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Full text of "Führer durch Dalmatien"

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J_)er imter dem Protectorate Seiner k. u. k. Hoheit des Herrn 
Erzherzogs Franz Ferdinand von Osterreich-Este stehende 

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,,Verein zur Forderung der volkswirtschaftlichen Interessen 
des Konigreiches Dalmatien" liess in der Absicht, den Be- 
suchern des Landes einen brauchbaren Fiihrer an die Hand zu 
geben, das vorliegende Buch verfassen. 

Moge das Werk beitragen, den Schonheiten und Merk- 
wiirdigkeiten des Konigreiches Dalmatien neue Freunde zu 
erwerben. 

Wien, 1899. 




INHALTS-UBERSICHT. 



Seite 

Vorwort Ill 

Inhalts-Ubersicht V 

Erklarung der Stadtplitne XIV 

I. Einleitung. 

Dalmatien als Eeiseziel. Altere und neuere Literatur iiber das Land. Zvveck 
dieses Buches 1 

II. Praktische Reisewinke. 

Allgemeines iiber Reisedauer. eventuelle Abkiirzung der Seereise durcb Land- 
routen und Verkehrsmittel 6 

Specielle Bemerkungen iiber Coursbiicber, Dampfschiff- und Bootfahrten. Zeit- 
eintheilting. Kleidung. Verkehr mit der Bevolkerung. Eisenbahn-, Post- tind 
Wagenfahrten, Gasthofwesen 11. s. w 8 

III. Allgemeines fiber Dalmatien. 

Lage und Flacheninbalt 16 

Gliederung und Bodengestaltung 17 

Velebit und nordliche Dinara. 
Nord-Dalmatien, nordliches Mittel-Dalmatien. 

Svilaja-, Promina-, Mosec-Planiiia, Tartaro-Gebirge. 
Mittleres Mittel-Dalmatien. 

Vila, Kozjak, Berge bei Sinj. 

Mosor-Gebirge, Siidliche Dinara. 
Sudliches Mittel-Dalmatien. 

Biokovo-Gebirge, Osoje. 

Sud-Dalmatien. 

Sabbioncello, Gebiet von Eagusa. 
Die Krivosije. 
Lovcen-Gruppe. 
Gebirge der Inseln. 

Einige geologische Bemerkungen ^6 

Meere, Seen, Flusse '29 

Klimatische Verhftltnisse 31 

Wanne -Verhaltnisse der Adria-Ostkuste. 

Flora ........,, ....'... 36 

Landflora. 
Marine Flora. 

Fauna 38 

Landthiere. 

Siiugethiere. 

Vogel. 

Kriechthiere und Lurche. 



2025674 



VI 

Fische der Landgewasser. Seite 

Gliederthiere. 

Andere niedere Thiere. 

Marine Fauna. 

Seefische. 

Niedere marine Fauna. 
Neueste Literatur tiber die Thierwelt Dalmatiens. 

Bergbau 47 

Ackerbau 48 

Wein- und Olivenernte 50 

Wald 51 

Fischfang 52 

Vielizucht 54 

Bienen- und Seidenzucht 54 

Schiffahrt 55 

Gewerbe und Industrie 56 

Handel 57 

Strasseii 58 

In der Gegenwart. 
Antike Strassen. 

BevClkeruiigsstatistik 59 

Vertheilung der Bevolkerung. 

Eeligion. 

Nationalitat. 

Physische BeschafFeiiheit der Bevolkerung. 

Landesverfassung. 

Verwaltung, Finanz-, Justiz-, See r und Militarbehorden. 

Post und Telegraph. 

Unterricht. 

Literatur, Kunst, Mnsik. 

Gescliichtliches " 63 

Prahistorisclie Zeit. 

Illyrische uud griechische Zeit. 

Kriege mit Rom. 

Das Land als romische Provinz. 

Volkerwanderungszeit. 

Einige allgemeine Bemerkungen zur Frage der Ursilssigkeit oder Ein- 

wanderung der Croaten. 
Die nationalen Herrscher. 

Epoche der Kriege zwischeii Ungarn und Veiiedig und der ungar. Herrschaft. 
Die venetianisohe Zeit. 
Erste osterreichische Periode. 
Die Franzosenzeit. 
Osterreichische Herrschaft. 

IV. Von Tries! (bezw. Pola) nach Zara. 

Vom Karst herab 76 

In Triest (Trieste, Trst) 77 

Dampferfahrt von Triest nach Pola 80 

Von Triest zu Land nach Pola 83 

Pola (Pnlj) 84 

Von Pola nach Zara . . 88 



VII 

V. Von Fiume nach Zara. Seite 

Vorn Karst herab 94 

Fiume (Kijeka) * . . 96 

Abbazia (Opatija) 98 

Eilfahrt Fiume Zara 99 

VI. Zara (Zadar). 

Kleiner Fremdenfiihrer in Zara 102 

In den Gassen Zaras 104 

Historisches 109 

Das Museum S. Donate 112 

Die moderne Restaurierung. 

Urgeschichte der Kirche S. Donato. 

Inneres der Kirche. 

Die Sammlungen. 

Der Dom 119 

Die anderen Kircheii 120 

Spaziergtinge 126 

Der Blazekovic-Park. 

Borgo Erizzo (Arbanasi). 

Cereria und Barcagno. 

VII. Umgebung Zaras auf dem Festlande. 

Im Norden 130 

Im Osten 132 

Im Siidosten 134 

VIII. Der zaratinische Archipel. 

Langenausdehnung der Inseln in der Adria 135 

Arbe (Rab) 136 

Lage und Bodengestaltung. 
Stadt Arbe. 
Wirtschaftlicb.es. 
Ausfliige auf Arbe. 

Pago (Pag) 142 

Ugljan und Pasman 145 

Die iibrigen Inseln 146 

IX. Von Zara zu den Binnenmeeren von Karin und Novigrad 
und auf den Velebit. 

Seeroute Zara-Obrovazzo 147 

Obrovazzo (Obrovac) 152 

Von Zara zu Wagen nach Obrovazzo 153 

Von Benkovac nach Novigrad 155 

Das Meer von Novigrad 157 

Von Obrovazzo in die Bukovica 158 

Auf den Velebit 160 

Durch die Paklenica auf die Hochgipfel. 

Nach Mali Halan. 

Auf die Hone der Velebitstrasse. 

In den siidOstlichen Velebit. 



VIII 

X. Von Zara uber Benkovac und Kistanje nach Knin. Seite 

Von Zemonico uber Nadin nach Benkovac ............... 168 

Benkovac . . ........................... 171 

Die Rumen von Asseria ....................... 172 

Von Benkovac nach Vrana (Seitenausflug) ............... 174 

Von Benkovac bis zu den Briicken von .Bribir" (Mostine) . . . . ' ..... 178 

Von den r Bribir-Brucken u bis Kistanje ................. 179 

Kistanje ............................. 180 

Kloster Sv. Arhangjeo (Seitenausflug) ................. 181 

Burnum ............................. 182 

Von Kistanje nach Knin ...................... 184 

XI. Die Krka (Kerka) und ihre Wasserfalle. 

Oberlauf ....................... ...... 188 

Mittleres Krkagebiet .............. r. ......... 187 

Unteres Krkagebiet ......................... 194 

XII. Von Zara nach Sebenico. 

Zaravecchia (Biograd na moru) .................... 198 

Fortsetzung der Fahrt ....... ". ............... 199 

XIII. Sebenico (Sibenik) und seine Ausfluge. 

Die Stadt ..................... ......... 203 

Geschichtliches .......................... 205 

Der Dom ............................. 207 

Zu den Forts ........................... 239 

Die Inseln bei Sebenico ....................... 211 

Ausflug an der Siidkiiste von Sebenico ................. 211 

Der Monte Tartaro (Trtar) ...................... 213 

Von Sebenico nach Scardona und Kloster Visovac ........ .... 214 

Von Sebenico nach Scardona. 

Scardona (Skradin). 

Der unterste Krkafall (Wasserfall von Scardona). 

Kloster Visovac. 

XIV. Von Sebenico nach Knin. 

Eisenbahnfahrt Sebenico-Perkovic-Knin ................ 223 



Vorbemerkung. 

Von Sebenico nach Drnis. 
Drnis .............................. 225 

Von Drnis nach Clissa (und Spalato) [Seitenroute] ............ 227 

Von Drnis nach Knin (Fortsetzung der Eisenbahnfahrt) .......... 228 

Knin ............................... 229 

Lage. 

Historisches. 

Das Museum in Knin. 

Ausfluge bei Knin. 

Auf die Dinara. 
Von Knin liber Promina und Kazvogje nach Drnis ............ 234 

Von Knin nach Vrlika ....................... 235 

Cetina-Ursprung. Bogumilengraber. Grotte von Vrlika. 

Vrlika und seine Heilquelle. 
Von Vrlika nach Sinj ........................ 239 



IX 

Seite 

Geolopisches von der Strecke Drnis-Knin 240 

Allgemeines. / 

Die Landschaft Rosovo. 
Das Petrovopoljo. 
Der Monte Promina. 

XV. Die Morlaken (Vlasi). 

Die norddalmatinische Lnndhevolkernng ^ 251 

XVI. Von Sebenico nach Trau. 

Die Seefahrt 262 

Trau (Trogir) ^ 264 

Spaziergang durch die Stadt. 

Der Dom. 

Aus Trails Vergangenheit. 

Spaziergiinge in und bei Trail. 

Nach Draga. 

Auf die Insel Biia (Ciovo). 

XVII. Die Riviera delle Castella (Kastela). 

Von Trail nach Spalato 277 

Seefahrt Trau Salona %,- 278 

Historisches tiber die Castelli 278 

Kivierafahrt zu Wagen von Salona nach Trail 282 

""*, 

XVIII. Spalato (Spljet). 

Anfahrt mit dem Eildampfer 288 

Kleiner Fremdenfuhrer 291 

Spaziergang in Spalato . . 292 

Meerfacade des Palastes. 

Westseite des Palastes. 

Langsstrasse der Altstadt (Porta Aurea Domplatz [Plokata Sv. Duje] Porta 
Anea). 

Querstrasse der Altstadt (Porta Ferrea Domplatz- Porta Argentea). 

Vom Domplatz zum Baptisterium (Asculaptempel) und zuriick. 

Vom Domplatz zur Porta Aurea. 

Nordseite der Altstadt. 

Ostseite der Altstadt. Borgo Lm'ac. 

Marmontplatz. Franziskanerkloster. 

Neue Riva (Nova Obala). Ostseite des Hafens. 
Der Diocletianspalast 306 

Diocletian. 

Der Palast. 

Der Dom. 
Das k. k. archaologische Museum ... 315 

I. Abtheilung. 

Vorsaal. 

Erster (grosser) Saal. 

Zweiter Saal. 

II. Abtheilung. 

III. Abtheilung. 

t Abtheilung. 
ilato in der Vergangenheit . . . JLi . *S . . . . .'>21 
iziergange um Spalatq^. *r . . .'. .">_'; 

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XIX. Ausfluge von Spalato. Seite 

Auf den Monte Marjan 328 

Ausflug nach Salona (Solin) 337 

G-eschichtliches iiber Salona. 

Geschichte der Ausgrabungen. 

Von Spalato nach Salona 340 

In den Buinen von Salona 342 

Atisflug nach Clissa (Klis) 35 1 

XX. Von Spalato nach Sinj und Imoski (einschliesslich der Land- 
route nach Metkovic). 

Nach Sinj 358 

Sinj ao9 

Das Alkafest (La giostra). 

Das Museum von Sinj. 

Ausfluge von Sinj. 

Von Sinj nach Imoski 362 

Imoski 363 

Von Imoski iiber den Biokovo nach Makarska 364 

Von Sinj auf der n Strada Maestra" nach Metkovio 365 

XXI. Von Spalato nach Metkovic. 

Bemerkung iiber die Seefahrt .'..."..... 367 

Bucht von Stobrec , 367 

In die Poljica und auf den Mosor 368 

Die Poljica einst 369 

Almissa (Omis) 371 

Von Almissa iiach Duare (Zadvarje; 373 

Zum Wasserfall Gubavica. 

Von Almissa nach Makarska 375 

Der Biokovo, 1762 Meter. 

Makarska 376 

Von Makarska zur Narentamiinduiig 377 

Von der Narentamiindung nach Metkovio . 378 

XXII. Das Narentagebiet Ausfluge von Metkovic. 

Einige geschichtliche Reminiscenzen 381 

Mittelalter und Neuzeit. 
Die Narentaner. 

Naturhistorisches 384 

Der Hiigel von Metkovic 386 

Von Metkovic nach Vrgorac 387 

Von Metkovic nach Ljubuski 388 

Von Metkovic nach Gabela und Mostar 389 

Die Guslaren 391 

XXIII. Die mitteldalmatinischen Inseln. 

Solta (Solta) 395 

Die Brazza (Brae) 396 

Geschichtliches. 

Bodencultur. 

Topographisches. 



XI 

Seite 

Lesina (Hvar) 402 

Historisches. 
Topographisch.es. 
Stadt Lesina. 
Die iibrigen Orte Lesinas. 

Lissa (Vis) 411 

Allgemeines. 

Lissa im Alterthum. 

Die Seeschlachten bei Lissa 1811 und 1866. 

Topographisches. 

Die n Blaue Grotte" auf der Insel Busi (Bisevo) 417 

Curzola (Korcula) 419 

Historisches. 

Erwerbszweige. 

Topographisches. 

Lagosta (Lastovo) 424 

Die meerfernen Eilande 425 

St. Andrea, Porno, Pelagosa. 

XXIV. Von Metkovic nach Ragusa. 

Dampferrouten 428 

Die Halbinsel Sabbioncello (Peljesac) 429 

Fahrt an der Siidkiiste Sabbioncellos. 

Von Metkovic iiber den Isthmus von Stagno nach Gravosa 434 

Von Gravosa nach Bagusa 438 

XXV. Ragusa (Dubrovnik). 

Kleiner Fremdenfuhrer 442 

Orientierungsspaziergang in Eagusa 444 

Ubersicht der Stadt vom n H6tel Imperial". 

Weltlage Eagusas 449 

Historisches 450 

I. Unter byzantinischer Hoheit, vom VII. Jahrhundert bis 1205. 

II. Unter venetianischer Hoheit, 1205 1358. 

III. Unter ungarischer Hoheit, 13581526. 

IV. Unter tiirkischer Hoheit, 15261806. 

V. Fall der Eepublik in der Zeit Napoleons I. (1808). 

Verfassung, Verwaltung 458 

Literatur und Wissenschaft 460 

Ackerbau, Gewerbe, Handel und Schiffahrt 463 

Eagusas Baudenkmale 465 

Kirchen. 

Der Dora S. Maria Maggiore (Gospa). 
S. Biagio (Sveti Vlaho). 

Dominikanerkirche und -Kloster (Eosario). [Bijeli Fratri.] 
Kirche und Kloster der Franziskaner (Mala Braca). [Crni Fratri.] 
Ubrige Kirchen. 
Profanbauten. 

Der Eectorenpalast (Dvor). 

Gemeindehaus (Opcina). 

Die Dogaua (Divona). 

Die Festungsmauern. Pile und Ploce. 

Spaziergiinge 478 

San Giacomo. 

Halbinsel Lapad. 

Promenade auf der Wasserleitung. 



XII 

Seite 

XXVi. Ausfluge von Ragusa. 

Von Gravosa zur Omblaquelle (Rijeka) 484 

Auf den Monte Sergio (Srgj) 487 

Nach Cannosa (Trsteno) 489 

Nach Trebinje 496 

XXVII. Die ragusaische Inselflur (Suddalmatinische Inseln). 

Die Insel Meleda (Mljet) 501 

Giuppana (Sipan) 504 

Die Insel Mezzo (Lopud) ... 505 

Calamotta (Kolocep) 507 

Lacroma (Lokrum) 508 

XXVIII. Von Ragusa in die Bocche di Cattaro. 

Landroute von Kagusa nach Castelnuovo 515 

Val Breno (Zupa) 516 

Ragusavecchia (Cavtat) 518 

Val Canali (Konavli) 520 

Auf die Snijeznica (1234 Meter) ^ . . . . 522 

Die Sutorina ..../.".. 524 

Seefahrt von Gravosa zur Punta d' Ostro 525 

XXIX. Die Bocche. 

Geschichtliches liber die Bocche 530 

Fahrt durch die Bocche 536 

Castelnuovo (Ercegnovi) 538 

Kloster Savina 539 

Meljine. Enge von Kombur 539 

Teodo-Bai (Tivat) 540 

Catene (Verige) 541 

Risano (Kisan) 541 

Die Krivosije 543 

Auf den Orjen (1895 Meter) 544 

Perasto (Perast) 546 

Die Scoglien S. Giorgio trad Madonna dello Scalpello 546 

Golf von Cattaro 550 

Vor Cattaro 551 

Cattaro (Kotor) 552 

Die Kathedrale. 

Das Trifonfest und die Marinerezza (Mornarica). 

Andere Kirchen. 

Zur Festung S. Giovanni (Kastio). 

Markt beim Fiumera- und Marine-Thor. 

Spaziergange. 

Die Zupa (Grbalj) 560 

Die Cattaro-Cetinjer Bergstrasse bis Krstac 560 

Auf dem alten Saumwege. 

Auf der neuen Fahrstrasse. 

XXX. Von Cattaro bis zur sudlichsten Reichsgrenze (Primorje). 

Budua (Budva) 566 

Die Berge von Maini und Pastrovici 568 

Von Cattaro nach Budua (Budva) und Spizza (Spic) 570 



XIII 

XXXI. Ausflug nach Montenegro (Crnagora). 

Einiges aus der Geschichte Montenegros 576 

Einige statistische Daten 579 

Die montenegrinische Traclit . 581 

Von Krstac nach Cetinje 582 

Cetinje 583 

Auf den Lovcen 585 

Von Cetinje zum Scu'tari-See und nach Antivari 588 

XXXII. Nach Corfu (Krf). 

Dampi'erverbindungeii 593 

Von Antivari nach Corfu 594 

Corfu . 597 



Nachwort 599 

AN HANG. 

Kleines Worterbuch Ill 

FlRcheninhalt und BevOlkerung XXII 

Naturhistorisches .... XXVI 

Niedere Fauna des Velebit. 
Insecten. 
Conchylien. 
Flora des Velebit. 
Bliitenlose. 
Bliitenpflanzen. 
Winterflora von Kagusa. 

In Dalmatien erscheinende Zeitungen XXXI 

Verzeichnisderlllustrationen XXXII 

Narnen- und Ortsregister XXXVI 

Druckfehlerverzeichnis. 
Insera t e. 

BEILAGE. 

Dampferfahrten im Winterhalbjahr 1898/99 I 

Von Triest nach Pola. 

Von Pola nach Zara. 

Von Fiume nach Zara und anderen Stationen des siidlichen Adriagebietes. 

Von Zara. 

Von Sebenico. 

Von Spalato. 

Von Metkovic. 

Von Gravosa (Rugusa). 

Von Bagusa (Porto Cassone). 

Von Cattaro. 
Eisenbahnverbindungen XXI 

In Dalmatien. 

Nachbarverbindungen. 

Zugangsrouten. 
Dalmatiiiische Postverbindungen XXII 



ERKLARUNG DER STADTPLANE. 



Zara (Zadar). 

(Zwischen Seite 96 und 97.) 



Appello = Oberlandesgericht. 
Career! = Gefangnisse. 
Cinque pozzi = Ftinf Brunnen. 
Chiesa = Kirche. 
Conv. (Convento) = Kloster. 
Dogana = Zollamt. 
Fossa = Kleiner Hafen. 
Giardino = Garten. 
Porta Marina = Uferthor. 



Pal. Imogotenenziale = Statthalterei- 

palast. 

Porta Terraferma = Landthor. 
Porto = Hafen. 
Scuole = Schulen. 

Spianata = Freiliegender Platz, Glacis. 
Torre dell' orologio = Uhrthurm. 
V. (Via) = Gasse. 
Vicolo = Gasschen. 



Spalato (Spljet). 

(Zwischen Seite 304 und 305.) 



Banca comm. (commerciale) = Com- 

mercialbank. 

Baptisterium = Taufcapelle. 
c. k. = k. k. 
Carinara = Zollamt. 
Cesma = Brunnen. 
Citaonica = Croatischer Leseverein. 
Crkva = Kirche. 
Diga = Wellenbrecher. 
Drzavna zeljeznica = Staatsbahn. 
Gospodski Trg = Herrenplatz. 
Grad novi = Neustadt. 
Grad stari = Altstadt. 
Gradski perivoj = Stadtpark. 
Kafana na obali = Kaffeehaus auf der 

Riva. 

Kolodvor (stanica) = Bahnhof. 
Kotarsko Poglavarstvo = Bezirkshaupt- 

mannschaft. 
Kula = Thurm. 

Kupaliste r Bacvice u = Bad r Botticelle". 
Kupaliste n Polo" = Bad n Polo". 
Lucko Poglavarstvo = Hafencapitanat. 
L/uka = Hafen. 
Mir(i) = Bedemi = Bastei. 
Mjenj. (Mjenjacnica) = Wechselstube. 
Muo = Molo. 
Obala nova = neue Riva. 
Obala stara alte Riva. 



Opcinski Dom = Gemeinde. 

Opcinsko Kazaliste = Stadttheater. 

Pazar = Bazar. 

PI. (Plokata) = Platz. 

Pokrajinska bolnica = Landesspital. 

Posjed = Besitz. 

Posta i brzojav = Post- und Tele- 

graphenamt. 

Pucka Banka = Volksbank. 
Pucka Kuhinja = Volkskuche. 
Put = Strasse. 
Realka = Realschule. 
Ribarnica = Fischhalle. 
Samostan = Kloster. 
S. Duh = Heiliger Geist-Kirche. 
Sudiste = Gericht. 

Ski. (Skladiste) duhana = Tabakmagazin. 
Ski. (Skladiste) Soli = Salzmagazin. 
Sumporno vrelo = Schwefelquelle. 
Ulica (Ul.) = Gasse. 
Ulaz = Einfahrt. 
Tammice = Gefangnisse. 
Trg = Platz. 

Trg Zeleni = Grimmarkt. 
Varos (veliki) = Vorstadt (grosse). 
Vocni Trg (vocariste) = Obstmarkt. 
Vojnicka bolnica = Militarspital. 
Zvonik = Kirchthurm. 



XV 



Salona (Solin). 

(Zwischen Seite 336 und 337.) 



Blato (Palus) = Sumpf. 

Coemet. ant. christ. = Alter christl. 

Friedhof. 
Moeuia ant. urbis = Die Mailer cler 

alten Stadt. 



Mlinice = Milhlen. 
Rudera = Ruinenreste. 
Torrens = Wildbach. 



Ragusa (Dubrovnik). 

(Zwischen Seite 448 und 449.) 



Biskupova Polaca = Bischofspalast. 

Bolnica Vojnicka = Militarspital. 

Divona = Zollamt. 

Djecje zakloniste Findelhaus. 

Dvor = Kectorenpalast. 

Gospa = Frauenkirche. 

Kafana = Kafifeehaus. 

Kase = Hafendamm. 

Liicki Ured = Hafenamt. 

Luka = Hafen. 

Mala Braca = Franziskaner. 

Miri od Grada = Stadtmauer. 



Okmzni sud = Kreisgericht. 

Opcina = Gemeindeamt. 

Poljana = Platz. 

Posta =r Postamt. 

Ribariiica = Fiscbmarkt. 

Taninice Gefangnisse. 

Sv. Vlaho = Blasiuskirche. 

Vrata = Stadtthor. 

Zakloniste sironiasko == Versorgungs- 

haus. 
Zvonik Uhrthurm. 



GEOGRAPHISCHE KARTEN. 

Zwischen Seite 

1. Situationskarte von Dalmatien vor Seite 1. 

2. Umgebung von Spalato 272 u 27H 

3. Umgebung von Bagiisa ... 432 ., 433 

4. Bocche di Cattaro . .528 . 529 




] 




I. Einleitung. 



Dalmatian als Reiseziel. Altere und neuere Literatur flber das Land. - 

Zweck dieses Buches. 

Das an Naturschonheiten und Geschichtsdenkmalerii reiche 
Dalmatien ist ein Land der Contraste und zugleich in Europa 
ein Ubergangsland. Seine Kiisten schauen nach Italien hiniiber, 
von wo einst, als ihrem Brennpunkte, die Cultur des Westens 
ihren Siegeszug in den von Rom beherrschten Erdkreis antrat. 
Ueber den ostlichen Gebirgswallen aber beginnt der Orient, der 
sich durch Jahrhunderte vorwiegend anstiirmend und drauend ver- 
hielt, und erst in neuester Zeit, seit Osterreich-Ungarn Bosnien 
und die Hercegovina occupierte, dem Westen die Hand zu reichen 
und dem Zwischenlande Dalmatien zum Segen zu gereichen 
beginnt. 

"West und Ost, Seegestade und Gebirge liefern den Contrast, 
wahrend von Nord nach Slid in Dalmatien ein langsamer Uber- 
gang stattfindet. In der Kichtung seiner Haupterstreckung hat 
das Land eine Lange von iiber 400 Kilometer und reicht aus der 
Breite von Genua (genauer von Pola) fast bis in jene von Rom. 
Wahrend es aber in der Landschaft Kosovo, wo das Auge rings 
saftige Wiesen, schattige Buchenhaine und fliessende Gewasser 
erblickt, mitteleuropaische, ja in den Hochregionen des Velebit 
fast alpine Landschaften umfasst, bespiilt von Spalato siidlich 
das, von den Odysseischen Eilanden heraufflutende Meer Kiisten- 
und Inselgestade, wo die herrliche Sonne des Siidens iiber echt 
mediterranen Gefilden leuchtet. An Uppigkeit wetteifert die 
Vegetation hier stellenweise mit jener der Macchien Corsicas 

Fflhrer durch Dalmatien. 1 



EINLEITUNG. 



oder der Nizzaner Garten; aber auch die nordlichen Gestade 
Dalmatiens liegen noch siidlicher als Lussin und Abbazia und 
participiereiij wie an den gelegentlichen Bora-Einbriichen, so 
an der allgemeinen orographischen Begiinstigung, welche 'dem 
Quarnero die Bezeichnung ^Warmefang" eingetragen hat. Seit 
im Jahre 1881 der Stern Abbazias aufgegangen ist, tauchen 
daher aucli die natiirlichen Zauber Dalmatiens energischer in 
den Horizont europaischer Beachtung. Immer mehr Reisende 
lernen die vielgestaltigen Kiistengestade kennen und verbreiten 
den Ruhm origineller Schaustiicke der Landschaftsscenerie. welche 
die Natur hier in den Krka- und Cetinafallen, in der Ombla- 
quelle, in den Vegetationszaubern der Sieben Castella, Cannosas. 
Ragusas und Lacromas, in den Stidfjords der Bocche und andern 
Orts dem Beschauer bietet. Von diesen, durch die Natur bevor- 
zugten Punkten .zieht dann der Fremdenstrom weitere Kreise. 
halt mit Interesse vor den sehenswerten Alterthumerii aus 
romischer und Venetianer Zeit, welche Stadte wie Spalato. 
Trau u. a. bewahrt haben und nimmt schliesslich das Flugelrad 
zu Hilfe ; um eine Moglichkeit, durch welche Dalmatien einzig 
dasteht aus dem Westen kurze Ausfliige in den Orient zu 
machen, der in den Occupationslandern wohl in der angenehmsten 
Art, namlich ungeachtet der Erhaltung seiner Eigenthumlich- 
keiten, mit all' jener Sicherheit und Bequemlichkeit genossen 
werden kann, welche die osterreichisch-ungarische Yerwaltung 
in Bosnien und der Hercegovina geschafFen hat. 



Seine hervorragenden historischen und Naturmerkwiirdig- 
keiten haben Dalmatien natiirlich schon friih Schilderer und 
Darsteller erweckt. An ihrer Spitze steht der Trauriner Johannes 
Lucius, der schon 1666 mit einem in Amsterdam erschienenen 
Werke ^De regno Dalmatiae et Croatiae" den Grundstein kritischer 
Geschichtsschreibung in Dalmatien legte. Auch lieferte er eine 
umfangreiche Localgeschichte von Trau, welche ein reiches 
Documentenmaterial liber Trau und Spalato erbringt, und ein 
"Werk iiber die damals bekannten Inschriften Dalmatiens. Wenig 
spater (1678) erschien das Buch Coronelli's: n Mari, Golfi, Isole 
Spiaggie, Porti, Citta, Fortezze ed altri Luoghi dell' Istria, 



DALMATIEN ALS REISEZIEL. A'LTERE UNO NEUERE LITERATUR OBER DAS LAND ETC. 3 

Quarner. Dalmatia, Albania, Epiro e Livadia", das im 3. Bande 
Dalmatian, behandelt und noch heute durch seine Abbildungen, 
besonders der Festungen des Landes, hohes Interesse bietet. 
Ein Decennium darnach (1689) beschrieb M. G. Wheeler seine 
Reise nach Dalmatien, Griechenland und der Levante in einem 
Buche, welchem im Laufe des XVIII. Jahrhunderts mehrere Reise- 
schildervmgen von Dalmatien folgten. Besonders in der zweiten 
Halfte des vorigen Jahrhunderts, als die Venetianerherrschaft 
bereits ihrem Ende neigte, erschien eine Reihe bedeutungsvoller 
Werke iiber Dalmatien, unter welchen Daniele Farlati's n lllyri- 
cum sacrum", vielleicht nicht bloss der Zeit nach, an erster 
Stelle steht. Es ist ein siebenbandiges Grossfolio-Werk, welches 
1751 in Venedig zu erscheinen begann, 1819 durch einen 
Nachtragsband Colati's seine Vollendung erhielt und in weitestem 
Umfange die kirchliche Geschichte der zum seinerzeitigen Erz- 
bisthum Spalato gehorigen Suffraganbisthumer enthalt. 

Wiirdig stellt sich dieser Publication das 1774 erschienene 
Grossfolio -AVerk Rob. Adam's ^Ruins of Diocletian Palace at 
Spalato u zur Seite, welches nicht nur textlich, sondern auch 
durch seinen reichen trefflichen Bilderschmuck bedeutsam ist 
und u. a. hochst interessante Darstellungen der Meerfront des 
Diocletianpalastes, sowie der Porta aurea in dem Zustande beider 
vor 120 Jahren enthalt. Ebenfalls reich an prachtigen Bildern 
ist Josef Lavallee's Voyage pittoresque et historique de 1'Istrie 
et de la Dalmatie", welche 1802 in Paris erschienen ist. Es 
sind dies zwei hervorragende Werke in historischer und kunst- 
historischer Hinsicht (besonders was Illustrationen betrin^t), 
welchen sich als eine der bedeutsamsten Darstellungen der 
wirtschaftlichen Verhaltnisse Dalmatiens vor 100 Jahren ein, 
allerdings nur im Manuscript vorhandenes, in der Museal- 
Bibliothek zu Spalato aufbewahrtes Opus des Proweditore 
Generale Vincenzo Dandolo anschliesst, der im Jahre 1806 
unter dem Titel n La Dalmatia ai 31 Dicembre 1806, opera 
economico-politica", einen ausfuhrlichen Vortrag an den Kaiser 
Napoleon I. erstattete. 

Eine Erganzung dieser Werke bildet die 1776 in Bern in 
deutscher Ubersetzung erschienene n Reise in Dalmatien u , des 
Abbate A. F o r t i s, welcher einen grossen Theil des Landes 

i* 



EINLEITUNG. 



bereiste, und besonders den landschaffclichen und physikalischen 
Verhaltnissen Beachtung schenkte. 

Nicht zum kleinsten Theile infolge dieser Publicationen war 
zu Beginn unseres Jahrhunderts besonders in den akademischen 
Kreisen Europas ein bedeutendes Interesse fur Dalniatien vor- 
handen, welches sich durch die an die Erhebung Tirols ge- 
mahnenden Aufstande der Dalmatiner gegen die Franzosen- 
herrschaft steigerte und in der Folge Manner der verschiedensten 
Berufskreise nach Dalmatien fuhrte, wo sie Forschungen an- 
stellten und Wahrnehmungen machten, uin hernach Biicher und 
Artikel zu publicieren. Aber auch die Dalmatiner selbst be- 
theiligten sich nun noch umfassender als in friiheren Jahr- 
hunderten an der Durchforschung und Schilderung ihrer Heimat 
und so entstand eine iiberaus reiche Literatur iiber das Land, 
welche zunachst G. Valentinelli in seiner n Bibliografia rlella 
Dalmazia e del Montenegro" (1855 7 mit Supplement 1862) iiber- 
sichtlich zu verzeichnen suchte. 

Eines der griindlichsten und vielseitigsten dieser neueren 
Werke ist wohl jenes, welches der Professor Franz Fetter 
1857 in Justus Perth es' Verlag in Gotha erscheinen liess und 
welches gewissermassen das geographische Pendant zu der drei- 
bandigen ,,Storia della Dalmazia" bildete, die 1835 Cattaliiiich 
in Zara herausgab. Vor und nach Petter wurden Dalmatien 
von Schriftstellern fast aller Nationen Reisewerke gewidmet ? 
von welchen hier nur F.G.Jackson's n Dalmatia ; the Quarnero 
and Istria" und die Schilderungen Noe's und Modric's erwahnt 
werden sollen. Von den zahlreichen anderen Werken behandelt 
manches nur die oft beschriebenen Hauptsehenswiirdigkeiten, ohne 
den mannigfaltigeii im Laufe der Jahre durch eiiiheimische Fach- 
leute gelieferten Specialstudien gerecht zu werden. Letztere 
Arbeiten', die sich auf alle Gebiete erstrecken, sind zum Theil 
in den von den dalmatinischen Mittelschulen publicierten Jahres- 
berichten . (Schulprogrammen) enthalten, deren allgemeiner Theil 
gegenwartig allerdings fur die, einige Jahre dauernde Publication 
der Bibliotheksverzeichnisse gewidmet ist ; eine der reichsten landes- 
kundlichen Quellen aber fliesst in den 21 Jahrgangen des von 

Die Titel einiger dieser Specialwerke , sowie sonstiger neuerer 
Publicationen tiber Dalmatien werden betreff'enden Orts angegeben werden. 



DALMATIEN ALS REISEZIEL. ALTERE UNO NEUERE LITERATUR UBER DAS LAND ETC. 5 

Museumsdirector F. Bull 6 redigirten n Bolletino di Archeologia e 
Storia Dalmata u , welchem leider in geographisch-naturhistorischer 

Hinsicht noch keine ahnliche Landespublication zur Seite steht. 

* 

"Wie man sieht, 1st sowohl die altere, als die nenere Literatur 
iiber Dalmatian eine ungemein reichhaltige. Dennoch fehlt es 
znr Zeit an einem Werke, welches Dalmatien einigermasseii 
eingehend in eiiier flir den Reisenden branchbaren Form dar- 
stellen wiirde. Allerdings hat das Konigreich in dem von weiland 
Kronprinz Rudolf begriindeteii grossen Sammelwerke .,0ester- 
reich-Ungarn in Wort und Bild" eine treffliche Behandlung 
zum Theil dnrch Fachmanner des Landes gefunden. In 
diesem Werke schildern A. v. Kerner die Flora, A. v. Moj- 
sisovi c s die Fauna, H. No e und E. G-elcich den Landschafts- 
charakter des Festlandes und der Inseln; die Geschichte des 
Landes und besonders die Sitten und Gebrauche des Volkes, die 
Entwicklnng des geistigen Lebens, der Musik u. s. w., finden aus- 
fiihrliche AViirdigung ; andere Capitel vermitteln einen Begriff von 
den landwirtschaftlichen, gewerblicheii und Handelsverhaltnissen, 
sowie von der Schiffahrt und Fischerei Dalmatiens etc. Natur- 
gemass sind aber diese Darstellungen nicht in jener von Ort zu Ort. 
oder wenigstens von Gebiet zu Gebiet fortschreitenden Folge ge- 
geben, \velche der Reisende bedarf, urn rasche Ubersicht zu haben. 

Einen Fiihrer zu schaifen, der in letzterer Ordnung vorgeht 
und die dalmatinischen Dinge etwas ausfuhrlicher behandelt, 
als die bisherigen Reisebiicher, betrachtet der 1894 gegriindete 
,,Verein zur Forderung der volkswirtschaftlichen Interessen des 
Konigreiches Dalmatien" als eine wichtige Aufgabe. Ihr hat sich 
auch der mit der Durchfuhrung betraute Verfasser umso lieber 
gewidmet, als dem Werke durch eine Reihe landeskundiger Dal- 
matiner und anderer Fachmanner Unterstiitzung zutheil wurde. 

Besonders muss hier der Bemiihungen gedacht werden, welchen 
sich Herr Museumsdirector Bulic in Spalato unterzog, um wichtige 
Partien des Textes zu authentificieren, sowie der freundlichen 
Unterstiitzung, welche die Herren Professoren Kolombatovic 
und Nikolic in Spalato dem Verfasser zutheil werden liessen. 







II. Praktische f^eiseuuinke. 



Allgemeines Qber Reisedauer. eventuelle AbkQrzung der Seereise durcli 
Landrouten und Verkehrsmittel. 

Um Dalmatien einigermassen kennen zu lerneii und die 
wichtigeren der in diesem Buche geschilderten Gegenden zu 
besuchen, wird der Reisende, der nicht allzusehr sich beeilen 
will, wohl einen Monat Zeit brauchen. Widmet er 5 Tage fiir 
Zara und Umgebung, 2 fur Sebenico, 6 fiir Spalato und Um- 
kreis, 6 fur Ragusa und die Ausfliige nach Cannosa, zur Ombla- 
quelle, nach Lacroma und Trebinje, endlich 5 Tage fiir die 
Bocche di Cattaro, Budua, Spizza und eventuell den Ausflug 
nach Cetinje, so verbleiben noch 6 Tage fur Touren im Innern, 
die man etrwa wie folgt eintheilen mag : 2 Tage fiir Sinj und 
Vrlika, 2 Tage fiir Knin und Scardona, eingerechnet den Aus- 
flug zu den Krkafallen, 1 Tag fur Obrovazzo nebst dem Ausfluge 
auf den Velebit und endlich 1 Tag fiir die Eiickkehr auf der 
Dampferlinie Obrovazzo - Zara Fiume. 

Ein Theil dieser Beisezeit entfallt natiirlich auf Seefahrten, 
solange Dalmatien des Anschlusses an die, das nordliche Adria- 
gebiet umschliessenden Eisenbahnen entbehrt. Vor der See 
braucht aber selbst der Nervose nicht zuriickzuschreckeii. Denn 
einmal sind stiirmische Tage auf einem Siidmeer wie die Adria 
ziemlich selten, dann aber bestehen zwischen den Hauptorten 
der Kiiste so mannigfaltige, meist comfortable Dampferver- 
bindungen, dass man besonders bei Beniitzung der neuestens 
eingefiihrten Circulations-Billets die Seereise leicht nach 
Gefallen in einzelne kiirzere Abschnitte zerlegen und fiir letztere 
gutes "Wetter abwarten kann. 



ALLGEMEINES USER REISEDAUER. EVENTUELLE ABKURZUNG DER SEEREISE ETC. 



Ubrigens lasst sich auch ein Theil der eigentlichen Kiisten- 
routen in sehr genussvoller Weise mittelst Bahn oder "Wagen 
zuriicklegen. So kann man z. B., nachdem man, von Pola aus 
in wenig mehr als fiinfstiindiger, von Fiume aus in etwas iiber 
sechsstundiger Seefahrt, Zara erreicht hat, von hier in weniger 
als 10 Stunden auf dem Landwege nach Sebenico kommen. Hier 
beginnt die dalmatinische Staatsbahn, deren Ziige in circa 
4 Stunden nach Spalato fahren. Von Spalato nach Ragusa braucht 
das Eilschiff nicht ganz 8 Stunden. von Ragusa an aber wird 
die ganz Dalmatien durchziehende Reichsstrasse zu jener geprie- 
senen Rivierastrasse, auf der man mittelst Wagen in sechsstiin- 
diger, ho'chst genussvoller Fahrt Castelnuovo und in weiteren 
2 Stunden Cattaro erreicht. 

Indessen werden wohl die meisten Reisenden gerade in der 
Adriafahrt einen Hochgenuss finden, in dieser Fahrt auf einem 
stidlichen Spiegelmeer, die schon desshalb nie eintonig wird, 
well sich zu dem, in der Aclria besonders haufigen Wandel der 
eigentlichen Seephanomene der Wechsel gesellt, den die voriiber- 
ziehenden Kiisten- und Inselgestade darbieten. 

Sogar Nachts hat die Seefahrt in den dalmatinischen 
Gewassern ihre eigenthiimlichen Reize, und selbst wenn sich 

nicht ein funkelnder Sternenhimmel zu 
Haupten wolbt oder das Silberlicht des 
Mondes magische Schimmer iiber die Meer- 
nachewirft, siehtmangewohnlich zahlreiche 
Reisende bis spat Nachts auf dem Verdecke 
herumspazieren. Yiele interessiert es nam- 
lich, das Schauspiel der entschwindenden 
und neuauftauchenden Leuchtthiirme zu 
betrachten, mit deren Schimmer jener der 
Kiistenorte und besonders jener der 
stundenlang sichtbaren Lichterzeilen 
der grosseren Stadte abwechselt. 

Der rasche und exacte Verkehr 
zwischen dem Lande und den Inseln, 
zwischen den bedeutenderen und 
minder bedeutendenOrten wird heute 
LEUCHTTHURM. hauptsachlich durch grossere und 




PRAKTISCHE REISEWINKE. 



kleinere Dampfer vermittelt. Ausserdem steht in Dalmatien die 
132 Kilometer lange Eisenbakn Spalato Knin in Betrieb, welche 
einen 27 Kilometer langen Fliigel nach Sebenico entsendet. 
Auch mit der Hercegovina und mit Bosiiien ist eine Schienen- 
verbindung hergestellt, welche von der Dampfer station Metkovic 
an der Narenta in 1 3 ; 4 Stunden nach dem 43 Kilometer entfernten 
Mostar, und in weiteren 8 Stunden nach Sarajevo bringt. 
(Mostar Sarajevo 135 Kilometer Gebirgsbahn.) 

Die Metkovic zunachst liegende Station der Bahn nach 
Mostar ist Gabela, von wo die bosnisch-hercegovinische Landes- 
regierung soeben einen Schienenstrang sudlich in das Thai der 
Trebisnjica baut, welcher in Balde Landrouten nach Trebinje. 
Ragusa und Cattaro ermoglichen wird. Auch die Linie Spalato 
Arzano mit einer Abzweigung nach Sinj (zum Anschluss an das 
bosnische Eisenbahnnetz bei Bugojno) ist bereits in Ausfuhrung 
begrilfen, und weitere Schienenstrange sind projectirt, um Dal- 
matien mit Croatien zu verbinden. 



Specielle Bemerkungen iiber Coursbiicher, Dampfschiff- und Bootfahrten. 

Zeiteintheilung. Kleidung. Verkehr mit der Bevolkerung. Eisenbahn-, Post- und 

Wagenfahrten, Gasthofwesen u. s. w. 

Behufs Entwerfung eines Reiseprogrammes muss der Eilige, 
der mit seiner Zeit kargt, in Dalmatien umso sorgfaltiger das 
jeweilig neueste Coursbuch zu Rathe ziehen, je mehr er minder 
frequeritirte R-outen im Innern des Landes und auf die Inseln 
vorhat. Bei der Lange der Kiisten und der grossen Menge von 
Inseln ist eben auch die Zahl der von den verschiedenen Schift- 
fahrts-Gesellschaften befahrenen Routen eine betrachtliche. Es 
dtirfte daher nicht unzweckmassig sein, dem Fremden die 
Gewinnung der nothigen Ubersicht durch einige Specialangaben 
zu erleichtern. 

"Wer von Norden kommt, wird in der Regel Waldheim's 
,,Conducteur u (Coursbuch fur Osterreich-Ungarn) mitbringen, 
rler die gesammten Dampferverbindungen der osterreichischen 
Adriakiiste von Triest Fiume bis Spizza in drei Abtheilungen 
(Lloydfahrten, Fahrten der Ungaro-Croata und iibrige Adria- 



SPECIELLE BEMERKUNGEN USER COURSBOCHER ETC. 

fahrten) nach den einzelnen Routen darstellt. Fahrpreise sind 
in diesem Coursbuche jedoch nicht angegeben. 

In Dalmatian selbst findet der Reisende in Zara, Spalato 
und Ragusa besondere Behelfe, zunachst in Zara eine, im 
Verlage von S. Artale vierteljahrlich erscheinende Publication : 
jjProntuario del movimento di tutte le corse postali di mare e 
di terra: da e per Zara". Das Biichlein enthalt u. a. fur jeden 
Tag Ankunfts- und Abfahrtszeit der in Zara verkehrenden Schiffe 
nebst Angaben der weiteren Route und der Fahrpreise. 

Ahnliche Publicationen erscheinen in Spalato und Ragusa; 
auch nndet der Fremde im Vestibule des Hotels Imperial" in 
Ragusa eine Tafel mit einer graphischen Darstellung der Dampfer- 
verbindungen unseres Gebietes, welche fur jede der angegebenen 
Stationen sofort erkennen lasst, welche Dampfer an einem 
bestimmten Tage ankommen, zu welcher Stunde sie eintreffen 
und wieder abgehen und welche Route sie einschlagen. 

Um den Gebrauch dieser Coursbiicher, von welchen das 
Zaratinische und Spalatinische allerdings einige Kenntnis der 
italienischen Sprache voraussetzen, zu erleichtern, geben wir 
im Anhange dieses Buches einige auf dem Stande der Verkehrs- 
mittel im Winterhalbjahr 1898 99 basierende Itinerare sowie ein 
Yerzeichnis sammtlicher Kiisten- und Inselstationen, welche diese 
Dampfer anlaufen, nebst kurzen Angaben iiber die Lage der Orte. 

Ubrigens ist auf jedem SchifFe ein Stationsverzeichnis fiir 
die betreffende Route angeschlagen. 



Behufs ganz genauer Orientirung empfehlen sich die Blatter 
der Specialkarte 1 : 75.000, welche vom militar-geographischen 
Institute fur die ganze Monarchie herausgegeben wurden, und 
fiir Dalmatien (das Blatt a 50 kr.) in den Buchhandlungen von 
Triest, Pola, Fiume 7 Zara und Spalato erhaltlich sind. Die 
Blatter sind von Nord nach Siid (geographische Breite) der Reihe 
nach mit romischen, von West nach Ost mit arabischen Ziffern 
bezeichnet. Jedes Blatt stellt das Gebiet eines halben Langen- 
grades (rund 40 Kilometer von West nach Ost) und eines Viertel- 
Breitengrades (rund 27'., Kilometer von Nord nach Siid) dar. 



10 PRAKTISCHE REISEWINKE. 

In den Fahrpreisen, welche vor dem Einschiffen in den 
Bureaus (Agentien) der Gesellschaften bezahlt werden. sind 
Cabine und Verpnegung nicht inbegriffen, wohl aber die taxfreie 
Beforderung von Gepack bis zu 70 Kilogramm in der I. Classe 
und 50 Kilogramm in der II. Classe. Wer mit Familie reist, 
lost fur ein Kind von 2 10 Jahren ein halbes, fur zwei Kinder 
dieses Alters ein ganzes Billet und hat in letzterem Falle 
Anspruch auf ein Bett fur die Kleinen. Kinder unter zwei Jahren 

werden frei befordert. 

* 

Seit vorigem Jahre haben sich Lloyd", n Ungaro-Croata" 7 
,,Ragusea u und S. Topic & Cie. vereint, um Eundreisebillets 
I. Classe auszugeben, welche von Triest, bezw. Fiume bis Cattaro 
gelten und zur Beniitzung jedes beliebigen Schiffes der vier 
Gesellschaften, sowie zu einem zweitagigen Gratisaufenthalte im 
n H6tel Imperial" in Ragusa berechtigen. Die Karten werden zu 
dem billigen Preise von 45 fl. 6. "W. ausgegeben. 

* 

Die Verpnegung auf den Schiffen kommt natiirlich nur fur 
Reisende langerer Fahrt, also namentlich fur die Passagiere der 
Eilschiffe in Betracht. Dass sie auf den Schiffen des Lloyd und 
der Ungaro-Croata eine vortreffliche und preiswiirdige 1st, wird 
seit Langem von alien Reisenden ruhmend hervorgehoben ; 
bemerkt mag daher hier nur sein, dass zur Erhaltung des 
beriihmten n See-Appetits" nichts forderlicher ist, als wenn man 
am Tage vor der Reise und wahrend der letzteren die 
grosste Massigkeit im Consum von Eis, Obst und geistigen 
Getranken beobachtet. Mancher Anfall von Seekrankheit wiirde 
sich nicht ereignet haben, wenn die Passagiere nicht zuweilen 
mit schon irritirtem Magen auf das Schiff kamen. Im Allgemeinen 
sind haufige Seefahrten wahre Heilmittel zur Herstellung chro- 
nisch gestorten Appetits, weil die Seeluft vermoge ihrer Reinheit 
und ihres schwachen Salzgehaltes einen roborirenden Einfluss auf 
den Organismus iibt. Was Reinheit und Staubfreiheit betrifft, ist 
die Seeluft selbst der reinsten "Wald- und Gebirgsluft tiberlegen. 
Denn eine Hauptursache des Gehaltes der Luft an Staub, 
schadlichen Gasen und Bacterien : die Ansammlung von Menschen, 
Thieren u. s. w. fallt auf dem Meere ganzlich weg. Es gibt auf 



SPECIELLE BEMERKUNGEN OBER COURSBUCHER ETC. 11 

dem Meere keine den Organismus bedrohenden Bacterien und 
daraus erklart sich der giinstige Einfluss von Seefahrten auf die 
Athmungsorgane, ahnlich wie die nervenberuhigende Wirkung 
der See aus dem Fehlen disharmonischer Eindrucke und Gerausche. 



Eines der grossten Vergniigen fur Dalmatienreisende bieten 
ausser den Dampferfahrten die kleinen Ausfliige mittelst Bootes, 
die sich besonders dann empfehlen, wenn man in einer Station 
fur mehrere Tage Aufenthalt genommen hat. Zu entfernteren 
Inseln fahrt man besser mit einem der Kiistendampfer, fiir kurze 
Strecken dagegen, wie von Eagusa nach Lacroma, Gravosa, zur 
Ombla, Fahrten in der Bocche u. s. w., wird man schon des- 
halb haufig das Boot beniitzen, weil nicht immer gerade ein 
Dampfer verfugbar ist. Um in letzterer Hinsicht orientiert zu 
sein, ist es zweckmassig, sich in jeder Station sofort nach der 
Ankunft nach Abfahrts- und Riickkehrszeit der in den iiachsten 
Tagen circulierenden Dampfer zu erkundigen. 

Beniitzt man Boote, so mache man, um Anstande zu ver- 
meiden, den Preis im vorhinein aus. In der Regel wird er ein 
bescheidener sein, gleichviel ob, wie in Eagusa, ein Tarif besteht 
oder nicht. 

An schonen ^\ T intertagen bieten Bootfahrten an der Adria- 
kiiste uberall einen Hochgenuss, nur verlege man sie in dieser 
Jahreszeit, besonders wenn ein wenig Wind blast, in die spateren 
Vormittags- oder ersten Nachmittagsstunden. Die Morgenstunden 
werden in dieser Jahreszeit besser zu Spaziergangen, zuin 
Besuche von Museen und zum Stadtbummel, besonders zur 
Besichtigung der Gemiise- und Fischmarkte verwendet, wahrend 
man die Abendstunden der Theilnahme an dem, an die italie- 
nischen Stadte gemahnenden, und selbst auf den kleineren Inseln 
nicht fehlenden Corso widmet. 

In der Zeit von Mitte Juni bis Ende September enipfindet 
man die Hitze haufig in den spaten Vormittagsstunden 
druckender als in den ersten Nachmittagsstunden, wo sie 
durch die mittlerweile erwachte Seebrise gemildert erscheint. 
Am besten ist es fiir den Sommergast, wenn er spat vormittags 
badet und nach der Mahlzeit Siesta halt. Urn diese Zeit der 



12 PRAKTISCHE REISEWINKE. 

rnhigen Meerstiinmungen ist es ein wahrer Hochgenuss, sich 
iiach einem beschatteten, etwas erhabenen Platzchen zu begeben. 
um hier ein Stiindclien der Betrachtung des Meeres und der 
Traumerei zu widmen. Der Eiligere freilicli wird diese Zeit zum 
Besuche der Kirchen und Museen beniitzen. Ausfliige zu Fuss 
empfehlen sich. im Sommer nur in den friihesten Morgenstunden 
und abends, wogegen Kahnfahrten auch im Hochsommer zu jeder 
Tageszeit Annehmlichkeit bieten. Wer sehr empfindlich ist und 
doch auch die Tageszeit ausniitzen will, dem ist in sommerlichen 
Trockenperioden dringend zu empfehlen, fur kleine Ausfliige. 
die sich sowohl zur See als mittelst Wagen machen lassen, das 
Boot zu wahlen. In der Sonnenglut auf staubiger Strasse zu 
fahren, mochte ihm sonst zuweilen den Genuss der schonsten 

Landschaftsbilder verleiden. 

* 

Sehr wichtig ist fur den Dalmatienreisenden auch die Wahl 
entsprechender Kleidung; und zwar empfiehlt es sich in jeder 
Jahreszeit, einen leichten und einen warmeren Anzug zu haben. 
In heissen Perioden, die von Mai bis October eintreten konnen, 
wird man sich nur in leichtestem Anzug vollkommen behaglich 
fuhlen. tritt aber kiihleres Wetter ein, oder macht man einen 
Ausflug in hochgelegene G-egenden des Innern, so ist auch im 
Hochsommer warmere Kleidung erwiinscht. 

Ein Lodenmantel ist fur die kiihlere Jahreszeit im all- 
gemeinen und fur den Sommerreisenden dann angezeigt, wenn 
er vorhat, ins Gebirge zu gehen. Bei Gebirgstoureii vergesse 
man auch nicht auf einen festen Stock und feste Schuhe mit 
dicken Sohlen. Beides ist hier von ganz gleicher Wichtigkeit 
wie in den nordlichen oder siidlichen Kalkalpen, wogegen 
besondere Bergsteiger-Utensilien, wie Pickel und Seil, entfalleii 
konnen. "Wichtiger ist, in Zeiten ungewisser Witterung nicht auf 
den Regenschirm zu vergessen, da die siidlichen Giisse ihre 
kurze Dauer durch erhohte Intensitat mehr als wettmachen. Da 
ferner gerade in Dalmatien, wo man sich oft am Meere und auf 
Gebirgshohen befindet, ein gut Theil des asthetischen Landschafts- 
genusses in der Betrachtung weiter Horizonte besteht, unterlasse 
man nie, einen Feldstecher mitzunehmen. 



SPECIELLE BEMERKUNGEN OBER COURSBOCHER ETC. 13 

Pass und Empfehlungsbriefe sind im allgemeinen in Dalmatien 
iiberfliissig, doch empfiehlt sich der Besitz ernes Legitimations- 
documentes fur den Fall, als man Geldsendungen zu beheben 
hat, und Empfehlungen sind danii angenehm, wenn man in 
besseren Kreisen Eingang und zu irgendwelchen Studienzweckeii 
besondere Hilfe finden will. Der Verkehr in der guten Gesell- 
schaft ist in Dalmatien, so gut wie anderwarts, ohne Beob- 
achtung der iiblichen Formen unmoglich, ja man wird vielleicht 
nnden, dass auf letztere und auf hofliche, freundliche Umgangs- 
weise wie in Italien besonderer "VVert gelegt wird. 

Das dalmatinische Volk ist, wie an anderer Stelle dar- 
gethan wird, in seiner Masse slavisch fcroatisch und serbischj. 
In den von den Fremden vorwiegend besuchten Ktistenorten 
sprechen jedoch die Meisten wenigstens etwas italienisch ; in den 
Hotels und KafFeehausern auch deutsch und franzosisch. Im all- 
gemeinen kommt der Fremde, besonders wenn er einige AVorte 
slavisch. oder italienisch spricht, in Dalmatien ganz gut fort. 
Dabei kann er Ausfliige in die Gebirge, z. B. : in die Grenz- 
berge Montenegros oder in die Krivosije zur Zeit mit vollster 
Beruhigung unternehmen. Es ist vom Yelebit bis zum Orjen 
und Lovcen durchaus uberfliissig, eine andere Sicherheitsmass- 
regel zu treffen als die, dass man eben einen, von verlasslicher 
Seite als brauchbar bezeichneten Fiihrer nimmt. 



Fahrten mit Lohnwagen sind fur den Vergnugungsreisenden r 
der das Innere Dalmatiens kennen lernen will, natiirlich weit 
angenehmer als Postwagenfahrten, schon weil man nach Belieben 
halten kann und nicht in einem geschlossenen Vehikel zu sitzen 
braucht. Mit Wagen sind derzeit fast alle und mit der Post 
viele fur den Fremden wichtigeren Punkte im Innern erreichbar, 
wie bei den einzelnen Routen des Naheren angegeben werden 
wird. Auch die Taxen stellen sich verhaltnismassig billig ; nur 
ist zu empfehlen, bei Wagenbestellungen den Preis im voraus 
auszumachen. (Siehe die Ausfliige Ragusa Trebinje, Cattaro 
Cetinje u. a.) , 



14 PRAKTISCHE REISEWINKE. 

Das Gasthofwesen ist in Dalmatien eben in einer Umwandlung 
begriffen. Den bisherigen Hotels, die meist zweiten Eanges waren, 
ist erst 1895 das ,,H6tel Imperial" in Eagusa zugewachsen, das 
alien Anforderungen eines Hotels ersten Ranges entspricht, und 
bald wird ein ahnliches Hotel auch in Zara an der nenen Riva 
erstehen.' In Spalato entsprechen die grosseren Hotels billigen 
Anspriichen, ebenso in Zara. In den Gasthofen Cattaros, wo die 
Bereitung der Speisen und die Qualitat der Getranke eine bessere 
ist, als man nach dem primitiven Aussehen der Hauser vermuthen 
wiirde, sind nur ein paar acceptable Zimmer vorfmdlich, die 
man gewohnlich besetzt findet. Ubrigens soil auch in Cattaro, 
Castelnuovo und Spalato in nachster Zeit ein modernes Hotel 
entstehen, so dass bald wenigstens die Hauptstationen des 
Fremdenverkehres in Dalmatien den Anspriichen des Reise- 
publicums entsprechen werden. Bei Aufenthalten in kleineren 
Orten, besonders des Innern, wird sich der billig denkende 
Reisende wohl vor Augen halten, dass er in, vom Fremden- 
strom bisher nicht beriihrten Bezirkeii weilt. Um auch in solchen 
Gegenden moglichst angenehm zu reisen, ist es empfehlenswert, 
die grosseren Stadte (Zara, Spalato, Ragusa) als Standquartiere 
zu waHen und die geplanten Bereisungen in moglichst kurze 
Einzeltouren zu zerlegen. Dabei ist fur die Reise, und falls 
man nicht ohnehin am Reiseziel gute Gasthofe trifFt, wie in 
Trebinje, Mostar, Cetinje, fur den ganzen Ausflug Proviant 
mitzunehmen, besonders fur Gebirgsausfliige. 



Fiir die Reisenden sei hier noch bemerkt, dass das oster- 
reichische Geld tiber Dalmatien hinaus, auch in Bosnien, in der 
Hercegovina und in Montenegro coursiert und dass das Leben in 
Dalmatien irn allgemeinen ziemlich billig ist. Die Zimmerpreise 
findet man nur vereinzelt, wo die Unterkunft ersten Ranges 
ist, oder "Wohnungsrnangel herrscht, hoher angesetzt; Wagen- 
und Bootfahrten sind ; wie schon erwahnt, wohlfeil, besonders 
wenn man beriicksichtigt, dass es sich zumeist um Bergstrassen 
handelt, welche die Pferde sehr strapazieren ; Mahlzeiten und 
besonders die Getranke werden von den meisten Reisenden durch- 
aus preiswiirdig befunden. 



SPECIELLE BEMERKUNGEN USER COURSBQCHER ETC. 15 

Was Getranke betrifft, braucht hier wohl auf die aus- 
gezeichnete Qualitat des Dalmatiner Weines nicht besonders 
aufmerksam gemacht zu warden, da dieselbe notorisch. ist. 
Bemerkt mag indessen sein, dass neuestens in Dalmatien wie in 
Italien anch der Consum von Bier zunimmt, das. man in Zara, 
Spalato, Ragusa und Cattaro sehr gut und frisch erhalt. Wie 
in Italien, sind ferner die mit Eis zubereiteten Erfrischungs- 
getranke und der schwarze Kaffee haufig von vorziiglicher 
Qualitat. Unter den Gerichten sind ausser mannigfaltigen Fischen, 
besonders die dem Hummer ahnlichen Langusten und die Stein- 
hiinner, sowie die trefflichen Gemiise zu erwahnen. Auch das 
zum Nachtisch gereichte Obst pflegt von vorziiglicher Qualitat 
zu sein. 




III. Allgemeines abet* Dalmatian. 



Lage und Flaclieninhalt. 

Dalmatian, das stidlichste Kronland der osterreichisch-ungarischen 
Monarchic, erstreckt sich von Nord nach Stid durch 2 47' nordlicher Breite 
und von West nach Ost durch 4 33' ostlicher Lange von Ferro. 

Der nordlichste Punkt 1st die Punta Kusaca der, der grossen Insel 
Arbe vorgelagerten Insel Gregorio (44 53'). Die Breitenlage dieses Punktes 
halt die Mitte zwischen jener Mailands und Bolognas. Der stidlichste 
Punkt liegt an der Zeljeznica, an der G-renze zwischen Spizza und Monte- 
negro, nur Y 4 nordlicher als Rom. 

Der westlichste Punkt ist der unter 44 25' nordlicher Breite 
gelegene Scoglio Grujica. 1 Sein Meridian (32 14' 6'stlich von Ferro) entspricht 
ungefahr jenem von Prag und fast genau jenem von Linz und Klagenfurt. 
Als ostlichster Punkt endlich ist die Hauserrotte Bankovic in Spizza zu 
betrachten (42 7 1 /,' nordliche Breite), welche 36 47' ostlich von Ferro 
liegt, das heisst um l / 5 ostlicher als Budapest. 

In der Breite von Grujica misst der Langengrad circa 80, in jener von 
Spizza rund 82 Kilometer. Hieraus ergieht sich, hei Einrechnung der Inseln, 
eine west-ostliche Erstreckung Dalmatiens durch 368 Kilometer, gegeniiber 
einer Nord-Sud-Erstreckung von 309 Kilornetern. 

Betrachtet man aber bloss das festlandische Dalrnatien, dessen iiord- 
lichster Punkt nahe der Velebitkuppe Debeli Kuk unter 44 25' nordlicher 
Breite liegt, so resultiert eine Nord-Sud-Erstreckung durch 2 19' nordlicher 
Breite (257 Kilometer), wahrend die grosste West-Ost-Erstreckung zwischen 
Zara (32 53' ostliche Lange von Ferro) und Spizza 3 54' (316 Kilometer) 
betragt. 

Auf ein und demselben Breitengrade ist die West-Ost-Erstreckung am 
grossten zwischen Zara und der bosnischen Grenze und betragt rund 
75 Kilometer. 

Gewohnlich meint man indes bei der Bezifferung der Lange Dalmatiens 
die Haupterstreckung des Landes von Nordwest nach Sudost. Diese betragt 
zwischen Insel Gregorio und Spizza 460 Kilometer, auf dem Festland allein 



Scoglio Grujica liegt westlich der Insel Selve, nordlich der Insel 
Premucla. 



QLIEDERUNG UNO BODENGESTALTUNQ. 17 

zwischen dem Debeli Kuk und Spizza 380 Kilometer. Von den senkrechten 
Linien auf diese Streichungsrichtung 1st die langste jene vom Canal Zirona 
(\vestlich von Trau) zum Janski Vrh in den Dinarischen Alpen ; sie ergiebt 
die Breite des Landes niit 65 Kilometern. 

In interessanter und zugleich sehr anschaulicher Weise berichtet 
Plinius in seiner Historia naturalis (Buch III, Cap. 23 bis 30) iiber die 
Entfernungsverhaltnisse in der Adria und speciell Dalmatiens. 

Nach Plinius sind von Tergesta (Triest) bis zur Colonie Pola 100.000 
Schritt. 1 Von Pola nach Jadera (Zara) sind 160.000, von Jadera bis zur 
Insel Colantum (Morter) 30.000, dann weiter bis zum Titius (Krkafluss) 
18.000 und weiter bis Salona 64.000 Schritt. Von Salona bis zur Colonie 
Narona am Narentafluss nimmt Plinius 32.000, von Naro (Narenta) bis 
Epidaurus (Eagusa Vecchia) 100.000 und von da bis Alessio an der 
Nordgrenze Albaniens nochmals 100.000 Schritte an. 

Im ganzen rechnet Plinius fiir die Erstreckung Dalmatiens in der 
Luftlinie 504.000 Schritt, wahrend sich nach obigem 380 Kilometer, gleich 
507.000 Schritt ergeben. 

Der Flacheninhalt des Landes betragt nach dem Special-Ortsrepertorium 
12.745 Quadratkilometer (nach der Statist. Monatsschrift 12.841-41 Quadrat- 
kilometer = 4-28 Percent des Flacheninhaltes der Gesammt-Monarchie). 
Davon entfallen 10.358 Quadratkilometer auf das Festland, 2387 Quadrat- 
kilometer auf die Inseln, deren es 50 grossere gibt, wahrend der kleinereu 
und kleinsten eine Unzahl sind, die schon Plinius auf iiber 1000 schatzt. 
Diese kleinen Eilande (Scoglien) sind zumeist unbewohnt. Doch kommen 
stark bewohnte kleine Inseln vor, wie Crappano, das ein Dorf mit liber 
800 Einwohnern tragt, wahrend andererseits ziemlich grosse Inseln kerne 
Siedlungen tragen. Die 25 Kilometer lange allerdings sehr schmale - 
Insel Incoronata z. B. dient als Viehweide und wird ini Winter nur von 
etwa 32 Hirten bewohnt. 

Giiederuncj und Bodengestaltung. 

Dem Touristen, der, nach Gothe's Beispiel, iiberall wohin er kommt, 
zunachst eine Hohe besteigt, um einen Total-Eindruck zu gewinnen, wird 
es behufs Orientierung in den verwickelten Terrainverhaltnissen des dalma- 
tinischen Gebirgslandes am dienlichsten sein, wenn er sich das Land 
zunachst in Abschnitte zerlegt und in jedem die Hauptgebirgsziige oder 
-Gruppen merkt. Zu diesem Behufe acceptieren wir hier die seit alters 
unter verschiedenen Namen tibliche Eintheilung des Landes in die Gebiete : 
Xord-Dalmatien (das alte Liburnien), Mittel-Dalmatien (das eigentliche 
Dalmatien der Alten von der Krka bis zur Narenta) und Stid-Dalmatien 
(Gebiet der einstigen Republik Ragusa und die Umgebung der Bocche di 
Cattaro) und erhalteu zunachst folgende tjbersicht: 



1 Die Luftlinie Triest Pola ist 86 Kilometer = 107.500 Schritt lang. Der 
Dampfer macht 59 Seemeilen a 2470 = 145.730 Schritt. 



Fiihrer durch Dalmatien. 



18 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Nord-Dalmatien. 

Das Gebiet zwischen dem Velebit, der die Grenze gegen Croatien bildet. 
und der Krka. 

Mittel-Dalmatien. 

a) Nordliches Mittel-Dalmatien. Das Gebiet der in die Krka 
miindenden (3ikola (Westtheil) und des Oberlaufes der Cetina (Ost- 
theilj bis zur Linie Sebenico-Sinj. Im Westtheil hat man hier 
nordlich der Cikola bis zur Krka das Promina-Gebirge, siidlich des 
Flusses mehrere Gebirgsgruppen, die gegen Westen im Monte Tartaro 
bei Sebeiiico enden. 

Im Osttheil Mittel-Dalmatiens ist das Hauptgebirge westlich 
der oberen Cetina die Svilajakette, 6'stlich des Flusses der die 
Grenze gegen Bosnien bildende Nordtheil der Dinarischen Alpen 
von ihrem Ansatze an den Velebit bis zur Prolog-Planina. 

b) Mittleres Mittel-Dalmatien. Umfasst im Westen die Gebirge 
nordlicb. des Golfs von Spalato bis zur Strasse Spalato-Clissa-Sinj, 
besonders das Kozjak-Gebirge, in der Mitte das Mosor-Gebirge bis 
zur Cetina und 6'stlich dieses Flusses den Stidtheil der Dinarischeii 
Alpen bfs Imoski in der Nahe der Dreilandergrenze zwischen 
Dalmatien, Bosnien und JEEercegovina. 

c) Siidliches Mittel-Dalmatien. Das Gebiet des Biokovo-Gebirges 
zwischen Cetina und Narenta. 

Sud-Dalmatien. 

a) Nordliches Sud-Dalmatien. Das Gebiet siidlich der Narenta 
bis zum Sutorinafluss, orographisch die Kiistenabdachung der 
hercegovinischen Gebirge, westlich des Trebisnjicaflusses. 

b) Stidliches Siid-Dalmatien. Das Bergland der Krivosije und 
Bocche und dessen Sudabdachung bis Budua und Spizza. 

Hat man sich diese Gliederung im Grossen vergegenwartigt, so fallt 
es leichter, sich in den Detailziigen der Bodenplastik zu orientieren, die im 
Interesse der Dalmatien besuchenden Bergfreunde in Folgendem etwas 
naher skizziert werden. 

Velebit und nOrdliehe Dinara. 

Der Velebit biegt, gleich nachdem er zum croatisch-dalmatinischen 
Grenzgebirge geworden, aus der siidlichen Rlchtung in eine fast ostsiidostliche 
ab und entfernt sich vom Meere. Seine Hauptgipfel (Vaganski Vrh, 1758 Meter. 
Sveto Brdo oder Heiliger Berg, 1753 Meter) liegen im Nordwesttheil der 
Grenzkette auf croatischem Gebiete, da die Grenze selbst auf dem siidlichen 
Abhange verlauft. Doch halt sie sich nahe dem Kamme und der hochste 
dalniatinische Velebitgipfel, eine Vorkuppe der Viserjuna hat 1602 Meter. 
Der Siidfuss des Gebirges wird vom Thai der Zrmanja begleitet, welche 



GLIEDERUNG UNO BODENGESTALTUNG. 19 

gegeii Westen fliesst und sich in die vorletzte Verzweigung des Canals 
della Morlacca, das Meer von Novigrad ergiesst. 

Der Siidosttheil der Velebitgrenzkette ist niedriger und sinkt schliesslich 
zum Thai der oberen Zrmanja ab. Jenseits aber erhebt sich ein das Plavno- 
Polje umgebendes Gebirgshufeisen, dessen Scheitel ini Norden schon jenseits 
der Grenze liegt (KuSina Kosa, 1443 Meter), und dessen Ostschenkel zur 
Budisnjica, einem Quellfluss der Krka, abdacht. 

Ini Ostschenkel erhebt sich die Orlovica zu 1201 Meter; ostlich der 
Budisnjica aber steigt der Grenzgipfel Siljak schon zu 1299 Meter auf und 
bildet den Uebergang zu dem machtig breiten Plateauriicken der Dinarischen 
Alpen. welche rnamiigfache Eigenthiimlichkeiten aufweisen. Grossartig ist 
z. B. die erste, siidlich abstreicheiide Seitenkette der eigentlichen Dinara 
(1831 Meter), welche westlich in prachtvollen Felsmauern so rapid abfallt, 
dass auf 4'/ z Kilometer Entfermmg em Hohenintervall von 1250 Metern 
besteht. Der lange, breite Hauptkamm der Dinarischen Alpen ist noch 
zierulich bewaldet und durch zahlreiche in den Hochsommer ausdauernde 
Schneegruben ausgezeichnet, welche sich besonders an der "Westseite finden. 
Von den Hauptgipfeln liegen Janski Vrh (1790 Meter) und Jankovo Brdo 
(1779 Meter) im Grenzverlauf, der Troglav (1913 Meter) dagegen auf 
croatischer Seite. An den Troglav schliessen sich in der Sudostfortsetzung 
des Kanimes dieVjasca Gora, dieRazdolje und die Prolog-Planina an, wobei 
der Kamm immer mehr plateauartig wird. Auf der "Westseite ist ihm ein 
allmahlich abfallender, viele Kilometer langer Plateaustreifen ,ngelagert, 
der zum Cetinathal abdacht, in welchem die Strasse von Sinj nach 
Knin verlauft. 

Nord-Dalmatien, nSrdliehes Mittel-Dalmatien. 
(Svilaja-, Promina-, Mosec - Planina, Tartaro-Gebirge.) 

Zwischen der oberen Cetina und der gegen Drnis zur Krka stromenden 
Cikola erhebt sich die Svilaja-Planina, die in der 1509 Meter hohen Svilaja 
culminiert und durch einen, von der Strasse Drni -Vrlika tiberschrittenen 
Sattel mit dem nordlich anschliessenden kleinen und grossen Kozjak 1 (1101 
und 1207 Meter) zusammenhangt. Letzterer dacht ostlich zum Cetinsko Polje 
ab, in dessen Nordwinkel die Cetina entspringt; westlich gehen Svilaja 
und Kozjak in ein Karstplateau von 400 bis 600 Meter Hohe iiber, das 
selbst wieder zum Petrovo Polje, einer machtigen Thalweitung der Cikola, 
absinkt. Das Petrovo Polje setzt nordlich, in der schmalen Depression fort, 
in welcher die Eiseiibahn von Drni nach Knin zieht ; im Nordwesten aber 
wird es durch die Bergmasse der an Braunkohlen reichen Promina (Promina 
velika, 1148 Meter) von der grossen Kustenniederung geschieden (Land- 
schaft Miljevci), die sich zwischen der Cikola und Krka ausbreitet und 
durchschnittlich nur 200 bis 300 Meter Hohe aufweist. 



1 Xicht zu verwechseln mit dem Kozjak nordlich der Eiviera delle 
Castella bei Spalato. 



20 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Tim aus demPetrovoPolje in dieses Karstniederland zu gelangen, muss die 
Cikola durch ein Defile, welches von den siidlichen Auslaufern der Promina 
und den Nordgehangen der MoseS-Planina gebildet wird: es ist die Thal- 
enge bei Drnis, aus welcher der Fluss in tief eingerissenem Bette jenen 
Seen zustromt, welche er im Vereine mit der Krka und dem Meere bildet, 

Die MoseS-Planina gipfelt im Crni Vrh (702 Meter) und Movran 
(843 Meter) und senkt sich westlich zu den Karstlandschaften Zagorje und 
Zavor, die schon von betrachtlicheren Hohen als die Landschaften nordlich 
der Cikola durchzogen werden. So erhebt sich in der Zagorje die Mideno 
Planina zu 466 Meter, in Zavor die Velika Glava zu 544 Meter; selbst 
der nur 5 Kilometer vom Meere entfernte Monte Tartaro ostnordostlich 
von Sebenico hat noch 496 Meter. 

Mittleres Mittel-Dalmatien. 

Vila, Kozjak, Berge bei Sinj. 

Zagorje und Zavor werden von der Nordhalfte der Eisenbahn durch- 
zogen, die von DrniS nach Spalato ftihrt und nun zwischen nocli hohers 
Karstzuge tritt, da das Terrain gegen Suden und Osten im Allgemeinen 
ansteigt, und schliesslich jenen machtigen Bergwall bildet, welchem die 
Riviera von Trau bis Spalato umsomehr Schutz verdankt, je naher er an 
das Meer herantritt und je weniger er durch Liicken unterbrochen wird, 
was besonders im Rayon der Sette Castella der Fall ist. 

Der Westtheil des Bergwalles halt sich. noch. ungefahr zehn Kilometer 
entfernt von der Kiiste. Es ist die, in der Prapatnica 738 Meter erreichende 
Vila, welche durch einen 376 Meter hohen Strassensattel von der ostlich 
anschliessenden Labisnjica (701 Meter) getrennt ist, wie diese durch. einen 
ahnlichen, von der Eisenbahn uberschrittenen Sattel (385 Meter) von dem 
im Crni Krug 650 Meter hoch aufragenden Opor-Gebirge. Letzteres niihert 
sich rasch dem Meere und geht jenseits einer 488 Meter hohen Senke in 
jenen hochsteigenthumlichen, tiber 20 Kilometer langen Gebirgswall des 
Kozjak (780 Meter) iiber, an dessen Siidfuss sich die heriiiche Riviera della 
Castella ausbreitet, wahrend nordwarts ziemlich trostloses Karstterrain 
herrscht. 

Die von Norden nach Sliden einander folgenden Gruppen Mosec-Planina, 
Ljubac (678 Meter) und Kozjak sind ostlich durch die Depression, welcher 
die Strasse Clissa Neoric folgt, von dem Karstzuge der Landschaft Radinje 
getrennt, der nordlich in der Visoka (893 Meter), sudlich im Lisac (760 Meter) 
aufgipfelt und seinerseits ostlich zu dem grossen Niederungsgebiete an der 
Cetina abdacht, welche der Karstzug Traposnik (666 Meter) in Dicmo gornje 
und donje (ein unausgebildetes Seitenthal der Cetina) und das Polje bei Sinj 
(im "Winter oft ein meilenbreiter und I 1 /, Meilen langer Flussee der Cetina) 
scheidet. 

Das Ostende des Kozjakwalls bilden Golo Brdo und Osoje. Zwischen 
ihnen und dem, siidwestlich plotzlich zu 1330 Meter ansteigenden Mosor- 
Gebirge erhebt sich auf einem kleinen Passgupf die beriihmte Festung 



GLIEDERUNG UNO BODENGESTALTUNG. 21 

Clissa. An ihr fiihrt die durch zahlreiche Kriegsereignisse und als Handels- 
weg wichtige Strasse vorbei, welche welter durch die oben genannten Poljen 
nach Sinj zielit und sich dann nordostlich dem Prolog zuwendet, den sie 
in einer Seehobe von 1122 Meter iiberschreitet, um in das kolossale Livanjsko- 
Polje Bosniens hinabzusteigen. Diese Strasse begrenzt gewissermassen das 
,,continentale" Dalmatien, welches Nord-Dalmatien und die Nordhalfte Mittel- 
Dalmatiens umfasst. Denn da die Kiiste von Trau bis Spalato und iiber 
Almissa hinaus eine fast ostliche Richtung verfolgt, wahrend das dalmatinisch- 
bosnische Grenzgebirge (Prolog und seine Fortsetzung) die Siidostrichtung 
beibehalt, verschmalert sicli das Festlandsgebiet so bedeutend. dass die Ent- 
fernung von dem Dreilandesgrenzpunkt bei Gorica, wo Dalmatien, Bosnien 
und die Hercegovina zusammenstossen, zur Kiiste nur circa 25 Kilometer 
betragt. 

Mosor-Gebirge. Siidliche Dinar a. 

Dieses verschmalerte Gebiet (ungefahr die Siidhalfte des mittlereii Mittel- 
Dalmatien) wird vom Mittel- und Unterlauf der Cetina durcbzogeu, aus 
deren Thai das Gebirgsland sowohl ostlich als westlich ansteigt. Ostlich 
erhebt es sich zum Wall der Siid-Dinarischen Alpen : Kamesnica mit dem 
Hauptgipfel Konj (1849 Meter) auf bosnischer Seite, Grenzgipfel Megjina 
(1502 Meter), Tovarnica (1265 Meter) und andere; westlich ragt das mit 
seiner Meerfacade die Landschaft von Spalato beherrschende Mosor-Gebirge 
(1339 Meter) auf, welchem gegen die Kiiste das im Zahod 594 Meter er- 
reichende Poljica-Gebirge vorgelagert ist. Mosor und Poljica umfliesst die 
Cetina in einem weitausgreifenden Siidostknie und bildet zwischen diesen 
beiden Gebirgen xind einem von Siiden langs der Kiiste heraufreichenden 
Auslaufer des Biokovo-Gebirges den beriihmten Cetina-Durchbruch, ehe sie 
bei Almissa das Meer erreicht (Canale della Brazza). Das Meer selbst aber 
beginnt von nun an jene bis zur Narentamiindung reichende hafenlose 
Steilkiiste zu bilden, welcher alle kleinen Eilande fehlen, wahrend ihr dafiir 
jene drei machtigen Inseln vorgelagert sind (Brazza, Lesina, Curzola), die 
im Gegensatz zu den nordwestlich gerichteten Zaratiner Eilanden eine fast 
genaue ostwestliche Erstreckung aufweisen. 

SUdliches Mitt el- Dalmatien. 
(Bioko vo-Ge birge, Osoje.) 

Siidlich des Cetina-Durchbruchs, gegentiber der Ostspitze Brazzas, 
erhebt sich die Kiiste Dalmatiens noch hoher als im Mosor-Gebirge und 
steigt im Sveti Juro, der Culmination des Biokovo-Gebirges, zu 1762 Meter 
Seehohe an. Letzteres hangt im Osten durch den Turijapass mit der Osoje 
zusammen (Gradina 868 Meter), diese aber senkt sich ostlich zu dem ge- 
waltigen Polje bei Imoski, dessen Siidhalfte schon der Hercegovina angehort. 
Im Xordwinkel birgt das Polje den Jezero-Blato, der noch heutevon der Ent- 
stehving der Ebene aus einem ehemaligen Wasserbecken Kunde gibt. 



22 ALLGEMEINES OBER DALMATIEN. 

Iii cler Breite von Makarska erhebt sich das Biokovo-Gebirge noch in 
der Brisa zu 1536 Meter, sinkt aber dann rasch zu einem 1000 Meter iiicht 
mehr iibersteigenden Karstplateauland ab, dessen Band steil, ja stellenweise 
den Kozjakabsturz nachahmend, zum Kiistensaum des Gornje Primorje abfallt. 

Die Karstplatte zwischen dem Biokovo und der langgezogenen Fort- 
setzung des Osoje erhebt sich im Stidosten nochmals im Veliki Sibenik 
(1314 Meter), welcher den Rucken Motokila (900 Meter) gegen das Polje 
von Vrgorac vorschiebt; die Karstplatte sudlich des Biokovo-Gebirges aber 
lauft in der Rilic-Planina (Obala, 846 Meter) gegen den periodischen See 
des Maticafltisschens (Matica-Jezero) und in der Sv. Ilija (770 Meter ^ gegen 
den Lago di Bacina aus, der, obwohl rings gut begrenzt, schon dem Lagunen- 
revier der Narentamtindung angehort. Zur Narenta setzt auch die Babina 
(735 Meter) ab, welche als eine, durch den 12 Kilometer langen Jezero 
unterbrochene Fortsetzung der Rilic-Planina erscheint, sowie noch welter 
ostlich jene 20 Kilometer lange schmale Grenzkette, welche bei Vrgorac 
beginnt und dem Ostufer des Jezero entlang gegen Metkovic zieht. 

Sttd-Dalmatien. 

Sabbion cello, Gebiet von Ragusa. 

Die Narentamiindung bildet eine machtige Liicke im daliiiatinischeii 
Klistengebirge und dadurch eine ausgezeichnete orographische Grenze gegen 
Siid-Dalmatien. Aber auch historisch nimmt man hier gut die Grenze Mittel- 
Dalmatiens an, da im Stiden der Narentamiindung das festlandische Gebiet 
Dalmatiens durch den ersten jener zwei ans Meer tretenden Zwickel der 
Hercegovina unterbrochen wird, welche die Republik Ragusa seiiierzeit als 
tiirkische Enclaven und Grenzen gegen den Machtbereich Venedigs aufrecht- 
zuerhalten bemilht war. 

Der Zwickel von Klek wiirde eigentlich besser Gebiet von Neum 
genannt, da gerade die Punta Klek (die Spitze der Halbinsel zwischen 
Vallone di Klek und Canale di Stagno piccolo, welche en miniature da.s Bild 
der Halbinsel Sabbioncello vorzeichnet) noch zu Dahnatien gehort. Entlang 
der kleinen Halbinsel und einer Strecke des Festlandes hat die hercego- 
vinische Enclave eine Kiiste von nicht ganz 9 Kilometer Lange ; abermals 
7 Kilometer sudostlich, doch noch iiber 3 Kilometer vor dem inn ersten 
Hintergrunde des Canals von Stagno piccolo, beginnt jene nur T2 Kilometer 
breite Landenge, iiber welche man in einer Viertelstunde nach dem innersten 
Winkel des Canals von Stagno grande hiniiberspaziert. Nur durch diese 
kleine Landenge hangt die machtige Halbinsel Sabbioncello mit dem Festlande 
zusammen, eine Halbinsel, welche zugerechnet den schmalen Siidspom 
zwischen Canale di Meleda und Canale di Stagno grande 70 Kilometer Lange 
und bei einer Breite bis zu 7 V 2 Kilometer einen Flachenraum von circa 
375 Quadratkilometer, d. h. fast die Flache der grossten dalmatinischeii Iiisel 
Brazza bedeckt. 

Die ganze Halbinsel 1st ein Karstbergland, dessen Riickgra't anfangs 
entlang der Siidkiiste zieht (Carovic 631 Meter), von der Giuliana-Bai an 



GLIEDERUNG UNO BODENGESTALTUNG. 23 

aber eiuen gegen Norden gekrttmmteii Bogen beschreibt uncl gerade an 
dessen Ende im Westtheil der Insel die grosste Erhebung aufweist (Monte 
Vipera, 961 Meter). 

Das dalmatinische Festland bildet bei Stagno noch einen ziemlich 
breiten Kiistenstreifen, verschmalert sich aber nun rasch und 1st bei Yal di 
Breno zwischen Ragusa und Ragusavecchia auf einen .Saum von l'/ 2 Kilo- 
meter zusanirnengeschrumpft. Das ganze Gebiet stellt, wie schon erwahnt, 
die Kiistenabdachung der zwischen dem Tbal der TrebiSnjica und dem Meer 
streichenden siidhercegovmisch-dalmatinischen. Grenzkette dar und erhebt 
sich im Tmor nordlich von Banici zu 899 Meter Seehohe. 

Slidlich der Halbinsel Sabbioiicello begiiint abermals die Bildung von 
Eilanden siidostlicher Streichung, docli nehmen die Inseln rasch an Grosse 
ab. Das durch seine vulkanischen Gesteine merkwiirdige Meleda (nicht zu 
verwechseln mit Melada im zaratinischen Archipel) hat noch 98'66 Quadrat- 
kilometer; Giuppana, Mezzo, Calamotta und Lacroma sind schon Kleinliuge 
und mit Bobara und Mrkan vor Ragusavecchia endet die ragusaische 
Inselschaar in Riffscoglien. 

"Wie diese Inseln so fiillt nun dem Reisenden auch die Festlandskitste 
durch reiches Grim auf, zu dessen fiir das Auge erfreulichsten Tragern die 
Seestrandkiefern gehoren, die hier theils in alteren Bestanden, theils infolge 
von Neuanpflanzungen vorkommen. Ihr belles Griin verschwindet jedoch 
gleich der librigen iippigen Mediterranflora, sobald man den Rand der Karst- 
hochebene ersteigt, der bei Ragusa z. B. schon auf dem, von der Kiiste 
nur 1V 2 Kilometer entfernten Monte Sergio (412 Meter) erreicht wird. Auf 
dieser Karsthochebene beriihrt die dalmatinische Grenze nordlich des 
Omblathales die Ostra Glavica (615 Meter) vind senkt sich in der Breite 
Ragusas zuin Strassensattel von Ivanica (342 Meter), \velchen die Strasse 
nach Trebinje ubersetzt, um am Siidgehange der hercegovinischen Vlastica 
(909 Meter) vorbei jene eigenthiimlichen Karst-Eichenwalder zu erreichen 
(Suma), die gegen die Trebisnjica abdachen. 

Sudlich des Strassensattels Ivanica verlauft die Grenze auf dem langen 
Kamm der Malastica (628 Meter) ganz nahe dem Meere und Festland- 
Dalmatien erscheint hier auf den oberwilhnten bloss kilometerbreiten Streifen 
beschrankt. Unmittelbar siidlich des Val di Breno aber verbreitert sich das 
Land wieder bis auf 12 Kilometer und enthalt eine bedeutende Gebirgs- 
gruppe, welche in der Snijeznica zu 1234 Meter ansteigt. Eine tiefliegende 
Landfurche, das Val di Canali (Konavle), scheidet diese Gebirgsgruppen von 
dem in seiner hochsten Erhebung nur 352 Meter erreichenden Kiistengebirge, 
das in der Punta d'Ostro den sttdwestlichen Wtichter des Eingangs zur 
Bocche bildet. Val di Canali setzt siidostlich im Thai der Sutorina bis zum 
ersten der drei Bocche-Becken, der Toplabai fort, und von hier Castel- 
nuovo kommt durchs Sutorinathal eine Strasse ins ostliche Canalibecken, 
welche von Mrcine an nordlich uber einen schon in der Hercegovina 
liegenden 839 Meter hohen Sattel (zwischen Snijeznica- und Orjengebiet^) nach 
Grab und weiter nach Trebinje fuhrt. Diese Strasse bildet die Westgrenze 



24 ALLGEMEINES OBER DALMATIEN. 

des machtigen Hochgebirgslandes der KrivoSije und eine wichtige strategische 
Liiiie, da sie die einzige fahrbare Communication zwischen der Bocche und 
der Hercegovina darstellt. 

Die KrivoSije. 

Als Knotenpunkt des Gebirgssystems der KrivoSije ist der 1895 Meter 
hohe Orjen zu betrachten, von welchem strahlenformig hohe, das Gebirgs- 
land gliedernde Ketten auslaufen. Eine Kette (Stirovnik, 1736 Meter) zieht 
westnordwestlich gegen Grab hin ; eine zweite wendet sich nordostlich zu 
dem Dreilandergrenzpunkte Vucici (1802 Meter), wo die Grenzen der Hercego- 
vina, Montenegros und Dalmatiens zusammenstossen und verzweigt sich hier 
in einen nordwestlich zieheiiden Scheidekamm zwischen der Hercegovina 
und Montenegro und den gewaltigen, 8 Kilometer langen West-Ost-Eticken 
der Pazua (1774 Meter), welcher im Vereine mit Orjen und Stirovnik von 
hohen Aussichtspunkten siidlich der Bocche wie dem Lovcen, als der 
hinterste Schluss- und Hauptwall der ganzen KrivoSije erscheint. Ein 
vierter Kamm zieht vom Orjen siidlich zunachst zum Orjensattel (1594 Meter) 
und wird hier von einem Karrenweg uberschritten, der westlich iy a Meilen 
weit zur Strasse Castelnuovo-Trebinje, ostlich circa eine Meile weit nach 
Crkvice zieht, wo er eine von Eisano nordlich in das montenegrinische Hoch- 
polje Dvrsno ziehende Strasse trifft. 

Von Orjensattel zieht der Kamm weiter siidlich und erreicht im Eadostak 
seine letzte namhafte Erhebung (1446 Meter). Doch zweigen gleich anfangs 
zwei zur Pazua parallele West-Ostketten ab, die im Velji Kabao 1524 Meter, 
in der Crljena und Velja greda 1497 und 1441 Meter erreichen und da diese 
Bergketten sowohl in der Eeihe von Nord nach Slid als in ihrem Ostverlaufe 
an Hohe abnehmen, jenen gewaltigen, noch von vielen dunklen Waldern 
gezierten Terrassenaufbau bilden, als welchen sich die centrale KrivoSije 
vom Lov5en gesehen darstellt. In diesen Hochregionen finden sich bereits 
Eeprasentanten der alpinen Flora, auch ist das Gebirge noch reicher als 
der Velebit an Schneegruben. 

Ostlich des Eadostak erhebt sich die mit einer Capelle gekronte 
Snijeznica 1 noch zu 1100 Meter und dacht dann zur Eisanobai ab; von 
letzterer und der Toplabai aber ziehen Depressionen gegen den Siidfuss des 
Eadostak und scheiden von diesem das vielverzweigte Gebirge (Devesite, 
781 Meter), welches die, im Stiden von der Komburstrasse, der Teodobai 
und der Meerenge Le Catene bespiilte Halbinsel erfullt. 

Die genannte Meerenge flihrt in das hinterste Bocche-Bassin, das 
mit der Eisanobai weit nordwarts und mit dem Cattaro-Golf noch weiter 
stidlich in das Festland einschneidet. Im Hintergrund der Eisanobai lasst 
sich eine Depression nordlich bis in das 600 Meter hoch gelegene Dvrsno- 
Polje verfolgen, die freilich in diesem Gebiete der unentwickelten Karst- 
thaler nicht vollkommen ausgebildet ist, so dass die ihr folgende Strasse 
einen Sattel von 1000 Meter Hohe iiberschreiten muss. Immerhin ist die 



1 Nicht zu verwechselii mit der Snijeznica westlich der Sutorina. 



GLIEDERUNQ UNO BODENGESTALTUNQ. 25 

Depression wichtig, denn zu ihr senken sich die Wege von den Hochthalern 
der Krivoije und von ihr steigt das Terrain ostlich zu jenem Scheide- 
gebirge gegen Montenegro an, welches der fortgekronte Goli Vrh beherrscht 
(1311 Meter). 

Lo v5en-Gruppe. 

Letzteres Gebirge setzt auch am Ostufer des Golfs von Cattaro 
fort, doch beginnt die Grenze gerade bei Cattaro auf das diesseitige 
Gehange zu sinken, so dass sich die Haupterhebungen (Mrajanik 1315 Meter, 
Stirovnik, Gipfel des Lovcen, 1759 Meter) schon auf montenegrinischem 
Bodeii befinden. 

Als eine westliche Parallelkette der vom Mrajanik entlang der Ost- 
kiiste des Cattaro-Golfs nordlich zieheuden Grenzkette und zugleich als eine, 
durch Le Catene unterbrochene Fortsetzung des Devesite, ist die Gebirgs- 
halbinsel des fortgekronten Vrmac zu betrachten (781 Meter), welche den 
Cattaro-Golf von der Teodobai trennt. Der Vrmac-Zug steht durch den 
Trinitasattel mit deni Lovfien, durch den fortgekronten Gorazda aber mit 
jenem Gebirge in Verbindung, das vom Lovcen siidlich zieht ahnlich wie 
langs des Cattaro-Golfs das Mrajanik-Gebirge nordlich und auch alsbald 
auf seinem Scheitel wieder die Grenze tragt. 

Sowohl der Vrmac als dieses Gebirge dachen westlich zu einer 
Depression ab, welche sich im Nordwest- wie im Siidosttheil gegen die 
Teodobai wie gegen die Buduabucht hin zu weiten Culturebenen. erweitert, 
sodass man verlassene Seeboden zu sehen vermeint. In der That brauchte 
die See hier nur um 20 bis 25 Meter zu steigen und ein zweites Sabbioncello 
ware geschaffen. Vorlaufig scheidet die reichcultivierte Depression, in 
welcher die von Cattaro iiber den Trinitasattel herabkommende Strasse 
nach Budua ftihrt, die siidwestlichen Lovfienvorlagen von einem nordwestlich 
ziehenden Kiistengebirge, das in der Prcija Glava (409 Meter) culminiert, 
zwischen der Teodo- und Trastebai auf schmaler Landenge zu 100 Meter 
absinkt und schliesslich auf der breiten Halbinsel siidlich des Kombur-Canals 
im Obosnik 586 Meter erreicht. 

Der vom LovcSen sudlich ziehende Gebirgszug geht ostwarts, in ein 
breites Karsthochland liber, das rasch zum Scutari-See und der dieses Becken 
umgebenden Ebene absinkt. Er erreicht im Maini Vrh nordlich von Budua 
noch 1315 Meter und im Vijenac (Gebiet von Spizza) 968 Meter, hier aber 
liegt die Hauptkette schon auf montenegrinischem Gebiete und zieht naher 
dem Scutari-See als dem Meer, um in der Breite von Antivari im machtig 
aus dem Kamm aufragenden Rumija (1593 Meter) den weithin sichtbaren 
Grenzpfeiler gegen Albanien zu bilden. 

Gebirge der Inseln. 

Werfen wir nun schliesslich noch einen Blick auf die Inseln, so fiiiden 
wir im allgemeinen, dass der gi-osseren Flachenerhebung iiber das Meer 
auch die gi-6ssere Verticalerhebung entspricht. Doch spielt auch die Ent- 



26 ALLGEMEINES ClBER DALMATIEN. 

fernung vom Festland und die Hohe der nachsten festlandischen Gebirge 
eine Rolle, da die dalmatinischen Inseln ja bekanntlich nur Festlandsstucke 
sind, die beim Einsinken der Adria liber Wasser blieben. 

Entsprechend der Thatsache, dass sich das Hochgebirge in Nord- 
Dalmatien von der Ktiste abwendet am wenigsten ist dies bei Arbe und 
Pago der Fall wahrend es in Mittel-Dalmatien an jene herantritt, sind 
auch die Berge des Zaratiner Archipels im allgemeinen niedriger als die 
Berge der grossen mitteldalmatinischen Inseln. 

Dies zeigt folgende Eeihe: 

Flacheninhalt 
Inseln . r-] Meter Hochste Berge Meter 

Arbe .......... 103-4 Tignarossa 408 

Pago 295-0 San Vito 348 

Ugljan (circa) 53-0 M. Grande 288 

Pasman (circa) 55'0 Bokolj 274 

Isola Lunga . . . (circa) 185-0 Vela Straza 336 

Incoronata .... (circa) 185-0 Veli Vrh 236 

Brazza 394-6 San Vito 778 

Lesina 312-4 S. Nicolo 626 

Lissa 100-8 Hum 585 

Curzola 276-1 Klunca 568 

Meleda 98'7 Veliki grad 514 

Lagosta 52-7 Hum 417 

Einiije tjeoloijisclie Bemerkunijen. 

Der Karst, welchem von Krain bis Sud-Dalmatien alle Adriagebiete 
der Monarchic angehoren, bildet nach Professor Supan ein ungefahr 180 Kilo- 
meter breites Kalkgebirge der inesozoischen. Formation, einen gewaltigen, 
gegen Stidosten streicbenden Faltenbau, in dessen Mulden in schmaleren 
oder breiteren Streifen weicbere mergelige und sandige Eozangesteine auf- 
treten. Die Karsterscbeinungen beschranken sich nur auf das Kalkgebirge, 
da dieses aber weitaus dominirt, so pragen sie dem ganzen Gebiete ihren 
eigenthumlichen Stempel auf. 

Speciell in Dalmatien sind von den Dinarischen Alpen an, sowohl die 
binnenlandische als die Kustenkette aus Kreidekalk aufgebaut, den man 
nach darin enthaltenen Eesten einer ausgestorbenen Species von Schalthieren 
(Rudisten) Budistenkalk nennt. Daneben findet sich stellenweise eozaner Num- 
mulitenkalk. Die binnenlandische Kette ist durch das grosse Langsthal der 
Cetina, das sich in den Ravnice von Sinj zu einem breiten sumpfigen Becken, 
einem Siisswassersee der Neogenzeit erweitert, in zwei Ketten getheilt, die 
Grenz- und die Svilajakette. Parallel mit diesen zieht die Kustenkette, die 
in viele schmale Ketten mit zwischenliegenden Eozanmulden wie jeue des 
Vrana-Sees zertheilt ist und mit der Svilaja die grosse Flyschmulde Nord- 
Dalmatiens einschliesst. Siidlich der Cetina ist die Eozanmvilde schmal und 
die Flyschzone schwach entwickelt, orographisch aber doch deutlich an einer 
Depression erkennbar, in welcher der periodische See Jezero eingebettet ist. 



EINIGE QEOLOQISCHE BEMERKUNGEN. 27 

Avich die dalmatinischen Inseln bestehen, als losgetrennte Festlands- 
stucke, aus Kreidefalten und Eozanmulden, welch letztere zum Theil miter 
dem Meere liegen. Die Falten streichen genau in derselben Eichtung, wie 
auf dem Festlande, daher auf den norddalmatinischen Inselii nach Nordwest, 
auf den siiddalmatinischen nach West, auf Sabbioncello erst in jener, dann 
in dieser Eichtung. 

Zu den Beweisen fur den ehemaligen Zusammenhang der Inselii mit 
dem Festlande gehoren Eeste von Ehinozeros, Pferd und Hirsch in der 
dilnvialen Knochenbreccie von Lesina, da sich eine so reiche Thierwelt iiur 
auf grossen Landgebieten entwickeln kann und das Vorkommen des Schakal 
auf Giuppana, Curzola und Sabbioncello. Als Ursache der Losreissung der 
Inseln aber \vird von den Geologen das treppenformige Absinkeii der 
iiordlichen und ostlichen Kalkgebirge gegen das Adriabecken betrachtet, 
welches auch die schmalen tief einschneidenden Buchten von Sabbioncello 
und Gravosa, sowie vor allem der Bocche veranlasste, die sammtlich den 
Charakter echter Fjordstrassen tragen. 

Das Hauptcharakteristicum aller Karstgebiete ist die unvollkonnnene 
Thalbildung, das heisst die Erscheinung. dass statt zusammenliaiigeuder 
Thalztige, in welchen das Wasser vom Ursprung bis zur Miindung oberirdiscli 
verlauft, langgestreckte oder rundliche Becken auftreten, welche obeu und 
unten durch Querriegel abgesperrt sind. (Siehe Abschnitt ,,Meer, Seen und 
Fltisse".) Um diese Erscheinung zu begreifen, miissen wir uns vergegen- 
wartigeu, dass die meisten Wasserlaufe der Erde eine Aufeinanderfolge von 
Thalweiten xmd Engen zeigen. Schon in fernster geologischer Vorzeit 
sammelten sich die Niederschlagswasser uberall in den Vertiefungen und 
bildeten kleine und grosse Seen, deren Becken sich allmahlich, unter dem 
Einflusse der allgemeinen Bodenneigung nach einer Seite, des "Windschlags. 
der Hochwasser u. s. w. infolge Wegsagung und Wegspiilung der treunendeii 
Zwischenriegel zu langeren Furchen vereinten, wobei mifr der Lange der 
entstehenden Furche im Allgemeinen die Niveaudifferenz zwischen Aufang 
und Ende wuchs, so dass das anfangs trage und seichte Gewasser immer 
lebhafter zu fliessen und sich ein Bett auszugraben begann. Damit auf 
solche Weise ein Fluss entstehen konnte, waren jedoch mehrere gunstige 
Momente nothig. Es musste schon durch die Gebirgs(Falten-)bildung des 
betreffenden Territoriums nach irgend welcher Eichtung eine Eeihe vou 
Furchen gegeben sein, die je ferner desto tieferes Niveau hatten. Audi 
mussten die zu durchsagenden Querriegel durch geringe Hohe oder Consisteuz 
aus leicht zerstorbaren Gesteinsschichten zu der andringenden Flut in einem 
gimstigen Verhaltnis stehen. Im Karstlande ist das alles in der Eegel nicht 
der Fall. Die ausserordentliche Zerknitterung der Schichten, welche diese 
Gebiete kennzeichnet, hat ihnen wohl schon wahrend der Gebirgsbilduug 
jenes blatternarbige, an Mondlandschaften erinnernde ,,Eelief" gegeben, 
welches uns nur selten langere ausgepragte Kamme und dagegen vorwiegend 
Gewirre von Kuppeii und zwischenliegenden Mulden zeigt. In solchem 
Terrain wiirden sich, wenn der Bodeu undurchlassig ware, vorwiegend Seen 



28 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

und kurze, in diese Seen miindende Wasserlaufe ausbilden. Thatsachlich 
sehen wir in Dalmatien liberall, wo in grosseren oder kleineren Mulden 
undurchlassige (oder besser gesagt schwach durchlassige) Schichten den 
Grund bilden, periodische Seen auftreten. Im Sommer, wenn die zufiihrenden 
kleinen Wasserlaufe versiegen und die Verdunstung gross ist, vertrocknen 
diese Polj en-Seen (Jezeros), im Winter fiillen sie sich. Im weitaus grossten 
Theile des Landes ilberwiegt nun aber nicbt das undurchlassige, sondern 
vielmehr das kltiftige, hochst durchlassige Kalkgestein. Hier ist es also 
wie in den Kalkalpen, wo man anch auf den Hohen selten Wasser findet, 
wahrend sich am Fusse der Gebirge, wo der Kalk auf undurchlassigem 
Werfner Schiefer aufruht, machtige Quellen aufthun. Die Niederschlagswasser 
versickern rasch und treten erst am Fusse des Gebirges, in dem schmalen 
Dalmatien also zum grossen Theile erst an der Kiiste als submarine Quellen 
wieder axis dem Erdinnern. Nur einige Gewasser, die Hauptflusse, welche in 
den holien, einen grossen Theil des Jahres schneebedeckten Grenzgebirgsketten 
entspringen, treten auch im Binnenlande an die Oberflache tmd erhalten sich 
an dieser. theils ihrer Wasserfiille wegen, theils weil ihr Lauf vorwiegend 
durch Terrain mit minder durchlassigem Boden fiihrt. 

Wo der kltiftige Boden vorherrscht, ist die Einsickerung der Nieder- 
schlagswasser selbst wieder Anlass geworden, dass sich das typische Karst- 
relief: die Kuppen- und Muldenformation weiter ausbildete. Denn die 
imterirdischen Wasserlaufe laugen naturgemass das Gestein aus und erzeugen 
Hohlraiime, deren Decken mit der Zeit einsturzen, so dass an der Oberflache 
trichterartige Vertiefungen (Dolinen) entstehen. 

In der Poljen- und Dolinenbildung liegt das Hauptcharakteristicum des 
Karstphanomens, das aber wohl von der ,,V e r karstung" zu unterscheiden ist. 

Der Kalkstein, welcher das Karstgebirge componiert, ist in geringem 
Grade eisenhaltig, wie man aus den fast iiberall auftretenden rostgelben 
Flecken ersieht, wo infolge der, durch kleine Spalten eingedrungenen 
Atmospharilien Ockerbildung stattgefunden. Die so entstandene rothockerige 
Thonerde (Terra rossa) sammelt sich in mehr oder minder machtigen Adern 
und Xestern, die dort, wo Wald besteht, durchaus hinreichen, diesen zu 
ernahren, wie ja die Walder beweisen, die noch heute in Dalmatien wie im 
tlbrigen Karstgebiete stellenweise auf ganz ausgesprochener Karstunterlage 
prachtig fort gedeihen. Wo man jedoch den Wald niederschlug und die 
natiirliche Wiederaufforstung dadurch hinderte, dass man die Wurzeltriebe 
durch Ziegen und Schafe zerbeissen liess, wurde die Terra rossa allmahlich 
vom Regen abgeschwemmt oder vom Winde fortgetragen und die Boden- 
cultur musste sich auf die Dolinen und Poljen zuruckziehen, wo sich die 
Terra rossa sammelte. 

Die eigentlichen Oasen des Karstes bleiben indes die eozanen Flysch- 
zonen mit ihrer Wasser undurchlassigen Unterlage, Gebiete, in welchen, 
wie schon erwahnt. zum Theil die grossen Fliisse Dalmatiens verlaufen 
and welche sich dank dem sudlichen Klima durch besondere Fruchtbarkeit 
auszeichnen. 



MEERE, SEEN, FLOSSE. 29 

Zu den speciellen Erscheinungen des dalmatinischen Karstes gehoren die 
zahlreichen Grotten undHohlen, durch welche sich namentlich der steile Meeres- 
strand vielfach auszeichnet (Magnus Bell-Grotte oder Spila Betina bei Eagusa. 
Blaue Grotte von Busi, Grotten von Meleda, Lagosta, die ,,Strana Pec" 
auf Isola Lunga u. a.). Doch finden sich ahnliche Erscheinungen auch im 
Binnenlande, wie die Grotten von Vrlika, die Grotten beim Cetina-Ursprung 
die Krka-Grotte und die Aesculap-Grotte (Sipun) bei Ragusa vecchia u. a. 

Von den wichtigen dieser Sonderphanomene wird in den topographischen 
Capiteln noch die Rede sein, ebenso von einzelnen interessanten Gesteins- 
vorkommen u. dgl. Hier miissen jene, welche nach genauerer Kenntnis der 
geologischen Verhaltnisse Dalmatiens streben , auf die Jahrbiicher und 
Mittheilungen der k. k. geologischeu Reichsanstalt verwiesen werden, welche 
eine grosse Anzahl von Dalmatien betreffendeii Abhandlungen enthalteii. 

So behandelt M o r e 1 1 i die Insel Lissa (Jahrbuch 1870), Kadi m ski 
die Inseln Pago und Arbe (Verhandlungen 1877 und Jahrbuch 1880), 
Mildensee Pelagosa (Jahrbuch 1885 der ungarischen geologischen Landes- 
anstalt), Becker die Blaue Grotte von Busi (Mittheilungen der k. k. geo- 
graphischen Gesellschaft in Wien 1885). Es ist ferner in neuester Zeit von 
der geologischen Keichsanstalt eine geologische Specialaufnahme Dalmatiens 
inauguriert worden, welche A. v. K e r n e r hauptsachlich in das Gebiet 
zwischen DrniS und Kistanje (Petrovopolje, Promina-Gebirge etc.') und das 
Krkagebiet, G. v. Bukowski dagegen in das Gebiet von Spizza fuhrte. 
Die Resultate dieser Untersuchungen finden sich in den Verhandlungen der 
geologischen Beichsanstalt 1893 u. ff. publiciert. 

Meere, Seen, Fliisse. 

Das Festland Dalmatien wird auf einer Strecke von 380 Kilometerii 
(Luftlinie) von der Adria bespiilt, hat jedoch seiner zahlreichen Buchten und 
Halbinseln wegen eine wirkliche Kiistenlinie von circa 560 Kilometer Lange. 
Die Tiefe des Meeres, welche im inneren Golf von Triest nur an vereinzelten 
Stellen bei Parenzo 37 Meter erreicht, wahrend sie im Quarnero wenige 
Kilometer von Fiume tiber 60 Meter betragt. steigt zwischen den Inseln 
Cherso und Arbe schon auf mehr als 100 Meter und erreicht siidwestlich 
der Insel Zuri (irje) hier allerdings 40 Kilometer westlich des Festlandes 
214 Meter. Grossere Tiefen werden auf Entfernungen bis 15 Kilometer von 
den Insel- oder Festlandskiisten gar nicht gemessen und auch Tiefen von 
100 bis 150 Meter kommen nicht sehr haufig vor. (Sudlich von Lagosta, 
westlich von Ragusa.) In der Bocche di Cattaro ubersteigt die Meerestiefe 
nur gegen die Miindung hin 50 Meter um ein Geringes und erst eine 
halbe Meile westlich der Punta d'Ostro sinkt das Loth 100 Meter. Auch im 
offenen Meer iiberschreitet die Tiefe des nordlichen Adriabeckens, das von 
Triest bis zu einer durch die italienische Halbinsel Gargano, und die Inseln 
Pelagosa, Cazza und Curzola gegebenen Linie reicht, nirgends 240 Meter; 
siidostlich dieser Linie dagegen sinkt der Meeresboden derart, dass sich 



30 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

schou halben "\Vegs der Linie Cattaro-Brindisi die grosste im Adriagebiet 
bislier gemessene Tiefe von 1590 Meter 11 findet. 

Ebbe und Flut sind im ganzen Gebiete nur wenig ausgepragt, vielfacli 
kaum merkbar, und auch die Ktistenstromung, welche von Corfu bis gegen 
Triest hinflutet, ist eine schwache. Sie legt bei Ragusa etwa eine halbe, 
im Canal Maltempo eine ganze Seemeile pro Stunde zurtick. 

* 

Unter den Seen Dalmatiens ist der grosste der Vrana-See bei Zara, 
welcher eine Flache von circa 28 Quadratkilometer bedeckt. Seine brakischen 
Wasser dehnen sich im Winterhalbjahr auf die nordlich anschliesseiide 
Sumpfebene Vranjsko Blato (Palude di Vrana) aus und bilden stets aucli 
im Sommer eine grosse Flache, wahrend die meisten tibrigen Seen des 
Landes, ausgenommen die Flussseen der Krka, in dieser Jahreszeit ganz 
oder bis auf unbedeutende Sumpfe vertrocknen. Bestandig mit Wasser gefiillt 
sind noch das Jezero Blato bei Imoski, an welcbes ein grosses Polje mit 
"Winterseen und Stimpfen grenzt, und der Lago di Bacina (Bacinsko Jezero) 
nordlich der Narentamiindung ; zu den periodisch mehr weniger austrock- 
nendeii Seen gehoren das Nadinsko Blato zwischen Zara und Benkovac, der 
Eastok bei Vrgorac, das Malica Jezero im Karstgebiet nordlich des Narenta- 
TTnterlaufs, das Velo Blato auf Pago, Mljetsko Jezero (Lago di Meleda) auf 
Meleda u. a. Als Ubergange von den Seen zu den Poljen konnen die Sumpfe 
des Sinjsko Polje, des Blatsko Jezero auf Curzola u. a. betrachtet werden. 



Hinsichtlich der Fliisse Dalmatiens mag hier unter Bezugnahme auf das 
in den ,,Geologischen Bemerkungen" Gesagte nur erwahnt werden, dass der 
grosste Theil der dalmatinischen Kiiste von submarinen Quellen begleitet 
wird, als deren hervorragendstes Beispiel die Ombla dienen darf. Denn dieser 
Fluss hat eigentlich gar keinen oberirdischen Lauf, da das, was man 
gewohnlich dafilr ansieht, eigentlich ein von brakischem und weiter gegen 
das Meer sogar salzigem Wasser gebildeter Meercanal ist, in dessen Hinter- 
grund die Ombla aufquillt. 

Andere Wasserlaufe Dalmatiens entspringen am oberen Ende eines 
Polje unter einem Felsen oder in einer Grotte und fliessen von hier an 
oberirdisch wie die Cetina oder aber, und das ist bei der Mehrzahl der Poljen- 
flusse, z. B. der Matica der Fall, verschwinden am anderen Ende des Polje 
Avieder unter einem Felsriegel und setzen ihren Lauf unterirdisch fort. 

TTnter den oberirdisch bleibenden Fliissen des Landes weisen vier eine 
namhaftere Lange und Wasserfiille auf. Davon ist der nordlichste die 
Z r m a n j a, als Tedinus einst der Grenzfluss zwischen Liburnien (Nord- 
Dalmatien) und Japydien (Croatien), welche in der croatischen Lika, ini 
Grenzgebiet zwischen dem Velebit und den Dinarischen Alpen entspringt 
und nach erst sudlichem, dann westlichem Laufe in das Meer von Novigrad 
mtindet. Sie ist im untersten Laufe, wo sie 38 Meter Breite hat, in ahnlicher 
Weise wie die Ombla halb Fluss halb Meercanal. 



KLIMATISCHE VERHALTNISSE. 31 

Die Krka, im Alterthum als Titius der Grenzfluss zwischeii Liburnien 
und Dalrnatien, entspringt ostlich von Knin bei Topolje aus einer Felshohle 
am Fusse des Berges KrSevac, doch rinnt im Winter von dem Felsen iiber 
dem Ursprung noch der Giessbach Krkic herab, dessen Ursprung eine Meile 
weiter westlich, am Fuss der Dinara liegt. Die Krka nimmt alsbald links 
den Bach Kosovcica, unterhalb Knin aber recnts die im Grenzgebiet zwischen 
Velebit imd Dinara entspringeuden Bache Budisnjica und Eadiljevica auf. 
"Weiterhin bildet der Fluss erst zwei kleinere und vor Scardona eine Eeihe 
grosserer Flussseen und "Wasserfalle, und nimmt im Gebiet der letzteren 
die Cikola auf, welche am Siidostrande des Petrovopolje entspringt. Die 
Krka ist von Scardona an halb Meercanal und kann von hier abwarts mit 
Segelschiffen, oberhalb zwischen den Fallen aber nur mit Booten befabren 
werden. 

Die C e t i n a , einst Tilurus, ist der liingste Fluss Dalmatiens und 
entspringt am quellenreichen Nordrande des Cetinsko Polje am Fusse der 
Dinarischen Alpen aus mehreren kleineren, aber sebr tiefen Wasserlochern, 
deren Abflusse worunter als grosster die Jarebica sicb bald vereinigen. 
Der Fluss stromt als Scbeide zwischen Dinara und Svilaja siidostlich und 
im Sinjsko Polje stidlicb, beschreibt dann em scharf gegen Siidost gerichtetes 
Knie um das Mosor- und Poljica-Gebirge und miindet nach 98 Kilometer 
langem hochinteressanten Laufe in den Canal della Brazza. Im Durchbrucbs- 
revier ibres Laufes stiirzt sie in einen 100 Meter tiefen Schlund und verlasst 
ibn mit einem zweiten Sturze. 

Die Narenta (im Alterthum Naro) entspringt amViljak im bosniscb- 
hercegovinischen Grenzgebiete Suljaga, und tritt erst in ibrem circa 30 Kilo- 
meter langen Unterlaufe nacb Dalmatien iiber, wo sie friiher ein ausgedehntes, 
von seeartigen Silnipfen rings umgebenes Delta bildete, wabrend sie jetzt 
im regulierten Bette binstromt, neben welchem man die einstigen Siimpfe 
mehr und mebr trocken zu legen bernuht ist. Der Fluss kann bis Metkovic, 
wo die Bahn nacb Mostar beginnt, mit Seeschiffen bis 800 Tonneii Gehalt 
befabren werden und ist gleich seinem marinen Mundungsgebiete reich an 
Xutzfischen, wahrend sich die Niederung beiderseits durch ungemeine Frucht- 
barkeit und das ganze Gelande durcb seinen Vogelreicbthum auszeichnet. 

Klimatische Verhaltnisse. 

Dalmatien fallt in den Bereich des Mediterranklimas, das sich durch 
regenarme Sonimer und die Vertheilung der Niederschliige auf das Winter- 
halbjahr auszeichnet. Je weiter gegen Siiden, desto mehr regnet es in den 
eigentlichen Wintermonaten und desto langer dauert die trockene Sommer- 
periode, je weiter gegen Norden, desto mehr haben auch die iibrigen Jahres- 
zeiten Begen, bis an der Nordgrenze des Adriagebietes, am Siidfusse des 
Alpenwalls der Sommer zur regnerischen Jahreszeit wird. 

Die absolute jahrliche Eegenmenge ist im Allgemeinen viel grosser 
als in Mittel-Europa, und nimmt an der Ostkiiste der Adria sowohl gegen 
Xorden als gegen Siiden zu, was darauf berulien diirfte, dass im Norden 



32 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

wie im Stiden hohere Gebirge nahe an das Meer herantreten und die 
mit Feuchtigkeit geschwangerten Seewinde zur Entladung ihres Wasser- 
dampfes bringen. Die jahrliche Begenmenge betragt namlich in Triest 
1140 Millimeter und erhebt sich in Fiume, wo die Gebirge rings hoher 
aufsteigen, auf 1533 Millimeter ; auch Zengg hat noch 1147 Millimeter, dann 
aber sinkt der Jahresniederschlag in Zara auf 761 Millimeter, steigt zu 
Lesina und Curzola auf 794 beziehungsweise 930 Millimeter und erreicht 
in Eagusa 1623, ja zu Cetinje und Crkvice (Bocche) gar 2934 beziehungsweise 
4090 Millimeter. Im Allgemeinen sind die Eegenmengen an der Kilste massig 
700 bis 1000 Millimeter steigen dagegen bedeutend mit der Annaherung 
an die Kiistengebirge, besonders wo diese zu namhafterer Hohe aufragen. 

Diese grossen Begenmengen fallen aber zuallermeist in kurzen Gtissen 
und machen alsbald wieder so wundervollem Sonnenwetter Platz, dass die 
Adriakuste, was Haufigkeit wolkenloser Tage und Lichtftille betrifft. doch 
einen ersten Bang unter den Sonnenlandern der Erde behauptet. Messungen 
mit dem Sonnenschein-Autographen zufolge hat man schon in Pola alljahrlich 
um 780 Stunden mehr Sonnenschein als in Wien (namlich 2550 gegen 
1770 Stunden), Dalmatien und besonders Siid-Dalmatien ist aber namentlich 
im Winter noch viel sonniger als Pola. 

Eine Hauptursache der regenarmen Sommer an der adriatischen Ost- 
kliste liegt darin, dass sich schon von Mai an iiber Nord-Afrika und West- 
Asien Barometer-Minima ausbilden, wahrend gleichzeitig das stabil liber 
dem Atlantischen Ozean liegende ,,azorische" Barometer-Maximum etwas 
an Starke gewinnt und um fttnf Breitengrade gegen Norden vorriickt. Die 
Folge ist, dass sich iiber dem ganzen Mittelmeergebiet ein gleichmassiger 
Gradient filr Nordwest- und Nordwinde ausbildet, der bis September anhalt, 
oder mit anderen Worten, dass vom Fruhling bis zum Herbst hauptsachlich 
der Nordwest- oder Schonwetterwind (Maestro) herrscht, welcher zeitweise 
mit Nord- und Ostwinden (Bora, bei schwacherem Wehen Borina) abwechselt. 

Vom October an beginnen dann die das Mittelmeer umgebenden Fest- 
lander rascher als dieses zu erkalten, so dass sich z. B. bei Lesina, wo die 
Meeresobernache im Jahresdurchschnitt nur um 0'3 Grad warmer als die 
Luft ist, im Winter ein Temperaturunterschied von 4'3 Grad herausbildet. 
Infolgedessen ist die Neigung zur Bildung eines Barometer-Minimums tiber 
der Adria vorhanden und letztere wird zum Schauplatz der Entwicklung, 
beziehungsweise des Voriiberzuges zahlreicher Depressionen und der sie 
begleitenden Begengiisse. Namentlich tritt sehr haufig der Scirocco ein, der 
dem Nordwestzuge der Ktiste entsprechend als Slidostwind weht und im 
allgemeinen ein feuchter, schwiiler, wolkenfiihrender und regenbringender 
Wind ist, wie er nach Hann gewohnlich an der Ostseite eines Baro- 
meter-Maximums aufzutreten pflegt. Von den Sudost- und Siidwinden 
Deutschlands unterscheidet er sich nur durch den Namen und die hohere 
Feuchtigkeit und Warme, wie sie eben ein siidliches Meer voraus hat. 

Der Gegensatz des Scirocco ist die Bora, welche durch die schon 
erwahnten Temperaturcontraste zwischen dem Adriabecken und den kaltereii 



KLIMATISCHE VERHALTNISSE. 33 

Hinterlandern hervorgebracht wird. Da diese Contraste im Winter am 
grossten sind, 1st auch die Bora im Winter am vehementesten, besonders 
im Gebiete zwischen Triest, Flume und Zengg ; im Sommer weht sie selten, 
und zwar meist nur dann, wenn in den hohen Gebirgen des Hinterlandes 
Gewitter Abkiihlung gebracht haben, wahrend an der Adriakiiste die hohen 
Temperaturen und ein, bis auf das iiber die Bergkamme heriiberguckende 
Wettergewolk, wolkenloser Hirnrnel anhalten. 

Im Winter ist wahrend der Bora der Himmel oft mit Cirrostratus 
bedeckt und der Wolkenzug zeigt in der Hohe siidliche Winde an : auch 
in dieser Jahreszeit ist aber die Wirkung des Windes in Dalmatien weit 
schwacher als in seiiiem eigentlichen Herrschaftsgebiete bei Zengg. Denn 
dort stiirzt er nicht nur von viel nordlicher gelegenen, hoheren und somit 
starker erkaltenden Gebirgsregionen herab, sondern sein Einbrechen wird 
auch noch durch Schluchten oder terrassenlose Gehange unterstiitzt. 

Ein Detailbild von den Temperaturverhaltnissender ostlichen Adriakuste 
mag die folgende TJbersicht (pag. 34) geben, welche zvim grossen Theil auf 
mehrjahrigen, von dem beriihmten osterreichischen Meteorologen Hann bear- 
beiteten Instrumentalbeobachtungen berulit. 1 Einige Vergleiche sind beigesetzt, 
um die ausserordeiitliche kliinatische Begilnstigung zu illustrieren, welcher 
sich die Adriakuste nicht nur gegeniiber Mittel-Europa (z. B. Wien't, sondern 
auch gegentiber der italienischen Adriakuste (Venedig) zu erfreuen hat. 

Schon von Lesina an rivalisiert das Winterklima Dalmatiens mit 
jenem von Neapel, und wie gross der Gegensatz zwischen Stld-Dalmatien 
und Mittel-Europa in Hins4cht auf die Friihlings-Entwicklung ist, erhellt 
daraus, dass die in Wien und Lesina vorkommenden Pflanzen (Kirsch- und 
Pfirsichbaum, Flieder u. s. w.) in Lesina 52 Tage friiher bliihen als in Wien. 

Ganz axisgezeicb.net ist von einigen sumpfigen Districten abgesehen 
das dalmatinische Klima durch seine Salubritat, welche nicht nur durch die 
Nahe des Meeres, sondern auch die reine Luft iiber den weiten, diinn 
bevolkerten Karstregionen gefordert wird. Hiefiir spricht unter anderem 
die Thatsache, dass der k. k. statistischen Monatsschrift zufolge im Durch- 
schnitt der Jahre 1891/95 die Sterblichkeit in Zara geringer war, als in den 
meisten grosseren Stadten zwischen Zara und W T ien. Von 1000 Eiiiwohnern 
star ben namlich (ohne die Ortsfremden) jahrlich : 

Wien 33'0 Persoiien 

Graz 27-2 

Laibach 30-2 

Triest 81-1 

Pola 30-6 

Zara. 27'1 



1 Die Beobachtungen in Cetinje riihren theils von dem ehemaligen 
Director der Ackerbauschule in Gravosa Franz Jergovic, der eine zeit- 
lang als Gymnasialprofessor in Cetinje wirkte, theils von seinem Nachfolger 
Ljepava und von dem englischen Consul Walter Baring her. 



FtJhrer durch Dalmatien. 



34 



ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 



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FLORA. 35 

Flora. ' 
Landflora. 

Die Kiistengelande Dalmatiens gehoren dem mediterranen Florengebiete 
an, doch sieht man beim Anstieg zu den hoheren Karstbergen die medi- 
terraneu Pflanzen successive zuriickbleiben und mitteleuropaische an ihre 
Stelle treten, zu welchen sich auf den hochsten Erhebungen des Landes 
(Velebit, Dinara. Biokovo, Orjen) noch Alpenpflanzen gesellen. Einige Species 
gehoren auch dem pontischen Florenbezirke an oder sind Dalmatian eigen- 
thumlich, wie die schone Centaurea ragusina. 

Die Mediterranflora ist nach Kerner v. Marilaun zunachst dadurch 
ausgezeichnet, dass eine grosse Zahl von Gewachsen nicht wie in Mittel- 
Europa jahrlich nur eine lange Ruhe (die Winterruhe), sondern zwei JEluhe- 
perioden einha.lt : eine im Winter, eine im Hochsommer zur Zeit der grossten 
Hitze und Diirre. In Dalmatien, und besonders in dessen siidlichem Theil, 
ist indessen, da selbst im Janner stets einzelne Gewachse bliihen und nach 
Mitte Februar bereits das allgemeine Erwachen der Vegetation erfolgt, die 
Winterruhe ungemein kurz, und die Sommerruhe schon deshalb keine 
vollstandige, weil die immergriinen Pflanzen ihre Blatter bewahren und die 
Myrten, sowie mehrere Lippenblutler, immortellenartige Compositen u. a. 
erst im Juli ihre Bliiten entfalten. Ebenfalls im Hochsommer eiitwickeln 
am Strand des Meeres und in sumpfigen Mulden die Meernelke, der Keusch- 
baum, staudenformige Goldruthen und Wermutarten, sowie mehrere Melden 
und rohrartige Graser ihre Blumen. Nach Eintritt der Herbstregen erwacht 
dann die Vegetation zu einem neuen Leben und es bliihen nicht nur die 
kletternde Stechwinde, der Erdbeerbaum xmd verschiedene Zwiebelgewachse, 
sondern auch viele Friihlingspflanzen entfalten regelmassig Johannistriebe. 

Gegen die Sommerdiirre sind die mediterranen Pflanzen auf vielfache 
Art geschiitzt. Nicht nur die Lilien und Schwertlilien, die Crocus und 
Narcissen, die Asphodill und die Orchideen tibersommern mit uuterirdischen 
Zwiebelknollen und Wurzelstocken, sondern selbst mehrere Arten der 
Eanunkeln, Doldenbltitler, Baldriane und Compositen, also Pflanzengruppen, 
bei welchen in anderen Florengebieten Knollenbildung nicht beobachtet 
wird, zeigen hier verdickte, fleischige, vor Vertrocknung geschtitzte Wurzel- 
bildungen. Die Baume, Straucher und Halbstraucher besitzen durchgehends 
sehr tiefgehende, bis zu den selbst im Hochsommer nicht austrocknenden 
Bodenschichten hinabreichende Wurzelaste und haben der Mehrzahl nach 
immergrunes, lederartiges, durch eigenthumlichen Ban der Oberhaut gegen 
zu weit gehende Verdunstung geschiitztes Laubwerk, oder aber sommergriine 
Blatter, die mit dichtem Flaum versehen, in einen Haarpelz gewickelt oder 
mit einem Wollfilz tiberzogen sind, welcher Uberzug sie gleichfalls gegen 
die Austrocknung schiitzt. Im Hochsommer sieht man daher an sonnigen 



Mit Beniitzung der Darstellung von A. K e r n e r v. M a r i 1 a u n. 



36 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Halden fast nur diese zwei Typen von Gewachsen, eine Farben combination f 
welche nicht wenig das Landschaftsbild der siidlichen Kiistenstriche 
beeinflusst. 

Von den 6000 Arten, welche die mediterrane Flora Osterreich-Ungarns 
aufweist, entfallen 7 Percent auf Holzpflanzen und nur 3 Percent auf immer- 
griine Gewach.se. Gleichwohl stechen letztere sehr hervor, well sie sich durch 
grosse Individuenzahl und geselliges Wachsthum auszeichnen. 58 Percent 
der Gewachse sind ausdauernd, 42 Percent ein- und zweijahrig. Im Yergleich 
mit den anderen Floren der Monarchic ist das Vorwalten der Schmetterlings- 
bliitler, namentlich der Klee-, Schneckenklee-, Wicken-, Platterbsen- und 
Ginsterarten, dann der Lippenbliitler, Nelken- und Wolfsmilcharten und 
ehenso die Haufigkeit der Zwiehel- und Knollengewacb.se hervorzuheben. 

Die charakteristischen Arten gruppieren sich zu mehreren Geiiossen- 
schaften, unter welchen der immergriine Eichenwald die erste Stelle ein- 
nimmt. Der auch im Winter mit immergriinen Blattern geschmiickte Quercus- 
Ilex herrscht in diesem Mederwalde vor, der von reichem Unterholze 
durchsetzt und von den Geschlingen der brennenden Waldrebe, des 
Epheu, der wintergriinen Kletterrose und des wintergriinen Geissblattes. 
durchflochten ist. 

Die Meerstrandsfohre (Pinus halepensis oder Pinus maritima) hat 
sich in kleinen Waldchen auf der Halbinsel Lapad, sowie auf den Inselii 
Lesina, Lissa, Curzola, Lagosta, Meleda, Calamotta und Lacroma erhalten 
und wird neuestens vielfach angepflanzt. Die jungen Haine wirken ausser- 
ordentlich angenehm durch das helle Griin der Nadeln, das an Cedern 
gemahnt; in den alteren Bestanden, die durch die rothborkige Riiide der 
Stamme und die pinienartige Krone malerisch wirken, wie auf Lacroma., 
zeigt sich dichtes Unterholz aus immergriinem Schneeball (Viburnum tinus) 
mit metallisch glanzenden stahlblavien Friichten, spanischem uiid gross- 
frilchtigem Wacholder (Juniperus oxycedrus und macrocarpaX immer- 
grunem Wehdorn (Rhamnus alaternus), Eosmarin und anderen immer- 
griinen Strauchern. 

Vielfach findet sich sowohl an den Festlandskiisten Dalmatiens als auf 
Inseln und Scoglien die Macchia oder der immergriine Buschwald, in welchem 
bald die baumformige Haide (Erica arborescens), bald der Erdbeerbaum (mit 
nussgrossen, rothen, essbaren Friichten), an anderen Stellen wieder die 
Myrte (Phillyrea media), die Pistazie (Pistacia lentiscus), die Steinlinde 
(deren Biische die Ufer des Vrana-Sees bei Zara dicht bewachsen) uud der 
Wacholder vorherrschen. Stellenweise hat der Paliurus die Alleinherrschaft 
an sich gerissen, andererarts wird das Gestrauch des Spartium junceum so 
vorherrschend, dass die von ihm bedeckten Flachen zur Zeit der Bliite 
schon von Ferae an ihrem Gelb erkannt werden. 

Gehiische von Oleander kommen in Dalmatien nur vereinzelt, z. B. bei 
Ragusa langs der Ombla vor ; ungemein haufig sind dagegen die aus kleinen 
Strauchlein und Halbstrauchlein gebildeten Phryganagestriippe , welche 
hauptsachlich aus Lippenbliitlern, Schmetterlingsbliitlern (Ginster). Cystrosen, 



FLORA. 37 

Eriken. Nelkeu, Rauten uiid immortellenartigen Compositen bestehen, unter 
welchen die gelbe Inula Candida mit ihren weissfilzigen Blattern eine her- 
vorragende Stelle einnimmt. 

In der Strandflora Dalmatiens sind an sandigen Stellen die zerstreut 
stehenden Tamarisken, die auf einzelnen Inseln kleine Haine und Alleen 
bildeu, ein vorstechendes Element ; anderwarts findet sich grtingraues Salinen- 
gestriipp avis salzliebeiideii Wermutarten und Melden, wahrend an felsigen, 
von den Wogen zerfressenen Felspartien ein Klippengestriipp sich ansiedelt, 
in welchem die Salicornia fruticosa, sowie ein Paar starre Doldenpflanzen 
und Straiidnelken durch Form uiid Farbe am meisten auffallen. 

Unter den Flurformationen, welche vorwiegeiid aus nicht verholzenden 
Stauden und hohen Grasern bestehen, hebt Kerner zunachst die Gerollflureii 
hervor, die rueist aus stachelloseu, schonbliihenden und auch auf alten 
Gemauern haufig vorkommenden Stauden bestehen (Lowenmaul, rothe Sporn- 
blume, ein Paar Lerchensporne, das dunkelgraue Glaskraut, die Pyramiden- 
Glockenblume, der Kappernstrauch). In den Strandfluren, die sich in der 
Nahe des Meeres, aber ausserhalb des Gischtbereiches ansiedeln, herrscht 
der Keuschbaum vor, an Strassenrandern siedelt sich die Distelflur an, mit 
dem schoiien, fiir die Mittelmeerfloren charakteristischen Acanthus, auf 
tiefgriindigem, zeitweise stark durchfeuchteten Boden, wie z. B. in der Ebene 
von Salona, bieten die Asphodillfluren Massenvegetationeii von Asphodill. 
Narcissen und anderen Knollen- und Zwiebelgewachsen zur Zeit der 
Bliite einen unvergleichlichen Anblick. 

Vielfach kommen in Dalmatieii die Diinen- und Bartgrasfluren vor, 
letztere mit eingeschalteten, schonbliihenden Schmetterlingsbltitlern, Nelken, 
QrcMdeen und Rubiaceen; in Gegenden, wie an der Ombla und Narenta 
aber finden sich Kohrichte, in welchen der Phragmitis der nordlichen 
Gegenden durch die prachtige Arundo Draco ersetzt ist. 

Zu den alteinheimischen Pflanzengenossenschaften gesellen sich in 
Dalmatieii vielfach noch besonders auffallige eingewanderte Formen, so 
am Monte Marjan bei Spalato Opuntien und bei Kagusa Opuntien und 
Agaven u. a. 

In der Culturregion, wo die natiirliche Flora auf Streifen und Platze 
beschrankt ist, herrschen weitaus die Weingarten und Olivenhaine vor. Ausser- 
dem sind haufig der Feigenbaum (mit gelben und gi'tinen, aber sehr siisseii 
Frtichten't. der Pfirsich- und der Kirschbaum, der Caroben- oder Johannisbrot- 
baum, der auf Lesina, Lissa und Giuppana noch cultiviert wird, auf Curzola 
und Meleda zahlreich verwildert vorkommt, der sowohl durch seine pracht- 
vollen Bliiten, als durch seine Friichte auffallige und vielfach verwilderte 
Granatapfelbaum und an zahlreichen Localitaten, besonders auf Arbe, Lissa, 
Lesina. Sabbioncello und Ragusa die Dattelpalme. Dazu gesellen sich in 
verschiedenen Gebieten Dalmatiens (Spalato, Cannosa, Ragusa, Bocche) 
Garten, in welchen die Agrumeii und allerlei Exoten Pflege finden, wie wir 
noch bei den betrefFenden topogi-aphischen Schilderungen des Naheren 
sehen werden. 



38 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Zu der Mediterranflora gesellen sich noch in der Kiistenregion zahl- 
reiche, auch in Mittel-Europa vorkonimende Gewachse, wie die Rosskastanie 
und Robinie, die in Prachtexemplaren vorkonimende Platane, die Linde, die 
Weide und die Pyramidenpappel, nebst verschiedenen Obstbaumen. sowie 
langs der Strassen und Wege Brombeergestriippe und Heckenrosen, um 
welche oft die Zaunrebe ihre von weissen Bliiten oder weissgrauen Frucht- 
schopfchen besetzten Eanken schlingt. Edelkastanien finden sich vereinzelt 
haufig, in Waldchen aber nur stellenweise (Bocche). Dagegen tritt liberall 
in den hoheren Regionen des Karstes die Buche auf und bildet besonders 
im Hochgebirge der Bocche noch ganz ansehnliche Walder mit respectablen. 
Stammen. 

Marine Flora. 

Aber auch unter die Region der Mediterranflora, in die Region der 
salzigen Fluten des Meeres setzt sich die Vegetation noch fort, wie K e r n e r 
folgendermassen schildert : 

,,Im brakischen Wasser, auf den flachen Sandbanken an den Fluss- 
mtiiadungen, sowie auf dem ebenen schlammigeii Boden der Laguneu bilden 
sich die Seegrasbestande aus, dichte Rasen von Zosteria marina, die unter 
Wasser gesetzten Wiesen gleichen. In den Graben an der flachen Kiiste, 
sowie in den Hafen und Canalen dagegen erscheinen die Ulvenbestande, die 
aus griinen schlauch- und darmformigen Enteromorphen, der einem Salatblatte 
ahnlichen Ulva lactuca und gewohnlich auch aus mehreren dunkelroth- 
braunen Posyphonien zusammengesetzt sind. 

Im Salzwasser des Meeres sind die Felsgestade mit Fucusbestaiiden 
viberwuchert, in welchen der zweigabelig verastelte Blasentang 'Fucus 
Virsoides) am meisten auffallt. Er uberzieht zur Ebbezeit, wenn seine dunkel- 
braunen Zweige scheinbar ausgedorrt sind, die bleichen Kalkblocke als 
schwarzes Geschlinge. In der nachst tieferen, durch die Ebbe niemals trocken 
gelegten Zone treten die, an versunkene entblatterte Birkenwalder ge- 
mahnenden Cystosirabestande auf, Massenverbindungen von Cystosira-Arten, 
besonders Cystosira barbata, sowie von Beerentang (Sargassum Cinifolium) 
und einer Unzahl aufsitzender Meeresalgen. Aus noch grosserer Tiefe lexichten 
die rothen Florideenbestande (Rothalgen) empor, besonders prachtig gefarbte 
zierliche Callithamnium- und Ceramiumarten, und in derselben Tiefenzone 
bauen sich iiber anstehenden Felsriffen die Lithothamniumbanke auf. breite 
roth- und violettschimmernde Gesimse aus korallenartigeii, Kalk abschei- 
denden Algen gebildet und auch lebhaft an die echten Koralleribanke 
erinnernd. Auch sie reichen ubrigens nicht in Tiefen unter 50 Meter hinab, 
in welchen das pflanzliche Leben der Adria so gut wie erloschen ist." 

Fauna. 

Nach August v. Mojsisovics bildet das nach Osten nicht scharf 
abgrenzbare Karstgebiet eine wichtige Thierprovinz, in welcher ,,namentlich 
Dalmatien durch seinen Reichthum an charakteristischen und eigenthiimlichen 



FAUNA. 39 

Arten, unter andern an Fischen und Weichthieren excelliert". Hiebei lasst 
der nordliche und nordostliche Theil Beziehungen zur sttdalpinen Fauna, 
das Narentathal solche zur Tieflandsfauna Ungarns erkennen, wahrend die 
ganze Kiiste dem Mediterrangebiete angehort. 

Landthiere. 

Saugethiere. 

Am wenigsten tritt noch die Saugethier-Fauna hervor, welche, aus- 
genommen das Vorkommen des Schakals arif eiuigen Inseln (Curzola) und 
der Gemse im Velebit, sowie die Haufigkeit der in 22 Arten vertretenen 
Fledermause, nichts Besonderes bietet. 

V 6 g e 1. 

Dagegen ist die Vogelwelt ungemein reich reprasentiert. Wiederholt 
wurde in den dalmatinischeii Gebirgen der Ivaiseradler constatiert, der 
weisskopfige Geier (Vultur fulvus"), der Thurm- und Wanderfalke, und der 
Merlin sind standig im Lande und der Rotlielfalke briitet auf den Inseln 
Solta und Bua. 

Von den Singvogeln Dalmatiens ist zunachst die Felsenspechtmeise 
(Sitta sericea) und die Blaudrossel (cr. s. : modrokos) oder dalmatinisclie Nach- 
tigall (Passer solitarius) hervorzuheben, welche auf den Felsen Sud-Dal- 
matiens vorkommt und als der beste Sanger unter den Vogeln gilt. Die 
Trauermeise halt sich bestandig, der griechische Laubvogel (Olbaumspotter) 
vom Friihjahr bis zum Herbst, hauiig auf. Die Blaumeise (Parus coeruleus) 
ist im ganzen istro-dalmatinischen Kiistengebiete, der seidenartige Schilf- 
sanger (Cettia sericea) im Narentathal Standvogel; der weissliche oder Ohren- 
Steinschmatzer (Saxicola stapazina sive aurita), die Feldegg'sche Schaf- 
stelze (Budytes cinereocapillus) und der seltene Zavinammer (Emberiza 
cirlus) briiten in Dalmatien. 

Haufig ist im dalmatinischen Gebirge der Elsternspecht, ebenso die 
Felsentaube (Columba livia) ; das Steinhuhn (Terdix saxatilis) gehort in den 
coupirten Karstgelanden zu den auffalligsten Erscheinungen und im September 
und October werden in den Gebirgsthalern, z. B. um Imoski und Sinj, viele 
Wachteln geschossen. Im Narentathal briitet der krauskopfige Pelikan, 
auch sind hier Reiher, wilde Schwiine, Eohrhiihner und Moosschnepfen 
haufig ; an den Steilkiisten des mittleren und siidlichen Dalmatien haust 
die Krahenscharbe standig, an den dem Festlande ferngelegenen Inseln trifft 
man den grauen Tauchersturmvogel (Puffinus Kuhlii). Ganz gemein zu alien 
Jahreszeiten sind die Sturm- und Lachmove und auch die siidliche Silber- 
move gehort zu den haufigst beobachteten Erscheinungen. 

Kriechthiere und Lurche. 

Unter den Kriechthieren Dalmatiens hebt Mojsisovics drei Nattern 
hervor, von welchen Elaphis quateradiatus und die D a h 1 i'sche Zorn- 
natter (Zamenis Dahlii) nur in Dalmatien, Tachymenis vivax und die 



40 ALLGEMEINES ClBER DALMATIEN. 

Wilstenschlaiige (Coelopeltis lacertina) auch in Istrien vorkommen. Einem 
noch weiteren Verbreitungsgebiete gehort die bis Siidsteier vorkommende 
Sandviper (Vipera ammodytes) an, welche in Dalmatien nur in den Gebirgs- 
gegenden vorkommt. 

Von den Haftzehern ist der in Bagusa Tarantola, in Spalato Tarantella 
genannte Gecko (Heniidactylus verruculatus) zu erwahnen, ebenso von den 
Eidechsen die spitzkopfige Eidechse (Lacerta oxycephala), welche dem Lande 
eigenthiimlich ist, wahrend die iiber einen balben Meter erreichende grilne 
Eidecbse (Lacerta viridis) und die Mauereidechse (Lacerta muralis), sowie 
der meterlange Scheltopultik (Pseudopus Serpentinus) eineni grossereii Ver- 
breitungsgebiete angehoren. 

An Schildkroten besitzt Dalmatien die europaische Seeschildkrote 
(Thalasso chelys corticata), welche tiber einen Meter lang und bis 200 Kilo 
scbwer wird und die kaspische Sumpfschildkrote. welche sich von Ragusa 
sudlich an langsam fliessenden "Wassern, nach Schreiber selbst in Quellen- 
tumpeln von 32 Grad Celsius vorfiudet. 

Charakteristisch fiir Dalmatien ist ferner das Vorkommen von Arten 
des beriihmten Grottenolms (Proteus anguineus), der bekanntlich zuerst in 
den unterirdischen Gewassern Krains entdeckt wurde. Eine Form dieses 
inerkwilrdigen Geschopfes (Hypochthon Carrarae) findet sich in der am Fusse 
der Visoka bei Sinj entspringenden Goruzicaquelle, sowie in einer, nahe 
der hercegoviuischen Grenze an der Narenta gelegenen Quelle. 

Fische der Landgewasser. 

Von der Fischfauna der dalmatinischen Flusse hebt Mojsisovics 
vor allem die Narenta-Forelle (Salar obtusirostris) hervor, ferner fiinf 
Arten von Karpfen, worunter Aulopyge Htigelii, Leuciscus adsperus (der 
dalmatinische Weissfisch), Paraphoxinus alepidotus und Chondrostoma 
Knereii (Nasling). Auch die Tiberbarbe (Barbus plebejus), ein Grundfisch 
schnellfliessender Gewasser und der Flussaal (Anguilla vulgaris) gehoren 
zur Fischfauna Dalmatiens. Ubrigens ist die quantitative Ausbeute an 
Siisswasser-Nutzfischen gering, da die wenigen grosseren Flusse des Landes, 
wie schon erwahnt, in ihrem Unterlaufsgebiete mehr Meercanale darstellen 
und daher auch wie die Narenta eine vorwiegend marine Fauna aufweisen. 

Gliederthiere. 

Von den Gliederthieren Dalmatiens konnen hier nur einige namhaft 
gemacht werden, die sich in besonderem Grade auffallig machen. Hieher 
gehoren zunachst mehrere Insecten, und zwar von den Kafern der siidliche 
Maikafer (Melolontha transversa), welcher kleiner als die gemeine Art ist, 
und die Curculio-Art Pachygaster, welche 'die Bluten des Weinstockes ab- 
fressen soil. Von den Schmetterlingen ist der grosste der Oleanderschwarmer 
(Sphynx neri), welcher Iiy 2 Centimeter Fliigelspannung erreicht, wahrend 
das mittlere Nachtpfauenauge (Saturnia spino) durch seine bekannte schone 
Zeichnung hervorragt. Der Maulbeerseidenspinner (Bombyx mori) spielt in 



FAUNA. 41 

Dalmatien noch immer eine, freilich niclit bedeutende wirtschaftliche Rolle, 
der Olbaumschadling (Phalaena aesculi) ist infolge der Gefrassigkeit seiner 
Raupe ein Feind der Olivenhaine. Die Biene (Apis mellifica) kommt iii 
Dalmatien. speciell im Bezirke Cattaro, in einer glanzend schwarz gefarbten 
Abart vor, welche sich durch schlanken, wespenahnlichen Bau und einen 
spitz zulaufenden, zur Halfte behaarten Hinterleib mit mattgelben Eingen 
auszeichnet. Sie ist unempfindlich gegeu kiihleres Wetter, ungereizt 
besonders gutmiithig, gereizt dagegen sehr bosartig und heftig stechend. 

Von Zweifliiglern seien bier die Stechmiicken (it.: zanzare, cr. s. : 
komari 1 ) und die PapadaCi erwahnt, welche im Sommer zuweilen lastig 
fallen. Unter den Schnabelkerfeii iibertrifft alle an Wichtigkeit die Phyllo- 
xera vastatrix. 

Xoch ist zu erwahnen, dass in Dalmatien ausser dem gemeinen auch 
der kleinere, lichtbraune karpathische Scorpion (unter Steinen auf den 
Weiden) haufig ist, dass man aber selten hort, es ware Jemand gestochen 
worden. 

Andere niedere T hie re. 

Unter den Landkrustenthieren ist in Dalmatien der Flusskrebs (Astacus) 
in der Varietat Steinkrebs (Astacus saxatilis) vertreten ; hinsichtlich der 
Weichthiere erwahnt Mojsisovics. dass sich Dalmatien, das ,,Clausilien- 
land par excellence", nicht nur durch zahlreiche endemische Arten der 
Schliessmundschnecken oder Clausilien, namentlich der Untergattungen 
Medora und Agathylla, sondern auch durch eine grosse Zahl eigenthiimlicher 
Schnirkelschnecken auszeichnet, jener Schneckenclasse, deren bekannteste 
Yertreter die gemeine "Weinbergschnecke ist. 

Marine Fauna. 

Was die marine Fauna Dalmatiens betrifft, bemerkt Mojsisovics 
zunachst, dass in der Adria bisher nur acht Arten von See-Saugethieren 
beobachtet wurden, darunter der iiberall truppweise vorkommende Delfiu 
und der Pottwal oder Cachelot, der bisher nur zweimal zur Beobachtung 
gelangte, einmal am 15. August 1853, als sechs Exemplare bei Cittanuova 
strandeten, und dann wieder 1885, als man ein verwundetes Exemplar bei 
der Insel Lagosta auffand. 

Seefische. 

An Fischformen ist die Adria ungemein reich. Wahrend die Ostsee 
nur 108, die norwegischen Kusten 180 und die englischen Kiisten 21(> 
verschiedene Arten aufweiseu, kommen in der Adria deren 300 vor, die 
allerdings nur zum kleinsten Theil als Nutzfische wichtig sind. 

Beginnen wir mit den Knochenfischen, und zwar zunachst den 
Stachelfischen. 

Da ist unter den Barschen (cr. s. : grgeS) der wichtigste der Seebarsch 
(Perca labrax), dessen schon Aristoteles als Labrax, Plinius als Lupus (Wolf) 



42 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Erwahnung thun. Er gilt seit dem Alterthum als einer der wohlschmeckend- 
sten Fische und wird 50 bis 100 Centimeter lang und bis 10 Kilo schwer. 
Der alte Seebarsch (it. : Branzino, cr. s. : Smudut od. Lubin) ist im October, 
November, der junge (it.: Baicolo) im April am scbmackhaftesten. 

Unter den durch ihre machtigen Kieferzahne ausgezeichneten B r a s s en 
steht obenan die Goldbrasse (Chrysophrys aurata), ein 30 bis 60 Centimeter 
langer und 4 bis 8 Kilo schwerer Fisch, den der Fremde als Orada sehr 
haufig namentlich in den Wintermonaten auf der Speisekarte findet. 

Eine Verwandte, die ebenfalls in den Gewassern Dalmatians haufig 
gefangen wird, ist die Zahnbrasse (Dentex vulgaris), die bis zu eineni Meter 
Lange und ein Gewicht von 10 Kilo erreicht (it. : Dentale, cr. s. : zubatac). 

Mindergeschatzte Angehorige der Familie sind die Gelbstriemer (Box 
boops) und die durch ihre rotbgoldenen Langsstreifen ausgezeichneten 
Goldstriemer (Box Salpa), die ihre Nahrung gern im Schlamm der Hafen 
suchen und davon einen unangenehmen Geruch annehmen (it. : Bobba, 
beziehungsweise Salpa). 

Ahnlich auf Schlamm- und Algengrtinden lebt der it. : Menola 
schiava genannte Laxierfisch (Maena vulgaris), dessen wenig beliebtes 
Fleisch Durchfall erzeugen soil. 

Unter den B a r b e n ragt besonders die Meerbarbe (Mullus barbatus) 
hervor, deren weisses festes Fleisch pikant schmeckt und infolge seines 
geringen Fettgehaltes leicht verdaut wird. Die schone Farbung des nur 25 
bis 40 Centimeter langen Fisches (Carminroth mit irisirendem Schein. Bauch 
silbern, Flossen gelb) hat die alten Eomer zu der abstossenden Gewohnheit 
gefuhrt, Seewasserbassins bis unter die Sitze der Tischgaste zu leiten, 
damit diese sich an dem wunderbaren Farbenspiel der sterbenden Barbe 
ergotzen konnten. Die Barbe (it.: Barbone) kommt das ganze Jahr, am 
haufigsten im Sommer und Herbst auf den Markt. 

In den dalmatinischen Gewassern sind es vorwiegend die Chioggioten, 
welche den ebengenannten Fischen nachstellen, wahrend fiir den Fischfang 
der Dalmatiner andere Arten im Vordergrunde stehen. Hieher gehoren die 
Makrelen, Hochseefische, welche in grossen Schaaren an der Oberflache des 
Meeres leben und zur Laichzeit an die Kilsten kommen, wahrend die Barsche 
und Brassen mehr einzeln oder in kleinen Gruppen die mittleren Tiefen 
des Meeres bevolkern und noch andere Fischfamilien, wie die Meergrundeln y 
hauptsachlich auf dem Grunde des Meeres leben. 

Zu den Makrelen gehort die gemeine Makrele (Scomber scombex), ein 
Strichfisch von Haringsgrosse, der sich jahrlich zweimal den Ktisten nahert 
und ganz frisch gefangen am Bauch einen iiberaus prachtigen rothlichen 
Metallschimmer zeigt, wie ihn kaum ein anderer Fisch besitzt. Diese Makrele 
(it.: Scombro) ist im April-Mai und September-October am schmackhaftesten. 
Von ihren Verwandten sind einige minder wichtig, wie die mittellaiidische 
Makrele (Scomber colias) und die Goldmakrele (Coryphaeus hippurus), ein 
barbenahnlich gefarbter Prachtfisch des Mittelmeeres, der sich als Verfolger 
der fliegenden Fische den Schififsreisenden bemerkhar macht. Grosse Bedeutung 



FAUNA. 4;> 

dagegen haben der Thunfisch (Thynnus vulgaris), der eiiie Grosse von 1 bis 3, 
in seltenen Fallen sogar von 5 Metern erreicht (it. : Tonno, cr. s. : Tun\ und 
eine kleinere Abart der Bonit (Palamis sarda), der sich durch zarteres safti- 
geres Fleisch auszeich.net (it. : Palamida). 

Ebenfalls zu den wichtigeren Arten zahlen die Meeraschen (Mugil), 
welche zweimal jahrlich kiistenwarts streichen und besonders im August 
und September, wenn sie an der Narentamundung ostlich der Halbinsel 
Sabbioncello entlang schwimmen, von den Trappanesen zugleich mit vielen 
Barben gefangen werden (it.: Cefali, cr. s. : cipoli). 

Ferner sind von Stachelflossern noch zu nenneii die Meergrundeln 
(Gobius, it. : Guatto, cr. s. : Glavoc) und mehrere Arten der Panzerwangen, 
unter welchen besonders trotz ihrer abenteuerlichen Form die Seeschwalbe 
(Trigla hirundo, it.: Lucerna) und die Drachenkopfe (Scorpaena porous und 
scrofa, it. : Scarpena) beim Volke Anwert finden. 

Von den Weichflossern seien zunachst die Plattfische oder Schollen 
erwahnt, welche sich durch ihre asymmetrische Korperbildnng auszeichnen 
und oft nur l^mal so lang als breit sind. Es sind Grundfische. die mit 
einer Seite aufzuliegen pflegen, welche dann auch gewohnlich bis auf die 
zugehorige Mundhalfte eine besondere Ausbildung zeigt und der Augeii 
entbehrt, welche ganz auf der anderen Seite liegen. Zu den Schollen gehort 
der Y 3 bis 2 Meter erreichende Steinbutt (.Rhombus aculeatus, it.: Eombo), 
dessen Fleisch zu den feinsten aller Seefische gezahlt wird, besonders in 
den Monaten December bis Februar, und die Seezunge (Solea vulgaris;. die 
bei 30 bis 60 Centimeter Lange nur circa V 2 Kilo schwer wird (it. : Sfoglia). 

Von den Schellfischen haben der 15 bis 40 Centimeter lange Zwergdorsch 
(Gadus minutus) und der Mittelmeer-Dorsch oder Mittelmeer-Stockfisch 
(Gadus euxinus) ein zwar weiches, aber weisses, ziemlich wohlschmeckendes 
Fleisch, wahrend der 40 bis 100 Centimeter lange Hechtdorsch (Merlucius 
vulgaris)-hinter dem Stockfisch rangiert. Der Zwergdorsch heisst it.: Morinoro, 
der Mittelmeer-Dorsch Mollo, der Hechtdorsch Lovo oder Merluzzo. Ersterer 
und letzterer bilden nach Mojsisovics eines der Hauptertragnisse der 
meist von den Chioggioten betriebenen Grundfischerei mit dem Schleppnetz. 
(Hauptfang von October bis Marz, in welcher Zeit auch das Fleisch relativ 
am besten ist.) 

Unter den haringsartigen Fischen ist ftir die Adria besonders die 
Sardelle (Alosa sardina) wichtig, ein 12 bis 20 Centimeter langes Fischchen 
(it. : Sardella), das vom April bis October in grossen Massen gefangen und 
eingesalzen wird, wahrend die gleichzeitig ins Netz gerathenen. nahe 
verwandten Anchovi (Engraulis encrasicholis) eingesalzen und mariniert in 
den Handel kommen (Italienische Namen : Anciuna, Amplava, Alice, Sardone). 
Die Sardellen sind im Mai und Juni, die Anchovi im December und Januer 
am schmackhaftesten. 

Auch unter den iibrigen Stachel- und Weichflossern der Adria sind 
noch manche, die besonders vom Volke gegessen werden. Die meisten 
haben jedoch bloss durch Grosse, eigenthilmliche Form, prachtige Fafbe 



44 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

oder specielle Lebensweise Interesse. Wir erwahnen tier nur die vor- 
stechendsten und beginnen wieder mit den Stachelflossern. Da baben wir 
von den Panzerwangen ausser den schon genaiinten Drachenkopfen die 
Knurrhahne (Trigla lyra, it.: Angioletto), niit ihrem rhombischen, fast 
kalbskopfahnlichem Kopf, an welchem rechts und links zunachst je ein 
dreifingriger Greifapparat und dann die Doppelflosse ansetzt, und den 
Flugbabn (Dactylopterus volitans, it. : Nibbio, Gallina) mit sehr grossen 
fliigelartigen Brustflossen ; ferner von den Viperfischen den Himmelsgucker 
( Uranoscopus scaber, it. : Bocca in Capo) ; von den Makrelen den Petrusfisch 
oder Haringskonig (Zeus faber), der in Schwarmen den Sardellen folgt und 
den bis 4 Meter langen Scnwertfisch (Xiphias gladius, it. : Pesce spada). 
der in der Jugend ein ganz delicates Fleisch liefert ; von den Rienienfischeii 
den rothen Bandfisch (Cepola rubiscens); von den Armflossern den bekannteii 
Seeteufel oder Froschfisch (Lophius piscatorius, it. : Rospo) ; von den Stich- 
lingen die Meerschnepfe (Centriscus scolopax, it. : Galinazza) mit schnepfen- 
artigem Kopf und langer, an einen Schnepfenscbnabel gemahnender Mund- 
rohre; endlich von den Lippfischen den herrlichenPfauenlippfisch(Crenilabrus 
pavo, italienisch Liba), einer der schonsten Fische, der sich durch blaue 
oder griine Grundfarbe, rothe Langsstreifen und gelbe, roth und blau gefleckte 
Flossen auszeichnet, den Meerjunker oder Regenbogenfisch (Julis vulgaris, 
it. : Girella oder Donzella) und den Papageifisch (Scarus cretensis). 

Von Weichflossern, die nicht schon als Nutzfische erwahnt wurden, 
seien aufgezahlt: Von den Schlangenfischen der Sand-Aal (Ammodytes 
tobianus), der Holothurienfisch (Fieraster acus) und der gebartete Schlangen- 
fisch (Ophidium barbatum, it.: Galiotto); von den Haftkiefern der Sonnen- 
fisch (Orthagoriscus mola), den die Italiener pesce luna nennen; von den 
Biischelkiemern die ini Seegras vorkommende, bis 90 Centimeter Laiige 
erreichende Seenadel (Syngnathus acus) und das bekannte Seepferdchen 
^Hippocampus antiquorum, it. : Cavallo marine). 

Alle die bisher aufgezahlten nutzbaren und andereii Arten gehoren zu 
den Knochenfischen der Zoologen. Von den Knorpelganoiden kommt in den 
dalmatinischen Gewassern der gemeine und adriatische Stor vor (Ascipenser 
sturio, it. : Storione), dessen Fleisch als das schmackhafteste gilt vind daher 
am theuersten bezahlt wird. 

Die Haie sind in etwa 1 einem Dutzend Arten vertreten, von welchen 
indesseii bloss der 1 bis 2 Meter lange Hundshai (Galeus canis), der hochstens 
3 / 4 Meter lange Katzenhai (Scyllium canicula) und vor Allem der wenig 
grossere Dornhai (Spinax acanthias) haufiger vorkommen. Besonders der 
letztere (it.: Aziale) wird von den Fischern oft gefangen und auch gern 
gegessen, wahrend bei den tibrigen Haien die sonstigen Nutzungen in erster 
Linie stehen. Es wird namlich die Haut getrocknet als Poliermittel und 
gegerbt als Leder verwendet, wahrend Leber und Fett zur Thraiibereituiig 
dienen. Auf die grossen Haie macht man auch der von der Seebehorde 
ausgesetzten Pramien wegen Jagd, doch werden in der Adria kaum meni- 
als 6 bis 8 solcher Meerungeheuer jahrlich erlegt. und besonders der 



FAUNA. 45 

Menschen- oder Riesenhai (Carcharodon Rondeletii) zahlt zu den gross ten 
Seltenheiten. 

Von den Rochen konimt in der Adria der echte Rochen (Raja miraletus > 
und der Stechrochen (Trigon pastinaca), ferner der Adler- oder Riesenrochen 
(Myliobates aquila) und der Zitterrochen (Torpedo narke) vor. 

Als eines bei Lissa gefundeneii Rarissimums erwahnt Mojsisovics 
schliesslich des bekannten, 5 bis 7 Zoll langen Lanzettfischchens, eines 
"VVirbelthieres ohne Gliedmasseii, ohne Schadel, Kiefer, Gehirn und Herz, 
welches viele Zoologen als Ubergangsglied von den Fischen zu den niedrigeren 
Thierformen betrachten. 

N i e d e r e marine Fauna. 

Die Betrachtung der wirbellosen. Thieve des Meeres beginnen wir mit 
den Weichthiereii, und zwar mit den nur aus weuigen Arten bestehenden 
Kopffiisslern (Cephalopoden), welche Ktistenbewohner sind und zum Theil 
als Nahrungsmittel dienen, wie der gemeine Krake oder Polyp ('Octopus 
vulgaris, it.: Folpo tedoro, cr. s. : liobotnica), der gemeine Tintenfisch 'Sepia 
officinalis, it.: Sepia, cr. s.: sipa'i imd der gemeine Kalmar (Loligo vulgaris, 
cr. s. lignja), der als beliebte Fastenspeise dient. 

Weit zahlreicher an Arten treten die Schnecken (Gastropoden ) aut\ 
zu welchen u. a. das ausserordentlich gemeine See-Ohr gehort, das die Alten 
ob der prachtigen griinen und weissen Fransen, die aus der sechs Centimeter 
langen Schale heraushangen, Ohr der Aphrodite nannten (it. : Oreccliio di 
San Pietro). Andere essbare Schnecken sind: die Meertellerschnecke (Patella 
coerulea), die Kreiselschnecken (Trochus), die Gitterschnecke (Nessa muta- 
bilis), die Nabelschnecke (Natica Josephina), die Hornschnecke i Cerithium 
vulgatvim, it. : Caregolo longo), die Stachelschnecken ('Murex, it. : Garusola. 
gerusa), die Helmschnecke (Cassidaria echinophora, it. : Porceletta) u. a. r 
die allenthalben vorkommen und zu Markte gebracht werden. 

Aus der Ordnung der Muscheln oder Bivalven sind als Nutzthiere 
besonders die Auster (Ostrea -edulis, it. : Ostrica), die gemeine Miessmuschel 
(Mytilus edulis, it. : Pedocchio) und die Pectenarten (u. a. Pecten proteus 
bei Novigrad und Karin, Pecten dalmaticus bei Ragusa) und die gemeine 
Bohrmuschel wichtig. Ausserdem isst man die Steinmuschel oder Seedattel 
(Lithodomus lithophagus), die sich nach Verlust des Byssus, den sie in der 
Jugend hat, in Kalk und selbst in den hartesten Marmor einbohrt (it. : Dattero 
di pietra), ferner die Herzrnuschel (Cardium edula, it.: Capa tonda), die 
strahlige Venusmuschel (Venus gallina, it.: Biberazzo) und die gegitterte 
Venusmuschel (Venus decussata), welche unter dem Namen Caparozzolo eine 
beliebte Zugabe zum Risotto bildet; weiter die Plattmuschel (Donax trun- 
culus, it. : Cazonella), die Schiffsbohrwtirmer (Teredo) und die Bohrmuscheln 
(Pholas dactylus, it. : Dattero marine), welche von pl'efferartigem Geschmack 
mid dadurch merkwiirdig ist, dass mehrere Streifen in der avisseren Haut 
eine schleimige, intensiv leuchtende Substanz absondern. 



46 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Von den Krebsthieren sind einige Arten der stielaugigen Schalen- 
kruster Dalmatien eigenthlimlich, wie: Mysis trunca (Lissa) und Pontonia 
flavomaculata ; als Nutzthiere schatzt die Bevolkerung von den kurz- 
schwanzigen Formen die Seespinnen, deren haufigste Art (Maja sc[uiiiadoj 
schon auf griechischen Miinzen abgebildet erscheint und noch heute wegen 
ihrer Grosse und Schmackhaftigkeit besonders im April, wenn das Fleisch 
am besten ist, sehr beliebt isi. Die Italiener nennen das Mannchen Grancievolo, 
das Weibchen Grancievola. 

In zweiter Linie geniesst man die Taschenkrebse (Eriphia und Cancer, 
it. : das Mannchen Granciporo, das Weibchen Granciporella) und die gemeine 
Krabbe (Carcinus maenas), fiir welche die italienische Sprache drei Namen 
hat : Grancio fiir das Mannchen, Masanella filr das Weibchen und Molecche 
fiir die \veichschaligen, eben frisch gehauteten Krabben. 

Von den langschwanzigen Krebsen sind die Langusten (Paliiiurus vul- 
garis. it.: Grille dimare) und Hummer (Homarus, it.: Astuca), die Granatkrebse 
oder Garneelen (Palaemenarten, it.: Gamberello) und vor allem die nor- 
wegischen Krebse (Nephrops norwegiens, it. : Scampo) wichtig, hummerahnliche 
Krebse von der Grosse eines grossen Flusskrebses, die friiher nur im Quarnero 
gefangen wurden, jetzt aber auch im Zaratiner Seekreis vorkommen. 

Die Stachelhauter- oder Echinodermenfauna der osterreichischen Kiiste 
weist 25 Arten Seesterne, 22 Arten Meerwalzen, 11 Arten See-Igel und 
eineii Haarstern auf. Unter den Seesternen ist fiir die marine Fauna bei 
Lissa Pentagonaster placenta, fiir den Golf von Spalato die schone Luidia 
ciliaris charakteristisch. Von den Holothurien oder Seewalzen, die in unserer 
Meeresfauna zuerst entdeckt wurden, kommen einige im ganzen Gebiete vor, 
wie die Triester Seegurke (Cucumaria tergestina), andere erst bei Lesina; 
nutzbar sind nur die See-Igel, sofern die Eierstocke des kornigen See-Igels 
(Sphaerechinus granularis, it.: Biccio di mare) gegessen werden. 

Unter den niedersten Thiergattungen des dalmatinischen Meeres, den 
Coelenteraten oder Schlauchthieren, sind zunachst die Nesselthiere zu er- 
wahnen, z. B. die bei Lesina vorkornmeiiden Polypenquallen, Sertullaria 
bicuspidata und Plumularia bifrons, und der Venusgiirtel (Cestus Veneris), 
sowie andere Quallen, die bei gelegentlich massenhaftem Auftreten im Meere 
das Meerleuchten hervorbringen. Soweit das Auge reicht, ist dann das Meer 
von aufsteigenden und niedersinkenden, hin- und herschwebenden Glocken 
erfiillt. einige glashell, andere milch weiss, andere wundervoll roth oder 
griinlich, alle aber phosphorescierend und dadurch jenen Glanz hervor- 
briiigend. den unmittelbar nach Sonnenuntergang wahrzunehmen, eine der 
grossteii tiberraschungen des Neulings auf dem Meere bildet. 

Zu den niitzlichen Coelenteraten unseres Gebietes gehort die von der 
armeren Kiistenbevolkerung gegessene See-Anemone oder ,,Madrona" (Ane- 
monia sulcata). die Edelkoralle, die an den dalmatinischen Klisten einige 
kleine Banke bildet, und der Badeschwamm (Euspongia officinalis, var. 
adriatica), der als Dalmatinerschwamm namentlich von den Bewohnern der 
Insel Crappano in Handel gebracht wird. 



BERGBAU. 47 

Neueste Literatur ttber die Thierwelt Dalmatiens. 

Ausser dem zusammenfassenden Capitel A. v. Moj si so vies' ilber die 
Karst- und Kiistenfauna im tlbersichtsbande des Werkes: ,,Die osterreichisch- 
ungarisclie MonarcMe in Wort und Bild" sind an neueren Specialarbeiten 
xiber die dalmatinische Fauna besonders die Abbandlungen hervorzuheben, 
welche Professor Georg Kolombatovic zunieist in den Programmen der 
Spalatiner Realschule 1880 bis 1888 publiciert hat. Unter diesen Abhandlungen 
sind fur weitere Kreise von Interesse: 

1. Osservazione sugli uccelli della Dalmazia e osservazione al Prospetto 
della Fauna del inare adriatico. 1880. (Eigeiie Beobachtungen iiber Yor- 
konnnen. Lebensweise, Zug etc. der Vo'gel, Localnanien u. A.) 

2. Pesci delle acque di Spalato e catalogo degli aiifibi e dei rettili dei 
contorni di Spalato, 1881. Diese Arbeit ist eine Art Spalatiner Pendant zu 
den Werken liber die Adria-Fauua, welche Dr. Ernst Plucar (Der Fisch- 
platz zu Triest. 1846) und Ludwig Slicker (Die Fische nebst den essbaren 
wirbellosen Thieren der Adria und ihre Zubereitung, 1895) hauptsachlich 
mit Berucksichtiguiig Triests geliefert haben. 

3. Mammiferi, anfibi, rettili della Dalmazia e pesci nuovi o rari per 
1'adriatico catturati nelle acque di Spalato, 1882. 

4. Dr. Stein dachner und Professor Kolombatovic: Beitrage zur 
Kenntnis der Fiscne der Adria. i Sitzungsbericht der Akademie der 
Wissenschaften, 87. Band. 1883.) 

5. Aggiunte ai Vertebrati della Dalmazia, I.. II.. III., 1884 bis 1886. 

6. Catalogus Yertebratorum dalrnaticorum, 1888. 

Bergbau. 

Dalmatien besitzt bei Siverid am Monte Promina ein Braunkohlenflotz 
von 11 bis 19 Meter Machtigkeit, welches seit 1835 abgebaut wird und 1890 
54.400 Tonnen Braunkohle lieferte. (1892 betrug die Production 220.900 
Metercentner im Werthe von 62.800 Gulden. Betrieb durch die osterreichisch- 
italienische Kohlenwerks-Gesellschaft in Turin.) Unter dem Kalkstein, 
welchem das Flotz auf liegt, ziehen bis zu zwei Meter machtige Eisenerzlager, 
welche noch nicht exploitirt werden. Dagegen hat man 1887 bei Castelnuovo 
einen Manganerzbau erofFnet. Von den anderen kleinen Kohlenvorkommen 
werden jene bei Dubravic und Velika glava (Gerichtsbezirk Scardona) 
ausgebeutet; ausserdem gewinnt man auf der Insel Brazza Asphalt und im 
Bezirke von Vrgorac Hartpech, im Bezirke von Sinj Theer. Im Bezirke 
Yrgorac wurden unlangst die dortigen bekannten. grossen Asphaltwerke 
von der Wiener Firma Ludwig Konig & Sohn kauflich erworben. 

Bausteine bester Qualitat liefern hauptsachlich die Stein- und Marmor- 
briiche von Seghetto (Gerichtsbezirk Trau), sowie die Inseln Curzola, Lesina 
und Brazza; Dachschiefer kommt von Verbosca (Lesina), wo die Flotze des 
Jurakalks aus einem weissen marmorartigen Kalkschiefer bestehen. 

Salinen bestehen auf den Inseln Arbe und Pago, bei Slano und Stagno, 
und liefern im ganzen etwa 10.300 Tonnen Salz jahrlich. 



48 ALLOEMEINES DBER DALMATIEN. 



Ackerbau. 

Die Ackerbauverbaltnisse Dalmatiens haben seit der Venetianer Zeit 
manche Wandlung erfabren und scbliesslich wie Conte Tartaglia im 
Bande ,,Dalmatien" des Kronprinzen -Werkes ausfiihrt zu dem sogenaiinten 
Colonat gefubrt, das aber allerneuestens schon vielfach, z. B. im Bereich 
der Sette Castelli, der Eigenwirtscbaft besitzender Bauern weicht. 

Der Cerealienbau leidet noch immer unter dem Mangel vollkommener 
Pfluge, sowie well die Fruchtwecbselwirtschaft maiigelhaft ist, und darunter, 
dass in den, im Winter uberscbwemmten Poljes kein Herbstanbau moglicb. 
ist. Hauptsachlich werden Weizen, Mais und Gerste, in geringen Mengen 
auch Hirse, Roggen, Hafer und Spelz gebaut. In Nord-Dalmatien dominiert 
der Gerstenbau, in Mittel-Dalmatien die Maiscultur, die auf den mittlereu 
und siidlichen Inseln fast ganz feblt. 

Von der Gesanimtbodenflache des Landes entfielen 1891 auf: 

Hektar 

Acker 137.238 

Weingarten 81.853 

Gemiise-, Obst- und Ziergarten 37.024 

Wiesen . 10.492 

Weiden 593.900 

Teiche und Sumpfe mit Rohrwald 13.383 

Wald 366.217 

Olivenhaine 15.494 

Edelkastanienhaine 51 

Unproductive und sonst steuerfreie Flachen .... 27.605 

1,283.237 

Vergleicht man diese Daten mit jenen fiir das iibrige Cisleithaiiien, 
so resultiert, dass Dalmatien unter alien osterreichischen Kronlandern die 
meisten Weingarten und Weiden, dagegen die wenigsteii Wiesen und 
Acker hat. 

Von der Ackerflache wareii der Statistischen Monatsscbrift zufolge 
1896 mit den Hauptgetreidearten bebaut: 

Cisleitbanien Dalmatien 

Weizen . . . . . 1,058.701 26.744 

Eoggen 1,836.394 5.456 

Gerste . .... . 1,178.119 20.460 

Hafer ...... 1,918.212 2.915 

Mais 345.835 46.572 



Zusainrnen .... 6,337.261 = 59'6 Percent 102.147 = 39-9 Percent 
Gesammte Anbau- 

flacbe .... 10,636.872 Hektar 256.115 Hektar. 



ACKERSAU. 



49 



Der Ertrag belief sich in Metercentnern: 

Cisle itha n i e n 



Dal m alien 



1886/95 1896 1886/95 1896 

Durchschnitt Durchschnitt 

Weizen .... 12,142.000 11,362.910 231.000 205.094 

Boggen .... 19,456.000. 18,733.851 44.818 46.000 

Gerste .... 12.629.000 12.256.055 177.600 151.718 

Hafer 16.664.000 15.955.582 15.000 24.762 

Mais 4,478.000 4.457.675 502.100 491.930 

Die Durchschnittsernte betragt fiir das Hektar: 

Hektoliter 

Weizen 10 \ 

Gerste 13 

Das medrigste hrtraerms 

Mais Ifi 

heiern .rago unu Arbe, 

das hochste der Bezirk 

Spelz 16 T , . 

rr f i - Imoski. 

Hafer lo 

Hirse 15 

Auf den Kopf der Bevolkerung entfallen (in Dalmatian und den 
Quarnerischen Inseln) : 

Hektoliter 

AVeizeii 0'33 

Roggen - 05 

Gerste 0-80 

Hafer 0-05 

Mais 0-99 

Kartoffeln 0-31 

Wein l - 55 

Der Cerealienertrag reicht fiir die Bevolkerung nicht hin * und muss 
durch betrachtliche Einfuhr erganzt werden, obwohl auch nodi andere 
Nahrungsmittelgebautwerden. So pflanztmandurchschnittlich auf 2706 Hektar 
Kartoffeln (mittlerer Ertrag 159.520 Metercentner) und auf 893 Hektar Kraut, 
welches einen Durchschnittsertrag von 81.630 Metercentner liefert. 

Zu Industrie- und Handelszwecken wird in neuester Zeit in Dalmatien 
auch stark das Chrysanthemum 2 (Pyrethrum cinerariaefolium) gepflanzt, 
dessen Bliiten zur Herstellung von Insectenpulver beniitzt werden. Im Jahre 
1889 waren schon 1780 Hektar mit Pyrethrum bepflanzt, \velche nicht nur 
37.710 Metercentner Bliiten lieferten (zum Durchschnittspreis von 60 Gulden 
ein Ertrag von 2,262.600 Gulden), sondern auch im Mai, wenn die Pflanzen 
in Bliite stehen, eineu reizenden Anblick gewahren. 



1 Nach Vollendung der Narenta-Regulierung wird ein Deltagebiet von 
15.000 Joch dem Ackerbau zuriickgegeben sein und dann diese ausser- 
ordentlich fruchtbare Ebene wohl die Kornkammer Dalmatiens werden. 

2 Croat, serb. : buhafi. 

Fflhr#r durch Dalmatien. 4 



50 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Ebenfalls in neuester Zeit gestattete die Regierung in einzelneii 
Districten den Anbau von Tabak und lieferte dazu hercegoviiiischen Samen. 
Die Anbauflache betrug 1889 126 Hektar und ergab im Mittel 9'/, Meter- 
centner pro Hektar, zusammeii also 1197 Meterceiitner. Das Arar bezahlte 
die superfeine Qualitat mit 1 fl. 50 kr. per Kilogramm, niiiidere Qualitaten 
mit 40 kr. bis 1 fl. 20 kr. Da sich die Blatter durch schone goldgelbe Farbe 
und einen eigenthiimlich kostlichen Duft auszeichiien, wird die Cultur des 
dalmatinischen Tabaks successive ausgedehnt, iind hat das Arar bereits 
Tabakmagazine in verschiedenen Orten errichtet. 

Die in Dalmatien gebauten Obstsorten, Pfirsiche, Birnen und Kirschen, 
sind zum Theil von vorziiglicher Qualitat; ausgeftihrt werden jedoch nur 
Mandeln und Feigen, letztere namentlich von Lesina. 

Von Gemiisen exportiert man Blumenkohl, wahrend die niassenhaft 
gebauten Gurken und Melonen im Lande consuiniert werden. 

Wein- und Olivenernte. 

Der Weinbau Dalmatiens, um die Mitte des Jahrhunderts durch das 
Auftreten der Traubenkrankheit (O'idium) gefahrdet, erhielt einen ausser- 
ordentlichen Aufschwung, als in Frankreich die Phylloxera einbrach und 
man dort genothigt war, zur Herstellung des rothen Bordeaux bedeutende 
Quantitaten Schnittwein aus anderen Landern zu beziehen, der dann theils 
aus Ungarn, besonders aber aus Dalmatien geholt wurde. 

Auch heute ist der Wein noch ein Haupt-Exportartikel Dalmatiens, 
und wer ini September in die Weindistricte kommt, spiirt nicht nur 
iiberall den Wein- und Treberngeruch, sondern wohnt auch haufig der 
Verladung des Weins auf die Barken bei. So geschatzt ist der dalmatinische 
Wein, dass man im Handel nicht selten unter seiner Flagge italienische 
Weine einzuschmuggeln versucht, und zwar stehen in besonderem Ansehen 
der Muscateller von Almissa und Makarska, der Lissawein, die Vugava 
von Brazza, der Maraschino (Wein) von Sebenico, der Grk von Curzola u. a. m. 

Die jahrliche Weinproduction unterliegt nicht so grossen Schwankungen 
wie in den nordlichen Weiiigebieten Osterreichs und wird auf jahrlich 
1,200.000 bis 1,500.000 Hektoliter veranschlagt (iiber 30 Percent der Gesammt- 
Weinernte Osterreichs), wovoii 600.000 auf den Handelskammerbezirk Spalato 
entfallen. 

Hauptexportplatz fiir'deii Wein ist Spalato; dann folgen Brazza, Lissa, 
Curzola, Trau, Sebenico und Lesiiia. Die Preise stiegen nach F. Freiherr 
v. Gondolas Angabe von 1 bis 3 Gulden im Jahre 1850, auf 20 bis 
30 Gulden im Jahre 1859, fielen dann bis auf 10 ja 4 Gulden und erholten 
sich schliesslich wieder, um seit 1874 zwischen 5 und 25 Gulden zu schwanken. 

Die Olbaumhaine Dalmatiens stehen volkswirtschaftlich in zweiter 
Linie; immerhiii betragt die jahrliche Production zwischen 80.000 und 
120.000 Meterceiitner. wovoii der grosste Theil auf Sud-Dalmatieii entfallt. 
Die Preise schwanken zwischen 30 uud 50 Gulden per Metercentner fur 
die gewohnlichen und 70 bis 80 Gulden fur feinere Qualitateu. 



WALD. 51 

Wall 1 

Obwohl in Dalmatieii percentuell ebensoviel Flache mit Wald bedeckt 
1st (30 Percent), \vie in Bohnien, muss das Land doch zur Zeit als holzarm 
bezeichnet werden. Denn theils dutch die Ausholzungen der Venetianer, 
theils weil die Niederwalder in den siidlichen Landern nicht bloss der 
Holzgewinnung, sondern auch als Weiden dienen, hat sich in Dalmatien 
eiu Betrieb ausgebildet, bei welchem der allergrosste Theil der Waldflachen 
in Buschwald besteht, der noch dazu vielfach durch das Weidevieh, besonders 
die Ziegen, schrecklich zeruagt und devastiert erscheint. Dieseni Zustande, 
welcher bereits zur Ausrodung der Wurzeln als Feuerungsmaterial fiihrte, 
wird jedoch seit 1869 energisoh abgeholt'en. Zunachst schrankt man die 
Ziegenhaltung ein, so dass die Zahl dieser.Thiere von 424.087 im Jahre 1857 
auf 169.098 im Jahre 1890 sank, hauptsachlich indem man von 1874 bis 1890 
149.146 Hektar Wald und 247.607 Hektar "NVeidelaiid von der Ziegenweide 
befreite und 79.937 Hektar Wald nebst 16.995 Hektar bestockter Hutweide 
in Schonung legte. Die Massregel begegnete anfangs nicht uberall der 
besten Aufnahme, drang aber im Laufe der Zeit dermassen durch, dass 
heute tausende Hektare beholzter Hutweide in Hege gelegt sind, auf welche 
das Forstgesetz strenggenonimen keine Anwendung faiide. 

Auch die kiiustliche Aufforstung macht Fortschritte, und zwar beniitzt 
man an der Kilste meist die Seestrandkiefer, von welcher in den Saat- 
schulen von Cattaro, Gravosa, Makarska. Spalato, Sinj und Sebenico jahrlich 
60.000 Stuck als zweijahrige Pflanzen zur Ausgabe gelaugen. Neben dieser 
Holzart wird Pinus pinea, Pinus Pawliniana und Quercus Ilex zu Auf- 
forstuugen verwendet. 

Im ganzen Klistenlande Xord-Dalmatieus, besonders nahe der Kiiste, 
herrschen die Eichen (Quercus pubescens) vor, wahrend Blau-Eschen, Hopfen- 
buchen, Mahalebkirschen und andere Holzgewachse erst an zweiter Stelle 
rangieren. Dickichte von Judendorn (Paliurus acculeatus) machen oft die 
Begehuug dieser Niederwalder schwierig. 

Auf den Inseln und Kiisten des sudlichen Dalmatiens dominiert die 
immergriine Eiche (Quercus Ilex), zu der auf Sabbioncello noch die Kermes- 
Eiche (Quercus coccifera) und einige Schwarzfohrenbestande kommen, die 
sich im Hochgebiet der Insel Brazza fiuden. ( 

Auf Ciu-zola, Meleda, Lissa, Lagosta und Lacroma, sowie bei Eagusa 
bildet die Seestrands- oder Aleppokiefer reine Bestande, und zwar trotz 
vieler Eodungen, die man in den letzteu Jahren vornahm, um neue Wein- 
gartengrunde zu gewinnen . und trotz des starken Verbrauches an Kienholz 
fiir die Sardellenfischerei. 

Auf der Insel Meleda, deren Xordwesttheil den grossen Studienfondsforst 
von St. Maria enthalt (3919 Hektar), kommen noch grossere Bestande der 
sonst nur sporadisch auftretenden Pinie (mit essbaren Frvichten) vor. 

1 Nach einer Darstellung von Hermann v. G u 1 1 e n b e r g und Ferd. 
Z i k m u 11 d o w s k y. 

4* 



52 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Yon andereii forstlichen Besoiiderheiten seien hier erwalmt: das kleine 
Cypressenwaldchen von Orebic auf Sabbioncello, ferner auf Arbe der 
Gemeindewald an der Nordspitze der Insel sowie der Gemeindewald Capo- 
fronte. und der Staatsforst Dundo ebendaselbst ; endlich der Staatsforst 
Paklenica am AYestgehange des Velebit, der noch bedeutende Bestiinde an 
Rothbuchen und Schwarzfohren enthalt. 

Fischfang. 1 

In den dalmatiuischen Gewassern sagt Professor Kolombatovic 
wird der Fischfang einerseits von den Eingeborenen und anderseits von 
den Chioggioteii betrieben. Erstere fischen fast nur in der Nahe der Ufer, 
auf felsigen mit Vegetation bedeckten Griinden, \vobei ihiien eine ruhige 
See giinstig ist : die Chioggioteii sind mehr Hochseefischer und bediirfen einer 
frischen Brise, damit das schwere von zwei segelnden Booteii in der Mitte 
gefiihrte Schleppnetz vorwarts kommt. 

Fitr den Fischfang der Dalmatiiier hat die Sardelle die grosste Wichtig- 
keit, welche von April bis October des Nachts, wenn der Mond nicht scheint, 
auf zweierlei Art gefangen wird : entweder mit Senknetzen (Vojge) ohne 
Lockspeise und ohue Licht, oder aber bei Beleuchtung mit dem grossen, 
Sommer-Tratta genannten Schleppnetze. 

Bei letzterem Fang, \velcher innerhalb der Saison in der vierten Nacht 
nach Neumond begiiint und bis zur 24. Nacht dauert, steht der Anfiihrer 
in einem kleinen Fischerkahn, an dessen Vordertheil Kienholz, in neuester 
Zeit Kohle und Acetylengas hrennt, wahrend die 15 Kopfe starke Mannschaft 
und das 100 Meter lange Schleppnetz sich in einem grosseren Boot befinden. 
Das beleuchtete Boot lockt die Fische an einen geeigneten Ort Sardellen- 
posta iind dort werden sie von dem grossen Boote mit dem Netz umzingelt 
und aufs Schiff gezogen. 

Fast alle Sardellen. Auchovi und Makrelen, die man so faugt, werden 
in Barillen (Holzfassern ) eingesalzen und versandt ; nur auf Lesina und 
Lissa verpackt man einen Theil der Fische in Metallschachteln, nach Art 
der Sardinen von Nantes. 

Die Fische sind ortlich von verschiedener Grosse; klein in den seich- 
teren Canalen der Nareiita und Morlacca bei Castelvenier, mittelgross in den 
Canalen von Brazza, Solta, Lesina, Trau, gross bei Eagusavecchia. Meleda, 
Curzola. Lagosta. Lissa u. s. w. 

Ein Fasschen kleine Anchovi enthalt 4000 bis 6000 Stuck und wird in 
Italien fur 6 bis 9 fl. abgesetzt; 2000 bis 2700 mittlere Sardellen (circa 50 Kilo) 
kosten 10 bis 17 fl.. Fasser mit 1600 bis 1700 grossen Sardellen 14 bis 24 fl. 
Urn letzteren Betrag werden auch die Fasser abgegeben, welche 500 bis 800 
gemeine. oder 400 bis 700 mittellandische Makrelen enthalten. 



1 2sach der Darstelluiig Prof. Georg Kolombatovic im Bande 
Dalmatien des AVerkes ,,Die osterreichisch-uiigarische Monarchie in Wort 
und Bild". Siehe aucli .,Die Seefischerei in Osterreich 1873/74 u. s. f. bis 
1893/94" in der Statistischen Monatsschrift Band I. 1875 bis Band XXI. 1895. 



FISCHFANG. 53 

Ein guter Sommerfischfang beschiiftigt yiele Menschen: Unternelimer, 
Fischer, Eiiisalzer, Fassbinder etc. und belebt die KusteiischifFahrt, wie 
daraus erhellt, dass 1875 z. B. 38.000 Fasser gesalzener Fische (davon 22.000 
von Comisa auf Lissa) zur Ausfuhr kamen. Das Geschaft ist jedoch mit 
mancherlei Risico verbunden, da die Auslagen fur Netze, Beleuchtungs- 
Material und Mannschaftssold per Partie circa 1000 Gulden betragen. 

In zweiter Linie von Bedeutung ist der Thunfisclifang, der ebenfalls 
in doppelter "Weise betrieben wird. In Nordwest-Dalmatien bentitzt man wie 
im Quarnero die sogenannten Tonnaren t'voii it. : Tonno = Thunfisch), 
d. h. schrag aufgerichtete Leitern. auf welcheii ein "Wiichter nach der 
Ankunft der Thune auslugt. 1 

Im ilbrigen Dalmatien sind mehr die, grossere Gescliickliclikeit erfor- 
derndeii Thunfiscli-ScbJeppnetze gebrauchlich, welche man Polandara nennt. 

An Bord einer ,,Leuto" genannten Schnabelbarke befiiiden sicli nebst 
dem hochaufgeschichteten, etwa 480 Meter langem Beutelnetze zwolf und 
mehr Ruderer unter Anfilhrung des Capitans, der vom ..Rostro' 1 aus die 
Bewegungen der Tbunfische beobachtet uud natiirlicli deren Antriebe, sowie 
die Seestromungeii und die Einwirkung derselben genau kennt. Moven. 
welche sich gierig auf die von den Thuneii verfolgten Sardellen und Anchovi 
stiirzen (im Winter Lachmoven, im Sommer Silbermoven), kiinden das Nahen 
der Fische und nun werden sofort einige Bootslevite ausgeschifft, welchen 
man ein Ende des Sells anvertraut, wahrend das Boot rasch weiterfahrt, 
um die Thune einzuschliessen. Ist dies gelungen, so werden die aiideren 
Ruderer ausgeschiift, welche das andere Ende des Netzes ergreifen und die 
Polandara gegen das Ufer ziehen, wo gewohnlich schon Bauern zusehen 
und nun zur Hilfe herbeieilen. 

In guteii Jahren fangt man wohl eine Million Kilo Thunfische, die 
zumeist von Kaufleviten in Triest und Venedig auf telegraphischem Wege 
fur 20 bis 40 Kreuzer per Kilo gekauft und mittelst Dampfschiff zugestellt 
werden. 

Mit der Polandara oder einem ahnlichen Migavica genannten Isetz fangt 
man oft grosse Mengen der den Thunfischen verwandten Boniten (Palamis 
sarda), die ein noch schmackhafteres Fleisch liefern. 

Ebenfalls von Bedeutung fur die dalmatinischeii Fischer ist der Fang 
der Meeraschen, Barben und Brassen, der Haie und Eochen, sowie verschie- 
dener Kopffiissler . und Muscheln. (Siehe Capitel ,,Marine Fauna".) Speciell 
den Austernfang sucht die Osterreichische Gesellschaft fur Fischfang und 
Fischzucht durch die Anlage von Austernbanken zu heben; die beriihmte 
dalmatinische Schwammfischerei aber liegt hauptsachlich in den Handen 
der Crappanesen (Dorf auf dem Scoglio Crappano bei Sebenico), welche 
jahrlich zwischen Februar und October 80 bis 90 mit je zwei Mann besetzte 
Ruderboote aussenden und von ihrem Fange etwa 20.000 Gulden Gewinn 
ziehen. 



1 Auch beim Fang anderer Strichfische wie der Meeraschen bei Sabbion- 
cello ist das Ausstellen von "Wachtern gebrauchlich. 



54 ALLGEMEINES UBBR DALMATIEN. 

Die Chioggioteii fischen in den dalniatinisclien Gewassern init schweren, 
von je zwei flachen zweimastigen Segelbooten (Bragozzi) geschleppten Netzen. 
Von November bis April fischen ungefahr 70 Bragozzi (circa 1400 Maim) stets 
paarweise, also mit 35 Netzen in den dalmatinischen Gewassern ; diese 
schicken ihren Fang tlieils auf die dalmatinischen Fischmarkte (mittelst 
kleiner einmastiger Segelschiffe ,,Portolada"), theils, sofern sie ausserhalb 
der Isola Lunga fischen, nach Venedig oder Bom. Andere 70 Paare fischen 
zwischen der aussersten Nordwestgrenze Dalmatiens und Grado, dem oster- 
reichischen Litorale entlang. 

Gegen Ostern pflegen die meisten Chioggioten nach Venedig zurilck- 
zukehren, mit einem Gewinn, den man mit 600 Gulden per Netz veranschlagt 
und nachdem sie wenn auch unabsichtlich der dalmatinischen Fischerei 
mancherlei Schaden dadurch zugefiigt haben, da mit den Netzen auch viele 
Sardellen gefangen werden, deren Eierstocke von Mitte October an schoii 
entwickelt sind. * 

Viehzucht. 

Die Viehzucht beruht in Dalmatien hauptsachlich auf der Weide- 
wirtschaft und leidet miter dem Mangel an Futterpflanzen und geregelten 
Stallungen. Mit der Verminderung der Ziegen hat der Landesculturrath 
gleichzeitig die Verbesserung der Schafrace durch die Einstellung bosnischer 
Zuchtschafe begonnen. Die Kinder sind von kleiner Race und werden meist 
mehr als Arbeits- denn als Fleisch- und nur in der Nahe der Stadte als 
Milchthiere gehalten. Die kleinen Pferde sind, wenn gut genahrt, sehr aus- 
dauernd, neben ihnen spielen die Maulthiere eine grosse Eolle, wie aus der 
Viehzahlung von 1890 hervorgeht, welche die Zahl der Nutzthiere in 
Dalmatien wie folgt ergab : 

Stack 

Pferde . . . 22.903 

Esel, Maulesel und Maulthiere .... 31.112 

Binder . . 92.225 

Schafe .....' 784.813 

Ziegen . . . . . ^ 180.131 

Schweine 40.721 

Bienen- und Seidenzucht. 

Sowohl die Seiden- als, infolge der Verwendung der Bosmarinzweige zur 
Bosmarinessenz-Erzeugung, die Bienenzucht ist in Dalmatien in Abnahine 
begriffen. (Bienenstocke 1890: 12.813 Stuck.) 

Die Production betrug 1896 in Metercentnern : 

Cisleithanien Dalraatien 

Honig 51.623-15 121-66 

Wachs . . 4.238-48 102-96 

Cocons . 19.685-62 351-00 



1 Wegen Fischconserveii-Fabriken siehe Capitel ,,Gewerbe und Industrie". 



SCHIFFAHRT. 



55 



Schiffahrt. ' 

Die in Dalmatian bestelienden ScHffahrtsgesellschaften, ilber welche 
Einiges schon im Capitel ,,Praktische Reisewinke" verzeichnet wurde, sind, 
soweit sie Person en befordern, aus den zu den Abschnitten Triest, Fiume, 
Zara u. s. w. gegebenen Daten ersichtlich. (Siehe die Anhange.) 

Im Ganzen besass Dalmatien 1890 5977 grossere und kleinere Segel- 
schiffe und 8 Dampfer ; Elide des Jalires 1896 hingegen hatte Dalmatien laut 
der statistischen Ausweise des 1898 erschienenen ,,Annuario marittimo" im 
Ganzen 7267 grossere mid kleinere Segelschiffe mit 30.580 Tonnen Gehalt 
und 18.249 Kopfe Mannschaft, sowie 30 Dampfer mit 6214 'Tonnen und 
247 Kopfen Mannschaft. 

Die Bewegung in den 56 Ha fen des Landes gestaltete sich 1895 
wie folgt: 

Einlauf 45.031 Schiffe mit 6.198.301 Tonnen 
Auslauf 44.942 6,195.754 

Hinsichtlich der handelsthiitigen. d. h. mit Ladung ein- und aus- 
gelaufenen Schiffe wurden 1886 fiir Haupthafen der Festlandskiiste nach- 
stehende Ziffern publiciert : 

Einlauf 

Schiffe Tonnen 

Zara 1087 254.057 

Sebenico 1123 198.755 

Spalato 1814 286.366 

Makarska 758 100.734 

Metkovic' 580 52.362 

Gravosa 1096 207.079 

Cattaro 343 95.815 

Nach dem ,,Annuario marittimo" gestaltete sich aber 
der Auslauf folgendermassen : 

Schiffe Tonnen 

Zara 2442 503.224 

Sebenico 2428 324.449 

Spalato 3098 566.799 

Makarska 1125 150.393 

Metkovic 792 92.563 

Gravosa 854 261.342 

Cattaro 996 157.743 

Directe regelmassige Seeverbindungen mit dem Auslande hat Dalmatien 
drei, und zwar eine mit Griechenland liber Albanien und Corfu (Lloyd), eine 
zweite zwischen Zara und Ancona (Navigazione Generale Italiana) und eine 
dritte zwischen Ragusa und Bari (Dampfschiffahrts-Gesellschaft ,,Ragusea"). 
Zur Zeit der Weinernte kommen jahrlich mehrere grosse auslandische 
Schiffe nach Spalato, um Wein zu laden. 



Auslaut 

Schiffe Tonnen 

817 246.172 
196.924 
280.733 
100.080 
48.842 
200.850 
938.53 
im Jahre 1895 



1043 
1462 
720 
505 
939 
267 



Nach einer Darstellung von Ernst Bee her. 



56 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Gewerbe untl Industrie. 

.Die Industrie Dalmatiens 1st erst in Entwicklung begriffen und er- 
streckt sich hauptsachlich auf jene Zweige, welche unmittelbar mit der 
Bodencultur, dem Fischfang und der Schiffahrt zusammenhangen. 

In erster Linie 1st, als specifisch, die Zaratiner Maraschinofabrikatioii 
zu erwahnen, die einen Weltruf hat und jahrlich 1880 Metercentner eines 
wohlschmeckenden Liqueurs in das Ausland exportiert. Doch gibt es aucli 
in Spalato exportierende Fabriken, wahrend die Erzeugung in Sebenico, 
Trau, Lesina etc. niehr ftir den Localbedarf arbeitet. Der Maraschino wird 
aus einer besonderen Art saurer Kirschen (Weichseln) dargestellt, die 
vorwiegend in der Poljica von Spalato und Almissa wachsen. Die entkornten 
Kirschen werden erst einer rnehrtagigen Gahrung unterworfen, worauf 
man der erhaltenen Masse gestampfte stiellose Beeren des Maraskenbaumes 
und eine geringe Dosis Traubenwein zusetzt. Nach der Destillierung versusst 
man die Fliissigkeit mit Eaffinade und filtriert sie sorgfaltig durch Baumwolle. 

Andere directe Verarbeitungen von Naturproducten findet man auf 
Lesina (Herstellung der Eosmariii-Essenz, Aroma della Eegina), auf Lissa 
(Erzeugung ernes Gespinnstes aus Aloefasern), auf Arbe (Verarbeitung der 
Stechginsterfaser zu eiiiem grobeii Gewebe fur Bootsegel. Bettdecken u. dgl.). 

Das nattirlich auch in Dalmatien uralte Mtillergewerbe hat in den 
letzten Jahren durch Errichtung von Dampfmtihlen in Zara, Milna, Gelsa, 
Eagusa (Wassermuhle) und Kombur (Bocche) einen industriellen Anstrich 
erhalten ; die Erzeugung von Fischconserven nahm einen solchen Aufschwung, 
dass zur Zeit in Dalmatien 7, in Istrien 10 Fabriken bestehen. 

Die eigentlich industrielle Thatigkeit erstreckt sich in Dalmatien aut 
die Glasfabrikation (eine Fabrik in Zara), auf die Herstellung sehr schoner 
kiinstlicher Steine und der daraus gearbeiteten Taufsteine, Grabsteine, Vasen 
etc. (Cementfabrik in Spalato und Ziegelfabrikeii in Knin und Eagusa), auf 
die Kupferschmiede (ein Etablissement in Zara uud Spalato), auf die Leder- 
gerberei (ein Etablissement in Spalato und Ombla bei Eagusa), auf die 
Erzeugung von Fischernetzen (Spalato). auf die Weberei (ein Etablissement 
in Sebenico und Spalato), auf die Seifensiederei (Spalato und Eagusa), und 
auf die Glockengiesserei (ein Etablissement in Spalato). In Zara und Spalato 
wird auch die Erzeugung pyrotechnischer, sowie chemischer und pharnia- 
ceutischer Producte betrieben. 

Buchdruckereien zahlt man in Zara 5, in Spalato 3, in Eagusa 2. 

Eine gewisse, namentlich hausindustrielle Bedeutung hat die Erzeugung 
von Nationalkleidern (Cattaro) und der damit in Verbindung stehenden 
Gold- und Silberstickerei, sowie die Herstellung von allerlei Silberarbeiten, 
worin besonders Eagusa excelliert. Die Opanken der dalmatinischen Schuh- 
macher gehen bis in die Hercegovina, nach Montenegro und Albanien. 

Eine specifisch nationale Production ist die in den Bezirken Sinj und 
Imoski betriebene Fabrikation von irdenen Tabakspfeifen und Topfen; den 



Nach einer Darstellung von Eugen Gelcich. 



HANDEL. 57 

in Imoski und Kisano erzeugten Holzpfeifen wird sogar eine gewisse Eleganz 
nachgeruhmt. 

Endlich macht man aus dem Schilf der Narenta-Niederung Matten 
imd Korbe (besonders die Bewohner von Sabbioncello) und dient die Brutta 
genannte Binsenart (Juncus acuta), um Sacke zuin Oelpressen, Siebe, Biirsteii 
u. dgl. zu erzeugen. 

Handel. 1 

In Dalrnatien sind in neuester Zeit durcli die Verbesseruiig der Schiffs- 
verbindungen (Beginn der Lloyd-Dampfschiffahrt 1853), die Herstellung der 
Eisenbahn Metkovic Mostar Sarajevo und die Anlage zahlreicher fahrbarer 
Strassen erfreuliche Ansatze zur Hebung von Handel und Verkehr gemacht 
worden, deren Ausgestaltung aber allerdings nocli von dem Ausbau der 
dalmatinischen Eisenbahnen abhangig 1st. Erst die Einbeziehung Dalmatiens 
in das osterreichisch-ungarische Eisenbabnnetz wird Dalmatien in die richtige 
Verbindung mit Croatien, Stidungarn (Ftinfkirchner Kohlenrevier), Serbien 
und Rumanien setzen und dem Transitbandel mit der Levante jenen Auf- 
schwung verschaff'en, welchen schoii das Factum rechtfertigt, dass Spalato 
nur 1100 Seemeilen von Suez entfernt ist, wahrend die beziigliche Distanz 
fur Triest 1300, fur Genua 1400. fur Marseille 1450 Seemeilen betragt. 

Als Haupthandelsartikel Dalmatiens figuriert der Wein, dessen starkere 
Sorten aus Sebenico, Spalato, Solta und Brazza vornebmlicb nach Ungarn 
und Deutscbland gehen, wabrend die Lissa- und Curzolaweine in Osterreich 
selbst stark consumiert werden. Aucb. innerbalb Dalmatiens besteht in Wein 
ein reger Kiistenverkebr, da die geringere Production der siidlicben Bezirke 
z. B. des Ra3'ons von Cattaro bewirkt, dass bier zu jeder Zeit Trabakel 
erscheinen, die den mitgefiihrten Wein im Grossen und gewissermassen 
als wandernde Weinschenken auch im Kleinen verscbleissen. Als Rtick- 
fracht nebmen sie gewohnlich gedorrte Flussfische aus Montenegro (Scoranze) 
und gerauchertes Hammelileiscb. (Castradina) mit, die in den nordlichen 
Theilen mangeln. 

Von Ol exportiert Dalmatien jahrlicb circa 40.000 Metercentner ; von 
Feigen werden besonders jene Lesinas ausgefiihrt, deren Woblgeschmack mit 
jeuem der Smyrnioten wetteifert; frtibreifende Trauben (besonders aus Selve) 
geben nach Pola, Triest und Wien ; Kastanien xind Kirscben aus der Bocche 
werden in Nord-Dalmatien, Melonen avis Spalato in Siid-Dalmatien, Istrien 
und Triest verkauft. 

Bedeutenden Gewinn zieht Dalmatien aus dem Handel mit Chrysan- 
tbemumbluten (siehe Ackerbau), geringeren aus der Ausfuhr von Lorbeer- 
blattern von den Inseln. Holz wird aus den bestebenden Waldern der zara- 
tiniscben Inseln (besonders von Arbe), ferner von Curzola, Lesina, Lagosta 
und Meleda, sowohl in die Stadte des Landes als nacb Istrien und Venedig 
exportiert. 



Nach einer Darstellung von Eugen Gelcich. 



58 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Die zaratinischen Inseln, Arbe, Pago, Selve, Incoronata, verschicken 
auch sclimackhafte Kase nach dem Festland. 

Aus dem Hinterlande werden Hornvieh und Schafe (letztere auch aus 
Dalmatien) nach Italien, Istrien und Triest verschickt (jahrlich etwa 
100.000 Stiick); auch etwas Honig und (in abnehmender Menge) Seidencocons 
gelangen zum Export. 

Dagegen muss Dalmatien zur Zeit noch fast alle Industrieproducte 
urid ausserdem Brennholz, Getreide und Mehl, Bier Qahrlich 17.000 Meter- 
centner), Alkohol und Branntwein (jahrlich 19.500 Metercentner) importieren. 
Selbst ganz kleine Stadte sind daher als Entrepots fiir ihre Bezirke reich 
an Laden, wie man denn in Cattaro (2000 Einwohner) so viele Handlungen 
findet, dass sie einer Stadt von 40.000 Einwohnern genllgen warden. Ausser 
diesen Laden in den Stadten (und Marktflecken) haben noch die Jahr- 
markte grosse Bedeutung, besonders jene von Salona (8. Sept.), C. Vecchio 
(erster Sonntag Oct.), Primorje (15. Aug.), Arbe etc., welche durch die 
Zusammenkunft der verschiedensten Nationaltrachten der Hinterlande und 
Inseln sehenswert sind. 

Zur Forderung von Handel und Gewerbe wirken in Dalmatien vier 
Banken, zwei Sparcassen, drei Bergwerks- und Landwirtschafts-Gesellschaften 
etc. Speciell dem Handel widmen sich im Lande nur 2 */, Percent der Bevol- 
kerung, und setzen Werte im Belaufe von 16 Millionen Gulden in Umlauf, 
wo von 33 Percent auf die Einfuhr zur See, 8>/ 2 Percent auf die Einfuhr zu 
Lande, 36 Percent auf die Ausfuhr und 22 Percent auf den Transit entfallen. 

Strassen. 
In der Gegenwart. 

Abgesehen von 55 Kilometer schiffbaren Wasserstrassen zahlte Dal- 
matien 1895 2831 Kilometer fahrbare Landstrassen (davon 1043 Kilometer 
Staatsstrassen), die seither bereits neuerdings Vermehrung erfuhren. 

Die Hauptstrassen des Landes sind die von den Franzosen gebaute Strada 
Mediterranea, welche das ganze Kronland der Lange nach durchzieht und 
die Strada Litorale von Zara nach Almissa. Zunachst wichtig ist die 1831 
vollendete Strasse liber den Velebit, welche die kiirzeste Route von Zara 
nach Karlstadt herstellt. (Siehe Ausflug von Obrovazzo auf den Velebit.) 

Nach der Occupation Bosniens entstanden zahlreiche Strassenverzwei- 
gungen, die von Metkovic, Klek, Ragusa, Risano und Cattaro aus in die 
benachbarten Lander fiihren, darunter die Strassen Ragusa Castelnuovo 
Cattaro, Cattaro Cetinje u. a., auf die betreffenden Orts des Naheren 
zuruckgekommen wird. Schon in friiherer Zeit bestand die Strasse Spalato 
Livno; unmittelbar vor der Occupation Bosniens aber fand die Eroffnung 
der 32 Kilometer langen Militarstrasse (Rodicstrasse) Makarska Vrgorac 
statt, welche laut Tafel an der Kreuzung mit der mediterranen Reichsstrasse 
vom Pionnierhauptmann Gustav Blondein unter Mitwirkung des Volkes 
von den Compagnien 18 der Pionniere, 8 und 9 des 2. Genieregiments 
erbaut \vurde. 



BEVOLKERUNGSSTATISTIK. 59 

Diesen Strassen, welchen neuerdings eine sehr interessante, auch fur 
den, Dalmatian besuchenden Bergfreund wichtige, Hochstrasse in der 
Krivosije folgte, erinnern daran, dass wie heute schon vor mehr als andert- 
halb Jahrtausenden in hervorragendem Masse das Militar fur den Strassenbau 
in Dalmatieii thatig war. Einige Andeutungen iiber die antiken Strassen 
Dalmatiens mogen daber bier eine Stelle finden. 

Antike Stpassen. 

Die antiken Strassen Dalmatiens, die sich wahrscbeinlich nach ent- 
sprechenden Umlegungen besoiiders an den Steilen aus uralten Karren- 
und Tragvieh-Routen entwickelten, zeicbnen im Wesentlichen bereits die 
heutigen Hauptrouten vor. und wurden zum Theil schon von den Legionen 
des Statthalters Dolabella ausgefiihrt. welcher in den Jahren 16 bis 20 
n. Chr. im Lande wirkte. 

Die Hauptroute Avar in romischer Zeit die grosse Kiistenstrasse, die 
von Jadera (Zara) liber Scardona und Salona nach Xarona und Scodra fiihrte. 
Ausserdem kam eine grosse Binnenlandroute von Tersatico (Flume) 
beziehungsweise Senia (Zengg) fiber den Velebit nach Clambete (bei Obro- 
vazzo) und Jadera (Zara) und zog von hier iiber Nadinum, Asseria (Podgradje), 
Hadra (Medvidje), Burnum, Promona (Promina). Municipium Magnum und 
Andetrium (Clissa) nacb Salona. 

Von Salona (bei Spalato) zweigte die wichtige Verbindungsstrasse nach 
den Donaulandern ab, auf der man iiber Aequum und den Prolog nach 
Bosnien gelangte, die binnenlandische Strasse aber ftihrte von Andetrium 
(Clissa) weiter iiber Gardun (Arduba?) und Pons Tiluri (Trilj) nach Novae 
(Runovic siidlich von Imoski) und schliesslich nach Bigeste (Humac bei 
Ljubuski) in der Hercegovina. 

Bevolkerungsstatistik. 
Vertheilung der Bevdlkerung. 

Wie aus dem Anhange ,,Flacheninhalt und Bevolkerung" hervorgeht, 
umfasst Dalmatien 12.745 Quadratkilometer (nach einer anderen Berechnung 
12.832 Quadratkilometer). Davon entfallen 10.358 Quadratkilometer = 81-3 
Percent auf das Festland und 2387 Quadratkilometer = 18-7 Percent auf 
die Inseln. 

Die gesammte Bevolkerung zahlte 1880 476.001, 1890 527.426 Kopfe. 
(410.696 = 77-9 Percent auf dem Festlande, 116.730 = 22-1 Percent auf 
den Inseln.) 

Im Durchschnitt leben auf dem Quadratkilometer 41 Menschen ; die 
factische Bevolkerungsdichte schwankt aber schon, wenn man die Bezirks- 
hauptmannschaften vergleicht, zwischen 21 und 62 (Bezirkshauptmann- 
schaften Benkovac und Curzola) und noch grossere Verschiedenheiten ergeben 
sich, wie bereits an anderer Stelle erwahnt, hinsichtlich kleinerer Districte. 

Die territoriale Eintheilung des Landes in 13 Bezirkshauptmannschaften 
(cr. s.: Kotarsko Poglavarstvo, it.: Capitanato distrettuale) und 33 Gerichts- 



60 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

sprengel (cr. s. : Sudbeni Kotar, it. : Distretto G-iudiziale) ist aus dem Anhang 
ersichtlich. Hier sei nur erwahnt, dass man 1890 17 Stadte, 60 Markte und 
812 Dorfer zahlte (letztere ohne die kleinen Eotten oder Nebendorfer) und 
dass die Zahl der Hauser 115.740. die Zahl der Wohnparteien 93.563 betrug. 
Gemeinden gab es 1890 nur 84, doch darunter solche von ausserordentlicher 
Grosse, wie z. B. die Gemeinde Sinj, welche nicht weniger als 934 J / 2 Quadrat- 
kilometer Flache umfasst. Es sind eben hier nur politische (Katastral- oder 
Steuer-) Gemeinden gezahlt, welche sich vielfach nocli in Ortsgemeinden 

theilen. 

Religion. 

Unter der Gesammtbevolkerung zahlte man 1890 439.687 Katholiken 
(83-3 Percent), 87.009 serbisch-orthodoxe Christen 1 (16-5 Percent) und nur 
730 (0-2 Percent) Andersglaubige. Zusammen 527.426. 

Die Katholiken stehen unter dem Erzbisthum Zara (bis 1830 Erzbisthum 
Spalato) und den 5 Bisthiimern Sebenico, Spalato-Makarska, Lesina, Ragusa 
und Cattaro. Zahlreiche Klein- Bis thumer, die zum Theil in die ersten Zeiten 
der christlichen Hierarchic hinaufreichen, wurden nachmals aufgehoben, 
zuletzt im Jahre 1830 die Bisthumer Arbe, Nona, Scardona, Trau, Makarska, 
Stagno und Curzola. Die serbisch-orthodoxen Christen haben Bisthumer in 
Zara und Cattaro. 

Nationalitat. 

In nationaler Hinsicht zahlte man 1890 417.513 Croatenund 90.110 Serben, 
zusammen 507.623 gleich 96-2 Percent der Gesammtbevolkerung, ferner 
16.000 Italiener (3-0 Percent), 2026 Deutsche (0-4 Percent), 1412 bohmisch- 
mahrische Slaven (0*3 Percent), 343 Slovenen (O'l Percent) und 22 Polen. 

Physisehe Besehaffenheit der Bevdlkerung. 

Die Dalmatiner, welche schon den Eomern die vorziiglichsten Soldaten 
und den Venetianern die besten Seeleute stellten Dalmatiner bildeten einst 
auch die Leibgarde des Dogen gehoren noch heute zu den physisch 
bestgewachsenen, grossten und sehnigsten Volksstammen der Monarchic. 
Von 1000 arztlich untersuchten Wehrpflichtigen wurden 1875 229 als kriegs- 
tauglich befunden, ein Percentsatz, mit welchem Dalmatien unter den Kron- 
landern Osterreichs den zweiten Bang einnimmt. Und es wiirde wahrschein- 
lich den ersten Bang einnehmen, wenn nicht die Bevolkerung in einigen 
Sumpfdistricten ungitnstige hygienische Momente aufwiese. 

Von 1000 arztlich untersuchten Wehrpflichtigen, .welche die als Minimal- 
mass vorgeschriebene Korperlange von T55 Meter erreichten, \varen: 
kleinen Schlages (1-551-60 Meter) 93 
mittleren (1-601-70 488 
grossen (tiber 1-70 419; 

auf 1000 Wehrdienstpflichtige grossen Schlages kamen 319 Kriegsdienst- 
taugliche, mehr als in jedem anderen Kronlande. 

1 Serbisch-orthodox = die serbische Fraction des griechisch-orien- 
talischen Christenthums. 



BEVOLKERUNGSSTATISTIK. 61 

An relativer Breite der Schultern gehen die Dalmatiner den Deutschen 
und Czechen Osterreichs voran. haben aber zumeist einen geringeren Brust- 
unifang, was zum Theil ihrer Hagerkeit zuzuschreiben ist. Denn so sagt 
K. Yipauz in ,,Dalmatien" kiiochig, sehnig und knorrig sind die Dalma- 
tiner, und gleichen den windumbrausten Baumen ihres steinigen heimatlichen 
Landes, in welchem sie bei karger Ernahrung, grossen physischen Anstren- 
gungen und Witterungsunbilden trotzen. 

Die Langlebigkeit der Dalmatiner hat schon Plinius in seiner ,,Historia 
Naturalis" (VIII. 48) geruhmt. Heute ist als bezeichnend anzufiihren, dass 
in Dalmatien von je 100.000 Einwohnern 375, d. h. um 100 mehr als in Tirol 
an Altersschwiiclie, dagegen nur 238 (16 weniger als in Tirol) an Tuberculose 
sterben. Hinsichtlicli letzterer Krankheit ist als merkwiirdiges Factum zu 
beachten, dass die Dalmatiner seit alters die praktischen Consequenzen 
ziehen, die sich aus Kochs Bacillen-Theorie ergeben, indem sie den Verkehr 
mit Lungeiikranken nacli Thnnlichkeit meiden. (Folkloristisches liber die 
Bewohner siehe aucli Capitel ..Die Landbevolkerung". > 

Landesverfassung. 

Die Landesverfassung Dalmatiens beruht auf der Landesordnung und 
auf der Landtagswahlordnung vom 26. Februar 1861. Letzterer zufolge 
besteht der dalmatinische Landtag aus 43 Abgeordneten. und zwar dem 
kath.oliscb.en Erzbischof, dem serbisch-orthodoxen Bischof von Zara, 
10 Abgeordneten aus der Classe der Hochstbesteuerten (d. h. Jeuer, welche 
jahrlich iiber 100 Gulden, im Bezirke Cattaro uber 50 Gulden directe Steuer 
entrichten), ferner 8 Abgeordneten der Stadte, 3 Abgeordneten der Handels- 
und Gewerbekammern in Zara, Spalato, Eagusa und 20 Abgeordneten der 
iibrigen Gemeinden. 

In das Abgeordnetenhaus des osterreichischen Reichsrathes entsendet 
Dalmatien 11 Abgeordnete. 

Die Gemeindeverfassung datiert vom 30. Juli 1864. 

Das Landeswappen zeigt drei gekrSiite Leopardenkopfe in blauem Felde. 

Verwaltung, Finanz-, Justiz-, See- und MilitarbehSrden. 

Inhaber der obersten Civil- und Militargewalt im Lande ist der 
k. k. Statthalter, welcher in Zara residiert. Ihm unterstehen ausser den 
Landesbehorden besonders die 13 Bezirkshauptleute. 

Die oberste Finanzbehorde ist die Finanzlandesdirection in Zara, zu 
welcher die Finanzbezirksdirectioneii ressortieren. Die judizielle Hierarchic 
baut sich aus 33 Bezirksgei-ichten (Gerichte I. Instanz) und vier Kreis- 
gerichten (Sebenico, Spalato, Eagusa, Cattaro), und dem Landesgerichte in 
Zara auf, welche dem Oberlandesgericht in Zara unterstehen. 

Centralstelle fiir die nicht militarischen See-Angelegenheiten ist die 
k. k. Seebehorde in Triest, welcher in Dalmatien die verschiedenen Hafen- 
capitanate (Zara. Spalato ftc. unterstehen. 



62 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

Fur die Interessen der Fisclierei wirken die Triester ,,Comrnissioiie 
centrale per la pesca", das unterweisende Organ der Seebehorde, und die 
,,Societa di pesca e piscicultura marittima" (siehe Cap. Fischfang), welche 
unter der Agide der Regierung, namentlich die Hochseefisclierei und die 
Austernzucht fordert. Uberdies bereist ein Fisclierei-Inspector das ganze 
dalmatinische Litorale, um namentlich die Jugendbildner tiber Alles, was 
den rationellen Fischfang betrifft, zu belehreii. 

Die Militargewalt concentriert sich in dem, den Corpscommaiiden der 
iibrigen Monarchie analogen k. u. k. Militarcorumando zu Zara. 

(Wegen Detailangaben iiber einzelne Amter siehe die Capitel Zara, 
Spalato etc.) 

Post und Telegraph. 

Dalmatien zahlt 145 Postamter, voii welchen 90 mit Telegraphenstatioiieii 
verbunden sind. (Lange der Telegraphenlinien 1704 Kilometer.) 

Unterrieht. 

Dalmatien besitzt an allgemeiiieii Bildungsanstalten: 4 Ober- und 
1 Untergymnasium, mit zusammen 1300 Schulern und 80 Professoren ; ferner 

1 Ober- und 1 Unterrealschule mit 360 Schulern und 25 Professoren ; welters 

2 Padagogien mit 230 mannlichen und weiblichen Zoglingeii und 28 Lehrern, 
6 Biirgerschulen (5 fiir Knaben, 1 fur Madchen) und endlich 375 Volks- 
schulen, in welchen 40.500 Kinder beiderlei Geschlechts von 370 Lehrern und 
200 Lehrerinnen unterrichtet werden. 

AnFachbildungsanstalten bestehen: 2 nautische Schulen mit 100 Schulern 
und 15 Lehrern, 2 Curse fiir Landwirtschaft, ein Schiffahrtscurs und ein Curs 
fur Schiffbaukunde, endlich eiii Curs fur Steinmetze. 

Literatur, Kunst, Musik. 

Die Entwicklung darzustellen, welche Literatur, Kunst und Musik in 
Dalmatien genommen haben, fallt ausserhalb des Eahmens dieses Buches. 
Das Topographische ist, soweit "Werke der Architektur, Plastik und Malerei 
in Frage kommeii, in den einzelnen Capitelri angegeben. "Wer sich im 
Zusammenhange zu orientieren wiinscht, muss auf die beziiglichen Fachwerke 
verwiesen werden, unter welchen fiir Deutsche besonders fiinf allgemein 
orientierende Abhandlungen hier erwahnt sein mogen. 

Uber die italienische Literatur in Dalmatien schreibt Adolf Mussa- 
fia; iiber die croatische oder serbische Sprache und Literatur Marcell 
Kusar -- beide im Bande ,,Dalmatien" des Werkes ,,Die osterreichisch- 
ungarische Monarchie in Wort und Bild". Ebeiidaselbst findet sich ein Ex- 
curs iiber Architektur, Plastik und Malerei von Prof. Alois Hauser, 
welcher ,,Die Kunst in Dalmatien" schon frtiher in der ,,Osterreichischen 
Revue" (December 1886, April und December 1887) historisch-geiietisch dar- 
gestellt hat. 

Von der Musik im Lande handelt ein sehr interessanter Aufsatz Franz 
Xavei- Kuhac im Bande ,,Dalmatieii" des oberwalmten Sammelwerkes. 



GESCHICHTLICHES. 6U 

Geschichtliches. 1 
Prahistorisehe Zeit. 

Eine grosse Anzahl prahistorischer Funde, die zur Zeit meist im Museum 
von Spalato aufgestellt sind, lasst annelimeu, dass auch Dalmatien scliou 
zur Steiiizeit bewohnt war. Director Bulic, dessen Darstellung wir hier 
folgen, erwahnt z. B., dass in den Jahren 1885/87 in der Hohle Grabak auf 
Lesina neben menschlichen Schadeln melirere Kriegswaffen von ungeschlif- 
fenem Syenit, Feuersteinmesser, Werkzeuge aus Knochen und Scherben von 
ohne Scheibe hergestellten Thongefassen gefunden \vurden. In der Markus- 
hohle (Markova Spilja) auf derselben Insel fanden sich Pfeilspitzen, Messer, 
Nadeln und "Werkzeuge aus Bein, aber keine Spur von Metallen. Auch auf 
Lissa, Curzola, Ugljan und am Festlande von Xovigrad (Dorf Eazarac) bis 
Sebenico (Tradan-Hohle) wurden neolithische Werkzeuge gefunden. 

Dieser altesten Hohlenperiode folgte dann die Zeit, wo die Menscheii 
in sogenannten Gradina oder GradiSta (it. : Castellieri) wolinten und ihre 
Todten unter riesenhaften Tumuli (Mogile, Gomila) bestatteten. Graber dieser 
Art trifft der Reisende in der Rotna Gomila bei Vrba (zwischen Drnis und 
Mu6), ferner im Bezirke Imoski, in der Primorje, in der Vela Gomila auf 
Velabrdo, zwischen Nerezisce und Dracevica auf der Insel Brazza, auf 
Lesina u. a. 0. 

Illyrisehe und grieehisehe Zeit. 

In der Dammerzeit der Geschichte finden wir Dalmatien von den 
Illyriern bewohnt, die M o m m sen als einen kraftigen Schlag siidlandischer 
Art mit schwarzen Haaren und dunklen Augen kennzeichnet. Es waren 
niichterne, unerschrockene und stolze, aber der Culturentwicklung wenig 
zugangliche Menschen, deren Hauptstamm die zwischen Krka und Narenta 
im heutigen Mittel-Dalmatien sesshaften Dalmatae bildeten. Nordlich wohuten 
libvirnische Stamnie, wie die Hyllier bei Zara, siidlich die Vardaei bei 
Eagusa, die Pirustae um Cattaro, die Taulantier in der Gegend des Scu- 
tari-Sees. 

Unter dieser alten Bevolkerung fanden aber schon friih, namentlich 
an den Ktisten und auf den Inseln phonikische und griechische Colonisationen 
statt. So liessen sich z. B. Syrakusaner um 390 v. Chr. auf der Insel Issa 
(Lissa) und um 385 v. Chr. in dem uralten Pharia nieder, wo noch heute 
ein Cyklopenbau. das sogenannte Gradinathor bei Gelsa, an diese alteste 
Besiedlung erinnert. Spatere griechische Inselansiedlungen erfolgten auf 
Corcyra nigra (Curzola), Melita (Meleda), Ladosto (Lagosta), Brattia (Brazza) 
und Solentia (Solta) ; von Issa aus aber wurden auf dem Festlande Tragurium 
(Trau) und Epetium (StobreC, 6'stlich von Spalato) gegriindet, so dass 
schliesslich eine Reihe griechischer Siedlungen bltihte, von deren Bestand 



1 Vorgeschichte nach Franz Bulic; Volkerwaiidcrungszeit nach Simon 
Butar: Mittelalter nach Josef Gelcich; Neuzeit nach Tullius Erber. 



<)4 ALLGEMEINES UBER DALMATIEN. 

noch heute die aufgefundenen griechischen Inschriften und Mtinzeii (meist 
auf Lesina und Lissa), sowie griechische Vasen und dergleichen Kunde geben. 

In der ersten Halfte des IV. Jahrhunderts v. Chr. fanden Vorstosse 
keltischer Volker statt, indem die Skordisker, welche von den alten Autoren 
ausdriicklich als hochgewachsen und blondhaarig den kleinen dunklen Ur- 
einwohnern gegenubergestellt werden, von den Save-Landern her in Dal- 
matien einzudringen strebten. 

Um 300 v. Chr. anerkennen die urn Eagusa wohnenden Ardiaer unter 
Konig Berdylis die macedonische Herrschaft, machen sich aber spater unter 
Konig Pleurat als Seerauber gefiirchtet und greifen unter Pleurats Sohn 
Agron nicht nur das eigentliche Dalmatien, sondern auch Issa (Lissa) an. 
Als aber nun Agrons zweite Gemahlin, die beruhmte Teuta. Issa vollig 
eroberte, und einen der zwei romischen Gesandten, welche infolge eines 
Hilfegesuches der Issaner am Hofe der Konigin zu Rhizon (Risano) er- 
schienen, todten liess, kam sie mit Rom in Conflict und zog den Kiirzeren. 

Kriege mit Rom. 

Zunachst begniigten sich die eben mit Hannibal im Krieg befindlichen 
Homer mit der Eroberung Issas und der Zerstorung der Stadt Pharos; als 
aber der illyrische Konig Gentius sich mit Perseus von Macedonien verband, 
wurden beide besiegt (168 v. Chr.) und Illyrien siidlich der Narenta wurde 
romische Provinz. 

Die Homer bemiihten sich jetzt, Dalmatien selbst zu colonisieren, mid 
kamen dadurch mit den binnenlandischen Dalmatiern in Conflict, welche um 
ihre Hauptfestung Delminium (Dumno, jetzt Zupanjac bei Duvno in der 
Hercegovina) wohnten. Die Folge \varen jene von 156 v. Chr. an wahrenden 
Feldztige zwischen den Romern und Dalmatern, welche erst im Jahre 33 
v. Chr., nachdem Augustus den Seeraubern von Curzola und Meleda und 
den Liburniern ihre Schiffe weggenommen und die binnenlandischen Dalmater 
bei Promona (Teplju bei Promina) besiegt hatte, mit jenem Frieden endeten, 
welcher die Dalmater verpflichtete, Geisseln zu stellen und Tribut zu zahlen. 

Aber noch war der Freiheitsdrang der Dalmater nicht erstickt. Die 
beiden Bato brachten eine Vereinigung der Pannonier und Dalmaten zustaiide 
und erregten im Jahre 6 n. Chr. jenen gefahrlichen Aufstand, zu dessen 
Unterdriickung Augustus sieben Legionen unter Generalen wie Tiberius, 
Germanicus, Marcus Lepidus und Silvanus Plancius aufbieten musste, ehe 
Tiberius in Rom triumphieren konnte und die illyrische Selbstandigkeit fur 
immer vernichtet war (12 n. Chr.). 

Das Land als r6misehe Provinz. 

Nach der Organisation des Augustus erstreckte sich die illyrische 
Provinz von Istrien und der Save bis zum albanischen Flusse Drinus (Drilo) 
und reichte ostlich tiber Bosnien hinaus. An der Spitze der Verwaltung stand 
der kaiserliche Legat oder Statthalter (Proprator), der anfangs auch die 
beiden in Dalmatien statioiiierten Legionen befehligte, bis diese 60 n. Chr. 
von Galba aus dem Lande gezogen wurden. 



GESCHICHTLICHES. 65 

Unter den Kaisern des II. Jahrhuuderts erfreute sich Dalmatian eiues 
dauernden Friedens. Die Antonine schmiickten Jadera (Zara) und Burnum 
mit prachtigen Gebauden und Tempeln und befestigten Salona, nicht nur 
in den Stadten der Kiiste, sondern auch in jenen des Binnenlandes wurden 
romische Lebensformen herrschend. Die Illyrier selbst traten jetzt mit 
Vorliebe in den romischen Kriegsdienst und zeichneten sich darin so aus, 
dass die illyrischen Duces, welche seit der Mitte des III. Jahrhunderts 
wieder als besondere militarische Befehlsliaber neben den Civil-Statthaltern 
bestanden, wiederholt zur romischen Kaiserwttrde emporstiegen. Claudius 
Gothicus, Aurelianus, Septiniius, Probus, Carus aus Xarona und Andere 
waren solche illyrische Soldateiikaiser: der beriihmteste aber war Diocletian, 
dessen Regierungszeit wie fur das Romerreich im Allgemeinen so auch fur 
Dalmatien epochal wurde. 

Schon vor Diocletian war Dalmatien in drei Conveiitus eingetheilt: 
den von Scardona, welcher das Land nordlich des Titius (Ivrka) oder das 
heutige Xord-Dalmatien unifasste, den von Salona (das heutige Mittel-Dal- 
matien zwischen Krka und Xareiita) und jenen von Xarona, der das Land 
siidlich der Narenta in sich begriff, von welchen aber Diocletian die eigene 
Provinz Pravalitana (siidliches Dalmatien und Xord-Albanien) absonderte. 

In jedem Gebiete versammelte der Statthalter einmal jahrlich die Ver- 
tretung der Burger im Pratorium i Landhaus) und entschied bei dieser Gele- 
genheit als Richter zweiter Instanz liber die Angelegeiiheiten, die schon 
friiher vor die Duumviri oder Stadtvorsteher gebracht worden waren. Auch 
alle iibrigen Civilfunctionare, wie der Finanzprocurator, der oberste Steuer- 
einiiehmer (Comes Comnierciorum), der Verwalter der kaiserlichen Weberei 
und Farberei etc. unterstandeii dem Statthalter und nur die Militarverwal- 
tung wurde von Constantin in Ausgestaltung der Diocletian'schen Reformen 
einein besonderen Magister militum zugewiesen. 

Vorztiglich entwickelt war das Stadteleben. Schon vor Augustus bestanden 
in mehreren Orten Ansiedlungen romischer Kaufleute und hatten andere 
Stadte von altersher ihre eigene Gemeindeverfassung. Diese alteren Gemeinde- 
zustande gestalteten sich nun im Laufe der Jahrhunderte weiter aus und 
fuhrten zu der in alien romischen Provinzen iiblichen Abstufung der Orte 
in romische Colonien wie. Jadera, Salona, Aequum (Citluk bei Sinj),/Narona 
und Epidaurus (Ragusavecchia), in Municipien wie Scardona und in einfache 
Oppida und Tribus. Man kennt heute mehr als 60 Orte in Dalmatien, wo 
romische Biirger wohnten und manche davon, vor allem Jadera, Salona, 
Burnum hatten es dank der Bliite des Landes und der Nahe Roms zu einer 
kunstlerischen Ausgestaltung der Theater, Amphitheater, Bader, Begrabnis- 
platze u. s. w. gebracht, welche weit das iibertraf, was in den romischen 
Provinzen nordlich der Alpen zu tinden war. Auch das Christenthum kam 
in Dalmatien friih zur Geltung hiefiir zeugt unter Anderen die von der 
katholischen Kirche angenommene Messkleidung Dalmatica und fuhrte 
hier unter dem Mitspiel griechischer Einfliisse zu jener eigenthumlichen 
Ausbildung der antikeii Kunst, deren Bedeutung Professor Ha user mit 

Ftllirer durch Oulrnatien. 5 



66 ALLQEMEINES USER DALMATIEN. 

dem Ausspruche charakterisiert, dass der Ubergang von der Antike zur 
friihchristlichen Kunst in Dalmatien studiert werden mtisse. 

Auch an sonstigen. Einrichtungen des Romerthums, wie Wasserleitungen 
und trefflichen Strassen, "war Dalmatien in der Bliite der romischen Zeit 
ungemein reich und welche mannigfaltige Gestaltung, ja welchen Luxus 
das biirgerliche Leben aufwies, kann man noch heute an den im Spalatiner 
Museum aufgestellten Funden ermessen (siehe Capitel Spalato). 

Indessen waren die Einfalle der Gothen, deren erster in die Mitte des 
III. Jahrhunderts zuriickreicht, nach dem Tode Diocletians (313) immer 
haufiger geworden und fiihrten besoiiders seit dem Jalire 375, als auch 
die Hunnenstiirme begannen, wahrend Rom immer ohnmachtiger Avurde, 
den Verfall der antiken Bliite herbei. 

VOlkerwanderung'szeit. 

Durch die theodosianische Eintheilung war West-Illyrien, welches die 
beiden Noricum, Ober- und Unter-Pannonien. Ober-Mosien und Savien, 
Liburnien und Dalmatien umfasste, zu West-Rom geschlagen worden. Doch 
erschien Dalmatien vermoge seiner naturlichen Grenzen auch jetzt als selbst- 
standiges Glied und mehrfach warfen sich hier, wie in Franken und anderen 
Gebieten des romischen Reiches, Heerfiihrer zu Gebietern auf, u. A. im 
Jahre 455 der romische Admiral Marcellinus, ein gebiirtiger Dalmatiiier, den 
der ostromische Kaiser sogar als Konig der Dalmatier bestatigte. 

Eine Periode der Erholung begann fiir Dalmatien, als im Jahre 504 
der Ostgothenkonig Theodorich hier zur Herrschaft gelangte ; doch dauerte 
diese Zeit nicht lange, da alsbald jene zwanzigjahrigen Kampfe anhoben, 
nach welchen Dalmatien in den Besitz der Byzantiner gelangte (537) und 
furder durch die Exarchen von Ravenna, beziehungsweise durch dessen in 
Salona residierenden Capitan (Catapan) verwaltet wurde. 

Das Regiment dieser Capitane mag schlecht genug gewesen sein und 
mag, da 600 bis 614 nicht nur von Steuererpressungen. sonderii auch von 
Mannschaftsaushebungen fiir eiiien Krieg gegen den Perserkonig Chosroes 
die Rede ist, sowohl die romischen Kiistencolonien, als insbesondere die 
hintersassigen eigentlichen Illyrier hart bedriickt haben. Die Folge Avar, 
dass, als zu Elide des VI. und Anfang des VII. Jahrhunderts die von den 
Avaren bedrangten Slaven gegen Dalmatien vorzudrangen begannen, hier 
kein kraftiger Widerstand geleistet wurde, sondern vielleicht sogar wie 
gewohnlich in solcheii Fallen - - eine Partei im Lande das Vordringen 
unterstiitzte. 

Noch zu Ende des VI. Jahrhunderts ist von einem uppigen Leben 
dalmatinischer Pralaten die Rede, wahrend im Jahre 600 Papst Gregor I. 
dem Erzbischof Maximus von Salona sein Beileid liber die von den Slaven 
erduldeten Drangsale ausspricht. Jedenfalls hatteii unter dem feindlichen 
Einbruche der Slaven die reichen italischen Colonien der Ktiste am meisten 
zu leiden, schliesslich aber gieng es, wie in jenen rohen Zeiten begreiflich, 
der ganzen dalmatinischen Bevolkerung iibel, besonders als die auch in 



GESCHICHTLICHES. 67 

Deutschlaiid durch ihre Wildheit beriichtigten Avareii eingriffen. "NVie 
Constaiitin Porphyrogenitus erzahlt, geschah dies hauptsachlich unter dem 
schwacheii Kaiser Heraklius, in dessen Begierungszeit (610640) auch die 
von den meisten Historikern auf das Jahr 639 n. Chr. angesetzte Zerstorung 
Salonas fallt. 

Eben damals giengen auch Epidaurus ^Bagusavecchia) und Bizinium 
(Bisano) zugrunde; doch muss der Ansturm bald voriiber gegangen sein, 
da schon 641 Papst Joliann IV., ein gebiirtiger Dalmatiner, den Abt Johann 
nach Istrien und Dahnatieii schickt, um Reliquien zu sammeln und durch 
Losegeld Gefangene zu befreien. 

Einige allgemeine Bemerkungen zur Frage der Ursassigkeit Oder 
Einwanderung der Croaten. 

Hinsichtlich der Slaveii in Dalmatien, an deren altesteii historischen 
Namen Sklabenoi der byzantinischeii Autoren noch heute die Bezeichiiung 
Biva degli Schiavoni in. Venedig erinnert, mag hier der seit frilhester Zeit 
immer wieder aufgetauchteii Ansicht Kauiu gegebeii werden, dass es sich 
beim Auftreten der Avaren und Slaven in der Geschichte nicht um die 
Einwanderung ganz neuer Volker. soiidern mehr um Vorstosse langst sess- 
liafter aber uiiterdriickter Bevolkerungsschichten handelte, die allerdings 
vielleicht infolge Verstarkung durch zuwandernde verwandte Stamme in 
einen nationalen Aufschwuiig geriethen. 

Wiirden von der dalmatiuischeii Geschichte der letzten Decennien in 
1000 Jahren nur einzelne Fragmente etwa einige Strassentafeln, Zeitungs- 
nunimern u. dgl. kiinden, so koimte der kiinftige Historiker. der iiach 
diesen Fragmenteii urtheilen miisste, leicht auf die Vermuthung gerathen, 
dass sich zwischen den Fiinfziger- und Achtziger-Jahren des XIX. Jahr- 
hunderts in Dalmatien eine machtige slavische Einwanderung und eine 
Vernichtung der bis dahin sesshaften italienischen Elemente vollzogeii habe. 
Und doch ist weder das Eine noch das Andere geschehen, sondern es haben 
bloss infolge Zunahme der allgemeinen Bildung und infolge Autlebens der 
nationalen Idee die die ungeheuere Majoritat bildenden Slaven im Lande 
gewisse Prerogative an sich genommen, welche bis dahin aus der Vene- 
tianerzeit her die kleine italienische Minoritat ausiibte. 

Es hat viel fur sich, auch die Ereignisse entlegener Zeiten nach dem 
zu beurtheilen, was sich uoch heute vor unseren Augeii abspielt. Im Lichte 
dieser Anschauung erscheint die Bevolkerung in fast jedem Lande Europas 
vor Allem als directe Nachkomnienschaft der von Anbeginn, also von der 
prahistorischen Zeit an, daselbst sesshaften Bevolkerungsschichte. Spatere 
Einwanderungen, auch erobernde Scharen, wurden mehr weniger aufgesogen 
und obgleich sich dadurch im Laufe der Jahrhunderte in jedem Lande die 
Bevolkerung vielfach niodelte, so giengen doch alle diese Wandlungen parallel, 
und wenn man ein genaues Bild der urzeitlichen Bevolkerungen Europas 
entwerfen konnte, so wurden sich zwischen England und Frankreich, Frank- 
s' 



68 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

reich und Italien etc., Unterschiede herausstellen, die den lieute obwaltendeii 
homolog sind. Die Landesnatur und die Urbevolkerung, als der getreueste 
Ausdruck der ersteren, bilden das fur alle Zeiten Bestimmende, nicht nur 
in grossen Gebieten, sondern selbst in einzelnen Stadten. Von den Volkern, 
welche in der Steinzeit Nord- und Mittel-Europa bewohnten, stammen der 
Masse nach die spateren Germanen, wie von diesen die heutigen Deutsclien; 
ebenso sind in Ost-Europa die Russen und tlbrigen Slaven. Nachkommen 
der Sarmaten, wie diese Nachkommen der Steinzeitbewohner Ost-Europas. 
Selbst eine so auffallige Volkerinvasion, wie jene der noch heute uber ihre 
Ursitze unklaren Magyaren, ist nicht die Folge einer einmaligen Einwan- 
derung, sondern wahrscheinlich das Resultat von Vermischungen, welche 
hunnische, avarische und magyarische Scharen mit den vorher ansassigen 
Pannoniern eingiengen. 

Auch in den Grenzgebieten kamen - - der erwahnten Anschauung 
zufolge nie vollige Austilgungen der alten Bevolkerungen vor, sondern 
es fanden bloss Schwankungen statt, indem bald die eine Nationalitat, bald 
die andere in nationalem Aufschwunge ubergriff. 

Wie in Frankreich bereits die alten Gallier die Charaktereigenschaften 
der heutigen Franzosen, in Deutschland die alten Germanen den Typus der 
heutigen Deutschen zeigten, so waren auch bei den Volkern der siideuro- 
paischen Halbinselii schon in der Vorzeit die heutigen Typen ausgepragt. 
Die Iberer zeigten in romischer Zeit den Stolz der spateren Spanier, die 
Etrusker waren Vorbilder der durch ihre Heeresorganisation und ihre 
Nutzbauten excellierenden Komer, dereii Talent noch heute in der papstlichen 
Hierarchie fortlebt. Auf der Balkan-Halbinsel endlich zeigt sich schon im 
Momente, wo das Licht der Geschichte aufgeht, die Zertheilung in zahlreiche 
Volker, die sich mannigfaltiger als etwa die italienischen Stamme unter- 
scheiden, weil die Balkan-Halbinsel als Volkerscheide zwischen Europa, 
Asien und Afrika liegt und durch ihre Bodenplastik in scharf gesonderte 
Territorien zeriallt. Die hier autochthonen Traker, Illyrer u. s. w., waren 
offenbar je weiter gegen Norden, desto mehr mit sarmatischen (urslavischen), 
im Westen mit italischen (venetischen), im Siiden und iiberhaupt an den 
Kusten mit griechischen, phonizischen und sonstigen orientalischen Ele- 
menten vermischt. 

Speciell in Dalmatien griffen, wie noch heute, schon in der Urzeit die 
slavische (sarmatische) und italische Nationalitat ineinander und bereits 
das alteste illyrische Volk, dessen Charakterziige von den alten Autoren so 
analog denjenigen der heutigen Dalmatiner geschildert werden, war vielleicht 
dem Blute nach slavisch. Nur im Bereich der Kustenstadte, wo das Idiom 
der gebildeteren, herrschenden Colonen dominierte, fand starkere Vermischung 
statt. Je weiter gegen das Binnenland, desto schwacher wurde die Ver- 
mischung und trug nur als secundarer Factor zu der Sonderauspragung 
der hier herrschenden Slavenstamme bei, welche in der Hauptsache jederzeit 
durch die Natur des Landes, als eines siidlichen, dem Meer nahen Karst- 
landes bedingt wird. 



DIE NATIONALEN HERRSCHER. 69 

Die Vorherrscliaft, welche die Kiistengebiete vermoge ihrer hohen 
Cultur und ihres Reichthums, sowie vermoge ihres Riickhalts bei Rom 
hatten, musste natiirlich schwinden, als Rom selbst sank und mit dem 
abnehmenden Verkehr und Reichthum das Land mehr auf sich selbst an- 
gewiesen war. Xun wurde die numerische tJberzahl entscheidend und unter 
dem schwachen byzantinischen Regime kam die Binnenbevolkerung zu 
Einfluss, die eigentliche Herrschaft aber hieng von den Machtverhaltnissen 
der croatischen und ungarischen Gewalthaber ab. Schon die avarische Inva- 
sion war das rohe Vorspiel des spateren TJbergreifens der magyarischen 
Macht, die nachmals von der Venetianerherrschaft abgelost wurde, ahnlich 
wie diese in neuester Zeit selbst wieder dem nationalen Aufschwunge der 
eingeborenen slavischen Bevolkerung weiclieu musste. 

Die nationalen Herrscher. 

Nach dem Avarensturm erscheint wie viele Historiker sich aus- 
driicken plotzlich eine neue slavisclie Bevolkerung in Dalmatian, oder 
nach obiger Anschauung die Herrschaft geht von dem romisch-byzan- 
tinischen Elemente auf die Croaten ilber. Nur in den Kiisteiistiidten von Zara 
bis Cattaro und auf den Inselii dauert das byzantinische Dominium fort, 
sie bilden das Therna Dalmata, zu dessen Hauptstadt an Stelle des zerstorten 
Salona Zara gemacht wird; alles Binnenland nordlich der Narenta dagegen 
heisst Croatieu und wird von croatischen Zupanen und Gross-Zupanen, 
spater nationalen Konigen regiert. Vielleiclit bestand die ganze Wandlung 
darin, dass Angehorige des. in der romischeii Zeit unterdruckten Volkes die 
Herrschaft an sich rissen, wodann man die croatischen Konige mit einigem 
Rechte als die Wiederhersteller der alten illyrischen Konigsmacht be- 
trachten wilrde. 

In den nachfolgenden Capiteln dieses Buches, welche den einzelnen 
Landschaften Dalmatiens gewidmet sind, wird uberall auf die in vielfacher 
Hinsicht so interessante Zeit der croatischen Herrscher und auch auf die 
spateren Epochen ausfuhrlich Beziehung genommen. Hier mogen daher nur 
die zum Verstandnis jener Detailgeschichten nothigen allgemeinen Grund- 

ziige Raum finden. 

* 

Als das Frankenreich unter Karl dem Grossen seine grosste Aus- 
dehnung erreichte, boten nicht nur die Venetianer, sondern auch die Kiisten- 
Dalmatiner dem neuen westromischen Reiche ihre Unterwerfung an (805), 
umsomehr als Karl seine Herrschaft auch tiber die dalmatinischen Croaten 
ausgebreitet hatte. Auf Venedig und Kiisten-Dalmatien verzichtete jedoch 
Karl schon 812 zugunsten des byzantinischen Kaisers Michael, wahrend 
die croatischen Herzoge Borna und Ladislaus und dessen zweiter Nachfolger 
Trpimir auch weiter die deutsche Oberhoheit anerkannten, wie unter anderem 
daraus hervorgeht, dass die alteste croatische Urkunde, welche uns erhalten 
ist ausgestellt von Trpimir 852 -- nach der Regierung Kaiser Lothars 
datiert. 



TO ALLGEMEINES CJBER DALMATIEN. 

Sild-Dalmatien und insbesondere die Eepublik Eagusa blieb indessen 
factisch unabhangig und die Narentaner trieben wie damals so viele 
Kiistenvolker alsbald dermassen Seerauberei, dass sich Kaiser Ludwig und 
der byzantinische Kaiser Basilius zu gemeinsamer Abwehr riisteten. In der 
Folge beniitzte Byzanz die Zerriittung der deutschen. Kaisermacht, uin seine 
Oberhoheit uber die Narentaner sowohl als iiber die Nachkommen Trpimirs 
in Croatien herzustellen, doch blieb die Abhangigkeit eine nomiiielle und schoii 
Herzog Tomislav, der Sohn Muncimirs, legte sich 914 den Konigstitel bei. 

Inzwischen sank die byzantinische Macht, wahrend die venetianische 
dermassen stieg, dass die Dogen Peter Orseolo II. und Otto Orseolo in den 
Jahren 991 1018 nicht nur die Macht der Narentaner brechen komiten, 
sondern in einem Frieden mit Konig Svetoslav auch die Herrschaft iiber 
das nordliche Kiisten-Dalmatien erhielten, welche sie trotz des Aufstandes 
der Zaratiner im Jahre 1032 einstweilen festhielten, wahrend es Bagusa 
damals gelang, seine Selbstandigkeit zu bewahren. 

In den nachsten Decennien gab es unter den Slaven Dalmatiens religiose 
Zerwiirfnisse wegen der Frage, ob katholische, ob cyrillische Liturgie. Doch 
erhielt sich die nationale Herrschaft bei den in Nona residierenden Konigeii 
Stefan (f 1052), Peter Kresimir und Svinimir, bis letzterer im Jahre 1089 starb. 

Nun wandten sich die lateinisch gesinnten Stadte Venedig zu, desseri 
Doge Vitale Falier den Titel Herzog von Dalmatien annahm; die Croaten 
aber, an ihrer Spitze Lepa Helena, die Witwe Svinimirs, riefen Konig La- 
dislaus von Ungarn herbei (den Bruder der Konigin-Witwe) und bereiteten 
so die ungarische Herrschaft in Dalmatien vor, die sich unter Koloman in 
den Jahren 1102 bis 1113 auch iiber Kiisten-Dalmatien von Zara bis Spalato 
ausbreitete, wahrend Eagusa und Cattaro unter byzantinischem Schutze 
verblieben. ' 

Epoche der Krietje z wisclien Ungarn und Venedig und der ungarischen Herrschaft. 

Natiirlich suchteii die Venetianer das Verlorene wieder zu gewinnen 
und so kam es zu jenen, das ganze XII. Jahrhundert ausfiillenden Kampfen 
zwischen Venedig und Ungarn, in welchen voriibergehend unter Kaiser 
Manuel, f 1180 auch Byzanz und das Haus der Nemanjiden eine Eolle 
spielten. In jener Zeit (1202) ereignete sich der Uberfall und die Zerstorung 
Zaras durch den auf einer Kreuzfahrt befindlichen Dogen Enrico Dandolo, 
auch musste damals selbst Eagusa an seine Spitze einen, aus dem venetia- 
nischen Patriziat erwahlten Grafen stellen und die Oberhoheit Venedigs 
anerkennen, die in der Folge bis 1358 wahrte. 

In die erste Zeit des XIII. Jahrhunderts fallen der Wiederaufbau Zaras 
(unter ungarischem Schutze, obwohl die Stadt alsbald an Venedig kam), 



1 Diese Zeit der croatischen Dynastien in Dalmatien sucht neuestens 
besonders die, iiach dem alten, zwischen Spalato und Trau gelegenen Konigs- 
sitze Bihac, genannte Gesellschaft aufzuhellen, Avelche eine Eevue fur croa- 
tische Archaologie veroffentlicht. Auch besteht zu Knin ein, speciell dieser 
Epoche gewidmetes Museum. 



EPOCHE DER KRIEGE ZWISCHEN UNGARN UNO VENEDIG ETC. 71 

sowie die Unruheii der seerauberischen Almissaner und der Mongolensturm 
(1242), welcher sicli bis Cattaro und Durazzo erstreckte. 

Kaum war die Mongolen-Invasion vorttber, so erneuerten sich die Kampfe 
zwischeii Ungarn iind Venedig, auch gab es Grenzzwiste zwischen Trau 
und Spalato, welche Bela IV. auf dem Landtage zu Vrana nur voriibergehend 
beilegte, und als endlicli zwischen beiden Stadten Eulie war, tauchten schon 
die Thronstreitigkeiten zwischen Andreas III. von Ungarn und Karl II. 
von Neapel auf, in welchen die berilhmten Subic, Grafen von Bribir die 
Rolle der Konigsmacher spielten und bewirkteii, dass nach dem Erloschen 
der Arpaden (1301) Karl Robert von Anjou erst in Dalmatian festen Fuss 
fassen und 1309 die Krone Ungarns erlangen konnte. 

Trotzdem gieng fur Ungarn bald das kiistenlandische Dalmatien an 
Venedig verloren, wahrend sich in Croatien die einander befehdenden 
Grossen die Bribir, die Grafen von Corbavia. die Frangipani (Fraiikopan), 
die Grafen von Veglia und Nilipic, die Grafen von Knin -- so gut wie 
unabhangig von Ungarn ftihlten, aber einen neuen Gegner an dem bosnischen 
Banus Stelan Kotromanovic fanden, der auch mit dem Nemanjiden 
Dusan I. von Serbien in Krieg gerieth. 

Der machtige Aiifschwung Ungarns unter Ludwig dem Grossen brachte 
in den Jahren 1355 bis 1358 ganz Dalmatien von Zara bis Cattaro unter 
Ungarns Scepter, nach Ludwigs Tode aber begannen neuerdings Parteiungen 
im Lande und einer Fraction, welche auf Seite des Kronpriitendeiiten 
Karl des Kleinen von Neapel stand, gelang es sogar, die "Witwe und die Tochter 
Ludwigs (Maria) in ihre Gewalt zu bekommen, und erstere in Kovigrad zu 
ermordeii. Wahrend dieser Zwiste herrschte in Dalmatien factisch Konig 
Tvrtko von Bosnien und auch nach dessen 1391 erfolgtem Tode gelang es 
Konig Sigismund von Ungarn nicht mehr, gegen die Venetianer durch- 
zugreifen, welchen Ladislaus von Neapel, Karls des Kleinen Sohn, seine 
Anspriiche auf Dalmatien abgetreten hatte. Venedig erwarb vielmehr in 
den Jahren 1413 bis 1420 - - das ganze dalmatinische Klistengebiet (der 
friedliche ,,Acquisto vecchio") bis auf das Litorale der Narenta, das zu 
Chulmien gehorte, und Ragusas, das sich erst unter Ungarns Schutz, seit 
1467 aber unter den Tiirken, denen man Tribut zahlte, unabhangig erhielt 
und gerade in dieser Zeit zu seinem hochsten Glanze emporstieg. 

Die venetianisehe Zeit. 

Venedig, das 1479 mit Sultan Mahmud Frieden geschlossen und 1481 
von dem Sohne Stefan Kosafias das Primorje von Makarska und das Narenta- 
gebiet abgetreten erhielt, erklarte damals alle Vertrage der dalmatinischen 
Stadte mit den Handels-Emporien des ostlichen Mittelmeeres fur nichtig und 
nur jene Abmachungen traten in Rechtskraft, welche von Venedig unter- 
zeichnet waren. Ragusa gab nun den Handel mit der Levante auf und 
widmete sich fortaii jenem mit den Kitsten Italiens und Spaniens, wahrend 
die anderen dalmatinischen Stadte auf den Kustenhandel und auf die Auf- 



72 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

gabe beschrankt blieben, den hauslichen Herd gegen die ttirkischen See- 
rauber zu schiitzen. 

Zu der Plage der letzteren, die besonders in Albanien ihre Schlupf- 
winkel batten, gesellten sich nun aber noch die Einfalle der Sandschaks 
von Bosna und Mostar, die bald im Kampfe gegen Venedig, bald gegen 
Ungarn von 1497 an Croatien und Dalmatien zu drangsalieren begannen. 
Allerdings weckten diese Angriffe das croatische Heldenthum und die 
Geschichte hatte Tbaten zu verzeichnen, wie die rubmvollen Vertheidigungen 
von Knin (1522) und Clissa (1522 und 1537). Schliesslich siegte jedoch die 
tiirkische Ubermacht und 1537, acht Jahre nachdem die Tiirken zum ersten 
Mai vor Wien standen, fiel Clissa. so dass die Tiirkenmacht nun fast vor 
den Mauern von Spalato bielt. 

Die Neuzeit batte also fur Dalmatien mit bitteren Leiden begonnen 
und diese stabilisierten sich in der Folge sogar fiir langere Zeit, da Venedig 
ungliicklich gegen die Tiirken kampfte und gezwungen war, das binnen- 
landische Dalmatien an den Sultan abzutreten. Jene einzige Periode in der 
Geschichte des Landes begann, wo ein Pascha auf Clissa seinen Sitz hatte 
und von dort aus das neue Sandschakat verwaltete, wahrend sich da und 
dort tiirkische Moscheen erhoben, die aber heute bis auf die Moscheeruine 
in Drni und einige Spuren des islamitischen Cultus in der Festung Clissa 
verschwunden sind. 

Im folgenden Jahrhundert stand die Tiirkenmacht in ihrem Zenithe 
und Venedig hiitete sich seit 1573, mit dem Halbmond anzubinden. Clissa 
aber blieb noch eine Weile als dalmatinisches Troja viel umstritten. 1596 
eroberten es vorubergehend die Osterreicher und auch in der ersten Halfte 
des XVII. Jahrhunderts stellte sich nur ein verhaltnismassiger Frieden im 
Lande ein. Doch begannen um die Mitte des XVII. Jahrhunderts bereits 
von Dalmatien aus jene Kampfe gegen den Islam, welche dessen Medergang 
einleiten sollten. Wieder giengen die Tiirken angriffsweise vor, indem der 
Pascha von Bosnien 1646 vor Novigrad riickte. Allein in dem venetianischen 
General Foscolo fand er einen tapfern Gegner und 1648 waren ausser anderen 
Orten auch die wichtigen Festungen Knin und Clissa im Besitze der Vene- 
tianer, welche speciell Clissa auch in den folgenden Kampfen behielten. 
Gegen Ende des XVII. Jahrhunderts war die Aufgabe, die Tiirkenmacht 
radical zu brechen, auf Osterreich iibergegangen, das nachdem es 1683 
mit Noth den Feind aus seiner Hauptstadt Wien abgewehrt schon wenige 
Jahre spater die stolze Genugthuung erlebte, den Prinzen Eugen siegreich 
durch Ungarn bis in das Land des Feindes selbst vordringen zu sehen. 
Gleichzeitig operierten auch die Venetianer oder besser gesagt, die unter 
venetianischem Oberbefehl fechtenden Croaten und Dalmatiner siegreich 
und begannen den Kampf auf bosnisch-hercegovinisches Gebiet hiniiber- 
zuspielen. 

Im Karlowitzer Frieden (1699) erhielten die Venetianer zu ihrem alten 
Kiistenbesitze, dem Acquisto vecchio, die Acquisto nuovo genannten, land- 
einwarts gelegenen Gebiete und die neue Grenze verlief nun von Knin liber 



EPOCHE DER KRIEGE ZWISCHEN UNGARN UNO VENEDIG ETC. 73 

Vrlika. Sinj, Zadvarje (Duare), Vrgorac, (3itluk, und von der Sutorina iiber 
Castelnuovo und Risano nach Cattaro. 

Nochmals griff die Tiirkei zu den Waffen, doch behielten der Kaiser 
und Venedig abermals die Oberhand mid der Sultan musste sich zu neuerlichen 
Abtretungeii verstehen, welche als Acquisto nuovissimo jene Grenzen 
von Venetianisch-Dalmatien herstellten, die in der folgenden Friedensperiode 
bis 1797 nicht mehr verandert warden. 

Venetianisch-Dalmatien umfasste seither, ausgenonimen Kagusa und 
Spizza, das ganze, durcli die Enclaven von Klek und Sutorina in drei Theile 
gesonderte Gebiet, aus welchem lieute das Konigreich Dalmatien. besteht. 
Leider war das alternde Yenedig nicht imstande, in dem entvolkerten 
Binnen-Dalmatien, wo die bestandigen Kriege des XVI. und XVII. Jahr- 
hunderts das Volk auf em tiefe.s Xiveau herabgebracht hatten, einen ener- 
gischeu Aufschwung ins "\Verk zu setzen. Eiiizelne Anlitufe zur Besserung 
wurden zwar von den. das Land verwaltenden General-Provveditoren gemacht, 
allein dabei blieb es auch bis gegeii Elide des XVIII. Jahrlmnderts, bis 
das Vorgehen Napoleons gegeii Venedig in Dalmatien ein neues Aufwallen 
der Geister und Gemiitlier hervorrief. 

Wie anderwarts gab es damals in den dalmatinischen Stiidten An- 
hiinger der neuen Ideen (Jakobiner) und Vertheidiger des Alten, die an 
Venedig hiengen, ein Gegensatz, der in Spalato, Trail und Sebenico zu 
ernstlicheu Unruhen fiihrte und gewissermassen die Einleitung zu dem 
grossen Ereignisse bildete, als welches sich der Fall Venedigs fiir das Adria- 
gebiet darstellt. 

Erste 6sterreiehische Periode. 
(17971805.) 

Durch den Tractat von Passerine waren Venedig, Istrien und Dalmatien 
an Osterreich gekommen und schon am 5. Juli 1797 traf General Eukavina 
mit einem Occupationscorps von 4000 Mann in Zara ein, von wo die Besitz- 
ergreifung des Landes bis zu den Grenzen Ragusas ohne Schwierigkeit noch 
im Juli vor sich gieng. 

Auch in der Bocche hatte sich nach einigen Erorterungen mit dem 
montenegrinischen Metropoliten Peter I. und dem franzosischen Contre- 
admiral Bruyes, der bei Calamotta vor Anker lag, die Besitzergreifung 
anfangs October vollzogen und die osterreichische Eegierung konnte nun 
daran deiiken, das Land unter einen Civilgouverneur zu stellen (Graf 
Thun) und seine culturelle Hebung in Angriff zu nehmen. Noch war 
man aber in den ersten Anfangen und kampfte mit den mannigialtigen 
Schwierigkeiten, welche unter Anderen durch grosse, von den Venetianern 
ertheilte Privilegien hervorgerufen wurden (siehe Poljica), da machte der 
Pressburger Friede (1805) der osterreichischen Herrschaft in Dalmatien ein 
Ende und es ruckten im Februar 1806 die Franzosen ein. 



74 ALLGEMEINES USER DALMATIEN. 

Die Franzosenzeit. 
(18061814.) 

Gegen die Franzosen kampften damals auch die Russen und hatten 
sich in der Bocche festgesetzt, wo es zu Zusammenstossen kain, unter 
welchen von Mai bis Juli 1806 besonders Ragusa zu leiden hatte, bis es 
am 5. Juli 1806 in die Gewalt des franzosischen Generals Molitor fiel. Jetzt 
iibertrug Napoleon dem General Marmont das Obercommaiido in Dalmatien 
und ernannte zum Chef der Civilverwaltung jenen verdienten v. Dandolo, 1 
von welchem das im Capitel Literatur iiber Dalmatien erwahnte Promemoria 
iiber die Verhaltnisse Dalmatiens im Jahre 1806 herrtihrte. 

Inzwischen hatten die zur See fortkampfenden Russen den Widerwilleii 
der Dalmatiner gegen die franzosische Herrschaft geschlirt, bis es im Juni 
1807 zu Aufstanden in der Poljica kam (siehe den Abschnitt Poljica), 
welche die Franzosen mit einiger Harte unterdriickten, worauf die Grafschaft 
unter die Bezirke Spalato, Sinj und Almissa aufgetheilt wurde. 

Der Kampf mit Russland endete im Tilsiter Frieden mit dem Verzicht 
der Russen auf die Boccke und da Marmont am 31. August 1808 auch die 
Republik Ragusa fiir erloschen erklart hatte, befand sich nun Frankreich 
im Besitz von ganz Dalmatien bis auf Lissa, welche Insel gleich Lussin 
von den Englandern besetzt gehalten wurde. 

Sowohl Marmont " als Dandolo waren eifrig bemiiht, Dalmatien zu 
heben und hinterliessen so viele Spuren ihrer Wirksamkeit Marmont 
besonders einige Strassen, welche er der, durch die Englander gestorten 
Seeverbindungen wegen bauen niusste dass Kaiser Franz, als er 1818 
Dalmatien bereiste, erstaunt war, auf seine Fragen, wer dies oder jenes 
geschaffen habe, immer wieder zu horen: ,,Die Franzosen, Majestat". Der 
Monarch, der sich im gewohnlichen Verkehr der wienerischen Aussprache 
bediente, soil damals geaussert haben: ,,Wirklich schad', dass s' (die Fran- 
zosen) nit langer blieben sein !" 

In dem grossen Kriege von 1809 errangen die Osterreicher, unterstiitzt 
von den Dalmatinern, die sich ahnlich den Tirolern unter Andreas Hofer 
erhoben hatten, wesentliche Erfolge und besetzten schliesslich bis auf die 
Festungen Zara, Knin und Clissa ganz Dalmatien bis zur Cetina. Der 
Schonbrunner Frieden liess jedoch Istrien und Dalmatien in den Handen 
der Franzosen, welche nun die quarnerischen Inseln mit Istrien vereinigten, 
Dalmatien, Ragusa und die Bocche aber, welche bisher einen Bestandtheil 
des Konigreiches Italien gebildet hatten, dem Generalgouvernement Illyrien 
zuschlugen. 

Jetzt, mit dem Scheiden Dandolos begann fiir Dalmatien eine traurige 
Zeit. Driickende Abgaben wurden eingefiihrt, so dass Scharen Landvolkes 
iiber die Grenzen fliichteten und zugleich hemmten die Englander den See- 
verkehr und brachten den Franzosen am 12. Marz 1812 zwischen Lesina 
und Lissa eine arge Niederlage bei. 

Dandolo war nicht ein Sprosse des beruhmteii Patriciergeschlechtes 
dieses Namens, sondern ein einfacher Burger (Apotheker in Venedig). 



EPOCHE DER KRIEGE ZWISCHEN UNGARN UNO VENEDIG ETC. 75 

Im Jahre 1813 giengen mit den glilcklichen Kampfen der Verbiindeten 
auch rasch zu Erfolg fiihrende Operationen der Osterreicher in Dalmatien 
parallel. Schon am 6. December brachte General Tomaic, dem sich kurz 
vorher Knin ergeben hatte, Zara zur Capitulation. Am 19. Janner 1814 zog 
General Milutiiiovic in Ragusa eiu uiid am 8. Juni fiel auch Castelnuovo, 
welches die Englander den Franzosen abgenommen und an Montenegro 
libergebeu batten, in die Hande des Generals, der am 12. Juni mit der 
Einnahme Cattaros die zweite Occupation der Bocche durch die Osterreicher 
vollendet hatte. 

Noch einmal regte sich in Ragusa der Geist der Bepublik, der "Wiener 
Frieden aber befestigte die Herrschaft der Osterreicher in ganz Dalmatien, 
dessen verschiedene Theile 18K) zu einem Konigreich vereinigt und in die 
vier Kreise Zara. Spalato, Eagusa und Cattaro eingetheilt wurden. 

Osterreiehisehe Herrschaft. 

i;Seit 1818.) 

Seither ist Dalmatien bestandig unter osterreichischer Herrschaft und 
konnte sich auch einer durchaus friedlichen Entwicklung erfreuen, welche 
besonders in neuester Zeit, seit das croatische Element zur Vorherrschaft 
gelangt ist, auch der wirtschaftlicheii und culturellen Hel>ung der breiten 
Volksschichten zua-ute kommt. 



IV. Von Truest (bezuu. Pola) naeh 



Vom Karst herab. 

Zu den. grossartigsten Momenten der Siidenfahrt werden 
wohl immer jene gehoren, wenn man von den Karsthohen in 
die gesegneten Mediterrangefilde herniederfahrt, die sicli im 
Bogen urn Triest herum zur Adria senken. In friiherer Zeit, 
als man noch zu Fuss oder Wagen reiste, war es eine unver- 
briichliche Ubung aller Triestreisenden, im gegebenen Momente 
von der Reichsstrasse abzubiegen und den Obcinahiigel hinan- 
zusteigen, wo sich der erste Seeblick erschliesst, und wo man 
1830 den vielgenannten Obelisken errichtete, dem spater das 
jetzt von den Triester Ausfliiglern gern besuchte Obcinahotel 
folgte. Heute fahrt man mit der Eisenbahn und nimmt sich 
selten die Zeit, die Fahrt vor Triest zu unterbrechen. Man 
ist gewolint im Fluge zu geniessen und findet auch vom Coupe 
aus genug Augenweide. 

Von der fialtestelle Obcina an (27 Kilometer vor Triest) 
haben wir noch eine Weile die mannigfachen Formen des Karst- 
terrains zur Rechten und Linken. Niederwaldchen, die besonders 
in den Dolinen aus Eichen bestehen, wechseln mit von Stein- 
mauerchen umfriedeten Gras- oder Gretreideflachen und mit un- 
cultivierten Strecken, wo noch tausende, von Wacholderbiischen 
umgriinte Gesteinscherben aus dem Boden ragen. Aber schon 
treten, den Stiden andeutend ? einzelne Weingartchen auf, wir 
erhaschen einige Fernblicke auf die weite Niederung bei Mon- 
falcone und plotzlich saust der Zug hallend in ein Defile 
senkrechter Felsmauern, wobei er zugleich scharf aus der 
bisherigen Nordwestrichtung nach Siidosten abbiegt. "Wie durch 



IN TRIEST. <i 

einen Zauberschlag 1st jetzt die ganze Scenerie rings verandert 
und der R-eisende auf ein Gehange versetzt, das zur Rechten 
tief gegen die Adria abstiirzt, die mit eineinmale in Erscheinnng 
getreten ist und ihre blaue Fluten in uniibersehbare Fernen 
wellt. Wie eine Karte ist vor uns die Lagunenniederung 
erschlossen, iiber welche der weisse Kirchthurm von Aquileja 
aufragt, unmittelbar miter der rascli niedersteigeiideii und zahl- 
reiche Schluchten iibersetzenden Bahii aber selien wir das 
Karstgeklippe allmahlich verschwinden mid Gehangen aus 
weicherem Gestein Platz maclien. die anfangs mit hellen See- 
strandkiefern, dann mit Olivenbaumeii mid schliesslich mit 
Weinculturen bedeckt sind. An Miramar fahreii wir iioch in 
ziemlicher Hohe vorliber (links oben haben wir hier das \veiii- 
beriihnite Prosecco) , erst beim Seebad Barcola, ' eiiiem in "Wein- 
gartchen gebetteten Yilleiistadtchen bei Triest, seiikt sich die 
Trace naher zum Meeresspiegel. naclidem langst die Osttheile 
von Triest mit den gegen Istrien gelegenen Bucliten in Sicht 
gekommen sind. Noch einmal verschwindet dann das Bild, um 
vollstandiger wieder aufzutauchen, mit seinem vom Leuchtthurm 
iiberragten Hafengetriebe. dem Buchtenhintergrunde bis Pirano 
und dem amphitheatralisch am Gehange ansteigenden Hausermeer, 
das sich schon von Feme gesehen in den modernen Kiistentheil 
mit grossraumigen Strassen und stattlichen hellen Hauserblocks 
und in die zum Castell ansteigende Altstadt sondert. 

"Wenige Minuten spater halt der Zug am Nordende der Stadt 
und wir treten in die Anlagen vor dem Bahnhof hinaus, wo sich 
das zur Erinnerung an die 500jahrige Zugehorigkeit Triests zu 
Osten-eich von den Triester Bilrgern errichtete und von dem 
beriihniten dalmatinischen Bildhauer J. R e 11 d i 6 ausgefuhrte 
Denkmal erhebt. 

In Triest (Trieste, Trst). 

Wenden wir uns vom Bahnhofe rechts (westlich), so kommen 
wir zum Porto nuovo, dessen machtige Moli durch eineii gewal- 
tigen Wellenbrecher geschtitzt und vom Bahnhofe durch die 
Entrepots des Freihafengebiets getrennt sind. Gehen wir links, 



1 Hier ostlich ober uns in 397 Meter Seehohe der Obelisk von Obcina. 



78 



VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 



so fiihrt uns die Via Pauliana und weiter die Strada vecchia 
bergauf nach Obcina; schlagen wir aber die geradeaus siidlich 
fiihrende Strasse ein und folgen hier der von Miramar kommenden 
Tramway, so leitet uns diese durch die Via della Stazione, wo 
man den interessanten Triester Fischmarkt besichtigen kann, 
in die, auch von der istrianischen Bahn durchzogene Rlva, langs 
des alten Hafens (Porto vecchio), deren Durchwanderung uns 
nicht nur die ganze , gegen Westen schauende Meerfront Triests 
enthiillt, sondern auch mittelst einer Reihe kurzer Abstecher nach 
links die bedeutendsten Bauwerke Triests vor Augen fiihrt. 




TRIEST. 

Wir passieren den 6 Meter breiten Canal Grande, der sich 
500 Schritte weit in die breiten modern en Prachtstrassen der 
Neustadt hinzieht, und erreichen vor dem Molo S. Carlo das 
Teatro Comunale, von welchem - - an der Borse vorbei - - der 
Corso als Grenze zwischen Neu- und Altstadt ostlich zieht. Am 
Anfang der letzteren erhebt sich hinter dem Theater als grosstes 
Gebaude Triests das Tergesteum (Kaufladen, Lesesaal, Mittags- 
borse etc.); weiter abwarts an der Eiva aber erblicken wir den 
1883 von Ferstl erbauten Lloydpalast, der ebenfalls zu den Haupt- 



IN TRIEST. 



Til 



gebauden Triests gehort. Mit dem Teatro Comunale schliesst 
er die Anlagen vor der Piazza Grande ein, in deren Hintergrund 
das prachtige Municipio aufragt und uns gegen die Altstadt 
weist, die zu dem in der Geschichte Triests oft genannten Castell 
ansteigt. (Hier die Kathedrale von S. Ginsto.) 

Wandern wir an der Riva weiter, so thut sich beim Molo 
Giuseppina der Platz gleichen Namens auf und wir spazieren. 
an dem 1874 errichteten hochragenden Standbilde Kaiser Maxi- 




KATHEDRALE S. G I US TO. 

rnilians von Mexico vorbei, zum Museo B/evoltella, das seiii 
einstiger Besitzer der Stadt testirte, sowie weiter auf die Piazza 
Lipsia, wo sich in der Accademia di Commercio e Nautica zwei 
fiir den Fremden hochst interessante Sammlungen finden: das 
stadtische naturhistorische Museum mit interessanter Meeresfauna 
und das stadtische Alterthumsmuseum, welches namentlich durch 
seine Funde aus kiistenlandischen Nekropolen und aus Aquileja 
sehenswert ist. 



80 



VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 



Abermals in die Riva zurtickgekehrt, konnen wir uns vom 
Molo Sartore nach der Spitze des Molo S. Teresa iibersetzen lassen, 
um den Faro (Leuchtthurm) zu besteigen. Folgen wir aber der 
istrianischen Bahn (und Tramway) weiter, so kommen wir 
zwischen dem am Meer gelegenen Artillerie-Arsenal und dem 
links zum Fort S. Vito ansteigenden Stadttheil zur Station 
S. Andrea, wo wir uns schon am Nordrand der Bucht von 
Muggia befinden. Hier zieht der Chiarbola-Hiigel zum Fort 
S. Vito empor und tragt an seinem Untergehange zwei der 
beriihmtesten Etablissements der Stadt: den Stabilimento tecnico 

Triestino und weiter ostlich das 
Lloyd- Arsenal. 

"Wer iiur etwa einen Tag in 
Triest bleibt, wird bei gemachlichem 
Verweilen vor jedem Punkte gerade 
genug zu thun haben, um den skiz- 
zierten Spaziergang durch die Stadt 
und etwa noch den AusfLug nacli 
Miramar oder den Aufstieg nach 
Obcina oder den Spaziergang durch 
das Boschetto (,,Triester Prater u ) 
hinauf zur Aussicht und zur Restau- 
ration Cacciatore (Jager) zu absol- 
vieren. 

Wer laiiger verweilt, sei hier 
auf das billige Doppelheftchen 7B/76 
des Sammelwerkes J? Stadtebilder u 
MAXIMILIAN-DENKMAL. aufmerksam gemacht, welches Triest 

und seine Ausfliige feuilletonistisch 

schildert. Es enthalt ebenso wie das Heftchen Triest" des 
Worl'schen Reisefuhrer einen kleinen Stadtplan. 




Dampferfahrt von Triest nach Pola. 

Von Triest bis Pola sind 59, von hier bis Zara 79 Seemeilen (1 See- 
meile = 1-852 Kilometer). Erstere Fahrt legt der Lloyd-Eildampfer in 4V 4 , 
letztere - - nach 3 / 4 stiindigem Aufenthalte in Pola - in b l |^ Stunden 
zuruck. (Fahrplane siehe Anhang.) 



DAMPFERFAHRT VON TRIEST NACH POLA. 81 

Eilige, welche in Triest schlechtes Wetter treffen und die Seefahrt 
abzukiirzen wiinschen, konnen von Triest bis Pola die Bahn beniltzen 
(138 Kilometer in 3 1 /, bis 4 3 / 4 Stunden, fiir I. Classe fl. 5.36, II. Classe fl. 3.22). 
Siehe Abschnitt ,,Mit der Eisenbahn von Triest nach Pola". 

Die meisten Dampfer fahren morgens von Triest ab, so dass 
sich von dem enteilenden Schiffe das Bild der amphitheatraliscli 
gegen Ost aufsteigenden Stadt, die mit ihren Fliigeln weit gegen 
Westen und Siidosten ausgreift, gewohnlich in seiner ganzen 
Herrlichkeit erschliesst. Und je weiter wir uns entfernen, desto 
mehr entfaltet sich hinter dem Mas'tenwalde des Hafens das 
Hiiusergewirr, und desto besser tritt seine grime Umwallung in 
Erscheinung, die von den Karsthohen oberhalb des Cacciatore 




F I S C H E H B A R K E X B E I TRIEST. 

(Monte Cal, 448 Meter) gegen Nordwesten zieht, als ein vori 
Villen durchsetztes Waldgehange, das sich links in langer Steil- 
flucht gegen die Kiva von Bar col a und Miramar hinabzieht, 
wahrend nach rechts das grosse "Werkstattenrevier Triests zu dem 
Buchtengelande leitet, das sich um die Halbinsel zwischenMuggia 
und Capodistria (Kopar) zu entfalten beginnt. 

So mannigfach und fort wechselnd sind die Ansichten der 
gewaltigen, von 150.000 Menschen bevolkerten Adria-Capitale, 
dass wir fast versaumen, einen Blick nordwarts zu werfen, wo 
sich in 20 Kilometer Entfernung im aussersten Hintergrunde 
des Triester Golfs das Felsenschloss Duino erhebt, oder nach 
Westen, gegen jenes flache Lagunengelande hin, wo vor nun 
2000 Jahren Triests Vorgangerin Aquileja bliihte. 

Fillirer durch Dalmatien. 6 



82 VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 

Hoher liebt sich nun die im Friihling und Herbst gerade 
iiber Triest aufgegangene Sonne und scheint warm auf das Spiegel- 
meer nieder, das sich jetzt auch zur Linken machtig erweitert hat. 
Da liegt das mit dem Land nur durch einen Steindamm ver- 
bundene Capodistria in seiner weiten Bucht, und weiter das 
kleine Isola und noch weiter P i r a n o ' am Nordwestcap des tief 
einschneidenden Golfes, in welchem 1177 der Doge Ziani die 
Flotten Barbarossas, der Genuesen und Pisaner schlug. Im 
Hintergrunde der Bucht beschaftigen die Salinen von Sicciole 
3500 Arbeiter, auf dem folgenden Cap, der als Westspitze 
Istriens geographisch und fur die Schiffahrt wichtigen Punta 
Salvore haust einsam der Wachter eines 36 Meter hohen Leucht- 
thurmes. 

Hier, wo der Curs unseres Dampfers siidlich abfallt, ver- 
schwindet Triest ? die Lagunenkiiste bei G r a d o sinkt allmahlich 
unter den Horizont, und wahrend den ganzen "Westen das schein- 
bar grenzenlose Meer einnimmt, ziehen im Osten die kleinen 
Buchten und noch kleineren weissblinkenden Orte Istriens an 
uns voriiber, liber die sich bereits machtig der Istrien beherr- 
schende Monte Maggiore (1396 Meter) erhoben hat. 

Bis Cittanuova an der Miindung des Quietothals ist die 
Kuste einfach, von Parenzo an aber wird sie von zahlreichen 
kleinen Inseln und Scoglien begleitet, die auch nach Passierung 
des canal- oder fjordartig miindenden Dragacac und iiber Rovigno 
hinaus sich fortsetzen. 

Rovigno ist fast so bevolkert wie Pirano (9662 Einwohner) 
und hat fur den Alterthumsfreund durch seinen im Styl der 
Marcuskirche erbauten Dom Interesse, der - - ahnlich wie der 
Thurm von Parenzo eine Georgsstatue als Thurmkronung 

ein Erzbild der heiligen Euphemia tragt. Neuestens hat Rovigno 
ein Seehospiz fur kranke Kinder (San Pelagio) und eine Station 
des Berliner Aquariums erhalten. Eine Eisenbahn fiihrt von hier 
nach Canfanaro zum Anschluss an die Linie Triest (bzw. 
Divaca) Pola, und auch die meisten Dampfer pflegen in 
Rovigno anzulegen. Nur die Eilschiffe machen eine Ausnahme. 



1 Pirano hat fast 10.000 Eimvohiier und ist nachst Pola die grosste 
Stadt Istriens. In der Nahe das Bad Porto Eose. 



VON TRIEST ZU LAND NACH POLA. 



83 




MAXOVER DER OST.-UXG. ESCADRE. 



L)iese dampfen ohne an- 
zuhalten welter, deni Ca- 
nale di Fasana zu, der 
seit einem halben Jalir- 
tausend kriegsgeschicht- 
liche Bedeutung hat. Hier 

schlugen sich namlich schon im Jahre 1370 Genuesen und 
Venetianer, und hier, zwischen der istrianisclien Kiiste und den 
Brionischen Inseln, sammelte 1866 Tegetthoff seine Flotte, ehe 
er nach Lissa dampfte. Auf den Brionischen Inseln sieht man 
bereits die ersten jener Forts, welche die Umgebung Polas 
bespicken, und dieses zur Seefestung ersten Ranges machen. Auch 
wird es den Dalmatienreisenden interessieren, zu erfahren, dass er 
sich nun bereits in der geographischen Breite des nordlichsten 
Punktes von Dalmatien befindet. Allerdings liegt dieser - - die 
Nordspitze der Insel Gregorio bei Arbe -- 110 Kilometer ostlich 
und wird von uns durch Istrien, den Quarnero, die Insel Cherso 
und den Quarnerolo geschieden. 

Von Triest zu Land nach Pola. 

Diese Bahnlinie zieht vom Bahnhofe in Triest langs der 
Riva siidlich, lasst dann das Lloyd-Arsenal rechts unten liegen 
und steigt - - Prachtblicke auf die Bucht von Muggia und den 
Golf von Triest erschliessend ostwarts zum Karstplateau hinauf, 
das sie nach einer landschaftlich und bahntechnisch hochinter- 
essanten Fahrt bei Station Herpelje erreicht. Wahrend der Auf- 



84 VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 

fahrt hat man eine bedetitendere Hohendifferenz als auf der 
Semmeringbahn uberwunden; nun aber geht es auf der alteren 
von Divaca (Linie St. Peter Triest) kommenden Linie weiter, 
auf welcher auch die den Wien-Triester Schnellziigen angehangten 
directen Pola-Wagen circulieren. 

Die Bahn quert nun den nordlichen Hochrand Istriens, den 

\s 

gegen den Monte Maggiore ansteigenden Cicenboden, auf welchem 
sie ihren hochsten Punkt erreicht (540 Meter). Dann zieht sie am 
Slidrand der ^Tschitscherei" allmahlich ab warts gegen Siidosten 
bis zu der am Fusse des Monte Maggiore liegenden Station 
Lupoglava (395 Meter). ' Hier biegt sie scharf siidwestlich ab, 
erreicht im Foibathal das von der alten Mitterburg iiberragte 
Pisino (Pazin) und senkt sich allmahlich in das wohlcultivierte 
Nieder-Istrien hinab. In Pola fiihrt sie am Amphitheater vorbei, 
und wie in Triest auf die Riva (hier Corso Francesco Giuseppe 
genannt), um unmittelbar auf dem Landungsplatze der Dampfer 
an der Grenze des Kriegshafens ihre Endstation zu erreichen. 

Pola (Pulj). 

In Pola halten das Cattaro -Eilschiff des Lloyd 3 / 4 Stunden, die anderen 
Dampfer 1 bis 2 Stunden. Diese Zeit reicht nicht hin, um dem, nur gegen 
vorher beim Admiralat eingeholte Erlaubnis, zugiinglichen See-Arsenal einen 
Besuch zu machen. Will man nicht bis zur Abfahrt eines nachsten Dampfers 
warten, so muss man sich also an einem kurzen Spaziergange durch die 
Stadt geiiiigen lassen. 

Bekanntlich ist Pola, das gleich Athen und B-om seinen 
urspriinglichen Namen bewahrte, reich an romischen Alterthiimern, 
unter welchen wohl fur die meisten Besucher das gewaltige, an 
die Arena in Verona erinnernde Amphitheater, zunachst von 
Interesse sein diirfte. 

Geht man vom Landungsplatze links am Corso hinauf, so 
kommt man zunachst am Domplatz und an dem freistehenden 
viereckigen Uhrthurm der Domkirche vorbei. Dann folgt die 
grosse, 1876 erbaute Infanteriekaserne und nun steht man alsbald 
in dem, erst vor vier Jahren geschaffenen Stadtpark, hinter 
welchem sich das Amphitheater erhebt. Der gewaltige, aus Kalk- 



1 Von hier fiihrt eine Strasse iiber den 953 Meter hohen Uckasattel des 
Monte Maggiore hiniiber nach Fiume. 



POLA. 



85 



stein aufgefiihrte Bau bildet eine Ellipse von 137' ,/ v Meter Langs- 
und 110' a Meter Querdurchmesser und ragt in zwei Stockwerken, 
von welchen das obere 72 Bogen zahlt, zu einer Hohe von 2-4 Metern 
empor. Es soil auch zu Naumachien (Wassergefechten) ein- 
gerichtet gewesen sein. 

Lasst man sich gemigen, von aussen einen Blick auf das 
machtige Bauwerk zu werfen, und kehrt rasch auf den Corso 
zuriick, so kann man den Spaziergang noch bis zum Municipal- 
gebaude ausdehnen. Das G-ebaude steht auf der Stelle des alten 
Forum und entlialt einen in der Eiickseite noch erhaltenen Diana- 
tempel eingebaut. Eben hier steht auch der Tempel, welchen 




ARENA IN POLA. 

die Polaner zu Ehren des Augustus errichteten, als dieser die 
Stadt zur Hauptstadt Istriens erhoben hatte. 

\Ver einige Stunden in Pola weilt, wird wohl die im Tempel 
aufbewahrten Sculpturen und Inschriften besichtigen. Keinesfalls 
unterlasse man dann den Spaziergang durch die via Sergia zu 
dem reichsculptierten Triumphbogen, den einst Salvia Posthuma 
ihrem Gemahl dem Tribun Sergius Lepidius errichten liess, als 
er siegreich aus Illyrien zurlickkehrte. Der Bogen ist eines der 
besterhaltenen Romerdenkmale seiner Art. 

Yon der Porta aurea siidlich kommt man am neuen Theater 
vorbei in die Anlagen beim Hydrographischen Amt (osterrei- 



86 VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 

chische Seewarte), wo das 1877 errichtete Ktmdmann'sche 
Tegetthoff-Monument an sehr richtigem Platze steht. An die 
Seewarte siidlich schliesst namlich jener Rayon der Marine- 




A TJ G U S T U S T E M P E L. 



kasernen, des See-Arsenals u. s. w. an, der schoii durch seine Aus- 
dehnung einen Begriff von der Entfaltung unserer Marine seit 
Lissa gibt. Vom See -Arsenal ware der kurzeste Weg zum Schiff 



POLA. 



87 



zuriick durcli die Strada Arsenale; wollen wir aber sehen, wie 
das um den alten Capitol- oder Castellhiigel gruppierte Pola 
sich nach alien Seiten ausdehnt (die Stadt zahlt heute schon 




DER TRIUMPHBOGEN DER SERGIUS'SCHEN FAMILIE. 

iiber 32.000 Einwohner), so schlagen wir von der Porta aurea 
die via Giulia ein, die uns wieder gegen das Amphitheater hin 
fiihrt. 



88 VON TRIEST (BEZW. POLA; NACH ZARA. 

Von Pola nach Zara. 

Von Pola nach Zara (79 Seemeilen) iahrt der Eildampfer in 5'/ 4 Stunden. 
Fahrplane siehe Anhang. 

Ein- und Ausfahrt aus dem Hafen von Pola sind in drei- 
facher Hinsicht interessant : einmal durch das Hafenbild selbst, 
das einen Handels- und Kriegshafen unmittelbar nebeneinander 
zeigt und Gelegenheit zur Vergleichung der beidartigen Schiffs- 
typen bietet, dann durch die vom Riesenbau des Amphitheaters 
in eigenthumlicher Weise erganzte Stadtansicht und endlich 
durch die Bekranzung aller Hohen rings mit jener Menge von 
Fortkasernen, beweglichen eisernen Rundthurmen, Seezeichen 




K KIEGSHAFP: x. 



und dergleichen, welche die Attribute einer Seefestung ersten 
Ranges ausmachen. Landschaftlich hat man es bei der Ausfahrt 
hauptsachlich mit der vielgestaltigen, bald felsigen bald begriinten 
Kiiste Siid-Istriens zu thun, die sich schliesslich in jenen, wohl 
ein Dutzend Kuppen zahlenden Hiigelzug zuspitzt, der den flint 
Kilometer langen schmalen Siidsporn Istriens bildet. 

Grleich anfangs griisst zwischen zweien dieser Hiigel das 
Stadtchen Promontore herab, dann kommen wir, an weissen 
obeliskenartigen Seezeichen vorbei, auf die Hohe des Cap Pro- 
montor ? und endlich steuern wir ? den auf rundem Scoglio machtig 
aufragenden Leuchtthurm Porer passierend, wieder in die oiFene 



VON POLA NACH ZARA. 

See hinaus, die im Westen und Siiden ohne Grenzen erscheint. 
Gegen Nordosten zieht weithin die Kiiste Istriens, durch den 
Quarnero getrennt von Cherso, das im Osten fast verdammert, 
bei sehr klarem Wetter aber noch vom Velebit iiberragt wird ; 
gegen Siidosten erhebt sich iiber der Kiistenlinie der Insel Unie 
der Monte Ossero von Lussin. 

In dieser Kichtung steuernd. lassen wir die Insel Unie mit 
ihrem Leuchtthurm auf breiter flacher Halbinsel und weiter die 
kleinen flachen Eilande Gross- und Klein-Canidole links und 




LU8S1NPICCOLO. 

kommen, nachdem wir vom Leuchtthurm Porer her etwa zwei 
Stunden gedampft sind und 30 Seemeilen zuriickgelegt haben, 
auf die Hohe von Sansego und Lussinpiccolo. 

Auf dem Eildampfer hat man die Steilkiiste von Sansego 
gewohnlich ganz nahe rechts (westlich) ; gegen Nord sieht man 
den 10 Seemeilen entfernten Monte Ossero, der uns friiher seine 
Breitseite zukehrte, nun in der Kammrichtung als spitzen Kegel, 
im Osten sind jene Theile der Stadt Lussinpiccolo hervorgetreten, 
die sich vom Grunde ihrer Bucht iiber die vorgelagerte Halbinsel 
erheben. 



90 



VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 



Lussin ist eine fast 30 Kilometer lange Insel, die aus drei 
breiteren. durch schmale zerbuchtete Landstreifen verbundenen 
Theilen besteht : der Nordinsel mit dem 588 Meter hohen Monte 
Ossero, von dessen Aussicht weiland Kronprinz Rudolf entzlickt 
war, dem nachen Mitteltheil mit den reizenden Macchien bei 
Chiunschi, und dem Siidtheil, auf welchem Lussinpiccolo und 
Lussingrande liegen. Der schmale Landstreifen zwischen Mittel- 
theil und Siidinsel ist durch eine vier Kilometer lange Langsbucht 
in zwei noch schmalere Streifen getrennt und von diesen offnet 
sich der westliche in zwei See-Engen gegen das offene Meer und 
lasst die Schiffe eintreten, die dem im siidlichen Hintergrunde 
sich aulbauenden Lussinpiccolo (Losinj mali) zustreben. 

Lussin ist seit Alters wie die Sage will seit Augustus - 
durch seine wackeren Seefahrer bekannt und hat erst in unserem 
Jahrhunderte, dank der Initiative eines einheimischen Arztes, 
der die Bewohner fur gemeinsame Ausriistung von Schiffen zu 
gewinnen wusste, einen solchen Aufschwung gewonnen, dass es 
das einst bedeutendere Lussingrande (Losinj veliki) iibernugelte. 
Auch that sich die Stadt neuestens als AVintercurort auf und 
etablierte ausser einem Hotel mehrere Pensionen. Der Fremde 
ist, wenn er sich in Lussin umthut, zunachst allerdings etwas 
enttauscht. Denn erst wenn er in die ummauerten Garten der 
Stadt Zutritt findet, entdeckt er den reichen Agrumenflor, durch 
den sich Lussin auszeichnet, und zu dem sich auch Johannisbrot- 

strauche, Myrten, Granaten und andere 
Siidengewachse gesellen. Im Garten der 
Madchenschule steht sogar eine weib- 
liche Dattelpalme, welche dadurch in- 
teressant ist, dass sie stets in kiinstlicher 
Weise durch Uebertragung des Pollens 
eines zweiten in Lussin vorkommenden 
Exemplares befruchtet wird. Spaziert 
man aus der Stadt siidostlich in den 
Bezirk der Garten und Felder, so staunt 
man, als Hecken Opuntien verwendet 
zu finden ; auch entdeckt man da und 
LUSSIXGRAN.DE. dort den hohen Fruchtschaft eiiier Aloe. 

MADONNA DEGLI AN G ELI. Anders geartete Bilder, als auf diesem 




VON POLA NACH ZARA. 91 

langs der Ostkiiste bis Lussingrande fuhrenden AVege erhalt man, 
wenn man in entgegengesetzter Richtung in die, allerdings zwei 
Stunden entfernte Macchie hinauswandert, denn da ist noch die 
urspriingliche Mediterranvegetation erhalten. Auch diese gibt dem 
Fremden einen guten Begriff von den Vegetationszaubern des 
6'sterreichischen Siidens, die er im siidlichen Dalmatien in noch 
grosserer Fiille und Uppigkeit wiederfinden wird. 



Nach Lussin passiert der Eildampfer die stidwarts folgende 
Insel Asinello, wo wir von den quarnerischen Inseln Abschied 
nehmen. Denn schon der nachste kleine Scoglio Gruica ist dal- 
matinisch und fortan habeii wir im ganzen Umkreis nur mehr 
dalmatinisches Land und dalmatinische Gewasser. 

Vom Scoglio Gruica nimmt der Dampfer ostsiidostlichen 
Curs in den Canale di Selve, der sich eine Meile breit zwischen 
den Inseln Selve (nordostlich) und Premuda hin erstreckt und 
als das Propylaion der zaratinischen Inselwelt gegen Nordwest 
betrachtet werden darf. Hier hat man anfangs noch freie Aus- 
blicke gegen Westen in das offene Meer ; gegen Osten aber 
beginnt bereits deutlicher der Velebit in Erscheinung zu treten, 
das Wahrzeichen Festland-Dalniatiens, das nun imrner naher 
riickt und den grossen Osthintergrund des Panoramas bildet, 
wie dieses auch wechseln mag. 

In Wirklichkeit trennen uns vom Velebit. in West-Ost-Rich- 
tung die Insel Selve, der Canal Ulbo, die Insel Ulbo, der Quarnerolo, 
die Insel Maon, der Canal Maon, die Insel Pago und der Canal 
Morlacca (Montagna), eine geographische Thatsache, die man 
beachten muss; wenn man in der sich nun entfaltenden grossartigen 
Insellandschaft nicht jede Orientierung verlieren will. 

Eine Reihe von Riffinseln, die uns zum erstenmale mit dem 
Namen n Pettini" vertraut machen, bezeichnet die Grenze des 
Canale di Selve und kaum sind wir ihnen entlang gedampft, so 
befinden wir uns schon inmitten sehr veranderter Scenerie. Weithin 
flutet jetzt das Meer gegen Osten, wahrend sich westlich vor 
die See Inseln vorzulegen beginnen: Skarda, Isto, Melada, so 
dass wir, in die breite Mitte des Canals von Zara gelangt, nun 
plotzlich wie auf einem Riesensee uns befinden, der rings zwischen 



92 VON TRIEST (BEZW. POLA) NACH ZARA. 

Inseln und Inselfluchteii weithin ausgreift und uns mit einer 
fast verwirrenden Complication des Landschaftsgemaldes umgibt. 

Isto und Melada im Slidosten und Siiden, die Pettini im 
Westen, Selve und Ulbo im Nordwesten, Scoglio Planik und 
Maon im Norden, das machtige Pago iiberragt vom Velebit im 
Nordosten, Puntadura, die Inselfortsetzung der zaratinischen 
Niederung im Osten, alle diese in Form, Hohe und Farbe so 
mannigfaltigen Gestade sehen wir im Umkreis gruppiert auf ein- 
mal, oft in wundervollen Beleuchtungseffecten, an welchen auch 
das Meer theilnimmt. Denn wie sich die Flut so oft vom 
dunklen Stahlblau des Morgens in der Lichtsattigung des Tages zu 
herrlichem Himmelblau umwandelt, so beginnen auch gegen 
Abend regelmassig die wunderbarsten Farbenspiele, ehe sich das 
nachtliche Grau auf die Wasserflache niedersenkt. 

Indessen dampft das Schiif unablassig welter, gerade in der 
Rlchtung, wohin sich die Wasserflache am weitesten erstreckt, 
gegen Zara hin. Schon ist Puntadura in unserem Riicken und hat 
zur Linken dem dalmatinischen Festland Platz gemacht; nun 
bleibt im "Westen Melada zuriick und macht der Insel Sestrunj 
Platz, welcher im Zara-Canal kleine Scoglien vorgelagert sind, 
wahrend sich -in ihrem Riicken, jenseits des inselreichen Canals 
di Mezzo, die Isola Lunga erhebt. 

Deutlich tritt jetzt bereits die von Siiden wie von Norden 
enorrn weit sichtbare Hauptstadt Dalmatiens in Erscheinung und 
bildet eine kleine weisse Zeile an der griinen Flachkliste, iiber 
der weit ostlich, bald im Alpengliihen, bald im geisterhaften Weiss 
der Velebit aufragt. Und immer naher riickt diese Festlands- 
kiiste, immer naher von Westen her der ortschaftenreiche Strand 
der Insel Ugljan, so dass sich der Canal von Zara allmahlich 
verschmalert, bis er zwischen S. Eufemia auf Ugljan und Zara 
nur mehr die Breite von vier Kilometern aufweist. 

lieges Leben herrscht nun auf dem SchifFe, wo sich die 
Mannschaft zur Landung riistet, und die Passagiere auf Deck 
eilen, wie um das Pendant zu der auf der Biva versammelten 
Menschenmenge zu bilden. Rings um uns aber hat sich das 
charakteristische Stadt- und Umgebungsbild von Zara entfaltet : 
erst die griine, weit von Norden herabkommende Kiiste, die sich 
beim alten Hafen plotzlich durch die Bader, die in Grim gebet- 



VON POLA NACH ZARA. 93 

teten Maraschinofabriken und das Gewirr kleiner Schiffchen belebt, 
dann die Stadtmauern mit ihren griinen Partien und dahinter 
Alt-Zara, iiberragt vom Domthurm, und endlich die neue Riva 
mit ihreii grossen sauberen Hausern, an welchen der gewaltige 
Doppelschraubendampfer nun sachte beilegt, um sich an das 
Quaderufer anzuschmiegen. Noch ein Blick rtickwarts auf Ugljan, 
dessen liochgelegenes Castell S. Michele in so eigenartiger Form 
gegeri Himmel ragt, dass es mit zu den Wahrzeichen Zaras 
gezahlt werden muss, noch ein Blick auf die im Abendschein 
geisterhaft weiss drauende Kette des Velebit und wir verwandeln 
uns aus Seemannern wieder in Landratten, um unsere Streifziige 
in Festland-Dalmatien zu beginnen. 



mi 



i 



V. Von Fiume naeh Zat*a. 



Vom Karst herab. 

Wie nach Triest fiihren auch nach Fiume zwei Schienen- 
wege vom Gebirge nieder, der Siidbahnniigel St. Peter Fiume 
vom krainisch-istrianischen und die Fiume Karlstadter Bahn 
vom croatischen Karste. 

Erstere Linie (St. Peter Fiume, 63 Kilometer) bildet fur die 
von Wien oder von Budapest iiber Pragerhof oder von Agram iiber 
Steinbriick kommenden Reisenden die Endstrecke ihrer Eisen- 
bahnfahrt und ist in mehrfacher Hinsicht 'hochinteressant. Von 
St. Peter her passiert man namlich, wahrend zur Linken der 
hochste Gipfel des Krainer Karstes, der von Prachtwaldern 
umgiirtete Krainer Schneeberg (1796 Meter) allmahlich in den 
Hintergrund tritt, eine ungemein abwechslungsreiche Karst- 
landschaft, in welcher das typische Karstklippenterrain, das 
iibrigens schon vielerorts, auch bei St. Peter, durch Aufforstungen 
an Ode verliert, - - von Eocangebieten unterbrochen wird (bei 
Kiillenberg, Dornegg-Feistritz), wo man von weitem Horizont iiber 
fruchtbare Gelande, von Schluchten mitWasserchen undWaldchen, 
von griinen Feldern und Wiesen iiberrascht wird. Dann geht es 
allmahlich in den Kiistenkarst herab, in jene Regionen, wo die 
Anzeichen des Stidens beginnen, und von Epheu umflochtene 
Steine und Baumstamme, immergrune Brombeerstrauche, griine 
Schneerosen und dergleichen auf den iiberraschenden "Wechsel der 
Scenerie vorbereiten, der sich vor der Station Matulje-Abbazia 
vollzieht. 



VOM KARST HERAB. 95 

Hier eroffnet sich dem Fahrenden plotzlich ein Ausblick auf 
die meist ruhige Wasserflache des Quarnero, der Bucht von Fiume, 
den in duftiger Feme die Inseln Veglia und Cherso a.bschliessen, 
wahrend sich westwarts das grime Gestade der istrianischen Kiiste 
hinzieht, aus welchem die Orte Volosca und Abbazia mit ihrem 
Sauni von Villen hervorleuchten. Scharf hebt sich iiber den 
dunklen. dichten Lorbeerwald, der bis zu 200 Meter Seehohe 
iiber Abbazia ansteigt, die folgende Region des Eichwaldes und 
des Karstgebietes mit seinen Weinculturen ab, welche bis zu 
dem auf 500 Meter hohem Bergkegel thronenden Veprinac reichen. 
Noch hoher aber schwingen sich, aus Buchenwaldern die Fels- 
mauern des Monte Maggiore (1396 Meter; empor, der als Beherr- 
scher Istriens zum Meere niederschaut. 

Angesichts dieses Bildes senkt sich die Bahii \vie vor Triest 
in ostsiidostlicher Richtnng dem Meere entlang (Matulje liegt 
noch fast 200 Meter hoch), der Zug donnert durch zahlreiche Fels- 
einschnitte, und schliesslich fahreii wir an der AVhi t ehead'schen 
Torpedofabrik, an der grossen Petroleumraffinerie beim Petroleum- 
hafen und an der Reisschalfabrik voriiber in den gemeinschaft- 
lichen Fiumaner Bahnhof der Sudbahn und der ungarischen 
Staatsbahnen ein. 



Die ungarische Staatsbahnstrecke Budapest Fiume (604 Kilo- 
meter) zieht iiber Agram und Karlstadt und steigt gerade in 
ihrer Endstrecke so betrachtlich in die Region des croatischen 
Karstes empor, dass sie zwischen den Sommerfrischenstationen der 
Fiumaner (Delnice-Lokve-Fuzine) im Sleme-Tunnel Semmering- 
hohe erreicht (879 Meter). Hier befindet man sich im Bereiche 
herrlicher kiihler Nadehvalder, dann aber geht es durch wilde 
Karstgelande in zahlreichen Serpentinen, die der Seefahrer weit 
draussen im Quarnero an ihren glatten Aufmauerungen erkennt, 
nach Buccari (Bakar) und Fiume nieder, wobei sich dem Reisenden 
ein Gebirgs- und Seepanorama entrollt, das im ganzen Bereiche 
des Quarnero nur von der Rundsicht auf dem Monte Maggiore 
iibertroffen wird. 



96 



VON FIUME NACH ZARA. 



Fiume (Rijeka). 

Vom Fiumaner Bahnhof tritt man in die Corsia Deak hinaus 
und spaziert hier unter Platanen rechts, an der Tabakfabrik und 
am Hotel Deak voriiber, wo man die Karlstadter Bahn iiberschreitet, 
auf die Piazza Zrinyi, die seewarts von dem machtigen Gebaude 
der ungarischen Seebehorde begrenzt wird. Von hier fiihrt die 
Riva Szapary entlang jenes ostlichsten Theiles des langgestreckten 
Hafens, in welchem zwischen dem Molo Zichy rind dem kleinen 
Molo Adamich die Personendampfer vor Anker liegen. 




FIUME. 

Wandern wir bis zum Molo Adamich, so offnet sich links die 
Piazza Adamich und fiihrt uns, zwischen Hotel Europa und 
Cafe Europa auf den Corso, der die seewarts gelegene Neustadt 
von der engen, gleich Alt-Triest bergwarts emporziehenden Alt- 
stadt Fiumes trennt. Wendet man sich dann am Corso einer 
breiten schoiien Strasse mit vielen eleganten Laden links, und 
folgt dem Menschenschwarm, so kommt man an dem Palais des 
Gouverneurs voriiber und liber die Piazza, Zrinyi wieder in die 
Corsia Deak. Spaziert man aber rechts, so erblickt man bald zur 
Linken den Uhrthurm, durch dessen Thor ein Gasschen in die 
Altstadt auf die Piazza dell 1 Erbe fiihrt und kommt weiter zum 



Pianta della citta di 

Plan ( 




Kartogr. Anstalt v. G. Freytag & Berndt, Wien. 



ira, Tloris grada Zadra. 

Stadt Zara, 




Entworfen und gezeichnet von W. v. Klatecki. 



FIUME. 



97 



Sparcassagebaude, wo man scharf nach rechts in die Via Mercato 
abbiegen muss, wenn man die Fischhalle besichtigen will. 

Von der Fischhalle tritt man zu dem sogenannten Holzhafen 
hinans und sieht gegen "Westen hin den 1070 Meter langen Molo 
Maria Teresa ziehen, welcher als ein Riesenwellenbrecher den 
Fiumaner Hafen gegen die Fluten des Quarnero abschliesst. Er 
gehort mit zu den grossartigen Anlagen des Porto nuovo, welche 
die ungarische Regierung mit einem Aufvvande von iiber 13 Millionen 
Gulden herstellen liess, wobei zugleich 290.000 Quadratmeter Grund 
dem Meere abgewonnen wurden. 

Hier wie iiberall an der Riva erschliesst sich ein Prachtblick 
iiber das Hafengetriebe, einen Theil der Stadt und den Quarnero 
bis zum Monte Maggiore hin, und wir verweilen gern ein Weilchen, 
ehe wir uns ostlich, dem sogenannten Fiumaner Canal zuwenden, 
an dessen Ufer wir nun landeinwarts spazieren. Wir kommen da 
an dem schonen neuen Theater vorbei und auf die Piazza Scarpa, 
in deren Nahe sich die aus dem XVII. Jahrhundert stammende 
Donikirche erhebt ; rechts hingegeii iiber dem von kleinen Fahr- 
zeugen erfiillten Canal sehen wir die weiten Holzplatze, die sich 
bis zu der, Fiume von Susak trennenden Fiumara (Rjecina) hin- 
ziehen. Endlich kommen wir an diesen Fluss selbst, bei einer 
Briicke, iiber die man zum Tersatto-Weg hiniibergelangt , und 
sehen nun in das interessante Thai hinab, das eine tiefe Furche 
bildet. Es birgt in seinem Grunde, nahe einer grossen Papier- 
fabrik den sehenswerten Zvir-Ursprung. 

Ober dem rechten Steilufer fuhrt der vorerwahnte Treppen- 
pfad zu der beriihmten Wallfahrtskirche Tersatto (Trsat) hinauf, 
welche den antiken Namen Fiumes (Tersatico) bewahrt ; am linken 
(westlichen) Ufer des Flusses erhebt sich der mit terrassierten 
Garten und zahlreichen Hausern bedeckte Calvarienberg, an dessen 
Gehange die Karlstadter Bahn, ehe sie die Fiumara iiberschreitet, 
in einem langen Tunnel den, nahe der alten Festung gelegenen 
Park des Erzherzogs Josef unterfahrt. 

Bis hieher mag seinen Spaziergang ausdehnen, wer der 
Besichtigung Fiumes nur ganz kurze Zeit widmen will. 
Wiinscht man dann nach Abbazia oder Buccari zu fahren, so 
kehrt man zum Molo Adamich zuriick, von wo die Localschiffe 
abdampfen. 

Fahrer durch Dalmatien. 7 



98 



VON FIUME NACH ZARA. 



Abbazia (Opatija). 

Abbazia diirfte fur die meisten Reisenden unter den Aus- 
fliigen, zu welchen von Frame aus Gelegenheit 1st. an erster 
Stelle stehen. Denn von dem schonen Erdenflecke, welchen im 
XIV. Jahrhundert die Benedictiner auserkoren, urn die Abtei 
(Abbazia) San Giacomo zu errichten, ist ja 1882 - - Dank den 
Anregungen des Reiseschriftstellers Noe mid der Initiative des 
friiheren Generaldirectors der Siidbahn, Friedrich Schiller - 
jener Aufschwung der Adriakiiste ausgegangen, welcher darauf 




ABBAZIA. 

abzielt, die herrlichen Gestade bis nach Cattaro hinab in eine 
Riviera von Fremdenstationen fiir alle Jahreszeiten nmzugestalten. 

Eine reizende Seefahrt, welche erst das Hafenbild von Fiume, 
dann die noch einsame Nordkiiste des Quarnero bis zur rothen Fels- 
bucht von Preluka und zu dem alterthiimlichen Orte Volosca 
erschliesst, bringt in einer Stunde zu dem kleinen Hafen von 
Abbazia hiniiber, wo man direct von der klippigen Kiiste hinweg 
das Promenade-Centrum des Weltcurortes betritt : den 1844 von 
Hitter v. Scarpa angelegten Park, dessen exotische Gewachse 
sich seither zu sehenswerther Grosse herangewachsen haben. 

Im Park steht die Villa Angiolina, die schon 1830 von 
der Kaiserin Maria Anna, und in den Achtziger-Jahren vom Kron- 



EILFAHRT FIUME ZARA. 99 

prinzen Rudolf, sowie seither wiederholt von der Kronprinzessin- 
Witwe Erzherzogin Stefanie bewohnt wurde ; dann kommt man 
am Seebade voriiber zum altesten der grossen Siidbahnhotels 
(Quarnero) und zum alien Kirchlein San Griacomo, und nun erblickt 
man jenseits prachtiger Anlagen das Haupthotel Stefanie. 

An das Hotel reihen sich Dependancen und Yillen entlang 
der Landstrasse, die bergseitigen meist bis an den Lorbeerwald 
reichend, der sich von Nord nach Siid etwa I 1 , Kilometer erstreckt 
und vermoge dieser Ausdehnung das Hauptcharakteristikon 
Abbazias bildet. In diesem Walde, dessen rothliche Stamme aus 
einem dichten Unterholz von allerlei Gestrauch, besonders roth- 
fruchtigem Mausedorn aufragen, wahrend sich die Kronen zu 
einem dichten immergrtinen Laubdach verschlingen, spaziert man 
bergan und durch den Eichwaldgiirtel in die Region der Wein- 
garten und Kastanienwalder von Veprinac empor, wenn man eine 
Prachtschau uber die Riviera von Abbazia und den Quarnero 
geniessen und von dem Landwirte und meteorologischen Beob- 
achter Blagar mit einem der besten Tropfen Istriens gelabt 
werden will. Weiter kann man von da zum Kronprinzessin 
Stefanie-Schutzhause und auf den Monte Maggiore wandern. In 
Abbazia selbst bieten die beiden Strandwege der nordliche bis 
Volosca, der sudliche bis Ika - - jene Reihe von Strandscenerien 
und eleganten Villenbildern, welche mit Vorstellungen von blauem 
Himmel und Lorbeerduft verbunden, eben den modernen Begriff 
Abbazia " constituieren. ' 

Eilfahrt Fiume Zara. 

84 Seemeilen a T852 Kilometer. Fahrplane siehe Auhang. 

Der Eildampfer der Ungaro-Croata steuert von Fiume direct 
siidlich in den Quarnero, so dass man schon nach einer halben 
Stunde das Land rings in betrachtlicher Entfernung sieht, und 
die Landschaft in ihren grossen Ziigen zu erfassen vermag. 

Am Nordrande des Quarnero bleibt lange Fiume der feste 
Punkt der Betrachtung und Orientierung. Doch entfaltet sich 



1 Naheres iiber Abbazia findet man in dem treftlichen von J. Eabl und 
A. Silberhuber verfassten Abbaziafuhrer des Osterreichischen Touristen- 
clubs; ferner in C. Schuberts ,,Der Park von Abbazia". Bei Besteigung 
des Monte Maggiore ist Mitnahme des Silberhuber'schen Panoramas zu 
empfehlen. 



7* 



100 



VON FIUME NACH ZARA. 



ungemein rasch die ganze Nordkiiste und alsbald nach Entwick- 
lung der Kiisteiizone erhebt sich die machtige Kette vom Kramer 
Schneeberg bis zum Risnjak iiber den Horizont. Sie bildet das 
Bindeglied zwischen dem von Anbeginn der Fahrt an fesseln- 
den Monte Maggiore (Ucka) im Westen und den croatischen 
Gebirgen (Kapela) im Osten, lauter Bergerscheinungen, die 
besonders vom Spatherbst bis znm Mai, wenn ihre Hocbregioneii 
in blendender Schneepracht zum Meer niederblicken, einen fasci- 
nierenden Anblick gewahren. 




DAS VELEBIT-GEBIRGE VON QUARNEROLO GESEHEX. 

In der Vorschau nat man vom Moment der Abfahrt an 
Veglia und Cherso, und sieht beide Inseln in dem Masse, in 
welchem sie aus dem Nebelgrau der Ferae tauchen, ihre Con- 
touren deutlicher enthiillen : Veglia, die breite Flachinsel, ihre von 
der Brandung zernagten nordlichen Halbinseln, Cherso, die lang- 
gestreckte Gebirgsinsel, ihre bebuschte Steilkiiste, an welcher 
ebenso wie weit driiben an der istrianischen Kiiste zahlreiche 
Flecke von Terra rossa auffallen. Uberhaupt erscheint Cherso 
als ein einziger langer, vom Monte Syss (638 Meter) dominierter 
Gebirgszug und bietet dem Auge noch weniger als die Kiiste 
von Cherso den Anblick interessanter grosserer Orte, so dass sich 
der Beisende ganz der Betrachtung des grossen nordquarnerischen 
Dioramas hingeben kann. 



E1LFAHRT FIUME ZARA. 101 

* Die Meerenge zwischen Veglia und Cherso heisst der 
istrianische Canale di Mezzo und 1st dort, wo sich der westlichste 
Theil von Veglia dem Monte Syss auf Cherso nahert, nur 5 Kilo- 
meter breit. Indem wir sie durcheilen, sehen wir im Siiden die 
unbewohnte Insel Plavnik mit mehreren Riffscoglien so nahe 
an Cherso, dass auf dieser Seite nur ein etwa kilometerbreiter 
Canal zur Durchfahrt in den Quarnero bleibt. Kaum in diesen 
hinausgedampft, entrollen sich gegen Osten Bilder echt quar- 
nerischer Art und Grossartigkeit. Langsam entwickelt sich 
namlich die in Buchten zerrissene kahle Siidkiiste von Veglia und 
zugleich sehen wir die ahnlich gestaltete Kiiste der noch wald- 
reichen Insel Arbe. Zwischen beiden aber oder vielmehr zwischen 
den Begleitinseln Pervicchio (Prvic) und Gregorio (Grgur), deren 
eine zu Istrien, die andere zu Dalmatien gehort, schweift der Blick 
gerade gegen den hochsten Theil des nordlichen Velebit hin, 
der iiber kalkgrauen kahlen Untergehangen in der noch mit 
Wald besetzten Pljesivica zu 1653 Meter Seehohe ansteigt. 

Etwa zwei Stunden nach der Abfahrt von Fiuine taucht im 
Osten zwischen den Scoglien Lagajne und Dolfin die Nordspitze 
von Pago auf, wahrend im Westeii iiber dem nun abgeflachten 
Cherso der seit Langem sichtbare machtige Monte Ossero auf 
Lussin in unsere Breite riickt. Weiterdampfend sehen wir den 
Leuchtthurm auf Scoglio Trstenik zur Rechten und in den Hinter- 
grund treten, dann taucht die Siidkiiste von Cherso in seichten 
Fluten unter, aus welchen weiterhin die Inseln Gross- und 
Klein -Palazziolo aufragen. Nun dehnt sich zwischen Lussin 
und dem wie eine Vorterrasse des Velebit erscheinenden Pago 
das Meer 27 Kilometer weit von West nach Ost, wahrend es 
nach Norden mit dem Horizont verschwimmt und siidwarts jene 
Inselfluchten umflutet - - Serve, Ulbo u. a. - - die wir schon 
bei der Fahrt von Pola nach Zara als Nordwesttheil eines 
Panoramas kennen lernten, welches das Entziicken jedes Reisenden 
bildet. Schliesslich treten wir durch die Enge zwischen den Inseln 
Maon und Ulbo in den Canale di Zara ein und folgen der von 
Pola aus eingeschlagenen Route, bis uns die weisse Hauserzeile 
des alten Jadera und die eigenthumliche schwarze Burg auf 
Ugljan unser heutiges Ziel verkiinden. 







VI. Zara (Zadar). 



Kleiner Frenidenfiihrer in Zara. 

(Fahrplane siehe Anhang.) 

Politische Behorden: K. k. Statthalterei ; Bezirkshauptmannschaft. 

Autonome Behorden: Landesausschuss ; Gemeindeverwaltung. 

Justizbehorden: Oberlandes- und Landesgericht ; Bezirksgericht. 

Finanzbehorden: Finanz-Landesdirection ; Finanzprocuratur ; Finanz- 
intendanz; Landescasse; Steueramt; Hauptzollamt. 

Seebehorde: Hafencapitanat. 

Militarbehorden: K. u. k. Militarcoinniando ; Geniecommando ; Land- 
wehrcommando ; Gendarmeriecommando. 

Cultus undUnterricht: Katholisches Erzbisthum ; serbisch-ortho- 
doxes Bisthum ; katholisches theologiscb.es Seminar ; serbisch-orthodoxes 
Seminar; das Zmajevic'sche Seminar; k. k. croatisch-serbisches Gymnasium 1 , 
k. k. italieniscb.es Ober-Gymnasium, k. k. TJnterrealschule ; Landes-, Bezirks- 
und Ortsschulrath ; das Convict Nicolo Tommaseo ; italieniscbe und croa- 
tische Volksschulen etc. 

Sonstige Amter: Handels- und Gewerbekanimer; Landesbodencredit- 
anstalt. 

MuseenundBibliotheken: Museum S. Donate; Biblioteca Paravia ; 
Stattbalterei-Archiv. 

Wobltbatigkeitsanstalten: Offentlicbe Wohlthatigkeitsanstalt ; 
Versatzamt etc. 

Vereine und Korperschaf ten: Croatischer Leseverein ; serbischer 
Leseverein; Casino nobile; Landwirtschafts-Gesellschaft ; Militarwissenschaft- 
liche Gesellschaft. 

Consulate: Italieniscbes Consulat; griecliische Consularagentie. 

Post und Telegraph: Post- und Telegraphenamt mit Telephonstelle 
fur Stadt und Umgebung. 



Das croatisch-serbische Gymnasium wurde 1897 eroffnet. 



KLEINER FREMOENFOHRER IN ZARA 103 

Schiffahrtsagenturen: Osterreichischer Lloyd ; Ungarisch-croatische 
Schiffahrtsgesellschaft ; ,,Zaratina" ; ,,Ragusea" ; P. Negri & Comp. ; Topic 
& Comp.; Fratelli Eismondo. 

Versicherungsgesellschaften: Assicurazioni General!; ,,Donau" ; 
Eiunione Adriatica etc. 

Wechselstuben: Fratelli Mandel; G. Perlini. 

Buch- u. Papier handlungen: Mazzanti ; Naiii ; Schonfeld ; Stauber. 

Atelier fur Nation alt rachteii: B. Vukic. 

Maraschino- undLiqueurfabriken: Calligarich; Cosmacendi ; 
Drioli; Lestuzzi; Luxardo; Magazzin; Millicicli; Stampalia ; Vlahov. 

Theater: Teatro Nuovo. 

Bader: Etablissement Manzin (das ganze Jahr); Militar- und Civil- 
Seebad (nur im Sommer). 

Gasthofe, Restaurants xind Cafe: ,,Albergo al Vapore" ; ,,Graiid 
Hotel"; ,,Hotel Pilsen" ; Gasthof ,,Gned"; ,,zum Rapport" ; Birraria Vecchia ; 
Gaffe Cosmacendi; Caffe Centrale: Caffe alia Provvidenza etc. 

Panorama von Zara. Schone "Uberschau der Stadt geniesst man vom 
Thurme ,,Bovo d'Antona" und vom Glockenthurme des Domes. 



Zara 1 , die Hauptstadt Dalmatiens, Sitz der Landesbehorden 
sowie des Landtages, zahlt zwar nur 11.500 Einwohner (1890), 
zeichnet sich aber unter den Kiistenstadten Dalmatieiis, welche 
im Allgemeinen den Typus der italienischen Stadte jenseits der 
Adria aufweisen, durch gewisse hauptstadtische Ztige aus a . Es 1st 
das auch natiirlich, da die Stadt in alien historischen Perioden 
seit der Romerzeit eine hervorragende Rolle gespielt hat. 

Ursprunglich lag die Stadt auf einer Halbinsel. Doch wurde 
die Landenge schon friih von den Venetianern in einen Canal 
und somit das Terrain der Stadt in eine Insel verwandelt, zu 
welcher man vom Festlande aus eine Briicke schlug. Auch 
umgaben die Venetianer Zara mit Mauern und starken Basteien 
und schufen in ersteren jene Thore, welche noch heute wie so 
manches andere Gebaude der Stadt der Lowe von S. Marco 



1 Die Gemeinde Zara (322 Quadratkilometer mit 28.230 Einwohnern) 
umfasst noch an grosseren Ortschaften : Am Festlande siidlich von Zara 
Borgo Erizzo (Arbanasi) mit 2100 Einwohnern, Bibinje (664 Einwohner), San 
Cassiano (SukoSan, 1408 Einwohner); ostlich im Binnenlande Zemonico 
(Zemunik, 1259 Einwohner); auf der Insel Ugljan Oltre (Preko, 1618 Ein- 
wohner). 

Der Gerichtsbezirk Zara zahlt 49. 711 Einwohner in den fiinf Gemeinden : 
Zara (Zadar), Nona (Nin), Novegradi (Novigrad), Sale (Sali) und Selve (Silba). 

* Die Stadt hat in neuester Zeit elektrische Beleuchtung. 



104 ZARA. 

ziert. Die Mauern waren bis 1868 mit Kanonen armiert; in jenem 
Jahre aber wurde Zara zur offenen Stadt erklart und nun wan- 
derte die Armatur ins Zeughaus, wahrend die Mauern theils 
verschwanden und der Hauserflucht langs der Riva Nuova Platz 
machten (Westseite der Stadt am Canal von Zara), theils in jene 
schattigen Hochpromenaden an der Ostseite der Stadt umge- 
wandelt wurden, in welchen man zur Riva vecchia hinabblickt. 

Dem Fremden ist der Spaziergang rund um Zara sowohl 
behufs allgemeiner Orientierung, als deshalb sehr zu ernpfehlen, 
weil sich auf dem "Wege eine Reihe hiibscher, abwechslungs- 
reicher Veduten erschliesst. So sieht man z. B. von der Pro- 
menade nordwarts auf die Riva vecchia und den Hafen hinab 
und dariiber hinaus auf die gartenreichen Vorstadte Cereria und 
Barcagno, hinter welchen sich die Hochebene weit hin bis zu 
dem noch im Fruhsommer schneebedeckten Velebit zieht; gegen 
Nordwest nutet der, durch die Pracht seiner sommerlichen Sonnen- 
Untergange berlihmte Golf und erstreckt sich hinterm Leucht- 
thurm der Punt' arnica, die mit Olivenwaldern bedeckte Riviera 
von Diklo; im Westen steigt die Insel Ugljan von einer mit 
Ortschaften besaten Kiiste zu einer Flucht von Berggupfen auf, 
aus welchen sich das charakteristische kronchenartige Castell 
S. Michele hervorhebt; gegen Siiden und Siidosten endlich, 
wohin man den besten Ausblick vom Blazekovic-Park hat, weitet 
sich ein iippig cultiviertes Blachfeld, zu welchem der einen Kilo- 
meter entfernte Borgo Erizzo den interessanten Vordergrund 
liefert. 

An den Rund gang um Zara wird man dann einen Spazier- 
gang in Zara schliessen, um von der allgemeinen Physiognomie 
der Stadt und ihren wichtigen Bauwerken einen Begriif zu 
bekommen. 

In den Gassen Zaras. 

(Siehe den Plan.) 

Manche Dampfer legen an der Riva Nuova an, wo man die 
Seefront von Neu-Zara vor sich hat, d. h. eine Flucht stattlicher, 
moderner Hauser, welche vom Post- und Telegraphenamt siidlich 
an der Anlage GriardinoPublico vorbei zum Militar-Commando 
fuhrt. Diese RivaNuova ist circa 800 Meter lang und soil in 



IN DEN GASSEN ZARAS. 



105 



der Folge noch urn etwa drei Kilometer verlangert werden. Sie 
wiirde dann entlang der Vorstadt Borgo Erizzo (Arbanasi) bis 
zur Militarschiesstatte an jener Landspitze reichen, um welche 
die Bucht Kolovare tief nach Norden ins Land eingreift, so dass 
sich Borgo Erizzo in ahnlicher Halbinselform gegen Siiden kehrt, 
wie Zara gegen Norden. 

Wendet man sich beim Post- mid Telegraphenamt an der 
Nenen Riva direct stadtwarts, so kommt man auf die Piazza, 
delle Erbe, wo sich in den Frtihstunden reichlich Gelegenheit 
bietet, Physiognomien, Volkstrachten nnd Gartenproducte zu 
besichtigen. Gerade vor sich hat man da das 1833 vollendete 
erzbischofliche Palais; 1 mehr gegen links, wo eine Mauer 
den erzbischoflichen Garten verbirgt, sieht man 
bereits die erste jener beiden korinthischen 
Saulen, welche Zara aus seiner antiken Period e 
geblieben sind.* 

Die Saule auf der Piazza delle Erbe 
soil gleich ihrer Schwester auf der Piazza 
C o 1 o n n a von einem romischen Tempel 
stammen (siehe Abschnitt n Das Museum S. Do- 
nato") und verrath schon durch ihr Aussehen, 
dass sie einst zerschlagen war und spater - 
im Jahre 1729 - wieder zusammengesetzt 
wurde. Sie diente, wie das an einer Kette 
hiingende eiserne Halsband darthut, in der 
venetianischen Zeit als Pranger. 

Um die Ecke des erzbischoflichen Gartens, 
zwischen diesem und der serbisch-orthodoxen 
Kirche S. Eli a, kommen wir in die Via 
S. Elia und aus dieser auf den Domplatz, 
wo uns zur Rechten plotzlich der Anblick 
der viel abgebildeten und allgemein bekannten 
des Zaratiner Doms iiberrascht. 




ROMISCHE SAULE. 



1 Hinter dem erzbischoflichen Palais gegen den Dom hin steht das 
Museum S. Donate. 

2 Die Chronisten des XVII. Jahrhunderts berichten, dass in der Niihe 
der jetzigen Kirche S. Elia zahlreiche Saulenstiimpfe aus dem Boden ragten 
und zwei durch ein Gesimse verbundene Saulen noch aufrecht standen. 



106 



ZARA. 



(Siehe ,,Der Dom von Zara.") Uberschreiten wir dann die Piazza 
del Duomo, so stehen wir in jeiier centralen Langsstrasse Zaras, 
welche alsViadelCastello links zum Theater, rechts dagegeii 
als Via del Duomo, Calle Larga etc. zum Campo S. Simeone 
und zu den Cinque Pozzi beim Stadtpark fiihrt. 

Die Via del Duomo fiihrt uns nach wenigen Schritten an 
einen der frequentesten Punkte Zaras, namlich vor die Kreuzung 

mit jenem Via dei Papuz- 
zeri, Via S. Barbara und 
Piazzetta Marina genann- 
ten Querstrassenzuge, durch 
welchen fast bestandig ein von 
der Neuen Biva und der Piazza 
delle Erbe kommender Men- 
schenstrom zur Porta Marina 
flutet, so dass man an die Mer- 
ceria Venedigs gemahnt wird. 
Vorbei an den zahlreichen 
Laden und "Weinstuben der 
Piazzetta Marina erreichen wir 
endlich die Porta Marina 
und treten ober uns die 
Promenade auf den alten Stadt- 
mauern auf die Riva Vec- 
chia hinaus, die historische 
Statte des Zaratiner Seever- 
kehres, wo noch heute die 
meisten Schiffe vor Anker ge- 
hen und wo wir die Durch- 
querung der eigentlichen Stadt 
beendet haben. 

Unmittelbar vor dem Marinethor liegen fast stets einige 
grosse Dampfer vor Anker und leiten den Blick auf den 
Hafenausgang gegen die Punt' arnica hin ; landein aber draiigt 
sich ein Gewirr kleiner Schiffe und Boote und liefert das 
Malerische des Hafenbildes, welches sich wie eine Scheide 
zwischen die vom Velebit iiberragten Gartenvorstadte und die 
Nordostfacade Zaras einschiebt. Diese selbst baut sich iiber dem 




PORTA MARINA. 



IN DEN GASSEN ZARAS. 107 

G-ewimmel auf der Riva, wo dem Fremden die Dogana, die 
Agentie der Ungaro-Croata und ein Strandcafe zunachst 
ins Auge fallen, als ein Wechsel von Hauserfa9aden, griinen 
Ecken und Stadtmauerpartien auf, der in lebhaftem Contraste 
zu der eleganten aber uniformen Riva Nuova steht. 

Ein Hauptinteresse gilt dem Marinethor selbst, das in 
einzelnen Theilen romischen Ursprungs ist, speciell was die 
Inschrift betriffb, welche einst Melia Annina ihrem Gemal Lepitius 
Bassus errichten liess. Eine andere Inschrift ist dem Andenken 
an den Seesieg von Lepanto (1571) gewidmet und bietet den 
Fremden, welche noch heute zumeist durch das Marinethor in 
Zara eintreten, das erste sichtbare Zeichen der Spuren, welche 
die Venetianerherrschaft in der Physiognomic ihres altesten Boll- 
werkes auf dalmatinischem Boden zuriickgelassen. hat. 



Um nun die Stadt der Lange nach zu durchwandern, kehren 
wir wieder in die Piazzetta Marina zuriick und uberschreiten 
die erste Langsgasse (hier links die Kirche S. Grisogono), um in 
der zweiten nach links einzubiegen. Diese lange schmale Strassen- 
flucht (Via dei Tintori, Via delTeatro Vecchio) ist erfullt 
von Laden und fiihrt iiber die Piazza dei Signer i, welche 
einst der Hauptcorso Zaras war, um dann als Via S. Simeone 
bis zur Kirche dieses Namens fortzusetzen. 

Hier, wo manches Seitengasschen an die Vicoli Roms gemahnt, 
wenn schon die Hauser der venetianischen Art gemass viel 
kleiner sind, ist es von Interesse, da und dort durch ein Thor 
zu treten und sich von dem Gegensatz zwischen der Enge der 
Strassen und der Weitraumigkeit mancher Hofe uberraschen zu 
lassen. Es nnden sich da noch genug Hofe, wo steinerne Treppen 
mit figuralem Schmuck, Fenster mit Erkern, Laubengange mit 
wertvollen Tragsteinen und zierlichen Saulen sich um einen 
schonen Brunnen gruppieren und ein, wenigstens seiner Anlage 
nach aus der Venetianerzeit stammendes Interieur bilden. 

Auf dem Herrenplatz, einem Rechteck von 60 Schritt 
Lange und 40 Schritt Breite, fallt vor Allem der Uhrthurm 
iiber derHauptwache auf, der mit seinem Vis-a-vis, der von 
Sanmicheli herriihrenden Loggia publica so recht in das 



108 



ZARA. 



Milieu der von Venedig beeinflussten Stadte versetzt und in 
ahnlicher Anlage in den meisten Kiistenstadteii Dalmatiens 
wiederkehrt. Eine Inschrift auf der Loggia: n Hic regimen purum 
magnaque facta manent" besagt, wozu das Gebaude urspriinglich 
bestimmt war, doch soil nach Cattalinich die Gerichtshalle im 
Carneval in einen Tanzsaal verwandelt worden sein und dann 
die Folterkammer nebenan als Boudoir fur die Damen gedient 
haben. Spater kam in die Loggia die Biblioteca Para via, 
welche nach ikrem Grander benannt ist, der sie seiner Vater- 
stadt zum Geschenke gemacht hat. 

Loggia und Uhrthurm bilden die Siidost- beziehungsweise 
Nordwest-Facade der Piazzadei Signori; an der Nordostseite 
derselben erhebt sich das Rathhaus. 1 

In der siidostlichen Richtung setzt die Strasse als Via 
Carriera fort und fuhrt uns auf den Campo S. Simeone, 
wo wir zunachst rechts das Gebaude der Statthalterei und 
links die Kirche S. Simeone bemerken, in deren 
Nahe ? auf der Piazza Colonna, sich die romische 
Saule und jene beiden Merkwiirdigkeiten Zaras 
befindeii, welch' letztere unter dem Namen B o v o 
(Bo') d'Antona und die Cinque Pozzi be- 
kannt sind. 

Auf diesem Platze, welchen riickwarts der 
hoch auf einer ehemaligen Schanze gelegene Ab- 
hang des Giardino Publico abschliesst, erhebt 
sich rechts in der Form eines fiinfseitigen 
Prism as der machtige alte Thurm Torre del 
Bovo d'Antona, der urspriinglich, als Zara 
noch eine Halbinsel war, auf dem verbindenden 
Isthmus stand, und wahrscheinlich als Beobach- 
tungsthurm diente. Noch die Franzossn beniitzten 
ihn zur Aufstellung eines Telegraphen, welcher 
etwa in den Canal von Zara einlaufende Schiife 
der Englander und Russen signalisieren sollte ; 
seit 1852 aber weht von ihm hoch die osterrei- 
chische Flagge und ist im Innern eine gangbare 




ROMISCHE SAULE. 



1 Die alterthtimliche Sonnenuhr an der Aussenseite des Rathhauses 
tragt die Initialen : A, D. P. G. (Angelo Diedo Provveditore Generale) 1790. 



HISTORISCHES. 109 

Treppe hergestellt, auf welcher Jene zur Plattform emporsteigen, 
welche eineii der schonsten Uberblicke iiber Zara geniessen 
wollen. 

Vor dem erwahnten Abhange, an welchem eine Treppe zum 
Giardino Publico emporleitet, ragen aus dem Pflaster die fiinf 
steinernen Rundbecken der Cinque Pozzi auf, welche einst 
die Offnungen eines Meisterwerkes der Hydrotechnik bildeten. 
Die Entwurfe zu letzterem rtihrten von dem in der Baugeschichte 
Zaras oft genannten, 1559 gestorbenen Giangirolamo Sanmicheli 
her; doch kam das Werk, ein gewolbtes unterirdisches Kiesen- 
Wasserreservoir, erst 1574 unter dem Provveditore Grimani zur 
Ausfiihrung. Seit Eroffnung der Zaratiner AVasserleitung 
(19. Mai 1838) werdeii die Brunnen von dieser mit "Wasser 
versorgt. 

Von den Cinque Pozzi fiihrt, wie schon erwahnt, eine Treppe 
zu dem 1829 30 von Freiherrn v. Wei den arigelegten Giar- 
dino Publico hinauf, wo sich ein Cafe befindet; spaziert 
%ian aber rechts, so erreicht man jene grosse von der Piazza 
delle Erbe kommende Langsstrasse (Via S. Domenico, Via 
del Tribunale, Via S. Mariaj, an derem Ende die Port a 
Terraferma aus der Stadt hinausleitet. 

"Wieder stehen wir vor einem "VVerke Saiimichelis, einem 
prachtigen, mit dem Marcuslowen geschmiickten und auch sonst 
in seinem Renaissanceaufbau an die venetianischen Pforten 
gemahnenden Thore und gelangen nun alsbald auf die, iiber 
einen kleinen Hafen (Fossa) geschlagene Briicke, iiber welche man 
zum Blazekovic-Parke gelangt. 

Hier haben wir unseren Orientierungsspaziergang durch Zara 
beendet und konnen nun zur Detailbesichtigung einiger Haupt- 
sehenswiirdigkeiten schreiten, der jedoch eine kurze Umschau in 
der Geschichte der Stadt vorausgehen mag. 

Historisches. 

Wie alle Mittelmeergestade, 1st auch jenes von Zara uralter Cultur- 
boden und die Sage wird daher wohl Becht haben, welche will, dass an 
Zaras Stelle schon im X. Jahrhundert vor Christ! die Hauptstadt der 
Liburner gestanden habe. 

Historisch taucht die Stadt zuerst in der Romerzeit auf, speciell unter 
Augustus, welcher auf einem uns erhaltenen Denksteine als Vater der 



110 

romischen Colonie Jadera bezeichnet wird. Damals soil sich auf dem Platze 
der jetzigen St. Eliaskirche ein der Kaiserin Livia Augusta gewidmeten 
Tempel erhoben haben und es 1st anzunehmen, dass in den nachstfolgenden 
Jahrhunderten, als Dalmatien den Zenith seiner Blute in romischer Zeit 
erreichte, noch manches andere monumentale Bauwerk entstand. Immerhin 
strahlte damals der Stern Salonas am hellsten und erst nach der Zerstorung 
dieser Stadt (639) scheint die Bolle des tonangebenden Gemeinwesens all- 
mahlich auf Zara ubergegangen zu sein. 

Sicher stand Zara an erster Stelle, als die Franken Dalmatien eroberten 
(791 799). Denn kurz darnach (804) weilen als Friedensvermittler zwischen 
Karl dem Grossen und dem byzantinischen Kaiser Nikepborus der vene- 
tianische Doge und der Zaratiner Biscbof Donatus in Byzanz und Letzterer 
bringt von dieser Reise die Gebeine der beiligen Anastasia heim, die seither 
als Schutzpatronin der Stadt in Ebren gebalten wird. Von Byzanz reiste 
Donatus nach Diedenhofen (Thionville) an das Hoflager Karl des Grossen 
und jedenfalls wirkte der beriihmte Kirch enfiirst auch bei den Friedens- 
schliissen mit, welche spater zwischen Karl dem Grossen und Nikephorus, 
beziehungsweise dem Ersteren und Kaiser Michael zu Aachen (Aquisgranum) 
und Byzanz zustande kamen. 

Zara war damals die Hauptstadt des byzantinischen Dalmatiens und 
Sitz des Strategen geworden, kam aber schon als der Doge Peter Orseolo II. 
991 seinen Zug nach Dalmatien unternahm, ' unter die venetianische Herr- 
schaft, welche 1018 durch Otto Orseolo befestigt und auch 1032 nach 
einer kurzen byzantinischen Periode wieder behauptet wurde. 

Im Jahre 1105 gelang es Koloman von Ungarn, Zara zur Anerkennung 
seiner Oberhoheit zu bewegen, doch waren schon unter Ordelafo Falieri 
(f 1117 vor Zara) wieder die Venetianer im Besitze der Stadt, deren dama- 
lige Bedeutung aus der Thatsache erhellt, dass das Bisthum Zara 1153 zum 
Erzbisthum erhoben wurde. Eben diese Erhebung bot, als nach dem Tode 
Manuels des Komnenen (1180) der byzantinische Einfluss in Dalmatien fur 
immer aufhorte, den Zaratinern die Gelegenheit, sich gleich Spalato Bela III. 
von Ungarn zu unterwerfen und zwar deshalb, weil Venedig verlangte, dass 
der Erzbischof von Zara die Bestatigung durch den Patriarchen von Aquileja 
einhole, von welcher die Zaratiner nichts wissen wollten. Die damaligen 
Siege der Ungarn iiber Venedig wurden nicht zum geringen Theile durch 
Zaras Unterstiltzung erfochten; das aber war fur die Lagunenkonigin nur 
ein Grund mehr, die Thronstreitigkeiten nach Belas Tode (1196) zu beniltzen, 
um Zara wieder zu unterwerfen und an der Stadt exemplarische Rache zu 
nehmen. 

Die Gelegenheit hiezu bot sich, als der halberblindete Doge Enrico 
Dandolo am 9. October 1202 mit seiner Flotte zur Theilnahme am vierten 
Kreuzzuge auszog. Verstarkt durch franzosische Kreuzritter erschien er am 



1 Bei Constantin Porphyrogenitus heisst die Stadt im X. Jahr- 
hundert Diadora. 



HISTORISCHES. Ill 

10. November '1202 vor Zara, sprengte die Ketten, welche den Hafen ab- 
schlossen und eroberte die Stadt, die hernach von seinem Heere barbarisch 
geplilndert und verwiistet wurde. Vor ihrem Abzuge errichteten die Vene- 
tianer noch die Veste S. Michele auf der Insel Ugljan, welche seit jener 
Zeit ein Wahrzeichen der Zaratiner Landschaft geblieben ist, ebenso wie 
auch ein Thai nordlich von Zara das Val Crociata bei Diklo noch 
heute die Erinnerung an jene Thaten des Kreuzfahrerheeres wach erhalt. 

In der Folge besanftigten die Venetianer den Unwillen des Papstes 
dariiber, dass Kreuzfahrer eine christliche Stadt uberfallen hatten, durch 
Beitrage zur Erbauung des Domes, blieben aber im Besitze der Stadt, und 
behaupteten sie gegen wiederholte Angriffe der Ungarn bis 1358, wo es 
Ludwig dem Grossen gelang, Zara fiir langer als ein Menschenalter an die 
ungarische Krone zu ketten. Aber auch jetzt vermochte Ungarn semen 
Besitz nicht dauernd festzuhalten und im Jahre 1409 beziehungsweise durch 
den Triester Frieden von 1413 kam Zara abermals an Venedig, um diesem 
fiirder zu verbleiben. 

Zara theilte von nun an die Schicksale der Lagunenrepublik und wurde 
von dieser im XVI. Jahrhunderte mit jenem zum Theil von Sanmicheli 
geschaffenen Binge massiverSteinbefestigungen eingeschlossen, welche damals 
alle, bis dahin nur leichter befestigten Stadte Europas einzuschniiren begannen. 
Seit jener Zeit ist die Geschichte der Stadt mehr locale Stadtgeschichte, in 
welcher wie ilberall Belagerungen (z. B. Erstiirmung des Fort Malpaga durch 
die Ttirken im Jahre 1570), Pestilenzen (1483, 1649/50 und 1678) und ahnliche 
Schicksalsschlage mit angenehmen Ereignissen, wie z. B. die Einrichtung 
von Jahrmarkten infolge Beschlusses des venetianischen Senats vom 21 . Mai 1690 
abwechselten. 

Einen gewissen Aufschwung bezeichnen nach dem Passarovitzer Frie- 
den (1718) die Grtindung des Vorortes Borgo Erizzo (1720) und die Auf- 
richtung der beiden antiken Saulen (1729); tiberhaupt aber hatte sich Zara 
seither einer friedlichen Entwicklung zu erfreuen, welche nur im Jahre 1813 
eine wesentliche Unterbrechung erlitt, da es damals einer vom 4. November 
bis Anfang December fortgesetzten Beschiessung der Festung bedurfte, ehe 
die Franzosen am 6. December 1813 capitulierten. 

Seither hat Zara durch die Concentrierung der Landesstellen in der 
Stadt nicht nur materiell viel gewonnen, sondern der Umstand, dass hier 
Officiere. Beamte und sonstige Angehorige der akademischen Stande einen 
selbst dem Fremden auffallenden hohen Percentsatz der Bevolkerung con- 
stituieren, tragt bei, das intellectuelle Leben und die geselligen Formen aut 
eine hohe Stufe zu erheben. Zudem beginnt die Stadt seit dem Falle der 
Festungsmauern (1868) sich zu strecken und ihre schon von Petter 1857 
als im Gang bezeichnete Verschonerung fortzusetzen, was gleich dem, Jahr 
fur Jahr rapid sich vervollkommnenden Seeverkehrswesen naturgemass 
auch eine Verstarkung ihrer Attraction als Fremdenverkehrsstation zur 
Folge hat. 



112 ZARA. 

Das Museum S. Donato. 

Die moderns Restaurierung. 

,,In den letzten Jahren" schrieb der um die Kunstgeschichte 
sehr verdiente Baurath Alois Hauser 1889 in der Wiener 
Abendpost" - - n ist die Hauptstadt Dalmatiens um eine Sehens- 
wiirdigkeit bereichert worden, welche geeignet erscheint, das 
Interesse der Archaologen, Kunsthistoriker und Architekten in 
nicht gewohnlichem Grade in Ansprach zu nehmen : das Museum 
S. Donato. Das Gebaude, dem die Sammlung ihren Namen ver- 
dankt, in welchem sie ? von kleinen Anfangen unter gliicklichen 
Umstanden beginnend, wachst und gedeiht, ist eine der altesten 
Kirchen in Osterreich und gleicherzeit eines der interessantesten 
Denkmale altchristlicher Zeit. B. v. Eitelberger hat in seiner 
Besprechung der Kirche im 5. Bande des Jahrbuches der k. k. 
Centralcommission fiir Kunst- und historische Denkmale die hohe 
Bedeutung des Bauwerkes zum erstenmal hervorgehoben, gleich- 
zeitig aber auch auf den unwiirdigen Zustand der Vernach- 
lassigung desselben hingewiesen. Der imposante Rundbau war 
namlicli 1798 in ein militarisches Verpflegsmagaziii umgestaltet 
und 1870 der onologischen Gesellschaft als Weinkeller vermietet 
worden, was zur Folge hatte ? dass man den Kuppelraum in 
Etagen theilte und eine Anzahl Fenster vermauerte." 

In Anbetracht dieser Umstande fasste die k. k. Central- 
commission iiber Ha users Antrag vom 11. Juni 1875 den 
Beschluss, dahin zu wirken, dass die Kirche renoviert und zur 
Aufstellung von Fundobjecten aus Zara und Umgebung her- 
gerichtet werden solle, und da das k. k. Unterrichtsministerium 
den Beschluss genehmigte, konnte alsbald mit den Ausrauuiungs- 
arbeiten begonnen werden. Hiebei wurde auch die von ganzen 
Mauseschaaren bevolkerte meterhohe Bodenanschiittung beseitigt, 
so dass der regelmassig gefiigte antike Plattenboden und eine 
quer durch die Kirche gehende Stufenreihe von ebenfalls romi- 
scher Provenienz aufgedeckt wurde. 

Der schone Kuppelbau mit ringformigem Umgange und 
gleicher Galerie, mit drei Apsiden in jedem Stockwerke, konnte 
nun erst vollstandig iibersehen und seinem vollen Werte nach 
gewiirdigt werden. Auch kam durch die Blosslegung des romi- 



DAS MUSEUM S. DONATO. 



113 




MUSEUM S. DONATO. 



Fahrer durch Dalmatian. 



ZARA. 



schen Fussbodens eine grosse Zahl romischer Architektur und 
Inschriftstiicke zu Tage, welche den Unterbau der Pfeiler und 
Wande der im IX. Jahrhundert erbauten Kirche bilden und 
einen Schluss auf den einstigen Reichthum Zaras an romischen 
Monumenten gestatten. 1 Im Zusammenhalte mit letzteren bot 
aber das Gebaude selbst in seiner interessanten friihchristlichen 
Architektur ein kostliches Gehause fur weitere kunsthistorisch 
oder historisch bemerkenswerte Funde, denn es ist selbst ein 
Museumstiick und wird wohl fur immer das wertvollste in der 
Sammlung bleiben. 

Das erste Object in dem neuen Museum bildet ein grosses 
friesartiges Flachrelief, 2 welches den Kindermord und die Fluent 
nach Aegypten darstellt. Die Figuren stehen gesondert in Arca- 
turen und die Arbeit tragt den Charakter longobardischen Styles 
des IX. Jahrhunderts. In gleichem Styl und gleichen Dimensionen 
ist eine Darstellung der Geburt Christi und der heiligen drei 
Konige gehalten, welche sich in der als Magazin beniitzten 
kleinen Kirche S. Domenico befand und durch die Familie 
Strmic von Valcrociata gespendet wurde. 

Diese beiden Objecte bildeten den Grundstein der Sammlung, 
welche nun dank der liebevollen Bethatigung der Conservatoren 
Bulic, Glavinic und S m i r i c h rasch heranwuchs, so dass 
sich immer mehr ein Bedurfnis herausstellte, dem ruinenhaften 
Zustande des Inneren von S. Donate durch eine grundliche 
Renovierung ein Ende zu machen. Bei dieser Arbeit, welche im 
October 1888 zur Vollendung gedieh, wurden fiinf Fenster der 
Kuppel und fiinf auf den Stiegen wieder geoffnet, zwei moderne 
Mauern beseitigt, zwei bis nun vermauerte Marmorsaulen bloss- 
gelegt und alle Thiiren und Fenster des alten Baues sichtbar 
gemacht. So konnte denn der um diese Arbeit sehr verdiente 
Conservator Smirich imVerein mit dem Conservator Glavinic 
an die chronologische Aufstellung der Museumsobjecte schreiten 
und jenen Stand der Dinge vorbereiten, welch en der Besucher 
heute antrifft. 



' Alois Ha user und Franz Buli<5: ,,San Donate in Zara". Mitth. 
der k. k. Centralc. f. Kunst- und historische Denkmale. VIII. Band. 

2 Ausgegraben unter dem Fussboden der Kirche S. Grisogono und 
wabrscheinlich fruher ein Bogen des Ciborienaltars dieser Kirche. 



DAS MUSEUM S. DONATO. 115 

Ehe wir auf die Sammlungen selbst einen Blick werfen, 
mag jedoch die Entsteh.ungsgesch.ich.te der Kirche niichtig skizziert 
sein, die ebenfalls manches interessante Moment bildet. 

Urgeschichte der Kirche S. Donate-. 

Die San Donatokirche in Zara erwahnt schon Constant! n, 
der im Purpur Geborene (Porphyrogenitus) in seinem Buche 
n De Administrando Imperio" (X. Jahrhundert). Der gekronte 
Geschichtschreiber sagt indes nicht, wann und von wem die 
Kirche gebaut wurde und so ist die Archaologie auf Vermuthungen 
angewiesen, welche allerdings inFunden und Geschichtsereignissen 
feste Stiitzen finden. 

Wie Monsignore B u 1 i 6, der Director des Museums in Spalato, 
bemerkt, ist in der Kirche keinerlei auf die Erbauung direct 
Bezug nehmende Inschrift aufgefunden worden. Doch gab die 
Inschrift n Junoni Augustae etc." unterhalb des vierten Pfeilers 
zu der Vermuthung Anlass ? dass an Stelle der Kirche oder etwas 
weiter gegen Norden ein machtiger Tempel der Livia Augusta, 
Gemahlin des Kaisers Augustus, gestanden haben moge. 

Die Substructionen dieses Tempels oder wenigstens Archi- 
tekturstiicke desselben beniitzte im IX. Jahrhundert Bischof 
Donatus von Zara (siehe n Geschichtliches u ) um eine Kirche 
zu erbauen, welche im Grundriss der Marienkirche von Aachen 
(Aquisgranum) nachgebildet erscheint. 

Die Kirche war urspriinglich der heiligen Dreifaltigkeit 
geweiht und enthielt die Reliquien der heiligen Anastasia 
(Anastasia Auferstehung), welche Donatus aus Byzanz gebracht 
hatte ; spater aber wurde sie allgemein nach ihrem Erbauer 
benannt, dessen sterbliche Beste hier ihre letzte Ruhestatte und 
nach erfolgter Heiligsprechung des Bischofs allgemeine Ver- 
ehrung fanden. 

Inneres der Kirche. 

Nach Bulic ist die San Donatokirche, das grosste und 
wichtigste unter den alten Baudenkmalern Zaras, im oberen 
Theil eine Rotunde mit Galerien und hohen Gewolben, welche 
gleich der Unterkirche drei Apsiden enthalt. Zwei Treppen 
ragen aus der Unterkirche in die obere empor und vereinen 



116 ZARA. 

sich vor dem G-alerie-Peristylium zu einer von 28 Stufen aus 
Veroneser Marmor gebildeten n heiligen Stiege", auf welcher 
gleichwie auf der Scala sancta vor der Lateranischen Basilica 
in Rom Ablasse ertheilt wurden. ' 

In der Unterkirche war die mittlere Apside der heiligen 
Dreifaltigkeit geweiht, wahrend sich. in der linken der Altar des 
heiligen Lucas, in der rechtsseitigen ober dem Grabe S. Donates 
der Altar des Letzteren befand. 

Die Oberkirche hiess das Oratorium der Katechumenen. Sie 
enthielt in der mittleren Apside den Altar der Madonna della 
Neve (heilige Jungfrau vom Schnee), in der linken den Altar des 
heiligen Oswald. 

Wie ein Wappen mit dem Drachen (Zmaj) bezeugt, wurde die 
Pforte, durch welche man heute in das Innere der Kirche gelangt, 
von jenem Erzbischof Zmaj e vie (1713 1745) errichtet, dem 
die Griindung des Borgo Erizzo (Seite 128) zu danken ist. Friiher 
trat man von rechts in die Kirche und sah hier das Denkmal Josefs 
von Riva (1705 1708), dessen noch heute eine Inschrift gedenkt. 

Interessant ist auch, dass die Thiirpfosten in der oberen 
Kirche aus einer der Lange nach in zwei Stiicke gesagten und 
mit Sculpturen versehenen Saule bestehen, welche mit den Frag- 
menten im Boden der Kirche und der Saule von S. Simeone 
ubereinstimmen. 

Die Sammlungen. 

Die Sammlungen sind seinerzeit in vier Sectionen aufgestellt 
worden : Vorromisch.es und Romisches, Gegenstande des VIII. 
bis X. Jahrhunderts, solche des XI. bis XV. Jahrhunderts und 
Objecte des XVI. bis XVIII. Jahrhunderts. 

In der .ersten Abtheilung sind vor Allem die Funde aus 
vorromischen Grabstatten zu erwahnen, wie Schnallen, spiral- 
formige Nadeln und Gegenstande aus Bernstein, welche in ihrer' 
Bedeutung an die Funde in Aquileja hinanreichen. Auch eine 
griechische Miinze aus Pharos wurde in einem solchen Grabe 
vorgefunden. Doch kann auch ein blosser IJberrest griechischer 
Colonisation oder griechischer Handelsbeziehungen vorliegen. 



1 Die Stufen dieser heiligen Treppe kamen 1798 in die Domkirche ; 
ebenso wie ein goldenes Kreuz in die Kirche S. Maria. 



DAS MUSEUM S. DONATO. 117 

Die griechiscli-illyrisclien Kriige in der Sammlung stehen 
in der Form nicht hinter den griechischen zuriick, sind aber 
nicht so schon tmd geschmackvoll ausgefuhrt, obgleich viele aus 
der feinsten Thonerde bestehen. Die eingepragten, den Her- 
kunftsort bezeichnenden Siegel, sowie mancherlei Abbildungen 
von Jagden, Pferderennen u. dgl. beweisen, dass die Krtige aus 
besseren Kunstperioden stammen. Neben ihnen finden sich iiber 
500 Thonleuchter mit mythologischen Darstellungen (Isis und 
Osiris), Groteskfiguren, Abbildungen, Gladiatoren und Thieren 
(Adlern) u. a. 

In der circa 500 Stiicke umfassenden Munzensammlung sind 
ebenfalls einige Rarissirna aus der griechiscli-illyrisclien Zeit 
hervorzuheben, so eine Silbermimze des Konigs Balleus und eine 
ebenfalls silberne Miinze mit der Aufschrift OAP (Phar) aus 
Lesina, beide sonst nur noch im British Museum zu finden. 

Die Munzensammlung leitet uns auf die romischen Funde, 
unter welchen zunachst architektonische Fragmente von einem 
auf der Piazza Colonna in Zara aufgedeckten Triumphbogen, 
Funde von der E-iva Nuova, aus dem Giardino Publico, aus 
Asseria und Drnis auffallen. 

In der Inschriftensammlung finden sich Stiicke aus Jadera, 
Arba, Asseria, Corinium, Burnum, Nadinium, Proniona, Brattia 
und anderen Orten. Hervorzuheben ist der Stein, auf welchem 
Augustus, der erste Befestiger Zaras, als n Patronus Coloniae" 
bezeichnet wird und die kleine, aber als Unicum kostbare Inschrift, 
auf welcher der antike Name Zaras (Jadera) vorkommt. Eine 
andere Inschrift weist auf den dalmatinischen Proprator Lucius 
Volusius Saturninus hin (I. Jahrhundert n. Chr.), von dessen 
Sohn das Museum die Aschenurne aufbewahrt. Auch ein in 
Karin ausgegrabener Stein ist wichtig, weil er der Yerehrung 
der Gottin Latra durch die Liburner gedenkt. 

Von culturhistorischem Interesse sind zahlreiche goldene 
Schmuckgegenstande und Kleinkram, wie die Stecknadeln, welche 
die romischen Frauen im Haare trugen. Nach dem Haargeflechte 
der Frauenkopfe, die sich auf diesen Nadeln, sowie auf Bern- 
steinringen finden, sind es zumeist Kopfe der Plotina, Marciana 
und Matidia (Gemahlin, Schwester und Nichte Trajans), was 
im Verein mit dem Umstande, dass die in Nona ausgegrabenen 



118 



ZARA. 



Miinzen vorwiegend aus der Zeit Trajans stammen, darauf 
schliessen lasst, dass Nona gegen Ende des I. Jahrhunderts in 
seiner Bliite gestanden sei. 

Der Curiositat mag hier auch noch eines kupfernen, mit 
Silber ausgelegten Tintenfasses gedacht sein, das in Nona auf- 
gefunden wurde. Napoleon III. erhielt namlich einst, wahr- 
scheinlich als er an der Geschichte Casars schrieb und man fur 
ihn eine eigene, sich selbst befeuchtende Feder erfand, den Deckel 
eines Tintengefasses, wie das Nona'sche und interessierte sich so 
dafur, dass er das Object in seine -Privatsammlung aufnahm. 




ALTCHRISTLICHES RELIEF IM MUSEUM S. DOXATO. 

Nicht so zahlreich wie die romischen Funde, aber kunst- 
geschichtlich ganz besonders bedeutsam sind die Objecte der 
zweiten Abtheilung, besonders die Sculpturfragmente longo- 
bardischen Styles, von welchen zwei schon im Abschnitte ,,Die 
moderne Restaurierung" erwalint wurden. Ein drittes besteht in 
dem Seitenportal der aufgelassenen Kirche S. Lorenzo in Zara 
und eiithalt Reliefsculpturen, wie solche in neuerer Zeit in Zara 
und Knin mehrfach aufgefunden wurden. Sie bilden sagt 
H a u s e r wertvolle Beitrage zur Kenntnis des longobardischen 
Ornaments, und Jeder, der diesen Styl seiner verschlungenen 
Bandformen und seiner noch immer zweifelhaften historischen 
Stellung nach studieren will, wird kunftig das Museum S. Donate 
nicht unbeachtet lassen diirfen. 



DER DOM. 119 

Auch das eigentliche Mittelalter hat eine Anzahl interessanter 
Werke in das Museum geliefert, unter anderem ein grosses Relief 
S. Simeon und die Konigin Elisabeth von Ungarn darstellend. 
Darstellungen von Bischofen und ein vom Rector von S. Grisogono 
gespendetes romanisches Pastorale aus dem XII. Jahrhundert. 
Dasselbe ist aus Kupfer, vergoldet und emailliert, und enthalt 
in der Kriimmung den heiligen Michael im Kampfe mit dem 
Drachen. 

Aus der venetianischen Zeit riihren unter anderem eine 
Laterne fur die Galeeren und eine Ehrenfahne her, mit welcher 
ein Tapferer aus der Familie Piasevoli beschenkt wurde. 

Der Dom. 

Unter den Kirchen Zaras, welche sich nicht bloss durch 
ihre architektonische Mannigfaltigkeit und ihren Reichthum an 
Gemalden beruhmter Meister (Tizian, Tintoretto, Paul 
Veronese, Palma u. A.) auszeichnen, sondern auch durch 
ihren Besitz an alten, herrlichen Reliquiaren, Messgewandem u. a. 
hervorragen, nimmt die Domkirche den ersten Rang ein. Die 
Kirche wird schon im X. Jahrhundert von Constantin Por- 
phyrogenitus erwahnt, als einer langschiffigen Basilica mit 
Saulen von grunem und weissem Marmor, reichen Holzschnitzereien 
und ein em bunten Estrich, welcher dem gekronten Historiker 
besonders merkwiirdig erschien. Von dieser altesten Kirche 
ist mit Ausnahme einer vereinzelten Saule nichts mehr er- 
halten, denn im XIII. Jahrhundert wurde der Bau ganz neu 
in romanischem Style aufgefuhrt und der aussere Schmuck einiger- 
massen jenem ahnlich gestaltet, der damals in Pisa und Lucca 
gebrauchlich war. 

Im Innern ist zunachst des Altarbildes von Bamballi zu 
gedenken, welches das Martyrium der heiligen Anastasia darstellt. 
Die Gebeine der Heiligen ruhen in einer eigenen Capelle und 
sind so aufbewahrt, dass sie gesehen werden konnen, wenn man 
ein silbernes Thiirchen offnet. Letzteres ist mit alterthumlichem 
gelben Marmor eingefasst und zeigt auf der Oberseite ein Bas- 
relief, welches den Erloser, die heilige Anastasia und S. Griso- 
gono darstellt. Statuen des Letzteren tragt auch der Altar, 
welcher die Reliquien birgt und von hohem Werte ist. 



120 



ZARA. 



Beachtenswert sind ferner die byzantinischen Saulen der 
Krypta, deren ausgearbeitete Stander vollkommen rohe Capitale 
tragen. Oberhalb der Krypta gemahnen die Kirchenstiihle im 
Chor an jene des Kings-College (London) und von Wimborne. 
Der Glockenthurm wurde seinerzeit vom Erzbischof Vala- 
r e s s o , einem reichen Venetianer , der ein Pendant des 

Marcusthurmes schaffen 
wollte, zu bauen unter- 
iiommen, aber nur bis 
zum ersten Stockwerk 
vollendet, da die Ange- 
horigen des Kirchenfiir- 
sten ihm die freie Ver- 
fiigung uber das vater- 
liche Vermogen zu ent- 
winden wussten. Infolge 
dessen stand der Thurm 
als Torso, bis vor wenigen 
Jahren die weiteren Stock- 
werke nachSkizzen Jack- 
sons aufgesetzt wurden, 
vermoge welcher nun der 
Thurm alle iibrigen Gre- 
baude Zaras an Hohe 
iiberragt und "wie sein 
Vorbild in der Lagunen- 
stadt eine herrliche B-und- 
sicht gewahrt. 

DEB DOM VON ZARA. 

Die anderen Kircben. 

Im selben romanischen Styl ? wie der Dom, ist die 1704 
vollendete Basilica S. Grisogono erbaut, welche den 1046 
aufgefundenen Leichnam eines im X. Jahrhundert in Diadora 
hochverehrten Monches birgt, der 289 unter Diocletian den Mar- 
tyrertod erlitt. Der Altar dieser Kirche ist durch reichen Mannor- 
schmuck und ein Bild der Heiligen Grisogonus und Zoilus 
bemerkenswert ; die Saulenreihen, welche die Kirche in drei 




DIE ANDEREN KIRCHEN. 



121 



Apsiden gliedern, sind durch grossere Pfeiler unterbrochen, 
welche zu zweit oder dritt Bogen bilden. 

Eine dritte merkwiirdige Kirche Zaras 1st die des heiligen 
Simeon, des Schutzpatrones der Stadt, der am 8. October durch 
einKirclienfest gefeiert wird, wie die Schutzheilige der Diocese Zara 




BASILICA S. GRISOGONO (KUCKSEITE). 

(S. Anastasia), am 15. Janner. Die Gebeine des heiligen Simeon 
wurden im Jahre 1280 aus Jerusalem gebracht, aber erst am 
16. Mai 1632 aus der Capelle S. Rocco nach S. Simeone iiber- 
tragen. Urspriinglich ruhte der Heilige in einem silbernen Sarge, 
den Konigin Elisabeth, die Gemahlin Ludwigs des Grossen, im 



122 



ZARA. 



Jahre 1380 gespendet hatte, und der nicht weniger als 
28.000 Dukaten gekostet haben soil. Der stets in Geldnothen 
befindliche Sigismund liess ihn jedoch einschmelzen und erst 
1677 wurde im Arsenal zu Venedig aus eroberten Kanonen der 
noch heute vorhandeiie versilberte Sarg hergestellt. Einst sollen 
auch die zwei Engel, welche den Sarg tragen, aus Silber gewesen 
sein; heute steht der Sarkophag auf den Fingern von zwei 
Bronzeengeln, wahrend unterhalb, wie aus Vorsicht, zwei steinerne 
Engelsgestalten ruhen. Das ganze Werk machte 1857 auf einen 




SARKOPHAG DES HL. SIMEON. 

Lord, welcner die Kirche S. Grisogono besuchte, einen solchen 
Eindruck, dass er es mit den beriihmten n Heiligen drei Konigen" 
im Kolner Dom verglich. 

Eine bemerkenswerte Klosterkirche Zaras ist jene der Nonnen 
von S. Maria (Madri benedittine), welche nach Zavoreo von Konig 
Koloman im Jahre 1105 gestiftet wurde, heute ein Renaissance- 
bau mit schonem Glockenthurm und wichtig wegen ihres 
Reliquiariums der heiligen Maria, sowie geschmiickt mit Bildern, 
von welchen eines Palma d. A. zum Urheber hat (SS. Peter und 
Paul), wahrend ein anderes in Titian'scher Manier gehalten ist 
und Christus mit der Dornenkrone, sowie die ihn* wehmuthsvoll 
anblickende heilige Maria darstellt. Ein drittes Bild stellt die 



DIE ANDEREN KIRCHEN. 



123 




SANTA MARIA. 



ZARA. 




C[HK,ISTUS UND DIE H L. MARIA. 

heilige Agnes dar und entstarnmt der venetianischen Schule des 
XVII. Jahrhunderts. 

Eine funfte sehenswerte Kirche in Zara ist die von 
S. Francesco, welche besonders durch ihre Gemalde hervor- 
ragt. Victor Carpaccio, Palma d. J. 1 , Sebastian Hi cci sind 
durch Schopfungen vertreten, ausserdem der Zaratiner Salghetti, 
der, als ihm seine Gattin starb, das genial aufgefasste, coloristisch 
bedeutsame Frescobild schuf, das 
man hinter dem Hochaltar bemerkt. 
Auf dem Bilde ist der Kiinstler 
selbst dargestellt, wie er, umgeben 
von seinen zahlreichen Kindern, an 
der Bahre der Verblichenen weint. 
Ein Kleinod dieser Kirche und 
vielleicht das einzige seiner Art in 
Europa, ist ein byzantinisch.es Cru- 
cifix aus dem IX. Jahrhundert, /// 



/// ' 

HL. AGNES. 



1 Von Carpaccio ist das Gemalde / 
,,Der Triumpli der Kirche" (Unterschrift 
,,Hic est Ara coeli") mit einer besonders 
schonen Madonna. Von Palma d. J. ein 
Heiliger Franciscus in der Seiteiicapelle. 




DIE ANDEREN KIRCHEN. 



125 



welch.es den Ubergang der Ikonographie des Kreuzes vom Orient 
zum Occident darstellt. Die gothischen Chorstuhle sind durch 
Reinheit des Styls und Sorgfalt der Ausfiihrung bemerkenswert. 
Die Glocke der Kirche 1328 von Meister Be 11 o a gegossen - 
ist die alteste in Zara. 




AUS DEN KIRCHEXSCHATZEX IN ZARA. 



126 



Spaziergange. 
Der Blazekovic-Park. 

Wandert man bei der Porta Terraferma hinaus, so erreicht 
man mit wenigen Schritten den Eingang zum Blazekovic-Park, der 
gleich anfangs mit einer Gegenuberstellung der alten und neuen 
Zeit uberrascht. 

Auf der einen Seite finden wir namlich einen Brunnen aus 
dem Jahre 1659 mit dem Marcuslowen, zur Bechten dagegen, wo 
man in einiger Entfernung eine 1897 erbaute seewarts schauende 
Kaserne gewahrt, prangt auf dem zerlocherten grauen Con- 
glomeratkalk einer Grottenwand die Tafel: 

Dieser Park wurde von den k. k. Truppen unter 

werkthatiger Mithilfe der k. k. Forstinspection 

angelegt 1888/90. 

In dem Park gedeihen herrlich schone exotische Pflanzen im 
Vereine mit Reprasentanten der Mittelmeerflora und bieten dem 
Pflanzenfreunde eine wahre Augenweide. So anfangs des Parks 
die feinfiederblattrige Poentiana quilegis, die hier in Gesellschaft 
der japanischen Mispel, der im Herbst friich.tebehangenen Yucca, 
des Ilex, des edlen Lorbers und Kirschlorbers zu finden ist ; an 
anderer Stelle wieder die larchenartige Himalaya-Ceder (Cedrus 
Deodara) und Abies pinsapo, umgeben von Oleandern und von dern 
durch gezahnte lorberartige Blatter ausgezeichneten Arbutus Unedo 
(Erdbeerbaum) ; noch anderwarts Cupressus horizontalis, die an 
Feinlaubigkeit mit Tamarix tetranda und Africano wetteifert. 
Vom Stideck der Kaserne fiihrt ein eingefasster breiter Weg, 
den iippige Kugelcypressen flankieren, zu einer Opuntiengruppe 
und weiter an einigen Chamaerops humilis und einem Federgras- 
Arrangement zu einer Treppe, ober welcher ein Gelander die 
dem Begriinder des Parks gewidmete Gedenktafel umschliesst. 
Unter einem kaiserlicheii Adler lesen wir da: 

Zur Erinnerung 

an den Begriinder dieses Parkes 

FML., Statth. und Militar-Commandant in Dalmatien 

Karl v. Blazekovic 

1890. 



SPAZIERGANQE. 127 

"Wendet man sich hier rechts, so kommt man alsbald auf einen 
herrlichen Hohenweg, der zwischen Dickichten zapfenbehangener 
Seestrandskiefern und grossen Papiermaulbeerbaumen hoch iiber 
der Kiistenstrasse hinfiilirt und eine entziickende Schau auf den 
breiten spiegelnden Canal von Zara mit seinen Segelbooten, 
sowie jenseits auf die Zinnenbnrg der Insel Ugljan gewahrt. 

Weiterhin biegt der Weg auf die Siidseite des Parks und 
man sieht einige Meter tief auf einen grossen "Wiesenplan hinab, 
der sich siidwarts in die ausgedehnten flachen Culturmulden 
verliert, welche die Albanesen des Borgo Erizzo bebauen. 

Ein- und Ausbuchtungen des Weges lassen erkennen, dass er den 
Contouren eines alien Festungsvorwerkes folgt, das hier dem his- 
torischen Gedenken zuliebe erhalten und cloch zugleich in einer die 
Zaratiner der Gegenwart befriedigenden Weise umgewandelt wurde. 

Schliesslich biegt der TJmfassungsweg auf die Nordostseite des 
Parkes und erschliesst iiber das Ende des Hafens und die lachende 
Campagna der Vorstadte Cereria und Barcagno hiniiber jene 
Aussicht auf die schwarzgefleckten grauen Kalkziige des Velebit, 
die auf alien Aussichtspunkten urn Zara stets Anfang und Ende 
der Betrachtung des Naturfreundes bildet. Besonders herrlich ist 
der Anblick abends, wenn das Gebirge erst zu einem blaulichen 
Schattenzuge wird, wahrend zur Seite der Himmel vom Grau 
des Horizontes durch eine Rosa-Zone in das lichte Stahlblau der 
Zenithregion iibergeht, und wenn dann der Velebit plotzlich im 
Abendroth strahlt, die Inseln im Nordwesten wie in Rothglut 
aufleuchten und smaragdgriine Firmamentflachen mit diesem 
Roth und mit der dunklen blaulich spiegelnden Meerflut con- 
trastieren, auf welche jetzt der Leuchtthurm der Punt' arnica seine 
Strahlen wirft. Ein solcher Sonnenuntergang beim harmonischen 
G-elaute der Abendglocken geho'rt wohl zu den schonsten Bildern, 
welche man von einem Spaziergange in Zara in den Schatz 
seiner Erinnerungen aufnehmen kann. 

Borgo Erizzo (Arbanasi). 

Ebenfalls von der Porta Terraferma kommt man auf die 
Kiistenstrasse hinaus, auf welcher die Zaratiner gern nach dem in 
Garten gebetteten und durch die Herkunft seiner heutigen 
Bewohner interessanten Borgo Erizzo wandern. 



128 

Die Colonie entstand um das Jahr 1720, als der Bischof 
von Antivari Vicko Zmajevic als Erzbischof nach Zara kam. 
An Zmajevic hatten sich schon, als er in seiner Geburtsstadt 
Perasto (Bocche di Cattaro) wohnte, einige katholische Albanesen- 
familien gewendet, um sich den Chicanen des Paschas Mehmed 
B ego vie zu entziehen. Nun in Zara, empfahl der Erzbischoi 
die Familien dem venetianischen Festungscommandanten Conte 
E r i z z i, dieser gab den Fluchtlingen Grund in der Nahe der Stadt 
und so entstand das urspriinglich ganz kleine Dorf Arbanasi, ita- 
lienisch Borgo Erizzo, das aber seither schon auf circa 2000 Seelen 
angewachsen ist. Da seine Bewohner in stetem Contact mit Zara 
stehen, kann Borgo Erizzo als Siidvorort der Stadt betrachtet 
werden, doch haben die Arbanasi ausser der Sprache auch noch 
die ethischen Kennzeichen ihrer skipetarischen Stammesgenossen 
in Albanien ziemlich bewahrt. Es sind im Allgemeinen gesunde, 
kernige Leute und so arbeitsam, dass sie bis auf 12 Kilometer 
von Zara Acker und Weingarten bebauen. Dabei wird ihnen 
Offenherzigkeit und Scharfsinn, aber auch jene leichte Erreg- 
barkeit nachgeriihmt, welche den Albanesen iiberhaupt eigen ist. 

Cereria und Barcagno. 

Diese beiden Vorstadte, welche der Spazierganger auf der 
Biva Vecchia bestandig vor sich hat, sind, wie schon fruher 
erwahnt, in Garten und Culturen gebettet, aber doch nicht allein 
Acker- oder Gartenbaucolonien wie Borgo Erizzo, sondern auch 
Sitze des Gewerbfleisses und der Industrie. 

Speciell hat hier die Zaratiner Hauptindustrie, die Maras- 
chino-F abrikation ihren Sitz aufgeschlagen, wie man schon 
von der Biva aus an den Firmatafeln einzelner Etablissements 
entnehmen kann. 

Uber die Maraschino-Fabrikation ist schon im Abschnitte 
^Gewerbe und Industrie" Mehreres gesagt worden. Hier sei nur 
nachgetragen, dass von dem beriihmten Weichselliqueur jahrlich 
circa 300.000 Bouteillen in die Welt hinaus gehen. Von der 
Beliebtheit dieses Liqueurs zeugt, dass er in alle Welttheile ver- 
sendet wird, und dass z. B. die Konigin von England nach jeder 
Mahlzeit ein Glaschen dieses Destillates zu sich nimmt. 



SPAZIERGANGE. 129 

Die Weichselkirsche (Prunus Cerasus aetiana), welche zur 
Herstellung des Maraschino dient, gedeiht jedoch in der Um- 
gebung Zaras nicht, sondern wird aus den Bezirken Sebenico, 
Poljica (bei Spalato) und Almissa importiert. Die besten Weichseln 
kommen aus der Poljica und kosten 16 Kreuzer das Kilogramm, 
die Weichselblatter, welche auch zur Fabrikation des Maraschino 
verwendbar sind, erzielen bis zu 10 Kreuzer per Kilo. 1 



1 In Sebenico fiihrt eine treffliche Sorte "\Vein den ahnlich klingenden 
Namen Maraschina. 




FOhrer durch Dalroatien. 



VII. Umgebung Zaras auf dem pestlande. 



Im Norden. 

Gegen Nordwesten bildet das zaratinische 
Festland eine buchtenreiche Kuste, langs welcher 
den Seefahrer das Bild des Velebit begleitet. 
Kleine Dampfer befahren diese Route xmd 
biegen, nachdem sie das liebliche, an den Lido 
gemahnende Seebad P u n t' a m i c a bei Zara (siehe 
Abbildung), sowie weiterhin die kleinen Orte 
Diklo, Peterzane (Petr5ane) und Brevi- 
lacqua (Prevlaka) passiert, zwischen dem fels- 
grauen Festland und der gleichartigen Insel 
Puntadura (Vir) gegen Osten ab, injene Re- 
gion grosser Buchten und Canale, welche siid- 
lich vom Festlande, nordlicb. von den Inseln 
Puntadura und Pago gebildet werden. 
Gleich am Anfang der Nordkiiste liegt im Hintergrunde einer Bucht, 

und zwar in einem, nur durch einen schmaleji Canal zuganglichen Theil 

derselben, auf einem fast inselartig abgeschnilrten Halb- 

inselchen das kleine Stadtchen 

Nona (Nin),> das manchen Reisenden an die ,,ver- 

sunkenen" Stadte der Zuyder-See erinnern diirfte. 

(Siehe Abbildung.) Denn wie dort ist alter Ruhm, 

alter Wohlstand langst verklungen und nur 

Mauerreste und Funde im Erdreich 

kiinden mehr von jenem Anona, das im 

Zeitalter Trajans einer der beruhmtesten 

Hafen Liburniens war. 

Die croatischen Konige errichte- 

ten in Anona manches Bauwerk 





18 Kilometer nordlicb. von Zara. 



LEUCHTTHURM PUNT' AMIGA. 



IM NORDEN. 



131 



u. a. Burgen, deren Reste noch heute zu sehen sind und verlegten den 
Sitz einer ihrer 13 Zupanije hieher; spater aber stand die Stadt bald unter 
croatischer, bald unter ungarischer. bald unter venetianischer Herrschaft, 
bis sie 1409 definitiv an Venedig kam. Noch im Mittelalter war Nona als 
bischof liche Residenz im Besitze mannigfaltiger Stadtrechte und gait fur 
eine der ersten croatiscben Stadte Dalmatiens ; dann aber machte sicb, 
vielleicht weil in den Zeiten tiirkischer Angriffe die Cultur des Bodens 
abnahm, wahrscbeinlicli aber weil sicb. der umgebende seicbte Hafen in einen 
salzigen. den Aalen mebr als den Menschen zutraglichen Sumpf verwandelte, 
die Ungunst der Lage immer mehr geltend und der Ort versank allmahlich in 




X O X A (N I N) B E I Z A R A. 

Unbedeutendbeit. Zwar versuchte 1786 ein Venetianer, Namens Girolanio 
Manfrin, in der Nahe Nonas eine Muster wirtschaft einzufiihren, auf welcber 
zunachst Tabak gepflanzt werden sollte ; Sumpffieber und eine Feuersbrunst 
machten jedoch dem Unternehmen ein Ende und heute sieht man in dem 
einst ,,Stabilimento" genaunten Meierhofe nur mehr einen schonen Brunnen. 

In wirtschaftlicher Hinsicht wird der an die romische Campagna er- 
innernden Gegend wohl erst wieder aufgeholfen werden, wenn eine Ent- 
sumpfung in grossem Massstabe zustande kommt; vorlaufig 1st Nona durch 
seine eigenthumliche Lage zu einem Ziel fiir Fremde und durch seine Aus- 
grabungen zu einer den Archaologen wichtigen Statte geworden. (Siehe 
Museum S. Donate, Seite 112.) 

Ehe man nach Nona kommt, etwa drei Kilometer vor dem Orte, pas- 
siert man das aus dem XI. Jahrhundert stammende Kirchl ein S. Nicolo ; 



132 UMGEBUNG ZARAS AUF DEM FESTLANDE. 

noch interessanter ist in Nona selbst eine Kirche zum hell. Kreuz, die aus 
dem VII. Jahrhundert stammt und wohl eines der altesten Gotteshauser der 
damals zum Christenthume bekehrten Croaten darstellt. In der Pfarrkirche 
von Nona wird ferner die Area lignea der heil. Marcella aufbewahrt, das 
einzige Denkmal dieser Art und nebst anderen "Uberresten aus fruhchrist- 
licher Zeit so bedeutungsvoll fur letztere, dass Nona in dieser Hinsicht 
von den Archaologen eine erste Stelle unter den Stadten Dalmatiens ein- 

geraumt wird. 

* 

Von Zara nach Nona fuhrt auch eine mit Wagen in l*/ 2 Stunden 
zuriickzulegende Strasse, welche einen schon von Abbate Fortis 1776 be- 
merkten auffalligen Wechsel der Vegetationsbilder darbietet. 

Interessant ist ferner ein Ausflug auf der Strasse, die von Zara nord- 
nordostlich iiber Dorf Boccagnazzo (Bokanjac) bis zum Meerbusen von 




LAGO DI BOCCAGNAZZO. 

Ljubac fuhrt. Hinter Boccagnazzo etwa 6 Kilometer von Zara hat man 
namlich links einen jener Winterseen Dalmatiens, die im Sommer bis auf 
einzelne tiefe Tumpel auszutrocknen pflegen und sich durch ihren eigen- 
thumlichen Landschaftstypus, ihre specielle Vegetation und ihren Vogel- 
reichthum auszeichnen. 

Im Osten. 

Wie langs der ganzen dalmatinischen Ktiste, braucht man auch von 
Zara nicht weit landein zu wandern und man befindet sich inmitten 
slavischen Volksthums, das von dem italienischen Element trotz jahrhunderte- 
langem Nebeneinanderwohnen so wenig berilhrt wurde, dass die Landleute 
kaum einige Worte italienisch verstehen. 

Ein Beispiel hiefur bietet das unweit des Friedhofs von Zara gelegene 
Dorf PI oc a. Dort lebt eine Bauernfamilie von etwa 40 Kopfen in andauernder 



IM OSTEN. 133 

Communitat. Ihr Oberhanpt ist der ,,Alteste" (stareina). Was er anordnet, 
geschieht. Es herrscht eben ganz die patriarchalische ,,zadruga" - - eine 
slavische Specialitat. 

Unternimmt man von Zara einen Ausflug nach Zemonico (Zemunik), so 
erreicht man zunachst unfern des wiederholt umstrittenen Forts M a 1 p a g a 
(Dracevac, 124 Meter\ die Strassenhohe von Babindub (8 Kilometer von 
Zara, 103 Meter), wo sich ein prachtiger Eiickblick auf Zara, das Meer und 
die Inseln bietet. Bis hieher ist die Gegend reich an Weingarten. Dann geht 
es bergab durcli ziemlich fruchtbare Felder, welche die Albanesen von Borgo 
Erizzo bearbeiteii, und dann steigt die Strasse wieder allmahlich gegen das 
noch 6 Kilometer entfernte Zemonico hin, in einem wiisten, unbebauten 
Terrain, in welchem kein Dorf und kaum da und dort eine magere Heerde 
auf futterarmer Weide zu erspahen ist. Dagegen entdeckt man zuweilen 
die Ruine eines alten Wallhauses und wird dadurch erinnert, dass man sich 
in jenem ehemaligen Grenzlande befindet, welches so oft, besoiiders im 
XVII. Jahrhundert, die Statte heroischer Kampfe zwischen den eingebornen 
Kotarci und den Turken war. 

Noch vor einigen Decennien kamen die Bauern, welche nordostlich 
in den sogenannten ,,Kotari" wohnten Districten, welche einst zum Li- 
kaner PaSaluk gehorten stark bewaffnet nach Zara herein. In dem breiten 
Ledergiirtel panjaca trugen sie Pistole, Handschar und Messer, die 
sie freilich nicht mehr fiir Kriegszwecke bedurften, aber der Ehre wegen. 
in stolzer Erinnerung an die Thaten ihrer Vorfahren nicht ablegten. Manche 
dieser Ruhmesthaten aus der Zeit, da die Kotari eine ,,Militargrenze" 
(Krajina) bildeten, lebt noch heute in der Volkstradition und in Volksliedern 
fort, und viele Namen sind uns iiberliefert, welche sich damals den 
Turken furchtbar machten. Besonders riihmt die nationale Geschichte 
den Croaten Don Stefan Soric, den Pfarrer von Gorica und den Kalugjer 
Petronius, ferner Marko Markovic, den Arambas'a Ilija Smiljanic, die Jankovic 
aus Zegar und vor alien den Filhrer des Nationalheeres, Edlen Franz v. Pose- 
darac, der in den venetianischen Documenten als ,,Governatore dei Croati" 
oder ,,Governatore della nazione croata" erscheint. 

Der unertraglichen Bedriickungen miide, erhobeii sich die Kotarci gegen 
die Turken und unterwarfen, von den Venetianern mit Geld unterstiltzt, 
das ganze Gebiet bis Vrana, ja, unterjochten bis 1648 alles Land bis Udbina, 
wo das Likaner PaSaluk an jenes von Clissa grenzte und trieben die Turken 
auf Nimmerwiedersehen iiber die Dinarischen Alpen hiniiber. Zemunik, 
KaSic, Biljane, Velgane, Vrana u. a., waren denn auch damals bedeutende 
militarische Centren, wahrend sie heute zu unbedeutenden Ortchen herab- 
gesunken sind. 

* 

In Zemonico (Zemunik) haben sich vor ungefahr fiinf Jahren 
Trappisten niedergelassen und auf dem Stiftsgute Fontanella ein Kloster 
erbaut. Anfangs abhangig von dem Kloster in Banjaluka, wurden sie spater 
selbstandig, auch verliessen sie bald aus Gesundheitsrucksichten ihre erste 



134 UMGEBUNG ZARAS AUF DEM FESTLANDE. 

Behausung neben der Strasse und bauten sich auf einem nahen Hugel ein 
neues Heim, das ausserlich etwas einer Fabrik gleicht. Hier hausen nun 
4 bis 5 Geistliche und ungefahr 30 Laienbruder und beschaftigen sich mit 
der Urbarmachung des unfruchtbaren Bodens und der Landwirtschaft, welche 
sie mit den modernsten Facheinrichtungen betreiben, so dass ihr Betrieb 
fur die dalmatinischen Landwirte zur formlichen Offenbarung wurde. Ihrer 
Viehzucht verdankt Zara die reichliche Versorgung mit guter Hausmilch ; 
im ganzen sollen die schweigsamen Fratres nahe an 300.000 Gulden in ihrem 
Betriebe investiert haben. 

Allerdings sind die uimvohnenden Kotarci zu arm, um an die Nach- 
ahmung der neuen Einrichtungen denken zu durfen, welche ihnen nur in- 
soweit direct zu gute kommen, als sie bei den Trappisten als Taglohner 
Beschaftigung finden. Da im Seminar des Klosters einige Bauernsohne aus 
der Umgebung ausgebildet werden, ist indes manches Gute wenigstens fur 
die Zukunft der armen Kotarci zu hoffen. 

Im Sudosten. 

Siidostlich von Zara genauer 6 bis 7 Kilometer von der Kolovare- 
Bucht bei Borgo Erizzo bildet die Festlandskiiste erst eine nach Siiden 
und dann eine nach Westen streichende kleine Halbinsel, zwischen welchen 
sich ein etwa 2>/ Kilometer langer und nicht ganz so breiter, jetzt ziemlich 
stiller Golf weitet. Es ist der Portus Aureus der Alten, jetzt Porto d'oro, 
dessen Ufer Rebenanpflanzungen und Olivenhaine umgeben und in dessen 
sudostlichem Hintergrunde das Dorfchen S. Cassiano (Sukosan) ruht. Un- 
mittelbar siidlich des Ortes zieht die oberwahnte, kaum einen Kilometer 
lange West-Halbinsel ins Meer hinaus, dem Fremden auffallig durch die 
grosse Euine eines unvollendeten Palastes, der demselben Erzbischof Valaresso 
zugeschrieben wird, welcher den Campanile des Zaratiner Doms zu bauen 
begann. 

Einige Kilometer nordlich, wo die oberwahnte siidwarts ziehende Halb- 
insel ansetzt, liegt das Dorf Bibinje im Windschatten des Kriz (155 Meter), 
des hochsten Punktes jenes Kustenhugelzuges, der iiber die Malpaga (124 Meter) 
bis Ploca an der Strasse Zara-Zemonico reicht und dem das Kiistengelande 
siidlich von Zara im gewissen Grade die Eigenschaft einer Riviera verdankt 
Dabei ist der Strand so flach, dass man im ,,Goldenen Hafen" einen Kilo- 
meter weit in die See hineingehen kann, ohne dass einem das Wasser 
liber die Achseln reichen wurde. Den Grund bildet feiner Schwemmsand, 
auf dem man wie auf einem Sammtteppich spaziert und auf dem in nicht 
zu ferner Zeit auch Hunderte spazieren werden, wenn auch diese Riviera 
die ihr geburende Wiirdigung gefunden haben wird. 





VIII. DeF zaratinisehe Arehipel. 



,,Verstreute Reize" betitelt der Reisende J. G. Kohl, der 1856 uber 
Dalmatian schrieb, eines seiner Capitel, und ,,Verstreute Reize" konnte auch 
als Titel uber diesen Abschnitt gesetzt werden, welcher einige Punkte der 
zaratinischen Inselwelt behandelt. Bei aller Gleichformigkeit, welche durch 
die Bodenbeschaffenheit, die Vegetation und 'die Nahe des Meeres gegeben 
ist, hat namlich doch fast jede der grosseren Inseln ihre speciellen Land- 
schaftsschonheiten und Naturmerkwurdigkeiten, ihre localhistorisch inter- 
essanten Punkte und ihre folkloristischen Eigenthumlichkeiten, so dass der 
von der Hast des modernen Reisens noch nicht ergriffene Freund der medi- 
terranen Welt, hier immer wieder Neues und Interessantes findet. 

Nicht der geringste Zauber der zaratinischen Inseln besteht in ihrem 
abgeschlossenen Inselleben, ihren stillen, weltabgeschiedenen Partien und in 
den reizenden Seefahrten, zu welchen Ausfliige dahin Anlass geben. 

Im Folgenden konnen natiirlich nur einige der wichtigeren Inseln 
Erwahnung finden ; hinsichtlich der iibrigen grosseren Eilande, von welchen 
Flacheninhalt und Bevolkerungszahl zum Theil im Anhange angegeben 
erscheinen, mag hier bloss eine Tabelle der Langen Raum finden, da nach 
der Langenerstreckung der Inseln bei Seefahrten oft die Frage ist. 



Lanijenausdehntmtj der Inseln in der Adria. 



o) I s t r i e n. 



Cherso (Kres) 
Veglia (Krk) . 
Lussin (Loinj) 
Unie . 



Lftnge in km 

64 
38 
29 
9 



6) Zaratinischer Archipel. 
Lange in km 



Pago (Pag) 

Lunga (Dugi) 

Arbe (Rab) 

Ugljan 

Pasman . 

Incoronata (Krunarski) . 

Eso (12) 

Zut 

Melada (Mulat) 

Sestrunj 



59 
44 
22 
22 
22 
22 
12 
12 
11 
11 



Puntadura (Vir) 
Morter (Murter) 

Premuda 

Ulbo (Olib) . . . 

Maon 

Selve (Silba) . . 
Dolin bei Arbe . 
Zvjerinac .... 



L&nge in kn 
11 
11 

9 
9 
9 

8 
8 
6 



c) Mittel-Dalmatien. 

Lftnge in * 

Lesina (Hvar) 68 

Curzola (KorSula) 47 

Brazza (Brad) 40 

Meleda (Mljet) 38 

Solta (Solta) .....:... 18 

Lissa (Vis) 17 



136 



DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 



Arbe (Rab). 

Lage tind Bodengestaltung. 

Die von Plinius ,,Arba", von Con- 
stantin Porphyrogenitus ,,Arbum" genannte 
Insel Arbe ist das nordlichste der grosseren. 
dalmatinischen Eilande und liegt unter der 
Breite von Florenz. (44 51' bis 44 42' n. B.) 
Ihr Flacheninhalt wird auf 87 Quadratkilo- 
meter * berechnet, die Bevolkerung betrug 
1890 4525 Kopfe. 

Arbe ist fast durchaus gebirgig, und 
zwar wird der ostliche Haupttheil der Insel 
von einem aus Kreidekalk (Hippuriten- und 
Nummulitenkalk) aufgebauten circa 2 Kilo- 
meter breiten Gebirgsstreifen gebildet, wel- 
cher sich von Siidosten 22 Kilometer nach 
Nordwesten erstreckt. Sein Hauptkamm, das 
Tignarogebirge mit der 408 Meter hohen Tigna 
rossa, verlauft so nahe der Kuste, dass die 
Gipfel durchschnittlich kaum einen halben 
Kilometer vom Meer entfernt liegen. Gegen 
Sildwesten ist die Abdachung sanfter -- 

auf durchschnittlich V/ 2 Kilometer Gehange vertheilt und erfolgt hier 
zu einer parallel streichenden und in dieser Bichtung sich verbreiternden 
Langsmulde, welche von der Stadt Arbe an nordwestlich durch den Mergel- 
htigelzugMundanje glava in die Thaler S. Pietro und Campora getheilt wird, 
wahrend sie gegen Siiden einfach erscheint, hier aber unter den Meeres- 
spiegel gesunken ist und den schmalen Canal zwischen Arbe und Scoglio 
Dolin bildet. 

Westlich des Camporathals und des Canals Barbato ragt wieder ein 
von Sudost gegen Nordwest gerichteter Kreidekalkzug auf, welcher durch 
den Porto d'Arbe in einen breiten Nordtheil (Cap Fronte-Wald) und einen 
schmalen Siidtheil, den zungenartigen, in der Form die nordwestlichste Halb- 
insel von Pago parodierenden Scoglio Dolin geschieden ist. 

Durch das Auftreten ausgedehnterer eocaner Mergelschichten ist be- 
dingt, dass sich Arbe vor alien anderen zaratinischen Inseln durch das 
Vorkommen lebendiger Quellen auszeichnet, und zwar gilt dies besonders 
von den Sohlen der Thaler Campora und S. Pietro, welchen sich noch das 
kleine Thai von Loparo zugesellt, das den Nordtheil des Hauptgebirgs- 
streifens der -Insel mit dex nordostlich angelagerten Halbinsel Loparo ver- 




1 Der Gerichtsbezirk Arbe, d. h. die Insel Arbe sammt Scoglien um- 
fasst 103-43 Quadratkilometer. 



ARBE. 



137 



bindet. Jedes der Thaler Compora und Loparo zerfallt iibrigens durch eine 
nur wenige Meter hohe Wasserscheide in zwei Thaler, von denen das eine 
nach Nordwesten, das andere nach Siidosten verlauft. 

Stadt Arbe. 

Der Hauptort der Insel, Arbe, zahlt 815 Einwohner und liegt an der 
Sudwestkiiste, am Ostabfall einer 1 Kilometer langen Landzunge, welche 
die Bucht S. Eufemia von dem kleinen ostlich gelegenen Hafenbecken scheidet. 
Die Stadt nimmt die ausserste Spitze der Landzunge ein und ist theilweise 
von hohen Mauern umschlossen, aus denen schone Kirchthiirme ragen und 
sich im Meere spiegeln. 

Vom Hafen durch die neuen Anlagen (an Stelle des mit dem Marcus- 
lowen geschmiickten Marcusthores) in die Stadt spazierend, kommt man 
zunachst zum Gemeindehaus, wo man einen Marmorbalkon bemerkt, der 
von drei Paaren Lowenkopfen getragen wird und dessen Gelander mit 
Lowen geziert ist. In der Nahe befindet sich die Loggia mit dem Croatischen 
Club, wahrend sich der Italienische Club am Ende der, zum Landthor 
(Porta Catena) fiihrenden Strasse, im Geburtshause des beriihmten Physikers 
und Erzbischofs von Spalato, Marcantonio de Dominis befindet, welcher 
1624 der romischen Inquisition zum.Opfer fiel. 

Parallel mit dem Hafen zieht 
der Corso und entsendet Gasschen in 
den oberen antiken Theil der Stadt, 
welcher ein langes schmales Plateau 
bildet. Viele Euinen von Klostern, 
von Vegetation iiberwu chert, umher- 
liegende romische Altare mit 
Inschriften, aber auchPracht- 
bauten aus der besten vene- 




ARBE. 



138 



DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 




tianischen Zeit bieten ein hocbst malerisclies 
Bild, das sich steigert, wenn man, am Ende 
angelangt, auf den Platz vor den Dom tritt, 
den der schonste Glockentburm Dalmatiens 
ziert. Kunst und Natur wirken selten so 
schon zusammen wie hier auf der sonnigen 
Terrasse mit ihrer herrlichen Aussicbt auf 
Meer und Inseln. Tritt man in den Dom ein, 
so tiberraschen uns ein scboner Hochaltar, der 
ein kunstvolles Reliquiar entbalt und bolz- 
gescbnitzte Chorstiihle aus dem Jahre 1445, 
welcbe ihres Gleichen suchen. Aber noch 
drei andere Kircben, worunter S. Justina mit 
einem grossen Altarbild von T i z i a n, steben 
in der oberen Stadt, die trotz ihrer Euinen- 
reste den Eindruck der Woblbabenheit macht 
(siebe Abbildung ,,Haustbor in Arbe") und 
ungemein sauber gebalten 1st. Auch die Be- 
wobner seben sehr kraftig aus und an Unter- 
kunft fiir den Fremden ' ist kein Mangel, 
wie denn tiberbaupt in ganz Arbe WoHhaben- 
beit berrscbt und die 



ALTARBILD VON TIZIAN. 



Bauernbofe recht 
stattlicb ausseben. 

Ein Spaziergang von Arbe fubrt durcb die 
Porta Catena a iiber einen Wiesenbang mit Quellen 
zurmacbtigen Torre Gagliardound weiter auf 
den oberwabnten Campo Marzo, wo sicb eine 
pracbtige Aussicbt darbietet. Hier stebt das (aufge- 
lassene) Franziskaner - Kloster, wo man im Thor- 
bogen des Altars die Wappen der beriibmten Ar- 
beser Familien besicbtigen kann ; auch findet man 
einen berrlichen Kreuzgang und einen prachtigen 
Garten. 

Wirtschaftlicbes. 



In Arbe sind alle Zweige der Wirt- 
scbaft in gutem Zustande. Zwar leidet 
die Ostkuste unter der Bora, welche iiber 
den Canal Morlacca heruberwehend, oft 



1 Gasthof in Stadt Arbe: Albergo 
Dobrilovic (Catterina Ricetti, vulgo 
Fiumana), Eestauration Nimira. 

* Aucb bier entstand im letzten Jahr- 
zehnt eine Parkanlage. 




CHORSTUHL. 



ARBE. 



139 



den salzigen Gischt welt landein tragt 
und bewirkt, dass die Gestade hier 
ebenso wie auf Pago kahl und felsig 
sind ; der iibrige Theil der Insel aber 
erfreut sich bis auf einzelne Stellen, 
wo zeitweise "Wasser stagniert, des 
best en Seeklimas und ist dem Weizen- 
bau so giinstig. dass man zwei ja drei 
Ernten jahrlich einheimsen kann. Be- 
kannt ist ferner das feine Ol von Arbe 
und das Product der Bebe, aus dem 
auch hier der ,,Yodice" genannte 
Schaumwein bereitet wird. 

Eigenthiimlich sind die Boote der 
Arbeser Fischer, die Zoppoli, welche 
an Canoes erinnern. Ein Fichtenstamm 
von 7 bis 10 Meter Lange wird ausge- 
hohlt und durch seitlich angebrachte 
Bretter in eine Barke verwandelt, fiber 
deren Mitte ein langes Querholz liegt. 
in dessen Enden weitausgreifende Ruder 
gelegt werden. Diese Fahrzeuge, die 
fast mit der Geschwindigkeit kleiner 
Dampfer dahinschiessen, werden zu 
Ausfliigen auf der Insel auch von den 
hier freilich noch seltenen Fremden 
zuweilen beniitzt. 




HAUSTHOR IN ARBE. 



Ausfltige auf Arbe. 

In der naheren Umgebung der Stadt Arbe stehen dem Inselbesucher 
zwei Ausfliige offen: siidostlich entlang der Kuste nach Barbato (V/ t Stunde) 
und nordlich in den Hintergrund der Eufemia-Bucht zum Kloster S. Eufemia 
(V, Stunde). 1 

Weitere Ausfliige sind ostlich auf die Tigna rossa (! 3 / 4 Stunden), 
nordlich auf dem Hauptwege der Insel ilber S. Elia in die Valle di S. Pietro 
(Supetarska draga) und weiter zur Hohe von Loparo (Wald von Quercus 
Ilex) nach Loparo (3 Stunden), iind endlich nach Nordwesten zum Forst- 
haus Dundo im beriihrnten Cap Fronte-Wald (Hin und zuriick '/ 2 Tag). 

Nach Barbato (Barbat). Dieser Spaziergang langs des Ufers fiihrt an 
grossen Lorbeerbaumen, Olbaumen, vereinzelten Steineichen und Weingarten 
voriiber und bietet instructive Einblicke in die Bodenverhaltnisse. Steigt 
man zu den Euinen von S. Damiano empor, welche TJeberreste der zweiten 



1 Bemerkt sei hier fur den Touristen, dass es in Arbe keine Wagen 
gibt. Partien mussen per Boot, zu Pferde oder zu Fuss gemacht werden, 
wozu eine starke Beschuhung anzurathen ist. 



140 DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 

antiken Hauptstadt der Insel Colendo sein sollen, so sieht man iiber den 
Barbato-Canal und Scoglio Dolin hiniiber bis auf die lange Nordzunge von 
Pago und in weiter Feme bis Cherso und Lussin. 

Nach S. Eufemia. Das reizend am Abhang der Eufemia-Bucbt ge- 
legene schon 1444 gegriindete Franziskaner -Kloster, enthalt manche kirch- 
liche Schatze. welche die gastlichen Fratres dem Besucher gerne zeigen. Im 
Klostergarten gedeiht neben indischen Feigen-Cacteen eine Pinie und eine 
riesige Palme, so dass sicb der vielgereiste Professor Frischauf, dem bier 
auch der ,,Vodice" trefflicn mundete, an Camaldoli bei Neapel erinnert fiihlte. 

Auf die Tigna rossa. Etwa eine Viertelstunde auf dem Wege nach 
Loparo wandernd, trifft man einen rechts abzweigenden stiegenartigen Pfad. 
der an macbtigen Exemplaren von Euphorbia officinalis und Juniperus oxy- 
cedrus auf die Hohe des Kandes von Valle S. Pietro und oberbalb der Kircbe 
S. Matteo in Montaneo iiber das Tbal zu einem grossen wilden Birnbaum 
fiihrt. tJber einen Bacb, an dessen Cfern Felder, Olivenbaine und Wein- 
garten sicb binziehen, erreicbt man beim Haus Kerstina den Bergbang und 




ZOP P OLO. 

von bier in 5 Minuten das letzte Bauerngehoft Skerbe, das an einer aus 
grossen Felsblocken gebildeten "Wand liegt. Hier und etwas weiter langs 
der Wand stebt je eine uralte Steineicbe; links der letzteren beginnt ein 
Pfad tiber stiegenartig gestuften Fels, der inmitten fast alpiner Fels- 
Scenerien rascb iiber die letzten mit Salbei bewacbsenen Gehange zum 
Plateau emporbringt. Auf der Hobe trifft man Weideflachen, ein ummauertes 
Weizenfeld und einzelne Birnbaume, aucb stebt ein Alpbiittcben an einer 
Felsmauer, iiber welcbe der, mit einem 3 Meter boben Steinzeicben gekronte 
Gipfel erreicbt wird. Die Aussicbt ist geradezu grossartig. Denn man siebt 
nordwestlicb iiber Cberso bis zum Monte Maggiore (bei Abbazia), nordlich iiber 
Veglia, an dessen Siidkiiste Bescanuova einen reizenden Anblick gewabrt, bis 
zum Risnjak und zum 95 Kilometer entfernten Krainer Schneeberg, wahrend 
im Osten fast der ganze Canale della Morlacca mit seiner interessanten 
Kiiste von den Abbangen der Kapela bei Novi bis zu jenen des Velebits 
gegeniiber Pago erscblossen ist. Mit Pago aber beginnt die maleriscbe, den 
grossten Tbeil des Zaratiner Arcbipels umfassende Siidenscbau, die gegen 
Siidwesten bis Lussin fortsetzt. Besonders interessant ist auch iiberall der 
Vordergrund: das meerumflossene Arbe, dessen Culturen und Walder 
mittelst vielgestaltiger Kiiste zu der blauen See niedersteigen. 



ARBE. 141 

Nach Loparo (Lopar). tlber die aussichtsreiche Hohe S. Elia 
(91 Meter) fiihrt der Hauptweg der Insel an vielen Quellen vorbei ins 
S. Pietro-Thal, wo den Fruhlingswanderer nicht nur der Anblick wald- 
umgebener Felder und Weingarten, sondern abends auch der Schlag der 
Nachtigall entziickt. Dann geht es jenseits wieder bergauf, an der Kirchen- 
ruine St. Daniel vorbei in dichten Wald, wo den Geologen hochinteressante 
zerschluchtete Lossablagerungen fesseln, ebenso wie beim nun folgenden 
Abstieg ins Loparothal die hier vorkommenden Flugsandablagerungen, 
welche in der siidlichen Bucht Crnica 20 Meter Hohe erreichen. Vor dem 
Abstieg passiert man die grossartige Janina-Scblucht, im Thai selbst kommt 
man zunachst bei der Kirche voriiber, wo machtige Ailanthen auffallen und 
der Blick des Wanderers tiber den Ort hinuber in weite Fernen bis zum 
Monte Maggiore schweift. 

Von dem herrlich gelegenen Loparo, wo jener Eremit Marianus geboren 
worden sein soil, der zu Diocletians Zeit nach Italien zog und dort die 
Republik S. Marino griindete, fuhrt ein interessanter Felspfad zu dem 
infolge zahlreicher Quellen etwas sumpfigen Strande hinab und hier kann 
nun, wer nicht auf demselben Wege zurlickkehren will, in einen Zoppolo 
steigen, und um die beiden grossen Nordwesthalbinseln Arbes ' herum, nach 
Abstechern in die beruhmten Walder von Sorigna und Capo fronte, zur See 
nach Stadt Arbe zuriickkehren. 

Zum Forsthaus Dundo. Von Loparo aus mit dem Zoppolo langs 
der in pittoreske Felszahne zerschluchteten Nordostkiiste der Sorigna-Halbinsel 
hinfahrend, traversiert man die gemeinsame Ausmiindung der Buchten von 
S. Pietro und Campora in den Quarnerolo und biegt in die Bucht von 
Campora ein, wo ein kleiner Vorsprung der oberwahnten Mittelhalbinsel 
die Ruinen des einstigen Castellino tragt. Hier liegt das von Feigen und 
Olbaumen umgebene Dorf gleichen Namens an der Kiiste, unfern des hintersten 
Buchtwinkels, wo das Campora-Thal (Kampor) beginnt. Von dem Karrenweg, 
der durch dieses Thai siidlich zxir Eufemia-Bucht und nach Arbe fuhrt, 
zweigt alsbald rechts jener Weg ab, den auch der direct von Arbe uber 
S. Eufemia gekommene Wanderer oder Zoppolofahrer einschlagt, um nach 
Dundo zu kommen. 

Es ist ein guter Steig, der zwischen Biischen von Pistacia lentiscus 
und Juniperus oxycedrus zu dem Thore fiihrt, durch welches man den 
Domanenwald betritt. Riesige Steineichen bilden hier den Hauptbestand, 
wahrend als Unterholz besonders, u. zw. in Biischen bis zu 5 Meter Hohe. 
die Erica arborea vorkommt. Auch wilder Wein rankt an den Baumen, 
aus dessen Trauben hier ein eigenartig schmeckender Wein gekeltert 
wird; leider ist die Feuchtigkeit eben infolge des dichten Waldwuchses so 



1 Zwischen diesen beiden Halbinseln streckt Arbe noch eine dritte 
kleinere, die Fortsetzung des Mergelzuges Mundanje glavina gegen Nordwest, 
wodurch die Buchten von S. Pietro und Campora (Castellino) entstehen, 
welche als die versunkenen Fortsetzungen der gleichnamigen Thaler zu 
betrachten sind. 



142 



DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 



gross, dass im Sornmer leicht die Terzana, ein Wechselfieber auftritt. 
Inmitten des Waldes liegt in 81 Meter Seehohe das standig bewohnte 
Jagdhatis Dundo, dessen Forster wohl, wenn es moglich ist, dem Fremden 
den Waldhiiter als Begleitung mitgibt, da man sich in dem ausgedehnten 
Forste leicht verirren kann. 1 

Pago (Pag). 

Die siidliche Nachbarinsel von Arbe, das iiicht weniger als 59 Kilo- 
meter gegen das Festland bei Nona sich hinstreckende Pago, gehort, wie 
bereits erwahnt, schon der sonderbaren Form \vegen, welche jene eines 
halbierten Nusskernes zweimal wiederholt, zu den merkwiirdigsten Inseln 
Dalmatiens. Und der Form entspricht auch die Bodengestaltung. Noch 
weit niehr als bei Arbe wiegt die Auspragung von langgestreckten Berg- 
ziigen vor, welche durch ebenso lange Thaler geschieden werden. Es sind 




PAGO. 

aber nicht nur die Bergzilge niedriger als auf Arbe -- der hochste Gipfel 
Monte Vito hat nur 348 Meter und bilden mehr lange Plateaus treif en, 
sondern es erscheinen auch von den Sohlen der zwischenliegenden Thaler 
weit grossere Strecken unter dem Meeresspiegel abgesunken. 

Im Nordtheil der Insel hat das schmale Thai, welches die Gebirgs- 
riicken des ostlichen und westlichen Inselstreifens scheidet, nur eine Lange 
.von 3V 2 Kilometer und wird gegen Norden von einem 4Y 2 , gegen Siiden von 
einem bis zum Vallone di Pago fast 10 Kilometer langen, schmalen Meer- 

i Literatur tiber Arbe: Dr. v. Borba, Excursionen auf Arbe .und 
Veglia (Osterreichische botanische Zeitschrift 1878). O. Badimsky, "fiber 
den geologischen Bau der Insel Arbe (Jahrbuch der geologischen Eeichs- 
anstalt 1880). E. G e 1 c i c h, Die Insel Arbe (Osterreichisch-ungarische Eevue 
1880). Dr. J. Frischauf, Die Insel Arbe (Jahrbuch des Deutschen und 
Osterreichischen Alpenvereines 1888). 



PAGO. 143 

busen fortgesetzt. Ebenso sind im Siidtheil der Insel die beiden Gebirgs- 
flugel durch ein Thai von 6*/ 2 Kilometer Lange verbunden, an welches 
gegen Norden und Sttden schmale Meerbusen von 11, beziehungsweise 
8 Kilometer Lange anschliessen. 

Die karstigen, plateauartigen Gebirgsstreifen der Insel fallen ostwarts 
in wildzerschluchteten kahlen Steilgehangen ab und bilden zum grossten 
Theil von Gesteintriimmern bedeckte Flachen mit zumeist nur sparlicher 
Kraut- und Buschvegetation. Denn die Bora weht hier zeitweise mit Wucht 
und triigt den, die Vegetation schadigenden Salzgischt so weit, dass man 
zuweilen noch weit landein von angeflogenem Salzschaum wie bereifte 
Olbaume trifft. 

Auf dieseii Hochflachen der Insel, die sich im siidwestlichen Theile 
bis auf 50, ja selbst 20 Meter Seehohe senken, findet man naturgemass nur 
sparlich Culturen. Doch steht ein Wald wilder Olbaume im Siidwesten der 
Insel, dort wo die eigenthiimlich, wie eine Seehundhand geformte Halbinsel ab- 
zweigt, welche die Buchten von Pogliana.Vecchia und Pogliana Nuova 
scheidet, und Waldstreifen bedecken auch die nordwestliche Zunge Pagos 
von Novaglia bis Punta Loni (Lun). 

Auf letzterer Zunge, die sich bei einer Breite von kaum 1 '/ 2 Kilometer 
20 Kilometer nach Nordwesten erstreckt, findet sich eine Anzahl kleiner 
Dorfchen und wo die Zunge an den Inselkorper ansetzt, liegt in einer Bucht 
der Westkiiste das Dorf Novaglia (Novalja), die zweitgrosste Ortschaft der 
Insel; die Hochflachen im mittleren und Siidtheil der Insel dagegen sind 
fast unbewohnt und alle tibrigen Siedlungen drangen sich auf der Leeseite 
des ostlichen Bergzuges in der Sohle des Thales der Siidinsel, beziehungs- 
weise an den Kusten, welche die von diesem Thai nordlich und stidlich 
ziehenden schmalen Meerbusen besaumen. 

Hier findet der von der Hochebene kommende Wanderer zu seiner 
tiberraschung plotzlich iippige Weingarten und Olivenhaine auf den 
absteigenden Gehangen, besonders bei Pago, zu dessen Bucht von Westen 
der Rticken des Monte Vito, von Osten jener des KrSna (263 Meter) nieder- 
steigen. (Siehe Abbildung von Pago.) 

Eine alte Steinbriicke trennt die aussere, zum Vallone di Pago geofihete 
Bucht von der langen schmalen Innenbucht (Valle delle Saline), welche in 
den rtickwartigen Partien von circa 2500 Salzbeeten umgeben ist. 

Die Salinen von Pago iibertrefien jene Arbes, welche erst im vorigen 
Jahrhundert angelegt wurden, vielemale an Grosse und sind seit alters 
beriihmt, ja wie es fur die friih erkannte Eignung Arbes zur Bodencultur 
charakteristisch ist, dass Otto O r s e o 1 o II., als er 1018 die Arbeser in 
seinen Schutz nahm, einen Tribut von 10 Pfund S e i d e, beziehungsweise 
5 Pfund guten Goldes (aurum obrizum) bedang, so sind fur Pago die Kampfe 
bezeichnend, welche im Mittelalter um seine Salinen stattfanden. 

Bei letzteren findet noch heute ein guter Theil der Bewohner Pagos 
Beschaftigung, was dazu beitragt, dass sich in die Stadt allein mehr als 
die Halfte der Inselbevolkerung zusammendrangt. Von 6203 Einwohnern 



144 DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 

welche das 294-68 Quadratkilometer grosse Pago 1890 zahlte, lebten 3554 
(57 Percent) in der Stadt selbst. Weitere 1018 (18 Percent) kamen auf 
Novaglia, 326 (5 Percent) auf die Nordwestzunge der Insel, 145 (2 Percent) 
auf die Kiiste des Golfs von Novaglia Vecchia, 334 (5 Percent) auf die Kiiste 
des Golfs von Caska (Gemeinde Barbato), 203 (3 Percent) leben im Thai der 
Siidinsel und an den Kusten des Val Dinjiske und nur 570 Kopfe (10 Percent) 
entfallen auf Ortschaften im Innern der Insel, davon 234 auf Dorf Collane ' 
(Kolan) in einem Thai westlich der Nordkette des Monte S. Vito und 336 
auf die Orte Poljana und VlaSic auf den Siidhalbinseln Pagos. 

Von diesen Orten ist VlaSic auf der mittleren Sudhalbinsel Pagos 
interessant, denn es liegt am Ostgehange einer sumpfigen Thalfurche, welche 
zwischen den Meerbusen von Poljana Vecchia und Dinjiska und parallel 
zu denselben nordwestlich zum See Velo Blato und uber diesen weiter zum 
Meere zieht. Die Furche liegt so tief, dass ein Sinken urn 30 Meter geniigen 
wiirde, iim sie in einen Meercanal zu verwandeln und den Siidwesttheil 
Pagos als Insel abzuschnuren ; schon derzeit aber geniigen die Winterregen, 
um das Velo Blato, das im Sommer kaum I 1 /, Kilometer Durchmesser hat, 
auf 5 Kilometer Lange zu bringen. Weite Uferstrecken des Sees sind mit 
Schilf bewachsen, das theils zu Matten verarbeitet wird, theils als Brenn- 
material dient und im Winter von zahlreichem Geflugel bevolkert wird; 
im See leben fette Aale un<? Schleien und tragen zum Fischfang der 
Pagesaner bei, dessen Hauptertrag aber naturlich in Seefischen (Thun, Sar- 
dellen, Makrelen) besteht. Die Fischerei wird wie bei Arbe zum Theil 
mittelst der Zoppoli betrieben. 

Noch wichtiger als die Fischerei ist fur Pago die Schafzucht, welche 
in den Kasen von Novaglia und Pago ein Product liefert, von dem schon 
1857 P e 1 1 e r s sagte, seinem Geschmacke nach sei es das vorzliglichste in 
Dalmatien. 

Eine historische Merkwilrdigkeit von Pago ist ein 300 Meter langer 
Felstunnel bei Novaglia, der fur ein Werk aus der Homerzeit gehalten wird. 
Uberdies finden sich zahlreiche Ptuinen auf der Insel, welche gleich einzelnen 
Localitatsbezeichnungen auf mannigfaltige Anderungen in den Besiedlungs- 
verhaltnissen schliessen lassen. So existiert z. B. ausser dem an der West- 
ktiste gelegenen Novaglia Nuova ein Novaglia Vecchia in der Bucht gleichen 
Namens ; es soil ferner die durch Ruinen markierte Localitat Terra Vecchia 
an der Westkiiste des Salinenthals den Ort bezeichnen, wo die Stadt Pago 
fruher stand (vor der Zerstorung durch die Zaratiner im Jahre 1393), ehe 
sie auf Befehl des venetianischen Senats 1442 an ihrer gegenwartigen Stelle 
aufgebaut wurde. Vielleicht bezieht sich aber dieses Senatsdecret nur auf 
einen Wiederaufbau Pagos. Dann wiirde Terra Vecchia die Localitat bezeichnen, 
wo jene alteste Hauptstadt der Insel (Glissa) stand, die 1202 von den Zara- 
tinern zersto'rt worden sein soil. 



1 Bei Collane besteht ein Flotz mittelmassiger Steinkohle, das aber 
nicht abbauwurdig ist, da sein bester Theil ins Meer streicht. 



UGLJAN UNO PASMAN. 145 

Fremden, welche ausser der Bootfahrt von Pago nach den Salinen noch 
eine grossere Landtour auf der Insel unternehmen wollen, wird empfohlen, 
von Pago aus den Monte S. Vito zu besteigen und dann die aussichtsreiche 
Hohenwanderung liber Dorf Collane bis Novaglia Nuova fortzusetzen (circa 
Kilometer). Sowohl in Pago, als auf Novaglia (Gasthaus Lukic) ist 
Unterkunft zu finden. 

Wer nur die Salinen besichtigt, wird eventuell von diesen aus zum 
Lloyd-Stationshause Val Cassione an der Westkiiste wandern (etwa '/, Stunde), 
wo einzelne der Pago besuchenden Dampfer anzulegen pflegen. 



Ugljan und Pasman. 

Wie die Bewohner Arbes und Pagos, zeichneii sicli auch jene der ilbrigen 
zaratinischen Inseln durch Arbeitsamkeit, Religiositiit und bescheidenes 
gefalliges Benehmen aus. Uberall sin-d neben der Landwirtschaft und der 
Cultur der Olive, Viehzucht und Fischfang Haupterwerbszweige ; auch gibt es 
noch immer Dorfer, wo man zumeist nur Frauen, Kinder und Greise findet, 
da alles was Jung und kraftig ist, zu SchifFe gieng, um dem Glticke nach- 
zujagen. Viele erhaschen dieses auch und kehren nach langerer Zeit mit 
gefiillter Geldkatze auf die Heimatinsel zuriick, wohin sie nun den Athem 
der gebildeten Welt und des socialen Fortschritts mitbringeii. Man sieht 
dies unter Anderem daraus, dass sich selten ein besseres Haus findet, das 
nicht seine ,,gute Stube" hatte. 

Namentlich gilt dies von Ugljan und Pasman, jenen mit dem Festland 
den Canal von Zara bildenden beiden Inseln, deren Besuch dem Fremden am 
nachsten liegt. Auf Ugljan und Pasman hatten schon in den Zeiten J a d e r a s 
die Romer Sommerfrischen, wie ausgegrabene Mosaikboden beweisen; 
heute sind die gesunden reineii Orte 1 1 r e (Preko), Kali, Pasman 
- erstere zwei auf Ugljan Sommerfrischen der guten Gesellschaft Zaras, 
und auch der Fremcle, dem hier Gelegenheit zu kostlichen Bootfahrten und 
zum Segelsport geboten ist, geht gern zumindest nach Ugljan hinuber, wo 
das alte Castell S. Michele eine wundervolle Rundschau auf die Zaratiner 
Inseln gewahrt. 

Eben hier. hat man auch am besteii Gelegenheit, die Tuchtigkeit der 
Inselbewohner wahrzunehmen, die selbst Gruudstiicke auf dem Festland 
erwerben und bearbeiten, wenn die eigene Scholle nicht hinreicht, ihren 
Lebensbedarf zu decken. Es verdient gesehen zu werden, wie emsig die 
wohlgebauten gesunden Frauen dieser Inselbewohner der Feldarbeit obliegen, 
oder zu Markte rudern, ohne die hauslichen Pflichten gegen ihre meist viel- 
kopfige Kinderschar zu vernachlassigen. Manche Orte haben auch ihre 
Specialitat, wieKukljca auf Ugljan, dessen Bewohner seit alters die Steine 
fin- die meisten Bauten Zaras beschafFen, oder Polj ana zwischen Oltre und 
S. Eufemia (SutomiSljica) auf derselben Insel, aus dessen Garten ein gut 
Theil der Gemuse stammt, welche allmorgendlich auf der Piazza Verde in 
Zara zum Verkauf aufliegen. Im gaiizen Dorf durften kaum 20 Quadrat- 

Fuhrer durch Dalmatian. 10 



146 DER ZARATINISCHE ARCHIPEL. 

meter frei von grobem Gefels sein, allein zwisclien den Steinen 1st jeder 
Zoll Erde auf das sorgfaltigste ausgeniitzt. 

Ugljan und Pasman gehoren denn auch zu den bevolkertsten Inseln 
des Zaratiner Archipels, da ersteres 6833, letzteres 2788 Einwohner zahlt. 

Die iibritjen Inseln. 

Westlich der Inseln Ugljan und Pasman erstreckt sich parallel dem 
Canal von Zara der Canale di Mezzo, welchen die 44 Kilometer lange aber 
ganz schmale Insel Lung a (Dugi Otok) und siidlich davon die 22 Kilometer 
lange Insel Incoronata (Krunarski Otok) gegen die offene Adria abschliesst. 
Die Folklore dieser Inseln, auf welchen sich manche archaologische und 
architektonische Merkwiirdigkeit findet, ist eine ziemlich verschiedene, wie 
sich schon aus den Bevolkerungsziffern ergibt. Wahrend Lunga 3134 Ein- 
wohner aufweist, unter welchen sich besonders jene des Hauptortes Sali 
durch Wohlhabenheit und Liebenswiirdigkeit auszeichnen, leben auf Incoro- 
nata nur 32 Menschen. 

Auch die Insel Eso (12) zwischen Ugljan und Lunga und die durch 
ihre schonen Golfe ausgezeichnete Insel Mela da oder Zapuntello (Mulat) 
nordlich von Lunga, so wie Selve (Silba) und Ulbo (Olib), welche den Uber- 
gang zur Inselflur von Lussin machen, zahlen zu den starker bevolkerten 
Eilanden des Zaratiner Archipels, obwohl sie, abgesehen von Selve, nur 
Dorfer aufzuweisen haben. 



********************************** 



*********** *_*__* * * *~ * * * * * * * ****** * * * * 

~ ~ 



IX. Von Zara zu den Binnenmeepen von 
and fiovigpad and auf den Velebit. 

Seeroute Zara-Obrovazzo. 

(73 Seemeilen a 1-852 Kilometer.) 

Zur See an den Fuss des Velebit zu komuien, steht zu- 
nachst die Route Fiume-Obrovazzo der n Ungaro-Croata" ofFen ; 
ausserdem verkehrt seit 1898 auch von Zara ein Dampfer (Unter- 
nehmung Negri & Comp.), welcher jeden Sonntag und Donnerstag 
um 5 Uhr morgens (im AVinterhalbjahr 6 Uhr) die Anker lichtet 
und nach Umschiffung der grossen Nordwest-Halbinsel Festland- 
Dalmatiens ' - - wobei ihn sein Cours bis an die Westkiiste Pagos 
fiihrt um l !*^ Uhr nachmittags in Obrovazzo ankommt. 

Aus der Landschaft des Canals von Zara mit ihren griinen 
ortschafbenreichen Ufern, wo der Dampfer der Reihe nach Lazaretto, 
Seebad Punt'amica, Diklo ? Petrcane, Zaton und Brevi- 
lacqua (Prevlaka) beruhrt, fiihrt diese Route in ein zur Winters- 
zeit von der Bora und ihrem Salzgischt beherrschtes Revier von 
Canalen und Buchten, an deren Gestaden man nur sparliche 
Culturen und armliche kleine Siedlungen bemerkt. Dennoch ist die 
Fahrt sehr interessant, theils eben der eigenthumlichen Karst- 



1 Zur Orientierung : Die grosse Nordwest-Halbinsel Festland-Dalmatiens 
wird westlich vom Canale di Zara begrenzt und streckt gegen Norden 
drei kleinere Halbinseln aus : eine westliche, welche durch den engen nur fur 
kleine Barken passierbaren Canal Stretto di Brevilacqua von der Insel Punta- 
dura getrennt ist; eine mittlere, welche sich zwischen der Siidwest- und 
Stidhalbinsel Pagos in den Vallone di Pogliana Vecchia hinein erstreckt; 
und eine ostliche, welche der enge Canal Stretto di Ljubac" von der Siidost- 
Halbinsel Pagos trennt. 

10* 



148 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

formation der Kiisten wegen, theils well der Velebit immer naher- 
riickt und immer mehr seinen grossartigen Siidwestabfall entfaltet. 

Der Dampfer wendet sich zunachst in die grosse Siidbucht 
von Puntadura, und umfahrt dann die /Westkiiste dieser Insel, 
wobei sich gegen Nordwesten ein weiter liber die Insel Maon 
bis in den Quarnerolo reichender Meerhorizont erschliesst. Den 
Cours gegen Nordosten nehmend, wird die nur ein Stationsgebaude 
bergende BuchtValcassione erreicht (siehe Pago, Seitel42), von wo 
der Dampfer siidlich abfallt, urn in den Canal Poljana Nuova zu 
kommen, welcher Puiitadura von der Siidwest-Halbinsel Pagos 
scheidet und gegen Siidosten im Vallone di Nona ' endet. 

Letztere Bucht bleibt sammt dem in ihrem Hintergrund 
liegenden alterthumlichen Stadtchen Nona zur Rechten, denn das 
Schiff wendet sich nun ostlich, wo hinter der Punta Prutna, 
der Siidwest-Halbinsel Pagos, das Kirchleiii Madonna di Lepovina 
die Nordspitze der mittleren festlandischen Halbinsel markirt. 
Die Landspitze, welcher noch der Scoglio Misjak vorgelagert ist, 
zwingt den Schiffer, gegen Norden in den Vallone di Pogliana 
Vecchia abzubiegen; unmittelbar darnach aber nothigt die Siid- 
Halbinsel Pagos mit den vorgestreckten Scoglien Paolo und 

v 

Cikovac wieder siidostlich zu steuern, diesmal in den gewaltigen 
Vallone di Ljubac , welcher eine interessante Rundschau 
darbietet. 

Nordwestlich hat man namlich erst das Thalchen von Via si 6, 
in welchem ein Pfad bis zum Blato-See fuhrt, und etwas spater 
die langgestreckte Bucht von Dinjiska, welche einen Blick 
weithin bis zum 30 Kilometer entfernten Monte San Vito ge- 
stattet, dies alles auf der, den Kordhorizont erfiillenden Insel Pago ; 
im Nordosten aber offnet sich zwischen den kahlen Felshohen der 
Siidost-Halbinsel Pagos und der ostlichen Festlands-Halbinsel, 
deren Gestade einige kleine Orte besaumen, der Stretto von Ljubac 
gegen den Canale della -Montagna, iiber den man schon hiniiber 
auf das Grenzkirchlein S. Maddalena am Fusse des Velebit blickt. 

Indem nun der Dampfer den Canale della Montagna in 
siidostlicher Richtung quert, sehen wir letzteren von 3'/ g auf 



1 Bucht zwischen der westlichen uud mittleren Halbinsel der grossen 
Nordwest-Halbinsel Festland-Dalmatiens. 



SEEROUTE ZARA-OBROVAZZO. 149 

6 Kilometer sich verbreitern, aucli gelit seine Richtung aus der siid- 
ostlichen in eine ostsiidostliche iiber und auf der linksseitigen (nord- 
lichen) Ktiste tritt ein sanftgeneigter Ufersaum, eine Art Riviera 
auf, welche zahlreichen kleinen Ansiedlungen Raum gewahrt hat. 

Das erste dieser Dorfer ist Tribanje, wo der Dampfer 
anlegt, um dann den Canal abermals zu queren und zwischen 
den drei Scoglien Raznac hindurch - - nach dem direct siidlich 
liegenden Rasanze (Rasanac) zu steuern. 

Schon wahrend dieser Querung ist die seit Langerem sicht- 
bare grossartige Schluchtenbildung des Yelebit deutlicher in 
Erscheinung getreteii. Xun aber, da von Rasanze ostlicher Cours 
genommen wird, thun sich jene gewaltigen, selbst im Velebit 
einzigen Felsschluchten vollig auf, welche als Velika und Mala 
Paklenica zu Beruhmtheit gekommen sind. (Siehe das Subcapitel 
n Auf den Velebit u , Seite 160.) 

Wo die erste dieser Schluchten - - die grosse Paklenica - 
endet, liegt Starigrad und 3' 2 Kilometer ostlich, an der 
Miindung der kleinen Paklenica, das Dorf Seline - beides 
zerstreute Gemeinden, auf deren Gebiet der schmale Kiistenstreif 
durch die Ablagerungen der Paklenicaschluchten bis auf 2 Kilo- 
meter verbreitert erscheint und nun einen riesigen Anschiittungs- 
kegel unter den Felsgehangen darstellt. Eben hier verengt sich der 
Canale della Montagna wieder auf 1' 2 Kilometer und zugleich 
zeigt nun auch die Siidkiiste hohere Hiigelaufragungen, an deren 
Fuss dort, wo die Erhebung am betrachtlichsten ist (270 Meter), 
Castelvenier liegt. 

In Castelvenier halt der Dampfer nach siebenstiindiger 
Fahrt eine Weile, um nun alsbald das Ostende des Canals della 
Montagna und den Anfang jener direct stidlich ziehenden, nur 
2 300 Meter breiten Meerenge zu erreichen (Maslenica, Zdrijelo), 
welche das Velebit-Gebiet von der Nordwest-Halbinsel Festland- 
Dalmatiens scheidet. 

Zwischen beiderseits zu 100 Meter Hohe aufragenden Steil- 
gehangen, geht es hier wie auf einem, in ein Felsdefile gebannten 
Strome dahin, bis sich nach etwa 20 Minuten langer Fahrt die 
Fluten abermals weiten und das rings von Berg- und Hiigel- 
gelanden umgebene Meer von Novigrad vor den Blicken aus- 
gebreitet liegt. 



150 



VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 



Schon bei der Ausfahrt sieht man gegeniiber am siidlichen 
Ufer die kleine Bucht von Novigrad und weiter links jene ost- 
liche Verschmalerung des Binnenmeeres, in \velche von Norden 
her die Zrmanja mtindet, wahrend im Siidosten wie eine 
Wiederholung der Maslenica der circa 2'/ Kilometer lange, nur 
mehr von massig hohen Ufern begrenzte Canal beginnt, welcher 

in das hinterste Becken des 
Canals della Montagna, das 
Mare di Karin fiihrt. 

Das Schiff dampft nach 
der Ausfahrt ins Meer von 
Novigrad erst in dessen West- 
bucht nach Pos sedaria 
(Posedarije) und lauft dann 
Novigrad an; dann wendet 
es sich, die ins Meer von Karin 




EINFAHRT IN DIE ZRMANJA BEI OBROVAZZO. 

fuhrende Wasserstrasse rechts lassend, der Miindung der Zrmanja 
zu, wo den Reisenden ein noch gross art igeres Defile als jenes 
der Maslenica iiberrascht und iiber eine Stunde lang seine 
Blicke fesselt. 

Die Zrmanja, der antike Tedanius, mimdet ziemlich breit 
direct gegen Siiden, verschmalert sich aber, sobald jene 



SEEROUTE ZARA-OBROVAZZO. 151 

maandrischen Windungen beginnen, durch welche der Strom von 
Obrovazzo her in einem nordwarts geschwungenen Bogen dem Meer 
von Novigrad ' zueilt. Im Allgemeinen stellt das Flussbett einen 
Canon dar, dessen "Wande zunachst durch rothliches Gefelse - 
lockeren Breccienkalk - - gebildet werden. Manches Jahrtausend 
mag die Flut an diesem Bette genagt haben, das nun aber auch, 
dank der pittoresken Formen der bis zu 200 Meter Hohe auf- 
ragenden Uferwande ein Xaturschauspiel ersten Ranges geworden 
ist. Die Scenerie wechselt fast in jedem Augenblicke. So bemerken 
wir noch vor der ersten Biegung nach Osten am rechtsseitigen 
Gehange die Ruine Przunac und welter auf der linken Seite die 

^ 

Ruinen der alten mythischen Stadt Sibenik; auch gent die roth- 
liche Farbung der Gehange in Felsgrau iiber, von welchem sich 
stellenweise grimes Buschwerk abhebt, wahrend die Sonne in 
hundert Reflexen auf demAVasser spiegelt, das anderwarts wieder in 
tiefem Dunkel liegt, wie ein Kolk am Grunde einer Grotte. Eine 
Stelle kommt vor, wo das Gefelse einen natiirliehen Triumph- 
bogen bildet; eine andere, wo die ,,Fratres~ aufragen, lange 
schwarze Gebilde, die eine merkwiirdige geologische Spielerei 
darstellen und auf einem ihrer unersteiglichen Gipfel einen Adler- 
horst tragen. 

Yorbei an einem klaren Quell und an einem 50 Meter langen 
Wasserstrudel, wo man auf der Hohe ein Gelobniskirchlein und 
ein steinernes Kreuz wahniimmt, erreichen wir endlich den 
Ausgang der Schlucht und finden uns wieder im Lichte, in 
einem sanfteren griinen Gelande, in welchem das byzantinische 
Kirchlein beim Friedhof von Obrovazzo und dann die Ruinen der 
alten Festung auffallen, vor welcher wir die letzte Serpentine 
der von Zara kommenden Strasse nach Obrovazzo niedersteigen 
sehen. 

Bis hieher war das Gefalle des Flusses so schwach, dass sein 
Wasser noch immer mit jeneni des Meeres gemischt und von 
brakischem (halbsalzigem) Geschmacke erscheint, wie jenes der 
Ombla bei Ragusa. 



1 Das Meer von Novigrad erstreckt sich von WNW OSO 11-2, von 
N S 4-9 Kilometer ; das Mare di Karin von NNW SSO 3-7, von W 
2-5 Kilometer. 



152 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVI3RAD ETC. 

Obrovazzo (Obrovac). 

Von Berghohen nordlich tind stidlich umwallt, liegt Obro- 
vazzo im Thai der Zrmanja am siidlichen Ufer des Flusses, 
welchen die von Zara kommende nnd nordlich sofort wieder gegen 
den Velebit ansteigende Strasse auf einer Steinbriicke iiberschreitet. 

Der Stadttheil, in welchem die Intelligenz wohnt und die 
Greschaftslocale. sowie ein Cafe mit Lesesalon sich befinden, 
erstreckt sich zwischen dem Flusse und der Strasse ; siidlich 
der letzteren ziehen sich die von der Landbevolkerung bewohnten 
Hauser das Berggehange hiiiauf und hier stehen auch die Ruinen 
der Burg, welche seit der letzten Eroberung durch den vene- 
tianischen Heerfuhrer Foscolo (16-47) in Trummern liegt. 

Noch vor 50 Jahren bestand Obrovazzo nur aus ein paar 
Hausern; heute bildet es einen Markt mit circa 500 Einwohnern, 
da die 1832 eroffhete Velebitstrasse die gute Handelslage des 
Platzes mehr und mehr zur Geltung bringt. Auf Schiffen kommt 
"Wein von Arbe und Pago, ja selbst von Brazza und geht auf 
der Velebitstrasse nach Croatien. wahrend von Obrovazzo Holz 
exportiert wird ; auch bringt man Korn zum vermahlen in die 
zwei Miihlen, welche sich etwa 3 Kilometer von Obrovazzo 
flussaufwarts an der Zrmanja befinden ? dort wo der seiner Form 
wegen .,Halbmond u genannte Wasserfall niedergeht. 

Man kann ? wenn man mittelst Kahn zu diesem Wasserfall 
gefahren 1st, den Ausflug noch einige Kilometer weit fortsetzen 
und erreicht dann die am siidlichen Flussufer stehenden Ruinen 
einer zweiten Burg Obrovac, an deren Stelle einst das antike 
Argiruntum gestanden haben soil. Jetzt 1st ausser einigen 
Mauerresten nur mehr ein alterthumlicher Thurm zu sehen, der 
einen hiibschen Ausblick auf das Feld von Muskovic bietet. 

Noch weiter nussaufwarts, ins Gebiet des Nebenbaches 
Krupa und zum Kloster K r u p a, fiihrt nur ein Karrenweg (Siehe 
Abschnitt n ln den siidostlichen Velebit", Seite 166); dagegen 
erreicht die von Obrovazzo siidostlich nach Bilisani in der Bukovica 
fuhrende Strasse die Zrmanja bei Zegar und begleitet dann den 
Fluss liber Ervenik bis Pagine, wo man die croatische Strasse 
nach Knin erreicht. (Obrovazzo Knin circa 60 Kilometer. Diese 
Tour bietet wenig touristisches Interesse.) 



VON ZARA ZU WAQEN NACH OBROVAZZO. 153 

Von Zara zu Wagen nacti Obrovazzo. 

Ueber den Zara zunachst gelegenen Theil dieser Route 
wurde Einiges schon Seite 133 gesagt. Es 1st, wie bereits erwahnt, 
eine Landschaft, in welcher mehr als ein dutzendmal steinige. 
diirre und unfruchtbare Strecken (fester Kalk) mit lockeren 
nassen cultivierten Bevieren (Mergel) abwechselii. 

Von Dorf P 1 o c a, das auf einem Hiigel liegt, bis zu den 
Hohen von Malpaga (Dracevac), wo man die erste der aus der 
Zeit der Turkenkampfe herriihrenden Kule (AVachthiirme) gewahrt, 
herrscht steriles, durch uberall aufragende Kalkfelsen und 
Wacholderbiische (cr. s. Smreka) gekennzeichnetes Kiisten-Karst- 
terrain; gegen Babindub (Eiche der Grossmutter) hinwieder 
passiert man sanft bebaute Hohen, wo aus dein mergeligen 
sandsteinartigen Boden Quellen aufsprudeln und langs der Strasse 
jene Maulbeerbaume gedeihen, welche Noe vor 30 Jahjien als 
junge, von Dornhecken umfriedete Baumchen beschrieb. 

Von Babindub bis Unter-Zemonico herrscht wieder der 
mit Wacholder bewachsene Nummulitenkalk, zwischen dessen 
Klippen sich gelbe Wege hinschlangeln und dessen mageren 
Krauterwuchs Schafe beweiden, wahrend aus den Umgebungen 
der nahen "Winterseen (Boccagnazzo und Nadinsko-Blato) im 
Friihling gelegeiitlich eine Schnepfe zustreicht. In dieser Jahres- 
zeit ist hier ein herrliches Wandern, da zwischen dem Geklippe 
alles griint und bluht und die Riickschau auf die blauschwarzen 
Scoglien in der spiegelnden Meerflut, die Aussicht gegen den 
Nadinsee hin, und vor allem der Anblick des beschneiten Velebit, 
der bald wie ein grauer Lavawall aussieht, bald wie eine Silber- 
mauer erglanzt, dem Auge fort Abwechslung gewahren. 

Hinter den von Oliven- und Feigenbaumen umgebenen Hausern 
von Unter-Zemonico (87 Meter), auf dessen Mergelterrain im 
Friihling lustig allerlei Krauter und die "Wintersaaten griinen, 
biegt rechts die alte, 1794 von den Venetianern begonnene, 1798 
von den Oesterreichern vollendete Strasse nach Benkovac ab 



i Von Zara geht Montag, Mittwoch und Samstag ein Post-Eilwagen 
(4 Platze) nach Obrovazzo. Zara ab 6 h morgens. Zemonico (15 Kilometer) 
an 7 h 35, SmilCic (24 Kilometer) an 8 h 50, Obrovazzo (51 Kilometer) an 
1 1 h 50. Fahrpreis bis Zemonico 75 kr., bis Smilcic 1 fl. 20 kr., bis Obro- 
vazzo 2 fl. 55 kr. Riickfahrt jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag. 
(Obrovazzo ab 5/45 morgens, Zara an 11 ft 45 vormittags.) 



154 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

(siehe Seite 168); wir aber fahren geradeaus auf der erst 1832 
eroffheten Velebitstrasse, welclie zunachst 15 Kilometer lang bis 
fast zum Meer von Karin schnurgerade gefiihrt ist und sofort 
ziemlich ansteigt, so'dass wir in Ober-Zemonico, wo wieder das 
steile Kalkgestein vorherrscht, 128, in Smilcic schon 201 Meter 
Seehohe erreicht haben. 

Die Kuppen im Siidosten (Biljane 341 Meter) gehoren dem 
Rande einer zweiten Hohenstufe des Landes an, die gegen Osten 
allmahlich ansteigt, bis sich plotzlich der Wall einer dritten 
Hohenstufe, der ausserordentlich coupierten, zumeist iiber 500 Meter 
hohen Landschaft Bukovica erhebt. Im Wall der letzteren ragt 
die 15 Kilometer entfernte Jurasinka zu 674 Meter Hohe auf ; 
gegen Norden aber sehen wir das Terrain zum Meer von 
Novigrad abfallen, iiber dessen Spiegel sich grossartig der kaum 
25 Kilometer entfernte Velebit erhebt. 

Bei Smilcic wird der von Benkovac kommende Karrenweg 
gequert, der als Fahrweg weiter nach ISTovigrad fiihrt (siehe 
Seite 155) ; unsere Poststrasse aber senkt sich zum alsbald sicht- 
baren Meer von Karin hinab, erst allmahlich, dann nach Ab- 
zweigung eines Fahrweges nach Novigrad und einer Strasse 
nach Benkovac rasch, zuletzt in Serpentinen zu der Briicke, 
welche iiber einen Sumpfstreifen ' am Siidufer des Kariner 
Beckens zu einem Franziskaner-Kloster fiihrt. 

In diesem Kloster, bei welchem am 2. October ein grosser 
Jahrmarkt stattfindet, sind mehrere interessante Alterthiinier zu 
sehen, z. B. in der Mauer des Vestibules eine der liburnischen 
Gottin Latra gewidmete Inschrift und ein aus dem Jahre 17 
n. Chr. herriihrender Grenzstein zwischen Corinium (Karin) und 
Nadinium (Nadin). Das merkwiirdigste jedoch ist ein riesiger 
romischer Meilenstein von der Form einer grossen Bombe, auf 
welchem noch die Ziffern zu erkennen sind. Die kleine Hohlung 
an der Unterseite des Steines riihrt davon her, dass er Jahr- 
hunderte hindurch als Weihbrunn des christlichen Kirchleins 
diente, dessen Buine auf dem nahen Hiigel steht. 

In der Klosterkirche fallt der Hochaltar auf, dessen bunter 
Marmor 7 Kilometer siidostlich an dem Berge Orljak gebrochen 



1 Munching des Karesnica-Baches. 



VON BENKOVAC NACH NOVIGRAD. 155 

wurde, wahrend zwei Altarstufen schone scheckige Steine 
aus dem Prominagebirge stammen. Ein grosser Seitenaltar 1st 
dem Beschiitzer des Klosters, dem heil. Pascal geweiht. 

Wandert man von dem Kloster einige Kilometer siidlich, 
so trifft man oberhalb einer merkwiirdigen Terrainformation aut 
einer Berghohe Haufen alten Gemauers, welche, wie bei Nadin, 
romischen Ursprung der Anlage und spatere turkische und vene- 
tianische Erganzungen vermuthen lassen. Offenbar stand auf dem 
Hiigel die Burg von Corinium, wahrend die Reste der zugehorigen 
Ansiedlung noch des Schliemann barren, der sie unter den 
Ackern und "VVeingarten der Umgebung des Dorfes Kariii her- 

vorgraben soil. 

* 

Yon dem Franziskaner-Kloster aus bait sich die Poststrasse 
erne Weile - - bis zu einem Wirtshause - - nahe dem Meer von 
Kariii; dann aber steigt sie in zahlreichen Kriimmungen neuer- 
dings an, um auf der nordwestlichen Abdachung der Bukovica 
nochmals eine Seehohe von 208 Metern zu erreichen, ehe sie sich 
in Serpentinen zur Zrmanja und nach Obrovazzo niedersenkt. 

Von Benkovac nach NovUjrad. 

Wer sich die Inlandrouten in Dalmatien zum Schlusse auf- 
gespart hat, was besonders bei Friihlingsreisen zu empfehlen ist, 
oder wer die n archaologische Tour" in die Umgebungen von 
Benkovac (siehe Seite 172) mit der Partie zu den beiden Binnen- 
meeren verbinden will, wird letzteren Ausflug gewohnlich von 
Benkovac aus antreten. Hier stehen ihm nun bis Smilcic (an 
der Poststrasse Zara Obrovazzo) zwei Parallelwege offen: einer 
am westlichen und einer am ostlichen Gehange des Thales der 
Klicevica. 

Die Klicevica, ein armseliges und nur der winterlichen 
Versumpfungen wegen, die sie im Ufergelande anrichtet, be- 
merkenswertes Bachlein, entspringt im Dreieck zwischen Unter- 
Biljane, Smilcic und Ober-Biljane, fliesst dann siidostlich bis 
etwa 3 Kilometer vor Benkovac und wendet sich hier westlich, 
um in den Wintersee Nadinsko-Blato zu miinden. Am West- 
gehange ihres Thales zieht die alte Kniner Strasse, die zwischen 



156 VON ZARA ZU DEN BINNENNIEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

Unter-Zemonico und Benkovac die Orte Unter-Biljane und Nadin 
beriihrt; sie wird von Hiigeln uberhoht (G-radina bei Nadin 
266 Meter), welche siidwestlich zur Depression des Nadinsko- 
Blato abdachen. Diese Strasse fiihrt durch odes Terrain und ist 
fur den Ausflug nach Novigrad besonders dann nicht zu 
empfehlen, wenn man sie scnon bei der Tour von Zara nach 
Benkovac befahren hat. Parallel mit ihr zieht jedoch am Ost- 
gehange des Klicevica-Thales ein Karrenweg iiber Atlagic, 
Korlat und Ober-Biljane nach Smilcic, und diesen wird der 
Freund historischer Landschaften umso lieber wahlen, als die 
Ortschaften hier, so armselig sie sein mogen, gewissermassen 
das Herz der einst wichtigen Grenzlandschaft Kotari bilden. 

Das erste Dorf ist Kula Atlagic, das nach seinem friiheren 
Herrn, dem BegAtlagic den Namen fiihrt. Dorf Atlagic war 
1629 die sogenannte Abtei St. Peter von Bojisce und als Abt 
fungierte damals der Ex-Generalvicar des Bischofs von Nona, 
Don Blaz Mandevic. Heute leben nur zwei katholische Familien 
in dem Orte, welche auf dem Nachbarberg ihr vor mehreren 
Jahren von Anton Bitter v. Corner etto restauriertes Kirchlein 
haben, wahrend die Serbisch-orthodoxen eine Kirche byzantini- 
schen Styles besitzen. 

Wie Atlagic ist auch das folgende Dorf nach einem friiheren 
Besitzer (Korlatovic) benannt und ausgezeichnet durch die 
romantische Lage seiner von hundertjahrigen Eichen umgebenen 
Dorfkirche. Uberhaupt ist das Hiigelgelande von hier bis Smilcic 
reizend und nur schade, dass die Bewohner durch die Ver- 
sumpfung zu leiden haben, welche allerdings durch Regulierung 
der Klicevica behoben werden konnte. 

Nach etwa I'/.^stiindiger Fahrt iibersetzen wir die Zaratiner 
Poststrasse bei Smilcic, wieder einem unbedeutenden Dorfe, 
dessen krankliche schwachliche Bewohner nur rnehr Schatten 
jener Vorfahren sind, die hier einst so ruhmvoll gegen die 
Tiirken kampften. Der damals wichtigste Ort (ausser Zemonico) 
war Islam, wo 1620 ein Dizdar und drei Agas residierten ; heute 
ist Islam ein aus mehreren Rotten bestehendes unbedeutendes 
Dorf, zu welchem von Smilcic ein Karrenweg in nordwestlicher 
Bichtung fiihrt, auf dem wir schliesslich nach Posedarija am 
Westufer des Meeres von Novigrad gelangen wiirden. 



DAS MEER VON NOVIQRAD. 157 

Wir streben jedoch letzterem direct auf dem Fahrwege zu, 
der von Smilcic nordlich auf sanftabdachendem Gehange fiihrt 
und alsbald prachtige Ausschau gegen den Velebit hin erschliesst. 

Plotzlich sehen wir tief unter uns in schmaler Bucht, wie 
in einen Thalkessel gezwangt, das Stadtchen Novigrad, dessen 
Hauser einst von Festungsmauern umschlossen waren, die bis 
heute Spuren hinterlassen haben. Oberlialb der Stadt, in welcher 
sich die Strasse in Serpentinen herabwindet, stehen auf felsigem 
Hiigel die Ruinen der Festung und bieten eine lierrliche Schau 
iiber das weite Binnenmeerbecken hiiiiiber auf den Velebit, ge- 
mahnen aber zugleich an eines der schrecklichsten Ereignisse 
mittelalterlicher Barbarei, das sich hier zugetragen hat. 

In dem heute zur Ruine gewordenen viereckigen Thurme, 
welchen 1282 Fiirst Georg Kuljakovic erbaut hatte, wurden 
namlich im Jahre 1385 die, von Ban Ivan H or vat gefangen 
genommenen Koniginnen Elisabeth und Maria ("Witwe undTochter 
Ludwigs des Grossen von Ungarn) in Haft gehalteii und hier - 
sagen einige Historiker habe P a 1 i s n a , der Prior des Klosters 
von Vrana, am 1. October 1385 die Konigin Elisabeth erdrosseln 
und iiber dieFestungsmauer hinabwerfen lassen. Andere Geschicht- 
schreiber meinen jedoch, Elisabeth sei aus Gram gestorben und 
ihr Leichnam bei S. Grisogono in Zara bestattet worden. Zwei 
Jahre spater eroberte der venetianische Heerfuhrer Johann B a r- 
b a r i g o die Veste, nahm P a 1 i s n a gefangen und Hess die 
befreite Konigin Maria nach Ungarn geleiten, wo sie sich mit 
Herzog Sigmund von Brandenburg verlobte. 

Die Burg Novigrad wurde nach mancherlei Schicksalen 1537 
von den Tiirken, 1648 aber von General Foscolo erobert und 
blieb darnach I'/z Jahrhunderte im Besitz der Venetianer, welche 
die Thurmmauern bis zum Meere verlangerten und den so ge- 
schafFenen Weg Corsia nannten. 

Das Meer von Novigrad. 

Die Bewohner Novigrads leben zumeist von Landwirtschaft 
uud Fischfang. Einst waren die Austern von Novigrad beruhmt 
und noch sind es die hier, sowie im Meer von Karin gefangenen 
Krebse. Am wichtigsten jedoch ist der Thunfischfang, fur welchen 
es in Novigrad etwa acht feste Netze gibt, deren jedes seinen 



158 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

besonderen Namen ftihrt: ,,Krilo u , ,,Kozjak", je nach dem Orte, 
wo es ausgelegt werden muss. Bei jedem Netze sind 11 Fischer 
und zwei Wachter, welche von der Berghohe aus das Ein- 
schwimmen der Fische in das Netz beobachten. Sofort nach dem 
Fang werden die Fische gereinigt, mit dem Kopf nach oben in 
die Wagen geworfen und zumeist nach Zara zu Markte 
gebracht. Den Gewinn theilt man in 21 Theile, wovon 5 auf 
den Eigenthiimer des Netzes, 11 auf die Fischer, 3 auf die 
Fiihrer, 1 auf den Kahnfuhrer und 1 auf die Ortskirche ent- 
fallen. Manchmal werden 600 Thunfische auf einmal gefangen, 
deren jeder 15 bis 20 Kilo wiegt, und solche reiche Fange tragen 
natiirlich bei, die Bewohner in verhaltnismassigem "Wohlstand 
zu erhalten, umsomehr, als auch der Erwerb aus der Verfertigung 
und Ausbesserung der Netze, deren jedes 500 bis 700 fl. kostet, 
im Orte bleibt. 

Der Fang der Thunfische beginnt mit Eintritt der warmen 
Jahreszeit und dauert bis zum Herbste, beziehungsweise bis 
zum Tage der Mutter Gottes vom Schnee (5. October), wo alle 
acht Netze ins Meer geworfen werden, um zu uberwintern, auch 
wenn die den Fang hindernden Herbstnebel noch nicht ein- 
getreten sein sollten. 

Von Obrovazzo in die Bukovica. 

Wie in anderen Landern hat auch in Dalmatien das Yolk 
friih gewisse typische Landschaften unterschieden, welche zumeist 
fiir die geographische Gliederung des Landes ganz wertvoll sind, 
da ja die Bewohner einer Scholle diese am genauesten kennen 
und oft instinctiv gewissen Beziehungen durch Namen Ausdruck 
geben, deren wissenschaftliche Rechtfertigung erst weit spater 
erfolgt. So hat z. B. die Geologie erst in neuerer Zeit zahlreiche 
Canale und Buchten Dalmatiens durch das treppenartige Absinken 
der ostlichen Adriakiiste und somit als Thaler oder Thalbecken 
erklart, wahrend die Bevolkerung die untermeerischen Fort- 
setzungen vieler Thaler langst als solche bezeichnet, indem sie 
dafur die Namen Yalle und Vallone ( n Thal u und grosses Thai") 
anwendet. Ahnlich verhalt es sich mit den Landschaften ostlich 
und nordostlich von Zara. 



VON OBROVAZZO IN DIE BUKOVICA. 159 

Hier heisst ein grosser Landstrich, welcher ostlich des 
Kiistenhtigelgebietes von Nordwesten nach Siidosten streicht und 
sich im Allgemeinen unter 200 Meter Seehohe halt, Kotari. Die 
nachsthohere Terrasse ostlich der Ortschaftenreihe von Smilcic 
bis Benkovac - - welche von 200 bis 400 Meter ansteigt, unter- 
scheidet das Volk speciell als Kukalj ; was sich aber ostlich des, 
vom Novigrader Meer siidostlich ziehenden Bergwalles erhebt, 
das stark modellierte, durchschnittlich iiber 500 Meter hohe 
Bergland, dessen Randgipfel Jurasinka und Kunovac 674, 
beziehungsweise 640 Meter erreichen, wird als Bukovica unter- 
schieden. ' 

In dieser Bukovica, zu deutsch etwa ,,Buchenland t: , herrscht 
schon ein wesentlich kiihleres Klima, als in Klisten-Dalmatien und 
besonders im Winter fallt oft so viel Schnee, dass es schwer fallt, die 
Wege zwischen den weit zerstreut liegenden Hausern zu iinden. 
In der hochgelegenen Gemeinde Medvidje kommt es dann vor, 
dass die Leute, wenn sie etwas benothigen, statt zum Nachbar 
zu gehen, den nachstgelegenen Hugel ersteigen und hier so lange 
rufen, bis sie gehort werden. 

Medvidje besteht aus 30, das nordwestlich anschliessende, 
im Winkel zwischen Meer von Karin, Meer von Novigrad und 
Zrmanja gelegene Krusevo aus 28 Rotten und Einzelgehofteii ; 
dort leben 1203, hier 1339 Menschen auf einem Raume von 
mehreren Dutzend Quadratkilometern, uberall echte Bergler und 
Hirten, die in mancher Hinsicht an homerische Gestalten erinnern. 
Es sind kraftige, sehnige Menschen, kerngesund, mit breit- 
gewolbter Brust, die sie entblosst tragen, mag auch die Bora 
wehen oder Schnee fallen. Ihr Gang ist bedachtig, doch die 
Schritte sind Riesenschritte und spricht ein Mann der Bukovica 
selten, so spricht er dafiir laut und mit Uberlegung. 

Jede Familie hat ihr eigenes, nicht kleines Besitzthum, wo 
sie im eigenen Haus, umgeben von ihren Feldern und Weiden, 
wie in ihrem Konigrerch schaltet und selbst im Winter, wenn 
sie durch das Wetter wochenlang von der Nachbarschaft abge- 
schlossen bleibt, dank ihrer Heerden und Vorrathe keinen Mangel 
leidet. Nur der Pfarrer, der zeitweise einkehrende Steuerbote 



1 Nicht zu verwechseln mit einer anderen Bukovica bei Kistanje. 



LGO VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

und der Gendarm stellen eine gewisse Verbindung der iibrigen 
Welt mit diesem Gebirgsbauernvolkchen dar, das in seiner Ab- 
geschiedenheit treu an den alten Brauchen hangt nnd nichts 
von modernen Bediirfnissen, aber auch wenig von den Schadlich- 
keiten der Civilisation, wie z. B. dem Wucher, weiss. In Krusevo 
kommt es vor ? dass Jungen in ihrem zehnten Lebensjahre als 
Viehhiiter in den Yelebit ziehen und erst im zwanzigsten Jahr 
von dort wiederkehren, wenn sie sich der Assentierung unter- 
ziehen miissen. 

Gleichwohl standen auch diese Gegenden. schon in alter 
Zeit in einem gewissen Zusammenhaiige mit der Cultur. Das 
beweisen unter anderem Kupfermiinzen, welche kiirzlich im 
Gebiet von Krusevo gefunden wurden und durch ihre Pragung 
- auf der Reversseite ein bartiger Kopf, auf der Aversseite 
ein im Lauf befindliches Pferd auf karthagischen Ursprung 
deuten; das beweist auch eine romische Befestigung im Ge- 
meindegebiete ; welche vom Volk Gradina genannt wird. 

Auf den Velebit. 

Durch die Paklenica auf die Hochgipfel. 

Alpinisten, welche die Gipfelregion des Velebit kennen 
lernen wollen, verlassen den Dampfer in Starigrad ', einer gleich 
Seline auf dem Alluvium zwischen den beiden Paklenica- 
Schluchten liegenden Dorfschaft, die auf weitem Gemeindegebiete 
etwa 16 kleine Rotten umfasst und natiirlich Gasthofunterkunft 
und besseren Proviant nicht zu bieten vermag. Doch besteht 
unmittelbar am Ausgange der grossen Paklenica eine Gendarmerie- 
kaserne, wo der Tourist wegen eventueller Nachtigung und Be- 
schaiFung eines Fiihrers Auskunft einziehen mag. 

Die grosse Paklenica ist eine im unteren Theil etwa einen 
halben Kilometer breite und hier zwischen kahle 600 bis 800 Meter 
hohe Felsmauern eingerissene, in der Sohle von Geroll und riesigen 
Felstrummern bedeckte Schlucht, welche der im Friihling von 
den Schmelzwassern geschwellte Krusevic-Bach durchstromt und 
in dieser Jahreszeit unpassierbar macht. In diesem unteren Theil 



1 Gegeniiber Castelvenier, woliin man mit Barke in 3 / 4 Stunden 
kommen kann. 



AUF DEN VELEBIT. 161 

der Schlucht bietet sich dem Auge nur wenig Griin dar : kiimmer- 
liches, von Schafen und Ziegen verbissenes Gestriipp, sowie da 
und dort ein in eine Felsspalte eingekeilter Feigenbaum ; welter 
oben aber verbreitert sich die Schlucht thalartig auf 1 ja 2 Kilo- 
meter und wird von einer Zunge des beriihmten 2800 Hektar 
umfassenden Paklenica-Forstes erfiillt, der von etwa 800 Meter 
Seehohe an das ganze Gehange zwischen den beiden Paklenica- 
schluchten bedeckt, ja noch ostlich und westlich dariiber hinaus- 
reieht, ein aus machtigen Schwarzfb'hreii und Buchen 1 bestehender 
Urwald, in welchem die grosse Paklenica, nachdem sie auf etwa 
7 Kilometer nordlicher Erstreckung die Seehohe von 632 Metern 
erreicht hat, ostlich abbiegt, um nun als 4 Kilometer langes 
Hochthal die Vorberge Borovnik, Crni Vrh und Mocila vom 
Hauptkamme zu scheiden. 

Bis zur Abbiegung gegen Osten fiihrt ein 1897 98 zum 
Saumweg verbreiterter Pfad, der sich nun steil links am Gehange 
emporzieht und, in die Felsregion getreten, mit dem von Jatara 
(westlich von Starigrad) iiber die Alphiitten Velika Rovina 
herauffuhrenden Wege zusammenstosst. Dann fibers chreitet der 
Weg die 1559 Meter hohe Kammsenke zwischen Viserjuna 
(1623 Meter) und dem westlichen Vorgipfel des Vaganski Vrh 
und zieht sich jenseits in ein tiefeingeschnittene s Waldthal der 
waldreichen croatischen Seite des Gebirges hinab. Auf dieser 
Seite, aber noch nahe dem Kamm, liegen die Alphiitten von 
Karlin Stan, von welchen die Erreichung des 1758 Meter hohen 
Vaganski Vrh keine Schwierigkeit mehr bietet, obwohl ein eigent- 
licher Pfad nicht vorhanden ist. 

Ubrigens kann man auch dort, wo der Saumpfad gegen 
Osten abbiegt (bei der Behausung des Dujam Knezevic), 
direct zwischen Crljeni und Babinkuk pfadlos gegen die Felsen 
ansteigen, in welchen man nach einiger Kletterei und nach 
Querung mehrerer Mulden die Spitze erreicht. 



1 Eingesprengt kommen Eichen, Bergahorn, Esche, Vogelbeerbaum und 
Fichte vor, letztere besonders an der oberen Waldgrenze, iiber welcher die 
hoheren Kuppen und Gehange stellenweise noch mit der Krummholzfohre 
bedeckt sind. Der grosste Theil des Krummholzes ist freilich, da er ausser- 
halb des Staatsforstes liegt, im Laufe der Zeit der Axt zum Opfer gefallen. 
(Ein Verzeichnis der Krautpflanzen sowie der Insecten und Conchylien des 
Velebit siehe Anhang.) 

Fdhrer durch Dalmatien. 1' 



162 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

Durch die kleine Paklenica fiihrt kein "Weg. Doch trifft 
man einen Karstpfad auf der Hohe westlich der Schlucht, der 
an der Kiiste, beim Kirchlein S. Marco in der Gemeinde Seline 
beginnt, und erst durch einige Rotten der Gemeinde, dann an 
den westlichen Abstiirzen der Paklenica voriiberfiihrt, und in 
circa 700 Meter Hohe die Bergcapelle S. G-iacomo erreicht, 
oberhalb welcher von links ein Weg aus der grossen Paklenica 
heriiberkommt. Man hat hier, wo sich auch die kleine Paklenica 
gegen Osten wendet, schon die Seehohe von 736 Meter erreicht 
und lasst nun die Schlucht rechts, um in einem gerade hinauf 
ziehenden Seitengraben die Alphiitten am Gehange der Mocila zu 
erreichen. Uber einen Sattel am Ostgehange der letzteren windet 
sich der "Weg weiter in den Ursprung der grossen Paklenica 
(Ivine Vodice) und ersteigt von hier den Kamm des Velebit dort, 
wo sich zwischen den Felspartien des Vaganski Vrh und des 
Sveto Brdo (Heiligen Bergs) ein sanfteres, zum Theil bewachsenes 
Kammgehange einschiebt. Hier muss ebenfalls "pfadlos iiber 
mehrere Vorkuppen gegen Stidost zum 1753 Meter hohen Sveto 
Brdo angestiegen werden, da sich der Alppfad vom Kamme in 
eine Waldschlucht der croatischen Seite hinabsenkt. (Von Stari- 
grad zum Gipfel 7 bis 8 Stunden.) 

Die Aussicht voin Sveto Brdo gehort zu den grossartigsten 
und erstreckt sich im Norden iiber die Hochebene von Gospic 
(Lika) bis zur grossen Kapela und iiber die Krbava bis zur 
Pljesevica planina an der bosnischen Grenze, im Siidosten auf die 
Dinarischen Alpen, zwischen Siidsiidwest und Nordwesten aber 
auf die Adria, deren Gebiet von der Insel Zuri (Zirije) bei Sebenico 
bis zu den quarnerischen Eilanden heniich vor dem Beschauer 

erschlossen liegt. 

* 

Eine dritte interessante Wanderung fiihrt von der Be- 
hausung des oberwahnten Knezevic nordwestlich iiber den Brzi- 
menaca-Bach und den gleichnamigen Bergriicken nach Straz- 
benica ; wo eine machtige Quelle kostlichen Wassers entspringt; 
dann von hier westlich absteigend in das langgestreckte Hoch- 
thal n Velika Eovina", wo sich eine Anzahl Hiitten um ein Kirch- 
lein der heil. Jungfrau gruppiert und der Botaniker wie der 
Conchyliologe Gelegenheit zu den reichsten Funden hat. Der 



NACH MALI HALAN. 163 

Abstieg kann entweder iiber n pod rovinom" und Sinokos 
nach Jatara oder iiber Marinkovic, Mala Rovina und Ko- 
zjaca nach Tribanj erfolgen. 

Nach Mali Halan. 
Auf die Hohe der Velebitstrasse. 

An der Zrmanja-Briicke bei Obrovazzo beginnt die eigent- 
liche Velebitstrasse, welche in den Jahren 1829 32 erbaut und 
am 4. October 1832 eroffnet worden ist. Um den ursoliden Bau 
herzustellen, waren 600 Arbeiter thatig, welche den fiir die 
damalige Zeit iiicht schlechten Taglohn von einem Silber- 
zwanziger (35 kr. 6. "W.) erhielten, und - - was fur die Frage 
der einstigen Bewaldung des Velebit von Bedeutung ist nicht 
nur Felspartien, sonderii auch zahlreiche machtige Baumwurzeln 
auszusprengen hatten, welche von einem vor 100 Jahren ab- 
geholzten "Walde herrlihrten. 

Die sieben Meter breite Strasse ist mit so geringer Steigung 
angelegt (4 1 ,* bis 5 Percent), dass fiir die in der Luftlinie 
7-3 Kilometer lange Strecke Obrovazzo Podprag (684 Meter See- 
hohe) eine Entwicklung auf 14 Kilometer und fiir die in der 
Luftlinie 3'7 Kilometer lange Strecke Podprag Mali Halan 
(Seehohe 1045 Meter) eine Entwicklung auf 9 Kilometer no'thig 
wurde. 

Im ganzen ist die Strasse auf dalmatinischer Seite 23 Kilo- 
meter lang und iiberwindet bis Podprag 684, bis zur Grenzsaule 
vor Mali Halan 1045 Meter HohendifFerenz. 1 

An und fur sick ist diese Strasse interessant durch die in 
Fels gesprengten Strecken, durch die hohen zehn und mehr 
Meter erreichenden Aufmauerungen und durch ihre Trace, welche 
bald entlang hoher Felsmauern, bald iiber tiefe Graben, bald 
inmitten wilder Felsscenerien fiihrt. "Was aber die Befahrung 
hauptsachlich anziehend macht, ist, dass sie je hoher desto um- 
fassender ein Panorama von ganz eigenartiger Schonheit ent- 
faltet, und von einer Mediterrankiiste in Alpenregionen empor- 



1 Zum Vergleich: Die Semmeringbahn hat von Station Payerbach 
(494 Meter Seehohe) bis Semmering (898 Meter) 21-6 Kilometer Entfernung 
eine Hohendiiferenz von 404 Meter zu iiberwinden. 



164 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

fuhrt, wo die Flora der Thatsache entspricht, dass im Winter 
bei Bora eine Kalte von - - 20 Grad Celsius nichts seltenes ist. 

Die erste grosse Schleife - - eine Doppel-Serpentine liegt 
fast genau am Ende des ersten Drittels der Steigung (Cote 
347 Meter) und schon hier ist gegen Siidwesten eine weite 
Landschaft vor dem iiber die beiden Binnenmeere bis Zara 
schweifenden Blicke erschlossen, wahrend im Westen noch die 
Bobia die Aiissicht beschrankt und im Siiden die Hohen der 
Bukovica unseren Standpunkt iiberragen. 

Nun aber folgt die zweite grosse Schleife, welche von den 
Alphiitten Mekidoc (450 Meter) zur Hohe von Podprag empor- 
fiihrt, und nicht nur aus dem Bereich der mediterranen in jenen 
der mitteleuropaischen Flora, sondern auch naher an die Felsen 
des Vrh Prag und der Kulina bringt, wahrend die Aussicht 
gegen Siiden und Osten enorm an Ausdehnung gewinnt. 

Bei Podprag steht eine zum Andenken an Kaiser Franz 
erbaute, am 20. Mai 1841 eingeweihte Capelle und bildet den 
Mittelpunkt fur drei ararische Hauser : das Pfarrhaus, das Haus 
des Strassen-Inspectors und das fur Reisende bestimmte Unter- 
kunftshaus mit den zugehorigen Wagenremisen. Hier hat man 
nun Zeit, mit Musse die mannigfaltigen Scenerien und die herr- 
lichen Farben-Effecte zu bewundern, welche die zaratinische 
Kiisten- und Insellandschaft darbietet. Schon sehen wir iiber die 
jenseits des Zrmanja-Thals aufragenden Berge der Bukovica auf 
fernere Gelande und hohere Berge des Siidostens; gegen Siiden 
und Siidwesten aber folgt das Auge dem Strassenzuge, der an 
den grossen Binnenmeeren voriiber durch die Kotari bis zu den 
Mauern Zaras und zum Meere zieht, auf dessen spiegelnder 
Flut wie schwimmende schwarze Korper die vielgestaltigen 
Inseln und Scoglien bis Sebenico in Erscheinung getreten sind. 

Von Podprag an begriisst man auch immer haufiger die dem 
Bergwanderer so wohlvertrauten Erscheinungen der subalpinen 
Flora : den duftenden Thymian, aus welchem die Bienen des 
Velebit wohlschmeckenden Honig saugen, blaue Glockenblumen 
und rothe Nelken verschiedener Arten, das fettblatterige Sedum, 
die prachtige Tiirkenlilie (Lilium martagon), Stendeln (Orchis), 
die durch schones Roth mit der wilden Rose eifern, die nun den 
in den tieferen Regionen vorherrschenden Brombeerstrauch ersetzt, 



NACH MALI HALAN. 165 

endlich Moose und Fame, die nicht nur im Schatten der Fels- 
trummer, sondern selbst an oiFenem Gehange iippig gedeihen, 
obwohl die Sommersonne auf das Karstgestein oft sengend genug 
niederbrennt. 

Oberhalb Podprag bringt die dritte der grossen Strassen- 
schleifen unmittelbar vor das Gewirr wilder Felszacken, mit 
welchen der Vrh Prag zu der kleinen Hochebene von Podprag 
niedersetzt. An diese Felsen schliessen gegen Osten jene der 
Tulova Greda an, zwischen durch aber fiihrt die Strasse in 
mehreren Serpentinen aufwarts zum Rand der grossen Hoch- 
ebene des Velebit und wird nun von jenen zerstreuten Alp- 
htitten begleitet, in welchen die Hirten zeitweise hausen, wenn 
sie im Sommer etapenweise das Vieh auf die Hochweiden 
treiben. 

Hier in 900 bis 950 Meter Seehohe, zeigt sich nun das 
Sud-Diorama abermals gegen Westen und Osten bedeutend er- 
weitert, und fast in der ganzen Ausdehnung, in welcher es sich 
auf diesem verhaltnismassig niedrigen Abschnitt des Velebit iiber- 
haupt erschliesst. Noch iibersichtlicher als friiher liegen die Meere 
von Novigrad und Karin unter dem Beschauer, gegen Westen 
aber hat sich ihnen der Canale della Montagna angeschlossen, 
an dessen Ufern weisse Ortschaften wie Starigrad, Tribanje und 
Castelvenier winken, und dessen Flut in die Buchten zwischen 
Pago und dem Festland eindringt bis gegen Nona hin, das den 
Mittelpunkt einer grossartig schonen Kiisten- und Insellandschaft 
bildet. Denn rechts des deutlich sichtbaren Stadtchens, sieht man 
iiber Pago und den Quarnerolo bis zum Monte Ossero auf Lussin, 
links aber dringt der Blick iiber die langgestreckten Inseln, 
welche die Canale von Zara und di Mezzo bilden, bis in die 
offene Adria hinaus. Die Inselschau erstreckt sich bis zum 
Archipel von Sebenico ; herwarts aber liegt die grosse Nordwest- 
Halbinsel Festland-Dalmatiens wie eine Landkarte ausgebreitet, 
auf welcher wir, dem Zug der Velebitstrasse folgend, besonders 
Zara ins Auge fassen, zu dessen Linken der Feldstecher deutlich 
die weissen Hauser des Borgo Erizzo erkennen lasst. Scho'n ist 
die Furche der Zrmanja ausgepragt, welche jenseits zu dem 
von kleinen Dorfchen besetzten Kuppengewirr der Bukovica 
ansteigt ; iiber diese und die weiter siidlich zur Krka abdachenden 



166 VON ZARA ZU DEN BINNENMEEREN VON KARIN UNO NOVIGRAD ETC. 

Landstriche bei Kistanje aber schauen wir noch in weite Feme 
bis zur Promina und zur blaulich verdammernden 1509 Meter 
hohen Svilaja. Letztere ist 87 Kilometer entfernt und gehort 
zu den aussersten Fernpunkten der Aussicht gegen Siidosten ; 
als hochster Punkt aber tritt im Ostsiidosten die 65 Kilometer 
entfernte Dinara in Erscheinung, deren zu 1831 Meter auf- 
ragender Riicken ungefahr in der Richtung sichtbar ist, in 
welcher wir im ostlichen Zrmanjagebiet Zegar, die Heimat 
der beriihmten Jankovici, und Ervenik erblicken. . . . 

Yom Rande des Hochplateaus an steigt die Strasse nur 
mehr in kurzen Windungen und erreicht ihren hochsten Punkt 
(1045 Meter) bei der Saule an der croatischen Grenze, wo sich 
als Contrast zu der steinigen Siidseite des Velebit und ihrer 
Meerschau plotzlich die weiten Walder der Nordgehange und 
die waldreichen Gebirge Croatiens vor dem Blicke aufthun. 
Besonders schon ist der Blick in die hellgriinen Grlinde der 
oberen Lika hinab, in das Ricica-Thal, wo die Fortsetzung der 

Velebitstrasse zwischen den Orten Sv. Rok und Lovinac die 

\ 

grosse von Gospic nach Knin fuhrende Strasse erreicht. 

In geringer Entfernung von der Grenzsaule liegt die croa- 
tische Raststation Mali Halan. 

In den siidostlichen Velebit. 

Eine Route ins siidostliche Velebitgebirge lehrt in etwas 
das Oberlaufsgebiet der Zrmanja kennen, welche zwischen 
Velebit und Bukovica eine tiefe Senke darstellt. 

Der Fluss biegt etwa 12 Kilometer ostlich von Obrovazzo, 
aus der siidostlichen in die ostliche Richtung ab und nimmt 
hier rechts die Krupa auf, einen 6 Kilometer langen Bach ; 
der stellenweise auch in tiefeingerissenem Felsbette hinstromt, 
nahe seinem Ursprung aber ein Polje durchstromt, an dessen 
Ostrand und zugleich am Fusse des bereits zu Mittelgebirgs- 
hohe abgesunkenen Velebit das Kloster Krupa liegt. 

An und fur sich bietet dieses 1642 gegriindete Kloster nicht 
viel Merkwiirdiges, ist aber interessant durch das Fest, zu 
welchem am Tage der Muttergottes hier eine grosse Menge 
Volks selbst aus entlegenen Gemeinden zusammenstromt. 



IN DEN SUDOSTLICHEN VELEBIT. 167 

Alles erscheint naturlich im Festgewande und noch vor der 
Liturgie wird das frugale aus Brot, Kase und einer Knolle 
Zwiebel bestehende Fruhstiick eingenommen, das man sich durch 
fleissiges Willkommtrinken zu wiirzen weiss. 

Nach dem Umgang kommt es vor, dass der Pfarrer im 
Ornat an der Kirchenpforte erscheint und in heftiger Weise alle 
Rauber, Brandstifter und Ubelthater verflucht und in den Banii 
thut, wahrend das versammelte Volk sich unaufhorlich bekreuzigt 
und schliesslich mit einem Amin Boze" von dannen geht. Naturlich 
muss fur den Bannspruch ein Obolus in die Pfarrcasse entrichtet 
werden. 

Nach Mittag kommt wie iiberall bei den norddalmatinischen 
Landleuten derKolo an die Reihe, und dann folgt gewohnlich 
noch ein Spiel der Burschen, welches darin gipfelt, wer einen 
20 bis 30 Kilo schweren Stein weiter zu werfen vermag ; abends 
aber zerstreut sich alles wieder in die Bergdorfchen, die Manner 
gewohnlich etwas angeheitert und mancher Bursche in Begleitung 
seiner Erkorenen und Verlobten, die bald mit meist ohne Ein- 
willigung der Eltern nun einige Monate mit ihm zusammen- 
haust, ehe geheiratet wird. 

Noch sonderbarer als dieser Hochzeitsbrauch ist ein im 
Dorf Bukovica gewohnlicher Hergang bei Sterbefallen. Diese 
circa 25 Kilometer von Obrovazzo entfernte Ortschaft ist so 
ausgedehnt, dass man sie kaum in fiinf Stunden durchreiten 
mochte und obwohl fur jedes der zwei Bekenntnisse nur ein 
Pfarrer eingesetzt ist, der nebst dem Lehrer und den Gendarmen 
hier die Reprasentanz der Cultur bildet, hat man doch fiinf bis 
sechs Begrabnisstatten. Das Dorf ist eben zu zerstreut, als dass 
man die Todten an einer Stelle bestatten ko'nnte und aus dem- 
selben Grunde kommt es vor, dass dem Geistlichen ein Todes- 
fall erst gemeldet wird, nachdem schon Tage vorher das Be- 
grabnis stattgefunden hat. 



X. Von Zara dbep Benkovac und 
naeh 



Von Zemonico iiber Nadin nach Benkovac. 

Die von den Venetianern 1794 begonnene, vier Jahre spater 
on den Osterreichern vollendete Kniner Strasse zweigt zwischen 
Unter- und Ober-Zemonico ' von der neueren nach Obrovazzo 
fuhrenden Poststrasse ab und zieht zunachst ostsu.dostli.cli gegen 
Biljane. Man bewegt sich sanft bergan von 88 Meter Seehohe 
bei der Grabelung der beiden Strassen bis 191 Meter bei Unter- 
Biljane in einem Grelande, wo felsige Weiden mit Getreide- 
feldern, "Weinculturen und einzelnen Obstgarten abwechseln, 
welch' letztere sich besonders im. Friihling durch den weissen 
Flor zahlreicher Mandel- und Kirschbaume angenehm bemerkbar 
machen. Aber auch die uncultivierten Strecken bieten dem 
Freund siidlicher Landschaften alle jene Zauber, durch welche 
sich der Kiistenkarst oberhalb Abbazia, zwischen Matulje und 
Veprinac auszeichnet. Denn schon im Vorfriihling spriesst 
zwischen den Felsscherben, den Wacholderbiischen und sonstigem 
G-estrauch ein reicher Flor von Anemonen, Primeln und Veilchen 
auf und immer wieder erschliessen sich weite, besonders den 
"Westen bis zum Meer umfassende Horizonte. 



1 Von Zara bis Zemonico (Zemunik) siehe Seite 133. Von Zara bis Ben- 
kovac 36 Kilometer in 4*/ 4 Stunden. Post jeden Freitag und Sonntag fur 
1 fl. 50 kr. Mallefahrt (geht bis Knin und Sinj) jeden Montag, Mittwoch 
und Samstag fur 2 fl. 70 kr. 



VON ZEMONICO GBER NADIN NACH BENKOVAC. 169 

Bei Unter-Biljane biegt die Strasse gegen Siidost ab in das 
seichte Thai des Klicevica - Bachleins, dessen durchschnittlich 
20 Meter tiefer gelegene Sohle man bis auf etwa 3 Kilometer 
vor Benkovac bestandig zur Linken hat. Bis hieher heisst der 
Bach Ljubovlje oder Matica ; nun aber- biegt er, von der Strasse 
iibersetzt, gegen Westen und Nordwesten ab, um als Klicevica 
in den Wintersee Nadinsko-Blato zu miinden. 

Schon im ersten Drittel der Fahrt zwischen Unter-Biljane 
und Benkovac erheben sich die Hiigel siidwestlich der Strasse, 
welche das Klicevica-Thal von der Seeniederung trennen, zu 
ihrer Hauptculmination, der 266 Meter hohen Gradina, und hier 
mag sowohl der Archaologe, als der Freund hiibscher Rund- 
sichten den "Wagen verlassen, um den in einer halben Stunde 
leicht erreichbaren Hiigel zu erklimmen, der vor nun fast zwei 
Jahrtausenden die n Arx" der romischen Siedlung Nadinium trug. 

Historisch ist iiber das alte Nadinium nicht viel mehr 
bekannt, als dass es - wie Palladius Fuscus berichtet - 
von den Gothen zerstort wurde. Doch mag es wohl in der 
Romerzeit nicht unbedeutend gewesen sein, da es als weithin 
beherrschender Punkt an einem alten wichtigen Strassenzuge 
lag. Yon der Hohe des Burghugels (Gradina) sieht man nord- 
westlich bis zur Bucht von Nona, sudostlich iiber Benkovac 
hinaus bis zu dem ungefahr gleich hohen Hiigel, welchen die 
Arx (romisches Castell) von Asseria kronte. Diese Lage wurde 
auch im Mittelalter gewiirdigt und die Gradina unter anderem zur 
Aufstellung zweier optischer Signalstationen beniitzt, von welchen 
man - - wie z. B. 1449 vom Thurm von Grahovo bei Scardona 
aus - - den nachstliegenden Thiirmen Zeichen gab, um Nach- 
richten iiber die Bewegungen der tiirkischen Truppen zu ver- 
breiten. 

Eine Zeit lang war Nadin im Besitze der Tiirken, welche 
ebenso wie vor und nach ihnen die Venetianer auf den alten 
romischen Fundamenten weiterbauten, so dass Nadin zu Anfang 
des XVII. Jahrhunderts militarisch von ziemlicher Bedeutung 
war. Einer Relation zufolge, welche der bosnische Beglerbeg 
Ibrahim Pascha Mejrim Be go vie im Jahre 1620 erstattete, war 
Nadin damals eine starke Festung mit Thurm, in welcher fiinf 
Agas, ein Kadi und ein Dizdar hausten. Der Ort am Fusse der 



170 VON ZARA USER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

Festung zahlte 100 Hauser und konnte 150 Soldaten stellen, 
wahrend in der Umgebung 150 Familien wohnten, welche im 
Nothfall 300 Soldaten aufbrachten. Auch ein Bericht vom 
Jahre 1637 schildert JSTadin als stark befestigt und bemerkt, dass 
das Arsenal hier sicherer,, als in Knin untergebracht ware. Nadin 
war zu jener Zeit eine der sechs Hauptmannschaften, welche das 
Likaner Sandschakat bildeten; nach der Eroberung durch die 
Venetianer unter Pisani, welcher damals (19. Marz 1647) auch 
Zemonico zerstorte, verier der Ort aber seine Bedeutung und 
bildet heute nur eine aus zerstreuten Weilern bestehende Dorf- 
schaft von 381 Seelen. Diese wohnen. zum Theil am Gehange 
gegen das Nadinsko-Blato hin, eines der bekanntesten Winter- 
seen Dalmatiens, der im Winter eine 4 Kilometer lange und 
2 Kilometer breite Wasserflache darstellt und in dieser Jahreszeit 
fur den Naturfreund und Jager manches Interesse bildet. Seine 
Niederung (circa 80 Meter Seehohe) dacht im Siiden beiderseits 
der Anhohe von Tinj (Sv. Ivan 120 Meter), ziemlich rasch zu 
den ,,Furlanischen Boden" ab (Seehohe 16 Meter), welche den 
altcultivierten Nordtheil des riesigen, bis zum Vrana-See sich 
erstreckenden Vrana-Sumpfes darstellen. (Siehe Seite 174.) 

Das ganze Niedergebiet war fruher zur Winterszeit von 
Tiimpeln und milchfarbigen Siimpfen bedeckt, so dass nach Zara- 
vecchia hiniiberzugelangen nur mit Stelzen moglich gewesen 
ware, wie sie die Bewohner der franzosischen ,,Landes" anwenden. 
In neuerer Zeit hat man jedoch hier, wie in anderen Gebieten 
Dalmatiens, energisch mit der Entsumpfung begonnen, so dass 
nicht nur neues Ackerland gewonnen, sondern auch mehr und 
mehr jene Hauptquelle der Sommerfieber verstopft wird, welche 
in so vielen sonst gesegneten Strichen der Mittelmeerlander von 
der romischen Campagna bis Cypern das Unheil der Bewohner 
bilden. 

Nach Ubersetzung der Klicevica kommt bald das Castell 
von Benkovac in Sicht, wo unsere Strasse von dem Strassen- 
zuge gekreuzt wird, der ndrdlich gegen Karin und Novigrad, 
siidlich nach Vrana fiihrt. An der Strassenkreuzung selbst liegt 
der Markt Benkovac, welcher 432 Einwohner zahlt, wahrend das 
Dorf gleichen Namens sich entlang der Karin-Strasse die Anhohe 
gegen Norden emporzieht. 



BENKOVAC. 171 

Benkovac.' 

Manche altere Schilderer pflegten an Benkovac kein gutes 
Haar zu lassen. Obwohl es namlich im Mittelalter einer der 
Winkel des geschichtlichen Dreiecks Vrana-Benkovac-Scardona 
war, wo nicht nur die Administrationsbehorden des damaligen 
Dalmatiens ihres Amtes walteten, sondern auch der Landtag 
sich versammelte, berichtet der oberwahnte Beglerbeg Ibrahim 
im Jahre 1620, dass Benkovac nur ein kleiner verwahrloster 
Thurm sei und innerhalb der TJmmauerung bloss ein paar Hauser 
enthalte, welche zusammen. etwa 50 Soldaten stellen konnen. Der 
erwahnte Thurm war ein Feudum des Begs Benkovic von 
Livanje, nach welchem die Ansiedhmg ihren Xamen fiihrte ; 
doch begriff man unter letzterer hauptsachlich das Dorf, da der 
jetzige Markt noch vor einem halben Jahrhunderfc nur aus zwei 
oder drei Hausern bestand. Auch Noe spricht 1870 von einem 
n schmutzigen verkommenen Nest". Seither hat sich jedoch die 
Grunst der Lage an einem Strassenkreuzungspunkt und die Eigen- 
schaft als Bezirkshauptort. so geltend gemacht, dass die in eine 
grime Oase gebettete Strassenzeile auf 72 Hauser (1890) anwuchs. 

Auch die Cultur des umliegenden Gelandes* hat besonders 
auf der 37 Kilometer langen Strecke ost warts gegen Kistanje - 
einen erfreulichen Aufschwung genommen und es sind in den 
letzten drei Jahrzehnten zahlreiche neue Weingarten angelegt 
worden, deren Product, besonders sofern es von den Hohen bei 
Benkovac und bei den n Brucken von Bribir" herriihrt, von 
den croatischen Handlern sehr geschatzt wird. 

1 Benkovac 1st Hauptort des Gerichtsbezirkes gleichen Namens, welcher 
aus einer einzigen Catastral- und Steuergemeinde besteht. (564-2 Quadrat- 
kilometer, 12.215 Einwohner.) Ausserdem ist es Sitz einer Bezirkshaupt- 
mannschaft, welcher noch die Gerichtsbezirke und politischen Gemeinden 
Kistanje (317'11 Quadratkilometer mit 8875 Einwohnern) und Obrovazzo 
(70O31 Quadratkilometer mit 12.319 Einwohnern) zugehoren. 

2 tiber den Boden von Benkovac bemerkt Abbate Fortis: ,,Die Pfennig- 
steine (Nummuliten) unter dem Felsen von Benkovac und bei dem nahen 
Dorfe Podlug (westlich von Perugic) sind so vollkommen gut erhalten, wie 
die zu Monte Viale im Vicentinischen. Zwischen dem Felsen von Benkovac 
und dem Geholz von Cukalj streicht eine Httgelreihe von blaulichtem Thon 
vmd an einigen Orten von weissem Mergel. In den Hohlungen, die die Wald- 
wasser ausgegraben, fand ich unter anderem mit Spath krystallisierte Kerne 
von Turbiniten, die sehr glanzend und von goldgelber Farbe sind. tJberhaupt 
stimmt das Gestein, aus welchem die Hugel dieser Gegenden bestehen, 
ziemlich mit dem weichen Gestein unserer italienischen Hugel iiberein." 



172 VON ZARA UBER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

Fiir den geschichtsfreundlichen Touristen das wichtigste in 
der Gegend ist jedoch der historische Hiigel Asseria, der sich 
etwa 5'/a Kilometer siidostlich, zur Linken der Kistanjer Strasse 
erhebt. 

Die Ruinen von Asseria. 

Der Anfang der Strasse Benkovac-Kistanje wird ostlich von 
einem 50 bis 60 Meter hohen Gehange begleitet, ober welchem 
eine Hochebene gegen das Bergland der (Obrovazzoer) Bukovica 
hin ansteigt. An dem Gehange reihen sich von Benkovac siid- 
Qstlich die Dorfchen Bukovic, Volarevic, Vrcil und Podvor- 
nice ; fahrt man aber noch zwei Kilometer weiter, bis man zur 
Rechten der Strasse die Palanke von Perusic ' passiert hat, so 
bemerkt man links eine Steile in dem Gehange, vor welcher ein 
Feldweg hinaufzieht. Der Weg fiihrt zu jenem ziemlich aus- 
gedehnten Abschnitt der Hochebene empor, der seiner Zuge- 
horigkeit zum nordlich liegenden Dorfe Podgragje wegen Pod- 
gradina heisst und ausser dem Kirchlein S. Duh (Heiliger Geist) 
die Ruinen einer der beruhmtesten Stadte des romischen Binnen- 
dalmatiens tragt : Asserias. 

Asseria kommt in der Peutinger'schen Tafel als Aseria, 
bei Ptolemaus als Assesia vor. Plinius erwahnt Asseria 
unter den Stadten Liburniens, die zum Conventus von Scardona 
gehorten und nennt die Asseriaten ausdriicklich n immun u , so 
dass, auch wenn nicht die Bliite der Stadt im IV. Jahrhundert 
bestatigt ware, auf ein grosseres, seinen Magistrat selbst wahlendes 
Gemeinwesen geschlossen werden miisste. 

Abbate Fort is, welcher die Ruinen vor ungefahr 12B Jahren 
besichtigte, erzahlt, dass der Umfang des Triimmerfeldes 3600 
romische Fuss betrage und einen rechteckigen ebenen Platz ein- 
schliesse (Spianata), in dessen Mitte die zum Theil aus antiken 
Bruchstucken aufgefiihrte Parochialkirche von Podgragje stehe. 
Fortis fand die Dicke der Mauerwalle mit 8 Fuss, ja an den 
Abhangen mit 11 Fuss und bemerkt, dass sie ortlich bis zu 

1 Anfang des XVII. Jahrhunderts war die Palanke von PeruSic Sitz 
eines Dizdars (Festungscommandanten) und mehrerer Agas, und die um- 
liegenden 40 Hauser stellten bei 50 Soldaten; heute steht nur mehr ein 
mauerumgiirteter Eundthurm, bei welchem ein Pachter des Fursten P o s e- 
d a r s k i naust. 



DIE RUINEN VON ASSERIA. 173 

12 Ellen iiber den Boden aufragen. Zum Bau verwendete man 
^gemeinen dalmatinischen Manner", der aber nicht von den 
umgebenden Hiigeln stammt, da diese aus weichem Gestein 
bestehen; antike Bruchstucke, Inschriften u. dgl. wurden haufig 
gefunden, aber oft wieder von den Bauern vergraben oder ver- 
stummelt, seit man letztere gezwungen, einige sepulcrale Saulen 
umsonst bis an das Meer zu schleppen. 

Schon Fort is ausserte, dass Ausgrabungen an der Stelle 
Asserias wichtige Resultate ergeben konnten; es kam aber zu 
Nachforschungen erst, als der Archaologe Glavinic vor einigen 
Jahren die machtige Ecke neben der Pforte blosslegte und auch 
damals beschrankteii sich die Funde auf einige bedeutungslose 
Inschriften, Miinzen, Zierate u. dgl. Da fiihrte im Jahre 1897 
ein Zufall wichtigere Entdeckungen herbei. Man stiess namlich. 
als der Pfarrer von Podgragje eine Apsis der Kirche abtragen 
liess, mit dem Spaten auf eine Mauer, und als nun Fra Luigi 
Marun, der Director des Kniner Museums, weiter grub, wurden 
zwei machtige, meterdicke Pfortengiebel blossgelegt, von welchen 
einer 3 Meter Lange hatte und der andere noch laiiger war. 
Weitere Funde bestanden in einem zweiten machtigen Thiirfries 
mit Inschrift, in einem korinthischen Capital und anderen Frag- 
menten, wozu sich zwei alterthiimliche KJriige, Ohrgehange und 
40 Miinzen gesellten, die aus Grabern gehoben wurden. 

Auf die Kunde von diesen Entdeckungen eilten im De- 
cember 1897 Fachleute auf das Ruinenfeld, wo ihnen manche 
interessante Constatierung gelang. So fand sich auf einem der 
Thiirgiebel in 20 Centimeter hohen, wohl erhaltenen Buchstaben 
die Inschrift n Dec. Augur. Porticum", auf dem zweiten stand 
geschrieben n Fieri jussit", auf dem dritten n S. Omnium Asser" 
(-iatum). Auch fuhrten weitere Nachgrabungen zur Blosslegung 
der Ecke eines alterthumlichen Gebaudes vor der Kirche, und 
zu der Wahrnehmung, dass letztere nicht auf eigenen Funda- 
menten, sondern auf Thiirfriesen ruhe. Als nun die siidostliche 
Ecke der Kirche abgetragen wurde, entdeckte man neuerdings 
einen gewaltigen Giebel, dem spater eine Inschrift n C. C. Tes- 
tamen ..." folgte. 

Der ganze Euinencomplex gehb'rte offenbar dem romischen 
Castell von Asseria an, welches ausser oifentlichen Gebauden 



174 VON ZARA OBER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

auch das Privathaus eines Decurion oder Augurs enthalten haben 
durfte; unter dem Castell aber bis zur Strasse, die ungefahr 
dieselbe Richtung wie heute gehabt haben mag, erstreckte sich 
die Stadt Asseria, die noch im II. und III. Jahrhundert n. Chr. 
bestanden haben muss, da die vorgefundenen Reste diesen Zeiten 
angehoren. ' 

Seitenausflug: 

Von Benkovac nach Vrana. 

(Circa 10 Kilometer.) 

Die von Benkovac siidlich ziehende Strasse fuhrt zunachst 
an einem westlich aufragenden kleinen Hugel voriiber, an dessen 
Fusse ein Quell frischen "Wassers entspringt. Auf der Anhohe 
stehen die wenigen Hauser des Dorfchens Sopot, das einst eiiie 
gewisse "Wichtigkeit hatte, weil sich hier der kleine Divan (Rath) 
des Likaner Sandschakats versammelte. Eine zweite Erinnerung 
an die Ttirkenzeit begegnen wir 3 Kilometer siidlich von Ben- 
kovac beim Weiler von Miranje: ein Kirchlein des heil. Peter, 
das aus einem alten tiirkischen Thurm entstand, dem jedoch 
eine moderne Apsis angefugt wurde. 

Von Miranje senkt sich die Strasse in die Mulde Krs, und 
ersteigt dann eine Anhohe, wo sich plotzlich eine historisch wie 
landschaftlich bedeutende Ausschau eroffnet : Vor uns liegt in 
griiner Oase das Dorfchen Vrana; dariiber hinaus wellt gegen 
Siiden der Spiegel des machtigen Vrana-Sees, an dessen Ostufer 
sich das Terrain im Crni Vrh zu 305 Meter erhebt, gegen Siid- 
westen und Westen aber reicht der Blick weit auf das Meer 
hinaus und wird in ersterer Bichtung von der nahen B/uine eines 
alten Templerschlosses festgehalten, jenseits welchem der Vrana- 
See gegen Norden in die riesigen Siimpfe iibergeht, die bis zu 
den Furlanischen Ebenen'- reichen. 



1 Erwalmt mag hier sein, dass anlasslich der Ausgrabungen in Asseria 
Fra Luigi M a r u n Herrn Glavinic eine in der romischeii Festung 
Krusevo bei Obrovazzo aufgefundene Mtinze iibergab, welche den Kopf des 
Augustus und die Inschrift ,,Signis Parthicis receptis" aufweist. Die Munze 
wurde also anlasslich des von H o r a z in einer Ode verherrlichten Triumphes 
iiber die Farther gepragt. 

2 Diese Ebenen am Nordrand des Vrana-Sumpfes haben ihren Namen 
von italienischen Colonisten, die in der Venetianerzeit hier angesiedelt 
wurden und sich seither croatisierten. 



VON BENKOVAC NACH VRANA. 175 

Wo Sumpf und See zusammenstossen, schlangelt sich quer 
uber ersteren die Fortsetzung unserer Strasse bis Pakoscane an 
der Meereskiiste, und zwar voriiber an einem alterthumlichen, 
in neuerer Zeit etwas restaurierten Gebaude (Crkvina), das fast 
nnmittelbar am See liegt. 

Doch zunachst interessiert uns jetzt Vrana, beziehungsweise 
die Ruine des alten Templerthurmes, welche Erinnerungen an 
eine ganze Reihe charakteristischer Geschichtsereignisse Dal- 
niatiens erweckt. 



Zunachst trat Vrana im XI. Jahrhundert hervor und zwar infolge 
eines bedeutsamen Ereignisses in der Geschichte der Croaten, welches sich 
am 9. October 1076 vollzog. An diesem Tage erschien namlich ein Cardinal- 
Legat Gregors VII. in Dalmatien und tiberbrachte jene Kronungs-Insignien 
(Krone, Scepter, Kreuz), mit welchen Banus Zvonimir in der Peterskirche 
zu Bihac (Riviera della Castella) zum Konig der Croaten gekront wurde. 
Zum Danke dafiir stiftete Zvonimir damals in seinem Lande einen Peters- 
pfennig von 200 Goldducaten jahrlich und schenkte dem Papste das neu- 
gegrilndete Kloster S. Gregor in Vrana, damit die papstlichen Legaten, 
wenn sie nach Dalmatien kamen, ein Absteigquartier hatten. 

Zweiundsechzig Jahre spater (1138) errichtete Bela II. von Ungarn in 
Vrana ein Priorat des Templerordens, das bald zu grosser Bedeutung 
gelangte, da sich die Templer eine Festung erbauten und wie uberall 
rasch zu bereichern wussten. Nach Aufhebung des Templerordens * kam 
Vrana im Jahre 1312 an die Ehodeser oder Johanniter, doch behielten die 
Prioren ihren grossen Einfluss bis auf Ivan P a 1 i s n a, der nach dem Tode 
Ludwigs des Grossen gegen die Anhanger des Letzteren Partei ergriff und, 
wie schon bei der Erwahnung Novigrads berichtet (siehe Seite 157), im 
Jahre 1382 sowohl die Konigin-Witwe, als die junge Konigin Maria in seine 
Gewalt bekam. Erstere fiel der Wuth der damaligen Parteikampfe zum 
Opfer; Maria aber wurde mit Unterstiltzung ihres Verlobten Sigismund 
befreit und die Ungarn zogen nun vor Vrana (1388), um an Palisna 
Rache zu nehmen. Anfangs gelang dies nicht, da Tvrtko I. zur Hilfe her- 
beieilte; als aber Tvrtkos Nachfolger in der Ban-Wilrde von Croatien und 
Dalmatien (VuSko Vuc"ic) gegen Palisna Partei ei-griff, ergieng es diesem 
vibel: Kloster Vrana wurde erobert, seine Giiter verfielen der Confiscation 
und Palisna selbst gerieth in Gefangenschaft. 



1 Der Templerorden wurde bekanntlich von Papst Gelasius II. im 
Jahre 1118 gestiftet und fiihrte seinen Namen nach dem in seinen Besitz 

gsgebenen Kloster an den Mauern des Salomonischen Tempels in Jerusalem, 
er Orden, welcher uber Betreiben Philipps des Schonen von Frankreich 
vom Concil zu Vienne (1311) aui'gehoben wurde, besass an der Ostkiiste der 
Adria befestigte Kloster in Zengg, Zara, Vrana und Spalato. 



176 



VON ZARA USER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 



In der Folge (1409) trat Ladislaus von Neapel, der damalige Pratendent 
auf die Krone Ungarns, neben anderen dalmatinischen Gebieten, auf die 
ihm angeblich Rechte zustanden, wie z. B. die Insel Pago, auch Vrana an 
die Venetianer ab und dieses blieb nun fast ein Jahrhundert venetianisch, 
bis sich in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jahrhunderts die Tiirken in 
der Gegend festsetzten und - - wie es heisst das bertihmte Kloster den 
Flammen uberlieferten. 

Zur Zeit der venetianischen. Herrschaft in Vrana (1420) wurde hier 
der nachmals als Architekt bertihmte L u c i n a geboren, der dem Konig 
von Neapel den Poggio Reale erbaute und nachher vom Herzog von Urbino 
berufen wurde (f 1482 in Pesaro) ; in die tiirkische Zeit aber fallt ein Auf- 
schwung der Gegend in wirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Bezieliung, 
wie er selbst in neuester Zeit noch nicht wieder erreicht worden ist. 




RTJINEN VON VRANA. 

Damals im XVI. und zu Anfang des XVII. Jahrhunderts - - gab 
es im Sandschakat der Lika drei Stufen von Giitern, mit welchen der Sultan 
seine Getreuen zu belehnen pflegte: Paschaluks, wenn der Jahresertrag 
100.000 Piaster iiberschritt, Zij amets, wenn das Gut 20.000 bis 100.000 Piaster 
abwarf, und Z a i m s, wenn der Ertrag unter 20.000 Piaster blieb. Vrana nun 
war das beruhmteste Zijamet des Likaner Sandschakats und ein Lehen des 
Halil-Beg Durakovic, der nebst seinem Sohiie Durak Beg die Seele aller 
Unternehmungen war, welche sich in den ersten Decennien des XVII. Jahr- 
hunderts vom Likaner Sandschakat gegen Venedig richteten. 

Vrana schreibt der Venetianer Foscolo war damals der Hauptort 
des Halil-Beg'schen Zij amets und der Garten des Likaner Sandschakats. 
Hier standen mehr als 500 grosse schone Hauser, darunter als schonstes 
der Palast Halil-Begs selbst, der als Sandschak (Oberbefehlshaber) zwar 
seinen standigen "Wohnsitz in Knin hatte, oft aber auch auf seinem hiesigen 
Gute weilte. Sein guter Freund hier war Jusuf MaSkovic, ein gebiirtiger 



VON BENKOVAC NACH VRANA. 177 

Vranese, der es hoch in der Gunst Sultan Ibrahims IV. gebracht vind Geld 
genug erworben hatte, um 3000 Ducaten auf die Erbauung eines Han zu 
verwenden, das inmitten prachtiger Parkanlagen stand und jeweils zahl- 
reiche Gaste in seinen Mauern sah. 

Sogar eine Wasserleitung hatte man geschaffen, und zwar von einer 
nahen romantischen Felsgrotte her, die noch heute den erhalten gebliehenen 
und als Wirtshaus dienenden Han mit Wasser versorgt. 

Das Andenken an Halil-Beg, dessen Geschlecht in Bosnien unter dem 
Namen der Begs von Durakovic fortlebt sie nennen sich auch Begs von 
Vrana -- ist in der Gegend ebenso wie die Erinnerung an MaSkovic bei 
dem Landvolke erhalten geblieben, obwohl die Herrlichkeit der beiden 
schon im Jahre 1647 eiii rasches Ende nahm. 

Damals erschien namlich der venetianische Heerfuhrer F o s c o 1 o vor 
Vrana mit einem Heere, das hauptsachlich aus sogenannten Grenzern bestand, 
d. h. Bewohnern der Kotari, deren Ftihrer (Pfarrer S o r i c und andere) 
schon gelegentlich der Wanderung durch die Zaratiner Kotari Erwahnung 
fanden (siehe Seite 133). Mit diesen Tapferen eroberte Venedig Vrana, wo 
ihm reiche Beute zufiel; doch kummerte sich die sinkende Eepublik wenig 
um ihren neuen Erwerb und gab Vrana 1752 der Bologneser Adelsfamilie 
Borelli zu Lehen, deren Nachkommen noch heute in Zara leben. 

# 

In die Zeit jener Besitzergreifung fallt der erste von Fortis 
erwahnte Versuch, einen Canal zu bauen, durch den man dieVrana- 
Siimpfe zu entwassern oder wohl gar den Vrana-See abzuleiten 
gedachte. Der damals begonnene Canal war jedoch schon, als ihn 
Fortis um 1775 sah, verfallen und zu weiteren ernsten Boden- 
meliorationen kam es nicht mehr, bis in neuester Zeit die oster- 
reichische Regierung die Sache in die Hand nahm, in der Absicht, 
hier ein Pendant zur Austrocknung der Narenta-Stimpfe zu schaffen. 

Da die Vrana-Siimpfe vom See circa 7 Kilometer nordlich 
sich erstrecken und circa 3 '/a Kilometer breit sind, bedecken sie 
ein Areal von iiber 20 Quadratkilometer oder 2000 Hektaren. 
Dieser ganze Complex soil urbar gemacht werden, und zwar hat 
man zunachst den alten Canal, welcher den See mit dem Meer 
verbindet, gereinigt, und in dem Sumpfe eine Abzugsrinne 
gegraben, aus der jetzt zur Zeit der Winterhochwasser die Flut 
wie eine Cascade in den See fliesst. In der Folge sollen noch 
zwei je 10 Kilometer lange Entwasserungscanale angelegt werden, 
und steht also zu hoffen, dass dem begonnenen, auf Gewinnung 
neuer Ackergelande und Sanierung abzielenden Werke in nicht 
zu ferner Zeit voller Erfolg bliihen werde. 

FUhrer durch Dalmatian. 12 



178 VON ZARA UBER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

Von Benkovac bis zu den Brucken von ,,Bribir" (Mostine). ' 

Von Dorf Podgragje, beziehungsweise den Ruinen von 
Asseria (siehe Seite 172), fiihrt die Kniner Poststrasse in siid- 
6'stliclier Richtung durch ein Hiigelgelande weiter, das, wie 
schon erwahnt, jetzt mehr und mehr der "Weincultur wieder- 
gewonnen wird. 

Die Strasse hat zur Rechten die Thalsenke des Polaca- oder 
Morpolaca-Baches, welcher sich gegen Siidosten zu einer, zwischen 
den Dorfern Lisane (nordlich) und Morpolaca (siidlich) circa 
4'/ Kilometer langen Sumpfniederung erweitert. Das Morpolaca- 
Bachlein durchzieht die Niederung als Canalgraben und tritt am 
Siidende, wo von Osten der Bribisnjica-Bach herzukommt, wieder 
in Hiigelland, in welchem der Bach, nun circa 14 Kilometer 
(sudsiidostlich) fliesst zum Theil in tiefeingerissenem Bette 
ehe er in die Nordwestecke des auch von der Krka durch- 
stromten Prokljan-See miindet. 

Die Strasse halt sich bestandig am Nordostrand der erwahnteii 
Sumpfniederung, und zwar einige Meter iiber der Sohle, die eine 
Seehohe von etwa 100 Meter hat, wahrend der ruinengekronte 
Hiigel Vuksic zur Rechten 283, die Ostrovica ostlich von Lisane 
406 Meter erreicht. Im Siidostwinkel der Sumpfniederung biegt 
die Strasse ins Thai der Bribisnjica ein und iiberschreitet als- 
bald dieses Bachlein auf einer der beiden mittelalterlichen Bribir- 
Briicken (Ponti di Bribir, Mostine), welche eine seit alters 
wichtige Strassenkreuzung bezeichnen.- 



1 Von Zara bis Benkovac siehe Seite 168. 

Ab Benkovac fahrt die von Zara gekommene Mallepost jeden Montag, 
Mittwoch und Samstag um 10 Uhr 20 Minuten vormittags weiter und erreicht 
die Brucken von Bribir (22 Kilometer 1 fl. 65 kr.) um 1 Uhr 15 Minuten nach- 
mittags. (Von den Bribir-Briicken geht Montag, Mittwoch, Donnerstag und 
Samstag um 1 Uhr 30 Minuten nachmittags eine Eilpost ftir 90 kr. nach 
dem 16 Kilometer zwei Stunden entfernten Scardona, von wo Schiffs- 
verbindung nach Sebenico besteht.) Die Zaratiuer Mallepost fahrt von Bribir 
in zwei Stunden nach Kistaiije (von Bribir 15 Kilometer 1 fl. 13 kr.), und 
in weiteren drei Stunden nach Knin (von Kistanje 28 Kilometer 2 fl. 10 kr.). 

Von Benkovac nach Knin 65 Kilometer ftir 4 fl. 88 kr. (7 Stunden 
55 Minuten), von Zara bis Knin 101 Kilometer fur 7 fl. 58 kr. (12 Stunden 
15 Minuten). (Siehe auch Anhang: Dalmatinische Postrouten.) 

2 Von Bribir fuhrt eine Strasse siidlich fiber die Wallfahrtskirche 
Madonna del Carmine nach Vodice (circa drei Fahrstunden), eine" andere 
Strasse sudostlich nach Scardona (zwei Stunden), das mit Sebenico in 
Dampferverbindung steht. 



VON DEN ,,BRIBIR-BRUCKEN" BIS KISTANJE. 179 

Hier sassen einst die bertihmten Vojvoden Bribir aus dem Hause 
S u b i c, welche eines der zwolf thronberechtigten croatischen Adels- 
geschlechter bildeten und besonders nach dern Aussterben der nationalen 
Konigsdynastie zu Ende des XI. Jabrhunderts solche Macht errangen, dass 
sich einer aus der Dynastie, Mladen, der durch ganz Mittel-Dalmatien bis 
Alniissa gebot, wohl Hex Dalmatiae nennen inochte. 

Aber nicbt iiur in der Specialgeschichte Croatiens, sondern auch in 
der Weltgeschichte sind die S u b i c bervorgetreten, und zwar gerade nach- 
deni ihr Stern in der Heimat bereits erloscbeu war. Ludwig der Grosse 
hatte namlich zwar die Macht der S u b i c gebrocheii und sie giengen ihrer 
Stanrmguter Ostrovica und Bribir verlustig. docb erbielt Niclas von Bribir 
spater die croatische Festung Zrinj als Leben, nach welcher der Name 
Zrinjski, im niagyarischeii Zrinyi entstand. DieserXiclas von Bribir 
o d e r Zrinyi war der w e 1 1 h i s t o r i s c h g e w o r d e 11 e V e r - 
theidiger von Szigeth, der durch seine heldenmuthige Vertheidiguug 
der Stadt Zrinj einen der gefiihrlichsten Osmanenstiirme gegen Europa brach, 
aber auch seine heroische That mit dem Leben bezahlte, da er bekanntlich 
gleich Soliman am 4. September 1466 auf der Wahlstatt blieb. 

Von den ,,Bribir-Brucken" bis Kistanje. 

Diese 15 Kilometer lange Fahrt geht durch eine ; mit der 
gleichnamigen Landschaft bei Obrovazzo nicht zu verwechselnde 
n Bukovica", welche gleich ihrer siidlichen Nachbarin, der Land- 
schaft Lasekovica, zu den typischen Karstniedergebieten Dal- 
matiens gehort. Es ist em Gebiet, das so manchem Reisenden 
einfach trostlos erscheinen wird, das aber dem Naturverstandigen 
gleichwohl eine Fiille von Anregungen bietet, wie folgende Aus- 
fuhrungen Dr. F. v. Kerners beweisen mogen, der 1895 behufs 
geologischer Specialaufnahmen fur die k. k. geologische Beichs- 
anstalt hier thatig war. 

Beide Landschaften erstrecken sich etwa 10 Kilometer 6'stlich bis zur 
Krka, jenseits welcher etwa 14 Kilometer der Grenzstreifen zwischen den 
Landschaften Promina und Miljevci bis zum Berg Promina reicht, der infolge 
seiner Hohe (1148 Meter) schon bei Kistanje den ostlichen Horizont beherrscht. 
Die Gesteinschichten, welche an diesem Gebirgsstock in besonderer Aus- 
pragung vorkommen, nennt Dr. K e r n e r Prominaschichten und bemerkt, 
dass darunter besonders die Promina-C onglomerate der Entwicklung 
der Karsterscheinungen sehr giinstig seien. ,,Die Karenbildung tritt an 
ihnen viel reicher und mannigfaltiger, als an den Nummuliten- und Eudisten- 
kalkeix auf, und speciell die Landschaft LaSekovica kommt, was Dolinen- 
reichthum betriff't, dem Sesanerkarste gleich. Man zahlt hier bei 530 bis 
zu 30 Meter tiefe Dolinen. Auch das Hohlen-Phanomen ist reich entfaltet 

12* 



180 VON ZARA OBER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

und existieren unter anderem zwei Hohlen in der unmittelbaren Umgebung 
Kistanjes, welche genetisch verschiedene Hohlentypen veranschaulichen : 
Die cine besteht aus einem, durch Zerkluftung der Conglomeratmassen ent- 
standenen System weitverzweigter Gauge und Spalten, deren Wande mit 
reizenden blumenkohlahnlichen Tropfsteingebilden tlberzogen sind; sie liegt 
in dem Thalgraben Carigradska Draga, welcher bei Kloster Sv. Arhangjeo 
zur Krka miindet. Die andere bildet einen, durch Auswascbung einer 
Mergelschichte zwischen zwei Conglomeratbanken entstandenen niedrigen, aber 
langen Corridor, in welcbem dicke, reich cannelierte, in kurzen Abstanden 
quer gewulstete Tropfsteinsaulen von der Decke zum Boden gespannt sind. 
Diese Grotte liegt nordnordwestlich von Kistanje bei Vu5kovic. Das ganze 
Verbreitungsgebiet der Prominaschichten ist wasserlos ; nur in der Tiefe 
des Krka-Caiions treten Quellen zutage, und zwar besonders zahlreich unter 
dem sechsten Krka-Katarakt (Miljefika), wo sich ober den Quellen am Ge- 
hange eine lebmerf 'iillte Hohle 6'ffnet, in welcber man einige hundert Meter 
weit in ziemlich horizontaler Richtung vordringen kann. Sie flibrt zu den 
die Quellen speisenden unterirdischen Wasserreservoirs. 

Die Gesteine der Lasekovica sind Breccien, Conglomerate und oft gelb- 
oder fleischrothe Plattenkalke, welche in zahlreichen, aber meist nur schmalen 
Ziigen zwischen den Conglomeratbanken auftreten. Auch in der westlichen 
Bukovica ist der von einer tiirkischen Thurmruine gekronte Hugel von 
Zezevo (Zezeva Gradina), den man hinter Gjevrske, ungefahr halbwegs 
zwischen Mostine und Kistanje passiert, aus einer machtigen Folge 
von sanft gegen Nordost geneigten Conglomeratbanken aufgebaut, deren am 
Siidwestabfall zutage tretende Schichtkopfe hier eine Eiesentreppe bilden. 
Nordlich der Carigradska Draga, speciell in der Umgebung von Kistanje 
werden jedoch wieder die mergeligen Einlagerungen haufiger, welche 
palaontologisch durch das Vorkommen von Operculinen, sowie von ein- 
geschwemmten Landpflanzenresten (Banksia-, Dryandra- und Ficusblattern) 
ausgezeichnet sind. 

Kistanje. 

Kistanje wird im Volksmunde als n Wohnung der scharfen, 
beziehungsweise reinen Liifte" bezeichnet. Selbst im Hochsommer, 
wemi unten im Krkathal, beim Kloster Sv. Arhangjeo zuweilen 
heisse Sumpfluft weht, ist es namlich in Kistanje angenehm kiihl 
und frisch, so dass man die Stadt fur die gesiindeste des binnen- 
landischen Dalmatiens (Zagorje) halt und ihr wie manchem 
anderen Karsthohenorte eine Zukunft als Sommerfrische 
prognosticiert. 

Seinerzeit, als hier bloss ein einzeliies ^Quartier" genanntes 
Haus stand, hausten in diesem nur etliche Soldaten, welche von 
den Ttirken gekauftes Vieh nach Zara zu escortieren hatten ; 



KLOSTER SV. ARHANGJEO. 181 

jetzt zahlt der Ort 1626 Einwoliner und hat eine serbisch- 
orthodoxe Kirche, vor welcher ein bemerkenswerter Brunnen 
steht. Die Mauer, welche ihn umgibt, 1st namlich mit einem 
machtigen Zeuskopf, Fragmenten von Friesen, lateinisclien In- 
schriften (deren eine von Mommsen erlautert wurde), und 
anderen Antiken geziert, die sammtlich in den nahen Ruinen 
von Burnum ausgegraben wurden. 

Zum Besuche dieser Ruinenstadt ist Kistanje ebenso Aus- 
gangspunkt, wie fur den Ausflug nach dem Kloster Sv. Arhangjeo 
und zum Cascadengebiete der mittleren Krka, und zwar 
empfiehlt es sich von Kistanje zunachst siidostlich nach dem 
3 Kilometer entfernten Kodkule zu fahren, wo vom Plateau ein 
"Weg hinab nacli dem Kloster fiihrt. Ist man nach Besichtigung 
des letzteren wieder heraufgestiegen,' so fahrt man nach Kistanje 
zuruck und weiter bis zum Dorf Rudele, wo ein steiniger Fuss- 
pfad ostlich zum Plateaurand leitet. Langs letzterem wandert 
man dann nordlich zur Besichtigung des 6., 5., 4. und 3. Krka- 
falles und trifft die Strasse wieder gerade bei der Hauptruine, 
wohin man den "VVagen vorausgeschickt hat. Die Tour kann 
iibrigens von Kistanje aus leicht ganz zu Fuss gemacht werden, 
und man wird dies auch thun, wenn man mit der Post gekommen 
ist und mit einer nachsten Post nach Knin weiter will. 

Wir betrachten im folgenden zunachst das Kloster Sv. Ar- 
hangjeo, werfen dann einen Blick auf die Ruinen von Burnum 
und setzen von hier die Wagenfahrt nach Knin fort, wahrend 
dem Krkagebiet ein eigenes Capitel gewidmet werden soil. 

Seitenausflug: 

Kloster Sv. Arhangjeo. 1 

Westlich von Kistanje auf dem steinigen Hochplateau der 
Bukovica entspringt ein Thalgraben, der, immer tiefer ein- 
schneidend, nach circa 4 Kilometer langem Verlaufe gegen Osten 
das westlicheKrka-Ufer erreicht. Dieser Thalgraben ( n Carigradska 



1 Die Krka ist vom Kloster sowohl bergab als bergauf mit Kahnen 
befahrbar. Es ist aber beim Kloster nicht immer ein Kahn verfiigbar ; auch 
ist es nicht ganz unbeschwerlich, von der Sohle hinauf zum Plateaurand 
zu steigen, was der Ubersicht der Wasserfalle wegen nothig ist. 



182 VON ZARA OBER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 

Draga") und die von Norden kommende Krka schliessen einen 
reizenden, durch die Uferhohen vor den Nordwinden geschiitzten, 
aber gegen Siiden frei exponierten "Winkel em, der bei 88 Meter 
Seehohe um fast 160 Meter tiefer als Kistanje liegt und sich im 
Winter einer besonderen klimatischen Begiinstigung erfreut. 

Hier steht inmitten blumiger Wiesen das uralte Kloster des 
heiligen Erzengel (Sv. Arhangjeo) in friedlicher Einsamkeit und 
bietet mit seinen von hohen Baumen iiberschatteten Vorhofen und 
dem von iippigen Schlingpflanzen umrankten alten Gemauer einen 
malerischen Anblick. An die byzantinische Kirche, welche mit 
ihrer griinen Kuppel, ihren rothen und blauen Fenstern und dem 
aus einer Ecke aufstrebenden Glockenthurm an Kiews Heiligthiimer 
gemahnt, schliessen sich mit Rundbogengangen die um den Hof- 
raum gruppierten Klostergebaude, unter welchen vor allem das 
Refectorium mit seinen Bildnissen ehrwiirdiger Archimandriten 
und das Bibliothekzimmer sehenswert sind, das noch heute 
reiche Schatze an alten Urkunden und Biichern birgt. In dem, 
zuletzt 1412 restaurierten Kloster wird eine, besonders fur die 
Ttirkenzeit wichtige Kirchenchronik gefuhrt, auch hat man seit 
1851 ein Fremdenbuch 7 in welchem man manche Notabilitat, wie 
z. B. am 29. April 1862 Theodor Mo mm sen eingezeichnet 
findet. Interessant ist auch die Schatzkammer des Klosters. Sie 
enthalt unter anderem die Stola ( n Petrahilj u ) des heiligen Sava 
(Sabbas) aus der ersten Halffce des XIII. Jahrhunderts und ein 
reich in Gold verziertes Evangelium, das von den Monchen wie ihr 
Augapfel gehiitet wird, da nur ein ahnliches Exemplar mehr, 
und zwar in Russland vorhanden sein soil. 

Neben der Kirche steht eine kleine Krypta, in welcher der 
Zaratiner Bischof Knezevic bestattet wurde. Er hatte sich 
die Capelle selbst, als an seinem Lieblingsaufenthalte bauen lassen. 

Burnum. 

Setzt man die Fahrt von Kistanje auf der Kniner Strasse 
8 Kilometer fort, so kommt man nach Passierung des Dorfes 
Rudele vor die Uberreste einer antiken Bogenstellung, welche 
unter dem Namen der n Archi romani (romische Bogen) von 
Kistanje" bekannt sind, von den Bauern aber Suplja (Hohlen- 
kirche) genannt werden. Die Ruine ist zur Zeit schon sehr redu- 



BURNUM. 183 

ciert es stehen nur melir zwei ganze und ein halber Bogen - 
immerhin darf sie Interesse beanspruchen, well man in ihr den 
wichtigsten Uberrest einer Stadt vor sich hat, die in romischer 
Zeit zu den bedeutendsten Orten Binnen - Dalmatiens gehort 
haben muss. 

Das von P 1 i n i u s als Festung erwahnte Burnum war im 
IV. Jahrhundert ein bedeutsamer Strassenknotenpunkt Dalmatiens 
und unter anderem durch eine, die Krka (Titius) iiberbriickende 
Strasse mit dem alten Promona (Proniinaj verbunden. Schon 
damals gait es fur einen alten Handelsplatz der Antariater, des 
nach dem Ausspruch eines antiken Geographen, grossten und 
inachtigsten Stammes der Liburner, und wurde daher auch 
Liburna oder Civitas Burnistarum genannt. Schon die Liburner 
diirften diesen ihren Grenzmarkt gegen die Dalmater befestigt 
haben; spater aber stand hier die 11. Legion und hinterliess 
manche Votivsteine, welche der Boden gleich goldenen und 
anderen Miinzen, griechischen, romischen und gothischen In- 
schriften, Ringen, Statuen, Waflfen u. dgl. aufbewahrte. 

Man nimmt an, dass sich das antike Heerlager bei dem 
n romischen Bogen" befunden hat, welchen einige fur einen 
Triumphbogen des aus Dacien zuriickkehrenden Trajan halten, 
da ein dieses Kaisers gedenkender Inschriftstein gefunden wurde, 
wahrend andere in ihr die Pforte der Pratur von Burnum erkennen 
wollen. "Wahrscheinlich stand hier das Castell und war durch 
die Heerstrasse mit der Stadt verbunden, die man westlich 
gegen das Dorf Rudele hin vermuthet, wo sich die iibrigen 
Ruinen befinden. Unter diesen sind besonders die Uberreste eines 
Amphitheaters bemerkenswert, dessen grossere Achse 80 Meter 
misst, und die Ruinen eines alten Aquaductes, welcher das Wasser 
einer in der Richtung gegen Benkovac 12 Kilometer entfernten 
Quelle herzuleitete. 

Wie die Geschichtschreiber berichten, kampften noch im 
J^hre 537 bei Burnum die Legionen tapfer gegen die von 
Uhigitilei befehligten Gothen, so dass sich diese nach Scardona 
zuriickziehen mussten. Im Jahre 639 aber wurde Burnum von 
den Avaren vernichtet und verschwand seither aus der Geschichte. 



184 



VON ZARA USER BENKOVAC UNO KISTANJE NACH KNIN. 



Von dem ,,romischen Bogen" liat man, wie schon erwahnt, 
nur einige Schritte bis zum Plateaurande, wo sich Abblicke auf 
den Krka-Canon und besonders auf den Fall von Manojlovac 
eroffhen. Hier stand 1875 Kaiser Franz Josef und betrachtete 
lange das zaubervolle Bild, das sich ihm in der Ode der Ruinen- 
landschaffc rings wie eine Marchenscenerie auf that. 1 

Von Kistanje nacli Knin. 

Nachdem von Kistanje her Dorf Rudele und die Archi ro- 
mani passiert sind, entfernt sich die Strasse eine "Weile vom 




Krka-Canon gegen links (Norden), 
und beginnt alsbald in dolinen- 
reichem Terrain anzusteigen, wobei sich bedeutende Horizonte 
nordlich gegen die Vorhohen des Velebit, nordostlich gegen das 
Bergland zwischen Velebit und Dinara, ostlich gegen die Dinara 
selbst und sudostlich gegen die Promina hin erschliessen. Auch 
der Eiickblick uber weite Karstlandschaften entfaltet sich und 
diese Freiheit der Ausschau rings, im Verein mit den gesunden 
Liiften der Karsthochgelande macht die Fahrt angenehm, obwohl 
in der Nahe nun nichts Sonderliches zu sehen ist. 

Noch einmal nahert sich die fort nordostlich ziehende Strasse 
der vor Knin einen Bogen gegen Norden beschreibenden Krka 
bis auf weniger als einen halben Kilometer; dann beschreibt 

1 Siehe den nachsten Abschnitt : Die Krka (Kerka) und ihre Wasserfalle. 



VON KISTANJE NACH KNIN. 185 

unsere Strasse einen Bogen gegen Norden, vereint sicli beim 
"Wirtshaus Stara Straza (367 Meter) mit der grossen croatischen 
Strasse, deren Aste von Zengg Otocac, beziehungsweise vom 
bosnischen Bihac heriiberkommen und senkt sich nun in Serpen- 
tinen in den langgestreckten Thalboden der von Norden her 
fliessenden Bache Radiljevicaund Budisnjica, die mit ihren Neben- 
armen eine Art Ftinfstromland en miniature bilden, und am 
Siidende des Thalbodens in die Krka miinden. 

Gegen Mittag haben wir hier den Monte Salvatore (345 Meter), 
an dessen Sudhang die Krka fliesst, nachdem sie 3' 2 Kilometer 
weiter 6'stlich ihren ersten AVasserfall (Topolje) gebildet ; unsere 
Strasse aber wendet sich gegen Osten, iiberschreitet einen Sattel 
zwischen den ostlichen Thalhiigeln und dem Salvatore und zieht 
nun siidwarts zur Eisenbahnstation, wo man auch schon das 
Stadtchen Knin erblickt, welches malerisch vom rechten Ufer 
der Krka die Siidostgehange des Monte Salvatore hinanzieht, 
wahrend auf der Berghohe die grosse alte Festung thront. (Uber 
Knin siehe Capitel XIV.) 






XI. Die 



und ihpe Wassepfalle. 1 



Bei dein Absinken jener einstigen Festlandsmassen Dalmatiens, welche 
heute die Adria bedeckt, versanken auch Unter- und Mittellauf der Krka, 
so dass in geologischem Sinne heute nur mehr ein Oberlaufsgebiet des 
Flusses vorhanden ist. Geographisch unterscheiden wir aber einen Ober-, 
Mittel- und Unterlauf und ein unterstes oder Litoralgebiet. 

Oberlauf. 

Ungefahr 2% Kilometer ostlich von Knin stiirzt iiber eine Felswand, 
den ersten Wasserfall (von Topolje) bildend, das durch ein steiniges 
Hochthal vom Fusse der Dinara her gekommene Krkic-Bachlein. Dieses 
Bachlein ist der Quellbach der Krka, doch wird als Ursprung der letzteren 
auch eine unter jener Felswand entspringende Quelle angenommen, mit der 
sich der Krkicbach in 226 Meter Seehohe vereinigt. 

Die Krka ist nun in die breite nach Norden und Stiden ziehende 
Gebirgsspalte von Knin gelangt, folgt aber nicht dieser, sondern wendet 
sich westlich, urn das gegen die Meereskuste ausgebreitete Karstplateau zu 
durchbrechen. Den Anfang dieses Durchbruches bildet ein gewundenes, von 
oden Felsgehangen eingerahmtes Thai, das einen nordwarts geschwungenen 
Bogen darstellt und dessen Sohle von der schmalen Wasserader zunachst 
nur theilweise ausgefiillt wird. 

Nach ungefahr 7 Kilometer langem Laufe (von Knin her) wird die 
Thalsohle, die bisher nur stellenweise 250 Meter Breite erreichte, geraumiger 
und bildet schliesslich zwei Becken, deren westliches der Fluss ganz ein- 
nimmt. Es ist dies der 1100 Meter lange und durchschnittlich 300 Meter 
breite See von Marasovic, mit welchem die wenig besuchte aber hoch- 
interessante Eegion der Stromschnellen und Wasserfalle des mittleren Krka- 
gebietes anhebt. (Seehohe 226 Meter.) 



1 Nach Dr. F. v. Kerners Abhandlungen in den Mittheilungen der 
k. k. geographischen Gesellschaft 1897 und in den Verhandlungen der k. k. 
geologischen Reichsanstalt. 



MiTTLERES KRKAGEBIET. 187 



Mittleres Krkagebiet. 

In den See von Marasovic kommt die Krka von Nordosten ; der 
Westtheil des Sees aber 1st gegen Nordwesten gebogen und geht schliesslich 
in eine 1*7 Kilometer lange, genau ost-westlich gerichtete und von zer- 
kliifteten Felswanden begrenzte Thalenge iiber, in deren Mitte die Krka 
ihren zweiten, ungefahr 10 Meter hohen Wasserfall bildet. (Fall von 
BiluSic.) Sie iiberstromt hier zunachst in breiter Cascade eine Felsbank, 
um auf eine tief'ere Terrasse zu gelangen und stiirzt sich dann, durch ein 
Felsriff in zwei ungleich maclitige Giisse getheilt, unter wildem Tosen 
in die Tiefe. 

Etwa 0'7 Kilometer thalab dieses Wasserfalles wendet sich das Krka- 
thal in scharfem Bogen nach Siidwest und tritt nun in eine wesentlich 
andere, landschaftlich bevorzugte Gesteinszone. Den Xummulitenkalk der 
Kreidelormation, in welchem sich der Fluss bisher bewegte, iiberlagern 
namlich jetzt tertiare Conglomerate und Mergelschiefer (..Prominaschichten") 
und an Stelle der, vorwiegend von Verticalkliiften durchsetzten Uferwande 
treten Felsgehange, bei deren Anblick in erster Linie, eine der Absonderung 
des Gesteins in dicke Banke entsprechende Querfurchung auffallt. 

Den Eintritt in die Conglomeratzone bezeichnen drei Stromschnellen 
des Flusses, der nun aus der sudwestlichen abermals in die Westrichtung 
abbiegt und den schonen, etwa 630 Meter langen und 330 Meter breiten See 
von Bijelober bildet. (Seehohe 192 Meter.) Durch die Mitte dieses Sees, der 
besonders am Nordufer von malerischen, fast senkrecht absturzenden Fels- 
wanden begrenzt wird, geht die Axe der ersten jener Gebirgsfalten, welche 
die Krka in ihrem canonartigen Mittellaufe, von Stufe zu Stufe fallend, 
durchschneidet und der See selbst entstand durch einen Deckeneinbruch in 
der Scheitelregion jener Gebirgsfalte. 

Aus dem See von Bijelober getreten, beschreibt die Krka ein nord- 
westlich gerichtetes Knie und schneidet gewissermassen eine in gleicher 
Richtung zieheiide Halbinsel aus dem Plateau von Poljane heraus: den Fels- 
sporn der Vokruta, der besonders von den Manojlovic-Miihlen aus gesehen die 
ausgesprochene Treppenform seiner Gehange zeigt und hier eine imposante, 
ktihn auftretende Stufenpyrarnide bildet. 

Um diesen Sporn, dessen Nordspitze gegentiber am anderen Ufer die 
Archi romani sich erheben, entfaltet die Krka einige der schonsten und 
interessantesten Scenerien ihres ganzen Laufes. 

Zunachst westlich des Sees von Bijelober lost sich der Fluss 
durch eine Gruppe inselartiger Schilfbestiinde und mit Strauchwerk iiber- 
wucherter Tuffifelsen in Arme auf, die alsbald in raschere Stromung gerathen 
und an einer nun folgenden Thalenge den dritten Wasserfall (Fall von 
<3oric) bilden. liber einen breiten und bei 20 Meter hohen bebusch ten Fels- 
absatz stttrzt die Krka in mehreren Giissen nieder, von welchen die seit- 
lichen die ganze Fallhohe in einem Sturze durchmessen, wahrend die 
mittleren je mehrere Absatze bilden. 



188 



DIE KRKA UNO IHRE WASSERFALLE. 



Unter dem Fall hat 
die Krka die Seehohe von 
170 Metern erreicht und 
bildet nun, ehe sie aus 
derNordwest-scharf in die 
Siidostrichtung abbiegt, 
im so entstehenden Knie 




VIERTER KRKAFALL 

(Manojlovac). 

das etwa '/ 2 Kilometer lange 

und 200 Meter breite Becken 

von Coric, das e&enfalls durch 

Absinken einer Terrainscholle 

zwischen zwei, die Scheitel- 

region eines Schichtgewolbes 

durchsetzenden Querbriichen 

entstand, und zwar diesmal 

durch einenDeckeneinbruchder 

zweiten Falte, welche die Krka im Gebiet der Prominaschichten durch- 

schneidet. Gegen Sttden verengt sich das Becken alsbald und senkt sich 

zugleich zu einer Thalschlucht, in welcher die Krka abermals einen 

Wasserfall bildet. 






MITTLERES KRKAGEBIET. 



189 



Dieser vierteFall (von Manojlovac) 1 1st der machtigste, hochste und 
schonste im Gebiete der rnittleren Krka und wiirde wohl schon an und fur 
sich Bewunderung erregen, auch wenn ihn nicht eine bedeutende Landschaft 
umgabe und das voile Licht des Siidens mit Zauber ausstattete, von welchen 
man vor den oft in dustere Scb.luch.ten gebannten Wasserfallen der nord- 
lichen Gebirge keinen Begrift gewinnen kann. Der obere Theil des Falles 
besteht aus einer Reihe iiber- 
und nebeneinander herabrau- 
schender Cascaden , welche 
im allgemeinen zwei breite 
Terrassen bilden, deren un- 
terer noch ein Absatz vor- 
gelagert ist. Zwischen diesem 
Absatz der Riickwand und 
dem linken Ufer stiirzen die 
Wasser von drei Seiten her 
in machtigen Giissen in eine 
von Wasserstaub-Wolken er- 
fiillte Nische und vereinen 
sich mit der Flut der von 
rechts kommenden Cascaden 
in einem Vorbecken, aus dem 
nun um einen Felssporn 
herum in zwei machtigen 
Schwellen der Hauptabsturz 
in einen tiefen Abgrund er- 
folgt, den der wild tosende 
Fluss ganz mit Gischt und 
Wasserstaub erfullt. 

Das fort und fort wech- 
selnde belebteBild des pracht- 
vollen Wasserfalles mit seinen 
glitzernden Silberfaden und 
sonnendurchglanzten Staub- 
wirbeln, wie es sich von den 
Mancjlovic-Miihlen dem Auge 

darbietet, erhalt aber seine VIERTER KRKAFALL (Manojlovac). 

rechte Folie erst durch die 

Umgebung. Oberhalb des Falles sieht man einen von Felsen umrahmten 
tiefgriinen See, iiber dessen Ruckwand eine in zahlreiche Adern zertheilte 
Wassermasse herabstiirzt. Dariiber hinaus schweift der Blick auf den in 
blaulichen Dunst gehiillten fernen Monte Promina und die am Horizont 

1 Bei Manojlovac fallen im Hochsommer in jeder Secunde 10 Kubik- 
meter (100 Hektoliter) Wasser nieder, was bei 62 Meter Fallhohe 6200 Pferde- 
krafte ergibt. 




190 DIE KRKA UNO IHRE WASSERFALLE. 

verdammernden Dinarischen Alpen. Eechts im Vordergrund erhebt sich 
hoch uber die Cascaden eine ktihn emporstrebende Felspyramide, und 
noch welter rechts gewahrt das Auge eine von hohen Steilwanden begrenzte 
Scblucht, aus deren tiefem Grunde der wieder beruhigte grune Spiegel der Krka 
heraufglanzt. Das ganze hochst eigenthiimliche Bild aber erhalt noch dadurch 
erhohten Zauber, dass es sich unfern einer historisch bedeutsamen Statte entrollt. ' 

Die tiefe Scblucht, in welche die Krka bei den Manojlovic-Muhlen 
hinabstilrzt, ist eine der grossartigsten Strecken des ganzen Krkathales. 
Urspriinglich bestand nur eine Grabenversenkung, die erodierende Wirkung 
des Flusses vertiefte diese aber, und wahrend so immer tiefere Conglo- 
meratbanke durchsagt wurden, gestaltete sich die dem Treppeiigehange 
der Vokruta gegeniiberliegende westliche Schluchtseite zu einer hohen, 
fast senkrechten Wand, die durch eine grosse Anzahl verschieden breiter 
Felsbander gegliedert wird. 

Nahe dem unteren Ende dieses gegen 1-1 Kilometer langen Canons bildet 
die Krka ihren fiinftenFall (von Sondovjel), der sich von den iibrigen 
dadurch unterscheidet, dass er als einziger etwa 12 Meter hoher Schwell 
zur Tiefe stiirzt und in volliger Weltabgeschiedenheit liegt, da sich in seiner 
Nahe nicht wie bei den anderen Fallen Miihlen angesiedelt haben. 

Unter diesem Fall biegt die bisher siidostlich stromende Krka unter 
spitzem Winkel gegen Westen, da sich die vorhin erwahnten Langsbriiche 
hier mit einem Querbruch kreuzen, dessen Furche den Fluten noch weniger 
Widerstand geboten haben mag und daher von ihnen eingeschlagen wurde. 
In dieser Querfurche sieht man beiderseits des Flusses je zwei, durch ein 
schuttbedecktes Gehange getrennte Felsbander, die den Durchschnitten durch 
machtige Conglomeratbanke entsprechen. Da letztere gegen Siidwest ein- 
f alien, neigen sich auch die Bander gegen "West und das untere taucht all- 
mahlich unter den Flussspiegel, den beiderseits Auen und Sumpfwiesen 
begleiten. Tiber letztere erhebt sich die siidliche Thalseite uppig bebuscht, 
wahrend im Norden kahle Felsgehange aufstarren, deren Grau da und dort 
von Gelb oder Roth durchsetzt erscheint. 

Nahe dem unteren Ende dieser Thalstufe bildet die Krka ihren sechsten 
Wasserfall (von Miljecka), der wieder aus einer Reihe neb en- und unter- 
einander angeordneter Cascaden besteht. Hieher kommt der Fussweg, der 
von der Kniner Strasse bei Rudele abzweigt (siehe Seite 181), und hier 
eroffnet sich daher dem von Kistanje nahenden Besucher zum erstenmale 
der Tiefblick in den wilden, gelbrothen Canon der Krka mit dem von drei 
glanzend weissen Cascadenreihen (des Miljeckafalles) unterbrochenen grtinen 
Wasserspiegel in der Tiefe. 

Vom dritten Fall (bei Coric), wo sich der Krkaspiegel in etwa 190 Meter 
Seehohe befindet, ist der Fluss nun nach kauni 2V 2 Kilometer langem Laufe 
(Luftlinie nur l'/ 2 Kilometer), auf etwa 90 Meter Seehohe gesunken und 
durchschneidet nun, wie die schwach bogenformig verlaufenden Felsbander 



Siehe den Abschnitt ,,Burnum", Seite 182. 



MITTLERES KRKAGEBIET. 191 

an den Ufergehangen erkennen lassen, die an die zweite Gebirgsfalte siid- 
westlich anschliessende Schichtmulde, deren Achse schwach gegen Sudost 
geneigt ist. Diesen "VVeg nehmen daher auch die zur Tiefe gesickerten 
Niederschlagswasser auf der Oberflache der die Conglomeratbanke trennenden 
Mergellagen und ergiessen sich, da das Krkabett nun schon so weit vertieft 
ist, dass durch dasselbe mehrere jener unterirdischen Abflusscanale ange- 
schnitten werden, in den Fluss. (Quellen und Hohlen oberhalb der Miljefika- 
Miihlen siehe Seite 180.) 

Ungefahr 1'35 Kilometer abwarts vom Miljeckafall tritt die Krka nach 
einer Stromschnelle in eine geradlinig gegen Sudost verlaufende Schlucht 
ein, in \velcher sich die "\Vasser nicht quer durch. einen Complex barter 
und weicber Schichten Bahn brachen, sondern in einem stark geneigten 
Theile e i n e s solchen Schichtcomplexes eine weiche Zwischenlage erodierten. 
Das rechtsseitige Gehange, bier eine grosse monotone Felsflache, bildet 
nauilich die nach Nordost geneigte Schichtflache einer machtigen Conglo- 
meratbank im Sudwestfliigel der oberwahnten Mulde, einer Bank, welche 
der Fluss schon bei der nachsten Knickuug des Thales unter Bildung einer 
Stromschnelle durchbricht, so dass ihre Durchschnitte links und rechts des 
Flusses als scbiefaufsteigende, wild zerrissene Felsziige sichtbar werden. 

Diese interessante Stelle des Krkathales wird noch dadurch roman- 
tischer, dass die beiden Felsriffe alte Schlossruinen tragen (rechts Grad 
Troenj, links Grad Necmen), welche dem ersten Ostbogen der nun im 
allgemeinen siidlich stromenden Krka den Charakter einer Statte kriegerischer 
Erinnerungen aufpragen, wahrend der siidwarts anschliessende Westbogen 
unter dem Zeichen des Friedens steht. (Kloster Sv. Arhangjeo siehe Seite 181.) 

In dem etwa 4 Kilometer langen Stiicke unterhalb des Felsenthores 
von Troenj fliesst die Krka vorwiegend durch Mergelterrain, dem nur da 
mid dort, die Scenerie malerischer gestaltend, einzelne Conglomeratbanke 
eingelagert sind. 

Unter dem Kloster Sv. Arhangjeo tritt die Krka in ein isoklinales Thai, 
wie vor der Felsenge bei TroSenj, und zwar wird die rechte Thalseite durch 
eine Conglomeratschichtflache am Siidwestflugel einer Mulde gebildet, die 
durch eine von der Krka ober dem Kloster durchquerte Gebirgsfalte von 
der Mulde bei Miljefika getrennt ist. Die Mergelschieferbanke sind jedoch jetzt 
viel machtiger, als bei Miljecka, und es findet nicht, wie dort, bloss eine 
Yertiefung, sondern aucb eine Verbreiterung des Flussbettes statt. 

Das stidwestliche Gehange der Thalstrecke vor Trosenj ist die Grenz- 
bank eines Conglomerat-Complexes gegen eine darunter folgende Mergel- 
masse; das stidwestliche Thalgehange unter Sv. Arhangjeo dagegen ist das 
oberste Glied eines machtigen, ganz aus Conglomeratbanken aufgebauten 
Schichtcomplexes. Wo ihn die Krka zu durcbbrechen anfangt 600 Meter 
unter der Stidostausbiegung des Flusses siidlich des Klosters, tritt eine 
Stromschnelle ein und der Fluss, dessen Spiegel nun in 77 Meter Seehobe 
liegt, nimmt auf 6 Kilometer Erstreckung eine Blchtung gerade nach Siid- 
s iid west. 



192 DIE KRKA UNO IHRE WASSERFALLE. 

Die erste Halfte dieser Strecke 1st die Brzicka Strana, an deren 
Thalwanden schief vom Flussufer aufsteigende Felsbanke in endloser Folge 
sich aneinanderreihen, und doch durch ihre mannigfaltige Ausgestaltung 
die reizendsten Schluchtscenerien bilden. Schon dem Grundgeriist der Land- 
schaft wird dadurch die Monotonie benommen, dass die Felsbanke in ver- 
schiedener Machtigkeit, Mer als schmale Streifen, dort als breite Bander 
auftreten, und bald in Gesimse auslaufen, bald Hohlkehlen bilden. ,,Ausser- 
dem bedingen zahlreiche die Conglomeratmasse durchsetzende Kliifte und 
Sprunge, und durch das Ausbrechen von Felsstiicken gebildete Nischen eine 
reiche Sculptierung der Thalwande, welche durch den auf den Gesimsen 
lagernden Felsschutt und durch die in den Fluss hineinragenden Trummer- 
halden und Schuttkegel in der mannigfaltigsten Weise unterbrochen werden. 
Dichtes Gebusch wuchert allerorts auf den Steingesimsen, Schlinggewachse 
ranken sich tiber die Felswande hinauf und kleines Strauchwerk spriesst 
uberall aus den Kliiften und Eitzen hervor. Das frische leuchtende Grlin 
dieser Vegetation aber tritt in wirkungsvollen Gegensatz zu dem matten 
Tiefgriin der Krka und contrastiert zugleich lebhaft gegen die gelb- 
rothen und hellgrauen Tone der den Fluss einrahmenden Felsen, die sich 
ihrerseits wieder wundervoll von dem die Schlucht iiberspannenden Himmels- 
blau abheben." 

,,Eine Kahnfahrt durch diese herrliche Schlucht", schildert Dr. Kerner 
weiter, ,,zahlt zu den schonsten Naturgeniissen. Wahrend an beiden Steil- 
ufern reizende Detailbilder in unerschopflicher Fiille vorilberziehen, bietet 
sich auch im Mittelgrunde ein stets wechselnder Anblick dar, indem sich 
die vorspringenden Thalwande coulissenartig verschieben und bald zusammen- 
riickend die Schlucht abzuschliessen scheinen, bald auseinandertretend Aus- 
blicke in entfernte Schluchtpartien eroffnen." 

Ungefahr 2 Kilometer stromab vom Eingange der Schlucht beginnt 
die Krka eine Aufbruchszone von Kreidekalken zu durchschneiden, in 
welcher auf etwa I 1 / t Kilometer Erstreckung die Felsformen wilder und 
zerrissener werden und die Vegetation abnimmt ; dann aber folgt neuerdings 
ein der Brzifika Strana ahnlicher, nur nicht so regelmassig gebauter Ein- 
schnitt in anfangs sudwestlich, dann nordostlich geneigten Conglomerat- 
schichten, und dann 4'8 Kilometer vom Eingangsthor der Brzicka Strana 
treten die Thalwande allmahlich auseinander, um sich nach abermals I'l Kilo- 
meter Erstreckung mittelst einer 270 Meter breiten Felsenpforte zu einem 
weiten Thai zu offnen. Die Krka enteilt den im Durchschnitt 160 Meter 
hohen Felswanden, nachdem sie in der letzten 6 Kilometer langen Strecke 
ihres Laufes im ganzen 8 Meter Gefall uberwunden hat. 

Schon beim Eintritt in den letzten Schluchtabschnitt ,,dringt erst 
schwach und unbestimmt, dann immer deutlicher, ein eigenthumlicb.es Summen 
an das Ohr, das sich, je mehr man dem Ausgang der Schlucht naht, in ein 
immer lebhafteres Eauschen und Brausen verwandelt. Zugleich gerath die 
bisher fast regungslose Wasserflache in raschere Stromung und man gewahrt 
thalaus weisse Wellenkamme als Anzeichen beginnender Stromschnellen. 



MITTLERES KRKAGEBIET. 



193 



Jetzt 1st es auch Zeit, den Kahn ans Ufer zu steuern, was insoferne eine 
gewisse Umsicht erfordert, als das Ufer bis in die Nahe der Stromschnellen 
von steilen Felsen gebildet wird und die Landung erst unmittelbar vor 
jenen Schnellen bewerkstelligt werden kann." 

Das Flussbett lost sich nun in ein Netzwerk von vielen, durch Tuff- 
inseln geschiedenen Einnsalen auf, durch die das Wasser in rasender Eile 
hinschiesst, bis es, als ein Gewirr schaumender Bache, den Rand der Fels- 
stufe erreicht, die von der Schluchtmundung in das Seebecken von Slap 
vortritt. Hier aber stilrzt die Wassermasse, eine lange Eeihe prachtiger 
Giisse bildend, mit donnerahnlichem Getose in die Tiefe, und zwar 4 Meter 
in Stromschnellen, 15 Meter tief im Hauptsturze, welcher den siebenten 
Wasserfall der Krka bildet. (Fall von Slap oder Roncislap.) 

* .*MiAwL^ [ MaJMt&&<k , 

. 




SIEBENTER KRKAFALL (Roncislap). 

Der Fall von Slap kann als eine grossartige Wiederholung des Falles 
von Coric angesehen werden, mit dem er die Gruppe der parallel zur 
Stromungsrichtung viel zertheilten Colonnenwasserfalle der Krka constituiert, 
wahrend sich die Falle von Manojlovac, Miljecka und Scardona zur Gruppe 
der senkrecht auf die Stromachse gegliederten Treppenwasserfalle vereinen 
und die Falle von BiluSic und Sondovjel eine Gruppe von, weder in der 
Langs- noch in der Querrichtung besonders segmentierten Wasserfallen 
darstellen. 

Im Gegensatz zu den schluchtartigen Scenerien der Cascadenregion ist 
die Gegend bei Slap weiter und freier und ausser den die Ufer der oberen 
Krka besaumenden Weiden und Pappeln erscheinen hier auch Feige und 
Olbaum, die ersten Wahrzeichen des warmeren Siidens. Es herrscht ferner 

Fiihrer durch Dalmatian. 13 



194 DIE KRKA UNO IHRE WASSERFALLE. 

mehr Leben und Treiben, als bei den einsamen Muhlen an den Ufern der 
oberen Falle und die Krka wird von einer quer durch die Stromschnellen 
oberhalb des Falles gebauten Steinbrucke von 60 Bogen iibersetzt, die aus 
der Tilrkenzeit stammen soil. 

tiber diese Briicke fuhrt die seit den altesten Zeiten den Hauptver- 
kehrsweg zwischen der Bukovica und Drnis bildende Strasse und bei der 
am Fusse der Steilwande des linken Ufers im Schatten hoher Baume reizend 
gelegenen ,,Kr8ma" (Wirtshaus) geht es fast zu jeder Tageszeit ziemlicli 
lebhaft her. Hier rasten die die Strassen passierenden Fuhrwerke, hier 
halten Hirten mit ihren Schafherden, und hier ist ein bestandiger Verkehr 
kleiner Tragthierkaravanen, die aus den Orten der Plateaus rings Korn 
bringen, um mit Sack en Mehls beladen wieder von dannen zu ziehen. 

Hier endet auch das rnittlere Krkagebiet und der Fluss tritt in seine 
von Touristen schon mehr besuchte und bekanntere Unterlaufsregion. 

Unteres Krkagebiet. 1 

Vom Felsenthor von Roncislap an, wo die Krka aus den Promina- 
schichten tritt, durchbricht der Fluss das, die norddalmatinische Kiiste 
begleitende System von steilen, theils bis ins Unter-Eocan, theils bis in die 
obere Kreide aufgeschlossenen Falten und fliesst bald durch Thalweitungen 
mit sanften Gehangen, welche den ausgewaschenen Mulden der mergligen 
oberen Nummulitenschichten entsprechen, bald durch steilwandige Engen, 
mit welchen die Falten der harten Alveolinen- und Rudistenkalke durch- 
brochen werden. 

Im ganzen lassen sich zwischen Roncislap und Scardona sieben Falten- 
ziige unterscheiden, von welchen jene unter Roncislap, soweit sie bis zur 
obersten Kreide aufgeschlosseii sind, vollstandige Profile vom untersten bis 
gegen das obere Eocan darbieten. Sie lassen sich in zwei Parallelzonen 
gliedern: Eine von Scardona landeinwarts gelegene, in welcher der Rudisten- 
kalk nur in einigen Falten-Achsen zutage tritt und die zwischenliegenden 
Mulden mit mitteleocanen Gebilden erfiillt sind, und eine kiistennahe, in 
welcher die Kreidebasis vollstandig entblosst ist, und das Eocan nur in den 
Schichtmulden eingeklemmt erscheint. 

Bei Roncislap, wo die Seehohe der Krka nur mehr 50 Meter betragt, 
ofihet sich gegen Nordwesten ahnlich wie bei Kloster Sv. Arhangjeo die 
Carigradska Draga das kurze Prosik-Thal, das am linken Flussufer in 
der Roska Draga gegen Sildosten fortsetzt. Die Krka ist hier bei 450 Meter 
breit und wird am Ostufer von Auen begleitet; nun aber treten beiderseits 
bis zu 170 Meter hohe Felsen naher zusammen rechts jene von Babin- 
grad und, allmahlich bis auf 100 Meter verschmalert, durchfliesst die 
Krka eine der grossartigsten und wildesten Felsschluchten ihres Gebietes : 
den Durchbruch durch jene machtige Falte, welche von der Mideno Planina 
nordwestlich bis in die Landschaft LaSekovica zieht. Diese Falte, welcher 



Siehe auch : Von Sebenico nach Scardona und Kloster Visovac, Seite 214. 



UNTERES KRKAGEBIET. 195 

westlich der Krka die vom Prosik- und Voa-Thal eingefasste Hochplatte 
Vrbica angehort, 1st bis auf das Niveau des Rudistenkalkes blossgelegt und 
zeigt vollendete Symmetric, was Anlagerung aller Schichtglieder des Alt- 
Tertiars beiderseits des Kreidekernes betrifft. Sie gab auch der Cikola Anlass 
zu einem Durchbruche, der bis zur Burg Kljuc", wo die Thalweitung der 
Kljucica beginnt, eine die Krka-Defiles an Wildheit und Grossartigkeit noch 
iibertreffende Schluchtscenerie darstellt. 

Unter der Enge von Babingrad erweitert sich die Krka seeartig bis 
auf l 3 / 4 Kilometer, indem ihr Becken gegen Westen die erste jener, spater 
noch mehrmals sich wiederholenden Einsackungen zeigt, die den Geologen 
anmuthen, als hatte der Fluss wiederholt die Tendenz gehabt, nach Nord- 
westen oder Siidosten, d. h. in der Richtung des allgemeinen Schichtstreichens 
abzubiegen. In der Einsackung bedeckt die Krkaflut das Miindungsgebiet 
des Voabaches, dessen Thalfurche nordwestlich bis zur Kniner Strasse bei 
Gjevrske hinaufzieht ; inmitten der seeartigen Erweiterung aber liegt, 
4Y 2 Kilometer siidlich von Roncislap, das Kloster Visovac, 1 bei welchem die 
Seehohe der Krka nur mehr 46 Meter betragt. 

Unterhalb des Klosters verengert sich das Bett allmahlich bis auf 
200 Meter, da der Fluss nun eine zweite, bis auf den Alveolinenkalk ent- 
blosste Falte zu durchbrechen hat. (Auf einem Ast dieser Falte liegt Kloster 
Visovac.) Dann aber verbreitert sich die Krka neuerdings bis auf 400 bis 
500 Meter und zeigt einen wurmformig gewundenen Verlauf gegen Siiden 
mit lauter kleinen Blindfortsatzen (Einsackungen), welche die zwischen 
Berghalbinseln gelegenen Mundungen kleiner Seitenthalchen ausfiillen. 

Eine der grossten dieser Einsackungen zieht zur Rechten wie ein Meer- 
busen in das Thai von Dubravica hinein, wahrend sich links das von Siid- 
osten kommende PumiCka Draga offhet, ein Thai von schauerlicher Wildheit, 
das bei Konjevrate von der Sebenico-Drnier Strasse iibersetzt wird. Nahezu 
in der Achse dieser beiden Querthaler der Krka erhebt sich zu 201 Meter 
der ausserste Siidwestsporn der Landschaft Miljevci auf jener Halbinsel, an 
deren Westcap die wieder auf 100 Meter verengte Krka und die hier viel 
breitere Cikola zusammenstossen. Die Krka hat eine siidliche, die Cikola 
eine siidwestliche Richtung; dennoch schlagt der vereinte Fluss nicht die 
Resultierende dieser Richtungen (Siidsiidwest) ein, sondern wendet sich erst 
westlich und unterhalb des achten Wasserfalles 2 (bei Scardona) sogar 
nordwestlich, um diese Richtung bis zu der am linken Ufer sich erhebenden 
Capelle Sv. Josip beizubehalten. 

Zur Nordwestrichtung nothigt den Fluss die grosse Rudistenkalk-Falte, 
welche in der Verlangerung des vom Svinjak zum Kremeno ziehenden 
Riickens von Siidosten her kommt und an Scardona ostlich voriiber bis 
Vafiane nahe bei Bribir zieht. Vom Wasserfall bis Sv. Josip ist das ein- 
formige Thai ein Isoklinal-Thal, entstanden durch Auswaschung mergliger 



Siehe Seite 220. 
Siehe Seite 216. 



13* 



196 DIE KRKA UNO IHRE WASSERFALLE. 

Cosinaschichten, die zwischen den harten Eudisten- und Alveolinen-Kalk- 
banken im Nordostfliigel der Kreidefalte von Scardona eingeschaltet waren. 
Von Sv. Josip an aber durchbricht der Fluss die Kreidefalte in breiter 
Felsschlucht und nimmt nun, wohl einer urspriinglichen Querspalte folgend, 
die Sudwestrichtung an. 

Schon unterhalb des achten Falles hat die Krka das Meeresniveau 
erreicht. Nun kommen zu ihr von Nordwesten die Furchen der Rivina Jaruga 
und des kleinen Thalchens Rotovaca, welche den schmalen Felszug ein- 
schliessen, an dessen Ende sich Scardona aufbaut. Hier ist die Tiefe des 
Flusses, die 1 Kilometer unter dem Wasserfall 3 Meter betrug, schon auf 
7 Meter gestiegen und erhebt sich bei der Mundung in den Prokljan-See 
auf 10 Meter, das Wasser ist brakig geworden, sein Lauf wird nicht mehr' 
Krka, sondern Canal di Scardona genannt. (Siehe den Abschnitt : Von Sebe- 
nico nach Scardona und Kloster Visovac. [Zum untersten Krkafall.] Seite 214.) 



@1 




XII. Von Zai?a naeh Sebenieo. 

40 Seemeilen a 1-852 Kilometer. 4'/ a Stunden. 



Von Zara siidwarts dampfend, sehen wir alsbald die Neue 
Riva und das Landesspital ein grossraumiges, modern ein- 
gerichtetes Institut - - in die Riickschau treten ; Borgo Erizzo 
und die Kuppel des n Kaiserbrunnens u fliegen an uns voriiber 
und dann folgen Dorf Bibinje, der ^Goldene Hafen" mit San 
Cassiano (Sukosan) im Hintergrunde, und die Landzunge mit 
der Palastruine weiland Erzbischof Valaressos. 

Bis hieher hat uns zur Rechten die Insel Ugljan begleitet, 
welche der Reihe nach ihre hiibschen, von Weingarten und 
Olivenhainen umgebenen Kiistensiedlungen zeigt : erst das Trio 
S. Eufemia (Sutomisljica), Poljana und Oltre (Preko), iiber- 
ragt vom Fort S. Michel e auf dem 288 Meter hohen Monte 
Grande, dann Kale und Kukljica. 

Nun, da die Festlandkiiste eine Knickung aus der stid- 
ostlichen in die ostliche und wieder in die siidb'stliche Richtung 
macht, wahrend zugleich das hart am Meer von der Strasse 
begleitete Uferterrain fur eine Weile vereinsamt, haben wir zur 
Rechten die Insel Pasman, zu deren nordlichstem Dorf Zdrijelac 
man von der Insel Ugljan durch eine Meerfurt hiniiberwaten 
kann, wenn die See ruhig ist. Nach Passierung des folgenden 
Dorfes Nevigjane verschmalert sich unser Fahrwasser, denn die 
Insel Pasman schiebt ihre Kiiste etwas gegen Osten vor und 
zugleich tritt in der Mitte des Canals, der jetzt nicht mehr 
Canale di Zara, sondern Canale di Paman heisst, eine Scoglien- 
reihe auf, welche bis gegen Zaravecchia hinzieht. 



198 VON ZARA NACH SEBENICO. 

Wir fahren im westlichen der so entstandenen zwei Canal- 
becken, zur Linken erst die drei winzigen Scoglien Bisaga, dann 
den grossen Scoglio Gales njak und den Scoglio Riculpassierend, 
worauf sich amFestland die Ortschaft Torre tte (Turanj) und etwas 
weiter der Doppelort S. Filippo e Giacomo (Filipjakov) zeigen, 
sammtlich von den Zaratinern gern aufgesuchte Sommerfrisclien, 
deren Gelande durch die vom Monte Torrette (139 Meter) nordlich 
und siidlich streichenden Hohen von dem riickwarts liegenden 
Vrana-Sumpfe getrennt werden, der gegen Siiden in den Vr ana- 
See iibergeht. 

Zwischen den drei Festlandsortchen und dem auf einer 
vorspringenden Halbinsel gelegenen Dorfe Passman, in einem nur 
8 16 Meter tiefen Fahrwasser dahin dampfend, passieren wir 
den Scoglio Komornik und die I 3 /* Kilometer lange, durch ihren 
Leuchtthurm auffallige InselBabac, und finden westlich unseren 
Blick durch den Wall der Insel Pasman beschrankt, wahrend 
wir im Osten hinter den rasch auf 50 und weniger Meter See- 
hohe abgesunkeneii Kiistenhiigeln die Furche des, im Sommer 
13, im Winter 20 Kilometer langen Vrana-Sees ahnen. 

Siidlich. der Insel Babac ragt als Riff der Scoglio Fermic 
auf, wahrend weiter westlich nun vor der Kiiste Pasmans eine 
Scoglienreihe beginnt (Monton, Dusac, Zavata) und bis zu den 
griin bebuschten grauen Karsteilanden Planac und S. Caterina 
zieht, welche schon in der Breite des seit langerer Zeit sicht- 
. baren Zaravecchia liegen. 

Zaravecchia (Bioijrad na moru). 

Zaravecchia, auf einer gegen Nordwesten gerichteten kleinen 
Halbinsel liegend, und gegen Siidwesten an dem Scoglio S. Cate- 
rina voriiber gegen Dorf Tkon auf Pasman schauend, ist heute 
ein kleiner Ort, der durch nichts besonders auffallt, und im 
Norden von begriinten Niedergehangen mit viel Olbaumen 
umgeben wird, iiber welchen der graue, infolge der grossen Ent- 
fernung hier nur massig imponierende Velebit aufragt. 

Im XI. und XII. Jahrhundert allerdings war Zaravecchia 
als n weisse Stadt" der Croaten (Biograd) hoch bedeutsam. Wir 
wissen aus jener Zeit, dass Konig Kresimir IV. von Croatien 



FORTSETZUNG DER FAHRT. 



199 



um 1050 den Benedictinern von Biograd eine Prabende zuwies. 
Im Jahre 1092 schiffte sich hier Busila, die Tochter des Grafen 
Roger I. von Sicilien und Durazzo aus, um ihrem Verlobten, 
dem Ungarkonig Koloman entgegenzueilen. Letzterer wurde zehn 
Jahre spater, nach dem Aussterben der croatischen National- 
dynastie zum Konig von Croatien gewahlt (Vertrag von Biograd) 
und nannte sich nun Rex Hungariae, Croatiae et Dalmatiae. 
Der damaligen Glanzzeit Biograds folgte aber bald der Verfall. 
Schon 1114 nahm namlich der Doge Ordelafo Falieri die Stadt 
ein und 1125 folgte eine zweite Einnahme durch den Dogen 
Daniele Mich el i, welche das fernere Schicksal der Stadt 




ZARAVECCHIA. 

besiegelte. Biograd wurde damals verwiistet und sein Bischof 
niichtete mit der Geistlichkeit und einem Theile der Bewohner 
nach Scardona, wahrend sich der Adel mit einem anderen Theile 
der Bevolkerung nach Sebenico wandte. Die Ordensbriider giengen 
nach Pasman hiniiber, um das noch heute bestehende Kloster 
bei Tkon zu grimden, die Ordensschwestern fanden in Zara 
Zuflucht. 

Fortsetzuntj der Falirt. 

Bei Zaravecchia und weiterhin noch 4 Kilometer siidlich 
isfc der Canal Pasman nur circa 2 Kilometer breit. Nun aber 
tritt links das Festland etwas zuriick - - fiirder einen schmalen, 
bei Dorf PakoScane nur 1 Kilometer breiten Streifen zwischen 
Meer und Vrana-See bildend wahrend rechts die Insel Pasman 



200 VON ZARA NACH SEBENICO. 

aufhort und einem Archipel Platz macht, der aus einem halben 
Dutzend grosserer unbewohnter Scoglien bestelit. Gerade wo das 
SchifF Pakoscane ' passiert, sieht man iiber diese Scoglien weit 
nach Siidwesten, liber die Siidoffnung des Canale di Mezzo hiniiber 
bis zur Bikarica (156 Meter) im Siidtheil der Insel Incoronata, 
wahrend im Siiden die von einem Dutzend kleiner Scoglien 
umgebene Insel Vergada die Aussicht beschrankt. 

Das Schiff nahert sich jetzt einer sehr verwickelten Halb- 
insel- und Inselregion der Kiiste. Vergada und seine Scoglien 
zur Rechten, haben wir namlich links jene hochaufragenden 
Kiisten-Scoglien (Scoglio Arta grande 97 Meter), hinter welchen 
der Landstreifen vor dem Vrana-See, und weiter der (fur den 
Seefahrer nicht sichtbare) Siidtheil dieses Sees sich ausbreitet, 
an dessen Ostufer der Crni Vrh (305 Meter) aufragt. 

An die hochragenden Felsscoglien schliesst siidostlich die 
11 Kilometer lange Insel Morter (Murter), an deren We stkiiste 
wir entlang fahren, so dass wir eine interessante, spater zwischen 
Trau und der Insel Bua sich wiederholende Eigenthiimlichkeit 
der Ostkiiste nicht beobachten konnen. Letztere tritt namlich 
mittelst eines Landvorsprunges, auf welchem der 1451 Ein- 
wohner zahlende Ort Stretto (Tijesno) liegt, so nahe an eine 
nordwestlich ziehende Festlands-Halbinsel, dass zu letzterer eine 
bewegliche Briicke geschlagen werden konnte. Die Briicke 6'ffnet 
sich, wenn Schiffe den Canal passieren wollen, der ostlich vom 
Festland, westlich von Scoglio Arta und Insel Morter gebildet 
wird. Der nordlich der beweglichen Briicke gelegene Canaltheil 
dringt iibrigens hinter der erwahnten Festlands-Halbinsel mit 
einem Aste tief gegen Siidosten in das Festland ein, und erweitert 
sich schliesslich zum Vallone di Zlosela 2 , welcher in die schmale 
Valle Makirina auslauft. 

Vom Markte Stretto sagt schon Fortis, dass er sich zum 
ansehnlichen und wohlgebauten Flecken entwickelt habe, der 
von begiiterten Kaufleuten bewohnt werde. Auch erzahlt er von 



1 Von PakoScane, wo einzelne der zwischen Zara und Sebenico ver- 
kehrenden Dampfer anlegen, hat man nur 1 Kilometer zum Vrana-See. (Siehe 
Capitel X.) 

2 Hier das Dorf Zlosela, dessen Name (boses Dorf) einst einem alten 
Reisebeschreiber Anlass zu allerlei Fabeleien gab. 



FORTSETZUNQ DER FAHRT. 201 

antiken Funden, die im Norden der (von Plinius als Colentum 
erwahnten) Insel gemacht worden seien. 

In diesem Nordtheil Morters bilden zwei HalbinselneineBucht, 
in deren Hintergrund man von dem Kiistendorfe Hramina zu dem 
von einer Kirche dominierten Orte Morter (Murter) ansteigt, der 
der Insel den Namen gab. Letztere hat wenig iiber 20 Quadrat- 
kilometer Flache und ist auch nur massig fmchtbar ; dennoch 
leben in ihren fiinf Ortschaften 4832 Menschen, welche nicht 
nur fleissig ihre von Olivenhainen, Mandel- und Feigenbaumen 
durchsetzten Weingarten cultivieren, sonderii auch viel Klein- 
vieh halten (Schafe und Ziegen) und den Winter iiber an 
2000 Kilo jungen Kase absetzen, wobei sie ein hiibsches Stiick 
Geld verdienen. 

An der Westkiiste der Insel Morter hinfahrend 7 haben wir 
im Westsiidwesten auf 15 Kilometer Entfemung den aus etwa 
35 unbewohnten Scoglien bestehenden, aus eiiiem tiefen Meere 




FORT S. NICOLO. 

aufragenden Archipel, welcher das Siidende der Insel Incoronata 
umgiirtet ; im Siiden winkt in geringerer Entfernung der Archipel 
von Sebenico, welcher aus drei Gruppen besteht : einer festland- 
nahen, die zwischen Canale di Sebenico und Canale Zlarin das 
Inselpaar Provicchio-Zelen und die grosse Insel Zlarin um- 
fasst, einer mittleren zwischen Canale Zlarin und Canale Zuri, 
bestehend aus den, von circa 26 Scoglien umgebenen Inseln Zma- 
jan, Capri (Kaprije) und Kakan und endlich der aussersten, 
nur sparlich von kleinen Scoglien umgebenen Insel Zuri (irije). 
Auch die Siidkiiste Morters ist von Scoglien umgeben, welche 
der Dampfer links lasst, um seinen Cours zwischen den Inseln 
Zelen und Provicchio (Prvic) zu nehmen. Links am Festland sehen 
wir jetzt den Ort Trebocconi (Tribunj) am Fusse ernes kirchlein- 
gekronten Karsthiigels, dann das durch seine Quellen bekannte 



202 VON ZARA NACH SEBENICO. 

Vodice in einer Bucht und dahinter auf 135 Meter hohem Hiigel 
(Okit) die Wallfahrtsliirche Madonna del Carmine. 

Zwischen Provicchio und Zelen fahrend, fallt zur Liiiken (auf 

v 

Provicchio) erst Sepurina (Sipurina) und danndas steingraue Dorf 
Luka mit seinem Campanile auf; nun aber biegen wir zwischen 
dem Provicchio siidlich vorgelagerten Scoglio L u p a c und der Nord- 
westspitze von Zlarin aus dem Canal Zlarin in den Canal Sebenico 
ein, queren diesen gegen Osten, wobei wir im Nordwesten fort 
die Wallfahrtskirche S. Madonna erblicken, und gelangen endlich 
in den engen Canal S. Antonio, wo uns rechts, auf gelbbrauner 
Landzunge die machtigen Mauerndes Forts S. Nicolo begriissen. 
(Siehe Abbildung auf Seite 201.) 

Angesichts dieses Forts ' ahnt der Reisende kaum, wie das 
Schiff in dem scheinbar rings geschlossenen Becken weiter kommen 
wird, und ist uberrascht, wenn einer schmalen Durchfahrt zwischen 
senkrechten Felsen zugesteuert wird, in welchen man rechts eine 
Capelle in einer Grotte bemerkt. Nach kurzer Zeit weitet sich 
aber die Flut wieder zu beiden Seiten und das Schiff dampft quer 
durch das grosse Hafenbassin von Sebenico der amphitheatralisch 
ansteigenden Stadt zu. (Siehe Abbildung Seite 204.) 

Die Erstreckung des Hafens von Sebenico gegen Nord und 
Siid bewirkt, dass das Terrain beiderseits des Canal S. Antonio 
eigentlich Halbinseln bildet, deren siidliche den einst zur Salz- 
gewinnung beniitzten Salzsee Velika Solina tragt. Im siidlichen 
Hintergrunde des Sebenicoer Hafens liegt auf einem Halbinselchen 
die Capelle S. Maddalena; hier ist auch eine Station der Kriegs- 
schiffe mit einer Schule fur die Schiffsjungen (Mozzi). In den 
nordlichen Hafentheil miindet die, von den beriihmten Wasser- 
fallen bei Scardona herkommende Krka. 



1 Das Fort wurde 1546 von Sannaicheli erbaut und in der Venetianer 
Zeit fur so wichtig gehalten, dass es der befehligende No bile bei Todes- 
strafe nicht verlassen durfte. Den gefliigelten Lowen, der sich damals tiber 
dem Thor befand, batten die Franzosen 1813 ins Meer geworfen. Kaiser 
Franz I. liess daber einen neuen gleichen Lowen in Venedig anfertigen, der, 
wie die Inschrift besagt, im Jahre 1824 aufgestellt wurde. 



XIII. Sebenieo (Sibenik) and seine flusfluge. 1 



Die Statlt. 

Sebenieo, dessen Lage Professor Fetter einst an ein kleines 
Genua gemahnte, zahlte 1890 mit Vorstadten 7014 Einwohner. 2 
Es ist Sitz eines Bischofs, einer Bezirkshauptmannschaft, eines 
(erst jiingst errichteten) Kreisgerichtes und eines Gendarmerie- 
Districtscommandos, besitzt einen croatischen, einen serbischen 
Leseverein und ein Casino, und weist zwei Gasthofe auf ( n H6tel 
al Pellegrino" und Hotel Krka"), von welchen ersterer schon 
von No 6 gelobt worden ist. 

Beim Hotel al Pellegrino" fuhrt die einzige sanft ansteigende 
Fahrstrasse in die Stadt, die sonst aus einem Gewirr enger, von 
hohen Hausern gebildeter Treppengassen besteht und ausser dem 
Domplatz an grosseren Platzen nur die n Poljana" besitzt, wo sich 
an Festtagen auch die aus der Umgebung zustromenden Land- 
leute versammeln. Schon mancher Fremde mag sich in Sebenieo 
angesichts der weitlaufigen steinigen Reviere gefragt haben, 



1 Dampfschiffahrts- und Eisenbahnverbindungen siehe Anhang ; Aus- 
fluge siehe Seite 209 bis 222. 

1 Zur Gemeinde Sebenieo, welche einen Flachenraum von 
458-55 Quadratkilometer bedeckt, gehoren noch zahlreiche grossere Orte wie 
Capocesto (Primoten), Crappano (Krapanj), Eogoznica, Zaton u. a. 

Dem Gerichtsbezirk Sebenieo sind noch zugetheilt die Ge- 
meinden: 1. Stretto (Tijesno) mit 153-88 Quadratkilometer und 8729 Ein- 
wohnern, und ausser Markt Stretto die grosseren Dorfer Betina, Morter (auf 
der gleichnamigen Insel), Trebocconi (Tribunj), Zlosela; 2. Zlarin mit 
47-43 Quadratkilometer und 5091 Einwohnern und ausser Markt Zlarin (auf 
der gleichnamigen Insel), die grosseren Dorfer Provicchio (Prvic) und Zuri 
(Zirije) auf den Inseln gleichen Namens. 

Die Bezirkshauptmannschaft Sebenieo umfasst ausser 
dem Gerichtsbezirk Sebenieo noch jenen von Scardona (Skradin) mit 
301-93 Quadratkilometer und 9056 Einwohnern. 



204 SEBENICO UNO SEINE AUSFL1JGE. 

warum sich denn die Bewohner gar so in drangvoller Enge an- 
bauten. Die Ursache liegt zum Theil darin, dass sich die Bewohner 
des Siidens selbst im Winter nicht sonderlich in ihren Hausern 
aufhalten, wahrend sie im Sommer sehr den Schutz wiirdigen, 
den enge schattige Grassen vor der sengenden Sonne gewahren. 
Noch wichtiger ist, dass die meisten Stadte des Siidens zumindest 
ihrer Anlage nach sehr alt sind und in Zeiten zuruckreichen, 
wo das Moment der Befestigung, des Schutzes gegen Feinde 
ein Zusammendrangen auf engsten Raum gebot. Bei sehr alten 
Stadten ist dies auch nordlich. der Alpen der Fall; neuere An- 
lagen dagegen werden auch im Siiden trotz der dann im Hoch- 




SEBENICO. 

sommer auf die Hauserwande und das Pilaster niederbrennenden 
Sonne, luftig und weit gehalten und gern mit Anlagen geziert. 
Auch Sebenico hat eine solche Anlage - - den Stadtpark 
den man von der Biva aus ; das Hotel al Pellegrino" rechts 
lassend, in wenigen Schritten erreicht. Im unteren Theil der 
noch jungen Anlage, welche zur Linken durch ein Stuck der 
mit Schlingflanzen umsponnenen Stadtmauer begrenzt wird, 
bemerkt man in einer Umgebung von hellgninen Meerstrands- 
fohren das hinter einem Opuntienrondeau aufragende Denkmal 
Nicolo Tommaseos, einer der jiingsten jener Leuchten der 
Literatur und Wissenschaft, deren Sebenico im Laufe der Jahr- 
hunderte nicht wenige hervorgebracht hat. 



GESCHICHTLICHES. 205 

Tommaseo, der am 9. October 1802 zu Sebenico geboren wurde, 
war nicht nur ein ausgezeichneter Philologe, tiefsinniger Philosoph und 
aufgeklarter Historiker, sondern aucb ein Dichter, der sich schon durch sein 
Jugendwerk ,,Iskrice" (Funken) in der slavischen -Lesewelt einen Namen 
machte. Im Verlaufe seiner langjahrigen Wirksamkeit scbrieb er eine ganze 
Bibliothek meist philologiscber, pbilosopbiscber, historiscber und staats- 
recbtlicber Werke (ein Biograpb zahlt 212 verschiedene Scbriften auf), und 
als er, seit langem erblindet, am 1. Mai 1874 in Florenz starb, beklagten nicbt 
weniger als 75 politische, literarische und Facbzeitschriften in ihm einen 
fleissigen Mitarbeiter. Das Denkmal wurde 1896 von seinen Mitbiirgern 
errichtet. 

Abbate Fortis sagt 1776 von Sebenico, dass die Stadt gewiss 
die beste und angenehmste Lage in Dalmatien habe, nach Zara 
am besten gebaut sei und von vielen adeligen Familien bewohnt 
sei, deren Urbanitat er riihmen miisse. Der einstige Wohlstand 
ist in Folge mancher Schicksalsschlage geschwunden. Doch 
macht sich in den letzten Jahrzehnten wieder ein gewisser 
Aufschwung geltend, der noch weitere Entfaltung erfahren diirfte, 
da man mit der industriellen Ausniitzung der "Wasserkrafte der 
Krka begonnen hat und der Fremdenverkehr ins Krkagebiet 
hoffentlich grossere Dimensionen annehmen wird. Mit dem fort- 
schreitenden Wohlstande werden die Besitzer der umliegenden 
Weingarten auch ihre altberuhmten Specialweine n Tartaro" und 
n Maraschina" noch. besser als bisher zu verwerten vermogen. 1 

Geschichtliches. 

Die meisten Historiker bestreiten, dass Sebenico mit dem von P t o - 
1 o m a u s erwahnten Sicum oder mit dem Zariona des P 1 i n i u s, beziehungs- 
weise dem Siclis der Peutinge r'schen Tafel identisch sei. Doch mag 
wobl eine kleine Ansiedlung schon in der Romerzeit bestanden haben, die 
sich nach dem Fall Scardonas und besonders in der Zeit der croatischen 
Konige so vergrosserte, dass sie vom XI. Jahrhundert an fur wichtig genug 
gait, um mit zu den, von den wechselnden Herrschergewalten umstrittenen 
Stadten Dalmatiens gezahlt zu werden. Wie die Historiker erzahlen, stand 
Sebenico im Jahre 1116 unter der Herrschaft Konig Kolomans von Ungarn, 
und wurde in diesem Jahre von dem venetianischen Heerfuhrer Ordelafo 
F a 1 i e r i erobert ; 1163 aber war schon wieder Stefan III. an der Herrschaft 
und ertheilte der Stadt dieselben Privilegien, wie Trau und Spalato sie besassen. 
Nach einem kurzen byzantinischen Interregnum (bis zum Tode Kaiser Emanuels 



1 Ausser diesen Weinen exportiert Sebenico auch Ol und Chrysanthemum 
(Insectenpulver). 



206 SEBENICO UNO SEINE AUSFLIJGE. 

im Jakre 1180) kam Sebenico abermals an Ungarn; nach dem Tode des 
letzten Arpaden Andreas aber (zu Anfang des XIV. Jahrhunderts) herrschten 
die Bane Paul und Mladen II. von Bribir, worauf sich Sebenico unter Vor- 
behalt des Rechts der eigenen Besatzung und Verwaltung unter den Schutz 
Venedigs begab. Sehr viel Schaden erlitt die Stadt, als sie 1378 von den 
Genuesen besetzt und im September desselben Jahres von dem venetianischen 
Admiral P i s a n i wiedererobert und gepliradert wurde. Zwolf Jahre spater 
erklarte sich Sebenico gleich anderen dalmatinischen Stadten fur den Konig 
von Serbien, doch herrschten schon 1393 neuerdings die Ungarn, bis im 
Jahre 1412 unter dem Dogen Michele S t e n o Venedig von der Stadt Besitz 
ergriff. 

Auch jetzt blieb die Entwicklung Sebenicos nicht unangefochten, wie 
die Aufstande von 1450 und die ttirkischen Belagerungen von 1520 und 1538 
beweisen; immerhin fallt in jene Zeit wohl der bedeutendste Aufschwung 
der Stadt, wie schon daraus hervorgeht, dass die Erbauung des grossen 
Domes in jene Periode fallt. 

Eben damals brachte Sebenico auch eine Reihe von Mannern hervor, 
die ihre "Wirksamkeit weit iiber Dalmatien erstreckten, besonders den 
Antonius Verantius (geboren 1502), der erst Johann Zapolya und dessen 
Witwe Isabella, von 1549 an aber Ferdinand I. und Maximilian II. von 
Osterreich durch zahlreiche Gesandtschaften, besonders an den turkischen 
Hof, die wichtigsten Dienste leistete und am 15. Juni 1573, hochgeachtet 
als Staatsmann wie als Kirchenfiirst er war Erzbischof von Gran und 
Primas von Ungarn geworden starb. Auch sein Neffe F a u s t u s, der 
unter anderem 1595 ein Worterbuch in fiinf Sprachen herausgab, brachte 
es bis zum Bischof (von Candia), ebenso wie des F a u s t u s Factotum 
G. T. Marnavic, der bis zur "Wurde eines Bischofs von Sarajevo 
emporstieg. Unter den anderen bedeutenderen Namen, die Sebenico in der 
Zeit seines Glanzes zahlte, befanden sich der Maler Andreas M i d o 1 a, 
genannt Schiavone, und der Kupferstecher Martin Rota, der einige 
topographische Karten von Dalmatien hinterliess, ferner der Canonicus 
Johann N a r d i n o. Er gab ein fur die Kenntnis der Zustande Sebenicos 
im XVI. Jahrhundert nicht unwichtiges Lobgedicht auf die Stadt heraus, 
das uns unter anderem mit der damaligen Sitte, einen Weihnachtskonig zu 
wahlen, bekannt macht. Mit Benutzung dieses Gedichtes verfasste dann 
Petrus D i f n i c o, ein Zeitgenosse des Bischofs Verantius, ein Pendant 
in croatischer Sprache, das unter anderem auch die Schonheiten der Krka- 
falle verherrlicht. 

Eine schlimmere Zeit kam iiber Sebenico urn die Mitte des XVII. Jahr- 
hunderts. Denn 1647 belagerte der Pascha Mehemet Tecchieli von Bosnien 
die Stadt und im folgenden Jahre raffte die Pest so viele Menschen dahin, 
dass sich die Bevolkerung von diesem Schlage nicht wieder zu erholen 
vermochte. 



rf' A '* 




FOR TALE DES DOMES. 



Der Dom. 

Steigt man von der n Marina u Sebenicos, an 
welcher elektrische Bogenlampen von den Fort- 
schritten der Neuzeit kiinden, empor zum Dom- 
platze, so wird man durch eine eigenthiimliche 
Scenerie gefesselt. Wahrend sich im Biickblick 
zwischen einer vom Marcuslowen gezierten 
Mauer und hohen dreistockigen Hausern ein 
Blick anf das blaue Meer erschliesst, hat man 
vorne das grossartige, beiderseits von je einem 
gothischen Fenster flankierte und von einer 
Kolossal-Eosette iiberhohte gothische Thor, 
durch welches man den beriihmten Dom betritt. 



1 Speciell ilber den Dom handelt Cononicus Antonio F o s c o in ,,La 
Cattedrale di Sebenico". Zara 1873. 



208 SEBENICO UNO SEINE AUSFLQOE. 

Der Dom wurde, naclidem eine Feuersbrunst am 29. Juni 1332 
die friihere Kirche eingeaschert hatte, im Jahre 1443, zur Zeit 
der Herrschaft des gothischen Styls begonnen und soil, einem 
Berichte zufolge, 80.000 Zecchinen gekostet haben. Dieser Auf- 
wand macht es begreiflich, dass wie bei grosseren Kirchenbauten 
gewohnlich, die Vollendung lange auf sicli warten liess und die 
Einweihung erst 1555 stattfand, als in Dalmatien langst die 
Renaissance herrschend geworden war. Die Folge hievon ist, 
dass wahrend im unteren Theil des Banes, an den Thoren nnd 
an den Fenstern der Apsiden der Spitzbogen herrscht, die 
Kronung der in Form eines lateinischen Kreuzes erbauten Kirche 
eine hoch nnd kiihn emporstrebende Kuppel bildet. Der erste 
Banmeister war ein Dalmatiner ( n Magister Matthaus Dalmaticus"); 
von ihm stammt die grossartige Anlage des Baues, der bei 121 Fuss 
Lange, 46 Fuss Breite und 61 Fuss Hohe (Hohe der Kuppel 
102 Fuss), auch raumlich zu den gewaltigsten Bauten Dalmatiens 
gehort. Die Construction des Daches und der mit Blei ein- 
gedeckten Kuppel wird von Fachmannern als einzig in ihrer Art 
geriihmt. Der Laie wird sich hauptsachlich mit dem Innern 
der Kirche befassen, das einen ernsten grossartigen Eindruck 
macht. 

Betritt man die Kirche durch den Haupteingang, in dessen 
Nahe man links das Grabmal eines Bischofs bemerkt, so fallen 
zunachst beiderseits des Mittelschiffes je sechs von Rundsaulen 
getragene "Wolbungen auf, wahrend sich im Hintergrund bedeutsam 
und oft in eigenartiger Beleuchtung der Hochaltar erhebt. Ober 
der Halbkuppel, die ihn uberwolbt, ragt namlich ein selbst wieder 
iiberwolbtes Wandstiick auf, das durch eine E-osette Licht in 
das Innere der Kirche fallen lasst, und dariiber wolbt sich 
nochmals eine Kuppel mit acht farbigen Fenstern, wahrend 
hinter dem Hochaltar vier farbige Fenster eingelassen sind. 

Das Hochaltar-Bild stellt die Madonna, die heilige Theresia 
und den heiligen Franz v. Sales vor und riihrt von einem unbe- 
kannten Meister her ; das Bild der heiligen drei Konige an einem 
Seitenaltar dagegen soil von dem oberwahnten Andreas Schia- 
vone stammen. Sehr sehenswert sind auch die Chorstiihle und 
die Miniatur-Sculpturen in Marmor, durch welche sich die Tauf- 
capelle auszeichnet, obwohl gerade hier vor einigen Jahren 



ZU DEN FORTS. 209 

Kirchenrauber in vandalischer Weise wiitheten und bei ihrem 
Versuch, in die Kirche einzudringen, die Marmorrosetten und 
Statuen des Fensters der Capelle beschadigten. ' 



Der venetianische Renaissance-Palast gegeniiber dem 
Dom stammt aus dem Jahre 1522 und war friiher die Loggia. 
Jetzfc haben sich darin ein Kaifeehaus und - in dem ersten 
Stockwerke ein Club angesiedelt, dessen Mitglieder Fremden 
gegeniiber gern urbane Gastfreundschaft iiben. 

Zu den Forts. 

Sebenico bewahrt noch heute zahlreiche Reste seiner alten 
Befestigungen. Schon bei der Einfanrt durch den Canale S. Antonio 
haben wir das ; 1540 unter der Leitung Sanmichelis erbaute 
Fort Nicolo mit seinem ' auf dem Sims des Thores stehenden 
geniigelten Lowen* kennen gelernt. Die Stadt selbst war von 
Mauern umgeben, die .erst 1829 restauriert wurden und auf 
den Anhohen in ihrem Riicken erheben sich nicht weniger als 
drei Forts, von welchen das unterste und nachste besonders im 
Jahre 1647 eine Rolle spielte. Damals vertheidigte es namlich 
jener Freiherr Christof Martin von Degenfeld, dessen schone 
und gelehrte Tochter Louise nachmals als morganatische Gemahlin 
des Kurfiirsten Karl Ludwig von der Pfalz und n Raugrafin von 
der Pfalz" geschichtliche Bedeutung erlangte. Nach dem Frei- 
herrn heisst das Fort noch heute Fort Barone, liegt aber in 
Triimmern, wahrend sein hoherer Nachbar Fort S. Griovanni 
erst 1837 renoviert wurde und noch heute, obschon militarisch 
ganz wertlos, versperrt gehalten wird, so dass, wer die schone 
Aussicht von der Hohe geniessen will, den mit der Aufsicht 
betrauten Bauer herbeiholen muss. 

Das G-ehoft des Bauern befindet sich umnittelbar ausserhalb 
der Stadt auf einem von der Drniser Strasse uberschrittenen 
Sattel, wo man Fort Giovanni in einiger Entfernung hoch oben 



i Restaurierungen des Domes haben 1843/44 und seit 1850 statt- 
gefunden. 

* Siehe Schluss des Capitels XII. 



Fdhrer durch Dalmatien. 



210 



SEBENICO UNO SEINE AUSFLUGE. 



zur Rechten erblickt, wahrend sich auf dem naheren niedrigeren 
Hiigel zur Linken ein drittes Fort St. Anna erhebt, welches 
friiher Sanmicheli hiess und als das alteste Festungswerk Sebe- 
nicos gilt. 

Dieses erhebt sich unmittelbar uber dem oberhalb der Alt- 
stadt von Sebenico gelegenen Friedhof und wird gern vonjenen 
besucht, welche mit moglichst wenig Zeitaufwand einen Uberblick 
iiber die eigenthumKche Landschaft von Sebenico gewinnen wollen 




SEBENICO (Aussicht vom Friedhof zur Einfahrt in die Bucht). 

Man sieht da gerade auf die Kirche und die steinernen 
Grabplatten des Friedhofs und weiter auf die graubraunen Dacher 
Sebenicos, aus welchen sich die machtige Kuppel der Domkirche 
abhebt. Von dem engen Glassengewirr Sebenicos leitet ein Garten- 
viertel den Blick ostlich gegen Fort S. Giovanni (weiter am Kamme 
die Erdwallen gleichenden Ruinen des Fort Barone); im Suden 
fesselt die schone Buchtlandschaft um die Halbinsel Maddalena ; 
im Westen hat man einen Prachtblick den Canal S. Antonio hinaus 
fiber das Fort auf Insel Zlarin und die umgebenden Eilande, die 
gegen Nordwest fortsetzen, wo an der Festlandsktiste Dorf Vo dice 
zu der Karstlandschaft leitet, in deren Mitte sich der Kegel mit 
der Wallfahrtskirche Madonna del Carmine erhebt. Gegen Norden 
endlich verschmalert sich das blaue Becken des Hafens von 
Sebenico zu jenem Meercanale, durch welchen die Wasser der Krka 
meerwarts stromen, nachdem sie den Prokljan-See passiert haben. 



DIE INSELN BEI SEBENICO. 211 

Die Inseln bei Sebenico. 

Im Archipel von Sebenico, den Plinius unter dem Nameii 
der Insulae Celadussae kennt, 1st das volkreichste und wohl- 
habendste Eiland Zlarin mit dem gleichnamigen von Sebenico 
nur 6'/z Kilometer entfernten Hauptorte an der Westkiiste. Die 
Insel ist ziemrich reich an Wein- und Olculturen ; doch verstehen 
die Zlariner auch sehr gut SchiiFe zu bauen, pflegen die Korallen- 
fischerei und sind im Handel so geschickt, dass mehrere ihrer 
Firmen selbst auf europaischen Haupthandelsplatzen in Geltung 
stehen. Auch die gut besuchte Schule zeugt von dem riihrigen, 
fortschrittlichen Sinn dieser Inselbewohner. 

Noch bekannter ist die 7 1 /* Kilometer siidlich von Sebenico 
gelegene Insel Crappano (Krapanj), da sie die beriihmtesten 
Schwammfischer Dalmatiens beherbergt. Die Crappanesen riisten 
jahrlich an 100 Boote aus, deren jedes kaum 2 Tonnen halt, 
wagen sich aber trotz der Kleinheit ihrer Boote bis in den 
Quarnero. Ihr Dorf liegt an der Siidostkiiste der Insel; weiter 
nordlich erhebt sich das Kloster S. Croce (Sv. Kriz). 

Im Osten der Insel offnet sich ein dem Canale S. Antonio 
ahnlicher Canal, durch welchen man in den, seiner Lage nach 
mit der inneren Bucht von Sebenico zu vergleichenden See von 
Castel Andreis gelangt. Am Ostufer des Sees trifft man die 
Eisenbahn und die den Schienenstrang begleitende Trauriner 
Reichsstrasse. 

Ausflug an der SQdkQste von Sebenico. 

Der Bahnhof der Eisenbahn nach Perkovic (beziehungsweise 
Knin und Spalato) liegt am Stidende Sebenicos, und von hier 
lauft der Schienenstrang, den etwas landein die Reichsstrasse 
begleitet, dem Ufer der Bucht entlang bis an deren Siidostende. 

Uberschreitet man hier die Bahn und wendet sich westlich, 
so kommt man zuiiachst vor eine leicht zugangliche Hohle 
(Grotte), in welcher sich zwei Salztiimpel befinden und weiter 
zu dem Salzsee Velika Solina, in welchem die Venetianer bis 
1646 die Salzgewinrmng betrieben. Der I 1 /* Kilometer lange 
See nimmt die Mitte der vom inneren Golf von Sebenico, dem 
Canale S. Antonio und dem Canale di Sebenico umgrenzten Halb- 

u* 



212 SEBENICO UNO SEINE AUSFLUGE. 

insel ein ; von seinem Siidufer erreicht man in einer Viertelstunde 
das an der Kiiste angesichts der Insel Zlarin gelegene Dorf 
Zablace, bei welchem ein achteckiges Kirchlein Beachtung 
verdient. Es enthalt namlich ein von dem Zaratiner Maler 
Salghetti Drioli herriihrendes Bild der Taufe Christi, welches 
durch die Art, wie der Kiinstler den Schatten der fiber Jesus aus- 
gebreiteten Hand des Taufers meisterte, merkwiirdig ist. 

Zablace selbst ist durch mildes Klima ausgezeichnet und 
seine Bewohner cultivieren nicht nur kraftigen Rothwein, sondern 
pressen und raffinieren auch die aus der Umgebung zugefiihrten 
Oliven" selbst, um das 01 nach Triest und Venedig zu verkaufen. 

Ungefahr 10 Kilometer siidlich von Sebenico streckt das Fest- 
land die steinige unbesiedelte Halbinsel Ostrica gegen Westen 
vor, an deren engster Stelle sich eine Bastion mit Schiess- 
scharten erhebt. Sie ist durch einige steinerne Ringe merkwiirdig, 
welche einst von den hier gefangenen christlichen Hercegovcen 
beniitzt wurden, um ihre Flucht zu bewerkstelligen. In der 
Nahe befinden sich einige Ruinen des mythischen Alt-Sebenico, 
siidlich aber thut sich die Bucht Porto Sebenico Vecchio" auf, 
die an Grosse wohl dem Bassin von Sebenico gleichkommt und 
wie dieses einem ganzen Geschwader zu manovrieren gestatten 
wiirde. 

Die landein gelegene Fortsetzung der Bucht bildet das Thai 
von Grebatica, das ziemlich besiedelt ist und sich durch die 
Riesenhaftigkeit seiner Olbaume auszeichnet. In der ganzen 
Umgebung des Thales ist die Bezeichnung Lokva (Tiimpel) haufig, 
ja im Thai selbst entspringt nahe dem Gipfel eines Hiigels ein 
Quell, dessen Wasser bei der Bevolkerung als sehr gesund gilt. 

Sowohl in dem Thale, als bei der Ruine einer Kirche ; welche 
einst dem heiligen Johannes von Tyro geweiht war und sich auf 
einem Hugel nahe dem Thalende erhebt, findet man trocken 
gemauerte Graber mit riesigen Gruftdeckeln, auf welchen man 
Inschriften in grossen Buchstaben und allerlei symbolische 
Embleme wahrnimmt. Die Graber sind croatischen Ursprunges 
und diirften den Archaologen wohl noch reiche Ausbeute liefern. 
Vielleicht stehen sie in einem gewissen Zusammenhange mit 
der nur wenig iiber 20 Kilometer entfernten altcroatischen Konigs- 
stadt Bihac unfern Trau. 



DER MONTE TARTARO. 218 

Der Monte Tartaro (Trtar). 

(496 Meter.) 

Der Monte Tartaro ' ist nicht nur durch den an seinen Hangen 
gedeihenden Wein beriihmt, sondern auch ein Aussichtspunkt ersten Ranges. 
Er erschliesst ein grossartiges Diorama auf das Meer, und zugleich tiber 
wilde Karstoden hin den Anblick von Bergscenerien, welche ausser der 
Svilaja und Promina noch den Prachtabfall der Dinara umfassen, da der 
Horizont nordostlich iiber die Gegend von Knin hinausreicht. Auch geo- 
logisch ist der Berg interessant, wie aus folgender, von Dr. K e r n e r 
gegebenen Darstellung erhellt. 

Der Zug des Monte Tartaro bildet eine nordwestlich zieliende Falte, 
welche gegen Siidwesten so geneigt ist, dass sie als liege nd bezeichnet 
werden muss, wahrend jene des Kremeno- schief, jene des Mideno-Planina 
aufrecht ist. 

An den Unterseiten dieser Falte tritt das Eocan in local verschiedener 
Weise zutage. 

Am Siidwestgehange des Monte Tartaro ist der ganze Schichtcomplex 
von den Cosinabanken bis zu den mitteleocaneii Knollenmergeln vertreten. 
Steigt man hier bergan, so trifft man siidostlich des Gehoftes Rupicave am 
Fusse des Berges zunachst thonige Cosinaschichten und plattigen oberen 
Foraminiferenkalk ; dann am Gehange eine breite Kalkzone mit Alveolinen 
und eine schmale Zone mit Nummuliten und endlich in der Umgebung der 
hoch oben am Berge befindlichen Lokva (Wassertumpel) die gelblich-grauen 
Knollenmergel. Die ersten Felsen ober der Lokva sind wieder fossilreicher 
Nummulitenkalk, und weiter hinauf folgen einander auf eine Verticaldistanz 
von 20 Metern Faunen von Alveolinen, Milioliten und Rudisten. Cosina- 
schichten fehlen, da sie hier vielleicht bei der Uberschiebung des Eocans 
durch den Kreidekalk zerquetscht wurden; doch treten sie am Fusse des, 
dem Monte Tartaro nordwestlich vorgelagerten Hiigels (344 Meter) auf, urn 
den die Strasse Sebenico DrniS einen Bogen nach Norden macht. Es sind 
hier hellgraue, zahlreiche Eissoen und Melanien enthaltende Banke. 

Weiter nordwestlich, besonders bei Sko5ic erscheinen als Vertreter der 
oberen liburnischen Stufe weisse plattige Mergel mit reicher Foraminiferen- 
fauna und Anthozoenresten und treten an die Bucht von SlavCic heran, 
ein Isoklinalthal, das durch Auswaschung der Mergel zwischen hartem 
Rudisten- und Alveolinenkalk entstanden ist. 

Der Alveolinenkalk begleitet dann die Siidwestgehange des Berges 
Scogl und die anschliessende Landzunge, welche sich siidlich der Miindung 
des Canals von Scardona (Krka) in den Lago Prokljan vorstreckt. 



i Den Namen fiihren einige auf die Mongolen-(Tataren-)Einfalle von 
1241 zuriick. 



214 SEBENICO UNO SEINE AUSFLUGE. 

Von Sebenico nacli Scardona uncl Kloster Visovac. 

(Zum untersten Krkafall. 1 ) 

Von Sebenieo naeh Scardona. 

Wie schon erwahnt, werden die landschaftlichen "Wechsel, 
welche das Krkagebiet darbietet, in erster Linie durch geologische 
Eigenthumlichkeiten bedingt, indem die Krka wahrend ihres 
bald westlich, bald sudlich gerichteten Laufes immer wieder 
nordwestlich ziehende Falten der festen Erdrinde und zwischen- 
liegende Mulden durchschneidet. 

Auch in ihrem untersten Grebiete, zwischen Scardona und 
Sebenico, wo der Fluss schon im Meeresniveau sich befindet und 
eigentlich auch einen Meercanal darstellt, quert er noch vier 
Faltenziige, deren westlichster zwischen dem Fluss und dem 
Meere verlauft, wahrend der ostliche durch die Nordwestfort- 
setzung des Tartaroriickens gebildet wird. 

Fahren wir aus dem inneren Bassin von Sebenico nord- 
westlich, so sehen wir dasselbe bald sich verschmalern und in 
einen, durchschnittlich ' 2 Kilometer breiten Meeresarm iiber- 
gehen, der sich als solcher schon durch seine Tiefe von 35 Metern 
documentiert und bis ungefahr 6 Kilometer von Sebenico die 
Nordwestrichtung beibehalt. 

Die Fortsetzung dieses Canalstiickes, wo die Gesteinsschichten 
arge Storungen ihrer Lage erlitten und stellenweise aufgerichtet, 
ja iibergekippt erscheinen, bildet die Bucht von Zaton, aus 
deren Griin die weissen Hauschen des gleichnamigen Dorfes 
wink en; das Krkathal aber nimmt nun die Nordwestrichtung an 
und beschreibt bis zum Ausfluss der Krka aus dem Lago 
Prokljan eine doppelte Schlangenlinie. 

Bald nach Beginn dieses Laufstiickes, in welchem die Tiefe 
des Wassers zwischen 26 und 36 Meter schwankt, durchbricht 
die Krka die zweite der oberwahnten Falten und wir sehen 



1 Um zum Krkafall von Scardona (erster Fall von unten, achter Fall von 
oben gerechnet) zu gelangen, kann man entweder mit dem Localdampfer 
nach Scardona fahren und von hier das Boot beniitzen, oder aber von Sebe- 
nico mittelstWagen auf der um den kleinen Tartaro nordlich herumfuhrenden 
DrniSer Strasse bis zur Abzweigung der Scardonaer Strasse fahren. Von 
letzterer fuhrt ein Fahrweg zur sogenannten Brina fast direct bis an den 
Krkafall. 



VON SEBENICO NACH SCARDONA UNO KLOSTER VISOVAC. 215 

beiderseits des Flusses Felskopfe aufragen (links den Tardan, 
rechts die Triska), welche aus einer machtigen Folge nordostlich 
fallender Kalkbanke aufgethurmt sind. 

Unmittelbar darnach macht die Krka den zweiten Bogen 
nach Nordwesten, welchen am linken Ufer der Tardan und der, 
die Ausflussstelle aus dem Lago Prokljan einengende Vukinac 
bezeichnen. Zwischen diesen beiden Erhebungen ist nach 
Dr. v. Kerner em natiirliclies geologisches Profil erschlossen, 
und zwar diesmal durch eine Mulde zwischen zwei Falten. Man 
sieht namlich deutlich die auf beiden Seiten zur Krka herab- 
ziehenden Felsbanke des Kreidekalks, die ihnen aufgelagerten 
Schichtmassen des Protocans und zu oberst den in Gestalt einer 
Felsenkrone aufgelagerten Alveolinenkalk. 

An der Ausflussstelle der Krka aus dem Lago Prokljan bilclen 
Vukinac (links) und Debeljak (rechts) einen einzigen, nur 
durch das Krkabett durchbrochenen Riicken, welcher geologisch 
der dritten der oberwahnten Falten angehort. Er bildet aber nur 
den Westfliigel desselben, da diese Falte in der Richtung ihres 
Streichens einst aufgebrochen ist und einer Senke Platz machte. 
welche jetzt der Prokljan-See und die siidlich anschliessende 
Niederung einnehmen. In dieser Niederung treten sandig-dolo- 
mitische Gesteine auf und bilden das Siidufer des Sees, wahrend 
am Ostufer die Halbinsel, um deren Nordspitze herum wir nach 
Querung des Sees wieder in die Krka (hier Canale di Scardona 
genannt) einfahren, schon dem harten Alveolinenkalk der Tar- 
tarofalte angehorfc. 

Nach Querung des Sees ist die Tiefe des Wassers, die am 
Siidwestende 25 Meter betrug, auf 10 Meter gesunken und 
zugleich verengt sich die Breite unversehens bis auf 150 Meter. 
Links flankieren niedrigere, rechts etwas hohere Gehange den 
ruhigen Wasserspiegel, der plotzlich aus der Ost- in die Nord- 
richtung abbiegt und, sich bis auf mehr als 300 Meter ver- 
breitemd, den Anblick Scardonas erschliesst. (Siehe auch Seite 196.) 

Seardona (Skradin). 

Scardona war, wie schon in der geschichtlichen Ubersicht 
bemerkt, im Alterthum eine der wichtigsten Stadte des Landes, 
da sich hier der Conventus juridicus oder Landtag von Nord- 



216 SEBENICO UNO SEINE AUSFLOGE. 

Dalmatien versammelte. Allerdings steht die antike Stadt auf 
der Peutinger'schen Tafel am Ufer des Prokljan-Sees, und es 
1st also moglich, dass erst nach der Zerstorung Soardonas durch 
die Avaren im Jahre 639 die Neusiedlung an der heutigen 
Stelle erfolgte. Wiederbegriinder der Stadt waren die Croaten, 
von welchen auch die Ruinenreste in der Urngebung herriihren ; 
in der Folge aber wechselten die Geschicke der Stadt wie die- 
jenigen der anderen dalmatinischen Gemeinwesen wiederholt, 
bis im Jahre 1411 Venedig um den Preis von 5000 Goldscudi 
von dem Konige Bosniens das Besitzrecht erwarb. Ill Jahre 
spater setzten sich die Tiirken in Scardona fest und behielten 
es trotz der Erstiirmung durch General Pesaro (1527), welche 
ebenso wie eine Pliinderung und Brandlegung durch die Uskoken 
beitrug, den Wohlstand der Stadt zugrunde zu richten. Im 
Jahre 1645 macht General Foscolo, der im XVII. Jahrhundert 
in das Geschick so vieler Stadte Dalmatiens eingriff, einen 
tiberrumpelungsversuch ; erst im Jahre 1684 gelang es aber den 
unter General Valier kampfenden Zagorianern, die Tiirken fur 
immer zu vertreiben, womit eine, nur 1809 voriibergehend unter- 
brochene Friedensperiode fur die Stadt anbrach. 

Leider hatte die Contribution von 1809 die ohnehin geringen 
localen Geldmittel so erschopft, dass sich der Ort bis in die neueste 
Zeit nicht sonderlich aufraffen konnte und 1890 nur 804 Ein- 
wohner zahlte, deren 244 Hauschen im wesentlichen in eine 
Gasse zusammengedrangt erscheinen. Einiger Handel herrscht 
wohl, und der Verkehr zu den Miihlen an der Krka halt einen 
gewissen Bootverkehr rege, einen griindlichen Aufschwung er- 
wartet man aber erst von der industriellen Ausniitzung der 
\Vasserkrafte der Krka und der Hebung des Fremdenverkehres, 
der sich iibrigens schon in den letzten Jahren, seit die Krka- 
falle anfangen bekannter zu werden, merklich gehoben hat. 

Der unterste KrkafaU (Wasserfall von Seardona). 

Etwa eine halbe Stunde fahrt das Boot durch das von 
hohen Felsen gebildete Krkabett oberhalb Scardona, da taucht 
an dem Berge, den die Capellen Sv. Josip und Sv. Nikola mar- 



Siehe auch. Capitel XI, Seite 195. 



VON SEBENICO NACH SCARDONA UNO KLOSTER VISOVAC. 



217 



kieren, in der Feme eine weisse Doppelflache auf und zugleich wird 
ein R-auschen vernehmbar, das den noch reichlich 2'/ 2 Kilometer 
entfernten Fall anzeigt. Tauchen wir jetzt den Finger in die 
Flut und verkosten das Wasser, so finden wir, dass der von 
Sebenico her abnehmende brakische Geschmack schon fast dem 
Geschmacke des siissen Wassers gewichen ist ; wir sind also 
bereits in das unumschrankte Herrschbereich des Flusses ge- 
treten, dessen schonstes Schaustiick nun naher und naher rlickt. 
Zunachst sieht man die Wasserfluten durch die Pappeln 
schimmern, welche sich neben den Miihlen auf den Landzungen 




UNTERSTER (ACHTER) KRKAFALL (Von Scardona). 

und Inseln unter den Stiirzen angesiedelt haben. Alsbald aber 
entwickelt sich die Riesencascade so machtig in die Breite, dass 
Noe bei ihrem ersten Anblick an den Rheinfall gemahnt wurde. 

Im Staube des Falles, unmittelbar vor den zerschmetterten 
Wogen, stehen im Schatten von 01- und Weidenbaumen die 
Miihlen, deren jetzt wohl an funfzig sind, so dass man zwischen 
den zahlreichen Miihlcanalen in einem Gewirr jaher Schaum- 
bache, in einem Labyrinth von Wasser und Inseln dahingeht. 

Steigt man nun links empor, so kommt man in eine prachtige 
Wildnis von epheuumrahmten moosbedeckten Felsen, zwischen 
welchen Maulbeerbaume und Olivengruppen aufragen, wahrend 



'218 SEBENICO UNO SEINE AUSFLUGE. 

dahinter wohl an funfzig kleine Schaumcascaden zu den unteren 
Terrassen des Hauptfalles niederwallen. IJberall rauscht es in 
den dichten Wipfeln, iiberall schaumt es zwischen den Zweigen 
und iiber moosbedeckte Briicken und "Weidenhaine wallt die 
grosse Dampfwolke des Falles auf, dessen Brausen das Geklapper 
der Miihlen iiberdrohnt. Selbst aus dem Boden quillt da und 
dort das Wasser, dessen Fiille hier selbst im Hochsommer den 
Rasen und zahlreiche Krauter frohlich griinen lasst, bis zu den 
machtigen Schilfrohren, die sich da und dort neben dem Mauer- 
werk der Miihlen angesiedelt haben. 

Doch immer wieder wird der Blick wie mit magischer 
Grewalt zu dem Hauptfall hingezogen, der in fiinf ungefahr 
100 Meter breiten Terrassen niederfallt, ehe er den durch 
Felsen zertheilten Hauptsturz thut und gleich der stiirmischen 
See durch unaufhorlichen "Wechsel der von Spriihwolken um- 
wogten "Wasserwirbel und reizenden Farbenspiele so manchen 
Beschauer zu stundenlanger Betrachtung hinreisst. Bei gewissen 
Beleuchtungen, besonders morgens und abends, gleicht der 
Cascadenschwall einer matt geschliffenen Silberflache und wiirde, 
wenn der Wassergischt und das Tosen nicht ware, an einen 
Gletscher gemahnen ; zu anderen Zeiten wieder schillern die 
Cascaden und Wasserwolken in alien Regenbogenfarben und des 
Nachts bei Mondschein hebt sich ein gespenstig weisses Gewoge 
aus dem Dunkel der Uferfelsen. 

Im ganzen stiirzen die 100 Meter breiten Cascaden etwa 
40 Meter zur Tiefe und bilden hier einen machtig aufgischtenden 
Schwall, ehe sie wieder die Ruhe eines stillen Flussspiegels an- 
nehmen. Dieses Bild ist am schonsten von der Schenke zu sehen, 
die sich in einer der Miihlen befindet; zur Betrachtung der 
Cascaden eignet sich besser der Garten" genannte Punkt am 
Gehange, an dem vorlangst ein kleines Lusthauschen stand. 



Als Noe 1870 den Krkafall von Scardona beschrieb, war von 
einer anderen Ausiiiitzung der machtigen Wasserkrafte als fiir 
die alten Miihlen noch keine Rede. Seither ist aber einiger 
Wandel eingetreten. Die Miihlen haben sich vermehrt, u. a. um 



VON SEBENICO NACH SCARDONA UNO KLOSTER VISOVAC. 219 

eine Chrysanthemum-Muhle ; das Wasser, das man fruher in 
Eimern nach Sebenico beforderte, wird jetzt mittelst Pumpe auf 
den siidlichen Uferrand geschafft, wo die "Wasserleitung von 

v* 

Sebenico beginnt, und neuestens haben A. Supuk & Sohn 
nach jahrelangem Bemiihen und Besiegung vieler Schwierigkeiten 
auch die erste elektrische Station an der Krka zustande gebracht. 
Es ist ein Motor von 320 Pferdekraffcen, der das 11 Kilometer 
entfernte Sebenico elektriscli beleuchtet und dort auch 50 Pferde- 
krafte zu gewerblichen Zwecken abgibt. 

Gegenwartig kann sich in Sebenico bereits die armste 
Familie den Luxus des elektrischen Lichtes gonnen, da eine 
Flamme von 5 Kerzenstarken fiir 3 Gulden jahrlich abgegeben 
wird; in der Folge aber mag sich in Sebenico wohl eine 
bedeutende Industrie entwickeln. 

Schon hat die oberwahnte Finna die Aufstellung eines 
zweiten gleichstarken Motors in AngrifF genommen; wie wenig 
aber damit die Wasserkrafte der Krka erschopft sind, erhellt 
daraus, dass man die verfugbare Kraft des ersten Krkafalles an 
jedem Ufer auf 10.000 Pferclekrafte veranschlagt. ' 



Steigt- man das Gehange zur Linken des Krkafalles ganz 
empor, so kommt man, nahe der Grenze der lippigen Krka- 
Vegetation und des Karstes wandernd, zunachst in die nordliche 
der, beide Flussufer besaumenden Auen und sieht sich hier von 
einem anderen Vegetationsbilde umgeben, in welchem Pappeln. 
silbergraue Olbaume und gelbe Weiden den Baumschlag liefern, 
zwischen welchem hohe Wacholder, machtige Rohrichte und 
hie und da auch riesige Schachtelhalme auftreten. Diese Au ist 
etwa einen Kilometer lang ; dann zeigt sich abermals eine grime 
Flache: der von Schilfinseln introducierte ^Krka-See", oder 

v % 

besser gesagt die breite Cikola, die hier von links, zwischen 
Felsen her der Krka zustromt. (Siehe Capitel XI, Seite 19B.) 
Hier kann man wieder die Bootfahrt aufnehmen, um nach 
dem Kloster Visovac zu gelangen. 



1 Fiir den Hochsommer schatzen Techniker die Energie des Falles von 
Scardona nur auf 4200 Pferdekrafte (42 Meter Fallhohe, 10 Kubikmeter 
Wasser per Secunde). 



220 SEBENICO UNO SEINE AUSFLLIGE. 

Kloster Visovae. 

Einen lieblichen Anblick bietet das ungefahr 6 Kilometer 
nordlich des ersten Krkafalles auf einer Flussinsel gelegene 
Kloster Visovae. Inmitten der seeartig erweiterten Krka, rings 
von Bergen umkranzt, breitet sich eine grime Oase aus, die 
nicht nur im Lenz, wenn sich der blaue Himmel iiber bliihenden 
Biischen spannt und im Haag die Lerchen trillern, sondem auch 
zu anderer Jahreszeit einen bezaubernden Aufenthalt bietet. Das 
historische Kleinod der Insel aber bildet - - als ein Pendant zu 
dem serbisch-orthodoxen Kloster Sv. Arhangjeo das katholische 
Kloster Visovae, das nicht minder durch Alter, Schicksale und 
stille idyllische Lage bemerkenswert ist. 

Man vermuthet, dass Visovae einst ein Sommeraufenthalt 
der Bribir war ; schon in der ersten Halfte des XV. Jahrhunderts 
jedoch entstand das Kloster und iiberdauerte nicht nur gliicklich 
die Drangsale der Tiirkenzeit, sondern wusste auch einen grossen 
Theil seiner Bibliothek in die Gegenwart heriiberzuretten, so 
dass die Sammlung heute zu den Merkwiirdigkeiten Dalmatiens 
gezahlt werden darf. 

Unter anderen wird da ein eigenhandiger Brief des Prov- 
veditore Leonardo F o s c o 1 o auf bewahrt , der das Datum 
.,Scardona, den 2. Marz 1648" tragt und an den Pater Guardian 
des Klosters Visovae gerichtet ist. Foscolo ertheilt darin den 
Bath, schleunigst zu fLuchten 7 da die Tiirken schon Knin und 
Drnis eingenommen hatten, und fiigt bei, dass er die Rettung 
eines jeden Christen, insbesondere aber der Ordensbriider wiinsche. 
Das Pendant zu diesem Schreiben des christlichen Generals bildet 
eine Sammlung von mehreren hunderten tiirkischer Fermane, 
unter welchen sich auch der eigenhandige eines Sultans befindet, 
ein ungefahr meterlanger und 30 Centimeter breiter Pergament- 
streifen, der mit Seide in Griin, der Farbe des Propheten, besetzt 
ist. Leider sind einige Stellen, und darunter auch jene wo sich 
die Unterschrift des Sultans befand, verwischt. 

Unter den Handschriften aus spaterer Zeit verdient Er- 
wahnung die Geschichte der Stidslaven von Pater Gaspar Vin- 
jalic, einem gebiirtigen Zaratiner, der 1781 im Alter von 



VON SEBENICO NACH SCARDONA UNO KLOSTER VISOVAC. 221 

74 Jahren zu Visovac gestorben ist. Der Historiker beginnt mit 
dem Jalire 2048 v. Chr. und sagt gleich anfangs, dass der 
grosste Theil des Landes von den Nachkommen Japhets, des 
Sohnes Noahs, bewohnt werde. 

Zu den Kostbarkeiten der Biichersammlung gehort auch 
eine in gothischen Buchstaben gehaltene Handschrift aus dem 
Jalire 1543, welche die Bibliophileii auf mehr als 1000 Gulden 
schatzen; andere Earitaten, die aus den verschiedenen Feuers- 
brunsten errettet wurden, sind leider stark dem Mausefrass ver- 
fallen und haben dadurch an "Wert verloren. 

Selbstverstandlich wird der Besucher von Yisovac nicht 
unterlassen, auch die Kirche zu besichtigen, in welcher ausser 
den Altaren besonders ein Bild des heiligen. Franz v. Assisi 
sehenswert ist. Der Kopf des Begriinders des Franziskaner- 
ordens macht den Eindruck, als ob er einem eben aus dem 
Grabe Erstandenen angehoren wiirde, nur die Augen verrathen, 
dass das Leben in ihrn nicht erloschen sei. Auf der Brust des 
Heiligen bemerkt man etwas wie Staub, entdeckt indess bei 
naherer Besichtigung, dass man ein meisterhaft dargestelltes 
Gewebe vor sich hat ? an welchem jeder Faden gezahlt werden 
kann. Leider ist der Urheber des vielbewunderten Bildes bisher 
unbekannt geblieben. 



Einen schonen Anblick der Flussinsel von Visovac hat man 
von den Anhohen im Westen, in deren Nahe das Dorfchen 
Dubravice liegt. Hier wird seit einigen Jahren von einer Privat- 
gesellschaft ein Steinkohlenflotz ausgebeutet und hier fiihrt auch 
die von Scardona kommende Strasse vorbei, welche weiter nord- 
lich, bei Krstaca. in den Strassenzug Gjevrske-Drnis miindet. 
Letzterer iibersetzt die Krka beim Wasserfall von Roncislap, der 
von Scardona und Drnis aus auch mit Wagen in je 3 Stunden 
erreicht werden kann. 

Fahrt man von Drnis aus, so kann man beim Wirtshaus 
Grabic den AVagen verlassen und links iiber Dorf Gornje Britane 
zu jener, durch ein Echo ausgezeichneten Anho'he wandern, deren 
Gipfel die Klosterbriider seiner einem Riesenkopf ahnlichen 



222 SEBENICO UNO SEINE AUSFLUGE. 

G-estalt wegen Genius" naniiten. Die Anhohe liegt knapp an 
der Krka und es geniigt vom Flussufer nach Visovac hintiber 
zu rufen, um von dort ein Boot zu citieren. Mit diesem fahrt 
man nach Besichtigung des Klosters flussauf zum Fall Roncislap 
und trifft hier wieder den vorausgeschickten Wagen, mit deni 
man iiber Scardona (wo eine Fahre iiber die Krka bestelit) nach 
Sebenico zuriickkehren kann. "VVollte man die Bootfahrt weiter, 
bis Kloster Sv. Arhangjeo fortsetzen, so miisste der Wagen nach 
Kodkule bei Kistanje oder auf einem Karrenwege - - nacli 
Kloster Sv. Arhangjeo selbst dirigiert werden. Bei solcher Aus- 
dehnung erfordert die Tour aber von Sebenico aus drei Tage 
und man muss von vorneherein mit dem Wageneigenthiimer 
accordieren. Auch wird der Vorsichtige in diesem Falle etwas 
Proviant, eine Reisedecke und einen Luftpolster niitnehmen und 
im Kloster Visovac bei den jedem Fremden sehr entgegen- 
kommenden Fratres Erkundigungen einziehen. 





XIV. Von Sebenieo naeh 



Eisenbahnfahrt Sebenico-Perkovic-Knin. ' 

Vorbeinerkung. 

In der Luftlinie ungefahr 19 Kilometer ostsiidostlich von 
Sebenieo und 25' ^ Kilometer iiordwestlich von Spalato, liegt 
inmitten einer Karstlandschaft die Station Perkovic-Slivno, 
welche zur Zeit den Knotenpunkt des dalmatinischen Eisen- 
bahnnetzes bildet. Hier miindet namlich in die Hauptstrecke 
Spalato-Knin, welche von Spalato bis Perkovic 64, von Perkovic 
bis Knin 68 Kilometer Lange hat, der 27 Kilometer lange 
Fliigel Sebenico-Perkovic, so dass man also von Sebenieo 
mittelst 97 Kilometer langer Bahnfahrt nach Knin, mittelst 
91 Kilometer langer Fahrt nach Spalato gelangt. 

Von Sebenieo nach Drnis. 

Vom Bahnhof Sebenieo, welcher 17-4 Meter liber dem 
Meeresspiegel im Siiden der Stadt liegt, fiihrt die Trace zu- 
nachst dem ostlichen Ufer des Bassins von Sebenieo entlang 
nach Siidosten. Nach etwa ' 4 Kilometer zweigt zur Rechten 
die sogenannte Riva-Bahn ab, die nach Sebenieo zuriick, aber 
bis hinab an den Strand fiihrt; dann durchschneidet die Trace 
die Wurzel der kleinen Landzunge vor der Halbinsel Maddalena 



1 Bis Siveric (24 Kilometer von Knin) warden die Linien Sebenieo 
Perkovic Siveric und Spalato Perkovic Siveric Mitte der Siebziger-Jalire 
mit einem Aufwande von 10,972.230 fl. (104.500 fl. per Kilometer) erbaut 
und am 22. Mai 1877 fiir den Kohlenverkehr , ain 4. October 1877 fiir 
den Gesammtverkehr eroffnet. Von den Gesammtkosten entfielen 549.534 fl. 
auf Wasserversorgungsanlagen, speciell auf die Fassung der Jader-Quelle 
bei Salona und Herstellung der alten Diocletianischen Wasserleitung nach 
Spalato, sowie auf die Hebungswerke und Leitungen im Krkathal. Die 
Strecke Siveric-Knin wurde erst mehrere Jahre spater angestiickelt. 



224 VON SEBENICO NACH KNIN. 

und verlasst hier den Siidostwinkel des Bassins von Sebenico, 
um zwischen den Abhangen des Karstplateaus und den niederen 
Kiistenhugeln in jener Depression ' weiter zu ziehen, welche 
iiber den Lago di Castel Andreis hinaus bis Vrpolje reicht. 

Bis zur Station Vrpolje, die circa 2 Kilometer westlich des 
hochgelegenen Ortes situiert ist, bietet die Bahnfahrt zeitweise 
Ausblicke auf die Kiistenlandschaft, obwohl sich die Trace noch 
nicht 50 Meter gehoben hat. Nun aber zieht sie, Vrpolje, das 
Dabar-Thalchen und Haltestelle Dabar* links lassend, in Win- 
dungen bergan gegen Osten und erreicht in 201 Meter Seehohe 
die Station P erkovic-Slivno, wo von Siiden her, aus der De- 
pression zwischen den 504 und 492 Meter hohen Bergen Jaklina 
und Trovra die Spalatiner Linie hinzu kommt. 

"Wir befinden uns hier 27 Kilometer von Sebenico im Cen- 
trum der Landschaft Zavor und im allgemeinen in wenig aus- 
sichtsreichem Gelande, da die Bahn dem Zuge von Karstthalchen 
folgt, welche von den nur sparlich bebuschten oder bebauten 
Steinbergen rings um 200 bis 300 Meter iiberragt werden. Doch 
beginnt sie nun, erst nordostlich, dann gegen Norden abbiegend 
und alsbald von der Trau-Drniser Strasse begleitet, abermals zu 
steigen und erreicht unmittelbar nach der Station lines ic 
(43 Kilometer von Sebenico) in 373 Meter Seehohe ihren 
hochsten Punkt, der topographisch von einiger Bedeutung ist. 
Hier beginnt namlich die von dem ausgesprochenen Bergriicken 
der Mideno-Planina und Mosec-Planina durchzogene Landschaft 
Zagorje, die nordlich gegen den Cikola-Canon und das Petrovo- 
polje abdacht, und in der flachmuldigen Depression zwischen 
den beiden Bergziigen senkt sich nun auch die Trace wieder 
inmitten hiigeliger fahlbrauner Gelande, bis sich bei der, zwischen 
Ober- und Unter-^itnic gelegenen Haltestelle (47 Kilometer) die 

v 

Nahe des Cikola-Canons ankiindigt. 

Bei der Haltestelle Zitnic tritt die Trau-Drniser Strasse 
erst zur Linken und, nachdem sie sich bei einem Wirtshause 
mit der von Sebenico kommenden Strasse vereinigt hat, wieder 



1 Die Depression ist ein Parallelthal zu der siidlich zielienden GrebaStica- 
Draga. (Siehe Seite 212.) 

2 Bei Dabar wird die bisher links der Bahn gebliebene und nun nach 
Siidosten abbiegende Strasse Sebenico-Trau ubersetzt. 



DRNIS. 225 

zur Rechten der Bahn ; diese aber umzieht nun, kleine Abhangs- 
riicken in Einschnitten durchfahrend, die Nordwestflanke der 
Mosec-Planina und gewahrt zur Linken Blicke in die enge Fels- 
schlucht der Cikola, jenseits welcher schon die Ruinen der alten 
Drniser Befestigungen aufragen. 

Unmittelbar darnach tritt auch Drnis hervor und wahrend 
die Bahn wieder auf die rechte Seite der Strasse tritt 1 und 
nach Siidosten abbiegt, thut sich ein iiberrascliender Blick auf 
das weite griine Petrovopolje auf, iiber welchem im Nordosten, 
den 18 Kilometer entfernten Kozjak (1207 Meter) iiberragend, 
machtig die 31 Kilometer entfernte, 1831 Meter hohe Dinara in 
Erscheinung tritt. 

Um in das Polje abzusteigen, zieht die parallel zur Fahr- 
strasse, doch oberhalb derselben tracierte Bahn, etwa 2' 2 Kilo- 
meter am Nordostgehange der Mosec-Planina gegen Siidosten und 
entfernt sich also von Drnis, biegt aber danii gegen Nordeii ab 
und iibersetzt erst die Strasse, dann die Cikola in jenem schmalen 
Westwinkel des Petrovopolje, welcher zwischen der Mosec-Planina 
und kleinen Vorhohen der Prominagruppe in das Defile von 
Drnis iibergeht. Die Station Drnis wurde 2 Kilometer nordostlich 
des Marktfleckens in 284 Meter Seehohe angelegt. (Von Sebenico 
68 Eisenbahnkilometer bei 25 Kilometer Luftlinie.) 2 

Drnis. 

Wo am Nordhang der Mosec-Planina die Eisenbahn ihren 
grossen Bogen aus der Nordost- in die Sudostrichtung macht, 
senkt sich der Kniner Ast der von Sebenico (beziehungsweise 
Trau) kommenden Strasse in einer kurzen Serpentine zur Cikola 
und fuhrt iiber eine Briicke nach Drnis hiniiber. Hier beginnt 
gegen Westen die Cafionbildung des Flusses und man hat einen 
Abblick in die graue brockig-felsige Schlucht mit dem gelben 
Grewasser in der Tiefe, der zu den merkwiirdigsten Veduten in 
der Gregend gehort. 



1 Die Strasse gabelt hier ; ein Ast lauft weiter ins sildostliche Petrovo- 
polje, der and ere die Kniner Strasse senkt sich in einer Serpentine 
zur Cikola und nach DrniS. 

2 Fortsetzung der Bahnfahrt siehe Seite 228. 

Ftlhrer durch Dalmatien. 15 



226 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Jenseits betreten wir dann den Marktfleckeii Drnis, der 
zwar eine Seltenheit unter den dalmatinischen Orten keine 
Erinnerungen an die Romerzeit besitzt, wohl aber in der Zeit 
der Tiirkenkampfe des XVII. Jahrhunderts eine solche Rolle 
spielte, dass die Tiirken den Ort Klein-Sarajevo" nannten. 
Schon damals war Drnis als Strassenposition zwischen dem 
Petrovopolje und dem Gebiet von Sebenico wichtig, wie be- 
sonders die Kampfe von 1647, 1664 und 1683 zeigten. 

Im ersteren Jahre drangen hier der venetianische General F o s c o 1 o 
und der Srdar der Kotari vor und zwangen den in der epischen Volkspoesie 
bekannten Vezier Tekelija nach Vrlika und schliesslich nach Bosnien zu 
fliichten. Da aber F o s c o 1 o den Fehler begieng, DrniS desarmieren zu 
lassen, so gelang es den Tiirken noch im selben Jahre DrniS zuriick zu 
erobern, nachdem die Bevolkerung theils zum Meer theils in die Berge 
geflohen war. Einen neuerlichen Sieg bei DrniS erfochten die Christen 1664, 
als der Provveditore Cattarino Cornaro mit den Bewohnern des Petrovopolje 
gegen den blutriinstigen tiirkischen Beg Filipovic ins Feld riickte. Auch 
dieser Sieg blieb jedoch 1'ruchtlos, da Venedig damals das binnenlandische 
Dalmatien gegen die Tiirken nicht zu halten vermochte, und erst als sich 
die Macht der letzteren vor Wien gebrochen hatte, gelang es dem helden- 
miithigen Srdar Nakic, Drni fiir immer von den Tiirken zu befreien. 

Seit jener Zeit begannen die Befestigungen zu verfallen 
und auch die vier tiirkischen Dzanrije verschwanden bis auf 
eine, deren Minarets jetzt als Ruinen auf dem Berghange stehen, 
und eine zweite, die noch 1683 zur katholischen Kirche geweiht 
wurde und sich als solche erhalten hat. "Wo heute die Pfarrer- 
wohnung sich befindet, stand seinerzeit das Haus des tiirkischen 
Geistlichen (Oberhodza) und neben demselben befand sich ein 
grosser Brunnen, zu welchem die Tiirken das "Wasser 13 Kilo- 
meter weit vom Berge Promina herleiteten, damit es zum n Advet", 
d. h. den religiosen Waschungen diene. 

Heute ist Drnis sowohl der Nahe des fruchtbaren Petrovo- 
polje wegen, als auch weil sechs von dem Orte ausstrahlende 
Strassen den Vieh- und Getreidehandel begiinstigen, in merk- 
lichem Aufschwung begriffen 1 und ein Theil seiner 1456 Ein- 
wohner wohnt in ganz hiibschen, vorwiegend langs der Haupt- 
strasse gruppierten Gebauden, unter welchen sich auch ein paar 
freilich primitive Wirtshauser befinden. 



1 Drnis ist Sitz eines Gerichtsbezirks, welcher eine einzige Steuer- 
gemeinde umfasst (659-11 Quadratkilometer, 20.426 Einwohner). 



VON DRNIS NACH CLISSA UNO SPALATO. 227 

Seitenroute. 

Von Drnis nacli Clissa (und Spalato). 

Dieser nicht uninteressante Ubergang fiihrt aus dem Petrovo- 
polje entlang einer schmalen "Werfener Schieferzone in die Kreide- 
kalkreviere vor Clissa, und schliesslich in die schone, historisch 
bedeutsame Mediterranlandschaft von Salona, erfordert aber 
eine starke Tagestour mittelst Wagen uud ist nur Jenen zu 
empfehlen, welche in Bimien-Dalmatien minderbetretene Pfade 
wandeln wollen. 

Man fahrt zunachst langs der Mosec-Planina durch das Petrovopolje 
siidostlich nach Ober-Kricke, von wo man zwischen den Mosecgehangen 
und dem Midenjakhiigel die von hochhalmigen Gras- und Schilfufern ein- 
gefasste (3ikola-Au bei Euzic erreicht. Hier hat sich das Petrovopolje schon 
zum Thai zusammengezogen und die an Baumen, Wiesengriin und Quellen 
reiche Landschaft erinnert nach Noes Urtheil an das Htigelland im siid- 
lichen Bohmen nahe der Sazawa. Hie und da kommt ein klarer Bach von den 
oberhalb mit Baumen besetzten Wiesengehangen zur Cikola herab und dann 
fehlt die kleine, hinter einem Baumanger versteckte Miihle nicht; am'Wege 
aber sieht man manche Buche, die eines deutschen Hochwaldes wiirdig ware. 

Bei Sv v llija kann man gegen das linke (ostliche) Thalgehange hin 
einen Abstecher zum Cikola-Ursprung machen ; die Strasse folgt furder dem 
Vrba-Bach aufwarts bis zum Sattel von Postinje (Kirchlein Sv. Gospa, 
438 Meter), welcher die siidlichen Vorhohen der Svilaja mit dem 843 Meter 
hohen Movran, der Haupterhebung der siidostlichen Mosec-Planina verbindet. 
Hier beginnt ein noch weiter ansteigendes Hochthal, in welchem mittel- 
europaischeundKarstformen wie inKrain sich mischen ; die siidlicheLage aber 
bewirkt, dass zwischen den Buchenhainen, welche die triimmerbedeckten 
Hange hinanziehen, noch immer einzelne Rebenculturen auftreten. Zwischen 
Unter- und O.ber-Muc erreicht die Strasse die Seehohe von 468 Meter 
und fiihrt dann 6'stlich zwischen den Stidhangen der Svilaja und der Visoka 
viber Neoric in das grosse Polje von Sinj ; unsere Route dagegen biegt aus 
der Schieferzone nach Siiden in das Kreidekalkgebiet ab, um erst bergab 
(Saric 347 Meter), dann bergauf (Ober-Prugovo 401 Meter) und dann 
abermals thalab nach Unter-Prugovo und Konjsko (347 Meter) zu 
fiihren, wo man sich schon im Riicken des Kozjakwalles befindet, dessen 
Siidfront auf das Meer bei Spalato hinabsieht. 

Fort wechseln in dieser Landschaft Karstoden mit saftigen Alpen- 
griinden und Baumangern, wie bei Prugovo, das inmitten von Karstgeklippe 
in einen Buchenhain gebettet liegt ; schliesslich aber steigt die Strasse aber- 
mals, und zwar diesmal stark, in Serpentinen, und biegt in das Defile 
zwischen Markesina und Mosorgebirge ein, in welchem uns bei der Fels- 
veste Clissa plotzlich wieder der Anblick des Meeres uberrascht. (Von Clissa 
nach Spalato, siehe Capitel XIX.) 

15* 



228 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Von Drnis nacli Knin. 

(Fortsetzung der Eisenbahnfahrt.) 

Von Drnis zieht die Eisenbahn zunachst in den Nordwinkel 
des Petrovopolje hinauf, zur Rechten von Feldern begleitet, durch 
welche der Moticbach der Cikola zufliesst, wahrend links zahl- 
reiche Hauser und kleine Rotten am Untergehange der Pro- 
mina hinaufziehen. 

Nach * 4 stundiger Fahrt ist die drei Kilometer von Drnis 
entfernte Station Siveric erreicht (308 Meter), von wo an dem 
gleichnamigen Kohlenbergwerk voriiber eine Strasse nach dem 
eine halbe Stunde nordwestlich in 422 Meter Seehohe gelegenen 
Dorfe Siveric ' fiihrt. 

Die Kohlengruben von Siveric wurden schon 1834 von 
Baron Rothschild in Betrieb gesetzt, gehoren aber derzeit der 
Turiner n Societa carbonifera Austro-Italiana del Monte Promina", 
deren Betriebsleitung in Siveric gerne die Erlaubnis zur Besich- 
tigung des Bergwerkes ertheilt. Der Abbau erfolgt in einem 
langen Schachte, unter welchem sich ein zweiter befmdet, der 
bis in 40 Meter Tiefe hinabreicht. Beschaftigt sind etwa 200 Ar- 
beiter, welche pro Tag 22 bis 24 Waggons Grlanzkohle fordern. 
Einer der Schachte entziindete sich vor etlichen Jahren und 
brennt noch heute, ist aber von dem iibrigen Bergwerke durch 
eine dicke Mauer abgesondert. 

Einige Kilometer nordlich von Siveric hat die Bahn den 
Nordwinkel des Petrovopolje erreicht und iibersteigt den Sattel 
von Sv. Petar oder Lukavac* (351 Meter), um nun hinuber in 
das hiigelige Kosovopolje zu dampfen, wo sie sich bei dem 
auch Zvjerinac genannten Dorfe Kosovo (15 Kilometer von Drni) 
schon wieder in 243 Meter Seehohe befindet und nun durch 
Weingarten, Waldchen und Maisculturen ihrer derzeitigen End- 
station Knin zustrebt. (Knin, 27 Kilometer von Drnis, 221 Meter 
Seehohe.) 



i Im Dorfe Siveric das Gewerkschaftswirtshaus des P. Crnogorac. 

* Zur IJinken hier auf 557 Meter hohem Vorberge der Promina die 
Reste einer Burg des croatischen Ban Petar, nach welchem das Petrovo- 
polje seinen Namen hat. 



KNIN. 229 

Knin. ' 

L a g e. 

Schon in cler orographischen IJbersicht wurde erwahnt, dass zwischen 
Velebit und Dinara, deren Haupterhebungen 1900 Meter iiberschreiten, eine 
,,Gebirgsliicke" besteht, da die verbindenden Bergmassen 1450 Meter Hohe 
nicht erreichen. Ini Westen dieser Gebirgsliicke oder Senke entspringt die 
Zrmanja. die zunachst siidlich fliesst, gewissermassen als Ostgrenze des 
Velebit, um amFusse des Gebirges angelangt in zumeist schluchtartigem Bette 
gegen Westen durchzubrechen ; im Osten der Senke aber umgreifen zwei 
bis ins Herz des Gebirges tief eingeschnittene Thaler : das der Radiljevica 
(die aus dem eigenthiimlicheii Plavnokessel kommt) und das noch langere, 
tiefere und breitere Thai der Budisnjica die Berggruppe der 1201 Meter 
hohen Orlovica und ziehen sildwarts gegen Knin, wo sie in das Thai der 
von der Dinara kommenden und zunachst ostwestlich fliessenden Krka 
miinden. Das Budisnjicathal bildet geologisch den Nordtheil der grossen 
Aufbruchsspalte, die durch das Kosovo- und Petrovopolje gegen Siiden 
fortsetzt; infolge seiner Kreuzung mit dem Krkathal bei Knin aber ent- 
steht hier ein geologischer und orographischer Mittelpunkt, der auch noch 
hydrograpbische Wichtigkeit dadurch erhalt, dass sich bei Knin die Haupt- 
fliisse Mittel - Dalmatiens auf wenige Kilometer nahern. Das Krkaknie 
nordwestlich von Knin ist nur 9 Kilometer von der Zrmanja entfernt und 
nur 17 Kilometer hat man vom Topoljer Wasserfall dem Krkicbach ent- 
gegen zu wandern, um auf der Strasse nach Vrlika ins Gebiet der Cetina- 
quellen zu gelangen. 

Wahrend also die Gebirge das Gebiet von Knin zur Lander scheide 
machten 20 Kilometer nordlich des Stadtchens stossen bei Radvikaim 
obersten Budisnjicathal die Grenzen Croatiens, Dalmatiens und Bosniens 
zusammen - - bilden die erwahnten Tiefenlinien Verkehrsstrassen, deren 
Zusammenstoss bei Knin hier schon friih zur Entstehung eines wichtigen 
Punktes Veranlassung bieten musste. Von Nordwesten (Ort Pagjeno, unweit 
des Zrmanjaknies) kommt die croatische und vom Grenzortchen Grab, im 
Thale der BudiSnijca, die bosnische Strasse aus dem Livanjskopolje ; von 
Osten fiihrt die Route Sinj-Vrlika herzu, von Siiden mundet die Strasse 
Spalato-Clissa ein, welche den Petrovo- und Kosovopolje durchzieht, von 
Westen endlich nahert sich die Zaratinerstrasse. 

Historisches. 

Dass an Stelle Knins einst das romische Arduba stand, von welchem 
Dio C a s s i u s berichtet, die Einwohner hatten im Jahre 9 n. Chr. dem 
Germanicus so verzweifelten Widerstand geleistet, dass sich die Weiber 



1 In Knin selbst ist fur Fremdenunterkunft und Verpflegung ziemlich 
gut (Hotel Knin) gesorgt. Mittelst Wagen erreicht man voii Knin in 3 Stunden 
die Grenzen gegen Bosnien, in 4 Stunden jene Croatiens, in l'/ a Stunden 
den Wasserfall Manojlovac. 



230 VON SEBENICO NACH KNIN. 

in die Flammen der brennenden Hauser und in die Fluten der Krka stiirzten, 
um nicht romische Sclavinnen zu werden, wird von einzelnen Historikern 
bezweifelt. Dagegen ist durch Constantin Porphyrogenitus verbiirgt, 
dass der Ort als Tininia oder Ticinium schon in spatromischer Zeit bestand 
und um 649 n. Chr. Hauptort einer der zwolf croatischen Zupanijen war. 
Konig Kresimir soil die Stadt neu aufgebaut haben und schon 1050 hob 
mit Marcus die Reihe der Kniner Bischofe an, deren letzter 1755 starb, 
worauf das hiesige Bisthum mit jenem von Sebenico vereinigt wurde. Doch 
war die Bischofsreihe schon friiher langer als ein Jahrhundert unterbrochen 
gewesen, da 1522 in das Stadtchen, in welchem im Winter 1396/97 der bei 
Nicopolis geschlagene Konig Sigismund residiert hatte, die Tiirken einzogen, 
unter welchen Knin ein Hauptwaffenplatz Dalmatiens wurde. 

Ein turkischer Bericht aus dem Jahre 1620 schildert Knin als eine 
Festung, deren mit zwei bis drei grossen Geschutzen armierte Walle sich 
zwei Meilen weit erstrecken und ausser einem Arsenal 300 Hauser 
umschliessen. Die Festung selbst konne 500, das zugehorige Dorfergebiet 
1500 Soldaten stellen ; ausser einem Kadi befand sich in ihr ein Sandschak. 

Kaum ein Menschenalter nach Erstattung dieses Berichtes (1647) wurde 
Knin von Fo s c o 1 o erobert; doch setzten sich die Tiirken alsbald neuerdings 
fest und erst nachdem es am 11. September 1777 dem unter C o r n a r o 
kampfenden tapferen Stojan Jankovic gelungen war, die turkische 
Besatzung neuerdings zur Ubergabe zu bringen, vermochten sich die Vene- 
tianer dauernd zu behaupten. Die Erinnerung an ihre Herrschaft halt noch 
heute ein Marcuslowe ober dem Festungsthor wach, welcher sich dadurch 
als Unicum auszeichnet, dass er neben dem geoffneten Buche mit den 
Worten ,,Pax tibi Marce etc." noch ein Kreuz in der Pranke halt. 

Zum letztenmale spielte Knin eine militarische Rolle in der Fran- 
zosenzeit, namlich 1805, als es der russische General Mo lit or mit 
5000 Mann eroberte, und am 31. October 1813, als die Franzosen abzogen 
und ein Bataillon Likaner einriickte. Seither hat die Festung ihren 
strategischen Wert grosstentheils verloren, da sie mit modernen Geschutzen 
von den nahen Hohen beherrscht wird; landschaftlich bildet sie jedoch eine 
malerische Kronung des 345 Meter hohen Monte Salvatore (Spas), an dessen 
Siidostfuss sich das Stadtchen anschmiegt. 

* 

Knin, 1 gegenwartig nur ein Marktflecken von 1270 Ein- 
wohnern, iibt auf den Fremden doch durch sein Localmuseum 
und seine Lage Anziehung, die in unmittelbarer Nahe eine 
Anzahl interessanter Spaziergange gestattefc. So bietet z. B. die 

1 Knin ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft gleichen Nanaens, welche 
die Gerichtsbezirke Knin und DrniS umfasst. (1319'6 Quadra tkilometer, 
54.562 Einwohner.) Der Gerichtsbezirk Knin umfasst die Gemeinden Knin 
(678-8 Quadratkilometer, 21.077 Einwohner) und Promina (81'69 Quadrat- 
kilometer, 5059 Einwohner). 



KNIN. 231 

Scenerie von der Briicke uber die krystallklare Krka ein wurdiges 

v* 

Pendant zur Scenerie der Cikola-Briicke bei Drnis und wenn 
man an einem Hauschen vorbei, das 1818 dem Kaiser Franz als 
Absteigquartier diente, den Weg zur Festung einschlagt, so 
entwickelt sich ein Panorama, das noch alle Besucher gepriesen 
haben, besonders wenn sie es iin Glanze des Sonnenunterganges 
schauen konnten. 

Nicht uninteressant sind die Hauser an der Krka und die 
Kirche S. Barbara, in welcher der 1736 gestorbene Bologneser 
Nobile Bartolomeo Borelli bestattet liegt. Borelli war kurz 
nach der oberwahnten venetianischen Eroberung der Veste Knin 
als Commandant hieher gekommen und erwarb sich mancherlei 
Verdienste, welche hernach den Senat bewogen, seinein Sohn 
Franz den Titel Conte und die Herrschaft Vrana zu veiieihen. 
(Siehe Seite 177.) 

Erwahnt mag schliesslich werden, dass Knin der Sitz einer 
bemerkenswerten Hausindustrie ist. Die Bauerinnen hier ver- 
stehen namlich Tischdecken und Teppiche zu weben, die sich 
trotz primitiver Herstellungsmanier durch lebhafte Farben und 
gefallige originelle Muster auszeichnen und in Anbetracht ihrer 
grossen Dauerhaftigkeit eigentlich billig im Preise stehen. 

Das Museum in Knin. 

Das vor etwa zehn Jahren begriindete Localmuseum von 
Knin befindet sich im Franziskanerkloster, dem Heim Fra Luigi 
Maruns, der nicht nur zahlreiche Ausgrabungen in der ganzen 
G-egend veranlasst, 1 sondern diese auch zu dem Museum vereint 
und die croatische Alterthumsgesellschaft (Hrvatsko stari- 
narsko drustvo) begriindet hat, welche zur Zeit eine illustrierte 
Vierteljahresschrift herausgibt. 

Die altesten Objecte, welche das Museum aufbewahrt, sind 
Funde aus der Stein-, Kupfer- und friihen Eisenzeit, welche sich 
nach deni Urtheil der Fachmanner merklich von den analogen 
Funden in Bosnien unterscheiden. Auch romische Inschriften, 



1 Unter auderem wurden bei Biskupija siidlich von Knin die Ruinen 
einer dreischiffigen Basilika und eines ausgedehnten Bischofspalastes frei- 
gelegt. 



232 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Denksteine und Miinzen wurden in den Umgebungen Knins in 
solcher Menge ausgegraben, dass davon den anderen Museen 
Dalmatiens abgetreten werden konnte. 

In der Hauptsache werden im Kniner Museum croatische 
Alterthumer gesammelt, unter welchen jene aus dem friihen 
Mittelalter besondere Beachtung verdienen. Viele davon wurden 
in den Grabern bei der Basilika von Biskupija gefunden, unter 
anderem Schwerter ahnlich jenen, welche man in Norwegen aus- 
gegraben hat. In Gemeinschaft mit diesen Waffen fanden sich 
byzantinische Goldmiinzen aus dem IX. und X. Jahrhundert 
und die Archaologen schliessen daher, dass die Funde aus der 
Zeit der autonomen croatischen Herrschaft herruhren. Die Frauen- 
graber enthielten Ohrgehange und andere weibliche Schmuck- 
gegenstande, welche sich theils mit den in Bosnien, Croatien, 
Slavonien und Russland gefundenen vergleichen lassen, theils 
und das sind die einfacheren - - an die Objecte erinnern, 
welche man in Norddeutschland und Bohmen in den Grabern 
der heidnischen Wenden und Czechen gefunden hat. 

Specielles Interesse nehmen einige archaologische Bruch- 
stiicke in Anspruch, welche longobardische Motive, ahnlich den 
in Ober- und Mittelitalien vorfindlichen, zeigen und durch ihre 
Inschriften darthun, dass die Trpimir und Muncimir, Drzislav, 
Svetoslav, Zvonimir und andere croatische Herrscher, deren 
Existenz einzelne Geschichtsschreiber bezweifelten , wirklich 
existiert und zeitweise in Knin residiert haben. 

Gleich dem Verein n Bihac" in Spalato, hat also auch das 
Kniner Museum und der croatische Alterthumsverein hinsichtlich 
Aufhellung der ersten croatischen Herrschaftsperiode in Dal- 
matien schon manchen schonen Erfolg zu verzeichnen. 

Ausfliige bei Knin. 

Ausser den schon erwahnten Spaziergangen zur Krka-Briicke 
und auf den Festungsberg bieten die naheren Umgebungen Knins 
noch manche Ausnugsziele dar; wir begniigen uns aber hier 
umsomehr mit einer summarischen Aufzahlung, als am Schlusse 
dieses Capitels die geologische Grundlage der Mannigfaltigkeit 
der Landschaftsscenerien ohnehin specielle Wiirdigung findet. 



KNIN. 233 

Interessant sind Wanderungen nordlich nach G-olubic und 
P la vie im Budis"njica-Thal, das sich durch seinen Wechsel griiner 
Felder und finsterer kalter Gebirgsschluchten auszeichnet und 
ebenso wie der Nordtheil des Kosovopolje manche jener schilf- 
umkranzten, viele Meter tiefen Wasserlocher aufweist, die in etwas 
an die kleinen Seen mancher Hochgebirge erinnern.' Die aus- 
gebreiteteren Rohrichte und Siimpfe bei Knin nehmen jedoch 
seit der Krka-Regulierung immer mehr ab, so dass auch das friiher 
im Sommer ungesunde Klima sich jetzt durchaus verbessert hat. 

Am haufigsten wird von den Fremden der Spaziergang 
ostlich zum Topolje-Wasserfall unternommen, der zwar im Hoch- 
sommer versiegt, im Friihling und Herbst aber einen sehr 
hiibschen Anblick bietet und im Winter zuweilen reizende Eis- 
bildungen zeigt. Das Quecksilber sinkt namlich in der Umgebung 
Knins im Winter oft betrachtlich unter den Gefrierpunkt, ob- 
gleich in den ubrigeii Jahreszeiten die Temperatur eine solche 
ist, dass nicht nur Rebe und Mais gedeihen, sondern auch die 
Trauben zur Rosinenerzeugung beniitzt werden konnen. 

Auf die Dinar a. 

(1831 Meter.) 

Nur 16 Kilometer ostlich von Knin ragt die gewaltige Kreidekalk- 
masse der Dinara auf, deren kahler Westabsturz zu den grossartigsten 
Gebirgserscheinungen nicht nur in Dalmatien, sondern im ganzen Gebiete 
der siidlichen Kalkalpen und ihrer Fortsetzungen gehort. Man hat diese 
prachtvolle Kalkgebirgsfa9ade erst in der Front und dann zur Linken, 
wenn man die am Wasserfall von Topolje voruberfiihrende Strasse nach 
Vrlika einschlagt und muss diese Strasse bei der Hiittengruppe Juri<$ Stan 
(401 Meter) verlassen, wenn man die Absicht hat, der stolzen Bergzinne 
einen Besuch abzustatten. Von Juric Stan wendet sich namlich ein steiniger 
Alpenpfad nordostlich in das Thalchen Mahnita draga, und fuhrt alsbald steil 
auf das linksseitige, von langgestreckten Felsbastionen durchzogene Gehange 
empor, von welchem man manchen schonen Riickblick nach Siidosten in 
das grime Thai von Vrlika geniesst. 

Ungefahr in Semmeringhohe betritt man eine schiitter bebuschte 
Depression zwischen den Felswiinden der Dinara und des Tominosic Vrh 
(1109 Meter) und nun geht es in die von Karstgruppen und Karstmulden 
gebildete Alpenregion nordlich der Dinara empor, wo man einige Alphiitten 



' Solche Wasserlocher, welche ausgefullte tiefe Dolinen darstellen, 
unterscheidet das Volk als Jezera (Seen) von den Lokve (Tilmpel) und 
Vrela (Quellen). 



234 VON SEBENICO NACH KNIN. 

trifft. Bis hieher wird man die Tour mit Reitthieren zuriicklegen ; weiterhin 
aber fuhrt ein Fusssteig siidlich auf den Hauptgipfel, den ein riistiger 
Bergganger etwa 5 Stunden nach dem Aufbruche von Juric Stan be- 
treten wird. 

NB. Diese Bergtour ist selten gemacht worden und noch in keinem 
alpinen Journal beschrieben, bietet also gleich der Tour auf das Sveto Brdo 
im Velebit, auf den Biokovo (bei Makarska) imd auf den Orjen (in 
den Bocche di Cattaro) ein Ziel fur Alpinisten, welche nach ,,Neuem" streben. 

Von Knin fiber Promina und Razvogje nach Drnis. 

Von Knin ftihrt eine Strasse sildwestlich in die Landschaft Promina, 
eine ausgedehnte volkreiche Gemeinde, deren Bewohner sich theils mit 
Getreide- theils mit Weinbau beschaftigen, ersteren aber vorziehen, da der 
Landbewohner hier der nicht ganz unstichhaltigen Ansicht huldigt, dass 
der Ertrag der Weinernte bald dahin sei, wahrend das eingeheimste Getreide 
das ganze Jahr liber vorhalte. Die zum Ackern nothigen Thiere sind daher 
auch hier wie in anderen Theilen des Binnenlandes der Stolz jedes Bauern, 
und wohl dem, der zwei oder drei Ochsengespanne jedes zu 6 Stiick 
sein eigen nennt. Sie genilgen, ihn in der ganzen Gegend bekannt und 
geehrt zu rnachen. 

Hauptort der Landschaft, welche die Nordwestabdachung des Promina- 
Gebirges zur Krka bildet, ist das Dorf Oklaj, von welchem man aui dem, zum 
Wasserfall Manojlovac fiihrenden Fahrwege in einer Viertelstunde das Dorf 
Promina (Citluk) und bei den Kuinen daselbst abermals eine Statte Nord- 
Dalmatiens erreicht, wo in der Romerzeit ein reichbewegtes Leben pulsierte. 

Wie die alten Historiker erzahlen, befand sich gegenuber 
Burnum, am siidlichen Krka-Ufer einst die den Liburnern 
gehorende Stadt Promona, die wie Rom auf Hiigeln erbaufc 
war. Diese Stadt iiberfielen im Jahre 52 v. Chr. die Dalmater 
und die Liburner sahen sich gezwungen, die Romer um Hilfe 
anzugehen. Aber auch Rom vermochte zunachst nichts auszu- 
richten, da zwei von Casar geschickte Legionen geschlagen 
wurden, und erst als Octavianus Augustus eine 40 Stadien (iiber 
eine Meile) lange Mauer aufrichten liess, soil es wie A p p i a n 
berichtet - - gelungen sein, Promona zu erstiirmen. 

Von der Augusteischen Mauer sind noch heute Spuren vor- 
handen, und liberhaupt ist die ganze Gegend reich an antiken 
Resten, von welchen aber bisher nur wenig unter anderem 
die Ruinen eines romischen Bades, in dessen Nahe sich eine 
auf die 11. Legion beziigliche Inschrift fand archaologisch 
erforscht wurde. 



VON KNIN NACH VRLIKA. 235 

Von Oklaj fiihrt die Strasse slidostlich nach Razvogje, einem 
grossen Dorfe, wo sich trotz der Seehohe von kaum 300 Metern 
eine bis zum Meere bei Sebenico reichende Fernschau erschliesst. 
Etwas siidlicher fiilirt von Velusic ein hoch hinauf von 
einzelnen Hauserrotten besetzter Weg bis in die Gipfelregion 
des Monte Promina, der seiner freien Lage und Hohe wegen 
(1148 Meter) eine ganz ausgezeichnete Rundsicht gewahrt. (Den 
Abstieg kann man gegen Siidosten iiber das Plateau von Baric 
nach der Eisenbahnstation Siveric nehmen.) 

Von VelusiCj das links seitwarts der Strasse liegt, fiihrt 
letztere in der Depression zwischen den Promina- Abhangen und 
dem Kalunberge nach Drnis. 

Von Knin nach Vrlika. ' 

Cetina-Ursprung. Bogumilengraber. Grotte von 

Vrlika, 

Die Knin-Vrlikaer Strasse fiihrt erst am Nordrand des 
felsigen Krkic-Thales ostlich, und zwar angesichts des machtig 
aufragenden Steingebirges der Dinara, vor welchem sie bei 
Juric Stan nach Siidsiidosten abbiegt ; um gegen das Dorf Kijevo 
anzusteigen, wo sie in 505 Meter Seehohe ihren hochsten Punkt 
erreicht.* 

v 

Das Dorf liegt am Nordostabhange der Siroka strana, atn 
Rand einer links zur Dinara ansteigenden Mulde, die gegen 
Stidosten plotzlich steil um 70 bis 80 Meter zum Cetinsko 

Polje absetzt. 

* 

An diesem Steilrand entspringen die Cetina-Quellen, zu 
deren Besuch wir I 1 * Kilometer unter dem "Wirtshause von 
Kijevo einen links abbiegenden Pfad einschlagen, der nach 
Kotlusa herab in das Polje fiihrt. Der ganze Nordwestrand des 
Letzteren ist ein Quellengebiet und schon bei Kotlusa quillt ein 
Wasserfaden auf, der machtig genug ist, um eine Miihle zu 
treiben. Weiter gegen Norden wandernd, kommen wir durch 



1 Knin Vrlika 30 Kilometer, 4 Stunden 25 MLnuten Postwagenfahrt. 

* Eine altere Strasse fiihrt von Knin direct siidostlich uber Pola^a 
nach Kijevo und ist kiirzer, hat aber eine Hohe von 659 Meter zu iiber- 
schreiten. 



236 



VON SE8ENICO NACH KNIN. 



das Dorf Citluk zu einer noch machtigeren zweiten und hinter 
dem Dorf Vukovic zu einer dritten Quelle, welche wieder eine 
Miihle treibt. Hier sind wir im Nordeck des Polje, vor den von 
machtigen Eichen beschatteten Ruinen einer kleinen Erloser- 
Capelle, hinter welcher - - bei dem Dorf Milas - - die vierte, 
gewohnlich als der eigentliche Cetina-Ur sprung betrachtete Quelle 
aufsprudelt. Sie heisst Jarebica, birgt schmackhafte Forellen und 
entspringt gleich ihren Schwestern unmittelbar am Fusse der 
Felsabhange aus einem tiefen "Wasserloch von 15 bis 20 Meter 
Durchmesser, urn zunachst ruhig bis in -die Mitte des Polje zu 
fliessen, wo sie sich mit dem Bache der 
zweiten und dritten Quelle vereinigt. 

Das in circa 370 Meter Seehohe gelegene 
Polje wird im Siiden durch einen Querriegel 
(Kosorsko 470 Meter) von dem Vrlicko Polje 
getrennt, welches um ein Geringes hoher 
liegt. Aus diesem Polje kommt von Siid- 
westeii, aus der Senke zwischen Kozjak 

v 

und Svilaja der Cesmabach und miindet 
nach Durchbrechung des Querriegels in die 
Cetina, die sich nun 6'stlich der das Vrlicko 
Polje umgebenden Hiigel, zwischen diesen 
und den Abhangen der Dinara gegen Siid- 
osten Bahn bricht, wobei sie eine Reihe 
kleiner Falle bildet. (Der grosste bei den 
Miihlen zwischen Jezevic und Garjak ? 
BAUER AUS VRLIKA. 5 Kilometer ostlich von Vrlika.) 

* 

Ausser der eigenthiimlichen Naturscenerie bietet der Cetina- 
Ursprung auch archaologisches Interesse. 

Bei der oberwahnten Kirchenruine befindet sich namlich 
eine alte Gomilen- oder Bogumilen-Grabstatte, welche sich durch 
die Grosse der noch vorhandenen Grabstatten auszeichnet. 
P e 1 1 e r mass einst einen dieser Steine und fand, dass allein 
das aus der Erde ragende Stuck 3 Meter Lange und je 
IVa Meter Breite und Hohe besass, also einen Rauniinhalt von 
iiber 5 Kubikmeter und ein Gewicht von etwa 230 Centnern 
aufwies. An Inschriften sind diese Grabplatten arm, doch hat 




VON KNIN NACH VRLIKA. 



237 



man zu Trilj im Cetina-Thal und zwischen Imoski und Grabovac 
ahnliche gefunden, welche Halbmonde, Turbane, Sterne und ver- 
einzelt Kreuze trugen. Sie diirften wie in Bosnien bis ins Mittel- 
alter zuriickreichen, bieten aber hinsichtlich ihres Ursprunges 

noch manches Geheimnisvolle. 

* 

Von den Cetina-Quellen zieht das Thai Unista Draga weit 
nach Norden und setzt zwischen der (eigentlichen) Dinara und 
dem Janski Vrh ' als eiiie Senke fort, in welcher man, ohne die 
Seehohe von 1229 Meter zu iiber- 
schreiten, die von Knin iiber Grab ins 
bosnische Livanjsko-Polje fiihrende 
Strasse erreichen kann. Der Saum- 
weg durch diese Senke fuhrt zu- 
nachst zum Dorf Unista hinauf. 
einem ehemaligen tiirkischen Grenz- 
posten ; gleich am Anfang aber trifft 
man unfern des Cetina-Ursprunges 
die n Grotte von Vrlika", welche 
schon vor einem Jahrhuiidert flir 
so merkwtirdig gehalten wurde, dass 
sie ein Zeitgenosse des Abbate For- 
tis, Namens G. Lovric, ausmass 
und ihr eine, 1776 in Venedig 
erschienene, ausfuhrliche Beschrei- 
bung widmete. 

Zum Besuche der Grotte nimmt 
man in Vrlika einen mit Kienholz 
ausgeriistetenFiihrer und beschrankt 

sich gewohnlich, bis zum dritten ihrer grossen, durch prachtige 
Kalksinterbildungen (Stalaktiten und Stalagmiten) ausgezeichneten 
Raume zu gehen. Dringt man aber weiter vor, so gelangt man 
durch einen engen, nur gebiickt zu passierenden Gang in eine 
vierte "Weitung, hinter welcher noch finstere Gange und Gewolbe 
folgen, in welchen ein Pistolenschuss ein furchtbar drohnendes 




F R A U E N A U S VRLIKA. 



1 Der Janski Vrh (1790 Meter) gehort dem machtigen breiten Haupt- 
walle der Dinarischen Alpen an; die Dinara (1831 Meter) bildet einen siidlich 
abstreichenderi kurzen Seitenkamm. 



238 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Echo weckt. Im aussersten Hintergrnnde soil in betrachtlicher 
Tiefe ein Wasser rauschen, das man mit dem, beim Cetina- 
Ursprung zu Tage tretenden fur identisch halt. ' 

Vrlika und seine Heilquelle. 

Von Kijevo fiihrt die Strasse am Gehange der Siroka Strana 
und dann des kleinen Kozjak nach Vrlika, 2 einem hubsch am 
Berggehange gelegenen Marktflecken von 420 (mit den zuge- 
horigen Hausergruppen 820) Einwohnern, welcher sich als dalma- 
tinische Sommerfrische und Touristenstation entwickeln diirfte. 

Im Riicken des 440 Meter hoch gelegenen Ortes steigen die 
Berggehange so steil an, dass die von Drnis iiber den Lemes- 
Sattel 3 heriiberkommende Strasse in Windungen nach Vrlika 
niedersteigen muss, dessen Kirche und Hauser andererseits so 

v 

hoch iiber dem von der Cesma durchschlangelten Vrlicko Polje 
stehen, dass man schon im Orte selbst eine weitreichende Aus- 
sicht besonders auf das Dinarische Gebirge und ins Cetina-Thal 
geniesst. In dem Hiigelgewirr, das hier die Becken des Cetinsko 
Polje und des Vrlicko Polje von der Thalweiterung bei Koljane 
sondert, wiederholt sich der, durch das in Dalmatien seltene 
Auftreten des Werfener Schiefers bedingte reizende Landschafts- 
charakter des Kosovopolje; nur ist die Landschaft noch frischer 
und bedeutender, da Vrlika um 200 Meter hoher und im Ange- 
sicht der grossartigen Gebirgslandschaft der Dinara liegt. 

Letztere zu betrachten, ist besonders die westlich des Ortes 
auf einer Anhohe gelegene Festung giinstig, die wohl bald, 
nachdem Cornaro sie im Jahre 1688 den Tiirken abgenommen 
hatte, dem Verfall preisgegeben wurde. Sie liegt jetzt inTriimmern 
und bildet das romantische Element in der Umgebung Vrlikas, 
die im ubrigen fur einzelne Stadter Dalmatiens ungefahr das 
ist, was die Tiroler n Badln" fur viele Tiroler sind : ein be- 



1 Bergsteiger seien hier aufmerksam gernacht, dass das ganze Gipfel- 
gehange der Dinarischen Alpen reich an Hohlen und Hohlungen ist, in 
welchen sich bis in den Hochsommer Schnee halt. (Schneelocher oder Schnee- 
Dolinen.) 

2 Vrlika ist Sitz des Gerichtsbezirkes gleichen Namens, welcher eine 
einzige Steuergemeinde umfasst. (401-65 Quadratkilonieter, 10.721 Einwohner.) 

3 Zwischen Kozjak und Svilaja. 



VON VRLIKA NACH SINJ. 239 

scheidener Curort. Nahe dem Markt sprudelt namlich eine Heil- 
quelle von diuretischer Wirkung, deren Gebrauch sich namentlich 
bei Leber-, Blasen- und Hamorrhoidalleiden schon oft bewahrt 
haben soil. 1 

Nicht weniger als dieses Heilwasser mag aber wohl jeweils 
die schone und subalpin frische, unter dem lachenden Himmel 
des Siidens liegende Landschaft dazu beitragen, dass sich der 
Aufenthalt in Viiika gesundheitbringend erweist. Denn an 
Friihlingstagen in den vom Nachtigallenschlag belebten Hainen 
an der Cesma zu wandern, bergauf an der Drniser Strasse, wo 
sich immer schemer die Ausschau auf das Cetina-Thal und seine 
prachtige Bergumwallung erschliesst, bietet einen Genuss, der 
selbst weitgereiste Naturfreunde schon mit Entziicken erfiillt hat. 

Allerdings sind die Gasthauser von Vrlika fur anspruchs- 
vollere Fremde noch nicht eingerichtet und es bleibt vorlaufig 
noch Zeiten zunehmender Frequenz vorbehalten, in dieser Hin- 
sicht Wandel .zu schaffen. 

Von Vrlika nach Sinj. 2 

Yon Vrlika wendet sich die Strasse ostlich der Cetina zu 
und tritt aus der Schieferregion in das Gebiet neogener Siiss- 
wasser-Anschwemmungen, welche nur einen schmalen Streifen 
langs der Thalsohle ausfiillen, wahrend an den Gehangen 
beiderseits der Kreidekalk vorherrscht. 

Gleichwohl 1st das Thai gut cultiviert besonders mit 
Mais und zahlreiche Dorfer beleben die Gehange, an denen 
man wiederholt hiibsche Waldparcelleii bemerkt. 

Vor der ersten Thalenge passieren wir das Kloster Dragovic, 
das zur Zeit seiner Entstehung im XV. Jahrhundert vielleicht 
ebenso bedeutend, wie Krupa und Sv. Arhangjeo 8 war. Jetzt 
liegt es aber halb in Ruinen und beherbergt nur mehr drei, 
unter einem Iguman stehende Ordensbriider. 



1 Die Quelle enthalt einer Analyse zufolge salz- und kohlensauren 
Xalk, salz- und kohlensaure Bittererde (Magnesia), Kieselerde, Spuren von 
Eiseu etc. 

2 35 Kilometer. Postwagenfahrt in 4 Stunden 25 Minuteii. 

3 Krupa bei Obrovazzo und Sv. Arhangjeo an der Krka sind zur Zeit 
die einzigen hervorragenden Kloster der Serbisch-Orthodoxen in Dalmatien. 



240 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Am Ende der nachsten Thalweitung, in welcher sicli die 
klare Cetina durch grime Wiesenanger schlangelt, biegt der 
Fluss ostlich ab und wird nun durch eine Hiigelreihe unserem 
Blicke entzogen, wahrend die Strasse einen 394 Meter hohen 
Sattel ansteigt. Oben ofFnen sich bereits Perspectiven gegen das 
riesige Sinjsko Polje, das im "Winter oft einem gewaltigen 
Binnensee gleicht ; noch aber fahren wir iiber eine Stunde durch 
das wohlcultivierte Hiigelgelande einer Schiefer-Insel, und sehen 
zahlreiche in griin gebettete Gehofte und Rotten voruberziehen ; 
ehe sich der Nordwestwinkel des grossen Polje aufthut, in 
welchem das gleich Knin von einem Castell-Berge iiberragte 
Sinj liegt. (Siehe auch Capitel XX.) 



Geologisches von der Strecke Drnis Knin. 
Allgemeines. 

Eine grosse Anzahl jener Erscheinungen, welch e dem Mitteleuropaer 
im Gebiet der Mittelmeerlander fremdartig anmuthen, vor allem der Gegen- 
satz zwisclien den dichten Rasenteppichen und geschlossenen Hochwaldern 
nordlich der Alpen und der sparlichen, von Gestein durchsetzten Btischel- 
und Niederwald- Vegetation der Mediterranlander, dann aber auch viele hydro- 
graphische und sonstige Phanomene der letzteren beruhen zumeist auf 
Besonderheiten in der geologischen Structur der Erdrinde. Ein gewisser 
Einblick in diese Erscheinungen erhoht daher ungemein den Genuss, den 
die Landschaftsbetrachtung gewahrt, ja, ist zu letzterer kaum weniger nothig, 
als etwa die Kenntnis der wichtigsten mediterranen Charakterpflanzen, 
oder ein Uberblick iiber die Geschichte und die Ethnographic des Landes. 

Allerdings ist das Schwierige bei geologischen Excursen, dass sie 
einige aus der Anschauung geholte Kenntnis der Gesteine voraussetzen. 
Gleichwohl soil hier nicht unversucht bleiben, jenes Gebiet Dalmatiens, 
welches alle haufigeren Bodenerscheinungen des Landes in typischer Aus- 
pragung zeigt und iiberdies die merkwiirdigen Terrains der Krka-Falle, 
sowie die einzigen grosseren Bergwerke des Konigreiches enthalt, auch geo- 
logisch kurz zu skizzieren. Die Verlockung dazu liegt, auf die Gefahr hin, 
dass viele Leser die folgenden Seiten iiberschlagen werden, auch deshalb 
nahe, weil gerade dieses Gebiet Dalmatiens in jxingster Zeit von Dr. Fritz 
v. Kerner geologisch neu aufgenommen und in lichtvoller Weise beschrieben 
worden ist. 



GEOLOGISCHES VON DER STRECKE DRNIS KNIN. 241 

Nach Dr. Kerner war das Gebiet, welches sich von der Bukovica 
sudostlich bis zum Petrovopolje und von Sebenico nordostlich bis Kuiu aus- 
breitet, in der Kreidezeit vom Meer bedeckt, das sich wahrend der Seiion- 
zeit ' grosstentheils zurtickzog. Nur im Siidwesten blieben Lagunen zuriick, 
die sich in der Folge allmahlich aussiissten, \vie die Foraminiferenkalk- 
ablagerungen nordostlich und ostlich von Sebenico erkennen lassen. Noch 
wahrend dieser Aussiissung bildeten sich iiber den ostlichen Gebieten grosse 
Landseen, aus welchen sich tiber schon erodierten Rudistenkalk 2 Gastro- 
podenbanke der Cosinaschichten 3 absetzten. Dann griff zum zweitenmale das 
Meer iiber und verwandelte die Landseen in Lagunen, in welchen nun die 
oberen Foraminiferenkalke zum Absatz gelangten, bis in der Zeit des Lon- 
dinien das ganze Land vom Meere bedeckt war. Als sich nun dieses zum 
zweitenmale zuriickzog, blieben theils ganz trockene Landgebiete, theils 
seichte Kiistengewasser zuriick und es erfolgte der Niederschlag der Pariser 
Schichten. * Die Ursache dieses zweiteii Zuriickweichens des Meeres in der 
jungeocanen Periode war eine Aufstauung der iiberflutlieten Schichtmassen 
infolge Runzelung des schrumpfenden Erdkerns, dereu Ergebnis der gegen- 
wartige Faltenbau des Gebietes ist, d. h. seine Ausmodellierung in iiord- 
west-siidostlich streichende Bergwellen, zwischen welchen Langsmulden ver- 
laufen. Wahrend dieser Faltung wurde Nord-Dalmatien zum Miindungs- 
gebiet grosser Fliisse, welche auf den Kreidekalken unter anderem das grobe 
Geroll der Promina-Conglomerate ablagerten. 



Die altesten Gesteine sind die, auch in den Kalkalpen die Unterlage 
der machtigen Kalkstriche bildenden Werfener Schiefer, die nebst Rauh- 
wacken und Dolomit, Gutensteiner Kalk und Muschelkalk besonders im 
Kosovo- und Petrovopolje vorkommen. (Siehe Seite 245.) Diese Gesteine 
gehoren der unteren Trias an, der ersten jener drei Perioden ^Trias, Jura, 
Kreide), in welche man das geologische Mittelalter der Erde, die ,,meso- 
zoische Zeit" einzutheilen pflegt. Dann fehlt, weil das Laiidgebiet trocken 
lag, so dass keine Ablagerungen stattfinden konnten, eine Anzahl von 
Schichten, oder tritt, wie die Juragesteine am Lemesattel, nur sporadisch 
auf, bis jene Ablagerungen aus dem Kreidemeer beginnen, welche in ganz 
Dalmatien wie iiberhaupt in den Mittelmeerlandern eiue so ausserordentlich 
wichtige Rolle spielen. 



1 Letzter nach dem gallischen Stamm der Senonen benannter Abschnitt 
der Kreidezeit. 

2 Siehe Anmerkung Seite 242 bis 244. 

3 Cosinaschichten sind in Istrien und Dalmatien die Grenzschichten 
zwischen der Kreide- und der Tertiarformation. Sie liegen den obersten 
Kreidekalken (Rudistenkalken) auf und werden selbst wieder von den ter- 
tiaren Nummulitenschichten iiberdeckt. 

4 Die Tertiarzeit zerfallt in drei Perioden: das Eocan, Miocan und 
Pliocan. Die mittlere Abtheilung der altesten Periode (des Eocansi sind die 
Pariser Schichten, das ,,Parisien". 

Ftlhrer durch Dalmatien. 1*5 



242 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Auch die untersten Glieder der Kreideformation treten in unserem 
Gebiete nur vereinzelt auf, so als dunnbankige blass rothlich-gelbe Platten- 
kalke, denen bei Dreznica 6'stlich von Baljke (Sudostrand des Petrovopolje) 
dtinne Lager von Asphaltstein eingeschaltet sind, so in der Form der 
Crinoidenkalke (lichte Plattenkalke mit Seelilien-Einschlilssen) und der 
grauen Eequinienkalke, welche namentlich an den Westhangen der Svilaja 
vorkommen. 

Sehr verbreitet ist dagegeii die obere Kreide, welche durch die grauen 
bis braunlichen, meist aber reinweissen Eudistenkalke reprasentiert wird. 
Diese Kalke liegen theils den Plattenkalken als Denudationsreste auf, theils 
treten sie auf den Bergkammen zutage, da bei der Gebirgsbildung die dem 
Kalk aufgelagerten jiingeren Schichten aufbrechen, so dass jener blossgelegt 
wurde. Zuweilen brach auch der Kreidekalk ' auf und liess noch altere 
Schichten wie triasische Dolomite u. dgl. an die OberfLache treten. 

Nach der Kreidezeit, als der letzten Periode des geologischen Mittel- 
alters der Erde, folgte die geologische Neuzeit, welche bekanntlich in die 
drei Perioden des Tertiars, des Diluviums und des Alluviums, ein- 
getheilt wird. 

Das Tertiar selbst zerfallt abermals in drei Abschnitte, das Eocan oder 
die ,,Morgenrothezeit", in welcher zuerst den heutigen ganz ahnliche Lebe- 
wesen auf der Erde vorkommen, das Miocan und das Pliocan. 

Das Eocan ist in unserem Gebiete zunachst durch die, der Kreide un- 
mittelbar auflagernden ,,Gosinaschichten" vertreten, die in zwei petro- 
graphisch verschiedenen Ausbildungen vorkommen: a) als harte muschlig 
brechende Kieselkalke von meist blassbraunlicher, in den untersten Schichten 
auch brauner und rother Farbe, welche besonders Susswasser-Cerithien 
(fossile thurmformige Schnecken) enthalten, b) als gelb- bis rothlichgraue, 
stellenweise miirbsandige Kalke, in welchen theils Land- theils Susswasser- 
schnecken in der Form leicht auslosbarer Steinkerne vorkommen. 

Den Cosinaschichten lagern die ,,oberen Foraminiferenkalke" auf, 
Kalke, die zumeist aus Arten jener Kalkgehause absondernden Infusions- 
thierchen gebildet sind, die man Foraminiferen oder Kreidethierchen genannt 
hat. Die unteren Horizon te dieser Schichten sind meist als blassgelbe dick- 
bankige Kalke oder als fast weisser Plattenkalk entwickelt und enthalten 
Foraminiferen der Gattungen Miliola und Peneroplis; dann folgen dick- 
bankige rosarothe Kalke, welche meist die Foraminiferengattung Alveolina 
enthalten und daher Alveolinenkalke heissen und schliesslich folgt, als oberste 
Schichte des marinen istrianisch-dalmatinischen Untereocans, der Hauptnum- 



1 Die Budisten oder Hippuriten sind eine Sippe ausgestorbener Muscheln 
in der Form schwerer dickwandiger Spitzkegel, die mit der Spitze an dem 
Meeresgrund festgewachsen waren und oben einen flachkegelformigen 
Kappenverschluss hatten. Sie bildeten austernartig dichte Siedlungen und 
bevolkerten in solcher Masse die einst liber die Mittelmeerlander aus- 
gebreiteten Kreidemeere, dass die von ihren Schalen gebildeten oder durch- 
setzten Meeresniederschlage spater - - bei der Auffaltung der Erdrinde - 
ganze machtige Gebirge componierten. 



GEOLOGISCHES VON DER STRECKE DRNIS KNIN. 243 

mulitenkalk, der als feinkorniger Kalkstein von weisser bis rothlicher Farbe 
oder als miirbsandiger schmutziggelber Kalk auftritt und besonders Num- 
muliten aus der Formengruppe Nummulina Lucasana enthalt. * 

Eine Grenzbildung zwischen den untereocaneii und den mitteleocanen 
Schichten reprasentieren die Bohnerzlager, die an der MoseS-Planina und am 
Kalunberg bei Drnis vorkommen ; dann folgt das Obereocan, dessen Schichten 
in Nord-Dahnatien von den harten festgefiigten Breccien mit charakteri- 
stischem Karenrelief, bis zu den lockeren, infolge mergliger Zwischenlagen 
leicht zerfallenden Conglomeraten alle Mischformen aufweisen. Am Monte 
Promina besteht die obereocane Schichtreihe aus durch eingelagerte Con- 
glomerate in drei Horizonte getrennten Mergelschichten und entspricht dem 
istrianischen undsiiddalmatinischenEocanflysch. Ihr gehoren die Braunkohlen- 
flo'tze von Siveric und Velusic (Siidost- und Siidwestseite des Monte Promina) 
an, den en sich ahnliche kleinere Vorkommen bei Dubravice (4 Kilometer 
nordnordostlich von Scardona), bei Gjevrske (Strasse von Mostine nach 
Kistanje) und von Kljake am Sudostende des Petrovopolje zugesellen. 

Von jungtertiaren Bildungen erwahnt Dr. Kerner die pliocanen Siiss- 
wasserschicliten am Ostrande des Petrovopolje, von Diluvialablagerungen 
sind ausser dem Hohlenlehm 2 die grobkornigeii Sandsteine und feinkornigen 
Conglomerate zu erwahnen, welche am Kosovopolje zwischen den Triashiigeln 
und dem Ostrand der Ebene vorkommen; unter den Alluvialablagerungen 
stehen obenan die Kalktuffbildungen am 7. und 8. Krkafall. 



Betrachten wir nun die Formen, in welchen die verschiedenen Ge- 
steine erscheinen, so finden wir (im Gebiete ostlich der Eisenbahn von 
DrniS nach Knin) bei dem grauen Plattenkalk der Kreideformation eine 
Tendenz zum Herausbrechen polygonaler Platten aus den Gesteinsbanken, 
welche die meist sanften Gehange oft in formliche Naturtreppen verwan- 
delt, wie z. B. zwischen Karenovac und der Kremenjeca (898 Meter) 
siidlich des Kozjak oder dem Gebirgskessel der Pecina siidlich von Kare- 
novac, wo eine kleine Oase fast rings von regelmassig aufgebauten Treppen- 
bergen eingeschlossen ist. Der weitere Zerfall fiihrt dann zur Umwandlung 
ganzer Gehangnachen in Plattenf elder, wie solche besonders ausgesprochen 
ostlich und nordostlich von Biocic auf den breiten Kuppen der Jelica Glava 
und Graovaca vorkommen. 



1 Auch die Nummulitenkalk-Forrnation ist ein Charakteristicum der 
Mittelmeerlaiider. Sie fiihrt ihren Namen von den schon im Alterthume auf- 
gefallenen Nummuliten (Miinzen- oder Linsensteinen), d. h. den zuweilen 
thalergrossen flachlinsenformigen Versteinervingen gewisser Foraminiferen. 

2 Das Hohlendiluvium hat besonders in einer Hohle an der unteren 
Cikola zu interessanten Funden gefiihrt. Knochen des diluvialen Pferdes, 
des Hohlenhirsches, Urochsen, Sumpfschweines u. s. w., die man hier ent- 
deckte, beweisen namlich, dass Dalmatien in der Diluvialzeit ausgedehnte 
vegetationsreiche Bodenflachen besass. 



244 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Anders 1st die Eeliefbildung beim Eudistenkalk. An Stellen, deren 
Lage von geringen Harteunterschieden abhangig und mit der Vertlieilving 
der organischen Einfliisse in Beziehung stehen ditrfte, bilden sich erst Ver- 
tiefungen, auf die dann die gesteinzerstorenden Krafte immer wieder 
wirken, so dass sich die Hohlraume erweitern, verbinden und immer mehr 
einfressen, bis schliesslich die ganze Gesteinsbank in Pfahle zerschnitten 
erscheint und ein Gewirr scharfkantiger Grate und Zacken entsteht, die 
durch vielverzweigte Felsrinnen von einander geschieden sind. Solche Pfahl- 
reliefs finden sich typisch ausgepragt in den Eudistenkalkterrains nordlich 
der Promina mala und westlich des Kalunberges (bei DrniS) ; ihre Heraus- 
bildung lasst sich gut verfolgen im Kiistengebiet von Sebenico und in der 
Qmgebung des Prokljan-See. 

Von den alteren Tertiarkalken werden die Banke des Alveolinen- und 
Nummulitenkalks ebenfalls durch allmahliche Vertiefung und Erweiterung 
von in der Anordnung langmaschiger Netze vorhandenen Kliiften zunachst 
in ein System mehr oder weniger paralleler Eisse und Grate zerschnitten. 
Diese zerfallen aber dann in scharfkantige Trtimmer, bis sich schliesslich 
jene Anhaufungen losen Gesteinsmaterials bilden, welche der Geologe Stache 
Fcherbenfelder nannte. Sie gehoren zu den trostlosesteii Terraiiiformen des 
norddalmatinischen Karstes und finden sich allenthalben im Bereiche der 
Alveolinen- und Nummulitenkalkziige beiderseits der unteren Krka und 
Cikola, besonders in der Umgebung von Scardona, sowie westlich von 
Visovac und Rupe, und im Nordwesten des Kalunberges bei Drnis. 

Wieder anders zerfallen die meist sehr rnachtigen Banke von Brec- 
cien und festen Conglomerate!! der eocanen Prominaschichten. Hier ent- 
wickeln sich langs der Stellen minderfester Verkittung Furchen und Gruben, 
diese erweitern sich allmahlich zu tiefen Einnen und Lochern, welche die 
Gesteinsbanke in einzelne Felsklotze zertheilen, und schliesslich entstehen 
gerundete Wulste und Kuppen, welche durch tiefe Felsgruben von einander 
getrennt, aber theilweise durch Felsbriicken \\deder miteinander ver- 
bunden sind. 

Solche Wulstreliefs sind typisch ausgepragt am Siidfusse des Kalun, 
ferner langs der Eisenbahn zwischen Mideno- und Mosec-Planina, im Silden 
des westlichen Kozjakgrates und nordlich von Zezevo (Strasse Gjevrske- 
Kistanje). 

ImGrossen betrachtet, zeigen auch dieProminaconglomerate einenStufen- 
bau, der sich zwar in wenigeren und daher hoheren Stufen als beim Platten- 
kalk bewegt, aber doch in Gegensatz zum Eudistenkalk tritt, bei dem man 
iiifolge der vorwaltenden Kliiftung mehr die verticale Gliederung wahr- 
nimmt. 

Man erkennt diese Verschiedenheit schon an den beiden nahe bei 
einander gelegenen. Krka-Seen von BiluSic und Doric, von denen der eine 
von Eudistenkalkwanden umgeben 1st, der andere eine Felsumrahmung von 
Prominaconglomeraten hat. Eine imposante, aus flachgelagerten Banken von 
Prominaconglomerat sich aufbauende Stufenpyramide, ist der Felssporn der 



GEOLOGISCHES VON DER STRECKE DRNIS KNIN. 245 



Vokruta liber dem vierten Krkafall bei Manoilovic-Mlini; em grossartiges 
aus Bankeii desselben Gesteins sich aufbauendes Amphitheater ist der 
Felsencircus bei der Quelle Jorgan in der Gegend von Zezevo. 

Die lockereii Conglomerate der Prominaschichten bilden durch ihren 
Zerfall meist secundare Gerollfelder, die oft, z. B. bei Bribir, bei Pirama- 
tovci und Vacane, den Eindruck machen, als ob sie erst in j lingerer Zeit 
von einem Flusse abgelagert worden waren. 

Die Landsehaft Kosovo. 

Vom Nordrand des Petrovopolje erstreckt sich entlang dem Kosovo- 
Bache westlich von den Abhiingen der Promina, ostlich von jenen des Kozjak 
begrenzt, etwa 15 Kilometer gegen Xorden die Landsehaft Kosovo, in welcher 
sich der, von den kahlen steinigen Hochflachen der Runde niedersteigende 
Wanderer, wie in eine andere Welt versetzt fiib.lt, wenn er plotzlich rings 
saftige Wiesen, schattige Buchenhaine und fliessende Gewasser erblickt. 

Die Ursache des Contrastes liegt in geologischen Verhaltnissen. Wie 
^chon frliher ervvahnt (siehe Seite 241), war Dalmatien in der Tertiarzeit, 
als die Prominaconglomerate abgelagert wurden, das Miindungsgebiet 
grosser Strome. Die Prominaconglomerate setzen nicht nur den Gipfel der 
Promina, sondern auch den Kamm, den Stidhang und die siidwestlichen 
Vorlagerungeii des 1207 Meter hohen Kozjak ' zusamnien. Zur Zeit ihrer 
Ablagerung waren also jene hohen Gebirge noch nicht aufgefaltet und das 
Terrain, das sie jetzt einnehmen, verhaltnismassig eben, ein Astuar oder 
Miindungsgebiet grosser Strome, die aus dem Innern des Laudes herflossen. 
Erst wahrend und nach der Ablagerung der Prominaschichten begann die 
Gebirgsfaltung, die, obwohl allmahlich und in langen Zeitraumen sich voll- 
ziehend, doch zu mannigfaltigen Auf briichen der Erdrinde und unter anderem 
zur Entstehung der grossen, nun das Petrovo- und Kosovopolje bildenden 
Spalte fiihrte. 

Dass in dieser Spalte und in ihrer Umgebung von alien Gesteinen be- 
sonders die Werfener Schiefer der unteren Trias zutage treten, ist die Ursache 
der Culturfahigkeit dieser Gelande, besonders der Landsehaft Kosovo. 

Die Hauptmasse der Formation der Werfener Schiefer bilden tiet 
dunkelrothe thonige Schiefer, welche undeutliche Abdriicke der Avicula 
cfr. * Venetiana Bauer enthalten und weinrothe Sandsteinschiefer. Selten sind 
gliinmerreiche silbrig glanzende Schiefer und graugriine Kalkschiefer. Ein 
hoheres Niveau wird durch schmutziggelbe und gelbrothe Sandsteine repra- 



1 Letztere Landsehaft ist nebst der Zone im Siiden des Kalunberges 
die grossartigste Conglomeratlandschaft des Gebietes, das sich zwischen 
Kozjak und Svilaja zur Ktiste erstreckt. (Uber die Natur dieser Landsehaft 
siehe Seite 244.) 

2 ,,Cfr." will besagen, dass das gefundene Fossil einer unter dem an- 
gegebenen Namen schon anderwarts gefundenen und bestimmten Art ver- 
gleichbar ist. 



246 VON SEBENICO NACH KNIN. 

sentiert, in welchen Myaciten (Myacites, cfr. fassaensis Wissin.) vorkornmen. 
Die oberste Abtheihing des Werfener Schichtcomplexes bilden gelbgraue 
Kalkschiefer, welcbe Gervillien und Naticellen enthalten. 

Diesen Werfener Schiefern, welche Quellenreichthum bedingeii und 
dem Gedeihen der Pflanzen sehr giinstige Verwitterungsschichten bilden 
wie auch in den Kalkalpen - - lagern meist grauschwarze Eauhwacken 
auf, welche den unteren Muschelkalk vertreten und zur Biklung eigen- 
thumlicher, durch hochgradige Zernagtheit und Zerfressenheit auffallender 
Felsklippen Veranlassung geben. 

Dieser Schichtcomplex der unteren Trias wurde beim Anfbruch der 
oberwahnten Spalten (Spalte der oberen Krka und Cikola) in eine Anzahl 
Felsmassen zerrissen, die durch nachtragliche Denudation erniedrigt und 
durch Ausfiillung der zwischen ihnen befindlichen Eisse eingeschlammt 
wurden. Im Petrovopolje sind die untertriasiscben Felsklotze schon fast 
ganz in den Alluvionen der Cikola untergetaucht, im Gefilde von Kosovo 
ragen sie jedoch noch in grosserer Anzahl aus den jungen, im nordlichen 
Theil des Gebietes von feinkornigen diinnbankigen Conglomeraten der Dilu- 
vialzeit, im Siiden von Alluvium gebildeten Anschwemmungen auf und be- 
dingen den eigenthiimlichen Landschaftscharakter des Gebietes. 

Es ist ein anmuthiges Hugelland, zwischen dessen zahlreichen Kuppen 
und Eiicken sich trage von sumpfigen Ufern besaumte Gewasser hindurch- 
winden. Die aus Schiefermassen bestehenden Hohen tragen reiche Waldungen, 
mit deren tieferen Griin das dunkle Both der an vielen Stellen auf- 
geschlossenen Schiefer in reizvoller Weise contrastiert, wahrend die avis 
Eauhwacken aufgebauten Hligel von grasigen Matten liberzogen erscheinen, 
aus deren Lichtgriin dunkle Felsriffe aufragen. (Besonders auffallig zwei 
Thurmklippen bei Kaldrma nordlich der Eisenbahnstation Zvjerinac.) 

Im Allgemeinen sind die peripher gelegenen Hugel vorwiegend aus 
dunkelrothen Sandsteinen und Schiefern, die centralen hauptsachlich aus 
Rauhwacken aufgebaut, deren grosste zusammenhangende Masse der zwischen 
Kosovcica und Jaruga liegende Gebirgszug bildet, wahrend sich der grosste 
Schiefercomplex weiter ostwarts in einer Ausbuchtung des Kosovofeldes aus- 
breitet. Siidlich davon liegt eine aus Schiefern und Eauhwacken aufgebaute 
Hiigelgruppe, welche mehrere Gypslager und ein Muschelkalkvorkommen 
enthalt, ahnlich wie dies auch nordlich des Kosov6ica-Baches der Fall ist. ' 
Dunkle, von weissen Kalkspatadern durchzogene Gutensteiner Kalke (so 
benannt nach dern Orte Gutenstein in Mederosterreich) treten bei Kati6 
und Kukar auf. 

Die Kreideformation wird hauptsachlich durch Plattenkalk vertreten, 
welcher mit dolomitischen und mergeligen Schichten wechsellagert, wie 
solche besonders westlich und sudlich des 644 Meter hoheii Brdo bei PolaSa 
(siidostlich von Knin) und auf der Hochflache des Biocic ausgebreitete Zonen 
bilden. (Siehe auch Petrovopolje.) 



1 Gypslager bei Vujatovic", Ljubovici und am Sijecak (nordlich, ostlich 
und sudlich von Kosovo). 



GEOUOGISCHES VON DER STRECKE DRNIS KNIN. 247 

Den Thalboden fiillen Flussgebilde jungtertiaren oder altquartaren 
Alters aus, die sich ahnlich wie der neogene Zug im Petrovopolje an den 
Ostrand der Thalebene lehnen und aus einem sehr feinkornigen Conglo- 
merat oder grobkornigen Sandstein bestehen, der in dunnen, sanft gegen 
Westen abfallenden Banken aufgeschichtet 1st, wie man auf dem Wege von 
Kaldrma nach Biskupija an zwei Aut'rissen bemerken kann. Die Flachen 
der, in den Erosionsrinnen von den iiberhiingenden Gesteinsbanken ab- 
brockelnden Flatten zeigen eigenthiimliche, durch "Wulste getrennte Langs- 
rinnen und Furclien. 

Das Petrovopolje. 

Im Osten von den karstigen Abhangen der Svilajavorhohen, im Siid- 
westen von der Mosec-Planina, im Nordwesten durch den von der Eisen- 
bahn begleiteten Rand des Promina eingeschlossen, breitet sich das vom 
Oberlauf der Cikola durchstromte Petrovopolje aus, eine dreieckige, durch- 
schnittlich 270 Meter hoch gelegene Thalebene, aus deren im Winter zum 
Theil uberschwemmter Niederung da und dort Hiigelchen aufragen. In der 
Westecke. wo die Cikola in das Defile zwischen der Mosec-Planina und dem 
Kalunberg (der stidlichen Vorlagerung der Prominagruppe) tritt, liegt 
Drni; im Norden steht das Polje durch den Alluvialsattel von Lukavac 
mit der Landschaft Kosovo in Verbindung. 

Von den alttertiaren Massen, die hier aus der Ebene aufrageu (siehe 
Landschaft Kosovo, Seite 246), wird der Cecela Vrh (304 Meter, unmittelbar 
ostlich der Eisenbahnstation DrniS) von dunkelrothen Sandsteinen gebildet, 
w^ahrend weiter ostlich bei Parcic Eauhwackenhiigelchen aufragen. An 
den Htigeln ostlich des Midenjak, der im Siidosten des Petrovopolje 349 Meter 
Hohe erreicht, ist die Rauhwacke durch Dolomit ersetzt. Den Midenjak und 
die Felsriffe bei Pernjak (3 Kilometer siidlich des Cikola-Ursprunges) setzt 
ein von weissen Adern durchzogener heller Kalk zusammen, der als Ver- 
treter des mittleren Muschelkalkes betrachtet werden kann. Gypseinlagerungen, 
in den Schichten der unteren Trias iiberall haufig, finden sich bei DrniS, 
bei Marjani ostlich des Midenjak und bei Pernjak. 

Am Gehange ostlich des Petrovopolje sind vor allem die Plattenkalke 
der Kreideformation wichtig, welche ausser Requinien Crinoidenstengeln 
und Korallenresten Spuren von Nerineen-Durchschnitten (zwischen Gradac 
und Adamovac) und wurmformige Auswitterungen enthalten, welche vielleicht 
von Radiolitis lumbricalis herruhren (Umgebung der Jelica Glava ostlich 
von BioSic), so dass das Gestein als Aquivalent des Angovimien anzu- 
sehen ware. 

Im allgemeinen sind die Plattenkalke, da ihnen Rudistenkalke der 
oberen Kreideformation aufliegen, als Vertreter mittlerer Kreidehorizonte 
(Aquivalente des Unter-Turon und eveutuell des Unter-Cenoman) zu be- 
trachten. Es sind hellbraune, graubraune oder gelbbraune Kalke von meist 
deutlicher Schichtung, die infolge von Harteverschiedenheiten auffallige 
Denudations-Erscheinungen zeigen. Zuweilen liegen tafelformige Reste 



248 VON SEBENICO NACH KNIN. 

hoherer Schichten auf der Oberflache der tieferen, oder es haben besonders 
harte Gesteinslinsen thurm- und festungsartige Formen hinterlassen, soge- 
nannte Ruinenreliefs, wie solclie besonders langs der von Miocic ostlich 
fiihrenden Strasse zu finden sind. Auch die Formation der Plattenfelder ist 
sehr ausgebildet, unter anderem im Suden des Berges Miofiic und in der 
Umgebung der Jelica Glava. 

Die Plattenkalke bilden meist kahle, nur an wenigen Stellen mit 
dicnterem Gestriipp bewachsene steinige Flachen; der zwischen ihnen vor- 
kommende Dolomit dagegen, der bald weiss und kornig, bald grau und 
miirbsandig ist, formiert hiigelige mit hellgruner, wenn schon magerer Gras- 
narbe bedeckte Inseln. 

Hinsichtlich der jiingeren Kreide-(B,udisten-)Kalke, die im Osten des 
Petrovopolje meist als Lappen (Denudationsreste) dem Plattenkalk aufliegen 
und der Eocan-Formation (Prominamergel, Prominaconglomerate), sei hier auf 
den Abschnitt ,,Der Monte Promina" hingewiesen. Letztere Schichten wurden 
noch von dem grossen Faltungs- und Gebirgsbildungsprocesse betroffen ; die 
spateren Ablagerungen, welche den ganzen Ostrand des Petrovopolje be- 
gleiten (Hugel Kadina Glavica ostlich von Drnis 336 Meter), gehoren 
dagegen schon dem Jungtertiar (Neogen) an. Es sind wohlgeschichtete, gegen 
die Ebene sanft abfallende graugelbe Mergelschiefer, welche stellenweise 
mit sandigem conglomeratischem Gestein, stellenweise mit weichen Mergel- 
lagen und blauen Thonschichten wechseln, und eine aus einem Stisswasser- 
see der Pliocanzeit niedergeschlagene Fauna enthalten ( Arten : Melanopsis, 
Helix, Pyrgula, Neritina, Planorbis). 

Der Monte Promina. 

Im Gebiet der Promina-Gruppe treten Triasgesteine nur in vereinzelten 
Aufbriichen an der Gebirgsbasis zutage, wie z. B. Eauhwacken am Siidfuss 
unfern der Eisenbahnstation Drnis. Die Formation des Jura fehlt, jene der 
Kreidezeit ist durch den Rudistenkalk vertreten, der mehrere ausgezeichnete 
Vorkommen aufweist. So liegt zwischen dem Promina und dem Krka-See 
bei Bobodol das Hauptverbreitungsgebiet des weissen Kudistenkalkes ; es 
kommen ferner im Norden der Promina Velika ebenso wie an der Nordseite 
des Kozjak-Grates Conglomerate aus weissem Rudistenkalk vor, die durch 
eine ziegelrothe Masse verkittet sind und als jlingstes Schichtglied der 
Kreideformation gelten. Ein anderes Vorkommen bietet die Schlucht an der 
Ostseite des Sattels zwischen der grossen und kleinen Promina , wo man in 
Form ausgewitterter, radiar gestreifter Einge bis zu 2 Zoll Durchmesser 
Querschnitte von Eudistenschalen und zeitweise auch langsgestreifte Seiten- 
abdrticke dieser kuhhornahnlichen fossilen Muschel findet. 

Unmittelbar auf der Kreide lagern die Cosinaschichten. Sie sind als 
harte kieselige Kalke mit muschligem Bruch entwickelt und entfalten eine 
massig reiche Fauna, in welcher Potamiden, Melaniden und insbesonders 
Hydrobien vorherrschen. Die Farbe dieser Stisswasserkalke ist em blasses 



GEOLOGISCHES VON DER STRECKE DRNIS KNIN. 249 

gelb- oder braunlichgrau, die unmittelbar an den Rudistenkalk stossenden 
Banke sind jedocli haufig braungelb, dunkelroth und tiefbraun gefarbt. Ver- 
witterung verdeckt die ursprungliche Farbe nicht ganz die Gesteins- 
banke fallen daher schon aus einiger Entfernung im Gewirr der grauen 
Felsztige durch graurothe oder graugelbe Tone auf und erleichtern das Ver- 
folgen der Grenzlinie zwischen Kreide und Protocan. 

Auf die Cosinaschichten folgen blassgelbe Kalke mit kleinen Fora- 
miniferen, denen sich allmahlich Alveolinen zugesellen, die schliesslich vor- 
herrschend werden. An diese blassen Alveolinenkalke reihen sich solche 
von dunkelrosenrother, stellenweise auch blassrother, rothlichgrauer und 
grauer Farbe. Diese rothen und grauen Kalke sind sehr reich an ovalen, 
spindel- und stabformigen Alveolinen verschiedener Grosse, und zwar sind 
besonders ini Gesteinszuge nordwestlich der Promina grosse Formen aus 
der Gruppe Alveolina longa haufig. 

Zwischen den blassgelben und rothen Kalken verlauft die Grenze der 
liburnischen Stufe und des marinen Eocans oder Protocans ; zwischen 
letzterem und den obereocanen Conglomeraten und Breccien aber ist 
manchenorts eine Lage braunrothen Eiseiithons oder eine Zone von schiefrig 
plattigen Zitgen braungelber, beziehungsweise ziegelrother sandiger Kalke 
und Breccien eingeschaltet, so dass die Grenzzone der Conglomerate land- 
schaftlich sehr auffallig hervortritt. 

tlber die specielle Schichtfolge an der Promina entnehmen wir den 
Darstellungen Dr. Kerners folgendes: 

Auf den basalen Conglomeraten lagert eine Schichte von meist gelben, 
doch auch blauen und violetten Mergeln, Mergelschiefern und Mergelkalken, 
mit kleinen Muscheln und Schnecken und zahlreichen Pflanzenresten. (Am 
Abhange ober Andabaka z. B. sind Araucarites Sternbergii Gopp. und 
Phragmites cfr. Oeningensis Heer ziemlich haufig.) 

tJber diesen unteren Mergeln liegt jene machtige Conglomeratbank, die 
als eine langs der unteren Prominahange hinziehende, bei Knezevo 80 bis 
40 Meter hohe Felswand auffallig hervortritt. Dann folgt die der unteren 
ahnliche, aber breitere mittlere Mergelzone, in deren Gastropoden- und 
Bivalvenfauna eine kleine Lucina am haufigsten ist. Im allgemeinen scheint 
die Aestuarfauna, welche zur Zeit der Ablagerung dieser Schichten lebte, 
arm gewesen zu sein; an Pflanzenresten finden sich zwei der fossilen Pro- 
minaflora eigenthiimliche Algen (Sphaerococcitis flabelliformis und Delas- 
serites sphaerococcoides), sowie Exemplare von Blechnum Braunii Ett. 
(Thaeniopteris dentata Sternb.). 

Nachst hoher folgt eine Zone, in welcher reine Mergel, Mergelschiefer, 
Mergelkalke, Kalksandsteine und Conglomerate in ungemein zahlreichen, 
zum Theil ganz diinnen Schichten wechsellagern. In dieser ,,oberen Conglo- 
merat- oder Mischzone" ist die Wechsellagerung der verschiedenen Gesteins- 
schichten besonders schon in den Erosionsgraben zu sehen. Sie bedingt 
treppenartige Form der Gehange und, da die Mergellager starker aus- 
gewaschen werden, vielfach ein eigenartig dachformiges Uberhangen der 



250 VON SEBENICO NACH KNIN. 

Conglomeratbanke. Ins Bereich dieser Zone fallen auch die dem siidlichsten 
Theil des Prominariickens auflagernden Siisswasserkalke mit Resten von 
der fossilen Prominaflora eigenthumlichen Arten, wie Ficus dalmatica, 
Apocynophyllum plumaerifolium, Dombejopsis Philyrae, sowie Blattabdriicken 
von Laurus, Cinnamomum, Andromeda, Celastrus, Caesalpinia und Cassia. 

Wieder eine Stufe hdher, unmittelbar unter dem Plateau von Baric 
sich hinstreckend, folgt eine machtige dritte Lage von Mergeln, Mergel- 
und Plattenkalken, welcher auch die am siidlichsten Theil des Promina- 
ruckens anstehenden Mergelkalke angehoren. (Unter den Kesten ihrer reichen 
Landflora wurden besonders Blatter von Banksia Ungeri, Banksia haeringiana 
und Dryandra Schrankii beobachtet.) Die unterrn Gehoft Baric auftretenden 
Mergel beherbergen eine Molluskenfauna von meist kleinen Arten (Pecten, 
Cardium, Turitella), die von der Fauna der unteren Mergel wesentlich 
abweicht, ferner Orbitularien und eingeschwemmte Blattreste. (Dieser Zone 
gehoren auch die Flotze von Siveric und Velusic an.) 

Der oberen Mergel- und Plattenkalkzone lagern die Conglomerate aui'. 
welche den grossten Theil der steinigen Hochplateaux von Baric und Les- 
kovac bilden; dariiber aber folgen die Conglomeratschichten bis zum 
1148 Meter hohen Gipfel der Promina. 



************************ 




* *_* ****** 



XV. Die Morlaken (Vlasi). 
Die norddalmatinische Landbevolk e r u n g. 



Die meisten Volker lieben es bekanntlich, ihreii Xachbarn irgend- 
welche ,,Spitznamen" anzuhangen. die bald gutmiithigem Spott, bald der 
Wahrnehimmg besonderer iXatioiialeigenthtimlichkeiten, bald aber einem 
historischen Ereignisse u. s. w., ihren Urspruug verdanken. So kennt man 
z. B. heute in der ganzen gebildeten Welt fur den Burger der nordameri- 
kanischen Union die Bezeichnung ., Yankee" oder ,,Bruder Jonathan" und fur 
den Englander den IN amen ,,John Bull", und jedermann weiss auch, dass 
die TJngara den Deutschen noch heute ,,Schwabe" nennen. obgleich die Zeit, 
wo die letzten schwabischen Ansiedler in das Reich der Stefanskrone ein- 
wanderten, schon ein Jahrhundert hinter uns liegt. 

In ahnlicher Weise haben sich nun auch in Dalmatien zwischen den 
croatischen und serbischen Binnenlandern einerseits und den Kiisten- 
Italienern. beziehungsweise den am Meer wohnenden, von italienischen 
Lebensformen beeinflussten Slaven andererseits Bezeichnungen ausgebildet, 
iiber deren Ursprung die Gelehrten wie gewohnlich uneinig sind. So 
erwahnt der Reiseschriftsteller Kohl, dass die dalmatinischen Kiisten- 
bewohner von der Binnenbevolkerung ,,Bodoli", letztere hinwieder von ersteren 
,,Morlaken" genannt werden. Der Name ,,Morlak" steht seit Jahrhunderten 
nicht nur in den Reisebeschreibungen, sondern ist selbst von einzelnen Geo- 
graphen adoptiert worden, so dass der Fernstehende leicht auf die Ver- 
muthung kommt, unter den ,,Morlaken" sei ein besonderer Volksstamm zu 
verstehen. 

Indessen macht schon der auch, fiir die Kenntnis des dalmatinischen 
Volksthums sehr verdiente Schriftsteller Vuk Stefanovic Karadzic 
aufmerksam, dass die (meist croatischen) Katholiken in Dalmatien die 
Serbisch-Orthodoxen ,,Walachen" (,,Valacco", ,,Vlah"), die letzteren hin- 
wieder die ersteren ,,Sokac" nennen. Man hat nun die Worte ,,More" 
(Meer) und ,,Valacco" in Verbindung gebracht, um aus den Morlaken 



252 DIE MORLAKEN. 

die ,,am Meer wohnenden Walaclien" zu machen, womit dann die Be- 
zeichnung Canal della Morlacca harmoiiieren wtirde. Andere Historiker 
leiten das ,,Mor" in Morlak von ,,Mavro" oder ,,Mauro" ab, so dass d-3r 
Gesammtname ,,Schwarzwalachen" bedeuten wilrde. Dieser Aiinahme liegt 
die Thatsache zugrunde, dass theils schon in friiheren Zeiten, theils zur Zeit 
des Eindringens der Osmanen auf der Balkan-Halbinsel, im XV. und 
XVI. Jahrhundert, Angehorige des walachischen Stammes welt nach Westen 
und auch nach Dalmatien gewandert seien. Der walachische Stamm findet 
sich nicht nur in der (zu Rumanien gehorenden) Walachei, sondern auch 
viel siidlicher bis ins Innere der Balkan-Halbinsel, wo sein Name ,,Arumaer" 
an die einstige Bezeichnung der Ostromer (Rhomai) gemahnt. Versprengte 
Theile dieses Stammes sind bis in die Gegend des Monte Maggiore (bei 
Abbazia) nachgewiesen ; von jenen aber, welcbe in Dalmatien eiiiwanderten, 
soil der Name auf die norddalmatinische Binnenbevolkerung iibergegangen 
sein, obwohl diese in ihrer Masse croatisch und serbisch ist. 

Wie immer es sich nun hiemit verhalten mag, fest steht, dass ,,Morlak" 
und ,,morlakisch" lange Zeit in dem Shine gebraucht wurden, in welchem einst 
die Griechen von ,,skythisch" oder ,,sarmatisch" sprachen und daher ist 
es begreif lich, dass der Binnenlander Nord-Dalmatiens, obwohl das ,,Morlak" 
an sich keine schlechte Bedeutung hat, den Namen nicht gerne hort und 
sich lieber als Create oder Serbe, beziehungsweise als Dalmatiner bezeichnet 

wissen will. ' 

* 

Der Charakter des dalmatinischen Landmannes erscheint zum grossen 
Theile durch die dreifache Eigenschaft der Bewohner als Siidlander, als 
Bauern und als Slaven gegeben und manche Eigenschaft, welche als ,,mor- 
lakisch" oder iiberhaupt landeseigenthumlich bezeichnet wird, erscheint, 
genau besehen, als eine weit verbreitete, weil durch das Klima oder den 
Stand bedingte Eigenthumlichkeit. 

Nehmen wir z. B. die geringe Arbeitsamkeit und Regsamkeit und den 
Mangel an Straff heit in den verschiedenen Lebensdisciplinen, welche man 
dem Binnen-Dalmatiner zum Vorwurf gemacht hat. Beide Fehler wird be- 
sonders der stramm disciplinierte Norddeutsche und vielleicht auch der Eng- 
lander bemerken, allein nicht nur in Dalmatien, sondern in alien Landern 
des Stidens. Schon in Siiddeutschland findet der Norddeutsche, dass Ver- 
schiedenes nicht so ,,am Schniirchen" geht, wie er es gewohnt ist, und je 



1 Seit Fortis seiner dalmatinischen Reisebeschreibung ein specie! les 
Capitel ,,Die Morlaken" beigab, ist tiber die dalmatinische Landbevolkerung 
oft geschrieben worden, u. a.: von Abbate Stefan Paulo vi ch-L ucich 
(,,J. Morlacchi", Spalato 1854), von der Griifin Orsini-Rosenberg (in 
Form eines zweibandigen Romanes), von Fetters und Baronin J. v. Dil- 
ringsfeld (1857) u. A. Die neueste Abhandlung liber dalmatinisches Volks- 
leben lieferte im Sarnmelwerk ,,Die osterreichisch-ungarische Monarchic in 
Wort und Bild" Johann Danilo unter Mitwirkung von Anton Liepopili, 
V. Micheli-Tomic, R. Pocina, St. Zlatovic und (hinsichtlich der 
Bocche) F. Vulovic. 



DIE MORLAKEN. 253 

welter gegen Siiden, desto mehr tritt der ,,Fehler" in Erscheinung. Die Ur- 
sache liegt aber zum Theil im Klima und in der Schonheit des Landes. 
So nachhaltig zu arbeiten, wieman es in demrelativ kiihlen, kurzen Sommer 
Englands oder Nord-Deutschlands vermag, ist in dem langen heissen 
Sommer Italiens und Dalmatiens einfach unmoglich. Andererseits ist 
fiir den Siidlander, der sich auch im Winter viel im Freien aufhalten 
kann, die Nothwendigkeit behaglicher Wohnungen keine so imminente wie 
fiir den Nordlander. Letzterer muss in seinem wochenlang triiben Klima alle 
Schonheit und Behaglicheit in seinem Heim suchen. Der Stidlander hat die 
herrlichsten Naturschonheiten gratis, wenn er vor die Thiire hinaustritt und 
man kann nicht nur in Dalmatien, sondern schon in Veprinac (bei Abbazia) 
sehen, wie die Bauern, besonders wenn sie friiher Seeleute waren, an Sonn- 
tagen stundenlang auf irgend einem freien Punkte stehen - - zumeist vor 
ihren hochgelegenen Kirchen -- und in stiller Verzlickung ihre herrlichen 
Landschaften, ihr schemes blaues Meer betrachten. Es ist wider die Natur 
des Siidlanders und wider sein Klima, sich so abzuplagen und so abzusorgen 
wie der Nordlander. Dafiir ist auch der Siidlander viel frugaler, viel weniger 
auf Bequemlichkeitsgeniisse erpicht, und - - speciell in Dalmatien - - viel 
weniger erwerbslustig als der Nordlander. 

Alle Reisebeschreiber, die in Dalmatien weilten, stimmen darin uberein, 
dass sie, wenn ihnen ein dalmatinischer Bauer Trauben, Friichte oder sonst 
welche Erfrischung reichte, Ablehnung erfuhren, sobald sie irgend welche 
Bezahlung dafiir boten. Im Gegensatze zu den Schweizern, in derem Lancle 
alles was der Fremde geniesst seine Taxe hat, regt sich beim Dalmatiner, 
soferne er nicht durch Gebreste oder bitterste Armut herabgebracht ist, noch 
immer stark der alte Heldengeist, der in romantischen Zeitaltern freilich 
mehr Curs hatte, als in unseren Tagen, wo Geld zu erwerben, urn dafiir 
moglichst viele Daseinsgeniisse einzutavischen, als das Alpha und Omega aller 
Lebensweisheit gilt. Das Gegentheil dieser, zu fieberhafter Thatigkeit auf- 
stachelnden Lebensanschauung des Occidents ist bekanntlich die orientalische, 
welche sich am besten durch das hausbackene Beispiel des jede Reclame und 
Kundenanlockung verschmahenden tiirkischen Kaufmannes illustrieren lasst. 

In dieser Hinsicht, was Riihrigkeit und Wahrung des personlichen 
Vortheils betrifft, ist der dalmatinische Landbewohner durchaus ein wenig 
Orientale. Es ist dies begreiflich, wenn man bedenkt, dass der Binnen- 
Dalmatiner durch alle Zeitlaufte der Geschichte mehr als Krieger sich 
hervorgethan hat. Besonders in der venetianischen Zeit waren die Dal- 
matiner die Mannen, welche die erlauchte Kaufmanns-Republik ins Feld 
stellte und aus jener Zeit her ist, wenn schon nicht in dem Masse wie 
etwa in Montenegro, ein Rest der Sitte verblieben, dass die Manner sich 
um wirtschaftliche und hausliche Dinge nicht sonderlich kiimmern und 
diese Ressorts den Frauen iiberlassen. In den Zeiten der TQrkenkampfe 
war es eine naturgemasse Politik der Venetianer, die Dalmatiner nicht 
durch Cultur verweichlichen zu lassen. Man war froh, dass das Blut 
der Helden nicht verwassert, dass der Wolf nicht zum Lamm und 



254 DIE MORLAKEN. 

der Falke iiiclit zur Taube wurde. Solche Zustaude lassen sich in 
einem Jahrhundert nicht verwischen. Noch weniger aber lasst sich der 
conservative Sinn einer alterbgesessenen Bauernbevolkerung austilgen. Die 
Neuschule wird noch manches Decennium zu tliun haben, bis die Vorliebe 
der binnendalmatinischen Bauern fiir das Althergebrachte jenem Sinne fur 
Fortschritt weichen \vird, der bei der Klisten- und Inselbevolkerung schon 
vielfach zu constatieren 1st. Noch schwerer \verden sich gewisse echtbauer- 
liche Eigenschaften ausmerzen lassen. Der Morlak, sorglos als Siidlander, 
impulsiv als Slave, wird sich schwer von der Gewohnheit trennen, nach 
der Ernte dem dolce far niente und den Wonnen ausgiebiger Libationen 
zu huldigen. Ja, selbst eine der scheinbar am leichtesten zu erfvillenden 
modernen Forderungen : dass er sich und seine Kleider 6'fter wasche, 
diirfte raancherorts noch ein Weilchen unerfiillt bleiben. Denn wenn man, 
wie in vielen Dorfern der Fall, das Wasser stundenweit herzuschleppen 
muss, verfahrt man sparsamer mit dem kostlichen Nass, als wenn es einem 
durch die Wasserleitung in Fiille ins Haus gebracht wird. 

Die Bauernhauser im nordlichen Binnen-Dalmatien sind in der Hegel 
sehr primitiv. Vier ungetiinchte Mauern mit einer thiirlosen Eingangs- 
offnung, unverglasten Fensterlucken und einem Dach ausKalkschieferplatten, 
das ist die gewohnliche Ubication, die ohne Baumeister und Polier auf- 
gerichtet und dementsprechend auch oft nur mit einigen Gulden bewertet 
wird. Nur die Wohlhabenderen haben neben dem Hause noch eine Scheune 
fur Heu und Stroh und einen Stall fiir das Rindvieh ; zur Aufbewahruiig 
der Frucht dienen aus wilden Reben geflochtene riesige Korbe oder b.6'1- 
zerne Truhen, welche ,,Hambar" genannt werden. 

Im Innern des Hauses bildet das Hauptstuck der Herd, desseii Rauch 
durch eine oberhalb im Dache angebrachte Offnung entweichen kann. Doch 
wird letztere in winterlichen Kalteperioden geschlossen und dann bleibt 
mit der Warme auch der Qualm in der Hiitte, so dass die Insassen, ahnlich 
wie in primitiven Almhutten, des Morgens formlich gerauchert ihr Lager 
verlassen. 

Nachst dem Herde befindet sich der halbkugelformige Backofen, in 
welchem das Brot gebacken wird; das Meublement aber wird durch die 
Kleidertruhe und ein Paar dreibeinige Sessel erschopft, deneii sich oft nicht 
einmal Tisch und Bett zugesellen. Man setzt sich zum Essen vor das Haus 
auf die Erde und schlaft im Sommer auch oft im Freien. Im Hause selbst 
hat gewohnlich nur der Alteste eine bessere Lagerstatte, wahrend sich die 
anderen mit ein Paar etwas erhoht tiber dem Bodeu angebrachten Brettern 
und einem Strohpolster begnugen. Auch der Bedarf an Bettwasche entfallt, 
weil man in den Kleidern schlaft, und zwar sofern das Vieh nicht iiber 
Nacht im Freien bleibt, in Gemeinschaft mit Schafen, Schweinen, und selbst 
Grossvieh, das nur durch einen Pferch von dem den Menschen vorbehalteuen 
Haume abgesondert ist. 

Natiirlich ist bei so homerisch einfacher Behausung auch der iibrige 
Hausrath auf das Nothigste beschrankt, und ausser dem grosseii Holznapf, 



DIE MORLAKEN. 255 

aus welchem mit Holzloffeln gemeinsam geloft'elt wird, findet man oft nur 
noch einen Henkelkrug ftir den Wein, ein Holzgefass fiir das Wasser und 
eine Kiirbisflasche. Und doch weiss das Volk mit diesem Minimum ausserer 
Behelfe niclit nur auszukommen, sondern zu Zeiten auch vergniigt und 
frohlich zu sein, wie die ,,Gusla" beweist, die man selbst in den armlichsten 
Behausungen nicht leicht vermissen wird. 

Wie iiberall bei den Bauern, ist auch im dalmatinischen Binnenlande 
die Werktagstracht eine hochst einfaclie und besteht aus umsoweniger 
Stiicken, als das Klima einen grossen. Theil des Jahres hindurch geradezu 
verlangt, dass zur Arbeit ausser dem auf der Brust offeneii Hemde und der 
weiten Hose aus grobem Stoff nichts angethan werde. 

An Feiertagen, wenn er in die Kirche gelit oder zum Marktbesuch, 
pflegt sich allerdings der Morlake so gut wie seine Genossen in anderen 
Landern herauszuputzen und dann kommt auch das Xationale seiner Tracht 
zur Geltung. 

Specifisch fiir die Tracht ist vor allem die Kopfbedeckung, das bekannte 
schirmlose Kappchen aus rothem Tuch (kapa), das zuweilen seitlich schwarz 
bestickt ist und von den Leuten an der bosnischen Grenze auch noch 
turbanahnlich mit einem seidenen scheckigen Streifen umwunden wird, der 
peskir oder (bei Eagusa) saruk heisst. 

Uber dem Hemde tragt man eine doppelte Weste, von welcher ein 
Theil (krozet), der aus rother oder weiss und roth gestreifter Leinwand 
besteht, uber der Brust gekreuzt wird, wahrend der andere (j a c e r in a) mit 
Silber- oder Beinknopfen geziert erscheint. Eine rothwollene Binde (p a s) 
halt die Weste um die Taille fest, auch wird zuweilen noch ein Ledergtirtel 
(pripaSn j aca) getragen, in welch en man frtiher die Waffen steckte, wahrend 
er jetzt nur zur Aufbewahrung des Messers, der Eauchutensilien u. s. w. 
dient. Die Beinkleider sind aus grobem blauen Tuch und oberseitig ziemlich 
Aveit, wahrend sie an den Knien enge anliegen. Striimpfe entfallen rneist, 
da man mit blossen Fiissen in die Opanken fahrt, die bekannten aus rohem 
Rindsleder gefertigten und mit Schaf lederstreifen verschniirten Beschuhungen, 
die auf trockenem steinigen Boden ausgezeichnete Dienste leisten, den 
Touristen aber, die nicht daran gewohnt sind, selbst fur Karstwanderungen 
zu widerrathen sind. Das Gehen in diesen absatzlosen Beschuhungen ist 
namlich nicht nur ein ungewohntes, sondern das ungegerbte Rindsleder 
weicht sich auch, wenn es nass wird, ,,wie ein Teig" auf. 

Uber den beiden Westen wird zumeist nur die Jacke (haljina), seltener 
der reichverzierte grime koparan getragen. Wohlhabendere dagegen hangen 
im Winter weite Mantel von rothem Tuch oder weissem Easch um (kabanica, 
kaba), die mit Kapuzen (kukuljica) versehen sind. 

* 

,,Ohne colorierte Abbildungen", sagt Fetter, lasst sich von den ver- 
schiedenen Costiimen Dalmatiens keine deutliche Vorstellung gewinnen und 
diese richtige Bemerkung gilt namentlich von den Frauentrachten. Daher 



256 DIE MORLAKEN. 

soil auch im Folgenclen nicht eine Beschreibung versucht, sondern bloss 
eine Namenserklarung jener Kleidungsstiicke gegeben werden, welche dem 
Fremden im nordlichen Binnen-Dalmatien hauptsachlich auffallen durften. 

In erster Lime mag dies hinsichtlich des kleinen rothen Kappcheiis 
der Madchen der Fall sein, das in der Form an die Cerevis cler Studenten 
erinnert. Es ist ein ausseres Zeichen der Unverheirateten, wahrend den 
Frauen durch die Sitte ein Kopftuch (j a m a k) vorgeschrieben wird. 

Von den eigentlichen Kleidern ist zunachst das uber dem weitarmeligeii 
rothbestickten Hemde getragene Unterkleid zu erwahnen, die modrina oder 
bijelina 1 genannt wird, je nachdem es von blauem oder (bei den Madchen) 
weissem Rasch (ordinarem Schafwolltuch) gefertigt ist. Im Sommer besteht 
es aus Leinwand und heisst dann brnjica. Die Armel dieses Unterkleides, 
filr das man auch den Namen uspansan hat, werden aus dem Oberkleide 
hervorgesteckt, dem armellosen dickwolligen und vorn offenen s a d a k, der 
in Weiss, Blau oder Schwarz angefertigt, und mit buntem Tuch eingesaumt 
wird. Den Obertheil des Unterkleides findet man zuweilen durch meist 
rothe Flanell- oder Leinwandleibchen (krozet) ersetzt, die vorn zugekopft 
und voni Giirtel (litar) festgehalten werden, an dem ausser mancherlei Zierrat 
auch Schllissel, Messer u. dgl. an Riemen oder Bandern befestigt sind. Alle 
diese Kleidungsstucke einschliesslich der Schiirzen (pregaca) geben den 
Frauen reichlich Gelegenheit, ihre Kunst im Sticken zu zeigen ; speciell das 
Leibchen aber dient den Madchen zur Anbringung ihres Schmuckes, der 
nicht nur am Halsbande, sondern auch an Achselbandern (ploc) getragen 
wird und von den billigsten Glasperlen bis zu schweren Silber- ja selbst 
Goldmunzen alles Glanzende und Schellende iimfasst, was ein Xaturkind 
des Sudens nur schon finden mag. 

Was endlich die Fussbekleidung betrifft, wird von mehreren Landes- 
kennern hervorgehoben, dass fiir den Begriff ,,Strumpf'' eine ganze Reihe 
von Namen existiert. Man httllt namlich Beine und Fusse sozusagen in 
mehrere Strumpftheile, ehe die Opanken beziehungsweise bei den AVohl- 
habenderen die aus gelbem oder rothem Leder gefertigten Schuhe (p a p u 6 e) 

angelegt werden. 

* 

Wie schon im Abschnitt ,,Bevolkeruug" erwahnt, lasst der dalmatinische 
Menschenschlag nur in einzelnen Niederungen, wo man erst anfangt der 
Versumpfung des Bodens entgegenzuwirken, zu wiinschen tibrig. Im all- 
gemeinen und besonders in den Bergen wohnt ein robustes Volk, bei dem 
primitive Lebenseinrichtungen fast wie bei den Spartanern darauf hin- 
wirken, dass schon in der zartesten Kindheit alles Lebensschwache aus- 
geschieden wird. 

Da die Frau, selbst wenn sie guter Hoffnung ist, ihren Arbeiten nach- 
geht, unter welchen die Holz- und Wasserbeschaffung nicht die geringste 
ist, kommt es zuweilen vor, dass sie von der schweren Stunde tiberrascht 



Modar, weiblich modra, heisst auf cr.-s.: blau, bio bijela weiss. 



DIE MORLAKEN. 257 

wird, wenn sie sich mutterseelenallein im Walde befindet. Sie weiss 
sich aber dann ganz gut ohne Unterstiltzung zu behelfen und bringt 
nicht nur das Neugeborene tapfer selbst nach Hause, sondern lasst sich 
auch schwer bewegen, ein paar Tage auf ihrer armlichen Lagerstatte zu 
verbringen. Es spielt da namlich die Furcht vor dem strengen Herrn und 
Gebieter des Hauses ilire Rolle, der seinerseits weit weniger Riicksicht iibt 
und von der Frau die gewohnten Magddienste fordert, so lange sie sich nur 
iiberhaupt auf den Beinen erhalten kann. 

Um diese Harte des Morlaken nicht liber Geblir zu verurtheilen, 
muss man sich der Schilderungen erinnern, welche Zola entwirft, wie die 
Pariser Arbeiterfrauen oft von ihren Mannern behandelt werden. Der 
Unterschied ist nur, dass der Morlak einerseits frei von jener Raffinerie 
ist, mit welcher der entartete Culturmensch seinen Mitmenschen zu qualen 
w^iss, andererseits aber seine Geringschatzung der Frau ganz offen zeigt 
und sie z. B. nicht bei Tische sitzen lasst, wenn er Gaste hat. Ubrigens 
wollen einzelne Reisende bemerkt haben, dass das Verhaltnis zwischen 
Mann und Frau auch bei den Morlaken sehr von dem beiderseitigen 
Charakter abhangt und dass es auch dalmatinische Bauernfamilien gibt, in 
welchen die Frau das Regiment fiihrt. 



Betrachtet man den Lebenslauf des dalmatinischen Morlakenkindes, so 
findet man, dass es vom Anfang an unter dem Zeichen der Abhartung 
steht. So selten ihm kalte Bader spater beschieden sind, gleich nach der 
Geburt wird ein solches appliciert und damit eine Reinigung vollzogen, um 
die der Saugiing spater oft stundenlang schreien kann. Kaum ein Jahr 
alt, lauft der junge Weltbiirger schon nackt und barfuss um das Haus 
herum und gewohnt sich derart - - sofern er es tiberhaupt aushalt - 
die Sommerhitze und Winterkalte zu ertragen, der er sein Lebtag aus- 
gesetzt sein wird. 

Schon in friihester Kindheit hat er liber Ganse, Truthtihner und Schafe 
zu wachen und bis zum 15. Jahre dauert, wenn er nicht iiberhaupt zum Hirten 
bestimmt ist, seine bukolische Verwendung, welche die Eltern oft genug 
mit den Anforderungen der Schulgesetze in Zwiespalt bringt. Nicht selten 
miissen strenge Strafen angedroht werden, um die Jungen wenigstens zeit- 
weise in die Schule zu bringen, wo ihnen einiges eingetrichtert wird, das 
sie nach etlichen Jahren vergessen haben. Doch gibt es auch Ortschaften, 
wo mamiiglich lesen und schreiben kann, obwohl weit und breit keine 
Schule besteht. Dann hat eben ein gutes Beispiel gewirkt und die rasche 
naturliche Auffassung der Leute das Ubrige gethan. Einem Wissbegierigen 
wurden ein paarmal die Buchstaben gezeigt, er bewies Lerneifer und nach 
etlichen Monaten kannte er nicht nur seine Fibel auswendig, sondern diese 
gieng nun von Hand zu Hand, bis die ganze Dorfjugend dem Analphabeten- 

thum entrissen war. 

* 

Fflhrer durch Dalmatian. 17 



258 DIE MORLAKEN. 

Im 15. Jahre pflegt der junge Bauerssohn. den Hirtenstab einem 
Jilngeren zu iibergeben und die Hacke zu ergreifen, um seinem Vater, 
dessen rechte Hand er nun geworden, bei der Feldwirtschaft zu helfen. 
Jetzt denkt man auch bald daran, ihn zu verheiraten, und wenn er nicht 
selbst beim Kircbgang oder am Markte eine Liebste gefunden, acceptiert er 
ohne viel Umstande diejenige, welche ihm die Eltern bestimmen, gewohnlich 
die Tochter eines befreundeten Hauses, deren Eigenschaften einschliesslich 
der Mitgift vorher sorgfaltig erwogen wurden, wie dies ja andernorts 
ebenfalls der Branch 1st. 

Sehr umstandlich waren in friiherer Zeit, als die Morlaken noch weniger 
Schulden hatten, die Hochzeitsgebrauche. Hochzeiten sind fast uberall beim 
Landvolke die Hauptgelegenheiten des Lebens, um es, wie schon der Name 
sagt, hoch hergehen zu lassen und nicht nur den Tafelfreuden ausgiebig zu 
huldigen, sondern auch allerlei ernsten und heiteren Ceremonien Kaum 
zu geben. Charakteristisch fiir das Wesen der Morlaken war aber vielleicht 
die Menge der Amter, deren man bei grossen Hochzeiten bedurfte. Da 
sassen namlich die Hochzeitsgaste (svatovi) gewissermassen unter einem 
Prasidium (des stari svat), der Beistand (kum) hatte seinen Gehilfen 
(prikumak), neben welchem noch der Brautfiihrer (mladi djever 
oder rufini djever) fungierte, den Hochzeitszug fiihrte ein Vojvoda 
oder B a r j a k t a r (Fahnentrager) und die lustige Person stellte einer der 
Hochzeitsbitter (kxicni djever, pozivac), die, wie auch anderwarts, 
schon vor dem grossen Tage, oft schon behufs Einleitung der Heirat in 
Action getreten waren. 

Die Gebrauche bei diesen Hochzeiten bestanden zum Theil in Formen, 
unter welchen man der Braut Geschenke machte und von ihr kleine Gegen- 
geschenke empfieng, oder die Neuvermahlte in ihr neues Heim einfiihrte oder 
sie nach Moglichkeit in Verlegenheit brachte. So musste sie z. B., was bei 
der Starke der Bauernmadchen und Kleinheit der Hauser allerdings nicht 
schwer war, einen Stein ilber das Dach hiniiberwerfen, ehe sie in das Haus 
eintrat, um ihre Wirtschaft zu besichtigen. Inzwischen traten die iibrigen 
Gaste zum Kolo an, der nebst einem ausgiebigen Gelage bis heute Haupt- 
hochzeitsbrauch geblieben ist, wahrend die mannigfaltigen Nebenbrauche, 
die friiher im Schwange waren, ebenso wie bei anderen Volkern allmahlich 
in Vergessenheit gerathen. 

Ein weiteres Zeichen fiir die Abnahme specifischer alter Brauche (an 
deren Stelle jetzt uberall uniforme neue, durch das moderne Leben gebrachte 
Gewohnheiten treten), ist das Aufhoren der, einst sogar durch kirchliche 
Weihe besiegelten Wahlbruderschaft zweier Freunde (pobratimi), die jetzt 
allerdings nicht mehr die Zwecke haben kann, die sie einst in den Zeiten 
der Tiirkenkampfe hatte. Die Sitte wird heute kaum mehr sporadisch 
geiibt, wahrend sich friiher selbst Madchen zu solch einem Bunde zusammen- 
thaten und dann Posestrime (Wahlschwestern) nannten. 



DIE MORLAKEN. 



259 




KOLO (Trachten aiis der Gegend von Kistanje). 



Wie schon im Eingange 
dieses Capitals angedeutet, ist 
eseinHauptvorwurf, den man 
dem dalmatlnischen Gebirgs- 
bewohner macht, dass er so 
weit als moglich dev Arbeit 
ausweicht und lieber eine 
Trinkgelegenheit zu suchen 
pflegt. Solche Gelegenheiten 
sind ihm nicht nur die Hoch- 
zeiten, die Kindstaufen und 

die Todtenmahler (daca, poduSje), sondern auch die Feiertage und die 
mit Vorliebe zur Entfernung vom Hause beniitzten Marktgange, die iibrigens 
wie in Italien, soweit es nur moglich ist, als Markt r i 1 1 e absolviert werden. 
Hat der Morlak noch Vorrath, so ist ihm wer da kommt willkommen 
und die Flasche \vandert mit einer Ausdauer von Hand zu Hand, dass 
,,Leistungen" bis zu 10 Litern an einem Tage nicht zu den Seltenheiten 
gehoren. Sind aber dann gegen Weihnachten und Neujahr die Gebinde leer, 
dann heisst es an Festtagen zum Handler um Wein gehen uud nun beginnt 
die Verschuldung, die bei Menschen von so sorglosem Charakter, fiir die 
fernere Existenz oft geradezu verhangnisvoll wird. Selbst die Anhanglichkeit 
des Morlaken an sein Vieh schlagt ihm dann zum Verderben aus. Der 
Glaubiger weiss namlich sehr gut, dass der Morlake dieselben Ochsen, 
die er gelegentlich mit der Peitsche blutig schlagt, dann wieder ,,Meine 
Lieben", ,,Meine Ernahrer" tituliert und in ihrem Besitz sein Ansehen und 
seine Ehre sieht. Auf die Ochsen wird daher zuerst die Hand gelegt und 
da nun der Bauer, um nur wieder zu seinem Vieh zu gelangen, sein Ver- 
mogen verschreibt, auch der Verlockuiig zu trinken immer wieder unterliegt, 
so kommt es nicht selten dazu, dass er schliesslich als Knecht aiif seinem 
fruheren Hofe sitzt und nun fiir den Glaubiger arbeiten kann, der. ihn 
friiher ordentlich zu ubervortheilen verstand. 



Der Morlake im norddalmatinischen Binnenlande ist gerade kein be- 
sonders starker Esser. Ein Stiick Brot mit Kase oder eiiier Zwiebel geniigt 
ihm, wenn nur die Flasche gefiillt und Tabak da ist. Hat er weidlich zu 

17* 



260 DIE MORLAKEN. 

trinken, dann 1st ihm, wie weiland den alten Germanen, wohl und dann 
singt er auch gern zu zweit seine Helden- oder Liebeslieder. Der Eine singt 
einen Solo und halt die zweite Stimme - - je langer, desto besser - - der 
Andere fallt im Bariton mit dein Refrain ein und schliesslich endet der 
Sang mit einem Unisono. 

Unter den Musikinstrumenten steht die Gusla obenan, ein mandolinen- 
artiges Instrument mit einer Rosshaarsaite, mittelst welcher der Morlake 
dem Instrumente ein monotones Geschnurre entlockt. Neben der Gusla 
hat man noch eine eigenthvimliche Pfeife, Sviroka (curuminka), die 
aus zwei flachen, drei- bis viermal durchbohrten Rohren besteht und 
einen tremolierenden Ton hervorbringt. Diese Pfeife ist das eigentliche 
Musikinstrument der Schafhirten und manche wissen es so geschickt 
zu handhaben, dass die Melodien aus einiger Entfernung nicht unlieblich 
anzuhoren sind. 



Wenn man bedenkt, welchen Wetterunbilden der dalmatinische Gebirgs- 
bewohner ausgesetzt ist und wie sehr seine Gesundheit bald durch ge- 
zwungene Fasten, bald durch Ubermass im Trinken u. dgl. gefahrdet 
wird, kann man es nur ausserordentlicher Lebenszahigkeit zuschreiben, 
wenn, wie schon andernorts erwahnt, Langlebigkeit doch haufig ist. In der 
Regel legt sich auch der Morlak nicht nieder, solange ihm nicht ,,die 
Seele schon auf der Zungenspitze sitzt" und von einem Arzt wiirde der 
Mann selbst dann nichts wissen wollen, wenn jener naher, als dies gewohn- 
lich der Fall, zur Hand ware. Eher befreundet sich der Kranke mit irgend 
einem Curpfuscher und auch die Angehorigen eilen, wenn es zu Ende geht, 
mit Apfeln, Mandeln, schwarzem Kaffee und anderen Hausmitteln herbei, 
um indes gewohnlich bald dem Priester Platz zu machen. 



Es wiirde hier zu weit fiihren, auf die vielen Dinge einzugehen, 
die man von dem Aberglauben der Morlaken erzahlt hat. Wie bei alien 
Volkern gibts da bedenkliche Dinge, wie z. B. die Ansicht, dass ein falscher 
Schwur ungiltig sei, wenn man dabei ausspucke, oder der Glaube an Truden 
(m o r a) und Vampyre (vukodlaci); andererseits hat aber die Volksphantasie 
auch poetisch gewaltet und unter anderem jene giitigen Bergfeen und Vilen 
geschaffen, die auszudenken wohl die oft iiber dem Hochgebirge schwebenden 
weissen Wolken Veranlassung gaben. 

Im allgemeinen und soweit nicht die Wirkuiig des Weines mitspielt, 
ist die Muse des Morlaken zuchtig und zuchtig ist der Mann auch in den 
Ausdrucken, die er zur Bezeichnung der Naturalia und Intimitaten des 
Lebens anwendet. So sagt der Bauer z. B. in einer Art Nachahmung des 
waidmannischen Jargons von dem brunstigen Hengst ,,er weide", von der 
Kuh ,,sie fuhre", vom Schaf es ,,winde sich" u. s. w. Hat aber einer der 
Leute gelegentlich einen Alterthumsfund pompejanischer Natur ausgegraben, 



DIE MORLAKEN. 261 

und bringt ihn nun zu Director B u 1 i c nach Spalato, so wird er immer 
nur mit eupheniistischer Umschreibung das gefundene Ding zum Kaufe 
anzubieten wagen. 

Aber nicht nur ziichtig, sondern auch pragnant und reich an originellen 
Wendungen ist die Sprache des Morlaken, ein Beweis, dass dieser mit 
seiner guten korperlichen Beschaffenheit auch klaren gesunden Menschen- 
verstand verbindet. Rechnet man dazu den tapferen Sinn der Leute und 
ihre gleichwohl unleugbar vorhandeneWilligkeit, sowie die Uneigenniitzigkeit, 
vermoge welcher sie fiir den Freund, ja selbst fiir den Fremden, der ihnen 
freundlich entgegeiikommt, das letzte Schaf zu schlachten bereit sind, so 
erhalt man ein nicht ungiinstiges Gesammtbild und begreift, wie sich seit 
F o r t i s alle Eeisenden, die den Alorlaken naher kennen lernten, mit ihm 
befreundeten und ihm vom Herzen die Gelegenheit wimschteii, in bessere 
Lebensverhaltnisse zu kommen. 



XVI. Von Sebenieo naeh Trau. 



Die Seefahrt. 

BO Seemeilen a 1-852 Kilometer. Fahrt 3'/ 2 Stunden. 

N o e sagt von Sebenieo, dass hier erst das eigentliclie Dalmatien be- 
ginne. Zara meint er ungefahr sei noch verhaltnismassig weitraumig 
und liege fast eben in griinem Gelande. Das amphitheatralisch aufgebaute 
Sebenieo aber, mit seinem Knauel enger Treppengassen und seiner Lage in- 
mitten kahler Karstberge mache schon so recht jeneiiEindruck des Italischen 
und zugleich Steinigen, der fur grosse Theile Dalmatiens typisch sei. That- 
sachlich beginnt mit Sebenieo der Ubergang von den noch den liburnischen 
oder quarnerischen Charakter aufweisenden Landschaften Nord-Dalmatiens 
zu den mitteldalmatinischen und vollzieht sicb wahrend einer Reise von 
kaum 56 Kilometern ziemlich plotzlich bei der Fahrt um die vielgenannte 
Punta Planka, wo die Knickung der Festlandktiste aus der Slid- in die Ost- 
richtung das erste Moment zur Entstehung einer klimatisch begiinstigten 
Eiviera bot. Ubrigens liegt die Punta Planka so ziemlich genau halbwegs 
zwischen Sebenieo und dem ersten Hauptort jener Riviera (Trau) und die 
Fahrt dahin theilt sich daher iiaturgemass in zwei Halften, derenjede ihre 
typischen Reize aufweist. 

Haben wir Sebenieo verlassen und nach. etwa zwanzig 
Minuten langer Fahrt durch den engen Canal S. Antonio den 
Canale di Sebenieo erreicht, so fallen uns etwa 7 Kilometer im 
Siiden jene liohen E/iffscoglien auf, welche als Reste einer alten 
Landbriicke von der Festlandhalbinsel s t r i c a zum Siidcap 
(Punta Piat) der Insel Zlarin ziehen. Um dieses Cap vereint sich 
der Canal von Sebenieo mit jenem von Zlarin, und nun haben 
wir zur Rechten nur mehr den kleinen Scoglio Kormorica 



DIE SEEFAHRT. 263 

zu passieren und sind wieder in der offenen See. Mehr und 
mehr tritt hier der machtige, iiber 80 Inseln und Inselchen 
umfassende Archipel, der sich von Scoglio Kormorica bis zur 
Siidspitze der Insel Incoronata uber 35 Kilometer erstreckt, 
in die Ruckschau und bietet ein grossartiges Inselpanorama, 
wahrend in entgegengesetzter Richtung, gegen Osten und Siid- 
osten, das nahe Festland durch seine verwickelte Kiistengestal- 
tung fesselt. 

Etwa 9 Kilometer siidlich der Spitze von Zlarin beginnen 
sich der, zahlreiche Halbinseln gegen Westen vorstreckenden 
Kiiste ' abermals Scoglien vorzulegen und es gewahrt einen eigen- 
artigen Anblick, wie diese dunkelgriin bebuschten Eilande von 
der dahinter liegenden weissen Kiiste, die zeitweise einen leichten 
Rosaanflug zeigt, abstechen. Landein sehen wir nun bis zu 
dem 20 Kilometer entfernten weissgrauen Berge Vila die sich 
in der Prapatnica nordlich von Trau zu 738 Meter erhebt, 
vom Siiden aber riickt der, wie ein Kirchlein auf dem Soglio 
Mulo thronende Leuchtthurm naher, bei welchem sich, zwischen 
den von der Flut umbrandeten Scoglien Gross- und Klein- 
Smokvica, eine Perspective gegen Rogoznica erschliesst. 
Das Dorf liegt auf einer Insel inmitten des gleichnamigen Hafens 
und wird deshalb viel genannt, \veil in dem geraumigen Bassin 
alljahrlich gegen 250 kleinere Schiffe Zuflucht vor dem Seegang 
bei der Punta Planka suchen. 

Ostlich von Rogoznica zieht eine thalartige Depression bis 
zur Valle di Bossiglina (Westbucht der Trauriner Bai) ; siidlich 
aber ragt zu 123 Meter der Movac auf, die Culmination jener 
kahlsten aller bisher gesehenen Halbinseln, deren Siidwestsporn 
eben die Punta Planka ist. 

NachUmschiifung dieses, natiirlichnur von kleinen Fahrzeugen 
aber nicht im mindesten von den Dampfern gefurchteten Vor- 
gebirges folgen zur Linken noch drei Halbinseln von trostloser Kahl- 
heit, deren letzter der Scoglio S. Arcangelo vorgelagert ist. 
Hier hat der Dampfer schon ostlichen Cours und bald begleiten 
uns zur Rechten, wo der Blick bis zu den Inseln Solta und 
Brazza reicht, die Inselkiisten von Klein- und Gross-Zirona 



1 Auf einer dieser Halbinseln der Ort Capocesto (PrimoSten). 



264 VON SEBENICO NACH TRAD. 

(Drvenik). Wir sind im Canal Zirona inmitten begriinter, stark 
besiedelter Ufergelande und wenden uns nun an ein paar 
Miniaturscoglien voriiber gegen Nordosten, um zwischen Punta 
Jelinac (links am Festlande) und Punta Okrug (Westspitze 
der Insel Bua) den Eingang der Bucht von Trau zu gewinnen. 
Dieselbe ist zwischen den beiden Vorgebirgen nur 2 Kilometer 
breit; unmittelbar darnach aber buchtet das Meer so machtig 
gegen links und rechts aus, dass ein von Ost nach West iiber 
11 Kilometer sich erstreckendes Bassin entsteht, dessen West- 
theil Valle di Bossiglina heisst, wahrend der breitere Osttheil 
den Namen Vallone Sal don fiihrt. 

Im Nordostwinkel dieses Yallone nahert sich die Nordspitze 
der Insel Bua dem Festland bis auf 250 Meter und streckt ihm 
parallel ein Halbinselchen gegen "Westen, so dass ein schmaler 
Meercanal entsteht, der an einer Stelle durch einen Festland- 
vorsprung fast zur Ganze abgeschniirt wird. Dieser wohl einst 
kiinstlich zur Insel gemachte Festlandsvorsprung nun ist die 
Statte, die seit mehr als 2200 Jahren eines der beriihmtesten Stadt- 
chen Dalmatiens tragt : Trau. 

Trau (Trogir). 

Spaziergang durch die Stadt. ' 

Wenn man auf der Spalatiner Strasse iiber die Sieben 
Castella her nach Trau gekommen ist, halt der Wagen vor der 
Holzbriicke, die vom Festlande zur Trauriner Insel hinuberfuhrt. 
Hiiben dehnt sich ein, mit prachtvollen Baumen (u. a. Silber- 
pappeln) bestandener Anger mit einer Cisterne, an deren Innen- 
wand Feigenbaume gewachsen sind;* jenseits der Briicke aber 
trennt uns nur mehr ein massig breiter, zum Theil mit fein- 
laubigen Tamarisken besetzter Ufersaum von dem in die Stadt 
fuhrenden Johannes-Thor. 



i Trau mit seinen Borghi (Vorstadten) zahlte 1890 3392 Einwohner, 
wahrend das 401'1 Quadratkilometer umfassende Gemeindegebiet 15.809 Seelen 
beherbergt. Zum Bezirksgericht Trau gehort noch die Kiistengemeinde 
Castelnuovo (28-08 Quadratkilometer mit 2750 Ein wohnern) und die Karst- 
gemeinde Lefievica (220-16 Quadratkilometer mit 5868 Einwohnern). 

2 Bei der Cisterne steht die einfache Locanda al pastore ; in der Stadt 
selbst hat man das Gasthaus ,,zum Hirsclien" (Gostiona k Jelenu). 



TRAU. 



265 



Das Thor fallt zunachst durch eine reizende, auf dem Sims 
gewachsene und den venetianischen Lowen beschattende Kugel- 
cypresse auf, 1st aber auch seinem sonstigen Aussehen nach eine 
wiirdige Introduction in das Stadtchen, das unter alien Orten 
Dalmatiens am meisten seinen mittelalterlich venetianischen 
Charakter bewahrt hat und daher von einem besonderen Stand- 
punkte betrachtet sein will. 




HAFEN VON TRAU. 



Wer nur das Wohnlichkeitsmoment im Auge hat, den werden die engen 
diisteren Gasschen Traus so wenig erbauen, wie etwa jene alten Viertel von 
Niirnberg, dessen Hauser in die Zei ten Hans Sachs' zurtickreichen. In Trau 
kommt noch dazu, dass das kleine Gemeimvesen nicht die Mittel hat, um 
anders als sehr langsam, Schritt fiir Schritt, den modernen Anforderungen 
stadtischer Hygiene gerech't zu werden. 

Bemerkenswert ist das Aussehen der Hauser, von denen die meisten 
die Zeichen jahrhundertelanger Bewohnung an der Stirne tragen und zu 
Betrachtungen Anlass geben, die den Menschenfreund fast zu Wehmuth 
stimmen. 

Die moderne Stadtekunde lehrt, dass der Boden unter grosseren Gemein- 
wesen im Laufe der Jahrhunderte Veranderungen erleidet, deren ungiinstigc 
Wirkung auf die Menschen nur durch Aufgebot aller modernen Ein- 
richtungen, wie Trinkwasserzuleitung, Canalisation, Strassensauberung u. dgl. 



266 VON SEBENICO NACH TRAU. 

aufgehoben werden kann. Fur Gemeinwesen wie Eom und Athen war es erne 
wahre Wohlthat, dass grosse Stadtbezirke jahrhundertelang wiist lagen, so 
dass die Atmospharilien Zeit fandeii, den Boden wieder aufzufrischen. Nicht 
minder segensreich erwiesen sich fur andere Stadte die wiederbolten durch- 
greifenden Zerstorungen ganzer Stadttheile durch Brande, Erdbeben oder 
feindliche Verwiistung. Solche Schreckensereignisse vernichteten oft fiir 
Janre hinaus den Wohlstand einer Generation, waren aber von Segen fiir 
dieNachkommen, die sich auf erfrischtem Boden neue wohnliche Bebausungen 
erbauten. 

Betrachten wir von diesem Gesichtspvmkte Trau, so finden wir, dass 
ruhmliche Eigenschaften der Vorfabren den Nacbkommen zum Unheil wurden. 
Seit mebr als 2000 Jahren hangt die Bevolkerung mit riihrender Zahigkeit 
an ihrer Scbolle und besonders in der venetianischen Bliitezeit wurden 
die Hauser mit einer Festigkeit gebaut, als sollten sie in Ewigkeit stehen. 
Das ist fur den Fremden schon, der nun in Trau studieren kann, wie man 
in der Venetianerzeit in einem dalmatinischen Stadtchen wohnte, fiir den 
heutigen Trauriner aber ware es besser gewesen, wenn man vor 400 Jabren 
leicbter gebaut hatte. Denn dann hatte vielleicht scbon sein Grossvater das 
Stammbaus umbauen miissen und zum mindesten wiirde ein, etwa heute be- 
absichtigter Umbau nicht das Niederreissen einer formlicben Festung zur 
Voraussetzung haben. 

Dass die Trauriner niemals genotbigt waren, wie die Salonitaner ihre 
Stadt zu verlassen und sich anderwarts anzusiedeln, und dass sie in der 
alteren Venetianerzeit wahre Burgen bauten, welche der Zeit und dem Feuer 
widerstanden, erscheint nachst der Ummauerung als die Hauptursache der 
heutigen Beengtheit Traus und man darf es daher im Interesse der Trauriner 
wohl freudig begrtissen, dass der gegenwartige Biirgermeister des Ortes 
durch den 1898 fast beendeten Neubau des Rathhauses gewissermassen die 
erste Bresche in das alte sanitatswidrige Winkelwerk der Stadt gelegt hat. 



Bei dem Alter der meisten Hauser Traus kann es nicht 
verwundern, dass man an den Fa9aden uberall Motive aus der 
besten Yenetianerzeit findet: schone zwei- und dreifliigelige 
romanische Fenster, sculptierte Balustraden und Balkone, ge- 
schnitzte Thiiren, kunstvoll ausgefiihrte Mauerzahne u. dgl. 
Auch in den Hofen ist manches Interessante zu sehen, wie z. B. 
im Hause C i p p i c o ein schoner Brunnen oder im B-athhause die 
alten Wappen und Inschriftsteine, die man in die Innenmauer 
eingelassen hat. 

^Unter den Kirchen Traus steht naturlich der beriihmte Dom 
in erster Linie (siehe den betreffenden Abschnitt) ; es sind aber 
auch einige von den kleineren Gotteshausern, deren Trau einst 



TRAU. 



267 



21 besass, erhalten, wie die neben der venetianischen Loggia 
stehende dreischiffige Basilika des H. Martin, die jetzt der 
H. Barbara geweiht ist. Diese Kirche ist durch die fass- 
formige Wolbung des Mittelschiffes und die spitzbogige Kuppel 
liber dem Presbyterium, sowie durch den alterthumlichen Ver- 
schluss des Fensterchens an der Apsis bemerkenswert. Das 
oberste Sims tragt eine Inschrift aus dem VIII. Jahrhundert. 
Noch weiter in die graue Vergangenheit versetzt ein im 
Hofe des Klosters S. Nicolano eingemauertes griechisches 




LOGGIA IN TRAU. 

Fragment, denn es stamint aus dem III. Jahrhundert v. Chr., als 
Trau noch Tragurion hiess. Wer sich dagegen fur Gemalde 
interessiert, wird die Kirche des H. Dominik aufsuchen, 
welche ein besonders durch die Darstellung der heiligen Jungfrau 
fascinierendes Bild n Beschneidung Christi" von Pal ma d. J. 
enthalt. In derselben Kirche findet man einen aus dem XV. Jahr- 
hunderte stammenden Marmor-Sarkophag der Familie Sobota. 
Die iibrigen kleinen Kirchen Traus sind meist aufgelasseii 
oder liegen in Ruinen, wie die Abtei St. Johanns des 
Taufers, ein romanischer Bau mit schoner Hauptpforte, ober 
welcher Rosetten angebracht sind. 



268 VON SEBENICO NACH TRAU. 

Letztere Kirchenruine, auf deren Dach Gebiisch wachst, 
leitet uns, da sie nachst dem Rathhause steht, auf die Piazza 
von Trail, wo der Eindruck des Historischen, den man von der 
Stadt empfangt, wohl am nachhaltigsten wirkt. Hoch strebt da 
iiber einem, von schmalen, fast schiessschartenahnlichen Fenstern 
nankierten Rundbogenthor der in drei Etagen sich aufbauende 
Campanile empor, das rothe Spitzdach des Domes machtig iiber- 
ragend; dann folgt rechts, jenseits eines Gasschens das Rath- 
haus, ober dessen Pforte man einen kleinen Marcuslowen und 
das neue Wappen von Trau bemerkt, 1 und schliesslich bemerken 
wir, an der dritten Platzseite die in neuester Zeit restaurierte 
Loggia, deren von sechs runden Granitsaulen. getragener 
Plafond infolge der blauen Felder zwischen dem braunen 
Holzgebalk recht farbenbunt aussieht. Die vierte Seite des 
Platzes nimmt das KafFeehaus ein, der Mittelpunkt des Corso- 
getriebes, das sich an schonen Abend en iiberdies mehr der Riva 
vor dem Marine -Thor zuwendet. 

Dieses Marine -Thor und seine ganze Umgebung gehort zu 
den malerischesten Localmerkwiirdigkeiten Traus. Noch hangen 
da in den Angeln die alten, mit Eisenspitzen beschlageiien Thor- 
fliigel, und noch ist hinter dem Thore der kleine Marcuslowe 
vorhanden, von dem die Sage geht, das in der Pranke gehaltene 
Buch sei wie bei den anderen venetianischen Lowen einst offen 
gewesen und habe sich erst beim Falle der Republik zugethan. 
Aber auf den Mauern wachst Gebiisch und ihr altersgraues Aus- 
sehen lasst den Wanderer wohl fragen, wie lange der Lowe 
oberhalb des Thores, der laut Inschrift aus dem Jahre 1642 
stammt, noch auf die Scenerie am Hafen niederblicken wird? 

Tritt man aus dem Thor, so hat man links die Dreh- 
briicke, die Alt-Trau mit dem Stadttheil auf der Insel Bua 
verbindet. Sie ist hiiben und driiben aus Stein, wahrend in 
der Mitte eine griingestrichene Eisenconstruction das Offnen fur 
passierende SchifFe gestattet. Doch diirfen diese nur 6 Fuss 
Tiefgang haben, da der Meercanal hier sehr seicht ist. 

Der alte, oben kuppig abgewitterte und bewachsene Thurm, 
vor welchem das aus dem Jahre 1761 stammende venetianische 



' Die Inschrift iiber der rechten Seitenpforte bekunclet eine 1608 statt- 
gefundene Renovierung. 



TRAU. 269 

Zollhaus steht, die Ruine der erst kiirzlich abgebrannten Kirche 
S. Nicolo (siehe oben), das Marine-Thor und die Briicke nach 
der Insel Bua hiniiber, verleihen der siidlichen Riva von Trau 
eine eigenartige Physiognomic, deren Eindruck sich noch ver- 
starkt, wenn man langs der Riva gegen Westen wandert. 

Das Vis-a-vis hellgriiner, uber eine Gartenmauer heruber- 
guckender Seestrandskiefem bildet namlich hier das machtige 
Gemauer des Castells von Camerlengo, 1 das hart am Strande 
steht und nur durch einen griinen Anger von einem Rundthurm 
geschieden wird, dessen Erbauung man Sanmicheli zuschreibt. 

Ein kleines Aussichtstempelchen zwischen dem Castell und 
dem Rundthurm gewahrt einen schonen Blick auf die leider 
verseichte Bucht und weiter auf die Gebirge des Nordwestens, 
wandert man aber noch ein paar Schritte, so hat man die Stadt 
von Siid iiber West umgangen und befindet sich wieder an dem 
landseitigen Canal (Fossa), an welchem man zum Johannes-Thor 
zuriickkehren kann. 

Der Dom. 

Die grosste bauliche Merkwiirdigkeit Traus ist sein Dom, 
dessen Bau an Stelle einer durch die Sarazenen 1123 zerstorten 
Kathedralkirche anfangs des XIII. Jahrhunderts begonnen wurde 
und der von 1421 an eine bedeutende Vergrosserung und Um- 
gestaltung erfuhr. Baumeister in der Umgestaltungsperiode war, 
wie aus dem in Farlatis n lllyricum Sacrum" abgedruckten 
Baucontracte hervorgeht, ein Matthaus Gojkovic, der viel- 
leicht identisch mit dem Magister Matthaus Dalmaticus, 
dem Erbauer des Domes von Sebenico ist. Doch dauerte es in 
Trau noch langer, ehe der bedeutende Kirchenbau zur Voll- 
endung gedieh, denn erst im Jahre 1600 entstand der Campanile 
und erhielt der Dom die Gestalt, die er seit nun 300 Jahren 
ohne wesentliche Anderungen bewahrt hat. 

Treten wir in die Vorhalle, die ein dreitheiliges Rechteck 
mit Gurtenwolbungen und im ganzen ein Gewolbe des Glocken- 
thurmes bildet. 2 Hier haben wir im Mittelraume die prachtvolle 

1 Erbaut 1424 von den Venetianern. 

f Wenn die Kirche geschlossen ist, wendet man sich wegen Herbei- 
holung des Kirchendieners in das Cafe auf der Piazza. 



270 VON SEBENICO NACH TRAD. 

Hauptpforte vor uns, welche als die schonste romanischen Styles 
in Osterreich-Ungarn gilt und von dem heimischen Kiinstler 
Radovan im Jahre 1240 geschaffen wurde. Wie die Uber- 
lieferung will und neueste Ausgrabungen bestatigen, stanimt ein 
Theil der Bildnereien an dieser Pforte von der Marienkirche in 
Bihac, der einstigen Residenz der croatischen Konige; auch 
findet sich an der Innenseite der Thiir in das Baptisterium eine 
Inschrift aus dem. Jahre 1465, woraus hervorgeht, dass hier 
ahnlich wie beim Riesenthor der Stefanskirche in Wien, die 
Pfortenpartie zu den altesten Theilen der Kirche gehort. Die 
griinen Thorniigel symbolisieren das alte und neue Testament 
und sind von zwei Lowen flankiert, welche roh gearbe.itete 
Figuren von Adam und Eva tragen ; zwischen den Figuren und 
den Thorniigeln streben reliefbedeckte kantige Saulen und Pfeiler 
auf, von welcheh die ausseren Basrelief-Bildnisse der Apostel, 
die inneren in gleicher Darstellung Begebeiiheiten aus dem 
romischen Kalender und aus der Ortsgeschichte aufweisen. 

Auf dem unteren Simse findet man die Inscription des 
Kiinstlers, unter der Statue des heiligen Laurentius, dem die 
Kirche geweiht ist ; ober der Thiir in die Taufcapelle ' ist die 
Taufe Christi, auf dem Plafond der Vorhalle die Geburt Christi 
und die Ankunft der Hirten und der Heiligen Drei Konige dar- 
gestellt. 

Das Innere der Kirche : die durch zwei doppelte Saulen- 
stellungen in drei Schiffe getheilt erscheint, macht einen gross- 
artig diisteren Eindruck, da die oberen Partien keinerlei Bilder- 
schmuck aufweisen, so dass man hier, wie in der Stirnwolbung 
ober dem Hochaltar, nur das altersgraue G-estein erblickt. 

Vor dem Hochaltar steht beiderseits je eine doppelte Reihe 
ganz schwarzbrauner, oberseitig reich in Gold und Blau ver- 
zierter Chorstiihle ; unter der Kanzel bemerkt man eine Grab- 
platte mit einer Inschrift, welche bekundet, dass hier seit 1348 
ein in der Greschichte Trails oft erwahnter Dynast ruhe : ,,Mladen 
Subic Croatorum Clipens". 



' Ober dem Altar des Baptisteriums (Taufcapelle) eine eigenthumliche 
Darstellung des 420 zu Bethlehem f S. Hieronymus in der Wliste. Der 
Heilige befindet sich vor einem Lowen in einer Hb'hle. Links ein Vorhang 
aus Gestein, in welchem zwei Schlangen und zwei Dracheii zu sehen sind. 




DEB DOM VON TBAU. 



TRAU. 271 

Vor dem Grabmal betritt man zur Linken die reich- 
ornamentierte lichte Capelle des heiligen Johann Orsini, das 
Kleinod des Trauriner Domes. In einem von zwei (modern en) 
Marmorengeln gehaltenen prachtvollen Marmor-Sarkophage ruhen 
hier seit 1681 die Gebeine Johann Orsinis, der von 1062 bis 1111 
Bischof von Trail war, und zwischen den Fensternischen stehen 
Statuen der Apostel, von welchen aber zur Zeit nur elf vorhanden 
sind, da die zwolfte auf den Thnrm versetzt wurde, um einen 
der vier Evangelisten zu vertreten. Die Decke der Capelle ist 
in Grim und Schwarz cassettiert und durch die Fenster fallt 
im Gegensatz zum sonstigen Kircheninnern reichlich Licht auf 
das schone Grabmal, das um 1467 von den Meistern Andrea da 
Durazzo und Nicolo da Firenza geschaffen wurde, wahrend 
die Apostelstatuen, zwischen welchen man fackeltragende Engel 
bemerkt, dem 1560 bis 1570 schaffenden Bildhauer Alessandro 
Vittorio zugeschrieben werden. Initiator des Grabmals war jener 
Nachfolger Johann Orsinis auf dem Trauriner Bischofsstuhl, 
dessen Bildnis man links der Capelle verewigt findet. 

Sehr interessante Gegenstande birgt auch die Sacristei des 
Trauriner Domes, in welcher vor allem iiber einer Holzwand 
ein vergoldete Figuren u. dgl. tragendes Gesimse auffallt, das 
ausserordentlich wertvoll sein soil. Dariiber bemerkt man ein 
Gewolbe und noch hoher eine Darstellung der Wappen sammt- 
licher Bischofe von Trau. An Kirchenschatzen zeigt der Messner 
ausser dem von Gregorio di Vido 1548 geschnitzten Kasten aus 
Nussbaumholz, ein Messgewand aus goldgesticktem rothem Sammt, 
eine Kornahre aus Elfenbein, zwei Missale aus Pergament, das 
gothische Insiegel des Capitels von Trau, eine aus dem XV. Jahr- 
hundert stammende Stola, auf welcher Jesus und die 12 Apostel 
dargestellt sind, und endlich eine mittelalterliche Bischofsmiitze, 
die der Legende zufolge aus dem Kronungsmantel gefertigt 
wurde, den Bela IV. den Traurinern vor 650 Jahren zum Dank 
fiir erwiesene Gastfreundschaft geschenkt haben soil. 

Es sind alte Erinnerungen, die in dieser, in den letzten Jahr- 
hunderten so wenig wie Trad selbst veranderten Kirche an uns 
voriiberziehen und mancher illustre Gast hat schon sinnend an der 
denkwiirdigen Statte gestanden, auch unser Kaiser, dessen Namen 
wir im Gedenkbuch unterm 20. Juni 1875 eingezeichnet finden. 



272 VON SEBENICO NACH TRAU. 

Aus Traus Vergangenheit. 

Uns in die alien Zeiten der Trauriner Herrlichkeit zu versetzen, sind 
Sohne der Stadt selbst unsere besten Ftihrer, vor allem Lucius, der Vater 
der dalmatinischen Geschichtschreibung, der seiner Vaterstadt Trau eine so 
ausfiihrliche und zahlreiche Docurnente von culturgeschichtlichem Interesse 
enthaltende Localgeschichte widmete, wie sie kaum eine andere Stadt Dal- 
matiens besitzt. 

Schon die antiken Geschichtschreiber und Geographen liaben fast 
sammtlich Trau einer besonderen Erwahnung fiir wert gehalten, so Strabo, 
dessen Anmerkung ,,Tragurium Issensium est opus" uns erinnert, dass es 
griechische Colonisten von der Insel waren, welche Tragurion ' (zu deutscli 
etwa Ziegenplatz, Ziegendorf) grundeten; so Plinius, der Trau ein durch 
seinen Marmor bekanntes Stadtchen der Romer nennt. (Oppidum Romaiiorum 
marmore notum.) Trotzdem findet man in Trau keine romischen Uberreste 
noch Ruineii aus der byzantinischen Zeit, offeiibar weil der kleine bestandig 
bewohnte Raum, den die Insel bot, zwang, immer wieder dieselben Platze 
zu bebauen. 

Da die Byzantiner, deren Herrschaft u. A. 806 bis 810 durch ein 
kurzes Begiment Karl d. Gr. unterbrochen wurde, das kleine Trau nicht 
hinreichend schiitzen konnten, erklarte sich die Stadt 827 ganz unabhangig. 
und zahlte den Croaten einen kleinen Tribut, wahrend gegen die Narentaner 
der Beistand Venedigs angerufen wurde. 

Um die Wende des ers.ten Jahrtausends (997) kam der Doge Pietro 
Orseolo II. mit einer Flotte nach Trau und trat hier mit Kregimir, dem 
Bruder des croatischen Konigs Drzislav in jene Verb in dung, welche die 
erste Annaherung und spatere Vermischung der romischen Stadte mit den 
slavischen Landbewohnern zur Folge hatte. Wie Lucius berichtet, wurde 
schon am 13. Marz 1177, als der von Friedrich Barbarossa verfolgte Papst 
Alexander III. in Zara landete, das Tedeum in der Zaratiner Kathedrale 
in ,,illyrischer" (d. h. altcroatischer) Sprache gesungen und im XIII. Jahr- 
hundert sassen die Slavic, die ihren Namen spater in Rossignoli italiani- 
sierten, als die ersten Slaven im Gemeinderathe von Trau, ja, nach Giu- 
stiniani war 1553 die slavische Sprache und Lebensweise so herrschend 
in Trau, dass nur die Manner noch die ,,lingua franca" verstanden. 

Die wechselnden Geschicke Traus zu erzahlen, das wie die anderen 
Stadte Nord- und Mittel-Dalmatiens bald unter byzantinischer, bald unter 
croatischer, ungarischer und venetianischer, aber uie unter tiirkischer Herr- 
schaft stand, wurde hier zu weit fiihren. Nur einige charakteristische That- 
sachen seien erwahnt, wie vor Allem die Wiedererrichtung eines schon 
friih bestandenen und im VIII. Jahrhunderte erloschenen Bischofssitzes unter 
Johann r s i n i im Jahre 1062 2 , die Zerstorung Traus durch die Sarazenen 



' Bis ins XIV. Jahrhundert erhielt sich der Name Tragura, dann 
wurde Tragu, Trahu und zuletzt Trau daraus. 

2 Im Jahre 1822 entsagte der 48. Bischof von Trau, G. A. Pine Hi, 
und der Trauriner Bischofsitz wurde nun mit jenem von Spalato vereinigt. 



Spljet i okolica, 

Spalato und 



' Kr(iiiirioJf, '{ VS., i j*" 
- " ' , - .v./' 



K A S 'V K L A X S K \ 7, A L \ .\ 

A N A 1. K C A S \ V. \, \ \ 



Zaloubal 

VaAlon-Salrtou " t sV*^V ~^,,>. 




S V \, .J K T S 
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Tajiiijav.... V 

\RudTfre~ x ffumorska 




Kl 



Gaj 

206+ 



Kartogr. Anstalt v. G. Freytag &. Berndt, Wien. 



palato e dintorni, 

mgebung, 




2. A 1. I 5 E 
S P A L A T O 



Supetar ^ 

dclla Brazza =r 



-f 




Benrbeitet von Dr. J. Skarica. 



TRAU. 273 

im Jahre 1123 und der Streit mit Spalato um das, jetzt nicht mehr vor- 
handene Dorf Ostrog (Ostrozine), welcher durch seine Hartnackigkeit be- 
merkenswert 1st, da er sich von 1103 bis 1277 hinzog. 

Gegen Ende dieser Periode fand der Mougoleneinfall in Dalmatien 
statt und bewog den aus Ungarn gefluchteten Konig Bela IV. den ganzen 
Friihling 1242 liber die Gastfreundschaft der Trauriner in Anspruch zu 
nehmen, denen er dafiir nianche Gunst erwies, ebenso wie Stefan von Bribir, 
der 41 Jahre lang Conte von Trau war. Trau behielt damals wiederholt 
sogar gegen Spalato die Oberhand, und erst unter jenem Mladen von Bribir, 
dessen Grab der Dom noch heute bewabrt, hoben Bedriingnisse an, welche 
Trau bewogen, sicli am 24. April 1322 Venedig zu ergebeii. 

Der erste Conte der Venetianer war M. Morosini, welcher das 
schon 1291 errichtete und 1303 zum erstemnale verbesserte Capitulare oder 
Statut von Trau zum zweitenmale revidieren und in drei Btichern sarnmeln 
liess, welche einen sehr interessanteu Einblick in das Leben und Treiben 
der Trauriner vor nun 600 Jahren gewahren und manche merkwiirdige 
Bestimmung enthalten. 

Unter anderem verbot das Capitulare dem von der Stadt besoldeten 
Arzt bei 25 Lire piccole ' Strafe, ohne Erlaubnis des Conte die Stadt zu 
verlassen. Niemand durfte bei Naclit ohne Licht gehen, niemand bei 
40 Soldi Strafe anderwarts als auf der Piazza um Geld spielen. Den 
Verkauferinnen an der Loggia war bei 5 Soldi Strafe das Spinnen verboten, 
mit Hasen, Rebhuhnern, Gansen. und Huhnern durfte kein Zwischenhandel 
getrieben werden. Bestahl ein Dienstbote seine Herrschaft, wurde ihm die 
Nase abgeschnitten ; stahl Jemand iiberhaupt, so verier er ein oder beide 
Augen, wenn der Wert bis 10, bezw. 25 Lire betrug. War der Wert noch 
grosser, wurde der Dieb ,,solange gehangen bis er starb". 

Die Zeit der Erlassung dieses Statuts scheint das goldene Zeitalter 
biirgerlichen Gedeihens fiir Trau gewesen zu sein. Das XIV. Jahrhundert aber 
war, wie fast in alien Stadten Europas, eine Periode biirgerlicher Unruhen, 
welche fiir Trau als die Zeit der Kampfe zwischen den Intrinseci oder Da- 
heimgebliebenen und den Estrinseci (Verbannten) bezeichiiet werden kann. J 

Im Jahre 1357 ergab sich Trau Konig Ludwig d. Gr. von Ungarn, 
der zwar einige neue Steuern auferlegte, aber auch durch eine Bewilligung 
von 2000 Goldgulden den Bau der Trauriner Befestigungen in Fluss brachte, 
welche seit 1413 die Stadt einschnurten. Weder diese Befestigungen noch 
eine zur Sperrung des Hafens angeschaffte eiserne Kette konnten jedoch 
hindern, dass, als der Venetianer Loredano im Jahre 1420 vor Trau erschien, 
die Stadt bald (am 22. Juni) zur Capitulation genothigt war. Damit be- 
schloss Trau, wie so viele andere Stadte Europas, die bewegte Zeit auto- 



1 Die kleine oder dalmatinische Lire gait etwa 10 kr. 6. W. 

2 In diesen Parteikampfen spielte u. A. ein Marino di Andreis eine 
grosse Eolle, ein Angehoriger der aus Byzanz eingewanderten Familie der 
Andronici, die ihren Namen in Andreis geandert hatte. Nach ihr haben 
Castel Andreis und Lago di Castel Andreis ihren Namen. 

F (Hirer dutch Dalmatien. 18 



2<4 VON SEBENICO NACH TRAD. 

uomer Entfaltung und es folgte jenes 377jahrige Dasein als kleine Provin- 
zialstadt, welches, da die Stadt selbst wahrend der Tiirkenkriege von jeder 
Belagerung verschont blieb, fast ohne markante Ereignisse verlief. 

Audi in dieser Zeit hat aber Trau nie aufgehort, bedeutende Manner 
hervorzubringen und namentlich haben sich seine Sohne stets durch histo- 
rischen, der Gescbichte der Vaterstadt zugewandten Sinn ausgezeichnet. 

In erster Linie steht unter diesen Mannern Johannes Lucius, welcher 
in Rom den Doctorgrad erwarb und dort seine beriihmte Geschichte Croatiens 
und Dalmatiens vollendete (erschienen Amsterdam 1666), wahrend er seine 
,,Memorie storiche di Tragurio" 1674 in Venedig herausgab. Lucius starb 
1679. Sein Nebenbuhler war ein Paulo aus dem Geschlechte der A u d r e i s, 
der ebenfalls eine Geschichte Traus schrieb, die zwar noch unediert ist, 
aber von der Familie auf bewahrt wird. Uberhaupt bergen die Privatarchive 
in Trau manchen Schatz, da mehrere Familien seit Jahrhunderten in der 
Stadt ansassig sind und wie ihren materiellen Besitz, so auch literarische 
und gelehrte Arbeiten ihrer Vorfahren mit Pietat aufbewahrt haben. 

Zu diesen Familien gehoren unter anderem die G a r a g n i n, welche 
eine von dem 1783 verstorbenen Spalatiner Erzbischof Gian Luca Garagnin 
begrilndete Bibliothek besitzen. Diese Bibliothek, in welcher in den Fiinfziger- 
Jahren die Dalmatienreisende Baronin Duringsfeld ihre Studien machte, 
enthielt schon damals iiber 400 auf Dalmatien bezugliche Handschrifteii 
und Werke und befindet sich in einem aus 16 Hausern zusammengefiigten 
Palazzo, welcher seither in den Besitz der Fanfogna gekommen ist, 
auch eines uralten (Zaratiner) Geschlechtes, aus welchem schon 1319 ein 
Bischof von Sebenico hervorgieng. 

Eine zweite uralte Familie ist die der C i p p i c o, die ihren Ursprung 
auf das altromische Geschlecht C a e p i o zuriickleitet. Aus ihr giengen zu 
Anfang des XVI. Jahrhunderts Bischof Alois von Famagusta (Cypern) 
und Erzbischof Giovanni von Zara, sowie 1784 Lelio C i p p i c o, der 
79. Erzbischof von Spalato hervor. 



Spaziergange in und bei Trau. 

Unter den erbgesessenen Familien Traus wurden die Garagnin- 
Fanfogna und C i p p i c o deshalb erwahnt, weil ihre Besitzthiimer noch 
heute fur den Fremden, der Gelegenheit hat, sie zu besichtigen, vieles 
Interesse bieten. So findet sich, wie schon erwahnt, im Palaste C i p p i c o 
ein sehenswerter Brunnen, und zum Palazzo Garagnin gehort ein durch 
zahlreiche exotische Pflanzen bemerkenswerter Garten. Auch der Garten des 
Hauses Cattalinich soil ein Curiosum enthalten, iiamlich eine Dattel- 
palme, die laut Inschrift 1735 gepflanzt wurde und 1795 die ersten Fruchte trug. 

Palmen und exotische GeAvachse sind in Dalmatien nichts besonderes und 
sofern die Zauber der Vegetation in Frage kommen, wird der Fremde stets 
gern ins Freie hinauswandern, wo er die schone Flora des Landes in ihrer 



TRAO. 275 

vollen Natiirlichkeit findet und zugleich weiteren Horizont geniesst. Hiezu 
bieten sich von Trau aus drei Ausflilge: Ostwarts entlang der Riviera der 
Sieben Castella (siehe Capital XVII), westwarts nach der Anhohe Draga 
und siidwarts nach dem Kloster D r i t auf der Insel Bua. 

Nach Draga. 

Draga nennt sich eine Anhohe langs der Sebenicoer Strasse, die 
westlich von Trau die Flanken des VlaSka-Berges hinanklimmt, um das 
Karstplateau zu gewinnen. Sie liegt nur wenige Kilometer von Trau ent- 
fernt und der Ausflug dahin ist umso empfehlenswerter, als er am Garten 
des Conte Fanfogna-Garagniii voriiber zu dem schonsten Ubersichts- 
punkte uber die Stadt fiihrt. 

Ungemein lieblich liegt da Trau rait seinen altersgrauen Hausern 
und Mauern, seinem hohen Thurine und seinen beiden Briicken ein- 
gebettet in eine der vielgestaltigsten Landschaften, welche Dalmatien 
aufzuweisen hat. Sowohl gegen Osten, als gegen Westen weitet sich der 
schmale Meercanal von Trau rasch : Dort zum Canale delle Castella, den die 
schone griine Eiviera mit ihren weissblinkenden Dorfchen besaumt, hier 
die Saldon-Bucht, deren Ufer gegen Westen weit hin ziehen und sich von 
der ebenen Riviera durch ihren hiigeligen Charakter auszeichnen, der 
zwischen Trau und Bossogjina zur Entstehung von nicht weniger als drei 
der Madonna della Neve geweihten Hohenkirchlein Anlass gegeben hat. Die 
schonste Aussicht aber entfaltet sich gegen Siiden, zwischen der Punta Jelinac 
und dem Westcap der Insel Bua hinaus uber kleine Scoglien auf die Inseln 
Zirona und Solta, zwischen welchen der Blick noch die 55 Kilometer entfernten 
Hohen der Insel Lissa erfasst. Auch tiber Bua sehen wir zum Theil hiiiiiber, 
auf Solta und Brazza, aus dieser Ferae aber kehrt der Blick immer wieder 
in die Nahe zuriick, wo das Blau des Meeres von Gelanden umrahmt wird, 
die besonders im Vorfruhling, wenn mit dem hellen Griin der Rebeii und 
dem Silbergrau der Olbaume der Flor der hier zahlreichen Mandelbaume 
contrastiert, einen bezaubernden Anblick gewahren. 

Auf die Insel Bua (Ciovo). 

Nicht zum Wenigsten wird auf Draga die Aufmerksamkeit von der 
Insel Bua in Anspruch genommen, an deren Nordostkiiste sich ja die Vor- 
stadt gleichen Namens hinzieht, die mit Trau durch die schon erwahnte 
Steinbriicke verbunden ist. 

Bua, das bei den antiken Autoren Bubus, Bavo oder Boas heisst, 
scheint in friihbyzantinischer Zeit als Verbannungsort gegolten zu haben. Es 
wird namlich berichtet, Kaiser Julian habe den Florentinus, Kaiser Valens 
den Immelius hieher ins Exil geschickt und auch der Haretiker J o v i - 
n i a n u s habe hier als Verbannter gelebt. 

Ein Kloster entstand auf Bua schon 1214, als ein Vorfahre des Ge- 
schichtschreibers Lucius den Franziskanern seine Verlassenschaft widmete; 

18* 



276 VON SEBENICO NACH TRAU. 

seit 1432 wurde aber hauptsachlich das von der Stadt erbaute Benedictiner- 
kloster wichtig, das nach einem aus Drit stammenden Madonnenbilde seinen 
Namen erhielt. 

Zu diesem Kloster Maria de' Driti findet noch jetzt alljahrlich am 
14. November, wenn die Trauriner das Fest ihres Schutzpatrons feiern, eine 
Devotion (Procession) statt; die einst zahlreiche Ordensbruderschaft aber 
ist nur mehr durch zwei Fratres vertreten und das Kloster selbst macbt 
einen ziemlich verwahrlosten Eindruck. Immerbin ist ein Winterspaziergang 
auf die Hohe, der durch eine Art Berggasse der Vorstadt Bua und dann 
entlang eines Kreuzweges emporfiihrt, sehr zu empfeblen. Die Promenade 
erinnert - wenn man Kleines mit Grossem vergleicben darf etwas an 
den Spaziergang zu S. Onofrio bei Rom und belohnt durch hiibsche Blicke 
auf Trau und die Riviera. 1 Beginnt man sie bei der Drehbriicke, die von 
Trau heruberfuhrt, so kommt man an dem ehemaligen Seminar S. Lazzaro 
vorbei, in welchem N. Tommaseo seine Jugendjahre verbrachte. (Siehe 
Abschnitt Sebenico.) 



1 Erwahnt sei hier ncch des Scoglio Kraljevac an der Siidwestkuste 
B uas. Hier soil B e 1 a IV. verweilt haben, als er sich auf der Flucht vor den 
M ongolen eine Zeit lang selbst in Trau nicht sicher genug glaubte. 




XVII. Die 



delle Castella 



Von Trau nach Spalato. 

Nirgends - - sagt Baronin Diiringsfeld ist das durch- 
wegs malerische, aber fast immer schroffe Dalmatien so weich, 
so sanft, wie an der Riviera der Sieben Castella. So lieisst 
namlich der herrliche Kiistensaum von Trau. bis Spalato, den 
der Wall des Ziegengebirges (Montes Caprarii, Kozjak) vor dem 
rauhen Boreas schiitzt, so dass es im Strahl der Siidensonne 
hier spater Winter und friiher Lenz wird, als im iibrigen Nord- 
und Mittel-Dalmatien. Daher ist auch der Landstrich der Sieben 
Castella altberiihmt durch seine Vegetation. Man kann sich 
keine schoneren Olbaume denken, als man hier sieht. Der Epheu 
umrandet die grauen Stamme zartlich mit iippigem Blatterwerk. 
Der Lorbeer wuchert. Myrten und Granatbiische bilden die 
Hecken. Eine Fahrt hier im December, wenn der blaue Crocus 
auf den Wiesen, an dem Wasser und zwischen den Lorbeer- 
gestrauchen bliiht, ist wie ein reizender Traum. Und dicht am 
Kiistensaum, wo sich mit dem iippigen Griin und Flor der 
Mediterran-Vegetation das Blau der Meeresnut vermahlt, blicken 
sieben weisse Ortschaften, welche die Kiistenstrasse durchzieht, so 
dass man das schone Gelande in dreifacher Weise auf sich wirken 
lassen kann : Vom Dampfer aus in der Kustenansicht, zu Wagen, 
wenn man die Details der Orts- und Vegetationsscenerien kennen 
lernen will, und in der Eisenbahn, welche den gegen Spalato 
Fahrenden aus der Karstregion in die Riviera hinabbringt, die 
sich hier von der Landseite als Vordergrund eines weiten Meer- 
horizonts entrollt. 



278 DIE RIVIERA DELLE CASTELLA. 

Seefahrt Trau Salona. 1 

Wahrend der Seefahrt von Trau gegen Salona sieht man 
die Insel Bua rasch zur Rechten weichen, das Wasserbecken 
weitet sich und im Vorblick (Osten) tritt zwischen dem Monte 
Marjan, hinter dem sich Spalato birgt, und dem Kozjakwall 
der besonders in der Abendbeleuchtung oft grossartige Mosor 
in Erscheinung, vor dessen Fuss unsere Riviera mit der Saloni- 
taner Ebene endet. 2 

Ein Hauptinteresse wahrend der Bootfahrt werden ausser 
der wechselnden Scenerie des die Riviera begrenzenden Kozjak- 
walles, besonders die Castelli an der Kiiste in Anspruch nehmen, 
welchen die Landschaft ihren Namen verdankt und bei deren 
Geschichte wir daher einen Augenblick verweilen wollen. 

Historisches iiber die Castelli. 3 

Es ist naturlich, dass ein so gesegneter Landstrich, wie die Riviera 
zwischen Trau und Spalato, schon in altester Zeit bebaut und besiedelt 
wurde. Aus der Romerzeit kennen wir zwar nur einen, heute verschollenen Ort 
Sicum oder Siclis, wo Kaiser Claudius eine Anzahl seiner Veteranen ange- 
siedelt haben soil, umso gewisser ist aber, dass die Riviera in der Zeit der 
croatiscben Konige eine bedeutende Rolle spielte. Zwiscben dem von der 
Sage verherrlicbten Trau und der Stelle des spateren Castelnuovo lag 
namlicb hohenwarts die altcroatische Konigsresidenz Bibac und 
scbon zur Zeit ihrer Bltite vor einem Jabrtausend, wenn nicbt friiber, fanden 
an der Riviera Griindungen von Klosterkircben statt. 

So stand z. B. unweit von Castelnuovo in nordwestlicber Ricbtung eine 
der ersten Kircben, welcbe die cbristlich gewordenen Croaten erbauten, 



1 Die grosseren Dampfer, auch wenn sie bei Trau anlegten, umschiffeii 
meistens (der Seichtigkeit des Trauriner Canals wegen) die Insel Bua und 
legen bei den Castelli nicbt an. Die circa 19 Kilometer lange Strecke von 
Trau bis zur Eisenbabnstation Salona muss daber mittelst Bootes zuruckgelegt 
werden. Empfehlenswert ist es, wenn man von Spalato zu Wagen nacb Trau 
gekommen ist, den Kutscber nacb Castel Vitturi (Luksic) vorauszuschicken 
und von Trau bis dortbin mit Boot zu fahren. (Circa 10 Kilometer.) 

2 Von Trau : Monte Marjan (178 Meter) 12 Kilometer, Mosor (1330 Meter) 
32 Kilometer. 

3 Zwischen Castelnuovo und Trau, etwas naher dem Berggehange, 
bemerkt man etwa 2 Kilometer landein einen auffalligen Vorberg, der die 
Capelle S. Onofrio (Sv. Nofar) birgt (208 Meter). Etwas tiefer steht siid- 
westlich eine Mariencapelle. Diese beiden Capellen bezeichnen die Lage der 
Konigsresidenz Bihac, von der leider nur mehr Ruineu erhalten sind. 

Die Erfbrschung dieser "Dberreste bildet eines der Ziele, welches sich 
die croatische archaologische Gesellscbaft ,,Bihac" gesteckt hat. 



HISTORISCHES USER DIE CASTELLI. 



279 



Sv. Petar odKlobufica und diente, nebst dem damit verbundenen Monchs- 
kloster dem Concil von Salona zum Versammlungsort. Auch hielt Bela IV. 
liier im Jahre 1251 einen Reichstag ab. Im Jahre 1420 warden Kirche und 
Kloster aus strategischen Rticksichten niedergerissen und erst spater ent- 
stand erstere aufs Neue. 

Eine ahnliche Siedlung stand bei Castel Sucurac, wo bereits Herzog 
Mislav um 830 n. Chr. eine Georgscapelle erbaute, die Herzog Trpimir 
laut einer Urkunde aus dem Jahre 838 der Kirche von Spalato schenkte. 
Aus Sv. Jure (St. Georg) soil der Name Sucurac entstanden sein, die 
Benennung des Castel Abbadessa J aber ist darauf zuruckzufiihren, dass 
die Giiter hier, die friiher zur Herrschaft Sucurac gehorten, von Erzbischof 
Lorenz I. dem von ihm im Jahre 1066 gegriindeten Nonnenkloster S. Bene- 
detto geschenkt wurden. 




K U I N E X VOX B I H A C, M I R I (von Osten). 

So alt ist die historische Siedlungsgeschichte der Riviera, welch letztere 
unter den Kampfen der mittelalterlichen Gewalthaber zwar auch manches 
zu leiden hatte, 2 wesentliche Storungen aber doch erst erlitt, als einige 
Jahrzehnte nach der 1420 erfolgten Besitznahme des Landstriches durch 
die Venetianer, die im Hinterlande eingedrungene Turkenmacht ihre Vor- 
stosse gegen die Kiiste begann. 

Jetzt musste der gesegnete Landstrich besser als bisher beschiitzt und 
namentlich den Colonen der anfangs wenig zahlreichen Herrschaften Ge- 
legenheit geboten werden, im Falle der Gefahr rasch in befestigte Hauser 
fliichten zu konnen, welche wenigstens so lange widerstanden, bis weitero 
Flucht zur See mSglich war. 

1 Abbadessa = Abtissin. 

"> Um den Westtheil der Riviera, den Campo grande (Veliko polje) 
und Bojiisce, fanden gelegentlich harte Kampfe zwischen Spalato und 
Trail statt. 



280 DIE RIVIERA DELLE CASTELLA. 

Der venetianische Senat trug der Sachlage dadurch Bechnung, dass 
er verfiigbare Landereien an einzelne No bill vergab und diesen die Ver- 
pflichtung auferlegte, im Gebiete ihres Lehens feste Castelle zu bauen, die 
standig in wehrhaftem Zustande zu erbalten waren. Dafiir wurden diesen 
Schlossherren mancherlei Begunstigungen und Vorrechte zugestanden. So 
batten sie z. B., wie ein Historiker des XVII. Jahrhunderts erzab.lt, das 
Patronat der Kirchen, in welchen sie beim Gottesdienst bestimmte bevor- 
zugte Platze einnabmen. Der Dorfpfarrer wurde von ibnen bestatigt und 
ebenso der Ortsvorstand, den die zwanzig Dorfaltesten erwahlt batten. In 
ihrer Verwabrung befanden sich ferner, einer 1624 ergangenen Verordnung 
des General-Provveditore M o 1 i n o zufolge, die Schliissel des Ortes, dessen 
Bewohner auch zu allerlei Leistungen an die Herrschaft verpflichtet waren. 
Von jedem gescblacbteten Bind geburte dem Gutsherrn die Zunge, von 
jedem Scbwein der Kopf. Die Oliven mussten in die Herrenmiihle zur 
Olpressung abgeliefert werden und. iiberhaupt stand der Herrscbaft der 
fiinfzehnte Theil des Ertrages und ein Anrecbt auf Eobotleistungen gegen 
geringe Entschadigung zu. 

Andererseits aber batten aucb die Dorfbewobner ihre Bechte. Sie 
wahlten den wie schon erwahnt, vom Gutsherrn zu bestatigenden - 
Ortsvorstand (ArambaSa), 1 der. wenn es zu ein em Scbarmutzel kam, ihr 
Anfiihrer war, und zwei Bichter, von welchen einer uber die Bechts-, der 
andere ilber die Schulangelegenheiten gesetzt war. Zwei Mahlmtihlen durften 
sie abgabenfrei halten, der Weinertrag gehorte ihnen ganz und an der 
tiirkischen Grenze war ihnen das Holzfallen freigegeben. Auf ihre land- 
wirtschaftlichen Gerathe und Waffen durfte selbst von Glaubigern nicht 
Hand gelegt werden. 

Der alteste der Castelli, C. Vecchio (Stari), wurde mit Bewilligung des 
Senats vom 6. August 1476 von dem, aus dem Kriege mit Mahmud II. in 
seine Vaterstadt Trau zuriickgekehrten Coriolano Cippico gegrundet. 
Noch im selben Jahrhundert wurde Castel Sucurac, wo schon friiher eine 
Befestigung bestand, verstarkt (1489) und im Jahre 1487 von zwei Brtidern 
aus dem Trauriner Geschlecht der Vitturi das Castel Vitturi gebaut, 
welches dadurch merkwiirdig ist, dass man in seine Colonie die Bewohner 
jenes alten Dorfes Ostrog aufnahm, das einst in den Kampfen zwischen 
Spalato und Trau so lange eine grosse Bolle gespielt batte. 2 C. Nuovo (Novi) 
wurde von Paolo Ant. Cippico, dem Neffen Coriolanos, 1512 errichtet. 



1 Von den Venetianern war - - anfangs nur auf dem Festlande, be- 
sonders in den Kotari, dann auch auf den Inseln eine Art Landmiliz 
oder Landsturm eingerichtet worden, dessen Officiere und Unterolficiere 
auch im Frieden gewisse Obliegenheiten batten und dafiir eine geringe 
Besoldung erhielten. Diese Landmiliz stand unter Obersten (Colonello), 
Hauptleuten (Capo di riparto) oder Srdaren und Feldwebeln (ArambaSa). 
Die Soldaten hiessen Panduri oder (auf den Inseln) Guardie. Aus den Cadres 
dieser Miliz gieng spater die osterreichische Gendarmerie hervor. 

2 Die Stelle des Dorfes bezeichnet jetzt das Hohenkirchlein S. Lovre 
in der Localitat Ostrozine. 



HISTORISCHES UBER DIE CASTELLI. 281 

In der Folge entstanden noch andere Castelle, 1 so dass es deren 
schliesslich dreizehn gab, von denen aber heute nur sieben mehr erhalten 
sind. Davon heissen vier gewohnlich die Trauriner Castelli, und zwar : 
Castel Stafileo (Stafilic), C. Nuovo (Novi), C. Vecchio (Stari) und 
C. Vitturi (LukSic), wahrend die iibrigen drei als die Spalatiner Castelli 
bezeichnet werden : C. Cambio (Kambelovac), C. Abbadessa (Gomilica) 
und C. Sucurac. 2 

Das Leben in diesen Castelli wurde vor nun einem Menschenalter 
hochst anziehend von Baronin D ii r i ng s f e 1 d geschildert, welche nicht 
genug Worte des Lobes finden kann. einerseits fiir die gesunde naturgemasse 
Lebensweise, der wohl nicht in letzter Liuie zuzuschreiben ist, dass die 
Familien der Castellaner, wie die Cambi t Kambelovici), Vitturi u. s. w. 
noch. heute existieren, andererseits fiir das gebildete urbane Wesen der 
Castellaner, das der Reisende librigens nicht nur bei den Nobili, sondern 
auch in den Familien der seither gross gewordeneii Dorfer finden wird, 
von denen es besonders in neuerer Zeit viele zu erklecklichem Wohlstand 
gebracht haben. Diese Familien gehoren iibrigens nicht dem Bauernstande 
an, sondern sind Gutsbesitzer und Btirger. von welchen rnanche einen Theil 
des Jahres in Spalato -vvohnen und ihren Besitz in den Castellen nur als 
Sommerfrische beniitzen. 

Besonders in diesen Kreisen ist beim weiblichen Geschlecht, das 
sich in den Castellidorfern durch eine sehr hiibsche Tracht auszeichnet, 
viel Schonheit und Liebreiz anzutreiFen. Unter den eigentlichen Bauern 
aber sieht man, wie in so vielen Gegenden des Sudens, im Hochsommer 
einzelne ,,Fiebergesichter", was mit Magenstorungen infolge reichlichen 
Fruchtgenusses, besouders wahrend der Sommerszeit, in Verbindung zu 
bringen ist. s 



1 Bei diesen Castellen, besonders dem Salona nahe gelegenen Castel 
SuSurac wurden maiiche Alterthumer gefunden und zurn Theil von den Dorf- 
bewohnern in ihre Hauser verbaut oder sonstwie beniitzt, z. B. Cippusdeckel 
aus Stinkstein zu Brunnentrogen. 

2 Die nicht mehr vorhandenen Castelli waren: C. Dragazzo (1543). 
C. Quarco (1558), C. Lodi (1548), C. Cega (1487), C. Eosani (1462) und 
C. Andre is, letzteres im Jahre 1600 von zwei Briidern aus dem Geschlechte 
Andreis erbaut, die gleich den Grisogono u. a. zu den, nach dem Falle 
von Byzanz nach Dalmatien gefliichteten Familien gehorten. 

3 Mit Recht hebt Baronin Dilringsfeld her vor, dass, wie der alteste 
der beriihmten dalmatinischen Geschichtschreiber (Lucius) aus Trau, so 
die zwei bedeutendsten neueren Historiker des Landes aus Castelnuovo 
(Novi) stammen: Conte Albino Kreljanovic, der Verfasser der ,,Memoria 
nella storia della Dalmazia" (geboren 1777) und G. Cattalinich (geboren 
1779), der, nachdem er lange Zeit in 6'sterreichischen Kriegsdiensteii 
verbracht, 1835/41 in Zara jene dreibandige ,,Storia della Dalmazia" er- 
scheinen liess, die noch heute als die beste Geschichte des Landes gilt. 
Cattalinich starb am 27. Februar 1847. Von Dr. Giacomo Chiudina 
aus Spalato stammt eine wertvolle Monographic: ,,Le Castella di 
Spalato e Trau 1895." 



282 DIE RIVIERA DELLE CASTELLA. 

Rivierafahrt zu Wagen von Salona nach Trau. 1 

Wie schon erwahnt, 1st eine Spazierfahrt langs der Riviera 
am herrlichsten im Friihling und dann zunachst im Winter, wo 
den Nordlander hier wie bei Ragusa die Fiille ausdauernder 
Vegetationserscheinungen iiberrascht. Die Schonheit des allge- 
meinen Landschaftsbildes aber bleibt zu alien Jahreszeiten die- 
selbe und wer sich einmal an die n hellen heissen Tone" der 
dalmatinischen Gefilde gewohnt und ihre wild en kiihnen Har- 
monien" aufgefasst hat, wird gerade im Hochsommer und Herbst 
den Farbencontrast zwischen der griinen Riviera, dem blauen 
Meer und dem felsgrauen Mosor zu bewundern Gelegenheit 
haben. 

Schon bei der Eisenbahnstation Salona ist man an die 
Meeresbucht gelangt, wo sich im Siiden ein reizender Blick iiber 
Vranjic (^Piccola Venezia") hiniiber auf die Gehange des Monte 
Marjan erschliesst. Weiter draussen sieht man die Insel Bua in der 
Richtung, in welcher nahe unserer Kiiste die gelbe Klippe des 
Scoglio Barbarinac aus der lichtblauen Flut taucht, in der Fahrt- 
richtung aber winkt Cast el Sucurac, ein landseitig ganz in 
Weinculturen und Olivenhaine gebettetes Stranddorfchen, dessen 
Bewohner prachtige Pnrsich-, Feigen- und Granatbaume gepflanzt 
haben und wie alle Castellaner auch durch Wohlgeschmack 
ausgezeichnete Gemiise baueii. Schon beim blossen Voriiberfahren 
durch die Riviera fallen die iippigen Culturen von Paradiesapfeln, 
Bohnen, Erbsen und Kohl auf, welch letzterer ein Bastard von Kohl 
und Kraut sein soil; nicht minder aber wird der Fremde die ^wilde" 
Vegetation langs der Strasse beachten, wo Pistazien, Rosen- und 
Brombeerstrauche und mit braunen hautigen Scheibenfriichtchen 
behangter Paliurus Dickichte bilden, aus welchen bis in den 
Herbst die Prachtblute des Granatstrauches hervorleuchtet. Und 
wie reich ist erst die mediterrane Krauterflora mit ihren vielen 
schonen Blumen und ihren die Atmosphare oft formlich par- 
fumierenden Diiften ! . . . 

Wie bei Sucurac fallen bei dem 10 Minuten westlich ge- 
legenen Castel Abbadessa (Gomilica) hauptsachlich die grauen 
Steinhauser mit ihren griinen Jalousien und der hochaufragende 



1 Von Spalato bis Salona sielie Capitel XIX. 



RIVIERAFAHRT ZU WAQEN VON SALONA NACH TRAU. 



283 



Campanile auf, wahrend sich. bei dem 5 Minuten spater fol- 
genden Castel Cambio (Kambelovac) mehr der oben ausladende 
und mit einem Kegeldach bedeckte altersgraue Rundthurm des 
Castells in den Vordergrund drangt. 

Blicken wir jetzt gegen Norden, wo sich das Culturgelande 
hoch iiber die uns begleitende Eisenbahntrace hinaufzieht, so 
sehen wir den Kozjakwall sich verandern, indem die machtige 
Felskronung, die von Salona her eine einzige Bastion gebildet 
hat, unmittelbar nach ihrer hochsten Anfragung bei der Capelle 
Sv. Luka (780 Meter) sich zu verlieren beginnt, so dat s das fortan 

niedrigere Gehange nun sanfter wird 
und die Buschvegetation des Karstes bis 
| fast in die Kammregion hinaufreicht. 




STKASSE BEI SETTE CASTELLI. 

Das nun folgende Castel Vitturi (Luksic) mit seiner 
schonen modernen Kirche, deren Besuch jedem Fremden zu 
empfehlen ist, bleibt fast versteckt hinter seinen Kirsch- und 
sonstigen Fruchtbaumen ' und wir merken, dass uns die blosse 
Wagenfahrt keinen Einblick in die Scenerie der drei letzten 
Castellidorfer selbst verschaffen wiirde. Daher lassen wir bei 



1 In Castel Vitturi findet man drei hiibsche Villen : die der C o n t i 
Vitturi inmitten hundertjahriger Lorberbaume, die Villa Ambrosini- 
C a m b i mit schdnem Garten und die durch ihre mittelalterliche Form auf- 
fallige Villa EuSinovac von Capogrosso. In der Kiiche dieser Villa 
befinden sich die vier in der Nahe von C. Abbadessa gefundenen altchrist- 
licheii Sarkophage. 

Am halben Wege von Castel Vittviri nach Castel Vecchio sieht man 
die Villa Karaman mit einem prachtvollen Garten. 



284 DIE RIVIERA DELLE CASTELLA. 

Castel Vecchio den Wagen in das Dorf hinein abbiegen, um 
durch die Ortsstrasse und weiter am Strande bis Castelnuovo 
zu spazieren. 

Bei dieser Gelegenheit treten wir fur ein Weilchen in den 
Ortsgasthof, um ein Glas n Castellaner" zu versuchen und treifen 
hier leicht einen freundlichen Ortsinsassen, der unsere Fragen 
nach Dem und Jenem zu beantworten geneigt ist. 

"Wir horen da unter anderem, dass in der Riviera haupt- 
sachlich rothe Trauben gepflanzt werden, von welchen die eine 
Art Crljenak, die andere Glavinusa genannt wird. Letztere ist 
mehr Tafeltraube und der daraus gekelterte Wein nicht so halt- 
bar, \vie der Wein aus der Crljenak-Traube, der sich besonders 
nach. langerem Liegen ausgezeichnet entwickelt und unter Um- 
standen ganz weiss wird. Im allgemeinen sind die Weine der 
Berggehange, wo die Klistennebel fehlen und die Insolation 
intensiver ist 7 starker als die Kiistenweine ; die Giite aber hangt 
sehr von den Gulturmethoden ab, die sich fort verbessern, da 
die intelligenten Landleute jeden Fortschritt, den sie" bemerken, 
sofort annehmen. 

Viel trug zu dieser Wandlung das Eingreifen mehrerer aus- 
gezeichneter Patrioten bei, welche unter dem Beistande der 
Spalatiner Volksbank (Prva Pucka Dalmatinska Banka u 
Spljetu) die Selbstandigmachung der hiesigen Landwirte in 
Gang brachten. Noch vor einem Menschenalter waren fast alle 
Dorfbewohner Kmeti, d. h. von den Gutsherrschaften abhangige 
Colonen und kaum einer hatte einen Vrit (777 Quadratmeter) 
Eigenbesitz. Da begann die Bank 1872 Acker anzukaufen, die 
gegen Annuitaten abgegeben wurden und heute sind, nachdem 
auf solche Weise mehrere hunderttausende Gulden investiert 
wurden, drei Viertel der Bewohner selbstandige Besitzer. 

Eine weitere Hebung des Wohlstandes diirfte die Zukunffc 
bringen, wenn sich hier die Winterstationen aufthun werden, fur 
welche die ^Riviera der Sieben Castella" geradezu pradesti- 
niert erscheint. Denn das Klima ist vortreff lich und auch an gutem 
Trinkwasser kein Mangel, da tiberall am Meer Siisswasserquellen 
aufsprudeln. Es wohnen daher nicht nur Spalatiner hier in 
Sommerfrische, sondern auch Fremde, besonders aus Bosnien, 
ziehen an das Meer, um hier zu baden, dem Segelsport zu 



RIVIERAFAHRT ZU WAGEN VON SALONA NACH TRAD. 285 

huldigen und zur Zeit der Weinlese, die in der Riviera am 
spatesten in Dalmatien (5. bis 15. October) stattfindet, an dem 
Lesetreiben theilzunehmen, das hier jedes Jahr lustig ausfallt, 
da Dalmatien schon zu den Weinlandern gehort, wo entschieden 
schlechte Weinjahre nicht mehr vorkommen. 1 



Durch die Dorfgasse von Castel Vecchio, wo sich unter 
anderem auch das Post- und Telegraphenamt befindet, spazierend, 
kommen wir bald zu dem alten. Castell avif dem Dorfplatze 
(Brce) und treten durch das Thor des viereckigen Thurmes, 
an welchem wir eine Inschrift aus dem Jahre 1480 bemerken, 
in den Hof, dessen schwarzliches Gemauer zum Theil auf 
niederen saulengetragenen Bogen ruht. Sonderliche Merk- 
wiirdigkeiten sind weder hier noch in dem zweiteii bei der 
Kirche stehenden Castell zu fiiiden und wir biegen daher hier 
aus der Dorfgasse auf den Strandweg ab. wo sich ein hlibscher 
Blick gegen die Insel Bua hin und auf das nahe, mit Castel 
Vecchio fast zusammenhangerfde Castel ]S"uovo erschliesst. 
Dieser Weg ist vot einigen Jahren hergestellt worden, um 
zwischen diesen zwei Hauptorten der Riviera eine bequemere 
Verbindung langs des Meerstrandes zu erzielen. Derselbe dient 
in den Wintermonaten auch als Promenade fur die hieher 
stromende Bevolkerung der drei westlichen Castelli. 

Auf diesem Wege werden uns mehrmals die von Tamarisken 
grtin iiberragten Mauern auffallen, durch welche man die Garten 
vor dem zur Zeit der Weinbliite ausserst schadlichen Seegischt 
des Scirocco zu schiitzen versucht. Manche der Kalkblocke, die 
friiher sich im Meere befanden, sind ganz durchlochert von 
den, wie Sprengrohren aussehenden Gangen einer Bohrmuschel, 
die im Marz gesammelt und als Delicatesse verspeist wird. 

In Castelnuovo befand sich friiher bei der Hrvatska 
Citaonica (croatischer Leseverein) und dem Campanile, einer 



1 In den Gemeiiiden der Sieben Castella allein werden jahrlicli circa 
40.000 Hektoliter Wein geerntet, der um 12 bis 14 fl. per Hektoliter ver- 
kauft wird. Doch hat man auch gerebelteri Wein aus halbgetrockueten 
Beeren (Prosecco), der 70 .bis 130 fl. per Hektoliter wertet. Die Ausfuhr 
erfolgt meist uach Ungarn, Osterreicli (als Schnittwein nach Klosterneuburg) 
und nach Hamburg. 



286 DIE RIVIERA DELLE CASTELLA. 

auf acht Saulen ruhenden Halbkuppel, eine Bucht, die man 1898 
auszufullen begann, um eine gerade Kiistenlinie herzustellen. 
Hier und weiterhin gegen das mit Castelnuovo fast zusammen- 
hangende Castel Stafileo (1500 von Stefano Stafileo gegriindet) 
sieht man bei zahlreichen Hausern aus dem Gemauer hervor- 
wachsende Kappernstrauche ; die freien Platze aber sind oft 
bedeckt mit zum Trocknen ausgebreiteter Wolle, oder mit 
Chrysanthemum, mit Feigen oder Hafer und Weizen, welch' 
letzteren Trabakel aus Albanien bringen. Auch sieht man Frauen 
die geernteten Mandeln ausklauben, kurz man gewinnt allerlei 
Einblicke in das wirtschaftliche Treiben der Castellaner, das 
sich hier echt siidlich das ganze Jahr hindurch mehr im Freien, 
als innerhalb der Behausungen abspielt. 



Von Castel Stafileo, der Heimat des beriihmten Bischofs von 
Sebenico Giovanni (f 1528), die Tour wieder zu "Wagen fort- 
setzend, erfreut uns zunachst eine prachtige Riickschau iiber 
Castel Vecchio bis zum Mosor ; zur Rechten aber bemerken wir 
alsbald iiber den von Olbaumen durchsetzten "Weingarten in der 
mit Eichen- und Buchen-Niederholz bestandenen Kiistenkette des 
Kozjak eine Offnung, durch welche wir auf ferae graue Karst" 
kuppen hinausblicken. In dieser OfFnung wendet sich die schon 
170 Meter iiber die Kiiste emporgestiegene Eisenbahn landein- 
warts gegen die Station Lab in; vor der Trace aber ragt auf 
einem Vorhiigel die Capelle S. Onofrio (Sv. Nofar) auf, die 
wie bereits erwahnt die Stelle der alten Konigsresidenz Bihac 
bezeichnet. 

Mehrfach bemerken wir nun in den Weingarten zur Rechten 
Karstgeklippe, das bei einem kleinen, von einer Bartolomaus- 
Capelle (Sv. Bartul) gekronten Hiigel, fast die voriibergehend nahe 
an das Meer gedrangte Strasse erreicht. Doch treten alsbald auch 
lehmig-mergelige Partien auf und bezeichnen eine in geologischer 
Vorzeit aus der Gebirgsliicke zur B/echten her erfolgte An- 
schwemmung: den zur Punta Tarce ins Meer hiiiausbuchtenden 
Campo piccolo (Malo polje) der Trauriner, wo wir die Strassen- 
boschung von ganzen Reihen Aloen eingefasst finden und abermals 
eine herrliche Riickschau iiber das griine Ufergelande und die 



RIVIERAFAHRT ZU WAGEN VON SALONA NACH TRAU. 



287 



blaue Meeresflut bis zum Mosor hin geniessen. Besonders schon 1st 
die Landschaft, wo ihr eine von zwei Hauschen flankierte grosse 
Pinie zum Vordergrund dient, und hier, bei den Trauriner 
Mil hie n tritt die Strasse ganz an die Karstklippenkiiste, die 
Insel Bua mit ihren Anpflanzungen griiner Seestrandskiefern, 
ihrem Kloster Drit und der Hauserzeile der Vorstadt Traus 
riickt rasch naher, und kaum beginnen die Tamarisken, Maul- 
beerbaunie und Prachtoleander, welche den schmalen landseitigen 
Canal von Trau besaumen ? so liegt auch schon das Stadtchen 
selbst vor uns und der Wagen halt vor dem Landthor von Trau, 
am Ziele unserer Rivierafahrt. 




CASTEL VITTUKI (Luksic). 



XVIII. Spalato (Spinet). 



Anfahrt mit dem Eildampfer. 

Die zwischen Zara und Spalato ' keine Station machendeii 
Eilschiffe nehmen von der Punta Planka her (siehe Capitel XVI) 
ihren Cours in den Canal von Zirona, an dessen Ausgang sich. ein 
schoner Blick tiber bebuschte Karst-Scoglien hiniiber auf Trau 
erscliliesst. Die bei Trail dicht an das Festland herantretende Insel 
Bua bleibt aber nun links und das Eilschiff dampft in den, zwischen 
dieser Insel und der Insel Solta circa 9 Kilometer breiten Canal 
von Spalato hinein, in welchem die Bichtung b'stlich bleibt, bis 
die fast 16 Kilometer lange Insel Bua, ober deren Steilkiiste man 
das von Cypressen umgebene Kloster der Madonna di Prisinac 
bemerkt, mit dem Cap Jove endet. Zwischen diesem. Cap und 
der 2 Kilometer nordlich liegenden Westspitze der Halbinsel 
Marjan (Punta Sv. Juraj) sieht man nun zur Linken in das 
weite Bassin des Canals der Sieben Castella hinein und nimmt 
die weissen Dorfchen an der vom Kozjak iiberragten Riviera aus. 
Im Osten dominiert die ganze Landschaft der bleichgraue machtige 
Mosor, fern im Siiden hebt sich vom Meereshorizont die Kiiste 
der Insel Brazza ab. 

Nun riickt der, sich in griinen Terrftssen aufbauende Monte 
Marjan zur Linken und wo er absinkt, thut sich in der, 
noch weit die Ostrichtung beibehaltenden Kiiste eine fast 



1 Von Zara nach Spalato 71 Seemeilen a 1*852 Kilometer. Fahrt des 
Eildampfers 4 3 / 4 Stunden. Dampfer-, Eisenbahn- und Postrouten von Spalato 
siehe Anhang. 



KLEINER FREMDENFOHRER. 291 

I 1 /* Kilometer breite, einen Kilometer weit nordlich in das Land 
einschneidende Bucht auf: der halbkreisformige Hafen von 
Spalato uncl in dessen Hintergrund die langst sichtbar gewordene 
,,wirtschaftliche Capitale Dalmatiens".- 

Die kleine linksseitige Landzunge, welch e der Monte Marjan 
vorstreckt und auf welcher der Friedhof liegt, ist die Punta 
S. Stefano ; ihr folgt, vom Osthange des Monte Marjan nieder- 
steigend, der Borgo Grande (die grosse Vorstadt) und dann 
schliesst die eigentliche Stadt an, die langs der alten Riva (Stara 
Obala) durch die Saulen der zu Hausern verbauten Siidfacade des 
Diocletianpalastes markiert wird, hinter welcher der mittel- 
alterliche sogenannte Hrvoja-Thurm und der zur Zeit im Geriist 
steckende Domthurm aufragen. Am rechten Stadtfliigel erstrecken 
sich, an den Bootshafen anschliessend, die Ufermauern und Moli 
fiir grossere Dampfer bis zur Punta delle Botticelle (Bacvice), wo 
der, den Leuchtthurm tragende Wellenbrecher (Diga) des Hafens 
vorspringt. ' 

Kleiner Fremdenfuhrer. 

Spalato zahlte 1890 eiuschliesslicli seiner Vorstadte (Borgbi) 15.697 Ein- 
wohner, wahrend in dem 131-25 Quadratkilometer umfussenden Gemeinde- 
gebiete 22.752 Menschen lebten.* Doch haben sich diese Zahlen seither 
wesentlich vergrossert (gegen 36.000). 

Die Altstadt (Stari Grad) nimmt den Raum des Diocletianpalastes ein 
und ist mit der westlich anschliessenden Neustadt (Novi Grad), die sich urn 
den Gospodski Trg (Piazza dei Signori) gruppiert, verwacnsen. Um die Stadt 
liegen im Halbkreis von West iiber Nord gegen Ost die Vorstadte: Veli 
VaroS (Borgo Grande), Dobri (Borgo Pozzobuon) zu deutsch Gutenbrunn, 
Borgo ManuS und Borgo Lucac, letztere uberragt vom Fort Gripi. 

1 Zum Vergleicli : 

Geographische Breite Lange von Greenwich. 

Wien 48 14' 16 21' 

Spalato .... 42 30' 16 35' 

2 Das Gemeindegebiet umfasst an wichtigeren Orten noch die Dorfer 
Salona (Solin), Vranjic und Stobred. 

Zum Gerichtsbezirke Spalato gehoren noch die Gemeinden : Im Westen 
Castel Sufiurac (13-31 Quadratkilometer, 1898 Einwohner) ; Castel 
Vitturi (LukSic) (15-95 Quadratkilometer, 1944 Einwohner); im Nordeu 
Clissa (Klis) (19-15 Quadratkilometer, 3775 Einwohner) und Muc (257*72 
Quadratkilometer, 7912 Einwohner); im Siidwesten die Insel Solta (58-57 
Quadratkilometer, 3171 Einwohner). 

Der Bezirkshauptmannschaft Spalato unterstehen noch die Gerichts- 
bezirke Almissa (Omi), Trau (Trogir) am Festlande und S. Pietro (Supetar), 
welcher die Insel Brazza in sich begreift. (Siehe die betreffenden Abschnitte.) 

19* 



292 SPALATO. 

Politische Behorden: K. k. Bezirkshauptmannschaft. 

Autonome Behorden: Stadtverwaltung (im Opcinski-Dom). 

Justizbehorden: Kreisgericht, Bezirksgericht. 

Finanzbehorden: Finanzintendanz ; Steueramt; Zollamt. 

Seebe horde: Hafencapitanat. 

Militarbehorden: K. u. k. Platzcommando ; Gendarmeriecommaiido. 

Cultus und Unterricht: KatholischesBisthum; katholisches Seminar ; 
k. k. croatisches Gymnasium; k. k. croatische Oberrealschvile ; Bezirks- und 
Ortsschulrath ; croatische Volksschulen etc. 

Sonstige Amter: Handels- und Gewerbekammer. 

Museum: K. k. archaologisches Museum. 

Wohlthatigkeitsanstalten: Charitas; Pucka kuhinja (Volks- 
kiiche) etc. 

Wichtigere Vereine: Citaonica (croatischer Leseverein), Gabinetto 
di lettura, Hrvatska radnicka Zadruga (croat. Arbeiterverein), Sokol (Turn- 
verein), Zvonimir, Napredak, Societa operaja, Societa filarmonica etc. 

Consulatamter : Von Belgien, Deutschland, Griechenland, Italien, 
Schweden und Norwegen. 

Post und Telegraph: Post- und Telegraphenamt mit Telephonstelle. 

Schiffahrtsagentureii: Osterreichischer Lloyd ; Ungarisch-croatische 
Schiffahrtsgesellschaft; Topic & Comp.; Fratelli Kisniondo; Eagusea. 

Ban ken: Prva Pucka Dalmatinska Banka ; Filiale der ost.-ung. Bank; 
Banca Commerciale Spalatina. Wechselstube: Perovic. 

Buchhandlungen: Morpurgo am Gospodski Trg. 

Fabriken: Fiir Gas, Cement, Enocyanin, Cognac, Franzbranntwein 
und Eosoglio, Seife, Soda; Gerberei; Glockengiesserei. 

Theater: Opcinsko KazaliSte (Stadttheater). 

Bader: ,,Bacvice" inid Bagno Polo (im Sommer). Schwefelbad Cattaiii. 

Hotels: Hotel de la Ville (am Marmontplatz); Hotel Troccoli (am 
Gospodski Trg); ferner Kovacevic', Uvodic, Mauro. 

Lohnwagen: Bei Copo, Tudoric, Valle, Kezic, Sinovfiic. 1 

Aussichtspunkte: In der Stadt vom sogenannten Hrvoja- und 
besonders vom Domthurm; ausserhalb der Stadt vom Monte Marjan. 

Spaziergang in Spalato. 

(Siehe den Plan.) 

Spalato gilt seit langem als die lebhafteste, verkehrsreichste 
und gewerbefreundlichste Stadt Dalmatiens. Sie ist der wirt- 
schaftliche Mittelpunkt des Landes und hat in deii letzten De- 
cennien besonders durch den in Aufschwung gekoimnenen Handel 



1 Fahrten mit dem Zweispanner: Aus der Stadt und den Vorstadten 
zum Dampfer und zur Eisenbahn 1 fl. 20 kr. ; nach Salona 3 fl. (per halben 
Tag 4 fl.); nach Clissa 5 fl. (per halben Tag 6 fl.); nach Almissa oder Trau 
6 fl. (per halben Tag 7 fl.); nach Sinj 10 fl. 



SPAZIERGANG IN SPALATO. 293 

mit den Weinen von Spalato und Umgebung, sowie jenen der Inseln 
Brazza, Solta, Lesina und Lissa viel gewonnen. Ein freisinniger 
Zug erfiillt seine Biirgerschaft, die dem Fortschritt zuneigt und 
ihr Gemeinwesen wohl noch zu viel grosserer Bliite bringen diirfte, 
wenn nur erst die Vorbedingung dazu geschaffen sein wird: der 
schon aus dem Stadium des Projectes getretene Schienenstrang 
mit dem Hinterlande. 

Auch fur den Fremden ist Spalato einer der wichtigsten 
Punkte Dalmatiens. Denn ein Alterthumsrest, welcher durch 
eine hineingebaute Stadt fortlebt, wie der Diocletiaiispalast (die 
malerischeste Ruine der Welt), findet kaum in Rom ein 
Gegenstiick. 

Meerfacade des Palastes. 

Beginnen wir unsere "VVanderung auf der Stara Obala 
(alten Riva), wo sich abends bei den Cafes der Corso bewegt 
und auch Tags immer reges Leben pulsiert. 

Unser nachstes Ziel wird jedenfalls die Altstadt (Stari Grad) 
sein, welche schon durch die Art, wie hier die Wohnungen fur 
beinahe 3000 Menschen in einen alten Kaiserpalast hineingebaut 
sind, unter alien, von modernem Leben erfullten Stadten Europas 
einzig dasteht. 

Der Palast hat zwischen der Siid- oder Meer-Facade und 
der Porta Aurea an der Nordseite eine Ausdehnung von 216 Meter, 
wahrend die Siidfac.ade selbst 179|/ 2 , die Nordfa9ade ITS'/g Meter 
lang ist. Seine Flache bildet also ein, von der Rechteckform 
nur wenig abweichendes Trapezoid von 38.236 Quadratmeter. 

Fur einen Stadttheil ist das eine geringe Ausdehnung ; fur 
den einstigen Palast aber waren die Dimensionen sehr bedeutend, 
wie sofort erhellt, wenn man mit einigen anderen durch Grosse 
hervorragenden Bauwerken vergleicht, z. B. mit dem Colosseum 
in Rom, dessen Durchmesser nur 188, beziehungsweise 156 Meter 
betragen, oder mit dem alten geschlossenen Theil des Louvre in 
Paris, der ein Quadrat von 165 Meter Seitenlange bildet. 

Driicken wir die Dimensionen der Palastarea oder jetzigen 
Altstadt (Stari Grad) in Schritten aus, so erhalten wir fur die 
Erstreckung von der Riva zur Porta Aurea, d. h. fur die Ost- und 



294 



SPALATO. 



"Westfront je 288, fur die Meer- oder Siidfacade 239 und fur die 
Nordseite 234 Schritt, einen Raum, um den wir in '/a Stunde 
leicht herumspazieren konnten. Doch sind die einstigen Aussen- 
mauern, abgesehen davon, dass sie an der Westfapade nur stiick- 
weise erhalten blieben, bald innen, bald aussen verbaut, so dass 
ein durchgangiges Abschreiten der Seiten iiicht mehr moglich ist. 
Betrachten wir die Meerfacade von der Riva, so sehen wir 
iiber einer Zeile niederer Vorbauten, welche ein ehemaliges Erd- 

geschoss verdecken, ein holies erstes 
Stockwerk aufstreben, aus dessen Mauer- 
werk die dorischen Halbsaulen des 
einstigen Cryptoporticus hervortreten. 



ALTE RIVA (Stara Obala). 




Urspriinglich waren solcher Saulen 

52, welche eine freie, luftige, nur 

oberseits bedeckte Galerie bildeten; jetzt sind bloss 38 mehr 

erkennbar, welche sich erhielten, weil sie durch die Einmauerung 

in Wohnhauser vor der "Wirkung der Atmospharilien und vor 

der Verwendung zu anderen Bauten bewahrt blieben. 

tiber dem Stockwerk mit den Saulen erheben sich noch 
zwei bis drei, ja stellenweise vier kleinere Etagen, die theils 
mit Beniitzung der alten, an der Meerfacade 23'5 Meter hohen 
Palastmauer ' hergestellt wurden, theils Neuaufmauerungen bilden 



1 An der hoher gelegeneu Nordseite des Palastes waren die Mauern 
nur 17 Meter hoch. 



SPA2IERGANG IN SPALATO. 



29i 



und durch ihr Aussehen, ihre kleinen Fenster und ihre farbigen 
Jalousien in einer Weise mit den Saulen des Hauptstockwerks 
contrastieren, wie es eben nur bei einer so eigenartigen Ver- 
quickung von Antike und Moderne moglich ist. 

Westseite des Palastes. 

Nahe der Siidwestecke des Palastes fiihrt von der alien E-iva 
(Stara Obala) ein Strassenzug mitten durch Spalato nach Norden. 
dessen rechtsseitige Hauserfrorit sich ,r 

an die westliche Palastmauer lehnt, 
wahrend die Gebaude der linken Seite 
schon ganz der Neustadt angehoren. 
Mit wenigen Schritten gelangen wir 
auf den Vocni Trg 1 (Obstmarkt) 
u nd werden hier zur Linken den 
massiven mittelalterlichen soge- 
nannten Hrvoj a-Thurm ge- 
wahr, auf dessen abgewitterter, 
mit Buschwerk be^vaclisener Ter- 
rasse gewohnlich eine Fahne 
flattert. Der laut Inschrift an der 
NordseiteindenJahren 1450 1481 
von den Venetianern erbaute 
Thurm ist nach einem Spalatiner 
Herzog benannt, der zu Anfang 
des XV. Jahrhunderts eine be- 
deutende E-olle in der Geschichte 
Dalmatiens spielte, und wird 
neuestens der schonen Aussicht 
wegen ofter bestiegen. Die Er- 
steigung ist aber nicht so bequem, 
wie jene des Domthurmes, auch muss man sich friiher vom Ge- 
meindeamt den Verwahrer des Schliissels holen lassen. 

Von Vocni Trg kommt man links auf den kleinen Trg 
Zeleni (Griinmarkt), wo links ein Durchgang siidlich zur alten 




H K V O J A - T H U R M. 



1 Trg Markt. Auf dem Vocni Trg der hiibsche Palazzo Milesi. 
jetzt Pezzoli. 



296 SPALATO. 

Riva (Stara Obala) abzweigt, und die Strassen Ulica Dobrica, 
RajskaUlica, Obrov, Ulica Ribarnice ' westlich gegen den 
Marmontplatz fiihren; rechts dagegen thut sich der Trg 
Sv. Mihovila auf, wo ein Treppchen, das zu einer kleinen 
Pilsner Bierhalle fuhrt, einen Vorgeschmack von dem im Dio- 
cletianpalast herrschenden Winkelwerk gibt. (Man ist hier 
im Rayon der einstigen Bader.) 

Verfolgen wir vom Trg Sv. Mihovila abermals unseren 
nordlich fuhrenden, durch Laden und Passanten belebten Strassen- 
zug, so kommen wir durch die Ulica Svih Sveti auf den 
Gospodski Trg (Piazza dei Signori), dessen erste Ecke links 
vom Hotel und Cafe Troccoli gebildet wird, wahrend sich 
gegeniiber als einziges in venetianisch-gothischem Styl erbautes 
Haus Spalatos, die einstige Loggia, das jetzige Eathhaus 
(Opcinski Dom) erhebt. Wie ein in der rechten Ecke der Facade 
eingemauertes Stadtwappen und eine Gedenktafel in der westlichen 
Matter darthun, riihrt der urspriingliche Bau, von dem noch die 
Bogen an der Facade erhalten sind, aus dem Jahre 1432 her, ist 
aber 1891 durchgreifend renoviert worden. 

Im Archiv des Rathhauses wird ausser dem goldenen Buch, 
welches die Stadtrechte und Privilegien Spalatos verzeichnet, 
die Handschrift des alten Stadtcodex und eine Ansicht des 
Herrenplatzes mit dem Rathhause aus dem vorigen Jahrhundert 
aufbewahrt. 

Vom Gospodski Trg noch weiter nordlich spazierend, kommen 
wir durch die Ulica Cambj, Bosanska Ulica und Put 
Gimnazije neben der Prva Pucka Dalmatinska Banka 
(Volksbankj in der Gegend, wo sich das Gymnasium und zwei 
Annexe des Museums bergende Hauser a befinden, vor die Stelle 
(Bosanska Ulica), wo die Westmauer des Palastes mit dem nord- 
westlichen Eckthurm endet und die noch wohlerhaltene 
Nordmauer beginnt, in deren Mitte sich, dem Stadtpark 
(Gradski Perivoj) gegeniiber, die Porta Aurea offnet. 



1 Hier das Schwefelbad Cattani und die moderne Fischhalle. 

2 Haus Dimitrovic (II. Abth. des Museums) am Put Gim- 
nazije und Haus Bradinovic (III. Abth.) am Put Vatrogasaca, 
durch welch letztere man in westlicher Richtung zum Haus Grilardi 
\IV.Abth.) vind zum Theater (Op ein sko Kazaliste) gelangt. 



SPAZIERGANQ IN SPALATO. 



297 



Langsstrasse derAltstadt (PortaAurea Domplatz 
[Plokata Sv. Duje] Porta Aenea). 

Die Porta Aurea oder Goldene Pforte war das Landthor 
des Palastes, durch welches Diocletian einfuhr, wenn er von 
Salona kam. Hier begann eine, in der Ulica Porta Aurea 
noch heute erhaltene und seinerzeit von Bogen iiberwolbte Langs- 
strasse, welche die Nordhalfte des Palastes in zwei Viertel schied 




PORTA AUREA. 



und in jenem Palastvorhofe (Peristyl) endete, dessen Baum 
heute der Domplatz einnimmt. Die Fortsetzung dieser Langs- 
strasse wurde urspriinglich durch einen unter dem Palaste bis 
zur Porta Aenea (Meerp forte) ziehenden Canal gebildet, 
in welchen die kaiserlichen Barken in den Palast einfuhren; 
heute dagegen ist der Canal durch eine der diistersten Schwib- 
bogengassen (Grottej der Altstadt ersetzt. 



298 



Querstrasse der Altstadt (Porta Ferrea Domplatz 
Porta Argentea). 

Im Peristyl (dem heutigen Domplatz) wurde die Langs- 
strasse von einer Querstrasse gekreuzt, welche das Westthor 
(Porta Ferrea) mit dem Ostthor (Porta Argentea) ver- 
band und ebenfalls noch heute erhalten 1st. 

"Wer auf dem oben beschriebenen "Wege von der Biva (Stara 
Obala) zum Gospodski Trg gelangt 1st, dem offnet sich jene Quer- 
gasse zurRechten und leitet nach wenigen Schritten vor die jetzt 
in Hauser eingebaute, aber nocli wohlerhaltene Porta Ferrea, 
sowie weiter durch die Ulica Zvonika 1 auf den Domplatz, 
von dem Petter treffend bemerkt, dass der alterthumliche Anblick 
jedem gebildeten Fremden unwillkurlich ein Stillestehen gebiete, 
obwohl der Platz eigentlich nur klein und gegenwartig durch 
die zum Zwecke der Restaurierung des Glockenthurmes errichtete 
Baracke verraumt ist. (Lange 35, Breite 13 Meter.) 

Vor allem fesselt hier die siidliche Schmalseite, welche einst 
die innere Hauptfa9ade des Kaiserpalastes bildete und seit 
80 Jahren an ihrem Fronton die Marmortafel tragt, welche an den 
Besuch Kaiser Franz I., am 13. Mai 1818, erinnert. Hier schloss 
an den Vorhof (Peristyl) das den Gottern geweihte Vestibulum, 
hinter welchem man sich das mit Bildsaulen der Vorfahren 
und Trophaen erfiillte, heute nicht rnehr vorhandene Atrium 
zu denken hat, das ist den eigentlichen Vorraum der Kaiser- 
gem a chej- und der Bader, welche sich weiter siidlich 
gegen das Meer hinzogen. Von den zwei Wolbungen, die man 
im Vestibulum bemerkt, gehorte die untere dem oberwahnten 
Canal beziehungsweise der jetzt seine Stelle einnehmenden 
Grottengasse an. 

Vor der Hauptfa9ade stehend, hat man links den aus dem 
Mausoleum Diocletians entstandenen D o m mit dem im Mittelalter 
erbauten Glockenthurm, gegenuber aber (rechts) erhebt sich an 
der westlichen Langseite eine Flucht von Privathausern, in deren 
Facaden prachtvolle korinthische Saulen eingemauert sind. Beide 



i Inmitten dieser Gasse befindet sich der in gothisch-venetianischem 
Styl gehaltene Palazzo Cindro. 



SPAZIERGANG IN SPALATO. 



299 



Langseiten des Vorhofs waren eben urspriinglich je von einer 
Saulengalerie flankiert, deren 6'stliche aber zur Zeit durch die 
Bauplanke des Domes dem Blicke entzogen 1st. 

Vom Domplatz zum Baptisterium (Asculaptempel) 

und zuriick. 

Die an der westlichen Langseite des Domplatzes ein- 
gemauerten Saulen bilden fiinf Bogen, deren siidlichster sich 
iiber dem Eingang der Ulica S. Ivana wolbt. 




PERISTYL DES DIOCLETI ANP AL ASTES (Domplatz). 
(In der Mitte die Facade des Vestibulums.) 

Treten wir in diese Gasse ein, so kommen wir nach etwa 
60 Schritten zu der einst dem Asculap oder Jupiter geweihten 
palatinischen Capelle (siehe auch Seite 311), welche der 
Legende nach im VII. Jahrhundert, einer Inschrift zufolge aber 
erst im Jahre 1393 - - um die Zeit, da man eine hier befindlich 
gewesene Jupiterstatue nach Venedig schaffte dem christ- 

lichen Cult geweiht wurde und seither als Baptisterium 
(Taufcapelle) dient. 



300 SPALATO. 

.Vor der Taufcapelle, welche Adam eines der schonsten 
antiken Monumente Europas nennt, befindet sich der Sarkophag 
des Canonicus Joseph Selembrius (f 1533); im Innem bemerkt 
man an den Seiten des 1886 neu errichteten Altars die Marmor- 
sarkophage der Erzbischofe Johann von Ravenna (f 680) und 
Lorenzo (f 1097), sowie beim Eingange einen kleinen Sarkophag, 
in welchem 1242 zwei Tochter Belas IV. bestattet wurden. ' 
Diese Sarkophage wurden erst in neuerer Zeit aus der 
S. Matthauscapelle hieher iibertragen, welche behufs Restaurierung 
und Herstellung des Domes demoliert werden musste. 

Von der Taufcapelle leitet die in eine Ecke gebrochene Fort- 
setzung der Ulica S. Ivana siidwestlich und man kommt, eine 
Abzweigung nach rechts beiseite lassend, 8 in eine ungemein 
diistere schmale Schwibbogengass e (Ulica Grrota), welche 
uns, da sie der Riva parallel lauft, wieder gegen Osten zuriick- 
fuhrt, wobei wir die inehrmals erwahnte, unter dem Vestibule 
des Palastes zum Meer ziehende Grrottengasse (Grotte) iibersetzen. 

Folgt man der Schwibbogengasse bis auf den kleinen Platz 
der Ulica Sv. Klare, so kommt man von hier links zu einem 
der prachtigsten antiken Uberreste Spalatos, namlich den machtige 
Stufen tragenden vier Saulen, welche die Siidseite des Domes 
umgeben. (Siehe Abschnitt ,,Der Dom", Seite 312.) 

Der directe Weg westlich zum Domplatz ist uns hier gegen- 
wartig durch die Einplankung versperrt ; doch kommt man leicht 
auf einem kleinen Umweg dahin und schlagt nun die nach Norden 
fuhrende Ulica Porta Aurea ein, wenn man einen Blick in 
die Nordhalfte der Altstadt werfen will. 

Vom Domplatz zur Porta Aurea. 

Die oben erwahnte Grasse, die Ulica Porta Aurea, schied ur- 
sprunglich die Hofgebaude des Palastes, und zwar soil sich links, 
im "Westniigel, das Grynakaon befunden haben (die Raume fur 



1 Gestorben in Clissa, wahrend der Flucht Belas vor den Mongolen 
(Tartaren). 

2 Diese Abzweigung theilt sich sofort wieder ; rechts geht es hinauf zu 
dem Strassenzuge von der West- zur Ostp forte (Ulica Zvonika), links 
kommt man hinab zum Trg Sv. Mihovila. Dieses letztere Gassenstiick 
ist interessant, weil es knapp vor den Euinen der Bader zur Euine des 
altesten aus dem VII. Jahrhundert stammenden Hauses von Spalato fiihrt. 



SPAZIERGANG IN SPALATO. 



301 




BAPTISTERIUM S. GIOVANNI (Asculaptempel). 



302 SPALATO. 

die Frauen, welche die Garderobe des Kaisers und seines Hof- 
staates besorgten), wahrend der Ostniigel fur die mannlichen 
Hofbediensteten bestimmt war. 

Beim Passieren der engen, abends sehr volkbelebten Gasse, 
fallt uns links der Palazzo Ivellio durch sein prachtvolles Portal 
auf; dann kommen wir zur inneren Thorwolbung und durch 
einen Hofraum zur ausseren Porta Aurea, welche in inter- 
essanter Weise auf ein Factum vorbereitet, durch welches der 
Diocletianpalast fur die Entwicklung der Architektur von hochster 
Bedeutung geworden ist. 

Betrachten wir das Thor selbst, so sehen wir die 4 Meter 
hohe und 3 V* Meter breite Thoroffnung durch ein aus rhombischen 
Steinblocken gebildetes Architrav abgeschlossen. Das ist alterer 
romischer Sty], welcher Saulen und Pfeiler, sofern erstere nicht 
ganz freistanden, nur mit horizontalen Simsen belastete. Etwas 
spater wurden auf diese Simse Bogen aufgesetzt, wie es der 
Hauptbogen der Porta Aurea zeigt, welcher aus 19 reich orna- 
mentierten Segrnentstiicken besteht ; bei den "Wolbungen oberhalb 
des Thores aber finden wir, wie tiberhaupt im Diocletianpalast 
zum erstenmale, die einst horizontalen Architrave selbst in Bogen 
verwandelt, und somitjene enge Constructionsverbindung zwischen 
Saulen (oder Pfeilern) und Bogen hergestellt, vermoge welcher 
aus dem romischen der romanische und gothische Styl hervor- 
gieng. 

Nordseite der Altstadt. 

Vor der Porta Aurea, die erst 1860 durch Conte Buratti aus 
dem Schutte hervorgegraben wurde, dehnt sich der hubsche 
Stadtpark (Gradski Perivoj) aus. Zwischen ihm und der 
Stadtmauer aber fiihrt der Put Bolnice weiter zu dem N o r d- 
ostthurm des Palastes (Torre S. Rainerio), welchem die 
Reste der zu den Stadtbefestigungen des XVII. Jahrhunderts 
gehorenden Paparella-Bastei gegeniiberliegen. 

Ostseite der Altstadt. Borgo Lucac. 

Beim Nordostthurm beginnt nun, der alten Ostmauer des 
Palastes entlang, der Put Pazara, in welchem wir dort, wo das 
zur Rechten befindliche, an die Mauer angebaute Archaologische 



SPAZIERGANQ IN SPALATO. 303 

Museum endet, die Stelle erreichen, wo einst durch die Sil- 
berne oder "Westp forte des Palastes (Porta Argentea) 
die Querstrasse von der Porta Ferrea hervorkam. ' 

Die Porta Argentea ist jetzt ein einfacher Strassenausgang, 
markiert durch die Crkva Dusica (Buona Morte), welcher sich 
noch innerhalb der alten Palastmauer befindet, wahrend die 1880 
restanrierte Dominikaiierkirche schrag gegeniiber liegt. 

Den Put Pazara weiter verfolgend, erreichen wir den Siid- 
ostthurm der alten Palastmauer, in welchem noch die alten 
Bogenfenster erhalten sind, und konnen nun neben dem Markte 
(Pazar), zur Linken in den PutTamnica einbiegend, einenkleinen 
Abstecher in den Borgo L u c a c machen. dessen Pfarrkirche 
S. P e t a r schon vor Uberschreitung der Briicke liber die vom 
nahen Bahnhof kommende Eisenbahn ins Auge fallt. 

Wenden wir uns dagegen vom. Siidostthurme rechts, so er- 
reichen wir wieder ebenfalls durch den Put Tamnica die alte 
Biva (Stara Obala) und haben nun unseren Orientierungsspazier- 
gang durch und um die Altstaclt so ziemlich beendet. 

Marmontplatz. Franziskaiierkloster. 

Noch eriibrigt uns aber ein kurzer Abstecher in die grosse 
Vorstadt, und zwar der Spaziergang von der alten Biva westlich 
gegen den Veli Varos (Borgo Grande). 

Am Wege dahin passieren wir den grossen Marino nt- 
p 1 a t z, dessen Westseite die dem gleichnamigen Bauwerke Ve- 
nedigs nachgebildeten Procuration einnehmen. Ein Theil 
dieses Gebaudes gehort zum Hotel de la Ville, zu dessen 
Linken (vor dem Palazzo Bajamonti) uns gegen den Strand zu, 
die anlasslich der Wiederherstellung der alten Salonitaner "Wasser- 
leitung errichtete Monumentalna Cesma (Kaiser Franz 
Josefs-Brunnen) auffallt. 

Etwas weiter gegen die Abhange des Monte Marjan hin, 
erhebt sich das Kloster der Franziskaner, dessen Grim-' 

1 Biegen wir reclits in diese Gasse ein (Ulica Stare Biskupije), so 
kommen wir auf dern Wege zum Domplatz an der Philip pskirche vortiber 
(rechts), welche keine besonderen Merkwiirdigkeiten bietet. Dagegen be- 
sichtige man in der nahen Ulica S. Filipa, am Eck der zur Porta Aurea 
fiihrenden Gasschen, die in reichem venetianischen Styl gehaltene Fa9ade 
des Palazzo Papalic-Dalla Costa (jetzt Katalinic). 



304 SPALATO; 

dung man Franz v. Assisi selbst zuschreibt und vielleicht mit 
Recht, da der Stifter des Franziskaner-Ordens erwiesenermassen 
im Jahre 1220 in Ragusa predigte. In der Kirche ist vor Allem 
der Hochaltar bemerkenswert und im Kreuzgange des Klosters ein 
massiver Steinsarg, der en relief eine Darstellung des Durch- 
zuges der Israeliten durch das Rothe Meer tragt. Auch bewahren 
die Franziskaner die Grabmaler des altesten Chronisten von 
Spalato (Archidiacon Thomas, f 1268) und jenes jiingeren Marko 
Marulic, der am 5. Janner 1527, beriihmt als croatischer 
Dichter, Historiker, Theolog und Hauptphilosoph seiner Zeit, in 
Spalato im Alter von 74 Jahren starb. 

Sowohl bei dem Kloster, als bei den Kaffeehausern auf der 
Biva, verspiirt man oft einen schwachen Geruch nach Schwefel- 
wasserstoff, welcher von nahe derKiiste enstpringenden Schwef el- 
quell en (Sumporna vrela) herriihrt. Eine davon wird zu Mineral- 
badern beniitzt (Schwefelbad Cattani in der Ulica Ribarnice) 
und an der Ausmiindung dieser Quelle ins Meer kommen wir 
voriiber, wenn wir an der Riva ostwarts spazieren, um noch einen 
Blick auf die Gegend beim ostlichen Hafensporn zu werfen. 

Neue Riva (Nova Obala). Ostseite des Hafens. 

In der ostlichen Fortsetzung der alten Riva (Put Taninica) 
wiirden wir, wie schon erwahnt, in die Vorstadt Lucac kommen, 
hinter welcher nordostlich, auf 60 Meter hohem Hiigel, das 
Fort Gripi 1 liegt. In siidostlicher Richtung aber unseren 
Spaziergang fortsetzend, gelangen wir auf die Strasse, welche 
uns zur Kirche P o i s a n fuhrt und einen Prachtanblick auf den 
Canale di Spalato gegen Brazza erschliesst. 

Biegen wir aber, wo die kleinen Boote vor Anker liegen 
(neben der Porta Aenea), rechts ab, so kommen wir neben 
dem Lucko Poglavarstvo (Hafencapitanat) am Cafe vor 
der Eisenbahnstation (Kafana na Obalij und am grossen 



1 Fort Gripi wurde 1656 unter dem General Camillo Gonzaga erbaut, 
als ein Theil der Festungswerke, mit welchen Spalato in den Jahren 1645 
bis 1670 iiberhaupt eingeschniirt wurde. Die Werke wurden indes schon 
zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts von General Schulenburg filr ilber- 
fliissig erklart und vom General Marmont in den Jahren 1806 bis 1813 zum 
grossen Theil aufgelassen, bis Osterreich Spalato im Jahre 1845 als ofi'ene 
Stadt erklarte. Jetzt wird Fort Gripi von der Spalatiner Garnison bewohnt. 



SPAZIERGANQ IN SPALATO. 



305 



wT'W"- 

m 



MARKT IN SPALATO. 

Dampfschiffinolo (S. Petar) vor- 
iiber zu den B otti cell e (Bacvice) 1 , 
wo der 1882 erbaute, 482 Meter lange 
Wellenbrecher in den Hafen 
vorspringfc. 

Auf dem Landstreifen ostlich. 
des Hafens zwischen den Grebauden 
der Carinara (Zollamt) und des 
Skladiste Soli (Salzmagazin) er- 
hebt sich unter Anderen das jetzt 
ararischen Zwecken dienende Laza- 
reth, das schon 1578 erbaut wurde 
und an eine Zeit erinnert (Mitte des 
XVI. bis Mitte des XVII. Jahr- 
hunderts), wo der Handel Spalatos 
in besonderer Bliite stand. Nach 
Hammer-Purgstall betrugen namlich 
die Mauthgebiiren in Spalato im Jahre 1638 nicht weniger als 
5 Millionen Asper (120 Asper = 1 Piaster). 

Aus dem Lazareth wurde noch 1845 ein hier befindlich 
gewesenes Theater fur wandernde Schauspielertruppen entfernt, 
weil man der Baume fur die tiirkisclien Karawanen bedurfte, 
denen aber bald nachher vollkommen freie Communication in 
der Stadt gestattet wurde. 




1 Die Bader sind hier durch ihren feinsandigen Boden ausgezeiclinet uud 
ermoglichen eine kilometerlange, herrliche Badepromenade. 



Fflhrer durch Dalmatien. 



300 



Der Diocletianpalast. 

Topographisch haben wir uns mit dem Diocletianpalaste 
schon insoferne beschaffcigt, als wir wahrend unseres Spazier- 
ganges durch die Altstadt auf noch erhaltene Theile stiessen. 
Als eine der gewaltigsten und beriihmtesten Romerbauten wird 
der Palast aber in vielen, die ihn sehen und bewundern, das 
Verlangen nach etwas genauerem Einblicke in die Entstehung 
des Werkes und in seine Einzelheiten wecken und daher mag 
aus den neueren Darstellungen, welche wir Msgr. Bulic und 
A. Hauser, dem gewesenen Oberleiter der Restaurierungsarbeiten 
amSpalatiner Dom verdanken, Einiges hier wiedergegeben sein. 

Diocletian. 

Vorher vergegenwartigen wir uns in einigen Ziigen das Bild D i o - 
cletians, der die grosste geschichtliche Erscheinung Dalmatiens dar- 
stellt, und selbst unter den grossen Imperatoren Roms einen allerersten 
Rang einnimmt. 

Die Wahl Salonas zu seinem Ruhesitz beweist mehr als alle schwan- 
kenden tJberlieferungen, dass nicht das montenegrinische Doclea, sondern 
Salona oder ein Ort der nachsten Umgebung die Statte war, wo Dio- 
cletian, der ursprtinglich Cajus Aurelius Valerius Diocles hiess, im 
Jahre 245 n. Chr. als Solin eines Schreibers des Senators Anulinus 
das Licht der Welt erblickte. Wie so viele Dalmatiner seiner Zeit trat er 
unter Kaiser Gallienus als einfacher Legionssoldat in die Armee und diente 
in verschiedenen Provinzen. so unter Aurelian (270 275) in Belgien, wo 
ihm eine Druide geweissagt haben soil, er wiirde Kaiser werden, sobald er 
einen Eber getodtet haben wiirde. 

Diese Legende entstand aber vielleicht erst spater, als Diocletian, 
der unter Probus (276 282) rasch alle Grade der militarischen Hierarchic 
durchlaufen hatte und 280 Prafect von Mosien, 282 Vertrauter des Kaisers 
Carus geworden war, nach der Ermordung des Kaisers Numerianus 
plotzlich zu Chalcedon von den Legionen zum Kaiser ausgerufen wurde. 
Die Legionen beschuldigten damals (17. September 284) den Prafecten der 
kaiserlichen Leib^vache Arius A p e r des Mordes und Diocletian soil 
nun den Angeklagten kurzweg niedergestossen haben, indem er zu einem 
Freunde ausserte: ,,Nun habe ich den Eber (lat. Aper) getodtet." 

Als Kaiser kampften Diocletian und seine Mitregenten gliicklich 
wider die von alien Seiten gegen das Reich ansturmenden Feinde; innerhalb 
des Reiches aber reformierte der Monarch sowohl das Finanzwesen, als die 
Verwaltung und inaugurierte jene Theilung der Herrschergewalt unter zwei 
Augusti, welche nachmals die uber ein Jahrtausend wirksame Scheidung 
der Romermacht in das west- und ostromische Reich zur Folge hatte. 



DER DIOCLETIANPALAST. 307 

Diocletian selbst hatte Nikomedia in Kleinasien zu seiner Eesidenz 
erwahlt, wahrend sein Mitkaiser Maximian in Mailand residierte, wodurch 
die im wesentlichen langst vollzogene Depossedierung Roms auch ausserlich 
accentuiert wurde. Von Nikomedia erliess Diocletian im Jahre 303 das 
erste Christenverfolgungsedict, welchem er, als unmittelbar darnach sein 
Kaiserpalast in jener Stadt niederbrannte, drei weitere, immer scharfere 
Edicte folgen Hess. 

Schon die "VVahl seines Herrschersitzes bewies, dass Diocletian 
dem Orient mehr als dem Occident zugethan war; noch mehr aber docu- 
mentierte sich diese seine Richtung in der Schaffung jenes orientalischen 
Majestatsceremoniells, welches als der directe Vorlaufer des byzantinischen 
betrachtet werden kann, ahnlich wie die Bauweise Diocletians vom 
romischen Styl zum byzantinischen, beziehungsweise altchristlichen und 
romanischen hiniiberleitet. 

Wenn man sich an das ,,Diva Faustina'' (,,Der gottlichen Faustina") 
erinnert, das Kaiser Antonius Pius im Jahre 141 n. Chr. auf dem, seiner 
Gemahlin am Forum errichteten Tempel einmeisseln liess, wird man zwar 
nicht eine besondere Neuerung dariii erblicken konnen, dass sich Dio- 
cletian den Narnen Jovius beilegte. Doch ist gewiss hier nicht an eine 
wirkliche Verehrung als Gott. sondern nur an eine iiberschwangliche 
Majestatstitulatur zu denken und Jovius" etwa in ahnlicher Weise zu 
verstehen, wie wir Gothe den Olympier nennen. Da sich den Briefen der 
romischen Autoren zufolge schon in der Augusteischen Zeit die Grossen 
,,Illustrissimi" u. dgl. nannteu, war es begreiflich, dass man, um den 
so hoch iiber alle anderen emporgestiegenen Imperator zu titulieren, zum 
Divus und Jovius griff. Es waren Ausdrucke entsprechend dem modernen 
..Majestat". 

Damit das romische Weltreich leichter beherrscht werden konne, hatte 
Diocletian dessen Theilung unter zwei Kaiser ( Augusti) und zwei Mit- 
kaiser (Casaren) vorgenommen ; um aber den Pratorianern das Handwerk 
zu legen und die Wirrnisse unter unfahigen Herrschern zu vermeiden, 
ordnete er an, dass die Augusti nach 20jahriger Regierung abdanken und 
die be,iden Casaren an ihre Stelle treten sollten, welche sofort wieder zwei 
Mitkaiser zu ernennen hatten. 

Diese Anordnung befolgte spater Diocletian selbst, indem er - 
wie erzahlt wird, nach schwerer Krankheit und nachdem ihn der Schlag 
getroffen eine grosse Reichsversammlung auf das Feld von Nikomedia 
berief, hier am 1. Mai 305 den Purpur ablegte und als einfacher Privat- 
mann eine Kutsche bestieg, um zur Kiiste zu fahren und sich nach Salona 
einzuschiffen. 

Hier war der, schon zehn Jahre vor dem Brande der Residenz zu 
Nikomedia begonnene Palast noch nicht fertig; denn wie wir wissen, begab 
sich Diocletian im Jahre 306 personlich nach den Steinbruchen der 
Fruka Gora in Syrmien, um dort die Beschaffung von Bausteinen zu be- 
treiben. Ein Jahr spater (November 307) conferierte Diocletian in Car- 

20* 



308 SPALATO. 

nuntum mit Maximian und Galerius und hier soil es gewesen sein, wo er 
das Ansinnen. wieder den Kaiserthron zu besteigen, mit dem Hinweis auf 
den Frieden ablehnte, in welch em er zu Salona sein en Kohl pflanze. 

Der Frieden war aber kein ungetriibter. Mcht nur musste es Dio- 
cletian erleben, dass infolge des Toleranzedictes Constantins (311), das von 
ihm verfolgte Christenthum liber die alte Staatsreligion siegte, nicht nur 
sah er aus den Fehden seiner Nachfolger die Alleinherrschaft Constantins 
hervorgehen, sondern auch der Schmerz blieb ihm nicht erspart, dass man 
in Rom seine Bildsaulen von den Piedestalen stiirzte und seine Gemahlin 
Prisca wie seine Tochter Valeria nach Syrien verbannte. Und da sich zu 
diesen Widerwartigkeiten auch noch Krankheit gesellte, beschloss der 
68jahrige Monarch, so wie er einst auf die Herrschaft verzichtet hatte, 
nun dem Dasein tiberhaupt zu entsagen und gab sich im Jahre 313 selbst 
den Tod. 

Der Palast. ' 

Vermoge seiner Anlage erscheint der Diocletianpalast fast 
wie em Ubergang von den romischen Kaiserresidenzen zu den 
Kitterburgen des Mittelalters, da er zwar architektonisch pompos 
wie jene angelegt war, sich aber nicht inmitten weiter Garten- 
anlagen befand, wie etwa die Villa Hadrians in Tivoli, sondern 
einen verhaltnismassig beschrankten Raum innerhalb fester 
Mauern einnahm, die gegebenenfalls eine wirksanie Vertheidigung 
ermoglichten. 

Das befestigte romische Lager, aus welchem die Burgen des 
fruhen Mittelalters im allgemeinen hervorgiengen, diente auch 
dem Spalatiner Palaste als Muster. Mauern, welche an der Siid- 
front SS'/v, an der Nordseite 16 '/ v Meter Hohe und 2 Meter 
Dicke erreichten, umgaben ein nicht ganz regelmassiges, 216 Meter 
langes und 179, beziehungsweise 175 Meter breites Eechteck, 
welches durch eine Langs- und eine Querstrasse in vier Viertel, 
oder eigentlich in eine vordere Halfte und zwei riickwartige 
Viertel getheilt war. Das Eck jedes Viertels bildete ein qua- 
dratischer Thurm von 12 Quadratmeter Bodenflache, der sich fiinf 



1 Wichtigere Werke iiber den Palast : E. A d a m, Ruins of Diocletians 
Palace at Spalato. Professor Eitelberger, 1774, Die Porta Aurea und 
der Diocletianpalast. Vortrage des Alterthums-Vereines in Wien, 1859. - 
Alois H a u s e r, Spalato und die romischen Monumente Dalmatiens. Die 
Restaurierung des Domes zu Spalato, Wien 1883, Alfred Holder. 

2 Eigentlich zwei Mauern von je 44 Centimeter Dicke, und ein Zwischen- 
raum, ausgefullt mit durch Cement festgemachten Bruchsteineu. 



OER DIOCLETIANPALAST. 309 

Meter iiber die Mauer erhob, ' in der Mitte jeder Fa9ade offhete 
sich ein Thor, und zwar an der Siid- oder Meerfacade nur ein 
Pfortchen fur die Ausmiindung des, jetzt n Grotte u genannten 
Canals, * der der Einfahrt der kaiserlichen Barken diente, in den 
ubrigen Fronten Einlassthore, deren jedes von zwei achteckigen 
(heute fast ganzlich verschwundenen) Thurmen flankiert wurde. 
In der oberen Halfte der Mauern befanden sich urspriinglich in 
Abstanden von je 2 Meter Fenster von 3' v Meter Hohe und 
2 Meter Breite mit Doppelbogen; die Oberseite der Mauern 
stellte einen Wallgang fur die patrouillierenden Wachen dar. 

Von den Thoren haben wir das nordliche ? das schon im 
Alterthume die ,,Goldene Pforte u geheissen haben mag ? bereits 
gelegentlich des Spazierganges in der Stadt naher betrachtet. 
Vom Ostthor. das im Mittelalter Porta Nova hiess und spater 
die Silberne Pforte (Porta Argentea) genannt wurde, ist ausser 
einigen Resten seiner Flankenthurme nichts mehr vorhanden; 
seine Stelle nimmt ein einfacher, erst von den Venetianern ge- 
schaffener Mauerdurchbruch ein, dessen Siidseite vom Kirchlein 
Crkva Dusica (Chiesetta della Buona Morte) flankiert wird. 
Dagegen ist das Westthor oder die Eiserne Pforte (Porta Ferrea) 
noch gut erhalten, wenn schon beiderseits von den Hausern be- 
engt, zwischen welchen man vom Gospodski Trg zum Domplatz 
spaziert. Das Thor hat 4' Meter Hohe und 3 '/a Meter Breite 
und trug am Mittelstein des Architravs urspriinglich einen Stier- 
kopf en relief, welcher - wahrscheinlich unter Johann von 
Ravenna im VII. Jahrhundert durch ein Kreuz mit zwei 
Rosetten in Basrelief ersetzt wurde, neben welchen man die 
griechischen Initialen Jc XC *l(-f]ooo)<; X(ptoro)z bemerkt. 

Wie schon erwahnt, traf die vom West- zum Ostthor 
fiihrende Querstrasse im Vorhof des Palastes (dem heutigen Dom- 
platz) mit der Palaststrasse zusammen, die vom Nordthor (Porta 
Aurea) herzukam. Die Querstrasse schied die Siidhalfte des 
Palastes, d. i. die eigentlichen Kaiserappartements mit den 
Tempeln von der Nordhalfte, welche die Wohnungen der Hof- 



1 Drei dieser Thiirme sind noch theilweise erhalten ; der Sudwestthurm 
soil 1550 eingesttirzt sein. 

2 Durch den. Canal floss das Wasser der bei der Porta Aurea in den 
Palast getretenen Salonitaner Wasserleitung in das Meer ab. 



310 SPALATO. 

bediensteten enthielt. Man nimmt an, dass jenes Viertel der 
Nordhalfte, welches westlich der von der Porta Aurea kommenden 
Strasse lag, das Gynakaon enthielt, wo Diocla, die greise Mutter 
Diocletians schaltete, wahrend gegeniiber die Hofbediensteten 
hausten, doch sind das nur Vermuthungen, da von diesem Nord- 
theil des Palastes wenig mehr erhalten blieb als die Mauer und 
das antike Pilaster, das in neuerer Zeit an mehreren Stellen, wo 
zum Zwecke von Canalbauten Grabungen stattfanden, bloss- 
gelegt wurde. Bei dieser Gelegenheit constatierte man, dass viele 
der jetzigen Hauser in den angehauften Schutt fundamentiert 
sind und nicht bis auf das, in circa 3 / 4 bis l'/a Meter Tiefe 
liegende antike Pflaster reichen, das aus Steinplatten von l'/ a bis 
2'/v Meter Lange, 60 Centimeter Breite und 40 Centimeter Hohe 

fest zusammengefugt ist. 

* 

Betreten wir nun den Domplatz, das einstige Peristyl des 
Palastes, das einen vollstandig erhaltenen Saulenhof von 35 Meter 
Lange und 13 Meter Breite darstellt. Die beiden Langsseiten 
werden von je sechs hohen korinthischen Saulen begrenzt, deren 
machtige Bogen und Gebalke ' weit iiber die modernen Hauser 
hinausragen. An der Siidseite ist der Platz seiner ganzen Breite 
nach durch die Facade der Eingangshalle oder des Vestibulums 
abgeschlossen. Dieses Vestibule ist ein Kuppelbau von 13 Metern 
Durchmesser und bis zum Ansatze der Kuppel von 17 Meter 
Hohe ; den Mauern, in welchen man vier einst zur Aufstellung 
von Statuen oder Vasen bestimmte Nischen bemerkt, ist gegen 
den Saulenhof eine Vorhalle vorgebaut, welche von vier frei- 
stehenden Saulen (mit Gebalk und Gieb el dar iiber) * gebildet wurde. 

Wie die zwischen dem Vestibulum und der Meerfront ge- 
legenen Palasttheile - - das Atrium und die Kaisergemacher - 
veranlagt waren, konnte bisher nicht festgestellt werden, da das 
diesen Raum zum grossen Theil occupierende friihere Nonnen- 



' Die Saulen sind durch Bogen verbunden, iiber welchen sich ein 
gebalkartiges Gesimse horizontal hinzieht. 

2 Die vier Saulen sind iiber den beiden ausseren Intercolumnien mit 
horizontalen Gebalken iiberdeckt, wahrend das Gebalk iiber den mittleren 
halbkreisformig gekriimmt ist. 

Die Saulen bestehen aus rothem Granit, die Gebalke aus weissem, jetzt 
natiirlich geschwarzten Marmor. 




DAS INNERE DES DOMES. 



DER DIOCLETIANPALAST. 311 

kloster von S. Klara - - jetzt Volkskiiche (Pucka Kuhinja) - 
in dessen Mauern iibrigens vielfach antike Reste eingelassen sind, 
jede Nachforschung ausschloss. 

Wenden wir uns also wieder dem Domplatz zu, von dem 
Hauser sagt, dass er n dem Beschauer ein gewaltiges Stuck 
versteinerter Geschichte vor Augen fuhrt, eine grosse Illustra- 
tion, der kein erkliirender Text gewachsen sein konne". 

Urspriinglicli grenzte der Saulenhof ostlich und westlich 
wieder an offene Hofe, indem von der Saulenreihe der westlichen 
Langseite bis zum Jupitertempel ein Intervall von 25 Metern, 
von der Saulenreihe der ostlicheii Langseite bis zum Mausoleum 
Diocletians (jetzt Domi ein Intervall von circa 10 Metern 
bestand. Diese Intervalle sind jetzt auf der Ostseite durch den 
mittelalterlichen Domthurm, und auf der "Westseite durch die 
hier stehende Hauserfront ausgefiillt, durch letztere so grundlich, 
dass man zum rings umbauten Jupitertempel derzeit nur durch 
das schmale Sv. Ivan-Gasschen gelangt. 

Der Jupitertempel (fruher als Asculaptempel bezeichnet und 
jetzt die Taufcapelle von Spalato) ist ein viereckiges Gebaude, das 
aus einer auf hartem Podium sich erhebenden Cella mit Saulenhalle 
besteht. Die Cella, zu deren G Meter hohen und 2'/ z Meter breiten 
Eingangspforte man auf einer Treppe hinansteigt, hat im Innern 
nur 7'3 Meter Lange bei 5'9 Meter Breite, und ist scheinbar mit 
einem Tonnengewolbe iiberdeckt. In Wirklichkeit besteht die 
Decke aus drei nebeneinanderruhenden und halbkreisformig zu- 
geschnittenen Steinen, deren Unterseiten cassettiert sind. 

Das Taufbecken in der Capelle (in longobardischem Style, 
darstellend einen croatischen Konig oder Christus) hat die Form 
eines griechischen Kreuzes und diirfte aus dem XIV. Jahr- 
hund^rt stammen. Die beiden holzernen Thurniigel, die in der 
Capelle aufbewahrt werden, stammen aus dem Jahre 1214 und 
vom Portal des Domes her. (Siehe n Der Dom".) Der durch die 
Darstellung der Jagd auf den kaledonischen Eber bekannte 
Sarkophag, der sich fruher vor dem Eingange befand und Anlass 
gab, den Jupitertempel mit dem Mausoleum des Diocletian 
(dem jetzigen Domj zu verwechseln, steht seit 1886 im Museum. 1 



1 Siehe auch die Angaben im Abschnitte ,,Spaziergang durch die Stadt". 



312 SPALATO. 



D er D om. 

Den fur Spalato und auch fiir die Geschichte der Kunst bedeutsamsten 
Theil des Diocletianpalastes bildet der Dom oder das einstige Mausoleum 
Diocletians, das bis in die neuere Zeit fur den antiken Jupitertempel 
gehalten wurde, wahrend man im eigentlichen Jupitertempel oder der 
palatinischen Capelle einen Asculaptempel erblickte. 

Im Grundriss hat der Dom nach aussen die Form eines Achtecks, nach 
inn en diejenige eines Kreises. Ein niit keiner Lichtoffnung versehener Unter- 
raum, zu welchem der Eingang unter der grossen Aufstiegsstiege liegt, wird 
von dem kolossalen, bis zu 3 Meter stark em Mauerwerk eingeschlossen, 
welches das Obergeschoss tragt, jetzt den eigentlichen Kirchenraum, der 
einen Kreis von 13 1 /, Meter Durchmesser und (bis zum Dache) 21 */ t Meter 
Hohe darstellt.. In die Wande schneiden vier halbkreisformige und vier 
rechtwinkelige Nischen kraftig ein, zwischen den Nischen aber treten vor 
die Wande acht grosse korinthische Saulen, ' welche ein verkropftes Gebalk 
tragen und eine zweite obere Saulenstellung stiltzen, deren Saulen niedriger 
sind und deren Gebalk bis zum Ansatz der Kuppel reicht. 

Die 4 Meter hohe Kuppel ist aus Ziegeln gebaut und zeigt eine sonst 
bei keinem noch existierenden romischen Bauwerke vorkommende Construction 
aus facherartig ubereinander gesetzten Bogen. Sie ist nachst der Pantheon- 
kuppel, von welcher sie sich durch das Fehlen der oberen Lichtoffnung 
unterscheidet, 2 die einzige noch vorhandene Kuppel aus romischer Zeit und 
macht allein schon den Spalatiner Dom zu dem, nachst dem Pantheon best- 
erhaltenen und in vieler Beziehung wertvollsten Denkmal romischer Bau- 
kunst, das auf uns gekommen ist. (Hauser.) 

Wo das Gebalk der zweiten Saulenreihe an den Kuppelansatz reicht, 
lauft um den ganzen Raum ein sculptierter Fries, welcher Jagdsceiien dar- 
stellt : Genien, welche zu Fuss, zu Wagen und zu Pferde auf Hirsche, Eber, 
Ftichse und Steinbocke jagen oder Festons mit zwischengestellten Masken 
tragen. 

Aussen wird das Gebaude von einer Saulenhalle (urspriinglich 24, je 
Q l /. 2 Fuss hohe korinthische Saulen) umgeben, deren horizontales Marmor- 
gebalk 3 eine um das Mausoleum herumlaufende und seine Mauer beriihrende 
Steincassettendecke trug. Den Aufgang vom Peristyl (Domplatz) h^r ver- 



1 Die Saulen sind durchaus monolith, und zwar bestehen die 5 1 /? Meter 
hohen Schafte der vier unteren Saulen aus agyptischem Granit, die 3V 4 Meter 
hohen Schafte der vier oberen Saulen aus einem prachtvollen, tiefdunklen, ge- 
sprenkelten Porphyr. Das Material des Gebaudes - - wie uberhaupt des 
Diocletianpalastes ist ein sehr fester Stein von Trail und von der Insel 
Brazza, der auch jetzt zur Eestaurierung benutzt wird. 

2 Urspriinglich befand sich in dem Uaume nur ein einziges, tiber der 
antiken Pforte angebrachtes Halbbogenfenster. 

3 Von diesen Marmorgebalken sind jetzt nur mehr drei erhalten. 



DER DIOCLETIANPALAST. 



813 



mittelte eine 3'/ 2 Meter hohe Treppe, iiber der sich einst wohl ein Saulen- 
bau mit Giebel befunden haben muss. Dieser 1st aber zerstort, 'wie denn 
tiberhaupt die ganze Anlage des Gebaudes im Laufe der Jahrhunderte durch- 
greifende Anderungen erfuhr. 

Schon im VII. Jahrhundert machte namlich Johann von Ravenna, der 
erste Bischof von Spalato, das Mausoleum Diocletians zur christlichen 
Kirche und weihte sie Maria Himmelfahrt, wodurch einestbeils der Tempel 
als Ganzes erhalten blieb, anderer- 
seits natiirlich die heidnischen Sta- 
tueu und Attribute fallen und der 
christlichen Einrichtung weichen 
mussten. 

Zunachst und das frttheMittel- 
alter hindurch blieben iibrigens die 
baulichen Veranderungen gering 
und erst im XIII. Jahrhunderte 
begannen einschneidendere Wand- 
lungen, als Maria von Ungarn, 
Gemahlin Karls II. (des Lahmen) 
von Neapel, den Thurm bauen liess, 
welcher von der Konigin Elisabeth, 
Gemahlin Karl Roberts von Ungarn, 
im XV. Jahrhundert fortgesetzt und 
erst im XVII. Jahrhundert vollen- 
det wurde. 

Der Thurm steht unmittelbar 
zwischen der ostlichen Saulenreihe 
des Peristyls (Domplatzes) und der 
antiken Pforte des Mausoleums (jetzt 
Hauptportal des Doms) und wurde 
so erbaut, dass die Freitreppe zum 
Portal in malerischer Weise durch 
das unterste, zugleich die Vorhalle 
der Kirche bildende Thurmgeschoss 
fiihrt. Letzteres ruht auf den antiken 
Substructionen,die urspriinglich nur 
fiir die Vorhalle des Mausoleums ' 

bestimmt waren und tragt noch vier luftige, stark durchbrochene Etagen, 
zu deren reicher Ornamentik der Baumeister allerlei antike Fragmente von 
Sculpturen und Marmorplatten aus dem nahen Salona beniitzte. 

Als sechste Etage hatte man 1818 einen achteckigen Aufsatz mit Helm 
construiert, der aber nun ebenso wie die schadhaft gewesenen oberen Etagen 




SPHINX VOR DEM DOME. 



1 Die Basis des Thurmes bildet ein Rechteck von 10 Meter Lange, 
7 1 /, Meter Breite und 47 Meter Hohe. 



314 SPALATO. 

Object der Restaurierungsarbeiten bildet, zu deren Vornahme der Thurm ' 
schon vor l'/ 2 Decennien mit dem noch jetzt stehenden Gerust umgeben 
wurde, 

Der Thurm bietet nach H a u s e r eines der interessantesten Beispiele 
des romanischen Styles dar 2 und entschadigt durch seinen kiinstlerischen 
Wert dafiir, dass ihm die antike Vorhalle des Mausoleums weichen musste 
und dass er das einzige ursprilngliche Fenster der Kirche verstellt. 

Um Licht zu schaffen, wurden neben den Altaren der heiligen Anastasia 
und des heiligen Doimus, 3 welche sich in den Nischen an der Siidost- und 
Nordseite befinden, und welche im XV. Jahrhundert Francesco Ma lip ietro 
durch den Mailander Bildhauer S. Bonino und den Sebenzaner Architekten 
Georg r s i n i mit steinernen, auf Saulen. ruhenden Baldachinen hatte tiber- 
decken lassen, Fenster in die Kirchenwand gebrocheii und zugleich die Decke 
der umlaufenden ausseren Saulenhalle entfernt. 

Die im Styl der italienischen Gothik gehaltenen Arbeiten B o n i n o s 
bezeichnet A. Ha user als sehr interessant; ebenso die wertvollen Holz- 
thiiren des Domes, welche noch im XIII. Jahrhundert von dem Kunstler 
Guvina ausgefiihrt wurden. * Die beiden je 5 Meter hohen und 3'/ 3 Meter 
breiten Fliigel enthalten in 28 Feldern mit umrahmenden Ornamenten Dar- 
stellungen atfs der Lebens- und Leidensgeschichte Christi und zeigen bei 
hochst charakteristischem Styl eine musterhafte Durchfiihrung. 

Em vorzugliches Werk ist ferner die im romanischen Styl gehaltene 
Kanzel, die sich uber sechs Saulen mit reich ornamentierten Capitalen erhebt. 
Die Brtistungswande sind mit Blend- Arcaden versehen ; auf einer der Saulen 
ruht ein Adler mit ausgebreiteten Fliigeln als Pulttrager fur das Evangelium. 

Minder zu loben vermag der Kunstasthetiker die Wandlungen, welche 
seit Beginn des XVII. Jahrhunderts mit dem Dome vor sich giengen. Da 
liess zunachst Erzbischof de D o m i n i s gegeniiber dem Eingangsthor einen 
kastenartigen Chor erbauen, und nicht nur die Nische hier durchbrechen, 
ohne einen stiitzenden Bogen einzufiigen, sondern auch ober der Nische, 
mitten durch den Sculpturfries ein Fenster offnen, vor welchem die Saulen 
des ausseren Umganges entfernt wurden (Ostseite). In ahnlicher Weise 
verfuhr G. L. G a r a g n i n, als er 1770 die nordliche Tempelnische aus- 
brechen liess, um in den ausseren Saulenumgang eine dem heiligen Domnius 5 
gewidmete Capelle einzubauen. Schon frtiher aber hatte S. Ponzoni eine 



1 Ober der Treppe zum Eingang befanden sich urspriinglich zwei aus 
Agypten stammende Sphinxe. Jetzt ist nur mehr eine vorhanden. Die andere 
wurde von absturzenden Trummern verstummelt und befindet sich nun 
(bis auf den in einem Privathause als Zierrat eingemauerten Kopf) im 
Museum. 

2 Als Erbauer des mittleren Thurmstuckes wird der Spalatiner Bau- 
meister Nikola Tvrde (Tvrdoj) genannt. 

3 Jetzt S. Eainer gewidmet. 

4 Jetzt in der Taufcapelle (Jupitertempel). 

5 Domnius f 107 als Martyrer, erster Bischof Salonas. 




CAMPANILE DBS DOMES 
(nach Hausers Entwurf. Im Ban). 



DAS K. K. ARCHAOLOGISCHE MUSEUM.' 315 

styllose Sakristei an den Dom anbauen lassen, dera spater weitere, den 
ausseren Saulenumgang storende Kleingebaude folgten, wahrend im Innern 
der Kirche schon im XV. Jahrhundert entstellende holzerne Galerien ange- 
bracht warden, ' die schliesslich sogar f iir die Besucher der Kirche gefahrlich 
warden. 

Schon in friiheren Zeiten waren namlich die schadhaft gewordenen 
Simse ofter mit Stuck ausgebessert worden, den man mit eisernen Klammern 
an den Bruchflachen der Steine befestigt hatte. Auf diese ausgebesserten 
Gesimse, die infolge des von der Kirchenbeleuchtung abgesetzten Russes 
ziemlich homogen aussahen. driickten nun die Holzgalerien and bewirkten, 
dass wiederholt kleine oder grossere Partikel herab in den Kirchenraum fielen. 

Daher wurde denn auch die Kirche am 15. Juni 1880 inter imistisch 
geschlossen und nur der oberwahnte Chor offen gelassen, zugleich aber 
auch die Restaurierung in Angrift' genommen, deren Durchfiihrung unter 
der Oberleitung H a u s e r s der tilchtige und erprobte Bauunternehmer 
Andrija P e r i 5 i 6 libernahm, wahrend eiii Dombaucomite die Localbau- 
leitung besorgte. 

Seither sind die holzeriien Galerien abgetrageii, die Orgelempore, welche 
das alte rcimische Fenster verstellte, beseitigt und die schadhaften Stellen 
ausgebessert worden, und zwar nicht in Stuck, sondern in Stein unter 
genauer Nachbilduiig der alten Originale. Auch nahm man die Abtragung 
des Thurms 2 bis zum vierten Stockwerke, die Restaurierung der Portale 
u.s. w. in Angriff, und verwendete iiberhaupt bisher schon an 180.000 Gulden, 3 
um das architektonische Kleinod Spalatos in w ii r d i g e r "W e i s e wieder- 
herzustellen. 

Bemerkt sei schliesslich noch, dass der Spalatiner Dom in seinem 
Kirchenschatze ein hochst interessantes, auf Pergament geschriebenes Evan- 
gelienbuch aus dem VII. oder VIII. Jahrhundert enthalt, und dass auch die 
in Holz geschnitzten romanischen Chorstiihle sowie die alten, in den Fuss- 
boden eingelassenen Grabplatten iind die mittelalterlichen Grabdenkmaler in 
der Vorhalle Beachtung verdienen. 

Das k. k. archaolotjische Museum. 

Mancher Fremde, der in anderen Provinzhauptstadten, 
z. B. in Laibach, das Museum gesehen hat und mit der Er- 
wartung, ein ahnlich schones, zu seinen. Zwecken geeignetes 
Gebaude zu finden, vor die Porta Argentea hinausgeht, wird 
eine arge Enttauschung erleben. Denn was ihm da als erste 



1 Die von den unteren Saulen getragenen Holzgalerien dienten fur die 
Andachtigen. 

2 Infolge von Blitz- und sonstigen Schaden war der Thurm auch in 
friiheren Zeiten schon ofter Gegenstand der Restaurierung gewesen. 

3 Das Gertist allein kostete 50.000 Gulden. 



316 SPALATO. 

Abtheilung des Museums gezeigt wird, lasst ausserlich kaum 
ahnen, dass es sich hier um ein wissenschaftliches Institut 
handelt. 

Aber lasse man sich nur durch diese unscheinbare Hiille, die, 
wie verlautet, schon in absehbarer Zeit einer wiirdigeren weichen 
wird, nicht abhalten, dem Salonitaner Museum einen Vormittag, 
oder wenigstens, wenn man schon sehr pressiert ist, ein Stiindchen 
zu widmen. 

An wenigen Orten sind Sammelstatte und Hauptfundstatte 
einander so nahe geriickt, wie hier, wo man aus dem Museum 
herauskommend nur ein paar Schritte zur Eisenbahn hat, die 
uns in einer Viertelstunde nach dem Ruinenfeld von Salona 
bringt. Die Betrachtung des letzteren und die Besichtigung der 
Musealobjecte erganzen sich gegenseitig und vermitteln selbst 
dem fLiichtigen Besucher einen Einblick in antike und fruh- 
christliche Zustande, der allein den Besuch Spalatos zu einem 
hochst lohnenden macht. 

Im Abschnitt ^Ausgrabungsgeschichte" des folgenden Ca- 
pitels wird auch die Entstehung des Spalatiner k. k. archao- 
logischen Museums kurz gestreift werden. Hier sei daher bloss 
erwahnt, dass E-egierungsrath Msgr. B u 1 i c, welcher dem Museum 
und den Ausgrabungen seit 1883 vorsteht, nahe der Abtheilung I 
des Museums beim Ostthor (Porta Argentea) wohnt und Fremde, 
welche eingehendere Studien machen wollen, gerne mit seinem* 
Rathe unterstiitzt. Msgr. Bulic ist bereits damit beschaftigt, 
einen speciellen Katalog der Musealobjecte anzulegen. Bis dahin 
mag jenen, welche das Museum genauer besichtigen wollen, die 
schon erwahnte treffliche n Gruida di Spalato e Salona" 1 empfohlen 
sein, welche dem Museum eine eingehende, 80 Seiten umfassende 
Darstellung widmet.* 

Im folgenden muss sich aus Raumriicksichten darauf be- 
schrankt werden, nur jene wichtigeren Objecte kurz zu charakteri- 
sieren, welche auch der fltichtige Besucher in Augenschein zu 



1 Bulic, Jelic e Butar ,,Guida di Spalato e Salona". Erschienen 1894 
anlasslich des ersten Congresses christlicher Archaologen in Spalato. 

2 Noch eingehenderen Studien dient die, seit 22 Jahren von Monsignore 
Bulic herausgegebene Monatsschrift ,,Bullettiiio di Archeologia e Storia 
Dalmata". 



DAS K. K. ARCHAOLOGISCHE MUSEUM. 317 

nehmen nicht unterlassen sollte. 1 Vorher mogen jedoch einige 
ZifFern angefiihrt sein, welche die Reichhaltigkeit der Sammlungen 
illustrieren. So geht z. B. aus dem ^Bullettino", welches alle 
Inschriften in extenso wiedergibt, hervor, dass die Inschriften- 
sammlung des Museums schon mehr als 2700 Stiicke umfasst. 
Davon sind etwa 100 den antiken Gottheiten und 20 verschiedenen 
romischen Kaisern gewidmet, aber merkwiirdigerweise ist nur 
eine einzige vorhanden, welche sich auf Diocletian bezieht. 
Inschriften, welche von romischen Legaten, Pratoren u. s. w. 
handeln, sind ungemein zahlreich, 40 sind speciell romischen 
Soldaten gewidmet. und 30 weitere Inscriptionen haben auf 
die Municipalverhaltnisse Salonas Bezug. Auch an Inschriften, 
welche interessante A.ufschliisse iiber sociale Zustande gewahren, 
indem sie Kunst und Handwerk, die gymnastischen Spiele, die 
Gladiatoren u. s. w. zum Gegenstand nehmen, fehlt es nicht; 
besonders reich aber ist die iiber 800 Nummern umfassende 
Collection von Grabinschriften, welche eine wahre Fundgrube 
fiir den mit den Zustanden der ersten christlichen Jahrhunderte 
beschaftigten Culturhistoriker bilden. 

Den Inschriften schliesst sich die Sammlung der Sculpturen 
an, welche Statuen und Torsi, Biisten und Kopfe, Basreliefs und 
architektonische Fragmente, sowie besonders schone Sarkophage 
umfasst, aber wieder nur ein einziges, auf Diocletian Bezug 
nehmendes Stuck enthalt, obwohl die ganze Collection an 
1400 Nummern zahlt. 

Noch weit starker ist die Collection von Terracotten, in 
welcher sich ausser Vasen und hochst mannigfaltigen Lampchen 
besonders Mauer- und Dachziegel mit interessanten Fabriks- 
zeichen befmden. Ferner ist zu finden eine Sammlung von 
Glasgegenstanden, eine ausserordentlich reichhaltige Sammlung 
von Werkzeugen, Waffen u. dgl. aus Metall, eine Collection von 
Objecten aus Bein und eine Gemmensammlung, welche iiber 
1600 zum Theil besterhaltene schongeschnittene Steine umfasst. 



1 Die erste Abtheilung des Museums befindet sich vor dem Ostthor 
(Porta Argentea). In der Nahe die Wohnung des Directors rnit der Biblio- 
thek. Die Abtheilungen II und III des Museums sind in den Hausern 
Dimitrovic (Put Gimnazije) und Brainovic (Put Vatrogasaca) unter- 
gebracht. Eine IV. Abtheiluug enthalt das Haus Gilardi. 



318 SPALATO. 

(Darunter 500 Stiicke aus Carniol, 200 aus Jaspis aller Farben, 
130 aus Acliat u. s. w.) Endlich ist noch eine nahe an 15.000 Stuck 
umfassende Munzensammlung vorhanden, die Raummangels halber 
bisher erst theilweise aufgestellt werden konnte. 

I. Abtheilung. 

(Bei der Porta Argentea.) 
Vor saal. 

Unseren fliichtigen Rundgang in der ersten (und Haupt-)Abtheilung 
des Museums beginnend, fallt uns im Vorsaal zunachst der, bei der oberen 
Basilika in Salona gefundene Sarkophag auf, welcher en relief die Dar- 
stellung Jesus' als guten Hirten tragt. B u 1 i c nennt den aus blaugeadertem 
weissen Marmor hergestellten Sarkophag ,,ein hochst seltenes, vielleicht 
einziges Beispiel von Vermischung des griechischen und romischen Typus". 
Jelic aber schliesst aus verschiedenen Thatsachen, dass in dem Sarge im 
ersten Viertel des IV. Jahrhunderts jene Matrone Asclepia bestattet wurde, 
auf deren Grundstilck sich der Salonitaner Christenfriedhof befand. An dem 
Sarkopbage bemerkt der Besucber zum erstenmal jenes charakteristische, 
von der Zerstorung durch die Avaren im Jabre 639 herrtihrende Locb, das 
ihm spater und besonders in Salona selbst nocb an zablreichen andereii 
Sarkophagen auffallen wird. (Nr. 13.) 

Im selben Raume fallt eine Grabstelle mit griecbiscber Inschrift auf, 
die 1854 auf Lissa gefunden wurde (Nr. 80), ferner in dem durcb ein Bas- 
relief der Amazonenscblacht ausgezeichneten Sarkophage Nr. 15 eine Tafel 
mit 54 Schliffen der in den Buinen von Salona gefundenen Marmorarten. 

Erster (grosser) Saal. 

In diesem Saale, welcher eine ganze Reihe von Hauptstucken des Mu- 
seums enthalt, bemerken wir zunachst in den Ecken vier Saulenschafte 
aus nero antico, welche von der antiken Taufcapelle in Salona stammen 
(,,Ravennatische Saulen") und von welchen zwei in der Mitte Darstellungen 
von Vogeln zwischen Laub und Trauben aufweisen. Auch die zugehorigen, 
Spuren von Bemalung zeigenden Capitale sind vorhanden. (Nr. 37 und 38.) 

Kunsthistorisch weit bedeutender ist der 1859 in Salona aufgefunclene 
Sai'kophag mit dem ausserordentlich plastischen Relief, welcher den an die 
biblische Historic vom keuschen Josef und der Putiphar anklingenden Mythos 
von Hippolyt und Phadra darstellt. (Nr. 29.) 

Ein zweiter grosser Sarkophag (Nr. 121) zeigt Meleagers Jagd auf den 
kalydoniscben Eber und findet im Museum nun schon seine dritte Statte. 
Denn im III. Jahrhundert zum Begrabnis eines Ehepaares geschaffen, kam 
er im XVI. Jahrhundert von Salona nach Spalato, wo er in der Vorhalle 
der palatinischen Capelle (Jupitertempel) stand, bis man ihn neuestens in 
das Museum ubertrug. Die Darstellung auf diesem Sarkophage ist es, welche 
man mit der Todtung des Leibwache-Prafecten Aper (Eber) durch Diocletian 



DAS K. K. ARCHA'OLOGISCHE MUSEUM. 



319 



in Verbindung gebracht hat. Oben auf dem Sarkophag bemerkt man Blei- 
sarge, wie solche in zahlreichen Steinsargen als innere Hiille der Leichen 
gefunden wurden. 

Eines der auffalligsten Objecte in diesem Saal ist die schon friiher 
erwahnte kopflose Sphinx. Sie besteht im Gegensatz zu der noch vor der 
Pforte des Domes liegenden, aus schwarzem Syenit gemeisselten Sphinx, 
aus einem sehr harten marmorartigen Kalkstein und stammt den einge- 
meisselten Hieroglyphen znfolge von einem agyptischen Konig Amenhotep 
(bei den Griechen Memnon), der um das Jahr 1500 v. Chr. lebte, ist also 
wohl das alteste Object des Museums. 

Unter den Sculpturen des Saales verdient der Torso einer Venus, die 
sich auf -den Delphin stutzt und die Statue einer Venus Victrix (Nr. 125) 
Beachtung; unter den Inschriften steht obenan jene des Peregrinus Domnio, 
welche bezeugt, dass der gi-osse Friedhof in Salona zu Ende des IV. Jahr- 




SARKOPHAG IM MUSEUM (Hippolyt und Phadra). 

hunderts den Namen Coemeterium Legis Sanctae Christianae fiihrte; unter 
den Ziegeln endlich sind einige durch ihre Fabrikszeichen interessant, weil 
diese darthun, dass schon in romischer Zeit zwischen Rimini und Arezzo 
Ziegeleien bestanden, aus welchen wie noch heute Ziegel nach Dalmatien 
gefiihrt wurden. 

Zweiter Saal. 

Ausser einem Theile der Musealbibliothek sind hier mehrere Vitrinen 
aufgestellt. Die Vitrine I enthalt Goldschmuckgegenstaiide, darunter einen 
schonen Armreif, dessen Goldwert allein eine Summe von 200 Gulden 
repriisentiert. Im selben Kasten befindet sich der Schmuck einer Frau, nebst 
als Kinderspielzeug verwendeten Elfenbeinscheibchen. beide aus dem Sar- 
kophag des Ehepaares Attiae Valeriae; weiters sieht man Asbest, wie 
er x.um Einwickeln der Leichuame diente, verschiedene Elfenbeinbecher mit 
Wiirf'eln und alte sehr interessante Schlosser. 



320 SPALATO. 

Die II. Vitrine birgt besonders Fibeln d. h. Verschlussnadeln, wie 
solche vom IV. Jahrhundert v. Chr. an gebrauchlich waren ; ausserdem zwei 
interessante antike Tintenzeuge, und einige Talismane, deren Object die 
croatischen Bauern, welche solche Funde dem Director Bulic bringen, 
verschamt immer nur als Zivinica (,,das kleine Thierchen") bezeichnen. 

Die III. und IV. Vitrine sind den Objecten aus Glas gewidmet, und 
enthalten u. a. farbige Glaspasten (Glasfliisse), die zum Einlegen in Mobel 
dienten. 

In der V. Vitrine bemerkt man ausser Metallspiegeln besonders eine 
Jupiter-Statuette und eine interessante Sammlung alter G-ewichte; die VI. 
zeigt ausser Glasnadeln mehrere mit Gold eingelegte, fur die Glastechnik 
interessante Parfiimnaschchen, Kinderspielzeug (u. a. hohle Schwane ohne 
Fiisse zum Schwimmen im Wasser). ferner Flaschchen, die bei der Ver- 
brennung der Leichen schmolzen u. dgl. Uber dieser Vitrine ist eine Collection 
antiker Hacken, Schwerter und Scheren aufgehangt. 

Hochinteressant ist die Sammlung von Thonkrligen und Lampchen 
(Lucernen), welche die IX. Vitrine enthalt. Denn man sieht hier vom ein- 
fachsten Lampchen alle Formen bis zum Thierkopf und selbst humoristische 
Darstellungen in Thon, wie ,,Die Verlegenheit des Diomedes" fehlen 
da nicht. 

In den Vitrinen X und XI sind die Gemmen und Cameen untergebracht 
und in den Vitrinen XII und XIII ein Theil der Munzensammlung, welche 
wohl fur die Adrialander zu denreichhaltigsten gehort. Da finden sich pharische 
aus der griechischen Periode der Insel Lesina stammende und altillyrische 
Miinzen, sowie allein einige hundert Goldmiinzen aus der romischen Kaiser- 
zeit. Ihnen schliessen sich byzantinische Mtinzen, venetianische Ducaten, 
ragusaische und bosnische Miinzen an, in solcher Fiille, dass man vor dem 
Munzenkasten allein Tage verbringen mtisste, wollte man alle Stiicke genau 
in Augenschein nehmen. 

In dieser ersten Abtheilung des Museums wird man sich auch in das 
Fremdenbuch einzeichnen, das unterm 27. Juni 1891 die Unterschrift Seiner 
Majestat unseres Kaisers enthalt 

II. Abtheilung. 

(Haus Dimitrovic am Put Grimnazije.) 

Die zweite Abtheilung des Museums ist besonders durch ihre Sar- 
kophage und christlichen Grabinschriften wichtig. 

Hier steht u. a. der Sarkophag der Attia Valeria, in welcher die 
bedeutendsten Goldfunde gemacht wurden (Nr. 1634), ferner ein Sarkophag 
in Gypsabguss (Original im Budapester Museum), zu dem spater Original- 
erganzungen in Salona aufgefunden wurden (Nr. 176). 

Unter den zahlreichen Inschriftsteinen befindet sich hier der einzige, 
welcher ohne sonstigen Inhalt Titel und Namen Diocletians ent- 
halt (Nr. 1340); ferner die einzige doppelsprachige Grabschrift (griechisch 
und lateinisch), weiters die letzte Alterthumsinschrift, die in Salona gefunden 





ROMISCHE DENKMALER (Museum). 



SPALATO IN DER VERGANGENHEIT. 321 

wurde (Nr. 1861) und die alteste croatische Inschrift, die ihrem Wortlaut 
nach (,,Pro Duce Trpimir") vom Herzog Trpimir herriihrt. ' 

Sehr interessant sind endlich in dieser Abtheilung Copien von Portrats, 
welche sich in einer vom Papst Johannes IV. im Later an gebauten Marty rer- 
Gapelle befinden. Diese allerdings aus der Phantasie gemalten Bilder stellen 
dieMartyrer dar. deren Gebeine Abt Martinus \iber Auftrag des erwahnten 
Papstes im VII. Jahrhundert aus Dalmatien nach Rom brachte. Das Merk- 
wurdige besteht indes darin, dass von den Bischofen und Martyrern, welche 
jene Bilder darstellen, nun in Salona die Grabsteine aufgefunden wurden. 

III. Abtheilung 1 . 

(Hans Brainovic am Put Vatrogasaca.) 

In dieser Abtheilung werden den Fremden hauptsachlich die Capitiile 
der unteren und oberen Saulenreihe des Innern der Domkirche interessieren, 
die bei der Restaurierung abgenommen wurden und nun durch vorziiglich 
ausgefiihrte Nachbildungen ersetzt werden. Sie sind zum Theil gut erhalten, 
zum Theil aber bemerkt man auch, wie im Mittelalter die Voluten, Akanthus- 
blatter u. dgl. mit jenem Cement ausgefiillt wurden, der schliesslich ab- 
brockelte und den Besuchern des Domes Gefahr drohte. 

Eine andere Merkwiirdigkeit dieser Abtheilung ist der aus ganz 
weissem Kalkstein bestehende grosste aller aufgefundenen christlicheii Sar- 
kophage (Nr. 313), ferner eine Inschrift des aus Brazza stammenden Soldaten 
(miles) Valerianus, in welcher es heisst: Als ich in Syrmien static niert 
war, wo man die Saulen und Capitale fur die Thermen des Licinius 
machte u. s. w. 

IV. Abtheilung. 

(Hans Gilardi am Put Vatrogasaca.) 

Die in diesem Hause untergebrachte Abtheilung wird zumeist als 
Magazin beniitzt und empfiehlt sich ihr Besuch hauptsachlich jenen, welche 
ein wenig Einblick in das Handwerk der Archaologen gewinnen wollen. 
Man kann da natiirlich nur gelegentlich sehen, wie der Famulus des 
Directors Bulic die ersten Versuche unternimmt, in Theile zerschlagene 
Inschriften zusammenzusetzen, oder wie Abklatsche von Inschriften her- 
gestellt werden, indem man anf jene nasse Bogen ungeleimten Papiers auf- 
legt und dieses nun mit einer Biirste so lange bearbeitet, bis sich die In- 
schrift abgepragt hat. 

Spalato In der Vergancjenheit. 

Die Geschichte Spalatos beginnt mit dem Zeitpunkte, wo nach der 
Zerstorung Salonas durch die Avaren im Jahre 639 die auf die Inseln ge- 
fluchteten Salonitaner wieder zur Kuste zurtickkehrten, nun aber nicht mehr 
in der zerstorten Stadt, sondern im festen Diocletianpalaste sich ansiedelten. 



1 Msgr. Bulic ist auch Prasident der 1894 gegriindeten croatischen 
Alterthums-Gesellschaft Bihac. 

FUhrer durch Dalmatien. 21 



322 SPALATO. 

"Wir betrachten daher auch die Stadtgeschichte Spalatos als eine Fort- 
setzung derjenigen Salonas, und werden, da wir auf Salonas Schicksal bei 
Schilderung des Ausfluges nach seinenRuinen zu sprechenkommen(Cap. XIX), 
im Folgenden die Geschichte Spalatos mit dem Jahre 639 n. Chr. beginnen. 
Mit dem gescb.icb.tlicb.en, d. h. durch besondere, nennenswerte Ereig- 
nisse ausgezeichneten Dasein, darf jedoch das blosse Dasein als Siedlung 
nicbt verwechselt werden. Salona war Jahrhunderte nach dem Avaren- 
einfall bewohnt und Spalato bestand, wenn auch nur als kleines Dorf, schon 
v o r der Zerstorung Salonas. 

Nach dem Avarensturme wurde Salona von den Croaten occupiert, 
unter deren Herrschaft manches Gebaude erhalten blieb, wie die Kirche 
S. Maria, die um die Mitte des X. Jahrhunderts von Helena, Gemahlin des 
Ko'nigs Miroslav, sogar restauriert wurde und damals als Begrabnisstatte 
der croatischen Fiirsten diente. Auch in der weiteren Umgebung Salonas 
fanden wie ja bei der Nahe der croatischen Residenz Bihac begreiflich 
- in der Zeit der croatischen Herrschaft manche Kirchen- und Kloster- 
grundungen statt, und die mittelalterlichen Docurnente erwahnen sogar 
specie!! der koniglichen Miihlen am Jaderflusse. Eine neuerliche Abnahme 
der Bevolkerung in Salona brachte das Erloschen der croatischen Dynastie 
und besonders der Mongolensturm von 1242, und nun fand keine Neuansied- 
lung mehr statt, da die Fehden zwischen Trau und Spalato, sowie seit dem 
Ende des XV. Jahrhunderts die Tiirkeneinfalle bewirkten, dass die Land- 
bevolkerung den Aufenthalt im Dorfe Clissa, in den befestigten Dorfern der 
Castelli und vor Allem in den Vorstadten (Borghi) von Spalato dem Dasein 
in der ganzlich ungeschiitzten Niederung von Salona vorzog. So vollzog 
sich also die Entvolkerung Salonas eigentlich langsani, in mehreren auf 
ein Jahrtausend vertheilten Etapen, bis nur mehr das kleine Dorf Salona 
iibrig blieb, das aber heute wieder im Wachsen 1st. 

Dennoch setzt die Geschichte den Fall Salonas mit Eecht in das 
Jahr 639 n. Chr., denn die intelligente, wohlhabende Bevolkerung kehrte, 
als sie vor den Avaren auf die Inseln geflohen war, nicht mehr nach Salona 
zurtick, sondern siedelte sich im Diocletianpalaste an, und da hierher nun 
auch der Salonitaner Bischofsitz und die Amter verlegt wurden, begann die 
historische Entwicklung sich an den Namen Spalato zu knupfen. 

*, 

Schon zur Zeit, da Salona noch bluhte. findet sich aut der Peu- 
tinger'schen Tafel und in einer zur Zeit der Kaiser Arcadius und Honorius 
verfassten Chronik ,,Notitia dignitatum utriusque imp." ein Aspalathos 
verzeichnet, ein Name, . der sich auch sonst auf der Balkan-Halbinsel ofter 
findet, und mit der (gracisierten) illyrischen Bezeichnung einer aromatisch 
duftenden Pflanze* in Verbindung gebracht wird. Auch scheint der Name 



i Diese Pflanze ,,Aspalatho" ist eine Winde (Convolvulus scoparia), 
die zu Salben. zur Bereitung des Weines und Ol, und zur Farbung der 
Zeuge verwendet wird. 



SPALATO IN DER VERGANGENHEIT. 323 

der Vorstadt ManuS auf die Manii zuriickzuleiten, die im Alterthum in 
dieser Gegend sesshaft waren. 

Ob nun aber v o r der Erbauung des Diocletianpalastes ein Dorf bier 
bestand oder nicht, jedenfalls ist der Palast nach dem Tode Diocletians 
(313 n. Cbr.) nicht sofort verodet. Zwar bewohnte ihn filrder kein Kaiser mehr, 
allein die "Wiirdentrager, welche von Amtswegen nach Salona kamen, diirften 
ihn wohl beniitzt haben, und von Marcellinus, der sich unter Kaiser Leo 
im V. Jahrhunderte zum Konig von Dalmatien aufwarf, wird dies sogar 
berichtet. Noch weniger kann man daran denken, dass das von zahlreichen 
Menschen bewohnten Nordviertel des Palastes je dauernd verl assen wurde 
Vielmehr diirfte gerade hier das Leben fortgedauert haben, so dass, als der 
Salonitaner Sever us seine auf die Inseln geflohenen Landsleute nach dem 
Festlande zuruckfuhrte, die Siedlung in dem festen, leicht zu vertheidigenden 
Palast gewissermassen als der natiirliche Krystallisationskern fiir ein Neu- 
Salona gegeben war. Ja, wahrscheinlich waren viele Salonitaner gleich 
anfangs vor den Avaren direct in die Mauern Diocletians gefliichtet. 

Jedenfalls hatte der Palast mit dem anschliessenden Dorfe ManuS und 
dem Reste Salonas zusammen schon wenige Jahre spater eine Bevolkerung, 
die zur Erneuerung des stadtischen Mittelpunkts der Gegend an der Stelle 
Spalatos hinreichend erschien. Sonst ware der von Papst Martin im Jahre 649 
abgesandte Nuntius Joharin von Ravenna schwerlich in Spalato geblieben, 
um hier als erster Bischof zu fungieren. 

Von der raschen Wiedererhebung Spalatos als der directen Nachfolgerin 
Salonas zeugt die Thatsache, dass schon der Bischof von Salona Esychius 
im V. Jahrhundert Metropolit von Dalmatien genannt wird, und dass der 
Erzbischof von Spalato, zu dessen Sprengel 824 24 Bisthiimer 1 gehoren, seit 
932 Primas von Dalmatien und Croatien heisst. 

Spalato zahlte damals (930) doppelt so viel Tribut an Byzanz, be- 
ziehungsweise an die croatischen Ftirsten, wie die anderen dalmatinischen 
Stadte und hatte bereits manche Wandlung hinter sich, da es von 806 bis 810 
unter frankischer Oberhoheit gestanden und von 827 bis 868 ganz selbstandig 
gewesen war. Nun aber, um die Wende des ersten Jahrtausends, begann wie 
im iibrigen Dalmatien das Eingreifen Venedigs und - - begiinstigt durch 
einen Streit zwischen dem croatischen Konige Drzislav und dessen Bruder 
Svetoslav Surinja erschien im Jahre 998 der Doge Pietro Orseolo II. 
vor Spalato, besiegte hier die Narentaner, die allein mit 10 Schiffen den 
Kampf aufgenommen batten und liess sich huldigen. Doch nahm diese erste 
venetianische Herrlichkeit bald ein Ende, da der energische Konig Peter 
Kresimir II. im Bunde mit den Narentanern rasch wieder die croatische 
Herrschaft herstellte. Auch als Byzanz die ihm verbliebene Oberhoheit im 
Jahre 1081 an Venedig abtrat, dessen Doge Michele nun den Titel ,,Dux 
Dalmatiae sive Croatiae" annahm, iibten das Protectorat iiber die Seestadte 



i Nach heutigen Begriffen waren diese Bisthiimer allerdings mehr 
grosse Pfarreien. 



21* 



324 SPALATO. 

die Croaten aus, deren Konig Demeter Zvonimir 1074 in der Kirche 
S. Peter bei Salona aus den Handen des papstlichen Cardinal-Legaten 
Gebizo die Krone empfangen hatte. 

Nach dem Erloschen der nationalen Dynastie (1102) fiel Spalato wie das 
ilbrige Dalmatien durch den Vertrag von Zaravecchia (Biograd na moru) 
an Koloman von Ungarn und verblieb nun, abgesehen von einigen Inva- 
sionen Venedigs und einer kurzen byzantinischen Periode (1168 bis 1180), 
unter dem Scepter der Stefanskrone bis 1327. 

Die culturelle Entwicklung dieser Zeiten weist viele Analogien mit 
jener in den anderen Landern Europas auf. Die croatischen Konige batten 
offenbar die Besiedlung und Cultur des offenen Landes begunstigt. Darauf 
deuten die mannigfachen Klostergrlindungen des XI. Jahrhunderts. 1 In der 
folgenden Zeit, da vorwaltend die ungarischen Konige herrschten, scheint 
sich dagegen auf Grund des friiher geschaffenen Wohlstandes das stadtische 
Wesen entwickelt zu haben. Denn ins XIII. Jahrhundert fallt analog den 
grossen Dombauten in anderen Stadten der Beginn des Thurmbaues in 
Spalato und im XIV. Jahrhundert entwickelt sich im Westen der Altstadt 
Spalatos die urspriinglich Burgus genannte Neustadt. 

Das XIII. Jahrhundert war fur Spalato eine bewegte Zeit. Bald war 
man im Bunde mit Trau, wie 1221, als es - - auch unter Betheiligung 
Sebenicos gegen die Seerauber von Almissa gieng; bald und das war 
6'fter der Fall bekriegten sich die beiden Nachbarstadte infolge des lang- 
wierigen Streites, der um das Dorf Ostrog entbrannt war (siehe die 
Capitel iiber Trau und Castelli); dazu kam 1242 der Mongolensturm, 1264 
eine Fehde mit der Besatzung Clissas, wo damals die Konigin Maria resi- 
dierte u. a. Schon zu Anfang des Jahrhunderts aber hatte es religiose Be- 
wegungen gegeben durch die Secte der Bogumilen, deren Auftauchen die 
Berufung der Franziskaner veranlasste, und waren burgerliche Unruhen 
entstanden, welche erst der 1239 erwahlte Rector Gargano (aus Ancona) 
beilegte, indem er um dieselbe Zeit, da dies auch in anderen Stadten, 
z. B. "Wien geschah Spalato sein erstes Stadtrecht gab (Capitolari). 

Immerhin war das XIII. Jahrhundert eine Glaiizzeit der biirgerlichen 
Regsamkeit fiir Spalato, wo damals der Conte Domaldo Kacic, der von 
Zara bis Spalato und Almissa gebot (f 1243), als ein Macen der Kilnste 
gait. Zu seiner Zeit bliihte in Spalato jene Architekten- und Bildhauer- 
schule, welche vom Studium des Diocletianpalastes inspiriert, fiir Dalmatien 
die Herrschaft des romanischen Styls inaugurierte. 

Gegen Schluss des XIII. Jahrhunderts begann fiir Spalato die Ubermacht 
der, als Conti der Stadt vorgesetzten Subic driickend zu werden und es wurden 
daher ,,unbeschadet der Rechte der ungarisch-croatischen Konige" Unter- 
handlungen mit Venedig angekniipft, die 1327 zur Anerkennung der Herr- 



1 Urkundlich erwahnt wird z. B. 1020 das Benedictiiierkloster S. S tef ano 
de Pinis (heute Sustjepan); 1030 das Kloster S. Maria in Paludo 
(Poljud); 1060 die Kirche S. Felice auf der Riva, bei welcher 1214 Franz 
v. As si si das Franziskanerkloster griindete. 



SPALATO IN DER VERGANQENHEIT. 325 

schaft der Lagunenrepublik fiihrten. Doch brachte Ludwig der Grosse 1358 
Spalato wieder unter sein Scepter und die Stadt blieb nun 63 Jahre unter 
ungarischem Eegime, bis im Jahre 1420 die Bedrangnisse Ungarns neuer- 
dings und diesmal dauernd die Venetianer ans Ruder brachten. 

Gegen Ende des XIV. Jahrhunderts wurde Spalato vorubergehend hart 
durch Palisna von Vrana und darnach durch Konig Tvrtko I. von Bosnien 
bedriingt, der nach Eroberung der Bocche auch Bagusa und Spalato in seine 
Gewalt zu bringen strebte. Nur drei Jahre iiberdauerte jedoch die Herrschaft 
der Bosnier in Spalato den Tod Tvrtkos und nun gab es neuerliche Unruhen, 
bis im Kampfe zwischen Sigismund von Ungaru und Ladislaus von Neapel, 
letzterer die Oberhand behielt und 1403 den gewaltthatigen Hrvoja Vukic 
zum Herzog von Spalato ernannte. 

Hrvoja bekannte sich zur Secte der Bogumilen, welche 1334 ein Concil 
in Spalato verdammt hatte ; auch verfuhr er - - von Xatur jahzornig - 
ziemlich hart gegen die Spalatiuer, denen er so wenig traute, dass er nahe 
dem Siidostthurm des Diocletianpalastes ein festes Castell errichtete. 
Dennoch wusste er sich auch unter dem Xachfolger Ladislaus (Sigismund) 
zu behaupten und seine Herrschaft so zu befestigen, dass er es wagen 
durfte, Miinzen mit seinem Bildnis pragen zu lassen und sich ,,Statthalter 
von Croatien und Dalmatien, Grossherzog von Serbieii und Bosnien, Herzog 
von Spalato und Herr von Brazza und Lesina" zu nennen. 

Als Hrvoja 1413 starb, war Konig Sigismund von Ungarn zu sehr 
von anderen Angelegenheiten in Anspruch genommen, als dass er Dalmatien 
hatte vertheidigen konnen. Dies beniitzten daher die Venetianer, zerstorten 
schon 1413 das Castell Hrvojas ' und brachten 1420 Spalato ganz in ihren 
Besitz, welchen sie fiirder 377 Jahre behaupteten. 

Doch waren sie schon ein Menschenalter nach der Besitzergreifung, 
als Salona in die Hande der Tiirken fiel, genothigt, gegen diese Front zu 
machen und neue Befestigungen anzulegen, die auch deshalb nothig wurden, 
weil die Bewohner aus der Umgebung Salonas jetzt theils in die neu- 
gegriindeten Castelli, theils nach Spalato niichteten, wo besonders seit dem 
Falle Clissas (1539) die Vorstadte rasch an Grosse zunahmen. 

In jener Zeit war es (1507), da Erzbischof Z a n e mit dem Schwert 
gegen die Tiirken zog, 2 wie 1349 sein Vorganger Malabranca, der Erbauer 
des Castells von Salona, gegen die Herren von Clissa, und eben damals 
begann auch die Organisation jener Miliz, deren schon im Abschnitt ,,Trau" 
gedacht worden ist. 

Der beginnende Kampf gegen die Tiirken hinderte jedoch nicht, dass, 
inauguriert durch Marko Marulic (1450 1524), Dichtkunst undWissenschaft 



1 Nicht zu verwechseln mit dem erst 1450 1481 von den Venetianern 
nahe dem Sudwestthurme des Diocletianpalastes erbauten Hrvoja- 
Thurm, den man noch heutzutage sieht. 

2 Venedig, damals durch die Liga von Cambrai bedroht, hatte seine 
Besatzvmgen aus Dalmatien zuriickgezogen und die Stadte hier waren auf 
Selbsthille angewiesen. 



326 SPALATO. 

bliihten und Spalato auch jenen Aufschwung als Handelsstadt nahm, der, 
wie friiher erwahnt, bis in die Mitte des XVII. Jalirhunderts anhielt. 

Der erhohten Tiirkengefahr wegen wurde Spalato in den Jahren 1645 
bis 1670 in Festungsmauern gebannt und mit den Forts Gripi und Botti- 
celle (Bafivice) umgeben. Doch nahm die Feindesgefahr nun bald ein Ende 
und Spalato hatte neu aufbliihen konnen, wenn iiicht die eiigherzige Politik 
des selbst herabgekommenen. Venedig, sowie die von tiirkischen Karavanen 
eingeschleppte Pest, welche im XVIII. Jahrhuiidert dreimal in der Stadt 
wiithete (1731, 1763, 1783/84), den Fortschritt immer wieder gehemmt hatten. 

Der Fall Venedigs (1797) machte Spalato einige Tage lang zum Schau- 
platze blutiger Auftritte; doch kam es in der ,,Franzosenzeit", abgesehen 
von einer kurzen Beschiessung der Stadt am 8. December 1809 durcli eine 
englische Corvette, bei Spalato nur zu jenen kriegerischen Uiiternehmungen, 
welche diePoljica betrafen. (Siehe Capitel XXI.) 

Den Franzosen, an deren Herrschaft noch heute der Marmontplatz 
und die Marmontova Ulica erinnern, danken die Spalatiner die Nieder- 
reissung ihrer Walle und Bastionen ; zur offenen Stadt aber wurde Spalato 
erst 1845 unter dem osterreichischen Regime erklart, welches durch Forderung 
der Ausgrabungen in Salona die heutige Stellung Spalatos als archaologischer 
Mittelpunkt Dalmatiens vorbereitete, wahrend es durch "VViederherstellung 
der Diocletianischen Wasserleitung, durch Hafenbauten und durch den Ban 
einer, eben in Vervollstandigung begrifi'enen Eisenbahnlinie das wirtschaft- 
liche Aufstreben der Spalatiner unterstiitzte. 

Spaziergange urn Spalato. 

Spalato ist vermoge seiner Lage am Meer und inmitten 
wohlcultivierter, zu hohen Gebirgen ansteigender Hiigelgelande, 
reich an hiibschen Spaziergangen. 

Den nachsten bietet die iieue Riva an der Ostseite des 
Hafens bis zum Bade Botticelle (Bacvice), wo sich die 
schonen Parkanlagen und Glashauser der Familie Katalinic 
befinden und die Promenade bis zum Leuchtthurm am Ende der 
Diga fortgesetzt werden kann. 

Eine andere Wanderung ftihrt ostlich, auf der Almissaner 
Strasse zu der, 1618 von Erzbiscliof Sforza Ponzoni geweihten. 
Wallfahrtskirche Poian und diese Partie lasst sich (zu "Wagen) 
bis Stobrec fortsetzen, besonders wenn man beabsichtigt, an die 
schone Rivierafahrt einen Ausflug in die Poljica anzuschliessen. 
(Siehe Capitel XXI.) 

Ein drittes Ziel fur einen kleinen Ausflug bietet das nord- 
westlich von Spalato in einer kleinen Meeresbucht gelegene 



SPAZIERGANGE UM SPALATO. 327 

Kloster von Poljud (Madonna delle Paludi), welches ausser durch 
seine reizende Lage mid seinen echt mediterranen Klostergarten, 
besonders durch eine wertvolle Antiquitat merkwiirdig ist. Man 
zeigt hier namlich die beriihmten zwei Chorbiicher, welche 
P. Bonaventura Razmilovic niit Pflanzensaften malte und nach 
zehnjahriger miihevoller Arbeit kurz vor seinem Tode (1675) 
fertigstellte. Auch ein Hochaltarbild von 1549, herriihrend von 
dem Spalatiner Maler Girolamo Santa Croce und ein classisches 
Bild von Lorenzo Loto des Erzbischofs Thomas Nigri (f 1527) 
sind sehenswert. Man gelangt nach Paludi, wenn man hinter 
dem Stadttheater (Opcinsko Kazaliste) den Put Poljuda ein- 
schlagt, der neben dem katholischen Seminar durch iippige 
Weingarten fuhrt. Bemerkenswert auf dieser Wanderung ist 
das vis-a-vis dem Exercierplatze gelegene Haus Katie, der 
als gewesener Pfarrer von Vranjic-Salona dort viele Steine mit 
Inschriften, Capitale und Sarkophagstticke sammelte und in diesem 
Hause einmauern liess. 

Ein vierter Spaziergang fuhrt am Siidgehange des Monte 
Marjan zum im Jahre 1513 errichteten Castello Capogrosso, 
wo sich jetzt dessen Ruinen und eine Capelle (Gospa od 
Svjeta) befinden. 




. Ausfliige von Spalato. 



Auf den Monte Marjan. ' 

Die Fremden, welche gegenwartig nach Spalato kommen, 
beschranken sicli gewohnlich darauf, den Diocletianpalast und 
das Museum zu besichtigen und Ausnuge nach. den Ruinenstatten 
von Salona, sowie nach der gepriesenen Riviera der Sieben Castella 
zu unternenmen. Es gibt aber noch manchen anderen herrlichen 
Punkt in der Umgebung der Stadt, der des Besuches wert ist, 
ja vielleicht sind es gerade die landschaftlich und floristisch 
schonsten Gelande, welche zur Zeit noch ausserhalb des Fremden- 
verkehres liegen, weil sie von den Reisebiichern iibergangen werden. 
Einer dieser Punkte ist die 677 Meter hoch auf dem Kamme 
des Kozjak gelegene Georgscapelle, ein anderer die in der Ge- 
schichte Dalmatiens so oft genannte Feste Clissa am Sattelgupf 
zwischen Kozjak und dem machtigen Mosorgebirge, ein dritter 
der Monte Marjan, der seinen Ostfuss in die Stadt selbst nieder- 
setzt, so dass seine Besteigung eigentlich bloss einen Spazier- 
gang erfordert. 

Der Monte Marjan hat nur 178 Meter Seehohe, ist aber so aus- 
gezeichnet situiert, dass er trotz der bescheidenen Erhebung zu 
den schonsten Aussichtsbergen Dalmatiens gezahlt werden muss. 

Wie ein Blick auf die Specialkarte lehrt, liegt Spalato an der 
Siidkiiste einer circa 10 Kilometer langen Halbinsel, welche Fest- 
land-Dalmatien gegen Westen der Insel Bua entgegenstreckt, die 
ihrerseits wieder bei Trau mit dem Festlande fast zusammen- 
hangt. Die Nordkiisten Buas und der Spalatiner Halbinsel sind 
dem durch sie mitgebildeten inneren Salonitaner Golf zugewendet, 



1 Nach des Verfassers Aufsatz in der ,,0sterr. Touristeii-Zeitung". 



AUF DEN MONTE MARJAN. 329 

und schauen iiber diesen auf den fruchtbaren Niederiingsstreif 
der Sette Castella hiniiber, hinter welchen als "Wall gegen Norden 
die lange Felsmauer des Kozjak aufragt; vor den Slidkiisten 
dagegen fluthet weithin bis zum Inselpaar Solta-Brazza jene 8 
bis 14 Kilometer breite Meeresstrasse, welche die Namen Canale 
di Spalato, Canale della Brazza fiihrt. 

Die Spalatiner Halbinsel ist in ihrem grossen Osttheil von 
einem niederen reichcultivierten Hiigellande erfiillt, aus welchem 
ostwarts plotzlich das machtige kahle Steingebirge des Mosor zu 
1330 Meter Seehohe aufsteigt. Wo das "Westdrittel der Halbinsel 
beginnt, liegt Spalato und reicht westlich bis zu dem Punkte, 
wo sich das Hiigelland etwas eiiergischer und hoher aufschwingt. 
Diese letzte Aufragung nun ist der Monte Marjan, ein 3' 2 Kilometer 
langer Hugelkamm, dessen gegen Solta schauendes "\Vestcap in 
der Romerzeit, als die Schiffe noch um das Cap herum in den 
ostlichen Hintergrund des salonitanischen Golfes nach Salona 
segelten, einen Tempel der Diana trug. 

Heute heisst dieses Westcap Punta Sv. Jurja (St. Georg) 
und liegt ziemlich verodet, da Eisenbahn und Strasse, welchen 
der Verkehr folgt, von Spalato gegen Salona hin einfach die 
Halbinsel queren. Am Ostfusse des Marjan dagegen ist es umso 
lebhafter geworden ? denn hier zieht an seinem Gehange der 
grosse Borgo (Veli Varos) die "Westvorstadt Spalatos hinan, 
und diese reicht ostlich bis zur alten Riva der Stadt hinab. 

Friih morgens vor einem Cafe der Obala zu verweilen und 
die Details der schonen Ausschau daselbst zu betrachten, ist eine 
wiirdige Einleitung zu der Tour auf den Monte Marjan. Die 
Papiermaulbeerbaume (Morus brussonetia papyrifera) langs der 
Quaimauer versperren nur wenig von dem Diorama, welches im 
Siiden das Bootgewirr bis zum ostlichen Hafensporn und zum 
Leuchtthurm und gegen Siidwesten die Contouren Soltas umfasst, 
wahrend es im Westen durch jenen nahen Siidvorsprung des in 
griinen Terrassen niedersteigenden Monte Marjan gebildet wird, 
welch er den Friedhof von Spalato tragt. 

Dorthin richten wir unsere Schritte, anfangs noch langs 
des Quais, wo oft ein starker SchwefelwasserstofFgeruch zu 
verspiii-en ist, der an Baden gemahnt. Thatsachlich riihrt er 
von Quellen her, deren chemische Zusammensetung wenig von 



330 AUSFLUGE VON SPALATO. 

jener der Quellen in der Schwefelstadt bei Wien verschieden 1st 
und die daher ebenfalls, wenngleich noch in geringerem Masse, 
zu Badern beniitzt werden. Unmittelbar nach der Ausmiindung 
der Quellen ins Meer weitet sich die Riva bei dem zum Andenken 
an die Restaurierung des diocletianischen Aquaductes errichteteii 
Monumentalbrunnen zum Marmontplatze, wo der im Colon- 
nadenstyl gehaltene Fliigel des Hotel de la Ville auffallt. 
Hier wenden wir uns nun links nach Siidwesten, um zunachst 
dem am Fusse des Monte Marjan gelegenen Friedhof von Spalato 
einen Besuch abzustatten. 

Schon wahrend des Weges dahin bietet sich Gelegenheit, 
einige echte Reprasentanten der mediterranen Flora zu beob- 
achten, so an den Felsen das Crithmum maritimum, dessen 
Blatter jenen der Mistel und dessen Dolden jenen des Epheus 
gleichen, ferner den echten Kappernstrauch (Capparis spinosa), 
der da und dort selbst in altem Gemauer Wurzel geschlagen hat, 
und vor der Friedhofmauer das schon gelbbliihende Schollkraut 
(Glaucium luteum). 1 

Noch vor dem Friedhof fallt dem Wanderer die Spalatiner 
Cementfabrik auf, welche Gestein des Monte Marjan verarbeitet 
und in gewisser Hinsicht zu den industriellen Besonderheiten 
Dalmatiens zahlt. Man fertigt da namlich Badewannen aus Cement, 
in dessen Masse einen in der Natur ungemein haufigen Process 
nachahmend - - rothe, weisse und schwarze Marmorfragmente so 
geschickt eingemengt sind, dass man Objecte aus geilecktem 
Marmor vor sich zu haben glaubt. Auch Vasen, Statuen, Grab- 
steine und Taufbecken werden aus Steinguss in einer Weise 
hergestellt, dass sie dem Laienauge als aus natiirlichem Stein 
gehauen erscheinen. 

Vor dem Friedhof fallt der Marjan in gelblicher und blau- 
licher Steilkuste ab, deren Aufbau aus thonigen und mergeligen 
Schichten wohl die Ursache ist, warum hier aus einem einstigen 
Thai zwischen dem Marjan und der Insel Bua durch Abschwemmung 
ein Meercanal entstanden ist. Hoher hinauf ziehen "Wein- und 
Oliventerrassen zu der kalkklippigen Kammregion des Berges, 



1 Croatisch heissen die drei Gewachse Petrovnjak, Kopar, Mak po- 
morski. 



AUF DEN MONTE MARJAN. 331 

welcher sclion vor 120 Jaliren dem, fiir Gesteinskunde begei- 
sterten Abbate Fortis solches Interesse abnothigte, dass er der 
Dianabucht nahe dem Westcap ein eigenes, durch geologische 
Abbildungen erlautertes Capitel widmete. 

Eine Weile ansteigend, nahern wir uns nun dem Friedhof 
und geniessen dabei schon eine recht umfassende Ausschau. 
Westwarts schweift der Blick zwischen dem Marjan und der 
Insel Bua, an deren Xordostkiiste Dorf Slat in e blinkt, bis zu 
dem 13 Kilometer entfernten kahlen Klippenzuge des Monte 
Elia oberhalb Trau, gegen Siidwesten aber sehen wir iiber das 
Ostcap Buas, das seinen antiken Xamen Punta Jove bewahrt hat, 
hiniiber bis auf den langen Klistenzug von Solta. 

Es ist ein schoner Punkt vor dem, wie so viele Friedhofe 
des Siidens, herrlich gelegenen Campo Santo der Spalatiner, und 
erwartungsvoll treten wir in die doppelte Pforte, durch welche 
man von weissem Oleander umbuschte Ailanthen, Pinien und 
Cypressen erblickt. 

Hinter den Baumen ziehen die Grabreihen hin : von vier- 
eckigen Eisengittern umschlossene machtige Steinplatten, an 
deren Etickseiten sich die Grabdenkmaler erheben, wahrend an 
den vorderen Ecken hohe Pyramiden-Cypressen aufragen. Es ist 
der monumentale Theil des Friedhofs, der bis zu einem von 
Buxbaum, Cypressen und hellgrtinen Seestrandskiefern gebildeten 
Quergange reicht. Dahinter liegt der Friedhof der Armen mit 
blauen und schwarzen Holzkreuzen; im Quergange erhebt sich 
ein von acht Saulen getragener Tempel, welcher eine vollkommene, 
zwischen dem Meere und den hohen Kiistengebirgen eine Fiille 
herrlicher Culturgelande umfassende Rundschau erschliesst. Es 
ist einer der schonsten Punkte des osterreichischen Litorale, 
und besonders herrlich, wenn wie es hier zumeist der Fall 
die Landschaft unter tiefblauem, wolkenlosem Himmel in jener 
heiligen Ruhe liegt, in welcher schon das Aufspringen einer der 
hier haufigen Gebetheuschrecken (Mantis religiosa) den Be- 
trachter wie eine Storung aus seinen Traumen riittelt. 

Die Statte des Friedens wieder verlassend, wandern wir an 
einem in Terrassen zum Meer abfallenden "Weingarten entlang 
bis zu dem Punkte, wo links (gegen "Westen) ein Hohlweg berg- 
warts leitet. Hier tritt, mit ganz zerschieferten Schichten wechsel- 



332 AUSFLUGE VON SPALATO. 

lagernd, jener feinkornige, in der Farbe an die Kehlheimer 
Flatten erinnernde Kalkstein auf, den die Cementfabrik ver- 
arbeitet und hier kommen wir nun, fort westwarts wandernd, 
allmahlich hoher auf der Siidseite des Berges. die nach den Mit- 
theilungen unseres ebenso gelehrten als freundlichen Begleiters, 
des Herrn Professors Kolombatovic aus Spalato, als das Friih- 
lingsgelande der Stadt zu betrachten ist. Denn eilt schon in 
den iibrigen Uingebungen Spalatos, wie z. B. der Ebene von 
Salona, der Friihling demjenigen Mittel-Europas um !'/ Monate 
voraus, so ist das Siidgehange des Monte Marjan noch mehr 
begiinstigt und bietet selbst im Winter so reiches Griin, so 
vielfachen Blumenflor, dass das Gestade in dieser Hinsicht selbst 
die 5 Kilometer nordlicher hinziehende Riviera delle Sette 
Castella iibertrifft. Aller Wahrscheinlichkeit werden sich daher 
hier einst, wenn man das Klima Dalmatiens allgemeiner wiirdigen 
wird, Colonien von Winterrefugien erheben ; vorlaufig findet man 
an dem ganzen Grehange nur ein paar Hauschen und Capellen, 
und wandert in jener ruhigen Ungestortheit, die so vielen Natur- 
freunden das liebste Milieu des Naturgenusses ist. 



Aber auch. fur den Botaniker ist der Monte Marjan hoch 
interessant, da er nahezu den Inbegriff der Flora von Spalato 
und den grb'ssten Theil der mediterranen Flora Dalmatiens iiber- 
haupt an seinen Gehangen vereinigt. 

Bis fast zur Hohe begleiten uns die Pflanzen der Cultur- 
region, der Weinstock mit vorwiegend dunkelblauen Trauben, 
die Olive, der Feigenbaum, im Borgo auch Mandelbaume, ein- 
zelne Granatbaume, edler Lorbeer u. a. Langs des Weges und 
an den uncultivierten Stellen aber herrscht die freilebende Flora, 
die hier selbst gegen Ende der spatsommerlichen Diirreperiode 
reich an Bliiten-Erscheinungen ist. 

In dem fur die Mediterran-Flora typischen Griingrau der 
sammtig oder filzig behaarten Blatter prangen der Salbei (Salvia), 
das Marrubium (auffallig durch die die Stengel umfassenden 
wespennestartigen Fruchtstande), das mit kleinen grauen Blattchen 
besetzte und auch klein- aber dicht- und reichbltitige Teucrium 
polium, der mit silbrig behaarten kirschkernartigen Friichten 



AUF DEN MONTE MARjAN. 333 

besetzte Cistus, die Mentha mit ihren grossen Bliitenkopfchen, 
und endlich das wermutdufteiide gelbe Ruhrkraut (Helichrysum 
angustifolium, croatisch Smilje), das an der Spitze seiner mit 
nadelschlanken weichen Blattchen besetzten Triebe noch im 
Spatherbst stets einzelne hellgelbe, an die Katzenkopfchenblute 
erinnernde Doldchen entfaltet. 

Ganz verdorrt, in rothlichem Strohgelb steht der distel- 
stachlige Scolymus hispanicus ; an der Oberseite griinweiss, an 
der Unterseite fast rein weiss sind die wie Rehleder anzufiihlenden 
Blatter der noch im Herbst ihre gelben Kopfchen reich ent- 
faltenden Inula Candida, einer der schonsten und auffalligsten 
Charakterpflanzen des Siidens, neben welcher die lebhafter griine, 
aber kleinbliitige Inula viscosa bescheiden zuriicktreten muss. 

In der Buschvegetation finden sich zahlreiche. in denselben 
oder in vicariierendenFormen auch inMittel-Europa vorkommende 
Arten und diese zeichnen sich zumeist durch lebhafter griiiies, 
aber hartes Laub aus. Hieher gehoren der Weissdorn (Crataegus) 
mit zierlichem Laubwerk und rothen Beerenfriichten. der klein- 
blatterige stachliche Prunus spinosa (croatisch Slivo divlje), in 
dessen Schatten da und dort ein Bittersporn (Delphinium) seine 
violetten Blumen birgt, die Rosa canina, der Brombeerstrauch 
(Rubus amenus), der wilde Spargel (Asparagus acutifolius ? croa- 
tisch Sparog), dessen kleine, im Wirtel stehende Blattchen fast 
Dornen gleichen, und von Krautern der graugriine Amaranth. 

Im Habitus unserer Erica gleichend, aber mit kleineren 
lichtrothen bis weissen Bliitchen und dafiir strauchartig auf- 
ragend, fesselt bis in den Spatherbst durch ihren reichen Rispen- 
flor die Erica arborea (croatisch Vris) ; ganz mediterran dagegen 
ist der durch seine herzformigen griinen Blatter und hakigen 
braunen Stachel ausgezeichnete Judendorn (Paliurus australis, 
croatisch Draca), der im Gebiet der dalmatischen Festlands- und 
Inselkiisten eine hervorragende Rolle spielt. Er herrscht namlich 
in zahlreichen Vegetationsinseln vor und entreisst den Schafen 
jahrlich ungezahlte Flockchen, die zum Nutzen der nestbauenden 
Yogel in seinen Dornen zuriickbleiben. 

Ebenfalls mediterran ist die geschweift herzblatterige ran- 
kende Stechwinde (Smilax aspera), von der in England ahnlich 
wie von der Mistel einst gesagt wurde, dass, wer ein Madchen 



384 AUSFLUGE VON SPALATO. 

unter der Smilax finde, es kiissen diirfe, und die Pistazie, die 
in zwei Abarten vorkoinmt : einer kleinfiederblattrigen (Pistacia 
lentiscus), die sehr gemein 1st, und einer minder haufigen gross- 
fiederigen Art ' (Pistacia terebinthus) 7 die init dem echten 
Johannisbrotbaum Ahnlichkeit hat. 

All' diese Pnanzen, nebst verdorrten, mit silberhaarigen 
Fruchtgrannen behangenen Zweigen der "Waldrebe (Clematis 
vitalba) und kahlen Ruth en des im Mai iiber und liber mit gelben 
Bliiten bedeckten Spartianthus junceus sammeln wir noch vor 
Erreichung der Kammregion des Monte Marjan, die sich unter 
Anderem durch das plotzliche Auftreten krystallisierten Kalkes 
anzeigt. Zur Rechten des "Weges sehen wir namlich etwas wie 
Candiszucker glanzen und entdecken nun als Kluftausfullung 
machtige Drusen von honiggelbem Kalkspath an einer Stelle, 
wo dem schieferig-thonigen Plattenkalk grauer, korniger Kalk 
(von Fortis ,,gemeiner dalmatinisclier Marmor" genannt, da er 
im Bruch etwas an Alabaster gemahnt) auflagert. 

Wenige Schritte und wir stehen auf dem Kamm und haben 
nicht nur im Siiden, sondern auch im Norden das Meer ? hier 
begrenzt von der Riviera der Sieben Castella, aus deren 
griinen Weingefilden die sieben Dorfchen weiss hervorleuchten, 
wahrend dahinter der machtige Kozjakwall aufsteigt, auf dessen 
Hohe man das von zwei Baumen flankierte St. G-eorgs-Capell- 
c h e n ausnimmt. 

In der B/ichtung gegen die Capelle bildet den naheren 
Vordergrund die schone Salonitaner Bucht mit dem auf eiiiem Vor- 
sprunge der spalatinischen Halbinsel liegenden Kloster Paludi 
und dem im innersten Buchtwinkel an der Miindung des Jader- 
flusses situierten Dorfchen Yranjic, das seiner ins Meer hinaus- 
geriickten Lage wegen oft als .,Piccola Venezia" (Klein- Venedig) 
bezeichnet wird. Uber dem Feld von Salona bauen sich Dorf und 
Veste Clissa auf in jener Senke zwischen Kozjakwall und dem 
Mosorgebirge, in der man weit draussen, als einen der aussersten 
Fempunkte der Aussicht, den. 45 Kilometer entfernten Prolog 
entdeckt, eiuen Theil des Zuges der Diiiarischen Alpen, auf 
welchen die Grenze zwischen Dalmatien und Bosnien verlauft. 



' Die kleinfiederige Art wird von den Croaten Triselja, Smarka. Ku- 
noviiia, die grossblattrige dagegen Smardlika. Tevpentik genauiit. 



AUF DEN MONTE MARJAN. 335 

Mehr als diese Fernen fesselt uns aber alsbald die Nahe. 
Die Kammeinsattlung, welche der Dianabucht entspricht, iiber- 
sclireitend, stehen wir namlich vor einem wilden Felsaufbau, 
dessen Schichten aufgestellt und dessen Gehange ganz zerfressen 
, erscheinen. Hier wuchern Strauchlein der eigenthiinilichenEphedra 
und bilden Buschwerk, das wie aus Zinnkraut gefonnt erscheint 
und mil gelbrothen zweisamigen. Friichtchen wie mit Perlen- 
reihen behangt erscheint ; hier vegetiert auch die im Habitus 
ahnliche Osyris alba (croatisch Metra Metlica), die sich durch 
einen Besatz von kleinen Blattchen und rothen Kugelfriichten 
auszeichnet, es tritt ferner in zahlreichen kleinen Exemplaren 
die Opuntia nana (Blattercactus) auf und bedeckt mit ihren hell- 
griinen blattartigen Truncus-Abschnitten die Felsen. in welchen 
wir zu unserer Augenweide auch drei der schonsten Eeprasen- 
tanten der dalmatinischen Flora vereinigt finden: die durch ihr 
prachtig modelliertes silberweisses Laubwerk auffallende Cen- 
taurea ragusina, die Inula Candida und die einen iippigen blauen 
Bliitennor entwickelnde hochrispige Campanula pyramidalis (croa- 
tisch Prstenjak). 

Wo sich die Felsen am hochsten erheben, steht die kleine, 
jetzt aufgelassene Capelle Betlehem, und von hier fuhrt etwas 
abwarts ein Weg durch Gestriippe riesiger Agaven dem Zielpunkte 
unserer "Wanderung zu: dem Eremitenkirchlein von San 
Girolamo, vor dessen Plattform eine riesige Pyramiden-Cypresse 
aufragt. Hier sind die grauen, von gelben Flecken durchsetzten 
Felsmauem geradezu kolossal, hangen ausgebaucht etwas uber 
und erscheinen von reicher Buschvegetation belebt, die aus jeder 
Ritze quillt und jedes halbwegs ebene Platzchen besetzt hat. 
Hangende Ephedren mit gelblich-fleischfarbigen Friichten und 
eine Abart mit biischelformigen, an Krummholz gemahnenden 
Gerten, Biischel der Centaurea ragusina, aus deren Silberlaub 
die strohblumenartigen Fruchtkapseln hervorragen, Pistazien- 
und Wacholderstrauche, duftende Satureja montana u. a., ver- 
einen sich zu einem den Pflanzenfreund entziickenden Vegeta- 
tionsbilde. 

Aber noch ein Anderes fesselt in dem Felsgemauer : eine 
Treppe, die zu einem von Celtis australis urnbuschten Hofe und 
vor einen vierstockigen Aufbau von Zellen fuhrt, die sich in 



336 AUSFLUGE VON SPALATO. 

der Felswand zu schwindelnder Hohe emporziehen. Hier hausten 
einst Bergmonche, und hier hat man iiber die "Wein- und Oliven- 
gehange der siidlichen Marjanseite hinab eine entziickende Schau 
iiber das Meer, gegen Siiden, wo nun nicht bloss die Kiisten 
von Brazza und Solta, sondern dariiber auch Eckchen von Lesina 
und der 60 Kilometer entfernten Insel Lissa in Erscheinung 
getreten sind. "Wie viele Fremde wohl hier dereinst die zauber- 
volle Schonheit der dalmatinischen Kiistenlandschaft geniessen 
werden? Und wann wohl auch hier gerausch voiles Saisonleben 
der stillen Monchsbeschaulichkeit folgen wird, wie vor andert- 
halb Decennien im Quarnero in der alten Abbazia San Giacomo? 

In etwas ist iibrigens schon heute der Anfang zur Wiir- 
digung des herrlichen Erdenneckchens gemacht. Ersteigen wir 
namlich, zu dem oberwahnten Sattel zuriickkehrend, den Berg- 
rticken, so finden wir hier einen, am Nordgehange 6'stlich 
fiihrenden Kammweg, der zwar anfangs in wustem, nur mit 
Biischel- und Gestriippvegetation bedeckten Terrain hinfuhrt. zu 
dessen Seite aber plotzlich Anpflanzungen der hellgriinen Meer- 
strandfohre auftaucheii, die schliesslich in einen formlichen Nieder- 
wald iibergehen. Hier stossen wir dann auch auf die neu gebaute 
Strasse, durch die man von der Stadt her jetzt sehr bequem an 
den Nordflanken des Monte Marjan emporkommt. 

Noch bevor diese Strasse erreicht wird, fesselt die nun noch 
schoner als vorhin erschlossene Tiefschau auf die Herrlichkeiten 
des Salonitaner Golfes. Auch fallen am Wege immer wieder 
grosse, das Karstgestein wie Auswiichse bedeckende ockergelbe 
Knollen auf. Zerschlagt man einen solchen Knollen, so sieht 
man, dass er " unter weisser Binde eine ganz braunschwarze 
homogene Gesteinsmasse birgt. Diese Horn- oder Feuersteinknollen 
muthen wie Pendants zu den unten am Strande zu findenden 
Lochern der Pholaden an, walzenformigen Vertiefungen, welche 
die Bohrwiirmer wohl nicht bloss mechanisch in den Kalk, ja, 
in den Marmor hohlen. Yielmehr diirfte auch eine atzende, das 
Gestein chemisch angreifende Substanz eine Bolle spielen, welche 
diese pfefferartig schmeckenden Meerthiere absondern. 

Das Endstiick der neuen Strasse fiihrt bis zu einer durch 
ein Steinkreuz gekennzeichneten Bella-Vista und hier, bei einer 
Arbeiterhlitte, die zur Zeit gelegentlich als ambulante AVein- 



AUSFLUG NACH SALONA. 337 

schanke dient, fiigt sich in den Rundblick auf die schone Land- 
schaft das Stadtbild von Spalato ein, das man unmittelbar zu 
Fiissen und gewohnlich in dem vollen Lichtglanze sieht, der die 
Stiidte des Siidens so marchenhaft erscheinen lasst. 

Auf der neuen Strasse spaziert man leicht in einer halben 
Stnnde nach dem Borgo hinab ; doch kann man auch einen 
zwischen der Strasse und der oben skizzierten Anstiegroute 
fuhrenden steileren "Weg einschlagen, der unmittelbar bei dem 
Steinkreuze beginnt. Auf diesem Wege passiert man knapp vor 
den ersten Hausern des Borgo Grande den judischen Friedhof, der 
unter Cypressen und Gestrauch nur wenige vereinzelte Grabplatten 
aufweist, da in der kleinen israelitischen Gemeinde von Spalato 
oft Jahre vergehen, ehe ein Begrabnis stattfindet. 

Im Borgo selbst erreichen wir alsbald jeiie enge bergab 
fiihrende Strasse, aus welcher wir wieder heraus auf die Riva 
von Spalato, vor die Facade des diocletianischen Palastes ge- 
langen. 

AusfliKj nach Salona (Solin). 

Geschichtliches liber Salona. 

Wenn man die westlich ziehende Halbinsel Dalmatiens, an deren Siid- 
kiiste Spalato liegt, gegen Nordosten quert, kommt man in die, durch das 
Halbinselchen von Vranjic halbierte Salonitaner Bucht, in deren nordliches 
Becken das Jaderfliisschen miindet. Der Jader, welcher nur 5 Kilometer 
ostlich am Gehange des Mosor-Gebirges entspringt, kann als die Grenze der 
Campagna von Spalato betrachtet werden, da an seinem Nordufer schon die 
gesegnete, vom Wall des Kozjak beschiitzte Riviera der Sieben Castella 
beginnt, die sicb. von hier westlich bis Trau hinzieht. Das Jaderthal bildet 
aber avicli den Anfang jener wichtigen Tiefen- und Strassenlinie, welche 
zwischen den schwer nberschreitbaren Gebirgswallen des Kozjak und Mosor 
nach dem Innern des Landes fuhrt und es vereinte sich daher mit der 
Fruchtbarkeit des Gelandes und der Situation an einem gesicherten Hafen 
die gute Handelslage, um dem Erdenflecke hier friih zu grosserer Bedeutung 
zu verhelfen. 

Thatsachlich mogen schon die griechischen Colonisten, welche im 
IV. Jahrhundert v. Chr. von Lissa auf das Festland heriiberkamen, um zu 
Tragurion (Trail) und Epetion (jetzt Stobrec", ostlich von Spalato) An- 
siedlungen zu griinden, in der zwischen diesen Orten liegenden Niederung 
des Jader eine altillyrische Siedlung vorgefunden haben. Wie immer es sich 
aber mit der Griindung Salonas verhalten haben mag jedenfalls war die 
Stadt schon im II. Jahrhundert v. Chr. bedeutend, da es sonst dem 

Fohrer durch Dalmatian. 22 



338 AUSFLUGE VON SPALATO. 

119 v. Chr. aus dem Feldzug gegen die Japyden zurilckkehrenden Consul 
Lucius Caecilius Metellus kaum moglich gewesen ware, mit einem 
Heere in Salona zu tiberwintern. 

Vierzig Jahre spater brach der grosse Aufstand der Dalmater aus, 
welcher den Proconsul On. Cosconius nach Dalmatien fiihrte und damals 
muss Salona schon ummauert gewesen sein, da berichtet wird, dass der 
Consul die Stadt erstiirmt habe. Abermals einige Decennien spater kampften 
die Salonitaner so tapfer fur Casars Sache gegen einen Legaten des Pom- 
pejus, dass ihnen das Jus Coloniae und ihrer Stadt der Ehrenname Julia 
Martia Salona verliehen wurde. 

Schon ehe Illyrien im Jahre 45 v. Chr. romische Provinz wurde, hatte 
Salona eine Municipalverfassung uach ronaischem Zuschnitt ; nun aber wurde 
die Stadt als einer der drei Conventus Civium Romanorum, in welche man 
Dalmatien eintheilte, Versammlungsort des mitteldalmatinischen Landtages 
und Sitz des kaiserlichen Legaten und der sammtlichen Provinzialbehorden ; 
es begann jene Zeit der Entfaltung romischen Lebens, welche unter den 
Kaisern des II. Jahrhunderts ihren Zenith erreichte. 

In dieses II. Jahrhundert fallt eine Neubefestigung der Stadt, von 
welcher noch heute Ruinen und Inschriften kunden ; auch begann damals 
jene Entfaltung des Christenthums, fur welche im ersten halben Jahrtausend 
unserer Zeitrechnung gerade Salona durch seine, alle Epochen dieses Zeit- 
raumes reprasentierenden Kirchenbauten und Nekropolen ausserordentlich 
wichtig geworden ist. 

In den Jahren 305 bis 313 weilte Diocletian in Salona, um den, 
schon vor seiner Abdankung begonnenen Palast auszubauen, und auch 
damals mag das romische Leben Salonas noch in jener Mannigfaltigkeit 
pulsiert und jenen Luxus entfaltet haben, von welchem uns die Funde im 
Spalatiner Museum eine Anschauung geben. Nun aber begannen schlimmere 
Zeiten. Wiederholt erschienen Gothen und Hunnen vor der Stadt und bildeten 
eine so bestandig drohende Gefahr, dass man um 400 n. Chr. zu einer 
zweiten Verstarkung der Stadtmauern schreiten musste. Gleichwohl wurde 
Salona in den ruhigeren Zwischenzeiten immer wieder als Zufluchtsort auf- 
gesucht, so 424 von Placida, der Schwester des Honorius, und unter Theo- 
dosius erfreute sich Salona sogar einer langeren Ruhaperiode, so dass manche 
Gebaude, wie die Martyrer-Capellen auf dem grossen Friedhof in M ana- 
stir in e, aus den Ruinen wiedererstanden. 

Nach Theodosius Tode litt Salona unter den Kampfen zwischen den 
Ostgothen und Byzantinern ; von 582 an aber begannen jene Einfalle der 
Avaren, deren letzter und schrecklichster im Jahre 639 stattfand und die 
Stadt so ausgepliindert, verwiistet und vom Brand zerstort zuriickliess, dass 
die auf die Inseln geflohenen Einwohner nicht mehr zuriickkehren mochten, 
sondern sich in den festen Mauern des Diocletianpalastes ansiedelten. 

Seit jener Zeit kntipft sich die Geschichte der Jader-Niederung an den 
Namen Spalato, Salona aber ergieng es wie so vielen Ruinenstadten : die 
Saulen und wertvollen Steine der alten Gebaude wurden von der um- 



AUSFLUQ NACH SALONA. 339 

wohnenden Bevolkerung fiir ilire Bauten bentitzt und was dann noch iibrig 
blieb, deckte im Laufe der Jahrhunderte die Erde zu, welche auf Salona 
nicht nur vom Wiude zugetragen, sondern auch durch die Torrenten von 
den beweglichen Lehnen des nahen Kozjak herabgeschwemmt wurde. 

Geschichte der Ausgrabungen. 

Wie man noch beute an den Ausgrabungsstellen sehen kann, liegt 
das Erdreich in Salona 2 bis 3 Meter, ja, stellenweise noch hoher iiber den 
antiken Bod en. In friiheren Jahrhunderten war aber nicht nur die Cultur- 
schicht dilnner, sondern es standen auch noch mehr Gebaudetheile und 
Saulen aufrecht, und so erlosch das Andenken an die alte Stadt bei den 
Umwohnern niemals, wahrend man im iibrigen Europa auf sie allerdings 
erst wieder im Jahre 1550 aufmerksam geworden zu sein scheint, als der 
venetianische Senator Giustiniani von den antikeu Resten berichtete, die 
er zu Salona gesehen hatte. 

Spater weilten 6'fter Reisende auf der alten Culturstatte und auch der 
venetianische Senat interessierte sich fiir die Ruinen, wie daraus hervor- 
geht, dass er 1672 und 1699 von Feldmessern Plane anfertigen liess. Weder 
waren aber letztere richtig, noch kam es in der Venetianer Zeit zu einer 
wissenschaftlichen Erforschung der Ruinenfelder. 

Da traf es sich, dass, als Kaiser Franz im Jahre 1818 Salona 
besuchte, 870 Meter westlich der alten Umfassungsmauer, wo jetzt die 
Cajus-Capelle steht, ein Sarkophag mit einer mythologischen Darstellung 
aufgefunden wurde (Siehe Seite 344), welcher solches Interesse erregte, 
dass der Kaiser am 1. August 1820 die Errichtung eines Museums fiir 
Alterthiimer in Spalato decretierte und eine Dotation fiir Ausgrabungen 
in Salona auswarf. 

Die Ausgrabungen wurden zunachst von Dr. Karl Lanza geleitet, 
welcher u. a. die Nekropole westlich der Umfassungsmauer an der Trau- 
riner Strasse auffand (1821) und 1825 die ersten Sarkophagstiicke des christ- 
lichen Friedhofes bei der grossen Basilika entdeckte. Auch legte Lanza 
1827 in der Nahe des Amphitheaters in etwa ein Meter Tiefe bleierne und 
irdene Wasserleitungsrohren bloss, unter welchen in grosserer Tiefe unter- 
schiedliche Grabreste gefunden wurden. 

Nach Lanzas Tode (1830) ruhten die Ausgrabungen eine zeitlang und 
wurden erst unter seinem zweiten Nachfolger, Franz Carrara, im Jahre 
1846 wieder aufgenommen. Carraras Verdienst war es, dass vor Allem die 
ganze Umfassungsmauer des antiken Salona blossgelegt wurde, ausgenommen 
die Ostseite, wo auf der Mauer die neue Reichsstrasse von Salona nach 
Clissa verlauft. Carrara war nun in der Lage, den ersten genauen Plan 
von Salona zu entwerfen (1849), aus welchem sich ergab, dass die Stadt 
aus einem kleineren westlichen und einem grosseren 6'stlichen Stadttheil 
bestand, welche beide die Form unregelmassiger Vierecke batten, so dass 
die ganze Stadt ein langliches, schiefwinkeliges Parallelogramm bildete, das 

M* 



340 AUSFLUQE VON SPALATO. 

bei einer grossten Lange von 1593 Meter und einer grossten Breite von 
705 Meter, 4077 Meter Umfang erreichte und circa 72 Hektar Flache be- 
deckte. (Ungefahr ein Viertel der Flache der Inner en Stadt Wien.) 

Carrara war es auch, welcher 1846 die verschiedenen Stadtthore und 
1849 zwei fur die Baugeschichte der Stadtmauern wichtige Inschriften auffand 
(Siehe Seite 346); er legte ferner ein grosses Stuck der die Strasse nach 
Trau begleitenden ,,Cyklopenmauer" bloss (Siehe Seite 343) und grub, nachdem 
sowohl das Ministerium als auch die k. k. Akademie der Wissenschaften 
1849 Subventionen bewilligt hatten, das Theater von Salona aus. 

Im Jahre 1853 schied Carrara von seiner Stelle und nun folgte wieder 
eine Zeit der ,,Zufallsfunde", unter welchen sich aber mancher von Wichtig- 
keit befand, wie 1870 die Entdeckung der 16 Sarkophage, welche sich noch 
heute an der Nordseite* der Stadtmauer zwischen dem Amphitheater und 
dem Torrente Kapljuc an ihrer ursprtinglichen Stelle befmden. 

Einen neuen Aufschwung nahm die Salonaforschung seit 1872 unter 
dem Conservator Professor M. Glavinic, welcher schon im Spatherbst 1874 
durch Grabungen an der Nordseite der ostlichen Stadtmauer die Funda- 
mente eines grossen Gebaudes und etwa 40 Grabstatten, meist Sarkophage, 
zutage forderte. In das folgende Jahr fiel die Beise Kaiser Franz Josefs 
nach Dalmatien und hatte u. a. die Folge, dass dem Spalatiner Museum 
eine Jahressubvention von 1000 fl. ' fur die Ausgrabungen in Salona be- 
willigt wurde, die nun systematischer als bisher und in grosserem Umfange 
vorgenoinmen werden konnten. Sie stehen seit 1883 unter der Leitung des 
Museumdirectors Franz Bulic, welchem es schon 1885 gelang, die grosste 
und wichtigste aller Salonitaner Ruinen blosszulegen, namlich die grosse 
Basilika und den sie umgebenden Friedhof, welcher zur Zeit das grosste 
und besterhaltene Graberfeld aus fruhchristlicher Zeit darstellt und allein 
hinreicht, um einen Besuch Salonas selbst fur den Laien hochinteressant 
und lehrreich zu gestalten. 

Von Spalato nach Salona. 

Die schonste Route von Spalato nach Salona ware es zweifel- 
los, mit einem Boot die westlich der Stadt ins blaue Meer hinaus- 
gestreckte Halbinsel des Monte Marjan zu umfahren, um am 
Kloster Paludi und an Vranjic voriiber die Jader-Miindung 
oder die knapp am Meer liegende Station Salona zu erreichen. 
Die Bootfahrt nimmt jedoch mehrere Stunden in Anspruch und 
so zieht man es allgemein vor, die Spalatiner Halbinsel auf dem 
Landwege zu queren und die Eisenbahn oder die etwas 6'stlicher 
fuhrende Strasse zu beniitzen. 



i Jetzt betragt die Subvention fur die Ausgrabungen 3000 fl., fur 
Museumankaufe 2000 fl. 



VON SPALATO NACH SALONA. 341 

Der Bahnhof von Spalato liegt wenige Minuten von der 
E-iva (Obala), an der Ostseite des Hafens, und zwar in nur 
2-4 Meter Seehohe. Die ersten Minuten der Fahrt bieten dem 
Auge nichts, da sich die Trace in Einschnitten erst zwischen 
der Altstadt (Diocletianpalast) und der ostlichen Vorstadt Lucac, 
dann durch die nordostliche Vorstadt Manus bewegt. Umso 
angenehmer ist die IJberraschung, wenn der Zug plotzlich in 
das herrlich griine, fast ebene Weingartengelande der Spalatiner 
Campagna heraustritt, welche links von dem niedrigen, ter- 
rassierten Monte Marjan begrenzt wird, wahrend sich. vorn 
der erst sanft ansteigende, dann steile, von weissgrauen Fels- 
bastionen gekronte Kozjakwall erhebt. Auch rechts sehen wir 
sofort weit hin, bis zur Veste Clissa in der grossen Furche 
zwischen Kozjak und Mosor und auf das riesenhaft aufgethiirmte 
Mosor-Massiv selbst ? das dank seiner Kahlheit im Sonnenschein 
fast weiss in die griine Landschaft niederstarrt. 

Nach einer Weile taucht links vorn auf einer kleinen An- 
hohe die Ruine des Wachtthurms Glavicina auf und erinnert an 
die Zeit, wo sich. Salona in den Handen der Tiirken befand ; 
unmittelbar darnach aber begriissen wir in der Bucht von Sveto 
Trojstvo den Anblick des Meeres und der Zug dampffc gegen die 
kobaltblaue Flut hinab an die Kiiste der Salonitaner Bucht, in 
welcher das weisse, wie auf einem Stiel hinausgestreckte Dorfchen 
Vranjic blinkt. 

Zum zweitenmal tritt jetzt von rechts her die Reichsstrasse an 
die Bahn heran, diesmal unfern der Capelle S. Doimo, welche 
an Bischof Doimo, den Begriinder der ersten Christengemeinde 
in Salona erinnert. Der Gottesmann erlitt im Jahre 107 n. Chr. 
mit 4 Glaubensgenossen den Martyrertod; im Jahre 651 aber 
wurden seine Gebeine aus dem zerstorten Salona nach Spalato 
iibertragen und das Andenken an diese Ubertragung ist es eben, 
welches die Capelle an der Strasse wachhalten soil. 

Gegen Nordosten sehen wir nun bereits in die vertieft 
liegenden Ackergefilde des Jaderthals hinab, in welchen ausser 
dem blauen Flusse vor allem die Bogen der diocletianischen 
"Wasserleitung auffallen. 



342 AUSFLOGE VON SPALATO. 

Die Wasserleitung begann bei der nur 33 Meter uber dem Meeres- 
spiegel gelegenen Jaderquelle und hatte bis zu dem Diocletianpalaste eine 
Lange von 9 (in der Luftlinie 7) Kilometern. Zunachst verlief sie am Ge- 
hange des Hugels Mravince, dessen Riicken mittelst eines 12 Meter langen 
Tunnels unterfahren wtirde. Drei Kilometer von der Quelle war dann die 
erste Thaliibersetzung nothig, welche mittelst einer 180 Meter langen Flucht 
von Bogenstellungen bewerkstelligt wurde. Die Bogen ruhten auf 13 vier- 
eckigen Pilastern, welche bei 2 Meter Breite bis zu 16Y 2 Meter Hohe 
erreichten. Im weiteren Verlaufe waren dann noch sechs Terraineinschnitte zu 
tibersetzen, das bedeutendste bei Dujmovac'a, wo 22 im ganzen 160 Meter 
lange Bogen bestanden. Der Aquaduct war massiv aufgefiihrt und trug eine 
mit Cement verputzte Wasserleitungsrohre von 1 Quadratmeter Querschnitt, 
in welcher da und dort oberseitige Oflhungen angebracht waren, so dass man 
Wasser zur Berieselung der nahen Felder ableiten konnte. 

Trotz ihres massiven Baues verfiel die Wasserleitung im Mittelalter 
und ihre vom Volke Suhi most genannten Bogen standen als Euinen, bis 
die Nothwendigkeit, Spalato reichlicher mit "Wasser zu versorgen, als dies 
die bis dahin gebrauchlichen Wasserwagen vermochten, im Jahre 1868 zur 
JJestaurierung des diocletianischen Werkes fiihrte. 

* 

Die Eisenbahn iibersetzt nun den Weg, welcher von Dorf 
Vranjic nach rechts zu dem Punkte fuhrt, wo die von Spalato 
kommende Reichsstrasse die alte tiirkische Briicke iiber den Jader 
passiert, um sich vor einer Granitsaule in die Strassenziige nach. 
Trau und Clissa zu theilen. Dann liberschreitet auch die Bahn den 
Jader nahe seiner Miindung und zieht am Anfang der Riviera der 
Sieben Castella" nordwestlich zur Haltestelle Salona hin, von 
welcher man die nach Trau fuhrende Reichsstrasse erreicht. 

In den Ruinen von Salona. 

(Siehe den Plan.) 

Wer genauer auf die archaologischen Schatze Salonas ein- 
gehen will, dem steht heute ausser einer grossen Zahl rein- 
fachlicher Publicationen ' besonders die gediegene n Guida di 



1 U. G. Lanza, Monumenti Salonitani inediti. (Denkschriften der 
k. k. Akademie der Wissenschaften, 1856, Band VII); Professor A. Conze, 
Uber zwei Sarkophage aus Salona (Denkscb.. Band XXII); Glavinic, tJber 
Ausgrabungen bei der grossen Basilika (Mittheilungen der k. k. Central- 
commission zur Erhaltung historischer Denkmale, 1877); Carrara, Topo- 
grafia e scavi di Salona; Bulic, Colonia Julia Martia Salona; endlich Bulic 
in den Jahrgangen des ,,Bulletino di Archeologia e Storia Dalmata" und 
Hirschfeld, Fortsetzung des Mommsen'schen Corpus inscriptionum 
latinarum. (Eomische Inschriften Dalmatiens, davon 3000 aus Salona.) 



IN DEN RUINEN VON SALONA. 



343 



Spalato e Salona" zur Verfugung, welche Director F. Bulic 
in Gemeinschaft mit den Professoren Dr. L. Jelic und S. R-utar 
1894 herausgegeben hat. An dieser Stelle kann nur soweit auf 
die Alterthiimer eingegangen werden, als sie fiir ein grosseres 
Publikum Interesse haben und wir beschranken uns daher, den 
gewohnlichen Spaziergang durch das grossartige Ruinenfeld zu 
beschreiben und einige Andeutungen iiber die wichtigsten Objecte 
zu geben. 

Station Salona ! In einer halben Stunde hat uns das Dampf- 
ross von Spalato hiehergebracht und wir brauchen nur ein 
paar Schritte auf dem Zufahrtsstrasschen landein zu thun, um 
auf der Trauriner Reichsstrasse vor den ersten antiken Resten 




GASTHAUS IN SALONA. 

zu stehen, namlich vor dem sogenannten ^Murazzo", der auch 
unter dem Namen der n Cyklopenmauer u bekannt ist und sich 
parallel der Strasse circa 3 Kilometer gegen Westen (beinahe 
bis Sucurac) ausdehnt. Vermoge ihrer gewaltigen Anlage hat 
diese Mauer schon friih zu allerlei Hypothesen Veranlassung 
gegeben, und unter anderem die Meinung hervorgerufen, man 
habe es mit einem Analogon zu der ,,Langen Mauer" zu thun, 
welche einst Athen mit dem Piraus verband. * Thatsachlich hat 
man jedoch die Reste der, einer Inschrift zufolge Via munita 
genannten Strasse vor sich, welche von Salona zum Meer fiihrte, 
und streckenweise besonders starke Substructionen erhalten musste. 



1 Vergleiche auch die ,,Corsia" von Novigrad. 



344 AUSFLOGE VON SPALATO. 

Einige Miimten in der Richtung gegen Trau wandernd, 
kommen wir zur Stelle, wo sich rechts der Strasse einst der 
antike ,,Hortus Metrodori" befand. Hier wurden schon 1824 von 
Lanza zerbrochene Sarkophage aufgefunden, Uberreste einer 
kleinen romischen Nekropole, welche wahrscheinlich einem weiten 
Graberfeld angehorte, das sich ahnlich wie jenes an der Via 
Appia bei Bom langs der Via munita erstreckte. Ebenfalls in 
diesem Revier fuhrten 1827 begonnene Grabungen zur Auffindung 
eines Mausoleums, dessen 50 Centimeter hohe und 10 1 / 2 Centi- 
meter dicke Steinplatte mit einem kupfernen Riegel so fest ver- 
schlossen war, dass sie wie einst den Offnungsversuchen der 
Barbaren nun jenen der Archaologen widerstand. Man musste 
die Bedachung abheben, um einen Eingang zu schaffen, und 
entdeckte nun ausser Leichenresten, bei welchen sich ein ver- 
einzeltes goldenes Ohrgehange befand, einige Reliefbilder und 
einige Fresken an den Wanden. 

In der Bichtung gegen Trau weitergehend, kommt man als- 
bald zu dem nahe der Kreuzungsstelle von Bahn und Strasse 
gelegenen Punkte, von welchem die modernen Ausgrabungen 
in Salona ihren Ausgang nahmen, namlich zu einem Sarkophag, 
an dessen Vorderseite ein Relief drei Heldenthaten des Herkules 
verherrlicht. Um das wahrend der Anwesenheit des Kaisers 
Franz in Salona 1818 aufgefundene Relief zu schutzeii, wurde 
zunachst ein Felsdach dariiber errichtet; spater aber entstand 
hier die Capelle, welche dem Andenken des 283 n. Chr. zum 
Papst gewahlten Salonitaners C aj u s gewidmet ist. 

Kehren wir nun wieder zu dem Zufahrtswege bei der 
Eisenbahnstation zuriick und wandern auf der Strasse in der 
Richtung gegen das Dorf Salona, so stossen wir nach ungefahr 
Y Kilometer langer Wanderung zwischen Weingarten, deren 
Mauern zum Theil aus Ruinengestein aufgefuhrt wurden, auf 
das antike Theater, welches 1850 von Dr. Carrara aus einer 
3 bis 4 Meter tiefen Erdschichte hervorgegraben wurde. 

Eine Nachricht aus dem X. Jahrhundert besagt, dass im 
Jahre 978 der croatische Konig Drzislav dem nach Dalmatien 
geniichteten P i n c i u s, einem Vetter des Bulgarenkonigs Samuel, 
erlaubt habe, die Steine des Theaters zur Erbauung des 
St. Michaelskirchleins (Sv. Mihovil) zu verwenden, welches sich 



IN DEN RUINEN VON SALONA. 345 

siidlich der Cajus-Capelle nahe dem Strande erhebt. Doch beziehen 
andere diese Nachricht auf das Amphitheater von Salona, welches 
am Westende der antiken Stadt stand. 

Um zu diesem zu gelangen, wandern wir auf der Trauriner 
Strasse wieder westlich bis zur Osteria Mikelic, welche an den 
in die Fa9ade des Hauses eingesetzten antiken Inschriften, Biisten 
und Kopfen. kenntlich ist. Etwa 100 Schritte nach dieser Osteria, 
doch noch vor der Eisenbahnstation, zweigt nach rechts (nordlich) 
ein Karrenweg ab, an der Stelle, wo sich einst das "Westthor 
Salonas befunden haben muss, und diesen Karrenweg, der stellen- 
weise zum Hohlweg wird, verfolgen wir nun aufwarts, wobei 
sich nicht nur die Aussicht erweitert, sondern auch manches 
hiibsche Vegetationsbild fesselt. Da ragen Granatstrauche, die 
noch im Herbst neben den Apfelfriichten einzelne ihrer rothen 
Prachtbluten entfalten, fiber dichte Rubusgestriippe ; den 
stacheligen Judendorn (Paliurus australis) durchsetzen in Mengen 
die weissen Bliiten der Zaunrebe (Clematis vitalba), Maulbeer- 
baume wechseln mit Feigenbaumen und in der Krautvegetation 
fallen neben dem blauen Rittersporn besonders die starrastige 
Distel, Scolymus hispanicus, und das duftende Helichrysium 
augustifolium auf, dessen graue Blattchen in der Farbe und 
dessen gelbe Bliiten in der Form an unsere Katzenpfotchen 
gemahnen. 

Nach kurzer "Wanderung auf dem Karrenweg stehen wir 
bei den Hausern Parac und den Ruinen des Amphitheaters, 
welche an Ausdehnung, jene des Theaters weit ubertreffen. Denn 
haben Orchester und Zuschauerraum des letzteren nur 10, bezie- 
hungsweise 25 Meter Durchmesser, so misst das Amphitheater in 
der Langsaxe 65 und in der Queraxe 47 Meter. (Amphitheater von 
Pompeji 67, resp. 35 Meter.) 

Der durch vier gewaltige Pylonen markierte Eingang war 
im Osten und erschloss einen Blick in der Langsrichtiing der 
Arena, in welcher man noch heute Reste der Sitze bemerkt und 
die ganze Anlage erkennen kann. Auch wurde ein unterirdischer 
Canal constatiert, durch welchen man behufs Abhaltung von 
Naumachien Wasser in die Arena einleiten konnte. 

Vom Amphitheater biegt nun unser "Weg wieder 6'stlich ab 
und wird zur Linken von den Resten der antiken Stadtmauer 



346 AUSFLUGE VON SPALATO. 

begleitet, iiber deren Entstehung besonders zwei von Carrara im 
Jahre 1849 aufgefundene Inschriftsteine Kenntnis geben. Die 
eine Inschriffc besagt, dass unter dexn XXIII. Tribunate des 
Marcus Aurelius Antonius (also 170 n. Chr.) die 1. dalmatinische 
Cohorte unter Aufsicht des Tribuns Granius FortunatusSOOrb'mische 
Fuss Mauer und einen Thurm aufgefuhrt habe. Die zweite In- 
schrift meldet, dass zur selben Zeit die 4. Cohorte der Legio II 
pia und die 3. Cohorte der Legio III Concordia unter Aufsicht 
des P. Alius Amintianus 200 Fuss Stadtmauer vollendet habe. 

Die damals errichteten Thiirme waren viereckig und theil- 
weise massiv, aber an die Mauer nur angelehnt, und erhielten um 
das Jahr 400 n. Chr., als die Barbaren-Einfalle sich mehrten, eine 
Verstarkung durch niichtig aufgefuhrte dreieckige Thiirme, so 
dass schliesslich im ganzen 88 Thiirme bestanden haben sollen, 
von welchen gegenwartig 43 noch in den Resten erkennbar sind. 

Langs der Mauer gegen Osten wandernd, bemerken wir, ehe 
wir zum Torrente Kapljuc absteigen, die Reste eines Wasser- 
leitungscanals und in der Nahe in einem Graben die in einer 
B/eihe liegenden sechzehn Sarkophage (Siehe Seite 340), welche 
sammtlich an der Seite die charakteristischen, von den beute- 
gierigen Barbaren geschlagenen Einbruchslocher aufweisen. 

Nach einer Weile biegt der breite Feldweg nordlich ab, an 
der Stelle, wo sich einst die Porta Suburbia befand und wo 
die jiingere Umwallungsmauer des westlichen Stadttheiles mit der 
alteren des ostlichen Stadttheiles zusammenstoest. Ein kurzer Pfad 
biegt hier siidlich ab zu dem altesten Stadtthor(Porta Caesarea), 
welches aus dem alteren in den jiingeren Stadttheil fiihrte und 
durch welches Diocletian, wenn er von seinem Palast am Meere 
(Spalato) kam, in die Stadt (Salona) gefahren sein mag. Noch 
bemerkt man hier Spuren der Wagengeleise auf dem alten, sehr 
tief liegenden Strassenpflaster und siidwarts sind die "VVeingarten 
voll von Therm en- und sonstigen antiken E-esten, die sich 
gegen das Theater hin erstrecken. 

Zuriickgekehrt zur Porta Suburbia, folgen wir nun dem 
Wege, bis die Stadtmauer wieder aus der nordlichen in die 
ostliche Kichtung abbiegt. Hier, wo sich zwischen zwei Aquaduct- 
resten der alten Salonitaner Wasserleitung Spuren der nach dem 
Mons Caprarius (Kozjak) benannten Porta Capraria fanden, trifft 



IN DEN RUINEN VON SALONA. 



347 



man siidlich des Weges die ihrer Form und ihres Alterthums 
wegen sehenswerten, in ihrer Art vielleicht einzigen Reste des 
Baptisteriums einer aus dem I. Jahrhundert stammenden Stadt- 
kirche, und bemerkt eine Anzahl schoner Mosaikboden, die noch 
heute wohl erhalten aussehen. Hier befand sich auch friiher die 
in archaologischen Kreisen beriihmt gewordene Darstellung zweier 
aus einer Schale trinkenden Hirsche mit der Inschrift: Sicut 
cervus desiderat ad fontes aquarum, ita anima mea ad te Deus ! 




RUINEN VON SALONA. (Der grosse Friedhof.) 

(Wie der Hirsch nach der Wasserquelle lechzt, so strebt meine 
Seele zu Dir, o Herr!) Leider ist das interessante Stuck schon 
vor langerer Zeit abhanden gekommen. 

Noch vor der Porta Capraria weist ein in neuerer Zeit aus 
antiken Fragmenten zusammengefugtes Doppelthor zum n Coe- 
meterium legis sanctae christianae", und wir schreiten nun durch 
eine reizende, vom Director Bulic angelegte Rosmarinallee empor 
gegen Norden zu dem wichtigsten Theile des Salonitaner Ruinen- 
feldes. Zunachst fallt hier zur Rechten das Tusculum Bulic auf, 
ein hubsches, mit Verwertung antiker Fragmente erbautes Haus, 



348 AUSFLUGE VON SPALATO. 

welches dem Director dient, wenn er inmitten seiner Ausgrabungen 
weilt, und im Erdgeschoss ein mit Alterthiimern eingerichtetes 
Gemach enthalt, das alien Fremden offen ist, wenn sie ein 
Weilchen ausruhen wollen. 

Schrag gegeniiber dem Hause betritt man nun das durch einige 
noch aufrechte Saulen schon von fern kenntliche Ruinenfeld der 
grossen Basilika und ihres Friedhofes, beide einst ausser 
der Stadtmauer gelegen, inmitten einer landschaftlichen Pracht- 
scenerie, die noch heute das Entziicken jedes Besuchers wachruft. 
Denn mit den reichen Culturgelanden vom Gehange des Kozjak 
bis hinab zum blauen Meere umfasst der Blick zugleich das 
kahle, weissschimmernde Mosor-Massiv und man hat also ein 
Schaustiick unverganglicher Naturschonheit zum Rahmen des 
Gewirrs von Saulen- und Mauerfragmenten und Sarkophagen, 
durch welches dieser in der Welt einzige friihchristliche Campo- 
santo die Verganglichkeit menschlicher Grosse documentiert. 

Das imVolksmunde Manastirine genannte Ruinenfeld reicht 
im Westen bis zur 1693 errichteten Capelle SS. Domnius und 
Anastasius, welche nach alter Uberlieferung die Graber der beiden 
Heiligen bedeckt. Schon Lanza und Carrara stellten daher hier 
Grabungen an, doch kam es zu systematischen Forschungen erst ? 
nachdem 1859 und 1872 zwei Funde auf dem Terrain gemacht 
worden waren, welche heute zu den Hauptstiicken des Spalatiner 
Museums gehoren : die beiden Sarkophage mit den Reliefdar- 
stellungen des Mythus von Hippolyt und Phadra und des guten 
Hirten. 

Bei Aushebung des letzteren Sarkophages, welcher die Uberreste 
einer um 300 n. Chr. im Besitz des hiesigen Landgutes gewesenen 
Matrone, Namens Asclepia, barg, stiess man auf andere Sarko- 
phage, zum Theil von Martyrern, auch kamen die Mauern einer 
grossen, auf dem Friedhofe errichteten Basilika zum Vorschein, 
welche seither planmassig, erst von Professor Glavinic, dann 
vom Director Bulic blossgelegt wurden, wobei ausser einer Fiille 
von Grabern, auch zahlreiche fur die Geschichte wichtige In- 
schriften gefunden wurden. 

Schon 1873 hatte man aus einer Inschrift auf dem Sarko- 
phage des ini Jahre 299 als Hartyrer verschiedenen Domnius, 
Bischofs von Salona, den Namen der hiesigen Begrabnisstatte 



IN DEN RUINEN VON SALONA. 349 

erfahren, in der Folge aber wurde festgestellt, dass ein Vorfahr 
der oberwahnten Asclepia, Namens Lucius Ulpius, der Zeitgenosse 
Doimus', des ersten Bischofs von Salona, der Begriinder des 
Friedhofes gewesen war. Ulpius hatte sich namlich auf dem 
steinigen, minder fruchtbaren Theile seines Landgutes eine 
Familiengrabstatte errichtet und die Umgebung derselben seinen 
Glaubensgenossen als Friedhof eingeraumt, ahnlich wie dies von 
mehreren friihchristlichen Grabstatten in Rom beglaubigt ist. 

Aus jener Zeit (urn 100 n. Chr.) stammen die altesten Bau- 
reste der Ulpius'schen Graft und der Wohnungen von Colonen, 
in welchen u. a. ein Weinkeller und eine 01- und "Weinpresse 
erhalten ist, deren Form wenig von der noch heute in Dalmatien 
gebrauchlichen abweicht. 

Spater, im II. und III. Jahrhundert, entfaltete sich um das 
Ulpius'sche Familiengrab immer mehr die .,Area der Martyrer", 
denn in diesen Zeiten der Christ en verfolgungen niussten oft auch 
Salonitaner ihren Glauben mit dern. Blute bekennen, und nun 
wollten die anderen Christen (wie dies viele Inschriften aus- 
driicklich darthun) in der Nahe der Blutzeugen begraben sein, 
deren Graber der from me Sinn im Laufe der Zeit mit Mausoleen 
und kleinen Capellen bedeckte und zu Statten der Verehrung 
machte. So entstand z. B. um 350 auf dem Atrium der Ul- 
pius'schen Graft, welches diese von den Profangebauden des 
Landgutes abschloss, eine Capelle, und iiberhaupt existierten 
damals etwa zehn Capellen, um welche der Friedhof immer 
grossere Dimensionen annahm. bis um die Mitte des V. Jahr- 
hunderts die Invasionen der Gothen und Hunnen begannen, 
welchen 481 und 490 jene der Heruler und Ostgothen folgten. 
Alle Graber, und besonders jene der Martyrer, wurden damals 
in barbarischer Weise vernichtet, und es scheint sogar, als ob 
in der drangsalvollen zweiten Halfte des V. Jahrhunderts 
iiberhaupt keine Bestattungen vorgenommen worden waren. Erst 
um 510 n. Chr. wurde der Friedhof wieder eroffnet und nun, in 
der ersten Regierungsperiode des Kaisers Justinian (525 565) 
eroifnete man auch die grosse Basilika, in welcher die Martyrer- 
graber eine neue Statte fanden. 

Die Basilika war ein machtiges dreischiffiges Gebaude mit 
Vorhalle (Narthex) und Vorraum (Atrium). Drei Thore an der 



350 AUSFLUGE VON SPALATO. 

Frontseite und zwei Thiiren an der stadtseitigen Flanke ver- 
mittelten den Einlass in den fur das Publicum und die Sanger 
bestimmten Raum, aus diesem aber fiihrten wie bei den griechisch- 
orientalischen Kirchen drei Thiiren zum Altar und in das Pres- 
byterium, welches hinten mit einer halbrunden Apsis, wo die 
Sitze fur den Bischof und die Geistlichkeit waren, abschloss. 
Die Decke trugen grossartige Monolithe -* Saulen aus G-ranit 
und Syenit - - von welchen Schaftstiicke noch jetzt aufrecht 
stehe,n oder in den beiden Seitenschiffen am Boden liegen. Alle 
Raume der Kirche und des sie umgebenden Friedhofes waren 
dicht mit Sarkophagen erfiillt, unter welchen sich noch zellen- 
artige Grabkammern befanden, die unter dem Presbyterium vier 
Etagen aufwiesen. Es wurden eben hier ein halbes Jahrtausend 
lang Bestattungen vorgenommen, bis der Avaren-Einbruch 639 der 
Kirche wie iiberhaupt dem Bestande Salonas ein Ende machte. 

Etwa 8 /4 Kilometer nordwestlich der grossen Basilika liegt 
ein zweiter Friedhof aus spatromischer Zeit, zu dem man am 
besten auf dem "Wege emporsteigt, der vom Amphitheater nordlich 
neben dem Kirchlein S. Nicolaus und Podvornice Guina zur 
Ortschaft Marusinac fiihrt. Bei der gewohnlichen Besichtigung 
des B/uinenfeldes wird man sich aber wohl von dem Tusculum 
Bulic wieder der Stadtmauer zuwenden, um den entlang derselben 
weiter fuhrenden Feldweg bis zur Porta Andetria (in der 
Localitat Stari Grad) zu verfolgen, wo man die Strasse von 
Clissa nach Dorf Salona erreicht. 

Zu diesem hinabspazierend, bemerkt man vor den ersten 
Hausern die Ruine des viereckigen, von Eckthiirmen flankierten 
Castells (Gradina), welches im Jahre 1349 der Spalatiner Erz- 
bischof Ugolino Malabranca gegen die Herren von Clissa er- 
richten liess ; etwas weiter aber griisst von einer Jader-Insel her 
die moderne Kirche Mala Gospa, welche die Stelle einer im 
Mittelalter bestandenen Kirche St. Maria de Otok einnimmt und 
wo im Jahre 1898 eine Inschrift der croatischen Konigin Helena 
und des Konigs Miroslav oder Michael (976) aufgefunden wurde. 

Im Dorf Salona fallen mehrere Hauser durch die in ihre 

v 

Facade eingelassenen Alterthiimer auf, so die Casa Sperac mit 
zwei Januskopfen und die Casa Milisic-Pavlovic mit einem Relief, 
welches ringende Gladiatoren darstellt. Diese Facaden und der 



AUSFLUG NACH CLISSA. 851 

Name des n Cafe Diocletian" sind aber zo ziemlich das einzige, 
wodurch sich das Dorf Salona von anderen Dorfern der G-egend 
unterscheidet und als bescheidener Epigone der Stadt kennzeichnet, 
welche einst die grosste und beriihmteste Dalmatiens war. 

Ausflug nacli Clissa (Klis).' 

So mag es .zu Zeiten auf der eleusinischen Strasse ausge- 
sehen haben, wie es am 8. September auf der Strasse von 
Spalato nach Salona aussieht. Schon Tags vorher und Nachts 
sind Scharen Landleute aus weiter Umgebung herzugestromt 
und haben ihr Vieh in bestimmte Pferche einquartiert, wahrend 
sich um das Dorfwirtshaus herum binnenlandische und Insel- 
bewoliner in ihren mannigfaltigen Trachten und mit den ver- 
schiedenartigsten "Waren versammeln. Auch viele junge Leute 
pflegen von den armen Bergdorfern herabzukommen, um sich in 
Salona zu verdingen. Die Bursche haben wenig mehr auf dem 
Leibe als ein grobes, iiber der Brust offenes Hemd, ein eben- 
solches Beinkleid und eine geflickte Jacke ; unter dem rothen 
Kappchen blickt aber haufig ein so offenes hiibsches Gesicht 
hervor, und das ganze Menschenkind ist so gesund, agil und 
kraftig, dass der Philantrop an dem guten, nicht wie in manchen 
Niederungen durch Sumpffieber verdorbenen Schlag seine Freude 
hat. Nachts brennt gewohnlich ein grosses Feuer bei S. Doimo, 
von wo die Spalatiner Strasse herabkommt, und in der zerstreuten 
Ortschaft wird coram publico am Spiesse geschmort und geht 
es lustig her, bis der Morgen anbricht und gewohnlich bei dem 
Pfarrer ein Geistlicher aus Spalato erscheint, um die Messe zu 
lesen. 

Jetzt stromen auch die Spalatiner herzu, im "Wagen und 
processionsweise zu Fuss von der Station her, so dass das Ge- 
triebe um die ambulanten Schanken den Gipfel der Lebendigkeit 
und des Interesses fur den Fremden erreicht, und man bis zu 
den Rumen hinauf das G-esumme der Menschenmenge, sowie 
die Klange der Gusla und anderer Instrumente hort. 

Ein gut Theil der Jahrmarktbesucher kommt iiber Clissa 
her, und zwar weniger auf der neuen, 1849/50 erbauten Strasse, 



1 Nach des Verfassers Aufsatz in Prochaskas ,,Illustr. Monats-Bande". 



352 AUSFLUGE VON SPALATO. 

als auf dem 6stli.ch.er ziehenden uralten Karrenweg, den seiner- 
zeit die Franzosen verbessert haben. 

Schlagen wir zum Aufstieg nach Clissa die neue Strasse ein. 

In wenigen Minuten liegt das Jahrmarktgetriebe unter uns, 
und vorbei an der Porta Andetria geht es aus dem Bann- 
kreise Alt- und Neu-Salonas in die freie Landschaft hinaus, 
bergwarts in die Region der friscneren Liifte und der Pracht- 
aussichten auf die kostliche Kiistenlandschaft. 

Gerade vor uns im Norden erhebt sich der von alteren 
Schriftstellern Kabaner Gebirge genannte Kozjak -Wall und fallt 
rechts (gegen. Siidosten) zur Furche von Clissa ab, jenseits welcher 
das noch weit machtigere Mosor-Massiv (lat. Massaron) aufragt. 
Der Wall des Kozjak zieht einfach und ununterbrochen bis zu der 
Kammerhebung, welche nach einer Capelle Sveti Jure heisst 
(677 Meter) ; hier aber tritt der Kamm gegen Norden zuriick (als 
Osoje), um erst wieder in der Markezina-Greda seinen Fuss bis 
dicht an die Furche von Clissa vorzuschieben. Das stellenweise 
Zuriicktreten des Kammes ist dadurch bewirkt, dass von der 
Clissaner Furche eine Seitenfurche nordwestlich emporzieht und 
den Osttheil des Kozjak in zwei Halften theilt: den vorderen 
Golo brdo und den riickwarts ziehenden Osoje, welcher mit 
ersterem das Hochthalchen von Blaca einschliesst. 

Vom Kozjak sowohl als vom Osoje, von der Markezina-Greda, 
vom Clissaner Burghiigel und vom Mosor steigen E/iicken nieder und 
gliedern die grosse Depression, die von Clissa facherartig gegen 
Salona niedersteigt, in eine Reihe zum Theil schluchtiger Parallel- 
furchen, in deren tiefsten der von der Strasse nicht sichtbare 
Jader niesst. 

Dem Gehange des Sveti Jure naher kommend, sehen wir in 
interessanter Weise sowohl die Ursache der Verschiittung Salonas, 
als der Entstehung der grosseii Furche zwischen Kozjak und 
Mosor sich enthiillen. Durchaus tritt namlich in den Schluchten 
plattiger und thoniger weicher Kalk auf, der mit lehmigen 
Partien wechselt, und aus welchem hartere Karstkalkbuckel auf- 
ragen; ja das Untergehange des Sveti Jure selbst, dessen Ober- 
region aus festem grauen, aber von braunlichen Flecken durch- 
setzten Kalk besteht, ist aus vom Regen durchfurchten Mergel- 
lagen aufgebaut, denen man erst in neuester Zeit durch An- 



AUSFLUQ NACH CLISSA. 



353 



pflanzung von hellgrunen Meerstrandskiefern mehr Halt zu geben 
versuclit. Das ganze Untergehange 1st iibrigens Detritus der 
infolge der Einschliisse weicheren Gesteins der Zerstorung unter- 
liegenden Kozjakmauer und zeigt in lehmigem Sand grosse und 
kleine hellgraue Kalktriimmer. 




CLISSA. 

Bis zum Fuss des Sveti Jure sind wir nordlich gestiegen 
und dabei in eine Seehohe von etwa 200 Meter gekommen. Noch 
herrscht bei den Gehoften, die wir passieren, die mediterrane 
Baum- und Strauchvegetation : Feigen- und Granatbaume, 01- 
baume, Pistazien, und vor allem in hoch hinaufziehenden Culturen 
der Weinstock. In der Krautvegetation aber mischen sich medi- 
terrane und mitteleuropaische Formen. Da bliihen noch im Sep- 

FUhrer durch Dalmatien. 23 



354 AUSFLUGE VON SPALATO. 

tember rosarotk der Rubus, kellcarminrotk die Ononis; dunkel- 
rotk die ,,sckwarze" Flockenblume ; Rosenstraucke steken fruckte- 
bekangen; das stacklickte Eryngium ametkysticum .und die 
Cicliorie prangen in hellem Blau, wakrend Scabiose und Ritter- 
sporn das Violett, die kleinbliitige Konigskerze, das Sonnen- 
roscken und das Helichrysum die gelbe Farbe vertreten. 

Vorbei an einer Ailantkuspflanzung und an "Weissdorn- 
strauckern, von deren rotklicken Beeren die Frucktsckopfcken 
und weissen Bliiten der Zaunrebe abstecken, erreichen wir bei 
der Krcma (Wirtskaus) und einem Bildstock eine Sckluckt mit 
kleinem "Wassercken, wo links der "Weg in die oberwaknte Hock- 
mulde von Blaca abzweigt. ' 

Bis kierker werden wir von Salona reicklick eine Stunde 
gebrauckt kaben. Dafiir beloknt uns nun aber auck sckon eine 
pracktige Aussckau auf das Meer und im Riickblick zeigt sick 
ebenfalls ein interessantes Bild, namlick die eigentlicke Gipfel- 
kuppe des Sveti Jure und reckts davon der breite Sattel zum Osoje. 

Von dem Wirtskaus an ziekt die Strasse ostlick und ent- 
kullt in der Riicksckau, bald nackdem Salona sicktbar geworden, 
auck Spalato, sowie iiber Yranjic kiniiber den Monte Marjan ; 
links vorn aber seken wir in einer Kammsenke zwiscken Osoje und 
Markezina-Greda eine bienenkorbaknlicke Kula (Wackttkurm), 
welcke einst eine militarisck sckwacke Stelle des Gebirgswalles be- 
wackte. Zu der Kammsenke fukrt namlick eine interessante Platten- 
sckluckt kinauf, lange welcker man allerdings sekr miiksam - 
iiber Weingarten-Terrassen zu der Hoke emporsteigen kann. 

Eine dritte Sckluckt links lassend, in welcker die Telegrapken- 
leitung emporfukrt, bewundern wir auf dem kier klippigen Karst- 
gekange die nock zaklreick bliikende Inula Candida ; im Riickblick 
aber kat sick nock sckoner als vorker der Kozjak erscklossen, 
und wir seken nickt nur die feine weisse Weglinie, die zur Hoke 
fukrt, sowie beiderseits der Capelle die zwei, auf dem kaklen 
Gipfel ganz isolierten Baume, sondern erkennen auck, dass, was 
von Salona und Spalato als kockster Punkt ersckeint, bloss eine 
Felsborde des eigentlicken Gipfels ist. 



1 Von dem beim "Wirtshause links der Strasse abgehenden Wege zweigt 
alsbald wieder links ein aussichtsreicher Fusssteig ab, und fiihrt zu der ein 
Prachtpanorama erschliessenden Capelle Sveti Jure auf dem Kozjak empor. 



AUSFLUG NACH CLISSA. 



355 



Um den erwahnten Klippenhang ein Knie beschreibend, 
entfaltet die Strasse nun zwei verschiedenartige, den Wanderer 
machtig fesselnde Bilder: riickwarts gewendet sehen wir entlang 
braungriiner Weingartengehange, aus welchen blaulichgraue 
Olivenculturen und weisse Hauser hervorstechen. zur tiefblauen 
Salonitaner Bucht hinab, und iiber den, an den Monte Marjan 
geschniiegten Theil von Spalato weit hinaus bis zu den Inseln 
Bua, Solta und Brazza; vorn aber enthiillt sich der Mosor, der 
sowohl in seiner Haupterhebung auf deren griinen Auslaufer 
Dorf Mravince blinkt, als auch anf einem kleinen Vorriicken 




PARTIE AUS DEM M OS OR GE BIRGE. 

eine hochst eigenthumliche, schon 1776 dem Abbate Fortis 
aufgefallene geologische Schichtung zeigt, die man der Holz- 
knorren-Flaserung oder Achatbanderung vergleichen mochte. 

Malerisch erscheint jetzt auch, nachdem das vorerwahnte 
Knie der Strasse umschritten ist, die Siidostseite der Markezina- 
Greda, deren Abfall zur Strasse in ihrer wilden Zerkliiftung an 
einen Klippenhang in der Hochregion der Kalkalpen gemahnt. 
Bechts der Strasse aber erhebt sich der Fels sofort wieder zu 
der zwischen Markezina-Greda und Mosor aufragenden Felsklippe, 
auf der wir nun die Veste Clissa unmittelbar vor uns erblicken. 

23* 



356 AUSFLOGE VON SPALATO. 

Der Fels von Clissa bildet eine von der Veste gekronte 
Pyramide, deren Gehange kleine durch Felsbander und Fels- 
buckel getrennte Cultur- und Rasenplatzchen bedecken. Letztere 
ziehen nach rechts zu dem durch seine weissen Dacher auf- 
fallenden Terrassendorfe Clissa hinab, von diesem aber erstrecken 
sich wie ein griiner Riesenfacher "Weinculturen gegen die Cam- 
pagnen von Spalato und Salona hinab. 

Es ist ein hochinteressantes Landschaftsbild, welchem durch 
die machtige Veste zugleich das Siegel historischer Bedeutsam- 

keit aufgepragt ist. 

* 

Clissa wird schon von den alten Schriftstellern erwahnt. Por- 
phyrogenitus nennt die nach dem Avaren-Einfall von 639 in die 
Hande der Croaten gefallene Veste bereits Clissa (XXstaa) und 
als Klis (Clissa) ist sie sowohl wain-end der TOOjahrigen Herrschaft 
der Croaten als auch spater in der Landesgeschichte immer 
wieder als strittiger, vielumworbener Punkt zur Geltung gekommen. 

Am 25. October 1389 setzten sich. hier die Bosnier fest, und 
1494 erfolgt die erste Eroberung durch die Venetianer ; von 1523 
bis 1537 aber kampft hier heldenmiithig gegen die Tiirken der 
Create Peter Kruzic, der Clissa unter ungarischer Oberhoheit 
besass und hier die Uskoken aufnahm, die in der Folge eine 
bedeutende Rolle als Guerilla - Krieger spielten. Urspriinglich 
bosnische Auswanderer, welche vor dem tiirkischen Druck flohen, 
wurden sie nach der Eroberung Clissas durch die Tiirken im 
Jahre 1583 von Osterreich in Zengg angesiedelt und zunachst 
im kleinen Krieg, wie zum Kapern tiirkischer Schiffe verwendet. 
Spater aber trieben sie Rauberei, so dass sie 1618 nach Ver- 
brennung ihrer Schiffe im Innern Croatiens vertheilt und in die 
Regimenter der croatischen Militargrenze gesteckt werden mussten. 

Im Jahre 1648 wurde Clissa von Foscolo erobert, bei welcher 
Grelegenheit eine Bombe in die Moschee der Festung gefallen 
sein und sie zerstort haben soil. Seit jener Zeit und besonders 
seit dem Frieden von 1669 blieb Clissa venetianisch, bis um die 
Wende des XVIII. Jahrhunderts die 6'sterreichische, franzosische 
und wieder die osterreichische Herrschaft abwechselten. Der 
dauernde Anfall an Osterreich erfolgte 1813, als Croaten unter 
der Anfiihrung Hostes von den Englandern ausgeschifft wurden 



AUSFLUG NACH CLISSA. 357 

und mit zwei auf die Markezina-Greda geschafften Kanonen die 
Veste am 10. October zu beschiessen begannen, so dass der fran- 
zosische Commandant am 28. October capitulieren musste. 

Seit jener Zeit lag ein von einem Officier commandiertes 
Detachement in Clissa. Da aber die Veste von der Markezina-Greda 
eingesehen wird und strategisch nur massigen Wert hat, wurde 
1898 der grosste Theil der Kriegsvorrathe herabgeschafft und 
die Besatzung gleich der mancher anderen alten Venetianer- 
Veste in Dalmatien auf ein Unterofficiers-Detachement reduciert. 

Trotz der zur Zeit geringen militarischen Wichtigkeit Clissas 
ist der Anblick der machtigen in Ecken gebrochenen Mauern und 
der dahinter aufragenden Rundthurme ein imponierender. 

Ganz nahe gekommen, sehen wir vor dein Wirtshaus am 
Sattel einen Weg rechts emporziehen, der sich anfangs auf ver- 
haltnismassig sanftem Gehange halt. Plotzlich aber erhebt sich 
aus diesem eine Steilwand, und auf dieser ziehen nun die Festungs- 
werke weit landein, um ostlich in praller Mauer abzufallen. Gehen 
wir hinauf, so kommen wir entlang der Aussenmauer, in deren 
Ritzen prachtige Pyramiden-Glockenblumen bliihen, zu der Pforte, 
welche die Inschrift tragt: Franciscus I. Imperator 1825. 

Nach den Tiirken, Venetianern und Franzosen haben namlich 
auch die Osterreicher an der Festung gebaut, in deren Innern 
sich gleichwohl keine besonderen Sehenswiirdigkeiten finden. 
Selbst die hier bestandene, noch auf Planen des XVII. Jahr- 
hunderts ersichtliche Dzamija ist verschwunden. 

Prachtvoll ist von der Festung die Fernschau gegen "VVesten, 
sowie ein Tiefblick auf Dorf Clissa und die Schieferschlucht 
im Siiden ; spaziert man aber vom Sattelwirtshause gegen Osten, 
so erreicht man bald den Punkt, wo sich Kiisten- und Binnen- 
Dalmatien scheiden und ein radicaler Wechsel der Landschafts- 
physiognomie stattfindet. Noch eine Mulde namlich, in der Wein- 
und Olivenculturen vorkommen, und dann beginnt der Getreidebau, 
sowie iiberhaupt die an die fruchtbaren Karstgelande Krains 
mahnende Physiognomie der Gelande, welche sich gegen Sinj 
hin ins Innere Dalmatiens erstrecken. 





XX. Von Spalato naeh Sinj und Imoski (ein- 
sehliesslieh der liandtoute naeh 



Nach Sin). 

Von Spalato in das Defile von Clissa heraufge- 
kommen (343 Meter Seehohe), sieht man letzteres hinter 
der machtigen Veste in ein Karstthal iibergehen (Vucj e 
Polj e), an dessen linkem Gehange sich die Strasse halt. 
Dieses Gehange gehort der Gruppe des 760 Meter hohen 
Lisac an (Landschaft Radinje), die Mulde rechts 
aber bildet einen eigenthumlichen Einschnitt von 
Westen her in die Nordabdachung desMosor und sondert 
von dessen Massiv jenen aussersten Nordniigel ab, der 
in der 424 Meter hohen Bubovaca mit der Orlovaca 
(542 Meter) der Lisacgruppe zusammenhangt. Zwischen 
letzteren Karstkuppen ersteigt die Strasse einen 412 
Meter hohen Sattel und senkt sich dann in das schmale, 
aber von Nordwesten naeh Siidosten 15 Kilometer lange 
Dicmofeld, dessen steinige Fluren seit dem vorigen 
Jahrhundert dadurch zu einem gewissen Namen kamen, 
dass Grafin Orsini-Rosenberg hieher den Schau- 

platz ihres zweibandigen Romanes iiber die Morlaken verlegte. 2 

Der Nordtheil des Dicmofeldes wird von den Karstbergen der Lisac- 

und Visokagruppe besaumt, wahrend die lange Ostgrenze der in der Ce- 

mernica 581 Meter, im Traposnik 666 Meter erreichende Bergzug bildet, 

dessen Jenseite zum Sinjer Feld (Sinjsko Polje) abdacht. 




1 Von Spalato naeh Clissa sind 13 Kilometer, zu deren Zurucklegung 
die Post, der Steigung wegen, 2 Stunden braucht. (Fahrpreis 65 kr.) Von 
Clissa naeh Sinj fahrt man weitere 23 Kilometer in 2 2 / 3 Stunden (Post 1 fl. 
15 kr.). 

Von Spalato naeh Clissa siehe Capitel XIX. 

2 Anlass zur Verfassung des Romanes soil ein Ereignis geboten haben, 
das sich auf dem Quai von Venedig zutrug. Ein wohlhabender Morlak, der 
hier mit seiner jungen Frau spazierte, wurde namlich von einem friiheren 
Nebenbuhler attaquiert und coram publico zum Zweikampf genothigt, in 
welchem der Angreifer siegte. 



SINJ. 359 

Im Dicmofeld fuhrt die Strasse erst nordlich und dann ostwarts einem 
Defile zwischen der Cemernica und Visoka zu, an das sich wieder eine 
romantische Erinnerung kniipft. Die der Visoka angehorende Bergkuppe 
Mojanka, soil namlich ihren Namen von den Klagerufen eines Mutterchens 
haben, die hier ihre vermisste Tochter suchte und als sie dieselbe endlich 
von dem eifersiichtigen Geliebten erdolcht, todt im Geklippe auffand, leblos 
neben dem Leichnam niederstiirzte. 1 

Vom Wirtshaus im Mojanka-Defile steigt die Strasse noch etwas, um 
den diesseitigen Bergrand des Sinjer Feldes zu gewinnen und zieht dann am 
Ostgehange, eiiie Eeihe kleiner Dorfchen passierend, gegen Norden, wo bereits 
das im Nordwestwinkel des Sinjsko Polje gelegene. vom Castellberge iiber- 
hohte Sinj in Erscheinung getreten ist. 

Sinj. 

Treffend sagt Kohl, dass wie dem Norddeutschen in seiuem stein- 
armen Lande ein Fels oder eine Grotte, so dem steinreichen Dalmatiner 
ein felsenloser Landstrich Bewunderung abnothige. Schon in weiter Feme 
habe man ihm von der Sinjer Ebene wie von einem Wunderlande gesprochen, 
da dort stundenweit nicht ein einziger Stein sei, so dass die Leute mit 
Ochsengespannen pfliigen konnen. 

Den aus Mitteleuropa kommenden Fremden kann natiirlich der Anblick 
einer Ackerebene an und fur sich nicht in Ekstase versetzen ; iiberraschend 
wirkt es aber doch, nach langer Fahrt im Karstgebirge plotzlich dieses zwei 
Meilen lange und eine Meile breite Blachfeld vor sich zu sehen, das im Winter 
zur Halfte einen See bildet, wahrend es im Sommer eine griine Flache 
darstellt, in deren Osttheil die in mehrere Arme zertheilte Cetina siidwarts 
fliesst. Auch hat man von verschiedenen Punkten der ostlichen Umrandung 
des Polje eine prachtvolle Fernsicht, die nicht nur den Mosor sondern auch 
den Biokovo umfasst. 

Sinj 2 liegt, wie schon erwahnt, im Nordwestwinkel der Ebene etwa 
30 Meter hoher als das der Winteruberschwemmung ausgesetzte Feld und 
am Fusse des westwarts aufragenden Castellhiigel (438 Meter), welcher den 
Kreuzungspunkt von funf Strassenztigen darstellt. 3 



1 O Moja Anka! (O meine Anka!) 

2 DerMarkt Sinj zahlt 1233, mit den zugehorigen Hausergruppen 2074 Ein- 
wohner und ist Sitz einer, die Gerichtsbezirke Sinj und Vrlika umfassenden 
Bezirkshauptmannschaft. Der Gerichtsbezirk Sinj bildet eine einzige Kata- 
stralgemeinde von 934-52 Quadratkilometer und 35.600 Einwohner. 

3 Die von Spalato kommende Strasse, welche nordostlich den Prolog 
(Dinarische Alpen) iiberschreitet, um in das bosnische Livanjsko Polje zu ge- 
langen, wird bei Sinj von der grossen dalmatinischen Binnenstrasse gekreuzt, 
welche nordwestlich iiber Vrlika nach Knin fiihrt, wahrend die slidostliche 
Fortsetzung ganz Dalmatien durchzieht und eine Abzweigung nach Imoski 
entsendet. Uberdies geht von Sinj eine Strasse westlich ab, die im Thai von 
Muc gegen Spalato und DrniS verzweigt. 



360 VON SPALATO NACH SINJ UNO IMOSKI. 

Der kleine Marktflecken 1st durch den Handel mit dem benachbarten 
Bosnien zu einigem Wohlstand gelangt und man bemerkt daher nicht nur 
zu beiden Seiten des geraumigen Hauptplatzes, sondern auch in den tibrigen 
Gassen recht wohlgebaute Hauser, unter welchen zwei annehmbare Wirts- 
hauser nicht fehlen. 

Wahrscheinlich bestand auch an der Stelle Sinjs schon in uralter 
Zeit eine Siedlung, denn die Chroniken berichten, dass das jetzt in Triimmern 
liegende Castell bereits im XIV. Jahrhundert bestand und von Ludwig dem 
Grossen nach dem Erloschen der Bribir dem Grafen Nelipat im Umtausch 
gegen Knin gegeben wurde. Im XVII. Jahrhundert (1687) eroberte General 
Morosini die Veste Sinj und der Ort blieb nun 110 Jahre unter den 
Venetianern, 1 obgleich die Tiirken bis zum Jahre 1715 mehrere Wieder- 
eroberungsversuche machten, die namentlich fur die Geschichte des Franzis- 
kanerklosters von Sinj (siehe ,,Das Museum von Sinj") und fur die Ent- 
stehung eines Sinj eigenthumlichen Festes von Bedeutung wurden. (Siehe 
,,Das Alkafest".) 

Ausser an diesem Festtage (18. August) ist Sinj an jedem Mittwoch und 
Samstag ziemlich belebt, da an diesem Tage auf dem Raume zwischen dem 
Hugel Belvedere und der Siidseite der Kirche Markt abgehalten wird, wobei 
die verschiedensten Trachten zu sehen sind. Auch die Sinjanerinnen selbst 
lassen sich dann in ihrem geschmackvollen Sonntagsstaate sehen, an welchem 
besonders das bunte Jackchen, der lange armellose Sadak, das seidene 
Kopftuch und die ins Haar gesteckten langen silbernen Nadeln auffallen. 

Das Alkafest (La Giostra). 

Als Morosini im Jahre 1687 Sinj erobert hatte, fliichteten hieher 
Franziskaner aus Rama in Bosnien und erhielten 1691 von Venedig die 
6 Kilometer nordlich gelegene Besitzung Citliik, sowie den Grund, auf 
welchem sich 1699 das durch ein wunderthatiges Marienbild weit und breit 
in Ansehen stehende Kloster erhob. Das mit Gold und Edelsteinen besetzte 
Bild, welches die Franziskaner aus Rama mitgebracht hatten, soil iiamlich 
eine grosse Rolle gespielt haben, als im Jahre 1715 der Vezier von Bosnien 
mit einem machtigen Heerhaufen pliindernd in Dalmatien einfiel und auch 
Sinj belagerte. Die Veste wurde damals von einigen hundert Sinjanern unter 
Provveditore Georg Balbi vertheidigt, den der vormals als turkischer Ge- 
fangener bis Bagdad gekommene Frater Paul Vuckovic so kraftig unter- 
stiitzte, dass die Tiirken lange nichts auszurichten vermochten. Plotzlich 
hob derSeraskier die Belagerung auf, da, wie Hammer-Purgstall berichtet, 
in seinem Heer die Pest ausbrach; die Bevolkerung aber schrieb die 
Rettung dem Madonnenbilde zu und hielt von nun an zu Ehren derselben 
sowie zur Erinnerung an die tapfere Vertheidigung alljahrlich ein Volks- 



1 An die venetianische Herrschaft erinnern noch ein geflilgelter Lowe 
am Gefangnis und eine Inschrift an der Artilleriekaserne : A fundamentis 
erecta Pavlo Bolau, Provisor Generalis. 



SINJ. 



361 




ALKACOSTUM. 



fest ab, das im wesentiichen aus einem Blngelstechen zu 
Pferde bestand und obwohl nur Einwohner von Sinj daran 
theilnehmen durften, stets Zuschauer von weit und breit zu 
versammeln pflegte. 

Urspriinglich bestand der Preis, ahnlich wie einst bei 
den mi ttelalter lichen Scharlachrennen in Wien, aus einem 
Stiicke rothen Tuchs ; als aber Kaiser Franz 1818 die Wieder- 
abhaltung des von den Fraiizosen eingestellten Festes erlaubte? 
wurde ein Preis von 100 Gulden ausgesetzt. Seit dem ersteii 
Besuche Kaiser Franz Josefs in Dalmatien im Jahre 1875 
findet die, urspriinglich am 15. October abgehalteiie und 
unter Kaiser Franz auf den 12. Februar verlegte Alka, jetzt 
am 18. August statt, und zwar am Beginne der Spalatiner 
Strasse, nach einem interessanten Ceremoniell, dessen "Wort- 
laut in einer aus dem Jahre 1833 herriihrenden Fassung 
von G. Modric in seinem Werke ,,La Dalmazia" mit- 
getheilt wird. 

Das Museum von Sinj. 

In dem oben erwahnten Franziskanerkloster * befindet sich auch das 
Localmuseum von Sinj, eine Sammlung von Funden, welche die Franziskaner 
hauptsachlich auf ihrer Besitzung Citluk ausgegraben haben. Man findet 
da ausser romischen, Venetian ischen und ragusaiscben Miinzen zablreicbe 
Fragments von Busten und als Hauptstiick einen Herculeskopf nebst einer 
Hand, die urspriinglich wohl zur selben Statue gehorte, da die geballten 
Finger ein Stiick Keule umklammern. 



Ausfliige von Sinj. 

Die Umgebung des Sinjer Feldes ist, wie schou 
erwahnt, im allgemeinen durch ihre schonen Fern- 
sichten ausgezeichnet. Doch bietet jede der einzelnen 
Localitaten auch ihre Besonderheit : der Cast ell- 
berg (438 Meter Seehohe, 112 Meter iiber Sinj) 
einen Uberblick des Sinjsko Polje mit dem im Osten 
aufragenden Wall der Dinarischen Alpen; Citluk 
einige Dberreste der alten Colonia Claudium 
Aequum, einst der Sitz einer romischen Legion; 
Dorf Hrvatce ein Kirchlein mit einem hilbschen 
Bilde der Mater dolorosa; Dorf Otok einen Aus- 
blick bis zum Mosor und Biokovo. Von Otok geht 
die auf das Vorhandensein einer ehemaligen 
Schwefelquelle deutende Sage, der heilige Georg 




HERCULESKOPF. 



1 Im Kloster befindet sich ein croatisches Untergymnasium, dessen 
Lehrer durchaus Fratres sind. 



362 VON SPALATO NACH SINJ UNO IMOSKI. 

habe hier einst einen Drachen getodtet und den abgehauenen Kopf in einen 
See geworfen. Seither stinke es in der Gegend und habe diese den Namen 
Smradovo erhalten. 

Zwischen Otok und Citluk geht in hubschem Gelande iiber Bilibrig, 
wo seit 1835 der turkische Grenzmarkt abgehalten wurde, die grosse Strasse 
nordostlich, welche den Prolog in 1122 Meter Seehohe tiberschreitet und 
sich jenseits zur Hochebene des bosnischen Livanjsko Polje hinabsenkt. 

Von Sinj nach Imoski. 1 

Von Sinj fiihrt ana Westrande des Sinjsko Polje eine Strasse siidlich, 
welche schon in der Eomerzeit Bedeutung hatte. Etwa 1 Kilometer vor 
Trilj, bei welchem Orte die Cetina aus dem Sinjsko Polje in jenen schlucht- 
artigen Canon tritt, den sie in ihrem ganzen ferneren Laufe bis Almissa (Omi) 
nicht mehr verlasst, stand namlich Delminium, 2 die alte Hauptstadt der 
Dalmater, die besonders im II. Jahrhundert v. Chr. eine geschichtliche Eolle 
spielte. Die Dalmater, welche von einigen Historikern fur Kelten gehalten 
werden gleich den einstigen Japyden an der croatischen Ktiste und den 
alten Pannoniern traten damals in Gegensatz zu dem illyrischen Konig 
Gentius und schliesslich in jenen hartnackigen Kampf mit Rom, dem 
156 v. Chr. Scipio Nasica durch die Zerstorung Delminiums ein Ende 
machte. 

Dass die Dalmater damals keine Barbaren mehr waren, bezeugt eine 
uns iiberlieferte Nachricht, wonach Asinius Pollio aus seinem dalmatinischen 
Feldzuge eine ganze Bibliothek als Kriegsbeute nach Eom brachte ; auf die 
Starke der Befestigungen Delminiums aber kann aus den noch erhaltenen 
Eesten seiner dreifachen Mauer geschlossen werden. 

Die Euinen liegen bei der Localitat Gar dun, deren Name ebenso wie 
jener des weiter westlich gelegenen Dorfes Vojnic Soldat bedeutet. Die 
Bezeichnung erinnert sowohl an das alte Heerlager der Dalmater, als auch 
daran, dass in Delminium spater die VII. romische Legion stand, wie in 
Burnum bei Kistanje die XI. 

Bei Trilj iibersetzt die Strasse die Cetina und verbleibt nun circa 
3 Kilometer nahe dem linken ostlichen Ufer, bis in die Gegend, wo sich 
jenseits des Flusses der, einst dem Edlen Zarko Drazcevic zu eigen 
gewesene, seit Beendigung der Turkenkampfe in Verfall begriffene und 
bereits zur Euine gewordene Thurm Nucak erhebt. 

Die aus dem Sinjer Felde nun schon wieder um 100 Meter gestiegene 
Strasse lauft jetzt etwas 6'stlich der tiefeingeschnittenen Cetina und erreicht 
bei der Kirche und dem Posthause von Ugljane (18% Kilometer von Sinj) 



1 72 Kilometer Postwagenfahrt in 9% Stunden fur 3 fl. 60 kr. 

2 Einige Archaologen verlegen diese ^Stadt an eine andere Stelle, 
u. zw. an die westliche Seite des Bezirkes Zupanjac in Bosnien. welcher 
an die Bezirke Imoski und Sinj grenzt. Dort findet man auch thatsachlich 
Euinen, die sich auf Delminium beziehen sollen. 



VON SINJ NACH IMOSKI. 363 

jenen wichtigen Punkt, wo von der aus der franzosischen Zeit herruhrenden, 
ins Narentagebiet fiihrenden Strada Maestra zur Linken die Strasse nach 
Imoski abzweigt. 

Letztere verfolgend, passieren wir Budimir, wo ein 16 Kilometer langer 
Karrenweg nach dem Grenzort Ar2ano abzweigt und ungefahr die Route 
der, nun zur Ausfiihrung kommenden Eisenbahn bezeicb.net; dann steigt 
die Strasse allmahlich, erreicht beim Kirchlein des Dorfes Cista 476 Meter 
und fuhrt von Lovrefi an in jene hohere, zum grossten Theil kahle Karst- 
region hinauf, in welch er die Strasse noch heute den Namen Rim ski Put 
(Strada Romana) fiihrt. Der hochste Punkt hat 647 Meter Seehohe und liegt 
an der Nordostabdachung des 888 Meter hohen Vilenjak * nur mehr 2 Kilo- 
meter von jenem See entfernt, welch er das Nordwesteck des gewaltlgen 
Imosko Polje ausfiillt. 2 

Die Strasse zieht abei- noch reichlich ein Dutzend Kilometer dem 
Westrand des Polje entlang, ehe sie letzteres an seiner schmalsten Stelle 
quert, um an der Ostseite wieder zu dem langst sichtbaren Imoski hinan- 
zusteigen. 

Imoski. 

Imoski kame, wenn die dalmatinische Grenze hier nicht ini Radius 
von 6 Kilometer gegen Osten ausgebaucht ware, direct auf die dalmatinisch- 
bosnische Grenze zu liegen. Diese Grenzlage war auch wohl die Ursache, 
dass man aus der grossen Gemeinde Imoski, welche auf 646 - 23 Quadrat- 
kilometer 31.640 Menschen zahlt, einen eigenen Gerichts- und einen eigenen 
politischen Bezirk machte. Doch zahlt der Markt selbst bloss 1229 Einwohner 
und bietet ein belebteres Bild nur an den Markttagen, wenn sich die 
durch wahre Hiinengestalten und interessante Tracht ausgezeichneten 
Bezirksbewohner und ausserdem zahlreiche Bosnier in dem Felsenneste 
Rendezvous geben. 

Hochinteressant 1st die Lage Imoskis, sowie uberhaupt das ganze Terrain 
seiner TJmgebung, das sich durch hochst eigenthumliche Zerschluchtung 
auszeichnet. 

Imoski sagt ein Bericht, den der Provveditore A. Mocenigo III. 
nach der Eroberung des Ortes im Jahre 1717 an den Dogen Giovanni 
Corner II. erstattete liegt auf Hiigeln, die sich ziemlich hoch uber die 
Ebene erheben und nach drei Seiten so steil abstiirzen, 3 dass es fast mensch- 
licher Kunst nicht weiter bedarf, um die Veste uneinnehmbar zu machen 
und ein Sturmangriff als Tollkuhnheit erscheint. Dennoch unternahm es 
Mocenigo in der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1717 Imoski zu ersturmen 



1 Vilenjak, Osoje und die weiter sudostlich anschliessenden Bergketten 
bilden einen ostlichen Parallelzug zum machtigen Kustengebirge des Biokovo. 

2 Seehohe des Polje 255260 Meter. 

3 Besonders bei der Ruine einer, wohl von den Croaten erbauten Veste 
1st der umgebende Abgrund von schauerlicher Wildheit. 



364 VON SPALATO NACH SINJ UNO IMOSKI. 

und brachte es nach zweitagigen Angriffen dahin, dass die Vertlieidiger * 
gegen die Zusage freien Abzugs capitulierten. 

In Verfolg seines Berichtes rtilimt Mocenigo dann die strategische 
Bedeutung von Imoski und bemerkt, dass die Stadt rings von Garten und 
dichten Waldungen umgeben und vor allem ausgezeichnet durch ihre frucht- 
baren Felder sei, welche der zum Trebizat (und durch diesen zur Narenta) 
abfliessende Vrlikafluss durchstrome. 

Wie damals gilt der Bezirk von Imoski noch heute fiir einen der 
fruchtbarsten Dalmatiens und hat besonders in neuerer Zeit dadurch 
gewonnen, dass die Regierung den Tabakbau gestattete, der hier ein noch 
besseres Product als in der Gegend von Vrgorac liefert, und hoch im 
Preise steht. 

Interessant sind, wie schon erwahnt, die eigenthumlichen Schlucht- 
bildungen in dem Imoski bergseitig umgebenden Terrain, das eine grosse 
Anzahl von Einsturz- oder Auswaschungskesseln aufweist. Einer davon 
wird seiner unzuganglichen rothen Felsgehange wegen, und da er am 
Grunde von einem See erfullt ist, der Crveno Jezero oder rothe See 
genannt. Er liegt nordwestlich von Imoski auf dem Berge Podi. 

Unter den Ausflilgen von Imoski ist zunachst jener zum Jezero Blato 
zu erwahnen. Er fiihrt nordwestlich durch die Dor fer Glavina, Prolozac 
und Postranje und zwischen letzteren an der Ausmtindung der wilden 
Suaja-Schlucht vorbei. 

Wandert man von Imoski siidostlich, auf der den Ostrand des Polje 
begleitenden Strasse, so erreicht man in einer Stunde die hercegovinische 
Grenze bei Gorica, geht man ebenso weit am Westrand des Polje, so 
kommt man in circa l'/ 2 Stunden nach dem Dorfe Runovic, an dessen Stelle 
man das alte Eus novum (die neue Stadt) verlegt, wahrend Emota an 
der Stelle Imoskis stand. 

Von Imoski flber den Biokovo nach Makarska. 

Die nach Imoski fiihrende Strasse ist mit der grossen Strada Maestra 
durch eine Querstrasse verbunden, welche das rauhe kahle Karstland 
zwischen den Gebirgen am Westrand des Imosko Polje (Vilenjak und Osoje) 
und dem Biokovozuge iiberschreitet. 

Die Querstrasse erreicht ihren hochsten Punkt (656 Meter) zwischen 
den Gruppen des Orljac (909 Meter) und des Wallfahrtsberges Vitrnik 
(788 Meter) und senkt sich dann in die vom Turijapass nordwestlich ab- 
streichende Depression nach dem Dorfe Zagvozd, wo man sich unmittelbar 
am Ostfusse der Haupterhebungen des Biokovogebirges befindet. 

Schon die Fahrt hieher ist eine sehr aussichtsreiche, da der Biokovo, 
den man fort vor sich hat, zu den machtigsten Karstgebirgen Dalmatiens 



1 Die Mannschaften waren unter Ditmar, einem alten hercegovinischen 
,,Spahil", von sieben Agas befehligt. 



VON SINJ AUF DER STRADA MAESTRA NACH METKOVld. 365 

gehort und nicht nur bis in den Friihsommer mit Schnee bedeckt bleibt, 
sondern an seinen Flanken auch noch manche Waldparcelle aufweist, so dass 
bier in Dalmatian eine Seltenbeit die Kohlerei betrieben werden kann. 

Speciell die Bewohner von Zagvozd sind auch geiibte Kupferschmiede 
und Topfer und wurden vor einigen Jahren sogar durch Wanderlehrer unter- 
richtet, deren Unterweisung sie freilich nur annahmen, um alsbald wieder 
zum Handwerksbraucb ihrer Vorfabren zuriickzukebren. 

Von Imoski nach Zagvozd (21 Kilometer) ist man mit der Post 
3 Stunden 10 Minuten unterwegs und kann nun die Tour nordlich oder 
sudlich auf der Strada Maestra zu Wagen fortsetzen. Nordlich fahrt 
man erst 2 '/ 4 Stunden iiber Grabovac und Zezevica bis Katuni (16 Kilo- 
meter), wo eine Strasse iiber Duare (Zadvarje) zur Kiiste und iiber Brela 
zu den Dampferstationen Baskavoda und Makarska abzweigt (von 
Katuni bis Makarska 31 Kilometer in 4y 2 Stunden). Sudlicb muss man iiber 
den Turijapass (700 Meter) bis zum Kodic-Denkmal fabren (19 Kilometer) 
und erreicbt dann die, das Gebirge in 897 Meter Seeliobe iiberscbreitende 
Kodic-Strasse, auf der man weiter 32 Kilometer (-4 bis 5 Stunden) bis 
Makarska fabrt. 1 

Statt so die Haupterbebung des Biokovogebirges nordlich oder siidlich 
zu umfahren, werden Touristen den 2 Kilometer siidlich von Zagvozd beim 
Dorfe Mucic beginnenden Fusssteig beniitzen, der das Gebirge direct gegen 
Makarska bin iiberscbreitet und in circa 1400 Meter Seehohe so nahe beim 
Hauptgipfel des Biokovo (Sv. Jure 1762 Meter) voruberfuhrt, dass der Ab- 
stecher auf diese Zinne nur etwa l'/ 2 Stunden in Anspruch nimmt. Es ist 
jedoch von Zagvozd iiber den Biokovo nach Makarska eine starke (min- 
destens lOstiindige) Tagestour. (12 l / t Kilometer Luftlinie, 1300 Meter An- 
stieg, 1762 Meter Abstieg. Siehe auch Capitel XXI.) 

Von Sinj auf der Strada Maestra nach Metkovic.- 

Bei der Schonheit der Kiistenreisen in Dalmatien, welche geradezu ein 
auszeichnendes Kriterium des Landes bilden, dtirfte es nicht zu haufig vor- 
kommen, dass Keisende die grossen, parallel der Kiiste fuhrenden Inland- 
routen absolvieren. Fiir Touristen, welche durch Bergtouren ins Innere 
gefiihrt werden, mag es jedoch immerhin erwiinscht sein, einige Andeutungen 
iiber die grosse Landstrasse des Binnenlandes, die ,,Strada Maestra" zu 
erhalten. 

Diese Strasse beginnt, an die croatische Strasse anschliessend, bei Knin 
und ist bis Sinj (65 Kilometer), sowie weiter bis zum Posthaus Ugljane 
siidlich von Trilj (21 Kilometer) identisch mit der nach Imoski fuhrenden, 
schon oben skizzierten Eomerstrasse. 



Auf der Ho die -Strasse fahren keine Postwagen. 

2 Von Sinj nach Metkovic 131 Kilometer ; mittelst Post in 19 3 / 4 Stunden 
fur 6 fl. 50 kr. 



366 VON SPALATO NACH SINJ UNO IMOSKI. 

Bei Ugljane geht die Strada Maestra rechts ab, erreicht 3 Kilometer 
hinter Katuni (21 Kilometer von Ugljane) die Abzweigung der Strasse nach 
Duare (Zadvarje) und Makarska und bringt nach weiteren 16 Kilometern 
nach Zagvozd, wo eine Querstrasse ostlich (links) nach Imoski abzweigt. 
(Siehe vorigen Abschnitt.) 

Von Zagvozd ersteigt die Strada Maestra den Turijapass (tiber 
700 Meter) und fuhrt sudlich in zahlreichen Windungen herab nach Zupa 
(14 Kilometer von Zagvozd), vorbei an einer Stelle, wo der Reisende einst 
Folgendes lesen konnte: 

Unter clem Kaiser Napoleon dem Grossen und der Fiihrung des Vicekonigs 
Eugen von Italien, wahrend in Dalmatien Vittorio Dandolo Provveditore war, und 
als Befehlshaber der Armee Marschall Marmont fungierte, unter der technischen 
Leitung des General Blancard und Assistenz der Ingenieure Grljic undZavoreo 
und mit Zuhilfenahme des gesammten Landes Dalmatien wurde in den Jahren 1806 
bis 1809 diese Strasse gegraben, die von der croatischen bis zur albanischen Grenze 
250 geographische Meilen lang ist. Dieser neu geschaffenen Strasse wurde der Name 
.,Strada Napoleone" verliehen. 

Jetzt besteht diese Inschrift nicht mehr, da sie der osterreichische 
General D a n a s e abschleifen liess (wof iir er vom Kaiser Franz getadelt 
worden sein soil); dagegen trifft man 7 Kilometer sudlich von Zupa bei der 
Abzweigung der Rodic-Strasse eine neue Gedenktafel, welche an den Bau 
dieser Strasse erinnert. (Siehe Seite 58.) 

Vom Eodic-Monument fahrt man 17 Kilometer bis Vrgorac, wo die 
Strasse den Nordosthang jenes zum Theil die Grenze gegen die Hercegovina 
bildenden Gebirgskammes betritt, der zur Ebene von Ljubuski abdacht und 
stundenlang eine prachtige Ausschau bietet, welche sich um die herce- 
govinische Stadt LjubuSki und ihre weisse Schlossruine gruppiert. 

Endlich tritt die von Vrgorac fort sudostlich verlaufende Strasse in 
das Gebiet der Winterseen der Narenta und der Karstberge und wahrend 
rechts noch der Saum der Letzten fortlauft, sieht man links unten den 
Maticabach spater den Norinofluss, und die weite Narenta-Ebene. In diese 
spitzt endlich unser Karstgehange zur Rechten aus und wir ubersetzen beim 
Norinothurm die Narenta auf einer fliegenden Brttcke, um am linken Ufer 
des Flusses gegen Metkovic zu fahren, das sich um den Fuss eines von 
Siiden in die Narenta-Ebene vorspringenden Cap gruppiert. (Die Eisen- 
bahnstation liegt an dem mit dem Siidufer durch eine moderne Briicke 
verbundenen Nordufer.) ' 



1 Siehe auch Capitel XXI ,,Ausfliige von Metkovic". 





XXI. Von Spalato naeh JVIetkovie. 



Bemerkung uber die Seefahrt. 

Die Eildampfer des Lloyd und der Ungaro-Croata machen 
zwischen Spalato und Gravosa keine Station und halten sich 
weit im Meere draussen, so class, auch wenn die Fahrt nicht in 
die Nacht fiele, das Panorama der Kiiste nur im Umrisse geschaut 
werden konnte. Die Metkovic-Dampfer des Lloyd pendeln 
zwischen dem Festlande und den grossen mitteldalmatinischen 
Inseln Brazza und Lesina, indem sie vor und nach Almissa 
Stationen der Insel Brazza, und nach Makarska gewohnlich noch 
den 6'stlichsten Hafen von Lesina (S. Giorgio) und Trappano auf 
der Halbinsel Sabbioncello anlaufen. Infolge dieser Querfahrten 
verlangert sich die Route Spalato-Metkovic und nimmt 12" 2 bis 
13 Stunden in Anspruch, wahrend der Nachts fahrende Metkovic- 
Dampfer der Ungaro-Croata, der zwischen Spalato und 
Metkovic keine Station macht, im ganzen 7 Stunden braucht. 

Da die erwahnten beiden Inseln im Capitel XXIII behandelt 
werden, beschrankt sich die folgende Darstellung auf die Kiiste 
des Festlandes. 

Buctit von Stobrec. 

Vom Spalatiner Hafen erstreckt sich etwa 6 Kilometer gegen 
Osten eine grime, von den siidwestlichen Auslaufern des Mosor 
iiberhohte Riviera, welche bis zur westlichen Landzunge der 
Bucht von Stobrec reicht. Auf der Landzunge liegt das Dorf 
Stobrec, welches die Stelle der, einst von griechischeu Colonisten 
aus Lissa gegriindeten Stadt Epetion einnehmen soil ; ostwarts der 
Bucht aber besaumt die knapp am Meer verlaufende Kiistenstrasse 
bis zu dem etwa 20 Kilometer entfernten Almissa das Gebiet der 
einstigen Bauernrepublik P o 1 j i c a, die bis vor einem Jahrhundert 
ein Pendant zu den Republiken Andorra und San Marino bildete. 



368 VON SPALATO NACH METKOVIC. 

In die Poljica untl auf den Mosor. 

Das zu 1340 Meter Seehohe ansteigende Mosorgebirge erstreckt sich 
etwa 30 Kilometer siidostlich bis zum Knie der Cetina bei Duare und hat 
in der westlichen, von Spalato bis Almissa reichenden Halfte, einen Ktisten- 
gebirgszug vorgelagert (Poljicagebirge), der 594 Meter Hohe erreicht. Am 
Abhange dieses Kiistengebirges zum Meere, auf seinen Hohen und vor allem 
in der Depression zwischen dem Kiistengebirge und dem Mosorwall wohnt 
das Gros der Poljicaner, die aber auch noch am nordostlichen Abhaiige des 
Mosor zur Cetina einige, zum Theile fast 600 Meter hoch gelegene Dorfer 
baben. 

Eine Durchwanderung der Poljica beginnt man in der Bucht von 
Stobrec, in deren ebenen, vom Stobrefibach durchstromten Thalboden man 
nordwarts spaziert, bis sich im Siidosten zwischen den Mosorabhangen und 
dem Poljicagebirge die Furche offnet, aus welcher zwei Quellbache des 
Stobrecbaches hervorkommen. Am Zusammenfluss der Letzteren liegt das 
erste Poljicaner Dorf Zrnovnica und folgen wir nun dem ,,grossen Bach", 
so kommen wir in die iippigen Gartengefilde, in welchen die Hauschen des 
Dorfes Srinjine zerstreut liegen, in die Weingarten um Dorf Tugari, und 
schliesslich in das Dorf Gata, wo einst die Poljicaner ihren Convent ab- 
hielten. Manthutgut, den kleinen Hugel im Westen zu ersteigen (353 Meter), 
der eine alte, nun verfallene St. Georgscapelle tragt. Dann hat man einen 
reizenden Blick auf das in Grim gebettete Dorf Z a k u 8 a c und sieht uber 
die zwischen Felsen dahinstromende Cetina bis Almissa, tiber dessen Land- 
sporn sich das Meer bis zur Insel Brazza hin weitet. 

Von Gata fuhrt ein "Weg weiter ostlich gegen das Knie der Cetina, 
zunachst tiber Ostrvica nach Dorf Zvecanje, wo die reiche Vegetation 
plotzlich jener Karstdolinenlandschaft Platz macht, welche die vom Cetina- 
Knie umflossene Halbinsel erfilllt. Doch ist der Abfall dieser Landschaft 
nach Suden zur Cetina wieder uppig cultiviert und von Kostanje ilber 
die Rotte Skarica bis Podgragje, dem ostlichsten Dorf der Poljica, 
erscheint das ganze Gehange mit fruchtbaren Feldern und Garten bedeckt. 

Auch an der Nordostseite des Mosor, wo die Dorfer Dolac, Srijani und 
Trnbusi zahlreiche Rotten bilden, gibt es noch Felder und Weingarten, ja 
trotz der Kahlheit, mit welcher die Hochregion des Mosor zum Meere hinaus- 
blickt, hat die Gegend um Dolac donji sogar noch Haine aufzuweisen, welche 
nebst den zahlreichen Capellen, Wegkreuzen und Siedlungen beitragen, der 
von hohen Felsgipfeln ilberragten Berglandschaft einen eigenartigen Zauber 
zu verleihen. 

Touristen, welche diesen meist Viehzucht treibenden Dorfschaften 
einen Besuch abstatten wollen, werden damit meist eine Ersteigung des 
Mosor zu verbinden wtinschen. Sie schlagen dann von dem oberwahnten 
Dorf Zrnovnica den Weg in die ,,mittlere Poljica" ein, der in die Dorfer 
S i t n o und D u b r a v a fuhrt und treffen bei der Kirche von Sitno (278 Meter) 
einen bergwarts leitendeii Pfad. der an der Capelle Sv. Luka (497 Meter) 



DIE POLJICA EINST. 369 

vorbei zur Capelle Sv. Klement bringt und sich dann links mehreren am 
Gebirgshange gelegenen Rotten zuwendet (PoliSine, OriSine). Dieser Pfad tiber- 
steigt den Mosorkamin in 1089 Meter Seehohe und senkt sich ostwarts nach 
Dolacdonji: noch ehe er aber jene Hohe erreicht, zweigen gegen Norden 
Fusswege zu den Alphiitten (Staje) ab, welche das Hochplateau westlich des 
Mosor-Hauptgipfel bedecken und einen dieser Pfade wahlt man, um auf die 
1340 Meter holie Culmination zu gelangen. Nimmt man dann den Abstieg 
direct ostlich, gegen die Vrutka Staje, so kommt man an dem Schneeloch 
vorbei. in welchem die Bewohner von Sitno im Winter Schnee feststampfen, 
um ilin im Sommer nach Spalato zum Verkauf zu bringen. 

Bei dem grossartigen Panorama, welches der Mosor darbietet, ist die 
Besteigung ungemein lohnend ; der Abstieg nach Dolacdonji darf aber wohl 
nur passionierten Fussgangern empfohleu werden, welche eventuell in einem 
der Dorfer nachtigen. Man kann dann von Dolac direct ostlich zur Cetina 
hinab wandern, die auf der Strecke Trilj Duare von mehr als einem Dutzend 
Miihlen belebt ist. und wird eventuell dem, ostlich des Flusses an der Strada 
Maestra gelegenen Posthaus Ugljane zustreben, um mit der Post uber Sinj 
und Clissa nach Spalato zuriickzukehren ; man kann aber auch von Dolac 
donji tiber Srijani nach Dolac gornji wandern, von wo ein, den Mosor in 
833 Meter Seehohe uberschreitender Fussweg nach Dorf Gat a in der Poljica 
und welter liber Zakucac nach Almissa ftihrt. (Bucht von Stobrec tiber 
Sitno auf den Mosor 7 8 Stunden; vom Mosor tiber Dolac und Gata nach 
Almissa 6 bis 7 Stunden.) 

Ganz bequem lasst sich die ,,untere Poljica" besuchen, deren Hauptdorfer 
Postrana, Jesenice und Duce am Gehange der Kustenkette oberhalb 
der prachtigen Strasse liegen, die von Spalato nach Almissa fiihrt. 1 Zwar grtint 
das Gelande hier nicht so uppig wie in der ,,mittleren Poljica", aber der Aus- 
blick auf das Meer ist von jedem der hochgelegenen Dorfer aus ein kost- 
licher, besonders von Postrana aus, wo man tiber Spalato hintiber bis zu 
den Sette Castella sieht. 

In den Garten dieser Dorfer gedeiht vorzuglich jene Weichsel, deren 
Frtichte zur Herstellung des Zaratiner Maraschino benutzt werden. 

Die Poljica einst. 

Die Grtindung der Poljica wird von der Sage drei Sohnen des bos- 
nischen Konigs Miroslav zugeschrieben, die im XI. Jahrhundert ins Mosor- 
gebiet ausgewandert seien. Nach Urkunden aus den Jahren 1235 und 1236 
fand erst um diese Zeit die Constituierung des Gemeinwesens statt, das in 
etwas an die ebenfalls unter Bela IV. entstandene Turopoljer adelige 
Bauerngemeinde Croatiens gemahnt. Bosnische und ungarische (eigentlich 
croatische) Adelige bildeten den Kern von 10 (spater 12) Gemeinden, deren 
jeder ein Knez vorstand, wahrend das ganze Gemeinwesen der Veliki Knez 
(Grossknez) regierte, der alljahrlich am St. Georgstag (23. April) in Gata 



1 Wagen von Spalato nach Almissa 5 6 fl. 

Fflhrer durch Dalmatian. 24 



870 VON SPALATO NACH METKOVIC. 

gewahlt wurde. Dem Grossknez, der Kalpak und Sabel, um den Leib eine 
seidene Binde und als Oberkleid einen rothen Mantel trug, waren zwei 
Procuratoren filr die Croaten und Bosnier, zwei Procuratoren fiir die Waisen- 
angelegenheiten, ein Vqjvoda und ein Kanzler beigegeben, alle zusammen in 
Gerichtssachen die zweite Instanz bildend, wahrend in erster Instanz die 
Dorfknezen entschieden. Ein Vicar stand an der Spitze der Geistlichkeit, 
die in der Poljica so zahlreich war, dass man fast in jeder Familie einen, 
oft auch mehrere Priester zahlte. Diese Priester griffen nun zwar, wenn 
die Messe voruber war, zu Hacke und Pflug, wie die anderen Poljicaner, 
gerade dadurch aber scheinen sie beigetragen zu haben, dass Arbeitsamkeit 
und gute Sitte in der Poljica stets herrschend blieben und dass der Unter- 
richt, sowie der Ackerbau und die Gartencultur eine gewisse Stufe erreichten. 
Am 2. Februar 1444 unterwarf sich die Poljica freiwillig den Vene- 
tianern und zahlte von nun an einen jahrlichen Recognitionszins von 
3000 dalmatinischen Lire (250 Gulden). Auch batte Venedig das Recht, den 
Grossknezen zu bestatigen, welcher damals und bis znm Jahre 1483 aus den 
Spalatiner Edeln genommen wurde, da Spalato den Poljicanern die Dorfer 
Postrana und Jesenice gescbenkt batte. 

In den folgenden Tiirkenkampfen spielten die tapferen Gebirgsbauern 
stets eine bervorragende Rolle, so bei den Versuchen zur Wiedereroberung 
des 1537 an die Tiirken gefallenen Clissa, und im Marz 1649, als der Pascba 
Muhamed Fopan mit 6000 Mann gegen die Poljica riickte. Die Polj leaner 
waren damals nur 300 Mann stark, kampften aber unter Stefan Bobelic 
und Peter und Georg Kulisic so ausdauernd in ihren Gebirgsschlucbten, 
dass der Feind keinen Vortbeil erringen konnte. Dadurch kiihner gemacht, 
gieng der Grossknez G. Pavic am 27. Marz zur Offensive iiber und ver- 
folgte die besiegten Tiirken so ungestiim, dass die meisten in dem Abgrunde 
iiber dem Dorfe Zakucac ihren Tod fanden. Ijbrigens schreibt die Sage 
jenen Sieg der etwa mit der Jungfrau von Orleans vergleichbaren Mila 
Gopotic zu, welche die Pulverkammer des Feindes entziindet und mit 
ihrem eigenen Leben den Sieg der Ihren erkauft haben soil. 

Ein tragisches Geschick hatte die kleine Bauer nrepublik in den 
Franzosenkriegen. Wahrend die erste osterreichische Herrschaft in Dalmatien 
an den Einrichtungen der Poljica nur das Unerlassliche geandert hatte, 1 
hoben die Franzosen die ganze Sonderverfassung der Poljica auf und trieben 
dadurch die Bewohner den Russen in die Arme, welche damals an der 
Kiiste kreuzten. Von den Franzosen besiegt, mussten die Polj leaner als 
Aufriihrer biissen und Marmont selbst erliess von Gata aus eine Proclamation, 
in welcher er den Grossknez und fast alle Wiirdentrager der Poljica zum 
Erschiessen verurtheilte, ihr Eigenthum fiir confisciert erklarte und die 
Verbrennung ihrer Hauser anordnete. 



1 So wurde z. B. das Asylrecht der Poljica eingeschrankt, da es nicht 
angieng, dass ein Verbrecher bloss ins Mosorgebiet zu fliichten brauchte, 
um sich der dalmatinischen Justiz zu entziehen. 



ALMISSA. 371 

Indessen war es dem letzten Grossknezen Ivan(3ovic gelungen, auf ein 
russisches Schiff zn fliichten, wohin er auch das Kastchen mit den Gesetzen 
und Freibriefen der Poljica nahm. (3ovic beschloss seine Tage in Petersburg, 
die Poljica aber erholte sich nicht so leicht wieder von den Fiisiladen und 
Verwiistungen des Jahres 1807, das in der Geschichte des Landchens fur 
immer schwarz angestricuen bleibt. 

Almissa (Omis). 

An der Munching der Cetina, und zwar an dem einen Land- 
sporn in die See hinaus sendenden Ostufer, liegt unter hohen 
diisteren Felsen Almissa, jetzt ein friedliches Stadtchen von 
827 Einwohnern, 1 einst aber berlichtigt bei den Kauffahrern der 
Adria, da die Almissaner die eigenartige geographische Lage 
ihrer Heimat bentitzten, um Kaperei zu treiben. Freilich ist das 
schon etwas lange her und fiihrt uns in Zeiten zuriick, wo die 
Herren von Almissa gelegentlich noch eine Rolle in der Ge- 
schichte Dalmatiens spielten. So wird um 1140 von ein em Al- 
missaner Ossor berichtet, der auf der gegeniiberliegenden Insel 
Brazza '* Rector war, und dessen Vertreibung zu Gunsten eines 
Spalatiners Aulass zu Kampfen zwischen Almissa und Spalato 
bot. Letztere dauerten auch noch im XIII. Jahrhundert fort, doch 
trat nun Venedig an die Stelle Spalatos und unternahm 1276 
einen Zug gegen die Almissaner, der diesen die Mehrzahl ihrer 
Schiffe kostete. Noch einmal regte sich die Unbotmassigkeit der 
Almissaner, als Conte Mladen von Bribir Herr von Almissa und 
Scardona war; die Ungarn und die Venetianer demiithigten ihn 
aber und nun beschranken sich die wichtigeren Geschichts- 
ereignisse seit 1322 im Gebiet von Almissa auf den Anfall an 
Venedig (1437), auf einzelne Kampfe mit den Tiirken, und auf die 
Scharmutzel, welche sich 1807 zwischen Franzosen und Russen 
hier abspielten. 

In der Kirche des Stadtchens zeigt man noch heute ein mit 
Edelsteinen ausgelegtes silbernes Crucifix, welches einst die 
Korsaren opferten; eine andere Erinnerung an die alte Zeit ver- 
korpert das in Rumen liegende Bergschloss Mirabe.Ho, das sich 
311 Meter iiber der Stadt auf den Felshohen im Osten erhebt. 



1 Der zur Bezirkshauptmannschaft Spalato gehorige Gerichtsbezirk 
Almissa zahlt auf 279'31 Quadratkilometer Flache 13.247 Einwohner. 

2 Entfernung der Kliste Brazzas von Almissa 8 Kilometer. 



24* 



372 VON SPALATO NACH METKOVIC. 

Letztere gehoren einem Dinara genannten zuckerhutformigen 
Vorgipfel, jenes im Borak 864 Meter erreicheiiden Kiistengebirges 
an, das sich zwischen der Cetina und dem Meer als ein Binde- 
glied zwischen Mosor- und Biokovogebirge erstreckt. Auf seiner 
Siidseite liegt 7 Kilometer ostrich von Almissa entfernt das 
Dorf Rogoznica, von welchem die altesten Urkunden der 
Poljica datieren; die Nordseite dacht zur Cetina ab, deren 
Ufer auch im Unterlaufsgebiet von zahlreichen Miihlen besetzt 
erscheinen. 

Leider mahlen diese Miihlen nur selten, oder gar nicht mehr. 
Denn Schiffe mit grosserem Tiefgange konnen auf dem ver- 
sandeten Flusse ! nicht einfahren und die Bewohner der Umgegend 
bauen lieber Wein als Getreide. Allerdings sind die Almissaner 
Weine, voran der moussierende Prosecco, der nur in dieser 
G-egend gedeiht, und der durch angenehmen Rosengeschmack 
ausgezeichnete n Moscato Rosa" von solcher Vorziiglichkeit, dass 
es, besonders seit in neuerer Zeit auch hier bessere Methoden 
der Weinwirtschaft durchgreifen, wohl das Rationellste sein mag, 
die Gabe Bacchus ausschliesslich zu cultivieren und jene der 
Ceres aus anderen Gegenden einzufuhren. 

Sein Wein, seine eigenthiimliche historische Physiognomie 
und seine Eignung als Ausgangspunkt fur Touren in die Poljica, 
verschaffen Almissa einigen Anspruch auf eine Zukunft als 
Touristenstation. Doch ist es auch schon von alteren Reisenden 
ofter besucht worden, und zwar wegen der Wanderung an der 
Cetina aufwarts bis zu den Radman-Miihlen und zuni "Wasser- 
fall Gubavica, dessen Umgebung zu den landschaftlichen Glanz- 
scenerien Dalmatiens gehort. Moglich, ja wahrscheinlich ist auch, 
dass in Zukunft hier einer jener Sitze gewerblicher Thatigkeit 
entstehen wird, deren Entwicklung die Wasserkrafte des Landes 
begiinstigen. Die Cetina kommt in dieser Hinsicht ebenso wie 
die Krka in Betracht und ist eben jetzt von der Bildung einer 
Actiengesellschaft die Rede, welche an dem Flusse (bei den 
Wasserfalleii) eine Calciumcarbid und eine Reisschalfabrik er- 
richten will. 



1 Gegenwartig wird iiber dem Fluss zwischen dem Endpunkte der 
Spalato-Almissaner Strasse (Priko) und dem Stadtchen Almissa eine Stein- 
briicke gebaut. 



VON ALMISSA NACH DUARE. 



Von Almissa nacli Duare (Zadvarje). 
Zum Wasserfall G-ubavica. 

Kaum einen Kilometer nordlich von Almissa biegt das Bett 
der Cetina gegen Osten ab und wird hier beiderseits von sehmalen, 
seit 1412 entsumpften Auen besaumt, welche ihrerseits wieder 
von machtigen, besonders im Siiden prall auf- 
steigenden Felswanden cafionartig eingeengt 
erscheineii. Entlang diesen oft bizarr geformten 
AYanden zieht am Stidufer ein guter Fahrweg, 
der sich bei den Miihlen von Eadman, 1 einem 




/ 




CETIXA-WASSERFALL BEI DUARE. 

ausserst lieblich gelegenen Punkte, voni Flusse rechts wendet, 
um liber die Hohen, auf welchen die E/otten der Gemeinde 
Kucice liegen, jene nordliche Biegung der Cetina abzuschneiden, 
an welcher sich die Hauptgruppe der unteren Miihlen befindet. 
Nach ungefahr zweistiindiger sehr interessanter Fahrt nahert 
sich der Fahrweg wieder dem Flusse und man kommt an zwei 
Miihlen voriiber, welche theils zum Orte Slime, theils zu dem 



1 Fetter macht aufmerksam, dass sich auf der Strecke von Almissa 
bis zu den Miihlen von Eadman (Visec) eine Anzahl von nur in Dalmatien 
vorkommenden Pflanzen finden: Campanula Portenschlagiana, Cardamina 
maritima, Farsetia triquetra, Galium aureum et rupestre, Teucrium arduum. 



374 VON SPALATO NACH METKOVIC. 

hoch auf dem nordlichen Flussufer gelegeneii Poljica-Dorfe Pod- 
gragje gehoren. Hier ist die Cetina noch ziemlich breit und ver- 
breitert sich etwa I'/a Kilometer oberhalb noch etwas, um jenen 
stillen Weiher zu bilden, in welchen die ,,Mala Gubavica" 
niedergeht, der aus enger Felsschlucht kommende kleine Cetina- 
fall, dessen Fallhohe etwa 7 Meter betragt. 

Unser Fahrweg, der sich fruher bis zum Flusse gesenkt 
und dann wieder erhoben hatte, steigt jetzt neuerdings zu dem 
nahen, aber auf der Hohe gelegenen Dorfe Duare (Zadvarje), 
und man erreicht bei einem schon von Fetter gelobten Wirts- 
hause die Strasse, welche von der Strada Maestra hinab iiber 
Brela und Baskavoda nach Makarska fuhrt. Hier macht die Cetina 
ihr grosses Knie aus der Siidost- in die Siidwestrichtung und von 
hier hat man nur mehr einige hundert Schritte flussauf zur 
^Velika Gubavica", wo die ganze Wassermasse der Cetina in 
einigen Absatzen etwa 30 Meter niederstiirzt, so dass bei hohem 
Wasserstande ein weithin schallender Donner entsteht. Die Fels- 
wande beiderseits des Flusses sind hier so prall, dass man nicht 
leicht einen Standort zur vollen Uberschau des Falles gewinnt, 
unterhalb aber erscheint das Flussbett bis zu dem 2 Kilometer 
entfernten kleinen Falle ganz ausserordentlich eingeengt. Im all- 
gemeinen ist beim Anblick dieses Wasserfalles der Contrast zwischen 
dem Steingrau der Felsen und dem Weiss der zerstaubten Wasser- 
masse das Auffallende, ein Contrast, der die Beschauer je nach 
ihrer Sinnesart bald an einen Biesenfacher aus schneeigen 
Federn, bald an die Schleier der Vilen gemahnt und wohl auch 
zu der Sage von der Jungfrau Yeranlassung gab, welche sich, 
um einem tiirkischen Pascha zu entgehen, in die Cetina stiirzte. 

Interessant der IJbersicht der Landschaft wegen ist ein 
Besuch der alten Bergveste Duare, welche die Venetianer zwei- 
mal zerstorten (1646 und 1652) und die Tiirken zweimal wieder 
in Stand setzten, bis sie 1684 durch die Tapferkeit der Morlaken 
endgiltig in die Hande der Venetianer fiel. 

Das alte Gemauer ist nach Petter auch botanisch von 
Interesse. In enormer Menge wuchert namlich da der wilde Fenchel 
(Athamanta verticellata) und in der Nahe findet sich haufig jener 
strauchartige Bohnenklee, welchen V i s i a n i dem Feldzeugmeister 
Freiherrn v. Wei den zu Ehren, Cytisus Weldenii benannte. 



VON ALMISSA NACH MAKARSKA. 375 

Von Almissa nach Makarska. 
(Der Biokovo, 1762 Meter.) 

Siidlich vom Cetinaknie bei Duare erstreckt sich zur Kiiste 
eine Depression, welche das Borakgebirge ostlich begrenzt 
nnd welcher die von der Strada Maestra kommende, nach Ma- 
karska fuhrende Strasse folgt. Wo diese Strasse fast die Kiiste 
erreicht, macht letztere jenes Knie aus der Ost- in die Siidost- 
richtung, welches durch die Bucht vonVrulja 1 gekennzeichnet 
ist, eine Bucht, in welcher bei Scirocco allerlei Meerwallungen 
beobachtet werden, wahrend bei Bora in der Gebirgsliicke hier 
eine bedeutende Verstarkung des AVindes stattfindet. 

In der Verlangerung der Linie Cetinaknie bis Duare- 
Vrulja liegt die Ostspitze der Insel Brazza, urn die der Canale 
della Brazza aus der Ost- fast in die Siidrichtung umbiegt. 
Gegeniiber der Ostkiiste Brazzas erhebt sich die Festlandkiiste 
Dalmatiens zu einer ihrer grossartigsten Gestaltungen, da 
hier iiber einem etwa 2 Kilometer breiten Saume, der nur zu 
300 bis 400 Meter ansteigt, die Biokovokette in prachtvollen 
Mauern ganz unvermittelt aufragt. So ist z. B. zwischen dem Orte 
Bast (408 Meter) und der Kuppe Sv. Hija (1640 Meter) auf 
1650 Meter Horizontaldistanz, eine Verticalerhebung um 1232 Meter, 
zwischen dem Orte Velobrdo (293 Meter) und dem Sv. Juro 
(1762 Meter) auf 3800 Meter wagrechter Entfernung ein Hohen- 
abstand von 1469 Meter vorhanden. 

tiberhaupt liegt der 1300 bis 1400 Meter hohe Rand des 
Biokovo-Hochplateaus durchschnittlich nur 3 Kilometer von der 
Kiiste entfernt und gewahrt dem Meerfahrer jenen bedeutenden 
Anblick, welcher bewirkte, dass der Biokovo friiher als alle 
anderen Hochgebirge Dalmatiens touristischen Besuch erhalten hat. 

Einer der ersten touristischen Ersteiger war der Abbate Fortis, welcher 
unter Anderem bemerkt, der obere aus Breccie und gemeinem, weisslichen 
Kalkstein bestehende Theil des Berges sei von Wald fast ganz entblosst 
und so zerfallen, dass Regengerinne die gangbarsten Fusssteige bilden. Nahe 
dem Hauptgipfel lagen Eisgruben, die zwar Anfangs October kein Eis mehr 
enthielten, aber. in ihren tiefen, mit Seitenasten weit ins Berginnere 
reichenden Kliiften Luft von durchdringender Kalte bargen. 



1 Vrulja = Wirbel, Strudel. 



376 VON SPALATO NACH METKOVld. 

Zu Anfang unseres Jahrhunderts wurde der Biokovo trigonometrisch 
vermessen, von jenem Hauptmann Bosio, der nachmals durch sein Aben- 
teuer auf dem Triglav bekannt wurde. (Er verbrachte auf der Spitze eine 
Gewitternacht.) Wieder ein Menschenalter spater, am 5. Juni 1838, stand 
Konig Friedrich August von Sachsen, der gekronte Freund des Adria- 
gebietes, an den noch heute in Istrien und Dalmatien manche Gedenktafel 
erinnert, auf der Spitze des Biokovo und bewunderte die Fernsiclit, von der 
Fetter wohl zu wenig sagt, wenn er sie bloss tiberraschend nennt. Das 
Panorama reicht im Norden, Osten und Sudosten bis zu den hohen dalma- 
tinischen Grenzgebirgen, im Nordwesten tritt der Mosor schon in Erschei- 
nung, im Westen liegt Brazza, dessen Gebirge ganz verflacht erscheinen, 
wie eine Reliefkarte ausgebreitet, und bildet das Centrum der Meerschau, 
in welclier die fernen Inseln Pomo und Pelagosa wie Maulwurfshitgel auf 
einer abgemahten Wiese aus den Fluten ragen. 

Der kurzeste Weg auf den Biokovo fiihrt von Makarska iiber die Dorfer 
Makar und Velobrdo. Oberhalb des letzteren Dorfes liegt in 636 Meter, 
Seehohe eine Quelle, von welcher sich ein steiler Hirtenpfad in den Fels- 
wanden zum Plateau hinaufwindet, dessen Rand man in 1350 Meter Seehohe 
unfern der Alphiltten Ranova Staja betritt. Es ist der schon im XX. Capitel 
erwahnte Alpeniibergang nach Zagvozd, A^on dessen nordlich fuhrender Route 
man pfadlos gegen Osten abbiegt , wenn man die Haupterhebung des 
Sv. Juro (1762 Meter) ersteigen will. 

Makarska. 

Das ganze Kustengebiet von der Mundung der Cetina bis 
zu jener der Narenta fiihrt seit alter Zeit den Namen Kiisten- 
land schlechtliin (Primorje) ' und zwar nennt man den Theil 
nordlich von Makarska das untere (Donje Primorje), den Theil 
siidlich jener Stadt das obere Primorje (Gornje Primorje). 

Den Mittelpunkt der wohlcultivierten quellenreichen * und 
Dank dem Biokovo-Hintergrunde grossartigen Landschaft bildet 
das Stadtchen Makarska, das 1890 1572 Einwohner zahlte und 
Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichtes und 
eines infulierten Abtes ist. 3 

Die Stadt liegt halbkreisformig im ostlichen Hintergrunde 
einer Bucht, welcher gegen Nordwesten eine kleine Halbinsel 



1 In byzantinischer Zeit Parathalassia. 

2 Auch am Kirchenplatz von Makarska sprudelt ein Quellbrunnen. 

3 Die Gemeinden Makarska (188-75 Quadratkilometer mit 19.309 Ein- 
wohnern) und Gornje Primorje (102-86 Quadratkilometer mit 3811 Ein- 
wohnern) bilden den Gerichtsbezirk Makarska. Ausser ihm umfasst die 
Bezirkshauptmannschaft Makarska noch den Gerichtsbezirk Vrgorac. 



VON MAKARSKA ZUR NARENTAMClNDUNG. 377 

vorgelagert 1st, auf letzterer steht das Kirchlein S. Pietro mit 
sch.6n.er Fernsicht auf die Insel Brazza, sowie iiber Lesiua hin- 
iiber auf die grauen Berggipfel der Halbinsel Sabbioncello ; in 
der Stadt selbst wird man das von dem eroatischen Bildhauer 
Ivan R e n d i 6 geschaffene und vor der Kirche aufgestellte Denk- 
mal besichtigen, welches dem eroatischen Barden Kacic 
gewidmet ist. 1 

Makarska (lateinisch Mucarum) wird von einigen Schrift- 
stellern fiir das Ratanium oder Retina des Plinius gehalten, das 
im Jahre 8 n. Chr. von Germanicus zerstort wurde; andere 
sprechen gar von einer Ansiedlung der Phonicier, welche hieher 
gekommen seien, um Purpurschnecken * zu holen. Geschichtlich 
tritt Makarska und uberhaupt das Gornje Primorje erst im 
X. Jahrhundert hervor, als das Gebiet den seerauberischen 
Narentanern gehorte. Von letzteren kam es an die eroatischen 
und ungarischen Konige, im XIV. Jahrhundert auch voriiber- 
gehend an Bosnien, bis sich in der Zeit von 1499 bis 1646 die 
Tiirken hier festsetzten. Wahrend der Tiirkenzeit war das 1320 
hier errichtete Bisthum sistiert, wurde aber 1698 wiederher- 
gestellt und erst 1830 abermals aufgehoben. In unserem Jahr- 
hunderte litt Makarska besonders durch die Pest von 1818, 
welche ein Drittel der Bevolkerung dahinraffte. 

Die Bewohner von Makarska wie uberhaupt des Primorje 
beschaftigen sich hauptsachlich mit der Oliven- und Weincultur, 
und pflanzen auch viele Feigen-, Mandel- und Weichselbaume. 
Ausserdem sind sie fleissige Fischer und betheiligen sich lebhaft 
am Handel, und hat hier auch die Dampfschiffahrt-Unteruehmung 
Rismondo ihren Sitz. 

Von Makarska zur Narentamiinduntj. 

Von Makarska die Fahrt langs der Kiiste fortsetzend, wird 
der siidwarts gerichtete Blick iinmer mehr von den Contouren 
Lesinas beherrscht, dessen nach Westen lang gestreckte Kiiste 



1 Frater Andrija KaSic, geboren im Dorfe Brist des Gornje Primorje, 
wurde besonders durch seinen schonen Liederkranz ,,Razgovor ugodni naroda 
slovinskoga" bekannt, eine Sammlung sudslavischer Heldenlieder, welche 1759 
in Venedig erschien. 

2 Die Stachelpurpurschnecke Murex brandaris ist an den dalma- 
tinischen Kusten haufig. 



378 VON SPALATO NACH METKOViC. 

fast den ganzen mittaglichen Horizont einnimmt und von den 
grauen Felshohen der Halbinsel Sabbioncello, besonders dem 
machtigen Monte Vipera iiberragt erscheint. 

An der Festlandskiiste reiht sich in dem gesegneten Cultur- 
streifen unter dem Rande des siidlichen Biokovo-Plateaus Ort- 
schaft an Ortschaft, so zunachst Makarska das Dorf Tucepi mit 
seinem Bogumilen-Friedhof, dann Podgora, wo sich seit Marz 
1887 das von zwei hohen Cypressen beschattete Grab des 
croatischen Patrioten und Schriftstellers Mihovio Pavlinovic 
(geboren 28. Janner 1831) befindet, weiter Igrane auf einer 
kleinen Halbinsel und mvogozgje mit dem reizend gelegenen 
Franziskanerkloster Heiligenkreuz, und endlich fast genau in der 
Breite des Ostcap von Lesina, das Kloster von Zaostrog und 
das Dorfchen Brist. 

Zaostrog gehort zu jenen in idyllischer Roihe und inmitten 
reizenden Gelandes gelegenen Franziskanerklostern Dalmatiens, 
wo die Herrlichkeit der Natur beschaulichen Gremuthern reichen 
Ersatz fur den Verzicht auf weltliche Daseinsfreuden bietet ; der 
Freund historisclier Erinnerungen aber findet in Zaostrog iiber- 
dies das Grabmal jenes Frater Kacic, dessen Monument in 
Makarska steht, und dessen Geburtshaus in Brist inmitten eines 
jener Olivenhaine gezeigt wird, welche in dem Primorje so reiches 
Gedeihen finden. 

Noch. einmal entfaltet sich die gesegnete Natur des Kiisten- 
striches bei Gradac; dann treten die wiisten Karstberge ans 
Meer, hinter welchem der See von Bacina liegt und es oifnet 
sich das Kiistengebirgsland zu jener breiten Liicke, zwischen 
deren Kiistenseen und plattebenen Feldern die Narenta, der 
dritte der grossen Fliisse Dalmatiens, ihre braunen Gewasser 
dem Meere zuwalzt. 

Von der Narentamilndung nacli Metkovic. 

Aus der blauen ofFenen See in braunes Fahrwasser gelangt, 
sehen wir links den Damin, der die Bucht Jezero Parila 
zum See abschntirt, und dampfen zwischen Bojen in die der- 
zeitige Narentamiindung ein, d. h. gerathen unversehens zwischen 
die neuen Steindamme, welche seit nun einem Decennium die 



VON DER NARENTAMUNDUNG NACH METKOVIC. 



379 



an Breite dem Wiener Donaucanal etwa gleichkommende Narenta 
einschliessen. Links ein schmalerer, rechts ein breiterer Streifen 
von Schilfrohricht bilden die G-renze gegen den Jezero Parila 
und den Jezero Modric, doch tritt der Canal bald aus dem 
Revier der beiden Kiisteuseen in das Niederland und wir haben 
nnn links einen kahlen Karsthiigelzug, rechts liber dem Schilf- 
wald langs der Narenta jene immense, zum Theil von den Seen 
Modric und Mlaka, Glogocko und Dragaca bedeckte grime 
Niederung, welche bis zu dem schon sichtbaren, am Fusse eines 
von Siiden her vorspringenden Karsthiigels gelegene Fort 
Opus reicht. 




DIE NARENTA (Fahrt nacli Metkovic). 

Vor Komin offnet sich links zwischen dem oberwahnten 
kahlen Karstzuge und der Donja Gora, an deren Fuss sich 
Komin schmiegt, ein von mehreren Dorfern umkranztes Becken, 
dessen Mitte der See von Modrooko einnimmt; rechts sehen wir 
im Herbst uberall braune Schober von Maisstroh auf den Feldern, 
auf welchen zahlreiche geschneitelte Pyramidenpappeln aufstreben. 

Bei der zweiten Hausergruppe von Komin (Komin Gornji) 
gemahnen Feigen- und grosse Olbaume an die geriihmte Frucht- 
barkeit der Narenta-Niederung, die sich jetzt auch wieder links 
des Flusses ausbreitet, da sich dieser von der Donja Gora ab- 
und der Gradina von Fort Opus zuwendet. 

Fort Opus (Opuzen) bildet eine Zeile netter Hauser am siid- 
lichenFlussufer, aus welchem hoch der neue Kirchthurm aufstrebt. 



380 VON SPALATO NACH METKOVIC. 

An der Biva sind Paulownien gepflanzt und ein Obelisk mit 
der Inschrift n lmperante Franc. Joseph." etc. erinnert daran, 
dass im Jahre 1888 jene Epegulierung der Narenta ins Werk 
gesetzt wurde, deren segensreiche Folgen nun mehr und niehr 
hervorzutreten beginnen. 

Von Komin an sind wir fast siidostlich gefahren; nun 
wendet sich das Strombett wieder nordostlich, dem Sudostcap 
des 26 Kilometer langen Bergzuges zu, der von Yrgorac gegen 
die Narenta zieht. Wo er diese erreicht, miindet von links beim 
beriihmten Norino-Thurm der Norinofluss und siidlich thut sich 
hier die weite Ebene Seget auf, in deren nordlichem Hinter- 
grunde am Fuss des Gebirges das Dorf Vid liegt. In dieser 
Ebene dampfen wir nordostlich nach dem 21 Kilometer landein 
an der Narenta gelegenen Metkovic, wo die Dampfer an beiden 
Uferquais anlegen, und die ganze Scenerie einen recht modernen 
Anstrich zeigt. 

Unmittelbar bei der Dampferlande am rechten Ufer liegt 
die Station der hercegovinischen Landesbahn nach Mostar, 
und wandem wir von hier durch eine Allee von Papiermaulbeer- 
baumen ein paar Schritte flussauf, so trefFen wir eine moderne 
neue Eisenbriicke, die nach dem, am linken Ufer des Flusses 
gelegenen Orte hiniiber fiihrt. Letzterer baut sioh an der Nord- 
und Westflanke eines Hiigels auf, welcher auf seinem 115 Meter 
hohen Gripfel die Friedhofcapelle tragt und gegen Siidosten in 
hoheren Karsthiigeln fortsetzt, auf welchen die dalmatinisch- 
hercegovinische Grenze verlauffc. 1 



1 In Metkovic das ganz neue Hotel ,,Austria" und das altere Albei-go 
Europa. 






Xra'ii'&g'ik'^^ 




XXII. Das flapentagebiet. Ausfluge von 
JVIetkovie. 



Einige gescliiclitliclie Reminiscenzen. 

Die bei den alten Schriftstellern Naro oder Narbo genannte Nareiita 
1st nicht nur der breiteste Strom Dalmatiens, sondern auch das einzige 
fliessende Gewasser, urn dessen Ufer die Ktistengebirge gewissermassen aus- 
einanderweichen, so dass eine breite Pforte entsteht, durch welche auch das 
fernere Hinterland mit dem Kiistengebiete in Verbindung treten kann. In- 
folge dessen hat auch die Narenta seit jeher eine weit bedeutendere geschicht- 
liche Rolle gespielt, als die tibrigen Fliisse Dalmatiens. Schon in der Romer- 
zeit bildete sie die Grenze fur den siidlichsten der drei ,,Conventus u , in welche 
Dalmatien zerfiel, im ganzen Mittelalter aber stellte das, den Venetianern 
erst im Karlowitzer Frieden zugefallene Narentagebiet die Grenze zwischen 
dem Machtbereiche von Venedig und Ragusa, und zugleich die nordliche 
Grenze jener Gebiete Dalmatiens dar, in welchen, sofern sie nicht ganz 
unabhangig waren, mehr der Einfluss der Beherrscher der Hinterlande als 
jener TJngarns und Venedigs zum Durchbruch kam. 

Die alteste Geschichte des Narentanischen Gaues war mit jener Naronas 
verkniipft, der Hauptstadt, deren Buinen an Stelle des jetzigen, o'/ 2 Kilo- 
meter nordnordwestlich von Metkovic gelegeuen Dorfes Vid vermuthet 
werden. 

Geht man von Metkovic langs der Mauer, welche einst die Grenze 
zwischen dem venetianischen Dalmatien und der turkischen Hercegovina 
bezeichnete, nordlich, so erreicht man in einer Stunde dieses Dorf und sieht 
hier wie in Salona in den Hausermauern allerlei antike Fragmente einge- 
mauert. Besonders ist dies der Fall mit dem Pfarrhause, welches Don 
BariSa, der 1851 im Alter vonSOJahren verstorbene Seelenhirt des Ortes, 
der alien damaligen Besuchern der Gegend, auch Mommsen, als Original 
bekannt war, selbst erbaut hat. Ausser diesen in die Hauser eingemauerten 
Fragmenten finden sich Reste eines alten, ziemlich umfangreichen Palastes, 
ferner Reste alter Walle und eines auf dem nahen Hiigel bestandenen Castells. 
Es ist aber, wie der verstorbene Musealdirector Glavinic erfuhr, im Bann- 



382 DAS NARENTAGEBIET. AUSFLUGE VON METKOVIC. 

kreis des Dorfes schwer, Grabungen anzustelleii, well schon in geringer 
Tiefe eine solche Menge Wasser aufquillt, dass man seiner nicht mehr Herr 
zu werden vermag. Immerhin wurden zahlreiche Inschriften und Miinzen 
gefunden, welche die einstige Bedeutung Naronas ausser Zweifel setzen. 

Mittelalter und Neuzeit. 

Es wurde schon in dem Abschnitte, welcher von der Ursassigkeit der Croaten 
auf der Balkan-Halbinsel handelt (siehe Seite 67), erwahnt, dass gewichtige 
Autoritaten der Meinung sind, die Croaten und Serben seien schon vor Christi 
in den Hinterlandern der dalmatinischen Ktiste sesshaft geworden. Immerhin 
lassen die Angaben des Constantin Porphyrogenitus schliessen, dass es 
auch mit jenem frischen slavischen Zuzuge seine Richtigkeit habe, welche der 
gekronte byzantinische Historiker ftir die erste Halfte des VII. Jahrhunderts 
ansetzt. (630640 n. Chr.) 

In kurzem Intervalle sollen damals zwei Volkerschaften ihre im heutigen 
Polen und Westrussland gelegene Heimat (Belochorvatia und Beloserbia) ver- 
lassen haben und siidwarts gewandert sein : die Weisschorvaten und Serben, 
von welch en sich die ersten in Sudcroatien, im Nordwesttheile Bosniens 
(spater und noch heute Tiirkisch-Croatien genannt) und in Norddalmatien 
bis Spalato niederliessen, wahrend die Serben Gebiete ostlich und siidlich 
der croatischen Niederlassungen occupierten. ' 

Als die croatische Nationaldynastie erlosch (1102) und nachdem der 
byzantinische Kaiser Basilius II. dem 679 begrimdeten alteren Bulgarenreiche 
ein Ende gemacht hatte, trat die Dynastie der Neman) iden in den Vorder- 
grund. Damals herrschten in den Serbenlandern griechische Statthalter und 
begiinstigten durch ihre Bedriickungen jene nationale Erhebung, welche 
Stefan I., ebenso wie die Kampfe zwischen den Ungarn und Byzantinern 
zu benutzen wusste, um sich, der urspriinglich nur Theilftirst von Raska 
(Rasa) war, 1165 zum Grosszupan der Serben aufzuschwingen. Als solcher 
machte er sich nach dem Tode des byzantinischen Kaisers Manuel (1180) un- 
abhangig. Nach seiner Abdankung im Jahre 1195, hinterliess er seinem Sohne 
Stefan II. eine Monarchie, deren Festigung unter den folgenden Herrschern 2 
solche Fortschritte machte, dass Konig Dusan, der Starke, der 1332 nach 
Verdrangung und Todtung seines Vaters Stefan III. den Thron bestiegen 
hatte, daran denken durfte, einen lange gehegten Plan seiner Vorfahren 
auszufiihren und das byzantinische Reich zu erobern. Thatsachlich drang er 
nach Makedonien und Albanien, ja bis Euboa vor, schloss Byzanz ein und 
zwang 1341 den in Salonichi belagerten Kaiser Andronikus zu einem Frieden, 
welcher das Serbenreich liber weite Gebiete Bulgariens, Makedoniens und 
Albaniens ausbreitete. 



1 Selbstverstandlich fanden im Laufe der Zeit zwischen beiden fast 
identischen. Stammen mannigfaltige Grenzverschiebungen statt. 

2 Stefan II. 11951224, Radoslav 1224, Vladislav 12241237, Uros I. 
12381272, Dragutin 12731275, Milutin (Stefan Uro II.) 12761321, 
Stefan UroS III. (der Blinde) 13211332. 



EINIGE GESCHICHTLICHE REMINISCENZEN. 383 

Eben diese Angriffe Duans auf Byzanz drangten aber 1346 den 
Nachfolger des Andronikus, Kantakuzenos, zu jeiiem Biindnisse mit den 
Osmanen, welches auch der Serbenmacht gefahrlich werden sollte, sobald 
dem starken Duan schwachere Regenten folgten. 

Dusan, der sich auch durch Schaffung seines culturhistorisch wichtigen 
Gesetzbuches ,,Zakonik" verdient gemacht und 1346 den Czarentitel an- 
genommen hatte, starb 1356 auf einem Zuge gegen Byzanz und nun gieng 
die Gewalt zunachst auf den Reichsverweser YukaSin liber, der DuSans 
Sohn Uro IV. am 2. December 1367 zu Nerodimlje ermorden liess. 
Uro IV. war der letzte der Nemanjiden, und nun setzte sich Yukain die 
Kaiserkrone auf, ohne aber den Czarentitel selbst anzunehmen. Auch an- 
erkannten ihn nicht alle Serben, sondern es machten sicli in der Zeta die 
Balsa unabhangig, wahrend im nordlichen Serbien Lazar Grbljanovic die 
Fahne der Opposition aufpflanzte. 

Im Jahre 1371 fiel Vukasin auf der Flucht nach einer gegen die 
Tiirken erlittenen Niederlage und nun wurcle Lazar ,.Knez" von Serbien. 
es begann jene Zeit der letzten Freiheitskampfe der Serben, in welclien auch 
VukaSins Sohn ,,Kraljevie Marko" eine Rolle spielt. In der Schlacht auf dem 
Kosovo Polje (15. Juni 1389) siegten die Tiirken. Lazar iiel und damit hatte 
das altserbische Reich sein Ende. 

Nur das Stammland der altserbischen Herrscher, die Zeta, behielt 
unter den BalSa und, als diese erloschen, unter den Crnojevic seine Unab- 
hangigkeit. Es verier zwar seine ebenen Theile an die Tiirken und die 
Kiistengegenden an die dalmatinischen Stadte, das Gebirge aber blieb, bis 
auf einzelne Zeiten des Einmarsches tiirkischer Heere unabhangig und wurde 
nachmals zur Crnagora, dem ,,Land der schwarzen Berge -i . 

Die Narentaner. 

Von den Serben, die sich in der ersten Halfte des VII. Jahrhunderts 
im Narentagebiete niedergelassen batten, wird berichtet, dass sie am langsten 
unter alien Serbenstammen, namlich bis ins IX. Jahrhundert, der An- 
nahme des Christenthums wiederstrebten. Wohl infolge Vermischung mit 
den Ureinwohnern, die hier schon in der Romerzeit den Seeraub flott be- 
trieben, waren auch die Slaven hier zu unbotmassigen Gesellen und so un- 
erschrockene Piraten geworden, dass selbst Venedig, damit seine Schiffe 
unbehelligt in die Narenta einlaufen konnten, durch 170 Jahre Tribut zahlte. 

Im Jahre 841 hatten sich die Narentaner mit den Sarazenen verbunden 
und erlitten mit ihnen eine Niederlage bei Tarent; 872 aber waren sie 
gleichwohl wieder machtig genug, um sich. von Byzanz unabhangig zu 
machen und Brazza zu erobern ; ja 875 pltinderten sie Grado und Commacchio 
(bei Venedig) und schlugen 887 bei Punt' arnica (unfern Zara) die Venetianer 
in einer Schlacht, in welcher der Doge Pietro Candiano I. sein Leben 
verier. 

Im Jahre 940 befand sich fast ganz Mittel-Dalmatien in Handen der 
Narentaner; sie eroberten Stagno, Lissa und Lastua und nachdem sie sich 



384 DAS NARENTAGEBIET. AUSFLOGE VON METKOVIC. 

969 mit dem deutschen Kaiser Otto I. verbtindet hatten, besiegten sie sogar 
die Sarazenen und vertrieben sie von Monte Gargano. 

Diesem grossten Aufschwunge folgte aber nocb innerhalb eines 
Menschenalters der Fall. Gegen Peter Orseolo II. zogen die Korsaren 997 
den Ktirzeren, und da es dem Dogeii damals gelang, 40 adelige Narentaner 
zu Gefangenen zu machen, musste sich die Piratenrepublik zu einem Frieden 
verstehen, welcher Venedig von der Tributzahlung befreite und der Be- 
deutung der ,,Neretva" ein Ende machte. Doch erhielt sich diese unabhangig 
und kam erst nach dem Falle Bosniens an die Tiirken, welche sich hier 
bis zum Ende des XVII. Jahrhunderts auch im Ktistengebiete behaupteten. 

Eine ihrer Hauptfestungeh in dem Gebiete war der an der (alten) 
Mtindung des Norinoflusses in die Narenta stehende Norino-Thurm, der 
1685 vorubergehend, 1687 aber definitiv von den Venetianern erobert wurde 
und auch in den Kriegsjahren 1813/14 der letzte Punkt war, welcher Wider- 
stand leistete. 

Naturhistorisches. 

Petter vergleicht die Narenta-Niederung mit dem Nil-Delta, mit 
welchem sie in der That die niedere Lage nahe dem Meer, die alljahrlicheii 
Uberschwemmungen und einen solchen Grad der Fruchtbarkeit gemein hat, 
dass Petter meinte, nirgends sonst in Dalmatien so grosse Maulbeer-, 
Feigen- und Granatapfelbaurne gesehen zu haben. 

Die durch die Uberschwemmungen erzeugten Sumpfe haben die 
Narentagegenden seinerzeit in den Ruf von Fiebergegenden gebracht, so 
dass man sie die ,,von Gott vernuchte Narenta" (Neretva je od Boga pro- 
kleta) nannte. Schon Petter citiert indessen eine Statistik, wonach 1843 
im Narentadistrict 11 Menschen im Alter von 90 bis 100 Jahren lebten und 
fiihrt Falle an, in welchen rationell lebende Menschen sich selbst im Sommer 
ohne jeden Schaden acclimatisierten. In der Folge wurden die Verhaltnisse 
durch die zunehmende Weincultur und die Narenta-Eegulierung wesentlich 
gebessert und sind erst einmal die Sumpfe vollstandig ausgetrocknet und 
die gesammten Niederungen, welche einen Flachenraum von 12.000 Hektar 
bedecken, der Cultur wiedergegeben, so wird das Narentagebiet wohl eines 
der gesegnetsten Gebiete Dalmatiens und die Fruchtkammer des Landes sein. 

In den trockengelegten Partien der Niederung werden gegenwartig 
ausser Fruchtbaumen und Weinstocken, welche sich durch die kananitische 
Grosse ihrer Trauben auszeichnen, alle Cerealien gebaut, voran Mais und 
Moorhirse ; einen grossen Theil des Terrains aber nehmen noch die Kiisten- 
seen oder Sumpfe ein, in welchen die Narentaner ebenso wie im nahen 
Meer einen ergiebigen Fischfang betreiben. Schon Cato d. A. nannte die 
Narenta einen Magnum amnem pisculentum und noch heute werden hier 
alle Arteii wertvoller Seefische gefangen, wie die Oraden, Branziiii, Cievoli, 
Barben u. a. Die Lachsforellen oder Salmonen (Trutte) erreichen bis 
20 Kilo Gewicht und werden theils gerauchert, theils eingesalzen, theils 
an der Luft getrocknet. Beriihmt sind die fetten Narenta-Aale, die be- 



NATURHISTORISCHES. 



385 



senders vom October bis Janner gefangen werden, und die Narenta-Krebse ; in 
den Siimpfen aber komint noch immer der Blutegel vor, der (zu medicinischer 
Verwendung) einfach in der Weise gefangen wird, dass sich die Leute mit 
nackten Beinen in den Sumpf stellon und warten, bis die Thiere anbeissen. 
In den Wassercanalen zwiscben den Rohrichten verkehren die Narentaner 
theils mit ,,Zoppoli", theils mit kleinen Booten VOR 18 bis 20 Fuss Lange, 
welche aus diinnen Brettern so gezimmert sind, dass sie sich nach unten 
wie ein halbaufgeschlagenes Buch verengen und keinen flachen Boden dar- 
bieten. Diese ,,Trupina" genannten Boote sind so leicht, dass sie der 
Narentaner, wenn er an das Ende eines Sumpfcanals kommt, ohneweiters 
auf die Schulter nimmt und zu einem nachsten Gewasser tragt. Auf ihnen 
befb'rdert man Heu. Getreide und Schilf, wie anderwiirts auf Leiterwagen, 




METKOVIC. 



sie dienen aber auch der Jagd auf die "Wasservogel, welche in den Narenta- 
Rohrichten besonders in den Monaten Janner bis Marz von ausserordent- 
licher Ergiebigkeit und zugleich von hohem Interesse fur den Ornithologen 
ist. Da gibt es noch Adler und weisskopfige Geier, da kommen Pelikane, 
wilde Schwane und Reiher vor, deren Federn hochgeschatzt sind, da 
wimmelt es von Mo'ven, Rohrhuhnern und Moosschnepfen und besonders 
von Wildgansen und Wildenten, welch' letztere man oft in interessantem 
Kampfe mit den Falken beobachten kann. Die Ente schliigt namlich so 
kraftig mit den Fliigeln um sich, dass das Wasser rings aufgepeitscht wird 
und der Falke, durch die Bespritzung erschveckt, von seinem Opfer lasst, 
um mit leeren Fangen davonzufliegen. 

Wer sich langer im Narentagebiete aufhalt, wird hier leicht einen der 
rechtschaffenen, freundlichen und gutmilthigen Bewohner als Begleiter in die 



Ftihrer durch Dalmatien. 



IB 



386 DAS NARENTAGEBIET. AUSFLUGE VON METKOVIC. 

Rohrichte gewinnen, und ob er nun ana Fischfang oder an der Vogeljagd 
oder am Aufsammeln von Pflanzen 1 Gefallen findet, von den interessanten 
Excursionen, die sich nach alien Blchtungen darbieten, sehr befriedigt sein. 
Sucht man dagegen nur landschaftliche Abweclislung, so unternehme man 
eine der folgenden Excursionen oder spaziere, falls man nur die Zeit 
zwischen der Ankunft des Schiffes und dem Abgange der Bahn frei hat, 
wenigstens auf den Huge!, auf dem sich die Friedhofkirche von Metkovic 
befindet. 

Der Hugel von Metkovic. 2 

Wandert man von der Bahnstation Metkovic iiber die Eisenbriicke, 
so kommt man auf den Platz, wo die beiden Hotels stehen und weiter zur 
Kirche, hinter welcher es bergauf zur Friedhofcapelle geht. Hier bietet 
sich ein interessanter Uberblick tiber einen betrachtlichen Theil der Narenta- 
Niederung. 

Am nordlichen Ufer ist die sich hier ausbreitende grosse Flache ganz 
griin und zeigt nur mehr eine nasse Stelle und einen alten Flussarm. 
Kleine Hiigel, von welchen an Stelle des alten Narona das Dorfchen Vid 
winkt, bezeichnen die Nordgrenze der Niederung; aus diesen Hugeln kommt 
der Norinofluss und wendet sich gegen Westen, wo entlang dem Abfall der 
Babina Gomila (735 Meter) der Maticabach fliesst und in den Norinofluss 
miindet, worauf sich dieser unfern des Thurmes von Norino in die Narenta 
ergiesst. Der Thurm bezeichnet die sudwestliche Himmelsrichtung und 
leitet den Blick auf das siidliche Narenta-Ufer, wo man noch die Win- 
dungen des alten Flussbettes zur Seite des neuen und grossere Sumpf- 
stellen sieht. Im Osten nimmt man das an ein Karsthiigelchen geschmiegte 
und ganz in Griin gebettete Gabela aus, die erste hercegovinische Eisen- 
bahnstation. 

Wo die Narenta aus der Slid- in die Westrichtung abbiegt und zugleich 
das canonartige breite Thai, in das sie schon vor Mostar eingetreten ist, 
verlasst, um ihren Lauf in die Niederung fortzusetzen, nimmt sie noch 
oberhalb Gabela zwei Nebenflilsse auf, und zwar den von Nordwesten aus 
der Gegend von Ljubuski kommenden Trebizat und die in einen ahn- 
lichen Canon wie die Narenta selbst eingerissene Bregava, die von Osten 
zustromt. 



1 Um den Ort Fort-Opus, der an der Stelle der aufgelassenen vene- 
tianischen Festungswerke entstand, findet man nach Fetters: Tamarix 
africana, Glicirrhiza echinata, Chenopodium ambrosioides, Sita Abutilon, 
Artemisia Narenitana. Die Siimpfe sind uberall von den gelben und weissen 
Bliiten der Nymphaea lutea bedeckt. 

2 Metkovic hatte 1890 1334 Einwohner. Es ist Sitz der aus einem 
Gerichtsbezirk bestehenden Bezirkshauptmannschaft gleichen Namens, welche 
nur zwei Gemeinden umfasst: Fort. -Opus (Opuzen) mit 240'31 Quadratkilo- 
meter und 7939 Einwohnern und Metkovic mit 140-80 Quadratkilometer und 
4198 Einwohnern. 



VON METKOVIC NACH VRGORAC. 387 



Von Metkovic nach Vrgorac. 1 

Vom Norinothurm 2 fiihrt, dem Lauf des oberwahnten Norinoflusses 
und welter von Dorf Komic an dem Maticabach entlaiig eine Strasse, 
welche sich bis Dorf Vriostica am Ostabhange des Babina Gomila-Gebirges 
zur Narenta-Ebene von Metkovic halt und dann ins Gebirge tritt. 

Dieses Gebirge nordlich der Narenta bis zu den Orten Vrgorac und 
Ljubuski ist unter anderem dadurch interessant, dass innerhalb seiner 
Grenzen gleichsam als Vorlaufer der grossen Jsarenta-Niederung eine 
Reihe von Poljen auftritt, welche zumeist von AVinterseen erfiillt sind und 
ziemlich merkwiirdige orographische Verhaltnisse aufweisen. 

Auch im Gebirge halt sich die zum Theil in Fels gesprengte Strasse 
stets am Osthange des von der Narenta bis Vrgorac streichendeii Gebirgs- 
zuges, ersteigt zunachst eine Hohe von 109 Meter, senkt sich dann in eine 
kleine ,,Jezero" genannte Ebene, und erhebt sich dann abermals zu 200 Meter, 
jetzt gegen Osten iiber niedrigeres, zum Theil gut bebautes Karstland einen 
schonen Blick auf Ljubuski erschliessend und zugleich bis zum Dorfe Dusina 
die dalmatinisch-hercegovinische Grenze bildeud. 

Dorf Dusina liegt auf einer Sattelhohe (Prolog) des erwahnten Gebirgs- 
zuges und leicht erreicht man hier einen Aussichtspunkt, wo der Blick 
nordlich die Ebene Eaztok und die bis Ljubuski reichende Ebene des Mlade- 
flusses, sildlich dagegen das grosse Polje der Matica (Jezero) umfasst. Im 
Winter dehnen sich hier weite Seen, von welchen besonders der des Matica- 
Polje durch seine vom Gebirge rings vorgeschobenen Karstinseln eine cha- 
rakteristische Scenerie darbietet. Auch hier ist fiir den Naturfreund und 
Jagdliebhaber ein reiches Feld ; 3 der Historiker aber wird sich dem wie 
ein Adlernest an den Abhang eines zuckerhutformigeii Berges hingeklebten 
Orte Vrgorac zuwenden, der trotz seiner Kleinheit manche interessante 
Reminiscenz an die Zeit der Tiirkenkampfe bewahrt, in welcher sich die 
Geschichte des Ortes zum Theil mit jener des Klosters Zaostrog verwob. 

Nach dem nur 10 Kilometer entfernten an der Kiiste gelegenen Kloster 
hatte sich Ende des XVII. Jahrhunderts der Montenegriner Rade Miletic 
zuriickgezogen, der hier zum Katholicismus libertrat. Da ereignete es sich, 
dass die Tiirken Zaostrog iiberfielen und nun vertauschte Miletic das 
Crucifix mit dem Schwerte und vertrieb die Tiirken nicht bloss aus Zaostrog, 
sondern zog auch gegen Vrgorac, um es vom Halbmond zu befreien. Von 
seinen Thaten kiindet der dem ,,Magnificus heros" in der Kirche zu Vrgorac 
gesetzte Denkstein, welcher besagt, dass Miletic wahrend seiner Erden- 
laufbahn (1667 1737) nicht weniger als 99 Tiirkenkopfe abgeschlagen habe. 



1 Circa 35 Kilometer. Der Gerichtsbezirk Vrgorac besteht aus einer 
Gemeinde von 241-11 Quadratkilometer mit 9091 Einwohnern. Der Ort 
selbst hat 776 Einwohner. 

* 4Y 2 Kilometer siidwestlich von Metkovic. 

3 Besonders die Jagd auf Wildeuten soil ergiebig sein. 

25 



388 DAS NARENTAGEBIET. AUSFLUGE VON METKOVld- 

Andere Erinnerungen, die Vrgorac an die Tiirkenzeit bewahrt, sind 
die Festungsruinen oberhalb der Stadt und das Aussehen seiner Hauser, 
welche noch 1861 eine, seither zerstorte Moschee mit Minaret einschlossen. 

Auch von der Burgruine Vrgorac hat man einen schonen Blick aul 
die oberwahnten grossen Poljen, welche besonders seit den Regulierungen, 
welche die osterreichische und turkische Eegierung 1830 vornehmen liessen, 
fruchtbare Ackergelande bilden. Doch dienen einzelne Gebiete zur Zeit der 
Winteriiberschwemmungen als Fischgriinde und werden dann namentlich 
Aale gefangen. Auch erhalten sich von Quellen genahrte Wassergraben selbst 
Sommers tiber. 

Von Vrgorac gieng im Jahre 1716 die Expedition des venetianischen 
Generals Semitecolo aus, der unter Beihilfe der Vrgorcaner Ubolo und 
Stolac in der Hercegovina eroberte und ebenso war Vrgorac 1878 Stiitz- 
punkt des Generals Jovanovic fur den Zug nach Mostar. 

Die Cultur der Gelande um Vrgorac erfuhr schon im vorigen Jahr- 
hundert manche Forderung, theils durch den Provveditore Mocenigo, der 1719 
4000 Joch Griinde an die fleissige Gebirgsbevolkerung vertheilte, theils durch 
den 1768 hier verstorbenen Conte Peter Cambio. Neuestens untersttitzt die 
Regierung den Tabakbau und hat in Vrgorac vier Magazine angelegt, in 
welchen die Aufbewahrung der Tabake mit grosser Sorgfalt erfolgt. 

Nahe bei Vrgorac, am Gehange des Berges Radon jic", befinden sich 
Asphaltgruben, welche neuestens in den Besitz der Firma L. Konig & Sohn 
in Wien tibergiengen, die einige Fabriken errichten liess. 

Von Metkovic nach Ljubuski. 1 

Ehe die oberwahnte Strasse nach Vrgorac das Dorf Dusina erreicht, 
zweigt gegen Osten ein Fahrweg nach Ljubuski ab, doch beniitzt man, um 
diesem interessanten hercegovinischen Stadtchen einen Besuch abzustatten, 
besser die Carriolpost, welche von Station Capljina der Eisenbahn Metkovic- 
Mostar abgeht. 

Die Fahrt, die sich anfangs im Thai des Trebizat bewegt, bietet kein 
sonderliches Interesse, da das sterile Karstterrain nur sparlich von Wiesen 
und einzelnen Buschwaldparcellen durchsetzt erscheint. Das auf felsiger 
Berghohe gelegene weithinschauende Ljubuski dagegen diirfte fur manchen, 
der in seine Dalmatientour einen wenig Zeitaufwand erfordernden Abstecher 
nach einem ,,tiirkischen" Landstadtchen einzufugen wiinscht, ein nicht un- 
interessantes Ziel bieten. Weit mehr als die Halfte der 3500 Bewohner 
Ljubuskis sind namlich Mohamedaner und man findet daher in dem Stadtchen 
nicht nur eine grosse Anzahl von Moscheen mit Minareten, sondern im 
turkischen Stadttheil auch jene typischen Holzhutten, in welchen Ver- 
kauf und Gewerbe coram publico betrieben werden. Die hier oft recht 
hiibschen Madchen begegnet man in einer Tracht, zu welcher Fez, ein zier- 



1 Postfahrt 17 ] / 2 Kilometer fur 1 fl. 



VON METKOVIC NACH GABELA UNO MOSTAR. 



389 



liches Jackchen, weite Beinkleider aus blauer Seide und rothe Pantoffeln 
gehoren ; sie bilden das poetische Element in der Stadtphysiognomie, wahrend 
das nuchterne von den neuen Staatsgebauden gestellt wird, unter welchen 
wie Uberall in der Hercegovina besonders die Kasernen und Tabakmagazine 
auffallen. 

Die Burg von LjubuSki soil Herzog Stefan als Denkmal der Liebe 
(Ljuba) zu seiner Gemahlin erbaut haben und die Stadtbewohner nennen den 
Thurm noch heute Ercegusa i Herzogin). 




MOSTAR (die alte Briicke). 



Von Metkovic nach Gabela und Mostar. 

Zehn Minuten nach der Abfahrt von Metkovic halt die Staatsbahn bei 
der nur 4 Kilometer entfernten ersten hercegovinischen Station Gabela, 
einem Dorfe, das nur durch seine alte venetianische Festung bemerkens- 
und besuchenswert ist. Auch sie liegt zwar, mit Ausnahme der Haupt- 
mauer, in Ruinen und nur ein vom Zahne der Zeit arg benagter vene- 
tianischer Lowe erinnert mehr daran, dass S. Marco hier einst einen wichtigen 
militarischen Stutzpunkt hatte. Die Aussicht von dem Festungshiigel, welchem 
am siidlichen Narenta-Ufer zwei ahnliche Euinen bei DraCevo gegenuber- 
liegen, ist aber eine sehr interessante, <la sie sich weit nach Osten, Norden 



1 Metkovic Mostar, hercegovinische Staatsbahn, 43 Kilometer 
l s / 4 Stunden, f'iir I. Clause 1 fl. 72 kr., II. Classe 1 fl. 29 kr. 



390 DAS NARENTAQEBIET. AUSFLUGE VON METKOVlG. 

und Westen erstreckt und die ganze Osthalfte der Narenta-Niederung 
umfasst. * 

TJnter den iolgenden Stationen 1st besonders Pocitelj interessant, ein 
am 6'stlichen Narenta-Ufer gelegenes Stadtchen, das mit Recht als Analogon 
zu gewissen altspanischen und syrischen Orten bezeichnet wird. Denn von 
zinnengekronten Ringmauern und Thurmen umgurtet, ,,nistet es in einer 
tiefen steil abfallenden Felsmulde, wie in einer vertical durchsagten Schale 
und bietet den typischen Anblick eines echten altturkischen Rauber- und 
Korsarennestes". Besonders auffallend ist in dem Orte die von einer machtigen 
Cypresse flankierte Kuppel-Moschee, die einen guten Vorgeschmack von den 
Moscheen Mostars gibt. 

M os tar, die 12.700 Einwohner zahlende Hauptstadt der Hercegovina, 
wird von manchen Historikern fiir romischen Ursprungs gehalten, oder 
seiner Entstehung nacb wenigstens in das friihe Mittelalter gesetzt. Auf 
dem Hum, einem der zwei Berge, zwischen welchen sich die Stadt eine 
Stunde lang laiigs der Narenta hinzieht, steben namlich die Ruinen einer 
ausgedehnten Burg, welche man fiir identiscb mit der von Constantin 
Porphyrogenitus erwahnteu Burg Chlum der Zacblumer bait. Spater 
hiess die Stadt die Briickenstadt und gelangte zur Blute, als 1513 nach der 
Invasion der Tilrken der friihere Hauptort Blagaj verfiel und Mostar an 
seine Stelle trat. Eben aus jener ersten tiirkiscben Zeit datiert auch die 
falschlich den Romern (Trajan) zugeschiebene Narenta-Briicke, welcbe zur 
Zeit die Hauptmerkwiirdigkeit Mostars bildet. 

Die Briicke ilberspannt den bier 38'/2 Meter breiten und in wild- 
zerkliiftetem Felsbette dahiiirauschenden Strom in einem einzigen Bogen 
von 27'/2 Meter Spannweite, dessen Scbeitelpunkt 19 Meter liber dem 
Wasserspiegel liegt. Wie die Inschrift des Scblusssteines (Kudret Kemeri, 
d. b. ,,Bogen der gottlichen Macht") und die Jabreszahl 974 der Hedscbra 
(1566) dartbut, ist die Briicke ein Werk des tiirkischen Zeitalters und riihrt 
wahrscheinlicb von istro-dalmatinischen Baumeistern her. Die viergescbossigen 
Bruckenthurme, vom Volk ,,Grad" genannt, wurden frilher theils zu schweren 
Kerkern, tbeils zu Pulvermagazinen beniitzt. Von dem einen Thurm gebt 
es steil empor zur Briickenmitte und dann zu dem andern Thurm ebenso 
steil hinab, eine hochinteressante Passage, an welcbe* sich am recbten Fluss- 
ufer die Bazare anschliessen. (Hier auch ein Bach mit Wasserfallen, Miihle 
und einer ahnlich gebauten kleineren Briicke.) Der Fremde hat hier so recht 
Gelegenheit, einen Blick in das orientalische Leben zu tbun. Ihm werden 
nicbt nur die fremde tiirkische Arcbitektur mit den offenen Kaufladen, die 
Moscheen mit den von Cypressen beschatteten Grabern auffallen, sondern 
aucb die schonen Gestalten der Menschen und die verschiedenartigen oft 
seltsam erscheineuden Costume, iiarnentlich jene der tiirkischen Frauen. 
Jeder Blick des Fremden fallt auf etwas ihm Neues und er wird nicbt miide, 



1 Bei Gabela miindet von Siidosten her in die Narenta, die aus dem 
Deransko-See kommende Krupa, welche das versumpfte Gebiet der Narenta- 
Niederung durchstromt. 



DIE GUSLAREN. 391 

in den Strassen Mostars zu wandern und zu schauen. Am linken Ufer steigt 
man an tiirkischen Moscheen und FriedhSfen voriiber zur Hohenstrasse 
Majolnia Cumurina, in welcher man manchen Garten mit Granaten-, Feigen- 
baumen u. dgl. bemerkt. Hier hat man einen schonen Uberblick iiber Mostar 
gegen Westen, auf die Minarete und die alten grauen Dacher der tiirkischen 
Hauser, aus welchen die rotheii Blechdacher der seit der Occupation ent- 
standenen neuen Gebaude hervorstechen. 

Noch deutlicher tritt der Contrast zwischen den Resten des Einst und 
dem Jetzt, zwischen den ruinenhaften, der Strasse fensterlose Fronten 
zukehrenden alten Hausern und den Neugebaudeii in der Hauptstrasse von 
Mostar hervor, in welcher sich auch die alteren Hotels befinden, wahrend 
das neue grosse Narenta-Hotel am linken Flussufer nahe der Bahii liegt. 

* 

Der Ausflug nach Mostar ist besonders Reisenden, welche den Orient 
noch nicht kennen, sehr zu empfehlen. Wiinscht man dann weiter Touren 
in Bosnien und der Hercegovina zu unternehmen, und etwa die, auch als 
Gebirgsbahn interessante Strecke Mos tar-Sarajevo zu befahren, 1 so schafte 
man sich den sehr zuverlassigen illustrierten Fiihrer ,,Reiserouten in Bosnien 
und Hercegovina" oder Renner's schemes Buch ,,Durch Bosnien und die 
Hercegovina" an. 2 

Die Guslaren. 

Noch mehr als im nordlichen, wird der Reisende im siidlichen Dal- 
matien, wenn er unter das Volk geht, Gelegenheit haben, mit den ,,Guslari" 
Bekanntschaft zu machen, der siidslavischen Abart der Bankelsanger, die 
von Dorf zu Dorf, von Schenke zu Schenke ziehen, um fiir die Almosen, 
die ihnen, als meist blinden oder sonst gebresthaften Leu ten, gegeben werden, 
von den alten Zeiten zu singen xind zu sagen und ihre Recitationen mit 
der Gusla zu begleiten. Natiirlich sind diese blinden Alten weder was Vor- 
trag noch Stimme betrifft Meister ersten Ranges und man darf, was die 
Gusla vermag, so wenig nach ihren Leistungen beurtheilen, als man die 
Vollkommenheit der Geige oder Harfe nach den Tonen beurtheilt, welche etwa 
die Wiener Bankelsanger und Harfenisten diesen Instrumenten entlocken, 

Gewohnlich 3 sind die bauerlichen Guslari auch die Verfertiger ihrer 
Guslen und man findet daher nur selten gut hergestellte Instrumente. Die 
guten kosten trotz ihrer Einfachheit 15 bis 25 fl., ja in einzelnen Fallen, 
wenn reich verziert, werden sie sogar mit 120 fl. bewertet. Erst in neuester 
Zeit befassen sich auch die Instrumentenmacher mit der Verfertigung des 



1 Mostar bis Sarajevo 135 Kilometer in 8 3 / 4 Stunden, fiir I. Classe 5 fl. 
40 kr., II. Classe 4 fl. 8 kr. 

2 Ersteres Werk erschien 1895 in vierter Auflage bei Hartleben in 
Wien, letzteres in zweiter Auflage 1897 bei Dietrich Reimer in Berlin. 

3 Diese Mittheilungen (nebst manchen anderen) verdankt der Verfasser 
des vorliegenden Buches der Freundlichkeit des Herrn M. Sardelic. 



392 DAS NARENTAGEBIET. AUSFLIJGE VON METKOVIC. 

Lieblingsinstruments der Siidslaven, welches aus trockenem Ahorn (javor, 
deshalb javorove gusle) hergestellt wird. Bei der Fabrikatioii sind die 
Dimensionen und die Qualitat des Fischlederdeckels fur den Ton ungemein 
wichtig. Bekanntlich hat die Gusla in der Eegel nur eine Saite, welche 
annahernd die Klangfarbe einer tiefen Violasaite ergeben soil. Gewdhnlich 
ist die Safte in C (seltener in G) gestimmt, und ihr Umfang der einer 
Octave mit alien Halbtonen (also eine chromatische Leiter). Hat die Gusla 
zwei Saiten, so muss die von ihr begleitete Singstimme den dritten Ton 
halten bald Terz, bald Quinte was nur von wenigen Guslaren getroffen 
wird und noch am ehesten von den gebildeten Siidslaven, welche dem Gusla- 
spiel oft nicht minder als das Volk selbst zugethan sind. 

TJnzertrennlich sind bei diesem Spiel Text und Musik. Ausgenommen 
die Schlusssilben, hat jede Silbe nur einen Ton und es kommt nicht vor, 
dass eine Silbe, wie etwa im Deutschen die Silben des Wortes Lie-be in 
alien moglichen Tonen gesungen wird. Auch ist zu beachten, dass die 
Melodien gewohnlich wie bei der altgriechischen Musik - - mit der 
Dominante, also mit dem fiinften Ton einer Octave schliessen, dass die 
ubermassige Secunde hervortritt und dass das Eecitativ die grosste Eolle 
spielt, wahrend Andante, Larghetto u. s. w. bei der Gusla unmoglich sind. 
Wichtig sind endlich beim Guslaspiel die Intervalle, hinsichtlich deren 
Bedeutung fur die Musik hier aber auf Helmholtz (,,Die Lehre der Ton- 
empfindungen", pag. 501) verwiesen werden muss. 

Dass bei den Siidslaven Gebildete wie Ungebildete leidenschaftlich dem 
Guslaspiel zugethan sind, erklart sich tibrigens nicht aus der Natur des 
Instruments allein, sondern noch mehr daraus, dass die dazu gesungenen 
Lieder eben die Nationallieder der Stidslaven siiid, in welchen ein gut Theil 
der lOOOjahrigen Geschichte des Volkes fortlebt. 

Merkwiirdigerweise kniipfen diese Lieder nicht sowohl an die Glanz- 
periode des serbischen Eeiches unter Dusan, als an die Zeit des Nieder- 
ganges im Kampfe gegen die Tiirken an. Eine Lieblingsgestalt der Volks- 
muse ist ausser Lazar (siehe Seite 383) besonders der Konigssohn Marko 
(Marko Kraljevic), obschon dieser in den letzten Jahren seines abenteuer- 
reichen Lebens in Diensten des Sultans kampfte. Speciell in den von diesem 
Konigssohn handelnden Liedern tritt die Bauheit der mittelalterlichen Sitten 
und die Freude am physischen Kampf mit ungebandigter Leidenschaft hervor ; 
sie bilden eine wahre siidslavische Ilias, und zugleich das Hohe Lied der 
Trinklust, ja was das Merkwiirdigste ist in diesen Liedern tritt trotz 
der Schwermuth, die man sonst den Siidslaven nachsagt, ein nicht unbe- 
trachtliches Gefallen an Humor zutage. Man kann nicht glauben, dass selbst 
die Bauern, denen die Lieder vorgetragen werden, es einfach fiir bare 
Miinze nehmen, dass Marko Kraljevic allein mit 300 Feinden kampfte, die 
er nur so ,,hinlegte" oder in die Flucht jagte. Vielmehr ist da ein gewisses 
Gefallen an Miinchhauseniaden vorhanden, eine humorvolle Unterstimmung 
als Begleiterin des Behagens, mit welchem das Volk der Erzahlung von den 
Thaten seiner Helden lauscht. 



DIE GUSLAREN. 393 

Von diesem humoristischen Zuge in den Marko-Liedern moge folgender 
nach der Version bei Dr. J. N. Vogl mitgetheilte Gesang einen Begriff geben. 

Der Acker des Marko Kraljevic. 

Trinket Wein der konigliche Marko, 

Mit der alien Mutter Eufrosina. 

Als er satt am Weine sich getrunken, 

Spricht die alte Mutter zu dem Marko : 

,,Lass doch endlich von den steten Kampfen, 

Dauernd Gutes bringt Dir nicht das Schlimme. 

Schwer schon wirds fiir Deine alte Mutter, 

Immer blut'ge Kleider nur zu waschen. 

Lieber nimm' zur Hand den Pflug von Eisen, 

Berge so wie Thaler zu beackern, 

Zu ernahren Dich und Deine Mutter." 

War geborsam Marko seiner Mutter, 
Nahm zur Hand darauf den Pflug von Eisen, 
Ackert aber weder Berg nocb Thaler, 
Sondern ackert auf des Kaisers Strassen. 

Kamen da herbei die Janitscharen, 
Fuhren Lasten mit von reichen Schatzen, 
Sprachen also zu dem starken Marko: 
,,Weshalb ackerst Du des Kaisers Strassen?" 
Spricht darauf der Marko zu den Turken: 
,,Tretet Turken, nicht in meinen Acker!" 

Sprachen da die Turken zu dem Marko : 
,,Pfliige ja nicht mehr des Kaisers Strassen!" 
Spricht hierauf der Marko zu den Turken: 
,,Trete ja mir keiner in den Acker!" 

Schon zu lange wahrte es dem Marko, 
Hob die Ochsen sammt dem Pflug von Eisen, 
Und erschlug dauiit die Janitscharen, 
Nimmt hinweg die mitgefuhrten Schatze, 
Bringt nachhause sie zu seiner Mutter, 
,,Mutter, sieh', das hab' ich heut' erackert!" 




XXIII. Die mitteldalmatinisehen Inseln. 



Die Jnseln Klein- und Gross-Zirona siidlich der Punta Planka bilden 
den Ubergang von der Sebenzaner Gruppe des Zaratiner Archipels zu den 
mitteldalmatinisehen Eilanden, welche einen in mehrfacher Hinsicht anderen 
Inseltypus darstellen. Herrscht im norddalmatinischen Archipel die Auflosung 
in hunderte kleiner Scoglien und die Nordwest-Erstreckung der Inselgebirge 
und -Thaler vor, so bilden die mitteldalmatinisehen Inseln eigentlich nur 
sechs von relativ wenigen Scoglien umgebene, aber dafiir umfangreiche 
Inselkorper, die sich durchgangig von Osten nach Westen erstrecken und 
theilweise jenen grossen Abbruch des dalmatinischen Festlandes ins Meer 
ausfuDen, den die Kiisteneinknickung zwischen der Punta Planka und 
Almissa (beziehungsweise der Vruljabucht) andeutet. Die norddalmatinischen 
Inseln, so sudlich ihr azurner Himmel, und ihre vom blauen Meer um- 
gebenen Wein- und Olivengestade anmuthen, haben zu Nachbarn im Norden 
die vom winterkalten 6'stlichen Alpenbogen umgebenen Gelande des Quar- 
nero; die mitteldalmatinisehen Inseln dagegen werden im Norden von 
der selbst schon warmeren mittleren Adria umspult, und die Bora 
erscheint sowohl durch die siidlichere Lage als dadurch abgeschwacht, 
dass sie aus einem beschrankteren Abschnitte des Horizonts weht. Bei 
sonst gleicher Bodenbeschaffenheit vorwiegend quellenarmer Karstkalk - 
weisen daher die mitteldalmatinisehen Inseln ,,volleren Siidenzauber" auf, 
als ihre zaratinischen Nachbarn, und nicht nur in den Temperaturen ob- 
waltet ein merklicher TJnterschied Janner in Zara 6'4 Grad, in Lissa 
dagegen 9-8 Grad, fast wie in Corfu! sondern auch die Mediterran- 
vegetation ist iippiger, wie sich u. A. daraus ergibt, dass der indische 
Feigencactus von hier ab in grossen, fruchttragenden Exemplaren gedeiht. 
Ausser den beiden Zirona und der bei Trau behandelten Bua ge- 
horen zur mitteldalmatinisehen Inselflur das Inselpaar Solta und Brazza 
(Nordgruppe), Lesina mit den Spalmadoren und Torcola (nordliche Mittel- 
gruppe), Lissa mit Busi, S. Andrea und Porno (Sildwestgruppe), Curzola 



SOLTA. 



395 



mit seinen Scoglien (siidliche Mittelgruppe) und Lagosta mit den Lagostini 
im Osten, den Scoglien Cazziol und Cazza im Westen (Siidgruppe). Diesen 
vier Gruppen schliesst sich als filnfte die der siidwestlich von Lagosta ganz 
isoliert im Meer liegenden Scoglien Cajola und Pelagosa an. 1 

Solta (Solta). 

Die Trau vorgelagerte Insel Bua im Norden, Gross-Zirona im Westen 
und Solta im Siiden umschliessen das Westbecken des Canals von Spalafo 
und von der Spalatiner Eiva ist die nur 15 Kilometer entfernte Kiiste 
Soltas deutlicli wahrzunehmen. 







TRABAKEL. 



1 Zur Orientierung ohne Karte merke man sich : Solta und Brazza liegen 
unmittelbar siidlich von Spalato in der Breite Almissa-Makarska ; siidlich 
folgt Lesina (Breite Gradac-Vrgorac), dann die Lissagruppe, weit westlich 
hinausgeschoben in der Breite der Narentamiindung ; weiters Curzola als 
westliche Nachbarin der Halbinsel Sabbioncello : und endlich die Lagosta- 
Gruppe siidlich von Curzola, schon in der Breite der siiddalmatinischen Insel 
Meleda. (Letztere siehe Cap. XXVII.) 

3 Die 18 Kilometer lange und bis 5'/2 Kilometer breite, 58-57 Quadrat- 
kilometer umfassende Insel zahlt 3171 Bewohner und gehort zum Gerichts- 
bezirk Spalato. Hauptort ist Grohote (1160 Einwohner), dessen Hafen 
Porto Carober (BogaC) an der Nordkiiste. An der Westkiiste der Hafen 
Olive to (Maslinicaj. 



396 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Die vegetationsreiche Insel war schon im Alterthum, als sie nodi 
Olintha hiess,' ihres Honigs wegen beruhmt uud noch heute schatzen die 
Dalmatiner Feinsclimecker unter den drei Dingen, ob welcher sie das Eiland 
riihmen -- Soltaner Brot, Soltaner Obers (Puiiia) und Soltaner Honig 
den letzteren am hochsten. Wie Iniker versichern, soil sich die Soltaner 
Biene durch graue ins gelbe schillernde Einge und dadurcli auszeichneu, 
dass sie, gleich der Biene von Cattaro (siehe Seite 41), selbst bei Wind und 
Wetter an die Arbeit gent, wahrend die kleineren italienisclien und agypti- 
schen Bienen dann im Stocke bleiben. Aucli das ist ein Criterium der Soltaner 
Biene, dass sie, solange der Rosmarin bluht, nur diesen befliegt, eine Eigen- 
thumlichkeit, welcher der einst Olinthius genannte Honig der Insel vielleicbt 
sein besonderes Aroma verdankt. 

Leider ist die Bienenzucht auf Solta so in Verfall, dass man heute 
nur mehr etwa 500 Bienenstocke zahlt, wahrend frtiher deren sechsmal so 
viel gewesen sein sollen. Die Ursache liegt darin, dass die Bewohner jetzt 
lieber Wein und Chrysanthemum, als den Eosmarin pflanzen, dessen blauer 
Flor und Duft in dem Masse abniinmt, in welchem man die Stocke rodet, 
um sie prosaischerweise zum Heizen der Kalkofen zu verwenden. 

Die Hauptebene der Insel erstreckt sich vom Westhafen Olive to 
(Maslinica) ostwarts tiber Villa infer lore (Donje selo) und Villa 
media (Srednje selo) bis Grohote, und ist reich bepflanzt mit Getreide, 
Weinstocken, Oliven- und Maulbeerbaumen ; die ubrige Insel besteht aus 
niederem Hiigelland (Vela Straza, 208 Meter) und erfreut sich durchaus eines 
milden, schon die alten Salonitaner zur Ansiedlung verlockenden Klimas. 
Aus jener Zeit stammen einzelne Mosaikboden, die man auf der Insel ge- 
funden hat, dass aber Spalato, wie in so vielen anderen Dingen, auch hier 
die Erbschaft Salonas angetreten hat, erhellt daraus, dass noch heute ein 
grosser Theil der Insel im Besitz der Spalatiner Gemeinde ist. 

Historisch ist von Solta zu bemerken, dass hier der Spalatiner Dichter 
und Philosoph Marko Marulic starb (1524) und dass die Franzosen 1807 
einen Aufstand der Inselbewohner in hartester Weise ahndeten. 

Die Brazza (Brae). 

Im dalmatinisch-italienischen Sprachgebrauche herrscht die Gewohn- 
heit, den Namen der weiblich gedachten Inseln nur ein La (die) vorzusetzen 
(die Bua, die Brazza), eine Gewohnheit, die wohl schon uralt ist und seiner- 
zeit auch dazu fuhrte, dass aus dem griechischen Issa, das heutige Lissa 
(L'Issa), wurde. 

,,Die Brazza" also, ist die grosste und bevolkerteste Insel Dalmatiens. 
Bei 40 Kilometer Lange und 7 bis 14 Kilometer Breite umfasst sie eine 
Flache von 394-6 Quadratkilometer, auf welcher 1890 22.650 Menschen lebten. 2 



1 Auf der Peu tinge r'schen Tafel Solentum. 

2 Politisch bildet die Insel den zur Bezirkshauptmannschaft Spalato 
gehorenden Gerichtsbezirk S. Pietro (Supetar). 



DIE BRAZZA. 



397 



Bei dieser Grosse, und da die Insel dem Festland ungemein nahe liegt, ' 
bildete sie naturgemass frtih ein Object der Beachtung fur alle Machte, die 
sich in der Adria Besitzrechte streitig machten und wechselte dementspre- 
chend im Laufe der historischen Zeit nicht weniger als zwanzigmal ihren 
Gebieter. 

Geschiclitlicb.es. 

Als die urspriinglich wohl von Griecheii colonisierte Insel von Bom 
beherrscht war, hiess sie Bohia (Polybius) oder Brattia (Plinius), welchen 
Naineii Stefan von Byzanz beibehielt, wahrend Constantin Porphyrogenitus 
ein Baoi^w daraus machte. Die Sage will, dass die Mutter Constantins d. G. 
eine Brazzanerin war und dass Brazza zur Zeit Justinians (527 bis 565) von 
den Gothen verheert wurde : 2 fest steht dagegen, dass, als die Avaren um 




IXSEL BRAZZA. 

639 11. Chr. Salona zerstort batten, Brazza ein Hauptrefugium fiir die ge- 
fliichteten Salonitaner bildete. Damals und bis 806 stand die Insel unter 
Byzanz, huldigte 806 Karl d. G., kani 810 wieder unter das Scepter Ostroms 
und fiel, nachdem von 827 bis 841 eine unabhangige Verwaltung bestanden, 
in die Gewalt der Narentaner, welche sich bis zur Vertreibung durch Pietro 
Orseolo im Jahre 997 behaupteten. Die nun inaugurierte erste Herrschafts- 
periode Venedigs dauerte aber nur bis 1030 ; dann folgte wieder Byzanz 
(bis 1071), hierauf zum zweitenmale Venedig (bis 1105), dann die erste 
ungarische Herrscbaft (bis 1165), dann die dritte venetianische Periode 
(bis 1170), weiter die vierte und letzte byzantinische Epoche (bis 1180), 
welche vom zweiten ungarischen Regime (bis 1278) abgelost wurde, wie 



1 Zwischen dem Hafen von Postire (Nordkttste) und Almissa, sowie 
zwischen dem Osthafen S. Martino (Sumartin) und Makarska, betragt die 
Entfernung nur 9'/ 2 , respective 11 Kilometer. Der Hafen Pufiisce an der 
Nordkiiste aber nahert sich dem Festlande (bei Rogoznica) auf 5% Kilometer. 

2 Oder war dies 450, als die Gothen von Ravenna nach Salona fuhren 
und bei dieser Gelegenheit das alte Issa (auf der Insel Lissa) zersto'rten? 



898 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

dieses von der vierten venetianischen Periode (bis 1358). Die dritte und 
vierte ungarische Herrschaft (bis 1420) erscheinen durch ein kurzes bos- 
nisches Intermezzo von 1390 1394 getrennt; endlich aber hob die fiinfte 
venetianisclie Periode an, die sich dauerhafter als alle friiheren erwies und 
bis 1797 wahrte. Zugerechnet das die osterreichische Verwaltung unter- 
brechende franzosische Regime von 1807 1815, welches selbst wieder Unter- 
brechung durch eine russische Besetzung erfuhr (1806), ergibt sich, dass 
Brazza in den 1339 Jahren vom Beginn des Mittelalters bis zum Wiener 
Congress zwanzigmal die Regierung wechselte, und zwar entfallen von dieser 
Zeit 401 Jahre auf die Byzantiner, 4 Jahre auf den romisch-deutschen 
Kaiser, 14 Jahre auf die autonome Verwaltung, 576 Jahre auf Venedig, 
166 Jahre auf Ungarn, 4 Jahre auf Bosnien, 7 Jahre auf die Franzosen, 
1 Jahr auf die Russen und 10 Jahre auf die erste osterreichische Verwal- 
tungsperiode. 

Charakteristische Geschichtsereignisse fallen zunachst in die Periode 
der Narentaner, unter welchen nicht nur die Slavisierung von Brazza begann, 
sondern auch ein in der Geschichte Dalmatiens seltener Fall - - ein 
kriegerischer Eingriff der deutschen Kaisermacht erfolgte. Otto II. (973 983) 
soil namlich auf einem seiner Ztige gegen die Sarazenen Bol zerstb'rt haben, 
worauf die locale Regierungsgewalt nach Neresi im Innern der Insel verlegt 
wurde. Wahrend der zweiten ungarischen Periode hatte Brazza, um vor den 
Almissanern Ruhe zu haben, Assor, den Sohn des dortigen Conte. zum Ver- 
weser der Insel erwahlt. Da dieser aber auf ganzliche Unterwerfung der Insel 
abzielte, verjagten ihn die Brazzaner mit Hilfe der Spalatiner. Aus jener 
Zeit soil das Dorf Spliska (Split, Spljet, Spalato), westlich von Postire, 
semen Namen haben ; kurz danach aber die Insel Brazza hatte eben 
zahlreichen Spalatinern als Refugium vor den 1242 eingefallenen Mongolen 
gedient brachen neuerliche Kampfe mit den Almissanern aus, welche 1277 
zur beklagenswerten Verbrennung des Archivs in Neresi und 1278 dazu 
fiihrte, dass sich Brazza unbeschadet der Rechte des Konigs von Ungarn 
.den Venetianern ergab. In der vierten und letzten ungarischen Herrschafts- 
periode versuchte auch Ragusa einmal, seine Hand auf Brazza zu legen. 
Die von Ladislaus an den Herzog Hrvoja verliehene Insel war namlich 
nach Hrvojas Absetzung kaum frei geworden (1413), als Ragusa schon eine 
Schenkung Sigismunds erwirkte, welche durch den Umstand gefordert worden 
sein mag, dass Hrvojas Gemahlin eine Ragusanerin war. Ein Narentaner 
Sachez, * der bei der Gemahlin des Konigs (Barbara von Cilli) in Gunst 
stand, wusste jedoch einen koniglichen Gegenbrief zu erschleichen, der ihm 
die Inseln Brazza, Lesina und Curzola zusprach, und Sachez bewirkte nun 
durch Abtretung seiner Rechte an Venedig den Anfall an die Republik 
S. Marco. 

Die Venetianer unterstellten die Insel 1520 dem Rector von Lesina, der 
sich seither ,,Comes Phariae et Brachiae" nannte, ahnlich wie in kirchlicher 



In anderen Quellen Spachez, auch Ladislaus Jaxa genannt. 



DIE BRAZZA. 399 

Hinsicht schon 1185 ein Bischof eingesetzt war, dessen Sprengel sich auf 
Brazza und Lesina, ausserdem aber auch auf Lissa, Curzola und Lagosta 
erstreckte. 

In die Venetianerzeit fallt der Lebenslauf zahlreicher Brazzaner, welche 
sich in Wissenschaft und Literatur hervorthaten, so des Vincenzo Prodi 
(f 1562) und des Trifone Mladineo (f 1708), welche (im Manuscript) ge- 
schichtliche Abrisse liber Brazza hinterliessen, des P. A. Tommaseo (Descri- 
zione storico-fisico-medica del morbo epidemico della Brazza, Venezia, 1788), 
und des A. Ciccarelli, Pfarrer von Pucisde, welcher 1802 in Venedig ,,0sser- 
vazioni sull' Isola della Brazza e sopra quella Nobilta" drucken liess. 

Bodencultu r. 

Nur zwei Kilometer von der Slidkiiste Brazzas entfernt und etwas 
naher dem West- als dem Ostcap der Insel gelegen. ragt der 778 Meter hohe 
S. Vito auf, welchen ein langgestrecktes, das Siidostdrittel der Insel er- 
fiillendes und nur sparlich bevolkertes Hochlaiid umgiebt. Dieses durch- 
schnittlich fiinf Kilometer breite Hochland, dessen Seehohe sich zum grossen 
Theile liber 450 Meter halt, ist im Stiden von einem schmalen, im Westen 
und Norden von breiten Hiigelgelanden umgeben, in welchen zahlreiche 
Thaler klistenwarts verlaufen, von welchen aber nur drei als besonders 
fruchtbar bezeichnet werden, wahrend im iibrigen die Gebiete liberwiegen, 
wo der Bauer der Natur jede Handbreite fruchtbaren Bodens mit barter 
Arbeit abzuringen hat. Man schatzt, dass die Getreideboden nur etwa 
2500 Joch betragen uud bloss etwa 1 / 10 der Flache der Weiden gleiclikommen, 
ein Verhaltnis, das wohl auf der Insel uralt ist. Denn schon Plinius sagt, 
,,Contra Tragurium Bavo (Insel Bua) et Capris la u data Br attia" und 
in Dalmatien will v. Dliringsfeld ofter die Redensart gehort haben, dass 
man Schafe, um sie auszufiittern, nach Brazza schicken solle. 

Die ,,steinreiche" Insel an der Nordkiiste zahlt man zwei Granit- 
steinbruche bei S. Pietro und ein halbes Dutzend Kalksteinbriiche bei 
Postire und Pu6ice hat leider grossen Mangel an Trinkwasser, das nur 
nordlich und siidlich der Haupterhebung des Landes. dort bei Skrip, hier 
bei Bol in Quellen zvitage tritt. Im Iibrigen muss man mit jenen, besonders 
bei den Klosteril, gut angelegten Wasserbehaltern vorlieb nehmen, welche 
in Dalmatien iiberhaupt eine so grosse Rolle spielen: den Sammelcisternen. 

Um ein Loch von Kellergrosse, das mit Sand ausgeftillt und mit 
Steinen bedeckt wird, ordnet man ringsum die Regentraufen, sowie die 
Pfiitzen- und Bodenrinnen so an, dass alles Wasser dem Sandloch zulauft. 
Durch den (natiirlich ofter erneuerten) Sand sickernd, reinigt es sich und 
gelangt wasserhell in den in das Sandloch eingemauerten Brunnen, durch 
dessen Brunnen locher es eintritt und bis in die Nahe der oberen stein ernen 
Brunneneinfassung emporsteigt. Nach langer Regenlosigkeit im Hochsommer 
sieht es aber natiirlich um dieses Cisternenwasser, was Reinheit, Klihle und 
Menge betrifft, nicht am besten aus und kann von einer kiinstlichen Be- 
wilsserung der Felder nicht die Rede sein. 



400 



DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 



Gleichwohl gedeiht auf Brazza nicht nur vortreff lich der Wein, sondern 
auch die Olive, die Feige, der Tabak und das Chrysanthemum. 1 Die Cultur 
des letzteren hat allerdings ihre Schattenseiten, da der Preis stark schwankt 
und es leicht passieren kann, dass der Landmann, der auf 150 Gulden fur 
das Quintal rechnete, schliesslich nur 80 erhalt. Sicherer rentiert der Wein, 
dessen Anbau so ausgedehnt ist, dass die Insel jahrlich an 150.000 Hekto- 
liter zu exportieren vermag. 

Und darunter sind Weine von vorziiglicher Giite, wie der altberiihmte 
Vugava und der Eothwein Crljenak. 



Topographisches. 

Die bei Inseln haufige Erscheinung, dass sich die Bevolkerung an der 
Kiiste zusammendrangt, zeigt sich auf Brazza in ausgesprochenem Masse. 
Wie aus der folgenden Tabelle hervorgeht, wohnen von 22.650 Brazzanern, 
17.193 in Orten, welche an der Ktiste (oder hochstens einen Kilometer 
da von entfernt) liegen, und nur 5467 (24 Percent) in Binnenorten. An 
der Nordkiiste allein leben 10.937 oder, wenn man Povlje einrechnet, 
11.674 Menschen, d. h. 51-7 Percent der Gesammtbevolkerung. Die Siidkiiste 
dagegen, wo das von Mulden zerfurchte Hauptgebirge der Insel nahe ans 
Meer tritt, zahlt nur 1795 Bewohner (7-9 Percent der Totalbevolkerung). 



Gemeinde 


Flache 


EinwoLner Von den Einwohnern leben 


Nordkiiste Quadratkm. 


in Kiistenorten 


in Binnenorten 


Pucisce . . 


106-20 


3.387 


Pucisce . . 


2.169 


Praznice . . 


. 780 












Humac g. 


. 438 


Postire . 


46-86 


2.158 


Postire 


1.472 


Dol . . . . 


686 


S. Pietro . 


29-79 


3.057 


S. Pietro . . 


1.795 


Skrip . . . 


. 477 


(Supetar) 






Mirce . 


463 












Spliska . . 


322 






S. Giovanni 


29-45 


2.335 


S. Giovanni . 


1.880 


Humac d. 


. 455 


(Stivanj) 
















212-30 


10.937 




8.101 




2.836 


Westkiiste 














Milna. 


34-66 


4.500 


Milna . 


2.489 












Bobovisce . 


589 














LoziSce . . 


1.322 






Siidkiiste 














Bol ... 


22-81 


1.795 


Bol. . . . 


1.795 








Ostkiiste 














Selca . . . 


53-47 


3.161 


S. Martino . 


608 


Villanuova . 


. 374 








Selca . . . 


1.434 


(Novoselo) 










Povlje(Nord- 














ostkiiste) . 


741 







Inneres 

Neresi . 71-36 2.257 



Neresi . . . 1.502 
Andere Dorfer 755 



394-60 22.650 



17.193 



5.467 



1 Tabak besonders bei Milna, Chrysanthemum bei Milna und Bol, wo 
seit neuerer Zeit gauze Felder damit bebaut sind. 



DIE BRAZZA. 401 

Lassen wir nun einige der Hauptorte fliichtig Revue passieren und 
beginnen wir mit S. Pietro (Supetar), der derzeitigen Hauptstadt der Insel. 
Es 1st ein hiibscher Ort, wo ebenso wie in der Umgebung behabiger 
Wohlstand herrscht. Landwarts umgiirten den Ort Haine von Oliven und 
hellgriinen Meerstrandskiefern, und diese durchzieht der aussichtsreiche 
Reitweg, der in 1 */ t Stunden nach der friiheren Hauptstadt Neresi (Nere2ice) 
fiihrt. Der Weg bietet schon in geringer Hohe sowohl einen prachtigen 
Blick auf die Umgebung von S. Pietro, als auch iiber den Canale della 
Brazza hiniiber eine Fernschau, welche von den Bergen bei Almissa 
iiber den Mosor und Spalato nordwestwiirts bis zur Riviera der Sieben 
Castella reicht. 




MILXA. 

In Neresi hat man eine Seehohe von 382 Meter erreicht und befindet 
sich in einer der luftigsten Gegenden der Insel Brazza, die sich iibrigens im 
allgemeinen eine gute Seite ihres Wassermangels durch das ganzliche 
Fehlen versumpfter, ungesunder Striche auszeichnet. Im Orte erinnern noch 
einige Gebaude, wie die Loggia und der einstige Regierungspalast, an die 
Venetianerzeit ; besondere Sehenswiirdigkeiten sind aber nicht vorhanden 
und man wird daher die, vorwiegend der Betrachtung der Naturscenerien 
gewidmete Wanderung alsbald wieder fortsetzen, um entweder nach Milna 
oder nach Bol zu gelangen. 

Von Neresi ziehen nach zahlreichen Richtungen Reitwege zur Kiiste : 
nordostlich nach Postire, nordlich nach S. Pietro, nordwestlich iiber 
Humac donji nach S. Giovanni (Stivanj). und iiber Drafievica nach 
LoziSce-BoboviSce, westlich iiber den Sattel zwischen Velo brdo 
(473 Meter) und Sliceno brdo (497 Meter) durch eine fruchtbare Thalung 
nach Milna, sudsiidostlich iiber das Gebirge nach Bol. 

Fdlirer durch Dalmatien. ^6 



402 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Letztere Route fiihrt bis in die Seehohe von 734 Meter hinauf und 
bis nahe ans Nordgehange des S. Vito, dessen Besteigung von dem Pfade 
ab leicht in einer halben Stunde bewerkstelligt werden kann. Es ist fur 
Naturfreunde eine sehr empfehlenswerte Partie, die zugleich an einem 
typischesten Beispiel die Beschaffenheit der Wege auf der strassenlosen 
Insel Brazza erlautert. Man findet hier Wegpartien entlang von Abgrunden 
und Karstschluchten besonders beim Abstieg vom Gebirgsplateau nach 
Bol die man in solchem Niedergebirge nicht erwarten wiirde und hat 
Gelegenheit, die unfehlbare Trittsicherheit der Maulthiere zu bewundern, 
welche hier wohl seit dem Alterthum die Vermittler alles Binnen- 
verkehrs sind. 

Bol mit seinem sonnigen Hafen erfreut sich einer prachtigen Stid- 
lage, welche auch die Dominicaner zu schatzen wussten, denen der Conte 
Pietro Zaccaria im Jahre 1475 einen kleinen Besitz ostlich des Ortes 
schenkte. Besucht man das Kloster, so versaume man nicht, sich die 
6000 Stuck umfassende Sammlung von Miinzen zeigen zu lassen, welche 
bis in die griechische Zeit zuriickreichen und beweisen, dass Brazza schon 
in den fruhesten Zeiten der Geschichte in das Culturleben einbezogen war. 
Kunstfreunde finden in der Kirche ein Hochaltarbild von Tintoretto, wo fur 
nach der Klosterchronik dem Maler seinerzeit 200 Ducaten bezahlt wurden. 

Bemerkt mag hier noch sein, dass in Bol zwei Todtenurnen mit 
Kreuzzug-Emblemen gefunden wurden. Sie sollen auf das Jahr 1217 
zuruckfuhren, in welchem Konig Andreas II. von Ungarn, der sich in 
Spalato nach dem gelobten Land eingeschifft hatte, in Bol landete. 

Lesina (Hvar). 

Wie Brazza die grosste und machtigste, so ist Lesina die langste und 
an Flacheninhalt die zweitgrosste der dalmatinischen Inseln. Da aber einer 
Lange (West-Ost-Erstreckung) von 68 Kilometern nur eine grosste Breite 
von 10 1 / 2 Kilometern en tspricht, j a die durchschnittliche Breite nur 4 1 /2 Kilo- 
meter betragt eine Dimensionierung, auf welche mail den italienischen 
Namen der Insel (Lesina = Schusterahle) zurilckzufiihren versucht hat - 
so ergeben sich sowohl orographisch, als was die Siedlungen betrifft, 
wesentlich andere Verhaltnisse als bei Brazza. 

Der breitere Westtheil der Insel ist von einem mannigfach sich ver- 
zweigenden Bergzuge erfiillt, der nur mehr Ansatze zu der auf Brazza vor- 
kommenden Plateaubildung zeigt, davon die grosste in der Mitte der Insel 
nahe der Sudkuste, die sich vom Hauptgipfel S. Nicolo (626 Meter) 6 Kilo- 
meter ostlich bis zum Monte Om (Hum, 603 Meter) erstreckt. Diesem schmalen 
Hauptplateau, an welches westlich und ostlich kleine niedrigere Plateau- 
streifen anschliessen, ist nord warts jener Flachtheil der Insel (Maslinovic) 
vorgelagert, zu dessen Seiten die. machtigen Buchten von Cittavecchia und 
Verbosca von Nordwesten und Nordosten her in den Inselkorper ein- 
schneiden. 



LESINA. 



408 



Wie aus der untenstehenden Ubersicht * hervorgeht, hat die lang- 
gestreckte Form Lesinas bewirkt, dass die Bewohner nicht so wie bei 
Brazza die Inselmitte scheuten, da sie in den DOrfern hier eben zwei 
Gestaden nahe sind. Immerhin leben auch auf Lesina 55 Percent der Be- 
wohner in den Kiistenorten, und wie auf Brazza ist die nordliche Kiiste 
weit starker bevolkert als die siidlicbe, zu welcher das Gebirge, wie dort 
einen Steilabfall bildend, nahe herantritt. 

Von den Gemeinden bildet Lesina einen Gerichtsbezirk, wahrend die 
ubrigen fiinf zum Gerichtsbezirk Cittavecchia vereint sind. Zur Bezirkshaupt- 
mannschaft Lesina gehort noch (als dritter Gerichtsbezirk) die Insel Lissa- 

Beachtenswert ist auch, dass im Gegensatz zu Brazza, welches nur - 
allerdings zum Theil stadtahnliche Dorfer zahlt, auf dem kleinen Lesina 
zwei Stadte und drei Markte sich entwickelten. Die Insel Brazza, die schon 
Plinius ob ihrer Ziegenbocklein pries, war stets inehr agriculturell, Lesina 
dagegen wandte sich friihzeitig dem Handel und der Schiffahrt zu, theils 
begiinstigt durch seine grossen Hafen, theils genothigt dadurch, dass die 
""-Insel nur einen grosseren Ackerbezirk besitzt (zwischen Verbosca und Citta- 
vecchia), der den Getreidebedarf der (derzeitigen) Bevolkerung kaum zum 
fiinften Theile zu decken vermag. 

Zwanzigmal grosser als die Acker sind die mit Rebeu und Oliven 
bestandenen Griinde, und produciert Lesina nicht nur vorziiglichen Wein, 
sondern auch treftliche Feigen, Eosmarin-Essenz, Honig, welcher dem Soltaner 
nicht nachsteht, u. a. 

Historiscb.es. 

Nach Apollonius dem Asodier soil Lesina im grauen Alterthum ihrer 

Fichtenwaldungen wegen Pethyca, die Fichteninsel, geheissen haben. Spater 

- nach Diodor um die 98. Olympiade oder 192 v. Chr. batten die Parier 



i . Flache in 


Ein- 


Von den Einwohnern leben 


Gememde Q ua dratkm. wohner 


in Kustenorten 


in Binnenorten 


Lesina (Hvar) 


68-89 


3.596 


Stadt Lesina . . 


1.875 


Brusje . 


967 








Kl. Kiistenorte . 


111 


Grablje. . 


616 








Spalmadori . . 


27 






Cittavecchia . 


43-83 


4.723 


Stadt Cittavecchia 3.386 


Dol . .. . 


895 


(Starigrad) 






Rudine .... 


_'SD 


Selca . . 


162 


Verbosca . . 


31-77 


3.294 


S. Domenica . . 


267 


Svirce . . 


751 








(Sudkuste) 














Markt Verbosca 


1.009 


Vrbanj . . 


1.267 








(Nordkxiste) 








Gelsa (JelSa) . 


94-79 


3.577 


Markt Gelsa . . 


1.396 


Pitve . . 


501 








Kl. Kxistenorte . 


345 


Vrisnik 


620 








Insel Torcola 


1 


Poljica ; 


71 ,4 












ZastraziSce\ 


li.1 


Bogomolje . . 


54-33 


1.155 






Bogomolje ) 


11^ 












Gdinj \ 


J-.J.t^ty 


S. Giorgio . . 


18-81 


671 


Markt S. Giorgio 


671 






(Sufiuraj) 















312-42 17.016 



9.368 



7.U4S 



26* 



404 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

mit Unterstiitzung des alteren Dionys von Sicilien eine Colonie gegriindet, 
welche wie darnach die Insel selbst Pharia (jetzt cr. Hvar) hiess. 1 Es 
istaber woM moglich, ja wahrscheinlich, dass schon in weit alterer Zeitgrie- 
chische Colonien auf Lesina oder wenigstens Handelsbeziehungen der altesten 
illyrischen Inselbevolkerung mit dem Siidosten bestanden. Denn einzelne 
der auf Lesina gefundenen Miinzen zeigen nach dem Urtheil der Archaologen 
Bock, Furlanetto und Nisiteo den Stempel des Beginnes der Prage- 
kunst und die Devisen der altesten Stadte Griechenlands und Kleinasiens, 
die gefundenen Mauerreste aber stimmen mit jenen tiberein, welche die 
Archaologen als pelasgische bezeichnen. 

Ausser fremden Miinzen (von Dyrrb.acb.ium, Korinth, Lampsacus in 
Mysien, Heraclea in Grossgriechenland etc.) wurden auch verscbiedene in 
Pharia selbst gepragte Typen gefunden, welche unter anderem die Existenz 
eines illyrischen Konigs Ballaus bekunden. Historisch festgestellt ist indess 
nur, dass einer der letzten altillyrischen Konige, Agron, und nach ihm ein 
gewisser Demetrius Pharus auf Lesina schaltete, welcher als Statthalter 
von Agrons Witwe Teuta bezeichnet wird. 

Agron soil von romischen Unterthanen Tribut gefordert haben und 
infolge dessen Lucius Aemilius Paullus auf der Insel erschienen sein, welcher 
221 v. Chr. Pharia zerstorte, nachdem schon sechs Jahre friiher im Kampf 
der Homer mit Teuta, erstere die Insel in ihren Schutz genommen batten. 
Seit 221 v. Chr. gehorte Lesina zur romischen Provinz Dalmatien und theilte 
in der Folge so ziemlich das Schicksal Brazzas. Der ostromischen Herrschait 
folgte jene der Narentaner, und seit dem Zuge Peter II. Orseolos im 
Jahre 997 wechselten venetianische, byzantinische und ungarische Herr- 
schaftsperioden, von welchen hier nur die zweite venetianische Periode 
1115 1181 erwahnt sein soil, da damals (1. Juni 1176) Papst Alexander II. 
den Bischof Martino, den sich die Lesignaner erwahlt batten, anerkannte 
und ihm 1185 die Inseln Brazza, Lesina, Lissa, Curzola und Lagosta als 
Diocesan-, sowie ,,Pbar" (seit 1249 Cittavecchia) als Bischofssitz zuwies. 

Unter der Piraterie der Almissaner litt Lesina um 1240 ebenso wie 
Brazza; auch hatte erstere Insel nach der Vertreibung Hrvojas (1413) 
ebenfalls ihre kurze ragusaische Periode, wahrend welcher sich der von 
B,agusa zum Conte ernannte Nobile den Titel beilegte: ,,De mandato 
gloriossissimi Sigismundi Regis Hungariae electus in Consilio General! Piagusi 
Comes Corcyrae, Pharae et Brattiae." 

Im Jahre 1420 wurde Lesina venetianisch und stand nun unter einem 
von Venedig bestatigten Eettore, welcher Lesina und Lissa regierte und 
der sogenannten Comunita prasidierte, d. h. dem aus den Nobili beider 

1 Im Jahre 1841 angestellte Ausgrabungen fiihrten schon den Guts- 
besitzer Nisiteo in Cittavecchia zu dem Schlusse, dass das alte Pharia an 
Stelle Cittavecchias stand; und diese Annahmen sind seither durch den 
Verfasser der ,,Beschreibung stidslavischer Miinzen", den am 22. Mai 1822 
zu Cittavecchia geborenen Simeon Ljubic bestatigt worden. (Ljubic, 
welcher auch viel aus den Venetianer Archiven publicierte, starb am 
19. October 1896.) 



LESINA. 405 

Inseln bestehenden grossen Eathe ' und den drei aus diesem gewahlten 
Bichtern, die den kleinen Eath bildeten. Aus dem grossen Eath wurden 
auch die zwei Jsobili gewab.lt, welche in Cittavecchia und Lissa Eecht 
sprachen, der Sopracoinito, welcher die auf Verlangen Venedigs zu stellende 
Galeere befehligte, der Camerlengo oder Verwalter der Einkiinfte und 
andere Beamte. Eegiert wurde nach Statuten, die schon 1143 existierten. 
aber 1331 zur Zeit des Dogen Francesco Dandolo unter dem Podesta 
G. Loredano gesammelt und mit den spateren Zusatzen 1631 in Venedig 
gedruckt wurden. 

In die Venetian ische Zeit Lesinas fallen die btirgerlichen Unruhen, 
welche von 1570 1611 dauerten, die Pestepidemien von 1484 und 1529 und 
die Pliinderungen, welche Lesina, Cittavecchia, Verbosca und Gelsa im 
August 1571 erlitten, als der tiirkische Admiral Uludsch-Ali, ein ehemaliger 
Monch aus Calabrien, mit seiner Flotte bier landete. 

Nach dem Fall Venedigs im Jahre 1797, beziehungsweise als das erste 
osterreichische Eegime 1806 von der franzosischen Herrschaft abgelost 
wurde, litt besonders die Hauptstadt der Insel unter den Kampfen zwiscben 
den Eussen und Franzosen (siebe Topograpbie von Lesina), doch spielten 
sicb die entscheideiiden Vorfalle damals bei Lissa ab. 

Topograpbiscbes. 

Stadt Lesina. 

Umwandern wir Lesina von West iiber Nord und Ost nach Siid, um 
den Hauptorten einen fluchtigen Besuch abzustatten, so stossen wir zunachst 
auf die Stadt Lesina, uber deren Ursprung die Meinungen merkwiirdiger- 
weise so crass divergieren, dass ihn einige ins hohe Alterthum versetzen 
und die Grundung bald nach jener Cittavecchias (Pharias) erfolgen lassen, 
wahrend andere glauben, die Stadt sei erst von den Narentanern erbaut 
worden. Ursache dieses Schwankens ist offenbar die Wandlung in den Orts- 
namen, welche insoferne stattfand, als Lesina im Laufe der Zeiten als 
Pbaria nova, Novigrad. Lesina nova, Lisna und Lesina bezeichnet wird 
und Cittavecchia die Namen Pharia vetus, Starigrad, Lesinavecchia und 
Cittavecchia annimmt, wahrend doch zugleich auch ,,Phar" allein sowohl 
fiir die alte als filr die neue Stadt gebrauchlich bleibt. 

Lesina liegt, an der Landseite von ziemlich kahlen Bergen umgeben, 
an der Sudwestseite der Insel, im Hintergrund eines mehrbuchtigen guten 
Hafens, dem der weit westlich ziehende Scoglienzug der Spalmadoren vor- 
gelagert ist. Die Stadt wird von dem Fort Spagnuolo beherrscht, welches 
wahrscheinlich die Stelle eines alten, schon 1358 von den Ungarn belagerten 
Castells einnimmt, einer Inschrift aus dem Jahre 1551 zufolge aber von 
den Spaniern umgebaut wurde, als diese unter Karl V. im Bunde mit Venedig 
gegen die Tiirken kampften. 

1 Diesem Eathe stand kraft des von Bela IV. am 6. Juni 1245 er- 
theilteii ,,Privilegium cum Bulla aurea" das Eecht zu, Bischof und Eector 
selbst zu wahlen. 



406 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Ostlich des Gipfels, welcher das Fort Spagnuolo tragt, bauten die 
Franzosen das Fort Nicolo, die Osterreicher aber befestigten den vor dem 
Hafen liegenden Scoglio G-olesnik, 1 auf welchem schon die Russen im Mai 1807 
eine Batterie erbaut hatten, um mit vier Kanonen jene Beschiessung der 
Stadt vorzunehmen, welcher die schone Loggia zum Opfer fiel. 

Die Aufgange zu ersteren Forts sind beriihmt wegen ihrer schonen 
Landschaftsveduten, zu deren Bildung nicht nur die hochst mannigfach 
geformten Insel- und Scoglienkiisten und das blaue Meer, sondern auch die 
Vegetationsscenerien beitragen, die sich hier durch eine in Dalmatien kaum 
mehr iibertroffene TJppigkeit auszeichnen. Besonders auf den Strandwegen 
beiderseits der Stadt, 2 von welcben man den ostlichen, zum Franziskaner- 
kloster fiibrenden, die agyptische Promenade genannt hat, trifft man herr- 
liche Palmen, Cypressen, Agaven mit riesigen Bliitenschaften, Johannesbrot- 
baume und andere siidlicbe Gewacb.se, die tbeilweise, wie z. B. der bra- 
silianische Tabakbaum (Nicotiana glauca), von aus der Fremde heim- 
kehrenden Seefahrern eingebiirgert wurden. Nicht mit Unrecht spricht 
man von dem durch die Inseln Spalmadori geschutzten und doch dem 
wohltbuenden Meereinfluss offeneu Lesina, als von dem ,,dalmatinischen 
Madeira" und ist nur erst einmal die von Kranken gescheute Seefahrt durch 
eine Eisenbahnverbindung Dalmatiens mit dem Continente auf ein Minimum 
reduciert, so werden sich auf Lesina wohl vielbesuchte Winterrefugien 
etablieren. 

Betritt man die Stadt Lesina, so fallt zunachst die gegen das Meer 
offene Piazza auf, die bei 150 Schritt Lange und 60 Schritt Breite zu den 
grossten und vermoge ihrer Umrabjnung durch interessante Bauten auch 
zu den sehenswertesten Stadtplatzen Dalmatiens gehort. 

Die Nordseite nimmt die schon oben erwahnte Loggia ein, ein Werk 
Sanmicheli's, das durch seine auf sieben Saulen ruhendeii Bogen einen recht 
gefalligen Eindruck macht. Neben der Loggia, die jetzt als Kaffeehaus (be- 
ziehungsweise Cursalon) dient, steht der Palast des einstigen Conte der 
Insel und vis-a-vis der 1550 erbaute Palazzo G a z z a r i, der durch seine 
gothische Fapade, seine Saulen und Sculpturen auffallt, in seiner Art aber 
nicht einzig ist, da sich in der Altstadt noch manches andere hiibsche Bau- 
werk aus friiheren Jahrhunderten findet. 

Die Ostseite der Piazza, wird von dem im lombardischen Styl auf- 
gefiihrten Dom eingenommen, der durch spiegelnde Marmorwande und 
elf Marmoraltare ausgezeichnet ist, darunter der Altar des heil. Kreuzes 
aus schwarzem, und drei andere Altare aus violettem antiken Marmor, der 
Altar der sieben Todsunden aus sicilianischem Diaspor. Tiber dem Hochaltar 
hangt das Bild des heil. Stefan (Papstes und Martyrers), gemalt von Giacomo 



' Auf dem Scoglio wurden die damals gefallenen Soldaten begraben. 

J Der westliche fiihrt von dem Fabbrica genannten Quai zur Kathedrale 
voriiber an der grossen alten Cisterne der Stadt, die 1780 und 1830 restauriert 
worden ist. 



LESINA. 



407 



Palma; im Kirchenschatz 1st ein geschriebenes und mit 72 Bildern geziertes 
Pastorale bemerkenswert, dessen Einband aus vergoldeter, mit Silber aus- 
gelegter Bronze besteht. 

Weniger durcli ihre Schonheit als durch culturhistorische Bedeutung 
sind die Bauten im Siiden der Piazza bemerkenswert: das Arsenal und der 
Fond a co. Das Arsenal wurde im XVI. Jahrhundert mit einem Aufwand 
von 5000 Ducaten erbaut und diente zur Ausrtistung der Galeere, welche 
Lesina den Venetianern zu stellen hatte, sowie uberhaupt fur die bei Lesina 
stationierte Flottille. welche gewohnlich aus 30 Galeeren bestand und deren 




LOGGIA IN LESIXA. 

Verlegung im Jahre 1767 viel zur Verminderung des Wohlstands von Lesina 
beigetragen hat. An das Arsenal schliessen die einst zur Aufbewahrung des, 
von der Gemeinde angeschafften Getreides bestimmten Raume (Fondachi), 
das ganze Bauwerk aber ist ungemein massiv errichtet und ruht im Innern 
auf sieben Bogen, wahrend ein grosser Bogen von 5 Meter Halbmesser 
sich der See zuwendet. Das Obergeschoss ist zweitheilig und enthalt jetzt in 
einem Flugel die Raume der Gemeindeverwaltung, wahrend sich im anderen 
das Theater befindet. 

Von der Existenz eines Theaters in Lesina wird schon im XVI. Jahr- 
hundert berichtet, zugleich aber auch von Schulen, deren Lehrer Grammatik. 
Rhetorik und Politik zu lehren batten. Lesinas Burger zeichneten sich 



408 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

eben seit je durch Bildung avis, und der 1572 tier geborene G. F. Biondi, 
welcher nach langerem Aufenthalt am Hofe Jacobs I. eine Geschichte der 
Btirgerkriege in England schrieb, war nicht der einzige Lesignaner, der 
sich wissenschaftlicb oder literarisch hervorgethan hat. 



Schlagt man von Lesina die schone 6'stliche Strandpromenade ein, so 
kommt man zum 1471 errichteten und nacb der Verbrennung durch die Turken 
(1571)' wiederhergestellten Franziskanerkloster (Madonna delle Grazie), 
welches nicht nur eines der grossten in Dalmatien, sondern auch reich an 
Bilderschatzen ist. Das Juwel des Klosters ist das ,,Abendmahl" von Matteo 
Rosselli, 2 welches die Monche im Refectorium bewahren, und zwar sowohl 
als Kleinod von hohem kilnstlerischem Werte, als auch in Erinnerung an 
eine Begebenheit, die sich einst hier zutrug. Wie die Klosterchronik 'vermeldet, 
wurde namlich das Bild von Rosselli zum Dank dafiir gespendet, dass ihn 
die Monche aufs Sorgfaltigste pflegten, als er wahrend einer Reise nach 
Ragusa erkrankt, ihre Gastfreundschaft in Anspruch nahm. 

Ausser dem Rosselli'schem Bilde besitzen die Franziskaner in ihrer 
Kirche Gemalde von F. da Santa Croce, von Palma d. J. und von Jacob 
da Ponte (Bassano), von letzterem ein sprechend gemaltes Bildnis ,,San 
Diego und S. Francesco di Paoli", das leider arg beschadigt ist. 

Die Utrigen Orte Leainas. 

Von Lesina in grossem Westbogen das ' Cap Pellegrino umschiffend, 
kommen .wir in den acht Kilometer tief in den Inselkorper einschneidenden 
Vallone di Cittavecchia, in dessen stark verschmalerten Hintergrunde die 
Stadt gleichen Namens liegt. 

Cittavecchia (Starigrad) ist, wie schon erwahnt, das alte Pharia oder 
Pharos, das 221 v. Chr. zerstort wurde (siehe Seite 404), aber bald wieder 
erstanden sein muss, da die in der Umgebung ausgegrabenen Consular- 
rnunzen von 524 v. Chr. bis Augustus und die Kaisermiinzen bis Phocas 
(VII. Jahrhundert n. Chr.) reichen. Auch finden sich in den alten Mauern haufig 
Ziegel aus den Stadten Salona und Pansa (bei Rimini und Ferrara), die zur 
Zeit Vespasians einen bedeutenden Seehandel mit Ziegel trieben. 

In der Folge nahm Cittavecchia an den allgemeinen Schicksalen der 
Insel theil und wuchs zum grossten Orte derselben heran, wozu ausser der 
weiten Bucht wohl auch die Lage am Westende der grossen, den ganzen 



1 Der Invasion Uludsch-Alis im Jahre 1571 fiel auch der Bischofs- 
palast zum Opfer. Aus derselben Zeit ruhreii die Ruinen her, welche 
die Heiligengeistkirche oberhalb der Altstadt umgeben. Die Marcuskirche 
dagegen, deren freistehender Thurm schon auf der See draussen auffallt, 
liegt seit einem durch Blitzschlag verursachten Brande in Ruinen. 

2 Rosselli geboren 1578, f 1650. 



LESINA. 



409 



nordwestlichen Theil der Insel durchziehenden Thalmulde beitrug, die bis 
Verbosca reichte und den fruchtbarsten Strich der Insel darstellt. Heute 
sieht Cittavecchia ziemlich modern aus, und von der hiibschen Kiefern- 
anlage am Hafen in die Stadt spazierend, fallt dem Fremden kaum etwas 
Besonderes auf, ausgenommen der freistehende Glockenthurm der aus dem 
XIV. Jahrhurtdert stammenden Kirche S. Stefano, der gleich dem Thurm 
von Gelsa auf autiken Fundamenten ruht. 

Eines der Hauser am Gestade sticht durch seine rothe Farbe in die . 
Augen: es ist das Geburtshaus Simeone 
L j u b i c (siehe Seite 404) und erin- 
nert den in der Localgeschichte Be- 
wanderten an die zahlreichen Leucliten 
der Intelligenz, welche Cittavecchia 
hervorbracbte, seit Petar H ek t or o v i c 
(1487 1572) hier jenes Werk schrieli 
(Eibanje, d. h. Fischfang), welches 
nicht nur 1556 und 1638, sondern auch 
noch-1846 (in Zara) gedruckt worden ist. 
* 

Durclnvandern wir die 6'/ 2 Kilo- 
meter lange, flache Thalniederung, 
welche den HauptkOrper Lesinas von 
dem nordlichen Theile der Insel (Ma- 
slinovic) scheidet, so erreichen wir 
das an der Ostkiiste der letzteren 
gelegene Verbosca, das sich ebenfalls 
durch einen schonen, aber nur 2'/ 2 Kilo- 
meter tief in das Land eingreifenden 
Hafen auszeichnet. 

In Verbosca ( VrboSka) wird man 
die castellartige Kirche S. Lorenzo be- 
suchen, welche Bilder von Paolo Vero- 
nese (Geburt Jesu) und G. Alabardi 
(Himmelfahrt Christ!) enthalt. Auch 
zeigt man einen S. Lorenzo, der dem 
Tizian zugeschrieben wird, da sich 

im Archiv des Bisthums eine Schrift vorfinden soil, in welcher es heisst: 
,,Pagati al maestro Tiziano Vecelli 1000 Ducati." 

Sttdlich anschliessend an die Bucht von Verbosca 6'ffhet sich der Hafen 
von Gelsa ^Jela), der einen recht hiibschen Anblick gewahrt. Zur fiechten 
ziehen vor einem mit Meerstrandskiefern bewachsenen Gehange hilbsche 
Hauser bin, die zum Theil grtine Jalousien und blaue Facaden aufweisen 
und von Garten mit Oleander und Cypressen flankiert werden. In der Mitte 
schliesst an die mit feinlaubigen Tamarisken besetzte Blva der Ort an und 
reicht bis zu herrlichen Weingarten, aus welchen Ol- und Mandelbsiuinc 




HOHLE BEI S. DOMENICA. 



410 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

aufragen. Zur Linken ziehen Hugel nordostlich, von deren zahllosen Stein- 
terrassen sich kleine Parcellen hellgriiner Meerstrandskiefern abheben. 

Wandert man aus dem betriebsamen Orte, der unter Anderem auch 
die sogenannten ,,Gelsaner Opanken" erzeugt, durch die Weingarten stid- 
siidwestlich, ' so kommt man nach Dorf Pitve, der Heimat des Lesignaner 
Bischofs Georg Dubokovic-Nadalini (1800 1874) und befindet sich nun am 
Fusse des Monte Om (Hum), iiber dessen Ostgehange ein die Seehohe von 
423 Meter erreichender Bergpfad zur Siidkiiste fiihrt. (Dorf Pitavske 



Letztere wird ihrer ganzen Erstreckung nach von einem landesiiblichen 
Saumpfade begleitet, der eine aussichtreiche "Wanderung gewahrt und in 
der 8 Kilometer langen Strecke nach dem westlich gelegenen Dorf S. Do- 
menica (Sv. Nedjelja) fort am Siidgehange der (Seite 402 erwahnten) Haupt- 
erhebung der Insel hinfiihrt. 

Von S. Domenica, wo sich eine Stalaktitenhohle mit den Ruinen eines 
Augustinerklosters befindet, kann man in zwei Stunden den Hauptgipfel 
Lesinas (S. Nicolo, 626 Meter) besteigen und in einer weiteren Stunde nach 
Cittavecchia hinabwandern. 



Bei Gelsa beginnt die schmale und auch gegen Osten.mehr und mehr 
sich erniedrigende Osthalfte Lesinas, welche sich 40 Kilometer bis zur 
Punta S. Giorgio erstreckt, \vo die Insel dem Festlande auf 4'/ 2 Kilometer 
naheriickt. Dieser ganze Inseltheil wird in der Mitte von einem Saumwege 
durchzogen, an welchen sich die kleinen Ortschaften Poljica, Zastra- 
zice, Gdinj reihen, wahrend die Kilste fast unbewohnt ist. Die kleinen 
Buchten derselben bleiben daher auch selbst von den Localschiffen un- 
bertihrt, bis auf die unbedeutenden Hafen, zu welchen man vom Dorfe 
Bogomolje niedersteigt. Es sind dies nordlich die Valle Bristova, 
siidlich die Valle Smrksa, bei welcher sich das Nordwestcap (Cap 
Gomena = Gumina) der Halbinsel Sabbioncello Lesina auf 7'/ 2 Kilometer 
nahert, so dass jene Enge entsteht, welche man als Grenze zwischen den 
Meercanalen von Curzola und der Narenta betrachtet. 

Am Osthorn Lesinas liegt der kleine Hafen von S. Giorgio (Sucuraj), 
welcher den von niedrigen Olivengehangen umgebenen kleinen Markt 
gleichen Namens birgt. Hier wird nahe dem Strande eine archaologische 
Merkwurdigkeit gezeigt, welche der Meeresgrund bewahrt hat, namlich ein 
Haufen antiker Urnen, welche vor etwa l 1 /^ Jahrhunderten hier durch 
irgend einen Zutall versenkt wurden und nun, zum Theil umhiillt von 
allerlei Meerablagerungen, noch immer sichtbar sind, wenn die See ruhig ist. 



1 Auf den Hohen siidlich von Gelsa zwei ,,Gor" und ,,Grad" genannte 
Ruinen. 

2 Drei Kilometer siidlich der Scoglio Torcola (Scedro) mit der Euine 
eines Convents. 



LiSSA. 



411 



Lissa (Vis). 1 

Allgemeines. 

Uiiter den Hauptinseln Dalmatiens 1st Lissa eine der kleineren. Denn 
bei 17 Kilometer Lange betragt die Breite wenig iiber 7 Kilometer. Dabei 
gehort es zu den vom Festlande am meisten entfernten Inseln, da die Luft- 
linie zwischen ihm und dem zunachst - - in genau nordlicher Pdchtung - 
gelegenen Kustenstiick Punta Planka-Trau 44 Kilometer betragt. Von der 
Ostkiiste Lissas nach der genau ostlich befindlichen Narenta-Miindung sind 
es gar 97 Kilometer, wahrend die Entfernung von Lesina nur 19 Kilometer 
betragt. 

Lissa wird durch zwei rnachtige [B 
Buchten eingeschnitten : im Westeii 
durch den auf 3'/ 2 Kilometer Breite 
2y 2 Kilometer tief in den Inselkorper 
eingreifenden Vallone di Comisa, im 
Nordosten durch den 2 l / t Kilometer 
tief einschneidenden, aber nur 1 Kilo- 
meter breiten Hafen von Lissa. Zwi- 
schen den beiden Buchten erstreckt 
sich der siidwestlich im Hum (585 Me- 
ter) culminierende Hauptgebirgszug 
der Insel. Er ist vom hiigeligen Nord- 
streifen der Insel durch die Depression 
geschieden, welcher der Saumweg von 
Comisa nach Lissa folgt, wahrend die 
Grenze gegen den stidlichen Kiisten- 
hiigelzug eine, auch nur wenig aus- 
gepragte Senke bildet, die im West- 
theil Campo grande heisst. 

Infolge seiner Lage hat Lissa 
unter alien grosseren Inseln des mittel- 
dalmatinischen Archipels das am 
meisten ozeanische Klima und der 
Tempera turunterschied zwischen dem 
warmsten und kaltesten Monat, der in 
Wien 21-3 Grad und selbst in Lesina 
noch 16'7 Grad betragt, erscheint hier 




PALME IN LISSA. 



1 Lissa bildet politisch einen Gerichtsbezirk der Bezirkshauptmann- 
schaft Lesina und umfasst die Gemeinden Comisa (48-16 Quadratkilometer 
mit 3852 Einwohnern) und Lissa (52-61 Quadratkilometer mit 4822 Ein- 
wohnern). Von der Gesammtbevolkerung von 8674 Kopfen leben allein in 
den zwei Hauptorten der Insel 6759 = 78 Percent (2796 in Comisa, 3963 in 
Lissa). Vom Reste entfallen 160 Seelen auf das nahe Eiland Busi, 13 auf 
den Scoglio Pelagosa, 18 auf den Scoglio S. Andrea. Letztere Scoglien ge- 
horen namlich zur Gemeinde Comisa, obwohl Pelagosa 75 Kilometer (siidlich), 
S. Andrea 26 Kilometer (westlich) von Comisa entfernt liegt. 



412 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

bereits auf 15 Grad Celsius herabgemindert. ' Selbst die empfindlichsten 
Siidengewachse, voran die Palmen, deren in Stadt Lissa und Umgebung 
liber 200 gezab.lt werden, gedeihen daher auf diesem Eilande herrlich, und 
die Traube reift jenen, schon im Alterthum von Agatharchides gepriesenen 
Saft, dem der, besonders in Wien beliebte und nebst dem Curzolaner gern 
getrunkene Lissaner Wein Opollo (Schiller), seinen Ruf verdankt.* 

Dennoch ist es niclit so sehr die herrliche Flora, um derentwillen der 
Tourist nach Lissa kommt, als die Bedeutung der Insel in historischer Hin- 
sicht und als Ausgangspunkt fur den Besuch einiger Naturwunder, deren 
Wiirdigung erst in die letzten Jabre fallt. 

Lissa im Alterthum. 

Lissa, das im Alterthum griechisch wie lateinisch Issa Mess, hat, wie 
Fetter treffend hemerkt, einen gewissen Grad classischer Celebritat. Hier 
wohnten in der Urzeit pelasgische Liburner nach Apollonius von Rho- 
dus Ansiedler von der urspriinglich auch Issa genannten Insel Lesbos; 
Polybius aber berichtet von einer griechischen Colonisation, die um 392 vor 
Christ! unter Dionys dem Alteren von Syrakus stattgefunden haben soil, 
und vielleicht nur in einer Zuwanderung bestand, da Scylax Issa schon vor 
jener Zeit als Stadt bestehen lasst. Jedenfalls ist durch aufgefundene Gemmen 
und (von Bock in seinem Corpus Inscriptionum Graecarum mitgetheilte) 
Inschriften das hohe Alter eines Freistaates auf Issa 3 festgestellt, der zu- 
mindest seit der Zeit bestand, seit der Korinther Timoleon um 340 v. Chr. 
Sicilien (und damit auch das abhangige Issa) von seinem Tyrannen befreit 
hatte (Dionys dem Jungeren). 

Im Kampf gegen den illyrischen Konig Agron, der sich Pharias 
'Lesinas) bemachtigt hatte, suchten die Issaner das Biindnis der Romer nach 4 
und wurden von diesen gegen Agrons Witwe, Teuta, und deren Statthalter, 
Demetrius Pharus, in Schutz genommen, wie sie andererseits (nach Titus 
Livius), als Demetrius den makedonischen Konig Philipp aufreizte, den 
Romern zum Seekrieg gegen diesen 20 Schiffe stellten. 

Diese Hilfe und die Grundung von Pflanzstadten, wie Tragurion (Trau) 
und Epetion (Stobrec bei Spalato), zeugen von der Bedeutung Issas im 
Alterthum, und speciell der von Polybius erwahnten Stadt Issa, welche man 
an jener Stelle, unfern dem Stadttheile Banda piccola (von Lissa) vermuthet, 



1 Siehe die Temperaturtafel auf Seite 34, auf welcher die Janner- 
Temperatur "Wiens mit 1-6 Grad Celsius richtigzustellen ist. 

1 Wie es heisst, verschicken die Lissaner Weinhandler jahrlich 
iiber 60.000 Hektoliter. Auch ist die Insel wichtig als eine Hauptstation 
fur den Sardellenfang. 

3 Gleich wie von anderen freien Griechenstadten wurden auf Issa 
damals besondere Miinzen gepragt. Sie zeigten auf einer Seite unter den 
Buchstaben 12 eine Amphora, auf der anderen Seite eine Weintraube. 

4 Issaner Schiife sollen schon 260. v. Chr. mitgeholfen haben, dem 
Duilius den ersten Seesieg der Romer iiber die Karthager zu erkampfen. 



LISSA. 



413 



die jetzt Gradina heisst. Eine zweite antike Stadt auf Issa, von welcher 
Polybius und Hirtius berichten, bestand wahrscheinlich an der Stelle 
des heuligen Comisa. 

Issa hielt in der Zeit der romischen Biirgerkriege erst zu Pompejus, 
nach Casars Tode aber zu Augustus und wurde wahrscheinlich erst damals 
der romischen Provinz Dalmatien einverleibt. Zahlreiche Ruinen im Hafen 
von Lissa erinnern noch an jene Zeiten. Eine iiberlebensgrosse Marmorfigur 
Kaiser Domitians, welche aus dem Hafen herausgeholt wurde, befindet sich 
jetzt im Hofraume des ktmsthistorischen Museums in Wien. Als die Gothen 
von Ravenna nach Salona hiniibersegelten (nach Procop 535 n. Chr.), zer- 
storten sie Issa und die Bewohner siedelten sich nun zum Theil in der 
ITmgebung an. Eine zweite Zerstorung erlitt die Stadt Issa durch die 
Narentaner, doch wurde der Ort abermals aufgebaut und nahm auch wieder 
die Nachkommen der in die Umgebung gezogenen Lissaner auf, als deren 




1NSEL LISSA von Osten gesehen (Schlachtfeld). 

Siedlung am 24. August 1483 von den Aragonesen zerstort wurde, die zur 
Unterstiitzung des Venedig bekriegenden Herzogs Hercules von Este eine 
Flotte ausgeriistet hatten. 

Die Seeschlachten bei Lissa 1811 und 1866. 

In der venetianischen Zeit waren Lissas Schicksale enge mit jenen 
Lesinas verknupft; als aber Venedig fiel, trat Lissa neuerdings wie im 
Alterthum besonders hervor und wurde in unserem Jahrhundert zweimal 
der Schauplatz von Seeschlachten, deren einer (18G6) sogar Bedeutung in der 
Weltgeschichte zukommt. 

Die Insel war 1806 von den Franzosen und 1807 voriibergehend von 
den Russen besetzt worden und wurde in den folgenden Jahren der Con- 



414 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

tinentalsperre, da die von den Venetianern unbeachtet gebliebenen Hafen 
keinerlei Fortification aufwiesen, derart der Sammelpunkt aller Napoleon 
feindlichen Flaggen und Schmuggler, dass die Franzosen im October 1810 
eine eigene Flottille unter Dubourdieu aus Ancona entsandten, um die in 
Lissa angehauften Schmuggelwaren und zugleich 64 Handelsschiffe ver- 
brennen zu lassen. Da nahte der englische Commodore Hoste - - nach 
welchem noch heute der Scoglio am Ausgang des Lissaner Hafens heisst 
und Dubourdieu segelte davon, urn erst im Marz 1811 mit einer, der englischen 
iiberlegenen Flotte zuriickzukehren. Allein. trotz der TJberlegenheit fiel der 
Kampf, der sich am 12. Marz im Canal zwischen Lissa und Lesina entspann, 
zu Ungunsten der Franzosen aus, da es dem englischen Commodore gelang, 
die feindlichen Schiffe einzeln zu schlagen. Dubourdieii wurde erschossen und 
nur drei von seinen neun Schiffen vermochten sich -- libel zugerichtet 
nach Lesina zu retten. 

Von diesem Seesiege bis zu der am 19. Juli 1815 erfolgten Ubergabe 
an Osterreich hielten die Englander die Insel Lissa besetzt und machten 
aus ihr eine Art Malta der Adria, sowie einen Kampfplatz gegen Napoleons 
Continentalsperre, welcher dermassen Leute anlockte, dass die Bevolkerung 
in wenigen Jahren auf das Doppelte gestiegen sein soil. P e 1 1 e r erwahnt 
der Erzahlung, dass damals oft 100 Kaperschiffe im Hafen von Lissa 
auf giinstigen Wind warteten, um auszulaufen und fraiizosischen Schiffen 
aufzulauern. Auch holten die italienischen und dalmatinischen Schmuggler- 
schiife ungeniert englische Waren in Lissa, \vie dies die Hamburger und 
Bremer Schiffe auf Helgoland thaten, und kam es, den Continentalsperre- 
Decreten zufolge, zu einer Confiscation, so verbrannten die franzosischen 
Beamten oft nur die Emballagen und verkauften die Waren, ja es ereignete 
sich, dass die franzosischen Officiere selbst ostiiidischen Nanking trugen, 
der in Lissa gekauft worden war. 

Schon die Englander hatten Lissa stark befestigt. Die Osterreicher 
aber schufen einen stark befestigten Kriegshafen, welcher im Jahre 1866 
den Ausgangspunkt der Angriffs-Operationen des italienischen Admirals 
Conte Pellione diPersano bildete. Persano beschoss am 18. Juli die Forts 
von Lissa und schickte sich an, am 20. im Westhafen (Comisa) sowohl 
als im Sudosthafen (Porto Manego) Truppen zu landen. Da kam Tegett- 
hoff bei bewegter See und Nebel von Fasana her und Persano gieng ihm 
in dem Raum entgegen, der sich zwischen Lissa, den Spalmadoren von 
Lesina und der Insel Solta ausdehnt. 

Persano hatte 11 Panzerschiffe, 4 Holzfregatten und 4 Avisos, welche 
er in Kielwasserlinie formierte. Tegetthoff verfiigte nur tiber sieben Panzer 
und formierte diese als Tete eines Keiles, welcher im Mitteltreffen das 
Linienschiff ,,Kaiser", fiinf Fregatten und eine Corvette folgten (lauter 
Holzschiffe), wahrend zehn Kanonenboote und noch eiiiige kleinere Schiffe 
das Hintertreffen bildeten. Gleich im ersten Anlauf gelang es Tegetthoff, 
mit seinem Keil die feindliche Linie zu durchbrechen, sodass die Schiffe 
beider Flotten durcheinander geriethen. Die italienischen Panzer umzingelten 



LISSA. 



415 



zunachst das Linienschiff ,,Kaiser" und bedrangten es derart, dass es 
bedeutende Havarien davontrug; auch versuchte der ,,Affondatore" mehrmals 
osterreichische ScbiiFe zu rammen, hatte aber damit keinen Erfolg, wahrend 
Tegetthoffs Flaggenscbiff ,,Ferdinand Max" so furclitbar an den Panzer 
,,Re d'ltalia" anrannte, dass eine machtige Bresche an der Fockmastseite 
entstand und das Schiff zum Sinken brachte. Inzwischen tobte die Scblacht 
fort, wahrend welcher 1182 Kanonen Breitseite auf Breitseite entluden 
und die See weithin mit Pulverraucb bedeckten, bis plotzlich der ,,Palestro" 
in Brand gerieth und sich nordwestwarts entferute. Him folgten die 
iibrigen italienischeu Schiffe und Tegetthoff begann eben ihnen nach- 
zusetzen, als eine Riesen-Rauchsaule vom ,,Palestro" aufschoss und un- 
mittelbar darnach das Schiff mit einem Donnerkrach in die Luft flog. Die 
italieniscbe Flotte zog sich nun nach Ancona zuriick. wahrend Tegetthoff' 
in Lissa einlief und noch abends nach Pola dampfte. 



Topographisches. 

An Scoglio Hoste voriiber, welcher den Leuchtthurm tragt, in den 
Hafen von Lissa einfahrend, hat man zur Rechten (westlich) zunachst das 
Fort S. Giorgio, welches die Englander 1813 errichteten ' und mit den 
flankierenden Defensionsthurmen Beutink und Robertson verstiirkten. Dann 
6'ffnet sich die kleine Bucht des Porto Inglese, und gleich darauf tritt das 
vom Minoritenkloster S. Girolamo occupierte Halbinselchen vor, welches 
auch den katholischen Friedhof tragt, wo man den ,,Lowen von Lissa" 
findet, d. h. das den Tapferen 
vom 20. Juli 1866 errichtete 
Monument, welches seit seiner 
Errichtung ein pietatisch.es Ziel 
aller Besucher Lissas bildet. 
Hinter dieser Landzunge er- 
streckt sich der eigentliche Porto 
di Lissa mit dem westlichen 
Stadttheil Banda piccola. An 
letzteren schliesst Luka an, 
im Sttdostwinkel der Bucht aber 
liegt der Stadttheil K u t, so dass 
die ganze Stadt eine den Bucht- 
hintergrund vollig ausfullende 
Zeile von I 1 /, Kilometer Lange 
bildet, in deren Mitte, ober- 
halb der Strasse, sich das oster- 
reichische Fort ,,Batteria della DEE LOWE VOX LISSA. 




1 Uber dem Thore die Inschrift ,,George the Third 1813". Am Aufgange 
zu dem auch ,,Fortezza inglese" genannten Fort viele Meerzwiebeln (Scilla 
maritima). 



416 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Madonna" befintlet. 1 Hinter Kut steigt man zum ,,englischen Friedhof" 
hinauf, einem umgitterten Raum, hinter welchem ein einfaches Denkmal 
elf britischen Matrosen errichtet 1st, welche am 22. Februar 1812 in einem 
Gefecht mit dem franzosischen Schiffe ,,Rivoli" nahe bei Venedig verwundet 
wurden und hernach ihren Verletzungen eiiagen. 

Von dem englischen Friedhof geht es nordwarts zu dem von den 
Englandern begonnenen, aber erst unter osterreichischem Regime aus- 
gebauten Fort Wellington. Sammtliche Festungswerke auf Lissa sind 

gegenwartig ganz aufgelassen. 2 

* 

Bedeutend kleiner als Lissa ist das aus zwei Theilen (Banda grande 
und piccola) bestehende Comisa (Komiza), 3 in dessen Umgebung dem Natur- 
freund sehr die zahlreichen Johannisbrotbaume 4 auffallen durften, die hier 
cultiviert werden. Von Comisa besteigt man in 2 l / 2 Stunden den Hum 
(585 Meter), gewohnlich aber dient der Hafen als Ausgangspunkt fiir den 
Besuch der Blauen Grotte auf Busi, auf deren Besichtigung sich die Fremden 
zu beschranken pflegen, obwohl auch Lissa selbst zwei sehenswiirdige 

Grotten besitzt. 

* 

Die eine der Lissaner Grotten befindet sich nahe dem Porto Chiave, 
5 Kilometer nordwestlich von Lissa und bildet durch Saulen gesttitzte 
machtige Gewolbe, deren Felswande die bizarrsten Formen zeigen; die 
andere Grotte befindet sich auf dem Scoglio Eavnik, welcher dem Siidost- 
hafen der Insel (Porto Manego) vorgelagert ist. In diese Grotte fahrt man 
durch zwei bogenformige Pforten ein und sieht nun, durch eine naturliche 
Kalksaule von 4 Meter Durchmesser in zwei Halften getheilt, einen Raum, 
der an das Pantheon in Rom erinnert. Zu Haupten wolbt sich riamlich, 
circa 20 Meter hoch und ebenso weit eine Kuppel, aus deren Mitte durch 
eine Offnung Licht in die Grotte fallt und von dem spiegelklaren Wasser 
reflectiert wird, das bis auf den sandigen Grund jedes Fischlein und jeden 
kleinsten Gegenstand deutlich erkennen lasst. Je nach dem Einfallswinkel 
der Sonnenstrahlen wechseln die Reflexe auf der azurnen Flut und auf den 
Stalaktiten der Grotte, aus deren Nischen der Besucher gelegentlich einen 
Schwarm Fledermause aufscheucht. 



1 Jetzt sind in diesem Fort das Versorgungshaus und das Spital 
untergebracht. 

2 Ein kleiner Ausflug von Lissa fiihrt siicllich auf die Anhohe (2G8 Meter) 
hinter dem Kirchlein S. Cosimo (S. Kuzma). Man sieht 'da nicht nur in den 
Campo grande mit der Wallfahrtskirche Madonna dell' Assunta, sondern der 
Blick reicht bis zum Vorgebirge Gargano (Ostspitze Apuliens) und Siiditalien. 

3 In Comisa drei Sardellenfabriken. 

4 Das Holz des Johannisbrotbaumes ist roth und trocken sehr hart. 
Die Schoten werden Ende August, wenn sie noch etwas griinlich sind und 
einen siisslich herben Terpentingeschmack haben, der sich erst durch das 
Trocknen verliert, abgenommen. Ein Baum gibt jahrlich 6 bis 7 Centner 
Frucht. 



DIE ,,BLAJE GROTTE" AUF DER INSEL BUSI. 



417 



Die ..Blaue Grotte" auf der Insel Bus! (Bisevo). 

Von der Siidwestspitze 
Lissas (Pta. StupiSce) 5, von 
Comisa 9 Kilometer in siid- 
westlicher Bichtung entfernt, 
erhebt sich aus den Fluten 
der Adria ein in buchtenrei- 
chen Steilkiisten aufsteigen- 
des Eiland von etwa 4 Kilo- 
meter Lange und 2 Kilometer 
Breite, das im ganzen von etwa 
Menschen bewohnt wird. 
Z\\ ihrer kleinen Siedlung, dem 
um das 60 Meter hoch gelegene 
Kirchlein S. Sylvester gruppierten 
Dorfe Busi hinaufzusteigen und zu 
sehen, wie eine so abgeschiedene 
Inselbevolkerung lebt und webt, 1 
gewahrt nicht geringes Interesse; 
hauptsachlich aber zieht Busi durch 
seine Grottenbildungen 2 an, beson- 
ders durch die 1884 von Baron R a n- 
sonnet entdeckte Blaue Grotte, 
welche die sehenswiirdigste unter 
einer grossen Anzahl ahnlicher 
Hohlenbildungen ist. 

Busi ist trotz seiner Steilkiisten 
im allgemeinen mit Vegetation be- 

deckt, besonders mit Meerstrandskiefern, immergrunenEichen, Arbutus, Myr- 
ten, Cistus, Rosmarin, Viburnum tinus u. a., nur die der starksten Brandung 
ausgesetzte Sildostkiiste, wo sich als Hauptgipfel die 240 Meter hohe Vela 
gora erhebt, zeigt kahle Wande. Die zehn Grotten, welche Baron Ransonnet 
kennt und von welchen die Medvjedina (Barenloch) 150 Meter Lange hat, 
vertheilen sich j edoch auf die ganze Inselkiiste, und speciell die BlaueGrotte 
offnet sich an der Nordostkiiste, im Hintergrunde der Valle Ballon, 
als ein Thor von 2 '/> Meter Breite, das sich bei ruhiger See !'/> Meter tiber 
dem Spiegel des hier 5 Meter tiefen Wassers wolbt. Wahrend bei bewegter 
See die Einfahrt schwierig, wo nicht unmoglich ist, kann also bei ruhigem 




BLAUE GROTTE VON BUSI. 



1 Die Bewohner der Insel sind croatischen Stammes, Katholiken, 
und betreiben ausser dem Wein- und Obstbau, der Schaf- und Bienenzucht, 
besonders den Fischfang. (Die Buchten der Insel sind ob ihres Reichthums 
an Sardellen und Scombri beriihmt.) 

* Isola di Busi bedeutet im venetianischen Dialekt ungefahr : die 
Locher-Insel (busi buchi); biS Porus. 

Ftllirer durch Dalmatian. 27 



418 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Meeresspiegel ein init 10 bis 12 Mann besetztes Boot ungehindert passieren 
und in den von schroffen Kalkwanden eingefassten, fast geradlinigen 
Canal eintreten, den in der ersten Halfte tiefe Dunkelheit einhiillt. 

Kommt man weiter, so macht sich im Vordergrund ein eigenthiimlich 
gedampftes Dammerlicht bemerkbar, und die anfangs dunkelblaugriine 
Farbe des Wassers geht in ein leuchtendes, helles Himmelblau iiber; 
kaum aber ist das Ende des Canals erreicht, wo der Kahn iiach rechts 
abbiegt, so sieht man sich in einen hohen und weiten, iiber schimmernder 
blauer Flut gespannten Eaum versetzt, wo alles Sichtbare wie von magischem 
Schimmer umflossen erscheint, die Euder in der blauen durcbsichtigen Flut 
silberweiss glanzen und auch eingetauchte Gegenstande unter dem Wasser 
wie mattglanzendes Silber leuchten. 

Ungefahr in der Mitte des Eaumes, wo sich die Deckenwolbung am 
hochsten spannt, sieht man die wie fliissiges Perlmutter schimmernde licht- 
blaue Flut durch einen wasserklaren Streifen eine seichtere Stelle, wo 
man bis auf das Gestein am Grunde blickt in zwei Becken getheilt l und 
nimmt die den Abschluss der Grotte bildende Felswand wahr, die nur wenig 
unter den Wasserspiegel taucht und unter der 16 bis 18 Meter tiefen Wasser- 
masse ein ebenso hohes 10 l / 2 Meter breites Thor bildet, jenseits welchem der 
Wasserspiegel im Freien liegt und Belichtung erha.lt. In der linken Ecke 
setzt die Grotte in einem erhoht situierten engen Gauge fort, durch den - 
wie beim Grotteneingang direct Tageslicht einfallt und dem Felsen einen 
rothlichen Schimmer verleiht. 

Das Gefelse ist lichtgrauer, im Bruch weisser Kalkstein, und obzwar 
oberflachlich vielfach gespalten, doch so fest im Gefiige, class selbst wackelnde 
Bruchstiicke wie eiugeklemmt erscheinen und sich nicht herausziehen lassen. 
Geroll fehlt bei der Steilheit der Gehange vollstandig und wer ein Stuck 
Gestein als Andenken mitnehmen will, bedarf eines mitgebrachten Hammers 
oder Steines, um sich ein Partikel loszuschlagen. An der linken Seite der 
Hauptgrotte kann man sich an Felsvorspriingen leicht aus dem Kahn aut 
eine aus Gesteinblocken unregelinassig geformte Felsleiste hinaufschwingen, 
die einen Totaliiberblick der Grotte gewahrt. 

Vor dem Eingang der Grotte stehen haufig Jungen aus Busi und 
bieten Stiicke des Brandungsgeklippes dar, das ganz zerfressen und so innig 
mit zahlreichen Meerthieren \ind Meerpflanzen bevvachsen erscheint, dass 
es selbst nach erfolgter Trocknung lange einen scharfen marinen Geruch 
behalt. 2 



1 Die Gesamrntlange betragt 31 Meter, die Breite 15 bis 17 Meter. 

2 Bei der Fahrt von Comisa nach Busi nimmt das Boot Direction gegeii 
die Bucht, in welcher eine kleine Gruppe von Uferhauschen steht, und welche 
durch einen fast ganz von der Flut umspiilteii kahlen schildformigen Fels- 
bilchel von einer zweiten, links gelegenen Bucht getrennt wird, in deren 
Hintergrund man gewohnlich einige Kahne bemerkt. Noch weiter links er- 
hebt sich die hohe, im allgemeinen von rechts unten nach links oben ge- 
schichtete Felswand, in welcher sich und zwar als ostlichste von fiinf 
Uferhohlen tier Grotteneingang offnet. 



CURZOLA. 



Curzoia (Korcula). 

Bei 47 Kilometer Lange und 6 bis 8 Kilometer Breite halt die Insel 
Curzoia ihrer Form nach die Mitte zwischen der massigen Brazza und 
der schlanken Lesina und bildet eine ziemlich getreue, nur 30 Kilometer 
weiter ins Meer hinausgeschobeiie Wiederholung des Westtheils der Halb- 
insel Sabbioncello, welcher sie im Siidwesten vorgelagert und auf einer 
10 Kilonaeter langen Strecke so nahegeriickt ist, dass der trennende Canale 
di Sabbioncello hier kaum 2 Kilometer Breite hat.* 

Die Bodengestaltung ist insofern von jener Brazzas und Lesinas ver- 
schieden, als der das mittlere Inseldrittel erfiillende Hauptgebirgszug kein 
Plateau, sondern mehrere durch Senken getrennte Gruppen bildet und mit 
seinen nordlicheii Hiigelvorlagerungen etwas steiler als mit dem siidlichen 
zum Meere abdacht. Auch von den drei Hauptgipfeln der Insel, von welchen 
die KlupCa (568 Meter) 16, das Hlapio brdo (531 Meter) 20 und der Kom 
(510 Meter) 28 Kilometer vom Ostcap entfernt sind, 3 liegen die beiden 
letzteren naher der Nordkiiste. Als Erhebungscentrum der Insel ist die von 
mehreren fast gleich hoheii Gipfeln umgebeiie Klupca zu betrachten, von 
welcher gegen Westen wie nach Osten Depressionen abstreiclien, so dass 
ein nordlicher und ein siidlicher Gebirgszug entstehen. In der Depression 
verlauft der nordlich der Klupca einen Sattel von 462 Meter iibersteigende 
Hauptsaumweg der Insel, welcher auch die Hauptorte verbindet, die hier 
noch mehr als bei Lesina im Innern liegen, wo sich die Bevolkerung zu- 
sammendrangt, wahrend von den Kiisten nur die ostliche und westliche 
starkere Besiedlung aufweisen. Der einzige Ort der Letzteren, Vallegrande 
(Velaluka), liegt iibrigens an der Miindung der westlichen Thaldepression 
in die grosse, hier 7 Kilometer in den Inselkorper einschneidende Bucht von 
Vallegrande, welche als submarine Fortsetzung jenes, durch den Wintersee 
Blatsko polje ausgezeichneten Thales zu betrachten ist. 

Wie die folgende Ubersicht zeigt, wohnen auf Curzoia 
56 - 4 Percent der Bevolkerung im Innern der Insel und nur 
43- 6 Percent an den Kiisten, eine Thatsache, die sich zum 
Theil aus der gebirgigen Formation des ganzen Eilands 
erklart. Zwischen den Bergen entwickelten sich, abgesehen 
von der Depression in der Inselmitte, keine langeren, zum 



1 Die Insel Curzoia (276'05 Quadratkilometer mit 14.934 
Einwohnern) bildet mit der Insel Lagosta (52'73 Quadrat- 
kilometer mit 1226 Einwohnern) den Gerichtsbezirk Cur- 
zoia der gleichnamigen Bezirkshauptmannschaft, welche 
ausserdem noch den Gerichtsbezirk Sabbioncello (PeljeSac) 
(261'38 Quadratkilometer mit 8221 Einwohnern) umfasst. 

* Die Nordkiiste Curzolas ist von der Siidkiiste Lesinas 
durchschnittlich 16, das Nordwestcap von der Ktiste Lissas 33, 
das Siidwestcap von der Kiiste Apuliens 120, die Siidkiiste 
von der Nordkiiste Lagostas 13 Kilometer entfernt. 

3 Kom (Hum) Westcap der Insel 24 Kilometer. 




27* 



420 



DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 



Meere streichenden Thaler und auch die Kiiste 1st trotz zahlreicher Ein- 
buchtungen arm an guten Hafen. 



Quadrat- 
Gemeinde kilometer 


Ein- A r on den Einwohnern leben in 
wohner Binnenlandorten Kiistenorten 


Blatta (Blato) 187-47 


8.837 Blatta . . 
Smokovica 
Cara 


5.049 
659 
499 


Vallegrande . 2.630 
(Velaluka) 


Curzola (Korcula) 88-58 


6.097 Pupnat . 
Zrnovo / 
Postrana i 


578 
1.645 


RaCisce . . 776 
Curzola . . 1.938 
Lombarda . . 1.029 








ScoglioPetrara 131 
(Vrnik) 



276-05 14.934 



8.430 



6.504 



Historisches. 

Geringe Besiedlung. der Nord-, West- und Siidkiiste Curzolas vmd die 
vorerwahnten sie bedingenden Ursachen l haben wohl dazu beigetragen, dass 
sich ein gewisser Waldbestand bis heute erhielt und bei Fahrten im Canal 
von Sabbioncello einen grossen Unterschied zwischen der kahlen, hellfelsigen 
Sudkiiste Lesinas und der mehr bewaldeten dunklen Nordkiiste Curzolas 
wahrnehmen lasst. Im Alterthum, als die Orte im Westtheil der Insel wahr- 
scheinlich unbedeutend waren, mag dies noch mehr der Fall gewesen sein, 
und daraus erklart sich vielleicht, warum man in griechischer und romischer 
Zeit Curzola als Korkyra Melaena oder Corcyra nigra (Schwarz-Korkyra) 
von Korkyra (Corfu) schlechthin unterschieden hat. 

Zahlreiche classische Autoren erwahnen der Insel, einige wie Scymus 
von Chios, Strabo und Plinius als Colonie der kleinasiatischen Knidier, was 
Andere noch dahin erganzen, Antenor habe bei einer Landung auf Curzola 
hier eine Colonie zuriickgelassen. Auf diese Sage bezieht sich eine uralte 
Inschrift der Porta marina von Curzola: ,,Hic Antenoridae Corcyrae prima 
Melanae fundamenta locant". 

Der illyrisch-griechischen folgte auch hier eine romische und eine 
byzantinische Periode, sowie eine Zeit, da die Insel unter den Narentanern 
stand oder mit diesen verbundet war. Der Siegeszug, der Pietro Orseolo im 
Jahre 997 durch das gauze Kiistendalmatien fiihrte, brachte Curzola unter 
die venetianische Verwaltung, welche aber wiederholt unterbrochen wurde, so 
um 1100 von einer Besetzung durch die Genuesen, welcher erst 1129 der 
Venezianer Popone Zorzi ein Ende machte, so 1180 von einer Beunruhigung 
durch den Knez Constantin voii Zachlumien und einer Periode relativer 
Unabhangigkeit, in welche die Sammlung des Statuts von Curzola, des 
altesten in Dalmatien, fallt. 2 In der zweiten Halfte des XIII. Jahrhunderts 



1 Ausser der Wirkung der Siidwinde, welche die Kahlheit der Siid- 
kiisten begiinstigen. 

2 Dieses Statut ist durch seine Stellungnahme gegen den Sclavenhaudel 
- eine der fruhesten der Geschichte merkwiirdig. 



CURZOLA 421 

herrscht auf Curzola Marsilio Zorzi, den Venedig als Lehenstrager bestatigt; 1 
im Jahre 1338 aber kam die, zehn Jahre vorher von den Genuesen gepltin- 
derte Insel in den Besitz Ludwigs d. Gr., Konigs von Ungarn und Croatien, 
und blieb nun, ausgenommen ein kurzes Intermezzo unter Konig Tvrtko 
von Bosnien (1390 1394), unter der ungarischen Oberhoheit, bis sich die 
schon bei der Geschichte Brazzas erwahnten Vorfalle unter Hrvoja, dem 
ragusiiischen Conte und dem Narentaner Sachez ereigneten, welche am 
23. April 1420 mit der Unterwerfung Curzolas unter Venedig endeten. 

In der venezianischen Zeit litt Curzola hauptsachlich durch die Ver- 
wiistungen der Aragonesen (1483), durch die Pest von 1558 und durch den 
Tiirkenangriff von 1571; nach dem Falle Venedigs, beziehungsweise nach der 
ersten 6'sterreichischen Periode von 1797 1806, war Curzola die erste Insel, 
welche nach zweimaligen Kampf mit den Franzosen von den Piussen besetzt 




CURZOLA. 

wurde. Im Jahre 1813 bemachtigten sich die Englander der Insel und be- 
hielten sie, bis am 19. Juli 1815 die Ubergabe an Osterreich erfolgte. 2 

In der Venezianerzeit nahm auch Curzola durch Aufnahme vieler, 
nach dem Falle von Byzanz gefliichteten Griechen an dem geistigen Auf- 
schwunge Italiens und Dalmatiens theil und brachte eine Anzahl bedeutender 
Manner hervor. die nachher im Auslande grosseren Wirkungskreis fanden. 
Hieher gehoren Luca de Tollanti (seit 1469 Bischof von Sebenico) und Gia- 



1 In diese Periode, und zwar in das Jahr 1298, fallt der bei Curzola 
erfochtene Seesieg der Genuesen iiber die Venetianer, bei welchem Andrea 
Dandolo und der nachmals so beriihmt gewordene Reisende Marco Polo, 
der ein gebiirtiger Curzolaner gewesen sein soil, in Gefangenschaft geriethen. 

3 In die osterreichische Periode fallt die Aufhebung des im Jahre 1300 
vom ,,Bisthum der Inseln" abgezweigten Vescovats Curzola, das seither das 
fiinfte Decanat des Bisthums Ragusa bildet. 



422 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

como Banisio, die es bei den Kaisern Friedrich und Max I. zu Ansehen 
brachten, F. Nicosio, Secretar Konig Sigismunds von Polen (f 1549) und 
Pietro Canavelli (f 1690), der u. A. ein Gedicht iiber das Erdbeben von 
Ragusa verfasste. 

Erwerbszweige. 

Sehr treffend macht J. G. Kohl darauf aufmerksam, dass die Halb- 
insel Sabbioncello und die Insel Curzola einen 90 Kilometer langen Damm 
darstellen, welcher den dalmatinischen Archipel gewissermassen gegen Siiden 
abschliesst und nur in der Mitte von dem schmalen Canale di Curzola unter- 
brochen wird. Diesen Canal mussten alle von Cattaro heraufkommenden 
kleinen Schiffe, welche vor der Aera des Dampfes das offene Meer scheuten, 
beniitzen, und er wurde daher eine der belebtesten Passagen der Adria, 
welcher die Stadt Curzola wohl schon im grauen Alterthum Bedeutung ver- 
dankte. 

Eben damit hangt es vielleicht zusammen, dass die Curzolaner seit 
alters in der Schiffsbaukunst sich auszeichneten und noch heute, obwohl die 
Dampfschiffahrt die Bliite der kleineren Werften vernichtet hat, speciell in 
der Stadt Curzola den Bau von Booten betreiben, die in Fachkreisen als 
ausgezeichnet gelten. 1 Leider ist der einstige Waldreichthum jetzt auf ein- 
zelne Parcellen im Westtheil der Insel reduciert und so wird immer mehr 
die Weincultur zum Haupterwerbszweige. Auch die Ausbeutung der Stein- 
brtiche ist von einiger Bedeutung und liefern z. B. jene des Scoglio Petrara 
(Vrnik) an der Ostkiiste einen seit uralter Zeit geschatzten marmorartigen 
Kalkstein. 

Topographisches. 

Die Stadt Curzola (Kor2ula) liegt im Nordosten der Insel, deren 
Lage einigermassen an jene Corfus gemahnt. In den Euinen ihrer Festungs- 
mauern, welche aus dem Jahre 1420 stammen sollen, offnet sich ein 
Thor gegen die Marina, das andere gegen das Festland, von welchem die 
Stadt durch einen Graben geschieden ist. In der Richtung landein erhebt 
sich der von den Briten erbaute Thurm des Fort Biagio als eine weithin 
sichtbare Marke; die Stadt selbst steigt von alien Seiten gegen den Domplatz 
an, und bietet einen Gesammteindruck von Miniatur-Rathhausern, -Palasten, 
-Forums und -Gassen, wie er in so malerischer Gruppierung selten zu finden 
ist. Man glaubt ein Stuck venetianischer Geschichte in Marmor und Stein vor 
sich zu haben, wenn man diese Bauten sieht, welche noch dastehen wie einst, 
als die Morosini und Faliero hier commandierten. Sie sind in einem fast 
ebenso geschmuckten Styl gebaut, wie der Dogenpalast, und besonders der 
aus dem XIII. Jahrhundert stammende Doni bietet in seinem Aufbau und 
seinem zumeist von Curzolanern herriihrenden sculpturalen Schmuck einen 



1 Eine grossere Werfte befindet sich in dem einen Kilometer stidlich 
der Stadt gelegenen Porto Pedocchio. 



CURZOLA. 423 

Anblick, dass ihn Wilkinson und Jackson zu den bedeutenderen Architektur- 
Denkmalern Dalmatians zahlten. Sein Hauptaltarbild soil von Tintoretto 
stammen, das Bild iiber dem Altar der heiligen Dreifaltigkeit ist von Gia- 
como da Ponte (15101592) gemalt. 

Die Pest von 1526 soil Curzola arg entvolkert haben und noch heute 
sieht man Euinen einst bewohnter Hauser. Daher wird Curzola auch als 
Vergangenlieit der Insel bezeichnet, wie Blatta (Blato), der grosse Binnen- 
markt, als die Gegemvart und Vallegrande (Velaluka), der von Blatta 
sechs Kilometer entfernte Westhafen, als die Zukunft. 1 In Blatta ist eine 
schon 1496 erwahnte, im Jahre 1700 restaurierte Loggia bemerkenswert. 
Vallegrande dagegen, das sich erst im letzten halben Jahrhundert auf- 
geschwungen, hat keinerlei Besonderheiten aufzuweisen. 




THURM IX DER F E S TU N GSM AUE R VON CURZOLA. 

Erwahnt mag hier noch sein, dass sich auf Curzola eine Anzahl alter 
Gebrauche erhalten hat. So tanzt man in Curzola den Eeigentanz ,,Moreka", 
dessen Idee die ist, dass der Konig von Spanien und seine Weissen die Frau 
des Negerkonigs (Bula) ergreifen; in den Dorfern Pupnat und ^rnovo wahlt 
man im Faschingden ,,Dicken Konig", dessen Machtbis Aschermittwoch dauert ; 
in Blatta endlich ist das Eitterspiel ,,Kumpanjija" im Schwang, das als Gegen- 
sttick zur ,,Alka" von Sinj und zur ,,Marinerezza" (Mornarica) von Cattaro 
betrachtet werden kann. Das Spiel wurde seinerzeit besonders zur Feier der 
Ankunft des venetianischen Conte abgehalten und zu ihm erschien die Jugend 
aus den besten Familien auf dem Hauptplatze, angethan mit albanesischen 



1 Halbwegs zwischen Blatta und Vallegrande der Wintersee Blatsko polje. 



424 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Gewandern und mit alterthiimliclien Schwertern und Handscharen ausgerlistet, 
die zum Theil noch aus der Zeit der Kreuzziige stammen sollen. In diesem 
Aufzug fiihrte man in mehreren Gruppen unter Begleitung von Dudelsack 
und Trommel das Schwertergefecht aus, nach dessen Beendigung sich auch 
die weibliche Jugend einfand, worauf die graziose,,Monferina" der Curzolaner 
getanzt wurde. 

Lagosta (Lastovo). 

Mit diesem 13 Kilometer siidlich von Curzola und 31 Kilometer westlich 
der Insel Meleda * gelegenen Eiland erreicht der von Norden kommende 
Seefahrer den Bereich der einstigen ragusaischen Hepublik. Denn Lagosta, 
obwohl 997 auch von Pietro Orseolo erobert, der damals die an der Kliste 
gelegene Hauptortschaft der Insel zerstorte und den Einwohnern befahl, 
sich weiter im Innern anzusiedeln, nahm in der Folge nicht lange an clem 
Wechsel byzantinischer, ungarischer und venetianischer Herrschaft theil, 
sondern fiel im XIII. Jahrhundert in den Machtbereich der Serbenkonige, 
welche sie alsbald den Ragusaern iiberliesseii. 

Die Insel hat nur ein Fiinftel der Grosse Curzolas und wird nur von 
1226 Menschen bewohnt, welche sich fast zur Ganze in dem Orte gleichen 
Namens 2 zusammendrangen. Letzterer liegt im Nordosttheil der Insel, 
nur */ 2 Kilometer von der Kuste eiitfernt, und baut sich aniphitheatralisch 
in einem von Hugeln gebildeten Kessel auf, welchen rings Olivenhaine und 
Weingarten umgeben, Auch Parcellen immergriinen Waldes hat die Insel 
noch aufzuweisen, besonders im Umkreis ihres 417 Meter hohen Hauptberges 
Hum, der ein prachtiges, durch die vielen Scoglien, welche Lagosta um- 
lagern, verschontes Meerpanorama bietet. 

Die Lagostaner, die noch immer den ragusaischen Dialekt sprechen (ein 
Gemisch von reinem Italienisch und reinem Croatisch) sind eifrige Fischer und 
betreiben besonders den Sardellenfang, zu welchem die grossen Buchten 
der Nord-, West- und Siidkiiste reichlich Gelegenheit bieten. 

An die Nordwest-Ecke der Insel tritt der grosse, doppelt eingebuchtete 
Scoglio Prijestap an einem Punkte so nahe heran, dass hier eine Landver- 
bindung (Most) einen Doppelhafen schafft, dessen Siidtheil Porto Lago 
grande heisst. Mitten in diesem fast seeartigen, fisch- und krebsenreichen 
Bassin liegt der Scoglio Makarac, ein reizendes Bild, welches die Hohen 
des nahen Hum dominieren. Westlich von Prijestap liegt der Scoglio 
Marchiara (Mercara). 

An der Siidseite streckt Lagosta zwei Halbinseln vor, zwischen welchen 
ebenfalls eine machtige Bucht landein greift. Ihr 6'stlichster Winkel ist der 
Porto rosso, der fur die Geschichte der Adriaschiffahrt eine gewisse Be- 



1 Meleda (Mljet) siehe Cap. XXVII. ,,Die stiddalmatinischen Inseln". 

2 In der aus dem XIV. Jahrhundert stammenden Pfarrkirche befindet 
sich ein Hochaltarbild, an dessen Riickseite die Worte ,,Titianus pinxit" zu 
lesen sind. 



DIE MEERFERNEN EILANDE. 425 

deutung hat. Die ihn begrenzende Halbinsel lauft namlich in zwei Caps 
aus (Punta Skrizevo und Punta Struga) und zwischen diesen erhebt sich 
der alteste, tiber Veranlassung der Triester Haiidelskammer schon im 
Jahre 1849 erbaute Leuchtthurm. Er ragt auf 80 Meter hoher Anhohe zu 
104-3 Meter Hohe auf und sendet seine Strahlen 25 Seemeilen weit in sudlichem 
Halbrund aus. 

Lagosta ist naturhistorisch durch eine von riesigen Stalaktiten 
erfilllte Grotte merkwiirdig , aus welcher , wenn bestimmte Winde 
wehen, eigenthiimliche, zeitweise bis zu Getose sich steigernde Gerausche 
dringen. 

Noch bedeutsamer ist die Insel fiir den Seemann infolge ihrer Um- 
giirtung mit Scoglien. Unmittelbar um die Zsordostkilste reiht sich eine 
Anzahl dieser Felseilande, die bis zu 1 Kilometer Lange erreichen (Lagos- 
tini di Ponente); weiter ostlich fast bis halbwegs Meleda erstreckt sich 
der Kiffzug der kleinen Lagostini di Levante; im Westen Lagostas 
aber liegt der von Riffen umgebene Scoglio Cazziol und 23 Kilometer 
westlich des oberwahnten Punktes Most ragt aus tiefem Meer zu 243 Meter 
Seehohe die eigenartig geformte Insel C a z z a auf, welche nur ein einsames 
Capellchen (S. Biagio) und einen Leuchtthurm tragt und den Ubergang zu 
den meerfernsten aller dalmatinischen Eilande macht. 

Die meerfernen Eilande. 

(St. Andrea, Porno, Pelagosa.) 

Das nachste und grosste dieser Inselchen ist St. Andrea (Sv. Andrija), 
ein 3 ! / z Kilometer langes und halb so breites Felseiland, das 23 Kilometer 
westlich vom Westcap Lissas aus einem 100 Meter tiefen Meere zu 311 Meter 
Hohe aufragt. Trotz dieser Entfernung leben 18 zur Lissaner Gemeinde Comisa 
gehorende Menschen auf der Insel und diese hat nicht nur ein Kirchlein 
(S. Andrea an der Siidostkiiste), sondern auch eine Ruine (Kraljicin) auf- 
zuweisen. Auf der Insel kommt ein schoner Marmor vor und auf dem 
4 Kilometer sudostlich aus dem Meer ragenden Scoglio Mellisello 
(Brusnik) Porphyr. 

Noch weltabgeschlossener und aus noch tieferem Meer erhebt sich 
49 Kilometer westlich vom Westcap Lissas der Scoglio Porno, ein 57 Meter 
hoher Fels, welcher so unvermittelt aus rings 80 Meter tiefem Wasser auf- 
stolzt, dass man weder mit Schiffeii landen, noch Anker werfen kann. Dieser 
Scoglio gehort auch zur Gemeinde Comisa. 

Am fernsten vom Festlande und von alien grosseren dalmatinischen 
Inseln liegt jedoch sudlich von der Insel Cazza die Scogliengruppe Pelagosa 
(Palagruza), welche aus dem 1 Kilometer langen schrnalen Inselchen Pelagosa 
grande und dem sudostlich situierten, von fiiff'en umgebenen Pelagosa 
pic col a besteht. Ausserdem ist der Gruppe noch 6 Kilometer siidsiidostlich 
der von Riffen umgebene Scoglio Cajola zugesellt. 



426 DIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. 

Pelagosa grande liegt 70 Kilometer sudlich von Lissa ' und nur 
55 Kilometer nordlich der aussersten Ostspitze Apuliens (Halbinsel Gar- 
gano), gehdrt also orographisch schon mehr Italien als Dalmatieii zu, 
wahrend Flora und Fauna mehr dalmatinisch sein sollen. 

Die Insel dient gleich den unbewohnten Scoglien als Weideplatz fur 
Schafe und Ziegen und als Sommerstation fiir die Sardellenfischer ; auch 
hausen auf ihr die zwei Leuchtthurm-Assisteiiten mit ihren Familien, die, 
da nur Kriegsschiffe und Fischerboote zeitweilig hier anlegen, ein voll- 
kommenes Einsiedlerleben fiihren (13 Kopfe). 

Interessant ist, dass bei der Fundamentierung des Leuchtthurmes 
Gerathschaften (Axte, Beile, Messer, Hammer) aus der Steinzeit gefunden 
wurden; ja es heisst sogar, in einer Hohle hatte man ein menschliches 
Skelet entdeckt, bei dem sich in der Gegend des Herzens ein Steinpfeil 
befand. 

Der Leuchtthurm erhebt sich im Westen der Insel auf 91 Meter hoher 
Basis zu 116 Meter und dominiert die in der Inselmitte stehende, nur 
61 Meter hohe S. Michele-Capelle. Trotz seiner Hohe wird seine Laterne noch 
vom Gischt der Sciroccosturme erreicht. Die gemessenen Meerestiefen rings 
steigen von 12 Meter nahe der Kiiste rasch auf 114 Meter. 

Im Juni 1894 liess die Marinesection des k. u. k. Beichs-Kriegsmini- 
steriums gelegentlich einer Expedition Sr. Majestat Schiff ,,Pola", durch den 
k. u. k. Linienschiffs-Lieutenant A. v. Triulzi eine meteorologische Station 
auf Pelagosa einrichten, deren Besorgung der erste und zweite Leucht- 
thum-Assistent J. Coda und V. Pecarich iibernommen haben. 

Die vom Juni 1894 bis Ende 1897 angestellten Beobachtungen hat 
Hofrath Hann auf die Periode 1851 1880 reduciert und darnach folgende 
Klimatafel gegeben, die als Erganzung der Tabelle Seite 34 hier eine Stelle 
finden mag. 

Pelagosa 42 23' n. Br., 16 15' 6. von Greenwich. Seehohe 92 Meter. 

Temperatur 
Mitt el Maximum Minimum 

16-3 3-4 

14-9 2-3 

15-0 3-1 

15-9 3-2 

19-8 6-8 

24-8 . 9-9 

28-5 14-6 

30-0 16-2 

30-6 17-7 

26-9 14-9 

23-3 10-4 

18-2 5-7 

1 126 Kilometer sudlich von Trau, 187 Kilometer ostlich des Eingangs 
der Bocche. 



December . . 
Janner . 
Februar . . 


. 10-6 
. 9-8 
. 10-3 


Marz . . . 
April . . . 
Mai .... 


. 11-5 
. 14-2 
17-5 


Juni .... 
Juli . . . . 
August . . . 


. 21-8 
. 24-2 
, 24'0 


September . . 
October . . . 
November . . 


. 21-3 
. 18-0 
. 13-5 



DIE MEERFERNEN EILANDE. 



427 



Diese Temperaturen, die sich fur das Meeresniveau um V, Grad er- 
hohen, zeugen von dem ganz maritimen Klima Pelagosas, wo der Janner 
noch um l / t Grad warmer, der Juli um O'l Grad kiihler als auf Lissa 1st. 1 

Entfernung und Fahrzeiten im Verkehr mit den mittel- 
dalmatinischen Inseln. 2 



Seemeilen 
it, 1-852 km 

Spalato Milna (Westkilste von Brazza) 11 

S. Pietro (Nordkiiste von Brazza) .... 9 

Lissa (Topic) 30 

Curzola, Warenlinie .4, Lloyd 67 

Eillinie Ragusa 60 

Milna Gelsa (Nordkiiste von Lesina) incl. 3 / 4 ^ Auf- 

ehthalt in Bol (Siidkiiste von Brazza) ... 18 

Lesina (Westkiiste von Lesina) 14 

Cittavecchia (Nordwestkiiste von Lesina) . . 14 

Lesina Lissa 13 

Lissa Comisa (auf der Insel Lissa) 12 

Vallegrande (Westkiiste von Curzola) ... 23 

Curzola 42 

Vallegrande Curzola 30 

iiber Lagosta nach Curzola .... 28'6 

Curzola Gravosa . 47 



Fahrzeit 
Ih 

1ft 15 
3ft 
7h 
6ft 

3 ft 15 
IftSO 
Ift30 



4/i 30 
3 ft 30 



5ft 



1 Siehe: k. u. k. Oberstl. G roller v. Mi Idensee. Die Inselgruppe Pela- 
gosa (mit Karten und Ansichten). Deutsche Rundschau fur Geogr. und 
Statistik, 1896. Ferner: Hann, Meteorol. Beob. auf Pelagosa. Meteorol. 
Zeitschrift, 1898. 

2 Um die Grotte von Busi zu besuchen, wahlt man einen Tag, wo 
morgens ein Dampfer in Lissa (oder Comisa) ankommt und abends ein 
Dampfer von Comisa (oder Lissa) abgeht. Die Strecke Lissa Comisa muss 
man zu Fuss oder mittelst Reitthier zuriicklegen (l'/ 2 bis 2 Stunden). Von 
Comisa bis Busi fahrt man mittels Boot, das gewohnlich eine Stunde braucht. 
M