoch. Blattscheiden fast ganz geschlossen. Blätter 
schmal-linealisch, lang -zugespitzt, zur Blütezeit eingerollt 
und so bleibend. Rispe sehr locker; Äste kahl, dünn, ge- 
schlängelt, unten paarig und 5- bis 10 ährig. Ährchen 
eiförmig, 4- bis 5 blutig. Hüllspelzen grün oder violett mit 
breitem, glänzend-goldgelbem Hautrande. Deckspelze spitz, 
wehrlos oder mit einer unter der Spitze hervortretenden, 
feinen Stachelspitze, bunt. Blütezeit Juli, August. 4. Auf 
Alpenwiesen verbreitet. (F. Scheuchzeri Gaudin.) F. pul- 
chella Seh rader. Zierlicher oder Scheuchzers Schwingel. 
b. Die unteren Blätter sind zuletzt zusammengerollt, sie haben 
knorpelig- verdickte Scheiden; die oberen Blätter bleiben flach; 
alle sind oberseits rauh und blaugrün, dichtrasig. Rispe an- 
fänglich zusammengezogen, zur Blütezeit ausgebreitet; Aste 
einzeln oder zu zweien. Ährchen meist 5 blutig. Deckspelze 
mit 3 deutlichen und 2 schwachen Nerven, wehrlos oder kurz 
begrannt. Spelzen braungelb. Blütezeit Juli, August. Höhe 
60 bis 90 cm. Auf den höchsten Alpenweiden. F. spadicea L., 
Brauner Schwingel. 

Gattung 69: Brachypodium Palisot de Beauvais, Zwenke. 

Die Granne der Deckspelze ist, wenigstens an den oberen Blütchen der 
Ährchen, länger als die Spelze. Wurzelstock rasig, nicht kriechend. 

1. Halm und Blätter schlaff; Rispe überhängend, mit 6 bis 12 Ährchen, 
letztere 5- bis 10 blutig; Blüten dreimännig. — Rispe ährenartig, 
mit sehr kurz gestielten, abwechselnd zweizeilig angeordneten Ährchen 
Hüllspelzen ungleich lang und kürzer als die untersten Blütchen, 
Vorspelze am Rande kammförmig-gewimpert. Blütezeit Juli, August. 
Höhe 60 bis 100 cm. 4. In schattigen Waldungen, namentlich der 
Gebirge; zerstreut. B. silvaticum Roemer und Schultes, Wald- 
Zwenke.*) 

2. Halm und Blätter steif, letztere nur wenig abstehend; Rispe aufrecht, 
und 1 bis 3 Ährchen, letztere 6- bis 12 blutig; Blüten oft (immer?) 



*) Tafel 54 A. Brachypodium silvaticum Roemer und Schultes. A Teil 
der blühenden Pfianze; A 1 Blatthäutchen und freier, behaarter Knoten. 



120 Gramineae. 

zweimännig. — Blütezeit Mai. Höhe 15 bis 20 cm. 0. Im Küsten- 
gebiete des Adriatiscben Meeres. (Pestuca diandra Mönch.) Brachy- 
podium distaehyoii Roemer und Schultes, Zwei-älirige Segge. 
B. Granne der Deckspelze kürzer als die Spelze. Wurzelstock kriechend. 

1. Blätter linealisch, etwas zusammengerollt, hellgrün. Rispe aufrecht, 
selten nickend, mit 5 bis 20 Ährchen. — Halm und Blätter steif. 
Blätter mitunter etwas behaart, auf der Unterseite, an ihrem Grunde, 
mit abstehenden Haaren (bärtig-behaart). Rispe ährenförmig, mit 
meist dicht gestellten, zweizeiligen, 5- bis 20 blutigen, meist zottigen 
Ährchen. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 100 bis 125 cm. 4. In Heiden, 
Kiefernwäldern, zwischen Gebüsch, auf grasigen und steinigen Ab- 
hängen, namentlich in Gebirgsgegenden; zerstreut. (Bromus pinna- 
tusL.) B. piunatum Palisot de Beauvais, Fiederälirige Zwenke. 

2. Blätter sehr schmal, zusammengerollt, abstehend, blaugrün. Halm am 
Grunde sehr ästig; Rispe 2- bis 5 ährig. — Blütezeit Juni. Höhe 
25 bis 30 cm. 4. Auf Felsen in Istrien. B. ramosum Roemer 
und Schultes, Ästige Zwenke. 

Bei der Abart phoenicoi'des Koch, Rötliche Zwenke ist der 
Halm weniger ästig, sind die Blätter mehr aufgerichtet und trägt 
die Rispe mehr Ährchen. 

Gattung 70: Molinia Schrank, Molinie. 

A. Deckspelze 3 nervig, wehrlos. Halm am Grunde mit einigen dicht über- 
einanderstehenden Knoten, sonst ganz knotenlos, sehr steif, aufrecht, nur 
am Grunde beblättert und höchstens bis zur Mitte von Blattscheiden 
umgeben. Blätter beiderseits fast glatt, 9 nervig. Ährchen oft bläulich. 
— Dichtrasig. Rispe meist ährenförmig zusammengezogen und lang- 
gestreckt. Ährchen 2- bis 4 blutig, mit einem unfruchtbaren Endblütchen. 
Hüllspelzen einnervig, äussere kürzer als die innere. Deckspelze an 
ihrem Grunde bauchig, an ihrer Spitze gekielt; Vorspelze an der Spitze 
ausgerandet. Blütezeit Juli bis September. Höhe 15 bis 50 cm. 4. 
Auf torfigem, sumpfigem Boden, in Wäldern und Wiesen, häufig. 
(Aira coerulea L.) M. coerulea Mönch, Blaue Molinie.*) 

Eine grössere Abart mit rauhen, blau grünen, 13 nervigen Blättern, 
rutenförmig-ausgebreiteter Rispe und grünen Ährchen findet sich auf 
schwerem Waldboden. (M. littoralis Host.) M. arundinacea Schrank, 
Rohrartige Molinie. 



*) Tafel 54 ß. Molinia coerulea Mönch. B 1 Ausgebreitetes Ährchen. 
B 2 Deckspelze, vergrössert. 



Gramineae. 121 

B. Deckspelze 5 nervig, kurzgrannig. Halm 30 bis 60 cm hoch, bis an die 
Rispe von Blattscheiden umgeben. — Ahrchen 2- bis 5 blutig. Blütezeit 
August bis Oktober. %. Auf dürrem Kalkboden, im südlichen Teil 
des Gebietes. (Diplachne- serotina Link.) Moliiiia serotiua Hertens 
und Koch, Spätblühende Molinie. 

Gattung 71: Glyceria R. Brown, Schwaden. 

A. Ahrchen sehr klein, meist zv^eiblütig, von der Seite zusammengedrückt. 
Frucht auf der Innenseite flach. Deckspelze stark - dreinervig. Blatt- 
scheiden bis zur Mitte geschlossen. 1. Untergattung: Catabrosa, Quellgras. 

Wurzelstock mit kriechenden Ausläufern. Halm meist aus liegendem 
Grunde aufsteigend, seltner aufrecht, schlaff'. Blätter plötzlich zugespitzt 
oder stumpf, grasgrün; Blatthäutchen eiförmig-spitz. Rispe allseitig aus- 
gebreitet, mit fadenförmigen, auf den Knoten zu je 4 bis 8, halb wirtei- 
förmig beisammenstehenden Ästen. Ahi-chen oft rötlich -angelaufen. 
Blütezeit Juni bis August. Höhe 30 bis 60 cm. 2j.. In stehenden Ge- 
wässern, an Gräben; zerstreut. (Catabrosa aquatica Palisot de Beauvais, 
Aira aquatica L.) G. aquatica Presl, Wasser- Quellgras. 

B. Ahrchen 4- bis 10- und mehrblütig. Frucht innen mit breiter Furche. 
2. Untergattung: Olyceriae genuinae, Süssgras. 

I. Hüllspelzen beide einnervig; Deckspelze 7nervig. — Blattscheiden 
ganz geschlossen. 

A. Deckspelzen mit 3 starken, bis zum oberen Rande verlaufenden 
Nerven und mit 4 kurzen, mit jenen abwechselnden Nerven. — 
Blatthäutchen zart, gefranst. Rispe schlank, ausgebreitet; Aste 
zu je 2 bis 5 beisammenstehend. Ahrchen 6- bis 9-, meist 
7 blutig; an den untersten Ästen zuweilen 2- bis 3 blutig, gelb- 
braun. Blüten meist länger als die Hüllspelzen. Blütezeit 
Ende Juni. Höhe 30 bis 100 cm. %. In quelligen, schattigen 
Laubhölzem, namentlich im Osten des Gebietes. Gr. iiemoralis 
Uechtritz u. Körnicke, Wald-Süssgras. 

B. Deckspelzen mit 7 starken, bis zum oberen Rande verlaufenden 
Nerven. 

a. Blattscheiden stielrund. — Deckspelze stumpf. 

1. Rispe gleichmässig ausgebreitet, weitschweifig, mit zahlreichen 
rechtwinkelig-abstehenden Ästen. Ährchen duftig-blau, 5- bis 
9 blutig. Wurzelstock ausläufertreibend; Halme steif-aufrecht, 
dick-rohrartig, 125 — 200 cm hoch. Blütezeit Juli, August. 
2i. An stehenden und fliessenden Wassern; häufig. (Poa aqua- 



122 Gramineae. 

ticaL.) Glyceria spectaMlis Hertens und Koch, Ansehn- 
liches Süssgras, Wasser-Schwaden, Yiehgras.*) 

2. Rispe einseitswendig, nickend, mit haarfeinen, bogig über- 
hängenden Ästen. Ährchen grün, meist braun-überlaufen, 
3- bis 6 blutig. — Blütezeit Juni. %. In Ostpreussen aus 
Russland eingewandert. (Poa lithuanica Gorski.) Gr. remota 
Fries, Entferntähriges Süssgras. 

ß. Blattscheiden zusammengedrückt. 

1. Deckspelze länglich-lanzettlich, spitz. Rispe einseitswendig. — 
Wurzelstock kriechend. Halm niederliegend -aufsteigend. 
Blätter lang, in der Jugend zusammengefaltet, untere oft 
auf der Wasseroberfläche schwimmend. Blatthäutchen derb, 
meist ungefranst. Rispe lang und schmal, Aste zur Blüte- 
zeit rechtwinkelig abstehend, vor- und nachher zusammen- 
gezogen, untere meist paai-weise beisammenstehend; selten 
mit einfacher Traube. (G. loliacea Godron). Ährchen vor 
dem Aufblühen stielrund, walzen-spindelförmig, dem Aste 
anliegend, mit zerbrechlicher Spindel, duftig -blaugrün, bis 
1 1 blutig. Staubbeutel violett. Blütezeit Juni bis September. 
Höhe 30 bis 100 cm. 21.. In Gräben und Bächen, auf nassen 
Triften und Wiesen häufig. Die hirseartigen Samens sind die 
Schwaden- oder Mannagrütze. (Festuca flnitans L.) Gr. flni- 
tans R. Brown, Mannagras, Flutendes Süssgras.**) 

2. Deckspelze eilänglich, sehr stumpf. Rispe fast gleichförmig- 
ausgebreitet, mit abstehenden Ästen, deren untere zu 3 bis 5 
beisammenstehen. — Ährchen 5- bis 11 blutig. Staubbeutel 
gelb. Im übrigen der vorigen ähnlich und daher oft über- 
sehen. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. 21.. An 
Bächen, in Gräben, Teichen, sumpfigen Wäldern; häufig. 
Gr. plicata Fries, Gefaltetes Süssgras. 

II. Obere Hüllspelze dreinervig; Deckspelze fünf nervig. 

a. Blattscheiden flach, aufgeblasen. — Halm niederliegend, wie die 
Blätter bläulich -grün. Rispe einseitswendig, 3 bis 5 cm lang. 
Äste unten zu 2 bis 3 beisammenstehend, dick, dicht und bis auf 
den Grund mit meist 4 blutigen Ährchen besetzt. Blütezeit Juni 



*) Tafel 55 A, Gyceria spectabilis Hertens und Koch. 

**) Tafel 55B. Glyceria fluitans R. Brown. B 1 Ährchen; B 2 einzelnes 
Blütchen; B 3 Blütchen nach Entfernung der Spelzen. 1 bis 3 vergrössert. 



Gramineae. 223 

Juli. 0. In Mecklenburg eingeschleppt. Glyceria procum- 
bens Smith, Niederliegendes Süssgras. 

b. Blattscheiden nicht aufgeblasen. 

a. Blattscheiden am Grunde geschlossen. Rispenäste anfänglich zu- 
sammengezogen, zur Blütezeit abstehend, zur Fruchtzeit zurück- 
gebogen, untere meist zu 4 bis 5. — Wurzel faserig. Halm 
15 bis 30 cm lang, an dem unteren Knoten meist knieförmig 
gebrochen, aufstrebend und wurzelnd, selten aufrecht, wie die 
ganze Pflanze kahl und blaugrün. Ährchen klein, meist 4- bis 
6-, selten 1- bis 3 blutig, den Ästen genähert oder angedrückt. 
Blüten eiförmig-länglich, oft gelblich, purpurbraun oder blau 
angelaufen. Blütezeit Mai bis September. 2|.. An feuchten 
Orten, namentlich auf Salzboden; zerstreut. (Festuca distans 
Kunth; G. intermedia Klinggraeff; Poa distans L.) 0. distans 
Wahlenberg, Abstehendes Süssgrass, Salz-Schwaden. 
ß. Blattscheiden am Grunde offen. Untere Rispenäste nach der 
Blüte aufgerichtet und zusammengezogen oder doch nur wenig 
abstehend. — Deckspelze lineal-länglich , stumpf oder etwas 
dreikerbig, schwach-fünfnervig. 

1. Der Wurzelstock treibt neben aufsteigenden, fruchtbaren 
Halmen kriechende Ausläufer und ausläuferartig- nieder- 
liegende, unfruchtbare Stengel. Blätter breit, zuletzt ein- 
gerollt. Untere Rispenäste meist zu je zweien. Ährchen 

4- bis 6 blutig. — Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 125 cm. 
21. Am Strand der Nord- und Ostsee von Ostfriesland bis 
Danzig. (Festuca thalassica Kunth.) G. maritima Mertens 
und Koch, Meerstrands-Süssgras. 

2. Der Wurzelstock treibt nur aufrechte Halme, nicht auch 
Ausläufer und unfruchtbare liegende Halme. Blätter schmal, 
fast borstenartig. Untere Rispenäste meist zu je 5. Ährchen 

5- bis 9 blutig. — Blütezeit Juni, Juli. Höhe 40 bis 50 cm. 
%. Am Strande des Adriatischen Meeres. G. festucae- 
formis Heynhold, Schwingelartiges Süssgras. 

Gattung 72: Poa L., Rispengras. 

Ahrchen auf sehr kurzen, dicken Stielchen, in eine einfache, einseits- 
wendige Ähre, oder in eine aus solchen Ähren gebildete Rispe an- 
geordnet. Ährenspindel zusammengedrückt, schlängelig, stan-. Deck- 
spelze heiwortretend-dreinervig. 1. Untergattung: Catapodium Link. 



124 Gramineae. 

1. Rispekurzgedrungen, eiförmig-länglich, ästig. — Halme niederliegend, 
büsclielig, blassgrün, 5 bis 15 cm lang. Blätter bandförmig, spitz. 
Blatthäutchen stumpf. Rispenäste 3- bis 6 ährig; Ährchen länglich, 
3- bis 5blütiof. Blütezeit Mai, Juni. 0. Auf Sand und Thonboden- 
im mittleren und südlichen Teil des Gebietes; sehr zerstreut. Sclero- 
chloa dura Palisot de Beauvais.) Poa dura Scopoli, Hartgras.*) 

2. Rispe langgestreckt, lineal-lanzettlich, ährenförmig, einfach oder nur 
am Gru*ide ästig. — Ährchen eiförmig. BlütezeitMai, Juni. 0. Höhe 
6 bis 10 cm. Am Strand des Adriatischen Meeres. (Catapodium 
loliaceum Link.) P. loliacea Hudson, Lolcliälinliclies Rispengras. 

B. Ährchen auf längeren, dünneren, lanzettlichen Stielchen in einer mehr 
oder weniger ausgebreiteten Rispe. Deckspelze mit schwachen, zuweilen 
kaum wahrnehmbaren Rippen (Leptoiieiirae Doli, Schwachrippige 
Rispengräser) oder mit 5 stark hervortretenden Rippen (Pachyneurae 
Asche rson, Starkrippige Rispengräser). 
I. Halme und Blattscheiden fast zweischneidig-zusammengepresst. 

a. Blätter 5 bis 10 mm breit, lineal-lanzettlich, an ihrer Spitze plötz- 
lich zugespitzt und kappenförmig- zusammengezogen. — Blatt- 
häutchen kurz. Unfruchtbare Blätterbüschel zweizeilig, flach, zu- 
sammengedrückt. Rispe zur Blütezeit ausgebreitet, vor- und nach- 
her einseitig überhängend, sehr reichblütig. Aste rauh; untere 
meist halbwirtelförraig zu je 5 beisammenstehend. Ährchen ei- 
förmig-länglich, 3- bis 5-, meist 3 blutig. Deckspelze mit 5 hervor- 
tretenden Nerven, kahl, oder an ihrem Grunde spärlich mit wolligen 
Haaren besetzt. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 60 bis 100 cm. 21.. 
In Bergwäldern und Brüchern zerstreut. (P. sudetica Haenke.) 
P. Chaixi Villars, Sudeten-Rispengras.**) 

b, Blätter allmählich in eine Spitze ausgezogen, diese flach, nicht 
kappenförmig-zusammengezogen. 

1. Blatthäutchen kurz, stumpf. 

a. Wurzelstock ausläuferbildend. P. pratensis var. aneeps 
Gaudin, Zweischneidiges Wiesen-Rispengras (s. unten). 

h. Wurzelstock rasig. — Blattscheiden etwas aufgeblasen. Deck- 
spelze am Grunde wollhaarig. Im übrigen dem Sudeten- 
Rispengrase sehr ähnlich. Blütezeit Juni, Juli. Höhe bis 



*) Tafel 56 A. Poa dura Scopoli. A 1 Teil der Ähren, vergr. 
**) Tafel 56 B und C. P o a C li a i x i Villars. B 1 Spitze eines Blattes, ver- 
grössert. 



Gramineae. 125 

100 cm, %. In Gebirgswaldungen der Alpen und des Jura. 
Poa hybrida Gaudin, Bastard-Rispengras. 

2. Blatthäutchen, lang, spitz. — Halm aus liegendem Grunde auf- 
steigend. Rispe "abstehend, meist einseitswendig. Untere Äste 
meist paarweise, selten zu je 5. Ährchen eiförmig-länglich, 
5- bis 9 blutig. Deckspelze schwachnervig, nach ihren Grunde 
hin auf dem Rücken und am Rande weichhaarig, doch so, dass 
die Haare nur zuweilen den Raum zwischen den Blütchen etwas 
ausfüllen. Blütezeit Juni bis August. Höhe 15 bis 50 cm. 21.. 
An trocknen Orten, Triften Wiesen, Abhängen, Felsen, Mauern, 
gemein. P. compressa L., Zusammengedrücktes Rispengras. 
Bei der Abart Langeana Reichenbach, Langes Rispengras 
ist der Halm bis 60 cm hoch, die Rispe schlaff und reichährig. 

IL Halm und Blattscheiden sind nicht fast zweischneidisf-zusammen- 
gepresst (wenngleich mitunter etwas zusammengedrückt). 
A. Halm an seinem Grunde durch die verbreiterten und verdickten 
Blattscheiden z wiebelig- angeschwollen. 

a. Hüllspelzen gleichgross, beide dreinervig. Die unteren Blätter 
haben kurze, gerade, abgestutzte Blatthäutchen, die oberen 
hingegen längliche, spitze. — Wurzelstock rasig, ohne Aus- 
läufer. Halm 30 bis 50 cm hoch, zweiblätterig, an seinem 
Grunde nebst dem grundständigen Blattbüschel von grossen, 
gemeinschaftlichen Blattscheiden umschlossen. Rispe zur Blüte- 
zeit abstehend, sonst aufrecht, untere Äste zu zweien. Ährchen 
eiförmig, 4- bis 10 blutig. Blüten frei oder durch spärliche 
Haare zusammenhängend. Blütezeit Mai bis August. %. Auf 
felsigen Abhängen, namentlich auf Kalkboden, in den Alpen 
und Voralpen, P. alpina L., Alpen-Rispengras. 
Veränderliche Pflanze: 

1. Blatthäutchen der unteren Blätter kurz, gerade abgestutzt. 
a. Blüten durch sprossende Knospen ersetzt, Var. vivipara L., 

Sprossendes Alpen-Rispengras. 
ß. Halm klein, etwa 10 cm hoch, mit haarfeinen Ästchen. 
Var. minor Koch, Kleines Alpen-Rispengras. 

2. Blatthäutchen der unteren Blätter länger, abgestutzt aber 
etwas ausgerandet. Blätter mit schmalem weissem, knorpe- 
ligem Rande. 

a. Halme nur einige Centimeter lang. Var. brerifolia 
Koch, Kurzblätteriges Alpen-Rispengras. 



X26 Gramineae. 

ß. Halm 15 bis 30 cm hoch. Blätter von emem weissen, 
unterseits kielaiiig-vorstehenden Nerv durchzogen, steif, 
bläulich grün. Im mittleren Teile des Gebietes. Var. 
badensis Haenke, Badisches Alpen-Rispengras. 

b. Obere Hüllspelze fünfnervig, untere kleiner, einnervig. Alle 
Blatthäutchen sind länglich und spitz. 

1. Ährchen 4- bis 6 blutig, oft bunt angelaufen. Die Deck- 
spelzen haben auf dem Rücken und auf den Randnerven je 
eine dicht-seidenhaarige Linie (Lupe!) und sind ausserdem 
übersponnen mit einer reichlichen, lang vortretenden Wolle. 
— Halm 15 bis 30 cm hoch, meist aufrecht, sehr zart. 
Blätter etwas schlaff, schmal-linealisch, grundständige sich 
fast fädlich zusammenrollend, in der Regel etwas graugrün, 
meist schon vor der Blüte abwelkend. Rispenäste einzeln 
oder gepaart, während der Blüte aufrecht-abstehend, vor- 
und nachher zusammengezogen. Blütezeit Mai, Juni. %■. 
Auf Rainen, Triften, Felsen: zerstreut: im Süden und in 
der mittleren Region des Gebietes häufiger als im Norden. 
Poa bullosa L., Zwiebeliges Rispengras. 

Die Abänderung vi viparaK och. Sprossendes Zwiebeliges 
Rispengras, bei welcher an Stelle der Blüten sprossende 
Knospen auftreten, ist häufiger als die Hauptform. 

2. Ährchen mit 6- bis 10, zweizeilig-geordneten Blütchen; diese 
nicht durch Wollhaare verwebt. — Der vorigen ähnlich, 
doch gedrungener, steifer und mit schmäleren Blättern. 
Blütezeit Juni. 2|.. Höhe 10 bis 20 cm. An trocknen, 
sandiffen Orten in Wallis und bei Triest. P. concinna 
Gaudin, Gedrungenes Rispengras. 

B. Halm am Grunde nicht zwiebelig verdickt. 

a. Untere Rispenäste einzeln oder zu 2, selten zu 3. 
1. Wurzelstock kriechend mit Ausläufern. 

a. Blütchen durch lange Wollhaare mit einander verwebt. 
Ausläufer lang-kriechend. Halme stielrund, steif aufrecht, 
wenig beblättert. Blätter lineal, fast pfriemlich-zusammen- 
gefaltet, bläulich-grün, an den unfruchtbaren Blattbüscheln 
und an den Ausläufern zweizeilig-gestellt. Oberstes Halm- 
blatt zwei- bis vielmal kürzer als seine Scheide. Rispe 
abstehend; untere Äste zu 2 bis 4. Ährchen eiförmig, 
3- bis 5 blutig. Blütezeit Juli, August. %. Höhe 15 bis 



Gramineae. 127 

30 cm. Durch die ganze Alpenkette zerstreut; selten 
mit den Alpenflüssen in die Ebene liinabsteigend. (P. dis- 
tichophylla Gaudin.) Poa Cenisia Allioni, Zweizeiliges 
Rispengras, Rispengras vom Mont-Cenis. 

ß. Blütchen nicht durch Wollhaare miteinander verwebt. 
Ausläufer kurz. P. nemoralis L., Hain-Rispengras 

(s. unten). 
Wurzelstock faserig, ohne Ausläufer. 

a. Alle Blatthäutchen kurz, gerade abgestutzt, mitunter das 
oberste eiförmig. P. caesia Smith, Hechtblaues 
Rispengras (s. unten). 
ß. Blatthäutchen der unteren Blätter kurz-abgeschnitten, der 
oberen Blätter länglich, 

aa. Untere Hüllspelze einnervig, schmäler und kürzer als 
die obere dreinervige; beide grün mit weisshäutigem 
Rande, ©. — Halm zusammengedrückt, aufsteigend 
oder am Grunde liegend. Blätter linealisch, am Rande 
etwas scharf. Rispe locker, mit abstehenden, meist 
einseitswendigen , zuletzt oft abwärts gerichteten 
Ästen. Ährchen länglich-eiförmig, 3- bis 7 blutig. 
Blütchen kahl oder am Grunde von Kiel und Rand 
der Deckspelze mit kurz- und weichflaumigen Haar- 
leisten. Blüht fast das ganze Jahr und ist durch 
das ganze Gebiet gemein; oft ein lästiges Unkraut. 
P. annua L., Einjähriges Rispengras.*) 
ßß. Beide Hüllspelzen dreinervig, einander gleich gross. 
2i. P. alpiua L., Alpen-Rispengras (s. vorhin). 
y. Alle Blatthäutchen länglich und spitz. 

aa. Rispe zusammengezogen, an ihrer Spitze nickend 
oder überhängend. 

a. Rispenäste etwas steif, Ährchen nicht zitternd, 
Hüllspelzen scharfkielig und stachelspitzig. — 
Blätter schmal-linealisch. Älu'chen eiförmig, meist 
dreiblütig. Deckspelzen am Rand und Kiel dicht- 
flaumig; Blütchen meist nicht miteinander durch 
Wollhaare verwebt. Blütezeit Juli, August, 4. 
Höhe 15 bis 30 cm. Auf Triften der Alpen und 
Voralpen. P. laxa H a e n k e , Schlaffes Rispengras. 



*) Tafel 57A. Poa annua L. 



128 Gramineae. 

b. Rispenäste haarfein, sodass die Ahrchen zittern; 
Hüllspelzen fast kiellos, stumpf. — Blätter schmal- 
linealisch, fast borstlich. Ahrchen länglich-eiförmig, 
4- bis 6 blutig. Deckspelzen am Grunde mit silber- 
glänzender Haarlinie. Blütchen durch Wollhaare 
miteinander verwebt. Blütezeit Juli, August. 4. 
Höhe 5 bis 15 cm. Auf steinigen Alpen wiesen 
und im Kiesbett der Alpenflüsse verbreitet; selten 
mit den Flüssen in die Ebene hinabsteigend. 
Poa minor Gaudin, Kleines Rispengras. 
ßß. Rispe aufrecht. — Deckspelze auf Rücken- und Rand- 
nerven dichtflaumig (Lupe!). 
a. Blütchen durch lange Wollhaare verwebt. P. hn\- 

i)Osa L., Zwiel)eliges Rispengras (s. vorhin). 
h. Blütchen nicht durch Wollhaare verwebt. 

aa. Rispe gedrungen, mit aufrechten Asten. Ahr- 
chen mit 6 bis 10, zweizeilig geordneten Blüt- 
chen. P. concinna Gaudin, Gedrungenes 
Rispengras (s. vorhin). 
bb. Rispe ausgebreitet mit fast wagerecht-abstehen- 
den Ästen. Ahrchen eiförmig, mit 4 bis 6, 
nicht zweizeilig angeordneten Blütchen. — 
Blütezeit Mai, Juni. Höhe 10 bis 15 cm. 4. 
Auf Bergwiesen in Krain. P. pumila Host, 
Zwerg- oder NiedHches Rispengras. 
b. Untere Rispenäste zu 5 oder mehr, in Halbquirlen. 
1. Blatthäutchen der oberen Blätter länglich, spitz. 

a. Deckspelze mit 5 stark hervortretenden Nerven, am Grunde 
schwach behaart, doch ohne behaarte Randlinie, sonst 
kahl. — Halm nebst den ein wenig zusammengedrückten 
Blattscheiden etwas rauh, oft liegend. Blätter schmal- 
bandförmig, lang zugespitzt, mit langen Scheiden; oberstes 
viel kürzer als seine Scheide. Rispe langästig, erst zu- 
sammengezogen, zur Blütezeit ausgebreitet-abstehend, grün. 
Ahrchen eiförmig, meist dreiblütig. Blütezeit Juni, Juli. 
Höhe 30 bis 100 cm. 4. Auf feuchten Wiesen, an Gräben 
etc. gemein. P. trivialis L., Gemeines Rispengras.*) 



*) Tafel 57B. Poa trivialis L. B 1 oberes Ende der Blattscheide mit dem 
Blatthäutchen, vergrössert. 



Gramineae. 



129 



ß. Deckspelze mit 5 undeutlichen Nerven, nach dem Grunde 
zu am Rande und auf dem Rücken mit schmalen, seiden- 
haarigen Linien. Rispe ausgebreitet-abstehend, rauh-ästig. 
Ährchen ei-lanzettförmig, 2- bis 5 blutig. Halme 30 bis 
60 cm lang, weich, dünn mit langen Blättern. Der Poa 
nemoralis (s. unten) sehr ähnlich und auch für eine Abart 
derselben gehalten. Blütezeit Juni, Juh. 4- An feuchten, 
schattigen Orten; häufig. (P. fertilis Host, P. palustris 
Roth.) Poa serotina Ehrhart, SpätMühendes Rispen- 
gras. 

2. Blatthäutchen kurz-abgeschnitten, stumpf oder fast fehlend, 
ß. Blüten durch lange Wollhaare miteinander verwebt. 
a. Wurzelstock rasig, nicht ausläuferartig kriechend. 
P. nemoralis var. rigidula Koch, Rauhes Wald- 
Rispengras (s. unten). 
h. Wurzelstock ausläuferartig kriechend. Halm und Blatt- 
scheiden kahl und glatt. Blätter ziemlich breit, dunkel- 
grün. Rispe bläulich, weitabstehend, rauh-ästig, reich- 
blütig. Ährchen eiförmig, 3- bis 5 blutig. Deckspelze 
oft etwas violett -angelaufen. Blütezeit Mai, Juni. 
Höhe 15 bis 100 cm. 4. Auf Wiesen und Triften, 
gemein. P. pratensis L., Wiesen-Rispengras. 

Bei der Abart latifolia Koch, Breitblätteriges 
Wiesen-Rispengras ist die ganze Pflanze blaugrün oder 
hechtblau und sind die grundständigen Blätter breiter 
und kürzer als bei der Hauptform; bei der Abart 
angustifolia Koch, Schmalbliitteriges Wiesen- 
Rispengras sind die grundständigen Blätter zusammen- 
gerollt, oft borstlich; bei der Abart anceps Koch, 
Zweischneidiges Wiesen-Rispengras ist der Halm 
fast zweischneidig-zusammengedrückt. 
ß. Die Blütchen sind nicht durch Wollhaare miteinander 
verwebt. 

a. Die Blattscheiden reichen nicht bis über den ihrem 
Anheftungspunkte nächsten Knoten hinaus, sind mithin 
küi-zer als das von ihnen umgebene Halmglied. — 
Wurzelstock mit kurzen Ausläufern. Halm zart und 
glatt. Blätter schmal-bandförmig, spitz. Rispe ab- 
stehend, sehr locker, mit dünnen, rauhen Ästen, deren 
untere zu je 2 bis 5 beisammenstehen. Ährchen klein, 

Thome, Flora. 11. n 



i 30 Gramineae. 

ei-lanzettlich, 2- bis 5 blutig. Blütezeit Juni, Juli. 
Höhe 30 bis 100 cm. 4. In Wäldern und Gebüschen; 
häufig. Poa nemoralis L., Hain-Rispengras.*) 

Veränderliche Pflanze; Hauptformen sind: 

aa. var. vulgaris Koch, Gremeines Wald-Rispengras. 

Halm und Blätter zart; Ährchen 1- bis 2-, selten 
3 blutig; Rispen überhängend. In Waldungen 
gemein. 

hh. var. flrmula Koch, Steifes Wald-Rispengras. 

Halm steif; Ährchen 4- bis 5 blutig; Rispe nur 
an der Spitze überhängend, schmal, lang, lebhaft 
grün. 

cc. var. rigidula Koch, Rauhes Wald-Rispengras. 

Halm steif, bläulichgrün, nebst den Blattscheiden 
rauh. Rispe aufrecht oder nur wenig überhängend, 
Blütchen durch Wollhaare miteinander verbunden, 
b. Die Blattscheiden reichen über den ihrem Anheftungs- 
punkte nächsten Knoten hinaus, sind mithin länger 
als das von ihnen umgebene Halmglied. — Ganze 
Pflanze blau -bereift. Rispe langgestreckt -abstehend. 
Äste rauh, untere zu 2 bis 5; Ährchen ei-lanzettförmig 
2- bis 5 blutig. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 
40 cm. 4. Auf sonnigen Felsen der Alpen und Vor- 
alpen. Der vorigen sehr ähnlich und vielleicht nur 
eine Abart davon. (P. glanca Smith.) P. caesia 
Smith, Hechtblaues Rispengras. 

Gattung 73: Eragrostis Palisot de Beauvais, Liebesgras. 

A. Rispenäste einzeln oder zu zweien. 

1. Deckspelze stumpf. — Wurzelstock faserig. Blätter mit langen, an 
ihrem Ende auf der Innenseite bärtigen Scheiden. Rispen ausgebreitet, 
mit sehr dünnen Ästen. Ährchen lineal-lanzettlich, rotbraun, 8- bis 
20 blutig. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 15 bis 20 cm. Auf Sand- 
boden zerstreut. (E. minor Host.) E. poaeoides Palisot de 
Beauvais, Kleinähriges oder Rispiges Liehesgras.**) 



*) Tafel 58 A und B. Poa nemoralis L. AI oberes Ende der Blattscheide 
mit dem Blatthäutchen. 

**) Tafel 58 C. Eragrostis poaeoides Palisot de Beauvais; C 1 Bart am 
Ende der Blattscheide. 



Gramineae. 131 

2. Deckspelze etwas ausgerandet, in der Ausrandung mit kurzer Stachel- 
spitze. — Der vorigen sehr ähnlich, Archen breiter, blaugrün, 15- bis 
20 blutig. Blütezeit -Juli, August. ©. Höhe 10 bis 45 cm. Auf Sand- 
boden; sehr selten (nur mit fremdem Samen eingeführt). (E. megasta- 
chya Link.) Eragrostis major Host, Grossähriges Liel)esgras. 
B. Unterste Rispenäste zu 4 bis 5, in Halbquirlen; Dekspelze spitz. — 
Halme und Blätter kahl, Blattscheiden an ihrem oberen Rande lang-be- 
haart. Ährchen linealisch, meist 5- bis 9-, seltener bis 12 blutig. Deck- 
spelzen dreinervig, mit braunrotem Rande. Blütezeit Juli, August, q. 
Höhe 10 bis 30 cm. Im Süden des Gebietes; bei Halle verwildert. 
(Poapilosa L.) E. pilosaPalisot de Beauvais, Behaartes Liebesgras. 



Dritte Gruppe: 

Arundineae, Rohrgräser. 

1. Das unterste Blütchen in dem Ährchen ist männlich oder unfruchtbar 
und kahl, d. h. das unter ihm stehende Stück der Ährchenspindel ist nicht 
mit langen, seidenartigen Haaren besetzt, wie dies bei den übrigen Blütchen, 
die zudem alle zwitterig sind, der Fall ist. Die Deckspelze ist lang zu- 
gespitzt, 2 bis 3 mal so lang als die Vorspelze, indes ohne eigentliche 
Granne. Gattung 74: Phragmites Trinius, Schilf. 

2. Alle Blütchen, auch das unterste Blütchen in dem Ährchen, sind zwitterig 
und von langen Haaren umgeben. Die Deckspelze ist dreispitzig, an 
ihrem Grunde behaart. Gattung 75: Arundo L., Rohr. 

Gattung 74: Phragmites Trinius, Schilf. 

Hierher nur Ph. communis Trinius, Gemeines Schilf, Schilfrohr. 

Wurzelstock ausläuferartig kriechend. Halm aufrecht, bis 250 cm hoch, 
gerieft. Blätter flach, lanzettlich, lang-zugespitzt, mit schneidend-scharfen 
Rändern, duftiggrün. Blatthäutchen anfänglich am Rande gewimpert, später 
ganz in Wimpern zerspalten. Rispe bis 30 cm gross, sehr ästig, vor der 
Blütezeit ausgebreitet, nach derselben zusammengezogen und einseitig über- 
hängend. Ährchen hellbraun bis braunrot. Hüllspelzen schmal-lanzettlich, 
die unteren nur halb so lang wie die oberen. Deckspelze pfriemlich-zuge- 
spitzt, 2 bis 3 mal so lang wie die linealische, an dem Kiele kurz-gewimperte, 
zweizähnige Vorspelze. Ährchen 4- bis 6 blutig, unterste Blüte männlich 
oder noch mehr verkümmert, die anderen zwitterig. Die Ährchenspindel ist 
mit Haarbüscheln besetzt; diese bei Beginn der Blüte noch kurzen Seidenhaare 

9* 



132 Gramineae. 

erreichen bei der Fruchtreife die Länge der Deckspelzen. Blütezeit Juli bis 
September. 4. An Ufern stehender und fliessender Gewässer gemein.*) 

Bei der Form siil)uniflora De Candolle, Einblütiges Schilfrohr 
hat das Ährchen meist nur ein Blütchen und ist die Vorspelze fast so lang 
wie die Deckspelze. 

Gattung 75: Arundo L., Rohr. 
Hierher nur Arundo donax L., Pfeilrohr. Wurzelstock ästig, krie- 
chend. Halm sehr steif, rohrartig, bis 4 m hoch. Blätter steif, scharf- 
randig, lanzettlich, an ihrem Grunde bis 4 cm breit, bis über 30 cm 
lang. Rispe bis 50 cm lang, sehr ästig, länglich-spindelförmig. Ährchen 
alle zwitterig, gelblich-grün, violett-gefleckt; ihre Spindel mit silber- 
glänzenden Seidenhaaren besetzt. Deckspelze in eine kurze Granne aus- 
laufend; auf ihrem Rücken ziemlich lang-behaart, neben der Granne jeder- 
seits eine kleine Haarspitze. Blütezeit Oktober. 21-. An Ufern fliessender 
und stehender Gewässer; in dem südlichsten Teile des Gebietes zerstreut; 
stellenweise angebaut.**) 

Vierte Gruppe: 

Seslerieae, Seslerien. 

1. Deckspelze lederig, handförmig-fünfspaltig mit lanzettlichen, pfriemen- 
förmigen Zipfeln. Gattung 76: Echinaria Desfontaines, Echinarie. 

2. Deckspelzen häutig-krautig, mit 3 bis 5 stachelspitzigen Borsten, deren 
mittelste etwas grannenartig ist. Gattung 77 : Sesleria Arduino, Sesleria. 

Gattung 76: Echinaria Desfontaines, Echinarie. 

Hierher nur Echinaria capitata Desfontaines, Köpfchentragende 

Echinarie. Höhe 10 bis 15 cm. Halm steif. Blätter bandförmig, stumpf 
zugespitzt. Rispe kugelköpfig. Ährchen 2- bis 4 blutig. Deckspelze hand- 
förmig-fünfspaltig (mit 5 breiten Grannen), Vorspelze zweigrannig. Blütezeit 
Mai, Juni. 0. Auf Äckern und Rasenplätzen in Istrien. 

Gattung 77: Sesleria Arduino, Sesleria. 
A. Ährchen 2- bis 3 blutig, in ährenförmig zusammengezogener Rispe 
(genau zusehen !). 



*) Tafel 59. Phragmites communis Trinius. A Unteres Stengelstück und 
kleine Rispe; 1 Ährchenspindel mit den Haarbüscheln; 2 Ährchen, 3 desgl. ausge- 
breitet; 4 Blütchen. 1 bis 4 vergrössert. 

**) Tafel 60. Arundo donax L. A und B Kleine Rispe und kleines Blatt; 
1 Ährchen ; 2 Deckspelze. 1 und 2 vergrössert. 



Gramineae. 133 

I. Deckspelze aus ausgerandeter Spitze stachelspitzig. Rispe kugelig, 
etwa 1 cm im Durchmesser, weissgelb, selten bläulich. — Wurzelstock 
vielköpfig. Halm nur an seinem unteren Ende beblättert. Blätter 
schmal-lineal- rinnig, etwa halb so lang wie der 10 bis 15 cm hohe 
Halm. Ährchen meist dreiblütig. Blütezeit Juli, August. 4. Auf 
Felsen der höchsten Alpen. Sesleria sphaerocephala Arduino, Kugel- 
köpflge Seslerie. 

IL Deckspelze 3- bis Szähnig, mit stachelspitzigen oder begrannten Zähnen. 
Rispe eiförmig, länglich oder walzenförmig. 

A. Deckspelze mit 5 Grannen, deren mittelste so lang oder länger wie 
die Spelze ist. — Wurzelstock vielköpfig. Halm nur in seiner 
unteren Hälfte beblättert. Blätter schmal-linealisch abgerundet; 
grundständige mit etwas vorstehendem Mittelnerv; halmständige 
am Rande scharf. Rispe eiförmig; Ährchen 2 blutig. Blütezeit 
Juli, August. 4. Höhe 10 bis 15 cm. Auf Felsen der Alpen. 
S. microcephala De Candolle, Kleinköpflge Seslerie. 

B. Deckspelze mit 2 bis 4 borstlich-stachelspitzigen Zähnen und einer 
in deren Mitte stehenden Granne von höchstens halber Spelzenlänge. 

a. Blätter linealisch, ganz flach oder doch nur an ihrem unteren 
Ende rinnig-gefaltet; Blattscheiden ungeteilt, zuletzt am Rande 
gespalten. 

1. Rispe eiförmig-länglich, vor der Blüte schiefer- bis lavendel- 
blau, meist einseitswendig. Wurzelstock ohne Ausläufer. Halm 
nur an seinem Grunde beblättert. Blätter plötzlich in eine 
rauhe Stachelspitze zusammengezogen, schmal, am Rande sehr 
rauh. — Ährchen 2- bis 3 blutig. Blütezeit März bis Mai. 4. 
Höhe 5 bis 30 cm. Auf sonnigen Anhöhen, namentlich auf 
Kalk; sehr zerstreut. S. coerulea Arduino, Blaue Seslerie.*) 

2. Rispe 4 bis 8 cm lang, walzenförmig. Wurzelstock mit Aus- 
läufern. Blätter starr, lang-linealisch, in eine sehr rauhe Spitze 
verschmälert. — Blütezeit August bis Herbst. Auf Felsen 
und trockenen Wiesen im Krain. Wird als südliche Form der 
vorigen angesehen. S. elongata Host, Langährige Seslerie. 

b. Blätter borstlich, rinnig oder zusammengerollt. Blattscheiden 
zuletzt in schlängelig-verwebte Fäden aufgelöst. Rispe locker- 
ährig, walzenförmig. Ährchen meist dreiblütig. Blütezeit Mai. 4. 



*) Tafel 61. Sesleria coerulea Arduino. A Pflanze; A 1 Hüll- und Deck- 
spelze; A 2 Ährchen; A 3 Stempel. 1 bis 3 vergrössert. 



134 Gramineae. 

Höhe bis 30 cm. Auf Felsen am Ufer des Adriatischen Meeres. 
Sesleria tenuifolia Schrader, Düniiblätterige Seslerie. 

Eine Abart mit dickeren, starren Blättern ist S. jiincifolia 
Host, Binsenblätterige Seslerie. 

B. Ährchen 8- bis 6 blutig, in einer ährenförmigen, einseitig-zweizeiligen, 
eirunden oder länglich-eirunden Traube. — Blätter borstlich. Deckspeize 
unbegrannt oder kurz begrannt. Blütezeit Juni. Höhe 10 bis 30 cm. 4. 
Auf Kalkalpenweiden. (Oreochloa disticha Link.) S. disticha Persoon, 
Zweizeilige Seslerie. 

Fünfte Gruppe. 

Aveneae, Haferartige. 

A. Deckspelze begrannt. 

A. Die Granne ist fast grundständig; sie ist in ihrer Mitte durch ein 
von einem Borstenkranze umgebenes Gelenk gegliedert und an ihrem 
oberen Ende keulenförmig verdickt. Gattung 78: Corynephorus 
Palisot de Beauvais, Keulenträger. 

B. Die Granne ist anders gebildet, namentlich ohne Borstenkranz und 
an der Spitze nicht keulenförmig verdickt. 

I. Die Granne entspringt auf dem Rücken oder am Grunde der Spelze. 

a. Der Fruchtknoten ist behaart. 

1. Ährchen zwei- bis mehrblütig. Die fruchtbaren Blütchen sind 
zwitterig; die oberste Blüte ist oft nur andeutungsweise vor- 
handen. Deckspelze an ihrer Spitze zweizähnig, zweispaltig 
oder zweigrannig, und ausserdem noch (abgesehen von Kultur- 
varietäten) mit einer rückenständigen, geknieten und an ihrem 
Grunde meist dunkelfarbigen Granne versehen. Gattung 79: 
Avena L., Hafer. 

2. Ährchen zweiblütig. Das untere Blütchen ist männlich 
(selten weiblich), seine Deckspelze trägt auf ihrem Rücken 
eine lange, gekniete Granne; das obere Blütchen ist zwitterig 
und grannenlos. Gattung 80: Arrhenatherum Palisot de 
Beauvais, Wiesenhafer. 

b. Der Fruchtknoten ist nicht behaart. 

1. Ährchen zweiblütig; das untere Blütchen ist zwitterig und 
unbegrannt; das obere ist meist männlich, mit einer ge- 
kniet-gebogenen , rückenständigen Granne. Die Achse der 
Ährchen ist kahl. Gattung 81: Holcus L., Honiggras. 

2. Ährchen mit zwei, selten drei Zwitterblütchen; die Deck- 
spelze ist an ihrer Spitze abgeztutzt und gezähnelt, über 



Gramineae. 135 

ihrem Grunde oder auf der Mitte des Rückens mit einer 
in der Mitte einwärts gebogenen oder fast geraden Granne. 
Die Ährchenachse ist, namentlich an ihrem unteren Ende, 
oft behaart. .Gattung 82; Aira L., Schmiele. 
n. Die Granne entspringt in dem Einschnitte der an ihrer Spitze 
zweizähnigen oder zweispaltigen Deckspelze. 

a. Die Ährchen enthalten zwei oder mehr fruchtbare Blüten. 

1. Ährchen mit in Glieder zerfallender Spindel. Untere Hüll- 
spelze einnervig, kürzer als die obere dreinervige. Deck- 
spelze an ihrer Spitze zweizähnig und in den Einschnitten 
eine borstliche Granne tragend, oder aber nicht gezähnt und 
grannenlos. Gattung83: KoeleriaPersoon, Kammschmiele. 

2. Ährchenspindel nicht in Glieder zerfallend. Granne an ihrem 
Grunde flach. Gattung 85: Daiithonia De Candolle, Dau- 
tlionie. 

b. Die Ährchen enthalten nur ein, zum Teil gar kein fruchtbares 
Blütchen. Die Hüllspelzen sind schmal und begrannt. Gat- 
tung 84: Lamarckia Mönch, Lamarckia. 

B. Deckspelze unbegrannt. 

A. Deckspelze an ihrer Spitze mit 2 oder 3 Zähnen. 

a. Deckspelze an ihrer Spitze zweizähnig. 

Hierher einige durch die Kultur erzielte, unbegrannte Ab- 
arten (var. mutica) von Avena sativa L., Saathafer. 

b. Deckspelze dreizähnig (an ihrer Spitze gespalten, mit einem in 
dem Spalte sitzenden Zahne oder einer Stachelspitze). Ährchen 
drei- und mehrblütig. 

1. Deckspelze an ihrem Grunde mit 2, nach den Seiten bärtig- 
abstehenden Haarbüscheln. Hierher die zu den Festuceen ge- 
rechnete Festuca horealis Mertens und Koch. 

2. Deckspelze an ihrem Grunde ohne solche Haarbüschel. Ährchen- 
spindel gliedweise zerbrechend. Gattung 86: Sieglingia Bern- 
hardi, Sieglingie, Dreizahn. 

B. Deckspelze an ihrer Spitze ganz, nicht gezähnt. 

a. Die Ährchen haben eine bis zwei Zwitterblütchen ; an ihrer Spitze 
tragen sie einen gestielten, keulenartig gebildeten Körper, der aus 
den Spelzen mehrerer verkümmerter Blüten besteht. Die Hüll- 
spelzen sind aufgedunsen; die Deckspelze ist pergamentartig- 
knorpelig, an ihrer Spitze trockenhäutig. Gattung 87: Melica L., 
Perlgras. 



136 Grramineae. 

b. Die Ährchen tragen an ihrer Spitze nicht einen keulenartig ge- 
bildeten Körper. 

1. Die Ährchen haben eine untere männliche und eine obere 
zwitterige Blüte. Hierher Arrhenatherum (s. vorhin). 

2. Die Ährchen haben 2 oder mehr Zwitterblütchen. Hierher 
Koeleria (s. vorhin). 

Gattung 78: Gorynephorus Falisot de Beauvais, Keulenträger. 

Hierher nur eine Art (Aira canescens L. , Weingaertneria canescens 
Bernhardi) C. canescens Palisot de Beauvais, Grauer Keulenträger, 
Silbergras, SiHberschmiele. Dichtrasig. Halm dünn, bis 30 cm hoch. 
Blätter grau-beduftet, borstlich, starr und hart. Rispe während der Blüte- 
zeit ausgebreitet, vor- und nachher zusammengezogen, mit zweizeilig ge- 
stellten Ästen, silberfarbig-grau. Ährchen gestielt, 2-, selten 3 blutig, mit 
behaarter Spindel. Blütchen an ihrem Grunde behaart. Hüllspelzen zuge- 
spitzt, weisslich mit rosafarbenem Rücken. Deckspelze ein wenig über 
ihrem Grunde begrannt; die Granne hat in ihrer Mitte, über einem Haar- 
kranze, ein Gelenk; ihr oberer Teil ist keulenförmig. Narben federig. 
Blütezeit Juni, Juli. ©. Auf trockenem, sandigem Boden ; vielerorts häufig, 
strichweise, z. B. in Thüringen, selten.*) 

Gattung 79: Avena L., Hafer. 

Fruchtknoten behaart. Frucht und Spelzen fallen ab; dabei bleibt 
die Frucht von den Spelzen umhüllt oder sie fällt aus diesen heraus. 
A. Hüllspelzen 7- bis 9-, seltener llnervig, meist das ganze Ährchen (ab- 
gesehen von den Grannen) einschliessend, Ährchen zuletzt hängend. 
Einjährige Pflanzen, ohne unfruchtbare Blätterbüchel. Euavena Godron, 
Hafergetreide. 

I. Die Spindel der Ährchen ist unter den Blüten nicht gegliedert; sie 
ist kahl oder nur am Grunde der Hüllspelzen behaart; sie ist nicht 
ganz rauhhaarig. Die Blüten fallen erst spät nach der Reife der 
Frucht ab. Sativae Cosson u. Durieu, Saathafer. 
A. Ährchen meist zweiblütig (keinesfalls 4- oder mehrblütig). Die 
Hüllspelzen sind so lang oder länger Avie das ganze Ährchen, 
hüllen dieses also völlig ein. Die Frucht bleibt beim Abfallen 
von den Spelzen eingeschlossen. 
a. Deckspelze kahl oder an ihrem oberen Ende behaart. 



*) Tafel 61 B. Gorynephorus canescens Palisot de Beauvais. B blühende 
Pflanze ; B 1 Ährchen ; B 2 die Spelzen, die Deckspelze mit Granne. 1 und 2 verpfrössert. 



Gramineae. 137 

1. Äkrchenachse nur unter der unteren Blüte eines jeden Älir- 
chens behaart. 

a. Rispe allseitswendig mit wagerecht- abstehenden Asten. 
Ährchen meist zweiblütig. Obere Hüllspelzen 9 nervig. 
Blüten lanzettlich, kahl. Deckspelze zweispitzig. Die 
Deckspelze der unteren der beiden fruchtbaren Blüten 
eines jeden Ährchens trägt unter ihrer Spitze eine ge- 
drehte Granne, oder sie ist wehrlos (var. mutica), die der 
oberen ist stets wehrlos. Blütezeit Juni bis August. 0. 
Überall als Sommergetreide angebaut. Avena sativa L., 
Saat- oder Rispenhafer.*) 

Die Varietäten werden nach dem Vorhandensein oder 
Fehlen der Granne und nach der Farbe der Spelzen unter- 
schieden: letztere stuft sich von gelb weiss durch dunkel- 
gelb und braun bis zu schwarz ab. Die wenig gebaute 
Varietät trisperma Schübler u. Hertens, Oräbels- 
hafer hat drei fruchtbare Blüten in jedem Ährchen. 

h. Rispe zusammengezogen, schmal einseitswendig: sonst wie 
die vorige. Angebaut und verwildert. A. orieiitalis 
Schreber, Felsenhafer.**) 

2. Ährchenachse unter allen Blüten behaart. 

a. Jedes der beiden fruchtbaren Blüten der Ährchen ist be- 
grannt. — Rispe einseitswendig. Ährchen meist zwei- 
blütig. Obere Hüllspelze 7 nervig. Deckspelze kahl oder 
an ihrer Spitze behaart, länglich-stumpf, mit zweispaltiger, 
gezähnelter Spitze. Blütezeit Juli, August. Höhe 60 bis 
100 cm. 0. Selten gebaut. Unter der Saat. A. l)revis 
Roth, Kurzhafer, Sperlingsschnahel. 

h. Von den beiden fruchtbaren Blütchen eines jeden Ahi'chens 
hat nur die Deckspelze der unteren eine Granne, diese ist 
schwärzlich, gedreht und gekniet, ausserdem hat diese 
Deckspelze an ihrem Ende zwei gerade Stachelspitzen; 
die Deckspelze der oberen Blüte ist grannenlos, hat aber 



*) Tafel 62A. Avena sativa L. A Pflanze; AI Ährchen; A2 Ährchen aus- 
einandergezupft; A 3 einzelnes Blütchen ohne Deckspeize; A 4 Same; A 5 desgl. im 
Längsschnitt ; f b fruchtbare Blüte ; h Hüllspelze ; d Deckspelze ; g Granne ; v Vorspelze ; 
u und üb unfruchtbare Blüten; se Sameneiweiss ; sl Samenlappen; sk Samenknospe; 
wk Wurzelknosi^e. 2 bis 5 vergrössert. 

**) 62B. Avena orientalis L. Rispe. 



138 Gramineae. 

an ihrem Ende drei Stachelspitzen. — Rispe einseits- 
wendig. Ahrchen meist zweiblütig. Obere Hüllspelze 
7- bis 9 nervig. Blütezeit Juli, August. 0. Selten an- 
gebaut; öfter verwildert, Aveua strigosa Schreber, 
Rauhhafer, Saiidhafer. 
ß. Deckspelze an ihrem unteren Ende behaart. — Hierher selten 
(s. folgende) A. sterilis L. 
B. Ahrchen 4- oder mehrblütig. 

a. Die Hüllspelzen sind länger als das meist vierblütige Ahrchen. 
Die Frucht fällt mit den Spelzen ab. — Obere Hüllspelze 
9 nervig. Deckspelze zweispaltig, an der Spitze gezähnelt, an 
ihrem Grunde bis zur Mitte behaart, die der beiden unteren 
Blütchen begrannt. Blütezeit Juli, August. ©. Unter der Saat. 
Istrien. Avena sterilis L., Unfruchtbarer Hafer. 
ß. Die Hüllspelzen sind um vieles kürzer als das 3- bis 6 blutige 
Ahrchen. Die Frucht fällt aus den Spelzen heraus. — Rispe 
zusammengezogen. Deckspelze mit stark hervortretenden Nerven, 
an ihrem Ende haarspitzig-zweispaltig. Unterste Blüte jedes 
Ahrchens mit einer feinen, fast geraden Granne. Blütezeit Juli, 
August. Selten angebaut, mitunter verwildert. A. uuda L., 
Nackthafer, Grützhafer. 

Besondere Abarten sind: 
var. biaristata Metzger, Zweigranniger Nackthafer. Die 
beiden untersten Blütchen eines jeden Ahrchens sind begrannt. 
var. Chinensis Doli (Fischer als Art), Chinesischer Nackt- 
hafer. Rispe gleichmässig ausgebreitet, meist vierblütig. 
n. Die Spindel der Ahrchen ist unter den Blüten gegliedert; sie ist, 
meistens, ebenso wie die untere Hälfte der Deckspelze, von rostgelben 
Haaren rauhhaarig. Die Blüten fallen sogleich bei der Reife ab. 
Agrestes Cosson und Durieu, Wildhafer. 
a. Obere Hüllspelze 9 nervig. 

a. Rispe allseitig ausgebreitet; Ahrchen meist dreiblütig. Die 
Deckspelzen der beiden unteren, fruchtbaren Blüten eines 
jeden Ahrchens haben eine rückenständige Granne; die oberste, 
unfruchtbare Blüte ist grannenlos. Blütezeit Juli, August. 
Höhe bis 100 cm und mehr. ©. Ein lästiges Unkraut. 
A. fatua L., Flughafer. 

Bei der Abart (A. hybrida Koch) glabrata Petermann, 
Kahler Flughafer sind die Deckspelzen kahl. 



Gramineae. 139 

b. Rispe ein seits wendig; Ährclien meist zweiblütig. Blütezeit Juli, 
August. 0. Auf Ackern und Wiesen bei Fiume. Aveua 
hirsuta Roth, Rauhhaariger Hafer. 
ß. Obere Hüllspelze 11 nervig. — Rispe etwas zusammengezogen. 
Alirchen meist zweiblütig. Am Grunde der Blüte eine kurz-behaarte 
Schwiele. Deckspelze zerstreut-steifliaarig bis fast kahl, an der 
Spitze breit, kurz-vierzähnig. Blütezeit Juli, August. ©. Unter 
der Saat; selten. (A. glabrata Willkomm, A. intermedia Lindgreen.) 
A. hyhrida Petermann, Bastard-Hafer. 
B. Hüllspelzen 1- bis 3 nervig, meist kleiner als das Ährchen und dasselbe 
nur an seinem Grunde einhüllend. Ährchen nicht hängend. Ausdauernde 
Pflanzen, neben fruchtbaren Halmen auch unfruchtbare Blätterbüschel 
treibend. Avenastrum Koch, Hafergräser. 
I. Blattscheiden ganz oder fast stielrund, nicht zusammengedrückt, 
a. Blätter und Blattscheiden zottig oder doch wenigstens in ihrer 
Jugend gewimpert. 

a. Hüllspelzen (wenigstens die unteren) kleiner als die Ährchen. — 
Deckspelzen begrannt und zweispitzig. 

1. Hüllspelzen dreinervig. Längere Rispenäste zwei- bis drei- 
ährig. Ährchenachse behaaii. Blätter kurzbehaart und ge- 
wimpei-t. Rispe allseitswendig. Blütezeit Juli, August. Höhe 
15 bis 30 cm. ^. In den Alpen Österreichs und Steiermarks. 
A. alpestris L., Alpeiihafer. 

2. Untere Hüllspelze einnervig, an ihrer Spitze weiss-trocken- 
häutig. Längere Rispenäste drei- bis sechsährig. — Wuchs 
rasig. Untere Blätter und Blattscheiden zottig-behaart; obere 
Halmblätter an ilirem Grunde behaart und an ihrem Rande 
scharf. Rispe ziemlich ausgebreitet, traubig-lappig. Ährchen 
an fädlichen Stielen, 2- bis 4-, meist 3 blutig. Ährchenachse 
behaart; Haare unter den oberen Blüten der Ährchen ziemlich 
lang, oft fast von der halben Blütenlänge. Untere HüUspelze 
kürzer als das Ährchen; obere etwa ebenso lang, oft (immer?) 
dreinervig. Deckspelze in der Mitte ihres Rückens begrannt, 
nach ihrer Spitze zu trockenhäutig und silberglänzend. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Höhe 30 bis 100 cm. ^-. Auf Wiesen und 
Triften häufig. A. puhescens Hudson, Weichhaariger 
Hafer.*) 



*) Tafel 63 A. Avena pubescens L. A blühende Pflanze; A 1 Alirchen, 
vergrössert. 



140 Gramineae. 

ß. Hüllspelzen so gross wie das Ahrchen, dreinervig, an ihrem 
Grunde violett. — Ahrchen meist zweiblütig. Deckspelze der 
unteren Blüte unter der Mitte des Rückens begrannt, an ihrer 
Spitze trockenhäutig, silberig-glänzend. Blatthäutchen spitz, 
Bütezeit Mai, Juni; bis 60 cm hoch. %. Auf Alpenw^iesen in 
Bayern und im südlichen Tirol. Aveua amethystma Clarion, 
Blauer Hafer. 
b, Blätter und Blattscheiden kahl, wenngleich zuweilen rauh. 

a. Deckpelze an ihrer Spitze zweizähnig. — Untere Äste der all- 
seitswendigen, zusammengezogenen, fast traubigen Rispe zu 
zweien. 

a. Blätter und Blattscheiden oberseits sehr rauh; die Halmblätter 
rollen sich ein. Spelzen mit grünlichem Grunde und breitem, 
weissen, trockenhäutigem Rande, so dass die Ahrchen silberig 
aussehen. — Rasenbildend. Rispenäste einährig; untere, 
längere Rispenäste auch wohl mit 2 Ahrchen. Ahrchen auf 
an ihrer Spitze verdickten, rauhen Stielen, mit behaarter 
Achse, 4- bis 5-, selten mehrblütig. Untere Hüllspelze ein- 
obere dreinervig. Deckspelze begrannt. Blütezeit Juni bis 
August. Höhe 30 bis 60 cm. ^. Auf trockenen Triften 
und Abhängen; durch das ganze Gebiet. A. pratensis L., 
Wiesen-Hafer. 

6. Blätter und Blattscheiden ziemlich glatt. Die Halmblätter 
rollen sich nicht ein. Spelzen an ihrem Grunde grünlich, in 
ihrer Mitte purpur-braun, an ihrem Rande weiss- bis gold- 
gelb. — Untere Rispenäste mit 1 bis 2, obere stets mit 
1 Ahrchen. Ährchenachse behaart. Ahrchen meist 5 blutig. 
Deckspelze in der Mitte ihres Rückens mit langer, gedrehter 
Granne. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 50 cm. %. 
Auf Alpentriften. (A. Scheuchzeri AUioni). A. versicolor 
Villars, Bunter Hafer. 
ß. Deckspelzen an ihrer Spitze nicht zweizähnig. 

a. Deckspelze oberhalb ihrer Mitte begrannt; Ahrchen meist 
8 blutig. — Blätter kahl; untere hinter dem Blatthäutchen 
gewimpert; alle oberseits sehr rauh. Rispe zusammengezogen? 
traubig; ihre Aste stehen zu je 2, sie sind einährig, selten 



*) Tafel 63 B. Avena pratensis L., ß. blühenden Pflanze; B 1 Blütchen, 
vergrössert. 



Gramineae. 141 

zweiährig. Ährchenaclise behaart. Obere Hüllspelze drei- 
nervig, kleiner als die an ihrer Spitze braun-trockenhäutige 
Deckspelze. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 50 cm. 
21^ . Auf den Alpen Krains, Kärnten, Südtirols. Avena alpina 
Smith, Alpen- Hafer. 
h. Deckspelze unter ihrer Mitte begrannt; Ährchen 2- bis 4blütig. 
— Blätter oberseits sehr rauh, steif; grundständige borstlich. 
Rispe schlaff, ausgebreitet, einseitswendig, untere und mittlere 
Aste meist zu 3 beisammenstehend, längere mit 4 bis 5 Ähr- 
chen. Ahrchenachse behaart. Hüllspelzen dreinervig. Deck- 
spelze am Grunde grün, in der Mitte violett, am Rande 
gelblich. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 50 cm. 2j-. 
Kalkalpen. (A. Hostii Boissier.) A. senipervirens Villars, 
Immergrüner Hafer. 
n. Blattscheiden zusammengedrückt. 

a. Ahrchen meist 6-, selten 4- oder 5 blutig, bunt. Rispe 15 bis 30 cm 
lang, zusammengezogen; ihre Aste zu je 2 bis 4; längere Äste 2- 
bis3ährig. Blattscheiden zweischneidig; Halm unten zweischneidig- 
zusammengedrückt, oben stielrund. Blätter kahl, am Rande rauh. 
Hüllspelzen dreinervig, viel kürzer als das Ährchen. Ährchenachse 
behaart. Deckspelze mit starker, schwärzlich-brauner Granne von 
doppelter Spelzenlänge. Blütezeit Juli, August. Höhe 60 bis 120 cm. 
4. Auf quelligen Wiesen des schlesisch-mährischen Gesenkes und 
des östereichischen Hochgebirges. A. planiculmis Seh rader, 
Platthalmiger Hafer. 

b. Ahrchen 2- bis 5 blutig; grün, nicht bunt. Rispe 5 bis 8 cm 
lang, zusammengezogen; Ährchen meist einzeln. Blattscheiden und 
Halm zusammengedrückt, aber nicht zweischneidig. — Im übrigen 
wie die vorige. Blütezeit Juli bis September. Höhe 30 bis 50 cm. 
4. Auf nassem Boden in Wiesen und Waldungen des schlesischen 
Hochgebirges; zerstreut. A. compressa Heuffler, Zusammen- 
gedrückter Hafer. 

Gattung 80: Arrhenatherum Palisot de Beauvais, Wiesenhafer. 
Hierher nur A. (Avena L.) elatius M e r t e n s und Koch, Hoher Wiesenhafer, 
Französisches Raygras. Halm aufrecht oder am Grunde etwas niederliegend, 
glatt. Blattscheiden glatt, gerollt. Blätter flach, lineal-lanzettlich, an den 
Rändern scharf, auf ihrer Oberseite meist mit einzelnen weissen Haaren. 
Rispe zur Blütezeit ausgebreitet, vor- und nachher zusammengezogen, mit 
halbquirlig- angeordneten Ästen. Ährchen mit 2 fruchtbaren Blüten und 



142 Gramineae. 

einem stielartigen Ansätze zu einer dritten Blüte; untere Blüte männlich, 
obere Blüte zwitterig. Ährenspindel am Grunde der Blüten bärtig. Untere 
Hüllspelze einnervig, obere breiter und länger, dreinervig. Deckspelze si eben- 
nervig; an der männlichen Blüte meist mit starker, rückenständiger Granne; 
an der Zwitterblüte meist wehrlos, seltener mit einer kürzeren unter der 
Spitze eingefügten oder endständigen Granne. Spelzen weisslich-grün, meist 
in bräunlich-violett übergehend, silberhäutig-berandet. Fruchtknoten behaart. 
Blütezeit Juni bis August. Höhe 60 bis 125 cm. ^. Auf Wiesen, 
Triften u. s. w. gemein; vielfach angebaut.*) 

Die Abart bullbosum Schlechtendahl, Knolliger Wiesenhafer 
hat einen an seinem Grunde in 2 bis 3 übereinanderliegende Knollen ver- 
dickten Halm. 

Gattung 81: Holcus L., Honiggras. 

Ährchen meist zweiblütig; untere Blüte zwitterig, unbegrannt; obere 
mit rückenständiger Granne, meist männlich. Hüllspelzen fast gleichlang; 
untere einnervig, nur halb so breit als die obere, dreinervige. 

1. Wurzelstock rasig. Blätter auf beiden Seiten weichhaarig. Granne kaum 
oder gar nicht aus den Hüllspelzen hervortretend, zuletzt hakenförmig- 
zurückgebogen. — Rispe vor der Blütezeit spindelförmig-zusammengezogen, 
nachher ausgebreitet. Staubbeutel violett. Blütezeit Juni bis August. 
Höhe 30 bis 50 cm. 4. Auf Wiesen, in Wäldern; durch das ganze 
Gebiet gemein. H. lanatus L., Wolliges Honiggras.**) 

2. Wurzelstock weitkriechend. Obere Blätter und Blattscheiden kahl. Granne 
die Hüllspelzen überragend; anfänglich gerade, später knieformig um- 
gebogen. — Rispe spitz-zulaufend, vor und nach der Blütezeit zusammen- 
gezogen, während derselben ausgebreitet. Staubbeutel violett. Nicht ganz 
selten haben die Ährchen zwei zwitterige und eine männliche Blüte. 
Blütezeit Juli bis August. Höhe 50 bis 100 cm. 4. An feuchten 
Stellen, namentlich in Gebüschen und Wäldern; häufig, aber viel seltener 
als die vorige. H. moUis L., Weiches Honiggras. 

Gattung 82: Aira L., Schmiele, Schmele. 

Die Grenzen zwischen den Gattungen Avena und Aira sind mehrfach 
verschoben worden und dadurch vielfach unsicher; um einen festen Anhalts- 



*) Tafel 64 A. Arrhenatherum elatius Hertens und Koch. A blühende 
Pflanze; A 1 Ährchen; A 2 Same. 1 und 2 vergrössert. 

**) Tafel 64 B. Holcus lanatus L. B blühende Pflanze; B 1 Rispenast; 
B 2 Ährchen; 1 und 2 vergrössert. 



Gramineae. 143 

punkt zu haben, wurde hier die Behaarung (bei Avena) bez. Nichtbehaarung 
(bei Aira) des Frucktknotens als unterscheidendes Merkmal angenommen. 
A. Deckspelze vierzähnig. 

T. Granne der Deckspelze kurz, gerade oder nur ganz wenig einwärts- 
gebogen, am Grunde kaum gedreht (Gattung: Deschampsia Palisot 
de Beauvais). 

1, Wurzelstock dichtrasig. Blätter flach, oberseits sehr rauh. Rispe 
ästig; Äste quirlig, während der Blüte wagrecht abstehend. Hüll- 
spelzen ungefähr gleich lang, untere ein-, obere dreinervig. Älir- 
chen dreiblütig; mit 2 begrannten Zwitterblüten und einer oberen, 
wehrlosen, männlichen oder geschlechtslosen, Blüte. Granne 
borstlich, meist so lang wie die Spelze. Blütenstielchen kurz- 
weiss-seidenhaarig. Blütezeit Juni, Juli. Höhe bis 125 cm. 4. 
In Wiesen, Gräben, Wäldern; gemein. Aira caespitosa L., Rasen- 
förmige Schmiele. 

Die Abart ßheuaua Gmelin, Rheinische Schmiele hat 3 bis 
4 Zwitterblütchen. 

2. Wurzelstock ausläuferbildend. Blätter auf der Oberseite etwas 
rauh. Rispe gestreckt. Granne länger als die Spelze. — Im 
übrigen wie die vorige und auch wohl als Abart derselben an- 
gesehen. Blütezeit Mai. Höhe bis 125 cm. 4. Im Ufersand am 
Unterlauf der Elbe. A. Wiheliana Sonder, Wibels Schmiele. 

IL Granne der Deckspelze weit über die Spelze hervorragend, gekniet und 
nach dem Blühen am Grunde deutlich gedreht. (Avenella Koch.) 

1. Wurzel Ausläufer treibend, faserig. Blätter sehr schmal, flach, 
zuweilen zusammengefaltet, indes nicht gerollt und borstlich, 
Blatthäutchen länglich, verschmälert, zugespitzt. Ährchen zwei- 
blütig; das Stielchen der oberen Blüte ist halb so lang wie die 
Blüte. — Rispe aufrecht. Hüllspelzen fast gleichlang, rauhkielig, 
rotbraun, glänzend -strohgelb -gesäumt. Blütezeit August bis 
September. Höhe 30 bis 60 cm. 4. An sumpfigen und torfigen 
Orten; sehr zerstreut und selten. (A. uliginosa Weihe.) A. (lis- 
color Thuillier, Buntfarbige oder Sumpf-Schmiele.*) 

2. Wurzelstock ohne Ausläufer. Blätter sehr schmal, fast borstlich, 
stielrund-fadenförmig, nicht ausgehöhlt; Blatthäutchen meist kurz, 



*) Tafel 65 A. Aira discolor Thuillier. A blühende Pflanze; A 1 Hüll- 
spelzen (müssten rotbraun sein); A 2 Blütenspelzen. 1 und 2 vergrössert. 



144 Gramineae. 

abgestutzt. Ahrchen zweiblütig; das Stielchen der oberen Blüte 
ist nur den vierten Teil so lang wie die Blüte. — Rispe aus- 
gebreitet, an sonnigen Orten rot angelaufen, vor der Blütezeit 
überhängend, wälirend derselben aufrecht. Hüllspelzen sehr spitz, 
ungleich gross. Deckspelze an ihrer Spitze meist 2- bis 3 zähnig 
(siehe B., IL, b., 1., «.). Blütezeit Juni bis August. Höhe 30 bis 
60 cm. Namentlich in lichten Wäldern; häufig. Aira flexuosa L., 
Geschlängelte Schmiele, Bergschmiele. 
B. Deckspelze 2- (selten 3-) zähnig, zweispitzig oder einfach zugespitzt. 
I. Hüllspelzen 7 — Onervig (Gattung: Tentenata Koeler). 

Rispe sehr schlaff ausgebreitet. — Wurzel faserig, einjährig. 
Ahrchen meist dreiblütig. Deckspelze der untersten Blüte in eine 
Granne zugespitzt; Deckspelze der oberen Blüten an ihrer Spitze 
haarspitzig- zweigrannig und ausserdem noch mit einer rücken- 
ständigen, gekniet-einwärtsgebogenen, an ihrem Grunde gedrehten 
Granne. Blütezeit Juni. Höhe 30 bis 50 cm. Auf sonnigen 
Hügeln und trockenen, steinigen Stellen in mittleren Rheingebiete. 
(Avena tenuis Mönch; Avena dubia Leers; Avena triaristata 
Villain; Ventenata bromoi'des Koeler; Bromus triflorus Pollich; 
Holcus biaristatus Wiggers; Trisetum tenue Roemer und Schultes.) 
A. tenuis Neilr., Zarte Schmiele. 
H. Hüllspelzen ein- bis dreinervig. 

a. Granne aus oder über der Mitte der Deckspelze hervortretend. 
(Gattung: Trisetum Persoon). 
1. Rispe ausgebreitet. 

a. Halm einfach, aufrecht. Blätter flach. Ährchenachse behaart, 
Haare am Grunde der Blüten viel kürzer als die Blüte. — 
Rispe gleichmässig ausgebreitet; längere Aste 5- bis 6-, 
seltener 8 ährig. Ahrchen drei-, selterer vierblütig, glänzend- 
bräunlich-gelb. Hüllspelzen kürzer als das Ahrchen, die Blüten 
nicht völlig einschliessend, obere dreinervig. Deckspelze fünf- 
nervig, an ihrer Spitze mit 2 Haarspitzen und ausserdem mit 
einer langen, geknieten, an ihrem Grunde nicht gedrehten 
Granne. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. (Trise- 
tum flavescens Palisot de Beauvais; Avena flavescens L.) 
A. flavescens, Gelbliche Schmiele.*) 



*) Tafel 65 B. Aira flavescens. B blühende Pflanze; B 1 Ährchen; 
B 2 Ährchenspindel; B 3 Deckspelze. 1 bis 3 vergrössert. 



Granaineae. 145 

ß. Halm an seinem Grunde liegend und wurzelnd, sehr ästig. 
Blätter kurz, steif, schon während der Blütezeit eingerollt. 
Ährchenachse behaart; Haare am Grunde der unteren Blüte 
wenigstens ^3 so lang als die Blüte. Spelzen mit grünem 
Grund, rotbrauner Mitte und durchscheinendem, weissem 
Hautrande. 

a. Haare am Grunde der unteren Blüte wenigstens halb bis 
fast so lang wie die Blüte. Grössere Rispenäste 3- bis 
4 ährig. — Ährchen meist dreiblütig ; beide Hüllspelzen drei- 
nervig, Blütezeit Juli, August. Höhe 15 bis 20 cm. 4. 
Auf Geröll der höheren Alpen. (Avena distichophylla 
Villars.) Aira distichophylla, Zweizeilige Schmiele. 

b. Haare am Grunde der unteren Blüte etwa ^/s so lang wie 
die Blüte. Längere Rispenäste 4- bis 8 ährig. — Im übrigen 
der vorigen gleich und vielleicht nur eine Abart derselben 
(Avena argentea Willdenow.) A.argeutea. Silherschmiele. 

2. Rispe länglich-eiförmig, gedrungen, fast ährenförmig. — Halm 

mit seinem Grunde am Boden liegend, aufsteigend, meist einfach. 

Blätter steif, flach. Ahrchen an den längeren Rispenästen zu 

4 bis 8. 

a. Ahrchen meist dreiblütig. Haare der Ahrenachse sehr kurz. 
Blütezeit Juli, August. Höhe 10 cm. 4. Auf den höchsten 
Alpen. (Avena subspicata Clairville.) A. subspicata L., 
Ährige Schmiele. 

ß. Ahrchen zweiblütig. Haare der Ährchenachse etwa halb so 
lang wie die Blüte. Blütezeit April. Höhe 10 cm. ©. An 
unbebauten Orten im Wallis; selten. (Avena CavaniUesii 
Koch, A. Löfflingiana Cavanilles.) A. CavaniUesii, Cavanilles 
Schmiele. 

b. Granne unterhalb der Mitte der Deckspelze entspringend. Blätter 
borstlich zusammengerollt. (Caryophyllea Koch.) 

1. Rispe ausgebreitet, nicht ährenförmig zusammengezogen. 
a. Die obere Hüllspelze überragt die Deckspelzen etwas, die viel 

kleinere untere nicht. Beide fruchtbare Blüten sind gestielt. 

Hierher in der Regel A. flexuosa L., Geschläugelte 

Schmiele (s. vorhin), 
ß. Beide Hüllspelzen überragen die Deckspelzen bedeutend; 

beide Blüten sind sitzend. 

Thome, Flora. II. Aufl. 10 



146 Gramineae. 

a. Deckspelze beider fruchtbarer Blüten begrannt. — Wurzel 
rasig. Blätter eingerollt, beduftet, nackt, aber an Rand 
und Kiel scharf Rispe vor der Blüte zusammengezogen, 
später abstehend; Aste meist dreigabelig. Ährchen zwei- 
blütig. Deckspelze doppelt-haarspitzig. Blütezeit Juni, 
Juli; Höhe 10 bis 15 cm. 0. Auf Heiden, in Wäldern, 
namentlich auf Sandboden; nicht selten. (Avena caryo- 
phyllea Weber). Aira caryophyllea L., Nelkeiihafer.*) 
}). Nur die Deckspelze der oberen Blüte ist begrannt, die der 
unteren Blüte ist wehrlos. — Im übrigen der vorigen sehr 
ähnlich, gevröhnlich zarter, aber grösser, vielleicht eine 
Abart derselben. Blütezeit Mai. Höhe 15 bis 25 cm. 0. 
An unbebauten Orten; nur im südlichsten Teile des Ge- 
bietes. (Avena capillaris Hertens und Koch.) A. capillaiis 
Host, Haarstielige Schmiele. 
2. Rispe ährenförmig zusammengezogen. Wurzel rasig. Halm 3 
bis 10 cm hoch, aufrecht oder bogig- aufsteigend. Blätter fast 
borstlich, oben rinnig, duftig-grün. Hüllspelzen das ganze Ahr- 
chen, abgesehen von den Grannen, einhüllend. Deckspelze mit 
doppelthaarspitziger Spitze und einer Granne, welche aus dem 
Ährchen fast so lang herausragt als das Ahrchen lang ist. 
Blütezeit April, Mai. 0. (Avena praecox Palisot de Beauvais.) 
A. praecox L., Frühzeitige Schmiele. 

Gattung 83: Koeleria Feisoon, Kammschmiele. 

A. Deckspelze stumpf oder kurz zugespitzt, nicht begrannt. 

I. Alle Blätter sind flach. Die vertrockneten Blattscheiden der grund- 
ständigen Blätter lösen sich nicht in schlängelige Fäden auf. 
1. Untere oder alle Blätter gewimpert; Deckspelze spitz. — Halm ein- 
fach, 30 bis 50 cm hoch. Blätter grasgrün. Rispe länglich, etwas 
lappig an ihrem untern Ende meist etwas unterbrochen. Ahrchen 
2- bis 4 blutig. Hüllspelzen nach ihrer Spitze zu behaart, das Ahr- 
chen nur an seinem Grunde umhüllend, mit grünem oder rotbraunem 
Kiel, sonst, wie auch die Blütenspelzen, silberig-glänzend. Deck- 
spelze dreinervig mit nach der Spitze zu behaartem Mittelnerv. 
Saftschuppen länger als der Fruchtknoten. Blütezeit Juni, Juli. 2|.. 



*) Tafel 66A. Aira caryophyllea L. A blühende Pflanze; A 1 Deckspelze 
vergrössert. 



Gramineae. 147 

Auf trockenen Grasplätzen; häufig. (Aira cristata L.) Köleria 
cristata Persoon, Gemeine Kammschmiele, Kammförmige 
Kölerie.') 

2. Blätter kahl, bläulich-grün. Deckspelze spitz. Ährchen 2- bis 
3 blutig. Der vorigen nahe verwandt und als Abart derselben 
angesehen. Blütezeit Juni, Juli. 4. Auf trockenem Sandboden; 
streckenweise selten. K. glauca DeCandolle, Blaugrüne Kölerie. 
IL Grundständige Blätter zusammengerollt. Die vertrockneten Blattschei- 
den der grundständigen Blätter lösen sich in schlängelige Fäden auf, 
welche den knoUig-verdickten Grund des Halms umschliessen. Rispe 
ährenförmig, sehr gedrungen. Im übrigen den vorigen sehr ähnlich. 
Blütezeit April bis Juni. ^. Höhe 30 bis 50 cm. Auf sonnigen 
Abhängen der Alpen, namentlich im unteren Wallis. K. valesiaca 
Gaudin, Walliser Kölerie. 

B. Deckspelze aus der zweispaltigen Spitze borstlich-begrannt. 

1. Wurzelstock ausdauernd, rasig, blühende und unfruchtbare Köpfe trei- 
bend. Halm bis 30 cm hoch, nach oben zu filzig. Blätter rinnig, 
im trockenen Zustande zusammengerollt. Rispe ährenförmig, eirund - 
länglich. Ährchen 2- bis 3 blutig. Spelzen zottig; Hüllspelzen mit 
violettem Rande. Blütezeit Juli, August. Auf Felsen und Triften der 
höchsten Alpen; selten. K. hirsuta Gaudin, Rauhharige Kölerie. 

2. Wurzelstock einjährig, mehrhalmig, ohne unfi'uchtbare Köpfe. Halm 
20 bis 30 cm hoch. Blätter breit-linealisch, nebst den Blattscheiden 
weichhaarig. Rispe ährenförmig, walzig. Ährchen 4- bis 5 blutig, 
zottig. Blütezeit Mai, Juni. Auf Kulturland in Istrien. K. phleoi'des 
Persoon, Lischgrasartiges Kammgras. 



Gattung 84: Lamarckia Mönch, Lamarckia. 

Hierher nur Lamarckia aurea Mönch, Ooldälirige Lamarckia. Ein- 
jälrrig, handhoch. Blätter flach, lanzettförmig, spitz, kahl, mit an ihrem 
oberen Ende aufgeblasenen Scheiden. Rispe einseitswendig, walzenförmig 
mit wagerecht abstehenden, kahlen Astchen. Ährchen zu mehreren (meist 5) 
auf bärtig-behaartem Stiele beisammenstehend, nur ganz an ihrem Grunde 
von den schmal-lanzettlichen, kurzbegrannten Hüllspelzen umgeben. Die 



*) Tafel 66ß. Koeleria cristata Persoon. B Pflanzenteile in natürlicher 
Grösse. B 1 Teil der Rispe; B 2 einzelnes Ährchen. 1 und 2 vergrössert. 

10* 



148 Gramineae. 

Ährchen sind viel-, 5- und melirblütig, doch ist von diesen Blütchen nur 1, 
oft gar keines fruchtbar, während die anderen bis auf breite, stumpfe 
Spelzen verkümmert sind. Blütezeit Mai, Juni. Auf steinigen Triften und 
Abhängen in Istrien. 

Gattung 85: Danthonia De Candolle, Danthonie. 

Hierher nur D. proviucialis De Candolle, Provence!* Danthonie. 

Wuchs rasig. Halm 15 bis 30 cm hoch. Blätter kahl, an dem oberen 
Rande der Blattscheiden bärtig-behaart; unterste borstlich zusammengerollt. 
Rispe einseitswendig, fast eine einfache Traube bildend. Ährchen 3- bis 
6 blutig; die unteren 3 bis 4, selbst 5 Blütchen sind zwitterig und begrannt.. 
Deckspelze zweispitzig, in dem Ausschnitte eine an ihrem Grunde breite, 
gedrehte und gekniete Granne tragend. Blütezeit Juni, Juli. 4. Auf 
Waldwiesen im südlichen Teile des Gebietes. 



Gattung 86: Sieglingia Bernhard!, Sieglingia. 

Hierher nur (Triodia decumbens Palisot de Beauvais, Danthonia decumbens 
De Candolle) Sieglingia decumbens Bernhardi, Niederliegende Sieg- 
lingie, Niederliegender Dreizahn. Dichtrasig. Halme niederliegend, 
oder während der Blütezeit mit ihrem oberen Teile aufsteigend, 15 bis 
30 cm lang. Blätter flach, an ihrem Grunde, wie auch die Blattscheiden, 
dünn und weich-behaart. Rispe kleintraubig. Ährchen mit bärtig-behaarter, 
gegliederter Achse; mit 3 bis 5 Blütchen, von denen das oberste unfrucht- 
bar ist. Hüllspelzen 3- bis 5 nervig, etwa so lang wie das Ährchen, mit 
scharfem Rücken. Deckspelze vielnervig, an ihrem Grunde bärtig-behaart, 
an ihrer Spitze zweizähnig- ausgerandet und in der Ausrandung stachel- 
spitzig (dreizähnig). Blütezeit Juni, Juli. 4. Auf trockenen Wiesen und 
Triften, Waldrändern und Waldlichtungen, durch das ganze Gebiet.*) 



Gattung 87: Melica L., Perlgras. 

A. Deckspelze spitz, am Rande vom Grunde bis zur Spitze dicht und lang- 
zottig gewimpert. Rispe dicht-ährenförmig, allseitswendig, dichtrasig. 
Halm aufrecht, unter der Rispe schärflich. Blätter linealisch, sehr, 



*) Tafel 67. Sieglingia decumbens Bernhardi. A Teile der blühenden 
Pflanze. 1 Blattscheide mit Haarbüschel: 2 Ährchen; 3 Hüllspelze der Frucht; 4 Frucht- 
ährchen. 1 bis 4 vergi'össert. 



Gramineae. 149 

spitz, fast borstlich, am Rande scharf, auf der Oberseite dünn-behaart. 
Untere Blattscheiden behaart. Ahrchen zwei blutig, mit einer fruchtbaren 
und einer unfruchtbaren Blüte. Hüllspelzen etwas bauchig, ungleich; 
obere lanzettlich, zugespitzt, rauh punktiert, untere viel kleiner, länglich- 
eiförmig, plötzlich zugespitzt. Die Rispe wird nach der Blüte durch die 
fortwachsenden Wimpern der Deckspelze zottig-seidenhaarig. Blütezeit 
Mai und Juni. Höhe 60 bis 120 cm. 4. Melica ciliata L., be- 
wimpertes Perlgras.*) 

Eine Abart mit borstlich-gestalteten Blättern, kahlen Blattscheiden 
und lockeren, zuletzt einseitswendigen Rispen ist M. iielbrodeiisis Par- 
latore, Siciliauisches Perlgras. 

B. Deckspelzen stumpf, nicht am ganzen Rande dicht und lang-zottig ge- 
Avimpert. 

I. Deckspelze am Rande vom Grunde bis über die Mitte hinaus ein 
wenig gewimpert. Rispe locker, fast einseitswendig. Ahrchen 3blütig. 
Blütezeit Juni. 4. Auf Felsen in Istrien. M. Baiihiiii Allioni, 
BauMns Perlgras. 

n. Deckspelze kahl. 

1. Ährchen in lockerer, einseits wendiger Traube, nickend oder hän- 
gend, mit 2 Zwitterblütchen. Blatthäutchen zugespitzt. — Halm 
aus liegendem Grunde aufrecht, 30 bis 60 cm lang. Hüllspelzen 
stumpf. Deckspelze mit trockenhäutiger, ungeteilter Spitze; Vor- 
spelze stumpf, 2zähnig. Blütezeit Mai, Juni. 4. In Laubwäldern, 
namentlich der Gebirgsgegenden; durch das ganze Gebiet zerstreut. 
M. nutans L., Nickendes Perlgras.**) 

2. Ährchen, in schlaffer, einseitswendiger Rispe, aufrecht, mit nur 
einer Zwitterblüte. Blätter sowie die kantigen Blattscheiden rauh. 
Blatthäutchen an der der Blattfläche gegenüberliegenden Seite in 
einen 7 bis 9 mm langen, zungenförmigen Zipfel ausgewachsen. 
— Hüllspelzen kurz zugespitzt, rotbraun, mitunter trockenrandig. 
Deckspelze an ihrer Spitze nicht trockenhäutig. Blütezeit Mai, 
Juni. Höhe 30 cm. 4. In schattigen Laubwäldern, durch das ganze 
Gebiet zerstreut. M. uiiiflora Retzius, Einblütiges Perlgras.***) 



*) Tafel 68 A. Melica ciliata L. Blühende Pflanze. 
**j Tafel 68 B. Melica nutans L. Blühende Pflanze. B 1 Ahrchen; B 2 un- 
fruchtbare Blüte. 1 und 2 vergrössert. 

***l Tafel 68 C. Melica uniflora Retzius. Blühende Pflanze. 



150 Gramineae. 

Sechste Gruppe: 
Agrostideae, Windhalmgräser. 

Ahrchen fast stets einblütig. 

A. Hüllspelzen lang begrannt oder pfriemlich-grannenartig. 

1. Hüllspelzen viel länger als die Blüte, länglich oder schmal-lineal- 
lanzettlich, an ihrer Spitze begrannt. Deckspelze mit einer unterhalb 
ihrer gezähnten Spitze entspringenden Granne. Gattung 88: Poly- 
pogon Desfontaines, Bürstengras. 

2. Hüllspelzen länger als die Blüte, pfriemenförmig, fast nur eine Granne 
darstellend, mit abstehenden Wollhaaren besetzt und so federartig 
aussehend. Deckspelze an ihrer Spitze ausgeschnitten, mit 2 end- 
ständigen, geraden und mit einer rückenständigen, geknieten, sehr 
langen Granne. Gattung 89: Laguriis L., Haseiiscliwauzgras. 

B. Hüllspelzen nicht lang begrannt (wenngleich zuweilen pfriemlich-zu- 
gespitzt). 

A. Ährchenachse am Grunde der Deckspelze mit Haaren besetzt, welche 
meist länger oder so lang als die Spelze sind, mindestens aber ^l^ 
von deren Länge erreichen. Halm hoch, meist rohrartig. 

a. Die untere Hüllspelze ist länger als die obere; beide sind spitz 

und bedeutend länger als die Deckspelze. Rispe halb offen. 

Gattung 90: Calamagrostis Adanson, Schilfgras, Reithgras. 
ß. Die untere Hüllspelze ist kürzer als die obere; 1)eide sind spitz 

und nur wenig länger als die Deckspelze. Rispe ährenförmig. 

Gattung 91: Ammophila Host, Samlhalm. 

B. Ährchenachse am Grunde der Deckspelze mit ganz kurzen Haaren 
besetzt oder nackt. 

a. Die untere Hüllspelze ist länger als die obere, beide sind viel 
kürzer als die von ihnen umschlossene Blüte. 

1. Die Hüllspelzen sind spitz und gekielt; die Ährenachse ist 
am Grunde der Deckspelze von kurzen Haaren umgeben. 
Gattung 92: Agrostis L., Windhalm. 

2. Die Hüllspelzen sind an ihrem Grunde bauchig aufgedunsen; 
der Grund der Deckspelze ist nicht von Haaren umgeben. 
Gattung93: Gastridium Palisot de Beauvais, Nissengras. 

ß. Die untere Hüllspelze ist kürzer als die obere; letztere ist etwa 
so lang wie die Blütchen. Die Deckspelze ist fünfnervig, lang- 
begrannt. Gattung 94: Apera Adanson, Windfahne. 



Gramineae. 151 

Gattung 88: Polypogon Desfontaines, Bürstengras. 

1. Einjährig. Hüllspelzen länglich, an ihrer Spitze ausgeschnitten und in 
dem Ausschnitte mit einer Granne, welche länger als die Spelze ist. Deck- 
spelze gezähnelt, unter der Spitze begrannt. — Rispe ährenartig, ge- 
drungen-gelappt (schweifartig). Ährchen einblütig. Blütezeit Mai, Juni. 
Im Gebiete des adriatischen Meeres; bei Freiburg in der Schweiz und 
auch sonst wohl nur verschleppt. P. monspeliensis Desfontaines, 
Mömpelgarder Bürstengras. 

2. Ausdauernd. Hüllspelzen am Kiel bewimpert, schmal-lineal-lanzettlich, 
aus der Spitze begrannt; Granne kürzer als die Spelze. Deckspelze zwei- 
zähnig, unter der Spitze begrannt. — Rispe ährenartig, gelappt, fast 
locker. Ährchen einblütig. Blütezeit Juli, August. An den Küsten des 
adriatischen Meeres. P. littoralis Smith, Küsten-Bürstengras. 

Gattung 89: Lagurus L., Hasenschwanzgras. 
Hierher nur Lagurus ovatus L., Eiförmiges Hasenschwanzgras, 

Sammtgras. Einjährig. 30 bis 50 cm hoch. Blätter flach, lineal, nebst 
den Scheiden behaart. Risjje gedrungen-eiförmig, zottig und daher schweif- 
artig. Blüte mit einer stielartigen Andeutung einer zweiten Blüte. Ährchen 
in die zarte Wolle der Hüllspelzen eingehüllt, aus welcher nur die Rücken- 
grannen der Deckspelzen hervorragen. Blütezeit Juni, -Juli. Aus Südeuropa 
bisweilen in den südlichen Teil des Gebietes verschleppt; mitunter zu 
Winterbouquets angebaut.*) 

Gattung 90: Calamagrostis Adanson, Schilfgras, Reithgras. 

Hüllspelzen spitz, untere länger als die obere, beide länger als die 
Deckspelzen; letztere sind an ihrem Grunde rings von Haaren umgeben, 
welche, wenigsten nach der Blüte, länger sind als die Spelze breit ist. 
A. Ährchen einblütig; eine Andeutung einer zweiten Blüte (ein behaartes 
Stielchen) ist nicht vorhanden. (Epigeios Koch.) 
I. Die Granne der Deckspelze tritt aus der Spitze der Spelze hervor, 
a. Die Granne der Deckspelze entspringt in der zweizähnig-ausge- 
schnittenen Spitze der Spelze und ist nur wenig länger als die 
Seitenspitzen; sie ist viel weniger lang als die halbe Spelze. — 
Wurzelstock ausdauernd, ausläuferartig-kriechend. Halm rohrartig, 
t)0 bis 125 cm hoch. Blätter bandartig, schmal, grasgrün, nach 
der Blüte sich zusammenrollend. Rispe abstehend; untere Äste zu 
mehreren im Halbwirtel. Hüllspelzen schmal-lanzettlich, zugespitzt, 



*) Tafel 69 A. Lagurus ovatus L. A blühende Pflanze; A 1 Ährchen, am 
Grunde die beiden behaarten, noch nicht voll entwickelten Hüllspelzen, vergrössert. 



X52 Gramineae. 

braunrot, mit weissliäutigem Rande und grünlichem Rücken, fast 
doppelt so lang wie die Vorspelze. Die Haare an dem Grunde 
der Spelzen sind länger als die Blütenspelzen. Blütezeit Juli 
August. In feuchten Wiesen, Gräben und Gebüschen, durch das 
ganze Gebiet zerstreut und mancherorts häufig. Calamagrostis 
lanceolata Roth, Lanzettliches Schilfgras. 

b. Die Granne der Deckspelze ist so lang oder länger als die Hälfte 
der Spelze, sie entspringt in der zweizähnig-ausgeschnittenen, 
seltener aus der gezähnelten Spitze. Im übrigen der vorigen 
durchaus ähnlich; doch ist die Rispe nur zur Blütezeit ausgebreitet. 
Hüllspelzen purpurbraun, seltener bleich. Blütezeit Juli, August. 
Höhe 60 bis 100 cm. 4. An Ufern; sehr zerstreut. C. littorea 
De Candolle, Ufer-Schilfgras. 
IL Granne auf dem Rücken der Deckspelze eingefügt, oft felilend. 

a. Haare am Grunde der Blütenspelzen länger als diese. 

1. Rispe steif-aufrecht, gedrungen, wenig geöffnet, auch während 
der Blüte lappig-geknäuelt. Die Granne der Deckspelze ent- 
springt etwa in der Mitte von deren Rücken. — Wurzelstock 
ausläufertreibend. Halm 75 bis (auf feuchtem Boden) 150 cm 
hoch, unter der Rispe sehr rauh, Blätter grau-grün, lineal- 
lanzettlich, schilfartig, stumpf, am Rande sehr rauh. Hüllspelzen 
lanzettlich, pfriemlich zugespitzt, rotbraun, oder grün und violett 
angelaufen. Blütezeit Juli, August. 4. Auf Sandboden in Wäl- 
dern und an Ufern. Durch das ganze Gebiet verbreitet, mancher- 
orts gemein. C. epigeios Roth, laiid-Schilfgras.*) 

Eine Abart, deren HüUspelzen grün mit nur schmalfarbigem 
Rande sind, ist C. Hühueriana Reichenbach, Hühners 
Schilfgras. Ganz grüne Hüllspelzen hat C. glauca Reichen- 
bach, Blaugrüne Segge. 

2. Rispe locker, sparrig- abstehend, auch während der Blütezeit 
gleichmässig ausgebreitet. Die Granne entspringt unterhalb der 
Mitte des Rückens der Deckspelze. — Im übrigen wie vorige. 
Blütezeit Juli, August. 4, Höhe 60 bis 100 cm. In waldigen, 
feuchten, moorigen Gegenden; sehr zerstreut. C. Halleriaua 
De Candolle, Hallers Schilfgras. 

Eine Abart mit aufrechter Rispe ist C. phragmitoides 
Hartmann, Rohrartiges Schilfgras. 



*) Tafel 69 B. (Jalamagrostis epigeios Roth. B Teile der blühenden Pflanze ; 
B 1 Ährchen; B 2 Blütenspelzen. 1 und 2 vergrössert. 



Gramineae. 153 

b. Haare am Grunde der Blütenspelzen kürzer als diese. 

1. Rispe ausgebreitet. Haare am Grunde der Blütenspelzen lialb 
so lang wie die Deckspelze. — Wurzelstock kriechend. Halm 
30 bis 50 cm lang. Ährclien violett-bunt. Hüllspelzen lanzett- 
lich-spitz, doppelt so lang wie die dünn-weisshäutige, meist 
wehrlose, seltner auf der Mitte des Rückens begrannte Deck- 
spelze. Blütezeit Juli, August. 4. Auf Triften und in Wäldern 
der Alpen. Calamagrostis tenella Host, Zartes Scliilfgras. 

2. Rispe steif-aufrecht, nach der Blüte zusammengezogen oder 
wenig abstehend. Haare am Grunde der Blütenspelzen länger 
als die Hälfte der Spelze. — Halm einfach oder verästelt, 25 bis 
125 cm hoch. Blütenspelzen schmal-lanzettlich, zugespitzt, fast 
einander gleich lang. Blütezeit Juli. 4. (C. silvatica x lanceo- 
lata und C. arundinacea x lanceolata Heidenreich; C. Halleriana 
var. Heidenreichii Ascherson.) C. Hartmaniana Fries, Hartmans 
Schilfgras 

B. Die Ahrchen haben einen stielartigen Ansatz zu einer zweiten Blüte 
(Deyeuxia Palisot de Beauvais). 

I. Granne gerade, unterhalb der Mitte des Rückens der Deckspelze ent- 
springend, meist nicht über die Hüllspelzen hervorragend. — Halm 
steif, scharf, 60 bis 160 cm hoch. Rispe steif, schmal, abstehend. 
Hüllspelzen sehr spitz, einnervig, violett-bunt, an Rand und Kiel durch 
steife Härchen scharf. Deckspelze gestutzt, gezähnelt, rotbraun ge- 
streift. Haare am Grunde der Blütenspelzen etwas kürzer als die 
Deckspelze. Blütezeit Juli, August. 4. Auf feuchten, moorigen 
Wiesen; selten; fast nur im nördlichen Teile des Gebietes. (C. stricta 
Nuttall.) C. neglecta Fries, Yeruachlässigtes Schilfgras. 
n. Granne gekniet, nahe über dem Grunde der Deckspelze eingefügt, bis 
zur[Mitte mit der Spelze verwachsen, aus den Hüllspelzen hervorragend. 
1. Die Haare am Grunde der Blütenspelzen sind wenigstens halb so 
lang wie die Spelzen. — Halm unten glatt, nach oben zu mehr 
oder weniger rauh. Blätter am Rande rauh. Rispe länglich, 
geöffeet-abstehend, etwas lappig. Hüllspelzen fast einander gleich 
lang, zugespitzt, gelb oder grünhch, violett angelaufen. Die Granne 
der Deckspelze ist bis zur Mitte der Spelze mit dieser verwachsen. 
Blütezeit Juli,^ August. 4. Höhe 30 bis 100 cm. In Gebirgs- 
wäldern; selten. (C. montanaHost.) C. varia Link, Buntes Schilf gras. 
Eine grössere Abart mit schmalen, pfriemlichen, zugespitzten 
Hüllspelzen ist (C. arundinacea x epigeios Heidenreich) C. acutiflora 
De Candolle, Spitzblütiges Schilfgras. 



154 Grramineae. 

2. Die Haare der Blütenspelzen sind nur den vierten Teil so lang wie 
die Spelzen. — Halm rauh. Blätter am Rande rauh, auf der Ober- 
seite etwas beduftet, unterseits hellgrün. Rispe schmal, schlaff^ nur 
zur Blütezeit geöffnet, vor und nachher zusammengezogen, untere 
Äste quirlförmig. Äussere Hüllspelze einnervig, etwas länger als 
die innere dreinervige, beide zugespitzt. Blütezeit Juli, August. 4- 
Höhe 60 bis 120 cm. In Waldungen nicht selten; durch das 
ganze Gebiet zerstreut. (C. silvatica De Candolle, Deyeuxia silvatica 
Kunth.) Calaniagrostis arundinacea Roth, Gremeines Sehilfgras. 

Gattung 91: Ammophila Host, Sandhalm. 

1. Haare am Grunde der Blütenspelzen ein Drittel bis ein Viertel so lang 
wie die Spelzen. Hüllspelzen strohgelb mit grünlichem, gewimpertem 
Kiele. Ganze Pflanze grünlichweiss. — Wurzelstock ausläuferartig- 
kriechend. Halm steif-aufrecht, bis über 1 m hoch. Blätter schmal, 
eingerollt. Rispe ährenförmig, walzlich, nach der Spitze zu etwas ver- 
schmälert, sehr gedrungenblütig. Hüllspelzen lineal-lanzettlich, spitz, 
wie auch die Blütenspelzen unbegrannt. Blütezeit Juli, August. 4. 
An den Küsten von Nord- und Ostsee; selten auf Sandfeldern im nörd- 
lichen Teile des Gebietes. (Arundo arenaria L., Psamma arenaria Roemer 
und Schultes.) A. arenaria Link, Gemeiner Santlhalm, Strandhafer.*) 

2. Haare am Grunde der Blütenspelzen halb so lang wie die Spelzen 
Hüllspelzen etwas violett, mit kurz-borstigem Kiele, lanzettlich, in 
eine pfriemliche Spitze zugespitzt. Rispe lanzettlich, nach der Spitze 
zu stark verschmälert. — Sonst wie vorige. Blütezeit Juli, August. 
4. An der Nordseeküste bei Bremen und in Holstein, desgleichen an 
der Ostseeküste; seltner wie vorige. Da sie nie Früchte bringt, wird 
sie für einen Bastard zwischen der vorigen und dem Land -Schilf grase 
gehalten. (Ammophila arenaria x Calamagrostis epigeios.) A. haltica 
Link, Ostsee-Sandhalm. 

Gattung 92: Agrostis L., Windhalm. 

A. Alle Blätter sind flach. Eine deutlich ausgebildete Vorspelze ist stets 

vorhanden. 

1. Blatthäutchen länglich. — Wurzelstock weithin kriechend. Halme 
ganz aufrecht oder an den unteren Knoten etwas gebogen. Rispe 
länglich-kegelförmig, mit halbquirlig stehenden, rauhen Ästen; wäh- 



*) Tafel 70A. Ammophila arenaria Link. A Teile der blühenden Pflanze 
(diese müssten mehr grünlichsweiss sein); A 1 Teil der Rispe; A 2 Vorspelze mit 
den Haaren an ihrem Grunde ; A 3 Blütchen. 1 bis 3 vergrössert. 



Gramineae. 155 

rend der Blüte ausgebreitet, nach derselben etwas zusammengezogen. 
Ahrchen einblütig, meist bleich-grün, doch auch rot bis blauviolett 
angelaufen. Hüllspelzen einander ziemlich gleich, länglich-lanzettlich, 
spitz, mit scharfhaarigem Eäele. Deckspelze weiss, lanzettlich, spitz, 
zuweilen unter der Spitze begrannt, grösser als die zweispitzige Vor- 
spelze. Blütezeit Juni, Juli. 4. Höhe 30 bis 60 cm. In Wiesen, 
Wäldern, auf unfruchtbaren, feuchten Orten, an Ufern; durch das 
ganze Gebiet gemein. (A. stolonifera Koch.) Agrostis alba L., Fiorin- 
gras, Weisslicher Windhalm. 

Veränderliche Pflanze; Hauptformen sind: 

a. A. gigantea Gaudin, Rieseii-Fioringras. Halm grösser, bis 
125 cm hoch; Rispe sehr* reichblütig; Ahrchen meist begrannt. 

ß. var. stolonifera E. Meyer, Auslänf ertreibendes Fioringras. 

(A. pauciflora Schrader; A. patula Gaudin; var. prorepens Koch.) 
Halm niederliegend, kriechend; Rispe dicht gedrungen, meist 
dunkel-gefärbt. 
y. var. maritima G. F. W. Meyer, Meerstrands-Fioringras. 
Halm aufsteigend; Blätter steif, bläulich-grau; Rispe gedrängt. 
2. Blatthäutchen sehr kurz abgestutzt. — Ausläufer fehlend. Halm auf- 
steigend oder aufrecht, zart, glatt, an den untersten Knoten oft 
wurzelnd oder ästig. Blätter flach, in der Knospe gerollt. Rispe 
während der Blüte eiförmig, mit gespreizten Asten, nach der Blüte 
nicht ganz zusammengezogen; in der Regel violett; Aste in viel- 
armigen Quirlen. Kelchspelzen fast immer unbegrannt. Blütezeit 
Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Auf Wiesen und Triften, an 
Wegerändern; gemein. (A. stolonifera L.) A. vulgaris Withering, 
Gemeines Straussgras. 

Eine Abänderung mit kriechenden Ausläufern ist var. stolonifera 
G. F. W. Meyer, Ausläufertreibendes Straussgras. 
B. Untere Blätter borstlich-zusammengefaltet. Vorspelze fehlend oder sehr 
klein. 
I. Rispen äste und Blütenstielchen rauh. 

1. Deckspelze unter der Mitte des Rückens begramit, an ihrer Spitze 
fein-gekerbt. — Wurzel faserig, rasig. Wurzelstock klein, mitunter 
kriechend. Halme glatt. Untere Blätter sehr fein und schmal, 
borstlich; Halmblätter flach, in der Knospe gefaltet. Blatthäutchen 
länglich. Rispe eiförmig, ausgebreitet, nach der Blüte zusammen- 
gezogen. Hüllspelzen spitz. Granne gekniet. Blütezeit Juni bis 
August. 4- Höhe 30 bis 60 cm. Auf feuchten, sumpfigen oder 



156 Gramineae. 

moorigen Wiesen; meist nicht selten. Agrostis cauina L., 

Hunds- Wiiidhalm.*) 
Besondere Formen sind: 

a. mutica Gaudi n, Unbegrannter Hunds- Windhalm; Deck- 
spelze unbegrannt. 

ß. pudica Doli, Geradgranniger Hunds- Windhalni; Granne 
gekniet, klein. 

y. hylbrida Gaudin, Unechter Hunds- Windlialm; niedriger, 
mit grösseren Ährclien; in der Schweiz. 

2. Deckspelze am Grunde begrannt, am Ende kurz-zweiborstig. — 
Grundständige Blätter schopfig; jüngste glatt, ältere gerollt. Blatt- 
häutchen länglich. Rispe abstehend, nach der Blütezeit zusammen- 
gezogen. Äste scharf. Blütezeit Juli, August. 4- Höhe 10 bis 
30 cm. Auf Wiesen und Weiden der höheren Gebirge, nament- 
lich der Alpen. A. alpina Scopoli, Alpen- Windhalm. 
IL Rispenäste und Blütenstielchen glatt. Deckspelze an ihrer Spitze fein- 
gekerbt, mit einer unterhalb der Mitte des Rückens hevortretenden 
Granne. Im übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Juli, August. 
Höhe 10 bis 15 cm. 4. Auf steinigen Grasplätzen der höheren 
Gebirge, namentlich der Alpen. A. rupestris Allioni, Felsen- 
Windhalm. 

Gattung 93: Gastridium Palisot de Beauvais, Nissengras. 
Hierher nur Gastridium leudigerum Gaudin, Nisseugras. Einjährig. 
Wurzel faserig. Halm glatt, 20 bis 50 cm lang. Blätter flach. Rispe 
lang und schmal, lappig. Ährchen einblütig. Hüllspelzen am Grunde 
bauchig, nach ihrer Spitze zu zusammengepresst, spitz, etwa dreimal so 
lang wie die Blütenspelzen. Deckspelze gewölbt, unter ihrer gezähnelten 
Spitze eine anfangs gerade, später knieförmig-gebogene Granne tragend. 
Blütezeit Mai, Juni. Auf Ackern bei Genf und in Südkrain. 

Gattung 94: Apera Adauson, Windfahne. 
1. Rispe gross, vor der Blüte weit ausgebreitet, nachher zusammengezogen. 
Staubbeutel lineal-läuglich. — Halm gerade-aufsteigend oder an den 
unteren Knoten knieförmig-gebogen und aufsteigend, glatt und kahl. Blätter 
flach, schmal, auf beiden Seiten und am Rande etwas scharf Blatthäutchen 
ziemlich lang, spitz, später mehr geschlitzt. Untere Rispenäste zu vielen 



*) Tafel 70b. Agrostis canina L. B blühende Pflanze; B 1 Ährchen; B 2 
Deckspelze. 1 und 2 vergrössert. 



Gramineae. 

quirlig und halbquirlig gestellt. Ahrchen länglich-lineal, einblütig, gelb- 
lich-grün oder braunrot angelaufen. Hüllspelzen lanzettlich, spitz, un- 
gleich gross. Deckspelze länglich-lanzettlich, unter der spitzen Spitze 
begrannt. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. 0. Namentlich 
auf Sandboden; gemein. (Agrostis Spica venti L.) Apera spica veuti 
Palisot de Beauvais, Oemeine Wiudfahue; Ziere."^) 
2. Rispe schmal, linealisch, zusammengezogen. Staubbeutel rundlich -eiförmig. 
Sonst wie vorige. An sandigen und unfruchtbaren Orten; selten. Blüte- 
zeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. ©. A. iuterrupta Palisot de 
Beauvais, Unterbrochene Windfahne. 



Siebente Gruppe: 

Alopecuroideae, Fuchsschwanzgräser. 

A. Die Ahrchen stehen abwechselnd-zweizeihg, fast einseitswendig in einer 
einfachen Ähre. Die Hüllspelzen haben einen abgerundeten Rücken 
und eine gezähnelte Spitze. Gattung 95: Chamagrostis Bork hausen, 
Zwerggras. 

B. Die Ahrchen stehen in ährenförmigen Rispen. Die Hüllspelzen sind 
gekielt. 

a. Die Hüllspelzen sind am Grunde miteinander verwachsen. Yorspelze 
und Saftschuppen fehlen (selten ist die Vorspelze vorhanden, dann 
ist sie dünnhäutig, lanzettlich und von der Deckspelze eingeschlossen). 
Gattung 96: Alopecurus L., Fuchsschwanz. 

b. Die Hüllspelzen sind an ihrem Grunde nicht miteinander verwachsen. 
Die Vorspelze ist stets vorhanden; die Saftschuppen fehlen mitunter. 

1. Die Hüllspelzen sind viel gi'össer als die Blüte und hüllen diese 
völlig ein. Gattung 97: Phleum L., Lieschgras. 

2. Die Hüllspelzen sind kürzer als die Blüte, so dass diese aus deren 
Spitze hervortritt. Gattung 98: Crypsis Alton, Dornengras. 

Gattung 95: Chämagrostis Borkhausen, Zwerggras. 

Hierher nur (Agrostis minima L. ; Sturmia minima Hoppe; Mibora 
vema Palisot de Beauvais) Chämagrostis minima Borkhausen, Rötliches 
Zwerggras, ein kleines, einjähriges, 3 bis 8 cm hohes Gras. Wuchs rasig. 
Blätter flach in der Knospenlage gefaltet. Ahrchen in einer einfachen, 



*) Tafel 71A. Apera Spica venti Palisot de Beauvais. A Teile der blühen- 
den Pflanze; A 1 Teile der Rispe; vergrössert. 



158 Gramineae. 

linealischen, einseitswendigen Ähre mit welliger Spindel, rötlich oder violett, 
einblütig. Deckspelze stumpf, länger als die Blüte. Blütezeit März, 
April. Auf sandigen Ackern. Sehr selten.*) 

Gattung 96: Alopecurus L., Fuchsschwanz. 

A. Hüllspelzen bis zur Mitte oder nahe der Mitte miteinander verwachsen. 
I. Scheide des obersten Halmblattes weit schlauchartig-aufgeblasen. Halm 
an seinem Grunde gekniet, aufstrebend, selten aufrecht. — Rispe 
eiförmig-länglich. Astchen vier- bis zweiährig. Hüllspelzen in der 
Mitte etwas aufgeblasen. Deckspelze an ihrem Grunde mit aufrechter, 
zuletzt geknieter Granne von doppelter Spelzenlänge. Blütezeit Mai, 
Juni. Länge 15 bis 20 cm. 0. Auf Wiesen im westlichen und 
südlichen Teil des Gebietes. A. utriculatus Persoon, Schlauch- 
scheidiger Fuchsschwanz. 
IL Scheide des obersten Halmblattes nicht schlauchartig-aufgeblasen. 
Halm aufrecht. 

A. Rispenäste mit 4 bis 6 Ahrchen. Hüllspelzen nicht ganz bis zur 
Mitte miteinander verwachsen, zottig-gewimpert. 
a. Der Wurzelstock liegt schief im Boden; er kriecht wenig oder 
gar nicht. Die Spitzen der weichhaarigen, an ihrem Kiel zottig- 
gewimperten Hüllspelzen sind gerade ausgestreckt oder sie neigen 
sich einander zu; sie sind nicht nach aussen gekrümmt. Die 
Deckspelze trägt, über ihrem Grunde eingefügt, eine Granne 
von doppelter Spelzenlänge. — Blätter breit. Blütenschweif 
dick, walzenförmig, an den Enden stumpf, nach der Blüte grün- 
lich-weiss oder schwärzlich. Staubbeutel violett, später rotgelb. 
Blütezeit Mai, Juni. 4. Höhe 60 bis 100 cm. Auf Wiesen 
gemein, A. pratensis A., Wiesen-Fuchsschwanz.**) 
ß. Wurzelstock weit kriechend. Die Spitzen der nur wenig ge- 
wimperten Hüllspelzen sind stachelspitzig, nach aussen gekrümmt. 
Deckspelze ungefähr in ihrer Mitte begrannt. — Der vorigen 
sehr ähnlich und für eine Abart derselben angesehen. Staub- 
beutel gelb. Blütenschweif schwärzlich. Blütezeit Mai, Juni. 
Höhe 60 bis 125 cm. 4. Auf Wiesen, namentlich auf salz- 



*) Tafel 71B. Chamagrostis minima Borkhausen. B Pflanze; B 1 Ähre; 
B 2 Ährchen; B 3 Ährchen ohne Hüllspelzen. 1 bis 3 vergrössert. 

**) Tafel 76A. Alopecurus pratensis L. A blühende Pflanze; AI Teil der 
Rispe; A 2 Blühendes Ährchen; A 3 Deckspelze; A 4 Blüte ohne Spelzen. 1 bis 4 
vergrössert. 



Gramineae. 159 

lialtigem Boden in den Ostseeprovinzen. (A. ruthenicus Wein- 
mann, A. nigricans Hornemann.) Alopecuriis arundiuaceus 
Poiret, Rohrartiger Fuchsschwanz. 

B. Rispenäste ein- bis' zweiälirig. Hüllspelzen bis zur Mitte ver- 
wachsen, an ihrem Kiele schmal geflügelt und sehr kurz-borstig- 
gewimpert. — Wurzel faserig. Blütenschweif nach den Enden zu 
verschmälert, weisslich-grün oder violett-angelaufen. Deckspelze 
fünfnervig, etwas unter der Mitte ihres Rückens eine gekniete 
Granne tragend. Vorspelze fehlt. Blütezeit Juni, Juli. ©. Höhe 
30 bis 50 cm. Im westlichen und südlichen Teile des Gebietes 
häufig, weniger in Nord- und Mitteldeutschland. A. Agrestis L., 
Acker-Fuchsschwanz. 
B. Hüllspelzen nur ganz an ihrem Grunde miteinander verwachsen (bei 
A. pratensis x geniculatus Wichura oft bis zu ein Drittel ihrer Länge). 
— Halm aus geknietem oder liegenden Grunde aufstrebend. 

a. Deckspelze stumpf, aus ihrer Mitte kurz-begrannt. Ährchen länglich. 
Staubbeutel orange. Halm an seinem Grunde gekniet, nicht liegend 
und nicht wurzelnd; wie die Blätter weisslich-grün; der am Boden 
liegende Teil oft violett. Blütenschweif zugespitzt. Blütezeit Mai bis 
August. Höhe bis 30 cm. ©. An Gräben, Teichen, auf feuchten 
Wiesen, häufig. A. fulvus Smith, Rotgelher Fuchsschwanz. 

b. Deckspelze spitz, unter ihi-er Mitte eine Granne von fast doppelter 
Spelzenlänge tragend. Staubbeutel gelblich-weiss, rostgelb, abwelkend. 
Halm an seinem Grunde liegend und auf feuchtem Boden wurzelnd; 
vvie die Blätter duftig-grün. Blütenschweif walzenförmig, nicht zuge- 
spitzt. Blütezeit Mai bis August. Höhe bis 30 cm. 0. An Gräben, 
Teichen, auf feuchten Wiesen; häufig; mit voriger, mit der sie viel- 
leicht nur eine Art bildet. A. geniculatus L., Geknieter Fuchs- 
schwanz.*) 

Die Abart hulhosus Karsten ist am Grunde ihres Halms 
knollig verdickt. 

Sie bildet mit dem Wiesen-Fuchsschwanz einen Bastard A. pra- 
tensis X geniculatus Wichura (A. hybridus Wimmer); Hüllspelzen 
oft bis zu ein Drittel ihrer Länge miteinander verwachsen, am 
Rücken zottig-gewimpert, stumpf, schief abgestutzt. Deckspelze über 
dem Grunde mit schiefer oder schwach-geknieter, stumpfer Granne. 
In Schlesien, Pommern, bei Bremen. 



*) Tafel 72B. Alopecurus geniculatus L. B blühende Pflanze B 1 Ährchen; 
B 2 Deckspelze. 1 und 2 vergrössert. 



\QQ Gramineae. 

Gattung 97: Phleum L., Lieschgras. 

A. Deckspelze fünfnervig, obere abgestutzt (Achnodon Link). Halm sehr 
glatt, dünn, bis 30 cm hoch. Rispe lang-Avalzenförmig, etwas zugespitzt. 
Hüllspelzen am Rücken lialbmondförmig gekrümmt, kurz-stachelspitzig, 
kahl, sehr fein-knotig-rauh. Blütezeit -Juni. 0. Auf Grasplätzen; Istrien, 
bei Grätz in Steiermark. (Phalaris bulbosa L.; Achnodon Bellardii 
Link.) P. tenue Schrader, Zartes Lieschgras. 

B. Deckspelze dreinervig, stumpf. 

L Ährchen mit einer fruchtbaren Blüte und mit einer stielartigen An- 
deutung einer zweiten Blüte. (Chilochloa Palisot de Beauvais.) 
Ä. Hüllspelzen keilförmig, nach oben gedunsen auseinandergehend, 
gerade abgestutzt und nur am Mittelnerv, der in eine Stachelspitze 
oder kurze Granne ausläuft, zugespitzt, rauh. Einjährig, klein- 
und lockerrasig, weisslich-grün ; unfruchtbare Blattbüschel fehlen. 
Halme aufsteigend oder aufrecht, 15 bis 30 cm hoch. Blüten- 
schweif walzenförmig, erscheint beim Biegen lappig. Blütezeit 
Mai bis Juli. Auf Ackern, an Wegerändern, in Weinbergen; 
namentlich im mittleren und südlichen Teil des Gebietes ; selten. 
P. asperum Villars, Rauhes Lieschgras. 
B. Hüllspelzen linealisch oder länglich, zusammengedrückt, nicht auf- 
geblasen, am Kiele steif borstig oder rauh. 

a. Hüllspelzen lanzettlich, allmählich in eine kurze Granne zu- 
gespitzt. 

1. Einjährige, 8 bis 15 cm hohe, weisslichgrüne Pflanze mit 
mehrhalmio-em Wurzelstock; unfruchtbare Blätterbüchel 
fehlen. — Rispe ährenförmig-länglich. Blätter glatt, Blatt- 
häutchen länglich. Deckspelze am Kiele lang-steifhaarig- 
bewimpert. Blütezeit Juni, Juli. An sandigen Orten am 
Strande der Nordsee, an dem der Ostsee von Holstein bis 
ostwärts Mecklenburg; im Rheinlande bis zum Main. 
P. areiiariiim L., Sand-Lieschgras. 

2. Ausdauernd, 30 bis 50 cm hoch, freudiggrtin; unfruchtbare 
Blätterbüschel sind vorhanden. — Rispe lang-walzenförmig, 
zugespitzt. Hüllspelzen auf dem Rücken steifhaarig-gCAvimpert, 
oft braunrot überlaufen. Blütezeit Juli, August. Auf Alpen- 
wiesen verbreitet. P.Michelii Allioni, MichelisLieschgras. 

b. Hüllspelzen linealisch-läuglich, schief abgestutzt, plötzlich zu- 
gespitzt-stachelspitzig, zusammengedrückt, auf dem Rücken steif- 
haarig-gewimpert oder rauh, dreinervig, weissberandet. Rispen- 



Gramineae. Xßl 

ähre spindelförmig, beim Biegen deutlich lappig. — Rasig. 
Unfruchtbare Blätterbüschel sind vorhanden; Blätter beiderseits 
etwas rauh, am Rande scharf. Blütezeit Juni, Juli. ^. Höhe 
30 bis 50 cm. Auf sonnigen Hügeln und sandigen Grasplätzen; 
zerstreut. (Phalaris phleoides L.) Phleum Boehmeri Wibel, 
Böhmers Lieschgras.*) 
II. Ährchen nur mit einer fruchtbaren Blüte; Andeutungen einer zweiten 

Blüte sind nicht vorhanden (Phleum Palisot de Beauvais). 

Ä. Die Ährchen liegen der Ahrenachse an, alle sind aufwärts gerichtet. 

1. Die Scheide des obersten Halmblattes ist nicht aufgeblasen. 
Die Granne der Hüllspelze ist etwa den dritten Teil so lang 
wie die Spelze. — Rasig. Halme 30 bis 100 cm hoch. Blätter 
flach, etwas rauh, am Rande scharf. Blatthäutchen der oberen 
Blätter länglich, gestutzt, die der obersten spitz. Blütenschweif 
walzenförmig. Hüllspelzen scharf-gekielt und auf dem Kiele 
abstehend-rauhhaarig-gewimpert. Blütezeit Juni, Juli. 2].. Auf 
Wiesen, häufig. P. pratense L., Timothee-Gras.**) 

Bei der Abart uodosum L., Knotiges Timothee-Gras 
(P. bulbosum Host) ist der Halm an seinem Grunde zwiebel- 
artig-verdickt. An trockenen Orten. 

2. Die Scheide des obersten Halmblattes ist etwas aufgeblasen. 
Die Granne der Hüllspelze ist bewimpert und etwa so lang 
wie die Spelze selbst. — Im übrigen der vorigen älinlich, doch 
im allgemeinen kleiner, nur 15 bis 30 cm hoch. Blütezeit Juli 
bis August. Auf Wiesen und Triften der Alpen, Voralpen, 
Sudeten, im Riesengebirge und im Mährischen Gesenke. P. 
alpinum L., Alpen-Lieschgras. 

B. Die Ährchen sind mehr oder weniger igelborstig-gespreizt, die 
untersten sind herabgebogen. — Einjähriges 10 bis 20 cm hohes, 
kahles Gras. Rispe ährenförmig, eirund. Hüllspelzen eiförmig- 
länglich, von ihrem Grunde bis zur Mitte bewimpert, quer-abge- 
schnitten, plötzlich in eine lange, grannenartige Stachelspitze zu- 
sammengezogen. Blütezeit Mai. Auf Gebirgswiesen, in Istrien und 
auf den benachbarten Inseln. P. echinatum Host, Igelähriges 
Lieschgras. 



*) Tafel 73AB. Phleum Böhmeri Wibel. A blühende Pflanze ; B Rispe, beim 
Biegen lappig; A 1 Teil der Blütenrispe; A 2 Deckspelze. 1 und 2 vergrössert. 

**) Tafel 73C. Phleum pratense L. C blühende Pflanze; C 1 Ährchen; C 2 
und C 3 Hüllspelzen ; C 4 Ährchen mit Same ; C 5 Same. 1 bis 5 vergrössert. 

Thom6, Flora. 11. H 



162 Gramineae. 

Gattung 98: Crypsis Alton, Dornengras. 

Niedrige Rasen aufsteigender, beblätterter Halme und unfruchtbarer 
Triebe. Blattliäutchen gestutzt, gewimpert. Ährchen von der Seite zu- 
sammengepresst, einblütig. Hüllspelzen ungleich lang, gekielt, auf dem 
Kiele gewimpert, kürzer als die lanzettlichen, an ihrer Spitze zweikieligen 
Blütenspelzen. 

A. Blüte zweiniännig. Rispe halbkugelig, in eine von den obersten Halm- 
blättern gebildete Hülle eingesenkt. Halm ästig, etwas zusammen- 
gedrückt, bis 30 cm lang. Blätter mit stechenden Spitzen. Blütezeit 
Juli, August. 0. Auf sumpfigen Wiesen; nur im südöstlichen Teile des 
Gebietes. C. aciileata Alton, Stacheliges Dornengras.*) 

B. Blüten dreimännig. 

1. Rispe länglich- walzenförmig, von den obersten Halmblättem entfernt, 
violett-angelaufen. Halm einfach, nicht verzweigt, ziemlich stielrund, 
etwa bis 30 cm lang. — Blütezeit Juli bis September. 0. An feuchten 
Orten in Lothringen; selten. C. alopecuroides Sehr ad er, Fiichs- 
schwanzähnliches Dornengras. 

2. Rispe eiförmig-länglich, an ihrem Grunde durch die von den obersten 
Halmblättern gebildete Hülle umschlossen. Halm ästig, etwas zu- 
sammengedrückt, 10 bis 30 cm lang. — Blütezeit Juli, August. 0. 
Auf feuchtem Sand; in Niederösterreich. C. schoenoi'des Lamarck, 
Kopfrietähnliches Dornengras. 

Achte Gruppe: 

NardoVdeae, Nardengräser. 

Hierher nur eine Gattung. 

Gattung 99: Nardus L., Bortengras. 

Hierher nur N. stricta L., Steifes Borsteugras. Ausdauerndes, dichte 
Rasen bildendes Gras. Halme dünn, aufrecht, 15 bis 30 cm lang, nur am 
Grunde beblättert; Blätter steif, borstenförmig zusammengerollt, grau-grün. 
Ahrchen abwechselnd zweizeilig, in fast einseits wendiger Ähre, ohne Gipfel- 
ährchen, einblütig. Hüllspelzen fehlen, oder fadenförmig bis pfriemlich 
und sehr klein. Deckspelze gekielt, dreinervig, lang zugespitzt; Vorspelze 
etwa halb so gross, zweinervig, zweispitzig, beide erst grau-grün, später 
violett angehaucht. Fruchtknoten mit nur einer, sehr langen, behaarten 



Tafel 74 A. Crypsis aculeata Alton. A blühende Pflanze; A 1 Ährchen. 
vergrössert. 



Gramineae. 163 

Narbe. Blütezeit Mai, Juni. 2|.. Auf unfruchtbaren, sandigen Sumpf- und 
Heidewiesen, auf Moorboden; zerstreut.*) 

N-eunte Gruppe: 
Stipeae, Pfriemengräser. 

A. Deckspelze unbegrannt, pergamentartig-knorpelig, mit ihren Rändern die 
Vorspelze umgreifend; Blüte mit 2 Saffcschuppen. Gattung 100: Milium L., 
Flattergras. 

B. Deckspelze begrannt, Blüte mit 3 Saftschuppen. 

a. Die Granne der Deckspelze ist an ihrem Grunde gegliedert und fällt 
daher ab. Gattung 101: Piptatherum Palisot de Beauvais, 
Fallgranue. 

b. Die Granne der Deckspelze fällt nicht ab. 

1. Die Deckspelze ist auf ihrem Rücken gar nicht oder doch nur kurz 
behaart, an ihrer Spitze trägt sie eine durch ein Gelenk mit ihr 
verbundene, nicht abfallende, an ihrem Grunde oft schraubig ge- 
drehte, sehr lange Granne. Die Deckspelze entspringt ziemlich 
hoch über den Hüllspelzen, so dass die Blüte auf einem längeren 
Stiele sitzt. Gattung 102: Stipa L., Pfriemengras. 

2. Die Deckspelze ist auf ihrem Rücken sehr lang behaart und trägt 
daselbst eine nicht gedrehte, aber gekniete Granne. Gattung 103: 
Lasiagrostis Link, Rauhgras. 

Gattung 100: Milium L. Flattergras. 

Hierher nur M.eflFusum L., Gemeines Flattergras, Waldhirse. Wurzel 
faserig. Halm glatt, 60 bis 100 cm hoch. Blätter breit-linealisch, am 
Rande und auf der Unterseite rauh. Blatthäutchen lang, an der Spitze 
geschlitzt. Rispe sehr locker, vor der Blütezeit zusammengezogen, während 
derselben und nachher sehr ausgebreitet, untere Äste zu 5 bis 7 beisammen- 
stehend. Ährchen einblütig. Hüllspelzen einander gleichlang, spitz, drei- 
nervig, weisshautrandig, grün, zuletzt braunrot. Blütenspelzen nerven- und 
grannenlos. Deckspelze pergamentartig-knorpelig, mit ihren Rändern die 
Vorspelze umgreifend. Blütezeit Mai, Juli. 21-. In schattigen Wäldern, 
durch das ganze Gebiet verbreitet; mancherorts häufig bis gemein.**) 



*) Tafel 74B. Nardus stricta L. B blühende Pflanze; B 1 Ährchen; B 2 
oberer Teil der Ähre, Gipfelährchen nicht vorhanden. 1 und 2 vergrössert. 

**) Tafel 75 Ä. Milium effusum L. A Teil der blühenden Pflanze; A 1 
Hüllspelze, vergrössert. 

11* 



164 Gramineae. 

Gattung 101: Piptatherum Palisot de Beauvais, Fallgranne, Grannenhirse. 

Granne der Deckspelze an ihrem Grunde gegliedert und abfallend. 
Blüte mit drei Saftscliuppen. 

1. Blütenspelzen flaumig. — Rasig, melirhalmig. Blätter schmal, mit langen, 
oben zottigen Scheiden, am Rande rauh. Rispe bis 30 cm gross, locker, 
sehr verästelt. Hüllspelzen eiförmig, spitz, etwas aufgeblasen, doppelt so 
lang wie die Blütenspelzen. Granne der Deckspelze etwa von vierfacher 
Spelzenlänge, geflügelt. Blütezeit Mai, Juni. Höhe etwa 100 cm. %. 
In Wäldern Krains und Istriens. P. paradoxiim Palisot de Beauvais, 
Regelwidrige Fallgranne.*) 

2. Blütenspelzen kahl. ■ — Ausdauerndes, rasiges Gras. Halm bis meterhoch, 
gestreift. Blattscheiden kahl. Rispe sehr locker, der von Milium effusum 
sehr ähnlich; untere Äste zu 5 bis 7 beisammenstehend, Hüllspelzen 
breit-lanzettlich, grösser als die Blütenspelze. Blütezeit Juni, Juli. 4. 
An waldigen Orten; Südtirol, Istrien. P. multiflorum Palisot de 
Beauvais, Yielblütige Fallgranne. 

Gattung 102: Stipa L., Pfriemengras. 

Blüten gestielt, mit drei Saftschuppen. Granne durch ein Gelenk mit 
der Deckspelze verbunden, aber nicht abfallend; Deckspelze auf ihrem Rücken 
gar nicht oder doch nur kurz behaart. Ausdauernde dichtrasige, rohrähn- 
liche Gräser mit steifen, harten, schmalen, in der Knospe gefalteten, später 
borstlich-zusammengeroUten, nur bei feuchter Luft ausgebreiteten Blättern. 

A. Granne der Deckspelze in ihrem oberen Teile durch weisse, abstehende, 
seidenartige Haare federig. — Halm 60 bis 100 cm hoch, ganz von den 
Scheiden der Halmblätter verhüllt. Rispe am Grunde von einer Blatt- 
scheide umhüllt, zusammengezogen. Ahrchen einblütig. Hüllspelzen 
länger als die Blütenspelzen, lanzettförmig, beide mit zarter Granne. 
Blütenspelzen zusammengerollt; Deckspelze mit 15 — 25 cm langer, 
geknieter Granne; Vorspelze zweinervig, grannenlos. Blütezeit Mai, 
Juni. 21.. Auf trockenen, sonnigen Abhängen, namentlich auf Sand und 
Kalk; sehr zerstreut. S. pennata L., Federgranniges Pfriemengras.-*) 

B. Granne der Deckspelze fadenförmig, kahl, nicht federig-behaart. 

1. Granne fünf- und mehrmal länger als die Deckspelze, an ihrem Grunde 
spiralig gedreht, bis 12, selbst 25 cm lang. Deckspelze an ihrem 



*) Tafel 75 BC. Piptatherum paradoxum Palisot de Beauvais. B blühende 
Pflanze ; C Teil der Fruchtrispe ; B 1 Ährchen ; B 2 Blüte ; B 3 unreife Frucht in den 
Spelzen. 1 bis 3 vergrössert. 

**) Tafel 76A. Stipa pennata L. A Teile der blühenden Pflanze. 



Gramineae. 165 

Grunde mit 5 seidenhaarigen Streifen versehen. — Der vorigen ziem- 
lich ähnlich. Rispe an ihrem unteren Ende von der Scheide des 
obersten Halmblattes umschlossen und von dessen Spreite oft über- 
ragt. Blütezeit Juli, Atigust. Höhe 60 bis 100 cm. 2].. Auf 
trockenen, sonnigen Abhängen, namentlich auf Kalk; zerstreut. Stipa 
capillata L., Haargranniges Pfriemengras.*) 
2. Granne verhältnismässig kurz, etwa von doppelter Spelzenlänge, an 
ihrem Grunde nicht gedreht. Deckspelze angedrückt flaumhaarig, mit 
zweizähniger Spitze. Rispe schmal-zusammengezogen, arm blutig, an 
ihrem Grunde nicht von einer Blattscheide eingeschlossen. Im übrigen 
den vorigen ähnlich. Blütezeit Juli, August. 2J.. Auf Felsenabhängen 
in Istrien. S. aristella L., Kleingranniges Pfriemengras. 

Gattung 103: Lasiagrostis Link, Rauhgras. 

Hierher nur (Agrostis calamagrostis L.) L. calamogrostis Link, 
Schilfartiges Rauhgras. Rasig, Ausläufer treibend. Halme 60 bis 100 cm 
hoch. Blätter flach, oberseits scharf; Blatthäutchen sehr kurz. Rispe 
langästig, aufrecht-ausgebreitet. Ährchen einblütig. Blütchen kurzgestielt. 
Hüllspelzen lanzettlich, ungleich gross. Deckspelze langgewimpert, unter 
der Spitze eine nicht gegliederte, schwach gedrehte, etwas gekniete Granne 
von dreifacher Spelzenlänge tragend. Saftschuppen sind drei vorhanden. 
Blütezeit Juli, August. 4. An felsigen Orten der Yoralpen. 



Zehnte Gruppe: 
Chlorideae, Hundszahngräser. 

1. Hüllspelzen ungefähr gleich-lang, gekielt, einnervig. Deckspelze kahn- 
förmig, gekielt, dreirippig, pergamentartig, die auf dem Rücken gefurchte, 
zweikielige Vorspelze umfassend. Gattung 104: Cynodou Richard, 
Hundszahngras. 

2. Hüllspelzen ungleich, die untere schmal und um etwa Vs kürzer als die 
obere, lanzettliche. Deckspelze zusammengedrückt, gekielt, kürzer als 
die auf dem Rücken zweinervige Vorspelze. Gattung 105: Spartina 
Seh reber, Besengras. 



*) Tafel 76B. Stipa capillata L. ß blühende Pflanze; B 1 Ährchen; B 2 
Hüllspelzen; B 3 Ährchen, Granne der Deckspelze zum grössten Teile entfernt. 1 bis 3 
vergrössert. 



166 Gramineae. 

Gattung 104: Cynodon Richard, Hundszahngras. 

Hierher nur Cynodon Dactylon Persoon, Fingeräliriger (Gefinger- 
ter) Hundszahn, Bermndagras. Wurzelstock kriechend, lange Ausläufer 
treibend. Halme aus knieförmig gebogenem Grunde aufstrebend, 30 bis 
50 cm hoch. Blätter schmal, unterseits behaart, flach, in der Knospe ge- 
rollt, graugrün. Blattscheiden zusammengedrückt, Blatthäutchen kurz ge- 
wimpert, oft in einen Haarbüschel zerschlitzt. Ährchen in zwei einseitswendigen 
Reihen an 3 bis 7, fingerförmig-gestellten Ähren; meist einblütig, mit einem 
stielartigen Ansätze zu einer zweiten Blüte; seltner ohne diesen Ansatz oder 
mit zwei vollständigen Blüten. Hüllspelzen ungefähr einander gleich, innere 
etwas grösser als die äussere; beide an ihrem Kiele gewimpert. Deckspelze 
kahnförmig, pergamentartig, grannenlos, dreirippig, an ihrem Rücken ge- 
wimpert bis bärtig, die zweikielige Vorspelze umfassend. Blütezeit Julir 
August. 2|., Auf Sandfeldern und an sandigen Flussufern, namentlich im 
westlichen Teile des Gebietes; selten.*) 

Gattung 105: Spartina Schreber, Besengras. 
Hierher nur S. stricta Roth, Steifes Besengras. Wurzelstock aus- 
läuferartig-kriechend. Halme glatt, steif-aufrecht, ganz mit Blattscheiden 
bedeckt, bis 30 cm hoch. Blätter schmal, steif, mit stechender Spitze, ein- 
gerollt. Ähren zu 1 bis 4 am Ende des Halmes, steif-aufrecht, schmal-spindel- 
förmig, sehr spitz, einblütig, flaumig, locker- und aufrechtstehend. Hüll- 
spelzen kantig, ungleich, untere schmal und um ein Drittel kürzer als die 
obere, lanzettliche. Deckspelze zusammengedrückt, gekielt, kürzer als die 
auf dem Rücken zweinervige Vorspelze. Blütezeit August, September. 4. 
Auf schlammigen, vom Meerwasser getränkten Wiesen und an sumpfigen 
Orten; nur im Süden des Gebietes; selten. 

Elfte Gruppe: 

Paniceae, Hirsengräser. 

1. Hüllspelzen sehr ungleich; die obere ist lederartig, vielnervig; auf den 
Nerven mit aufwärtsgebogenen Stacheln besetzt und grösser als die 
untere: Gattung 106: Tragus Haller, Stachelgras. 

2. Hüllspelzen nicht stachelig. Meist sind 3 Hüllspelzen vorhanden; von 
diesen ist die unterste oft sehr klein; sehr selten trägt die dritte in ihrer 
Achsel ein kurzes Stielchen mit einer Vorspelze und 3 Staubblättern. 
Gattung 107: Panicum L., Hirse, Fennich. 



*) Tafel 77. AB Cynodon Dactylon Persoon. A blühende Pflanze; 
B Fruchtrispe. 



Gramineae. 167 

Gattung 106: Tragus Haller, Stachelgras. 
Hierher nur T. racemosus Desfontaines, TraubenWütiges Stachel- 
gras, Kletteiigras. (Cenchms racemosus L., Lappago racemosa Schreber.) 
Halme ästig- ausgebreitet, liegend, an den Knoten wurzelnd oder aufsteigend, 
kahl, 10 bis 30 cm lang. Blätter steif, bandförmig, spitz, blaugrün, an 
den Rändern weisslich-borstlich-gewimpert. Scheide des obersten Halm- 
blattes meist den Grund der Rispe umfassend. Ährchen kurzgestielt, zu je 
dreien an kurzen Zweigen, in langgestreckter, traubiger, meist violett über- 
laufener Rispe. Untere Hüllspelze klein, eiförmig, weiss, durchsichtig, 
glatt; obere viel grösser, eirund-lanzettlich, spitz, lederig, hautrandig, 5- 
bis 7 nervig; und auf den Nerven mit hakigen Stacheln besetzt. Blüten- 
Spelzen länglich, spitz, glatt, grannenlos. Deckspelze die etwas kleinere 
Vorspelze umschliessend. Blütezeit Juni, Juli. 0. An sandigen Orten; im 
südlichsten Teile des Gebietes; mit fremden Samen eingeführt bei Frank- 
furt am Main und Eupen.*) 

Gattung 107: Panicum L., Hirse, Fennich. 

Die Ährchen sind zuweilen zweiblütig; aber auch die einblütigen gelten 
bei vielen als zweiblütig, indem man die oberste der 3 Hüllspelzen als 
Rest, und zwar als Deckspelze, eines unfruchtbaren Blütchens ansieht. 

Bei alleiniger Betrachtung der einheimischen Arten lässt sich diese 
grosse, schwer zu trennende Gattung in 5 Untergattungen, die auch wohl 
als selbständige Gattungen aufgefasst werden, zerlegen. 

A. Die Verzweigungen der ährenförmigen oder doppelt-zusammengesetzten 
und lappigen Rispe tragen zum Teil keine Ährchen und überragen als 
lange Borsten, Hüllborsten, die fruchtbaren Ästchen. — Die unterste 
der 3 Blütenspelzen ist deutlich entwickelt; die Deckspelzen sind knorpehg, 
zuweilen querrunzelig. I.Untergattung: Setaria Palisot de Beauvais, 
Borstenfenuicli. 

B. Unfruchtbare, als Borsten die fruchtbaren Ästchen überragende Ver- 
zweigungen des Blütenstandes fehlen. 

I. Blütenstand an seinem Grunde fingerartig in 2 oder mehr einseits- 
wendige Ähren geteilt; an der unteren, flachen Seite der Spindeln 
dieser Ähren sitzen die kurz-gestielten Ährchen zu 2 bis 4 beisammen, 
selten einzeln. — Die unterste der 3 Hüllspelzen ist sehr klein oder 
fehlt ganz; die oberste trägt nicht in ihrer Achsel Reste eines zweiten 
Blütchens. 2. Untergattung: Digitaria Scopoli, Fingerfeiiiiich. 



*) Tafel 77 C. Tragus racemosus Desfontaines. C. blühende Pflanze; C 1 
Rispenzweig mit mehreren Ährchen; C 2 Ährchen; C 3 verkümmertes, oberstes Ährchen 
eines Rispenzweiges. 1 bis 3 vergrössert. 



168 Gramineae. 

II. Blütenstand nicht in mehrere fingerförmig-angeordnete Ähren geteilt. 

a. Rispe vielfach-zerteilt, ausgebreitet; Ährchen an langen, dünnen, 
wellig-gebogenen Stielen. — Hüllspelzen zugespitzt; die unterste 
etwa halb so lang wie die oberen. 3. Untergattung: Miliaria 
Trinius, Hirsefennich. 

b. Rispe nicht vielfach-geteilt; Ährchen kurz-gestielt. 

«. Die Ährchen stehen in ährenartig-zusammengezogenen Rispen, 
und mehrere solcher Rispen setzen eine einseitswendige, end- 
ständige Rispe zusammen. Alle 3 Hüllspelzen sind deutlich 
ausgebildet; die mittelste ist stachelspitzig, die oberste stachel- 
spitzig oder begrannt. 4. Untergattung: EcMilOchloa Palisot 
de Beauvais, Igelfennich. 

ß. Die Ährchen stehen in armblütigen Büscheln oder in kleinen 
Ähren beisammen und diese Büschel oder Ähren stehen in 
Zwischenräumen an einer gemeinsamen, unverzweigten Spindel. 
— Hüllspelzen begrannt. 5. Untergattung: Oplismenus Pa- 
lisot de Beauvais, Wasserfennicli. 

1. Untergattung: Setaria Palisot de Beauvais, Borstenfeunich. 

A. Rispe ährenförmig, walzlich. 

I. Spelzen der vollkommenen Blütchen querrunzelig (Lupe!). Pflanze 
graugrün. Hüllborsten (Borsten zwischen den Ährchen) fuchsrot, 
rauh. — Rispe dicht, eiförmig bis schmal- walzenförmig, Blütezeit 
Juli, August. Höhe 10 bis 60 cm. 0. Auf Sandfeldern häufig. 
(Setaria glauca Palisot de Beauvais, Pennisetum glaucum R. Brown.) 
Panicum glaucum L., Oraugrüner Borstenfennich. 
IL Spelzen der vollkommenen Blütchen ziemlich glatt, nicht querrunzelig. 
Pflanze grasgrün. Hüllborsten grün oder gelblich. 
1. Hüllborsten durch abwärtsgerichtete Zähnchen (mithin beim Auf- 
wärtsstreichen) rauh. Rispe gedrungen -ährenförmig, an ihrem 
Grunde oft unterbrochen. — Blütezeit Juli, August. Höhe etwa 
50 cm. 0. Auf bebautem, namentlich sandigem Boden, im Kies 
von Flussbetten, meist nicht selten. (Setaria verticillata Palisot 
de Beauvais, Pennisetum verticillatum R. Brown.) P. rerticilla- 
tum L., Quirlblättriger Borstenfennich.*) 



*) Tafel 78A Panicum verticillatum L. A blühende Pflanze; A 1 Ährchen 
vergrössert. 



Gramineae. 169 

2. HüUborsten durch aufwärtsgerichtete Zähnchen (beim Abwärts- 
streichen) rauh. 

a. Rispe an ihrem Grunde unterbrochen, wie bei verticillatum; 
von dieser nur durch die Zähnchenstellung der Borsten unter- 
schieden. Aus Südeuropa eingeschleppt; auf bebautem Boden, 
an Wegen; selten in der Schweiz, Thüringen. (Setaria am- 
bigua Goodenaugh.) Panicum am1)iguuni Gussone, Unbe- 
ständiger Borstenfennich. 

b. Rispe sehr gedrungen-ährenförmig, an ihrem Grunde nicht 
unterbrochen. — Blütezeit Juli, August. Höhe 15 bis 60 cm. 
©. Auf bebautem, namentlich sandigem Boden häufig. (Setaria 
viridis Palisot de Beauvais, Pennisetum viride R. Brown.) 
P. viride L., Grüner Borstenfennich. 

B. Rispe doppelt-zusammengezogen, lappig, gross, später überhängend, am 
Grunde meist unterbrochen. Spelzen der vollkommenen Blütchen ziem- 
lich glatt. Hüllborsten etwa 6 bis 8 mal länger als die Ahrchen. — 
Blütezeit Juli, August. Höhe 60 bis 100 cm. ©. Zuweilen angebaut 
und verwildert. (Setaria italica Palisot de Beauvais, Pennisetum italicum 
R. Brown.) P. italicum L., Italienischer Borstenfennich, Kolben- 
hirse. 

Bei der Abart P. germanicum Roth, Deutsche Kolbenhirse 
sind die Hüllborsten nur wenig länger als die Ahrchen. 

2. Untergattung: Digitaria Scopoli, Fingerfennich. 

Al. Ahrchen länglich-lanzettlich, dreimal so lang als breit. Blätter und 
namentlich die Blattscheiden rauh behaart. Oberste Hüllspelze am 
Rande flaumhaarig. — 

1. Oberste Hüllspelze am Rande nicht gewimpert. — Stengel auf- 
steigend bis aufrecht. Finger-Ähren der Rispe meist zu 5, seltener 
zu 4 oder 6, aufrecht abstehend. Spelzen meist violett-angelaufen; 
oft sind auch Halme und Blätter, namentlich in ihrem unteren 
Teile, blutrot- bis violett-angelaufen. Blütezeit Juli bis September. 
Länge des Halms 30 bis 50 cm. 0. Auf bebautem, namentlich 
sandigem Boden, an Wegen ; durch das ganze Gebiet, meist nicht selten. 
(Digitaria sanguinalis Scopoli, Sjntherisma vulgare Schrader.) Pani- 
cum sanguinale L., Blut-Fingerfennich, Bluthirse.*) 



*) Tafel 78B. Panicum sanguinale L. B blühende Pflanze; B 1 Teil einer 
Finger-Ähre; B 2 Ährchen. 1 und 2 vergrössert. 



170 Gramineae. 

2. Oberste Hüllspelze am Rande steif- und langhaarig-gewimpert. — 
Der vorigen sehr ähnlich und als deren Abart angesehen, doch 
weniger rot- angelaufen, auch sind die Finger-Ahren länger, dichter 
zusammengestellt und weniger ausgespreizt. Blütezeit Juli bis Sep- 
tember. Höhe 30 bis 50 cm. ©. Auf sandigem Boden; sehr zer- 
streut. (Digitaria ciliaris Koeler.) Panicum ciliare Retzius, be- 
wimperter Fingerfeunicli. 
B. Ahrchen elliptisch-eiförmig, doppelt so lang als breit, weichhaarig, auf 
den Nerven kahl. Blätter und Blattscheiden kahl, nur neben dem 
Blatthäutchen oft ein Haarbüschel. Finger -Ähren meist zu 3. Halm 
anfangs niederliegend, später aufsteigend, 8 bis 50 cm lang. Im 
übrigen der vorigen ähnlich. Blütezeit Juli bis September. ©. Auf 
Sandfeldern; ziemlich selten. (P. glabrum Gaudin; P. humifusum 
Kunth; Syntherisma glabrum Schrader; D. filiformis Koeler.) P. lineare 
Krocker, Fingerfennicli. 

3. Untergattung: Miliaria Trinius, Hirsefennich. 

1. Rispenäste zuletzt überhängend. Hüllspelzen eiförmig, kurzstachelspitzig 
viel-, meist siebennervig. — Halm aufrecht, 30 bis 100 cm hoch. Blätter 
und Blattscheiden rauhhaarig. Blatthäutchen kurz-abgestutzt, gewimpert- 
Ahrchen oft zweiblütig, mit einer zwitterigen und einer männlichen 
Blüte. Spelzen der Zwitterblüte, je nach der Kultur varietät, gelb, weiss, 
schwarz oder rot, mit der Frucht aus den Hüllspelzen herausfallend. 
Blütezeit Juli, August. ©. Stammt aus Asien, wird namentlich auf 
Sandboden vielfach angebaut. P. miliaceum L., Gemeine Hirse.*) 

2. Rispenäste haarfein, zuletzt aufrecht-abstehend. Unterste Hüllspelze eines 
jeden Ahrchens eiförmig, spitz, dreinervig, zweite und dritte länglich- 
lanzettlich, fünfnervig. — Der vorigen ähnlich, doch nur etwa halb so 
hoch. Blütezeit Juli, August. 0. Stammt aus Nordamerika, wird 
mitunter als Zierpflanze oder zu Trockenbouquets angepflanzt und 
findet sich bisweilen auf Kulturland, auf wüsten Plätzen und im Fluss- 
kies verwildert, so bei Wien. P. capillare L., Haarfeine Hirse. 

4. Untergattung: Echinochloa Palisot de Beauvais, Igelfennich. 

Hierher nur P. €rus galli L., Hühnerfennich, Kammhirse (Echi- 
nochloa Grus galli Palisot de Beauvais; Oplismenus Grus galli Kunth.) 
Halm aufrecht, oder aus geknietem Grunde aufsteigend, glatt. Blätter 



*) Tafel 79A. Panicum milaceum L. A Blütenrispe. 



Gramineae. 171 

lineal-lanzettlich, zuweilen am Rande etwas wellig, kahl oder auf der Ober- 
seite von kurzen, aus einem Knötchen entspringenden Haaren rauh. Blatt- 
scheide zusammengedrückt, glatt. Die dritte Hüllspelze ist stachelspitzig 
oder langbegrannt. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 100 cm. 0. 
Auf Ackern, Schutt, an Gräben u. s. w. Durch das ganze Gebiet zerstreut 
und meist nicht selten.*) 

5. Untergattung: OpUsmenus Palisot de Beauvais, Wasserfennich. 

Hierher nur (0. undulatifolius Palisot de Beauvais) P. undulatifo- 
lium Arduino, Welligtolätteriger Wasserfennicli, Grannenhirse. 

Stengel niederliegend, Spitze und Äste bis 30 cm hoch, aufsteigend, nebst 
den Blattscheiden langhaarig. Blätter 8 bis 12 mm breit, wellig. Blüte- 
zeit Juli, August. 0. In schattigen Wäldern der südlichen Schweiz, 
Tirols und des österreichischen Küsteno^ebietes. 



Zwölfte Gruppe: 
Andropogoneae, Barigräser. 

A. Alle Ährchen enthalten Zwitterblütchen. Gattung 108: Erianthus 
Richard, Wollhlumengras. 

B. Die Ährchen stehen paarweise oder zu dreien auf Zähnen der gemein- 
samen Rispenspindel beisammen; einzelne dieser Ährchen sind sitzend 
und zwitterig, andere sind gestielt und männlich oder geschlechtslos. 
Ä. Die Zwitterblüten sind auf die obere Hälfte der Rispe beschränkt: 

die untere Hälfte enthält nur männliche und geschlechtslose Blüten, 
Gattung 109: Heteropogon Persoon, Schopfgras. 
B. Die Zwitterblütchen sind nicht auf die obere Hälfte des Blüten- 
standes beschränkt; alle sitzenden Blütchen sind zwitterig. 

1. Hüllspelzen dünnhäutig und nebst den Ästen behaart. Deck- 
spelzen schmal lineaHsch; die der Zwitterblüte läuft in eine lange, 
gekniete Granne aus, die der männlichen Blüte ist kurz-begrannt 
oder grannenlos. Ährchen lineal. Gattung: 110: Andropogon 
L., Bartgras. 

2. Hüllspelzen lederig, anfangs schwach behaart, später kahl. Deck- 
spelze der Zwitterblüten tief ausgerandet und grannenlos oder 



*) Tafel 79 B. Panicum Grus galliL. B Teil der blühenden Pflanze; 
B 1 Älirchen vemrössert. 



172 Gramineae. 

in der Ausrandung eine gegliederte, daher leicht abfallende und 
gedrehte Granne tragend. Gattung 111: Sorghum Persoon, 
Mohrenhirse. 

Gattung 108: Erianthus Richard, Wollblumengras. 

Hierher nur E. Raveiiuae Palisot de Beauvais, ßaveiinaer Woll- 

hlumeugras (Andropogon Ravenuae L.). Halm bis über 2 Meter hoch, 
aufrecht. Blätter breit, spitz, am Rande scharf, blaugrün, am Grunde der 
Oberseite langhaarig. Blattscheiden zottig. Blatthäutchen kurz, dicht be- 
haart. Rispe 30 bis 60 cm lang; Äste namentlich am Grunde der Ahrchen 
seidenhaarig. Alirchen an ihrem Grunde lang behaart; Haare so lang wie 
das Ahrchen und dieses umschliessend. Blütezeit Juli. 21.. An sandigen 
und feuchten Orten der Inseln Cherso und Sansego. 

Gattung 109: Heteropogon Persoon, Schopfgras. 

Hierher nur H. AUioui Römer und Schultes, Allionis Schopfgras. 
Halm bis 60 cm hoch, flachgedrückt, unter dem Knoten fast dreiseitig, 
kahl. Blätter blaugrün, sehr schmal, gekielt, an Kiel und Rand scharf. 
Rispe ährenförmig zusammengezogen; deren Spindel in ihrer unteren Hälfte 
nicht, in ihrer oberen Hälfte braun-goldglänzend behaart. Ahrchen meist 
zu je 2 beisammenstehend; in der unteren Hälfte der Rispe zweiblütig, 
mit einem gestielten, männlichen und einem sitzenden, geschlechtslosen 
Blütchen; in der oberen Rispenhälfte einblütig und zwar ist jedesmal das 
gestielte Ahrchen männlich, das sitzende zwitterig. Grannen 5 und mehr 
cm lang, am Ende seilförmig zusammengedreht. Blütezeit Juli, August. ^. 
An Felsenabhängen in Südtirol und Tessin. 

Gattung 110: Andropogon L., Bartgras. 

A. Rispenzweige fingerförmig oder traubig angeordnet (Dactylopogon 
Koch). 

I. Untere Hüllspelze der zwitterigen Ahrchen behaart. 

1. Die einzelnen Zweige der Rispe tragen nicht je ein grosses mit 
Scheide versehenes Deckblatt. Wurzelstock rasig, mit ästigen, 
kriechenden Ausläufern. Halm 30 bis 70 cm hoch, aufrecht bis 
aufsteigend, unten ästig. Blätter linealisch-rinnig, in der Knospe 
gerollt, auf der Oberseite rauhhaarig, obere kürzer als ihre Blatt- 
scheide. Rispenzweige 2 bis 10, meist 3 bis 6 Finger-Ähren 
bildend, stark zusammengedrückt, an den schmalen Seiten mit 
weissen Seidenhaaren besetzt, zur Zeit der Fruchtreife kurz-ge- 



Gramineae. 173 

gliedert. An jedem Gliede der Spindel finden sich je 2, seltener 3 
einblütige Ährchen, ein sitzendes zwitteriges und zu dessen Seiten 
ein oder zwei gestielte, männliche. Die untere Hüllspelze des 
zwitterigen Ährchens ist an ihrem Grunde bis zur Mitte seidig- 
behari-t; an ihrem Rande gegen die Spitze hin gewimpert; auf 
ihrem Rücken vielnervig-gerillt. Die Deckspelze des zwitterigen 
Ährchens ist linealisch, weiss, einnervig, kaum breiter als die ihrer 
Spitze entspringende, bräunliche, an ihrem Grunde gedrehte, drei- 
bis viermal so lange Granne. Rispe violett; Narbe purpurn. 
Blütezeit Juli, August. %. Auf trockenen, sonnigen Anhöhen und 
Felsen, namentlich auf Kalk; in Mittel- und Süddeutschland; sehr 
zerstreut. Andropogon Ischaemum L., Gemeines Bartgras.*) 
2. Die einzelnen Zweige der Rispe tragen jeder ein langscheidiges 
Blatt und an ihrem Ende je ein Paar Finger-Ähren. Granne des 
zwittrigen Ährchens etwa 6 mal so lang wie das Ährchen. Im 
übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Juli bis September, 
An trockenen Orten der Felsen, namentlich am Seegestade der 
Inseln des Adriatischen Meeres. A. pubescens Visiani, Flaum- 
haariges Bartgras. 
II. Untere Hüllspelze der Zwitterährchen kahl. Finger-Ähren an dem 
Stengel paarweise-endständig. Blätter sehr schmal, gekielt, am 
Rande scharf, von langen Haaren gefranst. Ährchen mit 5- bis 
6 mal längerer Granne. Im übrigen den vorigen ähnlich. Blütezeit 
Juli, August. Höhe 40 bis 50 cm. 2i.. An rasigen und felsigen 
Abhängen ; in Istrien und den Inseln des Adriatischen Meeres. A. dis- 
tachyiim L., Zweiähriges Bartgras. 
B. Rispenzweige wirtelständig; untere in 10- bis 12zähligen Wirtein; jeder 
Rispenast trägt an seiner Spitze ein sitzendes, zwitteriges Ährchen und 
zu dessen beiden Seiten meist je ein gestieltes, männliches Ährchen. 
Am Grunde des zwitterigen Ährchens findet sich ein rotgelber Haar- 
kranz; die obere Hüllspelze dieser Ährchen trägt eine etwa spelzenlange 
Granne; deren Deckspelze eine Granne von 5- bis öfacher Spelzenlänge. 
Die untere Hüllspelze der männlichen Blüte ist ebenfalls begrannt. 
Halme bis meterhoch. Blätter dichtrasig, schmal, gekielt, behaart, am 



*) Tafel 80A. Andropogon Ischaemum L. A blühende Pflanze; A 1 Teil 
der Blütenrispe mit einem sitzenden, zwitterigen und einem gestielten, männlichen 
Blütchen; A 2 zwitteriges Blütchen; A 3 männliches Blütchen ohne Deckspelze. 1 bis 3 
vergrössert. 



]^74 Gramineae. 

Rande sehr scharf. Rispe sehr ausgebreitet, zuletzt abstehend. Blüte- 
zeit Juni, Juli. %. Auf rasigen Abhängen und Wiesen; im Küsten- 
gebiete des Adriatischen Meeres. Andropogou Gryllus L., GrOld- 
haariges Bartgras. 

Gattung III: Sorghum Persoon, Mohrenhirse. 

Hierher nur S. halepense Persoon (Holcus avenaceus L.), Aleppoer 
Mohrenhirse. Wurzelstock ausdauernd, holzig, langkriechend, dichte 
Blatt- und Halmbüschel entwickelnd. Halm über meterhoch, rohrartig. 
Blätter lanzettlich, lang-zugespitzt, gekielt, scharf Rispe ausgebreitet, mit 
zerstreut-stehenden Ästen. Ährchen eilanzettlich; zu je zweien beisammen- 
stehend; das eine gestielt und unfruchtbar; das andere sitzend, in den 
harten Hüllspelzen ein zwittriges und ein unfruchtbares Blütchen um- 
schliessend. Die Deckspelze des Zwitterblütchen trägt in ihrer ausge- 
schnittenen Spitze eine gekniete, am Grunde gedrehte, abfallende Granne 
von 5- bis 6facher Spelzenlänge. Blütezeit Juni, Juli. Auf felsigen Ab- 
hängen, Kulturland, an überschwemmten Orten; im südlichen Tirol und im 
Gebiete des Adriatischen Meeres. 

S. vulgare Persoon, (Holcus Sorghum L.) Dürr ha, Kafferkorn, 
Negerkor u, Gemeine Mohrenhirse und S. saccharatum Persoon 
(Holcus saccharatus L.), Zuckerhirse werden beide im Süden des Gebiets 
zuweilen angebaut; beide sind einjährig; erstere hat eine fast kolbenförmig- 
zusammengezogene Rispe, letztere eine Rispe mit quirlständigen, über- 
hängenden Asten. 



Dreizehnte Gruppe; 

Phalarideae, Glanzgräser. 

Die Ährchen haben innerhalb der beiden äusseren Hüllspelzen, vor den 
Blütchen oft noch eine oder zwei, alleinstehende Spelzen; diese werden oft 
als Andeutungen unfruchtbarer Blütchen, oft auch als weitere Hüllspelzen 
angesehen, so dass das Ährchen dann 3 bis 4 Hüllspelzen hat. 

A. Ährchen mit einem oberen, zweimännigen Zwitterblütchen und zwei 
unteren, dreimännigen Blütchen. Gattung 113: Hierochloa Gmelin, 
Mariengras. 

B. Ährchen nur zwitterige und unfruchtbare Blütchen tragend; männliche 
Blütchen fehlen. 

a. Zwitterige Blüten dreimännig (HL, 2). Gattung 114: Phalaris L., 
Glanzgras. 



Gramineae. 175 

b. Zwitterige Blütchen zweimännig (IL, 2). 

a. Ährchen mit 4 Hüllspelzen (bez. 2 unfruchtbaren Blütchen). 

Gattung 112: Anthoxantlium L., Ruchgras. 
ß. Ährchen mit 3 Hüllspelzen (bez. 1 unfruchtbaren Blütchen). 

Gattung 115: Imperata Cyrillo, Imperatis-Gras. 

Gattung 112: Anthoxanthum L., Ruchgras. (II, 2.) 

Dichtrasige Gräser mit 30 bis 50 cm hohen Halmen und kurzen, 
scharf- behaarten Blättern. Sie enthalten Cumarin und duften daher, wenn 
sie getrocknet sind, sehr stark. Rispe ährenförmig. Hüllspelzen sehr un- 
gleich; untere einnervig, obere dreinervig, doppelt so lang wie die untere 
und die Blüten weit-überragend. Innerhalb der Hüllspelzen finden sich zu- 
nächst zwei zweikielig-ausgerandete Spelzen; dies sind die Spelzen unfrucht- 
barer Blüten; von diesen Spelzen trägt die untere über ihrer Mitte, die 
obere an ihrem Grunde eine gekniete, am Grunde gedrehte Granne. Die 
Spelzen der dann folgenden, zweimännigen Zwitterblüte sind unbegrannt; 
die Deckspelze ist breiter als die Vorspelze und umfasst diese; beide be- 
sitzen einen Mittelnerv und fallen, dann dunkelbraun-glänzend, mit der 
reifen Frucht aus dem Ährchen heraus. 

A. Die Spelzen der unfruchtbaren Blüten sind nur sehr wenig grösser als 
die der Zwitterblüte, ihre Grannen überragen die längere Hüllspelze 
nicht. — Rispe dicht-ährenförmig, länglich. Hüllspelzen kahl. Spelzen 
der unfruchtbaren Blüte an ihrem Grunde rauhhaarig. Zweimännig. 
Blütezeit Mai, Juni. %■. Auf Wiesen, in lichten Wäldern, durch das 
ganze Gebiet; gemein. A. odoratum L., Oemeines Ruchgras.*) 

Bei der Abart TÜlosum Loiseleur, Zottiges Ruchgras sind 
Blätter und Hüllspelzen zottig-behaart. 

B. Die Spelzen der unfruchtbaren Blüten sind fast doppelt so lang wie die 
der Zwitterblüte; die Granne der unteren unfruchtbaren Spelze ist etwa 
um den dritten Teil der längeren Hüllspelze länger als diese. Rispe 
lockerer und dünner und Geruch weniger stark als bei voriger. Zwei- 
männig. Blütezeit Juni, Juli. Auf sandigen Heiden; bei Lübeck, 
Bremen, im Lüneburgischen; dort häufig. A. Puelii Lecoq und La- 
motte, Puels Ruchgras. 



*) Tafel 80B. Antlioxanthura odoratum L. B blühende Pflanze; B 1 Teil 
der Rispe; B 2 Ährchen; B 3 Ährchen ohne die HüUspelzeu, die Spelzen der beiden 
unfruchtbaren Blüten sind von der zweimännigen Zwitterblüte zurückgebogen. 1 bis 3 
vergrössert. 



176 Gramineae. 

Gattung 113: Hierochloa Gmelin, Mariengras. 

Ciimarinlialtige, in trockenem Zustande duftende Gräser. Wurzelstock 
kriechend, Blattbüschel treibend. Rispe eiförmig. Ährchen eiförmig, 
glänzend, gelbbraun; mit 3 Blüten, zwei unteren dreimännigen , männlichen 
und einer oberen, zweimännigen, zwitterigen. Vorspelze der Zwitterblüte 
einnervig. 

1. Wurzelstock weithin ausläuferartig-kriechend. Ahrchenstiel unter dem 
Ährchen kahl. — Blätter lanzettlich, mit kurzen Scheiden. Rispe aus- 
gebreitet. Hüllspelzen lang zugespitzt, Zwitterblüte unbegrannt. Beide 
männliche Blüten zuweilen unter ihrer Spitze sehr kurz begrannt. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Höhe 30 bis 50 cm. 2j.. Auf feuchten oder sumpfigen 
Wiesen, in Brüchen; sehr zerstreut und selten. (Holcus odoratus L.) 
M. odorata Wähle nberg. Wohlriechendes Marieugras.*) 

2. Wurzelstock ohne oder mit sehr kurzen Ausläufern. Ahrchenstiel am 
Grunde der Ährchen behaart. — Untere männliche Blüte unter ihrer 
Spitze mit einer kurzen, geraden Granne; Deckspelze der oberen, männ- 
lichen Blüte auf der Mitte ihres Rückens mit einer längeren, geknieten 
Granne. Blütezeit April bis Juni. Höhe 30 bis 50 cm. 21.. In 
schattigen Wäldern, namentlich auf Kalkboden; im nördlichen und 
mittleren Teil des Gebietes. H. aiistralis Roemer und Schultes, 
Südliches Mariengras. 

Gattung 114: Phalaris L., Glanzgras. 

A. Rispe ausgebreitet mit büschelig-gehäuften Ährchen. Äussere Hüll- 
spelzen auf ihren Rücken gekielt, aber nicht geflügelt (Digraphis 
Trinius). — Wurzelstock sehr ästig, kriechend, ausdauernd. Stengel 
rohrartig, 110 bis 200 cm lang, wie die Blattscheiden kahl. Blätter 
breit, steif, oberseits rauh. Ährchen grün-gelb, oft braunrot-angelaufen. 
Spelzen der unfruchtbaren Blüten (innere, kleine Hüllspelzen) borsten- 
förmig, weichhaarig, nur ein Drittel so lang wie die bei stärkerer Ver- 
grösserung seidenhaarig aussehenden Spelzen der Zwitterblüte. Blüte- 
zeit Juni, Juli. An Ufern stehender und fliessender Gewässer, auf 
feuchtem Sandboden; durch das ganze Gebiet häufig. (Baldingera 
arundinacea Flora der Wetterau; Digraphis arundinacea Trinius.) 
Ph. arundinacea L., Rohrartiges Crlanzgras.**) 



*) Tafel 81A. Hierochloa odorata Wahlenberg. A blühende Pflanze; 
A 1 Ährchen, vergrössert. 

**) Tafel 81B. Phalaris arundinacea L. ß Blütenrispe; B 1 Ährchen; B2 
dasselbe nach Wegnahme der Hüllspelzen; B 3 Hüllspelzen. 1 bis 3 vergrössert. 



Gramineae . 177 

Eine Abart mit grün- und weissgestreiften Blättern ist die oft in 
Gärten gezogene Phalaris picta L., Bandgras, Spanisclies Oras. 

B. Rispe ährenförmig- zusammengezogen. Äussere Hüllspelze auf ihrem 
Rücken geflügelt (Euphalaris Luerssen). 
I. Flügel auf dem Rücken der äusseren Hüllspelzen ganzrandig. 

1. Rispe eiförmig. Äussere Hüllspelzen breit-lanzettlich-länglicli, kurz- 
zugespitzt, an ihrem Rande einnervig, glatt, gelb -weiss, beiderseits 
mit grasgrünen Streifen. — Einjährig. Halm 15 bis 50 cm hoch. 
Blätter ziemlich breit, lanzettlich, sehr lang zugespitzt, etwas rauh; 
oberste Blattscheide etwas aufgeblasen. Spelzen der Zwitterblüte 
angedrückt- weichbehaart; Spelzen der unfruchtbaren Blüten seiden- 
haarig. Blütezeit Juli, August. Als Vogelfutter viefach angebaut 
und hier und da verwildert. Ph. canariensis L., Kanarieu- 
gras.*) 

2. Rispe walzenförmig. Hüllspelzen der Zwitterährchen lang zu- 
gespitzt, am Rande dreinervig. Im übrigen der vorigen sehr ähn- 
lich. Blütezeit Mai bis Juli. ©. Höhe 30 bis 50 cm. Istrien; 
anderwärts zuweilen durch Vogelfutter eingeschleppt. Ph. para- 
doxa L., Sonderbares Glanzgras. 

II. Flügel auf dem Rücken der Hüllspelzen ausgebissen-gezähnelt. 

1. Spelzen der Zwitterblüte angedrückt-behaart. — Rispe ähren- 
förmig-länglich. Hüllspelzen zugespitzt-stachelspitzig, am Rande 
einnervig. Im übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit Mai, 
Juni. ©. Am Strande des Adriatischen Meeres. Ph. minor L., 
Kleines Glanzgras. 

2. Spelzen der Zwitterblüte kahl. Halm an seinem unteren Ende 
knollig verdickt, sonst wie vorige. Blütezeit Mai. %. An feuchten 
Orten bei Triest. Ph. aquatica L., Wasser- Glanzgras. 

Gattung 115: Imperata Cjrillo, Imperata, imperatis-Gras (II, 2). 

Hierher nur I. cylindria Palisot de Beauvais, Walzenrispige 

Imperata. Wurzelstock kriechend, ausdauernd. Halm aufrecht 30 bis 
60 cm hoch. Blätter steif, kahl, scharfrandig, blaugrün, eingerollt. Rispe 
lang- walzenförmig; Äste an ihren Verästelungen langhaarig. Hüllspelzen 
einander gleichlang, auf ihrem Rücken lang-seidenhaarig. Zweimännig. 
Blütezeit Juli, August. In Olivenwäldern und Weinbergen Istriens. 



*) Tafel 81 C. Phalaris canariensis L. Blütenrispe. 
Thom^, Flora. II. Aufl. 12 



178 Gramineae. 

Vierzehnte Gruppe: 

Olyreae, Maisgräser. 

Hierher nur eine Gattung mit einer Art: 

Gattung 116: Zea L., Mais. 
Zea Mays L., Mais, Türkischer Weizen, Welschkorn. Einjährig. 
Stengel bis 3 und mehr, selbst 6 Meter hoch, steifaufrecht, markig, finger- 
bis armdick. Blätter bis 8 und mehr cm breit, flach, in der Knospe ge- 
rollt, auf der Oberseite zerstreut-behaart, gewimpert, mit offener Scheide 
und langgewimpertem Blatthäutchen. Die Blüten sind einhäusig; die männ- 
lichen bilden eine gipfelständige, pyramidenförmige, nackte, d. h. nicht von 
den Deckblättern umgebene oder gestützte Rispe mit ährenartigen Ästen. 
Die männlichen Ährchen sind schmal-länglich; sie finden sich zu je 2, 
seltener 3, an kleinen Zweiglein, und von diesen Ährchen ist stets eines 
gestielt, das andere (oder die beiden anderen) sitzend. Die beiden Hüll- 
spelzen sind länglich lanzettlich, krautig-häutig, 5- bis 7 nervig, etwas rauh. 
Die Blütenspelzen sind lanzettlich, an der Spitze ausgerandet, durchsichtig- 
häutig; die Deckspelze ist 3-, beziehungsweise schwach 5 nervig, die Vor- 
spelze 2 nervig. Die weiblichen Blüten sitzen am unteren und mittleren 
Teil des Stengels in achselständigen Ähren mit dicken, kolbenförmigen 
Achsen. Diese Ähren sind von vielen, grossen, scheidenartigen Deck- 
blättern völlig umhüllt, sodass nur die Spitzen der langen, fadenförmigen 
Griffel an der Spitze des Kolbens zu tage treten. Die weiblichen Ährchen 
sind einblütig, etwas in die Achse eingesenkt, auch sie finden sich als 
Z\villingsährchen zu je zweien (seltener dreien) beisammenstehend. Die 
beiden Hüllspelzen sind fleischig, oberwärts häutig; die untere ist aus- 
gerandet, die obere abgestutzt; sie umhüllen zunächst eine alleinstehende, 
durchsichtig-häutige, seltener noch von einer Vorspelze begleitete Spelze, 
die oft als dritte Hüllspelze, oft als Andeutung einer unfruchtbaren Blüte 
angesehen wird; darauf folgt eine weibliche Blüte, welche aus zwei durch- 
sichtig-häutigen Spelzen und einem kahlen Fruchtknoten besteht. Der 
Griffel ist lang, die Narbe lang, fadenförmig, kurz- und zart-gewimpert, 
zweispitzig. Blütezeit Juni, Juli. Früchte glänzend, nach den Kultur- 
varietäten weiss, gelb, rot, blau oder bunt. Stammt aus Amerika, wird 
vielfach angebaut.*) 



*) Tafel 82. Zea Mays L. A Teil der blühenden Pflanze, mit männlicher 
Blütenrispe und weiblichem Blütenkolben ; B Fruchtkolben aus den Deckblättern her- 
ausgelöst; beide verkleinert. 1 Teil der männlichen Rispe; 2 männliches Ährchen; 
3 oberes Ende der Deckblätter der weiblichen Ähre, aus welcher die Narben hervor- 
ragen; 4 weibliche Blüten, die Narben sind zum Teil entfernt. 2 und 4 vergrössert. 



Gramineae. 179 

Die zahlreichen Kulturvarietäten lassen sich in 2 Gruppen trennen: 
o. Flachköruiger Mais, var. vulgaris Körnicke. Der Kolben hat 
4 Zeilen von ZwiUingsährchen, seine Früchte sind daher breit, flach- 
gewölbt und in 8 Zeilen angeordnet. 
ß. Pferdezahu-Mais, var. leucodou Alefeld. Der Kolben hat 6 bis 
7 Zeilen von ZwiUingsährchen, seine Früchte sind lang-prismatisch und 
in 12 bis 14 Zeilen angeordnet. 



Fünfzehnte Gruppe: 

Oryzeae, Reisgräser. 

1. An Stelle der Hüllspelzen finden sich kleine Schuppen. Deckspelze 
stumpf. Gattung 117: Oryza Tournefort, Reis. 

2. Hüllspelzen fehlen. Deckspelze lang-zugespitzt. Gattung 118: Colean- 
tlius Seidel, Scheidenblütengras. 

Gattung 117: Oryza Tournefort, Reis. 

Hierher nur Oryza clandestina A. Braun, Reissquecke, Wilder 

Reis. (Leerisa oryzoi'des Swartz, Phalaris oryzoides L.) Wurzelstock lang- 
kriechend, verästelt, fruchtbare und unfruchtbare, aus knieförmigem Grunde 
aufsteigende, 100 bis 150 'cm lange Halme entsendend. Blätter sehr rauh, 
lang zugespitzt. Rispe rauh -verästelt; wenn völlig entwickelt, zuletzt 
sperrig abstehend, oft aber aus der Blattscheide nicht oder nur teilweise 
hervortretend. An Stelle der Hüllspelzen finden sich kleine Schüppchen. 
Deckspelze an ihrem Rande, Vorspelze an ihrem Kiel steifliaarig-gewimpert. 
Blütezeit August, September. %■. An Ufern, Gräben, in Lachen; sehr zer- 
streut, in der Schweiz ziemlich häufig.*) 

Gattung 118: Coleanthus Seidel, Scheidenblütengras (II, 2). 

Hierher nur Coleanthus suMilis Seidel, Zartes Scheideublüten- 

gras. (Schmidtia utriculosa Sternberg.) Einjährig. Halm fadenförmig, 
3 bis 8 cm hoch, von aufgeblasenen Blattscheiden umgeben. Blätter 
linealisch, lang zugespitzt, rinnig eingerollt. Rispe verästelt, mit huscheligen, 



*) Tafel 83A. Oryza clandestina A. Braun. A Blütenrispe; A 1 Ährchen, 
vergrössert. 

12* 



180 Cyperaceae. 

langgestielten, gehäuften, einblütigen Ährchen. Hüllspelzen fehlen. Deck- 
spelze eiförmig, lang-zugespitzt, einnervig; Vorspelze zweinervig, ausgerandet. 
Zweimännig. Blütezeit Juli bis Oktober. An feuchten Orten, aus- 
getrockneten Teichen und in Sümpfen. Sehr selten und unbeständig; in 
Tirol, Mähren, Niederösterreich, Böhmen,*) 



23. Familie; Cyperaceae, Cypergräser, Halbgräser, Riedgräser, Sauere Gräser, 

Scheingräser oder Seggen. 

Einjährige oder ausdauernde, grasartige Kräuter von rasigem Wüchse, 
oder mit unter der Erde fortkriechenden, mehr oder minder langen und 
langgegliederten und mit schuppenartigen Blättern besetzten, selten knollig 
angeschwollenen Wurzelstöcken. Der Stengel ist (abgesehen von den Ver- 
zweigungen des Blütenstandes) unverzweigt; er ist meist dreikantig, hat 
nur wenig Glieder und von diesen erhebt sich nur ein grosses (knoten- 
loses) über die Erde. Die Blätter sind meist grundständig, dreizeilig an- 
geordnet; ihre Blattscheide ist scheidenförmig, fast nie gespalten, ihre 
Blattfläche parallelnervig, oft dreischneidig. Die Blüten stehen in Ahrchen, 
welche sich zu zusammengesetzten Ähren, Rispen, Spirren oder Köpfchen 
anordnen; sie sind zwitterig oder diklinisch und dann häufig an demselben 
Stengel auf verschiedene Ähren, von denen die einen nur Staubfäden-, die 
anderen nur Stempelblüten tragen, verteilt. Jede Blüte steht in der Achsel 
eines spelzenartigen Deckblattes, einer Deckspelze oder Deckschuppe. Eine 
Blütenhülle fehlt oder sie wird durch einige (meist 6) bis viele Borsten 
vertreten. Bei den Echten Seggen (Carex) ist der Fruchtknoten zwar von 
einem nur an der Spitze offenen, krug-förmigen Schlauche umschlossen, 
aber die Entwicklungsgeschichte lehrt, dass wir es hier nicht mit einer 
Blütenhülle, sondern mit einem Vorblatte zu thun haben, in dessen Achsel 
die aus einem blofsen Fruchtknoten bestehende weibliche Blüte sitzt. 
Staubblätter sind meist 3 vorhanden. Der aus 2 bis 3 Fruchblättern ge- 
bildete, oberständige Fruchtknoten ist im allgemeinen einfächerig und ein- 
samig. Die Frucht ist eine Schliessfrucht; der kleine Keim liegt am 
Grunde und in der Mittellinie des mehligen Eiweisses. Windblütler, mit 
nectarlosen, aber doch zuweilen von Insekten besuchte Blüten. Häufig ist 
Fremdbestäubung durch Pruchtblattvorreife gesichert. 



*) Tafel 83BC, Coleanthus subtilis Seidel. B blühende Pflanze; C Rispe, 
vergrössert ; B 1 Ährchen stark vergrössert. 



Cyperaceae. 131 

Hierher 10 Gattungen: 

A. Blüten einhäusig, selten zweihäusig. 1. Unterfamilie: Cariceae, Echte 
Seggen. 

1. Fruchtknoten und Friicht sind von einem nur an der Spitze offenen 
Schlauche umschlossen, Gattung 119: Carex L., Segge. 

2. Ein die Frucht einschliessender Schlauch fehlt. 

a. Ahrchen zweiblütig. Gattung 120: Elyna Schrader, Elyne. 

b. Untere Ahrchen einblütig, weiblich, mit einem verkümmerten 
männlichen Blütchen; obere Ahrchen einblütig, männlich- 
Gattung 121: Kolbresia Willdenow, Kobresie. 

B. Blüten zwitterig. 

A. Die Blütchen sind in ihren Ahrchen zweizeilig angeordnet. 2. Unter- 
familie; Cyperoideae, Echte Cypergräser. 

1. Ahrchen viel- (in der Regel mehr als neun-) blutig; es tragen 
alle Deckspelzen Blütchen in ihren Achseln, oder die unteren 
1 bis 2 Spelzen sind kleiner und unfruchtbar. Der Blütenstand 
ist meist eine zusammengesetzte Spirre. Gattung 122: Cyperus L., 
Cypergras. 

2. Ahrchen verhältnismässig wenigblütig; die drei bis 6 untersten 
Spelzen sind kleiner und leer; die obersten 2 bis 4 tragen Blüt- 
chen in ihren Achseln. Blütenstand kopfig. Gattung 123: 
Schoeuus L., Kopfriet. 

B. Die Blütchen sind spiralig (allseits wendig) angeordnet. 3. Unter- 
familie: Scirpeae, Simsengräser. 

2. Ahrchen wenigblütig; die 3 bis 4 untersten Spelzen sind leer 
und kleiner als die oberen, fruchtbaren. 

ß. Das Ahrchen ist zweiblütig; das untere Blütchen ist oft 
männlich. Eine Blütenhülle fehlt. Die Frucht ist rundlich. 
Gattung 124: Cladiiim Patrik Brown, Sumpfriet. 

ß. Das Ahrchen hat 2 bis 3 Zwitterblütchen. Die Blütenhülle 
ist durch einige Borsten vertreten. Die Frucht ist etwas zu- 
sammengedrückt; sie endet mit dem stehenbleibenden, breiten, 
unteren Ende des Griffels. Gattung 125: Rhynchospora 
Yahl, Schnahelsame. 

2. Ahrchen mehrblütig; die 1 bis 2 untersten Spelzen sind leer, 
aber eben so gross oder grösser als die oberen, fruchtbaren. 



182 Cyperaceae 

a. Die aus 6 oder aus zahlreichen Haaren bestehende Blütenhülle 
bildet bei der Fruchtreife einen grossen, die Spelzen weit über- 
ragenden Schopf, der als Flugapparat für die Samen dient. 
Gattung 126: Eriophorum L., Wollgras. 

ß. Die Blütenhülle wird aus 6 rauhen, die Spelzen nicht über- 
ragenden Borsten gebildet oder fehlt ganz. 

a. Die linsenförmige Frucht ist an ihrem Grunde von einer 
ringförmigen Haut (einem Diskus) umgeben. Eine Blüten- 
hülle fehlt. Der Griffel ist an seinem Grunde knollig ver- 
dickt und gliedert sich hier bei der Fruchtreife durch ein 
Gelenk ab. Gattung 127: Fimbristylis Vahl, Fransen- 
simse. 

h. Die Frucht ist an ihrem Grunde nicht von einem Diskus 
umgeben. Die Blütenhülle fehlt oder besteht aus 6 rauher, 
die Spelzen nicht überragenden Borsten. Gattung 128: 
Scirpus L., Simse. 

Gattung 119: Carex L., Segge. (XXI, 3, selten XXII, 3.) 

Ausdauernde, grasartige Kräuter von rasenförmigem Wüchse oder mit 
kriechendem, oft Ausläufer treibenden Wurzelstocke. Die Halme und die 
Ränder der meist schmalen Blätter sind oft durch kleine Zähnchen rauh; 
um sich von deren Anwesenheit oder Fehlen zu überzeugen, muss man mit 
dem Finger sowohl nach der Spitze als auch nach dem Grunde des Halmes, 
beziehungsweise des Blattes, hinfahren. Oft sind am Grunde des Halmes 
die Blätter durch blosse Blattscheiden ersetzt. Die hautartigen, geschlossenen 
Blattscheiden der unteren Blätter zerfasern sich bei vielen Arten an der 
vorderen Seite. Ein Blatthäutchen (wie bei den Gräsern) ist meist nur am 
Grunde der Seiten der Blattflächen erkennbar. Der Blütenstand ist meist 
eine aus Ährchen zusammengesetzte Ähre, Rispe oder Traube; die einzelnen 
Ährchen stehen in den Achseln oft schuppenartiger, oft mehr oder weniger 
blattartiger Tragblätter. 

Zur Bestimmung der Seggen bedarf man blühender und reife Früchte 
tragender Exemplare, auch muss das Verhalten des Wurzelstockes (rasig, 
kriechend, ausläufertreibend) zu erkennen sein. Die angegebenen Verhält- 
nisse der Länge der Halme zu der der Blätter bezieht sich auf reife Pflanzen; 
zur Blütezeit ist der Halm meist kürzer. Die Angaben über die Form der 
Fruchtschläuche geben meistens nur deren Umriss, nicht deren Querschnitt. 



Cyperaceae. 183 

Die Gattung zerfällt in 2 nebeneinanderherlaufende Reihen, in Unechte 
Seggen, Tignea Palisot de Beauvais, mit zwei Narben und in Echte 
Seggen, Carex Palisot de Beauvais (Legitimae), mit drei Narben. 

Hierher über 100 Arten, nebst zahlreichen Formen und Bastarden. 
Man unterscheidet zunächst: 

A. Ährchen einzeln auf der Spitze des Halmes: I. Einährige, Mono- 
stachyae. 

B. Ährchen zu mehreren am Ende des Halmes: Tielährige, Polystachyae. 
A. Alle Ährchen sind aus weiblichen und aus männlichen Blütchen 

zusammengesetzt. (Nur männliche Blüten hat zuweilen C. remota 

X paniculata, nur weibliche C. gynomane): Gleichährige, Homo- 

stachyae. 

a. Die unteren Blüten des Ährchens sind männlich; H. Unteu- 

männige, Hyparrhenae. 
ß. Die oberen (selten die mittelsten) Blüten des Ährchens sind 

männlich; HL Ohenmännige, Acrarrhenae. 
5. Die Ährchen sind getrennten Geschlechtes: das endständige Ähr- 
chen, manchmal auch noch eine oder mehrere der obersten Seiten- 
ährchen sind männlich, die anderen weiblich; häufig ist das oberste 
weibliche Ährchen an seiner Spitze männlich; selten ist dies bei 
mehreren weiblichen Ähi'chen der Fall; noch seltener ist das end- 
ständige, sonst ganz männliche Ährchen an seiner Spitze, in seiner 
Mitte oder an seinem Grunde weiblich, oder sind die obersten sowie 
die untersten Ährchen des Blütenstandes weiblich und die mittleren 
männlich. Terschiedenährige, Heterostachyae. 
a. Das obere Ende des Fruchtschlauches ist in einen langen und 

flachen Schnabel vorgezogen, und dieser Schnabel ist an seiner 

Spitze ausgeschnitten -zweizähnig, selten zweilappig. IV. Zahu- 

schnahelige, Odontostomeae. 
ß. Der Fruchtschlauch ist schnabellos oder besitzt einen stielrunden, 

gerade - abgestutzten oder undeutlich - zweizähnigen Schnabel. 

V. Kreisschnahelige, Cyclostomeae. 

I. Monostachyae, Einährigre. 

Ährchen einzeln auf der Spitze des Halmes. Hierher 7 Arten: 
A. Am Grunde des Fruchtschlauches findet sich eine Granne nicht vor. 
Flohseggen, Psyllophorae. 



184 Cyperaceae. 

1. Vignea, mit 2 Narben. 

a. Halm rund, fadenförmig, nicht dreikantig. 

a. Fruchtschläuche einrund, enge beisammenstehend. Meist zwei- 
häusig. — Halm 8 bis 30 cm hoch, wie die borstenförmigen, 
dreieckigen Blätter glatt. Wurzelstock ausläufertreibend. Ähr- 
chen braun. Deckblättchen elliptisch, rostfarben, häutig-berandet, 
meist abfallend. Blütezeit Mai, Juni. 4, Auf Moorboden und 
Torfwiesen, namentlich im nördlichen Teile des Gebietes. Carex 
dioica L., Zweihäusige Segge.*) 

Bei der Form C. Metteniana Lehmann, Mettenius' Segge 
finden sich an dem Grunde der männlichen Ährchen einige weib- 
liche Blütchen; bei der Varietät isogyna Fries, halbweil)ige 
Segge, ist die untere Hälfte der Ähren weiblich, die obere 
männlich. 

ß. Fruchtschläuche an beiden Enden zugespitzt, in lichter Reihe 
sitzend. Einhäusig. — Halme und Blätter wie bei dioica. 
Wurzelstock rasig, mit kurzen, bogig-aufsteigenden Ausläufern. 
Ährchen oben männlich, unten weiblich. Deckblättchen läng- 
lich-spitz, abfallend, braun, grünnervig, häutig-berandet. Reife 
Früchtchen rückwärtsgebogen, kastanienbraun. 4. Blütezeit 
Mai. Auf feuchten, moorigen Wiesen; zerstreut und selten. 
(C. psyllophora Ehrhart.) C. pulicaris L., Flohsegge. 
b. Halm dreikantig und, wenigstens nach oben zu, scharf. 

a. Wurzelstock ohne kriechende Ausläufer. — Halm bis 30 cm 
hoch, fadenförmig; Blätter borstenförmig, nach oben zu scharf. 
Blüten meist zweihäusig. Deckblättchen rotbraun, weissrandig, 
anfangs mit grünem, später mit weissgelbem Nerv. — Ährchen 
zur Blütezeit linealisch; bei der Reife stehen die braunen, fast 
lanzettförmig -dreikantigen, zugespitzten Fruchtschläuche ganz 
zurückgeschlagen (wie bei C. pulicaris). Blütezeit April, Mai. 
4. Auf Torfwiesen und in Mooren, mehr im südlichen Teile 
des Gebietes, namentlich in den Alpen. C. Dayalliana Smith, 
Davalls Segge. 

Bei der Form C. Sieberiana Opitz, Sielbers Segge, haben 
die Ährchen an ihrer Spitze über den männlichen einige weib- 
liche Blütchen. 



*) Tafel 84 AB. Carex dioica L. A männliche, B weibliche Pflanze; A 1 
männliche, A 2 weibliche Blüte; A 3 Fruchtschlauch. 1 bis 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 185 

ß. Wurzelstock mit kiiechenden Ausläufern. — Halm zur Frucht- 
zeit 15 bis 20 cm hoch, sehr dünn, fast fadenförmig, Blätter 
fadendüun, am Rande scharf, gerinnelt. Blütenköpfchen blass- 
gelb, erbsengross. Fruchtköpfchen kugelrund, mit kleinen, fast 
herzförmigen, kastanienbraunen Deckblättchen und blassgelben, 
glänzenden, glatten Fruchtschläuchen. Von letztern sind die 
unteren rundlich mit zweigabeliger Spitze, die oberen mehr 
länglich und etwas zusammengedrückt. Blütezeit Mai, Juni. %. 
In Torfmooren Württembergs, Oberbayerns und Tirols. Carex 
capitata L., Kopfförmige Segge.*) 
2. Carex, mit 3 Narben. 

a. Fruchtschläuche bei der Reife herabhängend, lanzettlich-pfriemlich. 
— Aus dem kriechenden, ausläuferbildenden Wurzelstocke spriessen 
ein bis zwei zarte, bis 15 cm hohe, dreikantige Halme. Die Blätter 
sind mit ihren Rändern zusammengerollt und erscheinen daher 
dreiseitig, zugespitzt. Ährchen meist vierblütig, mit endständigem, 
männlichem Blütchen. Deckblättchen der weiblichen Blütchen 
länglich, strohgelb; das des männlichen Blütchens dunkler und 
lanzettlich, bald nach der Blütezeit abfallend. Früchtchen stroh- 
gelb, pfriemlich-dünn, zugespitzt, bei der Reife zurückgebrochen. 
Blütezeit Juni, Juli. 4. Auf Gebirgsmooren, C. pauciflora Light- 
foot, Wenigl)lütige Segge. 
ß. Fruchtschläuche bei der Reife aufrecht, verkehrt- oder kugelig- 
eiförmig. 

a. Wurzelstock ohne Ausläufer. Blätter flach, lanzettförmig, ge- 
krümmt, unterwärts am Rande scharf, blaugrün, etwa so lang 
als der 8 bis 10 cm hohe, dreikantige, scharfe Halm. — Ähre 
einzeln, endständig, walzenförmig, unten weiblich, oben männ- 
lich. Deckblättchen braun, mit grünem Rückennerv, bei den 
männlichen Blütchen spitz, bei den weiblichen stumpf, stehen- 
bleibend, grösser als die Früchtchen. Blütezeit Juni, Juli. 4. 
Auf Felsen der Kalkalpen und höheren Gebirge; selten. C. 
rupestris AUioni, Felsen-Segge. 
h. Wurzelstock rasig, mit kriechenden Ausläufern. Blätter schmal- 
linealisch, fast fadenförmig, oben scharf, etwa so hoch als der 
8 bis 15 cm hohe, stumpf-dreikantige, glatte Halm. — Ährchen 



*) Taföl 84 CD. Carex capitata L. C blühende Pflanze; D Fruchtköpfchen; 
C 1 männliche, C 2 weibliche Blüte. 1 und 2 vergrössert. 



136 Cyperaceae. 

einzeln, endständig, länglich-stumpf, unten weiblich, oben männ- 
lich. Deckspelzen spitz, braun, weisshäutig-berandet. Frucht- 
schlauch fast kugelig, an der Aussenseite gewölbt, sehr kurz- 
gestielt, glatt, glänzend-gelbrot, kaum länger als die Deck- 
spelzen. Blütezeit Mai, Juni. Auf sonnigem Boden; sehr selten; 
bei Leipzig, Potsdam, Spandau. Wird vielfach nur als Varietät 
von C. obtusata Liljeblad angesehen. Carex spicata Schkuhr, 
Einährige Segge. 
B. Am Grunde des Fruchtschlauches findet sich eine Granne. Oeradhörnige, 
Orthocerates. 

Hierher nur eine Art: Wurzelstock kriechend, mit kurzen Ausläufern. 
Halm zart, bis 15 cm hoch. Blätter borstenförmig, rinnig. Das Ahrchen 
hat an der Spitze 2 bis 6 männliche, am Grunde 4 bis 10 weibliche 
Blütchen. Deckblättchen grün, spitz; die der weiblichen Blütchen fallen 
bei der Fruchtreife ab, die der männlichen bleiben. Früchtchen lanzett- 
lich-pfriemlich , strohgelb, zurückgeschlagen, mit langer grüner, ab- 
fallender Borste. Blütezeit Juni, Juli. 4. In Torfmooren und Sümpfen 
der Alpen, Voralpen und Hochebenen, selten. C. microglochin Wahlen- 
berg, Kleinspitzige Segge.*) 

II. Hyparrhenae, Untenmännige. 

Ährchen zu mehreren am Ende des Halmes; alle aus männlichen und 
aus weiblichen Blüten zusammengesetzt, und zwar sind die unteren Blütchen 
der Ährchen männlich, die oberen weiblich (nur männliche Blütchen hat 
zuweilen C. remota x paniculata). Fruchtknoten mit 2 Narben. Hierher 
14 Arten: 
A. Mit lang- kriechendem Wurzelstocke, nicht rasig. 

a. Die Tragblättchen der untersten Ährchen sind nicht blattartig, auch 
überragen sie den Halm nicht. Fruchtschlauch wenigstens in seiner 
oberen Hälfte berandet oder geflügelt und an seinem Rande, be- 
ziehungsweise Flügel, fein-gesägt-gewimpert. 

A. Fruchtschlauch fast von seinem Grunde an flügelrandig oder ge- 
flügelt und an diesem Rande bez. Flügel fein-gesägt-gewimpert. 
a. Unterstes Ährchen ohne blattartiges Tragblatt; Fruchtschlauch 
kaum oder doch nur wenig grösser als die Deckspelze. — 

*) Tafel 84 E. Carex microglochin Wahlenberg. E fruchtende Pflanze ; E 1 
Ähre zur Fruchtzeit, mit nach unten zurückgeschlagenen Früchtchen, die ihre Deck- 
blättchen verloren haben. E 2 weibliche Blüte. 1 und 2 vergrössert. 



Cyperaceae. 137 

Halm oft über 60 cm hoch, schlaff, oberwärts dreikantig- 
scharf. Blätter oft noch länger als der Halm, hart und rauh. 
Ahrchen zu 5 bis 8, eine fast zweizeilige Ähre bildend, etwas 
gekrümmt und bei der Reife etwas auswärtsgebogen. Frucht- 
schlauch bräunlich, mit breitem, nach dem Grunde hin ver- 
schmälertem, wimperig-gesägtem Flügelrande, in einen zwei- 
teiligen Schnabel zugespitzt, kaum oder doch nur wenig länger 
als die eilanzettlich-spitze, gelbliche, weisshäutig-berandete und 
vom grünen Mittelnerv durchzogene, schuppenförmige Deck- 
spelze. Blütezeit Mai, Juni. 4. In feuchten Waldungen und 
auf Waldwiesen; im nördlichen Teile des Gebietes zerstreut; 
nach Süden an Häufigkeit zunehmend. Carex brizoi'des L., 
Zittergrasartige Segge. 
ß. Unterstes Ahrchen mit kurzem, blattartigem Deckblatte; Frucht- 
schlauch 1 V2 nial so lang als die Deckspelze. — Ahi-e aus 
8 bis 12, nach oben zu etwas zweizeilig geordneten Ahrchen 
zusammengesetzt; mitunter sind die 4 bis 6 oberen Ahrchen 
männlich (siehe Verschiedenährige). 30 bis 60 cm hohe Halme 
entwickeln sich einzeln oder büschelweise aus den Knoten des 
meist langkriechenden Wurzelstockes. Fruchtschläuche lanzett- 
lich-zweispitzig, von unten an scharf-zweikantig. Deckspelzen 
bleich, spitz-eiförmig. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf feuchten 
Wiesen Oberbayerns, Posens, Schlesiens. (C. Ohmülleriana Lang.) 
C. brizoi'des x remota Reichenbach, Ohmüllers Segge. 
B. Fruchtschlauch erst von seiner Mitte an flügelrandig oder geflügelt 
und an diesem Rande bez. Flügel fein-gesägt-gewimpert. 

a. Fruchtschlauch schmal-flügelrandig; Ahrchen länglich-lanzett- 
lich-spitz. — Die Knoten des weithin kriechenden Wurzelstockes 
entsenden in Reihen geordnete, einzeln oder zu mehreren 
stehende, 10 bis 30 cm hohe, dreiseitige, nach oben zu drei- 
kantige Halme. Blätter schmal, rinnig, Ahrchen einander ge- 
nähert, aufrecht stehend. Fruchtschlauch eiförmig, flach ge- 
wölbt, mit einigen Längsnerven, in einen zweispaltigen Schnabel 
zugespitzt, kaum länger als die eiförmige, spitze, rotbraune mit 
grünem Rückennerv und schmalem, weissem Rande versehene 
Deckspelze. Blütezeit Mai, Juni. 4. An sonnigen Abhängen, 
in lichten Waldungen; ziemlich selten. (C. Schreberi Schrank) 
C. praecox Schreber, Frühblühende oder Sehr el)ers Segge. 
Die Form var. ß. curyata Knaf (pallida Lang) ist höher 



188 Cyperaceae. 

und schlanker und hat bleiche Deckspelzen; an schattigen 
Orten. 
ß. Fruchtschlauch in seiner oberen Hälfte breit geflügelt; der 
Flügel ist an seiner breitesten Stelle fast so breit wie der lange, 
allmählich zugespitzte Schnabel des Sclilauches; Ährchen eirund, 
wenigstens das unterste mit einem Tragblatte, welches in eine 
lange, borstenförmige, gmne Spitze endigt (die untersten Ähr- 
chen sind zuweilen weiblich. Siehe Verschiedenährige). — 
Wurzelstock oft sehr lang, aus seinen Knoten bis 50 cm hohe 
Halme entsendend. Deckspelzen eilanzettförmig, fein-zugespitzt, 
braun, weisshäutig-berandet, mit grünem Mittelnerv. Blütezeit 
Mai, Juni. 4. Auf sandiff-lehmiffem Boden in Norddeutsch- 
land häufig, in Mitteldeutschland selten. (C. ligerica Gray; 
C. pseudo-arenaria Reichenbach.) Carex Schreberi x arenaria 
Lasch, Französische Segge. 
b. Die Tragblättchen der untersten, weit voneinander entfernten Ährchen 
sind laubartig, ihr unterstes überragt oft den Halm. Mit kriechendem 
Wurzelstock, im übrigen wie C. remota L. (Siehe Seite 189.) An 
schattigen, feuchten Orten; selten. C. remota L., var. repens, Krie- 
chende Form der Entferntährigen Segge. 
B. Halme in mehr oder minder dichten Rasen beisammen; Ausläufer fehlen 
oder sind doch nur sehr wenig entwickelt. 

A. Die Ährchen sind am Ende des Halmes zu einem Köpfchen zu- 
sammengedrängt. — Halm 15 bis 30 cm hoch, oberwärts stumpf- 
dreikantig, rückwärts-scharf, an seiner Spitze die zusammengedrängten 
und von laubartigen Hüllblättern (meistens 3) weit überragten Ähr- 
chen tragend. Deckblättchen hellgrün, schmal, an ihrer Spitze mit 
einer rauhen Borste. Fruchtschläuche zusammengedrückt, mit sehr 
langem, an der Spitze zweispaltigem, rauhem Schnabel. Blütezeit 
Juni bis September. 4. An Teichen und in Sümpfen; zerstreut. 
(Schelhammeria cyperoides Reichenbach) C. cyperoi'des L., Cyper- 
grasartige Segge.*) 

B. Die Ährchen sind nicht zu einem Köpfchen zusammengedrängt, bilden 
vielmehr eine zusammengesetzte Ähre, eine Traube oder eine Rispe, 
a. Fruchtschlauch mit geflügeltem Kiel und zweispitzigem Schnabel, 

gerillt. — Dichte, mitunter mit kurzen Ausläufern versehene Rasen. 



*) Tafel 85A. Carex cyperoides L. A blühende Pflanze; A 1 männliche, 
A 2 weibliche Blüte ; A 3 Ährchendeckblatt ; A 4 Fruchtschlauch ; A 5 Stempel. 1 bis 5 
vergrössert. 



Cyperaceae. 189 

Halm bis 30 cm hoch, steif, dreiseitig, gerieft, scharf. Blätter so 
lang wie der Halm, am Kiele und am Rande scharf. Ährchen 
zu 4 bis 6, gelbbraun, erst länglich, bei der Reife verkehrt-ei- 
förmig. Deckblätter schuppenförmig, braun, mit grünlichem 
Mittelnerv, bei der Reife weissrandig, etwas länger als die Frucht- 
schläuche. Blütezeit Mai, Juni. %. Auf feuchten, moorigen und 
sandigen Triften, Waldlichtungen, an Wegen u. s. w.; häufig. C. 
ovalis Goodenough.) Carex leporina L., Hasenpfoten-Segge. 
Die im Schatten erwachsende, ziemlich seltene Form C. argyro- 
glochin Hornemann, Silberspelzige Segge, ist in allen Teilen 
schlanker; ihre Deckblättchen sind so lang wie der Fruchtschlauch 
und strohgelb bis weisshäutig. 

Bei dem Bastard C. leporina x remota Ilse ist der Halm 
steif aufrecht bis 50 cm hoch. Von den 6 bis 9 Ährchen stehen 
die beiden unteren etwas tiefer, auch sind die oberen Ährchen 
meist männHch; das unterste Tragblatt ist grün, blattartig und so 
lang wie die ganze Ähre; die anderen Tragblättchen sind gelb- 
braun und kürzer als die schmalgeflügelten, schwach-nervigen 
Fruchtschläuche. Blütezeit Juni. 2|. Bei Erfurt. 

b. Fruchtschlauch nicht geflügelt, 

I. Wenigstens das unterste Ährchen oder die unterste Ährenrispe 
sitzt in der Achsel eines langen, grünen, blattförmigen Trag- 
blattes. 
a. Die Ährchen sind einfach, unverästelt. 

aa. Fruchtschlauch aufrecht, eiförmig, feingestreift, in einen 
zweizähnigen, feingesägt-rauhen Schnabel zugespitzt, länger 
als die Spelze. — Dichtrasiges Grras mit schlanken, bis 
50 cm hohen, bogig überhängenden, unten mit langen, 
schmalen Blättern besetzten, in ihrer oberen Hälfte rauhen 
Halmen. Das unterste Tragblatt überragt meist die Spitze 
des Halms. Ährchen bis 1 cm lang, kreiseiförmig. Deck- 
spelzen länglich -zugespitzt, weissgelblich, mit grünem 
Rückennerv. Blütezeit Mai, Juni. 4. An schattigen, 
feuchten Orten, zerstreut und meist nicht selten. C. re- 
mota L., Entferntährige Segge.*) 



*) Tafel 85 B. Carex remota L. B blühende Pflanze; B 1 männliche Blüte; 
B 2 Fruchtschlauch; 1 und 2 vergrössert. 



190 Cyperaceae. 

hh. FruchtscUauch von unten an scharf-zweikantig und auf 

dieser Kante feingesägt-gewimpert. — Hierher selten die 

vorhin (Seite 187) besprochene Carex Ibrizoides X 

remota Reiche nbach, Ohmüllers Segge. 

b. Die unteren Ährchen des Blütenstandes sind in kopfförmige 

Rispen angeordnet. 

aa. Fruchtschlauch länger als die Deckschuppe. Ährchen 
am Grunde männlich, an der Spitze weiblich. — Dicht- 
rasiges, bis 1 m hohes Gras mit steif aufrechten Halmen. 
Das unterste Tragblatt ist oft so lang oder länger wie 
der Halm. Fruchtschlauch aufrecht, lanzett-eiförmig, auf 
der Aussenseite gewölbt, fein gestreift, in einen zwei- 
zähnigen, rauh-gewimperten Schnabel zugespitzt, länger 
als die bräunliche, lanzettförmige Deckschuppe. Blüte- 
zeit Mai, Juni. 4. In feuchten Wäldern und Sümpfen, 
an Bächen u. s. w.; in Norddeutschland bis Schlesien; 
zerstreut. (C. axillaris Goodenough) C. muricata X 
remota Ritschi. 
bh. Fruchtschlauch so lang wie die Deckschuppe. Obere 
Ährchen an ihrem Grunde und an ihrer Spitze oder 
aber ganz männlich. — Dichtrasig. Halme dreikantig, 
unten dreiseitig, 50 bis 100 cm hoch. Ährchen 8 — 12, 
bräunlich, lanzettförmig etwas gekrümmt, obere gedrängt, 
untere von einander entfernt. Auf Sumpfwiesen, im 
nördlichen Teile des Gebietes; sehr zerstreut. (C. 
Boenninghausiana Weihe) C. remota X paniculata 
Schwarzer, Böiminghaiisens Segge. 
n. Die untersten Ährchen stehen nicht in den Achseln langer, 
blattartiger Tragblätter. 

51. Fruchtschlauch stumpf, oval, ungesch nabelt. — Zarte blau- 
grüne Pflanze. Halme schlaff, bis 30 cm hoch, nach oben 
hin scharf. Blätter weich, schmal. Ährchen von einander 
entfernt, klein (zur Blütezeit 2 mm), eiförmig, rundlich, 
gmnlich-gelb. Deckspelze grünlich, weissrandig, halb so lang 
wie die abstehenden, bleichgrünen, eiförmigen, auf beiden 
Seiten gewölbten, nervigen, schnabellosen Fruchtschläuche. 
Blütezeit Mai. 4. Auf Mooren in Hannover und in Ost- 
preussen. C. loliacea L., Lolchartige Segge. 
33. Fruchtschlauch mehr oder minder geschnäbelt. 



Cyperaceae. 191 

1. Reife Ährchen kugelig, mit nach allen Seiten hin sperrig 
abstehenden Fruchtschläuchen. ^ 
a. Ährchen von einander entfernt stehend. Fruchtschläuche 

eiförmig, auf der Aussenseite gewölbt, in einen langen, 
zweizähnigen, rauh wimperigen Schnabel zugespitzt ; am 
Grunde zart-nervig, länger als ihre eiförmigen, braunen, 
weissrandigen, mit grüner Mittelrippe versehenen Deck- 
spelzen. Höhe 15 bis 30 cm. Blütezeit Mai. 4. 
Auf Sumpfwiesen; durch das ganze Gebiet verbreitet. 
(C. stell ulata Goodenough) Carex echiiiata Murray, 
Igelfrüchtige Segge.*) 
&. Ährchen gedrängt stehend. Fruchtschlauch eirund-läng- 
lich; bräunlich; mit rauhem, stumpf-zweizähnigem, ge- 
krümmtem Schnabel; länger als die eiförmige, braune, 
weissrandige, mit grüner Mittelrippe versehene Deck- 
spelze. Halm gekrümmt, 15 bis 20 cm lang. Blüte- 
zeit Juli, August. An sumpfigen Stellen der höchsten 
Alpen; zerstreut. C. grj^pos Hoppe, Krumm- 
halmige Segge. 

2. Reife Ährchen kugelig-eiförmig-länglich; Fruchtschläuche 
aufrechtstehend (bei C. elongata L. stehen die untersten 
seitlich ab). 

a. Schnabel des Fruchtsclilauches kurz, feingesägt-rauh, 
am Rücken der ganzen Länge nach gespalten. — 
Wurzelstock rasig, mit kurzen Ausläufern. Halme schlaff, 
fast niederliegend, dreieckig, bis 30 cm lang. Ähre 
aus 4 bis 8 eiförmig-kugeligen, aufrechten Ährchen, 
von denen die unteren etwas von einander entfernt 
stehen, zusammengesetzt; bis 3 cm lang. Unterstes 
Ährchen mitunter in der Achsel eines bis 2 cm langen, 
grünen Tragblattes. Deckspelzen breit -eiförmig, spitz, 
braun mit grünem Rückennerv. Fruchtschlauch braun, 
eiförmig, mit rauhem Rande und sehr kurzem, zwei- 
spitzigem Schnabel. Blütezeit Mai, Juni. An feuchten 
Orten in den Schweizer Alpen; selten im Riesen- 
gebirge. 4. (C. Persoonii Lang; C. vitilis Fries; 
C. Gebhardi Hoppe) C. brunescens Poiret, Bräun- 
liche Segge. 



Tafel 85 C. Carex echinata Murray. Blühende Pflanze nebst Fruchtähre. 



192 Cyperaceae. 



b. Schnabel ungeteilt, schwach ausgerandet oder zwei- 
zähnig. 

aa. Fruchtschlauch fein-gerieft. 

aa. Halme oberwärts dreikantig, bis 60 cm hoch; 
Blätter den Halm meist überragend, breit, blau- 
grün, mit scharfem Kiel und scharfem Rande, 
an ihrer Spitze flach. — Ahrchen 5 bis 6, von 
einander entfernt stehend, eiförmig-länglich, auf 
trockenem Standorte fast kugelig; grünlich- 
weiss. Deckspelzen weisslich mit grünem 
Mittelnerv, reif geworden gelblich. Frucht- 
schlauch kahl, auf der Aussenseite gewölbt, 
mit einem kurzen, ausgerandeten , am Rande 
etwas rauhen Schnabel, etwas länger als die 
Deckspelze. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf 
sumpfigen Wiesen; zerstreut. (C. curta Goo- 
denough; C. cinerea Withering; C. tenella 
Ehrhart.) Auf nassen Wiesen, an Gräben, 
in Sümpfen; zerstreut; stellenweise ganz 
fehlend. Carex canescens L., Weissgraue 
Segge. 
ßß. Halme dreikantig, scharf, 15 bis 60 cm hoch; 
Blätter sehr lang, den Halm meist über- 
ragend, grasgrün, am Rande und am Kiele 
scharf, mit dreikantiger Spitze. — Ahrchen 
8 bis 12, von einander entfernt- und zuletzt 
etwas abstehend, länglich, erst hellgrün, 
später blaugrün; unterstes oft mit einem 
mehrere Centimeter langen, grünen Tragblatt. 
Deckspelze erst braun, mit grünem Rücken- 
nerv, später braun; halb so lang als der 
Fruchtschlauch. Letzterer grün, eiförmig, 
beiderseits gewölbt und vielnervig, mit einem 
fast ungeteilten, am Rande etwas rauhen 
Schnabel. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf 
sumpfigen Wiesen; durch das ganze Gebiet. 
C. elongata L., Langährige Segge. 

Eine zartere Gebirgsform mit kurzen, 
wenigblütigen Ährchen ist C. Gebhardi 



Cyperaceae. 193 

Willdeuow. Eine Form mit einem end- 
ständigen, männlichen Ährchen ist Carex 
heterostachya Wimmer. 
hb. Fruchtschlauch glatt, nicht fein-gerieft. 

aa. Halm glatt, nicht rauh, dreikantig, etwas ge- 
bogen, 15 bis 30 cm hoch. — Wurzelstock 
mit kurzen Ausläufern; Blätter schmal linea- 
lisch, rinnenförmig, kürzer als die Halme. 
Ährchen 3, braun, eiförmig, gedrängt- stehend, 
grünlich-grau. Deckspelze eiförmig - stumpf, 
braun mit grünem Rückennerv. Frucht- 
schlauch aufrecht, eiförmig, flachgewölbt, glatt, 
in einen ganzrandigen, kurzen Schnabel zu- 
gespitzt, kastanienbraun, etwas länger als 
die Deckspelze. Blütezeit Juli, August. 4. 
In sumpfigen Orten auf den höchsten Granit- 
alpen. (C. approximata Hoppe; C. leporina 
Goodenough.) C. lagopiua Wahlenberg, 
Schneehuhn-Segge. 
ßß. Halm rauh. 

aa. Ährchen zu 3 bis 5, einander sehr ge- 
nähert, oft fast kopfförmig, rundlich, an- 
fangs fuchsrot, später nussbraun. — 
Unterstes Älirchen mit einem oft kleinen 
und schuppenartigen, oft die Ähre über- 
ragenden Tragblatte. — Halme 15 bis 
30 cm hoch, dreiseitig, rauh; Blätter 
schmal- rinnig, am Rande scharf, kürzer 
als die Halme. Deckspelze schuppen- 
förmig, eiförmig-spitz, braun, am Rande 
bis ins Weissliche blasser werdend, mit 
tiefgrünem, ebenfalls nach den Seiten hin 
abblassendem Mittelnerv. Fruchtschlauch 
eiförmig, dreikantig, nervig, in einen 
kurzen, ungeteilten, am Rande etwas 
rauhen Schnabel zugespitzt. Blütezeit 
Mai bis August. 4. Auf Torfmooren der 
Alpen und Voralpen und in die Hoch- 
ebenen hinabsteigend. C. Heleonastes 
Ehrhart, Torf-Segge. 

Thome, Flora. II. Aufl. J^3 



194 Cyperaceae. 



bb. Äbrchen zu etwa 5, entfernt von einander 
stehend, linealisch, strohgelb-rötlich. — 
Dichtrasig, Halme 30 bis 50 cm hoch. 
Deckspelzen gelblich , eiförmig - spitz. 
Fruchtschlauch eiförmig, lanzettlich, auf 
der Aussenseite gewölbt, mit kurzem, 
zweispitzigem Schnabel, gelbbraun. Blüte- 
zeit Juni, Juli. Bei Oppeln gefunden. 
Carex helvolaBlytt, Bleichrote Segge, 



III. Acrarrhenae, Obenmännige. 

Ährchen zu mehreren am Ende des Halmes; aus männlichen und weib- 
lichen Blüten zusammengesetzt, und zwar stehen die männlichen Blüten an 
der Spitze, selten in der Mitte des Ährchens. 

A. Tignea. 2 Narben. 

I. Die Ahrchen sind am Ende des Halmes kopfförmig zusammen- 
gedrängt. 

A. Die männlichen Blüten stehen an der Spitze des Ährchens. 
a. Halm rund, nicht dreikantig. 

a. Halm oben rauh; Wurzelstock ohne Ausläufer. — Blüten- 
stand eine zusammengesetzte, eiförmige oder längliche Ähre. 
Ährchen länglich - spitz. Deckspelzen bräunlich. Frucht- 
schlauch so lang wie die Deckspelze, eiförmig, nervenlos, in 
einen zweispitzigen Schnabel verschmälert. Schnabel an der 
Spitze rauh, auf dem Rücken gespalten. Blütezeit Juni bis 
August. Höhe 20 bis 25 cm. 4. Höchste Schweizer und 
Salzburger Alpen. C. microstyla Gay, Kleingriffelige 
Segge. 

b. Halm glatt; Wurzelstock Ausläufer bildend. 

a. Fruchtschlauch mit einem kurzen, zweilappigen Schnabel, 
eiförmig, fast dreikantig, nervig-gerillt, etwas kürzer als 
die braune, trockenhäutig -berandete Deckspelze. — 
Wurzelstock weithin kriechend mit reihenweise ge- 
ordneten, einzelstehenden, bis 15 cm hohen Halmen. 
Blütezeit Mai, Juni. Ähre länglich. 4. In Sumpf- und 
Torfmooren; selten. (C. funiformis Clairville.) C. chor- 
dorrhiza Ehrhart, Fadenwurzelige Segge. 



Cyperaceae. 195 

b. Fruchtschlauch mit einem ziemlich langen, glatten, an 
seiner Spitze schief abgeschnittenen Schnabel, rundlich, 
kugelig-aufgeblasen, etwas grösser als die stumpf-eiförmige, 
braune, trockenhäutig -weissberandete Deckspelze. — 
Wurzelstock kriechend mit gesondertstehenden Blatt- und 
Halmbüscheln. Halme fingerlang, oft gebogen, kürzer 
als die steifen, schmal-rinnigen Blätter. Ähre rundlich. 
Blütezeit Juli, August. 4. Auf den höchsten Granitalpen 
Tirols und der Schweiz. (C. junicifolia Allioni.) Carex iii- 
curya Lightfoot, Krummstengelige Segge. 

ß. Halm dreikantig. 

a. Halm nach der Spitze hin etwas scharf; Wurzelstock 
kriechend. — Halme 5 bis 10 cm hoch, dünn, gerieft. 
Blätter an den Rändern scharf, sich bald zusammenrollend, 
meist kaum so lang wie die Halme. — Ähren eiförmig- 
kugeKg, von einem länglichen, stachelspitzigen, trocken- 
häutigen Tragblatte gestützt. Deckspelzen lanzettlich, spitz, 
bräunlich, mit grünlichem Mittelnerv, häutig berandet. Frucht- 
schlauch eiförmig, dreiseitig, auf der Aussenseite gewölbt, 
9- bis 11 nervig, mit einem kurz-zweizähnigen, am Rande 
feingesägt-scharfen Schnabel. Blütezeit April, Mai. 4. Auf 
grasigen und sandigen Abhängen sehr zerstreut. (C. junci- 
folia Host.) C. stenophylla Wahlenberg, Schmal- 
blätterige Segge. 

b. Halme vom Grunde an scharf, besonders nach oben hin sehr 
rauh. Wurzelstock mit sehr kurzen Ausläufern. Blätter 
etwas gekrümmt, fast ganz flach, meist länger als die 
Halme. — Ahrchen meist kopfförmig zusammengedrängt, 
seltener eine eiförmige Ähre bildend. Deckspelzen braun, 
mit weisslichem Rande und grünem, später weisslichem 
Rückennerv. Fruchtschlauch eiförmig, kaum nervig, in einen 
langen, zweispaltigen, am Rande feingesägt-rauhen Schnabel 
zugespitzt. Blütezeit Juli, August. 21. Auf den höchsten 
Granitalpen der Schweiz und Südtirols. C. foetida Allioni, 
Übelriecliende Segge. 

B. Die männlichen Blüten stehen in der Mitte der Ährchen. Die 
Ährchen bilden eine eilängliche, dunkelrotbraune Ähre. Blütezeit 
August, September. 4. Schweizer Alpen; selten. C. Laggeri 
Wimmer, Laggers Segge. 

13* 



196 Cyperaceae. 

IL Die Ahrchen stehen von einander entfernt, nicht dicht-gedrängt; sie 
bilden eine zusammgesetzte Ähre, eine Traube oder eine Rispe. 
A. Wurzelstock rasig, ohne Ausläufer. 

a. Halm kräftig, dreikantig mit sehr rauhen, fast flügelartig- vor- 
springenden Kanten. 

a. Tragblätter der Ahrchen grün und blattartig, die Ahrchen 
weit überragend. — Halme 30 bis 60 cm lang; kaum länger 
als die bleichgrünen, flachen, in eine kurze, scharfe Spitze 
endigenden Blätter. Ähre an der Spitze gedrängt, unten 
locker. Deckspelzen rostbraun, mit breitem, grünem Kiele 
und weissrandiger Spitze; bei den männlichen Blüten läng- 
lich-lanzettlich, bei den weiblichen eiförmig-länglich; lang-, 
oft sägeförmig-zugespitzt; so lang wie der Fruchtschlauch. 
Letzterer ist glatt, nach aussen gewölbt, in eine zweizähnige, 
am Rande rauhe Spitze vorgezogen. Blütezeit Mai, Juni. 4. 
In nassen, schattigen, sumpfigen Laub Waldungen; zerstreut. 
Soll die Schattenform von C. vulpina L. sein. Carex nemo- 
rosa Rebentisch, Hain-Segge.*) 

b. Tragblätter der Ährchen pfriemlich, spelzenförmig, kleiner 
ala die Ährchen, nur das unterste Ährchen hat oft ein 
grünes, blattartiges, häufig das Ährchen überragendes Trag- 
blatt. — Halm 30 bis 60 cm lang; Blätter breit (6 bis 
10 mm), bleichgrün, etwas kürzer als der Halm. Ähre läng- 
lich. Tragblätter fuchsrot (daher der Name), mit grünlichem 
Kiele, eiförmig, lang-zugespitzt, oft säge- oder stachelspitzig, 
kürzer als die Fruchtschläuche. Letztere sperrig-abstehend, 
eiförmig, auf der Aussenseite flach-gewölbt, 6- bis 7 nervig, 
in einen zweizähnigen, am Rande rauhen Schnabel zu- 
gespitzt, erst grün, bei dzr Reife braun. Blütezeit Mai, 
Juni. 4. In Gräben und Sümpfen; gemein. C. vulpina L., 
Fuchsrote Segge.**) 

ß. Halm zarter, nur in seinem oberen Teile, oder gar nicht rauh, 
a. Fruchtschlauch höckerig-gewölbt oder mit stark hervor- 
tretenden Nerven. Blütenähre rispig. Jeder Trieb ist an 
seinem Grunde mit schwarzbraunen Blattscheiden besetzt. 



*) Tafel 86 A. Carex nemorosa Rebentisch. A blühende Pflanze; A 1 männ- 
liche, A 2 weibliche Blüte; A 3 Fruchtschlauch. 1 bis 3 vergrössert. 

**) Tafel 86B. Carex vulpina L. B Teile der blühenden Pflanze; B 1 männ- 
liche, B 2 weibliche Blüte (das Tragblatt müsste wie in B 1 gefärbt sein) ; B 3 Frucht- 
schlauch. 4 bis 6 vergrössert. 



Cyperaceae. 197 

1. Fruchtschlauch auf beiden Seiten mit stark hervortreten- 
den Streifen. Blattscheiden glänzend, die unteren zer- 
fasern sich schopfartig. — Halm dreiseitig-rundlich, in 
seinem oberen Teile scharf, 30 bis 60 cm hoch. Blätter 
schmal, steif, spitz, am Rande scharf, lebhaft-grün, den 
Halm überragend, zur Zeit der Fruchtreife fast borsten- 
förmig eingerollt. Die untersten Rispenzweige haben 
bald kleine, stachelspitzige, spelzenartige, bald die Ährchen 
überragende blattartigc Tragblätter. Ährchen mitunter 
fast ganz männlich oder weiblich. Deckspelze eirund- 
länglich, spitz, braun, mit grünem Rückennerv und weissem 
Rande. Fruchtschlauch aufrecht, kurzgestielt, eiförmig, in 
einen zweizähnigen, am Rande feingesägt-rauhen Schnabel 
vorgezogen. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf sumpfigen und 
torfigen Wiesen; selten. Carex paradoxa Willdenow, 
Al)weicliende Segge. 

2. Fruchtschlauch höckerig-gewölbt, nur auf seiner Aussen- 
seite am Grunde gestreift. Blattscheiden glänzend, sich 
aber nicht zerfasernd. — Halm bis 1 m hoch, dreikantig, 
oben sehr scharf. Blätter 5 bis 8 mm breit, steif, etwas 
rinnig, mit scharfem Rande und scharfem Kiele, 30 bis 
60 cm lang. Ähre rispig, im Knospenzustande weisslich, 
zur Fruchtzeit weiss-rotbraun. Tragblätter eiförmig, rot- 
braun, spelzenartig, unterste meist mit grüner, pfriemen- 
artiger Spitze. Deckspelzen breit, eiförmig, zugespitzt, 
rotbraun, mit grünem Nerv, weisshäutig-berandet. Frucht- 
schlauch so lang wie die Deckspelze, aufrecht, kurzgestielt, 
eiförmig, mit wenig vortretendem Nerv, hellgrün; Schnabel 
scharf flügelrandig, wimperig-gesägt. Blütezeit Mai, Juni. 
In Torfmooren und Sümpfen; zerstreut, C. paniculata L., 
ßispige Segge. 

3. Fruchschlauch höckerig-gewölbt (kurzfaltig), nicht ge- 
streift. Blattscheiden schwarz -bräunlich, teilweise zer- 
fasert. — Wurzelstock schief im Boden liegend, ein wenig 
kriechend. Halme 30 bis 50 cm hoch, dreikantig mit 
etwas gewölbten Seitenflächen, nach oben zu rauh und 
oft gerieft. Blätter 2 bis 4 mm breit, etwa so lang wie 
der Halm, am Kiele scharf, am Rande sehr scharf. Ähre 
zusammengezogen, eirund bis walzenförmig, am unteren 
Ende rispig, rotbraun. Tragblätter eiförmig, spelzenartig. 



198 Cyperaceae. 



rotbraun, unterste oft mit grüner, endständiger Borste. 
Die obersten Blütcben enthalten zwei (anstatt drei) Staub- 
blätter. Deckspelzen braun, breit- weissrandig, mit an- 
fangs grünem, später braun werdendem Mittelnerv, mit- 
unter stachelspitzig. Fruchtschlauch eiförmig, gestielt, 
ohne Nerven, glänzend -kastanienbraun, am Rande des 
Schnabels wimperig-gesägt, so lang als die Deckspelze. 
Blütezeit Mai, Juni. 4. In torfigen, moorigen Wiesen 
und in Sümpfen; zerstreut. (C. diandra Roth.) Carex 
teretiuscula L., Rundliche Segge. 
Fruchtschlauch gewölbt, aber nicht höckerig-gewölbt, nerven- 
los. Ähre meist einfach (doch auch rispig). 

1. Triebe an ihrem Grunde von langen, bleichen, im Mittel- 
nerv stumpf- auslaufenden, schief abgeschnittenen, am 
Rande sehr dünnen und zuletzt zerreissenden Scheiden 
umgeben. — Früchte sperrig-, unterste fast rechtwinkelig- 
abstehend. Halm auch zur Reifezeit aufrecht. 

a. Deckspelzen braun, weissrandig mit grünlichem Mittel- 
nerv, eiförmig, spitz. Ähre verlängert, mit getrennt- 
stehenden Ährchen. — Halme 30 bis 50 cm hoch, 
aufrecht, dreikantig, nur oben scharf. Blätter weich, 
hellgrün, rinnig, am Rande und an der Spitze scharf, 
etwas kürzer als die ausgewachsenen Halme. Trag- 
blätter grannenartig, an ihrem Grunde mitunter breit- 
blattartig. Fruchtsclilauch eiförmig, mit zweizähniger 
Spitze, auf der Aussenseite gewölbt, am Rande säge- 
zähnig und fast geflügelt, gi'ün; grösser als die braune, 
weissrandige , von grünem Mittelnerv durchzogene 
Deckspelze. — Blütezeit Mai, Juni. 4. In Wiesen, 
Weinbergen und Laubwäldern, durch das ganze Ge- 
biet zerstreut. (C. nemorosa Lumnitzer, C. Leersii 
F. Schultz); nach Hoppe die ächte C. muricata L., 
Sperrfrüchtige Segge. 

6. Deckspelzen in der Blüte bräunlich, mit grünem 
Mittelnerv, weissberandet; bei der Reife färbt sich der 
Mittelnerv gelb-bräunlich. Ähre gedrungen, am unteren 
Ende doppelt-zusammengesetzt und hier bisweilen etwas 
unterbrochen. — Halm 30 bis 60 cm hoch, nur oben 
rauh; zur Reifezeit geneigt. Blätter 2 bis 4 mm breit, 



Cyperaceae. X99 

etwas gerinnelt, am Rande scharf. Unterste Ahrchen 
länglich, obere eiförmig. Tragblätter spelzenförmig, 
unterste oft mit pfriemlicher Spitze. Fruchtschläuche 
grösser ^Is die Deckspelze, ungestielt, eiförmig, flach 
gewölbt, nervenlos, glänzend -dunkelbraun, in einen 
zweispitzigen, am Rande sägezähnigen und fast ge- 
flügelten Schnabel zugespitzt; unterste wagerecht ab- 
stehend. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf Grasplätzen, 
trockenen Wiesen, in Waldungen durch das ganze Ge- 
biet. Diese Art wird vielfach als C. muricata L. be- 
zeichnet, ist es aber nach Hoppe nicht; Carex coutigua 
Hoppe, Gedrungene Segge. 

Scheiden der Triebe gerade abgeschnitten, am Rande 
dicker und nicht zerreissend. — Halm dreiseitig, schlank, 
bis 100 cm hoch, meist etwas überhängend, seltener auf- 
recht, nach oben rauh. Blätter zur Blütezeit länger als 
der Halm. Unterste Ährchen meist von den oberen ent- 
fernt. Tragblätter aus breitem Grunde pfriemlich aus- 
laufend, länger oder kürzer als die Ährchen und mehr 
oder minder blattartig. Deckspelzen grünlich- weiss, selten 
bräunlich, mit grünem Rückennerv. Fruchtschläuche auf- 
recht, flach gewölbt, grünlich, glänzend, in einen zwei- 
zähnigen, am Rande sägezähnigen Schnabel auslaufend. 
Blütezeit Mai, Juni. In Wiesen und Wäldern; in Nord- 
deutschland nur in Pommern und Mecklenburg in Mittel- 
deutschland und im Süden des Gebietes nicht selten. 
(C. divulsa Goodenough.) C. virens Lamarck, Unter- 
brochenälirige Segge.*) 

Die Varietät C. Guestphalica Boenninghausen, 
Westphälisclie Segge hat ganz schlanke, zuletzt in 
einem Bogen zur Erde überhängende Halme und an den 
untersten Ährchen meist sehr lange, den Halm über- 
ragende, grüne, blattartige Tragblätter. Auf Sumpfwiesen 
in Westphalen; selten. 

Die Varietät C. Pairaei F. Schultz hat einen stumpf - 
dreikantigen Halm, schmale, linealische Blätter und 



*) Tafel 86 C. Carex virens Lamarck. C Fruchtende Pflanze; C 1 blühendes 
Ährchen; C 2 Fmchtschlauch. 1 und 2 vergrössert. 



200 Cyperaceae. 

sperrig - abstehende , breit - eiförmige , kurzgeschiiäbelte 
Frucbtschläuclie. Sehr selten. 

B. Wurzelstock kriechend oder mit Ausläufern. (Hierher wird meist 
die Gruppe C. arenaria L., C. Schreberi X arenaria Lasch, C. divisa 
Hudson gerechnet. Von diesen gehören indes C. arenaria L. und 
C. disticha Hudson überhaupt nicht hierher, sondern zur Gruppe IV, 
Verschiedenährig-Zahnschnabelige. C. Schreberi X arenaria Lasch 
gehört ebenfalls oft dorthin, oft auch zur Gruppe H. Untenmännige.) 

1. Fruchtschlauch in seiner oberen Hälfte breit geflügelt; Flügel 
an seiner breitesten Stelle fast so breit wie der lange, allmäh- 
lich zugespitzte Schnabel des Schlauches. Carex Schreberi 
X arenaria Lasch (vergl. S. 188). 

2. Fruchtschlauch eiförmig, gewölbt, braun und an seinem Rande 
mit einem weisshäutigen, sägezähnigen Flügel versehen; Breite 
des Flügels etwa ein Drittel der Breite des Schnabels. Der 
kräftige, kriechende Wurzelstock entsendet in mehr oder 
minder grossen Zwischenräumen Blätterbüschel mit je einem 
einzelnen Halme. Diese sind 15 bis 50 cm hoch, unter der 
Ähre etwas rauh, gestreift, dreikantig. Blätter so lang als der 
Halm, schmal, flach, mit scharfem Rande und langer, scharfer 
Spitze. Ähre walzenförmig, etwas unterbrochen, öfters von 
einem blattartigen, mehr oder minder langen Tragblatte ge- 
stützt. Deckspelzen eiförmig, lang zugespitzt, so lang wie der 
Fruchtschlauch, braun, mit weisshäutigem Rande und gelb- 
grünlichem Rückennerv. Blütezeit Mai, Juni. 2J.. Auf feuchten 
Wiesen und begrasten Abhängen in Süddeutschland, Oster- 
reich, Steiermark und im Gebiet des Adriatischen Meeres. 
(C. austriaca Schkuhr.) C. divisa Hudson, Geteilte Segge. 

Eine Form mit gedrungener Ähre ist C. schoenoi'des 
Koch, Rietartige Segge. 
B. Carex, mit 3 Narben. 

L Ährchen zu einem Köpfchen zusammengedrängt. 

1. Köpfchen meist dreiährig, lappig, weisslich, in der Regel von 2 
grossen, steif- wagerecht -abstehenden, grünen, blattartigen Trag- 
blättern gestützt. — Wurzelstock rasig. Halme 15 bis 20 cm 
hoch, aufrecht. Blätter breit, kürzer als die reifen Halme. Deck- 
spelze eiförmig, stumpf, so lang vsde der walzenförmig-längliche, 
stumpfe, sehr kurz ,oder gar nicht geschnäbelte Fruchtschlauch. 
Blütezeit Mai, Juni. 2|.. In kiesigen Flussbetten der Schweizer, 



Cyperaceae. 201 

Tiroler und Bayerischen Alpen; selten. C. baldensis L., Segge 
vom Monte Baldo. 

2. Köpfchen länglich, glänzend-braun, mit kleinen, die Ährchen nicht 
überragenden, spelzenartigen, braunen Tragblättern. — Wurzelstock 
rasig. Halme 10 bis 20 cm hoch, sehr dünn, starr, an der Spitze 
rauh. Blätter gekrümmt, schmal-lineal, fast borstlich, graugrün, 
etwa so lang als der Halm. Deckspelzen braun mit hellerem 
Rande, lang zugespitzt, länger als der Fruchtschlauch. Letzterer 
eiförmig, dreikantig, in einen langen, dünnen, zweispitzigen, am 
Rande rauhen Schnabel auslaufend, glänzend-braun. Blütezeit Juli, 
August. 4. Auf steinigen, kräuterreichen Alpenplätzen. Selten. 
Carex curvula Allioni, GrekrümmtMätterige Segge. 

n. Ährchen nicht kopfig zusammengedrängt, meist von einander entfernt 
stehend, unterste mitunter gestielt und mit blattartigen Tragblättem, 
deren unterstes den Halm überragt. — Wurzelstock rasig. Halm 15 
bis 50 cm hoch, stielrund, glatt. Blätter schmal, glatt, mit scharfer 
Spitze, etwa halb so lang als der Halm. Von den Ähi'chen ist meist 
das obere männlich, während die unteren ganz weiblich sind; oft 
sind auch nur weibliche Ähren vorhanden, die dann auf langen, 
dünnen, blattlosen Stielen stehen. Deckspelze mit ihrem Grunde den 
Fruchtschlauch umgebend und länger als dieser, lanzettlich-spitz; bei 
den männlichen Blüten braun, weissrandig, bei den weiblichen Blüten 
braun-grün-verbleichend. Fruchtschlauch eiförmig-länglich, stielrund- 
dreiseitig, stumpf, gestreift, bleichgrün, schnabellos. Blütezeit April, 
Mai. Auf grasigen Hügeln in Istrien und den benachbarten Inseln. 
(Siehe Tafel 93. C. Linkii Schkuhr.) C. gynomane Bertoloni, 
Link's-Segge. 

IV. Heterostachyae, Verschiedenährige: Odontostomeae, 
Zahnschnabeligre. 

AA. Vignea, Fruchtknoten mit 2 Narben. 

A. Das endständige Ährchen ist an seiner Spitze oder an seinem Grunde 
oder an beiden Enden weiblich, im übrigen männlich. Ausläufer- 
bildende Rasen. 

a. Der Schnabel des Fruchtschlauches ist an seinem Rande scharf- 
gesägt. Halm stielrund, nach oben zu stumpfkantig, glatt, bis 30 cm 
hoch, die Blätter überragend. Blätter schmal-linealisch, tiefrinnig, 
glatt, an der Spitze flach zusammengedrückt und daselbst mitunter 



202 Cyperaceae. 

rauh. — End-Ahrchen lineal (selten ganz männlicli), braungelblich; 
dicht darunter, selten etwas entfernt, sitzen 2 bis 3 grünliche, weib- 
liche Ährchen. Deckspelzen braungelb mit weissem Rande, die der 
männlichen Blüten stumpf-, der weiblichen spitz - eiförmig, letztere 
sind ausserdem mit einem, bei ersteren nicht immer vorhandenen, 
grünen Rückennerv versehen und kürzer als der länglich-eiförmige, 
gewölbte, an seiner Spitze zweizähnige, oben rauhe und braune, 
unten grünliche Fruchtschlauch. Blütezeit Juni, August. 4. Seltene 
und zweifelhafte Art; auf moorigen Torf- und Alpen wiesen sowie im 
Rheinland und südlichen Hannover. Carex Graudiuiana Guthnick. 
Graudius Segge, 
b. Der Schnabel des Fruchtschlauches ist an seinem Rande glatt. Halme 
stumpf-dreikantig, glatt, 10 bis 30 cm hoch, noch einmal so hoch 
als die schmal-linealischen, tief-rinnigen, an der Spitze geschärft-drei- 
kantigen Blätter. — Unter dem gelblichen, walzenförmigen End- 
Ahrchen sitzen 3 bis 4 eiförmige, weibliche, erst grünliche, später 
schwarz-braune, weibliche Ährchen. Deckspelzen der männlichen 
Blüten zugespitzt-länglich, der weiblichen Blüten stumpf-rundlich- 
eifÖrmig, alle erst hell-, später schwärzlichbraun, nach dem Rande 
zu verblassend und mit grünem Mittelnerv. Fruchtschlauch mit 
kurzem, zweizähnigem Schnabel. 4. Blütezeit Mai, Juni. Auf Moor- 
wiesen und in Sümpfen Norddeutschlands nnd der Voralpen; sehr 
selten. C. microstachya Ehrhart, Kleinährige Segge. 
B. Das endständige Ährchen ist ganz männlich. 
I. Rasige Pflanzen ohne Ausläufer. 

A. Fruchtschlauch weichhaarig, am Rande wimperig -rauh, länglich, 
in einen dolchartigen, lang linealischen, gekrümmten, zweizähnigen, 
mit einem häutigen Rande versehenen Schnabel zugespitzt, braun, 
länger als die spitz-eiförmige, braune, weissrandige Deckspelze. — 
Halme 10 bis 20 cm lang, fadenförmig -dünn, gebogen. Blätter 
borstenförmig, rinnig, gebogen, halb so lang wie der Halm. Unter 
den endständigen, lanzettförmigen, männlichen Ährchen sitzen ge- 
nähert 1 bis 2 rundlich-eiförmige, weibliche Ährchen in der Achsel 
eines scheidig-stengelumfassenden, grünen Tragblattes. 4. Blüte- 
zeit Juli, August. Auf dürren Abhängen der Alpen und Voralpen. 
C. mucronata Gaudin, Dolchspitzige Segge.*) 



*) Tafel 87 A. Carex mucronata Gaudin. A blühende Pflanze; A 1 Ähr- 
chen; A 2 Fruditschauch mit Deckblättchen, vergrössert. 



Cyperaceae. 203 

B. Fruditschlaucli nicht behaart. Der Blütenstand besteht aus 6 bis 

12 Ährchen. 

a. Fruchtschlauch so lang (nicht länger) als die Deckspelze, am 
Rande rauh. Carex remota X paniculata Schwarzer, 
Bönninghausens Segge. (Siehe Seite 190.) 

ß. Fruchtschlauch länger als die Deckspelze, schmal geflügelt. 

1. Fruchtschlauch lanzettförmig, scharf-zweikantig und an dieser 
Kante von seinem Grunde an feingesägt-wimperig. Von den 
8 bis 12 Ährchen sind die 4 bis 6 oberen männlich; Deck- 
spelzen bleich. C. brizoides X remota Reich enbach, 
Ohmüllers Segge. (Siehe Seite 187.) 

2. Fruchtschlauch länglich-eiförmig, schwachnervig. Von den 
6 bis 9 Ährchen sind die oberen männlich und kleiner als 
die unteren. Deckspelzen gelbbraun. C. leporiiia X remota 
Ilse. (Siehe Seite 189.) 

IL Wurzelstock kriechend oder Ausläufer bildend. 

Ä. Der blassbraune Fruchtschlauch ist von seiner Mitte an breit ge- 
flügelt; der Flügel ist an seiner breitesten Stelle so breit oder 
breiter wie der Schnabel, selten beginnt er schon am Grunde des 
Fruchtschlauches; er ist erst grün, dann blassbraun, an seinem 
Rande fein und rauh gesägt. — Wurzelstock oft 2 bis 3 m lang 
und bis 4 mm dick, verzweigt, gelbgrau mit 3 bis 5 cm langen 
GHedern und kaum vorspringenden, spärlich bewurzelten Knoten; 
an letztern sitzen lange, oft das ganze Stengelglied einhüllende, 
erst röhrenförmige und gelbliche bis hellbraune, dann glänzend- 
dunkelbraune und zerschlitzte Blätter. Die oberirdischen Triebe 
treten in geraden Reihen über den Boden hervor. Die Halme sind 
dreikantig, oberwärts an den Kanten rauh, nur am Grunde be- 
blättert, 15 bis 30 cm hoch, zur Blütezeit so lang als die ziemlich 
schmalen, starren, rinnigen, bogig überneigenden, am Rande rauhen 
Blätter. Die vielblütigen, bräunlichen Ährchen sitzen zu 6 bis 16 
beisammen; die untersten sind weiblich und eiförmig, die mittleren 
sind an der Spitze, die oberen ganz oder fast ganz männlich; alle 
sind länghch-lanzettlich. Die unteren Ähi'chen stehen mitunter 
locker oder entfernt; ihre Tragblätter sind blattartig, mit schlanker, 
die Ährchen überragender Spitze. Deckspelzen undeuthch-sieben- 
nervig, rostfarbig, mit grünem Rückennerv und glashell -durch- 
sichtigem Rande. Blütezeit Mai, Juni. ^j.. Auf Dünen, Flugsand- 
feldern, sandigen Heidewäldern, an sandigen Wegerändern u. s. w., 



204 Cyperaceae. 

häufig und meist gesellig. Befestigt den Flugsand und wird des- 
halb auch wohl auf Dünen angepflanzt. Der Wurzelstock war 
offizinell; sein weisser Kern ist von einer braunen, durch sehr 
weite Luftlücken schwammigen Rinde umgeben. Carex arenaria 
L., Sandsegge.*) 

Der nur selten hierher gehörende und dann schwer zu unter- 
scheidende, meist aber nur mannweibige, an seiner Spitze oder an 
seinem Grunde männliche Ähren tragende Bastard (C. ligerica Gay, 
Vignea pseudoarenaria Reichenbach) C. Schrel)eri X arenaria 
Lasch, Französische Segge, ist der Sandsegge in allen Teilen 
ähnlich, aber schmächtiger; auch sind seine Alirchen meist alle 
einander genähert. Blütezeit Mai, Juni. ^. Auf sandig-lehmigem 
Boden; in Norddeutschland häufig, in Mitteldeutschland selten. 
B. Fruchtschlauch nur schmal oder gar nicht berandet. 

a. Fruchtschlauch mit scharf-zweikantigem, fast geflügeltem, vom 
Grunde an feingesägt -rauhem Rande; eiförmig, flachgewölbt, 
9- bis 11 nervig, in einen zweizähnigen Schnabel zugespitzt. 
a. Von den sehr zahlreichen, bis 20 und mehr, unregelmässig- 
zweizeilig gestellten Ährchen sind die 2 bis 4 untersten 
sowie die an der Spitze stehenden weiblich, die mittleren 
(mitunter nur eines) hingegen männlich. — Halme unten 
rund und glatt, oberwärts dreikantig und scharf, 30 bis 
60 cm hoch, meist etwas länger als die breiten, flachen, 
harten, gekielten und lang-bescheideten Blätter. Deckspelzen 
länglich-spitz, braun, trockenrandig, mit einer grünen nach 
der Spitze hin sich verlierenden Mittelrippe. Blütezeit Mai, 
Juni. ^. Auf sandigen feuchten Wiesen; stellenweise. 
(C. intermedia Goodenough. C. spicata Pollich.) C. disticha 
Hudson, Zweizeilige Segge. 
h. Oberste Ährchen männlich, unterste weiblich; mittlere an 
ihrer Spitze männlich, am Grunde weiblich. Seltene Abart 
der vorigen. C. repens Bellardi, Kriechende Segge, 
ß. Fruchtschlauch nicht mit einem scharf-zweikantigen und vom 
Grunde an feingesägt-rauhen Rande. 

a. Blätter an der Spitze scharf-dreikantig. C. microstachya 
Ehrhart, Kleinährige Segge. 



*) Tafel 87B. Carex arenaria L. B blühende Pflanze; B 1 männliche, B 2 
weibüche Blüte; B 3 Fruchtschlauch mit Deckblättchen. 3 bis 5 vergrössert. 



Cyperaceae. 205 

1). Blätter an der Spitze flach, nicM scharf-dreikantig. 

aa. Unterstes Ahrchen mit einem blattartigen Tragblatte. 

Carex brizoides X remota, OhmüUers Segge. 
bh. Alle Tragblätter häutig, scheideulos. C. Graudiniana 

G-uthnik, Gaudins Segge. 

BB. Carex, Fruchtknoten mit 3 Narben. 

Die zahbeichen hierher gehörenden Arten zerfallen in folgender Weise 
in vier Sippen: 

A. Fruchtschlauch ganz oder teilweise behaart: 1. Sippe. 

B. Fruchtschlauch kahl. 

Ä. Die beiden Zähne der Schnabelspitze stehen gespreizt. Männliche 
Ahrchen sind meist mehrere vorhanden: 2. Sippe. 

B. Die beiden Zähne der Schnabelspitze sind meist gerade nach vorne 
gerichtet. Männliche Ahrchen sind meist einzeln vorhanden; selten 
findet sich ein kleines zweites, bei C. hordeistichos 2 bis 3. 

a. Die Blattscheiden haben tutenförmige Anhängsel darstellende 
Nebenblättchen: 3. Sippe. 

b. Die Blattscheiden besitzen gar keine oder eine kaum angedeutete 
Tute: 4. Sippe. 

1. Sippe: Fruchtschlauch ganz oder teilweise behaart. 

A. Wurzelstock dichtrasig, ohne Ausläufer und ohne kriechende Sprosse. 
— Halm stumpfkantig, glatt, 15 bis 45 cm hoch. Blätter viel kleiner 
als der Halm, schmal-linealisch. Ährchen länglich-lanzettlich, aufrecht, 
langgestielt; männliches endständig, einzeln; weibliche (2 — 3) in den 
Achseln, blattartiger, an ihrem Grunde scheidiger, langer, das Ährchen 
indes nicht überragender Tragblätter. Deckspelzen länglich, bald stumpf, 
bald spitz, erst rot-, dann rostbraun, nach dem Rande hin abblassend, 
mit grünem, oft als Stachelspitze vortretendem Rückennerv. Frucht- 
schlauch länglich, nervenlos, auf der Ausseuseite nach der Spitze zu 
rauhhaarig, in einen am Rande gesägt -gewimperten, an der Spitze 
trockenhäutig-zweilappigen, flachen Schnabel verlängert. Blütezeit Juni, 
JuH. 2j.. An grasigen, trocknen Orten der Alpen häufig; bis in die 
Vorländer hinabsteigend. C. sempervirens Villars, Immergrüne 
Segge. 

B. Wurzelstock kriechend. 

Ä. Tragblatt des untersten Ährchens lang-scheidig. 



206 Cyperaceae. 

a. Blattfläche und Blattscheide behaart. 

1. Deckspelze am Rande gewimpert. — Aus den Knoten des 
weithin kriechenden, von zerfaserten, braunroten Scheiden um- 
hüllten Wurzelstockes spriessen kleine, 30 bis 60 cm hohe, 
graugrüne Rasen oder Halmbüschel. Halm stumpfkantig, glatt, 
kahl. Blätter 4 mm breit, flach, gekielt, bei der Fruchtreife 
nicht so lang wie der Halm. Männliche Ährchen 2 bis 3, 
weibliche 2 bis 4; alle länglich- oder linealisch- walzenförmig, 
von einander entfernt, untere gestielt und von blattartigen, 
grünen, langscheidigen Tragblättern gestützt. Deckspelzen auf 
dem Rücken behaart; die der männlichen Blüten länglich, die 
der weiblichen lanzettlich, bewimpert und begrannt, alle röt- 
lich, weissrandig, mit grünem Mittelnerv. Fruchtschlauch 
grösser als die Deckspelze, eiförmig, nervig, kurzhaarig, in 
einen langen, zweizähnigen Schnabel zugespitzt, gelb. Blüte- 
zeit Mai, Juni. 4. Auf feuchtem, sandigem Boden, an Mauern; 
häufig. Carex hirta L., Kurzhaarige Segge.*) 

Die Varität liirtaeformis Persoon ist mit Ausnahme der 
Fruchtschläuche, oft auch sogar an diesen kahl. (2. Sippe.) 

2. Deckspelze an ihrem Rande gesägt. — Wurzelstock rasig mit 
langen Stocksprossen. Halme bis 1 Meter hoch; Blätter flach, 
schwach-blaugrün, mehr oder minder behaart; Tragblätter blatt- 
artig, unterstes den Halm überragend. Männliche Ährchen 3 
bis 7, fast büschelig zusammengedrängt, weibliche 3 bis 4, bis 
5 cm lang, unten gestielt. Fruchtschlauch eiförmig, 10 bis 
12 rippig, nur nach oben zu schwach behaart, an seinem 
Grunde von der Deckspelze umfasst. Blütezeit Mai, Juni. 
In sumpfigen Gebüschen Schlesiens. (C. aristata Siegert; 
C. Siegertiana Uechtritz.) C. hirta X vesicaria Wimmer, 
Siegerts Segge. 

ß. Blätter kahl. 
1. Halm glatt. 

a. Reife Ährchen aufrecht, nicht überhängend. C. hirtae- 
formis Persoon. (Vergl. C. hirta L.) 



*) Tafel 88ABC. Carex hirta L. A Pflanze mit noch wenig entwickelten 
Blüten; B blühende Ihren; C Fruchtähren; A 1 männliche, A 2 weibliche Blüte, A 3 
Fruchthülle. 1 bis 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 207 

b. Reife Ahrchen überhängend. — Der zarte, kriechende Aus- 
läufer entsendende Wurzelstock treibt kleine Halmbüschel. 
Halm 10 bis 30 cm hoch, glatt, stumpf-dreikantig, aufrecht. 
Blätter schmal-linealisch, aufrecht. Männliches Ährchen 
einzeln, weibliche auf langen, dünnen Stielen, hängend, alle 
dünn-walzenförmig und lockerblütig. Tragblätter länger als 
die Ährchen, blattartig, an ihrem Grunde scheidenförmig. 
Deckspelzen rostfarben mit blassem Rande und grünem, in ein 
Stachelspitzchen auslaufendem Rückennerv. Fruchtschlauch 
länger als die Spelze, braun, länglich, nach dem Grunde und 
der Spitze zu verschmälert, dreiseitig, in einen kurzen, fein- 
gesägt-rauhen , an seiner Spitze flachen, kurz-zweizähnigen 
Schnabel auslaufend, behaart. Blütezeit Juni, Juli. '^. Auf 
moorigen und steinigen Wiesen der Alpen und Voralpen, 
namentlich auf Kalkboden; auf der bayerischen Hochebene 
bis München vordringend. (C. Scopolii Gaudin, C. Mielich- 
hoferi Schkuhr.) Carex ferrugiuea L., Rostrote Segge. 

2. Halm scharfkantig, rauh. — Blätter lineal, halb so lang wie 
der Halm, nebst ihren Scheiden kahl. Männliches Ährchen 
einzeln, länglich-keulenförmig; weibliche meist 2, aufrecht, ge- 
drungen-blütig, von grossen, blattartigen Tragblättem gestützt, 
gestielt, doch ist der Stiel des untersten meist in der Scheide 
des Tragblattes eingeschlossen. Deckspelzen braun, weiss- 
randig, mit grünem, in ein Stachelspitzchen auslaufendem 
Rückennerv. Fruchtschlauch auf dem Rücken schwach-flaumig, 
deutlich berandet und am Rande feingesägt-gewimpert; in einen 
ziemlich kurzen, vorne flachen, zweizähnigen Schnabel zu- 
gespitzt. Blütezeit Juni. 4. In Felsspalten der höchsten 
Schweizer Alpen; selten. (C. fimbriata Schkuhr.) C. hispi- 
dula Gaudin, Schwach-rauhhaarige Segge. 

B. Tragblatt der untersten Ähi-e gar nicht oder doch nur sehr kurz 

bescheidet. 

1. Blätter sehr schmal, rinnig und fast borstlich, mit zuletzt netz- 
faserig werdenden Scheiden. — Wurzelstock ungegliedert, aus- 
läuferbildend, kleine Rasen oder Halmbüschel entsendend. Halme 
bis 1 m hoch, schlank, stumpf-dreikantig, unter der Blüte scharf. 
Männliche Ährchen 1 bis 2, lang-cylindrisch; weibliche 2, seltener 3, 
eilänglich, von langen Tragblättern gestützt, unterstes kurzgestielt. 
Deckspelzen ei-lanzettförmig, zugespitzt, gewimpert, braun mit 



208 Cyperaceae. 

grünem Rückennerv, etwa so gross wie der eiförmige, etwas auf- 
geblasene, stumpf-dreikantige, kurz- weichhaarige , bräunliche, mit 
kurzem, zweizähnigem Schnabel versehene Fruchtschlauch. Blüte- 
zeit Mai, Juni. %■. In Torf sümpfen; zerstreut. (C. lasiocarpa Ehr- 
hart.) Carex flliformis L., Fädliche Segge. 
2. Blätter bis 6 mm breit, flach, mit scharfem Kiele. — Ausläufer 
weithin kriechend. Halm 60 bis 100 cm hoch, nach oben zu 
dreischneidig-scharf. Männliche und weibliche Ährchen 2 bis 3, 
entfernt von einander und aufrecht stehend; unterstes weibliches 
Ährchen kurzgestielt und von einem den Halm überragenden, oft 
30 cm langen, blattartigen Tragblatte gestützt. Die übrigen 
Tragblätter sind kürzer, überragen aber ihre Ährchen. Deck- 
spelzen braun, nach dem Rande zu abblassend, mit rauher 
Stachelspitze. Fruchtsclilauch breit-eiförmig, beiderseits gewölbt^ 
kurz-flaumhaarig, mit kurzem, zweizähnigem Schnabel, kaum 
länger als die Spelze. Blütezeit Mai. 4 . Am Donauufer bei Ulm 
und in einem Sumpfe bei Liegnitz. (C. Kochiana Schübler; 
C. evoluta Hartmann.) C. filiformis X riparia Wimmer, Ent- 
wickelte Segge. 

2. Sippe: Fruchtschlauch kahl. Die beiden Zähne der 
Schnabelspitze stehen gespreizt. Männliche Ährchen sind 
meist mehrere vorhanden. 

A. Alle weiblichen Ährchen langgestielt, nickend oder hängend. — Wurzel- 
stock dicht -rasig, Ausläufer treibend. Halme dreischneidig, scharf, 
50 bis 100 cm hoch. Blätter eben so lang oder länger wie die Halme, 
9 bis 13 mm breit, scharf, am Rand- und Mittelnerv rauh, Männliches 
Ährchen einzeln, schmal- walzenförmig, rostrot; weibliche Ährchen 4 bis 6, 
einander genähert, in der Achsel langer, zum Teil den Halm über- 
ragender, blattartiger Tragblätter, von denen die unteren eine kleine 
Scheide besitzen. Deckspelzen lanzettförmig, in eine lange, durch feine, 
steife Wimperhaare rauhe, pfriemenartige Spitze auslaufend, bräunlich, 
weissrandig, mit grünem Mittelnerv. Fruchtschlauch ei-lanzettförmig, 
nervig, dreiseitig, glänzend-hellgrün, mit langem, gespreizt-zweizähnigem 
Schnabel, bei der Reife wagerecht- oder abwärts-geneigt-abstehend, Blüte- 
zeit Juni. An sumpfigen Orten und Teichen, zerstreut. C. Pseudo- 
Cyperus L., Cypergrasähnliche Segge. 

B. Alle oder doch die oberen weiblichen Ährchen sind ungestielt oder 
kurzgestielt und stehen aufrecht; die unteren sind mitunter länger ge- 
stielt und nickend bis hängend. 



Cyperaceae. 209 

A. Männliche Ährchen 1 bis 2, überhängend. — Wurzelstock kriechend 
und Ausläufer treibend, aus dem Knoten Büschel 40 bis 60 cm 
hoher, stumpf-dreikantiger, oberwärts scharfer, bei der Blüte und 
Fruchtreife nickender Halme entsendend. Blätter bis 4 mm breit, 
rinnig, mit fadenförmig-verlängerter, dreikantiger Spitze, räckwärts 
scharf, länger wie der Halm. Tragblätter blattartig, unterste mit 
kurzer Scheide, den Halm oft überragend. Männliches Ährchen 
endständig, schmal-lanzettlich. Von den weiblichen Ährchen ist nur 
das unterste kurzgestielt. Deckspelzen eiförmig-länglich, rotbraun, 
mit grünem Rückennerv; die der weiblichen Blüten fast so lang 
wie der Fruchtschlauch. Letzterer eiförmig - länglich , dreiseitig, 
nach aussen zu gewölbt, glatt, fast gestreift, mit gespreizt- zwei- 
zähnigem Schnabel, aschgrau. Blütezeit April, Mai. 4. An feuchten, 
schattigen Stellen; zerstreut und selten. Carex iiutans Host, 
Mckeude Segge. 

B. Männliche Ährchen aufrecht. 

a. Halm stumpf-dreikantig, glatt. 

a. Unterstes Tragblatt langscheidig. (S. 206) C. hirtaeformis 

P e r s o n. 

b. Unterstes Ti-agblatt scheidenlos. — Halm 30 bis 60 cm hoch. 
Blätter schmal, oft rinnenförmig, an den Rändern etwas rauh, 
blaugrün, länger als der Halm, Männliche Ährchen 1 bis 3, 
lang -walzen -spindelförmig; weibliche 2 bis 3, lang - Avalzen- 
förmig, von einander entfernt, unterste kurzgestielt. Tragblätter 
blattartig, den Halm überragend, sehr spitz, ohne Scheide. 
Deckspelzen lanzettlich, rotbraun, weissrandig, schwachgrün- 
nervig; die der weiblichen Blüten kürzer als der Frucht- 
schlauch; letzterer aus fast kugelig-aufgeblasenem Grunde in 
einen langen, flachen, gespreizt-zweizähnigen Schnabel ver- 
schmälert, auf der Aussenseite siebennervig, gedrängt- und 
daher wagerecht - abstehend , bräunlich -gelb, kahl, glänzend. 
Blütezeit Mai, Juni. Auf moorigen Wiesen, in Sümpfen, an 
Gräben und Bächen; durch das ganze Gebiet verbreitet, stellen- 
weise häufig. (C. vesicaria var. ß. L.; C. obtusangula Ehrhart; 
C. ampullacea Goodenough.) C. rostrata Withering, Ge- 
schnätoelte Segge. 

ß. Halm dreischneidig, ganz oder doch wenigstens oben scharf. 
a. Fruchtsclüauch beiderseits gewölbt. Blattscheiden nicht oder 
doch nur wenig netzig-zerfasernd. 

Thome, Flora. II. Aufl. 14 



210 Cyperaceae. 

1. Blätter blaugrün, 9 bis 11 mm breit. Schnabel des 
Fruchtschlauclies kurz, höchstens ^j^ der Länge des ganzen 
Schlauches; Deckspelze des Schlauches mehr als halb so 
breit wie der Schlauch. — Wurzelstock rasig, ausläufer- 
treibend. Halme kräftig, 60 bis 130 cm hoch, steif-auf- 
recht, unbehaart, dreischneidig-scharf. Blätter kürzer als 
der Halm, breit, flach, starr, am Rande und am Kiele sehr 
scharf, in weissliche, netzförmig-geäderte und sich teilweise 
zerfasernde Scheiden auslaufend. Männliche Ährchen 3 bis 5, 
gedrängt, weibliche 3 bis 4; alle dick, spindelförmig, ge- 
drungenblütig; obere sitzend, untere gestielt-nickend und 
gestützt von langen, blattartigen Tragblättern, deren unterste 
oft an ihrem Grunde scheidig sind, und deren unterstes 
mitunter über 30 cm lang ist. Deckspelzen lanzettförmig, 
in eine grannenartige, scharf-gewimperte Spitze auslaufend, 
rotbraun mit grünem Rückennerv, so lang oder länger als 
der eiförmig-längliche, zart-vielnervige, kahle, mit kurzem, 
gespreizt-zweizähnigem Schnabel versehene, grünlich-braune, 
zuletzt gelbe Fruchtschlauch. Blütezeit Mai, Juni. Diese 
grösste und ansehnlichste unserer Seggen ist im ganzen 
Gebiete an Teichen, Lachen, Gräben, sumpfigen Wiesen, 
Flussufern u. s. w. verbreitet. Carex riparia Curtis, Ufer- 
Segge.*) 

2. Blätter freudig-grün, bis 6 mm breit, mit rötlichen, später 
schwach zerfasernden Scheiden. Der Schnabel des Frucht- 
schlauches misst ^/g und mehr von der Länge des ganzen 
Schlauches; Deckspelze des Schlauches weniger als halb so 
breit wie der Schlauch. — Wurzelszock ausläufertreibend. 
Halme dreischneidig- scharf, rauhkantig, 60 bis 100 cm 
lang. Männliche und weibliche Ährchen 2 bis 3; die 
untersten in blattartigen, am Grunde nicht scheidigen Trag- 
blättern, deren unterstes den Halm überragt. Deckspelzen 
erst lanzettlich, rotbraun mit grünem Mittelnerv, später 
gelb abwelkend. Fruchtschlauch ei-lanzettförmig, nervig, 
schief von seiner Achse abstehend, kahl mit langem, ge- 

■*) Tafol 88 D — F. Carex riparia Curtis. D Ende eines blühenden Halmes; 
Yj und F weibliche Ähren: Dl männliche, D2 weibliche Blüte; D3 Fruchtschlauch 
der Blüte entnommen; D 4 desgl. reif; D5 Frucht mit Spelze. D und E verkleinert, 
F natürliche Grösse. 1 bis 5 vergrössert. 



Cyperaceae. 211 

spreizt-zweizähnigem Schnabel, länger als die Spelze. Blüte- 
zeit Mai, Juni. An sumpfigen Orten häufig. Carex vesi- 
caria L., Blasen-Segge. 

b. Fruchtschlauch auf der Innenseite fast flach, auf der Aussen- 

seite gewölbt. 

1. Weibliche Deckspelzen mit kleiner, glatter Haarspitze, 
männliche zuletzt stumpf- abgerundet. — Rasig mit lang- 
kriechenden Ausläufern. Halm 60 bis 120 cm lang, scharf- 
dreikantig, rückwärts sehr scharf haarig, blauduftig, unten 
mit oft braunen oder roten, später netzig- spaltenden, 
scheidenartigen Blättern besetzt. Blätter 6 bis 9 mm breit, 
flach, gekielt, am Rande sehr scharf, in eine dreiseitige Borste 
zugespitzt, so hoch wie die Halme. Männliche Ähren 2 bis 3, 
genähert, länglich; weibliche 1 bis 4, lang- walzenförmig, 
aufrecht, untere gestielt; alle sehr gedrungenblütig. Oft sind 
alle weiblichen Ähren an ihrer Spitze männlich. Untere 
Tragblätter blattartig, an ihrem Grunde nicht scheidig, oft 
den Halm überragend. Deckspelzen schwarzbraun mit 
grünem Rückennerv. Fruchtschlauch eiförmig -länglich, 
etwas dreiseitig, in einen kurzen, rinnig -gespreizt -zwei- 
zähnigen Schnabel auslaufend, ganz kahl, rotbraun, meist 
etwas länger als die Deckspelze. Blütezeit Mai. 21-. Auf 
feuchten Wiesen, an Gräben und Teichrändern u. s. w. ; häufig. 
i^Carex paludosa Goodenough; C. acuta Curtis.) C. acuti- 
formis Ehr hart, Sumpf-Segge. 

2. Weibliche Deckspelzen mit langer, linealischer, sägerandiger 
Haarspitze; männliche spitz; erstere so lang als der läng- 
lich-eiförmige, stark gespreizt - zweizähnige Fruchtschlauch. 
— Im übriffen wie die vorig-e und daher auch als Varietät 
derselben angesehen. An denselben Orten wie vorige und 
oft mit ihr zusammen, aber seltener. (C. spadicea Roth.) 
C. Kocliiana De C and olle, Kochs Segge. 

3. Sippe: Fruchtschlauch kahl. Zähne seines Schnabels 
meist nach vorne gerichtet. Männliche Ähren meist einzeln. 
Blattscheiden mit Nebenblättchen, welche tutenförmige An- 
hängsel darstellen. 

A. Fruchtschlauch fein-punktiert. 

A. Schnabel des Fruchtschlauches fein-sägezähnig. 

14* 



212 Cyperaceae. 

1. Pruchtschlauch länger als die Declcspelze, vielnervig, mit zw^ei 
stark hervortretenden Nerven. — Kurze Stocksprossen treibende 
Rasen. Halme 30 bis 100 cm hoch, aufrecht, dreiseitig, glatt. 
Blätter wenig mehr als halb so lang Avie der Hahn, 4 mm breit, 
mit länglichem, blattgegenständigem, kurzem, tutenförmigem 
Blatthäutchen. Männliche Ähre einzeln, langgestielt. Weibliche 
Ähren meist drei, länglich, von einander entfernt stehend; nur 
der Stiel der untersten tritt aus der Scheide des langen, grünen, 
blattartigen Tragblattes heraus, der der oberen bleibt darin ein- 
geschlossen. Weibliche Deckspelze an der Spitze gewimpert, 
braun mit grünem, als Stachelspitzchen hervortretendem Mittel- 
nerv. Fruchtschlauch elliptisch oder eiförmig, stumpf-dreikantig, 
in einen (nicht selten gespreizt-) zw^eispitzigen, geraden, säge- 
zähnigen Schnabel zugespitzt; glänzend rotbraun, doch sind die 
beiden Nerven grün. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf trockenen, 
torfigen Heiden, in Rheinland, Westfalen, Württemberg; sehr 
selten. Carex Ibiiiervis Smith, Zweiiiervige Segge. 

2. Fruchtschlauch kürzer als die Deckspelze, ohne vorspringende 
Nerven. — Rasig, mit ausläuferartig -liegendem Wurzelstocke, 
Halme 60 bis 100 cm hoch, dreiseitig, glatt, oberwärts etwas 
rauh, schlaff. Blätter breit-linealisch (bis 9 mm breit), kürzer als 
der Halm, mit sehr langer Blattscheide und länglichen, blattgegen- 
ständigen, tutenförmigen Blatthäutchen. Männliche Ähre einzeln, 
lanzettlich; weibliche Ähren zu 3 bis 4, länglich, entfernt von- 
einander stehend, unterste meist nickend; alle langgestielt; Trag- 
blätter blattartig, mit langer Scheide, oft zum Teil den Halm 
überragend. Männliche Deckspelzen mehr elliptisch, weibliche 
mehr lanzettlich, so lang als der Fruchtschlauch; alle zugespitzt- 
stachelspitzig, gelbbraun mit grünem Mittelnerv. Fruchtschlauch 
eiförmig- elliptisch, stumpf -dreikantig, nervig, grün, mit zwei- 
zähnigem, vorn flachem Schnabel, dessen gerade-vorgestreckte 
Zähne gewimpert und am Rande etwas sägezähnig-rauh sind. 
Blütezeit Mai, Juni. %■. Auf feuchten, schattigen Wiesen: sehr 
selten, nur an einigen Punkten in der Nähe der belgischen Grenze. 
C. laevigata Smith, Geglättete Segge. 

B. Schnabel des Fruchtschlauches am Rande glatt, nicht fein-sägezähnig. 
— Wurzelstock kurze Ausläufer bildend und einzelne Blatt- und 
Halmbüschel treibend. Halm 20 bis 30 cm hoch, glatt, nickend. 
Blätter flach, schmal-lineal, glatt, mit scharfer Spitze, kürzer als der 
Halm, mit langer Blattscheide und tutenförmigen Blatthäutchen. 



Cyperaceae. 213 

Männliche Ähren 1, seltener 2, lanzettlich; weibliche meist 3, selten 4, 
länglich-walzenförmig, entfernt von einander stehend, aufrecht, dicht- 
blütig, oberste sitzend oder kurz-gestielt, unterste etwas länger ge- 
stielt. Tragblätter blättartig, an ihrem Grunde scheidig, das unterste 
den Halm bisweilen überragend. Deckspelzen hellbraun mit grünem 
Rückennerv, breit- eiförmig, männliche mit aufgesetztem Stachel- 
spitzchen, weibliche mehr in die Stachelspitze auslaufend. Frucht- 
schlauch so lang wie die S^aelze, fast kugelig, stumpf-dreikantig, 
fein-punktiert, wagerecht-abstehend, mit ziemlich langem, kurz-zwei- 
zähnigem Schnabel, glatt, blassgrün mit dunkleren Punkten. Blüte- 
zeit April, Mai. %. Auf grasigen Abhängen Tessins und Salzburgs; 
selten. Carex punctata Gaudin, Punktierte Segge. 

B. Fruchtschlauch nicht fein-punktiert. 

1. Rasig, ohne Ausläufer. — Halme bis 60 cra hoch, glatt, stumpf- 
dreikantig. Blätter viel kürzer als der Halm, oft zurückgekrümmt 
und dem Boden anliegend, am Rand und Kiel rückwärts-scharf, flach, 
in eine dreikandige Spitze auslaufend, bleich-blaugrün, mit kleinem, 
blattgegenständigem Blatthäutchen. Tragblätter blattartig, mit langen 
Scheiden, länger als die Ähre, zuweilen länger als der Halm. Männ- 
liche Ähre einzeln, lanzettlich, langgestielt. Weibliche Ähren meist 
drei, sehr entfernt voneinanderstehend , unterste meist unter der 
Mitte des Halmes, eiförmig oder länglich, mit ihrem Stiele aus der 
Blattscheide hervorragend, gedrungen - blutig. Deckspelze eiförmig- 
elliptisch, zugespitzt oder stachelspitzig und an der Spitze rauh-ge- 
wimpert, rotbraun mit grünem Mittelnerv. Fruchtschlauch elliptisch, 
stumpf-dreikantig, nervig, kahl, so lang oder länger als seine Spelze; 
Schnabel zvveizähnig, ,auf der Innenseite der Zähne rauh-bewimpert. 
Blütezeit Mai, .Juni. Auf feuchten, torfigen Wiesen, durch das ganze 
Gebiet zerstreut. C. distans L., Entfernt-ährige Segge.'-') 
2. Wurzelstock kurz, Ausläufer treibend. — Halm 30 bis 45 cm hoch, 
aufrecht, dreiseitig, glatt, zuweilen am oberen Ende etwas scharf, 
Blätter schmal, kürzer als der reife Halm, grasgrün, mit einem 
kleinen, eiförmigen, blattgegenständigen, tutenförmigen Blatthäutchen. 
Männliche Ährchen einzeln; weibliche zwei oder mit einem tiefer 
sitzenden dritten, bei der Reife eiförmig-kugelig, gedrungen-blütig ; 
mit langen Stielen, welche aus den laugen Scheiden der blattartigen. 



*) Tafel 89AB. Carex distans A. A blühende Pflanze; B fruchtender Halm; 
A 1 männliche, A 2 weibliche Blüte mit Deckspelze. 1 und 2 vergrössert. 



214 Cyperaceae. 

die männliche Ähre kaum erreichenden oder nur wenig überragenden 
Tragblätter hervortreten. Deckspelzen länglich-eiförmig, stumpf, rost- 
farbig, schmal- weissrandig, mit grünem Rückennerv, kürzer als der 
eiförmige, dreiseitige, geschnäbelte, nervige, kahle Fruchtschlauch. 
Schnabel mit 2 gerade-vorgestreckten Zähnen, gewimpert; Zähne an 
ihrer Innenseite wimperlos und häutig-berandet. Blütezeit Mai, Juni. 

Auf Torfwiesen; zerstreut. (C. fulva Auctorum; C. biformis 
b. sterilis F. Schultz.) Carex Hornschucliiaua Hoppe, Horn- 
schuchs Segge. 

Mit Carex flava L. bildet sie einen Bastard C. flava X Horn- 
schiichiaiia W immer (C. fulva Goodenough, C. biformis a. sterilis 
F. Schultz); derselbe ist Hornschuchs Segge sehr ähnlich, aber mehr 
gelbgrün. Halm etwas scharf; Deckspelzen etwas spitz; Fruchtschlauch 
dreiseitig, fast kugelig mit gesägtem Schnabel, bei verkümmerter Nuss 
meist fast ganz kahl. Zwischen den Eltern auf torfigen Wiesen; 
selten. 

4. Sippe: Fruchtschlauch kahl; Zähne seines Schnabels meist 
gerade nach vorne gerichtet. Männliche Ähre meist einzeln. 
Blattscheiden ohne oder mit kaum angedeuteten tutenförmigen 
Anhängseln. 

A. Fruchtschlauch eilänglich, flachgedrückt, kahl, plötzlich in einen stiel- 
runden, an seiner Spitze zweilappigen Schnabel zugespitzt, anfangs, so- 
weit er von der Spelze bedeckt wird, grün, später ganz brandig-schwarz- 
braun. — Wurzelstock rasig, etwas kriechend. Hahn bis 30 cm hoch, 
aufrecht, dünn. Blätter graugrün, kaum halb so hoch wie die Halme, 
allmählich zugespitzt. Männliche Ähre einzeln, aufrecht, endständig; 
weibliche 2 bis 3, etwas entfernt von einander stehend, fast eiförmig, 
gedrungen-blütig, alle wie angebrannt, braunschwarz aussehend. Trag- 
blätter scheidenförmig, unterste Scheide in eine blattartige, ihre Ähre 
nicht überragende Stachelspitze auslaufend. Deckspelzen elliptisch, spitz, 
schwarzbraun-rostgelb-randig, mit einem schmalen, anfangs grünen, 
später rostgelben Mittelnerv. Blütezeit August. %. Auf Moorboden der 
höchsten Schweizer und Osterreichischen Alpen; selten. C. ustiilata 
Wahlenberg, Angebrannte Segge. 

B. Fruchtschlauch anders gebildet; Schnabel in 2 sj)itze Zähne oder (bei 
C. firma und C. sempervirens) in 2 stumpfe Lappen endigend, in letz- 
terem Falle aber flach, nicht stielrund. 

A. Endständige Ähre an der Spitze weiblich. — Rasig. Halm 15 bis 
30 cm lang, dreieckig, hin- und hergebogen. Blätter kürzer als der 



Cyperaceae. 215 

Halm. Älirchen langgestielt; das endständige keulenförmig, am 
Grunde männlich, die 2 bis 5 übrigen weiblich, länglich, gedrungen- 
blutig, unterste zuletzt überhängend. Tragblätter blattartig, an 
ihrem Grunde scheidig. Deckspelzen eiförmig, zugespitzt, glänzend- 
russfarbig mit rostgelbem Rande und eben solchem Rückennerv. 
Fruchtschlauch lanzettförmig, kahl, glatt, anmählich in einen be- 
randeten und am Rande feingesägt - gewimperten , an der Spitze 
zweizähnigen, breiten und flachen Schnabel zugespitzt. Blütezeit 
Juli, August. %. Auf feuchten Gras- und Kiesplätzen der höchsten 
Alpen , namentlich der österreichischen. Carex fuliginosa 
Schkuhr, KiissfarMge Segge. 
JB. Endständige Ähre ganz männlich. 

I. Wurzelstock kriechend oder mit Ausläufern, 
a. Weibliche Ähren zuletzt hängend. 

a. Schnabel an seinem Rande kahl, nicht rauh oder gewimpert. 
— Wurzelstock rasenförmig, häufig, aber nicht immer Aus- 
läufer treibend. Halme 40 bis 70 cm hoch, dreiseitig, mit 
gewölbten Seitenflächen, kahl, glatt, schlaff. Blätter steif- 
aufrecht, an Rand und Kiel scharf, 4 bis 6 mm breit, hell- 
grün, kürzer als die reifen Halme. Männliche Ähre lang- 
walzenförmig, einzeln, aufrecht, gelblich; weibliche 4 bis 5, 
fadenförmig, von einander entfernt, mit langen, scharfen 
Stielen aus den langen Scheiden der den Halm nicht über- 
gipfelnden Tragblätter hervorragend, zur Zeit der Reife über- 
hängend; mitunter alle an ihrer Spitze männlich, wie sich 
denn auch, aber sehr selten, am Grunde der gipfelständigen, 
männlichen Ähre eine kleine, männliche Nebenähre findet. 
Weibliche Deckspelzen häutig -weisrandig, erst grün, dann 
blassgelb - grün , lang zugespitzt, so lang wie die Frucht- 
schläuche. Letztere sind lanzettförmig, dreikantig, ganz 
glatt und kahl, grün, in einen linealen, zweispaltigen Schnabel 
zugespitzt. Blütezeit Juni. %. An feuchten Waldplätzen, 
namentlich in Laubwäldern, häufig. (C. Drymeia Ehrhart.) 
C. silvatica Hudson, Waldsegge.*) 
ß. Schnabel am Rande feingesägt, rauh oder ge^vimpert. 

1, Deckspelze blass, erst grün, dann gelbgrün. C. silvatiea 
Hudson, siehe vorhin; gehört zuweilen hierher. 



*) Tafel 89C. Carex silvatiea Hudson. C blühende Pflanze; C 1 männliche, 
C 2 weibliche Blüte mit Spelze; C 3 Schnabel des Fruchtschlauches. Ibis 3 vergrössert. 



216 Cyperaceae. 

2. Deckspelzen dmikel- braun, hellrandig, oft mit grünem 
Rückennerv. 

a. Weibliche Äliren lockerblütig; Fruclitsclmabel feinge- 
sägt-rauh. Carex ferruginea L., (siehe Seite 207) 
gehört zuweilen hierher. 

J). Ähren gedrängt-blumig; Fruchtschnabel sehr zart, fein- 
gesägt-gewimpert. - — Kleine, ausläufertreibende Rasen. 
Halm 20 bis 40 cm hoch, dreikantig, scharf. Blätter 
lang-zugespitzt, rinnig, scharf, graugrün, kürzer als der 
Halm. Männliche Ähre einzeln, endständig, lanzett- 
lich, bisweilen an der Spitze weiblich. Weibliche Ähren 
3 bis 5, meist 4, länglich-lanzettlich, gedrungeu-blütig; 
oberste sitzend, die anderen gestielt, etwas von einander 
entfernt sitzend, unterste weit entfernt, sehr lang- 
gestielt, hängend. Tragblätter blattartig, an ihrem 
Grunde scheidig, so lang oder länger als ihre Ähre. 
Deckspelzen rotbraun, oft mit grünem Mittelnerv. 
Fruchtschlauch lanzettlich, dreiseitig, kahl, in einen 
berandeten, feingesägt-gewimperten Schnabel verschmä- 
lert. Blütezeit Juli, August. ^. An feuchten oder 
nassen Stellen auf dem Feldberg, in Baden und auf 
den Alpen, namentlich auf den Granit- Alpen. C. frigida 
AUioni, Kälteliebeiide Segge. 

b. Weibliche Ähren stets aufrecht. 

1. Weibliche Ähre meist einzeln, ihr Stiel in die Scheide des 
Tragblattes eingeschlossen; der einer etwaigen zweiten unteren 
zuweilen etwas hervortretend. Deckspelze so lang als der 
Fruchtschlauch. — Wurzelstock zart, mit ungegliederten Aus- 
läufern. Halme 10 bis 30 cm hoch, dünn, dreikantig, ge- 
streift, oberwärts scharf. Blätter hellgrün, aufrecht, 4 mm 
breit, hart, viel kürzer als die Halme. Tragblätter etwa so 
lans- wie die von ihnen Q-estützte Ähre. Männliche Ähre 
einzeln, länglich, gelblich; weibliche 1 bis 2, elliptisch, weiss- 
lich. Deckspelzen eilänglich, weisshäutig mit einem grün- 
lichen, in eine lange Spitze auslaufenden Rückennerv. Frucht- 
schlauch umgekehrt-eiförmig, bauchig-dreiseitig, kahl, plötz- 
lich in einen linealischen, schwachnervigen, spitz-zweispal- 
tigen Schnabel verschmälert. Blütezeit Mai. %. In Gebirgs- 



Cyperaceae. 217 

laubwaldungen und auf trockenen Weiden, im südlichen Teile 
des Gebietes; vereinzelt in Schlesien. Carex Michelii Host, 
Miclielis Segge. 

2, Weibliche Ähr.en mit langen, aus den Scheiden der kurzen 
Tragblätter hervortretenden Stielen. Deckspelze kürzer als 
der Fruchtschlauch. — Wurzelstock zart, dichtrasig, kurze 
Ausläufer treibend. Halm 15 bis 30 cm hoch, schlank, 
länger als die schmalen, rinnig-eingerollten, fast fadenartigen 
und am Rande scharfen Blätter. Männliche Ähre einzeln; 
weibliche 2 bis 3, von einander entfernt stehend, walzen- 
förmig, etwas lockerblütig, zuletzt überhängend. Deckspelzen 
breit- eiförmig, zugespitzt, bräunlich, mit grünem Mittelnerv. 
Fruchtschlauch lanzettförmig-länglich, dreiseitig auf der Ober- 
fläche und am Rande kahl, mit langem, am Rande scharfem, 
zweizähnigem Schnabel. Blütezeit Juni, Juli. 21. In den 
Alpen, den höchsten Mährischen Gebirgen und mit den 
Flüssen aus den bayrischen Alpen in die Thäler hinab- 
steigend. (Form von C. tenuis Host.) C. brachystacliys 
Schkuhr, Kurzälirige Segge. 
n. AVurzelstock ohne Ausläufer und nicht kriechend. 

a. Tragblätter, wenigstens das der untersten Ähre, weit länger als 

ihre Ähre und oft länger als der Halm. 

a. Schnabel des Fruchtschlauches kahl, nicht rauh oder ge- 
wimpert. 

1. Fruchtschlauch im Querschnitte fast kreisrund, eiförmig, 
plötzlich in einen gebogenen, zweizähnigen Schnabel ver- 
schmälert, hellgrün. — Wuchs rasig. Halme dreiseitig, 
fast stielrund, gerillt, fadenai-tig, glatt oder unter der 
Spitze etwas rauh, 15 bis 25 cm hoch. Blätter etwa 
halb so lang wie der Halm, hellgrün. Männliche Ähre 
einzeln, lang- walzenförmig; weibliche meist 2, kugelig, 
entfernt von einander stehend, unterste mit einem die 
Ähre weit überragenden, blattartigen Tragblatte. Männ- 
liche Deckspelze stumpf, dunkelbraun; weibliche eiförmig, 
glänzendbraun, weissrandig, mit grünem Rückennerv, viel 
kürzer als die Frucht. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf 
Sumpf- und Moorwiesen, zerstreut und selten; auch als 
Abart von C. flava angesehen. (C. lipsiensis Petermann.) 
C. lepidocjirpa Tausch, Schiippenfrüclitige Segge. 

2. Fruchtschlauch im Querschnitte dreikantig. 



ii 1 8 Cyperaceae. 

a. Alle Ahrchen stehen von einander entfernt und sind 
gestielt. Zuweilen gehört hierher die Seite 215 be- 
sprochene Carex silvatica Hudson, Wald-Segge. 

h. Die oberen Ahrchen sind einander genähert und un- 
gestielt. — Dichtrasiger Wuchs. Halme 15 bis 30 cm 
hoch, dreiseitig, ganz glatt. Blätter ungefähr so lang 
wie der Halm, aufrecht, schmal-linealisch (2 mm breit), 
rinnig. Männliche Ähre einzeln, fast sitzend, walzen- 
förmig; weibliche 2 bis 4, eirund-länglich, gedrungen- 
blutig, mit blattartigen, den Halm überragenden, zuletzt 
zurückgekrümmten und weit abstehenden Tragblättern, 
deren untere lang-, deren obere kurzscheidig sind. 
Deckspelzen breit-eiförmig, spitz, männliche braun, mit 
grünem Mittelnerv, weibliche braungelb, nach der Spitze 
zu braun, mit hellerem Mittelnerv. Fruchtschlauch 
kugelig - gedrängt - eiförmig , dreikantig , stark - nervig, 
dunkelgrün, braunpunktiert, mit kurzem, geradem, zwei- 
zähnigem, plattem Schnabel. Blütezeit Juni, Juli. %. 
Auf feuchtem und sumpfigem, namentlich salzhaltigem 
Boden an der Ostsee und am Adriatischen Meere. 
C. extensa Goodenough, Ausgedehnte Segge. 

/?. Schnabel des Fruchtschlauches feingesägt-rauh. 

1. Schnabel des Fruchtschlauches an sich gerade, aber schief 
aufgesetzt und daher etwas abwärts gekrümmt. — Dichte, 
gelbgrüne Rasen. Halm 10 bis 50 cm hoch, steif, drei- 
kantig, bis an die Blüte glatt. Blätter an ihrem Grunde 
bis 4 und mehr mm breit, spitz zulaufend, obere sperrig- 
abstehend, lebhaft grün. Männliches Ahrchen einzeln, 
mehr oder weniger langgestielt, lanzettlich. Weibliche 
Ahrchen 2 — 3, die oberen einander genähert, kugelig- 
eiförmig, mit allseitig sperrig-abstehenden Fruchtschläu- 
clien. Die Tragblätter sind blattförmig, die oberen kurz-, 
die unteren langscheidig; sie sind länger als der Halm 
und stehen zur Fruchtzeit ab oder sind dann zurück- 
geschlagen. Die Deckspelzen sind rostbraun, weissrandig, 
von grünem Mittelnerv durchzogen, eiförmig-spitz, zur 
Reifezeit abfällig und kleiner als der Fruchtschlauch. 
Dieser ist stumpf- dreikantig, im Querschnitte fast kreis- 
förmig, nervig, mit langem, zweizähnigem Schnabel. Blüte- 



Cyperaceae. 219 

zeit Mai, Juni. 4. Auf sumpfigen, besonders torfigen 
Wiesen, nicht selten. (C, Marssoni Auerswald). Carex 
flava L., Gelbe Segge.*) 
2. Schnabel des Fruchtsclilauches gerade und gerade auf- 
gesetzt, abwärts gekrümmt. 

a. Fruchtschläuche fast kugelig, schwach-dreikantig, nervig, 
nach allen Seiten vom Ährchen abstehend, grün, mit 
kurzem, geradem, kurz -zweizähnigem Schnabel. — 
Dichtrasig. Halme 3 bis 15 cm, selten bis 30 cm hoch, 
stumpf-dreikantig. Blätter meist viel höher als der 
blühende Halm, 2 mm breit, rinnenförmig, etwas steif, 
am Rand und Kiel scharf. Männliches Ährchen einzeln, 
walzenförmig. Weibliche Ährchen 2 bis 4, kugelig 
oder eiförmig; das oberste derselben ist sehr wenig 
oder gar nicht gestielt, die übrigen sind etwas länger 
gestielt; meist sind sie ziemlich genähert. Bei dreien 
hat in der Regel nur das unterste ein langes, blatt- 
artiges Tragblatt; bei vieren sind die beiden untersten 
von solchen gestützt. Die Spelzen sind am Rande 
rotbraun, nach innen zu weisslich-abblassend und mit 
einem grünen Mittelnerv versehen; die der männlichen 
Blüten sind stumpf, die der weiblichen spitz und kürzer 
als der Fruchtschlauch. Blütezeit Mai bis Juli. 4. 
Auf sumpfigen, torfigen Wiesen, an Teichrändern; zer- 
streut, aber nicht selten. C. Oederi Ehrhart, Oders 
Segge. 

h. Fruchtschläuche elliptisch bis verkehrt-eiförmig, nicht 
nach allen Seiten vom Ährchen abstehend. 
aa. Fruchtsclilauch grün, mit etwa 30 hervorragenden 
Nerven versehen, elliptisch bis verkehrt-eiförmig, 
dreiseitig, bauchig, in einen linealisch-verlängerten, 
zweilappigen Schnabel plötzlich zugespitzt. — Rasig. 
Halm 30 bis 50 cm hoch, länger als die schmalen 
Blätter. Männliche Ähre einzeln, lanzettlich, ge- 
stielt; weibliche meist 3, sehr entfernt von einander 
stehend, unterste ziemlich langgestielt, alle sehr 
armblütig (mit 3 bis 5 Blüten) und gestützt von 

*) Tafel 90A. Carex flava L. A blühende Pflanze: AI männliche, A2 weib- 
liche Blüte mit Spelze; A3 Fruchtschlauch. 1 bis .3 vergrössert. 



220 Cyperaceae. 

blattartigen, an ihrem Grunde scheidigen Trag- 
blättern. Letztere sind viel länger als die Ährchen, 
oft fast so lang wie der Halm. Deckspelzen brämi- 
licli, weissrandig, mit grünem Rückennerv. Blüte- 
zeit Mai, Juni. %. In Gebirgsvi^äldern des Elsass, 
der Schw^eiz und Istriens. (C. depauperata Goode- 
nough; C. triflora Schkuhr). Carex ventricosa 
Curtis, BaucMrüchtige Segge. 

bh. Fruchtschlauch glänzend kastanienbraun, mit wenigen 
und nur wenig hervortretenden Nerven, elliptisch, 
stumpf-dreikantig, glatt, in einen spitz-zweispaltigen, 
am Rande feingesägt-rauhen, auf der vorderen Seite 
flachen Schnabel zugespitzt. — Dichtrasig. Halm 
10 bis 30 cm hoch, dreikantig, glatt. Blätter hell- 
grün, 4 bis 6 mm breit, flach-rinnig, allmählich in 
eine dreikantige Spitze auslaufend, viel länger als 
der Halm. Männliche Ähren meist 2, weibliche 
1 bis 4, meist 3, dick; alle aufrecht, länglich- 
eiförmig, mit gedrängtstehenden, fast regelmässig-, 
4- bis 5 zeilig-angeordneten Blüten. Die oberen 
Ähren sind einander genähert; ihr Stiel ragt kaum 
aus der Scheide ihrer langen, den Halm über- 
ragenden, blattartigen Tragblätter hervor; das 
unterste Ährchen hingegen ist von den übrigen 
entfernt und länger gestielt. Die Deckspelzen sind 
scharfrandig, mit scharfem Kiel, rötlichweiss mit 
grünem Mittelnerv und kleiner als der Frucht- 
schlauch. Blütezeit April, Mai. ^. An Gräben und 
Sümpfen, namentlich an salzigen Orten und im 
Südosten des Gebietes; in Norddeutschland selten. 
(C. hordeiformis Wahlenberg.) 0. hordei'stichos 
Villars, (xcrstenährige Segge. 

cc. Früchte glanzlos, schwarz; weibliche Ähren schlank, 

mit unregelmässig- vielzellig angeordneten Blättern: 

Abart (?) der vorigen. C. secalina Wahlenberg, 

Roggenährige Segge. 

b. Tragblätter, auch das unterste, höchstens so lang wie ihre Ähre. 

a. Schnabel des Fruchtschlauches in zwei spitze Zähnchen 

endigend. — Wurzelstock dichtrasig, mit kurzen Ausläufern. 



Cyperaceae. 221 

Halm zart, schlank, aufrecht, 15 bis 30 cm hoch, länger als 
die borstlich-linealen Blätter. Männliche Ähre einzeln, bräun- 
lichgelb; weibliche 2 — 4, entfernt voneinander stehend, zart, 
lang-hervortretend-gestielt, zuletzt etwas überhängend, locker- 
blütig, mit braunen, grünnervigen, stachelspitzigen Deck- 
spelzen. Fruchtschlauch dreikantig, länglich-lanzettlich, kahl, 
mit langem, berandetem, am Rande scharfem und an der 
Spitze zweizähnigem Schnabel, länger als die Deckspelze. 4. 
Blütezeit Juni, Juli Auf feuchtem, grasigem Gerolle der 
Alpen und Yoralpen und mit den Flüssen in die Thäler 
hinabsteigend. Carex tenuis Host, Zarte Seg'ge.*) 
ß. Schnabel des Fruchtschlauches in 2 stumpfe Lappen endi- 
gend. — Dicht- und festrasig. Halm gerade, stumpf-drei- 
kantig, glatt, 20 bis 80 cm hoch. Blätter steif, kurz und 
starr, zurückgebogen, dreizeilig-geordnet. Tragblätter kurz. 
Männliche Ähre einzeln, ungestielt; weibliche 2 bis 3 (meist 2), 
aufrecht, länglich, gedrungenblütig, obere der männlichen 
genähert, fast sitzend, untere entfernt, ziemlich lang- (wenig- 
stens hervortretend-) gestielt. Fruchtschlauch ei-lanzettförmig, 
dreikantig, glatt, kahl, in einen berandeten, feingesägt- wimpe- 
rigen, vorn flachen, an der Spitze stumpf- zweilappigen 
Schnabel zugespitzt. Deckspelzen länglich, rostrot mit grünem 
Mittelnerv, kürzer als der Fruchtschlauch. 4. Blütezeit Juni 
bis August. An feuchten, felsigen Orten der Kalkalpen 
häufig und mit den Flüssen in die Thäler hinabsteigend. 
C. flrma Host, Feste Segge. 

V. Heterostachyae , Verschiedenährige; Cyclostomeae, 
Kreisschnabeiige. 

Yiguea, Fruchtknoten mit 2 Narben. 

I. Halme am Grunde von netzfaserigen Scheiden umgeben, 
A. Wurzelstock ohne Ausläufer. 

1. Halme schlaff; Fruchtschlauch meist nervenlos, eiförmig, zu- 
sammengedrückt, mit gestutztem Schnabel. — Gross- und dicht- 
rasig, hellgrün. Halme scharf-dreikantig, rauh, 25 bis 50 cm 
hoch. Blätter 2 bis 4 mm breit, so lang wie der Halm, untere 



*) Tafel 90 B. Carex tenuis Host. B blühende Pflanze; B 1 männliche, B 2 weib- 
liche Blüte mit Spelze, vergrössert. 



222 Cyperaceae. 

Blattscheiden schmutzig -purpurn. Männhche Ähren meist 1 
bis 2, aufrecht, länglich- walzenförmig; weibliche 1 bis 3, den 
männlichen sehr genähert, länglich, untere kurz gestielt, obere 
sitzend, oft mit männlicher Spitze. Tragblätter an ihrem Grunde 
fast scheidenförmig, beiderseits geöhrelt, unterste blattartig. 
Deckspelzen länglich, mit grünem Mittelnerv; männliche weiss- 
lich; weibliche schwarzbraun, kürzer als der Fruchtschlauch. 
Blütezeit April. Auf Sumpfwiesen, zerstreut; im nordwestlichen 
Teile des Gebietes ziemlich häufig, im südlichen seltener. 
(C. pacifica Drejer; C. Drejeri Lang; C. neglecta Petermann; 
C. spreta Steudel.) Carex caespitosa L., ßasenförmige Segge. 
Die ausläuferbildende Varietät C. turfosa Fries (Siehe 
Seite 224). 
2. Halm steif-aufrecht, Fruchtschlauch auf dem Rücken fünf- bis 
siebennervig, eiförmig, stark zusammengedrückt, mit abgestutztem 
Schnabel. — Dichtrasig, polsterartig wachsend. Halme dick, 
zerbrechlich, oberwärts dreischneidig, 10 bis 100 cm lang, zur 
Fruchtzeit ein wenig überhängend; am Grunde von zahlreichen, 
netzfaserigen, blattlosen, braunen Scheiden umgeben. Blätter 
4 bis 6 mm breit, sehr lang, mehr oder weniger duftig grün, 
steif, am Kiel und an den später zurückgerollten Rändern 
scharf, mit langer, scharfer Spitze. Männliche Ähre meist einzeln, 
selten 2 bis 3, schwarzbraun, walzenförmig, bis 3 cm und mehr 
lang. Weibliche Ähren 2 bis 4, meist 3; obere nicht selten 
mit männlicher Spitze, walzenförmig-stumpf; obere sitzend, 
unterste kurz- gestielt. Tragblätter blattartig, die männlichen 
Ähren kaum erreichend. Spelzen schwärzlich, mit grünem Mittel- 
nerv. Blütezeit April bis Juni. 4. An stehenden Gewässern, 
in sumpfigen und torfigen Wiesen; verbreitet. (C. gracilis 
Wimmer) C. stricta Goodenough, Steife Segge.*) 
B. Mit Ausläufern. Zuweilen gehört hierher (Seite 224): C. Buekii 
Wimmer, Buek's Segge. 
H. Halm am Grunde nicht von netzfaserigen Scheiden umgeben; mit 
Ausläufern oder doch etwas kriechend. 
A. Die endständige Ähre ist an ihrem Grunde männlich, sonst weiblich; 
dazu kommen noch 2 bis 3 weibliche Ähren. Wuchs rasig. Halm 5 
bis 15 cm hoch, dünn, gebogen, an seinem Grunde mit kleineren, höch- 



*) Tafel 91A. Carex stricta (ioodenough. A blühende Pflanze; AI männliche 
A2 weibliche Blüte mit Spelzen; A3 Fruchtschlauch. 1 bis 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 223 

stens ebenso langen Blättern besetzt. Ähren eiförmig, kurz-gestielt; 

unterste von einem blattartigen Tragblatte gestützt und etwas länger 

gestielt. Fruclitsclilaucli und Deckspelzen eiförmig, stumpf; ersterer 

sclmabellos, hellgrün; letztere fast schwarz mit hellgrünem Rückennerv. 

Blütezeit Juli, August. 4. Auf den höchsten Granit- Alpen. Carex bicolor 

Allioni, Zweifarbige Segge. 
B. An der Spitze des Halms stehen eine oder mehrere männliche Ähren. 

A. Fruchtschlauch nervenlos. 

1. Deckspelze nur wenig kürzer und schmäler als der von ihr fast 
völlig verdeckte Fruchtschlauch. Männliche Ähren einzeln. 
a. Blätter aufrecht. Deckspelze den "Fruchtschlauch an seinem 
Grunde umschliessend. — Wurzelstock rasig, mit aufsteigenden 
Stockknospen. Halm scharfkantig. Blätter am Rande umge- 
rollt, kürzer als der Halm. Männliche Ähre einzeln; weibliche 
2 bis 4, meist sitzend, aufrecht, walzenförmig; Tragblätter blatt- 
artig, aufrecht. Fruchtschlauch eiförmig, zusammengedrückt, 
schwach-dreikantig, nervenlos, mit sehr kurzem Schnabel. Deck- 
spelze eiförmig, stumpf, grün mit dunklem Mittelnerv. Blüte- 
zeit Juni, Juli. %. Auf feuchten Grasplätzen im Riesen- 
gebirge. C. decoloraus Wimmer, Sich-verfärbende Segge. 
Die vielfach ebenfalls für das Riesengebirge angegebene 
Nördliche Segge C. hy per l)orea Drejer kommt dort nicht vor, 
scheint aber mit C. decolorans verwechselt worden zu sein, da 
sie ihr sehr ähnlich ist; sie unterscheidet sich von jener zu- 
nächst dadurch, dass sie 2 bis 3 männliche Ähren besitzt. 
ß. Blätter zurückgekrümmt: Deckspelze den Fruchtschlauch an 
seinem Grunde nicht umschliessend. — Wurzelstock rasig, mit 
aufsteigenden, weithin kriechenden, von lanzettlichen, gerippten 
Blattscheiden bedeckten Ausläufern. Halm gebogen, scharf- 
kantig, rauh, 10 bis 15, selbst 30 cm hoch, länger als die 4 
bis 6 mm breiten, starren, zurückgekrümmten, gekielten, an 
ihrer Spitze etwas scharfen Blätter. Männliches Ährchen einzeln, 
eiförmig oder länglich, zuweilen an seinem Grunde mit einzelnen 
weiblichen Blüten; weibliche 2 bis 3, sitzend oder die unteren 
kurz-gestielt, steif-aufrecht, kurz-walzenförmig. Tragblätter am 
Grunde beiderseits braun-geöhrelt, scheidenlos; unterstes meist 
blattartig, kürzer als der Halm, aber länger als die von ihm 
gestützte Ähre. Fruchtschlauch linsenförmig-zusammengedrückt, 
schwach-dreiseitig, eiförmig, glatt und kahl, nervenlos, mit sehr 



224- Oyperaceae. 

kurzem, stielrunclem , ungeteilten] Schnabel, grün, kaum aus 
den stumpfen, schwarzen, grünnervigen Deckspelzen hervor- 
tretend, Blütezeit Juni bis August. 4. Auf steinigen und 
sumpfigen Orten der Gebirgskämnie, auf dem Brocken, im 
Riesengebirge, Mähren und Tirol. Carex rigida Goodenough, 
Starre Segge. 

2. Deckspelze kürzer und schmäler als der Fruchtschlauch. Männ- 
liche Ähren meist 2 oder mehr. 

a. Blattscheiden wenig oder gar nicht netzfaserig. Lockere, kurze 
Ausläufer treibende Rasen. — Im übrigen der Seite 222 beschrie- 
benen C. caespitosa gleich. C. caespitosa yar. turfosa Fries, 
Torf-Segge. 

ß. Blattscheiden stark-netzfaserig. Grosse, polsterförmige Rasen, 
welche weithin-kriechende Ausläufer treiben. — Halm 50 bis 
100 cm hoch, dreischneidig, scharf, bis zur Mitte beblättert. 
Blattscheiden stark-netzfaserig, gelblichbraun. Blätter grasgrün, 
jüngste seegrün, bis 8 mm breit, später mit zurückgerollten 
Rändern. Männliche Ährchen 2 bis 3. weibliche 3 bis 5, ent- 
fernt, linealisch, schlank, dünn, am Grunde lockerblütig, schief- 
aufrecht; untere zur Fruchtzeit bisweilen übergebogen. Trag- 
blatt des untersten Ährchens blattartig, meist kürzer als die 
Ähre; die der oberen sehr kurz, borsten- oder schuppenförmig. 
Deckspelzen länglich, braun mit grünem Mittelnerv, stumpf, 
kürzer als der sehr kleine, rundliche, sitzende, innen flache, 
aussen gewölbte, sehr kurz-geschnäbelte, nervenlose, grüne 
Fruchtschlauch. Blütezeit April, Mai. 4. An Flussufern in 
Sachsen, Schlesien, Böhmen. (C. banatica Heuffel.) €. Buekii 
Wimmer, Biieks Segge. 

B. Fruchtschlauch nervig. 

a. Tragblatt der untersten Ähre länger als der Halm. — Kriechende 
Ausläufer treibende Rasen. Halm CO bis 120 cm hoch, steif-auf- 
recht, dreischneidig, scharf Blätter etwa so hoch wie der Halm, 
4 bis 8 mm breit, gekielt, mit scharfen, später zurückgerollten 
Rändern, sehr spitz zulaufend, den Halm mit häufig rotbraunen, 
nicht netzig gespaltenen Scheiden umgebend. Männliche Ähren 
meist 2 bis 3, selten 1; weibliche 3 bis 4, doch sind die weib- 
lichen Ähren oft an ihrer Spitze männlich; alle verlängert-walzen- 
förmig und zur Blütezeit aufrecht, die unterste hervortretend- 



Cyperaceae. 225 

gestielt. Weibliche Ähren bei der Reife nickend. Tragblätter 
blattartig, lang, am Grunde beiderseits kurz-geöhrelt, scheidenlos. 
Fruchtschlauch breit-eiförmig oder fast kugelig, gestielt, schwach- 
nervig, kahl; mit kurzem, dünnem, ungeteiltem, abgestutztem 
Schnabel; meist kürzer, aber stets breiter als die schmalen, 
spitzen, fast schwarzen, grün- oder weiss] ich-nervigen Deckspelzen. 
Blütezeit Mai. 2|.. An Gräben, Teichrändern, Flussufern, in 
Sümpfen ; gemein. (C. gracilis Curtis ; C. tricostata Fries.) Carex 
acuta L., Scharfe Segge.*) 

Sehr formreiche Pflanze: 

Früchte bald nach der Reife abfallend: C. tricostata Fries, 
Dreirippige Segge. 

Ährchen stets aufrecht: C. elytroi'des Fries, Flügeldecken- 
Segge. 

Weibliche Ähren an der Spitze keulenförmig, verdickt: 
C. coryuophora Petermann, Keulentragende Segge. 

Deckspelzen abgerundet-stumpf, mit einem an der Spitze ver- 
schvTindendem Rückennerv: C. amblylepis Peter mann, Stumpf- 
spelzige Segge. 

Weibliche Ähren lockerblütig; Deckspelzen rostfarbig, viel 
länger als der Fruchtschlauch: C. per Sonata Fries, Maskierte 
Segge. 

Fruchtschlauch stark-nervig; Halm 30 bis 45 cm hoch; Blätter 
bogig- auf steigend; Ähren genähert: (C. frisica H. Koch), C. tri- 
nervis Degland, Dreineryige Segge. 

Deckspelzen schwarz mit breitem, grünem Mittelnerv, kürzer 
als der Fruchtschlauch. C. chlorostachya Reichenbach, Orün- 
ährige Segge. 

Weibliche Ähren zu mehreren in der Achsel eines Trag- 
blattes sitzend oder an ihrem Grunde verästelt. C. zygostachya, 
Jochährige Segge, 
b. Tragblatt der untersten Ähre kürzer als der Halm. 

1. Ähren etwa 12, von einander entfernt-stehend, anfangs gelb- 
grün, zur Reifezeit blaugrün. — Hierher zuweilen die vorhin 



*) Tafel 91 B. Carex acuta. L. B blühender Halm; B 1 männliche, B 2 
weibliche Blüte, Fruchtschlauch noch wenig entwickelt. 1 und 2 vergrössert. 
Thome, Flora. II. 15 



226 Cyperaceae. 

(Seite 193) beschriebene (C. elongata L.) Carex heterostachya 
Wimmer, Vielährige Segge. 

2. Ähren 3 bis 6, einander genähert, mit braunen, grünnervigen 
Deckspelzen. — Lockere, ausläufertreibende Rasen. Halme 
30 bis 45 cm hoch, steif-aufrecht, an trockenen Orten bogig- 
aufsteigend, drei schneidig, oberwärts scharf. Blätter starr, 2 mm 
breit, etwa halb so lang Avie der Halm, mit später eingerollten 
Rändern. Blattscheiden rötlichbraun, nicht netzig spaltend. 
Männliche Ähre einzeln, selten 2; weibliche 2 bis 3, selten 4, 
länglich-walzenförmig, einander genähert, fast sitzend, aufrecht. 
Tragblätter am Grunde beiderseits kurz-geöhrelt , scheidenlos, 
unterste blattartig, das unterste mitunter so lang als der Halm, 
doch nie länger. Fruchtschlauch grün, eiförmig, innen flach, 
aussen etwas gewölbt, vielnervig; mit sehr kurzem, stielrundem, 
ungeteiltem Schnabel; breiter und länger als die länglichen, 
schwarzbraunen, schmal-grün-nervigen Deckspelzen. Blütezeit 
April bis Juni. ^. Auf nassen Wiesen, an Gräben u. dergl. 
häufig. (C. acuta var. nigra L.; C. caespitosa Auctorum aber 
nicht L.; C. Goodenoughii Gay.) C. vulgaris Fries, Ge- 
meine Segge. 

Sehr veränderliche Art: 

Deckspelzen sehr klein: (C. chlorocarpa Wimmer) C. chloro- 
stachya Reich enbach, Orimfruchtige Segge. 

Fruchtschläuche und Deckspelzen, soweit sie frei liegen, 
schwarz. C. melaena Wimmer, Schwarze Segge. 

Niedrige Alpenform mit stark kriechendem Wurzelstock. 
C. stolonifera Hoppe, Ausläufertreibeude Segge. 
B. Carex, Fruchtknoten mit 3 Narben. Die zahlreichen hierher ge- 
hörenden Arten zerfallen in drei Sippen: 
A. Fruchtschlauch kahl: 

a. Tragblätter mit mehr oder minder langen Blattscheiden: 1. Sippe. 

b. Tragblätter gar nicht oder doch kaum bescheidet: 2. Sippe. 
B Fruchtschlauch behaart: 3. Sippe. 

1. Sippe: E'ruchtschlauch kahl; Tragblätter mit mehr oder 
minder langen Blattscheiden. 

A. Wuchs rasig. 

Ä. Unterstes Tragblatt länger als der Halm. — Halm bis 30, selbst 



Cyperaceae. 227 

50 cm lang, stumpf-dreikantig, glatt, gestreift. Blätter schmal, weich, 
auf ihrer Unterseite und auf den Scheiden behaart. Tragblätter 
ohne oder mit Blattscheiden (siehe 2. Sippe). Männliches Ährchen 
einzeln, selten 2, spindelförmig; weibliche 2 bis 3, zuweilen an der 
Spitze mit männlichen Blüten, eiförmig, gedrängt-blütig, einander 
ziemlich genähert , hervortretend - gestielt , zur Reifezeit nickend. 
Fruchtschlauch eirund, zuweilen länglich, schnabellos, schwach-nervig, 
länger als die rötlichgelben, weissrandigen , grünkieligen, etwas 
stachelspitzigen, zuweilen an der Spitze gewimperten Deckspelzen. 
Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf feuchten Wiesen und Grasplätzen im 
Walde; verbreitet. Carex pallesceus L., Blasse Segge. 

B. Unterstes Tragblatt kürzer als der Halm. 

1. Kräftige, bis 130 cm hohe Pflanze; die männliche Ähre überragt 
die weiblichen. — Rasig, ohne Ausläufer. Halm aufrecht, glatt, 
nach oben zu etwas rauh, länger als die bis 13 mm breiten, 
lanzettlich -linealen, aufrechten, am Kiele und an dem Rande 
scharfen Blätter. Männliche Ähre einzeln, lang- walzen -keulen- 
förmig, gleich den weiblichen zuletzt herabgebogen-hängend; weib- 
liche 3 bis 6, meist 4, walzenförmig, sehr von einander entfernt, 
untere auf langen, aus der Scheide ihres Tragblattes hervortreten- 
den Stielen, gedrängt-blütig. Fruchtschlauch eiförmig, dreikantig, 
auf jeder der beiden vorderen Flächen mit einem hervortretenden 
Nerv (Randnerv), in einen dreiseitigen, kurzen, an seiner Spitze 
etwas ausgerandeten Schnabel zugespitzt. Deckspelzen mit grünem 
Mittelnerv; männliche gelbrot, lanzettförmig; weibliche braunrot, 
eiförmig, kurz-zugespitzt. Blütezeit Mai, Juni. 4. Auf feuchten 
Waldplätzen; zerstreut. (C. pendula Hudson; C. agastachys Ehr- 
hart.) C, maxima Scopoli, Hängende oder Grösste Segge.*) 

2. Zierliche, 8 bis 15, selten bis 25 cm hohe Pflanzen; die obersten 
weiblichen Blüten überragen die männlichen. 

a. Fruchtschlauch lang-gestielt und dadurch keulenförmig. 

Hierher die als Varietät zu C. ornithopoda Willdenow 
gehörende C. ornithopodioides Hausmann, Vogelklauen- 
ähuliche Segge. 



*) Tafel 92. Carex maxima Scopoli. A und B blühender und fruchtender 
Halm; 1 männliche, 2 weibliche Blüte; 3 Deckblatt der weiblichen Blüte; 4 Frucht- 
Bchlauch nebst Querschnitt. 1 bis 4 vergrössert. 

15* 



228 Cyperaceae. 

b. Fruchtschlauch nicht oder doch nur ganz kurz-gestielt. — 
Rasig, ohne Ausläufer. Halm etwas gebogen, dünn, stumpf- 
dreikantig, glatt, gestreift, etwas länger als die schmalen, 
sehr spitz -zulaufenden, bogig-zurückgekrümmten, starren, am 
Rande scharfen Blätter. Männliche Ähren einzeln, länglich- 
lanzettlich; weibliche 2 bis 3, die beiden oberen gegenständig, 
zuweilen an ihrer Spitze männlich, die dritte weiter entfernt,. 
locker- und arm-, 4- bis 10-, meist 6 blutig, auf fadenförmigen, 
aus der Scheide des Tragblattes hervorragenden Stielen, zur 
Fruchtzeit nickend. Fruchtschlauch an der Spitze und am 
Grunde verschmälert, eiförmig, kahl, dreiseitig, beiderseits ge- 
wölbt; so dass die Randnerven auf der Aussenseite liegen, mit 
kurzem , halbstielrundem , schief - abgeschnittenem Schnabel, 
glatt, braun, länger als die ihn umfassende Spelze. Spelzen 
häutig, braun, nach aussen zu abblassend, mit breit- weiss- 
häutigem Rande und grünem, zur Reife gelblichem Mittelnerv. 
Blütezeit Juni, Juli. 2|.. An felsigen Gebirgsorten der Alpen, 
Voralpen, im Riesengebirge und dem mährischen Gesenke. 
Carex capillaris L., Haarstielige Segge. 

B. Wurzelstock kriechend oder ausläuferbildend. 
Ä. Tragblätter mehr oder minder häutig. 

1. Die Tragblätter sind weiss -häutige, glänzende, spreitenlose 
Scheiden, mitunter haben sie auf dem Rücken einen krautig- 
grünen Streifen. — Ausläufertreibende, lockere Rasen. Halm 
dünn, steif- aufrecht, 20 bis 30 cm hoch, am Grunde von hell- 
braunen Blattscheiden umgeben, länger als die in der Jugend 
flachen, am Rande scharfen, später borstenartig - eingerollten 
Blätter. Männliche Ähre einzeln, meist schmutzig- weiss; weib- 
liche meist 2, langgestielt, aufrecht, meist fünfblütig, zuletzt fast 
kugelig. Fruchtschlauch kugelig -eiförmig, gerillt, mit kurzem,, 
stielrundem, an der Spitze häutigem und schief- abgeschnittenem 
Schnabel, etwas länger als die weisse, eiförmige, zugespitzte Deck- 
spelze. Blütezeit April, Mai. 4. Im südlichen Teile des Ge- 
bietes an feuchten Orten der Gebirgswälder, in den Kalkalpen 
gemein. (C. nemorosa Sclu-ank.) C. alba Scopoli, Weisse 
Segge. 

2. Das unterste Tragblatt besteht aus einer häutigen, hellgelben 
Scheide, deren Mittelnerv in eine blattartige, fast stachelspitzige, 
mitunter die weiblichen Ähren, nicht aber auch den Halm, über- 



Cyperaceae. 229 

ragende Spreite ausläuft; die oberen Tragblätter sind meist 
trocken-häutige Scheiden. — Wurzelstock mit zarten Ausläufern. 
Halm aufrecht, kantig-gestreift, wie die Blätter kahl, 8 bis 15 cm 
hoch. Blätter schmal-linealisch, starr, an Rand und Rippe scharf, 
etwa von der Länge des Halmes. Männliches Ährchen einzeln, 
spindelförmig; weibliche zwei bis drei, länglich-eiförmig, unterstes 
hervortretend-gestielt, oberstes fast sitzend; gedrungen- und meist 
zwölfblütig, Fruchtschlauch kugelig-eiförmig, stumpf-dreikantig, 
gerippt, mit kurzem, stielrundem, an der Spitze weisslich-häutigem 
und klein-zweilappigem Schnabel, zur Zeit der Reife rostgelb, 
kahl, in der Jugend behaart. Deckspelzen weissrandig, rostgelb, 
mit grünem Mittelnerv. Blütezeit April, Mai. %. An trockenen, 
sonnigen Bergabhängen und in lichten Gebirgswaldungen; am 
südlichen Harzrande, in Osterreich, Steiermark, Krain, Südtirol, 
Südschweiz. Carex nitida Host, Glänzende Segge. 

m 

B. Tragblätter, wenigstens das unterste, ganz blattartig. 

1. Blätter am Rande gewimpert. — Wurzelstock ausläuferartig weit- 
hin kriechend. Halm 30 bis 50 cm hoch, steif- aufrecht, drei- 
kantig, gerillt, nicht rauh, fast blattlos, ebenso wie die Blätter 
behaart. Letztere länger als der Halm, breit-linealisch, hart. 
Männliche Ähre einzeln, keulenförmig- walzig, mit stumpfen, braunen 
Deckspelzen. Weibliche Ähren 2 bis 3, von einander entfernt 
stehend, aufrecht, hervortretend-gestielt, lockerblütig. Frucht- 
schlauch fast kugelig, stumpf- dreikantig, ganz kahl, gerippt, mit 
kurzem, stielrundem, an der Spitze häutigem, schief-abgestutztem, 
oft etwas ausgerandetem und dann zweizähnigem Schnabel, länger 
als die braune, mit grünem Mittelnerv versehene, zugespitzte 
Deckspelze. Blütezeit April, Mai. 21.. In Laubwäldern, nament- 
lich der Gebirge des Südens; in Nord- und Mitteldeutschland 
sehr zerstreut und selten. C. pilosa Scopoli, Wim per blätterige 
Segge. 

2. Blätter ganz kahl. 

a. Tragblätter kürzer als der Halm. 
a. Halm dreikantig. 

aa. Männliche Ähre lineal- lanzettlich, fast fadenförmig; 
weibliche grün ; Fruchtschlauch gerippt. — Wurzelstock 
kriechende Ausläufer treibend. Halm 50 bis 100 cm 
hoch, aufrecht, dünn, dreikantig, glatt, an seinem Grunde 
von rotbraunen Blattscheiden umgeben, reich beblättert. 



230 Cyperaceae. 

Blätter breit, lanzettlich-lineal, spitz, an Rand und Kiel 
scharf, lang, den Halm aber nicht überragend, hellgrün. 
Männliche Ähre einzeln, weibliche meist 4, von einander 
entfernt stehend, langgestreckt, lockerblütig, die unteren 
hervortretend-gestielt, zur Zeit der Reife übergebogen, 
Tragblätter an ihrem Grunde scheidig, unterste länger 
als die von ihnen gestützten Ähren. Fruchtschlauch 
länglich-lanzettlich, dreikantig, nach seiner Spitze hin 
verschmälert, so dass auch wohl, aber mit Unrecht, von 
einem abgestutzten Schnabel die Rede ist. Deckspelzen 
länglich, zugespitzt, weisshäutig mit grünem Rückennerv; 
weibliche etwas kürzer als der Fruchtschlauch. Blüte- 
zeit Mai. 14. (C. leptostachys Ehrhart.) An Bächen, 
in feuchten Wäldern ; selten. Carex strigosa Hudson, 
Dünuährige Segge. 
bb. Männliche Ähre keulig -walzenförmig, weibliche grün- 
bunt; Fruchtschlauch glatt. — Der kriechende Wurzel- 
stock bildet einzeln stehende Triebe oder lockere Rasen. 
Halm aufrecht, 30 bis 45 cm hoch, dreiseitig, gestreift, 
nicht rauh, die Halme und Tragblätter duftig-blaugrün. 
Blätter kürzer als der Halm, linealisch, gekielt, am 
Rande rauh. Männliche Ähre einzeln, aufrecht; weib- 
liche meist 2 , aufrecht , entfernt - stehend , unterste 
kurz-hervortretend-gestielt, walzenförmig, lockerblütig, 
zuweilen an ihrer Spitze mit männlichen Blüten. Trag- 
blätter blattartig, die unteren länger als die Ähren. 
Fruchtschlauch fast kugelig-eiförmig, glatt, kahl, ab- 
gestutzt, mit selu' kurzem, stiebundem Schnabel. Deck- 
spelzen länglich, weissrandig, rötlich mit grünem Mittel- 
nerv. Blütezeit Mai, Juni. 2[. Auf nassen, sumpfigen 
und torfigen Wiesen; durch das ganze Gebiet ver- 
breitet und mancherorts gemein. C. pauicea L., Hirse- 
artige Segge. 
ß. Halm stielrund, gestreift. — Wurzelstock kriechend, mit 
langen Schuppen besetzt. Halme aufrecht, 15 bis 30 cm 
hoch, ganz glatt, länger als die breiten, linealischen , ziem- 
lich spitz zulaufenden, harten, hellgrünen, kahlen, gegen die 
Spitze hin am Rande rauhen Blätter. Tragblätter mit 
langen Scheiden, unterstes kürzer als der Halm. Männliche 
Ähre einzeln, keulig -walzenförmig, während der Blütezeit 



Cyperaceae. 231 

oft hängend auf rechtwinklig-umgebogenem Stiele; weib- 
liche 2 bis 3, entfernt -stehend, aufrecht, hervortretend- 
gestielt, obere eiförmig, untere länglich, namentlich letztere 
zuweilen lockerblütig. Fruchtschlauch länglich-eiförmig, drei- 
seitig, kahl, fein-gestreift, gelblich -grün, mit stielrundem, 
etwas ausgerandetem Schnabel, länger als die stumpfe, 
eiförmige, dunkelbraune, hellrandige, von einem grünen 
Mittelnerv durchzogene Deckspelze. Blütezeit Juni, Juli. 4- 
An feuchten Gebirgsabhängen des Brockens, Riesengebirges, 
Mährischen Gesenkes und der Schweiz; selten. (C. vaginata 
Tausch; C. tetanica Reichenbach; C, panicea var. sparsi- 
flora Walilenberg.) Carex sparsiflora Steudel, Locker- 
blütige Segge. 

b. Tragblätter (wenigstens das unterste) länger als der Halm. 

a. Männliche Ähren lang- walzen-, oft fast fadenförmig ; Deckspelzen 
eirund - zugespitzt , braunrot, mit grünem Mittelnerv, haut- 
randig. — Wurzelstock kriechend. Halm stumpf-dreikantig, 
gestreift, nicht rauh, 30 bis 60 cm lang, meist viel länger 
als die breit-linealischen, spitz-zulaufenden und, gleich dem 
Stengel, bald mehr, bald weniger aufrechten, starren und 
blauduftigen Blätter. Männliche Ähren 2 bis 4; weibliche 
2 bis 3, oberste nicht selten mit männlicher Spitze, entfernt- 
stehend, lang- walzenförmig, langgestielt, bei der Reife nickend, 
gedrängt -blutig. Unterste Tragblätter sehr kurzscheidig, 
obere scheidenlos (siehe 2. Sippe). Fruchtschlauch eiförmig, 
stumpf, nach aussen stark-, nach innen schwach-gewölbt, 
ein wenig rauh, nervenlos, etwas kürzer als die Spelze. 
Blütezeit April, Mai. 4. An feuchten und sumpfigen Orten 
und auf Waldblössen; verbreitet und meist häufig. (C. glauca 
Scopoli; C. recurva Hudson.) C. flacca Sehr eher, Schlaffe 
oder Blaiigrüne Segge.*) 

Vielfach abändernde Pflanze: 

C. erythrostachys Hoppe, Rotährige Segge, mit 

aufrechten, ziemlich kurz -gestielten Ähren und mit Deck- 
spelzen, welche viel länger als der Fruchtschlauch sind. 



*) Tafel 93 AB. Carex flacca Schreber. A blühende Pflanze; B fruchtender 
Halm; AI männliche, A2 weibliche Blüte; A3 Fruchthülle. 1 bis 3 vergrössert. 



232 Cyperaceae. 

Carex cuspidata Host, Stachelspitzige Segge, mit 

Deckspelzen, deren Mittelnerv in eine krautige Spitze, von 
der halben bis ganzen Länge der Spelze vorgezogen ist. 

ß. Männliche Ähren keulen- walzenförmig; Deckspelzen eiförmig- 
länglich mit grannenartiger Spitze, rotbraun mit gelbem 
Mittelnerv, hellrandig. — Wurzelstock mit kurzen Aus- 
läufern. Halm 30 bis 50 cm hoch, aufrecht, glatt. Blätter 
ziemlich breit, seegrün, flach, gestreift, gekielt, mit scharfem 
Rande und scharfer Spitze, kürzer als der Halm. Trag- 
blätter blattartig, die unteren kurzscheidig. Männliche 
Ähren meist 2, mit eiförmigen, häutigen, bleichen oder 
braunen Deckspelzen; vreibliche 2 bis 3, von einander ent- 
fernt-stehend, dünn- und langgestielt, hängend, keulenförmig, 
weil die untersten Blüten einzeln, die oberen allmählich ge- 
drängter beisammen stehen und längere Deckspelzen besitzen; 
letztere sind lang begrannt, rotbraun mit hellerem Mittel- 
nerv und hellerem Rande. Fruchtschlauch eiförmig-rundlich, 
glatt, mit kurzer, stumpfer, kaum ausgerandeter Spitze, rot- 
braun, kürzer als die Deckspelze. Blütezeit Mai. Auf den 
höchsten Alpen in Krain, Kärnthen und der Schweiz; selten. 
C. clavaeformis Hoppe, Keiilenährige Segge. 

2. Sippe: Fruchtschlauch kahl; Tragblätter gar nicht oder 
doch kaum bescheidet. 

A. Endährchen an der Spitze, in der Mitte oder an seinem Grunde weib- 
lich, sonst männlich. 

1. Blätter mit netzig-gespaltenen Scheiden. — Wurzelstock rasig, aus- 
läufertreibend. Halm aufrecht, 30 bis 45 cm hoch, dreikantig, glatt, 
unter den Ähren etwas scharf. Blätter schmal, flach, starr, halb so 
lang als der Halm. Endständiges Ährchen ei-walzenförmig, an seiner 
Spitze oder in der Mitte weiblich; dazu kommen noch einige (meist 3) 
ganz weibliche Ährchen. Die untersten Ährchen sind kurz-gestielt, 
etwas entfernt von einander stehend und gestützt von einem an seinem 
Grunde beiderseits geöhrten oder kurz - scheidigen Tragblatte. Die 
Tragblätter der oberen Ährchen sind schuppenförmig. Fruchtschlauch 
stumpf -eiförmig, stumpf- dreikantig, kahl, gelblich - grün mit sehr 
kleinem, stielrundem, etwas ausgerandetem Schnabel, so lang als die 
eiförmige, in eine lange Haarspitze auslaufende, dunkelbraunrote, von 
einem grünen Mittelnerv durchzogene Deckspelze. Blütezeit April, 



Cyperaceae. 233 

Mai. 4. Auf Moor- und Torfboden; zerstreut, im südlichen Gebiete 
selten. Carex Biixbaumii Wahlenberg, Buxbaums Segge. 

2. Blattscheiden nicht netzig gespalten. 

of. Ährchen zu einem Köpfchen zusammengedrängt. Tragblätter sehr 
klein. 

a. Ährchen deutlich kurz-gestielt, kugelig; Fruchtschlauch grün. — 
Wuchs rasig. Halm aufrecht, glatt, 10 bis 15 cm hoch, länger 
als die gebogenen, sekr schmalen, grasgrünen Blätter. Ährchen 
meist zu 3; das endständige häufig an seinem Grunde und nicht 
an seiner Spitze männlich. Fruchtschlauch kahl, eiförmig, 
stumpf-dreikantig, auf der Aussenseite gewölbt, mit sehr kurzem, 
stielrundem , klein - zweizähnigen Schnäbelchen. Deckspelze 
schwarz, gegen das Licht gehalten granatrot, mit hellem Rande 
und feinem, grünem Mittelnerv, langspitzig, kleiner als der 
Fruchtschlauch. Blütezeit Juli, August. 4. Auf den höchsten 
Alpen der Schweiz. C. Tahlii Schkuhr, Yahls Segge. 

b. Ährchen ganz dicht zusammengedrängt, sitzend oder doch nur 
äusserst kurz-gestielt; eirund. Fruchtschlauch schwarz- violett, 
am Rande grün. — Wuchs rasig, aber kurze Ausläufer treibend. 
Halm steif-aufrecht, glatt, 10 bis 20 cm hoch. Blätter am 
Grunde ziemlich breit, bogig abstehend, oft so lang wie der 
Halm. Ährchen 3 bis 4, das eudständige stets an seinem 
Grunde männlich. Fruchtschlauch kahl, verkehrt-eiförmig, flach- 
gedrückt, auf der Aussenseite stumpf -gekielt, mit einem sehr 
kurzen, stielrunden, klein -zweizähnigen Schnabel. Deckspelze 
schwarz -violett, weissHch berandet, mit grünem Mittelnerv. 
Blütezeit Juli. 4. An grasigen, trockenen Stellen der hohen 
Alpen. C. nigra Allion i. Schwarze Segge. 

ß. Ährchen nicht kopfig zusammengedrängt. 
a. Halm glatt. 

a. Fruchtschlauch braungrün. — Wurzelstock rasig, kriechende 
Ausläufer treibend. Halm dreikantig, glatt, 30 bis 40 cm 
hoch, an seinem Grunde von dunklen Blattscheiden umhüllt, 
länger als die starren, breiten, flachen, glatten, scharfrandigen, 
in eine dreieckige Spitze auslaufenden Blätter. Von den 
3 bis 5 eiförmigen Ährchen ist das endständige an seiner 
Spitze weiblich, an seinem Grunde männlich, die übrigen 
sind weiblich. Das Endährchen ist meist dicker als die 
übrigen. Letztere, namentlich die unteren, sind langgestielt, 



234 Cyperaceae. 

nickend, gedrängt-blütig; die untersten sind von blattartigen 
Tragblättern, deren unterstes den Halm überragt, gestützt. 
Narben violett-schwarz. Fruchtsclilauch kahl, eiförmig, auf 
der Aussenseite gewölbt, innen flach, sehr kurz-geschnäbelt, 
nervenlos, kaum länger als seine eiförmige, zugespitzte, 
schwarzbraune, von dunkelgrünem Mittelnerv durchzogene 
Deckspelze. Blütezeit Juni, August. 2|_. Auf felsigen Ab- 
hängen der Alpen und im Riesengebirge. Carex atrata L., 
Schwärzliche Segge. 
ß. Fruchtschlauch blass gelblich-braun. — Der vorigen ziemlich 
ähnlich. Doch sind die gestielten Ährchen alle aufrecht, 
nicht nickend; auch ist der Halm platt, dicker und höher. 
Die Spelzen der eiförmigen Früchte sind kastanienbraun. 
Blütezeit Juli, August. 4. Auf den Salzburger Alpen; sehr 
selten. C. castanea Mielichofer, Kastanienhraime Segge. 
Vielleicht eine Bastard zwischen atrata und castanea 
ist C. distachya Willdenow mit schwarzbraunen Spelzen 
und gelblichgrünen Früchten. Im Salzkammergut. 
b. Halm rauh; Fruchtschlauch nach dem Scheitel zu aus grünem 
Grunde violett-schwarz Averdend. — Der Schwärzlichen Segge 
sehr ähnlich und vielfach als Varietät derselben bezeichnet, indes 
meist höher (bis 60 cm hoch); weibliche Ähren kurz -gestielt; 
Narben in der Jugend weisslich; Fruchtschlauch umgekehrt- 
eiförmig; Deckspelzen schwarz. Blütezeit Juni, August. 4. 
An nassen, grasigen Orten, im Riesen gebirge, im Mährischen 
Gesenke und namentlich an Gletscherbächen der Alpen. 
C. aterrima Hoppe, Schwärzeste Segge. 
B. Endähre ganz männlich. 
A. Fruchtschlauch nervig. 

1. Halm stielrund, glatt. Hierher (C. Linkii Schkuhr) C. gynomaue 
Bertoloni, Links Segge.*) (Vergl. Seite 201.) 

2. Halm stumpf-dreikantig. 

a. Wuchs rasig. Hierher zuweilen C. pallesceiis L., Blasse 
Segge. (Vergl. Seite 227.) 

b. Wurzelstock ausläufertreibend. 



*) Tafel 93 C. Carex gynomane Bertoloni. C blühende Pflanze; C 1 männ- 
liche, C 2 weibliche Blüte; C 3 und C 4 Fruchtschlauch mit und ohne Deckblatt. 
1 bis 4 vergrössert. 



Cyperaceae. 235 

a. Blätter kürzer als der Halm, schmal-linealisch, faltig-rinnig, 
von ihrem Grunde an am Rande etwas rauh; die grund- 
ständigen und unteren Halmblätter rollen sich bald zu- 
sammen und - sind dann borstenartig. — Halm dreiseitig, 
aufrecht, nach der Spitze zu scharf. Endständiges Ährchen 
männlich, aufrecht, linealisch; weibliche meist 2, seltener 
nur 1, eiförmig, lang- und dünn -gestielt, gedrängt-blütig, 
nickend, von linealisch - pfriemlichen Tragblättern gestützt. 
Fruchtschlauch hellbraun, kahl, rundlich -eiförmig, stumpf, 
linsenförmig-zusammengedrückt, vielnervig, kaum geschnäbelt, 
etwas kürzer als die erst rostgelben und grünkieligen, später 
rostbraunen Deckspelzen. Blütezeit Mai, Juni. 4. In 
Moorsümpfen ziemlich häufig, sonst sehr selten. Carex 
liniosa L., Schlamm-Segge. 

ß. Blätter schmal-linealisch, flach, glatt, mit einem gegen die 
Spitze hin etwas scharfen Rande, oft länger als der Halm. 
— Weibliche Ähren 2 bis 3; Fruchtschlauch oft undeutlich 
oder gar nicht nervig; Deckspelzen rotkastanienbraun mit 
ziemlich langer Haarspitze. Im übrigen wie vorige, von der 
sie oft als Varietät angesehen wird. Blütezeit Juni, Juli. 4. 
An sumpfigen und moorigen Orten der Alpen und Voralpen, 
Riesengebirge, Erzgebirge, bei Tilsit. C. irrigua Smith, 
Gletscher-Segge. 
B. Schläuche nervenlos. 

1. Halm stumpf-dreikantig, nach der Spitze zu scharf. Hierher oft 
C. Irrigua Smith, Gletscher-Segge. (Siehe unmittelbar vorhin.) 

2. Halm stumpf-dreikantig, glatt. 

a. Ährchen von einander entfernt-stehend, lang-gestielt. Hierher 
zuweilen C. flacca Schreber, Blaugrüne Segge. (Seite 231.) 

b. Ährchen zusammengedrängt, ganz kurz-gestielt oder sitzend. — 
Wurzelstock rasig, kriechende Ausläufer treibend. Halm stumpf- 
dreikantig, glatt, an seinem Grunde mit braunroten, scheidig- 
schuppigen Blättern besetzt, so lang oder länger als die schmal- 
linealischen, starren, nach oben zu scharfen, sich nach der 
Blüte zusammenrollenden Blätter. Männliches Ährchen einzeln, 
lineal-lanzettlich; weibliche 1 bis 2, rundlich, gestützt von 
pfriemen- oder schuppenförmigen Tragblättern. Fruchtschlauch 
kahl, kugelig-eiförmig, stumpf-dreikantig, auf der Aussenseite 
gewölbt, innen flach, an der Spitze mit einem kurzen, trocken- 



236 Cyperaceae. 

häutigen, zweilappigen Schnabel, glänzend rotgelb, so lang wie 
die Deckspelze; letztere braunrot, weissrandig, mit grünem 
Mittelnerv. Blütezeit April, Mai. 4. Auf sonnigen Abhängen; 
in Brandenburg und Sachsen. (C. supina Wahlenberg.) Carex 
oMiisata Liljeblad, Albgestumpfte Segge, Mederige Segge. 
Vielleicht nur eine Varietät mit nur einem einzigen, end- 
ständigen, an seiner Spitze männlichen, an seinem Grunde weib- 
lichen Ahrchen und fast fadenförmigen Blättern ist die seltene 
C. spicata Schkuhr, Einährige Segge. (Vergl. S. 186.) 

3. Sippe: Fruchtschläuche behaart. 
A. Die Tragblätter haben eine deutliche Scheide. 

Ä. Das unterste weibliche Ahrchen ist sehr langgestielt und entspringt 
fast am Grunde des Halmes. — Lockere Rasen. Halm sehr scharf, 
25 bis 30 cm hoch. Blätter ziemlich breit, lineal-rinnig, kürzer als 
der Halm. Männliches Ahrchen einzeln, länglich; weibliche 2 bis 4, 
die oberen genähert, das unterste fast grundständig, sehr langgestielt 
und mit bescheidetem Tragblatte; alle anfänglich etwas länglich, zu- 
letzt fast kugelig. Fruchtschlauch gestielt, verkehrt-eiförmig, drei- 
kantig, mit vielen erhabenen Nerven; Schnabel sehr kurz, an seiner 
Spitze etwas ausgerandet, feinflaumig. Deckspelzen bräunlich, weiss- 
randig mit grünem Mittelnerv, später strohgelblich, etwa so lang wie 
der Fruchtschlauch. Blütezeit März, April. 2|.. Auf grasigen Ab- 
hängen und Triften; Jura, Baden, Elsass-Lothringen und nament- 
lich in alpinen und subalpinen Gegenden. (C. alpestris AUioni; 
C. diversiflora Host.) C. gynotoasis Villars, BodenMütige Segge. 
B. Alle Ähren stehen am Ende des Halmes. 

a. Blätter zwei- bis dreimal so lang als der Halm. Das männliche 
Ahrchen wird von den weiblichen nicht überragt; die Tragblätter 
sind blattlose Scheiden mit breitem, dünnhäutigem, silberig-glän- 
zendem Rande. — Wurzelstock rasig. Halm stumpf -dreikantig, 
glatt, 5 bis 20 cm hoch. Blätter anfangs flach und aufrecht, 
später herabgebogen und rinnig; an ihrem Grunde mit einer 
breiten, braunen, am Rande dünnhäutigen Scheide; am Rande 
scharf, mit fast knorpeliger Endspitze. Männliches Ahrchen einzeln, 
länglich, langgestielt; weibliche 2 bis 3, entfernt von einander 
sitzend, Fruchtschlauch langgestielt, birnförmig, stumpf-dreikantig, 
mit kurzem Schnabel, kurz-behaart. Deckspelze länglich, ziemlich 
stumpf, braun, mit breit-häutigem, silberweissem Rande, oft auch 



Cyperaceae. 237 

mit grünem Mittelnerv, etwa so lang wie der Fruchtschlauch. 

Blütezeit März, April. 4. An trockenen Abhängen ; fast nur auf 

Kalkboden; stellenweise. (C. clandestina Goodenougli.) Carex 

humilis Leysser, Niederige Segge. 
ß. Blätter nicht zwei- bis dreimal länger als der Halm. 

a. Wurzelstock rasig, nicht kriechend oder ausläuferbildend. 

1. Fruchtschlauch länger als die an ihrer Spitze glattrandige, 
nicht gezähnelte Spelze. 

aa. Alle Ahrchen sind dicht zusammengedrängt; die weib- 
lichen haben einen ganz in der Scheide des Tragblattes 
eingeschlossenen Stiel. — Halm dreikantig, nach oben- 
zu etwas scharf, 8 bis 15 cm hoch. Blätter ziemlich 
breit, linealisch, allmählich spitz-zulaufend , flach, ein 
wenig rinnig, am Rande scharf, unten in eine geschlossene, 
schief abgestutzte, oft rötliche oder braunrötliche, mehr 
häutige Scheide zulaufend. Männliches Ahrchen einzeln, 
sitzend, klein, fadenförmig, oft überragt von den 2 bis 
3 länglichen und lockerblumigen, weiblichen Ahrchen. 
Die Tragblätter sind scheidig, schief-abgestutzt, braun 
mit hellerer Mitte und weissem Hautrande; nur das 
unterste besitzt eine kleine Blattfläche. Fruchtschlauch 
gestielt und dadurch keulenförmig, länglich-eiförmig, 
dreiseitig, kurz-behaart, mit kurzem, abgestutztem Schnabel. 
Deckspelzen gelbbraun, weissrandig und mit grünem 
Mittelnerv, verkehrt - eiförmig, aber etwas zugespitzt. 
Blütezeit April, Mai. %■. In lichten Waldungen, nament- 
lich auf Kalkboden im mittleren und südlichen Teile 
des Gebietes; sehr zerstreut. (C. ornithopoda Willdenow, 
Vogelklaueuälirige Segge.*) 

Eine Abänderung, deren Deckspelzen schwarzbraun 
mit grünem Mittelnerv und deren Fruchtschläuche kahl 
und glänzend sind, ist die in den Bayerischen Alpen 
vorkommende C. ornithopodioides Hausmann, Yogel- 
klauenähnliclie Segge. (Siehe Seite 227.) 
bb. Die Ahrchen stehen etwas von einander entfernt, nicht 
dicht zusammengedrängt; das unterste hat einen aus der 



*) Tafel 94 A. Carex ornithopoda Willdenow. A fruchtende Pflanze; A 1 
männliche, A 2 weibliche Blüte; A 3 Fruchtschlauch. 1 bis 3 vergrössert. 



238 Cyperaceae. 

Blattscheide hervortretenden Stiel. Zuweilen gehört 
hierher: Carex longifolia Host, LangWätterige Segge. 

(Siehe Seite 241.) 

2. Fruchtschlauch so lang, nicht länger, als die an ihrer Spitze 
meist gezähnelte Spelze. — Rasen. Halm 15 bis 30 cm 
hoch, dreikantig, glatt, nach oben zu etwas scharf, an seinem 
Grunde mit einigen schief -abgestutzten, braunroten, nicht 
selten in eine kurze, scharfe, grüne Blattfläche auslaufenden 
Scheiden. Blätter meist kürzer als der Halm, flach, nur 
wenig rinnig, linealisch, allmählich spitz auslaufend, am 
Rande saharf, mit kurzen, aussen braunroten Scheiden. 
Männliche Ähre einzeln, sitzend, fadenförmig, überragt von 
der obersten der 2 bis 3 weiblichen Ähren, deren unterste 
entfernt sitzt. Alle weiblichen Ähren besitzen einen aus der 
ganz häutigen, braunroten oder doch häutig-berandeten, zu- 
gespitzten, selten in eine kurze, grüne Spitze auslaufenden 
Blattscheide lang hervortretenden Stiel; sie sind lanzett- 
linealisch, lockerblütig, mit zweizeilig angeordneten Blüten. 
Der Fruchtschlauch ist eiförmig und langgestielt, daher 
keulenförmig, dreiseitig, mit kurzem, schief- abgestutztem oder 
schwach-ausgerandetem Schnabel; er ist fein-behaart und so 
lang, wie die länglich-umgekehrt-eiförmige, an ihrem oberen 
Rande unregelmässig - gezähnelte , kastanienbraune , haut- 
randige, zuweilen mit grünem Mittelnerv versehene Deck- 
spelze. Blütezeit April, Mai. 4. In schattigen Wäldern, 
namentlich im mittleren und südlichen Teile des Gebietes; 
zerstreut. C. digitata L., Fingerährige Segge. 

b. Wurzelstock sehr lockerrasig-kriechend. — Hierher eine nur in 
Schlesien und Böhmen vorkommende seltene Ali, welche wohl 
auch als besondere Form der vorigen angesehen wird, sich 
aber ausser durch ihren weit kräftigeren Wuchs und ihren 
kriechenden Wurzelstock noch in folgendem unterscheidet: 
Halm 30 bis 60 cm lang, sehr rauh; unterstes Tragblatt 
pfriemlich-blattartig; Deckspelzen stachelspitzig. Blütezeit April, 
Mai. 4. In Böhmen. C. pediformis C. A. Meyer, Dick- 
wurzelige Segge. 
B. Tragblätter gar nicht oder doch kaum bescheidet. 

Ä. Tragblätter schuppenförmig-trockenhäutig, die untersten zuweilen mit 
kurzer Blattspitze. 



Cyperaceae. 239 

a. Wuchs rasig. 

1. Das unterste weibliche Ährchen ist sehr langgestielt, fast grund- 
ständig; die anderen stehen sehr genähert an der Spitze des 
Halms, überragt von dem einzigen männlichen Ährchen. Weib- 
liche Ährchen gelblich-braun, drei- bis fünf blutig. Blütezeit 
März. %. An sonnigen Abhängen des Jura und der Voralpen. 
Carex Halleriana Asso, Hallers Segge. 

2. Alle Ährchen stehen einander genähert an der Spitze des 
Halms. 

a. Die Blätter sind so lang oder doch nur wenig kürzer als 
der Halm. Tragblätter schuppenartig. Zuweilen gehört 
hierher die weiter unten besprochene C. longifolla Host, 
LangMätterige Segge. 

b. Die Blätter sind viel kürzer, oft nur halb so lang als die 
Halme; sie werden schon in der Blütezeit von diesen über- 
ragt. Der schief im Boden liegende, indes nicht kriechende 
Wurzelstock treibt büschelig-rasig angeordnete Halme. Halm 
10 bis 25 cm hoch, dreikantig, scharf, an seinem Grunde 
mit hellroten Scheiden besetzt. Blätter linealisch, spitz zu- 
laufend, an ihrem Grunde gekielt, oberwärts flach, weich und 
schlaff. Männliche Ähre einzeln, spindel - keulenförmig, 
schwarzbraun; weibliche 2 bis 3, länglich-elliptisch, oft fast 
kugelig, sitzend. Tragblätter häutig, in eine Granne oder 
in eine grüne, blattartige Spitze auslaufend, kürzer oder eben- 
solang als die Ähre. Fruchtschlauch länglich - verkehrt- 
eiförmig, dreikantig, mit ausgerandeter Spitze, kurzhaarig- 
flaumig, länger als seine umgekehrt-eiförmige, stumpfe oder 
abgestutzte, mit kleiner, aufgesetzter Stachelspitze versehene, 
tief-schwarzbraune Deckspelze. Blütezeit April, Mai. 21-. In 
lichten Waldungen, an Waldrändern, auf trockenen Heiden, 
vorzugsweise auf Kalkboden und dort zuweilen, so in 
Thüringen, gemein. (C. collina Willdenow.) C. moutana L., 
Berg-Segge. 

ß. Wurzelstock kriechend oder Ausläufer treibend. 

1. Deckspelze stumpf, umgekehrt-eiförmig, fast so breit wie lang, 
mit einem vor der Spitze verschwindenden Nerv, kurz-gefranst- 
gewimpert, braungelb, weissrandig. — Wurzelstock Ausläufer 
treibend und durch diese einen festen Rasen bildend. Halm 
10 bis 25 cm hoch, dreikantig, glatt, am Grunde bogig auf- 



240 Gyperaceae. 

steigend, zuletzt bogig-geneigt. Blätter kürzer als der Halm, 
breit, zwar zurückgekrümmt, aber dennoch starr und hart, 
scharf-gekielt und oberwärts flach. Männliche Ahrchen einzeln, 
walzig-keulenförmig; weibliche 1 bis 3, einander und der männ- 
lichen Ähre genähert, eiförmig bis fast kugelig, meist sitzend, 
selten die unteren gestielt. Tragblätter häutig, spitz oder be- 
grannt. Fruchtschlauch dicht-weiss-flaumig-behaart, birnförmig, 
dreikantig, mit kurzem, kurz-zweizähnigem Schnabel, länger als 
die Deckspelze. Blütezeit April, Mai. 4. Auf Heiden, Sand- 
boden, an Waldrändern, durch das ganze Gebiet; aber strich- 
weise selten. (C. ciliata Willdenow.) Carex ericetorum Pollich, 
Heide-Segge.*) 

Eine kräftigere, nur auf den höchsten Alpen vorkommende, 

im Juli und August blühende Varietät mit etwas längeren, gar 

nicht oder doch nur sehr kurz - gewimperten Deckspelzen ist: 

C. meniM'anacea Hoppe, Häutige Segge. 

2. Deckspelze länglich, durch den auslaufenden Nerv stachelspitzig, 

nicht gewimpert, braun mit grünem Mittelnerv. 

aa. Blattscheiden wenig zerfasernd. Blätter kürzer als der 

Halm, — Wurzelstock mit Ausläufern, kleine Rasen bildend. 

Halm 10 bis 25 cm hoch, dreikantig, glatt, aufrecht, am 

Grunde mit ziemlich breiten, zurückgekrümmten, starren, in 

der Jugend am Rande und am Kiele rückwärts -scharfen 

Blättern besetzt. Männliche Ähre einzeln; weibliche 1 bis 3, 

einander und der männlichen Ähre genähert, länglich, unterste 

oft kurz-gestielt. Tragblätter mit häutigem Rande, unterstes 

pfriemlich-zu gespitzt. Fruchtschlauch eiförmig, dreikantig, 

kurz -geschnäbelt, mit schief- abgestutztem, etwas ausge- 

randetem Saum, weiss-flaumhaarig. Blütezeit März, April. 

4. Auf trockenen Triften, Rainen, in Wäldern; häufig. 

(C. praecox Jacquin.) C. veriia Villars, Frülilings-Segge. 

Besondere Formen sind: C. mollis Host, Weiche Segge. 

mit ausgerandeten, lang-stachelspitzigen Deckspelzen. 

C. reflexa Hoppe, Gebogene Segge, ihr Halm ist über 
der untersten Ähre in einem Winkel zur Seite gebogen, 
bb. Die unteren Blattscheiden lösen sich in viel, dünne Fasern 
auf; die Blätter sind länger als der Halm. Diese der 



*) Tafel 94 B. Carex ericetorum Pollich. B blühende Pflanze; B 1 männ- 
liche, B 2 weibliche Blüte; B 3 Fruchtschlauch. 1 bis 3 vergrösserf. 



Cyperaceae. 241 

vorigen (Frülilings-Segge) in allem übrigen durchaus älin- 
liche, in Wäldern Mittel- und Süddeutschlands zerstreut 
vorkommende Pflanze wird bald als besondere Art, bald als 
Varietät der vorigen, oft auch als ausläuferbildende Varietät 
von C. longifolia Host angesehen. Carex umbrosa Host, 
Schatten-Segge. 
B. Die Tragblätter, wenigstens die unteren, sind blattartig-grün. 
a. Wuchs rasig, nicht auch Ausläufer treibend. 

a. Die unteren Blattscheiden lösen sich in viele, dünne Fasern 
auf — Halm 30 bis 50 cm hoch, dünn, vielfurchig, oberwärts 
scharf, aufrecht, zur Reifezeit überhängend, wenig länger oder 
ebenso lang wie die schmalen, gekielten, am Rande scharfen, 
schlaffen Blätter. Männliche Ähre einzeln, länglich - keulen- 
förmig, strohgelblich; weibliche 1 bis 3, genähert, länglich- 
walzenförmig, unterste kurz-gestielt. Tragblätter an ihrem 
Rande häutig, stachelspitzig; das unterste ist kurzscheidig; oft 
sind die beiden untersten blattartig. Fruchtschlauch eiförmig, 
schwach -dreiseitig, mit kurzer, schnabelartiger, etwas aus- 
gerandeter Spitze, flaumhaarig, nur wenig länger als die stumpf- 
eiförmigen, bleich -rostfarbigen, schmal - weissrandigen , grün- 
rückigen Deckspelzen. Blütezeit Mai. 4. In schattigen Laub- 
waldungen Mittel- und Süddeutschlands; zerstreut. (C. polyrrhiza 
Wallroth, C. umbrosa Hoppe.) C. longifolia Host, Lang- 
blätterige Segge. 

b. Die unteren Blattscheiden lösen sich nicht in viele, dünne 
Fasern auf. 

1. Halm bei der Reifezeit überhängend. Fruchtschlauch so lang 
wie seine Deckspelze. — Dichtrasig. Halm bis 30 cm lang, 
schlaff, dünn, dreikantig, glatt oder unter den Ährchen 
scharf, viel länger als die 2 bis 5 mm breiten, am Rande 
und am Kiele scharfen, in eine Borstenspitze zulaufenden 
Blätter. Männliche Ähre einzeln, walzenförmig; weibliche 
meist 3, selten 4 bis 5, genähert, kugelig- eiförmig, meist 
sitzend. Unterstes Tragblatt lineal - pfriemlich , blattartig, 
nicht scheidig, schräg abstehend, die unterste Ähre, aber 
nicht den Halm überragend. Fruchtschlauch kugelig-eiförmig, 
dreiseitig, glatt, bleich-grün, mit kurzem, an seiner Spitze 
schwach-ausgerandetem Schnabel, feinbehaart, fast so lang 
wie die eiförmige, stachelspitzige, braune, weissrandige, grün- 

Thom^, Flora. II. Aull. 16 



242 Cyperaceae. 

rückige Deckspelze. Blütezeit April, Mai. 4. Auf trockenen 
(seltener auf feuchten), sandigen Heiden, in Waldlichtungen; 
durch das ganze Gebiet zerstreut und vielerorts häufig. 
Carex piliilifera L., Pillentragende Segge.*) 
2. Halm bei der Reifezeit nicht überhängend. Fruchtschlauch 
länger als seine Deckspelze. — Halm 30 bis 50 cm lang, nebst 
den kürzeren Blättern zart. Männliches Ährchen einzeln, 
länglich; weibliche 1 bis 3, klein, kugelig; unterste gestielt. 
Unterstes Tragblatt blattartig, scheidenlos, das Ährchen, aber 
nicht den Halm überragend. Fruchtschlauch verkehrt- 
eiförmig-zugespitzt, grün, dünnfilzig, mit durchscheinenden 
Nerven. Untere Deckspelzen spitz, obere stumpf; weibliche 
grünlich, männliche braungrün. Blütezeit Mai, Juni. 4. An 
feuchten Stellen der Kiefernwälder; im Norden Europas ver- 
breitet, im Gebiete nur bei Tilsit. C. globularis L., Kugel- 
ährige Segge. 
ß. Rasen mit ausläufertreibendem Wurzelstocke. — Halm schlank, 
aufrecht, dreikantig, oberwärts scharf, schon in der Blüte länger 
als die schmal-lineal-lanzettlichen, starren, aufrechtstehenden Blätter. 
Männliche Ähren einzeln, walzenförmig, selten an ihrem Grunde 
mit einem kleinen, zweiten männlichen Ährchen; weibliche 1 bis 3, 
länglich-walzenförmig, stumpf, etwas entfernt von einander sitzend. 
Unterstes Tragblatt blattartig, sehrkurzscheidig, zur Reifezeit schräg, 
oft fast wagerecht abstehend, weit länger als die Ähre, aber 
kürzer als der Halm. Fruchtschlauch rundlich-birnförmig, drei- 
seitig, mit sehr kurzem, an seinem Ende etwas ausgerandetem 
Schnabel, weissgrau-kurzhaarig-filzig, länger als die spitzen, braunen, 
von grünem Rückennerv durchzogenen Deckspelzen. Blütezeit 
Mai, Juni. 4. Auf feuchten Wiesen, grasigen Abhängen, nament- 
lich auf Gipshügeln, in lichten Waldungen; im ganzen Gebiet 
zerstreut, aber nicht überall häufig; streckenweise, so in Pommern 
und fast beiden Provinzen Preussen, fehlend. C. tomentosa L., 
Filzfriichtige Segge. 

Gattung 120: Elyna Schrader, Elyne, Nacktrietgras. XXL, 1. 
Hierher nur E. spicata Schrader (Kobresia scirpina Willdenow), 
Ähren tragendes Nacktrietgras. Ausdauernde, handhohe, seggenartige 



*) Tafel 95 AB. Carex piluliferaL. A blühende Pflanze; B fruchtender 
Halm; AI männliche, A2 und A Sweibliche Blüte; A4 unreifer Fruchtschlauch. Ibis 
4 verffrössert. 



Cyperaceae. 243 

Pflanze. Blätter grundständig, borstlich. Ähre endständig, einzeln, schein- 
bar einfach, indes zusammengesetzt aus gedrängt-stehenden, zweiblütigen 
Ährchen; untere Blüte weiblich und sitzend, obere männlich und gestielt; 
beide ohne Blütenhülle. Blütezeit Juni, Juli. Auf den Hochalpen. 

Gattung 121: Kobresia Willdenow, Schuppenriet. XXL, 3. 

Hierher nur K. caricina Willdenow, Seggenartige Kobresie. 

Blätter grundständig, flach, kürzer als der handhohe Halm. An der Spitze 
des Halms stehen aufrecht, gedrängt und von einem scheidigen Deckblatte 
gestützt, 4 bis 5, an ihrem Grunde meist nur weibliche, an ihrer Spitze 
männliche Ährchen. Jedes Ährchen ist gestützt von einer schwarzbraunen, 
hellrandigen Spelze. Die männlichen Blüten bestehen nur aus 3 Staub- 
blättern, die weiblichen nur aus einem Stempel; die dreispitzige bis drei- 
lappige Blütenhülle der letzteren umfasst mit ihren Rändern auch das oft 
nur wenig entwickelte Deckblatt der in der Regel verkümmerten männ- 
lichen Blüte. Blütezeit Juli, August. ^. Auf den Hochalpen, in der Nähe 
der Gletscher. 

Gattung 122: Cyperus Tournefort, Cypergras. III., 1. 
A. Narbe zweilappig (Picreus Palisot de Beauvais). 

1. Spirre köpfchenartig - zusammengezogen. Frucht rundlich - eiförmig. 
Wurzel faserig, einjährig. 

a. Deckblättchen der einzelnen Blüten strohfarben mit grünlichem 
Rückenstreifen. Ährchen schmutzig-gelb. Frucht rundlich-eiförmig, 
zusammengedrückt mit stumpfem Schnäbelchen. Wurzel faserig. 
Halm 5 bis 15 cm hoch, stumpf-dreikantig, an seinem Grunde 
mit 1 bis 2 schmal-linealen, rinnigen Blättern. Ährchen lanzett- 
lich, flach, kurz-gestielt. Hülle der Spirre meist dreiblätterig, weit 
länger als diese. Blütezeit Juli, August. Auf nassem Sand-, 
Lehm- und Torfboden, an sumpfigen Teichen; zerstreut. C. fla- 
vesceus L., GelbUches Cypergras.*) 

b. Deckblättchen der einzelnen Blüten grünlich- weiss, jederseits mit 
einem rotbraunen Fleck. Ährchen bräunlich. Frucht dreiseitig, 
durch einen plötzlich-aufgesetzten, fadenfönuigen Schnabel geki-önt. 
— Wurzel faserig, mit zahlreichen dreikantigen, fast blattlosen, 
handhohen Halmen. Hülle meist zweiblätterig, weit länger als 



*) Tafel 95C. Cyperus flavescens L. C ganze Pflanze; C 1 Blüte mit 
Deckblatt; C 2 Frucht. 1 und 2 vergrössert. 

16* 



244 Cyperaceae. 

die Spirre, Blütezeit August, September. Auf feucht -sumpfigem 
Salzboden in Niederösterreich. Cyperus pannonicus Jacquin, Un- 
garisches Cypergras. 

2. Spirre ausgebreitet; zusammengesetzt aus mehreren Ästen, deren jeder 
ährenartig augeordnete Ahrchen trägt. Deckblättchen der einzelnen 
Blüten glänzend -rötlich -braun mit weissem Rand und schmalem, 
grünem Rückennerv. Frucht umgekehrt- eiförmig, zusammengedrückt 
mit abgerundeten Rändern, breit-geschnäbelt. Wurzelstock kriechend, 
ausdauernd. Halm dreikantig, 60 bis 100 cm lang, an seinem unteren 
Ende mit langen Blättern besetzt. Hülle der Spirre zusammengesetzt 
aus 3 bis 4 ungleich-langen Blättern, deren untere bis 40 und mehr 
cm lang werden und die Spirre weit überragen. Blütezeit Juli, 
August. An Gräben, in Sümpfen; in Südtirol und im Litorale. 
C. Monti L., Montis Cypergras. 
B. Narben dreilappig. (Cyperus Palisot de Beauvais.) 

I. Wurzel faserig, einjährig. Frucht elliptisch, scharf- dreikantig. 

a. Deckblättchen der einzelnen Blüten schwarzbraun, mit grünem, in 
die Spitze auslaufenden Rückenstreif. — Halm dreikantig, 5 bis 
15 cm hoch. Blätter kürzer als der Halm. Hülle der Spirre 
länger als diese, 3- und mehrblätterig. Ahrchen sehr glatt, in 
rundlichen, teils sitzenden, teils gestielten, endständigen Köpfchen. 
Blütezeit Juli, August. Auf nassem, sumpfigem und sandigem 
Boden; stellenweise. C. fiiscus L., Schwarzbraunes Cypergras.*) 

b. Deckblättchen der einzelnen Blüten blassgelb mit braunem Rücken- 
streifen, oder bräunlich mit grünem Kiel. — Im übrigen der 
vorigen ähnlich, auch als deren Abart angesehen, doch schlanker 
und in mehr lockeren Rasen. C. virescens Ho ff mann. Grünliches 
Cypergras. 

II. Wurzelstock, kriechend, ausdauernd. 

a. Wurzelstock Knollen tragend. Deckblätter der einzelnen Blüten 
strohgelb, mit grünem, in eine Stachelspitze auslaufendem Rücken- 
nerv, weisslich-berandet. — Halm bis 100 cm hoch, an seinem 
Grunde von einem Büschel bis 30 cm hoher Blätter umgeben. 
Ahrchen ährenartig-beisammenstehend ; Spirre aus solchen, länger 
oder kürzer gestielten Ähren zusammengesetzt. Die Hülle besteht 
aus 4 bis 6 langen Blättern. Blütezeit Juli, August. Im süd- 



*) Tafel 96A. Cyperus fuscus L. A blühende Pflanze; A 1 Blüte; A 2 
Deckblatt; A 3 Fruchtähre, 1 bis 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 245 

liehen Teile des Gebietes der essbaren Knollen (Erdmandeln) halber 
zuweilen angebaut. Cyperus esculeutus L., Essl)ares Cypergras. 

b. Wurzelstock nicht Knollen tragend. 

A. Die schmal-linealisch-spitzen Ährchen sind zu kugelig-eiförmigen 
Köpfchen dicht zusammengedrängt; die Spirrenäste tragen meist 
mehrere (3) solcher Köpfchen. Deckblättchen der einzelnen 
Blütchen rötlich mit grünem Rückennerv und weisslich -häutigem 
Rande. — Halm bis 60 und mehr cm lang. Spirrenhülle 
3- bis 6 blätterig, sehr lang. Blütezeit Juli, August. 2].. In 
Sümpfen in Steiermark und Tirol und am Ufer des Adriatischen 
Meeres. C. glomeratus L., Oeknäueltes Cypergras.*) 

B. Ährchen linealisch, nicht zu kugeligen oder eiförmigen Köpf- 
chen zusammengedrängt. 

a. Die Ährchen sind vereinigt zu kleinen Ähren, welche an der 
Spitze der längeren Spirrenäste traubig zusammengestellt 
sind und von denen die seitlichen fast rechtwinklig abstehen. 
Deckblätter der einzelnen Blüten kastanienbraun. — Halm 
100 bis 150 cm hoch. Blätter eben so lang, auf dem 
Rücken scharf, am Rande fein-sägezähnig. Hüllblätter sehr 
lang. Blütezeit August. Bei Aachen und in der Eifel. 
(C. thermalis Dumortier.) C. l)adius Desfontaines, 
Kastanienlbrauiies Cypergras. 

ß. Die längeren Spirrenäste sind an ihrer Spitze doldig-, nicht 
traubig-verzweigt; alle Verzweigungen sind schräg- aufwärts- 
gerichtet. Deckblättchen der einzelnen Blütchen rotbraun, 
weisslich berandet, mit grünem Kiele. — Halm 60 bis 
130 cm lang. Frucht länglich, umgekehrt-eiförmig, scharf- 
dreikantig, schwärzlich. Hülle sehr lang. Blütezeit Juli, 
September. An Gräben, auf feuchten Wiesen; am Bodensee, 
bei Wien, in Südtirol und Steiermark. C. longus L., Langes 
Cypergras. 

Gattung 123: Schoenus L., Kopfriet. III, 1. 

A. Blattspreite linealisch, flach, etwas rinnig. Die Ähren bilden ein halb- 
kugeliges Köpfchen, das von 3 bis 6 verschieden langen, meist das 

*) Tafel 96B. Cyperus glomeratus L. B blühende Pflanze; 1.1 ---'■-', 
B 2 zwei Blüten an der Ährenspindel ; B 3 Blüte nach Entfernung des Deckblättchens ; 
2 und 3 Blüten, in denen sich an Stelle der Staubblätter kolbenartige Organe ge- 
bildet haben. 2 und 3 vergrössert. 



246 Cyperaceae. 

Köpfchen weit überragenden Hüllblättern umgeben ist. Frucht drei- 
kantig, mit einer aufgesetzten Spitze von mehr als halber Fruchtlänge. 
— Wurzelstock kriechend. Halm einzeln, 15 bis 30 cm hoch; Blätter 
zum Teil eben so lang, blaugrünlich. Ährchen 4- bis 5 blutig, zu 
15 bis 20 zusammengehäuft. Blütendeckblättchen sehr breit, lanzett- 
lich, unten purpurrot-braun, nach oben und dem Rande zu gelbgrün, 
vielnervio-, mit einem stärkeren, in eine Stachelspitze auslaufenden Mittel- 
nerv. Blütezeit Juni, Juli. 'A-. Am Ufer des Adriatischen Meeres; selten. 
Schoenus mucronatus L., Stachelspitziges Kopfriet. 
B. Blattspreiten pfriemlich oder borstlich, etwas rinnig. Ährenköpfchen 
mitunter längUch, von nur einem Hüllblatte überragt. Frucht mit 
stumpfer Spitze von höchstens ein Drittel Fruchtlänge. 

1. Ährenköpfchen aus 2 bis 3 rostbraunen Ähren zusammengesetzt; die 
an der Spitze des Halmes stehende Ähre ist seitenständig. Das Hüll- 
blatt des untersten Köpfchens steht steif-aufrecht und überragt den 
Blütenstand nicht oder kaum. Die 3 bis 6 Blütenhüllborsten sind 
länger als die Nuss. — Rasig. Blätter kürzer als der stielrunde 
Halm. Blütezeit Mai, Juni. %. Höhe bis 30 cm. Auf torfigen 
Wiesen, namentUch in der Rheinebene, im Elsass und der Schweiz; 
sonst sehr selten. (Chaetophora ferruginea Reichenbach, Streblidia 
ferruginea Link.) Sch. ferrugineus L., Rostbraunes Kopfriet.*) 

2. Ährenköpfchen aus 5 bis 10 schwarzbraunen Ähren zusammengesetzt, 
oberste Ähre endständig. Deckblatt der untersten Ähre aufrecht- 
abstehend, den Blütenstand weit überragend. Blütenhüllborsten 3 bis 6, 
bedeutend kürzer als die Nuss. — Dichtrasig. Halm stielrund. 
Blütezeit Mai, Juni. 4. Höhe 15 bis 50 cm. Auf moorigem und 
torfigem Boden, namentlich in der Rheinebene; sehr selten. (Chae- | 
tophora nigricans Kunth.) Sch. nigricans L., Schwärzliches 
Kopfriet. 

Gattung 124: Cladium Patrick Browne, Sumpfriet, Schneide. II. oder III., 1. 
Hierher nur Cladium Mariscus Robert Brown (Schoenus Maris- 
cus L.; Cladium gemianicum Schrader) Deutsche Schneide. Wurzelstock 
kriechend. 4. Halm steif-aufrecht, 60 bis 120 cm hoch, unten stielrund, 
oben stumpf- dreikantig, glatt. Blätter starr, mit ziemlich langen, ge- 
schlossenen Scheiden, am Kiel und am Rande rauh-sägezähnig. Spirre 
doppelt- zusammengesetzt, mit kopfförmig-geknäuelten Ähren; letztere rot- 

*) Tafel 97 A. Schoenus ferrugineus L. A blühende Pflanze; AI Deck- 
blatt; A2 Blüte; A3 Frucht mit den Blütenhüllborsten. 1 bis 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 247 

braun, mit meist zwei fruchtbaren Zwitterblüten. Blüten ohne Hüllen, 
nackt, meist zweimännig, oft mit einer Andeutung eines dritten Staub- 
blattes oder vollständig dreimännig. Frucht zugespitzt- eiförmig, mit 
schalig -trockenhäutiger, leicht ablöslicher, glänzend - bräunlicher Schale. 
Blütezeit Juli, August. Auf Torfboden und in Sümpfen; zerstreut und 
selten.*) 

Gattung 125: Rhynchospora Vahl, Schnabelsame, Moorsimse. III., 1. 

Ährchen wenigblütig, mit 5 bis 7 spiralig-angeordneten Deckschuppen; 
die unteren dieser Schuppen sind kleiner und tragen keine Blüten in ihren 
Achseln. Grund des Griffels breit, durch ein Gelenk mit der Nuss ver- 
bunden, verhärtend und bleibend. 

1. Wurzel faserig. Ähi-chen blass, in einer kleinen, fast ebensträussigen 
Spirre. Blütenhüllborsten meist 6 (8 — 10), so lang oder kürzer als 
die allmählig in den Schnabel zugespitzte Frucht. — Schwache, hell- 
grüne Rasen. Halm dreikantig. Hülle kürzer als die Spirre. Blüten 
zur Blütezeit (Juli, August) weiss, später ])räunlich angehaucht. 4- 
Höhe 15 bis 30 cm. Auf Torf- und Moorboden; zerstreut. (Schoenus 
albus L.) Rh. alba Vahl, Weisse Moorsimse. 

2. Wurzelstock kriechend. Ährchen braun, kopfförmig-geknäuelt. Blüten- 
hüllborsten meist 6 (oft nur 3), länger als die Frucht. Schnabel der 
Frucht aus breitem Grunde sich plötzlich verschmälernd. — Hellblau- 
ffrün. Halm dreikantig, oben scharf. Hülle den Blütenstand weit 
überragend. Blütezeit Juni, Juli. 4. Höhe 15 bis 25 cm. Auf 
Torf- und Moorboden; zerstreut und selten. (Schoenus fuscus L.) 
Rh. fusca Roemer und Schultes, Braune Moorsimse.**) 

Gattung 126: Eriophorum L., Wollgras. KI., 1. 

A. Die Blütenhülle besteht aus zahlreichen, sehr gedrängt-stehenden Borsten, 
welche nach der Blüte in seidenartige, gerade oder kaum etwas wellige, 
aber nicht gekräuselte Fäden auswachsen. 

I. Der Halm trägt mehrere, zur Fruchtzeit gestielte und überhängende 
Ähren. 



*) Tafel 97ß. Cladium Mariscus R. Brown. B blühende Pflanze; B 1 Ähr- 
chen; B2 Blüte; B3 Frucht; B4 Frucht mit sich ablösender Schale; B5 Frucht im 
Längsschnitte. 1 bis 5 vergrössert. 

**) Tafel 98 A. Rhynchospora fusca Roemer und Schultes. A blühende 
Pflanze; AI Ährchen; A2 Blüte ohne Deckblatt. 1 und 2 vergrössert. 



248 Cyperaceae. 

a. Blätter pfriemenförmig, ganz dreikantig. Blütenstiele fein -filzig, 
rauh. — Wurzelstock ausläufertreibend; Halm aufsteigend. Ähren 
eiförmig; Ährendeckblätter blattartig, die Fruchtähren nicht über- 
ragend. Blütezeit Mai, Juni. ^. Höhe 30 bis 50 cm. Auf 
sumpfigem und moorigem Boden, im nördlichen und westlichen Teile 
des Gebietes; zerstreut (E. triquetrum Hoppe; E. polystachyum 
var. a. L.) Eriophoriim gracile Koch, Schlankes Wollgras. 

b. Blätter flach oder rinnig, mit bald verwelkender, dreikantiger 
Spitze. Blütenstiele nicht filzig-rauh. 

a. Stiel der Ähren rückwiirts-scharf. Wurzelstock ohne Ausläufer. 
Blätter breit und flach. Halm stumpf-dreikantig. — Ähren 
eiförmig, mit blattartigen, an ihrem Grunde braunen Deck- 
blättern. Blütezeit April, Mai. 4. Höhe bis 30 cm. Auf 
Torf- und Moorboden, doch nicht im Gebirge; häufig. (E. poly- 
stachyum var. ß. L.) E. latifolium Hoppe, Breitblätteriges 
Wollgras. 

ß. Ährenstiele glatt. Wurzelstock lange Ausläufer treibend. Blätter 
linealisch-rinnig. Halm fast stielrund. — Ähren eiförmig, von 
braunroten, weissrandigen Deckblättern gestützt; ihr Stiel mit 
einem scheidenförmigen Deckblatte. Blütezeit April, Mai. 4. 
Höhe bis 30 und mehr cm. Auf nassen, moorigen Wiesen; 
nicht selten. (E. polystachyum L.) E. angiistifolium Roth, 
Schmall)lätteriges Wollgras.*) 
n. Der Halm trägt nur eine endständige Ähre. 

a. Halm nach oben zu dreikantig. Grundständige Blätter borstlich, 
am Rande rauh. Halmblätter mit kurzer Spreite und aufgeblasener 
Scheide. Wurzelstock ohne Ausläufer. — Dichtrasig. Ährendeck- 
blätter schuppenförmig, schwärzlich mit weissrandiger Spitze. Ähre 
länglich-eiförmig. Blütezeit April, Mai. 4. Höhe 15 bis 50 cm. 
In Torfmooren und Brüchen. E. Taginatum L., Sclieidiges 
Wollgras. 

b. Halm und grundständige Blätter stielrund. Halmblätter schwach- 
gekielt-rinnig, glatt, mit nicht oder kaum aufgeblasenen Scheiden. 
Wurzelstock mit kriechenden Ausläufern. Ähren kugelig, mit 



*) Tafel 98B. Eriophorum angustifolium Roth. B blühender Halm; 
El Ähre im weiblichen Zustande; B2 Ähre, B3 Blüte im männlichen Zustande; 
an Figur B 2 die Scheide des Ährenstiels ; B 4 fruchtende Pflanze ; B 5 Frucht mit 
den zu einer langen Wolle ausgewachsenen BlütenhüUborsten. 3 vergrössert. 



Cyperaceae. 249 

schuppenförmigen Deckblättern. Blütezeit Juni, Juli. 4. 15 bis 

30 cm lioch. In Torfwiesen der Alpen. Eriophorum Scheuchzeri 

Hoppe, Scheuchzers Wollgras. 

B. Die Blutenhülle besteht aus 4 bis 6 Borsten, welche nach der Blüte in 

eine schlängelig-krause Wolle auswachsen. — Wurzelstock kriechend. 

Halm 10 bis 25 cm hoch, borstlich-dreikantig, rauh. Blätter mit kurzer, 

pfriemlicher Spreite. Ähren länglich, mit rotbraunen, grünkieligen, 

hautrandigen Deckblättern. Blütezeit April, Mai. 4. Auf Moor- und 

Torfboden der höheren Gebirge, Yoralpen und Alpen. E. alplnum L., 

Gebirgs- Wollgras, Alpen- Wollgras. 

Gattung 127: Fimbristylis Vahl, Fransenbinse. III., 1. 

a. Ährchen zahbeich, eine zusammengesetzte Spirre bildend. Blätter so 
lang wie der Halm. — Wurzel büscheUg. Halm schwach-dreikantig, 
5 bis 8 cm hoch; wie die rinnigen, an den Kanten schärflichen Blätter 
blaugrün. Ährchendeckblätter rotbraun, mit grünem Kiele. Blütezeit 
Juni, August. 0. An nassen, unbebauten, namentlich sandigen Orten, 
in Südtirol. (Scirpus dichotomus L.) F. dichotoma Vahl, Oabelige 
Fransenbinse. 

b. Ährchen zu 2 bis 6, eine einfache Dolde, seltener eine einfache 
Spirre bildend. Blätter viel kürzer als der Halm. — Im übrigen der 
vorigen sehr ähnlich. Blütezeit JuH, August. ©. Höhe 5 bis 8 cm. 
Südtirol und Tessin. (Scirpus annuus AUioni.) F. anuiia Roemer 
und Schultes, Einjährige FransenMnse. 

Gattung 128: Scirpus L., Simse. Meist III., 1. 
Diese grosse, vielgestaltige Gattung wird oft in zahlreiche Gattungen, 
die höchstens als Untergattungen anzusehen sein dürften, geteilt. Die ein- 
heimischen zerfallen in: 

A. Die blühenden Stengel tragen nur ein und zwar ein endständiges Ähr- 
chen. Einährige, Monostacliyae. 

I. Eine Blütenhülle fehlt; das oberste der grundständigen Blätter hat 
eine vollkommene, linealische, rinnige Spreite. 1. Untergattung: 
Eleogiton Link, Sumpfsimse. 
IL Blütenhülle meist vorhanden und meist aus 6 bleibenden Borsten 
gebildet; die grundständigen Blätter sind Scheiden ohne oder mit 
sehr kleiner Blattfläche. 

Ä. Blütenhülle aus 2 bis 4 Borsten gebildet; Frucht mit 8 feinen 
Längsrippen; Stengel vierkantig (besonders deutlich im trockenen 
Zustande). 2. Untergattung: Scirpidium Nees, Zartsimse. 



250 Cyperaceae. 

B. Blutenhülle aus meist 6 Borsten gebildet; Frucht glatt; Stengel 
stielrund. 

a. Griffel am Grunde verdickt; der verdickte und durch eine Ein- 
schnürung vom Fruchtknoten getrennte Teil fällt nicht ab. 
3. Untergattung: Heleocharis R. Brown, Sumpfriet. 

b. Griffel fadenförmig, an seinem Grunde nicht verdickt, zum 
grössten Teile abfallend. 4. Untergattung: Limiiochloe Pali- 
sot de Beauvais, Pfuhlsimse. 

B. Der Blütenstand ist aus mehreren Ährchen gebildet; und wird von 
einem oder von mehreren laubartigen Tragblättern gestützt; selten ist 
nur ein, dann aber nicht endständiges, sonden trugseitenständiges Ähr- 
chen vorhanden. Yielährige, Polystachyae. 

I. Ährchen wenigblütig, ungestielt, in einer zweizeiligen Ähre ab- 
wechselnd angeordnet; die untersten meist in der Achsel laubiger, 
die oberen in der Achsel gefärbter Deckblätter. Narben sind 2, 
Staubblätter 3 vorhanden; das Mittelband der letzteren hat ein ge- 
zähntes, spateiförmiges Anhängsel. S.Untergattung: Blysmus Panzer, 
Quellriet. 
11. Ährchen in oft kopfförmig-gedrängten oder doldigen Spirren an- 
geordnet, zuweilen einzeln, dann aber trugseitenständig. 
Ä. Das unterste Tragblatt des Blütenstandes ist länger als die übrigen 

(wo deren vorhanden sind), meist auch länger als der Blütenstand; 

es drängt letzteren zur Seite und ist scheinbar die Verlängerung 

des nur an seinem Grunde beblätterten Stengels: die Spirre ist 

trugseitenständig. 

a. Die trugseitenständige Spirre ist zusammengesetzt aus mehr oder 
minder lang gestielten, kugeligen Köpfchen, welche ihrerseits 
aus dicht zusammengeballten Ährchen bestehen. Die Blüten 
sind sehr klein, besitzen 4 bis 5 oder gar keine Borsten, 
3 Staubblätter und eine dreilappige Narbe auf einem sehr 
kurzen Griffel. 6. Untergattung: Holosclioenus Link, Grlanz- 
simse. 

b. Trugseitenständige Spirre locker oder lappig-kopfig-zusammen- 
gedrängt. 

a. Die Blütendeckblättchen sind längsfurchig, gekielt, an ihrer 
Spitze nicht ausgerandet, stachelspitzig. Narben sind 3, 
Staubblätter 3, 2, selten 1 vorhanden. Die Frucht ist rund- 
lich-verkehrt-eiförmig, zusammengedrückt-dreikantig, längs- 



Cyperaceae. 251 

rippig oder querrunzelig. Die Ahrchen sind sitzend und 
stehen gedrängt. 

1. Blühende Halme stielrund; eine Blütenhülle fehlt meistens. 
7. Untergattung: Isolepis R. Brown (z. T.), Gleich- 
schuppe Zartriet. 

2. Blühende Halme dreikantig, mit vertieften Seiten. Die 
Blütenhülle besteht aus 6 rückwärts-rauhen Borsten von 
der Länge der Frucht. 8. Untergattung: Actaeogeton 
Reichenbach, Ufersimse. 

ß. Die Blütendeckblättchen sind nicht längsfurchig; sie sind 
gekielt, ausgerandet und in der Ausrandung stachelspitzig. 
Die Blütenhüllborsten sind rückwärts-rauh. Narben sind 2 
oder 3, Staubblätter 3 vorhanden. Die Frucht ist glatt, 
9. Untergattung: Scirpus Nees, Eigentliche Simsen. 
B. Der Blütenstand hat mehrere laubige Tragblätter; das unterste der- 
selben ist nicht auffallend länger als die anderen, setzt auch den 
Stengel nicht scheinbar fort; die Spirre ist daher deutlich endständig. 

a. Ausdauernde Pflanzen; Stengel bis oben hin mit mehreren flachen 
gekielten Laubblättern besetzt. Blüten mit 3 Staubblättern, 
3 Narben, meist auch mit Blütenhüllborsten. 

a. Ahrchen gross; etwa 6 bis 8 mm lang. Blütendeckblätter aus- 
gerandet und in der Ausrandung begrannt. 10. Untergattung: 
Bolboschoenus Anderson, Knollensimse. 

ß. Ahrchen klein, 3 bis 6 mm lang; Blütendeckblätter stumpf, 
nicht ausgerandet. 11. Untergattung: Taphrogeton Reichen - 
bach, Grabensimse. 

b. Einjährige Pflanzen; Stengel nur an seinem Grunde beblättert. 
Blütenhüllborsten fehlen. Die Narbe ist zweilappig. 12. Unter- 
gattung: Dichostylis Nees, Doppelgriffel. 

1. Untergattung: Eleogiton Link (Heleogeton Auct.) 
Sumpfsimse. (HL, 1.) 

Halm niederliegend oder flutend, fadendünn, beblättert, am Grunde 
der Blätter wurzelnd. Blätter sehr fein, mit scheidenartigen Grunde. Ahr- 
chen langgestielt, blattwinkelständig, 3- bis 5 blutig, grünlich. Blütendeck- 
blätter an dem Ahrchen in vier Reihen dachziegelig angeordnet. Die 
Blüte besteht aus 3 Staubblättern und einem zweinarbigen Fruchtknoten. 
Länge 15 bis 30 cm. Blütezeit Juli bis September. %. An stehenden 



252 Cyperaceae. 

und langsam fliessenden Gewässern; im nördlichen Teile des Gebietes. 
(Eleogiton fluitans Link; Heleocharis fluitans Hooker.) Scirpus fluitans L., 
Flutende Simse, Flutende Sumpfsimse. 



2. Untergattung: Scirpidum Nees, Zartsimse. 

Wurzelstock kriechend, sehr zart, an den Knoten Büschel haarfeiner 
Blätter und vierkantiger, blattloser Halme treibend; letztere sind an ihrem 
Grunde von einer oft rötlichen Scheide umgeben. Ahrchen endständig, 
eiförmig, 4- bis 8 blutig. Blütendeckblättchen stumpf -eiförmig, braun, 
grün-gekielt. Die Blüte besteht aus vier rauhhaarigen, abfallenden Borsten, 
drei Staubblättern und einem dreinarbigen Stempel. Die Früchtchen sind 
fein- vielstreifig. Blütezeit Juni bis September. © oder 21. (?). Höhe 3 bis 
10 cm. Auf feuchtem Sandboden, an stehenden Wässern, in Sümpfen; nicht 
häufig. (Heleocharis acicularis R. Brown ; Isolepis acicularis Schlechtendal ; 
Scirpidium aciculare Nees.) S. acicularis L., Nadelfeine Zartsimse, 
Borstenriet, Nadelsimse. 



3. Untergattung: Heleocharis R. Brown, Sumpf riet. 
A. Stempel mit 2 Narben. 

I. Wurzelstock ausdauernd, gegliedert, kriechend. 

1, Ahrchen länglich-linealisch, von dem untersten Blütendeckblättchen 
nur halb umfasst. — Wurzelstock weithin kriechend, sehr ästig. 
Halme rund, unverzweigt, an ihrem Grunde von meist 2, entfernt 
von einander stehenden, gerade-abgeschnittenen Scheiden, den 
Blättern, umgeben. BlütenhüUborsten rückwärts -rauh, etwas 
länger als der Fruchtknoten. Frucht glatt, verkelu-t- eiförmig, 
etwas zusammengedrückt, auf ihrer Spitze eine eiförmige Warze, 
den stehenbleibenden Grund des Griffels, tragend. Blütezeit Juni 
bis August. 4, Höhe 15 bis 50 cm. In Sümpfen, Gräben, 
Teichen; gemein. (Heleocharis palustris R. Brown.) S. palustris 
L., Sumpf-Simse, Sumpfriet, Moorriet.*) 

2, Ahrchen eiförmig-länglich, von seinem untersten Deckblättchen 
ganz umfasst. — Der vorigen ziemlich ähnlich, doch ist die unterste 



*) Tafel 99 A. Scirpus palustris L. A blühende Pflanze; AI Ährchen; 
A2 Blüte; A3 Fruchtknoten und Grund des Griffels, nebst 3 BlütenhüUborsten. 
1 bis 3 ver^rössert. 



Cyperaceae. 253 

der den Halm umfassenden Scheiden meist bräunlich; die Blüten- 
deckblätter sind mehr dunkelbraun bis schwärzlich; die Blüteu- 
hüllborsten sind kleiner als der Fruchtknoten. Blütezeit Juni bis 
August. %. Höhe 15 bis 30 cm. An sumpfigen und torfigen 
Orten; nicht häufig. (Heleocharis uniglumis Link.) Scirpus uni- 
L., Eiuspelzige Simse. 
IL Wurzel einjährig, rasig. 

1. Das unterste Blütendeckblättchen umfasst das Ährchen nur halb. 

a. BlütenhüUborsten 1 ^/a mal so lang wie die Frucht. Ährchen 
rostbraun, ei-kegelförmig. Warze auf der Spitze der Frucht 
kegelförmig. — Halm in trockenem Zustande feinrippig, an 
seinem Grunde von dicht-anhegenden, bräunlichen Scheiden 
umgeben. Blütendeckblätter breit-eiförmig, braun, grünkielig, 
weisshautrandig, abfallend. Frucht glatt, eiförmig, zusammen- 
gedrückt, schwielig-umrandet, strohgelb. Blütezeit Juli, August. 
0. Höhe 15 bis 25 cm. An stehenden Gewässern, auf über- 
schwemmtem Boden; sehr zerstreut und unbeständig. (Heleo- 
charis ovata R. Brown.) S. ovatus Roth, Eiförmige Simse. 

b. BlütenhüUborsten etwas kürzer als die Frucht. Ährchen schwärz- 
lich-rot, fast kugelig. Warze auf der Spitze der Frucht lang- 
kegelförmig. — Halme haarfein, in trockenem Zustande fein- 
gerippt. Blütendeckblättchen länglich-eiförmig. Frucht glatt, 
verkehrt-eiförmig, zusammengedrückt, auf beiden Seiten stark 
gewölbt, schwarz. Blütezeit Juli, August. ©. Höhe 5 bis 10 cm. 
Auf Sandboden. Am Genfer-See; selten. (Heleocharis atro- 
purpurea Kunth; Scirpus Lereschii Schutleworth.) S. atropur- 
piireiis Retzius, Schwarzrote Simse. 

2. Das unterste Blütendeckblättchen umfasst das Ährchen ganz. Ähr- 
chen hellbraun, länglich. — Halme haarfein, in trockenem Zustande 
gestreift. Blütendeckblättchen bräunlich, grünkielig, weiss-haut- 
randig. Frucht glatt, verkehrt-eiförmig, mit lang-kegelformiger 
Warze. Blütezeit Juli, August. 0. Höhe 5 bis 15 cm. Auf 
überschwemmten Wiesen in Krain; selten. (Scirpus gracilis Salz- 
mann, Heleocharis carniolica Koch.) S. carniolicus m., Kraiuer- 
Simse. 

B. Stempel mit 3 Narben. — Wurzelstock kurzgliedrig. Halme in grosser 
Zahl, dicht beisammenstehend, stielrund. Blätter borstlich. Ähi'chen 
länglich. Blüten deckblätter stumpf, unterstes das Ährchen ganz um- 
fassend. Frucht glatt, verkehrt-eiförmig, dreikantig. Blütezeit Juni 



254 Cyperaceae. 

bis August. 4. Höhe 15 bis 50 cm. Auf torfigem und moorigem 
Boden, im nördlichen Teile des Gebietes; selten. (Heleocharis multi- 
caulis Koch.) Scirpus multicaulis Smith, Tielhalmige Simse. 

4. Untergattung: Limnochloe Paliso t de Beauvais (BaeothryonNees) 

Pfuhlsimse. 

A. Von den die Halme an ihrem Grunde umgebenden Blattscheiden trägt 
die oberste eine kleine Spreite. 

1. Das unterste Blütendeckblatt ist so lang wie das Ährchen und um- 
fasst dieses ganz; es endigt in einen stumpfen Fortsatz. Blütenhüll- 
borsten sind vorhanden. — Dichtrasig, Ausläufer fehlen. Halm stiel- 
rund, gestreift. Ährchen eiförmig, wenigblütig, endständig. Die 
Blütenhüllborsten sind länger als die Frucht. Narben 3. Frucht 
glatt, dreikantig. Blütezeit Mai, Juni. 4. Höhe 10 bis 30 cm. In 
Torfmooren und Moorbrüchen; zerstreut. (Limnochloe caespitosa 
Reichenbach, Baeothryon caespitosum Nees.) S. caespitosus L., 
Rasen-Simse.*) 

2. Das unterste Deckblättchen umfasst das Ährchen nur halb. Blüten- 
hüllborsten fehlen. — Der vorigen sehr ähnlich, doch kleiner. Ähr- 
chen dreiblütig. Frucht glatt, stumpf, dreikantig. Blütezeit Juni, 
Juli. 4. Höhe 6 bis 15 cm. Auf nassen Stellen der höchsten Alpen, 
Zermatt und Ober-Engadin ; sehr selten. S. alpinus Schleicher, 
Alpen-Simse. 

B. Die oberste den Halm umgebende Blattscheide trägt keine Spreite. 

1. Blütenhüllborsten etwas länger als die Frucht. Halm inwendig durch 
Querwände gekammert. — Der Wurzelstock treibt Ausläufer, welche 
mit knollenartigen Knospen (Brutzwiebeln) endigen. Kleine, 2 bis 
6 cm hohe, weiche Rasen. Halm blattlos, am Grunde mit sehr dünnen, 
häutigen Scheiden. Ährchen länglich-spitz, wenigblütig. Blütendeck- 
blätter eiförmig, stumpf, blassgrün. Blütezeit Juli bis September. 4. 
An salzhaltigen, überschwemmt gewesenen Orten, namentlich am 
Meeresstrand; selten. (Limnochloe parvula Reichenbach, Scirpus nanus 
Sprengel, Scirpus humilis Wallroth.) Scirpus parvulus Roemer 
und Schul tes. Kleine Simse. 

2. Die Blütenhüllborsten sind kleiner, höchstens ebenso lang wie die 
Nuss. Der Halm wird nicht durch Querwände in Kammern geteilt. 



*) Tafel 99BC. Scirpus caespitosus L. B und C blühende bez. verblühte 
Pflanze; El Ährchen im männlichen, B2 desgl. im weiblichen Zustande; B3 Blüte; 
B 4 Stempel mit Blütenhüllborsten. 1 bis 4 vergrössert. 



Gyperaceae. 255 

— Wurzelstock Ausläufer treibend. Halm blattlos, an seinem Grunde 
mit Blattscheiden, fadenförmig. Abrchen eiförmig. Blütendeckblätter 
eiförmig, stumpf, braun, mit grünem Mittelnerv; das unterste ist 
breiter und umgiebt das Ährchen deckblattartig. Blütezeit Juni, 
Juli. 2|.. 15 bis 25 cm hoch. In Torfmooren, an Ufern; zerstreut. 
(Linmochloe pauciflora Wimmer; Scirpus Baeothryon Ehrhart.) 
Scirpus paucifiorus Lightfoot, ArmWütige Simse. 

Eine nur 5 bis 8 cm hohe Form, mit gekrümmten Halmen, ist 
die auf Sandboden wachsende S. campestris Roth, Feltl-Simse. 

5. Untergattung: Blysmus Panzer, Quellriet. 

1. Halm abgerundet- vierkantig. Blätter unterseits gekielt, kürzer als 
der Halm, durch abwärtsgerichtete Zähnchen scharf. Ährchen 6- bis 
8 blutig. — Wurzelstock kriechend. Ähre endständig, aus 10 bis 12 
länglich-runden Ährchen zusammengesetzt; an ihrem Grunde ein 
breites, ihr an Länge meist gleichkommendes oder längeres Deckblatt. 
Deckblätter braun, grünkielig, weiss-hautrandig. Blütenhüllborsten 
3 bis 6, rückwärts-stachelig. Frucht etwas abgeflacht, in den stehen- 
bleibenden, zweispaltigen Griffel verschmälert. Blütezeit Juli, August. 
2|-. Höhe 10 bis 25 cm. Auf Sumpfwiesen, bis in die Alpen; zer- 
streut. (Scirpus caricis Retzius; Schoenus compressus L.; Carex 
uliginosa L.; Blysmus compressus Panzer.) S. compressus Persoon, 
Zusammengedrückte Simse. 

2. Halm stielrund. Blätter unterseits nicht gekielt, kürzer als der Halm. 
Ährchen 2- bis 5 blutig. — Der vorigen sehr ähnlich. Wurzelstock 
kriechend. Ähre aus meist 6 sitzenden, glänzend - dunkelbraunen 
Ährchen zusammengesetzt, an ihrem Grunde ein kleines, dunkelbraunes, 
häutiges Deckblatt. Blütenhüllborsten aufrecht- weichstachelig, oft 
felilend. Griffel abfallend. Blütezeit Juni, Juli. 2|.. Höhe 10 bis 
25 cm. An sumpfigen, salzhaltigen Stellen, namentlich am Meeres- 
strand. (Blysmus rufus Link; Schoenus rufus Smith.) S. rufus 
Schrader, Braune Simse. 

Eine Form mit sehr langem, unterstem Deckblatt ist S. bifolius 
Wallroth, Zweiblätterige Simse. 

6. Untergattung: Holosc!ioenus Link, Glanzsimse. 

Wurzelstock Ausläufer treibend. Halm stielrund, 30 bis 1 00 cm hoch, 
starr; am Grunde mit Blattscheiden besetzt, deren oberste ein schmal- 
lineales, rinniges Blatt trägt. Blätter halbstielrund , rinnig, wie der Halm 



256 Cyperaceae. 

bläulich-grün. Ahrchen schmutzig-hellbraun, in dichten, kugeligen, eine 
Trugspirre bildenden Köpfchen. Blütendeckblätter abgestutzt, stachelspitzig. 
Blütenhüllborsten meist ganz felilgeschlagen. Frucht glatt. Blütezeit Juli, 
August. ^. An sandigen Ufern, in Sumpfwiesen; selten. (Isolepis Holo- 
schoenus Roemer und Schultes; Holoschoenus vulgaris Link.) Scirpus 
Holoschoenus L., Knopfgrasartige Simse. 

7. Untergattung: Isolepis R. Brown (zum Teil), Gleichschuppe, 

Zartriet. 

1. Das den Blütenstand tragende und über denselben hinausragende 
Hüllblatt ist kürzer als der Halm, Frucht längsrippig. — Halm 
stielrund, 3 bis 10 cm hoch. Blätter borstlich. Ahrchen zu 1 bis 
3, trugseitenständig- beisammenstehend. Blütendeckblätter stumpf, 
stachelspitzig. Blütenhüllborsten meist fehlend. Blütezeit Juli, August. 
© (^). Auf überschwemmten Plätzen, an stehenden und langsam 
fliessenden Gewässern; ziemlich selten. (Isolepis setacea R. Brown.) 
S. setaceus L., Borsteuförmige Simse.*) 

Eine Form mit stets einzeln stehenden Ahrchen und schwach- 
querwellig-gegitterten Früchten ist: S. clathratus Reiche nbach, 
Gegitterte Simse. 

2. Das den Blütenstand tragende und über denselben hinausragende 
Hüllblatt ist etwa so lang wie der Halm. Frucht querrunzelig. — 
Der vorigen ähnlich, doch kräftiger, Halm 8 bis 15 cm hoch, bis- 
weilen niederliegend. Ahrchen zu 1 bis 5 büschelig-gehäuft. Blüten- 
deckblätter rundlich, stachelspitzig, braun, grünrandig. Blütenhüll- 
borsten fehlen. Blütezeit Juli, August. ©. Auf überschwemmten 
Plätzen, zerstreut und selten. S. supinus L., Niederliegende Simse. 

8. Untergattung: Actaeogeton Reichenbach, Ufersimse. 

Wurzel büschelig. Halm dreikantig, unten von enge anliegenden 
Blattscheiden umgeben. Ahrchen bis 10 und mehr, büschelig-gehäuft, 
vielblütig; trugseitenständig, doch ist das anfänglich aufrechte, grosse Hüll- 
blatt später wagerecht-zurückgebogen. Blütendeckblätter breit-eiförmig, 
stachelspitzig, am Rande feingewimpert; anfanglich grün, mit braunem 
Rande, zuletzt ganz braun. Blütenhüllborsten 4 bis 6, rückwärts-rauh. 



*) Tafel lOOA. Scirpus setaceus L. A blühende Pflanze; AI ährenartiger, 
trugseitenständiger Blütenstand; A2 Blüte mit ihrem Deckblatt; A3 Blütendeckblatt 
von aussen ; A 4 Frucht. 1 bis 4 vergrössert. 



Cyperaceae. 257 

Narben drei. Frucht dreiseitig, quer-gerunzelt. Blütezeit Juli, August. 
Höhe 50 bis 100 cm. In Teichen, im südlichen Teile des Gebietes; selten. 
(S. glomeratus Scopoli.) Scirpiis mucronatus L., Stachelspitzige Simse. 

9. Untergattung: Scirpus Nees, Eigentliche oder Echte Simsen. 

A. Stempel mit 3 Narben. — Wurzelstock kriechend. Halme stielrund, 
grasgrün, 125 bis 250 cm hoch, nur an ihrem untersten Ende mit 
kurzen Blattscheiden besetzt. Büschelig-gehäufte Ährchen setzen die 
trugseitenständige Spirre zusammen. Das grosse Hüllblatt der Spirre 
etwa so lang als diese. Blütendeckblätter eiförmig, an ihrer Spitze 
ausgeschnitten, in dem Ausschnitte mit einer Stachelspitze, hellrot-braun, 
glatt. Blütenhüllborsten fein, rückwärts-rauh. Frucht dreikantig, glatt. 
Blütezeit Juni, Juli. 2|. In stehenden und langsam fliessenden Wassern, 
gemein. S. lacustris L., See-Simse.*) 

B. Stempel mit 2 Narben. 

I. Halm in seiner ganzen Länge stielrund, — Der vorigen sehr ähnlich 
und für eine kleinere Form derselben angesehen. Halm meist blau- 
duftig. Hüllblatt der Spirre meist kürzer als diese. Blütenhüllblätter 
braun^ rauh-purpurfarben-punktiert, eiförmig. Blütezeit Juni, Juli. 4. 
Höhe 100 bis 150 cm. An stehenden und langsam fliessenden Ge- 
wässern; zerstreut. (S. glaucus Smith.) S. Tahernaemoutani Gmelin, 
Tahernämontans Simse. 

II. Halm wenigstens oben dreikantig. 

a. BlütenhüUborsten pinselig-federig, mit aufwärts gerichteten, ge- 
gliederten Haaren. — Halm dreikantig. Spin-e sehr reichährig. 
Blütendeckblätter kreisförmig, etwas ausgerandet, braun, mit 
grünem in der Ausrandung als kurze Stachelspitze auslaufendem 
Mitteluerv. Blütezeit Juni, Juli. 2j.. 125 bis 200 cm hoch. Am 
Ufer des Adriatischen Meeres; selten. S. litoralis Seh rader, 
Küsten-Simse. 

b. Blütenhüllborsten rückwärts-f einstachelig, oft sehr kurz. 

1. Alle Ährchen sitzend, zusammengeballt zu eiförmig-länglichen 
Knäueln, welche ihrerseits ein trugseitenständiges Köpfchen (ge- 
knäuelte Spirre) bilden. Staubbeutelspitze wimperig-gezähnelt. 
— Halm dreikantig, 30 bis 100 cm hoch; am Grunde mit 
häutigen, in ziemlich lange, rinnenförmige Spreiten auslaufenden 

*) Tafel lOOB. Scirpus lacustris L. B blühende Pflanze, verkleinert; Bl 
Blüte mit ihrem Deckblatte, vergrössert. 

Thome, Flora. II. Aufl. -j^-^ 



258 Cyperaceae. 

Scheiden. Grösseres Hüllblatt der Spirre diese weit überragend. 
Blütendeckblätter eiförmig, an der Spitze ausgeschnitten, mit 
kurzer Stachelspitze in de"m Ausschnitte, rotbraun, Aveissgesäumt, 
am Rande gefranst. Blüteuhüllborsten ein halb bis ein Drittel 
so lang wie die Frucht. Frucht glatt, auf dem Rücken gewölbt. 
Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 30 bis 60 cm. An Ufern, 
insbesondere vom Rhein bis zur Elbe; selten. (S. Rothii Hoppe; 
S. triqueter Roth; S. mucronatus Schrank.) Scirpus pungeiig 
Vahl, Stechende Simse. 
2. Spirre aus zum Teil gestielten Ahrenbüscheln zusammengesetzt. 
Staubbeutelspitze kahl. 

a. Halm scharf-dreikantig, mit etwas ausgehöhlten Seitenflächen. 
— Wurzelstock Ausläufer bildend. Halm 30 bis 100 cm 
hoch, an seinem Grunde von einer schwarzbraunen und von 
einer grünen, oft in eine kurze Spreite auslaufenden Blatt- 
scheide umschlossen. Spirre von ihrem grösserem Deckblatt 
überragt. Ahrchen eiförmig. Blütendeckblätter eiförmig, an 
der Spitze ausgerandet, in der Ausrandung stachelspitzig, an 
ihrem Rande gefranst, braun, weissrandig. Blüteuhüllborsten 
ein halb bis ein Drittel so laug als die verkehrt-eiförmige, 
glatte, auf ihrem Rücken gewölbte, glänzend - schwarz- 
kastanienbraune Frucht. Blütezeit Juli, August. 4. An 
Ufern und in Gräben; sehr zerstreut. (S. Pollichii Godron 
und Grenier; S. mucronatus Pollich; S. trigonus Roth; 
Heleogiton triquetrum Reichenbach.) S. triqueter Auetor., 
Dreikantige Simse. 
ß. Halm an seinem Grunde stielrund, in seiner Mitte stumpf- 
dreikantig, an 2 Seiten ziemlich geM^ölbt, an der dritten 
flach. — Das grössere Hüllblatt der Spirre kürzer als diese. 
Frucht glatt, auf dem Rücken gewöll)t; sonst der See -Simse 
sehr ähnlich. Blütezeit Juni, Juli. 4. Höhe 50 bis 100 cm. 
An See- und Flussufern; sehr selten. (S. carinatus Smith; 
S. trigonus Nolte.) S. DuvaHi Hoppe, Duvals Simse. 

10. Untergattung:: Bolbosehoenns Ascherson, Knollensimse. 

Wurzelstock kiiechend. Halm dreikantig, 30 bis 100 cm hoch, an 
seinem Grunde mit Blattscheiden, darüber mit langen, flachen, unterseits 
gekielten, borstig-spitzen Blättern besetzt. Spirre mehrfach -zusammengesetzt, 
gestützt von mehreren langen Hüllblättern, deren längere die Spirre weit 



Cyperaceae. 259 

überragen. Ahrchen vielblütig, zu 3 bis 5 in Köpfchen, welche, einzeln 
oder zu mehreren (2 — 3) auf einem Stiele stehend, die Spirre bilden. 
Blütendeckblätter an ihrer Spitze zweispaltig, braun, mit anfänglich grünem, 
später gelbem, in der Spalte eine Stachelspitze bildendem Mittelnerv. 
Blütenhüllb ersten fünf Narben drei, Blütezeit Juli, August. 2i. An 
fliessenden und stehenden Gewässern, namentlich auf salzigem Boden; am 
Meeresstrande häufig. Scirpns maritimus L., Meerstrands-Simse. 

11. Untergattung: Taphrogeton Keichenbach, Grabensimse. 

1. Alle Ahrchen, mit Ausnahme der sitzenden, mittelständigen, sind lang- 
gestielt und stehen daher einzeln in der zusammengesetzten Spirre; sie 
sind länglich-rautenförmig. — - Blutend eckblättchen auf dem Rücken ab- 
gerundet, ohne Ausrandung und ohne Stachelspitze. BlütenhüUborsten 
glatt, schraubig-zusammengedreht, hin- und hergebogen, 2 bis 3 mal so 
lang als die verkehrt-eifömiige Frucht. Unfruchtbare Halme zur Blüte- 
zeit länger als die fruchtbaren; erstere biegen sich um, schlagen an 
ihrer Spitze Wurzeln und treiben dort Blätterbüschel. — Halme be- 
blättert; dreikantig. Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 60 bis 125 cm. 
An Flussufem, auf sumpfigen Wiesen, namentlich im nördlichen und 
östlichen Teile des Gebietes; zerstreut. S. radicans Schkuhr, Wur- 
zelnde Simse. 

2. Ein Teil der Ahrchen ist ungestielt und sitzt zu je 2 und mehr bei- 
sammen, der andere ist gestielt. BlütenhüUborsten gerade, rückwärts- 
stachelig. 

a. Nur wenig Ahrchen sind gestielt; die übrigen sitzen zu je 3 bis 6 
beisammen; sie sind eiförmig. Blütendeckblätter schwach -gekielt, 
stumpf, mit feiner Stachelspitze. BlütenhüUborsten so lang wie die 
Frucht. Frucht fast kugelig. Unfruchtbare Halme zur Blütezeit halb 
so lang wie die fruchtbaren. — Halm dreikantig, beblättert. Blüte- 
zeit Juni, Juli. 4. Höhe 60 bis 125 cm. In feuchten Gebüschen, 
Sümpfen, an Ufern; häufig. S. silvaticus L., Wald-Simse. 

b. Viele Ährchen sind gestielt; die übrigen sitzen zu je 2 bis 3 bei- 
sammen; sie sind länglich -rautenförmig. Blütendeckblätter kaum ge- 
kielt, stumpf, an ihrer Spitze behaart. BlütenhüUborsten doppelt bis 
dreifach so lang wie die Frucht. Frucht rundlich-verkehrt-eiförmig. 
Unfruchtbare Halme zur Blütezeit so lang wie die fruchtbaren. — 
Blütezeit Juli. Höhe 100 bis 125 cm. 4. An Ufern; sehr selten. 
S. silyaticus X radicans Baenitz. 

17* 



2G0 Araceae. 

12. Untergattung: Dichostylis Nees, Doppelgriffel. 

Diclitrasig. Halm dreiseitig, in seinem unteren Teile mit flachen 
Blättern besetzt, 5 bis 20 cm hoch. Ährchen zahlreich, in endständigen, 
rundlich-lappigen Köpfchen, welche von 2 bis 5, ungleich -langen, ab- 
stehenden Hüllblättern weit überragt werden. Blütendeckblättchen lanzett- 
lich, in eine Stachelspitze verschmälert, blassgrün. Blütenhüllborsten fehlen. 
Narbe zweilappig. Blütezeit Juli, August. 0. An sandigen Ufern; nament- 
lich im südlichen Teile des Gebietes; selten und unbeständig. (Cyperus 
pygmaeus /?. Michelianus Boekeler; Isolepis Micheliana Roemer und Schultes; 
Cyperus Michelianus Link; Dichostylis Micheliana Nees.) Scirpus Michelia- 
nus L., Michelische Simse. 



24. Familie: Araceae, Arongewächse. 

Krautpflanzen mit kriechendem oder knolligem Wurzelstocke. Blüten - 
kolben meist vorhanden, einfach; die ihn umgebende Scheide fällt nicht ab. 
Blütenhülle wenig oder gar nicht ausgebildet; Frucht eine mehrsamige 
Beere; Sameneiweiss meist reichlich. 

Die 3 hierher gehörenden Gattungen gehören ebenso vielen Unter- 
familien an. 

A. Blüten ohne Blütenhülle. Frucht eine fleischige Beere. 

a. Blütenkolben an der Spitze nackt, d. h. nicht mit Blüten besetzt. 
Gattung 129: Arum L., Zehrwiirz. 

b. Blütenkolben völlig mit Blüten bedeckt. Gattung 130: Calla L., 
Kalla, Schlangenkraut. 

B. Blüten mit Blütenhülle. Frucht eine trockene, schwammige Beere. 
Gattung 131: Acorus L., Kalmus. 

Gattung 129: Arum L., Zehrwurz, Aronsstab. (XXI, 1.) 

Ausdauernde, knollentragende Kräuter. Auf einige zarte Niederblätter 
folgen 2 bis 3 langgestielte, pfeil-spiessförmige Laubblätter mit scheiden- 
fürmigem Blattstielgrunde. Der Blütenstand besitzt eine grosse, nach der 
Blütezeit abwelkende Scheide. Zu unterst an dem Blütenkolben sitzen die 
weiblichen Blüten; sie bestehen aus einem einfächerigen, sechs- oder mehr- 
samigen Fruchtknoten mit sitzender, fast halbkugeliger Narbe. Sodann 
folgen meist unvollkommene, unfruchtbare Blüten, selten ein nackter, nicht 



Araceae. 261 

mit Blüten besetzter Zwischenraum, und hierauf die männlichen, drei- bis 
viermännigen Blüten. Weiter nach oben finden sich mehr oder weniger 
blasenartig angeschwollene und in einen Faden verlängerte Körper, Haare, 
und über diese hinaus erhebt sich das nackte, nach der Blütezeit ab- 
welkende Ende des Blütenkolbens. Die Früchte sind einfächerige, viel- 
samige Beeren; in den Samen ist der Keimling von reichlichem Eiweiss 
umgeben. 

Hierher 3 Arten: 

A. Blätter pfeilförmig. Kolben gerade, an seinem oberen Ende keulen- 
förmig- verdickt. 

1. Blätter grün oder purpur-gefleckt. Kolben-Ende braunrot. Scheide 
grünlich, am Grunde umgerollt, eiförmig und im Schlünde etwas ver- 
engert, oben tutenförmig, spitz. Blütezeit April bis Juni. — Aus- 
gezeichnete - erstweibliche Fallenblumen: angelockt durch einen 
fauHgen Geruch kriechen Mücken in die Blütenscheide hinein und 
müssen in deren Kessel verweilen, weil die Haare ihnen den Rück- 
weg versperren; bringen sie Blütenstaub mit, dann streifen sie diesen 
an den Narben ab. Erst wenn diese letzteren verdorben sind, öffnen 
sich die Staubbeutel; gleichzeitig vertrocken die Haare, und die über 
und über mit Blütenstaub bepuderten Mücken finden einen Ausweg 
um freiwillig eine im ersten Zustande befindliche Blume aufzusuchen. 
— Beeren scharlachrot; Blätter und Scheide sterben vor der Frucht- 
reife ab. Höhe bis 60 cm. In schattigen Waldungen und Hecken 
zerstreut; fehlt in Pommern und Preussen. Giftig. Ariim maciila- 
tum L., Gefleckter Aronsstal).*) 

2. Blätter oberseits weiss-geadert. Kolben-Ende gelb. Scheide gross, 
weisslich, oben weit offen und zuinickgeschlagen. Blütezeit April. In 
Weinbergen und Waldungen im südlichsten Teile des Gebietes, Tessin? 
selten. Stark giftig. A.italicum Miller, Italienisclier Aronsstab. 

B. Blätter an ihrem Grunde herzförmig, stumpf. Kolben an seinem Ende 
gekrümmt, nicht verdickt. Scheide bauchig -röhrig, an ihrer Spitze 
kapuzenförmig, rötlich. Giftig. Fiume, Istrien. A. arisarum L., 
Kleinblütiger Aronsstal). 



*) Tafel 101. Arum maculatum L. A blühende Pflanze, B Fruchtkolben. 
1 Kolben, a weibliche, b männliche Blüten; c starre Harre, (in 5 vergrössert dar- 
gestellt), d unfruchtbares Ende des Blütenkolbens. 2 weibliche Blüte; 3 desgl. im 
Längsschnitte ; 4 männliche Blüten, von der Seite und von oben gesehen, sowie Blüten- 
staub entlassend; 6 reife Frucht geöffnet, 7 Same, 8 desgl. im Längsschnitte, um 
Keimling und Eiweiss zu zeigen. 2 bis 8 vergrössert. 



262 Araceae. 

Gattung 130: Acorus L., Kalmus. (VI, 1). 

Hierher nur Acorus Calamus L., Gemeiner Kalmus. Wurzelstock 
bis 50 cm und mehr lang und 3 cm dick, schwammig-fleischig, kurz-ge- 
gliedert, seiner ätherischen und aromatisch-bittern Stoffe halber offizineil, 
Bhizoma Calami. Blätter an ihrem Grunde mit einer 30 bis 50 cm 
langen Scheide, über diese hinaus noch 50 bis 80 cm lang, 1 bis 2 cm 
breit, schwertförmig, linealisch, lang zugespitzt. Der Blütenschaft ist bis 
50 cm lang und zusammengedrückt-dreikantig; an seinem oberen Ende 
geht er unmittelbar in ein blattartiges, 20 bis 50 cm langes, schwert- 
förmiges Hüllblatt über, sodass der Blütenkolben an dessen Grunde seiten- 
ständig erscheint. Der Blütenkolben ist etwa 8 cm lang, walzenförmig. 
Jede Blüte besteht aus 6 grünlichen Hüllblättern, 6 Staubblättern und 
einem oberständigen, kegelförmigen, 2- bis 3-fächerigen Fruchtknoten mit 
sitzender Narbe. Die zahlreichen Samenknospen hängen, umgeben von 
kurzen, dichten Haaren, in jedem Fruchtfache von dessen Spitze herab. 
Die Frucht ist eine rötliche Beere. Der Keimling liegt in der Achse eines 
fleischigen Eiweisses. Blütezeit Juni, Juli. Nachstäubende Pflanze, welche 
bei uns keine reifen Früchte bringt; geschieht dies, weil die bestäubenden In- 
sekten fehlen, oder weil die Pflanze infolge ihi'er reichlichen Vermehrung 
durch den Wurzelstock das Vermögen zu fruchten verlor, oder weil alle bei 
uns vorkommenden Pflanzen von einer einzigen, bei uns eingeführten abstammen':' 
Am Ufer von stehenden und langsam fliessenden Gewässern, verljreitet.*) 

Gattung 131: Calla L., Kalla, Schlangenkraut (meistens VI, 1). 

Hierher nur Calla palustris L., Schlangenkraut, Schlangenwurzel, 

Drachenwurzel, Schweinekraut. Kraut mit ausdauerndem, kriechendem 
Wurzelstocke. Blätter an ihrem Grunde scheidig, langgestielt, herzförmig. 
Blütenscheide fast ganz flach, aussen grün, innen weisslich. Kolben in 
seiner ganzen Ausdehnung mit Zwitterblüten bedeckt, selten an seiner 
Spitze männliche Blüten tragend. Jede Blüte besteht aus meist 6 Staub- 
blättern und einem einfächerigen Fruchtknoten mit sitzender Narbe. Erst- 
weibliche Ekelblume mit unangenehmen Geruch; von kleinen Fliegen und 
Käfern besucht; Bestäubung durch Wind und Wasserschnecken nicht aus- 
geschlossen. Die Frucht ist eine rote, mehrsamige Beere; der Keimling 



*) Tafel 102. Acorus Calamus L. A Teil der Pflanze, mit dem Ende des 
Wurzelstockes; B Teil des Blütenschaftes mit Blütenkolben und darüber hinaus- 
ragendem Hüllblatt; 1 drei nebeneinander stehende Blüten von oben gesehen; 2 und 3 
einzelne Blüten; 4 Blütenlängsschnitt; 5 Querschnitt durch den Fruchtknoten. 1 bis 5 
vergrössert. 



4 



Lemnaceae. 263 

liegt in der Achse des grossen Sameneiweisses. Blütezeit Juni bis August. 
Höhe 15 bis 50 cm. Giftig. In Sümpfen, an sumpfigen Ufern, in Torf- 
brüchen; häufig in Norddeutschland, sonst zerstreut.*) 



25. Familie: Lemnaceae, Wasserlinsengewächse. 

Nur wenige Millimeter grosse, auf der Oberfläche stehender Gewässer 
lebende, laub- oder linsenartige Pflänzchen, Sie werden bei uns selten mit 
Blüten gefunden, Wolffia arrhiza bis jetzt niemals; der damit verbundene 
Fruchtmangel wird durch eine ganz ausserordentlich grosse vegetative 
Vermehrung ersetzt, wobei sich Seitensprosse von der Mutterpflanze los- 
lösen. 

Hierher 4, oft in eine zusammengefasste, Gattungen. 

A. Wurzeln fehlen. Der Blütenstand, eine männliche und eine weibliche 
Blüte, sitzt in einer Grube auf der Oberseite des Pflänzchens; er ist 
nicht von einem Hüllblatt umgeben. Gattung 132: Wolffia Horkel 
Wolffie. 

B. Wurzeln sind vorhanden. Der Blütenstand, zwei männliche und eine 
weibliche Blüte, sitzt in einer an der Seite des Sprosses (Pflänzchens) 
angebrachten Tasche; er ist von einem Hüllblatte umgeben. 

a. Die Sprosse sind ein wurzelig; die Wurzeln besitzen keine Gefässe. 
Jede Staubbeutelhälfte hat 2 übereinanderHegende Fächer. Gattung 133: 
Lemna L., WasserHnse.^ 

b. Die Sprosse sind mehrwurzelig; die Wurzeln besitzen Gefässe. Jede 
Staubbeutelhälfte hat 2 hintereinanderliegende Fächer. Gattung 134: 
Spirodela Schleicher, Spirodele. 

Gattung 132: Wolffia Horkel, Wolffie. (XXI, 1.) 

Senfkorngrosse, wurzellose, rundlich -eiförmige, unterseits kugelig- 
gewölbte Pflänzchen. Der Blütenstand steht in einer Grube auf der Ober- 
seite des Pflänzchens; er besteht aus einem Staubblatte und aus einem 
Stempel. Die Pflänzchen sprossen auseinander hervor und so kommt es, 
dass meist zahlreiche Sprosse zusammenhängen. In stehenden Gewässern; 



*) Tafel 103. Calla palustris L. A blühende Pflanze; B Fruchtstand. 
1 Blüte, 2 Staubblatt, 3 Narbe, 4 Frucht, 5 desgl. im Längsschnitte, 6 a und b Samen, 
7 Same im Längsschnitte. 1 bis 3, 5, ß a und 7 vergrössert. 



264 Lemnaceae. 

sehr selten. (Lemna arrhiza L., Wolffia Michelii Horkel.) Wolffia arrhiza 
Wimmer, Wurzellose Wolffle.*) 

Gattung 133: Lemna L., Wasserlinse. (XXI, 1.) 

Jedes Pflänzchen (Spross) besitzt eine Wurzel. Der von einem Hüll- 
blatte umgebene Blutenstand sitzt in einer seitlichen Tasche des Sprosses 
und besteht aus 2 männlichen und 1 weiblichen Blüte; erstere bestehen 
aus je einem ziemlich langen Staubfaden, der einen vierfächerigen, mit 
2 Spalten aufspringenden Staubbeutel trägt; letzte ist ein einfächeriger, 
ein- bis mehrsamiger Fruchtknoten. Dadurch, dass aus den Seiten der 
Sprosse befindlichen Taschen neue Pflänzchen hervorsprossen, bilden oft 
zahlreiche Sprosse (Pflänzchen) ein zusammenhängendes Ganzes. 

Hierher 3 Arten: 

A. Sprosse auf beiden Seiten flach. Frucht eine einsamige, schlauchförmige 
Schliessfrucht. 

1. Sprosse blattförmig-dünn, lanzettlich, zuletzt gestielt, bis etwa 10 mm 
lang. Blütezeit Mai. %. In stehenden Gewässern der Ebenen, nicht 
der Gebirgsgegenden; nicht selten. L. trisulca L., Dreifurchige 
Wasserlinse.**) 

2. Sprosse ziemlich dick, eirund bis kreisförmig, gegen 4 mm lang. '21. 
Blütezeit Mai. In stehenden Gewässern gemein und oft deren Ober- 
fläche weithin überziehend. L. minor L., Kleine Wasserlinse, 
Entenflott, Entengrün.***) 

B. Sprosse auf der Unterseite schwammig, halbkugelig, eirund bis kreis- 
förmig, gegen 4 mm lang. Frucht eine 2- bis vielsamige Deckelfrucht. 
21. Blütezeit Mai. In stehenden Gewässern ebener Gegenden. (Tel- 
matophace gibba Schleicher.) Lemna gibba L., Buckelige Wasser- 
linse.****) 



*) Tafel 104A. Wolffia arrhiza Wimmer. A Einzelner Spross durch- 
schnitten; k Knospe eines neuen Sprosses; stp Stempel; stb Staubbeutel. Vergrössert. 

**) Tafel 104 B und C. Lemna trisulca L. B Zusammenhängende, un- 
fruchtbare Sprosse ; C fruchtbarer Spross mit Seitenspross. Vergrössert, von oben gesehen. 

***) Tafel 104D. Lemna minor L. Blühende Pflanze; Dl Blütenstand nebst 
Hüllblatt; D2 Stempel im Längsschnitte; DB Frucht. Vergrössert. 

****) Tafel 104E. Lemna gibba L. Pflänzchen im Längsschnitte, sodass 
die Wurzel nicht getroffen wurde; h, h Hüllblatt, zwischen dessen Stücken eine männ- 
liche und eine weibliche Blüte (1 Staubblatt und 1 Stempel); in dem Laubsprosse 
die grossen Lufthöhlen, welche dem Sprosse das buckelige Ansehen geben; E 1 die 
grundständigen Samenanlagen. Stark vergrössert. 



Jimcaceae. 265 

Gattung 134: Spirodela Schleicher, Spirodele. (XXI, 1.) 

Sprosse ei- bis kreisrund, 6 bis 8 mm gross, ziemlicli dick aber 
beiderseits flach; jeder Spross mit einem Büschel Wurzeln. %■. Blütezeit 
Mai. In Teichen und stehenden Gewässern; zerstreut. (Lemna polyrrhiza L.) 
Sp. polyrrhiza Schleicher, Yiel wurzelige Spirodele. 



26. Familie: Jimcaceae, Binsengewächse. 

Die Binsen sind niedrige, gras- oder „binsen" artig aussehende, meist 
ausdauernde, seltener einjährige Kräuter mit rasenbildendem oder kriechen- 
dem Wurzelstocke. Die Stengel sind stielrund, meist unverzweigt, ihrer ganzen 
Länge nach oder nur am Grunde beblättert und in ihrem Inneren schwammig- 
markig, oder ganz oder teilweise hohl (Mark fächerig unterbrochen). Die 
Laubblätter sind schmal, flach oder stielrund; sie umfassen den Stengel mit 
einer offenen oder geschlossenen Scheide. Der Blütenstand ist rispenartig; 
meist bildet er eine Spirre, d. h. die oberen Äste werden von den unteren 
üben'agt; zuweilen ist er in ein Köpfchen oder ein Büschel zusammengezogen. 
Die Zweige des Blütenstandes tragen an ihrem Grunde stets ein zweikieliges 
Grundblatt. Die Blüten stehen entweder nackt (d. h. ohne Vorblatt) in der 
Achsel ihres Deckblattes, oder aber sie besitzen Yorblätter, von denen die 
obersten unmittelbar unter der Blüte sitzen und so gleichsam einen zwei- 
blätterigen Kelch unter einer sechsblätterigen Blumenkrone darstellen. Die 
Blütenhülle besteht aus sechs, zwei sich dachziegelig deckenden Kreisen an- 
gehörenden Blättern; ihre meist braun oder schwarz gefärbten Blätter sind 
Grasspelzen ähnlich und wenigstens am Rande trockenhäutig; sie umgeben 
sechs, seltener drei, oft ihrem Grunde eingefügte Staubblätter nebst einem 
oberständigen Stempel. Letzterer besteht aus einem ein- bis dreifächerigen, 
ein- bis vielsamigen Fruchtknoten, einem deutlichen Griffel und drei faden- 
förmigen Narben. Windblüten, bei welchen Selbstbestäubung oft durch 
Fruchtblattvorreife unmöglich ist. Die Frucht ist eine ein- bis dreifächerige, 
dreiklappige, oder fachspaltige Kapsel. Die kleinen, dem Transport durch 
die Luft angepassten Samen enthalten in einem dichten, fleischigen Eiweiss 
einen geraden Keimling. 

Hierher 2 Gattungen: 

1. Blattscheiden offen; Blätter kahl. Kapsel drei- oder einfächerig, viel- 
samig, fachspaltig. Gattung 135: JuncilS L., Binse. 



266 Juncaceae. 

2. Blattscheiden geschlossen; Blätter fast immer behaart. Kapsel ein- 
fächerig, dreisamig, dreiklappig. Gattung 136: Luzula De CandoUe, 
Hainsimse. 

Gattung 135: Juncus L., Binse. 

Die Binsen zerfallen (nach Buchenau) zunächst in 6 Untergattungen 
oder Rotten. 

A. Blüten mit Vorblättern. 

I. Die Pflanze hat blühende und nichtblühende, stielrunde Sprosse. Die nicht- 
blühenden Sprosse sind an ihrem Grunde von einer unbestimmten 
Anzahl scheidenartiger, meist spreitenloser Blätter (Niederblätter) um- 
geben und tragen ausser diesen ein einziges, stengelartiges (halm- 
ähnliches), stielrundes, mitunter am oberen Ende etwas rinniges 
Laubblatt; letzteres gleicht einem unfruchtbaren Halm und ist daher 
auch als solcher beschrieben worden. 1. Untergattung: Juiici 
genuini, Echte Binsen. 

IL Die nichtblühenden Sprosse haben ausser scheidenförmigen, spreiten- 
losen Niederblättern flache oder rinnige Laubblätter. Halmähnliche 
Blätter (unfruchtbare Halme) kommen nicht vor. 2. Untergattung: 
Junci poiophylli, Krautblätterige Binsen. 

B. Blüten ohne Vorblätter, nackt in der Achsel ihrer Deckblätter. 
I. Laubblätter flach oder rinnig. 

a. Same ohne Anhängsel. Blüten dreimännig. 3. Untergattung: 
Junci graminifolii, Grashlätterige Binsen. 

b. Samen geschwänzt oder feilspanartig. Blüten sechsmännig. 4. Unter- 
gattung: Junci ali)iui, Alpenhinsen. 

n. Laubblätter stielrund oder von der Seite zusammengedrückt (bei 
J. supinus Mönch, borstlich-rinnig). 

a. Blätter röhrenartig-hohl und durch markige Querwände in Fächer 
geteilt; nach dem Trocknen fast immer äusserlich knotig-gegliedert. 
5. Untergattung: Junci septati, Grefächertblätterige Binsen. 

b. Blätter durchweg markig. 6. Untergattung: Junci tlialassici, 
Seel)insen. 

1. Untergattung: Junci genuini, Echte Binsen. 

A. Blütenstand endständig. — Wurzelstock kriechend. Halm stielrund, 
15 bis 30 cm hoch, an seinem Grunde mit stechend-spitzigen Scheiden 
besetzt, in einiger Entfernung unter dem Blütenstande ein diesen über- 



Juncaceae. 267 

ragendes Laubblatt tragend. Halmähnliclie Blätter pfriemlich zugespitzt, 
meist höher als die blühenden Halme. Blütenstand köpfchenartig, 
4- bis 10 blutig. Blütenhüllblätter spitz-lanzettlich, glänzend - schwarz- 
braun, halb so lang wie die ausgerandete Kapsel. Staubfäden etwa halb 
so lang wie die Staubbeutel. Blütezeit Juni, Juli. %. VI, 1. Auf 
feuchten Alpenwiesen. Juncus Jacqiiini L., Jacquins Binse. 

B. Blütenstand trugseitenständig, d. h. ein unter ihm befindliches Blatt, 
Hüllblatt, steht aufrecht und erscheint, indem es ihn auf die Seite 
drängt, als Fortsetzung des Halms. 

I. Kapsel vollkommen dreifächerig. 

a. Blüten mit 6 Staubblättern. VI, 1. 

1. Das Mark der Halme fehlt ganz oder ist fächerig unterbrochen. 
a. Stenge] röhrig, mit gefächertem Mark. — Wurzelstock kriechend. 

Halm graugrün, gerillt, an seinem Grunde ziemlich hoch mit 
dunkel -purpurroten Blattscheiden besetzt. Das die lockere 
Spirre hoch überragende Hüllblatt biegt sich nach dem Ab- 
blühen seitwärts. Vorblätter der Blüte hellbraun. Blüten- 
hüllblätter lanzettlich, spitz. Kapsel an ihrer Spitze ab- 
gerundet und meist zugespitzt, glänzend-braun. Blütezeit 
Juni, August. %. Höhe 30 bis 60 cm. An Gräben, auf 
feuchten Triften; häufig. J. glaucus Ehrhart, Blaiigrüne 
Binse. 

Eine Form mit sehr ausgebreiteter Spirre, deren äussere 
Äste sich sprossend verlängern, ist die an der Küste des 
Adriatischen Meeres vorkommende J. paniculatus Hoppe, 
Rispenblütige Binse. 
ß. Stengel einfach, ohne Mark, ganz hohl, röhrenförmig. — 
Blüten in einer vielblütigen , zusammengesetzten Trugdolde. 
Blattscheiden, Blütenhülle und Kapsel braun. Blütezeit Juni, 
Juli. 4. Höhe bis 60 cm. An feuchten Orten in Thüringen; 
sehr zerstreut und selten. 3, flsiulosus Gussone, Röhrige 
Binse. 

2. Der Stengel ist dicht mit Mark angefüllt. Halme grasgrün. 
Blattscheiden dunkel-purpurrot. Kapsel verkehrt-eiförmig, stumpf, 
stachelspitzig. Hält im übrigen die Mitte zwischen seinen 
Stammeltern. 21.. Höhe 30 bis 60 cm. In Gräben; selten. 
(J. communis X glaucus E. Meyer; J. diffusus Hoppe.) J. glauco 
X eifusus, Schnitzlein und Frickh. 



268 Juncaceae. 

b. Blüten mit 3 Staubblättern. III, 1. (J. communis E. Meyer; 
J. laevis Wallrotli.) 

1. Griffel in eine Grube des Fruchtknotens eingesenkt. — Wurzel- 
stock kriechend. Halm stielrund, glatt, in trockenem Zustande 
fein gerillt, dunkelgrün. Blattscheiden gelb-braun. Spirre viel- 
blütig, flatterig-ausgebreitet. Blütenhüllblätter lanzettlich, sehr 
spitz. Blütezeit Juni, Juli. 4. Höhe 30 bis 60 cm. An feuchten, 
sumpfigen Orten; häufig. Juiicus eifiisiis L., Flatterige Binse.*) 

2. Griffel auf einem Buckel des abgestutzten Fruchtknotens sitzend. 
— Wurzelstock kurz-kriechend. Halm stielrund, gerillt, grau- 
grün, glanzlos. Blattscheiden gelbbraun. Spirre gedrungen, 
selten locker. Blütenhüllblätter lanzettlich, sehr spitz. Blütezeit 
Mai, Juni. 4. Höhe 30 bis 60 cm. An feuchten, namentlich 
sandigen und sumpfigen Orten; häufig. (J. conglomeratus Auct.) 
J. Leersii Marsson, Leers' Binse. 

IL Kapsel unvollständig-dreifächerig. 

a. Kapsel fast kugelig, glänzend olivenbraun. Griffel fast fehlend. — 
Wurzelstock kriechend. Halm fadenförmig, glatt, in trockenem 
Zustande gerillt, steif aufrecht, bisweilen überhängend; blassgrün; 
Mark nicht gefächert. Hüllblatt so lang oder länger wie der Halm. 
Spirre doldenartig, wenig- bis 7 blutig. Blütenhüllblätter bleich- 
grün oder hellbraun, lanzettlich, spitz, etwas kürzer als die Kapsel. 
Staubblätter meist 6. (VI, 1; seltener III, 1.) Blütezeit Juni, 
Juli. 4. Höhe 40 bis 60 cm. An sumpfigen Orten, namentlich 
auf höheren, seltener mittleren Gebirgen. J. fiHformis L., 
Fadenstengelige Binse. 

b. Kapsel deutlich dreikantig, schwarzbraun. Griffel vorhanden. 
Blätter des äusseren Kreises der Blütenhülle stachelspitzig, des 
inneren stumpf lieh 

1. Blütenstand eine zusammengesetzte, vielblütige Spirre. Blüten- 
hülle hellbraun. — Wurzelstock kriechend. Halme glatt, in 
trockenem Zustande schwach-gerillt, grasgrün; Mark nicht ge- 
fächert. Staubblätter 6 (VI, 1). Kapsel länglich, stumpf, stachel- 
spitzig, etwas länger wie die Blütenhülle. Blütezeit Juli, 
August. 4. Höhe 30 bis 60 cm. Am Strande von Nord- und 
Ostsee. J. balticus Willdenow, Baltische Binse. 



*) TafelA. Juncus effusus L. A blühende Pflanze; AI Teil der Spirre; A2 
Staubblatt; A3 Stempel; A4 geschlossene, A5 aufgesprungene Frucht: A6 Same. 
1 bis 6 vergrössert. 



Juncaceae. 269 

2. Blütenstand doldentraubig, wenig- (3- bis 10-, meist 7-) blutig. 
Blutenhülle scliAvarzbraun. — Wurzelstock kriechend. Halm 
glatt, in trockenem Zustande schwach-gerillt. Kapsel stumpf- 
eiförmig, stachelspitzig. Blütezeit Juli. 4. Höhe 15 bis 20 cm. 
In hohen Alpenthälern auf Glimmerschiefer; selten. Junciis 
arcticiis Willdenow, Polar-Binse. 

2. Untergattung: Junci poiphylli, Kräuterblätterige Binsen. 

A. Halm ein- bis dreiblütiff. Same mit einem Anhäno^sel, 

1. Spreiten der grundständigen Blattscheiden wenigstens halb so lang 
Avie der Halm. Kapsel länglich. — Wurzelstock kurz - kriechend. 
Halme rasenförmig - beisammenstehend. Halmständige Blätter sehr 
lang, die Blüten überragend. Blütenhülle so lang wie die Kapsel; 
bräunlich, weissrandig. Staubblätter 6 (VI, 1). Blütezeit Juli, 
August. 4. Höhe 10 bis 20 cm. Auf feuchten Steintriften der Kalk- 
alpen. J. Hostii Tausch, Hosts Binse.*) 

2. Spreiten der grundständigen Blattscheiden sehr kurz. Kapsel eiförmig. 
— Im übrigen der vorigen überaus ähnlich. Blütezeit Juni bis 
August. 4. Höhe etwa 15 cm. An feuchten Orten der Alpen und 
der höheren Gebirge Süddeutschlands. J. trifldus L., Dreiteilige 
Binse. 

B. Blütenstand eine zusammengesetzte Spirre. Same ohne Anhängsel. 

I. Halm nur am Grunde von Blattscheiden umgeben, sonst (von der 
Hülle der Spirre abgesehen) blattlos. 

1. Hülle der Spirre sehr kurz, diese nicht überragend. Staubfäden 
nur den vierten Teil so lang wie die Staubbeutel. Blütenhüllblätter 
so lang wie die Kapsel. — Wurzelstock nicht kriechend. Halm 
etwas kantig. Blätter zahlreich, grundständig, kaum halb so lang 
wie der Halm, schmal linealisch, fast borstlich, oberseits rinnig, 
starr, sparrig- abstehend, weisslichgrau - grün. Spirre endständig, 
nicht stark verzweigt, mit ebensträussigen Ästen. Blütenhüllblätter 
eilanzettlich, spitz oder stumpflich, braun, hell-hautrandig, so lang 
wie die Kapsel. Letztere verkehrt- eiförmig, stumpf, stachelspitzig. 
Blütezeit Juli, August. (VI, 1.) 4. Höhe 20 bis 30 cm. An 
torfigen Orten, auf Heiden in Nord- und Mitteldeutschland ver- 



*) Tafel 105 B. Juncus Hostii Tausch. B blühende Pflanze; Bl Blüte; B 2 
Frucht mit den Blütenhüll- und den Vorblättem; B3 Fruchtklappe. 1 bis 3 ver- 
ffrössert. 



270 Juncaceae. 

breitet; auf den höheren Gebirgen häufig, in den Alpen selten. 
Jiinciis sqarrosus L., Sparrige Binse. 

2. Hülle der Spirre sehr lang, diese meist überragend. Staubfäden 
länger als die Staubbeutel. Blütenhüllblätter etwas länger wie die 
Kapsel. — Wurzelstock kurz, ein- oder wenighalmig. Halme 
steif- aufrecht, ein wenig zusammengedrückt, 15 bis 25 cm hoch. 
Blätter zahlreich, grundständig, aufrecht, viel kürzer als der Halm. 
Blütenhüllblätter bleichgrün, etwas länger wie die Kapsel; letztere 
eiförmig -länglich, mit kurzer Spitze. (VI, 1.) Blütezeit Juni, 
August. 4. An Wegen, auf Triften, in Wäldern; sehr zerstreut, an 
ihren Standorten aber gesellig. J. temiis Willdenow, Zarte 
Binse. 
n. Der Halm ist, abgesehen von grundständigen Blattscheiden und der 

Hülle der Spirre, beblättert. 

A. Wurzelstock kriechend, 4. Blütenhüllblätter eiförmig-länglich, 
sehr stumpf. 

1. Blütenhüllblätter und Griffel halb so lang wie die fast kugelige, 
kastanienbraune Kapsel. — Halm aufrecht, am Grunde schwach 
zusammengedrückt, mit einigen fast grundständigen, kurzen 
Blättern und mit einem (selten 2) in seiner Mitte sitzenden, 
linealischen, rinnigen Blatte. Grundständige Blätter borstlich, 
linealisch, rinnig. Spirre gipfelständig, zusammengesetzt, von 
ihrem Hüllblatte meist überragt. Blütenhüllblätter grünlich, 
bei der Reife kastanienbraun, mit grünem Kiele, breit- weiss- 
hautrandig. Narbe hellrot. Blütezeit Juli, August. Höhe 
15 bis 30 cm. VI, 1. Auf nassen Triften und Wiesen, an 
Ufern und an dem Meeresstrande; häufig. (J. bulbosus Auct.) 
J. conipressus Jacquin, Zusammengedrückte Binse. 

2. Blütenhüllblätter und Griffel fast so lang wie die länglich- 
eiförmige, fast dreiseitige, braune Kapsel. — Der vorigen sehr 
ähnlich, doch zarter. Halm fast stielrund. Narben dunkelrot. 
Blütezeit Juni bis August. Am Meeresstrande und an salzigen 
Orten des Binnenlandes; ziemlich selten. (J. bottnicus Wahlen- 
berg.) J. Gerardi Loiseleur, Gerards Binse. 

B. Wurzel rasig, ©. Blütenhüllblättter eiförmig-lanzettlich, zugespitzt 
bis stachelspitzig. 

1. Blütenhüllblätter eben so lang wie die Kapsel. 

a. Äste des Blütenstandes meist abstehend. Narbe pinselförmig. 
Kapsel rundlich, sehr stumpf, dunkelbraun. — Halme auf- 



Juncaceae. 271 

recht oder bogig-abstehend, mit verlängerten, zweispaltigen 
Asten und 1 bis 2 borstlichen, am Grunde rinnigen Blättern. 
Spirre von ihrer Hülle nicht überragt. Blüten einzeln, von 
einander entfernt. Blütenhüllblätter ei-lanzettlich, spitz, etwas 
stachelspitzig, braun. Blütezeit Juni, August. VI, 1. Höhe 
8 bis 15 cm. An sandigen, feuchten, namentlich salz- 
haltigen Orten; sehr zerstreut. Jimcus Teuageia Ehrhart, 
Sand-Binse. 

ß. Aste des Blütenstandes aufrecht. Narbe fadenförmig. Kapsel 
länglich-stumpf, rotbraun. — Sonst wie J. bufonius L., von 
der sie eine Abart, var. facicu latus Koch, sein soll. Auf 
salzhaltigem Boden. J. ranarius Perrier und Songeon, 
Frosch-Binse. 
2. Blütenhüllblätter beträchtlich länger als die Kapsel. 

a. Kapsel länglich-stumpf, rotbraun. — Halm mit verlängerten, 
zweispaltigen, zum Teil abstehenden Asten; an seinem Grunde 
mit mehreren borstlichen Blättern. Hülle der Spirre von 
dieser überragt. Blütenhüllblätter schmal-lanzettlich, sehr 
spitz, weisslich oder bleich-grünlich. Narbe fadenförmig. 
Blütezeit Juni, August. VI, 1. Höhe 5 bis 25 cm. An 
feuchten Orten gemein. J. l)ufonius L., Kröten-Binse.*) 
Vielleicht eine Abart, deren äussere Blütenhüllblätter 
so lang oder wenig länger, deren innere etwas kürzer als 
die länglich-stumpfe, rotbraune Kapsel sind, ist (var. facicu- 
latus Koch) J. ranarius Perrier und Songeon, Froscii- 
Binse. 

ß. Kapsel fast kugelig. Halm nur ein- bis zweiblätterig. Blüten - 
hüUblätter länglich-lanzettlich. — Im übrigen der Kröten - 
Binse gleich und daher auch als deren Form an- 
gesehen. Blütezeit Juni, JuH. An feuchten Orten; zer- 
streut und selten. J. sphaerocarpus Nees, Kugelfrüchtige 
Binse. 

3. Untergattung: Junci graniinifolii, Grasblätterige Binsen. 

a. Blütenhüllblätter ei-lanzettlich, haarspitzig, länger als die Kapsel, erst 
weisslich, dann rotbraun. — Rasig. Halm borstlich, blattlos (ab- 
gesehen von der Hülle der Spirre). Blätter grundständig, borstlich, 



*) Tafel 106 A. Juncus bufonius L. A blühende Pflanze; A 1 Aufgesprungene 
Kapsel in der Blutenhülle; A2 desgl. ohne die Blütenhülle. 1 und 2 vergrössert. 



272 Juncaceae. 

am Grunde rinnig. Blüten zu o bis 10 in Köpfchen zusammen- 
gedrängt. Köpfchen endständig, überragt von einem Hüllblatte; nicht 
selten finden sich neben diesem Köpfchen noch 1 bis 2 gestielte 
Köpfchen vdr. Blütenhüllblätter eilanzettförmig-haarspitzig, länger 
als die Kapsel, erst weisslich, zuletzt rotbraun. Staubblätter 3 (III, 1). 
Kapsel eiförmig, stumpf, braun. Blütezeit Juni bis August. 4. Höhe 
5 bis 10 cm. Auf sandigen, feuchten Ackern und Triften; selu' zer- 
streut. Juncus capitatus Weigel, Kopf blutige Binse.*) 
b. Blütenhüllblätter breit-lanzettlich, kürzer als die längliche, stumpfe, 
stachelspitzige Kapsel, erst grünlich, zuletzt rotbraun, — III, 1. Hier- 
hier die Sumpfbinse, die zu den Gefach ertblätterigen (5. Unter- 
gattung) gehört, bei welcher aber die Fächerung des Blattes oft un- 
deutlich ist oder gar fehlt. J. supiuus Mönch, Niederliegeiide 
oder Sumpfbinse. 

4. Untergattung: Junci alpini, Alpenbinsen. 

A. Wurzelstock kurz, keine Ausläufer treibend. 

1. Halm an seinem Grunde mit Blattscheiden, die in kurze, rinnige 
Spreiten auslaufen; sonst blattlos, borstlich, 8 bis 12 cm hoch, Blüten 
2 bis 4, meist 3, in einem, von rostbraunen Hüllblättern umgebenen, 
endständigen Köpfchen. Blütenhüllblätter länglich, ziemlich stumpf, 
braun; Staubfaden viermal so lang wie der Staubbeutel. Kapsel um- 
gekehrt-eiförmig, stachelspitzig Blütezeit Juli, August. VI, 1, 4. 
Auf nassen, moorigen Alpentriften, J. triglumis L., Dreiblütige, 
Dreispelzige Binse. 

2. Halm ausser den grundständigen Blattscheiden und der Hülle des 
Blütenstandes noch mit einem oder mit zwei, selten drei, fast stiel- 
rund-borstlichen, obersei ts rinnigen Blättern besetzt. — Halm fein, 
10 bis 15 cm hoch. Blüten meist in einem endständigen, selten in 
2 bis 3 übereinandersteheuden Köpfchen. Letztere 2- bis 3 blutig, 
von ihrer Hülle meist überragt. Blütenhüllblätter spitz, bleichgrün- 
lich, kürzer als die Kapsel; letztere länglich, zugespitzt. Staubfäden 
mehrere Male länger als der Staubbeutel. VI, 1. Blütezeit Juli, 
August. 4, In Torfsümpfen und Mooren der Alpen und Voralpen. 
J. stygius L., Moor-Binse. 



*) Tafel 106 B. Juncus capitatus Weigel. B blühende Pflanze, grosses 
Exemplar; B 1 Blüte; B 2 Staubblätter und Stempel; B3 Frucht in der Blütenhülle. 
1 bis 3 vergrössert. 



Juncaceae. 273 

B. Wurzelstock Ausläufer treibend. — Halm steif, 8 bis 12 cm hoch. 
Grundblätter pfriemlich, oberseits etwas flach. Blüten meist in einem 
endständigen, seltener in 2 bis 3 überein andersteh enden Köpfchen. 
Köpfchen wenigblütig. Blütenhüllblätter kastanienbraun, lanzettlich, 
spitz. Staubfäden mehrere Male länger als die Staubbeutel. Kapsel 
länglich, spitz. Blütezeit Juli. VI, 1. 4. Auf feuchten Wiesen und 
Geröll der höchsten Alpen. Juncus castaneus Smith, Eastanien- 
brauiie Binse. 

5. Untergattiiug: Jnnci septati L., Oefäehertblätterige Binsen. 

A. Kapsel dreifächerig. — Wurzelstock ausdauernd, kriechend. Halm an 
seinem Grunde mit einigen spreitenlosen Scheiden, oberwärts mit 2 bis 3 
von einander entfernt stehenden, stielrunden, gefächerten Blättern. Spirre 
mehrfach -zusammengesetzt, sehr reichblütig, ausgebreitet, mit zurück- 
gebrochenen Asten, von den Hüllblättern nicht überragt; Blüten zunäckst 
in kleinen Köpfchen. Blütenhüllblätter gleichlang, länglich, stumpf, 
bleich, so lang wie die eirunde, dreiseitige, zugespitzte Kapsel. Blüte- 
zeit Juli, August. 4. VI, 1. Höhe 50 bis 100 cm. Auf Torfmooren, 
in Sumpfwiesen, an Gräben; im Norden selten, im Süden häutiger. 
J. oMusiflorus Ehr hart, Stumpf blutige Binse. 

B. Kapsel einfächerig. 

I. Blüten dreimännig, III, 1. 

a. 4. Blütenhüllblätter einander gleichlang, erst grünlich, dann braun, 
mit bleichem Rande, kürzer als die längliche, stumpfe, stachel- 
spitzige Kapsel. — Wurzelstock kriechend. Halme fadenförmig, 
schlaff, oft liegend und wurzelnd oder flutend. Blätter borstlich, 
oberseits rinnig; Mark durch nur schwache Querwände, mitunter 
gar nicht gefächert. (Vergl. 3. Untergattung, b.) Blüten in wenigen 
Köpfchen, die eine kleine Spirre bilden, oft verlaubend. Blütezeit 
Juli, August. Höhe (Länge) 5 bis 20 cm. In Sumpfgräben und 
auf torfigen Wiesen ; verbreitet; in der Schweiz selten. (J. sub- 
veiiicillatus Wulfen.) J. supinns Mönch, Niederliegende oder 
Sumpf-Binse. 

Besondere Fonnen sind: 

1. uliginosus Roth (var. repens), Schlamm-Sumpf-Binse; Halm 
niederliegend, kriechend und wurzelnd: auf schlammigem Boden. 

2. fluitans Lamarck, Flutende Sumpf-Binse. Halm verlängert, 
flutend. 

Thom6, FlOTa. U.Aofl. Jg 



27:4 Juncaceae. 

3. nigritellus Koch (J. Kochii P.Schultz). Schwärzliche Sumpf- 
Binse. Kapsel an der Spitze etwas eingedrückt. 
b. 0. Innere Blütenhüllblätter stumpf, kaum so lang, äussere sehr 
spitz, länger als die ei-längliche, spitze, dreikantige Kapsel; alle 
bräunlich, — Rasig. Halm borstenförmig, aufrecht, 5 bis 10 cm 
hoch. Blüten in wenig- (3- bis 9-) blutigen Köpfchen; letztere 
stehen endständig-einzeln oder eines ist sitzend und die anderen 
(1 bis 3) sind langgestielt. Blütezeit Juni, August. In feuchtem 
Sand am Meeresstrande in Schleswig; selten. Juncus pygmaeus 
Thuillier, Zwerg-Binse, 
n. Blüten sechsmännig (VI, 1). 2i. 

a. Blütenhüllblätter einander gleichlang. 

1. Blätter an den Scheiden scharf -gekielt. Blütenhüllblätter ab- 
gerundet, unter der Spitze kurz-stachelspitzig, dunkel-braunrot; 
kürzer als die ei-längliche, stachelspitzige, schwarzbraune Kapsel. 
— Halm, abgesehen von den grundständigen Scheiden, zw^i- 
blätterig. Spirre zusammengesetzt, mit zahlreichen (auf den 
Alpen nur 2 bis 4), kleinen Bltttenknäueln, ihre Hülle über- 
ragend. Blütezeit Juli, August. Höhe bis 30 cm. Auf 
sumpfigen Wiesen und Torfboden, namentlich in Süd- und 
Mitteldeutschland; zerstreut. (J. fuscoater Schreber; J. ustulatus 
Hoppe.) J. alpinns Villars, Schwarzbraune Binse. 

2. Blätter glatt, an den Scheiden nicht gekielt, Blütenhüllblätter 
braun, kürzer als die eilängliche, stachelspitzige, glänzend-dunkel- 
braune Kapsel; äussere kurz -stachelspitzig, innere stumpf. — 
Halm mit 2 bis 3 Blättern, mitunter aufsteigend; wie die Blätter 
zusammengedrückt, Blüten in kleinen Knäueln; Spirre doppelt- 
zusammengesetzt, abstehend bis sparrig, Blütezeit Juli, August. 
Höhe 30 bis 100 cm. An Gräben, Bächen, auf sumpfigen 
Wiesen. (J. articulatus a. L.) J. lamprocarpus Ehr hart, 
Glanzfrüchtige Binse.*) 

b. Innere Blütenhüllblätter länger als die äusseren. 

1, Blütenhülle braun (im Schatten mitunter grünlich), kürzer als 
die Kapsel, — Halm glatt, steif-aufrecht, meist mit 3 Blättern. 
Blüten in kleinen Knäueln; Spirre doppelt -zusammengesetzt, 



•) Tafel 107. Juncus lamprocarpus Ehrhart. A blühende Pflanze; AI 
Halmstück mit Blattansatz;' A2 Fruchtstand; A3 aufgesprungene Kapsel. 1 bis 3 
vergrÖBsert. 



Juncaceae. 275 

■ locker, nur wenig sparrig. Blütenhüllblätter lanzettlich , fein- 

zugespitzt, mit nach aussen gebogener Spitze. Blütezeit Juli, 
August. Höhe 30 bis 100 cm. An Gräben und feuchten Orten, 
besonders im Walde; im südlichen und mittleren Teile des Ge- 
bietes häufiger als im nördlichen, namentlich häufig in den 
Alpen. (J.]acutiflorus Ehrhart; J. articulatus var. y. L.) Juncus 
silvaticus, Wald-Binse. 
2. Blütenhülle glänzend schwarz, so lang wie die Kapsel. — Im 
übrigen der vorigen sehr ähnlich, nur hat die iSpirre meist 
weniger Blütenknäuel. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 
100 cm. In Gräben und Sümpfen des nördlichen Teiles des 
Gebietes und in Kärnten.. J. atratus Krocker, Schwarz- 
blütige Binse. 

Bei der Form (J. melanthus Reichenbach) J. septangulus 
Petermann, Kiefenstengelige-Schwarzblütige Binse ist der 
Halm der lebenden Pflanze feingerillt. 

6. Untergattung: Junci thalassici, Seebinsen. 

A. Spirre trugseitenständig. 

1. Kapsel eiförmig, dreifächerig, etwa so lang wie die Blütenhülle. — 
Wurzelstock kriechend. Halm stielrund, starr, pfriemenförmig, blatt- 
los, nur an seinem Grunde mit rötlich-bescheideten Blättern. Halm- 
ähnliche Blätter stechend. Unterstes HüUblatt der Spirre steif-auf- 
recht, diese überragend. Spirre trugseidenständig, ausgebreitet, auf- 
recht. Äussere Blütenhüllblätter lanzettlich-spitz, innere umgekehrt- 
eiförmig, stumpf. Samen mit halbmondförmigem Anhängsel. Blüte- 
zeit Juli, August. VI, 1. Höhe 30 bis 100 cm. 4. An feuchten, 
sumpfigen Stellen der Nord- und Ostseeküste. J. maritlmus La- 
marck, Meerstrands-Binse. 

2. Kapsel unvollständig dreifächerig, fast doppelt so lang wie die Blüten- 
hülle. — Hülle der Spirre flach und breit, diese weit überragend. 
Spirre kopfig-gedrungen. Äussere Blütenhüllblätter eiförmig, zuge- 
spitzt, innere eiförmig, sehr stumpf, an der Spitze ausgerandet. Kapsel 
zugespitzt. Blütezeit Mai, Juni. VI, 1. Höhe bis 100 cm. 4. An 
der Küste des Adriatischen Meeres. J. acutus L., Scharfe Binse. 

B. Spirre deutlich endständig. Hierher (vergl. 4. Untergattung) J. castaneus 
Smith, Kastanienbraune Binse. 

Gattung 136: Luzula De C and olle, Hainsimse, Marbel. 

A. Die Samen haben an ihrer Spitze ein grosses, dem Samen an Länge 
ganz oder fast gleichkommendes, selbst ihn übertreffendes, gerades, 

18* 



276 Juncaceae. 

sichel- oder kammförmiges Anhängsel. Die Blüten stehen in der Regel 
einzeln, selten bis zu dreien zusammengeknäuelt in einer doldenähnliehen 
oder ebensträussigen, meist einfachen SpiiTe. 
I. Samenanhängsel sichelförmig gekrümmt. 

1. Wurzelstück rasig, ohne Ausläufer. Unterste Blätter lanzettlich. 
Obere Blütenäste nach dem Verblühen meist zurückgeschlagen. 
Blütenhülle dunkelbraun, weissrandig. — Behaart; Blätter am Rande 
gewimpert. Spirre mit kurzem, lanzettlichem Hüllblatt. Blütenhüll- 
blätter aus breitem Grunde spitz zulaufend, kürzer als die eiförmige^ 
spitze Kapsel. Blütezeit April, Mai. VI, 1. Höhe 15 bis 30 cm. 
In Gebüschen und Wäldern häufig. (J. vernalis Ehrhart.) Luziila 
pilosa Winden ow, Haarige Marlbel.*) 

2. Wurzelstock mit Ausläufern. Blätter linealisch, in eine kurze 
Spitze zusammengezogen; Blüten und Fruchtäste aufrecht. Blüten- 
hülle hell-gelbbraun, zur Blütezeit glänzend-strohgelb. - — Schwach 
behaart; Blätter zur Fruchtreife langhaarig, am Rande schwach 
gewimpert. Spirre meist einfach doldenartig, von kleinen, sichel- 
artig-gekrümmten Hüllblättern gestützt. Blütenhüllblätter lanzett- 
lich, lang zugespitzt, äussere stachelspitzig, fast so lang wie die 
eiförmige, stachelspitzige, dreikantige, glänzende Kapsel. Blütezeit 
Juni, August. VI, 1, Höhe 20 cm. 2|.. In Bergwäldern der 
Alpen und des Jura. L. flavesceus Gaudin, Gelbliche Marbel. 

H. Samenanhängsel gerade. — Rasig. Unterste Blätter linealisch, lang- 
behaart, am Rande schwach-gewimpert. Rispe einfach, mit aufrecht- 
stehenden Asten, zuweilen von ihrer HüUe überragt. Blütenhüllblätter 
braungelb, lanzettlich, stachelspitzig, so lang wie die eiförmige, zu- 
gespitzte, dreikantige Kapsel. Blütezeit Juni, Juli. VI, 1. Höhe 15 
bis 30 cm. 4. In Wäldern der westlichen Alpen und Voralpen; im 
Gebiete des Rheins; zerstreut. L. Forsteri De Candolle, Forsters 
Marbel. 
B. (Vergleiche unter C). Die Samen haben gar kein, oder aber an ihrer 

Spitze ein sehr kleines Anhängsel. Der Blütenstand ist eine mehrfach 

zusammengesetzte Spirre. 

I. Die Spirre wird von ihrem Hüllblatte überragt. 



*) Tafel 108 A, Luzula pilosa Willdenow. A blühende Pflanze; AI nach 
dem Blühen zurückgeschlagener Rispenast, an dessen Grund das zweikielige Grund- 
blatt; A2 Blüte; A3 Blütenhüllblatt, Staubblatt, Stempel; A4 Frucht; A5 Frucht 
im Querschnitte, drei dui-chschnittene Samen zeigend; A 6 Same mit sichelförmigem 
Anhängsel, der Länge nach durchschnitten. 1 bis 6 vergrössert. 



Juncaceae. 277 

1. Staubbeutel fast sitzend. Die Blätter der beiden Blütenhüllki'eise 
sind einander fast gleich. Spirre locker-ausgebreitet. — Ausläufer 
fehlen. — Meist einhalmig. Blätter linealisch, am Rande behaart. 
Haupt-Blütenhüllblatt meist weit länger als die Spirre. Blüten 
büschelig, meist zu 4. Blütenhüllblätter spitz, gelblich - weiss 
(selten hellkupfer-rötlich, var. rubella Hoppe, Rötliche Marbel; 
oder schwarzbraun, var. fuligiiiosa Asche rson. Schwarzbraune 
Marbel), länger als die eiförmige Kapsel. Blütezeit Juni, Juli. 
VI, 1. Höhe 30 bis 60 cm. ^.. In Wäldern; in Norddeutschland 
selten; in Mittel- und Süddeutschland so wie auf den Alpen häufig 
bis gemein. (L. albida De Candolle; L. nemorosa E. Meyer: 
Juncus nemorosus var a. Pollich; J. angustifolius Wulfen; J. albi- 
dus Hoffmann.) L. angustifolia Garcke, Schmalblätterige 
Marbel.*) 

2. Staubfäden so lang wie die Staubbeutel. Die Blätter des äusseren 
Blütenhüllkreises sind grösser als die des inneren. Spirre büschelig- 
zusammengezogen. — Wurzelstock mit Ausläufern. Halm fein- 
gestreift. Blätter lineal-lanzettlich, am Rande zottig-behaart. Hüll- 
blatt der Spirre diese meist weit überragend. Blüten in den Spirren 
in vielblütigen Knäueln. Blütenhüllblätter glänzend-weiss, äussere 
fast doppelt so lang wie die kugelige, stachelspitzige, dreikantige 
Kapsel. Blütezeit Juni, Juli. VI, 1. Höhe bis 60 cm. 4. In 
Bergwäldern der Alpen und Voralpen. (Juncus niveus L.) L. nivea 
De Candolle, Schneeweisse Marbel. 

IL Die Spirre wird von ihren Hüllblättern nicht überragt. 

1. Der Blattrand ist seiner ganzen Länge nach gewimpert. Blätter 
breit, lineal-lanzettlich (bis 10 und mehr mm breit), spärlich be- 
haart. Spirre reich verzweigt, aus meist dreizälüigen Blütenbüscheln 
zusammengesetzt, von ihrer bräunlichen Hülle nicht überragt. 
Blütenhüllblätter spitz, braun, weisshautrandig, etwa so lang wie 
die eiförmige, glänzend-schwarzbraune Kapsel. Blütezeit April bis 
Juni. VI, 1. Höhe 30 bis 100 cm. 4. In feuchten Bergwäldeni ; 
im mittleren und südlichen Teile des Gebietes. (L. maxima 
De Candolle; Juncus silvaticus Hudson; J. maximus Reichard.) 
L. silvatica Gaudin, Wald-Marbel. 



*) Tafel 108. Fig. 7. Luzula angustifolia Garcke. Samen mit kleinem 
Ajih&ngsel auf dem Scheitel; natürL Grösse und vergrössert. 



278 Juncaceae. 

Eine Abart der Alpen und Voralpen mit stark behaarten 
Blättern, bei der die Blüten meist zu zweien stehen, ist var. 
angustifolia (L. Sieberi Tausch), Schmalblättige Wald-MarbeL 
2. Blattrand nicht gewimpert. 

a. Blätter am Ende der Blattscheide bärtig, sonst ganz kahl; 
linealisch-lanzettlich, sehr spitz. — Spirre höher als ihr Hüll- 
blatt, einer zusammengesetzten Dolde ähnlich. Blütenhüllblätter 
schwarzbraun, eiförmig, stachelspitzig, länger als die eiförmige, 
dreikantige Kapsel. Blütezeit Juni, Juli. VI, 1. Höhe bis 
30 cm. 4. In Wäldern und auf Triften der Alpen und Vor- 
alpen; ausserdem selten im Riesengebirge, Schwarzwald, auf den 
Vogesen. Luzula spadicea De C and olle, Brauntolütige 
Marlbel. 

Die Abart glabrata Hoppe (als Art), Kahle Marbel, hat 
einen etwas kriechenden Wurzelstock; ihre Blätter sind ganz 
kahl; die Spirre ist armblütig. 

b. Blätter ganz kahl. 

a. Blütenhüllblätter eiförmig, stachelspitzig, schwarzbraun, länger 
als die Kapsel. S. vorhin: L. spadicea De Candolle, var. 
glal)rata Hoppe, Kahle Marbel. 
ß. Blütenhüllblätter schmal-lanzettlich, stachelspitzig, am Rande 
gewimpert, gelb. — Blätter ziemlich breit, lanzettlich, so lang 
wie die eiförmige, kurzzugespitzte Kapsel. Spirre gabelig^ 
gedrungen, mit kurzem Hüllblatt. Blütezeit Juli. VI, 1. 
Höhe 15 cm. %. Auf Alpentriften der Schweiz und Süd- 
tirols. L. lutea De Candolle, Gelbe Marbel. 
C Die Samen haben an ihrem Grunde ein kegelförmiges Anhängsel. Die 
Blüten stehen in dichtgedrängten, kugeligen bis länglichen, ährenartig 
oder doldentraubig angeordneten Knäueln. 

I. Die Blütenknäuel sind zu einer einzigen, lappigen, überhängenden, 
länglichen oder walzenförmigen Scheinähre zusammengezogen. 
a. Blätter anfänglich an den Scheiden gewimpert, später kahl. Ver- 
stäubte Staubbeutel doppelt so lang wie die Staubfäden. Frucht- 
stand schwarzbraun. — Blätter borstlich, etwas rinnig. Blüten- 
hüllblätter schwarzbraun, lanzettlich, langzugespitzt, so lang wie 
die kugelig-eiförmige, glänzende Kapsel. Blütezeit Juni bis August. 
VI, 1. Höhe 15 bis 30 cm. Auf sonnigen Triften der Alpen, 
Voralpen, Sudeten und des Riesengebirges; selten. (Juncus spica- 
tus L.) L. spicata De Candolle, Ährentragende Marbel. 



I 



Juncäceae. 279 

b. Blätter anfänglich am Räude behaart, später kahl. Verstäubte 
Staubbeutel dreimal so lang wie die Staubfäden. Fruchtstand 
gelbbraun. Hierher eine Form der (siehe unten) Gemeinen Marbel: 
Luznla congesta Lejeune, Geknäuelte Marbel. 
IL Die Blütenknäuel sind doldentraubig angeordnet. 

a. Die Blätter der beiden Blütenhüllkreise sind einander gleichlang. 
— Wurzelstock mit kurzen Ausläufern. Blätter lanzettlich, flach, 
am Rande behaart, zuletzt kahl, etwa halb so lang wie der Halm. 
Blüten in kugeligen, teils sitzenden, teils gestielten und dann später 
nickenden, doldentraubig angeordneten Knäueln. Blütenhüllblätter 
eiförmig, zugespitzt, dunkel-kastanienbraun, kaum so lang als die 
stumpf kantige , zugespitzte Kapsel. Staubbeutel nach dem Ver- 
stäuben etwa dreimal so lang wie die Staubfäden. Blütezeit März 
bis Mai. VI, 1. Höhe 15 bis 25 cm. 21. Auf Triften, Wiesen, 
Heiden, in Wäldern; gemein. (Juncus campestris var. a. L.) 
L. campestris De Candolle, Gemeine Marbel.*) 

Besondere Formen sind: 

a. L. multiflora Lejeune (L. intermedia Spenner) Yielblütige 

Marbel. Blütenknäuelstiele aufrecht, nicht später nickend; 
Staubfäden etwa so lang wie die Staubbeutel. Höhe 30 bis 
60 cm. 
ß. L. congesta Lejeune, Oeknäuelte Marbel. Ährchen kurz- 
gestielt oder sitzend, in einen lappigen, gelbbraunen Knäuel zu- 
sammengeballt. In den Kalkalpen. 

y. L. alpina Hoppe, Alpen-Marbel. Ährchen kurzgestielt oder 
sitzend, in einen lappigen, schwarzbraunen Knäuel zusammen- 
geballt. In den Alpen. 

b. Die Blätter des äusseren Blütenhüllkreises sind länger als die des 
inneren. — Halm borstenförmig. Blätter lineal-lanzettlich. Spirre 
gedrängt, von ihrem untersten, lang-zugespitzten Hüllblatte an Höhe 
erreicht oder überragt, hell- oder dunkelbraun. Blütenhüllblätter 
eiförmig, lang- stachelspitzig, etwas länger als die Kapsel. Blüte- 
zeit März, April. VI, 1. Höhe 15 bis 30 cm. %. In Wäldern 
und auf Heiden der höheren Gebirge; in den Alpen selten. (J. su- 
deticus Willdenow.) L. sudetica Presl (Auct. helv.?), Sudeten- 
Marbel. 



*) 108B. Luzala campes^tris De Candolle. Bl Kapsel; B2 Same längs 
durchschnitten, mit einem Anhängsel am unteren Ende; B3 Same ganz. 1 bis 3 ver- 
grössert. 



280 Liliaceae. 

Besondere Formen sind: 

a. pallescenR Wahlen berg (als Art: Besser), Bleiche Sudeten- 
Marbel. Fruchtknäuel blassgelb. An dürren, sandigen Orten, 
in Heiden und Kiefernwäldern, im östlichen und südöstlichen 
Teile des Gebietes; nicht in den Alpen. 

ß. nigricans Desveaux (nicht Polil), Schwärzliche Sudeten - 
Marbel. Fruchtknäuel schwarzbraun. Lichte Waldstellen in 
dem Riesengebirge und in den Alpen. 



27. Familie: Liliaceae, Liliengewächsfi. 

Blüten meist zwitterig, mit 3-, selten 2- oder 4-gliederigen Kreisen; 
Blütenhüllkreise meist blumenkronenartig. Staubblätter so viel als Blüten- 
hüliblätter. Fruchtknoten obenständig, aus 3, selten 2 oder 4, ganz oder 
teilweise miteinander verbundenen Blättern gebildet. 

Die Blüten sind Pollenblumen, welche meist pollensammelnde oder 
pollenfressende Insekten anlocken, selten (Paris) als Täuschblumen, aas- 
liebende Fliegen anziehen. 
Die Einheimischen gehören 3 Unterfamilien an. 

a. Frucht eine Kapsel. 

a. Die Kapsel öffnet sich, indem sich die zwischen den einzelnen 
Kapselfächern befindlichen Scheidewände in ihrer Mitte durch- 
spalten und mit ihren Klappen abfallen. Die Staubbeutel öffnen 
sich meist nach aussen hin. 1. Unterfamilie: Melanthioideae, 
Zeitlosengewächse. 

ß. Die Kapsel öfftiet sich, indem die Kapselfächer in der Mitte ihrer 
Aussenwand aufspringen. Die Staubbeutel öffnen sich meist nach 
der Mitte der Blüte hin. 2. Unterfamilie: Lilioideae, Lilien- 
gewächse. 

b. Frucht einer Beere. 3. Unterfamilie: Asparagoideae, Spargelgewächse. 

1. Unterfamllie: Helanthioidese, Zeitlosen^rewächse. 

Ausdauernde, giftige oder verdächtige Kräuter mit Zwiebeln oder 
Knollen, selten mit faserig-büscheligen Wurzeln. Die Blüten stehen in 
Ähren, ährenförmigen Trauben, Ahrenrispen, Dolden oder Doldentrauben, 
selten einzeln; sie sind regelmässig und meist zwitterig. Die Blütenhülle 



Liliaceae. 281 

ist meist bluraeukronartig, sechsspaltig oder sechsblätterig; die sechs Staub- 
blätter sind dem Blütenboden oder dem Grunde der Blütenhülle eingefügt. 
Die Staubbeutel sitzen meist quer auf dem Staubfaden, sie öffiien sich meist 
mit 2 Längsspalten, selten sind sie nierenförmig und in der Reife einfächerig, 
dann springen sie mit einer an dem Scheitel vorbeigehenden Querspalte auf 
und breiten sich napfförmig aus (Veratrum). Der Fruchtknoten besteht aus 
3 mehr oder minder miteinander verwachsenen Fruchtblättern; er hat 
3 fadenförmige Griffel oder scheitelständige Narben. Die Frucht ist eine 
in ihre 3 Fruchtblätter scheidewandspaltig zerfallende Kapsel mit vielen 
Samen. Die Samen enthalten in fleischigem Eiweiss einen kleinen Keimling. 
Bei uns 4 Gattungen: 

A. Blütenhülle langröhrig, glockenförmig -trichterig mit sechs-zipfeligem 
Saume. Gattung 137: Colchicum L., Zeitlose. 

B. Blütenhüllblätter frei oder doch nur wenig miteinander verwachsen. 

a. Blütenhüllblätter langgenagelt; die Nägel sind röhrig angeordnet, die 
Platten stehen glockig- trichterförmig, jederseits haben sie an ihrem 
Grunde einen Zahn. Gattung 138: Bulbocodium L., Zwiebelglocke, 
Lichtblume. 

b. BlütenhüUblätter ausgebreitet. 

a. Die Staubbeutel sind nierenförmig und einfächerig; sie springen 
längs ihres Scheitels mit einer Querspalte auf und breiten sich zu- 
letzt napfförmig aus. Gattung 139: Teratrum Tournefort, 
Germer. 

ß. Die Staubbeutel sind länglich und springen der Länge nach auf. 
Gattung 140: Tofleldia Hudson, Tofleldie. 

Gattung 137: Colchicum L., Zeitlose. 

Knolle halb-eiförmig, auf ihrem Rücken gewölbt, auf der Vorderseite 
flach und von einer Furche durchzogen, in welcher der blühende Stenorel 
liegt, mit dem sie nur an ihrem Grunde in geringer Verbindung steht. Am 
Grunde des kurzen Stengels flndet sich ein Büschel faseriger Wurzeln: scheiden- 
formige Blätter, von denen die obersten in ihrer Achsel eine kaum gestielte 
Blüte tragen, umgeben ihn. Die Blütenhülle ist eine sehr lange, grössten- 
teils im Boden sitzende Röhre, deren oberer Saum in 6 Zipfel gespalten 
und trichterig-glockig erweitert ist. Die Staubblätter sind dem Grunde dieses 
Saumes eingefügt; die Staubbeutel sind am Rücken oberhalb ihres Grundes 
beweglich angeheftet. Der Fruchtknoten sitzt tief im Boden, er ist drei- 
facherig und enthält zahlreiche Samenknospen; die 3 Griffel sind fadenförmig 
und so lang, dass sich die auswärtsgekrümmten Narben etwa bis zu den 



282 Liliaceae. 

Staubbeuteln emporheben. (VI, 3.) Ausgebildete grüne Blätter sind zur 
Zeit der Blüte nur ausnahmsweise vorhanden, auch bildet sich im ersten 
Jahre die Frucht noch nicht aus; dies geschieht erst im folgenden. Dann 
wächst das Stengelglied zwischen dem ersten (untersten) und zweiten Blatte 
zu einer Knolle heran, die im nächsten Herbste den blühenden Stengel in 
ihrer Furche trägt und ernährt. Das Stengelglied zwischen dem zweiten 
und dritten Blatte verlängert sich und hebt die nun völlig zur Ausbildung ge- 
langenden Blätter so wie die Frucht über den Boden empor. Die alte Knolle 
stirbt ab und die Scheide des untersten Blattes wird zur braunen, die neue 
Knolle und den neuen Stengel einschliessenden Hülle. Die ausgebildeten 
Blätter sind scheidig- stengelumfassend, fleischig-krautig und länglich-lanzett- 
lich bis riemenförmig. Die Frucht ist eine aufgeblasene, in ihrer oberen 
Hälfte scheidewandspaltig aufspringende Kapsel. Die Samen sind dunkel- 
braun, grubig-punktiert, etwas schmierig, mit schwammigem Nabelwulst. Die 
Pflanze ist stark giftig; ihre Samen, Semen ColcMci, sind officinell. 

A. Äussere Blütenhüllzipfel verkehrt -eilänglich. Blütenhülle fleischfarbig. 
Blätter riemenförmig. Staubblätter abwechselnd länger. Blütezeit August 
bis Oktober. Fruchtzeit im nächsten Mai. Höhe 15 bis 20 cm. 2|.. 
Die Blüten sind erstweiblich, mit langlebigen Narben. Der Honig 
wird in dem Winkel zwischen der Blumenkrone und dem unteren freien 
Ende der Staubfäden, und zwar von letzteren ausgeschieden. Bei früh- 
zeitig eintretendem Insektenbesuche (Hummeln, Honigbienen) tritt Fremd- 
bestäubung ein, später Selbstbestäubung, doch ist letztere dadurch er- 
schwert, dass die Staubbeutel nach aussen aufspringen. Auf frucht- 
baren, namentlich feuchten Wiesen im südlichen und mittleren Teil 
des Gebietes häufig; im nördlichen selten. Colchicum autiimnale L., 
Herbst-Zeitlose.*) 

Selten gelangt die Pflanze im Frühjahre zur Blüte; diese ist dann 
auch meist kleiner und hat zur Aufstellung einer besonderen Art: 
C. yernum Schrank (C. vernale Hoffmann, C. praecox Spenner), Früli- 
lings-Zeitlose, geführt. 

B. Äussere Blütenhüllzipfel lineal-Iänglich ; Blätter lineal-länglich, stumpf; 
Staubblätter einander gleich lang. Im übrigen der vorigen ähnlich, doch 



*) Tafel 109. Colchicum autumnale L. A und B die beiden Teile einer 
blühenden Pflanze; C oberirdisches Stück einer fruchttragenden Pflanze; 1 Längsschnitt 
durch Knolle und den Grund eines blütetragenden Stengels; 2 auseinandergebreitete 
Blütenhülle mit den Staubblättern und Narben; 3 die Narben; 4 Staubblätter; 5 auf- 
gesprungene Kapsel; 6 Querschnitt durch die scheidewandspaltig aufspringende Kapsel; 
7 Same. 3, 4 und 7 (obere Figur) vergrössert. 



■.. Liliaceae. 28S 

in allen Teilen kleiner. Blütezeit Juli, August. Auf Alpen wiesen in 
Tessin und Wallis. Colchicum alpiniim De Cand olle, Alpen-Zeitlose. 

Gattung 138: Bulbocodium L., Zwiebelglocke, Lichtblume. 
; Hierher nur B. vernum L., Frühlings-Lichttolume. Die Pflanze hat 
ganz das Ansehen einer Zeitlose, aber die Blätter erscheinen im Februar 
und März gleichzeitig mit den rosenroten, selten weissen Blüten; die Blüten- 
hüllblätter sind langgenagelt, die Nägel röhrig angeordnet, und die jederseita 
mit einem Zahne versehenen Platten stehen glockig-trichterförmig; endlich 
sind die Griffel zu einem einzigen, oben dreispaltigen Griffel miteinander 
vereinigt. (VI, 1.) Höhe 12 bis 15 cm. 4. Auf Wiesen in Unterwallis. 

Gattung 139: Veratrum Tournefort, Germer. 

Wurzelstock fleischig, ausdauernd. Stengel beblättert, bis 1^/4 Meter 
hoch. Blätter breit, elliptisch, längsrippig und gefaltet; untere mit lang- 
stengelumfassender, stielartiger Blattscheide; obere lanzettlich bis lineal- 
lanzettlich, scheidenlos, sitzend. Blüten in endständiger, aus ährenartigen 
Trauben zusammengesetzter Rispe. Blütenhülle blumenkronartig, radförmig 
bis fast auf den Grund in 6 Zipfel geteilt, am Grunde mit den Staubfäden 
verwachsen. Untere Blüten zwitterig (VI, 1), obere meist männlich. Staub- 
beutel nierenförmig, in der Reife einfächerig, mit einer auswärts, unter dem 
Scheitel verlaufenden Querspalte napfförmig-aufspringend. Bestäuber sind 
kurzrüsselige Insekten, namentlich Fliegen. Frucht eine dreilappige, scheide- 
wandspaltig aufspringende Kapsel. Same ringsum geflügelt. Keim klein» 
von fleischigem Ei weiss umgeben 

A. Blätter auf der Unterseite flaumig. Blütenhüllzipfel länger als die 
Blütenstielchen; innen weiss, aussen an ihrem Grunde grünlich, mit 

' grünlichen Nerven. Blütezeit Juli, August. Höhe bis 100 und mehr cm. 
21-. Meist andromonöcisch mit Staubblattvorreife; Selbstbestäubung 
unvermeidlich. Auf Wiesen, an Ufern, in Alpen und den höheren 
Gebirgen, nicht selten. Giftig. Der Wurzelstock, Khizonia Teratri, 
ist officinell. Y. album L., Weisser Grermer, Niesswurz.*) 

Bei der Varietät viridiflorum Koch (V. Lobelianum Bernhardi; 
V. album var. virescens Gaudin), Grüntolütiger ^iesswurz, sind die 
Blüten beiderseits hellgrün. 

B. Blätter auf der Unterseite kahl. Rispenäste zottig-behaart. Blütenhüll- 
zipfel so lang wie das Blütenstielchen. Blütenhülle dunkelviolett. Blüte- 



*) Tafel 110. Veratrum album L. AB Teile der blühenden Pflanze ; 1 Blüten- 
ängsschnitt; 2 Staubblätter, a und b in verschiedenen Zuständen des Aufspringen»; 
3 Stempel; 4 noch unreife Frucht im Querschnitte; 5 Same. 1 bis 5 vergrössert. 



284 Liliaceae. 

zeit Juli, August. Höhe bis 1 Meter. ^. In den österreichischeu 
Alpen und in Tessin. Teratrum nigrnm L., Schwarzer Crermer. 

Gattung 140: Tofieldia Hudson, Tofildie 
Rasige Kräuter mit aufrechtem, einfachem, beblättertem Stengel und 
meist grundständigen, schmal-linealischen, steifen, schwertförmigen Blättern. 
Hüllblätter frei. Staubbeutel zweifächerig, nach innen aufspringend. Frucht- 
knoten dreifächerig, mit 3 Griffeln. Frucht eine vielsamige Kapsel. 

A. Blütenstiel an seinem Grunde mit einem linealischen Deckblättchen, an 
seiner Spitze, unter der gelblichen Blütenhülle mit einer kleinen, kelch- 
artigen, dreilappigen Hülle. Blütenstand eine verlängerte Traube. Blüte- 
zeit Juni bis August. 4- Höhe 10 bis 30 cm. Bestäubungsverhältnisse 
wie bei der Herbstzeitlose; Bestäuber: Bienen, Fliegen, Schwebfliegen, 
Käfer und Schmetterlinge. In Torfmooren, trockenen Wiesen, auf 
grasigen Hügeln; sehr zerstreut. (Anthericum calyculatum var. a. L.) 
T. calyculata Wahlenberg, Hüllblütige Tofleldie.*) 

Abarten sind: 
&, major (T. palustris Steruberg und Hoppe). Grössere Tofleldie; 
15 bis 45 cm hoch; Blütentraube walzenförmig, bis T^/s cm lang, 
auf trockenen und moorigen Triften und Wiesen der Bayerischen Hoch- 
ebene und der Alpen gemein; sonst, namentlich im mittleren Teile 
des Gebietes, sehr zerstreut und selten. 

b. capitata (T. glacialis Gaudin). Kopfblütige Tofleldie. Stengel 
2^/2 bis 15 cm hoch; Blütentrauben köpf förmig, bis 1,3 cm lang. 
Auf hohen Kalkalpen. 

c. ramosa. Stengel ästig. Im Salzkammergut; selten. 

B. Blütenstiel an seinem Grunde mit einem drei lappigen Deckblättchen. 
Blüten ohne besondere Hülle, weissgelb, in kugeliger Traube. Blütezeit 
Juni, Juli. 4. Höhe 5 bis 12 cm. Auf den Hochalpen; selten. 
(T. palustris Hudson). T. borealis Wahlenberg, Nordische Tofleldie.**) 

2. Vnterfamilie: Lilioideae, Lilienarewäclise, 

Die hierher gehörenden Pflanzen sind in ihrer äusseren Gestalt ausser- 
ordentlich verschiedene, ausdauernde Kräuter mit kriechendem Wurzelstocke, 
Zwiebeln, Knollen oder büscheligen Wurzeln. Die Blätter sind einfach, 



*) Tafel lllA. Tofieldia calyculata Wahlenberg. A blühende Pflanze; 
AI Grundriss der Blüte und ihrer kelchartigen Hülle; A2 Blüte; A3 Staubblatt; 
A4 Querschnitt durch den Fruchtknoten; A5 Frucht. 2 bis 5 vergrössert. 

*^') Tafel HIB. Tofieldia borealis Wahlenberg. B blühende Pflanze. 



Liliaceae. 285 

linealisch oder lineal-lanzettlich, flach, rintiig, zuweilen cylindriseh, sogar hohl. 
Die Blüten stehen einzeln, in Ähren, Trauben, Rispen oder noch zusammen- 
gesetzteren, oft zu Köpfchen oder Dolden vereinigten Blütenständen. Die 
Blüten sind regelmässig, zwitterig und meist in allen Blattkreisen dreizählig. 
Die Blütenhülle ist blumenkronartig, sechszipfelig oder sechsblätterig. Die 
sechs Staubblätter sind dem Blütenboden oder der Blütenhülle eingefügt. 
Der Fruchtknoten wird aus drei Fruchtblättern gebildet: er ist oberständig 
und meist dreifächerig; der meist lange Griffel hat eine dreiteilige Narbe. 
Die Frucht ist eine in der Regel fachspaltige Kapsel. 

Bei uns 16 Gattungen: 
A. Blätter der Blütenhülle vollständig getrennt oder doch nur an ihrem 

Grunde ein wenig vereinigt. 

Ä. Pflanzen mit Zwiebeln. 

I. Die Blütenhüllblätter haben an ihrem Grunde ein Nektarium. 

a. Die Blütenhülle fällt ab. Die Staubbeutel sind mit ihrem 

Rücken an den Staubfäden befestigt. Die Kapseln sind vielsamig. 

a. Die Blütenhüllblätter sind aufrecht abstehend oder zurück- 
gerollt. Die Honiggrube ist eine tiefe Längsfurche mit oft 
bärtig umsäumtem Rande. Der Griffel hat eine dreikantige 
Narbe. Gattung 141: Lilium L., Lilie. 

ß. Die Blütenhüllblätter sind glockenförmig zusammengestellt; 

die Honiggrube steht an ihrem Grunde, sie ist flach, rundlich 

oder länglich. Der Grifi'el hat 3 lange Narben. Gattung 142: 

Fritillaria L., Schachblume. 

b. Die Blütenhülle fällt beim Welken nicht ab. Die Staubbeutel 

sitzen mit ihrem Grunde auf dem Staubfaden. Die Kapseln sind 

wenigsamig. 

a. Die Blütenhüllblätter haben einen scharf zurückgebogenen 
Saum: die 3 äusseren besitzen an ihrem Grunde jederseits 
einen kleinen Zahn: sie sind rosenrot oder purpurn, selten 
weiss. Die Narbe ist dreilappig. Gattung 143: Erythro- 
nium L., Hundszahn. 

ß. Die Blütenhüllblätter sind nicht scharf zuriickgebogen, nicht 
an ihrem Grunde gezähnt und nicht purpurn. 

1. Blütenblätter weiss mit rötlichem Streifen. Same drei- 
kantig. Gattung 144: Lloydia Salisbury, Lloydie. 

2. Blütenblätter gelb oder grünlich-gelb. Samen fast kugelig. 
Gattung 145: Oagea Salisbury, Goldstern. 



286 Liliaceae. 

n. Die Blütenhüllblätter haben an ihrem Grunde nicht ein Nektarium. 

a. Die Staubbeutel sitzen mit ihrem Grunde auf dem Staubfaden. 
Gattung 146: Tulipa Tournefort, Tulpe. ■ 

b. Die Staubbeutel sind mit ihrem Rücken an dem Staubfaden be- 
festigt. 

a. Der Blütenstand ist vor der Blütezeit in eine Scheide einge- . 
schlössen. Der Scheitel des Fruchtknotens, auf welchem 
der fadenförmige Griffel entspringt, ist oft tief eingesenkt., 
Gattung 147: Allium L., Lauch. 

ß. Der Blütenstand ist vor der Blütezeit nicht in eine Scheide 
eingeschlossen. Die Spitze des Fruchtknotens, auf welcher' 
der Griffel entspringt, ist nicht oder doch nur wenig ein- 
gesenkt. 

1. Die Blütenhülle fällt ab. Die Staubblätter sind dem 
Grunde der Blütenhüllblätter eingefügt. Gattung 148: 
Scilla L., Meerzwiebel. 

2. Die Blütenhülle fällt beim Welken nicht ab. Die Staub- 
blätter sind dem Blütenboden eingefügt. Gattung 149: 
Ornithogalum Tournefort, Yogelmilch, Milchstern. 

£. Pflanzen mit Wurzelstöcken, Knollen oder faserigen Wurzeln, aber 
ohne Zwiebeln. 
I. Blütenstielchen gegliedert. 

1. Die Blütenhülle öffnet sich radförmig. Die Staubfäden sind 
fadenförmig. Gattung 150: Anthericum L., Graslilie. 

2. Die BlütenhüUe öffnet sich trichterförmig. Die Stäub fäden 
hüUen mit ihrem sehr verbreiterten Grunde den Fruchtknoten 
wie mit Klappen ein. Gattung 151: Asphodelus L., Affodill. 

IL Blütenstielchen nicht gegliedert. 

1. Blütenhülle weiss; Staubfäden nicht behaart. Samen kantig. 
Gattung 152: Paradisia Mazzucati, Paradieslilie. 

2. Blütenhülle gelb; Samen rundlich, jederseits mit einem faden- 
förmigen Anhängsel; Staubfäden behaart. Gattung 153: Nar- 
thecium Möhring, Beinheil. 

B. Blätter der Blütenhülle miteinander (nicht nur ganz an ihrem Grunde) 
verwachsen: Blütenhülle mithin einblätterig. Blütenstand eine Traube, 
selten eine Ähre. 

I. Pflanzen mit knollig verdickten, faserig büscheligen Wurzeln, aber 
ohne Zwiebeln. Blütenhülle weit trichterförmig ^glockig geöffnet. 



Liliaceae. 287 

Die langen, bogig-aufstrebenden Staubblätter sind oft am Ende 
herabgebogen. Gattung 154: Hemerocallis L., Taglilie, 
n. Pflanzen mit Zwiebeln. 

a. Die Staubblätter sind der Mitte oder dem oberem Teile der 
Blütenhülle eingefügt. 

1. Blütenbülle länglich, eirund, kugelig oder krugförmig, sechs- 
zähnig. Griffel fadenförmig. Gattung 155. Muscari Tourne- 
fort, Bisamliyacinthe. 

2. Blütenhülle röhrenförmig-glockig, sechsspaltig. Griffel kurz. 
Hierher die als Zierpflanze vielfach kultivierte Hyacinthus 
Orientalis L., Hyacinthe. 

b. Die Staubblätter sind dem Grunde der Blütenhülle eingefügt; 
diese ist röhi'enförmig-glockig, sechsteilig. Der Griffel ist faden- 
förmig. Gattung 156: EndymionDumortier, Sternhyacinthe. 

Gattung 141: Lilium L., Lilie. 

Die Honiggruben sind tiefe Längsfurchen auf der Vorderseite der 
Blütenhüllblätter. Narbe dreilappig. Frucht eine vielsamige Kapsel. VI, 1. 
A. Blüten nickend; Blütenhüllblätter zurückgerollt. 

a. Blätter elliptisch-lanzettlich, mittlere quirlständig, untere und obere 
meist einzeln. Blütenhülle hellviolett -fleischfarbig, mit dunkeln 
Flecken. — Zwiebel gelblich. Blütezeit Juli, August. Langrüsselige 
Schmetterlinge, namentlich Schwärmer, saugen schwebend den Nektar 
und bewirken so vorwiegend Fremdbestäubung. Höhe 30 bis 60 cm. 
21.. In Wäldern des nordöstlichen und südlichen Teiles des Ge- 
bietes; zerstreut und selten. L. Martagon L., Türkenbund.*) 

b. Blätter lanzettlich, wechselständig, unterseits rauhhaarig. Blütenhüll- 
blätter gelb oder mennigrot, auf der Innenseite bis zur Mitte mit 
dunkelpurpumen Warzen. — Blüten meist einzeln. Blütezeit Mai bis 
Juli. Höhe 20 bis 50 cm. 4. Auf Gebirgen und Voralpen in 
Kärnten, KJrain und Steiermark. L. carniolicum Bernhardi, 
Krainer Lilie. 

B. Blüten aufrecht. Blütenhülle glockig-trichterförmig. 

a. Blütenhülle feuerig-orange, mit dunkeln Punkten und Streifen; innen 



*) Tafel 112. Lilium Martagon L. AB die Teile einer blühenden Pflanze; 
1 Staubblätter; 2 Stempel, darunter die Narbe n; 3 Querschnitt durch den Fruchtknoten; 
4 sich öfifnende Kapsel; 5 Querschnitt durch die Frucht; 6 Same. 1 bis 3 vergrössert. 



288 Liliaceae. 

warzig. In den Achseln der Stengelblätter finden sich kleine, glänzend- 
schwarze Brutzwiebelchen. Blätter schmal, lanzettlich, spitz. Blüte- 
zeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. %. Auf Gebirgswiesen im 
mittleren und südlichen Teile des Gebietes; stellenweise. Lilinm 
biilbiferiim L., Wilde Feuerlilie, Zwiebeltragende Lilie. 
b. Blütenhülle weiss. In den Achseln der Stengelblätter finden sich 
Brutzwiebeln nicht vor. Blütezeit Juh. Höhe bis 1 Meter. 4. Aus dem 
Orient; Gartenziei-pflanze. L. caiididum L., Weisse Lilie. 

Gattung 142: Fritillaria L., Schachblume. 

Blütenhüllblätter an ihrem Grunde mit flachen, rundlich-länglichen 
Honiggruben. Nachstäubend. Narbe dreispaltig. 

A. Stengel mit 1, selten mit 2 nickenden, schachbrettartig-gezeichneten, 
überhängenden Blüten und lineal-lanzettlichen Blättern. VI, 1. 

a. Alle Blätter stehen einzeln. Blütenhülle becherförmig; fleischfarben, 
dunkelrot, mitunter weiss-gefeldert, selten einfarbig, weiss oder fleisch- 
farben. Blütezeit April, Mai. Höhe 15 bis 30 cm. ^. Auf feuchten 
Wiesen; sehr zerstreut und selten. F. Meleagris L., Gemeine 
Scliachlblume.*) 

b. Die beiden obersten Blätter stehen einander gegenüber und entfernt 
von den übrigen Blättern. Im übrigen der vorigen sehr ähnlich. 
An gebirgigen und grasigen Orten im Gebiete des Adriatischen Meeres. 
F. montana Hoppe, Berg-Schachblume.**) 

B. Stengel an seinem Grunde mit dichtgedrängten, breit-lanzettlichen Blättern 
und an seiner Spitze mit einem Blattschopfe, an dessen Grund zahlreiche 
gelb- bis braunrote, nickende Blüten entspringen. Giftige, aus Persien 
stammende Garten Zierpflanze. F. imperialis L., Kaiserkrone. 

Gattung E43: Erythronium L., Hundszahn, Zahnlilie. 

Die in mehrere Zähne gespaltene Zwiebel trägt 2 fleischig-krautige, 
gegenständige, länglich-breit-lanzettliche, rot-gefleckte Blätter und einen ein- 
blütigen Schaft. Die Blütenhüllblätter sind rosenrot oder purpurn, selten 
weiss, lanzettlich und in der Höhe des Fruchtknotens zurückgebogen; alle 
haben an ihrem Grunde einen Honigbehälter, die drei äusseren an ihrem 

*) Tafel 113 A. Fritillaria Meleagris L. A blühende Pflanze ; 1 Staubblätter 
und Stempel etwas vergrössert. 

**) Tafel 11 3 B. Fritillaria montana Hoppe. Oberer Teil der blühenden 
Pflanze, natürl. Grösse. 



Liliaceae. 28Q 

Grunde jederseits einen kleinen Zahn. Blütezeit April, Mai. Bestäubung 
durch Bienen, Hummeln und Tagfalter. Höhe etwa 10 cm. 4. Auf 
buschigen Hügeln der Westschweiz, Tessins, Steiermarks, Kärntens, Böhmens, 
Krains, im Littorale. Erythronium Dens canis L., Hundszahn.*) 

Gattung 144: Lloydla Salisbury, Lloydie. 
Zwiebel länglich-lanzettHch. Stengel bis handhoch, mit einigen schmal- 
lanzetthchen Blättern besetzt, am Grunde mit 2 grasartigen Blättern; ein- 
blütig. Blütenhüllblätter abstehend, weiss, innen meist mit 3 (selten 5) röt- 
lichen Streifen, am Grunde gelblich. Blütezeit Juli. Schwach vorstäubende 
Fliegenblume. 4. Auf sonnigen Wiesen und Felsen der Hochalpen. (An- 
thericum serotinum L.) L. serotiua Salisbury, SpätWühende Lloydie.**) 

Gattung 145: Gagea Salisbury, Goldstern. 
Blütenhüllblätter sechsblätterig, radförmig; innen glänzend-, aussen 
mattgelb, oft grünstreifig oder an den Spitzen der Blätter grünlich. Am 
Grunde der Blütenhüllblätter findet sich eine Honigdrüse. Die 6 Staub- 
blätter sind dem Blütenboden oder dem Grunde der Blütenhüllblätter ange- 
heftet. Die Staubbeutel stehen mit ihrem ausgehöhlten Grunde auf der 
Spitze der Staubfäden. Fruchtknoten dreifächerig; Griffel eine dreikantige 
Säule; Narbe undeutlich dreilappig. (VI, 1.) Frucht eine dreikantige, wenig- 
samige Kapsel. Blütenstand trugdoldig. 

A. Es ist nur eine Zwiebel und nur ein grundständiges Blatt vorhanden. 
Grundständiges Blatt flach, breit-lineal-lanzettlich, an seiner Spitze 
mützenförmig zusammengezogen. Blütenhüllblätter länglich, stumpf. — 
Blütezeit April, Mai. Höhe 15 bis 30 cm. 2[. In Gebüschen, Hecken 
und Wiesen; häufig. (Ornithogalum luteum var. b. L.) Gagea lutea 
Schultes, Gelber Goldstern.***) 

Grundständiges Blatt schmal-linealisch, lang zugespitzt, rinnig. Blüten- 
hüllblätter lanzettlich, stumpf. — Blütezeit April, Mai. Bei den 
schwach nachstäubenden Blüten verstäuben die Staubblätter des 



1 



*) Tafel 114A. Erythronium Dens canis L. A blühende Pflanze; AI völlig 
entfaltete Blüte (der an den Blütenstiel anschliessende Teil der Blumenkrone müsste 
rot, nicht grünlich, gefärbt sein); A 2 äusseres Blütenhüllblatt (mit den seitlichen 
Zähnchenj nebst Staubblatt. 

**) Tafel 114 B. Lloydia serotina Salisbury. B blühende Pflanzen; Bl Stempel; 
B2 abwelkende Blüte mit Fruchtansatz; B3 Samen. 1 und 3a vergrössert. 

***) Tafel 115. Gagea lutea Schultes. A blühende Pflanze; 1 Längsschnitt 
durch die Zwiebel; 2 Blüte; 3 desgl. im Längsschnitte; 4 Stempel und Staubblätter; 
5 Querschnitt durch den Fruchtknoten. 1 bis 5 vergrössert. 

Them«, Flora. 11. -ig 



290 Liliaceae. 

äusseren Kreises zuerst; die Bestäubung findet namentlich durch 
Fliegen statt, doch kann auch infolge des Zusammenlegens der ab- 
welkenden Blüte Selbstbestäubung eintreten. Höhe 5 bis 15 cm. 
%. Auf Ackern, in Gebüschen; Böhmen, Mähren und Osterreich. 
(Ornithogalum pusillum Schmidt.) Gagea piisilla Schultes, Kleiner 
Goldstern. 
B. (vergleiche noch C.) Neben der Hauptzwiebel findet sich., gleichzeitig 
mit dieser von den vorigjährigen, trockenen Schuppen umhüllt, eine 
Nebenzwiebel vor. 

1, Es ist nur 1 grundständiges, unten fädlich- verschmälertes, lineales, 
flaches Laubblatt vorhanden. Blütenstiele ziemlich kahl. Blütenhüll- 
blätter lanzettlich, sehr spitz, mit der Spitze nach aussen gebogen. 
Blütezeit April bis Juni. Höhe 10 bis 15 cm. 2J.. In Wiesen und Ge- 
büschen; zerstreut; in der Schweiz nicht selten. (Ornithogalum 
minimumL.) Gr. minima Schultes, Kleinster oder Zwerg-Ooldstern. 

Mitunter hat 0. Liotardi Schultes (s. u.) auch nur ein grund- 
ständiges Blatt; dieses ist indes röhrig-hohl, nicht flach. 

2. Es sind 2 grundständige Laubblätter vorhanden. 

a. Grundständige Blätter röhrig-holil. — Blütenstiele zottig. Blüten- 
hüllblätter stumpf. Blütezeit Juni. Höhe 10 bis 12 cm. 4. Auf 
feuchten Triften der Alpen und Voralpen, namentlich um die Senn- 
hütten. (Ornithogalum fistuiosum Ramond.) G. Liotardi Schultes, 
Liotardis Goldstern. 

Eine Form mit kahlen Blütenstielen ist: var. laevipes (G. inter- 
media Schlechtendal), Kahlstieliger Goldstern Liotardis. 

ß. Grundständige Blätter nicht röhrig-hohl. 

a. Grundständige Blätter linealisch, rinnig, stumpf-gekielt. Blüten- 
stiele zottig. Blütenhüllblätter lanzettlich, spitz. Blütezeit März, 
April. Höhe 10 bis 15 cm. 4. Auf Ackern und Grasplätzen 
im mittleren Teile des Gebietes nicht selten, im nördlichen und 
südlichen weniger häufig. (Ornithogalum arvense Persoon.) 
G. arvensis Schultes, Acker-Goldstern. 

b. Grundständige Blätter fadenförmig, oder an ihrem Grunde faden- 
förmig und nach der Spitze zu schmal-linealisch. 

a. Die an dem Blütenschaft unter den Blüten stehenden Blätter 
sind sehr klein, linealisch, fast borstlich, nur das unterste 
derselben ist grösser und umfasst den Blütenstengel scheiden- 
förmig mit breitem Grunde. — Blütenstiele kahl. Blütenhüll- 
blätter länglich-lanzettlich, stumpf Blütezeit April, Mai. 



Liliaceae. 291 

Höhe 10 bis 20 cm. %. In Wäldern und Wiesen; sehr 
zerstreut; insbesondere in Nord-Deutschland, nach Süden zu 
immer seltener, in den Alpen fehlend. (Ornithogalum spatha- 
ceum Hayne.) Oagea spathacea Salisbury, Scheiden- 
l)lätteriger Groldstern. 

b. Yon den an dem Blütenschaffce unter den Blüten stehenden 
Laubblättern sind die beiden untersten etwa gleich gross. 

aa. Blütenhüllblätter länglich-lanzettlich, stumpf; Stengel und 
Blattrand zottig. Fruchtknoten mit ziemlich gewölbten 
Seiten. — Blütezeit März, April. Höhe 3 bis 8 cm. %. 
Auf feuchten Felsen und Sand; sehr zerstreut. (Ornitho- 
galum fistulosum Wallroth.) 0. saxatilis Koch, Felsen- 
Goldstern. 

bh. Stengel und Blattrand weichhaarig oder fast kahl. Blüten- 
hüllblätter spateiförmig, an ihrem Grunde weichhaarig. 
Fruchtknoten scharfkantig, mit vertieften Seiten. — Blüte- 
zeit März, April. Höhe 3 bis 8 cm. 21-, An feuchten, 
felsigen und kiesigen Orten in Böhmen, Mähren, Schlesien, 
Niederösterreich. (Ornithogalum bohemicum Zauschner.) 
Cr. bohemica Schultes, Böhmischer Goldstern. 

C Mit 3 wagerecht liegenden, nackten Zwiebeln. — Grundständiges Blatt 
meist einzeln (seltener 2), länger als der Blütenschaft, rinnig, lineal- 
lanzettlich, beiderseits verschmälert, scharf-gekielt Blütenhüllblätter 
breit-lanzettlich, stumpf. Blütenstiele kahl. Blütezeit April, Mai. Höhe 
10 bis 15 cm. 2|.. Auf Ackern, Felsen, trockenen Grasplätzen; ver- 
breitet. (G. stenopetala Reichenbach; Ornithogalum pratense Wahlen- 
berg; Ornithogalum stenopetalum Fries.) G. pratensis Schultes, 
Wiesen-Goldstern. 

Gattung 146: Tulipa Tournefort, Tulpe. 

Zwiebel fleischig, von trockenen Blattscheiden umhüllt. Blätter in 
geringer Zahl (2 bis 4). Stengel meist einblütig. Blütenhüllblätter 6, in 
2 dreigliederigen Kreisen, ohne Honigbehälter, abfallend. Die 6 Staubblätter 
sitzen auf dem Blütenboden. Die Staubbeutel stehen aufrecht auf der 
pfriemlichen Spitze des Staubfadens. Fruchtknoten keulenförmig, mit drei- 
lappiger, fast sitzender Narbe, dreifächerig; in jedem Fache mit zahlreichen 
Samenanlagen. Frucht eine stumpf-dreikantige, häutige Kapsel. Samen 
scheibenförmig. 

19* 



292 Liliaceae. 

A. Blütenhüllblätter gelb; die des inneren Kreises aussen meist etwas rötlich^ 
die des äusseren Kreises etwas grünlicli. Staubfäden an ihrem Grunde 
bärtig-bebaart. — Blätter riemenförmig, rinnig, graugrün. Blütezeit April, 
Mai. Der Nektar wird am Grunde der Staubfaden ausgeschieden und 
von den dort befindlichen Haaren geschützt. Narbe und Blütenstaub sind 
gleichzeitig reif, doch wird meist die Narbe von anfliegenden Insekten zu- 
erst berührt und so Fremdbestäubung herbeigefühi't. Höhe 25 bis 50 cm. 
%. Auf grasigen Waldplätzen, Ackern, in Weinbergen, an Hecken; 
im Süden häufiger als im Norden; mancherorts, so in der Schweiz, ge- 
sellig, dort aber nicht oft zur Blüte gelangend. Tulpia silyestris L., 
Wilde Tulpe.*) 

B. Blütenhüllblätter dunkel-scharlachrot (selten gelb), an ihrem Grunde mit 
einem länglichen, schwarzblauen, goldgelb umsäumten Fleck. Staubfäden 
an ihrem Grunde nicht bärtig. — Blätter breit, länglich zugespitzt. 
Blütezeit Mai. flöhe 30 bis 50 cm. Auf Ackern; bei Sitten in Wallis. 
(T. Didieri Jordan; T. oculus solis St. Amans.) T. maleolens Reben- 
tisch, Übelriecliende Tulpe, Sonnenauge. 

T. praecox Tenore, Duc van Thol aus Italien, T. Gesneriana 
L. die Oartentulpe aus Asien, T. acuminata Vahl, die Spitz- 
blätterige Tulpe aus dem Orient, werden vielfach kultiviert. 

Gattung 147: Allium L., Lauch. 

Zwiebeln einzeln oder zu mehreren ohne deutlichen Wurzelstock neben- 
einander, oder einem kriechenden oder schiefen Wurzelstocke angewachsen. 
Jede Zwiebel wird gebildet durch den fleischig-angeschwollenen Grund der 
Laubblätter oder auch zum Teil durch besondere, dicke, schuppenförmige 
Blätter. AUe Laubblätter sind grundständig, aber oft dadurch scheinbar 
stengelständig, dass ihre langen Scheiden den Blütenschaft oft bis zur Mitte 
umgeben. Der Blütenstand ist anfänglich umhüUt, später gestützt von meist 
2 (selten 1 oder mehr) blütenscheidenartigen Blättern (Scheide, Dolden- 
scheide). Der trugdolden- oder köpfchenähnliche Blütenstand entwickelt oft 
nur oder neben den Kapseln noch Brutzwiebelchen. Die Blütenhülle besteht 
aus 6 freien oder an ihrem Grunde etwas verwachsenen, nicht abfallenden 
Blättern. Die 6 Staubblätter sind dem Grunde der Blütenhülle eingefügt, 
frei (VI, 1) oder an ihrem Grunde etwas miteinander verwachsen (XVI mit 



*) Tafel 116. Tulipa silvestris L. A blühende Pflanze; 1 Blüte nach Ent- 
fernung einiger Blütenhüllblätter; 2 Blütenhüllblatt nebst davorstehendem Staubblatt; 
3a und 3b Staubblätter nebst ihrem Barte; 4 Stempel; 5 desgl. im Querschnitte; 
6 Samen. 3, 4 und 5 vergrössert. 



Liliaceae. 293 

6 Staubblättern ist nicht vorgesehen!) Der Staubbeutel ist mit seinem 
Rücken angeheftet. Fruchtknoten dreifächerig, seltener durch unvollständige 
Ausbildung der Wände einfächerig, in jedem Fache mit 1 bis 2 Samen- 
anlagen. Die Blüten sind mehr oder weniger vorstäubend. Frucht eine 
häutige, dreilappige Kapsel. Samen meist kantig und schwarz. Keimling 
hakenförmig-gekrümmt, von Eiweiss umgeben. 

Die einheimischen Arten zerfallen zunächst in 5 Stämme: 

A. Die Zwiebeln sitzen einzeln oder crebüschelt auf einem ausdauernden, 

o 

schief aufsteigenden oder wagerechten Wurzelstocke. — Alle Staubfäden 
sind einander gleich oder die des inneren Kreises haben an ihrem Grunde 
jederseits 1 bis 2 Zähnchen. Blütenstand ohne Brutzwiebelchen. 4. Stamm: 
Rhiziridiiim Don, Wiirzelstockige. 

B. Die Zwiebeln sitzen nicht auf einem Wurzelstocke, sondern finden sich 
einzeln oder zu mehreren, aber ohne deutlichen Wurzelstock. 

I. Die Fäden der drei inneren Staubblätter sind dreizipfelig; der mittlere 
Zipfel trägt den Staubbeutel; er ist so gross oder kleiner wie die 
beiden seitlichen Zipfel; letztere sind fädhch, oft zusammengerollt oder 
hin- und hergebogen. 1. Stamm: Porrum Tournefort, Porree- 
artige. 
n. Die inneren Staubblätter sind anders gestaltet. 

a. Blätter röhrig-hohl. 2. Stamm: Schoenoprasum Don, Sehnitt- 
lauchartige. 

b. Blätter nicht röhrig-hohl. Staubfäden ungezähnt. 

a. Die Hülle des Blütenstandes ist geschnäbelt; sie ist so lang oder 

länger als dieser. 3. Stamm: Macrospatha Regel, Gross- 

scheidige. 
ß. Die Hülle des Blütenstandes ist kürzer als der doldenai-tige 

Blütenstand; sie ist nicht geschnäbelt und verwelkt rasch. 

5. Stamm: Molium Don, Moly- oder Hexenlauchartige. 

1. Stamm: Porrum Tournefort, Porreeartige. 

A. Dolde mit Brutzwiebelchen. 
I. Blätter flach. 

1. Nebenzwiebeln am Grunde des Schaftes länglich-eiförmig, weisslich, 
oft violett-purpurn überlaufen, sitzend, nebst der fast gleichgrossen 
Hauptzwiebel in weisse, häutige Schalen eingeschlossen. Hülle des 
Blütenstandes einklappig, in eine den fast kugeligen Kopf weit 
überragende, hinfällige Spitze ausgezogen. Blütenhülle rötlich- bis 



294 Liliaceae. 

schmutzig-weiss. — Blätter breit-lineal, spitz, lauchgrün, mit herab- 
hängenden Spreiten, in der Knospe gefaltet. Staubblätter kleiner 
als die Blütenhülle. Zähne der inneren Staubfäden kurz und 
stumpf, alle etwa gleichlang, kürzer als das ungeteilte Stück des 
Staubfadens. Blütezeit Juli, August. 2j-, Höhe 30 bis 100 cm. 
Als Küchengewächs gebaut. AUium sativum L., Knoblauch. 

Bei der Abart A. OpWoscorodon Don, Perlzwiebel, Roggen- 
bolle sind die Zwiebelchen rundlich-eiförmig' bis fast kugelig. 

2. Nebenzwiebeln dunkelrot oder violettbraun, gestielt. Scheide des- 
Blütenkopfes kürzer als dieser. Blütenhülle dunkelpurpurn. Blätter 
breit-lineal, am Rande rauh. Staubblätter kleiner als die Blüten- 
hülle. Mittlerer Zahn der inneren Staubfäden halb so lang wie die 
seitlichen Zähne und wie das ungeteilte Stück des Staubfadens. 
Blütezeit Juni, Juli. Höhe 60 bis 160 cm. 4. In Gebüschen, 
Weinbergen, an Waldrändern, im mittleren und südlichen Teile 
des Grebietes; zerstreut. A. scorodoprasum L., Scblangenlauch.*) 
Nach Garcke sind die grösseren Zwiebeln aus der Dolde unter 
dem Namen Rockenbolle (Rocambola) bekannt. Vergl. indes 
A. sativum var. Ophioscorodon Don, wie denn überhaupt das Ge- 
biet der für den Küchengebrauch angebauten Laucharten noch 
nicht hinreichend durchforscht ist. 

n. Blätter fast stielrund, oberseits schmalrinnig, röhrig-hohl. — Dolde 
klein, mit kleiner, einklappiger Scheide, oft nur Z^viebelchen tragend. 
Blütenhülle purpurn, kürzer als die Staubblätter. Mittlerer Zahn der 
Staubfäden so lang oder kürzer als die seitlichen Zähne; länger als 
das ungeteilte Stück des Staubfadens. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 
bis 50 cm. ^. Auf Äckern, in Weinbergen, auf sandigen Hügeln; 
zerstreut. (A. arenarium L.) A. vineale L., Weinbergslauch. 

B. Dolden ohne Brutzwiebelchen. 

Ä. Blätter fast stielrund, oberseits schmalrinnig, röhrig-hohl. — Hierher 
eine seltene Varietät der vorigen: A. vineale var. capsuliferum 
Gremli, Kapseltragender Weinbergslauch. 

B. Blätter nicht, höchstens am Grunde röhrig-hohl. 



*) Tafel 117 A. Allium Scorodoprasum L. A a Pflanze mit noch geschlossener 
Blütenscheide; Ab Geöffneter Blütenkopf mit Blüten und Brutzwiebeln; Ac Zwiebel 
mit Brutzwiebelchen im Längsschnitte. AI Blüte; A2 desgl. im Längsschnitte; 
A3 inneres; A4 äusseres Staubblatt; A5 Fruchtknoten; A6 desgl. im Querschnitte^ 
A7 Brutzwiebel aus der Blüte. 1 bis 7 vergrössert. 



Liliaceae. 295 

I. Blätter oft am Grunde hohl, unten halbstielrund, rinnig, an der 
Spitze stielrund. — Blütenstand kugelig. Scheide klein, hinfällig. 
Blüten ziemlich lang-gestielt. Blütenhüllblätter purpurrot, kürzer 
als die Staubblätter. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm, A. 
Auf Ackern, im mittleren und südlichen Teile des Gebietes. 
AUium sphaerocephahim L., Kugelköpflger Lauch. 
IL Blätter flach. 

1. Doldenscheide klein, sehr hinfällig, zerschlitzt. Blätter schmal- 
lineal. Staubblätter kürzer als die purpurne Blütenhülle. — 
Dolde kugelig. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 60 cm. 2|.. 
Auf Ackern, Bergabhängen, in Weinbergen; zerstreut und selten. 
A. rotundum L., Runder Lauch. 

2. Doldenscheide grösser als die Dolde. Blätter breit-lineal. Staub- 
blätter länger als die Blütenhülle. 

a. Zwiebel meist einfach. Blütenhüllblätter am Kiele rauh, 
rosarot. Staubblätter etwas länger als die Blütenhülle. 
Mittelzahn der inneren Staubblätter halb so lang wie die 
Seitenzähne und der nicht geteilte Teil des Staubfadens, — 
Scheide der kugeligen Dolde einblätterig. Blütezeit Juni, 
Juli, Höhe 30 bis 60 cm, und 0, In Südeuropa ein- 
heimisch und im südlichsten Teile des Gebietes verwildernd. 
Als Küchengewächs angebaut. A. Porrum L., Porree, Gre- 
meiner Lauch, Breitlauch.*) 

Nach Garcke soU die Perlzwiehel von dieser Art und 
nicht vom Knoblauch (s. d.) abstammen. 

ß. Zwiebel meist mit Brutzwiebeln. Blütenhüllblätter aussen 
rauh, weiss-helh'ot. Staubblätter um die Hälfte länger als 
die Blütenhülle. Mittelzahn der inneren Staubblätter 2- bis 
3 mal kürzer als die Seitenzähne und der ungeteilte Teü des 
Staubfadens. — Blütezeit Juni, Juli. 2|.. Höhe 30 bis 50 cm. 
Im Littorale. Zuweilen angebaut, und auf Ackern ver- 
wildert. (Abart von A. Porrum L, ?). A. Ampeloprasum L., 
Sommerlauch, Schottischer Lauch, Schwertlauch. 

2. Stamm: Sehoenoprasum Don, Sehnittlauehartig-e. 
A. Stengel schlank, unterhalb seiner Mitte nicht aufgeblasen. Blätter 
pfriemlich, gleichförmig-stielrund, nicht aufgeblasen. 



*) Tafel 117 B. Allium Porrum L. B a Einfache Zwiebel; Bb Mehrere 
Zwiebeln an einem kurzen, kriechenden Wurzelstock. 



296 Liliaceae. 

1. Staubblätter kürzer als die Blütenhülle. Staubfäden zahnlos. — 
Blütenschaft blattlos oder nur am Grunde mit einigen Blättern. 
Doldenscheide zweiklappig; Klappen lanzettlich, etwa so lang wie die 
kapseltragende Dolde. Blutenhülle hellpurpurrot. Staubbeutel gelb. 
Blütezeit Juni, Juli. Höhe 15 bis 30 cm. 2].. Im westlichen Teile 
des Gebietes an Flussufern. Vielfach als Küchengewächs angebaut. 
Allium Schoenoprasum L., Schnittlauch.*) 

Bei der in den Alpen und Voralpen nicht seltenen Abart folio- 
sum Clarion (var. sibiricum au ct., nicht Willdenow oder L., var. 
alpinum Koch), Beblätterter Schnittlauch, ist der Stengel höher 
hinauf beblättert und sind die Staubbeutel lila; auch ist die ganze 
Pflanze grösser und dicker. 

2. Staubblätter so lang oder etwas länger als die Blütenhülle. 

a. Innere Staubfäden jederseits mit einem Zahne. Doldenscheide zwei- 
klappig, sehr klein. — Dolde kugelig. Kapseln oder Brutzwiebeln 
tragend. Blütenhülle weisslich-blau. Blütezeit Juni, Juli; blüht 
äusserst selten. Höhe 15 bis 25 cm. 4. Als Küchengewächs 
angebaut. A. ascalonicum L., Schalotte. 

b. Innere Staubfäden ungezähnt. Doldenscheide zweiklappig, sehr 
lang. — Blütenhülle rosa. Blütezeit Juli, August. Höhe 30 bis 
50 cm. 4. Auf Inseln im Adriatischen Meere. A. pallens L., 
Bleicher Lauch. 

B. Stengel unterhalb seiner Mitte bauchig aufgeblasen. Staubblätter l^/g- bis 
2 mal so lang wie die Blütenhülle. 

1. Innere Staubblätter an ihrem Grunde stark verbreitert, jederseits mit 
einem kurzen Zahne. — Blütenschaft nur an seinem Grunde beblättert. 
Doldenscheide sehr klein. Dolde kugelig, kapseltragend. Blüten- 
hülle weisslich. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 100 cm. 0. 
Überall angebaut. A. Cepa L.. Sommerzwiehel, ZipoUe.**) 

2. Staubfäden zahnlos; innen an ihrem Grunde nur wenig breiter. — Der 
vorigen ähnlich, doch die Blätter länger bescheidet und daher höher 
am Stengel hinaufsteigend. Doldenscheide zweiklappig, ziemlich gross, 
Blütenhülle weisslich. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 50 cm. 4, 
einzelne Zwiebel G. Als Küchengewächs angebaut. A. flstulosum L., 
Winterzwiebel, Röhrenlauch. 



*) Tafel 118 A. Allium Schoenprasum L. A Pflanze mit halbgeöffneter 
Scheindolde; AI geöffnete Dolde; A2 Blütenknospe; A3 Blüte; A 4 desgl. im Länga- 
.schnitte; A 5 Stempel, am Grunde 2 nektarabsondernde Drüsen. 2 bis 5 vergrössert. 
**) Tafel 118B. Allium Cepa L. Sprossende Zwiebel. 



Liliaceae. 297 

3. Stamm: Maerospatha Grossseheidige. 

A. Dolde Zwiebeln und Kapseln tragend. 

1. Blätter fast stielrund, rinnig, unterseits vielstreifig, ziemlich hoch am 
Stengel hinaufsteigend; Staubblätter kaum aus der Blütenhülle her- 
vorragend. — Doldenscheide zweiklappig. Blütenhülle weiss oder 
rötlich. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Auf Ackern, 
in Weinbergen, Gebüsch; häufig. AUium oleraceum L., Gemeiner 
oder Gemüse-Lauch.*) 

2. Blätter linealisch, schwachrinnig, unterseits mit 3 bis 5 hervortreten- 
den Rippen, nur wenig am Stengel hinaufsteigend. Staubblätter fast 
doppelt so lang wie die Blütenhülle. — Doldenscheide zweiklappig. 
Blütenhülle rosarot. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 60 cm. In 
Gebüschen und auf feuchten Wiesen; selten. A. carinatum L., Ge- 
kielter Lauch. 

Zwei nur Kapseln tragende Abarten sind var. capsuliferum 
Koch und yar. pulchellum Don (s. u.). 

B. Dolde nur Kapseln tragend. 

I. Blätter linealisch, schwachrinnig, nicht ganz- oder halb - stielrund. 
Blütenhülle blassrötlich. Hierher eine Varietät der vorigen Art. 
(A. flexum Waldstein-Kitaibel; A. paniculatum Redoute.) A. carinatum 
yar. capsuliferum Koch, Kapselntragender Lauch. 
n. Blätter ganz- oder halbstielrund, nicht linealisch, flach. 

1. Blätter stielrund, pfriemlich, gefurcht, schmal- und tief rinnig. 
a. Mehrere Zwiebeln von einer an ihrer Spitze netzig zerrissenen 
Scheide umschlossen. Blütenschaft mit 2 grundständigen und 
mit 2 an ihm hinaufsteigenden Blättern. — Doldenscheide 
zweiklappig. Blütenhülle weiss rosenrot, kürzer als die Staub- 
blätter. Blütezeit Juli, August. Höhe 10 bis 20 cm. 21.. Auf 
Felsenabhängen bei Fiume. A. moschatum L., Moschus- 
duftender Lauch. 
ß. Zwiebel länglich, von Scheiden umgeben, die an ihrer Spitze 
nicht netzig zerrissen sind. Blütenschaft nur an seinem Grunde 
beblättert. Doldenscheide zweiklappig. Blutenhülle weiss-gelb- 
lich, halb so lang wie die Staubblätter. Blütezeit August, 



*) Tafel 119 A. AUium oleraceum L. A Blühende Pflanze. A 1 Längsschnitt 
durch eine im männlichen Zustande befindliche Blüte. A 2 Fruchtknoten im 
Längsschnitte; A3 Blüte im weiblichen Zustande; A4 Blütengrundriss. 1 bis 3 ver- 
srrössert. 



298 Liliaceae. 

September. Höhe 40 bis 60 cm. 4. Am Südabhang des 
Karstgebirges. Allium saxatile Marschall von Bieberstein, 
Felsen-Lauch. 
2. Blätter halb-stielrund, oberseits rinnig oder flach, unterseits ge- 
wölbt. 

a. Staubblätter kürzer als die purpurne Blütenhülle. — Blätter hoch 
am Stengel emporsteigend. Doldenscheide zweiklappig. Blüte- 
zeit Juli, August. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Auf sonnigen Ab- 
hängen Istriens, A. paniculatum L., Rispenblütiger (?) Lancli. 

ß. Staubblätter länger als die Blütenhülle. 

a. Blütenhülle gelb. — Doldenscheide zweiklappig. Blüten lang- 
gestielt, zum Teil hängend; gelblich. Blütezeit Juli, August. 
Höhe 40 bis 60 cm. 4. In Tirol, Osterreich, Mähren und 
Böhmen. A. flayum L., Gelder Lauch.*) 

b. Blütenhülle violettpurpurn. — Hierher der wohl als eine Abart 
von A. carinatum L. anzusehende A. pulchellum Don, 
Hühscher Lauch. 

4. Stamm: Rhiziridium Don Wurzelstoekige. 

A. Innere Staubfäden jederseits an ihrem Grunde mit einem kleinen, stumpfen 
Zähnchen. — Häute der Zwiebeln zuletzt stark-netzfaserig-zerreissend. 
Blätter linealisch, oberseits rinnig. Blütenscheide zweiblätterig, kürzer 
als die Blütenstiele. Blütenhülle rötlich, trichterig-oifen. Dolde halb- 
kugelig, kapseltragend. Blütezeit Juni, Juli. 4. Höhe 30 cm. An 
Felsen; selten. A. strictum Schrader, Steifer Lauch. 

Bei der Abart: A. Christii Janka, Christs Lauch sind die 
Zähnchen der Staubfäden fast fehlend. 

B. Alle Staubfäden sind pfriemlich und ohne Zähnchen. 

I. Die Scheiden der oberen Blätter sind so lang, dass der Blütenschaft 
etwa bis zu seiner Mitte beblättert erscheint; Blattspreite 2 bis 5 cm 
breit, länglich oder lanzettlich, in einen kurzen Stiel zusammen- 
gezogen. — Zwiebel von netzfaserigen Scheiden umgeben. Dolde 
kugehg, kapseltragend. Scheide einklappig, klein. Blütenhüllen 
grünlichweiss. Blütezeit Juli, August. 4. Höhe 30 bis 50 cm. 
Auf feuchten Felsabhängen höherer Gebirge. A. Tictorialis L., AUer- 
mannsharnisch.**) 



*) Tafel 119B. Allium flavum L. Blühende Pflanze. 

') Tafel 120A. Allium Victoriaiis L. Blühende Pflanze. 



Liliaceae. 299 

II. Blätter linealisch. 

1. Staubfäden so lang oder etwas länger als die Blütenhülle. Blüten- 
scliaft seitlich vom Blätterbüschel, mit ihm von gemeinsamen 
Scheiden umschlossen. 

a. Blätter flach, am Rücken nicht gekielt. — Zwiebel wenig ent- 
wickelt. Stengel scharfkantig. Dolde kugelig, kapseltragend. 
Scheide 2- bis 3 spaltig, kleiner als die Dolde. Blüten hellrot. 
Blütezeit Juli, August. Höhe 20 bis 25 cm. 4. Auf Kalk- 
boden, an felsigen Orten der Alpen und Voralpen, im Harz. 
(A. fallax Schultes; A. angulosum var. fallax Don; A. senescens 
Schmidt.) Alliuin montauum Schmidt, Berg-Lauch. 

ß. Blätter am Rücken scharf gekielt, am Grunde dreikantig. — 
Sonst wie vorige. Blütezeit Juni bis August. Höhe 30 bis 
50 cm. 4. An Ufern, auf sumpfigen Wiesen; im mittleren und 
südlichen Teile des Gebietes häufig. A. acutangulum Schrader, 
Scharfkantiger Lauch.*) 

2. Staubfäden ein und einhalb mal bis doppelt so lang wie die Blüten- 
hülle. Schaft nur ganz an seinem Grunde von Blattscheiden um- 
geben. 

a. Blätter auf der Unterseite durch 2 bis 3 hervortretende Nerven 
scharf-gekielt. Blütenhülle hellpurpurrot. — Dolde kugelig, 
kapseltragend. Scheide klein, zweiklappig. Blütezeit Juli, 
August. Höhe 30 bis 50 cm. 4. Auf feuchten Wiesen der 
Alpen, mit den Wasserläufen in die Thäler hinabsteigend, selten. 
A. suaveolens Jacquin, Wohlriechender Lauch. 

ß. Blätter frisch nicht gekielt, in trockenem Zustande 2- bis 3 kielig. 
Blütenhülle gelblich-weiss. — Dolde fast kugelig, kapseltragend. 
Doldenscheide zweiklappig, klein. Blütezeit Juli, August. Höhe 
10 bis 20 cm. 4. An Felsenabhängen in Steiermark, Krain, 
Südtirol. A. ochroleucum Waldstein-Kitaibel, Gelhlich- 
weisser Lauch. 

5. Stamm: Molium Don, Moly- oder Hexenlauehartige. 
A. Blätter langgestielt, ei-lanzettlich. — Blütenschaft oberwärts kantig, nur 
an seinem Grunde zwei Blätter tragend. Doldenscheide spitz, einklappig, 
zwei- bis dreilappig, weiss. Blüten weiss, langgestielt, in einer flachen, 



*) Tafel 120 B. Allium acutangulum Schrader. Blühende Pflanze. Bl Blatt- 
stück. 



300 Liliaceae. 

kapseltragenden Dolde. Blütenhüllblätter länger als die Staubblätter. 
Blütezeit April bis Juni. Höhe 15 bis 30 cm. 4. In feuchten Wäldern 
gesellig; zerstreut. Allium ursinumL., Bärenlauch, Wald-Knoblauch.*) 
B. Blätter sitzend, stengelumfassend. 

a. Blätter breit-lanzettlich, flach, am Rande wellig und kahl. — Blüten- 
schafl stielrund, hohl. Doldenscheide einklappig, zwei- bis dreispaltig. 
Dolde gewölbt, kapseltragend. Blütenhüllblätter weisslich, mit grünem 
Kiel. Fruchtknoten schwarz-grün. Blütezeit Mai. Höhe 60 bis 
100 cm. Auf Äckern und in Weinbergen; bei Wien, in Baden, im 
Elsass. Selten. (A. multibulbosum Jacquin.) A. nigrum L., Schwarzer 
Lauch.**) 

b. Blätter breit-lineal, gekielt, am Rande rauh oder gewimpert, den 
Stengel lanffscheidig umfassend. 

o o Ö 

a. Blätter am Rande gezähnelt-rauh. — Doldenscheide zwei- bis vier- 
spaltig. Dolde halbkugelig. Blütenhülle innen weiss, aussen rosen- 
rot, länger als die Staubblätter. Blütezeit April, Mai. Höhe 40 
bis 60 cm. 4. Auf Inseln im Adriatischen Meere. A. roseum L., 
Rosenfarhener Lauch. 

ß. Blätter am Rande zottig -gewimpert. Doldenscheide einklappig, 
ungeteilt. Dolde locker, wenig-gewölbt. Blütenhüllblätter weiss. 
Blütezeit April. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Auf Inseln im Adria- 
tischen Meere. A. suhhirsutum L., Zottig-gewimperter Lauch. 

Gattung 148: Scilla L., Meerzwiebel. 

A. Deckblätter für die einzelnen Blüten sind nicht vorhanden. 

1. Zwiebel zweiblätterig. Traube wenigblütig. — Schaft stieh'und. 
Blätter lineal-lanzettlich, etwas rinnig, meist etwas zurückgekrümmt, 
kahl. Blütenstiele aufrecht, untere etwas länger als die himmelblaue 
Blütenhülle. Blütezeit März, April. Narbe und Blütenstaub reifen 
gleichzeitig, stehen indes von einander entfernt; anfliegende Insekten 
(kleine Fliegen) vollziehen daher in der Regel Fremdbestäubung, doch 
findet auch Selbstbestäubung statt, da sich die abwelkende Blüte zu- 
sammenlegt. Höhe 10 bis 20 cm. 4. In Wäldern und auf Gras- 
plätzen; zerstreut. S. hifolia L., Zweihlätterige Meerzwiebel, 
Sternhyazinthe.***) 



*) Tafel 121A. Allium ursinum L. Blühende Pflanze. 
**) Tafel 121B. Allium nigrum L. Blühende Pflanze. 
***) Tafel 122 A. Scilla bifolia L. A blühende Pflanze, grosses, reichblütiges 
Exemplar; AI Blütenlängsschnitt; A 2 Staubblatt; A3 Fruchtknoten; A4 Längsschnitt 
durch den Fruchtknoten. 1 bis 4 vergrössert. 



Liliaceae. 301 

2. Zwiebel mehr blätterig. Traube reichblütig, anfänglich fast eben- 
sträussig, nach dem Blühen verlängert. Schaft stielrund. Die schmal- 
linealischen, rinnigen Blätter erscheinen erst nach der Blütezeit. 
Blütenstiele abstehend, mehreremal länger als die rosenrote oder 
violette Blütenhülle. Blütezeit August, September. Höhe 15 bis 
25 cm. 4. Auf Kalkhügeln; Elsass, Südtirol und im Littorale. 
Scilla autumnalis L., Herbst-Meerzwiebel. 
B. Die einzelnen Blüten besitzen ein Deckblatt. 

1. Traube 2- bis 5 blutig. Blütendeckblättchen sehr kurz, viel kleiner 
als das Blütenstielchen. — Zwiebel zwei blätterig. Blütenschaft kantig. 
Blätter lanzettlich, gegen ihre Spitze etwas verbreitert und kapuzen- 
förmig-zusammengezogen. Blüten länger als ihr Stiel, himmelblau. 
Blütezeit April, Mai. Höhe 10 bis 25 cm. 4. In Wiesen und 
Baumgärten; nördlich bis zum Harz vordringend; meist wohl nur aus 
Gärten verwildert. S. amoena L., Schöne Meerzwiebel. 

2. Traube reichblütig. Deckblätter, wenigstens die grösseren, so lang 
wie ihr Blütenstiel. — Zwiebel mehrblätterig. Schaft kantig. Blätter 
schmal-lineal-lanzettlich. Blüten kürzer als ihr Stiel, blassblau. Blüte- 
zeit Aprü, Mai. Höhe 15 bis 20 cm. 4. An unfruchtbaren Orten 
und auf Feldern der Schweiz; selten aus Gärten verwildert. S. ita- 
lica L., Italienische Meerzwiebel. 

Gattung 149: Ornithogalum Tournefort, Vogelmilch, Milchstern. 

Alle Blätter sind grundständig, lineal oder lineal-lanzettlich; ihre ver- 
dickten AnsatzsteUen bilden die Zwiebel. Blütenstand traubig oder dolden- 
traubig. Blütenhülle ausgebreitet, mit 6 freien, welkend-bleibenden Blättern. 
Nektarien fehlen. Staubfäden 6, dem Blütenboden angeheftet. Fruchtknoten 
sitzend, Griffel mit kopfiger, schwach dreilappiger Narbe (VI, 1). Neben 
zwitterigen finden sich häufig Pflanzen, deren Staubbeutel sich nicht öfftien, 
die mithin weiblich genannt werden können. Frucht eine häutige Kapsel. 
Samen eiförmig, fast kugelig. 

A. Staubfäden (meist alle) blumenblattartig, jederseits neben dem Staub- 
beutel mit einem Zahne, auf ihrer Innenseite eine Leiste tragend. 
1. Innenleiste der Staubfäden zahnlos. Fruchtknoten eiförmig, kürzer als 
der Grifi^el. Kapsel genabelt. — Blütentraube ziemlich locker. Blüten- 
hülle grünlich - weiss. Blütezeit April, Mai. Erstmännlich. Höhe 
25 bis 50 cm. 4. In Wiesen, Äckern, Weinbergen; zerstreut; oft 
ein lästiges Unkraut. (Myogalum nutans Link; Albucea nutans 



302 Liliaceae. 

Reichenbach.) Ornithogalum uutaus L., Nickender Milch- 
stern.*) 

2. Innenleiste der Staubfäden mit einem Zahne endigend. Fruchtknoten 
kegelförmig, so lang als der Griifel. Kapsel nicht genabelt. — Im 
übrigen der vorigen sehr ähnlich. Blütezeit April, Mai. Höhe 25 
bis 50 cm. 4. Aus Gärten verwildert; zerstreut. (Myogalum 
Boucheanum Kunth; Albucea chlorantha Reichenbach; 0. chloranthum 
Sauter.) 0. Boucheanum Ascherson, Ctrünhlütiger Milchstern. 
B. Staubfäden linealisch-pfriemlich, nicht blumenblattartig-verbreitert. 

1. Blüten schwefelgelb, mit grünem Rückenstreif, seltener grünlich- gelb, 
in sehr verlängerter, reichblütiger, 20- bis 50 blutiger Traube. — Blüten- 
stiele abstehend, fruchttragende an den Schaft angedrückt. Blütezeit 
Mai, Juni. Höhe 50 bis 80 cm. 4. In Wiesen und Hecken, auf 
buschigen Hügeln; im westlichen Teile des Gebietes, in der südlichen 
Schweiz und Tirol; sonst sehr selten. 0. sulphureum Roemer 
und Schultes, Schwefelgelher Milchstern. 

2. Blütenhülle weiss oder grünlich und weiss. 

.^L. Blütentraube verlängert, nicht ebensträussig. 

a. Blütenhülle rein weiss, aussen nicht mit grünem Mittelnerv. 
a. Traube gedrungen, ziemlich lang. Fruchtknoten eiförmig. 
aa. Fruchtstiele dem Blütenschafte anliegend. — Blätter 
lineal, schwachrinnig , plötzlich in eine stumpfe Spitze 
zusammengezogen. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 30 bis 
50 cm. 4. Auf Äckern im Littorale. 0. stachyoides 
Roemer und Schultes, Ziestartiger Milchstern. 
&&. Fruchtstiele bogig-gekrümmt, aufstrebend. — Blätter 
schmal-lineal, rinnig. Blütenstiele rechtwinklig abstehend. 
Blütezeit Juni. Höhe 10 bis 15 cm. 4. Obstgärten 
bei Steier in Österreich. 0. arcuatum Steven, Bogen- 
stieliger Milchstern. 
h. Traube locker, zuletzt bis 60 cm lang. Fruchtknoten kreisei- 
förmig. Fruchtstiele dem Blütenschaft angedrückt. — Blätter 
lineal-lanzettlich, flachrinnig, graugrün. Blütezeit Juli. Höhe 
50 bis 80 cm. 4. Auf Äckern und Wiesen, um Wien; 
wohl nur verwildert. 0. narhonense L., Narhonner 
oder Pyramidenhlütiger Milchstern. 



*) Tafel 123. Ornithogalum nutans L. AB blühende Pflanze; 1 Blüte 
nach Entfernung der Blütenhüllblätter; 2 Staubblätter; 3, 4 und 5 einzelne Staub- 
blätter; 6 Fruchtknoten; 7 Narbe; 8 Querschnitt durch den Fruchtknoten, ver- 
grössert. 



Liliaceae. 303 

ß. Blütenhülle wenigstens aussen mit grünem Mittelnerv. 

a. Blutenhülle beiderseits grün, weissberandet. — Blätter lineal, 
tiefrinnig, blaugrün. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 5 bis 8 cm. 4. 
Auf Ackern, Wiesen, in Hecken und Gebüschen, in den 
Alpenländern; selten. Ornithogalum pyrenaicum L., 
Pyrenäen-Milchstern. 
h. Blütenhülle innen weiss, aussen mit grüner Mittelrippe. 
aa. Blätter lineal-rinnig, feinstachelig-gewimpert, Blüten- 
stand anfangs eine gedrungene Doldentraube, zuletzt ver- 
längert. Blüten- und Fruchtstiele schief-abstehend. — 
Blütezeit Mai, Juni. Höhe 10 bis 20 cm. %. Auf 
trockenen, sandigen Abhängen in Niederösterreich. 
0. comosum L., Schopfblütiger Milchstern. 

hh. Blätter lineal-rinnig, nicht gewimpert. Blütenstand eine 
etwas gedrungene Traube. 

aa. Blütenstiele erst aufwärts, nach dem Blühen wage- 
recht-abstehend; Fruchtstiel aufrecht. — Blütezeit 
Juni. Höhe 10 bis 30 cm. %. Auf Ackern, in 
schattigen Wiesen; bei Wien; selten. 0. pyrami- 
dale L., Pyramidenhlütiger Milchstern. 
ßß. Fruchtstiele zurückgebrochen, Früchte aber aufwärts- 
gebogen. Hierher bloss verblühte Exemplare von 
0. refr actum Kitaibel, Zurückgehrochener 
Milchstern (siehe unten). 
B. Blütenstand doldentraubig (ebensträussig). Blüten innen weiss, 
aussen mit grünem Mittelstreif. 
a. Fruchtstiele aufrecht abstehend. 

a. Blütenstiele zuletzt alle ungefähr gleich lang. Blütenhüll- 
blätter länglich-stumpf. Hierher eben aufgeblühte Exemplare 
von 0. comosum L., Schopf blutiger Milchstern (s. vorhin). 
&. Untere Blütenstiele länger. Blütenhüllblätter breit-länglich. — 
Blätter schmal-lineal. Blütezeit April, Mai. Kapsel verkehrt- 
eiförmig, am Scheitel stark vertieft, mit 6 bogenförmigen 
Kanten. Höhe 8 bis 20 cm. 4. Auf Wiesen und in Busch- 
hügeln in Schlesien, in Böhmen, Mähren; selten. (0. colli- 
num Koch.) 0. tenuifolium Jussieu, Schmalblätteriger 
Milchstern. 
ß. Fruchtstiele nicht aufrecht abstehend. 



304 Liliaceae. 

a. Untere Fruchtstiele wagerecht abstehend, mit aufstrebender 
Frucht. — Blätter linealisch, Blütenhüllzipfel länglich, 
stumpf. Kapsel keulenförmig, etwas gestutzt und vertieft, 
Blütezeit April, Mai; Erstweiblich. Höhe 10 bis 30 cm. 
%. Auf Wiesen häufig, doch nicht überall; oft ein lästiges 
Unkraut. Ornithogalum umbellatum L., Doldentragender 
Milchstern. 

h. Fruchtstiele zuletzt zurückgebrochen, Früchte aber aufwärts 
ffebosren. Doldentraube zuletzt in eine Traube übergehend. — 
Blätter viel länger als der Fruchtstand. Blütezeit April, Mai. 
Höhe 10 bis 15 cm. 4. In Ackern und Weinbergen bei 
Triest. 0. refractum Kitaibel, Ziirückgel)rochener 
Milchstern. 

Gattung 150: Anthericum L., Graslilie. 

Blätter grundständig, am Grunde scheidig, grasartig-linealisch, flach- 
rinnig, bläulich-grün. Blüten traubig. Blütenhülle zart, weiss, radförmig, 
aus 6 freien Blättern bestehend, nach dem Verwelken stehenbleibend. Staub- 
beutel pfeilförmig, in dem Ausschnitte eingefügt. Griffel ungeteilt. VI, 1. 
Blütenstaub und Narbe sind gleichzeitig reif. Nektarsuchende Insekten 
(Bienen, Fliegen, Käfer) berühren in der Regel zuerst die Narbe und be- 
wirken so Fremdbestäubung. Frucht eine stumpf-dreikantige Kapsel. Samen 
schwarz, kantig, mit krustiger Samenschale. 

1. Blütenschaft völlig einfach, unverzweigt. Blüten in lockerer Traube. 
Griffel etwas abwärts gebogen. Kapsel eiförmig. — Blütezeit Mai, 
Juni. Höhe 30 bis 60 cm. 4. Auf trockenen Anhöhen, in Wein- 
bergen und Kiefernwäldern; zerstreut. A. LiliagO L., Astlose oder 
Grossblütige Graslilie.*) 

2. Blütenschaft ästig. Griffel gerade. Kapsel kugelig. Der vorigen sehr 
ähnlich, aber in allem kleiner. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 
60 cm. 4. Auf sonnigen, bewaldeten Hügeln; zerstreut. A. ramo- 
sum L., Ästige oder KleinWütige Graslilie. 

Die Abart fallax Zabel. Trügerische Graslilie hat einen 
einfachen Blütenschaft mit traubigem Blütenstand. In Schlesien. 

Gattung 151: Paradisia Mazzucati, Paradieslilie. 

Blätter grundständig, lineal. Blütenschaft 30 bis 50 cm hoch, in einer 
einfachen Traube 3 bis 5, 4 bis 4^/2 cm grosse, weisse Blüten tragend. 



*) Tafel 122 ß. Anthericum Liliago L. B blühende Pflanze. Bl Kapsel, 
verarrössert. 



Liliaceae. 3()5 

VI, 1 ; 4. — Blütezeit Juli. Auf Triften der Alpen und Voralpen in Öster- 
reich, der Schweiz, dem Jura. (Czackia Liliastrum Andrzejowski, Anthericum 
Liliastrum L.) Paradisia Liliastrum Bertoloni, Paradieslilie. 

Gattung 152: Asphodelus L., Affodill. 

Wurzel mit büschelig-gehäuften Knollen. Blätter schmal-linealisch, mit 
scheidigem, hautartigem Grunde, stengelumfassend, derb. Blüten in Trauben 
oder traubigen Rispen. Blütenhülle sechsteilig, trichterig. Staubfäden an 
ihrem Grunde verbreitert, den Fruchtknoten klappig einhüllend. Griffel 
fadenförmig; Narbe kopfig. VI, 1. Frucht eine dreifächerige Kapsel. Samen 
mit krustiger, grauschwarzer Schale. 

A. Blätter alle grundständig. Blüten weiss. 

1. Blütenstand eine Rispe. Kapsel kugelig. — Blütezeit April, Mai. 
Höhe 30 bis 100 cm. 4. Im Littorale; selten. A. ramosus L., 
Istiger AjöfodiU. 

2. Blütenstand eine Traube. Kapsel eiförmig -dreikantig. — Blütezeit 
Mai. Schwach nachstäubend. Höhe 50 bis 120 cm. 4. Auf Bergen 
und Voralpen in der Schweiz, Südtirol, Krain und im Littorale. 
A. albus Miller, Weisser Affodill. 

B. Stengel beblättert. Blüten gelb oder grünlich-gelb, in Trauben. (Aspho- 
deline Reichenbach.) 

1. Stengel bis zur Blütentraube mit Blattscheiden besetzt. Blätter glatt. — 
Blütezeit Mai, Juni. Höhe bis 1 Meter. 4. Auf Felsen im Littorale. 
A. luteus L., Oelber Affodill.*^ 

2. Stengel oben nicht mit Blattscheiden besetzt. Blätter rauh. — Blüte- 
zeit Juni, Juli. Höhe 50 bis 80 cm. 4. Im Littorale. A. libur- 
uicus Scopoli, Liburnischer Affodill. 

Gattung 153: Narthecium Möhring, Beinheil. 

Wurzelstock kriechend. Grundständige Blätter linealisch-schwertförmig. 
Blütenschaft mit kleinen, linealischen Blättchen. Blüten in einer einfachen 
Traube, langgestielt. Blütenhülle innen gelblich, sechsblätterig; jedes Blatt 
an seinem Grunde mit einem Staubblatte, dessen Faden zottig-behaart ist. 
Windblütler und von Bienen besuchte Pollenblume. VI, 1. Frucht eine 
dreifächerige, spitze Kapsel. Samen mit an beiden Seiten lang-vorgezogener, 
häutiger Schale. Blütezeit Juli, . August. Höhe 10 bis 30 cm, 4. Auf 



*) Tafel 124. Asphodelus luteus L. AB blühende Pflanze; 1 Staubblätter 
und Stempel; 2 aufgesprungene Kapsel; 3 Same; 4 desgl. im Längsschnitt, vergrössert. 

Thome, Flora. II. Aufl. 20 



306 



Liliaceae. 



Torfmooren im nördlichen Teile des Gebietes. (Anthericum ossifragum L.) 
Nartliecium ossifragum Hudson, Gemeines Beinheil. 

Gattung 154: Hemerocallis L., Taglilie. 

Wurzeln mit büschelig-gehäuften Knollen. Stengel beblättert, ober- 
wärts fast gabelästig. Blätter linealisch-gekielt. Blüten gross, sechsteilig, 
glockenförmig. VI, 1. Staubblätter im Schlünde der Blütenhülle eingefügt. 
Fremdbestäubung notwendig. Kapsel eiförmig. 

1. Blütenhülle hellgelb, mit nervigen, aber nicht queraderigen Zipfeln. 
Blätter lineal. Wohlriechend. — Blütezeit Juni. Höhe bis 100 cm. 4. 
Auf Grasplätzen, sumpfigen Orten und an Grabenrändern; selten und 
wohl nur verwildert. H. flava L., Gelbe Taglilie.*) 

2. Blütenhülle rotgelb, mit nervigen und queraderigen Zipfeln. Blätter 
breit-lineal. Geruchlos. — Blütezeit Juni. Höhe bis 100 cm. 4. In 
Weinbergen, Grasplätzen, an Ufern, in der Schweiz, Kärnten, Thü- 
ringen; selten und wohl nur verwildert. H. fulva L., Rotgelbe 
Taglilie.**) 

Gattung 155: Muscari Toumefort, Bisamhyacinthe. 

Zwiebelgewächse mit nur grundständigen, linealen, rinnigen Blättern. 
Blüten in Trauben; die obersten sind unfruchtbar und oft anders gefärbt 
als die unteren, sie dienen als Schauapparat zum Anlocken von Bestäubern; 
doch ist auch Selbstbestäubung möglich, zum Teil unvermeidlich. Blüten- 
hülle röhrig-krugförmig, an ihrem Schlünde zusammengezogen, an ihrem 
Rande mit 6 kleinen Zähnchen. Staubblätter 6, der Mitte oder dem oberen 
Teile der Blütenhülle eingefügt. Fruchtknoten dreikantig, kugelig; Griffel 
linealisch; Narbe fast dreieckig. VI, 1. Frucht eine scharf - dreikantige 
Kapsel. 

A. Blütentraube sehr locker, verlängert; Zwitterblüten so lang oder etwas 
länger wie ihre Stiele; obere unfruchtbare Blüten 4- bis 6 mal kürzer 
als ihre Stiele. 

1. Fruchtbare Blüten weiss-grünlich, nur wenig eingeschnürt; mit weit 
offener Mündung; Rand zahne nach aussen gebogen. Staubblätter in 
der Mitte der Blütenhülle eingefügt. Blätter meist gezähnelt. Un- 
fruchtbare Blüten amethystfarbig; untere mit weiss-gelbem Saum; 



*) Tafel 125 A. Hemerocallis flava L. AI Blütenlängsschnitt; A2 Staub- 
blätter; A3 Querschnitt durch den Fruchtknoten; A4 Griffel; A5 dessen oberes Ende 
mit der Narbe; A6 Längsschnitt durch den Fruchtknoten. 2 bis 5 vergrössert. 
**) Tafel 125 B. Hemerocallis fulva L. B Blütenstand nebst Blatt. 



Liliaceae. 307 

obere ohne solchen Saum. — Blütezeit Mai, Juni. Höhe 50 bis 
75 cm. 4. In Weinbergen, auf Äckern, ^Sandfeldeni; zerstreut; 
fehlt im nördlichen Teile des Gebietes. (Hyacinthus comosus L.) 
Museari comosum Miller, SchopfWütige Bisamhyacintlie.*) 
2. Fruchtbare Blüten mit kleiner, stark eingeschnürter Mündung, grün- 
lich-weiss, nach der Mündung zu grün. Randzähne kaum gebogen, 
brandig-schwarzbraun. Staubblätter über der Mitte der Blutenhülle 
eingefügt. Blätter meist ganzrandig. — Blütezeit Mai, Juni. Höhe 
25 bis 50 cm. 4. Bergwälder; besonders auf Kalk; im mittleren 
Teile des Gebietes. (M. tubiflorum Steven.) M. tenuiflorum Tausch, 
Schmalblütige Bisamhyacinthe. 
B. Blütentraube gedrungen; untere Zwitterblüten überhängend, kurzgestielt; 
obere Blüten aufrecht, kürzer gestielt als die unteren, 

1. Blüten geruchlos. Blätter in geringer Anzahl (meist 2 bis 3), spatelig- 
lineal (nach oben zu breiter), kürzer oder nur eben so lang wie der 
Stengel, aufrecht. — Blüten fast kugelig-eiförmig, blau, mit weisslichen 
Zähnen. Blütezeit April, Mai. Höhe 10 bis 15 cm. 4. In Wein- 
bergen, auf Rainen, Triften, Ackern, in lichten Bergwäldern; zerstreut, 
oft nur verwildert; wild wohl nur in der Schweiz und Tirol. (Hya- 
cinthus botryoides L) M. botryoides Miller, Steif blätterige 
Bisamhyacinthe. 

2. Blüte nach Pflaumen riechend. Blätter zahlreich, lineal, meist länger 
als der Stengel, schlaff, bogenförmig-zurückgekrümmt. 

a. Klappen der Kapsel an der Spitze etwas ausgerandet. Blütenhülle 
eiförmig, dunkelblau, mit weisslichem Saum. Blätter oberwärts 
schmal-rinnig (binsenförmig). — Blütezeit April, Mai. Höhe bis 
30 cm. 4. Auf Grasplätzen, Ackern, in Weinbergen, verwildert; 
namentlich im südlichen Teile des Gebietes. (Hyacinthus race- 
mosus L.) M. racemosum Miller, Traubige Bisamhyacinthe.**) 

ß. Klappen der Kapsel an der Spitze gestutzt. Blütenhülle eirund- 
länglich. Blätter oberseits breit-rinnig, — Im allgemeinen in 
allen Teilen stärker als die vorige, derselben jedoch so ähnlich, 
dass sie auch als Abart derselben angesehen werden könnte. 
Blütezeit April, Mai. 4. Äcker, Weinberge in der Schweiz. 
M. neglectum Gussone, Übersehene Bisamhyazinthe. 



*) Tafel 126A. Museari comosum Miller. A blühende Pflanze. 
**) Tafel 126B. Museari raeemosum Miller. B blühende Pflanze; B l frucht- 
bare Blüte; ß2 desgl. im Längsschnitte; B3 und B4 Staubblätter; B5 Fruchtknoten; 
B6 und B7 Frucht; B8 Frucht im Querschnitte. 1 bis ö, 7 und 8 vergrössert. 

20* 



308 Lüiaceae. 

Gattung 156: Endymion Dumortier, Sternhyazinthe. 

Zwiebelpflanze mit breit-linealischen, grundständigen Blättern. Blüten 
in überhängender Traube, mit je 2 Deckblättern. Blütenhülle glockig- walzen- 
förmig, tief-sechsteilig, mit zurückgekrümmten, linealen Zipfeln, blau, rötlich 
oder weiss. Staubblätter dem Grunde der Blütenhülle eingefügt. Blütezeit 
Mai. Höhe 30 cm. 4, In schattigen Hainen, im nördlichen Teile des 
Gebietes; sehr selten. (E. nutans Dumortier; Agraphis nutans Link; Hya- 
cinthus non scriptus L.) E. non scriptus Garcke, Unbeschriebene 
Sternhyazinthe. 

8. Unterfamllie : Asparagoideae, Spargelgenächse. 

Ausdauernde Pflanzen oder Halbsträucher mit kriechendem Wurzelstocke 
und abwechselnden oder quirlständigen Blättern. Bisweilen sind die Blätter 
klein und schuppenförmig; dann sind die Äste blattartig erweitei't (Ruscus). 
Die Blüte ist meist durch alle Kreise dreizählig (zweizählig bei einzelnen 
Maianthemum; vier-, selten fünfzählig bei Paris). Die Blütenhülle ist meist 
blumenkronartig. Der Fruchtknoten ist gewöhnlich dreifächerig; er enthält 
in jedem Fache eine oder mehrere Samenanlagen und bildet eine saftige, 
dünnschalige Beere. Die Samen haben meist eine häutige, zuweilen eine 
krustige Samenschale. Der kleine Keimling ist von einem fleischigen oder 
hornigen Sameneiweiss umschlossen. Bei uns 7 Gattungen: 
A. Die Laubblätter sind normal entwickelt. Die Samenschale ist häutig. 
Ä. Blüten zwitterig. 

a. Die Staubblätter stehen auf dem Blütenboden. Blüte 4-, selten 
5gliederig. Gattung 157: Paris L., Einbeere. 

b. Die Staubblätter stehen auf der meist dreighederigen Blütenhülle. 

1. Die Staubbeutel öffnen sich nach innen. 

a. Die Blütenhülle ist röhren- bis glockenförmig. Gattung 158. 

Convallaria L., Maiblume, Weisswurz. 
ß. Die Blütenhülle ist fast bis zum Grund geteilt. Gattung 159. 

Maianthemum Weber, Schattenblume. 

2. Die Staubbeutel öffiuen sich nach aussen. Gattung 160: Strep- 
topus Richard, Knotenfuss. 

B. Blüten zweihäusig. Gattung 161: Smilax Tournefort, Stech- 
winde. 

B. Die Blätter sind klein und häutig, die Zweige zum Teil nadel- oder 
laubblattförmig. 

1. Die Blätter sind sehr klein, schuppenförmig, fleischig bis häutig; in 



Liliaceae. 309 

ihren Achseln stehen Büschel blattartiger, kleiner, nadelartiger, linea- 
lisch-ovaler Zweige. Die Staubfäden (6) sind frei. Die Samenschale 
ist krustig. Gattung 162: Asparagiis L, Spargel. 
2. Die Blätter sind klein," häutig und schuppenförmig; in ihren Achseln 
stehen laub blattartige, breite, lederige, ausdauernde Zweige. Die 
Staubfäden (3 oder 6) sind röhrenförmig-verwachsen. Gattung 163: 
Ruscus L, Mäusedorn. 

Gattung 157: Paris L-, Einbeere. 

Wurzelstock kriechend. Stengel einfach, an seinem Grunde mit einem 
scheidenförmigen, zweiteiligen Blatte, an seiner Spitze 4 wirtelständige, 
elliptische, umgekehrt- eiförmige, kurz-zugespitzte, fast sitzende Blätter tragend. 
Stengel und Blätter kahl. Blüte einzeln, gestielt, endständig. Blütenhülle grün, 
aus 2 vierblätterigen Wirtein bestehend; Blätter des äusseren Kreises lan- 
zettlich, die inneren sehr schmal linealisch, oft bleicher. Staubfäden 8; 
Mittelband pfriemenförmig, den langen Staubbeutel überragend. Frucht- 
knoten sitzend, fast kugelig, 4 fächerig, 4 narbig (VIII, 4). Die Samenan- 
lagen sitzen zweireihig im Innenwinkel des Faches. Frucht eine kugelige, 
schwärzliche Beere. Selten sind Blätter und Blütenteile 5 zählig. Blütezeit 
Mai. Stark nachstäubend, gilt als Aasfliegen-Täschblunie, doch kann auch 
Selbstbestäubung stattfinden, da sich beim Abwelken die Staubbeutel an 
die Narbe anlegen, 4. Höhe 15 bis 30 cm. Giftig. In feuchten Wäldern, 
auf fettem Boden; zerstreut. P. quadrifolia L., Yierblätterige Ein- 
beere.*) 

Gattung 158: Convallaria L, Maiblume, Weisswurz. (VI, 1.) 

A, Blütenhülle röhrig mit kurz-sechsspaltigeni Saume, an der Spitze meist 
griinlich; Staubbeutel in der Mitte der Röhre eingefügt. Blütenstaub 
und Narbe reifen gleichzeitig. (Polygonatum Toumefort.) 

1. Blätter zu 3 bis 7 quirlständig, schmal-lanzettlich-lineal, spitz zu- 
laufend, kahl. — Stengel kantig. Blüten zu 1 bis 3. Beeren rot. 
Blütezeit Mai, Juni. Von zahlreichen Bienen und kleinen Faltern 
besucht. Höhe 30 bis 60 cm. 4. In schattigen Gebirgswäldern ; in 
der Ebene selten. (Polygonatum verticillatum Allioni.) C. verti- 
cillata L., Quirlblätterige Weisswurz. 

2. Blätter wechselständig, eilänglich bis elliptisch. 



*) Tafel 127. Paris quadrifolia L. AB blühende Pflanze; 1 Blütenlängs- 
schnitt; 2 Staubblätter mit dem verlängerten Mittelbande; 3 Griffel und Narben; 
4 Beere; 5 und 6 Same. 1 bis 6 vergrössert. 



310 Liliaceae. 

a. Stengel stielrund. Staubfäden behaart. Pflanze, mit Ausnahme 
der Staubfäden, völlig kahl, Blätter stengelumfassend, länglich 
oder länglich-lanzettlich. Blüten zu 2 bis 5. Beeren schwarz- 
violett. Blütezeit Mai, Juni. Hummelblume. Höhe 30 bis 60 cm. 
%■. In schattigen Wäldern häufig. (Polygonatum multiflorum 
Allioni.) Convallaria multiflora L., Yielbltttige Weisswurz.*) 

b. Stengel kantig. Staubfäden kahl. 

a. Pflanze kahl. Blätter ungestielt, stengelumfassend. Blüten zu 
1 bis 2. Beeren schwarz-violett. Blütezeit Mai, Juni. Hummel- 
blume, Höhe 30 bis 50 cm. 4. In Laubwäldern, Heidewiesen; 
nicht selten. (Polygonatum officinale Allioni.) C. Polygona- 
tum L., Salomonssiegel. 
ß. Stengel oberwärts, samt den Blütenstielen und den Rückennerven 
der Blätter flaumig-behaart. Blätter kurzgestielt. Beeren schwarz- 
violett. Blütezeit Juni, Juli. Höhe 30 bis 50 cm. A-. In 
Gebirgswäldern Österreichs und Steiermarks. (Polygonatum 
latifolium Desfontaines.) C. latifolia Jacquin, BreitWätte- 
rige Weisswurz. 
B, Blütenhülle glockig, mit kurz-sechsspaltigem Saume, weiss; Staubfäden 
an deren Grunde angeheftet, — Blütenschaft halbstielrund mit einseits- 
wendig-überhängender Blütentraube. Blätter meist 2, elliptisch-lanzettlich, 
spitz, langgestielt. Beeren rot. Blütezeit Mai, Juni. Wohlriechend, 
honiglos, schwach erstmännlich; neben der Bestäubung durch Blüten- 
staub sammelnde Insekten, namentlich die Honigbienen, findet sich auch 
Selbstbestäubung. Höhe 15 bis 25 cm. 4. Enthält Giftstoffe. In 
Laubwäldern häufig. (Polygonatum maiale Allioni.) C. maialis L., 
Maiglöckchen.**) 

Gattung 159: Maianthemum Weber, Schattenblume. 
Hierher nur M. bifolium Schmidt (Convallaria bifolia L., Smilacina 
bifolia Desfontaines) Zweiblätterige Schattenblume. Stengel aufrecht, 



*) Tafel 128. Convallaria multiflora L. A blühende Pflanze; 1 Knospe 
und Blüte; 2 Blütenlängsschnitt; 3 Staubblätter; 4 Stempel; 5 Längs-, 6 Querschnitt 
durch den Fruchtknoten ; 7 Frucht; 8 Querschnitt durch die Frucht ; 9 Samen; 10 Längs- 
schnitt durch den Samen. 1 bis 10 vergrössert. 

**) Tafel 129. Convallaria maialis L. A Blühende Pflaaze; 1 Blüte im 
weiblichen Zustande; 2 Blütenlängsschnitt (Blüte im männlichen Zustande) 3 Staub- 
blätter; 4 Stempel; 5 Narbe; 6 Querschnitt durch den Fruchtknoten; 7 Frucht; 
8 desgl. im Querschnitte; 9 Same; 10 desgl. im Längsschnitt, um den kleinen im Eiweiss 
gebetteten Keimling zu zeigen. 1 bis 6, 9 und 10 vergrössert. 



Liliaceae. 311 

stielrund, mit 2 gestielten, wecliselständigen , herzförmigen, bogennervigen 
Blättern. Ganze Pflanze kahl. Blüten in endständiger Traube, vierzählig. 
(IV, 1.) Blütenhülle weiss. Beere erst weisslich, später glänzendrot. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Erstweiblich, mit langlebiger Narbe; Fremdbestäubung 
(durch kleine Fliegen) begünstigt, doch tritt auch häufig Selbstbestäubung 
ein. Höhe 8 bis 15 cm. 4. In schattigen Wäldern häufig.*) 

Gattung 160: Streptopus Richard, Knotenfuss. 

Hierher nur S. amplexifolius De Candolle (Uvularia amplexifolia L.), 
Steugelumfassender Knotenfuss. Stengel einfach oder ästig, stielrund, 
zickzackförmig-gebogen, zweizeilig, mit stengelumfassend-sitzenden, herz- 
förmigen, zugespitzten Blättern besetzt. Ganz kahl. Blüten zu 1 bis 2, 
scheinbar blattgegenständig, auf langen, knieförmig-gebogenen Stielen. 
Blütenhüllzipfel auswärts-gebogen, grünlich-weiss, innen und an den Rändern 
rot gefleckt. Blütezeit Juli, August. (VI, 1.) Beeren rot. Höhe 15 bis 
100 cm. 4. In feuchten Wäldern der höheren Gebirge, Voralpen und 
Alpen; zerstreut. 

Gattung 161: Smilax Tournefort, Stechwinde. 

Hierher nur S. aspera L., Rauhe Stechwinde. Stengel dünn, schlingend, 
bis 1 Meter hoch, stachelig, zickzackförmig-gebogen, meist unverzweigt. 
Blätter gestielt, herz- bis spiessherzförmig, lederig, am Rande und an den 
7 bis 9, bogigen Längsnerven dornig -gewimpert, Wintergrün. Blüten in 
achselständigen Rispen, gelblich-grün, zweihäusig (XXII, 6). Blütenhüll- 
blätter 6, lanzettlich; männliche Blüte ausserdem mit 6 Staubblättern, deren 
Staubbeutel sich nach innen durch Längsspalten ööhen; weibliche mit drei- 
fächerigem, durch eine fast sitzende, dreilappige Narbe gekröntem Frucht- 
knoten. Beeren kugelig, rot, 1- bis 3 sämig. Blütezeit August, September. 4. 
In Gebüschen am Adriatischen Meere. 

Gattung 162: Asparagus L., Spargel. 

Wurzelstock ausdauernd, schuppig beblättert, kriechend. Stengel ver- 
zweigt, meist krautig, mit zerstreut-stehenden, schuppenförmigen, fleischigen 
bis häutigen Blättern. Letztere entwickeln in ihren Achseln Büschel nadel- 
artiger, seltener linealischer, blattartiger Zweige (Cladodien, Phyllocladien); 
von diesen Zweigen werden die äussersten rechts und links, beziehungsweise 



*) Tafel 130. Maianthemum bifolium Schmidt. A blühende Pflanze; 
B Fruchtstand; 1 Blütenknospe; 2 geöffnete Blüte; 3 Querschnitt durch die Frucht; 
4 Same; 5 und 6 Längs- und Querschnitt durch den Samen. 1, 2, 5 und 6 vergrössert. 



312 Liliaceae. 

nur einer derselben, zu Blütensprossen, während der mittlere sich verlängern 
und ähnliche Zweigbüschel tragen kann. Infolge dieses Entwicklungsganges 
stehen die Blüten auf gegliederten Stielen; sie sind klein und meist zwei- 
häusig, seltener zwitterig, doch ist im ersteren Falle meist eine Andeutung 
der nicht zur völligen Ausbildung gelangten Organe vorhanden. Blüten- 
hülle glocken- oder trichterförmig, tief-sechsteilig. Die 6 Staubblätter (VI, 1, 
beziehungsweise XXII, 6) entspringen nahe dem Grunde der Abschnitte der 
Blütenhülle und tragen ihi-e Staubbeutel auf dem Rücken angeheftet. Frucht- 
knoten dreifächerig, Griffel kurz mit dreilappiger Narbe; abfallend. Beere 
kugelig, rot, oft ein sämig. Keimling gekrümmt, in einem hornigen Ei weiss 
eingeschlossen. Die hier zu besprechenden Arten sind alle einander sehr 
ähnlich. 

A. Stengel krautig, nicht überwinternd. 

1. Der Blütenstiel ist in seiner Mitte oder über derselben gegliedert, das 
Stück von dem Gelenk bis zur Blütenhülle ist fast so lang wie diese. 
Cladodien stielrund, nadeiförmig. Blütenhülle der zwitterigen und der 
weiblichen Blüten kugelig, der männlichen länglich. Neben wenig 
zwitterigen finden sich zahlreiche männliche und weibliche Stöcke 
und solche mit zwitterigen und männlichen Blüten. Von den Be- 
stäubern, namentlich Bienen, werden die augenfälligeren männlichen 
Blüten zuerst besucht. Blütezeit Juni, Juli. Beere rot. Höhe 60 bis 
125 cm. 4. Der wohlschmeckenden, jungen Sprosse halber häufig 
angebaut; an Waldrändern und Ufern, auf Wiesen verwildert. 
Aparagus officinalis L., Gemeiner Spargel.*) 

Nach der Farbe der jungen Sprosse kann man verschiedene 
Varietäten unterscheiden: yiridis grüner, pallidus weisser, ruflceps 
rotköpfiger Spargel. 

2. Der Blütenstiel ist ganz nahe der Blüte gegliedert. 

a. Zweige fein-kantig gerieft. Cladodien borstlich, an den Kanten 
gezähnelt-rauh. Blütezeit Mai, Juni. Auf Grasplätzen im süd- 
lichsten Teile des Gebietes. A. scaber B r i g n o 1 i , Rauher 
Spargel. 

ß. Zweige und Cladodien glatt und kahl; letztere haarfein. Blütezeit 
Mai, Juni. In Wäldern und auf Bergwiesen in Krain, Steiermark, 



*) Tafel 131. Asparagus officinalis L. A Wurzelstock mit jungem Spross; 
B Blüten-, C Frucht tragender Zweig; 1 Blüte; 2 männliche Blüte imLängsschnitte; 
3 Fruchtknoten, der seine Narbe bereits abgeworfen hat; 4 desgl. im Querschnitte; 
5 einsamige, unreife Beere im Querschnitte; 6 Same im Längsschnitte, um den Keim- 
ling in seinem Eiweisse zu zeigen. 1 bis 4 und 6 vergrössert. 



Amaryllidaceae. 313 

Istrien und dem Küstengebiete des Adriatischen Meeres. Asparagus 
tenuifolius L., Zartblätteriger Spargel. 

B. Bis mannshoher, holziger, überwinternder, immergrüner Strauch, Blüten- 
hülle gelb. Blütezeit Juni bis September. An Bergabhängen bei Triest, 
Fiume. A. acutifolius L., Spitzl)lätteriger Spargel. 

Gattung 163: Ruscus L., Mäusedorn. 

Kleine, ausdauernde, ästige Halbsträucher. Die Blätter sind sehr klein 
und schuppenförmig; in ihren Achseln entspringen einzelnstehende, flache, 
laubblattartige , lederige, ausdauernde Zweige (Cladodien). Letztere tragen 
auf dem Mittelnerv ihrer Unterseite, in der Achsel eines Deckblättchens auf 
der Spitze gegliederter Stiele die einzelnstehenden oder büschelig-gehäuften, 
zweihäusigen Blüten. (XXII, 10). Die 6, zwei dreigliederigen Kreisen 
angehörenden Blütenhüllblätter sind frei, oder an ihrem Grunde etwas mit- 
einander verwachsen. Die männlichen Blüten haben 6 oder 3, mit ihren 
Staubfäden und am Grunde ihrer Beutel miteinander verwachsene Staub- 
blätter und eine flaschenförmige Andeutung eines Fruchtknotens mit drei- 
lappiger Narbe. Die weiblichen Blüten haben einen sitzenden, dreifächerigen, 
von einem kurzen Griffel mit kopfiger Narbe gekrönten Fruchtknoten, der 
von einer krugförmigen Röhre, den unfruchtbaren Staubblättern, umgeben 
ist. Die Frucht ist eine 1-, 2- bis 6 sämige Beere. 

1. Stengel holzig, reich verzweigt. Cladodien klein, eiförmig, stachelspitzig- 
stechend, 1 bis l^/a cm lang. Blütezeit März bis Mai. 4. 30 bis 
60 cm hoch. An steinigen Orten in Südtirol und der Schweiz. R. acu- 
leatus L., Stechender Mäusedorn.*) 

2. Stengel krautig, wenig verzweigt, meist einfach. Cladodien elliptisch, 
zugespitzt, nicht stechend, etwa 3 cm lang. Blüten von einem ziemlich 
grossen, breit-lanzettlichen (zungeuförmigen) Blättchen gestützt. Blüte- 
zeit März bis Mai. 4. In Gebirgswäldern in Steiermark und Krain; 
selten. K. Hypoglossum L., Zungen-Mäusedorn. 



28. Familie: Amaryllidaceae, Amaryllisgewächse. 

Meist ausdauernde Zwiebelgewächse mit grundständigen, ganzrandigen 
an ihrem Grunde scheidenf örmigen , linealisch-rinnigen, mehr oder weniger 



*) Tafel 132. Ruscus aculeatus L. A Wurzelstock; B Blüten-, C Frucht- 
zweig; 1 männliclie Blüte mit 3 Staubblättern, deren Fäden eine Röhre bilden; 2 weib- 
liche Blüte, deren Fruchtknoten von den zu einer Röhre verwachsenen, unfruchtbaren 
Staubfäden (Staminodien) umgeben ist; 3 desgl. im Längsschnitte. 1 bis 3 vergrössert. 



314. Amaryllidaceae. 

fleischig-krautartigen Blättern. Die Blüten stehen einzeln oder zu mehreren 
in dolden-, köpfchen-, ähren- oder rispenartig aussehenden Blütenständen. 
Der Blütenstand ist in seiner Jugend meist eingeschlossen von zwei, mehr 
oder weniger miteinander verwachsenen Vorblättern. Die Blüten sind zwitterig 
und meist regelmässig. Die Blütenhülle ist oberständig, sechsblätterig oder 
röhrig-trichterig mit sechszipfeligem Saume, meist ist sie ansehnlich, zuweilen 
auch noch mit einer Nebenkrone versehen. Staubblätter sind 6 vorhanden; 
ihre meist beweglich auf dem Rücken angehefteten Staubbeutel öffnen sich 
nach innen zu. Der Fruchtknoten wird aus drei Fruchtblättern gebildet; er 
ist dreifächerig und enthält im Innenwinkel jedes Faches zahlreiche, meist 
zweireihig angeordnete Samenknospen. Die Frucht ist eine meist drei- 
facherige, vielsamige, fachspaltige, fleischige und beerenartige Kapsel. Die 
Samen enthalten einen kleinen Keim und ein grosses, derbfleischiges Eiweiss. 
Hierher 5 Gattungen: 

A. Zwiebelpflanzen. 

Ä. Blütenhülle ohne Nebenkrone. 
a. Blütenhülle getrenntblätterig. 

1. Die beiden Kreise der Blütenhülle sind einander ziemlich gleich; 
ihre Blätter sind an der Spitze verdickt und etwas kapuzen- 
förmig zusammengezogen. Die Blütenhüllblätter fallen beim 
Welken nicht ab. Gattung 164: Leucojum L., Knoten- 
blume. 

2. Die 3 äusseren Blätter der Blutenhülle stehen ab; sie sind 
grösser als die 3 inneren, glockig zusammengeneigten. Die 
Blütenhülle fällt beim Welken ab. Gattung 165: Galanthus L., 
Schneeglöckchen. 

ß. Die BlütenliüUblätfcer sind an ihrem Grunde miteinander ver- 
wachsen. Gattung 166: Sternbergia Waldstein und Kitaibel, 
Sternhergie. 
B. Die verwachsenblätterige, röhren- oder trichterförmig-glockige Blüten- 
hülle trägt in ihrem Schlünde eine ansehnliche Nebenkrone. Gat- 
tung 167: Narcissus L., Narzisse. 

B. Mächtige, zwiebellose Pflanzen mit kleinem, oberirdischem Stamme, der 
mit starren, fleischigen, am Rande stachelig-gezähnten, 1 bis 2 Meter 
langen und bis über 20 Centimeter breiten, dicken Blättern besetzt ist. 
Gattung 168: Agave L., Agave. 

Gattung 164: Leucojum L., Knotenblume. 

Zwiebelgewächse mit grundständigen, linealischen Blättern. Blütenschaft 
mit krautiger, röhrenartiger, zweikieliger Blütenscheide. Die Blätter der 



Ainaryllidaceae_ 315 

beiden Blütenhüllkreise sind einander fast gleich, mit kappenartig-zusammen- 
gezogener Spitze, beim Welken nicht abfallend. Die Staubbeutelfächer 
öffnen sich an ihrer Spitze mit einem kurzen Längsrisse. Kapsel fleischig, 
birnförmig, am Scheitel fachspaltig-aufspringend. Anfliegende Insekten be- 
rülu-en zuerst die Narbe, dann die Staubbeutel und führen so oft Fremd- 
bestäubung herbei. VI, 1. 

1. Schaft ein-, selten zweiblütig. Griffel keulenförmig. Samen mit bleicher, 
häutiger Schale und einem kammförmigen Anhängsel. — Blütenhülle 
urnenförmig, weiss mit grünlich-gelbem Fleck unter der Spitze. Blüte- 
zeit März, April. Höhe 10 bis 30 cm. In schattigen Laubwäldern, 
im mittleren und südlichen Teile des Gebietes, zerstreut; in Nord- 
deutschland sehr selten. Leticojum Yernuin L., Märzglöckchen, 
Frülilrngs-Knotenl)! iime.*) 

2. Schaft 4- bis 8 blutig. Griffel nur wenig keulig. Samen mit schwarzer, 
zerbrechlicher Schale ohne Anhängsel. — Blütenhülle weiss mit grün- 
lichem Fleck unter ihrer Spitze. Blütezeit Mai. Höhe 30 bis 50 cm. 
In nassen Wiesen; sehr zerstreut und selten. L. aestivum L., Sommer- 
Knotenbluine. 

Gattung 165: Galanthus L., Schneeglöckchen. 

Schaft einblütig. Blätter linealisch. Blüte von einer zweikieligen 
Scheide gestützt. Blätter des äusseren Kreises der Blütenhülle meist ab- 
stehend, bedeutend grösser als die zusammenneigenden Blätter des inneren 
Kreises; letztere weiss mit grünem Fleck vor ihrer herzförmig ausgeschnit- 
tenen Spitze. Staubblätter an ihrer Spitze mit kurzem Längsrisse aufspringend. 
Griffel fädlich. VI, 1, Frucht eine ovale, beerenartige, fachspaltige, 
dreiklappige Kapsel. Blütezeit Februar bis April. Bestäubung wie 
bei Leucojum. Höhe 8 bis 15 cm. In Hainen, Gebüschen, auf Wiesen; 
wild sehr selten, öfters verwildert. Gr. niTalis L., (xemeines Schnee- 
glöckchen.**) 



*) Tafel 133: Leucojum vernumL. A eben sich öffnende, zum Teil noch von 
der Blütenscheide umgebene Blütenknospe ; B blühende Pflanze ; 1 Blüte nach Entfernung 
des Griffels; 2 Blütenlängsschnitt; 3 zwei Staubblätter und der Griffel; 4 Frucht; 
5 desgl. aufgesprungen ; 6 Same ; 7 desgl. im Längsschnitte. 1 bis 5 und 7 vergrössert. 
**) Tafel 134. Galanthus nivalis L. A eben sich öffnende Blütenscheide; 
B Pflanze mit völlig aus ihrer Scheide herausgetretenen Knospe; G blühende Pflanze; 
1 Blütenlängsschnitt; 2 je ein Blatt des äusseren und des inneren BlütenhüUkreises ; 
3 Staubblätter; 4 Querschnitt durch den Fruchtknoten; 5 Frucht; 6 Querschnitt durch 
dieselbe; 7 Samen. 1 bis 4 und 7 b vergrössert. 



316 Amaryllidaceae. 

Gattung 166: Sternbergia Waldstein und Kitaibel, Sternbergie. 

Zwiebelpflanze mit schmal-linealischen Blättern. Blütenschaft einblütig, 
die Blätter nicht überragend, selten sind mehrere Blütenschafte vorhanden. 
Blüte mit trichteriger, sechsteiliger, aufrechter, goldgelber Blütenhülle; von 
einer kurzen Scheide gestützt. Frucht eine dreifurchige, fleischige Kapsel. 
VI, 1. Blütezeit September, Oktober. Höhe 20 bis 30 cm. Auf steinigen 
und grasigen Abhängen und Feldern Istriens. (Amaryllis lutea L.) S. lutea 
Kerner, Gelbe Sternbergie. 

Gattung 167: Narcissus L , Narzisse. 

Zwiebelpflanzen mit grundständigen, linealen Blättern. Blüten von einer 
Scheide gestützt. Blütenhülle an ihrem Grunde röhrig-verwachsen, mit 
röhrigem oder trichterförmig-röhrigem Saume; im Schlünde mit einer Neben- 
krone. Staubblätter der Blütenhülle eingefügt, mit auf dem Rücken ange- 
hefteten, beweglichen, ihrer ganzen Länge nach aufspringenden Staubbeuteln. 
Frucht eine beerenartige, dreifächerige, vielsamige Kapsel. 

A. Nebenkrone lang-glockig. Blüten meist einzeln, gelb. 

1. Nebenkrone becherförmig mit eingeschnitten-gekerbtem und gefaltetem 
Rande, so lang oder länger wie die BlütenhüUzipfel ; beide lebhaft 
gelb. Wohlriechend. Blüten einzeln. — Blütezeit März bis Mai. 
Höhe 20 bis 35 cm. Auf Gebirgswiesen und in Gebüschen im süd- 
lichen und westlichen Teile des Gebietes; selten; mitunter verwildert. 
N. Pseudo-Narcissus L., Uneclite oder Gemeine Narzisse. 

2. Nebenkrone glockig, halb so lang wie die BlütenhüUzipfel, erstere 
lebhaft-, letztere sehr bleich-gelb. — Blüte meist einzeln, selten bis 3. 
Wohlriechend. Blütezeit April, Mai. Höhe 30 bis 40 cm. Auf 
Wiesen und in Baumgärten bei Wien, in Tirol und den Vogesen. 
(N. Pseudo-Narcissus X poeticus?) N. incomparabilis Curtis, Un- 
vergleicWiclie oder Schöne Narzisse. 

B. Nebenkrone schüsseiförmig, viel kürzer als die BlütenhüUzipfel. 

a. Blüten zu mehreren, gelb; Nebenkrone dunkler als die BlütenhüU- 
zipfel, ganzrandig. Blütezeit März. Wohlriechend. Höhe 30 bis 
40 cm. An unfruchtbaren und steinigen Abhängen in Südistrien. 
N. Tazetta L., Tazette,^ Doldennarzisse. 

b. Stengel 1- bis 3 blutig. Blütenhülle weiss. 

a. Nebenkrone gelb, hellrandig, eingeschnitten-gekerbt. BlütenhüU- 
zipfel schmutzig-weiss. Stengel meist zweiblütig. — Blütezeit 
April, Mai. Höhe 30 bis 40 cm. Auf Wiesen in Steiermark, 



Dioscoreaceae. 3|7 

Tirol und der Westschweiz. Narcissus Ibiflorus Curtis, Zwei- 
blütige Narzisse. 

ß. Nebenkrone gelblich mit rotem Rande. Stengel meist einblütig. 

1. Blütenhüllzipfel. eiförmig, mit den Rändern einander deckend. 
Nebenkrone am Rande wellig, ungleich-gekerbt. Fruchtknoten 
zur Blütezeit oberwärts zweischneidig - zusammengedrückt. — 
Blütezeit Mai. Selbstbestäubung unvermeidlich. Wohlriechend. 
Höhe 20 bis 40 cm. Auf Wiesen und in Gebüschen im süd- 
lichen Teile des Gebietes, im nördlichen wohl nur aus Gärten 
verwildert. N. poeticiis L., Echte Narzisse.*) 

2. Blütenhüllzipfel länglich, sich mit den Rändern kaum, meist 
nicht berührend. Nebenkrone am Rande Avellig, ungleich- 
mässig-gekerbt. Fruchtknoten stielrundlich. — Blütezeit A^ril, 
Mai. Höhe 20 bis 30 cm. Auf Gebirgswiesen der Alpen, in 
der Schweiz und Steiermark. N. radiiflorus Salisbury, 
Strahlenhlütige Narzisse. 

Gattung 168: Agave L., Agave. 

Zwiebellose Pflanze mit dick - fleischigen , starren, am Rande meist 
stachelig-gezähnten, lanzettlichen, spitzen, 1 bis 2 Meter langen und 20 und 
mehr Centimeter breiten, grundständigen, blaugrauen Blättern. Blütenschaft 
bis über 10 Meter hoch, mastartig aufsteigend, mit kandelaberartig-rispigem 
Blütenstande, der sehr viele (mehrere Tausend), einschliesslich der hoch aus 
der Blütenhülle hervorragenden Staubblätter 12 bis 13 cm lange, hellgrüne 
Blüten trägt. Die Pflanze stammt aus Mexiko; sie geht nach der Blüte, die 
in ihrer Heimat mit dem 5. oder 6. Jahre, in unseren Gewächshäusern mit 
dem 30. bis 40. Jahre, oder noch später erfolgt (daher Hundertjährige Aloe 
genannt), zu Grunde, erhält sich aber durch Seitenknospen. Frucht eine 
beerenartige Kapsel, Blütezeit Juni. An der Südgrenze des Gebietes auf 
einzelnen Felsen, z. B. bei Bozen, verwildert. A. americana L., Magiiei- 
pflanze. 

29. Familie: Dioscoreaceae, Schmeerwurzgewäclise. 

Südliche, meist windende oder kletternde Pflanzen mit schwachem Stengel, 
kolbenartig verkürztem, oft fleischigem Wurzelstocke und pfeil- bis herz- 
förmigen Blättern. Die Blüten sind klein, unansehnlich und zweihäusig. 
Bei uns nur eine Gattung mit einer Art. 



*) Tafel 135. Narcissus poeticus L. A und B blühende Pflanze; C oberer 
Teil des Blütenschaftes mit einer Knospe; 1 Blütenlängsschnitt; 2 Staubblätter; 
3 Narbe; 4 Querschnitt durch den Fruchtknoten. 2 bis 4 vergrössert. 



318 , Iridaceae. 

Gattung 169: Tamus L., Schmerwurz. 

Wurzelstock knollig, fleischig, aussen schwärzlich, ausdauernd. Stengel 
windend, 1^/2 bis 3 Meter lang. Blätter langgestielt, pfeil- bis herzförmig, 
zugespitzt, in den Achseln die Blütentrauben tragend. Blüten zweihäusig, 
grünlich. Männliche Blüten radförmig -glockig, mit 6, zwei Kreisen ange- 
hörenden, am Grunde verwachsenen Blättern und 6 Staubblättern (XXII, 6); 
in grösseren Trauben als die weiblichen Blüten. Weibliche Blütenhülle 
oberständig, kreiselförmig-glockig; Fruchtknoten unterständig, dreifächerig; 
3 Griffel mit zweispaltigen Narben. Frucht eine 3 fächerige, kugelige, rote 
Beere, mit 3 bis 5 kugeligen Samen. Keimling klein, in der Nähe des 
Nabels im Eiweiss liegend. Blütezeit Mai. An Zäunen, in Hecken und Ge- 
büschen im westlichen und südlichen Teile des Gebietes zerstreut. T. 
communis L., Gremeine Schmeerwurz.*) 



30. Familie: Iridaceae, Schwertelgewächse. 

Kräuter mit ausdauernden, dicken Wurzelstöcken oder Knollenzwiebeln 
und mit einjährigen Blütenschäften. Die Blätter sind schwertförmig oder 
linealisch, ganzrandig, parallel-nervig, ziemlich kräftig bis lederig. Die Blüten 
stehen bald einzeln und endständig, bald zu mehreren, in Ähren, Rispen oder 
fächelartigen Blütenständen. Jede Blüte ist vor dem Aufblühen von zwei, 
meist häutigen Blättern scheidenartig umschlossen. Die Blüten sind meist 
regelmässig und zwitterig. Beide Blütenhüllblattkreise sind blumenkronartig 
und am Grunde röhrenförmig miteinander verwachsen. Die 3 Staubblätter 
sind vor dem Grunde der äusseren Zipfel der Blütenhülle oder auf dem 
Fruchtknoten eingefügt; sie besitzen nach aussen aufspringende Staubbeutel. 
Der Fruchtknoten ist unterständig, wird von drei Fruchtblättern gebildet, 
ist dreifächerig und enthält zahlreiche in einer oder in mehreren Reihen an- 
geordnete Samenanlagen. Die Narben sind oft blumenblattartig. Die Frucht 
ist eine fachspaltige, dreiklappige Kapsel. Die Samen enthalten einen kleinen 
Keim in einem fleischigen oder knorpeligen Eiweiss. 

Hierher 4 Gattungen: 
A. Blütenhülle regelmässig. 
Ä. Wurzelstock knollig. 

a. Narbe dreiteilig-spreizend. Gattung 170: CroctlS L., Safran. 



*) Tafel 136. Tamus communis L. A männliche, B weibliche Blüten tragen- 
der Zweig; 1 männliche Blüte; 2 desgl. im Längsschnitte; 3 weibliche Blüte; 4 desgl. 
im Längsschnitte; 5 Fruchtstand; 6 Same; 7 desgl. durchschnitten, um den kleinen 
Keimling in seinem Nährgewebe zu zeigen. 1 bis 4, 6 und 7 vergrössert. 



Iridaceae. 319 

b. Narbe sechslappig- spreizend. Gattung 171: Trichonema Kerner, 
Haarfaden. 

B. Mit dickem, kriechendem, verästeltem Wurzelstock und grossen, blumen- 
blattartigen, breiten, .an der Spitze zweispaltigen, den Staubblättern 
dicht aufliegenden Narben. Gattung 172: Iris L., Schwertlilie. 
B. Blütenhülle unregelmässig, seitlich symmetrisch, trichter-glockenförmig, 

fast zweilippig, mit gebogener Röhre. Gattung 173: Gladiolus L., 

Siegwurz. 

Gattung 170: Crocus L-, Safran. 

Wurzelstock knollig; von dem Grunde vertrockneter Blätter wie von 
Zwiebelschalen umgeben; nach der Blüte durch Verdicken aus dem unteren 
Teile des Stengels entstehend. Stengel so kurz, dass die Pflanze vielfach 
als stengellos bezeichnet wurde. Einige häutige Blattscheiden umschliessen 
die schmal-linealischen, rinnigen, mit weisser Mittelrippe versehenen, gleich- 
zeitig oder erst nach der Blüte sich völlig entwickelnden Laubblätter und 
die meist einzelnen Blüten. Letztere sind an ihrem Grunde von einer 
langen, häutigen, aus 1 bis 2 Blättern bestehenden Scheide gestützt. Blüten- 
hülle gross und zart, trichterförmig Ins trichterig-glockig, mit sehr langer, 
dünner Röhre. Staubblätter dem Schlund der Blütenhülle eingefügt, mit 
etwas flachen Fäden und aufrecht-stehenden, pfeilförmigen Staubbeuteln. 
Grifiel sehr lang, fadenförmig. Narben fleischig, gespreizt - stehend. 
m, 1 . Frucht eine papierartige, länglich-dreiseitige, erst während ihrer Reife 
über den Boden tretende Kapsel mit zahlreichen, kugehgen Samen. 
A. Im Herbste, September und Oktober, blühend. Blütenscheide aus zwei 
Blättern gebildet. Schlund der Blütenhülle bärtig. Narben etwa so lang 
wie der blass-violette, dunkelstreifige Saum der Blütenhülle, keulenförmig, 
tief-orangerot, zwischen den Blütenhüllzipfeln herabgebogen. Höhe 10 
bis 15 cm. 4. Der Narben, Safran, als Crocus officinell, halber an- 
gebaut und an einzelnen Orten verwildert. C. sativus L., Safran.*) 
B. Im Frühjahre blühend. Blütenscheide einblätterig, 

1. Narbe dreispaltig, an ihrer Spitze kammartig eingeschnitten-gekerbt. 
a. Blätter linealisch-lanzettlich, Schlund der Blütenhülle kahl. — Blüten- 
hülle violett oder violett und weiss gestreift, oder ganz weiss. 
Staubfäden kahl. Blütezeit März, April. Höhe 10 bis 20 cm. 4. In 
Schlesien. (C, sativus, var. vemus L. zum Teil ; C. Heuffelianus Herbert ; 
C. Heufifelii Nymann.) Crocus banaticus H e u f f e 1 , Banat-Saf ran.* j 



*) Tafel 137 A. Crocus sativus L. A blühende Pflanze; AI und A2 Staub- 
blätter; A3 Narbe; A4 Fruchtknoten im Querschnitte; A5 desgl. im Längsschnitte. 
1 bis 5 vergrössert. 



320 Iridaceae. 

ß. Blätter linealisch. Schlund der Blütenhülle bärtig. 

a. Narbe über die Staubbeutelspitze hinausragend. Staubfäden an 
ihrem Grunde fein-weichhaarig. Blütenhülle violett, selten weiss; 
deren Zipfel 2 bis 3 mal so lang als breit. — Blütezeit März, April. 
Höhe 10 bis 20 cm. 21-. Aufwiesen der Kalkalpen in Nieder Österreich 
und Krain; häufig kultiviert und vielfach verwildert. Vorstäubend, 
vorwiegend von Schmetterlingen, selten von Hummeln besucht; zu- 
letzt selbstbestäubend. (C. neapolitanus Gawler; C. vernus, b. gran- 
diflorus Gay.) Crocus vernus Wulfen, FrüWings-Safraii. 
b. Narbe die Staubbeutelspitze nicht erreichend. Staubfäden nicht 
behaart. Blütenhülle weiss, sehr selten violett; deren Zipfel 
4 bis 5 mal so lang als breit. Blütezeit ApriL Höhe 10 bis 
20 cm. ^. Auf Bergwiesen der Alpen, in Baden, Schlesien, 
Niederösterreich; kultiviert und mitunter verwildert. (C. vernus 
AUioni; C. vernus var. a. parviflorus Gay.) C. alMflorus Ki- 
taibel, Weissl)lüliender Safran. 
2. Narbe an ihrer Spitze nicht kammförmig eingeschnitten-gekerbt. 
Blüte hellblau, aussen mit dunklen Streifen. — Im übrigen der vorigen 
sehr ähnlich. Blütezeit Februar, März. Höhe 8 bis 15 cm. %. Auf 
rasigen und steinigen Abhängen im Littorale. (C. reticulatus Adams.) 
C. variegatus Hoppe und Hörn schuh, Bunter Safran. 

Der (xelbe Crocus, C. luteus Lamarck, mit safrangelben, grossen 
Blüten, ist eine vielfach angebaute Zierpflanze aus dem Orient. 

Gattung 171: Trichonema Kerner, Haarfaden. 

Ganz von der Tracht eines Crocus; Narbe indes sechslappig-spreizend ; 
Blüte violett, dunkeladerig, von 2 grünen Deckblättern gestützt. Blütezeit 
Februar, März. III, 1. Höhe 5 bis 10 cm. 4. An grasigen Orten in 
Istrien. Trichonema Bull)OCOdium Kerner, Haarfaden. 

Gattung 172: Iris L., Schwertlilie. 

Wurzelstock dick, fleischig, verästelt, kriechend, ausdauernd. Grund- 
ständige Blätter meist zweischneidig-schwertförmig, fächerförmig, in 2 Zeilen 
angeordnet. Blüten an ihrem Grunde von laubartigen oder scliuppenförmigen 
Tragblättern scheidenartig umgeben, selten einzeln, meist gehäuft in fächel- 
artigen Gruppen. Blütenhülle am Grunde röhrig; Blätter des äusseren Kreises 



") Tafel 137 B. Crocus vernus L. Blühende Pflanze im Längsschnitte. 



Iridaceae. 321 

zurückgeschlageu , des inneren aufrecht, abstehend bis zusammenneigend. 
Staubblätter 3, dem Schlünde der Blütenhülle vor den Narben eingefügt. 
Fruchtknoten dreifächerig. Griffel kurz, dreikantig. III, 1. Narbenblätter 
(Griffeläste) gross, blumenblattartig, oberseits gewölbt-gekielt , zweilippig 
Oberlippe gross, zweispaltig, Unterlippe kurz und ganz, oder nur etwas 
ausgerandet; der eigentliche Narbenfleck liegt zwischen den Lippen (Tafel 141, 
A n). Frucht eine grosse, meist dreikantige Kapsel mit zahlreichen, 
eiförmigen bis abgeplatteten, für Windbeförderung eingerichteten Samen. 
A. Äussere Blütenhüllzipfel an ihrem Grunde bärtig. Röhre der Blütenhülle 
so lang oder länger wie der Fruchtknoten. 

I. Die Tragblätter, welche die Blüten an ihrem Grunde scheidenartig um- 
geben, sind schon vor dem Aufblühen ganz trockenhäutig. 
a. Stengel einblumig, kürzer als die Blätter. Röhre der Blütenhülle 
aus den Tragblättern lang hinausragend. — Blätter schwertförmig, 
15 bis 30 cm lang; Blüte 8 bis 15 cm hoch. Blütenhülle violett. 
Blütezeit Mai, Juni. Auf sonnigen, grasigen Abhängen, in Süd- 
tirol; vielfach auf Mauern angepflanzt und verwildert. Iris puniila 
L., Niedrige Schwertlilie. 

Die Abart I. lutea Marschall v. Bieberstein hat gelbe 
Blüten, 
b. Stengel mehrblütig, länger als die Blätter. Röhi-e der Blütenhülle 
aus den Tragblättem nicht hervorragend. — Blätter breit-schwert- 
förmig, spitz. Blüten 10 bis 12 cm im Durchmesser, hell violett, 
mit an ihrem Grunde braun-geaderten Zipfeln. Blütezeit Mai, Juni. 
Wohlriechend. Höhe 30 bis 60 cm. Der Wurzelstock, Veilchen- 
wurzel, ßhizoma Iridis, ist offizinell. In der Schweiz, Südtirol 
und Istrien; vielfach, namentlich in Weinbergen, angepflanzt und 
verwildert. I. pallida Lamarck, Bleiche Schwertlilie. 
U. Tragblätter der Blüten zur Zeit des Aufblühens wenigstens an ihrem 
Grunde krautig. 

A. Innere BlütenhüUzipfel gelb oder weiss (nicht violett oder blau) 
1. Tragblätter der Blüten trockenhäutig-umrandet (nicht ganz 
krautig). 

a. Innere und äussere Blütenhüllzipfel anfangs bläulich, später 
weiss, am Grunde mit braunen Adern. — Blätter breit-schwert- 
förmig, bläulich-bereift. Blütezeit Juni, Juli, Wohlriechend. 
Höhe 40 bis 60 cm. An trockenen Abhängen in Tirol und 
Krain (vnld?) Der Wurzelstock ist als Veilchenwurzel, 
Rhizoma Iridis, offizinell. I. florentina L., Florentiner 
Schwertlilie. 

Thom^, Flora. H. Aufl. 21 



322 Iridaceae. 

ß. Innere Blütenhüllzipfel blass-schmutzig-gelb, äussere dunkel- 
violett, am Grunde heller. — Blütezeit Juni. Wohlriechend. 
Höhe 30 bis 60 cm. An steinigen Orten und Bergabhängen 
in Südwestdeutschland; auf Lehmmauern bisweilen angepflanzt. 
Iris squaleiis L., Schmiitziggellbe Schwertlilie. 
2. Tragblätter der Blüten ganz krautig. 

a. Blütenhüllzipfel weiss -gelblich, mitunter schwach-purpur- 
aderig. — Blütezeit April. Höhe bis 30 cm. Auf Felsen 
in Wallis. I. virescens Red oute. Grünliche Schwertlilie. 

ß. Innere Blütenhüllzipfel gelb, äussere gelb mit violetten oder 
braunroten Adern. — Blätter sichelförmig-gebogen. Blütezeit 
Mai, Juni. Höhe 30 bis 60 cm. Auf trockenen Hügeln im 
südlichen Teile des Gebietes. I. variegata L., Bunte 
Schwertlilie. 
B. Innere und äussere Blütenhüllzipfel violett oder blau. 

1. Bart der inneren Blütenhüllzipfel gelb. 

a. Staubbeutel so lang wie der Staubfaden. Die Lappen der 
Oberlippe der Narbe stehen gespreizt von einander ab. — 
Blätter breit-schwertförmig, meist sichelförmig-gebogen. Äussere 
Blütenhüllzipfel dunkel- violett, an ihrem Grunde gelblich- 
weiss mit braunvioletten Adern; innere etwas heller. Blüte- 
zeit Mai. Schwach riechend. Höhe 30 bis 100 cm. Der 
Wurzelstock, Veilchenwurzel, Bhizoma Iridis, ist offizinell. 
Auf steinigem Boden sehr zerstreut; wild im Thale der 
Mosel und Nahe; vielfach angebaut und verwildert, I. ger- 
manica L., Deutsche Schwertlilie.*) 

ß. Staubbeutel etwas länger als der halbe Staubfaden. Die 
Lappen der Oberlippe der Narbe schliessen mit ihrem inneren 
Rande aneinander. — Äussere Blütenhüllzipfel violett, mit 
weissem, dunkelgeadertem Grunde; innere grau-bläulich. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Stark nach Holunder riechend. Höhe 40 bis 
60 cm. Auf Felsen und Bergwiesen in Thüringen, Böhmen, 
im Donau- und Rheingebiet; vielleicht nur verwildert, I. sam- 
hucina L., Holundertluftende Schwertlilie. 

2. Bart hellviolett. — Stengel zusammengedrückt, kürzer als die 
schwertförmigen, sichelartig -gebogenen, grundständigen Blätter. 
Unterster Blütenstiel unter der Mitte, oft fast am Grunde des 



*) Tafel 138. Iris germanica L. AB blühende Pflanze; 1 Blütengrundriss. 



Iridaceae. 323 

Stengels entspringend. Blütenliüllzipfel violett, am Grunde 
weisslich und rotbraun geädert. Fruchtknoten secliskantig oder 
abgerundet. Blütezeit Mai. Höhe 30 bis 50 cm. Auf sonnigen 
Hügeln und an Waldrändern; zerstreut. (I. bohemica Schmidt.) 
Iris midicaiilis Lamarck, Nacktstengelige Schwertlilie. 
Ändert mehrfach mit dreikantigem Fruchtknoten ab. 

a. Blütenscheiden kurz -eiförmig, höckerig -aufgeblasen, etwas 
' -violett. I. hungarica Waldstein-Kitaibel, Ungarische 

Schwertlilie. 

b. Blütenscheiden mehr länglich, nur wenig aufgeblasen; Blätter 
meist graugrün und starr. In Schlesien und Böhmen. Iris 
Fieheri Seidl, Fiehers Schwertlilie. 

B. Äussere Blütenhüllzipfel an ihrem Grunde nicht bärtig; die inneren meist 

kürzer als der Fruchtknoten. 

I. Blütenhülle leuchtend-gelb. — Blätter lanzettlich-lineal, etwa so lang 
oder länger wie der 60 bis 100 cm hohe, stielrunde Stengel. Blüte- 
zeit Mai, Juni. Der in der Blütenröhre abgesonderte Honig ist nur 
in die Blüte kriechenden, langrüsseligen Insekten zugänglich; diese 
berühren beim Hineinkriechen die Narbe und bepudern darauf ihren 
Rücken derart mit Blütenstaub, dass fast regelmässig Fremdbestäubung 
eintritt. An Ufern, namentlich stehender oder langsam fliessender 
Gewässer, auf nassen Wiesen; häufig. I. pseiidacorus L., Wasser-, 
Gelhe oder Kalmusähnliche Schwertlilie, Bastardkalmus.*) 
IL Blütenhülle teilweise violett oder blau, 
a. Stengel stielrund. 

1. Stengel hohl. Äussere Blütenhüllzipfel umgekehrt-eiförmig mit 
kurzem Nagel, hellblau, netzig- violett-geädert; innere Blüten- 
hüllzipfel dunkler. — Blütezeit Juni. Höhe 30 bis 60 cm. 
Auf feuchten Wiesen, namentlich im mittleren und südlichen 
Teile des Gebietes; zerstreut; oft angepflanzt. (I. pratensis 
Lamarck.) I. sihirica L., Sibirische Schwertlilie. 

2. Stengel nicht hohl. Äussere Blütenhüllzipfel rundlich, kürzer 



*) Tafel 139. Iris pseudacorus L. A Blüte, Hummelform, die Narben- 
blätter stehen 6 bis 10 mm über den zugehörigen Blütenhüllblättern; bei der Schweb- 
fliegenform liegen sie dicht über denselben; die Oberseite des kleinen dreieckigen 
Zipfelchens n ist die eigentliche Narbe. B Kapseln tragender Zweig, 1 Staubblatt von 
der Rückseite nebst 2 halbierten Narbenblättern nb; 2 Staubblatt; 3 Fruchtknoten 
nebst Griffel und den blumenblattartigen Narben ; 4 Kapsel im Querschnitte ; 5 Same ; 
6 und 7 derselbe durchschnitten. Natürliche Grösse. 

21* 



324 Iridaceae. 

als ihr lauzettlicher Nagel, weiss-gelb mit blauen Adern; innere 
violett. — Blütezeit Juni. Höhe 30 bis 60 cm. Auf feuchten 
Wiesen; sehr selten. Iris spuria L., Bastard-Schwertlilie. 
b. Stengel zweischneidig, nicht stielrund, viel kürzer als die linealischen 
Blätter; meist zwei-, seltener einblütig. Äussere BlütenhüUzipfel 
bisquitförmig eingeschnürt; unterer Teil rot mit gelber Mittellinie 
und dunklen, roten Adern. Innere BlütenhüUzipfel dunkel violett. 
Blütezeit Mai, Juni. Stengel 15 bis 25 cm hoch; Blätter bis 60 cm 
lang. Auf Waldwiesen in Süddeutschland, Schlesien, Niederöster- 
reich, der Schweiz. I. graminea L., Orasblätterige Schwert- 
lilie. 

Gattung 173: Gladiolus L., Siegwurz. 

Wurzelstock knolhg (wie bei Crocus); meist mehrere Knollen über- 
einander; ausdauernd. Stengel unverzweigt, mit einigen mehr oder weniger 
häutigen, scheidigen Blättern und wenigen, breit-linealischen Laubblättern. 
Blüten in einseitswendiger Ähre, von zwei Blättern, einem Deck- und einem 
Vorblatte, gestützt. Blütenhülle trichterig-glockenförmig, mit sechszipfeligem 
Saume, fast zweilippig; rot. Die 3 Staubblätter sind dem Schlünde der 
Blütenhülle eingefügt. Griffel fadenförmig, mit 3, meist fast blumenblatt- 
artigen Narben, III, 1. Frucht eine pergamentartige Kapsel mit zahl- 
reichen, meist flügelrandigen Samen. 

A. Staubbeutel länger als der Staubfaden. Samen nicht geflügelt. — Blüten- 
hülle hellpurpurrot. Kapsel kugelig, dreifurchig. Blütezeit Mai, Juni. 
Yorstäubende Hummelblume. Höhe 30 bis 60 cm. Auf Äckern bei 
Triest, Lugano, Genf. G. segetum Gawler, Saat-Siegwurz.*) 

B. Staubbeutel kürzer als der Staubfaden. Samen geflügelt. 

I. Die Faserhaut der Knollen bildet oberwärts eiförmige Maschen. Die 
Kapsel ist sechsfurchig und an der Spitze abgerundet. — Traube 
wenig- (3- bis 5-) blutig; Blütenhülle purpurrot. Blütezeit Juni, Juli. 
Höhe 30 bis 50 cm. Auf feuchten oder sumpfigen Wiesen, im nörd- 
lichen und mittleren Teile des Gebietes zerstreut; selten im südlichen. 
(G. Boucheanus Schlechtendal ; G. pratensis A. Dietrich.) G. paluster 
Gaudin, Sumpf-Siegwurz, AUermaunsharnisch.**) 

*) Tafel 140 AB. Gladiolus segetum Gawler. A Wurzelstock nach Weg- 
nahme der äusseren Faserhaut; B desgl. halbiert; a vorigjährige, b diesjährige Knolle, 
mit kleiner, grundständiger Brutzwiebel ; c Knospe für das nächste Jahr; d Blütenschaft. 
**) Tafel 140 C. Gladiolus paluster Gaudin. C blühende Pflanze (die Blumen- 
krone müsste etwas dunkler rot sein). 



Orchidaceae. 325 

IL Die Fasei'haut der Knollen bildet oberwärts nur schmale, lineale 
Maschen. Die Kapsel ist an der Spitze eingedrückt. 

a. Die Kanten der Kapsel springen nach oben zu kieKörmig vor. Die 
Blütenähre ist locker. 

1. Die Narbe wird nach oben zu allmählich breiter. Blüten hell- 
rot. — Blütezeit Mai, Juni. Höhe 40 bis 80 cm. Häufig in 
Gärten und hier und da verwildert. Gladiolus communis L., 
Gemeine Siegwurz. 

2. Die Narbe ist an ihrer Spitze in ein nahezu kreisrundes Blätt- 
chen verbreitert. Blüte purpurrot. — Blütezeit Juni. Höhe 30 
bis 60 cm. Aufwiesen; in Krain und dem Littorale. G. illyricus 
Koch, Illyrische Siegwurz. 

b. Die Kanten der Kapsel sind nach oben abgerundet. Blütenähre 
gedrungen. Die Narbe wird allmählich breiter. Blüte purpurrot, 
auf den 3 unteren Zipfeln je ein weisser, dunkelrot-eingefasster Längs- 
streifen. Blütezeit Juli. Höhe 30 bis 80 cm. Auf feuchten Wiesen 
und sumpfigen Waldplätzen, im mittleren und südöstlichen Teile 
des Gebietes zerstreut. G. imbricatus L., Dachziegelige, Dicht- 
hlütige Siegwurz.*) 



31. Familie: Orchidaceae, Orcliideen. 

Unsere einheimischen Orchideen besitzen eine büschelförmige Wurzel, 
einen aus zwei kugeligen oder gelappten Knollen bestehenden, oder einen 
kriechenden, mitunter stark verzweigten Wurzelstock und sind dadurch 
perennierend. Ihr Stengel ist einjährig und krautig. Die Blätter sind immer 
ganzrandig, meist lanzettförmig, stengelumfassend oder mit scheidenförmigem 
Grunde versehen; sie sind saftig oder fleischig, selten schuppenförmig. Die 
Blüten stehen selten einzeln, meist ährig oder traubig, zuweilen kopfig zu- 
sammengedrängt. Die Blütenhülle ist oberständig und aus 2 dreizähligen 
Blattkreisen zusammengesetzt. Yon diesen beiden Kreisen ist der innere 
fast immer unregelmässig, weil sein oberes Blatt eine, oft gespornte Honig- 
lippe bildet; die übrigen 5 Blätter bilden den sogenannten Helm. Der 
Fruchtknoten ist in der Regel lang und unterständig, er wird aus 3 Frucht- 
blättern gebildet und hat 3 gegabelte, wandständige Samenträger; dadurch, 
dass er sich, wie meist geschieht, spiralig dreht, hängt die Honiglippe, 



*) Tafel 140 D. Gladiolus imbricatus L. D blühende Pflanze; Dl Staub- 
blatt ; D 2 Griffel mit den Narben. 1 und 2 vergrössert. 



326 Orchidaceae. 

welche ursprünglich das oberste Blatt war, nach unten. Von den Staub- 
blättern gelangt nur eines, selten zwei (Cypripedium) zur Entwickelung- 
ist nur eines ausgebildet, dann liegt es der Honiglippe gegenüber (Tafel 141, 
Figur 1), sind aber zwei vorhanden, dann steht je eines an jeder Seite der 
Narbe (Tafel 158, Figur 2 u. 3); unfruchtbare Anhängsel, Staminodien, 
stehen oft an Stellen, wo etwaige dritte und weitere (bis 6) Staubblätter 
erwartet Averden könnten (Tafel 158, Figur 1). Staubfäden fehlen und die 
Staubbeutel sind in einer den Orchideen eigentümlichen Weise mit den oberen 
Teilen des Stempels zur Griffelsäule verwachsen. Diese Verwachsung 
kann eine ganz vollständige sein (Ophrydeae); sie kann auch weniger voll- 
kommen sein, so dass der Staubbeutel gewissermassen deckelartig auf dem 
Stempel sitzt. Die Blütenstaubkörner sind selten vollständig von einander 
getrennt; meist sind die Körner einer jeden Seite des Staubbeutels mittels 
eines Schleimes zu einer einzigen, wachsartigen Masse, Pollinarium, zu- 
sammengeballt (Ophrydeae, Epipogoneae); weniger oft sind 4 solcher Blüten- 
staubmassen vorhanden oder bildet der Blütenstaub pulverige Massen, in 
denen je 4 Körner miteinander verbunden sind. Die Polhnarien haben an 
ihrem unteren Ende oft ein aus eingetrocknetem Schleim bestehendes 
Stielchen, und diese sind durch Klebmassen, fälschlich Kleb- oder Stiel- 
drüsen genannt, mit einander verbunden, oder sie sind getrennt. Die Kleb- 
drüsen liegen zuletzt frei, oder sie sind bedeckt von einer Falte der Narbe, 
welche Beutelchen genannt wird. Dieses Beutelchen ist zwei- oder ein- 
fächerig; im ersteren Falle sind die Pollinarien völlig getrennt, im letzteren 
sitzen ihre Stiele auf gemeinschaftlicher Klebdrüse (Anacamptis, Tafel 143, 
Figur 8). Der Narbenfleck ist eine klebrige Platte oder Grube an der 
Innenseite der Griffelsäule. Über und hinter der Narbe und gleichzeitig 
vor und unter dem Staubbeutel findet sich meist ein platten- oder faden- 
förmiger Anhang, Schnäbelchen, an dessen Spitze sich die Klebdrüse 
entwickelt. Die Bestäubung geschieht meist durch Insekten; Selbstbestäu- 
bung ist meist unmöglich, bei Ophrys apifera aber Regel. (Vergl. die ausführ- 
liche Darstellung der Bestäubung bei Orchis im allgemeinen Teile, die für 
die meisten Orchis- Arten vorbildlich ist.) Die Frucht ist eine Kapsel, welche 
sich gewöhnlich mit 6 Längsspalten in der Weise öffnet, dass sich 3 Klappen 
zwischen drei stehenbleibenden Rippen loslösen. Die Samen sind zahlreich, 
sehr klein und unvollkommen, stets ohne Wurzel, selten mit einem Keim- 
blatt, meist nur eine wenigzellige Kugel darstellend, und meist lose in eine 
netzförmige Haut eingeschlossen (Tafel 146, Fig. 7). 

Mit Rücksicht auf das Verhalten der Staubbeutel und des Blütenstaubes 
teilt man die Orchideen in zahlreiche Unterfamilien ein, von denen 5 bei 
uns vertreten sind. 



Orchidaceae. 327 

A. Die Blüte enthält nur ein einziges fruchtbares Staubgefäss. 

A. Der Blütenstaub bildet gestielte, keulenförmige Pollinarien. 

a. Die Staubbeutel sind mit ihrer ganzen Rückseite an die Grififel- 
säule angewachsen (Tafel 147, Figur 1 und 4). 1. Unterfamilie: 
Ophrydeae, niegenl)lumenartige. 

ß. Die- Staubbeutel sind nur an ihrem Grunde angewachsen und 
deckelartig in eine Vertiefung auf der Spitze der Grijffelsäule ein- 
gefügt (Tafel 150, Fig. B2, B3, B4, B 6). 2. Unterfamüie: 
Epipogoneae, Widerbartartige. 

B. Der Blütenstaub bildet nicht gestielte Pollinarien. 

a. Der Blütenstaub bildet 4 wachsartige, ungestielte Massen (Tafel 152, 
Figur B 5). Die Staubbeutel fallen deckelartig ab. Die Blüten 
sind klein und grünlich. 3. Unterfamilie: Malaxideae, Weicli- 
krautartige. 

ß. Der Blütenstaub ist pulverförmig, seine Körner sind einzeln oder 
zu vier miteinander verbunden. Die Staubbeutel fallen nicht ab. 
4. Unterfamilie: ISeottieae, Nestwurzartige. 

B. Die Blüte enthält zwei fruchtbare Staubgefässe (Tafel 158). 5. Unter- 
familie: Cypripedieae, Frauenschuhartige. 

1. Uuterfamilie: Ophrydeae, Fliegenbluinenartige. 

A. Lippe gespornt. 

A. Fruchtknoten gedreht, mithin Lippe abwärts gewendet. 
I. Lippe gelappt; meist dreilappig. 

a. Am Grunde des Staubbeutels findet sich ein Beutelchen. 

a. Beutelchen zweifächerig, mithin die Pollinarien völlig von- 
einander getrennt (Tafel 141, Fig. 2 und 3). Gattung 174: 
Orchis L., Knabenkraut. 

b. Beutelchen einfächerig; die Pollinarien sitzen mithin auf 
einer gemeinschaftlichen Stiel drüse. 

1. Lippe flach; Sporen fadenförmig (Tafel 143, Fig. 3, 7 und 8). 
Gattung 175: Anacamptis Richard, Hundswurz. 

2. Lippe sehr lang, spiralig gedreht; Sporn kegelförmig 
(Tafel 144, Fig. 1 und 2). Gattung 176: Himanto- 
glossum Sprengel, Riemenzunge. 

ß. Ein Beutelchen nicht vorhanden (Tafel 145, Fig. 3). Gattung 177: 
Gymnadenia R. Brown, Naektdrüse. 



328 Orchidaceae. 

IL Lippe fast linealisch, nicht gelappt, höchstens am Grunde drei- 
zähnig (Tafel 146). Gattung 178: Platanthera Richard, Breit- 
kölll}cheii. 

B. Fruchtknoten nicht gedreht, mithin Lippe aufwärts gewendet (Tafell47). 
Gattung 179: Nigritella Richard, Schwarzständel. 
B. Lippe ungespornt. 

A. Lippe flach; sie besteht nicht aus zwei voreinander stehenden Gliedern, 
deren vorderes knieartig zurückgehogen ist. 

I. Am Grunde des Staubbeutels ist ein Beutelchen vorhanden. 

a. Beutelchen zweifächerig, mithin die Pollinarien völlig von- 
einander getrennt. 

a. Blütenblätter helmartig zusammengebogen. Gattung 180: 
Chamaeorchis Richard, Zwergknabenkraut. 

b. Blütenblätter nicht zusammengebogen (Tafel 148). Gat- 
tung 181: Ophrys L., Fliegenblume. 

ß. Beutelchen einfächerig, Pollinarien mithin auf einer gemein- 
schaftlichen Stieldrüse; Blütenblätter helmartig zusammen- 
gebogen. Gattung 182: AcerasR. Brown, Ohnhorn. (Tafel 149.) 
IL Ein Beutelchen ist nicht vorhanden; Blütenhülle glockig (Tafel 150), 
Fig. A4). Gattung 183: Herminium R. Brown, Ragwurz. 

B. Lippe gekniet- zweigliederig, ihr vorderes Glied knieartig -zurück- 
gebogen (Tafel 155). Gattung 184: Serapias L., Schwertwurz. 

Gattung 174: Orchis L., Knabenkraut. 

Die Unterscheidung der einzelnen Orchis- Arten , ja selbst die Um- 
grenzung dieser Gattung ist noch lange nicht zu einem befriedigenden Ab- 
schlüsse gelangt, ein Umstand, den namentlich auch die Seltenheit einzelner 
Arten, beziehentlich Formen und Bastarde verschuldet; so ist z. B. Gymna- 
denia odoratissima X Orchis maculata Regel nur in einem Exemplare am 
Uto bei Zürich gefunden worden; dazu kommt die Schwierigkeit der bild- 
lichen Darstellung. 

A. Sämtliche Blütenhüllblätter mit Ausnahme der Lippe neigen helmartig 
zusammen (Herorchis Lindley). — Die Knollen sind einfach, d. h. an 
ihrem Ende nicht in 2 bis 3 Spitzen auslaufend (wie letzteres bei Fig. B 
auf Tafel 142 der Fall ist). 
I. Lippe dreispaltig. 



Orchidaceae. 329 

A. Tragblätter der Blüten mehreremal kürzer als der Fruchtknoten, 

alle nervenlos oder einnervig. Mittellappen der Lippe vorne breiter, 

zweispaltig, meist mit einem Zähnchen in der Einbuchtung. 

a. Lippe pinselig- punktiert, d. h. mit grell purpurn gefärbten, 

pinselartigen Haarbüschelchen besetzt (vgl. Tafel 141, Fig. 4 u. 5), 

deren seitliche Abschnitte linealisch. 

1. Tragblätter der Blüten 6- bis 8 mal kürzer als der Frucht- 
knoten. Mittelzipfel der Lippe von seinem Grunde aus all- 
mählich breiter v^^erdend, dessen Lappen länglich, vorne ab- 
gestutzt und meist gezähnelt. — Knollen eiförmig. Blätter 
länglich, spitz, schlaff; obere den mittleren Teil des Stengels 
scheidenartig umhüllend; alle auf der Oberseite mit einzelnen 
kurzen Haaren besetzt. Helm spitz; aussen rosarot, dunkel- 
braun oder dunkelpurpurn mit noch dunkleren purpurnen 
Flecken; innen grünlich v^eiss, purpurn gefleckt. Lippe weiss- 
lich oder hellpurpurn, mit purpurnen, sammetartigen Haar- 
pinseln. Sporn walzenförmig, halb so lang wie der Frucht- 
knoten. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 50 bis 75 cm. 21.. Stark 
wohlriechend. In schattigen Berg- und Gebirgswäldern, auf 
Wald wiesen, namentlich auf Kalk; zerstreut und meist einzeln 
(0. purpurea Hudson; 0. miHtaris var. b. L.) Orchis füsca 
Jacquin, Braunes Knabenkraut,*) 

Vielgestaltige Pflanze; allein in dem mittleren Rheinthale 
gesammelte Pflanzen Hessen über 50 verschiedene Bildungen 
der Lippe erkennen. Hauptformen sind: 
a. var. stenololbaCosson und Germain (hybrida Boenning- 
hausen) ; Lappen des mittleren Abschnittes der Lippe ziem- 
lich schmal-linealisch. 
ß. var. moravica Jacquin; Seitenzipfel der Lippe kurz, 
Mittelzipfel am Grunde sehr breit, oft mondförmig. 



*) Tafel 141. Orchis fusca Jacquin. AB blühende Pflanze. 1 Blüte von der 
Seite gesehen; die Helmblätter sind zum Teil entfernt; das Blatt rechts ist zurück- 
geschlagen, um die Griffelsäule freizulegen; 2 Griffelsäule nach Entfernung der Blüten- 
hülle, von vorne gesehen; unter den beiden Hälften des braunen Staubbeutels das 
Beutelchen, darunter und zu dessen Seiten der Eingang, e, in den Sporn. 3 Pollina- 
rium mit Stielchen und Stieldrüse. 4 Längsschnitt durch eine Knospe; die in dem 
Schnäbelchen gelegene Stieldrüse ist noch von dem Beutelchen bedeckt, links daneben 
die Narbe, n. 5 Querschnitt durch eine Knospe, in der Mitte die Griffelsäule mit den 
beiden Pollinarien; darüber die mit roten Haarpinselchen besetzte Lippe. 6 Quer- 
schnitt durch den Fruchtknoten, mit seinen 3 wandständigen, gegabelten Samenträgem. 
1 bis ßversTössert. 



330 Orchidaceae. 

2. Tragblätter der Blüten 3- bis 4 mal kürzer als der Frucht- 
knoten. Mittelzipfel der Lippe an ihrem Grunde lineal, vorne 
plötzlich verbreitert, fast ganzrandig. — Im übrigen der 
vorigen sehr ähnlich, aber meist in allen Teilen kleiner. 
Helm aussen aschgrau oder hellpurpurn, innen mit dunkleren 
Streifen. Lippe blass-purpurn, in der Mitte weisslich, dunkel- 
purpurn pinselig-punktiert. Blütezeit Mai, Juni. Höhe 25 bis 
50 cm. 2t. Stark wohlriechend. Auf trockenen, sonnigen 
Kalkbergen, Wald- und Moorwiesen; zerstreut. (0. Rivini 
Gouan; 0. cinerea Schrank; 0. galeata Poiret.) Orchis 
militaris (L. zum Teil), Hudson, Helm- oder Soldaten- 
Knabenkraut. 
ß. Lippe sammetartig- , nicht pinselig -punktiert. — Blütenähre 
dichtkugelig. Tragblätter der Blüten drei- und mehrmal 
kürzer als der Fruchtknoten. Helm eilanzettlich, grau, purpurn- 
angelaufen. Lippe purpurn oder weiss, dunkel-purpurn- punktiert; 
Lappen des Mittelzipfels schmal-linealisch, ganzrandig, nebst 
den ebenso gestalteten Seitenzipfeln aufwärts-gekrümmt. Sporn 
halb so lang wie der Fruchtknoten. Blütezeit Mai. Höhe 30 
bis 40 cm 4. Auf grasigen Kalk- und Lösshügeln; nament- 
lich im S