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Full text of "Gartenflora"

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ARTENFLORA 



ZEITSCHRIFT 



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Garten- und Blumenkunde. 

(Begründet von Eduard Regel.) 

48. Jahrgang. 

Organ des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten. 

LIBRARY 

Herausgegeben von MEW YORK 

BOTANICAL 
_ ...... ÜARDBN. 

Dr. L. Wittmack, 

Geheimer Regierungsrat, Professor an der Universität und an der König), landwirtschaftl. Hochschule 
in BeTlin, General-Sekretär des Vereins. 

Mit 12 Tafeln und 91 Textabbildungen. 
Berlin lsW. 

Selbstverlag des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den preussisch. Staaten, N., Invalidenstr. 42. 
In Kommission bei Paul Parey, Verlagshandlung für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen 

S\V., Hedemannstrasse 10. 



A ^ r 
#7 : 



LIBRARY 
NEW YORK 
BOTANICAL 

GARDü-N. 

Die Bekämpfung der sog. ..Schorfkrankheit"' der Obstbäume. 

Von Dr. Friedrich Krüger. 
(Hierzu Abb. i.) 
; ie allgemein bekannt sein dürfte, haben manche Sorten von Apfel- und 
r v c v Birnbäumen in den letzten Jahren ganz ausserordentlich stark unter 
einem Pilz, den man im gewöhnlichen Leben als Fusicladium bezeichnet, zu 
leiden gehabt. 

Dass Fusicladien auf Apfel- und Birnbäumen vorkommen, ist schon sehr 
lange bekannt; sie sind so allgemein darauf verbreitet, dass man kaum einen 
Obstbaum finden dürfte, der ganz frei von ihnen ist. Die Fusicladien sind 
zwar typische Parasiten, d. h. sie befallen lebende und noch vollständig gesunde 
Bäume, aber trotzdem ist bei einem schwachen Befall der Schaden, den sie 
verursachen, im grossen und ganzen meistens nicht allzu gross, da er nur 
darin besteht, dass kleine Flecke auf Blättern und Früchten entstehen (Rost-, 
Russ-, Regen- oder Wasserflecke genannt), wodurch speziell die Früchte zwar 
unansehnlicher, im übrigen jedoch normal entwickelt zu werden pflegen. Die 
Erscheinungen, die dabei an Apfel- und an Birnbäumen auftreten, sind, mit 
blossem Auge betrachtet, ziemlich gleich; da jedoch die von dem Apfelbaum- 
Fusicladium gebildeten Fruktifikationsorgane bei mikroskopischer Untersuchung 
sich von denen des Birnbaum-Fusicladiums unterscheiden, so werden beide 
als zwei verschiedene Spezies aufgefasst, und man bezeichnet die auf Apfel- 
bäumen vorkommende Form als Fusicladium dendriticum (Wallr.) Fckl. 
= Venturia inaequalis (Woke) Ad.*), die auf Birnbäumen dagegen als Fusi- 
cladium pirinum (Lil.) Fckl. = Venturia pirina Ad. 

Beide Formen haben nun aber, wie schon oben erwähnt, in manchen 
Gegenden Deutschlands, so z. B. im ganzen Nordwesten, ferner auch in der 
Mark etc. seit den letzten Jahren insofern einen anderen Charakter angenommen, 
als sie dort in äusserst verderblicher Weise die Bäume befallen. Das Apfelbaum- 
Fusicladium zeigt sich nämlich schon im zeitigen Frühjahr auf den Blättern, 
auf denen es zunächst grau-grüne, bald dunkler werdende, strahlige Flecke 
hervorruft. Diese nehmen rasch an Umfang und Zahl zu, so dass bald sämtliche 
Blätter erkrankt sind und gegen Ende Juli oder Anfang August abzufallen 
beginnen. Die Bäume pflegen dann zwar nochmals auszuschlagen, da dies 
aber nur auf Kosten der Reservestoffe bezw. der Assimilationsprodukte 
geschehen kann, die für andere Zwecke, so für die Ausbildung der reifenden 
Fcröchte, für den nächstjährigen Holztrieb etc. bestimmt sind, so müssen die 
^rae schwer unter einem derartigen Eingriff in ihrer normalen Entwicklung 
n. Gleichzeitig geht der Pilz aber auch auf die reifenden Früchte über 

C\) *j Vergl. Ader hold: Über die in den letzten Jahren in Schlesien besonders hervor- 
getretenen Schäden und Krankheiten etc. Vortrag, gehalten 1897 in der Schlesischen Gesell- 
schaft für vaterländische Kultur, Sektion für Obst- und Gartenbau. 



Die Bekämpfung der sog. „Schorfkrankheil" - der Obstbäume. 



und verbreitet sich so schnell und so reichlich auf denselben, dass er bald 
einen grossen Teil ihrer Oberfläche einnimmt, was zur Folge hat, dass sie 
unansehnlich, klein und verkrüppelt bleiben, in ihrer gleichmässigen Ausbildung 
gehemmt werden, oft auch unter Schwarzfärbung teilweise aufreissen, kurzum 
vollständig unverkäuflich werden. Aber auch aus den weniger heftig erkrankten 
Früchten derartig stark infizierter Bäume kann nicht viel Gutes werden, denn 
da die zur Ernährung nötigen Blätter selbst kranken, oder gar noch während 
der Reife der Früchte, wie oben gezeigt, abfallen, können die sich entwickelnden 
Äpfel nur klein bleiben, oder aber sie werden bereits vorzeitig in noch unreifem 
Zustande abgeworfen. 

Ähnlich intensive Erkrankungserscheinungen verursachte auch das Fusi- 
cladium pirinum in den letzten Jahren an Birnbäumen, wenngleich die 
Blätter der letzteren bisweilen nicht so stark unter dem Pilz zu leiden haben 
wie diejenigen der Apfelbäume. An den Birnbäumen werden aber auch die 
Triebe stark von dem Pilz befallen, der an ihnen anfangs graue, bald sammet- 
schwarz gefärbte Flecke hervorruft, die später blasenartig auftreiben, dann 
aufspringen und als harte, schwarze Borke hervortreten, eine Erscheinung, die 
dem Praktiker unter dem Namen Grind bekannt ist. 

Es kommen zwar derartige, durch Fusicladium hervorgerufene Gewebe- 
wucherungen auch an Apfelbäumen vor, wovon ich mich mehrfach zu über- 
zeugen Gelegenheit hatte, doch soll die Erscheinung im allgemeinen an 
letzteren seltener sein als an Birnbäumen. 

Nicht alle Äpfel- und Birnensorten werden, wie jedem Praktiker bekannt, 
von den Fusicladien gleich stark befallen, von ersterem sind es beispielsweise 
Ribston-Pepping, Goldparmänen, Calville, Cellini, Gravensteiner, von letzteren 
namentlich die Grumbkower, die besonders unter diesen Pilzen zu leiden haben. 
Was die Ursache von diesem ungleichen Verhalten ist, mag hier zunächst 
unerörtert bleiben, ebenso soll auf die Frage hier nicht weiter eingegangen 
werden, welche Faktoren, unter denen Witterungsverhältnisse*) wohl in erster 
Linie in Betracht kommen dürften, die Veranlassung gewesen sind, dass die 
Fusicladien jetzt vielfach einen so perniciösen Charakter angenommen. 

Angesichts des Umstandes jedoch, dass die Fusicladien gerade in den 
letzten Jahren unausgesetzt mehr und mehr um sich gegriffen haben, und die 
Ernte infolgedessen in manchen Gegenden bereits gleich Null geworden, kann 
die Bekämpfung dieser Pilze nur dringend empfohlen werden, und zwar um 
so mehr, als wir in den Kupferpräparaten ein so ausgezeichnetes Mittel gegen 
dieselben besitzen. Der Erfolg eines solchen Vorgehens wird naturgemäss um 
so durchschlagender sein, je allgemeiner die Massnahmen sind, da sonst die 
durch die Kupferbespritzung gesäuberten Bäume infolge der Übertragung der 
Pilzsporen durch Wind u. s. w. nur zu leicht von dem kranken Nachbar von 
neuem infiziert werden können. 

Was für einen Erfolg man von einer richtig durchgeführten Bespritzung 
der Bäume erwarten kann, das zeigt nebenstehende Photographie. (Abb. i).**) 

*)Aderhold 1. c. 

**) Wir gaben dies Bild bereits in No. 24 der Gartennora S. 656, wiederholen es aber 

im Interesse der vielen neu hinzugekommenen Leser. Herr Professor Pynaert-Gent hat 

sich das Cliche für das Bulletin d'arboriculture ausgebeten und schreibt uns: „Solch ein Bild 

wirkt mehr als eine sechs Seiten lange noch so wissenschaftlich geschriebene Abhandlung". 

Die Redaktion. 



Die Bekämpfung der sog. „Schorfkrankheit" der Obstbäume. 



3 



Dieselbe repräsentiert Äpfel — Goldparmänen — , von Bäumen, 
die auf meine Veranlassung*) zum teil mit Kupferbrühe bespritzt 
wurden, zum teil unbehandelt blieben, während im übrigen die Be- 
handlung der Bäume eine absolut gleiche war. Links im Bilde befinden 
sich die Früchte, welche von bespritzten Bäumen stammen, rechts solche von 
unbespritzten; erstere sind vollständig gesund und zeigen eine glatte Ober- 
fläche, letztere sind dagegen infolge des Fusicladium-Befalles stark schwarz- 
fleckig und unansehnlich. Ferner sind aber auch die Grössenunterschiede 
zwischen den behandelten und unbehandelten Früchten sehr verschieden, sowie 
die ganze Ausbildung und Entwickelung der Früchte überhaupt, denn die 
Früchte der bespritzten Bäume wiegen durchschnittlich ca. 175 g, die der 
unbespritzten dagegen noch nicht 100 g und erstere haben einen Durchmesser 
von 6 — 7,5 cm, die der letzteren von 5,5 — 6 cm. 

Es sei hierzu noch bemerkt, dass die Äpfel, von denen obige Photographie 
hergestellt ist, nicht etwa besonders »ausgesuchte« sind; sie stellen vielmehr 




bespritzt 
Durchschnittsgewicht 175 g. 



Abb. 1. Aepfel (Goldparmänen). 
Photographien von Dr. Friedrich Krüger. 



unbespritzt 
Durchschnittsgewicht mk> g. 



den Durchschnittscharakter der Ernte dar. Auch sind nicht etwa von den 
bespritzten Bäumen vorher Früchte entfernt, um den hängengebliebenen Rest zu 
solcher Entwickelung zu bringen. Im Gegenteil, gerade die unbespritzten haben 
sehen während des Reifeprozesses eine Menge noch unentwickelter Apfel 
abgeworfen, während dies bei den bespritzten nicht der Fall ist. »Zufälligkeiten« 
oder durch Bodenverhältnisse oder sonstige unbekannte Faktoren hervor- 
gerufene Täuschungen sind deshalb ausgeschlossen, weil alle bespritzten 
Bäume derartige Unterschiede im Gegensatz zu den unbehandelten autwiesen. 

Damit die Bespritzung Erfolg habe, ist freilich die Beobachtung mehrerer 
Momente von der allergrössten Bedeutung; vor allen Dingen muss dieselbe 
zur richtigen Zeit und mit richtig bereiteter Brühe ausgeführt 
werden. 

Die Regel lautet, dass das junge Laub zunächst bald nach seiner 
Entwickelung — also schon bevor sich die Flecke zeigen! — bespritzt werde, 



*) Herrn Obergärtner H e 1 b i g - Blankenfelde, der die Bespritzung ausführte, möchte 
ich auch an dieser Stelle nochmals meinen Dank für seine Bemühungen aussprechen. 



Die Bekämpfung der sog. „Schorfkrankheit" der Obstbäume. 



und dass dann einige Wochen später noch eine gleiche Behandlung folge. Dass 
der Zeitpunkt für diese letztere richtig gewählt werde, ist besonders wichtig 
und insofern schwierig, als sich bestimmte, ein für alle Mal feststehende Angaben 
über diesen Zeitpunkt nicht angeben lassen, für den die jeweiligen Witterungs- 
einfiüsse, speziell Regen ausschlaggebend sind. Xach den bis jetzt vorliegenden, 
mehrfach an verschiedenen Stellen gemachten Beobachtungen soll die zweite 
Bespritzung etwa dann stattfinden, wenn die jungen Früchte »nussgross« sind. 
Die Äpfel, nach denen unsere Photographie gefertigt ist, sind allerdings nur 
einmal und zwar als sie »nussgross« waren, bespritzt, doch dürfte nach meinen 
Beobachtungen in bereits stark infizierten Beständen eine relativ so späte 
Behandlung keinen ausreichenden Schutz gegen den Fusicladium-Befall gewähren. 
Eine dritte, noch später ausgeführte Bespritzung der Bäume ist im allgemeinen 
unnötig, doch hängt auch das wiederum von den gerade obwaltenden Regen- 
verhältnissen ab. Dass man sie, wenn irgend möglich, vermeide, ist schon — 
ganz abgesehen von Zeit. Arbeitskräften und Geld ■ — , deshalb wünschenswert, 
damit später die reifen Früchte kein Kupfer auf ihrer Oberfläche mehr 
enthalten. Man braucht übrigens allzu grosse Befürchtungen in dieser 
Hinsicht nicht zu haben, denn die Kupferbehandlung der Früchte ist durchaus 
nichts Neues. So werden beispielsweise angeblich die vom Auslande her zu 
uns kommenden feinen Tafelfrüchte nur dadurch, dass sie während ihrer 
Reife mit Kupferpräparaten behandelt werden, vor dem Pilzbefall etc. ge- 
schützt, und dass bereits auch in deutschen Weinbergen die Bespritzung der 
Weinstöcke, an denen sich schon reifende Trauben befinden, ganz allgemein 
ist, dürfte ebenfalls nicht unbekannt sein. 

Weiter kommt, damit eine Kupferbespritzung nicht mehr schade als 
nütze, sehr viel, wie schon erwähnt, auf die Brauchbarkeit der Kupfer- 
brühe an. Man kann sich dieselbe nach der altbekannten Vorschrift*) entweder 
selbst bereiten oder aber durch Auflösen der im Handel käuflichen Präparate, 
so z. B. von Dr. Aschenbrandt-Strassburg i. E. oder Jean Souheur-Antwerpen 
und anderen herstellen. Der Erfolg dieser verschiedenen Kupferbrühen ist im 
allgemeinen derselbe. Wir haben in dem oben beschriebenen Fall — mehr 
zufällig als absichtlich — Souheurs Fostite-Brühe benutzt, hätten aber ebensogut 
eine beliebige andere wählen können. In Tirol, wo die Kupferbespritzung 
nicht nur der Weinstöcke, sondern auch der Obstbäume bereits eine ganz 
allgemeine ist, pflegt man meistens eine 1% selbstbereitete Bordelaiser- 
Brühe zu gebrauchen. 

Zur Ausführung der Bespritzung, die übrigens nicht in direktem Sonnen- 
schein stattfinden soll, kann man zwar jede beliebige Gartenspritze verwenden, 
jedoch ist die Benutzung derselben insofern unpraktisch, als man bei ihrer 



*) Herstellung der selbstbereiteten Bordelaiser-Brühe: Man löse in einem 
hölzernen Gefäss, z. B. einer alten gereinigten Petroleumtonne, 2 Kilo rohes Kupfervitriol 
(zu beziehen aus einer Droguenhandlung) in 5o Liter Wasser auf. Dies geschieht am besten 
in der Weise, dass das in einem Säckchen liegende Kupfervitriol in den oberen Teil des 
Wasser gehängt und bisweilen hin und her bewegt wird. Die Auflösung dauert mehrere 
Stunden, doch kann man dieselbe durch Anwendung von heissem Wasser sehr beschleunigen. 
Ferner lösche man in einem andern Gefäss 2 Kilo guten gebrannten Kalk und versetze ihn 
allmählich mit 5o Liter Wasser, sodass eine gleichmässige, milchige Flüssigkeit entsteht. 
Darauf werden beide Flüssigkeiten unter Umrühren zusammen gegossen. Zur Bereitung der 
zuckerhaltigen Brühe versetze man den aus 2 Kilo Kalk erhaltenen Kalkbrei mit o,3 Kilo 
Krystallzucker oder einer entsprechenden Menge Melasse. 



Der älteste Plan des Schlossgartens \0n Schwetzingen (Baden). 



Verwendung zu viel Spritzflüssigkeit verbraucht, und trotzdem die zu be- 
handelnden Gegenstände nicht überall benetzt werden. Empfehlenswerter 
sind vielmehr die extra für solche Bespritzungen konstruierten Apparate von 
Mayfarth in Berlin (Chausseestrasse) und Frankfurt a. M.. oder von Alhveiler 
in Radolfzell (Baden), Souheur in Antwerpen, Lambert in Trier, Platz 
in Deidesheim u. a., welche die Spritzflüssigkeit fast nebelartig fein ver- 
theilen, sodass sie infolge dessen äusserst sparsam arbeiten und die Zweige 
auch in den äussersten Spitzen treffen. Auch verteilen sie die Flüssigkei 
gleichmässig, wie dies mit einer gewöhnlichen Gartenspritze ganz unmöglich ist. 
Dass eine allgemein durchgeführte Bespritzung der Obstbäume noch 
manche interessanten und lehrreichen Momente ergeben wird, ist ganz zweifellos. 
Immerhin haben, wie aus diesen Zeilen hervorgeht, auch die Resultate der 
bisherigen Versuche schon ergeben, dass eine richtig ausgeführte Be- 
spritzung nur nützen kann, und dass die Unkosten, die dieselbe verursacht, 
reichlich durch den Erfolg aufgewogen werden; denn was heutzutage für einen 
schönen, gut entwickelten, dem Auge wohlgefälligen Apfel, speziell in den 
grösseren Städten, bezahlt wird, ist allgemein bekannt. Mögen diese Zeilen 
dazu beitragen, dass endlich auch der deutsche Obstzüchter in dieser Beziehung 
erfolgreich mit den Ausländern in Konkurrenz treten kann. 
Institut für Pflanzen Physiologie und Pflanzenschutz an der Kgl. 
landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. 



Der älteste Plan des Schlossgartens von Schwetzingen (Baden). 

(Hierzu Abb. 2. 
jV/| it grossem Interesse habe ich das Buch der Herren Jung und Schröder, 
^§^ über die rheinischen Gärten, Heidelberg und Schwetzingen gelesen. 
Was mir aber auffiel, war, dass hier, wie bei anderen Beschreibungen der 
Gärten von Schwetzingen, immer nur der Plan zu finden ist, den Zeyher für 
seine Beschreibungen von Schwetzingen gezeichnet hat. Dieser Plan, auch 
zu finden in verschiedenen Büchern über Geschichte der Gartenkunst, giebt 
nicht die Gärten wieder, wie sie von Pigage 1743 entworfen waren.*) 

Beigehend sende ich zur Reproduktion einen älteren Plan mit drei Detail- 
plänen**) und können Sie sehen, dass die Parterres des grossen Zirkels ganz 
anders gezeichnet waren, als wie sie auf den späteren Plänen zu sehen sind. 
Dieser Plan, zu linden im grossen Kupferwerke von Le Rouge i7 s 7 
jungefähr), war viel umfangreicher, ist aber nicht ganz zur Ausführung 
gekommen. Der Plan ist nicht mehr im reinen Le Nötre-Stil, sondern gehört 
mit mehr Recht dem Rokoko-Stile an. Die vielen gebogenen Linien der Wege 



* Deutsche Gartenzeitung 1886 S. 43g (siehe auch Phsters Berichtigungen zu dem 
Plane daselbst S. 566. L. W.l H. Jäger, Garten und Gartenkunst sonst und jetzt. Ompteda, 
Rheinische Gürten. Diese beiden sind sehr schlecht. J. C. Loudon, Encvclopedie des 
Gartenwesens 182!-!. In der kleinen Schrift: Beschreibung der Gartenanlage zu 
Schwetzingen von Zeyher und G. Roemer ist ein Plan mit Skell'schen Umänderungen, 
wo aber das grosse Bassin noch in seiner regelmässigen Form zu finden ist. 

**) Wir haben des Raumes wegen nur den Gesamtplan gebracht, die übrigen stellen 
nur Teile desselben, z. B. das Parterre in grösserem Massstabe dar. Diese Zeichnungen sind 
aber auch genügend auf dem Gesamtplan zu erkennen. D. Red. 







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Richtige Garten ptlanzennamen. 



durch Gehölzgruppen (Bosquets) sind dem Le Nötreschen System nicht 
anzupassen. 

Le Nötre, der im Alter von S; Jahren schon im Jahre 1700 gestorben ist, 
kann auch keinen Anteil an der Darstellung des Entwurfes gehabt haben. 
Wageningen, Dezember 1898. Leonard A. Springer, Gartenkünstler. 



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Richtige Gartenpflanzennamen. 

Saribus: Livistona: Latania. 

m Jahre 1789 stellte Jussieu in »Genera plantarum« S. 39 die Gattung Latania 
auf, die sich durch Zweihäusigkeit, zahlreiche Staubfäden, kätzchen- oder 
kolbenförmige inflorescenzzweige u. s. w. gut von Saribus Rumpf 1741, 
Burmann 1769, Jussieu 1789 = Livistona R. Br. 1810 unterscheidet, welche Gattung 
Saribus Jussieu 1789 mit Sabal noch und mit der Notiz: »An genera diversa?« 
unter Corypha aufführte und welchen Namen Saribus auch Blume 1836, Hass- 
karl 1842, Lindley 1847 und ich 1891 anwendeten. Es hat also der bei Gärtnern 
vielfach noch übliche Name Livistona vom Jahre 1810 keinerlei Berechtigung 
vor Saribus 1741 — 17S9 und hat Saribus chinensis Blume für Livistona chinensis 
Martius zu gelten; dagegen ist der Gärtnername Latania borbonica Lam. hierfür 
total zu streichen, weil dieses eine Species confusa ist, welche den Blättern 
nach allerdings hierzu gehört, aber den von Lamarck beschriebenen Blüten und 
Inflorescenzen sowie dem Vaterland nach zu Latania gehört. Lamarck hatte 
— wie er selbst angiebt — unter den Commersonschen Pflanzen noch andere 
und zwar die richtigen Blätter von Latania gefunden, aber, diese verwechselnd, 
die falschen Blätter unter Latania borbonica beschrieben. Infolgedessen kann 
aber Latania borbonica Lam. auch nicht unter der Gattung Latania gültig bleiben; 
vielmehr kommt nun der Artname von dem nächstältesten Synomym: Gleophora 
lontarodes Gärtner 1791 zur Geltung, welcher Name älter als Latania Commersonii 
Gmelin ist, weil Gmelin schon den Gärtnerschen Namen dabei zitiert; diese 
Art mit den rötlichen Blättern und dorniggezähnten Blattsegmenten ist demnach 
Latania lontarodes 0. K. zu nennen. 

Die einzige Rumpfsche Saribus- Art in »Herb. Amboin.« 1:4a tab. &ist = Corypha 
rotundifolia Lam. 1784 = Saribus rotundifolia Blume. Die letzte Art, welche 
Blume noch benannte: S. cochinchinensis, hatte Loureiro 1790 schon Corypha 
Saribus genannt, sodass sie nach dem Pariser Codex von 1867 nun Saribus 
Saribus 0. K. zu nennen ist. Gegen derartige Doppelnamen hatte ich mich 
früher gewehrt; aber sie sind klassisch, weil Linne genug solche Tautologien 
anwendete, z. B. Cuminum Cyminum, Centaurea Centaurium, Pinus 
Pinea u. s. w., und sie sind gerechtfertigt, weil ein Name keinen Sinn zu 
haben braucht. Un nora est un nom, schrieb schon A. de Candolle. 

Die Angabe, dass Saribus Rumpf nicht = Saribus Blume sei, ist unrichtig; 
die übrigen Saribus-Arten benannte ich in meiner »Revisio generum«, soweit 
dies noch nötig war. Dr. Otto Kuntze, San Remo. 



Nepenthes-Kannen als natürliche Blumenvasen. 



Nepenthes-Kannen als natürliche Blumenvasen.*) 

(Hierzu Abb. 3.) 
lie Firma Th. Hübner-Berlin brachte zum ersten Winterfeste des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues am 13. Januar 1898. bei welcher Feier 
obiger Firma die Ausschmückung der Tafel übertragen war. als reizende 
Neuheit Nepenthes-Kannen als Blumenvasen. 




Abb. 3. Nepenthes-Kanne als natürliche Blumenvase. 
Von Th. Hübner-Berlin. Photographien von L. Wittmack. 

Der natürliche Stiel einer Nepenthes-Kanne wird in Form eines Henkels 
nach unten gebogen und, wie auf der Abbildung ersichtlich, an einem drei- 
teiligen Drahtständer befestigt, welch letzterer dem ganzen Arrangement 
Halt verleiht. 

Dadurch erhält das Pflanzengebilde die Form einer natürlichen Vase, 
welche, mit Maiblumen und Adiantum gefüllt, eine reizende Couvertbeigabe für 
Damen ist. 

Ganz besonders von Vorteil ist, dass das Kännchen mit Wasser gefüllt 
werden kann und somit die hineingestellten Blumen frisch bleiben. 



*J Vergl. Gartenflora 1808 S. 69 u. S. 14; 



Bericht über die Kulturversuche im Jahre ii 



Mit Recht ist darauf hingewiesen, dass es sich wohl verlohnen dürfte, 
solche Nepenthes-Vasen auch in Porzellan oder Glas nachzubilden; denn nicht 
jedem stehen die kostbaren natürlichen Xepenthes-Kannen zur Verfügung. 
Andererseits aber sollten nicht nur die Privatgärtner, sondern auch die Handels- 
gärtner es sich angelegen sein lassen, mehr Nepenth.es zu ziehen. Sie würden 
sicherlich leichten Absatz der Kannen zu lohnenden Preisen linden. 



Bericht über die Kuifurversuche im Jahre 1898, 

die unter Leitung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten 
auf den Rieselfeldern der Stadt Berlin in Blankenburg ausgeführt wurden. 

Erstattet von 
Joseph Klar, Berlin, Samenhandlung, Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, 
und Otto M e n d e , Ohergärtner der Stadt Berlin, zu Blankenburg. 
jie trockene Witterung im Frühjahr, der verregnete Juli und die abnorme 
d^; Hitze im August haben, wie überall, so auch unser Versuchsfeld hart 
mitgenommen, zumal hier noch ein Hagelwetter hinzukam. War doch der 
anhaltende Regen im Juli nahe daran, die ganze Ernte zu Grunde zu richten, 
sodass die Preise einiger Saaten heute noch darauf hindeuten, wie sie in die 
Höhe gingen. Ein Glück, dass der Monat August eine Wendung zum Besseren 
eintreten liess; der langersehnte Sommer trat ein, sodass überall das Ein- 
heimsen der Saaten vor sich gehen konnte. Die furchtbare Hitze, die 
nunmehr die Oberhand gewann, brachte aber wieder manchen Schaden. 

Wir wollen uns nunmehr der angenehmen Pflicht entledigen, die im 
Jahre 189S auf dem Versuchsfelde gemachten Erfahrungen wiederzugeben, die 
freilich für manche Pflanzen nicht immer massgebend sind, indes zum grossen 
Teile zutreffen werden. Denjenigen unserer verehrten Mitglieder des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues, welche in der Umgegend von hier wohnen, 
dürfte es zu empfehlen sein, öfter sich unser Versuchsfeld anzusehen, da ein 
einmaliger Besuch resp. eine Exkursion selbstredend nur das präsentieren kann, 
was gerade zu der Zeit in Blüte ist. Die anderen Artikel kommen dann nur 
teilweise zur Geltung oder sind bereits aus der Anlage entfernt. Die Stettiner 
Bahn führt mit dem Vorortszuge in 15 Minuten dorthin, unmittelbar am Bahnhof 
in Blankenburg ist die Anlage belegen. 

I. Neue Blumen, ein-, zwei- und mehrjährige Gewächse. 

Ageratum Bitte Perfeetion Q. Eine niedrig bleibende Composite, ähnlich 
dem bereits existierenden Ageratum »Imperial Dwarf«. Diese Abart ist aber 
in der Blüte dunkler und macht mit ihren amethystblauen Dolden einen recht 
angenehmen Eindruck, für Teppichbeete ein äusserst wichtiges Material. Die 
Blätter sind dunkler grün. 

Triumph- Aster, weiss O- Die Farbe dieser Aster war eher mattrosa als 
weiss zu nennen, aber als solche ebenso schön. Vor 10 Jahren kam die 
Triumph-Aster in den Handel, und zwar war die erste Farbe feurigscharlach. 
Es ist zu verwundern, dass das Sortiment dieser Prachtaster sich noch nicht 
mehr vervollkommnet hat. Sie ist für Topfkultur sowohl wie für Teppich- 



]q Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. 

beete besonders zu empfehlen; die Paeonienform der Blumen sowie ihr aufrecht- 
stehender Wuchs sind herrlich zu nennen. 

Straussenfeder- Aster, weiss Q. Schön gefüllt blühende langpetalige weisse 
Aster, die mittelhoch wurde und konstant in der Farbe ist. Die Blumen 
erinnern an die Riesen-Komet-Aster, doch sind sie noch lockerer gebaut. Diese 
für den Schnitt bestimmte Aster scheint der Komet- oder Pudel-Aster zu ent- 
stammen. 

Amarantus quadrieolor Q. Eine äusserst effektvolle Blattpflanze mit 
leuchtend scharlachroten Blättern, die zum Teil mit dunkelbraun, hellgelb und 
grün durchsetzt sind. Der Bau dieses Fuchsschwanzes ist pyramidal, seine 
Blätter sind lanzettförmig. Wir fanden, dass. sobald die Spitzen aus den 
Pflanzen entfernt wurden, dieselben noch schöner wurden. Die unteren Blätter 
sind nämlich mehr leuchtend rot und kommen dadurch mehr zur Geltung. 
Durch den Schnitt aber wird sie mehr für Teppichbeete geeignet. Als Solitär- 
pflanze ist sie gleich wertvoll. Sie wird 40 cm hoch. 

Antirrhinum majus grandiflorum <$. Wir haben es hier mit einem etwas 
grossblumigeren Löwenmaul zu thun, das in den Farben weiss, rot, gelb 
und gestreift nunmehr in den Handel kommt. Ein Vergleich mit dem 
gewöhnlichen Antirrhinum Hess nur schwer einen Unterschied in der Grösse 
konstatieren. Diese zweijährige Pflanze ist nun wieder als langstielige Schnitt- 
pflanze hervorgeholt worden und grosse Posten werden hiervon in den Markt- 
hallen konsumiert. 

Balsamine, verbesserte Camellien, reinweiss (alba perfecta) Q. War. wie an- 
gegeben, reinweiss mit äusserst gefüllten Blumen, die aber bald zu Grunde 
gingen aus Anlass des schlechten Wetters, da die Balsamine Wärme resp. 
Sonne bedarf. 

Campanula persicifolia alba rar. „Backhouse" %. Eine pyramidenförmig 
wachsende Abart der C. persicifolia. die weiss blühte; auch einige blau- sowie 
gefüllt blühende waren darunter. Nachdem diese Glockenblume zeitig zurück- 
geschnitten war, entfaltete sie noch einen Xachflor. Nicht allein als Schnitt- 
blumen sind jetzt die Campanula wieder Mode, man sieht sie jetzt vielfach 
auch auf Gruppen. TJnter anderen sahen wir hier Gruppen in der Siegesallee 
vor den neuen Denkmälern, welche viel Publikum anlockten und grossen Bei- 
fall fanden. Sämtliche Campanula. von der kleinen Alpine C. pulla bis zu der 
grossen C. medium pyramidalis etc. sind empfehlenswert. 

Myosotis palustris grandiflora „Nixenauge" 21 . Zwar nicht mehr ganz neu,, 
aber äusserst schön grossblumig. Zur Massenkultur sehr zu empfehlen. 

Myosotis alpestris „Triumph" Q. Das frühe Blühen dieser Varietät war 
auffallend. Im Habitus kommt M. »Triumph« am meisten der robusta grandi- 
flora nahe, auch sind die himmelblauen Blumen schön und gross zu nennen. 
Für die Binderei sowie für Gruppen gut. 

Myosotis alpestris stricta coelesiina Q. Ein eigenartiger, gedrungen aufrecht- 
stehender Wuchs ist diesem Myosotis eigen, das in dieser Beziehung an die 
fast vergessene Lobelia ramosa erinnert. Ein niedliches Vergissmeinnicht, das 
für Topfkultur sich am besten eignet. 

Myosotis alpestris „Distindion" ■• . Auch dieses M. blühte wie M. »Triumph« 
Mitte Juni und ist empfehlenswert. Eine seit zwei Jahren eingeführte Pflanze. 

(Fortsetzung folgt). 



Ein Beitrag zur Keimung von Champignonsporen. 



I I 



Ein Beitrag zur Keimung von Champignonsporen. 

(Hierzu Abb. |. 
eifolgende Abbildung giebt eine Darstellung der Keimung und Weiter- 
@Ty entwickelung von Uhampignonsporen. Unter Sporen versteht man be- 
kanntlich die staubähnlichen Gebilde, die Fortpflanzungsorgane, welche sich auf 




Abb. 4. Entwickelnd der Champignonbrut 

aut einer 2 mal zusammen gefaltet gewesenen Pappe von H. Amelung. 

Photographien von L. Wittmaek. 

den Blättern oder Lamellen an der Unterseite des Hutes ausgewachsener 
Pilze befinden und bei trockenem Wetter ausfallen. 

Solche Sporen streute ich nun im Herbst 1897 auf starke Pappe, welche 
vorher mit Pferdeurin durchtränkt wurde, aus und legte sie in iS (l R warmen, 
mä-sig feuchten Pferdedünger. Die Pappe wurde zweimal gefaltet, und jetzt 
haben sich, ein Jahr nach der Aussaat, die Pilzfäden innerhalb der Faltung 
entwickelt; die stärksten Fäden sind bereits in dem Stadium, wo eine Knötchen- 



jo Der Garten des Herrn L. F. Blohm in Hörn bei Hamburg. 

bildung bei Vereinigung derselben stattfindet. Etwa acht Tage nach dem 
Ausstreuen der Pilzsporen zeigen sich kleine fadenähnliche Gebilde, die den 
Fühlhörnern einer Schnecke nicht unähnlich sind. Diese Gebilde senken sich 
auf den Nährboden und bilden später eine breite schimmelähnliche Masse, aus 
der sich erst nach einigen Monaten weisse Stränge (die eigentliche Brut) ent- 
wickeln, welche zunächst auseinanderlaufen (den Nährboden durchspinnen), 
später sich aber wieder, wenn sie die Stärke eines Zwirnfadens erreicht haben, 
vereinigen. Aus einer solchen Vereinigung bilden sich kleine Knötchen, der 
Ausgangspunkt der Hüte des Champignons. 

Man hat es also in der Champignonzucht mit mehreren Stadien zu thun; 
tritt nun bei der Kultur eine Störung ein, sei es. dass ein Beet zu nass oder 
zu trocken gehalten wurde, oder, dass ein Wechsel in der Temperatur eintrat, 
so wird dadurch die Rentabilität mehr oder weniger in Frage gestellt. Also 
ist es wichtig, diese Stadien bei der Kultur zu beobachten, um darnach 
Temperatur und Feuchtigkeit zu regeln, ähnlich wie wir dieses bei der Treiberei 
von Früchten thun müssen; ich meine bei diesen die Blüthezeit, den Frucht- 
ansatz, die Kern- oder Steinbildung und die Ausschwellung der Frucht. 

Die Art dieser Darstellung der Mycel-Entwickelung ist insofern noch 
interessant, als man häufig annimmt, dass sich die Weise der Brutverzweigung 
nach der Strohhalmlage oder überhaupt nach der Lage des Nährbodens richten 
müssse. während sich hier auf der glatten Fläche der Pappe zeigt, dass die 
Verzweigung des Gewebes ganz unabhängig vom Substrat ist. 

H. Amelung, 
Obergärtner am Joachimthalschen Gymnasium, Wilmersdorf bei Berlin. 



Der Garten des Herrn L. F. Blohm in Hörn bei Hamburg. 

Von L. Wittmack. 
oo, (Hierzu Abbildung 5, (5, 7). 

1 Yj nmittelbar neben der bekannten Missions- und Erziehungsanstalt, dem 
Q-j »Rauhen Hause« in Hörn bei Hamburg, liegt der schöne Garten des 
Herrn L. F. Blohm, der in den 23 Jahren, seitdem er Besitzer des Grundstücks 
ist, ausserordentlich viel gethan, um den Garten zu einer Sehenswürdigkeit 
ersten Ranges zu machen und in Herrn Obergärtner Bünger einen Mann 
gefunden hat, welcher die grössten Leistungen auf kulturellem Gebiete mit 
einem feinen Geschmack verbindet. 

Allen Besuchern der Hamburger Ausstellung von 1897 ist noch in Erinnerung 
ein Glaskasten mit Weinreben, gewissermassen einen Querschnitt aus 
dem Weinhause des Herrn Blohm darstellend, den Herr Bünger dort vor- 
geführt; nicht weniger als 22 riesige Trauben hingen an dem einen Stocke, 
Black Hamburgh. und ca. 44 an dem anderen, Royal Muscadine. Black Hamburgh 
wurde mit der grossen goldenen Staatsmedaille, Royal Muscadine mit der 
grossen goldenen Komiteemedaille prämiiert. Kein Wunder, dass es da unser 
Wunsch war, auch einmal das Haus selbst zu sehen. Am 16. September wurde 
uns dieses unter der freundlichen Führung des Herrn Bünger ermöglicht, und 
wir waren hocherfreut über den reichen Behang der meisten Reben, während 
ein Teil selbstverständlich schon abgeerntet war. Herr und Frau Blohm 



\a Der Garten des Herrn L. F. Blohm in Hörn bei Hamburg. 

erzählten uns nachher, eine junge Dame aus Würzburg, die bei ihnen zum 
Besuch gewesen, hätte herzlich darüber gelacht, dass man sich in Hamburg 
mit dem Wein solche Mühe gebe; aber dass die Beeren solcher getriebener 
Weintrauben doch neben der bedeutenderen Grösse noch einen ganz anderen 
Geschmack haben wie die aus dem Freien, wird wohl niemand leugnen. Der 
Schnitt, den Herr Bünger anwendet, ist der sogenannte Wechselschnitt. Man 
bildet eine Art U-Form, der eine Schenkel ist die Tragrebe, der andere die 
Ersatzrebe; erstere wird im Herbst weggeschnitten und die Ersatzrebe wird 
zur Tragrebe, worauf wieder eine neue Ersatzrebe herangezogen wird. — 
Nachstehend lasse ich die Beschreibung dieses Hauses, die Herr Bünger 
freundlichst sandte, folgen: Das Weinhaus ist 25,50 m lang, die Höhe der 
Hintermauer beträgt 4,65 m, die vordere Höhe beträgt 1,40 m, davon kommen 
auf die Stehfenster zum Lüften 0,70 m, und 0,70 m ist die Höhe der Mauer, 
die das äussere Beet für die Weinwurzeln abschliesst; diese vordere Mauer 
ist wie üblich auf Bogen gemauert, sodass die Stöcke die im Hause gepflanzt 
sind, leicht in das äussere Beet gelangen können. Dass äusere Beet ist 2,20. 
das innere 3,10 m breit. Die Tiefe der beiden Beete beträgt 2 m; die Sohle 
der Beete ist mit einer ca. 50 cm starken Drainage, bestehend aus Drainröhren 
und groben Ziegelsteinstücken, versehen. Die Breite des Weges im Hause be- 
trägt 0,75 und die Breite einer schmalen Rabatte an der Hintermauer 0,40 m. 
(Abb. 5.) 

Nicht weniger sehenswert ist das Haus für die Obsttreiberei. Hier 
stehen frei ausgeflanzt im Mittelbeet hoch- und halbstämmige Pfirsiche und 
Nectarinen: Noblesse, Royal George etc., auf den Seitenbeeten Pfirsiche und 
Nectarinen in Töpfen. Herr Bünger beschreibt dies Haus folgendermassen : 
Das Obsthaus (Sattelhaus) misst von der Sohle bis zum First 3.75 m, von 
der Sohle bis zur Wasserrinne 1,60 m, die Länge beträgt 17,30 m. Der Innen- 
raum ist eingeteilt in ein Mittelbeet, für ausgepflanzte Pfirsiche, von 2,90 m 
Breite, einen Weg um das Mittelbeet von 0,85 m Breite und an jeder Seite ein 
Beet, zum Aufstellen der Topfobstbäume, von 1,30 m Breite. Sämmtliche 
Seiten- und Giebelfenster lassen sich zum Lüften öffnen. Im Winter und 
Frühjahr finden hier die Obstbäume in Töpfen ihren Platz, die man hier 
abblühen lässt und dann erst, im Mai, hinausbringt. (Abb. 6.) 

Jetzt sahen wir das Topfobst an einer geschützten Stelle draussen stehen 
und müssen bekennen, dass wir selten schönere Exemplare geschaut haben. 
Herr Bünger behandelt seit 13 Jahren die Bäume. Durch sachgemässen Schnitt 
erzielte er nach und nach, dass die Pyramiden keinen grösseren Durchmesser 
haben als der Topf, in dem sie stehen — das ist normal — , und doch voller 
Früchte hängen. Letzteres wird mit erreicht durch eine Düngung mit Kuhdung 
und Wagnerschera Nährsalz. Um jeden Stamm liegt auf der Erde des Topfes 
ein ca. 4 cm hoher kreisrunder Zinkstreifen, der als Giessrand dient, damit die 
Bäume immer gleichmässig viel Wasser erhalten. Besonders gut hatten dies 
Jahr die Birnen angesetzt, namentlich Winter-Nelis, die Lieblingsbirne des 
Herrn Blohm, Diel, Souvenir du Congres, Doyennee du Comice, Beurre Hardy, 
Bachelier, Vicar of Wakefield, Marie Louise, Olivier des Serres etc. 

Auch im Freien findet sich noch viel Obst an Spalieren, und die Erträge 
aller dieser Obstkulturen werden in einem sehr zweckmässig eingerichteten 
Raum, der ganz verdunkelt werden kann, aufbewahrt. Die Früchte ruhen 



Der Garten des Herrn L. F. Blohm in Hörn bei Hamburg. ] - 

daselbst auf abnehmbaren Lattenhorden, einige der letzteren sind auch zum 
Herausziehen eingerichtet. 

Doch auch die Gewächshäuser für Blumen etc. sind sehr sehenswert. 
In dem sogenannten Kulturhause linden sich schöne Croton und auf der 
hinteren Tablette spanischer Pfeffer, Capsicum annuum. aber nicht mit roten, 
sondern mit gelben Früchten; dies ist nach Herrn Blohm die echte Sorte, 
welche seine Freunde, Herren aus dem spanischen Amerika, mit Vorliebe 
roh essen. 

Im Warmhause sehen wir eine Spezialität des Herrn Bünger, riesige 
Schaupflanzen von Farnen, speziell von Adiantum, von denen ein reiches 
Sortiment vorhanden ist: Ad. Veitchi, das sich mit den in der Jugend roten 
Trieben so herrlich ausnimmt, A. Weigandi, A. gracillimum «Charlotte-, 
A. St. Catharinae, A. formosum, A. trapeziforme, Farleyense etc.. ausserdem 
Cypripedien in starken Pflanzen. In der kalten Abtheilung desselben Hauses 
stehen jetzt die Caladien, die im vorigen Jahre auf der Ausstellung so viel 
Bewunderung erregten und mit dem ersten Preis: kleine goldene Staatsmedaille 
und einem Ehrenpreis von 300 Mark prämiiert wurden, und hochstämmige 
Fuchsien; im Frühjahr ist es mit Theerosen in Töpfen gefüllt. Dies Haus ist 
ganz neu, aus Pitchpine, die Thüren sogar aus Teakholz, das zwar sehr teuer, 
aber auch um so dauerhafter ist und nicht so quillt. 

Rund um das Haus im Freien stehen Theerosen, die mit den Töpfen in 
die Erde eingelassen werden. 

In der kalten Abteilung eines höchst geschmackvollen, mit Kuppeldach 
in der Mitte versehenen Hauses fanden sich (am 16. September) schon einige 
sehr schöne Chrysanthemum in Blüte. H.W. Lincoln, gelb, Rayonnante, igelartig 
röhrig, rosa. Izerette, William Tricker, die grünlich-weisse Florence Davis. Ganz 
besonders hervorzuheben sind aber auch die Hortensien mit Riesenblumen, 
Stecklinge vom Februar d. J., mit auf einem Stiel gezogenen Blütenständen von 
45 cm Durchmesser, etc. — Die Mitte war mitherrlichen hochstämmigen Fuchsien 
besetzt, während im Spätherbst eine Stellage mit Chrysanthemum, im Frühjahr 
die Theerosen ihre Stelle einnehmen. 

Der kleine Mittelbau, welcher als Durchgang zum Warmhause dient, ist 
an der Rückwand nischenartig gehalten. Hier finden sich Palmen etc., während 
aus Ampeln zwei schöne Exemplare von Asparagus Sprengen und zwei grosse 
Polypodium Reinwardti malerisch herabhängen. Eine grosse Schaupflanze 
von Adiantum euneatum, 1,30 m Durchmesser und 90 cm Höhe, schmückt 
den Tisch. 

In der warmen Abteilung sind besonders die Eucharis amazonica zu 
beachten, mit denen Herr Bünger ganz ausserordentliche Resultate erzielt 
Die Pflanzen stehen dort ausgepflanzt in einem besonderen Kasten. Die Haupt- 
sache ist nach Herrn Bünger, dass man die Pflanzen eine Zeit hindurch ganz 
trocken hält, bis sich die Blätter ganz verfärben. Nach der Blüte muss aber 
viel Wasser gegeben werden, damit der neue Trieb sich bildet; aber sobald 
das letzte Blatt des Triebes heraus ist, halte man sie wieder trocken. Aut 
diese Weise behandelt, blühen sie jährlich zweimal. 

Ein niedriges einseitiges Haus in zwei Abteilungen von 1S m Länge 
dient im Winter und Frühjahr zur Erdbeertreiberei, im Sommer zur Anzucht 
von Farnen und zur Gurkenkultur. 



^ 



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Abb. (3. Obsthaus des Herrn 



ß 





Blohm in Hambur^-Horn. 



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^5^ 



i8 



Der Garten des Herrn L. F. Blohm in Hörn bei Hamburg. 



Wir wenden uns nun zu den Anlagen im Freien. Da sind es zunächst 
die herrlichen Koniferen, welche die stattliche Villa umgeben. Eine Abies 
lasiocarpa dürfte wohl 10 m hoch sein. Sehenswert sind ferner: Chamae- 
cyparis Lawsoniana coerulea, die ganz hart ist, Tsuga Mertensiana, Picea 
pungens, Picea orientalis, Sciadopitys verticillata, Abies polita und als besonders 
seltenes Exemplar in dieser Grösse Abies Hookeriana. Die letztere hatte auch 
wenige Tage vor meiner Anwesenheit die Aufmerksamkeit des grossen Koniferen- 
kenners Herrn Rüppel (in Firma Peter Smith & Co., Bergedorf) erregt, der 
mit etwa 100 Mitgliedern des Gartenbauvereins für Hamburg, Altona und Um- 
gegend den Blohmschen Garten besucht hatte. 

An die Villa stösst ein geräumiger Wintergarten, dessen Dach ganz mit 
Ficus repens (stipulata) berankt ist. ein grossartiger Anblick! Mit der Schönheit 




Abb. 7. Villa des Herrn L. F. Blohm, Hamburg-Horn. 



ist zugleich Nützlichkeit verbunden, denn dieser kletternde Feigenstrauch 
schützt die anderen Pflanzen gegen die Sonne. 

Der östliche Teil des am hohen Diluvialrande des Bille-Thales auf- 
steigenden Gartens ist parkartig gehalten. Hier finden sich hohe Liriodendron 
tulipifera, hohe Taxodium distichum, schöne Platanen, mächtige Edelkastanien, 
Castanea vesca, die jährlich essbare Früchte liefern. Eine Felspartie ist mit 
Alpenpflanzen und Farnen bepflanzt, an einem Teich steht eine schöne Hänge- 
weide und mehrere hohe Pterocarya caucasica. Eine Hauptsehenswürdigkeit 
bildet eine riesige Blutbuche. 

Sehr hübsch muss sich im Frühjahr eine Hügelpartie machen, an deren 
Abhang Rhododendron und pontische Azaleen, weiter oben Flieder, dahinter 
Goldregen und schliesslich hochoben Rotdorn blühen. 

An der Xordseite der Villa finden sich allerlei Moorpflanzen, Azalea 
pontica, Skimmia japonica etc. etc.. auch der seltsame krause Epheu, Hedera 
Helix conglomerata. 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 



±9 



Am nordöstlichen Ende des Parks befindet sich ein höchst idyllisches 
Farnthal, von hohen Bäumen beschattet, von einem plätschernden Bach 
durchzogen. Hier in dieser feuchten Luft gedeihen auch die selteneren Arten 
(Adiantum pedatum mit 75 cm Durchmesser, Cyrtomium Fortunei, Polystichum 
setosum etc.) gut, und die gewöhnlicheren mahnen in ihren riesigen Dimen- 
sionen fast an längst vergangene Zeiten unserer Erde. 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

Von E. Koehne. 
,_^ (Eingereicht am 22. November 1898.) 

^TLn der Gattung Berberis begegnet die Unterscheidung und Gruppierung der 
(J^> Arten ungewöhnlichen Schwierigkeiten, und ich trug mich schon lange mit 
dem Vorsatz, die äusseren Artmerkmale womöglich durch anatomische zu 
ergänzen. Erst in den letzten Monaten konnte ich diesen Plan ausführen. 

In den folgenden Zeilen will ich nun eine kurze Darstellung derjenigen 
anatomischen Eigentümlichkeiten geben, welche bei den im Freien bei uns 
kultivierten Arten geeignet erscheinen, eine sichere Unterscheidung und Ab- 
grenzung der Arten zu unterstützen*), sowie derjenigen, welche für denselben 
Zweck wenig oder gar nicht nutzbar zu sein scheinen.**) 

1. Spaltöffnungen. Der Bau und die Lage der Schliesszellen zwischen 
den Epidermiszellen ist überaus einförmig. Bemerkenswert ist nur, dass 
Spaltöffnungen auch auf der Blattoberseite, und zwar oft kaum weniger 
zahlreich als auf der Unterseite, bei sechs Formen gefunden wurden, die meist 
zu Euberberis, 2. Reihe in meiner Dendrologie S. 167—168 gehören; es sind 
dies B. densiflora Boiss. et Buhse, B. macrobotrys m. n. sp., B. pyrocarpa 
m. n. sp.. B. crataegina DC., B. cretica L. und B. aetnensis Presl. nebst 
einer Berberis »spec. Taschkents aus dem Späthschen Arboret, die sich durch 
auffallend lange Stacheln auszeichnet, aber noch nicht bestimmt werden konnte. 
Das Merkmal ist beständig, wie auch das Gegenteil, das gänzliche Fehlen der 
Spaltöffnungen oberseits, bei den übrigen untersuchten Arten.***) 



*) Vorarbeiten liegen nur wenige vor. In Engler-Prantl, Natürliche Pflanzenfamilien 
Bd. III, Abt. II, S. 71, wird nur R. Böning, Anatomie des Stammes der Berberitze, Dissert., 
Königsberg i885, erwähnt. 

**) Viele Kleinigkeiten, die mir verschiedentlich aufgefallen sind, übergehe ich ganz. 
***) Nur bei einem kultivierten Exemplar von B. heteropoda waren, möglicherweise 
infolge von Bastardierung, oberseits sehr vereinzelte Spaltöffnungen vorhanden, die B. heteropoda 
sonst nicht besitzt. 

Zu den einzelnen Arten ist folgendes zu bemerken: B. densiflora ist im Berliner 
Botanischen Garten als B. integerrima und heteropoda vorhanden. Auch zog ich sie selbst 
aus Samen, die ich unter den letzteren beiden Namen aus Petersburg erhielt (neben einigen 
echten heteropoda) in zwei etwas verschiedenen Formen, wovon die eine möglicherweise 
durch Bastardierung von seiten der heteropoda oder der integerrima verändert ist. Auf 
sie bezieht sich die Anm. 1 in meiner Dendrologie S. 167. 

B. crataegina DC. glaubte ich früher (Dendr. S. 168) mit densiflora vereinigen zu 
müssen, sie hat aber unterseits nicht papillöse Blätter, während sie bei der auch in der 
Blattform sehr verschiedenen densiflora papillös sind. In Kultur sah ich sie nirgends. 

B macrobotrys ist von Bornmüller als Var. von densiflora aufgestellt worden, 
unterscheidet sich aber durch den Mangel unterseitiger Papillen von letzterer. Nicht in Kultur. 

B. pyrocarpa ist Regeis B. integerrima var. pyrocarpa, hat aber oberseitige Spalt- 



OQ Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

2. Papillen. Nicht minder beständig ist die Ausbildung kurzer, nur 
mikroskopisch sichtbarer Papillen auf den Epidermiszellen der Blätter. Als 
Haare kann man diese Gebilde ihrer Kürze wegen noch nicht bezeichnen. Je 
eine Papille steht auf jeder Epidermiszelle, von deren Oberfläche sie meist 
nur einen kleinen, zuweilen aber auch einen sehr grossen Teil einnimmt, indem 
sie sich in der Flächenansicht als oft sehr scharf abgegrenzter Ring abhebt. 
Häufig, aber nicht immer, ist diese Papillenbildung mit einer auffallenden, 
kreideweissen Färbung der Blattunterseite verbunden. Beispiele: 

Subg. Mahonia: 

a) B. repens Lindl. nur auf der Unterseite. Bei B. Aquifolium L. 
fehlen die Papillen gänzlich. Eine Anzahl von Formen mit schwachen An- 
deutungen von Papillen glaube ich auch nach ihrem makroskopischen Verhalten 
als Bastarde beider Arten deuten zu dürfen. 

b) B. Fremonti Torr., Papillen auf beiden Blattflächen. 

c) B. trifoliolata Moria, auf beiden Blattflächen, auf der Oberseite durch 
grosse Zwischenräume getrennt, auf der Unterseite gruppenweise sehr gehäuft, 
sogar sich berührend, vielleicht hier als Schutzvorrichtung für die Spaltöffnungen 
zu betrachten. 

Subg. Euberberis: 

1. Reihe (Dendr. S. 166). Immergrüne Arten. 

a) B. empetrifolia Poir., Papillen nur unterseits; die Blätter sind sehr 
schmal, bis zur Mittelrippe zurückgerollt, die Papillen in der Nähe des Randes 
zu wirklichen Haaren verlängert, die Spaltöffnungen also in einem sehr wohl 
abgeschlossenen Räume geborgen. 

b) B. Darwini X empetrifolia, Papillen etwas kürzer als bei vor. 
(bei B. Darwini Hook, fehlen sie ganz). 

c) B. concinna Hook, f., nur auf der Unterseite. 

d) B. asiatica Roxb. in DC, wie vor. ; bei beiden Arten stehen die Papillen 
sehr dicht wegen Kleinheit der Epidermiszellen. 

2. Reihe (Dendr. S. 167). 

a) B. »spec. Taschkent« (s. oben), nur auf der Unterseite. 

b) B. Lycium Royle, auf der Oberseite schwache Andeutungen, auf der 
Unterseite wohl ausgebildete, ungewöhnlich dicke, einen grossen Teil der 
Zellen - Aussenfläche einnehmende Papillen. Zu dieser Art gehört eine von 
Sargent an Späth als B. ruscifolia abgegebene Pflanze mit genau ebensolchen 
Papillen. B. ruscifolia Lam. hat keine Papillen. 

c) B. densiflora, nur auf der Unterseite, wie beifolgender. 

d) B. pyrocarpa Koehne (S. oben S. 19 Anm. am Schluss). 

3. Reihe (Dendr. S. 168). Papillen stets nur unterseits, sehr gross und 
sehr dicht stehend. 

a) B. virescens Hook. f. 



Öffnungen und unterseitige Papillen. Beide Merkmale besitzt B. integerrima nicht! — 
Nicht in Kultur, wenn nicht „Berb. spec. Taschkent arb. Späth" dazu gehört. 

Zu B. cretica gehören die von mir früher für calliobotrys Bienert? angesehenen 
kultivierten Exemplare, dagegen nicht B. calliobotrys Aitchison aus Afghanistan, die ihrerseits 
wieder von der echten calliobotrys Bienert verschieden ist. 

B. aetnensis gehört nicht zu B. emarginata, wie ich früher glaubte annehmen zu 
müssen; denn letztere hat keine oberseitigen Spaltöffnungen. Echte aetnensis sah ich in 
Kultur noch nicht. 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 21 



b) I!. d iaphan a Maxim. 

c) B. umbcllata Wall. 

d) B. papillifera m. (= B. Thunbergi var. papillifera Franch.) 
B. Thunbergi hat keine Papillen, nur selten sehr schwache Andeutungen da- 
von, während sie bei papillifera gross und dicht stehend sind. 

4. und 5. Reihe (Dendr. S. 170 u. 171). Bei keiner Art Papillen gefunden. 

3. Form der Epidermiszellen der Blätter. Es giebt in dieser Hinsicht 
zwei Grenzfälle. In dem einen erscheinen die Wandungen in der Flächen- 
ansicht ganz geradlinig oder nur schwach gebogen, in dem andern sind sie 
stark hin- und her geschlängelt. Im crsteren Fall sind die Zellen häufig that- 
sächlich kleiner, oft aber erscheinen sie nur so infolge einer optischenTäuschung. 
Zählt man auf Zeichnungen, die mit dem Zeichenapparat bei gleicher Ver- 
grösserung angefertigt wurden, die einen bestimmten Flächenraum bedeckenden 
Zellen, so ist die Zahl bei geraden wie bei geschlängelten Wandungen oft 
dieselbe, obgleich in letzterem Falle die einzelne Zelle den Eindruck viel 
bedeutenderer Grösse macht. Es kommen aber auch wirkliche Grössen- 
unterschiede vor, und dann stets in der Weise, dass besonders kleine Zellen 
stets geradlinige, besonders grosse stets geschlängelte Wandungen haben. Von 
den kleinen Zellen können doppelt so viele und mehr denselben Flächenraum 
bedecken wie von den grossen (gleichen Entwicklungszustand der Blätter selbst- 
verständlich vorausgesetzt). Zwischen beiden extremen Formen giebt es alle 
möglichen Übergänge, auch mit der Massgabe, dass bald beide Blattflächen 
sich gleich verhalten, bald auf der Unterseite die Wandungen etwas stärker 
geschlängelt sind als oberseits, bald, wenn auch selten, umgekehrt. Trotz der 
vielen Übergangsbildungen ist nun die Form der Epidermiszellen doch nicht 
ohne systematischen Wert, da sie nicht selten bei Arten, die makroskopisch 
schwer auseinander zu halten sind, deutlich verschieden bleibt. Ich will mich 
nur auf wenige Beispiele beschränken. B. japonica Spreng, hat kleine, gerad- 
wandige, B. nervosa Pursh. grosse, sehr stark wellenwandige Epidermiszellen. 
B. nepalensis Spreng, ist B. japonica ähnlich, die Wandungen sind aber ein 
wenig geschlängelt. In der ersten Reihe von Euberberis hat B. Wallichiana 
DC. oberseits schwach, aber deutlich geschlängelte, die übrigen untersuchten 
Arten haben daselbst gerade Wandungen. In der 3. Reihe hat etwa die erste 
Hälfte der Arten unterseits gerade, die andere Hälfte lebhaft geschlängelte 
Wandungen. In der 5. Reihe hat B. amurensis Rupr. oberseits ganz oder 
fast geradlinige, unterseits etwas geschlängelte, B. vulgaris L. beiderseits Nein- 
lebhaft geschlängelte Wandungen. Der Eindruck ist in beiden Fällen so ver- 
schieden, dass ich nicht mehr glaube, B. amurensis sei nur eine Form von 
B. vulgaris, wie meistens, auch von mir selbst, angenommen wurde.*) Auch 
B. canadensis Mill. bezw. B. caroliniana Lond. scheinen von B. vulgaris, 
von der sie sonst schwer unterscheidbar sind, im Verhalten der Epidermis 
stets deutlich verschieden zu bleiben. Jedenfalls verspricht der sorgfältige 
Vergleich der Epidermiszellformen zu einer besseren Sichtung zahlreicher sonst 
nicht hinreichend zu kennzeichnender Arten, Varietäten und Formen von 
Berberis nicht unwesentlich beizutragen, doch sind hierzu noch weitere aus- 
gedehnte Untersuchungen notwendig. 

*) Übrigens hat sich auch herausgestellt, dass B. amurensis stets ganz erheblich 
früher blüht als fast alle übrigen Arten von Euberberis. 



22 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



Die Dicke der Wandungen der Epidemiszellen, in der Flächenansicht be- 
trachtet, wechselt, scheint auch mit zunehmendem Alter der Blätter oft etwas 
zuzunehmen. Die dicksten Wandungen fand ich bei B. nervosa. Sehr häufig 
bemerkt man in den Seitenwandungen Tüpfel. Auch die Aussenwandungen 
können durch netzförmige Verdickungsleisten sich derart verstärken, dass man 
in der Flächenansicht die Zellwände von den Leisten gar nicht mehr, ausser auf 
besonders günstigen einzelnen Stellen von Flächenschnitten, unterscheiden kann. 
Solche Leisten fand ich bisher nur in der Untergattung Mahonia z. B. bei 
B. Aquifolium L.; sie können sich derart verbreitern, dass die Aussenwand 
der Zelle wie mit grossen Tüpfeln besetzt erscheint, so z. B. bei B. Wagneri h. 
(die vielleicht zu B. pinnata Lag. gehört), aber auch bei echter B. Aquifolium. 

(Schluss folgt.) 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc. 



Feijoa Sellowiana Berg. 

Feijoa Sellowiana ist eine von 
Eduard Andre aus Uruguay ein- 
geführte Myrtacee, die in seinem Villen- 
garten in Golfe Juan (an der Riviera) 
ihre köstlichen Früchte reift und 
daher auch für unsere Kolonieen zu 
emptehlen ist. Abgebildet in Revue 
hört., Bot. Mag., Garden, Gard. Chronicle. 



Neuheiten von Herb & Wulle. Neapel. 

(Nach den Beschreibungen der Züchter.) 



Centaurea imperialis (Hort. Herb). 

Unter dem kurzen Namen Centaurea 
imperialis übergiebt die Firma Herb 
& Wulle (Inh. M. Herb) in Neapel 
dem Handel eine Reihe neuer, riesen- 
blumiger Centaureen-Hybriden, die an 
Wert und Schönheit alle bis jetzt 
kultivierten wohlriechenden Centaureen 
weit übertreffen. 

Centaurea imperialis stammt aus 
einer Kreuzung der roten C. moschata 
mit der weissen C. Margaritae. Von 
ersterer erbte sie den üppigen Wuchs 
der Pflanze, von letzterer aber den 
edlen Bau der Blumen. Die Farbe 
derselben variiert bis ins Unendliche, 
so dass noch eine sehr grosse An- 
zahl prächtiger Spielarten wird an- 
geboten werden, sobald sie erst alle 
konstant geworden sind. 

C. imperialis bildet riesige, über 
1 m hohe Büsche, bedeckt mit lang- 
stieligen, edelgebauten Blumen, meist 



von der doppelten Grösse der bekannten 
C. odorata und Margaritae, mit dem- 
selben Wohlgeruch und. was nochmals 
ausdrücklich wiederholt wird, von 
genau derselben Form. Was sie aber 
noch ganz besonders von den bis- 
herigen wohlriechenden Centaureen 
auszeichnet, ist die aussergewöhnlich 
lange Dauer der Blumen, die sich, 
wenn frisch aufgeblüht abgeschnitten, 
bis 10 Tage im Wasser gut halten 
können; ferner die härtere Natur und 
längere Vegetationsdauer der Pflanze 
überhaupt, sodass sie so leicht wie 
jede andere Sommerblume kultiviert 
werden kann, was bekanntliah bei 
Centaurea odorata und Abarten nicht 
der Fall ist. 

In der Binderei wird die pracht- 
volle, wohlriechende, riesenblumige, 
langstielige und überaus dauerhafte 
Centaurea imperialis, die zudem in den 
meisten beliebten Modefarben vertreten 
ist, bald tonangebend und unentbehr- 
lich geworden sein. Im Garten aber 
kann man sich kaum ein wirkungs- 
volleres und eleganteres Blumen- 
Arrangement vorstellen, als eine Gruppe 
unserer neuen Centauieen-Hybriden. 

Centaurea imperialis alba. 

Blendend weiss, riesenblumig! Es 

I ist einleuchtend, dass diese völlig 

j konstante Spielart für Gärten und 

' Blumengeschäfte von unschätzbarem 

Werte ist, so dass wir uns jede weitere 

Anpreisung ersparen können. 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



n 



Centaurea imperialis lilacina. 
Lilafarben, riesenblumig, mit der 

Farbe der C. odorata übereinstimmend. 
Für jede Art Blumen -Arrangements 
ist diese zarte Modefarbe unentbehrlich. 
An Sorten werden ferner angeboten: 
splendens leuchtend purpurn, rosea, 
Favorita, rosa, Armida. zartlila, 
Iphigenia, rosa mit weissem Zentrum, 
variabilis, weiss mit rosa Schein, 
purpurn gezeichnet, im Verblühen rosa, 
graciosa, dunkellila. 

Centaurea Mariae (Hort. Herb). 

Diese neue Centaurea ist jedenfalls 
das »Non plus ultra« aller Centaureen. 
Die Firma Herb & Wulle (Inh. 
M. Herb) in Neapel erhielt sie bereits 
vor mehreren Jahren aus einer Kreuzung 
der wildwachsenden Centaurea pur- 
purea mit Centaurea suaveolens. — 
C. Mariae ist übrigens der Anfang einer 
sicherlich ganz prachtvollen, neuen 
und hochinteressanten Rasse. Aus be- 
sagter Kreuzung gingen eine ganze 
Reihe verschiedener Hybriden, sowohl 
einjähriger als perennierender, hervor, 
sodass die Firma in den nächsten 
Jahren noch oft in der Lage sein wird, 
mit neuen und kulturwürdigen Cen- 
taureen in die Oeffentlichkeii zu treten. 

Die neue Centaurea Mariae ist ein- 
jährig oder bisannuel, wie C. suaveolens, 
ist aber sonst hart und anspruchslos, 
ja von geradezu zäher Natur, wie die wild- 
wachsende C. purpurea. Sie wächst 
rasch, bildet schöne, aufrechtstehende 
Büsche und entfaltet einen geradezu 
staunenerregenden Blütenreichtum; jede 
Pflanze, zumal wenn die Blumen nach 
und nach verbraucht werden, zeitigt 
Hunderte von Blumen. Diese haben 
die Form und Grösse sowie den leichten 
Bau der Centaurea Margaritae oder 
C. odorata. stehen auf ganz dünnen, 
festen Stielen mit nur ganz kleinen 
eiförmigen Hüllkelchen und sind 
ungemein leicht und dauerhaft. Ihre 
Farbe ist ein zartes Schwefelgelb, nach 
den Spitzen zu rosa; am Tage des Er- 
blühens erscheinen die Blumen rein 
schwefelgelb. Für feine Bindereien, 
zu denen langstielige, aber ganz leichte, 
graziöse Blumen gewünscht werden, 
wird Centaurea Mariae wohl kaum, 
einen ebenbürtigen Rivalen finden. 
Die zart rosa - gelben Blumen präsen- 
tieren sich wie gelbgrundige Caryo- 
phyllus-Nelken. Im Garten ist ihr Platz 



neben den herrlichen Centaurea impe- 
rialis, bei denen diese Farbe vorläufig 
fehlt; sie ist niedriger und eignet sich 
deshalb vorzüglich als Einfassung um 
eine C. imperialis-Gruppe. 

Die Samengewinnung ist schwach 
und die Ernte somit ganz gering. 

Tomate „ Wunder von Italien". 

Line neue Tomaten - Sorte von 
staunenerregender Fruchtbarkeit! Die 
leuchtend scharlachroten Früchte sind 
pflaumenförmig, etwa 20 g schwer und 
gleichen somit denen der beliebten 
Sorte »König Humbert«. Die Früchte 
hängen in riesigen Büscheln von 50 bis 
70 Stück und darüber, zu einer einzigen 
Fruchttraube vereint, an einem Stiele 
beisammen, eine Erscheinung, wie sie 
bei Tomaten, sowie überhaupt bei 
anderen Gemüsen jedenfalls bis jetzt 
noch nicht zu sehen war. Eine einzige, 
gut ausgebildete Fruchttraube kann das 
enorme Gewicht von 1 ' ... kg und darüber 
erreichen. Die Pflanze Weichst hoch, 
ist widerstandsfähiger als die meisten 
letzten Neuzüchtungen und produziert 
bis zum Spätherbst eine unzählige 
Menge Früchte, immer zu riesigen 
Büscheln vereint. Die Früchte sind 
festfleischig und sehr schmackhaft, 
gleich vorzüglich sowohl als Salat als 
auch zum Einkochen. Da sie sich sehr 
lange halten, so eignet sich diese 
Sorte, wie keine andere zum Auf- 
bewahren. Die grossen Fruchtbüschel 
ersparen die Mühe des Zusammen- 
bindens; sie werden an einem trockenen 
und luftigen Ort aufgehangen. Im 
Herbst grün abgenommene Früchte 
reifen vollkommen nach. 

Der neue Liebesapfel »Wunder von 
Italien« ist ein Schaustück ersten Ranges 
und besitzt so viele Vorzüge, dass er 
sich sofort überall einbürgern wird! 

Er ist nicht zu verwechseln mit dem 
gewöhnlichen »König Humbert«, der 
hier und da auch unter dem Namen 
»Wunder von Italien« angeboten worden 
ist, wie dies bereits in Yilmorins 
»Gemüsegärtnerei« als Synonym be- 
richtigt wurde. 

Kartoffel ,, Frühe Vesuv". 
Feinste Tafelkartoffel, wie es so leicht 
keine zweite giebt! Die Knollen sind 
ziemlich gross, haben eine schöne, 
länglich breite Form (ähnlich »Perle 
von Erfurt« oder »Pearl of Savoy«). 



H 



Kleinere Mitteilungen. 



eine dünne, rötlich-gelbe Haut, weisses 
sehr mehlreiches Fleisch und sind sehr 
wohlschmeckend. Diese Sorte ist eine 
der frühesten für Freiland (hier bildet 
sie bereits Anfang Mai und auch früher 
einen bedeutenden Exportartikel). In 
Deutschland wird man von ihr Mitte 
Juni, von vorgekeimten Knollen aber 
schon viel früher ernten können; dabei 
ist sie sehr ertragreich und äusserst 
widerstandsfähig. In Jahrgängen, wo 
andere Sorten durch Krankheit oder 
ungünstige Witterung heimgesucht 
wurden, blieb unsere »Vesuv« stets 
unberührt und brachte stets denselben 
Ertrag. Sie hält sich ausgezeichnet 
über Winter und ist im Frühjahr gleich 
frisch und wohlschmeckend. Sie ist 
die beste Kartoffel des Südens und 
stets so gesucht, dass es 14 Tage nach 
der Ernte absolut unmöglich ist, noch 
etwas davon aufzutreiben. 

Wir sind fest überzeugt, dass wir 
dem Handel eine Kartoffelsorte bieten, 
die wegen ihrer gefälligen Form, ihres 
reichen und stets sicheren Ertrages 
zum Anbau im Grossen als Markt- und 
Exportkartoffel ersten Ranges geeignet 
ist; im Hausgarten und zum Selbst- 



bedarf wird es aber kaum eine bessere 
Sorte geben. Ein Versuch wird dieses 
aufs ausgiebigste bestätigen. 

Ganz besonders aber empfehlen wir 
unsere »Frühe Vesuv« ausserdem noch 
zum Anbau in südlichen Ländern, wo 
sie, wie wir bereits erprobt haben, zu 
jeder Jahreszeit angebaut werden kann. 
Für südliche Länder mit entgegen- 
gesetzter Vegetationsperiode liefern wir 
dementsprechend kultivierte, d. h. in 
den Monaten Januar-Februar geerntete 
Knollen. 

Kartoffel „Violette Aetna". 

Diese Kartoffel ist ebenfalls eine sehr 
zu empfehlende hiesige Sorte. Die 
riesigen Knollen sind länglich, glatt- 
schalig, dunkelviolett, weissfleischig, 
sehr mehlreich und schmackhaft. Sie 
liefert von allen Sorten die grössten 
Ernteerträge, ist absolut widerstands- 
fähig gegen alle hiesigen Kartoffel- 
krankheiten und versagt nie. Sie ist 
deshalb besonders als ertragreichste 
und widerstandsfähigste Sorte zu 
empfehlen, und sind wir überzeugt, 
dass uns Jedermann, der sie baut, für 
diese Kartoffel Dank wissen wird. 



Kleinere Mitteilungen. 



Das Chrysanthemumfest in Stuttgart. 

In dem Blumen liebenden Stuttgart 
fand unter dem Protektorate der 
Königin Charlotte von Württem- 
berg zum Besten armer Kinder 
der Stadt Stuttgart ein einzigartiges 
Fest, ein wahrhafter Blumentraum vom 
22. bis 27. Xovember statt. 

Eine Anzahl hochstehender Damen, 
an der Spitze Frau Oberbürgermeister 
vonRümelin, welche bewährte Kräfte 
wie Baurat Weigle, Samenzüchter 
und Handelsgärtner Schneider und 
Hofgarteninspektor Ehmann gewann, 
bildete das Festcomite. Der Besucher 
des Festes sollte in das Land jener 
Wunderblume, die das Sinnbild der 
Sonne, des Glanzes und der Unwandel- 
barkeit ist, nach Japan geführt werden. 

Die gelungene Ausführung dieser 
Idee fand in den Sälen des Königs- 
baues, welche in einen blühenden 
Garten umgewandelt waren, statt. Man 
erblickte Xipon mit seinem Fusi-no- 



jama, dem schimmernden Götterberge, 
im Hintergrunde, mit seinen blumigen 
Auen und murmelnden Bächen. Von 
grün umbuschten Felsen stürzten sich 
die Wasser in glitzernden Kaskaden 
in die Tiefe, Binsen und Strauchwerk 
umsäumten die Ufer und über die 
blauen Wogen wölbte sich in schlankem 
Bogen die kleine Brücke. Wer sich 
zu dieser den Weg durch die zahlreichen 
Besucher gebahnt hatte, der stand wie 
geblendet vor der flimmernden Pracht. 
Zur Rechten erblickte man den 
glänzenden Sonnentempel, dessen Vor- 
hof von nickenden Sonnenblumen ein- 
geschlossen war. Die Wände und 
Giebel der Pagode waren gleichfalls 
mit Sonnenblumen geschmückt. Dann 
folgten zu beiden Seiten die Bazare, 
eine ununterbrochene Kette reizender 
Bauwerke, geziert durch eine grosse 
Anzahl (ungefähr 70) junger Damen, 
welche aus dem farbenglühenden Japan 
erstanden schienen. Und diese vom 



Kleinere Mitteilungen. 



lichtesten Blau bis zum tielsten Rot, 
und vom zartesten Orange bis zum 
dunkelsten Violett leuchtenden Kostüme 
drückten dem Gesamtbild ihren Stempel 
auf, so dass die Toiletten der Besu< hei 
als sehr einfach erschienen. 

Diese zierlichen Japanerinnen wussten 
dem Besucher das Gross- und Klein- 
geld durch Verkauf von Pfauenfedern, 
Postkarten. Blumen. Konfekt, Kaffee, 
Thee. Spiel, Wahrsagen, Theaterspielen 
aus der Tasche zu locken, bis schliess- 
lich der Geldbeutel öde Leere zeigte. 

Und wahrlich, es hatte sich das Fest 
gelohnt, ungefähr 38 000 Mark wurden 
eingenommen, die Ausgaben werden 
sich ungefähr auf 15 000 Mark belaufen, 
Dank dem Entgegenkommen der 
Handelsgärtner, die nicht ganz 1000 M. 
für die Lieferung der Pflanzen ver- 
langten. Der Kgl. Hof besuchte am 
24.. von Bebenhausen kommend, das 
Fest und auf Anordnung I. M. der 
Königin wurde der Reinertrag des 
Promenadenkonzerts am 27. No- 
vember dem stellvertretenden Stadt- 
vorstand übergeben, welcher bezüglich 
der Verteilung an bedürftige Wein- 
gärtner das Weitere in die Wege 
leiten wird. 

Flohenheim. Garteninspektor Held. 



Neue Ausschmückung im Erholungsgarten des 
Hauses Rudolph Hertzog, Berlin. 

Der schöne Wintergarten des Welt- 
hauses Rudolph Hertzog in Berlin, 
das bekanntlich von der Breitenstrasse 
nach der Brüderstrasse durchgeht, hat 
jetzt eine andere Ausschmückung er- 
halten als sie zur Zeit war, wo wir 
eine Beschreibung derselben gaben 
(Gartenflora 1897, S. 407 m. Abb.). 
Es haben sich jetzt zwei Firmen in die 
Ausschmückung der Räume des Hauses 
Hertzog getheilt. Herr Härder besorgt 
den Schmuck im Innern, der Treppen 
etc.,IlerrLandschaftsgärtner Friedrich 
Maecker-Friedenau bei Berlin, Rhein- 
strasse 29. den des Erholungs- oder 
Wintergartens. 

Zunächst ist im Wintergarten mehr 
Raum gewonnen, indem an der Xord- 
seite ein unschöner Kellerhals, der 
verdeckt werden musste. entfernt 
worden und der Fussboden unterwölbt 
ist, um einen Durchgang von einem 
Keller zum andern zu haben. Ferner 
ist der ganze Raum einheitlicher ge- 



worden, indem der Seite 410 erwähnte 

Centaur. .statt quer nahe an einem 1 
zu stehen, in die Längsachse, aber 
seitlich und mehr nach vorn gerückt ist. 
Ueberall sieht man schöne Palmen- 
gruppen: Chamaerops Fortunei, Phoenix 
canariensis , ferner Blumentische , 
hübsche Beete, zahlreiche Ampeln und 
Farngruppen, aus denen blühende 
Pflanzen hervorlugen. Das ganze 
macht einen sehr gefälligen Eindruck, 
zumal die Wände auch mit Schling- 
pflanzen bedeckt sind. Freilich musste 
an einzelnen Stellen künstlicher Epheu 
und künstlicher wilder Wein mit zur 
Hilfe genommen werden. — Das 
Verdienst des Herrn Maecker für 
diese schöne Ausschmückung aner- 
kennend, sprach der Dekorations- 
ausschuss ihm eine silberne Me- 
daille zu. 

Aus der Sitzung des Liebhaber-Ausschusses 
am 3. Oktober 1898. 

(Es ist beschlossen worden, von jetzt 
an am zweiten Montag im Monat. 
7 Uhr, Invalidenstr. 42 zu tagen.) 

Herr Urban berichtet über ausser- 
ordentliche Erfolge von Kuhdung bei 
Agaven. Auf eine Tonne, die etwa 
ein Hektoliter Wasser fasst, werden 
zwei Eimer Kuhdung genommen, die 
man darin auflöst und mindestens 
acht Tage gären lässt. Alle vier 
Wochen wird ein Dungguss gegeben. 

Herr Demharter zieht Rinderguano 
vor. Ein Centner kostet 0.50 M. Er 
ist sehr reinlich, wird in Wasser gelöst, 
und der besseren Wirkung wegen noch 
auf fünf Liter mit 80 cem Wagnerscher 
N ä h rlös u n g versetzt. 

Herr( '.eheimratHauchecorne düngt 
seine Obstbäume mit fünf pro Mille 
Wagnerscher Nährlösung, Marke A.-G. 

Herr Tri) an bemerkt, dass man 
Aloe nicht düngen dürfe, sonst blühen 
sie nicht. Im Winter darl man sie 
auch nicht giessen. Einzelne sterben 
leider trotzdem im Winter ab, bilden 
aber aus dem Stumpf neue Triebe. 
Er hält sie in einem Zimmer mit 
( »fenheizung. 

Herr Geheim rat Hauchecorne 
berichtet über die schönen Orchideen 
des Herrn Gartenbau - Direktors 
Lackner und über die zahlreichen 
Exemplare des Usambara-Veilchens 



26 



Kleinere Mitteilungen. 



Saintpaulia ionantha, die zerstreut 
zwischen den Orchideen stehen und 
das Ganze sehr beleben. 

Herr Urban hat gefunden, dass bei 
ihm Saintpaulia ionantha am besten 
in einem kühlen Keller überwintert. 

Herr Demharter berichtet über 
die ausserordentlich starke Vermehrung 
des Usambaraveilchens. Am besten 
ist es, Blätter oder Blattstücke in das 
Moos von in guter Vegetation be- 
findlichen Orchideen zu stecken. Dann 
bilden sich an den Nerven leicht 
Wurzeln, wie bei allen Gesneraceen. 

Bei Herrn Geheimrat Hauchecorne 
sind die gewöhnlichen Zwetschen und 
>-Anna Späth« fast ganz wurmfrei, da- 
gegen hat die Katharinenpflaume sehr 
viel Würmer. 

Bei Herrn Martiny ist Napoleons 
Butterbirne sehr schön geworden. 

Herr Hauchecorne findet, dass 
das meiste Obst dies Jahr früher reift. 

Herr Urban teilt mit, dass seine 
.Mutter alles Laub hat verbrennen 
lassen und nun fast gar keinen Apfel- 
stecher mehr in ihrem Obst hat, 
während sich sonst viele zeigten. 

Bei Herrn Martiny- Wilmersdorf 
giebt es dies Jahr fast gar kein 
Fallobst. Er hat allerdings alle mög- 
lichen Vorsichtsmassregeln ergriffen 
und lässt die Bäume so weit er reichen 
kann, mit Kupferkalkbrühe spritzen. 

Bei Herrn Geheimrat Hauchecorne 
sind dagegen viele Würmer. Die 
Kanada-Reinetten wurden erst ange- 
stochen, als sie schon so gross wie 
Borsdorfer waren. 

Herr Martiny hat dasselbe früher 
beim Danziger Kantapfel bemerkt, aber 
dies Jahr nur wenig. 

Landesökonomierat Göt he hat Herrn 
Geheimrat Hauchecorne geraten, 
ein Meter über dem Boden am Stamm 
einen Kranz von Holzwolle anzubringen. 

Herr Martiny hat das auch gethan; 
er hat das Papier darüber auch noch 
mit Raupenleim bestrichen und das 
hat geholfen. Sein Nachbar, der es 
nicht gethan, hat viel Fallobst. 

Herr Cordel hatte im Jahre 1898 
nur Maden an drei Hochstämmen: 
geflammter Cardinal, Charlamowsky 
und Cellini. 

Die Birne Howell, die am jungen 
Hochstamm sonst viele xMaden hatte, 
hat dies Jahr keine. 



Herr Martiny hat auch viele Nist- 
kästen angebracht, und zwar vor- 
schriftsmässig mit dem Flugloch nach 
Südost. 

Die Schwarzdrosseln werden als 
sehr schädlich für das Obst bezeichnet. 
Sie bauen selbst in Lorbeer- und 
Stachelbeerhochstämmen. 

Herr Martiny - Wilmersdorf zieht 
sogenannte kernlose Johannisbeeren. 
Roh schmecken sie wie Ahlbeeren, 
dagegen geschmort als Kompot 
wundervoll. Im Jahre 1898 sind die 
Beeren fast alle von den Stielen ab- 
gefallen. L. Maurer-Jena brachte sie 
zuerst in den Handel. 

Herr Geheimrat Schmidt teilt mit, 
dass im Humboldthain ein weisser und 
ein roter Hibiscus hochstämmig in 
schönster Blüte stehen. 

Bei Herrn Geheimrat Fritsch in 
Wilmersdorf sind nach Herrn Martiny 
auch grosse Hochstämme. 

Auf dem Wege von Pallanza nach 
Intra stehen nach Geheimrat Hauche- 
corne grosse Hochstämme als Allee- 
bäume. 

Bei Buch ist im Garten eine grosse 
Taxus hibernica. Der Park von Buch 
kann einst ein sehr schöner Park für 
die Berliner Bevölkerung werden, wie 
Herr Geheimrat Schmidt mitteilt. 



Die Theehybrid-Rose Gloire Lyonnaise. 

Von Adam Heydt, Kunstgärtner. 

Von weissen Rosen, die durch ihre 
Schönheit mir besonders gefielen, 
möchte ich Gloire Lyonnaise sehr em- 
pfehlen. DerWuchs und das ganze Aus- 
sehen verrät ihre Abstammung von 
Theerosen, und. ich zähle sie zu den 
Theehybriden, selbst wenn auch einige 
Rosisten diese Rose zu den Remontan- 
ten zählen. 

Die Blumenform ist eine echte Rosen- 
form. Blumenblätter ziemlich breit, 
Farbe innen ins Gelbe spielend, sonst 
schönstes Weiss. Gloire Lyonnaise be- 
sitzt einen angenehmen und starken 
Duft. Die Blumen stehen immer auf- 
recht, daher passt diese Rose am besten 
für Töpfe, niedrige Büsche und Pyra- 
miden, auch für halbhohe und mittel- 
hohe Stämme. Für Hochstämme über 
1 m ist sie nicht zu sehr zu verwenden, 
weil man dann nicht den vollen Blick 
der Blumen geniesst. 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



27 



Das schlanke, last ganz stachellose 
Holz ist ins Rotbraungrüne spielend: 
Blätter von mittlerer Grösse, Wuchs 
stark; Blüte sehr früh und auch reich. 

Als Schaublume ist sie vorzüglich. 
Gegen den Winter ist sie nicht gar zu 
empfindlich. 



Das Einfüttern der Cyclamen in Sägespäne. 

Von Adam Hey dt, Kunstgartner. 

Von allen den Mitteln, die zum Ein- 
füttern der Cyclamen genannt werden, 
halte ich Sägespäne für das beste. 
Jedoch muss man immer ein Thermo- 
meter dabei benutzen, weil sonst die 
hohe und lang anhaltende Wärme nicht 
taxiert werden kann und die Pflanzen 
dann zu leicht verbrennen können. 

Sägespäne wärmen gut, behalten die 
Wanne recht lange, lassen kein Unkraut 
aufkommen und verbreiten nach dem 
Ueberspritzen eine gute feuchte Luft. 
Solche Sägespäne, die von Buchenholz 
stammen, sind besser als diejenigen 
von Tannen- und Fichtenholz, weil von 
letzteren ein den Pflanzen schädlicher 
Dunst entsteigt und sie auch leicht den 
bekannten Kohlenpilz hervorrufen. 

Hat man Cyclamen in einem frischen 
warmen Kisten auf Sägespäne gestellt, 



so muss man besonders gegen Sonne 
vorsichtig sein, im Xu ist der Kasten 
zu heiss. Deshalb mit dem Schattieren 
aufpassen! 

Die Saatstelle der Deutschen Landwirtschafts- 
Gesellschaft, 

welche die möglichst zuverlässige und 
vorteilhafte Versorgung der Landwirte 
mit Saatwaren — möglichst unmittel- 
bar vom Erbauer — zum Ziel hat. 
zeigt eine stetige Zunahme ihrer Um- 
sätze: Im Frühjahrsgeschäft dieses 
Jahres hat sie 7194 Aulträge durch 
Vermittelung von 41 335,09 D.-Ztr. 
Saatware im Werte von 755 839 M. 
nach Massgabe ihrer Grundregel er- 
ledigt. Die im vorigen Jahre einge- 
führte »Anerkennung« von Saaten, 
die den Käufern Wirtschaften kenntlich 
macht, die den Saatbau mit besonderer 
Sorgfalt betreiben, ist in diesem Jahre 
von 17 Züchtern mit 34 Wirtschaften 
für 02 einzelne Saaten in Anspruch 
genommen, gegenüber 10 Züchtern 
mit 16 Wirtschaften und 31 einzelnen 
Saaten im Jahre 1897. Es erweist 
sich diese Einrichtung als weiterer 
Ausgestaltung fähig und verspricht ein 
wirksames Mittel zur Verbesserung 
des Saatenbezuges zu werden. 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



Auszug aus den Vorschriften der bulgarischen 
Regierung über den Pflanzen- etc. Verkehr. 

Die Einfuhr lebender Pflanzen mit 
Ausnahme der Rebe ist gestattet, wenn 
die betreffenden Pflanzen aus Gegenden 
stammen, welche von der Reblaus 
nicht heimgesucht sind; jedoch ist zu 
solcher Einfuhr die Genehmigung des 
Ministers für Handel und Landwirtschaft 
einzuholen. Diese Einfuhr darf nur 
über die Zollstellen Tzaribrod, Sofia, 
Harmanly, Varna, Burgas und Rustsehuk 
erfolgen; auch müssen die Sendungen 
mit einem das Nichtvorhandensein der 
Reblaus am Ursprungsorte darthuenden 
Begleitscheine versehen sein. Ein 
solcher Begleitschein ist auch bei der 
Einfuhr von Obst und Gemüse er- 
forderlich. Kartoffeln und Zwiebel- 
gewächse, ebenso alle Teile von 
Reben sind hingegen von der Einfuhr 
ausgeschlossen; doch ist die Durchfuhr 



dieser Gegenstände mit Genehmigung 
des Ministers für Handel und Land- 
wirtschaft gestattet. 

Wein, Most, Rosinen, Trester, land- 
wirtschaftliche Sämereien werden zur 
Einfuhr zugelassen; indess kann diese 
bei Verdachtsmomenten gewissen Be- 
schränkungen unterworfen werden. 

Alle zur Einfuhr zugelassenen 
Pflanzen, mit Ausnahme von Blumen 
in Töpfen, sowie Obst und Gemüse 
müssen vollständig von Erde entblösst, 
in Leinwand eingehüllt und in Kisten 
oder Körben derartig verpackt sein, 
dass die Sendungen leicht geöffnet 
und untersucht werden können, ins- 
besondere auch darauf hin, ob sie 
Weinblätter oder andere mit dem 
Weinbau zusammenhängende Dinge 
enthalten, durch welche die Reblaus 
in das Fürstentum eingeschleppt 
werden könnte. 



28 



Litteratur. 



Wenn die Pflanzen verdächtig er- 
scheinen oder den Vorschriften nicht 
entsprechend versandt sind, werden 
sie zurückgeschickt oder an Ort und 
Stelle vernichtet, sofern der Adressat 
in die Rücksendung nicht willigt. 
(Amtliche Mitteilung aus dem Kgl. preussischen 
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und 
Forsten.) 



Verhütung der Einschleppung von Schildläusen 
in Neuseeland. 

Nach einer für Neuseeland unter dem 
10. August d. J. ergangenen Bekannt- 
machung ist die Einfuhr von Obst- und 
anderen Bäumen oder Pflanzen (ein- 
schliesslich Schnittlinge, Reiser oder 
anderer Teile von Pflanzen, aus- 
genommen Obst) nach Neuseeland ver- 
boten, wenn diese Gegenstände mit 
irgend einer Art Schildläuse behaftet 
sind oder auch nur Spuren derartiger 
Schädlinge in irgend einer Ent- 
wicklungsform aufweisen. 

Werden infizierte Obstbäume oder 
Pflanzen oder Teile davon verbots- 
widrig in die Kolonie eingeführt, so 
wird mit den betreffenden Gegen- 
ständen und der Verpackung in der 
dafür anderweit vorgeschriebenen 
Weise verfahren. 

Die fragliche Einfuhr darf nur über 
die Häfen Auckland und Wellington 
erfolgen. 

(Amtliche Mitteilung aus dem Kgl. preuss. 
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und 
Forsten.) 



Neuer preussischer Gütertarif. 

Mit dem 1. Oktober 1898 ist für die 
preussischen Eisenbahnen ein neuer 
Stückguttarif zur Geltung gekommen, 
über dessen Nützlichkeit die Meinungen 



je nach Verschiedenartigkeit der Inter- 
essen geteilt sind. Obgleich ein sehr er- 
heblicher Teil des heutigen Stückgut- 
verkehrs von den Ermässigungen des 
neuen Tarifs, nämlich der, welcher 
sich innerhalb der ersten Zone bis 
zu 50 km bewegt, nicht getroffen wird, 
berechnet der preussische Eisenbahn- 
fiskus für die bewilligten Herab- 
setzungen eine Mindereinnahme für die 
preussischen Staatsbahnen von 11V2 
Mill. M. jährlich. Als Abschlagsleistung 
mögen die neuen Stückguttarife immer- 
hin begrüsst werden, die sich nun wie 
folgt stellen: Bei Entfernungen von bis 
zu 50 km bleibt es, wie schon bemerkt, 
bei dem alten Preis von 1 1 Pf. für die 
Beförderung von 1000 kg auf 1 km; 
aber für weitere Entfernungen sind 
staffeiförmige Ermässigungen bewilligt 
worden und zwar werden berechnet 
51 bis 200 km mit 10 Pf., 201 bis 300 
km mit 9 Pf., 301 bis 400 km mit 8 Pf., 
401 bis 500 km mit 7 Pf. und über 
500 km mit 6 Pf. für die Beförderung 
von 1000 kg auf 1 km. Bei diesen 
Staffeltarifen wird nicht der niedrigste 
Satz für die längste Entfernung zu 
Grunde gelegt, sondern jede Zone 
wird für sich berechnet, so dass die 
Fracht für eine Sendung von 1000 kg 
mit 600 km sich wie folgt zusammen- 
setzt: 

aus 5,50 M. für 1 — 50 km. 
„ 15,00 ,, ,, 51—200 „ 
9,00 ,, ,, 201—300 ,. 
,, 8,00 „ ,, 301 — 400 .. 

7:00 „ „ 401—500 „ 

., 6,00 „ ,. 501 — 600 „ 

Sa. 50,50 M. 
Demnach nimmt die Eisenbahnver- 
waltung für dieBeförderung von 1000 kg 
Stückgut auf 600 km 50,50 M. 



Litteratur. 



Deutscher Gartenkalender. 
XXVI. Jahrgang, 1899. Herausgegeben 
von MaxHesdörffer in Berlin. Verlag 
von Paul Parey, Berlin. Wir finden 
einige neue Aufsätze in diesem alt- 
bewährten Kalender, der wiederum 
warm empfohlen sei. Die Mischung 
für Wiesen, die Ertrag bringen sollen 
(S. 79), würde aber viel zu teuer kommen, 



wenn man 12 Teile Fuchsschwanz 
(Alopecurus pratensis) nehmen wollte. 
Auch sind 6 Teile Weissklee zu 6 Teilen 
Rotklee zu viel, der Weisskleesamen 
ist ja viel kleiner. 



Allgemeiner Deutscher Gärtner- 
Kaien der für 1899. Herausgegeben 
vom Haupt-Vorstand des Allgemeinen 



Aus den Vereinen. 



-'.' 



Deutschen Gärtner-Vereins. 5. Jahr- 
gang. Berlin. Verlag des Allgemeinen 
Deutschen Gärtnervereins, N., Weissen- 
burgerstrasse 66. 

Dieser besonders für Gehilfen 
geschriebene Kalender enthält die 
wichtigsten Bestimmungen über 
Kranken- und Invaliditäts-, sowie 
Unfallversicherung, Gewerbeordnung, 
Gesinderecht etc. und einige andere 
wichtige Tabellen etc. 



Walter T. Swingle and Herbert 
J. Webber, Hybrids and their utili- 
zation in plantbreeding (S.-A. aus 
Yearbook of Dep. of Agriculture for 
1897, Washington). Die Verfasser 
weisen nach, wie durch Bastardieren 
die Pflanzen bezw. ihre Blumen und 
Früchte meist grösser und schöner 
werden; mehrere interessante Ab- 
bildungen sind beigegeben. L. W. 

Dr. W. G. Farlow. Some edible 
and poisonous fungi (Bullet. Xo. 15 
U. S. Dep. of Agriculture, Division of 
veget. phys. and pathology). Einer 
der besten amerikanischen Pilzkenner 
giebt hier populäre Anleitung zur 
Erkennung essbarer und schädlicher 
Schwämme an der Hand vorzüg- 
licher Abbildungen. I.. W. 



Deutsches Gärtner-Liederbuch. 
Berlin, Verlag d. AllgemeinenDeutschen 
Gärtner-Vereins. 2. vermehrte Aufl. 
1898. Preis 50 Pf. 

Dieses »dem ersten Einiger der 
deutschen Gärtner Paul Gräbner in 
hoher Verehrung gewidmete« Lieder- 
buch, das mit dem Portrait Gräbners 
und einer Abbildung seines Grab- 
denkmals geschmückt ist, sei allen 
Gärtnern bestens empfohlen. Bei 



einiger Umschau auf Vereinsfesten 
dürfte übrigens die Zahl der Lieder 
sich leicht noch steigern lassen. Einzelne 
Lieder wären dann durch andere zu 
ersetzen, so z. B. Xo. 23, in welchem 
u. a. erklärt werden soll, warum die 
jungen Gärtner nicht Gesellen, sondern 
Gehülfen heissen, nämlich weil Gott 
dem Adam, dem ersten Gärtner, 
»Gehülfin« schul ! L. W. 

Der Schul- und Ilausgarten 
(Verlag von Oskar Bonde-Altenburg), 
halbjährlich bei monatlichem Er- 
scheinen 1 Mk., bei freier Zusendung 
1,20 Mk. VI. Jahrg. Xo. 1. Die neueste 
Nummer dieser Zeitschrift, welche bei 
der grossen Bedeutung, die man jetzt 
namentlich in pädagogischen und volks- 
wirtschaftlichen Kreisen der Schul- 
gartenfrage und der Pflege des Haus- 
gartens beimisst. sich in allen Kreisen 
leicht neue Freunde erwerben wird, 
i bringt folgenden beachtenswerten In- 
halt: Herbsteshofren, Gedicht von 
Martin M a a c k. — Aus unserer 
Spruchmappe. — Unsere Ziele. — 
Herbstarbeiten im Schulgarten. — Die 
brau in der Landwirtschaft und im 
Gartenbau. — Einige Winke für den 
Obstzüchter während der Herbst- und 
Winterzeit. Das Wegekraut« in 

Bismarcks Wappen. Arbeiten im 

Oktober und November. — Ratschläge 
und Winke für Obst-, Gemüse- und 
Zimmergarten. — Kleine Mitteilungen. 
— Litterarisches. Briefkasten. — 

Anzeigen. 

S ak ellar io. Über die Wer t- 
bestimmung der wichtigsten land- 
w i r t s c h a f 1 1 i c h e n S ä m e r e i e n. Publ. 
der K. K. Samenkontrollstation in 

Wien. 



Aus den Vereinen. 



Obstbau -Kongress in Frankfurt a. M. 1899. 
Seitens der Gartenbau -Gesellschaft 

sowohl, wie des landwirtschaftlichen 
Vereins wurde auf Antrag des Beeren- 
wein-Produzenten, Herrn J. Fromm. 
Frankfurt a.M., einstimmigderBeschluss 
gefasst, anlässlich der im Juni 1899 
hier stattfindenden grossen landw. Aus- 
stellung und Versammlung einen < >bst- 



bau-Kongress hier zu veranstalten, um 
auf diesem in Form einer freien Be- 
sprechung folgende Punkte zu beraten 
und zu erörtern: 1. Die Förderung der 
intensiven Obstverwertung, also des 
Obstabsatzes und des Obsthandels. 2.1 >ie 
Gestaltung des Obstes zu einer wirk- 
lichen Marktware, um dadurch den 
Obstbau zu einer Quelle des Wohl- 



32_ 



Unterrichtswesen. — Ausstellungen und Kongresse. 



Standes für unser Vaterland zu machen, 
die ebenso ergiebig werden kann, wie 
die Zucker- und Spiritus-Industrie es 
geworden sind. 3. Organisation des 
Obsthandels in Deutschland. 4. Auf- 
bewahrung und Transport des frischen 
Obstes. 5. Fortschritte in der Obst- 
verwertung, Erschliessung von Absatz- 
quellen. 6. Ueberwinterung des Obstes 
in Obstspeichern (Aufbewahrungs- 
häuser) nach Art der oder im An- 
schluss an die Kornspeicher, um das 
geerntete Obst unbeschädigt durch den 



Winter zu bringen, und dadurch nicht 
nur eine bessere Verwertung zu er- 
möglichen, sondern auch die Einfuhr 
fremden Obstes soviel als möglich zu 
vermindern. 7. Entsprechende Ver- 
packung des Obstes für Handel und 
Konsum. 8. Einrichtung von Obst- 
auktionen in den grossen Marktzentren, 
wie solche in Berlin , Paris, London u. s. w. 
stattfinden, da die Verwertung des 
frischen Obstes bekanntlich die best- 
lohnendste ist. 



Unterrichtswesen. 



Die Staats-Gartenbauschule in Gent 
feiert im Juni 1899 ihr sojähriges Be- 
stehen und wird bei der Gelegenheit 



ein internationaler Kongress über gärt- 
nerischen Unterricht stattfinden. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Berlin. Grosse deutsche Winter- 
Blumenaus Stellung Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten. Das 
Programm wird nächstens erscheinen. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5./19. 
bis 15./27. Mai 1899. Anmeldungen bis 
spätestens zum 1./13. März an Geheim- 
rat Exzellenz Prof. Fischer von 
Wald heim, Kaiserl. bot. Garten. 
Auch für nicht im Programm vor- 
gesehene Gegenstände stehen Preise 
zur Verfügung. Die Preisrichter wer- 
den bald ernannt werden. 

Nähere Bestimmungen: 

1. Auswärtige Exponenten zahlen 
keine Platzmiete. 

2. Auf allen russischen Bahnen wird 
eine bedeutende Preisermässigung ge- 
währt: für Exponate, deren Begleiter, 
für die Exponenten, Kommissare, Dele- 
gierte und Preisrichter. Wie gross die 
Preisermässigung sein wird, soll 
nächstens bekannt werden. 

3) Es werden Schritte eingeleitet, um 
eine Preisermässigung auch von Seiten 
ausländischer Bahnen zu erwirken. 

4) Alle eben erwähnten Personen er- 
halten ein Zertifikat von der kaiserl. 
russischen Gartenbau - Gesellschaft, 
welches dieselben zur Preisermässigung 
berechtigt. Für die Exponate werden 



besondere Etiquetten zugeschickt, die 
zu einer zollfreien und direkten Be- 
förderung über die Grenze bis zum 
Ausstellungsplatz dienen. 

5. Die Exponate können mit Etiquetten 
in beliebiger Sprache von den Expo- 
nenten versehen sein; nur müssen die 
Pflanzen lateinische Namen haben. 

6. Im Notfall wird die Gesellschaft 
auf Wunsch die Verpackung und Rück- 
sendung der Exponate besorgen; die 
damit verbundenen Kosten hat der 
Exponent zu tragen. 

7. Treibobst und Frühjahrsgemüse 
werden bis spätestens den 4./16. Mai zur 
Ausstellung zugelassen , wenn die 
nötige Anmeldung rechtzeitig stattfand. 

Belgische Aussteller wollen grosse 
Sammlungen blühender Orchideen per 
Nord-Express senden. Allem Anschein 
nach wird die auswärtige Abteilung der 
Ausstellung glänzend ausfallen. 



Hannover. Crysanthemum -Aus- 
stellung. Leider können wir noch 
keinen Bericht bringen, da unser 
Berichterstatter sein Manuskript noch 
nicht eingesandt hat. 



M e i s s e n. In Meissen fand vom 
13. — 15. November 1898 eine sehr ge- 
lungene Chrysanthemum - Ausstellung 
statt. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. — Personal-Nachrichten. 



V 



Antwerpen. 9. bis 13. April 1899. 
Internationale Gartenbau - Aus- 
stellung zur Feier der 300jährigen 



Wiederkehr der Geburt von Anton v an 
Dyck. Anmeldungen bis 10. März beim 
Sekretariat, 215 Chaussee de Malines 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



Mette in Quedlinburg. Engros-Preis- 
liste über Blumen-, Gemüse-. Gras- 
und landwirtschaftliche Samen. — J. C. 
Schmidt in Erfurt. Engros-Preisliste 
über Gemüse- und Blumensämereien 
(m. Abb.). — Derselbe. Album für 
Geschenke (m. Abb.). -- Keilholz in 
Quedlinburg. Blumen-, Gemüse-, Feld- 
und Grassamen. — Thomas S. Ware 
in Tottenham, London. Zwiebeln, Zier- 
pflanzen etc. (m. Abb.). — Dammann 
& Co. in San Giovanni a Teduccio bei 
Neapel. Gemüse und Zierpflanzen 



(m. Abb.) — Martin Gras hoff in 
Quedlinburg. Feld-, Gemüse-, Garten-, 
Gras- und Waldsamen. — A. Käding 
in Schwiebus. Gewächshausbauten, 
Warmwasserheizungen etc. (m. Abb.). — 
Vigneron Fils Succrs. in Olivet bei 
Orleans (Loiret). Rosen. — Thomas 
S. Ware, Haie Farm Xurseries in 
Tottenham, London. Blumen- und 
Gemüsesamen, Begonien. Chrysan- 
themum, Gladiolen und andere Spe- 
zialitäten. — Hof lief. J. Klar in Berlin. 
Haupt-Preiscourant. 



Personal-Nachrichten. 



Goeppert-Denkmal in Sprottau. 

Dem vor mehreren Jahren in Breslau 
verstorbenen Ehrenbürger der Stadt 
Sprottau, Geheimen Medizinalrat Prof. 
Dr. Goeppert, Direktor des bota- 
nischen Gartens an der Universität in 
Breslau. welchem bereits in den 
städtischen Promenadenanlagen in 
Breslau, und zwar in ihrem schönsten 
Teile, ein Denkmal errichtet worden 
ist, wird nunmehr auch seine Vater- 
stadt Sprottau resp. dessen städtische 
Behörden in Verbindung mit einem 
Komitee, bestehend aus Göpperts vielen 
Verehrern. Freunden und Schülern ein 
Denkmal errichten. Dasselbe soll an 
seinem 100jährigen Geburtstage, dem 
25. Juli 1900, feierlichst enthüllt und 
der Stadt zu seiner Wartung und 
Pflege übergeben werden. Es wird 
seinen Platz im städtischen Park, gegen- 
über dem „Laube-Denkmal", erhalten. 
Strauwal d-Cosel, aus Sprottau. 



Kommerzienrat Helfft- Berlin, Mit- 
glied des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues ist zum Geh. Kommerzien- 
rat ernannt. 



Geh. Kommerzienrat Spindler- 
Spindlersfeld, Mitglied des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, ist zum 
Ehrenbürger derStadt Köpenick ernannt. 



Als Nachfolger des Institutsgärtners 
Lücke ist E. S. Weissen bor n an die 



Gartenbau- und Obstbaumschule zu 
Wittstock berufen worden. Weissen- 
born, ein Schüler von Geisenheim. 
war an der Obst- und Weinbauschule 
zu Trier als Lehrer thätig und studierte 
später an der landw. Hochschule in 
Berlin namentlich die Krankheiten der 
Gartenpflanzen. 

Professor Axel Blytt an der T'ni- 
versität Christiania plötzlich f am 
18. Juli 1898 im Alter von 55 Jahren. 
(Erst vor kurzem ist uns die Anzeige 
zugegangen.) 

Der Hoflieferant H. F. Eil er s in 
St. Petersburg feierte am 19. (nicht 
am 17.) Oktober seine silberne Hochzeit. 



Dr. Hoeppner wurde an der 
önochemischen Versuchsstation der 
Kgl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau 
zu Geisenheim a. Rh. als Assistent an- 
gestellt. 

Dr. Laubert wurde ebendaselbst 
als Assistent an der pflanzenphysio- 
logischen Versuchsstation angestellt. 



Der Kgl. sächsische Hofgärtner a. D. 
G. A. W e n t z e 1 , früher Leiter des 
Hofgartens in Pillnitz, f am 10. Okt. 
1898 im Alter von 67 Jahren. 

Dem 1. Obergehilfen des Kgl. bota- 
nischen Gartens in Berlin, Heinrich 
Strauss, der am 15. Dezember sein 
25 jähriges Jubiläum feiert, ward vom 



92 Berichtigungen. — Winterfest. 



Verein zur Beförderung des Garten- 
baues eine silberne Medaille mit der 
Inschrift: »Für 25jährige treue Dienste« 
verliehen. Auch die Beamten des bo- 
tanischen Gartens und des Museums 
überreichten ihm Ehrengaben. 



F. Rehnelt, Universitätsgärtner am 
botanischen Garten zu Giessen, und 

A. Purpus, Obergärtner des bota- 
nischen Gartens zu Darmstadt, wurde 
vom Grossherzog von Hessen der Titel 
Garteninspektor verliehen. 



Berichtigungen. 

Zu Nr. 23, S. 626. Die Adresse von E. Georg Reid ist Reids Xursery, Becken- 
ham Hill, London S. E. (South East), nicht London 3b. — Seite 620 und 621 
war sie richtig angegeben. 

S. 630. In der Unterschrift unter der Abbildung 124 lies: Sumpfdotterblume 
mit 130 gelben Blüten, nicht 30. Im Text steht es richtig. 

Bitte berichtigen zu wollen, dass ich in der letzten Versammlung (Garten- 
flora 1898 Seite 652) bunte Arundoblätter zur Verwendung bei Blumenkörben, 
Blumensträussen etc. empfahl, jedoch nicht von Blumen stocken gesprochen habe. 

G. Körper, Fürstenwalde a. d. Spree. 

Berichtigung betr. der Obstausstellung. In Heft 24 der Gartenflora 
1898 S. 653 steht, dass ich, nachdem ich auf die wertvollsten Sorten der von mir 
ausgestellten Aepfel aufmerksam gemacht, gesagt haben soll, dass ich, da ich 
keine vorschriftsmässigen, guten Früchte ausgestellt habe, auf die mir zu- 
erkannte kleine silberne Medaille verzichte. Dies ist ein Irrtum; ich habe 
gesagt, da die von mir ausgestellten Früchte (nach Ansicht der Preisrichter) 
nicht alle ausstellungsfähig gewesen sein sollen, verzichte ich. Ich bemerke 
hierzu, dass man vielfach der Ansicht war, meine Kollektion enthielte die 
schönsten Früchte und besten Sorten, und gab mir den Rat, da dies nicht 
gebührend berücksicht sei, sollte ich die kleine silberne Medaille zurückweisen, 
was ich auch gethan habe. 

Im übrigen bemerke ich noch, dass die beschränkte Ausstellung voll- 
ständig ihren Zweck verfehlt hat, da eine Berichterstattung, welche soviel hätte 
sagen können und sagen sollen, ausgeblieben ist.*) Der Hauptzweck war, 
die Sorten und Früchte danach zu beurteilen, auf was für Boden die eine 
oder andere Sorte besser gedeiht, um den Liebhabern einen Fingerzeig zu 
geben: für diesen oder jenen, trocknen oder nassen Boden sind die hier 
gezeigten Sorten anzupflanzen; wozu wären denn auch sonst die Zettel 
auszufüllen gewesen? Ob eine Frucht verkäuflich ist oder nicht, bedarf wahrlich 
keiner Beantwortung, denn jeder gute Apfel findet immer seinen Abnehmer. 

C. Dressler. 



2. Winterfest des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, 
Donnerstag, den 19. Januar im Hotel Imperial pünktlich 8 Uhr. 

Anmeldungen nur bis n. Januar an Herrn Kgl. Hoflieferant J. F. Loock, 
Berlin X., Chausseestr. 52 a. 

*) Herr Junge hat in der Versammlung am 24. November Bericht erstattet. L. W. 



Cattleya Trianae „Hofgärtner Wundel". 

__. Hierzu Tafel i.pN. 

'■]1£) lüten sehr gross und von vollendet schöner Form. Blumenblätter sehr breit, 
(^=9 zartrosa mit karminrotem Mittelstreifen, der sich von der Basis der 
Kelch- und Kronenblätter nach der Spitze hinzieht und sich gegen den Rand der 
Kronenblätter in besonders schöner Weise verbreitert. Unterseite weisslick- 
rosa, Lippe mit einem bis zum äussersten Rande gehenden prachtvoll karmin- 
roten breiten Saum (viel schöner als auf unserer Abbildung*), der sich nach 
dem dunkelgoldgelben Schlünde hin scharf abgrenzt. 

Diese herrliche Varietät wurde von Herrn Orchideenzüchter Wundel in 
Oranienburg am 5. Februar 1898 dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
vorgeführt und mit dem Wertzeugnisse gekrönt (Gartenfl. 1898, S. 99). Die 
Preisrichter hoben noch besonders hervor, dass sie sowohl für Liebhaber, als 
auch für Handelsgärtner einen hervorragenden Wert besitze. 

Cattleya Trianae Linden et Reichb. f. ist benannt zu Ehren des um die 
Flora von Columbien hochverdienten Botanikers Jose Triana in Bogota (f zu 
Paris). Sie gehört, so gut wie C. Mossiae. botanisch zur grossen Art C. labiata 
und unterscheidet sich von C. Mossiae durch hellere Blätter und besonders 
durch die längere Röhre der Lippe, gärtnerisch vor allem aber dadurch, dass 
sie in den Wintermonaten blüht, während C. Mossiae meist im Sommer ihre 
Blumen entfaltet. 

Benannt ist sie von Herrn Wundel zum Andenken seines verstorbenen 
Vaters, des llofgärtners Wundel in Potsdam. 

Diese Varietät steht der Cattleya Trianae var. Capartiana L. Lind, in 
Lindenia vol. IX 1893 t. 426 am nächsten, die sich aber besonders dadurch 
unterscheidet, dass allein die Blumenblätter einen karminroten Mittelstreifen 
haben, der sich nur von der Spitze bis zur Mitte hinzieht. L. W. 



854. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 29. Dezember 1898. 

I. Der Direktor des Vereins Kgl. Gartenbaudirektor Lackner widmete dem 
verstorbenen Mitgliede Herrn Goeschke in Cöthen warme Worte der 
Anerkennung für sein rühmliches Streben, namentlich auf dem Gebiete 
der Frdbeerzüchtung, und die zahlreich Erschienenen erhoben sich zum 
Ausdruck der Teilnahme von ihren Sitzen. 

*) Die schwar/en Flecke, welche die Abbildung zeigt, sind gar nicht vorhanden; der 
Lithograph hat leider statt dunkles Roth — Schwarz genommen. 



• ) I 854- Versammlung des Vereins Zur Beförderung des Gartenbaues ete. 



II. Vorgeschlagen wurden zu wirklichen Mitgliedern: 

1. Herr S. Thon, stellvertretender Direktor der »Victoria«, Gross- 

Lichterfelde, durch L. Wittmack. 

2. „ Kaufmann und Importeur mexikanischer Landesprodukte Emil 

Heese, Gross-Lichterfelde, Lutherstr. 4, durch Herrn Urban. 

3. ., Kgl. Hofgärtner Rosenberg, Potsdam, durch L. Wittmack. 

4. ,. Henne, W. Kurfürstenstrasse 13, Geschäftsführer der Firma 

J. Ilaack, Nachfolger R. Köhler, durch Herrn Hofgärtner 
II offmann. 

5. ,, Obergärtner Füller, Colonie Grunewald, Herthastrasse 7 8, 

durch Herrn Hoflieferant Kropp. 

6. ,, Gärtnereibesitzer Käding, Zossen, durch Herrn Marquardt. 

7. „ Dr. Paul Graebner, Friedenau, Rembrandtstr. 6 (vom 1. Mai 

ab Gross-Lichterfelde, Victoriastr. 8) durch L. Wittmack. 
III. Ausgestellte Gegenstände: 1. Die Firma Eugen Blasberg, Berlin, 
führte die bei dem vom »Praktischen Ratgeber« veranstalteten Leiter- 
Wettbewerb unter 32 eingegangenen Leitern mit dem ersten Preis 
gekrönte Leiter »Gnadenfrei« vor. Die Leiter ist eine Art Tritt- oder 
Stehleiter und hat nach den Erläuterungen des Herrn Vogt, Vertreter 
der Firma, folgende Vorzüge: 1. Sie hat Stufen statt der Sprossen und 
drückt daher nicht so auf die Sohlen. 2. Die Stützen sind mit einem 
(harnier versehen, durch Herausziehen eines kleinen Stiftes kann man 
die Stütze abnehmen und die Leiter als Anlegeleitel" verwenden. 3. Die 
Stützen haben Schlitze, die es möglich machen, dass sie einen festen Halt 
geben, trotzdem sie aus dünnem Holz sind. 4. Das Charnier der Stützen 
hat oben jederseits einen Stützpunkt, so dass sich die Stützen oben nach 
aussen nicht verrücken können (nur nach innen) und eine Seitwärts- 
bewegung ausgeschlossen ist. 5. Oben sind zwei Anstelleisen, so dass 
man bei Wandspalieren sie anlegen kann, ohne die Wand zu beschädigen. 
6. Die Leiter hat ein sehr geringes Gewicht. 

Herr Brodersen bemerkt, er habe sich eine solche Leiter gekauft, 
sei aber sehr enttäuscht. Die erste Bedingung, dass die Leiter fest stehe, 
sei nicht vorhanden. Sowie man mit ihr auf der Strasse arbeitet, sind 
sämtliche Vorzüge verschwunden, auf weichem Boden mag sie fest stehen. 

Herr Kotte würde solche Leiter auf seinem abschüssigen Terrain auch 
nicht brauchen können. Er empfiehlt, sich die Leitern, wie sie das 
Reinigungs-Institut zum Fensterputzen benutzt, zum Muster zu nehmen, 
oben aber noch eine Stange anzubringen. Eine solche dreibeinige Leiter 
steht überall fest, eine vierbeinige nicht; die letztere lässt sich auch nicht 
beim Schneiden von Pyramiden verwenden. Bei einer dreibeinigen steckt 
man die Stange durch die Pyramide und hat den Baum unter sich. 

2. Herr Goedecke in Seehof bei Gross-Lichterfelde erfreute die Ver- 
sammlung abermals durch herrliche, abgeschnittene, getriebene Rosen, 
die er diesmal ausser Wettbewerb vorführte. Um zu zeigen, dass die 
Rosen nicht etwa verspätete Herbstblüher seien, führte er auch einen 
kräftigen, 1,62 m langen, in den letzten vier Wochen gewachsenen Trieb 
vor. Herr Goedecke, der die Vereinigten Staaten und (anada bereist 
hat, bedauerte, dass man bei uns noch immer bezweifle, dass es möglich 



854. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. nc 



sei, Rosen ununterbrochen wachsend und blühend zu haben wie in 
Amerika. Er habe freilich lange probieren müssen, ehe er die geeignetsten 
Sorten gefunden habe. Diese sind besonders: Ferd. Jamin, la Franc-. 
Kaiserin Auguste Victoria, Belle Siebrecht, Bridesmaid (Sport von Catherine 
Mcrmet). Eine Firma (der Name war unverständlich) in Chicago hat 
40000 Rosenstöcke und schneidet täglich 10 15000 Rosen. Er selbst hofft 
im nächsten Winter täglich 100 Dutzend schneiden zu können. Hat man 
klares Wetter, so blühen die Rosen natürlich leichter, aber es geht auch 
bei trübem. Ich war. berichtete er. in Canada bei 30 Kälte und trübem 
Wetter. Kein Haus wurde gedeckt. Abends sind wir mit der Spritze 
umhergegangen und haben alle Fugen mit Wasser bespritzt; dies gefror 
sogleich und dichtete die < »Öffnungen. Für Palmen und Azaleen aber ist 
es besser zu decken, für Pflanzen, die bald blühen sollen, nicht. 

Ähnlich grossartig ist die Nelkenkultur in Amerika. Es kommt vor, 
dass ein Farmer zuerst vielleicht 1 — 2 Nelkenhäuser und zuletzt davon 
40 hat; alle Nelken werden aber im Hause ausgepflanzt, und da kann man 
zu Weihnachten 100 langstielige Nelken für 2 Dollars (8,50 M.) liefern. 

Herr Ilofgärtner Iloffmann: Auch in Russland werden in der grossen 
Treiberei die Häuser nicht gedeckt. 

Herr F. Dietze: Ich habe einst auch um diese Zeit Rosen vorgeführt 
und dafür sogar die grosse silberne Staatsmedaille erhalten; aber ich 
konnte mit manchen sich schwerer treibenden .Sorten nicht zurecht- 
kommen, z. B. la France etc. Der diesjährige Winter ist so ausser- 
ordentlich günstig, ein solcher kommt aber selten vor. In Amerika hat 
man viel Sonne, wenn auch grosse Kälte; bei uns haben wir mit zu vielen 
Niederschlägen zu kämpfen. Ich hatte s. Z. noch grössere Blumen und 
verlangte für das F)utzend 5 Mark, erhielt das aber nicht. Im Januar und 
Februar könnten wir Rosen haben, um jetzige Zeit ist es zu kostspielig. 
Ich glaube nicht, dass Herr Goedecke es mit seinen Rosen so lange 
aushalten wird bis wir Schutzzoll erhalten. Im Augenblick sind freilich 
die Blumen teuer, weil Italien viel Kälte gehabt hat. 

Herr Kgl. Übergärtner Habermann: Ich bin der festen Überzeugung, 
dass wir bald die italienischen Rosen satt haben werden, die besseren 
Geschäfte haben wenig mehr davon; der schwindelhafte Flandel, der nur 
schlechte Ware aus Italien zu uns bringt und andererseits der Flciss der 
deutschen Gärtner wird sie verdrängen. Alan w r ird lieber etwas mehr 
Geld für die deutschen Rosen zahlen. Als man einst in Berlin sagte, in 
Hamburg könnte man deshalb so gut Rosen ziehen, weil dort der Golf- 
strom wirke, entgegnete der verstorbene Berliner Rosenzüchter II. Wendt: 
»Der Golfstrom wirkt in Hamburg so viel auf die Rosen, wie in Berlin 
die Panke!« 

Herr Kotte: Ich bestreite, dass die Rosenkultur für Januar und 
Februar rentabel ist; als ich junger Anfänger war. sah ich noch rosiger 
in die Zukunft. Jetzt weiss ich, dass ich vor Monat März keine Rosen 
haben darf. Warum? Das steht in meinen Büchern. Die Hamburger 
sind alle an der Rosentreiberei untergegangen. 

Herr Hunholtz, der einen grossen Teil der Goedeckeschen Rosen 
abnimmt, bemerkt, dass Herr Goedecke den ganzen Winter Kosen lieferl 



•>5 854. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

und dass das Publikum die höheren Preise willig zahlt. Die italienischen 
Rosen kosten jetzt 2,50 — 4,50 M. für das Publikum, zu Neujahr werden 
sie wohl auf 4—6 M. kommen; diese Waare muss noch dazu gedrahtet 
werden und hält sich nicht lange. Solche Rosen, wie Herr Goedecke 
liefert, halten sich viel länger, eine La France in Knospen bis 14 Tage. 
Sicherlich werden sie die Italiener verdrängen. 

Herr Hab ermann: Der Preis wird nicht so sehr durch die italienischen 
Rosen gedrückt als durch die inländische Konkurrenz. Wenn einer 
Rosen treibt, thun es gleich alle. 

Herr A. Drawiel-Lichtenberg: Herr Goedecke hat ein ganz neues 
Terrain. Auf einem solchen und in neuen Häusern treiben sich erfahrungs- 
gemäss die Rosen besser. Im Anfange meiner Thätigkeit hatte ich auch 
schöne Rosen, weil ich ein neues Terrain hatte. Da kamen die Ham- 
burger mit ihren Rosen und wollten alles tot machen, aber sie sind 
untergegangen und bei mir hat es auch abgenommen. Ich habe mehrfach 
Professoren um Rat gefragt, aber keiner konnte mir sagen, warum sie 
nicht mehr so blühen wollten. Der alte Bouche und andere sagten mir 
gleich: »Wenn Sie Ihre Häuser erst länger haben, werden die Rosen schon 
nachlassen.« So ist es auch gekommen und ähnlich ging es auch bei 
Herrn Dietze und Herrn Buntzel. Übrigens sind jetzt meine Rosen 
wieder etwas besser. 

Herr Kotte: Herr Goedecke hofft, täglich 100 Dutzend absetzen zu 
können, aber Herr Hunholtz nimmt vielleicht täglich nur 3 — 4 Dutzend, 
wo bleiben die übrigen? Jedenfalls bezweifle ich, dass Herr Goedecke 
seine 100 Dutzend mit Gewinn absetzen wird. 

Herr I) Htm an n -Eberswalde: Die Äusserungen, die hier gefallen, sind 
keine Ermutigung für den jungen Anfänger. Ich muss Herrn Goedecke 
die Anerkennung zollen, dass seine Rosen sehr schön sind. Wir wollen 
Fortschritte machen, keine Rückschritte, und darum haben wir in der 
< iktobersitzung Herrn Schlegel -Reinickendorf für seine Rosen die 
goldene Medaille beM r illigt. Wenn die deutschen Gärtner eine Besteuerung 
der italienischen Rosen wünschen, müssen sie auch gute Waare liefern. 
Freuen wir uns, dass Herr Goedecke ein so schönes Beispiel giebt 
und hotfen wir, dass seine Kulturen sich bewähren werden. (Bravo!) 

Herr Goedecke: 100 Dutzend Rosen abzusetzen ist nicht so schwer, 
denn Berlin hat ca. 1500 ^Blumengeschäfte. Wenn ich 0,70 bis 10 Mark 
für das Dutzend fordere, hat Niemand sich geweigert das zu zahlen. 
Leider treiben die Gärtner aber hier noch nicht genug Spezialkulturen 
und andererseits macht sich der Xeid so oft geltend. Auch Russland 
ist ein guter Abnehmer. Bei uns haben die Gärtner vielerlei, aber nicht 
viel. In Amerika hat ein Züchter Wortmann in (der Ort war 
unverständlich) allein 80 Häuser mit Medeola. 

3. Herr Hapt-Nieder-Schönhausen überbrachte als Merkwürdigkeit 
am 27. Dezember im freien Lande geerntete Gemüse: Blumenkohl, 
Kohlrabi und verschiedene Sorten Radieschen. Der Winter behandelt 
uns in diesem Jahre, bemerkt Herr Hapt, äusserst milde, ich weiss mich 
eines ähnlichen Falles nicht zu erinnern. Jm vorigen Jahre hatten wir 
zwar auch einen milden Winter, aber doch mehrere Tage anhaltenden 



854- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. -in 



Frost. Wenn der lllumenkohl sechs Tage Frost gehabt hätte, wäre nichts 
aus ihm geworden. Diesmal hatten wir nur ein paar Tage Frost und 
nachher wurde es wieder warm. Wenn die Ptlanzen unberührt stehen 
bleiben, zieht der Frost vollkommen wieder aus. 

4. Aus dem botanischen Garten der Universität Utrecht 
(Holland) war durch den Garteninspektor Herrn Budde daselbst eine 
hübsche hybride Bromeliacee, als Topfexemplar übersandt. Dieselbe 
hat als Mutter die Billbergia nutans, der Vater ist nicht sicher bekannt. 
Am meisten hat die Pflanze, wie L. Wittmack auseinandersetzt, Ähnlich- 
keit mit Billbergia hybrida leodiensis II. L. B. (B. vittata 9 X nutans). 
beschrieben und abgebildet von II. Witte in »Gartenflora« 1891 S. .~'' : - 
Auch Herr Garteninspektor E. Th. Witte-Leiden, Nachfolger seines 
Vaters in Leiden, schreibt Herrn Budde, dass sie dieser am ähnlichsten 
sei. Herr Budde bemerkt freilich, dass B. nutans nicht im Spiele sein 
könne, da im Utrechter Garten B. vittata nicht vorhanden ist. Wahr- 
scheinlich ist aber eine verwandte Art oder ein Bastard von ihr da. 

IV. Hierauf schreitet man zur Neuwahl des 1. Stellvertreters des Vereins- 
direktors. Zu Stimmzählern wurden vom Direktor ernannt die Herren Inspektor 
Dressler, Kgl. Garteninspektor Echtermeyer und Architekt Urban. 
Wie am 28. Oktober wurde durch Selbstzählen die Zahl der Stimm- 
berechtigten ermittelt und es ergab sich die Zahl von 121. Hierauf wurden die 
Stimmzettel eingesammelt (leider nicht gleich gezählt) und es ergaben sich 
für Herrn Konsul Seifert 62 Stimmen, 
,, ,, Kgl. Garteninspektor Perring oi Stimmen. 
Es waren mithin zwei Stimmzettel zu viel abgegeben. Die Wahl musste 
deshalb für ungültig erklärt und auf die nächste Vereinssitzung, welche 
am 26. Januar stattfindet, vertagt werden. 
V. Hierauf hielt Herr Prof. Dr. B. Frank von der landwirtschaftlichen Hoch- 
schule Berlin einen mit lebhaftestem Beifall aufgenommenen Vortrag über 
die in Deutschland vorkommenden Obstbaum-Schildläuse in ihrer Be- 
ziehung zur San Jose-Laus und mit besonderer Berücksichtigung des 
Obstbaues in Tirol. Der Vortrag wird in der »Gartenflora« erscheinen. 

VI. Hierauf wurden ohne Debatte 300 Mark dem Verbände der Handels- 
gärtner Deutschlands zu den Kosten der Schutzzoll-Erhebungen bewilligt. 
VII. Herr städtischerGarteninspektor Axel Fintelmann erklärtmitBezugauf die 
in der letzten Versammlung (Gartenflora 1898 S. 655) gemachten Äusserungen 
betreffs der Verlegung eines Weges im neuen Königlichen botanischen 
Garten in Dahlem, dass nicht nach seinem Projekte gearbeitet worden s 



*) Herr Garteninspektor Fintelmann hat nachträglich folgende Berichtigung eingesandt: 
In der November-Sitzung wurde im Anschluss an eine Bemängelung der Führung des Fahr- 
weges in dem neuen botanischen Garten, Seite <~>?5 d. Gartenrl. 1898, darauf hinuewiesen, dass 
der ganze Plan zu dem Garten und auch der betr. Weg nach Rücksprache mit den Herren 
Geheimrat Engler und Garteninspektor Perring entworfen und gezeichnet worden sei. 
Nachträglich habe sich allerdings eine Verschiebung des Weges wegen eines Tümpels, den 
man glaubte zuschütten zu dürfen, als notwendig erwiesen. Hiernach könnte sich leicht die 
Ansicht Geltung verschaffen, dass der Fahrweg nach meinem Entwürfe ausgeführt bezw. die 
Verschiebung desselben mit meinem Einverständnis vorgenommen worden sei. Es veranlasst 
mich dies, ganz besonders darauf aufmerksam zu machen, dass bisher nach meinem Plane 
nicht gearbeitet wurde, dass weder Lage, noch Form und Inhalt des zur Ausführung 
gelangten Fahrweges übereinstimmend sind mit meinem Entwürfe. 

Berlin-Humboldthain. Axel Fintelmann, Stadt. Garteninspektor. 



o§ Rhynchanthus Bluthianus Wittmack. 

Herr Garteninspektor Perring bemerkt, dass Herr Fintelmann jetzt 
ersucht worden sei. ein neues Projekt betreffs des Weges auszuarbeiten, 
und dass bereits an massgebender Stelle beschlossen sei, den Weg nach 
dem neuen Fintelmann sehen Vorschlage auszuführen. Die Sache sei 
damit erledigt. 

Herr Gartenbaudirektor Hampel bedauert, dass der Vorstand der 
Anregung, die in letzter Sitzung gegeben sei, die Sache weiter zu ver- 
folgen, nicht nachgekommen wäre. Ihm wurde bemerkt, dass ein dahin 
gehender Beschluss nicht gefasst sei; nur einzelne Mitglieder des Gehölz- 
ausschusses hätten nach der Sitzung den Wunsch ausgesprochen, dass- 
die vereinigten Ausschüsse den fraglichen Weg besichtigen möchten. Der 
General-Sekretär habe sich dann an die massgebenden Stellen gewandt 
und es sei ihm gesagt, man möge doch nicht eher aburteilen, bis die 
Sache fertig wäre. Herrn Brodersen sei aber infolge dessen Gelegenheit 
gegeben, die Pläne einzusehen. 

Herr Brodersen spricht seine Freude darüber aus, dass auf seine- 
Anregung hin nun doch die Sache gebessert werde. 
VIII. Hierauf wurde vom Direktor mitgeteilt, dass die grosse Winter-Blumen- 
Ausstellung Mitte Februar 1900 im Zoologischen Garten stattfinden 
werde. Die Direktion desselben wolle einen Vertragsentwurf einreichen. 
IX. Aufgenommen wurden als wirkliche Mitglieder die in der letzten Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen (siehe Gartenflora 1898 S. 650). 

Carl Lackner. L. Wittmack. 



Rhynchanthus Bluthianus Wittmack, eine neueZingiberaceen-Art. 

Von L. Wittmack. 

Gattungscharakter: Rhynchanthus Hook. f. in Bot. Mag. t 6861. 
Wurzelstock knollig; Fasern stark behaart. Stengel beblättert. Blätter länglich- 
lanzettlich. Ähre endständig. Kelch cylindrisch, undeutlich gezähnt. Kronen- 
röhre lang, fast cylindrisch. Kronenabschnitte ei-lanzettlich, zugespitzt. Seitliche 
Staminodien fehlend; Lippe verkümmert; Staubfaden lang, lineal, seine 
Ränder eingebogen, Spitze desselben fadenförmig; Antherenfächer aneinander- 
liegend, ohne Kamm. Fruchtknoten dreifächerig; Samenanlagen viele, über- 
einander. Griffel fadenförmig, Narbe klein, kreiseiförmig. Kapsel und Samen 
unbekannt. 

Artcharakter: Knollen kugelig-eiförmig, Stengel 30 cm hoch, Blätter 
zweizeilig, ei-lanzettlich, sitzend, mit langer offener Scheide stengelumfassend,. 
12 cm lang, 2 — 4 cm breit, die untersten auf scheidenartige Niederblätter reduziert. 
Ähre wenigblütig (zweiblütig), jede Blüte ca. 5 cm lang, aus der Achsel eines 
rötlich-grünen Deckblattes entspringend, das unterste Deckblatt mit laubartiger 
Spitze. Kelch und Blumenblätter schön karminrot, Lippe und Staminodien 
fehlend. Der einzige Staubfaden tutenförmig, mit seinen Rändern verwachsen, 
gross, schön weiss, an der Spitze den gelben Staubbeutel tragend, Griffel 
durch den Staubbeutel hindurchgehend, Narbe kugelig. Stylodien (verkümmerte 
seitliche Griffel) nur 1 statt 2. 



Ijber anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. oq, 

Diese Pflanze benenne ich zu Ehren des Herrn Gärtnereibesitzer Franz 
Bluth in Gross-Lichterfelde bei Berlin, bei dem sie mit Orchideen aus Ost- 
indien aufgegangen ist. Herr Bluth sandte mir die Pflanze als sie zum erstenmal 
blühte, am 15. August 1896 zur Bestimmung. Sie hatte damals nur eine einzige 
Blume, aber an dem grossen weissen, horizontal abstehenden tutenförmigen 
Staubgefäss erkannte ich bald, dass sie zur Gattung Rhynchanthus (d. h. Schnabel- 
blume), von der erst eine Art, R. longitlorus Hook. Bot. Mag. 6861, bekannt 
ist. gehören müsse. 

Im Oktober 1898 erhielt ich die Pilanze wieder, leider schon fast verblüht; 
sie war grösser geworden, aber die Ähren doch nur zweiblütig. Immer mehr 
wurde mir klar, dass sie neu sei, zumal im Kgl. Botanischen Museum, wo 
Herr Prof. K. Schumann neuerdings die Scitamineen durcharbeitete, sich 
nichts Ähnliches findet. Der Sicherheit wegen schickte ich aber Photographie 
und farbige Abbildungen auch nach Kew an Dr. J. G. Baker, der die Scitamineae 
für Hookers Flora of British India bearbeitet hat, und dieser schreibt mir 
freundlichst unter dem 27. Dezember 1898: 

»Wir haben dieselbe Pflanze im Kew-IIerbarium als eine unbenannte Art 
von Rhynchanthus. Unser Exemplar erhielten wir im September 1897 von 
Herrn Dr. G. Walker, 12 Springlicld road, Wimbledon. Es wurde uns geschickt, 
um benannt zu werden.« 

Darnach ist anzunehmen, dass vielleicht mit einem und demselben Trans- 
port von Orchideen diese Ptlanze in mehreren Exemplaren eingeführt ist. 

Obwohl der Kontrast zwischen dem weissen tuten- oder kahnförmigen 
Staubfaden und dem schönen Karminrot von Kelch und Krone ein sehr hübscher 
ist. ist die Pflanze, wenn sie nicht von selbst allmählich oder durch die Kultur 
gezwungen mehr Blumen ansetzt, gärtnerisch von keinem grossen Wert, 
mehr von botanischem Interesse. Sie zieht im Winter ein wie die Canna, 
welche bekanntlich auch eine Zingiberaceae ist. 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

Von E. Koehne. [Fortsetzung statt Schluss.] 

(Eingereicht am 22. November 1898.) 

4. Hypodermales Sklerenchym*) in den Blättern. Unter der Epidermis 
der Blattoberseite können, aber nur bei immergrünen Arten, dickwandige, 
schmale, aber langgestreckte, chlorophyllfreie Zellen in einer Schicht, bei 
B. trifoliolata und japonica in 2— 3 Schichten auftreten. Unter den Mahonien 
zeigen diese Erscheinung B. Fremonti. B. Fortunei Lindl., B. trifoliolata, 
B. nervosa, B. nepalensis, B. japonica, unter den Euberberis 
B. Darwini, B. actinacantha Mart., B. Darwini X empetrifolia, B. em- 
petrifolia. B. ilicifolia Forst., B. ruseifolia Lam., jedenfalls auch noch 
ander'- Arten. Jedenfalls fehlt dies hypodermale Sklerenchym bei B. repens, 
Aquifolium, Aqu ifolium X vulgaris. B. pygmaea Koehne (=microphylla 
Förster?), buxifolia Poir., congestiflora Gay, concinna, asiatica und 
Wall i Chiana, sowie wohl sicher bei allen sommergrünen Arten. 



*) Festigungsgewebe unter der Oberhaut-Zellschicht. 



^O Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

5. Sonstiges Blattsklerenchym. Stets ist das Gefässbündel der Mittel- 
rippe von einem schwach gelblich gefärbten Sklerenchymring umgeben, der 
an beiden Seiten nur sehr schwach, d. h. auf eine Zellbreite beschränkt, oder 
auch ganz unterbrochen sein kann. Konstanz scheint hierin nicht zu bestehen. 
Nach der Oberseite hin kann der Ring durch einen schmalen bis kräftigen 
Pfeiler mit der Epidermis in Verbindung treten. Selten schiebt sich zwischen 
den Pfeiler und die Epidermis in einer oder zwei Schichten ein Stückchen 
Gewebe ausZellen mit weisslicheren Wandungen undmitmehrkollenchymatischem 
Aussehen, noch seltener chlorophyllhaltiges Gewebe. Letzteres beobachtete 
ich gelegentlich z. B. bei B. Aquifolium und B. Wallichiana. Unten be- 
rührt der Sklerenchymring der Mittelrippe nur selten unmittelbar die Epidermis. 
Meist drängt sich dazwischen in 1 — 6 Schichten ein Gewebe mit nicht gelblichen, 
weniger dicken Wandungen von mehr kollenchymatischem Aussehen, manch- 
mal mit, manchmal ohne Intercellularräume, zuweilen sogar recht dünnwandig 
und Chlorophyll führend. Systematisch verwertbar scheinen aber diese Ver- 
hältnisse nicht oder in geringem Grade zu sein. An den Seitennerven und 
Adern wiederholt sich die Sklerenchymbildung in geradweise abgeschwächtem 
Masse, sodass Nerven und Adern an getrocknetem Material beiderseits vor- 
springen, auf der Unterseite natürlich deshalb stärker, weil hier das Schwamm- 
parenchym zwischen den Adern beim Trocknen stärker einsinkt als oberseits 
das Pallisadenparenchym. 

Der Rand des Blattes ist ebenfalls stets durch etwa 1 — 10 Sklerenchym- 
lagen verstärkt, welche bei den oberseits mit hypodermalem Sklerenchym ver- 
sehenen Arten durch dieses letzte mit den oberen Sklerenchympfeilern der 
Nerven und Adern in Verbindung treten. Unter der Lupe erscheint das Rand- 
sklerenchym als durchscheinende Berandung. Die Dornzähne am Blattrande 
bestehen ganz aus solchemSklerenchym. Als ArtenmerkmalistdieseSklerenchym- 
bildung von geringem Wert, da sie je nach der Nähe der Zähne schwächer 
und stärker sein kann und. wenn auch stets innerhalb gewisser Grenzen, 
schwankt. Immerhin kann man Arten mit starkem und solche mit schwachem 
Randsklerenchym unterscheiden. 

Metamorphosieren sich die ganzen Blätter in Dornen, wie es bekanntlich 
an den Langtrieben der Fall ist, so nähert sich das Randsklerenchym der 
Mittelrippe und tritt mit deren Sklerenchym oberseits in unmittelbare Ver- 
bindung, während von dem dünnwandigen Parenchym des Blattes nur eine 
kleine, fast ringsherum vom Sklerenchym umschlossene Zellgruppe übrig bleibt. 
Auch unterseits kann sich endlich das Sklerenchym um diese Gruppe herum 
völlig zusammenschliessen. Bei dieser ganzen Sachlage ist der Bau der Dornen 
überaus einförmig und, soviel bisher zu ersehen, systematisch ohne Wert. 

6. Pallisadenparenchym. Es tritt namentlich bei immergrünen, selten 
bei sommergrünen Arten in 2—3 Schichten auf, ist aber auch bei ersteren 
häufig einschichtig. Konstanz bei ein und derselben Art besteht im all- 
gemeinen nicht, nur insofern, als bei den meisten sommergrünen Arten die 
Schichtenzahl 1 niemals überschritten wird. Jedenfalls ist die Zahl der 
Schichten für die Art-Unterscheidung nur von geringem Belang. Die Gesamtdicke 
des Pallisadenparenchyms kann der des Schwammparenchyms gleichkommen, 
aber auch weit dahinter zurückbleiben. Die Wahrscheinlichkeit, in diesen 
Verhältnissen systematisch verwendbare Unterschiede zu finden, ist sehr gering. 



Bericht über Jie Kulturversuche im Jahre [898. _| 1 

7. Bau der jüngeren Zweige. Hierin hoffte ich von vornherein gute 
Unterschiede zu rinden, da die Zweige bald grau, bald lebhaft braun gefärbt, 
bald drehrund, bald feingestreift, bald tiefgefurcht sind. Ich wurde aber 
durch die anatomischen Befunde enttäuscht, da sich hierin die äusseren 
l'nterschiede lange nicht so scharf ausprägten, wie ich geglaubt hatte erwarten 
zu dürfen. In den Ilauptzügen ist der Stammbau sehr einförmig. 

Die Zellen des Markes sind bei Euberberis meist dünnwandig und 
ziemlich spärlich getüpfelt, bei Mahonia erheblich dickwandiger und reichlich 
getüpfelt. Die Markstrahlen sind meist sehr schmal, zuweilen ein wenig breiter, 
bieten aber wenig Aussicht auf systematische Verwendbarkeit. Die Sklerenchym- 
sichel, welche den Holzteil der Leitbündel vom Marke trennt, ist überall 
gleichförmig. Sie ist selten, und wie es scheint, in unbeständiger Weise von 
dem sklerenchymatischen, durch Berberin gelb gefärbten Teil des Holzgewebes 
durch eine schmale Lücke getrennt, vielmehr geht sie in letzteres meist 
unmittelbar über, welches seinerseits im mittleren Teil des Bündels bald nur 
sehr kleine, bald grössere oder ansehnliche, mehr oder weniger zusammen- 
tli essende, auch die grossen Gefässe mit umfassende, unregelmässige Gruppen 
dünnwandigen Gewebes übrig lässt. Anhaltspunkte für Artunterscheidung 
scheint die grössere oder geringere Ausbildung des sklerenchymatischen Anteils 
im Holzteil der Leitbündel nicht zu bieten. Auch im Kambial- und Siebteil, 
sowie im chlorophyllführenden Rindenparenchym habe ich bisher nichts 
Bemerkenswertes gefunden. Bei kantiger Zweigform ist schon der ganze Gefäss- 
bündelring mehr oder weniger deutlich eckig, und das Rindenparenchym pflegt 
in die Zweigkanten hinein mit deutlicher Verstärkung vorzuspringen, sodass 
es als die eigentliche Ursache der Rippenbildung sich darbietet, und seinen 
Umrissen die weiter aussen liegenden Gewebemassen im wesentlichen nur 
tolgen. (Schluss folgt.) 



Bericht über die Kuiturversuche im Jahre 1898, 

die unter Leitung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten 
auf den Rieselfeldern der Stadt Berlin in Blankenburg ausgeführt wurden. 

Erstattet von 

Joseph Klar, Berlin, Samenhandlung, Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs 

und Otto M e n d e , Obergärtner der Stadt Berlin, zu Blankenburg. 

(Fortsetzung. 

Myosotis oblongata perfecta Q. Eine grossblumige Abart des bekannten 
Winterblühers M. oblongata vera, die übrigens den ganzen Sommer in Blüte 
stand, während die vorhergehenden Arten und Abarten mit der zunehmenden 
Hitze das Blühen einstellten. Die Pflanze ist äusserst robust, hat dicke Blüten- 
stiele, die sehr lang sind, und ist mit grossen leuchtend blauen Blumen ver- 
sehen. Da die Myosotis oblongata, wie bemerkt, Winterblüher sind, so kann 
man die Pflanzen, im Falle sie zu gross werden, zum Herbst hin zurück- 
schneiden und werden sie dann noch kräftiger. 

Eeuchera sanguinea vor. alba %. Die im verflossenen Jahre ausgesäeten 
Samen standen nunmehr als vollständig blühende Pflanzen vor uns. Wir waren 
immerhin etwas enttäuscht, denn die Blumen sind nicht reinweiss, sondern 
schmutzig weiss, auch mattrosa. gelb etc., dabei gross- und kleinblumig. Durch 



42 Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. 



strenge Zuchtwahl dürften indes reinweiss wie auch noch andere Farben sich ein- 
stellen. Immerhin eine zu empfehlende neue Farbe dieser beliebten und mit Recht 
begehrten Perenne, die für die Binderei noch besonders zu empfehlen ist. 

Viola trieolor maxima „Feenkönigin" 0. Eine himmelblaue Spielart mit 
grossem weissen Saum, das ist Alles, wodurch wir dieses schöne Viola 
charakterisieren; dies reicht aber aus, dieses Stiefmütterchen voll und ganz 
würdigen zu können. Die Pflanzen waren konstant aus Samen, und dies will 
auch etwas sagen. Die Blumen waren nur massig gross, bilden indes eine 
wertvolle Bereicherung in diesem unendlich grossen Sortiment! 

Viola trieolor maxi um „La Brillante" 0. Mit grösseren Blumen als vorher- 
gehende, aber nicht so treu in der Farbe, welch letztere sich in den matten 
Nuancen des Hellweinrot bewegen. Darunter einige recht schön rotblühende. 

Salpiglossis variabilis superbissima 0. Die alte S. var. grandiflora in vor- 
trefflicher Verbesserung. Im Wuchs gedrungener, konzentriert sie ihre grossen 
schönen Blumen mehr am Stamm und ist höher als die alte bekannte S. Die 
Blumen sind getreu der grandiflora in blauen, gelben etc. Farbentönungen ge- 
halten, die sämtlich durch Goldadern unterbrochen sind und auf diese Weise 
marmoriert erscheinen. In den letzten Jahren sind die Salpiglossis wieder 
mehr in Aufnahme gekommen und würden noch beliebter sein, falls die Pflanzen 
zuweilen nicht so plötzlich eingingen ohne jegliche Veranlassung. Empfindlich 
sind diese Annuellen immerhin, und will man sie schön auf Gruppen haben, so 
muss man ihnen einen warmen Untergrund geben. 

Lohelia erinus pumila sjilendcns 0. Diese dunkelblaue Gruppenpflanze mit 
ihrem weissen Zentrum erinnert an L. Schwabenmädchen und war ziemlich 
neu aus Samen. 

Ethulia conyxoides Q. (Composite.) Die Pflanzen wurden einen Meter 
hoch und erinnern an Eupatoria, den Wasserdost. Die Blätter sind ebenfalls 
schmal, auf den langen Stengeln befinden sich violettrosa doldenähnliche 
Blüten, die man ebenso wie das Blattwerk zur Binderei verwenden kann. 
Diese einjährige Pflanze kommt aus Ostindien und ist nicht direkt Neuheit. 

Malcolmia litiorea Q tf . (Grucifere.) Ein ein- und zweijähriges niedliches 
Pflänzchen, das in seinem Äussern an Cheiranthus maritimus erinnert und auch 
nur so hoch wird Die Blumen sind rosa mit weisser Mitte. Die Blätter sind 
schmal und silbergrau. 

Chrysanthemum maximum „Triumph" %. Wohl mit eine der besten Schnitt- 
blumen, die wir in diesem Jahre in den Handel bekommen haben. Die Blumen, 
über 8 cm im Durchmesser gross, sind reinweiss und stehen auf langen, ziem- 
lich harten Stielen, was sie zur Binderei sehr geeignet macht. Das Zentrum 
der Blume ist dunkel und markiert sich hierdurch viel intensiver. Diese 
Marguerite ist würdig, in jeden Katalog aufgenommen zu werden und übertrifft 
Chrys. maximum Perfectior. 

Gaillardia perennis grandiflora compaeta %. Niedrigbleibend, grossblumige 
Neuheit der perennierenden Gaillardien, die ausserordentlich dankbar im 
Blühen und von gedrungenem Wuchs ist. Die Blumen halten sich in den 
bereits zur Genüge bekannten Nüancierungen und werden jetzt gern gekauft. 

Cynoghssum furnatum tf. (Asperifoliaceae.) Bildete starke dunkelgrüne 
Büsche mit langen, spitz auslaufenden Blättern. Leider blühten die Pflanzen nicht, 
sodass wir uns im nächsten Jahre nochmals hiermit beschäftigen müssen. 



Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. ^ 

Dahlia variabilis multiflom „Etoih de feu u Q. Eine aus Samen treugebliebene 
cactusartige Dahlia oder Georgine, die 60 cm hoch wird und einfach blüht. 
Die Blumen sind prachtvoll leuchtend purpur blutrot und sind die Blumen- 
blätter leicht gedreht, rinnenförmig und an den Spitzen zurückgebogen. Die 
Pflanzen standen bereits im Juni in Blüte, und wo man in der Parkanlage 
mit Massives wirken will, sind sie ausserordentlich zu empfehlen. Eine Neuheit 
ersten Ranges. 

Reseda od. grandifl. „Rubin" Q. Diese Reseda wäre in der That ein Edel- 
stein, wenn die einzelnen Blumen nicht so schnell verblühen würden und die 
Blütentrauben auf dem Rieselfelde nicht mehr Samenansatz zeigte als Blumen. 
Ob dies anderweitig auch der Fall ist, möchten wir im Interesse diest-r 
Ilandelspflanze nicht glauben. Die Farbe der Blumen ist rotbraun und 
sind die Trauben sehr gross. Die unter dieser Aussaat vorgefundenen falschen 
Exemplare waren in Bau und Farbe eine Reseda Machet, von welcher die Sorte 
sicher abstammt. Sonst gut. 

Helianthus annuus foL mir. rar. „Goldrand 1 ' Q. Etwa 2 m hoch werdende, 
gewöhnliche Samen rosa, deren Blätter zum Teil goldgelb gefleckt waren. 
Sobald erst diese panaschierte Pflanze echt sein wird, was bis jetzt nur zur 
Hälfte der Fall war. dürfte dieser Liebling der grossen Masse sich noch mehr 
Freunde verschaffen. Pflanze und Blume nur von Mittelstärke. 

Mimuliis tigrinus nanus roseus O- Eine ins Rosa übergehende Gaukler- 
blume, die uns aber nur unscheinbar vorkam. Die Farbe sahen wir aller- 
dings noch nicht, aber die recht stark gefleckten leuchten mehr und sind uns 
lieber. 

Iberis Timoryi fol. nur. rar. Diese einjährige Neuheit hat gelbgraue 
Belaubung, die aber wenig auffällt. Die Blumen sind weiss, wie bei der gewöhn- 
lichen Schleifenblume, Iberis amara. Unter dieser Aussaat befanden sich 
Exemplare mit gewöhnlichem grünen Laube, deren Blumen von besonderer 
Pracht und an Dankbarkeit im Blühen unerreicht waren. Einige Blüten- 
Stände massen 60 cm im Durchmesser. Die einzelnen Stengel verzweigten sich 
mehr am Stamme und es genügte eine einzige Pflanze, um eine Jardiniere zu 
füllen. Diese Pflanze ist jedenfalls noch entwicklungsfähig und dürfte sich 
für Gruppen- wie Topfkultur eignen. 

Meliea eiliata alba %. Eine Abart des bekannten Perlgrases, das ausdauernd 
ist. Die von Natur weissen Blütenrispen können einen wichtigen Platz in der 
Makartbinderei ausfüllen, da die meisten Ziergräser zu diesem Behufe erst 
gebleicht werden müssen. 

Rudbeekia bicolor superba Q. Eine einjährige vielblühende Rudbeckia, die 
etwa 60 cm hoch, die durch ihre Blumen sehr besticht. Die gelben Strahlen 
bluten haben leuchtend dunkelbraune Flecke und ebenso dunkelbraun ist die 
Scheibe. Selbst rein.<;elbe waren darunter. Die Blütenstiele sind lang, aber 
sehr krautig und weich, daher auch wohl empfindlich. Es ging ein grosser 
Posten von Pflanzen während der Blüte ein. wurden schwarz und verdorrten 
Sonst aber sehr schön und autfallend. 

Helianthus perennis hybridus %. Recht schöne neue Samenblume, die in 
dem verschiedensten Gelb ihre Blumen leuchten liess. Die Blumen dieser 
einfachblühenden Perenne waren nur so gross wie eine Caillardia. die Höhe 
der Pflanze 90 cm. Für Binderei sehr gut. 



ji Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. 



Nicotiana nortifloria Book., vor. altiflora Comes. Neue Tabakart, deren Blätter 
an Nicotiana glauca erinnern, also graugrün, klein und glatt sind. Die Pflanze 
blüht reichlich und hat einen stattlichen Wuchs. Die Blumen sind weiss, einige 
auch mattrosa, aufrechtstehend. Für grössere Gruppen sehr geeignet, umsomehr. 
da sie dankbar blüht. 

Nicotiana sylvestris Q Spegaz. Wir haben es hier mit einer graziösen 
Solitär- wie auch Gruppenpflanze zu thun, welche auf ca. 2 m Höhe ihre 
schneeweissen Blumen entwickelt und die alte Nicotiana affin is übertrifft. Der 
Bau der Pflanze ist elegant zu nennen; die breiten Blätter werden über 1 m 
lang und kommen den grössten Tabakblättern in jeder Weise nach. Die 
Blumen sind gross und hängend und von herrlichem Wohlgeruch. Erst der 
Frost machte ihrer Pracht 'ein Ende. 

Helenium Bigelowi %. Eine langgestielte Perenne mit gelben Strahlen- 
blumen und schwarzer Mitte. Sie soll aus Amerika stammen, von wo sie vor 
längerer Zeit nach hier importiert, jetzt aber erst wieder in Kultur genommen 
ist. Der sehr fleischige Stiel der Blume dürfte diese Staude zur Binderei un- 
geeignet machen. Es wird übrigens bald nicht mehr herauszufinden sein aus 
den vielen Rudbeckia, Helenium, Helianthus und sich sonst ähnelnden Schnitt- 
blumen, welche heute den Markt beherrschen. Ein Blick in ein Schaufenster 
eines besseren Blumengeschäfts dürfte dies bestätigen. 

Heliotropium hybridum giganteum Q| . Dieses Heliotrop wurde im verflossenen 
fahre eingeführt. Die Blütenstände dieser Sommerwende waren bei manchen 
Pflanzen 30 cm und darüber im Durchmesser, die Farbe vom hellsten bis zum 
dunkelsten Blau, das Laub sehr kräftig und gross. Hochstämme, von den 
echten grossblumigen gezogen, müssten grossartig wirken. Leider gehören 
hochstämmige Heliotrop jetzt zu den Seltenheiten. 

Verbesina virginiea %. Die Pflanzen haben kantige, geflügelte Stämme und 
wurden über 1 m hoch, leider ohne zu blühen, während einzelne Knospen sich 
bereits bemerkbar machten. Diese Staude, welche aus Nordamerika stammt. 
scheint ziemlich hart zu sein, da der bereits stattgehabte Reif sie nicht 
beschädigte. Die Verbesina ist nicht mehr ganz neu. jedoch fast nirgends 
anzutreffen. 

Rudbeckia radula %. Eine Einführung von 1896, die mit ihren goldgelben 
Strahlenblüten und schwarzer Scheibe sich von weitem bemerkbar machte. 
Zur Bouquetfabrikation vorzüglieh geeignet. 

Pyrnanthemuni pilosum 9) . (Labiatae.) Mit Astrantia minor ähnlichen Blumen 
trat diese 30 cm hoch werdende Staude bescheiden im Laufe des Herbstes 
hervor, kam aber nicht mehr recht zur Entwicklung. Hoffentlich wird Pyr- 
nanthemum hier den Winter aushalten. 

Petunia hybrida man. multifl. „Schneeball" Q. Wir hatten uns bereits im 
verflossenen Jahre über diese Hybride geäussert, fügen nur noch hinzu, dass 
die Pflanzen ziemlich konstant aus Samen waren. Zum Herbst nahmen aber 
die Blumen ihre frühere Farbe, rot mit weiss gefleckt, an. 

Thunbergia (data Q. Eine alte niedliche Schlingpflanze, die in ihren in 
verschiedenem Gelb blühenden einfachen Blumen stets eine schwarze Mitte zeigt, 
wodurch dieser Schlinger äusserst zierlich erscheint. Das Wachstum ist nur 
massig. Die Aussaat glückte im freien Lande. (Schluss folgt.) 



Pflanzenschmuck am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers. 



[5 



Pflanzenschmuck am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers 

in der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule zu Berlin. 

(Hierzu Abb. 8.) 

k er grosse Hörsaal der landwirtschaftlichen Hochschule, vielen Lesern 
bekannt, da in ihm die Versammlungen des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues stattfinden, erhält alljährlich zum Geburtstage Seiner Majestät 
des Kaisers einen testlichen Schmuck, den wir in unserer Abbildung 8 
wiedergeben. Vor der schwarzen Wandtafel ist ein rotbrauner Baldachin 
errichtet, dessen Hintergrund das Banner der Hochschule ziert, während vor 
[lern Banner die Büste Seiner Majestät des Kaisers Aufstellung erhält. Zu beiden 




Abb. 8. Pflanzenschmuck am Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers in der Kgl. landwirtschaftl. 

Hochschule zu Berlin. 
Photograpliiert von L. W i 1 1 m a c U. 



Seiten sind Fahnen angebracht und weiter links und rechts — auf dem Bilde 
nicht mehr sichtbar — nehmen die Vertreter des Ausschusses der Studierenden 
und der verschiedenen Vereine und Korporationen der Studierenden in vollem 
Wichs mit ihren Bannern und gezogenen Schlägern Aufstellung. 

Den Hintergrund bilden die Pflanzenschätze des botanischen Instituts 
(Prof. Dr. L. Kny, Gärtner Behse) und des Instituts für Pflanzenschutz (Prof. 
Dr. B. Frank, Gärtner W. Vorwerk), erstere vorzugsweise links vom Be- 
schauer, letztere besonders rechts. Zu beiden Seiten der Büste Seiner Majestät 
des Kaisers stehen zwei säulenförmige Cypressen, Cupressus sempervirens, 
weiterhin folgen Viburnum Tinus, Cryptomeria elegans, Lorbeeren, Oleander, 
Veronica speciosa, Aralia Sieboldi etc. 

Auf dem langen Laboratoriumstische, in dessen Mitte das Rednerpult 
sichtbar, finden wir an den Ecken kleine Latania borbonica Lam. oder richtiger,. 



Aß Grosse Allgemeine Chrysanthemum-Ausstellung zu Hannover. 

um mit Otto Kuntze zu reden. Saribus chinensis Blume"), während im übrigen 
eine reiche Fülle von Crocus, Hyacinthen, Maiblumen, getrieben von Herrn 
Vorwerk, untermischt mit dem Grün von Pteris serrulata, Tradescantia 
elongata (T. Sellowiana), Panicum plicatum etc., die an sich kahle Fläche beleben. 
Unser Bild ist nach der Feier am 26. Januar 1898 aufgenommen: im 
wesentlichen ist es aber alle Jahre das gleiche und immer aufs Neue fesselnde. 
Um aber die Wirkung voll zu ermessen, muss man sich die Chargierten der 
Studierenden in ihrem schönsten Schmuck, die stattliche Zahl der Festgäste, 
die dichten Reihen der Lehrer und Studierenden im Geiste mit vorstellen, 
man muss dem Gesang der Liedertafel der Studierenden und vor allem der 
weihevollen Festrede lauschen, dann wird man unwillkürlich mit einstimmen 
in den Ruf: Seine Majestät der Kaiser, er lebe hoch! hoch! hoch! L. YV. 



Grosse Allgemeine Chrysanthemum -Ausstellung zu Hannover 

nL ^ vom 24. bis 30. November 1898. 

ÜJ^Niese Ausstellung, infolge ungünstiger Witterung der Monate September und 
^^ Oktober auf das Ende November verlegt, fand in dem Konzert- und 
Palmengarten zu Hannover statt. Der Gartenbauverein von Hannover, welcher 
auf eine mehr denn 100jährige Thätigkeit zurückweisen kann, in den letzten 
Dezennien beruflicherseits aber wenig an die Oeffentlichkeit getreten ist. 
feierte mit dieser Ausstellung gleichsam ein Auferstehungsfest. Die heute 
an der Spitze des Vereins stehenden Kräfte spornten die Mitglieder zu 
dieser Lebensäusserung nicht nur an, sondern verstanden auch, hierbei durch 
Stiftung hoher Preise die Interessen der Liebhaber aufs Neue in den Kreis 
gemeinsamer Thätigkeit hineinzuziehen. Unter Voraussetzung dieser Thatsachen 
durfte man eine allgemeine Beteiligung seitens der Fachkreise wohl erwarten. 
Allein diese Erwartungen sind nicht nur erfüllt, sondern übertroffen worden 
und nimmt dies Urteil, als ein allgemein geltendes, in erster Linie auf die die 
Ausstellung beschickenden Kultivateure Bezug, wie sie in und mit ihren 
Erzeugnissen hier öffentlich deutschen Fleiss und deutsche Fachkenntnisse 
bekundeten. Ich schätze als wesentlichstes Moment dieser Ausstellung das- 
jenige der kulturellen Leistung deutscher Züchter, gegenüber hervorragenden 
bisherigen Leistungen ausländischer Züchter auf diesem Spezialgebiete. Gerade 
dieser Umstand in Verbindung mit der Thatsache eines aus sich heraus selbst- 
ständig entstandenen Unternehmens in durchaus gelungener Darstellung bilden 
den Wert der Chrysanthemum-Ausstellung zu Hannover. Blieb auch bezüglich 
der Einrichtung und Anordnung dies und das zu bemängeln (und wo wäre das 
nicht jedesmal noch der Fall?), so bilden diese Mängel doch nicht den Tenor 
eines Berichtes. 

Zunächst eine kurze Skizzierung des Ausstellungsraumes, der in vier 
Abteilungen gegliedert, uns zunächst einen grossen rechtwinkligen Saal zeigt. 
In der Mittelaxe (Tiefe des Rechtecks) dem Eingange gegenüber, springt eine 
Kaisergruppe, halbkreisförmig die eine Längslinie des Rechtecks unterbrechend, 
vor. In der Längsaxe des Saales finden wir auf der rechten wie linken Seite 



*) Siehe Gartenflora d. J. Heft 1 S. 7. 



Grosse Allgemeine Chrysanthemum-Ausstellung zu Hannover. An 



(vom Eintritt aus) grössere wie kleinere Gruppen, meist in kreisförmiger oder 
•oval gehaltener Anordnung im Räume verteilt, im Wesentlichen aus Chry- 
santhemum bestehend. Der zur rechten Hand, an der kurzen Seite des 
Rechtecks sich erhebenden Felspartie (dekorative Ausschmückung mit Palmen, 
Blattpflanzen, Orchideen) gegenüber, befindet sich links vom Eintritt ein 
Kiosk, dessen beide Seiten mit Blattpflanzen-, sowie Cyclamen - Gruppen 
flankiert sind. 

Saal Xo. 2, unmittelbar an diesen ersten anstossend, enthält im Wesent- 
lichen Bindereien. Blumenbindereien, Blumenarrangements vornehmlich aus 
Chrysanthemum. 

3. Die Emporen, Bühnenräume dieses Sales, eine Etage hoch gelegen, 
beherbergten auf beiden kurzen Saalseiten rechts das grosse Heer der Pläne (in 
Kojen), sowie an Kulturpflanzen: Primeln, Eriken, Nelken, Ardisien, Pteris: 
links, gegenüber: Stauden, Rosen, Bouvardien, Nelken, Dahlienblumen in ab- 
geschnittenem Zustande, zwei grössere Yeilchensortimente; die Emporen an 
beiden Längswänden Chrysanthemum, Dahlien. Pelargonien-Blumen, ab- 
geschnitten, Nelken. Primeln, Cyclamen-Sortimente in Töpfen sowie eine 
Weintraubensammlung. 

4. In dem Überbau (halbe Strassenbreite), der Tiefe des vorigen Saales 
angefügt, waren dagegen nur Chrysanthemum-Marktpflanzen aufgestellt. 

So bildete also das Chrysanthemum-Material den Grundton; die ander- 
weitig zu dieser Jahreszeit noch oder bereits in Blüte befindlichen Kultur- und 
Blattpflanzen gaben einen angenehmen Kontrast den ersteren gegenüber. 

Als Züchter in Chrysanthemum-Kulturen: Schaupflanzen, Hoch- und 
Ilalbstämmen traten wesentlich hervor: F. Kirsten-Klein - Flottbek bei Ham- 
burg (Kaiser-Medaille); K. Schuhmacher-Hamburg (goldene Vereinsmedailie 
und 100 M.); Daiker &. Otto-Langenweddingen; H. Bartels und F. Kracke- 
Döhren; W. Meyer-Kirchroda; F. Wellhausen-Hannover; A. Bayer-Linden; 
0. Ileyneck-Magdeburg; F. Sperling und J. Dannenbaum-Hildesheim. 

Zu diesen traten noch in Abteilung »Neuheiten« hinzu: Koenemann 
«V Maasser-Remscheid, Dittmann-Neumünster, Thürnau-Hannover, Chr. 
Küster & Sohn-Döhren; während in den »Sortimenten in abgeschnittenen 
Blumen« Bornemann-Blankenburg , Daiker & Otto-Langenweddingen. 
Warnecken-Blankenese, C. Danner und IL Walter-Wandsbek, Dittmann- 
Darmstadt, A. Etzold-Altenburg u. a. ihre Hauptkraft bewiesen. 

Unter den in Cyclamen -Kulturen hervortretenden Firmen nenne ich 
hier: Th. Grabbe-Braunschweig, Fr. Kraacke-Döhren, Tutesche Gärtnerei 
und J. Gerke-Hannover, F. Kirsten- Hamburg, J. Dannenbaum-Hildesheim. 

In Orchideen, namentlich Cattleyen und Cypripedien: S. Chollet- 
Eilbek - Hamburg; F. Sperl ing-Hildesheim, P. Tagmann-Döhren. In Nelken: 
Fr. Brau ck mann und J. Dannebaum-Hildesheim, Th. Grabbe-Braunschweig; 
in Primeln (chinensis und obeonica): Chr. Küster & Sohn-Döhren, H. Meyer- 
Kirchroda. J. & C. Gerke-Ilannover; II. Dörrie-Vahrenwald; in Citrus 
chinensis mit Früchten: F. W. Böttcher-Hamburg, Laurentius & Co.- 
Crefeld; in Pelargonium scarlet: W. Reid-London: in Veilchen: Drube- 
Schönhausen , IL Wre de - Lüneburg; in Bouvardien: F. Wellhausen- 
Ilannover: in Eriken: IL Samson-Crefeld, C. Thürnau-Hannover, P. Tag- 
mann-Döhren. Die von Vollmar-Frankfurt a. M. ausgestellten drei Wein- 



lX Grosse Allgemeine Chrysanthemum-Ausstellung zu Hannover. 

sorten: Black Alicante, Black Hamburgh und Black Muscat bilden die Haupt- 
treibsorten der betreffenden Weinanlage. Genannte Firma befasst sich indes 
nicht nur mit Heranzucht der Trauben, sondern auch mit Weintreibanlagen. 
Eine Vorführung der Entwicklungsgeschichte des Chrysanthemum in lebenden 
Bildern, d. h. Pflanzenformen, rührte von G. Cap eile -Springe her. Leider 
mangelte es hier an der botanischen Bezeichnung, indessen so viel konnte auch 
der Unkundigste heraussehen, dass von dem einfachsten Chrysanthemum, jener 
dem Pyretbrum nahestehenden Form, bis hin zu den kultivierten Formen des 
Chrysanthemum indicum, ein grosser Schritt in der Entwicklungslinie dieser 
Pflanzenart gethan sein musste. Der an sich schüchterne Versuch, gewisser- 
massen ein Erläuterungsprogramm zu den vorliegenden Errungenschaften auf 
dem Züchtungsgebiete, verdient im Prinzip fachlicherseits mehr Beachtung. 
Derartige Dinge sind nicht nur dazu angethan, dem Laien begrifflich 
näher zu rücken, ihm das Verständnis zu öffnen, sondern auch andererseits 
seine Achtung unseren Leistungen in Zucht und Kreuzungen gegenüber heraus- 
zufordern. 

Unter den letztjährigen deutschen, englischen, französischen und ameri- 
kanischen Züchtungen, soweit diese hier zur Vorführung gelangten, möchte ich 
besonders erwähnen: Mad. Edmond Roger, weiss mit grünen Spitzen, von ganz 
besonderem Effekt, Züchtung von Calvat in Grenoble; Secretaire Rivoire, fein 
gelb in lila übergehend, verspricht eine gute Schnittblume; General Paquee, 
leuchtend rotgelb, französische Züchtung; Mad. Bouidoin, rosa, nach innen 
weiss, desgl. Topace Orientale, strohgelb, einwärtsgebogen; Vicar of Exmouth, 
Bmarantrot; Marfa, orange rot: Natacha, leuchtend amaraDtrot; Marie Calvat, 
leuchtend rosa; le grand Dragon, lebhaft orange; Sonne von Blankenburg, 
dottergelb, gute Schnittblume, Bornemannsche Züchtung; Simplicity, reinweiss, 
amerikan. Züchtung, N. C. S.*) Jubilee, lila-rosa; Charles Davis, altgold, Sport 
von Viviand Morel; Fee du Champsaur, reinweiss, Züchtung von Calvat; Le 
Colosse grenoblois, lila mit grau; Mad. Charles Capitant, centifol. rosa; Mr. E. 
G. Whittle, malmaison-fleischfarben; Mrs. H. Weeks, weiss, ziemlich spät; 
James Bidencope , amarantroth; Mme. Gustave Henry, reinweiss, besonders 
gute Schnittsorte für Freiland; Beauty of Shoking, bernsteinfarben; Black 
Hawk, dunkelblutrot, amerikanische Züchtung. 

Xeben den zumeist sehr hervorragenden Kulturleistungen, der Fülle 
grosser, zahlreicher Arrangements wie Tafeldekorationen, einer Hauptzierde, 
zählten die vorhandenen Pläne, sichtbare Zeichen der Landschaftsgärtnerei, mit 
zu den wesentlichsten Glanzpunkten der Ausstellung. Um es hier kurz zu 
erwähnen: Zu den drei Preisaufgaben a) Villengarten, b) Vor-, c) Hausgarten 
nach gegebenen Verhältnissen, waren gegen ca. 60 Lösungen erschienen, unter 
denen auffallend viele von sogenannten Bureau-Zeichnern herrührten. Die 
Namen E.Böttcher, E. Schultz-Berlin, G. Potente-Hannover, kehren mehrfach 
ausgezeichnet wieder , von selbständigen Geschäftsinhabern dagegen u. a. 
Hardt & Schmidts-Düsseldorf, Körner-Steglitz. Den Grund für diese, wenn 
auch an sich günstige, so doch vorwiegend einseitige Beteiligung glaube ich 
in erster Linie dem Umstände zuschreiben zu müssen, dass betreffs der Auf- 
gaben, bei aller sonstigen Sorgfalt der Angabe detaillierter Terrainverhältnisse, 
die Aufgabe an sich noch zu abstrakt hingestellt wird. Will sich der Land- 

*) Nationel Chrysanthemum Society. 



Hillmanns Zement-Isolier-Bausteine für Gärtnereien. 



49 



schafter in wirklich künstlerischer Weise bewähren, so kann er dies doch in 
erster Linie nur in glücklicher Einfügung seines geplanten Bildes in die den 
Teil umgebende Landschaft, den Teil einschliessende Umgebung thun. Es 
gehören meines Erachtens nach, soll das Ganze recht wirken und entsprechend 
disponiert sein, zu jeder Aufgabe genaue Andeutungen über Ort, Lage, Boden- 
beschaffenheit des nächsten Gesamt-Landschaftsbildes. Ich meine, dass wir über 
die Zeit, nur ideelle Aufgaben für derartige Zwecke stellen zu können, bereits 
hinweg sind. Denn eine dahingehörige Disposition gleicht mehr oder minder 
einem Schlag ins Wasser. Allein auch in Darstellung eigener Anlagen herrscht 
grosser Wetteifer und namentlich wirkten hier u. A. die Vorführungen einer 
Yillegiaturanlage auf dem Deister Gebirge von Herrn Gartendirektor Trip- 
Hannover, durch die Fülle interessanter Einzelheiten. 

Auch die Fortbildungsschüler fehlten hierbei nicht mit z. T. recht 
anerkennenswerten Leistungen bez. Fleiss und Geschicklichkeit in der Aus- 
führung. Das Fortbildungsschulwesen trägt hier den Stempel einer hervor- 
ragenden Leistung und wird den kommenden Berufstechnikern nur zum Vorteil 
gereichen. Über die wesentlichen Momente des betr. Unterrichtes gelegentlich 
an einer anderen Stelle. Hoffmann. 




Hillmanns Zement-Isolier-Bausteine für Gärtnereien. 

ufmerksam gemacht durch die Herren Gärtnereibesitzer Kretschmann- 
Pankow und H. Mehl-Weissensee, besichtigte ich am 30. November v. J. 
Zementsteinfabrik des Herrn Georg Hillmann in Waidmannslust bei 
Berlin (an der Xordbahn) und sah dann in dem nahen Hermsdorf, dass nicht 
nur Mistbeetkästen oder Gewächshäuser (wie bei den genannten Herren und 
Herrn Reinhold Hoffmann-Weissensee), sondern auch ganze Villen aus 
Zement-Isolier-Steinen erbaut werden. 

In der Fabrik des Herrn Flillmann werden ferner, vermittelst der voll- 
kommensten Maschinen und Modelle, aus scharfem Sand und bestem Portland- 
zement viele andere Arten Bausteine in bemerkenswertem Umfange hergestellt, 
wie Isolier-Gewülbsteine, Pfeiler- und Sockelsteine für Thorwege und Front- 
gitter, Treppenstufen, Steine für Schornsteinanlagen, Platten für Trottoir- und 
Hofpflaster, Rinnen- und Gossensteine, Dachfalzziegel und vieles andere mehr. 

Die Isolier-Bausteine, welche in verschiedenen Grössen, von 5000 cm 
und in Stärken von 20—15 — 10 und 7 cm angefertigt werden, sind in ganzer 
Höhe mit durchgehenden Kanälen von entsprechenden Dimensionen versehen. 

Bei Villenbauten werden für die Aussenwände doppelte Wände mit Luft- 
schicht, für die Zwischenwände einfache Isolier-Bausteine angewendet. Durch 
die in den Kanälen eingeschlossene Luftschicht werden die Räume zweckmässig 
temperiert; sie sind im Sommer kühl und im Winter warm. Das Aufmauern 
dieser Steine geht ausserordentlich rasch von statten, und sehen alle daraus 
gefertigten Bauten sehr sauber aus. Von nicht zu unterschätzendem Vorteil ist 
ferner, dass die Steine leicht mit Meissel und Bohrer bearbeitet werden können. 
Aus Hillmanns Zement-Isolier-Bausteinen aufgeführte Mauern und Wände 
sind nicht nur teuer- und schwammsicher, sondern auch vollkommen wider- 
standsfähig gegen YV'itterungseinflüsse, wie die seither in Hermsdorf und 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



Umgebung aufgeführten Bauten unzweifelhaft darthun. Auch hinsichtlich ihrer 
Tragfähigkeit ist die Festigkeit der Isoliersteine durch Atteste der königlichen 
Prüfungsstation für Baumaterialien genügend nachgewiesen und es übernimmt 
daher Herr Hillmann eine vieljährige Garantie für die Güte seiner Fabrikate. 
Aus dem Handelsblatt für den deutschen Gartenbau 1898, S. 402, ersehen wir. 
dass Herr Reinhold Hoffmann bereits eine Erdbude von 40 m Länge hat 
erbauen lassen, Herr Mehl zwei Gewächshäuser, Herr Kretschmann gleich- 
falls zwei Gewächshäuser; alle sprechen sich lobend über die hierzu ver- 
wendeten Isolier-Bausteine aus und heben besonders hervor, dass dieselben 
durchaus zweckmässig und dauerhaft seien. Über die Winterfestigkeit können 
sie noch kein Urteil fällen, weil die Häuser erst im Sommer 1898 errichtet 
worden sind. Herr Hillmann hat aber einen Anbau seines eigenen Gewächs- 
hauses in Hermsdorf vor drei Jahren aus solchen Steinen hergestellt und zeigt 
derselbe, wie wir uns überzeugen konnten, keine Beschädigungen durch Frost etc. 
Die Zement-Isolier-Steine scheinen sich sonach in jeder Weise zu bewähren 
und wäre damit für Gärtnereien ein äusserst empfehlenswertes Material, mit 
dem sich leicht hantieren lässt, gegeben. Auch für andere Bauten 
eignen sich die Zement-Isolier-Bausteine gut. Wie wir hören, sind u. a. seitens 
der Kruppschen Germania- Werft und seitens der Borsigschen Fabrik grössere 
Bestellungen auf diese Steine erfolgt, welche sie zu Zwischenwänden für ihre 
neuen Fabrikgebäude in Tegel verwendet haben. L. Wittmack. 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc r 



Neue Cactus-Dahlien für 1899, 
angeboten von Thomas S. Ware, Ltd., 

Haie Farm Nurseries, Tottenham, London, N. 
Nach den Beschreibungen der Züchter. 



Antelope. 

Kirsch-karmoisin, die Spitzen der 
Fetalen mit einem grünlichen Gelb 
betupft. Sehr schöne Form. 1 m hoch. 

Captain Broad. 

Farbe vom leuchtendsten Kirschrot 
klar und bestimmt ohne jede Schattie- 
rung. Petalen sehr lang, gedreht und 
gewunden, geben der Blume ein ent- 
zückendes Aussehen. Stiel lang, steif 
und aufrecht. 1 m hoch. 

Countess of Lonsdale. 

Eine ausgesuchte Schattierung von 
reich lachsrot, mit einem Anflug von 
Aprikosen-Farbe an der Basis der 
Petalen, geht nach den Petalenspitzen 
in ein zartes, weiches Blass-karmin 
über. Reichblühend. 0,90 m hoch. 



Debonair. 

An der Basis der Petalen zimmet- 
farbig, nach den Spitzen sich zu einer 
reichen Kupferfarbe vertiefend. Petalen 
lang und schmal, nach der Mitte der 
Blume zusammengebogen. Eine der 
schönsten Varietäten, die je gezüchtet. 
0,90 m hoch. 

E. 0. Greenincj. 
Dunkel-purpur, lange gedrehte Pe- 
talen. Volle runde, schön geformte 
Blüte. Reichblühend. 

Ebony. 

Eine sehr schöne Kaktus-Form von tief 
schwärzlicher Ebenholzfarbe, beinahe 
ganz schwarz, mit einem leuchtenden 
Glanz auf den Petalen. Die dunkelste 
Cactus-Dahlie, die je gezüchtet. 

Exquisite. 

Rötlich-zimmet- oder blassrot apri- 
kosenfarben. Die langen vogelklauen- 
artigen Petalen geben der Blume ein 
hübsches Ansehen. Ausserordent- 
lich reichblühend. Stengel lang.. 
0,90 m hoch. 



Kleincrc Mitteilungen. 



51 



Firebrand. 
Ein sehr reiches sammtig Karmoisin. 
Petalen lang, schmal und spitz. Eine 
wertvolle Einführung in dieser Farbe. 
1,35 ni hoch. 

Lucius. 
Tief orange. Blume von sehr guter 
Qualität, gutem Habitus und Wuchs. 
Sehr reichblühend. 0,90 m hoch. 

Magnificent. 

Hell orange mit stumpf ziegelbraun. 
Petalen röhrenförmig, sternartig, ähnlich 
Starfish. Stengel lang und kräftig. 
Blume ist sehr gross und hat ein selten 
schönes Aussehen. Entschieden eine 
Errungenschaft in der Klasse der 
Cactus-Dahlien. 

Radiance. 
Lebhaft orange-scharlach. Eine sehr 
distinkte Blume. Reichblühend und 
gut für Ausstellungen. 0.75 m hoch. 

Sylvia. 

Silberig lila, schattiert karmin, 
Petalen dunkel gerändert. Sehr zarte 
Farbe. Kräftiger, langer Stengel. 
Blume bis 15 cm im Durchmesser. 
Ausgezeichnet für Schnitt. Sehr 
unempfindlich gegen kaltes und nasses 
Wetter und ausserordentlich dauerhaft. 
Sehr zu empfehlen. 1.25 m hoch. 

The Clown. 
Eine sehr bemerkenswerte Blume. 
Die Grundfarbe ist weich ziegelrot 
und jedes Petal bis zur halben Länge 
weiss betupft. Ausgezeichnet gut ge- 
formte Blüte. Stengel lang und steif. 
1.25 m hoch. 



Viscountess Sherbrook. 

Leuchtend rötlich terracotta, apri- 
kosenfarbig übergössen. Petalen lang 
schmal und zusammengedreht. Sehr 
reichblühend. 0,90 m hoch. 

Wallace. 
Leuchtend bernsteinfarbig. Die 
Rückseite der Petalen mit einem 
weichem Rot Übergossen. Blüte voll- 
kommen distinkt und sehr brauchbar. 
1,25 m hoch. 

William Cuthbertson. 

Reich karmoisin-lackfarben, gegen die 
Spitzen der Petalen in ein leuchtend 
Karmin übergehend. Sehr lange und 
und gewundene Petalen. Sehr reich- 
blühend an langen steifen Stengeln. 
Blume sehr dauerhaft. 1,25 m hoch. 

Obige Sorten sind eine Auslese der 
schönsten neueren englischen Kaktus- 
Dahlien. 

* * 

Neuheiten von 1898. 
Amber, Arachne, Capstan, Colonel' 
Wilson, Daffodil, E. J. Deal, Eastern 
Queen, Island Queen, King Fisher, 
Taverstock Beauity, Mary Service, Miss 
Agnes Box, Night, Porcupine, Ruby. 
Tillie, Casilda Falka, Keynes White, 
die beste weisse Kaktus-Dahlie. 

* * 

Neuheiten von 1897 
sind African, Bridesmaid, Cedric, 
Cinderella, Cycle, Dr. Jameson, Ensign, 
Fantasy. Flossie, Harry Stredwick, Iona. 
Tessie, Mrs. Kingsley Foster, Mrs. 
G. Cole, Miss Webster, Ophelia, Prinzess 
Ena, The Queen. 



Kleinere Mitteilungen. 



Dankschreiben der Kaiserin an Georg Egger. 

Dem Sammler. Züchter und Exporteur 
syrischer Blumenzwiebeln Georg 
Egg er in Jaffa, welcher anlässlich 
des Kaiserbesuches Ihrer Majestät der 
Kaiserin eine Kollektion Blumen- 
zwiebeln des heiligen Landes ein- 
sandte, ging aus dem Kabinet der 
Kaiserin und Königin ein Dankschreiben 
zu, worin bemerkt wurde, dass auf 
Allerhöchsten Befehl Ihrer Majestät 
diese Blumenzwiebeln in Sanssouci 
eingepflanzt worden sind. 



Preisgekrönte Entwürfe. 
Am Sonnabend wurden im Rathause 
zu Schöneberg unter dem Vorsitz des 
ersten Bürgermeisters Herrn Wilde 
von der Jury die Preise verteilt für 
die Entwürfe zur Ausschmückung des 
Platzes Z., für welche die Berliner 
Bodengesellschaft eine Konkurrenz 
ausgeschrieben hatte. Der 1. Preis 
mit dem Motto Ruhe« wurde dem 
königl. Garteninspektor, Lehrer der 
königl. Gärtnerlehranstalt Encke, 
Wildpark. Viktoriastr. 41, der 2. Preis 



52 



Kleinere Mitteilungen. 



mit dem Motto »Ruhe 2« dem städtischen 
Friedhofverwalter und Landschafts- 
gärtner Georg Beitz, Köln-Merheim, 
der 3. Preis mit dem Motto »Con amore« 
dem Architekten H. A. Krause, 
Berlin W.,Culmstr. 5, zuerkannt. Ferner 
wurde der Ankauf der Projekte »Stadt- 
recht« von Fritz Schultz e, Grunewald 
und Richard Köhler, Inhaber der 
Firma J. Haack Nachf. H. Köhler, 
Berlin W., Nettelbeckstr. 15, und 
»Exzentrisch« von Paul jatzow und 
Schweitzer, Schöneberg, Goethestr.6, 
empfohlen. Sämtliche prämiierte Ent- 
würfe sind im Rathaus zu Schöneberg 
zur Besichtigung ausgestellt. 

Ein Verfahren zur Behandlung natürlicher 
Blumen und Blätter, 

um dieselben als Dauerblumen zu 
dekorativen Zwecken verwenden zu 
können, wurde kürzlich durch Patent 
in Deutschland geschützt. Bei diesem 
Verfahren werden die natürlichen 
Blumen und Blätter einseitig mit einer 
erstarrenden, das Wesen der Blume hin- 
sichtlich ihrer Form nicht beeinflussen- 
den Masse bestrichen. Eventuell kann 
hierzu auch eine aus Gewebe, Papier, 
Draht oder dergleichen bestehende 
Einlage angewandt werden. Die Gegen- 
stände werden sodann, wie uns das 
Patentbureau von H. & W. Pataky, 
Berlin mitteilt, mittels trockener Luft 
oder auf sonst geeignetem Wege ge- 
trocknet und schliesslich in eine er- 
starrende Masse, beispielsweise Gips, 
Zement, Wasserglas, Salzlösung, oder 
dergleichen eingetaucht. 



Die beste Zeit zum Schneiden der Edelreiser 

ist nach der »Dresd. ldw. Pr.« vom 
November bis Februar, wenn der Saft 
zurückgetreten und kein Trieb in ihnen 
ist. Die Reiser, welche man zum Ver- 
edeln nimmt, müssen gesund, im Kern 
nicht rot und an der Rinde nicht 
schwärzlich sein. Auch der Baum 
muss gesund sein. An der Mittagsseite 
oder am Wipfel des Baumes findet man 
die besten Reiser. Fruchtreiser oder 
Wasserschosse soll man nicht nehmen. 
Bis zum Gebrauche legt man dieselben 
im Garten in die Erde oder auch im 
Keller in feuchten Sand. Reiser, die 
man aus anderen Gegenden erhält und 
welche vielleicht schon etwas trocken 
aussehen, legt man erst etwa 24 Stunden 
in frisches Wasser. Die Stellen, welche 



in der Erde oder im Sand gesteckt 
haben, schneidet man beim Verbrauche 
ab und wirft sie weg. Reiser, welche 
im Herbst zeitig oder im Frühjahr 
spät geschnitten werden, schlagenbesser 
aus, wenn man sie erst eine Zeitlang 
vor dem Gebrauch in die Erde steckt, 
damit der Saft aus ihnen verdunstet. 



Anlage von Frühbeetkästen. 

Die Tiefe des Frühbeetkastens richtet 
sich nach den unterzubringenden Dung- 
stoffen und auch nach der Höhe des 
Grundwassers. Wo solches vorhanden 
ist und im Winter sehr hoch tritt, soll 
die Erde nach dem »Ldw. Anz. f. g. 
Dtschld.« niemals so tief ausgehoben 
werden wie in Lagen, wo Grundwasser 
nicht oder nur selten zu Tage tritt. 
Für gewöhnlich werden die Frühbeet- 
kästen 50 bis 70 cm tief ausgeworfen. 
In Fällen aber, wo das Frühbeet oder 
der Frühbeetkasten nicht auf die an- 
gegebene Weise benutzt werden soll, 
grabe man alle darin befindliche Erde 
und so auch den Dünger im Herbst 
aus, werfe sie neben das Beet oder 
schaffe sie an eine andere Stelle. Es 
ist stets gut, wenn der Frühbeetkasten 
im Herbst schon geleert wird, man 
hat ihn so zur nächsten Bestellung frei 
und kann ihn leichter wieder mit 
Dünger oder Erde füllen; wartet man 
hingegen mit dem Ausleeren bis zum 
Frühjahr, so ist dies, weil die Erde 
bisweilen sehr lange nass bleibt, viel- 
umständlicher als im Herbst und Winter, 
oder will man warten, bis sie trocken 
ist, so muss man sich mitunter sehr 
Tange gedulden, ehe man zum Bestellen 
kommen kann. 



Wagners Nähr-Salz in der Praxis. 

Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Wenn auch von verschiedenen Seiten 
praktischer Gärtner nicht jene 
glänzenden Resultate erzielt worden 
sind, die man erhoffte, so ist es doch 
entschieden Thatsache, dass Wagners 
Nähr-Salz für die gärtnerischen Kulturen 
von hoher Bedeutung ist. Die ver- 
schiedenen Versuche, die ich damit 
gemacht habe, haben dies bewiesen. 
Es muss jedoch die Anwendung mit 
gewisser Vorsicht geschehen, denn 
gerade von dieser richtigen Ausführung 
hängt der ganze Erfolg ab. 

In der irrigen Meinung, die in vielen 
Kreisen der Praktiker herrscht, dass, 



Unterrichtswesen. 



53 



je stärker dieDunggabe,destointensiver 
das Wachsthum sei, wird dem Erfolg 
der Todesstoss gegeben. Solche 
Praktiker linden die Lösung von 3 g 
Salz auf t Liter Wasser zu schwach, 
schon weil das Wasser nicht die geringste 
Trübung zeigt. Es wird dann zu viel 
Salz gegeben, was einen Misserfolg in 
der Kultur zur Folge hat, und dann 
wird kurzweg gesagt, das Salz taugt 
nichts. 

Neben der richtigen Gabe ist auch 
notwendig, dass die 1 lauptbedingungen 
wie Luft, Schatten, Bewässerung u. s.w., 
im Auge behalten werden, denn nur 
da, wo sachliche Behandlung im Verein 
mit richtiger Düngung Hand in Hand 
geht, kann auf guten Erfolg gerechnet 
werden, [ch kann Wagners Salz 
jedem zur Benutzung empfehlen, ein 
sicherer Erfolg, bei ganz reinlichem 
Arbeiten, ohne jeden pestilenzartigen 
Geruch,sind sehr zubeachten deFaktoren. 
Bei Topfgewächsen des Hauses wie 
im Freiland wirkt es gleich gut. 

Sägespäne für Mistbeetkästen. 
Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Im Bereiche d'-r Topfpflanzenkultur 
spielen warme .Mistbeetkästen eine 
grosse Rolle, und es gilt, besonders im 
Frühjahr, dieselben recht lange warm 
zu erhalten. Wenn guter Mist ver- 
wendet und der Kasten auch gut ge- 
packt wird, so trägt dies sehr dazu 
bei. Allein, wenn dann Erde in den 
Kasten kommt, in den die Pflanzen ein- 
gesenkt werden sollen, so wärmt sich 
der Kasten schlecht und verliert be- 
deutend von seiner Wärme. Will man 
daher letztere recht lange erhalten, 
so muss das Fütterungsmaterial eben- 
falls wärmehaltig sein. Der Eine be- 
nutzt Lohe, der andereKoaksascheu. s.w., 
hingegen viel zuwenig werden die Säge- 
späne zu diesem Zweck benutzt. Säge- 
späne, besonders aus Buchenholz, sind 
sehr vorteilhaft. Sic wärmen gut. ver- 



dunsten gut die Feuchtigkeit, lassen nicht 
-n s< hnell Moos autkommen, versauern 
die Luft nicht, und es sieht immer 
reinlich aus. Ich benutze Sägespäne 
zum Einfüttern von Cyclamen, Begonien, 
Farnen,Maranten,Achimenes,( rloxinien, 
Primeln. Bouvardien u. s. w. Ich habe 
hierbei immer eine schöne, last egale, 
langanhaltende Wärme beobachtet und 
cm sehr tlottes Wachstum aller Pflanzen, 
was mich auch bewog. Sägespäne zur 
vermehrten Benutzung zu empfehlen. 
Besonders im Frühling sind sie gut am 
Platze. Ficusstecklinge wurzelten, in 
Sägespäne gesteckt, recht bald und 
streuten sozusagen ihre Wurzeln in den 
Spänen ganz umher. Es muss jedoch 
darauf geachtetwerden. dass die Wärme 
nicht zu hoch wird. 

Bestimmung der Himmelsgegend. 

Der Landwirt und Gärtner kommt 
oft in die Lage, sich in der freien 
Natur orientieren zu müssen, ohne 
immer einen Kompass bei sich zu 
führen. Mit Hilfe der Sonne und einer 
gewöhnlichen Taschenuhr kann man 
aber nach der »Balt. Wochenschr.« 
jederzeit dieXord-Südlinie leicht linden. 
Man halte die Taschenuhr mit dem 
nach oben gerichteten Zifferblatte vor 
sich hin und drehe sich so lange, bis 
der kleine Zeiger genau nach der 
Sonne gerichtet ist. Die Nord-Süd- 
richtung wird dann durch die Linie 
markiert, welche den Winkel zwischen 
dem kleinen Zeiger und der Zahl XII 
des Zifferblattes halbiert. Die Stellung 
des grossen Zeigers kommt gar nicht 
in Betracht. Ist es z. B. morgens 
LO Ihr. wenn man die Bestimmung 
vornehmen will, so wird die Meridian- 
linie durch die Linie angegeben, welche 
durch die Zahl XI gezogen wird. 
Wird dagegen die Beobachtung am 
Nachmittag um 4 Uhr gemacht, so 
giebt die durch die Zahl II gezogene 
Linie die Richtung des Meridianes an. 



Unterrichtswesen. 



Kursus über Obstwein- und Obst-Schaumwein- 
Herstellung in Geisenheim. 

Im die neueren Fortschritte auf dem 
Gebiete der Obstweinbereitung speziell 
im gewerblichen Betriebe weiteren 
Kreisen zugänglich zu machen, findet 
in der Zeit vom 0. bis -'5. Februar 1899 



an der önochemischen Versuchsstation 
der Königl. Lehranstalt zu Geisenheim 
ein Kursus über Herstellung und Be- 
handlung der Obstweine und Obst- 
schaumweine statt. .Nähere Auskunft 
erteilt der Leiter der genannten 
Station. Dr. P. Kulisch in Geisenheim. 



34 



Litteratur. — Ausstellungen und Kongresse. 



Litteratur. 



Fr. Paeske, Conraden. Welche 
Waldbäume sind auf den w e n i g 
oder g : a r n i c h t landwirtschaftlich 
benutzbarenBö den, insbesondere 
auf Sandböden mit und ohne 
jM er gelbe im ischung zu bauen? 
Diese kleine, auf Veranlassung des 
Landwirtschaftlichen Kreisvereins ge- 
druckte Schritt enthält viele praktische 
Winke über die Anforderungen, welche 
die einzelnen Baumarten an Boden und 
Klima stellen, sowie eine Zusammen- 
stellung der für verschiedene Boden- 
arten passenden Bäume. Die kleine 
Abhandlung dürfte manchem Praktiker, 
der in die Lage kommt, grössere An- 
pflanzungen von Waldbäumen machen 
zu müssen, recht willkommen sein. 



Zawodny: Pflanzen ph y s i o 1 o - 
gische Betrachtungen über die 
Zu a im er Gurke und deren Kultur. 
S.-A. a. d. Jahresbericht der Gesell- 
schaft »Flora« zu Dresden. 

Wissenschaftliche Ali tteilun gen, welche 
man in dieser Abhandlung nach 
dem Titel erwarten könnte, findet man 
in derselben nur einige. Dagegen wird 
der praktische Gurkenbauer manche, 
freilich mehr interessante als belehrende 



Gesichtspunkte in der kleinen ..Me- 
trachtung" linden, so speziell über den 
Verein. .Interessenschutz der Exporteure 
konservierter Gurken'", sowie über die 
Znaimer Marktordnung. Dr. Kr. 



Bericht über dieThätigkeit des 
chemischen Untersuchungsamtes 
der Stadt Dresden für die Zeit vom 
1. August bis 31. Dez. 1896. Desgl. bis 1897. 

Jahresbericht der K. K. Samen - 
kontrollstation in Wien. Heraus- 
gegeben vom Direktor Ritter von 
W e i n z i e r 1 . 

E. Licrcke und Dr. D. Morck, Chry- 
santhemum -Düngungsversuche. 1897. 
Herausgegeben von der Agrikultur- 
Abteilung des Verkauf-Syndikats der 
Kaliwerke in Leopoldshall-Stassfurt. 
Die Verfasser verwandten drei ver- 
schiedene Nährsalze und erhielten 
ungefähr dieselben Resultate. Kali 
scheint für Chrysanthemum weniger 
nötig als Stickstoff und Phosphorsäure. 
Sie gaben 5 g Nährsalz per Liter und 
gössen damit alle 8 bis 14 Tage (auf 
eine Giesskanne von 10 1 Inhalt 50 g 
Nährsalz). 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
Garten bau- Ausstellung vom 5.19. 
bis 15./27. Mai 1899. Anmeldungen bis 
spätestens zum 1. 13. März an Geheim- 
rat Exzellenz Prof. Fischer von 
Waldheim, Kaiserl. bot. Garten. 

1. Alle Ausstellung^ - Gegenstände 
haben keinen Zoll zu zahlen, falls 
selbige zwei Monate nach Schluss 
der Ausstellung über die Grenze zu- 
rückbefördert werden (sie zahlen also 
Zoll nur im Fall, wenn sie hier im 
Lande bleiben, also verkauft, ver- 
schenkt etc. werden). Die Gegenstände 
müssen mit einer Etiquette von der 
Kaiserl. Russische Gartenbau- Gesell- 
schaft mit der Aufschrift »transito 
Ausstellung« versehen sein, siepassieren 
dann die Grenze ohne Aufenthalt und 
werden erst im Ausstellungsgebäude 
geöffnet. 



2. Alle Exponate zahlen nichts für 
den Rücktransport von der Ausstellung 
biszurGrenzstation. überweiche selbige 
vom Auslande nach Russland kamen. 

3. Um eine Preisermässigung (Gratis- 
rückfahrt) der nach der Ausstellung 
vom Auslande kommenden Kommissare, 
Delegierten, Preisrichter, Exponenten 
und Begleiter der Exponate sind Ver- 
handlungen eingeleitet, über deren 
Resultat jedoch noch nichts bekannt ist. 

4. Für die Vorkultur der aus- 
zustellenden Pflanzen werden im 
'Bäurischen Garten zwei grosse Ge- 
wächshäuser vorhanden sein mit dem 
dazu nöthigen Personal. Herr Siess- 
meyer jun. will die Sache überwachen. 

Ausserdem werden wohl zwei Ge- 
wächshäuser von 140 Fuss Länge für 
die auszustellenden Gegenstände extra 
erbaut werden. 



Aus den Vereinen. — Gewerbliche Angelegenheiten — Preisverzeichnisse. 



- 



Für bevorstehende Festlichkeiten isl 

ein Komitee gebildet winden, welches 
auch für Wohnungen etc. zu sorgen hat. 

Alle Exponenten können auch zu- 
gleich Preisrichter sein, natürlich in 
einer anderen Preisbewerbung. 

(Letzteres erscheint auch uns in 
diesem Falle empfehlenswert. Es 
wird sich Mancher eher entschliessen 
in Petersburg Pflanzen und abge- 



schnittene Blumen auszustellen, wenn 
er sie selbsl mitnehmen, bezw. über- 
wachen kann.) I.. W. 

Mont-St. Amand bei Gent. Grosse 
i n ternation ale Garl e n bau - A u s- 
stellung (Grande Exposition inter- 
nationale d'Horticulture) vom 30. April 
bis 9. Mai 1899. Das Programm von 
derselben isl erschienen. 



Aus den Vereinen. 



Deutsche Dahlien-Gesellschaft. 
Erste Jahres-Versammlung, Sonntag 
den 39. Januar, nachmittags 2 1 / 2 Uhr, 
in den Räumen des Clubs der Land- 
wirte, Berlin SW., Zimmerstrasse 90 91. 
Tagesordnung: 1. Erstattung des 
Jahres- und Kassenberichtes; 2. Vor- 
standswahl; 3. diesjährige Ausstellungs- 
besprechung; 4. neue Anträge zu den 
Wertzeugnisbestimmungen und daran 
anschliessend Bekanntgabe der letzt- 
jährigen Dahlienausstellungen; 5. Ver- 
schiedenes. Nach der Sitzung findet 
gemeinsames Abendessen, ä Couvert 



l,50 M., statt. Um recht zahlreichen 
Besuch der Mitglieder sowie Dahlien- 
liebhaber bittet 

Der Vorstand 
C. Kotte, Präsident. 

Potsdamer Gartenbau Verein. 

In der General- Versammlung am 
4. Januar d. J. wurde der bisherige 
eiste Vorsitzende des Vereins, der 
Inspektor der Königl.Gärtnerlehranstarl 
am Wildpark bei Potsdam. Herr Th. 
Echtermeyer, wiederum einstimmig 
zum ersten Vorsitzenden gewählt. 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



Wirtschaftlicher Ausschuss. 

her Staatssekretär des Innern hat 
den Verein zur Beförderung des Garten- 
baues ersucht, einen Vertreter zu 
entsenden zu einer am 21. Januar im 
Reichsamt des Innern stattfindenden 
Versammlung des wirtschaftlichen Aus- 
schusses zur Besprechung der wirt- 
schaftlichen Verhältnisse der Gärtnerei 
und etwa zu machenden Erhebungen. 

Der Vorstand hat den Direktor des 
Vereins, Herrn Königl. Gartenbau- 



direktor 

ernannt. 



Lackner, zum Vertreter 



Schutzzoll-Versammlung in Berlin. 
Am 11. fanuar fand in denGermania- 
sälen ein e gn »sseVe rsam m Lung(i 500] 'e 1- 
sonen) der Handelspartner der Povinz 
Brandenburg, einberufen vom Verbände 
der Handelspartner, statt in welcher 
Lebhaft für den Schutzzoll gesprochen 
wurde. Ein näherer Bericht kann erst 
in nächster Nummer erfolgen. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



Adolph Demmler, Perlin und 
Friedrichsfelde, Preisverzeichnis über 
Sämereien. — Haage & Schmidt. 
Erfurt. Ilauptverzeichnis über Samen 
und Pflanzen 1 mit Abb.). — Gebr. Dippe, 
Quedlinburg. Samenkataloe. Joseph 
Klar in Perlin, Linienstrasse, Haupt- 
Preiskourant (mit Abb.). — Ernst 



Strauss in Köln -Ehrenfeld, Garten- 
geräte (mit Abb.). — Martin Grashof 
in Quedlinburg.Feld-,1 remüse-, Garten-, 
Gras- und Waldsamen, Blumensamen 
(mit Abb.). Vilmorin, Andrieux 
& ( o. in Paris, Engros- Preisverzeichnis 
über Gemüse-, Feld- und Blumen- 
sämereien (mit Abb.). Sattler 



Personal-Nachrichten. — Winterfest. 



& Bethge in Quedlinburg, Engros- 
Preisliste über dasselbe (mit Abb.). 
— Otto Putz (Ferdinand Jühlke Nach- 
folger) in Erfurt, dasselbe (mit Abb.). 



— Kohlmannslehne r & Schwenke 
in Schöneberg - Berlin . dasselbe für 
Handelsgärtner. 



Personal-Nachrichten. 



Der Kgl. Gartenbaudirektor Lackn er 
in Steglitz. Direktor des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, ist von 
der bayerischen Gartenbau-Gesell- 
schaft zum korrespondierenden Mit- 
gliede ernannt. 

Am 3. Dezember starb zuWernigerode 
der Kunst- und Handelsgärtner Ulrich 
Pitt im 70. Lebensjahre. Er war lang- 
jähriges Mitglied des Vereins zur Be- 
förderung des Gartenbaues, ein ge- 
borener Jeveraner. aber fast 40 Jahre 
in Wernigerode etabliert und als 
Knollenbegonienzüchter in weiteren 
Kreisen bekannt. Einer der »Getreuen 
aus Jever«, hat er wiederholt in wohl- 
gelungenen Versen den Alt-Reichs- 
kanzler begrüsst und dafür warme 
Anerkennung und Dank empfangen. 



garten-Inspektor nach Oliva bei Danzig 
an Stelle des verstorbenen Rad icke 
berufen und wird am 1. Februar sein 
neues Amt antreten. 



Der Professor der systematischen 
Botanik an der deutschen Universität 
in Prag. Dr. Richard v. Wettstein, 
ist vom Professorenkollegium der 
Wiener Universität unico loco zum 
Professor der Botanik und Direktor 
des Botanischen Gartens der Wiener 
Universität vorgeschlagen worden. 



Der Obergärtner des botanischen 
Gartens in Zürich. Erich Wocke. 
Mitglied des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues, ist als Kgl. Schloss- 



Der Direktor der Royal Botanie 
Gardens, Kew bei London, William 
Turner Thiselton Dyer Esq.. ist in 
Anerkennung seiner Verdienste, die er 
den englischen Kolonialregierungen 
erwiesen, von I. M. der Königin von 
England zum Kommandeur des hohen 
Ordens von St. Michael und St. George 
ernannt und führt damit das Prädikat 
»Sir«. Wir freuen uns herzlich über 
diese Auszeichnung. 



Winterfest des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. 
Abendessen und Ball. 

Donnerstag, den 19. Januar 8 Uhr präc, im Hotel Imperial, Unter den Linden 44. 

Auf vielfachen Wunsch ist die Anmeldefrist bis zum 16. Januar verlängert. 
Meldungen mit Angabe der Zahl der Damen und der Herren an Herrn Hof- 
lieferanten J. F. Uoock, Berlin X., Chausseestr. 52a. Telephon-Amt III, 183. 



Tagesordnung 

für die 

855. Versammlung des Vereins z. Beförderung d. Gartenbaues i. i pr. Staaten 

am Sonnabend den 28. Januar 1899, 6 Uhr, 

im grossen Hörsaal der Königl. landw. Hochschule, Invalidenstrasse 42. 

1. Ausgestellte Gegenstände. 2. Abermalige Wahl des 1. Stellvertreters des 
Direktors, da die Wahl am 29. Dezember nicht zu Stande gekommen ist.*) ?. Vortrag des 
Herrn Kgl. Gartenbaudirektors Carl Hampel: Die Verschönerung der Städte. 4. Verschiedenes. 



*) her Wahlzettel liegt für die hiesigen Mitglieder diesem Heft bei. 



Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse im 
Vergleich zur San Jose-Schildlaus. 

_^j Von Professor Dr. Frank-Berlin. 

v >b eit vergangenem Winter wissen wir, dass die San Jose-Schildlaus aus 
£&T Amerika mit lebenden Pflanzen und Obst zu uns herübergebracht wird. 
Deshalb hat seitdem die europäischen Regierungen und Obstplantagenbesitzer 
die Frage beschäftigt, ob der amerikanische Schädling etwa bereits in unsere 
heimischen Obstkulturen übergegangen ist. Denn wenn derselbe auch erst seil 
verhältnismässig kurzer Zeit in so verheerenden Dimensionen in den nord- 
amerikanischen Staaten selbst sich ausgebreitet hat. so war bei unserem regen 
Verkehr mit Amerika und bei der thatsächlich bereits vielfach konstatierten 
Einschleppung der Schildlaus auf importiertem Obst die Befürchtung, dass 
Europa bereits verseucht ist, sehr naheliegend. Jedenfalls würde dies in ab- 
sehbarer Zeit mit Sicherheit zu erwarten sein, ebenso wie wir früher durch 
die unbeschränkte Aufnahme amerikanischer Produkte uns die Blutlaus, die 
Reblaus, die Wein-Peronospora geholt haben. Bei allen diesen Schädlingen 
haben wir die rechte Zeit verpasst, um durch geeignete Einfuhrbeschränkungen 
der Invasion zuvorzukommen. Bezüglich der San Jose-Schildlaus liegt in diesem 
Augenblicke die Sache noch anders. Dank der Nachforschungen, die durch 
eine ganze Kette von Sachverständigen bis jetzt in Deutschland vorgenommen 
worden sind, darf man mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass unsere 
( »bstkulturen von diesem amerikanischen Eindringling augenblicklich noch frei 
sind, denn er ist bis jetzt noch nirgends auf unseren deutschen Obstbäumen 
gefunden worden. 

Xun hat man aber von gewissen Seiten der Sache wieder eine ganz 
andere Auffassung gegeben durch die Vermutung, dass die bei uns seit langer 
Zeit als einheimisch bekannte Obstschildlaus Aspidiotus ostreaeformis nichts 
anderes als die amerikanische San Jose-Schildlaus sei, nur in ihren Formen 
durch das europäische Klima verändert, mit anderen Worten, dass es zwecklos 
wäre, die Einwanderung der San Jose-Laus aus Amerika zu verhindern, da 
dieselbe, wenn sie wirklich nach Europa überginge, hier im Gewände der 
ostreaeformis, die eben schon da ist, sich fortpflanzen würde. 

Zwischen der San Jose-Schildlaus (Aspidiotus perniciosus) und unserem 
Aspidiotus ostreaeformis bestehen allerdings, wie ich gemeinschaftlich mit 
Herrn Dr. Krüger gezeigt habe, grosse Ähnlichkeiten, was wir durch die 
Bezeichnung des einheimischen A. ostreaeformis als Pseudo-San Jose-Schildlaus 
zum Ausdruck brachten; trotzdem haben wir doch in der mikroskopischen 
Struktur des Hinterleibes der Weibchen beider Tiere so bedeutende, 
charakteristische Unterschiede festgestellt, dass die Annahme, so etwas könne 



rg Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. 



durch das Klima verändert werden, höchst unwahrscheinlich erscheint, worin 
uns auch von zoologischer Seite zugestimmt wird. 

Immerhin ist damit jene Vermutung in zwingender Weise noch nicht 
widerlegt. Am leichtesten würde man ja die Sache entscheiden können, wenn 
man San Jose-Schildläuse in Europa weiterzüchtete, natürlich unter der 
erforderlichen Isolierung; doch dürfte ein solcher Versuch mit Rücksicht auf 
das Gemeinwohl vielleicht zu gefährlich erscheinen. 

Ich habe inzwischen auf einem anderen Wege der Entscheidung dieser 
Frage näher zu treten gesucht. Wäre die Vermutung richtig, dass die in 
Deutschland vorkommende Pseudo-San Jose-Laus eine durch das Klima ver- 
änderte echte San Jose-Schildlaus sei, so müsste man dieselbe in einem 
europäischen Lande, welches klimatisch mit den amerikanischen San Jose- 
Schildlaus-Ländern übereinstimmt, in der amerikanischen Form auffinden, 
d. h. es müsste dort die echte San Jose-Schildlaus vorhanden sein. Ein 
solches Land ist Südtirol, wo bekanntlich auch ein bedeutender Obstbau 
getrieben wird. 

Diese Erwägung veranlasste mich, die südtiroler Obstbaugegenden behufs 
Erforschung der dort auftretenden Obstschildläuse zu bereisen. Dies geschah 
in den Monaten August und September vorigen Jahres und erstreckte sich 
erstens auf das Hauptobstgebiet Südtirols, nämlich auf das Etschthal bei Bozen. 
Hier kamen besonders die Umgegend von Bozen sowie die Eppaner Hochebene 
oder Überetsch, das sogenannte Paradies von Tirol, zwischen Bozen und Kaltem, 
in Betracht, wo gemischt mit den Weingärten die Obststücke liegen, in denen 
der Pfirsichbaum, aber auch viel Äpfel-, Birnen- und Pflaumenbäume vertreten 
sind. Ferner wurde die Gegend von Lana bei Meran untersucht, weil sie das 
Hauptproduktionsgebiet der aus Tirol exportierten Äpfel ist. Diese Gegend 
bietet obstbaulich ein hohes Interesse, weil die Obstkulturen, hier durchgängig 
rein aus Apfelbäumen bestehend, feldmässig angelegt sind in mächtigen Gras- 
gärten, welche mit Ausnahme der eigentlichen Etsch-Aue die ganze Thalsohle 
bis zu den untersten Anhöhen bedecken, über welchen sich dann erst die 
Hänge mit Weinbau und darüber die Kastanien anschliessen. Jene Apfelbaum- 
pflanzungen bestehen zwar meist aus Bäumen mittleren Alters, vielfach mit 
jungen Nachpflanzungen; hin und wieder sind aber auch Apfelbäume in den 
allerältesten Individuen zu sehen, wahre Riesen mit ungeheurer Krone, die in 
weitem Umkreise um den Stamm bis zur Erde hängt und urwaldartig in ihrem 
dichten Zweiggewirr alte Astleichen birgt, weil an solchen Bäumen ein Aus- 
schneiden und Ausputzen kaum ausführbar erscheint. Endlich habe ich aber 
die Untersuchungen auch auf die Brixener Gegend ausgedehnt, denn sie bildet 
klimatisch den Übergang zu den deutschen Obstländern; vom Brenner nach 
Süden liegt Brixen in derjenigen Thalweite, in welcher man den ersten 
bedeutenden Obstbau antrifft. Ausserdem habe ich auch das südlichste Baden, 
nämlich die Umgegend von Konstanz und besonders die Insel Mainau, die durch 
ihr südliches Klima ausgezeichnet ist, wo die ersten Cypressen im Freien aus- 
halten und wo überall viel Obst gebaut wird, untersucht, desgleichen auch den 
angrenzenden schweizer Kanton Thurgau, wo ein ausgedehnter Obstbau ge- 
trieben wird. 

Das Ergebnis der Untersuchung war, dass in keinem der genannten 
Länder auch nur eine Spur der San Jose-Schildlaus gefunden wurde, dass viel- 



Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. -q 



mehr dort nur dieselben Schildlausarten auf den Obstbäumen vorkommen, wie 
in Deutschland, insbesondere dass die Pseudo-San Jose-Schildlaus(Aspidiotus 
ostreaeformis) dort in allen mikroskopischen Details mit unserem deutschen 
Insekt genau übereinstimmt und selbst in den wärmsten Lagen der südtiroler 
Obstgegenden seine Merkmale in keiner Weise im Sinne der amerikanischen 
San Jose-Schildlaus abgeändert zeigt. Da die letztere in Amerika die Pfirsich- 
bäume als ihre liebsten Nährpflanzen bevorzugt, so habe ich der Pseudo-San 
Jose-Schildlaus auf den Plirsichbbäumen in Südtirol noch besondere Auf- 
merksamkeit geschenkt, aber auch hier mit dem gleichen soeben ausgesprochenen 
Resultate. 

Da nun also die Pseudo-San Jose-Schildlaus in den wärmsten Teilen 
Südtirols genau in allen den charakteristischen mikroskopischen Details sich 
zeigt, wie überall in Deutschland bis Ostpreussen, so kann darüber kein 
Zweifel sein, dass das Klima die morphologischen Merkmale dieser Schildlaus 
in keiner Weise zu verändern vermag. Dass sie eine veränderte San Jose- 
Schildlaus sei, wird dadurch nur noch unwahrscheinlicher. Sie ist eben eine 
andere Schildlaus-Art, welche Europa angehört und mit der amerikanischen 
San Jose-Laus nichts zu thun hat. 

Dies wird übrigens auch durch die Beziehungen der Pseudo-San-Jose- 
Laus zum Klima bestätigt, welche andere sind, als die der amerikanischen 
Laus. Die letztere bevorzugt das wärmere Klima, wie deutlich daraus hervor- 
geht, dass sie in Nordamerika in den südlichen Staaten eine viel grössere 
Verbreitung hat als in den nördlichen Staaten der Union und in Kanada. Die 
Pseudo-San [ose-Schildlaus dagegen tritt, während sie in ganz Deutschland 
verbreitet ist und hier an manchen Orten in sehr starkem Grade sich vermehrt 
hat, in Südtirol mehr untergeordnet und soweit ich gesehen habe, nirgends 
bedenklich auf. 

In Südtirol ist vielmehr die vorherrschende und hin und wieder bereits 
schädlichen Einfluss äussernde Obst-Schildlaus, die Diaspis fallax, eine 
Species, die gleich den beiden im Vorhergehenden besprochenen Läusen eben- 
falls unter runden Schildern lebt, sich aber schon durch die rote Farbe der 
weiblichen Tiere sowie durch ihre sehr hellen, fast weisslichen Schilder unter- 
scheidet. Diese Schildlaus ist in Deutschland wenig verbreitet. Ich habe sie 
auch im südlichen Baden gefunden und sie geht den Rheinländern entlang 
bis in den Rheingau, wo sie schon länger bekannt ist. Offenbar ist dies also 
eine den wärmeren Ländern nachgehende Schildlaus und für diese könnte sie 
bei weiterer Zunahme wohl zu einem gefährlichen Feinde werden. 

Ausserdem kommt in Südtirol und den übrigen obengenannten südlichen 
Ländern auch die Kommalaus (Mytilaspis conchaeformis), die bei uns in 
Deutschland die gemeinste Obstschildlaus ist, nicht selten vor. am häutigsten 
an Apfelbäumen; in geringer Menge habe ich auch das in Deutschland weit 
verbreitete Lecanium Persicae in Südtirol gefunden, an Aprikosen. Pflaumen 
und Birnen. 

Der Nachweis, dass in Tirol keine San Jose-Schildlaus vorhanden ist. 
kann uns bei der massenhaften Einfuhr des tiroler Obstes nach Deutschland 
wegen etwa zu befürchtenden schädlichen Infektionen unserer eigenen Obst- 
kulturen beruhigen. In Tirol hätte man meiner Ansicht nach ganz besonderen 
Grund, wegen der möglichen Einschleppung des amerikanischen Schädlings 



(5q Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. 



auf der Hut zu sein; er würde dort jedenfalls sehr günstige, seinen heimischen 
Verhältnissen ähnliche klimatische Bedingungen vorfinden. Thatsächlich hat, 
wie mir erzählt wurde, amerikanisches Obst schon bis nach Bozen seinen Weg 
gefunden. Es ist zu hoffen, dass die auch von der österreichisch-ungarischen 
Regierung verfügten Beschränkungen des amerikanischen Pflanzen- und Obst- 
importes die in dieser Beziehung für Österreich-Ungarn und für Deutschland 
bestehende Gefahr beseitigen werden. 

Da bei uns in Europa Durchforschungen eines ganzes Landes speziell 
hinsichtlich des Schildlausbefalles der Obstpflanzungen bis jetzt wohl noch 
nicht vorgenommen worden sind, so mag hier auf Grund meiner tiroler Unter- 
suchungen das Bild des Schildlausbefalles, wie es sich thatsächlich in 
jenem Lande zeigt, in seinen Hauptzügen beschrieben werden. 

Im allgemeinen lässt sich derselbe in Tirol zur Zeit als ein entschieden 
gutartiger bezeichnen. Die dortigen Obstkulturen in ihrem überreichen Frucht- 
anhange und in ihrem Aussehen überhaupt lassen kaum ein ernstliches Leiden 
erkennen. Allerdings fielen Äpfel- und Birnbäume im Monat August hin und 
wieder durch dünne Belaubung auf. Die Ursache davon aber war meistens in 
etwas anderem zu finden, besonders in dem blattverderbenden Pilze Fusicladium, 
der wie bei uns in der neueren Zeit, so auch dort sich ziemlich stark ent- 
wickelt hat, ferner an den Birnbäumen bisweilen in dem Blattpilze Sphaerella 
nigerrima, ausserdem sehr oft auch im Befall durch die rote Spinne, die durch 
die enorme Hitze begünstigt wurde. Nur die rote Schildlaus, Diaspis fallax, 
habe ich, wie schon angedeutet, an einzelnen Birnbäumen in solcher Menge 
angetroffen, dass die letzteren dadurch augenscheinlich schon stark geschwächt 
waren und dass hier für die Zukunft eine gewisse Gefahr bestehen dürfte. 

Das Steinobst ist in Tirol sehr wenig von Schildläusen befallen. An den 
Pfirsichbäumen tritt sowohl Diaspis fallax als auch Aspidiotus ostreaeformis 
auf, beide nur in massigem Grade. Pflaumenbäume zeigen wenig Diaspis fallax. 
An Aprikosen habe ich mit Ausnahme von etwas Lecanium Persicae keine und 
an Kirschbäumen überhaupt nichts von Schildläusen in Tirol gefunden. 

Das Kernobst ist dagegen weit mehr dem Schildlausbefall ausgesetzt. 
Hier ist die rote Diaspis fallax die häufigste und gefährlichste auf Birnen- wie 
auf Apfelbäumen. Oft gesellt sich zu ihr. ebenfalls auf beiden Obstgattungen, 
der gelbe Aspidiotus ostreaeformis, jedoch wie schon erwähnt weit minder 
häufig. Auch die Komma-Schildlaus macht sich in manchen tiroler Apfelbaum- 
Pflanzungen bemerklich. 

Bemerkenswert ist das Befallungsbild in der einzelnen Obstplantage. Es 
macht sich hier oft ein einheitliches Verhalten des einzelnen Baumindividuums 
geltend. Ist der Baum von Mytilaspis infiziert, so sieht man den Stamm und 
von diesem aus alle einzelnen Zweige oft nur mit dieser Laus besetzt. Ist ein 
anderer Baum von der Diaspis befallen, so gilt derselbe einheitliche Charakter 
vom ganzen Baum. Dies tritt besonders auch an den an einem und demselben 
Spalier stehenden Bäumen hervor; es können hier ein Mytilaspis-Baum und 
ein Diaspis-Baum und auch ein ganz lausfreier Baum mit einander wechseln, 
was deutlich die individuelle Infektion erkennen lässt, die sich an dem einzelnen 
Baume dadurch vollzieht, dass die Nachkommen der Schildläuse, deren Ahnen 
einstmals die ersten Ansiedler an dem Baume waren, sich allmählich über das 
ganze Baumindividuum verbreiten. 



Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. 6l 

Auch nach Obstplantagen ist manchmal der SchilaTaüsbefall ungleich. 
Man trifft Obstpflanzungen, wo alle Bäume z. 1!. nur die Mytilaspis zeigen, 
andere, wo die Diaspis sehr verbreitet ist, dagegen von der Kommalaus nichts 
oder weit weniger gefunden wird. Auch das kann nur das Resultat der im 
Laufe der Jahre fortgegangenen allmählichen Verbreitung der ersten Schildlaus- 
Ansiedler in der betreffenden Plantage sein. Die Verbreitung der Schildläuse 
im Obstgarten selbst unter den freistehenden Bäumen von einem Baum zum 
andern durch die Luft ist. wenn auch erschwert, aber doch möglich, und zwar 
durch den Wind, nämlich im Larvenzustande der Schildläuse, wo diese Tiere 
frei auf den Zweigen umherlaufen und bei ihrer ausserordentlichen Kleinheit 
schon von schwachen Luftbewegungen fortgeblasen werden können, wovon ich 
mich überzeugen konnte. 

Es war mir von Interesse, zu finden, dass auch in Tirol die Obst- 
schildläuse ihre natürlichen Feinde haben, die an der Zerstörung dieser 
Schädlinge arbeiten. Obenan stehen die Schlupfwespen. Wie man in Amerika 
einen Befall der San Jose-Schildlaus durch Schlupfwespen kennt, so ist uns 
auch in Deutschland an den Obstschildläusen in weiter Verbreitung das Vor- 
kommen solcher Schlupfwespen bekannt geworden. Ich habe dieselbe Er- 
scheinung nun auch in Tirol beobachtet. Vielfach sind hier wie bei uns die 
Schilder der Kommalaus, sowie der Pseudo-San Jose-Laus angelocht und 
darunter die Leiche der durch die Schlupfwespe angestochenen und getöteten 
weiblichen Schildlaus zu finden, deren Haut dann immer ungewöhnlich ver- 
dickt, gebräunt und erhärtet ist. was als ein sicheres Kennzeichen für Schlupf- 
wespentod gelten kann. Auffallend war es mir, die rote Diaspis fallax nur 
sehr selten, meist gar nicht von Schlupfwespen befallen zu finden. Man könnte 
versucht sein, darin einen Grund dafür zu sehen, dass diese Laus zur schäd- 
lichsten tiroler < »b.-tschildlaus sich entwickelt hat, und annehmen, dass die 
anderen Obstschildlausarten durch die Schlupfwespen in Schranken gehalten 
werden. Doch spielen dabei unzweifelhaft auch Abhängigkeiten der Schild- 
läuse von klimatischen Einflüssen eine Rolle. 

Auch ein Pilzbefall kommt an den tiroler Obstschildläusen vor. In 
Amerika hat man das Gleiche an den San Jose-Schildläusen beobachtet, und 
kürzlich insbesondere eine Sphaerostilbe-Art als Schildlauspilz gefunden, den 
man durch Züchtung zu vermehren und als Schildlausvertilger zu benutzen 
beabsichtigt. Ich habe an den verpilzten Schildläusen, die ich vielfach bei 
uns gefunden habe, noch nicht die sichere Überzeugung gewinnen können. 
dass dieselben durch den Pilz getötet worden waren; immer war die Annahme 
zulässig, dass die Tiere aus irgend einem anderen Grunde verkümmert und 
ihre Leichen dann erst von dem Pilze in Besitz genommen worden waren. 
Meistens ist es ein steriles Pilzmycelium, welches bei uns in Deutschland und 
auch in Tirol mit seinen Fäden auf und in dem Körper toter weiblicher Schild- 
Läuse wachsend gefunden wird; seinem Aussehen nach dürfte dieses Mycelium 
mit den Baumrinden bewohnenden Pilzformen Fumago oder CTadosporium ver- 
wandt oder identisch sein. In Tirol und auf der Insel Mainau habe ich die 
Weibchen der Pseudo-San Jose-Schildlaus auch durchwuchert gefunden von 
einem Pilzmycelium, welches an der Oberfläche des verpilzten Tieres die 
Sporenfrüchte eines Phoma entwickelt hatte, nämlich rundliche, am Scheitel 
mit einem runden Porus versehene, bräunliche Pykniden, von 0,04 bis 0,1 mm 



g'2 Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. 



Durchmesser, die mitunter auch zu mehreren verschmolzen sind und dann 
mehrfachen Durchmesser haben. Die kleinen, ovalen, farblosen, einzelligen 
Sporen sind 3,5 bis 5.5 /< lang und werden nach Phoma-Art in Schleimranken 
aus dem Porus entleert. Es steht zu vermuten, dass auch dieser Pilz von 
dem Baume aus auf die Schildläuse übergeht. Aber von den bei Saccardo 
zusammengestellten bekannten Phoma-Formen, die auf Pomaceen und Amygda- 
laceen vorkommen, stimmt keine mit dieser überein, sie muss also erst einen 
Namen erhalten, und ich werde sie Phoma Coccorum nennen. 

Da ich im Jahre 1898 von Ausgang Winter bis in den Spätherbst die 
einheimischen Obstschildläuse in ihrer Entwickelung von Zeit zu Zeit verfolgt 
habe, so sind damit die Entwickelungsphasen dieser Tiere im ganzen 
Jahrescyclus festgestellt worden. Es ist dadurch eine fühlbare Lücke in 
unseren Kenntnissen ausgefüllt worden, denn man wusste bis jetzt über die 
Häufigkeit der Vermehrung, also über die Zahl der Generationen im Jahre 
nichts Genaues, und doch ist es zur Beurteilung der Bedeutung dieser Schäd- 
linge wichtig, dies zu wissen. Ich lasse die betreffenden Angaben für die 
einzelnen Schildläuse folgen. 

1. Mytilaspis conchaeformis. Bereits im März befinden sich unter 
den jetzt völlig erwachsenen weiblichen Schildern die abgelegten Eier; aus 
letzteren kommen im Mai und Juni die kleinen Larven heraus, welche sich nun 
auf den Zweigen neue Ansiedelungspunkte suchen und allmählich heranwachsen. 
Schon Ende Juli sind einige derselben zu geschlechtsreifen Weibchen geworden; 
doch dauert diese Entwickelung für die Gesamtheit der Tiere bis in den 
Oktober, wo man neben vielen bereits erwachsenen weiblichen Schildern, 
unter denen schon jetzt Eier abgelegt sind, auch noch halbwüchsige Schilder 
findet, unter denen noch nicht vollentwickelte Weibchen sich befinden. Das 
Tier hat also nur eine einzige Generation und überdauert den Winter vor- 
wiegend im Zustande abgelegter Eier; die in der Entwickelung zurückgebliebenen 
Weibchen gelangen vielleicht erst im zeitigen Frühling zum Eierlegen oder 
gehen möglicherweise zu Grunde. Männchen habe ich noch keine gefunden. 
Will man sich eine Vorstellung von der Stärke der Vermehrung machen, so 
ergiebt sich diese aus der Zahl der unter den weiblichen Schildern liegenden 
Eier, welche nach meinen Zählungen durchschnittlich 35 betragen dürfte. 
Nimmt man an, dass die Hälfte der Nachkommen zu Grunde geht, so würde 
die Kommalaus ihre Zahl jährlich etwa versiebzehnfachen. 

2. Aspidiotus ostreaeformis. Im April finden sich neben zahlreichen 
Weibchen, welche geschlechtsreif oder bereits mit embryonenhaltigen Eiern 
im Leibe versehen sind, auch noch unfertige Weibchen, zugleich aber 
auch männliche Tiere in allen Stadien, bis zu fertigen geflügelten Männchen. 
Die allmähliche Reifung der Geschlechter zieht sich bis in den Mai hin. 
Die Eier werden hier, schon die Embryonen enthaltend, abgelegt (ovivivipar). 
Im Juni und Juli zieht die junge Larvenbrut unter den mütterlichen 
Schildern hervor nach neuen Ansiedelungspunkten und hat sich bis zum 
September grossenteils zu jungen, aber noch geschlechtsunreifen Weibchen, 
zum Teil zu männlichen Puppen entwickelt; die Entwickelungsphase schliesst 
sich also wieder an den beschriebenen Frühlingszustand an; diese Laus hat 
ebenfalls nur eine einzige Generation. Die Zahl der in den reifen Weibchen 
liegenden Eier kann zu durchschnittlich 50 angenommen werden; rechnet man 



Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. go 

davon die Hälfte ab, welche zu Männchen werden oder zu Grunde gehen, so würde 
man bei dieser Laus auf eine 25 fache Vermehrung im Jahre schliessen können. 

3. Diaspis fallax. Entsprechend dem wärmeren Klima, welchem diese 
Schildlaus angehört, zeigt ihre Entwickelung im Frühjahr einen bedeutenden 
Vorsprung. Schon im April sind die Weibchen geschlechtsreif und haben oft 
schon Eier im Leibe. Die Männchen sind um diese Zeit schon verschwunden, 
ihre zahlreich vorhandenen Schilder sind bereits leer. Anfang Juni haben die 
Weibchen die Brut abgesetzt; die Larven suchen jetzt die neuen Ansiedelungs- 
punkte auf. Aus ihnen sind im August schon junge, vielfach aber auch schon 
geschlechtsreife Weibchen geworden, neben denen allerdings auch noch ver- 
spätete Larvenzustände vorkommen; zugleich sind jetzt viele männliche Puppen, 
manchmal auch schon fertige ausgeschlüpfte, also begattungsfähige Männchen 
vorhanden. Hier fällt also die Geschlechtsreife und die Begattung bereits in 
den Herbst; bei Verspätung und in weniger warmen Ländern vielleicht auch 
erst ins zeitige Frühjahr; aber auch hier giebt es nur eine einzige Generation. 
Ich zählte ungefähr 40 Eier im reifen Weibchen; nach der für die vorigen 
Schildläuse angenommenen Berechnungsweise würde hier eine ungefähr 20 fache 
jährliche Vermehrung sich ergeben. 

4. Lecanium Persicae. Die Ueberwinterung geschieht im Zustande 
ovaler flacher 1 — 2 mm langen Larven, die im Herbst sich zerstreut an den 
Zweigen festgesetzt haben. Sie wachsen erst im Frühling zu den grossen 
weiblichen Schildläusen heran, und zugleich erscheinen jetzt auch die Männchen. 
Im Juni haben die weiblichen Schilder Eier unter sich; von Anfang Juli an 
wandern die ausgekommenen zunächst sehr kleinen Larven nach ihren 
Ansiedelungspunkten und erreichen bis zum Herbst die oben angegebene 
Grösse. Es giebt also nur eine einzige Generation. Ein weibliches Tier hat 
ungefähr 400 Eier unter sich; nach der vorigen Berechnungsweise würde dies 
eine etwa aoofache Vermehrung ergeben, doch dürfte auch diese nur unter 
I'mständen, die für die Läuse besonders günstig sind, zutreffen. 

Alan sieht, dass bei allen diesen Schildläusen die Entwickelungsgeschichte 
in einem gewissen gleichen Grundzug überall wiederkehrt, wenn dieselbe auch 
in ihren einzelnen Phasen bei den verschiedenen Schildlausarten in etwas 
ungleiche Zeiten fällt. So trifft namentlich für die drei echten Schildläuse 
allgemein zu, dass die Geschlechtsreife im Herbst oder in dem darauffolgenden 
Frühjahr erreicht wird, die Jungen im Frühjahr erscheinen und bis zum Spät- 
sommer oder Herbst wieder zu fertigen Läusen sich entwickelt haben. Nur 
das Lecanium überwintert im Larvenzustände, wird erst im Frühjahr zu 
Weibchen und Männchen und erzeugt erst gegen den Sommer hin die Jungen. 
Vor allen Dingen ist aber auch die Übereinstimmung zu konstatieren, dass 
überall nur eine einzige Generation im Jahre erzeugt wird, und zwar sogar 
in dem klimatisch so äusserst begünstigten Südtirol, denn aus den von mir 
dort vorgefundenen lebenden Stadien und Überresten der früheren Generation 
liess sich der vollständige Entwicklungscyklus in Lebereinstimmung mit den 
deutschen Verhältnissen konstruieren. 

Es erregt mir daher Zweifel, ob die Amerikaner mit ihrer Angabe Recht 
haben, wonach die San Jose-Schildlaus drei Generationen im Jahre haben soll 
und wonach die Nachkommenschaft eines einzigen Weibchens in einer Saison 
auf 1,608,040,200, in einem anderen Falle auf 3,216.080 berechnet wird. 



Qa Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. 



Wenn ein europäischer Forscher Gelegenheit hätte, in Amerika ein ganzes 
Jahr oder "wenigstens von Ende Winter bis Anfang des nächsten Winters zu- 
zubringen und die Entwickelungsphasen dieser Schildlaus zu verfolgen, so würde 
die Sache am besten aufgeklärt werden können. Ich habe zu dem Aushilfs- 
mittel gegriffen, dass ich mir zu verschiedenen Zeiten während der Vegetations- 
periode aus Amerika Baumzweige, die von der San Jose-Laus befallen sind, 
zur Untersuchung kommen liess. Das Syndikat der Kaliwerke zu Stasfurt hat 
sich das grosse Verdienst erworben, durch seine dortige Vertretung dieses 
Material beschaffen zu lassen. Das letztere ist jedesmal mit besonderem Dispens 
des Herrn Reichskanzlers unter allen Vorsichtsmassregeln in der Original- 
verpackung direkt in mein Institut übergeführt und erst hier entleert worden, 
um jede Verbreitungsgefahr auszuschliessen. Es stand jedesmal in so reicher 
Menge zur Verfügung, dass damit der Untersuchung die beste Gelegenheit 
geboten wurde. Das Material entstammt den drei Monaten: Ende April, Ende 
Juni, Anfang September. Die Befunde, welche bei der fleissigen Durchforschung 
dieses Materials sich ergaben, stelle ich in Folgendem nebeneinander: 

1. Ende April. In grosser Menge sind vorhanden die kleinsten Schildchen, 
unter denen die Larven sich befinden; ausserdem grössere Stadien, in denen 
bereits junge Weibchen, selbst schon geschlechtsreife und sogar Embryonen 
enthaltende Weibchen vorhanden sind, zugleich aber auch männliche Schilder, 
unter denen teils noch männliche Puppen, teils fertige geflügelte Männnchen 
sich befinden, oder die auch bereits von den Tieren verlassen sind; es sind 
also eigentlich alle Stadien der Schildlausentwickelung zugleich vorhanden. 

2. Ende Juni. Männchen sind nicht mehr zu finden, die etwa noch vor- 
handenen männlichen Schilder sind alle leer. Aus den Larven sind grössten- 
teils junge Weibchen geworden; auch finden sich entwickelte Weibchen bis zu 
solchen mit Eiern im Leibe. 

3. Anfang September. Die Zweige sind in reichster Menge bedeckt 
mit neuen ganz kleinen Schildchen, unter denen die jüngsten Larvenzustände 
sitzen, die also die junge Generation darstellen, welche jetzt ihre Niederlassungen 
begründet hat. Die männlichen Schilder, soweit solche noch übriggeblieben 
sind, sind leer: höchstens enthält eine oder das andere die Leiche des aus 
irgend einem Grunde während derEntwickelung abgestorbenen und bis jetzt liegen 
gebliebenen Männchens. Auch die grossen weiblichen Schilder der vorher- 
gegangenen Generation sind fast alle abgefallen oder wenn noch solche vorhanden, 
so bergen sie die eingeschrumpfte leere Haut des Weibchens, aus welcher vor- 
dem die junge Brut ausgewandert ist. 

Aus diesen Bildern scheint mir eine grosse Ähnlichkeit mit dem Ent- 
wickelungsgange der europäischen Schildläuse zu sprechen. Das Erscheinen 
der Geschlechter und der Geschlechtsakt dürfte hiernach in das zeitige Frühjahr 
fallen. Der Sommer scheint zur Entwickelung der neuen Brut verbraucht zu 
werden, die bis zum Herbst in ihren Jugendstadien ins Leben getreten ist und 
im nächsten Frühlinge ihre Geschlechtsreife erreicht. Das würde also auch 
bei der San Jose-Schildlaus für eine einzige Generation sprechen. Allerdings 
tritt dabei auffallend hervor, was übrigens auch bei den einheimischen Schild- 
läusen zu bemerken ist, dass die einzelnen weiblichen Individuen nicht alle in 
gleichem Tempo sich entwickeln, sondern ihre Reife zu sehr ungleichen Zeiten 
erreichen, sodass man eben im Frühling die allerverschiedensten Stadien neben- 



Neue Mitteilungen über die europäischen Obst-Schildläuse. ßc. 

einander rindet. Das würde aber noch nicht zu dem Schlüsse berechtigen, 
dass hier eine Aufeinanderfolge verschiedener Generationen in demselben 
Sommer vorliegt. Indessen ich gebe zu, dass mit diesen Beobachtungen noch 
nicht endgiltig über die Zahl der Generationen bei dieser Schildlaus ent- 
schieden ist. 

Es verlohnt sich aber, näher nachzusehen, wie die Amerikaner zu der 
Annahme der mehrfachen Generation der San Jose-Schildlaus in einem Jahre 
und zu den obigen erschreckenden Zahlen der Vermehrung des Tieres ge- 
kommen sind. Howard*) beschreibt dies wie folgt: »Auf in Blumentöpfen 
stehenden Bäumen sei je ein einziges Weibchen überwintert worden, die Nach- 
kommen dieses Individuums, die sich über den Baum verbreiteten, seien wieder 
bis auf ein trächtiges Weibchen abgenommen worden, und so habe man drei 
Generationen im Sommer bekommen, deren jede etwa sechs Wochen in An- 
spruch nehme. Die Zahl der jedesmal einem Weibchen entstammenden Jungen sei 
dabei auf über 100, 200, 300,400, 500, in einigen Fällen auf fast 600 durchZählung der 
auf dem Yersuchsbaume gefundenen Individuen berechnet worden; ein Weibchen 
müsse danach alle 24 Stunden 9 — 10 Junge zur Welt bringen. Hiergegen ist 
zunächst folgendes einzuwenden: Im Leibe eines trächtigen San Jose-Weibchens 
zählt man mikroskopisch, wie aus den Abbildungen, welche die Amerikaner 
selbst geben, und wie wir nach unserem amerikanischen Materiale bestätigen 
können, durchschnittlich nur 30 Embryonen und Eier, eine Zahl, die ziemlich 
mit der entsprechenden für unsere verwandte einheimische Aspidiotus-Art 
gefundenen übereinstimmt. Dass die bei diesem Versuche auf einem Baume 
wirklich gezählten Individuen alle nur einem einzigen stehen gelassenen 
Weibchen entstammt sein sollen, scheint mir durchaus nicht bewiesen. Vor 
und nach dem Winter sitzen die Zweige befallener Bäume so voll von ungeheuer 
kleinen Larven der San Jose-Schildlaus, dass es kaum möglich erscheint, 
dieselben alle bis auf ein Weibchen abzulesen. Bleiben davon aber welche 
sitzen, so werden sich diese allmählich weiterentwickeln und zu verschiedenen 
Zeiten im Sommer ihre Brut zur Welt bringen müssen. Solange also solche 
Versuche nicht gewissenhafter und einwandfreier angestellt werden, halte ich 
die Mehrfachheit der Generationen der San Jose-Schildlaus nicht für erwiesen. 
Bestreiten will ich sie nicht, sie scheint mir aber nach den obigen eigenen 
Beobachtungen und auch nach Analogie mit den europäischen Schildlausen 
nicht sehr wahrscheinlich. 

Nehmen wir aber auch nur eine einfache Generation an und lassen die 
San Jose-Laus ihre Zahl in jedem Jahre verdreissigfachen, so wäre das auch 
schon genug, um einen Baum in wenigen Jahren zu unterdrücken. Dass dies 
die San Jose-Schildlaus thut. das lehren uns die vorliegenden Photographien 
amerikanischer Obstplantagen, sowie die Obstbaumzweige, die ich aus AJherik 1 
zu den erwähnten Untersuchungen erhielt, die auf dem zwei- und mehrjähr 
Holze meist so dicht von den San Jose-Schildläusen besetzt sind, dass kaum 
noch ein freier Punkt auf der Rinde vorhanden ist. 

Somit wird auch in jener Auffassung sich nichts ändern, dass die San 
Jose-Schi ldl uns ein sehr gefährliches Tier ist. und dass die Fei nhaltung derselben 
vi in Europa eben nicht nur im deutschen, sondern im europäischen Intcr 



Bulletin des Departem. of Agriculture. The San Jose Scale, Washington 1896. S. | ; . 



(5(5 Sauromatum venosum Schott. 



liegt. Die deutsche Reichsregierung ist zuerst in Europa der Gefahr entgegen- 
getreten durch die bekannte Beschränkung der Einfuhr amerikanischer Pflanzen 
und amerikanischen Obstes; denselben Massnahmen haben sich im Laufe des 
Sommers auch Österreich - Ungarn, Holland, Belgien und die Schweiz an- 
geschlossen, und kürzlich hat auch die französische Republik zur Verhütung der 
Einschleppung der San Jose-Schildlaus die gleichen Anordnungen getroffen, die 
für die genannten anderen Staaten ergangen sind. 
Berlin, im Dezember 1898. 

Institut für Pflanzenphysiologie und Pflanzenschutz 
der kgl. landwirtschaftlichen Hochschule. 



Sauromatum venosum) Schott 

Eine Pflanze, die ohne Erde und Wasser Blüten bringt. 

(Hierzu Abb. 9 u. 10.) 
[4^1 err Architekt Et. Stöckhardt-Berlin übersandte uns im Februar 1898 
eine grosse farbige, von ihm selbst gemalte Abbildung einer Pflanze, die, 
wie er schrieb, ohne Erde und Wasser Blüten bringt und deren Knollen als 
Arum cornutum oder A. Sauromatum im Handel angeboten werden. Arum 
cornutum und A. Simlense sind aber nur Gartennamen, in Wirklichkeit heisst 
die Pflanze Sauromatum venosum Schott. Prodromus Systematis Aroidearum 
Wien 1860 S. 71. 

Engler, der beste Kenner der Araceae, der sie monographisch in 
de Candolle Suites au Prodromus II bearbeitet hat, schildert in Engler & Prantl 
natürliche Pflanzenfamilien, diesem nicht genug zu empfehlenden Werke IL Teil 
3. Abt. S. 141 die zur Unterabteilung der Areae gehörige Gattung Sauromatum 
in folgender Weise: 

Staubbeutel mit dünnem Gonnectiv (Mittelband), Fächer mit ovalen Poren. 
Fruchtknoten mit 2 — 4 basalen Samenanlagen. Blätter lang gestielt, fussförmig 
zerschnitten. Blütenstand kurz gestielt, mit einigen Xiederblättern im Frühjahr 
entwickelt. Scheide mit langer geschlossener Röhre und lang - lanzettlicher 
Spitze, innenseitig dunkel purpurn, verschiedenartig gelleckt, Kolben durchweg 
zylindrisch; oberhalb des weiblichen Teils des Blütenstandes zahlreiche, lang- 
keulenförmige Pistillodien (verkümmerte Blütenanlagen), oberhalb des zylindrischen 
männlichen Teils des Blütenstandes ein sehr langer, stielrunder Anhang. 

Die Art Sauromatum venosum Schott, beschreibt Engler in de Candolle 
Suites au Prodromus II S. 570 folgendermassen: 

Stiel des Blattes gefleckt, Abschnitte der Blattspreite länglich, gegen die 
Basis hin keilförmig, an der Spitze zugespitzt, Mittelrippe und Nerven 1. Grades 
sehr zahlreich, dicht, gelblich. Blütenstiel sehr kurz (? W.), mit einem lanzettlichen, 
bleichen Niederblatt, violett gefleckt. Blütenscheide aussen etwas purpurn, 
innen gelblich und sehr dicht mit kleinen länglichen purpurnen oder dunkel- 
purpurnen Flecken bedeckt. Anhang des Kolbens sehr lang, cylindrisch, gegen 
die Spitze wenig verschmälert. 



*) Sauros griechisch = Eidechse, venosus lat. geädert, hier gefleckt. 



Sauromatum venosum Schott. 



6? 



Syn. Sauromatum guttatum*) Bot. Mag. t 4465, II. d. serres t 1334. 
S. Simlense Schott in Ocst. bot. Zeitschr. 1 S58 p. 349. Prod. 72. Arum 
Simlense Hort. 

Stiel des ausgewachsenen Blattes bis 1 m lang, mittlere Lappen der Blatt- 
ei reite 20 cm und darüber lang, 10 cm breit, seitliche kleiner. Ülütenstiel 




Abb. 9. Sauromatum venosum (Arum cornutum). 

Eine Zimmerpflanze, welche ohne Wasser und Krde eine ca '/? m lange 
Blume entwickelt. Gezogen und nach der Natur genial! von II. Stöckhardt, 
Berlin, den 29. Januar 1898- I >ie Figur links am 5. Februar iStjS. Knolle 
bräunlich -grau, Niederblätter bleich, Blutenscheide aussen weisslich, mit 
braunen Längsstreifen, innen auf gelblich wei-sem Grunde mit blutroten 
Flecken, der lange wurmförmige Kolben schwarzbraun. Auf der Figur links 
sieht man die Pistillodien entwickelt. 



bleich, sparsam gefleckt, 7 — 8 cm lang. Rühre der Blütenscheide ca. 8 — 10 cm 
lang, unten 4 — 5 cm weit; ihre Spreite 35 — 40 cm lang, unten cm breit, von 
der Mitte nach der Spitze nur 2 — 3 cm breit. Weiblicher I;lütenstand des 
Kolbens (der unterste Teil) 1,5 cm lang, von dem 2 cm langen männlichen 



*) Das echte S. guttatum Schott ist eine andere Art. L. \Y. 




58 Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

durch einen 5—6 cm langen Zwischenraum getrennt. Anhang des Kolbens 35 cm 
lang, unten 1 cm, oben 7,5 mm dick. 
Vaterland Ostindien, Simla. 

An dem Exemplar des Herrn Stöckhardt war die Blüte im Ganzen 
1 '._, m lang. 

Wir haben hier einen ähnlichen Fall wie bei der Sprekelia formosissima 
Herb. (Amaryllis formosissima L.). die auch im Winter, warm gehalten, ohne 
Erde und Wasser vor den Blättern blüht. Die Knollen desSauromatum venosum, die 
gegenwärtig in vielen Läden feilgeboten werden, sind grau, 
flachkugelig, bis 9 cm im Durchmesser, bis 4 cm dick, 
unten flach gewölbt, ohne alle Wurzeln, oben mit Wurzel- 
narben versehen und um das Zentrum durch die Narben 
der abgestorbenen Blätter geringelt. Sie muss nach 
Angabe des Herrn Carl Kuntze (J. C. Schmidt) Berlin 
bei 14 R. am Lichte kultiviert werden. 
Abb - IO - Herr Stöckhardt schreibt uns noch unter dem 

Eine Knolle des Sauromatum , , j t c i j j j- r i -ix- 

venosum von J.C.Schmidt, iö. Januar d. J.: »Schade, dass die so farbenprächtige 
Du r rcLets n e^ n 4 J c a m U dkk. C - Blüte nicnt farbig dargestellt werden konnte! Dagegen 
Ende Januar' war der Trieb ist ^ie Zinkographie wirklich sehr gut gelungen, der 

7 cm hoch. o r 000 

Massstab hätte etwas grösser sein können. 

Jedenfalls freue ich mich sehr darüber, dass meine aus reiner Freude 
an der Schönheit der Blume entstandene Arbeit in Ihrer so viel gelesenen Zeit- 
schrift Aufnahme gefunden hat. 

Zu der mich sehr interessierenden Besprechung der Pflanze vermag ich 
weder Neues hinzuzufügen, noch Änderungen vorzunehmen. Die fünf Zwiebeln, 
welche ich besass, unterschieden sich in ihrer äusseren Erscheinung durch 
ihre Farbe, aber auch dadurch, dass einige mehr glatte, die anderen mehr 
schuppige Oberfläche zeigten. Sollten hier etwa Varietätenunterschiede sich 
bemerkbar machen? Der Geruch der Blüte war nicht gerade angenehm zu 
nennen, er war aber doch nur in nächster Nähe derselben bemerkbar; ich 
glaube der Ausdruck: »pestilenzialisch«, den, wie Sie schreiben, eine junge 
Dame dafür gebrauchte, ist zu hart, ich meine, »widerlich« genügt." 

Die Pflanze lässt sich im Sommer als Blattpflanze im Freien verwenden. 

L. W. 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 

Von E. Koehne. [Schluss.] 

(Eingereicht am 22. November 1898.) 
Nach aussen wird das Rindenparenchym begrenzt von einem gänzlich 
chlorophyllfreien, mächtigen Gewebe, das erst an der Epidermis seine Grenze 
findet, seinerseits aber in drei verschiedene Abteilungen zu zerfallen pflegt. 
Für das Verständnis dieser Abteilungen dürfte am besten von B. nervosa 
auszugehen sein, die bei ihrem kaum 2—3 cm über den Boden sich erhebenden 
Stengel der geringsten Festigungs-Einrichtungen in diesem bedarf. In der That 
liegt hier zwischen Epidermis und Rindenparenchym ein fast gleichartiges, 
mächtiges Gewebe aus isodiametrischen Zellen mit dünnen, schwach gefärbten 



Über anatomische Merkmale bei Berberis-Arten. 



6g 



Wandungen. Nur etwa die zwei äussersten Zellschichten haben Wandungen, 
die gleich den Seiten- und Innenwandungen der Epidermis sehr dunkelbraun 
gefärbt sind. Eingebettet liegen in diesem Gewebe ganz vereinzelte und 
zerstreute kleine oder sehr kleine, oft nur auf eine Zelle reduzierte Sklerenchym- 
gruppen. Bei B. repens sind diese Gruppen schon von erheblicher Grösse 
und Dicke, meist tangential gestreckt, sodass hier schon ein ziemlich voll- 
ständiger, aber durch viele schmälere oder breitere Lücken zerrissener 
Sklerenchymring zu stände kommt. Bei den übrigen Mahonien ist dieser Ring 
noch vollständiger geschlossen, da die Sklerenchymgruppen noch mehr tangential 
gestreckt, die Lücken zwischen ihnen durchweg noch kleiner und weniger 
zahlreich sind. Bei allen Euberberis endlich ist der Sklerenchymring völlig 
geschlossen oder nur ausnahmsweise hier und da durch eine kleine Lücke 
unterbrochen. Seine Zellen haben fast immer etwas rötlich-gelb oder sehr hell 
braunrötlich gefärbte Wandungen, die ziemlich dick sind, vom Zellraum aber 
doch immer noch einen beträchtlich grossen Teil übrig lassen. Bei kantiger 
Stengelform ist der Sklerenchymring über den oben erwähnten Parenchym- 
rippen zuweilen bis etwa auf das Doppelte, zuweilen aber auch gar nicht 
verstärkt. 

Der Sklerenchymring zerlegt nun das bei B. nervosa ziemlich einheitliche, 
extraparenehymatische Gewebe bei den übrigen Arten in einen inneren Teil, 
der stets aus charakteristischen Korkzellen besteht, und einen äusseren, ab- 
weichend gebauten Teil, den ich als hypodermales Gewebe bezeichnen will. 
Jene Korkzellen liegen in 1 bis etwa 4 oder 5 Schichten, überall auf dem 
Stengelcruersehnitt last gleichmässig ausgebildet, wobei zu bemerken ist, dass 
ich nur ein- oder zwei-, auch dreijährige Zweige untersucht und auf etwaige 
Veränderungen dieses Korkgewebes im zweiten und dritten Jahre mein Augenmerk 
noch nicht gerichtet habe. Es hat mir aber nicht den Eindruck gemacht, als ob 
es im Verlaufe dieser Zeiträume Veränderungen erlitte. Möglich, dass in der 
Stärke dieses Korkgewebes bei gleichaltrigen Zweigen verschiedener Arten 
kleine spezifische Unterschiede zu finden sind. 

Das oben erwähnte hypodermale Gewebe scheint noch am meisten Aus- 
sicht auf Auffindung brauchbarer Artunterschiede unter allen Geweben des 
Stengels zu bieten. Es ist nämlich zuweilen sehr dünn, auf 1 — 3 oder 4 Zell- 
schichten beschränkt, aus mehr oder wenigerplattgedrückten, oftsehrundeutlichen 
Zellen zusammengesetzt, deren Wände hin und her gebogen und sehr dunkel 
rotbraun gefärbt sind. Dann sind auch die Wände der Epidermiszellen ebenso 
gefärbt, mit Ausnahme der gelblich bleibenden Aussenwand. So bei den 
meisten Arten mit glänzend braunroten blühbaren Zweigen. Häufig nimmt dies 
Gewebe zwischen den vorspringenden Rippen des Sklerenchymringes etwas an 
Mächtigkeit zu, sodass die Vertiefungen mehr oder weniger ausgeglichen und 
die Rippen äusserlich abgeschwächt werden. 

In anderen Fällen, und zwar besonders bei grauzweigigen Arten, ist das 
hypodermale Gewebe oft aus zahlreicheren Zellschichten zusammengesetzt; die 
Zellen sind isodiametrisch, ihre Wandungen schwach oder fast gar nicht gefärbt. 
Auch hier kann es in den Vertiefungen zwischen den Sklerenchymrippen an 
Mächtigkeit zunehmen. 

Über diese Verhältnisse werden sehr ausgedehnte Untersuchungen nötig 
sein, um über ihre systematische Verwendbarkeit ein Urteil zu gewinnen. 



>-q Bericht über die Kulturversuche im Jahre i8q8. 

Aus allen vorstehenden Bemerkungen geht jedenfalls soviel hervor, dass 
auf keine der beobachteten anatomischen Merkmale eine natürliche Einteilung 
der ganzen Gattung gegründet werden kann. So würde z. B.. wollte man die 
Arten mit hypodermalem Sklerenchym oder diejenigen mit Papillen auf der 
Blattunterseite vereinigen, die so offenbar natürliche Untergattung Mahonia 
zerrissen werden müssen, und es müssten Mahonia- mit Euberberis-Arten 
in verschiedenen Gruppen vereinigt werden. Es scheint klar, dass die 
anatomischen Kennzeichen nur in untergeordneter Weise innerhalb natürlicher, 
auf Grund anderer Merkmale gewonnener Gruppen verwendbar sein werden. 



Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. 

die unter Leitung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten 
auf den Rieselfeldern der Stadt Berlin in Blankenburg ausgeführt wurden. 

Erstattet von 

Joseph Klar, Berlin, Samenhandlung, Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs 

und Otto Mende, Obergärtner der Stadt Berlin, zu Blankenburg. 

(Schluss. 

Tropaeolum peregrinum oder canariense Q. Kleinblumige gelbe Kresse, die 
z. Z. in Sanssouci, Potsdam, viel verwendet wurde. Dieses Tropaeolum ist 
entgegengesetzt zu der vorher genannten Pflanze äusserst starkwüchsig. 

Clilorix polystackya. Aus den Gärten verschwundenes Ziergras, das 30 cm 
hoch wird und in dieser Höhe durch je ca. 12 regelmässig verteilte Blüten- 
ähren gekrönt wird. Ein solcher Blütenstand sieht wie ein Quirl oder Kreuz- 
spinne aus. Dies Gras gehört der Makartbinderei. da es die Sträusse sehr 
locker und leicht macht. 

( hUichroa platyglossa Q. (Composite.) Eine ältere Pflanze, als frühes 
leuchtend gelbblühendes Sommergewächs mit weissem Saum: für Gruppen 
sehr zu empfehlen, aber fast nicht mehr anzutreffen. 

Oirsium Vdenovskyi tf. Diese Prachtdistel beschäftigte uns bereits mehrere 
Male. Die purpurviolettroten Köpfe unserer Solitärpflanzen imponieren sehr, 
die Knospen dienen der Trockenbinderei. 

Gosmea bipinnata alba ©. (Composite.) Bekannte weissblühende 1 m hoch 
werdende Schnittptlanze, die bis zum Frost unaufhörlich Blumen brachte. Es 
giebt auch lila-, purpurrot- und gelbblühende Spielarten. 

Tagetes lucida ©. Kleinstblumige Studentenblume, deren Blüten gelb und 
wohlriechend sind, auch trifft das letztere bei den Blättern zu. Zum Garnieren 
der Blumengestelle vorzüglich und unentbehrlich. 

Datum Wrigkti (meteloides) l mit ihren violetten grossen Blumen, D. tmmilis 
flava fl. pl. mit gefüllten gelben und D. fastuosa Huberianä fl. pl. mit gefüllten 
gelben und violetten Blumen sind fast in keiner Gärtnerei mehr zu finden. Erstere 
Pflanze lässt sich so leicht in einem Jahre heranziehen und hat wohlriechende 
Blumen. Alle Stechäpfel werden über 1 m hoch. 

Physales Francheti %. Die im verflossenen Jahre von Veitch aus Japan 
eingeführte Solanacee hingen wir hiermit nochmals in Erinnerung. Speziell 
im Herbst durch ihre leuchtend orangeroten Samenkapseln beliebt geworden, 
hat sich schnell eingebürgert. Die Fruchtstände sind schon in sämtlichen 
besseren Blumengeschäften zu sehen und werden gern gekauft. 



Bericht über die Kulturversuche im Jahre 1898. 71 



II. Gemüse und Futterpflanzen. 

Radies erste Ernte. Eine schön leuchtend rote Sorte, deren Form, wie be- 
schrieben, oval ist. Die Blätter dieses Wurzelgewächses sind gross, mehr 
rettigartig, so dass die Pflanzen im Frühbeet mehr Raum beanspruchen als 
erwünscht ist. Diese Neuheit ist einige Tage früher als andere Sorten. 

Wirsingkohl „Eisenkopf. Dieser Kohl hat unseren Beifall gefunden. Der- 
selbe ist rundköpfig, mittelgross, gelbgrau und. was ihn noch wertvoller macht, 
sehr zeitig. Es ist möglich, das vorstehende Kohlsorte Aufnahme in die 
Kataloge finden dürfte, vorausgesetzt, dass er sich so weiter bewährt und 
konstant bleibt. 

Rotkohl, Zittauer Riesen. Dieser Salatkohl hatte schön dunkelrote Farbe, 
entwickelte sich hier aber spät, so dass Mitte ' »ktober die Köpfe noch klein 
waren. Das Fleisch dieser Neuheit schien indes grob und dies dürfte die 
Einführung erschweren. Ein ähnliches Urteil ist uns bereits bekannt. 

Rotkohl, grosser Mammuth. Auch dieser war sehr spät, sodass wir ohne 
Resultat blieben. 

Rosenkohl, murr verbesserter Zwerg-. Die 00 cm hohen Pflanzen waren dicht 
besetzt mit Rosen, die ziemlich zeitig sich zeigten und fest waren. Ob nicht 
eine höhere Pflanze ergiebiger sein kann und ist. dürfte doch fraglich sein. 
Ein empfehlenswertes Gemüse. 

Eine ebenfalls ganz niedrige neue Abart nennt sich wunderbarerweise 

Rosenkohl Herkules. Die Pflanzen gleichen aber in jeder Beziehung der vorigen 
Sorte. Wir haben es hier mit zwei unter sich gleichen Neuheiten zu thun, die 
nur der Name trennt. Letztere Sorte ist wohl mit Unrecht »Herkules« getauft. 

Zur besseren Kontrolle hatten wir noch angebaut: 

Rosenkohl, halbhoher Pariser der Halle, der etwa noch einviertelmal so hoch 
wird (75 cm) und seinen Ruf bisher bewährte, sowie 

Rosenkohl „Perfection", der eine neuere Einführung, sich in Vollkommenheit 
und Grösse mit den zuletzt genannten deckt. 

Wirsingkohl von Aubervilliers. Ein grossköpfiger Kohl, der vor ca. 5 Jahren 
eingeführt wurde und mit zu den frühen zählt. Wir können genannten nicht 
genug empfehlen und doch rinden wir ihn zu wenig in Kultnr. 

Mais, sehr früher August- •). Äusserst früher, kaum 30 cm hoher türkischer 
Weizen, welcher nach 3 Monaten der Aussaat bereits einige kleine Kolben zur 
Reife brachte. Er bleibt also niedriger als Nanerottolo, ist aber früher als der 
Letztere. Die Kolben sowie die einzelnen Samen sind kleiner als die von 
Nanerottolo. indes von gleicher heller, gelblicher Farbe. Die hier im Norden 
sicher reif werdenden Maisarten haben natürlich nur Wert, wenn auf Körner- 
ertrag hin gebaut wird. Ein gutes Geflügelfutter. 

Rheum hybridurn Florentini 9|. Diese Neuheit ist eine Kreuzung des 
R. Collinianum mit officinale und stammt aus Frankreich. Die Pflanzen 
erreichten gleich in diesem Jahre eine Ausdehnung an Blättern und Stielen, 
die auf ein interessantes Resultat hoffen lassen. Die Stiele waren braun, auch 
grün und hätten schon zu Kompott dienen können. Ein Näheres später. 

Mirakel- Speisekürbis mit schalenlosem Kern. Dieser Kürbis entfaltete sich 
sehr spät und die Frucht wurde infolge dessen nicht gross. Letztere ist grün 
und gelb gestreift und in Form mehr spitz. Ob die Samen so beschaffen sind 
wie angegeben, werden wir später erörtern. 



72 Grosse allgemeine Schutzzoll-Versammlung. 



Zwerg- Stangenbohne, türkische Perl. War wie im verflossenen Jahre mit 
Hülsen, die sehr kurz sind, voll behangen. Als Einmachebohne wie geschaffen. 

Rumex hymenosepalus %. Torr. (Canaigre.) Wurde im Freien ausgesäet 
und verpflanzt. Anfangs wuchs diese berühmte Gerbpflanze ganz gut, um 
später aber fast ganz einzugehen. Das Kraut bekam hellbraune Flecke, ver- 
schwand nach und nach und kleine rübenartige Gebilde blieben zurück. 
Hoffentlich treiben diese Wurzeln im nächsten Jahre wieder aus. 

Atriplex sewiibaccatum %. Bereits vor 2 Jahren in der Gartenflora erwähnte 
Meldeart, die zur Begrasung trockener, schlechter selbst salziger Bodenarten 
warm empfohlen zu werden verdient, die den unwirtlichen Steppen unserer 
Kolonien wenigstens noch Schaffutter abringt. Leider überwinterte die Melde 
nicht und ging ein. Es ist aber nochmals ein Versuch gemacht und werden 
wir im kommenden Jahre auf das Ausdauern zurückkommen. 

Zum Schluss bitten wir um Verzeihung, wenn wir zu lang geworden sind, 
wir konnten uns aber nicht kürzer fassen, wollten wir auch nur die aller- 
wichtigsten Eigenschaften der Neuheiten etc. hervorheben. 



Grosse allgemeine Schutzzoll-Versammlung 

des geseamten Gärtnerstandes für Berlin und die Provinz Brandenburg 

fam II. Januar 1899. 
on den 17 Rednern des Abends, unter denen nur ein Redner gegen den 
Schutzzoll auftrat, wurde die sehr zahlreich, von c. 1000 — 1400 Gärtnern 
besuchte, gegen 3Y2 Stunden währende Versammlung, über Wesen und Wert 
des Schutzzolles belehrt. Zu Referenten in dieser höchst wichtigen Angelegenheit 
waren die Herren van der Smissen, Kotte. Hapt, Kohlmann, Jung- 
clausen aus den Kreisen der Samen-, Pflanzen-, Gemüse-, Baumschul- und 
Obstzüchter sowie der selbständigen Händler zunächst beordert. An der Hand 
zahlreicher Illustrationen aus dem täglichen Geschäftsleben und unter lebhaften 
Beifallsbezeugungen sprachen die Befürworter des Schutzzolles, und zwar unter 
namentlicher Betonung, dass seit den zu Anfang der 90er Jahre geschlossenen 
Handelsverträgen des deutschen Reiches mit auswärtigen Staaten, in all den 
vorgenannten Abteilungen lebhafte Preisrückgänge zu konstatieren seien, ob- 
schon der Verbrauch im allgemeinen als ein ganz enorm hoher bezeichnet 
werden müsse. Der einzige Gegner des Schutzzolles, der das Wort ergriff. 
Herr van Thiel, versuchte seinen ablehnenden Standpunkt damit zu begründen, 
dass angesichts der Konkursstatistik aus den Jahren 1896 und 1897 unter den 
Gärtnerfirmen die Prozentzahl der Konkurse sich von 0,60 auf 0.50 % erniedrigt 
habe; im Verhältnis zu anderen Branchen die ö, 7. 8 ja bis 38 % aufweisen, sei 
dies als sehr günstig für den Gärtnereibetrieb anzusehen. Aus den Reihen der 
eingeladenen Reichstagsabgeordneten: von Oueis-Malshöven, Dr. G. Oertel, 
Dr. Hahn, Geschäftsführer des Bundes der Landwirte, wurde darauf hin- 
gewiesen, wie enorm hohe Summen das deutsche Reich z. Zt. für gärtnerische 
Produkte dem Auslande zahle. Der statistische Zahlennachweis von 1892 bis 
1897 bekunde, dass die Einfuhrziffer in genanntem Zeiträume für Blumen. 
Obst, Gemüse, Pflanzen um 28527000 Mark gestiegen sei. die Ausfuhrziffer 



Bei wem soll ein junger Gärtner in die Lehre treten? no 

in diesen Artikeln dagegen nur um 1244400(1 Mark, mithin die Einfuhr ein 
Mehr von 16083000 Mark ergebe*), welche Summe vom deutschen Reiche dem 

Auslande geopfert worden sei. Eine so erhebliche Ausgabeziffer in einer Branche 
verlange dringend nach einer Korrektur, einer ausgleichenden Gerechtigkeit 
seitens der Reichsbehörde. Es sei im Sinne Bismarckscher Politik: »der ein- 
heimische Markt möge der einheimischen Arbeit angehören«, erst seien der 
Produktion und dann erst dem Handel die geigneten Wege zu bahnen. Nichl 
Unbilliges werde gefordert, noch weniger sollten dadurch die guten Beziehungen 
zu auswärtigen Staaten getrübt werden, sondern nur an die ausgleichen'!- 
Gerechtigkeit der Staatsbehörden interpelliere man. 

Die Versammlung fasste schliesslich mit allen Stimmen gegen kaum 
50 Stimmen folgende Resolution: 

»Die am 11. Janur 1899 m den Germaniasälen in Berlin tagende, 
von über 1000 Gartenbau-Interessenten aus Berlin und der Provinz Branden- 
burg besuchte Versammlung beschliesst: Nachdem die masslose Zunahme 
der zollfreien Einfuhr aller Cartenbauprodukte die schon im vorigen 
Jahrzehnt schwere Existenz der Handelsgärtner u. s. w. jetzt nahezu un- 
haltbar gestaltet hat, spricht die Versammlung die Erwartung aus, dass 
bei dem Abschluss der neuen Handelsverträge die deutsche Gärtnerei 
gebührenden Schutz finde. Die Versammlung richtet an die hohe Reichs- 
. ierung sowie an die gesetzgebenden Körperschaften die dringende 
Bitte, den von allen Seiten im Deutschen Reiche ausgesprochenen Wünschen 
der Gärtner gerecht zu werden, zum Schutze ihrer Produktion wie zur 
Erhaltung ihrer Existenz. Die Versammlung beauftragt den Verband der 
Handelsgärtner Deutschlands als den berufenen Vertreter der deutschen 
Handelsgärtnerei, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu 
wirken, dass sämtliche Produkte des Gartenbaues sobald wie angängig 
mit einem Eingangszoll belegt werden.« Hoftmann. 



Bei wem soll ein junger Gärtner in die Lehre treten? 

Von G. Körper- Fürstenwalde. 

,m letzten Frühjahr ist in verschiedenen Zeitungen und zwar von gärtnerischer 
:> Seite aus vor der Erlernung des Gärtnerberufes gewarnt, weil derselbe zu 
schwer und ungesund sei. 

Es liegt mir fern, dem im ganzen widersprechen zu wollen, jedi ch sei es 
mir als (leider) altem Gärtner gestattet, hier meine diesbezüglichen Ei fahrungen 
und Ansichten mitteilen zu dürfen. Wer allerdings glaubt, dass nur diejenigen 
Gärtner seien, welche in einer Gärtnerei gelernt haben, wo lediglich, möglichst 
aber recht viel Gewächshäuser vorhanden sind, also Anzucht. Kultur und 
Treiberei von Topfgewächsen die Hauptsache sind, wem ferner absolut nur 
eine solche Gärtnerei vornehm genug erscheint, um in einer solchen seinen 
Sohn oder Pflegebefohlenen lernen zu lassen, der darf allerdings nicht zuviel 
darauf rechnen, dass der Lernende in solchen Eiskellern oder Schwitzkästen 

Siehe Gartenflora 1898 S. 53i und die Denkschrift des Verbandes der Handelsgärtner 
Handelsblatt No. 36, 189«. Wir haben in Gartenflora 1. c. berechnet, dass die Ausfuhr sogar 
nur um 9 479 ooo Mark gestiegen ist. f.. W. 



~ja Bei wem soll ein junger Gärtner in die Lehre treten? 

von Gewächshäusern, welche noch obendrein sehr oft den Zellengefängnissen 
gleichen, die Gesundheit sonderlich wahren, geschweige dieselbe fördern resp. 
erlangen wird, und gerade das letztere ist doch wohl bei sehr vielen der 
Grund, diesen Beruf zu erwählen. Es ist ja auch sehr leicht erklärlich, dass 
wenn man fast alle Tage und beinahe ganze Tage mit verschwindend geringen 
Unterbrechungen sich nur in den Gewächshäusern aufhält, in denen, je nach 
Jahres- und Tageszeit und je nachdem, was eben in denselben kultiviert wird, 
mehr oder weniger eine sehr feuchte, kalte oder heisse Luft und eine 
Temperatur von 3 — 25 Grad R. und oft noch mehr, herrscht, und dann mit 
einemmal heraus und direkt in das Freie und somit in die bei weitem niedrigere 
also immerhin (wenn man in den Warmhäusern war) kältere und im Winter 
sehr oft recht kalte Temperatur und zugige Luft kommt, es einem selbst nicht 
viel besser ergeht und gehen kann als den Pflanzen, die aus solchen Häusern 
kommen (und wie es solchen Pflanzen geht, wird wohl jeder Gärtner und 
Blumenfreund erfahren haben). Das heisst, er wird häufiger das Gegenteil von 
dem, was er durch Erlernung des Gärtnerberules erhoffte (nämlich recht gesund 
und kräftig zu werden) erleben und den fast ständigen Begleiter vieler Gärtner, 
nämlich Rheumatismus etc. nicht viel los werden, geschweige sich stärken und 
kräftigen können. Es kann hier von Stärkung und Kräftigung des Körpers 
und der Gesundheit umsoweniger die Rede sein, als eben die Beschäftigung 
nicht danach ist; das Hantieren und Kultivieren der Gewächshauspflanzen und 
die damit verbundene Arbeit stellt nie oder doch nur äusserst selten solche 
Anforderungen an die Körperkräfte, wie die Freilandgärtnerei etc.; hier werden 
die Muskeln und die Gesundheit, wenn ich so sagen darf, gekräftigt und gestärkt, 
während dieses in jenen Gärtnereien weit weniger der Fall ist, indem es ganz 
andere und viel leichtere Arbeiten sind. Sehr oft kann von einer richtigen 
Bewegung in den Gewächshäusern gar nicht die Rede sein, weil sie, wie schon 
vorhin gesagt, den Zellengefängnissen (die ich ja Gott sei Dank aus eigener 
Erfahrung nicht kenne, aber man hört und liest doch genug davon) gleichen, 
denn man kann in vielen derselben weder recht stehen noch gehen, geschweige 
sich in denselben derart bewegen und wie man so zu sagen pflegt, so aus- 
arbeiten, dass dadurch Geist, Körper und Gesundheit gestärkt, gestählt und 
gehärtet werden könnten. Hierbei möchte ich nun noch der Beschäftigung und 
des Aufenthalts in den Kalt- und den sogenannten Erdhäusern etwas Erwähnung 
thun. In denselben ist in der Regel die Luft kalt und feucht, weil hier nicht 
eher und nicht mehr geheizt wird als um die in denselben befindlichen 
Pflanzen gegen das Erfrieren zu schützen. Eine ganz unausbleibliche Folge der 
feuchten Luft ist nun die, dass sehr viele der hier befindlichen und zu über- 
winternden Pflanzen gelbe und faule Blätter etc. derart bekommen, dass sie von 
Pilz und Moder vollständig überzogen werden; um nun die Pflanzen vor gänz- 
licher Fäulnis und dem Verderben zu schützen, müssen dieselben des öfteren 
ausgeputzt (sehr häufig sagt der Gätner und beinahe mit Recht, ausgemistet 
werden). Diese Arbeit erfordert in den meisten Fällen nicht nur viele Stunden, 
sondern viele Tage und gerade diese kalten, feuchten Lläuser und diese 
Arbeit, welche noch weniger Bewegung bietet, als sie Schuster und Schneider 
haben, sind es, welche Gicht und Rheumatismus etc. zur Folge haben. Ich 
kann dieses zu erwähnen umsoweniger unterlassen, als ich dieses leider an 
meinem eigenen Leibe in früheren Jahren erfahren habe. 



Bei wem soll ein junger Gärtner in die Lehre treten: 



73 



Also hinweg mit dem ganz unbegründeten Vorurteil, dass man nur in 
den eingangs erwähnten Gärtnereien ein wirklicher, ein sogenannter K.unst- 
gärtner und später, oder wohl in vielen Fällen richtiger gesagt, recht bald 
etwas Grosses werden könne. Deshalb noch einmal hinweg mit solchem 
Vorurteil und zwar deshalb, weil man auch ohne in einer solchen Gärtnerei, 
wo man eingestandenermassen seine Gesundheit, anstatt sie zu erlangen und 
zu fördern, aufs Spiel setzt, zu lernen resp. gelernt zu haben, sehr wohl ein 
recht tüchtiger und sehr brauchbarer Gärtner werden kann, Ind wer es nun 
einmal darauf abgesehen hat, der kann auch etwas Grosses werden, auch wenn 
er nicht gerade in den zuerst bezeichneten Gärtnereien gelernt hat. Denn es 
giebt. ganz respektable Gärtnereien, wo gar keine oder doch nur ganz 
nebensächliche Gewächshäuser vorhanden sind und ebenso Topfpflanzen kultur 
und das Treiben von Blumen und Pflanzen als Nebensache betrachtet werden. 
Ich nenne als solche Gärtnereien in erster Linie Baumschulen jeder Art und 
Landschaftsgärtnereien. Die Inhaber der letzteren oder die, welche Land- 
schaftsgärtnerei betreiben, nennen sich oder werden genannt Landschaftsgärtner, 
( '.artenkünstler. Garteningenieure, auch Gartenarchitekten oder wohl gar Gartenbau- 
meister. Man sieht also, dass man gerade in diesem Zweig der Gärtnerei 
gewiss '-ine schöne Auswahl und Aussicht hat, etwas Grosses werden zu 
können. 

Ferner giebt es sogenannte gemischte Gärtnereien; das sind solche, 
in welchen zwar auch Gewächshäuser vorhanden, aber nicht immer die Haupt- 
sache sind. Auch die Gärtnereien, in denen Samenbau von Blumen und Gemüse 
oft in recht erheblichem Umfange betrieben wird, sind zu erwähnen und zu 
empfehlen. Ferner hat man schon seit Jahren die sogenannten Freiland- oder 
Staudengärtnereien, das sind solche, in denen die schönsten und mannigfachsten 
Blumen und Gartengewächse, welche Sommer und Winter im freien Lande 
ausdauern, kultiviert werden oder, richtiger gesagt, nur die schönsten Blumen 
und Gewächse kultiviert werden sollten. 

Alsdann möchte ich die Obstgärtnereien nicht unerwähnt lassen, welche, 
allem Anschein nach zu urteilen, eine sehr gute Zukunft haben. In all diesen 
Gärtnereien kann man, wie schon gesagt, auch etwas Grosses werden, denn es 
giebt unter diesen wie jenen Gärtnereibesitzern Ökonomie- und Kommerzien- 
räte sowie Gartenbau-Direktoren etc., nur wird derart Grosses nicht aus dünkel- 
haftem Vorurteil hervorgehen und weder in jenen noch in di 
Gärtnereien aus Stecklingen gezogen. 

Nun werden ja allerdings manche der verehrten Leserinnen oder Leser 
dieser Zeilen sagen und fragen: »Haben denn die so besonders empfohlenen 
Gärtnereien resp. die Beschäftigung in denselben nicht auch ihre Schatten- 
seiten?« Jawohl, auch diese haben, wie jedes Ding, namentlich bei Sonnenschein, 
ihre Schattenseiten; hier sind sie: 

In all diesen Gärtnereien ist man allerdings mehr als in jenen dem Wind 
und Wetter ausgesetzt. Man wird da oft durchnässt bis auf die Haut, und es 
kommt wohl öfter vor, dass man sich nicht immer gleich umziehen kann, es 
kommt hier das Sprichwort zur Geltung: AVer mich nass gemacht hat, der 
kann mich auch wieder trocken machen! Also es ereignet sich wohl, dass 
der auf dem Leibe nass gewordene Anzug auch auf dem Leibe wieder trocken 
werden muss. und er wird auch wieder trocken. 



nß Bei wem soll ein junger Gärtner in die Lehre treten? 

Es passiert aber nicht allein dies, sondern es stellt sich infolge dessen 
auch öfter ein recht unangenehmer Schnupfen und sonstiges Unbehagen ein. 
Man ist ferner nicht nur Wind und Wetter, sondern auch oft den sengendsten 
Sonnenstrahlen ausgesetzt und es giebt weder dort einen Regenschirm, noch 
hier einen Sonnenschirm, sondern es heisst einfach aushalten und man 
lernt auch aushalten und hält es aus, indem man sich gar bald daran gewöhnt. 
Die Gesundheit wird aber bei alledem nicht so leicht aufs Spiel gesetzt, weil 
man hier nie einem so plötzlichen und schädlichen Temperaturwechsel als in 
den zuerst erwähnten Gärtnereien ausgesetzt ist, sondern man erlangt hier, 
wenn man sie nicht schon hat, in den meisten Fällen seine Gesundheit, indem 
man nicht nur den ganzen oder fast den ganzen Tag, sondern beinahe alle 
Tage und das ganze Jahr in Gottes freier, frischer und gesunder Natur sich 
befindet und somit die schönste Gabe Gottes, ich möchte beinahe sagen 
umsonst empfangt. 

Und gerade dieses alles, nicht allein die schönen Blumen und Früchte 
(wie es in den abratenden Artikeln heisst) ist resp. sind es, dass der Gärtner 
soviel um seinen schönen Beruf beneidet wird und viele veranlasst, Gärtner 
zu werden. 

Wer nun etwa an dem Gesagten zweifeln sollte, der sehe sich die Leute 
an, die in solchen Gärtnereien arbeiten resp. sich diesen Zweigen der Gärtnerei 
gewidmet haben, dem werden die wettergebräunten Gesichter sowie die Körper- 
haltung und Bewegung mehr oder weniger bestätigen, was ich gesagt habe. 
Und wenn es diese noch nicht zur Genüge thun, so werden es wohl unsere 
Herren Ökonomen und auch wohl, wenn auch nicht in dem Masse , die 
Förster thun. Ich für meinen Teil treue mich stets, wenn ich solche wetter- 
feste, kernige Leute sehe. Xun zu dem Gesagten noch einige Beispiele: Ich 
habe vor einer längeren Reihe von Jahren ein paar Lehrlinge gehabt, die so 
schwach und klein waren, dass ihnen anfänglich selbst die Verrichtung der 
leichtesten Arbeiten zu schwer war; der eine von ihnen hatte ein ganz 
blasses Gesichtchen mit eingefallenen Backen. Nachdem er erst längere 
Zeit bei mir war. wurde er nicht allein verhältnismässig gross und stark, 
sondern er hatte im Laufe der Zeit derart zugenommen, dass er von jedem 
nicht anders als der »Dicke« genannt wurde. Ähnlich war es mit dem zweiten. 
Dieser war auch derart gross und stark geworden, dass er gleich im ersten 
Jahre seiner Gestellung Soldat wurde. Ein anderer, neuerer Fall: Vor einigen 
Jahren kam ein Knäblein zu mir und fragte, ob er bei mir in die Lehre 
kommen könnte. »Mein Kind«, sagte ich, »wie alt bist Du denn?« »Ich komme 
Ostern (es war damals einige Wochen vor Ostern) aus der Schule.« Ich muss 
gestehen, ich sah mir dieses Kind von Knaben ordentlich mitleidig an und 
sagte: »Um Gärtner zu werden bist Du doch allzu klein und schwach.« Darauf 
machte dieser Kleine ein recht betrübtes Gesicht und dies that mir so leid, 
dass ich ihn, in der Hoffnung, dass er ja doch noch, wie man so sagt, werden 
könne, ersuchte, mit seinem Vater, zu mir zu kommen. Jetzt machte er aber 
ein vergnügtes Gesicht und kam wenige Tage nachher mit seinen Eltern 
wieder und wir w r urden einig, sodass dieses Kind von Knaben zu mir in die 
Lehre kam und siehe da, es dauerte nicht allzu lange, da w r urden ihm all seine 
Kleidungsstücke zu klein und eng, er musste neue und nach nicht allzu langer 
Zeit abermals neue und immer wieder neue Kleidung haben. Auch seine Kräfte 



Das Winterfest des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. rn 

nahmen derart zu. dass er schon im zweiten Jahr seines Hierseins ziemlich 
schwere und im dritten Lehrjahre selbst die schwersten Männerarbeiten 
fast spielend verrichten konnte. Nun der neueste derartige Fall: Vor etwa 
2V2 Jahren habe ich aus Berlin einen Knaben in die Lehre bekommen; obschon 
derselbe damals schon 15' L , Jahre alt war, so war er doch noch so elend und 
schwach, dass ich auch hier recht sehr Bedenken trug, dass aus ihm etwas 
werden würde. Aber trotz Essen und Trinken wollte aus ihm absolut nichts 
werden, bis vor nun etwa i'/ 2 Jahren. Da fing er endlich an, etwas Gesichts- 
farbe und auch neue Kräfte zu bekommen. Viel grösser ist er nun allerdini;- 
nicht geworden, aber seine Kräfte haben derart zugenommen, dass er jetzt so 
leicht keine Arbeit, auch wenn sie einmal etwas schwer ist. scheut und es 
beinahe übel nimmt, wenn ich ihm bei schwerer Arbeit sage: »Na, schaffst Du 
das auch?« (Eben sagt er mir. dass er hier doch i ! /2 Fuss grösser ge- 
worden sei.) 

Was nun meine Wenigkeit selbst betrifft, so kann ich sagen, dass ich mich 
bei einem Alter von 62 Jahren körperlich und geistig noch recht frisch und 
wohl fühle und glaube ich, dies nur meinem Beruf als Freilandgärtner danken 
zu können. Ausser einer etwa 14 Tage dauernden Krankheit im vorigen Jahre 
hat mir sonderlich ausser Geld noch nichts gefehlt, und wenn mir. was ja 
allerdings in einem so langen Zeitraum wohl öfter vorkommt, einmal nicht ganz 
so war, wie mir sein musste, wie man so zu sagen pflegt, nun. dann bin ich in 
meinen Garten gegangen und es hat dann niemals allzulange gedauert, so 
fühlte ich mich wieder wohl und munter. 

Währenddem ich mit dem Schreiben dieses Artikels bis hierher gekommen 
bin, besucht mich in geschäftlicher Angelegenheit ein recht vornehmer Fabrik- 
besitzer und sagt mir unter Anderem, dass er schon seit längerer Zeit alle 
Tage mehrere Stunden im Garten arbeite, und das mache ihm solche Freude 
und bekomme ihm so gut, dass er es nicht mehr lassen könnte und möchte. 
Dem Leser dieses aber, welcher einen Garten oder auch nur ein Gärtchen 
hat, möchte ich zurufen: »Gehe hin und thue desgleichen, und es wird Dir auch 
bald gelohnt werden.« 

Zum Schluss möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich dieses nur 
geschrieben habe für die, welche die Sache nicht kennen, nicht aber für die. 
welche sie schon kennen, am allerwenigsten aber für die, die alles können. 
alles kennen und schon alles wissen. 



Das Winterfest des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 19. Januar 1899. 

x V 

|Y/l it hoher Befriedigung kann der Festausschuss auf seine rhätigkeit zurück- 

ij=35^: blicken. Nicht weniger als 365 Personen nahmen an dem Feste im 

Hotel Imperial teil und einstimmig \wn- der Dank, der vor allen den Herren 

Loock, Habermann. Hampel, Hering, Junge und Neumann für ihre 

treffliche Leitung des Festes gespendet wurde. 



n£ Das Winterfest des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. 

Der grosse Saal des Hotel Imperial zeigte in der Mitte der Rückwand die 
Kaisergruppe von Herrn Clotofski, vornehmlich aus Palmen bestehend; an 
den Ecken des Saales hatte Herr Clotofski Dracaenen und Blattpflanzen auf- 
gestellt, alles geschmackvoll und nicht zu weit vortretend, um die Tanzenden 
nicht zu hindern. 

Die Sträusse für die Tafel hatte Herr Fasbender geliefert und hierzu 
nur deutsche Blumen und deutsches Bindegrün benutzt. Herr Clotofski 
hatte in liebenswürdigster Weise das Material für die zahlreichen grossen 
Tafelsträusse: Flieder und Schneeball etc., gespendet. Vor jedem Gedeck stand 
eine kleine Vase in der Form der einfachen kleinen Zimmervasen, wie sie im 
Kgl. Schloss benutzt werden (abgebildet in Gartenflora 1898 S. 505 und 511,) 
gefüllt mit Maiglöckchen, Farnen etc. Abwechselnd damit waren kleine Ständer 
aus Draht aufgestellt, die ein enges Gläschen trugen, das ähnlichen Schmuck 
enthielt. Da Vasen und Gläschen mit Wasser gefüllt waren, so blieben die 
Blumen während der recht langen Dauer der Tafel frisch. Schliesslich ver- 
kündete der Vorsitzende des Festkomitees, der Kgl. Hoflieferant Loock, zur 
Freude aller Damen, dass sie nicht nur die Sträusschen, sondern auch die 
Vasen und Gestelle zum Andenken mitnehmen möchten. Selbstverständlich 
waren die Vasen nicht aus so kostbarem Opalglase wie im Kgl. Schloss, 
sondern nur aus einfachem weissen Glase, das am Halse mit einer hübschen 
grünen Schleife verziert war. 

Der Direktor des Vereins, Kgl. Gartenbaudirektor Lackner, brachte das 
Hoch auf S. M. den Kaiser, den Allerhöchsten Protektor des Vereins, aus, der 
Vorsitzende des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands, C. van der 
Smissen, widmete dem Vorstande sein Glas, Herr Garteninspektor Perring 
dankte und trank auf das Wohl des Vereins, wobei er hervorhob, wie wünschens- 
wert es sei, alle Interessen sowohl die der Gärtner wie die der Lieb- 
haber zu berücksichtigen. Herr Hofgärtner Hoffmann toastete auf die Damen, 
Herr Bluth auf den Festausschuss, Herr Junge auf die Gäste, in deren Namen 
Herr Dr. Thost dankte. 

Besonders verschönert wurden die Freuden der Tafel durch den herr- 
lichen Gesang des Frl. Hering und des Frl. Schmidt, Tochter des Herrn 
Obergärtner Schmidt. Villa Dellschau-Pankow, ferner durch den gemeinsamen 
Gesang eines Kaiserliedes und eines vom Vereinssekretär Herrn S. Braun 
gedichteten, höchst scherzhaften Liedes: »Vereinsvorkommnisse«. 

Beim Tanze fehlte es natürlich nicht an Überraschungen. Bei der Polonaise, 
die übrigens nicht, wie sonst, zu Beginn des Balles, sondern erst viel später 
stattfand, erhielten die Teilnehmer die verschiedenartigsten Kopfbedeckungen 
und führten die Reise nach Palästina vor. Beim Kotillon erschien Herr 
O. Neumann als invalider Drehorgelspieler und bot den Damen in seiner 
Orgel die schönsten Orden für die Herren dar; die Damen erhielten pracht- 
volle Sträusse etc. etc. Kurz, alle waren hochbefriedigt. 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



79 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc. 



Neuheiten-Liste für 1898 99 

von 

F. C. Heinemann, Erfurt. 

Nach den Beschreibungen des Züchters. 

Salpiglossis variabiiis superbissima. 

Neue Kaiser-Salpiglossen. 

(Hierzu Abb. n.i 

Meine neuen Kaiser-Salpiglossen 
haben von allen Seiten uneinge- 
schränktes Lob erhalten. Der von mir 
voriges Jahr verkaufte Same brachte 
neben einigen wenigen Farbennüancen 
namentlich die Farbe »Chamois«, ich 
kann dieses Jahr diese Farbe und 
noch vier andere prachtvolle Nuancen 
sortenrein anbieten. 

Die Kaiser-Salpiglossen werden bald 
die alte Form dieser beliebten Sommer- 
blume ganz verdrängen, da ihre Ver- 



wendbarkeit eine bei weitem viel- 
seitigere ist und die Schönheit ihrer 
Blumen unerreicht dasteht. 

1. Chamois. Die Blume ist auf 
allen fünf Blumenlappen dunkelblutrol 
gezeichnet und bis in den Schlund 
hinein mit goldenen Adern durch- 
zogen. 

2. Purpurviolett. Prachtvolle, bis 
jetzt noch gar nicht bei Salpiglossen 
gekannte Farbe. Fin leuchtendes 
Karmin wird nach der Mitte der 
Blumen hin von einem tiefen, sammet- 
artig glänzenden Purpurviolett über- 
zogen. Die Blumen sind besonders 
gross, rund und wie eine Superbissima- 
Petunie geformt. Der kurze und weit 
geöffnete Schlund ist ganz dunkel und 
glänzt seidenartig. Der Bau der Pflanze 
ist besonders kräftig, sie wird ca. Socm 
hoch. 




Abb. ii. Salpiglossis variabiiis superbissima. 



Abb. 12. Begonia hybrida gigantea Mammut. 



8o 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



3. Purpurbraun mit Gold. Diese 
Sorte, etwas niedriger bleibend als die 
übrigen, ist besonders blütenreich. Die 
ganze Pflanze ist wie ein grosses 
ßouquet. Grundfarbe ein gesättigtes 
Purpurbraun, reich durchwirkt mit 
kräftigen goldenen Adern. 

4. Dunkelscharlach. Gleich der 
»Purpurviolett« von sehr kräftigem 
Bau, circa 80 cm hoch. Die schön ge- 
öffneten Blumen sind dunkelscharlach 
mit gleichmässig über die ganze Blume 
verteilter goldener Aderung. 



Begonia hybrida marmorata. 

„Der Schmetterling". 
(Hierzu Abb. 13.) 

Entgegen den früheren, gestreiften 
Begonien ganz konstant aus Samen. 
Der Wuchs ist kräftig wie bei der 
Gigantea-Klasse, und auch ihre Blumen 
sind trotz reichen Blühens von ansehn- 
licher Grösse. Die Grundfarbe ist 
entweder lebhaft Scharlach oder 
glänzend Karmin, wovon sich die 
unregelmässig aufgetragenen weissen 
Flecken vorteilhaft abheben. 

Diese Sorte ist der gestreuten be- 
deutend überlegen. 




Abb. i3. 
Begonia hybrida marmorata. 

5. Rosa. Die Grundfarbe ist ein 
lebhaftes Rosa mit bläulicher Abtönung, 
meist ringsum goldig geädert, sehr 
grossblumig und reichblühend. Die 
Pflanze wächst sehr kräftig und bleibt 
niedrig, ca. 70 cm hoch. 

Begonia hybrida gigantea Mammut. 

(Hierzu Abb. 12.) 

Eine vorjährige Einführung. Zeichnet 
sich aus durch riesigen Wuchs, wie 
er im ganzen Begoniensortiment bisher 
nicht bekannt war, und leuchtend 
scharlachrote Blumen. Zur Frühkultur 
sehr geeignet und konstant. 



Abb. 14. Gloxinia hybrida grandiflora „Coquette' 
Schlund gelb. 

Gloxinia hybrida grandiflora „Coquette". 

(Hierzu A.bb. 14.) 

Von allen bisher gekannten Gloxinien- 
Varietäten weicht diese Sorte dadurch 
bedeutend ab, dass alle ihre Blumen, 
sie mögen blaue oder rote Farben- 
schattierungen aufweisen, einen gelben 
Schlund haben. Es ist dies deshalb 
schon bemerkenswert, weil die gelbe 
Farbe hier noch gar nicht vertreten 
ist und der Gedanke, eine reingelbe 
Gloxinie auf diesem Wege zu erzielen. 
ist nicht fernliegend. 

Die Blumen sind fast alle drei- 
farbig gezeichnet, wie ich das im 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 





ein Sommergewächs, in jeder Ver- 
wendungsari effektvoll wirkt. Mag man 
sie als Topfpflanze, im freien Land' 
Einfassung oder in ganzen Gruppen 
benutzen, überall wird sie durch ihren 
wunderschönen Flor, der beim winzi 
Pflänzchen beginnt und bis in den 
Winter hinein dauert, entzücken und 
befriedigen. 

Die Farbe der Blumen ist feurig- 
dunkelkarmin mit bläulichem Reflex, 
der namentlich im Aufblühen dieBlume 
in einem tiefgesättigten Farbenton er- 
scheinen lässt. Der Schlund ist fast 
reinweiss, was sich sehr Wirkung* 
ausnimmt. 

Die Pflanze wird höher als die be- 
kannte Petunia »Schneeball , welch 
letztere sich bei Gruppenpflanzüng 
vortrefflich als Einfassung für Ad 
eignet. 

Begonia hybritla „mit gelber Mitte". 
(Hierzu Abb 16.) 

Die gelbe Mitte, die sich oft bis tief 
goldgelb färbt, hebt sich auffällig von 
dem sie umgebenden, mehr oder weniger 

breiten roten Rande ab. Die Pflanze 
blüht sehr willig und reich und hat 
allen Besuchern meiner Kulturen aus- 
nahmslos gefallen. 



Abb. [5. Petunia hybrida „Adonis' - . 
Blumen dunkelkarmin, Schlund weiss. 

Cliche zu veranschaulichen versucht 
habe. 

Das Farbenspiel auf den ver- 
schiedenen Pflanzen variiert von 
Hellblau über Lila nach Dunkelblau, 
von Rosa, Lilarosa bis Dunkelrot. Die 
Zeichnungsfarbe ist oft kräftig auf- 
getragen oder auch nur leicht ge- 
tuscht, sodass zarte liebliche .Nuancen 
mit tiefen Farbentönen aliwechseln. 

Petunia hybrida „Adonis". 
(Hierzu Abb. 15.) 

Es ist mir gelungen, in »Adonis« 
eine Hybride konstant zu bekommen, 
die mit ihrer Blütenpracht, wie selten 




\ . [6. Begonia hybrida „mit gelber Mitte 



82 



Kleinere Mitteilungen. 



Myosotis alpestris stricta alba. 

Weisses Säulen vergissmeinni cht. 

Die neue Stricta-Klasse hat sich sehr 
gut eingeführt und ist schnell ungemein 
beliebt geworden. Dies Jahr kann ich 
den beiden vorher eingeführten Farben 
(rosa und blau) noch die weisse hinzu- 
fügen, die das Sortiment vervollständigt. 



Sie ist ebenso zierlich wie reichblühend 
und bildet sowohl als Topfpflanze als 
auch als Gruppenpflanze eine wirkliche 
Zierde. Die drei erwähnten Farben 
dieser Klasse erhielten vom Verein zur 
Beförderung des Gartenbaues in den 
preussischen Staaten eine silberne 
Vereinsmedaille als Anerkennung. 



Kleinere Mitteilungen. 



Rosentreiberei in Amerika. 

Zu seinem Bericht über die Rosen- 
treiberei in Amerika (Gartenfl. Heft 2, 
S. 34) giebt uns Herr Goedecke noch 
folgende Nachträge: 

Reinberg Bros. Ghicago*) ist heute 
wohl die erste tonangebende Firma, 
sie hat nach den neuesten Berichten 
600000 DFuss unter Glas, hauptsächlich 
Rosen zum Schnitt. 40000 American 
Beauty (richtiger Mad. Ferd. Jannin) 
haben sie diesen Sommer in die 
Häuser gepflanzt, ausserdem noch 
Kaiserin, Bridesmaid u. s. w. — Nach 
ihnen folgt wohl Bas sett & Washburn, 
Hinsdale, Chicago. Diese Firma hatte 
1895 schon 80000 Rosen, hiervon 40000 
Mad. Ferd. Jamin in Häusern, wie ich 
diese hier kultiviere. Früher, vor circa 
6 Jahren war John N. May, Summit, 
New-Jersy wohl die erste Firma in 
Rosen, Chrysanthemum, Nelken. Was 
die Häuser anbetrifft, so ist deren 
Grösse ganz verschieden, ich habe sie 
da angetroffen von 20 m bis zu 200 m, 
also ist es richtiger, wenn man sagt, 
so und soviel JFuss oder so und soviel 
Morgen für die und die Pflanzen ist 
unter Glas. Bei Mrs. Reinberg Bros, 
wären es ungefähr 17 Morgen. 

Es giebt in Amerika noch viele grosse, 
schöne Gärtnereien, z. B. Asmus, 
West-Hoboken; Sieb recht & Sons, 
New-Rochelle; Gebr. Dailledouze, 
Flattbush, alle nahe New-York. Ich 
habe bei der letzten Versammlung an- 



*) Ich habe deren Häuser und die von 
Bassett. schon i8g5 S. 197 d. Gartenfl. ab- 
gebildet, ebenso die von C. Strauss & Co.- 
W'ashington, S. 227. Schon damals habe ich 
betont, dass bei Gebr. Reinberg die längere 
Seite des Daches nach Norden gerichtet ist. 

L. W. 



genommen, dass die grösseren Gärt- 
nereien täglich 6 — 10000 Rosenblumen 
schneiden; es werden vielleicht mehr 
sein, aber ich wollte keine höhere 
Zahl nennen. 



Williams gute Christenbirne 

hat sich in Schlesien als eine der besten 
Birnen für den Markt und zur Bereitung 
von Konserven bewährt. Dieselbe trägt 
zeitig und ist sehr fruchtbar, wenn sie 
in milden, mehr sandigen, aber frucht- 
baren Boden gepflanzt wird. Wegen 
seiner reichen Tragbarkeit ist es er- 
forderlich, dass der Baum wenigstens 
alle 2 Jahre gedüngt wird. Die Birne, 
welche auf den Breslauer Märkten im 
Schlesierdialekt »Bonkertiner« genannt 
wird und sehr gesucht ist, muss, um 
den Transport auszuhalten, 8 Tage vor 
der vollen Reife gepflückt werden. 
Die Reifezeit ist hier Mitte bis Ende 
September. Strauwald-Kosel. 



Für eine neue Gartenhalle im Zoologischen 
Garten 

war kürzlich ein Wettbewerb aus- 
geschrieben worden, wozu zahlreiche 
Arbeiten eingegangen waren. Da 
manche von diesen die geforderte 
Mitverwendung von Birkenstämmen 
oder ähnlichem Naturholz nicht ge- 
nügend berücksichtigten, andere aber 
das verlangte Obergeschoss und damit 
die malerische Dachbildung zu stark 
betont hatten, wurden schliesslich nur 
dreizehn Projekte für die engere Wahl 
zugelassen. Es erhielten den ersten 
Preis von 500 Mark die Architekten 
Zaar und Vahl (Motto: „Birkenhalle"), 
den zweiten Preis von 300 Mark Ar- 
chitekt Friedrich Schulze (Grune- 
wald), den dritten Preis (200 Mark) 



Kleinere Mitteilungen. 



83 



Architekt Voigt i n Eisleben (Motto: 
., Stämmig'-). Dem Preisgericht ge- 
hörten u. a. die Bauräte Böckmann, 
und v. Grossheim an, ebenso die 
Gartendirektoren Mächtig und 
Geitner. Betreffs der Zeichnungen 
von Zaar und Vahl wurde bemerkt, 
dass der Entwurf sich besonders gut 
der gärtnerischen Umgebung anschliesst 
und dass es sehr vorteilhaft sei, die 
Halle an der vorhandenen ,,Wald- 
schänke" vorbei zu führen. Dieser 
Entwurf wurde zugleich für die Aus- 
führung empfohlen. Die sämtlichen 
Blätter sind in den nächsten Tagen in 
der Bibliothek des Architektenvereins 
(Wilhelmstrasse 92/93) ausgestellt. 



Etwas über Pflege erkrankter Gloxinien. 

Vim Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Wenn auch die Pflege der Gloxinien 
eine bekannte ist, so tritt doch zu 
leicht bei verkehrter Behandlung 
der Gloxinienpilz auf, jener ge- 
fährliche Pilz, der oft ganze Bestände 
vernichtet. Der Pilz, der sich durch 
rostgelbe, terracottafarbene Flecken 
kennzeichnet, ist gewöhnlich die Folge 
von trockener Luft oder Temperatur- 
schwankungen. Gloxinien verlangen 
eine gleichmässige Temperatur von 
15— 20 R. und feuchte Luft bei 
ziemlicher Beschattung. 

Sobald sich der Pilz zeigt, nehme 
man die befallenen Pflanzen bei Seite, 
spritze sie mit einer Lösung von 
Kupferzuckerkalkpulver, was in etwa 
vierzehn Tagen nochmals geschieht. 
Alsdann bringt man die kranken 
Pflanzen in einen warmen Kasten bei 
20 — 24" R. Bodenwärme, hält sie 
geschlossen, schattig und spritzt öfter. 

Binnen kurzer Zeit entwickelt sich 
ein neues Leben, und wenn sich ein 
Teil neuer Blätter gebildet hat, entfernt 
man die kranken und bringt die Pflanzen 
in einen mehr kalten Kasten, wo zeit- 
weise, je nach Umständen, gelüftet 
werden kann: hier wird dann bald von 
der Krankheit bei ordentlicher Pflege 
wenig zu sehen sein. 



Ausserordentliche Kälte in Amerika. 

In den östlichen Staaten der Union 
herrschte ausserordentliche Kälte. In 
New-York stand am 11. Januar der 
Wärmemesser nur auf 9 Grad 
Fahrenheit über dem Nullpunkte. 



In dem gleichfalls im Staate New- 
York gelegenen Saratoga aber 
herrschte eine Kälte von 32 Grad unter 
Null und in Pittsburg und Pennsyl- 
vanien hatten die Einwohner gar eine 
solche von 40 Grad unter Null aus- 
zuhalten. Viele Menschen sind erfroren 
und die Sterblichkeit hat bedeutend 
zugenommen. In vielen Dörfern auf 
dem Lande mussten wegen der grossen 
Kälte die Schulen geschlossen werden. 
Unter den Armen herrscht viel Elend. 
Die Niagara-Fälle haben vom ameri- 
kanischen nach dem kanadischen Ufer 
eine Eisdecke gebildet. Es wird ein 
Eispalast gebaut, der sich schon seiner 
Vollendung nähert, (-f- 9 Fahrenheit 
ca. -r- 13° C, -=- 32 F. - = -=- 35,4° C, 



40" F. 



39,9° C. Die Red.) 



Unterirdische Bewässerung von Strassenbäumen. 

In einer Nummer des »Prakt. Ratgeb.« 
veröffentlicht Stadtgärtner Degenhard 
in Dresden einen beachtenswerten 
Aufsatz über die unterirdische Be- 
wässerung von Strassenbäumen mit 
Hilfe von Bewässerungsröhren, durch 
welche den Bäumen fortgesetzt Wasser 
zugeführt werden kann, ohne dass der 
Verkehr auf den Strassen dadurch be- 
rührt wird. Diese Art derBewässerung 
empfiehlt sich zwar besonders für 
öffentliche Plätze und mit Bäumen 
bepflanzte Strassen in verkehrsreichen 
Städten, sie dürfte sich aber auch für 
ländliche Baumanlagen, insbesondere 
um das Wohnhaus herum eignen, zumal 
der Bau einer unterirdischen Wasser- 
leitung in dem weichen Landboden, 
dessen Oberfläche ausserdem kein 
Pflaster deckt, welches aufgerissen 
werden müsste, billiger zu stehen 
kommt als in städtischen Anlagen. 

Behandlung der Melonen, die keine Früchte 

ansetzen wollen. 

Von Adam Heydt, Kunstgärtner. 

Es kommt sehr leicht vor, dass 
Melonen, selbst bei guter Kultur, sehr 
schlechte oder nur wenige Früchte 
ansetzen wollen; es empfiehlt sich dann, 
nachbenanntes Verfahren, welches ich 
bewährt gefunden habe, zu versuchen. 

Sobald die Melone einigermassen ins 
Kraut gewachsen, hebt man die Fenster 
ab und setzt die Pflanzen ganz den 
I nbilden des Wetters aus. Nur wenn 
sogenannter Landregen eintritt, bedeckt 



84 



Kleinere Mitteilungen. 



man die Melonen. Jegliches Begiessen 
und Bespritzen wird unterlassen, so 
dass die Pflanzen förmlich zusammen- 
schrumpfen. Wenn dieser Zeitpunkt 
eingetreten, werden die Fenster wieder 
aufgelegt und die Melonen wieder 
ordnungsmässig behandelt. Es zeigt 
sich dann nach kaum wenigen Tagen 
ein guter Fruchtansatz: nun entferne 
man alles überflüssige Holz und belasse 
einer Pflanze höchstens 8 — 10 Früchte, 
vergesse aber nicht, die Melonen gut 
zu ernähren. Hochwichtig für Melonen 
ist. dass sie immer warm gehalten 
werden. 



Schöne Skelette von Laubblättern 

kann man, wie längst bekannt ist, 
dadurch erhalten, dass man die Blätter 
in stehendes Wasser legt, das Moos, 
Algen und andere Wasserpflanzen 
enthält. Nach einigen Monaten sind 
dann alle weicheren Teile des Blattes 
verschwunden und nur die Blattnerven 
übrig geblieben. Man hat angenommen, 
dass diese Veränderung auf der Thätig- 
keit von Bakterien und Pilzen beruhe. 
Jedoch lehren Versuche, die Albert 
F. Woods vom U. S. Department of 
Agriculture soeben in der, .Science" ver- 
öffentlicht hat, dass die Skelettierungs- 
arbe.it vorzugsweise von mikro- 
skopischen Wassertierchen geleistet 
wird, nämlich von Muschelkrebsen 
(Cyprididae), jenen kleinen, von einer 
zweiklappigen Schale umhüllten Krebs- 
tieren, die man fast in jeder einem 
Teich entnommenen Wasserprobe findet. 
Die von Woods bei Aquariumversuchen 
beobachteten Tierchen gehörten zur 
Gattung Cypridiopsis. Ihre Schale ist 
Va— i mm lang und halb so breit und 
hoch; die Fresswerkzeuge sind kräftig 
und zum Nagen gut geeignet. Bei der 
Untersuchung des Darmkanals wurden 
zahlreiche Blattreste in halbverdautem 
Zustande gefunden. Hiernach konnten 
wenig Zweifel über die Thätigkeit der 
Tierchen bestehen. Ueberzeugend war 
aber folgender Versuch. Es wurde 
neben dem Aquarium, in dem sich die 
Muschelkrebse befanden, noch ein 
zweites aufgestellt, das Verwesung er- 



regende Pilze und Bakterien, aber keine 
Cypridiopsis enthielt. In jedes Aqua- 
rium wurde eine Anzahl Blätter ver- 
schiedener Bäume gelegt. In dem 
zweiten Aquarium (ohne Muschelkrebse) 
schritt der Verwesungsvorgang rasch 
vor, aber noch nach 1V2 Monaten war 
kein Anzeichen von Skelettierung an 
den Blättern zu erkennen. In dem 
Aquarium mit Cypridiopsis dagegen 
begann die Arbeit fast sogleich. An 
den von einer Fleckenkrankheit be- 
fallenen Blättern wurden die toten 
Flecke in 24 Stunden skelettiert; in 
vier Wochen war das ganze Werk 
vollbracht. Nachdem die weiche Blatt- 
masse völlig entfernt ist, beginnen die 
Tierchen, wenn sie hungrig sind, auch 
die feineren Nerven anzufressen; man 
thut daher gut, die Blätter nicht länger 
als nötig im Wasser liegen zu lassen. 
Wenn man sie dann zwischen Lösch- 
papier schwach presst, so erhält man 
sehr schöne Blattskelette. 



Erigeron aurantiacum. 

Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Immer noch wenig in Gärten an- 
gepflanzt findet man die Stauden im 
dekorativen Sinne. obwohl nichts 
die Schönheit einesParkes mehr hebt als 
Dekorationsstauden, selbstverständlich 
wenn sie an der geeigneten Stelle ge- 
pflanzt werden. 

Ich möchte heute einmal die Auf- 
merksamkeit auf Erigeron aurantiacum 
richten, eine jener Stauden, die dem 
obigen Sinne entspricht. Erigeron 
aurantiacum ist eine Composite. Sie 
wird bis 1,20 m hoch und bildet einen 
breiten Busch. Die Blumen entwickeln 
sich auf hohen Stielen, fast in der Form 
von Disteln, und in goldgelber Farbe. 
Die Blätter sind eirund lanzettlich, 
etwas gewellt, 15 — 20 cm lang und 
3 — 5 cm breit, auf der Lichtseite glatt 
und auf der Unterseite rauh. Die 
Blume bildet eine Strahlenblüte in 
Büschelform und ist von langer Dauer. 
Der Flor beginnt gegen Juli und dauert 
bis Ende September. Auch für die 
Binderei ist sie sehr vorteilhaft zu ver- 
wenden. 



Litteratur. — Ausstellungen und Kongresse. — Gewerbliche Angelegenheiten. 8c 

Litteratur. 



Zeitschrift für Landschafts- 
gärtnerei und Gartenarchitektur. 
Herausgegeben von E. Pf y ff er 
von Alt is holen. Garteningenieur 
und Gartenarchitekt in München 
(I »rleansplatz 5). Die uns vorliegende 
erste Nummer dieser neuen Zeitschrift 
ist reich mit Plänen und Abbildungen 
versehen, die allerdings z. T. Cliches 
zu sein scheinen, die von einer Bau- 
gesellschaft entliehen sind. Sie er- 
scheint monatlich einmal und ist 
speziell für Garten -Architekten. -In- 
genieure, Landschaftsgärtner, Baum- 
schul-, Villen- und Gartenbesitzer 
bestimmt. Jede Xummer soll eine 
Preisaufgabe enthalten. 

Normal - Sortiment des Kernobstes, 
festgestellt auf dem Pomologen-Kon- 



gress in Breslau, herausgegeben vom 
Verein der Pomologen und 1 »bstzüchter 
für Anhalt und Provinz Sachsen. 



Gilbert II. Ilicks and Sothoron 
Key, Additional Notes on Seed 
Testing, S.-A. aus } earbook of Depart- 
ment ofAgriculturefor 1 897, Washington. 
Die Verfasser empfehlen als Keimbett 
zum Samenprüfen Gefässe aus Gips und 
geben eine Methode zum Herstellen 
derselben an. Ferner haben sie einen 
verbesserten Spiegelkasten erfunden, 
um taube Grassamen zu erkennen, und 
endlich schildern sie auchdiefür die ver- 
schiedenen Sämereien besten Methoden. 
Bei einigen Bohnensorten keimten un- 
geritzte Samen noch nach 48 Tagen, 
geritzte dagegen in 4 Tagen mit 90 pCt. 

L. W. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau- Aus Stellung vom 5. 17. 
bis 15. 27. Mai 1899. Anmeldungen bis 
spätestens zum 1. 13. März an Geheim- 
rat Exzellenz Prof. Fischer von 
Waldheim, Kaiser!, bot. Garten. Die 
Einladungen an die Preisrichter sind 
letzt versandt worden. 



Antwerpen. Internationale Aus- 
stellung vom 9. — 13. April 1899 zur 
Feier des 30« jährigen Geburtstages von 
Anton van Dyck. 

Gent. 30. April bis 9. Mai 1899 
grosse internationale Ausstellung der 
Ligue horticole L'Union zu Mont 
St. Amand bei Gent. Das Programm 



ist ausserordentlich umfangreich, gegen 
1000 Aufgaben. 



Dresden. Jubiläums - Ausstellung 
des Landesobstvereins für das König- 
reich Sachsen vom 14. — 19. Oktober. 
Das Programmm ist zu beziehen: 
Gerokstrasse 45. 



Dresden. Anfang Mai 1900 Früh- 
jahrsausstellung der Feronia. 



London. Internationale Konferenz 
über Bastard- und Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet von der Royal 
Horticultural Society am 11. und 
12. Juli 1899. Anmeldung von Artikeln 
und Pflanzen an W. Wilks, Secretan. 
117 Victoria Street, Westminster S\V. 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



Sitzung der gärtnerischen Kommission des 

wirtschaftlichen Ausschusses. 
Am Sonnabend den ai. d. M. trat 
unter Vorsitz des Herrn Geh. Ober- 
regierungsrat Wer muth im Reichsamt 
des Innern eine Kommission zusammen. 



I deren Mitglieder auf Grund von Vor- 
schlägen gärtnerischer lachvereine 
und Korporationen, der gärtnerischen 

Presse u. a. berufen wurden, um über 
etwaige handelspolitische Massnahmen, 
soweit sie das gärtnerische Gewerbe 



86 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



im deutschen Reiche betreffen, in Be- 
ratung zu treten. 

Es waren erschienen die Herren 
Bauer, Handelsgärtner in Danzig, 
Beissner, Königl. Garteninspektor in 
Bonn, Kommerzienrat Benary-Erfurt, 
Brettschneider, Vertreter der Lor- 
bergschen Baumschule in Berlin, Peter 
F e 1 1 w e i s, Handelsgärtner in Uerdingen, 
Hoss, Handelsgärtner in Frankfurt a.M., 
Carl Lackner-Steglitz, Mietzsch, 
Baumschulenbesitzer in Dresden, 
Möller, Redakteur der Deutschen 
Gärtnerzeitung in Erfurt, Müller (in 
Firma J. C. Schmidt), Erfurt, van der 
S m i s s e n-Steglitz, Oekonomierat S t o 11- 
Proskau. 

In der Einführungsrede des Herrn 
Geh. Oberreoierungsrat Wermuth 



proklamierte derselbe mit bezug auf 
die Einzelheiten der Verhandlungen 
Amtsverschwiegenheit. 

Am Schlüsse der Verhandlungen, 
welcher um 4 Uhr nachmittags ein- 
trat, wurde eine Unterkommission ge- 
bildet, welche aus acht Herren, und 
zwar: Stoll für Obstbau, Benary für 
Samenbau und Samenhandel, Fettweis 
für Gemüsebau, Hoss: frische Blumen 
und Blätter, Müller: getrocknete 
Blumen und Blätter, Mietzsch für 
Baumschulartikel, Carl Lackner für 
Topfpflanzen und Handelsgärtnerei, 
van der Smissen für Blumenzwiebeln 
und Knollen, zusammengesetzt ist und 
die mit der weiteren Bearbeitung und 
Berichterstattung in ihren Spezial- 
fächern beauftragt wurde. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



F. C. Heinemann, Kgl. Hoflief., 
Erfurt. General-Katalog No. 208/9. ~~ 
Wilhelm Rückert, Görlitz. Saat- 
kartoffeln. — Vilmorin, Andrieux & 
Cie., Paris. Liste des nouveautes. - 
Wilh. Pfitzer, Stuttgart. Samenver- 
zeichnis. — Gustav Scherwitz, 
Königsberg i. Pr., landw. Sämereien. — 
C. Rusteberg & Günther, Zeitz, 
Prov. Sachsen. Saatgetreide und Futter- 
Sämereien. — Joseph Mock, Trier. 
Samenverzeichnis. — Samenkulturen 
Mechau (Gartendirektor F. Wegner) 
in Mechau, Post Schüttlau, Reg.-Bez. 
Breslau. Engros-Verzeichnis No. 14 über 
Gemüse-, Feld- und Blumensamen. — 
Kelway & Son, Langport, Somer- 
setshire, England. Manual of Horti- 
culture (Haupt-Preisverzeichnis von 
Samen, Zwiebeln undPflanzenm. Abb.). — 
W.Atlee, Burpee & Co., Philadelphia, 
Burpee's Seed - Annual. Samenver- 
zeichnis (Riecherbsen. Tomaten etc., 
etc. m. Abb.). — Gius eppe Siebzehn er, 
Florenz. Lorbeerblätter und anderes 
Bindegrün. — Bernhard Haubold, 
Laubegast-Dresden. Räucherapparat. — 
Jacob Zopes, Fischenich b. Köln a. Rh. 
Haupt-Preisverzeichnis über Gemüse-, 
Feld-, Gras-. Gehölz- und Blumen- 
Sämereien (m. Abb.). — Friedrich 
Roemer, Quedlinburg a. Harz. Preis- 
verzeichnis über dasselbe. — Peter 
Smith & Co., Hamburg, Gr. Burstah 10. 



Haupt-Preisverzeichnis über dasselbe 
und Apparate. — Friedrich Spittel, 
Arnstadt b. Erfurt. Desgl. (m. Abb.). — 
H. Cannell & Sons, Swanley, Kent. 
Desgl. (m. Abb.), auch Apparate. - 
Kohlmannslehner & Schwenke, 
Schöneberg-Berlin. Engros -Preisliste 
über dasselbe. —Vilmorin, Andrieux 
& Cie., Paris. Quai de la Megisserie. 
Desgl. (m. Abb.). — Sam. Lor. 
Ziemann, Quedlinburg. Desgl. — Max 
Kornacker.Wehrden a. Weser. Haupt- 
Preisverzeichnis über dasselbe. — 
Wilhelm Mühle, Temesvär. Desgl. — 
J. C. Schmidt, Erfurt. Auszug aus 
dem Hauptkatalog (m. Abb.). — 
Kohlmannslehner & Schwenke, 
Schöneberg - Berlin. Engros -Angebot 
von Samenneuheiten (m. Abb.); die- 
selben, von Neuheiten (m. Abb.); 
dieselben, echte Cactus-Dahlien. — 
Peter Smith & Co., Hamburg, Gr. 
Burstah. Haupt-Verzeichnis über Koni- 
feren, Bäume, Sträucher etc. — ■ Van 
den Blink & Aaij, Brielle (Holland). 
Gemüse etc. — Harlan P. Kelsey, 
Boston, Mass. Harte amerikanische 
Pflanzen und Carolina - Gebirgs - 
blumen, Galax-Blätter, Ginseng etc. — 
V. Lemoine et fils, Nancy-Neuheiten 
von Abutilon, Fuchsien, Pelargonium 
zonale, Pentstemon etc. etc. — 
J. Lambert & Söhne, Trier. Haupt- 
verzeichniss von Samen. 



Personal-Nachrichten. 



\ 



Personal-Nachrichten. 



Beim Krönungs- und Ordensfest 
haben erhalten: den Stern zum Roten 
Adler-Orden II. Kl. mit Eichenlaub: 

Dr. A 1 1 hott". Wirkl. Geh. Ober-Reg.- 
Ratu. Ministerialdirektor im Ministerium 
der geistl. etc. Angelegenheiten: 

Dr. Thiel, Wirkl. Geh.Ober-Reg.-Rat 
u. Ministerialdirektor im Ministerium für 
Land\v.( V> irsitzenderd. Kuratoriums der 

kgl. Gärtner-Lehranstalt zu Potsdam): 

den Roten Adler-Orden III. Kl. mit 
der Schleife: 

Dr. Reinke, Geh. Reg.-Rat, ordentl. 
Professor und Direktor des bot. Gartens 
an der Universität Kiel; 

den Roten Adler-Orden IV. KL: 
Dr. Traugott Müller, Geh. Reg.- 
Rat und vortragender Rat im Ministerium 
für Land \\ (Dezernent für Gartenbau); 

Dr. Pflug, Rechnungsrat im Reichs- 
Schatzamt. Mitglied des Vereins zur Be- 
förde] m . les Gartenbaues; 
das Allgemeine Lhrenzeichen : 
i '. abbe. ( rartenarbeiter zu Sanssouci; 
Lauften' rster Gartengehilfe im 

Schlossgarten zu Brühl; Vogt, Ober- 
gärtner in der Karlsau bei Kassel; 
/immer. Gartenarbeiter zu Wilhelms- 
höhe bei Kassel. 



Aus Ajilass der Anwesenheit S. M. 
des Kaisers in Konstantinopel sind ver- 
liehen: Dem Hofgartendirektor Adam 
Schi« rfi daselbst der Kgl. Kronen- 
orden 4. Kl., dem Hofgärtner Wienhold 
das Allgemeine Lhrenzeichen. 



Geh. Reg.-Rat Seh wenden er, Di- 
rektor des botanischen Instituts dei 
Universität Berlin, feiert am 10. Februar 
seinen 70. Geburtstau,. Es werden von 
seinenSchülern und Freunden zu diesem 
Feste viele Vorbereitungen getroffen. 



Der weltbekannte Botaniker J. G. 
Baker in Kew gab seine Stellung am 
Kgl. l : im : a >< Lbsl am 1 2. Januar 

auf, um in den wohlverdienten Ruhe- 
stand zu treten. Baker hat sich auch 
um die Gartenbotanik hoch verdienl 
gemacht, indem er sehr „handliche" 
Handbücher über Amaryllidaceen, 
Bromeliaceen, sowie Uebersichten über 
Liliaceen etc. etc. schrieb. 

Johan ring, Rosenschulen- 

besitzer zu 1 Htm ach au in Schlesien, 
f am mbei 1 s n\ im \o. Lebens- 

jahre. Er hatte die frühen- Rosen- 
Kaufmanns Rad ig zu 
-er Blüte gebracht. 



Garteninspektor E.Ortgies in Kilch- 

berg bei Zürich, der 3S Jahre lang, 
bis zum 1. April 1894, i m botanischen 
Garten zu Zürich tätig war, feiert am 
19. Februar seinen 70. Geburtstau. Wir 
brachten seine Biographie mit Portrait 
in Gartfl. 1894 S. 225 und berichteten 
über sein 50jähriges Gärtner-Jubiläum 
daselbst S. 168, 200, 279, 282, 312. 



Matthias Gebhardt, unseren ver- 
einten Lesern aus früheren Jahrgängen 
durch mehrere Abhandlungen über die 
Weltausstellung in Chicago und den 
amerikanischen Gartenbau bestens be- 
kannt, ist seit 1. Januar in der Firma 
J. C. Schmidt in Erfurt mit der 
Stellung eines Obergärtners betraut 
worden. 

Johannes Mahlin g, seither Ober- 
gärtner in der Hauptgärtnerei der 
Firma J. C. Schmidt in Erfurt, wurde 
die Stellung des erstenKorrespondenten 
bei derselben Firma übertragen. 

Der frühere Gärtnereibesitzer, jetzige 
Rentier Jean Louis Mathieu. Berlin, 
langjähriges Mitglied des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, f am 
23. Januar im 09. Lebensjahre. Der 
Verstorbene war der Sohn des rühm- 
lichst bekannten Louis Mathieu. 
nach dem die Mathieustrasse benannt 
ist, und der Vetter des Kgl. Garten- 
baudirektors Carl Mathieu. 



Otto Bissmann, < ibstbaulehrer in 
Gotha, winde vom Herzog zu Sachsen- 
Koburg-Gotha zum Obstbau -Inspektor 

ernannt. 

Karl Bierwitz, Gutsgärtner in 
Meerchin, wurde das preussische All- 
gemeine Ehrenzeichen verliehen. 

I lerKunstgärtnerViktor Hägemann 
im Kgl. Doraänenpark zu Gatersleben 

,1. Harz f am 31. Dezember 1898 im 

Alter von 76 Jahren. 



n8 



Unentgeltlich abzugebende Samen. 



Unentgeltlich abzugebende Samen. 

Njr für die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. 
Meldungen bis zum 15. Februar an das General-Sekretariat in Berlin N., Invalidenstrasse 42. 
Nur die gewünschten Nummern aufschreiben; nur einige auswählen, nicnt alle; 
10- oder 20- event. 25- oder 5o-Pfennig-Marke beitiu. 

1. Dill. Anethum graveolens. 48. Antirrhinum majus nan., niedrigstes 

2. Köll- oder Bohnenkraut, einjährig. : Löwenmaul, alle Farben gemischt. 



8. 

9- 
10. 
1 1. 
12. 
13- 
14- 

15. 
16. 

17- 

18. 
19. 
20. 

21. 

2 2. 

23- 
34- 



28. 
29. 
30- 

3i- 

32. 

33- 
34- 
35- 
36. 

37- 

39- 

40. 

4'- 
4 2 - 
43- 

44- 
45- 
40. 

47- 



Tomate Ficarazzi, früheste. 

» Albino, gelbfrüchtig, neu. 
Petersilie, gewöhnliche Schnitt-. 
Thymian, Sommer- oder franz. 
Gurken, Japan. Kletter-, Formosa-. 

» lange Berliner Aal-. 

Speise-Kürbis, mehrere Sort., gem. 
Zier-Kürbis, in guter Mischung. 
Erbse, Pahl-, de Grace, niedrig. 

» Gold- oder Wachs-. 

» Mark-, Klars Riesen-Stangen-. 
Stangen-Bohnen, Schneide-, aller- 
grösste Schlachtschwert-. 
Krup-Bohnen, Flageolet-, Victoria. 

» » früheneuezartschot.Brech- 
Blumenkohl, Erfurter grosser früher. 
Weisskohl, Klars Liebling, früh. 
Rotkohl, früher schwarzroter. 
Wirsing, Berl. mittelfrüher, gelber. 
Rosenkohl, hoher vorzüglicher. 
Blätterkohl, niedr., krauser grüner. 
Kohlrabi,Wiener, kurzl. frühe weisse. 
Mohrrüben, Douwicker. 

» lange rote Braunschw. 

Pastinakwurzel, lange glatte. 
Petersilien würz., kurze dicke Zucker. 
Sellerie, Berl. grosser Knollen-. 
Salatrüben, echte schwarzrote lange. 
Kopfsalat, Rudolfs Liebling. 
Schnitt- oder Stechsalat, früher 
gelber mooskrauser. 
Feldsalat od. Rabinschen, dunkelgr., 
vollherziger, breitbl. 
Spinat, grossblättriger, de Gaudry. 
Zwiebeln, weisse Valencia-. 
Porree, Ostia, dunkelgrüner. 
Radies, runde KlarsZwerg-, karmin- 
rote, früheste kurzlaubigste Sorte. 
Radies, Woods längste rosenrote. 
Rettig, Mai-, golgelber ovaler. 

» Winter-, weisser Münchener. 
Aster. Juwel- od. Ball-, gem. alle Färb. 

» Komet- oder Pudel-, gemischt. 
Chrysanthemum-, gemischt. 
Levkoyen.grossblum.engl.Sommer-, 

gemischt. 
» grossblum. Riesen-Sommer-, gem. 
Goldlack, einf. Pariser, hellbraun. 
Rittersporn, Delphinium consolida 
cand. fi. pl., alle Farben gemischt. 
Balsaminen, Impatiens bälsamina 
ilore pleno, gemischt. 



49- 

50. 
51- 

52. 

53- 

54- 



tf 



- 



Lathyrus odoratus, Eckfords Pracht- 
sorten gemischt. 

Mirabilis Jalappa, alle Färb. gem. 
Papaversomnifer.pl., alle Färb. gem. 
Salpigl. var. nan.. alle Färb. gem. 
Scabiosa grandiflora, alleFarb.gem. 
Mola tricolor maxima, von den aus- 
gezeichnetsten Muster- und Aus- 
stellungsblumen gemischt. 
Acacia lophanta (Albizzia). 
Amarantus salicifolius. 
57 Aquilegia vulgär, fl. pl. 

58. Asperula azur. setosa. 

59. Bellis perennis, fl. pl.. gemischt. 
Brachycome iberidifol. 
Centaurea nana compacta Victoria. 
Chelone barbata. 
Coix Lacrymae aurea zebrina. 
Convolvulus, gemischt. 
Cosmea bipinnata albitlora. 

66. Dianthus caryophyllus Rem. Mar- 
garitae, Margareten-Xelke. 

» chinensis. fl. pl., gemischt. 
» diadematus plen. 

Godetia Whitneyi, Lady Albemarle. 
Gypsophila elegans. 
Helianthus cucumerifolius Stella. 

» mollis. 

Heliotrcpium hybr. gigant., Riesen-. 
Heuchera sanguinea. 
Iberis amara umbellata, purpurrot. 
Lobelia Erinus ramosa. 
Lupinus, gemischt. 
Myosotis alpestris, rob. grandiflora. 
Nemophila maculata, gemischt. 
Panicum tonsum. 

Perilla nankin. macr. crispa comp. 
Petunia hybrida, schöne Färb., gem. 
Phlox Drummondi, alle Färb. gem. 
Portulaca grandifl.. alle Färb. gem. 
Primula veris. 

Reseda odorata grandifl. Gabriele. 
Ricinus Zanzibarensis. 
Schizanthus grdfl. alb. atropurpur. 
Tagetes erecta nana »Ehrenkreuz«. 
Tropaeolum Lobbian., Kresse, gem. 

» majus nanum King Theodore. 

« Mammouth-, gemischt. 
Wigandia Caracasana. 
Zinniaeleg. fl.pl., grandifl.plenissima. 
Capsicum annuum, span. Pfeffer, 
Paprica, Cardinal. 



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61. 
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87. 
88. 

89. 
90. 
91. 
92. 
93- 
94- 
95- 



Gartenflora 1899. 



1459. 




MAGNOLIA WATSONI. j. d. hook. 



Magnolia Watsoni J. D. Hooker. 

f (Hierzu Tafel 1459. 

ir John Dalton Ilooker beschreibt in Botanical Magazine 1891 t. 7157 
diese von ihm an gedachter Stelle neu aufgestellte Art folgendermassen: 

»Ganz glatt, Blätter 4 — 7 Zoll lang, 2 — 3V2 Zoll breit, ziemlich kurz 
gestielt (y 2 — 1 Zoll), länglich oder verkehrt- eiförmig oder kreisförmig verkehrt- 
eiförmig, etwas spitz oder zugespitzt, an der Basis keilförmig oder abgerundet, 
etwas wabig, oberseits dunkelgrün, gelb gerandet, unterseits bleich, die jüngeren 
seidenhaarig; Nerven jederseits 10 — 15, bogenförmig, oberseits tief eingedrückt 
und wie die Mittelrippe gelblich; Blumen wohlriechend, einzeln, mit den 
Blättern gleichzeitig, 5—6 Zoll im Durchmesser, Kelchblätter länglich oder 
linear-länglich, sehr konkav, später zurückgeschlagen, rosa oder blass-purpurn; 
Blumenblätter breit, verkehrt-eiförmig, sehr konkav, stumpf, ungleich, aus- 
gebreitet, rahmweisslich; Staubgefässe sehr zahlreich, V3 so lang wie die 
Blumenblätter, vielreihig, zurückgebogen, einen breiten Ring bildend; Staubfäden 
blutrot, so lang wie die linearen, stumpfen, schmutzig-rötlichgelben Staubbeutel; 
Fruchtknotenstand länglich, dick, gestielt, die einzelnen, sich dachig deckenden 
Fruchtknoten lanzettlich, zugespitzt, aufrecht, leicht zurückgebogen; Narben linear. 

Kleiner Baum, Zweige glatt, rund, geringelt. Blätter 4—7 Zoll lang, 
2 — 3V2 Zoll breit.« 

Vergleicht man diese Beschreibung und die Abbildung im Bot. Mag. 
t. 7157 mit unserer Abbildung, so wird man kleine Unterschiede finden, die 
aber nur darauf beruhen , dass im Bot. Magazine eine Blume im weiter 
aufgeblühten Stadium, daher mit zurückgebogenen Staubfäden und mehr auf- 
gesprungenen Staubbeuteln und entwickelten Narben dargestellt ist, wodurch 
der Fruchtblätterstand länglicher und höher wird, während bei uns die Blume 
eben aufgeblüht ist. 

J. D. Ilooker bemerkt, er sei zögernd an die Aufstellung einer neuen 
Art gegangen, da die chinesischen und japanischen Arten der Gattung Magnolia 
unvollkommen beschrieben seien, und sagt: Dass es nicht M. parviflora ist, ist 
einleuchtend wegen der Grösse der Blumen. Von M. parviflora sah er ein gut 
getrocknetes Exemplar und eine treffliche Abbildung in dem Werke von 
Keisuke Ito, Professor der Botanik an der Universität Tokio, in »Figures and 
descriptions of plants in the Koishikawa Botanical Gardcns (Tokio)« vol. I t. 13 
und diese stimmten vollkommen mit der von Siebold und Zuccarini ge- 
gebenen Beschreibung, die ihr kleine kreisrund-verkehrt-eiförmige zugespitzte, 
häutige Blätter mit wenigen Nerven (6—8 Paar) und kleine Blumen mit langem, 
schlankem Blütenstiel zuschreiben. M. Watsoni steht viel näher der M. hypoleuca. 

Sieb, et Zucc. (Keisuke Ito t. 14), welche eine grössere Pflanze darstellt 
mit kräftigen Zweigen, grossen länglichen Blättern, die dicht bereift, unterseits 
dünn behaart sind und mehr oder weniger zwei Jahre dauern. 



QO 855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

Hook er benannte die Pflanze zu Ehren des Herrn Watson, Assistent- 
kurator (d. h. Assistent des Inspektors) der Kgl. Gärten zu Kew. der so manche 
Pflanze zur Blüte brachte, die im Bot. Magazine abgebildet ist. 

Der Strauch, nach welchem Hooker die Art benannte, wurde für die 
Kgl. Gärten in Kew aus demjapanischenlfof auf der Pariser Weltausstellung 1889 
gekauft und blühte zuerst im freien Grunde in Kew im Juni 1890. Die Blumen 
hatten einen sehr kräftigen Geruch nach Calycanthus. 

Das Exemplar, nach welchem unsere Abbildung angefertigt wurde, ist 
von Herrn Ökonomierat Späth 1895 lebend aus Japan eingeführt. 

Nachdem die Pflanzen, welche durch den Transport etwas gelitten hatten, 
im ersten Jahre in Töpfen kultiviert waren, wurden sie im nächsten Jahre, aber 
ziemlich spät, erst im Juni, ins freie Land gepflanzt und erklärt es sich dadurch, 
dass die Blüte, welche unsere Abbildung zeigt, erst am 18. September zum 
Aufblühen kam. Die normale Blütezeit wird also wahrscheinlich Juni sein, 
wie auch Herr Hofmarschall v. St. Paul in Fischbach beobachtet hat. Letzterer 
gab eine sehr charakteristische Beschreibung der Blüte in Gartenzeitung 1894, 
S. 386. Die abgebildete Blume hatte 11 cm Durchmesser und zeichnete sich 
besonders durch einen köstlichen Duft aus. Die Kelchblätter waren hellrosa, 
dem Stiele anliegend, die Staubfäden dunkelbraunrot, die Staubbeutel lachs- 
farben, die Blumenblätter elfenbeinweiss und fleischig. Xach den Notizen des 
Herrn Prof. Koehne sind die Blätter unterseits entschieden grau (bei hypoleuca 
mehr weisslich), mit feinen Härchen gleichmässig bestreut, an der Mittelrippe 
mit ziemlich langen, sehr feinen Haaren reichlich besetzt. L. W. 



855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 28. Januar 1899. 

I. Der Direktor des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, Kgl. Gartenbau- 
direktor C. Lackner, bemerkte zunächst, dass wegen der Feier des 
Geburtstages S. M. des Kaisers in derlandw. Hochschule die Versammlung 
vom 26. auf den 28. Januar verlegt sei. 

IL Zum Andenken der verstorbenen Mitglieder Gärtnereibesitzer Feigenspan 
in Forst N. L., kaiserl. russ. Hofgärtner a. D. Schulz in Cöln und Rentier 
Louis Mathieu in Berlin erhoben sich die zahlreich Erschienenen von 
ihren Sitzen. 

III. Vorgeschlagen wurden: 

1. zum Ehrenmitgliede Herr Geh. Regierungsrat Prof.Dr. Schwendener, 
dem das Diplom am 10. Februar, seinem 70. Geburtstage, überreicht 
werden soll;*) 

2. zu wirklichen Mitgliedern: 

1. Herr Th. Lange, Garteninspektor der Gärtner-Lehranstalt zu 

Oranienburg; 

2. » Otto Platz, Gärtnereibesitzer, Charlottenburg; 

3. » W. Boeck, Versicherungsdirektor, Steglitz; 

4. » G. Bartsch, Obergärtner, Berlin; 

5- » F. Goe dicke, Gärtnereibesitzer, Seehof bei Teltow; 

*) Der Bericht über die Feier des 70. Geburtstages folgt in Heft 5. 



855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. (( 1 

6. Herr Freitag, Maurermeister, Sommerfeld; 

7. » Gottschall, Ilandelsgärtner, Seehof bei Teltow; 

8. » Rudolf Meyer, Rentier, Charlottenburg; 

9. » C. von Reklam, Major, Berlin; 

10. » Dr. Thost, Inhaber der Verlagsbuchhandlung Gebr. 

Bornträger, Berlin; 

11. » P. Kirchner, Stadtgärtner, Dessau. 

IV. Auf allgemeinen Wunsch wurde sofort die Wahl des 1. Stellvertreters 
des Direktors vorgenommen. Um Irrtümer zu vermeiden, wurden alle 
Stimmberechtigten ersucht, aus dem Saale hinauszugehen und beim Wieder- 
eintritt ihren Stimmzettel an den Wahlvorstand, die Herren Inspektor 
Dressler, Garteninspektor Echtermeyer und Architekt Urban, ab- 
zugeben. Der Direktor verlas ein Schreiben des Herrn Kgl. Garten- 
inspektors Per ring, in welchem dieser erklärte, dass er eine etwa auf 
ihn fallende Wahl ablehnen würde, und in welchem er weiter im 
Interesse des Vereins die Bitte aussprach, einen Liebhaber, in diesem 
Falle Herrn Konsul Seifert, zu wählen. Von den 112 abgegebenen 
Stimmen fielen 

7S auf Herrn Konsul Seifert, 
31 » » Kgl. Gartenbaudirektor Hampel, 

1 » » Perring, 

1 » » Bluth, 

1 » » Hofgärtner Hoffmann. 

Herr Konsul Seifert ist somit gewählt. Er hatte schriftlich erklärt, dass 
er, im Fall die Wahl auf ihn fiele, dieselbe annehmen werde. 
V. Ausgestellte Gegenstände waren sämtlich ausser Preisbewerb vor- 
geführt. 

1. Als eine ganz hervorragende Leistung ist eine für Ende Januar 
ausserordentlich reichhaltige Sammlung von Äpfeln und Birnen des 
Herrn Kgl. Gartenbaudirektors Carl Mathieu-Charlottenburg, Ehren- 
mitglied des Vereins, zu bezeichnen. Sie umfasste 65 Sorten Äpfel 
und 11, Sorten Birnen. Herr Direktor Mathieu hob als besonders 
empfehlenswert hervor: Von Äpfeln Ontario, Xorthern Spy, Calvill von 
Oullins, Winter-Rambour, ganz besonders für die Rheingegenden von 
Lambert & Reiter in Trier empfohlen, eine belgische Reinette deChenee, 
den kleinen Api als Topfobst (vielleicht das Pomum Appianum der 
Römer) und Elise Rathke, deren Stamm bekanntlich einen Trauer- 
baum bildet; von Birnen: Triomphe de Touraine (neu), Chs. Cognee, 
Olivier de Serres. 

Herr Mehl möchte bei den Birnen Six 1 Iiutterbirne (Beurre Six) als 
höchst empfehlenswert hinzugefügt sehen, sie dürfte in Wohlgeschmack 
und Tragbarkeit wohl von keiner anderen übertroffen werden; leider 
bleibt sie grün, ist aber glatt und schön geformt. Herr A. Drawiel 
bestätigt das; sie habe sich bei ihm dies Jahr ausnahmsweise gut 
gehalten, ihre Schale sei sehr dünn und das Fleisch sehr schmelzend. 
Herr Kgl. Garteninspektor Weidlich rühmt noch, dass sie im 
Borsigschen Garten in Berlin trotz der ungünstig-ten Verhältnisse immer 
rein bleibe und gut trage. Herr Hofgärtner Iloffmann bemerkt, dass 



Q2 855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

die Birne Olivier de Serres sich dies Jahr nicht so gut halte, im übrigen 
ist sie sehr zu empfehlen wegen Fruchtbarkeit und Aroma. 

2. Herr Gartenbaudirektor Carl Mathieu legte ferner eine Frucht der 
Anona squamosa, ein beliebtes tropisches Obst, vor, die sein von West- 
afrika zurückgekehrter Sohn auf Madeira das Stück zu 50 Pf. gekauft hatte. 

3. Herr Gärtnereibesitzer G. Marquardt-Zossen führte sein neues 
Veilchen Kaiser Wilhelm II. in mehreren Töpfen sowie in vielen 
abgeschnittenen Exemplaren vor, deren köstlicher Duft den ganzen Saal 
erfüllte. Herr Marquardt berichtete: Dieser Sämling ist 1896/97 aus 
vier verschiedenen Veilchen gezogen, die Mutter ist Viola canina, das 
Hundsveilchen, drei andere Sorten wurden mit diesem wilden Hunds- 
veilchen in drei verschiedenen Mistbeeten zusammengepflanzt. Die Be- 
fruchtung habe ich nicht besorgt, sondern die Insekten. Ganz be- 
sonders hervorzuheben sind die langen Stiele, die bis 30 cm Länge 
erreichen; ferner die Grösse der Blumen (sie bedecken mitunter einen 
preussischen Thaler), die schöne dunkelblaue Farbe und der herrliche 
Geruch. Allerhöchsten Ortes ist ihm die Ermächtigung erteilt, dem 
Veilchen den Namen S. M. des Kaisers zu geben, auch sind bereits zwei- 
mal zum Geburtstage S. M. von ihm Veilchen übersandt worden. Herr 
Marquardt hat ca. 15 — 20 000 Stück herangezogen und wird diese Neuheit 
am 1. April in den Handel geben. 

Herr de Coene: Wenn es sich um die Grösse handelt, so ist das 
Veilchen von Millet in Bourg-la-Reine wohl ebenso gross oder noch grösser. 

Herr Inspektor Dressler stellt den Antrag, das Veilchen zu Versuchs- 
zwecken anzuschaffen, was stillschweigend genehmigt wird. Herr Hof- 
gärtner Hoffmann findet an dem schönen Veilchen nur das eineBedenk- 
liche, dass die Stiele etwas schlaff sind. Herr Marquardt: Da wir lang- 
stielige Blumen haben wollen, so züchte ich hauptsächlich darauf hin, 
ich fürchte, den Stiel nicht stärker erhalten zu können, denn ich halte das 
Haus auf 12 ° R. Übrigens haben nur die Blüten der Ranken schlaffe 
Stiele, die aus der Mitte nicht. Einer der vorgeführten Töpfe hat 
44 Blumen incl. der Knospen. Auch die kleinsten Spitzen blühen. 

Herr Garteninspektor Lindemuth: Nach Herrn Marquardt soll Viola 
canina die Mutter gewesen sein. Die ist aber geruchlos und viel heller. 
Da nun die Neuheit dunkelblaue Blumen und sehr schönen Geruch hat, so 
muss der Vater durchschlagend gewesen. Ähnliches habe ich selber früher 
'bei Begonienkreuzungen gefunden, wo die Nachkommen ebenfalls mehr 
dem Vater als der Mutter glichen. 

Herr Direktor Lackner: Auch bei Rhododendronkreuzungen ist der 
Vater immer ausschlaggebender als die Mutter. 

Herr Dietze: Ich kann mir nicht denken, dass die Blumen bei 12 ° R. 
getrieben sind, dazu ist die Farbe zu dunkel. 

Herr Marquardt: Es sind gegen 12 ° und ich treibe zugleich Kaiserin 
Auguste Victoria, die muss ich so warm halten. Bei Sonnenschein gebe 
ich mittags natürlich Luft. 

Herr Dietze: Wenn man abends und über Nacht wollte 12 ° behalten, 
so würden die Stiele zu schlaff werden, bei 8 — 9 Grad würden sie 
straffer bleiben. 



855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. qo 

4. Herr Kgl. Hofmarschall v. St. Paul, Ehrenmitglied des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues, übersandte eine Ranke von Lapageria 
rosea mit folgendem Schreiben: »Diese Ranke ist von derselben Pflanze, 
von welcher ich früher eine Ranke sandte, welche 1898 in Heft 4 S. 101 
der »Gartenflora« abgebildet ist. Wer sich für diese Pflanze interessiert 
— und ich hoffe, ihre Liebhaber werden sich stets mehren — kann daraus 
ersehen, dass bei verständiger Kultur aus den Blattachseln nicht einzelne 
Blüten, sondern Blütenstände mit 3 — 5 und mehr Blüten hervorbrechen. 
Ein solches Stück Ranke in voller Blüte ist ein fertiger Strauss für sich 
und hält sich 14 Tage bis 3 Wochen in einer Vase. Sie blühte hier gerade 
um die Weihnachtszeit und wollte ich das Prachtstück nicht dem 
damaligen Postpacket-Trubel anvertrauen, sonst hätte ich sie Ihnen mit 
Blüten gesandt.« 

L. Wittmack bemerkte, in Gartenflora 1876 p. 9 nehme ein Herr E. M. 
(wohl E.Mayer, Garteninspektor in Karlsruhe) an, dass vonLapageria ver- 
schiedene Varietäten existieren müssten, seine Exemplare hätten immer 
nur 1 Blume im Blattwinkel erzielt, anderswo habe er viel mehr Blumen 
gesehen. An seiner Kultur habe es nicht gelegen, denn nachdem er sich 
die reichblühende Varietät verschafft, habe diese unter denselben Ver- 
hältnissen auch reich geblüht. Herr de Coene meint, es läge doch an 
der Kultur, die Blätter werden bei guter Kultur auch viel grösser. Herr 
Direktor Lackner: Man hat allerdings verschiedene Varietäten, aber bei 
guter Kultur blühen sie alle reich. Ganz besonders schön war der 
Flor im Frankfurter Palmengarten im letzten Herbst, Herr Hofgärtner 
Hoff mann: Ausgepflanzt blüht L. viel besser als im Topf; meist wird 
sie zu warm gehalten und dann leicht von der Spinne befallen. Die 
Temperatur sei nicht zu hoch, aber gleichmässig. 

5. Herren Spielberg & de Coene führten eine Vriesea hybr. 
Leodiense*) vor, die auffallenderweise statt einer einzigen Ähre, deren 
mehrere gebildet hatte, sodass der Blütenstand eine Rispe darstellte. 
L. Wittmack wies darauf hin, dass bei Vrieseen das öfter vorkäme 
und er schon früher darauf hingewiesen habe, dass die Einteilung der 
Vriesea-Arten nach dem Blütenstande mitunter irreführe. 

6. L. Wittmack legte Champignonbrut aus Sporen gezogen, sogen, 
sterilisierte Brut, aus dem Institut Pasteur-Paris vor, die ihm Herr 
Kritter, Spezialist für Champignonkultur, Berlin X., Treskowstrasse 35, 
freundlichst überlassen hatte. Man zieht im Institut Pasteur aus den 
Sporen der besten Champignons das Mycel in wahrscheinlich sterilisiertem 
Pferdedünger in Form von Halbcylindern, sogenannten Cartouchen und 
von da weiter in gewöhnlichen Fladen (galettes). Herr Amelung, Ober- 
gärtner am Joachimsthalschen Gymnasium, zieht auch die Brut aus Sporen 
und Herr Kritter bemerkte dem Vortragenden, dass Herr Amelung in 
Gartenflora d. J. Xo. 1 S. 11 die Entwicklung sehr richtig geschildert 
habe. Erst bilde sich eine feine Haut und nachher erst die sichtbaren, 
stärkeren Fäden. 



*) Y. Leodiensis Hort Leodiensis l l.eodium^Lüttich t ist ein Rustard von V. Morre- 

niana )< Barilletti üartrl. 1893 S. 340 und ähnlich dem umgekehrten Bastard, der als 

V. Wmmackiana Kittel in Gartrl. 1888 t. 12NH abgebildet ist. Vergl. Mez in Suites au Prodro- 
mus IX 567. 



Q/l 855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

Herr Amelung: Schon vor drei Jahren habe ich im Blumen- und 
Gemüseausschuss darüber gesprochen, wie wichtig es sei, die Brut aus 
Sporen zu ziehen, da man dann gute Rassen erhalten kann. Ich habe in 
einer grossen Berliner Champignonzüchterei die Brut aus dem Institut 
Pasteur mit gutem Erfolge verwenden sehen, sie ist nur sehr teuer, eine 
Cartouche kostet 80 Pf., und man braucht zum Belegen von 1 qm für 
2 M. Brut, von deutscher Brut nur für 75 Pf. Jedenfalls sollte man aber 
in Deutschland es ähnlich machen wie in Paris. 

7. Herr Goedecke zu Seehof bei Gross-Lichterfelde führte zum 
dritten Mal herrliche Rosen vor, um zu beweisen, dass er so gut wie 
im Oktober, November und Dezember auch im Januar Rosen liefern könne. 
Dass es mit dem Frei-Auspflanzen der Rosen in den Häusern bei uns 
gehen müsse, sei dadurch bewiesen, dass es selbst in Dänemark gehe. 
Dort haben sich Gärtner zusammengethan. ein Haus erbaut und darin 
Rosen getrieben, um der Regierung zu zeigen, dass sie selbst Rosen 
liefern können. Infolge dessen ist jetzt ein sehr hoher Schutzzoll von 
2 Kronen = 2,25 M. auf 1 kg in Dänemark eingeführte Rosen gelegt. 

Herr Hofgärtner Hoffmann, der sich die Kulturen des Herrn Goedecke 
angesehen, erklärte dessen Bestreben als ein ausserordentlich anerkennens- 
wertes. Es sei doch etwas anderes, ob man an einer Rose im Topf 
4 — 6 Blumen oder an einer Rose im freien Beete 15 — 20 Blumen ziehe. 
Dazu komme noch ganz wie bei den Rosen, die man einst in Russland 
bewunderte, eine gute Kultur und ein herrliches Farbenspiel. Er habe 
einige der Goedecke'schen Rosen 14 Tage im Zimmer gehabt und 
sie hätten kaum etwas von ihrer Farbe eingebüsst. 

8. L. Wittmack legte einen aufgesprungenen $ Zapfen von Dioon 
edule vor, der sich durch lockig wollige Behaarung an den Spitzen 
der Schuppen auf deren Aussenseite von den normalen Zapfen unter- 
scheidet und den er var. lanuginosum nennt. 

VI. Hierauf hielt Herr Kgl. Gartenbaudirektor Carl Hampel einen mit 
grossem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Verschönerung der 
Städte, in welchem er den von Herrn Prof. Begas im vorigen Jahr im 
Lokalanzeiger ausgesprochenen Tadel, dass man bei uns Denkmäler und 
Fassaden durch Bäume verdecke, zu widerlegen versuchte. Der Vortrag 
wird besonders abgedruckt werden. Nur der Teil, der sich auf die 
Prachtstrasse in Steglitz und die Köpenicker Landstrasse bezieht, und die 
Diskussion seien hier kurz wiedergegeben. 

Herr Hampel tadelt die Art der Baumpflanzung in der Pracht- 
strasse. Erst kommt zu beiden Seiten ein übermässig breiter Bürger- 
steig, dann jederseits am Rande desselben eine Baumreihe, darauf ein 
Absatz (eine Bordschwelle) und dann jederseits ein Geleise für die 
elektrische Bahn, dann wieder je eine Reihe Bäume, darauf wieder ein 
Absatz und dann der Fahrdamm in der Mitte. Die beiden Absätze 
werden im Winter bei Schnee und Glatteis Manchen zu Fall bringen, die 
Droschken und Privatwagen können nicht vor dem Bürgersteige halten, 
weil die elektrische Bahn dazwischen liegt, und beim Umzüge werden 
den Bewohnern dadurch viel Unannehmlichkeiten erwachsen. Vor allem 
beschatten aber die vier Baumreihen mehr die elektrische Bahn als den 



855. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 



Bürgersteig und die Bäume werden in wenigen Jahren unten immer aus- 
geputzt werden müssen, da für die elektrische Bahn bis 5 m über dem 
Boden die Aste störend sind. — Auch auf der Köpenicker Landstrasse 
hat man das eine Gleis der elektrischen Bahn zwischen die Baumreihen 
gelegt und musste die Bäume 5 m hoch aufstutzen. 

Herr Direktor Lackner bedauerte auch, dass oft da, wo allein dei 
Gärtner sprechen sollte, nur der Architekt zu sprechen habe; bezügli« h 
der Prachtstrasse aber müsse er sagen, dass die jetzige Lösung die bi 
sei. Wäre die elektrische Bahn in die Mitte des Fahrdammes gelegt, so 
würden die anderen Wagen stets in Gefahr kommen. 

Herr Perring schliesst sich betreffs der Prachtstrasse Herrn Lackner 
an, nur sei der Fahrdamm zu schmal, vielleicht weil man an Asphalt 
habe sparen wollen. Die billigeren Bürgersteige seien zu breit. 

Herr Amts Vorsteher a. D. Martin Hoffm an n -Treptow bemerkt, da>s 
viel mehr Leute eine elektrische Bahn benutzen als eine Droschke, es sei 
daher gut gewesen, die elektrische Bahn dicht an den Bürgersteig zu 
legen. — Auf der Köpenicker Landstrasse habe man nur aus Xot das 
eine Gleis zwischen die Baumreihen gelegt, da der Damm nur 12 m 
breit war. Es sei zweckmässig, bei elektrischen und Kleinbahnen die Geleise 
ganz vom anderen Fuhrwerksverkehr zu trennen. --In Bezug auf die 
technische Hochschule müsse er Herrn Prof. Begas Recht geben, sie sei 
zu sehr durch Bäume verdeckt. Vor dem Museum sind die Vorpflanzungen 
jetzt auch zu hoch geworden, doch im allgemeinen muss man sagen. 

- Umpflanzungen, wie alle Umrahmungen, den Wert eines Kunstwerkes 
erhöhen. — Bei Anlage von Plätzen, wie in Schöneberg, müssen oft so viel 
Privatinteressen mit in Berücksichtigung gezogen werden, dass sich nicht 
immer vom idealen Standpunkt aus verfahren lässt. Bei Verkehrswegen 
über einen Platz dürfte die Diagonale, trotzdem sie nicht schön, immer 
die zweckmässigste sein. 

Herr Hofgärtner Martin Hoffmann trat für die Gleichberechtigung, 
der Gartenkunst- mit der Baukunst und den anderen Künsten ein. Ein 
Dozent an der früheren Bauakademie habe ihm gegenüber einst selbst 
das Bedauern ausgesprochen, dass aus Mangel an Zeit den Baubeflissenen 
kein Unterricht in landschaftsgärtnerischen Darstellungen gegeben werden 
könne. Da dies nicht geschehen kann, so hat sich eben als ein besonderer 
Zweig der Kunst die Landschaftsgärtnerei entwickelt. - Gerade eine 
grüne Umrahmung belebt die Städte. 

Herr Brodersen: Als die technische Hochschule fertig war. hat es 
an Bemühungen, die Bäume zu entfernen, nicht gefehlt. Wie man erzählt, 
hat man die Erlaubnis Sr. Majestät des hochseligen Kaisers Wilhelm I.. 
der sich die Bäume ansah, u. a. dadurch zu erlangen gesucht, dass einer 
der Räte sagte, die Bäume seien doch schon recht alt. Da aber habe 
der Kaiser geantwortet: dann mögen sie auch stehen bleiben, bis sie von 
selber sterben. 

Herr Hampel: Professor Begas ist eben im Irrtum, wenn er meint, 
dass die Gärtner schuld daran seien, wenn die Bäume vor der technischen 
Hochschule stehen. Ähnlich ist es in manchen Fällen, wo die Krone 
mitzureden hat. Der hochselige Kaiser Wilhelm I. war bekanntlich ein 



9 6_ 



Riesen-Eichen. 



grosser Verehrer älterer Bäume. Man denke nur an die dicke Pappel in 
der Potsdamerstrasse. Was das Museum betrifft, so ist es richtig, dass, 
wenn man von der Schlossbrücke kommt, man das Museum nicht sofort 
sieht, weil die vielen Bäume davor stehen. Das Museum soll aber doch 
vorzugsweise vom Schloss aus gesehen werden und von dort aus ist die 
Einrahmung nicht störend. Indes dies würde eins derjenigen Gebäude 
sein, von denen ich in meinem Vortrage sagte, dass man Bäume fehlen 
lassen muss. Bei alten Baumpflanzungen hat sich das Publikum aber 
schon so daran gewöhnt, dass eine Entfernung schwer ist. Vor der 
Thomaskirche wurden die Bäume fortgenommen, weil sie den Blick auf 
die Kirche von der Köpenickerstrasse aus störten; jetzt verlangen die 
Umwohner, dass wieder Bäume geflanzt werden. Bei Anlage von Plätzen 
sollen auch die Privatinteressen berücksichtigt werden, aber die all- 
gemeinen müssen vorgehen. In Stadtgegenden, wo der Grund und Boden 
teuer ist, wird man nicht so ausgiebige Plätze anlegen können, anderer- 
seits ist aber nicht zu vergessen, dass durch die Plätze die Grundstücke 
wieder wertvoller werden. 
VII. Herr Kohlmannslehner lud zur Versammlung deutscher Dahlienzüchter 
am 29. Januar ein. 
VIII. Der Vereinsdirektor teilt hierauf mit, dass der Vorstand beschlossen 
habe, den Ordnern und einigen anderen Männern, welche sich um die 
Jubiläums-Ausstellung besonders verdient gemacht haben, eine Anerkennung 
zu verleihen. Es besteht diese in einer grossen Reliefmedaille aus echter 
Bronze in einem Holz-Rahmen, der den Xamen des Besitzers trägt. Die 
Medaille ist angefertigt nach dem Modell des Prof. Schley von unserem 
Mitgliede Otto Schultz, Naunynstrasse 19. 
IX. Aufgenommen wurden als wirkliche Mitglieder die in der letzten Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen. (Siehe Gartenfl. Heft 2 S. 34.) 
Carl Lack n er. L. Wittmac k. 



Riesen-Eichen. 

(Hierzu Abbildung 17 — 20.) 
,ede und einsam erscheint im Winter die Xatur, wenn sie ihren Blätter- 
- schmuck verloren und Bäume und Sträucher ihre kahlen Zweige gegen den 
Himmel strecken. 

Um so interessanter ist es aber, dann Beobachtungen anzustellen über den 
Aufbau von Wäldern und die in diesen vorkommenden Eigentümlichkeiten, 
betreffend die Gestalt mancher Baumriesen. 

Der Verfasser führt den Leser dieser geschätzten Zeitschrift in die Um- 
gegend Dessaus, der Hauptstadt Anhalts, und werden noch Manchem, gelegent- 
lich der dendrologischen Versammlung in Wörlitz, die Schöpfungen der gross- 
artigen Parkanlagen in Wörlitz, Oranienbaum sowie vieler anderer Orte, die 
wegen ihrer schönen Lage zu anziehenden Aufenthaltsorten im Sommer um- 
gewandelt und die die Residenz selbst förmlich wie ein grosser Garten 
einschliessenden Anlagen in Erinnerung sein. Lange sind die Schaffer zur 



Riesen-Eichen. 



«>7 



ewigen Ruhe eingegangen, jedoch die grossen Bäume, unter ihnen die knorrigen 
Eichen, die in einigen bemerkenswerten Formen in laubtreiem und in 
belaubtem Zustande zur bildlichen Darstellung gelangen, mögen anzeigen, wie 
manches Jahr über ihren Häuptern dahingegangen und sie dennoch zum Teil 
prächtige belaubte Kronen zur Schau bringen. 

Einer der ältesten dieser Baumriesen ist wohl die »Franzosen-Eiche«, 
die an dem früheren Knüppeldamm* jetzt Fahrweg zwischen zwei weit aus- 
einander liegenden Forsthäusern Hohe Strasse« und »Speckinge«, steht und 
ihre weit ausgebreiteten Aste gegen den Himmel streckt. In diesem früheren 
leuchten Gelände mag sie wohl durch den Bau der Strasse gelitten haben, so 




Abb. 17. Eiche im Luisium bei Dessau, unbelaubt. 



dass sie jetzt nur noch mit den ihr belassenen trockenen Zweigen düster dasteht, 
und als ein Wahrzeichen vergangener Zeiten in Ehren gehalten wird. Als 
besonders erwähnenswert sei, dass nach der Schlacht bei Leipzig 1S13 flüchtende 
Franzosen in dem hohlen Stamm Unterkommen gefunden und sich längere Zeit 
dort verborgen gehalten hatten. Sie misst ungefähr 1 m über dem Erdboden, 
trotz der schon auf einer Seite abgewetterten Rinde 3,80 im Umfang. 

In einem anderen Forstrevier, »zum Sieglitzer Berg", ist ein den Namen 

I'teifen-Eiche« tragendes Exemplar zu erwähnen, da dieses in seinen unteren 

Zweigpartien eine die Form einer Riesenpfeife darstellende Verwachsung hat. 

Es ist diese Bildung nicht auf künstlichem Wege hervorgerufen, sondern sich 

im Anfang scheuernde Zweige sollen durch Aneinandcrwachsen dieses Xatur- 



q8_ 



Riesen-Eichen. 



gebilde hervorgerufen haben. Durch die Reihe der Jahre sind die schwächeren 
Astpartien abgebrochen, sodass ein fast 50 cm umfassender Ast das scheinbare' 
Pfeifenrohr bildet. Der Umfang des Stammes 1 m über dem Erdboden beträgt 
4,20 m. 

Viele prächtige Eichen bergen die ausgedehnten Forsten und Parkanlagen 
in und um Dessau, so dass man noch manches prächtigen Exemplares gedenken 
könnte, jedoch sei hier nur noch ihres stattlichen Baues und Grösse wegen zweier 
Bäume Erwähnung gethan. und zwar eines im herzoglichen Garten Luisium 
stehenden sehr grossen Baumes, der wegen seiner Höhe und seines sich kaum 
3 m über dem Erdboden teilenden Stammes bemerkenswert ist. Die sechs von 









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Abb. 18. Eiche im Luisium bei Dessau, belaubt. 



der Teilung ausgehenden Äste haben an ihrer Basis einen Umfang von 1 bis 
1,50 m. Leider ist schon einer der gewaltigen Zweige einem heftigen Wirbel- 
winde unterlegen und 2 m über der Basis abgebrochen. Der Stamm hat 1 m 
über dem Erdboden einen Umfang von 6,20 m. 

Lange nicht so hoch und alt ist eine im Tiergarten stehende Eiche, die 
wegen Ihres schönen Baues, der weniger hochgehenden, aber sehr breiten 
Krone den Namen »schöne Eiche« führt und einen Stammumfang von 2,50 m hat. 

Alle hier aufgeführten Eichen gehören sämtlich der grösseren Abteilung 
der Stiel-Eichen, Ouercus pedunculata, an. 

Dessau. • P. Kirchner. 



Die Gegenwart und Zukunft der deutschen Champignonzucht. 



99 



Die Gegenwart und Zukunft der deutschen Champignonzucht.*) 

f 



lu-r drei Jahre sind verflossen, seit ich im Jahre i s < > 5 V>. 1 Seite 14 der 
Gartenflora eine Anregung zur Champignonzucht gab und dabei die 
Frage stellte, ob es in Deutschland möglich sei. eine Champignonzucht rentabel 

zu gestalten. 

Wenn ich mir nun heute erlaube, die Spalten der Gartenflora ein v 
in Anspruch zu nehmen, so geschiehl es deshalb, 1. um klarzustellen, wie sich 
die seiner Zeit von mir empfohlene Methode, Champignons in leeren Cement- 
fässern, und zwar in Räumen ohne Heizung, zu züchten, bewährt hat; 3. möchte 
ich einen kurzen Überblick geben, welchen Aufschwung die Champignonzucht 




Abb. K). Eiche im Tiergarten bei Dessau, unbelaubt. 

in Deutschland seit meiner Anregung genommen hat; 3. will ich versuchen, 
darzustellen, wie in Zukunft die Champignonzucht gefördert und zum Allgemeingut 
der Deutschen gemacht werden kann. 

Obwohl ich mich nunmehr seit iS Jahren mit der Champignonzucht be- 
schäftige, wozu ich durch den Umstand angeregt wurde, dass ich schon als 
Kind Gelegenheit hatte, auf einer von der braunschweigischen Kammer seiner 
Zeit angelegten Rieselwiese, welche vormals Jahrzehnte hindurch Viehtrift war, 
viele Jahre hindurch von Anfang September bis Ende Oktober die schönsten 
Champignons zu suchen, so waren mir doch bis vor einem Jahrzehnt die inneren 
Vorgänge in einem künstlich angelegten Champignonbeete noch recht unklar. 



*) Vergl. auch den Aufsatz des Verfassers: „Ein Beitrag zur Keimung von Champignon- 
sporen - ', Gartenrlora i8<io Heft 1 S. 1 1 und Heft | S. u.\ D. Red. 



100 



Die Gegenwart und Zukunft der deutschen Champignonzucht. 



Um über diese Unklarheit hinwegzukommen, legte ich Beete in auseinander- 
nehmbaren Kästen und schliesslich in Fässern an, so dass ich alle Stadien 
der Entwicklung genau beobachten konnte; zugleich lernte ich auch bei Ver- 
wendung verschiedener Dünger diejenigen kennen, welche auf eine reiche 
Entwicklung von Pilzen Einfluss hatten. 

Waren die ersten Fässer, welche ich benutzte, nur Versuchszwecken ge- 
widmet, so habe ich später, bei Verwendung einiger Dutzend Fässer, doch meine 
Rechnung gefunden, so dass ich diese Methode der Öffentlichkeit übergab mit 
dem Bewusstsein, dass sie dem Privatmann nützen könnte, denn als Wett- 
bewerb für den rationellen Züchter konnte sie nicht in Betracht kommen. 
Ziehe ich nun die Resultate, wie sie mir aus den verschiedenen Teilen 
Deutschlands sowohl wie vom Auslande vorliegen, zusammen, so ergiebt 
sich, dass sich die Fasskultur im Privat gebrauch als handlich 



v». -, Rfc> 














... 



Abb 20. Eiche im Tiergarten bei Dessau, belaubt. 

und reinlich bewährt hat. Während die Tragfähigkeit in trockenen 
Räumen etwa 14 Tage betrug, erhöhte sich selbige in Räumen, welche fast 
immer etwas Grundwasser hatten, aber durch indirekt zugeführte Wärme auf 
durchschnittlich io° R. gehalten werden konnten, auf 4 Wochen. 

Ich selbst benutze die Fässer z. Z. nur noch zu Versuchszwecken, da 
ich für die rationelle Zucht jetzt einen trockenen Keller habe; im übrigen 
übertrage ich die bei der Fasskultur gesammelten Erfahrungen auf die Frei- 
beetkultur. 

Recht erfreut bin ich, dass meine Anregung und Bekanntgabe einer ver- 
einfachten Kulturanweisung dazu beigetragen hat, dass die künstliche Champignon- 
zucht in Deutschland seit einigen Jahren im Aufschwung begriffen ist. Nicht 
bloss beschäftigen sich die Privatgärtnereien wieder mehr als vor Jahren damit, 
zum eigenen Gebrauch der geernteten Pilze, sondern auch viele grössere 
Handelsgärtnereien, ja selbst rein landwirtschaftliche Betriebe haben sie als 



I>ie Gegenwart und Zukunft der deutschen Champignonzucht. 101 



Nebenzweig ins Auge gefasst. Jedenfalls trägt hierzu auch der Umstand bei, 
dass viele Landwirt'' durch Lieferung anderer Produkte mit den Delikatessen- 
geschäften und Konsumenten der grösseren Städte durch unsere vorzüglichen 
Verkehrsmittel im regen Geschäftsverkehr stehen und auf diese Weise erfahren. 
dass die Nachfrage inbezug auf die Champignons grösser ist als das Angebot. 
Ein gutes Zeichen des Emporblühens der Champignonzucht in Deutschland 
möchte ich auch noch in dem Umstände erkennen, dass sich mit der 
Grosskultur nicht mehr so viel Laien beschäftigen, sondern Fachleute, 
die schon ein gut Teil Erfahrung mit ins Geschäft bringen. 
Aber nicht nur der deutsche Züchter hat erkannt, dass die Kultur des 
(,'hampignons unter gewissen Umständen lohnend ist, auch der Konsument 
besonders in Berlin, schätzt die frische, feste deutsche Ware, welche 
auf den Markt gebracht wird, sodass die Einfuhr frischer Champignons aus 
Frankreich sehr nachgelassen hat. 

Ich komme nun zu dem dritten Punkt meiner heutigen Betrachtung: 
Wie kann in Zukunft die deutsche Champignonzucht gefördert werden? 

Infolge der Regsamkeit, welche hier in den letzten Jahren auf dem Gebiete 
der Champignonzucht zu verzeichnen ist, hat sich auch die Fachliteratur ge- 
hoben. Einige ältere Werke über Champignonzucht haben neue Auflagen 
erfahren, einige sind auf Grund praktischer Erfahrungen entstanden. Wenn 
nun auch in diesen Werken die Champignonzucht im allgemeinen behandelt 
wird, so befassen sich die Autoren doch vorwiegend mit der Treiberei, d. h. 
Gewinnung des Champignons zu einer Zeit, wo es im Freien keine giebt. Die 
in Deutschland in bedeckten resp. heizbaren Räumen gezogenen Champignons 
werden vorwiegend frisch verbraucht, deswegen wäre zu wünschen, dass man 
sich an geeigneten Orten in Zukunft mehr mit der Zucht des Freiland- 
Champignons beschäftigen möchte. Einerseits deshalb, um die auf diese Weise 
gewonnenen Pilze zu Konservenzwecken in Massen zu verwenden, wodurch 
die sehr rege Einfuhr von Konserven aus Frankreich abgeschwächt würde, 
anderseits aber, um auch die geringwertigeren Pilze, welche man auf den 
Märkten sieht, zurückzudrängen. Ich meine, es sei ebensogut möglich, in 
Deutschland den Champignon zum Allgemeingut der Volksernährung zu 
machen, wie man neuerdings den Seelisch durch geeignete Massnahmen der 
ärmeren Bevölkerung zugänglich gemacht hat. Die Frage, auf welche Weise 
der Freiland-Champignon in Massen gezüchtet werden könnte, möchte ich auf 
Grund meiner Beobachtungen und Versuche folgendermassen zu beantworten 
suchen. 

Der Champignon ist ein Pilz, der mit Vorliebe in tierischen Excrementen 
gedeiht, deshalb finden wir ihn auch an solchen Stellen im Freien wildwachsend, 
wo Pferde. Schaf-- und Kühe aufwiesen und Triften geweidet haben, oder aber 
in Wäldern, wo Hirsche, Rehe und Hasen zur Atzung sich aufhielten. Aber 
auch in den in Verwesung begriffenen Bestandteilen unserer heimischen 
Laub- und Nadelhölzer gedeiht der Champignon, besonders in Verbindung mit 
Moos und kurzem ('.rase. Jedoch gedeiht der Champignon im Freien nur an 
solchen Stellen, die weder vom Grund-, noch vom Stauwasser belästigt 
werden, also nur da, wo eine massige Feuchtigkeit herrscht. 

Wenn sich nun zunächst die Forstverwaltungen bemühen würden, bei 
Einrichtung von Schonungen in der einfachsten Weise dem Boden Champignon- 



102 Die Gegenwart und Zukunft der deutschen Champignonzucht. 



mycel einzuverleiben, so könnte ein Wald durch eine einmalige Anlage auf 
eine lange Reihe von Jahren durch die Champignonzucht nutzbar gemacht 
werden. 

Auf ähnliche Weise könnte auch der Landwirt hochgelegene, kurzgrasige 
Wiesen doppelt ausnützen, indem er sie in zweckmässiger Weise mit Champignon- 
brut infiziert. Je nach der Witterung würde die Ernte der Champignons 
entweder im April bis Mai oder im September bis Oktober stattfinden, sodass 
die Heuernte nicht darunter leiden würde. Die Kosten zu diesem Beginnen 
sind meinen Berechnungen nach gering, noch dazu, da das dazu verwendete 
Material dem Graswuchs noch zu statten käme. 

Dass man die Champignonzucht mit Spargelanlagen verbinden kann, ist 
nicht mehr neu, denn es wurden vor Jahren im Königreich Sachsen sowie im 
Braunschweigischen damit Versuche angestellt, die auch zum Teil ganz zufrieden- 
stellende Resultate ergeben haben. Es fällt hierbei nur ins Gewicht, dass man 
jedes Jahr genötigt ist, Brut zu legen, da das Pilzmycel durch die Bearbeitung 
der Spargelbeete zerrissen wird. Trotz alledem möchte ich diese Art von 
Freilandkultur für solche Betriebe empfehlen, wo doch jahraus, jahrein Leute 
beschäftigt werden und wo die Brut ohne grosse Umstände herangezogen 
werden kann. 

Ferner möchte ich auch noch für die Champignonkultur im Freien die 
Ausnutzung der mit Obstbäumen bestandenen Grasgärten empfehlen. Wo 
jetzt der Obstbau im Aufschwung begriffen ist, wird der Landmann auch daran 
denken, seine oft recht vernachlässigten Obstbäume in den Grasgärten zu düngen, 
und es würde auch bei dieser Gelegenheit jeder praktisch denkende Landwirt. 
Förster und Gärtner imstande sein, die Kultivierung von Champignons damit 
zu verbinden, zumal in solchen Grasgärten, wo Kühe und Schafe weideten, 
sehr häufig die Champignons schon wild vorkommen. 

Wenn ich mir nun bei den Vorschlägen, die ich nicht etwa aus der Luft 
gegriffen habe, sondern nach den Versuchen in den hiesigen Anlagen (durch 
Auslegen von Brut unter Bäumen, in Strauchpartien, auf Rasenplätzen u. s. w.) 
für ausführbar halte, nicht verhehle, dass man z. B. bei der Anlage in 
Schonungen damit zu rechnen hat, das Mycel eines schon im Boden befind- 
lichen geringwertigen Pilzes könnte die Champignonbrut unterdrücken oder das 
Weidevieh könnte die Champignonernte auf einer Wiese beeinträchtigen, so 
sage ich mir doch, dass man unter bedingten Verhältnissen auch zu über- 
raschenden Resultaten kommen kann. 

Ich will heute von meinen noch nicht abgeschlossenen Versuchen in 
dieser Hinsicht nur hervorheben, dass man das Anpassungsvermögen des 
Mycels dem Nährboden gegenüber in erster Linie in Betracht ziehen muss, 
d. h. man muss Brut in ähnlichem Material heranziehen, worin sie später 
anwachsen und Resultate zeitigen soll. 

Ganz besonders sei diese Anregung Interessenten empfohlen, die im Besitz 
solcher Gelände sind, auf denen Champignons seit Jahren wild vorkommen; 
wenn hier die Natur in ihren Bestrebungen durch den Menschen unterstützt 
wird, so kann auf dem Gebiete der Freiland-Champignonzucht als Mittel 
zur Volksernährung in Zukunft noch viel geleistet werden. 

Berlin, Joachimsth. Gymnasium. H. Amelung. 



hie Verschönerung des Berliner Tiergartens 10^ 



Die Verschönerung des Berliner Tiergartens. 

-cLyja die jetzigen Ausholzungen im Tiergarten in den Tageszeitungen z. T. 
^Z-, abfällig besprochen sind, so erscheint es : cht, das mitzuteilen. 

was im Gehölz- und Obstausschuss des Vereins zur Beförderung 
baues darüber geäussert ist. Allgemein Mar man der Meinung, dass die Aus- 
holzungen höchst zweckmässig seien, dass sie sogar schon viel früher hi 
vorgenommen werden können. Es ist nicht beabsichtigt, aus dem Tiergarten 
einen englischen Park mit grossen Rasenflächen zu schaffen. Das würde 
der langgestreckten Form desselben kaum möglich sein, ohne dann auch die 
umgebenden Häuserreihen mit sichtbar zu machen, was doch vermieden w< i 
muss. Es müssten dann auch viele der schönen Alleen lallen, weh he fast alle 
Fuss- und Fahrwege begleiten. Der Tiergarten soll den Charaktereines Hai 
behalten und durch die jetzigen Ausholzungen soll ihm nur eine günstige 
Zukunft geschaffen werden. 

Im Laufe der Jahre haben sich viele 10 — 12 m hohe Stangen gebildet, 
die einzeln nur wenig Blätter haben, gemeinsam aber doch ein Dach bilden, 
das kein Unterholz autkommen lässt. Infolge dessen hat auch die Zahl der 
Singvögel abgenommen. Es soll frisches Unterholz angepflanzt werden, um 
auch die Vögel zu vermehren. 

Durch das Auslichten kommen andererseits die vielen alten schönen 
bäume mehr zur Geltung; sie sollen künftig besser ernährt, gedüngt und be- 
gossen werden, was bisher nicht möglich war. In die Linken werden gut 
belaubte Gehölze gepflanzt werden, namentlich Rotbuchen. Wo sich blühende 
Sachen eignen, sollen auch diese angebracht werden: bis jetzt mangelt es daran 
im Tiergarten ganz. 

Entschieden wird durch die Ausholzungen auch die Lutt im Tiergarten. 
die an einzelnen Stellen sehr dumpfig ist. verbessert und die Wege werden 
trockener werden, zumal jetzt auch die Gewässer im Tiergarten, seitdem Was 
aus dem Landwehrkanal hineingeleitet ist, ein grösseres Gefälle nach 
Spree haben. 

Wir wollen auch an den Ausspruch des grossen französischen Landschafts- 
gärtners Ed. Andre erinnern, der bezüglich des Tiergartens 1897 sich auch 
für Ausholzung aussprach und scherzhaft hinzufügte: »Pour avoir une ome 
il faut casser des oeufs.« (Siehe Gartfl. 1.897 S. 333.) 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc 

Neue Gemüse-Samen von Dammann & ; Eierfrucht, lange Hom- 



Co. in San Giovanni a Tetluccio bei 
Neapel. 

Nach den Beschreibungen der Züchter. 



Eierfrucht, grüne Campania-. 
Runde grosse Frucht, grün mit weiss, 
ungemein fleisch i-i. 



Frucht länglich, reinweiss mit grün 
gestreift, sehr früh reitend. 

Eierfrucht, runde Riesenbirne von Guadeloupe. 

Früchte reinweiss, mit schön \ iolett 
Längsstreifen, von enormer Grösse 
und sehr vollfleischig. 



io4 



.Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 




Abb. 21. Gurke, persische Trauben-. 

Eierfrucht, Tricolore. 

Sehr grosse, lange, starkfleischige 
Frucht, oben hellgrün, die untere 
Hälfte weiss mit hellviolett gestreift 
und gefleckt; ganz eigenartig. 

Gurke, persische Trauben-. 

Hierzu Abb. 21.) 

Zu den Traubengurken gehörig, 
zeichnet sie sich durch sehr frühe 




Reife aus. indem sie innerhalb fünf 
Wochen vom Tage der Aussaat an 
vollständig gebrauchsfertig ist. Die 
kurzen, 15 — 20 cm langen Früchte sind 
schön rund geformt, dunkelgrün, mit 
braunen Stacheln schwach besetzt. 
Eine höchst schmackhafte und wert- 
volle Art. die in keinem Gemüsegarten 
fehlen sollte. 

Melone Cilento. 

Frucht glatt, mittelrosa, oval, dunkel- 
grün. Fleisch grünlich, fast weiss, 
überaus saftig und süss. Was aber 
diese Melone besonders wertvoll 
macht, ist, dass sie sich an einem 
trockenen Platze monatelang, unter 
günstigen Verhältnissen bis zum Früh- 
jahr aufbewahren lässt. Sie ist ver- 
schieden von der neapolitanischen 
Wintermelone, auch sind ihre Samen 
verschieden von denen irgend einer 
anderen Melonenart. Sehr zu em- 
pfehlen, da sie zudem auch sehr reich 
trägt. 

Melone Abundantia. 

Von allen kultivierten Arten sicher 
die reichtragendste, denn das Land 
scheint buchstäblich mit Früchten 
bedeckt. Die ovalrunde, mittelgrosse, 
gerippte, hellgrüne Frucht besitzt grün- 
liches Fleisch von ausgezeichnetem 
Aroma. Eine der frühesten Melonen, 
daher auch für nördliche Länder zum 
Anbau wärmstens zu empfehlen. 



Abb. 22. Celosia pyramidalis monstrosa. 
Blumen dunkelrot. 



Neue eingeführte Blumensamen. 

Celosia cristata „Rubin". O 

Die Pflanze wird ca. 30 cm hoch, 
ihre edelgeformten Blüten sind lebhaft 
kirschcarmoisin, welche schillernde 
Färbung namentlich im Sonnenschein 
einen bezaubernden Anblick gewährt. 
Gehoben wird diese herrliche Blüte 
noch durch die gleichfarbigen Stiele 
sowie durch die stark ins braun über- 
gehend gefärbten Blätter. 

Celosia pyramidalis monstrosa. G 

(Hierzu Abb. 22.) 

Mit dieser beginnt eine Zwischenart 
der C. cristata und pyramidalis. Ihr 
buschiger Bau gleicht dem der C. py- 
ramidalis, während die Blüten, 
namentlich diejenigen der Haupttriebe, 
sich den cristata-Formen nähern. Die 
Farbe der Blumen ist tiefbraunrot, die 
Blätter dunkelgrün mit mehr oder 
weniger braunrot gefleckt. Die 
Pflanze erreicht die Höhe bis 1V2 m > 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



lo: 



wächst ungemein üppigj ist daher für 
höhere Gruppen von unschätzbarem 
Werte. 

Clinopodium argenteum. 

(Hierzu Abb. 23.) 

Diese für Gruppenpflanzung äusserst 
wertvolle Melisseae verdient einen 
bevorzugten Platz in jedem Blumen- 
garten. Die Ptlanze erreicht eine 
Höhe von 30 cm. Die gegenständigen 
Blätter sind lebhaft grün, schwach 
behaart und ovalrund, in deren Achsen 
die unzähligen reinweissen kleinen 
Blüten sich während des ganzen 
Sommers entfalten. 

Collinsia bicolor rosea. O 
Den bereits existierenden Farben 
der mit Recht so beliebten Collinsia 
lügen wir in diesem Jahre obige bei, 
welche sich durch ihre lebhaft rosa 
Blüten von allen bisher im Handel 
befindlichen Collinsien, wesentlich auch 
noch durch ihre bedeutend grösseren 
Blumen unterscheidet. 

Dianthus laciniatus rubro-striatus. G 
Eine sehr reichblühende Abart von 
20 — 25 cm Höhe. Die weisse Grund- 
farbe der Blumen ist mit lilaroten, 
sehr zahlreichen Streiten versehen. 
Ueberaus effektvoll und eine sehr wert- 
volle Bereicherung des Sortimentes. 

Epilobium hirsutum var. adenocaulum 
(Hausknecht). % 

(Hierzu Abb. 24.) 

Eine prächtige, aus Kleinasien 
stammende Abart; die bis 70 cm hohen 
Pflanzen sind an den Rispen mit leb- 
haft lilaroten Blüten reichlich besetzt. 
Eine sehr dankbare Perenne. 

Eupatorium altissimus L. % U 
Diese sehr widerstandsfähige Perenne 

erreicht eine Höhe bis zu 2 m. Ihre 
zierlichen, bis 8 cm langen, sehr 
schmalen Blätter geben der robusten 
Pflanze ein schönes Aussehen. Die 
Blüten, welche sich den ganzen Sommer 
hindurch unermüdlich erneuern, sind 
reinweiss. 

Eupatorium serotinum Mich. Qj 
Bau. Blüte und die hervorragenden 
Eigenschaften theilt diese Pflanze mit 
der vorhergehenden, nur sind ihre 
Blätter kürzer, in der Form des Eupa- 
torium riparium, jedoch noch bedeutend 
länger und schmäler als die letzt- 
genannte. Für Schnittblumen sind 
beide von unschätzbarem Werte. 







Abb. 2^. Clinopodium argenteum. 
Blumen reinweis. 








Abb. 24. 

Epilobium hirsutum var. adenocaulum Hausknecht. 

Blumen lila rosa. 



io6 



Kleinere Mitteilungen. 



Kleinere Mitteilungen. 



Ktiolls Aluminium -Etiketten. 
(D. R.-G.-M.). 

Hierzu Abbildung 25. 
Bereits seit Jahren arbeitete ich an 
dem Problem, ein für den Gärtner 
passendes Etikett zu finden, da die 
bisher gebräuchlichen mehr Fehler 
als Vorteile besassen. Ilolzetiketten 



Alle diese Nachteile beseitigt das 
von mir nunmehr in den Handel ge- 
gebene Aluminium-Etikett, denn es 
ist vor allen Dingen billig und schön; 
es bleibt silberweiss, da es nicht 
oxydiert; es lässt sich leicht beschreiben; 
die Schrift ist tiefschwarz und ver- 
wittert nicht; es ist infolge des erhaben 




Abb. 25. Aluminium-Etiketten von F. Knoll, Leipzig-Lindenau. 



sind zwar billig, doch ist die Schrift 
bald verwischt, solche von Zink 
oxydieren zu schnell, setzen Belag 
an und sind ebenfalls sehr bald un- 
leserlich. Etiketten von Celluloid 
zerfrieren zumeist im Winter, solche von 
Glas und Porzellan sind zu teuer und 
besonders leicht zerbrechlich, auch 
muss die Inschrift vom Fabrikanten ein- 
geätzt werden, so dass man meist nicht 
die Etiketten-Inschriften auf Lager hat, 
welche benötigt werden. 



gepressten Randes besonders dauer- 
haft und unzerbrechlich; es ist leichter 
als Ilolzetiketten! 

Sie werden bis jetzt in fünf Formen 
angefertigt: No. I, rund, 4,8 cm Durch- 
messer, Xo. II, oval, 6,5 cm Durch- 
messer, No. III, eckig, 6,5 cm lang, 
unten und oben 5 cm breit, No. IV, 
lang, 8.5 cm lang, 2 cm breit, No. V. 
herzförmig, 4.5 cm Durchmesser. 

F. Knoll, Leipzig-Lindenau. 



Kleinere Mitteilungen. 



'"7 



Die Etiketten sind besonders zur Be- 
zeichnung von Rosen und Obstbäumen 
geeignet; für botanische Gärten müssen 
sie grösser sein, was wohl leichl gemachl 
werden kann. 

Dinte nebst Gebrauchsanweisung 
wird beigegeben. Die Etiketten 

sehen sehr sauber aus. L. W. 

Jetzt zu vermehrende feine Schmuckpflanzen 
für Hausdekoration und fürs Freie. 

Je mehr das Frühjahr herannaht, desto 
mehr beginnt das Wachstum in unseren 
Glashäusern. Es ist jetzt in den ersten 
Monaten des Jahres die Zeit zur Ver- 
pflanzung und Vermehrung unserer 
leinen Schmuckpflanzen gekommen, 
welche wir während des Sommers an 
geschützten Orten auch im Freien aus- 
pflanzen resp. aufstellen können. Im 
Folgenden seien einige Winke in dieser 
Hinsicht gegeben. 

In den letzten Jahren haben die 
Croton immer mehr an Beliebtheit 
zugenommen und man hat einsehen 
gelernt, dass wenigstens einige Sorten 
sehr leicht zu kultivieren sind. Herr 
W. A. Taplin, dessen Ausführungen 
im »American Florist« wir hier in 
der Hauptsache folgen, giebt nach- 
stehende Kulturanweisungen. Man 
schneidet die Stecklinge von halb- 
ausgereiftem Holze, steckt sie in ein 
YiTinehrungsbeet, Sand, und hält sie 
auf warmem Fusse geschlossen. Besser 
ist es noch, sie einzeln in zweizöllige 
Töpfe in sandige Cocosfasererde zu 
bringen oder auch mehrere zusammen 
in einen 4 — 5 zölligen Topf. Diese 
Töpfe kommen in den Vermehrungs- 
raum. Man hat hierbei die einzelnen 
Stecklinge besser unter Kontrole und 
es wird ein geringerer Prozentsatz ver- 
loren gehen. 

Will man die Croton recht schnell 
zum Frühjahr heranziehen, so halte 
man die Temperatur während der 
Nacht auf 70 F.. 2 i°C, sorge für feuchte 
Luft und lasse am Tage die Sonne voll 
einwirken. Natürlich müssen die 
Bilanzen nach und nach etwas ab- 
gehärtet werden, ehe man sie zum 
Verkauf bringt, denn sonst sind sie zu 
zart und zu wenig widerstandsfähig. 

Auch A< al y ph en und Sanchezien, 
welche zum Verkauf im Frühjahr oder 
zum Auspflanzen im Sommer heran- 
gezogen weiden sollen, können gleicher- 
weise wie Croton kultiviert werden. 



Bei Acalyphen ist indes eine niedrig 
Temperatur besser, man kann sie etwa 
so behandeln wie man Coleus heran- 
zieht. Von den A.calyphen sind 

A. nuisaii a. tnoolor und marginata 
wohl die brauchbarsten Arten, [hre 
prächtige Färbung und ihr üppige] 
Wuchs machen sie füi grosseBeete sehr 
geeignet und schmuckvoll. 

Auf der letzten Genter Ausstellung 
waren von Sander-Brügge zwei neue 
Ao.ilyphen ausgestellt, A. Sander i- 
ana und l rod seffiana. Erste] e, von 
welcher schon mehrfach in dieser Zeit- 
schrift die Rede war, zeichnet sich 
durch Grösse der Belaubung und 
prächtig rote, lange Blütenähren aus. 
Letztere ist viel kleiner, aber infolge 
der bunten Blattfärbung sehr dekorativ 
und wohl auch deswegen wertvoll, 
weil sie härter als A. Sander i- 
ana ist. Diese soll übrigens weiter 
nichts sein als die alte A. hispida, 
wie in neuerer Zeit gesagt wird, immer- 
hin ist sie sehr interessant. 

Von Sanchezien sind die Arten 
Sanchezia nobilis varieg. und S. 
glaucophylla die besten. Beide 
wachsen willig und haben breite, 
streifte Blätter, sobald das Erdreich 
und die Feuchtigkeit ihnen halbwegs 
zusagten. Stecklinge von jungen Trieben 
wurzeln in sehr kurzer Zeit. Man pflanze 
sie dann gleich in dreizöllige Töpfe, 
da sie das Verpflanzen nicht lieben. 

Auch die immer beliebten Aspi- 
distra (Plectogyne) können jetzt \ei- 
mchrt werden. 1 »ieskannnichl nur durch 
Teilung der beblätterten Rhizome ge- 
schehen, sondern auch durch Rhizome 
ohneBlätter können sie Vermehrtwerden. 
Man schneidet diese in etwa zollange 
Stücke, steckt sie in Töpfe oder Schalen 
in Sand oder sandige Erde, indem man 
sie etwa 1 Zoll hoch bedeckt und stellt 
sie in ein Warmhaus bis das erste Blatl 
treibt, dann werden sie in kleine 1 
gepflanzt und bald zu kleinen, brauch- 
baren Exemplaren heranwachsen. 

Nicht minder wertvoll als die bisher 
genannten Pflanzen sind einige Aralia- 
A.rten zur Dekoration. Zuerst nennen 
wir Aralia Sieboldii. welche Viel- 
fach unter dem Namen Fatsia 
japonica geht. Sowohl die grüne 
tuch die 2 bunten Formen dieser 
Art sind ausgezeichnet für Hauskultur. 
Die grüne Stammform wird bei kühler 



io8 



Aus den Vereinen. 



Anzucht ebenso hart und widerstands- 
fähig wie eine Aspidistra. 

Fatsia (Aralia) papyrifera ähnelt 
der ersteren etwas im Wuchs. Auch 
sie wird durch Aussaat oder Wurzel- 
schnittlinge vermehrt. Diese letztere 
Art ist sehr leicht und empfehlenswert, 
zumal die Pflanzen selten Samen 
bringen. 

Aralia Veitchii und ihre schmal- 
blättrige Form, welche als A. gracil- 
lima bekannt ist. gehören zu den 
schön belaubten Pflanzen für Winter- 
gärten, Fenster u. s. w., allein sie sind 
leider etwas schwierig heranzuziehen, 
ausgenommen durch Veredlung auf 
A. reticulata oder A. Guilfoylei. 



Diese veredelten Pflanzen gelten meist 
als zu langsam wachsend und zu zart 
für den Handelsgärtner, aber A. 
Veitchii ist doch nicht so zart wie 
sie erscheint, ausgenommen, wenn in 
einer sehr hohen Temperatur heran- 
gezogen. Man kann Pflanzen zwei bis 
drei Sommer zur Dekoration von 
Vasen etc. in Hallen u. s. w. ver- 
wenden. 

Pandanus Veitchii und Ficus 
elastica dürfen wir bei der Frühjahrs- 
vermehrung nicht vergessen ; wenn auch 
Stecklinge dieser Pflanzen auch zu 
anderer Jahreszeit wachsen, so ist jetzt 
doch entschieden die geeignetste Zeit 
zur Vermehrung. C. 



Aus den Vereinen. 



Die Kaiserl. Russ. Gartenbau-Ge- 
sellschaft hat am 16./28. Januar den 
Direktor des Kaiserlich botanischen 
Gartens in Petersburg, Se. Excellenz 
Herrn Wirklichen Staatsrat Professor 
Dr. Fischer von Waldheim, zu 
ihrem Vicepräsidenten erwählt. 



Fränkischer Gartenbauverein. 

In der am 10. Dezember 1898 in den 
Zentralsälen abgehaltenen General- 
Versammlung erstattete der erste 
Vereins - Vorstand, Herr Hofrath 
Seuffert, den Jahresbericht über die 
Thätigkeit des Jahres 1898: Es wurden 
zehn Vereinsversammlungen mit Vor- 
trägen aus dem Gebiete der Botanik, 
ßlumistik und Obstkultur abgehalten. 
Durch die stets mit diesen Versamm- 
lungen verbundenen Blumen-Ver- 
losungen gelangten etwa isooblühende 
und Dekorationspflanzen, unter diesen 
auch recht seltene Pflanzenneuheiten, 
in die Hände der Vereinsmitglieder. 
Um der Hauptaufgabe des Vereins, der 
Förderung der unterfränkischen Obst- 
kultur, gerecht zu werden, brachte der 
Vereins-Ausschuss im Frühjahr 1. J. 
203 veredelte Obstbäume an Obstbau- 
vereine und Obstbau treibende Ge- 
meinden Unterfrankens, 3100 Obst- 
wildlinge an unterfränkische Schul- 
gärten, 39 000 Edelreiser der wertvollsten 
und reichtragendsten Obstsorten an 
Obstbauvereine, Gemeinden. Pfarrer. 



Lehrer und Obstproduzenten Unter- 
frankens unentgeltlich zur Verteilung. 
Die überaus reiche Zwetschenernte 
dieses Jahres gab demVereinsausschuss. 
um solche im Interesse unserer Land- 
wirte möglichst nutzbar zu machen, 
willkommenen Anlass, am 24. September 
1. J. in der städtischen Ludwigshalle 
zu Würzburg eine Ausstellung der 
besten, vollkommensten und wert- 
vollsten Zwetschen- Sorten zu veran- 
stalten, um die edelsten und schönsten 
Spielarten der in früheren Jahren 
weithin renommierten und im Handels- 
verkehr sehr begehrten Franken- 
zwetsche kennen zu lernen und solche 
weiter zu verbreiten. Es gelangten 
aus allen Teilen Unterfrankens über 
60 Zwetschen-Sorten, zum Teil von 
vorzüglicher Güte und Vollkommenheit, 
zur Ausstellung und wurden für die 
besten Leistungen durch das Preis- 
gericht 6 Preis-Medaillen nebst Diplom 
zuerkannt. 

Auch in diesem Jahre wurden an- 
fangs Oktober, um den Verkehr mit 
frischem Obste im Interesse der 
Obstproduzenten und Konsumenten 
reger zu gestalten, auf dem Neumünster- 
platz zu Würzburg zwei Obstmärkte 
veranstaltet, welche ungeachtet der 
im ganzen geringen Obsternte mit 
durchgehends schönen Aepfeln und 
Birnen von guten wertvollen Sorten, 
zumeist auch in zweckentsprechender 



Teilungen und Kongresse. 



109 



Verpackung, befahren waren. Im 
ganzen gelangten auf diesen Märkten, 
die sich unverkennbar gul hier ein- 
gebürgert haben, gegen 500 Ztr. zumeist 
schönes Tafelobst zu sein- guten Preisen 
zum Verkauf. I >em Herrn Pfarrer 
Marschall zu Wintersbachj dem 
Begründer der Heidelbeerverwertungs- 
Genossenschaft »Vorspessart«, sowie 
den Herren Lehrern Hellmuth zu 
Wittershausen, Nunn zu Prappach, 
Lehritter zu Reichartshausen und 
Stock zu Sommerau, welche sich in 
hervorragender Weise und in den 
verschiedensten Richtungen um die 
liebung der unterfränkischen Obst- 
kultur verdient gemacht haben, wurden 
von der General - Versammlung auf 
Antrag des Ausschusses Ehrenpreise, 
dem sehr pflichteifrig und erfolgreich 
Baumwart Herrn En n es zu Miinnerstadt 
wirkenden aber eine Ehrengabe von 
zehn Mark bewilligt. Im Verlauf der 
General-Versammlung wurde das durch 
Herrn Stadtgärtner und Anlagenin- 
spektor Sturm in dankenswerterweise 
geordnete und übersichtlich aufgestellte 
Obstkabinett, welches die edelsten und 
wertvollsten fürUnterfranken besonders 
geeigneten Obstsorten in naturgetreuen 
Nachbildungen enthält, von den an- 
wesenden Vereinsmitgliedern besichtigt. 
Die vom Vereinskassierer, Herrn Pri- 
vatier Breiting, vorgelegte Vereins- 
rechnung pro 1898 schliesst ab mit 
2588,21 Mark Einnahmen, 2359.85 Mark 
Ausgaben, sohin mit einem Aktivrest 
von 228,36 Mark. Dem Herrn Vereins- 
kassierer Breiting wurde für seine 
opferwillige Thätigkeit, sodann den 
Herren Kreiswandererlehrern Oekono- 
mierat Schmitt und Albert für ihre 
unermüdliche und pflichteifrige Thätig- 
keit zur Vervollkommnung der unter- 
fränkischen Obstkultur, weiterhin noch 
der verehrlichen Verlosungs- 

kommission für ihre eifrige umsichtige 
und erfolgreiche Thätigkeit der be- 



sondereDank im Namen des fränkischen 
Gartenbauvereins durch den ersten 
Vereins-Vorstand zum Ausdruck 
bi acht. 

Die Wiederwahl des Vereins- Aus- 
schusses, welchem die Herren Ober- 
landesgerichtsrat Wissel und Herr 
Hauptmann a. D. Faulhaber für 
seine seitherige Thätigkeit in warmen 
herzlichen Worten den Dank Namens 
der Vereinsmitglieder zum Ausdruck 
gelangen Hessen, erfolgte du ich 
Akklamation. Mit einem von Herrn 
Hauptmann Faulhaber der Vorstand- 
schaft und dem Vereinsausschuss ge- 
brachten dreimaligen Hoch sei: 
die sehr gut besuchte General -Ver- 
sammlung. 

(Neue Würzburger Zeitung.) 



Vereinigung derMaiblumenzüchter und -Händler. 

Auf Wunsch der Herren J. Hansen- 
Pinneberg und A. Krause-Roitzsch 
berief Herr Gartenbaudirektor G. A. 
Schultz - Lichtenberg - Berlin. als 

I. Vorsitzender der Vereinigung, eine 
Versammlung der Sachverständigen 
für streitige Fälle am 18. Januar 1899 
in Berlin zusammen. 

Es fungierten als solche einerseits: 
die Herren Gartenbaudirektor C. 
Lackn er- Steglitz, Gärtnereibesitzer 
Paul George-Berlin O., Gärtnerei- 
besitzer Franz Goetze - Stralau. 
Andererseits: die Herren Gärtnerei- 
besitzer C. Graf-Petersroda. A.Spiess- 
Roitzsch, W. Berger-Roitzsch. 

Nach längeren Verhandlungen gelang 
es, den verwickelten Fall, dank den 
eifrigen Bemühungen des Herrn Vor- 
sitzenden und denen der Herren Sach- 
verständigen, gütlich beizulegen. Da 
das streitige ' »bjekt ein grösseres war, 
so erzielte die Einigung auch bei den 
streitenden Parteien allgemein'- Be- 
friedigung. 

C. Schwartz-Tempelhof, Schriftführer. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5. 17. 
bis 15. 27. Mai 1899. Anmeldungen bis 
spätestens zum 1. 13. März an Geheim- 



rat Excellenz Prof. Fischer von 
Waldheim, Kaiserl. bot. Garten. Es 
haben schon 120 auswärtige Preisrichter 
ihre Mitwirkung zugesagt. Von neuen 



1 10 



Litteratur. 



Preisen sind folgende hinzugekommen: 

1. EinWertgegenstand von Ihrer Kaiserl. 
Hoheit der Frau Grossfürstin Elisabeth 
Feodorowna (für eine Gruppe Lathyrus 
odoratus oder Theerosen in Blüte). 

2. Desgl. von Ihrer Kaiserl. Hoheit der 
Frau Grossfürstin Alexandra Josephowna 
(für beste Gesamtleistung in Abt. V. 
des Programms). 3. Desgl. von Seiner 
Kaiserl. Hoheit dem Grossfürsten 
Michael Nikolajewitsch (Preisbewer- 
bung noch unbestimmt). 4. Zwei Geld- 
prämien zu je 100 Rubel vom Grafen 
Orloff Dawydoff. 5. Fünf grosse gol- 
dene, drei grosse und zwei kleine sil- 
berne Medaillen vom Ministerium der 
Agrikultur und Reichsdomänen. 6. Vom 
Departement der Apanagen eine gol- 
dene Medaille. 7. Vom Präsidenten 
der Kaiserl. Russ. Gartenbau-Gesell- 
schaft, General Speransky, zwei gold. 
Medaillen. 8. Vom Vicepräsidenten der 
Kaiserl. Russ. Gartenbau-Gesellschaft, 
Fischer von Waldheim, zwei goldene 
und drei silberne Medaillen. 9. Vom 
Dresdener Gartenbau-Verein ein Wert- 
gegenstand im Werte von 120 Mark. 
10. Vom Mitgliede der Gesellschaft, 
Herrn Freundlich, ein Wertgegen- 
im Preise von 150 Rubel (für eine 
Kollektion Theophrasten). 11. Desgl. 
von Herrn Schmölling drei goldene 
und drei silberne Medaillen. 12. F)esgl. 
von Herrn Seetingson eine goldene 
Medaille. 13. Von Herrn Plautin 100 
Rubel. 14. Von Herrn Röderscheidt 
zwei silberne Medaillen. 15. Von Frau 



Andrejeff zwei silberne und zwei 
bronzene Medaillen. 

Wie uns Herr Professor Zacharias- 
Hamburg mitteilt, wird Flerr Wm. 
Minlos- Lübeck am 9. Mai einen 
Dampfer von dort nach Petersburg 
senden, der am 13. — 14 daselbst ein- 
trifft. Fracht pro 50 kg 1.50M. -j- !5% 
sog. »Caylaken« für den Kapitän. 



Antwerpen. Internationale Aus- 
stellung vom 9. — 13. April 1899 zur 
Feier des 3ocjährigen Geburtstages von 
Anton van Dyck. 



Gent. 30. April bis 9. Mai 1899 
grosse internationale Ausstellung der 
Ligue horticole L'Union zu Mont 
St. Amand bei Gent. Das Programm 
ist ausserordentlich umfangreich, gegen 
1000 Aufgaben. 



Dresden. Jubiläums -Ausstellung 
des Landesobstvereins für das König- 
reich Sachsen vom 14. — 19. Oktober. 
Das Programmm ist zu beziehen: 
Gerokstrasse 45. 



London. Internationale Konferenz 
über Bastard- und Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet von der Royal 
Horticultural Society am 11. und 
12. Juli 1899. Anmeldung von Artikeln 
und Pflanzen an W. Wilks, Secretary, 
117 Victoria Street, Westminster SYV. 



Litteratur. 



Die Schädlinge des Gemüse- 
baues und deren Bekämpfung. Ein 
Volksbuch für Gartenfreunde, Gärtner, 
Samenzüchter. Würzkräuter- und Apo- 
thekerptlanzen Anbauende. Von Heinrich 
Freiherr von Schilling. Mit viel- 
farbigen Tafeln nach Aquarellen des 
Verfassers. Frankfurt a. Oder, Verlag 
von Trowitzsch & Sohn, 1898. — 
Preis geb. 2 M., 10 Exemplare 17.50 M., 
30 Exemplare 45 M. 

Seinem bekannten und weitver- 
breiteten Werke: Die Schädlinge des 
Obst- und Weinbaues, hat Freiherr 
von Schilling jetzt als sehr will- 
kommene Ergänzung das oben genannte 



folgen lassen. Durch 77 farbige Ab- 
bildungen hat sich Verfasser bemüht, 
die Schmarotzer auf den ersten Blick 
kenntlich darzustellen, und der Verlags- 
buchhandlung ist es gelungen, durch 
sorgfältige Wiedergabe dieser Absicht 
des Verfassers gerecht zu werden. In 
kurzen Worten giebt Letzterer Be- 
schreibungen der Schmarotzer — fast 
durchweg von Insekten — und ihres 
Vorkommens und fügt jedesmal, was 
dem Praktiker die Hauptsache ist, die 
Mittel zur Bekämpfung hinzu. Es ist 
jedem Gartenfreunde dringend zu 
empfehlen, dieses Buch zu erwerben 
und bei jeder Gelegenheit zu Rate zu 



Eingesandte Preisverzeichnisse. — Personal-Nachrichten. 



l I l 



ziehen; er wird bei Befolgung der 
darin gegebenen Vorschriften sich vor 

manchem Schaden bewahren. 

Dr. Joh. Thiele. 



Verhandlungen der Li. Haupt- 
versammlung des Vereins deuts 

Gartenkünstler vom 31. Juli bis2. August 



zu Köln a. Rh. Mit einem Vortrage des 
Stadtobergärtners Jung: Die öffent- 
lichen Anlagen der Stadt Köln. Sehr 
oswert! 



Kitu-r v. Weinzierl. Zur I 1 
des ameri kan ischen Rotklees. Publ. 
d. K. K. Samenkontrollstation zu Wien. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



C. van der Smissen, Steglitz-Berlin. 
No. 60 Preisliste über Gartengeräte; 
No. öi Samenpreisliste; No. 64 Geor- 
ginenpreisliste; No. 65 Frühjahrs- 
preisliste. — Rivoire pere et fils in 
Lyon. Gemüse, Blumen, Baumschul- 
artikel etc. (m. Abb.). — Ernst Bena ry 
in Erfurt. Hauptverzeichnis über 
dasselbe (m. Abb.). -- Jacob Zopes 
in Fischenich bei Köln. Desgl. 
Dammann & Co. in San Giovanni a 
Teduccio bei Neapel. Desgl. - Metz 
& Co. in Steglitz bei Berlin. Haupt- 
verzeichnis über dasselbe und über 
Baumschulartikel. — Dieselben: Säm e- 
reien etc. für die grossen Kulturen der 
Land- und Forstwirtschaft. — Otto 



Meyer in Tecklenburg bei Lengerich 
i. W.Gemüse, Blumen, Obstbäume etc. 
A. Metz & Co., Berlin, Bülowstr. 
Hauptverzeichnis. — Victor Lagar- 
rique in Murviel bei Beziers 
ikreich). Canna, Chrysanthemum 
und Dahlien. — Vallerand freres in 
Asnieres (Seine) und Tave] -< ».). 

Begonien, Cyclamen, Gloxinien. Canna 
etc. — Walter Siehe in Mersina 
(Turquie d'Asie, Briefe via Marseille!). 
I'i eislistefürWiederverkäufer.Aroideen, 
Galanthus Cilicicus, Sternbergia ma- 
crantha, diverse Neuheiten, Gehölz- 
sämereien, Tafeltrauben. — Billiard 
et Barre in Fontenay-aux-Roses (Seine). 
Canna, Dahlien etc. 



Personal-Nachrichten. 



Gelegentlich des 40jährigen Bestehens 
der königl. bayerischen Gartenbau- 
Gesellschaft ist Herr Geh. Reg.-Rat 
Prof. Dr. Engler, Direktor des königl, 
botanischen Gartens, Berlin, zum Ehren- 
mitglied ernannt, städtischer Garten- 
inspektor Axel Fintelmann - Berlin 
und städtischer Garten dir ektor Ko- 
wallek-Köln zu korrespondierenden 
Mitgliedern. 



Der Veteran der Berliner Gärtner. 
Herr Demmler-Friedrichsfelde, feiert 

am 23. Februar seinen 90. Gebui: 



Charles Joly, Ehren-Vizepräsidenl 

der Soc. nat. d'hort. d. France Paris, 
korrespondierende^ Mitglied des Ver- 
eins zur Beförderung des Gartenbaues, 
ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, 
eine Ehre, die diesem verdienten Manne 
von seinen Freunden schon seit langen 



Jahren gewünscht wurde. Darum ist 
jetzt die Freude um so grösser; es 
wird ein Festessen veranstaltet und 
Herrn Joly ein Fhrengeschenk über- 
reicht. 

Der kgl. wirkliche Rat Max Kolb, 
< »berinspektor am kgl. botanischen 
Garten in München feiert am 19. März 
sein 40jähriges Dienstjubiläum und 
zugleich seine 40jährige Mitgliedschaft 
derbayerischen Gartenbau-! resellschaft 



Henry Leveque de Vilmorin, 
Vizepräsident derSoc. d'hort. deFrance, 
Ehrenmitglied des Vereins zur Be- 
rung des Gartenbaues, ist zum 
Offizier des Merite agricole ernannt. 
Mit Recht sagt Gard. Chron., dass keine 
□ dieser Arl die Achtung, die 
Henry de Vilmorin bereits besitzt. 
not h erhöhen ki">nnen. 



I 12 



Sprechsaal. 



Sprechsaai. 



Frage 1. »Wie kultiviert man 
Fuchsia corymbiflora, damit selbe nicht 
nur zu stattlichen Büschen heran- 
wachsen, sondern auch einen reich- 
lichen Blüthenflor entwickeln?« Ich 
habe schon die verschiedensten Kultur- 
methoden in Anwendung gebracht, aber 
noch ganz wenig Blüten erzielt. 

K. L. in O. Böhmen. 

Antwort. Fuchsia corymbiflora ist 
eine von jenen langblumigen Arten, 
welche ihren Flor gleich F. boliviensis. 
serratifolia u. a. erst am alten aus- 
gereiften Holz entwickeln. Obgleich 
sich nun diese holzigen, strauchartigen 
Sorten durch den Charakter der 
Pflanzen selbst sowie ihrer Blüten- 
bildung in Trauben wegen mehr zur 
Hochstammform eignen, so können 
durch richtige Vorbereitung doch 
buschige Pflanzen erzogen werden. 
Immerhin ist es etwas gewaltsam, sie 
wie die gewöhnlichen Marktfuchsien 
ziehen zu wollen. 

Man pflanze sie in 1 / 2 Rasenerde, 
V2 Lauberde und groben Sand, gebe 
mehr flache als tiefe Gefässe und 
drainiere gut. Einjährige überwinterte 
Pflanzen schneide man bei Beginn des 
Triebes kurz zurück, um möglichst 
viel Triebe von unten zu erhalten; die 
sich zeigenden, schwachen Triebe ent- 
ferne man gänzlich. Diese in nicht 
zu warmen Kasten und nahe dem Licht 
vorzunehmende Anzucht kann durch 
Kubdung unterstützt werden. Noch 
einmal nun verpflanzt, sind die 



Pflanzen immer mehr abzuhärten, bis 
sie gänzlich ins Freie gebracht werden 
können. Kann es geschehen, so gebe 
man ihnen einen möglichst sonnigen 
Platz, etwa jenem entsprechend, welchen 
man Azaleen, Rhododendron gern zur 
guten Knospenbildung reserviert. Dort 
werden sie eingefuttert und die Töpfe 
mit kurzem Dung gedeckt. Ein Ver- 
brennen der Blätter kann nur bei lässig 
abgehärteten Pflanzen vorkommen, bei 
in der Sonne gewachsenen Blättern 
geschieht es nicht. Die langsame 
Triebentwicklung in voller Sonne 
sichert ein Blühen an jeder Spitze; 
jedenfalls ist dasGegenteil, eineschnelle 
Triebbildung, möge sie noch so kräftig 
sein, ohne richtige Reife des Holzes, 
die Ursache ihres unwilligen Blühens. 
Schliesslich sei noch erwähnt, dass 
zu diesem Ausreifen auch die richtige 
Ueberwinterung gehört. Ausser Vege- 
tation sollen die Pflanzen kalt — in 
einem nur eben frostfreien Raum — und 
trocken gehalten werden. G. Kittel. 



Frage 2: Entwickelt Arum palaesti- 
num, syn. sanctum, syn. Richardia 
sancta, während der Blütezeit einen 
schlechten Geruch, wie beispielsweise 
Arum Dracunculus oder andere Arum- 
Arten? 

Antwort: Nur in nächster Nähe ist 
der Geruch etwas unangenehm; bei 
weitem nicht so stark wie A. Dra- 
cunculus. Der Blumen-Ausschuss. 



Tagesordiiiui 



für die 



856. Versammlung des Vereins z. Beförderung d. Gartenbaues i. d. pr. Staaten 

am Donnerstag, den 23- Februar 1899, 6 Uhr, 

im grossen Hörsaal der Königl. landw. Hochschule, Invalidenstrasse 42. 
1. Professor Dr. Carl Müller: Über das Ives'sche Verfahren der Reproduktion von 
Photographien in natürlichen Farben und seine Bedeutung für den Gartenbau. (Mit Demon- 
stration des Chromoskopes). 2. Ausgestellte Gegenstände. 3. Antrag der vereinigten Ausschüsse: 
a) den Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung für Gärtner von 6S00 auf 10000 M. 
zu erhöhen; b) der Kgl. Gärtner-Lehranstalt Potsdam zu ihrem 70 jährigen Jubiläum eine 
Summe von 5ooo M. unter dem Namen „Stipendienfonds des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues" zu überweisen. 4. Vorlage des Programms der grossen Winterblumen-Aus- 
stellung im Februar 1900 im Zoologischen Garten. 5. Verschiedenes. — Mit Rücksicht auf 
die Vorführung farbiger Photographien wird um pünktliches Erscheinen gebeten. 



Die Baumschulen der Herren Jurissen & Sohn 
in Naarden (Holland). 

,,_. Von L. Wittinack. 

m 2. Üsterleiertage, den 11. April 1898, tuhr ich von Amsterdam mit 
einem Zuge der Holländischen Eisenbahngesellschaft nach der südöstlich 
gelegenen Station Naarden-Bussum, zwei Vororten von Amsterdam mit vielen 
Villen, die z. T. von Amsterdamern bewohnt werden. Mich überraschten in den 
Eisenbahnwagen die grossen schönen Photographien, welche die bemerkens- 
wertesten Gegenden, die von der Holländischen Eisenbahngesellschaft berührt 
werden, darstellen und die von den Photographen Brainick & I.eusink in Arn- 
heim angefertigt sind. Da sah man z. B. Alkmar, den Stadtwall zu Amersfoort, 
den Markt zu Xymwegen (Xijmegen), den Park zu Ilet Loo etc. etc. Mag das 
vielleicht auch Reklame der Photographen sein, jedenfalls lässt man sich eine 
derartige belehrende, künstlerisch ausgeführte Reklame gern gefallen. 

Nachdem man in unmittelbarer Nähe von Amsterdam viel Gartenland 
und viele kleine Kanäle passiert, durchschneidet die Bahn den grossen Polder 
>Watergraafsmeer« mit ausgedehnten grünen Wiesentlächen, berührt das 
Städtchen Weesp an der Vecht, wo sich die grossen Gebäude der Kakaofabrik 
des Herrn van Houten befinden, der für seine Angestellten eine grosse schöne 
Parkanlage schaffen wird, fährt weiter durch das eingedeichte ehemalige 
»Xaardener Meer« und ist in 33 Minuten schon in Naarden-Bussum. 

Mein Ziel war die berühmte Baumschule der Herren Jurissen & Sohn 
in Naarden*), die nicht fern von der Station gelegen, und unter der freundlichen 
Führung des Vaters und seiner Söhne konnte ich eingehender dieselbe be- 
sichtigen, wenngleich die Jahreszeit noch zu wenig vorgeschritten war, um die 
Laubgehölze im Blätterschmuck zu schauen. Um so mehr fesselten daher die 
Koniferen und andere immergrüne Gehölze die Aufmerksamkeit. 

Die Baumschule besteht aus drei z.T. etwas weit von einander liegenden 
Teilen und umfasst im Ganzen ca. 50 ha. 

Der Boden ist in der Oberkrume ein humoser. z. T. anmooriger Boden, 
im Untergrund ist bis zu 40 cm Tiefe guter humoser Sand. In der ganzen 
Umgegend von Xaarden lag ursprünglich eine 3 — 4 m hohe Sandschicht über 
dem fruchtbaren Humusboden. Seit 80 — i<><> Jahren hat man angefangen, 
den Sand abzutragen, diesen auf Kanälen nach Amsterdam etc. zu schaffen, wo 
er zu den Hafenbauten u. s. w. verwendet wird, und li.it nach der Abtragung 
ein Land erhalten, so wertvoll, dass es statt früher 300 ^oo fl. jetzt 3000 bis 
3000 fl. pro ha kostet. 

• Die direkte Linie Berlin Rheine— Almelo Hilverssum— Amsterdam berührt auch 
Naarden. Der Zug 10 Ihr abends Berlin, Friedrichstrassc. ist am nächsten Vormittag 9 Uhr 
schon in Naarden. 



"4 



Die Baumschulen der Herren Jurissen & Sohn. 



Die vielen Kanäle erleichtern auch den Betrieb der Baumschule ungemein. 
alles kann per Kahn herbeigeschafft und ebenso damit abgeführt werden. Der 
Boden ist ausserdem leicht zu bearbeiten und leicht rein zu halten. Die niedrige 
Lage und vor allem die Xähe der Zujdersee bewirkt eine grosse Feuchtigkeit, 
namentlich der Luft, und so ist denn das Wachstum der Pflanzen ein höchst 
erfreuliches, wie auch der Graswuchs auf den vielen Wiesen in der Umgegend 
ein sehr üppiger ist. Das Grundwasser steht in 1 — 1V2 m Tiefe. Beim Rigolen 
kommt der Dünger deswegen auf den zweiten Spatenstich, nicht in den kalten 
Untergrund. 

In dem ersten Teil der Baumschule, der am nächsten der Bahn belegen, 
werden besonders die Sortimente gehalten. Hier sah man u. a. eine Picea 
Omorica. die Herr Jurissen aus Potsdam erhalten, Thuja Lobbiana, Picea 
excelsa pendula*), eine hübsche hängende Fichte aus Frankreich, Berberis 
stenophylla Mast. (B. Darwini X empetrifolia), schmalblättrige Berberitze, die 
viel von Landschaftsgärtnern gekauft wird, Chamaecyparis pisifera aurea, 
viel hübscher als plumosa aurea, wundervoll gelb, Thuja occidentalis Hoveyi 
Hort., eine hübsche hellgrüne aufrechte Form, die aber unter Schneedruck 
etwas leidet, Hex aquifolium aurea, sehr schön, oben gelb, unten weiss, I. a. 
bromeliaefolium maculatum, Pinus ayanensis Fisch, (früher Alcockiana Yeitch.), 
unterseits blauweiss. sehr schön, und viele Blutbuchen, die namentlich stark 
nach Deutschland gehen. Linden sind in vielen schönen Exemplaren vor- 
handen und werden u. a. waggonweise nach Deutschland und Dänemark ge- 
schickt. Von Ulmen wird für Alleen viel die von Rinz in Deutschland ge- 
züchtete Ulmus campestris monumentalis begehrt, weil diese nicht so in 
die Breite wächst. Umgekehrt wird Ulmus c. horizontalis sehr breit und finden 
sich zwei Reihen schöner Exemplare nach Herrn Jurissen auf dem Fischmarkt 
in Lüttich, die in 6 m Höhe gepfropft sind und mit ihren breiten, horizontalen 
Kronen den ganzen Platz beschatten. 

Hübsch baut sich Ulmus campestris suberosa pendula, eine hängende Form 
der Korkulme. Die Vermehrung der gewöhnlichen holländischen Ulmen 
erfolgt durch Ableger, die dann eventuell einjährig veredelt werden. 

Sehr gesucht sind jetzt Platanen, die kaum zu haben sind. Sie werden 
durch Stecklinge vermehrt. Auffallend ist auch die Nachfrage nach Pirus 
salicifolia pendula, dem Lieblingsbaum des verstorbenen Hermann Jäger; jähr- 
lich werden ca. 500 Stück verkauft. Vom Kirschlorbeer besitzt Herr Jurissen 
eine kaukasische Varietät, die viel dunkler und breiter ist (Wohl ähnlich wie 
Herrn Späths schipkaensis). Von Herrn Frahm-Elmshorn hat er die neue 
schwarze Blutbuche bezogen, welche die Jurissen sehe grossblätterige aber 
nicht übertreffen soll. 

Von Birnbäumen wird eine holländische Lokalsorte, die Dirkjes Birne, 
sehr viel herangezogen; sie reift im August und September, ist eine gute Koch- 
birne und bildet sehr gesunde, schöne Bäume, die in der Baumschule im Alter von 
5 — 7 Jahren schon 12 — 16 cm Umfang erreichen und viel von der ländlichen 
Bevölkerung gekauft werden. Auch mehrere Hunderte Birnen in feinen Sorten, 
ebenfalls von 12 — 16 cm Stammumfang stehen als Prachtbäume abgebbar da. 



*) Ob identisch mit der von L. Späth angebotenen Picea excelsa pendula major.' 

L. W. 



Die Baumschulen der Herren Jurissen & Sohn. ! , r 

Zur Zwischenveredelung benutzt man besonders die St. Nicolasbirne, auch 
die normannische Ciderbirne, doch ist letztere nicht so <rut. Zwischen- 
veredelungen wendet man an bei Jägerbirnc. bunte Juliusbirne, Winterdechants- 
birne etc. 

Ann Kirschen ist die Köstliche von Erfurt in tragbaren starken 
Pyramiden viel vorhanden. Diese Sorte ist spätreifend und von J. C. Schmid t- 
Erfurt sehr empfohlen. 

Für Friedhöfe sind hängende Prunus Mahaleb pendula, Salix vitellina 
pendula u. a. sehr zu empfehlen. 

Vor dem Verlassen des ersten Teils der Baumschule besichtigen wir 
noch einen höchst zweckmässigen Schuppen, der, trotzdem er 20 m lang und 
5 m breit ist. nicht mehr als ca. 800 M. kostet. Das Gerippe besteht aus 
starken Pfosten, die Wände sind aus einem Rohrgeflecht, das mit Gips be- 
worfen ist, das Dach ist aus Rohr. An den Seiten sind einige Fenster, so dass 
es im Innern sehr hell ist. Die Rohrwand und das Rohrdach bewirken, dass 
der Raum im Winter nicht zu kalt, im Sommer nicht zu warm wird. 

Der zweite Teil der Baumschule enthält Obst- und Zierbäume. Ein Teil 
der Birnbäume war nicht okuliert, sondern auf den Wurzelhals gepfropft; man 
thut das dann, wenn die Unterlage schon sehr stark ist. Die Kirschen waren 
schon vor vier Wochen gepfropft, also schon in der 1. Hälfte des März. So 
früh könnte man das bei uns nicht machen. Der Wuchs der Kirschbäume ist 
ausserordentlich; Bäume, die vor zwei Jahren einjährige Veredelungen waren, 
sind jetzt 3'/ 3 m hoch. Der Boden ist auch so fruchtbar, dass man bei Wiesen- 
acker, (wenn umgebrochene Wiesen benutzt werden), die ersten 4— 6 Jahre gar 
keinen Dünger braucht. Ebenso üppig wachsen die Ulmen. Wenn diese an 
der Basis abgeschnitten werden, machen sie Triebe bis 4 m; dies gilt von der 
sogenannten holländischen, grossblätterigen Ulme. Ähnlicher Wuchs herrscht 
bei den Pappeln, von denen namentlich die canadische viel gepflanzt wird. 
Pappelholz ist in Holland sehr gesucht, es dient zu Kisten, zur Bekleidung der 
Wände in den Häusern und besonders zu Ilolzsc huhen. Besonders viele 
Pappeln finden sich in den Provinzen Nord-Brabant und Zeeland, in 20 Jahren 
erreicht eine Pappel einen Wert von ca. 25 Gulden. 

Der dritte Teil der Baumschule beherbergt besonders die Koniferen. 

Wir sehen schöne Nordmannstannen und viele junge Pseudotsuga 
Douglasii, die für die Forsten verlangt werden. Sehr schön ist eine bunt- 
blätterige Form von Chamaecyparis Lawsoniana, welche nach Dr. Wester- 
mann als var. Westermanni bezeichnet wird; selbst die Triebe sind panachiert. 
Dass Araucaria imbricata meist, wenn auch nicht immer, im Freien aushält, 
darf in Holland vielleicht nicht Wunder nehmen. Picea excelsa aurea wird 
im Sommer grün, ist aber im Winter schön goldgelb und verdient daher in 
der Xähe der Wohnungen einen Platz. 

Von Laubgehölzen seien noch hervorgehoben: der hängende Maulbeer- 
baum, Morus alba pendula, neu; Prunus Pissardi als Pyramiden gezogen, Blut- 
buchen desgleichen, Tilia euchlora, von der einige sehr starke kürzlich nach 
Wiesbaden geliefert, und Prunus cerasus globosa Späth, eine herrliche 
Ku.uelform, die man in kleinen Städten Sachsens sogar als Alleebäume benutzt, 
Prunus pumila pendula etc. Von hochstämmigen Kirschen sahen wir sehr 
schöne einjährige Veredelungen mit vier Asten. 



1 i (3 Obstbau und Obsthandel in England. 



Noch vieles wäre zu sehen gewesen, doch die Zeit drängte und wir 
eilten nach Hause. Der Weg führte über eine höchst originelle Drehbrücke, 
wie sie vielfach bei kleineren Kanälen benutzt werden. Ein Brett ist auf einer 
Seite mit zwei Sandkästen beschwert und stellt sich dadurch wie eine Wippe 
hoch, so dass die Schiffe vorbeigehen können; will eine Fussgänger das Brett 
als Brücke benutzen, so wird es heruntergezogen und herumgedreht. 



Obstbau und Obsthandel in England. 

Vom Landwirtschaftlichen Sachverständigen bei der Kaiserlichen Botschaft in London. 
rz^c^ (Veröffentlicht in den Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft.; 

4LS))as britische Ackerbau-Ministerium giebt in seinen jährlichen »Agricultural 
\^£~> Returns« u. a. auch eine Statistik über die Ausdehnung sowie Abnahme 
oder Vermehrung der Obstgärten von Grossbritannien. Die Statistik ist, wie 
das Ministerium selbst dazu bemerkt, nicht ganz sicher. Sie teilt die zum Obstbau 
benutzten Ländereien seit dem Jahre 1888 ein in »orchards«, d. h. mit Obst- 
bäumen bepflanzte Gärten, und in »acreage under small fruit", d. h. Flächen, 
welche der Zucht von Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und anderen 
kleinen Früchten dienen. Weil aber häufig Ländereien mit beiden Obst- 
Gattungen zusammen bepflanzt sind, so erscheinen sie, soweit das der Fall ist. 
in beiden Abteilungen. Ausserdem waren bei früheren Schätzungen Irrtümer 
in der Bezeichnung und Unterbringung der verschiedenen Fruchtsorten unter 
die beiden erwähnten Arten vorgekommen. Dieser Umstand hatte bedeutende 
Berichtigungen in den letzten »Returns« für 1897 gegenüber denen der früheren 
Jahre nötig gemacht und mit dazu beigetragen, die angegebene Fläche für 
kleinere Früchte im Jahre 1897 um mehr als 6000 Acker*) zu verringern. Die 
Abnahme ist aber, wie ausdrücklich dazu bemerkt wird, nicht allein auf 
Rechnung dieser Berichtigungen zu schreiben. Es hat vielmehr an einzelnen 
Orten auch eine wirkliche Abnahme im Anbau der kleineren Fruchtsorten 
stattgefunden. Diese wirkliche Abnahme wird dem Wettbewerb der von den 
Kanal-Inseln und anderswoher eingeführten Früchte zugeschrieben. 

Diese Erörterungen schienen nötig, um den Wert der nachstehenden 
Zahlen über die Ausdehnung des Obstbaues in Grossbritannien in das richtige 
Licht zu stellen. Es sind zunächst die Baum-Obst-Gärten und dann die Gärten 
für kleinere Früchte zu besprechen. 

Die Obstgärten (orchards) von Grossbritannien zeigen seit den letzten 
20 — 25 Jahren eine fast ununterbrochene, wenn auch zuletzt eine langsame Zu- 
nahme. Ihre Gesamtfläche betrug im Jahre 1875 155 000 Acker, im Jahre 1S97 
aber 224116 Acker. Die Zunahme der letzten Jahre ergiebt sich ausfolgenden 
Ziffern, welche die Gesamtfläche der Obstgärten in den Jahren 1891 — 1897 
zeigen: 



1891 


209 996 Acker, 


1892 


208 950 » 


1893 


2 1 1 664 » 


1894 


214 187 



1895 


218 428 Acker, 


1896 


221 254 » 


1807 


224 1 16 » 



1 acre (Acker) = 40,45 Ar. 



Obstbau und Obsthandel in England. 



"7 



Dir Fläche verteilt sich au! England, Wales und Schottland in den 

genannten Jahren in folgendem Verhältnisse: 



1S91 1892 1S93 1894 



1896 



1897 



England. . 


204530 


203 .-- J " 


200314 


-'•■X 82 1 


2 l _' 963 


2 15 642 


3l8 3Ö1 


Wales . . . 


3 539 


3509 


3 429 


3 509 




3 677 


3 7"7 


Sch» ittland . . 


1 927 


1 921 


1 921 


1 857 


1 901 


1935 


2 I4S 



England hat hiernach bei weitem den grössten Anteil an der Obstgarten- 
fläche Grossbritanniens. Es zeigt sich gleichzeitig auch die stärkste Zunahme 
desselben. Dies erklärt sich aus Boden und Klima. Der weitaus grösste Teil 
der Obstgärten liegt im Süden und Südwesten von England, d. h. denjenigen 
Grafschaften, deren Klima dem Obstbau am günstigsten ist. Dies ergiebt sich 
aus der nachstehenden Übersicht, welche 12 Grafschaften Englands mit den 
grössten Obstgartenflächen aufzählt: 

1 896. 

26944 
36 347 
- , 4M S " 
24 093 
20 165 

13 724 
5 096 

4830 

4 593 

4 530 

3 9V 

3 535 

Diese 12 Grafschaften enthalten zusammen 10.8637 Acker oder dreiviertel 
der Gesamt-Obstgartenfläche von England. Mit Ausnahme von Kent, dem s. g. 
Garten von England im Südosten und von Middlesex bei London, liegen sie 
sämtlich dicht beieinander im westlichen England. Von ihnen weisen nur zwei. 
Cornwall und Dorset, im letzten J2hre keine Zunahme auf. 

Es darf nicht angenommen werden, dass alle als »Obstgärten« bezeichneten 
Flächen diesen Namen verdienen und wirkliche Obstgärten sind. Es wird 
selbst in der amtlichen Statistik dazu alles »pflügbare oder unter Gras Liegende 
Land« gerechnet, welches Obstbäume irgend welcher Art trägt, daneben aber 
oder sogar hauptsächlich für andere landwirtschaftliche Zwecke gebraucht wird. 
In den meisten Fällen handelt es sich nur um Weideland, das mit Apfel- oder 
Birnbäumen bepflanzt ist, welche mehr oder weniger sich selbst überlassen 
bleiben und keine aufmerksame Fliege erhalten. Von den 318000 Acker Obst- 
gärten« in England bestehen volle 170000 aus solchem Weide- und Grasland. 
Auch diese Einschränkung lässt nicht die Verwahrlosung voll ersehen, in 
welcher sich ein grosser Teil der Obstbäume auf diesen Grasländereien befindet. 
Das englische Ackerbau-Ministerium hat eine eingehende Prüfung der gej 
wältigen Lage des Obstbaues in England angestellt und in der letzten Nummer 
seines »Journal« zum ersten Male unter dem Titel »english orchards eine amt- 



Grafschaft: 


1897. 


Devon . . . 


27 093 


Hereford . . . 


26 392 


Sommerset . . 


24 732 


Kent .... 


24 2 1 1 


Worcester . . . 


20 568 


Gloucester . . 


18 920 


Cornwall . . 


5074 


Middlesex . . 


4 895 


Salop . . . 


4699 


Dorset . . . 


4 392 


Munmouth . . 


4 1 2 


Wilts .... 


• 3 649 



iSm7 verglich 


en mit 1896. 


Zunahme. 


Abnahme. 


149 


— 


45 


— 


343 


— 


1 l8 


— 


4" 3 


— 


L96 


— 


— 


a 


65 


— 


106 


— 


— 


138 


35 


— 


04 


— 



Il8 Obstbau und Obsthandel in England. 

liehe Veröffentlichung darüber veranlasst. Leider ist bisher nur ein Teil der 
Ergebnisse der bezüglichen Untersuchungen in dem genannten ».Journal« ver- 
öffentlicht. Die bisherigen Mitteilungen über den Zustand der Obstgärten sind 
aber schon von grossem Interesse. 

Der Bericht des Ackerbau-Ministeriums beginnt mit der Feststellung, dass 
ein grosser Teil der Gras-Obstgärten nicht die Hälfte der erzielbaren Früchte 
trägt und dass ein grosser Teil des Obstes selbst von gewöhnlicher, sogar 
dürftiger Beschaffenheit ist. Es wird dabei ausdrücklich hervorgehoben, dass 
dieses Urteil für den grösseren Teil sämtlicher s. g. Gras-Obstgärten, sowohl 
im Osten wie im Westen, gilt und dass die einzige Rettung in der Vernichtung 
der alten Bäume und ihrer Ersetzung durch neue und gute Sorten bestehen würde. 

Zunächst ist bei Anlage von Obstgärten in der Auswahl der richtigen 
Obstbäume und Obstsorten viel versehen. Trotz vieler Bemühungen, hierin 
einen Fortschritt herbeizuführen, hält der englische Farmer an der »guten 
alten Methode« fest und bequemt sich nicht zur Annahme »unpraktischer 
Erfindungen der Neuzeit«, wie er sie nennt. Selbst die erdrückende Einfuhr 
von Obst aus den Vereinigten Staaten und Kanada hatten ihn nicht zu grösserer 
Rührigkeit anspornen können. 

Ferner ist aus »Unwissenheit und Nachlässigkeit«, wie der Bericht sagt, 
viel beim Pflanzen der Bäume und noch mehr bei ihrer späteren Pflege gesündigt 
worden. Junge Bäume werden beim Umpflanzen oft und zu lange ausserhalb 
der Erde gelassen. Ihre Wurzeln werden nicht richtig behandelt. Die Löcher, 
in welche sie gepflanzt werden sollen, sind zu klein, zu flach oder zu tief. Der 
junge Baum hat daher von Haus aus kein gesundes Wachstum und ist den 
Angriffen der Feinde, schädlicher Insekten und Schwämme, mehr als nötig aus- 
gesetzt. Dann ist er nicht genügend gegen das um ihn herum weidende Vieh 
und die Kaninchen geschützt, oder, selbst wenn er geschützt ist, mit Draht und 
Stricken so fest an die schützenden Pfähle gebunden worden, dass seine Rinde 
darunter leidet. In einem gewöhnlichen Garten ist selten ein Baum zu finden, 
der nicht Zeichen dieser schlechten Behandlung an sich trägt. Die Einschnitte 
der Drähte haben zu Schwellungen der Rinde Anlass gegeben, welche nach 
dem Bericht des Ackerbau-Ministeriums zu Herden der Nectria ditissima und 
Schhizoneura lanigera geworden sind. Eine regelmässige Düngung der Bäume 
findet in den Durchschnitts-Gärten überhaupt nicht statt. Sie wird sogar noch 
immer vielfach für ganz überflüssig gehalten. Das Gras wächst bis an den 
Stamm der Bäume und entzieht ihren Wurzeln die Düngestoffe und die Feuchtig- 
keit. Ebensowenig Aufmerksamkeit wird der regelmässigen Beschneidung der 
Bäume gewidmet. Ein sogenannter englischer Obstgarten macht daher im 
Durchschnitt einen mehr oder minder verwahrlosten Eindruck. Der Bericht 
des Ministeriums bedauert daher mit Recht den »beklagenswerten Zustand einer 
grossen Zahl englischer Obstgärten.» 

Über die Gärten mit »small fruit«, d. h. die mit kleineren Gartenfrüchten 
bebauten Grundstücke, äussert sich der bisher veröffentlichte Teil des Berichts 
noch nicht. Die Ausdehnung der den kleineren Früchten gewidmeten Flächen 
ist nach der amtlichen Statistik in den Jahren 1S93— 1897 folgende gewesen: 

1896 76 245 Acker, 

1897 69794 



1893 


59 694 Acker, 


1894 


62 457 » 


1 895 


68 122 



Obstbau und Obsthandd in England. i ig 



Die teils scheinbare, teils wirkliche Abnahme dieser Flachen ist bereits 
im Eingang besprochen worden. Im allgemeinen möge bemerkt werden, dass 
den festländischen Reisenden die geringe Aufmerksamkeit und Pflege bei de] 
Zucht dieser Gartenfrüchte, selbst für den privaten Gebrauch, befremdet. 
Diese Vernachlässigung erscheint noch wunderbarer, wenn dabei der absatz- 
fähige Markt in Betracht gezogen wird, den das reiche England fast überall, 
selbst in scheinbar entlegenen Bezirken, bietet. Aber Obststräucher, Pflanzen 
und Beete befinden sich meist in einer völlig urzuständlichen Verfassung, was 
die Auswahl der Fruchtsorten, wie auch die Haltung und das Aussehen der 
Pflanzungen betrifft. Die llimbeer-, Johannisbeer- und Stachelbeer-Sträuch<i 
sind verwahrlost, unbeschnitten, der Boden um sie herum ist, wenn er überhaupt 
bearbeitet ist, nicht aus Rücksicht auf die Sträucher bearbeitet worden, sondern für 
andere Gartenzwecke. Die Erdbeerbeete sind ungehackt, hart und von Unkraut so 
überwachsen, dass die Früchte nicht Luft noch Licht erhalten. Kurz, es drängt 
sich dem Beschauer sofort der Eindruck auf, dass es dem Durchschnitts-Farmer 
in England fern liegt, aus der Obstzucht einen Erwerbszweig zu machen. 

Natürlich befinden sich nicht alle Fruchtgärten in dem geschilderten, 
beklagenswerten Zustande. Die guten sind aber in der Minderheit, und nur 
selten sieht man Gärten, die eine dauernde aufmerksame Pflege und die Absicht 
verraten, mit dem Anbau und dem Verkauf von Obst Geschäfte zu machen. 
Namentlich sind es die schwarzen Johannisbeeren, die für den englischen Markt 
gebaut werden und leicht Absatz finden. Der Verbrauch dieser Beeren in 
gekochtem Zustande ist hier sehr bedeutend. Die Beeren werden als Kompot, 
in Kuchen u. s. w. in grossen Massen genossen. Man kann fast sagen, dass 
man die guten, planmässig bebauten und betriebenen Obstgärten sofort an ihrer 
regelmässigen Bepflanzung mit Johannisbeersträuchern erkennt. Sie sind meisl 
reihenweise unter die höheren Fruchtbäume gepflanzt, machen das Gras über- 
flüssig und gewähren die Möglichkeit einer besseren Bearbeitung des Bodens 
auch zum Vorteil der höheren- Fruchtbäume. 

Die Zucht von edlem, an Mauern und Spalieren gezogenem Obst, wie 
Pfirsichen, Weintrauben u. s. w.. ist fast noch mehr vernachlässigt wie die der 
gewöhnlichen Obstsorten. Von den Luxus-Obstgärten der reichen Landeigen- 
tümer oder Gross-Kapitalisten, die ihre Landhäuser damit umgeben, soll hier 
nicht die Rede sein. In ihnen werden die Früchte hauptsächlich für den eigenen 
Bedarf gezogen und kommen nicht auf den Markt. Jene Vernachlässigung muss 
auffallen. Der englische Markt -- der Markt Londons mit seinen o Millionen 
Abnehmern und derjenige der andern grossen Städte Englands ist ungeheuer 
aufnahmefähig! ' Die Preise, welche dort willig für Obst gezahlt werden, sind 
ganz unverhältnismässig hoch. Ein essbarer Apfel ist auf dem Londoner Markt 
nicht unter 1 — 2 Silbergroschen (1—2 d) zu haben, eine gute Hirne nicht unter 
3—4 Silbergroschen. Und doch sind es fast ohne Ausnahme eingeführte Früchte, 
die man dort kauft. Englisches Obst ist auf dem Markt überhaupt nicht oder 
doch nur für Kochzwecke zu haben. Nichts ist schwerer, als auf dem Markt 
in London einen essbaren englischen Apfel oder eine gute englische Birne zu 
finden. Fs ist sogar schwer, sie in dem vFruchtgarten vor. England . im 
Herzen von Kent, zu kaufen. 

Der Durchschnitts-Farmer hat wenig Sinn und Verständnis für gutes Obsl 
und kann sich noch weniger in den Geschmack des Städters, der jeden Preis 



1 20 ' Obstbau und Obsthandel in England. 

dafür zu zahlen bereit sein würde, hineindenken. Er kennt weder die outen 
Obstsorten, noch kümmert er sich um den Zustand, in welchem das Obst zu 
Markte kommt. Es wird in der sorglosesten Weise von den Bäumen genommen, 
geschüttelt, abgeschlagen. Es wird unsortiert und schlecht verpackt auf den 
Markt geschickt, um dort zu irgend einem Preise verkauft zu werden. Es ist 
daher sehr natürlich, wenn sich das englische Obst neben dem sorgfältig aus- 
gesuchten und verpackten Obst aus Frankreich, den Vereinigten Staaten oder 
den Kolonien nicht behaupten kann. Es ist daher im allgemeinen nur für Koch- 
zwecke oder für billigen Verkauf an die ärmere Stadtbevölkerung verwendbar. 

Der Farmer hat aber auch hier eine Entschuldigung. Selbst wenn er 
den Obstbau mehr pflegen wollte, so würde es für ihn ein gefährliches Unter- 
nehmen sein, die ersten grossen Ausgaben dafür zu machen. Sein Pacht- 
vertrag giebt ihm nicht die Sicherheit, dass er diese Auslagen verzinsen oder 
wieder erhalten kann. Der grösste Teil der Pachtverträge in England läuft nur 
von Jahr zu Jahr. Der Grundeigentümer kann die Farm stets mit einjähriger 
Kündigung zurückfordern. Die Wiedererstattung der Auslagen für Ver- 
besserungen bei der Rückgabe der Farm findet nur nach einem sehr bescheidenen 
Massstabe statt. Der Farmer wagt es daher nicht, grössere und kostbare Anlagen 
zu machen, zumal in einer Zeit, in der sein Kapital infolge des langjährigen 
Darniederliegens der Landwirtschaft sehr vermindert ist. 

Ein ferneres Hindernis für die Ausdehnung des Obstbaues in England ist 
der unentwickelte Zustand derjenigen Industrien, welche die Präservierung 
des Obstes in dieser oder jener Form zum Gegenstand haben. Allerdings ist 
hier in gewissem Sinn die Wirkung auch die Ursache. Der mangelhafte 
Zustand des Obstbaues hat es zu einer lohnenden Industrie für Verarbeitung 
von Obst nicht kommen lassen. Die früher blühende »Cider«-Industrie ist 
beispielsweise zurückgegangen, weil die englische Obstzucht ihr nicht mehr 
die richtigen Sorten von Äpfeln und Birnen liefern konnte. Thatsache ist aber 
doch, dass das Fehlen der Gelegenheit, den Überschuss von Obst in guten 
Obstjahren durch Trocknen. Einkochen u. a. zu verwerten, dazu beigetragen 
hat. die Farmer von der Ausdehnung der Obstzucht abzuhalten. Die Obst- 
preise sind in solchen Jahren in Ermangelung anderweiter Verwertbarkeit so 
gedrückt worden, dass es sich nicht bezahlt machte, das Obst von den Bäumen 
zu nehmen. Die Royal Agricultural-, sowie die Royal Horticultural-Society 
haben sich zwar sehr bemüht, in dieser Beziehung Hilfe zu schaffen und 
Anregung sowohl zum Trocknen der Früchte nach neuem Verfahren als auch 
zum Einmachen derselben zu geben. Indes ist trotz der in dieser Beziehung 
gemachten Fortschritte das bekannte Wort Gladstones, dass der englische 
Farmer in seiner Not zur Herstellung von »jams«, zum Einmachen von Früchten, 
übergehen müsse, bisher in ausgedehntem Umfange noch nicht befolgt worden, 
obgleich die billigen Zuckerpreise England in den Stand setzen sollten, diese 
Industrie mit Erfolg zu betreiben. Dieser letztere Umstand ist sogar wieder- 
holt als der englischen Industrie zu gute kommend hervorgehoben worden. 
In dem Journal des »Board of Agriculture« vom Dezember 1894 wird beispiels- 
weise zur Hebung der Obstzucht in England die Gründung von Jams-Fabriken 
in den hauptsächlichsten Obstbezirken Englands vorgeschlagen und dabei 
bemerkt, dass die Entwicklung der wichtigen Industrie der Fruchtpräservierung 
in Form von eins,emachten oder getrockneten Früchten der Ausdehnung des 



Obstbau und Obsthandel in England. I 2 i 

Obstbaues Vorschub Leisten müsse, »wenn der Zucker weiter so billig bliebe 
wie jetzt«. Es wird dann hinzugefügt, »dass die Billigkeil des Zuckers in 
England den Wettbewerb aller andern Länder in der Einmachung von Früchten 
beeinträchtigen, wenn nicht ganz verhindern und die britischen Hersteller in 
den Stand setzen müsse, ihre Ausfuhr darin bedeutend auszudehnen. Ein Jahr 
später heisst es in demselben Journal vom Dezember 1895, dass die britischen 
Obstzüchter infolge der Billigkeit des Zuckers einen grossen Vorteil in der 
Einmachung von Früchten vor allen anderen Wettbewerbsländern hätten und 
diesen Vorteil wahrnehmen sollten. 

Dass der Handel mit den in dieser Weise verarbeiteten Früchten trotz 
der Billigkeit des Zuckers sich noch nicht sehr entwickelt hat, beweisen die 
englischen Ausfuhrlisten. In ihnen wird dieser Ausfuhrzweig noch gar nicht 
besonders aufgeführt, sondern einbegriffen in die Gruppe pickles, preserved 
fruits, confectionary etc., und diese zeigt eine zwar regelmässige, aber doch nicht 
sehr schnelle Zunahme von 1 102 000 £ im Jahre 1893 auf 1319000 £ imjahre 1897. 

Über das Trocknen von Obst äussert sich das Journal des »Board of 
Agriculture« vom Dezember 1895 ebenso kurz wie bestimmt, dass in dieser 
Beziehung bisher in Grossbritannien noch nichts gethan worden sei. Dieses 
Urteil gilt auch noch heute. Zwar hat sich auch in dieser Beziehung die 
Royal Agricultural-Society bemüht, die englischen Farmer zu erziehen. Auf 
der landwirtschaftlichen Ausstellung der genannten Gesellschaft im 
Jahre 1896 in Leicester hielt Flerr Dr. Voelker, ein Beamter der Gesellschaft. 
Vorlesungen über die in Deutschland angewandten Trocknungsverfahren bei 
gleichzeitiger Erklärung der dazu benutzten Trockengeräte. Irgendwelche 
bemerkbare Fortschritte hat aber die Obsttrocknung noch nicht gemacht. 

Endlich werden auch die Eisenbahngebühren für Obst in England dafür 
verantwortlich gemacht, dass der Obstbau keinen grösseren Umfang angenommen. 
Es wäre indes die Aufgabe der Farmer gewesen, durch erhöhten Obstbau und 
die Fähigkeit, den englischen Markt zu versorgen, eine Tarifherabsetzun^ 
herbeizuführen. Unter diesen Umständen ist es dem fremden Obst leicht 
gelungen, sich auf dem englischen Markte einzubürgern; beteiligt daran sind 
vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Australien, Tasmanien. 
Sie haben die Grosshandelspreise auf diesen Plätzen für bestimmte Obstsorten 
derartig gedrückt, dass ein Wettbewerb der entsprechenden englischen Obst- 
sorten auf ihnen kaum noch möglich erscheint. Die englische Ware sieht 
sich, wie auch bei Butter und Fleisch, auf die kleinen Märkte, zu denen die 
Einfuhrware noch nicht gedrungen ist, beschränkt. So werden aus den 
besseren Obstgärten von Kent, die vor den Thoren Londons liegen, gute Apfel 
und Birnen statt nach London nach Schottland und anderwärtshin geschickt. 
Eine allgemeine Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für diese Obstsorten würde 
unter solchen Verhältnissen dem fremden Obst noch mehr zu statten kommen als 
dem heimischen und es ihm ermöglichen, auch von denjenigen Märkten Besitz zu 
ergreifen, welche bisher noch einen Sonderbesitz des englischen Obstes bildeten. 

Aus dieser Bemcrkun- darf nichl entnommen werden, dass das fremde 
Obst auf dem Londoner Markt zahlenmässig billiger als das englische Obst ist. 
Das Gegenteil ist der Fall. Im Jahre 1896 hatten beispielsweise eingeführte 
Äpfel mit einem Durchschnittspreise von über 5 sh für den bushel fast den 
doppelten Preis als englische Äpfel mit etwa .»' _. bis 3 sh. Sie waren aber ver- 



122 



Obstbau und Obsthandel in England. 



hältnismässig billiger als die englischen Äpfel; denn bei ihnen handelte es sich 
stets um sortierte und wohlverpackte gute Waare. während das englische Obst 
unsortiert, unausgesucht und unverpackt auf den Markt kam und daher mit 
jedem Preise zufrieden sein musste. 

Was nun die Höhe der Einfuhr fremden Obstes nach England betrifft, so 
geben die Einfuhrlisten leider keine genaue Auskunft über die verschiedenen 
eingeführten Obstsorten. Sie unterscheiden unter rohem Obst nur Äpfel, Birnen, 
Kirschen, Pflaumen, Weintrauben, Zitronen, Orangen und Xüsse. Alle übrigen 
Fruchtsorten, wie z. B. Erdbeeren. Himbeeren und dgl., erscheinen zusammen 
unter dem allgemeinen Titel »unenumerated«. Die einzelnen Sorten sind nicht 
aufgeführt. Neben dem rohen Obst wird ferner noch unterschieden: 1. ein- 
geführtes »getrocknetes« Obst, 2. ohne Zucker preserviertes, aber nicht ge- 
trocknetes Obst, und 3. mit Zucker behandeltes Obst. Soweit die Arten von 
rohem Obst einzeln aufgelührt und ihre Ursprungsländer angegeben sind, lässt 
sich eine Verschiedenheit in Zufuhren erkennen, je nachdem sie aus den Ver- 
einigten Staaten und Kolonien kommen, oder aus den Ländern des europäischen 
Festlandes. Es wiederholen sich auch hier aus denselben mehr oder weniger 
ausgesprochenen Gründen dieselben Erscheinungen, auf welche bereits bei der 
Besprechung der Einfuhren anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse aufmerksam 
gemacht wurde. Die Einfuhren von Äpfeln beispielsweise, welche aus denKolonien 
kommen, zeigen einesehr starkeZunahme, während diejenigen ausden europäischen 
Nachbarländern abnehmen. Die Einfuhr von Birnen weisen eine ähnliche Entwick- 
lung auf. Birnen sind jedoch ein feineres, empfindlicheres Obst. Ihre Einfuhr hat 
sich daher noch nicht so bedeutend entwickelt wie diejenige der härteren 
Äpfel. Es treten bei ihr die angeführten charakteristischen Erscheinungen nicht 
in dem Grade hervor wie bei der Einfuhr von Äpfeln. Die Einfuhren anderer 
Fruchtsorten aber, bei denen die Vereinigten Staaten und Kolonien die 
europäischen Länder nicht unterbieten, zeigen eine andere Bewegung. Hier 
findet auch aus europäischen Ländern eine Zunahme der Einfuhren statt. Bei 
einzelnen Fruchtsorten, namentlich bei Äpfeln und Zitronen, vor allem aber 
bei Orangen, hat Spanien sich den Kolonien angeschlossen oder ihre Rolle 
übernommen und seine Einfuhren nach England auf Kosten der anderen Länder 
ausgedehnt. Ähnlich sucht in neuerer Zeit auch Portugal durch Entwicklung 
seiner Obstausfuhren sich ein neues Absatzgebiet zu schaffen. 

Die Einfuhrzahlen von Äpfeln für die letzten 5 Jahre geben folgendes Bild: 



Aus 



1803 1894 

bushelä36lj bushel 



i«95 
bushel 



1896 
bushel 



1897 
bushel 



Deutschland . . 


00 000 


50 000 


27 000 


1 4 000 


27 OOO 


Holland .... 


588 000 


505 000 


243 000 


52 000 


387 OOO 


Belgien .... 


1 000000 


1 160 000 


58 1 000 


3 1 1 000 


383 OOO 


Frankreich . . . 


504 000 


5 1 000 


185 000 


2 1 7 000 


173000 


Verein. Staaten . 


472 000 


1 442 000 


984 000 


2 ö 1 4 OOO 


1 S08 OOO 


Kanada .... 


4S3 000 


1 082 000 


1 007 000 


2 624 OOO 


1 021 OOO 


Tasmanien . . . 


121 000 


135 000 


1 2 2 000 


152 OOO 


135 OOO 


Spanien .... 


1 000 


1 700 


342 


5 262 


59 OOO 


Portugal . . . 


95 000 


65 000 


91 000 


146 OOO 


14O OOO 



Obstbau und Obsthandel in England. 



123 



Die Gesamteinfuhr von Äpfeln in England aus allen Ländern betrug: 



1893 
bushel 



1894 

bushel 



1895 

bushel 



1896 
bushel 



1897 

bushel 



3460000 | 4969000 3292000 | 6177000 4120000 

Im Jahre 1896 betrugen die Zufuhren aus den Vereinigten Staaten und 
(,'anada 5230000 bushel von der Gesamt-Einfuhr von 6177000 bushel, also 
85 v. H. Das Jahr 1896 hatte eine besonders reiche Ernte in Amerika gezeitigt. 
Unter dem Druck derselben litten die Zufuhren aus andern Ländern natürlich 
noch unverhältnismässig mehr als sonst. 

Die Einfuhr an Birnen in denselben Jahren betrug: 





1893 


1894 


1895 


1896 


1897 


aus 


bushel 


bushel 


bushel 


bushel 


bushel 


Deutschland . . 


39 000 


18 000 


8 000 


2 500 


23 000 


Holland .... 


54 000 


103 000 


43000 


4S 000 


134 000 




373 000 


693 000 


116 000 


143 000 


529 000 


Frankreich . . . 


430 000 


445 000 


189 000 


239 000 


269 000 


Verein. Staaten . 


3 7oo 


32 000 


41 000 


38 000 


87 000 



Die Kolonien beteiligen sich vorläufig an der Birneneinfuhr aus den 
oben angeführten Gründen noch nicht, oder doch nur mit ganz kleinen 
Beträgen. Mit den neuerdings ins Leben gerufenen Kühlvorrichtungen bei 
der Beförderung dürfte indes Kanada sehr bald diesen Handelszweig ent- 
wickeln. 

An Kirschen stieg die Einfuhr aus Deutschland von 31 000 bushel im 
Jahre 1893 allmählich und ununterbrochen auf rund 57 000 bushel im Jahre 1897; 
die Einfuhr von Frankreich von 174000 auf 193000. An Pflaumen wuchs die 
Einfuhr in denselben Jahren aus Deutschland von 189000 bushel auf 287000; 
aus Holland von 122000 auf 150000; aus Frankreich von 327000 auf 510000. 
Nur die belgische Einfuhr fiel von etwa 139000 bushel auf 90000. 
Dagegen führten die Vereinigten Staaten, welche im Jahre 1893 mit der Ein- 
fuhr von nur 90 busheis angefangen hatten, im Jahre 1897 bereits etwa 
5 400 bushel ein. 

Von den anderen unaufgezählten Obstsorten führten die hauptsäch- 
lichsten Länder folgende Beträge nach England ein: 





1893 


1894 


1895 


1896 


1897 




bushel 


bushel 


bushel 


bushel 


bushel 


Deutschland . . 


76 000 


132 000 


192 000 


136 000 


1 10 000 


Frankreich . . . 


106 000 


159 000 


8< > 000 


90 000 


133000 


Holland .... 


149 000 


2711 000 


1 s 1 000 


131 000 


148 000 


Spanien .... 


351 000 


351 000 


371 000 


436 000 


534000 


Can. Inseln . . . 


252 000 


> 10 000 


3 1 5 000 


485 000 


569 000 



Die Vereinigten Staaten und die Kolonien beteiligen sich an dieser Ein- 
fuhr nur in verschwindendem Lmfange. 



124 



Obstbau und Obsthandel in England. 



Dagegen haben sich beide in den letzten Jahren auf die Einfuhr von 
preserviertem Obst gelegt, und zwar von Obst, das ohne Zucker preserviert 
wird. Die Statistik über diese Einfuhren ist sehr interessant: 



Aus 



1893 1894 1895 

In tausend Pfund 



1897 



Frankreich . . . 


3 357 


3 36o 


4 066 


3653 


4098 


Spanien .... 


2 212 


2 164 


2856 


7211 


7845 


Italien .... 


20 281 


26 510 


19992 


21 844 


23 064 


Griechenland . . 


459 


391 


764 


1 063 


2 174 


Verein. Staaten . 


1958 


3042 


3638 


3763 


5 951 


Pacifisch. Gebieten 


6 245 


3 213 


6 142 


11 409 


10 010 



Im ganzen wurden aus fremden Ländern in den genannten Jahren nach 
England an Früchten, ohne Zucker preserviert (in tausend Pfund), eingeführt: 

1893: 35433> 1894: 39947, 1895: 39155, 1896: 49Q59, 1897: 554H- Aus den 
Kolonien dagegen gingen in der gleichen Zeit ein: 1893: 2202, 1894: 2928 
1895: 6702, 1896: 13028, 1897: 10403. Kanada beteiligte sich an dieser Einfuhr 
in den betreffenden Jahren mit folgenden, eine rasche Zunahme zeigenden 
Zahlen: 178000, 434000, 828000, 1319000 und 1561000. Das übrige kam fast 
ganz und gar aus den Straits Settlements und bestand vermutlich ausschliesslich 
aus tropischen Früchten. Diese letzteren interessieren Deutschland ebensowenig 
wie die Zitronen und Orangen, von denen erstere zum bei weitem überwiegenden 
Teil aus Italien, die letzteren aus Spanien kommen. Von 8777000 bushel 
Orangen kommen beispielsweise im Jahre 1897 allein 7903000 bushel aus 
Spanien. 

Die Frage ist nun die, wie weit Deutschland Aussichten hat, seine Obst- 
ausfuhr nach England zu entwickeln. Der Wettbewerb des englischen Obstes 
steht derselben nicht im Wege. Das englische Obst, soweit es überhaupt auf 
den Markt kommt, ist »billig und schlecht« Der englische Markt für Obst 
dagegen ist ein ungeheurer, der bereit ist. für gute Ware die besten Preise 
zu zahlen. Es kommt nur darauf an, dass wirklich gute Ware hierher geliefert 
wird. Dies geschieht, was Äpfel und vermutlich bald auch Birnen betrifft, von 
den Vereinigten Staaten, Canada und überhaupt den Kolonien. Da von dieser 
Seite planmässig vorgegangen und die Anlage neuer Pflanzungen, sei es von 
den Regierungen selbst oder von den grossen Land- und Eisenbahn-Gesell- 
schaften dauernd beaufsichtigt wird, so wird es für einen neuen Mitbewerber 
um den englischen Markt schwer werden hier Fuss zu fassen. Es würde dazu 
gehören, dass sich diese oder jene deutschen Äpfel einen Xamen, eine Marke 
schafften, wie es amerikanische, canadische und tasmanische Äpfel gethan 
haben. Auf gut Glück hier herüber geschickte Äptelsorten würden das Schicksal 
der englischen teilen und als Waren zweiter und dritter Klasse keine Preise 
erzielen. Das schliesst nicht aus, dass ganz feine Tafel-Äpfel oder -Birnen 
zu hohen Preisen einen guten Absatz finden würden. Frankreich und Belgien 
machen hierin gute Geschäfte. Es würde sich darum handeln, mit den Londoner 
Lieferanten Verbindungen anzuknüpfen. Wahrscheinlich würde die Birne dabei 
noch mehr Erfolg haben als der bereits mehr umstrittene Apfel. Dagegen 
würde das s. g. kleinere Obst, wenn in guter Auswahl und gutem Zustande 



Stand der Obstbaumdüngungsversuche der D. L. G. 12 5 

hergesandt, in England einen vorzüglichen Markt finden müssen. Abgesehen 
von den sehr teuren Tafelfrüchten, Erdbeeren, Kirschen u. s. \v., welche zur 
Schau in den Fenstern der angesehenen Fruchthandlungen oder auf grossen 
Diners ausgestellt werden, sind auf dem Eondoner Markt auch diese kleinen 
Früchte unbefriedigend. Der Berliner Markt stellt in der Auswahl und in dem 
Aussehen seiner Früchte ganz London in den Schatten. Es müsste in London 
als eine allgemeine Wohlthat begrüsst werden, wenn ihm in gehörigen Mengen 
und zu annehmbaren Preisen Früchte zugesendet würden, welche mit guten 
deutschen Früchten wetteifern könnten. Die Anlage der hierzu erforderlichen 
Pflanzungen, die schon nach wenigen Jahren tragen, ist leichter ausführbar als 
die erst nach vielen Jahren tragenden Obstgärten Es würde sich daher für 
den deutschen Obstzüchter immerhin empfehlen, sein Auge auf den englischen 
Markt zu richten. Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und 
Pflaumen würden dabei in erster Linie in Betracht kommen. Die vielen neueren 
Vervollkommnungen im Versand hinsichtlich Kühlvorrichtungen u. s. w. dürften 
die Zufuhren und das Geschäft erleichtern. Ich brauche nicht ausdrücklich 
anzuführen, dass es mir eine grosse Befriedigung sein würde, bei der An- 
knüpfung von Verbindungen behilflich zu sein bezw. auf Wunsch einzelne 
weitere Ratschläge zu erteilen. 



Stand der Obstbaumdüngungsversuche der D. L. G. 

Vorläufiger Teil-Bericht von Prof. Dr. Barth-Colmar. 

£7~ mx Feststellungdes Xährstoffbedürfnisses der Obstbäume sind auf Veranlassung 
^ L-/ des Sonderausschusses für Obstbaumdüngung der D.L.G. unter anderen Unter- 
suchungen auch 90 Analysen von Vegetationsorganen der Obstbäume ausgeführt 
worden. Diese Arbeiten werden gegenwärtig noch durch zahlreiche Frucht- 
untersuchungen vervollständigt; sie sollen auch im nächsten Jahre durch eine grössere 
Zahl von Wurzelholzanalysen, insbesondere von Steinobst, fortgesetzt werden. 
Immerhin bieten bereits die bis jetzt gewonnenen Ergebnisse ein derartiges 
Interesse, dass ein Ueberblick über sie schon heute gegeben werden möge. 
Zur Ableitung einer rationellen Düngung der Obstbäume und einer sach- 
gemässen Grundlage für die Obstbaumdüngungsversuche dienen ausser diesen 
Untersuchungen die Ermittelungen des Herrn Dr. Steglich von der Versuchs- 
station Dresden über Ilolzzuwachs, Laub- und Fruchtwachstum. Die folgenden 
Angaben sind von Bäumen mit 5 m Kronendurchmesser und etwa 20 qm Standort- 
fläche auf 1 qm Standortfläche berechnet. In einem Jahre bringt ein Baum 
von 5 m Kionendurchmesser an Trockenmasse hervor: 

,,, ,. , „ . . Astholz und . . r- - u. 

Wurzelholz Stammholz .. , . . Laub Fruchte 

1' rucntholz 

Kirschbaum 1847 g 1846 g 1846 g 9050 g 6020 g 

Zwetschenbaum 1805 g 1806 g 1806 g 2451g 7495 g 

Apfelbaum 1994 ff 1993 ff *993 g 4"73 g 6929 g 

Birnbaum 1395 g 1295 g 1394 g --73 ff 15548 g 

Die Durchschnittswerte des Gehaltes der Trockenmasse der verschiedenen 



j 26 Stand der Obstbaumdüngungsversuche der D. L. G. 

Organe an einzelnen Nährstoffen, nach den beiden Gruppen Steinobst und 
Kernobst zusammengestellt, ergeben folgende Übersicht: 
Wurzelholz Stammholz 

Steinobst 0,37 v. H. 0,36 v. H. 

Kernobst 0,36 „ 0.58 ,, 



Stickstoff 
Kali . . 



Fruc 


itholz 




Laub 


Früchte 


0,90 


v. H. 




1,80 V. H. 


0,86 v. H. 


o,99 


,, 




1,70 „ 


0,56 „ 


0,40 


,, 




2,20 „ 


1,80 „ 


0,50 


>> 




1,20 ,, 


1,11 „ 


0,24 


55 




0,36 „ 


o,37 „ 


0,19 


)) 




0,20 „ 


0,19 „ 


2,10 


>5 




4,00 „ 


0,15 M 


2,63 


!s 




2,70 „ 


0,12 „ 


littlerer Nährstoffbedai 


f für 1 qm 




Kali 




Phosphorsäure Kalk 




15.95 


g 


3-1 g 


21.05 g 




10,63 


g 


2-3 g 


8,42 g 




7,3° 


g 


1,5 g 


9,8o g 




IO.90 


er 
8 


2,1 g 


6,7o g 



( Steinobst 0,21 ,, 0,21 ,, 

( Kernobst 0,30 ,, 0.32 „ 

Phosphor- [Steinobst 0,11 ,, 0,09 „ 

säure . . ( Kernobst 0,15 ,, 0,13 ,, 

f Steinobst 0,60 ,, 0,80 ., 
Kalk . . . , , , 

{ Kernobst 0,70 ,, 1,26 ,, 

Aus diesen Angaben berechnet sich e 

Standortfläche an: 

Stickstoff 

Kirschbaum 11.9 g 

Zwetschenbaum 7,0 g 

Apfelbaum 7,1 g 

Birnbaum 7,5 g 

Besonders bemerkenswert ist hier die Feststellung, dass im grossen und 
ganzen in allen Obstbäumen vom Wurzelholz durch das Leitholz zum Frucht- 
holz und bis zum Laub die Trockenmasse beständig in ihrem Anteil-Gehalt an 
wertvolleren Pflanzennährstoffen zunimmt. Während ferner in allen Holzteilen 
der Gehalt an Stickstoff höher ist als der an den übrigen Nährstoffen, mit 
Ausnahme des Kalkes, tritt er im Laub und noch mehr in den Früchten hinter 
das Kali zurück. Die Steinobstbäume sind in ihren Holzteilen ärmer an Kalk, 
im Laub dagegen — ebenso in den Früchten, wenn auch in stark ab- 
geschwächtem Verhältnis — erheblich kalkreicher als die Kernobstbäume. 
In den Steinen der Kirschen und Zwetschen aber tritt, wie besondere Unter- 
suchungen gelehrt haben, wiederum der Stickstoff gegenüber sämtlichen Mineral- 
bestandteilen überaus stark hervor, unter den letzteren überwiegt teilweise die 
Phosphorsäure. Mit diesen Feststellungen ist unter anderem ein weiterer Beleg 
für die Wichtigkeit der Rolle gegeben, welche dem Kali bei der Erzeugung 
und dem Hochtreiben des Zuckers in der Pflanze zufällt. 

Den bisherigen Ermittelungen zufolge wird auch nach deren Vervoll- 
ständigung eine grundsätzliche Änderung des Obstbaumdüngungs -Versuchs- 
planes voraussichtlich nicht erforderlich. Der Plan geht von Nährstoffmengen 
aus, welche wenigstens annähernd in dem Verhältnis zu einander stehen wie 
die hier festgestellten, nämlich auf 1 qm Standortfläche 10 g Stickstoff, 15 g Kali, 
5 g Phosphorsäure und 20 g Kalk. Auch in dieser Zusammenstellung herrscht, 
abgesehen vom Kalk, das Kali vor; im übrigen wird darin den durch grosse 
Laubentwickelung begründeten grösseren Ansprüchen der Kirschbäume wesent- 
lich Rechnung getragen. Wenn die Zusammenstellung an Phosphorsäure etwas 
mehr bietet, als dem jährlichen Bedarf entspricht, so ist dies zum mindesten 
für die erstmaligen Düngungen bei der ausserordentlichen Schwerbeweglichkeit 
der Phosphorsäure im Boden kein Fehler. Jedenfalls lassen die durch den 
Versuchsplan vorgeschriebenen Düngemengen, infolge des dem thatsächlichen 
Bedarf entsprechenden A r erhältnisses der einzelnen Nährstoffe zu einander, 
klare Antworten auf die gestellten Düngungsfragen erwarten. 

(Aus: Mitteilungen der D. L. G.) 



Kremurus robustus var. Elwesianus Leichtlin. 



127 



Eremurus robustus var. Elwesianus Leichtlin. 

Von W. .1. Goverts, Hamburg-Eilbek. 

, s^ (Hierzu Abb. 26 u. 

L^ereits erwähnt Herr Köngl. Garten-Inspektor PerrinL; auf seiner Reise 
:£j4 nach Belgien und Holland (Gartcntlora 1 S<>5 S. 191) bei einem Besuche 
der Krelageschen Gärtnerei die dort blühenden Kremurus-Arten, darunter 
E. Elwesii*), der wahrscheinlich vom Elbrus (Persien) stammt. Auch 
diese Art lässt kaum ahnen, dass aus ihren am Hoden liegenden Blättern 
Blütenschäfte von 1—2.30 m Höhe aus dem Herzen emporschiessen. 

Herr Inspektor Perring bezweifelt (1. c), dass die Kultur von E. Elwesii 
im Freien gelingt; ich erlaube mir zu bemerken, dass dies sehr wohl möglich 
ist, denn wenn auch die Pflanze im Winter resp. Frühling gedeckt werden 
muss, hat sie doch eine hohe Triebkraft. Obgleich sie 1898 zwei Blütenschäfte 
von ca. 1,60 m getrieben, schoss sie im Oktober — trotzdem die Blätter 
und Blütenschäfte entfernt waren — wieder aus. Ein Beweis also, dass sie am 
richtigen Standort, wo sie verbleibt, sich akklimatisiert, natürlich, wie gesagt 
bei gehöriger Deckung. 

Doch nun zur Erklärung des Bildes. Die Aufnahme fand im 
Hamburger botanischen Garten 1897 statt; im Hintergründe sieht man das 
Inspektorats-Gebäude und den Hörsaal wie auch einen Teil der Obstbaum-Allee. 
Den Vordergrund nimmt ein Teil der Monocotyledonen ein, ganz vorn als 
Paradestück: Eremurus Elwesii mit 2.40 m hohem Blütenschaft. Rechts vom 
Beschauer unser Obergärtner Herr Widmaier, links meine Wenigkeit. Zu 
bemerken ist noch, dass Eremurus Elwesii bei uns willig Frucht ansetzt. 



Flerr Stadtrat Leichtlin, Baden-Baden, Besitzer des »Hortus botanicus 
Aquis Aureliis«, der diesen Eremurus eingeführt hat, schreibt uns unter dem 
30. Januar 1899 folgendes: 

>Yor etwa 15 Jahren kaufte ich von einem Privatimport Regeis ein Quantum 
Eremuri, von denen einer durch seine grünen — nicht bläulich-grünen — 
Blätter mir auffiel; das Jahr darauf hatte ich ein halbes Dutzend E. robustus 
(von Regel hinlänglich in den Acta Petrop. beschrieben) und auch den grün- 
blättrigen in Blüte; diesem gab ich zum Unterschied von der typischen Form 
nach den botanischen Nomenclaturvorschriften den Namen Eremurus robustus 
var. Elwesianus. er konnte nicht Elwesii heissen, weil mein Freund Elwes 
gar nichts mit der Ptlanze zu thun hatte. Es ist also eine superiore Form von 
robustus. Unterschiede: grüne Blätter, welche erst nach der Blüte abwelken, 
während sie bei der typischen Form schon Ende der Blütezeit welk und gelb sind. 
2 — 2V2 m hohe Blütenstände (bei robustus i '/,- 2 m). grössere Ülumenfülle. 
besser geformte und kräftiger gefärbte Blumen, auch grössere Früchte. (Die 
Blumenblätter sind nach einer Skizze des Herrn Leichtlin oval, nicht lanzettlich, 
auch grösser.) Die Pflanze ist unbedingt winterhart, hält selbst 20 R. ganz 
gut aus, nur verlangt sie in solchen Fällen Schneedecke oder eine handvoll 



* L'nter dem Namen Eremurus Elwesii scheint diese Art von E. H. Krelage-Haarlem 
verbreitet zu sein. Der richtige Name ist, wie aus dem unten folgenden Schreiben hervorgeht 
E. robustus var. Elwesianus Leichtlin. 



128 



Eremurus robustus var. Elwesianus Leichtlin. 



trockenes Laub über den Kopf. Die Hamburger Herren verstehen die Kultur 
nicht ganz, anders hätte die Pflanze nicht schon im Oktober in Trieb sein dürfen.« 

* . * 

Nachtrag. 

Auf Veranlassung des Herrn Max Leichtlin wandten wir uns an Herrn 
Marc Micheli in Gent, der uns freundlichst eine Photographie der in seinem 
an Seltenheiten so reichen Garten 1898 blühenden Exemplare dieses Eremurus 
sandte. Herr Micheli bemerkt uns dazu, dass diese Spezies, wie er in »Revue 




Abb. 26. Eremurus robustus var. Elwesianus Leichtlin 
im bot. Garten zu Hamburg, 2,40 m hoch! Von \V. J. Goverts 9. Juli 1897 übersandt. 

horticole« 1897 S. 280 nachgewiesen habe, sich wegen ihres botanischen 
Charakters weit mehr dem Eremurus himalaicus nähert als dem robustus. 
Man müsse entweder daraus eine eigene Spezies machen oder sie nennen 
E. himalaicus var. Elwesianus. Wir geben anbei einen Abdruck nach der 
Photographie des Herrn Marc Micheli und bemerken, dass auch die »Revue 
de rhorticulture beige«, 1. Oktober 1898, sowie »Gardeners Chronicle« 1898 II 
S. 157 (hier als Eremurus Elwesianus) nach Michelis Photographie Abbildungen 
brachten. Eremurus robustus ist beschrieben und farbig abgebildet von Regel 
in »Gartenflora« 1873 s - 2 57 mit farbiger Tafel 769- Hier sind die Blüten blass- 



Eremurus robustus var. Elwesianus Leichtlin. 



I 20 




Abbildung 27. Eremurus robustus var. Elwesianus 
im Garten des Herrn Marc Micheli in Genf. Mai I898. 



rosa; in »The Garden« vol. XXIX 1886 S. 96 t. 529 sind sie etwas dunkler und 
etwas grösser. In »The Garden < vol. XLIX 1896 S. 131 ist Eremurus himalaicus 
abgebildet, ferner S. 133 E. Bungei. Eine Übersicht aller Arten gab Baker im 
»Journal of the Linnean Society Botany« vol. XV 1877 S. 279. Dort fehlt 
natürlich noch Elwesianus. I- Wittmack. 



1 3° 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Von L. Wittmack. 
Vorbemerkung: Dieser Abschnitt ist bisher nicht gedruckt worden, da im amtlichen Bericht 
, -a ^r , des Reichskommissars s. Z. kein Raum mehr war. 

Ulster Gemüsebau gliedert sich in den Vereinigten Staaten in zwei ver- 
.^^ schiedene Arten von Betrieben, einmal wird sogenannte »Markt- 
gärtnerei« betrieben, die ihren Sitz in der Nähe der Städte hat und die 
Erzeugnisse mittels Gespann etc. in dieselben schafft, zweitens aber sogenannte 
»Truckfarming«, Gemüsezucht im Grossen, wobei Eisenbahnen oder 
Wasserwege zum Versand der Produkte benutzt werden. Im allgemeinen ist 
der Bedarf an eigentlichem Gemüse nicht so gross wie in Europa; namentlich 
isst man weniger Blattgemüse, dagegen ist aber, wie Oetken in seinem treff- 
lichen Werk »Die Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten«. Berlin 1893, 
S. 413 mit Recht bemerkt, bezeichnend der ausserordentliche Verbrauch an 
Gemüsen, die einen obstartigen Charakter haben, wie namentlich Tomaten, 
Wassermelonen, Melonen, Kürbisse etc. In den Aordstaaten wird aber auch 
viel Kohl gebaut, z. B. bei Boston, ferner viel Bleichsellerie. 

1. Truckfarming, Gemüsebau im Grossen. 

Nach dem 11. Census von 1891 wurden 1889 534440 acres*) im Werte von 
70 156 294 $ von den Truckfarmers benutzt. Der Ertrag ward auf 76 517 155 $ nach 
Abzug der Kosten für Fracht und Kommission geschätzt. Beschäftigt wurden 
216765 Männer, nur 9254 Frauen und 14874 Kinder, 75866 Pferde und Maul- 
tiere. Der Wert der Geräte (implements, Oetken übersetzt Inventar) betrug 
8 971 206,70 $.**) 

Im einzelnen fallen auf die verschiedenen Gemüse folgende Anbau- 
flächen: 

*) 



Spargel . . . 


37 9"o 


acres, 


Gurken .... 


4721 


acres, 


Bohnen . . . 


12 607 


» 


Wassermelonen . 


114381 


» 


Weisskohl . . 


17 094 


> 


Andere Melonen . 


28 021 


» 


Grünkohl . . 


2 962 


» 


Erbsen .... 


56 162 


* 


Spinat . . . 


20 195 


» 


Süsse Kartoffeln 






Frühkartoffeln 


28 046 


» 


Batatas edulis . 


28 621 


» 


Rüben . . . 


2 420 


» 


Tomaten . . . 


22 802 


» 


Sellerie . . . 


153S1 


> 


Verschiedenes 


82 601 


» 



Bezüglich näherer statistischer Einzelheiten sei auf den Auszug, den 
Oetken aus dem 11. Census gegeben, hingewiesen. Hervorzuheben ist, dass 
ein Fünftel der ganzen Truck-farmingfläche auf die Umgegend von New-York 
und Philadelphia fällt (108 315 a = 43 254 ha, Wert der Produkte ca. 80 Millionen 
Mark), etwa ebenso viel (111441 a = 44576 ha) auf die südatlantischen 

*) 1 acre = 0.40 ha, 1 $ (Dollar) = 4,20 M. 
**) Proceedings of the Amer. Pomological Society for 1891 S. 94. 
***) Dies scheint zu niedrig, da in der Tabelle der Saat-Farmen in The American Florist- 
Company Directory 1896 S. 35 für Gurken zur Saat im Ganzen 10 210 acres Gurken angegeben 
werden. Maurice de Vilmorin giebt folgende Übersicht: 

Hectar Wert der Produkte in M. rund 

1. Südstaaten u. Golf von Mexiko 55 576 53 Millionen 

2. Umgegend von New-York u. Philadelphia . . 43 254 84 ,, 

3. Central-Staaten: Ohio, Michigan, Illinois . . . 42 qo5 62 ,, 

4. Umgegend von Norfolk in Virginien .... 18 i5o i3 „ 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. I 2 | 

Staaten Nord-Carolina, Süd-Carolina, Georgia und Florida, endlich ungefähr 
die gleiche Zahl (107414 a = 42905 ha, Wert der Produkte 61 Millionen 
Mark) auf die Centralstaaten. Auf die Umgegend von Norfolk, Virginien, die 
wegen Frühgemüse wichtig, kommen 45 375 acres = 18 150 ha mit einem Wert 
der Produkte von 18 Millionen Mark, schliesslich 3^130 a = 14492 ha auf 
die Golfstaaten (das Mississipithal). 

Uns interessieren am meisten die grossartigen Truckfarms im Süden, 
wo besonders Frühgemüse gebaut wird, das dann nach dem Norden geht, ähn- 
lich wie die dort gebauten Erdbeeren, während umgekehrt im Sommer ein 
wenn auch weit kleinerer Teil aus dem Norden nach dem Süden versandt 
wird. Über diesen Gegenstand ist eine Reihe wichtiger Artikel von Maurice 
de Vilmorin in Sagnier's Journal de l'Agriculture, Paris 1894, S. 13 ff., erschienen, 
die um so mehr Beachtung verdienen, als Herr M. de Vilmorin im Frühj ahr in 
jenen Gegenden war und die Felder z. T. noch bestanden sah. Ich konnte 
Florida, Ost-Georgia und Ost- Virginien im September wegen des in New-Bruns- 
wick (Georgia) ausgebrochenen gelben Fiebers nicht besuchen, würde um jene 
Zeit auch wenig gesehen haben. Auf der Reise von Los Angeles nach New- 
( irleans und von da durch Alabama, Georgia, Süd- und Nord-Carolina sowie 
Virginien nach Washington sammelte ich aber manche Nachrichten. Wert- 
volles Material verdanke ich auch den Herren Roelker & Sons in New-York, 
Herrn Thilo w von der Firma Henry A. Dreer-Philadelphia sowie vielen 
anderen. 

Die Gemüsekultur in den Südstaaten begann gleichzeitig mit der Erd- 
beerkultur bald nach dem Secessionskriege. Die freigewordenen Sklaven fingen 
an, kleine Gärten anzulegen oder in solchen gegen Lohn zu arbeiten, die weisse 
Bevölkerung musste aus Mangel an Arbeitskräften ihre Kraft auf kleinere 
Flächen beschränken und so entstand aus Ackerbau Gemüse- und Erdbeer- 
kultur. Diese wurde begünstigt durch die immer besseren Verbindungen nach 
dem Norden (oft 1000 — 1800 km), weiter durch den guten, verhältnismässig nicht 
zu teuren Boden, die reichlichen Arbeitskräfte, das warme Klima und das 
intensive Licht. 

Wegen der schnellen Verbindungen und der guten Verpackung kommen 
die Gemüse aus dem Süden im Norden meist gut an und werden vom grossen 
Publikum, das die vierfachen Preise für im Norden getriebenes Gemüse nicht 
zahlen kann, gern gekauft, gerade wie bei uns im Winter das Gemüse aus 
dem Süden. 

Trotzdem wird der Gemüsegärtner im Norden, wie Maurice de Vilmorin 
auseinandersetzt, dadurch nicht ruiniert. Die intensiven Kulturen in der Nähe 
der grossen Städte des Nordens sind im allgemeinen doch gewinnbringend. 
Häufig sind sie mit Konservenfabriken verbunden, ausserdem stehen sie 
telephonisch mit dem Markte und den grossen Kommissionären in Verbindung 
und der Marktgärtner (marketgardener) des Nordens hat oft mehr Gewinn als 
die Truckfarmer des Südens (siehe auch weiter unten Gemüsetreiberei). 

Die Züchter in den Staaten am Golf von Mexiko (Louisiana, Alabama, 
Mississipi , Florida) und in den südatlantischen Staaten (Georgia. Nord- 
und Südkarolina) ernten im freien Felde das für den Norden bestimmte 
Frühgemüse: der Gemüsetreiber im Norden kultiviert unter Glas, in Mistbeeten 
und unter Glocken etc. für die reichen Leute meist ausserordentlich schöne 



I«2 D er Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Gemüse, die teuer verkauft werden. Zwischen beiden Kulturarten hat sich 
eine dritte geschoben, eine, die nach Vilmorin am meisten zugenommen hat, 
das ist die Anzucht von Frühgemüse auf freiem Felde in Virginien, in der 
Nähe von Norfolk, von wo aus die Waren meist zu Schiff nach Philadelphia, 
New-York etc. gehen. 

Das Seeklima von Virginien ist milde, das Frühjahr tritt bald ein, die 
Entfernungen nach den grossen Zentren sind nicht gross und die Waren treffen 
dort in gutem Zustande ein zu einer Zeit, wo dort das Freilandgemüse noch 
nicht entwickelt ist. 

So sind es also, um mit Vilmorin zu reden, drei Hauptgegenden, welche 
die weitentfernten Märkte versorgen: 1. der Süden in Bezug auf Frühgemüse, 
im Winter und ersten Frühjahr; 2. in Carolina, aber besonders in Virginien 
im Frühjahr; 3. in einigen mittleren und einigen nordöstlichen Staaten zur 
normalen Zeit für die grossen Städte und auch für den Süden, der dann nichts 
mehr erntet. 

Betrachten wir jetzt die einzelnen Gegenden genauer. 

2. Die Gemüsekultur in den Golfstaaten. 

Das Zentrum dieser nicht sehr ausgedehnten Kulturen ist Mobile. Von 
dort werden meist die in den drei Staaten: Louisiana, Mississipi und Alabama 
geernteten Produkte verschifft. 

Die Grösse der Gemüseländereien ist nach Maurice de Vilmorin 
gewöhnlich 15 — 20 ha, der Boden ist sandig, aber frisch, der Preis beträgt pro 
ha 1000 — 1500 Mark. Viele Züchter sind Farbige, die aber sehr gut wirtschaften. 
Der Wert der Ausfuhr wurde 1890 auf fast 2 Millionen Mark geschätzt, dabei 
sind aber die FrühKartoffeln und Zwiebeln, die auf landwirtschaftlichem Terrain 
erbaut werden, nicht mitgerechnet. Das Meiste geht zu Schiff fort, nur die 
ersten Bohnen per Bahn. Die Produktion fällt in die Monate Dezember bis 
März und hört dann ganz auf, ausgenommen die Wassermelonen, welche erst 
Anfang Sommer reifen. Meist wird nur eine Ernte entnommen, 1 — 8 Monate 
liegen manche Stücke brach. 

Die wichtigsten Gemüse sind: 1. Spargel. Dieser wird auf Rücken ge- 
baut, mit Guano gedüngt und bleibt meist nur 4 Jahre am Platze. Die 
Spargelkultur ist fast die einzige, welche viel Handarbeit erfordert, denn nach 
der Ernte muss man die Rücken einebnen und das Land reinigen. Die Ernte 
findet im Februar statt; man bindet Bunde im Gewicht von zwei Pfund und 
2 — 3 Dutzend Bunde kommen in eine Kiste. Die ersten Spargel werden oft zu 
8 M. das Bund verkauft; nachher sinkt der Preis schnell, trotzdem soll das ha 
500—600 M. Reinertrag abwerfen. 

2. Grüne Bohnen. Beliebt sind die Sorten Red Valentin und Newhawk 
Man säet die Bohnen im November oder Dezember und erntet sie im Februar 
oder März. Reinertrag 400 M. pr. ha. 

3. Kohl. Man baut frühen Weiss- und Wirsingkohl; von letzterem 
werden die jungen Pflanzen, die noch keine Köpfe gebildet haben, im Norden 
besonders geschätzt. Reinertrag des im Winter A'erpflanzten Kohl 800 M. 
pr. ha. 

4. Frühkartoffeln. Dies ist die Hauptfrucht, sie nimmt fast die Hälfte 
der Gemüseländereien ein. Die Saatkartoffeln bezieht man meistens aus den 
Nordstaaten, besonders von New-York, wo sie im August reifen. Man kann sie 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. p^ 



dann im Oktober oder November schon wieder legen. Hauptsorte ist die Early 
Rose, die in Amerika viel mehr als Speisekartoffel geschätzt wird als bei uns. 
Die Kartoffelfelder werden stark gedüngt und bringen einen Reinertrag von 
500—600 Mark. Alljährlich breitet sich diese Kultur weiter aus. 

Die Gemüsewirtschatten in der Golfregion sind zwar nur klein, bringen 
aber, wie oben gezeigt, gute Erträge und alle Jahre entstehen neue. Das 
Personal besteht ausser dem Chef fast nur aus Farbigen; man rechnet 1 Mann 
für 4 ha und zahlt ihm täglich im Durchschnitt 3,60 M. Auf 8— 10 ha rechnet 
man 1 Gespann. Der Boden wird im Herbst mit Baumwollsamenkuchen, 
Guano, Phosphaten oder Kalisalzen, je nach der Gemüseart, gedüngt. Gehackt 
wird zwischen den Reihen möglichst mit einer Pferdehacke, in den Reihen mit 
der Hand. 

3. Jacksonville (Florida). 

Viel grossartiger sind die Frühgemüse-Anlagen in Florida, das im Klima 
ähnlich ist wie Alabama. 

Ananas. Der südliche Teil der Halbinsel dient besonders zur Anzucht 
von Ananas im freien Felde. Man pflanzt sie auf sandigem, drainierten, aber 
seine Frische bewahrenden Boden im Winter in Reihen, die 1,20 — 1,50 m ent- 
fernt sind, und nimmt dazu Seitensprossen von der Basis alter Pflanzen, sogenannte 
»Kindel«. Im ersten Jahre schon bringt die Pflanze eine Frucht, aber erst die 
des zweiten Jahres ist versandfähig. Alan schneidet sie ab und alsbald treten 
an der Basis der Pflanze 5 — 6 Kindel hervor, von denen man aber nur eine 
stehen lässt. Diese giebt wieder eine einzige Frucht und so fährt man noch 
zwei Jahre fort, ehe man die Plantage umbricht. Hauptsorte ist die rote 
spanische Ananas. 

Etwas weiter nördlich baut man in Florida besonders Bataten, Tomaten, 
Frühkartoffeln, Bohnen, Kohl, Kürbisse u. s. w. 

Die Bataten, Convolvulus Batatas, Batatas edulis. Sweet potatoes, werden in 
Amerika sehr viel gegessen und auch viel weiter nördlich als Florida, z. B. bei 
Philadelphia und inNew-Jersey viel gebaut. Unsmuss das wunderbar erscheinen. da 
man dort doch auch gute Kartoffeln bauen könnte, die doch viel besser schmecken. 
Aber der gewöhnliche Amerikaner hat wenig gute Kartoffeln, so wenig wie 
der gewöhnliche Engländer, trotzdem wir einige der besten Sorten von ihnen 
bekommen haben; viele Eingeborene essen die uns widerlich süss er- 
scheinenden Bataten lieber. Man bringt die Bataten meist ungeschält, gedämpft 
auf den Tisch, wie überhaupt das Dämpfen von Kartoffeln sehr üblich ist. 
Besonders beliebt sind für letzteren Zweck recht grosse lange Kartoffeln. 
Diese werden auch ungeschält gedämpft, der Länge nach aufgeschnitten, ein 
Stück Butter hineingethan und nun mit einem Löffel das Innere heraus- 
gegessen. 

Um auf die Bataten zurückzukommen, so werden in Florida alte Knollen 
unter Glas auf Beeten von Sand und Lauberde oder reinem Sand angetrieben, 
die bewurzelten Triebe abgenommen und im April gepflanzt; im Sommer kann 
man dann die meist spindelförmigen, mitunter aber auch rundlichen Knollen 
versenden. Man schätzte die Ernte von Florida 1891 auf 620000 hl. 

In der Nähe von Philadelphia, jenseits des Delaware, also schon im 
Staate Xew-Jersey, werden auf dem leichten, sandigen, durchlässigen, gut ge- 
düngten Boden, der zwei Jahre hindurch Erdbeeren getragen, ebenfalls sehr 



134 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



viel Bataten gezogen. Nach Abernten der Erdbeeren pflanzt man die Knollen 
vom 1. — 10. Juni auf einzelnen l m hohen, 37 cm von einander entfernten 
Hügeln und zieht die windenden Stämme, die Ranken, immer an den Hügel 
heran, sieht aber streng darauf, dass die Knoten nicht Wurzel schlagen, damit 
alle Kraft in die Knollen gehe. Den ganzen Sommer gehen deswegen Arbeiter 
mit Stöcken umher, um das Wurzelschlagen zu verhindern. Zum Ausheben 
der Knollen bedient man sich eines mit einem Gitter versehenen Pfluges. Die süssen 
Kartoffeln müssen sehr sorgfältig behandelt werden. Schon auf dem Felde 
werden sie mit einer weichen Bürste abgebürstet, machen dann noch einen 
Schwitzprozess durch, während welcher Zeit sie offen stehen müssen, und werden 
hierauf versandt. Auch im Winter faulen sie leicht, man legt sie deshalb in 
Florida auf Horden und hält sie bei 20 C. 

In anderen Gegenden pflanzt man die Bataten in Furchen, immer aber lässt 
man erst die alten Knollen in Mistbeeten austreiben und pflanzt die Triebe im 
Mai oder Juni. Ertrag 3 — 4 Bushel*) p. acre. Das kleine New-Jersey erzeugte 
schon 1880 über 2 Millionen Bushel, Virginien und Süd-Carolina etwa ebenso 
viel, Alabama und Mississippi je ca. 3V2 Millionen, Georgia und Nord-Carolina 
aber ca. 4 1 2 Millionen. 

Tomaten werden im nördlichen Florida vielmehr gebaut als in den Golf- 
staaten. Man säet den Samen im Januar unter Glas und verpflanzt im Februar 
bis März ins Freie. Hauptsächlich baut man runde, keine kantigen Früchte, 
besonders die Sorten Trophy, Acme, Perfection. Der Versand wurde 1891 auf 
ca. 13 Millionen Mark geschätzt. 

Dass in Florida als Nachfrucht von Frühkartoffeln viel Erdbeeren ge- 
zogen werden, ist bereits beim Obstbau erwähnt. Über die Menge der er- 
zeugten Frühkartoffeln in Florida liegen keine Daten vor, für 1888 werden 
155 000 Bushel Kartoffeln angegeben, was wahrscheinlich alles Frühkartoffeln 
sind. (Fortsetzung folgt.) 

*) 1 Bushel = 36 1. 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc. 



Begonia „Louise de Vries". 

DieseZüchtung von Aug. W.deVries, 
Handelsgärtner in Iserlohn, Westfalen, 
ist mit dem Wertzeugnis des Verbandes 
der Handelsgärtner Deutschlands aus- 
gezeichnet. Sie ist halbstrauchig, rein- 
weiss, kamellienartig gefüllt und wird 
als Bindeblume wie als Topfpflanze 
empfohlen. 



Neue Fuchsia „Frau Ida Noack". 

Diese in Hamburg 1897 prämierte und 
mit dem Wertzeugnis des Gartenbau- 
vereins von Hamburg, Altona und Um- 
gegend gekrönte Fuchsia ist jetzt von 
Struss & Noack zu Bergedorf bei 
Hamburg in den Handel gegeben. Sie 



zeichnet sich durch ein gedrungenes 
Wachstum, kleine, schmale, lebhaft 
grüne, an Fuchsia Riccartonii er- 
innernde Blätter und kleine, hängende, 
in grossen Mengen erscheinende Blumen 
aus. Kelchblätter und Staubfäden 
mattrot, Kronenblätter violett-blau. Zur 
Kronen- und zur Buschform geeignet. 



Cyclamen Papilio. 

Das gefranste Cyclamen Papilio 
(Schmetterling), das zuerst in Gent 1897 
ausgestellt wurde, ist von L. P. De 
Langhe -Vervaene in Brüssel, rue 
de Constantinople 150, gezüchtet, aber 
jetzt auch von deutschen Firmen zu 
beziehen. 



Neue und empfehlenswerte I'tianzen. 



«35 



Neue eingeführte Blumensamen 

von Dammann & Co. in San Giovanni 

a Teduccio bei Neapel. 

Nach den Beschreibungen der Züchter.) 

Heterospermum Xanthii A. Gray. Q (Compositae.) 
1 1 lierzu Abb. 2S.1 
Diese im westlichen Nordamerika 
einheimische Pflanze empfehlen wir 
auf das wärmste. Wuchs und Blüte 
erinnern sowohl an Tagetes signata 
pumila, als an Sanvitalia procumbens. 
Sie wird 20—25 cm hoch, ist mithin 
als Rabattenptlanze höchst empfehlens- 
wert. Die Blumen sind klein, tief 
Chromgelb mit canariengelbem Anflug 
an den Spitzen der Petalen. Der 
herrliche Blütenflor dauert von Anfang 
Juni bis in den Spätherbst und ist 
daher diese Pflanze noch besonders 
da zu empfehlen, wo es auf einen sehr 
frühen Flor ankommt, da sie bereits 
vier Wochen nach der Aussaat zu 
blühen beginnt. Die sehr fein ge- 
fiederte Belaubung wird thatsächlich 
gänzlich von Blüten überdeckt. 

Kuhnia eupatorioides, L 2J j-> (Compositae.) 

Halbstrauch, mit sehr schönen rahm- 
weissen Blüten, welche sich bis zum 
Herbst erneuern. Die feinen, wechsel- 
ständigen schmalen Blätter sind nur 
2 cm lang. Die sehr üppig wachsende, 
anspruchslose Pflanze erreicht eine 
Höhe bis i ] / 2 m - 

Englische Sommer-Levkoje, cremegelb. 

Eine neue Farbe und wertvollste 
Bereicherung des Sortiments. Durch 
reichlichen und anhaltenden Flor 
zeichnet sich diese prächtige Sorte noch 
besonders aus. 

Winter-Levkoje mit Lackblatt, canariengelb. 

Ein würdiges Seitenstück zu der 
von uns vor Jahren eingeführten und 
zu so grosser und verdienter Beliebt- 
heit gelangten reinweissen Winter- 
Victoria-Levkoje. Was diese neue 
Art übrigens noch besonders wertvoll 
macht, ist, dass sie sich gut treiben 
lässt und eine sehr feine Schnittblume 
liefert, weshalb wir sie SpezialZüchtern 
auf das Wärmste empfehlen. 

Oenothera Johnsoni Parry. O 
Hierzu Abb. 29.) 
Eine bis i 1 -, 111 hohe äusserst stark- 
wüchsige Annuelle mit langen Rispen 
citronengelber Blüten von ca. 3 cm 
Durchmesser. Wegen ihres schnellen 




Abb. 28. Heterospermum Xanthii. 
lilumen tief Chromgelb. 

Wuchses ist diese Pflanze mit Vorteil 
auch da zu verwenden, wo es gilt, 
eine Lücke in höheren Sträucher- 
gruppen während des Sommers aus- 
zufüllen. Unser Bild stellt eine 
einzelne Pflanze dar, die zwei Monate 
nach der Aussaat bereits in Blüte 
stand. Am besten sagt ihr ein nahr- 
hafter Boden von möglichst sonniger 
Lage zu. Die einzelnen Triebe sind 
von unten auf mit länglich schmalen 
Blättern gleichmässig besetzt, so dass 
die Pflanze auch ohne Blüten noch 




■ .■ " '""-, ', '"■ ' 



Abb. 29. Oenothera Johnsoni Parry. 
Blumen citronengelb. 



i36_ 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. 



einen dekorativen Werth besitzt. Die 
Aussaat kann im März ins freie Land 
bewirkt werden. Der Blüthenflor 
erstreckt sich auf den ganzen Sommer. 

Polypteris callosa A. Gray (Compositae.) 

Circa 60 cm hoch mit sehr feiner, 
zierlicher Belaubung. Während des 
ganzen Sommers ist die Pflanze von 
einem Flor kleiner, herrlicher rosa- 
lila Blüten bedeckt. Eine der reich- 
blühendsten Pflanzen, die wir je in 
Kultur hatten. Auch für Bindezwecke 
ist die Pflanze sehr gut zu verwenden. 

Silene pendula compacta fol. aureis Venus. O 

Hervorgegangen aus unserer S. pen- 
dula compacta fol. aureis Luna, trägt 
diese reizende neue Art reinweisse 
Blumen. Der Kontrast der gelben 
Belaubung und der weissen Blumen 
mit dem umgebenden Grün Iässt diese 
Xeuheitbesonders wertvoll für Teppich- 
gruppen erscheinen. 

Vernonia arkansana (Compositae). % 

Eine Perenne, die in keinem Garten 
fehlen sollte. Sie wird ca. 1 m hoch, 




wächst sehr schön buschig und leistet 
jedwedem Witterungseinfluss Wider- 
stand. Auch in Bezug auf Boden- 
beschaffenheit ist sie nicht sonderlich 
wählerisch, da sie in unseren Gärten 
trotz enormer Hitze bei geringen 
Wassergaben ihren Blütenflor ununter- 
brochen vom Juli bis November er- 
neuerte. Die äusserst zahlreich er- 
scheinenden Blüten sind purpuiiila. 
Die sehr langen, schmalen, zugespitzten 
Blätter verleihen der Pflanze auch 
ohne Blumen schon ein dekoratives 
Aussehen. Als Schnittblume unent- 
behrlich. 



Neue eingeführte Schlingpflanzen. 

Ipomoea imperial. s „Aphrodite". 

Unter den von uns in den Handel 
gebrachten Ip. imperialis fehlte bisher 
noch eine solche mit reinweissen 
Blüten. In diesem Jahre haben wir 
diese Lücke durch obige Neuheit 
ausgefüllt. 

Ipomoea imperialis aurata ,,Cleopratra". 

Laub goldgelb schillernd. Blüten 
leuchtend karmin mit weissem Rand 
und Schlund. Ein wertvoller Zuwachs 
zu der wirklich herrlichen aurata- 
Klasse. 

Ipomoea imperialis collata carminea albo- 
marginata. 

Den sehr schnell beliebt gewordenen 
I. collata-Sorten fügen wir dieses Jahr 
einige sehr schöne neue Sorten hinzu. 
Die prachtvollen Blüten der obigen 
sind dunkelkarmin mit weissem Rand 
und mattrosa Schlund. Sehr effektvoll. 

Ipomoea imperialis collata „Diana". 

Tief dunkelblau mit zartrosa Schlund 
und weissem Rand. Ein brillantes 
Farbenspiel, das von keiner anderen 
übertroffen wird. 



Abb. 3o. Luffa acutangula. 



Luffa acutangula. 

(Hierzu Abb. 30.) 

Für Freunde der bekannten Bade- 
schwämme, Luffa cylindrica und acu- 
tangula. bilden wir hier die letztere ab. 



Kleinere Mitteilungen. 



L37 



Kleinere Mitteilungen. 



San Jose-Schildlaus auf Dörrbirnen in Danzig 
gefunden. 

Hochgeehrter Herr Geheimrat! 
Erlaube mir Ihnen mitzuteilen, dass 
ich gestern bei der in meiner Eigen- 
schaft als Sachverständiger ausgeführten 
Untersuchung einer hier seewärts ein- 
gegangenen Sendung amerikanischer 
Birnen (Fancy unpared pears halves*) 
die echte San Jose-Schildlaus gefunden 
habe, allerdings nur in wenigen, soweit 
ersichtlich toten Exemplaren. Ur- 
sprünglich müssen die Früchte, wie aus 
den zahlreichen Narben ersichtlich ist, 
massenhaft von Schildläusen besetzt 
gewesen sein; doch dürften die letzteren 
bei der Austrocknung der Früchte zum 
grössten Teil abgefallen sein. 
Dr. Kumm, 

Kustos am Provinzial-Museum. 

Vernichtung der Reblaus. 

Eine von der Landwirtschaftskammer 
der Provinz Sachsen nach Freyburg 
a. d. Unstrut einberufene Versammlung 
von Winzern aus dem Saal- und Unstrut- 
gebiet beschloss um die Aufhebung 
des jetzigen Verfahrens zur Vernichtung 
der Reblaus bei der Staatsregierung 
zu petitioniren. und erkärte sich für 
die Verwendung amerikanischer Reben 
bei Xeuanpflanzungen. 

Helianthus cueumerifolius. 

Von Adam Heydt, Kunstgärtner. 

Unter der artenreichen Gattung der 
Helianthus ist mir besonders Helian- 
thus cueumerifolius. die gurkenblättrige 
Sonnenblume, wert geworden. Diese 
ist nicht eine jener gigantischen Sonnen- 
blumen, für die man gewöhnlich keine 
Verwendung hat und die nur Lieb- 
habereien dient. Im Gegenteil, Helian- 
thus cueumerifolius ist eine nur 
massig hohe, sehr schätzbare Sonnen- 
blume sowohl für den Betrieb des 
Berufsgärtners, als auch für den Garten 
des Liebhabers. 

Recht vielseitig ist ihre Verwendung; 
sie dient zum Bepflanzen von Gruppen, 
zur GehOlzvorpflanzung und nament- 
lich für moderne Bindezwecke. 

Helianthus cueumerifolius wird bis 
70 80 cm hoch, trügt die Blumen 

* | D. h. halbe ungeschälte Birnen. L.W. 



auf hohen testen Stielen, die sich 
etwas rauh anfühlen. Die Blumen, 
prächtige Strahlenblüten in reinster, 
leuchtender, goldgelber Farbe mit 
schwarzem Zentrum, werden 5 — 7 cm 
breit, haben also gerade eine für 
Binderei am besten geeignete Gr< 
Die Blütezeit dauert von Juli bis 
gegen Oktober. 

Gruppen, mit diesen Helianthus be- 
pflanzt, machen einen guten Effekt, 
zudem ist die Anzucht einfach. 

Alan säet den Samen im April in 
einen lauwarmen Mistbeetkasten, unter 
der üblichen Behandlung, die über- 
haupt Sommerblumen widerfährt. So- 
bald die Pflanzen sich einigermassen 
entwickelt haben, ist es sehr gut, sie 
zu pikieren und dann erst nach ge- 
nügendem Erstarken auf recht sonnige 
Beete zu pflanzen. 

Für Gruppenpflanzung empfehle ich, 
ja recht dicht, etwa 15 cm. zu pflanzen, 
damit die Pflanzung von Anfang an 
voll aussieht. 

Einen Schutzzoll auf Obst 

verlangen jetzt auch unsere mär- 
kischen Obstzüchter. Zur Beratung 
der Angelegenheit tagte kürzlich in 
Werder eine Versammlung der 
Obstzüchtervereine von Werder, Glin- 
dow, Geltow, Caputh, Bornstedt. 
Krielow und Michendorf. Der Vor- 
sitzende des Obstbauvereins zu Werder 
erklärte, dass die Notlage der Obst- 
züchter diese jetzt unabweisbar zu 
energischem Vorgehen zwinge, um an 
zuständiger Stelle die Einführung eines 
Schutzzolles auf Obst zu erstreben. 
Nach den statistischen Feststellungen 
seien die Preise für alle Obsterzeug- 
nisse seit 1873 fortgesetzt im Rück- 
gang begriffen. Auch die sämtlichen 
übrigen Redner sprachen sich ent- 
schieden für den Schutzzoll aus. worauf 
dann einstimmig eine Erklärung an- 
genommen wurde, worin es heisst: 
Es ist bedauerlich, beobachten zu 
müssen, wie das geschmack- und 
gehaltvollere einheimische Früh- und 
Spätobst durch Spekulation aus- 
ländischer Händler von unseren Märkten 
verdrängt wird. Die Versammlung 
richtet an die hohe Reichsregierung 
sowie an die gesetzgebenden Körper- 



13Ä 



Kleinere Mitteilungen. 



schaften die dringende Bitte, die Ge- 
fahren, -welche für den Obstbau in hie- 
siger Gegend durch die Konkurrenz des 
Auslandes entstanden sind und noch 
entstehen können, durch einen ent- 
sprechenden Schutzzoll zu beseitigen 
und zu verhüten. Die Versammlung 
beauftragt den gewählten Ausschuss, 
mit allen ihm zu Gebote stehenden 
Mitteln dahin zu wirken, dass unsere 
Beschlüsse an geeigneter Stelle zum 
Ausdruck gebracht werden. Zur stän- 
digen Wahrnehmung der Interessen 
der Obstzüchter wurde dann ein Zentral- 
ausschuss gebildet, und endlich wurde 
beschlossen, die Obstbaugegend von 
Werder und dem ganzen Umkreise 
.,Havel-Obstgau"zu benennen. (Voss.Z.) 



Champignon-Brut aus Sporen. 

(Blanc vierge der Franzosen.) 

Das aus Sporen erzogene Mycelium 
ist der wichtigste Faktor bei einer 
rationellen Champignon-Kultur. Unsere 
deutschen Züchter tragen diesem Um- 
stände leider immer noch zu wenig 
Rechnung und dieses ist wohl auch 
in den meisten Fällen die Hauptursache 
vieler Misserfolge. 

Die Mehrzahl unserer Züchter ver- 
wendet zur weiteren Zucht Brut aus 
tragenden Beeten und züchtet sich auf 
diese Weise Generationen heran, welche 
mehr und mehr ausarten. 

Xoch unzweckmässiger aber ist es, 
Brut aus abgetragenen Beeten zu ver- 
wenden, und doch wird hierin noch 
vielfach gesündigt 

Es liegt auf der Hand, dass solche 
Brut mit allen möglichen Bakterien 
behaftet und verseucht sein muss, daher 
vollkommen wertlos ist. Die Folge 
davon ist entweder gar keine oder eine 
schlechte Ernte von dünnen, weichen 
Pilzen, welche auf dem Beete faulen 
und die ganze Anlage verderben. 

Diesem Uebelstande hilft nun in 
neuerer Zeit das »wissenschaftliche 
Institut Pasteur« in Paris ab. Dasselbe 
liefert den Züchtern jungfräuliche 
Sporenbrut (Blanc vierge), direkt aus 
Sporen besonders ausgewählter Cham- 
pignons gezüchtet, und zwar in zwei 
Formen: 

1. Blanc de semis sterilise in Form 
einer grossen Cartouche (Patrone). 

2. Blanc vierge de semis (jung- 
fräuliches Sporenmycel) in Kisten. 



3- 



I. Blanc de semis sterilise. 

Ein völlig neues Produkt, welches 
durch Keimen von Sporen ausgesuchter 
Champignons erlangt wird; jede 
Cartouche enthält den ersten 
Anfang dieser Keime. 

Das Produkt hat zahlreiche Vorteile 
vor dem bisher verwendeten Mycelium : 

1. Das Produkt ist rein und folglich frei 
vonKrankheiten (sog. Grünspan, Er- 
weichung, Tropfen, Schimmel etc.). 

2. Es wird erhalten von ausgesuchten 
Champignons einer sehr produk- 
tiven Rasse und ist für den 
Handel sehr geeignet. 
Durch die Züchtungsmethode ist 
jederzeit dieselbe Varietät wieder 
zu erhalten. 

4. Das Mycel nimmt mit Schnelligkeit 
an und spinnt gleichmässig mit 
hohem Ertrage. 

Da diese Cartouchen den ersten 
Anfang der Keimung enthalten, so sind 
dieselben zur Brutselbstzucht ganz be- 
sonders geeignet. 
II. Blanc vierge obtenu de semis. 

Diese zweite Form wird vom Institut 
Pasteur als fertiges Blanc vierge eben- 
falls direkt aus Sporen ausgewählter 
Champignons geliefert. Der Züchter 
ist sicher, wirkliches Blanc vierge aus 
Champignon - Sporen und nicht ab- 
getragene und teilweise wieder belebte 
Brut zu erhalten. 

Das Blanc vierge de semis wird nur 
in ganz trockenem Zustande geliefert, 
nicht nach Gewicht, sondern in Post- 
kisten für 16 — 17 Dm Beetfläche und 
in Kisten für die doppelte Beetfläche. 

Vom Institut Pasteur ist mir die Ver- 
tretung desselben in Preussen über- 
tragen und bin ich zu weiteren Mit- 
teilungen gern bereit. 

Berlin N., Treskowstr. 25 

Ad. Kritter. 

Spezialist für Champignon-Kultur. 



Bocconia cordata. 

Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 
Sehr wenig findet man in unseren 
Gärten Bocconia cordata, auch Macleya 
japonica genannt, angepflanzt, obwohl 
sie besonders in den Ziergärten und 
Parks als Gruppen- und Dekorations- 
staude sehr zu verwenden ist. Ihr 
malerischer Wuchs, verbunden mit 
ihrem hübschen Aussehen als Blatt- 
und Blutenpflanze, sollten die Auf- 



Kleinere Mitteilungen. 



L39 



merksamkeit der Berufsgürtner auf 
diese Staude wenden. 

Bocconia cordata isteinePapaveracee. 
Sie wird bis über 2 m hoch und be- 
sitzt einen starken Wuchs. Die Blätter, 
spiralförmig um den glatten, matt- 
glänzenden, grüngelben Stengel in etwa 
10 cm weiten Internodien verteilt, sind 
ähnlich einem Eichblatt eingebuchtet, 
von schöner, zierlicher Form. Die 
Lichtseite ist dunkelgrün mit helleren 
Adern, während die Unterseite filzig 
grau ist; Blattstiel etwa 5 cm lang. 

Die Blumen erscheinen in einer bis 
80 cm langen Rispe auf bis 2 m hohen 
Stielen. Die einzelnen Blütchen sind 
cremegelb undbesitzen einen schwachen 
Geruch. 

Bocconia cordata verbreitet sich 
durch Rhizome , verunkrautet jedoch 
das Land nicht in der Weise, wie 
Polygonum amplexicaule u. a. 

Die Anzucht ist leicht und geschieht 
entweder durch Samen oder Stock- 
ausschläge, wie auch durch Teilung. 
Einerlei, wie sie vermehrt wird, ist 
als Bestimmungsort kein gar zu 
schattiger Ort zu wählen, denn wenn 
auch Bocconia noch im Schatten ge- 
deiht, so ist ein recht sonniger Platz 
ihr am zusagendsten und nur dort ge- 
deiht sie prächtig und entwickelt sich 
in ihrer ganzen Vollkommenheit. Um 
sie zur höchsten Entwicklung zu be- 
kommen, ist sie von Zeit zu Zeit gehörig 
zu düngen, denn zu viel schadet nicht 
leicht, wohl aber das, was sie nicht 
erhält. 

Gaillardia grandiflora ., Golden Sunset". 

Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Schon seit man die Gaillardien kennt, 
hat man sie ihrer schönen Blumen 
wegen in Kreisen der Schnittblumen- 
züchter gepilegt. Hier möchte ich die 
Varietät: »GoldenSunset«, eine englische 
Züchtung, besonders hervorheben. 

»Golden Sunset« wird bis 1 m hoch. 
Der Wuchs ist wie bei allen Gaillardien 
mehr breit als kompakt. Die Blätter 
sind dreizählig, das Hauptblatt ist etwa 
12 — 15 cm lang, lanzettlich, ca. 1 cm 
breit, die beiden anderen am selben 
Stiele sitzenden Blätter sind bis 5 cm 
lang und 1 /-> cm breit; Blätter leicht 
behaart. 

Die Blumen sitzen auf hohen bis 
7<> cm langen glatten Stielen und sind 



doldenähnlich gestellt, 5 — 7 cm breit 
und von schönster, reiner, leuchtender, 
dem Auge wohlgefälliger goldgelber 
Farbe. Die Blumen erscheinen in 
unzähliger Menge von Juli bis Ende 
Oktober. Der Blütenflor grenzt an 
das Märchenhafte. Die Illumcn 
bilden einen ganz vortrefflichen Werk- 
stoff für allerlei Bindearbeiten und 
verdienen die vollste Beachtung aller 
blumenkonsumierenden Praktiker und 
Dilettanten. 

Die Anzucht geschieht durch Samen, 
der im März entweder in Schalen oder 
ins Mistbeet gesäet werden; nach dem 
genügenden Erstarken pikiert man die 
jungen Pflanzen in Kästen, um sie 
später an Ort und Stelle zu pflanzen, 
wo sie dann mehrere Jahre verbleiben 
können. 



300 Jahre alte Buche. 

In den letzten Tagen wurde im 
Ilaardtgebirge eine etwa 300 Jahre 
alte Buche gefällt, die einen Meter 
über der Erde sich in zwei mächtigen 
Stämmen emporreckte. Beim Zerlegen 
entdeckten die Holzknechte, dass in 
einen der beiden Stämme das Skelett 
eines Pferdekopfes hineingewachsen 
war. Eine nähere Erklärung über 
dieses Naturwunder konnte nicht ge- 
geben werden. 



Krankheit der La France-Rosen. 

Der in den Berliner Gärtnereien in 
grossem Massstab getriebenen Zucht 
der La France-Rosen droht eine ernste 
Gefahr. Die Rosen dieser Art werden 
neuerdings von einer bisher nicht 
beobachteten Krankheit heimgesucht, 
die kurz vor der Blütezeit, also während 
die Pflanze sich in vollster Vegetation 
befindet, akut auftritt, und die sich 
darin äussert, dass die einzelnen 
Triebe schlaff werden und innerhalb 
weniger Tage die Blätter fallen lassen. 
Über die Ursache der Krankheit gehen 
die Meinungen noch auseinander. 
Während einige auch hier die Wirkung 
eines Pilzes, und zwar eines Wurzel- 
pilzes, vermuten, neigt Prof. Sorauer 
der Ansicht zu, dass es sich um 
eine allgemeine Schwächeerscheinung 
handelt. Die Krankheit ist jetzt auch 
bei Marechal Xiel beobachtet. 



140 



Unterrichtswesen. 



Unser frühestblühendes Freiland-Rhododendron. 

Dies ist nach meinen Beobachtungen 
das in den Gärten noch seltene, aus 
Sibirien stammendeRhododendron par- 
vifolium Adams. 

Es bildet einen ca. meterhohen, etwas 
sparrig wachsenden Strauch, dessen 
dünne, leicht gewundene Zweige teil- 
weise überhängen und mit kleinen, 
schmal länglichspitzen, mit Schilfer- 
schüppchen bedeckten, immergrünen 
Blättern besetzt sind. Die kleinen, 
karminfarbenen Blüten stehen zu 4 
bis 5 in Dolden am Ende der Zweige, 
erscheinen in reichlicher Anzahl, nicht, 
wie in den deutschen Dendrologien 
irrtümlich angegeben, im Juli — August, 
sondern gegen Mitte bis Ende März 
und halten sich mehrere Wochen am 
Strauche. 

Das ausnahmsweise milde Wetter 
dieses Winters brachte die Blüten sogar 
schon um die Mitte des Januar zur 
Entfaltung, wo die Blütenknospen des 
Rhododendron mucronulatun eben zu 
schwellen begannen und die von Rho- 



dodendron dahuricum sich noch gar 
nicht rührten. 

Obgleich der Blütenflor des Rho- 
dodendron parvifolium von beschei- 
! denerer Schönheit ist als der der lezt- 
genannten beiden Arten, so macht 
doch seine frühzeitige Entwicklung 
die Pflanze für unsere Gärten wertvoll. 
Die ersten Boten des erwachenden 
Frühlings sind wohl jedem Menschen, 
dem der Sinn für die Schönheiten der 
Natur nicht ganz verloren gegangen 
ist, doppelt lieb; als einen solchen 
möchte ich deshalb Rhododendron 
parvifolium jedem Gartenfreund zur 
Anpflanzung warm empfehlen. 
L. Späth. 
Baumschulenweg b. Berlin. 

Riesen-Heliotrop 

mit Blütenständen von 30 — 40 cm Durch- 
messer in den drei Farben: tief dunkel- 
blau, fliederfarbig oder himmelblau, 
werden von We igelt & Co.-Erfurt an- 
geboten. Aus Samen erzielt man in 
vier Monaten fertige Pflanzen. 



Unterrichtswesen. 



Das 75jährige Jubiläum der Königl. Gärtner- 
Lehranstalt. 

In wenigen Monaten werden 75 Iahre 
verflossen sein, seitdem die Königliche 
Gäiiner-Lehranstalt am Wildpark bei 
Potsdam, die älteste Unterrichtsstätte 
für Gärtner, im Frühling 1824 eröffnet 
wurde. Infolge eines im Verein zur 
Beförderung des Gartenbaues in den 
preussischen Staaten gestellten An- 
trages unseres Altmeisters Lenne 
wurde sie gegründet, und unter dem 
Schutze des Vereins wurde sie auf die 
richtige Bahn zu einer erfolgreichen 
Thätigkeit geleitet. Eine stattliche Zahl 
von Schülern ist aus der Königlichen 
Gärtner-Lehranstalt am Wildpark und 
Potsdam-Schöneberg hervorgegangen, 
welche sich zum grössten Teil in hervor- 
ragenden Stellungen des In- und Aus- 
landes befinden und in Gemeinschaft 
zahlreicher Freunde der Anstalt die 
Gelegenheit freudig begrüssen, den 
Dank gegen die alte Bildungsstätte 
durch eine würdige Feier des 7 5 jähr. 
Jubiläums zu bekunden. 



Bereits am 29. April 1897 wurden 
die ersten Schritte für die geplante 
Feier gethan. Eine Sitzung des Vor- 
bereitungs- Komitees tagte im Hotel 
Imperial zu Berlin und fasste den Be- 
schluss, anlässlich der Jubelfeier der 
Anstalt und zum bleibenden Andenken 
an diese Zeit einen Fonds zu gründen, 
aus dessen Zinserträgen würdige Eleven 
unterstützt werden sollen. Der aus 
neun Herren gebildete Vorstand erliess 
dann im November 1897 zur Be- 
schaffung des erforderlichen Grund- 
kapitals an die früheren Schüler der 
Anstalt und an die Freunde der 
letzteren ein Schreiben, in welchem 
um Zeichnung von Beiträgen gebeten 
wurde. Die gezeichneten und einge- 
gangenen Beiträge belaufen sich gegen- 
wärtig auf rund 13000 M. ■ — So er- 
freulich auch dies Resultat ist, so 
reicht diese Summe doch nicht an- 
nähernd hin für eine erspriessliche 
Unterstützung in dem gedachten Sinne, 
da in der Hauptsache die Absicht vor- 
liegt, aus dem Zinserlös des Jubiläums- 



Unterrichtswesen. 



141 



fonds Reise - Stipendien zu ver- 
leihen. 

Wir sehen uns daher gezwungen, 
noch einmal mit der ergebensten Bitte 
um weitere Beiträge an unsere Fach- 
genossen und an die Freunde der An- 
stalt heranzutreten. Die erste An- 
regung wurde bisher nur von wenigen 
berücksichtigt, was wohl dem Um- 
stände zugeschrieben werden darf, dass 
die in Aussicht genommene Feier da- 
mals noch in weiter Ferne lag. Um 
das allgemeine Interesse für diese Feier 
und für die Sammlung auch in ent- 
ferntere Kreise zu tragen, ist am 
31. Januar dieses Jahres beschlossen 
worden, das bisherige »Ausschuss- 
Komitee« zu erweitern. Das ursprüng- 
liche »Vorbereitungs - Komitee« für 
unsere Feier ist unter Heranziehung 
noch anderer Herren zu einem »er- 
weiterten Komitee« umgewandelt 
worden. — Die Geldbeträge wolle 
man gefälligst nur an die Kasse der 
Königlichen Gärtner - Lehranstalt am 
Wildpark bei Potsdam einsenden. 

Für die Feier selbst ist vom engeren 
Komitee Folgendes in Aussicht ge- 
nommen: Die Feier findet statt vom 
Freitag den 3o. Juni bis Sonntag den 
2. Juli 1899 einschliesslich. 

Vorabend: Begrüssung der an- 
kommenden Teilnehmer auf der Wild- 
parkstation. Konzert. Illumination der 
Anstalt. 

I. Tag. Eröffnung der Feier im Ge- 
bäude der Königlichen Gärtner-Lehr- 
anstalt am Wildpark, a) Festrede (Herr 
Ministerialdirektor Dr. Thiel, Ehren- 
präsident), b) Frühschoppen auf der 
Anstalt, c) Wagenfahrt durch die Pots- 
damer Parkanlagen, d) Fest-Diner mit 
Damen. 

II. Tag. a) Von 2 Uhr nachmittags 
ab Dampferfahrt auf der Havel (mit 
Damen), b) Abends 8 Uhr Fest-Kommers. 

III. Tag. a) Von 2 Uhr nachmittags 
ab Exkursion nach den Baumschulen 
des Königl. Oekonomierat F. Späth in 
Baumschulenweg bei Berlin, b) Zwang- 
loses Zusammensein im Ausstellungs- 
park, Berlin. 

Die Zusendung des Festprogramms 
wird zur geeigneten Zeit erfolgen. Den 
Teilnehmern an der Feier wird eine 
Festschrift überreicht werden, welche 



am Schluss ein Verzeichnis aller bis- 
herigen Anstalter enthalten wird. 

Das Ausschuss-Komitee 

für die Feier des 75 jährigen Jubiläums der 

Königlichen Gärtner-Lehranstalt am Wildpark 

bei Potsdam. 

Dr. II. Thiel. Königl. Wirkl. Geheimer 
Ober-Regierungsrat und Ministerial- 
direktor, Ehrenpräsident. Fintelm an n, 
Königlicher Ilofgarten-Direktor und 
Direktor der Königlichen Gärtner- 
Lehranstalt am Wildpark bei Potsdam, 
Sanssouci bei Potsdam, Vorsitzender. 
Mächtig, Garten-Direktor der Haupt- 
und Residenzstadt Berlin, erster Stell- 
vertreter, Berlin N„ Humboldthain. 
Brandt, Königlicher Gartenbau-Direk- 
tor, Charlottenburg, zweiter Stellver- 
treter. C. Lackner, Königlicher Gar- 
tenbau-Direktor, Steglitz bei Berlin, 
dritter Stellvertreter. 

Beirat: 

Buntzel, Königlicher Gartenbau- 
Direktor, Niederschönweide bei Berlin. 
Otto Chone, Direktor, Kolonie Grune- 
wald, Boothstr. 44. A. Demmler sen.. 
Rentier, Friedrichsfelde bei Berlin. 
A. Fintelmann, Städtischer Garten- 
inspektor, Berlin, Flumboldthain. 
Hampel, Königlicher Gartenbau- 
Direktor, Berlin, Vor dem Schlesischen 
Thore. H. Jancke, Königlicher Hof- 
gärtner, Schloss Bellevue bei Berlin. 
R. Meyer, Handelsgärtner, Wildpark 
bei Potsdam. K. Nietn er, Königlicher 
Hofgärtner, Babelsberg bei Nowawes- 
Neuendorf. F. Späth, Königlicher 
Oekonomierat und Baumschulen -Be- 
sitzer, Baumschulenweg bei Berlin. 
Schulz, Direktor der Realschule, Pots- 
dam. Wittmack, L., Geh. Reg.-Rat, 
Prof. Dr.. Berlin N.. Invalidenstr. 42. 

Probst, Rendant, Bornstedt (Mark), 
Kassierer. Th. Echtermeyer. In- 
spektor der Königlichen Gärtner-Lehr- 
anstalt am Wildpark b. Potsdam, Wild- 
park. Geschäftsführer. 

Gärtner-Lehranstalt Köstritz i. Thür. 

1 las laufende Wintersemester iSqs 99, 
das 24. seit dem Bestehen der Anstalt. 
wird von 111 Berufs-Gärtnern. besucht, 
deren Nationalität sich wie folgt ver- 
teilt: Braunschweig 3, Hannovers. 
Hessen 6, Posen 1, Pommern 4. I »st- 
und Westpreussen 4, Rheinprovinz 4. 
Schlesien 10, Schleswig 2, Westfalen 8, 
Prov. und Kgr. Sachsen 20, Baden 2. 



14- 



Ausstellungen und Kongresse. — Litteratur. 



Württemberg 3, Bayern 5, kleinere 
Staaten und freie Städte 20, Oester- 
reich 5, England 2, Frankreich 1. Bra- 
silien 1, Russland 1, Guatemala 1. 

Die Frequenz hat sich, Sommer- und 
Wintersemester zusammengestellt, wie 
folgt gestaltet: 1S87 17, 1888 23. 1889 
25, l 8 90 43, 1891 03, 1892 90, 1893 111, 
1894 128, 1895 167, 1896 170, 1897 177. 
1898 190. 

Das Abgangszeugnis erhielten auf 
Grund der mündlichen und schrift- 
lichen Schlussprüfung am Ende des 
Sommersemesters 1S98: 26 Gehilfen, 
unter diesen C. Bruns, Hauwick, für 
hervorragende Leistungen gleichzeitig 
den Semester-Ehrenpreis. 

Die Prüfung als Obergärtner be- 
standen nach der Prüfungs- Ordnung 
vom 1. April 1892 der Gehilfe Curt 
Rottig, Wiehe a. U. 



Die Berechtigung zum Einjährig-frei- 
willigen Dienst erhielt Erich Lehmann. 
Steglitz. 

Der Unterricht wird in 5 Abteilungen 
von 10 Lehrern erteilt, und in jeder 
W T eise dafür Sorge getragen, dass die 
Gehilfen sich eine zeitgemässe, ab- 
geschlossene Fachbildung aneignen. 

Der nächste Kursus beginnt den 
20. April er. und ist der Direktor Dr. 
H. Settegast zu jeder näheren Auskunft 
stets bereit. 

Gartenbau- und Haushaltungs-Schule in 
Friedrichshafen. 

Im schön gelegenen Friedrichshafen 
am Bodensee wird im Anschluss an 
das Lehrerinnenheim am 1. April eine 
Gartenbau- und Haushaltungs-Schule 
für Mädchen gebildeter Stände eröffnet. 
Anmeldungen an Frau Oberbürger- 
meister von Rümelin, Stuttgart. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Berlin. Grosse deutsche Winter- 
blumen - Ausstellung, Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten. Das 
Programm, das Medaillen und Geld- 
preise im Gesamtbetrage von nicht 
weniger als 20000 Mark aussetzt, 
ist am 23. Februar vom Verein 
zur Beförderung des Gartenbaues 
genehmigt und wird nun gedruckt 
werden. 

Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5./17. 
bis 15./27. Mai 1899. Anmeldungen bis 
spätestens zum 1. 13. März an Geheim- 
rat Excellenz Prof. Fischer von 
Wald heim. Kaiserl. bot. Garten. 



Antwerpen. Internationale Aus- 
stellung vom 9. — 13. April 1899 zur 
Feier des 3ocjährigen Geburtstages von 
Anton van Dyck. 



Gent. 30. April bis 9. Mai 1899 
grosse internationale Ausstellung der 
Ligue horticole L'Union zu Mont 
St. Amand bei Gent. Das Programm 
ist ausserordentlich umfangreich, gegen 
1000 Aufgaben. 



Dresden. Jubiläums -Ausstellung 
des Landesobstvereins für das König- 
reich Sachsen vom 14. — 19. Oktober. 
Das Programmm ist zu beziehen: 
Gerokstrasse 45. 



Litteratur. 



Mitteilungen der DeutschenDen- 
drologischen Gesellschaft 1897. 
Enthält den Bericht über die Thätig- 
keit der Gesellschaft im Jahre 1897, 
sowie eine Reihe interessanter und 
belehrender Vorträge und sonstiger 
Aufsätze aus dem Gebiete der Baum- 
und Gehölzkunde. Besonders interessant 



ist eine farbige Abbildung von Rho- 
dodendron mucronulatum. Ein Mit- 
gliederverzeichnis bildet den Beschluss. 



Der Bericht über die Acker- und 
Gartenbau-Ausstellung zu Nizza, welche 
vom 31. März bis 3. April 1898 statt- 
fand, ist erschienen. Derselbe enthält 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



'43 



u. a. auch ein Verzeichnis der Prä- 
miierungen. ____ 

Albert Maumene. L'arf du 
ileuriste. Paris, Verlag der Librairie 
agricole du »Jardin< 1897. so. 239 S. 
33 Abb. 

Die Kunst des Blumenbinders 
wird hier in hübscher Sprache vor- 
gelührt. und diese Schrift wird auch 
dem deutschen Leser viel Interesse 
gewähren, um zu sehen, in welcher 
Form in Paris Blumenzusammen- 
stellungen verwendet werden und 
welche Regeln dabei gelten. Das Ganze 
ist in einem anmutigen Plauderton ge- 
schrieben und behandelt auch all- 
gemeinere Verhältnisse. So z. B. die 
Blumen bei den Völkern in den ver- 
schiedenen Zeitaltern; ferner: Woher 
kommen die Blumen? Wohin gehen 
.sie? Weiter werden ausser den eigent- 
lichen Bindereien besprochen: Blumen 
für Balkons und Fenster, Blumen 
an Häusern, Guirlanden etc., schliess- 
lich die Blumen im Auslande. Ueber 
Deutschland sagtder Verfasser p.228: 

»Deutschland und Oesterreich, wo der 
Blumenhandel sehr bedeutend ist, sind 
noch zu nennen. Aber wenn auch 
manche ihrer Zusammenstellungen 
hübsch sind, so sind andere doch wenig 
zierlich und von zweifelhaftem Ge- 
schmack. (Ist das in Frankreich nicht 
ebenso? L. W.) 

In Deutschland besonders macht 
man sehr schwereZusammenstellungen; 
die Kränze, meist aus Blättern, die 
dicht aufeinander gelegt sind, ge- 
bildet, sind zuweilen ziemlich 



grob.*) Aber man muss anerkennen. 
dass, wenn manche Zusammen- 
stellungen., wie die, wo Vögel auf den 
Henkeln wie auf Stangen sitzen, 
sich etwas vom guten künstlerischen 
Geschmack entfernen (sehr wahr. L.W.), 
dagegen andere Blumen-Motive sich 
durch äusserste Gewähltheit und voll- 
kommene Erfassung einer Idee aus- 
zeichnen. Manche Sträusse, bei denen 
die Maiblume ott das vorwiegende 
Element ist, die auf der Basis von 
langen Cycas-Wedeln ruhen und mit 
einer grossen Schleife aus Band ver- 
bunden sind, dessen Enden zierlich 
herabhängen, sind höchst elegant: 
diese Sträusse sind meistens für Be- 
gräbnisse bestimmt. Von origineller 
Erfindung, sind sie gewissermassen die 
Signatur der grossen deutschen Blumen- 
binder, welche dadurch die kleinlichen 
und schlechten Geschmack zeigenden 
Leistungen der Blumenbinder von wenig 
Talent zurückweisen wollen. 

Die Sträusse und Vorderstücke der 
Kreuze, Kränze und Trauerkissen sind 
ebenfalls mit diesen Cycaswedeln ge- 
schmückt, welche man im Innern be- 
festigt oder quer über die Kränze hin- 
geworfen hat. Alan betreibt Spezial- 
kulturen von Cycas, um die ab- 
geschnittenen Wedel zu liefern. 

Unsere Pariser Blumenbinder wenden 
jetzt auch Wedel von Cycas und ge- 
wissen Palmen in grosser Menge für 
ihre reichen Gebilde an.« 



*) Der abgebildete Kranz aus Blättern im 
deutschen Stil, anscheinend ein uraltes Gliche, 
ist allerdings wenig schön. Es giebt aber viel 
bessere. L. W. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



\V. Weisse in Kamenz i. Sachs. Coni- 
feren, Zierbäume, immergrüne Pflanzen. 
Stauden, Obstbäume etc. — Fürst von 
Lobkowitzsche Baumschulen in 
Eisenberg (Böhmen). — Au gusteCh an- 
tin in Paris. Rhododendion. Orangen, 
Myrten, Araucarien, Palmen, Orchi- 
deen etc. — Köhler & Rudel in 
Windischleuba-Alteuburg (S.-A.). Spe- 
zial-Preisliste über Cactus - Dahlien, 
Chrysanthemum, Canna. Schnittstauden 
und div. Samen. — J. Kmetsch in 
Burg bei Hoyerswerda (Schlesien). 



Baumschulartikel. Po m m ers c he 

Obstbaum- und Gehölzschulen zu 
Radekow bei Tantow (Berlin-Stettiner 
Bahn). Dasselbe. — A. Seh wiglewsk i 
in Carow b. Berlin, Post Blankenburg 
(Mark). Dahlien (mit Abb.). A. 

Metz & Co. in Berlin, Bülowstrasse. 
Grassämereien. W. Pfitzer in 

Stuttgart. Pflanzen -Verzeichnis über 
Diverses (mit Abb.). — Karl Rein seh 
in Dresden. Windmotoren für Maschinen 
und Pumpen. 



i 4 4 



Persunal-Nac brich tun. 



Personal-Nachrichten. 



Der 70. Geburtstag des berühmten 
Botanikers Geh. Regierungsrat Prof. 
Dr. Simon Seh wendener. Mit- 
glied des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaus zu Berlin, geb. zu Buchs, 
Kanton St. Gallen, wurde am 10. Februar 
festlich begangen. Es erschienen u. a. 
der Rektor der Universität, Geh. Rat 
Waldeyer und der Dekan Professor 
Schwarz. Geh. Reg.-Rat Engler 
überreichte im Namen der Freunde 
ein grosses, in Leder gepunztes Album 
mit etwa 200 Photographien und verlas 
die darauf bezügliche Adresse. (Das 
Album ist von G. Hulbe, die Adresse 
vom Hofkalligraphen Sack gefertigt.) 
Prof. Asche rson verlas die Adresse 
des bot. Vereins der Provinz Branden- 
burg, L. Wittmack die der Gesellschaft 
naturforschender Freunde; Gartenbau- 
direktor Lackner und Perring über- 
reichten das Diplom als Ehrenmitglied 
des Vereins zur Beförderung des Garten- 
baus, Prof. Haberlandt aus Graz 
namens der Schüler eine mit dem 
Hilde Schwende n er s gezierte inhalts- 
reiche Festschrift etc. etc. Am fol- 
genden Tage fand ein Festessen im 
^Englischen Hause« statt, bei welchem 
der Rektor der Universität, Geh. Rat 
Waldeyer, das Hoch auf S. M. den 
Kaiser ausbrachte. Prof. Haberlandt 
begrüsste den Jubilar namens der 
deutschen bot. Gesellschaft, Professor 
Engler im Namen der Berliner Freunde, 
Prof. Volkens im Namen der Schüler, 
der Gesandte der Schweiz, Minister 
Roth, als schweizerischen Veteran 
der Wissenschaft, Geh. Rat Diels 
sprach im Namen der Akademie der 
Wissenschaften, Prof. Schwarz im 
Namen der philosophischen Fakultät. 
Hierauf antwortete Geh. Rat Seh wen- 
dener in längerer Rede. Prof. Kny 
trank auf die Gäste, Prof. Lasson 
in Versen auf die deutsche bot. Ge- 
sellschaft, Geh. Rat Wagner auf die 
Schweiz, L. Wittmack erklärte die 
Tischkarte, die er mit Zeichnungen aus 
Schwendeners Werken durch Herrn 
Schade hatte schmücken lassen, und 
trank auf die deutschen Universitäten. 



Prof. an der Universität Heidelberg, 
Geh. Hofrat Dr. Ernst P fitz er und 
den Prof. an der Universität Kopen- 
hagen Dr. Eugenius Warming zu 
korrespondierenden Mitgliedern, in 
ihrer physikalisch - mathematischen 
Klasse gewählt. 

Der 90. Geburtstag des Hrn. Adolph 
Demmler wurde am 23. Februar im 
Kreise der Familie festlich begangen. 
Der Vorstand des Vereins zur Be- 
förderung des Gartenbaues überreichte 
dem immer noch frischen Greise die 
Vermeilmedaille für Förderung der 
Zwecke des Vereins durch allgemeine 
Förderung des Gartenbaues 



Der Verein zur Beförderung des 
Gartenbaues hat innerhalb acht Tagen 
drei langjährige Mitglieder verloren. 
Am iü. Februar verstarb der Rentner 
B. Schäffer, Berlin, Begründer der 
Firma Schäffer & Walcker, der in 
Herischdorf in Schlesien sich der 
Pflege seines Gartens mit grosser Liebe 
widmete. — Am 18. Februar verschied 
nach langen Leiden der allezeit 
opferfreudige Kommerzienrat Otto 
Dellschau, dessen Garten in Pankow 
von Herrn Obergärtner Schmidt so 
wohl gepflegt wird, und dessen 
Azaleen ein Schaustück auf allen 
Berliner Ausstellungen waren. - Am 
19. Februar verstarb plötzlich, nachdem 
er sich von längerer Kränklichkeit fast 
ganz wieder erholt hatte, im 59. Lebens- 
jahre der Kgl. Gartenbaudirektor und 
Kgl. Hoflieferant Gustav Adolph 
Schultz, Lichtenberg bei Berlin, ein 
Mann, der sich aus den kleinsten An- 
fängen zu einem der ersten Handels- 
gärtner Deutschlands aufgeschwungen 
hatte. Wie hoch dieser Mann angesehen, 
ergab sich am besten aus der 
nach Hunderten zählenden Trauer- 
versammlung bei seinem Begräbnis. 
Wir werden seine Biographie in nächster 
Nummer bringen. 



Die königl. Akademie der Wissen- 
schaften hat den Professor an der 
Akademie zu Münster i. W., Geheimen 
Regierungsrat Dr. Oskar Brefeld, den 



Der grosse Gartenliebhaber Kom- 
merzienrat Ranniger in Altenburg, 
Besitzer eines herrlichen Winter- 
gartens, Mitglied des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, f am 
23. Februar nach einem nur Stägigen 
Krankenlager. 



Gartenflora 1899. 




LISSOCHILUS GRAEFII. kränzlin. 



Lissochilus Graefii Krzl. 

rz^ry- Von F. Kränzlin, (Hierzu Tafel 1460.) 

-3^jie hier abgebildete schöne Erdorchidee hat für Berlin eine besondere Be- 
^£% deutung insofern, als sie in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt, nämlich 
in Steglitz, zum erstenmale geblüht hat und von hier aus als neue Art be- 
kannt gemacht wurde. Es ist ein stattliches Gewächs mit faustgrossen, prallen, 
eiförmigen Knollen und grossen, im allgemeinen an Curculigo erinnernden 
Blättern. Der Blütenschatt erreicht eine Höhe bis zu 1,25 Meter und trägt 
oberseits eine reichblütige, etwas lockere Rispe der schönen Blumen, welche 
die beifolgende Tafel in natürlicher Grösse und Färbung zeigt. Der Haupt- 
unterschied von ähnlichen Arten, von denen aber keine z. Z. bei uns in Kultur 
ist, besteht in dem mittleren Lappen der Lippe. Bei allen anderen Arten 
dieses Formenkreises bildet derselbe eine wenn auch zusammengefaltete, so doch 
leicht in eine Ebene ausbreitbare Fläche, bei L. Graelii ist dieser Teil ein 
solider, beilklingenähnlicher Körper, welchen flach auszubreiten unmöglich ist. 
Dies ist das am meisten charakteristische Merkmal, die anderen mehr auf 
botanischen Subtilitäten beruhenden lasse ich hier um so eher bei Seite, als sie 
alle nur mit Hilfe von Vergleichsmaterial gewürdigt werden können. Die 
Pflanze hat eine amüsante und für den Besitzer erfreuliche Vorgeschichte. Herr 
Dr. Graef*) erstand bei der einstmaligen Firma Seeger & Tropp zu East-Dulwich 
bei London einen Posten Laelien und Cattleyen zu einem sehr geringen Durch- 
schnittspreis (ich glaube 1 Sixpence das Stück). Darunter befand sich eine 
verschrumpfte, sehr dürftig aussehende Knolle, welche Herr Dr. Gr. für Cattleya 
citrina hielt, womit sie in der ThatÄhnlicheit hatte, und welche er nach Art dieser 
Pflanzen kultivierte, d. h. den Gipfel nach unten. Der neue Trieb wuchs aber 
nicht in der Art von Gattl. citrina abwärts, sondern die Blätter wandten sich 
sofort aufwärts. Die Pflanze wurde nun aus ihrer Zwangslage erlöst und ein- 
getopft. Die neue Behandlung schlug so gut an, dass die neue Bulbe mehr 
als doppelt so gross wurde wie die erste und die dritte wieder grösser. Ich 
erinnere mich der alten Bulben noch sehr genau. Im zweiten Jahre blühte 
dann die Pflanze, machte aber im darauffolgenden Jahre ausser noch grösseren 
Bulben und Blättern einen noch viel höheren Blütenstand von den oben an- 
gegebenen Dimensionen. Die Beobachtungen zweier Jahre und eine genaue 
wissenschaftliche Beschreibung nebst einer Discussion über die systematische 
Stellung habe ich zuerst in Gard. Chronicle 1893, I. 740 publiziert; eine noch 
detailliertere Beschreibung mit deutschem Text und einer farbigen Tafel in dem 
dritten Bande der Xenia Orchidacea, Seite 125 (mit Tafel 272). Ich halte die Art 
als solche aufrecht, trotz Herrn Allen Rolfes Einwand, welcher sie in Bd. 7 der 
Flora of Tropical Africa (S. 91) mit Lissochilus Krebsii Rchb. f. vereinigen will. 



*) Herr Dr. Graef in Steglitz ist leider am 2. März im 72. Lebensjahre verschieden. 



IA(j 856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

Herr Rolfe bat die Pflanze nicht lebend untersucht und aus seiner Beschreibung 
geht hervor, dass er das Hauptmerkmal, wodurch sich beide Arten unter- 
scheiden, nicht 4 gesehen hat. Ueberdies hat L. Graefii grössere Blüten, als sie 
je bei L.^Krebsii'vorkommen. 

Erklärung der aus Xenia Orchidacea III t., 272 entlehnten Analysen: 
1. Blüte von vorn. 2. Labellum von der Seite (verkleinert). 3. Pollenmassen 
von vorn. 4. Dieselben von hinten. 5. Anthere von innen, ö. von aussen ge- 
sehen. (3 — 6 schwach vergrössert). 



856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 23. Februar 1899. 

I. Der Vereinsdirektor, Kgl. Gartenbaudirektor Lackner, wies daraufhin, dass 
der Verein innerhalb kurzer Zeit mehrere schwere Verluste erlitten habe, 
und widmete den Dahingeschiedenen: Herren Ulrich Pitt-Wernigerode, 
Rentner B. Schäffer-Berlin, Kommerzienrat Dellschau-Berlin und Kgl. 
Gartenbaudirektor Gust. Ad. Schultz-Lichtenberg bei Berlin, warme 
Worte der Anerkennung. Die zahlreich Versammelten (darunter auch 
viele Damen) erhoben sich zum Zeichen der Teilnahme von ihren Sitzen. 

II. Vorgeschlagen wurden zu wirklichen Mitgliedern: 

1. Herr Schlossgärtner Ad amHeydt,Dallmin an der Berl. Hamburger 

Bahn, durch L. Wittmack; 

2. » Kommerzienrat Hugo Landau, Berlin W., Wilhelmstr. 71, 

durch Herrn Dr. Freiherrn von Landau; 

3. » Gärtnereibesitzer M. Rist ig, Zehlendorf, durch Herrn 

Wienholz; 

4. » Rentier Meermann, Birkenwerder, durch Herrn Lehmann. 

III. Als ein freudiges Ereignis teilte der Direktor mit, dass heute Herr 
Adolph Demmler seinen 90. Geburtstag feiere und dass ihm dazu vom 
Vorstande die Vermeilmedaille überreicht sei. 

IV. Alsdann begrüsste er den in der letzten Versammlung als zweiten Vor- 
sitzenden gewählten Herrn Konsul Seifert. Dieser dankte in herzlichen 
Worten für seine Wahl und erklärte, er wolle sich nach besten Kräften 
bemühen, allen Interessen gerecht zu werden und die Ziele des Vereins 
nach jeder Richtung zu fördern. (Bravo!) 

V. Alsdann hielt Herr Prof. Dr. Carl Müller einen mit vielem Humor 
gewürzten und mitreichem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Ivessche 
Verfahren der Reproduktion von Photographien in natürlichen Farben 
und seine Bedeutung für den Gartenbau. Herr Prof. Müller entwickelte, 
wie man das weisse Sonnenlicht durch ein Prisma in die Regenbogen- 
farben zerlegen könne und wie weiter sich diese Farben in drei Grund- 
farben: rot, grün und blau, zusammenfassen lassen. Wenn man nun einen 
Gegenstand erst durch ein rotes Glas photographiert, dann durch ein 
grünes, dann durch ein blaues, von diesen Aufnahmen drei durchsichtige 
Glasphotographieen (sog. Diapositive) herstellt, diese wiederum durch 
Einschalten der entsprechend gefärbten Gläser (rot, grün und blau) färbt 



856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. \An 



und mit Hilfe des [vesschen Lichtbilderapparates (des ..Chromoskopes") 
die aul einen weissen Schirm geworfenen Bilder übereinander schiebt, 
so erbickt man bei völliger I)eckung der Bilder den Gegenstand in 
natürlichen Farben. Der Redner dankte dem Herrn Prof. Dr. Börnstein 
von der landw. Hochschule, welcher ihm das Chromoskop nebst elektrischen 
Lampe zur Verfügung gestellt hatte, ebenso der Gesellschaft Urania für 
Überlassung einer Anzahl zugehöriger Diapositive 

Die auf eine weisse Wand geworfenen Bilder einer Vase mit Blumen, 
eines Tellers mit Früchten, eines Schmetterlings etc. etc. wurden über- 
raschend in ihren natürlichen Farben wiedergegeben. Prof. Müller legte 
dar, dass man Bindereien, Blumen, Teppichbeete etc. auf diese Weise 
sich in ihren natürlichen Farben wieder vorführen könne; allerdings 
bedarf es vorläufig dazu noch der komplizierten Apparate, deren vor- 
zügliche Leistungen aber die angemalten Photographien als einen nur 
wenig befriedigenden Notbehelf erscheinen lassen. 
VT. Ausgestellte Gegenstände: i. Herr Obergärtner Lehmann legte aus 
dem Garten des Herrn Leutnant Wollank in Dammsmühle*) mehrere 
sehr schöne Exemplare des Bismarckapfels vor und bemerkte, dass 
dieser Apfel erst im Januar bis März wohlschmeckend wird: wegen dieser 
Dauerhaftigkeit, seines schönen Aussehens und seines guten Geschmacks 
verdiene er die weiteste Verbreitung. Er fault nicht so, wie der Kaiser 
Alexander. Herr Inspektor Dressler stimmte dem bei ; wenn er auch 
kein ganz feiner Apfel ist, so verdient er doch aus den angegebenen 
Gründen Empfehlung. 

2. Vorgelegt wurden die in Gartenflora Heft 4 S. 100 abgebildeten 
Aluminium-Etiketten von F. Knoll-Leipzig-Lindenau sowie dessen 
praktische Baumbänder. Auf Antrag des Herrn Hofgärtner Hoffmann 
beschloss der Verein, eine'Anzahl Etiketten, die Herr Bluth nach seinen 
allerdings erst kurzen Versuchen empfahl, kommen zu lassen. Herr 
Prof. Dr. Carl Müller bemerkte, dass. wenn man Wasser in Gefässen 
aus Aluminium koche, das Aluminium wie alle Erdmetalle etwas zersetzt 
werde, es frage sich, ob im heissen Sommer, wenn Regen auf die Etiketten 
falle, nicht auch eine leichte Zersetzung stattfinde. Das müsse der Ver- 
such lehren. Herr Hofgärtner Hoffmann führte noch an. dass, wenn man 
die gewöhnlichen Zinketiketten, nachdem sie beschrieben, mit Kopallack 
auf beiden Seiten überstreiche, sie sich viel besser halten. 

3. Herr Prof. Dr. Carl Müller zeigte ein bereits fast verblühtes 
Sauromatum venosum (abgeb. Gartentlora Heft 3 S. 67), L. Wittmack 
ein solches noch vor dem Aufblühen vor. Letzterer hatte die Knolle 
durch Güte des Herrn J. Kuntze (i. Fa. J. C. Schmidt), Berlin, der 
ca. 3000 Stück in diesem Winter verkauft hat, erhalten. Herr Prof. 
Müller bemerkte, dass der lange, wurmförmige Fortsatz am Kolben vor 
der Blütezeit reich mit Stärke gefüllt sei. Diese Stärke wird offenbar 
durch den Athmungsprozess verbrannt und infolge dessen entsteht auch 
hier die bei vielen Araceen in der Blütenscheide beobachtete Wärme- 
entwicklung. Wenn man den Kolben kurz vor dem Aufblühen anfühlt, 

*) Siehe die Beschreibung von Dammsmühle in Gartrl. i8<j8 S. 400. 



]A$ 856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

spürt man eine Wärme von ca. 30 — 32 ° C. Herr Privatdozent Dr. 
Kolkwitz hat in seiner Habilitationsrede berechnet, dass sich, wenn 
man die Wärme sammeln könne, ein Glas Wasser zum Kochen bringen 
lasse. Der Geruch zur Blütezeit sei übrigens recht unangenehm, wie bei 
Aaspflanzen. 

4. Herr Lehmann legte abermals sehr schöne riesige gefüllte Blumen 
von Datura suaveolens vor (vergl. Gartenflora 1898 S. 652). Die Pflanzen 
haben den ganzen Sommer über geblüht und blühen auch jetzt wieder. 
Um das zu erreichen, hat Herr L. die Töpfe über Wasser gestellt und 
recht gut gepflegt. Die trocken gehaltenen haben weder Blätter noch 
Blüten. Auch eine hellrosa und eine dunkelrote Varietät besitzt Herr 
Lehmann. Er empfahl sehr, diese schöne Blume, die sich für grosse 
Bindereien sehr eignet, als WTnterblume zu ziehen, nur dürfte sie sich 
abgeschnitten nicht lange halten. Herr Lackner bemerkte, dass Datura 
suaveolens auch bei J. C. Schmidt in Steglitz blühe. Dasselbe ist bei 
Herrn Mehl und noch einigen Herren der Fall. Herr Lehmann fügte 
noch hinzu, dass Stecklinge vom Frühjahr bereits im Sommer blühen, und 
zwar ebenso gross wie die alten. Der Geruch ist bei den weissen be- 
sonders des Morgens schön, bei den roten ist er schwach. 

5. L. Wittmack zeigte zwei Aststücke von den jetzt so viel be- 
sprochenen alten Taxus-Bäumen aus dem Garten des Herrenhauses vor, 
die das Museum der landw. Hochschule durch Güte des Herrn Re issig, 
Bureaudirektor des Herrenhauses, bereits 1897 erhalten. 

VII. Eine lange Debatte erhob sich über den folgenden Antrag der Ver- 
einigten Ausschüsse: 

a) den Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung für 
Gärtner von 6800 auf 10000 M. zu erhöhen; 

b) der Kgl. Gärtner-Lehranstalt Potsdam zu ihrem 75jährigen 
Jubiläum eine Summe von 5000 M. unter dem Namen »Stipendien- 
fonds des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den 
preussischen Staaten« zu überweisen und dessen Verwaltung dem 
Direktorium der Anstalt zu übertragen. 

Herr Direktor Lackner erläutert die Geschichte dieses Antrages: Am 
25. Januar 1898 hatten die Herren städtischer Obergärtner Weiss und Ge- 
nossen einen Antrag beim Vorstande eingebracht, von dem Überschuss 
der Jubiläumsausstellung 1897, der auf ca. lbooo M. anzunehmen sei, 
10 000 M. dem Vereinsvermögen zuzuführen, von dem Rest die eine Hälfte 
der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung für Gärtner zu überweisen, 
die andere Hälfte (also ca. 3000 M.) dem jetzt in der Bildung begriffenen 
Stipendienfonds der Kgl. Gärtner - Lehranstalt. Dieser Antrag konnte 
damals nicht verhandelt werden, weil die Abrechnung über die Aus- 
stellung noch nicht vorlag, die übrigens auch heute noch nicht dechargiert 
ist. In der Sitzung des Gehölz- und Obstausschusses vom 8. Dezember 1898 
stellte Herr Gartenbaudirektor Hampel den Antrag, statt 3000 M. 5000 M. 
nach Potsdam zu geben, aber diese Summe nicht mit dem allgemeinen 
Stipendienfonds zu verquicken, sondern als besonderen Fonds zum ewigen 
Gedächtnis an den Verein als Stipendienfonds des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues von der Direktion der Gärtner-Lehranstalt, aber unter den- 



856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. ^M) 

selben Bedingungen wie den grossen Stipendienfonds verwalten zu lassen. 
I mos wurde angenommen. Ebenso erklärten sich die übrigen Ausschluss-, 
wenn auch im Blumen- und Gemüseausschuss einige abweisende Stimmen 
laut wurden, dafür. Der Vorstand dagegen gab in einer Sitzung aller 
Ausschüsse zur Erwägung, ob es nicht besser sei, der Gärtner-Lehr- 
anstalt 3000 M. zu ihrem allgemeinen Stipendienfonds ohne jede Be- 
dingung zu geben. Die vereinigten Ausschüsse aber beschlossen, der 
Versammlung die 5000 AI. zu empfehlen. Darüber, dass der Fonds der 
Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung auf 10000 AI. erhöht werden 
müsse, waren alle einig. 

Ehe die Diskussion begann, ging ein schriftlicher Antrag von Herrn 
Inspektor Dressler und Genossen ein: 

1. den Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung auf 
15000 M. zu erhöhen und aus den Zinsen dieses Fonds Stipendien 
zu zahlen, und zwar abwechselnd einmal einem jungen Mann, der 
die Potsdamer Lehranstalt besucht hat, das andere Mal einem 
jungen Mann, welcher vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
hierfür als würdig befunden wird; 

2. die beantragte Summe von 5000 M. zum Jubiläumsfonds der Gärtner- 
Lehranstalt in Potsdam abzulehnen. 

Herr Inspektor Dressler begründete diesen Antrag. Er und seine 
Genossen wollten nicht Geld sparen, aber das Geld solle in der Ver- 
waltung des Vereins bleiben, damit es nicht nur den Zöglingen der 
Gärtner-Lehranstalt zu gute komme. 

Herr Kgl. Gartenbaudirektor Hampel sprach für den Antrag der ver- 
einigten Ausschüsse; die Anstalt in Potsdam sei ein Kind des Vereins, der 
Verein habe im Kuratorium eine Stimme, habe über das Wohl und Wehe 
mit beraten, aber pekuniär bisher nichts dazu beigesteuert, da gezieme es 
sich wohl, beim 75. Jubiläum die Hand aufzuthun, zumal unsere Finanz- 
lage günstig sei. Es würde das Stipendium ein dauerndes Andenken an 
den Verein sein, wenn auch die Anstalt verstaatlicht würde. 

Herr Hofgärtner Hoffmann befürwortet ebenfalls den Antrag der ver- 
einigten Ausschüsse. Für die Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung könne 
man alljährlich im Etat etwas aussetzen, um auch deren Fonds zu erhöhen. 

Herr Inspektor Per ring begründet den Beschluss des Vorstandes. 
,;"<>M M. zu geben; die Kaiser Wilhelm-Stiftung bedürfe dringend einer 
Erhöhung, damit auch Unterstützungen gezahlt werden können. Der 
Stipendienfonds der Gärtner-Lehranstalt betrage jetzt schon 13000 M.; die 
5000 Mk. würden Verwaltungsschwierigkeiten machen. 

Herr Inspektor Echtermeyer empliehlt den Antrag der Ausschüsse. 
Der Vorschlag des Herrn Dressler. alle zwei Jahre das Stipendium an 
die Gärtner-Lehranstalt zu geben, würde auf Schwierigkeiten stossen, da 
nicht beabsichtigt sei, durchaus alle Jahre den Fonds zu verteilen. Es 
würde gewiss im Ministerium, das dem Verein Beihilfen gewähre, mit 
Befriedigung anerkannt werden, dass der Verein seine Mittel auch für 
die Gärtner-Lehranstalt verwende, wie schon L. Wittmack in den 
Ausschusssitzungen dargelegt habe; die Kaiser Wilhelm-Stiftung bleibe 
ja in der Pflege des Vereins. 



j cq 856. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

Herr Brettschneider: Ich bin dem Antrag Dressler beigetreten, 
weil in kurzer Zeit die Potsdamer Anstalt aus der Verbindung mit 
unserem Verein ausscheidet; es ist nicht gesagt, wie weit der Verein einen 
Eintluss bei der Verleihung des Stipendiums haben würde. 

L. Wittmack, der die historische Seite noch ergänzt, bittet, den An- 
trag der vereinigten Ausschüsse zuerst zur Abstimmung zu bringen; die 
A'erwaltung werde keine Schwierigkeiten machen. 

Herr Hampel bemerkt Herrn Per ring gegenüber, dass die 13000 M. 
von Freunden und Schüler gegeben seien; der Verein würde auch in Zu- 
kunft gewiss stets bereit sein, auf Antrag des Vorstandes die Kaiser 
Wilhelm-Stiftung weiter zu erhöhen. Die Ausschüsse hätten den Antrag 
reiflich geprüft, und wenn deren Anträge nicht angenommen würden, so 
verlören die Ausschüsse ihre Bedeutung. 

Der Vereinsdirektor bemerkt dem gegenüber, dass zwar dem Votum 
der Ausschüsse ein grosser Wert beigelegt werde, dass die Vereins- 
versammlung aber absolut souverän sei. 

Herr Cordel berichtet, er habe in der Sitzung der vereinigten Aus- 
schüsse mit mehreren Genossen den Antrag gestellt, die 5000 M. unter 
der Verwaltung des Vereins zu belassen, er habe ihn später zurückgezogen. 
Herr Hapt habe ihn aber in der Form wieder aufgenommen, dass die 
5000 M. an die Kaiser Wilhelm-Stiftung gegeben werden und abwechselnd 
ein Zögling der Gärtner - Lehranstalt, und ein Anderer unterstützt 
werden solle. 

Herr Bluth ist für den Antrag der vereinigten Ausschüsse. Die 
Kaiser Wilhelm-Stiftung und der Jubiläumsfonds der Gärtner-Lehranstalt 
hätten nichts mit einander zu thun. Der Verein habe den Überschuss 
der Ausstellung erworben durch die Thätigkeit seiner Mitglieder, durch 
Gaben von Staat, Stadt, Behörden und Privaten, da könne er auch die 
5000 M. zu wohlthätigen Zwecken verwenden. 

Herr Echtermeyer: Was der Verein stiftet, giebt er nicht dem Staat, 
sondern der Gärtner-Lehranstalt. Das Geld wird nur an wirklich tüchtige 
Zöglinge gegeben werden. 

Herr Inspektor Perring erwidert Herrn Hampel, die vereinigten Aus- 
schüsse könnten sich nicht verletzt fühlen, wenn ihr Antrag nicht an- 
genommen werde, ebenso wenig wie der Vorstand, falls sein Antrag nicht 
den Beifall der Versammlung finde. 

Herr Hampel: Wenn die Gärtner-Lehranstalt nach Dahlem kommt, 
werden auch Handelsgärtner, Obst- und Gemüsegärtner in ihr aus- 
gebildet werden. 

Herr Inspektor Lange ist für 5000 M., wünscht sogar, dass dieser 
Betrag später noch erhöht werde. 

Herr Hofgärtner Hoffmann spricht nochmals für die 5000 M.; der 
Stipendienfonds soll dem ganzen Stande zur Ehre gereichen, das Ministe- 
rium werde es gewiss anerkennen, dass der Verein auch etwas 
Ordentliches leiste. 

Herr Geschäftsführer Junge: Das Ministerium schenkt dem Verein 
Vertrauen, erweisen auch wir dem Staate bezW. der Gärtner-Lehranstalt 
Vertrauen, dass die Verwaltung des Fonds gut geführt werde; 3000 M. 



Gustav Adolph Schultz t. |- i 



sind als Separat-Stipendienfonds zu wenig, es müssen 5000 M. sein. In 
Jen letzten Jahren hat der Verein durch seinen Vertreter im Kuratorium 
einen ganz erfreulichen Einfluss ausgeübt. 

Herr Schatzmeister Loock: Als es sich zeigte, dass die Jubiläums-Aus- 
stellung einen Überschuss ergeben würde, hat der inzwischen leider 
dahingeschiedene Direktor Herr v. Pommer Esche bereit- angeregt, 
den Fonds der Kaiser Wilhelm-Stiftung auf 10000 M. zu erhöhen. Da zeigte 
sich, dass der Überschuss grösser war, und infolge dessen wurde der 
Antrag Weiss eingebracht. Ich bin der Meinung, dass auch der Vorstand 
5000 M. nach Potsdam geben kann. 

[nfolge eines Schlussantrages kamen mehrere Redner nicht mehr 
zum Wort. 

Bei der Abstimmung wurden die beiden Anträge der vereinigten 
Ausschüsse (siehe oben S. 14S a und b) mit sehr grosser Majorität an- 
genommen. (Eine zweite Abstimmung erfolgt am 23. März, da die 
\ ersammlung am 30. März des Gründonnerstags wegen nicht statt- 
finden kann.) 
YIII. Ohne Debatte genehmigte sodann dieVersammlung das vorgelegte Programm 
der Grossen deutschen Winterblumen- Ausstellung Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten und erklärte sich damit einverstenden, dass, 
um diese Ausstellung zu einer des neuen Jahrhunderts würdigen zu ge- 
stalten, 20000 Mark zu Medaillen und Geldpreisen ausgesetzt werden, 
lies beschränkten Raumes wegen können Obst, Gemüse, Gartenpläne und 
gewerbliche Gegenstände nicht ausgestellt werden, das Hauptgewicht soll 
eben auf Blumen gelegt werden. Auch hierüber erfolgt die 2. Abstimmung 
am 23. März. 
IX. Aufgenommen wurden als wirkliche Mitglieder die in der letzten Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen. (Siehe Heft 4 S. 90.) 

Carl Lackner. L. Wittmack. 



Gustav Adolph Schultz "f. 

(Hierzu Abb. 3i, Portrat.) 



Am 19. Februar starb unerwartet der Kgl. Gartenbaudirektor Gustav 



A d Iph Schultz in Lichtenberg b. Berlin. Mit ihm ist einer der 
bedeutendsten Handelsgärtner des Deutschen Reiches dahingegangen, ein Mann, 
der. wie Herr 0. Xeumann mit Recht im Handelsblatt für den Deutschen 
Gartenbau S. 64 sagt, ganz besonders für die Berliner Handelsgärtnerei ein 
\ orl ild gewesen ist. indem er mit weitem kaufmännischen Blick seine Gärtnerei 
zu einem Weltgeschäft machte. Er arbeitete eben nicht, wie die meisten 
anderen Berliner Handelsgärtnereien (von den grossen Baumschulen sehen wir 
hier ab), nur für den Berliner Markt, sondern suchte überall, auch im Auslande. 
'-.'. Seine Maiblumenkeime gingen nach allen Teilen Europas, besonders 
nach England, aber selbst nach Amerika; seine Hyacinthen und Tulpen, seine 
Palmen und Blattpflanzen fanden ihren Weg nach allen Teilen Deutschlands 
und auch nach dem Auslande. Durch ihn wurden die Berliner Maiblumen 
weltbekannt. 



152 



Gustav Adolph Schultz f. 



Gustav Adolph Schultz wurde am 27. April 1840 zu Hamburg geboren. 
Sein Vater war praktischer Arzt in Elmshorn, wo der Knabe die Bürger- 
schule des Dr. Stoessinger besuchte. Im Oktober 1856 kam er in die Lehre bei 
dem Gärtner II. Jensen in Hamburg-Hohenfelde und trat im April 1860 als 
Gehülfe in die damalige Gemüsegärtnerei von Carl Chone. Berlin, Frank- 
furter Allee ein. wo er sechszehn Jahre blieb. Während seiner dortigen Thätigkeit 
entwickelte sich die anfänglich kleine Gemüsegärtnerei zu einem grossen 
Kultur- und Versandgeschäft von Handelspflanzen, in welchem Schultz als 











- A 






Gustav Adolph Schultz f. 





Abb. 3i. 



Geschäftsführer arbeitete, rege durch Mittel von dem Chef unterstützt, der sein 
Talent anerkannte und in schönster Harmonie mit ihm lebte. 

Nach dem Tode Carl Chones nahm Schultz 1874 die Zietemannsche 
Gärtnerei in der Koppenstrasse in Pacht, siedelte aber, da das Grundstück bald 
verkauft wurde, 1876 nach seinem bereits früher erworbenen eigenen Grund- 
stück am „Eckartsberge", neben der Eckertschen Fabrik (jetzt Petersburger- 
strasse), über. Das Geschäft blühte hier immer mehr auf und das Terrain, 
welches anfänglich nur 350 Ouadratruten (ca. Va ha) umfasste, wurde allmählich 
auf 1200 Ouadratruten (ca. 1,7 ha) vergrössert. In der richtigen Voraus- 
sicht aber, dass das Grundstück bald der Bebauung unterliegen werde, kaufte 
Schultz in Lichtenberg (Röderstrasse) ein Grundstück von 15 Morgen (3,75 ha) 



Dioon edule und Dioon edule var. lanuginosum Wittmck. 



und richtete dort eine zweite Gärtnerei ein. Im Jahr 1895 verkaufte er 
seinen Besitz aut Eckartsberg, liess die dort befindlichen Gewächshäuser nach 
Lichtenberg" bringen, vermehrte deren Zahl durch neue, die er nach belgischem 
Muster im Zusammenhang errichtete, und erbaute sich noch eine stattliche. 
höchst geschmackvolle Villa. — Allein auch dies Land reichte nicht aus: er 
erwarb noch ein grosses. 6.5 ha umfassendes Terrain in Rummelsburg-Friedri' :hs- 
felde. wo er, gleichwie auf 7.5 ha Pachtland, hauptsächlich Maiblumen, Blumen- 
zwiebeln und Flieder kultivierte, während als Wechselfrucht Gemüse gebaut 
wurde. Im Ganzen umfasste die Schultzsche Gärtnerei demnach 17.75 ha.*) 
Schon auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1S70 wurde ihm die Grosse silberne 
Staatsmedaille für Leistungen im Gartenbau zu teil; auch bei der Berliner Ge- 
werbe-Ausstellung 1896 beteiligte er sich auf das rühmlichste während der 
u.mzen Dauer derselben. Auf den eigentlichen Gartenbau-Ausstellungen Berlins 
fehlte er nie, und seine Leistungen waren immer von hervorragender Bedeutung. 
schon 188] errang er die Goldene Medaille Sr. Maj. des Kaisers, der ihn später 
durch die Verleihung des Titels eines Kgl. Hotlieferanten und nach der 
Erbauung der Samariter-Kirche, für die er viele Opfer gebracht, durch den Kgl. 
Kn>nenorden 4- Klasse auszeichnete. Infolge seiner hervorragenden Leistungen 
auf der Jubiläumsausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
1897 beantragte der Vorstand für ihn beim Ministerium für Landwirtschaft den 

Gartenbaudirektor, welchem Ersuchen auf das bereitwilligste entsprochen 
wurde. 

Nun ist er dahingegangen; seine Witwe aber ist entschlossen, das Geschäft 
unter der Leitung tüchtiger Fachmänner weiter zu führen, und wir geben uns 
der Hoffnung hin, dass noch auf lange Zeiten die von G u s t a v A. Schultz 
begründete Gärtnerei mit ihrem grossen Export eine Musteranstalt bleiben 
werde. 

G u s t a v A. S c h u 1 1 z war ein Mann, der fast niemals über das Geschäft 
klagte, er erklärte meistens, es ginge gut, und er hatte Recht; erst in der letzten 
Zeit, bei dem immer bedrohlicher werdenden Import, wünschte auch er Mass- 
regeln gegen denselben ergriffen. Wie schon gesagt, suchte Gustav A. 
Schultz besonders den Export zu heben, und wir möchten wünschen, 
dass die jüngere Generation der Berliner Gärtner sich an ihm ein Beispiel 
nehmen und sich dem jetzt etwas weniger gepflegten Berliner Exportgeschäft 
w Leder mehr zuwenden mösre. L. W. 



Dioon edule und Dioon edule var. lanuginosum Wittmck. 

Von L. Wittmack. 
(Hierzu Abbildung ?2 — 3g.) 
\y or einigen Jahren übersandte mir Herr Obergärtner R. Müller aus der 
• Gärtnerei des Herrn Rathke & Sohn in Braust bei Danzig einen Wedel 
eines weiblichen Dioon edule (Gycadaceae) und einen weiblichen Zapfen der- 
selben Pflanze. Dieser Zapfen war zuerst geschlossen und fast kugelig, oben 
zugespitzt; nach dem Eintrocknen aber lösten sich die Schuppen an ihren 

*) Eine Beschreibung derselben findet sich in Gartenrl. 1897, S. 1.67. 



Dioon edule 



und Dioon edulev*^ 1 ^ 



inosum Wittmck, 




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Abb " 32- ,• u 7anfen aufgesprungen. 
i te var lanuginosum, weiblicher Zapfen, S 
Abb . 3 2 . Dioon edule var.^g ^ ^ ^^ 

um wie unsere Abb. 3^ 
Spiß en a— e, ^ -*£ ^^ «. i-ffÄ 



Dioon edule und Dioon edule var. lanuginosuni Wittmck. 



_L55 



aus dem dortigen botanischen Garten übersandte (Abb. 6), trat der Unterschied 
des ersteren Exemplars um so klarer hervor. 

Während die Spitzen der Schuppen bei dem Palermitaner Zapfen wie bei 
allen normalen aussen mit weisslichen. glatt anliegenden, spinnweben- 
artig verfilzten Haaren, die fast eine Art Haut bilden, besetzt sind, fehlen diese 
weisslichen Ilaare bei dem Exemplar aus Praust: die Spitze ist dagegen bei 
diesem stark mit lockiger brauner Wolle besetzt, wie Abb. 35 zeigt. Auch 
die Innenseite der Schuppen ist viel krauser wollig als bei der Normalform 
(vergl. Abb. 34 mit Abb. 39). Mitunter zeigten sich auch verwachsene Schuppen 




- ■ ■''■•' - 




Abb. 34. 
Dioon edule var. lanuginosum. 

Schuppe von innen, unten zwei 
Samenanlagen. 





Abb. 35. 

Dioon edule var. lanuginosuni. 

Schuppe von der Seite. 



Abb. 36. 
Dioon edule var. lanuginosum. 

Zwei verwachsene Schuppen. 



(Abb. 36) und in diesem Falle waren stets vier Samen an der Basis statt zwei 
an der normalen. 

Schon Zu ccar ini (der 1 845 die GattungDioon Plat y z ami a , die gewöhnliche 
von Lindley Bot. Reg. 1843 app. 59 beschriebene Art Dioon edule: P. rigida 
nannte) spricht in den Abhandlungen der Bayer. Akad.. Band IV. Abt. 2, 
S. 23 t. 4 von einer möglicherweise zweiten unbekannten Art. von der er nur 
einzelne, offenbar kurz nach der Befruchtung gesammelte Schuppen sah. Diese 
seien viel länger gestielt, der Stiel oberhalb der P.asis eingefügt, der obere 
Teil der Schuppe viel dichter mit Wolle besetzt.' Er bildet die Schuppe 
1. c. t. 4. Abb. l6 ab. Diese ist noch etwas grösser, namentlich breiter, und 
länger gestielt, aber an der Spitze nicht so stark behaart wie die unsrige. 



1 - (5 Dioon edule und Dioon edule var. lanugincsum Wittnick. 

Die silberige Haut an der Spitze der Schuppen der Hauptart und ihre 
Entstehung müsste einmal näher untersucht werden. Sie gleicht äusserlich dem 
papierähnlichen Gewebe des Hausschwammes. Mikroskopisch sieht man. dass 
es eigentlich keine Haut ist, sondern dass die Haare durch eine in Alkohol und 
Äther nicht lösliche Masse verklebt sind. 

Die Gattung Dioon ist in Mexiko heimisch und zählt nur zwei Arten, von 
denen bekanntlich die eine, D. edule. deren stärkereiche Samen im Vaterlande 
gegessen werden, eine ziemlich häufige Dekorationspflanze ist. Die andere Art, 
Dioon spinulosum Dyer, ist sehr selten.*) Von einer dritten Art D. pectinatum 
(Autor?) erschien eine prachtvolle Abbildung als Supplement zu Gardeners 
Chronicle 1893 I. S. 718 nach einem Exemplar in Kew. Die Blätter (Wedel) 
sind bei diesem 1,60 m lang und 30 cm breit, die Fiedern dichter. Ich möchte 
aber diese Art für die var. imbricatum Miq. (als Art) von D. edule ansehen. 
Regel sagt Gartenfl. 1896 S. 371, dass je nach der Kultur die schmalblättrige 
Form in die breitblättrige übergeht.**) 

Sir Thiselton Dyer, Direktor des botanischen Gartens in Kew, dem i< b 
s. Z. Wedelteile und Schuppen des Prauster Exemplars übersandte, meinte damals, 
er könne keinen besonderen Unterschied rinden, alle Zapfen aber, die ich bisher 
verglichen habe, zeigten die geschilderte lockig-wollige Behaarung nicht; ich 
halte es daher für gut, um in Zukunft die Aufmerksamkeit mehr darauf zu 
lenken, diese Abart oder Form mit einem besonderen Varietätnamen: lanugi- 
nosum, die wollige, zu bezeichnen. 

Erklärung der Abbildungen zu Dioon. 
32. Weiblicher Zapfen von Dioon edule var. lanuginosum aus Praust bei 
Danzig im aufgesprungenen Zustande; 33. Stück des Wedels; 34. Schuppe von 
innen, stark lockig behaart, an der Basis zwischen den zapfenförmigen Fort- 
sätzen mit den zwei Samenanlagen; 35. dieselben von der Seite; man sieht, dass 
die krauswollige braune Behaarung aussen sich bis zur Spitze erstreckt; 
36. zwei verwachsene Schuppen; 37. Dioon edule, normale Form, aus Palermo. 
38. weissliche Spitze einer Schuppe desselben mit hautartig verklebten Haarer., 
von aussen, 39. Schuppe desselben, von innen. Die Zapfen etwa l / 2 > das Übrige 
Vi nat. Grösse. 

Nachtrag. 

Einen Korrekturabzug vorstehender Zeilen mit den Abbildungen habe 
ich an Sir Thiselton Dyer geschickt und besonders wegen Dioon pecti- 
natum angefragt. Derselbe lässt mir durch Herrn S. T. Dünn einen Brief 
schreiben, den er selbst noch mit Zusätzen versehen hat. Darnach ist die 
Synonymie von Dioon edule vollständig gegeben von Th. Dyer in Hemsley, 
Biologia Centrali-Americana III p. 191, in welchem Werk Dyer die 
Cycadeen bearbeitet hat. Macrozamia pectinata Liebm. ist daselbst zurück- 
geführt auf Dioon edule. 



*) Diese Art ist nach einem zwischen Thiselton Dyer in Kew und A. W. Eichler- 
Berlin getroffenen Abkommen von ersterem benannt. Beschrieben und abgebildet ist sie 
aber zuerst von Eichler in Gartenzeitung (nicht Gartenflora) i883, S. 411, dann von Dyer 
in Hemsley, Biologia Centrali Americana III, S. 191. 

**) Nach Dyer ist es seine var. Dioon edule fi Iatipinna. Siehe im Nachtrag. 



Dioon edule und Dioon edule var. lanuginosuin Wittmck. 



r. 



Ein Exemplar, welches Hermann Wendland ^Dionn pectinatum 
nannte, wurde von Dyer zu seiner Varietät Dioon cdulc var. Iatipinna 
gestellt. Ob dies das Exemplar in Kew ist. welches in Card. Chron. 1893 1. c. 
abgebildet wurde, wird im Briefe nicht gesagt. In Hemsley's Biologia findet 
sich der Xame Dioon pectinatum noch nicht. 



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Abb. 37. Abb. 39. 

Abb. 37. Dioon edule, weibl. Zapfen, normal. Abb. 38. Spitze der Schuppe eines normalen Zapfens 
iuit spinnwebenartig verfilzten Haaren, von aussen. Abb. 3g. Schuppe eines normalen Zapfens von der 

Innenseite, unten die zwei Samenanlagen. 

Da es wenigen möglich sein wird. Hemsleys Biologia Centrali Americana, 
deren 3. Band zu London 1882/86 erschienen ist. einzusehen, so will ich daraus 
den D verschen Artikel fibersetzen und noch bemerken, dass Dyer die nicht 
herausgegebenen Zeichnungen Liebmanns aus dem Kopenhagener Herbar zur 
Ansicht erhalten hatte. Dyer sagt in Hemsley III p. 191: 

■- Dioon Lindl. Bot. Reg. 1S43 app. p. 59 (Dioon). Platyzamia Zuccarini 
in Abh. bayer. Akacl. IV p. 23 t 4. Zwei Arten sind Mexiko eigen. 



I el§ Dioon edule und Dioon edule var. lanuginosum Wittmck. 

Dioon edule Lindl. Bot. Reg. 1. c. (Hierzu giebt Dyer eine schwarze 
Tafel LXXI, die einen weibl. Zapfen darstellt.) 

Dioon edule Miq. in Act. Inst. reg. Sc. Neerl. ser. 3 IV p. 2 t. 3 u. 4 
Fig. a, b, c. -- Lern, in 111. Hort. II p. 91, mit t. t. D. C. Prodi. XVI, Teil 2. 
P- 533- _ ~ Dioon imbricatum Miq. in Wiss. Tijdschr. I p. 30, Act. Inst, t 4 
Fig. d, e. D. angustif olium Miq. Lei p. 37 Fig. f. -- D. aculeatum Lern, 
in 111. hört. II Mise. p. 91. Platyzamia rigid a Zucc. in Abh. bayr. 

Ak. IV 23 t 4. — Zamia Maeleni Miq. in Linn. XVIII p. 97. Z. Friederici- 
Guilelmi Hort. Parmentier ex Miq. Prodr. Syst. Cycad. p. 22. Macrozamia 
pectinata Liebm. ic. ined. in Herb. Haun. M. littoralis Liebm. ic. ined., 
ebenda. Südmexiko, Colipa (wohl Colima. L. W.), Laguna verde (Liebmann) 
Hort et Herb Kew. 

Die Blätter variieren sehr in Grösse und Form bei verschiedenen Individuen 
und besonders, wie gewöhnlich bei Cycadeen, mit dem Alter der Pflanze. Die 
Abschnitte (die einzelnen Fiedern) können sein linear oder breit, entfernt oder 
dichtdachig. Sehr junge Blätter sind ott gegen die Spitze hin dornig. 

Die männliche Pflanze ist gut abgebildet in Bot. Mag. t. 6184. Zuccarinis 
Abbildung des weiblichen Zapfens ist ganz und gar unähnlich (inadaequate*) 
und die auf t LXXXI der Hemsleyschen Biologia gegebene Abbildung ist des- 
halb nach einem weiblichen Zapfen, der in Kew erzeugt war, gemacht. (Folgt 
Tafelerklärung Fig. 1 weiblicher Zapfen in natürlicher Grösse, 2 losgelöste 
Schuppe.) 

ß latipinna Dyer t. LXXXI Fig. 3 — 5. 

Abschnitte (Fiedern) 5 / 8 Zoll engl, breit, die unteren gegen die Spitze hin 
dornig. Südmexiko? und Hort. Kew. 

(Folgt Erklärung von Fig. 3 — 5. Fig. 3 Basalteil der Blattspindel, zeigend 
gezähnte, reduzierte Abschnitte, 4 Abschnitt vom untern Teil des Blattes, 
5 desgl. von der Mitte eines Blattes; alles nat. Gr.) 

[Dioon strobilosum Lern, in 111. hört. 10 Mise. p. 4. D. strobilaceum D. C. 
Prodr. VI 2 p. 537 ist mir unbekannt. Es ist möglicherweise ein Zustand zu 
D. edule.] 

2. Dioon spinulosum Dyer-Eichler in Gartenzeitung 1883 p. 4, t LXXXII 
in Hemsley Biologia 1. c. 

Blätter kurz gestielt, länglich lanzettlich, starr, flach, fiederschnittig (pinnati- 
seeta), gegen 3 Fuss engl. lang. Segmente (Fiedern) ungefähr 70 auf jeder 
Seite, die mittleren grösser, einander fast gegenüberstehend, lineal lanzettlich, 
kurz zugespitzt, 18 — 23nervig, gegen 4 Zoll lang, in der Mitte x ., Zoll breit, an 
der Basis schmäler, beiderseits mit stechenden Dornen, gegen die Basis hin 
ganzrandig, die unteren in fiederteilige Zähne übergehend. — Zapfen? 

Südmexiko, Tuxtla; Yucatan, Progreso (C. J. Höge) Herb. Kew. (Folgt 
Erklärung der Tafel LXXXII. Die Figuren zeigen die oberen und unteren Teile 
eines Blattes des Exemplars von Yucatan in nat. Gr.)« 



*) Es scheint bei Zuccarini ein halbaufgesprungener Zapfen abgebildet zu sein. 

L. W. 



Ältere empfehlenswerte LHanzen. 



1 M» 



Aeltere empfehlenswerte Pflanzen 

von Dammann & Cie. ■ San Giovanni ä Teduccio. 



Lagenaria vulgaris Ser. longissima 
(Cucurbita leucantha Duch. longissima). 

(Hierzu Abb. )o.| 

Die Herkuleskeulen, Lagenaria. .sind 
ähnlich wie die Zierkürbisse höchst 
beliebte Schmuckgegenstände und sind 
auch für Schaufenster von Samen- 
händlern geeignet. Bei uns reifen sie 
im Freien nur in warmen Sommern 
an Mauern. Dagegen sind sie eine 
herrliche Zierde der Warmhäuser, be- 
sonders der Viktoriahäuser. 

Celosia cristata nana alba. 

i Hierzu Abb. 41.) 

I »er Hahnenkamm, Celosia cristata L.. 
ist eine erblich gewordene kamm- 
förmige YerbänderungderC. argenteaL., 
die pyramidenförmige Blütenstände 
zeigt. Das Vaterland der letzteren ist 
* Istindien. Die niedrigen Formen 
kommen. wiedie hohen. in verschiedenen 
Farben vor: abgebildet ist eine weisse 
Varietät. Der Hahnenkamm ist ein 
einjähriges Gewächs und gehört zur 
Familie der Amararitaceen. 

Limabohne San Giuseppe. 

(Hierzu Abb. \.z. 
Die Limabahn en, Phaseolus lunatus 
L.. eignen sich nur für Gegenden mit 



sehr wannen Sommern; in den Ver- 
einigten Staaten werden die aus- 
gehülsten Samen viel gegessen. Die 
Samen sind sehr flach, meist sehr 
gross und schön radienartig geädert. 
Die Samen sind meistens weiss, doch 



W 










Abb. 40. Lagenaria vulgaris longissima. 




c yk 

Abb. 42. Limabohne San Giuseppe (Phaseolus lunati 



ibo 



Kleinere Mitteilungen. 




Abb. 4 3. 
Oenothera odorata. Blumen gelb, wohlriechend. 



giebt es auch rotbraun gelleckte. Die 
Sorte San Giuseppe windet nach An- 
gabe von Dammann & Cie. sehr hoch 
und hat sehr schmale Blätter. Die 
Hülsen reifen früh und den ganzen 
Sommer und Herbst hindurch. Bohnen 
weiss, mittelgross. Für unsere Kolonien 
sind die Limabohnen sehr geeignet. 
Neuerdings hat man auch niedrige 
Sorten. Sehr ähnlich ist Phaseolus 
inamoenus L. , die unschöne Bohne; 
vielleicht sind beide identisch. 

Oenothera odorata Jacq., Wohlriechende 
Nachtkerze. 

(Hierzu Abb. 43.) 

Diese Nachtkerze aus Patagonien ist 
eine ein- oder zweijährige Pflanze, wie 
O. Drummondi und O. Johnsöni und wie 
die bei uns aus Amerika eingeschleppte 
O. biennis, während die meisten Arten 
ausdauernd sind. Sie bildet, wie Voss 
in Vilmorins Blumengärtnerei mitteilt, 
60—80 cm hohe Stengel mit grossen 
gelben Blüten in langen Trauben. 
Besonders geeignet für gruppenweise 
Anordnung oder zerstreut auf Rabatten. 



Kleinere Mitteilungen. 



Berichtigung zu Eremurus Elwesianus. 

Zu der Notiz in Gartenflora S. 127 
über Eremurus Elwesianus erlauben 
wir uns ergebenst die Bemerkung, 
dass wir dieselbe niemals als Elwesi, 
sondern stets als Elwesianus an- 
geboten haben, und zwar 

1804 Katalog No. 470 



1895 
1896 
1897 
1898 



47Q B 
488 B 
496 B 
520 B 



Seite 101, 
» 91, 

78, 
79- 



E. H. Krelage & Sohn, Haarlem. 



Thunbergia alata L. 

Von Adam Heydt, Schlossgärtner in 

Dallmin (Priegnitzi. 

Unter den Schlingpflanzen von mehr 
hängendem Charakter ist mir immer 
die Thunbergia alata aufgefallen. Ihr 
üppiges Grün mit den nankinggelben, 
schwarz gezeichneten Blumen lassen 
eine grosse Verwendung zu. Thun- 
bergia alata zählt zu den Acanthaceen. 
Linnee widmete sie dem schwedischen 
Professor der Botanik Thunberg. 



Am zweckmässigsten ist es, diese 
Thunbergia als Annuelle zu behandeln. 
d. h. sie alljährlich aus Samen frisch 
zu erziehen, und zwar auf zwei Arten, 
entweder hängend, als Ampelpflanze, 
zur Bekleidung von Blumentischen, 
oder auch als Schlingpflanze an Stäben 
oder Gestellen. Zu beiden Zwecken 
ist sie benutzbar, und in beiden Fällen 
blüht sie reichlich. Als Ampelpflanze 
bilden die hübschen gelben Blüten 
einen angenehmen Kontrast zu den 
blauen Blumen, der hängenden Lobelia 
Erinus Riccartoni. 

Die Blätter sind schildförmig, fast 
dreieckig, dunkelgrün, etwas rauh und 
sitzen auf plattgedrückten Stielen. Die 
Blumen sind nankinggelb mit schwarzer 
Mitte und blühen in Dolden. Es giebt 
auch verschiedene Abarten, so Thun- 
bergia alata alba und Th. alata 
Barkeri. Erstere besitzt weisse Blüten 
mit schwarzem Auge, während die 
letztere Art ganz reinweisse Blumen hat. 

Man säet den Samen im März in 
Schalen in eine Erdmischung aus Laub-, 



Kleinere Mitteilungen. 



IUI 



Iltitleerde und Sand. Bis zum Aufgehen 
müssen dieSamcn feucht, warm und recht 
hell gehalten werden. Nach dem Auf- 
gehen, wenn sich diePflänzchen einiger- 

massen entwickelt haben, pflanzt man 
sie in kleine Töpfe unter Anwendung 
von Laub- und Mistbeeterde mit ent- 
sprechender Zugabe von Sand. Die 
eingepflanzten Thunbergien stellt man 
dann in einen lauwarmen Kasten, der, 
sobald es die Witterung gestattet, ge- 
lüftet wird. Es empfiehlt sich, 
möglichst wenig zu beschatten, im 
Gegenteil die Pflanzen recht an die 
Sonne gewöhnen. Sind die Pflanzen 
durchwurzelt, was gegen Mitte Mai 
einzutreten pflegt, so werden sie noch- 
mals in 4 — 5 zöllige Töpfe verpflanzt, 
und zwar benutzte man nur Mistbeet- 
erde mit Sand vermischt. Die Pflanzen 
stellt man dann in ein Kalthaus und 
bindet die Ranken ordnungsmässig auf. 
Hier werden sie weniger beschattet, 
aber desto mehr wird gelüftet und ge- 
spritzt. Gegen Anfang— Mitte Juni be- 
ginnt der langanhaltende Blütenflor, 
der bis Oktober bleibt. 

Es ist klar, dass im Laufe der Zeit 
die Nahrung in dem Topfe nachlässt 
und man muss Sorge tragen, diese 
durch Düngen zu ersetzen. Wie fast 
bei allen Kulturen, so ist auch hier 
aufgelöster Rinderdung am Platze, auch 
künstliche Dünger, besonders Professor 
Wagners Ptlanzennährsalz. erzielen sehr 
gute Erfolge. 

Thunbergia alata ist keine Pflanze 
für Massenzucht, aber für Blumen- 
freunde und als Nebenkultur auch für 
den Berufsgärtner ist sie am Platze. 



Die Wirkung 
des Schattens auf das Pflanzenwachstum 

hat der amerikanische Botaniker 
Halsted auf Grund von interessanten 

uchen testgestellt. Er beschattete 
eine Reihe von Pflanzen, die in freier 
Krde standen, mittelst beweglicher 
Schutzwände, die derart aus Holz- 
platten zusammengesetzt waren, dass 
zwischen jeder Latte ein Zwischen- 
raum von derselben Breite blieb. Auf 
diese Weise wurde demnach die Hälfte 
der direkten Sonnenstrahlen zurück- 
gehalten. Die mittlere Temperatur 
hinter dem Holze war wesentlich ge- 

er als in vollem Sonnenscheine. 
und zwar um 4 Grad im Mai bis zu 



fast 8 Grad im August. Die Keimung 
der Samen wurde im Frühling durch 
den Schatten verzögert, im Sommer 
dagegen beschleunigt, woraus man den 
Schluss ziehen kann, dass die Sonnen- 
strahlung im Sommer wegen ihrer zu 
grossen Intensität der Keimung hinder- 
lich ist, während sie im Frühling durch 
ihren massigen Betrag beschleunigend 
dazu wirkt. Von den Nutzpflanzen 
kann im allgemeinen gesagt werden, 
dass sie besser im Schatten stehen, 
wenn sie der Blätter wegen gebaut 
werden, und besser in der Sonne, 
wenn man von ihren Wurzeln Nutzen 
ziehen will. Rüben, Mohrrüben und 
Kartoffeln entwickeln nämlich im 
Schatten einen stärkeren Blattwuchs, 
aber weniger Wurzeln; dasselbe ist 
bei Salat, Spinat und Sellerie der Fall. 
für die es also sehr von Vorteil ist. 
der direkten Sonnenhitze entzogen zu 
sein. Andererseits schadet der Schatten 
allen den Pflanzen, die man ihrer 
Körner und ihrer Frucht wegen zieht, 
also z.B. den Bohnen, Erbsen. Tomaten 
und Gurken. Sowohl die Blüte wie 
die Reife wird durch direkte Sonnen- 
strahlung verzögert . gleichzeitig 
schiessen sie ins Kraut und die Farbe 
ihrer Blätter wird dunkler. Bei der 
Bohne kann jeder beobachten, dass die 
Stellung der Blätter sich je nach dem 
Sonnenstande ändert, um eben der zu 
starken Bestrahlung auszuweichen; bei 
den in Halbschatten versetzten Pflanzen 
rindet diese Bewegung der Blätter nicht 
mehr in merklichem Grade statt. 
Einzelne Pflanzen verändern auch ihr 
äusseres Aussehen merklich, je nach- 
dem sie im Schatten oder im Sonnen- 
lichte stehen, die Wasserfarne z. B. 
senken im Schatten ihre Blätter. 
während sie diese in der Sonne fasl 
aufrecht tragen und dann weit weniger 
schön aussehen. Es geht aus allen 
diesen Angaben hervor, dass die genaue 
wissenschaftliche Untersuchung der 
unterschiedlichen Wirkung von Sonne 
und Halbschatten durch sorgsame Ver- 
suche für alle Zweige der Pflanzen- 
kultur von hoher Bedeutung ist. V. 



120 000 M. für eine Nelke. 

Ein Bostoner Gärtner hat eine neue, 
sehr schöne, riesengrosse, kraus- 
blättrige und tiefrote Nelke erzielt. Er 
sab dieser Nelke den Namen Mrs. 



IÖ2 



Kleinere Mitteilungen. 



Lawson, nach der Frau eines der 
reichsten Leute der Stadt. Mrs. Law- 
son hat nun das Anrecht dieser pracht- 
vollen neuen Varietät für 120 000 M. von 
dem Gärtner erworben. 

Winterfest des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues. 

Zu dem Bericht über das Winterfest 
Heft 3 , Seite 78, bemerken wir der 
Deutlichkeit wegen, dass Herr Hermann 
Fasbender dieganze Tafeldekoration 
nebst den Vasen etc. geliefert hatte, 
und zwar nur aus deutschen Blumen 
und deutschem Bindegrün. Herr 
Clotofski erbot sich freundlichst für 
die grossen Vasen das Material, Flieder 
und Schneeball, zu geben. Beim Fest- 
ausschuss ist leider der Name des Herrn 
Crass I ausgelassen worden. 



800 Jahre alte Taxusbäume. 

Aus der Neumark, 23. Februar, 
schreibt man der Deutschen Tages- 
zeitung: Da Sie in Ihrer Zeitung der 
beiden Taxusbäume im Garten des 
alten Herrenhausgebäudes als besonders 
alter Exemplare gedachten, so teile 
ich Ihnen mit, dass sich im Parke des 
Rittergutes Wuthenow bei Soldin in 
der Neumark, das einem Herrn Wurl 
gehört, zwei ausserordentlich grosse 
und nach sachverständiger Schätzung 
mindestens 800 Jahre alte Taxusbäume 
mit einem Stammdurchmesser von 
ca. 50 cm und ausserordentlich breiten 
Kronen befinden. Die Bäume sind 
wirklich eine Sehenswürdigkeit. 



Libonia floribunda und ihre Kultur. 

Von Adam Hey dt, Schlossgärtner in Dallmin 
(Priegnitz). 

Wenn auch schon oft auf Libonia 
floribunda hingewiesen, so bedarf sie 
noch sehr der Empfehlung, denn so- 
wohl in Kreisen praktischer Gärtner, 
als auch in denen der Liebhaber wird 
Libonia kaum geachtet, trotzdem sie 
sich durch prachtvolle Blumen, schönen 
Wuchs, leichte, einfache und sichere 
Kultur sowie reichen Blütenflor aus- 
zeichnet. 

Libonia zählt zu den Acanthaceen 
und wurde von Carl Koch nach Libon, 
einem eifrigen Pflanzensammler in 
Brasilien, benannt. Ihre Heimat sind die 
Hochebenen von Brasilien. Libonia 
floribunda, die reichblühende Libonia, 



wird bis 60 cm hoch. Blätter länglich 
elliptisch, ca. 2 cm lang, Blüten meist 
gepaart, auf fein behaarten Stielen in 
den Achseln der obersten Blätter. 
Blumenröhre am untersten Ende feuer- 
rot, gegen das obere Ende hin heller, 
Zipfel hellgrün. 

Die einfachste Anzucht der Libonien 
ist die durch Stecklinge, und zwar im 
zeitigen Frühjahr, im März bis April, 
denn je zeitiger man die Stecklinge 
macht, desto bessere Pflanzen erzielt 
man. 

Zu Stecklingen benutzt man junge, 
im Verholzen begriffene Zweige, die am 
unteren Blattknoten glattgeschnitten 
und zur Bewurzelung in Torfund Sand 
gesteckt werden. Die Bodenwärme 
hält man auf 20 — 22 R. In zwei bis 
drei Wochen werden die Stecklinge be- 
wurzelt sein und man pflanzt sie dann 
in kleine Töpfe. Als beste und zu- 
sagendste Erde habe ich Laub- und 
Heideerde mitSand vermischtgefunden. 
Beim Pflanzen drücke man die Erde 
nicht zu fest an. 

Am besten ist es jetzt, wenn man die 
jungen Libonien auf einen warmen 
Kasten bringt. Legt man den Kasten 
mit Mist an und verwendet statt Erde 
Sägespäne, so wird die Wärme bedeutend 
länger erhalten. Die Töpfe werden 
bis zum Topfrande eingesenkt und 
massig angegossen. Die weitere Be- 
handlung besteht jetzt vorerst im Be- 
wässern, Bespritzen, Beschatten, Lüften, 
je nachdem das eine oder andere nach 
der Witterung notwendig wird. Selbst- 
verständlich deckt man die Fenster in 
der Nacht zu. Treiben die Pflanzen 
stark und entwickeln nur einen Trieb, 
so werden diese entspitzt. 

Anfang Mai oder besser Mitte Mai, 
wenn die Nachtfröste vorüber sind, 
lege man ein Kastenbeet an, welches 
man mit einer Erdmischung aus Haide- 
und Lauberde mit Sand vermischt an- 
füllt. In dieses Beet pflanzt man die 
jetzt kräftigen Libonien in einem Ab- 
stand von etwa 25 cm nach allen Seiten. 
Mit dem Pflanzen ist, jedoch nur wenn 
erforderlich, ein Stutzen auszuführen. 

In den ersten Tagen werden die 
Libonien schattiert und später die 
Pflanzen ganz der Sonne ausgesetzt. 
Es ist jetzt Hauptsache, dass alles 
Lnkraut entfernt und dieErde, wenn nötig, 
gelockert wird. Sind die Pflanzen gehörig 



Aus den Vereinen. 



.«»3 



im Wachstum, so werden sie alle acht 
Tage gedüngt. Im September topft man 
die starken Libonien ein und hält sie 
einige Tage unter Glas, bis sie sich 
von der Operation des Verpflanzens 
erholt haben. In den Küsten verbleiben 
Sie Libonien, bis der Eintritt von Frost 
ein Einräumen ins Kalthaus notwendig 
macht. 

Im Kalthaus stelle man die Libonien 
recht hell auf. begiesse vorsichtig, 
vermeide aber grosse Trockenheit. Im 
Februar stellt man die Ptlanzen wärmer 
und bringt sie hier zur Blüte. Sobald 
der Flor beendet, schneidet man die 
Ptlanzen zurück, stellt sie kühler und 
pflanzt sie im Mai von neuem aus. Im 
übrigen gleicht die Pflege derjenigen 
im Vorjahre. 

Ich ziehe die Kultur des Ausptlanzens 
vor, weil man viel grössere Pflanzen 
erzielt und eher blütenfähige Exemplare 
erhält, als wenn man die Libonien 
von Jugend an in Töpten pflegt. 

Will man dennoch die Topfkultur 
anwenden, so benutzt man obige Erd- 
mischung und verpflanzt jedesmal dann, 
wenn es die Umstände erheischen. Es 
empfiehlt sich für Topfkultur das fort- 



währende Halten der Libonien unter 
( rlasfenstern. 

P.lühende Libonien bilden einen 
grossen Schmuck für allerlei Deko- 
rationen im Zimmer, auf Blumentischen, 
im Glashaus und dergl., auch können 
die abgeschnittenen Blütentriebe für 
die Binderei verwendet werden. 

Preisausschreiben für Binderei. 

Ein Preisausschreiben für 
Blumenbinderei veranstaltet die 
»Bindekunst« in der ersten Nummer 
des am 1. April beginnenden dritten 
Jahrganges. Der erste Preis wird ein 
Kunstgegenstand im Werte von 300 M 
sein. Näheres über dieses Preis- 
ausschreiben wird in No. 1 des neuen 
Jahrganges der »Bindekunst« ver- 
öffentlicht. Diese Nummer wird aut 
Verlangen vom »Bindekunst-Verlag«. 
Erfurt, postfrei zur Ansicht versandt. 
An dem letzten Preisausschreiben, 
welches für angehende Binder und 
Binderinnen ausgeschrieben war, be- 
teiligten sich 94 Bewerber, unter denen 
17 Preise im Gesamtwert von circa 
200 M. zur Verteilung gelangten. 



Aus den Vereinen. 



Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein 

1 Berlin, Weissenburgerstr. 66) 

Abteilung für Stellennachweis, ver- 
öffentlicht soeben in seinen »Bewe- 
gungen auf dem gärtnerischen Arbeits- 
markte« den Monatsbericht für Januar, 
dem wir folgendes entnehmen: Bei der 
Geschäftsstelle Berlin wurden im Januar 
gemeldet an offenen Stellen a) für 
Berlin und Vororte S2 in der gewerb- 
lichen Gärtnerei. Nachweisbar besetzt 
wurden davon 02; 14 erledigten 
sich, indem diese jedenfalls bei Um- 
gehung des Nachweises von anderen 
Seiten besetzt wurden. Für 3 Stellen, 
die zum Hausierhandel mit Sämereien 
ausgeschrieben waren, fanden sich 
keine Bewerber. Unbesetzt waren zwei 
Stellen wegen zu niedrigen Lohnange- 
bots (18 Mark monatlich bei freier 
Station) und eine, weil dort die Ge- 
hilfen regelmässig ihren Lohn erst 
einklagen müssen. Von ausserhalb. 



einschliesslich Ausland, wurden 25 
Stellen der gewerblichen Gärtnerei 
gemeldet, die meist den jeweils nächst- 
gelegenen Zweiggeschäftsstellen im 
Reiche zur Erledigung überwiesen 
wurden. Der Privatgartenbau meldete 
38 Stellen an, davon 31 für ledige und 
7 für verheiratete Gärtner. Während 
4 der letzteren keine näheren Be- 
merkungen über gewünschte familiäre 
Verhältnisse enthielten, waren eine an 
die Bedingung geknüpft »jedoch kinder- 
los«, eine »kinderlos oder nur er- 
wachsene Kinder«, eine »Frau muss 
mit thätigsein, wenn's geht, auch Sohn 
und Tochter zur Arbeit stellen« (Baron 
von C). Stellensuchende Hessen 
sich einschreiben 96 für die gewerb- 
liche Gärtnerei und 34 für Privatstellen. 
(Für letztere sind von früher her noch 
50 vornotiert). Fast ausschliesslich 
begehrt wurden in der gewerblichen 
Gärtnerei die Alterklassen von 20 bis 



164 



Litteratur. 



23 Jahren-; ältere warten schon wochen- 
bezw. monatelang auf Arbeit, sind je- 
doch schwer unterzubringen. Lieber 
wird noch zu den jüngeren gegriffen. 
Verheiratete sind hier überhaupt nicht 
unterzubringen. Zu erwähnen ist noch 
folgendes: Während im Dezember sich 
im Nachweise zur Sprechzeit täglich 
nur 3 — 6 Stellenbewerber durchschnitt- 
lich einfanden, wies der Januar regel- 
mässig 10 — 25 auf. Seit Eintritt des 
Frostwetters hat das Angebot offener 
Stellen plötzlich nachgelassen und die 
Stellensuchenden häufen sich. 



Verein zur Förderung der Blumenpflege 
bei Schulkindern. 

Der Berliner Verein hielt am 7. März 
im Bürgersaale des Rathauses unter 
Vorsitz des Schulinspektors Dr. Zwick 
seine zweite Jahresversammlung ab. 
Der erste Jahresbericht führte 36 Berlin er 
Gemeindeschulen auf. deren Kinder 
sich der Blumenpflege widmeten; diese 
Zahl hat sich im zweiten Jahresbericht 
nur um eine vermehrt. 30 Schulen 
sind der Blumenpflege treu geblieben, 
sechs haben sie wieder aufgegeben, 
sieben sind neu für die Bestrebungen 
gewonnen worden , 190 Gemeinde- 
schulen stehen der Sache überhaupt 
noch fern. Die Zahl der ausgegebenen 
Pflanzen, ,die im ersten Jahre 5894 be- 
trug, hat sich im zweiten Jahre auf 
6354 erhöht , dank reicheren Zu- 



wendungen von Gönnern, unter denen 
Geh. Kommerzienrat Veit und Kauf- 
mann Seldis-Steglitz besonders genannt 
werden. Die städtische Parkdeputation 
spendete über 1000 Pflanzen und die 
erforderliche Blumenerde für alle 
Töpfe. Die Belehrung über die Blumen- 
pflege wurde im naturkundlichen 
Unterricht gegeben und an besonderen 
Exemplaren, die während des ganzen 
Sommers am Fenster der Schulstube 
ihren Platz hatten, wurde die Pflege 
gelehrt , die für das Gedeihen der 
Blumen unerlässlich ist. Die Mitglieder- 
zahl des Vereins ist von 070 auf 740 
gestiegen, in diese Zahl einbegriffen 
sind die 130 ausserordentlichen Mit- 
glieder und Wohlthäter. Die Ein- 
nahmen des Vereins beliefen sich auf 
500, die Ausgaben auf 457 M. Der 
Vorstand wurde wiedergewählt. Herr 
Dr. Dammer hielt alsdann einen Vortrag 
über Zimmerpalmen-Kultur. 

Deutscher Po mologen verein. 
Statuten und Verzeichnis der Mitglieder 
(Bestand vom 1. Juli 1897). 



36/37. Jahresbericht des Garten- 
bau-Vereins für die Oberlausitz. 
Enthält kurze Berichte über die ein- 
zelnen Vereinssitzungen, sowie Ver- 
zeichnisse der Mitglieder und der 
Bibliothek. 



Litteratur. 



Prof. Dr. R. Sadebeck, Direktor 
des botan. Museums und des botan. 
Laboratoriums für Warenkunde in 
Hamburg, Die Kulturgewächse der 
deutschen Kolonien und ihre Erzeug- 
nisse. Für Studierende und Lehrer der 
Xaturwissenschaften, Plantagenbesitzer, 
Kautleute und alle Freunde kolonialer 
Bestrebungen. Jena. Verlag von 
Gustav Fischer 1899. Gr. 8°. 366. 
137 Abbildungen. Preis 10 M.. geb. 
11 M. 

Dieses Werk kommt gerade zur 
richtigen Zeit, da das Interesse für die 
Kolonien ein überall rege gewordenes 
ist. Es bietet, wie schon der Titel 
sagt, so zu sagen Jedem etwas, dem 



Mann der Wissenschaft, wie dem 
Praktiker, und die zahlreichen schönen, 
meist Original-Abbildungen, die nur 
mitunter etwas zu stark schattiert sind, 
erleichtern das Verständnis sehr. Die 
meisten Artikel sind vom Verfasser, 
der bei seiner Stellung ein reiches 
Material zur Verfügung hatte, selbst 
geschrieben, manche aber von Spe- 
zialisten durchgesehen. Behandelt 
wurden: 1. Palmen. 2. Getreide und 
Zuckerrohr. 3. Knollen- und Zwiebel- 
gewächse. 4. Essbare Früchte und 
Gemüse. 5. Eigentliche Genussmittel 
(Ivaffee, Thee. Kakao etc.). 6. Gewürze. 
7. Tabak (wird sonst auch zu den Ge- 
nussmitteln gerechnet). 8. Fett- und Öl- 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



l6 5 



pflanzen. 9. Färb- und Gerbstoff- 
pflanzen. 10. Gummi, Harze undKopale. 

1 1 . Kautschuk- und ( '.uttaperchaptlanzen. 

12. Faserstoffe. 13. Nutzhölzer. 14. Me- 
dizinalpllanzen. Bei der Getreideart 
Eleusine coracana ist uns aufgefallen, 
dass Verfasser E. Tocussa nicht er- 
wähnt, es hätte wenigstens, da dieser 
Xame oft vorkommt, angegeben werden 
können, dass es wohl nur eine Varietät 
von E. coracana ist. Über die Be- 
reitung" des Kaffees zur Handelsware 
hätten doch wohl statt der Semmler- 
schen Angaben solche von den Plan- 
tagenbesitzern selbst gebracht werden 
können. Bei den tropischen Getreide- 
arten und Hülsenfrüchten wären Ab- 
bildungen der Körner bezw. Samen 
erwünscht gewesen, da diese gerade 
im Handel und Wandel allein vor- 
kommen. Doch das sind kleine Aus- 



stellungen. I>as Buch verdient in jeder 
Hinsicht die wärmste Empfehlung, und 
das um so mehr, als es eine Menge 
weniger bekannte ('.'-wachse bespricht 
und z. T. auch charakteristisch ab- 
bildet, so z. B. die Xaras-Ptlanze, eine 
Cucurbitaceae, auf den Dünenhügeln 
der Walfischbai. Auch die Krankheiten 
der betr. Pflanzen sind meist be- 
sprochen. Die gefürchtete Sereh- 
krankheit des Zuckerrohres wird jetzt 
als eine erbliche Degenerationserschei- 
nung angesehen. L. Wittmack. 



Mitteilungen über Düngungs- 
v er suche. Herausgegeben vom Syn- 
dikat der Kaliwerke Leopoldhall- 
Stassfurt. Xo. 11 Gemüse. 2. Teil. Mit 
sehr interessanten Darstellungen nach 
Photographien. 



Gewerbliche Angelegenheiten. 



Frachtermässigung. 

Eine wesentliche Ermässigung des 
Gütertarifs auf den preussischen Staats- 
bahnen, die in der Hauptsache land- 
wirtschaftlichen Erzeugnissen zu Gute 
kommt, hatsoeben derMinister Thielen 
angeordnet. Danach werden vom 
1. April 1899 an Butter, sämtliche 
Gartenprodukte und geräucherte He- 
ringe zum Frachtgütertarif angenommen 
und als Eilgüter befördert. Durch 
diese Anordnung tritt eine Verbilligung 
der Fracht um die Hälfte ein. 



Gärtnerische Kommission des wirtschaftlichen 
Ausschusses. 

In dem Bericht über die erste Sitzung. 
Heft 3 S. 85, ist aus Versehen unter 
den Anwesenden Herr M. Liebau 
fi. F. Liebau & Co.), Samenhandlung, 
Erfurt, nicht aufgeführt. 

Die süddeutschen Gärtner beklagen 
sich in der Frankfurter Gärtnerzeitung, 
keiner von ihnen in diese Kom- 
mission berufen sei. Wir können aber 
die Versicherung geben, dass die 
Berliner« daran wirklich unschuldig 



sind. Die Einladungen scheinen sich 
vorläufig nur auf Preussen beschränkt 
zu haben. 



Erleichterung 
im Verkehr mit amerikanischem Obst. 

Aus Hamburg schreibt man der 
Voss. Zeitung: Xach einer von zu- 
ständiger Seite uns zugehenden Mit- 
teilung ist für den Verkehr mit ame- 
rikanischem Obst die Erleichterung 
eingetreten, dass durch Verfügung des 
Reichskanzlers jetzt die Durchfuhr von 
frischem und getrocknetem Obst, sowie 
von Obstabfällen aus Amerika ohne 
vorherige Untersuchung auf das Vor- 
handensein der San Jose-Schildlaus 
unter der Bedingung gestattet ist. dass 
die Waren unter Zollverschluss durch 
das deutsche Zollgebiet durchgeführt 
werden. Auch solche Sendungen, die 
im hiesigen Freihafengebiet für die 
Einfuhr untersucht und mit der San 
Jose-Schildlaus besetzt befunden worden 
sind, können auf einen an das Dekla- 
rationsbureau zu richtenden Antrag zur 
Durchfuhr durch das Zollgebiet unter 
Zollverschluss zugelassen werden. 



i66 



Ausstellungen und Kongresse. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Pankow - Schönhausen. Allge- 
meine Gartenbau - Ausstellung des 
Pankow - Schönhausener Gartenbau- 
vereins, 19. — 24. Mai 1900, im 
Restaurant Linder, Rreitestr. 34. An- 
fragen sind zu richten an W. Kretsch- 
mann, Handelsgärtner in Pankow- 
Berlin. 

Berlin. Grosse deutsche Winter- 
blumen-Ausstellung, Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten. Das 
Programm, das Medaillen und Geld- 
preise im Gesamtbetrage von nicht 
weniger als 20000 Mark aussetzt, 
ist am 23. Februar vom Verein 
zur Beförderung des Gartenbaues 
genehmigt und wird nun gedruckt 
werden. 



Dresden. Jubiläums - Ausstellung 
des Landesobstvereins für das König- 
reich Sachsen vom 14. — 19. Oktober. 
Das Programmm ist zu beziehen: 
Gerokstrasse 45. 



Dresden. Anfang Mai 1900 Früh- 
jahrsausstellung der Feronia. 



London. Internationale Konferenz 
über Bastard- und Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet von der Royal 
Horticultural Society am 11. und 
12. Juli 1899. Anmeldung von Artikeln 
und Pflanzen an W. Wilks, Secretary, 
117 Victoria Street, Westminster SW. 



Antwerpen. Internationale Aus- 
stellung vom 9. — 13. April 1899 zur 
Feier des 3ocjährigen Geburtstages von 
Anton van Dyck. 



Gent. 30. April bis 9. Mai 1899 
Grosse internationale Ausstellung. Die 
Ligue horticole L'Union zu Mont 
St. Amand bei Gent versendet ein sehr 
geschmackvolles Plakat zu ihrer Aus- 
stellung. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5./17. 
bis 15./27. Mai 1899. Unter dem 6. März 
übersandte uns der Reichskanzler 
(Reichsamt des Innern) die Abschrift 
einer Verbalnote der Kaiserlich 



russischen Botschaft vom 15. Februar 
d. J., die wir liier in Uebersetzung 
folgen lassen. 

Zugleich bemerkt uns das Reichs- 
amt des Innern, dass wegen Ver- 
günstigungen anf den preussischen 
Eisenbahnen Verhandlungen mit dem 
Königlich preussischen Herrn Minister 
der öffentlichen Arbeiten eingeleitet 
sind. Ueber das Ergebnis wird s. Z. 
berichtet werden. 

Abschrift zu III A. 908. 
Russische Botschaft. 

Berlin, 3./ 15. Februar 1899. 
Verbalnote. 
Die Kaiserliche Botschaft ist be- 
auftragt, zur Kenntnis zu bringen, dass 
Personen, welche an der Internationalen 
Gartenbau- Ausstellung in St. Petersburg, 
die vom5./i7-bis 15. 27. Mai stattfindet, 
teilzunehmen wünschen, Zoll- und 
Transport-Erleichterungen eingeräumt 
werden. 

1. Der Transport der Ausstellungs- 
gegenstände von der Grenze bis zur 
Ausstellung erfährt keine Reduktion 
des gewöhnlichen Preises. Hingegen 
sind alle Gegenstände, welche von 
St. Petersburg durch das gleiche Zoll- 
amt zurückgeschickt werden, welches 
sie bei der Einsendung passierten, 
befreit von Zollausgaben. 

2. Nach Schluss der Ausstellung 
werden die Gegenstände unentgeltlich 
von St. Petersburg bis zu ihrer An- 
kunftsstation vom Auslande trans- 
portiert (also bis zur Grenze). 

3. Zum Zweck der freien Durchfuhr 
durch die russischen Grenz-Zollämter 
müssen die Ausstellungsgegenstände 
die Aufschrift tragen: »Transit — 
Exposition« und ausserdem mit be- 
sonderen Karten versehen sein, welche 
die Kaiserliche Gartenbaugesellschaft 
auf Wunsch der Aussteller entsprechend 
der deklarierten Zahl der Colli oder 
Kisten liefert. 

4. Die Zollrevision der Ausstellungs- 
gegenstände aus dem Auslande wird 
im Aus Stellungsgebäude selbst 
stattfinden. 

5. Alle Pflanzen müssen von Attesten 
begleitet sein, welche feststellen, dass 



Eingesandte Preisverzeichnisse. — Personal-Nachrichten. 



I<»7 



sie von der Phylloxera nicht befallen 
sind. 

Es muss noch hinzugefügt werden, 
dass man die Absicht hegt, einige 
Eisenbahnwagen für die Versendung 



der Pflanzen speziell einzurichten, die- 
selben zu heizen und mit Wasser zu 
versehen, um die Pflanzen während 
der Reise im guten Zustande zu er- 
halten. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



J. M. Helms Söhne. Gross-Tabarz, 
Thüringen. Forst- und landwirt- 
schaftliche Samen. — Sander & Co., 
St. Albans, England, New Orchids, 
new Palms, new Carnations (Xelken). 
beautiful foliage plants etc. — 
H. Severin (vorm. C. Ilaacke Wwe.), 
Kremmen bei Berlin, Schnittstauden, 
Chrysanthemum, Edel-Georginen. — 
J. M. Krannich, Mellenbach i. Thür., 
Holzwaren, Namenhölzchen, Kisten etc. 

— G. Bornemann. Blankenburga.Harz, 
Neueste und beste Blütenpflanzen. 
Zonale-Pelargonien mit farbigen Abb., 
Canna,I)ahli en, Begonien, Fuchsien etc. 

— H. Henkel. Darmstadt, Koniferen etc. 
Grassamenmischungen. Samen von 
Brahea Roezli von C. A. Purpus in 
Kalifornien an ihrer nördlichsten 
Verbreitungsgrenze gesammelt. — 
Boettcher & Voelcker, Gr.-Tabarz 
1. Thür., Laub- und Nadelholz, Gras- 
und Oekonomiesamen. — Carl Grone- 
mann, Ploflieferant, Blomberg in Lippe, 
Hauptverzeichniss der Spezial-Nelken- 



zucht. Dr. G. Di eck in Zusehen. 

Reg.-Bez. Merseburg, die Moor- und 
Alpenpflanzen (Eiszeitflora) des National- 
Arboretums und Alpengartens Zöschen 
und ihre Kultur; ein ausserordentlich 
reichhaltiges Verzeichnis mit tabel- 
larischen Angaben über Vaterland. 
Boden, Wuchs etc., derselbe: Neu- 
heitenliste. — J. C. Schmidt, Erfurt, 
landw. Frühjahrsaussaaten, desgl. Ver- 
zeichnis praktischer und neuer Geräte 
für Haus und Hof, Garten und Feld. — 
Otto Froebel, Zürich, illustrierter 
und erläuternder Generalkatalog über 
sämtliche Kulturen der Firma: I. Ge- 
wächshauspflanzen (hierzu ein farbiges 
Bild des Cyclamen Papilio), II. Winter- 
harte Freilandpflanzen, Alpen-, Zwiebel n- 
und Knollengewächse, III. Zierbäume 
und Sträucher, Nadelhölzer, Obst etc. 
Unter den vielen schönen Abbildungen 
sei hervorgehoben: ein Teil des Froebel- 
schen Seerosenbassins mit nur winter- 
harten Nymphaeen, ferner die neue 
Picea pungens glauca pendula. 



Personal-Nachrichten. 



Der bekannte Pomologe Friedrich 
Jacob Dochnahl zu Neustadt am 
Hardt. Ehrenmitglied des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, feierte 
am 4. März seinen 80. Geburtstag. 

Jakob Sturm, Kunst- und Ilandels- 
gärtner in Erfurt, wurde zum königl. 
württembergischen Hoflieferanten er- 
nannt. 

Der Obergärtner Wiss vom Park- 
revier Sanssouci ist zum Königlichen 
Hofgärtner ernannt worden ; ihm 
wird vom 1. April an die Stelle des 



dann pensionierten Hofgärtners Merle 
zu Homburg vor der Höhe über- 
tragen. 

Otto Busse, bisher Obergärtner an 
der Gärtner-Lehranstalt zu Köstritz, 
wurde als Kreis -Obergärtner nach 
Centhin, Kreis Jerichow, berufen. An 
seine Stelle trat W. Voegler-Scherf . 
bisher in der väterlichen Gärtnerei in 
Annaberg beschäftigt, früherer Schüler 
der Gärtner-Lehranstalt Köstritz. 

Am 28. Februar f im 52. Lebens- 
jahre plötzlich am Gehirnschlage der 



i68 



Personal-Nachrichten. — Tagesordnung. 



Königliche Garteninspektor a. D. 
Berthold Stein in Breslau. Stein 
war früher Inspektor des botanischen 
Gartens in Breslau. Er schrieb u. a. 
ein bekanntes Buch über die Orchideen, 
war auch botanisch, namentlich in 
Flechten sehr bewandert. Im Jahre 1886 
war er Redakteur der Gartenflora. 



R. Mertens, Obergärtner und Obst- 
baulehrer an der königl. Lehranstalt 
für Obst-, Wein- und Gartenbau zu 
Geisenheim, wurde als Landes-Obstbau- 
Inspektor für das Königreich Bayern 
- mit dem Wohnsitze in Nürnberg — 
angestellt. Für Geisenheim ist das ein 
grosser Verlust und für Bayern ein 
grosser Gewinn, sagt Möllers Gärtner- 
zeituns mit Recht. 



C. Voland, bisher in Breslau be- 
schäftigt, wurde vom Kreisausschusse 
des Kreises Kempen als Kreisgärtner 
angestellt. 

Der ausserordentliche Professor an 
der Universität Halle Dr. Zopf, früher 
an der landwirtschaftlichen Hochschule 
in Berlin, ist zum ordentlichenProfessor 
der Botanik an der Kgl. Akademie zu 
Münster in Westfalen ernannt. 



Karl Lücke, der am 1. Oktober 
seine Stelle als Institutsgärtner an der 
Obst- und Weinbauschule in Wittstock 
aufgab, hat die Anlage und Leitung 
der gräflich Hadikschen Obstplantage 
und Baumschule in Nadaska (Ober- 
Ungarn) übernommen. 



Hofgarteninspektor RudolphNoack 
in Darmstadt trat in den Ruhestand 
und erhielt als Anerkennung seiner 
Leistungen das Ritterkreuz des Ordens 
vom Zähringer Löwen verliehen. 



Am 1. Februar starb im Alter 
von 78 Jahren der gräflich von 
Bennigsensche Gartenmeister a. D. 
H. Heike in Banteln. Nachdem es 
ihm vergönnt war, vor einigen Jahren 
sein 50 jähriges Dienstjubiläum zu 
feiern, trat er am 1. Mai 1896 in den 
Ruhestand, In den weitesten Kreisen 
wird der Tod des tüchtigen Fach- 
mannes lebhaft bedauert, und sein An- 
denken wird von allen seinen Freunden 
und Bekannten, die Gelegenheit hatten, 
den allezeit liebenswürdigen alten 
Herrn kennen zu lernen, hoch in Ehren 
gehalten werden. 

Johann Ilthal, Begründer und lang- 
jähriger Leiter des Dorj ewschen Parks 
bei Schpola (Russland), gab diese 
Stellung auf und übernahm die Ober- 
gärtnerstelle bei Baron W ran gel in 
Kosatzkaje (Russland). 

Dem Gartendirektor der Deutschen 
Botschaft in Konstantinopel, Wentzel. 
ist der Kgl. Kronenorden IV. Klasse 
verliehen. 

Dem Rentier Agathus Thiel- 
Charlottenburg, früher Inhaber des 
rühmlichst bekannten Bindereigeschäfts 
Kgl. Hofl. A. Thiel- Berlin, ist der 
Kgl. Kronenorden IV. Klasse verliehen. 



Lg 



Tagesordnun; 

für die 

857. Versammlung des Vereins z. Beförderung d. Gartenbaues i. d. pr. Staaten 

am Donnerstag, den 23. März 1899, 6 Ohr (nicht am 3 o. März), 

im grossen Hörsaal der Königl. landw. Hochschule, Invalidenstrasse 42. 

1. Ausgestellte Gegenstände. 2. Vortrag des Herrn Geh. Regierungsrat Professor Dr. 
Orth: Reisebilder von einer Orientreise. (Zu diesem Vortrage sind auch die 
verehrten Damen der Mitglieder freundlichst eingeladen.) 3. 2. Abstimmung über die Anträge 
der vereinigten Ausschüsse, den Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung auf 
10 000 M. zu erhöhen und ein Stipendium von 5ooo M. für die Kgl. Gärtner-Lehranstalt zu 
Potsdam zu stiften (vergl. S. 1 12 und 148). 4. 2. Abstimmung über die Bewilligung von 20000 M. zu 
Prämien für die grosse Deutsche Winterblumen-Ausstellung Mitte Februar 1900. 5. 1. Lesung 
des Etats für 1899. 6. Entlastung des Schatzmeisters für die Rechnung über die Jubiläums- 
ausstellung und für die Jahresrechnung 1897. 




Die botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. 

(Aus der dem Reichstag überreichten Denkschrift betreffend die Verwendung des Afrikafoi 

jie botanische Zentralstelle am königlichen botanischen ('.arten zu Berlin 
hat dank der erhöhten Mittel, welche ihr zuteil wurden, ihre Thätigkeit 
mit Beginn des laufenden Etatsjahres viel umlassender gestalten können, als es 
bis dahin möglich gewesen ist. Zur Bestätigung dieses sei zunächst darauf 
hingewiesen, dass die an die verschiedensten Stationen unserer Kolonien ge- 
lieferten kleineren und grösseren Mengen von Samen tropischer und subtropischer 
Nutzpflanzen, von Gemüsen, Getreidearten, Futter- und Ziergewächsen gegen 
1000 Nummern betragen haben. Naturgemäss flössen die Sendungen vorzugs- 
weise denjenigen Plätzen zu, an denen staatlicherseits botanische und Versuchs- 
gärten unterhalten werden, so namentlich Viktoria, Dar-es-Saläm und Kwai; 
aber auch kleinere Stationen, wie Moschi, Kilema, Dabaga und Iringa in Ost- 
afrika, Lome und Kete-Kratyi in Togo, Buea und Johann-Albrechtshöhe in 
Kamerun, Windhoek und Salem in Südwestafrika, nicht minder einzelne Private 
wie die Deutsch - Ostafrikanische Gesellschaft und die Friedrich-Hoftmann- 
Pflanzung in Useguha, konnten bedacht werden. Bei der Auswahl des Saatgutes 
wurde einerseits den geäusserten Wünschen thunlichst Rechnung getragen, 
andererseits waren die klimatischen Verhältnisse des jeweiligen Bestimmungs- 
ortes und damit die Möglichkeit eines Kulturerfolges in Rücksicht zu ziehen. 
Um einiges Wichtigere herauszugreifen, erhielten unter Beachtung dieser beiden 
Momente sowohl ost- wie westafrikanische Stationen Saatgut wertvoller Nutz- 
hölzer, als Teakholz, indisches Sandelholz, Blauholz, Mahagoni, Polisander, 
Ebenholz, verschiedene Eisenhölzer und Eucalypten. Sappan- und Zuckerkisten- 
holz, ferner tropische Obstarten wie Sapotillapfel, Guayaven. Jambosen, Granaten 
und Citronen. Mit Ziergehölzen, Florblumen und Palmen aller Art wurden 
vorzugsweise Dar-es-Saläm, Viktoria und Buea versehen, Futtergräser und Ge- 
treidesorten gingen nach Kwai, Atakpame, Kete-Kratyi, Gerbakazien und Dividivi 
ebendahin und nach Mohorro. Der gebirgigen Lage Kwais. Moschis, Iringas 
und Bueas Rechnung tragend, wurde auch der Versuch gemacht, diesen eine 
Reihe europäischer und nordamerikanischer Nadelhölzer, Laubbäume und 
Sträucher zuzuführen, von denen echte Kastanie. Oelbäume. Wein. Mandel, 
Walnuss und virginischer Wachholder erwähnt sein mögen. Medizinal- und 
i dpllanzen empiing besonders Kwai, Schatten- und Alleebäume Dar-es-Saläm, 
Viktoria und Windhoek. 

Zu Versuchen im grösseren standen im vergangenen Jahre vier Arten 
von Nutzpflanzen zur Verfügung, nämlich Friobotrya japonica. die echte, aus 
Indien bezogene Indigopflanze, die Dattelpalme und der Matestrauch der Süd- 
amerakaner. Die erste konnte an fast sämtliche in Betracht kommende 
Plätze verteilt werden, die zweite erhielt Kete-Kratvi, die dritte Dar-es-Saläm. 



1 70 Die botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. 

Kwai, Lome, Kete-Kratyi, Windhoek und Salem, den Matestrauch Kwai, Viktoria 
und Kete-Kratyi. Eine Übersicht über alle nach unseren Kolonien ver- 
schickten Samensorten giebt das Notizblatt des botanischen Gartens und 
Museums No. 15. 

Weniger umfangreich, teils der hohen Kosten, teils der nur selten vor- 
handenen Gelegenheit zur Ueberführung wegen, gestaltete sich die Versendung 
lebender Nutzpflanzen im Wardschen Kasten. Immerhin hat die Anzahl der ab- 
gegebenen Arten 81, der Exemplare 274 betragen, bei weitem mehr also als je in 
einem der vergangenen Jahre. Bei der Auswahl der Arten waren hier natur- 
gemäss in erster Linie die Wünsche der Stationsleiter massgebend und so 
gingen nach Kwai von Gewürzpflanzen die Muskatnuss und Zimmt, von Obst- 
arten Achras Sapota, Aegle marmelos, Spondias dulcis und Anonen, von Reiz- 
pflanzen der Kolabaum und Guarana, von Nutzhölzern Pockholz, Campecheholz, 
australisches Eisenholz und Schleichera trijuga, ferner Medizinalpflanzen, wie 
Strophanthus, Tolubalsambaum und Maticostrauch, dann Feigenbäume, Illipe 
latifolia, Bambus und die Kautschukpflanze Castilloa elastica. Die Friedrich- 
Hoffmann-Pflanzung in Useguha wurde mit einer Reihe von Schattenbäumen 
für Kaffee bedacht, daneben mit Nutzhölzern (Polisander, Pterocarpus santalinus, 
Pockholz, Cedrela odorata), Obstarten (Anonen, Jambosen, Baumstachelbeeren), 
Olpalmen, besonders aber mit einer Stecklingssendung der Gespinstpflanze 
Boehmeria nivea (Ramie), die sie im grossen in Kultur zu nehmen gesonnen 
ist. Herr Direktor Dr. Preuss in Viktoria erbat und erhielt von Medizinal- 
pflanzen Smilax officinalis, Toluifera Pereira, Erythroxylon novogranatense, 
Croton betulinus und Eluteria, von Obstarten Aegle marmelos, Anona, Cheri- 
molia, Achras Sapota, von sonstigen Nutzpflanzen Dividivi, Ravenala madagas- 
cariensis, Ficus bengalensis, Illipe latifolia, Dendrocalamus strictus u. s. w. 

Der Versendung lebender Pflanzen wird die botanische Zentralstelle in 
Zukunft darum eine noch grössere Beachtung schenken als bisher, weil sich 
herausgestellt hat, dass sie für das Gelingen einer Einführung mehr Gewähr 
bietet als die Verteilung von leicht verderbbarem und immer nur teilweise 
zur Keimung gelangendem Saatgut. Sie hat deshalb durch Aussortieren 
manches Überflüssigen und Unbrauchbaren in den Kulturhäusern des 
botanischen Gartens Raum für vermehrten Anzuchtsbetrieb des Wertvolleren und 
für Aufnahme von Neuheiten geschaffen. Um letztere zu erlangen, hielt sie 
nicht nur den bestehenden, auf Austausch gegründeten Verkehr mit vielen 
botanischen Gärten des In- und Auslandes aufrecht, sondern knüpfte auch neue 
Verbindungen an und erwarb durch Kauf bei hervorragenden Firmen, wie 
William Brothers (Ceylon), Schenkel (Teneriffa), Christy (London) und Klar 
(Berlin), manches von dem, was bisher gefehlt hatte. Aus den auf diese Weise 
für die Kulturhäuser gewonnenen Zugängen seien hervorgehoben: Die Muskat- 
nuss, eine Anznhl lebender, später nach Kamerun überzuführender Bambusen 
aus Kalkutta, ein Wardscher Kasten, gefüllt mit Stecklingen der wichtigen 
Kautschukpflanze Castilloa elastica aus London, 15 Arten Sämereien aus Madras. 
78 aus Saigon, 28 aus Kalkutta, 2 aus Gabun, 57 aus Baroda (Indien), 112 aus 
Sydney. Stecklinge des Guttaperchabaumes, die Herr Konsul Eschke in einem 
Wardschen Kasten aus Singapore zu schicken die Freundlichkeit hatte, kamen 
leider schon halbabgestorben an und waren trotz aller Bemühungen nicht am 
Leben zu erhalten. 



Die botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. 



171 



Eingänge aus unseren Kolonien sind für alle Abteilungen der botanischen 
Zentralstelle zu verzeichnen, wenn auch nicht verhehlt werden darf, dass sie 
in ihrem Umfange noch keineswegs den berechtigten Erwartungen entsprechen. 
Die gan-z überwiegende Mehrzahl der Stationen steht den Bestrebungen, durch 
Übersendung von getrockneten Pflanzen und Produkten zur Kenntnis des Landes 
beizutragen, noch teilnahmslos gegenüber. Um so mehr ist die Thätigkeit ein- 
zelner anzuerkennen. Kwai schickte 9 diverse lebende Nutz- und Zierptlanzen 
für den botanischen Garten, die Friedrich-HolTmann-Pilanzung 10, Buea gegen 
30. aber leider mangelhaft verpackt, so dass nur ein Teil davon gerettet werden 
konnte. An Sämereien gingen ein: grössere Kollektionen durch Direktor Kick 
aus Kwai und durch Regierungsrat Dr. Stuhlmann aus Dar-es-Saläm, kleinere 
durch Graf Zech und Dr. Kersting aus Togo und durch Landwirt Dintert 
aus Südwestafrika. Der Aufforderung, durch Einsendung hervorragender Nutz- 
gewächse einen Austausch zwischen Ost- und Westafrika anzubahnen, ist bisher 
nur Kwai nachgekommen, indem es die Samen der ostafrikanischen Ölpflanze 
Telfairia pedata, einer wilden Musaart und zweier schöner Waldbäume seiner 
Umgebung in grösserer Menge nach Berlin gelangen liess. Es konnten damit 
nicht nur die westafrikanischen Stationen, sondern auch eine Reihe tropischer 
botanischer Gärten versehen und dadurch wenigstens teilweise den Ver- 
pflichtungen nachgekommen werden, den der kostenfreie Bezug von Saatgut aus 
englischen und französischen Kolonien der botanischen Zentralstelle auferlegt. 

Las botanische Museum verdankt Hauptmann v. Elpons verschiedene 
Früchte aus Hohenlohe-Langenburg. Direktor Eick ebensolche und Proben 
europäischer Kulturgewächse aus Usambara, dem Grafen Zech Indigo aus Togo, 
Herrn Knochen hauer Gummisorten aus Ostafrika, Herrn Conrau versteinerte 
Hölzer und Produkte aus Kamerun, Regierungsrat Dr. Stuhlmann Mangrove- 
Rinden und diesem wie Direktor Eick je eine Sammlung sehr willkommener 
Photographien von Vegetationstypen. Das meiste Interesse beanspruchen Proben 
von Nutzhölzern, die Lieutenant Brosig aus Kilossa, Plantagenbesitzer Kurt 
Hoff mann aus Useguha und Graf Zech aus Togo zur Verfügung stellten. 
Namentlich die des ersteren, die infolge Beigabe von Blatt- und Blütenzweigen 
fast sämtlich zu bestimmen waren, geben einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis 
der technisch brauchbaren Bäume Ostafrikas ab. (S. Notizblatt des botanischen 
Gartens und Museums No. 15.) An Herbarpflanzen wurden schliesslich über- 
wiesen aus dem Nachlass des in Kamerun verstorbenen Gärtners St au dt 221. 
von Direktor Dr. Preuss in Viktoria 80, von Dr. Lauterbach aus Neu- 
Guinea 92, von den Gärtnern Deistel 77 und Lehmbach 289 aus Kamerun, 
von Direktor Eick aus Usambara etwa 60, von Herrn Zenker in Bipinde gegen 
500 und von Herrn Dinklage aus Liberia, Gabun und Kamerun 1500 Nummern. 

Die wissenschaftliche Bearbeitung der Eingänge hat dank der geschaftenen 
Organisation, die Beamten des Museums zu Spezialisten für die einzelnen unter 
sie verteilten Pllanzenfamilien heranzubilden, auch in diesem Jahre keine Unter- 
brechung erlitten. Als Ergebnis dieser Bemühungen, die einen grossen Teil 
der Zeit des Direktors, fast aller Angestellten und auch einiger, nicht dem 
Verbände des Museums angehöriger Privater in Anspruch nahmen, liegen eine 
Reihe abschliessender Abhandlungen vor, die teils in Englers botanischen 
Jahrbüchern, teils im Notizblatt des botanischen Gartens und Museums zum 
Abdruck gelangten. Genannt davon seien: 



172 Die botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. 



i. Aus den Jahrbüchern: 

A. Engler: Icacinaceae, Aristolochiaceae , Anarcardiaceae africanae 
E. Gilg: Sapindaceae, Gentianaceae africanae und zwei neue Capparidaceen- 
Gattungen aus Afrika; G. Lindau: Acanthaceae africanae; K. Schumann: 
Gramineae. Cyperaceae, Commelinaceae afric; L. Diels: Campanulaceae afric: 
M. Gurke: Ebenaceae, Labiatae afric; M. Dammer: Eine interessante Con- 
volaceae aus Kamerun: P. Hennings: Fungi novo-guineenses; W. Schmidle: 
Die von Professor Dr. Volkens und Dr. Stuhlmann in Ostafrika gesammelten 
Desmidiaceae; A. Froehner: Die Gattung Coffea und ihre Arten; F. Kränzlin: 
Orchidaceae africanae. 

2. Aus dem Notizblatte: 

A. Engler: Chlorophora excelsa. ein wertvolles Bauholz in Deutsch-O-t- 
afrika; Über Cardiogyne africana, ein Farbholz aus Deutsch-Ostafrika: Herrn 
M.Dinklages Beobachtungen über die Raphia-PalmenWestafrikas ; Bestimmungen 
wertvoller, von Herrn Premierleutnant Brosig gesammelter Nutzhölzer 
aus Kilossa. G. Volkens: Bericht über Kulturversuche in Deutsch-Ostafrika: 
Kulturerfolge des Versuchsgartens von Viktoria mit den von der botanischen 
Zentralstelle gelieferten Nutzpflanzen; Zur Frage der Aufforstung in Deutsch- 
Ostafrika; Identifizierung ostafrikanischer Rinden und Hölzer (zusammen mit 
Dr. Gurke); Gummi aus Deutsch-Ostafrika; Über Gambia-Mahagoni in Ost- 
afrika. M. Gurke: Über den Gerbstoffgehalt einiger Mangrove-Rinden. 
K. Schumann: Die Flora von Xeu-Pommern und über die Centrifugation der 
Kautschuksäfte. E. Gilg: Camptostylus, eine neue Gattung der Flacourtiaceae. 
C.Jürgens: Über Kulturgewinnung des Mate. IL Thoms: Über ein deutsch- 
ostafrikanisches Gummi und über das Oel von Telfairia pedata. 

Eine neue Publikationsgelegenheit, die den Eingängen bei der botanischen 
Zentralstelle und im weiteren der Kenntnis der Flora unserer Kolonien zu 
gute kommt, wurde durch die Entschliessung des Direktors geschaffen, einzelne 
hervorragende afrikanische Familien und Gruppen monographisch teils selbst 
zu bearbeiten, teils von anderen bearbeiten zu lassen und in gesonderten 
Heften herauszugeben. Zwei von diesen, die Moraceae von A. Engler mit 18 
und die Melastomaceae von E. Gilg mit 10 Tafeln, sind bereits erschienen, 
ein drittes, die Combretaceae von A. Engler und L. Diehls mit etwa 30 Tafeln, 
ist in Vorbereitung. 

Die mit Demonstrationen verbundenen Vorträge kolonialbotanischen 
Inhalts, die während der Sommermonate im Hörsaal des botanischen Museums 
gehalten wurden und die den Zweck haben, weitere Kreise für die Entwicklung 
unserer Kolonien zu interessieren, hatten sich eines immer steigenden Besuchs 
zu erfreuen, so dass manchmal der vorhandene Raum kaum ausreichte. Es 
sprachen Geheimrat Professor Dr. Engler: Über die Palmen Afrikas; Professor 
Dr. G. Volkens: 1. Über die tropischen Obsarten; 2. Über die Pflanzenwelt 
Ostafrikas und 3. Über die Art des Reisens in Afrika; Prof. Dr. K. Schumann: 
Über Guttaperchapflanzen; Dr. M. Gurke: Über Sisal und Mauritiushanf. 

Der Besuch der Vorträge ist für die Gärtner und Volontäre des botanischen 
Gartens, die sich für eine Anstellung in den Kolonien beim Auswärtigen Amt 
oder bei privaten Gesellschaften haben vormerken lassen, seitens der Direktion 
für obligatorisch erklärt. Sie erwerben hierdurch, wie durch besondere 
Unterweisungen die ihnen Professor Volkens und Dr. Gurke im botanischen 






Die botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. 



'73 



Museum zuteil weiden lässt, zu ihrer in den Nutzpflanzenhäusern des Gartens 
gewonnenen praktischen Ausbildung die nutwendigen theoretischen Kenntnisse, 
um dann später nach erfolgtem Dienstantritt in den Kolonien sich auch der 
floristischen Erforschung des Landes mit Erfolg widmen zu können. Von so 
vorgebildeten Gärtnern trat im vergangenen Jahre C. Sander in den Dienst 
einer Plantagengesellschatt, C. Hoffmann in den der Plantagengesellschaft 
Wiese und Wilkens in Usambara, W. Goetze trat im Auftrage der Wentzel- 
I leckmann -Stiftung eine Reise nach Ostafrika an mit der speziellen Aufgabe, 
die botanischen und kulturellen Verhältnisse von ["liehe und dem Gebirgslande 
im Norden des Nyassa-Sees zu erforschen. Ferner wurde der Gärtner Scholz, 
welcher einige Jahre im botanischen Garten in Viktoria (Kamerun) thätig ge- 
wesen war und nach seiner Rückkehr im hiesigen botanischen Garten wieder 
beschäftigt wurde, von Herrn Baumeister Gurt Hoffmann in Useguha zur 
Leitung seines Plantagenbetriebes engagiert. Die vier letztgenannten, ebenso 
die Herren Dr. Kandt, Dr. IL Meyer, Dr. Preuss, Lehmbach, Zenker, 
Stolz. Dinklage, Conrau und Frau Dr. Kummer wurden mit botanischen 
Ausrüstungsgegenständen, wie Pflanzenpressen und Papier. Pappdeckeln. Samen- 
kapseln, Gläsern etc., versehen. 

Die Sammlung tropischer Nutzpflanzen des botanischen Gartens, die 
parallel mit den Vorträgen während der Sommermonate in einem besonderen 
Schauhause zu einer Ausstellung vereint wurden, wurde an beiden dafür be- 
stimmten Wochentagen stets reichlich besucht und hat sicher zu ihrem 
Teil mit dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Be- 
deutung kolonialer Produkte in erhöhtem Masse zu lenken. Von denjenigen 
Nutzpflanzen, welche in grosser Zahl vermehrt worden sind, wurden auch an 
andere botanische Gärten Deutschlands Exemplare abgegeben, damit auch an 
diesen Stellen das Interesse für jene Pflanzen gefördert wird. 

Zum Schluss sei der Erfüllung der Aufgabe gedacht, die sich die bo- 
tanische Centralstelle seit ihrem Bestehen inbezug auf Erteilung von Auskünften 
und Ratschlägen aller Art und auf Einholung von Gutachten über den Handels- 
wert gewisser Produkte der Kolonien gestellt hat. Aus diesem Zweige ihrer 
Thätigkeit sei für das verflossene Jahr folgendes hervorgehoben: Untersuchung 
und Bewertung ostafrikanischer Mangroverinden, ostafrikanischen Gummis, des 
' >ls der Telfairia pedata, des in Togo verwendeten Indigos, Auskunft über die 
Möglichkeit der Anpflanzung des Mangabeira-Kautschukbaums in Ostafrika, 
über Mohrs Pflanzen- und Tierschutzmittel, über Vorschläge zu Anforstungen 
in den Schutzgebieten, über das Tabakdüngemittel Martellin, über in den 
Tropen brauchbare Pfianzen-Etiquetten, über Bedingungen und Aussichten einer 
Ramie-Kultur in Ostafrika, über Strophanthus als Medizinalpflanze, über die 
Einführung der Pistazie in Südwestafrika und über den Wert des Kiekxia- 
Kautschuks. Eine grössere Anzahl von Holzproben aus Ost- und Westafrika 
wurde zu einer technischen Prüfung an die Firmen C. R. Meyer und Verband 
vereinigten Tischlermeister Berlins übergeben; ein Gutachten über sie steht 
aber noch aus. 

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass die Wirksamkeit der botanischen 
Zentralstelle erheblich dadurch gewonnen hat. dass Prof. Dr. Volkens als 
Kustos am botanischen Museum angestellt wurde und nunmehr den grössten 
Teil seiner Thätigkeit den kolonialen Angelegenheit ganz besonders widmet. 



_L74_ 



Ein Weizenschiff aus Palästina. 



Ein Weizenschilf aus Palästina. 

Hierzu Abb. 44.) 
L=<ei Gelegenheit der offiziellen Festfahrt zur Einweihung der Erlöserkirche 

in Jerusalem wurde am 6. November 1898 die in erfreulichem Aufblühen 
begriffene deutsche (württembergische) Kolonie Haifa am Vorgebirge Karmel 
besucht. Die Ankunft so zahlreicher deutscher Gäste erregte überall die 
grösste Freude, und in liebenswürdigster Weise wurde Gelegenheit gegeben, 
die wirtschaftlichen Eigentümlichkeiten der Kolonie kennen zu lernen. 

Die massiv und solide aufgeführten Gebäude, mit roten Ziegeln gedeckt, 
wie in Deutschland, machten überall einen sehr vorteilhaften Eindruck. 

Der Unterzeichnete nahm Veranlassung, den grössten Grundbesitzer der 
Kolonie, zugleich Kaufmann. Herrn Abraham Duck, zu besuchen und seine 




Abb. 44. Ein Weizenschiff aus Palästina. 
Von Abraham Duck in Haifa. 



Haus- und Hofvvirtschaft sowie den schön und sauber gehaltenen grossen 
Garten desselben zu besichtigen. 

Der Grundbesitz des Herrn Duck umfasst 100 württembergische Morgen 
(31,5 ha). Es werden gehalten 9 Pferde und 17 Stück Rindvieh, dagegen gar 
keine Schafe und Schweine. Es werden gebaut Weizen, Gerste und Hafer als 
Winterfrucht nach Brache; als Sommerfrucht dagegen Durra oder Dari 
(Andropogon Sorghum oder Sorghum vulgare) u. a. Bestellt wird ganz anders wie 
bei den Eingeborenen, mit württembergischen, z. T. zweischarigen Pflügen 
aus Zuffenhausen und Ulm. Geerntet wird mit Mähemaschine und Dresch- 
maschine. 

Der württembergische Morgen ward vor ca. 30 Jahren mit 200 bis 
300 Francs bezahlt, derselbe kostet jetzt 800 bis 1000 Francs. Während man 
früher mehr Orangen und Flachs baute, ist man jetzt mehr zum Weinbau über- 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. [hl 

gegangen und der Wein kann zu einem sehr billigen Preise abgegeben werden. 
Es ist ein feuriger, kräftiger Wein, welcher wie der von der deutschen Kolonie 
Rephaim zu Jerusalem sich wahrscheinlich bald mehr in Deutschland ein- 
führen wird.*) 

Von besonderem Interesse waren zwei eiserne Göpel zur Wasserhebuni; 
für den 1 ha grossen Garten, welcher, unterstützt durch reichliche Bewässerung, 
sich in üppigster subtropischer Vegetation präsentierte, von der nur auf Bananen, 
Myrten, grossfrüchtige Orangen, einzelne Palmen aufmerksam gemacht sein mag. 

Der Besitzer hatte die Güte, mich mit verschiedenen Produkten seines 
Ackerbaues, insbesondere mit dem vorstehend abgebildeten, von arabischer 
Hand mit Geschick geflochtenen »Weizenschiff* zu beschenken. Die auf- 
rechten, lang und schwarz begrannten Ähren des dort gebauten harten Weizens 
(Triticum durum) bedeuten hier also einen Mastenwald, die Schiffsschnäbel 
sind ebenfalls von Ähren dargestellt. Das Ganze hat ein höchst gefälliges 
Aussehen und wird deshalb hier zu allgemeiner Kenntnis gebracht. Die Länge 
des »Weizenschiffs« ist 0,53 m, die Höhe 0,33 m. 

Herrn Abraham Duck verfehle ich nicht, auch an dieser Stelle für 
die liebenswürdige Aufnahme und diese Schenkung den verbindlichsten Dank 
auszusprechen und die besten Wünsche für das Wohlergehen der dortigen 
Landsleute und das Gedeihen der Kolonie hinzuzufügen. 

Berlin. 25, März 1899. Prof. Dr. A. Orth. 



S" 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. 

Blätter zu ihrer Geschichte von Carl Hansen, Kopenhagen. 
as Schneeglöckchen, Galanthus nivalis, welches im 16. Jahrhundert, 
^^^f vielleicht früher, aus seiner Heimat, Mittel- und Süd-Europa und 
West- Asien, nach Nord-Europa gebracht wurde und jetzt selbst im nördlichsten 
Norwegen kultiviert wird, vielfach auch in Parks oder Wäldern verwildert ist, 
erregt überall bei seinem Erscheinen grosse Freude. Mit Recht heisst es von 
ihm, dass es in schweren Zeiten sich zeigt, wenn Freunde und Freuden selten 
sind. Wenig sind der anderen Blumen zur Zeit, wenn das Schneeglöckchen blüht, 
aber es ist regelmässig da, ob auch der Winter noch so hart ist. LJnd dann 
bleibt es treu, wenn es einmal vorhanden ist. Linnee liebte dies niedliche 
Zwiebelgewächs und baute es an in seinem interessanten Garten zu Hammarby 
bei Upsala. Die meisten der seltenen Pflanzen, welche zur Zeit dieses Blumen- 
königs dort florierten, sind verschwunden, aber das Schneeglöckchen rühmt 
und lobt noch heut den grossen Meister. In Dänemark heisst die Pflanze am 
häufigsten „Vintergjaek", das bedeutet Gecker oder Necker des Winters, und 
sehr viel wird die Blume zwischen jugendlichen Korrespondenten ausgewechselt, 
welche sich einen Spass machen, sich gegenseitig gecken oder necken wollen 
und dabei ein wenig die poetische Ader fliessen lassen. Es gibt in der skandi- 
navischen Literatur viele Gedichte dieser Art und besondere kleine Bücher mit 
derartigen Reimereien. In England nennt man die Schneeglöckchen u. a. 

*) Der Weinbergbesitzer Johannes Pross zu Haifa liefert 1 Liter Wein frei Berlin zu 
85 Pfennig. 



I>yg Das Schneeglöckchen, Galanthus. 

,,candlemas bells". Lichtmessglocken, weil sie gewöhnlich am 2. Februar da 
sind, auch heissen sie ,.Fair-maids" (schöne Mädchen) und „purification-flowers" 
(Reinheitsblumen) als ein Bild der Schönheit und Reinheit. In Wales ist die 
Blume besonders hoch in Gunst und heisst dorten ,,clock-maben", was Kinder- 
glocke bedeuten soll. Ein gewöhnlicher englischer Name ist .,fair maids of 
February" und dieser Name hat seinen Ursprung in alten Ceremonien. Früher 
war es häufiger als jetzt, dass eine Legende oder eine gewisse Blume an die 
damals so zahlreichen kirchlichen Feiertage geknüpft wurde. Es wurde ge- 
sagt, dass das Schneeglöckchen sich gezeigt hätte an jenem Tage, als Maria 
zum ersten Male das Christkind mit zum Tempel in Jerusalem führte; am 
Jahrestage dieses Ereignisses, am 2. Februar, wurde desshalb ihr Bild in der 
Kirche mit diesen weissen Blumen geschmückt und ,,fair maids". junge 
Mädchen, trugen in Prozession Kränze von Schneeglöckchen zur Kirche hin. 
In der Schweiz heisst die Blume „Schneetröpli" oder „Schneeglöckli", aber 
auch ,,Amselblümli". weil die Blume blüht, wenn die Amsel zu singen, 
beginnt. In vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs hat die Pflanze 
eine Reihe sehr bezeichnender Namen wie „Schneeflocken", ,, Schneeblümchen", 
..Jungfer im Hemd" u. s. w. u. s. w. und wird als ein Symbol jugendlicher 
Liebe und Reinheit aufgefasst. 

In einer Legende wird der Ursprung der Pflanze folgendermassen erzählt: 
Eva sass auf der wüsten kalten Erde und weinte bei dem Gedanken an alle 
die schönen Blumen des Paradieses. Da nahte sich ein Engel aus dem Para- 
dies, um sie zu trösten. Seit dem Sündenfall hatte keine Blume sich vor Eva 
entfaltet, dagegen fiel der Schnee unaufhörlich. Der Engel wollte nun be- 
weisen, dass es wieder einmal Sommer werde, er athmete auf eine Schnee- 
flocke und diese fiel zur Erde als eine niedliche kleine Blume. Auch wo 
seine Flügel die Erde berührt hatten, wuchsen die schönen weissen Blumen 
hervor. Dass die Blume durch den Schnee emporschiesst, ist wohl bekannt, 
und hierauf wird hingedeutet in mehreren Namen, wie zum Beispiel in dem 
französischen ,,perce neige". 

Fast überall ist die Blume beliebt, aber in Devonshire, im südlichen 
England, wird sie gefürchtet. Dort meint man, die Blume gleiche einem 
weissgekleideten Leichnam, und man liebt nicht, dass eine Blüte des 
Schneeglöckchens einem ins Haus geschickt wird. An anderen Orten Englands 
wird, wie in Dänemark, mit der Blume viel Scherz getrieben und besonders 
am Valentinstage, den 14. Pebruar. Dann sagen jugendliche Seelen einander 
per Brief oft die grössten, wenn auch nicht immer die angenehmsten Wahr- 
heiten und die Blume spielt hierbei eine Rolle. Die Gedichte, welche hierbei 
folgen, gleichen in mehreren Beziehungen den in Dänemark gebräuchlichen 
Geck- oder Neckbriefen. Aber die Poesie dieser ..Valentines" steht nicht 
immer so hoch wie die schönen Strophen zur Ehre der Blumen, welche 
u. a. bei Tennyson, Burns und mehreren englichen Dichtern zu finden sind. 

Ausser der Maria ist die Blume im Laufe der Zeiten allen Jungfrauen 
gewidmet worden und namentlich solchen, welche den Schleier nahmen. 
Mehrere Schriftsteller suchen den Grund hierfür darin, das die Pflanze sich 
so oft in Klostergärten findet, und die kleine, nonnenartige Blume mit herab- 
hängendem Kopf sollte eine Übereinstimmung zeigen mit dem einförmigen 
traurigen Leben, welches die Bewohner der Klöster tühren. 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. \nn 



Man hat in früheren Zeiten selten von anderen als weissen Schneeglöckchen 
reden gehört. Mine Legende erzählt, warum sie weiss seien. Als in den 
Tagen, wo die Welt geschaffen wurde, alles Farbe erhalten hatte, der Himmel 
Blau, die Wolken Grau, die Erde Braun und die Blumen alle möglichen Farben, 
da nahte der Schnee sich dem Schöpfer und fragte ihn. ob für ihn gar keine 
Farbe übrig geblieben sei. Der Schöpfer gebot dem Schnee, sich an die reich 
gefärbten Blumen zu wenden und sich dort eine Farbe auszusuchen. Der Anfang 
wurde bei der Rose gemacht, aber diese wollte von ihrer schönen roten Farbe 
nichts abgeben. Der Schnee zog sich trauererfüllt zurück, da hörte er. wie 
die kleine Galanthus- oder Milchblume ganz leise flüsterte, wenn ihre Farbe 
ihm nützlich sein könnte, so würde sie ihm gern damit helfen. Seit jenen 
Zeiten besteht ein inniges Verhältnis zwischen dem Schnee und dem Schnee- 
glöckchen. Der Schnee deckt und wärmt die Freie rings um die Ptlanze und 
giebt dem niedlichen Blümchen Feuchtigkeit und Kraft, emporzuschiessen. 
Es ist auch in Ländern, wo der Schnee häutig vorkommt, Glaube oder fast 
Aberglaube geworden, dass die Blume sich nicht recht wohl befindet, ehe ihr 
Freund, der Schnee, sie umarmt hat. 

An einigen Orten wird die Blume als eine Art Wetterprophet angesehen, 
und sagt man, dass der Sommer kurz werde, falls die Blumen schnell welken. 

Die Blume entfaltet sich in den verschiedenen Jahren zu sehr ver- 
schiedener Zeit, je nachdem das Wetter ist, und in der Regel dauert die Blüte 
viele Tage, ja Wochen. Es ist dies notwendig, damit das Blühen ein Resultat 
geben könne, denn es müssen Insekten bei der Befruchtung thätig sein. 
So früh sind aber wenig Insekten da, die Bienen ziehen noch nicht gern aus 
und es scheint eine kleine Fliege zu sein, welche das Schneeglöcken besucht, 
teils um in der Blume Schutz zu suchen, teils auch um Blütenstaub zu finden. 
Nun ist aber die Blume so gestaltet, dass das kleine Tierchen bei seinem 
Besuch die kleine Glocke so zu sagen zum Klingen bringt. Aber wegen der 
seltenen Besuche muss die Blume sich lange halten -- zu der Freude ihrer 
vielen Gönner. 

Man kann sagen, dass mit wenigen Blumen so viele, leider aber miss- 
lungene Versuche gemacht seien, sie durch Treibcultur zum früheren Blühen 
zubringen alsmitdemgemeinenSchneeglöckchen. IndieserBeziehungistGalanthus 
nivalis auch von vielen anderen Zwiebelgewächsen sehr verschieden. Vielen 
Gärtnern und Amateuren war darangelegen, Schneeglöckchen zu Weihnachten 
hervorzutreiben. Es zeigte sich auch bei angewandter künstlicher Wärme 
etwas beschleunigter Wuchs; aber die Blüten waren nie normal und ver- 
verwelkten bald, oft eben, wenn die Blüten sich öffneten. 

Man versuchte, in grösseren Beständen von Schneeglöckchen einige Pflanzen 
herauszusuchen, welche sich etwas besser wie andere zur Treibkultur zu eignen 
schienen, aber sehr viel war dadurch nicht erreicht. 

Die europäischen Schneeglöckchen sind in dieser Beziehung etwas zähe 
und so zu sagen widerspenstig, mit Ausnahme einiger Formen, welche in 
Griechenland wild wachsen. Diese kommen öfter früher in Blüte, und zwar 
schon zu Ende des Jahres. 

Von den westasiatischen Arten sind mehrere noch williger in solchem 
frühen Blühen und florieren überhaupt mehr oder minder leicht zu verschiedenen 
Perioden der letzten Hälfte des Jahres. Dies ist namentlich der Fall mit der 



1^8 Das Schneeglöckchen, Galanthus. 



in den letzten Jahren eingeführten, beschriebenen und abgebildeten schönen 
Galanthus cilicicus Baker aus Cilicien.*) Mit dieser Art machte ich im ver- 
gangenen Sommer Versuche und legte einfach Zwiebeln teils in Blumentöpfe 
in der Stube, teils auch in einen Blumenkasten ausserhalb eines Erkers, also 
so zu sagen im Freien. Zwiebeln im August gelegt blühten schon einen Monat 
später. Es sah ganz wunderbar aus, in sommerlicher Umgebung eine so- 
genannte Winterblume in Blüte zu sehen. Seite an Seite mit den Schnee- 
glöckchenblühten nämlich Pelargonien, Tropaeolum. Levkojen, Nyctaginen, Helio- 
trop, Petunien. Verbenen und dergleichen Sommer-Florblumen. 

Wie weit nun die Galanthus cilicicus sich zur Kultur in Gärten eignen 
werden, kann wohl kaum schon ausgemacht sein, weil die Art noch so neu 
und unbekannt ist. Vielleicht ist sie nicht so ausdauernd, so winterhart und 
so genügend willig blühend in jedem Jahre, wie der alte Galanthus nivalis, 
aber jedenfalls können wir an der neuen Art viel Vergnügen haben, und viel- 
leicht lässt sie sich akklimatisieren. Diejenigen Galanthus, welche zu Weihnachten 
blühen, sind immerhin von grösstem Interesse für die Blumengärtner. Es sollen 
nun hier einige Formen erwähnt werden, welche früher heranwachsen und ihre 
Blüten ausbilden als der alte Galanthus nivalis. 

Galanthus Olgae Orph. wurde gefunden auf dem Berge Taygetus vom 
griechischen Professor Orphanides, welcher sie nach der Königin Olga von 
Griechenland benannte, weshalb die Pflanze in den Gärten auch oft Galanthus 
Reginae Olgae heisst. Sie ist noch heutzutage ziemlich selten und teuer. Die 
Blume ist ganz weiss ohne die grünen Flecken von G. nivalis. 

Galanthus Rachelae wurde 1884 auf dem Berge Hymettus vom Professor 
Mahaffy gefunden. Diese Art wird gewöhnlich als eine frühblühende Varietät 
von G. nivalis angesehen, welcher sie auch in Beziehung auf Wuchs sehr ähn- 
lich ist, aber die Blätter sind schmäler und entwickeln sich erst, wenn die 
Blüten da sind. Sie kann schon zu Oktober blühen. 

Galanthus octobrensis hört, gleicht der eben genannten sehr. Er stammt 
aus Albanien und kann schon im Oktober blühen. 

Galanthus corcyrensis wurde auf Corfu gefunden. Blüht mitunter 
schon im Dezember und Januar und wird gewöhnlich als eine Varietät des 
Galanthus nivalis betrachtet, aber er ist im ganzen etwas kleiner und 
weniger hart. In der seltenen Pflanzensammlung des Herrn Max Leichtlin 
zu Baden-Baden befinden sich mehrere Formen, welche etwas früher blühen. 
im Dezember oder noch früher. 

Galanthus praecox ist mitunter ein Gartenname für G. corcyrensis. 

Galanthus Elsae ist ebenfalls eine frühblühende Form von Galanthus 
nivalis. Er stammt aus dem Athos-Gebirge in Griechenland, von wo er vor 
etwa zehn Jahren nach Nord-Europa eingeführt wurde. Er blüht im Dezember, 
bisweilen auch noch etwas früher. Die Blumen sind klein, aber von sehr 
schöner Form. 

Diese vorgenannten frühblühenden Schneeglöckchen sind einige der 
bekanntesten dieser Rasse; es könnten noch andere erwähnt werden, welche 
aus einfachen und gefüllt blühenden Schneeglöckchen ausgesucht wurden. 



*) Ist neuerdings bekanntlich von Walter Siehe in Mersina wieder eingeführt und 
hat überall, weil sie sich treiben lässt, sehr gefallen. 



Das Schneeglöckchen, (hilanthus. | -, , 



Die ganz gewöhnliche Meinung, dass ein Schneeglöckchen weiss wie 
Schnee sein müsse, hält nicht mehr Stand, weil man nun auch Schneeglöckchen 
in mehreren Farben hat. In England baut man ein paar Varietäten von ent- 
schieden gelber Farbe, welche, wie es scheint, sehr beliebt sind. Vor etwas 
mehr als zwanzig Jahren wurde in Xorthumberland in einem alten Garten der 
erste gelbe Galanthus gefunden, und zwar in einem grossen Bestände von lauter 
weissen Galanthus nivalis. Er ist sehr schön und hat den Xamen Galanthus 
lutescens bekommen. Eine andere gelbe Form wurde vor einigen Jahren eben- 
falls in Xorthumberland gefunden. Sie ist etwas grösser als der soeben genannte 
und wächst etwas kräftiger heran, weshalb sie auch etwas leichter vermehrt 
werden kann. Sie erhielt den Xamen Galanthus flavescens. 

Galanthus pallidus Smith ist eine blassgelbe etwas grüngezeichnte 
Form von G. nivalis. Er blüht etwas früher. 

Es soll auch rotblühende Schneeglöckchen geben, sagt Max Leichtlin 
in Baden-Baden, und ein bekannter englischer Schriftsteller, A. D. Webster, be- 
richtet, er habe ein rotes Schneeglöckchen in Llandegai nahe den Penrhyn- 
Castle-Wäldern in Wales gefunden. 

Rotblühende Schneeglöckchen sind auch mitunter durch Kunst hergestellt 
worden, um den einen oder anderen Amateur oder Redakteur zu mystifizieren. 
Dies war der Fall im Jahre 1887, als von mehreren Seiten rote Schnee- 
glöckchen an eine englische Gartenzeitung gesandt wurden. Es stellte sich 
heraus, dass Judsons Magentalarbe oder Cochenille hier Verwendung ge- 
funden hatte. 

Rote Dinte hat nach Versuchen, welche ich gemacht habe, etwas schneller 
gewirkt als verschiedene andere Lösungen. Will man überhaupt weisse Blumen 
färben, dann ist die rote Dinte, etwas verdünnt, ein erprobtes Mittel. 

Es giebt auch verschiedene Formen oder Varietäten von grüngefärbten 
Schneeglöckchen mit Blüten, welche grüngeadert, aber gewöhnlich doch etwas 
weissgerändert sind. Eine besondere Type hiervon ist die Galanthus virescens. 

Albino-Formen, welche noch mehr von Grün frei sind als die vorgenannte 
G. Olgae sind oft gefunden worden. Eine solche ist der schöne Galanthus 
pauliformis Hort., welche von D. Melville um Dunrobin - Castle in Gross : 
britannien herangezogen ist. 

Eine beinahe reinweisse Art ist der schöne Galanthus latifolius 
Ruprecht. Er wächst wild im Kaukasus in einer Höhe von 6000 bis 8000 Fuss. 
Er ist sehr kenntlich an den glänzend grünen, sehr auffallend breiten Blättern 
und den kleinen weissen Blüten. In Gärten wird er mitunter G. Redoutei 
benannt. 

Galanthus latifolius major ist eine neuere Varietät, welche grössere 
Blumen hat. 

Einige Schneeglöckchen blühen später als der gewöhnliche G. nivalis 
und seine gefüllten Varietäten; dies ist der Fall bei folgenden interessanten 
und schönen Arten: 

Galanthus Elwesii.Hook. Dieser wurde schon 1854 von Balansa ent- 
deckt, aber erst 1^74 zum erstenmale eingeführt durch II. J. Elwes Esq. den 
bekannten Verfasser eines grossen Werkes über Lilien. Diese Art hat ihre 
Heimat in der Umgebung von Smyrna und ans dieser sind schon verschiedene 
sehr schöne Varietäten entstanden. 



jgo Dahlie „Königin der Weissen" (Cactus-Hybride). 

Galanthus praecox Orph. gleicht zum Teil der letztbesprochenen. Er 
stammt von der Insel Chios, wo er auf dem Gebirge Pellinos in einer Höhe 
von 3000 bis 4000 Fuss gefunden worden ist. 

Galanthus Fosteri Baker aus Amasia in Klein-Asien ist eine sehr 
variable Pflanze, welche von einigen Pllanzenkennern für eine Hybride zwischen 
G. latifolius und G. Elw.esii angesehen wird. Er wurde Ende der achtziger 
Jahre nach Nord-Europa gebracht. 

Max Leichtlin schätzt G. Forsten hoch und betrachtet diesen als den König 
der Schneeglöckchen. 

Galanthus plicatus Bieb. hat seine Heimat in der Krim und in 
Kaukasien und ist. selbst wenn er nicht blüht, leicht erkennbar an seinen 
fusslangen gefalteten Blättern. 

Schneeglöckchen mit mehreren Blüten am Stiele sind mitunter, wenn 
auch nicht oft, gefunden. Galanthus Cathcartiae ist ein solches Zwillings- 
Schneeglöckchen, welches in Schottland zwischen gewöhnlichen G. nivalis 
gefunden worden ist. 

Galanthus Sharlocki Gaspari ist eine sehr charakteristische Varietät 
von G. nivalis, welche sehr oft. ja sozusagen immer, mit gespaltener Spalte 
auftritt. Sie wurde in verwildertem Zustande in Westpreussen gefunden und 
ist für Kenner von hohem Interesse. (Fortsetzung folgt.) 



Dahlie „Königin der Weissen" (Cactus-Hybride). 

Neuheit für 1899. 

Züchter R. .1 a h n k e in Pankow b. Berlin. 

... } _ (Hierzu Abb. 45). 

'jlNlM ebenstehend abgebildete, von mir aus Samen erzogene und bereits drei 
.^1 (/ Jahre erprobte Xeuheit ist als eine verbesserte ..Kaiserin Auguste 
Viktoria'' zu betrachten, von der sie übrigens nicht gefallen ist. Die Pflanze 
ist, im Gegensatze zur Kaiserin Augusta, hellgrün belaubt und hat wenig ge- 
zähnte Blätter, sie baut sich gut, wird ca. 1 m hoch und ist ein dankbarer 
Frühblüher, da Ende Mai, Anfang Juni schon die ersten Blumen zum Vor- 
schein kommen. Auch als Topfpflanze ist sie nicht hoch genug zu schätzen. 
Die Blumen sind blendend rein weiss, und trägt diese Dahlie daher mit 
Recht den Xamen „Königin der Weissen"; keine der anderen, die als rein 
weiss bezeichnet werden, kann mit ihr verglichen werden, denn es zeigen 
alle anderen mehr oder weniger einen gelblichen oder grünlichen Schein. 
Die Blumen werden 12 bis 14 cm gross, sind von langanhaltenderBlüten 
dauer, und tragen sich sehr gut auf ausserordentlich langen, festen, 25 bis 
40 cm langen Stielen über dem Laube, so dass die Pflanze einen imposanten 
Eindruck macht. Diese Dahlie ist nicht nur als Solitäpflanze sehr schön, 
sondern auch als Schnittblume allerersten Ranges zu bezeichnen. Es brachten 
einzelne Pflanzen bis 500 Blumen, denn die Knospen erscheinen bis zu drei 
Stück in einem Blattwinkel, wie nebenstehende Abbildung eine Blume und 
zwei Knospen zeigt. Kräftige Landknollen sowie bewurzelte Stecklinge sind 
abzugeben. 



Dahlie „Königin der Weissen" (Cacius-Hybride). 



[81 




Abb. 45. Neue Dahlie „Königin der Weissen" 
Von R. Jabnke. Pankow bei Berlin. 



l82 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 



Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten 
würde dieser Dahlie sicherlich das Wertzeugnis erteilt haben, wenn dieselbe 
nicht schon auf einer grösseren Ausstellung mit einem Preise bedacht worden 
wäre. Bereits prämiierte Pflanzen dürfen aber nicht mehr mit einem Wert- 
zeugnis gekrönt werden. 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Von L. Wittmack. 
(Fortsetzung.) 
4. Norfolk (Virginien). 
Obwohl auch die Staaten Georgia, Nord- und Süd-Carolina Frühgemüse 
ziehen, die selbstverständlich später auf den Markt kommen als die aus 
Florida, bietet doch ein weit grösseres Interesse die Gemüsezucht im östlichen 
Virginien, in dem dem Meere nahe gelegenen sogenannten Tidewater- (Flut- 
wasser-) Distrikt bei Norfolk. Die dort befindlichen Farmen, gegen 1000 an 
der Zahl, sind nach Maurice de Vilmorin wahre Musteranlagen und man 
schätzt den Jahresertrag auf 20 Millionen Mark. Nach den Berichten der 
Handelskammer von Norfolk (Vilmorin 1. c. p. 91) betrug der Versand im 
Jahre 1893 von Frühgemüsen: 



Wert 1 735 200 Mark, 

» 710 400 » 

982 400 » 

6 000 000 » 

» 1 14 400 » 

» 41 7 600 » 

» 277 ooo » 

» 485 600 » 

1 2S9 600 » 

3 785 600 » 



Kopfkohl . . . 347 130 Fässer, 

Anderer Kohl . 177 707 » 

Spinat .... 122 S29 » 

Kartoffeln . . . 500 000 » 

Salat 8 174 Körbe, 

Melonen .... 856 152 » 

Tomaten ... 92 591 Kisten, 

Grüne Bohnen . 80 935 » 

Grüne Erbsen . 185 425 Körbe, 

Erdbeeren ... 465 306 Kisten ä 1 1, 
Bis zu den ersten Tagen des Juli 1893 war der Gesamtwert schon auf 

18886400 Mark geschätzt, dazu werden noch einige spätere Sendungen ge- 
kommen sein. 

Die Gemüsefarmen sind fast alle weniger als zwei englische Meilen vom 
Meer gelegen, und da dieses dort mit zahlreichen Armen ins Land eindringt, 
kann die Hälfte der Farmen direkt auf Schiffe verladen, die übrigen befördern 
mit den beiden Eisenbahnen, welche Norfolk berühren und diese haben 
eigens Zweiggeleise in die Gemüsegegenden gelegt. 

Der Boden ist ein fast ebener Alluvial- (Schwemmland-) Boden, halb thonig, 
mit feinem Sand bedeckt. Man pflügt ihn mit zwei Pferden, düngt im Herbst 
stark mit Guano und lässt ihn in Ruhe liegen, bis man gegen Februar mit der 
Saat oder Pflanzung beginnt. Man hackt mittels einer Pferdehacke ein- bis 
zweimal, nimmt aber statt der Pferde Maultiere, weil diese kleinere Hufe haben 
und geschickter sind. (In den Südstaaten, z. B. New-Orleans, werden vielfach 
die Strassenbahnen auch von Maultieren gezogen.) Später wird mit der Hand 
gehackt. 



Der Gemüsehau in den Vereinigten Staaten. igo 



Der Flächeninhalt der Gemüsefarmen ist im Durchschnitt 30 — 40 ha, doch 
giebt es auch solche bis 120 ha und darüber. 

Diese Gemüsezucht erfordert natürlich viele Arbeiter und Arbeiterinnen; 
an ihnen fehlt es aber nicht, denn die Baumwollernte und die Erdnussernte 
im Herbst, der Austernfang und Versand im Winter geben während der übrigen 
Zeit Beschättigung und so hat sich denn um Norfolk eine Arbeiterbevölkerung 
von 40000 Seelen ansässig gemacht. Die meisten Arbeiter sind Farbige, die 
Männer erhalten 2,80 — 3,60 M. für den Tag, die Frauen fast ebenso viel, der 
weisse Arbeiter fängt nicht unter 4 M. an, erhält im zweiten Jahre die Hälfte 
mehr und wird nicht selten am Gewinn beteiligt. Viele tüchtige junge Leute 
werden bald Obergärtner, und wenn sie sich ein kleines Kapital erspart haben, 
übernehmen sie oft selber eine Farm. 

Bei der Gleichförmigkeit des Bodens ist es ziemlich gleichgiltig, wo man 
die einzelnen Gemüse baut, dagegen sorgt man aber um so mehr für eine Frucht- 
folge zwischen den verschiedenen Arten. Die Hauptgemüse sind: 

Frühkartoffeln. Ausschliesslich Early Rose. Gepflanzt im Januar, ge- 
erntet im Mai und Juni. Preis pr. Fass 12 M. 

Kopfkohl. Wird während des Winters aus den Kästen ins Freie ge- 
pflanzt. Hauptsorten: Express, d'Etampes, Early Jersey, Wakefield etc. 

Grünkohl, Kaie. Wird auch Borecole genannt. Man säet ihn im 
September und pflückt im Winter und Frühjahr die Blätter. Eine in den Samen- 
Verzeichnissen oft genannte Sorte ist der niedrige Deutsche Grünkohl, ausser- 
dem werden krauser Mosbacher und niedriger purpurroter aufgeführt. 

Spargel. Meist wird »holländischer« gebaut und in Bündeln von 1 bis 
2 Pfund verschickt. Unter ihm zieht man oft Erdbeeren. Letztere werden 
aber nicht immer in Rotation mit Gemüse gebaut, sondern oft als eigene Zucht 
von anderen Farmern. Eine Erdbeerplantage bei Plymouth, West-Norfolk, ist 
80 ha gross. 

Tomaten werden unter Glas im Winter angezogen und auch noch einmal 
unter Glas verpflanzt. 

Erbsen werden wie Salat, grüne Bohnen, Tomaten und Erdbeeren in 
Lattenkisten versandt. 

Nachdem alles abgeerntet, lässt man die Felder brach liegen und sie 
bedecken sich dann mit crab-grass, Digitaria sanguinalis. ein auch bei uns in 
Gemüsegärten lästiges Unkraut, das in Amerika in den Südstaaten auch in 
Mais- und Baumwollfeldern auftritt, oft so massenhaft, dass, wenn man es zu 
Heu machte, sein Ertrag grösser sein würde als die ganze Ernte. *) 

Auch in Virginien wird dies Gras geerntet oder man säet Mais auf die 
Gemüsefelder; derselbe wird noch vollkommen reif. 

Bei der grossen Konkurrenz bezahlen sich um Norfolk nicht alle Kulturen 
gut, aber alles in allem gerechnet, machen die tüchtigen Farmer doch gute 
Geschäfte, einer gab Vilmorin 8 — 10 % im Minimum an. 

5. Die Gemüsezucht in den Sommermonaten. 

Wenn mit Juni die grossen Gemüseversendungen aus Norfolk aufhören, 
beginnt in den nördlicheren Staaten, Pennsylvanien, New-York, Massachusetts, 
aber auch in Süd-Illinois und Südwest-Michigan, die grosse Gemüseproduktion. 



*) Prof.. Phares, Mississippi, zitiert in Vasey, The agricultural grasses of the U.S., 
Washington 1884, S. 33. 



Spargel 2 636 ha, 

Runkelrüben 345 » 

Bohnen 1 084 » 

Sellerie . : 1 623 » 

Kohl 10421 » 

Gurken 348 » 



184 D er Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Pennsylvanien liefert besonders nach Philadelphia, der Staat New-York 
nach der Stadt New-York, Massachusetts nach Boston und New-York, Süd- 
Illinois nach St. Louis, Südwest- Michigan nach Chicago, Milwaukee und 
Detroit. 

Fast dieselbe Gegend am Ostufer des Michigan-Sees, die so schöne 
Pfirsiche und Wein erzeugt/- 1 ) ist auch für Gemüse berühmt und der Verkehr zu 
Wasser erleichtert auch hier den Transport. Einzelne Orte eignen sich be- 
sonders für die Kultur von Sellerie, so Kalamazoo, Jackson und Tecumseh. 
deren Ertrag aus Sellerie auf mehrere Millionen angegeben wird. Ähnlich 
grosse Selleriekulturen sah ich in Arlington bei Boston. Man zieht in Amerika 
fast nur Bleichsellerie, der bei keiner Mahlzeit fehlen darf. In Arlington wird 
er meist zwischen zwei Reihen Brettern gebleicht, die der Länge nach zwischen 
den Reihen dachförmig hingelegt werden. Dies erleichtert die Arbeit sehr. 
doch geschieht das Bleichen auch dort mitunter durch Anhäufeln. 

In Pennsylvanien und New-York wurden 1890 folgende Anbauflächen 
ermittelt (nach Vilmorin): 

Melonen u. Wassermelonen 5 826 ha. 

Erbsen 3 778 » 

Kartoffeln 944 

Bataten 1 864 » 

Spinat 1 304 » 

Tomaten 2 796 » 

Gesamtfläche 43 254 ha. Die Hauptsache ist der Kohl, wie bei uns; auffallender- 
weise aber nur 50 ha Grünkohl, der doch im Winter so viel aus dem Süden 
eingeführt wird. 

Die Kohlpflanzungen sind teilweise so grossartig wie auf den Rieselfeldern 
vieler europäischer Städte oder wie in jenen Gegenden, die von altersher eine 
Sonderzucht von Kohl betreiben. Alle Truckfarmer aber bearbeiten das Land 
zu Kohl fast nur mit dem Pfluge und behaupten, dass dadurch und durch das 
nachfolgende Eggen der Boden besser umgearbeitet werde als mit dem Spaten. 
Sie lassen über Winter das Land in rauher Furche liegen, der strenge Frost 
wirkt noch weiter zerkrümelnd ein und tötet zugleich viele Insekten. Haupt- 
sorten sind der frühe Jersey, Wakefield und Hendersons früher Sommerkohl. 
Von Beten, Beta vulgaris, baut man natürlich möglichst dunkelrote und 
recht frühe, so die Eclipse mit kleinem Kopf, die extra frühe egyptische, 
welche aber im Alter holzig wird, Burpees extra early u. s. w. 

Gurken bilden, wie alles saftige Früchte besitzende Gemüse, in der heissen 
Zeit eine willkommene Speise und werden viel gebaut. Hauptsorten: White 
spine (weisse, dornige), extra early white spine, eine Neuheit, und Chicago 
white. 

Erbsen werden viel in den Staaten New-York und Pennsylvanien 
für den Markt gebaut, in den Neu-Englandstaaten aber, besonders in Maine, für 
Konservenfabriken. Noch weiter nördlich, an der canadischen Grenze und in 
Canada, werden Erbsen besonders zur Saat gezogen, weil sie da mehr frei 
bleiben vom Erbsenkäfer, Bruchus pisi. 

In den mittleren Staaten, von Ohio im Osten bis Nebraska im Westen 
werden ausser anderem Gemüse namentlich Melonen und Sellerie gebaut. 

*) Siehe Gartenflora 1898 S. 387. 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. |,X- 



Melonen, sowohl Wassermelonen wie eigentliche Melonen, sind im 
heissen Sommer nächst Tomaten das allerbeliebteste Erfrischungsmittel. Schon 
zum Kaffee morgens erhält man in den besseren Hotels eine halbe kleine 
Moschus-Melone, die man vor dem Kaffee geniesst, indem man sie mit einem Thee- 
löffel ausschält, oder man erhält aut Wunsch auch ein riesiges Stück von 
einer Wassermelone. In den Centralstaaten wird die mit Melonen bebaute 
Fläche auf 4SS4 ha angegeben. Streng genommen kann man nicht nur die 
mittleren Staaten als Hauptgegenden für Melonen nennen, sie werden ebenso 
viel in Maryland, in Georgia u. s. w. gebaut. Am 21. Juli war auf der Aus- 
stellung schon eine reife riesige Wassermelone von 1 m Länge ausgestellt. 
Berühmt ist auch das Muskatine County in Iowa wegen seiner Melonen. End- 
lich darf Californien nicht vergessen werden, wo man vielfach in den ersten 
Jahren zwischen den Reihen junger Obstbäume Melonen zieht. 

Die Kultur der Melonen erfordert viel Sorgfalt und einen lockeren, 
frischen Boden. Bei St. Louis*) pflügt man den Boden tief und eggt tleissig, 
dann bildet man Hügel, welche in jeder Richtung 4 — b Fuss von einander ent- 
fernt sind: kleinere Sorten, wie Xet Gern (eine Xetzmelone), brauchen nur 4 Fuss; 
Wassermelonen erhalten mitunter auf sehr reichem Boden 8 — 10 Fuss Ent- 
fernung. Man düngt entweder das ganze Feld vorher reichlich mit Stalldung 
oder, da dieser oft knapp ist, nur die Hügel, indem man für 400 Hügel einen 
zweispännigen Karren verrotteten Düngers verwendet. Dieser wird etwa 3 Zoll 
hoch mit loser Erde bedeckt. In Lrmangelung von Stalldünger, der immer der 
beste ist, giebt man jedem Haufen einen Esslöffel voll Guano und Phosphate. 
Wassermelonen werden 5 — b Kerne auf einen Hügel gelegt, und wenn das 
dritte Blatt 1—2 Zoll breit ist. wird alles bis auf eine Pflanze auf jedem Hügel 
ausgebrochen; bei anderen Melonen (nutmegs) nimmt man sogar 10 — 12 Kerne 
und lässt zwei Pflanzen stehen. Eine grosse Plage sind die Mäuse, die dem 
Melonensamen sehr nachstellen und empfiehlt deshalb W. S. Ross einen guten 
Rattenfänger (muse-dog). Auch Insektenlarven (striped bogs) thun oft grossen 
Schaden; durch Pflügen und Hacken vertilgt man sie am besten. Pflügen und 
Hacken geschieht aber auch ausserdem fortwährend, um den Boden locker zu 
erhalten, bis Mitte Juli oder selbst später, mitunter sogar wenn die Früchte 
halb ausgewachsen sind, wobei man dann natürlich sorgfältig die Ranken auf 
die Flügel legen muss. 

Eine Hauptsache ist gute Saat und mit Recht wird empfohlen, nur die 
allerbeste zu wählen oder sie selbst zu ziehen. Eine fernere Hauptsache ist, 
nur gute Melonen zu verschicken, da geringe die Preise verderben, selbst wenn 
man gute und geringe gesondert versendet. Bei St. Louis hat ein Verein des- 
halb 1892 einen Inspektor angestellt, der alle geringe Ware vom Versand mit 
den Wagen des Vereins ausschliesst, und die Preise hielten sich gut, selbst 
wenn 4 5 Eisenbahnwagen an einem Tage verschickt wurden. Diese Wahr- 
heit gilt natürlich nicht nur für Melonen, sie gilt für alle Lrzeugnisse. 

In anderen Gegenden pflanzt man nicht auf Hügeln, sondern in Furchen, 
pflügt im Herbst den Dünger unter und giebt vor dem Pflanzen in die Furche 
noch etwas Dünger. In den mittleren Staaten zieht man auch die Melonen 
vorher unter Glas an und bringt sie dann in die Furchen. 



*) Melon Culture von W. S. Ross in Transactions of the Illinois State Horticultural 
Society, 1892, S. 169. 



1 §(5 Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 



Sellerie. Der grossen Selleriekulturen bei Kalamazoo etc.. in Michigan und 
bei Boston ist schon oben (S. 184) gedacht, aber auch bei Horsehead in New-York 
wird viel Sellerie gebaut. Bekanntlich hat man neuerdings Sorten, die sich von 
selbst bleichen, so Golden Self-Blancbing Celery und White Plume. William 
Meggat von Wethersfield, Connecticut, bemerkte aber auf dem Kongress der 
Samenzüchter in Chicago,*) dass, wenn man alle grünen Exemplare ausreisse, 
die Konstitution und Grösse der Ptlanzen geschwächt würde, dass die Samen 
von grünen Pflanzen kräftigere Stöcke geben. 

In Illinois, Ohio und ebenso in New-York werden auch viel Zwiebeln 
gezogen, teils zur Saat, teils und besonders zu Steck- und Setzzwiebeln. 
Letztere werden auf leichtem ungedüngten sandigen Boden aus Samen, die man 
gegen Mai säet, in dichten Reihen erzogen. Man nimmt die kleinen Pflanzen 
im August heraus und lässt sie langsam unter einer Schicht Heu eintrocknen. 
Die kleinen Zwiebeln von Erbsen- bis Haselnussgrösse werden dann an die 
Truckfarmers im Süden und an die Marktgärtner im Osten verkauft, welche 
sie auf Beeten, die lockeren, aber stark gedüngten Boden haben, im ersten Früh- 
jahr aussetzen. Sobald die Zwiebeln die halbe normale Grösse haben, werden 
sie schon auf den Markt gesandt, um als erste die höchsten Preise zu erzielen. 

In Virginien und Maryland pflanzt man die Steckzwiebeln etwas später 
und lässt sie zur vollen Grösse auswachsen. Man erhält so grosse Mengen und 
grosse Exemplare und betreibt das Ganze mehr landwirtschaftlich. 

Tomaten. Wie schon mehrfach erwähnt, spielen die Tomaten in den 
Vereinigten Staaten eine ganz ausserordentliche Rolle. Man isst sie sozusagen 
zu jeder Mahlzeit, auch in Scheiben geschnitten, mit Essig und Öl und etwas 
Pfeffer und Salz oder auch unter Hinzuthun von etwas Zucker. Ausserdem 
werden sie gekocht, gefüllt u. s. w. Ganz besonders werden sie aber ein- 
gemacht, nicht die ganzen Tomaten, sondern der Brei, und viel zu Saucen ver- 
wendet. Eigene Fabriken beschäftigen sich wie in England mit der Her- 
stellung verschiedener Saucen und unter diesen spielt »Catsup« eine der 
wichtigsten Rollen. Catsup ist aber eben vorwiegend aus Tomaten bereitet. 
In den Restaurants steht sozusagen auf jedem Tisch eine Flasche mit 
Catsup, aus welcher der (last nach Belieben nehmen kann. Dabei ist die Zucht 
der Tomaten eine noch verhältnismässig neue und doch verkauft einer der 
Haupt-Samenzüchter auf diesem Gebiet, Herr Livingston in Firma 
A. W. Livingstons Sons in Columbus, Ohio, jährlich, wie er mir mitteilte, 
6'/.,, tons. ca. 117 Zentner Samen, das ist so viel, dass 200 000 acres. 80000 ha, 
damit bebaut werden können. Bedenkt man nun, dass noch viele andere 
grosse Firmen. W. Attlee, Burpee & Co. -Philadelphia, Peter Henderson 
& Sons-New-York, J. C. Vaughan in Chicago u. s. w. Spezialisten sind oder 
wenigstens viel Samen verkaufen, so erscheint die Angabe im Census, dass 
22 802 acres mit Tomaten bebaut werden, viel zu niedrig, selbst wenn man 
annimmt, dass obige Schätzung etwas hoch sei. A. W. Livingston ist einer 
der Pioniere auf diesem Gebiete und hat viele neue Sorten gezogen, wie auch 
die anderen obigen Firmen zum Teil. Auf dem Gartenbau-Kongress zeigte 



*) Selection in Seed Growing. Embracing papers read at the Worlds Horticultural 
Congress. Modern Methods of the Seed Trade; Seed growing at Fordhook Farm. Heraus- 
gegeben von der grossen Samenhandlung W. Attlee, Burpee & Co., Philadelphia. Herr Burpee 
ist Präsident der American Seed Trade Association. 



Her Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 187 



Herr Livingston seine neue Züchtung Buckey State Tomate vor, eine runde, 
schön dunkle Frucht, die 37 cm Umfang hatte. Dabei hat sie «-ine schön 
dunkelrote Farbe und eine ganz glatte Gestalt, nicht gerippt; sie soll sehr 
ertragreich sein. Zum Einmachen am besten geeignet sind Livingstons New 
Stone red und L. Stone purpur.*) Von Attlee, Burpee & Co. -Philadelphia 
ist eine ganz dunkelrote Fordhooks First in den Handel gegeben. Die 
Hendersonschen Züchtungen sind in Europa schon bekannter.**) 

Die Tomaten gedeihen bei dem warmen Sommer fast in allen Staaten. 
in den nördlichen muss man, wie bei uns, die Blätter entfernen, wenn die 
Früchte ausgewachsen sind, damit sie sich färben. Das ist weiter südlich nicht 
nötig. In Süd-Illinois säet man die Saat Ende März oder Anfang April in 
Mistbeeten, die in Ermangelung von Glas auch wohl mit Musseline gedeckt 
und stets um die Mitte des Tages reichlich gelüftet werden. Die Durchschnitts- 
temperatur in den Kästen ist ca. 20° C. Wenn die Pflanzen 2 Zoll hoch sind, 
versetzt man sie in kalte Kästen und bringt sie dann schliesslich auf ein stark 
mit Stalldünger oder Handelsdünger gedüngtes Stück Land in der ersten Hälfte 
des Mai. Frank G. Austin berechnet die Kosten folgen dermassen*) für 
10 acres 

Pacht von 10 acres Land ii 2 s • • 5 20, — 

Pflügen. Pulverisieren und Markieren ä 1.50 . . . » I5r 

1000 Pfund (Handels-)Dünger » 17,50 

Unterbringen des Düngers »10, — 

30300 Pflanzen, das Tausend 50 es » 18,15 

Aussetzen derselben auf das Feld » 10,— 

Kultivieren, 5 mal mit einem 2 spännigen Kultivator » 15, 
Zweimal Hacken, zweites und letztes Pflügen . . . » 20. — 

Summa $ 125.05. 
Eine Tomatenptlanze giebt bei sorgfältiger Kultur 1 Peck (V 4 Bushel) bis 
Va Bushel, d. h. 9—18 1 Früchte, mitunter selbst 1 Bushel. Aber selbst nur 1 Peck 
angenommen, ergiebt pro acre 3630 Pecks oder 90772 Bushel. Ein Bushel wird 
von den Konservenfabriken mit 20 cents (80 Pf.) bezahlt, nach unseren Begriffen 
ein sehr niedriger Preis; das macht für 1 acre 181,50, für 10 acres 1815 $. Hier- 
von gehen noch ab die Kosten für Pflücken und Verpacken, was der Farmer 
aber z. T. selbst thun würde, mit 4 es per bushel. 

Zum Schluss rechnet Austin einen Reinertrag von 70 Dollars pro acre, 
aber selbst bei nur «/ 4 Peck Ertrag, also 2'/ 4 1, würden noch 45 $ pr. acre 
= 450 M. pr. ha sich ergeben. Er selbst hatte von einem halben acre 
67,50 $ Reinertrag. Er empfiehlt besonders, die Tomaten zwischen jungen Obst- 
bäumen zu bauen, da sie die Bäume nicht so beschatten wie Mais und den 
Boden locker und feucht erhalten. (Schluss folgt.) 

* Livingston hat auch eine besondere Schrift herausgegeben: Livingston and the Tomato 
(Preis 1 | ■ 

**] Der Verein zur Beförderung des Gartenbaus hat von fast allen genannten Herren 
mehrfach Samen erhalten, wofür diesen auch hier verbindlichsten Dank gesagt sei. 

'■'■'■ Transactions of the Illinois Horticultural Society [892 S. .^Si. 



i88 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen. — Kleinere Mitteilungen. 



Neue und empfehlenswerte Pflanzen etc, 



Neues Veilchen „Rubin". 

(Ein Sämling von Kronprinzessin v. Deutschland.) 
Vor drei Jahren in der Gärtnerei 
von A. Lutzenberger in Zehlendorf ge- 
fallen und vermehrt, zeichnet sich das 
Veilchen „Rubin" neben allen be- 
kannten guten Eigenschaften der 
Stammformen durch seine leuchtend 
tief dunkel purpurvioletten Blumen 
hervorragend aus. Die Veilchen haben 
eine vorzügliche Lichtfarbe in einer 
bisher bei Veilchen noch nicht er- 
reichten rothen Schattierung. „Rubin" 
ist sehr grossblumig, langstielig, stark 
duftend und ein gutes Treibveilchen 
von Januar ab. Seine tiefe Färbung 
bewährt sich besonders in der Treiberei. 

Der Versand dieser Neuheit beginnt 
Mitte April in kräftigen . reichbe- 
wurzelten Stecklingspflanzen, zum Aus- 
pflanzen fertig. Der Alleinverkauf der 
Neuheit erfolgt durch C. van der 
Smissen, Steglitz-Berlin. 

Herr van der Smissen sandte uns 
am 18. März einige Blumen dieser 



Sorte zu. die in der That wegen 
ihres roten Farbentons den Namen 
„Rubin" sehr verdienen. Der Geruch 
ist sehr schön. 



Neuere Birnsorten. 

Herr Gartenbaudirektor C. Mathicu 
legte am 13. Oktober 1898 im Gehölz- 
und Obstausschuss mehrere Neuheiten 
von Birnen vor, die der Verein zur 
Beförderung des Gartenbaues bezogen 
hatte. 

1. Conference Riv ers. Scheint ein 
Sämling der Marie Louise, ist sehr süss, 
hateinedickeSchale. was für den Trans- 
port gut ist. 

2. Direktor Hardy. Ahnelt der 
Clairgeau, ist wahrscheinlich ein 
Sämling von ihr. Hat ein bedeutend 
besseres Aroma als Conference Rivers. 

3. Idaho. Süss und sehr muskiert. 

Als ältere gute Sorten wurden vor- 
gelegt: Beurre Prengalle. Birne von 
Tongern. Unvergleichliche vonBeaurain. 



Kleinere Mitteilungen, 



Das Denkmal der Königin Luise 

im Tiergarten wurde am Ge- 
burtstage der Königin kurz vor 9 Uhr 
vormittags vom Kaiserpaar besucht. 
Der Chef der Tiergartenverwaltung, 
Präsident Kayser und der Tiergarten- 
direktor Geitner begrüssten den 
Kaiser und seine Gemahlin. Für 
den Schmuck des Denkmals hatte 
die warme Witterung dieses Winters 
eine grossartige Entfaltung der herr- 
lichsten Blütenpracht gestattet. 4300 
Blumenstöcke und Pflanzen waren 
zu einem farbenreichen Bilde vereinigt. 
Die hohe Taxuswand, die den Denk- 
malplatz umgiebt, war in ihrem oberen 
Teil freigeblieben und bildete so 
einen wirkungsvollen dunklen Hinter- 
grund für die Flieder- und Schnee- 
ballsträucher, deren Blütenzweige sich 
straussartig ausbreiteten. Erhöht 

wurde die schöne Wirkung durch die 
mattroten Azaleen, die tuffartig den 



Fuss der Sträuche verhüllten. Zu 
Seiten des Denkmals prangten mäch- 
tige Rhododendron inmitten niedrig 
gehaltener Blumen, deren Beet von 
blauen und weissen Krokus eingefasst 
war. Am Denkmalgitter zogen sich 
grüne Gewinde hin, die dort, wo die 
Säulen sich erheben, in Blumenkränze 
zusammenliefen. Der Platz zwischen 
Gitter und Denkmal bildete ein ein- 
ziges Blumenmeer von Azaleen, Rhodo- 
dendron, Goldlack, Cinerarien, Tulpen. 
Hyacinthen u. dergl. An den Treppen- 
wangen standen Gruppen von hoch- 
stämmigen Rosen u. dergl.. die sich 
um getriebene Magnolien anordneten. 
Helle Tulpenbeete bildeten auf dieser 
Seite der Anlagen den Abschluss der 
grossartigen Ausschmückung. Nicht 
minder schön nahm sich das halbrunde 
Parterre gegenüber dem Denkmal- 
platze aus. Auf dem Luisenstein 
lagen frische Blumen und am Gitter 



Kleinere Mitteilungen. 



l8q 



des Denkmals Friedrich Wilhelms III. 
prangten Blumengewinde. 

(Voss. Ztg.) 

Schwammpilze an den Obstbäumen. 

Bei einem Gange durch Obstalleen 
sieht man besonders an älteren Bäumen 
am Stamme öfter grosse Fruchtträger 
verschiedener Pilzarten. sogenannte 
Schwämme, welche das Holz zersetzen 
und das allmähliche Absterben des 
Baumes herbeiführen. Wie kommen 
denn solche Schwämme an unsereObst- 
bäume? Diese Frage kann leicht be- 
antwortet werden. Durch den Wind 
oder durch Insekten werden an Rinden- 
wunden oder auf unbedeckte Ver- 
letzungen des Stammes oder der Äster 
Sporen gebracht, diese keimen dort, 
entsenden Schläuche in das Innere des 
Baumes, welche in demselben, Mycelium 
bildend, weiterwuchern, die Rot- und 
Weissfäule des Holzes hervorrufen und 
schliesslich ihre Fruchtträger an der 
Aussenseite des Stammes erscheinen 
lassen, von denen aus sich wieder die 
Sporen auf Wundflächen an anderen 
Bäumen ansiedeln. 

Der Schaden, den diese Pilze an- 
richten, ist noch viel zu wenig bekannt, 
oft erst nach Stürmen, welche die 
morsch gewordenen Bäume umwarfen 
oder die .i.ste von den Stämmen ab- 
schlitzten, bemerkt der Baumbesitzer, 
wie die Pilze das Holz schon lange 
Zeit vorher durchwuchert hatten und 
die Pilzfäule hervorriefen. Die ver- 
schiedenen Arten besitzen auch eine 
verschiedene Lebensdauer; während 
einige Pilze nur einige Monate vege- 
tieren, um aber am gleichen Baume, 
oft an gleicher Stelle wieder zu er- 
scheinen, sind andere ausdauernder 
und erreichen ein Alter von mehreren 
Jahren. 

Von den Schwämmen linden wir 
nachstehende Arten am meisten auf 
den Bäumen vor: 

llydnum Schied erm ayri. Frucht- 
r erscheint im September bis 
Oktober, sieht knollig, höckerig aus, 
breitet sich mitunter meterweit aus, 
hat ein schwefelgelbes, amLichte rotes. 
später bräunlich-rotes Aussehen, kommt 
meistens am Apfelbaume vor. 

Polyporus cinnamomeus. Der 
Fruchtkörper ist ausdauernd, holzig, 
zuerst kugel-, später hutförmig, 6 bis 
8 cm lang und 5 — 7 cm dick. Die 



Oberfläche ist gelbbraun bis braun, 
die Löcherschicht zimmtbraun. Findet 
sich sowohl aui Apfel- und Birn-, als 
auch auf Kirschbäumen vor. 

Polyporus hirsutus. Der Frucht- 
körper ist korkig, lederartig, halb- 
kreisförmig, bis 8 cm lang. üeisch- 
weiss, hat etwas gewölbte Oberfläche; 
ist mit grau-braunen Haaren besetzt, 
kniiimt aui dem Kirschbaume vom 
Spätherbste bis Frühjahr vor. 

Polyporus hispidus. Der weiche, 
schwammige, konsolförmige Frucht- 
träger ist anfangs gelbbraun, wird 
später kastanienbraun, die Oberfläche 
ist mit dunkelbraunen bis schwarzen 
Haaren bedeckt. Befällt Apfel- und 
Nussbäume. 

Polyporus igniarius. Frucht- 
trägerist kugelknollig, später huf- oder 
polsterlörmig, holzig, ausdauernd, innen 
rostbraun gezont. Die Oberfläche ist 
anfangs gelbbraun, später wird sie 
schwarzbraun, zeigt konzentrische 
Furchen und abgerundeten, stumpfen 
Rand. Kommt seht häufig auf Apfel-, 
Birn-. Kirsch-, Zwetschen- und Nuss- 
bäumen vor. 

Polyporus su lphureus. In jungem 
Zustande ist der Fruchtkörper weil h- 
fleischg, später erhärtet sich das weiss- 
gelbe Fleisch, breitet sich halbkreis- 
förmig aus, wird bis 30 cm lang. Die 
hell- bis orangengelbe glatte Ober- 
fläche wird zuletzt weisslich. Findet 
sich vom Juni bis November auf 
Kirsch- und Birnbäumen vor. 

Polyporus spumeus. Der Frucht- 
körper ist weichfleischig, 5 cm lang, 
5 — 6 cm dick, das Fleisch ist zuerst 
rötlich-violett, wird später bräunlit h. 
die Oberfläche ist höckerig, kommtauf 
Apfelbäumen vom August bis No- 
vember vor. 

Sobald die angeführten oder auch 
sonstige, an Birn-. Kirsch- und Xuss- 
bäumen vorkommende Schwammpilze 
bemerkt werden, sind sie sofort, selbst 
wenn bei den ausdauernden Meissel 
und Schnitzmesser verwendet werden 
müssen, zu entfernen und zu ver- 
brennen. Xach dem Entfernen der 
Schwämme sind die glatten bezw. ge- 
glätteten Schnittwunden sorgfältig mit 
Steinkohlenteer zu verstreichen, doch 
nicht allein die befallene Stelle, sondern 
auch jede entrindete Stelle, selbst die 
kleinste Wunde. Das Verstreichen mit 
Baummörtel hilft hier nicht, das in 



i9° 



Kleinere Mitteilungen. 



dem Teer enthaltene Kreosot soll 
hierbei das Mycel zerstören. 

Als Vorbeugemittel wäre zu em- 
pfehlen: Vermeidung aller grösseren 
Schnittflächen, sauberer glatter Schnitt, 
wenn solcher nötig ist, und Ver- 
streichen sämtlicher Wunden mit 
Baumsalbe. 

Rezept zur Baumsalbe: 500 g 
weisses Harz, 500 g Teer, 250 g Leinöl 
sind unter gelindem Feuer miteinander 
auflösend zu vermischen, wobei die 
Mischung umzurühren ist. Sollte die 
Baumsalbe zu flüssig sein, so kann man 
zur Erhärtung nötigenfalls 00 g Spiritus 
zusetzen. Ein von anderer Seite em- 
pfohlener Zusatz von Zinkweiss ist 
völlig zu verwerfen. Fehlt die Baum- 
salbe, so bestreiche man die Wund- 
stellen der Bäume wenigstens vorläufig 
bis zur Beschaffung mit Oelfarbe. 

Bei der Gemeingefährlichkeit der 
Baumschwämme sollte von seiten der 
Obstbaumbesitzer selbst darauf ge- 
drungen werden, dass alle befallenen 
Bäume in der Gemeinde durch die 
Baumwarte sachgemäss behandelt 
werden. 

Hohenheim. Garteninspektor Held. 

(Württemberg, landw. Wochenblatt). 



Wie soll ein guter Obstbaum aussehen? 

(Aus der Beilage der Hannoverschen Land- 

und forstwirtschaftlichen Zeitung: 

„Unser Obstgarten".) 

Die Wurzel soll vor allen Dingen 
gesund sein, beim Ausheben nicht 
zu sehr beschädigt, und nicht zu kurz 
abgestochen. Ferner soll keine starke 
direkt nach unten gehende Pfahlwurzel 
vorhanden sein, sondern gut verzweigte 
Seitenwurzeln etwa von der Stärke 
eines Daumens bis zu Bleistiftstärke. 
An solchen Wurzeln werden sich an 
der Schnittstelle sehr leicht und sehr 
schnell wieder junge Saugwurzeln 
bilden. 

Weniger Werth braucht man auf 
das Vorhandensein der feinen Faser- 
würzelchen zu legen, denn diese sind 
meist schon kurze Zeit nach dem 
Herausnehmen des Baumes aus dem 
Erdboden abgestorben. Bei dem 
Stamme kommt die Gesundheit eben- 
falls wieder in erster Linie in Be- 
tracht. Ferner dürfen keine Wunden 
daran sein, etwa Krebswunden oder 
andere Beschädigungen. Froststellen 



oder dergleichen. Die Veredlungs- 
stellen müssen gut vernarbt sein, 
der Stamm muss glatt und gerade 
gewachsen sein, nach der Krone zu 
sich etwas verjüngend. 

Darauf zu achten ist ebenfalls, dass 
der Baum möglichst frei von Ungeziefer 
ist, damit nicht irgend ein gefährlicher 
Obstbaumschädling mit verschleppt 
wird. Die Höhe des Stammes soll 
für einen normalen Hochstamm 2,oobis 
2,20 m sein. Selbstverständlich muss 
der Stamm auch genügend stark sein, 
damit er den Einflüssen der Witterung 
auch erfolgreich Widerstand leisten 
kann. Gesundheit ist auch bei der 
Krone die erste Bedingung. Dem- 
nächst soll sie nicht zu alt oder gar 
überständig und oft zurückgeschnitten 
sein, sondern jung mit kräftigen 
wüchsigen Jahrestrieben. 

Die Anzahl der Triebe hängt ganz 
davon ab, welche Form man dem 
zukünftigen Baum geben will, sei es 
nun Pyramiden- oder Kesselform oder 
irgend welche andere. Dies wären 
einigen Anhaltspunkte für Obstbaum- 
käufer. 

Selbstverständlich kann ja nun nicht 
jeder Baum allen diesen Anforderungen 
entsprechen, doch muss es das Be- 
streben des Obstzüchters sein, nur 
möglichst gute Bäume zu pflanzen, 
wenn er Erfolg von der Obstzüchterei 
haben und sich selbst vor Schaden 
bewahren will. 



Billbergia nutans als Zimmer- und Marktpflanze. 

In der Sitzung der Ausschüsse für 
Blumen - und Gemüsezucht am 
2. Februar d. J. stellte Herr Carl 
Crass II. ein hübsches Exemplar von 
Billbergia nutans, noch im Knospen- 
zustande, aus, die er als gute Zimmer- 
pflanze sehr empfahl. Bei ihm steht 
ein Exemplar schon ein Jahr im Zimmer. 
Man vermehrt sie am besten durch die 
zahlreich sich bildenden Seitensprossen, 
die sog. Kindein. Wenn diese ab- 
genommen und für sich ge- 
pflanzt werden, blühen sie schon im 
nächsten Jahre. Lässt man aber die 
Kindein stehen, so wird die Pflanze 
hübsch buschig. 

Die Pflanze bildet nur wenig Wurzeln 
und beansprucht daher nur einen 
kleinen Topf. Für Verkaufspflanzen 
nimmt man aber besser etwas grössere 



Kleinere Mitteilungen. 



igi 



Töpfe, da zu kleine leicht umfallen. 
Man hält sie am besten bei S — 10 ° K.. 
giebt ihr halb Laub-, halb Ileideerde 
und kultiviert sie im Sommer im 
kalten Kasten oder im Freien. Will 
man sie früher, etwa um Weihnachten, 
in Blüte haben, so hält man sie etwas 
wärmer. Herr Kgl. Obergärtner Haber- 
mann, Monbijou-Garten. bemerkte noch. 
dass diese Bromeliaceae ausser- 
ordentlich widerstandsfähig ist; sie ist 
sehr geeignet für Dekoration von 
Tuffsteinen etc., aber dicht unter dem 
Glase. Sobald die Pflanzen geblüht 
haben, werden sie bei ihm ab- 
geschnitten und bilden dann reichlich 
Seitensprossen. 



Fuchsien als Vasendekoration. 

Die Verwendung der Fuchsien zu 
allen möglichen Dekorationen ist 
eine so vielseitige, dass es eigentlich 
überflüssig erscheint, wenn noch mehr 
darübergeschrieben wird; aber dennoch 
kann ich nicht unterlassen, auf obige 
Verwendungsart aufmerksam zu machen, 
es wird damit ein Effekt erzielt, der 
geradezu Bewunderung hervorruft, und 
dann lassen sich hauptsächlich solche 
Fuchsien dazu verwenden, welche einen 
hängenden Wuchs besitzen und so von 
ihrem erhöhten Stand in den Vasen 
so recht zur Geltung kommen, indem 
die Blüten der hängenden Fuchsien, 
von unten gesehen, ihre Formen so 
recht dem Auge darbieten. 

So eine bepflanzte Vase auf einem 
erhöhten Ständer . welche bis zum 
Fusse der Vase durch höhere Pflanzen 
verdeckt wird , ist von unerreicht 
guter Wirkung als Mittelpunkt eines 
grossen Beetes oder als Krönung 
einer Terrassenmauer, doch am 
schönsten machen sie sich da. wo man 
irgend einen thorartigen Eingang mit 
lebendem Zaun oder mit einen immer- 
grünen Zaun hat, dereinengeradem Weg 
einfasst oder als Abteilung im Garten 
mit regelmässigen Wegen in die Nähe 
des Wohnhauses etc. geführt ist; dieser 
Zaun, welcher eine beliebige Höhe, 
jedoch nicht unter i 1 ' 2 m haben soll, 
isi so rechl geeignet, mit Vasen, welche 
mit Fuchsien bepflanzt sind, garniert 
zu werden, und zwar so, dass in den 
Zaun Ständer, worauf die Vasen be- 
festigt sind, so angebracht werden. 
dass der Fuss der Vase genau mit der 



Oberkante des Zaunes abschneidet; 
eine regelmässige Einteilung der Vasen 
auf den Zaun ist innezuhalten, auch ist 
darauf zu sehen, dass dieselben nicht 
zu dicht zu stehen kommen, indem 
sonst die gewünschte gute Wirkung 
nicht erreicht wird und eine Über- 
ladung sieht nicht gut aus. Am 
schönsten machen sich die immer- 
grünen Zäune, wie Thuja occidentalis 
oder Taxus, zu dieser Dekoration sehen 
aber auchZäune aus Rosen und Liguster 
rechl gu1 mit den Vasen aus. 

Damit nun die Fuchsien auch einen 
Lebhaften Wuchs entwickeln, müssen 
die Vasen mit einer recht kräftigen 
Erde, der man noch einige Hände voll 
Hornspäne (sogenannte Drehspäne) 
beimischt, gefüllt werden; diese Horn- 
späne haben die lägen schaff, sich 
allmälig aufzulösen . indem die ab- 
gedrehten Späne zum teil ganz feine 
sind, die schon in acht Tage wirken 
und dann auch wieder gröbere, die 
in einigen Wochen sich auflösen; auf 
diese Weise wird den Fuchsien bei 
fleissiger Bewässerung den ganzen 
Sommer über der nöthige Stickstoff' 
durch die sich auflösenden Hornspäne 
zugeführt und die Blüten sind dann 
zuletzt ebenso gross wie zu Anfang. 

Zu bemerken hätte ich noch, dass 
die Vasen nicht zu gross, aber auch 
nicht zu klein zu nehmen sind, sie 
müssen das richtige Verhältnis zur 
Höhe und Stärke des Zaunes etc. haben. 

Indessen nicht allein zur Bepflanzung 
der Vasen auf Zäunen etc. möchte ich die 
Fuchsien verwendet wissen, über- 
haupt wo Vasen zur Verwendung 
kommen, soll die Fuchsie als das ge- 
eignetste Bepflanzungsmaterial Be- 
nutzung linden und auch da, wo z. B. 
in der Mitte eine Yucca gepflanzt ist, 
machen sich die Fuchsien als Ein- 
fassung im Verein mit einigen Hänge- 
pilanzen recht gut. und was die Flaupt- 
sache ist, es ist immer ein feines 
Arrangement, das jedem Garten zur 
Zierde gereicht. 

J. Bi emulier, 
Gr.-Tabarz (Villa Spindler). 

Das Erfrieren der Pflanzen. 

I >as interessanteste und lohnendste 
Studium für den praktischen Gärtner 
bietet offenbar die Pflanzenphysiologie. 
Ein solches Studium verschafft nicht 



! 9 : 



Kleinere Mitteilungen. 



nur manche angenehmeStunde. sondern 
lässt auch manche Schlüsse auf die 
praktische Thätigkeit zu. Daher sollte 
denn auch der Gärtner und mit ihm 
der Pflanzenfreund überhaupt keine 
sich ihm bietende Gelegenheit mit der 
Pflanzenphysiologie vertrauter zu 
werden , unbenutzt vorüber gehen 
lassen. 

Ich glaube nun den gesch. Lesern 
dieser Zeitschrift einen Dienst zu er- 
weisen, wenn ich an dieser Stelle auf 
einige physiologische Vorgänge im 
Pflanzenleben aufmerksam mache, 
denen bis vor kurzem nur wenige 
Aufmerksamkeit geschenkt werden 
konnte. Hierbei habe ich das Er- 
frieren der Pflanzen im Auge. Wenn 
ich eben sagte, das diesem physio- 
logischen Vorgange bislang nur wenig 
Aufmerksamkeit geschenkt werden 
konnte, so ist dieses darauf zurück- 
zuführen, dass es an geeigneten In- 
strumentenfehlte, umdieunerlässlichen 
ein gehendenBeobachtungen anzustellen. 

Herrn Prof. Dr. Hans Molisch ver- 
danken wir nun die Erfindung eines 
äusserst einfachen Apparates, mittels 
dessen wir in aller Behaglichkeit in 
einem angenehm erwärmten Zimmer 
eingehend die Vorgänge im Innern der 
Pflanze während des Erfrierens be- 
obachten können. Ein doppelwandiger 
Kasten, dessen Zwischenräume mit 
Sägespänen ausgefülltsind, nimmt einen 
zweiten Kasten, in welchem wir ein 
Mikroskop unterbringen, auf. Zwischen 
beide Kästen füllen wir eine Kälte- 
mischung (Eis und Kochsalz) und 
unsere Beobachtungen können be- 
ginnen. Bemerkt sei noch, dass zur 
Beleuchtung sowie zur Bewegung des 
zu beobachtenden Objekts geeignete 
Vorkehrungen getroffen sind. 

Aeusserst überraschend sind die 
Bilder, die wir da erschauen. Ich 
muss mich hier auf die Wiedergabe 
der wesentlichsten Erforschungen, die 
nach dieser Richtung bisher erzielt 
wurden, beschränken. Es zeigte sich 
bei der Beobachtung der verschiedensten 
chemischen Stoffe, welche im Pflanzen- 
leben eine Rolle spielen, wie auch 
einzelner Pflanzenteile, dass die Eis- 
bildung unter Einwirkung der durch 
die Kältemischung erzielten niedern 
Temperatur stets wohl in derselben 
Weise, nicht aber immer an derselben 
Stelle erfolgte. Ebenso ergab sich 



auch ein unterschiedliches Verhalten 
der Objekte während des Aufthauens. 

Beim Gefrieren toter Gegenstände, 
wie Stärkekleister, Eiweiss. Milchsaft 
vom Gummibaum, verschiedener Salz- 
und Farbstofflösungen krystallisierte 
stets reines Eis heraus, wodurch die 
Form der Stoffe sehr verändert ward; 
die festen Körper wurden zusammen- 
gedrängt, die Lösungen konzentriert, 
oft auch aus diesem feste Körper aus- 
geschieden. Nach dem Aufthauen 
nahmen einzelne Objekte ihren alten 
Zustand wieder an , andre dagegen 
nicht. 

Die Pflanzenzelle zeigte beim Ge- 
frieren ähnliche Vorgänge; auch hier 
bildete sich stets reines Eis, welches 
die festen Bestandteile der Zelle auf 
einen kleinen Raum zusammendrückte 
und die verschiedenen Farbstoff- 
lösungen konzentrierte. Während aber 
bei den Zellen einiger Pflanzen die 
Eisbildung innerhalb der Zelle er- 
folgte, entstand das Eis bei andern — 
diese Pflanzengruppe bildet die Regel 
— ausserhalb der Zelle, diese dabei 
arg zusammendrückend. In vereinzelten 
Fällen traten beide Erscheinungen 
auch zugleich auf. 

Noch einem eigentümlichen Umstand 
müssen wir hier einige Beachtung 
schenken. Es zeigte sich nämlich, dass 
nahe bei einander liegende Zellen nicht 
immer ein gleiches Verhalten der 
Kälte gegenüber zur Schau trugen. 
So sind die Schliess- und Haarzellen 
verschiedener Pflanzen wesentlich 
widerstandsfähiger gegen die Kälte, 
als es die umgebenden Zellen sind. 
Diese Entdeckung verdanken wir dem 
erwähnten Professor; dass die Schliess- 
zellen andern Einflüssen (grosse Hitze) 
gegenüber besonders widerstandsfähig 
sind, ist bereits seit längerer Zeit be- 
kannt. 

Von wesentlicher Bedeutung für den 
praktischen Gärtner ist nun die Ant- 
wort auf die Frage: .,Wann stirbt die 
Pflanze?" Bisher war allgemein die 
Anschauung vertreten, dass die Pflanze 
erst während des Aufthauens zu Grunde 
geht, und dass infolgedessen es auch 
möglich sei, erfrorene Pflanzen bei 
vorsichtiger Aufthauung zu retten. 
Als solches betrachtet man in den 
Gärtnereien das Überbrausen mit 
kaltem Wasser. Es sei hier jedoch 
gleich bemerkt, dass durchÜbergiessen 



Kleinere Mitteilungen. 



m 



mit kaltem Wasser kein Langsames 
Aufthauen, sondern eher ein 
schnelles Aufthauen erfolgt. 

Die neuesten Untersuchungen haben 
nun dargelegt, dass die erfrorene 
Pflanze nicht erst beim Aufthauen, 
sondern bereits beim Gefrieren resp. 
im gefrorenen Zustand abstirbt. Es 
ist dies an einer ganzen Reihe von 
Versuchspflanzen unwiderleglich fest- 
gestellt. Auch stellte es sich heraus, 
dass keinerlei Unterschied an den 
Pflanzen, welche schnell und langsam 
aufgethaut wurden, zu konstatieren 
war. Die gleichen Pflanzenarten, 
welche bei langsamer Aufthauung am 
Leben blieben, litten auch nicht bei 
rascher Aufthauung und umgekehrt 
waren durch langsames Aufthauen 
auch solche Pflanzen nicht zu retten, 
die bei raschem Aufthauen zu Grunde 
gingen. Pline Ausnahme von dieser 
Regel machten allerdings, aus bisher 
unerklärlich gebliebenen Gründen, 
einige Apfel- und Bimsorten, sowie 
die Blätter von Agave americana. 

Wenn wir von einem Erfrieren der 
Pflanzen reden, so stellen wir uns hier- 
unter allgemein eine Schädigung der 
Pflanze infolge der unter o° gesunkenen 
Temperatur vor. Xun hat es sich aber 
herausgestellt, dass verschiedene 
Pflanzen bereits bei einer Temperatur, 
die etwas über dem Eispunkt liegt, 
unter denselben Erscheinungen zu 
Grunde gehen, wie solche bei unter 
o° erfrorenen Pflanzen auftreten. Und 
so eigentümlich es auch berühren mag, 
kann man doch mit Fug und Recht 
von dem Erfrieren der Pflanzen bei 
einer Temperatur über o° reden. Ver- 
schiedene Pflanzenphysiologen sind 
übereingekommen, zwischen Erfrieren 
und Cr ef rier en derart zu unterscheiden, 
dass unter Erfrieren eine Schädigung 
oder Absterben der Pflanze infolge 
niederer Temperatur (event. noch 
etwas über o°), unter Gefrieren jedoch 
die Eisbildung innerhalb der Pflanzen- 
organe verstanden wird; ohne Einfluss 
ist hierbei, ob die Pflanze infolge der 
Eisbildung abstirbt oder nicht einmal 
Schaden leidet. 

Die Ursache des Erfrierens einer 
Pflanze bei einer Temperatur über 
Null ist auf zwei Ursachen zurück- 
zuführen. Entweder wirkt die Kälte 
derartig auf die Wurzeln ein. dass 
diese unfähig werden, für die weitere 



Saftzirkulation zu sorgen, so dass also 
die Pflanze schliesslich wegen allzu- 
grossen Wasserverlustes durch die 
Transpiraiion verwelken muss, oder 
aber dass durch die niedere Temperatur 
irgendwelche Störungen im chemischen 
Getriebe der Nährstoffe hervorgerufen 
werden. Über diesen letzteren Punkt 
herrscht jedoch noch keine voll- 
ständige Klarheit, möglich ist auch, 
dass hierbei rein physikalische Vor- 
gänge eine Rolle mitspielen. 

Ziehen wir nunmehr das Fach aus 
unsern Beobachtungen, da haben wir 
zunächst noch festzustellen, dass bei 
o° überhaupt noch keine Pflanze ge- 
friert , im Gegenteil muss die 
Temperatur erst unter, oft sogar sehr 
weit unter o° sinken, bis eine Eis- 
bildung erfolgt. E>as Eigentümliche 
| hierbei ist jedoch, dass die Eisbildung 
dann bei einer höheren Temperatur 
erfolgt. Oder mit andern Worten, 
irgend eine Pflanze, nehmen wir die 
Kartoffel, muss erst bis auf — 3 C. ab- 
gekühlt sein , bis Eisbildung erfolgt, 
wobei jedoch die Temperatur der 
Kartoffel plötzlich wieder auf — 1" C. 
steigt. Bei andern Pflanzen gelten natür- 
lich andere Zahlen. Der Botaniker nennt 
diese niedere Temperatur den Cber- 
kältungspunkt, die höhere, bei der 
die Eisbildung praktisch erfolgt, den 
Gefrierpunkt. Bei dem Gefrieren 
wird nun. und zwar meist ungemein 
schnell, der Zelle das Wasser entzogen, 
und dieser Wasserentzug ist es denn 
auch, worunter die Pflanze zu leiden 
hat resp. woran sie zu Grunde geht. 
Je weniger saftre'ch eine Pflanze ist. 
um so weniger ist sie der Gefahr des 
Gefrierens ausgesetzt. Daher denn 
auch die Thatsache, dass von zwei 
gleichen Pflanzen zunächst diejenige 
erfriert, welche ammeistenFeuchtigkeit 
enthält, während die trockene wider- 
standsfähiger bleibt. 

Herrn. Holm. 

Stylvolle Bindereien 
und Pflanzenzusammenstellungen. 
Am 23. März hat unser Landsmann 
L. Winter in Bordighera im Hause 
des Bechsteinsaales zu Berlin, Link- 
strasse 42, einen höchst geschmack- 
vollen Laden eröffnet und durch 
prächtige, mit farbigen Vignetten ge- 
schmückte Prospekte zur Besichtigung 
eingeladen. Wirmöchten allenPtlanzen- 



194 



Unterrichtswesen. — Litteratur. 



und Blumenliebhaber den Besuch 
dringend empfehlen, denn sie sehen 
dort in höchst origineller Anordnung 
sowohl Früchte, Zapfen, Zweige, Blumen 
etc., zu Sträussen, Stillleben etc. ver- 
arbeitet. Sie sehen ferner schöne 
Terracotten von der berühmten Manu- 
fatture di Signo. einem kleinen Ort 
bei Florenz, vor allem aber prächtige 
Palmen, Cycas etc., von denen ein 
grosser Teil wegen der seit Mitte 
März bei uns eingetretenen Kälte in 
den riesigen elektrisch beleuchteten 
Kellerräumen untergebracht ist. 
Näheres in der folgenden Nummer. 

In glücklicher Weise hat auch Herr 
O. Möhrke. Schillstrasse 15, neue 
Ideen in der Binderei zur Ausführung 
gebracht. Er benutzt besonders farbige 
Thongefässe, die er nach eigenen An- 
gaben fertigen lässt, und hat solchen 
Zuspruch, dass er seinen Laden durch 
einen zweiten erweitern muss. 

Endlich sei in dieser Richtung 
auch A. Hedenus, Potsdamer- 
strasse 129, genannt, der in seinem 
Schaufenster originelle Kränze, Kissen 
etc. mit Flechten, Palmfrüchten etc. 
geschmückt zeigt. 

Unsere Bindereien aus reinen Blumen 
werden darunter nicht leiden; es ist 



aber erfreulich, dass neue Ideen uns 
vorgeführt werden. 

Giftigkeit oder Ungiftigkeit der Eibe, 
Taxus baccata. 

Es ist nicht richtig, dass die Tiere 
keine Eibennadeln fressen, weil sie 
wissen, dass sie giftig seien. Im Gegen- 
teil, sie fressen sie gern und leiden 
keinen Schaden, wenn sie sie frisch 
zu sich nehmen; es scheint ein Magen- 
und Appetit anregendes Mittel für sie 
zu sein. Ganz anders ist es, wenn man 
ihnen gepulverte trockene Taxusnadeln 
giebt, wie das von Bauernburschen 
mitunter geschieht, wenn die Pferde 
nur Körnerfutter erhalten und dieses 
satt bekommen. Getrocknete Taxus- 
nadeln sind unzweifelhaft giftiger als 
frische, und wenn die Tiere das geringste 
Quantum zu viel erhalten, besonders 
wenn Pferde nicht an Eibennadeln ge- 
wöhnt sind, können sie daran sterben. 
Das beste Schutzmittel gegen Ver- 
giftung durch Taxus ist, dass man 
einzelne Taxusbäume in die Hecken 
der Weideflächen oder auf diese selbst 
pflanzt. 

(C. W. Strickland in Gardeners' 
Chronicle 1895 II 160.) 



Unterrichtswesen. 



Gartenbauschule für Damen. 

Am 22. März fand in der von Frl. 
Dr. Elwira Castner zu Friedenau bei 
Berlin geleiteten Gartenbauschule für 
Damen wiederum ein Examen statt, 
bei welchem die Schülerinnen tüchtige 
Kenntnisse und vor allem Verständnis 
des Vorgetragenen aufwiesen. Drei 
der Damen erhielten das Zeugnis 
,,gut", eine das Zeugnis „sehr gut". 
Im Oktober wird die neue viel grössere 
Anstalt in Marienfelde bezogen werden, 



welche Raum für 30 Pensionärinnen 
bietet. Gegenwärtig wird die Schule 
von 26 Damen besucht. 

Frühjahrskurses im Obstbau. 

Der diesjährige Frühjahrskursus im 
Obstbau für Lehrer wird am Kgl. po- 
mologisehen Institut zu Proskau vom 
10.-22 April abgehalten. Der hierzu 
als Ergänzung dienende Sommerkursus 
findet vom 14. — 24. August statt. 
(Proskauer Obstbau-Zeitung.) 



Litteratur. 



Max Schulze(Jena). DieOrchidaceen 
Deutschlands, Deutsch - Oesterreichs 
und der Schweiz. Mit 92 Farbentafeln, 
1 Tafel in Schwarzdruck und 1 Stahl- 



stich. Gera Untermhaus. Verlag von 
Friedrich von Zezschwitz (vormals 
Fr. Eugen Köhlers Botanischer Verlag, 
1894. 



Litteratur. 



IQ: 



Der Verfasser, einer der besten 
Kenner der Erdorchideen, giebt in 
diesem Werke die vollständigste Zu- 
sammenstellung aller Arten, Abarten 
und Bastarde, und können wir allen 
Botanikern und Gärtnern, die sich für 
Orchideen interessieren, die Anschaffung 
dieses Werkes, das von 13 M. auföM. 
(Halbfranzband 7,50 M.) herabgesetzt 
ist, aufs beste empfehlen. Allein die 
92 Tafeln sind so viel wert. L. W. 



Cyperaceae et Gramineae. Her- 
ausgegeben von den Professoren v. 
Schlechtendahl, Langethal und 
Fr. E. Schenk. Revidiert von Prof. 
Ernst Hallier-München. Verlag von 
Friedrich von Zezschwitz, vormals 
Fr. Eugen Köhlers Botanischer Verlag. 
940 S. Text und 436 Tatein. 30 Liefe- 
rungen ä 1 M. 

Uns persönlich gefällt das kleine 
Format und das bläuliche Grün der 
Biälter nicht. Im Uebrigen ist das 
Buch, das ein Sonderabdruck aus der 
grossen, viele Bände umfassenden 
Schlechtendahl-Hallierschen Flora ist, 
besonders der zahlreichen Abbildungen 
wegen, zu empfehlen. Wir hätten bei 
der Gattung Carex lieber gesehen, 
wenn zu anfang gleich eine Uebersicht 
über sämtliche Untergattungen oder 
Stämme, wie Hallier sie nennt, gegeben 
wäre, ähnlich wie das in Engler 
u. Prantl, Xatürl. Pflanzenfamilien ge- 
schehen ist. Text und Abbildungen 
passen vorläufig noch nicht zu- 
sammen. L. W. 



Aus dem Verlage von Trowitsch 
& Sohn, Frankfurt a. O. liegt jetzt in 
dritter vermehrter Auflage das »Garten- 
buch für Anfänger« von Joh. 
Böttner vor. Es ist eine erfreuliche 
Thatsache, dass der Gartenbau von 
Jahr zu Jahr unter allen Berufsklassen 
sich mehrFreunde erwirbt. Noch grösser 
würde ihre Zahl sein, wenn nicht so 
Mancher glaubte, die Gartenkunst berge 
Geheimnisse, die nur einem gelernten 
Gärtner offenbar würden. Diesem 
Glauben kann das obenerwähnte Buch 
mit dem grössten Erfolge entgegen- 
treten. Für Anfänger ist es geschrieben, 
und wir können allen solchen nur 
dringend raten, sich dieses Buch an- 
zuschaffen. Mit Freuden wird sich 
Jeder der Lektüre desselben widmen 



und im Umsehen wird er durch die 
kurze und durchaus klare Schreibweise 
des Verfassers angespornt werden zu 
eigenen Versuchen, die an der Hand 
der zahlreichen, den Text in bester 
Weise begleitenden Abbildungen kaum 
misslingen können. Mit den einfachsten 
und billigsten Mitteln lernt der An- 
fänger in diesem vortrefflichen Buche 
die »Geheimnisse« der Gartenkunst, 
die ihm bald eine reiche Quelle 
ständigen Genusses sein werden. 

Im Interesse der Ziele unseres Vereins 
müssen wir dem Böttnerschen Garten- 
buch die weiteste Verbreitung wünschen. 

Ad. Dr. 

John M. Coulter, Haupt-Professor 
der Botanik an der Universität Chicago. 
The Origin of Gymnosperms and the 
seed habit. Sep.-Abdr. aus Bot. Gazette 
XXVI p. 153—168. (Ursprung der 
nacktsamigen Gewächse und der Cha- 
rakter des Samens). Der Verfasser isl 
der Ansicht, dass die fossilen Samen- 
pflanzen von einer Gruppe, die durch 
die fossile Gattung Cordaites*) im 
weiteren Sinne vertreten wird, ab- 
stammen. Ferner, dass diese wieder 
von Farnkräutern, welche den heutigen 
Marattia-Arten ähnlich sind, sich ab- 
leiten lassen, und von diesen die 
Gymnospermen (Koniferen und Cyca- 
deen), endlich, dass die Samen durch 
Verkümmerung des sog. Makro- 
sporangiums der Selaginellen etc. 
entstanden und. da die Hülle fehlte, 
sich mit einer Samenschale um- 
gaben. 

Die Gartenkunst, Zeitschrift für 
die Gesamtinteressen der Gartenkunst 
und Gartentechnik sowie der damit 
verwandten Zweige des Gartenbaues, 
herausgegeben vom Verein deutscher 
Gartenkünstler. Verlag von Gebr. 
Bornträger, Berlin. Monatlich ein 
Heft in gr.4 mitvielenTextabbildungen. 
Preis 15 M. 

*) Cordaites ist ein Nadelholz mit auf- 
rechtem Stamm und verzweigter Krone, 
linealen oder auch breiten Blattern, die mit 
elliptischer Basis dem Zweige ansassen. l>ie 
Blüten sassen im Winkel von spiraligen Deck- 
blättern und bildeten Ähren. Die weiblichen 
trugen auf dem Scheitel einen Büschel ver- 
kümmerter Biälter. Die Samen erinnern an 
Taxus und Gingko oder Cycas etc. L. W. 



i9<L 



Ausstellungen und Kongresse. 



Nachdem nunmehr drei Hefte dieser 
Zeitschrift vorliegen, können wir unser 
Urteil dahin aussprechen, dass hier 
wirklich etwas Gediegenes geboten 
wird, und man kann dem Verein 
deutscher Gartenkünstler Glück 
wünschen, dass er in Herrn Dr. Thost, 
dem Inhaber der Firma Gebr. Born- 
träger, einen Verleger gefunden hat, 
der sich ernstlich der Vereinszeitschrift 
annimmt. 

No. 1 bringt u. a. die fürstlichen 
Parks und Gärten zu Wernigerode 
a. Harz mit drei Plänen und drei An- 



sichten, von C. Koopmann, Araucaria 
imbricata in Blasewitz bei Dresden 
m. Abb. von F. Ledien, die sogenannte 
Lohkrankheit der Bäume m. Abb. von 
P. Sorauer; No. 2 u. 3 die preis- 
gekrönten Entwürfe betr. des Platzes 
Z. in Schöneberg mit Plänen etc., den 
Borsigschen Garten m. Abb. von 
H. Weidlich, die Pläne zu der Garten- 
bauabteilung auf der Pariser Welt- 
ausstellung (nach Le Jardin etc.), 
Baumpflanzungen in städtischen Strassen 
von Weiss etc. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5./17. 
bis 1 5-/2 7. Mai 1899. Der Nachtrag II 
zum Programm ist soeben erschienen 
und enthält eine grosse Zahl Ehren- 
preise und verschiedene Bestimmungen. 
Wir empfehlen allen, die nach Peters- 
burg reisen, sich denselben kommen zu 
lassen. Eine Anzahl Exemplare sind 
uns zur Verteilung übersandt. 

Die Anmeldefrist ist auf unsere 
Bitte bis zum 15. 27. April ver- 
längert, und empfehlen wir allen, die 
irgend dazu in der Lage sind, im 
Interesse des deutschen Garten- 
baues sich zu beteiligen. Baldige 
Angabe des Raumes ist aber geboten. 
Wie wir privatim hören, ist grosser 
Platzmangel. Das Taurische Palais 
bietet einen gedeckten Raum von 
2800 qm, dazu kommen noch drei zu 
erbauende Gewächshäuser von je 30 m 
Länge, ob aber das genügen wird, ist 
zweifelhaft. Da einige Aussteller, Preis- 
richter etc. ihre Damen mitbringen 
wollen, so können wir mitteilen, dass 
für diese bestens gesorgt werden 
wird. 

Notwendig zur Reise ist ein von einer 
russischen Gesandtschaft oder einem 
russischen Konsulat visierter Pass; 
ferner zu empfehlen Baedekers Russ- 
land, ein warmer Überzieher, ein Frack. 
Wohnungsbestellungen sind baldigst 
an Geheimrat Fischer von Waldheim, 
kaiserl. bot. Garten, zu richten. Die 
Stadt Petersburg hat 2000 Rubel zum 



Empfang ihrerseits ausgesetzt. Im 
Marientheater findet am 7./19. Mai eine 
Gala-Vorstellung statt etc. Bis jetzt 
haben 79 deutsche Preisrichter an- 
genommen, wir werden die Namen in 
nächster Nummer veröffentlichen. Im 
ganzen werden 200 ausländische Preis- 
richter erwartet. 

Besonders gern gekauft werden 
in Russland', kleine und mittlere 
Palmen, Araucarien, Rosen etc.. keine 
grossen Exemplare! Dies zur Notiz 
für Aussteller. Von Baden ist der 
Geh. Hofrat Prof. Dr. Pfitzer, Direktor 
des bot. Gartens in Heidelberg, zum 
Delegierten ernannt, von Preussen Geh. 
Rat Prof. Dr. Engler, Direktor des 
Kgl. bot. Gartens, Berlin, Kgl. Garten- 
baudirektor Lackner, Steglitz, Direktor 
des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues, und L. Wittmack. 



Lyon. Vom 3. bis 12. November 1899. 
Allgemeine Gartenbau-Ausstellung der 
Societe d'horticulture du Rhone, ver- 
bunden mit einer Ausstellung von 
darauf bezüglichen Kunst- und ge- 
werblichen Gegenständen bei Gelegen- 
heit des 4. Kongresses der französischen 
Chrysanthemum-Züchter. Aus diesem 
Anlass wird ein internationaler 
Wettbewerb in Chrysanthemum 
damit verbunden sein. Fahrpreis- 
ermässigungen um 50% sind erbeten. 
Programme beim General-Sekretär 
G. Chabonne, Palais des Arts in 
Lyon (Rhone). 



Aus den Vereinen. 



L97 



Berlin^ Grosse deutsche Winter- 
blumen - Ausstellung. Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten. Das 
Programm, das Medaillen und Geld- 
preise im Gesamtbetrage von nicht 
weniger als 200011 Mark aussetzt, 
ist am 23. Februar vom Verein 
zur Beförderung des Gartenbaues 
genehmigt und wird nun gedruckt. 



Pankow - Schön hausen. Allge- 
meine Gartenbau - Ausstellung des 
Pankow - Schönhausener Gartenbau- 
vereins, 19. — 24. Mai 1900, im 
Restaurant Linder, Breitest!". 34. An- 
fragen sind zu richten an W. Kretsch- 
mann, Handelsgärtner in Pankow- 
Berlin. 



London. Internationale Konferenz 
über Bastard- und Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet von der Royal 
Horticultural Society am 11. und 



12. Juli 1899. Anmeldung von Artikeln 
und Pflanzen an W. Wilks, Secretary, 
117 Victoria Street, Westminster SW. 



Antwerpen. Internationale Aus- 
stellung vom 9. — 13. April 1S99 zur 
Feier des 3ocjährigen Geburtstages von 
A n t o n v a n D y c k. 



Gent. 30. April bis 9. Mai 1899 
Grosse internationale Ausstellung. Die 
Ligue horticole L'Union zu Mont 
St. Amand bei Gent versendet ein sehr 
geschmackvolles Plakat zu ihrer Auf- 
stellung. 

Internationaler Gärtnerischer 
Kongress in Paris während der 
Gartenbau - Ausstellung vom 24. bis 
29. Mai. Es werden halbe Fahrpreise 
gewährt. Meldungen nur bis zum 
15. April: rue de Grenelle 84, Bureau 
I der Soc. nationalle d'hortic. de France. 



Aus den Vereinen. 



Aus der Sitzung des Liebhaber-Ausschusses 
am 6. Februar 1899. 

Geheimrat Hauchecorne teilt mit, 
dass er auf dem Rennsteige bei Ruhla 
an einem Wiesenbache massenhaft 
Mimulus luteus gefunden hat. Es stellte 
sich heraus, dass diese Pflanze aus dem 
Meininger Schlossgarten, einem Wasser- 
laufe folgend , ausgewandert war. 
Gerade im Wasser hält sie sich, wie 
Dr. Dammer bemerkt, gut und über- 
dauert unsere Winter. 

Herr Prof. Roden waldt empfiehlt 
1. Tropaeolum speciosum, welches er 
bei Herrn v. St. Paul als Vorpflanzung 
in Gebüschen gesehen; 2. Campanula 
lactiflora, die grosse Büsche bildet, 
ebenfalls bei v. St. Paul; 3. Phytolacca 
acinosa variegata (esculenta). 

Ihrr Dr. Dammer legt die 1. Bände 
der von ihm herausgegebenen Garten- 
bau-Bibliothek. Verlag von Karl 
Sigismund, vor. Bd. I Zimmer-Blüten- 
pflanzen, II Zimmer - Blattpflanzen, 
VI Balkonpflanzen. 

Herr Geheimrat Hauchecorne er- 
bietet sich, im Sommer Samen von 
Lathyrus latifolius zu sammeln und ab- 
zugeben. 



Herr Prof. Rodenwaldt empliehlt 
Thonkästen für Balkons vom Töpfer- 
meister Schmidt - Gharlottenburg, 
Schulstrasse 10, ä Stck. 1,25. Den 
Rand oben lässt Herr Schmidt auf 
Wunsch abschlagen. 

Herr Peschke: Hoftöpfermeister 
Schöffel.Lindowerstrasse 10/1 1, macht 
auch solche Kästen in jeder Grösse 
und Form. 

Herr Demharter: Die Thonkästen 
müssen möglichst gross sein, damit sie 
nicht so leicht austrocknen. Töpfer 
Schleinitz in Weissensee macht sehr 
grosse Kästen. Xach Herrn Peschke 
sind diese Kästen aber aus gröberem 
Thon. 



Geschäftsbericht der Deutschen Dahlien- 
Gesellschaft über das erste Jahr (1898) ihres 
Bestehens. 

Die Deutsche Dahlien-Gesellschaft, 
die heute auf ihr einjähriges Bestehen 
zurückblickt, wurde nach voran- 
gegangenem Aufruf in allen Fach- 
Mattern am 17. November 1807 in 
Steglitz begründet, und es verhiess das 
damals schon zutage tretende Intere — 
der aus vielen Teilen Deutschlands 



j 9 8 



Aus den Vereinen. 



Krscliienenen der zeitgemässen, natio- 
nalen Vereinigung eine sichere Lebens- 
fähigkeit. 

Mit den Vorarbeiten beauftragt, 
berief der damalige provisorische 
Vorstand die erste ordentliche Ver- 
sammlung auf den 13. März 1898 
nach Leipzig ein. Dieselbe bestätigte 
den bisherigen Vorstand, welchem 
ergänzend 3 Beisitzer zur Seite ge- 
stellt wurden. In dem Bestreben, der 
deutschen Dahlienzucht, welche be- 
reits Ende der sechziger Jahre eine 
für damalige Verhältnisse führende, 
erste Weltstellnng eingenommen, 
später aber von England überflügelt 
wurde, weil sie es nicht verstand, dem 
Zeitgeiste Rechnung zu tragen und 
neue Formen aufzunehmen, die gerade 
diese Pflanzengattung wieder einreihten 
unter die für alle Zwecke verwend- 
baren Modeblumen, diese führende 
Stellung wieder zurück zu erobern, 
gelangten die Entwürfe für eine 
systematische Wertzeugnisbestimmung 
in ihren Grundzügen einstimmig zur 
Annahme. Um der breiten Öffent- 
lichkeit sofort einen Beweis ihres 
Bestehens zu geben, beschloss die 
Gesellschaft einmütig, schon im ersten 
Jahre eine ., Special- Dahlien- Aus- 
stellung" zu veranstalten. 

Die Wahl des Ortes fiel auf Magde- 
burg, als aufblühende Gärtnerstadt 
im Herzen Deutschlands. Angeregt 
durch öfteres Anwesendsein einiger 
Herren des Vorstandes und opfer- 
freudiges Eintreten des Magdeburger 
Ausstellungs-Ausschusses, konnte trotz 
vorangegangener sehr ungünstiger 
Witterung, Hitze und Dürre, mit 
Unterstützung dort einheimischer Gärt- 
ner eine Dahlienblütenschau eröffnet 
werden, wie solche bisher in Deutsch- 
land nicht gesehen wurde. 

Wenn auch das finanzielle Ergeb- 
nis der Ausstellung den Erwartungen 
nicht entsprach und das Gesellschafts- 
vermögen dabei mit einem ziemlichen 
Beitrage herangezogen werden 

musste, so waren in idealer und be- 
lehrender Hinsicht die Erfolge unver- 
kennbar grosse. Die Berichte sämt- 
licher deutschen Gartenzeitschriften 
sowie der gute Besuch seitens der 
Magdeburg nahevvohnenden Gärtner- 
schaft, sind Anerkenhungen, die uns 
weiter anspornen werden, auf diesem 
öffentlichen Wege rüstig fortzu- 



schreiten. Wir hoffen, dass eine 
nächste Ausstellung, die in Berlin 
abgehalten werden soll, neben zu er- 
wartendem grösserem Liebhaberbesuch 
auch finanziell günstig ausfallen wird. 
Die Ausstellung gab Veranlassung, 
die beiden Züchter, bei welchen 
gleichzeitig die synonymen Cactus- 
Dahlien „Hohenzollern" und ,. Gold- 
krone" entstanden waren, zu bestimmen, 
dieselben nun unter dem Namen 
„Hohenzollern" zu führen, da letzterer 
Name als der zuerst in die Öffentlich- 
keit eingeführte anerkannt werden 
musste. Nach öfteren schriftlichen 
und mündlichen Verhandlungen er- 
klärte sich der Verband der Mandeis- 
gärtner bereit, sein im Jahre 1897 
auf den Namen „Goldkrone" erteiltes 
Werthzeugnis in „Hohenzollern" um- 
zuschreiben. 

Wiederholt wurde die Deutsche 
Dahlien-Gesellschaft in diesem Jahr 
um Prüfung deutscher Neuzüchtungen 
ersucht. Es wurden auf Grund der 
Bestimmungen Wertzeugnisse ver- 
liehen - 

Der Firma Daiker & Otto, Langen- 
weddin gen, auf ein stimmigen Antrag 
der Beurteiler ein solches für 
deren Neuzüchtung „Goldelse", 
ein Sport von „Gloriosa", ferner 
derselben Firma für einen anderen 
Gloriosa-Sport „Badenia" durch 
Stimmenmehrheitsbeschluss. Kohl- 
mannslehner & Schwenke, Schöne- 
berg-Berlin, beantragten ebenfalls 
für die in Handel zu bringenden 
Tölkhausschen Züchtungen Be- 
urteilung und erhielten für „Sedan" 
mit Stimmenmehrheit, für „Nacht- 
falter" durch einstimmiges Votum 
Wertzeugnisse, während „Königin 
Wilhelmine von Holland" lobend 
im Protokoll anerkannt wurde. 
Soweit die von jeder Sorte gezeigte 
Ursprungspflanze bei Besichtigung 
am 6. November dies gestattete, 
erkannten die Preisrichter auch 
die von der Firma Goos & Koene- 
mann, Nieder-Walluf, vorgeführten 
Neuheiten „Siegmund" und „Sieg- 
linde" in beiden Fällen einstimmig 
des Wertzeugnisses für würdig. 
Wir veröffentlichen um so lieber 
diese Erfolge deutscher Zucht, als 
dieselben den besten englichen Neu- 
einführungen vollständig ebenbürtig 
sind. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. — Personal-Nachrichten. 



199 



Zwei ordentliche Mitglieder-Ver- 
sammlungen fanden in dem Jahre statt, 
die anregend auf die Teilnehmer wirkten, 
auch neue Mitglieder der Gesellschaft 
zuführten, welche am Jahresschluss 
aus nahezu 80 Mitgliedern bestand. 

Den Jahreseinnahmen von 1354,15 M. 
stellten sich 1146,64 M. Ausgaben 
gegenüber, so dass heute das Gesell- 
schaftsvermögen 207.51 M. beträgt. 

Wir treten hoff'nungsfreudig in das 
zweite Geschäftsjahr ein und nochmals 
sei allen Denen, die das gesellschaft- 
liche Wohl im vergangenen so nach- 
haltig förderten, besonders auch den 
Herausgebern aller deutschen Fach- 
blätter, welche unsere Veröffent- 



lichungen immer bereitwilligst auf- 
nahmen, aufrichtigster herzlichster! )ank 
gesagt. An die geehrten Mitglieder 
richten wir noch die Bitte fernerer 
fleissiger Mitarbeit, sie dient ja im 
Besonderen dem Weiterausbau der 
deutschen Dahlienzucht, wie auch im 
weiteren Sinne dem -reimten 
deutschen Gartenbau. 

Berlin, den 31. Dezember iS^s. 

Der Vorstand der Deutschen Dahlien Gesellschaft 

C. Kotte, Präsident. E. N o n n e , 2. Vor- 
sitzender. Heinr. Kohlmannslehner, 
Geschäftsführer. G. B o r n e 111 a n n , Schritt- 
führer. Ed. Grass, Schatzmeister. I C. 
Hanisch, Beisitzer. Eug. Daiker 
Beisitzer. W i 1 h, T h ü r m e r , Beisitzer. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



Paul Parey, Verlagsbuchhandlung, 
Berlin. Verzeichnis der daselbst 189S er- 
schienenen Werke: überLandwirtschaft, 
Gartenbau und Forstwesen. — Herrn. 
A. Hesse. Baumschulen in Weener 
(Prov. Hannover). Spezialofferte über 
Koniferen. — Ellwanger & Barry 
in Rochester N. Y. Novelties in Fruit 
and Ornamental Trees.Shrubs, Rosesetc. 
(m. Abb.) — K. J. Kuyk (Nachfolger 
von Aug. van Geert) in Gent (Belgien). 
Hauptpreisverzeichnis nur für Handels- 
gärtner über die Spezialkulturen, z. B. 
Azaleen , Camellien , Rhododendron, 
Palmen, Farne, Selaginellen, Anthurien, 
Aralien, Araucarien, Aspidistra, Be- 
gonien , Bromeliaceen etc. etc. — 
Wallpach - Seh wanenfeld in Inns- 
bruck. Forst- und Feldsamen (,, Alpines 
Saatgut"). -- Max Deegen (Christian 
Deegen's Nachfolger) in Köstritz, Thü- 
ringen. Dahlien, Rosen. Gladiolen, 



Obstbäume , Ziergehölze. Otto 

Heyneck in Cracau-Magdeburg. Chry- 
santhemum und Caladium, Derselbe 
Nachtrag zum Sortimentskatalog. — 
Louis Schön. Crimmitschau(Sachsen). 
Baumbänder, Cocosstricke, Raffiabast 
Leimringe, Raupenleim etc. — Fred'k 
W. Kelsy, NewYork. Trees. Ever- 
greens, Shrubs. Roses, Vines. Hardy 
Plants and best fruits. - V. Lemoine 
et fils, Nancy (France). Neuheiten 
und Diverses. — Koenemann & 
Maassen, Inhab. Reinh. Koenemann. 
Remscheid. Neuheiten. Dahlien, Chry- 
santhemum. Stauden u. a. — Koll & 
I Sonntag in Hilden bei Düsseldorf- 
| Chrysanthemum, Neuheiten und aus- 
I gewählte ältere Sorten. — Severin 
j in Kremmen b. Berlin. Edel-Georginen. 
- J. C. Schmidt in Erfurt. Diverse 
I Arrangements mit Abb. (sehr als Vor- 
1 bilder zu empfehlen!) 



Personal-Nachrichten. 



Der Kgl. Garteninspektor Karl 
Salomon am bot. Garten zu Würz- 
burg f am 7. Februar im Alter von 
69 Jahren. Er gehörte zu den heut 
zu Tage leider recht seltenen Gärtnern, 
die auch tüchtige botanische Kennt- 



nisse besitzen, und war schriftstellerisch 
sehr thätig. Er schrieb einen Nomen- 
klator der Getässkryptogamen, der 
auch für Botaniker sehr brauchbar 
ist, ferner über winterharte Ziergehölze, 
über Palmen, über höhere Pflanzen- 



2,00 



Berichtigung. — Bitte. 



kultur etc. Seine letzte Arbeit über I schien 1849—51. Im Jahre 1852 be- 
Melastomaceen erschien in der Garten- | gründete er mit Ule die noch heut 
flora 1898. : bestehende Zeitschrift »Die Natur«. 



Dem Wirkl. Rat Max K o 1 b , 
München, wurde zu seinem 40jährigen 
Dienstjubiläum am 19. März u. a ein 
Kunstschrein mit Silberbesteck gestiftet. 

G. Reich. Stadt-Obergärtner des 
Herrenkrugs bei Magdeburg, tritt am 
1. April in den Ruhestand. 



Gustav Bahr, pens. Eisenbahn- 
Sekretär in Warnick. Küstrin II, starb 
18. März. Es verliert der Verein zur 
Beförderung des Gartenbaues, dessen 
Mitglied er war, in ihm einen der tüch- 
tigsten Privat-Pomologen, der in seiner 
Bescheidenheit sein Glück nur in seinem 
Obstgarten suchte und fand. Er war 
unverheiratet. W. 

Karl Eu nicke, bisher im bot. 
Garten zu Berlin, trat für die Firma 
C. Woermann, Hamburg, eine Reise 
nach Kamerun an. 

Prof. Karl Müller in Halle a. S., 
geb. 16. Dezember 1818 zu Allstedt, 
f am 9. Februar. Er war einer der 
besten Mooskenner und sein Herbarium 
ist vom Kultusministerium für die 
Universität Halle angekauft. Sein 
Hauptwerk über die Laubmoose er- 



Prof. Dr. Richard von Wettstein. 
Prag, ist als Nachfolger von Kerner 
v. Marilaun zum Universitätsprofessor 
und Direktor des bot. Gartens in Wien 
ernannt. 

G. Heine, bisher in Hofgarten zu 
Kl. Glienicke bei Potsdam ging als 
Pflanzungsassistent der Plantagen der 
Neu-Guinea-Kompagnie nach Stephans- 
ort in Neu-Guinea. Erst im Herbst 1898 
war er aus Kiautschou, wo er im See- 
bataillon diente, zurückgekehrt. 



Chr. Drescher in Berlin, der 
berühmte Kranzbinder, feierte am 
10. Februar sein 25jähriges Geschäfts- 
jubiläum. Er ist am 10. Februar 1845 
in Sorge, Kreis Krossen, geboren und 
seit 1S63 in Berlin ansässig und In- 
haber der Rettungsmedaille am Bande. 



E. Henze, bisher stellvertretender 
Obergärtner, wurde an Stelle des ver- 
storbenen A. Mathson zum Ober- 
gärtner der städtischen Gruson-Ge- 
wächshäuser in Magdeburg ernannt. 



Hermann Lern bke, bisher Handels- 
gärtnerin Altona, wurde zum städtischen 
Friedhofsverwalter daselbst erwählt. 



Berichtigung. 



In dem Aufsatz Dioon edule, Heft 6, 

S. 155 Zeile 1 von oben lies Abb. 37 statt Abb. 6, 
S. 157 » 2 von unten lies (Dion) statt (Dioon), 
S. 158 » 2 von oben lies Tafel LNXXI statt LXXI. 
S. 158 » 14 von unten lies Prodr. XVI statt VI. 

L. Wittmack. 



Bitte. 

Mit einer Monographie der Musaceae beschäftigt, bedarf ich lebender 
Blütenstände von Heliconia und Strelitzia. Ich würde den Herren zu grossem 
Danke verpflichtet sein, welche mich durch Uebersendung derselben unter- 
stützen wollten. Prof. K. Schumann, Berlin, Grunewaldstr. ;. 



Gartenflora 1899. 




1461. 



DlER VILLA WAGNERI kumezow. 

D. florida S. et Z. X Middendorffiana Carr.) 






Diervilla Wagneri mihi 

(D. florida S. et Z. x Micldendorffiana Carr.). 

Von Professor X. J. Kusnezow, Direktor Jes Botanischen Gartens zu Jurjew (Dorpal 

—^ I Hierzu Tafel i (.61.) 

triebe zweistreifig, behaart. Blätter gewimpert, oberseits wie auch unterseits 
kahl und nur auf den Nerven etwas behaart. Blüten einzeln, blattwinkel- 
ständig, kurzgestielt, fast sitzend. Kelchzipfel lanzettlich, V 3 der Kronenröhre 
erreichend, nur am Rande gewimpert, ganz getrennt oder etwa bis zur Mitte alle 
oder zu 3- -3 verwachsen, alle oder fast alle von einer und derselben Crosse. 
Blumenkrone etwa 3 cm lang, rosa mit gelblichweissen Pa'rtieen, aber 
ohne dunkelgelbe oder purpurne Flecken, aus engem Grunde plötzlich stark 
erweitert, nicht zweilippig, mit 5 gleich tiefen Einschnitten, innen unten über 
der Staubblatteinfügung etwas filzig; Saumlappen von etwa Ya Röhrenlange. 
Staubfäden am Grunde etwas haarig. Staubbeutel etwas verfilzt. Griffel kahl. 
Fruchtknoten sparsam behaart. 

Dieser interessante Bastard stammt von der Kreuzung, die der berühmte 
Ilandelsgärtner F.Wagner in Tukkum (Kurland, Russland) vor 8 Jahren 
zwischen I>. florida S. cl Z. (Nordchina) und D. Middendoi-ffiana Carr. (Ostsibir., 
Nordchina, Japan) ausgeführt hat. Wie bekannt, ist bei uns (in den Ostsee- 
provinzen) D. Middendorffiana nebst Forsythia der erste Blütenstrauch im Früh- 
jahr, während Diervilla florida erst im Juni anfängt zu blühen; ihre Blütendauer 
erstreckt aber sich bis zum August, zu einer Zeit, wo die />. Middendorffiana 
einen zweiten, wenn auch schwächeren Flor entwickelt. Mit dem Pollen der zweiten 
Blüte der D. Middendorffiana befruchtete nun Herr Wagner vor 8 Jahren Ende August 
eine D. florida (von der Vor. Mad. < buturier), im Top! stehend, und brachte die Pflanze 
in ein ungeheiztes Gewächshaus. Von den angesetzten Früchten fielen alle mit 
Ausnahme einer Kapsel ab, die im Oktober reif wurde und nur wenige Samen 
enthielt, von denen drei keimten, doch wieder bis auf einen umkamen. Diese 
eine Pilanze zeichnete sich sofort durch starken Wuchs und eine ganz besondere 
hellgrüne Färbung aus, die weder Ähnlichkeit mit derjenigen der l>. Midden- 
dorffiana noch der von D. florida hat. Merkwürdig ist es, dass es fast 8 Jahre 
gedauert hat, bis die Pflanze jetzt zum erstenmal blühte, während D. Midden- 
dorffiana bei zeitiger Aussaat bekanntlich schon im Herbst desselben Jahres. 
die übrigen Diervilla aber auch sehr früh blühen. Auch aus Stecklingen er- 
erzogene Bilanzen wollten sich nicht bei Herrn Wagner zum Blühen be- 
quemen. Herr Wagner meint aber, dass der Charakter der Pflanze in dieser 
Hinsicht sich ändern wird, sobald Stecklinge einer Pflanze die schon geblüht 
hat, entnommen werden. Ob der Strauch Kapseln mit keimfähigen Samen 
hervorbringen wird, ist bis jetzt unbestimmt, denn in diesem Jahre, wo die 
Pflanze zum erstenmal blühte, blieb sie noch steril. Weder die mit ei- 



202 Diervilla Wagneri mihi. 



Pollen bestäubten Blüten noch andere mit Varietäten der D. florida bestäubte 
setzten Früchte an. 

Herr Wagner meint mit vollem Recht, das späte Blühen und schon 
früher den mangelhaften Samenansatz nur dadurch zu erklären, dass es sich um 
eine extreme Kreuzung (zweier Subgenera) handelt. Die Kultur der Pflanze 
scheint sehr einfach zu sein. Sie wächst, nach Wagners Angaben, eher 
wie Unkraut, im Gegensatz zu 1>. Middendorffiana, die nicht überall, nament- 
lich im Westen, gedeihen will. Auch in Jurjew (Dorpat) wächst diese Art 
recht kümmerlich. Wagners Mutterstrauch von I>. Wagneri ist circa 
1 Meter hoch und ebenso breit, dürfte auch keinen grösseren Wuchs erreichen; 
der Wuchs ist nicht so sparrig (sondern viel buschiger) als der von I>. 
Middendorffiana, von der sowohl, wie von der sogen. Weigelia er sich schon aus 
der Ferne unterscheidet. Herr Wagner hegt für diese Neuheit grosse Hoff- 
nung vom gärtnerischen Standpunkte, da die Pflanze die guten Eigenschaften 
beider Eltern in sich vereinigt, namentlich die Stammmutter einer neuen Reihe 
schöner Formen werden dürfte. Die Bastarde und Varietäten von Diervilla 
florida, hortensis, coraeensis, japonica etc. sind in Kurland nicht winterhart, 
während D. Wagneri sich unserem Klima gegenüber ganz wie sein Vater 
(D. Middendorffiana) verhält, also absolut widerstandsfähig gegen Kälte ist. 
Hervorzugehen ist noch, dass die gelbe Farbe des Vaters, die in der Blüte der 
D. florida fehlt, auf den Bastard übergegangen ist, während die charakteristische 
Punktierung des Schlundes der D. Middendorffiana fehlt. Im Gegensatz zu 
D. Middendorffiana ist die Blumenkrone aus fünf regelmässigen Abschnitten 
gebildet. Überhaupt aber hat sie mehr die Muttereigenschaften beibehalten, 
wie es aus der obengegebenen Beschreibung klar hervorgeht. 

Was die Blütezeit des neuen Bastardes in A^ergleich mit der seiner 
Eltern anbelangt, so kann man folgendes darüber mitteilen : Wie oben 
schon angedeutet ist, treibt D. Middendorffiana sehr früh und ist schon im 
April belaubt, blüht meistens Anfang Mai und zum zweitenmal Ende Juli und 
August und noch später, die Früchte reifen im Juli und dann wieder Ende 
September. 1>. flor/dn blüht im Juni, entwickelt aber Blüten nach und nach 
bis Ende August, in diesem Jahre noch später, die Früchte reifen vom August 
an. I). Wagneri blühte bisher von Ende Mai bis Anfang Juni, es ist aber 
immerhin möglich, dass sie im Herbst noch einen zweiten Flor entfaltet. 

Als Speziesnamen wähle ich für diesen neuen Bastard D. Wagneri 
zur Ehre des verstorbenen Vaters Herrn F. Wagners, des berühmten Gärtners 
aus Riga, dessen Verdienste für Gärtnerei bei uns in Russland unbestritten 
sind und der auch der erste I). Middendorffiana aus den Samen, die ihm von 
dem Akademiker Middendorff etwa 1850 übergeben wurden, erzog. Diese erste 
Pflanze wurde von Lemaire im ,, Illustration horticole" T. 115 Jahrg. 1S.57 unter dem 
Namen Wagneria Middendorffiana beschrieben. Dieser Name blieb, bis es sich 
herausstellte, dass die Pflanze zum Genus ^/Vr/vV/rt gehörte. Dippel (Handbuch 
der Laubholzkunde. Bd. I. p. 2O7) hat durch irgend welche Verwechselung 
Wagneria Middendorff iai/a als Synonym zu D. sessilifolia Buckly gestellt, was 
ein offenbarer Irrtum ist, da I). sessilifolia aus Amerika stammt und mit 
I>. Middendorffiana absolut nichts zu thun hat. 



SSj. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 20^ 



857. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 23. März 1899. 

T. Der Direktor des Vereins, Herr Lackner -Steglitz, widmete den dahin- 
geschiedenen Mitgliedern, Kommerzienrat und Senator Ranniger in Alten- 
burg und Eisenbahn -Sekretär I». Bahr in Warnick, Küstrin II, warme 
Worte der Anerkennung, und die Anwesenden erhoben sich zum /eichen 
der Teilnahme von ihren Sitzen. 
II. Vorgeschlagen wurden zu wirklichen Mitgliedern: 

1. Herr Obergärtner Ferdinand Greinig in Köpenick (C. Bolles 

Obstplantage), durch Herrn Garteninspektor Weber; 

2. .. Kreis-Obergärtner Otto Busse, Genthin, durch Herrn 

Kies e w e 1 1 e r ; 

3. .. Kautmann (i. Schlochow, Friedenau, durch Herrn G. Ileyden; 

4. .. Obergärtner Karolewsky, Wannsee, Villa Wild, durch Herrn 

K r o p p ; 

5. .. Blumenhändler Möhricke, Berlin, Schillstr. 15. durch Herrn 

W i en holtz. 
III. Ausgestellte Gegenstände: 1. Herr K retsc h m a n n - Pankow führt au- 
gezeichnete Primula obeonica grandiflora vor. Herr Kretschmann be- 
merkte, dass er, als er vor vielen Jahren sich Samen dieser Pflanze be- 
schaffte, nur unscheinbare Blumen davon erhalten habe, als er dann 
aber bei Gelegenheit einer Ausstellung des Vereins in der Flora zu 
Charlottenburg die herrlichen Exemplare der Herren Arends und Pfeiffer 
in Nieder- Ronsdorf, Rheinprovinz, gesehen, habe er sich davon kommen 
lassen und immer nur von den schönsten Ptlanzen den Samen weiter- 
gezüchtet. Aus solchen Samen sind die vorliegenden erwachsen. Im 
vorigen Jahre stellte er eine Anzahl im Hause auf Tafeln auf und hat sie 
als Schnittblumen leicht verkauft, da sie langstielig sind und sich sehr 
gut halten, wenigstens länger als Primula chinensis. Die Pflanze eignet 
sich aber auch sehr gut zum Topfverkauf. Der Same ist erst spät 
gesäet, einmal um besser Samen ziehen zu können, zweitens weil die 
Blütezeit sonst mit der der Cineracien zusammengefallen wäre und der 
Verkauf schwieriger gewesen sein würde. Er hofft, auf der Grossen 
Winterblumen-Ausstellung Mitte Februar 1900 schöne Schau- 
pflanzen vorführen zu können. 

Die Kultur ist einfach. Man säet die Primula obeonica grandiflora von Juli 
1ms August kalt aus. kultiviert sie im kalten Kasten und überwintert sie ent- 
weder in einem heizbaren Mistbeet-Kasten, der nur eben frostfrei ge- 
halten wird, oder in einem eben frostfreien Hause. Herr Kretschmann 
glaubt, dass P. obeonica eine Zukunft habe. 

1. Herr A. Drawiel- Lichtenberg legt mehre Apfel vor und bemerkt 
dazu folgendes: 

.1. Neuer Berner Rosenapfel zeichnet sich durch angenehmen 
Geruch und lieblichen Geschmack aus und kann wegen seiner 
schönen leuchtenden Farbe (earminrot) als Tafelapfel empfohlen 
werden. Auch seine frühe Tragbarkeit ist eine gut< Kigenschaft. 
Der grösste von den 5 Stück, die ich geerntet, wog 285 g. 



204 ^-*7* Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 



b. Coulon's Reinette ist eine gute Tatel-Frucht und eine tragbare, 
nicht empfindliche Sorte. 

c. Newton Wunder. Das Reis erhielt ich von Herrn Mathieu am 
9, Mai 1896. Schon am einjährigen Holze zeigte das Reis Blüten- 
knospen, welche aber nicht zur Ausbildung kamen. Das Reis hat 
drei Früchte gebracht, wovon die grösste am 9. Oktober bei der 
Abnahme 480 g wog. Heute wiegt die Frucht 100 g weniger. 
Die Sorte scheint frühtragend zu sein, denn das Reis ist wieder 
mit mehreren Fruchtknospen besetzt. Die Frucht, welche ich vor 
vier Wochen geprobt, war saftig und von süss-säuerlichem Geschmack. 
Die grosse Frucht soll gemalt werden. 

Herr Mehl fügt hinzu: Wenn wir Apfel wünschen, die noch im Früh- 
jahr gegessen werden sollen, so ist vor allem auch der Northern Spy zu 
nennen. Er ist ansehnlich, wohlschmeckend, saftig und hält sich ein 
ganzes Jahr; allerdings trägt er erst spät. Vielleicht müsste man die 
Sorte auf alte Bäume veredeln. Herr C. Mathieu führte ihn voriges Jahr 
vor, und er fand allgemeine Anerkennung. 
IV. Hierauf hielt Herr Geh. -Rat Prof. Dr. Albert Orth einen mit grossem 
Beifall autgenommenen Vortrag über seine Reise nach Ägypten und Palästina 
gelegentlich der Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem. Unterstüzt 
durch zahlreiche grosse Photographien und Zeichnungen (letztere von 
Herrn Geh. Holrat von Eyth, dem Begründer der Deutschen Landwirtschafts- 
gesellschaft, selbst gefertigt und dem Museum der landw. Hochschule verehrt), 
schildert der Redner eingehend den Boden, sowie Land und Leute. Er hatte 
das Glück, in Ägypten gerade zu einer Zeit zu sein, wo der Nil wie vor 
Jahrtausenden das ganze Unterägypten überschwemmte und gab ein klares 
Bild der eigenartigen Bewässerungs-Vorrichtungen. Weiter besprach 
er Palästina, die Wüste Juda, ein Hochplateau, das steil nach dem Jordan- 
thal abfällt, welches viel tiefer liegt als das Mittelmeer. Anknüpfend 
an seinen Besuch in Haifa führte er das schöne, in Gartenflora Heft 7, Seite 
74 abgebildete, aus Weizenähren geflochtene Schiff vor, welches Herr 
Abraham Duck ihm verehrt, und das er mit vieler Mühe unbeschädigt 
nach Berlin gebracht. Der Vortrag wird in den Nachrichten aus dem 
Klub der Landwirte zu Berlin erscheinen. 

V. Einstimmig wurden in 2. Lesung genehmigt: Die Anträge der vereinigten 
Ausschüsse: a) den Fonds der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung 
für Gärtner von 6800 M. auf 10000 M. zu erhöhen; b) der Königlichen 
Gärtner-Lehranstalt zu Potsdam zu ihrem 75 jährigen Jubiläum eine 
Summe von 5000 Mark zu überweisen mit der Massgabe, dass die 
Zinsen als „Stipendium des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues" 
vergeben werden. (Vergl. S. 112, 148, 168.) 

VI. In zweiter Abstimmung wurde ferner die Bewilligung von 20000 Mark 
zu Prämien für die Grosse deutsche Winterblumen-Ausstellung 
Mitte Februar 1900 im Zoologischen Garten ausgesprochen. 

VII. Hierauf wurde der den einzelnen Mitgliedern in der Versammlung über- 
gebene Etat für 1899, der von dem des Vorjahres wenig abweicht, in 
erster Lesung genehmigt. Hierbei ward ein Antrag des Herrn Hof- 



Englische Garten. 20-, 

gärtner Hoffmann angenommen, künftig den Etatsentwurf 14 Tage vorher 
den hiesigen Mitgliedern mit der Gartenflora zugehen zu lassen. 
YIII. Herr llientzsch erstattete namens des Revisions- Ausschusses kurz 
Bericht über die Rechnung für die grosse Jubiläums-Ausstellung 
von 1.897, die incl. der aufgelaufenen Zinsen einen Cberschuss von 
17 250.10 M. ergeben hat, und beantragt, dem Schatzmeister, Herrn Kgl. 
Hoflieferant J. F. Loock, Entlastung zu erteilen. Ebenso beantragte er 
Entlastung betr. der Jahresrechnung für 1897. 

Nachdem der Vereinsdirektor Herrn Loock für die ganz ausser- 
ordentliche Mühewaltung, die namentlich die Jubiläums-Ausstellung ihm 
verursacht, den wärmsten Dank des Vereins ausgedrückt hatte, sprach 
die Versammlung unter lebhaftem Beifall ihm die Decharge aus. 
IX. Das Comite für die Berliner Kunstausstellung hat beschlossen, in 
diesem Jahre die Räume des Landes-Ausstellungsgebäudes, namentlich 
die zwei vorderen Säle, mehr als bisher gärtnerisch zu schmücken, und 
erbietet sich, Gärtnern ohne Platzmiethe den nötigen Raum dafür zu 
gewähren. Sie können dann auch ihre Firma dabei anbringen. 

Von mehreren Sachverständigen wurde hervorgehoben, dass niemand 
ohne Entschädigung einen ganzen Sommer hindurch seine Pflanzen dort 
aufstellen werde, da das ganz gewaltige Opfer koste. Hofgärtner Hoff mann 
und L. Wittmack empfahlen, um den Künstlern möglichst entgegen- 
zukommen, zu beantragen, dass die Gärtner dann wenigstens in irgend 
einer Form prämiirt werden möchten. Die Versammlung aber sprach 
sich dagegen aus, da sie eine Beteiligung ohne Entschädigung in Geld 
für aussichtslos hielt. 
X. Das Preisgericht, bestehend aus den Herrn Habermann, Xeuheisel 
und W i e n h o 1 1 z , sprach Herrn Kretschmann für seine Primula 
obconica grandiflora den Monatspreis von 15 M. zu. 
XI. Vor der Sitzung wurden eine Anzahl Samen, Syringa japonica etc. verteilt, 
die unser Ehrenmitglied, Herr Hofmarschall von Saint Paul Illaire 
zu Fischbach im Riesengebirge, Präsident der Deutschen dendrologischen 
Gesellschaft, dem Verein freundlichst zur Verfügung gestellt hatte. 

Carl Lackner. Wittmack. 



Englische Gärten. 

(Vortrag, gehalten im Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 24. November [898 
ri ^ von A. Brodersen.) 

];--)ic von mir im Sommer 1S98 unternommene Reise nach England hatte in 
-*— , erster Linie den Zweck, die englischen Gärten und Parkanlagen zu 
studieren; es war aber auch mein Wunsch, mich über die Gärtnerei im all- 
gemeinen zu belehren und die Vorzüge Englands kennen zu lernen. Ausser 
Londoner Gärten habe ich den Südwesten Englands gesehen, und beziehen 
sich meine Ausführungen nur auf diese Teile. Es kann ja sein, dass in 
anderen Gegenden anderes zu beobachten ist, doch kann ich darüber nicht 
sprechen. 



20Ö Englische Gärten. 



Im ganzen habe ich auf einer vierwöchentlichen Reise nicht weniger als 
60 Park- und Gartenanlagen grösseren Stiles besuchen können, und wenn es 
mir gelungen ist, in dieser kurzen Zeit so viel zu sehen, so ist das besonders 
dadurch herbeigeführt, dass mich deutsche Männer in England unterstüzt haben, 
namentlich Herr F. W. Meyer, der Landschaftsgärtner der Firma Robert 
Veitch in Exeter, welcher sogar eine Zeit lang mich auf der Reise begleitet 
hat. Dadurch bin ich in die Lage gekommen, einen viel tieferen Einblick in 
englische Gartenbauverhältnisse zu thun , als sonst möglich gewesen sein 
würde. 

Nachdem ich zurückgekehrt bin, ist mir vielfach die Frage entgegen- 
gehalten: »Wie haben Ihnen die englischen Gärten gefallen? Wie unterscheiden 
sie sich von den deutschen?« So einfach wie diese Frage ist, so ist sie nicht 
so einfach zu beantworten. Um sich über die Gesichtspunkte, die bei der 
Anlage englischer Gärten massgebend sind, klar zu werden und um sagen zu 
können, ob sie einem gefallen, muss man sich erst mit dem englischen 
Charakter, mit Gewohnheiten und Sitten bekannt gemacht haben. 

Vor allem macht sich da das Freiheitsbestreben der Engländer geltend, 
d. h. eine Freiheit, die sie sich anderen gegenüber erlauben, ohne dass andere 
ihnen gegenüber sich solche gestatten dürften, das würden sie sich sehr ver- 
bitten. So ist es auch im Garten. Der Gartenbesitzer will von seinem Hause 
aus möglichst die Gegend geniessen; manche haben ja auch so grosse 
Besitzungen, dass ihnen die ganze Gegend gehört, andere wollen sie wenigstens 
mit den Augen beherrschen. Andererseits möchte aber keiner erlauben, dass 
irgend einer der Passanten in seinen Garten schaut. Bei uns dagegen öffnet 
man an einzelnen Stellen die Pflanzungen, um die Passanten hineinblicken zu 
lassen. 

Würde der englische Gartenbesitzer, um das Hineinschauen der Vorüber- 
gehenden zu verhindern, auf seiner Grenze Pflanzungen oder Mauern errichten, 
so würde er selber nicht frei ausschauen können. Er greift da oftmals zu einem 
anderen Mittel: er versenkt ohne Weiteres die Fahrwege, oft mit grossen 
Kosten. In vielen Ortschaften, z. B. Torquay, findet man in den mit Villen 
und Gärten bebauten Teilen öffentliche Fahrstrassen, gleichgültig, ob das 
Terrain schräg oder gerade ist, 2 — 4 m tief eingeschnitten und das anstossende 
Terrain durch starke Mauern, meistens aus Quadern, Kalkstein u. s. w. gestützt. 
Man wandert so zwischen Mauern dahin. Bei uns ist es in manchen Gemeinden 
vorgeschrieben, dass keine Mauern erbaut werden dürfen, weil die Schönheit 
des Ortes darunter leidet. 

Ahnlich ist es bei der Vorfahrt zu den Grundstücken. Der Zufahrtweg 
ist meistens so gehalten, dass man von ihm aus nicht in den Garten hinein- 
schauen oder doch nur die nebensächlichen Teile sehen kann. Der Besitzer 
liebt es nicht, von einem Besucher gesehen zu werden, bevor ihm gemeldet 
ist, von wem und in welcher Angelegenheit er zu sprechen ge- 
wünscht wird. 

Damit will ich aber nicht sagen, dass es schwer sei. die Erlaubnis zur 
Besichtigung der Gärten zu bekommen. Wir sind mit der grössten Liebens- 
würdigkeit aufgenommen , so dass sich mancher Deutsche ein Beispiel 
daran nehmen kann. Von dem Augenblick an, wo man angenommen ist, wird 
einem Alles gezeigt und man geniesst die vollste Gastfreundschaft. 



Englische Gärten. 207 



Bezüglich der Wegeführung im allgemeinen war ich etwas enttäuscht. 
Man legt nicht solchen Wert auf die Art der Wegeführung, sondern diese ist 
meist eine zufällige. 

Fragt man, warum ein Weg nicht so oder so gelegt ist, so erhält man 
zur Antwort: Sie müssen doch zugeben, dass die Wegelage praktisch ist. Man 
will nämlich schnell von einem Platz zum andern kommen. Die Engländer 
haben auch gar nicht so das Wegebedürfnis wie wir. Bei uns sind die Wege 
die stummen Führer des Parkbesuchers; in England kehren sich die Parkbesucher 
gar nicht an die Wege. In den öffentlichen Anlagen sind die Wege nur für 
diejenigen,, welche schnell hindurch wollen. Die andern Besucher gehen bei 
gutem Wetter auf die Rasenflächen und legen sich auch wohl darauf. Wenn 
wir die Wege als stumme Führer betrachten, so müssen wir auch die Pflanzungen 
mit Rücksicht auf die Betrachtung der geschaffenen Bilder von diesen Wegen 
aus möglichst abwechselungsreich gestalten. 

Hinsichtlich der Anordnung der Pflanzungen scheue ich mich nicht zu 
sagen, dass die Engländer uns darin meist ausserordentlich nachstehen. Die 
Pflanzungen sind zum grössten Teil nach unseren Begriffen sehr willkürlich 
und ohne eine massgebende Idee für die Gesamtwirkung gemacht. Nur die 
vom Wohnhause aus sichtbaren Parkteile und die Ausschmückung um das 
Flaus lassen eine beabsichtigte Wirkung durch die Gruppierung erkennen. 

Für die Anordnung der Pflanzungen wird das Hauptgewicht darauf gelegt 
den verschiedenen Pflanzungen solchen Standort zu geben, der ein gutes Ge- 
deihen erwarten lässt, ohne hierbei besonders ängstlich auf die Gesamtwirkung 
zu achten. 

Damit soll aber nicht gesagt sein, dass in den englischen Anlagen keine 
schönen Bilder zu linden seien, im Gegenteil ausserordentlich viele. Man ist 
dort ja nicht gezwungen, bestimmten Pinien (den Wegen) nachzugehen, sondern 
man begiebt sich auf die Rasenflächen und dort öffnen sich auf Schritt und 
Tritt schöne Bilder, je nachdem das Licht wirkt. 

In einzelnen grösseren Parks und grossen städtischen Anlagen ist von 
einer Pflanzung wie bei uns keine Rede. Einen solchen der Natur abgelauschten 
Aufbau der Gehölze findet man in England nicht. Ebenso wenig findet man 
ein Auflösen der Pflanzungen durch in die Rasenbahnen vorgeschobene Gruppen; 
Vorpflanzungen einzelner Bäume sind nicht selten, allein Strauchpflanzungen 
als kleinere Gruppen oder Staudenpflanzen frei vor den grösseren Massen 
stehend, die Konturen der Pflanzung lockernd, fehlen, wie auch die Verbindung 
der Bäume durch niedrige Gruppen, bestehend aus baumartigen Sträuchern, 
selten beobachtet wird. 

Das einzige Mittel, durch welches die Bäume verbunden werden, bilden 
die in grossen Massen auftretenden immergrünen Sträucher, vor allem Kirsch- 
lorbeer. Diese werden aber oft nur gepflanzt, um den Rasen unter den grossen 
Bäumen zu ersetzen. In einzelnen Fällen wirkt solche Unterpflanzung, be- 
sonders bei älteren Bäumen und an Abhängen, recht gut, allein diese Art der 
Ptlanzung ist so allgemein, dass der Reiz völlig verloren geht. 

In allen grösseren Parkanlagen sieht man weidendes Vieh; damit dieses 
die Pflanzen nicht beschädigt, ist jeder Baum und fast jeder Strauch mit einem 
Schutzgitter umgeben. So anmutig das weidende Vieh auch ist, die Zäune sind 
eine empfindliche, störende Zugabe. 



2o8 Englische Gärten. 



Bezüglich des Gehölzmaterials sind wir sehr im Nachteil; in England 
hat man ein herrliches mannigfaltiges Material zur Verfügung. Wenn wir 
Deutschen nur ein annähernd so reiches hätten, könnten wir etwas ganz anderes 
leisten. Wenn ein deutscher Gärtner in deutschem Geschmack in England 
arbeiten könnte, würde er dort grosse Erfolge erringen können; aber die Eng- 
länder haben für fremde Art wenig Verständnis. Die Engländer denken oft 
nicht nach, ob das, was sie in eine Gruppe hineinpflanzen, in der Wirkung 
auch harmoniert. Das Material in den Gruppen ist oft vorzüglich und trotzdem 
die Wirkung mangelhaft. 

Bei uns wird grosse Sorgfalt auf die Gestalt der Gruppe gelegt, aber 
unsere Gartenliebhaber haben wenig Interesse für die einzelne Art des Strauches, 
ob z. B. eine Schneebeere durch einen besseren Strauch ersetzt werden könnte, 
fragen sie sich nicht. In England ist es umgekehrt, der Engländer interessiert 
sich für die einzelne Sorte; das sieht man auch bei den Blumengruppen. Man 
findet die allerunglaublichsten Zusammenstellungen, aber jedes Exemplar ist 
eine gute Sorte und von guter Kultur. Ein Besitzer interessiert sich z. B. für 
Bambusen, ein anderer für Rhododendron, der dritte für Schlingpflanzen, der 
vierte für Alpenpflanzen, Fuchsien oder Pelargonien u. s. f. Jede einzelne 
Spezialität wird mit grosser Sorgfalt betrieben. Die Liebe für das Einzelne 
wird in einer Weise ausgeübt, wie wir es leider nur selten beobachten. 

Sollte es uns gelingen, eine ähnliche Liebe auch bei uns erwecken zu 
können, so würden wir ein grosses Arbeitsfeld, eine weite Ausdehnung unseres 
Betriebes erlangen. 

Um nun einiges Spezielle zu schildern, sei gesagt: es herrscht in den 
Londoner Parks eine solch ausserordentliche Blumenfülle, in den für Massen- 
wirkung berechneten Anpflanzungen, dass es schwer ist, ohne es gesehen zu 
haben, sich eine richtige Vorstellung davon machen zu können. Fast gleichgültig 
ist es dabei, ob der Park im Norden oder Westen von London liegt. 
In einem einzigen Londoner Park sind mehr Blumen als in sämtlichen 
Berliner öffentlichen Anlagen zusammen, nicht nur was die Sorten 
und die Schönheit, sondern auch was die Zahl anbetrifft. Die Zahl ist in 
Berlin ja auch nicht gering, aber das Material ist bei uns so traurig, dass es 
nicht recht zur Geltung kommt. In England dagegen ist jedes Stück eine Aus- 
stellungspflanze; die Blumen aus dem Hydepark würden alle unsrigen schlagen. 
Da findet man Bougainvillea, Pelargonien, Fuchsien in Pyramiden, und sobald 
die Blumen den geringsten Mangel zeigen, werden sie entfernt. Der Reichtum 
an Material ist geradezu bewunderungswürdig. 

Wenn ich einen Vergleich zwischen einem Berliner und einem Londoner 
Park, zwischen dem Tiergarten und dem Hydepark ziehen soll, so ist es, als 
ob ich den Tiergarten mit dem Tempelhofer Felde vergleichen müsste. Das 
Tempelhofer Feld mit einigen Tausend grossen Bäumen bestanden, durch grosse 
Teiche belebt und an einzelnen Stellen reich mit Blumen geschmückt, die 
weiten Flächen mit sich kreuzenden Wegen durchzogen, mit den weidenden 
Schafheerden, mit den auf den Rasenflächen spielenden und ruhenden Menschen 
würde eher dem Hydepark gleichen wie der Tiergarten. 

Während der Tiergarten wenig Luft und Licht bietet*), ist der Hydepark 

*) Auch der grosse französische Landschaftsgärtner Ed. Andre hat sich dahin aus- 
gesprochen, dass an mehreren Stellen im Tiergarten mehr gelichtet werden müsse. (Siehe 
Gartenflora 1897 S. 334.) Glücklicherweise geschieht das jetzt. L. W. 



Englische Gärten. 200 



nur Luft und Licht; während der Tiergarten nur wenig Rasen hat, ist dort 
alles Rasen, während im Tiergarten nur hier und da ein kleines Plätzchen für 
Kinder ist. ist der ganze Ilydepark ein Spielplatz. 

Könnte man das nicht auch in angemessener Weise bei uns einführen? 
Könnte man den Tiergarten dadurch nicht nutzbarer machen.' Könnte man 
nicht manche völlig vernachlässigte, unzugängliche und ungesunde Flächen, die 
seit unzähligen Jahren nicht gelichtet sind, abholzen, und durch geeignete 
Massnahmen grosse, gesunde Kinderspielplätze schaffen? Durch solche Ein- 
griffe würde der Tiergarten in keiner Weise leiden oder in seinem Charakter 
geändert werden. Man könnte immer noch genügend Gehölzpartien sich vor- 
behalten, und wenn man jetzt die Siegesallee ausschmückt, so sollte man auch 
an anderen Stellen Schmuck anbringen und neben schattigen Wegen auch freie 
Flächen schaffen, die der Bevölkerung zum Nutzen gereichen. 

Eine Anlage, die mir sehr imponiert hat, ist der botanische Garten in 
kew. Ich habe demselben anderthalb Tage gewidmet, und ich habe gesehen, 
mit welcher ausserordentlichen Sorgfalt derselbe angelegt ist. Er dient zunächst 
wissenschaftlichen Zwecken, dazu dient auch das grosse Arboretum und die 
vielen botanischen Pflanzen, die alle gut etikettiert sind, sodass jeder Besucher 
sie kennen lernen und geniessen kann. Alles wird dem Publikum in angenehmer 
Form dargebracht; überall sind Wegweiser, sodass man in kurzer Zeit zu Hause 
ist. Jeder Baum und jeder Strauch tritt Einem angenehm entgegen. Lern 
Publikum ist nicht verboten, auf den Rasen zu gehen, man kann daher auch 
jeder Pflanze näher treten; ja auf den grossen Rasenflächen sind besondere 
geschorene Rasenbahnen, auf denen das Publikum lustwandeln kann. 

Im botanischen Garten ist sogar ein Theehaus, und es stehen in der Nähe 
Stühle auf dem Rasen, sodass man in Ruhe eine Tasse Thee oder Kaffee trinken, 
ev. ein Butterbrot zu sich nehmen kann; es will dies bei uns nicht viel be- 
deuten, aber in England muss es hoch angeschlagen werden. Man versteht es 
eben ausgezeichnet, den Garten dem Publikum angenehm zu machen und man 
erzieht dadurch wirkliche Pflanzen- und Gartenliebhaber. 

Der Kewgarten ist im allgemeinen nur eine ebene Fläche, aber alles ist 
so gut angeordnet, dass man das kaum empfindet. An einer Stelle ist auch 
eine Art Hohlweg angelegt, und da finden sich herrliche Rhododendron, 
Kamellien und Hex in 25—30 Fuss hohen Prachtexemplaren. Da sieht man. 
dass alles hergerichtet ist zur Freude der Besucher, nicht damit bloss die Art 
vertreten sei. 

Wenn ich hiermit das Terrain vergleiche, auf dem der neue Berliner 
botanische Garten entstehen wird, so kann ich nur sagen: wir haben, was Lage 
und Formation anbetrifft, Verhältnisse, die es möglich machen, wenn auch in 
bescheideneren Grenzen, so aber doch dem inneren Werte nach, einen Garten 
zu schaffen, der demjenigen von Kew nicht nachsteht. 

Hoffen wir daher, dass in Dahlem ein Institut entsteht, dem es neben 
segensreicher wissenschaftlicher Forschung obliegt, nach den Grundsätzen, wie 
solche in Kew-Gardens befolgt werden, reiche Früchte zutragen, unser deutsches 
Volk zu wirklichen Garten- und Pllanzentreunden zu erziehen. 



2io Motive zu Teppichbeeten. — Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Motive zu Teppichbeeten aus Haeckels ..Kunstformen der Natur". 

t (Hierzu Abb. 46 u. 47.) 

urz bevor ich die warm empfundene Rezension des Herrn Landes- 
ökonomierat A. Goethe in Geisenheim über Haeckels »Kunstformen 
der Natur« erhielt, die in dieser Nummer Seite 2 16 abgedruckt ist, hatte ich. 
in gleicher Begeisterung" wie Goethe über das neueste Werk meines verehrten 
einstigen Lehrers, der allen, welche sich an der Festgabe zu seinem 60. Ge- 
burtstag 1894 beteiligten, die 1. Lieferung als Geschenk zusandte, den Verfasser 
um die Erlaubnis gebeten, einige der schönen Formen kopieren zu dürfen. Er 
sowohl, wie die Verlagshandlung, das Bibliographische Institut in Leipzig, 
haben das bereitwilligst gestattet, wofür ich ihnen den lebhaftesten Dank aus- 
spreche, und so erhalten die verehrten Leser zwei Abbildungen (Fig. 11 u. 12 
der Tafel 5 in Haeckels Werk) eines Teiles von Querschnitten durch die Wand 
von zwei Kalkschwämmen, welche als prächtige Motive für Teppichbeete und 
Blumengruppen (und ebenso gut für Stickmuster) dienen können. Fig. 46 
Sycarium elegans Haeckel, Fig. 47 Sycaltis perforata Haeckel. 

Im Übrigen schliesse ich mich ganz Herrn Landesökonomierat Goethe an 
und kann noch hinzufügen, dass auch in den Ausschüssen des Vereins zur Be- 
förderung des Gartenbaues Haeckels Werk die allgemeinste Bewunderung 
erregt hat. Dabei ist der Preis von 3 Mark für 10 so prächtige Tafeln mit 
Text, wie sie die 1. Lieferung bringt, geradezu erstaunlich niedrig. 

Die tierischen Schwämme bieten übrigens eine wahre Fülle zierlicher 
Gebilde. Herr Geh. Reg. -Rat Prof. Dr. Franz Eilhard Schulze, Direktor 
des zoologischen Instituts an der Universität Berlin, der Spezialist der tierischen 
Schwämme, welcher mich freundlichst über den Bau noch näher orientierte, bat 
mir eine ganze Reihe reizender Formen der Nadeln etc. von Kieselschwämmen 
vorgeführt, wie sie u. a. in seiner Bearbeitung der Kieselschwämme der»Challenger 
Expedition« abgebildet sind. L. Wittmack. 



Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

Von L. Wittmack. [Schluss.] 

Gemüsetreiberei. 

Wie schon in der Einleitung über den Gemüsebau gesagt ist, finden, trotz 
der massenhaften Einfuhr von Frühgemüse aus dem Süden, die Gemüsetreiber 
im Norden immer noch ihre Rechnung. Sie ziehen hauptsächlich solche Gegen- 
stände, die sich nicht weit versenden lassen, oder, wenn es auch dieselben 
Dinge sind wie die aus dem Süden kommenden, so erhalten sie, weil die 
Gemüse frischer sind und von den reichen Bewohnern der grossen Städte 
bevorzugt werden, doch höhere Preise. 

Um ein Beispiel zu geben, wie eine solche Gemüsetreiberei eingerichtet 
ist, sei die des Herrn Wiles in Beideman in der Nähe von Philadelphia 
beschrieben, die ich unter freundlicher Begleitung des Herrn Eisele, Geschäfts- 
führers des Herrn Henry Dreer in Philadelphia, am 2. Oktober 1893 besuchte. 

Herr Wiles hat 18 Gewächshäuser, die alle miteinander in Verbindung 
stehen. Im ersten, 170 Fuss lang, 19V2 Fuss breit, war nichts weiter als Peter- 



Motive zu Teppichbeeten aus Haeckels „Kunstfbrmen der Natur". 211 




Abb. 46. Teil eines Querschnittes aus der Wand eines Kalkschwammes, 

Sycarium elegans Haeckel. 

Nach Haeckel, Kunstformen der Natur. 




Abb. 47. Teil eines Querschnittes aus der Wand eines Kalkschwammes, 

Svcaltis perforata Haeckel. 

Nach H ae c kel, Kunstformen der Natur. 



2i2 Der Gemüsebau in den Vereinigten Staaten. 

silie in drei langen Beeten an der Erde; im zweiten Hause dasselbe. Mitunter 
wird die Petersilie erst im Freien ausgesäet und die Wurzeln dann nachher 
ins Haus gepflanzt, diese war aber direkt im Hause ausgesäet. Mehrere der 
folgenden Häuser standen voll Salat. Dieser wird im Freien ausgesäet und 
dann hierher verpflanzt, wobei man die alten Blätter abschneidet. Die Mist- 
beete enthielten Sellerie, der gebleicht werden sollte. Er stand ausserordentlich 
dicht; die einzelnen Stauden werden mit Papiercylindern umgeben, damit 
sie bleichen. Herr Wiles treibt auch Sauerampfer, doch ist er fast der 
einzige in seiner Gegend, der das thut, da die Nachfrage nur gering ist. Der 
Sauerampfer wird im Freien angezogen, die Blätter werden im Herbst ab- 
geschnitten und die Wurzelstöcke im Hause ausgepflanzt. 

Überall war in den Häusern etc. Wasserleitung; drei Beete Salat wurden 
gerade in meiner Anwesenheit bewässert. Die betr. Sorte hat Herr Wiles aus 
England bezogen (des Namens erinnerte er sich nicht mehr), jetzt zieht er selber 
Samen und wählt mit grosser Sorgfalt die Samenträger und den Samen selber aus. 

Auch Bohnen werden getrieben, und zwar Lima-Bohnen (Phaseolus lunatus). 
Da diese sehr hoch ranken, war ein Drahtgeflecht dafür errichtet. Andere 
Bohnen treibt er wenig, weil sie von weit her nach den Märkten des Nordens 
gesandt werden. Als Sorten benutzt er Valentine und die goldene Wachsbohne. 
Gurken treibt er nicht, teils weil sie auch aus weiter Ferne nach Phila- 
delphia gesandt werden, teils weil sie in den östlichen Staaten getrieben werden, 
namentlich in Arlington bei Boston*). Dagegen spielt die Anzucht der To- 
maten (an Fäden), eine grosse Rolle. Die grünen Tomaten werden gekocht und an 
die Hühner verfüttert, von denen Herr Wiles eine grosse Zahl besitzt. Alles 
Federvieh, das eingeschlossen gehalten wird, muss nach Herrn Wiles etwas vege- 
tabilische Nahrung (er meint etwas Grünes) haben. Auch Tauben zieht er 
viel und verkauft oft 25 Paar junge Tauben die Woche. 

Von Kulturen ist ferner die Treiberei des Blumenkohls hervorzuheben, 
den Herr Wiles in grosser Menge zieht und zwar den „Frühen Erfurter Zwerg". 
— Den ganzen Winter zieht er Radieschen. Die ersten werden noch im freien 
Felde ausgesäet und das Feld, wenn Kälte droht, mit Heu belegt. Ich sah 
solche, die vor 10 Tagen, also Ende September, gesäet waren und in 4 Wochen 
verkaufsfähig sein sollten. Später säet er sie im kalten Kasten und endlicq 
im Gewächshause. Brunnenkresse ist ebenfalls zu finden, und zwar nicht weniger 
als 4 Häuser voll. Diese wächst auch auf trockenem Boden. Auch etwas 
Minze, Speermint wird kultiviert, sowie rote Beete. 

Überblicken wir alles, so finden wir hauptsächlich folgende Artikel bei 
Herrn Wiles: 1. Salat, 2. Petersilie, 3. weisse und rote Radieschen, 4. Minze 
(speermint) , 5. Sauerampfer, 6. Blumenkohl, 7. Bleichsellerei, 8. rote Beete, 
9. Brunnenkresse. Man sieht, es sind meist Sachen, die keinen zu weiten Trans- 
port ertragen. — Wir sahen uns auch den Komposthaufen an; namentlich mit 
Hilfe des Kompost hat Herr Wiles seinen anfänglich armen Boden so an- 
gereichert. Er benutzt dazu 1. Pferdedünger, 2. abgebrühte Hopfenzapfen aus 
Brauereien, 3. Mergel , 4. menschliche Abfallstoffe , 5. Federviehdünger; das 
Ganze wird selbstverständlich im Jahre 4 — 5mal umgegraben. — Die Gemüse 
werden mittels eigenen Wagens nach Philadelphia gefahren und einem 



*) Bei Arlington ist sehr grosse Gemüsekultur, wie in der ganzen Umgegend von Boston. 
Den Bleichsellerie sah ich dort zwischen Brettern bleichen, auch durch Anhäufeln. 



Kleinere Mitteilungen. 



213 



Kommissionär übergeben. Dieser rechnet alle Woche ab und erhält 10% Ver- 
mittlergebühr. Herr Wiles hat weiter keine Umstände und ist mit diesem 
Modus sehr zufrieden, er wollte sich nur noch ein Bank-Konto anlegen. - 
Weniger befriedigt äusserte er sich über die Arbeiterverhältnissc. Die Arbeiter 
treiben ihm zu viel Politik, namentlich zur Zeit der Wahlen, und ein Arbeite]-, 
der sonst 1 — 1 1 , 2 Dollar pro Tag erhält, verdient zur Wahlzeit 5 Dollar pro 
Tag, wenn er anderen bei den Wahlbeeinflussungen hilft oder seine Stimme 
verkauft. — Herr Dreer hat weniger über die Arbeiter zu klagen, da seine 
Gärtnerei weiter ab von der Stadt liegt. 

Wir sehen aber, wenngleich die Arbeiterverhältnisse nicht günstig sind 
aus diesem einen Beispiel schon, dass es drüben sich doch noch lohnt, im 
Winter Gemüse zu treiben, trotz aller Konkurrenz des Südens: man muss nur 
die richtigen Arten wählen. 

Sollte das bei uns nicht auch möglich sein? Wir könnten Beispiele an- 
führen, dass regelmässig mitten im Winter Gurken und grüne Bohnen aus Wilna 
nach Berlin gesandt und gut verkauft sind, während unsere Gemüsezüchter 
sagen, sie könnten nichts absetzen. Die Hauptsache ist, dass man regel- 
mässig liefern kann. Es nützt dem Händler mit Delikatessen nichts, wenn 
ihm einmal ein Posten feinen getriebenen Gemüses angeboten wird, er muss 
darauf rechnen können, dass er es dauernd erhalten kann. 

In Wien zahlte man einem Gemüsetreiber im Winter für 1 kg Prinzessin 
bohnen 10 iL = 17 M., für eine Gurke 1 fl., für eine grosse Erdbeere 00 Kreuzer 
Und dabei hat Wien Italien noch viel näher als wir. 



Kleinere Mitteilungen. 



Streptocarpus Hybriden. 

Beigegebene Abbildung*) veranschau- 
licht eine i 1 / i Jahr alte Pflanze dieser 
schönen Gesneracee und ersieht man 
aus diesem Bilde so recht, was uns mit 
derselben für ein vorzügliches Deko- 
rationsmaterial an die Hand gegeben 
ist. Da diese Streptocarpus wenig 
Anspruch in bezug auf die Kultur 
machen, so sind sie so recht dazu ge- 
schaffen, im Sommer leerstehende 
Gewächshäuser zu schmücken, und 
wenn man dieselben im Sommer 
schattig und recht luftig hält, kann 
man den Flor bis tief in den Dezember 
ausdehnen, wenn sie Anfang September 
in ein Warmhaus gebracht werden, wo 
dann die Blumen einen ganz aus- 
gezeichneten Werkstoff für feinere 
Binderei abgeben. 



*) Die Abbildung ist leider zu klein, so 
dass wir sie nicht bringen können. 

I). Red. 



Auch zum Ausschmücken derZimmer 
sind dieselben recht gut zu verwenden, 
indem die ganze Pflege nur in tleissigem 
Begiessen besteht, bis die Blüten all- 
mählich nachlassen und dann die Ruhe- 
zeit eintritt, wo nur noch soviel Wasser 
gereicht werden darf, dass die Wurzeln 
nicht vertrocknen. Im März beginnt 
sich dann der Trieb wieder zu regen, 
wo die günstigste Zeit zum Verpflanzen 
gekommen ist; als Nährboden gebe 
man Lauberde, der man etwas Ilorn- 
späne beimischt. Im Laute desSommers, 
überhaupt in der Vegetationszeit gebe 
man wöchentlich zweimal einen Dung- 
guss und Hornspanwasser, was die 
Blütenbildung ungemein befördert, 
indem sich gleichzeitig die Blätter recht 
krät'tigausbilden. und müssen dieselben, 
da sie sehr leicht brechen, recht vor- 
sichtig behandeltet werden, damit die 
Pflanze dadurch nicht verunstaltet wird. 
Und nicht allein dieses, auch die 
Blütenstiele, welche sich auf der Basis 



214 



Kleinere Mitteilungen. 



des Blattes bilden, gehen zurück, wenn 
ein Blatt zerbrochen wird, wie ich 
dieses bisher sehr oft beobachtet 
habe. Jedes Blatt bringt 8 — 9 Blüten- 
stiele, wovon wieder ein jeder bis 
6 einzelne Blumen bringt; also je mehr 
gut ausgebildete Blätter vorhanden, 
je mehr Blütenstiele werden hervor- 
kommen, und ist es daher recht lohnend, 
wenn man ältere Pflanzen kultiviert, 
die nicht selten 25 Blütenstengel auf 
einmal über die Blätterrosette erheben, 
wie die Abbildung zeigt. Diese Pflanze 
ist Ende August photographiert und 
heut, am 6. Dezember, sind noch 
32 Blumen geöffnet. 

Ganz besonderes Gewicht ist darauf 
zu legen, dass die Entwicklung durch 
nichts gestört wird, dann kann man 
durch nochmaliges Verpflanzen im 
Juli wahre Ausstellungspflanzen kulti- 
vieren, sodass sich im Laufe des 
Sommers ca. 20 Blätter ausbilden, was 
160 — 180 Blütenstiele giebt, alle wieder 
mit durchschnittlich je 6 Blüten; so 
produziert eine gut kultivierte Pflanze 
über 1000 Blumen, die nun bei den 
neuen Hybriden von weiss bis in 
violett variieren und recht grossblumig 
sind; und was die Hauptsache ist, sie 
lassen sich recht gut zur Binderei ver- 
wenden. Auch als Topfpflanzen werden 
sie willig Käufer finden und die wenige 
Mühe reichlich lohnen. Stellt man die 
temperiert überwinterten Streptocarpus 
nach dem Verpflanzen auf warmen Fuss, 
so kann man schon von Mitte April 
ab blühende Pflanzen haben, welche 
bei vorsichtiger Behandlung bis im 
Herbst uns durch ihre Blumen erfreuen 
werden. 

Gr.-Tabarz (Villa Spindler). 

J. Biemüller. 



Das ungewöhnlich milde Wetter 

der letzten Tage, schrieb die Voss. 
Ztg. am 17. Februar, hat die Vegetation 
im Freien ausserordentlich beeinflusst. 
Eine ganze Anzahl Sträucher haben 
ihre Knospen geöffnet und die jungen 
Triebe sind zum teil schon mehrere 
Zentimeter lang. Aber nicht nur junges 
Laub, sondern auch Blüten treten schon 
vielfach auf, und zwar nicht nur die un- 
scheinbaren Kätzchen der Haseln und 
Erlen, sondern auch bunte Blumen, 
wie die reizenden roten Blumen der 
dahurischen Alpenrose (Rhododendron 



dahuricum), diemattrosa, süssduftenden 
Blumen des Seidelbastes (Daphne 
Mezereum). Ja selbst Monatsrosen, die 
ungedeckt durch den Winter gingen, 
beginnen, die Knospen, die sie im 
Herbst gebildet hatten, zu öffnen. An 
den Pfirsichsträuchern färben sich die 
Blütenknospen schon deutlich rosen- 
rot. Noch grösser ist die Zahl der 
jetzt im Freien blühenden krautigen 
Gewächse. Die verschiedenen Schnee- 
glöckchen, die Winterlinge, die Helle- 
borusarten stehen schon seit längerer 
Zeit in voller Blüte, die gelbe Stern- 
bergia lutea blüht nun schon seit 
Oktober ununterbrochen. Die ver- 
schiedenen Krokusarten, die im Früh- 
jahr blühen, haben zum teil bereits 
ihre Blumen geöffnet, zum teil stehen 
sie unmittelbar vor dem Aufblühen. 
Veilchen giebt es bereits in grösserer 
Menge , ebenso frische , stengellose 
Primeln (Primula acaulis). 

Mit dem Plan eines Nordparkes, 

wie er für die Reh- und Wurzelberge 
in Aussicht genommen ist, beschäftigt 
sich jetzt die städtische Bauverwaltun^. 
Sie hat zunächst das Gelände dieser 
,,Gebirgs"-Landschaft festzulegen, um 
das Ganze dem Bebauungsplan an- 
zupassen und die notwendig werdenden 
Abänderungen der Baufluchtlinien in 
den Stadtplan einzuzeichnen. Der 
grössere Teil des fraglichen Gebiets 
befindet sich in fremdem Besitz, so- 
dass später auch noch Verhandlungen 
mit den betreffenden Eigentümern 
erforderlich werden. Nach alledem 
dürften die Anpflanzungen in diesem 
Jahre kaum noch in Angriff genommen 
werden können. (Der Plan des Herrn 
Gartendirektors Mächtig ist ein- 
zwischen genehmigt.) 



Neuerungen in der Berliner Kunst-Ausstellung. 

In der diesjährigen Grossen Berliner 
Kunst-Ausstellung werden einige Neue- 
rungen geplant. Unter anderem soll 
die grosse Vorhalle, die bisher für 
die Werke der Plastik verwendet 
wurde, in eine Art Gewächshaus oder 
Orangerie mit exotischem Pflanzen- 
werk umgewandelt und mit behaglichen 
grösseren Nischen versehen werden, 
in welchen die Plastik Aufstellung 
finden soll. Insbesondere sollen dort 
einige bereits angemeldete Brunnen- 



Kleincrc Mitteilungen. 



■2 1 



Gguren inThätigkeit aufgestellt werden, 
die dazu dienen werden, in der heissen 
Jahreszeit den Besuchern der Aus- 
stellung Erholung und Erfrischung zu 
spenden. Die teilweise sehr hohen 
Ausstellungsräume, die im ganzen einen 
kalten und nüchternen Eindruck hervor- 
riefen, sollen durch wirksame Yelarien 
in behagliche, intime Räume um- 
gestaltet werden. 

Zur Bekämpfung des Apfelblütenstechers. 

Garten-Inspektor Held an der land- 
wirtschaftlichen Akademie in Hohen- 
heim bei Stuttgart hat eine Reihe von 
Versuchen über die Bekämpfung des 
Apfelblütenstechers. jenes kleinen 
Käferchens, das unter den Rinden- 
schuppen unserer Obstsäume lebt, an- 
gestellt, und ist zu dem Resultat ge- 
kommen, dass von den Bekämpfungs- 
mitteln, welche er angewendet hat, 
diejenigen die besten waren, welche 
am wenigsten kosteten, und zwar: 

1. Das Umwickeln der Bäume 
mit Heuseilen. 

2. Das Abklopfen. 

Heuseile wurden im Oktober und 
November 1897 um die Bäume gelegt. 
Ich möchte aber vorschlagen, sie schon 
im Juli umzulegen, da ein gut Teil 
der Käferchen schon in diesem Monate 
Schlupfwinkel sucht. Dieses Verfahren 
ist übrigens sehr alt und auch bei uns 
noch da und dort »gegen die Hexen« 
üblich, damit dieselben die zukünftige 
Ernte nicht beschädigen. Bei uns 
werden die Strohseile aber viel zu 
spät, wenn der Baum schon entlaubt 
ist. umgelegt, reber das Heuseil hat 
nun Held 4 — öfach zusammengefaltetes 
Pack- oder Zeitungspapier mittels Bind- 
faden befestigt und darunter im Fe- 
bruar 1898 von 2100 Bäumen 22000 
Käferchen, also pro Baum 10 Käferchen 
gefangen, die schon einen recht er- 
heblichen Schaden angerichtet hätten. 

Als die beste Yertilgungs-Methode 
bezeichnet aber Held das Abklopfen 
der Bäume, das er an 3000 Obstbäumen 
ausführte. 

Der Versuch dauerte vom 28. März 
bis 2. Mai und ergab, dass nur das 
Abklopfen und Autlesen der Schädlinge 
von durchgreifendem Erfolge ist. 



Man legte unter die Bäume ein 
Wagenlaken oder grosse Tücher. Zum 
Abklopfen wurden Stangen benutzt, 
an deren Spitze sich ein Stück Hisen- 
röhre betindet, die mit Gummi oder 
Lappen überzogen ist. Dieses Ab- 
klopfen ist besser als das Abschütteln. 
hie Z<-it zum . Vlddopfen ist früh von 
5 — 7 Uhr, wenn die Käferchen noch 
steif sind. Die Tierchen werden dann 
zusammengekehrt und in einem Behälter, 
in dem sich Kalkmilch und etwas 
Petroleum befindet, getötet. 
C. Reichelt, Ratg. f. Obst- u. Gartenb.,FriedbcrL\ 



Ein Reichs-Versuchsgarten 

wird an der von Steglitz nach Dahlem 
führenden Chaussee gegenüber dem 
Haupteingang zum neuen Botanischen 
('.arten angelegt. Dieser Versuchs- 
garten untersteht dem Reichsgesund- 
heitsamte in der Klopstockstrasse 
und hat mit dem Botanischen Garten 
nichts zu thun. Der Zweck der neuen 
Anlage, die nördlich der Dahlemer 
Chaussee ein weit ausgedehntes, vor- 
läufig von einem Drahtzaun einge- 
schlossenes Gelände umfasst, besteht 
lediglich darin, gewisse Krankheits- 
erscheinungen bei Pflanzen zu beob- 
achten und die Urschen und Ver- 
hütungen derartiger Erkrankungen zu 
ergründen. 

Rosenkrankheit. 

Grosse Niedergeschlagenheit, schreibt 
die Voss. Ztg., herrscht unter den 
Rosenzüchtern, denn es ist noch nicht 
gelungen, dem heimtückischen Krank- 
heitserreger der La France-Rose 
richtig auf die Spur zu kommen. 
Während mikroskopische Untersuchun- 
gen das Vorhandensein eines Wurzel- 
pilzes nicht ergaben und Prof. Dr. 
Sorauer der Ansicht zuneigt, es 
handle sich nur um eine allgemeine 
Sohwächeerscheinung. will der Rosen- 
züchter Kinkel-Rosenheim beobachtet 
haben, dass die vorjährige grosse 
Hitze im August die Hauptursache 
der Zerstörung abgegeben habe. 
Neuerdings will man eine ähnliche 
Krankheitserscheinung auch bei der 
Marschall Niel-Rose testgestellt haben. 



2l6 



Litteratur. 



Litteratur. 



Kunst-Formen der Natur. 
Vor einigen Monaten kündigte das 
Bibliographische Institut in Leipzig 
unter diesem Titel ein in etwa fünf 
Lieferungen zu je 3 M. erscheinendes 
Werk an, dessen Urheber Professor 
Ernst Haeckel in Jena ist. Wer mit 
dem Mikroskope arbeitet, findet manch- 
mal unter demDeckglase Anordnungen, 
Gliederungen an und für sich sehr 
wenig bedeutender oder wenig ge- 
kannter Objekte, die Ausrufe der Be- 
wunderung hervorlocken, weil die 
Umrisse des Ganzen und der einzelnen 
Teile die Empfindung des Schönen 
auf das lebhafteste erwecken. Oft 
genug staunt man über harmonische 
Gestaltung und edlen Aufbau, wo man 
sie gar nicht vermutet hätte, und auch 
die allerkleinsten Schöpfungen der 
allwaltenden Natur tragen mitunter in 
ihrer äusseren Erscheinung den Stempel 
des Schönen in so hervorragendem 
Masse, dass man nur bedauern muss, 
dass ein solcher Anblick, eine solche- 
Quelle des reinsten Genusses, verhältnis- 
mässig nur wenigen zugänglich ist. 

Empfindungen dieser Art waren es, 
die mich bald in den Besitz der ersten 
Lieferung dieses Werkes kommen 
Hessen; versprach doch Haeckels Name 
auch in dieser Richtung Hervorragendes. 
Meine Erwartungen sind aber um ein 
Vielfaches übertroffen worden, und ich 
kann mich an den herrlichen Formen 
von ebenso grosser Mannigfaltigkeit 
als von eigenartiger Anordnung gar 
nicht satt sehen. Welche Anregung wird 
aus diesen Abbildungen ein Gärtner 
empfangen, dessen Auge die Dinge 
mit dem Massstabe der Schönheit zu 
messen gewohnt ist?! Welche herrlichen 
Vorbilder für das Blumenbeet, für die 
Binderei und für Ausschmückungen 
aller Art bieten sich hier in den Dar- 
stellungen der verschiedensten Meeres- 
bewohner dem formenfreudigen Auge?! 

Wie Haeckel selbst über die Sache 
denkt, das mögen einige Sätze der von 
ihm verfassten Vorrede ausdrücken. 
Gleich zu Anfang heisst es: „Die Natur 
erzeugt in ihrem Schosse eine un- 
erschöpfliche Fülle von wunderbaren 
Gestalten, durch deren Sehönheit und 
Mannigfaltigkeit alle vom Menschen 
geschaffenen Kunstformen weitaus 



übertroffen werden. Die Naturprodukte, 
aus deren Nachahmung und Model- 
lierung die bildendeKunst desMenschen 
hervorgegangen ist , gehören be- 
greiflicherweise solchen höheren 
Gruppen des Pflanzenreichs und des 
Tierreichs an, mit denen der Mensch 
in beständiger Berührung lebte, vor 
allem den Blütenpflanzen und Wirbel- 
tieren. Dagegen ist den meisten 
Menschen grösstenteils oder ganz un- 
bekannt jenes unermessliche Gebiet 
der niederen Lebensformen, die ver- 
steckt in den Tiefen des Aleeres 
wohnen oder wegen ihrer geringen 
Grösse dem unbewaffneten Auge ver- 
schlossen bleiben." 

,,Die vorliegenden ..Kunstformen der 
Natur" verfolgen den Zweck, jene ver- 
borgenen Schätze ans Licht zu ziehen 
und einem grösseren Kreise von 
Freunden der Kunst und der Natur 
zugänglich zu machen. Seit frühester 
Jugend von dem Formenreize der 
lebendigen Wesen gefesselt und seit 
einem halben Jahrhundert mit Vorliebe 
morphologische Studien pflegend, war 
ich nicht nur bemüht, die Gesetze 
ihrer Gestaltung und Entwicklung zu 
erkennen, sondern auch zeichnend und 
malend tiefer in das Geheimnis ihrer 
Schönheit einzudringen. Auf zahl- 
reichen Reisen, die sich auf einen Zeit- 
raum von fünfundzwanzig Jahren er- 
strecken, habe ich alle Länder und 
Küsten Europas kennen gelernt und 
auch an den interessantesten Gestaden 
des nördlichen Afrika und des süd- 
lichen Asien längere Zeit gearbeitet. 
Tausende von Figuren, die ich auf 
diesen wissenschaftlichen Reisen nach 
der Natur gezeichnet habe, sind bereits 
in meinen grösseren Monographien 
publiziert; einen anderen Teil will ich 
bei dieser Gelegenheit veröffentlichen. 
Ausserdem werde ich bemüht sein, 
aus der umfangreichen Litteratur die 
schönsten und ästhetisch wertvollsten 
Formen auszulesen und zusammen- 
zustellen." 

Und schliesslich sagt Haeckel: „Die 
Quellen ästhetischen Genusses und 
veredelnder Erkenntnis, die überall 
in der Natur verborgen sind, sollten 
mehrundmehr erschlossen undGemein- 
gut weitester Bildungskreise werden." 



Litteratur. 



2 i 7 



Gärtnerische Kreise dürfen dem 
Herrn Verfasser und in zweiter Linie 
seinen Mithelfern sowie der Verlags- 
buchhandlung für die Veröffentlichung 
gerade dieses Werkes grossen Dank 
wissen. Uns aber erfüllt es mit Stolz 
und Freude , einen Forscher wie 
Haeckel in Sachen der Schönheit der 
.Natur auf unserer Seite zu sehen und 
von ihm eine so wirksame Unter- 
stützung zu empfangen. Den Sitz alles 
wahrhaft Schönen in der Natur zu 
suchen, dazu die jungen Gärtner, die 
1 räger der nächsten beruflichen Ge- 
neration immer mehr anzuleiten und 
darauf zu verweisen, das sollte eine 
der Hauptaufgaben der Lehrer des 
Gartenbaues sein. Wenn erst die Natur 
als die unerschöpfliche Quelle aller 
Schönheits-Begriffe allgemein benutzt 
wird, dann nimmt der Gartenbau in 
seinem ganzen Umfange einen neuen 
Aufschwung! 

L.-Oek.-R. R. Goethe-Geisenheim. 



II. Graf zu Solms-Laubach, Pro- 
fessor der Botanik an der Universität 
Strassburg i. E., Weizen und Tulpe 
und deren Geschichte. Mit i Tafel 
in Handkolorit. Leipzig. Verlag von 
Arthur Felix 1899. 

Eine echte deutsche Gelehrtenarbeit, 
wie wir sie stets in den Schriften des 
Reichsgrafen zu Solms-Laubach 
finden, liegt auch in dieser Schrift 
vor. Schade, dass er nicht zwei Ver- 
öffentlichungen daraus gemacht hat, 
dann würde die Zahl der Käufer 
vielleicht doppelt so gross werden, 
denn viele interessieren sich nur für 
den Weizen, andere nur für die Tulpe. 
Wir schli essen uns bezüglich des Weizens 
der Auffassung des Verfassers an. dass 
man Körnicke's fünf Unterarten 
von Triticum vulgare, dem gemeinen 
Weizen: vulgare im engeren Sinne, tur- 
gidum. durum, Spelta und dicoecum, 
besser als Arten aufführt. Wir haben 
das zwar früher selbst nicht gethan, 
sondern sind Alefeld und Körnicke 
in mancher Hinsicht gefolgt. Wenn 
man aber wünscht, dass die Landwirte 
die lateinischen Namen bei Getreide 
anwenden sollen, muss man die Sache 
1 hst vereinfachen und nicht sagen: 
Triticum vulgare durum etc., sondern 
einfach I riticum durum. 

Dil Hauptfrage, die der Verfasser zu 
lösen sucht, ist die nach dem Vater- 



lande des Weizens. Während fast 
alle Vorgänger die Heimal in West- 
asien suchen, nimmt er Mittelasien an, 
weil sonst nicht erklärlich sei, dass 
in China der Weizen schon im 3. Jahr- 
tausend, in Aegypten erst im 4. Jahr- 
tausend vor Chr., kultiviert winde. 
Auch führt er als ausgezeichnet. 1 
Paläontologe die Verhältnisse der Vor- 
welt, z.T. unter Benutzung von Englers 
Arbeiten, zur Begründung an. 

Leider sind fossile od er prähistorische 
Weizenproben in Zentralasien bis jetzt 
nicht gefunden. Dass die Weizenkultur 
in Zentralasien uralt, ist gewiss nicht 
zu bestreiten; aber man kann sich 
vielleicht ebensogut vorstellen, dass 
sie von Vorderasien nach Zentralasien 
und von da nach China sich aus- 
gebreitet habe. 

Die prähistorischen Funde bespricht 
der Verfasser eigentlich viel zu wenig. 
Des Referenten Arbeiten, z. B. seine 
Ansicht, dass T. dicoecum der Urform 
am nächsten stehen möchte, eine An- 
sicht, der auch Kör nicke zuneigt, 
scheinen dem Verfasser nicht bekannt 
zu sein. 

Für den Gärtner viel wichtiger ist 
die auch räumlich ausgedehntere Ab- 
handlung über die Geschichte der 
Tulpen in Mittel- und Westeuropa. 
Solms bespricht 1. die Feldtulpen, 
2. die Gartentulpen. Er weist nach, 
dass die gelbe wilde Tulpe, Tulipa 
silvestris, die jetzt bis zum südlichen 
Schweden wächst, ursprünglich nur in 
einem begrenzten Bezirk Italiens bei 
Barga, im oberen Serchiothal in den 
Apenninen und bei Bologna einheimisch 
war und erst später, im vorigen Jahr- 
hundert, bei uns verwildert ist. 

Die Gartentulpe wurde von Busb ecq, 
dem Gesandten Kaiser Ferdinands I. 
beim Sultan für die Gärten entdeckt. 
Als er im Jahre 1554 nach Kon- 
stantinopel reiste, sah er in einem 
Garten zwischen dieser Stadt und 
lladrianopelzum ersten Mal dieseBlume 
(Solms zitiert die betr. Stelle aus dem 
Reisebrief); merkwürdigerweise sah 
Conrad Gesner sie schon 1559 ' n 
Augsburg aus Samen gezogen. Clusius, 
dei 157;-; nach Wien kam, traf dort 
mit Busbecq zusammen, der ihm viele 
Samen schenkte, auch Tulpensamen. 
Ausserdem ist die Tulpe, ehe Clusius 
sie inHolland verbreitete, schon um 1570 
in Mecheln gewesen, 1574 blühte die 



2l8 



Litteratur. 



erste in Brüssel, 1594 war sie schon 
in mehreren Sorten in Breslau. 

In Holland unterscheidet man heute 
1. einfarbige oder Muttertulpen, 2. bunt- 
farbige oder gebrochene, von letzteren 
wieder a) Bizarden, mit gelbem 
Grund und verschiedener Panachierung, 
b) Flamands, die weissgrundig sind 
und, wenn die Panachierungsfarbe 
violett ist, Bybloemen (sprich Bei- 
blumen), wenn sie rot ist, »Roses« 
heissen. Alle die berühmten alten 
Sorten, wie Semper Augustus, Admiral 
Liefkens, Gouda (sprich Gauda) u. s. w., 
von denen wir noch kolorierte Ab- 
bildungen besitzen, sind nach Solms 
durchweg Bybloemen oder Roses. 

Solms hatte das Glück, die gross- 
artige Bibliothek des Herrn E. H. 
Krelage in Haarlem eingehend durch- 
sehen zu können, und auf Grund dieser 
Studien und anderer Originalquellen 
giebt ereineganz eingehende Geschichte 
derselben, namentlich auch des Tulpen- 
schwindels. 

Wir lächeln heute über die hohen 
Preise, die damals für Tulpen gezahlt 
wurden, aber ist es heute bei den 
Orchideen, z. B. den Cypripedien, nicht 
ähnlich? Der Unterschied ist nur der, 
dass man bei den Tulpen eine Art 
Terminhandel trieb, dass man Blumen 
verkaufte, die man noch gar nicht hatte. 

Solms geht auch auf die Ab- 
stammung der Gartentulpen ein und 
schliesst mit folgenden Sätzen: 

Es stellt sich heraus, dass die 
Gartentulpen die variable Progenies 
(Nachkommenschaft) zwischen nicht 
näher bestimmbaren asiatischen Spezies 
der Gattung, dass die wilden Alt- 
tulpen Europas reine, aus dem Osten 
gekommene Arten darstellen, dass 
endlich die Neutulpen (Neotulipes der 
Italiener) sich als Abkömmlinge der 
Gartentulpen erweisen, die wieder in 
wilden Zustand gelangt sind, und dass 
deren häufiges Neuauftreten der geringen 
Konstanz der Vererbung bei der Fort- 
pflanzung mittels Samen, gegebenen- 
falls der Sportbildung zur Last zu 
legen ist. 

Die Einzelheiten möge man in Solms 
trefflichem Werk selber lesen! 

Die beigefügte Tafel giebt drei 
berühmte Tulpen farbig wieder: 
1. Viseroy (weiss mit violetter 
Panachierung), 2. Semper Augustus, 



3. Gouda (beide weiss mit roter 
Panachierung). L. W. 



A. Voss, Gärtnerisches Zentralblatt. 
Referierendes und forschendes Organ 
für den gesamten Gartenbau u. s. w. 
Berlin, Weissenburgerstrasse 66. 

Zentralblätter giebt es bereits, auf 
den verschiedensten Gebieten der 
Naturwissenschaften und verwandter 
Disziplinen. Sie haben den Zweck, in 
kurzer und gedrängter Form möglichst 
vollständig alle Arbeiten und sonstigen 
Mitteilungen, die in dem betreffenden 
Fach erschienen sind, zu bringen, und 
sie sind infolge dessen für Forscher 
und Interessenten eine grosse Er- 
leichterung bei ihren Arbeiten. Mit 
Freude ist daher auch das bisher 
noch nicht existierende gärtnerische 
Zentralblatt zu begrüssen. Damit aber 
ein derartiges Werk ein wirkliches 
,, Zentralblatt'' und ein zuverlässiges 
Nachschlagewerk sei, ist es freilich u.a. 
absolut notwendig, dass es die betr. 
Artikel bald bringt und nicht um 
mehrere Jahre nachhinkt , wie dies 
leider bei manchen ähnlichen „Zentral- 
blättevn" der Fall ist, ferner, dass es 
alle litterarischen Erscheinungen 
möglichst vollständig giebt und nicht 
einzelne Gebiete bevorzugt, und endlich, 
dass die betr. Referate und sonstigen 
Mitteilungen objektiv wiedergegeben 
werden. Dass möglichst viele Mit- 
arbeiter an einem solchen Zentral- 
blatt thätig sind, kann dasselbe nur 
fördern und vor Einseitigkeit bewahren. 
In wie weit Herr Voss sich auf den 
angegebenen Standpunkt stellen wird 
und will, muss die Zukunft lehren. 
Jedenfalls war es bedenklich, von dem 
ersten Heft gleich etwa ein Achtel mit 
der unglücklichen Nomenklaturfrage 
zu füllen. .Glücklicherweise sind die 
folgenden Nummern in dieserBeziehung 
besser. 

Wir wünschen dem Unternehmen 
des Herrn Voss von ganzem Herzen 
nach jeder Richtung hin den besten 
Erfolg, denn ein gärtnerisches „Zentral- 
blatt" ist thatsächlich ein Bedürfnis. 
Mögen diese Zeilen dazu beitragen, 
aus seiner Zeitschrift ein „Zentralblatt" 
im wahrsten Sinne des Wortes zu 
machen, dann wird auch der pekuniäre 
Erfolg nicht ausbleiben. 

Dr. Kr. 



Ausstellungen und Kongresse. 



2 ig 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
Gartenbau-Ausstellung vom 5./17. 
bis 15.27 Mai 1899. 

Alphabetisches Verzeichnis der deutschen 
Preisrichter 

tür die internationale Gartenbau-Aus- 
stellung in Petersburg vorn 5.1 7. bis 
15. 37. Mai 1899 (soweit sie bis zum 
28. März gemeldet waren), unter Weg- 
lassung der Titel. Es sind 78, von 
von 21 Herren steht die Erklärung 
noch aus.) 

Benary, E., Erfurt. 

Bertram, Dresden. 

Betten, R , Frankfurt a. O. 

Bluth, Franz, Gr.-Lichterfelde b. Berlin. 

Bornemann, Blankenburg a. H. 

Buchner, M., München. 

Bunt/el.Max, Xieder-Schönweide b. Berlin. 

Bunker, Hamburg. 

Chrestensen, \. I.., Erfurt. 

Conwentz, Danzig. 

Dippe, C, Quedlinburg. 

Drude, O., Dresden. 

Fchtermeyer, Th., Wildpark b. Potsdam. 

Engler, A. W., Berlin. 

Fintelmann, G., Sanssouci b. Potsdam. 

Grünenthal, G., Berlin. 

Grussdorf, H., Quedlinburg. 

Hammelbacher, J. O., München. 

Harms, Fr., Hamburg. 

Hauber, J., Cassel. 

Haubold, B., Laubegast-Dresden. 

Heinemann, F. C, Erfurt. 

Heibig, H. F., Laubegast. 

Henckel, H., Darmstadt. 

Hering, C, Potsdam. 

Hesdörfler, Berlin. 

Heyneck, O., Magdeburg. 

Hoffmann, Mart, Treptow b. Berlin. 

Höss, A., Frankfurt a. M. 

Jawer, Th., Nieder-Schönhausen b. Berlin. 

Jürgens, R., Hamburg. 

Kallmevcr, Stettin. 

Kaiser, W., Würzburg. 

Knöfek Dresden. 

Kolb, M., München. 

Koopmann, K., Wernigerode a. H. 

Kracke, Döhren. 

Krantz, II.. Mittelhufen b. Königsberg. 

Kränzlin, F., Gr.- Lichterfelde b. Berlin. 

Kuntze, C, Berlin. 

Lackner, C, Steglitz b. Berlin. 

Lambert, !'.. Trier. 

Lindberg, A., I .übeck. 

Loock, I. F.. Berlin. 

Mette, Heinr.. Quedlinburg. 

Mietsch, C. W., Dresden. 

Müller, F., Erfurt. 

Neumann, O., Schöneberg b. Berlin. 



( Hberg, O., Dresden. 
Paulig, Ph., Lübeck. 
Putzer, F., Heidelberg. 
Rathke, Fr., Praust b. Danzig 
Raue, H., Dresden. 
Reimers, Th., Altona Ottensen. 
Richter, L. R., Strehlen- Dresden. 
Riechers, F. A., Söhne, Hamburg. 
Röthcke, G., Frankfurt a. M. 
Ruschpier, P., Dresden-Strehlen. 
Rüppel, Hamburg. 
Schmidt, G., Erfurt. 
Schröder, Mainz. 
Seeligmüller, E. C, (Tonberg. 
Seidel, IL, Laubegast Dresden. 
Seidel, R., Laubegast- Dresden. 
Seyderhelm, H., Hamburg. 
Siebcrt, A., Frankfurt a. M. 
Siesmayer, J., Frankfurt a. M. 
Singer, A., Kissingen, 
van der Smissen, G, Steglitz b. Berlin. 
Stehen, R., Dalldorf b. Berlin. 
Stoldt, C, Wandsbeck-Marienthal b. Ham- 
burg. 
Strassheim, Frankfurt a. M. 
Tiefenthal, O., Wandsbeck b. Hamburg. 
Trip, J., Hannover. 
Wagner, A., Leipzig-Gohlis. 
Weissbach, R., Laubegast-Dresden. 
Wiese, A., Stettin. 
Wittmack, L., Berlin. 



Herr Wm. Minlos (Dampfschiffs- 
Rhederei Lübeck und Hamburg) hat 
sich bereit erklärt, den Dampfer 
..Marie Louise", Kapt. Xachtwey, am 
Dienstag den 9. Mai von Lübeck 
nach Petersburg abfahren zu lassen. 
Ankunft in Petersburg, Seezollamt am 
13.— 14. Alai (von dort können die 
( Titer in 30—40 Minuten per Wagen 
zur Ausstellung befördert werden). 
Der Dampfer bietet neben vielem 
Deckraum auch Platz für ca. 2<> Pas- 
sagiere. Herr Min los bietet den Aus- 
stellern eine Sonderfracht und Passage 
an, nämlich eine Seefracht für Bäume 
und Pflanzen von M. 1.50 4- 15% Cap- 
laken pro 50 kg gegen die Taxfracht von 
1 Rubel = 2,2'> M. + 15% Gapl. pro 
50 kg und eine Passage von 50 M. 
inclusive Beköstigung für die Einzel- 
fahrt gegen Taxe von 60 M. pro Person. 

Die Seeversicherung würde Herr 
Minlos im Raum mit ' ,"„ und auf 
Deck mit l /a% besorgen. 

Bei Deckverladung würden Vor- 
kehrungen getroffen werden, um die 



220 



Ausstellungen und Kongresse. 



Pflanzen thunlichst gegen Seewasser 
und Sonnenstrahlen zu schützen. 

In Lübeck sind die Ausstellungs- 
gegenstände an die Firma Wm. Minlos 
zu adressieren. Spätestens am 8. Mai 
abends müssten die Güter in Lübeck 
eintreffen. 

Etwa drei Wochen vor dem Abgangs- 
termin des Dampfers ist das ungefähr 
zur Verladung kommende Quantum an 
Gütern Herrn Minlos aufzugeben. 

Hamburg, 22. Januar 1899. 

Prof. Dr. Zacharias, 
Botanischer Garten. 



Frachtermässigung für die Petersburger 
Ausstellung. 

Der Staatssekretär des Innern über- 
sendet uns unter dem 6. April 1899 
III A. 1460 Abschrift eines Schreibens 
des Königlich preussischen Herrn 
iMinisters der öffentlichen Arbeiten und 
Chefs des Reichsamts für die Ver- 
waltung der Reichseisenbahnen, das 
wir hiermit zur Kenntnis bringen: 

Die Königlichen Eisenbahndirek- 
tionen, die Kaiserliche Generaldirektion 
der Eisenbahnen in Elsass-Lothringen 
und die Direktion der Main-Neckar- 
Eisenbahn sind ermächtigt worden, die 
Pflanzen und sonstigen Gegenstände, 
die auf der vom 17. bis 27. Mai d. ]. 
in St. Petersburg stattfindenden inter- 
nationalen Gartenbau-Ausstellung aus- 
gestellt und nicht verkauft werden, 
unter den im Deutschen Eisenbahn- 
Verkehrs-Verbande vereinbarten Be- 
dingungen an die Versandstation und 
den Aussteller des der Sendung auf 
dem Hinwege beigegebenen Fracht- 
briefes frachtfrei zurückzubefördern. 
Den Preussischen Privateisenbahnen 
wird die Genehmigung hierzu von den 
zuständigen Königlichen Eisenbahn- 
kommissaren ebenfalls erteilt werden. 

Dem Antrage der Russischen Re- 
gierung auf Gewährung von Fahrt- 
erleichterungen zum Besuche der Aus- 
stellung vermag ich nicht zu ent- 
sprechen. Gelegentlich derStockholmer 
Kunst- und Industrie-Ausstellung im 
Jahre 1897 ist mit Rücksicht auf die 
damals vorliegenden besonderen Ver- 
hältnisse ausnahmsweise eine all- 
gemeine Verlängerung der Geltungs- 
dauer der bestehenden Rückfahrkarten 
bis zu 30 Tagen zugestanden worden. 



Im Verkehr zwischen preussischen 
Stationen und St. Petersburg werden 
Rückfahrkarten z. Z. überhaupt nicht 
ausgegeben, so dass schon aus diesem 
Grunde die etwaige Gewährung 
einer ähnlichen Vergünstigung aus- 
geschlossen sein würde. Zur Gewährung 
anderer Fahrterleichterungen dürfte 
aber die bevorstehende Ausstellung 
keinen Anlass bieten. 



Ehrenpreise. 

Ausser den im 2. Nachtrag zum 
Programm aufgeführten Ehrenpreisen 
sind noch folgende hinzugekommen: 
Von Ernst Benary-Erfurt eine grosse 
Vermeil- (vergoldete silberne) Medaille 
im Wert von 100 M. für die besten 
aus Samen vom Aussteller gezogenen 
Pflanzen. VomMinisterium derFinanzen: 
1 gr. goldene, 3 kl. goldene, 5 gr. 
silberne, 10 kl. silberne, 15 bronzene 
Medaillen und 20 Diplome zur Ver- 
fügung der Preisrichter. Herr Du mo wo 
hat 4 gr. goldene Medaillen gestiftet: 
1. für looSpecies Palmen, 2. 50 Sorten 
Cycadeen, 3. 50 Croton, 4. 25 Sorten 
Araucarien. 

Von den Preisen im 2. Nachtrag 
nennen wir u. a.: Ehrenpreis der Pro- 
tektorin der russ.Garlenbaugesellschaft, 
Grossfürstin Elisabeth Feodorowna, für 
die beste Gruppe Lathyrus odoratus 
oder für Theerosen in Blüte. Ehren- 
preis des Grossfürsten Michael Niko- 
laewitsch für eine Sammlung von mehr 
als 6 Palmen oder Cycadeen in grossen 
Exemplaren (56a). Vom Ministerium 
für Ackerbau 1 goldene, 1 gr., 1 kl. 
silberne Medaille für Obst- u. Beeren- 
weine (181a), neue Konkurrenz; von 
der Apanagen-Hauptverwaltung 1 kl. 
gold. Med. für 40 oder mehr Arten 
buntblättriger Caladien (64a, neue Kon- 
kurrenz). Von der Gesellschaft »Flora« 
in Dresden 1 Kunstgegenstand aus 
Meissener Porzellan im Werte von 
120 M. für die beste Rosenunterlage. 
Vom Handelsgärtner W. K. Freund- 
lich ein Kunstgegenstand im Werte 
von 150 Rubeln für die beste Gruppe 
Theophrasteae, oder für Croton. Vom 
Präsidenten der russ. Gartenbaugesell- 
schaft, Generalmajor S. J. Speransky 
a) 1 gr. gold. Med. für die beste Gruppe 
Orchideen einer Art oder Abart (99b. 
neue Konkurrenz), b) 1 kl. gold. Med. 



Ausstellungen und Kongresse. 



22 I 



für Garten- und Parkpläne (199). Vom 
Vizepräsidenten Geheimral A. Fischer 
von Waldheim a) 1 kl. gold. Med. 
für die praktischste Beschattungs- 
vorrichtung, b) 1 gr. u. 1 mittlere 
silb. Med. für die praktischsten und 
elegantesten Etiketten (202a, neue 
Konkurrenz). 

Anmeldungen mit vollständigen 
Listen der Gegenstände werden noch 
bis zum 20. April (2. Mai) an- 
genommen, jedoch ohne Garantie, dass 
dieselben im Hauptkatalog Aufnahme 
finden. 

Herr \. von Plautin, Mitglied der 
Kommission für den Empfang der 
fremden Gäste, bittet, dass allePersonen, 
welche dasl'rn^iamm etc. wünschen, sich 
an diese Kommission wenden. Annoncen 
für den Katalog nimmt der Sekretär 
der auswärtigen Abteilung, Woldemar 
Ender, Mytninsky Quai, Haus 11, 
Logcs 18, bis 20. April 12. Mai) entgegen. 

Frankreich macht L;anz besondere 
Anstrengungen; es hat sich ein grosses 
Komitee gebildet und die Regierung 
giebt den Ausstellern Beihilfen. Belgien 
hat ausgezeichete Gegenstände an- 
gemeldet. Aus Dänemark werden ca. 
50 Aussteller erwartet. Sachsen und 
Hamburg werden voraussichtlich viel 
schicken, auch aus anderen Gegenden 
Deutschlands ist viel angemeldet. 

Vor wenigen Wochen herrschte in 
Petersburg noch grosse Kälte, in der 
Nacht zum 13./25. März 22 R., dabei 
viel Schnee. 

* * * 

Auswärtige Staats - Delegaten und Kommissare. 

Fü r d as Den tsche Reich: a) Baden, \ 
Geh. Hofrat Prof. Dr. E. Pfitzer, 
Direktor des botanischen Gartens 
in Heidelberg, b) Bayern: König- 
licher Rat Max Kolb, Inspektor 
des Königlichen botanischen 
Gartens in München (Kommissar). 

c) IIa m b u r g : P rof. Dr. Zach a- 
rias, Direktor des botanischen 
Gartens in Hamburg (Kommissar). 

d) Preussen: Geh. Regierungsrat 
Prof. Dr. A.W. Engler, Direktor 
de, Königlichen botanischen 
Gartens. Berlin. Königl. Gartenbau- 
direktor Carl Lackner. Steglitz, 
Direktor des Vereins zur Beförde- 
rung des Gartenbaues in den 
preussischen Staaten. Geh. Reg.-Ral 
Dr. L. W Htm ack, Professor an der 



Königl. landw. Hochschule und an 
der Universität, General-Sekretär 
des Vereins zur Beförderung des 

Gartenbaues, d) Sachsen: Prof. 
Dr. Oskar Drude, Direktor des 
Königl. botanischen Gartens in 
I >i esden 1 1 »elegat und Kommi 

F ü r Leli; i en : Graf de Kercho^ e 
de Denterghem. Präsident der 
K. Gesellschaft für Ackerbau und 
Botanik in Gent. . (Delegat.) 
l duard Pynaert-Van -Geert. 
Chef-Redakteur der ..Revue de 
l'Horticulture Beige et Etrangi 
und Albert Mae 1 teils. Kom- 
missionsmitglied der K.< lesellschaft 
für Ackerbau und Botanik in Cent 
(Kommissare). 

Für Frankreich: Die Herren II. 
I.cv equ e d e Vilmorin, Vice- 
PräsidentderNationalenGartenbau- 
Gesellschaft Frankreichs zu Paris: 
Ab. Chatenay, General-Sekretär 
derselben Gesellschaft . und 
Truffaut Vorsitzender des Syn- 
dikats französischer Gärtner in 
Paris (Delegaten). II. Martinet, 
Professor der Gartenbauschule zu 
Versailles (Kommissar). 

Für Holland: Die Herren Kr n est 
K r e 1 a ge, Haarlem,undG aleslo ot, 
Amsterdam (I »elegaten). 

Für Persien: Mirza Samad Khan 
Momtazis-Saltaneh,Chambellan, 
Rat der persischen Mission in 
St. Petersburg (Kommissar). 

Bestand der Auswärtigen Abteilung 
der Internationalen Gartenbau-Ausstellung: 

Vorsitzender: S. Excellenz, Herr 
Geheimrat A. A. Fischer von 
Wald he im, Direktor des Kaiserl. 
Botanischen Gartens. Ehrenmitglied 
und Vizepräsident der Kaiserl. 
Russischen Gartenbau-« lesellschaft. 

Sekretär: Titulärrat YV. Ende] . 
Beamter des Kaiserl. Russischen 
i »epartement für Ackerbau. Zweiter 
Sekretär der Kaiserl. Russischen 
( '.artenbau-Gesellschaft, Mytninski- 
Quai \o. 11. 

Mitglieder: K. J. Bart eisen, Ober- 
gärtner des Kaiserl. Botanischen 
Gartens; IL F. Eilers, Hofliefe- 
rant und Handelsgärtner in St. 
Petersburg . Kamennoostrowski- 
Prospekl X". 33; W. K. freund- 
lich. Gärtnereibesitzer inZars 



22 2 



Aus den Vereinen. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



Sselo; A. A. Gramberg, Hof- 
gärtner in Michailowka bei 
Strelna. 

* * 

Zu beachten für Reisende nach Russland. 

Ein Pass ist absolut notwendig. Auch 
lerne man möglichst die russischen 
gedruckten Buchstaben und die Zahlen, 
nehme auch ein kleines Wörterbuch 
mit, in welchem die russischen Wörter 
mit lateinischen Buchstaben geschrieben 
sind. Warme Kleidungsstücke! Kein 
Zeitungspapier zum Einwickeln! Bae- 
decker nicht vergessen! Von Berlin 
werden die meisten Preisrichter am 
Sonnabend den 13. Mai, abends 11 Uhr 
3 Min., vor. Bahnhof Friedrichstrasse 
fahren, dann trifft man in Petersburg 
Montag den 15. Mai, 10 Uhr morgens, 
ein. Preis von Berlin nach Wirballen 
I. Kl. 67,50 M, II. Kl. 50.10 M.; von 
Wirballen nach Petersburg I. Kl. 
24,05 Rubel Silber (1 Silberrubel ca. 
2.23 M.), II. Kl. 1445 Rubel. An der 
russischen Grenze den amtlichen Eisen- 
bahn- und Dampfschiffsführer (60 Ko- 
peken) kaufen, anderswo erhält man 
ihn schwer. 

Der Zoll für Pflanzen beträgt 50 Ko- 
peken pro Pud. 

Gent. 30. April bis 9. Mai 1899. 
Grosse internationale Ausstellung. Das 



Komitee der Ligue Ilorticole L'Union 
zu Mont St. Amand bei Gent hat in 
seiner letztenSitzung beschlossen, sämt- 
lichen ausländischen Handels- 
partnern, welche zu ihrer vom 
30. April bis 9. Mai stattfindenden All- 
gemeinen Gartenbau -Ausstellung in 
Gent anwesend sind, freien Eintritt 
zu gestatten, und bittet Kollegen, welche 
von dieser Einladung Gebrauch zu 
machen wünschen, diese sobald als 
möglich dem Komitee anzuzeigen, damit 
dasselbe ihnen eine Eintrittskarte für 
die Dauer der Ausstellungzustcllen kann. 



Internationaler Gärtnerischer 
Kongress in Paris während der 
Gartenbau - Ausstellung vom 24. bis 
29. Mai. Es werden halbe Fahrpreise 
gewährt. Meldungen nur bis zum 
15. April: nie de Grenelle 84, Bureau 
der Soc. nationalle d'hortic. de France. 

Berlin. Grosse deutsche Winter- 
blumen-Ausstellung. Mitte Februar 
1900 im Zoologischen Garten. Das 
Programm, das Medaillen und Geld- 
preise im Gesamtbetrage von nicht 
weniger als 20000 Mark aussetzt, 
liegt dieser Nummer der Gartenflora 
bei, ist auch vom Verein zur Beförder- 
ung des Gartenbaues. Invaliden- 
strasse 42, zu erhalten. 



Aus den Vereinen. 



Verzeichnis 

der im Sommer 1899 seitens der ver- 
einigten Ausschüsse des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues be- 
absichtigten Exkursionen. 
Mai: Noch nichts festgesetzt. 
Juni: Wörlitz und Dessau. 
ca. 31.: Stiftungsfest. 
Juli: Pfaueninsel bei Potsdam. 



August: Neustrelitz. 
September: 14.: Landsberg a. W. 
(Ausstellung des Märkischen Obst- 
bauvereins). 
Oktober: Dresden (Jubiläums- Aus- 
stellung des Landesobstbauvereins 
für das Königreich Sachsen). 

Ausserdem ist es den einzelnen 
Ausschüssen überlassen, für sich Aus- 
flüge zu veranstalten. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



Anatole CordonnieretlilsinBailleul 
(Nord), France, Catalogue et guide pour 
l'amateur de Chrysanthemes ä grandes 
tleurs, mit vielen Abbildungen. — Die- 
selben. Comment obtenir 30 grandes 
ileurs de Chrvsanthemes sur une seuie 



tige? [Wie erhält man 30 grosse Chry- 
santhemum auf einem Stengel?] (Em- 
pfehlung des Düngers „Papillon".) — 
Dieselben, La question des engrais en 
horticulture. (Die Düngerfrage.) — 
A. Schwiele wski. Carow bei Berlin. 



Personal-Nachrichten. 



22'-! 



Posl Blankenburg (Mark), Georginen 
(Dahlien). Luigi Cane in Casa- 

lecchio de Renn, Bologna (Italien), 
Listino dell Sementi. Besonders Gehölz- 
samen. — W. A. Manda (Universal 
Horticultural Establishment) in South 
Orange, New- Jersey U. S. A., New rare 
and beautiful plants, seeds and bulbs. 
u. a. Rosa Wichuriana-Hybriden, Warm- 



hauspflanzen etc. - Rivoire pere et 
fils in Lyon. l6 rue d'Algerie, I'lantes 
ä massifs et en collections (Gruppen- 
pflanzen und Sammlungen und Lobelia 
Gerardi). Dieselben, Nouveau soufre 
ipite Schloesing ä la nicotine. 
(Schwefelblüte mit Nikotin, soll sehr 
wirksam sein) und Zerstäuber. 



Personal-Nachrichten. 



Der Geheime Regierungsrat und 
frühere Telegrapheningenieur im 
Reichspostamt Dr. Philipp Wilhelm 
Brix, seit 1866 Mitglied des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues, ist 
am 31. März in Charlottenburg im 
82. Lebensjahre verschieden. Geboren 
zu Berlin, studierte er hier und in 
Königsberg Mathematik und Natur- 
wissenschaften, um Lehrer zu werden. 
Im Jahre 1847 übertrug ihm das 
preussische Handelsministerium durch 
Yermittlungdes Vereins zur Beförderung 
des Gewerbefleisses „Untersuchungen 
über die Heizkraft der wichtigeren 
Brennstoffe", die ihn bis 1851 be- 
schäftigten; sein darüber geschriebenes 
Werk (gedruckt 1853) wird noch jetzt 
in der Wissenschaft geschätzt. Die 
entscheidende Wendung in seinem 
Leben brachte das Jahr 1853: der 
deutsch -österreichische Telegraphen- 
verein übertrug ihm die Redaktion 
seiner Zeitschrift , der ersten wissen- 
schaftlichen Zeitschrift auf dem Gebiete 
der Telegraphie, welche Brix von 
1 \ : 4 bis 1869 herausgab. Im Jahre 
1 86 1 trat er in ein engeres Verhältnis 
zur preussischen Telegraphenver- 
waltung, indem er als Lehrer an der 
I elegraphenschule angestellt wurde. 
Zugleich war er Lehrer der elektrischen 
Telegraphie an der Bauakademie, 
später an der Technischen Hochschule, 
eine Stellung, die er bis 1882 bekleidete. 
Als in der Mitte der siebziger Jahre 
die zunehmende Ausbreitung des 
elektrischen Telegraphen an die 
Telegraphenverwaltung auch in wissen- 
schaftlicher Beziehung erhöhte An- 
forderungen stellte, wurde Brix im 
Jahre 1876 zum Ingenieur beimGeneral- 
Telegraphenamt ernannt. Als technisch- 



wissenschaftlicher Beirat der Tele- 
graphenverwaltung hat er sich um 
die Entwicklung der deutschen Tele- 
graphie grosse Verdienste erworben. 
Wie der Geistliche am Sarge hervor- 
hob, wandte Brix, der allein durchs 
Leben wandelte, seine besondere Li 
dem Gartenbau zu. In seinem Garten 
zog er besonders viel Obstsorten, aber 
auch Blumen. — Seit Begründung des 
Liebhaber - Ausschusses des Vereins 
zur Beförderung des deutschen Garten- 
baues wurde er zum Vorsitzenden er- 
wählt, legte das Amt aber vor drei 
Jahren wegen Altersschwäche nieder. 
(Berl. Lokal-Anzeiger.) 



Unser verehrter Kollege, Professor 
Dr. Bernhard Frank von der land- 
wirtschaftlichen Hochschule. Mitglied 
des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues, ist in das Kaiserliche 
Gesundheitsamt berufen worden. 
Sein Eintritt in das Amt 

hängt mit der Errichtung der biolo- 
gischen Abteilung für Pflanzenschutz 
beim Gesundheitsamte zusammen. Mit 
ihm ist auch Dr. Friedrich Krüger, 
gleichfalls Mitglied des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues über- 
getreten. Ausgeschieden ist aus 
dem Dienste des Gesundheitsamtes 
u. a. Prof. Dr. Behrens von der 
technischen Hochschule in Karls- 
ruhe, der erst im vorigen Jahre im 
Interesse der biologischen Abteilung 
für das Gesundheitsamt angeworben 
wurde. Er ist nach Karlsruhe zurück- 
gekehrt. 

Eine von Berlins grössten Industrie 
firmen, die Maschinenfabrik von 
Carl Beermann, begeht am 15. April 



224 



Feldmessunterricht. 



die Feier ihres 50jährigen Geschäfts- 
jubiläums. Die derzeitigen Inhaber 
des Etablissements, die Herren 
Hermann Beermann und Georg Beer- 
mann. Mitglieder des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues, haben 
für die Feier dieses goldenen Jubiläums 
ein grosses Programm entworfen, das 
sich vornehmlich als ein Arbeiterfest 
gestalten soll. Die Firma ist im Jahre 
1849 von dem Ingenieur Carl Beer- 
mann in der Dresdener Strasse be- 
gründet und im Jahre 1856 auf ein 
grosses Gelände vor dem Schlesischen 
Thor verlegt worden. Hier hat das 
Unternehmen den gewaltigen Auf- 
schwung des 19. Jahrhunderts im 
Maschinenwesen mitgemacht und ihn 
durch eigene Erfindungen gefördert. 



Charles Xaudin, Direktor des 
Laboratoriums für den höheren Unter- 
richt der Villa Thuret in Antibes, f 
19. März im 84. Lebensjahre. Naudin. 
geboren am 15. August 1815 zu 
Autun, schrieb über die Vegetation 
der Solanaceen, über Melastomaceen 
und vor allem über Cucurbitaceen etc. 
Er war Leiter des reichen Akklimati- 
sationsgartens der Villa Thuret. 
Der Verein zur Beförderung des Garten- 
daues verdankt ihm mancherlei Samen, 
Der Unterzeichnete aber wertvollen 



Rat, namentlich in Bezug auf Cucur- 
bitaceen. L. W. 

Gottlieb Schober, herrschaftlicher 
Gärtner zu Karlsdorf, Kreis Nimptsch, 
erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen. 



Joh. Njehus, bisheriger Gehilfe des 
Bot. Gartens in Würzburg, wurde zum 
Nachfolger des f Inspektors Salomon 
ernannt. 



Heinrich Schultheiss, der Gründer 
der Rosenfirma Gebr. Schultheiss zu 
Steinfurt bei Nauheim f am Herz- 
schlage am 28. März, 53 Jahre alt. 



J. Kesselring, Mitinhaber des 
Pomologischen Gartens Dr. E. Regel 
& Kesselring, Schwiegersohn Regeis, 
feierte am 3. März seine silberne Hoch- 
zeit. 

In Erfurt ist beschlossen worden, 
einen städt. Gartendirektor anzustellen. 
Gehalt anfangs 3Ö00 M. 



Der k. u. k. Hofgartendirektor Anton 
Umlauft in Schönbrunn und unser 
Mitglied Gartendirektor Wilhelm 
Lauche in Eisgrub in Mähren erhielten 
den kaiserl. österreichischen Franz- 
Josephs-Orden. 



Feldmessunterricht. 

Der Unterricht im Feldmessen an der städtischen Fachschule für Gärtner, 
unter Leitung des Kgl. Gartenbaudirektor Hampel, Städtische Baumschule 
vor dem Schlesischen Thor, Sonntags von 8 — 10 Uhr, beginnt daselbst 
Sonntag, den 7. Mai. Honorar 3 Mark. Um zahlreiche Beteiligung wird 
gebeten. 



Tagesordnung 

für die 

858. Versammlung des Vereins z. Beförderung d. Gartenbaues i. i pr. Staaten 

am Donnerstag, den 27. April 1899, 6 Uhr, 

im Königl. botanischen Museum, Grunewaldstr. 6-7 (im Königl. botanischen Garten). 
NB. Vom April bis August finden die Versammlungen des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues im Königl. botanischen Museum, <> Uhr, statt. 

1. Ausgestellte Gegenstünde. 2. Vortrag des Herrn Professor Dr. Carl Müller: 
Ueber die Blütenfarben, ihre Entstehung und Nuancierung. 3. Zweite Lesung des Etats. 
4. Die Petersburger Ausstellung. 5. Verschiedenes. 




Das Schneeglöckchen, 
Galanthus. 

Blätter zu ihrer Geschichte von Carl Hansen, 
Kopenhagen. 

Hierzu Abbildung 48 — 52.) 

A.bb. 48. 

Galanthus Elwesii. [Schluss.J 

Eine der ersten Abbildungen von Galanthus nivalis ist der charakteristische 
Holzschnitt bei L'Obel in seinem »Stirpium Ilistoria«, 1576 zu Antwerpen 
publiziert. Gerarde in England benutzte 1597 L'Obels Bild und noch ein 
anderes Bild eines Galanthus, welches mutmasslich nach englischen Angaben 
G. Imperati oder vielleicht G. plicatus sein könnte. Clusius giebt 1601 in 
seiner »Ilistoria« diese beiden Abbildungen und sagt uns, dass der grössere 
Galanthus zu uns kam nach Europa von Konstantinopel oder Byzantium. wie es 
damals genannt wurde. 

Sehr wahrscheinlich ist es, dass die Mönche schon viel früher Galanthus- 
zwiebeln nach England und somit nach Nord-Europa gebracht haben. 

Noch verdienen erwähnt zu werden: 

Galanthus nivalis serotinus. klein, aber schön. 

G. n. caucasicus ist gross und spätblühend. 

G. n. caspicus ist eine Form des vorigen. 

G. grandis ist eine schöne Form von G. nivalis und ähnelt am meisten 
der G. n. caucasicus. 

G. Imperati giebt es in mehreren Formen. Der echte Galanthus Imperati 
Bertoloni stammt aus Italien, wird aber gewöhnlich für eine gigantische Form 
des G. nivalis angesehen. Es ist auch schwer zu sagen, wo G. nivalis aufhört 
und G. Imperati anfängt. In der Sektion, zu welcher G. Imperati gehört, 
Qnden sich mehrere höchst liebliche Schneeglöckchen, und eines der schönsten 
ist die Melvillesche Dunrobin-Form. G. nivalis Atkinsi ist vielleicht die aller- 
grösste und eine stark wachsende Form. Sie ist am besten bekannt als G. Imperati 
Atkinsi. 



226 L) as Schneeglöckchen, Galanthus. 



Galanthus major Ruprecht ist ein grossblühender G. nivalis. 

Galanthus Melvillei hört, scheint eine bestimmte Form des G, nivalis, 
aber von allen verschieden durch niedrigen Wuchs und grosse Blüte. 

G. nivalo-pli catus »Valentine« ist eine gute Hybride. 

Galanthus Van Houttei ist eine schöne Form des G. nivalis und gleicht 
viel G. n. caucasicus. 

Galanthus umbrensis hört, stammt aus Italien. Sie ist viel früher 
blühend als G. nivalis, aber von etwas schwächerem Wuchs. 

Galanthus reflexus Herbert ist eine eigentümliche Form des G. nivalis, 
sie wurde auf Mont Garganus gefunden. 

Galanthus aestivalis ist eine eigentümliche Form des G. nivalis. 

Galanthus Allen i wird als eine Hybride zwischen G. latifolius und 
G. caucasicus angesehen und hat in seinen Merkmalen etwas von beiden. Die 
Blüte ist etwas ähnlich dem G. latifolius. aber doppelt so gross und die Blätter 
korrespondieren in Grösse. 

Von gefüllt blühenden Schneeglöckchen bat man, ausser dem gewöhnlichen 
G. n. fl. pl. noch ein zweites und zwar besser gestaltetes: 

Galanthus nivalis fl. pl. Allen, von welchem gesagt wird, es sei 
ebenso schön und dicht gefüllt wie eine Ranunkel. 

Galanthus nivalis plenissimus soll aus Aussaaten von den letzten 
Jahren stammen und wird als sehr gross und schön beschrieben. 

Die Kultur des Schneeglöckchens ist sehr leicht, selbst für den wenig 
geübten Pflanzenzüchter. Giebt es eine Blume, welche nur geringe Pflege ver- 
langt, so ist es diese, und man kann beinahe sagen, dass sie um so besser gedeiht, 
je weniger sie kultiviert wird. 

Gar zu zärtliche Pflege scheint sie gar nicht zu schätzen, sie erträgt da- 
gegen sehr viel harte Behandlung. Zum Beispiel verträgt sie ganz gut aus der 
Erde genommen und umgepflanzt zu werden, wenn sie in voller Blüte steht. Wenn 
die Erde einigermassen passend ist, und nicht zu lehmig oder zu trocken, ge- 
deiht sie in der Regel ganz gut, am besten jedoch in einem etwas sandigen, aber 
doch nahrungsreichen Boden. Das Vorkommen der Pflanze in unserer Flora, 
als verwildert, im Gebüsch und auf Wiesen zeigt darauf hin, dass sie sehr 
genügsam ist. Im Gebüsch und überhaupt zwischen Sträuchern gedeiht der 
Galanthus oft überraschend gut, selbst wenn die Strauchwurzeln die ganze Erd- 
masse durchwebt haben. Sein Vorkommen auf Wiesen, überhaupt zwischen 
Gras, zeigt auch, dass er so wenig wie eine andere Wiesenblume, im Wege 
für seine Nachbarn ist. Da die Blüten eine gar nicht geringe Handelswaare 
geworden sind, welche auf ähnliche Art wie die Veilchen eine gewisse Zeit 
des Jahres vielen Menschen Gewinn bringen, so wäre es nicht unzweckmässig, 
wenn man mehr davon zöge. Wegen der leichten Kultur und bei der gegen- 
wärtigen Kenntnis der bedeutenden Variation, würde es ziemlich leicht ge- 
lingen, soviel davon zu schaffen, als eben verlangt würde. 

Nicht immer giebt es in etwas südlicheren Landstrichen früher Blüten 
als wie in den nördlicheren. So wird z. B. in englischen Zeitschriften 
behauptet, dass die Blüten des Schneeglöckchens in Schottland sich um acht 
Tage früher öffnen als bei London, wohin dann sehr grosse Mengen des 
schottischen Schneeglöckchens auf den Markt gebracht werden. 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. 2'2~ 

Eine allgemeine Erfahrung is1 es, dass Schneeglöchen etwas früher blühen 
dort, wo Baumkronen und Sträucher die Pflanze etwas beschatten und auch 
gegen Wind schützen. 

Es giebt deswegen sozusagen in allen grösseren Gärten, in Gebüsch- 
gruppen u. s. w., Plätze, wo gute Standorte für das Schneeglöckchen wären, und 
mancher Ort. wo es heut gar nicht gesehen wird, könnte zu Tausenden 
damit bepflanzt werden, ohne dass sie anderen Pflanzen im Wege ständen. 
Dass es auf Wiesen sich so gut entwickelt, hat veranlasst, dass man in einigen 
Parks und Gärten es zu Massen in den Rasen pflanzte. Dies lässl sich nur 
machen, wo vieljährige Gräser zu dauerndem Rasen angewandt sind und der 
Rasen nicht gar fein gehalten werden soll. In Raigrasrasen passen die Schnee- 
glöckchen nicht, aber einem ein wenig vernachlässigten Rasen steht die 
Blume vortrefflich; Schöneres giebt es dort kaum während der Blütezeit, und 
die dunklen Blätter welken doch ab, wenn sie ihre Funktion vollendet haben, 
um der Zwiebel für das nächste Jahr Nahrung zuzuführen, dann sind sie gar 
nicht im Wege. Im Rasen wuchern die Schneeglöckchen oft sehr und geben 
hier und dort guten Samen und neue Varietäten. Besonders schön wirkt das 
Schneeglöckchen in den schattigen Rasenflächen, und wo Gras nicht mehr 
fortkommt, kann das Schneeglöckchen noch sehr üppig sein. Oft wächst das 
Schneeglöckchen am besten und sein Samen reift leichter, wenn die Pflanze 
eben zwischen Gras und im Schatten von grossen Bäumen steht. In England 
hat man an solchen Orten 12 bis 16 Zoll lange Blätter gemessen, und es wird 
erwähnt, dass unter einer einzigen Krone eines Apfelbaumes für 20 Pfund 
Sterling Schneeglöckchen-Blumen gepflückt seien. Und das in einem Jahr. 

Recht oft hat es sich gezeigt, dass die Pflanzen am besten da gedeihen, wo 
sie gar nicht umgepflanzt wurden. Aber die einfach blühenden und die ge- 
füllten sind in der Beziehung etwas verschieden. Die gefüllten scheinen ein 
und sogar ein wiederholtes Umpflanzen am besten zu ertragen und ist dies 
Umpflanzen auch zweckmässig, weil sie ausschliesslich oder hauptsächlich durch 
Umpflanzung oder Teilung der Stöcke vermehrt werden. Man hat hier und da 
gesehen, dass einfachblühende ausstarben, aber die gefüllten gediehen da .oft 
gut, selbst wenn die einzelnen durch Pilze vernichtet wurden oder durch dürre 
Erde oder sonst aus unerklärlichen Umständen zu Grunde gingen. Es ist eine 
nicht ganz ungewöhnliche Behauptung, dass die einfachblühenden zuletzt in 
gefüllte übergehen, das glaubt man an einem oder dem anderen Ort erfahren 
zu haben. An einigen Stellen hat sich erwiesen, dass die gefüllten am dauer- 
haftesten sind. Es giebt aber auch wieder Angaben, dass die einfachblühenden 
am widerstandsfähigsten seien. Sodann wird berichtet, z. B. von Dunrobin Castle, 
N. B., dass die einfachen Arten weit besser im Gras und im Schatten gedeihen 
.als die gefüllten. Und dort nehmen die Schneeglöckchen ein Areal von drei 
acres, über ein Hektar ein. 

In Grossbritannien widmet man überhaupt der Schneeglöckchenkultur sehr 
[nteresse. Hier und dort kultivieren Farmer und Cottagers sie im 
Garten wie auch im Felde, um die Zwiebeln zu verkaufen. Diese werden in 
Zwischenräumen von ein paar Jahren aus der Erde herausgeholl und sortiert. 
: kleinsten Zwiebeln werden wieder gepflanzt, um erst später verkauft zu 
weiden. In England kann man auch Moorlandstücke von 1 bis 2 acres Grösse 
mit Schneeglöckchen bepflanzt sehen und gedeihen diese darauf sehr gut. 



228 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. 



In solchen grossen Kulturen hat eine Krankheit oft recht viel Schaden 
gemacht, die durch den Pilz Polyactis galanthina R. B. verursacht ist. Man 
will bemerkt haben, dass der Pilz häufig plötzlich auftritt, gleich nach einem 




mm 

V/VA- 

Abb. 49. Galanthus cilicicus Baker. 
Cliche von Herrn Hoflieferant F. C. Heinemann. Erfurt. 



Schneefall und dass sowohl Blätter als wie Blütenstiele befallen werden. Die 
Zwiebel wird dadurch auch weich und verrottet. In einigen Gärten wurden 
die Pflanzen angegriffen, als sie erst wenig aus der Erde herausgewachsen 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. 



229 



waren, und in diesen Fällen sagl man, dass die Krankheit nicht so sehr an- 
kend wirkte als wie sonst, indem ganz gesunde Zwiebeln mit kranken 
zusammen standen. Verschiedene Mittel gegen Pilze sind angewendet worden. 
aber nicht immer mit gutem Erfolg. An einzelnen Orten hat man die kranken 
Pilanzen dadurch gerettet, dass man sie ganzlich in Ruhe Liess und höchstens 
mit einer Schicht Sand oder sandiger Erde bedeckte. 

Im Tierreich scheint diese Pflanze nicht viele Feinde zu haben. Der 
scharte, beizende, etwas giftige Saft der Pflanze scheint sie gegen Tierfeinde zu 
verteidigen. Mäuse und Kahlfrost thun mitunter im Winter etwas Schaden. 

Bisweilen macht der Frost die Pflanze leidend aussehen, wenn nämli< b 
nach längerer Zeit milden Wetters plötzlich kaltes kommt und die Pflanzen 
schon ein paar Zoll über die Erde herausgewachsen sind. Die Platter ziehen 




Abb. 5o. Galanthus Elwesii. 



m 

Abb. 5i. Galanthus latifolius. 



sich dann zusammen und scheinen auf dem Wege zu welken. Aber damit ist 
nicht gesagt, dass sie zum Tode verurteilt sind. Die Säfte wandern in diesem 
Fall in die Zwiebel hinunter und wirken von da aus als eine Art Reservoir. 
Verblieben die Säfte alle in den Blättern oben, dann würde die Pflanze leichter 
et werden. Dass die Säfte später hinaufsteigen, zeigt sich sehr deutlich 
dadurch, dass man, wenn man blühende Pflanzen umpflanzt, die Zwiebeln sehr 
reduziert findet, sie sind weich, schwammig und klein, die Kraft ging nach oben. 

Die Vermehrung der Schneeglöckchen geht gewöhnlich und am häufigsten 
auf vegetativem Wege von statten, indem die Stöcke geteilt, die kleinsten 
Zwiebeln herausgelöst werden und allen mehr Platz gegeben wird. 

Die Vermehrung durch Samen wird seltener vorgenommen, aber kann 
sehr gute Resultate geben, und auf diese Art hat man viele interessante Varie- 
täten gewonnen. Darum ist es von Wichtigkeit, dass man dem Samen Auf- 
merksamkeit schenke. 



2^0 Das Schneeglöckchen, Galanthus. 



Bei Galanthus cilicicus reift der Samen erst im nächsten Jahr, d. h. wenn 
die Pflanzen, wie bei mir, im Spätsommer geblüht haben. 

Erfahrene Kultivateure von Schneeglöckchen raten an. die Samen solange 
sitzen zu lassen, bis sie völlig reif sind und auszufallen drohen. Der geerntete 
Samen muss an einem schattigen, luftigen Ort. z. B. oben auf dem Boden oder 
an ähnlichen Stellen hingelegt und dann baldmöglichst gesäet werden, nachdem 
er nur eine oder zwei Wochen durchlüftet war. 

Die Aussaat direkt im Freien giebt nicht immer das beste Resultat. Mit- 
unter macht man die Aussaat in kleinen Kisten, solchen z. B., welche als 
Emballage für Kognakflaschen gedient haben und die besonders gut verwendbar 
sind. Diese sind ziemlich stark, aus gutem Holz angefertigt und nicht zu tief. 
In den Boden der Kiste werden etwa 24 Löcher mit einem Centrumbohrer für 
den Wasserabzug gemacht, und an beiden Enden ein Stück Brett untergenagelt, 
sodass die Kiste, wenn sie im Garten hingestellt wird, auch von unten Luft- 
zufuhr hat und der Wasserablauf nicht gehindert wird. In die Kiste selbst 
legt man Scherben über die Löcher und noch einige mehr dazu. Die Erde 
darf nicht gar zu humos sein, muss aber locker und lose sein und dies wird 
durch Zumischung von Kies und Sand erreicht. 

Der Samen wird in 3 / 4 Zoll tiefe Rilleu gelegt und die Rillen mit Sand 
zugemacht, dann bringt man noch über die ganze Bodenfläche eine 1 / i Zoll 
dicke Sandschicht. Diese Kisten werden ins Freie gestellt ohne auf irgend 
eine Art gedeckt zu werden. Sie erfordern nicht viele Pflege, nur dann und 
wann ein Begiessen und ein Jäten, wenn sich L'nkraut einfindet. Im zweiten 
Jahr legt man eine kleine Schicht Erde auf. um nachzufüllen, wenn die Erde 
zusammengesunken ist. 

Die Samenpflanzen müssen in den Kisten bleiben, bis sie blühbar sind, 
was gewöhnlich erst im vierten Jahre nach der Aussaat eintritt. 

Der Same keimt sehr ungleichmässig, was sich zu erkennen giebt, wenn 
schliesslich alle Pflanzen herausgenommen werden, einige Zwiebeln sind dann 
nicht grösser als wie Weizenkörner, während andere gleichzeitig die gewöhn- 
liche blühfähige Grösse erreicht haben. Der Samen von Galanthus lutescens 
liegt in der Regel mehrere Jahre in der Erde, ehe er keimt. Man hat Beispiele,, 
dass von verschiedenen Galanthus-Arten die gleichzeitig gesäet waren, einige 
gleich gekeimt und im vierten Jahre blühfähig wurden, während zu dieser Zeit 
der Galanthus lutescens erst anfing zu keimen. Wenn Schneeglöckchensamen 
den Winter durch trocken aufbewahrt wird, kann es leicht passieren, dass er 
erst ein Jahr später keimt. 

Die jungen Samenpflanzen, welche im vierten Jahre blühen, sind noch 
keineswegs als normal entwickelt anzusehen. Erst, wenn sie drei- oder vier- 
mal geblüht haben, ist es möglich, über den Charakter und Wert zu urteilen. 
Es vergehen also etliche Jahre, ehe man wissen kann, ob eine neue schöne 
Form entstanden ist. 

Xicht alle Galanthusformen halten im Laufe der Jahre gleich gut aus. 
Von der echten Type des Galanthus nivalis kann man am sicherten sagen, 
dass sie gewöhnlich wahrhaft ausdauernd ist, und in der Regel ist dies auch der 
Fall mit Galanthus plicatus, aber es hat sich gezeigt, dass einige der neueren 
und schönen Formen, welche man davon erhalten hat, die unglückselige 
Eigenschaft haben, unbeständig zusein und plötzlich aussterben können. Solche 



Das Schneeglöckchen. Galanthus. 23 I 



müssen immer nach verschiedenen Methoden kultiviert werden, um dadurch 
ihr gänzliches Aussterben zu verhindern. Galanthus Elwesii gedeiht ge- 
wöhnlich nicht gut in gar zu fester, lehmiger, bindiger Erde. Galanthus lati- 
folius und Galanthus caucasicus lieben am meisten eine kiesige, griffige, 
etwas sandige Erde, welche, auch andere, wie z. B. Galanthus Fosteri 
lieben. 

Sowohl britische wie dänische Erfahrungen sprechen dafür, dass es ratsam 
sein kann. Torferde. d. h. Tortstaub, mit Steingrus gemischt zu verwenden. 

Man hat ferner die Erfahrung gemacht, dass Schneeglöckchen mit stark 
grüngefärbten Blättern schneller und kräftiger heranwachsen als andere. 
Die gelben Schneeglöckchen wachsen dagegen nur sehr langsam, sind zart und 
sehr schwer zu vermehren. Dies ist der Fall mit Galanthus Scharlockii, 
G. poculiformis und G. lutescens. 

Schon beim Pflanzen kann man an den Zwiebeln die verschiedenen Galanthus 
etwas unterscheiden und man findet drei verschiedene Typen. So ist 
die Zwiebel des Galanthus nivalis nahezu eiförmig, die des G. plicatus ist 
mehr rhomboidal oder spindelförmig, während der Galanthus Elwesii eine mehr 
runde Zwiebel hat. 

Dr. J. G. Baker giebt eine Diagnose sämtlicher Arten in seinem Iland- 
book of Amaryllidaceae, Eondon p. 16 — 18 und in Gardener's Chronicle vom 
April 1889 pag. 458. Er giebt 7 Arten den Vorrang als typische und bezeichnet 
ihre Verbreitungsareale und Blütezeiten wie folgt: 

1. Galanthus nivalis E. : Pyrenäen bis Kaukasus. Unterarten sind 
Galanthus Imperati und G. caucasicus. Blütezeit Februar — März. 

2. Galanthus graecus. Orph. Insel Chios und Pellinos- Gebirge. 
Blütezeit April. 

3. Galanthus Elwesii Hook. fil. Klein-Asien nahe Smyrna und in 
Höhe von 3700 Fuss auf der Manissa-Gebirgskette. Blütezeit Mai. (Blüht 
früher.) 

4. Galanthus latifolius, Ruprecht. Kaukasus. Blütezeit Mai. 

5. Galanthus Olgae, Orph. Griechenland. Oktober. 

6. Galanthus plicatus M. B. Krim und Dobrudscha - Gebirge. März 
bis April. 

7. Galanthus Fosteri. Baker. Amasia in der Provinz Sirwas. nördliches 
( !entral-Klein-Asien. April. 

Die Zwiebeln der verschiedenen Schneeglöckchen-Typen variieren in 
Bezug der Grösse übrigens nicht sehr viel. Galanthus nivalis-Zwiebeln können 
von J ._.— ;: 1 Zoll Durchmesser haben und so ziemlich die Grösse einer Ilaselnuss 
erreichen. E)ie gefülltblühenden haben jedoch gewöhnlich etwas grössere 
Dimensionen. 

Galanthus plicatus und G. Imperati haben Zwiebeln, welche 1 Zoll und 
mehr im Durchmesser gross werden, und sowohl in Beziehung auf Grösse wie 
Form können sie etwa einem Taubenei ähnlich sein. 

Mit einiger Übung kann man sodann auf Grund der Verschiedenheiten wohl 
mitunter die verschiedenen Typen unterscheiden, und gelten dann auch die 
Farben der äussersten Zwiebelschalen, welche von gelblich und hell bis 
dunkler und braungefärbt variieren können. Obgleich die Blütezeit für die ver- 
schiedenen Arten, wie oben angegeben, sehr verschieden ist, ist doch wohl 



232_ 



Das Schneeglöckchen, Galanthus. 



Grund da, Kreuzbefruchtungen zu versuchen. Um solche zu ermöglichen, 
pflanzt man die verschiedenen Arten Zwiebeln zu verschiedenen Zeiten des 
Jahres, um so zu probieren, die Blüten zu gleicher Zeit in Flor zu bekommen. 
In England hat man viel experimentiert mit der Kreuzung verschiedener Arten 
und man hat wirklich viel Glück damit gehabt, unter anderen ist der Galan- 
thus nivalo-plicatus »Valentine« auf diese Art entstanden. 

Noch einmal möchten wir zum Schluss den Blumenfreunden die Kultur 
und selbst die Vermehrungskultur von Galanthus auf das wärmste empfehlen. 
Die Zwiebeln der gewöhnlichen Schneeglöckchen sind so billig und erfordern, 
wie schon gesagt, so wenig Pflege, dass es eigentlich auffallend ist. wie wenig 
sie kultiviert werden. Bereits oben ist hervorgehoben, dass grosse Gebüsch- 
areale kaum auf andere Art als durch Schneeglöckchen ausgenutzt werden 
können, — jedenfalls schwerlich besser. 

Sehr oft werden auch die Galanthus als Kant- oder Einfassungspflanzen 
benutzt, bisweilen gemeinsam mit- den herrlichen blauen Scilla, was eine schöne 
Zusammenstellung giebt, — mitunter kommt die Scilla jedoch später. 

Auf Friedhöfen sind besonders viele passende Lokalitäten für die Schnee- 
glöckchen, und doch sieht man derartige Anlagen, wo die Blume sich gar 
nicht findet. Die vielen Hecken und kleinen Gesträuche geben eben sehr 
passende Örtlichkeiten für diese niedlichen Blumen. Und in der Symbolik der 
Blume ist so viel Schönes niedergelegt, dass sie alle ästhetischen wie 
sentimentalen Gefühle ansprechen muss. 

In manchen Park- und Promenadenwäldern wäre es wünschenswert, die 
Schneeglöckchen sogar im Grossen zu naturalisieren. Die so reizende, eigen- 
tümliche Schönheit der bescheidenen Blume, nicht nur die der schon ent- 
falteten Glocke, sondern auch die der zierlichen, eine Zeitlang grün gekleideten 
Knospe, welche in aufrechter Stellung aus der Erde hervortritt, würden jeden 
Spaziergänger erfreuen. Wären die selteneren und neueren Formen etwas 
allgemeiner bekannt, würde das Galanthusgeschlecht. unsere lieben Schnee- 
glöckchen, noch weit mehr populär werden. 




Abb. 52. Galanthus nivalis h\ pl. u. andere. 



Dekoration zum 5ojührigen Geschäftsjubilaum der Firma Carl Beermann-Berlin. «23 

Dekoration zum 50jährigen Geschäftsjubiläum der Firma 
Carl Beermann-Berlin. 

r^V/um Empfang der verschiedenen Deputationen bei Gelegenheit des 50jährigen 
^r Geschäftsjubiläums am 15. April (vergl. Heft 8, S. 223) hatten die Herren 
Hermann Beermann und Georg Beermann, die beiden Sühne des bereits 
im 39. Lebensjahr verstorbenen Begründers der grossen landw. Maschinen- 
fabrik Carl Beermann, vor dem Schlesischen Thor, Berlin, ihr grosses 
Komptoir durch Herrn Landschaftsgärtner W. Wendt, BerlinS., Ilasenhaide 56, 
in einen wahren Illumensalon verwandeln lassen. Alle Pulte etc. waren ent- 
fernt, schöne Teppiche gelegt und an allen Wänden ein reicher Pflanzenschmuck 
angebracht. 

Links an der Wand, nahe dem Eingang, standen die Büsten der Kaiser- 
lichen Majestäten in einem Magnolien- und Lorbeerhain, weiterhin folgte an 
derselben Wand eine Gruppe von Palmen, Dracaenen, Magnolien, Cytisus 
Attleyanus etc., an der Basis von Tulpen, buntblättrigen Funkien etc. ab- 
geschlossen. Diese Gruppe diente als ansprechender Hintergrund für ein auf 
einer Staffelei aufgestelltes etwa 1,25 m hohes, von M. Patke echt künstlerisch 
ausgeführtes farbiges Gedenkblatt, das die Arbeiter der Fabrik ihren Chefs 
gewidmet hatten. Meisterhaft wie das Bild selbst, war auch der in Leder ge- 
punzte Rahmen vom Ilofbuchbinder Coli in. 

Die Rückwand des Saales nahm in ihrer ganzen Breite eine ganz aus- 
gezeichnet zusammengestellte Gruppe aus blühenden und nichtblühenden 
Pflanzen ein: In der Mitte eine hohe Dracaena lineata, links und rechts je eine 
Phoenix canariensis, in den Ecken hohe Lorbeerpyramiden, vor diesen wieder 
Palmen, Chamaerops excelsa, nach der Mitte zu, mehr im Vordergrunde, wieder 
eine Dracaene, links und rechts davon blauer Flieder, hochstämmige Schnee- 
bälle und vor diesen getriebener weiss-bunter Ahorn, Acer Xegundo. In 
diesem Blütenhain stand eine zweite kostbare Ehrengabe: die Bronzestatue eines 
Schmiedes, modelliert von Eberlein, gegossen von Schaeffer & Walcker, A. G., 
umrahmt nach vorn von einem Halbkreis niedriger Blütenpflanzen, Azaleen, 
Spiraea japonica etc., abgeschlossen dureh Selaginellen. 

An den Fensterpfeilern wieder Magnolien, Kentien, Deutzien, Cytisus, 
Cinerarien etc. Die beiden Geldschränke, welche wegen ihrer Schwere nichl 
hatten entfernt werden können, waren in geschickter Weise durch Epheu und 
Palmen verdeckt. Das über dem kleineren Geldschrank hängende Bild des 
Geschäftsbegründers hatte eine hübsche Umrahmung aus kleineren Blumen 
erhalten; ganz besonders zierlich nahmen sich unter diesen die weissen Allium 
neapolitanum aus. 

Endlich rechts vom Eingange fand sich eine Gruppe von Dracaenen, 
Lorbeeren, Magnolien und blühenden Pflanzen. 

Die hier öfter genannten Magnolien sind nicht blühende M. Soulangeana 
oder dergl., die viel zu steifgewirkt hätten: es waren Magnolia grandiflora, 
die nur als Blattpflanzen Verwendung gefunden hatten. Erst vor wenigen 
Wochen hatte Herr Wendt diese in Italien so häutige Art erworben, und wohl 
zum ersten Mal sah man sie in grösserem Masse verwendet. Ihre grossen 
glänzend grünen Blätter machen sie für Dekorationen recht geeignet. 



irtA Einige frühblühende Crocus-Arten. 



Eine besondere Zierde erhielt der Saal noch durch die schönen Bindereien, 
welche von Freunden des Hauses Beermann gespendet und geschickt in den 
Fensternischen aufgestellt waren. 

Der Raum reichte für sie aber bei Weitem nicht aus, ein Nebenzimmer 
war noch ganz mit Bindereien angefüllt. Unter ihnen sei ein aus Rohr ge- 
bildeter kleiner Schwingpflug (d. h. ein Pflug ohne Räder) hervorgehoben. 
Ein Pflug ist an und für sich ein etwas steifer Gegenstand; hier aber war 
durch Anbringung von Blumensträussen an den beiden Sterzen und am Vorder- 
ende des Pflugbalkens sowie durch Hindurchleitung von zartem durchbrochenen 
rosa seidenen Band, das sich von hinten nach vorn zog, dem Ganzen ein sehr 
gefälliges Ansehen gegeben. Sehr schön waren auch mehrere Blumenjardinieren 
aus Kork arrangiert, ebenso die hohen Blumenkörbe u. s. w., kurz, Alles war 
höchst geschmackvoll, sowohl die Dekoration des Herrn Wen dt wie die 
Bindereien. 

In einem anderen Raum des Geschäftshauses wurde nach Empfang der 
Deputationen ein Frühstück eingenommen, am Nachmittag fand für das ganze 
Personal eine Sondervorstellung im Schillertheater (Ehrliche Arbeit) statt und 
abends ein Ball. Am nächsten Tage, einem Sonntage, besichtigten mehrere 
Mitglieder des Vereins diese »Blumen-Ausstellung«, und zu Hunderten wanderten 
die Beamten und Arbeiter mit ihren Frauen hin, um den Schmuck zu schauen. 
Die schönste Weihe aber gaben die jetzigen Geschäftsinhaber dem Feste, indem 
sie loooooMark zu einer Wohlthätigkeitsstiftung für ihr Personal spendeten. 

L. W. 



Einige frühblühende Crocus-Arten. 



Ll/rühlingsblüher im Garten sind stets willkommen. Je reicher wir den 
A^% Blumenflor in des Jahres ersten Monaten ausstatten können, desto lieber 
wird es uns sein. Wir wollen deshalb heute auf einige Crocus-Arten hin- 
weisen. Von S. Arnott werden in einer der Februar-Nummern des ,,Gardeners' 
Chronicle" vier, in unseren Gärten leider noch so seltene Crocus beschrieben. 
Wir geben im Folgenden die Ausführungen Arnotts wieder. 

Wer möchte die Crocus im Frühling missen? Wohl niemand. Sie er- 
schliessen sich mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen des Vorfrühlings. 
Ehe wir es ahnen, sind sie da und grüssen uns. Gold, purpurn, lila, weiss 
oder gestreift ist ihr Kleid. Alles, was wir in den Gärten zumeist als Crocus 
sehen, sind holländische Abarten. Wir wissen ihren Wert zu schätzen. Allein 
es giebt doch noch andere Crocus, echte ,, Arten". Mit diesen können wir 
unsern Garten recht hübsch schmücken. Sie bieten einerseits eine grössere 
Abwechselung, anderseits sind sie zu verschiedenen Zeiten in Blüte. Heute 
seien einige Arten beschrieben, die zu den frühblühendsten der Gattung zählen. 
Wir ordnen sie in chronologischer Reihenfolge, der Zeit ihres Erscheinens 
entsprechend. 

Unsere Crocus stellen sich nicht immer zur gleichen Zeit ein. Ihr Er- 
scheinen ist abhängig von der Witterung. Das nicht nur in Bezug auf ihre 
Triebzeit, sondern auch hinsichtlich der Witterung, welche in den vorher- 
gehenden Monaten herschte. Es kann also ihr Erwachen manchmal schon 



Einige truhblühende Crocus-Arten. 23^ 



— im Januar — ehe der Winter recht vergangen, eintreten, manchmal lassen 
sie uns bis in den März warten. 

Crocus Imperati. Wer in die Lage versetzt sein sollte, eine Auswahl 
unter den frühen Crocus zu treffen, würde wahrscheinlich diese prächtige Art 
vor allen wühlen. Obgleich Italien ihre Heimat ist, ist sie sehr hart und 
macht uns so wenig Mühe wie alle anderen Safrane. Crocus Imperati !s1 
schön, sei es in noch geschlossenem Zustande, wenn seine hellbraunen Seg- 
mente sich uns zeigen, sei es offen im Sonnenschein, wenn seiner Blumen 
reiches Purpur uns mit Staunen erfüllt. Je günstiger die Lage, desto zeitige] 
erschliesst er sich, in England oft schon vor Neujahr. 

Es giebt eine weisse Abart hiervon, welche indes einige Schwierigkeiten 
in der Kultur zu machen scheint. 

Sonst kann man im allgemeinen zwei Farbenvariationen bei diesem 
Crocus unterscheiden. Die eine — die zierlichere von beiden — blüht zeitiger 
und ist hübsch schwarzpurpurn punktiert auf der Aussenseite. Die andere 
Varietät ist meist ähnlich gezeichnet an der Aussenseite der äusseren Segmente 
und gewöhnlich kleiner. C. Imperati bringt reichlich Samen. Man kann 
diesen sofort nach der Keife aussäen. Sämlinge blühen nicht vor dem dritten 
oder vierten Jahre. 

("rocus vitellinus. Dieser hübsche und kleine Crocus erscheint etwa 
gleichzeitig mit C. Imperati. Seine Blüten zeigen ein tiefes Goldgell». 
was weithin leuchtet. Es ist eine der Arten, deren Blumen gleichzeitig mit 
den Blättern erscheinen. Dieser Umstand wird vielen schätzenswert dünken. 
Die Aussenseite der Blütenblätter ist manchmal bronzefarben angehaucht. 
Die Antheren sind gelb oder orangefarben und die Narben scharlach oder 
orange. C. vitellinus ist in Nordpalästina und Syrien zu Hause. Er ist 
ganz hart und einer weiten Verbreitung wert. 

Crocus Crewei. Der seltene C. Crewei ist C. biflorus nahe ver- 
wandt. Man hönnte zweifelhaft sein, ob man ihn als eigene Art aufstellen 
solle -- ausgenommen seiner dunklen, fast schwarzen Antheren halber. Er 
blüht zur selben Zeit wie die vorhergehende Art. Kann er mit dieser 
auch nicht hinsichtlich der leuchtenden Färbung der Blüten sich messen, so 
ist er doch recht hübsch und wertvoll. Die weisslichen äusseren Segmente 
sind schön chokoladenfarben angehaucht und das weisse Blüteninnere steht 
in hübschem Gegensatz zu dem tiefen Chokoladenbraun der Antheren. 

Dieser Crosus wurde zuerst von Elwes im Jahre 1874 in Syrien ge- 
funden: wir erhielten ihn aber auch aus Klein-Asien. 

»rocus ancyrensis. Ein anderer recht hübscher Safran, welcher bald 
nach C. vitellinus erscheint, ist C. ancyrensis, der Angora-Crocus. Er ist 
dunkler in der Färbung als C. vitellinus. Seine Blütenfarbe ist fast tief- 
orange. Die Segmente sind nicht gestreift. Eine kleine Gruppe des Angora- 

11s mit seinen grasartigen Blättern und leuchtenden Blumen schaut gar 
nett aus. In manchen Teilen Klein-Asiens soll er sehr häufig sein, er ist indes 
nicht so häufig in Kultur, als man erwarten sollte. 

Die eben beschriebenen Safrane sind nur einige wenige Vertreter dei 
artenreichen Gattung. Sie erfreuen uns zu einer Zeit, in der die kleinste Blume 
hoch im Preise steht. S. 



23 6 



Die beiden alten Eiben im Garten des Herrenhauses zu Berlin. 



Die beiden alten Eiben (Taxus baccata) 
im Garten des Herrenhauses zu Berlin. 

^ (Hierzu Abb. 53 u. 54.) 

(4-V4^ie alten Eiben im Garten des Herrenhauses erfreuen sich mit Recht 
<£^P einer grossen Berühmtheit,*) gehören sie doch zu den stärksten und 
höchsten Exemplaren unseres Vaterlandes. Conwentz**), der sich ganz speziell 
mit der Eibe in der Vorwelt und Gegenwart beschäftigt, führt als stärkstes 
lebendes Exemplar in Westpreussen die Eibe am Rande des Ziesbusches bei 
Lindenbusch an. Dasselbe misst über dem Erdboden 180 cm und in 1 m 
Höhe 156 cm Umfang und übertrifft daher die bekannten Bäume auf der 
Heidelberger Schlossterrasse (in 1 m Höhe 136 cm Umfang, 1880 von Conwentz 
gemessen). Hingegen, sagt Conwentz, wird unsere Taxus aus dem Ziesbusch 
an Dicke übertroffen, z. B. von der stärkeren Eibe an der Südfront des Herren- 
hauses in Berlin (in 1 m Höhe 170 cm Umfang, 18S9 von Conwentz gemessen, 
jetzt 175 cm bei einer Höhe von 11,60 irr. der schwächere 0,93 in einer Höhe 
von 11,85 ni, teils nach in meiner Gegenwart vorgenommennen Messungen 
des Herrn Völckel , teils nach Messungen des Herrn Reg. - Baumeister 
Fritsch. L. W.), von der Eibe an der alten Schweizerei im Fürstensteiner 
Grund mit 230 cm Umfang (wo?), 1889 von Conwentz gemessen, von 
der in Petersdorf in Schlesien fast 3 m Umfang nach Fiek, vom sog. Ibenbom 
(d. h. Eibenbaum) zu Mönkhagen bei Rostock, 291 cm Umfang nach Krause, 
von der Eibe des bot. Gartens in Frankfurt a. M. 238 cm Umfang, 1889 von 
Conwentz gemessen, von mehreren Exemplaren im Bodethal u. a. m. 

Kein Wunder, dass, als der Neubau des Herrenhauses eine Verpflanzung 
der beiden Eiben nötig machte, man mit der grössten Umsicht vorging, um 
diese alten Wahrzeichen am Leben zu erhalten, und diese Vorsicht wurde um 
so grösser, als der Erbauer des Abgeordneten- und des Herrenhauses, Herr 
Geh. Baurat Schulze, Mitglied des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, 
selbst ein grosserKoniferenkenner ist. — Die ganze Arbeit wurde Herrn Landschafts- 
gärtner L. Maecker, Friedenau, übertragen. 

Mehrere Jahre hindurch wurden die Bäume vorbereitet, um ihren »Umzug« 
bewerkstelligen zu können. Auf Rat der Herren Geh. Reg. -Rat Prof. 
Dr. Engler, Garteninspektor Perring und Landschaftsgärtner Maecker 
wurde die obere Erde durch bessere ersetzt und, um zu sehen, ob sich in 
der Peripherie bei guter Nahrung neue Wurzeln bilden würden. Ende Juli 1894 
an einem Teile des Umfanges ein U/^m langer, 75 cm breiter und 1,5 m tiefer 
Graben in Gestalt eines Kreissektors in 2 1 2 m Abstand vom Stamm ausgehoben, 
wobei eine Anzahl von 1 — 2 cm starken Wurzeln durchstochen werden 
mussten. Der Graben wurde mit guter Erde angefüllt und im nächsten Jahre, 
im April 1895, wieder untersucht. Da zeigte sich, dass die abgeschnittenen 
Wurzeln förmliche Besen von Saugwurzeln gebildet hatten. 

Anfänglich war beabsichtigt gewesen, wenn der Erfolg günstig ausfiele, 
drei solcher Sektoren in einem Jahre mit guter Erde zu füllen und in dem folgenden 

*/ Siehe Th. Fontane, Havelland, S. 126. — J. Trojan an verschiedenen Orten. 
**; Prof. Dr. H. Conwentz, Direktor des Westpreussischen Provinzialmuseums zu Danzig, 
,,Die Eibe in Westpreussen, ein aussterbender Waldbaum''. Abhandlungen zur Landeskunde der 
Prov. Westpreussen, Heft 111, S. 45, Danzig 1892. Ausserdem viele andere Veröffentlichungen 
von demselben über die Eibe. 



Die beiden alten Eiben im Garten des Herrenhauses zu Berlin. 2^7 



Jahre drei dazwischen liegende, so dass dann im ganzen l'mfang neue Saug- 
wurzeln sich landen. — Da aber der erste Versuch so glänzend ausgefallen war, 
glaubte man, zumal die Aste zurückgeschnitten wurden, auf einmal einen 
ganzen Kreis in Gestalt eines Grabens mit guter Erde und zugleich starke 
Fassdauben, die eine Art Kübel ohne Boden bildeten, an der Peripherie an- 
bringen zu können. Und so geschah es. Die Bäume wurden gut gepflegt und 
besonders regelmässig bespritzt; aber trotzdem wurden im nächsten Jahr 
(1896) die Nadeln rot und dass ganze Aussehen ein bedenkliches, 
so dass die gärtnerischen Sachverständigen das Fortkommen für wenig 
aussichtsvoll erklärten. Herr Geh. Baurat Schulze Hess sie aber 

Abends fleissig bespritzen , und das hatte den Erfolg, dass im Jahre 
darauf (1897) an den Ästen und namentlich an den Stämmen selbst eine 
grosse Anzahl neuer Triebe erschienen. Während des ganzen Sommers 
1897 und 1898 sind die Bäume wiederum reichlich bespritzt worden, 
auch die Erde wurde gelockert und alles zur Förderung des Wuchses gethan. 
Hätten sie so noch ein Jahr länger an ihrer Stelle bleiben können, so wäre 
wohl jede Gefahr ausgeschlossen gewesen. Das war aber nicht möglich. Der 
Xeubau erforderte, dass die Bäume schon in diesem Frühjahre an eine andere 
Stelle gerückt wurden. 

Ende März 1899 etwa wurde am Rande der Baumscheiben aufgegraben, 
da stellte sich leider heraus, dass die Wurzeln nicht, wie man erhofft, in das 
neue Erdreich gegangen waren, dass die abgeschnittenen Wurzeln auch keine 
Saugwurzeln gebildet hatten, wie sie doch 1895 gezeigt, sondern im Gegenteil 
vielfach bis auf einen Meter rückwärts von der Schnittfläche schwarz und 
verstockt waren. Nur an wenigen Stellen waren Wurzeln in den guten Boden 
an der Peripherie gedrungen. 

Erfreulicherweise zeigte sich aber, dass in der Nähe des Stammes eine 
ganze Anzahl neuer Saugwurzeln entstanden sind, und dies giebt Hoffnung auf 
ein glückliches weiteres Gedeihen. 

Die faulen Wurzeln wurden nun abgeschnitten und der Wurzelballen 
infolgedessen bedeutend verkleinert, was den späteren Transport erleichterte. 
Ursprünglich 5 m im Durchmesser, mass der Wurzelballen jetzt nur 3 m. 

Der Transport sollte wegen des ungeheuren Gewichtes des Ballens, das 
man immer noch auf 550—600 Zentner schätzte, in der Weise erfolgen, dass 
die Bäume nicht herausgehoben, sondern in einem eigens dazu gefertigten 
Stichkanal oder breiten Graben — senkrecht stehen bleibend — fortgewalzt 
werden sollten. 

Die Hauptschwierigkeit aber lag darin, den Wurzelballen auch unten frei 
zu machen. Zu dem Zweck musste der ganze Ballen so zu sagen untertunnelt 
und dem Kübel ein Boden aus dicken Bohlen gegeben werden. Der so 
hergestellte Kübel wurde dann auf Walzen gebracht, welche sich auf einem 
immer wieder weiter vorgelegten Bohlenbelag bewegten und durch Drahtseile, 
die mit zwei Flaschenzügen in Verbindung standen, weiter gezogen. 

■Wiederum bewährte sich hier das W r ort des Archimcdes: »Gebt mir. einen 
festen Punkt, und ich werde die ganze Erde aus ihren Angeln heben.« 

In der Nähe der Westgrenze des Ilerrenhausgartens war dieser feste 
Punkt gegeben:, ein mächtiges Bohlwerk, in Gestalt etwa eines Prellbocks bei 
Eisenbahnen, war errichtet und an dieses der eine starke Flaschenzug mit 



2 3 8_ 



Die beiden alten Eiben im Garten des Herrenhauses zu Berlin. 



Schraube angebracht; für den zweiten Flaschenzug diente eine dicke Rüster als 
Befestigungspunkt. 

Ungefähr fünf Mann zogen an jedem Flaschenzuge ohne grosse Anstrengung 
- nur zu Anfang wegen der grösseren Reibung mehr sich mühend — und 
ganz, ganz langsam, aber auch ganz sicher rollte der Baum weiter. 

Die kleinere Eibe wurde zuerst, Anfang April, versetzt. Sie hatte einen 
weit längeren Weg, etwa 50 m zurückzulegen, wozu im ganzen 16 Stunden 
erforderlich waren. Die grössere brauchte nur 20 m zu machen und iührte 
diesen Marsch am 17. April in 9 Stunden aus. 




Abb. 53. Gesamtansicht der beiden alten Eiben 

im Herrenhausgarten kurz nach dem Transport der kleineren. 

Photographien von Fritz Regung. 

Am 17. April ist die Arbeit beendet worden. Nun stehen die Bäume 
nahe der westlichen Grenze des Herrenhausgartens. Hoffen wir, dass sie die 
vielen Mühen, die auf ihre Erhaltung verwendet sind, lohnen werden und sie 
sich auch in den Kronen wieder üppiger entwickeln, denn letztere — das 
lässt sich nicht leugnen — machen jetzt einen nicht gerade schön zu nennenden 
Eindruck. 

Die Hauptfrage nach dem Alter der Bäume kann immer noch nicht 
endgültig entschieden werden. Ein Zählen der Jahresringe der abgeschnittenen 
Aststümpfe und daraus Berechnung der Jahresringe des Stammes ist. wie 



Die beiden alten Eihen im Garten des Herrenhauses zu Berlin. 23Q 



Conwentz I.e. S. 44 bemerkt, nicht zulässig, da die Jahresringe des Astholzes 
im allgemeinen enger sind als die des Stammholzes. 

Auch Vergleiche mit abgehauenen Stämmen führen zu keinem sichern 
Resultat, da die Bäume individuell sehr verschiedene Weite der Jahresringe 
zeigen können. Ein drastisches Beispiel führt Conwentz an. Wenn er nach 
dem einen der zwei abgehauenen Exemplare aus Lindenbusch das Alter 
des dort lebenden Exemplars berechnet, kommt er aui 943 Jahre, was er selbst 
als wahrscheinlich zu hoch ansieht; wenn er es nach dem andern schätzt, 
kommt er nur auf 311 Jahre. — In den letzten zehn Jahren ist der Umfang 
der stärkeren Eibe des Herrenhauses, wie oben erwähnt, von 170 aui 17- cm 
gestiegen. 

Gegen ein sehr hohes Alter der Herrenhaus-Eiben spricht ein neuer- 
dings entdeckter Umstand. Bei den Vorbereitungen für den Transport der 




Abb. 54. Transport der kleineren alten Eibe im Herrenhausgarien. 
Photographien von Fritz Regling. 

Bäume stiess man 60 cm unter den tiefsten Wurzeln auf Kalksteinfundament; 
ein Beweis; dass die Bäume auf aufgeschüttetem Boden stehen. Auch Ziegel- 
steine sind gefunden, ein wohlerhaltencr Ziegel ist 10 Zoll lang, 5 Zoll breit, 
_> Zoll hoch. Das ist nicht das Format der mittelalterlichen Ziegel, sondern 
das des vorigen und etwa der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. 

Au<h einige Muffeln von der 1750 nebenan errichteten Kgl. Porzellan- 
Manufaktur sind gefunden. 

Das alle- spricht dafür, dass die Bäume frühestens um die Mitte des 
gen Jahrhunderts hierher Verpflanzt worden sind. Wie alt sie damals 
schon waren, steht freilich nicht fest; es ist aber wohl nicht anzunehmen, 
dass man sehr alte Bäume gewählt hat. im Gegenteil jüngere. 

Herr Kommerzienrat Schutt, gleichfalls Mitglied des Vereins zur Be- 
förderung des Gartenbaues, hat Herrn Geh. Baurat Schulze mitgeteilt, dass er 



2io Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Apfel- und Birnensorten. 

vor 25 Jahren fünf sechsjährige Eiben in seinem Garten in Steglitz gepflanzt 
hat, die jetzt schenkeldick sind. 

Wir dürfen wohl annehmen, dass die Schätzung der Herren Engler. 
Perring und Maecker auf 200 Jahre bei der stärkeren, mit 100 bei der 
schwächeren Eibe das Maximum sein wird. 

Abschnitte der Äste sowie einen Längsschnitt durch zwei zusammen- 
gewachsene Aste dieser berühmten Eiben hat Herr Geh. Baurat Schulze dem 
Museum der Königl. landwirtsch. Hochschule zum Geschenk gemacht, wie 
bereits im Jahre 1897 der Bureaudirektor des Herrenhauses, Herr Reissig. 
dem gedachten Museum Abschnitte der Aststümpfe, übersandte. Beiden sei 
auch an dieser Stelle der wärmste Dank dafür ausgesprochen. Auch eine 
interessante hohle Linde, in deren Hohlraum sich ein mächtiger Zopf von 
Wurzeln gebildet, ist dem Museum von Herrn Geh. Baurat Schulze überwiesen. 

L. Wittmack. 
* 
Nachtrag. 

Wie in No. 189 der Voss. Zeitung vom 23. April 1S99 mitgeteilt wird, 
sind die Häuser der Leipzigerstrasse nicht, wie in Xo. 175 der Voss. Zeitung 
berichtet, auf ehemaligen Tiergartenterrain, sondern auf Wiesengrund erbaut. 
Das Grundstück Leipzigerstrasse No. 3 (das jetzige Herrenhaus) war zuerst, 
nach 1735, von Leutnant von der Groben bebaut worden. Zu Nicolai's 
Zeit (1778) lag hier das Gotzkowskysche Haus, und wird von Nicolai aus- 
drücklich erwähnt, dass hinter demselben ein schöner Garten sei. Ferner 
berichtet er an anderer Stelle von diesem Garten : Er ist auch wohl angelegt. 
In demselben sind zwei grosse Salons von hohen Kastanienbäumen und ein 
angenehmes Labyrinth etc. Der alten Eiben gedenkt er nicht, sie können also 
noch nicht bemerkenswert gewesen sein. Der augenscheinlich sehr gut 
orientierte Verfasser des Artikels in der Voss. Zeitung sagt : Jedenfalls ist an- 
zunehmen, dass die Bäume (er sagt der Baum) in der zweiten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts in den Garten verpflanzt worden sind, denn zu Anfang dieses 
Jahrhunderts gehörten Haus und Garten dem Generalintendanten von der Recke, 
und der damalige Kronprinz, spätere König Friedrich Wilhelm IV., hat 
als Knabe viel unter dem alten Eibenbaum gespielt. — Die Familie 
Mendelssohn ist erst später (um 1820 nach der Notiz in No. 175 der Voss. 
Zeitung) in den Besitz des Grundstückes gekommen, das zum Bau des Herren- 
hauses erworben wurde, nachdem im Jahre 1852 die »Erste Kammer« in der 
Oberwallstrasse abgebrannt war. Das aufgefundene Fundamentmauerwerk 
dürfte aus der ersten Zeit der Bebauung des Grundstückes stammen. 



Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener 
Äpfel- und Birnensorten 

aus dem Königl. pomologischen Institut zu Proskau O.-S. 

Von Dr. Richard Otto, 
^ Leiter der ehem. Abteilung der Versuchsstation am Königl. pomologischen Institut. 

Mi im Herbste des Jahres 1898 wurden seitens der chemischen Abteilung der 






*>sn> Versuchsstation des Königl. pomologischen Instituts eine grössere Anzahl 
der verschiedensten Äpfel- und Birnensorten, welche sämtlich hier im Institut 



Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Äpfel- und Birnensorten. 04 1 

gewachsen und deren sonstige Vegetationsbedingungen (Bodenverhältnisse, 
Klima etc.) uns somit bekannt waren, einer chemischen Untersuchung aut 
ihre wichtigsten, insbesondere für die Obstverwertung (Obstweinbereitung) in 
Betracht kommenden Bestandteile unterzogen. 

Die Resultate dieser Untersuchungen, welche an einem anderen < »rte aus- 
führlicher veröffentlicht werden, sollen im Nachfolgenden kurz (es ist aus 
diesem Grunde hier auch auf die einschlägige Litteratur nicht näher ein- 
gegangen) mitgeteilt werden, da sie uns ein treffendes Bild geben von dem 
Gehalt der einzelnen Sorten an den wichtigsten, besonders für die Obstwein- 
bereitung in Frage kommenden Bestandteilen, um so mehr, als diebetreffenden 
Früchte im Sommer und Herbst 1898 an demselben Orte, also unter ganz 
gleichen Yegetationsbedingungen, sich entwickelt haben. 

Diese Untersuchungen hier kurz mitzuteilen, erscheint mir auch aus dem 
Grunde wünschenswert, weil in vielen älteren Büchern über Obstverwertung etc. 
sich Angaben über den Zucker-, Säure- etc. Gehalt der einzelnen Frucht- 
sorten finden, die jetzt als falsch gelten müssen, da die betreffenden Be- 
stimmungen nach veralteten und ungenauen Methoden ausgeführt sind, wo- 
durch häufig die in Betracht kommenden Bestandteile zu niedrig gefunden sind. 

Die vorliegenden Bestimmungen sind nach den neuesten und jetzt wohl 
allgemein gewählten chemischen Methoden durchgeführt. So ist z. B. für die 
Gesamtzuckerbestimmung die äusserst genaue gewichts-analytische Methode der 
Zuckerbestimmung nachAllihn gewählt, nachdem zuvor die zu untersuchende 
Substanz mit Salzsäure in der vorgeschriebenen Weise invertiert wurde. 

Die Säure wurde als Gesamtsäure mit V10 Xormallauge titrimetrisch nach 
der Tüpfelmethode bestimmt und auf Äpfelsäure, als der in reifen Äpfeln und 
Birnen in grösster Menge sich vorfindenden organischen Säure, berechnet. In 
der nachstehenden Tabelle ist die Säure aufgeführt „pro mille", d. h. in 1 1 
Saft (Most) sind Gramm Äpfelsäure enthalten. 

Alle Untersuchungen wurden an möglichst gleichmässigen und, wenn 
nichts Anderes bemerkt, an reifen Exemplaren durchgeführt. Von einer grossen 
Anzahl von Früchten einer Sorte wurde eine gute Durchschnittsprobe her- 
gestellt und diese Früchte dann auf einer Reibemaschine zerkleinert und darauf 
sogleich mittelst einer sog. Haushaltungspresse stark abgepresst. In dem klaren, 
ev. vorher filtrierten Moste wurden dann sofort die betreffenden Bestimmungen 
vorgenommen. Die gefundenen Prozent- ev. Promillezahlen beziehen sich also 
dem Gebrauche bei Weinuntersuchungen gemäss auf das Mostgewicht, d. h. in 
100 cem Most sind enthalten Gramm. 

Auch auf Stärke wurde bei den einzelnen Sorten geprüft, doch war nur 
selten solche nachzuweisen, da, wie erwähnt, die Früchte in der Regel im 
reifen Zustande zur Untersuchung gelangten. 

In der nachfolgenden Tabelle sind die Untersuchungsdaten mit Angabe 
der Zeit der Untersuchung mitgeteilt. 

Ausser dem chemisch quantitativ genau ermittelten Gesamtsäure- und 
Gesamtzuckergehalt (ev. auch Rohr- und Traubenzuckergehalt bei einigen 
Sorten, wie grosse Casseler Reinette etc.) finden wir in dieser Tabelle noch 
Angaben über den Gehalt der einzelnen Äpfel- und Birnensorten-Moste anöchsle- 
Graden (ermittelt mit der Ochsle'schen Mostwage bei 15 C.) und Angaben 
über das spez. Gewicht der Moste bei 15 C, sowie über den Zuckergehalt. 



'2A2 Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Äpfel- und Birnensorten. 

bestimmt mit der Üchsle'schen Mostwage nach der Formel: die Anzahl 
< »chsle-Grade durch 5 dividiert und 0.5 zuaddiert, ergeben bei den 
reinen Äpfelmosten den mit der quantitativ chemischen Zucker- 
bestimmung ziemlich genau übereinstimmenden Zuckergehalt in 
Prozenten; ferner auch über den Zuckergehalt, ermittelt mit der Klosterneu- 
burger Mostwage bei 17,5° C. Diese beiden letzteren annähernden Zucker- 
bestimmungsmethoden wurden als in der Praxis übliche mit herangezogen 
sowohl zum Vergleiche unter sich, als auch zum Vergleiche mit der quantitativ 
chemischen Zuckerbestimmung. Ebenso sind zum Vergleiche unter sich zwei 
Extrakt-Bestimmungen aufgenommen, einmal die nach meiner Ansicht genauere 
aus dem spez. Gewicht, unter Zugrundelegung der von Haien ke und Möslinger 
berechneten Tabellen*) , sodann die Extrakt-Bestimmung mittels des 
Balling'schen Saccharometers bei 15 ° C. 

I. Äpfel. 

Nach den nebenstehenden Untersuchungen ist also bei uns der zucker- 
reichste Apfel der Königliche Kurzstiel mit 19,24 g Gesamtzucker 
in 100 ccm Most. Auch anderwärts ist der Königliche Kurzstiel als der 
zuckerreichste Apfel gefunden. So hebt Professor Behrend in Hohenheim in 
seiner Schrift „Beiträge zur Chemie des Obstweines und des Obstes'" im Jahre 
1892 den Königlichen Kurzstiel als die zuckerre ichste Sorte (mit 17%) her- 
vor. Hotter (vergl. III. Bericht über die Thätigkeit der pomologischen Ver- 
suchs- und Samen-Kontroll-Station für Mittelsteiermark, Graz 1895) fand sogar 
in 1 1 Most dieses Apfels 215 g Zucker, d. i. in 100 ccm = 21,5 g Zucker. 

Ordnen wir die untersuchten Apfelsorten nach ihrem Gehalt anZucker, 
so ergiebt sich folgendes : 

I. Äpfelsorten mit hohem Zuckergehalt (über 14 g Zucker 
in 100 ccm Most). [%] 

Königlicher Kurzstiel (19,24 g), Gelber Richard (18.97 g), Schöner Pfäffling 
(16,50 g), Grosse Casseler Ränette (14,79 g), Scheibenränette (14,74 g), Hightop 
(14,46 g), Wintergoldparmäne (14,21 g). 

II. Äpfelsorten mit niederem Zuckergehalte (bis 10 g Zucker 
in 100 ccm Most). [%] 

Possarts Nalivia (6,81 g), Florianer Pepping (7,22 g), Mauss-Reinette (7,32 g), 
Knolls Mostapfel (9,28 g), Kaiser Alexander (9,36 g), Doppelter Holländer 
(9,53 g), Landsberger Ränette (9,77 g), Marabot (9,90 g). 

III. Äpfelsorten mit mittlerem Zuckergehalt (von 10 — 14 g Zucker 

in 100 ccm Most). [%] 
Hierher gehören alle nicht unter I. und II. aufgeführten der unter- 
suchten Sorten. 

Der Gehalt an Gesamtsäure (ber. als Äpfelsäure) stellt sich wie folgt: 
IV. Äpfelsorten mit hohem Säuregehalt (über 9 g Gesamtsäure 
in 1 1 Most). [9—14 °/oo] 
Kunzens Königsapfel (13,90 g), Weisser Sommercalville ? (11,25 g), Blut- 
roter Cardinal (9,983 g), Türkenapfel (9,980 g), Carpentin (9,782 g) , Welscher 



*) Vergl. Fresenius, Anleitung zur chemischen Analyse des Weines von Dr. E. 
Borgmann, II. Auflage, 1898, S. 206 u. folg. 



Beitrage zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Äpfel- und Birnensorten. 043 



Im Moste der nachstehenden Sorten sind enthalten: 
I. Äpfel: 





Datum 
der 


Bezeichnung 


C.e- 
samt- 
säure 


•^ sc 

« E 

■° 5 

— ~ü 


Gesamtzucker 


X/ 

• 


Spec. 
Ge- 


j= 

r-, .1-. 

= . = 
■r. j. ■ 


- ü 
1 S-o 


5 -j 

- . <-. 


: nach 
Sacharo- 
15° C. 






Unter- 






ja ~. 




"£.2u 


wicht 


■S"5 "> 


u --> ■-> 


WVn = 


M 10 "° 




M 


such- 
ung 


der 
Sorte 


(Äpfel- 
säure) 
p.mille 


Sc 
55 


(quantitativ) 


■t3 Ä o 

T3 


des 
Mostes 
b. [50C. 


oc v ■■ 

ä;Os 

jx 

N 


-1 „ -, 

~ 

N s 


SO . 

'-■■:- 

S "-> 

/ D. 


izzti — 
7cü 
HS v 


Bemerkungen 




1898 




(<W 


0/ 
/o 


/o 


O 


0/ 

lü 


/o 


0/ 
/o 


% 




l 


1. 10. 


Tom Pütt 


217:i 


— 


12 19 














Aepfel schon län- 
gere Zeit gelegen 
























und etwas einge- 
























schrumpft. Reit'. 


2 


11. 10. 


Marabot 


1.340 


— 


9,90 


48,0 


1,0480 10,10 


— 


12,60 


— 


Aepfel direkt dem 
Baum entnommen. 
Keif. 

Reif. 


3 


13. 10. 


s.ui der Laans 


7,973 


w enig 
Stärk. 


13,89 


71,7 


1.0717 1 1 si 


15,25 


18,85 








Goldriinette 


















4 


14. 10. 


< leflammt. weiss. 

Cardinal 


6,767 





12,00 


55,8 


1,055811,68 


12,50 


14,66 


— 


>> 


5 


17. 10. 


Süsser Holaart 


1,407 


gross. 
Meng 


11,69 


54,5 


1 054511,30 


12,00 


14,31 




Geschm. sehr süss, 
Fleisch weiss, hart. 


6 


21. 10. 


Polnischer 


8,911 


viel 


11,88 


58,0 


1,0580 


12,10 


12,70 1" 


15,00 


Geschm. säuerlich, 






Papierapfel 




Stärk. 
















Fleisch « eiss, ihm h 
























hart. 


7 


21. 10. Luikenapfel 


7.370 





11,39 


53,2 


1,053211,14 


12,00 


13,97 


13,40 


Reif. 


s 


2."). 10. Kais. Alexander- 
apfel 
26 ID. Türkenapfel 


6,499 





9,36 


49,0 


1,0490,10,30 


11,00 


12,87 


13,00 


>) 


9 


9,980 





13,80 


65,2 


1,065213,54 


14,50 


17,13 


16,80 


H 


10 


26./10. 


Harberts Ränette 


8,210 





13.27 


64,6 


1.0641 i 13,42 


14,00 


16,98 


17,00 


>' 


11 


27. 10. 


Weiss. Sommer- 
Calville 


11,256 





13,12 


65,1 


1,065113,52 


14,12 


17,11 


16,20 


)) 


12 


28. 10. 


Welsch. Weinling 


9,780 





11,10 


54,0 


1,054011,30 


12,10 


14,18 


14,00 


•• 


13 


31./10. 


Engl. Bellerleur 


7,102 


wenig 

Stark. 


12,82 


63,7 


1,0637 13,24 


13,70 


16,71 


16,20 


11 


14 


31. 10. 


Edelrother 


5.360 





11,45 


56,0 


1,0560 11.70 


12,25 


14,71 


15,50 


>J 


15 


2./11. 


Kunzens Königs- 
apfel 

Woltmanns 


13,900 





10,91 


55,7 


1,0557 


11,64 


12,00 


14,63 


14,00 


11 


16 


2. 11. 


7,639 





10,74 


50,4 


1,0501 


10,58 


11,25 


13,23 


14,00 


>l 






Schlotterapfel 






















17 


3. 11. 


Froms Goldrän. 


7,839 





12,94 


62,6 


1,0626 


13 02 


13.20 


16,45 


15,50 


» 


18 


4/11. 


Batullenapfel 


6,867 





10,31 


52,4 


1,0524 


10,98 


11,75 


13,76 


13,50 


11 


19 


4. 11. 


Possarts Nalivia 


8,006 





6,81 


38,4 


1,0384 


7.35 


8,25 


10,08 


9,00 


,, 


20 


10./11. 


Dopp. Holländer 


4,596 





9,53 


45,8 


1,0458 


9,66 


10,00 


12 03 


12.00 


11 


21 


ll./ll. 


Gubener 


5,561 





11,47 


53,2 


1,0532 


11,14 


11,90 


13,97 


13,25 


)) 




Waraschke 






















22 


24. 11. Muscat-Ränette 


4,448 





10,49 


55 


1,0550 11,50 


12,1 


1 1,11 


13,90 


" 


23 


25/11. Blutrot. Cardinal 


9,983 





11.30 


57 


1,057011,90 


12,00 


14,97 


1 1,00 


11 


24 


7./9. 


Grosse Casseler 


10,264 


3,99 


1 7,50 
,. QojTraub.Z. 

1 Rohr-Z. 


49 


1,0190 


10,30 


— 


12,87 




Aepfel noch grün, 
Fleisch grün, Ge- 
schmack noch zn- 






Riinette 


















ammenziehend u. 


























herbe. Unreif! 


25 


21. 9. 


do. 


9,413 


3,81 


t 7,33 

10,10 Tr !$ 7 

^Rohr-Z. 


54,8 


1,0518 


11,46 




14,39 




Aepfel meist grün, 
1 leisch weiss. Ge- 
schm. nicht mehr 
zusammenz. gras- 

ahnl. süssl. U n rei f. 


26 


:>. in 


do. 


8,509 


1,60 


1 9,76 

1 n oeJTraob. TL. 
1^.00 ._,,,, 

v Rohr-Z. 


61,8 


1,0618 


12,80 


— 


16,24 


— 


Farbe gelblich, Ge- 
schmack aneenehm 
süss, Fleis h noch 
























hart. Unreif! 


27 


19. 10. 


do. 


7,900 





, 9,3 ■ 

12,79 Tr ;V.!!;- A 

1 Rolir-Z. 


62,0 


1,0620 


12.90 


13,50 


16,29 


15,90 


Aeusserl. wenig seit 
5/10. vei iindert, Ge- 
schmack dgl. nicht. 
Noch unreif! 


28 


14. 12. 


do. 


7,705 





13,20 
14 7q|Traub.Z 

1 *t iv \ 1.51 

{ Rohr-Z. 


71.1 


1,0714 


1 1,78 


15,12 


18,77 


17,50 


Fleisch gelol. w eiss, 
saftig, weinig ge- 
würzt. Geschmack 
zieml. süss. Reif! 



2 4_1 Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Apfel- und Birnensorten. 



M 



Datum 

der 
Unter- 
such 
ung 



Bezeichnung 

der 

Sorte 



Ge- 
samt- 


Z. Ml 

tu C 
X) 3 






saure 
(Äpfel- 


2 = 

6ßH 


säure) 


So 


p. mille 


C/3 


(°Ao) 


/o 



Gesamtzucker 

(quantitativ) 

/o 



li< 



Spec. 
Ge- 
wicht 

des 
Mostes 
b. 150C. 





— Ü 




1 


H 0" 


£ 

c -e'£ 


3 — 
73 « 


2 U 


^•£ + 


5 c r Q 


2 . «« 


„Cfl . 


•u t; 


ü O 0J 




■* m" 


^0- 


-'-X M 




i: mj 




0-^ 

N ^ 


— 1> 
vi C 




/ü 


/o 


/o 


/o 



Bemerkungen 



29 


14./11. 


30 


18./11. 


31 


2./11. 


32 


16./11. 


33 
34 
35 
36 


28./11. 
29./11.I 

30./11. 1 

1./12.I 


37 

38 
39 


1./12.I 
2./12. 

2./12.I 


40 


3./12. 


41 
42 


5./12. 
5./12. 


43 

44 
45 


6./12. 
6./12. 

8 '/12. 


46 


8./12. 


47 


9./12. 


48 


9./12. 


49 


10./12. 


50 


12/12. 


51 


12./12. 


52 


13./12. 


53 


15./12. 


54 
55 
56 


15./12. 
16./12. 
17./12. 


57 


19./12. 


58 
59 


19./12. 
20./12. 



Florianer 

Pepping 

Grosser Bohn- 
apfel 

Rheinischer 

Krummstiel 



Gulderling 

Schöner Pfäff ling 
Königl. Kurzstiel 
Gelber Richard 
Gredes Quitten- 
ränette 
Weisser Matapfel 
Boikenapfel 
Baumanns 

Ränette 
Weisser Winter- 
taffetapfel 
Carpentin 
Winter-Gold- 
parmäne 
. Hightop 
Knolls Mostapfel 
Köttenischer 

Streifling 
Gelber Winter- 
Karthäuser 
Florianer Rosen- 
apfel 
Administrator- 
apfel 
Brüsseler ge- 
fleckte Ränette 
Ränette von 

Montmorency 
Blutrote rhei- 
nische Ränette 
Königin Sophien- 
apfel 
Winter-Gold- 
parmäne (s.5./i 2.) 

Staatenparmäne 
Mauss Ränette 
Landsberger 

Ränette 

Doppelter süsser 

Agatapfel 

Ribston Pepping 

Scheiben- Ränette 



7,169 





7,135 





5,862 





8,375 


Stark. 
vorh. 


1,306 





9,112 
6,630 
7,906 









8,174 
6,968 






5,628 





7 : 370 





9,782 





5,695 





7,303 
8,241 






4,482 





6,097 





4,382 





3,082 





6,030 





9,514 





3,283 





2,680 





6,365 





4,690 
1 3,484 






j 5,159 





1,675 





6.432 





8,241 






10,35 



, 0,60 
7 99)Tr;uib.Z. 
' ** A \ 0,59 
1 Rohr- Z. 
8,50 
- iTraub.Z. 
1,75 
Rohr-Z. 
8,86 

QiTraub.Z. 

10,38| 1M 

v Rohr-Z. 
r 9,73 
91 ITraub.Z. 
U^ 1 ! 0,46 
1 Rohr-Z. 

16,50 

19,24 
18,97 
10,61 

11,92 
10,09 
11,29 

11,49 

13 61 
11,68 

14,46 

9,28 

10,24 

1189 

11,19 

10,46 

10,69 

12,65 

10,37 

13,52 

1421 



11,98 
7.32 

9,77 

12,50 

11,70 
14,74 



38,5 

49,1 

49,6 

51,1 

77.9 
95,6 
92,6 
54,4 

62 
51 
55,4 

59,7 

65 
63,2 

73,3 

47 
50,2 

58,6 

55,2 

50,5 

57,1 

600 

49,3 

662 

67,4 



60,6 
33,9 
49,1 

63,0 

58,1 
73,0 



1,0385 
1,0491 
1,0496 
1,0511 



8,20 
10,32 
10,52 



8,60 10,11 
12,90 



9,70 F ;irl:, e grün, Ge 
schmack säuerlich. 
TJmeif! 



13 00 Farbe grün , Ge- 
schmacksäuerlich 
Unreif! 



11,00 

10,90 13,03 12,00 Unreif 



10,7211,30 13,4213,00 Noch unreif 



1,0779 16,08 16,25 20 49 19,C0 Reif. 

1,0956 19,62 19,? 25,21 23,00 „ 

1,0926 19,02 19,00 24,40 22,50 „ 

1,054411,3811,6014,2813,00 „ 

1,0620 12,90 13,50 16,29 15,40 „ 

1 0510 10.70 11,25 13,39 13 00 „ 

14,5513 60 „ 



1,0554,11,58 

I 
1,059712,44 

1.065013,50 



12,00 
12,90 
14,00 



15,68 
17,08 



14,80 
16,90 



1,063213.14 13 50 



1,0733 
1,0470 
1,0502 

1,0586 

1,0552 

1,0505 

1,0571 

1,0600 

1,0493 

1,0662 

1 ,0674 



1,0606 
1.0339 
1,0491 

1,0630 

1,0581 



15,1615,70 

9.9010,50 

10 541100 

12,5212,60 

11.9012,20 

10,60 11,25 

11,92 12,30 

! 
12.50 12,90 



16,601500 

19,27 — 
12,34 12,00 
13,1812,80 

15,3914,80 

14,4913,50 

13,2612,90 

15,00 14,30 



15,76 



10,36 10,50 12,95 



13,74!14,00 



13,98 



12,62 

7,28 
10,52 



14,90 



17,39 
17,71 



13,1015,92 

7,60; 8,90 

10,7512,90 



13,10 13,60 16,55 



14,90 
12,00 
16 50 



16 60 Früchte gross. als bei 
' 1 No. 42, docli auch 
mit Fusid adium 
befallen. Reif. 
15,00 Reif. 
9,90 „ 



12,50 
15,00 



12,32;12,75 15,26 14,00 
1,0730 15,10 15,25:19,1917,00 



Beitrage zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Äpfel- und Birnensorten. 24^ 



II. Dirnen 











Datum 




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der 


(Äpfel- 
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Sorte 


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Mostes 


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£ 








1898 




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% 1 % 1 o 


b. i3°C. 


0/ 0/ 0/ 

/o j /o 1 /o 


0/ 
/o 


/o 




1 3./10. 


\\ ildling von 


6,767 


— *> 11,01 62 1 


1,062113,00 13.75 16,39 


16 50 


1,70 Frisch d. Baume 




Einsiedel 










entnommen. 


2 3. 1»). 


Weilersche 


5,896 


— 


9,92 59,4 


1,05! »4 L2,38 L3.00 L5,60 


15,50 


3,15 1 lisch d. Baume 




Mostbirne 














entnommen. 


:; :.. 11. 


Ochsenherzbirne 


3,350 


— 


12,05 


69,5 


1,069514,3514,40 18,27 17,00 


0.01)7 Viel Pectinstoffe. 


1 7. 11. 


Lange, grüne 


2,144 


— 


11.06 


59,0 


1,0590 L2,30 12,75 15,50 14,40 


0,001 „ 




Herbstbirne 
















5 s. 11. 


Winter-Nelis 


3. 551 


— 


10.70 


58,5 


1,0585 12,20 12.75 


15,37 11.50 


0.010 


<; 9. 11. 


Spörlberg 


2,613 


— 


6,32 


37,5 


1,0375 8,00 «,70 9,85 9,90 


O.02O 


7 in 11. 


/.ephirine 

Gregoire 
Löwenkopf 


2,680 


— 


9,40 


52,8 


1,0528 11. iis 11,50 13,87 13,00 


0.01)2 


8 


13. 12 


4,212 


— 


12,58 


61,4 


1,0611 L2,78|l3,25 16, 13 14,60 


0,000 


•i 



*) Birnen wurden alle in reifem Zustande untersucht, deshalb nicht auf Stärke geprüft. 



Weinling (9,780 g), Ränette von Montmorency (9,514 g), Königlicher Kurz- 
stiel (9,112 g). 

V. Äpfelsorten mit niedrigem Säuregehalt (bis 3 g Gesamtsäure 

in 1 1 Most). [ -3 %o | 
Schöner Pfäffling (1,306 g), Marabot (1,340 g), Süsser Holart (1,407 g), 
Doppelter süsser Agatapfel (1,675 g), Tom Pott (2,479 g), Königin Sophienapfel 
(2,080 g). 

VI. Äpfelsorten mit mittlerem Säuregehalt (3— 9 g Gesamtsäure 

in i 1 Most). [3—9 ü /oo | 
Hierher gehören alle nicht unter IV. und V. aufgeführten der unter- 
suchten Sorten. 

VII. Äpfelsorten mit hohem Zucker- (über 14 g Zucker in 100 cem Most) 
und hohem Säuregehalt (über 9 g Säure in 1 1 Most). 
Königlicher Kurzstiel (19.24 % Zucker, 9,112 °/oo Säure). 

VIII. Äpfelsorten mit niedrigem Zucker- (bis 10 g Zucker in 100 cem Most) 

und niedrigem Säuregehalt (bis 3 g Säure in 1 1 Most). 
Marabot ((».90 % Zucker; 1,340 u /oo Säure). 

IX. Äpfelsorten mit mittlerem Zucker- (10—14 g Zucker in 100 cem Most) 

und mittlerem Säuregehalt (3 g g Säure in 1 1 Most). 
Hierher gehören alle untersuchten Sorten mit Ausnahme des Königlichen 
Kurzstiels (VII) und Marabot (VIII). 

Der Königliche Kurzstiel in erster Linie und alle übrigen unter- 
suchten Sorten, mit Ausnahme von Marabot. dürften sich also wohl lür die 
tweinbereitung empfehlen, soweit nur das Verhältnis von Gesamtzucker 
und Gesamtsäure in Betracht kommt. 

Die vorstehende Tabelle zeigt uns weiter, dass man bei Äpfelmosten 
für die Praxis genau genug den Zuckergehalt mit der Öchsleschen 



2A.G Beiträge zur chemischen Zusammensetzung verschiedener Äpfel- und Birnensorten. 

Mostwage ermitteln kann. Und zwar wird bei den reinen Äpfelmosten 
der Zuckergehalt ziemlich genau übereinstimmend mit dem durch 
die quantitative chemische Analyse ermittelten Werte gefunden, 
wenn man die bei 15 C. ermittelten Öchsle-Grade durch 5 dividiert 
und zu der erhaltenen Zahl 0,5 hinzuaddiert. Für ein Gemisch von 
Äpfel- und Birnensorten mag die von Kulisch angegebene Methode: ,,Man 
teilt die Anzahl der Grade Öchsle durch 5 und zählt zu der erhaltenen Zahl 
1 hinzu" völlig genau genug sei, für reine Äpfelmoste erscheint jedoch 
nach den vorliegenden Untersuchungen die Addition von 0,5 dem wirklichen 
Zuckergehalt noch mehr zu entsprechen. 

Dagegen sehen wir, dass mit der Klosterneuburger Mostwage der Zucker- 
gehalt in reinen Äpfelmosten bei weitem nicht so genau gefunden wird wie 
mit der Öchsleschen Mostwage. 

Auch der Extraktgehalt wird für reine Äpfelmoste viel genauer aus dem 
spez. Gewicht unter Zugrundelegung der Tabellen von Halenke und Mös- 
linger gefunden als mittels der Ballingschen Saccharometers. 

II. Birnen. 

Von den untersuchten Birnensorten hat sich am zuckerreichsten erwiesen 
Löwenkopf (in 100 ccm Most 12,58 g Zucker), es folgen: Ochsenherzbirne 
(12,05 g), lange grüne Herbstbirne (11,06 g), Wildling von Einsiedel (11,09 g)< 
Winter-Nelis (10,70 g), Weilersche Mostbirne (9,92 g), Zephirine Gregoire (9.40 g). 
Am wenigsten Zucker enthält Spörlberg (6.32 g). 

Der Gesamtsäuregehalt ist nirgends ein hoher, am säureärmsten ist 
die lange grüne Herbstbirne (2,144 g in 1 1 Most), dann aufwärts steigend: 
Spörlberg (2,013 S), Zephirine Gregoire (2,680 g), Ochsenherzbirne (3,350 g), 
Winter-Nelis (3,551 g), Löwenkopf (4,212 g), Weilersche Mostbirne (5,896 g) 
und Wildling von Einsiedel (6,767 g). 

Als gleichzeitig zuck er- und säurereich kann von den untersuchten 
Sorten eigentlich nur Wildling von Einsiedel und vielleicht noch die Weilersche 
Mostbirne gelten, welche sich auch durch einen sehr hohen Gerbstoffgehalt 
auszeichnen und deswegen längst gern zur Obstweinbereitung verwendet 
werden. 

Die Birnen sind also im Gegensatz zu den Äpfeln, wie dies ja wohl 
auch bekannt ist, im allgemeinen sehr säurearm. 

Im übrigen zeigten die untersuchten Birnensorten einen hohen Gehalt an 
Pectin-, Gerbstoffen etc. Daher mag es wohl kommen, dass sich bei den 
reinen Birnenmosten die mit der Öchsleschen und Klosterneu- 
burger Mostwage ermittelten Zuckerwerte durchaus nicht an- 
nähernd mit den durch die quantitative Bestimmung gefundenen 
decken, sondern öfters über 2% von diesen differieren. Es lässt 
sich somit für reine Birnenmoste der Zuckergehalt mit einer dieser 
Mostwagen nicht genügend genau ermitteln. Auch Hotter (1. c.) hat 
die gleiche Beobachtung gemacht, dass der Birnensaft ganz allgemein eine 
grössere Menge von Nichtzuckerstoffen enthält als der Apfelsaft, und dass man 
beim Birnenmost nicht mit derselben Sicherheit wie beim Apfelmost aus dem 
Mostgewichte einen Schluss auf den wahrscheinlichen Zuckergehalt ziehen 



Kleinere Mitteilungen. 



247 



kann , da der Gehalt an Nichtzuckerstoffen im Birnensafte stärkeren 
Schwankungen unterworfen ist. 

Erwähnt sei noch, dass die meisten der vorstehenden analytischen Be- 
stimmungen in dankenswertester Weise Herr Dr. v. Wahl, Assistent an der 
ehem. Abteilung der Versuchsstation, ausgeführt hat. 

Chemische Abteilung der Versuchsstation des 
K g 1. pomologischen Instituts zu P r o s k a u, im Februar 1 899. 



Kleinere Mitteilungen. 



Fäulnis des Fruchtfleisches verursachende Pilze. 

Professor Dr. J. Behrens, an der 
landwirtschaftl. botanischen Versuchs- 
station in Karlsruhe, veröffentlichte 
eine grössere wissenschaftliche Ab- 
handlung: Beiträge zur Kenntnis 
der Obstfäulnis in dem Zentralblatt 
für Bakteriologie, Parasitenkunde und 
Infektionskrankheiten, II. Abteilung, 
IV. Band, 1898. Verlag von Gustav 
Fischer in Jena. Für uns Praktiker 
entnehmen wir aus dieser 53 Seiten 
grossen wissenschaftlich wichtigen Ab- 
handlung: 

Als Fäulniserreger der Fruchtfäule 
sind folgende Pilze thätig: 

Penicillum gl au cum Lk. auf 
Aepfeln, Birnen, Trauben und der 
äusseren Schale der Wallnüsse, nur 
auf saftigen Früchten, nicht auf anderen 
Pflanzenteilen; 

Penicillum luteum Zuk. auf 
Aepfeln, wenig vorkommend; 

Mucor stolonifer Ehrb. auf Birnen 
und Tomaten, nur auf saftigen Früchten, 
nicht auf anderen Pflanzenteilen; 

Botrytis vulgaris Fr. (= cinerea 
Pers.) auf Aepfeln, Birnen, Erdbeeren, 
Johannisbeeren und Traubenbeeren, 
Wallnüssen, Hagebutten, auch auf an- 
deren Pflanzenteilen vorkommend, ist 
daher weit gefährliger als Penicillum. 

< »idium f ruetigenu m Lk.(Mon ilia 
fruetigena Pers.) auf Aepfeln. Birnen, 
Pflaumen, Kirschen, Aprikosen, Pfir- 
sichen. Mirabellen. Quitten u. s. w. 

Vielfach werden die Pilze durch 
Micken und Wespen u. s. w. verbreitet, 
welche, auf faulen Früchten sitzend und 
an den Polstern des Pilzes saugend, 
zwischen den Haaren an den Beinen, 
am Rüssel und an anderen Körper- 



teilen durch Abstreifen Oidiumsporen 
erhalten und dann diese, wenn sie 
Wundstellen gesunder Früchte auf- 
suchten oder unverletzte gesunde 
Früchte annagen, auf die Wundstellen 
durch Abstreifen übertragen. In dem 
an Wespen so reichen Jahre 1895 
konnte man bedeutend mehr durch 
Oidium fruetigenum befallene Aepfel 
finden als 1896, 1897 und 1898, wo 
der Wespenflug gering war. 

Die Vernichtung kann nur durch 
Sammeln und Verbrennen der be- 
fallenen Teile erfolgen, denn das 
empfohlene Bespritzen der Zweige, 
kurz vor dem Aufbruch der Knospen, 
mit Kupferkalkflüssigkeiten hat nach 
eingehenden Versuchen wenig, beinahe 
gar keine nachweisbaren Vorteile ge- 
bracht.*) 

Garteninspektor Ph. Held, Hohenheim. 



Ein Teil des Parks von Sanssouci 

und der Anlagen des Neuen 
Orangeriegebäudes soll nach 
Art der schwebenden Gärten der 
Semiramis zu Babylon nach einem 
von dem Kaiser genehmigten Entwurf 
im Taufe der nächsten Jahre um- 
gestaltet werden. Es handelt sich, wie 
die ,,Potsd. Corr." schreibt, um die 
Ausführung einer Lieblingsidee Kaiser 
Friedrichs, für die der verstorbene 
Hof-Gartendirektor Walther umfang- 
reiche Pläne entworfen hat. Danach 
wird die unterste Terrasse des Neuen 
Orangeriegebäudes über die Chaussee 
hinweg bis zum Park von Sanssouci 
durch einen grossen Strassenüberbau 



*) Letzteres trifft nach Frank und Krüger 

nicht zu. 1). Red. 



2 4 8 



Kleinere Mitteilungen. 



erweitert. Im Park steigt dann die 
Anlage terrassenförmig bis zu dem 
Hauptweg abwärts. Auf . den neu 
geschaffenen Terrassen sollen die 
prächtigsten Gartenpflanzen angebaut 
werden; zwei mächtige Springbrunnen, 
sowie reichhaltiger Skulpturenschmuck 
sind vorgesehen. Dem Projekt sollen 
die Hofgärtnereien an der sogenannten 
Maulbeerallee sowie das allen Be- 
suchern Potsdams bekannte Cafe 
Blume am Fusse des neuen Orangerie- 
gebäudes, das Eigentum der Krone 
ist, zum Opfer fallen. Ein Modell des 
Projekts in Gyps, das sich jetzt im 
Neuen Palais befindet, soll in diesem 
Jahre in der Berliner Kunstausstellung 
zu sehen sein. — Weiter wird uns 
mitgeteilt, dass die Pläne dazu im 
Auftrage des verstorbenen Garten- 
direktors Walther von dem Baumeister 
Felix Wolff entworfen worden sind. 



Der Wassersturz im Victoriapark 

am Kreuzberg hielt am Sonntag den 
23. April mittags anlässlich der Ab- 
nahme der sechs Hermendenkmäler der 
Freiheitssänger Rückert, Körner, 
v. Schenckendorf, Kleist, Arndt 
und Uhland durch die Abnahme- 
kommission der städtischen Behörden 
sein diesjähriges Proberauschen zur 
vollen Zufriedenheit der Vertreter der 
städtischen Behörden und des an- 
wesenden Publikums ab. Zur Abnahme 
der Denkmäler und Besichtigung des 
Wassersturzes waren Stadtbaurat Ho ff- 
mann, Stadträthe Kochhann und 
Wagner sowie die Stadtverordneten 
Baurat Kyllmann, Rechtsanwalt 
Ladewig, Paul Singer und Reich- 
now und die Schöpfer der Denkmäler 
erschienen. Bürgermeister Kirschner 
warverhindert, sich an derBesichtigung 
zu beteiligen. Die Besichtigung und 
Abnahme der Denkmäler erfolgte unter 
Führung des Gartenbaudirektors 
Mächtig. Die Ausführung und Auf- 
stellung der Denkmäler fand die volle 
Zufriedenheit der Abnahmekommission 
bis auf die Aufstellung Uhland s, der 
etwas in das mit einer Bank umgebene 
Halbrondel zurückgesetzt werden soll. 
, Nach Massgabe der vorhandenen Mittel 
sollen dem Victoriapark noch einige 
Kunstzierden in Gestalt plastischer 
Werke zuteil werden. Beabsichtigt ist 
u. a. die Aufstellung einer weiteren 



Bronzegruppe analog der vor dem 
Wassersammeibassin des Wassersturzes 
»Ein seltener Fang«. (Voss. Z.) 



Meine Erfahrungen und Resultate 

mit dem Sterilisierungsverfahren der Firma 

J. Weck, Oeflingen (Baden). 

(Hierzu Abb. 55.) 

Vor ungefähr drei Jahren machte 
ich nach obigem Verfahren die ersten 
Versuche, Obst und Gemüse in Gläsern 
zu sterilisieren. Es waren von Früchten 
zunächst Kirschen, Zwetschen, 
Mirabellen und Birnen; von Ge- 
müsen grüne Erbsen, Bohnen, 
gelbe Rüben, Spargeln, welche die 
Probe bestehen mussten. Der Erfolg 
war geradezu verblüffend, denn nicht 
nur waren die mitten im Winter zur 
Verwendung gelangenden sterilisierten 
Sachen von seltener Güte und bestem 
Wohlgeschmack, als wären sie frisch 
dem Garten entnommen, sondern es 
erhöhte auch das Bewusstsein, diese 
Speisen selbst gezogen, eingeheimst 
und mit peinlicher Reinlichkeit in die 
Gläser eingelegt zu haben, ganz wesent- 
lich den Genuss, und der für ein ver- 
feinertes Geschmacksorgan stets vor- 
handene , oft gesundheitsschädliche 
Metallgeschmack der früher ver- 
wendeten gekauften Blechkonserven 
kam bei den J. Weckschen Gläsern 
ganz in Wegfall. Auch war bei der 
also ermöglichten Verwertung eigener 
Gartenerzeugnisse zur Sterilisierung 
die grösste Billigkeit gegenüber den 
gekauften Konserven ganz wesentlich 
ins Gewicht fallend, während ander- 
seits die Anschaffungskosten des 
Apparates und der Gläser im Vergleich 
zu den Vorteilen, die derartig sterili- 
sierte Nahrungsmittel in Bezug auf 
Gesundheit undReinlichkeit bieten, 
um so weniger in Betracht kamen, als 
sämtliche Utensilien zu gleichen 
Zwecken jahrelang verwendet werden 
können. 

Ich bürgerte in der Folge das 
J. Weck sehe Sterilisirungsverfahren 
im hiesigen Krankenhaus ein, wo 
nun die Krankenschwestern seither 
emsig bemüht sind, das im Spital- 
garten erzeugte oder zu diesem Zweck 
eingekaufte Obst und Gemüse im 
J. Weckschen Apparat zu sterilisieren, 
um es den Winter über als Kranken- 
kost zu verabreichen. Früher waren 



Kleinere Mitteilungen. 



249 



die Kranken Lediglich auf Dörrobst und 
Kellergemüse alsZuspeisen angewiesen, 
da das hiesige Gemeinde-Krankenhaus 
die Ausgaben für die teuren Konserven 
sich nicht leisten konnte: nun aber 
war es mit dem J.W eck sehen Apparal 
leicht ermöglicht, den Kranken die 
feinsten Obst- und Gemüsekonserven 
jederzeit zu verschalten. Wer aber 
nur einmal J. Wecksche Konserven 
verkostet hat. der weiss, wie seh m a c k- 
haft und leicht verdaulich be- 
sonders für Magenkranke und Re- 
konvaleszenten die so präparierten 
Speisen sind. 




Abb. 55. 

Gestell zum Sterilisieren von J. Weck, 

Oeflingen (Baden). 

So sollte der unübertreffliche Sterili- 

sierungsapparat des Herrn J. Weck 
in keiner Familie, besonders aber in 
keinem Krankenhaus fehlen. 

Herr Weck hat seinen Apparat in 
mehreren Grössen konstruiert und hält 
die dazu nötigen Gläser und Glasdeckel 
in den verschiedensten Dimensionen 
und Formen vorrätig; auch ist der 
liebenswürdige Erfinder stets gern 
bereit, diesbezügliche Anfragen jeder 
Art zu beantworten und die betreffenden 
Pr< »spekte und Kochrezepte einzusenden. 
Ebenso sind bei demselben Obst und 
Gemüse sowie die feinsten Fleisch- 
und Fischspeisen aller Art in Gläsern 
genussfertig sterilisiert erhältlich. 

Georg Kerner, prakt. Arzt, 
Wehr (Baden). 

Bemerkung der Redaktion: Herr 
Weck hat uns eine Broschüre über- 



sandt, aus der hervorgeht dass sein 
Apparat ein von ihm verbesserter 
1 ! üssenersch er ist. Der eigentliche 
Erfinder ist der Chemiker I >r. R em pel. 
Als dieser bald nach der Patentierung des 
Apparates starb, übernahm das Patent 
Herr Fabrikdirektor A. Hüssener in 
□ und jetzt hat Herr Weck ihn. 
\\ ie gesagt, vei \ dlkommt. Schon früher 
sind viele günstige Zeugnisse über den 
Apparat veröffentlicht, namentlich im 
Praktischen Ratgeber, u. a. von Herrn 
Hofmarschall v. St. Paul Fischbach. 

Camassia esculenta und Scabiosa caucasica. 
zwei hübsche Stauden für den Schnitt. 

Von Adam Heydt, Schlossgärtner in Dali min. 

Es wird jeder, der sich mit Blumen- 
kultur befasst, wohl wissen, dass 
gegen Ende Mai — Juni der Blumen- 
reichtum noch kein so mannigfaltiger 
ist. deshalb sollte man den um die 
Zeit florierenden Pdumen Achtung 
zollen, besonders dann, wenn die Aus- 
wahl da sein soll. Eine solche ist 
Camassia esculenta, eine Liliacee. 
Die Blumen sind hellblau, in langer 
Rispe auf hohen, bis zu 60 cm langen 
Stielen, die im Mai bis Juni blühen. Wie 
die meisten Liliaceen. so treibt auch 
diese Art im Frühjahr aus und zieht 
nach der Blüte ein. um im nächsten 
Jahre erneut zu blühen. 

Die Vermehrung geschieht durch 
Teilung, wie durch Samen, letzterer 
setzt sich in grosser Menge an. 

Scabiosa caucasica. Scabiosacau- 
casica blüht von Mai ab fast den ganzen 
Sommer hindurch bis ein Frost sie im 
Herbst zerstört. Sie bildet breite. 
spaarige Büsche von starkem Wuchs 
und ist nur zum Schnitt oder zu 
Gruppen anzupflanzen. Die jüngeren, 
oben sitzenden Blätter sind etwas 
schmaler als die unteren. 

Die Blumen entwickeln sich auf ca. 
60 cm langen Stielen . die fest und 
stabil sind und dadurch zu Binde- 
zwecken wie geschaffen sind. Die 
Blumen bilden einen 5 — 7 cm breiten 
himmelblauen Kopf. diesichmitLeucan- 
themum maximum und Gaillardia 
granditlora „Golden Sunsett" zu- 
sammen recht gut verwenden lassen 
und solchen Bindestücken einen guten 
Effekt verleihen. 

Die Anzucht von Scabiosa caucasica 
geschieht durch Samen, am besten im 



250 



Kleinere Mitteilungen. 



zeitigen Frühjahr mit etwasBoden wärme 
und fortwährender massiger Boden- 
feuchtigkeit. Ich fand, dass Scabiosa 
sehr langsam und schwer keimt. 



Winteräpfel. 

Von Adam H e y d t, Schlüssgärtner des von 

Podhielskischen Schlossgartens zu Dallmin 

(Prignitzj. 

Betreffs der neueren Obstsorten, die 
Herr Drawiel-Lichtenberg sowie Herr 
Mehl in der letzten Vereinsversamm- 
lung empfohlen haben (Gartenfiora, 
Heft 8, S. 203) und die auch L.Späth 
in seinem Verzeichnis hervorhebt, 
möchte ich nur zu Versuchen raten, 
nicht aber sofort zur Massenpflanzung. 
Dazu ist noch zu wenig Erfahrung vor- 
handen, und wir haben unter unseren 
alten Sorten auch sehr empfehlens- 
werte. Von dem mir unterstellten, etwa 
100 Morgen umfassenden Gartenbetrieb 
sind 10 Morgen nur mit Obst bestellt; 
davon sind 5 Morgen ums Jahr 1820 
bepflanzt, und auf ihnen finden sich 
Sorten, die heute noch vortrefflich sind, 
speziell für den Zweck des Genusses 
im Frühjahr, also Winteräpfel, wie 
z. B. der gelbe Stettiner-, dessen Früchte 
tadellos sind und als Tafelfrucht dienen, 
sodann die graue Reinette und einige 
Peppings, doch letztere weniger. Ausser 
diesen hier schon alten Sorten halte 
ich für Dauerobst sehr geeignet: 
Kasseler Reinette, Goldreinette von 
Blenheim, Königl. Kurzstiel, Eiser- 
apfel (hier schon gegen 1800 gepflanzt), 
Bellefleur, Boikenapfel, Harberts Rei- 
nette, Pariser Rambour, Cox-Ürangen- 
Reinette u. s. w. 

Es sind dies Sorten, die sich zur 
Massenkultur lohnen und auch hier in 
den etwa 60 Morgen umfassenden, von 
dem verstorbenen Schlossgärtner Volk 
angelegten, jetzt dem Obergärtner 
Hillmann unterstellten Obstanlagen 
Sr. Excellenz v. Podbielski quartier- 
weise angepflanzt sind. Nebenbei be- 
merkt , werden diese immer noch 
mehr erweiterten Obstanlagen mit 
der Zeit zu den mustergültigsten 
iJeutschlands gehören und in der 
Provinz Brandenburg eine beachtens- 
werte Sehenswürdigkeit werden. 

Clematis graveolens. 

Diese gelbblühende Clematis ist 
infolge ihrer Widerstandsfähigkeit 



gegen Kälte und in Bezug auf den 
Boden eine sehr zu empfehlende 
Schlingpflanze, indem gerade gelb- 
blühende Schlingpflanzen, die obige 
Eigenschaften besitzen, nicht allzu- 
häufig anzutreffen sind. Da diese 
hübsche Clematis bezüglich des 
"Wuchses sowie in der Blüte viel 
Ähnlichkeit mit vitalba hat, so klettert 
dieselbe ebenfalls in dieser Weise an 
den zu bekleidenden Gegenstand in 
die Höhe und überzieht in kurzer 
Zeit ganze Wände. Allerdings empfiehlt 
es sich dann auch, ihr einen gut- 
gelockerten, nichtzuleichten. abernahr- 
haften Boden zu verabfolgen, der, wenn 
kalkarm, von Zeit zu Zeit pulverisierten 
Aetzkalk, im Herbst in die Nähe der 
Wurzel erhalten muss. Dann entwickelt 
sich der Strauch ungemein schnell und 
erfreut uns im Sommer mit seinen 
hübschen gelben. in Rispen er- 
scheinenden Blumen, die sich gar 
lieblich zwischen dem Blau der 
Clematis Jackmanni abheben. 

Auch zur Bildung von Festons und 
zur Bekleidung von Laubengängen ist 
Clematis graveolens recht gut zu ver- 
wenden. Eine reichliche Bewässerung, 
hauptsächlich an trockenen Haus- 
wänden, und Verabreichen eines 
Dunggusses und Untergraben von 
Dünger im Herbst in die Nähe der 
W T urzel trägt zur guten Ausbildung 
wesentlich bei, andernfalls wächst sie 
nur kümmerlich und bringt wenig 
Blumen hervor und verdient dann nicht 
angepflanzt zu werden, wie dieses mit 
so vielen Clematis der Fall ist, die 
infolge mangelhafter Pflege verhungern 
und nur kleine oder gar keine Blumen 
hervorbringen. 

Die Vermehrung der Clematis gra- 
veolens ist durch Samen und durch 
Veredeln auszuführen. Die durch 
Samen gewonnenen' jungen Pflanzen 
blühen meist schon im dritten Jahr. 
Daher ist diese Vermehrung sehr 
zu empfehlen und lohnend, indem aus 
den Sämlingen verschiedene gelbe 
Nuancen gewonnen werden können; 
vieleicht ist mit der Zeit auch eine 
grossblumige Sorte daraus zu erziehen. 

Durch Pfropfen auf Wurzelstöcke 
der Cematis Viticella ist die Ver- 
mehrung ebenfalls leicht, jedoch nur 
dann ausführbar, wenn Edelreiser 
in nicht ganz ausgereiftem Zustande 



Kleinere Mitteilungen. 



O 1 



\ ei wendet werden, diedürien aberkeine 
Blutenknospen haben, indem sonst das 
Edelreis wohl anwächst, aber keine 
I riebe macht oder sich nur selten 
ein solches Auge zu einer Triebknospe 
umwandelt. Die geeigneste Zeit zum 
Veredeln ist das Frühjahr, entweder 
im Warmhaus oder in einem Warm- 
kasten. Die nötigen Reiser verschaffe 
man sich dadurch, dass im Herbst 
eingepflanzte Clematis angetrieben 
werden und die Wurzeln der Clematis 
Yiticella im Herbst gesammelt werden, 
die dann frostfrei zu überwintern sind: 
aber zu beachten ist dabei, dass an 
den Wurzeln nicht Oben und Unten 
verwechselt werde, da die Reiser 
stets auf die Oberseite der Wurzel- 
stückchen einzusetzen sind, andern- 
lalls ist nicht, darauf zu rechnen, dass 
die Veredlung wachsen würde. Die 
veredelten Wurzelstücke werden mit der 
Veredlung so tief eingesetzt, dass das 
Edelreis, welches nur zweiBlätter haben 
darf, mit der Erde abschneidet, und die 
Yeredelungsstelle ganz mit Erde bedeckt 
ist. Sind dieselben angewachsen, so 
sind sie allmählich an Luft und Licht 
zu gewöhnen und im Laufe des 
Sommers auf ein gut vorbereitetes 
Beet zu pflanzen, wo sie sich in zwei 
Jahren recht kräftig entwickeln. 

Zu bemerken ist noch, dass die 
Stecklinge schattig und massig feucht 
zu halten sind. 

Villa Spindler, Grosstabarz. 

J. B i e m ü 1 1 e r. 

Rasenpflege nach der Praxis. 

Von Adam Heydt, Kunstgärtner. 

Nicht die Anlage eines Rasens, 
sondern die Unterhaltung desselben 
soll hier besprochen werden. 

Im April, sobald neues Leben er- 
wacht, beginnt auch die Arbeit für 
den Rasen. Er wird erst mit einem 
Besen abgekehrt, dann mit ehr Sense 
geschnitten und hierauf mit der Mäh- 
maschine nachgeschnitten. Die Kanten 
werden mit einer Rasenscheere ge- 
schnitten. Wenn dann der Rasen zum 
erstenmale gemäht ist. so wird er egal 
gewalzt, jedoch muss die Walze lang- 
sam bewegt werden, weil sonst, wenn 
sie zu schnell geht, der Rasen leicht 
uneben wird. 

Treten jetzt trockne Tage auf, so 
wird der Rasen morgens gehörig be- 



gossen oder bespritzt, freilich, wo keine 
Wasserleitung vorhanden ist. muss 
man es schon unterlassen, weil dann 
die Unterhaltung, soll das Wasser mit 
Kannen beigetragen werden, zu kost- 
spielig wird. Wird der Rasen gut 
bewässert, so verliert er sehr selten 
seine üppige Farbe, während, wenn 
nicht begossen, er mehr hellgrün 
wird. 

In trüben Tagen ist es gut, den 
Rasen zu düngen. Las beste Dünge- 
mittel ist das Begiessen mit aufgelöstem 
Nährsalz; eine solche Düngung ist 
nicht ein schmutziges Geschäft, hinter- 
lässt keinen Geruch und kräftigt das 
Gras in jeder Weise, sodass es üppig 
treibt. 

Das Schneiden des Rasens erfolgt 
bis Oktober alle acht bis zehn I 
jedoch darf es nicht an zu heissen 
Tagen geschehen, denn sobald dann 
das Gras weggeharkt wird, verbrennt 
der Rasen binnen wenigen Stunden, 
deshalb halte ich die Maschinen mit 
Rasen-Fangkörben nicht für praktisch. 
Hat man begonnen, den Rasen zu 
schneiden, und es wird nachher zu 
heiss, so lasse man das Gras liegen 
bis zum nächsten Tage; dann geharkt, 
verbrennt der Rasen nicht mehr so 
leicht. 

Vielerorts wird im Herbst und 
Winter der Rasen mit Mistbeeterde 
oder Kompost befahren und das als 
sehr gut für denselben hingestellt. Ich 
kann dieses in keiner Weise em- 
pfehlen; wenn auch eine positive 
Dungkraft nicht zu leugnen ist, so 
wird doch mit der Misterde, über- 
haupt mit Befahren von Erde eine 
so grosse Menge von Unkrautsamen 
in den Rasen gebracht, dass das Un- 
kraut mehr schadet und den Rasen 
verunziert, als die Düngung genützt 
hat. Wer nicht mit Nährsalz (Ge- 
misch von künstlichem Dünger) 
düngen will, dem empfehle ich das 
Düngen mit Chilisalpeter, der, im 
Herbst und Winter wie im Frühjahr 
gestreut, sehr gut wirkt. Das Düngen 
mit Jauche halte ich aus bekannten 
Gründen, wenigstens in der Nähe 
eines Schlosses, Herrenhauses oder 
Wohnhauses nicht für angebracht. 

Die Ilauptbedingungen zur Erhaltung 
eines guten Rasen sind: ., Düngen, 
rechtzeitiges Schneiden, Bewässern 



2=>2 



Kleinere Mitteilungen. 



sowie Reinhalten von Unkraut und 
Entfernen desselben. Auch ist das 
Walzen nicht zu umgehen. 

Eine Krankheit der Agaven. 

Es giebt Krankheiten und Schädi- 
gungen an Pflanzen, die mitunter plötz- 
lich auttreten und sich verbreiten. 
Man weiss oft keine Erklärung für das 
Erscheinen derselben, bis man durch 
Zufall dahinter kommt, dass irgend ein 
Schmarotzer möglicherweise mit einer 
neu erworbenen Pflanze eingeführt sein 
könnte. So ergeht es auch mit der 
heute zu beschreibenden Agavenkrank- 
heit. Ein grosses Gartenetablissement — 
der Name thut nichts zur Sache -- er- 
warb von einer bekannten Firma zur 
Bereicherung seiner Sukkulenten- 
sammlung eine Anzahl Kakteen und 
Agaven, deren letztere in ziemlich 
grossen Exemplaren vertreten waren. 
Dieselben wurden dem Sortiment ein- 
verleibt und während der Sommers- 
zeit auf Felspartien im Freien auf- 
gestellt. Bei dem Einstellen der 
Pflanzen zur Überwinterung in die 
Gewächshäuser zeigte sich, dass eine 
Anzahl von den Agaven viele kleine 
Bohrlöcher an den Blättern, namentlich 
an den jüngsten, aufwiesen, welche 
von irgend einem Insekt herrühren 
mussten. Alan suchte eifrig nach und 
machte die Entdeckung, dass eine 
kleine Made die Urheberin der Be- 
schädigung war. Dieselbe hatte etwa 
eine Länge von 8 — 12 mm bei einer 
Dicke von 2 mm, der Körper war 
rosa, wie bei der gewöhnlichen ( >bst- 
made, und der Kopf schwarz. Sobald 
das Tier, das selten an die Blattober- 
fläche kam, sich entdeckt sah, schlüpfte 
es in eines der vorhandenen Bohr- 
löcher oder liess sich an einem Ge- 
spinstfaden herab und suchte möglichst 
zu entkommen. Dass sein Fang bei 
der Stachelbewehrung der Agaven- 
blätter nicht leicht war, ist erklärlich. 
Dennoch gelang es, eine grosse An- 
zahl dieses kleinen Wüstlings zu er- 
halten, um dieselben teils zu vernichten. 
teils sachverständigen Wissenschaftlern 
zur Untersuchung und Feststellung 
seiner Herkunft und Art zu übergeben. 
Jedoch keiner der befragten Gelehrten 
konnte eine sichere Auskunft erstatten, 
weil es eben nicht möglich war. die 
vollendete Form des Insektes, das eine 



Fliege oder eine Motte sein muss. 
herbeizuschaffen. 

Trotz des eifrigsten Absuchens 
musste es nicht gelungen sein, den 
Schmarotzer völlig aus seinen An- 
siedlungen zu vertreiben, und so sah 
man im zweiten Jahre eine immer 
weiter um sich greifende Verwüstung 
bei den Agaven. Nicht nur die eben 
entwickelten und schon älteren Blätter 
waren wiederholt von Bohrlöchern ver- 
unstaltet und durchzogen, sondern 
selbst oder richtiger, besonders das 
Herz. Die sich erst bildenden Blätter 
der Agaven zeigten durch die vielen 
Anbohrungen, dass das Insekt nicht 
nur nicht vertilgt, sondern sich be- 
deutend vermehrt hatte. Wieder wurde 
nach dem Feinde gefahndet, wieder 
wurde abgesucht, mit Seife gewaschen. 
mitFichtenöl und Tabakslauge gespritzt, 
mit Schwefel- und Tabakstaüb gestreut, 
es wurde geräuchert, kurz alle nur 
erdenklichen Mittel angewendet, um 
den Schädling, dessen Name und Her- 
kunft man nicht einmal kannte, zu 
vertreiben. Vergebens, die fleischigen 
Agavenblätter boten ihm einen so 
sicheren Unterschlupf, dass alle an- 
gewendeten Mittel nichts halfen, und 
so schritt man denn im dritten Jahre 
mit schwerem Herzen zu dem Radikal- 
mittel, alle die Pflanzen, welche Spuren 
des iDsektenfrasses zeigten, zu ver- 
nichten, d. h. dem Feuer zu übergeben. 
Selbstverständlich wirkte diese letzte 
Instanz prompt, aber welche Opfer 
hatte sie gefordert. Eine ganze Reihe 
schöner, alter und seltener Exemplare 
mussten dem Feuertode preisgegeben 
werden, wollte man nicht noch weitere 
Verheerungen durch Belassen der 
Pflanzen in dem Sortiment unter- 
stützen. 

Es dürfte vielleicht von Interesse 
und der Allgemeinheit von Nutzen 
sein, diese Erscheinung zur Kenntnis 
zu bringen, denn das Auftreten und 
Verbreiten jenes Insektes kann nur 
durch direkte Einführung mit neuen 
Agaven herbeigeführt sein, da die jahr- 
zehntelange Kultur der Sukkulenten 
in besagtem Etablissement nie einen 
derartigen Fall aufwiesen und es viel- 
leicht nahe liegt, dass auch anderwärts 
der Schädling eingeführt wurde und 
dann verwüstend sich bemerkbar ge- 
macht hat. — a — 



Ans Jen Vereinen. 



253 



Scirpus natalensis. 

Von Ad am Hey dt, Schlossgärtner in 

Dallmin-Prignitz. 

Eine in früheren Jahren geschätzte. 

jetzt kaum mehr anzutreffende Pflanze, 
die eine vielseitige Verwendung hal 
und sich leichi und ganz einfach heran- 
ziehen lässt, ist Scirpus natalensis. 
Dej Natal-Scirpa ist eine Cyperaceae. 
Scirpus natalensis bildet einen kom- 
pakten Husch, dessen Blätter sich gra- 
ziös erheben und ähnlich einer Dra- 
caene elegant überhängen. Für Blumen- 
tische, Jardinieren u. s. w. im Winter is1 
sie deshalb mit zu benutzen, weil sie sich 
in ganz kleinen Töpfen heranziehen 
lüsst, die zwischen grössere gestellt 
werden können. Auch als Einzelpflanze 
ist sie hübsch. Die Blätter lassen sich 
zur Binderei benutzen, selbsl bei kleinen 
^nstecksträusschen sind sie verwend- 
bar, indem man die Blätter teilt und 
als Schleifen die Blattstreifen benutzt. 
Sie liehen das Kalthaus und können 
selbst unter einer Stellage Aufstellung 
erhalten, jedoch müssen sie vor Fäulnis 
behütet werden, denn wenn sie zu 
nass stehen, stocken gern die Pflanzen. 
Besser ist es selbstverständlich, wenn 



man den Scirpus einen lichteren Platz 
erteilt als unter einer Stellage. 

I >i e Anzucht besteht vor allem in 
einjähriger Kultur. Den Samen säet 
man in leichte, sandige Erde im März 
aus. hält ihn bis zum Keimen feucht, 
jedoch nicht zu warm: sobald die 
Sämlinge fassbar sind, pflanzt man sie 
in kleine Töpfe und 1>i ingl sie in einen 
kalten Kasten. Hier werden sie kühl 
gehalten, weil nur dadurch üppige 
Pflanzen erzielt werden. Gegen Mai 
hin verpflanzt man die Scirpus in 3- bis 
höchstens 3 1 ..zöllige Töpfe, und zwar in 
Mistbeeterde, Kinderdung und - 
Usdann stein man die Pflanzen ins 
Freie, und zwar auf ein etwas schattig 
gelegenes Pect, wo sie bis zum Topf- 
rand eingesenkt werden. 

Im Sommer besteht die ganze Pflege 
nur im tüchtigen Bewässern, denn 
Scirpus verlangt viel Wasser, auch 
muss später tüchtig mit Dünger dem 
Wachstum nachgeholfen werden. Im 
Freien bleiben lie Scirpus von Mitte 
bis Ende < »ktober, dann räume man 
sie ins Kalthaus ein. 

Im Kaufe des Winters bilden sie 
eine willkommene Pflanze sowohl für 
den Privat- wie Berufsgärtner. 



Aus den Vereinen, 



Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein 

Abteilung für Stellennachweis), 

Perlin. Weissenburgerstr. 66. Im Monat 
März wurden für Berlin und Vororte 
310 offene Stellen der gewerblichen 
Gärtnerei gemeldet, davon etwa der 
dritte Teil für Landschaftsgärtnerei, 
die übrigen für die Branche der 
I landelsgärtnerei (Blumen- und Pflanzen- 
kulturen). Das Angebo1 von Arbeits- 
kräften war demgegenüber ein recht 
minimales, nämlich nur 118. Als 
natürliche folge stellte sich denn auch 
eine kleine Steigerung der Löhne ein. 
Die Handelsgärtnerei bot für junge 
Gehilfen durchschnittlich _c : Mark pro 
Monat bei freier Station , bei Wohnung 
und Kaffee 54 bis 65 Mark. Aeltere 
und Obergehilfen erzielten 30 (-Mark 
bei freier Station oder 60 bis 90 Mark 
bei Wohnung und Katfee. Verschiedent- 
lich tauchen auch schon Wochenlohn- 



zahlungen auf. Die Landschaftsgärtnerei 
bewilligte fast allgemein einen Stunden- 
lohn von 35 Pf, für selbständig 
Arbeitende (1 ibergehilfen) bis 45 Pf. 
Einige grössere ältere firmen zahlten 
ausnahmsweise auch für jüngere Leute 
30 und 33Pf, während Blumengeschäfts- 
inhaber, die nur für kurze Zeiten Ge- 
hilfen einstellen, allgemein 40 Pf. be- 
willigten (Vorgarten- und Balkon- 
arbeiten). AK allgemein bemerkens- 
werte Erscheinung ist hervorzuheben, 
dass Gehilfen über 25 Jahr, die bis 
dahin nur in Handelsgärtnereien thätig 
waren, häufig wider eigenen Willen 
die Saisonarbeit im Landschaftsfach 
anzunehmen sich gezwungen sehen. 
weil die Handelsgärtnerei nur in 
äussersten Notfällen noch auf diese 
reflektiert. Aussei' den genannten 210 
Stellen, welche teils schriftlich, teils 
telephonisch der Geschäftsstelle über- 



254 



Litteratur. 



mittelt wurden , wurde noch ein 
grösserer Teil von Engagements ausser- 
halb der Geschäftszeiten im Verkehrs- 
lokale des Nachweises, wo sich häutig 



Prinzipale persönlich einfanden, ab- 
geschlossen. Der Privatgartenbau 
meldete 20 Stellen, wovon nur wenige 
besetzbar waren. 



Litteratur. 



Anleitung zum gärtnerischen 
Planzeichnen von Fritz Encke, 
Kgl. Garteninspektor. Lehrer der 
Gartenkunst an der Kgl. Gärtner- 
lehr anstalt zu Wildpark. Verlag 
von Paul Parey -Berlin. 8 Mark, 

Verfasser, seit Jahren an der Königl. 
Gärtnerlehranstalt zu Wildpark bei 
Potsdam als Lehrer der Gartenkunst 
thätig, hat sich der dankenswerten Auf- 
gabe unterzogen, den Schülern der 
Gärtnerlehranstalt in dem vorliegenden 
Werke einen Leitfaden in die Hand zu 
geben, der es ihnen ermöglichen soll, 
selbständige Übungen im Planzeichnen 
zu pilegen. In ausgezeichneter Weise 
ist ihm die Lösung dieser Aufgabe 
gelungen. In klarer, übersichtlicher 
und anschaulicher Weise führt er uns 
die Technik des Planzeichnens im all- 
gemeinen, der Darstellung der ver- 
schiedenen Gegenstände in einem 
Gartenplane, der Profile, der Horizontal- 
kurven, der Bergschattierung durch 
Bergstriche etc. im besonderen vor 
Augen und giebt zum Schlüsse eine 
Beschreibung der zum Planzeichnen er- 
forderlichen Zeichengeräthe, sowie 
einige beherzigenswerte Winke für 
deren Handhabung. Unter den mannig- 
fachen in neuerer Zeit erschienenen, 
eine Anleitung zum Planzeichnen 
gebenden Werken nimmt das vor- 
liegende eine besonders bevorzugte 
Stelle ein und steht zu hoffen, dass es 
bei dem im Verhältnis zu seiner ge- 
diegenen Ausstattung und den in 
sauberer verständnisvoller Ausführung 
beigegebenen 16 Tafeln durchaus 
niedrig zu nennenden Preise die 
weiteste Verbreitung finden werde. 
A. Fintelmann. 



BotanicoBogariensi coluntur, herbaceis 
exceptis. Fasciculus I. Farn I, Ranun- 
culaceae — Fam X Polygalaceae. 
Botaviae 1899. 

Der Adjunkt des Direktors des 
Botanischen Gartens in Buitenzorg. der 
bekanntlich von Herrn Prof. Dr. Treub 
geleitet wird, giebt hier eine höchst 
sorgfältige Zusammenstellung aller in 
dem reichen Garten zu Buitenzorg 
kultivierten Gewächse, mit Ausnahme 
allerdings der krautartigen, unter ge- 
nauer Angabe der Orte, wo die Arten 
beschrieben sind und der Synonyme. 
Der erste Katalog erschien von B 1 u m e 
1823. der zweite von Hasskarl 1844, 
der dritte von Teysmann et Binnen- 
dijk. Viele Arbeiten sind von dem 
Verfasser neu autgestellt und mit Be- 
schreibungen versehen. Das Werk ist. 
da es für die ganze Welt bestimmt 
ist, in lateinischer Sprache abgefasst, 
und ist für Systematiker sehr wichtig. 

L. Wittmack. 



J. C. Bo erläge, Catalogus plan- 
tarum Phanerogamarum quae in Horto 



Notizblatt des Kgl. bot. Gartens 
und Museums zu Berlin N., 17. Band 
IL enthält I. E. Gilg, giftige und 
essbare Strychnos. II. H. Thoms Unter- 
suchung der Strychnos Dekindtiana. 
III. G. Volkens, die kaktusartigen 
Euphorbien Ostafrikas, IV. Neue Nutz- 
pflanzen Ostafrikas, 1. Mascarenhasia 
elastica K. Schum (mit Abb.), höchst 
wichtiger Kautschukbaum, 2. Cana- 
rium Liebertianum Engl, (liefert Harz) 
Erythrophloeum guineense Don, Holz 
vorzüglich, Rinde sehr giftig, zu Gottes- 
urteilen, 3. Cordyla africana Lour. 
Obst- und Schattenbaum, V. Neue Ein- 
führungen des Berliner botanischen 
Gartens. VI. Diagnosen neuer afrika- 
nischer Pflanzenarten. 



Ausstellungen und Kongresse. — Eingesandte Preisverzeichnisse. 



2.55 



Ausstellungen und Kongresse. 



Petersburg. III. internationale 
G a r t e n b a u - A u s s t e 1 1 u n g vom 5 . 1 ; . 
bis 15./37 Mai 1899. 

Es empfiehlt sich, schon Sonnabend, 
den i3. Mai, Morgens 9 Uhr 2 Min. 
von Berlin abzureisen. Man ist dann 
nur eine Nacht auf der Eisenbahn 
undkommtSonntag. den 14. Mai, Abends 
ca. 7 Uhr 30 Min. in Petersburg an. 

In Petersburg kein Wasser trinken! 

* u. * 

Wichtig für Reisende nach Russland. 
In Gartenflora No. 8, S. 222 — ..Zu 
beachten für Reisende nach Russland" 
— möchte es lauten: 

1. Ein -vom russischen Konsul 
visierler' Pass ist absolut notwendig. 
Um das Visum anstandslos beim Konsul 
zu erhalten, ist es geraten, im Besitz 
irgend eines Dokumentes zu sein, wel- 
ches beweist, dass man nicht Israelit 
ist. z. I!. Taufschein. Konfirmations- 
schein, Trauschein oder dergl. 

2. Der Zoll für Pflanzen beträgt pro 
Pud 50 Kop. in Gold. (Ein Goldrubel 
ist ca. 4 M., also ca. 2 M. für 15 kg). 

3. Ein Rubel ist ca. 2 Mark 16 Pfg. 

4. Wegen Logis wende man sich an 
die Empfangskommission der 
Intern. Gartenbau - Ausstellung 
St. Petersburg*), und bemerke thun- 
lichst, zu welchem Preise man ein 
Zimmer wünscht — von 1 Rubel bis 
2, 3 und 5 Rubel, und für mehrere 
Zimmer zusammen -bis 10 Rubel und 
teurer; erstere zwei Preise beziehen 
sich mehr auf Chambre garnis. — 
Weiter wolle man bemerken, ob man 
im Zentrum der Stadt — was an- 
zuraten ist — oder näher bei der Aus- 
stellung zu logieren wünscht. 

5. 99 Cigarren sind zollfrei. 

II. F. Eiler s, St. Petersburg, 
Kameno-< >strow-Prospekt 23. 

*) Adresse Karavannaja N. 20. 



Gent. 30. April bis 9. Mai 1899. 
Grosse internationale Ausstellung. Das 
Komitee der Ligue Horticole L'Union 
zu Mont St. Amand bei Gent hat in 
seiner letztenSitzung beschlossen, sämt- 
lichen ausländischen Handels- 
gärtnern, welche zu ihrer vom 
30. April bis 9. Mai stattlindenden All- 
gemeinen Gartenbau -Ausstellung in 
Gent anwesend sind, freien Eintritt 
zu gestatten, und bittet Kollegen, welche 
von dieser Einladung Gebrauch zu 
machen wünschen, diese sobald als 
möglich dem Komitee anzuzeigen, damit 
dasselbe ihnen eine Eintrittskarte für 
die Dauer der Ausstellung zustellen kann. 
Bei dieser Gelegenheit veranstaltet die 
L'Horticulture Internationale vormals 
Linden am 1. und 2. Mai in Brüssel 
eine grosse Pflanzen-Auktion. 



Strassburg (Elsass). Gartenbau- 
Ausstellung des Gartenbau- Vereins 
des Unter-Elsasses vom 10. Mai an. 
Anmeldungen an den Vereinspräsi- 
denten Wagner, Strassburg-Neudorf, 
Polygonstrasse 49. 



Paris. Früh jahrs -Aus Stellung 

der Societe nationale d'Horticulture 
de France vom 24. — 29. Mai. Anmel- 
dungen an die Geschättsstelle der Ge- 
sellschaft in Paris, Rue de Grenellc 84. 



G r e i f e n b e r g. F r ü h j a hrs-Aus- 

stellung des Gartenbau -Vereins am 
28. Mai. _■ 

Bie brich. Rosen -Ausstellung 

des Gartenbau-Vereins im Juni. 



( ! enf. Internationale Gartenbau- 
Ausstellung der Societe liehetique 
d'Horticulture de Geneve vom 14. bis 
20. Juni. Anmeldungen an G.N il seh n er 
fils, Rue de Mont Blanc 17 in ( renf. 



Eingesandte Preisverzeichnisse. 



II. Hildmanns Cacteen-Züchtcrei Aloe etc. etc.) Reinhold Schröter, 
(H. Fröhlich) Birkenwerder bei Berlin, dingen bei Greussen in Thüringen 
an der Nfordbahn, Hauptverzeichnis i Xaturholz-Gartenmöbel, C.A.Dietrich 
der Fettpflanzen-Sammlung. (Cacteen, j ebendaselbst. Tuffsteine, Grottensteine. 



2 5 6 



Personal-Nachrichten. — Sprechsaal. — Berichtigungen. 



Personal-Nachrichten. 



A. Förstel, Stadtgärtner inHermann- 
stadt (Siebenbürgen), trat von seiner 
Stellung zurück und liess sich in 
Klagenfurt als Handelsgärtner nieder. 

A. Rosmanit, Obergärtner der von 
Bredenschen Gärtnerei in Wien, wurde 
als Stadtgärtner in Hermannstadt an- 
gestellt. 



J. Xemeczek, kaiserlich königlicher 
Hofgärtner in Miramare, trat in den 
Ruhestand und wurde ihm das goldene 
Verdienstkreuz mit der Krone ver- 
liehen. 

Hektor Eck, Garten -Ingenieur in 
Dresden -Blasewitz, beging in aller 
Stille am 3. April sein 5ojähriges Fach- 
jubiläum. Seine früheren Obergärtner 
widmeten ihrem verdienstvollen Meister 
eine kunstvolle Glückwunschadresse. 



Paul Kynast, Kreis-Obergärtner in 
Peiskretscham (O.-S.), wurde daselbst 
von seinen Freunden und Kollegen aus 
Anlass seines 2 5 jährigen Fachjubiläums 
am 3. April eine grössere Ehrung dar- 
gebracht. 

Franz Frydrych, bisher Gärtner 
des pomologischen Instituts in Troja 
bei Prag, wurde als Gartenbaulehrer 



nach Tatar Pazardzik (Bulgarien) be- 
rufen. 



Josef Peschek, Schlossgärtner des 
Grafen Schönborn in Lukawitz, trat 
in den Ruhestand. 

Sein Nachfolger wurde J. Bauer, 
bisher Schlossgärtner in Dlaskowitz. 



Joseph Häberlein, bisherigem An- 
staltsgärtner in Landsberg, wurde vom 
15. März ab die Stelle eines zweiten 
Obergärtners an der kgl. Gartenbau- 
schule in Weihenstephan übertragen. 



Franz Rehberg er, erzherzoglicher 
Schlossgärtner in Wallsee a. d. Donau, 
erhielt das silberne Verdienstkreuz mit 
der Krone. 

V. Vacek, Baumschulbesitzer in 
Pametnik (Böhmen), erhielt das goldene 
Verdienstkreuz mit der Krone. 



J. Rosen bürg, Obergärtner des 
Baron Pirquet in Hirschstetten, über- 
nahm die Leitung der Gärten und 
Baumschule der Domäne Zinkau. 



Anton Kropatsch, pensionierter 
kaiserlich königlicher Hülfsgärtner, 
starb in Wien im Alter von 78 Jahren. 



Sprechsaal. 



Frage 3: Welches ist die Stamm- 
pflanze der japanischen Pflaumen? 
Antwort. Prunus triflora Roxb. 



aus Indien und China. Mit dieser sind 
in Amerika die europäischen Pflaumen 
gekreuzt. L. W. 



Berichtigungen. 

S. 203 lies unter den vorgeschlagenen Mitgliedern 5. Herr Blumenhändler 
Möhrcke, nicht Möhricke. 

S. 21g lies unter den Petersburger Preisrichtern A. IIoss, Frankfurt 
a. M., nicht Höss. 



Gartenflora 1899. 



1462. 




AMPELOPSIS GRAEBNERI c bollen. sp 



Ampelopsis Graebneri, 

eine neue Schlingpflanze des freien Landes. 

Beschrieben von Dr. (.'.. Bolle. 
(Hierzu Tafel i (.62. 1 

s giebt eine wohlbekannte Gruppe weinähnlicher Schlingpflanzen, deren 
Nomenklatur, fast drei Jahrhunderte zurückreichend und hauptsächlich 
durch dieLinneischel ledera quinquefolia charakterisiert, sich neuerdings, derZeit- 
strömung entsprechend, ungemein kompliziert hat. Heutzutage muss man ihre 
disjeeta membra unter den Benennungen Ouinaria, Parthenocissus und Tetra- 
stigma suchen, wenn anders man es nicht vorzieht, bei dem seit lange üblichen 
Namen Ampelopsis Michx. stehen zu bleiben. Wir ziehen letzteres jener eben 
erwähnten Zersplitterung vor, auf die Gefahr hin, uns nicht auf der modernsten 
Höhe zeitgenössischer Systematik zu halten. Es ist ja doch weniger die strenge 
Direktive wissenschaftlicher Axiome als vielmehr individuelle Geschmacks- 
richtung, die bei solchen Dingen entscheidet. 

Die Familie der Ampelideen, so weit über die gemässigte Zone verbreitet, ja 
südwärts über diese hinausgreifend, nimmt ein besonderes Interesse in Anspruch, 
da wenigstens eine der wichtigsten Nutzpflanzen des Menschengeschlechts ihr an- 
gehört. Zumal die Gattung Vitis ist es, welche hierbei in Betracht kommt. 
Wenn, der Tracht nach, die Grundform des Schlinggewächses hier fast aus- 
schliesslich dominiert, so spaltet dagegen die Blattgestalt alles hierzu Gehörige 
in zwei ganz verschiedene Abteilungen, je nachdem der Umriss des Laubes 
einfach, mehr oder weniger gelappt oder zusammengesetzt, gefingert, seltener 
gefiedert sich darstellt. Letztere Bildung wollen wir in Nachstehendem vor- 
zugsweise ins Auge fassen; sie ist der Typus des unserer täglichen Anschauung 
so vertrauten sogenannten wilden Weins (Ampelopsis hederacea). Verfolgen 
wir die mythologischen Wurzeln dieser Vokabel ins Altertum hinauf, so leiten 
uns dieselben zu der anmutigen Erscheinung eines Götterjünglings, des schönen 
Ampelos, dem als einem Liebling des Bacchus, Verehrung gezollt ward. Nur 
durch die etwas zugespitzte Ohrmuschel verrät die antike Kunst an ihm eine 
Beimischung faunischen Bluts. Leicht erinnert uns dies daran, wie in dei 
Gegenwart Lombroso wieder auf solch ein atavistisches .Merkmal, wenn auch 
nach ganz anderer Richtung hin. Gewicht legen konnte. 

[ene Traubenfülle, die, in Noah und Bacchus zuerst verkörpert, sich dem 
stimmungsvollen Genuss menschlicher Daseinsfreude darbietet, bleibt der 
Gattung Ampelopsis fremd. I)ie Arten, welche sie zusammensetzen, erzeugen, 
im Gegensatz zu Vitis. nur winzige und saftarme Beeren, die sich, für uns 
hmacklos, nur fruchtfressenden Vögeln, zumal des Drosselgeschlechts, als 
Nahrung darbieten. Dieser Mangel gleicht sich andererseits in befriedigendster 
\\ ise aus. wie sehr auch sogar der Wohlgeruch der Blüte zurücktritt, deren 



2^8 Ampelopsis Graebneri. 



Unscheinbarkeit später nur Früchte zeitigt, von welchen wir Nutzen weder 
empfangen noch begehren. Dagegen entwickelt sich hier der Totalwuchs zu 
Gestaltungen, die an das Schönste heranreichen, welches wir von der Lianen- 
form zu erwarten gewohnt sind. Wenige Gewächse scheinen mehr zum 
Schmuck der ßaumwelt und des Gesteins geschaffen. Mit geschmeidigem 
Stamm und üppigem Gerank zu schwindelnder Höhe hinanreichend, entfaltet 
der Wildwein, weitausgreifend, einen Glanz und eine Eleganz des Laubes, die 
Bewunderung erwecken müssen. Bald spielt der Wind mit der Beweglichkeit 
guirlandenartig niederhängender Ranken, bald sehen wir wehmütig die Nähe 
des Herbstes durch den reichen Purpur des Blattausreifens verkündigt. Unschein- 
bare Mauerhöhen bedecken sich mit lieblichem Grün, mancherlei Unschönes 
sanft verhüllend, und je höher die moderne Architektur ihre Bauten auf- 
türmt, um desto wertvoller und unentbehrlicher erscheinen sothane Pflanzen 
für den Garten, wohl am meisten diejenigen, welche mit dem stärksten Saug- 
apparat ausgerüstet, als Selbstklimmer mitunter kostspielige Vorrichtungen an 
der kahlen Wand entbehrlich machen. 

Denn das ist ihr Hauptvorzug, dass sie mittels axillärer Ranken jene 
Schröpfköpfen vergleichbare Saugnäpfe besitzen, die die blossen Saug- und Luft- 
wurzeln des Epheus und derBignonien übertreffend, ihr Aufschweben zu höheren 
Regionen erleichtern. Allerdings sind sie. je nach den Spezies, in verschiedenem 
Maasse mit solchen ausgestattet. 

Diese Vorzüge sind es gewesen, welche früh schon die Ampelopsis der 
Kultur zuführten. Europa war ihrer ursprünglich nicht teilhaftig geworden; es 
war erfreut, sie, zuerst wenigstens eine Spezies davon, aus Amerika zu erhalten, 
Dies geschah im Beginn des 17. Jahrhunderts zur Zeit der ersten Kolonisierung 
Canadas durch die Franzosen. Seitdem kennt Deutschland diese Lianenform 
als wilden Wein, Frankreich sie als Vigne vierge, England als Virginian creeper. 
Weit später erst hat der ferne Orient, am Himalaya beginnend und in Japan 
endigend, uns wertvolle Bereicherungen verwandter Art dargeboten, unter 
welchen Ampelopsis Veitchii durch enormes Saugwurzelvermögen wohl die 
am höchsten zu schätzende sein mag. 

Bei alledem scheint die westliche Hemisphäre, Heimat des am frühesten 
zu uns gekommenen Wildweines, ihr Füllhorn voll nahestehender Bildungen 
noch nicht erschöpft zu haben. Neuerdings erst hat sie uns durch die blau- 
grünschimmernde A. Engelmanni überrascht, welche von den so reichen 
Späthschen Baumschulen aus jetzt die Runde durch Deutschland zu machen 
verspricht. Wir schätzen uns glücklich, dieser eine andere folgen zu lassen, 
deren Kenntnisnahme sicher Interesse erregen wird. Bis jetzt besitzt dieselbe, 
und zwar anonym, allein der Berliner botanische Garten, aus welchem sie erst, 
klein und winzig, den Weg in nahegelegene andere Kulturen gefunden haben 
dürfte. Ihre Geschichte ist in zwei Worten erzählt. Angeblich wurde sie vor 
wenigen Jahren als Parthenocissus sp. aus Nordafrika importiert. Dort mag 
sie zuerst in Kultur genommen worden sein. Die Analogien der Pflanzen- 
geographie sowie alle Ähnlichkeiten äusserer Bildung weisen jedoch gebieterisch 
auf Nordamerika als eigentliches Vaterland hin. Bei uns hat diese jedenfalls 
neue Ampelopsis an einem Baumstamm rankend, sieben Jahre im Freien aus- 
gedauert und dabei 15 m Höhe erreicht. Man will in einem Sommer Schöss- 
linge von 6 m Länge sich entwickeln gesehen haben. 



Ainpelopsis Graebneri. 



259 



Da es nicht gelungen ist, auch nicht in der amerikanischen Litteratur, 
etwas über diesen hier zu charakterisierenden Wildwein aufzuspüren, mag es 
gerechtfertigt erscheinen, wenn ich von ihm hier Namen sowohl wie Diagnose 
gebe und ihn als eine höchst beachtungswerte Neuheit der Publizität über- 
liefere. Er sei demjenigen Botaniker gewidmet, der zuerst meine Aufmerksamkeit 
aut ihn hinlenkte und ebenso Kulturversuche mit ihm angestellt hat. Es isi 
dies Herr Dr. P. Graebner, dem seine Forschungen auf dem Gebiet der 
deutschen Ilaideflora schon früh einen ehrenvollen Platz in der Gelehrtenwelt 
gesichert haben, während er zur Zeit als Mitarbeiter an hervorragenden Floren- 
werken sich anschickt, die Klassicität unseres Ascherson zu teilen. 

Im Begriff, die Diagnose zu liefern, verweilen wir einen Augenblick lang 
mit einer Empfindung, die nicht alle Dunkelheiten überwunden hat. bei der 
Thatsache sehr grosser Ähnlichkeit, welche, wie die Ampelopsisarten überhaupt, 
so auch die gegenwärtige mit ihren Gattungsverwandten verbindet, ferner mit 
dem Bewusstsein des Besitzes von nur massig ausreichendem Material, da 
Blüte und Fruchtbildung hiesigen Orts noch nicht stattgefunden haben, also 
auch nicht berücksichtigt werden konnten. Habitus und biologische Eigen- 
tümlichkeiten müssen hier aushelfen und den Mangel strengerer botanischer 
Kennzeichnung vor der Hand in etwas ausgleichen. Uns erschien als wünschens- 
wert, dem Namen die Priorität, der Pflanze die Notorietät zu sichern. Jeden- 
falls hiltt auch das beigefügte wahrhaft vortreffliche und dabei überaus treue Bild. 
von der Pland der Frau Dr. Marie Graebner, Mutter des Botanikers, gezeichnet 
und koloriert, über alle Wortschilderung hinaus, um trotz der Beschränkung 
letzterer auf rein vegetative, zum Teil sogar nur relative Kennzeichen, eine 
leichtere Anschauung von dem spezifischen Wert der Pflanze zu gewinnen. 

Ampelopsis Graebneri. Ble. Frutescens, alte scandens, summopere vegeta, 
ramis crebris acetabulis palmitium insigniter adhaerentibus, junioribus tenuibus, 
dense velutinis, gemmis rubris, foliis digitatis, foliolis subelongatis, apice pro- 
dueto, margine grosse-serratis, plerumqüe minoribus quam in speciebus affinibus, 
marginali parvulo, omnibus undique velutinis, laete viridibus. auetumnalibus 
splendide purpurescentibus, colore firmo, coma serius cadente. Flore fruetuque 
hueusque ignotis. 

Es zeichnet sich mithin die Neuheit vor A. quinquefolia aus durch sehr 
viel stärkere Vervollkommnung der Saugnapfbildung und durch allseits sammet- 
artige Behaarung von Blatt und Blättchen; ferner durch noch weit intensiveres 
Herbstkolorit; A. Engelmanni hat im Gegensatz zu Graebneri blaugrünes und 
unbehaartes Laub und ebenso wie A. quinquefolia grüne, nicht rote Knospen. 
A. hirsuta unterscheidet sich auf den ersten Blick eine fast zottige Behaarung. A. 
radicantissima durch das Zurückstehen der auctumnalen Verfärbung. 

Es würde zu weit führen, alle übrigen Unterscheidungsmerkmale zwischen 

A. Graebneri und seinen Gattungsverwandten des Breiteren aufzuführen. 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass sich die rote Herbstfärbung selbst in vollem 

Schatten herstellt und erhält. Dem Kultivateur wird es wichtig sein, dass 

.linge unserer Art sich mit Leichtigkeit bewurzeln, während dies bei A. 

hü bekanntlich den grössten Schwierigkeiten begegnet. Für schnelle Ver- 
breitung der Neuheit dürften die Bedingungen daher günstiger sein. Auch als 
Zimmerpflanze hat sich A. Graebneri erfahrungsgemäss bewährt; möge sie daher 
au> all diesen Gründen weiteren Kreisen recht angelegentlich empfohlen sein. 



26o 858. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

858. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 27. April 1899. 

I. Der Direktor des Vereins, Kgl. Gartenbaudirektor Carl Lackner, verlas 
das Dankschreiben des Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Schwendend" 
für seine Ernennung zum Ehrenmitgliede, das besonders abgedruckt wird. 
(Siehe S. 27g.) 

IL Vorgeschlagen wurde zum wirklichen Mitgliede: 

Herr C. Jokisch, Obstbaumschule in Gransee, durch Herrn Hof- 
lieferant J. F. Loock. 
III. Ausgestellte Gegenstände. 1. Herr Rentier Carl Kneiff in Nordhausen 
hatte ausser Wettbewerb eine Neuheit: Aruncus Silvester Kosteletzky 
var. Kneifii Zabel, die sich durch ihre fein zerschlitzten Blätter auszeichnet, 
übersandt, mit der er zum eisten Male einen Lreibversuch gemacht hatte. 
»Leider«, schrieb Herr Kneiff, »ist die Blüte bei dem Mangel an Sonnen- 
schein nicht so weit entwickelt, wie ich es gewünscht hätte. Es ist der erste 
Versuch, und müssen die Pflanzen wahrscheinlich zu dem Zweck vor- 
bereitet werden«. Über diese Pflanze wird später ein besonderer Artikel 
erscheinen. 

2. Geradezu Bewunderung erregten die zahlreichen (ca. 40) Körbe mit 
Äpfeln aus dem Garten des Herrn Kommerzienrat C. Bolle zu Marienhain 
bei Köpenick, die Herr Obergärtner Greinig ausser Preisbewerb vorführte. 
Sie waren so schön erhalten, als wenn sie vor kurzem erst gepflückt 
wären. Herr Grein ig hatte sie in Torf streu aufbewahrt, die aber gesiebt 
war, um die gröbsten Teile zu entfernen. Diese Torfstreu muss man 
aber während des ganzen Sommers flach ausgebreitet liegen lassen und 
öfter wenden, damit sie ihren Geruch verliert. Vor allem muss man 
auch das Obst erst nach dem Schwitzen einlegen. In einer Kiste von 
1 qm Fläche kann man 4 — 5 Ctr. Obst aufbewahren. 

3. Die Firma Mayfarth & Co.. Berlin-Frankfurt a. Main, hatte bereits 
vor der Versammlung eine neue Spritze zum Töten der Blutläuse im 
Garten demonstriert. Die Spritze an sich ist zwar nicht neu, es ist die 
bekannte und bewährte Syphonia-Spritze, die mit komprimierter Luft 
arbeitet, neu ist aber daran, dass ein Apparat eingeschaltet ist, um eine 
Mischung von Petroleum und Wasser vornehmen zu können. Dieser 
Apparat ist von Dr. Lossen in Wiesbaden erfunden und der Firma 
Mayfarth & Co. zur Fabrikation übergeben. Es ist eine Flasche, die 
3 / 4 mit Petroleum gefüllt wird; 1n diese tritt der Wasserstrahl und mischt 
sich mit Petroleum, reisst dieses mit sich fort und bildet eine so feine 
Emulsion, dass sie wie Milch erscheint. 

Bei den Versuchen im Freien hatte sich ergeben, dass der Apparat 
das Gemisch ausserordentlich fein zerstäubt, man hatte aber die Be- 
fürchtung, dass die Blätter durch das Petroleumgemisch litten. Für be- 
laubte Pflanzen ist übrigens die Lösung gar nicht bestimmt, sondern viel- 
mehr zur Bespritzung der Bäume im unbelaubten Zustande. 

Die Syphonia-Spritze selbst dient zum Bespritzen der Weinstöcke und 
Obstbäume mit Kupferkalk- (Bordelaiser) Brühe, sowie neuerdings auch 



858. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. o'H 

zum Vernichten des Hederichs durch Bespritzen mit verdünnter Eisen- 
vitriollösung. 

Herr Prot'. Dr. Sorauer: Im Kgl. botanischen Garten ist auf meine 
Anregung eine Ma\ farthsche Syphonia-Spritze angeschafft, um verschiedene 
Üespritzungsmittel zu probieren und ist man mit ihr sehr zufrieden, nur 
beim Bespritzen mit Kupiervitriol-Kalkbrühe tritt, wenn letztere anfängt 
etwas dick zu werden, leicht Verstopfung ein. Aber gegen Blutläuse 
dürfte alles Spritzen nicht helfen, da man die in den Ritzen sitzenden 
Läuse nicht alle treffen kann. Das beste Mittel ist da das Ausbürsten 
der befallenen Stellen mit Petroleummischung oder Petroleum-Seifen- 
mischung im Winter, und wenn sich im Sommer doch noch Zweige be- 
lallen zeigen, das Abschneiden und Verbrennen derselben. 

Herr Lehmann empfiehlt die Spritze von C. Jokisch in Gransee. die 
nur 3,75 M. kostet und bis 6 m hoch spritzt; auch in Züllichau, wo ver- 
schiedene Spritzen ausgestellt waren, fand sie vielen Beifall; Herr Jokisch 
verkauft Tausende. Herr Prof. Sorauer bittet, dass Herr Jokisch sie 
dem Verein vorführen möge. Herr Kgl. Garteninspektor Weber be- 
merkt, dass die Jokischsche Spritze eine ganz gewöhnliche Handspritze 
sei, aber eine Manschette in der Mitte habe, die es verhindert, dass der 
Spritzende sich beschmutzt. 

Herr Mehl empfiehlt die Gewächshausspritze des Herrn Klempner- 
meister Hildebrandt in Lankwitz bei Berlin, die in eine Wanne gesetzt 
wird und sowohl beim Auf- wie beim Niederziehen spritzt und ca. 20 bis 
22 M. kostet. Herr Bluth: Die Hildebrandtsche Spritze ist ein so- 
genannter Zerstäuber für Gewächshäuser, ein Mann kann mit dem Fuss 
dieselbe festhalten, mit der einen Hand drücken, mit der anderen den 
Schlauch leiten, sie arbeitet gut, aber blau wird der Spritzer von Kupfer- 
vitriollösung auch. Das feine Verstäuben führt bei starkem Winde nicht 
zum Ziel, da der Wind den Staub ablenkt, ausserdem kann man auf 
einer Leiter stehend, sie nicht anwenden. Herr Mehl: Es ist nicht nötig, 
auf einer Leiter zu stehen, ich habe bis 5 m hohe Pyramiden damit 
bespritzt. 

4. Herr Dittmann - Eberswalde erläutert an Beispielen die Ver- 
edelung neuer Cactus-Dahlien auf Knollen älterer Georginen- 
sorten, das sich bei ihm ausgezeichnet bewährt hat. Die Knollen 
werden in Töpfe gepflanzt, in den Spalt gepfropft, mit Lehm umschmiert, 
mit feuchtem Moos umwickelt und in einen warmen Mistbeetkasten 
gesetzt, da wachsen die Edelreiser in 8 — 14 Tagen an. Die austreibenden 
Triebe kann man wieder zur Veredelung benutzen und so aus einem 
grünen Triebe 9 — 10 Pflanzen machen. 

Herr Kohlmannslehner warnt vor dieser Veredelung, weil in sehr 
vielen Fällen die so veredelte Knolle im nächsten Jahre nicht austreibt. 
Es empfiehlt sich, wenigstens recht tief zu pflanzen, so dass das Edelreis 
Wurzeln und selbst Knollen bildet. Die deutsche Dahlien-Gesellschaft 
hat ihre Mitglieder gebeten, das Verfahren nicht anzuwenden. Wenn es 
sich nur um die Vermehrung neuer Sorten handelt, ist es sehr vorteilhaft. 
Herr Dittmann verteidigt sein Verfahren und bemerkt, es sei nicht aus- 
geschlossen, vielleicht dadurch Pfropfhybriden zu erzeugen. Herr van 



252 858. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 



der Smissen tritt Herrn Kohlmannslehner bei, es ist leider oft die 
Erfahrung zu machen, dass, wenn man Neuheiten gekauft hat, sie im 
nächsten Jahre nicht austreiben, weil sie veredelt waren. Er bittet mit 
dem Urteil bis zum nächsten Jahre zu warten. Herr Wien holz: Um 
blühende Topfpflanzen zu erhalten, ist die Veredelung sehr gut, aber zur 
Weiterkultur im Lande nicht. Zur Vermehrung ist es viel besser, Steck- 
linge zu machen. 

5. Aus dem Königl. botanischen Garten war eine Reihe höchst 
interessanter Pflanzen ausgestellt. Herr Obergärtner Strauss führte be- 
sonders schöne Neuholländer vor, Herr Obergärtner Cornils ein 
wahres Schaustück: Acalypha hispida Blume, mit fast V2 m langen 
purpurroten Ähren, die wie beim Fuchsschwanz herabhängen, eine Pflanze, 
welche unter dem Namen A. Sanderi in Gent 1S98 so grosses Aufsehen als 
Neuheit gemacht hat, sowie ferner Amorphophallus bulbifer Blume var. 
lineatus Engl, eine Araceae mit seltsamem Blütenstande. Von den Neu- 
holländern zeichneten sich besonders aus: Aotus gracillima mit schön 
goldgelben Ähren und Pimelea spectabilis. 

Herr Cornils bemerkte, dass die Acalypha hispida sehr viel Dung 
und sehr viel Sonne erhalten habe, er habe in andern Gärten Exemplare 
gesehen, die nicht so der Sonne ausgesetzt waren und infolge dessen nicht 
so intensive Blütenfarbe zeigten. L. Wittmack wies darauf hin, dass die 
Pflanze bis jetzt nur in weiblichen Exemplaren eingeführt sei und dass 
die zahlreichen purpurroten Narben es sind, welche dem Blütenstand die 
schöne Farbe verleihen. Die Pflanze ist abgebildet Gartenfl. 1898 S. 276. 

Herr Bluth berichtete von der früher so sehr verbreiteten Kultur der 
Pimelea spectabilis. Vor 40—50 Jahren wurde sie in Berlin von 
Zietemann, Priem u. a. massenhaft gezogen, es war eine Marktpflanze, 
fast so häufig wie Pelargonien, man erhielt auf dem Dönhoffsplatz für 
einen Topf etwa 8 gute Groschen, also 1 Mark. Es ist eine ausgezeichnete 
Pflanze, ob man sie aber jetzt verkaufen würde, bleibt fraglich. (Herr 
Kohlmannslehner: Sicherlich!) Alle schönen Neuholländer, Chori- 
zema etc. etc., die auf Ausstellungen in grossen Kulturexemplaren ge- 
zeigt werden, wurden früher als Marktpflanzen gezogen. Herr Haubold 
in Dresden, der auch die Liebe zu den Neuholländern wieder entflammen 
möchte, hat die Kultur der Mitraria coccinea wieder begonnen, aber 
rechten Anklang finden sie nicht. Dass die Neuholländer heute so wenig 
gekauft werden, liegt z. T. daran, dass die Gärtner nicht mehr direkt 
mit dem Publikum, sondern mit dem Händler verkehren. Der Händler 
aber nimmt nur das, was schlanken Absatz findet, sich leichter trans- 
portiert und ihm am meisten Verdienst abwirft. In kleineren Städten, 
namentlich auch in Badeorten, werden seltenere Pflanzen weit eher 
gekauft. 

Betreffs der Acalypha bemerkte Herr Bluth, dass auch von Acal. 
musaica nur die weibliche Pflanze in Kultur sei. 

Herr Professor Dr. Carl Müller wies im Hinblick auf den aus- 
gestellten Amorphophallus bullifer auf den Riesen unter den 
Araceen: Amorphophallus Titanum Beccari hin, den Beccari auf 
den malayischen Inseln entdeckt hat. Der Knollen hat \'. 2 — 3 / 4 m Durch- 



858. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 263 

messer, der Blütenschaft die Dicke eines Armes, die Blütenscheide einen 
oberen Durchmesser von :! \ m und die ganze Pflanze eine Höhe von 
3 — 4 m. Das ist nur zu erklären durch den reichen Humus des dortigen 
l'rwaldes. Auch in der Technischen Hochschule zu Charlottenburg er- 
zielt Herr Obergärtner Müller bei Amorphophallus Rivieri ausgezeichnete 
Resultate, indem er ihm im Herbst eine fette Kompostmasse bereitet. 

6. Herr Robert Moncorps legte die vor Kurzem aus Italien be- 
zogenen Kartoffeln »Ätna« vor. welche angekeimt versandt, aber nicht 
gewachsen und jetzt ganz verfault sind. Er fürchtet, sie seien ge- 
räuchert gewesen, um das zu schnelle Auskeimen zu verhindern. Herr 
Prof. Sorauer bezweifelt das. Die andere Sorte »Vesuv« hat sich besser 
entwickelt. 

7. Herr Dietze erfreute die Versammlung durch wahrhaft entzückende 
Marschall-Niel-Rosen von einer fast ungesehenen Grösse. Er berichtete 
darüber: Die Rosen sind 1886 gepflanzt, und zwar in einem Hause von 
2^ m Länge und 3 m Breite 24 Stück; von denen finden sich jetzt noch 
id. die alle noch vortrefflich tragen. Oft meint man, die Niel-Rosen 
tragen nur in der Jugend gut, das ist nicht richtig, man muss nur die 
Rosen nach dem Abblühen gut düngen und reichlich giessen, damit sie 
kräftiges Holz machen. Die Blütezeit wird bei mir jetzt in 3—4 Wocheu 
beendet sein, dann fülle ich Kuhdung auf die Beete, auf denen die Rosen 
ausgepflanzt stehen, und begiesse diesen mit dem Schlauch. Nach 4 Tagen 
kommt der Dung wieder hinaus, dann aber dünge ich noch einmal 
während des Sommers mit l U kg Chilisalpeter und nach 14 Tagen noch 
einmal mit der gleichen Menge. Vor der Blütezeit gebe ich etwas schwefel- 
saures Ammoniak und schreibe ich diesem den schön rötlichen Hauch 
der Blumen zu. Zu viel darf man aber nicht düngen, sonst fallen die 
Knospen ab, darum darf man auch nicht gleich nach dem Ausstreuen 
des Düngers Wasser darauf giessen. 

8. Herr Kgl. Gartenbaudirektor Carl Mathieu legt die Birne »Directeur 
Alphand«, eine hübsche Schaufrucht, vor, wie die Belle Angevine und die 
Späte von Toulouse, aber ebenso wie diese von Geschmack einer Kohlrübe. 

IV. Hierauf hielt Herr Prof. Dr. Carl Müller einen mit ausserordentlichem 
Beifall aufgenommenen Vortrag über die Blütenfarben, ihre Entstehung 
und Xüancierung. Wir hoffen diesen interessanten Vortrag gelegentlich 
bringen zu können. Heute sei nur kurz erwähnt, dass das Weiss der 
Blumen durch farblose Zellen, zwischen denen viele Luftlücken sind, er- 
zeugt wird, das Blau durch blauen Zellsaft, der sich durch Säuren rot 
färbt, das Gelb durch gelb gefärbte Protoplasmakörner (Xanthophyll) 
ähnlich wie das Grün durch die Chlorophyllkörner. Anknüpfend an 

--inen Vortrag über das Ivessche Dreifarbensystem (Gartenfl. 1899, 
S. 147). wies der Redner daraufhin, dass die Natur ebenfalls mit 3 Farben, 
aber nicht Blau, Rot, Grün, sondern Blau, Rot und Gelb arbeitet. Das 
sammetartige Aussehen wird durch dichte, hervorstehende Zäpfchen (Haare) 
wie beim echten Sammet bewirkt. 
V. Der Etat für 1890 wurde in zweiter Lesung ohne Debatte genehmigt. Er 
schliesst in Einnahme mit 22592 M. 50 Pf., in Ausgabe mit 20295 M. ab. 
Hierin sind einbegriffen 2000 M. für Vorbereitung der Grossen deutschen 



2(5/1 Primula obconica, ihr Wert, ihre Verwendung und Anzucht. 

Winterblumen-Ausstellung im Zoologischen Garten, sodass ein Überschuss 
von 2297 M. verbleibt. 

VI. Auf eine Anfrage des Herrn Kgl. Gartenbaudirektor Grussdorf. Quedlin- 
burg über Gewächshäuser aus hohlen Glaskörpern, bemerkt Herr Bluth. 
dass sich feine Haarrisse in dem Glase bilden, durch die Wasser nach 
dem Innern der hohlen Körper tritt und sich daselbst Rost ansetzt. Herr 
Cornils berichtet, dass sich öfter ein Riss nahe am Boden bildet und 
dann mit einem Knall der Boden abspringt. Auch sammelt sich im 
Winter der Schnee in den Fugen. 

VII. Das Preisgericht, bestehend aus denHerren Rosenzüchter Hering, Potsdam, 
Gartenbaudirektor C. Mathieu, Charlottenburg und Geh. Rechnungsrat 
Schmidt, Berlin, sprach den schönen Xiel-Rosen des Herrn E. Dietze- 
Steglitz den Monatspreis von 15 Mark zu. 

C. Lackner. L. Wittmack. 



Primula obconica, ihr Wert, ihre Verwendung und Anzucht. 

Von Adam Heydt, v. Podbielskischer Schlossgärtner zu Dallmin (Prignitz). 
)|ln Xo. 8 unserer »Gartenflora« S. 203 wird in dem Bericht der Versammlung 
^ vom 23. März der Primula obconica Erwähnung gethan und von Herrn 
Kretschmann-Pankow besonders hervorgehoben, dass sie zur Schnittblumen- 
zucht und als Topfpflanze sehr geeignet sei. Dieses giebt mir Veranlassung 
zur Besprechung obigen Themas. 

Primula obconica wurde früher gar nicht geachtet; nachdem aber dieselbe 
von Arends & Pfeiffer in Xieder-Ronsdorf (Rheinprovinz) durch sorgfältige 
Kultur verbessert worden, hat sie sich nach und nach die Gunst vieler be- 
deutender Fachleute erworben. Herr Kretschmann sagt, die Kultur sei sehr 
einfach und säe er sie zwischen Juli und August aus. Demgegenüber möchte 
ich erwidern, dass für die Aussaat die allergünstigste Zeit wohl März — April 
ist, ich aber die Aussaat im Februar — April — Mai für am vorteilhaftesten 
halte, und zwar aus folgenden Gründen: Die P. obconica, die jetzt gesäet 
werden, blühen von August, ja schon von Juli bis Juni des folgenden Jahres 
ab, so zu sagen immerwährend, vorausgesetzt, dass sie gut gepflegt werden. 
Die Zeit im Spätherbst, nachdem die Chrysanthemum verblüht sind, ist diejenige, 
von welcher ab die P. obconica als Schnittblume hervortritt; besonders dem 
kleineren Handelsgärtner sind sie dann willkommen, besitzen sie doch lange, 
kräftige Stiele und eine Blumenfarbe moderner Richtung, die sich zu fast allen 
Bindereien gut benutzen lässt. Doch das nicht allein, sie ist eine der dank- 
bar blühendsten Topfblumen für das Zimmer und ich möchte den Mitgliedern 
des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, die sich mit Zimmergärtnerei 
befassen, nur anraten, sich diese P. obconica zuzulegen; die Freude daran 
bleibt nicht aus, ist es doch eine Pflanze, die auch einmal sehr trocken oder 
auch einmal etwas zu nass werden kann, ohne dass dieses ihr sehr schadet. 
Sie verlangt im allgemeinen feuchten Boden und fühlt sich am Fensterbrett 
des Zimmers am wohlsten. 

Doch zurück zu dem Standpunkt, von dem aus Herr Kretschmann die 
P. obconica-Kultur betrachtet, welche wohl darin besteht, speziell fürs Frühjahr 



Primula obconica. ihr Wert, ihre Verwendung und Anzucht. 26^ 



blühende Pflanzen zu haben; dann mag für den Grossbetrieb die Aussaat im 
Sommer passen, da ist sie angebracht, doch sollte der Handelsgärtner nicht 
übersehen, dass, wenn die Blüte im Herbste beginnt und ununterbrochen anhält, 
ihm diese Primel eine gute Einnahme verspricht, er auch im Frühjahr keinen 
Nachteil von den dann einjährigen Primeln hat. Handelsgärtner sollen und 
müssen bei jeder Kultur zuerst den pekuniären Erfolg im Auge haben. Auch 
ich kultiviere P. obconica seit einigen Jahren zur Winterblumenzucht mit dem 
besten Erfolg. 

Gewöhnlich säe ich, wie auch heuer, den Samen, in Lauberde und Sand, 
so etwa im Februar — März aus, mit anderen im Februar zu säenden Topf- 
pflanzen. Den Samen stelle ich dann bis zum Keimen ins Temperierhaus und 
wird er eben feucht gehalten. Bedecken mit Glasscheiben erfolgt nicht, denn 
dieses ist überflüssig. Sobald sich die Samenpfiänzchen soweit entwickelt 
haben, dass sie pikierfähig sind, werden sie in genügendem Abstand in genannte 
Erdmischung pikiert und bleiben die Kästen vorläufig in demselben Haus. 
Begiessen und Spritzen erfolgt, wenn notwendig; dieses sind Handgriffe, die ein 
Fachmann von selbst verstehen muss. Wachsen die P. nun ordentlich heraus, 
so stelle ich sie ins Kalthaus, pikiere sie auch nochmals, wenn es eben er- 
forderlich ist; dann, so um Mai herum, wenn einige Fenster in den Mist- 
beeten frei werden, wird die Misterde in denselben mit Sand vermengt und 
die P. in Abstand von 20 — 25 cm ausgepflanzt. Nach etwa 14 Tagen, wenn 
die P. im Zuge sind, d. h. kräftig in Entwicklung treten, werden die Fenster 
auf Latten gelegt, so dass etwa 10 cm hoch Luft nach allen Seiten hinzu kann. 
Die Fenster bleiben darauf liegen und wird bei Sonnenschein schattiert, am 
besten mit Deckbrettern. Das Schattieren durch Bestreichen der Fenster mit 
Kalk habe ich aus praktischen Gründen: weil bei mangelndem Sonnenlicht die 
Pflanzen zu düster stehen und das Schattieren nur einige Stunden notwendig 
ist. weiter nicht angewandt, wie ich überhaupt diese Schattierung nicht weiter 
empfehlen mag. 

Im Laufe des Sommers werden nun die P. feucht gehalten und morgens 
vor dem Beschatten, sowie mittags nach demselben leicht bespritzt. Ein weiteres 
Haupterfordernis ist das Auskneifen der Knospen, damit sich vorerst genügende 
Blätter mit Reservenahrung bilden, die nachher im Stande sind, grosse und 
viele Blumen dauernd zu ernähren. Die Knospen lasse ich erst von Mitte 
August ab durchgehen, damit im September, falls ein Nachtfrost die Blumen 
im Freien zerstört, die Primeln ein verwendbares Material liefern. Die 
Pflanzen den Sommer über blühen zu lassen ist deshalb unnütz, weil um diese 
Zeit genug andere Blumen blühen und Primula obconica viel zu wertvoll ist, 
um als Sommerblume zu dienen. 

Um die Pflanzen zu stärken und zu kräftigen, ist es thunlich, dieselben 
alle 14 Tage zu düngen. Im letzten Jahre verwandte ich sehr vorteilhaft 

ers Nährsalz«, doch vorher immer verdünnten aufgelösten Hühnermist. 

Mitte August pflanzt man die dann sehr starken Primula obconica in 5Z0II. 
Töpte und pflegt sie vorerst auf bekannte Art, wie man eben frisch eingetopfte 
Pflanzen zu halten gewohnt ist. Nachher lüfte man tleissig und bringe die 
Primeln ja nicht zu früh ins Gewächshaus. Ich empfehle, einen Teil in kalten 
Kästen zu belassen, da Frost, wenn die Kästen bedeckt, nicht weiter schadet, 
und man nachher, wenn der getriebene Teil nachlässt, frische Pflanzen ins 



2(5(5 Primula obconica, ihr Wert, ihre Verwendung und Anzucht. 

Haus stellen kann. Auf diese Art und Weise hat man im Winter die Primeln 
in Hülle und Fülle in Blüte. 

Am besten blühen sie in einem recht hellen, mit nicht zu feuchter Luft 
erfüllten Hause bei 10 — 12 ° Wärme. Bei höherer Wärme beobachtete ich 
kleinere Blüten und mattere Farbe derselben. 

Vor einiger Zeit ging eine Notiz durch die Zeitung, dass Primula obconica 
giftig sei, d. h. dass die feinen Härchen der Blatt- und Blumenstiele bei Be- 
rührung mit der Haut der Hand Schwellungen u. s. w. verursachen; 
dies mag wohl zutreffen bei solchen Personen, die ganz zarte Hände haben, 
aber mir persönlich ist ein solcher Fall nicht bekannt, weshalb ich, trotzdem 
ich viel mit P. ob. hantierte, dieser Eigenschaft keine oder wenige Beachtung 
schenkte. Der Wert in blumistischer Beziehung ist viel zu gross, sei es fin- 
den Handelsgärtner oder Dilettanten, als dass eine derartige Eigenschaft mass- 
gebend werden darf, um diese Primel der Kultur vorzuenthalten. 

Im Zimmer hält sich P. obconica ebenfalls sehr lange und gut. In diesem 
Jahre will ich versuchen, ob sich Primula obconica als Gruppenpflanze 
verwenden lässt und werde dann das Resultat hier bekannt geben. 

Auch hege ich die Absicht, meine jetzt schon lange pikierten Primeln 
auf der grossen Berliner Winterblumen-Ausstellung im nächsten Jahr aus- 
zustellen, um einen Vergleich mit Herrn Kretschmanns Sommeraussaaten zu 
haben, die zu der Zeit dann erst zu blühen anfangen, während die meinigen 
dann schon viele Blumen gebracht haben. 

Bei Durchsicht des Obigen wird man ersehen, dass die Anzucht und 
Pflege dieser Primeln sehr lukrativ ist, Pflanzen bis 60 cm Durchmesser mit 
Blumen übersäet zu haben, ist weiter nichts besonderes, wenigstens bin ich es 
so gewohnt. 

Bemerken will ich nur noch, dass die Aufmerksamkeit, welche ich dieser 
Primel zuwende, infolge meines vor etwa 5 Jahren erfolgten Besuches bei der 
Firma Arends <fc Pfeiffer in Ronsdorf, Rheinland, veranlasst wurde, denn die 
dortigen Kulturen dieser Pflanze haben etwas musterhaftes, zudem die Inhaber der 
Firma mit Rührigkeit an Verbesserung dieser Primeln arbeiten. 

* 
Bemerkung zu vorstehendem Artikel. 

Von W. Kretschmann, Pankow-Berlin. 

Zu dem Artikel des Herrn Heydt über Primula obconica hätte ich Nach- 
stehendes zu bemerken: 

Im grossen Ganzen pflichtet Herr Heydt meinen Ausführungen bei, er 
scheint nur damit nicht einverstanden, dass man die Aussaat im Juli — August 
macht, giebt aber auch zu, dass, wer die Pflanzen im März — April blühend 
haben will, im Juli aussäen muss. Es ist von Herrn Geh. Rat Wittmack 
nicht richtig aufgefasst, wenn er schreibt „man säet die Pr. obc. im Juli — August 
aus". Ich habe von den ausgestellten Pflanzen gesprochen. Nach dem Wort- 
laut in dem Bericht könnte man annehmen, dass im allgemeinen die Aussaat- 
zeit im Juli sei. Ich möchte dem ergänzend hinzufügen, dass ich meine erste 
Aussaat Mitte April mache. Für mein Pflanzen-Versandgeschäft ist es nötig, 
dass ich Aussaaten von April bis Anfang August von vierzehn zu vierzehn 
Tagen mache, damit Jeder für die Zeit, wo er die Pflanzen blühend haben will 



Prim.ula obconica, ihr Wert, ihre Verwendung und Anzucht. 267 



(es kaufen bei mir Ilerrschafts- und Handelsgärtner), Pflanzen bekommen kann. 
Ein früheres Aussäen halte ich für Handelspartner nicht ratsam: wenn man 
die Pflanzen zum Winterschnitt haben will, genügt die April-Aussaat vollkommen. 
Ich habe in meinem kurzen Bericht gesagt, dass ich die ausgestellten Pr. obc. 
Ende Juli ausgesät, um die Pflanzen im April Mai blühend zu haben. Zu 
einer Zeit, wo die Winter- und Frühlingsblumen aufgehört und Sommerblumen 
noch nicht viel blühen, (ich beziehe das hauptsächlich auf niedrige 
Pflanzen), gerade in diesem Übergangsstadium werden Pr. obc. gern gekauft 
und können in Massen verkauft werden. Ferner mache ich die Aussaat des- 
wegen so spät, weil ich von dieser Aussaat meine Pflanzen zur Samengewinnung 
auswähle. Wenn nun auch, wie Herr Hey dt ganz richtig sagt, Pr. obc. fast 
unaufhörlich blüht, so sind doch bekanntlich die ersten Blumen die grössten 
und bestausgebildetsten. 

Bei Beurteilung über die Verwendung und Verwertung der Pflanzen ist 
wohl mehr oder weniger eine geteilte Ansicht zwischen Handelsgärtnern und 
Privat- oder Herrschaftsgärtnern. Wir Handelsgärtner in grösseren Städten 
haben mit dem Import aus dem Süden zu rechnen, können nur dann unsere 
Ware verwerten, wenn wir vom Süden nicht überschüttet werden, und eben 
deswegen, weil wir Handelsgärtner vor allem den pekuniären Erfolg im Auge 
haben müssen, müssen wir die Aussaaten der Blüthezeit anpassen. Der Privat- 
gärtner oder Liebhaber hat keine Veranlassung, sich danach zu richten, er 
kann seine Pflanzen zu jeder beliebigen Zeit blühend haben. 

Bei den fast immer überreichlichen Tagesordnungen in den Sitzungen 
de- Vereins zur Beförderung des Gartenbaues unterliess ich es absichtlich, über 
die Kultur eingehend zu berichten, glaubte nur darauf hinweisen zu müssen. 
dass die Kultur einfach sei. Dies giebt ja auch Herr Heydt zu, er geht sogar 
noch weiter und meint, die Pflanzen wären gar nicht so empfindlich gegen 
einmal zu trocken oder zu nass werden. Darauf sollte man sich aber doch 
nicht so sehr verlassen. Ich war im zeitigen Frühjahr in einer Handelsgärtnerei, 
in der sonst vorzügliche Kulturen anderer Gewächse waren und sah dort 
Primula obc, die meiner Ansicht nach gründlich vergossen waren. 

Wenn ich sagte, dass die Kultur einfach sei, meinte ich damit, dass eine 
besondere Pflege nicht notwendig sei. Pr. obc. beansprucht eine nahrhafte, 
lockere Erde, ich benutze dazu nicht zu sehr veraltete Misterde, etwas Tort- 
grus und Sand. 

Ich säe Pr. obc. in einem kalten, sogenannten Doppelhause in Thonschalen 
aus, pikiere dieselben in Pikierkästen erst enger, das zweite mal etwas weiter, 
damit ich kräftige Pflanzen zum Versand habe. Sobald die Pflanzen nach dem 
zweiten Pikieren anfangen zu wurzeln, stelle ich dieselben in kalte Mistbeet- 
kästen, und wenn dann stark genug, werden dieselben in Stecklingstöpfe in 
i'lu-n angeführte Erde gepflanzt, wieder auf kalten Kasten gestellt, anfänglich 
etwas schattiert und geschlossen gehalten. Schattieren sollte man so wenig 
wie möglieh, aber viel Lütten. Ich überwintere meine Pflanzen in heizbaren 
Mistbeetkästen, die Kästen sind jedoch nur soviel heizbar, um sie frostfrei zu 
halten. Will man die Pflanzen im Gewächshause überwintern, so wähle man 
ein recht helles Haus, mit guter Lüttungsvorrichtung; besonders Pflanzen, die 
man zum Topfverkauf haben will, müssen nahe am Glase stehen, viel gelüftet 
und nur frostfrei gehalten werden, weil sonst die Blätter leicht zu lang werden. 



2-70 Amaryllis. . 

Ich pflichte Herrn Heydt bei, dass Pr. obc. eine der dankbarsteu Zimmer- 
pflanzen ist und hoffe auch, dass selbe noch mehr verbessert und mehr Lieb- 
haber finden wird. 



Amaryllis. 

Von Otto Thalacker-Leipzig-Gohlis. 
(Hierzu Abbildung 56.) 
jie Amarylliskultur nimmt eine der ersten Stellen in meinem Geschäft ein 
K^gr^ und wird seit zehn Jahren mit grosser Aufmerksamkeit gepflegt. Die 
Mutterzwiebeln wurden damals von Paris. London und Holland bezogen und 
die besten und vollkommensten Blumen zur Befruchtung ausgewählt. Das 
Augenmerk war von vornherein darauf gerichtet, durch Massenkulturen zu 
massigen Preisen eine gute, starke Qualität zu liefern und die Verwendung als 
Schnittblume und als Topfpflanze noch mehr einzuführen; die Erfolge waren 
anfangs klein, erst als ich in Berlin.*) Dresden, Hamburg schöne Kollektionen 
ausstellen konnte, wurde der prächtigen Pflanze immer mehr Beachtung ge- 
schenkt und es war in den letzten Jahren nicht möglich, alle Aufträge in 
Blumen und Pflanzen mit Knospen zu erledigen. Besonders im Frühjahr hat 
sich eine grosse Vorliebe, Amaryllis für Bindezwecke zu verwenden, gezeigt; 
ich bin auch der Überzeugung, dass sich die Amaryllis auch für die Zukunft 
für grosse Tafelaufsätze, in Töpfen stehend, zur Dekoration sehr leicht ver- 
wenden lassen. Ich freue mich, dass viele meiner Herren Kollegen der 
Amarylliskultur ihre Aufmerksamkeit widmen, und bin überzeugt, dass sich 
besonders die leuchtendroten und dunklen Farben einen dauernden Platz in 
der Bindekunst erringen werden. 

Über die Kultur bemerke ich folgendes: Die Amaryllis werden im Früh- 
jahr, wenn sie Leben zeigen, gewöhnlich in der ersten Hälfte des März, in 
nicht ganz verrottete Lauberde, die mit etwas klarem Kuhdünger und Holz- 
kohlenstückchen vermischt ist, verpflanzt und, nachdem sie im Warmhaus etwas 
angezogen haben, nach etwa vierzehn Tagen in einen gut erwärmten Kasten 
gebracht. Reichliches Spritzen, massiges Begiessen und gleichmässige Wärme 
fördern das Wachstum der Amaryllis. Nachdem der Trieb abgehärtet ist, wird 
öfter gelüftet und in warmen Sommernächten lasse ich die Fenster ganz ab- 
nehmen. Mit dem Eintritt des August wird allmählich der Schatten von den 
Kasten entfernt, so dass die volle Sonne das Ausreifen der Zwiebeln fördert. 
Ferner ist dann ein allmähliches Einschränken des Begiessens notwendig, damit 
die Pflanze nicht zu neuem Leben gereizt wird. Später kommen die abgereiften 
Zwiebeln in ein Gewächshaus, wo sie bei einer Temperatur von 10 — 12 R. 
überwintern. Hauptbedingungen sind demnach: Nahrhafte durchlässige Erde, 
feuchte hohe Wärme während der Triebentwicklung, gutes Ausreifen der 
Zwiebeln und Überwintern im temperierten Hause. 



*j In Berlin erregten die herrlichen Amaryllis des Herrn O. Thalacker 1807 auf der 
Jubiläumsausstellung in Treptow die allgemeinste Aufmerksamkeit, namentlich wegen ihres 
schönen runden geschlossenen Baues, wie sie die von J. Yeitch & Sons in London und die 
von Kerr in Liverpool haben, sowie wegen ihrer leuchtenden Farben. Sie wurden mit dem 
Ehrenpreise des Klubs der Landwirte gekrönt. L. W, 



Veredelung von Clianthus Dampieri. — Werder in der Baumblüte. 271 

Veredelung von Clianthus Dampieri auf Colutea arborescens. 

__ (Hierzu Abb. ?-. 



• /• 



',;--lianthus Dampieri A. Cunningham (al »gebildet in Bot. Mag. t. 5051), 
cSXj diese herrliche Leguminose, ist von sehr schwieriger Kultur. Da sie 
besonders gegen Feuchtigkeit emplindlich ist. kommt sie selten zu schöner 
Blüthe und nur zu oft geht sie ein im Moment, wo die Knospen sich zum 
Öffnen anschicken. Man kann diese Schwierigkeit aber überwinden, wenn man 
gleich nach der Keimung eine besondere Pfropfung vornimmt. 

Man säet zur Seite von Clianthus Dampieri. Clianthus puniceus oder besser 
("lutea arborescens. Sofort nach der Keimung nimmt man der Colutea die 
Endknospe und ersetzt sie durch die de* Clianthus, die man zwischen den 
Keimblättern einfügt. Dieses Verfahren, welches durchaus nicht schwierig ist, 
gelingt mindestens einmal von zweien und man erhält auf diese Weise kräftige 
Pflanzen, welche im Laufe des Sommers zu blühen anfangen und, wenn sie der 
vollen Sonne ausgesetzt werden, während der ganzen guten Jahreszeit Blumen 
bringen, ja selbst im Winter im Gewächshause damit fortfahren. 

Marc Micheli. Genf. 

Anmerkung d. Red. Clianthus Dampieri ist farbig auch abgebildet in 
Vilmorins Blumengärtnerei*) von Siebert & Voss t. 19 Fig. 73. Voss beschreibt 
noch verschiedene andere Pfropfmethoden. — Urlandt empfahl inGartenflora 1S87 
S. 227 die Kultur in Weidenkörbchen und besprach zugleich die damals noch 
ziemlich neue Sorte »Deutsche Flagge« von Louis Vie weg in Quedlinburg, 
welche die schönste von allen ist und reinweisse, scharlach geränderte, in 
der Mitte schwarze Blumen besitzt. Vieweg selbst empfiehlt in Möllers Dtsch. 
Gärtnerztg. 1897 S. 225 Veredeln auf Sutherlandia frutescens, Clianthus puniceus 
und Astragalus glycyphyllos. 



§ Werder in der Baumblüte. 

n einem herrlichen Frühlingstage, Sonnabend, den 29. April, fuhr ich mit 
etwa 100 Studierenden der landwirtschaftlichen Hochschule, der tier- 
ärztlichen Hochschule und der Universität nach Werder. Die Baumblüte war 
in ihrer schönsten Entwickelung und unter der sachkundigen Führung des Herrn 
Carl Puhlmann, Vorsitzenden des Obstbauvereins in Werder, sowie des Herrn 
Kgl. Hoflieferanten Fritze, die uns bereits am Bahnhof empfingen, hatten wir 
die schönste Gelegenheit, die Art der Kultur und zugleich den Umfang der- 
selben kennen zu lernen. Überblickt man von einem der Aussichtspunkte oder 
gar von einem der jetzt immer zahlreicher werdenden Aussichtstürme die 
herrliche Landschaft, so schaut man meilenweit nur auf blühende Obstgärten, 
namentlich Kirschenanlagen. Früher nur auf W T erder beschränkt, haben jetzt 
alle Xachbargemeinden, die nicht zu tief liegen, den Obstbau aufgenommen und 
an der Bahn ziehen sich die Pflanzungen bis nach der Station Gross-Kreuz hin. 
Es ist heute nicht Raum, dies näher zu schildern, nur das sei noch hinzu- 
gefügt, dass ausser dem Versand frischer Früchte jetzt auch die Beeren-Wein- 
fabrikation sehr zugenommen hat. und die Studierenden hatten durch Güte des 
Wirtes auf der Bismarckhöhe, Herrn Altenkirch, selber Gelegenheit, sich von 



*) Verlag von Paul Parey, Berlin. 



27' 



Werder in der Baumblüte. 



den Keltereinrichtungen und von der Güte des Erdbeer- und Johannisbeer- 
weins zu überführen. 

Am Sonntag darauf, den 30. April, regnete es in Strömen, trotzdem sollen 




Abb. 5j. Clianthus Dampieri, 

veredelt auf Colutea arborescens im Garten des Herrn Marc Micheli in Genf. 

Blume scharlachrot, Grund der Fahne schwarz, Behaarung silbergrau. 

25 000 Personen sich die Baumblüte angesehen haben. Leider aber trat dann 
hier wie in ganz Deutschland, so kalte, nasse Witterung ein, dass die Blute 
schwer gelitten haben dürfte. - Wir fügen zum Schluss ein bisher noch nicht 



Werder in der Baumblüte 



273 



veröffentlichtes Gedicht an, das uns Herr Fritze zum Abschied freundlichst 
übergab und welches treffend die Stimmung aller Besucher beim Anblick 
dieser Blütenpracht wiedergiebt, deren blendendes Weiss sich so malerisch von 
den blauen Fluten der seenartig die Werderschen Höhen umspühlenden Havel 
abhebt. L. W. 

Gruss an Werder! 

Dir gilt mein Gruss, Dir will ich Kränze winden. 
Dir Havelstadt, gehüllt in Blütenpracht. 
Voll Dankgefühl will ich ein Loblied singen, 
Weil Du das Herz mir froh und weit gemacht. 
Von Bergeshöh' sah ich auf Dich hernieder, 
Du Paradies, vom Sonnenstrahl erhellt; 
Und andachtsvoll sprach ich, ins Weite schauend: 
>Wie gross ist Gott — wie herrlich seine Welt!< 

Mein Auge hing, von allem Schönen trunken. 
Entzückt an Dir und Allem um Dich her. 
Und während ich auf Dich herniederschaute, 
Fand ich des Prächt'gen immer mehr und mehr. 
Des Schönen voll, bin ich zu Thal gestiegen, 
Nahm schweren Abschied dann von Blut' und Blatt. 
1 »arauf hat mich das Dampfross fortgetragen 
Zurück nach meiner lieben Kaiserstadt. 

Doch ob ich fern, ob weit von F)ir geschieden. 

Du lebst in der Erinnerung ewig fort, 

Und meines Herzens allertreusten Grüsse 

Sie eilen hin zu Dir von jedem Ort. 

Gott segne Deine Fluren. Deine Auen, 

Die Winzer, arbeitsam und lohneswert. 

Dass sich die Bäume immer tiefer neigen. 

Von schönen Früchten reich und voll beschwert. 

Mög 1 jede Blüte sich zur Frucht gestalten. 
Ein jedes Reis zum vollen Strauch gedeihn. 
Dann wird bis in die allerfernsten Zeiten 
Mein schönes »Werder« reich und glücklich sein. 

Den Bewohnern Werders aus dankbarer Erinnerung gewidmet im Mai 
1881 von Marie Rohlwes. 



27A 



Kleinere Mitteilungen. 



Kleinere Mitteilungen. 



Hibiscus Cooperi (tricolor). 

Zum Bepflanzen von Jardinieren 
empfehle ich diesen Hibiscus ganz 
angelegentlich; derselbe ist leicht zu 
kultivieren und infolgedessen in Massen 
zu vermehren. Die Vermehrung kann 
zu jeder Jahreszeit vorgenommen 
werden, jedoch ist das Frühjahr die 
empfehlenswerteste Zeit, weil sich im 
Sommer die Blätter schön färben und 
dann für den Herbst und den Winter 
ein vorzügliches Material zu obigem 
Zweck liefern. Aber es ist doch auch 
so einzurichten, dass man das ganze 
Jahr junge gut gefärbte Pflanzen mit 
kleinen Topfballen zur Verfügung hat. 

Die Stecklinge, welche warm zu 
stecken sind, bewurzeln sich innerhalb 
einiger Wochen; beim Einpflanzen ist 
Vorsicht geboten, damit die jungen 
steifen Wurzeln nicht zerbrechen; ich 
stecke deshalb meine Stecklinge 
gleich in kleine Töpfchen, dadurch 
kommen dieselben 14 Tage früher als 
solche, die beim Einpflanzen durch 
das Zerbrechen der Wurzel zurück- 
gekommen sind. 

Die bewurzelten Stecklinge kommen 
nun anfangs auf warmen Fuss zu stehen 
und werden allmählich an Luft und 
Sonne gewöhnt, die dann ungehindert 
auf dieselben einwirken können; 
nur bei ganz wolkenlosem Himmel 
wird ein leichter Schatten verabreicht. 
Eine feuchte Luft ist stets zu unter- 
halten und bei günstiger Witterung 
Luft zuzulassen. Verpflanzt wird nur. 
wenn unbedingt nothwendig, denn je 
kleiner der Topf ist, desto schöner 
die Färbung, die noch durch einen 
Dungguss bedeutend gehoben werden 
kann. Ein Entspitzen ist zu Anfang 
behufs reichlicher Verzweigung an- 
zurathen. 

Sobald im Spätsommer die dächte 
kühler werden, ist es geraten, die 
Hibiscus in ein Warmhaus zu bringen 
und ihnen den sonnigsten Stand auf 
einem Hängebrett zu geben; die Über- 
winterung soll bei 10—15° R. erfolgen 
und ein öfteres Bespritzen darf nicht 
versäumt werden, indem sich sonst 
leicht der Trips einstellt. 

Um grössere Pflanzen zu Dekorations- 
zwecken zu ziehen, verwende man 



zweijährige Pflanzen, welche durch 
öfteres Verpflanzen bei angeführter 
Kultur sich bis zum Herbst ebenfalls 
prächtig gefärbt haben, sehr wider- 
standsfähig sind und zur Aus- 
schmückung von Blumentischen etc. 
ein gesuchtes Material liefern. Auch 
zu feiner Binderei sind die ab- 
geschnittenen Zweige sehr wertvoll 
und gereichen jedem Arrangement zur 
Zierde; die jungen Pflanzen mit den 
kleinen Topfballen und ihrer intensiven 
Färbung, die in weiss, rot, karmin, 
grün und grau in allen Xuancen 
schimmert, halten sich wochenlang in 
Jardinieren. Mögen diese Zeilen, dazu 
beitragen, dass dieser schöne Hibiscus 
recht viel Freunde finde. 
Villa Spindler, Gr.-Tabarz. 

J. Biemüller. 



Einige hübsche Sommerblumen. 

Yen Adam H e y d t , Kunstgärtner. 

Cynoglossum linifoLium, das 
weisse Sommervergissmeinnicht. Sein 
Wuchs und ganzer Bau gleicht dem 
des echten Vergissmeinnicht, die Blätter 
sind graugrün, ziemlich glatt, in der 
Form von Vergissmeinnichtblättern. Die 
Blumen erscheinen auf hohen Stielen 
in langer Rispe und sind reinweiss, 
infolge der grauen Belaubung erhalten 
sie aber den Schein, als seien sie 
silbergrau. Die hübschen Blütenrispen 
bilden einen guten Werkstoff für 
Binderei, wie auch die Pflanze sich sehr 
zu Töpfen eignet. Als Gruppenpflanze 
sowie zur Einfassung hoher Sommer- 
blumen auf Beeten dient sie vortrefflich. 
Sie wird bis 50 cm hoch. 

Senecio elegans pomponicus, 
eine hübsche Abart des beliebten 
Senecio elegans plenissimus. Dieser 
Senecio wird bis öo cm hoch, besitzt 
einen regelmässigen, kompakt eleganten 
Wuchs und hübsche Blumen in Dolden- 
Rispen. Jeder Zweig und jedes 
Zweiglein garniert sich von Juli bis 
Oktober über und über mit Blüten 
von schönster Pomponforrh in fast 
den meisten Farben, wie rot, blau, 
weiss und in Untermischung der ge- 
nannten Farben. Senecio elegans pom- 
ponicus eignet sich sowohl gut als 
Gruppenpflanze wie zum Schnitt, und 



Kleinere Mitteilungen. 



-73 



es verdient ihre Dauer ganz besonders 
hervorgehoben zu werden. 

Mimulus pictus cardinalis, eine 
neue Verbesserung des alten cardinaliSj 
hat hübsche goldgelbe, mit scharlach- 
rot gezeichnete Blumen. Von vielen 
Gauklerblumen ist diese Art mit am 
meisten zu empfehlen. Besonders für 
Gruppen eignel sie sich gut, muss aber 
gut und dicht gepflanzt werden. Blüht 
uli bis ( >k tober. 

\ metia rompaeta alba ist eine 
jener ^< -mmerblumen, die man wenig 
•, und zwar deshalb, weil sie nur 
Wert als Gruppenpflanze haben. Die 
bluten ähneln denen von Vergiss- 
meinnicht und sind reinweiss. Die 
Büsche bedecken sich mit einer Un- 
menge weisser Blüten von Juni bis 
September, und eine Gruppe von 
Xemetia gewährt immer einen guten 
Anblick. Für Einfassungen ist sie be- 
sonder.- gul geeignet. Die Büsche 
werden bis 30 cm hoch und bei sehr 
fetter Erde auch höchstens 30 cm. 

Chrysanthemum inodorum p 1 c - 
nissi m u m. Eine besonders für Schnitt 
geeignete Sommerwucherblume. Die 
Blumen sind dicht gefüllt, in reicher 
Dolde reinweiss. Blätter fein , gras- 
artig kraus. Wuchs sehr stark, wird 
bis 1 m hoch und blüht ungeheuer 
reich und ununterbrochen von Juni 
bis Oktober. Als Gruppenpflanze von 
grossem Wert. 

Die Anzucht aller genannten Blumen 
geschieht durch Samen, der im März 
bis April in laue Mistbeetkasten gesäet 
wird. Sobald die Sämlinge einiger- 
massen erstarkt, werden sie in gutes 
nahrhaftes Land auf Beete ausgepflanzt. 

Alle lassen sich auch vor und 
während der blute mit Ballen ver- 
pflanzen. 

Re< iit husch ist auch die blaue 
Xemetia. die ich wie die weisse Art 
zu I '<k"iat innen auf Blumen tische effekt- 
voll verwendete, nachdem ich sie mit 
Ballen während der Blüte eingepflanzt 
hatte. 

Obstblüte in Meran. 

Meran, den 24. April. Die Obst- 

bäun • jetzt noch in vollem Flor, 

eil in den musterhaften Calvill- 

Kulturen. Leider war während der 

Blütezeit viel Regen, auch sind 

Blüten abgefallen. Im 



vorigen Jahre verursachte die schlechte 
Witterung während der Blüte gegen 
30000 Gulden Schaden. Heute ist der 
eiste wirklich schöne Tag seit längerer 
Zeit. Das ungünstige Wetter ist die Ur- 
sache, dass die 1 »bstblüte ungefähr zu 
gleicher Zeil mit der in Werder, nur 
wenig früher, stattfand. An den Berg- 
hängen sind noch viele Bäume ganz 
kahl, für Ende April hier ein gewiss 
seltenes Erei^niss. Dagegen sah ich 
gestern auf dem 550 m hoch gelegenen 
W rissplatten Gerste bereits in Aehrm. 
Der Wein fängt eben erst an aus- 
zutreiben. 

Vor vierzehn Tagen sprach ich unser 
Mitglied, Herrn Kommerzienrat Hugo 
Köhler aus Altenburg in Arco. Der- 
selbe hat sein Grundstück sehr ver- 
grössert und zeigten seine Palmen. 
Cycadeen und Koniferen das saftigste 
Grün. An einigen Cycas revoluta 
sollen 100 — 150 Wedel sein. Herr 
Kommerzienrat II. Köhler hat auch 
bei Limone am Gardasee, einem der 
mildesten Orte, ein Grundstück gekauft, 
auf welchem nach seinen Mitteilungen 
die schönsten Oclbäume, Limonen 
(Citronenj und Orangen wachsen. 

- Den 27. April. Die Obstblüte ist 
so ziemlich vorüber. Das Wetter ist 
für die vorgerückte Jahreszeit noch 
immer sehr kühl, gestern regnete es 
wieder entsetzlich und heute stürmt 
es aus Nord. Heiss war es hier im 
April gar nicht. 

Dr. Frhr. Wilhelm von Landau. 



Eröffnung des Palmengartens. 

Am zu. April ist in Leipzig der 
grossartige Palmengarten eröffnet 
worden. Direktor des Gartens ist Herr 
Do ebner. 

Ausgestellte Pflanzen des Kgl. bot. Gartens 
in vier Versammlung des Vereins zur Be- 
tonierung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. 
Staaten um 27. April i8qq. 

Der Obergärtner IL Strauss stellte 
aus: 2 Aotus gracillima Meissn., 

Australien, 1 Acacia hastulata Sm., 
Südwest-Australien. 1 Pimelea speeta- 
bilis Lindl.. West-Australien, 1 Pimelea 
Preissii Meissn.. West - Australien, 
2 Pimelea rosea K. Br. var. Ilendersonii 
(Grab.) Meissn.. West - Australien, 
1 Ilelichrysum sesamoides Willd., Kap- 
land. 2 Aeathosma imbricata Willd. 



276 



Aus den Vereinen. 



var. acuminata Sorsd., Kapland, 1 Rhodo- 
dendron linearifolium S. et Z., Japan. 
Der Obergärtner V. Cornils stellte 
aus: 1 Acalypha hispida Burm., (A. 
Sanderi), Neu -Pommern. N. E. Br., 
1 Amorphoxjhallus bulbifer Bl. var. 
lineatus Engl., Ost-Indien. 



Vom Riesengebirge. 

Es wird von dort geschrieben; Auf 
der letzten Hauptversammlung des 
Riesengebirgsvereins war beschlossen 
worden, zum Schutze der Primula 
minima (Habmichlieb) den Erlass einer 
Polizeiverordnung zu erwirken , da 
namentlich an dem Himmelfahrtstage 
und an den Pfingsttagen durch das 
rücksichtslose Ausreissen ganzer Rasen 
der zierlichen — zum Vereinszeichen 
des R. G. V. erkorenen — Pflanze 
deren Fortbestehen im Gebirge ge- 
fährdet erscheint. Dem Landrat von 
Küster ist jedoch von dem Regierungs- 
präsidenten v. Heyer in Liegnitz die 
Zustimmung zu der ihm unterbreiteten 
Polizeiverordnung mit der Begründung 
versagt worden, dass er .die Not- 
wendigkeit einer derartigen Verordnung 
im Hinblick auf die §§ 18 bezw. 30, 
5 des Gesetzes vom 1. April 1880 
nicht anzuerkennen vermöge. Man 
wird nun von dem Verein Wächter 
an der Schneekoppe und an den Schnee- 
gruben an den gefährlichsten Tagen 
aufstellen, welche das Ausreissen des 
Habmichlieb verhindern sollen. 



Taxus baccata als Waldbaum in Ostpreussen. 

Als ich im Jahre 1894, damals im 
Dienste des landwirtschaftlichen 
Zentral-Vereins für Litauen und 
Masuren, mich im Dorfe Schareyken, 
zwischen Marggrabowa und Goldap 
gelegen, aufhielt, wurde mir durch 
Herrn Rektor Maurach dortselbst die 



Mitteilung gemacht, dass sich in dorti- 
ger Gegend Taxus baccata wild- 
wachsend vorfände. Um mich zu 
überzeugen, begaben wir uns auf den 
Weg zu dem Standort und erreichten 
in einer Stunde einen der höchst- 
gelegenen Berge dortiger Gegend, 
dessen Name (Seeskerberg?) mir nicht 
mehr genau erinnerlich ist. Dort fand 
ich erstaunt eine grosse Zahl alter 
Taxus baccata, bis 1.25 Meter gross, 
in einer Schlucht unter hohen Bäumen 
als Unterholz ein meist kümmerliches 
Dasein fristend. Dieser hochgelegene 
Standort unweit der russischen Grenze 
i dürfte, wenn auch vielleicht nicht die 
nördlichste, so doch sicher die öst- 
lichste Grenze wildwachsender Eiben 
in Deutschland darstellen. Ich selbst 
bin zu wenig Botaniker, um zu er- 
messen, ob das Vorhandensein der 
Eiben an dieser Stelle in weiteren 
Kreisen bereits bekannt ist und dem- 
selben besondere Bedeutung beigelegt 
wird, möchte andernfalls aber nicht ver- 
säumen, auf das Vorkommen der Eibe 
als Waldbaum an genannter Stelle 
besonders hingewiesen zu haben. 
Stobbe, 
Garteninspektor der Landwirtschaftskammer 
für die Provinz Pommern. 



Furchtbare Hitze und Trockenheit 

herrscht in ganz Spanien. Wenn es 
innerhalb acht Tage nicht regnet, 
wird die gesamte Getreideernte, die 
herrliche Aussichten bot, verloren 
gehen. Die Obsternte wurde durch 
die Märzfröste bereits zerstört. Dazu 
gesellt sich im Süden die Heuschrecken- 
plage; alles Grüne ist abgefressen, die 
Schwärme sind so gross, dass sie 
vielfach Eisenbahnzüge aufhalten. 
Dies alles wird nicht ohne verhängnis- 
vollen Rückschlag auf die Steuer- 
einnahmen bleiben. 



Aus den Vereinen. 



Deutsche Dahlien-Gesellschaft. 

Die deutsche Dahlien -Gesellschaft 
beabsichtigt, Sonntag d. 28. Mai in 



Leipzig, ihre Frühjahrs- Versammlung 
abzuhalten. 



Ausstellungen und Kongresse. 



-77 



Ausstellungen und Kongresse. 



Berlin, 36. April 1899. 



Petersburg. III. internationale 

< ; .1 1 t enb au - Au sst ellu n g vom 5. 17. 

bis 1 5. .'7. Mai 1899. 

Rücksendung der Ausstellungsgegenstände 
von St. Petersburg. 

Der Staatssekretär 

des Innern. 
III A. 

Eurer Hochwohlgeboren teile ich 
unter Bezugnahme auf mein Schreiben 
vom L2. d. M. - III A 15S7 — er- 
gebenst mit. dass der Bundesrat 
folgenden Bescbluss, betreffend den 
zollfreien F.inlass der von der dies- 
jährigen internationalen Gartenbau- 
Ausstellung in St. Petersburg zurück- 
gelangenden Güter, gefasst hat: 

1. Deutsche Güter, welche aus dem 
deutschen Zollgebiete zu der in der 
Zeit vom 17- bis 2-. Mai 1899 in 
St. Petersburg stattfindenden inter- 
nationalen Gartenbau-Ausstellung ge- 
sendet worden sind und von derselben 
mit dem Anspruch auf zollfreien 
Einlass zurückgebracht werden, sind 
vor dem Abgang in St. Petersburg 
von dem zuständigen Versender dem 
Kaiserlichen Generalkonsul daselbst 
unter Übergabe von Verzeichnissen 
über den Inhalt der zu versendenden 
Kolli anzumelden. 

2. Der Kaiserliche Generalkonsul 
erteilt nach erfolgter Prüfung den 
Rücksendungsnachweis nach Massgabe 
eines Formulars, welches die 
Bezeichnung des Empfängers, an 
den die Sendung zurückgeht, 
Zeichen und Nummer, Anzahl, Art 
der Verpackung, Gewicht und 
Inhalt der Kolli zu enthalten hat. 
I >ie < Gewichtsangabe kann unterbleiben, 
wenn sich das Gewicht der Kolli 
wegen unzureichender Tragfähigkeit 
der auf der Ausstellung vorhandenen 
W nicht feststellen Lässt In 

m Falle ist von dem Kaiserlichen 
Talkonsul eine bezügliche Be- 
scheinigung in dem Formular abzu- 
geben. 

3. Von Anlage eines Zollverschlusses 
wird s hen, dagegen die Zoll- 
freiheit der Güter davon abhängig 

.cht, dass die Kolli mit von dem 
rlichen Generalkonsul zu lie- 
fernden und seine Amtsbezeichnung 



tragenden Zetteln versehen weiden. 
auf welchen der Name des Empfängers 
des zurückgehenden Ausstellungsguts, 
der Bestimmungsort und die Ordnungs- 
nummer angegeben ist. Das Anbringen 
von -wichen Zetteln an die einzelnen 
Kolli kann jedoch unterbleiben, wenn 
Letztere in den Ausstellungsräumen in 
Eisenbahnwagen verladen und diese 
russiächerseits mit Plomben zollamt- 
lich verschlossen werden. In solchen 
Fällen sind zum Ausweise für die 
Einfuhr nach dem deutschen Zoll- 
gebiete die Schiebethüren der Eisen- 
bahnwagen mit je einem der fraglichen 
Zettel zu versehen. 

4. Sendungen dieser Art können 
aufGrund des Rücksendungsnachweise, 
an der Grenze zollfrei in den freien 
Verkehr gesetzt werden; wird die 
Abfertigung bei dem Amte des Be- 
stimmungsorts beantragt oder ergeben 
sich bei der Abfertigung an der Grenze 
Anstände, so sind die Güter unter 
Zollkontrole mit dem Rücksendungs- 
nachweise dem zuständigen Amte zu 
überweisen, welchem die Schluss- 
abfertigung obliegt. 

5. Soweit der nach Ziffer 2 erteilte 
Rücksendungsnachweis Menge und 
Gattung der Güter nicht so genau 
bezeichnet, dass hiernach die Ein- 
reihung der Waren unter eine 
statistische Nummer erfolgen kann. 
auch der Grenzeingangsdeklarant nicht 
zur sofortigen Ergänzung der erforder- 
lichen Daten im Stande ist, kann die 
Ablassung der Güter in den freien 
Verkehr dennoch gemäss Ziffer 4 
erfolgen. Die Ergänzung der statisti- 
schen Angaben erfolgt pach den 
Vorschriften im § 1 Abs. 6 der Aus- 
führungsbestimmungen zum Gesetze, 
betreffend die Statistik des Waaren- 
\ '•! kehrs. 

Hierzu wird bemerkt, dass den 
Bundesregierungen seitens des Reichs- 
kanzlers Proben der unter Ziffer 3 des 
Beschlusses bezeichneten Zettel zur 
Mitteilung an die Zollbehörden zugehen 
w erden. 

I. V.: (gez.) Rothe. 

An 
den ordentlichen Professor an der 

König!. Landwirtschaftlichen Hochschule 
Herrn Geh. Reg. -Kai Dr. Wittmac k. 



~7 N 



Aufstellungen und Kongresse. 



Das Reichsamt des Innern über- 
sendet uns ferner eine Bekanntmachung 
der russ. Regierung, aus der folgendes 
hervorgeht: 

1. Blühende Pflanzen werden mit 
Personenzügen inWaggons transportiert, 
welche für den internationalen Möbel- 
transport bestimmt sind. 

2. Härtere Palmen werden als Eilgut 
zum Tarif des Frachtgutes befördert. 

3. Der Rücktransport der Pflanzen 
von der Ausstellung erfolgt kostenlos 
von St. Petersburg bis zur Grenze. 



Der deutsche Gartenbau wird auf 
der Petersburger Ausstellung durch 
das Königreich Sachsen glänzend ver- 
treten sein. Es beteiligen sich folgende 
Firmen: 1. J. C. H a n i s c h, Leipzig, 
25 Araukarien. 2. Bernhard Hau- 
bold, Laubegast-Dresden, Calla 
aethiopica, Margueriten-Schaupflanzen. 

3. T. J. Seidel, Laubegast-Dresden, 
300 Rhododendron, 150 Azalea indica. 

4. AlbertWagner, Leipzig-Gohlis, 
100 Palmen und Cycadeen, eine Gruppe 
Acer japonicum, 25 Araucarien, Juni- 
perus hispanica. 5. Wilhelm 
Weisse, Kamenz in Sachsen, 26 
Arten und Varitäten Koniferen in 
29 Exemplaren. 6. Max Ziegen- 
balg, Laubegast-Dresden, 50 Phoenix 
canariensis, 30 Araucarien. 7. Otto 
Olb er g, Dresden-Striesen, 50 Aza- 
leen, 50 Rhododendron. 8. Otto 
Thalacker, Leipzig-Gohlis , drei 
Gruppen mit 100 Remontant-Xelken. 
50 Anthurium Scherzerianum grandi- 
florum. 9. Paul Hauber, Tolke- 
witz-Dresden, 25 Formobstbäume. 
10. H. F. H e 1 b i g, Laubegast-Dresden. 
Warm- und Kalthauspflanzen. 11. O. 
Poschars k y , Laubegast -Dresden, 
buntblätterige Gehölze. 12. Robert 
Weissbach, Laubegast - Dresden 
50 Rhododendron. 13. E. F. Thiers. 
Dresden-Striesen. zwei Heizapparate 
für Gewächshäuser in rauhem Klima 
und eine Warmwasser-Xiederdruck- 
heizung. Der Vorsitzende des Sächsi- 
schen Gartenbau-Verbandes, Herr 
T. J. Rudolf Seidel, Laubegast- 
Dresden, wird den Eingang der 
sächsischen Ausstellungsgüter selbst 
überwachen und die Aufstellung leiten. 

Aus Westpreussen wird die grosse 
Baumschule A. R a t h k e & Sohn 
in Praust bei Danzig, Mitglied des 



Vereins zur Beförderung des Garten- 
baues, schöne Koniferen ausstellen; 
Dr. J. Schlimann in Linde, Kreis 
Flatow. Beerenwein: das westpreuss. 
P r o v i n z i a 1 - M u s e u m in Danzig 
(Direktor Prof. Dr. C o n w e n t z) 
grosse Abbildungen seltener und bisher 
unbekannter Baumformen, die auf 
Grund photogr. Aufnahmen und Skizzen 
teils von dem Oberlehrer Rehberg 
in Marienwerder, teils von dem Ober- 
lehrer Dr. Korella, Danzig, in 
grösserem Massstabe ausgeführt sind. 
— Die Petersburger-Ausstellung wird 
sehr schön werden. — Die fran- 
zösische Regierung hat 30000 Frcs. für 
dieselbe ausgesetzt. 

Zum Schluss geben wir noch folgende 
Bekanntmachungen aus dem Nach- 
trage III zum Programm wieder: 

Der Magistrat der Stadt St. Peters- 
burg hat 500 Rbl. für Preise der Stadt 
angewiesen. 

Herr Kommerzienrat D i p p e in 
Quedlinburg hat einen Preis von 
100 Rbl. gestiftet. 

Die ausländischen Gäste werden am 
Bahnhofe von Mitgliedern der Kommis- 
sion empfangen und ihnen Wohnungen 
in Gasthäusern oder Privatlogis ange- 
wiesen. Wir raten den Herren Aus- 
ländern, das für die Zehrung bis 
Petersburg bestimmte Geld in Berlin 
oder an einer der beiderseitigen 
Grenzstationen in russisches umzu- 
setzen, da ausländisches Geld auf den 
Stationen der Eisenbahnen bis Peters- 
burg keinen Cours hat. 

Wegen der im voraus zu bestellen- 
den Logis ist von jetzt ab die be- 
treffende Korrespondenz an den 
Vorsitzenden der Empfangs-Kommis- 
sion F. J. Koechly, Gorochowaja 
1 7 50. zu richten. 

Von den Russischen Staatsbahnen 
Avird, infolge der in letzer Zeit er- 
folgten beträchtlichen Herabsetzung 
des Tarifs für Personenverkehr, keine 
weitere Ermässigung desselben gewährt. 

Das Programm der bevorstehenden 
Festlichkeiten und Ausflüge ist folgender- 
massen beschlossen: 

Am 4. (16.) Mai. um 10 Uhr mor- 
gens : Empfang der Preisrichter im 
Kaiserl. Taurischen Palais. Arbeiten 
des Preisgerichts. Um 2 Uhr: Frühstück. 

Am 5. (17.) Mai: Arbeiten der Er- 
gänzungsexpertise im Taurischen Palais. 
Feierliche Eröffnung der Ausstellung. 



Personal-Nachrichten. 



2 79 



Um 7 Uhr abends: Banquet im grossen 
Lorbeerhause des Taurischen Palais, 
veranstaltet von der Gesellschaft zur 
Feier der I »elegierten. Damen und 
Herren, welche an demselben theil- 
zunehmen wünschen, werden gebeten. 
zYnmeldungen hierüber spätestens bis 
zum 1. (13.) Mai an den Vorsitzenden 
des Empfangs-Komitees, F. J. Koechly, 
Gorochowaja 175'». adressieren zu 
wollen. Preis pro Person 6 Rbl. 

Am 6. (1S.) Mai: Feierliche Messe 
in der Isaaks-Kathedrale, gelegentlich 
des Geburtsfestes Sr. Maj. des Kaisers. 

Am 7. (19.) Mai, um 2 Uhr: Feier- 
liche Sitzung der Kaiserl. Russischen 
< '.ai tenbau-Gesellschaft. Um 8 Uhr 
abends: Gala-Vorstellung im Kaiserl. 
Marien- Theater. (Ballet.) 

Am 8. (20.) Mai. um 10 Uhr morgens: 
Besuch des Kaiserl. Botanischen 
Gartens und Ausflug auf die Inseln. 

Vom 9. (21.)— 15. (27.) Mai ver- 
schiedene Ausflüge nach Peterhof, 
Zarskoje Sselo, Pawlowsk etc. Das 
Programm wird voraussichtlich noch 
mannigfaltiger werden. 

Staats-Delegaten, die nach Erscheinen des 
II. Nachtrags offiziell angemeldet wurden. 

Von Japan: Herr H. Foukouba, 
Direktor des Kaiserl. Gartens 
Schiniucan in Tokio. 



Von Luxe m b u ig: 1 lerr C a r 1 
G e m e n . Mitinhaber der Firma 
»Gemen und Bourg* in Luxemburg. 

Von Österreich-Ungarn: Herr 

Wilhelm Lauche, Fürstlich 

Liechtensteinscher Hofgarten-1 »irek- 

tor in Eisgrub (Mähren). 

NB. Ein Auskunfts-Bureau befindet 

sich auf dem Warschauer Bahnhof und 

ein zweites auf der Aufteilung selbst. 

Als deutsche Preisrichter haben sich 
bei der Redaktion noch gemeldet: 
Herr Max Bürger-Halberstadt. 
., Hofgärtner II offmann -Berlin. 



Berlin. Grosse Winterblumen- 
Ausstellung Mitte Februar 1900. 
Herr H. Severin in Kremmen macht 
im Flandelsblatt für den deutschen 
Gartenbau, Seite 112. dem Herrn 
H. Michel-Zittau den Vorschlag, auf 
der Grossen Berliner Winterblumen- 
Ausstellung Mitte Februar 1900 im 
Zoologischen Garten mit seinem Pelar- 
gonium zonale Turtles Surprise zu er- 
scheinen, um sich mit diesem mit 
Severins Sport Nordlicht als Winter- 
blüher zu messen. -- Hoffentlich geht 
Herr Michel darauf ein. — Der 
Leipziger Gärtner-Verein bringt 
derAusstellungdas lebhafteste Interesse 
entgegen. 



Personal-Nachrichten. 



Dankschreiben des Herrn Geheimen Reg. -Rats 

Prof. Dr. Schwendener für seine Ernennung 

zum Ehrenmitgliede. 

Berlin, den 24. April 1899. 
An den Vorstand des Vereins zur Be- 
förderung des Gartenbaues in den 
preussischen Staaten. 

Hochgeehrte Herren! 
1 '1 'schon ich den Mitgliedern des 
Vorstandes, welche mir an meinem 
70. Geburtstage im Namen des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues in 
den preussischen Staaten persönlich 
ihre Glückwünsche darbrachten und 
zugleich meine Ernennung zum Ehren- 
mitglied des Vereins öffentlich kund 
gaben, bereits mündlich meinen herz- 
lichen Dank für diese Auszeichnung 
ausgesprochen habe, ist es mir doch 



Bedürfnis, diese Dankbezeugung nach- 
träglich noch schriftlich zu Händen 
des Vereins zu wiederholen und zu 
bekräftigen. 

F)ie Geschichte der Botanik stand 
von jeher im Zusammenhang mit der 
Geschichte der Gärten und der Kunst. 
Pflanzen zu kultivieren. Darum habe 
ich es bei der Uebernahme meiner 
Professur in Berlin als eine natürliche 
Pflicht, gewissermassen als Ehrensache 
betrachtet, Ihrem Verein beizutreten - 
zwar nicht um aktiv an Ihren Be- 
strebungen mitzuwirken (denn dazu 
fehlte mir die Zeit), aber doch, um 
mein Interesse hieran zu bethätigen. 
Und so lebt in mir auch heute neben 
dem Gefühl des Dankes, dem ich vor 
Allem Ausdruck geben wollte, das der 
Zusammengehörigkeit mit allen denen. 



280 



Berichtigung. — Tagesordnung. 



die sich mit der Pflanze und ihrem 
Leben und mit den Bedingungen ihres 
Gedeihens befassen. 

Ich schliesse mit dem Wunsche, 
dass der Verein zur Beförderung des 
Gartenbaues auch fernerhin blühen 
und wachsen möge. 

Hochachtungsvoll 

Ihr ergebener 
S. Seh wenden er. 



Se. Maj. der König haben den Ober- 
förster Dr. Möller zu Eberswalde zum 
Professor der Botanik zu ernennen 
geruht. Letzterem ist die neu zu 
bildende Stelle des Vorstehers der 
mykologischen Abteilung bei der mit 
der Forstakademie zu Eberswalde 
verbundenen Hauptstation des forst- 
lichen Versuchswesens übertragen 
worden. 

Max Görlich, seit Jahren am Pomo- 
logischen Institut zu Reutlingen thätig, 
wurde der Titel Inspektor verliehen. 



K. So eil, Schlossgärtner auf Schloss 
Ortenberg. wurde die neubegründete 
Stadtgärtnerstelle in Offenburg über- 
tragen. 

Eugen Seitz, bisher in der Stadt- 
gärtnerei zu Mannheim thätig, wurde als 
Schlossgärtner auf Schloss Ortenberg 
angestellt. 



K. Seufferheld wurde als Fach- 
lehrer für Weinbau und Kellerwirtschaft 
an der Lehranstalt für Wein-. Obst- 
und Gartenbau zuGeisenheim angestellt. 



Professor Dr. Oscar Drude, Direktor 
des Königl. botanischen Gartens in 
Dresden ist zum Geh. Hofrat ernannt. 



Am 8. April verschied in Untermais 
bei Meran nach längerer Krankheit 
an einem Nierenleiden im 34. Lebens- 
jahre Paul Kunb erger, aus Zuffen- 
hausen bei Stuttgart gebürtig, Ober- 
gärtner des Herrn Realitätenbesitzers 
und Obstzüchters S. Freudenfels, 
dessen Calvill-Anlagen weit bekannt 
sind. Er war nicht nur bei seinem 
Chef, sondern auch bei seinen Kollegen 
sowohl durch seine Fachkenntnisse als 
auch durch sein ehrenwertes und ge- 
fälliges Wesen sehr beliebt. Besonders 
war es der Obstbau und vor allem 
die Behandlung und Leitung der 
grossen Calvill-Anlagen des Herrn 
S. Freudenfels, denen er seit mehr 
als fünf Jahren in unermüdlicher Für- 
sorge seine ganze Aufmerksamkeit 
widmete. Erst' im vergangenen Herbst 
nahm er wieder eine grosse Neuanlage 
zur Anzucht von Weissen Winter- 
Callvill für seinen Chef in Tscherms 
bei Meran in Angriff, leider aber wurde 
er durch den unerbittlichen Tod von 
der Vollendung des begonnenen Werkes 
abberufen. 



Berichtigung. 



In Heft 8 ist auf Tafel 1461 bei Diervilla Wagneri irrtümlich als Autor 
Kumezow gedruckt, es muss heissen Kusnezow, wie auch im Text S. 201 steht. 



Vom 13. Mai bis Anfang Juni bin ich verreist und bitte alle Sendungen 
für den Verein zur Beförderung des Gartenbaues an den Sekretär des Vereins. 
Herrn S. Braun, Berlin N.. Invalidenstrasse 42, richten zu wollen. 

L. Wittmack. 



Tagesordnung 



für die 



859. Versammlung des Vereins z. Beförderung d. Gartenbaues i. d. pr. Staaten 

am Donnerstag, den 25- Mai 1899, 6 Ohr, 

im Königl. botanischen Museum, Grunewaldstr. 6-7 (im Königl. botanischen Garten). 
1. Ausgestellte Gegenstände. . 2. Diskussion über Obstsorten für Liebhaber, eingeleitet 
von Herrn Oscar Cordel. 3. Neuwahl sämtlicher Ausschüsse. 4. Verschiedenes. 




Die internationale Gartenbau-Ausstellung in St. Petersburg. 

it dem höchsten Glanz ist die grosse internationale Ausstellung am 
5./17. Mai im Taurischen Palais eröffnet worden. Um 1 Uhr erschien 
die hohe Protektorin der Kaiserl. Russischen Gartenbau-Gesellschalt, 
die Grossfürstin Jelisaweta (Elisabeth) Feodorowna, die Schwester der 
Kaiserin von Russland, am Arme ihres Gemahls, des Grossfürsten Sergius 
AI exandro witsch. Sie durchschritten zunächst die Reihen der in den 
glänzendsten Uniformen erschienenen Mitglieder der Ministerien. Botschaften und 
sonstigen Eingeladenen und deren in die geschmackvollsten Frühlingstoiletten 
gekleideten Damen, um in der Mitte der Säle unter einem in griechischem 
Stil errichteten Zelt Aufstellung zu nehmen. Alsdann fand, wie das in Russ- 
land üblich, ein kurzer feierlicher Eröffnungs- und Weihegottesdienst statt, 
wobei schöner Gesang der Ghorknaben ertönte. 

Hierauf wurden die Delegierten der einzelnen Staaten und die als Preis- 
richterinnen wirkenden Damen der Grossfürstin vorgestellt, und diese hatte für 
jeden in seiner Landessprache einige freundliche Worte, die sich oft zu einer 
längeren Unterhaltung ausdehnten. 

Um 2 Uhr erschien S. M. der Kaiser, der Protektor der Aus- 
stellung, bot der Grossfüstin Elisabeth den Arm und machte unter Führung 
der Herren des Komitees einen Rundgang, der etwa l 1 /.? Stunden währte. Ganz 
besonders interessirte sich der Kaiser u. a. für die Cacteen des Herrn Fr. 
Ad. Haage jun., Erfurt. 

Die Ausstellung ist sehr schön arrangiert und macht dem Herrn Regel, 
der den Ausstellungsplan entworfen, grosse Ehre. 

Als hervorragendste Leistung müssen wir die Rosen des Herrn 
Freundlich in Zarskoe-Selo nennen, die in staunenswerter Menge und in 
unübertrefflicher Schönheit vorgeführt wurden. Ihm ist auch der Preis S. M. 
des Kaisers für inländische Aussteller verliehen worden. Vorzüglich ist auch 
die französische Abteilung; diese bildet, dank der guten Organisation 
und Unterstützung der Aussteller durch die französische Regierung, ein einheit- 
liches Ganze dar. während die deutschen Ausstellungsgegenstände zum Teil 
hier und da zerstreut waren. Indes bildeteten die meisten der sächsischen 
Ausstellungsgegenstände im Verein mit den hamburgischen auch ein Ganzes 
und die herrlichen Flieder des Herrn Paulig-Lübeck hatten einen Ehrenplatz 
zur Seite des Dioramas der Ausstellung, welches das kaiserliche Lustschloss 
zu Livadia in der Krim darstellte. 

Die Preiszusprechung bot anfangs viele Schwierigkeiten, da die Nummern 
zum grossen Teil noch nicht angebracht waren, der Katalog erst halb fertig 
war, und die Führer daher die Konkurrenzen nicht linden konnten. Aber 
diese Unannehmlichkeiten scheut der Besucher der Ausstellung nicht, für ihn 



282 Über einige Fraxinus-Arten. 



handelt es sich um das grosse Ganze, und in der Hinsicht muss man sagen: 
die Ausstellung ist sehr gelungen. 

Infolge der vielen Ausflüge, Festlichkeiten u. s. w., welche die russischen 
Herren zu Ehren der Fremden veranstalteten, ist es nicht möglich, heute 
einen näheren Bericht zu geben. Nur das sei hervorgehoben, dass auch 
der Herr Minister für Landwirtschaft und Domänen, der Ehrenpräsident des 
Preisgerichts, in hervorragender Weise sich an den Sitzungen etc. beteiligte. 
Er veranstaltete auch einen Empfangsabend in seinen prächtigen Räumen, 
wie er andererseits mit Gemahlin auf dem Empfangsabend, den Geh. Rat 
Fischer von Waldheim arrangierte, anwesend war. L. W. 



Über einige Fraxinus-Arten. 

Von E. Koehne. 
kurch die Ergebnisse meiner anatomischen Untersuchungen bei Berberis*) 
(3££^f ermutigt, habe ich bei den kultivierten Fraxinus-Arten, deren Bestand 
im Späthschen Arboret ich nach Exemplaren vom Sommer 1898 fast voll- 
ständig zu revidieren hatte, zunächst die Oberhaut der Blätter mikroskopisch 
untersucht und in der That auch hier einige wertvolle Ergebnisse gewonnen. 
Die Form und Grösse der Epidermiszellen kommt für die Artunterscheidung 
kaum in Betracht, da sie ähnlich wie bei Berberis innerhalb weiterer oder 
engerer Grenzen schwankt, jedenfalls für die Diagnostik nicht hinreichend 
definierbar ist. Aber zweierlei besondere Vorkommnisse sind für eine kleine 
Anzahl von Arten von hervorragendem Wert. 

I. Papillen auf der Blatt Unterseite. 
Sie finden sich ausschliesslich bei den wenigen Arten (alle amerikanisch) 
mit ausgesprochen weisslicher oder grauer Unterseite und dienen einerseits zu 
deren sicherer Kennzeichnung, selbst wenn die Blattunterseite stark grünlich 
wird, was zuweilen vorkommt, andererseits zu ihrer Unterscheidung von solchen 
ähnlichen Arten, bei denen zuweilen, namentlich an Herbarexemplaren, die 



*) Vergl. diese Zeitschr. No. 1 — 3. Aus einer ausführlichen Arbeit von P. E. Citerne 
Berberidees et Erythrospermees, Paris 1892 (Theses presentees ä la Faculte des Sciences de 
Paris), mit der ich durch die Güte des Herrn Dr. F. Fedde in Breslau bekannt wurde, habe 
ich leider inzwischen ersehen müssen, dass meine Beobachtungen fast sämtlich für die 
Wissenschaft nicht neu waran. Mein Artikel ist trotzdem wohl nicht überflüssig gewesen, da 
Citerne's Abhandlung nur sehr wenigen Lesern der Gartenflora bekannt sein dürfte. Im 
Botanischen Jahresbericht für 1891 und folgende Jahre wird sie nicht erwähnt, obgleich ich 
bei dessen Redaktion eine grosse Anzahl von Zeitschriften genau und regelmässig durchsehe, 
insbesondere das Botanische Centralblatt, das Bulletin de la Soc. Bot. de France nebst Revue 
bibliographique, die reichen französischen Litteraturberichte des Journal de botanique u. s. w. 
Dazu kommt, dass Citernes Arbeit mit vielen anderen anatomischen Arbeiten einen sehr 
grossen Fehler teilt, der ihren Wert sehr stark beeinträchtigt. Der Verfasser hat nämlich 
offenbar die Bestimmungen der Berberis in den von ihm benutzten Sammlungen im 
wesentlichen auf Treu und Glauben als richtig angenommen, was zu zahlreichen und grossen 
Irrtümern führen kann. Denn man kann niemals wissen, ob seine Angaben auch wirklich die 
von ihm genannte Art und nicht irgend ein falsch bestimmtes Exemplar, also eine andere 
Art betreffen. Aus diesem Grunde muss die ganze Arbeit noch einmal gemacht werden, 
sofern jemand die oft ungemein sicheren anatomischen Merkmale zur besseren Sichtung der 
Arten, zur Trennung bisher verwechselter, zur Vereinigung bisher unnötig geschiedener 
Pflanzen, zur richtigen Bestimmung falsch bestimmter Exemplare, zur Aufklärung von Ver- 
wandtschaftsverhaltnissen und dergleichen mehr verwerten will. 



Über einige Fraxinus-Arten. 283 



Unterseite ebenfalls ins Graue spielen und so zu Verwechselungen führen kann. 
Ich selbst hatte einige Blattexemplare meines Ilerbars falsch bestimmt. Die 
mikroskopische Untersuchung führt in solchen Zweifelsfällen augenblicklich 
zum Ziel, da bei keiner anderen, als den unten aufgeführten drei Eschenarten, 
auch nur eine Spur der Papillenbildung nachzuweisen ist, selbst wenn man 
die Unterseite als grau ansprechen möchte. Die Papillen sind meist sehr 
hoch, vom Scheitel aus stark strahlig gerunzelt; die von einer Papille herab- 
steigenden Runzeln steigen auf den benachbarten Papillen wieder empor. 
Einzelne Runzeln erheben sich zwischen je zwei Papillen zu je einer hohen 
Leiste, wodurch die Oberfläche der Blattunterseite über und über netzig- 
grubig wird. Alan könnte also die Blattunterseite als netzleistig-papillös 
mit strahlig gerunzelten Papillen bezeichnen. Jede Papille steht auf einer 
Epidermiszelle, die verbindenden hohen Leisten gehen quer über die Seiten- 
wände der Zellen hinweg. Um die Schliesszellen der Spaltöffnungen neigen 
sich die Papillen oft eng gedrängt zusammen, sodass die ganze Erscheinung 
wohl als eine Einrichtung zur Erschwerung der Verdunstung anzusehen ist. 

1. F. americanaL. Hierzu rechne ich noch jetzt, wie in meiner 
Dendrologie S. 511, der Linneschen Diagnose entsprechend, nur die Formen 
mit ganzrandigen, unterseits weisslichen Blättern. Im Arboret Späth 
führte sie früher den Xamen F. Novae Angliae. Sie ist eine der schönsten 
Eschen mit dunkelgrün glänzender Blattoberseite. Die Papillen und Netz- 
leisten sind sehr hoch und zweifellos die Ursache der weissen Färbung der 
Unterseite. 

2. F. juglandifolia Lam., nicht Willd. Die sämtlichen Exemplare, die 
Willdenow in seinem Herbarium unter diesem Namen aufbewahrte, haben 
eine gänzlich papillenfreie Unterseite und gehören deshalb nicht zur Lamarck- 
schen Art. sondern zu F. viridis Michx., wie Sargent in der North amer. 
Silva VI. S. 50 sehr richtig citiert.*) Ich rechne zur Lamarckschen Art alle 
Formen mit deutlich gesägten, unterseits grauen, selbst graugrünen (nicht 
weisslichen). oberseits kaum glänzenden, weit matter grün als bei americana 
gefärbten Blättchen. Sargent unterscheidet americana und juglandifolia 
gar nicht, eine Auffassung, der ich mich bis jetzt nicht anschliessen kann. 
Beide scheinen mir, wenigstens bei uns, stets leicht unterscheidbar. Die Ab- 
bildung, welche Sargent a. a. O. VI. S. 43 Taf. 268, 269 für americana giebt, 
stellt wegen der gesägten Blättchen F. juglandifolia Lam. dar. Die Papillen 
und die verbindenden Netzleisten sind nicht ganz so hoch, wie bei americana, 
oft sogar ziemlich niedrig, immer aber unter dem Mikroskop auf den ersten 
Blick zu erkennen. 

Bei beiden Arten, obgleich sie seit dem vorigen Jahrhundert bei uns 
kultiviert werden, haben sich die den wilden Pflanzen zukommenden Netzleisten 
und Papillen vollständig unverändert erhalten, liefern also ein überaus zu- 
verlässiges Merkmal. 



* Er fasst übrigens F. viridis nur als var. lanceolata Sarg, von F. pen nsylvanica 
Marsh, auf, da, namentlich im westlichen Verbreitungsgebiet beider Formen, ein Auseinander- 
halten nicht möglich sei. In der That gehen auch in unseren Kulturen beide mit sehr ver- 
schiedenen Graden der Behaarung in einander über, sodass eine Grenze kaum gezogen werden 
kann und die Aufstellung und Abgrenzung einzelner Formen nach dem Vorgange Boscs zu 
ziemlich willkürlichen Auffassungen führt. 



2§4 Über einige Fraxinus-Arten. 



Für mein Herbar erhielt ich die F. juglandifolia unter folgenden 
Namen (M. bedeutet Muskau, S. = Späth, Z. = Zoeschen): americana (S.). 
amer. longifolia (S., mit auffallend schmalen Bläftchen), amer. macrophylla 
(S.), amer. macroph. glauca (Z.), amer. salicifolia (S., Z.), atropurpurea 
(Z.), epiptera (M., S.). juglandifolia (S.), oxycarpa epiptera (S.), 
pennsylvanica (M.. S.), platycarpa macrophylla (Z.), pubescens (M., S.), 
pubesc. longifolia (M., S., mit auffallend schmalen Blättchen, dasselbe wie 
oben genannte amer. longif.), tomentosa (M.). Aus diesem Verzeichnis 
ersieht man, wie wenig juglandifolia noch richtig erkannt wird. 

3. F. Texensis Sarg. a. a. O. S. 47 Taf. 270. Meiner Ansicht nach konnte 
Sargent, wenn er diese, von Torrey und Gray als Varietät von americana 
betrachtete Pflanze zum Range einer Art erhob, auch F. juglandifolia den 
Artenrang zuerkennen. Sie unterscheidet sich von der letzteren namentlich 
durch die rundliche, stumpfe Form der Blättchen. Die weisse Farbe der Blatt- 
unterseite wird auch hier durch hohe Netzleisten und Papillen verursacht. Ich 
erhielt 1894 drei einzelne Blättchen und fünf zum Teil zerbrochene Früchte 
durch Herrn L. Beissner, der sie seinerseits von den Herren Boettcher und 
Voelcker empfangen hatte, und bestimmte diese Bruchstücke schon damals 
richtig, obgleich mir der anatomische Charakter noch nicht bekannt war. Die 
Früchte stammten aus Texas und die Einsender beabsichtigten, sie in den 
Handel zu bringen, haben aber, nach brieflicher Mitteilung, davon Abstand 
genommen. 

II. Spaltöffnungen auch auf der Blattoberseite. 

1. F. anomala Torr. Hier fand ich das. Merkmal zuerst. Da nun die 
Heimat dieser Pflanze, Süd-Utah und Colorado, eigenartige klimatische Ver- 
hältnisse besitzt, so legte ich mir die Frage vor, ob nicht vielleicht auch bei 
Fraxinus-Arten des Mittelmeer- und des asiatischen Steppengebiets dasselbe 
Merkmal festzustellen sei, da ich bei Berberis oberseitige Spaltöffnungen nur 
bei Pflanzen dieser Gebiete wahrgenommen hatte. Meine Frage fand eine 
bejahende Antwort. Von den in meiner Dendrologie aufgeführten Eschenarten 
zeigte ausser einigen wenigen, jene Gebiete bewohnenden keine einzige jemals 
auch nur eine Spaltöffnung auf der Blattoberseite, trotzdem ich hunderte von 
Exemplaren geprüft habe. Eine physiologische Erklärung der Erscheinung 
wage ich noch nicht zu geben; sie ist mir vorläufig, da sie eine Verstärkung 
der Verdunstung bedingt, noch recht überraschend. Viele Pflanzen jener Ge- 
biete sind ja im Gegenteil mit mannigfaltigen Einrichtungen zur Abschwächung 
der Verdunstung versehen. Wenn die Erscheinung auch durch klimatische 
Einwirkungen ursprünglich entstanden sein dürfte, so hängt sie doch von 
solchen nicht unmittelbar ab, insofern sie unter ganz veränderten klimatischen 
Bedingungen nicht verschwindet, sondern in unseren Kulturen in voll- 
kommenster Ausbildung erhalten bleibt. Eine Art, die seit 100 Jahren bei uns 
kultiviert wird, besitzt noch jetzt genau so zahlreiche oberseitige Spaltöffnungen 
wie bei ihrer Einführung. Auf dieser Beständigkeit des Merkmals beruht nun 
die Möglichkeit, es zur sicheren Unterscheidung mancher bisher schlecht 
erkannter oder verkannter Arten zu benutzen und in der That hat sich gezeigt, 
dass es in dieser Richtung ganz unentbehrlich und von dem grössten Nutzen 
ist. Die betreffenden Arten gehören sämtlich zur Untergattung Fraxinaster 
(während F. anomala zu Leptalix zu rechnen ist) und sind folgende: 



Über einige Fraxinus-Arten. 285 



>. F. syriaca Boiss. Die kultivierten Exemplare, die ich in meiner 
Dendrologie hierzu gezogen habe, sind richtig bestimmt, denn sie haben, gleich 
den Boissierschen Originalien dieser Art, sehr zahlreiche Spaltöffnungen 
oberseits. Dagegen ist das Synonym F. Sogdiana Bunge zu streichen, da die 
Bungeschen Originalien keine Spur solcher Spaltöffnungen besitzen und nur 
die Form der Blättchen eine äusserliche Ähnlichkeit aufweist, die ich jetzt 
nicht mehr so gross finde wie früher. Als Synonym bestehen bleibt 
F. Sogdiana Dippel, insofern es kultivierte Exemplare betrifft. Boiss ier hat 
seine in den Diagnoses Ser. I. 11. S. 77 aufgestellte Auffassung der syriaca 
als einer selbständigen Art später verschlechtert, indem er sie in der Flor. 
or. IV. S. 40 als Var. ß. oligophylla zu F. oxyphylla M. B. (=oxycarpa W.) 
zog. Letztere hat aber durchaus keine oberseitigen Spaltöffnungen, so viele 
Exemplare man auch untersucht. Ich erhielt F. syriaca als F. Sogdiana 
(M..S.), als Sogdiana argentea (Z.), als Spez. von Taschkent (Z.), als turkes- 
tanica (S., Z.). Nach diesen Bezeichnungen zu urteilen, wäre syriaca viel 
weiter verbreitet, als Boissier angiebt, der ausser Syrien das persische Kurdistan, 
Nordpersien und Afghanistan anführt. Untersucht habe ich ausser den 
kultivierten nur syrische Exemplare. 

3. F. persica Boiss. Diagn. 1. Ser. I. 11, S. 78. ebenfalls später in ver- 
schlechterter Auffassung F. oxyphylla b. subintegra Boiss. Fl. or. IV. S. 41. 
Südpersien, bei uns nicht in Kultur. Spaltöffnungen oberseits sehr zahlreich. 
Ob nur Varität der vorigen, wage ich jetzt nicht zu entscheiden. Bei Dippel 
steht F. persica Boiss. als Synonym unter F. parvifolia, Avas ganz unzulässig 
ist, denn parvifolia hat nur unterseits Spaltöffnungen. 

4. F. Willdenowiana Koehne, eine ausgezeichnete, seit 100 Jahren viel- 
fach und immer wieder verkannte Art, mit vorigen beiden sehr nahe verwandt. 
Spaltöffnungen oberseits sehr zahlreich. Ich besitze die Ptlanze unter den 
Gartennamen F. rotundifolia argentea (M.. S.), argentea (S.) und oxy- 
carpa argentea (Z.). 

Willdenow hat die Pflanze bald für F. rotundifolia, bald für parvi- 
folia angesehen; wenigstens ist von den beiden unter No. 19236 seines Herbars 
befindlichen Exemplaren das eine die echte F. rotundifolia Lam., das andere 
aber F. Willdenowiana und das einzige parvifolia-Exemplar seines Flerbars 
Xo. 19224 ist ebenfalls Willdenowiana. Letztere befindet sich als »parvi- 
folia« auch im Herbarium generale zu Berlin, aus dem Botanischen Garten 
zwischen 180O und 1812 entnommen. Nach allen diesen Exemplaren hat die 
Art seit fast 100 Jahren in unserem Klima ihre Spaltöffnungverteilung noch 
nicht verloren. Karl Koch (Dendrol. II. 1, S. 247) ist der richtigen Erkenntnis 
der systematischen Stellung der Pflanze nahegekommen, indem er sagt: 
F. angustifolia Vahl sei die echte Willdeno wsche parvifolia und Fraxinus 
syriaca Boiss. vermöge er ebenfalls nicht zu unterscheiden. Die Vahlsche 
An gehört wenigstens in die Nähe, die Boissi ersehe aber unmittelbar neben 
Willdenowiana, ohne dass indessen an eine Vereinigung zu denken wäre. 
F. angustifolia führt auf der Oberseite keine Spaltöffnungen. 

Dass die Blumenesche Fraxinus argentea Loiseleur mit der nackt- 
blütigen, blumenblattlosen Willdenowschen Pflanze nichts zu thun habe, hat 
Karl Koch (a. a. O. S. 236) ebenfalls sehr richtig erkannt, denn er führt sie 
unter F. Ornus L. auf. Das Original-Exemplar des Berliner Herbars, worauf 



286 Über einige Fraxinus-Arten. 



er sich beruft, ist von Reqien auf Korsika gesammelt worden und hat eine 
gänzlich spaltöffnungsfreie Blattoberseite. Auf S. 246 bemerkt Koch, dass 
nach De Candolle (Prodr. VIII. S. 276) F. argentea Lois. zu oxyphylla 
gehöre, was ich nach dem Reqien sehen Exemplar für ganz ausgeschlossen 
halte. 

Dippel (Laubholzkunde I. S. 83) führt den Namen parvifolia Willd. 
nach Vorgang anderer Autoren, aber mit entschiedenem Ausdruck des Zweifels 
bei seiner F. excelsior d. parvifolia an. Der Zweifel, begründet namentlich 
auf die braunen Knospen, die für Willdenows Pflanze sehr richtig angegeben 
worden sind, war berechtigt. Dagegen erinnerte die Abbildung bei Dippel 
(Laubholzk. I. S. 62) für seine F. rotundifolia argentea mich sehr lebhaft 
an meine F. Willdenowiana, während sie dem mir bekannten Exemplar der 
F. argentea Lois. wenig entspricht. Auf Anfrage hatte Herr Prof. Dippel 
jedoch die Güte, mir mitzuteilen, dass er den abgebildeten Zweig zwar nicht 
mehr besitze, dass er aber von der Späthschen rotundifolia argentea (meiner 
Willdenowiana) gänzlich verschieden gewesen sei. Es würde mich gefreut 
haben, wenn ich auch an dem Dippelschen Exemplar der argentea den 
Mangel der Spaltöffnungen und somit die Zuverlässigkeit dieses Merkmals hätte 
bestätigen können. 

Die ihr zukommende, jetzt durch die Spaltöffnungen sicher gestellte Selbst- 
ständigkeit und zugleich die richtige Stellung*) am Schluss der Untergattung 
Fraxinaster hat die Pflanze — vielleicht zum ersten Male — in meiner Dendro- 
logie (S. 515) erhalten. Einen etwaigen älteren Namen, der an Stelle des von 
mir gewählten zu treten hätte, kenne ich noch nicht. Ob mit F. pallida h. 
non Bosc. und mit F. obliqua Tausch (Flora XVII, S. 521) dieselbe Art 
gemeint ist, müsste erst festgestellt werden. Beide kenne ich noch nicht aus 
eigener Anschauung. Letztere wird von Dippel bei parvifolia, von Koch 
bei oxycarpa genannt. 

Im Königlichen Herbar ermittelte ich bisher nur ein wild gewachsenes 
Exemplar, das zu Willdenowiana zu ziehen ist, obgleich es auf der Blatt- 
oberseite erheblich weniger Spaltöffnungen trägt als die sämtlichen kultivierten 
Exemplare. Es stammt aus Anatolien, wurde von Bornmüller gesammelt 
(No. 3170) und von Haussknecht als F. oxyphylla Bieb- bestimmt. Heimisch 
ist die Art jedenfalls im Mittelmeergebiet und im Orient und es wäre erwünscht- 
dass ihr Verbreitungsbezirk genau festgestellt würde. Allzu häufig dürfte sie 
nicht sein. 

5. u. 6. F. Regeli Dippel und F. potamophila Herder. Die Unter- 
schiede beider wollen mir immer noch nicht recht einleuchten. Jeden- 
falls vermag ich sie gegebenenfalls nicht mit Sicherheit zu unterscheiden. 
Was ich an Material besitze, zeigt auch bezüglich der Spaltöffnungen genau den 
gleichen Charakter. Bei beiden sind nämlich die oberseitigen Spaltöffnungen 
nur sehr vereinzelt vorhanden und müssen mühsam aufgesucht werden, ja an 
einzelnen Exemplaren konnte ich sie überhaupt nicht auffinden, während sie 
bei den vorhergehenden vier Arten schon auf dem kleinsten Epidermisstückchen 
sogleich ins Auge fallen. Sie stehen der echten Sogdiana Bunge, deren 
Blättchen ebenfalls lang gestielt sind, sehr nahe, nur dass diese längere und 



*) Nur hätte F. syriaca Boiss. unmittelbar vor Willdenowiana gestellt werden 
müssen. 



Über einige Fraxinus-Arten. 287 



schmalere Blättchen (bis jetzt ohne oberseitige Spaltöffnungen) besitzt. Fraxinus 
petiolulata Boiss. stand mir zum Vergleich nicht zur Verfügung. 
III. Über F. australis »Gay incd.« in Dippel. 

Von der F. australis Jo. Gay befindet sich seit dem Erwerb der 
Sprengeischen Pflanzen im Königlichen Herbar zu Berlin ein Originalexemplar 
des Autors. Es hat schwarze Knospen und eine Behaarung der Blattunter- 
seite genau vom Typus der Fraxinus excelsior, von der es sich nur durch 
kleinere und am Grunde mehr keilförmig verschmälerte Blätter unterscheidet. 
Ich halte deshalb jetzt die Auffassung von Grenier und Godron für unbedingt 
richtig, die in der Flore de France II. S. 472 F. australis Gay ined. für eine 
Var. von F. excelsior erklären. Möglicherweise fällt sie mit dem zusammen, 
was Dippel F. excelsior d. parvif olia nennt. Ich besitze eine F. stilboanthe 
Gandoger, die sehr ähnlich ist, aber ich würde ihre Knospen für dunkelbraun, 
nicht für schwarz ansehen; diese Pflanze würde sich dann F. Elonza Dippel 
sehr nähern, sie hat aber breitere, aus keilförmigem Grunde verkehrt-längliche 
(ausgerandete) Früchte. 

Grenier u. Godron nennen noch eine F. australis Moni., die sie zu 
oxyphylla Bieb. (= oxycarpa W.) ziehen. Möglicherweise ist dies die von 
Dippel gemeinte Pflanze, je mehr ich aber afrikanische Eschen mit der 
Dippelschen australis und numidica verglichen habe, um so schwieriger 
erscheint es mir, diese beiden einerseits von F. parvifolia Lam., andererseits 
von F. angustifolia Vahl zu unterscheiden, da in der Heimat der beiden 
Dippelschen Arten, z. B. in den kabylischen Gebirgen, die er für numidica 
angiebt, durchaus kahle Eschen vorkommen, die in der Blattform parvifolia 
nahestehen, ohne aber mit Sicherheit dieser zugewiesen werden zu 
können. Auch die Früchte sind bei völliger Übereinstimmung der Blätter bald 
spitz, bald stumpf bald stark ausgerandet. Je mehr Material man vergleicht, 
um so mehr steht man der Formenfülle ratlos gegenüber. Nur ein ganz 
spezielles langwieriges Studium der tamariscif olia Vahl, oxycarpa, angusti- 
folia, parvifolia, australis Dippel, numidica u. s. w. kann hier Klarheit 
bringen. Vielleicht stellen sich hier noch andere anatomische Charaktere als 
die der hier versagenden Blattepidermis als brauchbar heraus. Soviel steht 
fest, dass der Dippelsche Name F. australis fallen muss, einen andern an 
seine Stelle zu setzen oder die Pflanze mit einer andern Art zu identifizieren 
wäre aber verfrüht. 

Mit Hilfe des neuen Merkmals könnte man jetzt die für uns wichtigsten 
Arten von Fraxinaster mit nicht zweihäusigen Blüten folgendermassen 
ordnen: 

A. Blättchen oberseits ohne Spaltöffnungen, sitzend oder sehr kurz gestielt 
(nur ausnahmsweise an sehr üppigen Trieben lang gestielt). 

1. F. excelsior L. (nebst var. australis Gay ined.), 

2. F. Elonza Dippel, 

3. F. tamariscifolia Vahl, 

4. F. oxycarpa W., 

5. F. angustifolia Vahl, 

6. F. australis Dippel, non Gay ined.. 

7. F. numidica Dippel, 

8. F. parvifolia Lam. 



Früchte von Akebia quinata Decaisne. 



B. Blättchen oberseits ohne oder nur mit sehr vereinzelten Spaltöffnungen, 
fast sämtlich langgestielt. 

9, F. Sogdiana Bunge (nicht in Kultur), 

10. F. Regeli Dippel, 

11. F. potamophila von Herder; 

C. Blättchen oberseits mit vielen Spaltöffnungen, sitzend oder kurz 
gestielt. 

12. F. Willdenowiana Koehne, 

13. F. syriaca Boiss., 

14. F. persica Boiss. (nicht in Kultur). 




YÄ 



Früchte von Akebia quinata Decaisne. 

Von L. Wittmack. 
(Hierzu Abbildung 38__u t 3o r ) 

m 13. Oktober 1898 sandte uns Herr Späth (Baumschulenweg bei Berlin) die 

beifolgend abgebildeten Früchte von Akebia quinata, einer bekannten 
Schlingpflanze aus Japan. Die violetten Blumen dieser Pflanze sieht man vielfach, 
selten aber Früchte; selbst in Italien sind sie nicht häufig, wie Herr H. Bredemeier 
in Pallanza in Wittmack und Perring, Deutsche Gärtnerzeitung 1886 S. 536 be- 
richtete, und deshalb eine Abbildung der Frucht (auch der Blüte) gab. In der Garten- 
flora 1892 S. 585, teilte dann Herr Graebener, Carlsruhe, jetzt Hofgartendirektor 
daselbst, mit, dass in der Baumschule des grossherzogl. Schlossgartens 
daselbst etwa ein Dutzend Früchte gereift seien. Eine derselben haben wir 
in Gartenfl. 1893 S. 185 abgebildet und beschrieben. Interesant ist, dass Herr 
Graebener vom Reifen in der Baumschule spricht. Ganz dasselbe 
berichtet uns im Herbst 1898 Herr Späth. Während die starken Exemplare 
des Herrn Ökonomie-Rat Späth trotz reichlichen Blühens noch niemals Früchte 
getragen haben, hat eine viel jüngere, erst zwei Meter hohe, in der Baumschule 
solche hervorgebracht. 

Besonders wichtig ist, dass an dem uns überbrachten Fruchtstande, der 
im ganzen vier Früchte aufweist, drei davon in einem Quirl stehen, während 
die vierte etwas höher eingefügt ist. Diese drei Früchte gehören zusammen ; 
es sind in diesem Falle einmal alle drei getrennten Fruchtblätter*), welche 
den Fruchtknoten einer Blüte bilden, zur vollen Reife gelangt, während ge- 
wöhnlich nur eins davon sich entwickelt. Ein solches ist die vierte Frucht, 
die aus einer anderen Blüte stammt. 

Wir haben hier ein ähnliches Verhältnis wie bei der Sumpfdotterblume, 
Caltha palustris, der Bauernrose, Paeonia, oder dem Sternanis etc., wo auch 
die Fruchtblätter nicht mit einander verwachsen sind. Hier aber wird die Frucht- 
wand fleischig und bildet so die Einzelfrucht, eine Beere, die später an der 
Bauchnaht aufklafft, also ein Mittelding zwischen Beere und Balgkapsel ist. 
Im unaufgesprungenen Zustande vergleicht Herr Graebener die Früchte 
treffend, wenn er auch den Ausdruck unpoetisch findet, mit einer Leberwurst, 
sagen wir mit einer kurzen, etwas abgeplatteten Leberwurst, denn sie sind 

*) Es sollen bei Akebia auch bis neun Fruchtknoten vorkommen. 



Früchte von Akebia quinata Decaisne. 289 



nur ca. 11 — 13 cm lan £ bei 4 — 5 cm Breitc und 3 — 4 cm Dicke. Die I-arbe 
ist anfänglich graugelb; mit der Reife aber nimmt die Schale der Frucht 
immer mehr einen blauroten Ton an, so dass die Farbe zuletzt so blaurot 
wird, wie bei der blauen Gartenbohne Phaseolus vulgaris Lucasianus oder 
der blauroten für 1899 in den Handel gegebenen Markerbse „Nero'' der Firma 
(". Platz & Sohn. Erfurt. 

Die zahlreichen Samen sind in der Jugend der Fruchtwand angewachsen, 
nach dem Aufklaffen der reiten Früchte sieht man sie aber von derselben 
abgelöst, wenigstens an der klaffenden Bauchseite der Frucht, und zu einem 
centralen weissen höckrigen Körper vereinigt, der entfernt einem kleinen 
Maiskolben gleicht. Die schwarzen Samen selbst sieht man anfangs noch 
nicht; sie liegen eingebettet in einem weissen gallertartigen Brei, der nach 
den Autoren aus dem Fruchtfleisch besteht, nach meiner Vermutung aber 
vielleicht aus den tleischig gewordenen Samenmänteln (wie bei Taxus) her- 
vorgegangen sein möchte, da sich der Brei hauptsächlich nur an der Basis 
der Samen findet. 

Jeder Same veranlasst einen kleinen Höcker an der Aussenfläche des 
weissen, ca. 2V2 cm dicken Centralkörpers, und dieser Höcker ist mit einem 
kleinen weissen Zipfel wie dem einer Nachtmütze gekrönt. Die Fasern, aus 
denen dieser Zipfel besteht, sind die Gefässbündel des Nabelstranges, der von 
der Fruchtwand abgerissen ist. Die Samen liegen in ziemlich regelmässigen 
Längsreihen, davon etwa 12 — 10 vorhanden sind, in jeder Längsreihe bis ca. 
20 Stück. 

Nicht lange nachdem die Beere (eigentlich fleischige Balgkapsel) auf- 
gesprungen ist, klafft auch der centrale maiskolbenähnliche Teil der Beere 
auf, und nun treten die etwa erbsengrossen schwarzen, etwas glänzenden 
Samen auf dem weissen Untergrunde sehr schön hervor. 

Sie sind länglich rund, etwas abgeplattet, kantig (Bredemeier 1. c. nennt 
sie linsenförmig), ca. 8 mm lang und 5 mm dick. Der weissliche Nabel liegt 
am unteren breiteren Ende, und oberhalb desselben befindet sich eine grosse 
weissliche runzelige, gallertartige, aber doch ziemlich feste Samenschwiele. 
Die Samenschale ist dünn, das Nährgewebe gross, der Embryo sehr klein. 

Die Frucht hat einen schwach ananasartigen, an Bananen erinnernden 
Geruch, und mit den Bananen hat die Frucht auch das gemein, dass sich die 
Schale leicht vom innern Fruchtbrei trennen lässt. In Japan, wo die Pflanze 
den Namen Fagi-Kadsura-Akebi oder kurz Akebi führt, werden die Früchte 
gegessen, wahrscheinlich nur das Innere, da die dicke, etwas lederartige 
Schale fade schmeckt, während der Brei, wie ich fand, einen angenehmen 
süssen Geschmack hat. Leider dürften die zahlreichen grossen Samen den 
(irnu^ etwas beeinträchtigen, was freilich beim Granatapfel ähnlich ist, 
der trotzdem gern gegessen wird. 

Es giebt noch eine zweite Art in Japan, Akebia lobata Decaisne, 
welche nach Müller-Beeck*) den Namen Mitsuba Akebi führt und ebenfalls 
gegessen wird. Da er bei beiden Arten angiebt ,. wächst wild", so scheint 
man sie der Früchte wegen nicht zu kultivieren: als Zierpflanze dürften sie 

*) Verzeichnis der essbaren Pflanzen Japans von Müller-Beeck, Yokohama. Ver- 
öffentlicht vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preuss. Staaten 1880. 8°. 18 S. 



290 



Früchte von Akebia quinata Decaisne. 



aber doch wohl angebaut werden. A. lobata ist in Bot. Mag. 1899 abge- 
bildet. 

Von den beiden anderen Arten, welche Siebold und Zuccarini aufgestellt 
haben, dürfte die eine: A. clematifolia mit A. quinata, die andere: 
A. quercifolia mit A. lobata synonym sein. 

Die Gattung Akebia gehört zu der kleinen Familie der Lardizabala- 
ceae, die in der Xähe der Ranunculaceae, Magnoliaceae etc. steht. Man hat 
sie oft mit den Berberidaceen und auch mit den xMenispermaceen ver- 




Ahh. 58. Akebia quinata. Oben drei Früchte im Quirl. 



einigt. Sie unterscheidet sich aber von den Berberidaceen durch die Mehrzahl 
der Fruchtknoten (bei Berberis nur einer), die nach aussen aufspringenden 
Staubbeutel, die flächenständigen Samenanlagen und die Zweigeschlechtlich- 
keit (Diclinie.) Gewöhnlich sind die zwei unteren Blüten der kurzen Trauben 
weiblich, alle andern männlich (siehe die Abbildg. von Bredemeier 1. c). 
Mit den Me'nispermaceen haben sie den meist schlingenden Wuchs, die meist 
bandförmigen Blätter etc. gemein, unterscheiden sich aber durch den mehr- 
samigen Fruchtknoten und den kleinen Embryo. (Vergl. Prantl in Engler & 
Prantl, Natürl. Ptlanzentamilien III. T. 2. Abt. S. 69.) 



Früchte von Akebia quinata Decaisne. 



191 



Wir alier möchten zum Schluss diesen schönen Schlingstrauch, der nach 
Siebold und Zuccarini auf den Gebirgen Japans in 2000 — 3000 Fuss Höhe 
vorkommt, bei uns im Winter fast immergrün bleibt und sich sowohl zu zier- 
lichen Laubengängen, wie zur Bekleidung von Mauern etc. (möglichst in süd- 
licher Lage) vortrefflich eignet, nochmals gleich den Herren Bredemeier 




Abh. 5(|. Akebia quinata. 
Frucht aufgesprungen, in nat. Grösse. Links die schwarzen Samen noch mit weissem Brei bedeckt, rechts 
daraas hervorschauend, a, b, c Samen mit dem weissen Samenmantel, c durchschnitten, unten links der 
kleine Embryo im grossen Nährgewebe, rechts der dunklere Teil der grosse Nabel, der hellere der 

weisse Samenmantel. 



und Graebener auf das wärmste empfehlen, zumal er so früh im Jahre, 
April bis Mai. schon blüht. \ lelleicht haben seine Pfleger dann auch einmal 
das Glück, Früchte zu ernten. — Die schönste farbige Abbildung findet sich in 
Siebold et Zuccarini, Flora japonica LT. 77 (Leiden 1835). ein Prachtwerk, das 
in der Bibliothek des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues (leider nicht 
vollständig) vorhanden ist. 



2Q2 Nepenthes-Arten des Kap York (Nord-Australien). 



Nepenthes-Arten des Kap York (Nord-Australien). 

fn den »Beiträgen zur Flora von Queensland« beschreibt Prof. F. Man so n 
Bailey drei neue Kannenträger, die auch gleichzeitig in dem Hefte vom 
1. November 1898 abgebildet sind. Die jetzt schon artenreiche Gattung zählt 
mit diesen und den zwei neueren Arten N. Rowanae Bail. und X. Jardinei Bail. 
(Queensland Agricultural Journal Vol. I, Part. 1. Juli 1897) über 70 Spezies. 
Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Kap York noch mehr unbekannte birgt, 
wo man in kurzer Zeit fünf neue Arten gefunden hat. Die interessanteste von 
all diesen scheint N. Rowanae zu sein, sie erinnert in Form und Textur sehr 
an X. Treubii Warb. Die Kanne ist einen halben Fuss lang, rotpurpurn 
gezeichnet und hat einen Durchmesser von 7 cm. Sehr distinkten Charakters ist 
ausserdem N. Alicae, eine ganz niedrig bleibende Pflanze, die schon von 7 — 9 cm 
Grösse Kannen entwickelt. Ihre totale Grösse beträgt einen Fuss. Die sieben 
Arten der Kap York Peninsula sind von F. M. Bailey wie folgt beschrieben: 

N T . Jardinei Bail. (n. sp.) (nach Frank L. Jardine). Mehrerere ziemlich 
kräftige Stämme entspringen von einem harten, knotigen Rhizom, sie sind zwei 
bis drei Fuss hoch und nicht kletternd, zuweilen verzweigt, ihre Blätter besitzen 
in den meisten Fällen Kannen. Die jungen Triebe sind mehr oder weniger mit 
weichen Haaren besetzt, von denen die kürzeren sternartig, die längeren 
häufig einfach sind. Die Blätter sind stengelumfassend und an demselben 
hinunter verlängert. Der Stiel ist 5 cm lang und geflügelt. Die Blattspreite 
21 cm lang und 5 — 7 cm breit in der Mitte, nach den Enden spitz zulaufend. 
Die Mittelrippe ist anfangs purpurrot, die Zahl der Längsnerven 6. Die Ver- 
längerung der Mittelrippe (an welcher sich der Becher befindet) misst 15— 17 cm. 
Die Kanne ist 15 — 18 cm lang, 4I/2 cm breit nahe der Öffnung und im unteren 
Teile nahezu 7 cm. Ihre zahlreichen Längs- und netzartigen Adern sind 
hervortretend, die zwei vorderen mit schmalen roten Flügeln versehen. Die 
( »ffnung ist weit und steigt nach hinten zu an, der schmale, 2 mm breite Rand mit 
vielen Quernerven versehen und der hintere Sporn zurückgekrümmt. Der 
Deckel ist elliptisch und trägt auf seiner Innenseite verschieden grosse kreis- 
runde Drüsen. Die Innenseite der Kanne ist mehr oder weniger purpurrot. 
Der rf Blütenstand, eine dichte Traube, ist 10 — 20 cm lang und der 9 kürzer. 
Die 4 Blätter der -j' Blumenhülle sind oval, 6 mm lang, zurückgebogen und am 
Grunde zusammenhängend. Das Aridroeceum ebenso lang, Antherenkopf 
2 mm breit. 

Der O Blütenstand wie der vorige, Xarbe sitzend. Kapsel lederartig, 
2 cm lang, 4teilig. Heimat: Somerset, Cape York Peninsula (Frank L. Jardine). 
— Oueensl. Agr. Journ. Vol. I, Part. 1, p. 3. 

X. Rowanae Bail. (n. sp.) (nach Mrs. Rowan, einer Malerin australischer 
Blumen). Die an der Basis kurz und scharf gekrümmten Kannen sind gegen 
15 cm lang. Sie erweitern sich der Öffnung zu und messen hier 7V2 cm. 
Ihre Farbe, wenn noch im frischen Zustande, ist prächtig rötlich. An der 
Aussenseite sind die Kannen hervorragend durch schräg verlaufende Parallel- 
und Xetznerven gezeichnet, und vorn haben sich die zwei Rippen zu schmalen 
roten Flügeln entwickelt. Der hintere Sporn ist flach und filzig behaart. Die 
Öffnung ist sehr weit, der Rand 6 — 8 mm breit, mit eng aneinander liegenden 
Quernerven; der Deckel, fast kreisrund, etwa d x j 2 cm im Durchmesser, trägt 



Nepenthes-Arten des Kap York (Nord-Australien). 293 



auf seiner Innenseite zahlreiche kreisrunde Drüsen. Heimat: Somerset, Cape 
York Peninsula (Frank L. Jardine). — Oueensl. Agr. Journ. Vol. I, Part. 1, p. 4. 

X. albo-lineata Bail. (n. sp.). Die Ptlanze ist schwach filzig behaart. 
Blätter etwas stengelumfassend. Blattspreite 16V2— 18V2 cm lan § un & 5 72 cm 
breit, nach beiden Enden zu sich verschmälernd. Verlängerung der Mittelrippe 
l6 ] 2 cm. Kannen grün (schwach weiss gestreift — F. L. Jardine), 1672—1872 cm 
lang, ihr schmaler Unterteil erweitert sich nach oben zu etwa 3 cm. Die 
Vorderrippen sind nicht geflügelt, aber bis zu 7; ihrer Länge scharf hervor- 
tretend, letzteres ist bei den Längs- und Netznerven nicht der Fall. Rand 
schmal, hinterer Sporn ziemlich breit, filzig und stark zurückgebogen. Deckel 
elliptisch, glänzend und mit zahlreichen Drüsen versehen, rf Blütenstand 
terminal oder fast so. Die Spindel ist 13 cm lang, filzig behaart. Traube etwa 
i8'/o cm lang. Blüten zahlreich. Blumenblätter 5 mm, linearisch, Androeceum 
ebenso lang, Antherenkopf i'A, mm breit. Weibliche Blüten unbekannt. Heimat: 
Cape York Peninsula (F. L. Jardine). — Oueensl. Agr. Journ. Vol. III, Part 5, p. 355. 

X. Moorei Bail. (n. sp.) (nach C. Moore F. L. S., viele Jahre Direktor 
des Sidneyer botanischen Gartens und einer der Ersten, denen die Gattung in 
Australien auffiel und die darüber berichteten). Stengel wenige Fuss hoch, nicht 
kletternd. Blätter fast glatt, im breitesten Teile 2 { j., cm, nach beiden Enden 
zu sich verschmälernd, ohne Stiel und von dünner Textur. An jeder Seite der 
Mittelrippe laufen 4 oder 5 Nebennerven. Die Kannen sind 8 — 12 cm lang, 
2 1 ., — 3'/o cm breit, glatt oder schwach behaart, über dem Grunde etwas 
erweitert. Y r orderrippen. ohne Flügel zu bilden, hervortretend. Längsnerven 
zahlreich und wie die Xetznerven mehr oder weniger hervortretend. Rand 
schmal, hinterer Sporn etwas aufrecht, aber zurückgebogen, harzig. Der Deckel 
elliptisch, nicht ganz 4 cm im Durchmesser, harzig. $ Blütenstand blatt- 
gegenständig, Spindel 11 — 15 cm lang und wie die Unterseite der Blumen- 
blätter behaart. Blüten zahlreich, doch nicht besonders dicht, ihr Stiel 
8 mm, ihre Blättchen zurückgebogen, 4 mm lang und 2 mm breit, bis nahe zum 
Grunde frei. Antherensäule 4 mm lang und ihr Kopf 1 mm Durchmesser. 
Weibliche Pflanzen scheinen schwächeren Wuchses zu sein. Ihre Traube misst 
8— io7a cm, und ihre Blumenblätter sind schmäler als bei den männlichen. 
Fruchknoten filzig behaart. Kapsel 16 mm lang. Heimat: Cape York Peninsula, 
(F. L. Jardine). — Oueensl. Agr. Journ. Vol. III, Part. 5, p. 355. 

X. Alicae Bail. (n. sp.) (nach Miss Alice Jardine). Eine niedrige Pflanze.' 
die in einer Grösse von 8 — 11 cm schon Kannen bildet. Von einem kriechenden 
Rhizom aufsteigend, erreicht sie nur eine Höhe von 1 Fuss. Blätter zahlreich, 
sitzend, stengelumfassend. Blattspreite sichelartig zurückgebogen, lanzettförmig 
und gefaltet, 6 — 9 cm lang und, wenn flach ausgebreitet, 1 1 / 2 — 2 cm breit. Neben 
der Mittelrippe laufen jederseits 3 — 4 Nebennerven, die schlanke Verlängerung 
ersterer ist 8 cm lang. Kannen 4 — 6 cm lang (der Abbildung nach meist 
ebenso lang wie die Cirrhe. B.j, i' ., — 2 cm Durchmesser, schwach sich vom 
Grunde aufwärts vergrössernd, ebenso sich nahe der ( Iffnung wieder erweiternd. 
Vorderrippen 1 1 ,, mm breit, geflügelt. Zahlreiche parallele Längsnerven, die 
gleich den Netznerven hervortreten. Rand schmal, hinterer Sporn zurück- 
gebogen, ziemlich lang und oft flach. Deckel kreisförmig, 16 mm breit, 
purpurn und mit Drüsen besetzt. Blüten und Früchte unbekannt. Heimat: 
Cape York Peninsula (F. L. Jardine). — Oueensl. Agr. Journ. Vol. III, Part. 5, p. 350. 



2QJ. Die Musterform der Edel- oder Kaktus-Dahlie. 



X. Bernaysii Bail. (n. sp.) Stämme kurz, kletternd. Kannen unterhalb 
der Mitte ausgebaucht. Vorderrippen geflügelt, Flügel weit gewimpert. Spindel 
10— 15V2 cm lang, kurzfilzig behaart, mehr oder wenig auffällig gestreift. 
Traube 13 — 20 cm lang, tf Blüten etwas gedrängt, deren Stiel 10 mm lang, 
lilzig behaart, wie auch die Unterseite ihrer Blätter. Diese sind verkehrt 
ei-keilförmig und nur halb so lang. Antherensäule auch nur 5 mm lang, 
Antherenkopf i.1/2 mm breit. Heimat: Cape York Peninsula. — Oueensl. Agr. 
Journ. Vol. I, Part. 5, p. 2. 

X. Kennedyi F. von Müller. Stengel lang, kletternd. Kannen unterhalb 
der Mitte erweitert, mit nicht geflügelten Vorderrippen. Cape York Peninsula. 
— Oueensl. Agr. Journ. Vol. I, Part. 5, p. 2. B. 



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Die Musterform der Edel- oder Kaktus-Dahlie. 

Von Aug. Koenemann, Nieder-Walluf (Rheingau). 

Vortrag, gehalten in der Jahressitzung der Deutschen Dahlien-Gesellschaft 

am 29. Januar zu Berlin. 

as wir heute als Musterform der Kaktus-Dahlie bezeichnen würden, 
" C ) T wurde etwas anders aussehen, als vor 6 — 8 Jahren, wo kurz nach der 
Eintührung der »Iuarezi« im blinden Xeuheiteneifer so viele Sorten unter 
dem Xamen Kaktus-Dahlie angeboten wurden, die nichts Anderes mit der 
ursprünglichen Iuarezi-Form gemein hatten, als eben den, in den meisten 
Fällen völlig unrechtmässig adoptierten Xamen. 

Um eine Grundlage zu schaffen, und um etwas Klarheit in den schon 
verworren gewordenen Begriff, was eigentlich unter einer Kaktus-Dahlie zu 
verstehen sei, zu bringen, versuchte seit Jahren die englische »Dahlia-Society« 
ein Xormalsortiment von Kaktus-Dahlien zusammenzustellen, welches gewisser- 
massen Musterblumen verkörpern sollte. Dass das aber nicht so leicht war 
und Irrtümern unterworfen, zeigte noch das aufgestellte Xormalsortiment des 
letzten Jahres, wo unter anderem noch die Sorte »Delicata« als Musterblume 
mit aufgeführt war, die kaum je ein Rückwärtsrollen der Blumenblätter zeigt. 
Um diesen Schaden wieder gut zu machen, verfallen nun die Engländer in 
diesem Jahre scheinbar in ihren grossen Xationalitätsfehler der Übertreibung, 
da sie unter anderem jetzt schon die prachtvolle »Gloriosa« aus ihrem Muster- 
sortiment gänzlich ausgeschlossen haben, vielleicht, weil sie ausgeklügelt, dass 
die in ihrer Art tadellos gedrehten Blätter nicht nadelspitz genug sind. Es 
wäre aber doch schade, wenn nach solcher Vorwärtsbewegung schliesslich 
nur eine einzige Schablonenform übrig bliebe, von der dann alle Sorten nur 
ein Abguss mit anderer Farbenmischung wären. 

Wenn wir uns eine Kaktus-Dahlie vorstellen, so ist damit selbst- 
verständlich der Eindruck der kielförmig zurückgebogenen Blumenblätter ver- 
bunden, es sollte aber, meiner Meinung nach, gleichgültig sein, ob die so 
gebildeten Röhren mehr oder minder nadelspitz auslaufen, solange nicht die 
gefällig leichte Schönheitsform der Blume, die in ihrer zierlichen Anmut 
immer das eigentümlich Reizvolle einer Kaktus-Dahlie bildet, dadurch gestört 
wird. Dies sollte immer bei der Beurteilung dieser Blumen der massgebende 
Gesichtspunkt sein! Den Sorten, die wir in dem Übergang zu unseren heutigen 



Die Musterform der Edel- oder Kaktus-Dahlie. 



2Q3 



Kaktus-Dahlien kennen lernten, und die wir jetzt unter dem Namen 
Kaktus-Dahlien-IIybriden zusammenlassen, haftete immer noch etwas störend 
Plumpes an. das man wohl — ich möchte sagen -- »fühlte«, dessen Ursprung 
man aber nicht so leicht erkannte. 

Vorbilder von vollendeter Schönheit brachten uns erst im Vergleich zur 
Erkenntnis dessen, was jenen mangelte, und diese Erkenntnis giebt uns 
Klarheit darüber, wie die Musterform einer Kaktus-Dahlie beschaffen sein 
soll, damit ihre Schönheit nicht beeinträchtigt wird. 

Versuchen wir nun einmal den Stift zur Hand zu nehmen und eine 
Blume zu zeichnen, die als Musterblume zu Grunde gelegt werden könnte bei 
der Erage, ob eine neuauftauchende Sorte eine echte Kaktus-Dahlie genannt 
werden kann. Wenn wir von einer Sorte verlangen, dass sie ihre Blumen auf 
festem Stiel frei über dem Laube trage, so ist das für ihre allgemeine Weit- 
bestimmung sehr wichtig, ist aber doch für die grundsätzliche »Formfrage« 
nebensächlich. Die echte Kaktus-Dahlie rollt schon, nachdem sie die ersten 
Blumenblätterreihen geöffnet, die einzelnen Blättchen sofort bis zum Grunde 
herunter zurück in pfriemen- oder federkielartiger Form und fährt auch darin 
im langsamen Weiteröffnen der Blume gleichmässig fort, in ihrer Mitte 
höchstens noch zwei unentwickelte Blumenblätterreihen zeigend, die noch die 
glatte flache Eorm haben. Da aber diese inneren, flachen Blättchen noch 
klein sind, so verdecken sie nicht viel und stören den allgemeinen zierlichen 
Eindruck der Blume noch nicht. Wenn eine Sorte in der Regel erst in der 
vierten Reihe die Blumenblätter zurückrollt, so verdecken die drei inneren 
noch flach ausgebreiteten Blumenblätter die dahinter liegenden, leichten 
Formen und lassen die Blume schwer erscheinen. Eine solche Blume erfüllt 
dann also die Erwartungen nicht, die man von ihr zu verlangen berechtigt 
ist. --Es giebt nun noch andere Blumen des »Halbbluts«, die die echte Form 
im Zurückrollen der Blätter scheinbar getreulich nachahmen, auch ohne 
weiteres den Anspruch machen, als echte Form angesprochen zu werden, 
doch aber auf uns stets den unbehaglichen Eindruck des plumpen Empor- 
kömmlings machen. Sehen wir uns diese Geschöpfe ein wenig schärfer an. 
so finden wir den Grund, der uns anfänglich entgangen war, darin, dass zwar 
alle Blätter von der Spitze aus gedreht sind, aber höchstens bis zur Mitte 
ihrer Länge, wo sie schon in ihrer vollen Breite platt ausliegen, in der Mitte 
der Ülume also eine platte, flache Masse bilden, während die Aussenränder 
iuuter Dreiecken bestehen, gebildet aus der zusammengerollten Spitze, die 
bis zur sichtbaren Mitte breit ausläuft. Das ist das Halbblut der 

I »reieckblumen. — 

Aus dem oben Gesagten geht nun hervor, dass man von einer Blume, 
die von jetzt an in die echten Kaktus-Dahlien eingereiht werden soll, verlangen 
muss, dass sie in der Mitte nicht mehr als zwei noch unentwickelte Blumen- 
blätterreihen flach ausgebreitet hat, während schon die dritte sich nach 
rückwärts rollt, und ferner, dass dieses pfriemen- oder federkielartige Gerollt- 
sein sich mindestens bis über die Hälfte der Länge der Blumenblätter 
erstrecken muss. — Da jede Dahlienpflanze je nach Klima und Witterungs- 
verhältnissen auch unvollkommene Blumen bringt, so können natürlich obige 
Regeln stets nur bei einer Sorte mit dem Zusätze zur Anwendung kommen: 
. Wenigstens in der Mehrzahl ihrer Blumen.« 



296 



Lupinus arboreus Sims. 



Lupinus arboreus Sims. 




Von Marc Micheli in Genf. (Hierzu Abb. öo.) 

äese schöne im Bot. Mag. t. 682 abgebildete Art stammt aus Kalifornien 
und ist schon seit Ende des vorigen Jahrhunderts in Europa eingeführt. 
In Mitteleuropa kann sie nicht als vollkommen hart angesehen werden, 
man muss sie daher an einer Mauer überwintern und im Winter leicht 
bedecken, wie das an der abgebildeten Pflanze geschehen ist. Aber Lupinus 
arboreus verdient mehr kultiviert zu werden, als es im allgemeinen 




Abb. öo. Lupinus arboreus Sims. 

Im Garten des Herrn Marc Micheli in Genf. 
Blumen schwefelgelb. 



geschieht. Im Mai und Juni, wo sie reich mit Trauben schwefelgelber 
wohlriechender Blüten bedeckt ist, macht sie einen dekorativen Eindruck 
ersten Ranges. 

Lupinus arboreus Sims, wird im Bot. Mag. vol. 1S (1805) t. 682 folgen- 
dermassen beschrieben: 

Strauchartig, Blumen fast quirlig, gestielt, ohne Vorblättchen, beide Kelch- 
lippen ganzrandig, Schiffchen innen gewimpert; Blättchen lanzettlich-linear, 
spitz, unterseits weichhaarig. L. W. 



Über die Verschönerung der Städte. 2Q7 



Über die Verschönerung der Städte. 

Vortrag, gehalten im Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 28. Januar i8qq 
vom Kgl. tlartenbaudirektor Carl Hampel. 

j[L n einem Artikel des Herrn Professor Begas im Berliner Lokal-Anzeiger 
-^ lasen wir Anschauungen dieses Künstlers über die Beziehungen gärt- 
nerischen Schmuckes, zu plastischem bezw. architektonischem, welche ungemein 
befremden. 

Für alle diejenigen, welche diesen Artikel nicht kennen sollten, will ich 
denselben hier verlesen: „Wenn also der neue Oberbürgermeister für die 
grosse Bewegung der Neuzeit Verständnis bethätigen sollte, so wäre das sehr 
schön. Sehr schön aber wäre es auch, wollte er begreifen, dass gärtnerischer 
und plastischer bezw. architektonischer Schmuck zwei Dinge sind, die gar 
nicht zu einander gehören. Bei uns besteht eine wahre Wut, Denkmäler oder 
Fassaden durch Bäume zu verwischen. Wie weit dies getrieben werden kann, 
ist an dem Bau der Technischen Hochschule erkennbar. Trotz seiner un- 
geheuren Ausdehnung ist das ganze Gebäude durch Bäume verdeckt, und von 
seiner schönen Front ist nichts zu sehen. Auch vor Schinkels Museum gehören 
keine Bäume. Im Sommer eine unruhige grüne Masse und im Winter eine 
Reihe von Besen! So wird die herrliche Nachbildung griechischer Baukunst 
verunziert. Die alten Hellenen haben solche Thorheit nicht gemacht. Ich bin 
deshalb sehr froh, dass mein Kaiser Wilhelm-Denkmal einen Platz erhalten 
hat. wo ihm der Berliner Baum-Kultus nichts anhaben kann. Ich resumire also: 
Verständnis für Sport und die Schöpfungen der Kunst erwarte ich von dem 
kommenden Mann." 

Begas tadelt darin, dass die Technische Hochschule von einer grossen 
Reihe alter Linden begleitet ist, die die Fassade verdecken und von dem 
schönen Bau nichts zur Geltung kommen lassen. Es ist ihm durchaus zu- 
zugeben, dass das Gebäude gewinnen würde, wenn es freistände. Dass dies 
nicht der Fall ist. dafür den Gartenkünstler verantwortlich zu machen, hat 
Herr Professor Begas kein Recht, da ihm die Verhältnisse nicht bekannt sind. 
Der Gärtner war gar nicht in der Lage, die Bäume zu beseitigen, so gern er 
es auch gesehen hätte. Auch in Bezug auf die sonstigen Anordnungen vor 
dem Gebäude wären so manche Änderungen gewiss erwünscht, doch scheint 
der Gärtner auch hierzu nicht die alleinige Disposition gehabt zu haben. 

Die Erhaltung der alten Linden ist ein lebhafter Wunsch des hochseligen 
Kaisers Wilhelm I. gewesen, auf dessen ausdrücklichen Willen sie stehen ge- 
blieben sind; die Frage der Beseitigung war damals eine sehr lebhafte. Es ist 
bekannt, wie sehr dieser grosse Monarch gerade die Erhaltung alter Bäume 
befürwortete und nur ungern seine Einwilligung zur Entfernung gab. Diese 
Liebe zu den alten Bäumen ist wohl zu verstehen und hier besonders be- 
greiflich, wo die Bäume mit den übrigen Reihen zusammen an sich einen 
herrlichen Schmuck geben und der ganzen Strasse den Charakter seit langen 
Zeiten gegeben haben. 

Wenn der Herr Professor dann weiter sagt, dass er froh sei. dass sein 
Denkmal nicht von Bäumen verdeckt sei — er also gewissermassen das herrliche 
Grün davon verbannt — , so befremdet mich das. da ich eigentlich von Begas 
ein anderes Verständnis für die Umrahmung eines Bildwerkes voraussetzen 



2Q§ Über die Verschönerung der Städte. 

muss. Ich meine, er sollte zugeben, dass sich Säulenhallen aus weissem 
Material in der Anordnung, wie beim Kaiser-Denkmal, aus grünem Hintergrund 
viel wirkungsvoller abheben, als aus einem so unruhigen, wie es die rote 
Fläche der dahinter liegenden ehemaligen Bau-Akademie mit den mancherlei 
anderen Bauwerken bildet. Die einzelnen Teile dieses Denkmals, die für sich 
betrachtet wundervoll sind, lassen das Denkmal in der Gesamtkomposition 
nicht ebenso erscheinen, weil der richtige Hintergrund fehlt, von dem das 
Denkmal sich wirkungsvoll abheben könnte. Die dahinter liegenden Baulich- 
keiten wirken hier durchaus störend. Nur an einer Stelle - - wenn man 
nämlich von der Schlossfreiheit kommend das Auge auf die hinter dem 
Denkmal stehende Baumgruppe richtet — hat man das richtige Bild, und der 
Wunsch tritt auf, diesen Hintergrund für das ganze Denkmal zu haben. Dass 
er sich hier ohne weiteres nicht schaffen lässt, ist eine andere Sache. 

In ähnlicher Weise urteilen auch so manche Architekten, und das ist 
um so bedauerlicher, als der Architekt vermöge seiner Stellung oftmals in die 
Lage kommt, ein Wort über gärtnerische Anordnungen mitzusprechen und 
leicht bei der grossen urteilslosen Menge sich Geltung verschafft zum Nachteil 
des Ganzen. Ohne Bedenken wird dann später die Schuld an den begangenen 
Fehlern dem Gärtner in die Schuhe geschoben. Ein Beispiel liefert uns der 
neue botanische Garten in Dahlem, worüber erst kürzlich hier im Verein ein- 
gehend gesprochen worden ist. Der Architekt hatte nach seinem Ermessen 
Wege durchgeführt ohne Rücksicht auf das Projekt des Gartenkünstlers und 
die Scenerie wie Bodenlage. Der Einspruch des Gartenbau-Vereins führte 
zur Beseitigung des grossen Fehlers. Der Architekt hat auch das Palmen- 
haus auf die Höhe gelegt und zu einem Point de vue gemacht, was besser 
unterblieben wäre. Dem Auge ist es unangenehm, auf eine glitzernde Fläche 
schauen zu müssen. Dergleichen Punkte dürfen nur mit architektonischen 
Bauwerken, Denkmälern und sonstigem bildnerischen Schmuck gekrönt werden, 
die das Auge anziehen, und woran es Befriedigung findet; letzteres vermögen 
aber Glasflächen nie. Es ist deshalb fehlerhaft, dasselbe so zu disponieren wie 
geschehen und namentlich im botanischen Garten in Dahlem, wo dasselbe die 
ganze Gegend beherrscht. Diese Stelle lässt sich auch nicht einmal vom 
Kulturstandpunkte aus rechtfertigen. Die Villenbewohner, welche sich darum 
ansiedeln sollen, werden ihre Freude haben, wenn sie zum Fenster hinaus- 
gucken und dann geblendet durch das Glaslicht sich schnell zurückziehen müssen. 

Die Ausstellung der Konkurrenzarbeiten zum Platz »Z« in Schöneberg 
hat wohl allgemein dargethan, dass die sich daran beteiligenden Architekten 
die Aufgabe nicht beherrschten. Man musste hier staunen über das geringe 
Verständnis für die Gesamtdisposition. Bei allen Arbeiten hebt sich ein Gegen- 
stand besonders hervor, wie Obelisk, Denkmal u. dergl., ohne dass die übrige 
Anordnung auch nur annähernd mit diesem Objekt in Verbindung steht, 
dergestalt, dass alle Teile ein wohlgeordnetes Ganzes ausmachen; das Objekt 
steht vielmehr losgelöst von allem Anderen im Platz. Besonders auffallend ist 
dies bei der einen Arbeit, die zum Ankauf empfohlen ist. Der Verfasser muss 
anscheinend mit den dortigen Absichten genauer bekannt sein und wissen, 
dass dort später vielleicht einmal ein Regierungsgebäude erbaut werden wird: 
dementsprechend hat er den Plan entworfen, d. h. er hat in der Richtung vor 
dem Gebäude, das seitlich auf dem Platz zu stehen kommen würde, eine grosse 



Über die Verschönerung der Städte. 2QQ 



architektonische Anlage geplant, was an sich nicht talsch wäre; dann hat er 
aber daran anschliessend eine zweite kleine und dann eine Allee in stumpf 
dazu laufendem Winkel angebracht, ohne eine klare und zielbewusste Gesamt- 
disposition. Es liegt hierin ein Anhäufen architektonischer Objekte, die die 
eigentliche Aufgabe, hier einen Garten mit architektonischem Schmuck zu 
schaffen, ausser Acht lässt. 

Es leuchtet ein. dass Architekt wie Bildhauer in ihrem eigenen Interesse 
besser thäten, dem Gartenkünstler die Ausübung seiner Werke allein zu über- 
Lassen. Wie weit beide zum Vorteil der Sache Hand in Hand gehen können 
und es immer sollten, werde ich in folgendem zeigen, womit ich zu meinem 
eigentlichen Thema: »die Verschönerung der Städte«, übergehen will. 

Wir haben dabei zu berücksichtigen: 1. die Anordnung im Gesamtplan 
und 2. die Ausschmückung durch Architektur, Garten- und Baumschmuck und 
durch Werke der Bildhauerkunst. 

Die Verschönerung des Stadtbildes hat den Zweck, eine schöne Stadt zu 
schaffen, Geist und Auge zu befriedigen und überall anziehende Bilder zu ge- 
stalten, um auch damit veredelnd und erziehlich auf dem Menschen einzuwirken. 
Dabei soll die Gesamtdisposition im Stadtplan so aufgestellt sein, dass 
die Einteilung eine zweckmässige ist, dass ein Jeder sich leicht darin zurecht- 
linden kann. 

Bei der Aufstellung eines Grundplanes für eine Stadt, einen Stadtteil 
etc. kommt der Tiefbau-Architekt zunächst in Betracht; wer wollte es auch 
bezweifeln, dass ihm diese Aufgabe zuerst zufällt! Er sollte aber nicht ans 
Werk gehen, ohne die einschlägigen Faktoren zu Rate zu ziehen, wie den 
Architekt für Plochbau, den Gartenkünstler, weil letzter das Pflanzenmaterial 
und seine Entwicklung allein kennt. Derselbe wird dabei auch die ästhetische 
Seite besonders berücksichtigen und in Bezug auf den öffentlichen Verkehr 
durch wertvolle Ratschläge helfen und fördern können, hat er doch bei seinen 
eigenen Projekten auch diese Seite beständig zu berücksichtigen und zu 
studieren, sie ist ihm also nicht unbekannt. 

Bei der Aufstellung eines Stadtprojektes sind zuerst die grossen Züge ins 
Auge zu fassen und festzulegen. Dabei ist es nicht nötig, dass diese nur in 
geraden Linien geführt werden, im Gegenteil scheint es erwünscht, auch die 
gewundenen Linien zu berücksichtigen. An diese grossen Züge schliessen sich 
dann die Strassenzüge von grösserer oder geringerer Breite und Ausdehnung an, 
je nach ihrer WichtigKeit in Bezug auf den Verkehr oder dem besonderen 
Charakter der Gegend. 

Wertvoll ist es, wenn zugleich mit der Aufstellung und Einteilung der 
Strassen diejenigen Baumarten ins Auge gefasst werden, welche später Ver- 
wendung finden sollen. Es kann damit ein anmutvolleres und abwechselungs- 
reicheres Bild geschaffen werden, als wenn die Wahl ohne Rücksicht auf das 
allgemeine Bild je nach Laune und Bequemlichkeit getroffen wird, wie das 
leider heut noch allgemein üblich ist. 

Weiter ist notwendig, Strassen mit breiten Promenaden, welche entweder 
nur mit Bäumen zu besetzen oder mit Anlagen zu schmücken sind, zu berück- 
sichtigen. Sie werden am besten durch das grosse Stadtbild gelegt und, ist 
dasselbe von grösserer Ausdehnung, mehrere solcher; diese werden am besten 
in Kurvenform oder auch wechselnd in geraden und krummen Linien geführt. 



■9Q0 Über die Verschönerung der Städte. 



Hierzu eignen sich besonders die oben erwähnten grossen Züge. Auch die 
Vorgärten-Frage soll erwogen und entschieden werden. Hier wird es sich aber 
immer empfehlen, Vorgärten nur dahin zu legen, wo auch wirklich auf eine 
gute Ausgestaltung und Pflege gerechnet werden kann. 

Besonders wichtig aber sind die Plätze, gleichviel ob sie einen hainartigen 
Baumwuchs tragen, oder gärtnerischen Schmuck erhalten sollen. Sie sollten 
möglichst gleichmässig über das gesamte Stadtbild verteilt werden, nicht aber 
darf man einen Stadtteil besonders begünstigen und sie darin anhäufen, einen 
andern dafür stiefmütterlich behandeln. Bei dieser Verteilung sind dann weiter 
zu berücksichtigen Plätze von grösserem oder geringerem Umfange. Zu verkennen 
ist dabei nicht, dass dieses Prinzip schwieriger durchzuführen ist. Es ist aber 
überall da möglich, wo Neuanlagen durchgeführt oder ganze Stadtviertel um- 
gearbeitet werden. Jedenfalls haben die verschiedenen Teile einer Stadt das 
Recht, gleichmässig mit Plätzen bedacht zu werden, wobei nicht ausgeschlossen 
sein braucht, dass in dicht bevölkerten Teilen etwas mehr gethan wird, um 
hier den Gesundheitszustand heben und ihn gut erhalten zu können. In den 
vornehmeren Gegenden, denen schon in den Vorgärten ein grösserer Schmuck 
gegeben ist, ebenso durch die vornehmere und hervorragende Architektur, wird 
das Bild immer ein gutes und unterhaltendes sein. 

Ist dergestalt die Grundlage für das Städtebild gegeben, so kommt es 
darauf an, dasselbe durch die verschiedenen Werke der Kunst zu schmücken. 

Hervorragend künstlerische Architekturen werden sich immer nur in 
den besten Gegenden finden lassen, seltener in entlegenen oder den sehr 
bevölkerten Teilen, ebenso in den Gegenden, darin sich das Geschäftsleben 
abspiegelt und der Verkehr daran vorüberhastet; hier begnügt man sich 
mit einfachen Fassaden, die dabei doch stilvoll gehalten sein sollen und selbst 
eine gewisse Eleganz, den Namen des Geschäftshauses entsprechend, aufweisen 
dürfen. 

Überall aber, wo sich reiche Architektur findet, sollten auch Vorgärten 
diese begleiten, die es ermöglichen, die einzelnen Werke durch grösseren oder 
geringeren gärtnerischen Schmuck zu trennen, um sie so in ihrer Eigenart 
wirkungsvoller heraustreten zu machen. Denn die Werke der Architektur 
einfach an einander gestellt, verlieren; sie gewinnen, wenn sie durch leichten 
Baumschmuck oder sonstiges Grün getrennt werden. In vielen Fällen wird 
diese Trennung schon durch eine einfache Weinrebe, am Hause hochgelührt. 
zu machen sein. Eine gute Architektur gereicht der Gegend immer zum Vorteil. 

Nächst den Werken der Architektur ist es die gärtnerisch künstlerische 
Ausgestaltung der Plätze, welche unsere Aufmerksamkeit erfordert; sind sie 
doch ganz besonders geeignet, zu schmücken. Hierbei naben wir zu unter- 
scheiden zwischen Plätzen in den vornehmeren Teilen und solchen in verkehrs- 
reichen Gegenden und denen der Arbeiterbevölkerung. Die ersteren müssen 
wir künstlerisch ausgestalten und damit in Einklang zur Umgebung bringen. 
die anderen sind einfacher zu halten, entsprechend den jeweiligen Verhältnissen. 
Hier wird man mehr auf Spielplätze Bedacht nehmen müssen. Überall, 
namentlich aber in geschäftlich verkehrsreichen Gegenden, wird bei der Ein- 
teilung der Plätze auf den Verkehr Rücksicht zu nehmen sein. In dieser Be- 
ziehung gerät der Gartenkünstler mit dem Architekt nur zu leicht in Wider- 
streit, wie sich dies an Beispielen der Neuzeit besonders leicht nachweisen 



Über die Verschönerung der Städte. qqi 



lässt, beides immer zum Nachteil der Gesamtdisposition. Der Architekt will 
auf allen Wegen einfach diagonale Wege haben, ohne Rücksicht darauf, dass 
durch eine solche Anordnung, wenn sie allgemein durchgeführt werden würde, 
eine unliebsame Einförmigkeit und Gleichmässigkeit sich entwickeln müsste, 
schablonenhafte Anlagen, die eine künstlerische Einrichtung vollständig ent- 
behren, weil sie sie kaum zulassen. Diese Art ist ja allerdings die be- 
quemste und macht keinerlei Kopfzerbrechen. 

Richtig ist, dass der Verkehr zu berücksichtigen ist, aber ich meine, 
man hat da zu unterscheiden zwischen Gegenden mit einem starken ge- 
schäftlichen Verkehr und solchen, wo das Geschäftliche nicht in den Vorder- 
grund tritt. Eine freie Gestaltung in den Platzanlagen, worin auch die Gesichts- 
punkte nach dem Aufbau der Schwere und der Gliederung nach Mitte, Höhe 
und Basis erfolgen, lassen eine grosse Mannigfaltigkeit in der Gestaltung und 
dem künstlerischen Aufbau zu und geben die beste Gelegenheit zur Unterbringung 
bildnerischen, architektonischen und Wasserschmucks. 

Bei der eingangs erwähnten Schöneberger Konkurrenz hatte ein Baurat 
eine Skizze ausser Wettbewerb eingesandt, auf der er den Platz »Z« einen 
Fehler -nannte und dafür als massgebendes Beispiel die ganze Fläche zu einem 
kleinen Kreise zusammenzog, darauf die Strassen einmünden; dieser Kreis 
hatte den Fahrverkehr zu vermitteln. Vielleicht dürfte dem Autor der Ge- 
danke dabei geleitet haben, dass Plätze nicht in den Strassenzügen liegen 
sollten, sondern abseits einzufügen sind, da sie so eine grössere Ruhe bieten. 
Ich kann dem nicht unbedingt zustimmen. Lange Strassenzüge erhalten durch 
solch eine Platzanlage eine angenehme Unterbrechung; das frische Grün thut 
dem Auge wohl und der geringe Umweg, der für den Verkehr etwa daraus 
entsteht, ist immer nur von minimaler Bedeutung, für das Strassenbild sind 
solche Plätze aber von hohem ästhetischen Wert. 

Diese Betrachtungen führen uns dahin, die Plätze zu gliedern in 1. Plätze 
mit künstlerischem Schmuck, 2. Verkehrsplätze, 3. Spielplätze. 

Was zunächst die letzteren anbelangt, so möchte ich nicht, dass sie einfach 
Spielplätze, mit Kies bedeckt und mit einigen Bäumen bestanden, seien, sondern, 
dass sie in Pflanzungen und Rasen liegen, damit auch dem Auge etwas geboten 
und das Gemüt der heranwachsenden Jugend durch den dauernden und inni- 
geren Verkehr in und mit der Natur mehr veredelt werde. Die Erfahrung hat 
gelehrt, dass darin ein wichtiges erziehliches Moment liegt, allerdings gehört 
auch die erforderliche Pflege auf den Plätzen dazu. Hierzu soll ein reicher 
Baumschmuck kommen, welcher die endlosen und eintönigen Fassaden verdeckt 
und dadurch dem ganzen Stadtteil ein angenehmes und wohnlicheres Äussere 
giebt. 

Auf den Verkehrsplätzen ist für diesen besonders Rechnung zu tragen 
und demnach auch der Schmuck und die Bepflanzung zu wählen, im 
allgemeinen einfacher, doch da, wo die Umgebung es bedingt, auch reicher 
ausgestattet. 

In den besseren und vornehmeren Teilen werden die Plätze reine Schmuck- 
plätze sein, in malerischer Ausstattung mit Bildwerken aller Art geschmückt. 
Sie eignen sich vorzüglich zur Aufstellung von Denkmälern und architek- 
tonischem Schmuck. Es liegt ein Irrtum darin, wenn Architekten und Bild- 
hauer dem Gartenkünstler vorwerfen, er wolle solchen Schmuck nicht in 



oq2 Über die Verschönerung der Städte. 

seinen Anlagen. Das Gegenteil ist der Fall! Der Gartenkünstler sieht in der 
Aufstellung solcher Bildwerke ein weiteres Mittel, die Plätze anziehend 
und unterhaltend zu gestalten, allerdings dürfen sie damit nicht über- 
laden sein. 

Einen hervorragenden Schmuck bildet auch das Wasser in Form von 
Fontainen, architektonischen Brunnen oder auch in Becken in natürlichem 
Ausbau. Es sollen aber Wasserkünste auf Plätzen, welche nicht weit von 
einander entfernt liegen, eine Verschiedenheit in der Behandlung des Wassers 
zeigen, was auch bei architektonischem und bildnerischem Schmuck notwendig 
ist, um dem Strassenbild durch diese Abwechslung erhöhten Reiz 
abzugewinnen. 

Also nochmals Reichhaltigkeit in bildnerischem und architektonischem 
wie Wasserschmuck sollen die Plätze, als diejenigen Orte im Städtebild haben, 
welche sie am besten aufnehmen können, aber in der richtigen Einfügung 
zum Ganzen und frei von jedem Zuviel, immer der Grösse des Platzes und 
seiner Umgebung angepasst. 

Xun zur Ausschmückung durch das Grün selbst! Wie das Strassenbild 
in der Architektur eine Mannigfaltigkeit zeigt, so soll es auch hinsichtlich des 
pflanzlichen Materials sein, welches auf den Plätzen zur Verwendung kommt, 
es sollte also der eine mit diesem, der andere mit jenem Material ausgestattet 
werden, sind sie doch besonders geeignet, die mannigfaltigen Formen der Gehölze 
und Pflanzen zu zeigen. Leider wird in dieser Beziehung noch sehr viel 
gesündigt. Im allgemeinen ist es so, das ich aus dem Gehölzmaterial eines 
Platzes schon im voraus weiss, was der folgende mir zeigen wird. 

Ähnlich sieht es mit dem Blumen- und Blattpflanzenschmuck aus. Ich 
bin der Ansicht, dass auch hier nahe bei einander gelegene Plätze durchaus 
verschieden behandelt und bepflanzt sein sollten. 

Es ist ja wohl richtig, dass im Städtebild das Grün, sowohl dass der 
Rasenbahnen, als der Bäume und Sträucher dem Auge höchst wohlthuend ist 
und einen besonderen Schmuck abgiebt; es lässt sich aber anderseits nicht 
verkennen, dass das Auge auch angenehm berührt wird, wenn es schönen 
Blumenschmuck findet. 

Die Umrahmung auf den Plätzen durch Bäume wird überall da, wo es 
sich nicht um besondere Architekturen handelt, eine vollständige sein können, 
um auch den nötigen Schatten zu geben. Da aber, wo besonders in die Augen 
springende Architekturen am Platz stehen, erfordern es diese, die Pflanzungen 
zu unterbrechen und die Architektur in den Platz hineinzuziehen. Hierin 
liegt zugleich oft ein Mittel, den Platz grösser erscheinen zu lassen, als er 
wirklich ist. Es empfiehlt sich auch besonders hervorragende Bauwerke 
durch geschickte Disposition der Einrichtung auf dem Platz sowohl in der 
Grundform, wie im Aufbau durch Gehölze so einzurahmen und mit dem Platz 
in Verbindung zu bringen, als ob beide zusammenhingen. Dasselbe gilt auch 
von anderen Baumanpflanzungen, z. B. an Strassen. Es ist durchaus kein 
Fehler, diese in ihrer Anordnung zu unterbrechen, um ein dazwischen auf- 
tretendes Denkmal, einen herrlichen Bau oder dergl. mehr zu zeigen; dergleichen 
Sehenswürdigkeiten sollen nie durch Bäume verdeckt stehen. Wenn man 
längere Zeit zwischen Bäumen gewandelt ist und wird durch plötzliche Unter- 
brechung darin auf einen hervorragenden Gegenstand hingewiesen, so liegt darin 



Eintragung von Prlanzennamen als Warenzeichen. oqq 



eine angenehme Überraschung, die gern empfunden und dankbar ange- 
nommen wird. 

Wenn dem gegenüber Herr Professor Begas in seinem eingangs erwähnten 
Artikel sagt, ..der Gärtner habe eine wahre Wut, Denkmäler und Fassaden 
durch Bäume zu verwischen", so ist das ein Ausspruch, den ich nicht verstehe, 
und für den auch Herr Professor Begas den Beweis schuldig geblieben ist; 
auch wird es ihm nicht leicht werden, ihn zu führen, denn das von ihm an- 
geführte Beispiel ist keins. Gewundert aber hat es mich zu lesen von „dem 
unruhigen Grün im Sommer und den Besen im Winter". Meint das der Herr 
Professor wirklich ernst? Ich kann es mir kaum denken. Von jeher noch 
haben die Menschen die Natur bewundert, sie haben in ihr Erholung und Stärke 
gesucht und sie zum Studium für ihre Bildungen benutzt; wir lernen auch 
heute noch aus ihr. Die verschiedenen Bäume aber mit ihrer Verzweigung 
und Belaubung zeigen uns Kraft und Stärke, wie in der Eiche und Buche, 
Weichheit wie in der Linde, das Spielerische und Unbestimmte wie in der Birke; 
ich meine, da kann man nicht mehr von Besen sprechen. 

Könnte es erreicht werden, dass Architekten mit den Gartenkünstlern 
Hand in Hand gehen wollten, würden die Erfolge, die sich daraus ergeben, 
grosse sein, namentlich in Bezug auf die Verschönerung der Städte, und es 
dürfte deshalb zu wünschen sein, dass dies je eher je lieber sich vollziehen 
möchte. 



Eintragung von Pflanzennamen als Warenzeichen. 

^ _^_ Von C. Bloch. 

-KAie Eintragung von Pflanzennamen als Warenzeichen ist bisher seitens 
<3^; der Gärtner und Pflanzenzüchter zwar unterblieben, nichtdestoweniger 
scheint es aber für diese Kreise durchaus empfehlenswert, sich die Vorteile 
des Gesetzes vom 12. Mai 1894 zu Nutze zu machen, und nicht erst solange 
damit zu warten, bis eine Schädigung durch andere Interessentenkreise ein- 
getreten ist. 

Um gleich auf ein praktisches Beispiel zu kommen, würde es sich 
durchaus empfehlen, das neu gezüchtete Veilchen ..Kaiser Wilhelm II" als 
Warenzeichen in Klasse I Ackerbau anzumelden, da trotz der persönlichen 
Erlaubnis Sr. Majestät es heute jedermann freisteht, diesen Namen als Waren- 
zeichen anzumelden und vielleicht (??) auch eingetragen zu erhalten, da das 
Patentamt historische Persönlichkeiten als Warenzeichen bisher einzutragen 
pflegte, ohne die Genehmigung derselben zu verlangen. Eine derartige Ein- 
tragung würde nun, nachdem sie von einem Anderen als dem Züchter nach- 
gesucht, zur Folge haben, dass niemand ausser dem Eingetragenen die 
Bezeichnung ., Kaiser Wilhelm II-Veilchen" im schriftlichen Verkehr benutzen 
darf. Dem wirklichen Züchter und den Vertreibern dieses Veilchens würde also 
der fernere Gebrauch dieses Wortes unbedingt nach den bestehenden Gesetzen 
verboten werden können, wie ich dies schon wiederholt in anderen Branchen 
erfahren habe. Eine einfache Anzeige bei der Staatsanwaltschaft genügt, um 
ein entsprechendes Verbot der Weiterführung zu erlangen und den unberech- 
tigten Benutzer der Bezeichnung vor die Strafkammer zu ziehen. 



3°4 



Das Aufbewahren von Obst in Torfstreu. 



Dass es unter diesen Umständen lediglich der Unkenntnis der Gärtner 
und Pflanzenzüchter zuzuschreiben ist, wenn Fälle dieser Art noch nicht 
vorgekommen sind, ändert nichts an der Thatsache, dass es auf Grund des 
Gesetzes vom 12. Mai 1894 möglich ist, dass sich auch Unbefugte ihnen eigentlich 
nicht zukommende Bezeichnungen schützen lassen und in der geschilderen 
Weise vorgehen. 

Unter diesen Umständen ist es durchaus geraten, dass sich der Züchter 
einer neuen Pflanzenspezies den gewählten Namen sofort als Warenzeichen 
eintragen lässt und damit nicht erst solange wartet, bis ihm ein anderer 
zuvorkommt. Mit der Zeit würden hierdurch durchaus geregelte Verhältnisse 
geschaffen werden, da die Priorität des Züchters durch die Eintragung fest- 
gestellt wird, und das durch die Eintragung erlangte Recht würde in der Praxis 
darin bestehen, dass der Eingetragene allein berechtigt bleibt, die betreffende 
Bezeichnung in Reklamen, d. h. in Annoncen und Katalogen, zu gebrauchen, 
während die Benutzung im mündlichen Verkehr jedem Händler und Liebhaber 
freigestellt bliebe, wie dies durch eine Reichsgerichtsentscheidung vom 
5. Mai 1898 ein- für allemal entschieden ist. Züchter, welche dann die Bezeichnung 
ebenfalls in ihren Reklamen benutzen wollen, müssten sich mit dem Inhaber 
des Zeichens in Verbindung setzen, damit dieser ihnen die Erlaubnis hierzu 
erteilt, und dies könnte für die Hochhaituns der Preise nur von Nutzen sein. 



Das Aufbewahren von Obst in Torfstreu. 

Von Obergärtner Grein ig. 
jer Leiter der Obstplantage des Herrn Kommerzienrat C. Bolle in 
c^^ Marienheim bei Köpenick hatte am 27. April, also in höchst vorgerückter 
Jahreszeit, in der Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
so ausserordentlich wohl erhaltenes Obst ausgestellt, dass es die allgemeinste- 
Bewunderung erregte. Herr Greinig hat uns darüber freundlichst folgende 
Angabe gemacht: 

Die Früchte, welche ich ausgestellt hatte, waren in Torfstreu aufbewahrt. 
Ich halte diese Aufbewahrungsmethode für eine ganz vorzügliche, namentlich 
für Familien, denen nur wenig oder ungenügende Aufbewahrungsräumlichkeiten 
zur Verfügung stehen. 

In eine Kiste von 1 Kubikmeter Rauminhalt kann man gut 4— 5 Zentner 
Obst einlegen. Besser ist es noch, man nimmt zwei Kisten zu je '/ä Kubikmeter 
Rauminhalt, welche dann nötigenfalls übereinanderstehend aufbewahrt werden 
können. Versieht man eine derartige Kiste dann noch mit einem verschliess- 
baren Deckel, so schützt man sich zugleich noch gegen Näscherei, Diebstahl etc. 
Wird das Obst mit einiger Sachkenntnis (welche man sich leicht aneignen 
kann, indem in jedem grösseren Kataloge die verschiedenen Reifezeiten ver- 
zeichnet stehen) eingelegt, so kann man auf diese Weise bis August schöne 
tadellose Früchte auf die Tafel bringen, ohne grosse Verluste durch Fäulnis 
beklagen zu müssen. 

Ich würde nun z. B. von den hier aufgestellten Früchten als unterste 
Lage in die Kiste bringen für 



Das Auf bewahren von Obst in Torfstreu. 



39b 



Monat Juli/August: Rother Eiserapfel, Grosse Kasseler Reinette. 

Juni: Grüner Fürstenapfel, Champagner-Reinette. 

Mai: Rheinischer Bohnapfel, Purpurroter Cousinot. 

April: Baumanns Reinette. London Pepping. 

März: Königlicher Kurzstiel, Parkers Pepping. 

Februar: Pariser Rambour-Reinette, Ribston Pepping. 

Januar: Danziger Kantapfel, Harberts Reinette. 

Dezember: Englische Winter-Goldparmaine etc. 
Ausserdem giebt es ja noch viele andere Sorten, die sich zu diesem 
/wecke gut eignen würden. Ich habe aber eben nur solche angeführt, von 
denen ich hier Früchte aufgestellt habe; auch sind sämtlich hier verzeichnete 
Sorten vom »Deutschen Pomologen-Yerein« zum allgemeinen Anbau empfohlen 
worden und daher überall leicht käuflich zu haben. 

Bei dem Einlegen dieser Früchte müssen verschiedene Punkte besonders 
genau beachtet werden; 

1) nehme ich nicht das sogenannte Torfmull, welchem immer ein 
etwas unangenehmer Geruch anhaftet, sondern gewöhnliche Torfstreu, 
die in Ballen zu kaufen und sehr billig ist. Durch ein grobes Sieb 
gerieben, erfüllt dieselbe vollständig den gewünschten Zweck; 

2) muss auch diese Torfstreu vollständig geruchlos gemacht werden, 
was ich dadurch erreiche, dass ich sie den ganzen Sommer hindurch 
an einem hinreichend luftigen Orte auseinander breite und öfters 
umrühre: 

3) muss jede Frucht zuvor einzeln in Papier gewickelt werden, wozu 
sich Zeitungspapier sehr gut eignet; 

4) dürfen nur solche Früchte zu diesem Zwecke verwendet werden, 
welche weder Druck- noch Faulstellen aufweisen; 

5) was die Hauptsache ist. darf das Obst nicht zu früh in die Torfstreu 
eingelegt werden, da. wie wohl die meisten der verehrten An- 
wesenden aus Erfahrung wissen, dasselbe einige Zeit nach Abnahme 
vom Baume anfängt feucht, ja sogar nass zu werden, man sagt 
dann gewöhnlich: »Das Obst schwitzt«. Dieses tritt meistens Mitte 
November ein. 

Werden nun die Früchte vor dieser Periode verpackt, so wird das Papier, 
worin dieselben eingewickelt sind, sowie das sie umgebende Torfmull, feucht 
und zieht bei der allerkleinsten Fehlerhaftigkeit derselben leicht Fäulnis nach 
sich. Verfahrt man jedoch, wie oben angegeben, und legt die Früchte erst 
nach der sogenannten Schwitzperiode, also Ende November oder Anfang 
Dezember, in Torfstreu ein, so kann man dieselben, ohne dass sie den ge- 
ringsten Beigeschmack annehmen, lange Zeit tadellos frisch erhalten. 

Die benutzte Torfstreu kann man noch jahrelang zu demselben Zwecke 
verwenden. Allerdings darf sie nicht nach dem Gebrauch Sommer und Herbst 
über in der Kiste stehen bleiben, sondern muss, wie bereits bemerkt, an einem 
luftigen Orte aufbewahrt werden. 

Zum Schlüsse will ich noch einige Obstsorten bezeichnen, welche sich 
auf unserm schlechten Flugsandboden, allerdings bei reichlicher Bewässerung 
und Düngung, durch fast alljährliche reiche Tragbarkeit auszeichnen. 



3o6_ 



Kleinere Mitteilungen. 



Es sind dies von 
Aepfeln: Charlamowski, Geflammter weisser Kardinal, Harberts Reinette, 
Winter-Goldparmaine, Grosse Kasseler Reinette, Grüner Fürsten- 
apfel, Purpurroter Cousinot, London Pepping und Danziger Kant- 
apfel. 
Birnen: Williams Christbirne, Clapps Liebling, Forellenbirne, Prinzessin 
Marianne, Grosser Katzenkopf, Amanlis Butterbirne, Bacheliers- 
Butterbirne, Clairgeaus Butterbirne, sowie Esperens Herrenbirne und 
Gute Louise von Avranches. 



Kleinere Mitteilungen. 



Die beiden Eiben im Herrenhausgarten. 

Die Vossische Zeitung schreibt mit 
Bezug auf unsern Artikel über die 
Eiben des Herrenhauses: Da das 
Vorhandensein von Fundamenten von 
vielen Seiten bezweifelt und von den 
eifrigsten Gegnern die von uns er- 
wähnten alten Kalksteine als »zer- 
bröckeltes« und »durchgesunkenes« 
Mauerwerk erklärt wurde, so sei aus- 
drücklich darauf hingewiesen, dass 
beide Eiben auf einem über 20 Meter 
langen, mit der alten Herrenhausfront 
parallel laufenden durchgehenden 
Fundament gestanden haben. Dieses 
Fundament war nach Angabe des 
Geheimrats Schulze nur von massiger 
Breite, so dass es schwerlich einer 
tragenden Mauer als Unterlage diente 
und sehr wahrscheinlich nur einer 
Garten- oder Abschlussmauer des 
v. d. Gröbenschen Grundstücks an- 
gehörte. Dafür spricht auch, dass von 
der Südseite des Geländes her in 
späterer Zeit zerbrochene Muffeln und 
andere Abfälle zum Aufhöhen des 
Grundstücks angeschüttet wurden. 
Der Umstand, dass die Eiben über 
solchem Fundament standen, beweist 
doch zweifellos, dass die Anpflanzer 
dieser Bäume von dem ehemaligen 
Vorhandensein einer Mauer an dieser 
Stelle keine Kenntnis mehr hatten, 
so dass zwischen dem Mauerbau und 
der Eibeneinpflanzung eine geraume 
Zeit verstrichen gewesen sein muss! 
Nun aber können auch die Eiben nur 
jung gewesen sein, da man älteren 
Eiben mit ihren Wurzeln sicher ein 
tieferes Bett gegraben und dann die 
Mauer darunter gefunden haben würde. 



Dass man in dem aufgehöhten Gelände 
die Bäume nur etwa 40 bis 50 Zenti- 
meter tief einsetzte, beweist also, dass 
es junge Eiben waren, die nach Er- 
fahrungen mit Stecklingen in dem 
Garten des Kommerzienrats Schutt 
in Steglitz schon mit dreissig Jahren 
eine Stärke von Schenkeldicke er- 
reichen. Die Einpflanzung ohne jede 
Kenntnis von dem Hausbau setzt eine 
Zwischenzeit von etwa zehn bis zwanzig 
Jahren voraus, jedenfalls aber einen 
Besitzwechsel. Nimmt man alles zu- 
sammen, so ist es am wahrschein- 
lichsten, dass die Anpflanzung nach 
der Übernahme durch den Freiherrn 
von der Recke erfolgte, also 1778 
oder 1780. Waren dann die jungen 
Eiben auch zwanzig oder dreissig 
Jahre alt, so kommt man auf rund 
150 Jahre, nach Wittmack auf 
höchstens 200 Jahre. Wenn dem 
gegenüber nach einem im »Bär« ver- 
i öffentlichten Bericht Herr Stadtrat 
Friedel in der »Brandenburgia« an 
dem thatsächlichen hohen Alter der 
Eiben bisher festgehalten hat, so wird 
die Veröffentlichung des Geheimrats 
Prof. Dr. Wittmack die Legende von 
den achthundertjährigen Eiben wohl 
für immer beseitigt haben. 

Ich habe ..jetzt die Abschnitte 
der untersten Äste, welche Herr Geh. 
Baurat Schulze dem Museum der 
Kgl. landwirtschaflichen Hochschule 
zur Verfügung stellte, durch den 
Modelltischler der Hochschule, Herrn 
August Michel, glätten lassen und 
dieser, ein grosser Holzkenner, hat 
so wie ich selbst, eine Zählung der 



Kleinere Mitteilungen. 



327 



Jahresringe vorgenommen. Wir kamen 
an den zwei verwachsenen Asten auf 
90 Jahre bei dem stärkeren Ast, auf 
75 Jahre bei dem schwächeren. Der 
stärkere Ast ist im Querschnitt 18 cm 
lang, 12 cm breit, der schwächere 
im Querschnitt 14 cm lang, 10 cm 
breit. Beide sind excentrisch gewachsen. 
Die mittleren Jahresringe am excen- 
trischen Teil sind sehr breit, bis 2 mm, 
die letzten dagegen sehr schmal, die 
allerletzten drei nur V3 rnm. L. W. 



Primula obconica als Krankheitserreger. 

Aul Seite 366 dieser Zeitschrift 
erwähnt Herr Ileydt in seinem Artikel 
über Primula obconica die Giftigkeit 
dieser Pflanze. Ich möchte zu dieser 
Frage eine Mitteilung geben, die Herrn 
Ileydt und den geschätzten Lesern 
nicht uninteressant sein dürfte. Vor 
Jahren kam die Giftigkeit dieser Primel 
inderFrankfurterGartenbaugesellschaft 
zur Sprache. Bei dieser Gelegenheit 
fand ein spezieller Krankheitsfall Er- 
wähnung. Eine Frankfurter Blumen- 
liebhaberin hatte ein Prachtexemplar 
dieser Pflanze etliche Tage gepflegt 
und wurde plötzlich von einem schmerz- 
haften, nesselartigen Ausschlag auf 
beiden Armen befallen. Der herbei- 
geholte Arzt schrieb diese Erkrankung 
einer kaustischen Eigenschaft der 
Primula zu. Die Heilung erfolgte erst 
nach mehreren Monaten. Als ich 
gelegentlich im Kreise einiger Berufs- 
kollegen obigen Fall zur Sprache 
brachte, wurde mir von einem Kollegen 
versichert, dass er in den Primel- 
kulturen einer Quedlinburger Firma 
beim Umgange mit den Primeln (es 
waren jedoch nicht ausschliesslich 
obconica) stets ein schmerzhaftes Jucken 
in der Haut empfunden habe. Dieser 
Schmerz und die damit verbundene 
Röte der Hand sei allerdings stets nach 
wenigen Tagen wieder verschwunden. 
In ähnlicher Weise äusserte sich auch 
kürzlich Herr Ernst Benary-Erfurt 
in »Gard.Chron.« BeianderenKollegen, 
welche ebenfalls viel in Primeln und 
auch in Primula obconica arbeiteten, 
war eine Krankheitserscheinung voll- 
ständig unbekannt. Meiner Ansicht 
nach lässt sich nicht bestreiten, dass 
diese schöne Primel ein wirklicher 
Krankheitserreger ist. jedoch erscheint 
mir die Gefahr so minimal, dass kein 



Grund vorliegt, der weiteren Verbreitung 
dieser herrlichen Blüher entgegenzu- 
treten. Die übergrosse Mehrzahl der 
Menschheit wird wohl gegen die 
Primelkrankheit immun sein, und wen 
sie wirklich packt, bei dem muss es 
wohl »im Blut liegen^. Also nur nicht 
ängstlich. Herrn. Holm. 



Das Anpflanzen von Gehölz- und Baumgruppen 
in Parks. 

Von Adam Hey dt, Kunstgärtner. 

Wenn man verschiedene Gärten 
betreten hat, so wird einem immer 
die verschiedene Gruppenzusammen- 
stellung und Bepflanzweise auffallen. 
In einem Garten ist zu dicht gepflanzt, 
im anderen verkehrt gewählt, wieder 
andere Gruppen stehen an recht un- 
passendem Ort, wo sie weder zur 
Geltung kommen, noch dem Garten 
zur Zierde dienen, ja oftmals sogar 
unangenehm berühren. 

Es ist ja freilich nicht angebracht, 
eine bestimmte Form der Anpflanzung 
zu geben, doch soll bei der Anlage 
in erster Linie die spätere Entwickelung 
in Betracht gezogen werden. Dem 
Pflanzer müssen daher vor allem die 
Eigenschaften der zu pflanzenden 
Gehölze bekannt sein, weil nur dann 
eine angenehm berührende Harmonie 
erzielt werden kann. Sträucher. 
die nur drei bis vier Meter hoch 
werden, können in einer Entfernung 
von einem Meter gepflanzt werden, 
damit bald die Pflanzung dicht aus- 
sieht. Sollen aber verschiedene Zier- 
bäume, wie z. B. Weissbirken, Blut- 
buchen, Pterocarya, Eschen u. s. w.. in 
Gruppen gepflanzt werden, so muss 
der Abstand zum mindesten drei bis 
vier Meter betragen, weil sonst die 
Bäume nur in ihrem jugendlichen 
Stadium imponieren und später ganz 
gedrückt stehen und. gar nicht so zur 
Geltung kommen. als wenn sie 
weiter gepflanzt worden wären. 

Vor allem muss man den Charakter 
der Bäume studieren, damit die An- 
ordnung passend getroffen wird und 
später nicht eine solche Gruppe einem 
plumpen Haufen von Zweigen und 
Grün gleiche. Recht zierlich nimmt 
es sich aus, wenn man neben Silber- 
pappeln dunkelblättrige Zierbäume, wie 
etwa Blutbuchen oder auch Goldeichen. 
pflanzt. Zierweiden dazwischen harmo- 



io8 



Kleinere Mitteilungen. 



nieren auch gut. Solche Gruppen 
dürfen jedoch nicht zu nahe am 
Wege stehen, da durch die sich ent- 
wickelnden Zweige der Weg versperrt 
und durch das Ausschneiden die 
Gruppe verunziert wird. Steht die 
Gruppe zu nahe am Weg. so hat man 
auch gar keinen rechten Überblick, es ist 
schon besser, um sich an ihrer Schön- 
heit zu erfreuen, sie etwas abseits zu 
pflanzen. Hat man, um gleich dichte 
Gruppen zu haben die Lücken mit 
Decksträuchern bepflanzt, so müssen 
diese nach einigen Jahren, sobald die 
Lücke dicht wird, entfernt werden, 
weil durch zu dichtes Stehen viele 
Zweige ersticken, die, wenn sie freien 
Raum hätten, gerade dekorativ wirken. 
Es gilt, besonders bei Nadelhölzern 
darauf zu achten, dass keine zu dichte 
Pflanzung stattlindet, weil dadurch 
die unteren Zweige leiden und auch 
die Pflanzen einseitig werden, und 
gerade bei ihnen muss man besonders 
darauf achten, dass sie nach allen 
Seiten egal gebaut sind. Sobald die 
Coniferen sich beengen, muss man sie 
auseinanderpflanzen, und es darf 
unter keinen Umständen versäumt 
werden, wenn man nicht die Schön- 
heit der Pflanzen opfern will. 



Mimulus Intens. 

Wie gelbe Streifen schlingen sich 
die Bewässerungsgräben durch die 
saftiggrünen Wiesen und an den 
leuchten Stellen derselben haben sich 
förmliche gelbe Klumpen gebildet, 
welche sich bei näherer Betrachtung 
als Mimulus luteus, die bei uns wild- 
wachsende Gauklerblume, entpuppen. 
Wie reizend haben sich die gelben 
Gauklerblumen doch hier an ihrem 
natürlichen Standort entwickelt, fast 
:; i Meter hohe Blütenstengel, die dicht 
mit Blumen besetzt sind und jede 
Pflanze bringt über ein Dutzend Blüten- 
stiele hervor , die zu einer gelben 
Pyramide vereint sind. 

Zur Bepflanzung von Teichufern und 
der Wassergräben giebt es wohl so 
leicht nicht eine ähnliche Pflanze, die 
in Bezug auf Pflege so wenig Ansprüche 
macht, wie dieser Mimulus; er gedeiht 
sowohl im Wasser sowie an feuchten 
Stellen, die selbst längere Zeit des 
Jahres trocken sein können. Das gute 
Gedeihen desselben hängt hauptsäch- 



lich von einem feuchten, schweren 
Boden ab. 

Die Vermehrung ist eine ungemein 
leichte und ist am einfachsten durch 
Teilung nach der Blüte zu bewerk- 
stelligen, die Stolonen sind mit zahl- 
reichen Wurzeln ausgestattet, ebenso 
wie die der anderen Mimulus, und infolge- 
dessen wächst jedes Stückchen bald 
an, wenn es an feuchten Stellen be- 
festigt wird. Hat man erst einmal 
einige Pflanzen von diesem Mimulus, 
so sorgt die Mutter Natur schon ganz 
allein für dessen Verbreitung, denn 
der ausfallende sehr feine Samen 
wird vom Wasser mit fortgeführt und 
an den Ausbuchtungen oder Krüm- 
mungen der Flussufer angeschwemmt, 
wo derselbe bald keimt und sich mit 
seinen Würzelchen festhängt, sodass 
das Wasser die jungen Pflänzchen 
nicht mit fortführen kann. Dies ist 
auch die Ursache, dass dieser Mimulus 
in manchen Thälern so verbreitet ist. 
Dann trifft man wieder stunden- 
weit nicht eine einzige Pflanze, bis 
das Wasser des Flusses wieder lang- 
sam fliesst und an einer Niederung 
teilweise über die Ufer tritt, wo diese 
hübsche Pflanze dann mit einemmal 
wieder auftritt und bei geeignetem 
Nährboden sich üppig entwickelt hat. 

Die Blumen erreichen dieselbe 
Grösse wie bei Mimulus tigrinus, und 
gar lieblich macht sich dieser Mimulus 
an einem Teichrand, wo das Wasser 
gerade noch bis an die Wurzel reicht 
oder die Pflanze theil weise mit Wasser 
bedeckt und mit dem Grün der 
Wiesen und den gelben Blumen ver- 
schwommen ist, oder zwischen dem 
Ufergebüsch hindurch schimmert; die 
gelben Blütenrispen nehmen sich gar 
hübsch zwischen den Schilfarten aus 
und bringen Abwechslung in das Ein- 
förmige der Binsen- und Carexarten. 
dann wieder zwischen dem Gestein 
der herabfallenden Wasser im Ver- 
ein mit Campanula urticifolia und 
Valeriana officinalis zwischen dem 
Lysimachia numularia den Boden 
dicht bedeckt. 

Für Landschaftsgärtner hat daher 
dieser Mimulus grossen Wert und 
empfiehlt es sich, recht viel davon zu 
verwenden, da die Blütezeit vom 
Sommer bis in den Herbst andauert, 
indem sich die Pflanzen allmählich 



Kleinere Mitteilungen. 



309 



entwickeln; zuerst beginnt der Flor 
der alten Pflanzen und dann folgt der 
der Sämlinge und derjenigen, die 
wenig begünstigten Standort haben. 

Auch als Schittblumen sind die 

langen Blütenrispen gut zu verwenden. 

da, wenn in Wasser gestellt, allmählich 

alle Knospen zur Entwicklung kommen. 

f. Hiemüller, 

Gr.-Tabarz (Villa Spindler). 

Am Tage von Grossgörschen, 
am _\ Mai, dem Ehrentage des 1. Garde- 
Regiments z. F.. überreichte, wie 
nachträglich bekannt wurde, das Offi- 
zierkorps des Regiments dem Kaiser 
eine Anzahl grüner Zweige von den 
Lebensbäumen und Epheuranken des 
Friedhofes zu Grossgörschen, sowie 
Primeln von den dortigen Wiesen, die 
dem ( »tlizierkorps auf seinen besondern 
Wunsch von Grossgörschener Schul- 
kindern gesammelt und zugesandt 
worden waren. Der Kaiser freute 
sich sehr über diese Aufmerksamkeit. 
Das Offizierkorps sandte den kleinen 
Sammlern folgende Depesche: »Seine 
Majestät der Kaiser und König hat 
sich über die Spende der Gross- 
görschener Schule an das Offizier- 
korps des 1. Garde-Regiments z. F. 
aufrichtig gefreut und spricht ihr 
seinen Königlichen Dank aus.« 

San Jose-Schildlaus. 

Mit der San Jose-Schildlaus besetzt 
gelunden wurden in Hamburg Anfang 
1898 344 Kisten kalifornischer Aepfel, 
in der Saison 1898/99 675 Kisten und 
27 Fässer westamerikanischer Aepfel, 
sowie ein Fass aus Virgrinien. 



Neuere Erzeugnisse aus Papierstoff. 

In einer der letzten Versammlungen 
der Polytechnischen Gesellschaft hielt 
der Chemiker Ferenci, Redakteur 
der »Papierztg.«, einen eingehenden 
Vortrag über »NeuereErzeugnisse aus 
Papierstoff . An der Hand zahlreicher 
Muster wurden vornehmlich solche 
technisch wichtigen Waren beschrieben, 
bei deren Herstellung die Zellenform 
des Rohstoffes (Pflanzenfaser) durch 
chemische Vorgänge zerstört wird. 
Da ist zuerst das Pergamentpapier, 
das dem aus Tierfei] hergestellten 
echten Pergament durchaus ähnelt 



und ebenso wasserdicht ist. Es wird 
gewonnen, indem man ungeleimtes 
Papier in Schwefelsäure von 500 Gr. 
Be. taucht und den Säureüberschuss 
durch Waschen und Neutralisieren ent- 
fernt. Je nach der Dicke und Stoff- 
zusammensetzung des benutzten 
Papieres wird es als »Emballage- 
pergament« zur Verpackung von 
Butter, Käse, Konserven etc., als »Seiden- 
pergament« zum Ersatz des Stanniols 
für Kanditen, Schokoladen u. s. w.. 
als »Einsiedepergament« zum Ver- 
schluss von Dunstobstgläsern, als 
»Osmosepergament« zum Entzuckern 
der Nachprodukte von Rübenzucker- 
fabriken und als »Pauspergament'; 
zum Durchpausen von Zeichnungen 
vielfach vorteilhaft verwandt. Neuer- 
dings dient es auch in besonders 
grossen Blättern als »Leichenhülle«, 
und verhindert, mit desinfizierenden 
Stoffen getränkt, das Durchsickern von 
Zersetzungsflüssigkeit aus den Sarg- 
fugen, wie es andererseits den Leichen- 
geruch hinreichend lange zurückhält. 
Durch andauerndes Mahlen von Sullit- 
zellstoff, also ohne chemische Ein- 
wirkung, stellt man ein Pergament- 
Ersatzpapier her, das anDurchsichtigkeit 
undUndurchdringlichkeit gegen Wasser 
und Fett dem vorgenannten Pergament- 
papier nahekommt und nur halb soviel 
kostet. Sehr dünn, glasig durchsichtige 
Sorten werden »Pergamyn« genannt 
und dienen in den verschiedensten 
Färbungen zum Verpacken feinerer 
Waren. Setzt man das Zermahlen 
des Zellstoffs bis zur vollkommenen 
Faservernichtung fort und lässt den 
erhaltenen Brei durch freiwillige Ver- 
dunstung trocknen, so erhält man 
Blöcke amorphen Zellstoffes, das Cellu- 
lith, das sich wie Florn, Ebonit u. dgl. 
Stoffe bearbeiten lässt und als Binde- 
mittel für Schmirgel-Schleifscheiben 
sich besonders bewährt hat; ebenso 
haben sich Dichtungsringe von Cellu- 
lith genügend elastisch und sehr 
widerstandsfähig erwiesen. Einen 
vierten Stoff, die Vulkanfiber, erzielt 
man durch l^mwandlung des Zellstoffs 
mittels konzentrierter Lösungen von 
Zinkchlorid oder Kupferoxydammoniak: 
aus ihr werden ausser einer vor- 
züglichen Pappe in biegsamer Form, 
der llexibelen Vulkanfiber«, Ersatz- 
stücke für Gummi und Leder (Pumpen- 
klappen, Ventilsitze, Röhren, Stock- 



3io 



Unterrichtswesen. — Aus den Vereinen. 



griffe etc.), in harter Form, in neuester 
Zeit auch Zahnräder hergestellt, die 
sich durch einen stossfreien, nahezu 
geräuchlosen Gang auszeichnen. Papier 
ist auch die Grundlage für die 
Fabrikation des bekannten Celluloids. 
das aus einer Art Schiessbaumwolle 
mit Kamphor gemischt besteht und 
zur Herstellung von Schmuck- und 
Galanteriewaren viel benutzt wird ; 
auch die kinematographischen Bilder 
bestehen daraus. Ein Nachteil ist 
seine Leichtentzündlichkeit, die auch 
seinerzeit den furchtbaren Brand des 
Wohlthätigkeitsbazars in der Rue Jean- 
Goujon zu Paris veranlasst hat, indem 
ein Celluloid-Plakat Feuer fing. Ein 
Celluloseprodukt, das von dem eng- 



I lischen Ghemiker Gross erfundene 
I Pergamoid, besitzt dessen gute Eigen- 
| schaften, aber seine Leichtempfindlich- 
keit nicht, so dass ihm eine grosse 
j Zukunft blühen dürfte. Die hiesige 
I Pergamoid-Gesellschaft bringt u. a. 
Tapeten, Gewebe, Kunstleder etc. in 
den Handel, die wasserdicht und ab- 
waschbar zugleich sind; selbst Kunst- 
seide wird daraus hergestellt, die. 
wenn sie auch nicht ganz die Festig- 
keit der aus Coconfäden hergestellten 
erreicht, diese an Glanz übertrifft. — 
Zum Schluss seines Vortrags erwähnte 
Redner noch die Viscose und das 
Viscoid, wovon die erstere als Appre- 
turmittel für Gewebe eine aus- 
gezeichnete Verwendung findet. 



Unterrichtswesen. 



Ausbildung in der Landwirtschaft. 

Ausser der israelitischen Erziehungs- 
anstalt in Ahlem bei Hannover, wo 
seit einigen Jahren mit gutem Erfolge 
jüdische Gärtner ausgebildet werden, 
finden jetzt bei dem Vorstandsmitgliede 
des »Vereins zur Förderung der Boden- 
kultur unter den Juden Deutschlands«, 
dem Rittergutsbesitzer Dr. S. Papilsky 
in Gablenz bei Gassen, Provinz Branden- 
burg, jüdische landwirtschaftliche 
Eleven Aufnahme und Gelegenheit, 
sich nicht nur in der praktischen, 
sondern auch in der theoretischen 
Landwirtschaft auszubilden. Einige 
Zöglinge sind bereits aufgenommen, 
darunter einer, der die jüdische Gärtner- 



schule in Ahlem durchgemacht hat. 
Dr. Papilsky, der bereits vor neun 
Jahren in verschiedenen jüdischen 
Blättern für Gründung von Vereinen 
zur Ausbildung jüdischer Landwirte 
eingetreten ist und im Jahre 1892 mit 
dem Baron Hirsch darüber eingehend 
konferiert hatte, beabsichtigt nun, wenn 
eine Anzahl geeigneter jüdischer junger 
Leute sich meldet, eine jüdische land- 
wirtschaftliche Privatschule zu organi- 
sieren. Ferner hat Dr. Papilsky, um 
weiter Propaganda für die Sache 
machen zu können, es übernommen, 
ein Adressbuch der jüdischen Grund- 
besitzer, Gutspächter und Inspektoren 
etc. herauszugeben. 



Aus den Vereinen. 



Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein, 

Abteilung Stelle nn ach weis (Berlin, 
Weissenburgerstr. 66). Die Bewegungen 
auf dem Arbeitsmarkte zeigten im 
Monat April ein ähnlichesBild wie der 
März, mit dem einzigen unterschiede, 
dass die Nachfrage nach Arbeits- 
kräften ein wenig stärker hervortrat. 
Für Berlin und Vororte meldete die 
gewerbliche Gärtnerei 231 offene 
Stellen, während sich nur 112 Stelle- 



suchende einschreiben Hessen. Ver- 
schiedene bezw. die meisten der sich 
meldenden Stellesuchenden hatte ihre 
bis dahin innegehabten Stellen wegen 
zu langer Arbeitszeit (13 und 14 Stunden 
täglich) aufgegeben. Die schon vorigen 
Monat eingetretene Steigerung der 
Löhne hielt an. Sehr bemerkenswert 
ist, dass ein geradezu verschwindender 
Zuzug von »Ausgelernten« stattfand, 
die in früheren Jahren um diese Zeit 



Litteratur. 



3U 



die Reichshauptstadt überfluteten. Es 
musste daher so mancher Prinzipal, 
der sonst regelmässig aus diesen an- 
gehenden Flora-Jüngern sein Personal 
zu ergänzen pflegt, nach eine etwas 
ältere Jahresklasse greifen. — Die von 
ausserhalb der Provinz Brandenburg 
gemeldeten Stellen blieben überhaupt 



unbesetzt. Ein grösserer Teil von 
Engagements wurde übrigens, ausser 
den in den Büchern vermerkten, auch 
wieder ausserhalb der Geschäfts- 
stunden im Verkehrslokal abge- 
schlossen. — Der Privatgartenbau ver- 
langte 16 Gärtner, jedoch sämtliche 
als »ledig«. 



Litteratur. 



Dr. August Garcke, Professor an 
der Universität und Kustos am Kgl. 
Botanischen Museum zu Berlin, 
Illustrierte Flora von Deutsch- 
land. 18. neubearbeitete Auflage, mit 
760 Originalabbildungen, Berlin, Ver- 
lagsbuchhandlung Paul Parey 1898. 

Mit Recht heisst es in der Vorrede 
dieser trefflichen Flora: Wenn ein 
Buch während eines Zeitraumes von 
fast 50 Jahren (am 16. Dezember 1848 
wurde der Verlagsvertrag abge- 
schlossen) in der achtzehnten Auflage 
erscheint und in mehr als 55000 Exem- 
plaren verbreitet ist, so darf man 
annehmen, dass es sich der Gunst 
des Publikums erfreut. Dem ist in 
der That so, und wir wüssten kaum 
etwas Neues zu seinem Lobe zu sagen. 
Erfreulich ist, dass der Verfasser 
nicht dem strengsten Prioritätsprinzip 
folgt und in dieser neuesten Auflage 
mehrere allbekannte Namen wieder 
eingeführt hat. Bei einer neuen Auf- 
lage hätten wir den Wunsch, dass die 
allgemeiner verbreiteten Gartenpflanzen 
etwas mehr berücksichtigt werden 
möchten; das ist z. B. in Wunsches 
Flora und in Potonies Flora geschehen; 
freilich auf Kosten der genauen Stand- 
orte der wilden Pflanzen, die Garckes 
Flora gerade so wertvoll machen. 
L. Wittmack. 

Die neu begründete Biologische Ab- 
teilung des kaiserlichen Gesundheits- 
amtes veröffentlicht ihre erste Arbeit 
unter dem Titel: Autforderung zum 
allgemeinen Kampf gegen die 
Fusicladium- oder sogen. Schorf- 
krankheit des Kernobstes von 
Prof. Dr. Frank-Berlin, und giebt 
darin eine ähnliche Abbildung be- 
spritzter und unbespritzter Apfel, wie 



die Gartenflora sie in No. 1 d. J. brachte. 
Die Aufforderung verdient die grösste Be- 
herzigung, und um der kleinen, vierSeiten 
umfassenden Schrift die allgemeinste 
Verbreitung zu verschaffen, ist sie bei 
der Verlagsbuchhandlung Paul Parey- 
Berlin zu 5 Pfennig, 25 Exempl. zu 
80 Pfennig zu haben. Yiele gärtnerische 
und landwirtschaftliche Vereine haben 
sie ihren Mitgliedern zugesandt. 



L'horticole coloniale. Ueber die 
Neubegründung einer grossen Gesell- 
schaft in Brüssel mit einem Kapital 
von 2 400 000 Frcs. unter dem Namen 
»L'horticole coloniale« berichtet die 
belgische »La Chronique«: Der Zweck 
der Gesellschaft ist die Pflege des 
tropischen Gartenbaues und die Auf- 
zucht von Pflanzen, welche den Kolo- 
nien nützlich sein können. Die neue 
Gesellschaft wird unter der Leitung 
des weitbekannten M. Lucien Linden 
stehen, dessen Name allein schon für 
die nutzbringende Thätigkeit der Ge- 
sellschaft bürgt. Die Gesellschaft hat 
die Anlagen und Grundstücke des 
L'horticulture international im Leopold- 
park sowie die Gewächshäuser von 
Moortebeke erworben, von denen die 
letzteren durch die grossartigen Orchi- 
deenkulturen von Lucien Linden & Co. 
bekannt sind. Ausserdem erbaut die 
Gesellschaft in Linthout neue Gewächs- 
häuser, in denen in grossen Mengen 
( »ekonomiepflanzen, wie Kautschuck, 
( luttapercha. Kaffee, Kakao u. a., auch 
Arzneipflanzen gezogen werden sollen, 
um dann in die Kolonien zum Weiter- 
anbau geschickt zu werden. J. B. 

Lehrhefte für den Einzelunter- 
richt an Gewerbe- und Iland- 
werkerschulen. 7. Für Gärtner, be- 



3 12 



Ausstellungen und Kongresse. — Personal-Nachrichten. 



arbeitet von Wilhelm Wassberge, 
Stadt. Obergärtner und Fachlehrer an 
der Handwerker- und Kunstgewerbe- 
Schule in Hannover. Leipzig. Verlag 
von Seemann & Comp. 1899. 

Das Heft umfast 6 Tafeln , Zeich- 
nungen mit erläuterndem Text. Die 
ersten vier Tafeln zeigen geometrische 
Figuren, die das Quadrat, den Kreis 
und Halbkreis zur Grundform haben; 
Tafel 4 giebt verschiedene Grund- 
formen. Tafel 5 giebt Anleitung zum 
Zeichnen von Gehölzgruppen und 



Tafel 6 einen vollständigen Garten- 
Grundplan. Die Anordnung ist klar 
und bestimmt, und deshalb verdient 
das Werk für den beabsichtigten Zweck 
wohl empfohlen zu werden. H. 



Die bisher in Hamburg erschienene 
Zeitschrift »Der Landschaftsgärtner« 
ist in den Besitz des Herrn E. Pfyffer 
von Altishofen übergegangen und 
wird vom Juni ab mit der »Zeitschrift 
für Landschaftgärtnerei und Garten- 
Architektur« verschmolzen werden. 



Ausstellungen und Kongresse. 



Bie brich. Rosen -Ausstellung 
des Gartenbau-Vereins im Juni. 



Genf. Internationale Gartenbau- 
Ausstellung der Societe helvetique 
d*Horticulture de Geneve vom 14. bis 
20. Juni. Anmeldungen an G.Nitschner 
fils. Rue de Mont Blanc 17 in Genf. 



Stuttgart. Rosen-Ausstellung 
in Verbindung mit der Jahresversamm- 
lung des Vereins deutscher Rosen- 
freunde Anfang Juli. Anmeldungen an 
Wilhelm Pfitzer in Stuttgart. Militär- 
strasse 74. 

Dortmund, 14-— -4- September 1899. 
Der Gartenbau -Verein zu Dortmund 
wird vom 14. — 24. September 1899 
eine grössere Gartenbau - Ausstellung 
in den Räumen und Anlagen des 
»Fredenbaum« abhalten. Die Aus- 



stellung soll umfassen: Alle Erzeug- 
nisse des Garten- und Obstbaues, ferner 
Garten - Architektur, Ornamentik und 
Binderei. Gewächshaus- und Heizungs- 
anlagen, Erzeugnisse der Forstkultur 
und Bienenzucht, sowie alle technischen 
Hilfsmittel, litterarischen Werke und 
Pläne vorgenannter Fächer. Anfragen 
sind an den Ausschuss der Gartenbau- 
Ausstellung, z. H. des Herrn Stadt- 
gärtner Schmidt, zu richten. 

Landsberg a. W., 21. — 24. Sep- 
tember 1899. Obst- und Gartenbau- 
Ausstellung des Märkischen Obstbau- 
Vereins. Anfragen an das Komite der 
Ausstellung in Landsberg a. W. 

Dresden. Jubiläums - Ausstellung 
des Landesobstbau-Vereins für das 
Königreich Sachsen vom 14. — 19. Ok- 
tober. Das Programm ist zu beziehen: 
Gerokstrasse 45. 



Personal-Nachrichten. 



Dem Gärtnereibesitzer G. van 
Noordt, Inhaber der Firma P. van 
Noordt u. Söhne zu Boskoop. (Holland) 
ist das Prädikat eines Kgl. preussischen 
Hoflieferanten verliehen worden. 

Am 1. Mai feierte der Kgl. Garten- 
baudirektor Franz Goeschke den 
Tag seiner 25jährigen Thätigkeit am 



Königl. 
Proskau. 



pomologischen Institut zu 



F)er Vorsteher der erst vor kurzem 
begründeten biologischen Abteilung 
des Kaiserlichen Gesundheitsamtes zu 
Berlin, Professor Dr. Frank, Mitglied 
unseres Vereins, ist zum Kaiserlichen 
Geheimen Rearierun2,srat ernannt. 



^J&Z>~, 



Bougainvillea glabra Choisy var. Sanderiana. 

Von L. Wittmack. Hierzu Tafel 1463.) 
lie von Commerson zu Ehren des berühmten französischen; See- 
fahrers Louis Antoine de Bougainville (* 11. November 1729 
f 31. August 1781) aufgestellte Gattung Bougainvillea gehört zu der mit den 
Xelkengewächsen und Amarantaceen verwandten kleinen Familie der Nycta- 
ginaceae, zu denen auch die bekannte Wunderblume, Mirabilis Jalappa, gehört. 

Charakteristisch ist für die ganze Familie, dass die Blüten fast immer 
am Grunde von Hochblättern umgeben sind, die besonders bei Bougainvillea 
meist eine prächtige Farbe annehmen. Diese Hochblätter oder Deckblätter 
sind bei Bougainvillea meist zu drei vorhanden, ihre Mittelrippe ist an der 
Basis dem Blütenstiel fest angewachsen und das ganze Gebilde fällt als ein 
Ganzes ab, um, wieHeimerl inEngler & Prantl, Natürliche Pflanzenfamilien 
III 1, Abt. b, S. 20 treffend bemerkt, ähnlich wie bei unsern Linden fortgetragen 
zu werden. 

Choisy charakterisiert die Gattung Bougainvillea in De Candolle Pro- 
dromus XIII 2., S. 4^7, folgendermassen: 

Hülle oder Deckblatt, gross, häutig, an der Basis jeder Blüte, dieser 
fast bis zur Mitte ansitzend, Blütenstiel dem Deckblatt angewachsen. (Blumen- 
krone fehlend L. W.) Perigon (Blüte) röhrenförmig, Saum kurz (in der Knospe 
eingekrümmt L. W.) Staubgefässe 7 — 8, eingeschlossen, unten verwachsen. 
Griffel seitlich, Narbe verdickt oder keulenförmig (vgl. dagegen Fig. h unserer 
Tafel, sie ist lineal, allmählich zugespitzt und einseitig mit Narbenhaaren besetzt). 
Sträucher oder kleine Bäume, oft kletternd und dornig, Blumen gehäuft und 
durch die Brakteen schön gefärbt; Blätter abwechselnd. Alle Arten in Süd- 
amerika, eine zweifelhafte in Asien. Der Name ist, wie Choisy mit Recht her- 
vorhebt, Bougainvillea zu schreiben, obwohl Commerson denselben 
Buginvillea, Andere noch wieder anders schrieben. 

An gedachtem Orte giebt Choisy auch die Beschreibung der von ihm 
aufgestellten Art B. glabra. 

A rtcharackter. Bougainvillea glabra Choisy. Stengel strauchig,' glatt, 
dornig, Dornen, kurz, kaum hakenförmig. Blätter lanzettlich, zugespitzt, 
glatt, kurz gestielt, Rispe endständig, mittelgross, Deckblätter anfangs elliptisch- 
lanzettlich, endlich elliptisch-eiförmig, aderig-durchscheinend, Perigon (Blüte) 
ungefähr so lang wie die Deckblätter. An hoch gelegenen Orten der Pro- 
vinzen Rio de Janeiro, St. Paulo, Minas Geraes, Moritiba, Ilheos und weiter in 
Brasilien. 

Strauch rötlich, beblättert, Blätter meist lederartig, 1—2 Zoll lang. 
Blattstiel drei Linien lang. Deckblätter etwa zolllang, rosa, die älteren stumpf. 
Perigon acht Linien lang. Frucht fünfrippig, vier Linien lang, glatt, grau. 
Variiert mit bald kleineren, bald grösseren Blättern. 



o\a Bougainvillea glabra Choisy var. Sanderiana. 

Unterscheidet sich von der bekannten B. spectabilis Willd. und der un- 
schönen B. virescens Choisy. die grünliche Deckblätter hat. dadurch, dass sie 
in allen Teilen ganz glatt ist, während bei B. spectabilis Zweige und Blätter 
weichhaarig, bei B. virescens die Zweige sogar zottig sind, ferner durch 
mehr verlängerte und dünnere Blätter. 

Vergleicht man die von Choisy angegebenen Masse mit denen unserer 
Abbildung, so erkennt man deutlich, wie viel grösser die Pflanze in der 
Kultur, besonders die Varietät Sanderiana ist. Letztere wurde von unserem 
Landsmann F.Sander & Co., S. Albans und Brügge, am 1. Oktober 1894 In 
den Handel gegeben; wir sahen sie in Paris ausgestellt im Mai 1895 in ca. 
2 m hohen herrlichen Exemplaren (vergl. „Gartenflora" 1895, S. 345). Herr 
Georg Kittel s. Z. Obergärtner im Gräfl. Magnischen Garten zu Eckersdorf 
bei Neurode in Schlesien, jetzt Inspektor bei Herrn Königl. Gartenbaudirektor 
Haupt in Brieg, bei dem er schon früher tätig war, bezog von Sander ein 
Exemplar, und bei Kittels anerkannter Meisterschaft in der Kultur erzielte er 
gar bald herrliche Resultate. Am 28. Juli 1898 überraschte er den Verein 
durch einen ca. 1 m hohen und 7c cm breiten Ast, der überreich mit Blüten 
bezw. den schönen Blütenhüllen besetzt war. Wie wir ,, Gartenflora" 1898, S. 430, 
bereits berichtet, zählten wir auf 2 / 3 qm Fläche ca. 250 Blüten. 

Ein Teil dieses Astes ist auf beifolgender Tafel 1463 von Herrn Schade 
trefflich wiedergegeben. Die Farbe der Deckblätter variiert mit dem Alter, in 
der Jugend sind sie am dunkelsten. 

Sander & Co. bildeten die Pflanze auf der Rückseite ihres Kalaloges von 
1894 in einem Holzschnitt als Topfgewächs ab und empfahlen sie als eine 
neue, leicht wachsende und reich blühende Pflanze für Schnittzwecke. Sie 
schreiben: „Wir haben diese neue Bougainvillea in einem Gewächshaus ge- 
zogen, wo sie während 7 Monaten unaufhörlich geblüht hat, und zwar waren 
junge wie ältere Pflanzen gleichmässig wie mit Blumen übersäet. Das Haus 
glich einem Blumenmeer und noch jetzt — Ende Dezember — ■ sind Hunderte 
von Pflanzen in Blüte. Die vollen leuchtenden Blumen sind ausserordentlich 
haltbar und massgebendem Urteil zufolge wird unsere Bougainvillea eine vor- 
zügliche Marktpflanze werden. Die Kultur ist äusserst einfach.'" 

Herrliche kleine Topfpflanzen sahen wir von Herrn Sallier auf der Peters- 
burger Ausstellung, thatsächlich wie Sander beschrieben, mit Blüten 
übersäet. 

Die an der Riviera und in ganz Italien die Wände bekleidende Bougain- 
villea, die nach Herrn Gartenbaudirektor Lackner besonders im Botanischen 
Garten zu Palermo so schön ist (Gartenfl. 1898 S. 430) ist, so viel wir aus 
E. Sauvaigo, Les Cultures sur le Litoral de la Mediterranee, Paris 1894, S. 24, 
ersehen, Bougainvillea spectabilis Willd. (B. fastuosa Herinq). Sie gedeiht in 
leichtem Boden, muss aber Schutz vor Winden haben. Man schneidet und 
pinziert die langen Triebe, um kurze Zweige, die blühen, zu erzielen. Die 
Vermehrung erfolgt nach Sauvaigo im Herbst oder im Frühjahr durch Steck- 
linge von jungem, halbreifen Holz, auf warmen Beeten in Sand oder Haide- 
erde, auch durch Ableger oder Wurzelstecklinge. 

Herr Sander schreibt uns: Bougainvillea glabra sei an der Riviera selten, 
meist sei es B. spectabilis. 



Bougainvillea glabra Choisy var. Sanderiana. 3 1 5 



Herr Ed. Andre, der eine prachtvolle Abbildung von B. glabra in der 
Revue horticole 1889 S. 276 gab und der selber eine Villa an der Riviera hat, 
telegraphirt uns aber es sei B. glabra. 

Herr Dr. II. Ross, früher in Palermo, jetzt Custos am Kgl. botanischen 
Garten in München, schreibt uns: Die Bougainvilleen im Gewächshause des 
botanischen Gartens in Palermo sind vier verschiedene Arten; die schönste und 
grösste ist B. speetabilis! Die im Freien dort häufig angepflanzte ist eben- 
falls B. speetabilis. 

l'fber Bougainvillea glabra Sanderiana bemerkt uns Herr Sander, es sei 
ein reichblühender Sämling, der sich durch freieren Wuchs, grössere Blumen, 
schönere Farbe und namentlich durch seine Blühwilligkeit auszeichnet, während 
die Stammart B. glabra nicht leicht blüht. Er hat noch ca. 12 andere Sämlinge, 
die aber nicht hervorragend sind, ebenso hat er Kreuzungen vorgenommen, 
die indess noch nichts Gutes ergeben haben. 

Herr Kittel berichtet uns über die Kultur der Bougainvillea glabra 
folgendes: Ein Zufall wollte es, dass dieser reizenden Schlingpflanze des Kalt- 
hauses ein Platz angewiesen wurde, an welchem sie sich recht bald als 
„kalkliebend" kennzeichnete. Sie wurde ausgepflanzt und das Pflanzloch an 
einer Stelle des Hauses ausgeworfen, deren Untergrund aus altem Bauschutt 
bestand. Als sie das ihr gereichte Material, Lauberde, Sand und etwas Lehm 
durchwurzelt und Fühlung mit der sie umgebenden Masse bekam, schien ihr 
neues Leben gekommen. Die Pflanze verlor gänzlich ihren ehemaligeu strauch- 
artigen Character und bildete von unten aus lange Wurzelschösslinge (Loden), 
welche schnell nach dem Glase emporstrebten. Es wurden nun, dem Platz 
entsprechend, die zwei stärksten Triebe gewählt und hinaufgeleitet, alle anderen 
aber zurückgeschnitten. Die alte, ursprüngliche Pflanze wurde erhalten und 
erst später, nach und nach, zu Gunsten der neuen Leittriebe reduzirt und dann 
schliesslich gänzlich fortgenommen. 

Die hochgezogenen Loden blieben bis zum Glase ohne jede Verzweigung, 
erst von der Biegung an, also in wagrechter Lage weiterlaufend, bildeten sie 
eine reiche Verästelung mit gleichzeitigem Blütenansatz. Gärtner, wie Lieb- 
haber waren entzückt über den nun folgenden Flor; tausende offene Blumen 
gaben eine herrliche Gesamtwirkung, die das Auge immer und immer wieder 
hinlenkten auf dieses prächtige Blütendach. 



T a f e 1 e r k 1 ä r u n g. 
a. Stück eines 3 , m langen Zweiges in natürlicher Grösse, b. Die 
3 Blüien eines Blütenstandes mit ihren 3 Hüll- oder Deckblättern, c Perigon 
in der Knospe, d. Oberer Teil desselben zur Blütezeit. e. Perigon und 
Fruchtknoten im Längsschnitt, mit dem einzigen Samen auf einer centralen 
Placenta (Mutterkuchen), f. Staubfäden, unten verwachsen, und Fruchtknoten, 
g. Staubbeutel mit 2 fast kugeligen Hälften, h. Fruchtknoten mit linealer ein- 
seitswendig behaarter Narbe. 



ßl6 859. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 



859. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am 25. Mai 1899. 

Vorsitzender: Der 2. Stellvertreter des Direktors, Herr Königl. Garteninspektor 

W. Perring. 
I. Der Vorsitzende weist darauf hin, dass er für diese Sitzung durch einen 
merkwürdigen Zufall der einzige Vertreter des Vorstandes sei, indem 
Herr Direktor Lackner, Herr Schatzmeister Loock und Herr Geheimrat 
rat Wittmack zur Zeit noch auf der internationalen Gartenbau-Ausstellung 
in Petersburg weilten, und Herr Konsul Seifert von seiner Reise nach 
dem Kaukasus noch nicht zurückgekehrt sei. 
IL Vorgeschlagen wurden zu wirklichen Mitgliedern: 

1. Herr Max Drope zu Havelhausen bei Oranienburg, durch Herrn 

Grünenthal; 

2. „ Max Schwenke, Schöneberg-Berlin, durch Herrn Geheimrat 

Wittmack; 

3. „ Gärtner Lehmbach, botanische Zentralstelle für die deutschen 

Kolonien im botanischen Garten, durch Herrn Garteninspektor 
W. Perring; 

4. „ Obergärtner Mangeot, Borgsdorf bei Berlin, Plantage, durch 

Herrn Lehmann. 
111. Ausgestellte Gegenstände: 1. Herr C. Jokisch von der Obstbaumschule 
zu Gransee führt persönlich seine ., Märkische Obstbaumspritze" vor und 
bemerkt, dass er diese höchst einfache Handspritze mit zwei abnehmbaren 
Messingbrausen zunächst nur für seinen Privatgebrauch hergestellt und 
auch in der ersten Zeit keinerlei Reklame dafür gemacht habe. Erst als 
sich die Brauchbarkeit seiner Spritze herumgesprochen und häufig Nach- 
frage darnach gekommen sei, habe er den Vertrieb eingerichtet. Das sei 
kaum zwei Jahre her, und er habe bereits über 2000 Stück versandt. Zum 
Spritzen nehme er eine dünne Kalkmilch, oder setze eine Brühe an, die 
aus 8 Pfd. Kalk, 1 U Pfd. Kienruss und 100 1 Wasser bestände. Seine 
; Spritze, die nur 3,75 M. koste, also wesentlich billiger sei als die teuren 
Spritzapparate, erfülle vollständig ihren Zweck. Er habe sodann noch die 
Erfahrung gemacht, dass durch frühzeitiges Spritzen, etwa Ende März, 
der Apfelblütenstecher den Bäumen fern bleibe und auch die Komma- 
schildlaus und die Schorf krankheit nicht aufkomme. Schliesslich weist 
Herr Jokisch noch auf die günstige Beurteilung seiner Spritze durch 
Herrn Prof. Dr. Stoll-Proskau in der Mainummer der Proskauer Obstbau- 
Zeitung hin. 

Herr Dr. Krüger hat doch leise Zweifel, dass die vorgelegte Spritze 
ebenso viel und so Gutes leiste wie die eigentliche Peronospora-Spritze. 
Herr Perring bemerkt, dass für den botanischen Garten eine Jokisch- 
Spritze angeschafft und damit Versuche gemacht werden sollen, über die 
er dann später berichten werde. Herr Obergärtner Lehmann hat die 
..Märkische Obstbaumspritze" bereits in Dammsmühle eingeführt und 
ist mit ihrer Arbeitsleistung nach jeder Richtung hin sehr zufrieden. Herr 
Garteninspektor Weber-Spindlersfeld meint, dass es eine bessere und 
leistungsfähigere Spritze kaum geben werde. Bei ihm habe ein Junge 



85q. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 017 

damit in 2 Tagen 2500 Zwergbäume ohne grosse Anstrengung bespritzt; 
auch fände bei dieser Spritze kein Besudeln statt. Dass diese Spritze zum 
Zerstäuben von Petroleum vielleicht ungeeignet sei, wolle er gern glauben. 
Herr Inspektor Dressler -Dalidorf lobt ebenfalls die „Märkische 
Obstbaumspritze'"' und bemerkt, dass sie bei guter Arbeit 6—8 m hoch 
reiche. Auch Herr C. Junge - Steglitz hat wegen der Höhe kein 
Bedenken, die Spritze sei ein einfaches und leicht zu handhabendes Gerät und 
bewirke die Zerstäubung der Kupfer- Kalkbrühe vortrefflich. Er müsse 
aber doch feststellen, dass die jetzt von Herrn Jokisch in den Handel 
gebrachte Spritze nichts Anderes sei als die verbesserte Werdersche 
( »bstbaumspritze. Herr Gärtnereibesitzer A. Drawiel giebt einen kurzen 
Rückblick auf frühere Spritzen, erwähnt speziell die alte sog. Hydronette 
und empfiehlt die Hildebrandtsche Spritze als durchaus praktisch. Es 
wird beschlossen, in einer späteren Versammlung weitere Erfahrungen 
über die „Märkische Obstbaumspritze" auszutauschen. 

2. Herr Ernst Benary-Erfurt hat einige Blumen einer neuen brillant- 
rosa gefärbten Cocardeau-Winterlevkoye eingesandt, welche er in 
diesem Jahre einführen wird und deren ausserordentlich schöne Färbung 
allgemein anerkannt wurde. 

3. Herr Heinrich Gerdessen in Brück i. d. Mark führte eine Kollek- 
tion getriebener Rosen in kleinen Töpfen vor und theilte mit, dass er die 
Rosen im Jahre 1897 veredelt, im Spätherbst 1898 in Töpfe gepflanzt, im 
kalten Kasten überwintert und vom Februar d. J. langsam zur Vegetation 
angeregt und von Mitte Mai ab zur Blüte gebracht habe. In Folge dieses 
vereinfachten Verfahrens könne er die Pflanzen bedeutend billiger ver- 
kaufen als ein Jahr zuvor in Töpfen kultivirte Exemplare und dadurch 
eine schnellere Einnahme und einen guten Nutzen dabei erzielen. Zur 
Frühtreiberei könnten frisch eingepflanzte Rosen aber nicht verwendet 
werden. Von mehreren Seiten wurde darauf hingewiesen, dass dies Ver- 
fahren durchaus nicht neu sei, aber nicht immer ein so gutes Resultat 
erzielt werde. 

4. Herr Inspektor Dressler-Dalldorf legt einige sehr schöne gross- 
blumige französische Maiblumen vor, die der Verein vor mehreren Jahren 
von Fortin bezogen hat. 

III. Hierauf erfolgte die Neuwahl sämtlicher Ausschüsse; es wurden die 
Herren Crass I, C. Junge und Prof. Rodenwaldt vom Vorsitzenden 
zu Stimmzählern ernannt. Das Resultat der Wahl war, dass sämtliche 
vorgeschlagenen Mitglieder der technischen Ausschüsse wiedergewählt 
wurden. Nur in den Ausschuss zur Neuwahl des Vorstandes wurde 
auf Antrag des Vorstandes an Stelle des Gärtnereibesitzers Schwarz- 
burg-Pankow, der durch den Tod seines einzigen Sohnes so schwer 
heimgesucht ist und sich deshalb an den Beratungen dieses Ausschusses 
wohl nicht werde beteiligen können, Herr Geschäftsführer C. Junge- 
Steglitz gewählt. Dieser Ausschuss besteht nunmehr aus den Herren 
Urodersen, Moncorps, Crass I, Junge, Urban. 

IV. Hierauf hielt Herr Stadtrat Töbelmann-Berlin einen mit grossem Beifall 
aufgenommenen Vortrag über Buschobst. Derselbe wird besonders ab- 
gedruckt werden. 



2 1$ 859. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues etc. 

V. teilt der Vorsitzende ein Schreiben mit, welches Herr Wirkl. Geh. Ober- 
Regierungsrat und Ministerialdirektor Dr.Thiel namens des Kuratoriums der 
Königl. Gärtner-Lehranstalt zu Wildpark an den Verein gerichtet hat, 
worin für die generöse Stiftung der 5000 M. für den Stipendienfonds 
herzlich Dank gesagt und die Erklärung abgegeben wird, dass das Stipen- 
dium unter den von dem Verein gestellten Bedingungen verwaltet 
werden soll. (Siehe S. 333.) 

VI. wird das Unterstützungsgesuch des arbeitsunfähigen und auch in seiner 
Familie schwer heimgesuchten Gärtners G. Güttner in Schönebeck 
a. d. E., sowie das die Würdigkeit und Bedürftigkeit des p. Güttner be- 
fürwortende Schreiben des dortigen Bürgermeisters Schaumburg zur 
Kenntnis der Versammlung gebracht. Es wird darauf beschlossen, dem 
Güttner zu der Beschaffung eines künstlichen Beines eine ausserordent- 
liche Unterstützung bis zu 100 M. zu bewilligen. 
VII. liegt ein Antrag des Versuchsausschusses für Topfdüngungsversuche vor, 
dem Ausschuss jährlich 50 M. zur Prüfung von Geheimmitteln zur 
Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten zu überweisen. Nach längerer 
Debatte wird der von Herrn Inspektor Dressler gestellte Antrag auf 
Ablehnung der geforderten 50 M. angenommen. Massgebend war dabei 
hauptsächlich die Erwägung, dass die Landwirtschaftskammer schon Ver- 
suche in dieser Richtung mache, und dass es zu viel Geheimmittel 
gebe. 

VII. Hierauf teilt der Vorsitzende noch mit, dass es dem Landes-Obstbau- 
verein für das Königreich Sachsen vergönnt ist. in diesem Jahre 
auf eine 25jährige erfolgreiche Verein sthätigkeit zurückzublicken und 
dass aus dieser Veranlassung im Herbst dieses Jahres eine Allgemeine 
Deutsche Obstausstellung in Dresden stattfinden soll. Das 
Direktorium des Landes-Obstbauvereins habe die Bitte ausgesprochen, 
der Verein z. B. d. G. möchte die Ausstellung durch Gewährung eines 
Ehre