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Full text of "Geographische Verbreitung der Holzgewachse des europäischen Russlands und des Kaukasus"

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l^arbarti College ILibrarsi 



TROM THB BEq.UEST OP 



GEORGE HAYWARD, M.D., 



OF BOSTON, 



(Class of 1809). 



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GEOGRAPHISCHE VERBREITUNG 



DER HOLZfiEWiCHSE 



DES EUROPÄISCHEN ßüSSLANDS 



UND DES 



KAUKASUS. 



F*r. Tli. Köppeu. 



ZWEITER THEIL. 



Mit ö"* Karten. 



(Der Akademie vorgelegt am J5, September 3887,) 



' ST. PETERSBDR&, 1889. 



BUCHDBUCKEBBI DEB KAISEBLICHEN AKADEMIE DEB WISSENSCHAFTEN. 

Wass.-Ostr., 9. Liaie, .A6 12. 



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G edruckt anf Verfügung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften« 

August 1889. 

C. Vesselofski, beständiger Secret&r. 



Aus den «Beiträgen zur Kenntniss des Russischen Reiches und der an- 
grenzenden Länder Asiens, dritte Folge», besonders abgedruckt. 



Inhalt des II. Theiles. 



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Erste Classe. Dicotyledoneae. (Fortsetzung). 

Seite. 

Farn. XLVIII. Eaphorbiaceae 1 

Gattung 1. Andrachne 1 

— 2. Buxus 1 

Farn. XLIX. Empetraceae 9 

Gattung En>petrum .• 9 

Farn. L. Moreae 14 

Gattung 1. Morus 14 

— 2. Ficus 19 

Fam. LI. Celtideae 22 

Gattung Celtis 22 

Fam. LH. ülmaceae 25 

Gattung 1. ülmus 25 

— 2. Zelkova 49 

Fam. LIII. Juglandaceae 54 

Gattung 1. Juglana .... 56 

— 2. Pterocarya 64 

Fam. LIV. Platanaceae 67 

Gattung Platanus 67 

Fam. LV. Cupuliferae 72 

Gattung 1. Quercus 72 

— 2. Castanea 141 

— 3. Fagus 145 

— 4. Corylus 162 

— 5. Carpinus 175 

— 6. Ostrya 186 

Fam. LVI. Betuhiceae 188 

Gattung 1. Alnus 189 






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IV 

Seite. 

Gattung 2. Betula 218 

Farn. LVIL Salicineae 249 

Gattung 1. Salix 249 

— 2. Populus • 333 

Farn. LVIII. Myriceae 361 

Gattung Myrica 361 

Zweite Classe. Monocotyledoneae. 

Fam. LIX. Smilaceae 364 

Gattung 1. Smilax 364 

— 2. Ruscus 366 

— 3. Danaö 367 



Dritte Classe. Gymnospermeae. 

Farn. LX. Gnetaceae 367 

Gattung Ephedra 367 

Fam. LXI. Taxineae 372 

Gattung Taxus 373 

Fam. LXII. Cupressineae 387 

Gattung 1. Gupressus 389 

— 2. Juniperus 394 

Fam.LXIII. Abietineae 426 

Gattung 1. Pinus 428 

— 2. Larix 479 

— 8. Picea 509 

— 4. Abies 545 

Nachtrag 574 

Alphabetisches Verzeichniss der Familien^ Gattungen und Arten . . 577 



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Farn. XLVIII. Eophorbiaeeae. 



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Gktttnng 1. Andrachne. v^| 

826. (1.) Andrachne colchica Fisch, et Mey. 

Dieser 2 — 3 Fuss hohe Strauch wächst im westlichen ? 

Transkaukasien : in Imeretien und Mingrelien (z. B. am Fl; 
Zchenis-Zkali unweit Eutaiss, etc.), auf Kalkfelsen, bis zur 
Höhe von 1000' üb. d. M. — Ssredinskij, der zuerst ^ 

Nachricht Ober diesen kleinen Strauch gab, Jiielt ihn an- 
fänglich für Geblera suffrutkosa Fisch, et Mey., später für 
Andrachne Giinensis Bunge. 

Gattung 2. Buxa& 
327. (1.) Buxus sempervirens L. 

■ 

Der Buchsbaum wächst bei uns ausschliesslich im Kau- 1 

kasus, wo er hauptsächlich zwei getrennte Yerbreitungsge- ^j 

biete einnimmt, nämlich die Küstengegend des Schwarzen 
Meeres und Talysch. Beide Gebiete zeichnen sich vor allen 
anderen Gegenden des Kaukasus durch ihren Reichthum an 
Niederschlägen aus, so dass dieser letztere als Bedingung 
eines üppigen Wachsthuros des Buchsbaumes erscheint. 
Ausserdem findet er sich auch hie und da in dem zwischen- 

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2 — 



liegenden Gebiete, ja sogar im Norden des Gebirges, doch 
fragt es sieb, ob er in diesen letzteren Gegenden spontan 
wächst, oder aber nur verwildert auftritt. 

Im westlichen Transkaukasien findet er sich hauptsäch- 
lich in der Eüstenzone: in Abchasien, Mingrelien, Gurion, 
Sswanetien, Imeretien, Ratscha und im Gebiete von Batum, 
von der Meeresküste bis zur Höhe von 4000' üb. d. M. 
Nordwärts geht er, nach dem Zeugnisse Marggrafs*), bis 
zum Flusse Psesuape ; südwärts fiberschreitet er die russische 
Grenze und tritt nach Kleinasien hinüber: Im District des 
Schwarzen Meeres (Tschernomorskij Okrug) erstreckt sich 
seine Verbreitung: im Norden (wo das Gebirge näher zur 
Küste herantritt) 30 Werst, im Süden aber bis 60 Werst 
landeinwärts. An der Küste selbst findet sich der Buchs- 
baum nur in sehr geringer Anzahl und meist in dünnen 
Exemplaren, deren Stamm, in der Höhe von ly^^Fuss, selten 
?^": mehr als 3 Zoll im Durchmesser misst. Auf der ersten Ter- 

rasse, die sich in der Entfernung von etwa 15 — 20 Werst 
von der Küste erhebt und circa 1 5 Werst breit ist, findet 
sich der Buchsbaum häufiger und erreicht, gleichfalls in der 
Höhe von iVa Fuss, einen Durchmesser von 6 Zoll. Erst 
auf der zweiten Terrasse, die sich unmittelbar an das Ge- 
birge anlehnt, findet sich gegenwärtig die Hauptmenge dieser 
Holzart, die daselbst auch weit bedeutendere Dimensionen 
erreicht; Hr. Marggraf hat dort Exemplare gefunden, die, 
in der bezeichneten Höhe, bis 24 Zoll im Durchmesser 
hatten. Hier, in der Seehöhe von etwa 2500', wächst er 
nur in schmalen Streifen, die sich längs den Flüssen und 



1) 0. Maprrpa4»i>. GaMuiurb hjih KasKaacKaH najbMa bt» HepHOMop- 
CKOMi» ORpyrt. (3an. KasK. 06m. ce.ibCK. xo3., 1874, crp. 205—240; cb 
xaÖJi. puc). — Die Angabe C. Koch's, dass er den Buchsbaam nicht nörd- 
lich vom Klon gesehen, beruht offenbar auf einem Irrthume. 



— 3 — 

Bächen ziehen , welche vom Gebirge zum Schwarzen Meere 
rinnen; z.B. amPsesuape (in geringer Menge), am Schacht, 
und besonders an dessen Zuflüsse Bsytsch', am Dagomyss, 
Ssotschi (in Menge), Msymta, Psou etc. An der Kfiste selbst, 
wo der Bochsbaum in froheren Zeiten gleichfalls in Menge 
wuchs, ist er, in Folge der grossen Nachfrage nach seinem 
vorzüglichen Holze, schonungslos ausgerottet worden; nur 
an wenigen Stellen, z. B. zwischen Adler und Ssandripsch 
finden sich kleine Bestände desselben, zu 1 — V/^ Hektaren, 
als Unterholz unter Eschen, Buchen, Eichen etc. ; im An- 
fange der fünfziger Jahre sind in dieser Gegend, desgl. bei 
Pizunda und anderwärts, grosse Mengen von Buchsbäumen 
ansgehauen worden. — Laut einer Mittheilung des Fürsten 
Massalski, wächst diese Holzart, wenn auch nur selten, 
im ganzen Batum'schen Gebiete, bis zur Höhe von 4500' 
üb. d. M., besonders aber an der Meeresküste; im Gebiete 
von Kars fehlt sie. 

Weiterhin nach Osten, im Gebiete der Kurä, findet sich 
der Buchsbaum zwar nicht selten ; wie Medwedew bemerkt, 
ist es jedoch wahrscheinlich, dass er an der Mehrzahl der 
Fundorte nur in verwildertem Zustande vorkommt, als üeber- 
bleibsel früherer Kulturen. Die religiöse Verehrung dieser 
Holzart, seitens der christlichen Grusier sowohl, als auch 
seitens einiger muselmännischer Völkerschaften Transkau- 
kasiens, z. B. die Benutzung ihrer Zweige am Palmsonntage, 
brachte es mit sich, dass der Buchsbaum vielfach rings um 
die Kirchen, Gebethäuser und Kirchhöfe angepflanzt wurde, 
welche Sitte sich in verringertem Maassstabe auch bis auf 
heute erhalten hat. Dank diesem Umstände, ist diese Holz- 
art auch im östlichen Kaukasus sehr verbreitet, aber fast 
immer, und sogar mitten im Dickicht der Wälder, trifft man 

in der Nähe der Buchsbaum - Büsche Ruinen verlassener 

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Tempel, Forts oder Niederlassungen an, welche deutlich auf 
eine frühere Kultur desselben hinweisen. So findet sich der 
Buchsbaum buschförmig in der Nähe von Tiflis (in den Ssa- 
guram'schen Wäldern), ferner in den Wäldern des Kreises 
Nuchä (in der Daschagil'schen Schlucht), desgl. im Sarnu- 
bat'schen Reviere (im Gouv. Elisabethpol) etc. — Auch das 
seltene Vorkommen des Buchsbaumes im Norden der kauka- 
sischen Hauptkette kann man wahrscheinlich auf solche ein- 
stige Kulturen zurückführen. Ledebour (Fl. ross., III, p. 
583) sagt, dass er (nach Falk) zwischen dem Terek und der 
Ssundsha gefunden sei; Medwedew bezeugt, dass ganze Be- 
stände desselben am Fl. Zeza, unweit der Staniza Ssamur- 
skaja (im Transkuban 'sehen Gebiete), wachsen, und dass er, 
in zerstreuten Büschen, auch an mehreren anderen Stellen 
diesseits des Gebirges, namentlich im westlichen Theile, 
vorkomme. — In Talysch (im Kreise Leukoran) findet sich 
der Buchsbaum bisweilen in kleinen Beständen, bis zur Höhe 
von 3000' üb. d. M.; z. B. bei Lenkoran und Astara. Nach 
der Ansicht einiger Beobachter, soll er auch hier nur ver- 
wildert vorkommen; Medwedew bestreitet, gewissmit Recht, 
diese Annahme, da der Buchsbaum, wie wir gleich sehen 
werden, im benachbarten Theile Persiens in Menge wächst. 
Nach Radde, findet sich der Buchsbaum im Persischen 
Talysch; nach Buhse, ist er in Ghilan häufig; auch findet 
er sich im nordöstlichen Persien (bei Siaret, nach Bunge). 
Aitchison sagt, er komme in Kabul bis zur Höhe von 
4000' üb. d. M. vor. Nach Stewart und Brandis, wächst 
er häufig im nordwestlichen Himalaya, zwischen 4000 und 
8000' üb. d. M., z, B. in Kashmir; desgl. in Bhutan 
(6000—7000' hoch) ^), — Westwärts ist der Buchsbaum, 

1) Die Angabe älterer Autoren, dass B. sempervirens sich auch in China 
und Japan finde, beruht auf einem Irrthume; es wachsen dort einige ver- 
wandte Arten. 



vom Kaukasus aus, durch die ganze Mittelmeerregion, bis 
Portugal, und dann, Ober Frankreich und Belgien, bis Eng- 
land verbreitet; auch wächst er in der Schweiz, im südwest- 
lichen Deutschland, so wie in den südlichen Kronländern 
Oesterreichs. Ob der Buchsbaum spontan in Europa vor- 
kommt, wie von Seiten der Botaniker wohl ausnahmslos an- 
genommen wird, oder ob er erst durch den Menschen aus 
Kleinasien herübergebracht wurde und sich dann allmälig, 
unter dessen Mithülfe, weiter ausgebreitet, wie einige Lin- 
guisten (z. B. Hehn) meinen, — Das ist eine Frage, deren 
Erörterung mich zu weit führen würde. Mich auf die Seite 
der Botaniker stellend, erinnere ich bloss daran, dass der 
Buchsbaum, nach Engler ^), zu jenen Pflanzen gehört, 
«welche vor der Glacialperiode auf einem südlicheren Wege 
nach Europa gelangten und in der postglacialen Zeit, als das 
mildere maritime Klima eintrat, nach Norden und Osten 
sich weiter ausbreiteten». Jener südlichere Weg, den Eng- 
ler meint, geht vom Himalaya über Afghanistan, Persien 
und Kleinasien, wo der Buchsbaum überall noch gegenwärtig 
vorhanden ist. 

Kehren wir zum Vorkommen des Buchsbaumes im Kau- 
kasus zurück. — Trotz der Jahrhunderte lang fortgesetzten 
Verwüstungen, haben sich dennoch an einigen, schwerer zu- 
gänglichen Stellen bedeutende Vorräthe dieser ausgezeich- 
neten Holzart erhalten; so z. B. am Bsytsch' (wie schon be- 
merkt), am Ingor (in Mingrelien), am Bsyb' (in Abchasien) 
and aufdem Gebirge Kakerale (inRatscha). Man darf hoffen, 
dass diese geringen Reste, Dank den neuerdings erlassenen 
Ausfuhr 'Beschränkungen, der raubsfichtigen Exploitation 
unzugänglich bleiben werden^). — Dass der Buchsbaum 



1) Entwicklungsgeschichte der Pflanzenwelt, Th. 1, p. 176—177. 

2) In russischen Zeitungen wurde indessen neuerdings darauf hingewie- 



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thatsächlich seit Jabrhunderten im westlichen Kaukasus ex- 
ploitirt wird, beweisen die älteren arabischen und italieni- 
schen Nachrichten. «Noch im Mittelalter heisst es bei Marco 
Polo, 1, Cap. 4: In der Provinz Georgien bestehen alle 
Wälder aus Buchsbaum — wozu der neueste Herausgeber, 
H. Yule, die Notiz fügt: Buchsbaumholz fand sich in den 
abchasischen Wäldern so reichlich und bildete einen so wich* 
tigen genuesischen Handelsartikel, dass die Bai von Bambor, 
nordwestlich von Suchum-Kale, über welche dieser Handel 
ging, den Namen Chao de Bux (Cavo de Bussi) erhielt^)». 
In neuerer Zeit haben namentlich die Engländer viele Schiffs- 
ladungen Buchsbaumholz aus dem Kaukasus ausgeführt und 
eine verhängnissvolle Lichtung der i?t«a?M^ - Bestände be- 
fördert*). 

In den Wäldern des Kaukasus wächst der Buchsbaum 
gewöhnlich in einzelnen Bäumen oder gruppenweise, selten 



sen, daB8 die erwähnten bescbrftnkenden Bestimmungen leider nur todter 
Bachstabe bleiben; in einem speciell angeführten Falle waren es Englän- 
der, die das Fällen der Bäume and den Export iu's Ausland ungestraft be- 
sorgten. 

1) y. Hehn. Kulturpflanzen und Hausthiere; ed. 4, p. 190. — Vgl. auch 
Reinaud, Geographie d'AbouIfeda, JI, p. 289. 

2) Um eine Idee zu geben von den Mengen des Buchsbaumholzes, die 
aus dem Kaukasus (nach England, Frankreich und der TQrkei) jährlich 
ausgeführt werden, theile ich hier die officiellen Ziffern mit, die sich in 
den üebersichten des auswärtigen Handels Eusslands (Otfsopu Bo-hniHeA 
TOproBJiM FoccIh) für die letzten Jahre finden. Es wurden ausgeführt in 
Puden (1 Pud = 16,88 Kilogr.): 

Im Jahre 1888 187,080 Pd. für 163,189 Rbl. 

» » 1884 78,699 » » 77,397 » 

» » 1886 184,976 » » 487,671 » 

» » 1886 114,398 j» » 103,683 » 

» « 1887 160,281 » n 169,897 » 

Die Preisangabe für das Jahr 1886 ist offenbar unrichtig. Das Buchs- 
banmholz figurirt in der angegebenen Quelle unter dem Namen Pcdmehhoh 
(najbMOBoe ;^epeBo). 



kleine Haine bildend. Er findet sich an feuchten, schattigen 
nnd geschützten Orten, — wie schon bemerkt, vorzugsweise 
an fliessenden Gewässern und fast stets als Unterholz in 
Laubwäldern, und nur sehr selten in Nadelwäldern. Als 
Maximum der Höhe, die der Buchsbaum nur selten im Kau- 
kasus erreicht, gibt Medwedew 50 Fuss an, bei einer 
Stammesdicke von ly^ Fuss am Grunde ; meist wird er 30 — 40 
Fuss hoch und 8 — 12 Zoll dick. In den ersten 80 Jahren 
nimmt seine Dicke sehr unbedeutend zu, dagegen wächst 
er rasch in die Länge; dann, bis zum Alter von 180 Jahren, 
erfolgt ein stärkeres Dickenwachsthum, während die Längen- 
zunahme relativ geringer wird; von dann ab wird das Län- 
gen- und Dickenwachsthum ausserordentlich gering. Dem 
entsprechend kommen auf einen Zoll 18 — 25, bisweilen 
sogar 30 — 35 Jahresringe. Der grösste Procentsatz des 
Zuwachses fillt auf das Alter von 150 — 200 Jahren^). — 
Der Buchsbaum erreicht ein sehr hohes Alter. In wenig 
zugänglichen Gegenden des Kaukasus (z. 6. in Mingrelien) 
kann man, wie Medwedew versichert, nicht selten 500 — 
600 -jährige Bäume antreffen. Fast alle alten Bäume sind 
mehr odjßr minder kernfaul. Bisweilen beschränkt sich die 
Affection nur auf eine Schwärzung; aber bei 3 00 -jährigem 
Alter ist die Kernfäulniss gewöhnlich stark entwickelt; sie 
beginnt ungefähr bei 200 Jahren und verbreitet sich nach 
oben zu, längs dem Stamme, nur sehr langsam. Marggraf 
zählt verschiedene Krankheiten auf, die den Buchsbaum im 
Kaukasus befallen; so namentlich Markrissigkeit («Wald- 
risse», nach Nördlinger), Schwärzung der Markstrahlen, 
ringförmige und äussere Rissigkeit, endlich spiralförmiges 



' 1) Diese letzte Alters-Angabe stimmt indessen nicht ganz zu der an- 

I deren Angabe, dass bereits nach Erreichung von 180 Jahren der Zuwachs 

! gering wird. 



— 8 — 

Wachsthum ^). Alle diese Fehler verringern natürlich be- 
trächtlich den Werth des Holzes. 

Der Buchsbaum wächst auf verschiedenartigem Boden. 
So z. B. findet er sich in Gurien auf Lehm, in Ratscha auf 
Kalkboden, im Küstengebiete des Schwarzen Meeres auf 
sandhaltigem und Tschemosjom-Boden; stets aber verlangt 
er eine nicht unbedeutende Beimischung von Humus, und je 
grösser die letztere ist, desto freudiger und rascher wächst 
er. Feuchtigkeit der Luft und des Bodens bildet gleichfalls 
eine nothwendige Bedingung seines Gedeihens. Wir haben 
gesehen, dass die letzteren Bedingungen, und namentlich 
auch eine grössere Menge von Niederschlägen, seine spon- 
tane Verbreitung wesentlich beeinflussen. — Im Kaukasus 
blüht der Buchsbaum, je nach dem Standorte, im Februar, 
März oder April. Seine Früchte reifen im Herbste, aber die 
Kapseln öffnen sich bisweilen erst im künftigen Frühjahre. 
Die ersten Früchte trägt er in einem Alter von 25 — 30 
Jahren. — Von Insekten hat der Buchsbaum sehr wenig zu 
leiden^). Seine Blätter werden nicht selten von einem Rost- 
pilze, Pucoinia Buan, befallen; davon erscheinen die Blätter 
fleckig, — welcher Umstand C. Koch dazu veranlasste, eine 
besondere Abart des Buchsbaumes, var. macvlata^ anzu- 
nehmen. , 

Bekanntlich wird das Holz des Buchsbaumes für Tisch- 
ler-, Drechsler- und Schnitzarbeiten hochgeschätzt; besonders 
eignet es sich zum Holzschnitte. Es werden aus demselben 
verschiedene feinere Geräthe verfertigt, als z. B. Blasinstru- 
mente, Kämme, Lineale, Spindeln, Spulen etc. 



1) Alle diese Defoimationen sind im Aufsatze Marggrafs durch Zeich- 
nungen veranschaulicht. 

2) J. H. Kalte nbach (Die Pflanzenfeinde aus der Klasse der Insekten; 
p. 526) nennt nur zwei Arten : PsyUa Buxi L. und Aspidiotus Buxi Bouchö. 



— 9 — 

Namen. — Russisch (im Kaukasus): Ssanischit (aus dem 
Tatarischen); PaVma, Kawkasskaja PaVma (kaukasische 
Palme), PaVmowoje derewo (Palrabaum)^); ferner Buks (aus 
dem Lateinischen), Bukschpan, Bushbon (bei den Gärtnern; 
aus dem Deutschen). — Polnisch : Biickszpan. — Griechisch: 
Pyxari (Boissier). — Persisch: Sschemschod (Bubse). — 
Armenisch: Jrmaweni, Tossach, Sckimschat. — Ossetisch: 
Tschessa. — Tatarisch: Ssamschü. — Grusinisch, imeret., 
gurisch: Bsa^). — Mingrelisch: Bsakali, — Sswanetisch: 
8akcU. — Abchasisch: Aschwez ^ Aschz. — Kabardinisch: 
Keschei. — Tscherkessisch : Ghassai. — Türkisch: Gimsckir 
(Boissier). 

Farn. XLIX« Empetraeeae. 

Gattung Empetrum. 
328. (1.) Empetrum nigrum L. 

Die Rauschbeere gehört vorzugsweise dem Norden des 
europäischen Russlands an, kommt aber inselförmig, auf 
Torfmooren, auch hie und da im mittleren Russland vor; 
auch findet sie sich im Kaukasus. — In Norwegen geht sie 
bis zum Nordcap und Gst-Finmarken. In Enare-Lappland 
kommt sie sehr häufig, und oft in Massen vor; sie geht da- 
selbst bis zu den höchsten Spitzen der Alpen hinauf; bei 
Rastekaisa (unter dem 70° n. Br.) wächst sie noch in der 
Höhe von 730 Metern, desgl. bei ütsjoki 2000' üb. d. M. 



1) Diese letzteren Namen rühren vielleicht davon her, dass der Buchs- 
baam im Kaukasus am PoZi/^sonntag, wie im Norden die Weiden, benutzt 
wird. 

2) Au£Fallend die nahe Uebereinstimmung mit Btixus, — Vielleicht ha- 
ben die angefahrten Flüsse Bayb' und BsytscK ihre Namen nach dem an 
ihnen wachsenden Buchsbaume erhalten. 



— 10 — 

Bei Kola und auf der Kola-Halbinsel findet sich die Rausch- 
beere Oberall sehr häufig; sie Y^äcbst, nach Beketow, z. B. 
bei Teriberka, auf den Inseln Jokonskije, bei Gawrilowka, 
Podpachta, auf den Chibiny-Alpen und an den Ufern des 
Imandra-Sees, bei Eandalakscha, am Fl. Keret, bei Kern', 
Ssumskoj-Possad,Worsogory, Archangelsk. Nach Ruprecht, 
findet sie sich überall auf der Halbinsel Kanin, im Ssamoje- 
den-Kleinlande, so wie auf der Insel Kolgujew, bis zur nörd- 
lichen Küste derselben, vfo sie indessen weniger häufig vor- 
kommt. A. 6. Schrenck bemerkt, dass die Rauschbeere in 
den Ssamojeden-Tundren sehr gemein sei und sich unter 
69y2° Br. ander Jugrischen Strasse verliere. AufWaigatsch 
und Nowaja-Semlja fehlt sie, — während sie noch auf Spitz- 
bergen bei Bellsound (unter TTVg^ n. Br.) angetroflFefi wird. Als 
äussersten Fundort nennt Schrenck den Berg Haardarapäj 
im arktischen Ural. Daher unterliegtdieAngabeRuprecht's, 
dass E, nigrum im Uralgebirge nur bis 65^3° n. Br. geht, 
einer bedeutenden Correctur. Längs diesem Gebirge dringt 
es ziemlich weit nach Süden. Im Gouv. Perm findet es sich 
hauptsächlich in der alpinen Region, auf den Gipfeln der 
Berge, namentlich auf Flächen, die mit Moos und Flechten 
bewachsen sind; z. B. auf dem Ssishup, Jalping-nör, Koss'- 
winskij- und Konshakowskij-Kamen', desgl. auf den Gipfeln 
der Berge Katschkanara, Jelowaja und Jurma. Südwärts 
geht es bis zum Berge Iremel', wo es, nach Schell, in der 
alpinen Region wächst. 

Im Gouv. Olonez kommt die Rauschbeere auf sandigen 
Stellen und auf Torfmooren häufig vor; ebenso auch im Gouv. 
St. Petersburg, wo sie bisweilen weite Strecken dicht be- 
deckt; in den Ostseeprovinzen ist sie ziemlich verbreitet, 
gleichfalls auf feuchtem Sand- und Torfboden, sehr gesellig 
auftretend. Sie wächst hie und da im Gouv. Pskow; im Gouv. 



— 11 — 

Nowgorod findet sie sich namentlich im nördlichen Theile, 

ff _^ 

aber auch in den Kreisen Erestzy und Waldai; im 6ouv. 
Twer w&chst sie z. B. in den Kreisen Torshok (Bakunin) 
und Ostaschkow (Zinger); im Gouv. Jarosslaw kommt sie 
nur im nördlichsten Kreise Poschechon'je vor, während sie 
im Gouv. Kostroma ganz zu fehlen scheint. Nach Iwanizkij, 
ist die Rauschbeere sehr hflufig in den östlichen, an's Ural- 
gebirge grenzenden Kreisen des Gouv. Wologda; sie findet 
sich auch im Kreise Wologda, fehlt aber im südlichsten 
Kreise Grjasowez. Weiter entfernt vom üralgebirge findet 
sie sich im Gouv. Perm nur sehr selten, z. B. zwischen den 
Dörfern Oralowa und Bachari, am Poljudow- Kamen' und bei 
Issady. Im Gouv. Wjatka scheint sie nur wenig verbreitet zu 
sein, daC.A. Meyer und Krylow nur Jelabuga als Fundort 
nennen. Aus dem Gouv. Kasan liegen keine Nachrichten über 
ihr Vorkommen vor^); Claus nennt sie überhaupt nicht von 
den Ufern der mittleren Wolga; sie fehlt in den Gouvernements 
Moskau, Nishnij -Nowgorod, Ssimbirsk, Ssamara und Ufa. 
Sehr interessant ist ihr insulares Auftreten bei Pensa (nach 
Ledebour), so wie im Kreise Jepifan' des Gouv. Tula (bei 
Bjelo-Osero,nachSsemenow,KoshewnikowundZinger); 
im Gouv. Kaluga findet sich die Rauschbeere auf den Torf- 
sumpfen der Kreise Mossal'sk und Shisdra. Ferner wächst 
sie, nach Eichwald, xm Wilna; desgl. beiKowno undBje- 
lostok (Schmalhausen); für die Gouvernements Mohilew 
und Minsk finde ich sie nicht verzeichnet^); aber inselförmig 
tritt sie, nach Rogowicz, noch im westlichen Wolynien auf: 
an der Knjashaja-Gorä (im Kreise Kowel') und sogar bei 



1) Aach ganz neuerdings wird sie von Eorshinskij für das Gouv. Ka- 
san nicbt verzeichnet 

2) Aach im Gouv. Witebsk hat sie neuerdings Hr. Antono w nicht an- 
getroffen. 



— 12 — 

Eremenez (anter 50° 10' n. Br.). Die Aügabe Eichwald^s 
vom Yorkommen der Raaschbeere in Podolien wird von Ro- 
gowicz, gewiss mit Recht, bestritten; Schmal bansen fDhrt 
Podolien nicht als Fandort an. Ob sie sich im eigentlichen 
Polen findet, scheint nicht sicher festgestellt za sein; im 
nördlichsten Theile könnte man ihr Vorkommen erwarten; 
jedoch gibt Rostafinski gar keine Fandorte an^; &och in 
den neueren Localfloren habe ich sie nicht verzeichnet ge- 
funden. 

Nach dem Gresagten erscheint es ausserordentlich schwer 
eine genaue südliche Verbreitungsgrenze der Rauschbeere 
zu ziehen. Nehmen wir nur ihr zusammenhängendes 
Vorkommen in Betracht, so mfissen wir dieselbe sehr weit 
nach Norden verlegen. Sie hätte etwa folgenden Ver- 
lauf: von Kurland, Aber die südlichen Theile Livlands, so 
wie der Gouvernements Pskow und Nowgorod, und den nörd- 
lichsten Theil des Gouv. Jarosslaw, aufWologdazu; von hier 
auf Tscherdyn und das Uralgebirge, längs welchem jene 
Grenze sich weit nach Süden (bis zu den bezeichneten 
Punkten) zieht. Unter diesem Gesichtspunkte kann das Vor- 
kommen der Rauschbeere an allen übrigen Orten (in Lit- 
tauen, Wolynien, in den Gouvernements Twer, Ealuga,Tula, 
Pensa und Wjatka) nur als insular angesehen werden. Und 
zwar dürften sich diese isolirten Fundorte wohl am Einfach- 
sten als Relicten aus der Eiszeit erklären lassen, die sich, 
unter günstigen Umständen, auf Torfmooren erhalten haben. 

Im Kaukasus ist E. nigrum längs der ganzen Hauptkette, 
in der Zone von 7000 — 9000' üb. d. M., verbreitet; es 
wächst auch in den Gebirgen des westlichen Transkankasiens, 



1) Er nennt nur Bjelostok, welches im Gour. Grodno, also aosserhalb 
des Zarthnms Polen, liegt. 



— 13 — 

so wie des Lazischea Poutus ^). Für das übrige Kleinasien 
wird es von Boissier nicht angegeben; auch fehlt es in Per- 
sien, in Afghanistan und im Himalaya. Daher erscheint sein 
isolirtes Vorkommen im Kaukasus als sehr auffallend und 
schwer erklärbar, — ähnlich, wie auch das Vorkommen da- 
selbst der Lonicera caerulea und der Linnaeaborealis. — Die 
ausserordentlich weite Verbreitung der Rauschbeere — von 
den Pyrenaeen und Apenninen, über das nördliche Europa 
und ganz Sibirien, bis nach Japan und Nordamerika — weist 
darauf hin, dass sie eine sehr alte Form repräsentirt. 

Die Beeren des E. nigrum werden vielfach von der länd- 
lichen Bevölkerung, zum Zwecke des Genusses, eingesam- 
melt, wozu die Lappländer sich eines besonderen Instru- 
mentes (einer mit mehreren Zinken versehenen Schaufel) *) 
bedienen, Uebereinstimmend sagen alle Forscher (Wahlen- 
berg, die beiden Fellman's und Kihlman), dass die Bee- 
ren in Lappland viel saftiger und wohlschmeckender sind, 
als im südlichen Finland. Auch im Samoj edenlande werden 
sie, nachA.G. Schrenck, sowohl von Bären als vom Men- 
schen gern verzehrt. Im Gouv. Tula dienen sie gleichfalls 
zur Nahrung, und zwar unter dem Namen Tschernika^). 

Namen. — Russisch: Wodjänka% Wodjanika, Wodja- 
niza; Woronika^ Woroniza (von Woröna = Krähe); Jornik^ 
Jernik'j Ssicha, Sszicha^ Ssikscha^ Schikscha; Weress, Weriss 
(im Gouv. Wjatka, nach C. A. Meyer); Tscheka, Sstvinki 
(i. e. Schweinchen) und Ssmnyja-jagedy (i. e. Schweinsbee- 



1) In den Gebieten von Batum und Kars hat Fürst MassaUki die 
RauBchbeere indessen nicht beobachtet. 

2) Eine Abbildung derselben gibt Seh übel er (Die Pflanzenwelt Nor- 
wegens, p. 325). 

8) D. h. Schwarzbeere, welche Benennung eigentlich der Heidelbeere 
[Vaecinium Myrtiäus) zukommt. 

4) Von woda = Wasser, nach dem wässerigen Geschmacke der Beeren. 



— 14 — 

ren; im Gouv, Olonez, nach Günther). — Polnisch: Bag- 
nötoka^ Maipia jügoda^ Bazyna (nach Annenkow). — Let- 
tisch: Lahzenes (Wiedemann); Nisen tmstenes (Klinge). — 
Samogitisch: Warnutogie^ Warnuge {you Warna = KTShe). 
— Norwegisch: Krailding^ Krcekjehcer^Kraakehcer^). — Schwe- 
disch: KrdkriSy Kräkling. — Armenisch: JÄnflrfieranV. — Nor- 
weg.-lappländ.: Tschappis muorjek (d. i. schwarze Beeren); 
schwed.-lappl.: Tiouma (nach Schfibeler); finn.-lappländ.: 
T^oma^ Tangas (nach J. Fellman). — Finnisch: Warehsen 
marjan (d. h. Krähenbeeren, nach J. Fellman); Hardkan- 
haasikka (Annenkow). — Estnisch: Kufce silmad (d.h. 
Hahnenauge), Warekse marjad. — Karelisch (bei Olonez): 
Tsckek-kaine (Annenkow). — Wotjakisch: Jeosis (Pallas). 
— Syrjanisch: Ponbas (A. 6. Schrenck). — Ssamojedisch: 
Tösale (A. G. Schrenck). 

Fam. L. Noreae. 

Gattung 1. Morus. 
329. (1.) Mortis nigra L. 

Der schwarze Maulbeerbaum kommt, nach Medwedew, 
in den sQdlichen Theilen Transkaukasiens, z. B.inKarabagh 
und Talysch, unzweifelhaft spontan vor, während er in den 
übrigen Gegenden des Kaukasus wahrscheinlich nur verwil- 
dert auftritt. Nach C. Koch, wächst er in Grusien und in 
Schirwan auf Kalk und Mergel bis zur Höhe von 2500' üb. 
d. M. Fürst Massalski theilt mir mit, dass er ihn in den 
Gebieten von Batum und Kars wildwachsend nirgends ange- 
troffen habe. M. nigra erreicht die bedeutende Höhe von 60 



1) S c hüb eler bemerkt dazu: «Der Name scheint mit dem norwegischen 
"Worte Kraäke = Krähe verwandt zu sein». 



— 15 — 

Fuss, bei einem Durchmesser von 2 — 3 Fuss. In den per- 
sischen Provinzen 6hilan und Masenderan findet er sich, 
nach Buhse, öfters verwildert, jedoch, nach Boissier, wahr- 
scheinlich auch wildwachsend. In der Krim kommt er, nach 
Steven, nur kultivirt vor; diesseits des Gebirges soll er nur 
an geschützten Stellen den Winter aushalten. Angepflanzt 
findet er sich in Sfidrussland, z. B. am unteren Don und in 
Bessarabien, so wie in Polen. Bei der Varietät Constanti- 
nopolüana Desf. leiden, nach Döngingk's Beobachtungen 
in Bessarabien, bei — 18°R. die jungen Triebe; bei — 22° 
R. erfriert auch das ältere Holz. 

Namen. — Russisch: Schelkömza (von Schelk oder Scholk 
= Seide), Zaregradskaja Schelkomza (i. e. Konstantinopoli- 
tanischer Maulbeerbaum); IW, Tutowoje derewo] kleinrus- 
sisch : Schowkomza. — Armenisch : Tteni-sseaw. — Osse- 
tisch: Tutabaldss. — Tatarisch (in der 'Krim): Schahtid] (im 
Kaukasus): Tut, — Kalraükisch: Schara-modun^ 2W^) (nach 
Annenkow). — Bucharisch: Nusspal^ (desgl.). — Grusi- 
nisch: Gharthutkay Schamthutha, — Imeretinisch : Ziteli 
hshola. — Mingrelisch: Dshapi. — Abchasisch: Aikwazba. 
— Ingusch., tschetschen. : Dyt. — Kabardin.: Tvtei. — 
Kumyk., lesgisch: Tut, — Awarisch: Kari. — Ober-ssa- 
murs.: Gar. 

330. (2.) Morus alba L. 

Obgleich diese Art kein ursprünglicher Bürger Russ- 
lands ist, sondern von China und (in der var. indica Bureau 
= Morus indica L.) aus dem nördlichen Theile Ostindiens 
stammt, so mag sie hier einen Platz finden, da sie in ein- 



1) Alph DeCandolIe (Origine des plantes caltivees; p. 120) führt für 
Morus (üba einen Sanskrit-Namen TvJla an. 



— 16 — 

zelnen Theilen Südrusslands und im Kaukasus in verwilder- 
tem Zustande vorkommt. Dies wird ganz besonders in Trans- 
kaukasien beobchtet, und zwar hauptsächlich im östlichen 
Tbeile, wo die Seidenzucht seit Jahrhunderten geblüht und 
wo die Maulbeerbäume in ganzen Hainen angepflanzt wurden. 
Hier findet sich diese Holzart, meist in Strauchform, etwa 
bis zur Höhe von 3000' üb. d. M.; C. Koch hat die Form 
integrifolia im Hochthale des Rion bis 4000' hoch angetrofien. 
Im nördlichen Kaukasus kommt dieser Maulbeerbaum ver- 
wildert an den Flüssen Kuban', Terek und Kuraä vor. In 
der var. tatarica M, B. soll er sich auch an der Wolga- 
Mündung finden; nach Borszczow, bildet diese letztere 
Gegend (unter 4:6^^° n. Br.) die nördliche Grenze des ver- 
wilderten Maulbeerbaumes ^). 

Zum Zwecke der Seidenzucht wird M. alba vielfach im 
südlichen und mittleren Russland kultivirt; es sind sogar 
in einigen nördlicheren Gebieten mehr oder minder gelun- 
gene Versuche mit seiner Kultur gemacht worden. In der 
Krim ist die Kultur desselben sehr alt, so dass Marschall 
V. Bieberstein ihn als wildwachsend bezeichnete; beiSym- 
pheropol stehen (im Garten des Fürsten Woronzow) sehr 
grosse Bäume dieser Art, — nach Steven, vielleicht die 
grössten auf der ganzen Erde. In den Gouvernements Jeka- 
terinosslaw^ und Chersson findet man den Maulbeerbaum 
vielfach kultivirt; ebenso in Bessarabien, Podolien, in den 
Gouvernements Kijew, Poltawa, Charkow; desgl. hie und da 
in den Gouvernements Kursk (z. B. im Kreise Putiwl', nach 
Misger), Tschernigow*), Woronesh^) etc. Ferner wird (oder 



1) Karelin spricht indessen nur von angepflanzten Maulbeerbänmen. 
die er bei Gui-'jew gesehen. 

2) Vgl. z. B. HepHHroBCKiH ry6. b-]&aomocth, 1849, JV« 12; 1851, JVs 2. 
8) 3eMjieA. TaaeTa, 1858 r., cxp. 663. 



— 17 — 

wurde) der Maulbeerbaum, z. Th. nur versuchsweise, in 
einigen nördlicheren Gegenden kultivirt; so z. B. in den 
Gouvernements Pensa*), Ssirabirsk^), Kasan^), Nishnij-Now- 
gorod*), Moskau (vgl. unten), Ssmolensk '^), Kaluga®) und 
Twer (im Kreise Kaschin)'); desgl. in Polen, in Kurland®) 
und sogar in Finland ®). — Besonders interessant sind die 
langjährigen Kulturen des Maulbeerbaumes, welche von Ju- 
dizkij, Masslow und Fahrenkohl in der Umgegend von 
Moskau durchgeführt wurden : Der Letztere ^^) hat einige 
interessante Data Ober die klimatischen Bedingungen gege- 
ben, unter denen der Maulbeerbaum in so nördlichen Breiten 
(55^ 45') noch ganz gut gedeihen soll. Er hält hier, als 
kleiner Strauch, recht gut den Winter, ohne anderen Schutz 
als die Schneedecke, aus und verträgt sogar Fröste bis — 28° 
B. (35° C); nur erfrieren fast stets die Spitzen der Stämme 
und Zweige. Die im Jahre 1842 gesetzten Sträucher blühten, 
vom Jahre 1848 ab, jährlich und trugen Früchte, von deren 
Reife man sich dadurch überzeugen konnte, dass die Samen 
derselben stets keimten. Auf seinen Erfahrungen fussend, 
spricht Hr. Fahrenkobl die Ueberzeugung aus, dass eine 



1) SeMxex. Taaera, 1848 r., cxp. 277—278. 

2) 3eKJiOA. Fasera, 1844 r., crp. 151—162. 

3) Tpy^u BojibH. dKOHOM. 06ii](., 1868 r., n: II, crp. 876—879. 

4) HHHceropoACKifl ry6. b-I^aomoctm, 1852 r., h eeo«., CTp. 166 — 167. 

5) 3eMjeA. rasexa, 1866 r., crp. 555. 

6) KaiyaccRi« ry6. Bt^oiiocTH, 1860 r., ^ 12; und daraus in: JKypH. 
Mhh. roc^A- Hiim.) 1860 r., h. 78, CMtcb, crp. 62—64. 

7) SeMae^. FaseTa, 1845 r., crp. 869—870; 1850 r., crp. 72. 

8) 3eiueA. Paaera, 1843 r., CTp. 557; 1845 r., crp. 787—741. 

9) Vgl. P. A. Gadd. Bewis til mOijeligheten af Silkes-afwelens inf&- 
rande i Finland. Äbo, 1760. 4°. 

10) A. ^apeBROJb. H-i^cROXMCo cjiobi> o pacopocrpaHeBiB meiKonox- 
cTsa vh eaponeftcKofl Pocciu h o reorpa«»H^ecKHX'fc opeA'^ftXT» paaBeAOHlfl 
($%jofi meiROBBi^u {MariM alba)» ; bt» B'^ctebr']^ Hmo. Pjccr. Feorp. 06q;., 
1857 r., H. 19, CMtcL, cxp. 25—29. 

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18 



mittlere Jahrestemperatur von 3^4 R. (4^26 0.) für die Kul- 
tur des M. alba genüge. Nach neueren Beobachtungen be- 
trägt die mittlere Jahrestemperatur von Moskau nur 3^90 C, 
während diejenige von St» Petersburg, wo der Maulbeerbaum, 
nach RegePs Beobachtungen, stets nach 3 — 4 Jahren er- 
friert, = 3°64C. ist^). Es ist jedoch nicht die mittlere Tem- 
peratur des Jahres, sondern diejenige der Sommermo- 
nate (incl. des Mai), welche diesen Unterschied bedingt; 
während die Wintermonate in Moskau durchweg um etwa 
lYg^O. kälter sind, als in St. Petersburg, betragen die mitt- 
leren Temperaturen : 

in Moskau, in St. Petersburg. 

11?60C. 8?69C. 

16,49 » 14,83 » 

18,89 » 17,71 » 



des Mai . 
» Juni . 
» Juli . 



... 



» August . . 17,28 » 16,09 » 

Namen. — Russisch: Schelkomza^ Bjdaja (i. e. weisse) 
Schelkömza] Tut, Tutowoje derewo, Tutomna^ Tjutina; 
Merwa (im Gouv. Kijew, nach Annenkow); kleinrussisch:. 
Schowhounza (der weibliche), SchowJctm, Schelkun (der männ- 
liche Baum). — Polnisch: Morwa (aus ilforw^) ; Jedwahnica, 

— Littauisch: Möras. — Griechisch (in Transkaukasien) : 
Sikamindia (aus dem altgriech. o-uxafxtvo^;). — Moldauisch: 
Agut (Annenkow). — Ossetisch: Tutäbalass. — Armenisch: 
Tteni'Spitak (Medwedew); 2Wa(Pallas); 6oüd, auch Mor% 

— Tatarisch (in der Krim): Tut; Biass (i. e. weiss) -rftrf, 



1) Ueber Versuche der Kultur des Maulbeerbaumes und des Seiden- 
Spinners in Petersburg, vgl. z. B. Iversen, in: 3eMjieA. Fas., 1878 r., crp. 
398- 399; 1874 r., cxp. 503-504. 

2) Vgl. 0. Schrader. Linguistisch-historische Forschungen zur Han- 
delsgeschichte und Waarenkunde. (1886); p. 222 (im Kapitel: «Die Seide in 
ihrem üebergang von Asien nach Europa»). 



— 19 — 

Dut^ Dut-agatsch ; (im Kaukasus) : Tut. — Nogajisch : Ahadza. 
— Kirgisisch: Kassak; Kunak (mit weissen Beeren) ; Karo- 
tut (mit rothen Beeren); Irkdk (der männliche Baum; nach 
Annenkow). — Grusinisch: Hiutha, Tetri-tkutha. — Ime- 
ret., gurisch : Tetri-bshda. — Abchasisch : Amshwasch-kwaka, 
Ämskwa. — Ingusch., tschetschen.: Dyt. — Kabardin.: 
IkOei. — Kumyk., lesgisch: Tut. — Awarisch: Kairi. — 
Ober-ssamurs. : Oar. 

Oattung 2. Floius. 
331. (1.) Ficus Carica L. 

Der Feigenbaum kommt bei uns sowohl spontan, als 
(ohne Bedeckung) kultiyirt, nur in der Krim und im Kauka- 
sus vor. In der Krim findet er sich, nach Steven, wild- 
wachsend, aber ohne Früchte zu tragen, an der Südküste 
hie und da, bis Ssudak hinauf, in Felsritzen, desgl. auch an 
der Katscha, als ganz kleiner Strauch. «In Orjanda ist ein 
merkwürdig grosser Baum ; in Inkerman ein ähnlicher an 
steilen Felsen angelehnt, aber beide angepflanzt und mit 
essbaren Früchten». Er wird in Gärten kultivirt, wird aber 
diesseits der Berge \ wenn nicht gut bedeckt, vom Froste 
getödtet. Im Kaukasus ist der Feigenbaum von Eichwald 
im nördlichen Theile, namentlich bei Kislar, angetroffen 
worden, — doch offenbar nur in kultivirtem Zustande und 
mit Bedeckung im Winter. Auch in Transkaukasien, wo er 
fest überall, bis zur Höhe von 2500— 3000' üb. d. M., 
wächst, findet er sich, nach Medwedew, grossentheils in 
verwildertem Zustande. Er wird daselbst 25 — 30 Fuss hoch 



1) Indessen fliesBt die Katscha, an welcher der Feigenbanm wild wftchst, 

diesseits der Berge. 

2* 



20 — 



und siedelt sich vorzugsweise an felsigen und steinigen Ab- 
hängen, mit feuchtem Boden, an. Er findet sich z. B. in 
Abchasien, Iberien, Mingrelien, Kachetien, im Gouv. Elisa- 
bethpol, in Earabagh, in der Easpischen Uferzone, z. B. bei 
Derbent, Baku, am Berge Beschbarmak und in Talysch« Fürst 
Massalski fand ihn wildwachsend im ganzen Gebiete von 
Batum, bis zur Höhe von 3500' üb. d. M.; im Gebiete von 
Kars traf er ihn kultivirt und verwildert an, namentlich am 
unteren Laufe des Olty-tschai. C. Koch (Linnaea, 1849, 
p. 602) bemerkt Folgendes: «Was das Vorkommen des Fei- 
genstrauches anbelangt, so mag er erst aus den südlichen 
und südwestlichen Ländern Eleinasiens im Westen des Eau- 
kasischen Isthmus eingeführt worden sein. Oestlich von dem 
Meschischen Gebirge, der Wasserscheide zwischen Bion und 
Kur, wächst er, so wie im tatarischen Grusien, nur in Gär- 
ten». Bei einer so vielfach angebauten Holzart, die auch 
leicht verwildert, ist es gewiss sehr schwer mit Genauigkeit 
anzugeben, ob sie, in gegebenen Fällen, wirklich spontan 
vorkommt; indessen findet sich der Feigenbaum in Transr 
kaukasien zweifellos wildwachsend*), und es wäre wfinschens- 
werth, dass sein spontanes Auftreten daselbst genauer prä- 
cisirt würde. — In Bessarabien hält der Feigenbaum, wenn 
er bedeckt wird, die Winter aus und wächst sehr gut; unbe- 
deckt erfriert er daselbst, nach den Beobachtungen Dön- 
gingk's, bei — 8° R. (10° C). In Turkestan soll seine Eultur 
nordwärts bis Taschkent reichen. 

lieber die sonstige Verbreitung des Feigenbaumes vgL 
die Mittheilungen vonC. Bitter^), H.Graf zu Solms-Lau» 



1) Dafür spricht auch das Vorhandensein mehrerer genuiner kaukasi- 
scher Namen. 

2) Die Erdkunde; Th. XI (1844), p. 687—549: «Asiatische Verbreitung 
des Feigenbaumes». 



— 21 — 

bach^) und Alph. De Candolle^). Letzterer sagt, dassder 
Feigenbaum in prähistorischer Zeit durch die mittlere und 
sfldliche Mittelmeerregion verbreitet war, — von Syrien bis 
zu den Ganarischen Inseln. Sehr interessant sind die Funde 
desselben in quaternären Tuffen von Toscana, so wie des 
südlichen und mittleren Frankreichs. Während er aus dem 
letzteren Gebiete, unter dem Einflüsse der Eiszeit, verdrängt 
wurde, scheint er sich seit jenen alten Zeiten in Italien un- 
unterbrochen erhalten zu haben. Solms-Laubach geht 
auf die Frage der Abstammung des Feigenbaumes ein und 
kommt zum Resultate, dass alle verwandten Arten, z. B. 
Ficus PseudxhCarica Höchst., F. geraniifoUa Miq. (F. per- 
sica Boiss.), F. serrata Forsk. und F. virgata Roxb., offen- 
bar von einer Stammart abstammen, welche wahrscheinlich 
in Belutschistan und Sfldpersien, oder in Arabien und 
Abyssinien ihre Heimat hatte. «Die kleinasiatisch-mediter- 
rane l%ttöGmca steht diesem Entwicklungscentrum gegen- 
über offenbar als vorgeschobener Posten da, sie hat vermuth- 
lich durch grössere Anpassungsbeföhigung sich ihr grosses 
Gebiet zu eigen gemacht, indess die Blutsverwandten ent- 
weder in anderer Richtung vordrangen oder ganz auf ihr 
Entstehungscentrum beschränkt blieben ')». 

Namen. — Russisch : Ssmokwa (Smokva)^)^ Ssmokowniza; 
Figoucjederewo; Inshir (aus dem Tatarischen). Die Frucht: 



1) aDie Herkunft, Domestication und Verbreitung des gewöhnlichen 
Feigenbaumes (Ficus Cariea L> ; in d. Abhandl. d. Königlichen Gesellschaft 
der Wissenschaften zu Göttingen; Bd. 28, vom J. 1881 (1882). 

2) Origine des plantes cultiv^es (1883); p. 285—238. 

3) Graf zu Solms-Lanbach; ). c, p. 71. 

4) Der slavische Name smokva ist, nach Hehn (Kulturpflanzen und 
Haosthiere; ed. 4, p. 473—474), dem gothischen amakka (= Feige) entlehnt, 
und dieses letztere Wort hält Hehn für eine Umbildung aus dem griech. 
ffux^ (ffuxua?, wie sfkva ausgesprochen, aus dFuxua?), mit üm&nderung von 



— 22 — 

Figa; Winnyja jägody (i. e. Weinbeeren). — Moldauisch: 
SmoUnyy Inshir. — Armenisch : Tseni^ Tu$. — Tatarisch 
(in der Krim und im Kaukasus): Indshiry Inshir. — Per- 
sisch: Äendschir (Buhse), Äntschir (Kuschakewitsch), 
Edschir (E versmann). — Bucharisch: AndschW. — Us- 
bekisch (in Chiwa): Anshir. — Sartisch: Indshir. — Gru- 
sin., imeret., gurisch: Legm. — Mingrelisch: Lugi. — Ab- 
chasisch : AUachä. — Lesgisch : Inshir j Inshü\ Legi. 

Farn. LI. Gellideae. 

Gattung Celtis. 

Drei Arten dieser Gattung kommen im Kaukasus, haupt- 
sächlich in Transkaukasien vor, und eine davon auch in der 
Krim. Sie finden sich gewöhnlich in trockenen Gegenden, 
auf sonnigen Abhängen, bis zur Höhe von 4000' üb. d. M. 
In Bezug auf den Boden sind sie durchaus nicht wählerisch, 
indem sie nicht selten auf Felsen und Schutthalden wachsen. 
Ihr ausserordentlich dauerhaftes und elastisches Holz wird 
im Kaukasus sehr geschätzt und u. A. in der Stellmacherei 
vielfach verwendet. 

332. (1.) Celtis australis L. 

Der Zürgelbaum findet sich in Transkaukasien, z. B. in 
Imeretien, Grusien, Ssomchetien, Kachetien, Karabagh, Ta- 
lysch ^). Von hier geht seine Verbreitung, Ober Nordpersien 



V (resp. ß) zu m. Von der anderen Form Tuxa leitet Hehn das slavische 
tykva (= KQrbiss) her. — Unter den slavischen Benennungen, die Annen- 
kow anfahrt, ist eine sehr merkwürdig, nämlich Hrmueea (I)?Mytua)f da 
sie auffallend an die berberische Benennung (Karmüa, Kermez, Kermouae) 
anklingt. 

1) Von Bad de, wohl nur durch ein Versehen, nicht angefahrt. 



— 23 — 

(z. B. in Masenderan und bei Asterabad, nach Buhse) und 
Afghanistan, zum Himalaya (Brandis) und nach dem süd- 
lichen Turkestan (z. B. auf dem Karatau, nach Lehmann, 
und im oberen Zarafschanthale, nach Franchet). West- 
wärts vom Kaukasus ist er, Aber Eleinasien, durch das 
ganze Mediterrangebiet (incl. das nordwestliche Afrika) ver- 
breitet. 

Der Zürgelbaum wird vielfach in Südrussland kultivirt. 
Nach dem Zeugnisse Akinfijew's, findet er sich bei Jeka- 
terinosslaw an mehreren Stellen verwildert. In Tastschanak 
(unweit der Molotschnaj^r) habe ich ein schönes Exemplar 
gesehen, dessen Stamm, nahe von der Erde, einen Umfang 
von 17 Werschok (= 75Vg Cm.) hatte. Nach den Beobach- 
tungen Döngingk's in Bessarabien, leiden die Spitzen der 
jungen Triebe bei — 15° R., bei — 20° R. erfriert der 
Baum bis zur Wurzel. 

Namen. — Russisch; Karkäss^); Kdmennoje direwo (i. e. 
Steinbaum), SheljSsnoje derewo (i. e. Eisenbaum). — Pol- 
nisch: Obrostnica (Annenkow). — Armenisch: Ltteniy 
Frschni. — Persisch: Toghy Dagh-daghan (Buhse). — Ta- 
tarisch: Dagdagan (nach Medwedew; aus d. Persischen?); 
Temür-agdtsch (i. e. Eisenbaum, nach Annenkow). — Kir- 
gisisch: Ärgai (Annenkow). — Grusinisch: AkakL 



1) Dies ist jedenfalls eine entlehnte Benennung, und zwar wahrschein- 
lich aas dem Tatarischen; indessen gibt Steyen für die Krim'sche CdtiS' 
Art, desgl. Medwedew für die kaukasischen Arten andere tatarische Na- 
men an. Rudzki bemerkt, dass C, Tournefortii in der Krim yon den Ta- 
taren auch Karkäss genannt wird. Brandis (Forest-FIora of India, p. 428) 
fahrt einige ähnlichklingende Namen an, die in Pendshab und im nordwest^ 
liehen Indien fflr C. austrälis gebraucht werden: Khark, KhdJk, Khirk, 
Khi/rg; Kharak, Khanka. 



24 



333. (2.) Celtis caucasica Willd. 

Diese Art bildet eine Mittelform zwischen den beiden 
anderen Arten und könnte, nach Boissier, nur eine orien- 
talische Varietät der G. australis sein. Sie wächst in Trans- 
kaukasien, in denselben Gegenden, wie diese letztere; z. B. 
in Iberien, Russisch- Armenien, im Gouv. Elisabethpol und 
in Karabagh; zweifellos fehlt sie auch in Talysch nicht, wenn 
auch Radde sie nicht anführt. Ostwärts ist sie, über Per- 
sien und Cborassan, bis Kabul (Ai tchison) und Belutschistan 
(Boissier) verbreitet. 

834. (3.) Celtis Tournefortü Lam. 

Kommt in der Krim und im Kaukasus in zwei Varietäten 
vor, die Steven für zwei besondere Arten ansieht: 1) gla- 
6rato Stev. (iae^;ts*) Ed. Spach, bei Ledebour, Fl. ross., 
III, p. 633; Orientalis Fall., Kotschyana Stev.); 2) aspera 
Audib., Stev. (Tournefortia Willd.). — Die Form gldbrata 
wächst in der Krim, hauptsächlich im westlichen Theile der 
Südküste, meist in alten Gartenhecken; sie wird 20 — 25 
Fuss hoch, mit dickem Stamme, findet sich aber oft strauch- 
artig. Schöne Exemplare dieses Baumes stehen, nach R udzki, 
bei A-utka (unweit Jalta). Die Beeren werden von Kindern 
gegessen. Die Krim'schen Tataren nennen ihn Kuhdscki^ 
Kukutschh-agätsch (Steven), auch Karkdss (Rudzki). Im 
Kaukasus findet sie sich z.B. inGrusien. — Die fast immer 
strauchartige Form aspera wächst in der Krim hie und da an 
der Südküste und ist um Ssudak nicht selten. Im nördlichen 
Kaukasus kommt sie z. B. am Beschtau, bei Konstantinogorsk 



1) Glatt, sollte sein: levis^ aber levis in der Botanik nur im Sinne von 
leicht. 



— 25 — 

vor (Steven); desgl. in Transkaukasien, besonders im öst- 
lichen Theile, z. B. in Grusien, Karabagh und im Gouv. 
Elisabethpol. — (7. Tournefortii findet sich auch im nörd- 
lichen Persien (Buhse) und ist westwärts, über Kleinasien 
und Griechenland, bis Sicilien verbreitet. 

Farn. LIL Vlmaceae. 

Eine interessante Uebersicht der geographischen Ver- 
breitung der Ulmacecn verdanken wir Planchon^), der diese 
Familie auch in De Candolle's Prodromns bearbeitet hat. 

Gattung 1. Ulmus. 

Bekanntlich sind die Ansichten über die Anzahl der in 
Europa wachsenden Arten der Gattung Ulmm getheilt; na- 
mentlich betrifft diese Bemerkung die sehr variable Ulmus 
campestris und ihre nächsten Verwandten. Während die früher 
von ihr abgetrennte Korkrüster (U, suberosa) gegenwärtig 
wohl von allen Botanikern als Varietät derselben angesehen 
wird, werden in Betreff der Selbstständigkeit der U. mon- 
tana oder ihrer Zugehörigkeit zu U. campestris immer noch 
Zweifel geäussert. Da diese beiden Formen, die jetzt von 
den meisten Botanikern als besondere Arten betrachtet wer- 
den, früher nicht unterschieden wurden, — die U. montana 
in Ledebour's Flora rossica und sogar in der neuen Flora 
des mittleren Russlands von Zinger ganz fehlt, — so fällt 
es schwer diese beiden Arten in ihrer Verbreitung von ein- 
ander abzugrenzen. Nur so viel kann man als sicher anneh- 
men, dass U. montana weiter nach Norden geht, während 
ü. campestris hauptsächlich in der südlichen Hälfte des eu- 



1) J. E. Planchoa. aSar la diBtribution g^ographique des Ulmidees on 
ülmoicees proprement dites». (Comptes rendus, 1872, T. 74, p. 1495—1499). 



— 26 — 

ropäischen Russlands verbreitet ist. Hr. v. Trautvetter war 
bei uns der Erste, der auf diesen Umstand aufmerksam 
machte ^) ; obschon er speciell das Gouvernement Eijew und 
die benachbarten Gegenden im Auge hatte, so hat seine An- 
sicht doch fflr die Ulmen des europäischen Russlands über- 
haupt Gültigkeit. In neuester Zeit haben Tyniecki*) in 
Betreff der Ulmen Galiziens, so wie Korbusz^) in Bezug 
auf diejenigen des Gt)uv. Kijew (und speciell der Umgegend 
von Tschigirin), diese Frage wieder in Anregung gebracht. 
Beiden ist offenbar die angeführte Notiz Trautvetter's un- 
bekannt geblieben. Tyniecki kommt zu demselben Resul- 
tate, wie Trautvetter, indem er die folgenden drei Arten 
unterscheidet: 1) U. campestris L.; 2) U. nwntana !With. 
und 3) U. pedunculata Foug. {effusa Willd.). 

Gruppe a) Oreoptelea. 

Planchen hebt die Eigenthümlichkeit hervor, dass 
diese Gruppe, die in Europa durch eine, in Nordamerika 
durch drei Arten vertreten ist, in Asien vollständig fehle. 
Indessen erwähnt Brandis (Forest-Flora of India, p. 433), 
dass eine der U. pedunculata nahe Form in Kashmir, in der 
Höhe von 5000' üb. d. M., vorkomme. 

335. (1.) Ulmm pedunculata Foug. {U. effusa Willd.; U. 
laevis Fall.; U. albaKit^ Besser, bei Ledebour, Fl. ross., 

ni, p. 648, als besondere Art). 
Die Flatterrüster ist im ganzen mittleren und (mit Aus- 
nahme der Steppen) im südlichen europäischen Russland 



1) Vgl. E. R. V. Trautvetter, «üeberdie Ulmen des Kiew'schen Gou- 
vernements und der an dasselbe grenzenden Gegenden» ; im Bull, de la Gl. 
phys.-math. de T Acad. Imp. d. sc. de St.-P^tersb., t. XV, 1867, Sp. 349—352. 

2) Wladysl. Tyniecki. «0 wi%zach galicyjskich». (Kosmos; rokX, 1885, 
p. 229—239). 

3) E. Kopöynn,. «Hjihm-b». (JltcH. HtypH., 1886 r., cxp. 529—533). 



— 27 — 

verbreitet, soll auch in der Krim und im Kaukasus wachsen. 
Den Verlauf ihrer Nordgrenze vermag ich leider nicht ganz 
genau anzugeben; sie geht aus dem südlichen Finland (Sa- 
takunta) zum mittleren Theile des Onega-Sees; im Thale 
der Dwina erreicht sie, nach den neuesten Angaben Kusne- 
zow's, den 63° n. Br. und scheint von hier, die Dwina hin- 
auf, sich Südost wärts zu senken ; wie die Nordgrenze weiter 
nach Osten verläuft, darüber haben wir gar keine sicheren 
Nachrichten; sie geht schliesslich über Perm zum Uralge- 
birge, welches die Rüster nicht überschreitet. Die (von ihm 
selbst bezweifelte) Angabe Bode's, dass U. pedimculata jeU" 
seits des üralgebirges bei Werchotur'je vorkomme, wird 
von Krylow nicht bestätigt; Dieser bemerkt ausdrücklich, 
dass die Flatterrüster jenseits des Ural's nicht beobachtet 
sei. 

Zur Begründung der von mir gezogenen Grenze dienen 
folgende Angaben. Nach Ledebour (Fl. ross., III, p. 648), 
soll die Flatterrüster in Tavastland häufig sein; er beruft 
sich dabei auf eine briefliche Mittheilung Nylander's; auch 
Alcenius führt das genannte Gebiet als Fundort dieser Art 
an; nach neueren Nachrichten scheint sie indessen daselbst 
als wildwachsender Baum zu fehlen; Aspelin und Thuren 
bemerken, dass sie bei Tavastehus «hauptsächlich angepflanzt» 
vorkomme, während Leopold und Norrlin sie sogar für 
das südliche und südöstliche Tavastland gar nicht erwähnen. 
Als nördlichste spontane Fundorte finde ichBirkkala und Mou- 
hijärvi (in Satakunta) angegeben. Für mehrere südlicher ge- 
legene Gegenden wird U. pedunctdata nicht angeführt: sie 
fehlt beispielsweise in Nylander's Flora von Helsingfors, 
in Hi singe r's Flora von Fagervik, so wie in Selin's Flora 
des nordwestlichen Nyland. Zettermann und Brander 
nennen für das südwestliche Finland überhaupt nur die Insel 



— 28 — 

Runsala (bei Abo) als Fundort derselben. Nach Brenner, 
fehlt sie auf den Inseln des Finnischen Meerbusens. Malm- 
berg führt sie von verschiedenen Stellen der Karelischen Land- 
zunge an, z. B. von der Insel Björkö^). — Bode (1. c, p. 
31 — 32) zog die Nordgrenze der Flatterrüster vom Ladoga- 
See, über den Kreis Kargopol (Gouv. Olonez), nach dem 
Kreise Tot'raa (des Gouv. Wologda). Nach neueren Angaben 
verläuft aber die Grenze thätsächlich viel nördlicher; denn, 
nach Günther, wächst U. pedunculata noch bei Kishy (am 
Onega-See, jenseits des 62° n. Br.); Norrlin meint freilich, 
dass sie daselbst vielleicht nur kultivirt vorkomme, indessen 
liegen dafür gar keine Beweise vor; und die neuesten For- 
schungen Kusnezow's im südlichen Theile des Gouv.. Ar- 
changelsk ergaben das überraschende Resultat, dass diese 
Art, längs der Waga bis zu deren Mündung in die Dwina, und 
noch darüber hinaus, längs diesem letzteren Flusse, bis zur 
Poststation Schastoserskaja (etwa unter 63° n. Br.) verbreitet 
sei. Kusnezow hält sie für wildwachsend. Sie findet sich da- 
selbst an Flussufern, auf offenen, trocknen Stellen und bildet 
einen krummgewachsenen Baum, der nicht mehr als 3 Faden 
(6V8 Meter) hoch wird, aber einen festen und starken Stamm 
besitzt; einer der Stämme maass im Umfange 2y^ Arschin 
(1,6 Meter); auch trägt sie zahlreiche Früchte. 

Nach Antonow, findet sich ü. pedunculata als Unter- 
holz in den Kreisen Tichwin und Bjelosersk (des Gouv. Now- 
gorod). Iwanizkij kann das spontane Vorkommen der Flat- 
terrüster im Gouv. Wologda nicht mit Sicherheit bezeugen. 
Sie wächst in den Gouvernements Jarosslaw und Kostroma; 
doch fehlen genauere Angaben über ihr Vorkommen; Bode 
bemerkt, dass sie sich daselbst nur vereinzelt in den Wäl- 



1) Nylander erwähnt sie nicht in seiner Flora Karelica. 



— 29 — 

dem findet. Für das Gouvernement Wjatka nennen CA. 
Meyer und Krylow folgende Fundorte: Wjatka, Iwasch, 
Boshkinskoje, Malmysh, Kitjak, Lubjanskoje, Nishnija- 
Scbuni, P^janyj Bor, Jelabuga undSsarapul; es scheint, dass 
der Lauf der Tscbepza daselbst die nördliche Verbreitungs- 
grenze der FlatterrOster bilde. Im Gouv. Perm findet sie 
sich, nach Krylow, vereinzelt im westlichen Theile, reicht 
aber nicht so weit nördlich, meU.camp€stris(U.fnontana?); 
z. B. bei Tatarskaja, Moschew, Orel, Ferm, Kungur. — 
Bode bemerkt noch, dass die besagte Nordgrenze der U. 
peduncukUa viele Biegungen macht und häufig unterbrochen 
erscheint, weil das Gedeihen derselben in so hoch nördlicher 
Lage nur bei ganz günstigen Bodenverhältnissen einiger- 
maassen gesichert ist. An ihrer Nordgrenze geht die Flat- 
terrOster meistens in die Strauchform über, so dass die Nord- 
grenze derselben als Baum mindestens um 1 V^ Breitengrade 
südlicher gezogen werden müsste, indem sie noch in der Ge- 
gend von Tichwin (namentlich beiGorkaLutschinskaja) sehr 
sparsam und nur als ganz schwacher Baum angetroffen wird. 
In den Ostseeprovinzen wächst die Flatterrüster meist 
vereinzelt in den Wäldern; in Estland: z. B. auf der Insel 
Nuckö, in Wierland; auf der Insel Moon; in Livland: bei 
Dorpat und Riga. Im Gouv. St. Petersburg soll sie sich, 
nach Meinshausen, nur vereinzelt im Südgebiete finden. 
Ebenso, nach Gobi, auch im westlichen Theile des Gouv. 
Nowgorod; für das Gouv. Pskow, und zwar für den Kreis 
Pskow, fübrt sie Batalin an (Acta h. Petrop. VIII, 629.). Im 
Gouv. Twer wächst sie fast überall, in Strauch- oder Baum- 
form; im Kreise Twer, unweit des Dorfes Bjeli, stand in 
den dreissiger Jahren ein ungewöhnlich grosses Exemplar 
dieser Art, dessen Stamm, in der Höhe von 47, Fuss über 
der Erde^ einen Durchmesser von 3 Fuss 4 Zoll hatte, bei 



— 30 — 

einer Höhe von 63 Fuss^). Im Gouv. Moskau wächst sie 
vorzugsweise in hügeligen Gegenden; hier, wie auch im Gouv. 
Tula, findet sie sich häufiger, als TJ. montana. Im Gouv. 
Nishnij-Nowgorod wächst sie vereinzelt; sie kommt, nach 
Claus, flberall an der mittleren und z.Th.auch an der un- 
teren Wolga häufig vor; nach Becker, findet sie sich noch 
bei Sarepta häufig in den Schluchten des hohen rechten 
Wolgaufers, so wie auf den Wolgainseln. 

Die Sfldgrenze der FlatterrOster verläuft annähernd, 
wie folgt: Aus Podolien, namentlich den Kreisen Brazlaw 
(Rogowicz) und Winniza (Trautvetter), geht sie über 
den Kreis Uman' des Gouv. Kijew (Holtz), und senkt sich, 
längs dem Dnjepr, tief nach Süden, denn die FlatterrOster 
findet sich auf der Insel Chortiza, im Dnjepr (Beketow), 
an derMfindung derKonka im Gouv. Jekaterinosslaw (Grü- 
ner) und am Dnjepr, im nördlichen Theile des Taurischen 
Gouvernements (Ssredinskij). Ferner streicht die Grenze 
über die Kreise Perejasslaw, Lubny, Sen'kow (Trautvetter) 
und Poltawa (Rogowicz) des Gouv. Poltawa, senkt sich 
dann im Gouv. Charkow von Neuem nach Süden, längs 
dem Donez, bis unterhalb der Mündung des Oskol (Gfll- 
denstädt, Reisen, II, pp. 280, 286, 290). Inselförmig 
kam sie im vorigen Jahrhundert noch am Miuss (im 
Leont^jew - Bujerak) vor (Güldenstädt, 1. c, p. 262), 
wo sie, nach Bashanow, auch noch gegenwärtig existirt. 
Weiterhin scheint die Südgrenze der Flatterrüster, durch 
die Mitte des Landes der Don'schen Kosaken, auf Sarepta 
zu gehen. Von hier erstreckt sich die Verbreitung derselben 
zungenförmig, die Wolga hinunter, in's Gouv. Astrachan 
hinein; abstrahirt von dieser, an den Lauf der Wolga gebun- 



1) Vgl. <&. BHJtB^^epHeTi»; in: JEicH. HCypHajii>, 1834 r., ^, in, crp. 158. 



— 31 — 

denen Ausbuchtung, scheint die Sfidgrenze, vonSarepta aus, 
nordwärts, längs dem rechten Wolgaufer zu verlaufen, bis 
sie unterhalb Ssaratow den Fluss überschreitet und sich, 
längs dem Nordrande des Obstschij-Ssyrt, auf Orenburg hin 
zieht; U. pedunculata findet sich, nach Borszczow, an der 
Ssakmara, ohne auf das linke Ufer des Uralflusses hinöber- 
zutreten: in der Aralo-Kaspischen Niederung kommt sie, 
wie überhaupt in ganz Asien, nirgends vor. — In Bessara- 
Wen ^) und im Gouv. Ghersson scheint die Flatterrüster zu 
fehlen; Lindemann führt sie für das letztere nicht an; auch 
Gfildenstädt und Iwastschenkow haben sie im Norden 
dieses Gouvernements (im Walde TschutJL und im «Schwarzen 
Walde») nicht gefunden. 

Zwischen den beiden von mir gezogenen Grenzen kommt 
die Flatterrüster ziemlich überall vor und, wie Bode be- 
merkt, fast in allen Laubholzwäldern mit nur einigermaassen 
kräftigem Boden. Planchen meint sogar, diese Holzart habe 
in Russland ihr hauptsächlichstes Yerbreitungscentrum. 
Diese Bemerkung ist indessen nicht ganz genau, da die Flat- 
terrüster einerseits jenseits des Uralgebirges und Uralflusses 
fehlt, andererseits aber bis zum westlichen Frankreich ver- 
breitet ist. Sie findet sich z. B., ausser den genannten Fund- 
gebieten, in den Gouvernements: Kowno, Grodno, Wilna, 
Witebsk, Minsk, Mohilew, Ssmolensk, Tschernigow, Kursk, 
Orel, -Ealuga, Tula, Rjasan, Tambow, Woronesh, Pensa, 
Ssaratow ^); ferner in Wolynien und in Polen. 



1) Tardent, Lindemann und Döngingk geben sie far Bessarabien 
nicht an; nach Akinfijew, soll sie jedoch im südlichsten Theile, bei Bol- 
grad (flelleicht nnr kultivirt?) vorkommen. 

2) Yeesenmeyer fahrt ü. peduneuktta nicht für die GouTernements 
Ssimbirsk und Ssamara an; da aber Clans von ihr bemerkt: anbiqne ad 
Wolgam frequens», so dürfte sie in jenen Gebieten nicht fehlen. Auch sagt 
Zinger, dass sie im Kreise Butnsk des Gouv. Ssimbirsk vorkomme. 



— 32 — 

Was die klimatischen Ursachen betrifft, welche die nörd- 
liche Verbreitungsgrenze derFIatterrüster bedingen, someint 
Bode, dass dieselbe im Westen auf der Isothere von 12° R. 
beginnt, und in geneigter Linie gegen Osten daselbst die Iso- 
there von 13° R. erreicht; adiejenige Nordgrenze hingegen, 
in welcher die Flatternlme noch zum Baume erwächst, die Iso- 
therenlinie von 1 3° (R.) kaum erreicht». Sehen wir uns Wil d's 
Atlas der Temperatur-Verhältnisse des Russischen Reiches 
an, so erweist es sich, dass die Ansicht Bode'sirrthfimlich 
ist und dass die Nordgrenze der Flatterrüster Oberhaupt 
keiner Isothere entspricht. Wenn wir von der merkwürdigen 
Ausbuchtung an der Waga absehen, so bemerken wir, dass 
jene Nordgrenze, in ihrem Verlaufe vom Onega-See bis Perm, 
ziemlich gut mit der September-Isotherme von OVg® C. zu- 
sammenfällt. Aber in Finland wird eine solche Colncidenz 
nicht bemerkt, denn hier verläuft die Nordgrenze be- 
deutend südlicher und entspricht etwa der September-Iso- 
therme von 107^° C, während sie an der Dwina eine solche 
von sy^^ C. erreicht. Daraus können wir folgern, dass, neben 
der Temperatur, andere Bedingungen, und namentlich die 
Bodenbeschaffenheit, einen bedeutenden Einfluss auf die nörd- 
liche Verbreitung der U, pedunculata ausüben. 

Jenseits der Steppen soll die Flatterrüster in der Krim 
und im Kaukasus wieder auftreten. Steven sagt, dass sie 
in der Krim, in den höher gelegenen Wäldern, nur -selten 
vorkomme; leider führt er keine genaueren Fundorte an. 
Die Existenz dieser Holzart in der Krim scheint noch einer 
Bestätigung zu bedürfen. Was aber den Kaukasus betrifft, 
so wird das Vorkommen der FlatterrAster daselbst nur von 
Marschall v. Bieberstein erwähnt; später ist sie dort nie 
gefunden worden, woher Medwedew bemerkt, dass sie im 
Kaukasus vielleicht ganz fehlt. Koch (Linnaea, 1849, p. 



— 33 — 

599) sagt, dass die Flatterrüster, als Gebüsch, im politischen 
Gebirge auf Augitporphyr, bis zur Höhe von 2000' üb. d. 
M., vorkomme; Boissier hat sie von daher, wie überhaupt 
aus dem Orient (incl. die Krim), nicht gesehen, so dass auch 
die Angabe Koch's noch einer Bestätigung bedürfte^), um 
80 mehr, als auch Fürst Massalski dieselbe in den Gebie- 
ten von Batum und Kars nicht beobachtet hat. 

Eine interessante Varietät der FlatterrOster, var. celti- 
dea Rogowicz (glabra Trautv., non Mill.) ist von Prof. Ro- 
gowicz in einem Haine bei Tschernigow beobachtet worden. 
fDie einjährigen Zweige dieser Varietät sind vollkommen 
kahl. Die Blätter sind klein, 1 — IV2 Zoll lang, oblong-ei- 
förmig, am Rande doppelt-sägeförmig-gezähnt, lang zuge- 
spitzt, auf beiden Flächen — auch in der Achsel der Ner- 
ven — vollkommen kahl und glatt (nicht scharf), auf der 
oberen Fläche dunkelgrün, auf der unteren l)lassgrän. . . . 
In allen übrigen Bezieh|ingen stimmt diese Varietät voll- 
kommen mit der typischen Form, nur sind die Blüthenstiele, 
Blfltben und Früchte etwas kleiner». (Trautvetter, 1. c, 
Sp. 349 — 350) Ich will noch bemerken, dass Czerniaßw 
(Conspectus, p. 57) auch für das Gouv. Charkow eine Form 
glabra anführt; doch lasse ich es dahingestellt, ob es dieselbe 
Varietät ist, die Rogowicz bei Tschernigow gefunden. 

Namen. — Russisch: WjaSj Wjasina; Um (nach Rogo- 
wicz); Berestok (in Südrussland, nach Ssredinskij). — 
Polnisch: Limak^ Limj Oab, Oabina, Wiqz. — Lettisch: 
Wihksne (Klinge). — Finnisch: Paju, Kynäjalava. — Est- 



1) Desgleichen scheint mir auch Buhse^s Angabe, dass U. pedunctdata 
in Nordperaien (Masenderan und Asterabad) vorkomme, zweifelhaft zu sein, 
am 80 mehr als Boissier, der Bubse's Ausbeute unter den Händen gehabt, 
in seiner Flora orientalis, lY, p. 1158, von U. pedunctdata bemerkt: aE di- 
tione non vidi». 

8 



~ 34 — 

nisch: KünapM puu^ Künapuu, KünarpMpuu. — E. -mord- 
winisch: Sselei; M. -mordwinisch: Ssäii. — Tscheremissisch: 
Sholo, — Wotjakisch: Ssirpu. — Syrjanisch: Ssir. — Ta- 
tarisch (im Gouv. Wjatka): Karama^). — Tschuwaschisch: 
Ghorama. 

Gruppe b) Dryoptelea. 

Wie bemerkt, sind zwei variable Arten dieser Gruppe, 
Ulmus campestris L. und ü. montana With., vielfach zu- 
sammengeworfen. Wie Planchon hervorhebt, muss Asien, 
wenigstens für die gegenwärtige Epoche, als hauptsächlichstes 
Centrum dieser Gruppe gelten; denn ausser den beiden ge- 
nannten Arten, die es mit Europa theilt, besitzt es noch vier 
eigene Arten (je zwei im nördlichen China und in Indien), 
— während in Amerika nur eine Art dieser Section {JJlmus 
fulva Michx.) wächst. 

336. (2.) Ulmus campestris L.^). 

Bei dem jetzigen Stande unserer Kenntniss von der Ver- 
breitung speciell dieser Art, muss ich darauf verzichten eine 
irgend genaue Nordgrenze derselben zu ziehen, da, wie be- 
reits hervorgehoben, in allen älteren ^) und z.Th. auch in neue- 



1) Gleicht den indoeuropäischen Benennungen: lat. Ulmus; germ. Elme, 
Alm, Ulme; rusa. Ilim; franz. Orme, 

2) Nach Eerncr's Vorgang, wird diese Art gegenwärtig von einigen 
Autoren, z. B. von Willkomm (Forstl. Flora, Aufl. 2, pp. 561 und 55S), 
als Ü, gläbra Hill, bezeichnet, während der Name ü, campestris L. von 
Rechtswegen der ü, montana zukommen soll. 

3) Interessant ist es, dass bereits Gflldenstädt diese beiden Arten un- 
terschieden zu haben scheint; denn er nennt zu wiederholten Malen, ab- 
strahirt von der Eorkulme, drei Ülmus-Arten aus dem europäischen Russ- 
land, wobei er sie mit ihren russischen Namen bezeichnet: U» Was (Wjas), 
ü. Betest und ü, Hirn, — d. h. ü. pedunaüata, Ü, campestris und ü. wion- 
tana, (Vgl. Reisen, II, p. 280—281). 



«< 

N 



— 35 ~ 

sten Floren diese Art von U. montana nicht abgetrennt ist. 
Wie Tra utve tter bemerkt, ist ü. campestris mehr im Süden, 
U. montana dagegen mehr im Norden des europäischen 
Russlands verbreitet. Und in der That haben die neueren 
Floristen grossentheils fär die nördlicheren Gegenden nicht 
U. campestris^ sondern U. montana angegeben. Unter so 
bewandten Umständen, erscheint die Ausscheidung der TJ. 
campestris aus den Floren des nördlichen Russlands als ge- 
boten, wenn auch dabei einige WillkQr und Unsicherheit mit 
unterläuft. — Dazu kommt noch der Umstand, dass die 
Feldulme in mehreren Varietäten auftritt, die von einigen 
Autoren für besondere Arten gehalten wurden oder noch wer- 
den. Im europäischen Russland und im Kaukasus kommen 
spontan folgende Varietäten^) der TJ, campestris vor: 

1) var. vulgaris Walp. {scabra Czern.?). 

2) var. suherosa Ledeb. {ü.stiberosa Ehrh.). Von vielen 
Autoren als besondere Art betrachtet, von Trautvetter zu 
var. vulgaris Walp. gestellt. 

3) var. pumila Ledeb. {U. pumila Pall., ex parte). 

4) var. glabra Mill., Sm. (laevis Walp.). 

5) var. major Walp. 

Die Angaben über die Verbreitung der einzelnen Varie- 
täten sind so mangelhaft, dass ich nur wenige Worte darüber 
zu sagen vermag. Die am häufigsten vorkommende und am 
weitesten verbreitete Form vulgaris Walp. will ich, ihrer 
Verbreitung nach, weiter unten genauer besprechen. 



1) In der Abgrenzung nnd in der Benennung der einzelnen Varietäten 
herrseht eine ziemlich bedeutende Confusion; ich folge hauptsächlich 
Trautvetter (1. c, desgl. Incrementa florae rossicae, p. 711) und Lin de- 
in an n (Flora Ghersonensis, p. 192). — Medwedew nennt für den Kauka- 
sus noch var. nuda Koch (ü, nuda Ehrh.); doch gehört diese Form, nach 
Trautvetter (Incrementa, p. 712), zu ü. montana With. 

3* 



— 36 — 

Was die Eorkroster, var. suberosa Ledeb., betriflft, so 
wftre hier eine Bemerkung Willkomm's (Forstl. Flora, 
Aufl. 2, p. 551) sehr zu berücksichtigen, wonach eine Form 
mit Korkflögeln nicht nur bei U. campestris^ sondern anch 
bei Z7. montana vorkommt. Willkomm bezeugt, dass die 
im botanischen Garten zu Dorpat stehenden Korkrfistern 
entschieden zu U. montana gehören. Es ist sehr wahrschein- 
lieh, dass auch Weinmann's Angabe vom spontanen Vor- 
kommen der Korkrflster bei Dorpat sich auf die letztge- 
nannte Art, und nicht auf U. campestris^ bezieht. Desgl. 
dOrfte auch Eichwald's Angabe, dass U. suberosa im Bia- 
towezer Walde wächst, Siuf U. montana zu beziehen sein ^). — 
Die echte U. campestris^ var. suberosa ist nur aufs südli- 
chere Russland beschränkt. Sie wächst im südlichen Polen (?), 
inWolynien, Podolien, Bess^abien, in den Gouvernements: 
Chersson, Kijew, Tschernigow, Poltavra, Jekaterinosslaw, 
Charkow, Kursk, Tambow, Woronesh ^), Ssaratow (z. B. bei 
Ssaratow und Sarepta), im Lande der Don'schen Kosaken. 
Sie wird von Paszkewicz auch für das Gouv. Minsk ange- 
geben (ob nicht die Korkform der U. montana?). Ferner 
wächst sie in der Krim und im Kaukasus. — Trautvetter 
bemerkt, dass er diese Form im Gouv. Kijew immer nur 
strauchförmig, nie baumartig gefunden habe, und dass sie 
daher zur ü. suberosa ß fruticosa Willd. {carptnifolia Gle- 
ditsch, parrifdia Hayne) gehöre. Diese verkümmerte Form, 
.ije im Gouv. Kijew nur sehr selten blüht, findet sich auch in 
Siebenbürgen und scheint, nach Willkomm, z. Th. durch 



1) Eben so auch Afanass'jew's Angabe vom Vorkommen der ü. sube- 
rosa bei Kowno. 

2) Z. B. im Kreise Ostrogoshsk; das in diesem Kreise belegene Dorf Ea- 
rajaschnik hat Ton der russischen Benennung der KorkrQster seinen Namen 
erhalten. Vgl. Boponexv. ryö. Bt;^0M., 1867 r , h. neo* , .>e 44, crp. 185. 



— 37 — 

das Abweidea entstanden zu sein. Als Baum kommt var. 
suberosa, nach Ledeboor, z. B. im Gouv. Ssaratow vor. 
CzerniaSw bemerkt, dass diese Varietät gegen die Ungunst 
des trockenen Klimas besonders widerstandsfähig ist. Bode 
fand in den Gouvernements Charkow und Jekaterinosslaw 
einzelne Exemplare, die bis 17 Zoll Durchmesser in der 
Brostböhe und eine Länge von 70 Fuss hatten; er meint, 
dass der Tschernosjom dieser Varietät besonders zusagend 
ist. — Im Russischen wird die Korkrüster gewöhnlich mit 
dem tatarischen Namen bezeichnet: Karagdtsch (wörtlich: 
schwarzer Baum), Karagütsch, Karajatschina^ KaraUschina^ 
Karäitsch] BXXchBSrest. — Polnisch: Brzosty Brzostkorkotvy.^ 

Die von Trautvetter im Gouv. Kijew gefundene strauch- 
förmige Korkrflster geht, wie es scheint, in die Form pumila 
Ledeb. {ü.pwmüa Fall., ex parte) Ober, die gleichfalls in 
Sfldrassland wächst: z. B. in den Gouvernements Chersson, 
Jekaterinosslaw, Charkow, Kursk, Orel, Tambow, Ssaratow 
(Zinger), so wie im Lande der Don'schen Kosaken, in der 
Krim und im Kaukasus. 

Die Varietät ^Za&ra Mill. (Zaetrfs Walp.) findet sich z.B. 
in Podolien und Wolynien (Schmalhausen), bei Kijew und 
Tschemigow (Trautvetter), in den Gouvernements Poltawa 
(Scbmalhausen), Charkow (CzerniaSw), Kursk (Misger), 
Tambow (C. A. Meyer), desgl. in der Krim (Steven; z. B. 
bei Ssudak), im Kaukasus (Medwedew) und am Amur (Ma- 
ximowicz). 

Die Varietät major Walp.^) finde ich nur aus dem Gouv. 
Chersson (Lindemann), aus der Krim (Trautvetter) und 
vom Amur (Maxim owicz) erwähnt. Zweifellos kommt sie 
auch in einigen zwischenliegenden Gebieten vor. 



1) Ülmus major Sm. ist = ü. moniana With. (vgl. unten). 



— 38 — 

Ausserdem wächst in Transkaukasien, und nameDtlich 
am Araxes, die Varietät umbraculifera Trautv. (pers. und 
tatBT.Nalband, Narhand), mit kugelförmiger dichter Krone; 
die jungen Zweige und die Blattstiele sind weich beflaumt; 
die Blätter sind glatt, oben kahl, unten längs dem Mittelnerv 
mit dflnnem Flaum. 

U. campestris var. vulgaris hat anscheinend eine ähn- 
liche Verbreitung, wie die Korkrüster, nur geht sie im Osten 
etwas weiter nach Norden hinauf. Sie findet sich im südli- 
chen Polen, in Wolynien, Podolien, Bessarabien, in den Gou- 
vernements Chersson (vgl. unten), Kijew,Tschernigow, Kursk, 
Poltawa, Charkow, Jekaterinosslaw, Woronesh, Tambow, 
Ssimbirsk und Ssamara («einzeln in Laubwäldern», nach 
Veesenmeyer)*), Ufa (in den Kreisen Bugul'ma und Bele- 
bei, nach Bode); von hier scheint sie sogar in's Gouv. Wjatka 
hinüberzutreten, denn C. A. Meyer erwähnt sie aus der 
Umgebung von Ssarapul (unter 56%^ n. Br.) ^). Ferner wächst 
sie in den Gouvernements Orenburg «) und Ssaratow, so wie 
im Lande der Don'schen Kosaken. — Alle übrigen Angaben 
über das Vorkommen der U. campestris in den nördlicher 
gelegenen Gebieten, z. B. in den Gouvernements Moskau, 
Tula, Kaluga, Nishnij- Nowgorod etc., glaube ich auf U. 
montana beziehen zu müssen. Es erscheint in dieser Hin- 
sicht eine specielle Untersuchung sehr wünschenswerth. 

Nach Borszczow, findet sich die Feldulme auch jen- 
seits des Uralflusses, am unteren Laufe des Ilek, zwischen 



1) Es könnte aach ü, montana gemeint sein. 

2) Dass in diesem speciellen Falle nicht ü. montana gemeint ist, be- 
zeugt der Umstand, dass Meyer, ausser U, campestris^ noch ü, major %ai, 
(d. h. U. montana) aus dem Gouv. Wjatka anfahrt. 

3) Und zwar wächst sie in diesem Gouvernement nur in zwei Kreisen: 
im nordöstlichen Theile des Kreises Orenburg und im Nordwesten des Krei- 
ses Orsk. Ygl. M. CiiAopHeHKo. <(3HaqeHie HÄhu& {ülmus campestris) bt> 
EamKupiH, OpeHÖyprcKOÖ ryöepfllH.» (Jltcn. iKypH., I880r., cxp. 591—595). 



— 39 — 

Ilezkij-Gorodok, Ilezkaja-Sastscfaita und der Staniza Gri- 
gor^jewskaja; fiberall hält sie sich au die Flussläufe und 
wächst theils einzeln, theils in kleinen Gruppen; ferner 
kommt diese Holzart zwischen der Mündung des Ilek und 
Orsk auch am linken Ufer des Ural, wenn auch sehr selten, 
vor; weiter hinauf findet sie sich nur am rechten Ufer dieses 
Flusses, und zwar etwas häufiger, besonders am Nebenflüss- 
chen Guberla und in den Schluchten zwischen Guberlinskaja 
und Chabarnaja. Sie wächst in dieser Gegend nicht südlich 
vom 51® n. Br. — Längs der Wolga scheint U. campestris 
nicht so weit hinunter zu gehen, wie ü. pedunculata; sie 
wächst bei Sarepta noch häufig in den Schluchten des rechten 
Wolgaufers. Wie weit sie dem Laufe des Don hinab folgt, dar- 
über fehlen sichere Nachrichten; am Donez beobachtete sie 
Güldenstädt (Reisen, II, p. 274) noch an der Mündung des 
Aidar. Am oberen Laufe des Miuss fand er sie gleichfalls 
(ib., II, pp. 89 u. 262). Am Dnjepr kommt U. campestris^ 
nach Akinfijew, bei Jekaterinosslaw noch sehr häufig vor; 
aber unterhalb Alexandrowsk scheint sie, nach Grüner, 
spontan nicht zu wachsen; auch am taurischen Ufer des 
Dnjepr soll sie sich, nach Ssredinskij, nurkultivirt finden. 
— Besonders interessant sind die Reste der Ulmenwaldungen 
im Gouv. Chersson. Die Feldulme wächst daselbst ausschliess- 
lich in Flussthälern und in Steppenschluchten (Bcdki)^ nir- 
gends aber auf der hohen Steppe. Eine der ausgedehntesten 
solcherWaldungenbesuchteichim Jahre 1880: sie zieht sich 
im Thale der Gromokleja, oberhalb ihrer Mündung indenln- 
gul, wenigstens 15 Werst hinauf und besteht fast ausschliess- 
lich aus U. campestris j mit geringer Beimischung von wilden 
Apfelbäumen. Kir'jakow^) und Dikon^), welche einige An- 



1) KHpi>HKOBi>. «BsrjiHA'b Ha ji']bcoBo;i,CTBo H ca^OBOACTBo B-b XepcoH- 
cRofi ryßepHiH». (JI-fecHofi ^RypnajiTj, 1836 r., h. II, cxp. 105—106). 

2) J^nLKOisL'h. «H'i^KOTopbifl SRuiiHaHifi cnoco6axi> odjier'iHTb pa3Be;;e- 



— 40 — 

gaben über diesen, wie durch ein Wander erhaltenen Wald ge- 
ben, bezeugen, dass noch an einigen anderen Stellen, im süd- 
lichenTheile desGouv. Chersson, schwache Reste von einstigen 
ausgedehnten ülmenwäldern existiren; so z. B. im Kreise 
Odessa, desgl. hie und da am Bug, zwischen Kalkfelsen; vom 
steten Abweiden durch das Vieh, so wie in Folge früherer 
häufiger Steppenbrände, tritt die Feldulme, in den letztge- 
nannten Gegenden, fast nur strauchförmig auf. Hr. Kir'ja- 
kow theilt einen gelungenen Versuch mit, den er, auf seinem 
Terrain am Ufer des Bug, mit solchem verkümmerten Dl- 
mengebüsch gemacht hat: nachdem er dasselbe vor dem Vieh 
(durch Graben und Wall?) geschützt und einen Wächter 
hinzugestellt hatte, wuchsen die Ulmen freudig heran und 
spendeten nach einigen Jahren bereits Schatten. Im Fluss- 
thale der Tschitschikleja soll einst ein grosser Ulmenwald 
gestanden haben, der vollständig ausgehauen ist. An manchen 
Stellen (z. B. bei Fedorowka am Bug) fand man noch in den 
dreissiger Jahren zahlreiche Ulmenstttmpfe. Hr. Dikon 
macht darauf aufmerksam, dass eine Wiederbewaldung der 
Flussthäler im Gouv. Chersson mit ü. campestris keine 
Schwierigkeiten. bieten dürfte. 

Die Feldulme wächst auch in der Krim und im Kauka- 
sus. In der Krim findet sie sich ziemlich häufig in den Berg- 
wäldern, und es gibt davon, nach Steven, prächtige Bäume 
von 40 — 50 Fuss Höhe, mit schönen geraden Stämmen. 
Im Kaukasus ist U. campestris, in allen ihren Varietäten, 
sehr verbreitet, — bis zur Höhe von 5000 — 6500' üb. d. 
M. Sie wächst gewöhnlich untermischt mit Buchen, Weiss- 
buchen und Eichen, wobei sie nicht selten als vorherrschende 



Hie j-feca BT> iowHofi Poccin». (JltcH. HiypH., 1837 r., h. II, cxp. 51—55). — 
Vgl. auch: A. CKajibKOBCKifi. OnuTB CTaTncTHnecKaro oaucamM Hobo- 
poccificKaro Kpaa; h. I, cxp. 199—200. 



r 



— 41 — 

Holzart auftritt; an Flussufern und in Schluchten bildet sie 
bisweilen auch reine Bestände. Sie findet sich z. B. am Te- 
rek, in Iberien, Imeretien, Ssomchetien, Grusien, im Gouv. 
Elisabethpol, in Karabagh und Talysch; hier erstreckt sich 
ihre vertikale Verbreitung von der Kaspischen Küste bis zu 
7000' üb. d. M. Unter günstigen Bodenverhältnissen er- 
reicht die Feldulme in Transkaukasien eine Höhe von 100 — 
120 Fuss und eine Stammesdicke von 5 — 7 Fuss. Präch- 
tige Exemplare finden sich in grosser Anzahl z. B. in den 
Wäldern des westlichen Transkaukasiens, in Kachetien und 
in Talysch. Oft trifi% man an den Stämmen kolossale Maser- 
auswüchse an, die bis 20 Centner wiegen ^). — Vom Kau- 
kasus aus verbreitet sich U. campestris ostwärts nach Nord- 
persien, wo sie, nach BuhBe, einer der verbreitetsten Bäume 
ist; z. B. in Karadagh, in Ghiian und Masenderan; Buhse 
sagt, dass sie im Albursgebirge bis etwa 4000' üb. d. M. 
hinaufsteigt, doch geht sie zweifellos noch bedeutend höher. 
Radde fand schöne Exemplare derselben im südlichen Turk- 
menien, am Ufer des Ssumbar, eines Nebenflusses des Atrek, 
zusammen mit Populus diversifdia. Nach Aitchison, wächst 
sie in den Wäldern Kabul's, in der Höhe von 7000—9000' 
üb. d. M. Von hier erstreckt sich ihre Verbreitung nord- 
wärts bis zum Karatau, wo sie am oberen Zarafschan beob- 
achtet worden ist, und ostwärts nach dem Himalaya, wo ü. 
campestris bis 10,500' hinaufsteigt. Wahrscheinlich geht sie 
TOD hier aus über die südlicheren Provinzen China 's ostwärts; 
doch wissen wir darüber nichts Bestimmtes; dass sie nicht 
längs dem Künlün geht, wird dadurch wahrscheinlich, dass 
Przewalski sie nicht am Nanschan (der Fortsetzung des 



1) Die von G. Koch abgetrennte ülmus eRiptica, odie im sogenannten 
unteren Kaukasus ausgedehnte Wälder bildet» (Linnaea, 1849, pp. 598 u. 
599), wird von Boissierzu ü. campestris gezogen. 



— 42 — 

Künlün) und am See Kuku-nor fand; er beobachtete sie erst 
im Norden des Alaschan, im Lande der Uro'ten (Mongolen), 
wo diese Holzart in nicht geringer Anzahl wächst, während 
sie im übrigen Theile der Gobi-Wüste nur selten angetroffen 
wird. Przewalski fand sie auch in vereinzelten Exemplaren 
auf dem von ihm entdeckten Gebirgszuge Churchu, der eine 
südöstliche Verlängerung des südlichen Altai bildet ^). Das 
Vorkommen der Feldulme in der östlichen Mongolei mag, 
über das Chingan-Gebirge, mit demjenigen zusammenhängen, 
welches Maximowicz, am Amur, im Bureja-Gebirge und 
am üssuri beobachtet hat^). — Mithin ist U. campestris 
vom Atlantischen Ocean (in Spanien und Frankreich) bis 
zum Stillen Meere verbreitet; sie kommt auch im nordwest- 
lichen Afrika vor. 

Wie schon bemerkt, eignet sich die Feldulme sehr zur 
Anpflanzung auf den südrussischen Steppen. Hr. Ssredin- 
skij, der die Schutzpflanzungen gegen Schneewehen an ver-' 
schiedenen Eisenbahnen leitet, verwendet die Ulme vielfach 
dazu. Ihr elastisches und dauerhaftes Holz wird zur Verfer- 
tigung verschiedener Geräthe benutzt, z. B. von Radreifen, 
Wagenachsen etc. Während des Winters füttern die Basch- 
kiren ihre Pferde, Rinder und Schafe mit der Rinde der Ulmen. 

Namen. — Russisch: Berest; Wjas\ Ilim^ Ilem\ Kara- 
gdtsch (aus dem Tatarischen). — Polnisch: Wjqz pospolüy; 
Brzost, — Armenisch: Kndsni] Tegi^ Tega^ Tegäki. — Os- 
setisch: Sswilds. — . Mokscha-mordwinisch: Ukssa; Ersa- 



1) Vgl. npHcesajibCKifi. Hai. Saficana nepeai» Xavu Bt TwöerB; cxp. 
451, 457. 

2) Im übrigen Sibirien scheint diese Holzart zu fehlen, — es sei denn, 
dass die daselbst wachsende Form, U, putnila Pall. (L.), wie von Einigen 
angenommen wird, nur eine Varietät der Feldulme ist; dieselbe findet sich 
in der Dsungarei, am Baikalsee, so wie in Daurien und in der Mongolei. 



— 43 — 

mordwinisch: MaraSj ükssjun (Annenkow). — Tatarisch 
(in der Krim): Karagatsch; (im Kaukasus): Karagatschy Bai- 
tagran^ Koss-Jcara] (nogajisch): Büldregen, — Kalmükisch: 
Elmde, — Kumykisch: Elme^). — Persisch: Nartüän; Äes- 
seloh; (ghilanisch): Ssämat; (in Masenderan): Äudscho^ Ka- 
raud8cho\ j8fa/tfecA(nachBuhse). — Grusinisch, imeretinisch: 
Thdamuschi^ Theladuma. — Sswanetisch: Zkümra. — In- 
gusch., tschtschen.: Mtisch. — Kabardinisch: Dikonach. — 
Tscherkessisch: Misthcha. — Abchasisch: Achejs. — Les- 
gisch: Cfharala] (lesg.-did., kaputsch., inuch.): Nigi^Nige. — 
Awarisch: Bot. — Baschkirisch : Bshüla-agatsch, 

337. (3.) ülmtis mon<ana With.(wa;or Smith, sca&raMill.)^) 

Nach Willkomm, gehört diese Art, im Gegensatz zu 
TJ. campestriSj der nördlichen Hälfte Europa's an. In der 
That geht ü. montana weiter nach Norden, als U. campestriSy 
und in höheren Breiten, z. B. in Norwegen und im grössten 
Theile Schweden's, ist sie sogar die einzige ?7/mt^-Art, die 
daselbst spontan wächst. In Norwegen kommt sie, nach 
Schübeier, wildwachsend bis zum 67° n. Br. (im Kirch- 
spiele Bejern) vor; angepflanzt gedeiht sie sogar in Alten 
(unter 70° n. Br.). In Schweden ist sie spontan nicht über 
den 64^2° n. Br. hinaus (in Jämtland) beobachtet worden. 



1) Die zwei letzten Benennungen {Elmde und Elme) sind durch ihren 
grossen Anklang an die indoeuropäischen Benennungen (lat.: Ulmus; deutsch: 
Ulme, ElmCy lim; skandin.: Alm; russisch: Ihn, Hem^ Bim) interessant. 

2) Ich habe schon oben hervorgehoben, dass Güldenstädt ofifenbar 
diese Art bereits unterschieden hat. Später waren es namentlich Traut- 
Tetter (lieber die Ulmen des Kiew'schen Gouvernements, 1. c, 1857, Sp. 
351—362) und Czerniaßw (HepHÄen'b. ji^caxT> yKpafinu, 1868, exp. 
25—26), die fast gleichzeitig auf die weite Verbreitung der ü. montana im 
europäischen Russland aufmerksam machten. — Wie bemerkt, soll Linn6 
(nach Kerner und Willkomm) unter seiner U. campestris die ü, montana 
verstanden haben. 



44 — 



Aber aus Willkomm's Bemerinuig darf nicht gefolgert 
werden, dass U. montana im Süden fehle. Sie findet sich 
z. B.. nach Plane hon. in den Prrenieii and, nach Bois- 
sier, im nordwestlichen AfirikaM. Wie wir sehen werden, 
dringt sie anch im enropiischen Rassland recht weit nach 
SQden Ton desgl. kommt sie im Eankasas vor. 

Wie schon bemerkt^ beziehe ich alle Angaben aas der 
nördlichen Hilfte Basslands, in denen Ton V. campesbris die 
Bede ist. aof £7. wußntama. Ich habe mich schon oben darüber 
ansgesprochen, dass ich hierbei etwas willkürlich zo Ter&hren 
gezwangen bin, da. namentlich in den titeren Nachrichten, 
&st darchweg zwischen diesen beiden Ulmenarten kein un- 
terschied gemacht worde and sie beide anter dem Namen 
ü. campestris anfgefuhrt wardoi. Was abrigens Finland 
betrifft, so hat bereits £1. Fries ^ ganz richtig angegeben, 
dass daselbst, neben U. peämmcHlütö^ nar (7. mumta$Hi Tor- 
komme, U. campestris aber fehle. Wie weit nördlich die 
Bergrüster in Finland reicht, darüber liegen leider keine ge- 
nanen Angaben Tor. Hr. t. Berg scheint ihr Vorkommen 
nar aof die Südkäste beschranken za wollen, welche An- 
sicht indessen sicheriich nicht zotreflknd ist. Nach den Nach- 
richten von Simming, Karsten and Malmgren, kommt 
sie. im westlichen Theile Finlands. noch bei Birkkala (in 
SatakanU. etwa anter 61*/ n. Br.» Ton im Kirchspiele 
Korpilahti findet sie sich wildwachsa»d nodi anter dem 62^ 
n. Br.*): nach Osten za senkt sich die NcMrdsrenze der U. 
montana ein wenig südwärts; sie wichst, nach Norrlin, im 
südlichen Tavastland iz. B. bei HoUola. anter ei"" n. Br.); 
im GouT. Wibor^ findet sie sich, nach Malmberg, in der 



1 Dieses letztere Torkomraeii bestreitet PliBcli«m. 

2 Scnz^i Tefetabiliom Scaadiniriae; p. 53. 

5 Medirl. if Soc pro fiaiu et Act» feaiu Hft. S, ISTS» p. 1S5. 



— 45 — 

Nfihe des Ladoga-Sees und des Wuoxen, z. B. am See Py- 
häjärvi, bei Sakkola und Rautus^). 

Im GouY. Olonez finden sich bei Dworez und am See 
Perttiniemi alte Ulmenbäume (U. montana)^ von denen 
einer die Höhe von wenigstens 35 Fuss hat; während Norr- 
lin sie für spontan erklärt, meint Günther^ dass sie wahr- 
scheinlich einst angepflanzt seien. Von hier tritt U.montana 
in den sadlichsten Theil des Gouv. Archangelsk hinfiber, 
wo sie Hr. Kusnezow nordwärts bis zur Umgebung von 
Schenkursk (etwas Ober den 62^ n. Br. hinaus) antraf; sie 
ist daselbst seltener, als ü. peduncuiata^ scheint aber durch- 
aas spontan zu wachsen. Iwanizkij sagt, dass er diese 
Holzart im Gouv. Wologda nicht wildwachsend angetroffen 
habe, dass aber die Existenz eines syrjanischen Namens für 
dieselbe auf ihr spontanes Vorkommen daselbst hinweise^); 
sie findet sich vermuthlich nur im südlichen Theile dieser 
Provinz. Im Gouv. Wjatka wächst sie, nach C. A. Meyer 
(als Z7. major Sm.), z. B. bei Glasow (am oberen Laufe der 
Tscbepza, unter 58° 10' n. Br.). Im Gouv. Perm findet 
sich diese Ulme, nach Kryfow (als U, campestris bezeich- 
net), vorzugsweise in der westlichen Hälfte, meist spora- 
disch und von geringen Dimensionen; nordwärts reicht sie 
bis 60%** n. Br. (an der Kolwa, beim Berge Diwij-Kamen' 
und Wetlan); femer findet sie sich bei Bachari an der Wi- 
schera, desgl. bei Oralowa an der südlichen Keltma, bei 
Moschewa, Werch-Jaiwinskoje, Piter (an der Kama) etc. 
Jenseits des Uralgebirges fand sie Krylow nur im südlich- 



1) U, moniana kommt in Finland nicht selten angepflanzt vor; dieser 
Umstand erschwert noch mehr eine genaue Feststellung ihrer Nordgrenze. 

2) Hr. Kasnezow verdankt Iwanizkij eine spätere Angabe, dass diese 
Ulmenart (von ihm als Ü, campestris bezeichnet) in verschiedenen Gegenden 
des Goov. Wologda wildwachsend angetroffen wird. 



— 46 — 

/ sten Theile des Gouv. Perm: am Berge Jurma und südlich 
vom Hüttenwerke Kyschtymskij; nach Bulytschew, soll sie 
auch bei Irbit vorkommen. Längs dem Uralgebirge geht 
sie auch südwärts nach den Gouvernements üfä und Oren- 
burg: Schell fand sie z. B. zwischen dem Hüttenwerke 
Bjelorjezkij und dem Berge Jamantau (als U. montana be- 
zeichnet). 

In den Ostseeprovinzen kommt, nach F. Schmidt, U. 
campestris «vorzüglich als ü. montana» vor; höchstwahr- 
scheinlich findet sich spontan nur diese letztere; Dies dürfte 
um so mehr der Fall sein, als U. campestris^ wie Willkomm 
bemerkt (vielleicht mit Ausnahme der var. suberosa)^ in den 
baltischen Provinzen im Freien nicht mehr aushält. Im Gouv. 
St. Petersburg findet sich U. montana als dichtbelaubter, 
breitgipfliger Baum, von etwa 45 Fuss Höhe, im südlichen 
Gebiete, vom Wolchow bis zur Narowa, ziemlich häufig; im 
nördlichen Theile hat Meinshausen diese Holzart nicht 
angetroffen^). Im Norden des Gouv. Nowgorod hat Anto- 
now die Bergulme, wie es scheint, nur an einer Stelle, 
nämlich in der Umgebung des Sees Paschosero (im nördli- 
chen Theile des Kreises Tichwin), gefunden ^); im südwest- 
lichen Theile kommt sie, nach Gobi, z. B. in den Kreisen 
Waldai und Krestzy, jedoch selten, vor. Im Gouv. Twer 
muss sie sehr selten sein, da Bakunin sie nur als in Gärten 
angepflanzt erwähnt; im Gouv. Jarosslaw findet sie sich, nach 
Petrowskij, gleichfalls selten; ebenso auch im Gouv. Ko- 



1) Sollte ü, montana/m der That bei St. Petersburg selbst nicht spontan 
Yorkommen, während sie nördlich davon, bei Raatus und am See Pyhäjärvi, 
wächst, so würde ihre Nordgrenze dieselbe eigenth am liehe Ausbuchtung 
aufweisen, die wir beim wilden Apfelbaum betrachtet haben und die mit dem 
Verlaufe der Oktober-Isotherme von Ay^^ 0. ziemlich genau zusammenfällt. 

2) Hr. Antonow bezeichnet die von ihm beobachtete Form als ü.eam^ 
pestris, a vtdgaris Ledeb. 



— 47 — 

stroma, wo sie indessen auch im Norden (im Kreise Kolo- 
griw) angetroffen wird. Ferner wichst sie in den Gouver- 
nements: Kasan ^), Nishnij -Nowgorod, Tambow (auch im SO., 
im Kreise Borissogljebsk, als t7. major Sm., nach C. A. 
Meyer), Wladimir, Moskau (als U. campestris bei Kauf- 
mann), Rjasan, Tula (als ü. campestris var. montana Witb., 
bei Koshewnikow und Zinger)^), Kaluga, Ssmolensk, Wi- 
tebsk, Wilna, Grodno (z. B. im Walde von Bialowieza), 
Minsk, Mohilew, Tschernigow (z. B. bei Nowgorod- Ssje- 
wersk und Tschernigow, nach Schmalhausen), Kursk (Mis- 
ger), Charkow (Gzerniaew), Poltawa (z. B. in den Kreisen 
Lochwiza und Perejasslaw), Kijew (z. B. in der Umgegend 
von Kijew und Uman', nach Trautvetter), bei Jekaterino- 
sslaw, am Ufer des Dnjepr (Akinfijew), im Gouv. Chersson 
(z. B. bei Elisabethgrad, in zwei Varietäten: typica und tri- 
cuspidcUa Bess.^), nach Lindemann); ferner in Podolien (z. 
B. in den Kreisen Olgopol, Balta und Winniza, nach Seh m al- 
hausenj, in Wolynien (Trautvetter) und in Polen. Ob U. 
montana in den Gouvernements Ssamara, Ssimbirsk, Ssara- 
tow, Pensa, Woronesh und im Lande der Don'schen Kosaken 
vorkommt, darüber liegen mir keine Nachrichten vor. 

Ebenso vermag ich nicht zu sagen, ob die Bergulme in 
der Krim vorhanden ist; Steven erwähnt sie nicht, mag sie 
aber unter U. campestris verstanden haben, von der er be- 
merkt, dass sie daselbst ausserordentlich variabel ist; nach 
Schmalhausen, findet sich ü. montana in den Bergen der 
Krim. Im Kaukasus wächst sie, wie in Sfldeuropa, ausschliess- 



1) Auffallender Weise fahrt Korshinskij neuerdings diese Art nicht 
für das Gouv. Kasan an. 

2) um 80 auffallender ist es, dass Z inger, in seiner späteren Flora Mit- 
telrusslands, ü. montana gar nicht erwähnt. 

3) Die Blätter laufen bei dieser Form in drei sehr kurze und spitze Lap- 
pen aus. (Vgl. Trautvetter, 1. c). 



^ 



— 48 — 

■ 

iich im Gebirge; im westlichen und centralen Transkaakasieii 
kommt sie bis zur Höhe von 6000' üb. d. M. vor; nach 
Rad de, findet sie sich auch in Talysch. Medwedew be< 
merkt, dass der Verbreitungsbezirk der ü. mon^ana im Kau- 
kasus ungenügend festgestellt sei, da sie ofienbar nicht selten 
mit U. campestris verwechselt wurde. Er fügt hinzu, man 
könne mit Sicherheit annehmen, dass die Bergulme im Kau- 
kasus weit verbreitet sei, und namentlich im Gebirge des 
nördlichen Gebietes häufig vorkomme. Nach Boissier, 
wächst U. moniana auch im Lazischen Pontus (in der Höhe 
von 5500' üb. d. M.), desgl. in Cilicien. üeber die Ver- 
breitung derselben im übrigen Asien wissen wir sehr wenig. 
Zwar sagt Planchon, sie sei «a Pyrenaeis adflumen Amur» 
verbreitet; indessen liegen z. B. aus dem eigentlichen Sibi- 
rien gar keine Angaben über ihr Vorkommen vor; Maxi- 
mowicz bemerkt, dass sie, in der var. laciniata Trautv.. 
am unteren Amur wachse; ferner findet sie sich, nach Traut- 
vetter ^), in der Mandshurei und auf der Insel Ssachalin. 
Aber für den ganzen ungeheuren Raum, der zwischen dem 
Uralgebirge und dem Kaukasus einerseits, und der Mand- 
shurei und dem unteren Amur andererseits, liegt, ist mir 
keine sichere Angabe über das Vorkommen der U. montana 
bekannt. In den mir zugänglichen Floren Persiens, Afgha- 
nistan's, des Himalaya-Gebirges etc. finde ich sie nirgends 

erwähnt. 

Namen. — Russisch: Ilem^ IVma^ IVmina^ Lern (Czer- 
niaöw), IVm\ Berest] Wias. — Polnisch: Wiqz pospolity. — 
Littauisch: Winkszna. — Lettisch: Gohba. — Norwegisch 
und schwedisch: Alm. — Ossetisch: Tidm, — Moldauisch: 
Wenisch (Annenkow). — Finnisch: Alaja^ Jalaja^ Jalain; 



1) Vgl. dessen Incrementa florae pbaenogamae Rossicae; p. 711 — 712. 
Hier sind sehr werthyolle Literaturnachweise über ü. montana mitgetheilt. 



— 49 — 

Kyneppää (Annenkow). — Estüisch: Jcdakas. — Karelisch: 
(imGoav. Olonez): Ilmü (offenbar aus dem Rassischen)^). — 
Wotjakisch: Nüo (C. A. Meyer). — Syrjanisch: Ssir. — 
Tatarisch (im Gouv. Wjatka): Tschigai (C. A. Meyer). — 
Tschuwaschisch: Imlja (wohl corrumpirt aus dem russ. 
IV ma). 

(Jattong 2. Zelkova. 

Diese in der Tertiärzeit weit verbreitete Gattung be- 
steht gegenwärtig aus drei Repräsentanten, welche auf einige 
gemässigte Landstriche der alten Welt beschränkt sind, — 
während die ihr ausserordentlich nahe stehende Gattung 
Planera durch eine einzige Art vertreten ist, die in den 
südlichen Vereinigten Staaten Nordamerika's wächst. Von 
den drei Zetkova-Arten findet sich eine, Z. Abdicea Sibth, 
(Z. cretica Spach), im höheren Gebirge der Insel Greta; die 
zweite, Z. crenata Spach, in Transkaukasien und Nordpersien, 
und die dritte, Z. Kedki Siebold (Planera acuminata Lindl., 
PLjaponicaMiq.\ in Japan. Die zwei ersten Arten {Z.Abeli- 
cea und Z. crenata) stehen einander sehr nahe; auch stimmt 
die Z. crenata^ nach Sapor ta, sehr genau mit der zur Tertiär- 
zeit in Europa und Asien ^) verbreiteten Art, Zelkova (Pla- 
nera) üngeri^ überein, während die japanische Art fast 
identisch ist mit der fossilen, ebenfalls in Japan von Nor- 
denskiöld gefundenen Form {Z. Keaki fossilis Nath.)^). 



1) Die mordwinischen Namen sind wohl dieselben, wie für ü. campestris. 

2) Sie fand sich zur Pliocänzeitam Altai. Schmalhausen (1. c, p. 208, 
identificirt die daselbst von Ssokolow gefundene Form mit Zdkova cre- 
nata Spach. (Planera Richardi Mich.). 

3) Vgl. A. G. Nathorst. «Contributions ä la flore fossile du Japon» 
(Kongl. Svenska Vetensk.-Akad. Handlingar, Bd. 20, J^ 2, 1883); p. 45. 

4 



50 



338. (1.) ZeJkova crenata Spach. {Ulmus polygama Rieh., 

U. nenwralis Ait., Rhamnus carpinifolia Pall., Rhamnus 

ulmaides Güldenst., Planera Bichardi Michx.). 

Nach Medwedew, ist das Gebiet, welches diese Art in 
Transkaukasien bewohnt, auf einige Gegenden des Gouv. 
Kutai'ss, auf Karabagh und Talysch beschränkt. Im Gouv. 
Entaiss findet sie sich nur in der Niederung Imeretiens und 
Mingreliens, westwärts nicht die Grenze der Kolchis-Sümpfe 
überschreitend; nach den übrigen Weltgegenden verlaufen 
die Grenzen ihrer Verbreitung längs den nächsten Vorbergen, 
welche jene Niederung einfassen, bis zur Höhe von kaum 
1000' üb. d. M.; die äussersten Punkte ihres Vorkommens 
befinden sich — im Gebiete des Flusses Kwirila, ostwärts 
beimDorfeBjelogory, nordwärts unweit Kutaiss (beim Dorfe 
Kurssebi) und südwärts beim Dorfe Bami. Dieses beschränkte 
Gebiet fällt, wie Medwedew bemerkt, recht gut mit der 
Grenze der Eichenwälder zusammen, welche im westlichen 
Transkaukasien die unterste Waldregion bilden. Viel aus- 
gebreiteter ist das Verbreitungsgebiet der Z. crenata in Ta- 
lysch, wo sie sich sowohl in der üferzone, als auch vorzugs- 
weise im Gebirge, bis zur Höbe von 5000' üb. d. M., findet. 
Sie ist auch in Karabagh, im Thale des Araxes, beobachtet 
worden, doch ist es nicht ermittelt, wie weit sie daselbst ver- 
breitet ist. Ausser den genannten sicheren Fundorten dieser 
Holzart, wird von Steven ihr Vorkommen in Eartalinien 
(zwischen Gori und den Ruinen der Festung Uplis-ziche) 
angegeben; Medwedew hält diese Angabe für sehr zweifel- 
haft. Indessen muss ich bemerken, dassG. Koch (inLinnaea, 
1849, p. 598) von der Z. crenata^) Folgendes sagt: «Sehr 



1) Er nennt sie ZeOcawa carpinifolia. — Ferner heisst es bei ihm : <rlm 
Paschalik Musch auf Glimmerschiefer, c. 4000^ hoch». Und noch: «Als Ge- 



— 51 — 

h&ufig im Kurgebiet und zwar mehr gegen die Niederungen 
hin, als in den höher gelegenen Gegenden, auf tertiärem 
Boden, bis zu lOOO' Höhe». Koch unterscheidet auch eine 
Varietät micropht/lla, die «am hohen Ufer des Kur auf ter- 
tiärem Boden, c. 800' hoch, im tatarischen Grusien» ange- 
troffen wird. Leider sind keine genaueren Fundorte von 
ihm angegeben. — Z. crenata kommt in den Wäldern Ime- 
retiens und Talysch's gewöhnlich als untergeordnete Holzart 
vor, vorzugsweise in Eichenbeständen; so wird sie z. B. in 
den Wäldern von Warzich und Adshamet angetroffen, wo 
sich noch hochstämmige Exemplare derselben finden. Aber sie 
flieht nicht die Nachbarschaft auch anderer Bäume und wächst 
in den Gebirgs Wäldern nicht selten mit Garpifms^ Acer, Fra- 
xinuSj und sogar mit der Buche. In den Wäldern Talysch's 
(z. B. am mittleren Laufe der Flüsse Lenkoranka und Wi- 
Ijash-tschai, desgl. in den Schluchten der FlQsse Weri-tschai 
und Ljakor tschai) kommen auch reine Bestände der Z. cre- 
nata vor, wenn auch auf kleineren Flächen, aber von dichtem 
Schlüsse und herrlichem Wuchs. 

Bei gflnstigen Wachsthumsbedingungen repräsentirt 
diese Holzart einen majestätischen Baum, der 80 — lOOFuss 
' hoch wird, bei einem Stammesdurchmesser (am unteren 
Ende) von 5 — 7 Fuss. Der Stamm ist gerade, bis zu einer 
bedeutenden Höhe astfrei, mit dichter Krone und dflnnen, 
kurzen Zweigen. Das Abfallen des Stammes (seine VerjQn- 
gung) nach oben ist sehr unbedeutend und beträgt Vj — 1 
Zoll auf 7 Fuss. Diese in technischer Hinsicht ausgezeich- 
neten Eigenschaften besitzt aber die Z. crenata nur bei gün- 
stigen Wachsth ums Verhältnissen und bei dichtem Schlüsse. 



bflsch, aber mehr isolirt, und eben so h&ufig an trockenen Stellen, wie an 
Fiassrändem, kommt Z, carpinifolia Pall. vor». 



n 



— 52 — 

In freistehender Ias^ nnd io ¥*A-je toq Beschadignng dorch 
das Vieh, werden die Stamme kmmm und istig. und büssen 
ihre normale schone Form ganz ein. Za gedeihlichem Wachs- 
thame erfordert diese Holzart einen feachten, und sogar 
na.^sen Boden. Ihre LiebHngsstelien bilden die Ufer der 
Flüsse ond Bache, so wie tiefe Schluchten, wo atmosphärische 
ond Bodenfeuchti^eit stets in reichlichem Maasse vorhanden 
ist. In Talysch. wie auch in Imeretien, wächst sie gewöhn- 
lich auf lehmigem Boden; sie scheint sich jedoch zur mine- 
ralischen Zusammensetzung des Bodens indifferent zu ver- 
halten; eine gehörige Tiefe desselben bildet hingegen eine 
unerlässliche Bedingung ihrer gedeihlichen Entwickelnng. — 
In ihrer ersten Lebensperiode wächst diese Holzart angemein 
rasch; bis zum Alter von 60 — 80 Jahren findet ein inten- 
sives Längenwachsthum Statt; von dann ab nehmen die 
Bäume mehr an Dicke zu. — Die Z. creixata zeichnet sich 
durch ihre grosse Ausschlagsfahigkeit aus; die Wurzel- und 
Stockausschläge wachsen so rasch und werden so dicht, dass 
bisweilen die Passage durch sie behindert wird. Sie erreicht 
ein hohes Alter; in Talysch sind 200-jährige Bäume ge&llt 
worden, die noch in voller Kraft standen. Die ersten FrQchte 
trägt dieser Baum im Alter von 25 — 30 Jahren. Er blöht 
im Frühling von Mitte April bis zum Mai, je nach der Höhe 
seines Standortes; die Samen reifen Ende September und im 
Oktober^). 

Das Holz der Z. crenata zeichnet sich durch hervorra- 
gende Eigenschaften aus. Bei jungen Bäumen ist es weiss, 
mit grünlichem Anflug; bei alten — mit einem rothbraunen 



1) So sagt Mcdwedew, dessen Angaben ich überhaupt wiedergebe. Nach 
Mittheilung Herrn Ssitowskij's, sollen die Samen erst im folgenden FrQh- 
jähre reifen. Vgl. 11. C. a^na cjiOBa o pacreniH Zdkowa crenata». (3aD. 
KaBK. 06m. ccäck. x03., 1858 r., cMtcb, crp. 60—61). 



— 53 — 

Kerne, der nicht selten % des ganzen Stammesdurchmessers 
einnimmt. Dank seiner grossen Dichtigkeit, lässt es sich 
vorzüglich poiiren; zudem ist es ausserordentlich hart und 
schwer: nach Medwedew's Bestimmung, hat es, im trockenen 
Zustande, annähernd ein specifisches Gewicht von 0,95; desgl. 
ist es sehr biegsam, fest und elastisch. Was seine Dauerhaf- 
tigkeit betrifft, so dürfte es überhaupt seines Gleichen nicht 
haben. In Imeretien, Mingrelien undTalysch, wo, in Folge 
des äusserst feuchten Klima's, alles andere Holz (sogar das 
der fliehe) in kurzer Zeit fault, widerstehen die Bauten aus 
dem Holze derZ. crenata viele Jahrzehnte, und sogar Jahr- 
hunderte, der Nässe. Daher wird ihr Holz ganz besonders 
bei solchen Bauten hochgeschätzt, welche dem Wechsel der 
Trockenheit und der Nässe unterworfen sind; so z. B. bei 
Wassermühlen, Röhren zu Wasserleitungen, zu Pfählen, die 
in's Wasser eingerammt werden, zu Brücken etc. Dank 
seiner Biegsamkeit, eignet es sich gleichfalls sehr zu Reifen; 
die Bretter aus diesem Holze werfen sich nicht und geben 
keine Risse. Auch leidet das Holz der Z. crenata nicht von 
Insektenfrass. Unter dem Einflüsse fortdauernder Nässe wird 
es schliesslich dunkelbraun. Nimmt man die vielfache An- 
wendung in Betracht, zu der diese Holzart ihr vorzügliches 
Material liefert, so muss man derselben vielleicht den ersten 
Rang unter allen Holzarten zuerkennen. Daher muss man 
Ssitowskij und Med wedew darin beistimmen, dasseineaus- 
gebreitetere Kultur dieses Baumes ausserordentlich wün- 
schenswerth erscheint. Im Kaukasus eignen sich viele Ge- 
genden zu einer solchen Kultur. 

Diese Holzart vermehrt sich durch Samen und durch 
Ausschläge. Bei der Kultur derselben, wird sie gewöhnlich 
durch Aufpfropfen auf ülmenstämme {Ulmus campestris oder 
U. pedunculata) vermehrt. Stehen diese letzteren in frischem 



^ 



54 



imd tiefzTUDdigem Bc4e&. s»> vif h^ das Pfincffireis sehr 
nsch und errekht im erstem S siz^r eioe Liage tob 6 — 9 
Fbss. For die Ansaat ilbs su fevcbtea Bodea wählen. 
Die Sürnlii^ge Bossen ira HalltsebiUeii, aof kJehtem and 
frischem Boden erzogen werden: ai2f die dauernden Stellen 
werden äe im dritten Jahre Terpäinzt. — Das Laub dieses 
Baraaes wird Tom Tieh gern g^fressa. Die Sitte der mnsel- 
männiscben TOlkersrhafien in Trasskankasien. dem Tieh im 
Winter Banmzweige zu reffuttem. za welchem Zwecke nicht 
selten lOO-jihrige Blande gefallt wurden, hat wesentlich 
zur Vermiiiderung dieser T«'»fzn glichen Holzart in deu 
Wäldern der Lenkoran'schen Uferzvne beigetragen. 

Ausserhalb Transkaukasiens kt-mmt Z. rrmata nur noch 
in den an's Easpische Meer grenzenden persschen ProTinzra 
Tor: in Ghilan^ Masenderan und Asterabad. 

Die Z. erenaia kann auch in einigen wirmeren Gegen- 
den Sudmsslands gedeihen. Nach den Beobachtungen Dön- 
gingk's, halt sie in Bessarabien die Winter ans und wichst 
gut. Zabel bemerkt, dass sie an der Södküste der Krim 
gedeiht und erst bei —14" R. (17,5= C.) leidet. 

Ramoi. — Russisch: Dselbta (aus dem Imeretinischen); 
Tschelkui, Tschdsui. — Tatarisch: Jää, Jsäd, Äsddagatsdi\ 
(in Taljsch): AiZ, NUrogöisch. — Persisch: Osod. — Imeret., 
gur., mingrelisch: Dselktca. 

fuä. LDL H^uäMKWt. 

Die f&nf Gattungen, welche gegenwartig diese Familie 
bilden, yertheilen sich, wie folgt: 1) Juglans mit etwa 8 Ar- 
tao, Ton denen 5 auf Asien und 3 auf Xordamerika kommen; 
2) Pterocarya mit je einer Art in Transkaukasien (ind. Nord- 
persien), einer in China und einer in Japan; 3) Engdhardtia, 



— 55 — 

mit etwa 8—10 Arten, auf den Sunda-Inseln und den Phi- 
lippinen, und einer abweichenden Art in Centralamerika; 
4) Garya^ mit 1 1 Arten in Nordamerika; und 5) Platycarya, 
mit I Art in Japan und China. Mithin kommen von den 
etwa 33 gegenwärtig bekannten Arten: 15 auf Amerika 
(and zwar fast ausschliesslich Nordamerika); 7 — 8 (4 — 5 
JuglanS' Arten ^2 Pterocarya und die einzige P^a^^/carj/a) auf 
Ostasien (die Mandshurei, China und Japan); fast alle (ca. 9) 
Arten der Engelkardtia auf die Sunda-Inseln und die Phi- 
lippinen; und 2 Arten (1 Pterocarya und 1 Juglans) auf 
Vorderasien ^). In Afrika und Australien ist diese Familie 
gar nicht, in Central- und Südamerika^) durch je 1 Art 
vertreten. Heer hat in einer älteren Notiz ^) die Ansicht 
ausgesprochen, dass ffir die Gegenwart Nordamerika als 
Centralheerd der Familie der Juglandaceae angesehen wer- 
den könne. Nach den neueren Erforschungen Ostasiens und 
der Philippinen, kann diese Ansicht, wie wir sehen, nicht 
aufrecht gehalten werden. Heer selbst fflgt übrigens hinzu, 
dass in der Miocänzeit auch Europa, das jetzt der Repräsen- 
tanten dieser Familie ermangelt, eine ganze Anzahl derselben 
(aus den Gattungen Juglans^ Pterocarya und Garya) besass. 
Heer bemerkt dazu (1. c, p. 55): «Si nous examinons les 
especes que les genres comprennent, nous verrons bientöt 
qoe plusieurs de Celles qui vivent aujourd'hui ressemblent 
beaucoup aux espfeces tertiaires, et que cellcs-ci sont peut- 
6tre la souche d'oü les noyers actuels sont descendus». 



1) Von den beiden letzteren ist Juglans regia zugleich im Himalaya und 
▼lelleicht, aach in Ostasien zu Hause. 

2) Und zwar bildet die in Bolivia wachsende Form eine Yarietftt (böU- 
viana Gas. DC.) der nordamerikanischen Juglans nigra L. 

3) Heer. «Quelques mots sur les noyers«. (Archives d. sc. phys. et natur., 
1868, N. F., t. 8, p. 53—60). Diese Notiz ist, als vor der Publication der 
Darwin'schen Descendenzlehre geschrieben, von grossem Interesse.— Vgl. 
auch 0. Heer. Die Urwelt der Schweiz. (Aufl. 2, 1879); p. 363. 



n 



3« 



niiiiiiw, 1. 

Das Sefaw€rgewicht dieser ijanoxLg b^ id OsUsieD, 
wo. Debea «/L re^M« ihxh 4 Artca w^häcn ije 2 in der 
Muißi^tivm und in J^pc^ ' ; 3 Arten finden sidi in Nord- 
zmenkz\ Ton denen« nie bemeril. die eine aacfa in Sfid- 



Xach den neaeren Bemerkus^n AIph.DeCandolleV), 
ist das Terbreitimg^ebiet des sp^^oun wachsenden Walnnss- 
hanmes ein sehr nmfangreicb^s^deDn es nmfisst einen grossen 
Theil Mittelasiens, so wie Tneile der Balkan-Halbinsel. De 
Candolle und Boissier zählen folgende Gebiete anf, wo 
der Walnassbanm wildwachsend angetn>äen wird: das 
Banat^), GriechenUnd^», Kleinasien, Armenien, Trans- 
kankasien, Nordperaen. Belatschistan. Nordindien ^), Nord- 



1; Kiznlicii: /. tmttdthmrifm Maxim, und J. iUmocnrpa MaxiBL in der 
Maiidähiirei; J. SifMdiama Ma\im nnd J. K^rch/ararU Maxim, in Japan. 
Haeli einer nöndücken B^merknn? Maxiaovicz's, könnte /. Siibcidiama 
nur eine Varietät der J, mtamdfJuirica sein : vielleicbt dürfte gleidi£üls auch 
J. fiemoearpa za der letzteren Art gehören. X SieMdimmm ist, nach Na- 
thorit 0- c^ pu 37) anch fossil in Japan gefunden vorden. 

2) D\<t in Canada mnd den Vn^inigten Staaten heimiscbe J, cmerea 
h&lt, nach Willkoaim, nodi in Lirland im Freien ans, reift jedoch dort 
nor leiten ihre Früchte. Frucht« tragende Binme dieser Art finden sich so- 
gar noch in Finland, bei Sibbo. nnweit Helsingfors iTgl. Meddel. af Soc. pro 
finmit et florm lenn., Hft. 6, 1881. p. 216). so vie im botanischen Garten zu 
St. Petersburg. 

3) Origine des plantes cnltiTies; (1883); p. 343—343. 

4) YgL Henffel, in d. YerhandL der zool.-botan. Ges. in Wien, 1858, 
p. 194. 

5) Th. T. Heldreicb. «Beitrige «nr Kenntnis» des Vaterlandes nnd der 
geographischen Verbreitung der Rosskatstanie, des Nussbaums nnd der Ba- 
che». (Verhandl. d. botan. Vereins der Prorinz Brandenborg, Jahrg. 21, 1879, 
p. 139—163. üeber den Walnussbaum auf p. 147—150). 

6) VgL z. B. Stewart A Brandis. The Forest-Flora of nordi-west and 
central India; p. 498. Hier werden NW.-Hinudaya und Sikkim genannt, wo 
/. regia spontan wftchst 



— 57 — 

China (Loureiro und Bunge) und Japan (Franchet 
et Savatier)^). Zu diesen Fnndgebieten des wildwachsen- 
den Walnussbaumes lassen sich noch zwei hinzufügen: 
1) das östliche Afghanistan, wo er, nach Aitchison, 
z. B. in den Schluchten Shendtoi und Darban, in der Höhe 
von 7000 — 9000' üb. d. M., spontan vorkommt; 2) der 
westliche Tianschan, wo er, nach Capus^, in den Gebirgen 
Tschotkai nnd Tschirtschik (in den Flussthäleru des Pskem 
und Ablatun), in der Seehöhe von 3000 — 5000', gar nicht 
selten ist und schmackhafte Früchte trägt, — obgleich die 
Wintertemperatur daselbst bis — 20° C. sinkt, die Sommer- 
hitze aber gemässigter ist, als in der angrenzenden Ebene'). 
— Einst fehlte derWalnussbaum auch dem westlichen Eu- 
ropa nicht, denn, nach Saporta, finden sich Blattreste des- 
selben in den quaternären TuflFen der Provence, Und sein 
wahrscheinlicher Ahne, Juglans acuminata A. Br., war zur 
Miocänzeit ausserordentlich weit verbreitet: er ist, nach 
Heer, sowphl in Süd- und Mittel-Europa (Italien, Schweiz, 
Deutschland), als auch im hohen Norden, z. B. in Grönland 
und auf der Insel Ssachalin, nachgewiesen worden. Am 
Altai wuchs zur Pliocänzeit eine andere, unserem Walnuss- 



1) Nach Bretschneider ist /. regia nach China yon Tibet ein- 
gefahrt worden. (On the study and yalue of Chinese botanical works, 
p. 16.). 

2) G. Capus. ffPlantes cnltiv^es qu'on trouve k l'^tat sauYage . . dans 
le Thian-Schan occidental»; I. c, p. 285 — 286. — In der Aufzählung der 
Pflanzen Turkestan's, die Franchet nach den Ergebnissen der «Mission 
Capos» mittheilt, fehlt merkwürdiger Weise der Walnnssbaum. 

8) Offenbar bezieht sich auf dieses Vorkommen in Ferganä die Altere 
Notiz Oeorgi's (Geogr.-physik. und naturbist. Beschreibung des Russischen 
Reichs; Th. III, p. 1808), dass der Walnussbaum sich «im Soongorischen 
Gebirge» finde. Ledebour (Fl. ross., I, p. 507) wusste mit dieser Angabe 
nichts anzufangen. 




— 58 — 

baame gleich£dls nahe Tenrandte Art, Jwglans crenulata 
Scbmalh. 

Was das spontane Yorkommen des Walnnssbaanies in 
Transkaokasien und Armenien betrifft, so wird es von 
C. Koch bestritten. Indessen findet er sich, nach Med- 
wedew, unzweifelhaft wild in Talysch, wahrend er im übri- 
gen Transfcankasien in der That wahrscheinlich nur in ver- 
wildertem Znstande auftritt. Er kommt daselbst fast fiberall, 
bis zor Höhe von 4500' üb. d. M., yor nnd wächst TielfiBich 
in Wäldern; dass er aber Tcrmuthlich ron nrsprfinglichen 
Kulturen stammt, darauf weist der Umstand hin, dass in der 
Nähe der Stellen, wo er wächst, meist Ruinen einstiger An- 
siedelungen nachweisbar sind. Ungeachtet seiner fremden 
Herkunft, hat sich der Walnussbaum in den wärmeren Ge- 
bieten Transkankasiens so sehr dem Klima und den übrigen 
natfirlichen Verhältnissen derselben angepasst, dass er da- 
selbst ganz und gar als Waldbaum figurirt. Zu solchen Ge- 
bieten gehören z. B. der Bezirk des Schwarzen Meeres 
(Tschemomorskij Okrug), Abchasien, Gurien, Mingrelien, 
Imeretien, das Gebiet ?on Batum, die G^end um Kubi, 
das untere Kura-Thal etc. Die Kultur des Walnussbaumes 
in Transkankasien mnss ausserordentlich alt sein; darauf 
deutet nicht nur die Existenz vieler einheimischer Namen 
desselben, sondern auch die Ausfuhr des Nussholzes hin, 
die seit alten Zeiten aus den pontischen und kaspischen 
Kustengegenden Transkaukasiens betrieben wird. Trotzdem, 
dass diese Holzart nicht selten schonungslos -au^ehanen 
wurde, hat sich dieselbe dennoch, Dank ihrer grossen Re- 
productionsf&higkeit, als junger Nachwuchs, in grosser Menge 
erhalten. In neuerer Zeit sind es hauptsächlich nur die ffir 
Tischlerarbeiten so gesuchten MaserauswQchse, die aus dem 
Kaukasus ausgeffihrt werden; die Auswfichse werden im 



— 59 — 

Mittel 3% — 4V2FUSS lang und 7 — 14 Centner schwer; bis- 
weilen aber erreichen sie eine Länge von 7 Fuss und ein 
Gewicht von 27 — 33 Centnern. Bei der primitiven Art der 
Entfernung dieser Auswüchse gehen die Bäume selbst ge- 
wöhnlich zu Grunde. Um das Dickenwachsthum des Stammes 
zu befördern, unternimmt man in einigen Gegenden Trans- 
kaukasiens mit demselben eine Operation, indem an dem 
Stamme, vom Boden bis zu den ersten Zweigen, einige 
Längseinschnitte gemacht werden. Besonders schöne Wal- 
nnssbäume werden im Kaukasus vorzugsweise in Einsen- 
kongen des Gebirges angetroffen, desgl. auch im Grunde 
von Schluchten, die von Bächen bewässert werden. 

Im nördlichen Kaukasus findet man Walnussbäume nur 
in Gärten, und hauptsächlich im östlichen Theile. Sie wer- 
den auch im südlichen Russland vielfach kultivirt. Ganz 
besonders reich an Walnussbäumen ist der südliche, gebirgige 
Theil der Krim, wo die Einführung dieser Holzart vor meh- 
reren Jahrhunderten Statt fand ; Genaueres über den Zeit- 
punkt derselben scheint nicht bekannt zu sein. Mein Vater ^) 
berichtet über zwei uralte kolossale Bäume, die im Dorfe 
Tasch- Baskän-Ssfijr6n, so wie in dessen Umgebung, noch 
vor 50 Jahren standen; der eine davon (im Dorfe selbst) 
maass im Umfang, in der Höhe von etwa 2 Metern, 47;, Meter 
(mithin etwa 1% Meter im Durchmesser) und brachte ge- 
wöhnlich jährlich 8—10,000 Nüsse. Es soll in der Krim 
tatarische Familien geben, die sich von einem einzigen 
Walnassbaume ernähren. In Bessarabien findet sich dieser 
Baum vielfach angepflanzt; nach daselbst von Döngingk 



1) n. KenneBi». KpuMCKift C6opHHK'b. (1837); CTp. 295. — Hier ist ge- 
sagt, dass der Umfang des betreffenden Baumes G Arschin 6 Werschok be- 
trug. Es ist mir nicht bekannt, ob die von meinem Vater erwähnten B&nme 
noch gegenwärtig existiren. 



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— <-. — 

[rjaest^ Eifilnu^^a, -»fcn:*« *r »irirt sAt gmt, trägt 
iher rv^jtTrt'iiz^ lit s^farä g*I :il-ai Wzit::?^: bei — 16'B. 
erfrs*r?a d>? r^^^-?^ Tri-*ce- >d — 2 j' E- I-riiet »ach das 
Hlr, ba — 22^ B. 2r/C €rsr^n i« Wahiiss- 
ba zcr W-n^rirl- . Aa. irt^r^jü Enj^rr wini o*, nach 
Grcner. m*Lr als Z-rrtaiizL. 1I5 -ier FrirLte v^e^ea. kviti- 
firL Bei J'^kat'^riLOi&Iiw z-rliz:r?a ie Frl«:l;e. nach Akin- 
fijew. zor F^ife.iC'i zirar Ea?ie Airist zz*! izi S^pteaber 
ait-St- . Xich Czeraii^w.i::-:! s*:i «i-? Wiln^^sboani im 
G*:«T. C Lirfc«>w ärgert inzt, iesgL, 5aj:h Miszer. im Goot. 
Karst w.j er selti?« Asz^tr-iffen wir! ;ind in nahmen Wiatan 
zwax feM-et. aber nicht zanz erfriert: Frt-rite tri^ er da- 
5^lb5t cir sehen. Bo^owicz sägt. dass d^^r Wafamssbanm 
im Go:iT, Kij^-ar l^^ispielsweise bfi T5#:tizirin. Korssnn'. 
Kijew and Tsci-^m- byF um enteren Pnpet'» knltiTirt 
werde, desel. bei Poltawa nnd z>'jch bei Nowyjrv^d-Ssjewersk 
(im &:»aT. T5cheniig^>w. nnier dem 52' n Br.». Eichwald^) 
bemerkt« dass der Walnossbasm im Kremenez ini sidvest- 
lieben Wolynien i rortrefiich fortkommt, in Wilna aber er- 
friert; d>ch kommt er schon, merkwürdig genog, in Pinsk 
gut fort, so im Garten der Bene^üctiaer M^ache Ton Gönn 
dischtäcbe». Nach BostafinskL fio-iet sich der Wafaiass- 
banm in Polen «wahrscheinlich in der südlichen Hälfte) bin- 
fig der Xüsse wegen angepflanzt. Bei Biga friert er, nach 
Klinge. £ist jährlich zurück: in den Ostseeprorinzen ranss 
er zum Winter öberail eingebandeo werden: beim Schlosse 
Babenthal lin Kurland 1 soIi ein so behandeltem. 20 — 25 



1/ Z^bel gibt dieä«Ib*rn Zi^em. — wie es scheint. 9Ach Dömgingk. 
TgL H. EL IIa<'ejfw Jp^BecHiiia ■ EjcrA^shia q*^(«'>xiiI. pdjsojuoau Bn»Fbc- 
dx: crp. 60. 

2i Katnrhiat. Skizze Ton Litbaoen. Yolhriiiem und Pcdolien; p. 110. — 
Fiai^ Uezi unter 52^ 7' o. Br. 



- 61 —• 

Jahre altes Exemplar stefaen. Hm. Antonow verdanke ich 
die interessante Notiz, dass im nördlichen Theile des Kreises 
Witebsk, auf dem Gute des Grafen Sabjello, ein schöner 
Walnussbaum steht ^). — Nach den oben raitgetheilten man- 
gelhaften Nachrichten, gedeiht mithin der Walnussbaum 
(ohne Bedeckung) im westlichen Russland kaum nördlich 
vom 52° n. Br.^), während er im östlichen europäischen 
Russland, wegen des kontinentaleren Klimans und der damit 
verbundenen rauheren Winter, jene Breite nicht erreicht. 
Wie ich nachträglich ersehe, nimmt auch Alph. De Can- 
dolle') für Osteuropa den 52° n. Br. als Grenze der Wal- 
nusskultur an, während dieselbe in Westeuropa bis zum 
56^n. Br. reichen soll. Die letztere Angabe ist nicht genau, 
denn, nach Schübeier, triflFt mau in Norwegen frucht- 
tragende Walnussbäume noch im Kirchspiele Frosten am 
Throndhjems-Fjord (unter 63° 35' n. Br.) an, während in 
Schweden dieselben ihre Polargrenze bei Stockholm (59° 20') 
erreichen. 

Nehmen wir diese letzteren Orte mit in Betracht und 
vergleichen die nördliche Kulturgrenze des Walnussbaumes 
mit Temperaturlinien, wie sie in Schübeler's Werk über «die 
Pflanzenwelt Norwegens» (nach Mohn), so wie in Wi Id's Atlas 
über «die Temperatur- Verhältnisse Russlands», mitgetheilt 
sind, so ersehen wir, dass jene Kulturgrenze keiner einzigen 
Temperaturlinie einigermaassen genau entspricht. In Norwe- 



1) Es müssen hier ganz excliisiv günstige Bedingungen walten, die das 
Fortkommen dieses Baumes in so nördlicher Lage (etwa uater 55 Vj^ 
n. Br.). ermöglichen. Im Folgenden sehe ich von diesem ganz vereinzelten 
Beispiele ab, das sich möglichen Falls auf J cinerea bezieht. 

2) Georgi (1. c.) meinte: «In mehr als 50 Gr. Br. ist sein Fortkommen 
wegen seiner Empfindlichkeit gegen Frost misslich, und rocht oft bringt vr 
die Früchte nicht zur Reife». 

3) Geographie botaniqne raisonnee; t. I, p. 893. 



— 62 — 

gen und Schweden nähert sich die Grenze der Walnasskultur 
der Januar-Isotherme von — 4° C; aber im europäischen 
Russland entspricht diese Grenze durchaus keiner Isochimene; 
sie fällt, im Verlaufe von Stettin bis zum Gouvernement 
Kursk, ziemlich gut mit der September-Isotherme von 15°C. 
zusammen, — während in Norwegen der Walnussbaum bei 
einer mittleren September-Temperatur von nur ll^C. noch 
reife Fröchte zeitigt. Am besten stimmt noch die nördliche 
Kulturgrenze des Walnussbaumes mit der Jahresisotherme 
von 6 — 7° C. überein. Wenn wir die oben mitgetheilten, 
von Döngingk eruirten Temperaturgrade in Betracht zie- 
hen, bei deren Eintritt der Walnussbaum leidet oder ganz 
eingeht, so folgt daraus, dass in jenen Gegenden, wo die 
Temperatur nie unter — 15 — 16° C. sinkt, die Walnuss- 
kultur gesichert ist. — Sehr interessant ist eine Bemerkung 
Basiner's^), dass die in Kijew angebaute Spielart des Wal- 
nussbaumes, welche höchst wahrscheinlich aus Samen von 
Krim'schen Bäumen hervorgegangen ist, eine Vegetations- 
periode von nur 5 Monaten hat, während der Krim'sche 
Walnussbaum 6 — 6% Monate vegetirt. 

Nach officiellen Angaben^) sind aus Russland, und zwar 
hauptsächlich aus dem Kaukasus, in den letzten 5 Jahren 
folgende Mengen an Walnussholz ausgeführt worden'): 



1) Im Balletill de Moscoa, 1857, P. 1, p. 524. 

2) Die Quelle findet sich bei Besprecbang des Bachsbaumes citirt. 

8) Die hier bemerkbare Preissteigerung mag damit zasammenh&ngen, 
dass, wie oben gesagt, jetzt immer mehr nur die thenreren Maserauswüchse 
ausgefdhrt werden. — Wie Herr Maximowicz mir bemerkt, war vor 20 
Jahren kaukasisches (resp. persisches) Nussholz in St. Petersburg noch recht 
viel zu haben; gegenwärtig mflssen die Tischler das brüchigere amerikani- 
sche Nussholz verwenden, da, ihrer Behauptung zufolge, das kaukasische 
nicht mehr im Handel sei. 



— 63 — 

1883 88,795 Pud, für 84,297 Rbl. 

1884 78,695 » » 129,839 » 

1885 109,131 » » 256,273 » 

1886 93,712 » » 143,625 » 

1887 116,448 » » 297,760 » 

lieber den Handel mit Walnüssen haben wir, so viel 
mir bekannt, gar keine verlässlichen Angaben, — so dass 
ich aasser Stande bin anzugeben, wie weit wir in Russland 
einheimische, und wie weit ausländische NQsse consumiren. 
Eine sehr grosse Nuss mit dünner Schale soll aus der Krim 
kommen, wo, wie auch im Kaukasus, verschiedene Varietäten 
von Nüssen kultivirt werden. Je dicker die Nussschale, desto 
mehr nähert sich bekanntlich der Baum dem wilden Zustande. 

— Die Blätter finden in der Medicin Verwendung: bei ver- 
schiedenen einheimischen Völkerschaften Transkaukasiens 
werden die scrophulösen Kinder in einem Aufgusse von 
Walnussblättern gebadet. 

Namen. — Russisch : Or&skij - OrjSch (i. e. griechische 
Nuss)^); Wolösskij'j Wolöshskij- oder Wolöschskij-OrjSch 
(d. h. walachische Nuss)*); auch einfach OrjSschina^ Orj6cho- 
tooje derewo (i. e. Nussbaum). — Polnisch: Orzech Whski. 

— Moldauisch : Nuk (offenbar verwandt mit lat. nux). — 
Ossetisch : Ängus '). — Armenisch : Inkuseni; Kagin ; Arkaja- 



1} Bei den Römern bedeutete nuxgraeca die Mandel. Vgl. Hehn. Kul- 
turpflanzen und Hausthiere; Aufl. 4, p. 321. 

2) Diese beiden Namen deuten auf die Gebiete hin, von woher die Wal- 
nQsse zuerst nach Russland kamen; ähnlich wie der russische Name Gre- 
tsdi^idui (d. h. «das griechische» seil. Korn) für den Buchweizen. 

8) De Gandolle. (66ogr. bot. rais., t. 11, p. 968) spielt wahrscheinlich 
auf dieses Wort an, indem er bemerkt, dass die hebräische Benennung 
Egos eine eigenthümliche Aehnlichkeit mit kaukasischen Namen des Wal- 
nussbaames bietet. 



^ 



— 64 — 

bm^). — Posisdi: Girdägan, Gerdm: linTalrsch): Gträckjafi; 
(in Ghilani: FTiiJb. — Tatarisch fin der Krioi): DshawiSj 
Dshineis; fim Kaukasus): Dsiovs^*; Km. — Türkisch (im 
KaokasosK Sewis. — Eirigtsisch: D^umgak*); Tschagar- 
wuisg (Annenkow); (bei den Usbeken): DAamgak^Jangak, — 
Bei den Tadshik*s: TsckawMk (Capns). — Bacharisch: 
Tscharmagis (d. h. Tier Kerne; nach Pallas und Capns). 

— Chiwensisch : Koo$i. — Knmykisch : Jfos. — Gmsin., 
imeret., garisch: Xiaosi; KJmU ,die Xoss». — Sswanetisch: 
Gak. — Mingrelisch : Xedsi. — In^schisch : Botsdnbar. 

— Tschetschenisch: Botsckäxtri-deischik. — Kabardin., 
tsdierkessisch : Dfsdichei. — Abchasisch: Ard; Jkatan (die 
Nnss). — A warisch : ZnlatU. — Lesgisch (Sakat ) : 3f är, 
Mäk: (did.): Wakar; (kapatsch.i: CMie; (innch.): Waaki] 
(kasyknmj: Ch^jmck, — Ssamars.: C%ti 



Oattons 2. Ptarocarya. 

Die drei Arten dieser Gattung sind auf das westliche 
nnd östliche Asien beschränkt. Während Pt. /huriiit/ö/ia, 
ober die wir genauer zu berichten haben, in Transkankasien 
nnd im nördlichen Persien zu Hause ist, kommt Pt. stemh 
ptera C^. DC. in China nnd Pt. rhoifolia Sieb, et Zucc/) 
in Japan (auf den Inseln Nippon nnd Yeso) Tor. Zur Mio- 



1) Die Anfascssilbe dieses Wortes \Ärh\ eriimert an die slmTncken Na- 
raem: Orjtrh. Orak, Ormk^ OriM. Ark etc., resp. aa das pers. ^ra^. 

2) Daftatrü, Dsh^tcL* aad Dshotu^ vie tärk. ^Sfiri», hiagcs oüeobar mit 
irab. Jotri aod Däkamarz zasammeiu und diese letsterea NaaieB wieder nit 
gr. Ais; u^A^v^i. resp. lat Joris xglamsi. Vgl. De CaadoIIe, I. r. 

3i D*haM oder JOS = n*a: also aeae Xuss tvgl. sswanet. ^Jt s= Wal- 
BOSS ; Dies vürde auf eine spatere Einfähraag destea. 

4) Zb die:«r Art gehört aoch Pt. sarbi/dia Sieb, et Zacr.; TgL Maxi- 
m o w i c z , m DiagQ oses pl antamm noTanua Japoaiae et Mandshoriae. Decas 
du«-iderimd». in den Melanges biolAgiqne?, t. VTIl, p. 6S7 — 639, 



— 65 ^ 

cäuzeit wuchs in der Schweiz eine Pterocarya^ die, nach 
Heer, der kaukasischen Pt. fraxinifolia nahe stand; der 
letzteren nftchstverwandt war auch eine Art {Pt. densinervis 
Schmalh.), die zur Pliocftnzeit am Altai vorkam. 

340. (L) Pterocarya fraxinifolia Spach {Pt.caucasica CA. 
Meyer, Juglans fraxinifolia Lam., J. pterocarpa Willd., 

Uhus ohscurum M. B.). 

Die Verbreitung dieser Art ist, ganz ähnlich wie bei 
Zelkova crenata^ auf einige Gebiete Transkaukasiens und 
das nördliche Persien beschränkt. In Transkaukasien wächst 
sie in einigen Gegenden des westlichen Theiles, auf der 
Niederung von Kachetien und Sakataly, im Kreise Nuchä 
und in Talysch. Im westlichen Transkaukasien findet sie 
sich nur in den Niederungen des Batum 'sehen Gebietes, 
Guriens, Mingreliens, Imeretiens, Abchasiens und des Bezirks 
des Schwarzen Meeres. Sie fehlt schon auf den nächsten 
Vorbergen, welche die Kolchis - Ebene umsäumen. Den 
äussersten nördlichen Punkt ihrer Verbreitung bildet, so 
viel bekannt, die Umgegend von Ssotschi; ostwärts Ober- 
schreitet sie kaum den Meridian von Euta'fss. In Kachetien 
wächst die Pterocarya im ganzen unteren Flussthale des 
Alasan', z. B. in Menge zwischen Ssignach und Lagodecha; 
wie hoch sie den Alasan' hinaufgeht, ist nicht festgestellt. 
Von hier verbreitet sie sich auch in den Bezirk Sakataly, 
im ganzen ebenen Theile desselben vorkommend. Im Kreise 
Nuchä ist sie im Osten der gleichnamigen Stadt beobachtet 
worden; doch sind die Grenzen ihrer dortigen Verbreitung 
unbekannt. Einigen Angaben zufolge hält es Medwedew 
f&r wahrscheinlich, dass Pl(. /raa^int/b^ia auch im Kreise Kuba 
vorkomme. In Talysch wächst sie ausschliesslich in der Ufer- 



5 



— 66 — 

Zone und auf den nächsten Vorbergen. Ueberhaapt gehört 
sie nur der untersten Region an and findet sich höchstens 
1000— 1200' üb. d.M. 

Zum gedeihlichen Wachsthume verlangt diese Holzart 
sehr feuchten, und sogar nassen Boden; in dieser Hinsicht 
Übertrifft sie selbst die Schwarzerle. Ihre Lieblings-Stand- 
orte bilden versumpfte oder anhaltend überschwemmte Nie- 
derungen. Unter solchen Bedingungen wächst sie rasch und 
erreicht bereits in 10 Jahren eine Höhe von 30 — 40 Fuk. 
Sie wird sehr alt (bis 200 Jahre) und erwächst zu einem 
hochstämmigen, majestätischen Baume von 100 Fuss Höhe 
und 4 — 5 B'uss im Stammesdurchmesser; zudem ist der 
Stamm bis zu einer bedeutenden Höhe astfrei. Das Holz ist 
weiss, mit einem Stich in's Röthliche, weich, leicht und wenig 
dauerhaft ; es erinnert an Lindenholz. Man bereitet aus dem- 
selben Tröge, Zuber und ähnliches kleinere Geräth ; im Ganzen 
wird es wenig benutzt. Eine grössere Verwendung findet 
der Bast; er wird (von 2— 5jährigen Bäumen) zum Anbinden 
der Weinstöcke gebraucht ; mit Baststöcken von alteren Bäu- 
men bedecken die Lesgier ihre Hfitten. Mit den Blättern, 
die XU grobem Pulver lerkrflmelt werden, vergiftet man die 
Fi$che^ die davon berauscht werden nnd sieb leicht fangen 
UÄ>en. Wie Medwedew bemerkt, können die Frächte ge- 
luvk^ott wenlen, — Pt. fnuimfi-iia wichst in den Wildem 
«utemu$chi mit aihleren Laabbinroen, z. B. der Weissbuche, 
Fache. Schwiur^erlo, und s^^ssur mit der Boche fin Gnrien); 
nur $^^lten, *ttf ^umptlg^Mi Stellen, findet sie sich auch in 
kleinen ttVv^^wisvhion Be$i;ir.vten. Sie treibt vie! Wnnelaos- 
^*hi^. l;u K;jiuk^u$ wirvi ^ie Hsh^r wea:g knUiTirt: doch 
>fc:n.i :n:<^ $^^:^ rx:; tler Z<:; eiise ni-Lii nawicbtige Rolle 
^V\\:^. ÄAr,u ?:>.:>. K^ ierFkriir.::iT«r?cGribM, Bichen 



— 67 — 

Ausserhalb Transkaukasiens kommt Pt, fraxinifolia im 
Lazischen Pontus vor, desgleichen häufig in den nördlichen, 
an's Kaspische Meer grenzenden persischen Provinzen Ghi- 
lan, Masenderan und Asterabad. 

Angepflanzt findet sie sich wenig im europäischen Russ- 
land. Nach den Beobachtungen Döngingk's in Bessarabieu, 
erfriert das junge Holz bei — 12° R.; bei — 18° R. er- 
friert der Baum bis zur Wurzel; er wächst daselbst schwach. 
In Deutschland findet hian ilin hie und da angepflanzt; so 
sah ich ein recht hübsches Exemplar in Braunschweig, im 
botanischen Garten. Nach dem Zeugnisse Schübeler's, 
kommt er sogar im südlichen Norwegen fort; so steht in 
Horten am Christiania- Fjord ein solcher Baum, der in war- 
men Sommern reife Früchte gibt. 

Namen. — Russisch: Lapina (aus dem Grusinischen, 
mit russificirter Endigung). — Grusin., imeret., gurisch: 
Lapani. — Abchasisch: Älapan. — Tatarisch: Jalan-kos 
(Medwedew); Motal-agatsch (Boissier); (bei Lenkoran): 
Mutäl (nach Anne'nkow). - — In Talysch: MuUol. — Per- 
sisch (in Ghilan): Kutscht^ DelehUschi; (in Masenderan): 
Lärg^)l (in Tunnekabun): Ghtwl (nach Buhse). 

Fam« UV. Platanaceae. 

Guttung Platanus. 

Gegenwärtig liegt der Schwerpunkt der Verbreitung 
dieser Gattung in Nordamerika (incl. Mexico), wo 4 Arten 
derselben vorkommen, während in der alten Welt nur eine 
einzige Art, PL orientaliSy auf ziemlich beschränktem Ge- 
biete sich findet. Uebrigens ist diese letztere Art mit den 



1) Bei Boissier (vielleicht durch einen Druckfehler): Läry, 

5* 



^ 



— 68 — 

nordammkanischen Arten nahe verwandt, nnd es kann als 
höchst wahrscheinlich gelten, dass alle diese Formen von 
einer einzigen Art abstammen, die znr Miocinzeit im ark- 
tischen Gebiete zu Hanse war M. Als eine solche Art ist na- 
mentlich PlataniiS aceroides Goepp. bekannt, die nm jene 
Zeit von GrrOnland bis znm Mackenzie verbreitet war, und 
der die nordamerikanische Fl. occidetäalis L. sehr nahe steht. 
In Japan nnd im Mittelmeergebiete sind, so viel ich weiss, 
PUtanen fossil nicht nachgewiesen worden. Aber unter den 
Terti&rpflanzen, die von Lopatin bei Ssimonowa im Gouv. 
Jenisseisk entdeckt wurden, findet sich, nach Heer, häufig 
eine Flatanus-Art {PL OuiUdmae Goepp.), die zur Miocftn- 
zeit auch in £uropa verbreitet war. unter den von Ssoko- 
low im Altai gesammelten pliocilnen Pflanzen fehlt die Gat- 
tung PlcUanttö. 

341. (1.) Platanus ariefdalis L. 

Nach Med wedew, findet sich die Platane, innerhalb 
des Kaukasus, spontan nur in Talysch, für welches Gebiet 
auch CA. Meyer dieselbe als wild anführt. Radde^), der 
diese Angaben wiederholt, bemerkt, dass er selbst die Pla- 



1) Orisebach war so aasgesprochen feindselig gegen eine solche da r- 
winistische Erkl&mngsveise gesinnt, dass er, gelegentlich der Erwäh- 
nung der Platanen nnd Liquidambar- Arten, die beide nnr im Orient nnd 
in Nordamerika vertreten sind, Folgendes bemerkt (Die Vegetation der 
Erde, I, p. 810—811): «Es liegt nahe, hiebei die Thatsache anzufahren, dass 
beide B&ome in Nordamerika durch fiberaas ähnliche Arten ersetzt wer- 
den. . . Dies ist eins der auffallendsten Beispiele, wie die entferntesten Ve- 
getationscentren zuweilen in ähnlichen, aber doch nicht identischen Erzeug- 
nissen sich gefallen, wobei an die üebertragung einer etwaigen 
Stammart von einem Gebiete in das andere doch gar nicht zu 
denken ist». — Die von mir gesperrt gedruckten Stellen kennzeichnen so 
recht Grisebach's konservativen Standpunkt. 

2) Die Fauna nnd Flora des sfidwestliehen Gaspi-Gebietes. (1886); p. 
410—411. 



— 69 — 

tane im Kaukasus nur angepflanzt gesehen habe. Es ist dies 
ein Streitpunkt^ der einer genaueren Untersuchung bedarf. 
Ritter^), der über die Verbreitung der Platane in Asien 
eine interessante Notiz mitgetheilt, erwähnt deren Vorkom- 
men im Kaukasus gar nicht. C. Koch (Linnaea, 1849, p. 
334 — 33^) äussert sich nicht bestimmt Aber diesen Punkt. 
Er sagt daräber u. A. Folgendes: «Das Vaterland der Pla- 
tane ist noch keineswegs ermittelt. ... In den wärmeren 
Strichen des kaukasischen Isthmus kommt sie nur kultivirt 
vor. . . Wahrscheinlich liebt sie, wie die Erle, Pappel und 
Weide, die Nähe yon Flflssen und Bächen und sumpfigen 
Stellen. Möglich wäre es dann, dass sie im Norden des Ala- 
san und am Fusse des Kaukasus ursprünglich vorhanden 
sei, denn dort wächst sie unter den angegebenen Verhältnis- 
sen mit anderen interessanten Bäumen, wie z. B. mit dem 
Flügel- Walnussbaume» (Pl^erocarya). Medwedew, der, wie 
bemerkt, die Spontaneität der Platane für Talysch bezeugt, 
meint, dass sie in den übrigen Gegenden des Kaukasus, die 
von verschiedenen Autoren angeführt werden, nur kultivirt, 
80 wie in seltenen Fällen verwildert vorkommt. Die Schat- 
ten spendende Platane wird in Transkaukasien, wie im Ori- 
ente überhaupt, vielfach in Gärten angepflanzt und ziert 
öfters die öfientlichen Plätze in den Städten. Sowohl Koch^) 
als Medwedew erwähnen als besonders schön die Platanen, 
mit denen einer der Hauptplätze der Gouvernementsstadt 
Elisabethpol (JelissawetpoP) umpflanzt ist; nach Koch, 
hatten dieselben (in den 40-er Jahren) so ziemlich die gleiche 
Höhe von 130 Fuss und viele einen Stamm von 5 — 6 Fuss 



1) «Asiatische Verbreitung der Platane»; in G. Ritter. Die Erdkunde; 
Th. XI, p. 611—516. 

2) VgL auch dessen «Veränderungen im Oriente»; Bd. 8, p. 127. 



— 70 — 



im Durchmesser ^). Koch ermähnt noch eines wunderschönen 
Platanenbaumes, der sich auf dem Marktplatze in Choni (ei* 
nem Marktflecken am Fl. Zcheniszkali) befindet. Nach Ki- 
rilow's Angabe^), stand in den 30-er Jahren eine Riesen- 
platane in der Stadt Ordubad (am Araxes); dieser Baum, 
dessen Wipfel abgebrochen war, hatte eine Höh« von hur 
2178 Metern, aber einen Stammesumfang (in der Nähe des 
Bodens) von 127^ Metern (also im Durchmesser etwa 4}l^ 
Meter) ; der unterste Ast hatte noch einen Umfang von 2% 
Metern; der Baum war inwendig hohl, und in dieser Höh- 
lung wurde im Frühjahre 1833 ein Festschmaus gegeben, 
an welchem sich zehn Personen betheiligten. Hr. Kirilow 
bemerkt, dass einige Quellen die Wurzeln dieses Baumko- 
losses bespülten. Dass dieser Baum schon damals ausseror- 
dentlich alt sein musste, beweist der Umstand, dass Nie- 
mand im Orte sich erinnerte, wann derselbe seinen Gipfel 
eingebüsst habe; nach einer mündlichen Bemerkung Herrn 
H. Christop h's, soll dieses interessante Exemplar* noch 
gegenwärtig ' existiren. — Nach C. Koch, findet sich in 
Transkaukasien vorherrschend die Varietät ocm/bWa Willd., 
jedoch auch die genuine Form. 

Ausserhalb Transkaukasiens wachst die Platane spontan 
in Griechenland"), Macedonien, Thracien, Eleinasien, auf 



1) Seitdem ist wahrscheinlich ein Theil dieser Prachtb&ume eingegangen 
und durch neue ersetzt worden; denn Medwedew gibt (im Jahre 1883) 
etwas geringere Dimensionen an; danach hält jeder der Bäume 8—5 Fnss 
im Durchmesser. 

2) In: JltcHofl HCypHaJi>, 1835 r., h. 3, CTp. 810—812. — Die Angaben 
in russischen Maassen lauten: 80, 18 und 4 Arschin. 

8) Hehn bestreitet Dies aus sprachlichen Rücksichten, gibt indessen die 
Möglichkeit zu, dass der Name TiXaravoc mit TcXaru; (breit) zusammenhängt 
und den breitblätterigen oder weitschattenden Baum bezeichnet. Hehn hat 
mit unrecht E. Gurtius als falsch vorgeworfen, dass Dieser in seiner grie- 
chischen Geschichte die Waldberge Griechenlands in der Urzeit u. A. mit 



— 71 — 

Greta und Rhodos, so wie im nördlichen Persien und (nach 
Boissier) im Himalaya- Gebirge. Was aber dieses letztere 
Gebiet betrifft, so scheint es, nach Brandis (1. c, p. 434 — 
435), dass die Platane daselbst (nur?) kultivirt vorkommt. 
Dasselbe sagt Aitchison auch in Betreff Kabul's, während 
es, nach Ritter, den Anschein hat, dass dieser Baum in 
Afghanistan spontan wächst. Die von Lehmann in Samar- 
kand beobachteten enormen Platanen hält Borszczow für 
angepflanzt und vielleicht noch aus den Zeiten Timur's 
stammend. 

PL orienialis wird, so viel ich weiss, im europäischen 
Russland nur wenig kultivirt. Döngingk führt sie nicht 
für Bessarabien an Sie findet sich an der Sfidkflste der Krim 
angepflanzt^). Indessen dürfte sie Qberall in Sfidrussland und 
sogar z. Th. in Mittelrussland gedeihen, wenn nämlich die 
Angabe Zabel's richtig ist, dass diese Holzart einen Frost 
von — 25'' R. aushält. 

Namen. — Russisch: Tschinär^) (aus dem Persischen, 
resp. Tatarischen). — Armenisch: Ssoss, Ssossi. — Persisch: 
Tschinar^ Tschanar (Boissier). — Griechisch: Platanos. — 
Tatarisch: Tschinar (aus dem Persischen). — Grusin., imeret., 
gar., mingrel.: Tschandari. — Abchasisch: Aschw. 



Platanen bewachsen sieht. Boissier (Fl. or., lY, p. 1161—1162) hebt aus- 
drflcklich hervor, dass die Platane in den Bergen Griechenlands, Macedo- 
niens, Thraciens etc. wildwachsend angetroffen wird. 

1) Die Angabe Skal'kowskij's, dass die Platane in den Bergen der 
Krim spontan wachse, ist durchaos falsch. Vgl. A. GKaxbKOBCRifi. Onun» 
CTaTBCT. ODHcanifl HoBopocciifcKaro xpan; h. II, crp. 242: aTojibRO bi» ro- 
paxi> (TaBpRHecKaro) nojyocTposa h no ero AOiUHaut, BCTp^naeMi» bt> ;^i- 

KOWb BHfik . . . T^ SHaMeHHTUe «IHHapiiI (PlatanUS), KOTOpUM h ohi> ctojibko 
rOpAHTCfl». 

2) Mit diesem Namen wird im Kaukasus auch vielfach, aber fälschlich, 
die Boche bezeichnet, woher die Angaben über das Vorkommen von Tschi- 
ndr sich oft auf diese letztere beziehen. Dadurch mag auch die eben an- 
geführte irrthümliche Angabe Skal'kowskij's hervorgerufen sein. 



72 



Fam. LV. Gapiliferae. 

Oattang 1. Querotuu 

Da ich es hier nicht mit den Eichen Oberhaupt zu thun 
habe, sondern nnr mit denen, die im europäischen Russland 
und im Kaukasus wachsen, so kann ich die Streitfrage nach 
einer allgemeinen Eintheiiung der Gattung Quereu^ bei Seite 
lassen und nur die Eintheiiung der uns speciell interessiren- 
den Arten berücksichtigen. Und zwar adoptireich die 6rup- 
pirung derselben, wie sie von Kotschy^), in seinem Pracht- 
werke Aber die Eichen, aufgestellt und neuerdings durch 
Wenzig^ strenger durchgeführt, resp. erweitert ist. Ich 
glaube Dies um so mehr thun zu dürfen, als Graf Saporta') 
auch (ür die fossilen Eichen Europa's die Eintheiiung Ko- 
tschy's gutgeheissen hat. In der Abgrenzung der Arten 
will ich gleichfalls Wen zig folgen, der darin wesentlich von 
Alph. De Candolle (Prodromus, P. 16, II, p. 2 — 109) und 
Boissier (Fl. or., IV, p. 1162—1174) abweicht. U. A. 
werden in Folgendem die von De Candolle zusammenge- 
zogenen Q. pedunculata Ehrh., Q. sessüiflara Sm. und Q. 
pubescens^illd.^) als drei besondere Arten betrachtet. Fol- 



1) Th. Eotschy. Die Eichen £aropa'B und des Orienfs. Wien and 01- 
mQz. 1862, fol. 

2) Th. Wenzig. cDie Eichen Europas, Nordafrikas und des Orients»; 
im Jahrbuch des Kgl. botanischen Gartens zu Berlin; Bd. IV, 1886, p« 
179—218. 

8) 6. de Saporta. «PrSliminaireB d'une 6tude des ebenes europ6ens Ti- 
Yants et fossiles compar^s»; in: Comptes rendus, 1877, T. 84; pp. 244—247, 
287—290. 

4) Boissier trennt Q, peduncukOa von Q. sesnliflorci, betrachtet aber Q» 
puheseensalB eine Yariet&t der letztgenannten Art, — ebenso, wie auch Q. 
J)»horochen8i8 C. Koch, die Wenzig, gleichwie Q, SeaunUU DG., fOr be- 
sondere Arten ansieht. 



— 73 — 

gende Uebersicht der im europäischen Bassland und im Kau- 
kasus wildwachsenden Eichen ist nach Wcnzig (resp. Eo- 
tscby) geordnet: 

Gruppe I. Microlepidiuin Kotschy. 

1) Q. pedunciüata Ehrh. 

2) Q. Armeniaca Kotschy. 

3) Q. sessüiflcra Sm. 

4) Q. Dsharachensis C. Koch. 

5) Q. Szmiim DC. 

6) Q. pybescens Willd. 

7) Q. Gedrorum Kotschy {pinnatäoba C. Koch). 

Gruppe IL Mesol^ndium Kotschy. 

8) Q. macranthera Fisch, et Mey. 

Gruppe III. Macrolepidium Kotschy. 

9) Q. Gerris L. 

10) Q. castaneaefolia C. A. Mey. 

Nach den von Saporta mitgetheilten Betrachtungen 
Aber die fossilen Eichen Europa's, waren daselbst schon zur 
Elocänzeit verschiedenartige Eichenformen vorhanden, von 
denen einige von allen gegenwärtig bekannten Arten ab- 
wichen, andere jetzigen asiatischen, und wieder andere ge- 
genwärtigen sfldeuröpäischen Formen glichen ; von den letz- 
teren näherte sich eine Art der in Italien wachsenden Q. 
pseudosuher Santi. Zu Ende der Eocänperiode zeigen sich 
die ersten Formen aus dem Typus CJdoröbalanus] um dieselbe 
Zeit und in der Oligocänperiode besass Europa auch Reprä- 




74 



seoUatai des g^^enviitig in Amerika Tertreteneo Typus 
Er^krdbalamms. Wihroid der Miociiizeit wuchsen in Ter- 
schiedenen Gegenden Eoropa^s solche Eicfaenfonnen, die der 
Q. lUx L. glichen, z. B. Q. aspera Ung. and Q. medüerra- 
nea Ung. Der Typus Cenris ist erst im Horizonte des Hip- 
parian^s beobachtet worden. Aas dem Typas Lqndobalanus 
im engeren Sinne, finden sich die ersten Repräsentanten in 
der fossilen arktischen Flora and in derjenigen Alaska's, — 
nach Heer, im unteren Miocan; Saporta bemeiitt, dassdie 
letzteren einigen gegenwärtigen amerikanischen Arten {Q. 
priscus L. und Q.m<icrocarpa Michx.) nahe stehen. Erst za 
Ende des Miocäns, im Horizonte der Cbn^erieii-Schichten, 
beginnen Eichen des Typas Eulepidobalafius zu erscheinen, 
um bald an Anzahl zuzunehmen; so z. B. Quercits Falopiana 
und Gameliae Mass., von Sinigaglia. Diese Eichen umfassten 
damals nicht nur Formen, die mit unseren Q. peduncuUUa 
Ehrh. (Bobwr L.) und Q. gaUifera verwandt sind, sondern 
auch noch Formen von ostasiatischer, und selbst japanischer 
Physiognomie ^). Zur Pliocanzeit wuchsen wenigstens 6 Arten 

des Typus Etdepidobalanus in SQdeuropa; zwei davon sind 

• 

fast identisch mit gegenwärtigen Arten von der Gruppe gal- 
lifera^ nämlich: Q. infedoria arvemensis Sap. und Q. Mir- 
beckii antiqua Sap.; drei pliocäne Arten aus der Anvergne 
erweisen sich nächstverwandt mit Q, peduncuUUa^ resp. Q. 
sessüifloraj nämlich: Q. rcbur pliocenica Sap., Q. amplifclia 
Sap. undQ. Zramof/ii Sap. Q.pubescens erscheint erst in den 



1) In Anbetracht dieses Umstandes, d. b. des einstigen YorkonimenB 
ostasiatiscber und amerikanischer Formen in Europa, erscheint die Bemer- 
kung Wenzig^B ungenau, dass «die Eintheilung der Eichenarten: in ame- 
rikanische, in europäisch- orientalische und in die Ost- und Sadasiens nicht 
allein eine geographische, sondern auch eine botanische, weil durch wesent- 
liche Charaktere bedingte» sei. Vgl. Th. Wen zig. <rDie Eichen Ost- und 
Sadasiens» (1. c, p. 214). 



— 75 — 

quaternärcn Tuffen (gleichzeitig mit Elephas^antiguusFeAc): 
— Mithingehört das Erscheinen der gegenwärtig in Europa 
am weitesten verbreiteten Arten : Q. pedunculata^ Q. sessi- 
liftora und Q. pübescens, in eine sehr recente Zeit, während 
diejenigen Arten, die jetzt eine unterbrochene Verbreitung 
aufweisen, namentlich Q. Cerris und Q. psettdosuber , in Eu- 
ropa directe Vorfahren in relativ sehr entlegener Zeit gehabt 
zu haben scheinen. 

So weit Saporta, dessen Mittheilungen die Vermuthung 
auszusprechen erlauben, dass die genannten Arten: Q. pe- 
dunctdata^ Q. sessüiflara unAQ, pubescens^ so wie die ihnen 
nächst verwandten Formen, die in Ost- und inSfldasien feh- 
len, entweder im Kaukasus, resp. Kleinasien, oder aber in 
Södeuropa sich differenzirt haben, — und zwar aus Formen, 
die wahrscheinlich aus Ostasien über den Himalaya und Klein- 
asien eingewandert waren. Als Ursprungsstätte darf man wohl 
den einstigen arktischen Kontinent ansehen, von wo die Vor- 
fahren jener Eichen, vermuthlich um die Mitte desMiocäns, 
sowohl nach Ostasien als nach Nordamerika flbersiedelten. 
Was speciell die roburoiden Eichen betrifft, so nimmt neuer- 
dings auch Kra§an^) an, dass dieselben «aus demjenigen 
Florengebiete ursprünglich ausgegangen sind, welchem die 
heutigen Pontusländer sammt dem Hämus-Balkan angehö- 
ren». Nach seiner sehr wahrscheinlichen Ansicht sind die 
drei weitverbreitetsten Arten {Q. pedunculata^ Q, sessüiflora 
und Q. pubescens) nach Europa aus Kleinasien eingewandert. 
Ergänzend füge ich noch meine Ueberzeugung hinzu, dass 
nach dem europäischen Bussland die genannten drei Arten 



1) Ffauz Erasan. «Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der mittel- 
europäischen Eichenformen», in Engler^s Botan. Jahrbüchern, Bd. 7, 1886, 
p. 62—114. 



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— 76 — 

von Westen her fibergesiedelt sind, während sie nach der 
Krim direkt aus dem Kaukasus gelangen konnten. 

842. (1.) Quercus peduncuhta Ebrh. (Q. Rclbur L.; Q. Ro- 
hurYar.peduncfdataDC; Q. pedunculißora G. Koch; Q. hy- 

pochrysa Stev.). 

Im europäischen Russland kommen zwei Hauptformen 
der Stieleiche vor, die in Bezug auf die Form der Blätter und 
Früchte, so wie auf die Länge der Fruchtstiele ^), kaum Dif- 
ferenzen aufweisen, aber, in physiologischer Hinsicht, durch 
die Zeit der Belaubung und des Laubabfalls, sich constant 
von einander unterscheiden. Die eine, allgemein verbreitete 
Form belaubt sich und blfiht früher (im Mai) und wirft ihre 
Blätter zum Winter ab; sie wird vom russischen Volke als 
«Sommereiche» (xbrnii ji.yö'b) bezeichnet; in der Krim scheint 
diese Form zu fehlen. Gzerniaöw nannte sie var. praecox', 
Lindemann führt den Namen var. aestivalis Basin.^) an. 
Die andere Form belaubt sich und blüht um zwei bis drei 
Wochen später und behält die trockenen Blätter den Winter 
über am Baume. Diese letztere wird vom Volke «Winter- 
eiche» (sHMHifi KS^'h) genannt; auch heisst sie Petrowsky-dub^ 
weil sie gewöhnlich zu Beginn der Petri-Pauli-Fasten (1./13. 
Juni) blüht. Czerniaew bezeichnet sie als Ys^r.tardifloraj auch 
figurirt sie als var. hiemalis Basin.^. Diese Form scheint 



1) Indessen sagt Lindemann, dassbeider «Sommereidiei» die Frucht- 
stiele kurz und dick sind, bei der sogen. «Wintereiche» aber die Länge der 
Blätter erreichen. 

2) Bas in er selbst hat, so viel ich weiss, diesen Namen, so wie den wei- 
ter nnten citirten, nicht gebraucht; beide Namen finden sich bei Steven 
(Verzeichniss . . der taurischen . . Pflanzen, p. 804), als üebersetzung der 
russischen Benennungen. 

8) Vgl. über diese beiden Formen: 1) 9. H. BasHHepT». «0 pacmreA- 
HOCTH H KJomaTt KiencRofi rydepHiH» (}KypH. Mhh. rocyx* HMyn^*) 1858 r., 
q. 48, CTp. 227). — 2) B. M. HepHfles'B. Ji'hcax'b yRpaflHBi. (1858 r.); 
CTp. 17—18. 



— 77 — 

gleichfalls weit verbreitet zu sein; sie wird von vielen För- 
stern für Q. sessüiflora gehalten, und ich bin geneigt, alle 
die Angaben, welche (z. B. in Ledeboor's Flora rossica, 
in, p. 590) Ober das Vorkommen dieser letzteren Art im 
östlicheren Russland berichten, auf die spät blöhende Form 
äerQ. pedunculata zu beziehen. Speciell wird sie von Lin- 
de m a n n für das Gou V. Chersson , von B a s i n e r für das 6on v, 
Eijew, von CzerniaSw ftir das Gouv. Charkow und von 
Akinfijew fflr die Umgegend Jekaterinosslaw's genannt. 
Zinger bemerkt, dass in den Gouvernements Rjasan, Tula, 
Orel und Tambow sich gleichfalls eine Form der Stieleiche 
findet, die später sich belaubt und blüht; ich zweifle nicht 
daran, dass Dies die var. tardiflora Czern. ist, wie Solches 
auch Zinger selbst vermuthet. Ferner wächst sie in den 
Gouvernements Poltawa und Woronesh, z. B. im Schipower 
Walde ^). Auch das von Ledebour angegebene Vorkommen 
der Q. sessüißora im Gouv. Pensa bezieht sich wahrschein- 
lich auf Q. pedunculatay var. tardiflora. Bode sagt, dass er 
in der Forstei Sassurskoje (südlich von Pensa) einige Eichen 
fand, die er, ihren scharf eingeschnittenen, dunkler gefärb- 
ten Blättern nach, für Q. sessüiflora halten musste; «auch 
wurden solche Eichen von den Waldwächtern durch den Na- 
men «Wintereiche» von den übrigen unterschieden». Nach 
einer mündlichen Mittheilung Prof. Rndzki's, der die ge- 
nannte Forstei genau kennt, soll Q. sessüiflora daselbst nicht 
vorkommen. Da Bode, wie er selbst hervorhebt, es mit 
Zweigen zu thun hatte, welche der Früchte ermangelten. 



1) Hr. Anderson (JltcH. }KypH., 1880, cxp. 125) hat offenbar diese 
Form gemeint, .wenn er yom Vorkommen der «Wintereiche» im Schipower 
Walde spricht. Die «Sommereiche» soll daselbst anf Tschernoejomboden 
wachsen, wfthrend die «Wintereiche», in geschlossenen Beständen, sich anf 
etwas saljchaltigem Boden findet. 



78 



liaM sML so vermmäie k^ diass jeae tob Bi^t beoliadi' 



Ekenw gteäbe kli zu äkser ktttercn Ae ^« Claas (L c, 
19. 147 nai 255 1 ftr die ^iigugegeoi «n^^efihte <^. ms- 
tSi ß&rm stdka £■ aitsBen: Vees«]i]ii€Ter 0. c p. 102l 
zmaSA joi der Skkitt^eit dieser l emac u BestiHBiiig in 
Betreff der GonvemeBeHts SamlsTsk md Ssaaiara: und 
Becker fokat Q. Be&üifinra lociit iiir die riD«!e@aid Sarep- 
ta*^ aa. Zin^er anciit darauf aaEfiMiisaaL dass diese letz- 
tere Art in BeaererZflt äiMnaebiBgiaBd Jtiigc a fe beobach- 
tet imriea ist. — wfAter Kabrsc^emlicfe in Mem aheroi 
As^aba die sfittilibaide Fcc« der Sö«leicbe geaeiBt ist 
In der Erm sdKänt, nadi Steren. nin- £e tjt. tmrdjftmru 
Czorn. TcrakosBen. Ix Bemg anf den Eaaknsss lieg» 
vir keine Aiinben 1X4-. ans desen san nlicr dieT<ri»en'sd^ 
resfL ADezBTvffkvaaiDen öfr einen oder der a nderen Fora 
sdiüesstefi kv^msie. — Bt-i der Betraciinaig: der ^eogra|ilii- 
scben Te-riinEiixiKi: oer Stiejeariie wde icb die beiden be- 
5^^T\<iienen Farben derse I :«» rSri i nr^yinindc r baliien. 

T:ci aii5t?v3i TarietiCt« d«- SbeücLe. fie in enn^iii- 
Seiten EnssliLod nnd ia Kankasvs — ni"f m ntnnt ich 

1 Tit. Juenr.w EaiLfsL^ Ke ':a£en Butler sind 
Mcf ö«- rr;«siK;e »ft ^CfnfTcitipKia Flanke bedecbu wd- 
«rtr $^<7 tirmeo*r rerK:iwiT?5ec :«iÄ- asnri kenerkbir 
tOr. ::: i>c IlinsciTk $di*I IJ^z^^rr ii> 5« der trfischen Fana 
xzßi irrzi:htz Izk lXzjx ^fr rM:iTafiC*fie: üe Bätter sind 

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— 79 — 

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1er, als bei der typischen Form. — Diese Varietät wächst 
in der Umgegend von Moskau, z. B. bei Zarizyno und auf 
den Sperlingsbergen. Nach Ziuger, findet sie sich wahr- 
scheinlich auch südlicher. 

2) Var. araaina Trautv.^). — Wächst in der Umgegend 
von Ordubad (am Araxes, im südlichsten Transkaukasien). 
Sie nähert sich der Q. armeniaca Kotschy. 

Die Nordgrenze der Stieleiche (und zwar der var. prcie- 
cox^ da die var. tardiflora in den nördlicheren Gegenden zu 
fehlen scheint) ist schon von verschiedenen Forschern einer 
Untersuchung unterworfen worden; so namentlich von 
Buch^), Löwis«), F. H. Müller*), Trautvetter*), Bode^) 
und Grisebach^). L. v. Buch, der zu einer Zeit schrieb^ 
als die Meteorologie und Elimatologie noch in Windeln la* 
gen, hebt hervor, dass der Lauf der Eichengrenze über die 
nordischen Länder recht bestimmt zu erkennen gibt, wie 
das Klima sich mit der Entfernung vom grossen Ocean ver- 



1) Vgl. V. Trautvetter, in: Acta Horti Petropol., T. II, p. 687—588. 

2) Leop. V. Buch. Reise durch Norwegen und Lappland; Th. 2 (1810), 
p. 317— 8ia 

3) Andr. y. Lö wie. Ueber die ehemalige Verbreitung der Eichen in Liv- 
und Eh8tland. (Dorpat, 1824); p. 19—30. Auf p. 24 verweist v. Löwis auf 
seine Abhandlung: «üeber Eichengränze und Eichenklima», in den Natur- 
wissenschaftlichen Abhandlungen aus Dorpat. Indessen habe ich dieselbe 
in der angegebenen Zeitschrift nicht finden kOnnen. (Auch in Trautvet- 
ter's Florae Rossicae fontes ist diese Abhandlung nicht angegeben). — Ei- 
nige interessante Data Aber die Verbreitung der Stieleiche in den Ostsee- 
provinzen und im Gouv. St. Petersburg finden sich in einer Abhandlung 
desselben Verfassers: Vorschlag zum Anbau von Eichen in den russischen 
Ostseeprovinzen. (Dorpat, 1834); p. 13—34. 

4) Ferd. Heinr. Müller. Der Ugrische Volksstamm; Th. II (Historisch- 
geographische Darstellung des Stromsystems der Wolga; 1839); p. 404—410. 

5) E. R. V. Trautvetter. Pflanzeogeogr. Verhältnisse etc.; Hft. 2, p. 
28—29; Hft. 3, p. 40—42. 

6) A. Bode, Verbreitungs-Gränzen der Holzgewächse etc. (1. c, p. 36-^ 
37). 

7) A. Grisebach. Die Vegetation der Erde; Bd. I, p. 90—91. 



— 80 — 

schlimmert. Jene Grenze beginnt, nach Buch, in Norwegen 
unter dem 63^ n. 6r. und verläuft Ober Harness in Schwe- 
den (60'' 40'), Äbo in Finland (60° 27), Narwa (59° 23), 
zu den üfem der Msta (etwa unter 58° 40), und mfindet 
bei Ossa (im Gouv. Perm, unter 57° 17' n. Br.). — A. v. 
Löwis hebt ganz besonders die Abhängigkeit der Eichen- 
grenze von klimatischen Faktoren hervor und bemerkt ganz 
richtig, dass hierbei nicht die Mitteltemperatur des ganzen 
Jahres entscheidend ist, sondern diejenige von 8 Monaten 
(April bis November), welche die Vegetationszeit der Eichen 
an ihrer Nordgrenze umfassen. In einer Tabelle (auf p. 25) 
stellt er die Temperaturen jener Monate fflr 5 Orte (Trond- 
hjem, Upsala, Äbo, St. Petersburg und Kasan) zusammen, die 
in der Nähe jener Grenze liegen. Ich werde weiter unten, 
bei Besprechung der klimatischen Bedingungen der nördli- 
chen Eichengrenze, auf die fBr die damalige Zeit sehr be- 
merkenswerthen Mittheilungen Löwis's zurfickkommen. — 
F. H. Müller hat die älteren Nachrichten über das Vor- 
kommen der Eiche im europäischen Russland zusammenge- 
stellt; ganz besonders bezieht er sich auf Herrmann's Ab- 
handlung: aGeschichte und gegenwärtiger Zustand des Forst- 
wesens in Russland ^)». — Wichtiger für unseren speciellen 
Gegenstand sind die Angaben Trautvetter's und Bodens, 
auf die ich noch zurückkomme. Grisebach endlich bezieht 
die Polargrenze der Eiche auf klimatische Bedingungen 
(worüber weiter unten). 

Von der Westküste Norwegens, wo die wildwachsende 



1) In II. Storch's historischer Zeitschrift «Rassland anter Alezander 
dem Ersten»; Bd. V, p. 47—50: «Von den Eichenw&ldern der Krone»; p. 
60—51: «Von den Bedarfhissen der Flotte an Eichenholz»; p.51— 53: «Von 
den VerwOstangen der Eichenwälder»; p. 53—54: «Von nenangelegten Ei- 
chenwäldern». 



— 81 — 

Eiche ^), nach Schöbeier, im Kirchspiele Thingvol in Roms- 
dal (unter 62° 55' n. Br.)^) ihre Nordgrenze findet, senkt 
sich diese letztere, nach dem Innern des Landes zu, bis 60° 
45' (am Binnensee Mjösen), und im westlichen (gebirgigen) 
Schweden bis 60° (am Binnensee Fryken), während sie am 
Bottnischen Busen bis Gefle (60^ 47' n. Br.) reicht. An der 
gegenfiberliegenden Kfiste Finlands soll die Eiche, nach 
Middendorff (Reise, Bd. IV, Th. 1, p. 575), bis Björne- 
borg (6IY2° ^- Bn)^) gehen; von hier zieht sie sich, nach 
V. Berg^), hauptsächlich längs der KOste, über Abo, bis 
Helsingfors, und tritt, östlich davon, noch einmal beiBorgä 
auf. Dass sie aber auch etwas in's Land dringt, beweist der 
Name der Ortschaft Tammela^)^ in WSW von Tavastehus; 
ebenso deutet der Name der Stadt Ekenäs^) (finn. Tammi- 
saari) auf das Vorkommen von Eichen. Weiterhin an der 
Nordkfiste des Finnischen Busens soll die Eiche fehlen. Von 
Borgä scheint die Nordgrenze der Eiche auf die Sttdküste 
des letztgenannten Meerbusens überzuspringen, ohne die 
Inseln desselben zu berühren \ und dann ostwärts längs die- 
ser Kflste bis St. Petersburg zu verlaufen. Hier erstreckt 
sie sich anfänglich zungenförmig nach Norden, bis in die 



1) V^enn ich Eiche schlechtweg sage, so ist stets die Stieleiche ge- 
meint. 

2) Die ältere Angabe von 63° n. Br. (L. v. Buch) war also recht genau. 
8) Indessen finde ich Björneborg von den finnischen Botanikern (z. B. 

Simming, Karsten u. Malmgren, so wie von Selin) nicht erwähnt. 

4) Im Tharander Jahrbuch, Bd. 13, 1859, pp. 4—5; 65; 123. — Hr. v. 
Berg lässt die Nordgrenze der Eiche, am Bottnischen Busen^ südlich von 
Nystad beginnen. 

5) Von finn. tammi = Eiche. — Der Name der Stadt Tammerfors (finn. 
Tampere) kann aber wol nicht von tammi abgeleitet werden. 

6) Wörtlich Eichennase, d. h. Eichencap, — von schwed. ek = Eiche. 

7) Die Eiche fehlt, nach A. 6. Schrenck, auf der Insel Hochland, desgl., 
nach Brenner, Oberhaupt auf den Inseln des Finnischen Busens. 

6 



— 82 — 

Gegend von Wiborg, um dann bald eine sfidöstliche Richtung 
einzuschlagen. Bevor ich ihren Verlauf weiter verfolge, will 
ich hier einige genauere Data über das Vorkommen der 
Eiche in Finland und im Gouv. St. Petersburg einschalten. 
Nach Bergstrand, gibt es Eichen auf den Alands-In- 
seln (und namentlich auf Fasta, besondersauf ihrer Südwest- 
hälfte). W. Nylander^) bemerkt, dass im südwestlichen 
Finland der nördlichste Punkt, wo Eichen wildwachsend vor- 
kommen, das Kirchspiel Kalvola ist; nach E. F. Aspelin 
und A. Thuren^), findet sich bei diesem Orte (etwa unter 
61° 5' n. Br. und 41° 50' ö. L.) spontan nur eine einsame 
Eiche. Nach Th. Simming, P. A. Karsten und A. J. Malm- 
gren^), wachsen Eichen noch in Satakunta und im südlichen 
österbotten; ob sie aber an den angeführten Fundorten (z. 
B. Södermarksby und im Kirchspiel Wöro) wirklich spon- 
tan sind, kann man aus dieser Mittheilung nicht sehen, da 
auch vom Vorkommen der Eiche bei Wasa (unter 63° 4' n. 
Br.) die Rede ist, wo sie selbstverständlich nur als kultivir- 
ter Baum vorhanden ist, wie solches Nylander auch aus- 
drücklich hervorhebt*). G. Selin*) gibt an, dass die Eiche 
im nordwestlichen Nyland bei Karkali-udden, Isosaari und 
Jalansaari vorkommt. Nach E. V. E. Hisinger*), findet 
sich die Eiche in der Umgebung von Fagervik, namentlich 
auf den Skären, in den Kirchspielen Inga und Pojo, so wie 



1) In: Notiser nr Sällsk. pro fauna et flora fenQica förhand]., Hfb. 2, 
1852, p. 87. 

2) Notiser, Hft. 7, 1867, p. 84. 
8) Notiser, Hft. 6, 1661, p. 86. 

4) Nach L. Kr. Daa (Skisser fra Lapland, Earelstranden og Finland; 
1870; p. 144), sollen Eichen angepflanzt noch bei Üle&borg (unter dem 65^ 
n. Br.) Torkommen. 

6) Notiser, Hft. 6, 1861, p. 141. 

6) Notiser, Hft. 3, 1857, p. 39. 



— 83 — 

bei £keiiäs; desgl. aaf den Inseln im Binnensee Lojosj&. 
Bei Helsingfors wächst sie, nach W. Nylander^), in Esbo 
und Tayastby. Bei Äbo, auf der Insel Rnnsala, habe ich 
selbst einen grösseren Eichenwald, auf Granit stockend, ge- 
sehen; y. Berg, der denselben im Jahre 1858 besucht, be- 
richtet über ihn Folgendes (1. c, p. 4 — 5): aEs hat hier 
früher ein Kungsgärd, ein königlicher Hof bestanden und 
man sagt, dass dieser Wald in jener Zeit angebaut worden 
sei*). Die Eichen waren, nach einer Torgenommenen Aus- 
zählung, etwa 90 — 100 Jahre alt, hatten zwar nur eine 
Höhe v(m 60 Fuss, aber doch ein leidliches, wenigstens ge- 
sundes Aussehen. Ein Mittelstamm hatte auf Stockhöhe 12 
Zoll rheinl. Durchmesser und auf dem letzten Zoll zählte 
ich 1 3 Jahresringe. Der Bestand in der Hauptsache rein, 
nur wenig mit Birken, Erlen und Linden gemischt, war 
licht, der Boden mit einer dünnen Grasnarbe, Yaccinien, 
Wach hold er u. dgl. bedeckt, unter welchen indessen auch 
eine ziemliche Anzahl junger Eichen bemerkt wurden. 
Dieses Jahr (1858), wo ich in andern Gegenden Finlands an 
einzelnen Eichen reiche Mast fand, war auf Runsala keine. 
Die Blattbildung war kleiner, als im Allgemeinen bei uns 
(d. b. in Deutschland), die Stimme moosig, aber nicht mit 
langen Bartflechten besetzt. Kurz Alles zeigte, dass dieser 
Eichenwald sich an der nördlichsten Grenze des Vorkom- 
mens dieser Holzart befindete. 

Von Borgä bis Wiborg scheint es wirklich an der Nord- 



1) Notiser, Hft. 2, 1852; pp. 18, 48, 70. 

2) Ob die Eichen daselbst wirklich kaltivirt, und nicht wildwachsend, 
siody dürfte doch zweifelhaft sein. Im Jahre 1857 sah ich diesen Wald zum 
ersten Mal and fand viele Eichen kränklich, und sie machten mir in der 
ThAt den flindrack, als ob sie angepflanzt seien. Als ich im Sommer 1879 
lUmBala wieder besuchte, ist mir jene Er&nklichkeit der Eichen nicht auf- 
gefallen. 

6* 




ktsLe M$ FiiJDdci&f9 Bbscbs kerne witiw^dtsemiem Eicheo 
ZB ^eb&L Xjkch A^ J. Malmiygrg - «, Vtamp« gwze EidieB- 
besiäibde «iskceaLna»; is öca SkircB bä Wibot]^. so wie 
axif der Insiel B;):*rkv. l« Eikkis und KroBebb tv. Audi 
a;Bf denk W^^e ZKiscbea Wü*wrg ciid Sc. Petersiivs finden 
sich a&5cbt*:DeDd iri^dva^Lso^äe E3cii^sn. So kndtel W. 
Grcsciäner'' tos csxwr se^it grossen Ek-1^ in de» ange- 
ptijateLLärcheLhsstMJü^ iznireät der Eaaenhihnsttfioo Bai« 
Tola; er süilizte ükselbe im Jiim 1 S43 anf mkt veniger 
als 200 JiLrf: da die Aüjdiiirai^ ^ens Lsrtlienvaldes im 
JaLrel73Sl^>ni>es werde, Skc* war deiselbe zur ZdC als Hr. 
Greschner jene EkLe bei&bkciteie, nar einas aber 100 
Jahre ait, — vi*ber alsic* an^es-mmes werben rnnss, dass 
diese]t«e d<:*rt bereits lacre rort)^. cnd zvar anire^gdidnlich 
S{K4itan. wuchs: sie steht a:if hiimnsrekhesu jedoch nicht 
tiefgrüitdfzrin Büd«i, mit Gianitiintrrlage. Anch Fockel. 
der den besagten LarchenbestÄii-d anzele^ sagt in seinem 
^im Jahre 1766 erscüenerea Bsche über die Wilder Boss- 
laiids. das* er im Dv«r\i;klenE:iS5!ai>dE5cheiiairiterdem60% 
ja E'Xh unter dem 61" n, Br. geiu::-den habe*-, aber leider 
bezeichnet er nicht genauer die FGi>4>ne. 

Was die UmgeboDg St, Petersburgs betnfft, so besi«kt 
Meinshansen*'. dass die EÜche dasellcst fehle oder nnr sehr 
selten sei. und dass selbst acg^pä^azte Bäume oft etwas 
kümmerlich seien. — wihrecd in den süjüvheren Gebenden 
des GouT, St. Petersburg die Eivhe als sehr hlnnge Banm- 



JKt^h« IS*,^ r . T, IT; crp. M«x v» BUBOcxt- , 

Z Wi'^ Ti liezt iin'jtr k*J' 43', d«r beäAz^ic Lirrirswxli «▼» VBScr öO^ 

20 BL Br. 

4 Fi:ra inrrici: p. 312. 



] 




T« 



— 85 — 

art erscheint Indessen bedarf die Angabe Meinshausen's 
einer Verification. A. v. Löwis^) sagt darüber Folgendes: 
«Es ist noch neuerlich behauptet worden, dass die Eichen 
in Ingermanland nicht wildwachsend vorkämen, und alle 
Bäume der Art bei St. Petersburg gepflanzt seien! Dieses 
ist ein Irrthum, der sich leicht widerlegen lässt. Schon So- 
bolevsky sagt in seiner Flora (Fl. Petropolitana, p. 226): 
als der Kaiser Peter der Grosse im Begriff gewesen, Kron- 
stadt zu gründen, hätten dort zwei sehr alte und starke Ei- 
chen gestanden, in deren Schatten der Monarch sich oft auf- 
gehalten, und auf seinen Befehl sei die weite Höhlung des 
einen dieser Bäume, zum Aufbewahren der für ihn bestimm- 
ten Mundvorräthe benutzt worden! Ferner erzählt Georgi 
in seiner Beschreibung des Russischen Reiches (Th. 6, S. 
1301): im Thiergarten zu Peterhof befinde sich eine uralte 
Eiche, in deren hohlem Stamme zwölf Menschen zugleich 
stehen könnten! Nach späteren Nachrichten ward dieser 
merkwürdige Baum im Jahre 1798 vom Sturme umgewor- 
fen, und er soll über 50 Jahre dort vereinzelt, als der letzte 
Ueberrest eines der Sage nach einst weit verbreiteten Ei- 
chenwaldes, gestanden haben. Dass diese Eichen nicht etwa 
vor alten Zeiten gepflanzt seien, bedarf wohl keines Bewei- 
ses, da der Kulturzustand dieser Gegenden vor Anlage der 
Residenz hinlänglich bekannt ist und eine Voraussetzung 
dieser Art nicht zulässt. Schon diese uralten Bäume bewei- 
sen hinlänglich, dass in der Umgegend von St. Petersburg 
die Eichen ursprünglich einheimisch gewesen sind. Die zahl- 
reichen Eichen bei Sisterbek und in einigen Gartenanlagen 
unweit der Residenz, sind zwar auf Befehl des Kaisers Pe- 
ters I. gepflanzt; andere hingegen, z. B. auf den Duderhof- 



1) Vorschlag zum Anbau von Eichen etc.; p. 18—16. 



n 



— 86 — 

Hhm Heben, bei Petoiiof, Gstschina, CaAuinealHrf; Zir- 
fkoje^elo etc. beveiseo dnrdi Üir liobes Alter, dass sie aas 
eiaa- weit firOberen Zeit bentamDeo nod ilso gevia wild 
anfgevachsea sind*. — Indon kli mkh dieser tos LOwis 
Tertfetenen Aoäcfat rom Epootaoen T(»to«Bn der Eiche 
bei St Petefsborg uischUesse, glaabe icb, dasaadidietaf 
der Petro«^j-Iieel <'z. B. im BaTim-Gartoi) stebeoda 
p<cis5ai Eiefaen ein böhfres Aitcr anfweiseo, als die Resi- 
denz selbst, BDd dass sie mithin ai^»r4Qglicfa, d. b. ohne 
Beiliölle des Henseboi, daselbst as^wacbsen süid. Ich 
fccmme veiter ontoi anf das einstig« ToriHHanes T«t Ei- 
cbeovildeni am Sädofer des Ladoga-Sees znrfick. Dies«' 
letztere Umstand, im Zosammenliasge mit dem spontanen 
Vorkommen der Eiche bei Wiborg. lisst es, glaabe ich, als 
aozmeifelhaft erscheinpn. dass dieselbe bei Sl Petersborg 
irildwachsend Torhanden ist. — Zur BebriftigtiDg dieser 
Ansicht führe ich noch aa, dass SchmalhanseDM die Eiche 
'stnachfömig und anscheinend ^Ktntan im Nordwesten and 
im Norden xtm St, Petersburg, nameotlir}) bei Bjekmstrow 
< Valkiasaarit nnd bei Toxovo. gefunden bat; desgl. aocb 
beim Dorfe Jel^^chowo am 5-üdufer des L*d<^-Sees fnn 
Kreise NoTSJa-Ladctgai. Bei Jambnr^g (an der Lsga), an der 
Rt-ssona, an der Lnga- Bucht, so wie bei Kopor'je, traf 
Scbmalhansen") die Eäcbe in Mejige, nnd oft: in Form eines 
ordentlichen Banme an. 

Ton St, Petersburg aus verlfinft die Nordgrenze der 
E>che. acfäDglich in südöstlicher Richtnng, dorch dasGoQT. 
N«ron.3, bis zum sfidlichon Theile des Kreises 'Hchwin, 
vj cie. nach Antönow, am See Mikolino (ongeftlir unter 

■ r:„ rrjL ]S1; r- Dl il?T2i. crp. 12:-.. 

2 Ewaiöa. t- T, Ktra. 2 ISUl crj.. ST— Sä. 



— 87 — 

59^ 11' n. Br.) noch einen kleinen Hain, aus jungen B&um* 
chen bestehend, bildet. Weiterhin wird die Richtung der 
£ichengrenze eine fast rein östliche, mit ganz leiser Neigung 
gegen Süden; sie streicht durch den nördlichen Theil des 
Gouv. Jarosslaw, streift (im Kreise Grjasowez) den sOd- 
\^estlichsten Zipfel des Gouv. Wologda und geht dann durch 
den Norden des Gouv. Kostroma, über Wjatka (58° 36' n. 
Br.), Ochansk (im Gouv. Perm, unter 57° 43' n. Br.), Kun- 
gor (57° 26), bis zum Dorfe Karkejewa (au der Ufa); öst- 
lich von diesem letzteren Punkte hat Krylow die Eiche im 
Gouv. Perm nicht beobachtet. Mitliio erreicht sie kaum 
das üralgebirge, welches sie (gleich wie Gm^ylus avellana^ 
Acer platanoides und .mehrere andere Holzarten) nicht über- 
schreitet. — In Sibirien, so wie in Turkestan, fehlt Q. pe- 
dunctüata vollständig, und es ist jedenfalls durchaus falsch, 
wenn Blasius^) sagt, dass «die Stieleiche sich durch ganz 
Sibirien bis zur Ostküste verbreitet». Schon Pallas^) be- 
merkt ganz richtig: «Eichen und Haselstaudc übersteigen 
das Ural-Gebirge nicht, sondern finden am Fusse desselben 
ihre natürliche Grenze». Und auch Georgi, der in seiner 
Reise (pp. 17 u. 27) die irrthümliche Angabe macht, dass 
Eichen bei Irkutsk wachsen, sagt in seiner Beschreibung 
des Russischen Reichs (Tb. III, p. 1301): «Der östliche 
Ural und ganz Sibirien bis in Daurien haben die gemeine 
Eiche nicht». Erst am Argun' und am Amur tritt wieder 
eine Eiche {jQuercits mongolica Fisch.) auf, die Pallas und 



1) J. H. Blaaius. Reise im Europäischea Russland; Th. 1, p. 305. 

2) Reise, Th. 2, p. 14. vgl. auch Th. 3, p. 470. — Strahlenberg (im 
J. 1780) wasste bereits («Das Nord- und Ostliche Theil von Europa und 
Asia»; p. 350), dass Eicben nicht in Sibirien wachsen, — wozu er die ab- 
sonderliche Bemerkung hinzufügt, dass sie sich nicht mit Oleitäten yertra- 
gen, und speciell die öligen sogen. Gedernüsse (die Samen von Finus 
Cetkbra) meiden! 



Georgi fllr Q. Rolmr L. gehalten haben. — Genau«« An- 
gaben aber die Kordgrenze der Eiche mögen nno folgen. 

Der oben mitgetheitte Fundort der Eiche im södlicheo 
Theile des Kreises Tichwin scheint der nördlichste im Goot. 
Nowgorod zu sein; Bode') führt die Kreise Nowgorod und 
Erestzy als Fundorte an und setzt hinzu, dass die Eiche anf 
den Höllen des Waldai -Gebirges nicht gefunden wird. Gobi 
bemerkt, dass sie im vorigen Jahrhundert auch auf dem 
Waldai -Plateau heobaclitet worden ist, und zwar von Gfil- 
denstädt (bei Jashelbizy) und tou Gmelin, der sogar ran 
Eichen wäiiJern spricht. Oöldenstidt^) (Reisen, Th. 2, p. 
469) berichtet, dass atn Fl. Polomet (einem Nebenflüsse der 
Pola) Eichen von ansehnlicher Grösse angetroffen werden. 
«Man hauet hier aus denselben Balken, und treibet sie ein- 
zeln den Poloiiiet hinunter, und nachhero in Flössen nach 
St. Petersburg. Am niedem Theile des Flosses Msta sollen 
auch Eichengehölze anzutreffen seyn». Wie Gobi gebiM. 
sollen im Kreise Staraja-Kussa grössere Eichenhaine vor- 
kommen; femer findet sich die Eiche im Kreise Waldai. 
lieber den weiteren Verlauf der nördlichen Eichengrenze, 
bis /Aim Gouv. Jarosslaw, ist nichts Genaues bekannt. In 
diesem letzteren Gouvernement sclieiut^. peduncnlala ziem- 
lich verbreitet zu sein, da Petrowsky sie einfach erwShnt, 
ohne Ober ihre Verbreitungsgrenze etwas hinzuzufügen; es 
int ein Irrthum, wenn Blasius (I.e., p. 304) die Eiche nor 
im sfldlichstcn Theile des Gouv. Jarosslaw wachsen lisst; 
(Innn nnch Duszkewicz-Czaikowski'), kommt dieselbe 

1) llollKAWäebae; I. c, p. 33—37. 

3) Und nicht F»lk, wie Stnckeaberg (Hydrogrmphie iea IbmäsAtn 
HolrhM; lid. l, p. iM) irrthömlkh «ngibt. 

wi. tirnttM-h oTiomeHiii». (TpjAu flpocj. rj6, rnnn. EOMTcn, «üb. G, 
iMl.Mp. 103J. 



— 89 — 

noch im Kreise Mologa vor, wo sie, in Gemeinschaft mit 
Erlen, Birken, Espen und Fichten, im Ueberschwemmungs- 
gebiete der Scheksna wächst, und, in Brusthöhe, einen 
Durchmesser von 3 — 4 Werschok (ISVg — Wj^ Centim.) er- 
reicht. Dass die Eiche im Gouv. Wologda, «in den südlichen 
Kreisen, doch sparsamer», wachse, war schon Georgi*) be- 
kannt; nach Puschkarew^), findet sie sich am obersten 
Laufe der Ssuchona, grossentheils als kleiner Strauch, und 
nur im Kreise Grjasowez kommen, wenn auch selten, grös- 
sere Bäume vor; Danilewskij^) bestätigt, dass Eichen in 
den Kreisen Wologda und Grjasowez stellenweise angetroffen 
werden. Weiterhin nach Osten fehlen sie im Gouv. Wolog- 
da; so fand Bode sie nicht im Kreise Nikolsk*); auch werden 
sie, nachDanilewskij, im Kreise Tot'mavermisst. Indessen 
bemerkt Stytschinskij^), dass, nach den Aussagen der 
Bauern, früher Eichen im südöstlichen Theile des Kreises 
Nikolsk vorhanden gewesen, gegenwärtig aber ganz ver- 
schwunden sind. Nach Bode, wächst die Stieleiche häufiger 
im Gouv. Kostroma, namentlich iu den Wäldern der Kreise 
Kostroma und Wetluga. Er erzählt*), dass er im nordöst- 
lichen Theile des genannten Gouvernements, am Ufer der 
Wetluga (etwa bei Djukowa?) die ersten krüppelhaften 
Schwarzerlen und Stieleichen antraf. «Sie waren von ganz 



1) Beschreibung des Russischen Reichs, Th. II, p. 220. 

2) Hb. riyoiKapes-b. GuHcaHio BojioroACRofi ry^epmu. (1846); ota. 11, 
CTp. 25—26. 

8) H. H. AaHHJieBCKifi. «KjiHMarb BojioroACKoft ryöepam». (3an. H. 
P. Teorp. o6m , kh. 9, 1853 r., cxp. 223—224). 

4) Es ist ein Irrthum, wenn Stuckenberg angibt, dass Bode Eichen 
im Goav. Wologda gefunden. Vgl. CTaTucTH^iecKie Tpyj^u H. IIlTyReH- 
6epra; ct. XXIII: Oancanie BojoroACKott ryöepaiw; cTp. 20. 

5) ütcH. iKypn., 1880 r., cxp. 539. 

6) Vgl. A. Bode. Notizen, gesammelt auf einer Forstreise etc. (Baer und 
Helmersen's Beiträge, Bd. 19); pp. 67 und 68. 



— 90 — 

erbämiHcheni Wüchse und besonders verriethen die Eichen, 
dass die, denselben in gemissigtem Klima zuträglichen Ceber- 
schvemmungen, hier ihrem Wachsthum wenig f&rderlich 
sind». Als Bode die grosse An der Wetlnga, unfern des 
Dorfes Rosbestvennik^) erreichte, &nd er «auf diesen flppi- 
gen Wiesen die Ueberreste ehemaliger Eichenbestände. Sie 
hauen der einträglicheren Heuwirthschaft weichen mflssen, 
und die sehr vereinzelt noch hie und da voriLommenden alten 
Eichen waren röUig abgestorben; bewiesen jedoch die Mög- 
lichkeit, das^ hier noch Eichen zu starkai Stämmen er- 
wachsen kti>nneu», Bode nimmt deshalb an^ dass die Eiche 
in dieser Geg^ivl ihre nördlichste Yerbreitungsgrenre findet. 
Im lix^uv, Wiaiki wichst die Eiche, nach C. A. Mever, 
s K Wi ^\utbu jAiac^ Bsd Va:mv>L->. Krrlow f&gt 
c. A, «»vh i\ '. j^öoo FvDdvkne huirn: Kirsscvka. Bosbkin- 
sk.x^e. Svsasüt T.K^ jvcuwai: E-.i'sKl ;-Kriit Nishnija-Schuni 
w :d r^^;ii:> ;-KiT. Mir dar^ lit l>:-:li drn Lauf der Tschepza, 
b > iu i^irvu \J:::\!eru *1< rvrilirh-? Vercnrfrangsgrenze der 
V:;>e JL.><\:?. — >fteir<:-e rJLnl .ri S*:Wiiika selbst wirk- 

.si _»^: \ %^fti^ :\ VC CvMr>i, li;s?5 ^t^ r!.£esebeDeii Ver- 

'4 ? c.T Orvr^-? i:< wi:rscj*?-vV-i ers:ieiaea, Georgi 

Kx Mf. V. ^^>r '?^x't>ri: Sfr^its. ias> iiier an der Kama 






'VJ'. 



— 91 — 

selbst nur wenige Bäume von kleinem nnd schlechtem Wuchs 
stehen. Die Aufzeichnungen Georgi's in Betreff des Vor- 
kommens der Eiche in dieser Gegend sind so werthvoU, dass 
ich sie fast yoUst&ndig wiedergeben will. Auf p. 685 heisst 
es, dass beim Dorfe Dubrowka^ 9 Werst von Kungur, die 
Eichen ihren Anfang nehmen und dem Orte den Namen ge- 
ben. <cNur in einem nicht grossen Hain von Birken, Linden, 
Espen und selbst Fichten stehen einige. Kein Stamm hält über 
iVj Fuss im Durchmesser^), die Bäume sind auch nur nie- 
drig, doch von gesundem Wuchs». Auf pp. 676 und 707 
erwähnt Georgi des Vorkommens von Eichen an den Quelleu 
des Iren'; sie sind daselbst «aber weder häufig noch ansehn- 
lich, meistens als Busch oder von krüppeligem Wuchs, weil 
sie hier noch immer auf ihrer Grenze sind». Das Forstre- 
vier des Irginskij -Hüttenwerkes, das meistens aus Fichten 
und Birken besteht, enthält an einem Orte auch kleine Ei- 
chen (p. 698 — 699). Ferner nennt Georgi als Fundort 
der Eiche die Gegend zwischen dem genannten Hüttenwerke 
und den Dörfern Ssirinskoje und Altynowskoje. Krylow be- 
merkt noch, dass beim Dorfe Ordinskoje die Eiche nicht 
häufig und als kleiner Strauch vorkommt. Südlicher, zum 
Dorfe Mjedjanskoje hin, wird sie häufiger und von grösseren 
Dimensionen ; zwischen diesem letzteren Dorfe und dem Hüt- 
tenwerke Nishne-Irginskij erreicht sie im unteren Theile 



\ 



da er Georgi dabei citirt, and Dieser DubrowsJcoje meinte, welches auch 
▼on Krylow angeführt wird. Middendorff (Reise, Bd. IV, Th. 1, p. 576, 
in der Fassnote) macht daranf aufmerksam, dass in der Nähe von Perm 
eine Poststation den Namen Dubowskaja fahrt; dieser könnte nach einer 
daselbst gepflanzten Eiche gegeben sein. Vielleicht hat Traatvetter 
piese Station Dabowskiga gemeint and danach die Nordgrenze der Eiche 
irrthQmlich über die Mflndang der Tschussowtga in die Eama geführt. 

1) Ein solcher Durchmesser erscheint für dieses nördliche Vorkommen 
recht bedeutend. 



— 92 — 

les Stammes nicht selten einen Darclimesser van 26%C€n- 
im.; sie bildet daselbst bereits relativ ziemlich grosse Be< 
itftnde, bisweilen mit geringer Beimengung von Espen. Zwi- 
lchen den Dörfern Potaschka ond Kariiejewa erscheint die 
Siehe wieder als ganz niedriger Strauch. 

Fassen wir das Giesagte aber die Nordgrenze der Eiche 
lusammen, so finden wir, dass dieselbe folgenden Verlauf 
lat: Von BjÖmeborg (am Bottnischen Meerbusen) geht sie, 
oeist an der KQste sich haltend, bis horgk (am Finnischen 
tusen), springt hier nach Narwa hinüber und zorBck nach 
Viborg; von hier streicht sie fiber St. Petersburg, darch 
ie Mitte des GoQV. Nowgorod, zd den Quellen derSsaebosa, 
nd weiter, Ober Wjatka and Ochansk, bis zum oberen Laufe 
er L'&. Hier bricht die Nordgrenze der Eiche ab, indem 
ie, von da ab, fast in meridionaler Richtung, nach Stiden 
erUnft, d. h. zur Oslgrenze wird. 

Es bab«D verschiedene Forscher den Verlauf der Eiehm- 
Tfozi? darch klimatische Bedingungen zu aUirenversacfat. 
)aria stimmen die meisten derselben öberein, dass es vor- 
rit^-^oii Temperatorverhältniss« sind, welche diese Groize 
«üa^^. Aber im Speeiellen geben sie ziemlich m«t aus- 
LCkkL-i-er. Grisebaeh bemerkt, dass die Polar*renze da* 
>.^> in iiirem Gesammt verlauf vom atUnliscbea M«n Ins 
■'ita Crii nur wenig von dfn Jahresisotherven von 2 — 3** 
L. a.' »•eicst. and xh-m aus diesem Grunde anf klimativrhe 
:i^i^szazienza beziehen ist. Er fügt noch h:n£u. dass diese 
i'-^'^Uiii'.c.-^Iinie dadurch merkwonlig sei. dass mit ihr &st 
h<>r^I io-ih die P<>IargT¥nze der Weizeakslcar xiBtmme^- 
i..i:. In.iessen ist die Aefanlichkett jener Grenze wt cäer 
-lä.'usii-itiienne, ond zwar mit üerjeckea von 4" C^ lor 
u i'l-iv^stli'zhenFuiLLad zu bemerken: □■ ibngen B^shad 
"Vj-jis d:-* letztere bedeaieod ab. ic*lea s5e. aack Vild, 



— 93 — 

Aber Twer, auf Ssamara und Orenburg verläuft. Bode 
nimmt einen kombinirten Einfluss der Sommer- und Winter- 
temperatur auf den Verlauf jener Linie an und sagt darttber 
Folgendes: «Die oben angefahrte Nordgränze der Stieleiche 
fUlt zwischen die Isotheren-Linien -h 1 3° und 1 4° (R.), 
indem sie im Westen unter -h 13^ beginnt und im Osten 
unter -h 14^ endet. Die mittlere Winterkälte scheint bei 
dieser angegebenen mittleren Sommerwärme, — T^^t (R.) 
nicht übersteigen zu dürfen, sobald das Gedeihen der Eiche 
gesichert sein soll». Diese Annahme Bode's ist schon des- 
wegen nicht ganz zutrefifend, weil von ihm die Nordgrenze 
der Eiche selbst, wie auch Mi ddendor ff bemerkt, im Osten 
Russlands nicht richtig gezogen (d. h. zu sehr nach SQden 
verschoben) ist. Was aber die angegebene mittlere Winter- 
temperatur (d. h. — 9'?6 C.) anlangt, so trifft dieselbe viel- 
leicht in der Mitte der Linie von Björneborg bis zum Flusse 
üfd annähernd zu, weicht aber im Westen und Osten be- 
deutend ab; so beträgt sie in Helsingfors nur — ö'Ji C, in 
St. Petersburg — 8°2 C, dagegen in Wjatka — 14°3 C. 
Ueberhaupt stimmt keine einzige der von Wild gezogenen 
Isothermen mit der von mir mitgetheilten nördlichen Ver- 
breitnngsgrenze der Eiche ^). 

unter solchen Umständen erscheint mir der von A. v. 
Löwis, schon vor mehr als 60 Jahren, eingeschlagene Weg 
bessere Resultate zu versprechen. Er stellte nämlich eine 
Vergleichung der Temperaturen solcher Orte zusammen, 
welche an der nördlichen Eichengrenze belegen sind, und 
zwar für die Dauer der Vegetationsperiode der Eichen, die 



1) Wenigstens nicht nach der kartographischen Darstellung der Iso- 
thermen. Ans der unten mitgetheilten Tabelle ist zu ersehen, dass die nörd- 
liche Yerbreitongsgrenze der Eiche eioigermaassen der August-Isotherme 
von 15^3 C. entspricht. 



— >i — 

' a-if '. MiOä^ ' .11 A^rl tia S ■^■unhiw roel bestisHte. 
.»mt aua irn Cr!M9U::il. in Bmni'Az. ii» dh Befiue der 

M Kkr jE^ncjTi «2r. «> £.:a3Ii^ -i:rr Vissbrk euer sokbeo 

kr dxt B/^aluc za «ei>:J;'^!a L>>«t3 geUngte, eäi nc^t 
rftiftfü^^urfes. Ia*ia<^Tii>*üe*-* pb« frdiemttierenTeiB- 
Tatari» ifer ^«umitea S M-'/OAle för 5 aa dn* Eichen- 
'eoze M-is^ne Orte, bü Bimsfäzca; des Mittels von 
««T Peri'-.de. l'iid zvar betrage dieses Mittri*): 

in TLrif.dt.je« 7;«7 in Abo 7?204 

» Up'^aia . . . 7.>;i * St. Petersburg 7,i(» 
in Kasan 7'.%». 

Es dörfte lohnen, nach dem neneren Beobacbtangs-Ma- 
riale, das von Lövis erhaltene Resultat, — dass nämtich 
e mittlere Temperatur der Ycgetation^Kriode der Eiche, 
i deren Nordgrenze. Qberall ziemlich übereinstimmt '), -^ 
oer Prüfong zo onterwerfen. In Folgendem gebe icli die 
ittlerea Temperaturen des April — October incl.*), für 6 
rte des earopäischen Russlands, die an oder in der Nübe 
r Eichengrenze belegen sind *). (Die Grade nach Celsius). 



1) Andr. », Löwis. Üeber die ehemalige Terbreitong der Eichen in 
r- KBd Ekstlunü : p^ K. 
i) Oh*e Znif»! b>c& ResBanr. 

3) Die .Abwetchu«, die Upula bietet, erkiftrt Löwia dadorch, dass die- 
' On DiGht an der Eicheagrenze selbst, Bondem gQdlicb von dereelbea 
gt. 

4) Die SoTeinb«-Tem|>»ratureii glaabte ich weglassen an dOrfea. 

5) Di« Stadt Glasow (im Gonr. Wjatka) liegt am oberen Lanfe der Taehep- 
welcher FIdss, Keiner Vennathniig nach, ein StQck der Nordgren» der 

:he bildet. 



95 



-Ö3 

.IS 



Monate. 



o-^ 



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u, es 

P-i Cl 



bO CS 



f CO 



OD 08 



April 

Mai 

Jan! 

Jali 

August 

September . . . 

Oetober 

Mittel 



2,9S 

9,01 



1,06 
7,29 



15,Qi 


13,67 


18,05 . 


16,52 


15,26 


15,82 


10,69 


10,79 


5,28 


6,60 


10,9 


10,0 



2,03 


2,19 


—0,05 


8,69 


10,59 


9,10 


14,83 


15,7» 


14,25 


17,71 


17,71 


16,90 


16,09 


15,58 


15,25 


10,78 


10,11 


7,95 


4,48 


4,71 


1,55 


10,6 


10,9 


9,3 



1,14 

8,98 

15,26 

18,80 

15,31 

8,98 

1,26 

9,8 



Die Unterschiede zwischen den nahe gelegenen Orten 
Äbo und Helsingfors (für April — Jnli) können in der "Wirk- 
lichkeit nicht so gross sein, wie in der vorstehenden Tabelle 
angegeben ; wahrscheinlich sind die Werthe für Abo etwas 
za hoch. Andererseits scheinen mir die Temperatur-Unter- 
schiede der gleichfalls nahe von einander gelegenen Orte 
Wjatka und Glasow auch zu gross zu sein; ich vermuthe, 
dass die Ziffern für Wjatka zu niedrig sind. Erweisen 
sich diese Vermuthungen als richtig, — und nehmen wir 
noch zwei Umstände in Betracht, nämlich 1) dass Nowgorod^) 
etwas südlich von der Eichengrenze liegt (und daher seine 
etwas höhere Temperatur nicht auffallen darf), und 2) dass 
Wjatka und Glasow vielleicht etwas ausserhalb der Eicben- 
grenze belegen sind, — so finden wir, dass diese Grenze in 



1) Bei Nowgorod kommt aach die EQrze der Beobacfatungsdauer in Be- 
tracht. 



— 96 — 

der That ziemlich gut mit eioer Isothome too 10° — 10^5 
C. znsammenfällt, welche die Vegetationsperiode der Gehe 
(April bis October) umfasst. 

Mein Bruder, Prof. W. Koppen ^j, hält es fita* nthsam, 
TOD den sogen. aWärmesummen» abzusehen nnd nur die 
Dauer der Zeit in's Auge zo üaissen, wahrend wd^er sich 
die Temperatur Ober resp. zwischen ge ni bscn Gienzwer* 
then halt. Besonders macht er auf dnen eigenthfiBlidi ge- 
stalteten Görtel im europäischen Bossland anfinerksam, in 
welchen die Grenzen vieler der gewöhnlichslen nttdeoro- 
pftiscben Bäume und Sträncher, o. A. andi der Stideiche, 
fallen. Dieser Gfirtel erstreckt sich tob Finnischea Meer- 
busen ostwärts nach dem Uralgebirge« längs dieses sndwirts 
und dann sQdwestwärts, nach dem Unterlaofe da* H'olga 
und des Don's. «Der nordücbe Schenkel di^es Grenzgnr- 
tels», auf den es hier, für die Besiimraung der Eichen^ienze, 
besonders ankontmt. «liegt dort« wo die normale Daner der 
Zeit mit Tagesmitteln tod m<ehr als 1 0^ C. uster 4 Monate 
herabsinkt». Vergleichen wir üJknuf h:n die oben Hitge- 
theilte Tabelle, so sehen wir in derTLjt. da:sanden seist»! 
Grenzorten 4 Monate i nämlich Juni — September) dne 
mittlere Temperatur von mehr als 10* C. aufwdsen« — 
wieder nur mit Ausnahme Ton IHTjatka j^i Glasow« deren 
September-Temperatur niedriger ist: wi^ hervits bemokc 
i.^t das spontane Vorkommen der Eicr.^ an diesen beiden 
Orten noch nicht sicher festgestell: - . 



Uft nnd k^ltita Z^it and %kch. i<r '»vijjtxif Liz Wira»* 4.x: £je 
df:f S^»rd/nü2e d-jr Ei:!« li-t-xx 




— 97 — 

Nördlich von der angegebenen Grenze der Eiche, wird 
dieselbe nirgends wildwachsend angetroffen. Im Gouv. Olo- 
nez fehlt sie vollständig; Norrlin und Günther erwähnen 
ihrer gar nicht. Trautvetter bemerkt: «Von den strau- 
chenden Eichen, welche im Gouv. Olonez wachsen sollen, 
meint Ruprecht (Fl. Samoj., p. 11)*), dass sie wahrschein- 
lich gepflanzt seien». Um so weniger finden sich Eichen wild- 
wachsend im Gouv. Archangelsk; aber bei der Stadt gleichen 
Namens («hinter Solombola in der Umgegend von Maimaks»), 
unter 64^ 35' n. Br., findet man, nach Boguslaw^), einige 
wenige niedrige Sträucher von Q. pedunculata^ die selbstver- 
ständlich von einem Liebhaber daselbst gepflanzt sind'). 
Wir haben gesehen, dass in Finland Eichen noch nördlicher 
(bei Uleäborg, unter dem 65° n. Br.) fortkommen. 

Eine andere Frage ist die: ob die Eiche einst weiter 
nach Norden verbreitet gewesen, als gegenwärtig? Schein- 
bar deuten darauf verschiedene Ortsnamen, die von der rus- 
sischen Benennung der Eiche {dtib) abzuleiten sind. Indessen 
muss eine grosse Anzahl derselben, die von den Wörtern 
dübrdwa oder duhröwa stammen, unberücksichtigt bleiben, 
da diese letzteren Wörter zwar unzweifelhaft aus dem Worte 



1) Die herangezogene Stelle Kap recht's scheint mir auch anders ge- 
dentet werden za können; denn, nachdem laater solche Pflanzen aufge- 
zählt worden, die hei der Stadt Archangelsk gefunden werden, aber in 
Lappland und im Lande der Ssamojeden fehlen, heisst es weiter: ased quod 
magis inopinatum, etiam fratices humiliores Quercus, forsan satae, sponta- 
neam in gubernio Olonetz crescere, rumor incedito. Diese Stelle muss in 
ihrem ersten Theile, auf die Umgebung von Archangelsk bezogen werden. 
(Vgl. die Bemerkung Boguslaw's). 

2) «Elin Blick auf die Flora der Umgegend von Archangel», in Erman's 
Archiv f. d. wiss. Kunde von Russland, Bd. 6, 1848, p. 64. 

3) In Eotschj's oben angeführtem Prachtwerke über die Eichen Eu- 
ropa's und des Orients findet sich die falsche Angabe, dass die Stieleiche 
bei Archangelsk noch V^aldbestände bildet. 

7 



— 98 — 

iJub gebildet sind, aber den speciellen Begriff des Eichen- 
waldes eingebüsst haben und überhaupt einen dichten Wald 
bedeuten'). Immerhin bleiben einige Ortsnamen im Gout. 
Wologda übrig, welche direct von der Eiche abgeleitet 
werden mflssen, und zwar in solchen Bezirken, in denen 
diese Holzart gegenwärtig nicht wildwachsend vorkommt; 
so namentlich : DufiowTO im Kreise Nikolsk, Poddabm^e (unter 
den Eichen) im Kreise Kadnikow, und SaduVje (hinter den 
Eichen) im Kreise Ustjug; während dieser letztere, sehr nörd- 
lich gelegene Ort seinen Namen vielleicht daselbst ange- 
pflanzten Eichen verdankt, kennten die beiden ersteren Orte 
recht wohl nach Eichen benannt worden sein, die einst bis 
dahin verbreitet waren, und zwar vom Gouv. Kostroraa aus 
»ach dem Kreise Nikolsk, und vom Kreise Wologda bis in 
den Kreis Kadnikow. 

Dazu kommt aber ein anderer Umstand, der zwar nur 
eine wenig weiter nördlich gehende Verbreitung der Eiche 
in früheren Zeiten darthut, aber unzweifelhaft beweist, dass 
in manchen Gegenden, wo gegenwärtig nur EichengestrQpp 
fortkommt, einst hohe und starke Bäume dieser Art wuchsen. 
Das sind die vielfachen Funde von EicheostAmmen im Torfe 
und namentlich am Grunde der Flüsse. Schon Güldenstädt 
(Reisen, II, p. 469) bemerkt: aMan findet im Polomet alte 
Eichen-Stämme, die ganz schwarz sind, die man hier in 
Bretter schneidet, und zum Auslegen der Tische und Kisten 
gebraucht»-). Stackenberg') erzählt Folgendes von der 
Gegend am nnteren Laufe derLowat': «Vor 1 8 1 4 entdeckte 



1) Ebenso, wie aacb dulAwi ursprQDglicb den Eiche aknfltlel, jetit kber 
jedra KnOtl«] bedeotet. 

21 L'elier eine Ibalicbe Fundstätte in der Nihe tod Erestzj vgl. in der 
ZfituBif TojocT,, 18ft2, .V 202. 

3) IJidrographie df i HussiscbeD ßeicbcs, I, p. 431 — 132. 



— 99 — 

man bei Ramyschewo ganze Schichten von unter tiefen Erd- 
lagen verborgenen Eichenstämmen, deren Holz vollkommen 
unverdorben, aber koblenschwarz war; man begann damals 
diesen Fund emsig auszubeuten, und das Holz den Tischlern 
zu verkaufen». Auch im Gouv. Twer werden in verschie- 
denen Flossen, besonders in der Mologa und in der T'maka^), 
viele, z. Th. geschwärzte Stammreste von Eichen gefunden^). 
Nach dem Zeugnisse Nadeshdin's, werden im Kreise 
Grjasowez des Gouv. Wologda, an den Ufern der Kamela, 
grosse Stämme von Eichen aus dem Erdreich gebrochen, wie 
solche in weiter Umgegend nirgends mehr vorhanden sind. 
Auch Stytschinskij^) erwähnt das Vorkommen solchen 
geschwärzten Eichenholzes in den oberen Erdschichten, in 
den Kreisen Grjasowez und Wologda. Besonders interessant 
sind die Funde, die am Südufer des Ladoga-Sees gemacht 
nnd von Prof. Inostranzew*) beschrieben worden sind. 
Beim neuen Ausbau des Ladoga-Kanals fand man daselbst, 
in der Kulturschicht aus der Steinzeit, häufig mächtige, halb 
verkohlte Eichenstämme, bis zu einem Durchmesser von 
1,6 Meter, an denen man mit Leichtigkeit 250 Jahresringe 
zählen konnte; die Stämme waren mit Aesten und Wurzeln 
versehen, — woher also gar kein Zweifel darüber aufkom- 
men kann, dass sie an Ort und Stelle gewachsen waren. Sie 
fanden sich sowohl in Sandschichten, als auch im Torfe, zu- 



1) DieTmaka xnQndet bei Twer in die Wolga. (Stuckenberg's Hydro- 
graphie, V, p. 326). 

2) Vgl. «. BEjibAepMCTi». oO pasBe^eHiH jiy6a bt> TBepcKott ry6ep- 
BiH». (JltcH. HCypH., 1836 r., h. IV, crp. 410—412). 

8) JltcH. ÄypH., 1880 r., cxp. ö89. — Vgl. noch: 3eMJieA. Taa., 1854 r., 
CTp. 56. 

4) A. A. HHOCTpaHues'b. J^oHCTopunecKifi HeüOs-J^Ki» KaHenHaro stKa 
no6epe>Kbfl JQLaj^oiKCKaro oaepa. (1882); CTp. 18—22. — Aach in deutschem 
Aussage Ton Prof. L. Stieda, in der Russischen Revue, 1883, Bd. 22, 

p. 100. 

7* 




— 100 — 

gleich mit StiLmmen von Birken, Schwarzerlen, Kiefern und 
Fichten. Ebenda wnrde auch ein Nachen gefanden, der ans 
einem Eichenstamme ausgehöhlt ist^). Dieser Fand bietet 
insofern ein grosses Interesse, als gegenwärtig die Eiche in 
jener Gegend nur strauchförmig und ganz vereinzelt wächst 
(vgl. oben). Deberhaapt scheint die Eiche an ihrer jetzigen 
Nordgrenze, und auch weiterhin nach Süden, einst in grös- 
serer Menge vorgekommen zu sein, als gegenwärtig. Ausser 
den angeführten Beispielen, welche Dieses wahrscheinlich 
machen, will ich noch, neben den Ostseeprovinzen (vgl. 
weiter unten), das Gouv. Ssmolensk nennen, wo Prof. Do- 
kutschajew*) an den Ufern verschiedener Flüsse, in der 
Erde vergraben, eine Menge Baumstämme fand; neben sol- 
chen von Betula alba^ Alnus glutinosa and Pinus sylvestris, 
schienen stets die Stämme von Quercus pedunctdata zu prä- 
valiren. A. Batalin^), der die Stämme untersacht hat, 
welche an der Eatschnja (einem Nebenflasse der Wasusa) 
gefunden wurden, zieht aus der relativen Menge der Eichen- 
stämme den Schluss, dass diese Holzart zur Mammuthzeit, 
aus welcher jene Funde stammen, im nördlichen Theile des 
Gouv. Ssmolensk häufiger wuchs, da sie gegenwärtig dort 
nur sporadisch vorkommt und selten grössere Dimensionen 
erreicht. Prof. Dokutschajew bemerkt dazu, dass das Prä- 
valirender subfossilen Eichenstämme vielleicht auch durch die 
grössere Festigkeit und Dauerhaftigkeit ihres Holzes, gegen- 
über derjenigen der Birke, Erle und Kiefer, zu erklären ist, 
Aehnliches ist in verschiedenen Gegenden des europäischen 



1) Vgl. ib., p. 171—175. 

2) B. ^OKynaeB'b. Cnoco6u o6pa30BaHifl pi^^euxi» aojhht> esponefi- 
CKoß PocciH. (TpyAbi C. IleTepö. 06m. ecTecTBOHcnuTaT., t. IX, 1878 r.); 
CTp. 180. 

3) A.B. BaTajMHT»; bi> 3aQ. C.-IIeTep^. MnHepajior. 06m., 2-aH cepis, 
H. 8, 1873 r., CTp. 184—185. 



— 101 — 

Rasslands beobachtet worden; so z. B. in Polen, und zwar 
im Gouv. Lublin ^), im Kreise Bogorodizk des^Gouv. Tula ^), 
an den Ufern des Choper ^), etc. 

A. V. Löwis, der, wie bemerkt, ein interessantes Buch 
Aber die ehemalige Verbreitung der Eiche in Liv- und Est- 
land verfasst hat, theilt auch einige Nachrichten über ähn- 
liche Funde in den Ostseeprovinzen mit. Er sagt darüber 
u. A. Folgendes (1. c, p. 242 — 252): «Unter den Kennzei- 
chen von dem ehemaligen Vorkommen ganzer Eichenwälder 
hier im Lande, verdient das in einigen Gewässern versenkte 
Eichenholz unstreitig die grösstc Aufmerksamkeit. Im 
Grunde mehrerer Flüsse, an deren Ufern jetzt oft gar keine 
Eichen mehr zu finden sind, haben sich ganze Niederlagen 
von Eichenstämmen erhalten, die zuweilen durch Ueber- 
schwemmungen theilweise hervorgehoben werden, oder auch 
bei niedrigem Wasser auf dem Grunde zu sehen sind. Schon 
von Alters her werden solche Klötze und Balken aus dem 
Wasser hervorgezogen, und wegen der Brauchbarkeit des 
Holzes gesucht, der Vorrath ist aber noch bei weitem nicht 
erschöpft . . • Manche solcher versenkter Stämme zeigen 
Spuren abgebrochener Aeste, andere scheinen über der Wur- 
zel gebrochen. Einige sind äusserlich oft mehrere Zoll tief 
vollkommen schwarz wie Ebenholz, und ausgetrocknet kno- 
chenhart; andere hingegen äusserlich nur grau, innerlich 
kaum verändert: ein Beweis, dass diese Stämme nicht zu- 



1) Vgl. iOpKeBHH'b^ BT> 3an. H. Cn6. MuHepaj. 06m., cep. 2, i. 7, 
1872 r.; CTp. 290 — 300. Im Auszuge in: JltcH. ^KypH., 1874 r., Bun. 4, CTp. 
105—108. 

2) Und zwar in einem See beim Dorfe Eubaschew. Vgl. Bulletin de 
Moscou, 1840, T. 13, p. 606. 

3) Sowohl im Gout. Ssaratow (JltcH. }KypH., 1872, nun. 1, crp. 17— 
20), als im Lande der Don'schen Kosaken (CejibCK. xo3. h ji^cob., iKypH. 
Mhh. rocyÄ.HM., 1867 r., q. 95, cxp. 123—124). 



L 




— 102 — 

kMv\\ vorsenkt worden sind. Viele dieser Baumstämme, 
(Icron Uoh am dunkelsten gefärbt zu sein pflegt, und die 
hirh also am längsten in dieser Lage befunden haben, werden 
nloht Im Wasser, sondern an den Flussufem tief im Boden 
vorschttttot gefunden . . . Von den Wäldern, die einst eine 
HO grosso Menge solcher Stämme abgeben konnten, findet 
»ich in dor Regel keine Spur, weder in der Natur, noch in 
dou Uoborlloforungen des Volkes, und wir können vermittelst 
«llor vorhandenen Nachrichten, auch nicht mit einiger Wahr- 
M h<>inUchkiMt nur etwa das Jahrhundert angeben, in wel- 
chom sich dio$o merkwürdigen Niederlagen gebildet baben»^). 
Uorr V. L9wi$ führt einige Flüsse an, in denen sich 
Iw^soudoi'^ jynvsso Mengen solcher versenkter Eichenstimme 
tv.slon: ^\^ 9. K dio Rujo. auf der letzten Meile vor ihrer 
Muudvnv^ in dtHi BurtnekVhen Soe: femer die Aa etc. In 
tK r Uc.jo UoiiY« dio Stimin^. sd weh der Flnss hohe Ufer 
5 '4s A^x^\\^^r,^.oh ^^nor tVr dem Fl^issbene nebeoeiiiander 
,si;;V4o^.v, iir.;r„U\ t^^J e$ <:n^i rvh r^berV^ibsel il^gelnro- 
^ ^ ,^r.,"^v Vi^ro .Vx^r, 5;; f^-Vr-rivr.: <.i' sfzi ii>:- irahrscheinlich 
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— 103 — 

üeber die Zeit der Versenkung aller dieser Eichen . . sind 
einige der Bauern der Meinung: diese Bäume lägen seit 
der Sflndfluth dort. An verschiedenen Stellen hat der Fluss 
seine Ufer vor langer, nicht zu bestimmender Zeit, durch- 
brochen, und sich ein neues Bett gebahnt; in solchen Durch- 
rissen, von deren Entstehung sich bei den alten Leuten nur 
eine dunkele Nachricht erhalten hat, findet sich niemals ver- 
senktes Eichenholz, sondern jedesmal nur in dem ältesten 
ursprünglichen Flussbette». 

Löwis fährt fort (1. c, p. 252 sq.): «Ausser jenen aus 
einer unbekannten Zeit herrülirenden üeberresten vormaliger 
Waldungen, finden sich in diesen Ländern auch noch neuere 
Spuren von Eichenwäldern, welche, obzwar die Bäume eben- 
falls verschwunden sind, doch die grössere Verbreitung dieser 
Holzart noch während der späteren Jahrhunderte beweisen. 
Dieses sind die in I^iv- und Ehstland stellweise in der Erde 
gefundenen Eichenwurzelu, die oft fast völlig vermodert, in 
manchen Gegenden häufig vorkommen. Solche Wurzeln er- 
halten sich, bei der bekannten Ausdauer des Eichenholzes, 
lange im Boden, und da sie über die früheren Standorte der 
Bäume die sicherste Auskunft geben, so können wir, ver- 
mittelst derselben, die fortdauernde Verringerung der Ei- 
chenwälder in diesen Gegenden bis in die neueste Zeit ver- 
folgen, und uns augenscheinlich davon überzeugen: wie diese 
Holzart von einem Jahrhunderte zum andern immer seltener 
geworden ist. Diese Wurzeln bilden, als Stellvertreter der 
gefällten Bäume, einen Uebergang von den PJichenwäldern 
der Vorzeit zu den jetzigen, und füllen manche anscheinende 
Lücke im Lande aus, indem sie oft an Stellen, wo jetzt kaum 
mehr einzelne Bäume die ehemalige Eichenregion bezeich- 
nen, vorkommen und die grössere Verbreitung dieser Holz- 
art in früheren Zeiten darthun. Beispiele liievon giebt es 




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! 



— 105 — 

dass einzelne aus Eichenholz aufgeführte Gebäude, z. B. 
Kirchen, gleichfalls auf einen früheren grösseren Eichen- 
Beichthum Liv- und Estlands hin\veisen. 

Auch in Kurland kam die Eiche, nach Bode^), in frü- 
heren Zeiten häufiger vor und bildete ohne Zweifel grosse 
und reine Bestände. Die Bevölkerung erinnert sich noch z. 
Th. dieser Wälder, so z. B. in der Umgegend von Dohlen, 
Schlock und Tukkum. Die Hauptursache des Verschwiudens 
der Eiche in neuerer Zeit ersieht Bode, ebenso wie Löwis 
(1. c, p. 174—201), in der Urbarmachung hauptsächlich 
solchen Bodens, auf welchem die Eichenwälder standen, da 
dieser Boden sich ganz besonders zum Kornbau eignet. 
Auch meint Bode, dass die zunehmende Versumpfung des 
Bodens die Eiche aus solchen Wäldern verdrängt hat, wo 
sie nicht der Axt hat weichen müssen. — Aehnliches wird 
auch im Gouv. St. Petersburg beobachtet. Meinshausen 
(Fl. ingr., p. 312) bemerkt Folgendes: «Bei der Eisenbahn- 
station Preobrashensk an der Luga, vielleicht als Reste 
eines grösseren Bestandes vormaliger Zeiten, er- 
heben sich gegenwärtig etwas vereinzelt, doch noch zahlreich 
mächtige alte Exemplare (der Eiche) über einem sehr jungen 
heranstrebenden Nachwuchs». Aehnliche alte und grosse 
Eichen finden sich, nach Schmalhausen^), auch bei Luga 
und Turow, femer beim Dorfe Gorki am Fl. Mschaga, so 
wie bei Gdow am Ufer des Peipus-Sees. 

Schliesslich machen Löwis und Bode mit Recht darauf 
aufmerksam, dass in den Ostseeprovinzen eine ganze Menge 
von Ortsnamen, die nach der Eiche (estn. tarn und lett. ohsols) 



1) Bo^e. «0 npoHspacTaHiH Ay6a bi» KypjflH;i.iuo. (JI'ibcH. HCypn., 1834 

r., 1. II, KH. 1, CTp. 1—13). 

2) H. lÜHaJbrayseH'B; B'BTpyA. CüC.OCjb^ ecTecTBOHcaiiiTaT., t. IV, 
Buo. 2 (1873), crp. 41. 



— 106 — 

gegeben sind, auf eine einstige grössere Verbreitung dieser 
Holzart in jenem Gebiete hinweist. So führt Löwis (1. c., 
p, L>31) — 241) z. B. folgende Namen von Gütern und Bau- 
erngesindeu in Est- und Livland an: Tammen, Tammist, 
Tammenhof, Tammik (ein Eichenwäldchen bezeichnend), 
Tamsal (desgl.); Ohselshof, Ohsol (der lettische Name 
von Ekhof), Ohsoling (sehr häufig vorkommend); femer 
die deutschen Ortsnamen: Eichenangern, Schöneich, 
Hoheneichen, Eichenhain etc. Bode nennt für Kurland 
z.B.: Ohsolmuische, desgl. Ekendorf, Ekhof. Meiner- 
seits will ich hinzufügen, dass auch im Gouv. St. Peters- 
burg dergl. Ortsnamen, sowohl finnische als russische, vor- 
handen sind, die gleichfalls auf ein Vorkommen der Eiche 
hinweisen; so z. B.: Tamengont (unweit Oranienbaum), 
Tammikowa (mit russificirter Endung; zwischen Strelna 
und Krassnoje Sselo) ; femer eine ganze Reihe von russischen 
NamenM; z. B.: Dubno, am Südufer des Ladoga-Sees; 
Dubina, Dubki, Dubnjagi, Dubowiki am Fl. Wol- 
chow, Dubowik, am Fl. Tschagoda, — sammtlich im Kreise 
Nowaja-Ladoga; desgl. noch mehrere Dubki (in den Krei- 
sen St. Petersburg, Peterhof und Jamburg); Dubok (in 
den Kreisen Luga und Grdow), zwei Dubjagi, im Kreise 
Gdow; femer Poddub'je etc. 

Unter dem Namen Thomeni {GoMtmu)^) wurden im XVII. 
Jahrhundert alle Inseln verstanden, die durch die Mündungs- 
arme der Newa gebildet werden. Butkow') spricht die Ver- 
muthung aus, dass dieser Name von tamnü. der finnischen 



1) Ein Theil der rassischen Ortsnamen dürfte nach angepflanzten 
Eichen crtheilt sein. 

2) Fomeni ausgesprochen; wie Thomas (9oMa) — Foma lautet 

8) n. EyTROB-b. «0 cocTOflHiH iitcTHO.^Teli CasKTncTepÖTprcKBi-b Bt 
XVI ntKt». (>KypH. Mnn. BHvrp. ji.tji., 1836 r., h. 20; cip. iÜOl 



|F*V:- 



— 107 — 

BenennuDg der Eiche, abzuleiten sei; zugleich bemerkt er^ 
dass die grossen Eichen, welche sich auf diesen Inseln finden 
(z. B. auf der Petrowskij-, Kamennoi- und Jelagin-Insel), nach 
ihrer Dicke zu urtheilen, 4 bis 5 Jahrhunderte alt sein mö- 
gen; (vgl. auch oben). — Ebenso kann man auch in den an- 
deren, an der Eichengrenze liegenden Gebieten solche Orts- 
namen finden, die auf ein einstiges Vorkommen dieser Holzart 
deuten ; für das Gouv. Wologda habe ich oben dergl. Namen 
angeführt. 

Ich habe schon oben bemerkt, dass die Nordgrenze der 
Eiche im Gouv. Perm ihr östliches Ende erreicht, dann nach 
Süden zu umbiegt und zur Ostgrenze wird. Die letztere ver- 
läuft eine Zeit lang längs dem Ufä-Flusse, dringt aber dann 
ostwärts in das Üral-Gebirge ein, geht längs der Ssakmara 
und erreicht, unterhalb Orsk, den Uralfluss, — wo sie von 
Neuem, und zwar nach W., resp. SW., umbiegt und zur 
Südgrenze wird. Der Verlauf der Ostgrenze der Eiche ist 
indessen nicht ganz genau bekannt. Nach Trautvetter, 
läuft sie «längs der üfä (Pallas' Reise, II, pp. 14, 16; III, 
pp. 470, 474) ungefähr zum So"" n. Er. und 75° ö. L. und 
weiter über die Westausläufer des Orenburg'schen Urals 
hin zur Gegend zwischen Orenburg und Orsk». Eversmann^) 
sagt, dass die Eiche im Orenburger Ural nicht mehr gut ge- 
deiht, was er durch den Mangel an Huraus im Boden, so 
wie durch das rauhe Klima, zu erklären sucht. Im Früh- 
jahre geht das Laub öfters durch Morgenfröste zu Grunde; 
selten sollen sich dickere Stämme von 10 Werschok(44,4 Cm.) 
finden, die im Innern nicht hohl und faul sind. Der Ueber- 
setzer von Eversmann's Werk, der nachmalige berühmte 
Lexikograph W. Dahl, bemerkt dazu, dass in der That die 



1) 9a. dBcpcMaHi». EcT. HCTopifl OpeHÖyprcKaro Kpaa; h. I, cxp. 47. 



— 108 — 

Eichen im Orenburger Oebiete früh gipfeldfirr werden, was 
vielleicht durch die mangelhafte TiefgrOndigkeit des Bodens 
bedingt wird, dass aber dennoch sich hie und da gesunde 
Eicheubftume finden, die einen Durchmessser von mehr als 
1 Meter, und sogar P/s Meter, besitzen. Hr. Rechenberg^) 
gibt folgende genauere Data Qber das Vorkommen und die 
Wachsthumsverh&ltnisse der Eiche im sfidösUichen Theile 
dos GouT. Orenburg: Die Eichen wachsen daselbst haupt- 
sächlich auf den westlichen Yorbergen der centralen Erhe- 
bung des UraPs, zwischen den Flossen Ik und Ssakmara. Am 
zahlreichsten finden sie sich auf den Östlichen und nördlichen 
Abhingen der Bei^ Ssoleiman-Kara-ul, Kiptschak und Je- 
maschla-tau, so wie auf den aus Kalk gebildeten Beilrücken, 
die ;^ich sOdwirts bis zu den Mündungen der Flüsschen 
Ii\]ia$ch und Sirgalsch erstr^ken. Im westlichea Theile des 
rUti>au'$ weichst die Eiche als untergeorlnete Holzart unter 
BirktMK F.$|HMi und Lerchen. Selten finden sich Stimme von 
mohr al§ 4 5 Cm, Dicke, und die Gipfel werden bei den 
nhnston l^ohon beivits in der H^be ron kaum 13 M^em 
mvion, IVr CTössjite Thcil der Summe ist im Iimeni £iul, 
woher >;5e :xk lUu- i:r.i Xfitjiv '.2 wenig ungea. Das wich- 
ti^rsie IVvv.At b l.ioi aÄ>5eIb>i oor G«^bs5<5. der aas dar Ei- 

V> $A*^.;^::Us cä^js^ ::: xrrfoa rjcÄ^i:*««! Pfosten die 
K:c>>e r,\h; ::;:r v^c ^TVrj:x:ns5 oe> Klimans k^ael» »adaii 

>*jil mvj.K*^:^ li, ::>5sif^T». ij^^ji jfcX ttkoribto: S;£lit3u wo &odi tot 
Ä^^^^^K^r iT'.yr v,.-)4,Thir'T. ^., W xlt kaia ici mr döi 



4^ ^ ■ ».vs 



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— 109 — 

scheinbaren Widersprach erklären, der zwischen den älteren 
Angaben Lessing's und den neueren Nachrichten Borsz- 
czow's wahrzunehmen ist. Lessing*), der das südliche 
üralgebirge und die Ufer des Üralflusses im Beginne der 
30-er Jahre besucht hat, spricht von Laubwald ungen, in 
denen die Eiche die vorherrschende Baumart bildet, noch 
am linken Ufer des Ural (z. B. gegenüber Orenburg), so 
wie noch 15 Werst südlich davon, desgl. auch am Ilek. 
Borszczow, dessen Mittheilungen um 30 Jahre jünger 
sind (d. h. vom Jahre 1865), sagt, dass die Eiche nirgends 
am linken Ufer des üralflusses wächst; ihre Südgrenze er- 
reicht sie im Norden desselben, zwischen Uralsk und Orsk; 
in der Nähe von Orenburg findet sie sich bei der Erhöhung 
Majak an der Ssakmara, so wie auf den Bergen Grebni. 
Man muss also annehmen, dass zwischen 1835 und 1865 
die letzten schwachen Reste von Eichen Waldungen am linken 
Ufer des Uralflusses definitiv ausgehauen sind. Lessing 
selbst bezeichnet es als einen bemerkenswerthen Umstand, 
dass an vielen Orten, wo sich jetzt keine Spur eines Baumes 
mehr vorfindet, vormals Wälder ausgebreitet waren. — 
Meinshausen^) erwähnt die Eiche gar nicht für das süd- 
liche Uralgebirge. 

Die Sfldgrenze der Eiche hat, von Osten nach Westen, 
ungefähr folgenden Verlauf. Sie geht anfänglich, etwa von 
Guberlinskaja ab, längs dem rechten Ufer des Uralflusses. 
Gregenüber der Mündung des Ilek in den Ural war die Eiche 
in den 30-er Jahren, nach Lessing, noch häufig, während 
sie am Uralsk selbst und überall südlich davon am Uralflusse 
schon damals vollständig fehlte. Indessen wird sie früher 



1) In: Linnaea, Bd. IX, 1885, pp. 149, 162— 16S. 

2) «Beitrag zur Pflanzengeographie des Sttd-Ural-Gebirges» (Linnaea, 
Bd. XXX, 1859 a. 1860, p. 465—648). 



— i:o — 

«r..i.iTt_ri:: .i:.:: im Cnüsk vorgekommea seiD. Dievei- 

tr--~ rr _-Ju -er-nitigreoze der Eiche bietet einige Schwie- 
T_i,-:::, x ur^ Sülzan zweifell.)S anch hier stellenweise 
z-'iiz .::ss?r"tT^c ist, so dasa ihr gegeowlrtiger Verlauf 
r"s~*; ln::ven md A-osbachtangen aofWeist, deren geoaaere 
'■^Estei;-in£, aus Mingel an betreffenden Xachrichteo, fDr 
.■t;t iic:i[ musiiicii ist. &) finden sich bei Schell (1. c, p. 
^T'i. :ür üe Gouvernements Üfi und Oreobor^, nnr fol- 
"iiiio Findorte der Hiebe angezeichnet: «Kondarowka, 
)n'ui"in:. zwisclieu Messe!] ond Podlnbowo, Rebasch». 
■:':nirvi.'t:t;>!r bemerkt, dass die Sädgrenze der Eiche von 
ir MTiiiduuix des Ilek sich in das Gouv. Ssaratow und zur 
iiirPüi Wj[ji wende. Aber, so richtig diese Bemerkung 
n V.'.^i'm<:m>iü ist. so bietet sie doch keinen Anhalt fßr eine 
■.'uam.'reVerfi'IgungjeQer6renze. Diese letztere ging höchst 
ujirk-iieiulich längs dem Obstschij-Ssyrt, dann längs dem 
.liiR' lies Grossen Irgis, bis zu dessen Möndung in die Wolga, 
u $i<.-h darauf längs derselben bis Sarepta, und dann noch 
rti^'uR'rniigbis Wjasowka, im Gouv. Astrachan, zu ziehen, 
>u ^Lirepta aber, in südwestlicher Richtung, zum Bon ab- 
tsi-iiwenken und diesen bis etwa zur Mfindung des Donez 
i verfolgen. 

Georgi') nennt zwar nicht die Eiche unter den Bäumen, 
o, noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts, den Obstschij- 
:vrt zierten, denn er sagt von diesem Gebirge: «Ausser ge< 
iigL>a Hainen und Ufergebölzen ans Pappeln, Espen, Birken, 
oiden, Erlen, Weissdorn and andern Gesträuch, ist es 
iuz waldlosu. Dass aber diese letztere Bemerkung fflr jene 
<it nicht ganz zutreffend war, beweist die Mittheilnng eines 
Ligonzeugen, G. Karelin^), der, in den 20-er Jahren des 



1) ll9t!i-hrHbunK des ßosBiscfaen Reichs ; Tb. 1 (1797), p. 1&7. 

;)) Vf). in: TpjAU Ca6. 06m. ecrecTBoucDUTaT., t. TI, 1875, crp. 2 



— 111 — 

nderts, den Obstschij-Ssyrt gut bewaldet 
i gesehen hat. Zwar nennt auch er nicht 
e unter den dortigen Waldbäumen, doch 
jhreren Holzarten, die Georgi nicht er- 
TOn baumartigen Ebereschen, desgl. von 
unten). Daher kann man wohl vermuthen, 
daselbst, wenn auch nur strauchartig, Vor- 
lieben einst am grossen Irgis wuchsen, be- 
dow^), nach dessen Angabe diese Holzart 
Jsaratow und in den angrenzenden Theiien 
ra grosse Wftider bildete, und zwar auch 
höher gelegenen Stellen, die jetzt den An- 
n Steppe bieten; Dies beweisen die vielen 
'. daselbst langsam zu Ende faulen. Vee- 
p. 102) sagt aber das Vorkommen der 
vernements Ssimhirsk und Ssamara: «Sehr 
selten Hochwald bildend, meist niedrig, 
Strecken strauchartig». Claus bemerkt, 
n der mittleren und unteren Wolga, von 
, sehr häufig vorkomme; auch Becker be- 
li Sarepta, «in Bergschluchten» des rechten 
ifig wachse. Die Eiche geht (oder ging 
lals) noch etwas südwärts von Sarepta, wie 
ihenschlucht (Duböwyj owräg) zeigt, die 
restwärts verläuft. Längs der Wolga tritt 



le Bedemar erwähnt beiläufig, da£s die Eiche sogar 
itschiJ-Ssjrt wächst. (JltcaoR Hifpea»., 18G0 r., crp. 

iB-b. nj^d B'b CapaTOBCKoH rjt^epHJH». (JK7PH. Muh. 
, M. 26, CTp. 568- 670); deagl. desselben Verfassers; 
ffijpH. Mhh. BHjTp. j.,, 1837 r., v. 24, crp. 619—520). 
773} fand noch am Irgis Eichen, nebst mehreren an- 



— 112 — 

sie, wie gesagt, noch zangenförmig in^s 6ouv. Astrachan 
hinein, wo sie, wenigstens im Beginne des laufenden Jahr- 
hunderts, nach Rawinskij'), bis Wjasowka vorkam, wenn 
auch nur als verkrüppeltes, niedriges und meistens innen 
hohles Bäumchen. Auch an der oberen Achtnba, im Kreise 
Zarew, finden sich Eichen'). 

Von Sarepta geht die Sfldgrenze der Eiche znm Don 
(etwa längs dem FL Zariza)'), und dann den Don hinunter, 
wahrscheinlich bis unterhalb der Mflndung des Donez, von 
wo sie in rein westlicher Richtung sich bis zum Dojepr 
fortzusetzen scheint« und. diesen letzteren Fluss begleitend, 
in de^^sen reberschwemmangsgebiele« südwärts tief in die 
Steppen eindringt. Im Mandangsgebiete des Don fehlte die 
Kiohe bereits Yv>r mehr als 100 Jahren, denn Güldenstädt 
hat sie bei Rostow und Asov nicht gefimden; er erwähnt 
jed^^HTh i.Reisea, IL p. 76 \ das$ im untersten Laofe des Don 
das Bett u. A. durch Holzstämme venrareinigt ist: es mögen 
hier ebenso auch K:ch mi dariiater sein, wie ich Dies oben 
von \erschio\io»eü noriilichea Flössen berichtet habe. Am 
Miujjs ^oberhalb der Muuduug der Krynka) fimd Gülden- 
Stadt V'!?- P' ^^* ^iir irute uud «rade Eichen in Menge. 
Auch ueuere :?clu»rt>tci!i.T berichD?n daron. dass daselbst, 
noch um Jie M tte der '^O-er Jalire, ^n>sse Eichen gestanden; 
Fauiuaiiu * s;i^t. Jass er im Miuss' seilen Kreise einige ur- 
alte Kic!iou ;»t^'h »u, ier»:»» Stamm vi>a 3 — t Männern zn nm- 



<i V.i ii i ' ii • .i >*i' *»^:.a '/.^.'tvu u'vi -«r itwa H) J&iirea timI eine tn 
iiee*'itH liauuiuvit: v-i.Uv'U »*'i.» ' .% . -V»*! «i^« >t 'laca huea btfiiaaiit;» TgL: 






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— 113 - 

fassen war. Auch W. Dörr erzählt^), dass er ebenda Schnitt- 
flächen von alten Eichenstämmen gefunden, die über 1 Meter 
(24 Werschok) im Durchmesser hatten; nach Aussage der 
dortigen Bauern, sind diese Bäume erst Ende der 40-er, 
oder im Beginne der 50-er Jahre ausgehauen worden; laut 
möndlicher Mittheilung Herrn Dörr's, zählte er an einem 
solchen Stamme 431 Jahresringe. Dass die Eiche auch noch 
gegenwärtig am Miuss nicht ausgestorben ist, beweist eine 
neuere Bemerkung N. Bashanow's^), dass dieselbe in der 
Waldschlucht Leont'jew-Bojerak, die in den Miuss mündet, 
sogar die herrschende Baumart bildet. 

Ich erinnere mich, zu Anfang der 60-er Jahre, in einigen 
Schluchten (6ajKH) in der Umgegend der Weliko-Anadol'- 
sehen Waldanpflanzung (im südöstlichen Theile des Gouv. 
Jekaterinosslaw), noch Reste von Eichenhainen gesehen zu 
haben. Baumann bemerkt, dass Reste eines Eichenwaldes 
sich beim griechischen Dorfe Ignat'jewka befinden, in der 
nach dieser Holzart benannten Duböwaja-haAka ^), dass aber 
sonst im Kreise Alexandrowsk die Eiche, mit Ausnahme des 
üeberschwemmungsgebietes des Dnjepr, überall ausgerottet 
sei. Indessen führt Beketow die Eiche für die Umgebung 
des Dorfes Ssagaidatschnoje (im genannten Kreise) an ^) ; auch 
weisen einige Ortsnamen mit Wahrscheinlichkeit wenigstens 



1) Im Sonatags-Beiblatt des «St. Petersbarger Herold», YOm 1. Mai 
1877. 

2)H. EaHiaHOB'B. «JEeoHTbeB-b-EoepaK-b». (jI'I^ch. }KypH., 1871 r., 
Bun. 3, crp. 18). 

3) Nach der Schabert'schen Spezialkarte Russlands (Blatt 47), heisst 
Ignat'jewka (das sieb übrigens auch in Stiele r's Handatlas, J^ 38a, findet) 
auch Duhowka und liegt am Bache Buhowaja, einem rechten Zuflüsse des 
Kalmiuss, in welchen in der nächsten Nachbarschaft auch ein Owrag-Du- 
hüwoi mündet. 

4) Nicht ausgeschlossen ist die Möglichkeit, dass in diesem Falle von 
angepflanzten Eichen die Rede ist. 

8 



— 114 — 

auf ein früheres Vorkommen der FAche hin; so z. B. der 
Name der deutschen Kolonie Eich wald (etwa 50 — 60 Werst 
westlich von Ignat'jewka). Nach Grüner^), wächst die Eiche 
liäufig am unteren Dnjepr, im Süden von Alexandrowsk, auf 
höher gelegenen Wiesen; sie reicht, längs dem Diyepr, 
auch weiter nach Süden, denn sie findet sich daselbst, nach 
Ssredinskij, im Kreise Melitopol und sogar imDnjeprow'- 
schen Kreise; laut einer mündlichen Bemerkung Herrn 
Niederhöffer's, findet sie sich wildwachsend noch im Re- 
viere Ssoleno-Osernaja. Ebenso gelit die Eiche auch im 
Gouv/ Chersson ziemlich weit nach Süden; indessen scheint 
sie, nach Remy ^), imUeberschwemmungsgebietedes Dnjepr 
bei Gruschewka nicht mehr vorzukommen. Aber sie erstreckt 
sich nur zungenförmig so weit südwärts. Nach Kir'jakow^), 
bildet im Gouv. Chersson der Granitrücken, der sich von 
den Karpathen südostwärts erstreckt und die Schwellen des 
Bug und des Dnjepr veranlasst, die Südgrenze der Eiche, 
welche nordwärts davon in den Wäldern und Hainen vor- 
herrscht. In Bessarabien ist die Stieleiche, nach Tardent, 
noch häufig in den Wäldern um Orgejew und Kischinew ; für 
die Umgegend der letzteren Stadt führen sie auch Linde- 
mann*) und Döngingk an; dagegen soll sie sich, nach 
Akinfijew, im südlichsten Theile , bei Bolgrad, nur in 
Gärten, und zwar sehr selten, finden. 



1) Grüner bemerkt (1. c, p. 151 — 152), dass die Eiche daselbst in 3, 
nach Form und Auheftung der Blätter, verschiedenen Varietäten vorkommt. 

2) Fr. Remy. Die Duiepr-Niederungen (Plawnen). (Odessa, 1871). — 
Aaf p. 4 heisst es, dass die Niederungen unterhalb Alexandrowsk noch mit 
schönen Eichen waldangen bestanden sind, die aber weiter unten durch 
Schwarzpappeln und Weiden ersetzt werden. 

8) KHpbflKOB-b, BT, JlifecH. /KypHajit, 1836 r., h. II, crp. 99. 
4) Lindemann bemerkt, dass bei Bendery (nach Steven) die Form Ja- 
ciniata vorkomme. 



— 115 — 

Innerhalb der von mir gezogenen Grenzen ^) kommt die 
Eiche zwar fast überall vor, indessen ist sie ziemlich ver- 
schieden vertheilt. In den Ostseeprovinzen, wo sie, nach 
den Untersnchungen von A. Löwis, früher sehr viel mehr 
verbreitet war, als gegenwärtig, findet sie sich im ganzen 
Gebiete; im grössten Theile Estlands und in Nordlivland ist 
sie ziemlich selten und meist vereinzelt; aber in der Wiek, 
auf der Insel Oesel, im sudlichen Livland und in Kurland 
wächst sie ziemlich häufig, wenn auch nur selten Wälder 
bildend. Löwis (1. c, p. 260 sq.) bemerkt u. A. Folgendes, 
das sich auf das Jahr 1824 bezieht: «Der bedeutendste 
unter den noch jetzt vorhandenen Eichenwäldern in Livland, 
findet sich auf dem Gute Hochrosen, etwa 2 Meilen von 
Wolmar. Dort ist ein Bezirk von mehr als lYg Quadratwerst 
Flächenraum durchgängig mit uralten, starken und hohen 
Eichen, die einen zusammenhängenden Wald ausmachen, und 
unter denen nur hin und wieder einzelne Holzapfelbäume, 
Ulmen, Ahorn, Espen und Haselnusssträucher zerstreut vor- 
kommen, bewachsen. Einige der ältesten Eichen sind hohl 
oder gipfeldürr. . . Die Stärke der mehrsten Bäume beträgt 
im Umfange 1 Fuss und darüber; wegen des dichten Standes 
sind die Stämme hochschäftig. . . Vor mehreren Jahren 
ward dort ein besonders schöner Baum gefällt, an welchem, 
nachdem er im Walde schon stark behauen worden war, 
noch 457 Jahrringe gezählt wurden. . . Ausser diesem Ei- 
chenwalde verdient noch die Gegend von Alt- und Neu- 
Schwaneburg und Lubahn genannt zu werden. Dort giebt 
es einzelne Distrikte von mehreren Quadratwersten, die mit 
hoben, uralten, schlank gewachsenen Eichen, jedoch sehr 



1) Vgl. die Karte }& II. — Auf dieser Karte ist das inselartige Yorkom- 
men der Eiche am SQdufer des Ladoga-Sees unberücksichtigt geblieben. 

8* 



— 116 — 

stark gemischt mit Linden, Espen, Spitzahorn, Eschen, 
Schwarzellern u. dgl. bestanden sind. . . An der Ewst 
und der Peddez wachsen die schönsten Eichen, und diese 
ganze Gegend heisst bei den Bauern noch jetzt der Eichen- 
wald». .. Löwis führt auch für Oesel und Estland ver- 
schiedene Eichengehölze an, die höchst wahrscheinlich als 
Beste ehemaliger grösserer Wälder zu betrachten sind. — 
Nach den Angaben Bode's^) aus den 30-er Jahren, betrug 
das Alter der meisten Eichen in Kurland 150 — 300 Jahre, 
während nur sehr wenige jüngere Bäume vorhanden waren. 
— Im benachbarten Gouv. Kowno sollen, nach Afanass'- 
jew*), Eichenwälder sehr selten sein; meist findet man ein- 
zeln stehende Bäume, in Wäldern und auf Heuschlägen; ihr 
Wuchs ist meist krumm und ästig; ihre mittlere Höhe soll 
nur lOVj Meter (35 Fuss) und die Dicke nur 35 Cm. be- 
tragen. Aber diese Angaben scheinen zu niedrig gegriflTen 
zu sein; denn einzelne Gegenden des Gouv. Kowno sind seit 
langer Zeit durch ihre alten und kolossalen Eichen berühmt, 
unter denen die heidnischen Littauer ihren Gott Perkun ver- 
ehrten und ihm Opfer brachten; so namentlich die Ufer der 
Flüsse Dubissa^) und Newjasha und andere Gegenden des 
Kreises Rossieny. Ebendort wuchs auch die weitberflhmte 
Rieseneiche, Bauhlys^) mit Namen, die auf einem Hügel 



1) JltcH. }KypH , 1884 r., h. II, kh. 1, CTp. 5. 

2) Ä. AoanacbCBt. KoBeHCKaa ryöepHin. (MaTepinJu wa reorp. b 
cxaTHCT., coßpaHHue o<»HnepaiiH reeepaibHaro mTa6a); cTp. 226. 

8) Man wäre versucht den Namen Dubissa mit ruas. Düb (= Eiche) in 
Zusammenhang zu bringen; allein in jenen Gegenden leben Littauer, in de- 
ren Sprache der Name der Eiche ganz anders lautet. 

4) Wörtlich : der Brüller, von haübUti = brüllen. Wie mir Hr. Baltra- 
maitis mittheilt, war dieser Name jener Eiche deswegen gegeben, weil 
ihre innere Höhlung zwei Oeffnungen nach Aussen hatte, durch welche der 
Wind pfiff. — Vgl. über diesen merkwürdigen Banm: H. «OnepKH aeiue- 
nMtt H jitcoBOACTBa bt, KoBencKoll ryÖepniH». (Taa. jicoB. h oxotu, 1855, 



— 117 — 

d, den sie ganz beschattete; im Jahre 
Ichtige Baum vom Stnrme umgeworfen 

er im Jabre 1812 geeilt) ; sein Stamm 
I Bodens einen UmfaAg von 1 l'/a — 12 

ohne MObe 710 Jahresringe z&blen, 
zu rechnen, deren, nach ungefährer 
t waren, so dass das Alter dieses Baum- 
re betrug; nach Volksüberlieferungen, 
Sottheiten der alten Preussen und Sa- 
I demselben Kreise Rossieny, zwei d. 
cken Koltynjany, wurde noch in den 
itten einer enormen Eiche, jeden Frei- 
jsdienst abgehalten, der viele Gläubige 
Ueberlieferuiig zufolge, sollen noch die 
en unter dieser selbeu Eiche ihre Opfer 

[ soll, einer älteren Nachricht zufolge, 
achsen, wenn sie aach, z. B. in den 
Newel, Wälder bildet, die unter der 
■ekannt sind; ihr mangelhafter Wuchs 
;ete Eisenbaltigkeit des Bodens (?) ge- 
itonow verdanke ich die Mittheilung, 
lannteu Gouvernement ziemtich häufig, 
äinzelt, vorkommt. Besonders interes- 
blreicher stattlicher Bäume beimMar- 
J/Pitebsk; ihr Umfang beträgt iuBrust- 
lolt (75 — 90 Cm.), ihre Höhe 5 — 8 
;ter). Wälder bildend fand er sie bei 

iHc^u. (KasauCKin BtcTHHKii, 1880 r., t. 28, crp, 

itiiH. «OiepKK Eijopfcciu. — rytiepaU BHie<!- 
. Kbn, 1B46 r., i. 9, CTp. 69—70). 



— 118 — 

Bukmuischa, im Kreise Rjeshiza. — Nach mündlicher Mit- 
theilung E. Beresin's, finden sich Eichenhaine im Kreise 
Porchow des Gouv. Pskow; auch wird die Eiche in den 
Kreisen Pskow, Toropez etc. angetroffen; man findet auch 
recht alte Bäume, die indessen meist krumm und ästig ge- 
wachsen und sehr häufig kernfaul sind ^). — Im Gouv. Twer 
kommt die Eiche zwar sehr verbreitet vor, aber an manchen 
liöher gelegenen Stellen, z. B. im Kreise Torshok und auf 
den felsigen Ufern der Wolga, findet sie sich, nach Bakunin, 
nur als Strauch, während sie im Kreise Ostaschkow und 
am oberen Laufe der Düna bis zu Bäumen von SVg — lOVg 
Metern Höhe heranwächst und Eicheln trägt. Hr. v. Wil- 
dermo t^) bemerkt, dass im (östlichsten) Kreise Kaljasin 
einige Eichenbäume von ^^/^ Metern Höhe stehen, die im 
Gouv. Twer als Seltenheit gelten. Dass es indessen auch 
dort bedeutend grosse Bäume gibt, beweist ein schönes 
Exemplar, welches beim Dorfe Stscherbinino (18 Werst von 
Twer entfernt) stand') (und vielleicht noch steht). Wir haben 
oben gesehen, dass in früheren Zeiten die Eiche im Gouv. 
Twer mehr verbreitet war und grössere Dimensionen er- 
reichte; so soll im Kreise Bjeshezk noch im vorigen Jahr- 
hundert ein grosser Eichenwald existirt haben*). — üeber 
das Vorkommen der Eiche in den Gouvernements St. Peters- 
burg, Nowgorod, Jarosslaw, Wologda, Kostroma, Wjatka, 
Perm, Ufa und Orenburg ist schon oben gesprochen worden. 
In Bezug auf das Gouv. Kostroma hole ich noch nach, dass 
die Eiche daselbst recht verbreitet ist, doch mehr vereinzelt 



l)Vgl. n. M. 3arpe6'hjibCKifi. oCTaTucT. onHcaHie jtcoBi> IIckobckoö 
ryöepHiH». (>KypH. Muh. roc. hmjii;., 1861 r., m. 76, cxp. 70). 
2) JltcHOÖ }KypHajit, 1886 r., h. III, cxp. 177 n 179. 
8) Vgl. JltcHofi >KypHaji'B, 1834 r., h. I, kh. 2, cxp. 171. 
4) JltcH. >KypH., 1836 r., h. IV, cxp. 410-412. 



— 119 — 

und von mittelmässigem Wüchse vorkommt; an den linken 
Ufern der ünsha und der Wetluga findet sich stellenweise 
sehr fruchtbarer Marschboden, auf dem zahlreiche Eichen- 
stumpfe zerstreut sind, bisweilen mit sehr tippig wachsendem 
Ausschlag, — ein Beweis, dass auch hier einst schöne Ei- 
chenwälder gestanden^). — Berühmt sind seit alter Zeit 
die vorzüglichen Eichenwälder in den Gouvernements Ka- 
san, Nishnij -Nowgorod und Ssimbirsk ; freilich sind sie gegen- 
wärtig grossentheils ausgehauen und durch Wälder mit an- 
deren, weniger werthvollen Baumarten ersetzt worden 
(worüber weiter unten). 

Herr v. Berg-) theilt Folgendes über die Wachsthums- 
verhaltnisse der Eiche in Polen mit: «Im ganzen Königreiche 
verbreitet ist die Eiche, und zwar weit vorherrschend Q, 
pedtinculata. . . Reine oder fast reine Bestände habe ich in 
einer grösseren Ausdehnung nur einigemale gesehen, und 
zwar auf dem Kalkstein im Lublin'schen. In einem etwa 
345 poln. Morgen grossen, lichten, doch mit schützendem 
Unterholze versehenen Bestände, ergaben die Durchschnitts- 
messungen eine Stärke von 17 — 22" (0,43 — 0,56 Meter) 
ohne Rinde bei 80' (24,4 Meter) Höhe und 160—170 Al- 
tersjahren. Die stärkste Eiche, welche ich in Polen gesehen 
habe, steht im Forstamte Samsonow auf Jura im Garten 
des Oberförsters zu Barthöw. Sie war eine Stieleiche, an- 
scheinend völlig gesund und hatte auf Brusthöhe 24 Fuss 
(7,32 Meter) Umfang bei 80 Fuss (24,4 M.) Höhe, und einem 
Kronendurchmesser von 120 Fuss (36,6 Meter). Gemischt 
mit den verschiedensten Holzarten, bald mehr oder minder 



1) ^g}' J^jaTOBCKifi. «Bsr.iHA'b Ha cocToaiiic ä^cobi» di» KocTpoMCRofi 
ryÖepBiH». (JltcH. JKypn., 1840, 4. III, cTp. 92—93). 

2) aDie Wälder in Polen». (Monatscbrift für das Forst- und Jagdwesen, 
1866, p. 11—13). 



> • 1 




— 120 — 

Yorwalteod, bald einzeln, bald forstweise, findet man die 
Eiche in ganz Polen, binfiger jedoch im Saden, sowohl im 
Hoch' wie im Niederwalde. Am meisten erscheint sie mit 
der Kiefer nnd habe ich sie da in allen Altersstufen beider 
Holzarten riel gesehen. Sie wird von der Kiefer weder un- 
terdrückt, noch irgend wie belastigt, beide wachsen mit 
gleicher Freudigkeit zu den schönsten Stämmen heran. . . . 
Im Forstamte Bodzentin, auf einem mehr lehmigen Sande 
(Unterlage Jura-Sandstein) habe ich auf mehr als 3000 poln. 
Morgen eine Mischung in der Hauptsache von Kiefer, Eiche 
und Tanne (untergeordnet : Fichte, Roth- und Hainbuche, 
Birke, Aspe und Erle) gesehen, welche ein fast gleichmäs- 
siges Alter von 150 bis 200 Jahren hatten. Vorzflglich 

schöne Hölzer» Auch im Gouv. Minsk wächst die Eiche, 

in Gemeinschaft mit der Kiefer, zu riesigen Bäumen heran ; 
so z. B. erreichen beide Holzarten im Kreise Borissow, im 
Bezirksamte Pystschatskoje (im Walde Tjomnaja-Pustscha), 
die enorme Höhe von 50 — 55 Metern und die Dicke von 
fast 1 Meter ^). Doch beziehen sich diese Zahlenangaben 
offenbar auf ganz ausschliessliche Verhältnisse und bedürfen 
jedenfalls der Bestätigung, denn die weiter unten mitge- 
theilten genauen Zahlen für die Gouvernements Tula, Ssa- 
mara und Woronesh ergeben sehr viel geringere Dimensionen. 
— Im Gouv. Kijew kommt die Eiche, nach Basiner, na- 
mentlich im sfidlicben und sudwestlichen Theile, sehr häufig 
vor und tritt daselbst nicht nur vorherrschend auf, sondern 
bildet auch ganz oder fast ganz reine Bestände, mit sehr 
geringer Beimischung anderer Holzarten, namentlich des 
wilden Birnbaumes. 

Nach den Aufzeichnungen Czerniaöw's^), IstdieEiche 



1) Vgl.: .I-fecHoft HtypHaj-b, 1837 r., i. II, crp. 472—473. 

2) B, M. ^epHAeD-B. jitoaxi^ yKpaÖHbi; crp. 17 — 21. 



r» 



— 121 — 

im GouY. Charkow durchaus die herrschende Holzart. Je 
nach dem Standorte, und namentlich nach dem grösseren 
oder geringeren Schlüsse der Bestände, erscheint sie in zwei 
verschiedenen Formen : in sehr lichten Waldungen treibt sie 
bereits sehr niedrig dicke und weit abstehende Aeste; häu- 
figer jedoch findet sie sich in dichten Gehölzen und wächst 
dann gerade und langschäftig, fast astlos und nur mit ge- 
ringer Krone. In Bezug auf den Boden ist die Eiche wenig 
wählerisch; am liebsten siedelt sie sich auf Tschernosjom, 
mit gutem lockerem Untergrunde, an; auf lehmigem Sand- 
boden, mit Mergel-Untergrund, wächst sie Oppig und be- 
sonders rasch; auch auf Lehmboden, namentlich wenn er 
locker ist, gedeihen schöne Eiclien ; dort aber, wo der Unter- 
grund schlecht ist, d.h. aus festem, zähem Thon, wenn auch 
mit Kalk gemengt, besteht, wachsen sie nicht freudig, werden 
sehr ästig und frühe wipfeldürr. Die Eiche verträgt in der 
Ukraine ausgezeichnet sowohl schneelose Winterkälte, als 
auch Sommerdürre, — ja, auch die für viele Pflanzen so 
schädliche Wirkung der austrocknenden Ostwinde (cyxoBiH}; 
indessen leidet die sich früh belaubende Varietät (var. prae- 
cox Czern.) bisweilen vorübergehend von den Morgenfrösten 
im Mai-Monat, ohne dass ihr diese einen dauernden Scha- 
den zuzufügen im Stande wären. Die Eiche findet sich so- 
wohl in reinen Beständen, als auch untermischt mit ver- 
schiedenen Laubhölzern, und sogar mit Kiefern, in welchem 
Falle sie als untergeordnete Holzart auftritt. Die Lebens- 
dauer der Eiche in der Ukraine ist durch Beobachtung nicht 
genügend festgestellt; indessen, nach den Jahresringen und 
dem Umfang zu urtheilen, erreichen manche Eichenbäume 
das Alter von 500 — 700 Jahren, doch sind sie dann meist 
hohl, mit brüchigem Holze. Sie werden bis 30 Arschin 
(2V/q Meter) hoch und bis 2 Meter dick. Es finden sich 



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ih. 



— 122 — 

auch im Gouv. Charkow massenhafte Eichenklötze im 
Schlamme und am Boden der Flüsse begraben; diese z.Th. 
geschwärzten Stämme sind vielfach hinderlich sowohl für die 
Schifffahrt, als namentlich für den Fischfang. — Nach den 
Angaben Arandarenko's^) gab es noch vor Kurzem in ver- 
schiedenen Gegenden des Gouv. Poltawa ausgezeichnet grosse 
und starke Eichen; so z. B. auf den Ländereien des von 
Gogol besungenen, dem Fürsten Ketsch ubei gehörigen 
Gutes Dikan'ka. 

Besonders werthvoUe Angaben über die Wachsthums- 
Verhältnisse der Eiche in den Gouvernements Tula und 
Ssamara verdanken wir dem Grafen Vargas de Bedemar. 
Was das Gouv. Tula betrifft^), so ist die Eiche daselbst 
überall verbreitet, mit Ausnahme der beiden letzten (von 
den 5 angenommenen) Bodenklassen; sie zeigt begreiflicher 
Weise ein in mancher Beziehung abweichendes Verhalten 
gegenüber ihrem Vorkommen z. B. in Deutschland, — wo- 
bei übrigens der sehr fruchtbare Boden viel dazu beiträgt, 
die nachtheilige Wirkung des Klima's auf den Wuchs der- 
selben abzuschwächen. Vor Allem fällt die kurze Lebens- 
dauer der Eiche im Gouv. Tula auf: selbst auf dem frucht- 



1) H. ApaHAapeHKO. 3aaucKH o IIojTancKOil ry6epHiu; h. I (1848), 
CTp. 57 — 58. — Zufolge einer münd liehen Mittheilung Prof. Dokntscha- 
j ew's, sind Rieseneichen auf dem Gute Dikan'ka gegenwärtig nur in sehr 
geringer Anzahl vorhanden. 

2) Vgl. rpa<M> Bapraci>;i,e EeAeMapi». oHacjitAOBaBiH o sanac^ & 
npiipocri^ jitconi* ei» TyxbCKofi ryöepHiu, upoH3Be;^eHHbiH, npu TaKcaiUH 
Bi oBoü, BTb 1844 roA7, AByz^ ÜJ^erjOBCKHX'b <i>opcTOBi> h KapHuii^Kofi nacTU 
jitca»; B-b JltcH. H^ypnajit, 1846 r., A- 1, cxp. 39—89; Aj 2, crp. 77—79, co 
MH0HcecTB0Mi> Ta^JiBi^T». — Dasselbe (mit einigen Zusätzen) deutsch: E. A. 
Vargas de Bedemar. «Forst-Ertrags- und Zuwachsuntersuchungen im 
Gouvernement Tula», in den Mittheilungen der Kais, freien ökonomischen 
Gesellschaft zu St. Petersburg, Jahrg. 1847. lieber die Eiche vgl. nament- 
lich auf p. 231-236. 






— 123 — 

ten Bodeo wird sie bereits im Alter von 140—150 
en wipfeldürr. Stellenweise, z. B. im Kronsforste von " 
ijow, bildet die Eiche ganz reine, oder nur mit wenigen 
:en untermischte Bestfinde. «Der ßlattausbruch fällt 
[ittel um den 3/1 5 Mai, und gegen den 1 5/27 Mal pflegt 
telaubung vollständig erfolgt zu sein». Auf gutem Boden 
en die Eichen im Gouv. Tula folgende Dimensionen: 

• 30 40 50 60 80 100 120 

e in Füssen ... 30 40 50 60 75 85 95 
ang in Zollen . . 10 15 22 32 44 53 60 

Unter besonders günstigen Bodenverhältnissen erreichen 
Blichen daselbst noch bedeutendere Dimensiouen: 



Jahr 


. 60 


80 


120 


Hölic ia Füssen . . 


. 76 


85 


105 


UmfaDg in Zollen . 


. 36 


CO 


90 



Aus diesen Zahlen ist zu ersehen, dass der Zuwachs der 
leo im Gouv. Tula, namentlich der Höhenwuchs, bedeu- 

grOsser ist, als in Deutschland. «Der aus den obigen 
aben hervorgehende starke Längenwuchs der Eichen, 
vie eine hier bemerkte, durchgängig verschiedene Ast- 
iTig, scheinen nicht allein Folgen des Schiasses zu sein, 
ach in wenig geschlossenen Beständen ein verhältniss- 
äig grosser Höhenwuchs Statt fand, — sondern sind viel- 
it . . in klimatischen Verhältnissen begründet. Oflenbar ist 
Trieb zur Seitenverbreitung hier in geringerer, als in den 

Meere nflher liegenden Ländern, welche Erscheinung 
leicht in der durchgängig trocknercn Luft der hiesigen 
end seine Erklärung findet». Während die Eiche in 
tschland und Frankreich, auch in sehr gedrängten Stan- 
liölzern, die Neigung zu grosser Astbildung zeigt, wird 



— 124 — 

Solches im Goav. Tula nicht wahrgenommen, denn die Ver- 
zweigung ist daselbst hftofiger gabelförmig, als horizontal. 
Die Anzahl der Eichenstimme pro Dessjatina ^) stellt sich : 

im 60-sten Jahre auf 750 Stfick 
» 80 » » » 580 » 
» 100 » » » 370^ » 
B 120 » » » 250 » 

«Die Wirkung der heftigen Fröste, des schnellen Tem- 
peraturwechsels, zeigt sich namentlich an Freilagen durch 
häufige Frostrisse. Oft ist der ganze Stamm von oben bis 
unten damit bedeckt, ohne dass dies indessen einen wesent- 
lichen Einfluss auf die Güte des Holzes hätte, obgleich sie 
ohne Zweifel die Bäume sehr im Wachsthum hindern, und 
theilweise die Ursache der kurzen Lebensdauer derselben 
sindi). 

Im Gouv. Ssamara^) ist die Eiche, nach Yargas de 
Bedemar, in der Nähe der Wolga sehr verbreitet, indessen 
grossentbeils in jüngeren Beständen. Die frühere Existenz 
herrlicher Eichenwälder wird nicht nur durch mündliche 
UeberlieferuDg, sondern auch durch das Vorhandensein zahl- 
reicher dicker Eichenstümpfe bezeugt, die an vielen Stellen 
gefunden werden. Das Verschwinden dieser Holzart muss 
hauptsächlich den häufigen Waldbränden, so wie namentlich 



1) 1 Dessjatina ist = l,09S5 Hectare. 

2) In der russischen Abbandlang steht, wohl durch ein Versehen : 300 
Stück. 

3) Vgl. Fpa«»!» Bapracb fi,e Ee^euap'b. «Haca'bj^OBaHie saaaca h 
opHpocTa Jt-bcoHaca^KAeeifi CHM6HpcRofi ry6epBiH». (.l']^CHoft }KypH&ii>, 1850 
F., 1^4^ 39—44). Auf p. 325—326 findet sich das Hauptsächlichste über die 
Eiche. — Zwar ist im Titel dieser Abhandlung des Grafen Yargas de 
Bedemar das Gouv. Ssimbirsk genannt, doch beziehen sich seine Angaben 
fast ausschliesslich auf die Gegenden zur Linken der Wolga, also auf das 
gegenwärtige Gouvernement Ssamara. 



— 125 — 

dem schonungslosen Ausbauen derselben auf grossen Fläcben- 
räumen zugeschrieben werden. Die Wurzel- und Stockaus- 
schläge litten ihrerseits vielfach vom Feuer und von Mor- 
genfrösten, auch wurden sie massenhaft durch andere Holz- 
arten unterdrückt. Die Eiche findet sich im Gouv. Ssamara 
hauptsächlich auf Tschernosjom, meist mit anderen Laub- 
hölzern (Linde, Ulme, Ahorn etc.) gemischt; sie kommt 
entweder vereinzelt, oder in kleinen Horsten vor ; sehr selten 
bildet sie reine Bestände. Ungeachtet des fruchtbaren Tscher- 
nosjom, wächst die Eiche daselbst in der Jugend nur mittel- 
mässig, im höheren Alter aber durchaus schlecht. Die meisten 
älteren Stämme sind krumm, gipfeldttrr, mit Frostrissen, und 
nicht selten mit Flechten bedeckt. Die Gipfeltrockenheit ist so- 
wohl in älteren, als in mittleren Eichenbeständen verbreitet, 
und nur selten erscheint sie als Folge des schlechten Unter- 
grundes. Die Eiche erreicht im Gouv. Ssamara kein hohes 
Alter; nur wenige Bäume werden 100 Jahre alt, ohne dass 
Gipfeldflrre eintritt; und kaum dürften sich 170-jährige 
Exemplare derselben finden. Einzelne von den besten Eichen 
hatten folgende Dimensionen: 

Jahr 40 50 60 80 100 

Höhe in Füssen 42 50 51 62 78 

Umfang in Zollen 20 24 26 35 49 

Kubikgchalt in Kub.-Fss. . 4,17 7, 15 8,55 18,45 45,5 

Auf Grundlage der mitgetheilten Untersuchungen des 
GrafenVargasdeBedemar, so wie auch eigener Beobach- 
tungen in den Gouvernements Kasan und Ssimbirsk, macht Bo- 
de^) auf den eigenthfimlichen Umstand aufmerksam, dass im 



1) A. Boxe. «0 CBoficTBax'b p7cckhxt> ApeeecHurb nopo;i,i>, b npeHvy- 
mecTBeHHO xyCn», (JltcBofi JKypnai'b, 1851 r., t. I, cTp. 41 — 61). 



— 126 — 

Osten des europäischen Russlaöds wieder sehr dicke Eichen- 
stämme angetroffen werden, — während Solches im Gouv. 
Tula nicht beobachtet wird; so sah er im Gouv, Ssimbirsk 
Stämme, die einen Durchmesser von 6 Fuss 3 Zoll hatten 
und dabei, ausser einigen Frostrissen, ganz gesund waren. 
Dieser Unterschied ist um so schwieriger zu erklären, als 
der Boden, sowohl im Gouv. Tula als in den Gouvernements 
Ssimbirsk und Ssamara, grossentheils aus Tschernosjom be- 
steht und eine gleiche Tiefe hat; bei der östlicheren Lage 
des Gouv. Ssamara dürfte man eher ein umgekehrtes Ver- 
hältniss erwarten, — wenn nämlich Vargas de Bedemar 
darin Recht hat, dass der bedeutendere Höhenwuchs und die 
mangelhafte Kronenbildung bei den Eichen im Gouv. Tula 
durch die grössere Trockenheit bedingt wird. Bode ver- 
muthet, dass die letzteren beiden Eigenschaften der Tula' er 
Eichen hauptsächlich dem dichtem Schlüsse der dortigen 
Bestände zuzuschreiben ist. Seinerseits ist dieser dichte 
Schluss nur dort möglich, wo die jungen Eichen durch an- 
dere Sträucher (insbesondere Haseln) vor dem verderblichen 
Einflüsse sowohl der Dürre als der Kälte geschützt sind. Wie 
wichtig der Schutz ist, den selbst dichtes Gras den Eichen- 
wurzeln gewährt, beweist z. B. der Umstand, dass in Folge 
der heftigen Fröste, die im Winter 1839/40 im Gouv. Tula 
herrschten, auf grossen Flächen, wo das Gras abgemäht war, 
sämmtliche, selbst 100-jährige Eichen gipfeldürr wurden 
oder sogar ganz eingingen. Bode bemerkt, dass auch im 
Gouv. Ufa (z. B. im Kreise Busuluk) die Eichen nur dort 
gut gedeihen, wo sie in dichterem Schlüsse stehen; in sehr 
gelichteten Beständen dörrt die Sommerhitze den Boden der- 
maassen aus, dass die Eichenwurzeln stark leiden. 

Zum Vergleich theile ich noch einige Zahlenangaben für 
das Gouv. Woronesh mit, wo die Eiche, namentlich im Süden 



■chausdieherrachendeHohartist. Paisscl') 
mensionen für die daselbst wachsenden Ei- 

50 60 80 100 130 180 200 800 . 
40 60 50 50-80 80 86 90 100 

4-13 11-18 13-17 17-27 33 37 43 47 

7,s 20 23 60—165 245 260 420 455 

' Steppe, besonders im südöstlichen Russ- 
;eprägtcr treten die dem Wachsthum der 
n Einflüsse, und namentlich die Wirkung 
)r; schliesslich verschwindet die Eiche auf 

vollständig', wie jeglicher Baumwuchs, und 
Schluchten und die üeberschwemmungsge- 
ederungeu zurück, in denen sie, wie wir 
>iter südwärts dringt. 

Steppe tritt Q. pedunctdata in der Krim 
s wieder auf. In der Krim findet sie sich 
f beiden Seiten des Gebirges, in den liöheren 
lundnicht tief hinabsteigend. Rudzki be- 
Eiche im tanrischen Gebirge stets krumm 
it zu grossen Dimensionen gelange; ihre 
iffenbar nicht tief in den harten Kalkstein 
r der Baum keine reichliche Nahrung er- 



b. nCTaTKCTHiecKoe ODHcanie i-^coet BoposeHicKofi 
Ihb. Toeyx.. nuym., 1861 r., i. 76, CTp. 93 — 146). — 
^, (lass XU Ende des vorigen Jahrhunderts im Kreise 
n des Goav. Woronesb) ungeheure und dkbte Eichen- 
elclie die Schweine im Sommer zur Eichelmast getrie- 
I.^aHHjeECKiß u K. fl, rpoxi.. «0 nyrM MaAi-apt 
».. (llaBtcTin H. Pycci;. Teoi-p. Oöm-, x. XIX, 1883 r., 



,-1 < 



' »3 



— 128 — 

halten kann und in Folge dessen ungenägend gedeiht. In- 
dessen gibt es einzelne sehr ansehnliche Exemplare dieser 
Art, zu welcher z. B. die grosse Eiche in Bijuk-Ssüren ge- 
hört, deren Pallas (Bemerkungen auf einer Reise, II, p. 
11 7) erwähnt; im Jahre 1792 maass sie SOFuss im Umfang; 
im Jahre 1852 hatte sie, nach Steven, einen Umfang von 
37', eine Höhe von 89' und eine Kronenbreite von 103 Foss. 
Eine ebenfalls sehr grosse und alte Eiche steht bei der 
Quelle von Massandra. — Die Stieleiche wächst fast fiberall 
im nördlichen Kaukasus und in Transkaukasien, wenn auch 
in manchen Gegenden (z. ß. in Talysch) sehr selten. Sie 
findet sich in den Wäldern der Niederung und des Gebirges, 
steigt aber im letzteren nicht hoch hinauf: nach Med wedew, 
geht ihre vertikale Verbreitung kaum über 5000 — 5500' 
üb. d. M. hinaus. In Gemeinschaft mit anderen Eichenarten 
|i: bildet sie daselbst Bestände^ hauptsächlich im westlichen 

Transkaukasien und im Gebiete der Kurä. Besonders häufig 
kommt sie im nördlichen Kaukasus vor. 
I Wie bemerkt, ist Q.pedunctUata bereits in Talysch sehr 

|j selten^). In Persien scheint sie ganz und gar zu fehlen; we- 

nigstens hat sieN. v. Seidlitz nicht in Aderbeidshan, desgl. 
Buhse nicht in Ghilan und Masenderan gefunden; auch er- 
wähnt sie Boissier nicht aus Persien. Ebensowenig findet 



W 



t. 



i'. sie sich weiterhin nach Osten, — in Chorassan, Afghanistan, 

im Himalaya etc. Ueberhaupt scheint sie in Gesammtasien 



fc*- 












nur auf Transkaukasien, Armenien und Kleinasien beschränkt 
zu sein, üeber die letztgenannten Gebiete hängt das Vor- 
kommen der Stieleiche im Kaukasus mit ihrer Verbreitung 
in Europa zusammen. 

Die Nutzung der Eiche ist bekannt. Ihr Holz wird u. 



1) Die TOD Radde(I. c, p. 411) wiederholte Angabe C. A. Meyer's, 
dass diese Art in Talysch gemein sei, dOrfte auf einem Irrthume beruhen. 



— 129 — 

A. zum Schiffbau ganz besonders geschätzt. Daher war Peter 
der Grosse darum besorgt, die zum Schiffbau besonders, 
tauglichen Wftlder zu erhalten; in den «Instructionen an den 
Ober-Waldmeister», vom 19. Juli 1722 und vom S.Decera- 
ber 1723, wurde das Hauen der Eichen (und Kiefern), in 
einer bestimmten Entfernung von Flössen, verboten. In der 
damaligen Festung Pawlowskaja (der jetzigen Kreisstadt 
Pawlowsk im Gouv. Woronesh), an der MQndung der Osse- 
reda in den Don, wurde von Peter bekanntlich eine Schiffs- 
werft angelegt; und die nahe belegene, hauptsächlich aus 
Eichen gebildete Waldinsel, der sogen. «Schipow-Wald», 
wurde dazu bestimmt, das fflr den Bau der Flotte nöthige 
Material zu liefern. Im Jahre 1726, also bald nach dem 
Tode Peters des Grossen, wurden im Gouv. Kasan (und spe- 
ciell in den Kreisen Tschebokssary und Zarewokokschaisk) 
von einem gelernten Förster (Seiger), der vom Admirali- 
tätskollegium aus Deutschland verschrieben war, Eichen- 
Bannwälder abgetheilt, z. Th. sogar neu angelegt. Leider 
geriethen diese schützenden Maassregeln bald in Vergessen- 
heit, und die Yerwfistungen der einst herrlichen Eichenwälder 
griffen immer mehr um sich. — Als die zum Schiffbau 
besten Eichenwälder gelten diejenigen des mittleren Russ- 
lands, etwa zwischen dem 51° und 56° n. Br. Weiter nach 
Norden und südwärts, nach den Steppen hin, wird der Wuchs 
der Eichen weniger gerade und schliesslich krüppelig. Im 
Kaukasus soll die Qualität des Eichenholzes ziemlich gering 
sein; auch soll dasselbe bald dem Wurmfrasse und der Fäul- 
niss verfallen; besonders gilt Das für die in den Flussniede- 
rnngen gewachsenen Bäume. — Die Eichenrinde bildet das 
hauptsächlichste Mittel zum Gerben der Häute; in der rus- 
sischen Sprache ist sogar die Bezeichnung des Gerbens (du- 
htt\ dMenije) vom Namen der Eiche (dub) abgeleitet. 

9 



L 



— 130 — 

Neben Eschen, Ulmen, Ahornarteu, Robinia und, Oledi- 
tschia^ gehört die Eiche zu denjenigen Baumarten, die, in 
der sOdrussischen Steppe angepflanzt, am besten gedeihen. 
Auf dem Gute des Herrn J. Cornies (unweit des Fl. Molo- 
tschnaja, im nördlichen Theile des Taurischen Gouvernements) 
sah ich Eichen, die, bei dichtem Stande, mit 17 Jahren 6 
Faden (12,8 Met.) hoch waren. Trotz der starken Dürre des 
vorhergegangenen Sommers, fand ich im September 1862 
die vorigjährigen Saaten in ausgezeichnetem Zustande. — 
Herr Ssredinskij verwendet die Eiche vielfach bei der 
Bepflanzung der Schutzwälle gegen Schneeverwehungen der 
Eisenbahnen, und zwar auch im sfidlichen Steppengebiete. 

Namen. — Russisch: Dwfe; die Eichel: 8holud\ SheMÜ* 
{ielud^Y). Kleinrussisch: Nelin\Nclyn' (nach Annenkow). 

— Polnisch: dqb (gen. dehu)\ die Eichel: zoiqde. — Lit- 
tauisch: AtiMas, Auslas. — Lettisch: Ohsols, Osols. — 
Norwegisch: Eeg. — Schwedisch: Ek. — Armenisch: JCagrn*. 

— Ossetisch: Tulds, Tuldsch. — Finnisch: Tammi^). — 
Estnisch: Tarn. — Mokscha - mordwinisch : Tuma; Ersa- 
mordwinisch: Tumo. — Tscheremissisch : Tumo^ Tum. — 
Wotjakisch: Typy (wahrscheinlich aus russ. düb). — Tata- 
risch (in Kasan): Imanj Imjan; (in der Krim): Jörnen, Peled; 
(im Kaukasus): Palut; (in Schemachä): KampiV. — Tschu- 
waschisch: Juman^ Joman. — Kalmükisch: Ghara-modon 
(d. i. schwarzer Baum). — Grusinisch, imeret., gurisch: 
Mucha, — Mingrelisch: Tschkgoni. — Sswanetisch: Dshi- 
gra. — Inguschisch: Notsck. — Tschetschenisch: Nash. — 
Kabardinisch: Shgd. — Tscherkessisch : Dshihai. — Ab- 



1) Bekanntlich verwandt mit lat. glans, glandis] griech. ßaXavo<;; litt. 
giU. 

2) Die finnischen Benennungen scheinen mit dem slav. dqb (danib) ver- 
wandt zu sein. 



— 131 — 

chasiscb: Ädsh. — Lesgisch (sakat.): M%kch\ (did., inuch.): 
Nukche\ (kapntsch.): Nakcho. — Kumykisch: EscMn. — 
Awarisch: Mik. — Ssamnr.: Möh. 

343. (2.) Quercus Armeniaca Kotschy {Q. Mobur var. Jr- 

meniaca DC). 

Diese in Armenien und Lasistan wachsende Art, die eine 
Mittelform zwischen Q. pedunculata und Q. sessäiflora dar- 
stellt, von welchen beiden Arten sie bisweilen schwer zu 
unterscheiden ist, findet sich, nach Medwedew, im west- 
lichen Transkaukasien — im Küstenstriche des Schwarzen 
Meeres, in Imeretien (z. B. bei Kutal'ss), in Mingrelien etc. 
Die vertikale Verbreitung dieser Form ist nicht erforscht; 
im westlichen Transkaukasien ist sie nur in der unteren Re- 
gion, bis zur Höhe von 1000' üb. d.M., beobachtet worden. 
Sie erwächst zu einem Baume von etwa 40 Fuss Höhe. 

344. (3.) Quercus sessüiflora Sm. {Q. Eobur L., ex parte; 
Q. iberica Stev.^), Q. Hartwissiana Stev., Q. erucaefolia Stev., 

Q. longipes Stev.). 

Ich habe schon oben darauf aufmerksam gemacht, dass 
von vielen Förstern und sogar Botanikern, z. Th. noch bis 
in die neueste Zeit, die Traubeneiche als in vielen Gegenden 
des mittleren, südlichen und östlichen Russlands wachsend 
angegeben wird, — dass aber diese Angaben durchweg auf 
einer Verwechselung mit derjenigen Form der Stieleiche 
beruhen, welche das Volk als «Wintereiche» (sHMHiä Äy6^) 
bezeichnet {Q.pedunculatay var. tardiflora Czem.). So nennt 



1) Q, iberica Stev. wird von Wen zig als Varietät von Q. pübescetis be- 
trachtet. 

9* 



— 132 — 

Claus Q. sessüiflora für die mittlere Wolgagegend; Lede- 
bour z. B. fOr die Gonvemements St. Petersburg, Livland, 
Moskau, Pensa; EyersmannffirdasGouv.Orenburg; Sse- 
menow fOr das Land der Don'schen Kosaken. Es ist be- 
reits bemerkt worden, dass Zinger den umstand hervor- 
hebty Q. sessüiflora sei neuerdings von Niemandem in allen 
genannten Gebieten beobachtet worden. Indem ich mich 
auf das oben Gesagte (vgl. p. 77 — 78) berufe, glaube ich 
in Folgendem einfach alle diese Angaben ignoriren zu 
dürfen. 

Es bleiben aber einige andere Angaben aus dem west- 
lichen und sfldlichen Russland flbrig, die nicht mit derselben 
Sicherheit ohne Weiteres zurückgewiesen werden können. 
Nach Eichwald, soll die Traubeneiche, wenn auch selten, 
in Littauen vorkommen; und auch in neuerer Zeit führt sie 
Paszkewicz für das Gouv. Minsk (Kreis Piusk) an. Belkc 
gibt sie für den Kreis Radomysl (des Gouv. Kijew) an, desgl. 
Holtz für den Kreis üman' (desselben Gouvernements); 
Akinfijew nennt sie für die Umgegend Jekaterinosslaw's, 
und Beketow für den Kreis Berdjansk des Taurischen Gou- 
vernements. Ich vermuthe, dass alle diese Angaben gleich- 
falls irrthümlich sind, — vielleicht mit Ausnahme derjenigen 
für den Kreis üman'. Meine Vermuthung stützt sich dar- 
auf, dass in den besten der neueren Floren für die südwest- 
lichen Gouvernements die Verbreitung der Traubeneiche 
auf den äussersten Westen geschoben ist. Schon Blasius 
sagt (Reise, I, p. 305): «Die Traubeneiche scheint nach 
Osten hin nicht einmal den Dnjepr zu erreichen». Wie mir 
Herr v. Tfautvetter mündlich bemerkte, hat er Q. sessi-- 
liflora im Gouv. Kijew nirgends gefunden; und denselben 
Zweifel an ihrem dortigen Vorkommen spricht auch Basiner 
aus; desgl. führen sie auch Rogowicz und Schmalhausen 



— 133 — 

nicht f&r das Gouv. Eijew an. Daher bedarf auch die An- 
gabe Ober ihr Vorkommen im Kreise üman' der Bestäti- 
gung. Nach Lindemann, fehlt die Traubeneiche bei EU- 
sabethgrad, ebenso, nach Grüner, bei Alexandrowsk am 
Dnjepr und, nach Ssredinskij, im Norden des Taurischen 
Gouvernements. Mithin werden die obigen Angaben fflr 
Jekaterinosslaw und den Kreis Berdjansk entweder irrthOm- 
lich sein, oder aber sich auf angepflanzte Exemplare beziehen. 
Belke's Angabe fOr den Kreis Radomysl ist offSenbar falsch, 
um so mehr, als er die jedenfalls daselbst vorkommende Q. 
pedunculata gar nicht erwähnt. Was endlich das Vorhan- 
densein der Traubeneiche im Kreise Pinsk betrifft, so er- 
scheint eine Bestätigung dieser Angabe wfinschenswerth. 

Lassen wir, aus den angegebenen Grfinden, auch alle 
die letztgenannten Fundorte ohne Berücksichtigung, so wird 
das sichere Verbreitungsgebiet der Traubeneiche ausseror- 
dentlich eingeschränkt. Nach Rostafinski, wächst sie in 
Polen; genauere Angabe der Fundorte fehlt leider; auch v. 
Berg erwähnt ihrer, mit der Bemerkung, dass sie dort nur 
einzeln vorkommt. Es wäre jedenfalls sehr zu wünschen, 
dass die Verbreitungsgrenze dieser Holzart in Polen genauer 
festgestellt würde. Nach Rogowicz und Schmalhausen, 
findet sie sich in Wolynien nur im westlichsten Theile, und 
zwar auf dem Berge Bosh'ja-Gora bei Kremenez. In Podo- 
lien scheint sie, nach den Angaben Schmalhausen's, auch 
den Bug nicht einmal zu erreichen; denn er führt sie nur 
für die Kreise Kamenez-Podolsk, Nowaja-Üschiza, Olgopol 
und Balta an. Nach demselben Autor, kommt sie auch bei 
Birsula, im Gouv. Chersson (unmittelbar an der Grenze Po- 
doliens), vor. Tardent sagt, dass sie sich in Bessarabien 
fiberall in den Wäldern findet^). 



1) DöDgingk gibt sie (als Q. Bxtbur) für die Umgegend von Kischinew 



m--%- 



— 134 — 

Danach wOrde die Verbreitongsgrenze der Traubeneiche 
innerhalb Russlands eine fast reine Ostgrenze sein und etwa 
folgenden Verlauf haben: Königsberg, Lomza, den nördlichen 
Bug hinauf, Kremenez, und dann den südlichen Bug hinunter, 
bis zur baumlosen Steppe. Hier biegt die Yerbreitungslinie 
westwärts ab und geht Aber Balta, Birsula und den Dnjestr 
hinunter. Jene Grenze weist durchaus den Verlauf einer 
Isochimene auf, und zwar stimmt sie ziemlich genau mit der 
Februar-Isotherme von — 3° C. Oberein. 

In der Krim findet sich die Traubeneiche einzeln, meist 
in Gemeinschaft mit der Stieleiche, steigt aber auf beiden 
Seiten des Gebirges etwas tiefer herab. Im Kaukasus ist 
sie die verbreitetste Eichenart; sie wächst Oberall in den 
Wäldern des nördlichen Kaukasus und Transkaukasiens, 
nicht selten grössere Bestände bildend ; ihre vertikale Ver- 
breitung erstreckt sich von der KOste ab bis 6000' üb. d. 
M. In Talysch ist sie, nach C. A. Meyer, selten, steigt 
aber bis 6600' hinauf. Nach Boissier, findet sie sich auch 
in der persischen Provinz Ghilan. — Im Kaukasus kommt 
diese Art in mehreren Formen vor, von denen einige von 
Steven als besondere Arten (vgl. die Namen oben) beschrieben 
worden sind. 

Die Namen fOr diese Eichenart sind dieselben, wie fflr 
Q. pedxoiculala. 

345. (4.) Quercus Dshorochensis C . Koch (Q. seasiliftora var. 

Dshorochensis Boiss., resp. DC). 

Diese Art wächst imThale desTschoroch, welcher Fluss 
jetzt, in seinem unteren Laufe, zu Transkaukasien gehört; 



an, wo indessen Lindemann sie nicht beobachtet hat; für dea sQdlichen 
Theil Bessarabiens (namentlich die Umgegend von Bolgrad) wird sie von 
Akinfijew nicht erwähnt. 



'T:rT 



— 135 — 

Medwedew erwähnt diese Art nicht; indessen kommt sie, 
nach Trautvetter ^), im Districte Batum, bei Artwm am 
Tachoroch, vor. 

346. (5.) Querem Szouriisii Wenzig., DC. (bei De Can- 
dolleund Medwedew als Varietät von Q. sessüiflora; fehlt 

bei Boissier). 

Diese Form, die von Wenzig als besondere Art be- 
trachtet wird, wächst in Transkaukasien, in den Gebirgs- 
wäldern des östlichen Karabagh. 

847. (6.) QuerciM puhescens Willd. {Q. lanuginosa Thuill.; 
Q, Syspiremis C. Koch; Q. sessüiflora var. pübescens bei 

Boissier; Q. crispata Stev.). 

Bei uns fast nur auf die Krim und den Kaukasus be- 
schränkt, findet sich die flaumhaarige Eiche, nach allen mir 
vorliegenden Nachrichten^), nur noch in der südlichsten 
Ecke Podoliens, bei Jagorlyk am Dnjestr, wo sie auf hohen 
Kalkfelsen ^) wächst. Lindemann führt sie für das Gouv. 
Chersson nicht an, desgl. Tardent nicht für Bessarabien, 



1) Incrementa florae rossicae; p. 685. — Nach C. Koch (Linnaea, Bd. 
22, 1849, p. 828), ist es seine yar. Litccmensis, die bei Artwin, dem Haupt- 
orte von Liwaneh, auf Melaphyr, c. 2000' üb. d. M., w&chst. Fürst Mas* 
salski scheint Q, Dskarochensis im Gebiete von Batum nicht beobachtet 
m haben. 

2) Vgl. Rogowicz und Schmalhausen (I.e., p. 535); desgl. Map^HH« 
csifi, B-b HiypH. Müh. BHjrp. ^i.'ibj'B, 1886 r., h. 22, CTp. 173. 

3) Nach K ras an (1. c, pp. 64 und 78—74)^ bedarf die Flaumeiche ent- 
schieden des Kalkes; in den w&rmeren Gegenden ihres Yerbreitungsbezirkes 
nimmt sie mit geringen Mengen desselben fürlieb, w&hrend sie in kälteren 
Gegenden nur auf einem echten Kalkboden zu gedeihen vermag. Dasselbe 
seheint auch für das Vorkommen dieser Eiche in Russland seine Richtig- 
keit zu haben. 




— 136 — 

wo sie indessen sich finden dflrfte^). Die von Ledeboar 
und Ssemenow wiederholte Angabe Henning's vom Vor- 
kommen dieser Art am unteren Don beruht höchst wahr- 
scheinlich auf einem Irrthume^). 

In der Krim kommt Q. pubescens häufig vor und bildet 
grössere Bestände, wenn auch grossentheils nur lichte Gre- 
holze. Sie findet sich auf beiden Seiten des Gebirges, doch 
hauptsächlich auf der sttdlicben, wo sie auch höher hinauf- 
steigt, und zwar, nach C. Koch, bis zu 3000' üb. d. M. 
In Bezug auf den Boden ist sie nicht wählerisch, denn sie 
wächst daselbst auf Thonschiefer, Kalk und Diorit. Ganze 
Wälder finden sich namentlich oberhalb Aluschta: die Re- 
viere von Aluschta und Ailanmin sind, nach Rudzki, fast 
ausschliesslich von dieser Holzart gebildet. Besonders häufig 
wächst sie an derSüdkflste, in der Region von 500 — 1000' 
flb. d. M.; hier föllt sie durch ihre vielfach verunstaltete 
Form auf, in Folge des von den Tataren geübten Schnei- 
delholzbetriebes, d. h. der Wegnahme des Gipfels und 
der oberen Aeste. Im Frühjahre, wenn die Blätter aus- 
schlagen, sind die von der fiaumhaarigen Eiche gebildeten 
Bestände schon von Weitem durch ihre röthliche Färbung 
zu erkennen. Rehmann bemerkt, dass diese Art in der 
Krim, was die Gestalt des Blattes und seine Behaarung an- 
belangt, in's Unendliche variirt, dass aber im Allgemeinen 
die stärker behaarten Formen überwiegen; auch setzt er 



1) Doch wird sie auch von Döngingk, Lindemann und Akinfijew 
für Bessarabien nicht erwähnt. 

2] Tr an tvetter (Fontes 111.) macht auf den sehr zu beachtenden Umstand 
aufmerksam, dass in üenning's «Observationes de plantis tanaicensibos» 
durchaus nicht nur Pflanzen Yon den Ufern des Don aufgezählt sind (wie 
Ledebour angenommen zu haben scheint), sondern auch solche Pflanzen» 
die von ihm am nördlichen Fusse des Kaukasus gesammelt wurden ; und zu 
diesen letzteren gehört vermuthlich, neben manchen anderen (z. B. QenuUu 
Vüälba\ auch Quercus pubescens. 



— 137 — 

hinzu: «starke Exemplare sind sehr selten^ sie scheinen ohne 
Ausnahme einer jüngeren Generation anzugehören». G. 
Koch sagt über ihr Wachsthum in der Krim Folgendes: 
«Sie erscheint in Form von kleinen Bäumen, die wohl hier 
und da einen Durchmesser von 2 Fuss besitzen, aber nicht 
über 35 — 40 Fuss hoch werden. Desto mehr breiten sich 
aber die sehr abstehenden und selbst wagerechten Aeste, 
die in der Regel schon mit 5 und 6 Fuss Höhe beginnen, 
aus. Als Strauch habe ich Q. pubescens nirgends gesehen». 
— Steven beobachtete auf der Südseite des Gebirges hie 
und da, z. 6. bei Ssajani (unweit Aluschta), bei Phoros und 
im Thale Adshiklar (bei Ssudak), eine Form mit Eicheln, 
die süss wie Mandeln sind ; er hielt diese Form für eine be- 
sondere Art, die er Q. crispata nannte*). 

lieber die Verbreitung dieser Art im Kaukasus ist nichts 
Sicheres bekannt ; sie findet sich, nach Medwedew, unzwei- 
felhaft sowohl im nördlichen Kaukasus als in Transkaukasien, 
doch scheint sie weniger verbreitet zu sein, als von einigen 
Autoren (z. B. Ledebour) angenommen wurde. Offenbar 
wurde sie vielfach mit Q, macranthera verwechselt, woher 
Medwedew sich ausser Stande sieht, genaue Fundorte für 
Q. pubescens anzugeben. C. Koch bemerkt, dass er diese 
letztere im Kaukasus nirgends gesehen habe; indessen führt 
er für das Tschoroch-Thal seine Q. Syspirensis an, welche, 
nach Boissier, mit Q. pubescens identisch ist. Ledebour 
bezeichnete folgende Gebiete in Transkaukasien, wo die 
flaumhaarige Eich^ vorkommen soll: Iberien, Kachetien, 
Ssomchetien, Mingrelien, Karabagh und die Umgegend von 



1) Nach E ras an (1. c, p. 7ö), wächst auch an den Sadabhängen des 
Karstes die sogen. «Süsseiche», «deren Eicheln, wegen ihres bedeutenden 
Gebaltes an Glycose und geringen Gehaltes an Gerbs&ure, geniessbar 
sind». 




— 138 — 

Derbent. Badde gibt sie Ar Tal jscb nicbt an; ebensowenig 
Bobse nnd Boissier für Persien. Wie bei Q. pedunculata 
and Q. sessUiftaraj hingt auch bei Q. p^Aescens der kanka- 
siscbe Yerbreitongsbezirk mit dem enropftischen fiber Klein- 
asien zusammen. 

348. (7.) Quercus Gedrorum Kotscby {Q. manmifera Lindi. ; 

Q.pinnatiloba C.Koch^); Q.Sjfspirensis DG. ^ Prodr., p. 12, 

nonKocb; Q.RoburYBT.Buhseana^DG.y Prodr., p. 7, nach 

Boissier; Q. sessüiflora Yar. nunmifera Boiss.). 

Diese Art, die von Medwedew gar nicht genannt wird, 
die anch in Trantvetter's Incrementa florae rossicae fehlt, 
wächst, nach Boissier (Fl. or., IV, p. 1165), inTranskau- 
kasien, namentlich in Imeretieu nndColchis; nach C. Koch, 
findet sie sich in Armenien, an der Ostseite des Berges Bin- 
göldagh, in der Höhe von 6000 — 7000' üb. d. M. Wenzig 
gibt an, dass sie anch in Daghestan vorkommt nnd beraft 
sich dabei auf C. Koch; doch finde ich bei Koch selbst 
diesen Fundort nicht angeführt. 

Anmerkung. — Indem ich, nach Wenzig's Vorgang, die 
vorstehenden sieben Formen als besondere Arten behandelt 
habe, verhehle ich mir nicht, dass einzelne von ihnen sich 
so nahe stehen, dass sie vielleicht doch beim Vorhandensein 
von üebergangsformen , mit einander verbunden werden 
müssten, — wenn auchAlph. De Candolle, wie ich glaube, 
in der Zusammenziehung der Arten zu weit gegangen ist, 
indem er alle genannten und noch viele andere Formen als 
Varietäten einer einzigen Art (Q, Robur L.) betrachtet. 



1) Boissier zählt Q. pinnatüoba (?gl. C. Koch, in Linnaea, Bd. 22, 
p. 326), als Tar. pinnatifida Boiss., za Q, sessüiflora und trennt sie von den 
Formen Cedrorum und mannifera ab. Er stellt znr mannifera noch Q. lam- 
prophyTlos C. Koch. 



\ 






'*--^^- 



— 139 — 

Nach Kragan (1. c, p. 113), muss die Dififerenzirang des 
Urstammes in Q. sessüiflora und Q. pedtmcidcUa schon in 
einer frflhen Periode, jedenfalls vor dem Pliocän, erfolgt 
sein. 

349* (8.) Quercfis macranthera Fisch, et Mey^). 

Der italienisch - griechischen Art Q. conferta Kitaib. 
{Farnetto Ten.) nahe stehend, wächst diese Form in einem 
grossen Theile des südlichen und östlichen Transkaukasiens, 
ostwärts vom Trialet' sehen Bergröcken; auf dem Kleinen 
Kaukasus, in Karabagh, auf den Bergrücken Bambak und 
DaralagOs, so wie auf dem Armenisch-Gandsha'schen Ge- 
birge und in Talysch bildet sie bisweilen grosse Wälder. 
Sie findet sich vorzugsweise in der mittleren und oberen Ge- 
birgszone und beschliesst nicht selten, nach oben zu, die 
Baumvegetation, in der Höhe von 6500—7500' üb. d. M. 
Sie erwächst zu einem hochstämmigen Baume von bedeu- 
tenden Dimensionen — zu 80 — 100 Fuss Höhe und 3 — 4 
Fuss im Durchmessen Dr. Buhse fand sie auch im Alburs- 
gebirge, im nördlichen Persien. 

350. (9.) Qtierctis Cerris L. 

Die Zerreiche ist bekanntlich im Mittelmeergebiete weit 
verbreitet; über ihr Vorkommen in den Grenzen Russlands 
sind aber die Nachrichten ausserordentlich unsicher und z. 
Th. widersprechend. Ledebour (Fl. ross., III, p. 592) be- 
trachtet dies Vorkommen als fraglich ; er bezieht auf diese 
Art die Angabe Georgi's^) über Q. Escütus^ die, nach v. 
Meyer, am Dnjestr beim Kloster Bog wachsen soll. In 



1) Wenzig zieht hierher als Varietät: Q. Syspirensis C. Koch. 

2) Beschreibang des Russischen Reichs; Th. III, Bd. 5^ p. 1800. 



— 140 — 

Andr. Meyer's Beschreibung des Landes Otschakow^) heisst 
es, dass daselbst, ausser Q, Bohur^ die niedrigwachsende 
griechische Eiche, Q. EsculuSj vorkomme. Wie weit die 
Deutung Ledebour's richtig ist, bleibt dahingestellt. Le- 
debour fügt hinzu, dass er selbst aus dem Gouv. Ghersson 
einen Zweig besitze, welcher der Zerreiche angehören könnte. 
In neuester Zeit gibt Beketow*) an, dass^. Cerris auf der 
im Dnjepr (oberhalb Alexandrowsk) liegenden Insel Chortiza 
einen grossen Bestand bilde. Zugleich bemerkt Beketow, 
dass im Herbarium der St. Petersburger Universität sich 
ein Zweig der Zerreiche befinde, der von Claus, von den 
Ufern der Wolga, ohne genauere Bezeichnung des Fundortes, 
eingesandt sei. Claus selbst erwähnt ihrer nicht in seiner 
Flora der Wolgagegenden. Huot und Roussillon^ sagen, 
dass Q. Cerris in der Krim vorkomme; Steven aber nennt 
sie nicht. Endlich sagt C. Koch (Linnaea, Bd. 22, 1849, 
p. 322), dass diese Art, in der var. austriaca Willd., im 
Kaukasus wachse, und zwar «sehr häufig in den Wäldern des 
südlichen Daghestan'g auf Mergel, Kalk und Molasse, 100 — 
2000^ hoch, als Strauch (in diesem Falle mit sehr grossen 
Blättern) und als kleiner Baum bis zu 40' Höhe». Boissier 
und Medwedew erwähnen die Zerreiche aber nicht für den 
Kaukasus. So ist denn auch dieses Vorkommen, wie in 
sämmtlichen übrigen Fällen, nicht sicher begründet; denn 
auch das von Beketow angegebene Vorhandensein der Q. 
Cerris im Gouv. Jekaterinosslaw könnte, selbst wenn die Be- 
stimmung sich als richtig erweist, sich auf ursprünglich nicht 



1) AHAp. Mefiepii. OnHcaeie OnaKOBCKia semsii. (Ca6., 1794); crp. 152. 

2) In: Scripta botanica Horti Universitatis Imp. Petropolitanae ; Lfrg. I 
(1886); p. 126. 

3) Vgl. Demidoff. Voyagc dans la Russie m6ridionale; vol. II, p. 647. 
— Aber L6veill6 kennt Q. Cerris nicht aus der Krim. 



— -* 



— 141 — 

spontanes Vorkommen beziehen. Somit kann es noch nicht 
als sicher festgestellt gelten, dass dieZerreiche in den Grenzen 
Russlands sich wildwachsend findet. 

861. (10.) Qttercus castaneaefolia C. A. Mey. {Q. aegüops^ 

var. castaneaefolia C. Koch). 

Die kastanienblättrige Eiche ist auf ein ziemlich kleines 
Areal beschränkt; denn sie findet sich in Transkaukasien 
nur inTalyschy von wo sie sich nach der persischen Provinz 
Ghilan verbreitet: mithin bildet das südliche und südwest- 
liche Ufer des Kaspischen Meeres ihre Heimat. In Talysch 
tritt sie in der Zone vom Meeresufer bis 6000' üb. d. M. 
wälderbildend auf; einzelne Exemplare gehen noch höher 
hinauf, nach oben zu nicht selten die Baumvegetation be- 
schliessend. Sie erwächst bis zu 100 Fuss Höhe, bei einem 
Durchmesser von 5 — 7 Fuss, mit einem herrlichen geraden 
Stamme. Wie versichert wird, soll das Holz dieses Baumes 
weniger dauerhaft sein, als bei den übrigen Eichen, und 
rascher der Fäulniss unterliegen, — welcher Umstand durch 
das ausserordentlich feuchte Elima des Talysch bedingt sein 
mag. 

Gattung 2. Castanea. 

Eine Art dieser Gattung, Castanea üngeri Heer, war 
zur Miocänzeit sehr weit verbreitet, denn ihre Reste sind, 
nach Heer, z. B. in Grönland, Alaska, auf der Insel Ssa- 
cbalin und in Europa gefunden worden. Nach Nathorst^), 
fand sich unsere Kastanie in Japan bereits im Pliocän (resp. 
Postpliocän). C. Freiherr von Ettingshausen^) sucht nach- 



1) Contribations k la flore fossile du Japon; p. 84 — 85. 

2) Im Tageblatt der 48. Yersammlong deutscher Naturforscber und 




— 142 — 

ra weisen, dass unsere G. vulgaris sich aus der tertiären C. 
atavia Ung. herausentwickelt habe. 

362. (1.) Castanea vulgaris Lam. {G. vesca Gaertn., G. sa- 

tiva Mill.). 

Die Edelkastanie hat eine ausserordentlich weite, aber 
mehrfach unterbrochene Verbreitung ^). Sie wächst fast im 
ganzen Mediterrangebiete, von den Küsten des Altlantischen 
Occans bis zum Kaspischen Meere, ferner im nördlichen 
China und in Japan (var. Japonica DC), so wie im gemäs- 
sigten Nordamerika (var. Äfnericana Mich.). Ob sie im Hi- 
malaya wildwachsend vorkommt, scheint noch nicht sicher 
festgestellt zu sein: Brandis, so wie Alph. De Candolle 
und Ho ff mann erwähnen sie nicht, während Boissier 
und Engler Nord-Indien als Fandart der Kastanie angeben. 
Was ihr spontanes Vorkommen in den Grenzen Rnsslands 
betrifft, so ist dasselbe auf Transkaukasien beschränkt, wo 
\\\T Verbreitungsbezirk indessen nicht gross ist and nar das 
weltliche Gebiet (Imeretien, Mingrelien, Ratscha, Abchasien, 
Gnisien, Bezirk des Schwarzen Meeres and das Gebiet von 
Batum\ Kachetien^ Karabagh and Talysch amfasst Ihr 
spontanes Vorhandensein in Tal^^ch scheint Radde jedoch 
7\\ Ix'zweifeln, Im nördlichen Kaokasas fehlt die Kastanie 
als wildw^eh^Mtder Baum; and wenn Ledeboar sie von den 
Vtern des Terek erwihnt^ so ^ini er es mit kultivirten Bäu- 
Ynei> zu thnn gehabt haben« Im westlichen Transkaukasien 



fv> x'<*rsohM^<m<' F^rmon hw^ohnohor. sind. 



143 — 



kommt G. vulgaris, nach C. Koch, grossentheils bis zar 
Höhe von 3000' üb. d. M. vor; indessen bemerkt Medwe- 
de^, dass sie bisweilen bis 5000' (z. B. in Gurien) und so- 
gar bis 6 000' (in Abchasien) hinaufsteigt; in Adsharien beob- 
achtete sie Fürst Massalski bis zur Höhe von 4000' üb. 
d. M.; ihre vertikale Verbreitung in den übrigen Gebieten 
Transkaukasiens ist nicht genauer erforscht. Die Kastanie 
wächst in den Wäldern des Kaukasus in Gesellschaft ver- 
schiedener Laubbäume, z. B. der Weiss- und Rothbuche, 
der Eiche etc. ; reine Bestände dieser Holzart finden sich 
daselbst nicht, wenn sie auch bisweilen als vorherrschender 
Baum auftritt. In den Küstenwäldern des westlichen Trans- 
kaukasiens erwächst die Kastanie zu einem stattlichen Baume ; 
sie wird dort nicht selten bis 100 Fuss hoch, bei einem 
Stammesdurchmesser von 5 — 7 Fuss. Im Gebiete von Ba- 
turo findet sie sich stellenweise, namentlich an der Küste, 
massenhaft, während sie im Gebiete von Kars, nach Mas- 
salski, ganz fehlt. Nach Tschernjawskij^), soll die 
Kastanie in Ssuchum-Kal6 (an der Küste des Schwarzen 
Meeres, unter dem 43° n. Br.) im Winter die Blätter nicht 
abwerfen. — In Persien scheint die Kastanie vollständig zu 
fehlen^); Buhse, Bunge und die übrigen Botaniker, die 
dieses Land bereist, führen sie nicht von daher an. Mit 
dem europäischen Verbreitungsgebiete der Kastanie hängt 
das kaukasische über Kleinasien zusammen. 

Ledebour (Fl. ross., III, p. 594) gibt an, dass G. vul- 
garis an der Südküste der Krim, beim Dorfe Derekoi (in der 
Nähe von Jalta), wachse; Steven bemerkt dazu, dass sie 



1) Hegers Gartenflora, 1874, p. 213. 

2) Boiasier (Fl. or., IV, p. 1175) fahrt zwar an: «Persia borealis (ex 
liedeb.)»; indessen wüsste ich nicht, wo Ledebour diese Angabe gemacht 
haben könnte. 



— 144 — 

daselbst nicht spontan, sondern nur angepflanzt vorkomme, 
wie aucii sonst hie und da in der sQdlichen Krim; er fflgt 
hinzu, dass die Kastanie im Norden des Krim'schen Gebildes 
den Winter nicht vertrage. Bei Kischinew (in Bessarabien) 
soll sie, nach Döngingk, gut wachsen: «ein- und zweijäh- 
rige Bäuracben hielten ungeschützt eine Kälte von — 11^ 
R. aus». ZabeF) führt C. vulgaris gar nicht unter den in 
Russland kultivirten Holzarten an. Ich finde, ausser der 
Krim und Bessarabien, die Kastanie nirgends als angepflanzt 
angegeben. Die ältere Angabe von Berghaus, dass sie sich 
in der Ukraine, uuter dem 50^ n. Br., finde, wird durch 
neuere Beobachtungen nicht bestätigt. Die Mittheiiung, die 
Pallas^) über eine Kastanie macht, die in Pulkowo (unweit 
St. Petersburg) gestanden haben soll, beruht wahrscheinlich 
auf einem Irrthume. Klinge (1. c, p. 129) bemerkt Fol- 
gendes über die Versuche, die mit der Kultur der Kastanie 
in den Ostseeprovinzen angestellt worden sind: «In Riga nur 
unter Decke aushaltend. Bei Reval und Kuckers erhielt 
sich die Pflanze unt^r starker Bedeckung mehrere Jahre, bis 
der Winter 1862 — 63 sie tödtete. Soll, nach Buhse, auf 
Oesel in kleinen Bäumchen vorkommen ; auch auf dem Gute 
Aprikum in Curland circa 5^ hoch, wahrscheinlich einge- 
bunden». Während die Kastanie an der norwegischen Küste 
bis zum 63^ n. Br. hinaufreicht und in günstigen Sommern 
noch in Christiania ihre Früchte reift, bleibt sie in Schweden 



1) H. E. II,a6e;ii>. Ap^BecHUH h RycrapHUfi nopo^u, paseojiHiiiiifl bt> 
PocciH. (1884). 

2) Flora rossica; P. II, p. 5. — Es heisst hier, dass im Garten Ton Pal> 
kowo ein Kastanienbaam stehe, «dessen anfallend lange, dichotome Aeste 
weithin aber den Boden ausgebreitet sind, der aber niemals in die HOhe 
wächst, da die aufrechten Sprossen alljährlich durch die Winterfröste ge* 
tödtet werden; nur die niedergestreckten erhalten sich unter dem hohen 
Hchnee». (So citirt yon Hoffmann, I. c, p. 266). 




— 145 — 

bedeutend zur flck ; nach Andersson und Schübeier, giebt 
sie nur im südlichsten Theile Schwedens (in Skäne, unter 
55° 30' n. Br.) in warmen Sommern reife Früchte; bei Stock- 
holm (59° 20' n. Br.) wird die Kastanie nur strauchartig 
und erfriert mitunter vollständig. Danach zu urtheilen, ist 
es offenbar die Winterkälte, welche die Verbreitungsgrenze 
sowohl der wildwachsenden als der kultivirten Kastanie be- 
dingt. Und zwar entspricht die Nordostgrenze des Gebietes, 
wo die Kastanie noch, wenn auch nicht in jedem Sommer, 
ihre Früchte'' reift, ungefähr der Januar-Isotherme von 
—1° C.^). 

Namen. — Russisch: KuscJUdrij Kaschtänowoje dSrewo; 
auch: Nastcjdstschij KascMdn (i. e. echte Kastanie) oder 
Sslddkij KascMdn (süsse K.). — Polnisch: Kasztan^ Kasz- 
tanowiec. — Armenisch: Schagandkeni. — Ossetisch: Gurd- 
sXag-ters. — Tatarisch (in der Krim): Kestdn\ (im Kauka- 
sus): Schabalut. — Grusin., imeret., gurisch: Tzäbli. — 
Mingreiisch: Ttschuburi. — Sswanetisch: KuUsch, — Ka- 
bard., tscherkessisch : Schchopsch. — Abchasisch: Äche. — 
Lesgisch (sakat., inuch.): ZobuU] (did.): Ziper; (kaputsch.): 
Tacheper] (kasykum.): SchawaljiU. 

Gattung 3« Fagus. 

Diese Gattung bietet, in Bezug auf ihre Verbreitung, 
viel Analoges mit Gastanea. Zwei Arten derselben waren 
in der mittleren und neueren Tertiärzeit weit verbreitet; 
nämlich: 1) Fagm Antipofii Abich^) (F. Antipowi Heer, F. 



1) Hr. Maximowicz macht mich darauf aufmerksam, das3 in Japan 
die Kastanie noch bei Hakodate gedeiht, wo Fröste bis —12^ R. vorkojnmen. 
Danach zu urtheilen, muss die japanische Varietät dieser Holzart härter 
sein, als die eoropäisch-kaukasiscbe. 

2) Vgl. H. Ab ich. «Beiträge zur Paläontologie des Asiatischen Buss- 

10 



^^ 



— 146 — 

pristina Sap.), deren Blätter meist 16 — 17 Secundärnerven 
aufweisen; diese Art wachs, nach Abich, zur Miocänzeit, 
in der Umgebung des Aralsees (auf Inseln des Aralo-Easpi- 
schen Meeres?); ferner, um dieselbe Zeit, nach Heer, in 
Alaska und auf der Insel Ssachalin; endlich, in der Pliocän- 
zeit, auf dem Altai ^). 2) Fagus ferruginea Ait., die noch 
gegenwärtig in Nordamerika, östlich vom Mississipi, wächst, 
kam zur Pliocänzeit, nach Nathorst {F. ferruginea fossilis 
Nath.) in Japan vor; sie ist gleichfalls von Ssokolow im 
Pliocän des Altai entdeckt worden (F. ferruginea var. oÄo- 
ka Schmalh.); die Zahl der secundären Nerven bei den 
Blättern dieser Art schwankt in verschiedenen Lokalitäten 
zwischen 10 — 11 und 14 — 15. Die von Nathorst (1. c., p. 
43 — 44) beschriebene fossile Form, mit 11 — 13 secundären 
Nerven, bildet einen Uebergang zu der gegenwärtig in Japan 
wachsenden F. Si^boldii Endl., deren Blätter nur 8 — 9 se- 
cuudäi^ Nerven haben*); fibrigens kommt diese letztere Art, 
nach Nathorst (^ib., p 84), ebenda gleichfalls fossil vor. 
Sio scheint sich aus der F. fefi^nea heraasentwickelt zu 
haben, wobei die Zahl der Blattoerven stetig abgenommen 
hat. In Bezug auf dieses letztere Kennzeichen, als auch 
auf ilire (Te5ammt<>rganisation, steht die F. Siebaldii wie- 
der unserer F. st^lpofica sehr nahe. — Ich bemerke hier 
n«>oh, dass in der baltischen MiocSnflora von Heer keine 
Buchen aixgeffthrt werden. In Italien dag^en wuchsen, 



]ä«<1sa; in: W^m. d^ T Acä^, 8. sc. de St-Petsbg, Tl-e s^r^ sc. maA. et phys-i 

1^ Von N» ^^öTcolow ^fnndext nod von Pi-ol ScIiiB&llimiiBenbe- 

•2^ lÄÄXiYnowicr }Mx di«* Form für eiw T«i«tit YOii F. «fiwrfica, 
<»Wnso wi<» dir pWiohfklh iii.la|uaL w«cb$6iide Tsr. onotteaDC. Kena^dings 
\\ni V»\iiT»o^ioF v<m i^btnidAhor oinr fto^eseidnwte »eae Art (P. icgxH 



— 147 — 

, zur Tertiärzeit einige Bucheaformen, 
srst, vielleicht nar eine einzige Art aas- 
Antipofii nahe stand. Eine dritte Buche, 
j., mit 9 — 10 seitlichen Nerven, soll, 
einen grossen Theil des uns bekannten 
}itet gewesen sein; sie fand sich zur Plio- 
am Altai. — Sollte F. sylvatica in der 
u ihrer Stammform haben, so lässt es sich 
zu jenen Holzarten gehört, die zur Mio- 
nstigen arktischen Kontinente wachsen 
mig südwärts verbreiteten, später aber 
iscbenländern (z. 6. am Altai) ausstarben 
stigen Gebieten (z. B. Japan und Europa) 



. {\.yFagus sylvatica L. 

(oder Buche schlechtweg) fehlt fast dem 
tchen Russland: ihre Verbreitung ist auf 
ten (Polen, westliches Wolyoieu undPo- 
und den äussersten Sßdeo (Krim and 
kt. Alle älteren, noch von Ledebour 
)%) berücksichtigten Angaben über das 
iche in Liv- und Kurland, in Littauen 
Wolga, haben sich als irrthDmIich er- 
jssentbeils bereits von Trautvetter^) 
In Bezug aufLivland (bei Lennewarden, 
Kurland (von Bode unweit Kalethen ge- 
lischer in seine Flora der Ostseepro- 



rwelt der Schweiz; Aufl. 2 (1879), p. 844—346. 
. Terhaitnisse des Europ. RaBslondB; HfL 1, p, 



148 



vinzen, p. 338, aufgenommen), sagt Bode^) selbst, dassdie 
Bache dort wahrscheinlich nur gepflanzt vorkomme; er fflgt 
indessen hinzu, dass die Verjüngung der drei alten Stämme 
bei Kalethen gelungen sei, was ffir die Möglichkeit spreche, 
diese Holzart im Süden Kurlands mit Erfolg anziehen zu 
können. Was Littauen betrifft, so bemerkt Eichwald ans- 
drQcklich, dass die Buche daselbst gänzlich fehle; Dieses 
wird von v. d. Brincken für das Gouv.Grodno, so wie von 
Paszkewicz für das Gouv. Minsk bestätigt. Um so auffal- 
lender ist es, dass Ed. Lindemann ^) die Buche in den 
Wäldern des Gouv. Mohilew wachsen lässt, — welche An- 
gabe ganz bestimmt falsch ist ^). Ebenso unbegründet ist die 
von Bode gemachte Angabe, dass diese Holzart im Gouv. 
Eijew, amDnjepr (gegenüber Perejasslaw), vorkomme; Ba- 
siner hat ausdrücklich auf diesen Irrthum aufmerksam ge- 
macht; auch hat Trautvetter die Buche nirgends im Gouv. 
Kijew angetroffen. Was endlich die untere Wolga betrifft, 
so fehlt daselbst die Buche vollständig; S. G. Gmelin's (von 
Ledebour wiederholte) Angabe über ein dortiges Vorkommen 
dieser Holzart bezog sich vielleicht auf Carpiniis hetulus 
(vgl. unten). 

Nach Schübeier, geht die Buche in Norwegen, als 
wildwachsender Baum, bis zu 60° 38', im westlichen Schwe- 
den bis zum 59° und im östlichen bis 57° 5' n. Br.; mithin 
verläuft ihre nördliche Verbreitungsgrenze von NW nach 
SO und senkt sich, in den Grenzen Skandinaviens, um ganze 



1) Verbreitangs-Gr&nzen der Holzgewächse etc., 1. c, p. 80. 

2) «Prodromus florarum Tschernigovianae, Mohilevianae, Minskianae 
nee non GrodnoTianae» ; im Bulletin de Moscou, 1850, P. 2, p. 527. 

8) In seinem späteren «Index plantarumj) etc. (im Bulletin de Moscou 
1860, P. 2, p. 160—161) bemerkt Lindemann, dass er die Buche nur in 
Kurland angetroffen habe : «Kalethen, in horto Pelzen, pr. Goldingen». 



— 149 — 

Weiterhio geht dieselbe westlich von Kö- 
durch das Östliche Polen, fast steil nach 
:h den nordostlichsten Winkel Galiziens, so 
I Westen Wolyniens und Podoliens, nach 
e nördlich von Kischinew ihren sfidlichstea 
- um jenseits der Steppen, in der Krim 
wieder zu erscheinen. — Was Polen be- 
ir Hr. r. Berg, dass die Buche daselbst 
och im Norden der Weichsel vorkomme; 
Faga (Fl. poion., II, p. 608) und Polu- 
le (üT das Gouv. Lublin an, — also für 
L von der Weichsel; auch kommt sie, nach 
Plock (also im Norden der Weichsel) vor. 
t sie sich nur im westlichsten Kreise Kre- 
lörfern Popowez und Polska-Drancza); in 
es scheint, nur am Grenzflusse Sbrutsch, 
roskurow und Kamenez, namentlich bei 
r^e (6. Belke), Iwanowez und Sawal'je 
äessarabien wächst die Buche, nach Tar- 
iere im Norden und Westen dieser Provinz; 
; Chotin'); nach Döogingk, auch in der 
schinew '). 

fir die angegebene Verbreitungagrenze der 
ilinien, so sehen wir, dass dieselbe, wie 
3rkte, recht gut mit der Februar-Isotherme 
immenfölU. Danach zu urtheilen, ist es 
lieh die Winterkälte, die der Ausbreitung 
Norden und Osten Halt gebietet. — Es 

j61estira Polakiego etc.; 1. 1, p. 379. 
neBHHKOB-b; In Jltcsott JKypsui, 1883, p. 869. 
lise ffllirt sie Lindemann fUrBeasarabien nicht aof. 
'Yerh&ltaisBe des Raasischeo Reiches; p. 849. 



— 150 — 

haben sich mehrere Forscher eingehend mit den klimatischen 
Bedingungen der Bncheugrenze beschäftigt; so namentlich 
Basiner^), Alph. De Gandolle ^), Wesselowskij') und 
Grisebach^). Ich will hier nur kurz Aber die Resultate 
berichten, zu denen diese Autoren gelangt sind. Von der 
Beobachtung ausgehend, dass die Yegetationsdauer der Buche 
an ihrer Polargrenze 5 Monate (vom 1 . Mai bis zum 1 . Oc- 
tober) währt, berechnet Basine r die für dieselbe nothwen- 
dige minimale Wärmesumme auf 1700°R. (2125° C), wäh- 
rend die mittlere Temperatur des kältesten Monats (Januar) in 
Königsberg, d. h. an der Grenze der Buchen Verbreitung, 
— 3?36 R. betrage % Basiner legt noch besonderes Gewicht 
auf die für das Wachsthum der Buche nothwendige bedeu- 
tende Luftfeuchtigkeit. Er illustrirt Dies durch eine von 
ihm gemachte Beobachtung, dass Buchensämlinge, in Folge 
einer anhaltenden Regcnlosigkeit, welche auf die nebenan 
wachsenden Sämlinge des Walnuss- und des Maulbeerbau- 
mes gar keine wahrnehmbar nachtheilige Wirkung ausübte, 
an den Spitzen vertrockneten, während der Boden noch hin- 
reichend feucht war. Darauffährt Basiner fort: «Durch 
diese Beobachtung unterstützt, habe ich die auffallende Er- 
scheinung, dass die anfängliche Richtung der Verbreitungs- 



1) 0. H. EasHHep'b. «0 pacTiiTeju»HOCTH h KJiHicaTi^ KieBCKofi iy6ep- 
Biuo. (HCypH. Mhh. rocyx- Hvyii^., 1858, J\& 9). — De&gl. Tb. Basiner: 
aUeber die Biegsamkeit der Pflanzen gegen klimatische Einflösse», imBaUe- 
tin de Moscou, 1857, P. 1, p. 505—510. 

2) Gr6ographie botanique raisonn6e (1855); T.I,pp. 177—179; 287—240; 
321-828. 

8) K. BecejiOBCKifi. RjiHMaTt Poccin. (1857); CTp. 80 — 81. 

4) Die Vegetation der Erde; Bd. I, pp. 88—89; 588. 

5) Diese Ziffer ist ziemlich genau; sie ist offenbar nach DeCandolle^s 
(resp. KämtE*s) Angabe (— 4?2 G.) wiedergegeben. Nach Hann (Handbadi 
4er Klimatologie, 1888, p. 474) betr&gt die mittlere Temperatur des Ja- 
nuar in Königsberg —8^9 C. 



— 151 -^ 

grenze der Buche von Norwegen bis nach Polen, südlich 
von diesem Punkte eine starke westliche Ablenkung 
erfahrt, der Trockenheit der Luft zugeschrieben, die im öst- 
lichen Theil der südlich von Polen gelegenen Gegenden 
herrscht». Dazu muss ich nun bemerken, dass die Annahme 
einer solchen westlichen Ablenkung der Buchengrenze durch- 
aus irrthflmlich, und daher auch die Schlussfolgerung Ba- 
sin er's werthlos ist. In der That, werfen wir einen Blick 
auf die beifolgende Karte As I, so sehen wir keine Spur 
jener Ablenkung, sondern bemerken, dass die Verbreitungs- 
grenze der Buche die ganze Zeit, von Norwegen bis Bess- 
arabien, in derselben südsüdöstlichen Richtung verläuft. 

Das von Alph. De CandoUe in Betreff der Buchen- 
grenze Gesagte kann ich als bekannt voraussetzen; es stimmt 
auch recht gut mit den Annahmen Basiner's überein. (In 
Bezug auf die Aequatorialgrenze vgl. unten). Wie schon D e 
Candolle daraufhinwies, dass im Osten der Buchengrenze 
es Gegenden gibt, wo die für die Vegetation dieser Holz- 
art als nothwendig präsumirte Wärmesumme vorhanden ist, 
dass jene aber trotzdem fehle, — wovon die Ursache offen- 
bar in der Strenge der Winter zu suchen ist, — so erblickt 
anch Wesselowskij in dieser letzteren das wichtigste Hin- 
derniss für die Ausbreitung der Buche gegen Nordosten. 
Er sagt, dass die Buchengrenze recht genau mit der Isochi- 
mene von — 2° B. (— 2?5 C.) zusammenfalle. Zugleich be- 
merkt er, dass Basiner irrthümlicher Weise die Nordost- 
grenze der Buche hauptsächlich durch den Mangel an Luft- 
feuchtigkeit bedingt sein lasse, und dass er die Wintertem- 
peratur von Kijew, auf ungenügenden Beobachtungen fussend, 
za hoch (auf — 2^5 R.) angenommen habe, während dieselbe 
— 4°2 R. betrage^). — Ziemlich conform mit De Gandolle 



1) Nach den neueren Tabellen Wild 's, betragen in Kijew die mittleren 



— 152 — 

spricht sich Grisebach dahin aus, dass ein Zusammenwirken 
der erhöhten Winterkälte mit der Verkürzung der Vegeta- 
tionszeit in nordöstlicher Richtung das Verschwinden der 
Buche bedinge, wobei er dem letzteren klimatischen Werthe 
eine grössere Bedeutung beimisst: «Eine Verkürzung der 
Vegetationsperiode auf einen Zeitraum von weniger als fünf 
Monaten erträgt die Buche nicht». Es steht die Buche unter 
dem entschiedenen Einflüsse des Seekliraa's. Grisebach 
schliesst seine Betrachtung über die Buchengrenze mit fol- 
gender Bemerkung : «Deshalb eignet sich die östliche Bu- 
cliengrenze vor allen anderen Vegetationslinien dazu, die 
beiden Hauptabschnitte der europäischen und russisch-sibi- 
rischen Waldflora naturgemäss zu scheiden. Die erstere hat 
eine Vegetationszeit von fünf bis acht, die letztere von drei 
bis fünf Monaten». 

Ich bemerkte schon oben, dass der Verlauf der Buchen- 
grenze ziemlich gut mit der Februar-Isotherme von — 2° C. 
zusammenfalle, w^ie dieselbe in Wild's Atlas gezeichnet ist. 
An eine vollständige Uebereinstimmung ist natürlich nicht 
zu denken, da ausser der Temperatur jedenfalls auch Luft- 
und Bodenfeuchtigkeit in Frage kommen. Uebrigens stimmt 
Wild's Karte in unserem Falle nicht ganz mit dem dazu 
gehörigen Texte Oberein ; denn nach der Karte würde War- 
schau eine mittlere Februar-Temperatur von etwa — 2?5 C. 
aufweisen, während dieselbe = — 3°io ist^); und da die 
Buchengrenze noch östlich von Warschau verläuft, so dürfte 
sie in jener Gegend mit der Februar-Isotherme nicht von 
— 2°, sondern etwa von — 3°5 G. zusammenfallen. Zum 



Temperaturen des Dec. — 4?2«, des Jan. — 6?05 und des Febr. — 5®88 C. 
Dies ergibt eine Wintertemperatur von — 5°22 C. (— 4°17 R.). 

1) Die Höhenlagen sind hierbei so unbedeutend, dass sie bei der Be- 
rechnung keinen wesentlichen Unterschied verursachen können. 



y 



— 153 — 

Vergleiche stelle ich die mittleren Januar- und Februar- 
Temperaturen einiger Orte zusammen, die in der Nähe der 
Buchengrenze oder ausserhalb derselben liegen. 

Januar Febraar 

o o 

Warschau —4,45 — 3,io 

Kamenez-Podolsk . . — 3,29 — 1,77 

Kischinew — 2,99 — 1,99 

Mitau — 4,98 — 4,40 

Kijew — 6,05 — 5,83 

Odessa — 3,36 — 2,47 

Aus dieser Tabelle ist zu sehen, dass die mittleren Fe- 
bruar-Temperaturen an der Buchengrenze in Polen und in 
Podolien um etwalVg°C. difiFeriren. Oestlich von Kamenez- 
Podolsk, wo die Buche ihre Grenze findet, liegen Gegenden, 
wo der Februar wärmer ist, als in Warschau, und doch fehlt 
daselbst die Buche. Es müssen also andere Factoren wirken, 
welche die Existenz der Buche ausschliessen. Und diese 
sind, wie Basin er richtig hervorhebt, die Trockenheit der 
Luft und die fibermässige Sommerwärme. Da mir über die 
Luftfeuchtigkeit keine genaueren Angaben vorliegen, so 
bleibe ich bei den Sommertemperaturen stehen, welche fol- 
gende Ziffern aufweisen (nach Celsius): 

Juni Juli August 

o o o 

in Warschau 17,26 18,56 17,88 

» Kijew 17,53 19,12 18,48 

» Kamenez-Podolsk . . 18,59 20,27 19,62 

» Kischinew 20,74 22,70 21,83 

» Odessa 20,06 22,70 21,8i 

» Cbersson 21, 09 23,38 22,79 

» Nikolajew 20,8i 23,02 22,46 



— 154 



Dass nicht der Feochtigkeitsiiiaiigel, sondern die zu 
grosse W&rme die Boche in den südlich vom 46^n. Br. ge- 
legenen G^enden von der Eb^ie ansschliesst, beweist, nach 
Basiner, schon der Umstand, «dass im nördlichen Italien 
die Boche nicht onter 2500 Foss vom Gebirge herabsteigt, 
obwohl dort Tide Orte, wie Udine, Tarin nnd Mailand, so- 
gar eine feochtere Atmosphäre haben, als viele andere Ponkte 
nördlicherer Gegenden, wo die Buche damoch vorfcommt». 
— Demselbra klimatischen Werthe moss aoch der Umstand 
zogeschrieben werden, dass die Grenzlinie der Boche, in 
ihrem Terlaofie gegen Söden, plötzlich abbricht, d. h. nach 
Westen umbiegt ond zur Sodgrenze dieser Holzart wird. 
Ich rermag nicht den Ponkt genao zo bezeichnen^ wo Dieses 
geschidit, da leider die dazo nöthig»i Nachrichten nicht zu 
beschaffim sind; es scheint aber, dass die Boche nicht bis 
ZOT baoml<»en Steppe Tordringt« wie es bei^ielsweise die 
Eiche thot, sondern bereits firtlher rerschwindet Dass die 
Boche im Goot. Cher^on ToUstindig fehlt, wie Kir'jakow 
ond Lindemann bezeugen, daran wird haoptsichlich die 
excessire Sommerhitze die SchoM tragen, da im westlichen 
Tbdle dieses GooTemements die Winterkilte die EIxistenz 
dieser Holzart nkht ge^rden würde. 

BeTor ich mit der Bachengresze ahschliesse, will ich 
noch auf einen F<^ler aofionerksam machen, der in Betreff 
derselben sich in mehreren deotschen Boxern wiederholt. 
Willkomm M sagt Folgendes: «Die Folargreiize der Boche 
erstreckt sich durch das südliche Scandioafieii in sldöstlicher 
Richtung, welche sie nach Traotretter anck weiterhin bis 
an dieKtste desAsow'schen ond Easpischen Meeres 
in der Hauptsache beibehiltK Die Bermfug aof Traut- 



V TontL Flon Yva Dracsc&hui vnl O wrtwtiikl t: fL 372. (Avfl. % 



f. 44C 



— 155 — 

Vetter ist entschieden falsch, da dieser hochverdiente For- 
scher jene Angabe aus Patze, E. Meyer und Elkan's 
Flora der Provinz Preussen nur anffihrt, um dieselbe seiner- 
seits zu verwerfen. Trautvetter zieht die Buchengrenze 
ganz richtig durch das östliche Polen und das westliche Wo- 
lynien^). Jener von Willkomm veranlasste Fehler ist auch 
in andere Bücher übergegangen. So wird er von Ad. Mayer^) 
wiederholt, der auch auf der beigegebenen Karte die Grenze 
der Buche durchaus irrthümlich von Königsberg, über Ki- 
jew, zum Asow^schen und weiterhin zum Kaspischen Meere 
verlaufen lässt. 

Wie für jeglichen spontanen Baumwuchs, so bildet die 
Steppe auch für die Buche ein unfibersteigliches Hinderniss. 
Erst jenseits der unabsehbaren Steppen, in den Gebirgen der 
Krim und des Kaukasus, erscheint die Buche wieder. In 
der Krim bildet sie, auf beiden Seiten des Gebirges, den 
oberen Baumgürtel, von 1500 bis 3500' Meereshöhe. Reh- 
mann*) bemerkt, dass die Grenze zwischen der Eichen- und 
Buchenregion in der südlichen Krim überall durch eine 
scharfe Linie markirt ist, und dass die Buche sich nirgends in 
der unteren Region findet. <cSie tritt plötzlich massenhaft 
auf und bildet im höheren Gebirge eine zusammenhängende 
Zone, welche, wie mit einem grünen Kranze, die baumlose 
Jaila *) umgibt)). Der üebergang vom Buchenwalde zu dieser 



I 1) Wenn er die Buche (1. c, im Verzeichnisse der Druckfehler) zur 

! Ostgrenze Podoliens gehen lässt, so ist Hr. v. Trautvetter im Irr- 

thume, da, nach allen mir vorliegenden genauen Angaben, z. B. von Mar- 
I tschinskij (im HCypn. Mhh. BnyTp. a>, 1836 r., h. 22, crp. 178), Rogowicz 

I nnd Schmal hausen, die Buche auch in Podolien, ebenso wie in Woly- 

i nien, nur auf den äussersten Westen beschränkt ist. 

2) Lehrbuch der Agrikulturchemie. (1871); p. 387. 

8) «Vegetations-Formationen der taurischen Halbinsel»; in d. Verhandl. 
I d. sool.-boUn. Ges. zu Wien, 1875, p. 395—399. 

\ 4) D. h. die oberste Matten-Zone des Erim'schen Gebirges. 



' ""UM 



— 156 — 

lot/teren ist ebenfalls sehr plötzlich: «in dem hochstämmigen 
Waldü wird der Boden fast unerwartet seiner dicken Humus- 
schicht beraubt, der Wald wird lichter, und in wenigen Mi- 
nuten erreicht man seine obere Grenze, welche hier eine 
gloichmässige, fast ununterbrochene Linie darstellt». Die 
Vorkrüppclung der Buche, welche in der ganzen Earpathen- 
kotto, an der oberen Grenze dieses Baumes, so charakte- 
ristisch auftritt, hat Rehmann in der Krim nirgends beob- 
aohtot. Die Huchenzone wird fast durchweg aus reinen^Be- 
ständeu dieser Holzart gebildet, und fremde Bestandtheile 
^piclou da$olbst oiue ganz untergeordnete RoUe. Die Buche 
ist durch das ganze Gebirge der Krim rerbreitet, besonders 
häutig ^Wr auf der Nordseite. Die schönsten Bacheube- 
st^mlo botindou sich, nach Rudzki, im Ajan'schen Reviere^). 
Aber auch jiuf der Sudsoite« z. B. oberhilb Bijuk-Lambat, 
h^b^* ich $clu^nc BuchtMiw^lder gesehen, deren Scenerie mich 
K^WK^tlt ;!« d.t$ hülx>che Titelbild in Rossmissler^s «Der 
\V;Äld* crimn^rtc. w>hes die «Heiligen Halleo» in Tharand 
d^i^tor<t> K.;^. M;Krkov^ hau ia seioen anmnlhigai Skiz- 
5 o;\ ^?cr K: :^^u .vi^* Sc" v r/r.i :i der i »T^:i^^n Bockenvilder leben- 

v.^, ocvKnra N:.>Ar::v 5i::.6:>crBi£iDe fieser Hoiöurt finden. 

t*Ä4;; Av\f;'»*c *vo> F;»rs;2t)^:<ae!rs X. Marginal, nnter- 

^'hc,,;\v, $.,>; »^'c K:\T*:">cl;c Bjri>-M.besüLDie gau 

t ^'^. Xi, •.*^t:v »Vtxt,».-! v^uvjitt ».T'^ :;>r2: nri*. "31** — ^3Ä 



— 157 — 

etwa 132 Bäume, die 72 — 104Fuss hoch sind; in solchem 
Falle beträgt der Holzvorrath 17,201 Kub.-Fuss und der 
jährliche Zuwachs 104Kub.-Fuss pro Dessjatina. In offener 
Lage dagegen hat ein Buchenbestand von 35 — 140 Jahren^), 
bei einer bedeutend grösseren Anzahl von Bäumen (circa 
344), eine mittlere Höhe von nur20Fuss; der Holzvorrath 
pro Dessjatina beträgt bloss 627 Kub.-Fuss, und der jähr- 
liche Zuwachs 67^ Kub.-Fuss. Rudzki (1. c, p. 589) be- 
merkt, dass die schönsten Buchen in der Krim übrigens nicht 
im Walde, sondern einzeln stehend angetroffen werden; so 
stehen vier Riesenbäume auf einer Anhöhe gegenflber dem 
Kloster Ssawluch-ssu (im Beschui'schen Reviere). 

Die Buche gehört zu den verbreitetsten Bäumen im 
Kaukasus. Mit Ausnahme der Südseite des Kleinen Kaukasus 
(in den Grenzen des Gouv. Eriwan und des Kreises Sangesur), 
wird sie überall, sowohl im nördlichen Kaukasus als in Trans- 
kaukasien, angetroffen. Als nördlichsten Punkt ihres Vor- 
kommens gibt Medwedew die Umgebung von Stawropol 
an; sie reicht dahin vomBeschtau, von wo sie sich auch an 
die obere Kuma, an den Terek, so wie an den Kuban und 
dessen obere Zuflüsse verbreitet. Wassil'jew^) bemerkt, 
dass die Buche im Distrikt des Schwarzen Meeres eigen- 
thümlich vertheilt sei: auf nordwestlichen, nördlichen und 
nordöstlichen Abhängen, in Mulden und auf Hochebenen, 
die durch Berge vor intensiver Sonnengluth geschützt sind, 
bildet sie reine Bestände, während auf offenen, sonnigen 
Halden verschiedene Laubhölzer (Carpinus, Quercus^ Acer, 



1) Die hier angenommene Altersdifferenz von ttber 100 Jahren lässt na- 
t&rUch nar eine sehr ungefähre Schätzung zu. 

2) Hr. BacHJbeB'B. aO pacnpocTpaeemu rjaBHMmHX'b j^penecnuz-b 
nopoAi» HepHOMopcKaro oKpyra», bi» Hsb. KasK. 06ui,. JiK)6HTejiefi ecTecT- 
bo3b&b1h h aju>DificKaro RJiy6a; kh. I. 




— 158 — 

UlmtiSj Gastanea und Sorlms torminalis) ihr beigemengt sind. 
Auf dem Hauptgebirgszuge tritt die Buche, auf beiden Seiten, 
als vorherrschende Holzart auf. Ebenso sind die nördlichen 
Abzweigungen des Kleinen Kaukasus, desgl. der Achalzych- 
Adshar'sche und der Trialet'sche Bergrücken, so wie die Ge- 
birge des Batum'schen Gebietes von ansehnlichen Buchen- 
wäldern bedeckt. Relativ seltener findet sich die Buche im 
Kreise Lenkoran. Laut einer Mittheilung des Fürsten Mas- 
salski, soll sie im Gebiete von Kars vollständig fehlen. 
Medwedew sagt, dass diese Holzart ausschliesslich im Ge- 
birge vorkomme, und zwar hauptsächlich in der Höhe von 
3500—6000' üb. d. M., — wenn sie auch stellenweise (z. 
B. in Gurion und im Distrikt des Schwarzen Meeres) bis 
zur Meeresküste hinabsteige. Indessen wächst sie auch in 
der Ebene, worüber C. Koch (Linnaea, 1849, p. 331) Fol- 
gendes berichtet: «Am schönsten findet man die Buchen- 
Hochwälder im Riondelta, wo sie von Kutals aus bis an das 
Meer hin und von den Yorhöhen des Kaukasus bis zu denen 
des Adshar'schen Gebirges einen einzigen zusammenhän- 
genden Wald, der einen ächten Urwald darstellt, bilden *). 
Diese Ausbreitung der Rothbuche in der Ebene ist um so 
interessanter, als sie sonst nur auf und an den Höhen er- 
scheint». In den Niederungen der Kurä, des Araxes, des 
Kuban und Terek soll die Buche fehlen. — Die Buche er- 
reicht im Kaukasus enorme Dimensionen: sie wird bis 150 
Fuss hoch, bei einem Stammesdurchmesser von 7 — 9 Fuss. 



1) So war es in den 40-er Jahren; gegenw&rtig mögen die Yerh&ltnisse 
sich bedeutend geändert haben. Es ist auffallend, dass Medwedew aus- 
drücklich bemerkt, die Bnche fehle in der Rion-Niedemng. Unmöglich kön- 
nen die von Koch erwähnten Hochwälder im Laufe von 40 Jahren so radi- 
kal ausgehanen sein, dass nicht wenigstens stellenweise Reste derselben 
erhallen wären. 



\. 



159 



Die Messungen der Herren Medwedew und Gamrekelow^) 
an grossen Buchen, die in Borshom (an der oberen Kurä) 
gewachsen, ergaben u. A. folgende Zahlenwerthe : 



Alter. 


Durchmesser in 
Zollen. 


Hohe in Fassen. 


Massengehalt in 
KubikfuBsen. 


135 


20% 


104 


115,03 


150 


21,8 


106 


149,62 


185 


25% 


89 


1 50,06 


200 


26 


110% 


193,73 


220 


27,7 


107 


246,6 


230 


42,5 


136 


829,96 


260 


33,1 


110,5 


340,09 


360 


23,6 


105 


171,00 


380 


27,6 


123 


191,13 



Von Talysch aus verbreitet sich die Buche nach Nord- 
persien; nach Buhse, ist sie häufig im Alburs-Gebirge, in 
den Provinzen Ghilau und Masenderan (Boissier); desgl. 
findet sie sich auch, nach Karelin^), in der Provinz Aste- 
rabad. Dies scheint der östlichste Punkt der zusammenhän- 
genden Verbreitung der Buche zu sein ; in Afghanistan fehlt 
sie, desgl. auch im Himalaya und in China, erscheint aber 
in Japan, in der var. asiatica DC, wieder^. Das kauka- 
sische Verbreitungsgebiet der Buche hängt mit dem euro- 
päischen Aber Kleinasien zusammen. Ich mache noch auf 



1) H. G. Me^^BtAeBi» h A. C. raMpeKejiOBT>. GraTHCTiiqecRoe onH- 
caeie jr6coBi> EopxcoxcKaro mrkRla. (1879); crp. 45—46. 

2) Im Bulletin de Moscou, 1839, p. 172. 

8) Wie bemerkt, hält Maximowicz auch die in Japan wachsende F, 
SiebcidH für eine Varietät unserer Bache. 






— 160 — 

das TOD Th. v. Heldreich ^) constatirte Vorkommen dieser 
Holzart im DÖrdlichen Griechenland aufmerksam; nnd zwar 
wächst sie auf dem nach ihr benannten Oxyes-Gebirge. 

Was die Knltorversnche mit der Bnche and ihre 
Akklimatisation betrifft, so soll sie, nach Seh fibeler, in 
Finland noch bei Wasa (anter dem 63^ n. Br.) strauchartig 
Yegetiren können; doch bedarf diese Angabe gewiss der Be- 
stätigung. In Bezug auf die Ostseeprovinzen sagt Klinge 
(1. c, p. 130) Folgendes: «Nach Dietrich in Estland gut 
gedeihend in Be?al, Tammick, Kuckers, Schloss Fickel u. & 
w.^. In Livland sind nicht so gflnstige Resultate erzielt 
worden. Im Garten des Gutes Sandten in Curland Bäume 
mit 10 — 1 "T starken Stämmen (Bnhse). Bei St. Petersbui^ 
erfriert die Buche bis zur Schneedecke, jedoch ist es ge- 
lungen im Duderhorschen Parke sie in niedriger Strauch- 
form zu erhalten. Dieser schöne Baum gedeiht bei uns nur 
an sehr geschätzter Stelle und bei tiefem Boden». Dagegen 
erweist sich die rar. purpwea Ait. (die Blutbuche), nach 
Willkomm, härter, als die gewöhnliche Form; sie kommt 
noch im mittleren and östlichen Livland fort, blfiht auch, 
reift aber die Samen nicht mehr. Nach Klinge, ist aber 
die bis dahin TortrefBlich gediehene Blutbuche des Botani- 
schen Gartens in Dorpat, welche 20 Fuss Höhe erreicht 
hatte, im Winter 1870 — 71 gänzlich erfiroren. Major 
Wangenheim Ton Qualen*) emp&hl sehr die Akklimati- 
sirung der Buche in den Ostseeprorinzen ; und 0. Buss- 



1) In d. Verhandl. d. boUn. Yereias d. Ptotibz Bnndeiibiirg, 1880, Pro- 
tok^ p. 150-155. 

2) Herr Maximovicx theilt mir mit^ dassanf dem GnteFall, in Nord* 
estland, im Flitssthale, dorcli Wald sehr gesehfitxt, Bachen in hflbschen 
Bänmchen n^eiben sollen. 

3) Im CorrespondenzbUtt des Natarlorscbenden Tereins so Bign; Jahrg. 
XI, 1859, p. 44-45. 




— 161 — 

wurm^) verwies auf drei Rothbuchen, die auf dem Gute 
Birkas (in Estland) sehr gut gediehen und, aus Samen ge- 
zogen, im Laufe von 1 3 Jahren die Höhe von 1 2 Fuss er- 
reicht hatten. Nach Basin^r, kommen angepflanzte Buchen 
nicht nur im Gouv. Kijew, sondern auch im Gouv. Poltawa 
ganz gut fort. 

Namen. — Russisch: Buk; (im Kaukasus): Tschindr^). — 
Polnisch: 5fiÄ'); die Buchecker: bnkiew. — LiitSLuisch: Buka 
(Miklosich). — Lettisch: Wihksne (Wiedemann), Wohd- 
sennes% — Schwedisch: BoJc. — Moldauisch (in Podolien 
und Bessarabien): Fag (das lat. jPagfws). — Armenisch: Qad- 
tscharadzar, Gadtschari^ Gadshi% — Ossetisch: Tars. — 
Estnisch: Saksa maa saar (d. h. Esche Deutschlands)^). — 
Tatarisch (in der Erim^ und zwar im Gebirge): Bik''); (an 
der Sfidkflste): Oxeja ^); (im Kaukasus): Fistych. — Grusi- 
nisch: Tzip'heü. — Imeret., gurisch: Tzip-hela. — Mingre- 
lisch: Tßip'huri. — Sswanetisch: Zipra. — Ingusch., tsche- 



1) D. Inland, 1869, Sp. 348. 

2) Wir haben gesehen, dasB Tschindr die Platane hedentet; dies Wort 
gilt im Kaukasus nur irrthümlich, indessen ganz allgemein, zur Bezeich* 
nnng der Buche. 

8) Nach Miklosich, sind die slavischen Benennungen der Buche deut- 
Bchen Ursprungs. 

4) Dieser letztere Name findet sich in Alph. De Gandolle's Geographie 
bot. rais., II, p. 689 (nach einem unedirten Wörterbuche von Moritzi). 

5) Dies letztere Wort gleicht auffallend der französischen Patois-Benen- 
nangder Buche im Departement de l'Ariege: Hatsch, (De Gandolle, 1. c). 
Doch ist das letztere Wort wohl verwandt mit franz. HHre, und dieses wie* 
der stammt vom deutschen Heister. 

6) Die von De Gandolle (1. c), gleichfalls nach Moritzi angefahrte 
finnische Benennung Tammi bedeutet, wie wir gesehen haben, nicht die 
Buche, sondern die Eiche. 

7) Vielleicht den Gothen entlehnt, die lange Zeit in der Krim gesessen. 
•» Magyarisch auch: BÜk, Bik, 

8) Aus dem griech. oSua; nach v. Held reich, heisst die Buche auch 
neugriechisch ebenso. 

11 



— 162 — 

tscbmisdi: Pop. — Kabardinisch: Bshei. — Tscherkessisch: 
TawätiU. — Abchasisch; Aschsch'. — Lesgisch (sakat.): Ze- 
wT; (kapatscb.): Z^)eris-chocho; (ioucb.): Pepes(^iadsha. — \ 
Kuuykisch: Öegamon. — Awariscb: Tschinar. — Talysch.: 
Aksch. 

Oattnng 4. Corylos. 

354. (I.) Gorylus Avellana L. 

AlsStammform unserer gemeinen Hasel wird üDbestritteD 
Cori/lusMacQuarriiFoThes angesehen, welche zur MiocSn- 
zeit im arktischen Gebiete weit verbreitet war; sie ist z. B. 
in Grlnell-Land (unter 82° n. Br.), auf Spitzbergen, Ishuid, 
in Grönland, an der Mündung des Mackenzie, in Alaska und 
auf Ssachalin gefunden worden. In einer brieflichen Mit- 
tbeilung, die ich Prof. Kathorst verdanke, spricht er die 
Vermuthung aus, dass diese Art aus dem arktischen Tertiär- 
lande direkt nach Europa eingewandert sei, wo sie sich zd 
G. Avellana umgebildet habe. Diese Annahme wird, wie es 
scheint, durch mehrere Thatsachen bekräftigt. Es ist näm- 
lich wahrscheinlich, dass C Avellana nicht (wie vermuthlich 
manche andere Holzarten, z.B. Viscumalbum, Hedera Helix, 
Taxus baccata u. a.) aus Japan Ober den Himalaya und den 
Kaukasus nach Europa eingewandert sei, denn sie fehlt nicht 
nur gegenwärtig in Japan und Oberhaupt in fast ganz Asien, 
sondern ist auch im Pliocän Japan's durch Nathorst niclit 
nachgewiesen worden. Dagegen fand sich G. AveUana prä- 
glacial in England und in Norddeutschland ^), während sie 
nach Heer*), in der Schweiz, wie es scheint, erst in der 



1) Auch diesen Hioveis verdanke ich Prof. Natborst. 

2) Die Urwelt der Schweiz; 2. Änfl. (1879); p. &H~hi5. 



— 163 — 

interglacialen Schieferkohle auftritt. Es dürfte mithin nicht 
zu gewagt erscheinen, wenn man annehmen wollte, dass un- 
sere Hasel, zu Ende des Miocäns oder zur Pliocänzeit, von 
Grönland aus, Ober Island (noch als 0. Mac Qtiarrii) und 
die jetzigen Shetlands-Inseln ^), welche wahrscheinlich als 
Bruchstücke eines einstigen zusammenhängenden Kontinents 
anzusehen sind, nach Grossbritannien und Norddeutschland 
gewandert sei, und dass sie erst in Folge der eingetretenen 
Eiszeit gezwungen wurde, weiter nach Süden (u. A. nach 
der Schweiz) überzusiedeln. Ist diese Annahme begründet, 
so darf man weiter folgern, dass die Hasel sowohl nach dem 
europäischen Russland, als auch nach dem Kaukasus, vom 
Westen aus eingewandert ist, worauf auch der Umstand 
deutet, dass sie ostwärts kaum bis zum Ural-Gebirge, desgl. 
auch nicht über den Kaukasus hinaus, verbreitet ist^). 

Wie Bode richtig bemerkt, gleicht die Verbreitung der 
Hasel innerhalb Russlands sehr derjenigen der Stieleiche, 
als deren unzertrennlicher Gefährte der Haselstrauch am 
häufigsten in den russischen Wäldern erscheint, und «unter 
deren Schutz und Schatten er vorzugsweise gedeiht ; dafür 
schützt er, seinerseits wieder, als dichtes Unterholz, die 



1) Im Torfe dieser gegenwärtig fast baumlosen Inseln sind Reste von 
Cortßus gefunden worden. Vgl. Engler, Entwicklungsgeschichte der Pflan- 
zenwelt, Th, I, p. 194—196. 

2) So plausibel diese Annahme auch klingt, so müssten doch vielleicht 
Ort und Gang der Umbildung der C, Mac Quarrii in C. avellana ganz an- 
ders gedeutet werden, wenn nämlich die von Ssokolow im Pliocän des 
Altai gefundene Hasel wirklich, wie Schpialhausen meint, zu C.aveäana 
gehört, und nicht etwa ein selbstständiger Abkömmling der C. Mac Quarrii 
Ist, die, vom arktischen Tertiärlande aus, ebenso nach dem Altai, wie nach 
Suropa und nach Ssachalin, wandern konnte. Ich halte diese letztere An- 
BAhme für die wahrscheinlichste, um so mehr, als das einzige von Ssoko- 
low gefundene Blatt auch mit demjenigen von C. Mae Quarrii gut über- 
einstimmt. 

11* 



' • »«■ 



— 164 — 

Wurzeln der hochstämmigen Eichen gegen den nachtbeiligen 
Einfluss der Kahlfröste». Auch Middendorff ^) macht anf 
die Aehnlichkeit aufmerksam, die im Verlaufe der Polar- 
und Ostgrenze der Hasel und der Eiche bemerkt wird, und 
setzt hiniu: «Wir dürfen wohl voraussetzen, dass bei näherer 
Ermittelung die Grftnzen beider um so Tollkommener zu- 
sammenfallen werden, je mehr ihre unzertrennliche Verge- 
selhchaftung in der That YoUkommen gleiche Ansprache an 
die BodeuTerhiltnisse bekundet». Doch wird es sicherlich 
nicht auf diese letzteren allein ankommen; rielmehr dürfte 
jene Uebereinstimmuiikg gewiss auch auf ähnliche Anspräche 
beider Holzarten an das Klima zurBckzulfthren sein. 

Nach Sehübeler 0* c, p. 20SV areidit die Hasel in 
SohwcHleji ihrx"^ Polar^renze in An^ennuilaiid, miter 63^22' 
n. l^.: uu^lähr bis dahin hat auch Hr. t. Berg*) die 
Gnt^ure difT H*j*?l auf seiner Karte gezocen: wenn er aber 
die^ livie in FivJ;iKd d. k, an der Osiktste des Bottnisdien 
l^u5*e^Ä5L uucer vtorselbert Brv'ite erva 62^ 4ö^ aKctzen lisst, 
Ä^ iirtV P^e5 Rici: 3::itr^ rlci::^ s«a: deiroL nadi allen nir 

uich5 >o w^i: !;^5^>^.:cb: si«e sci^fb: n^flaneir. ia ihrer Ter- 

>rvi:u--t^. jfcjif iea >diV;«;isc.'a: Pi^il F:il*ia»fe besckriakt za 
$<^?*i; !»4Ci Wirze:!. ??a5 <;e aicis u^erEüTisto ud Biik- 



i) tVitj >rjf>»*^auu^ it>r > i.u-3^iuiM and 5 




— 165 — 

Päijftne*Sees)^); nach A spei in und Thur^n, kommt sie 
auch, wenn auch selten, in der Umgegend von Tavastehus 
vor; im Kirchspiele Gustav Adolf s (im östlichen Tavastland, 
unter 6IV2 n.Br.) fehlt sie bereits. Wenn v. Berg die Po- 
largrenze der Hasel im Osten Finlands wieder nordwärts 
ansteigen lässt und bei Sardovala vorbei und weiter nach 
Nordosten führt, so ist er offenbar wieder im Irrthume: 
Middendorff bemerkt ausdrücklich , dass die Hasel bei 
Sardovala (Sserdobol'), am nordwestlichen Ufer des Ladoga- 
sees, nicht mehr vorkommt. Auch feht sie, nach Norrlin 
und Günther, im angrenzenden Gouvernement Olonez. 
Man darf wohl, ohne sehr irre zu gehen, die Polargrenze 
der Hasel von den Älands-Inseln, über Abo (wo sie z. B. auf 
der Insel Runsala wächst), auf Wiborg^) und Schlüsselbarg 
ziehen. Meinshausen bemerkt, dass sie im Norden des St. 
Petersburger Gouvernements sehr selten ist; ich fand sie z. 
B. auf den Hügeln bei Jukki (östlich von Lewaschowo) und, 
so viel ich mich erinnere, auch bei Toxowo. Der frühere 
Name Schlüsselburgs — Nöteborg (d. h. Nussburg, russ. 
Orjeschek) weist auf das Vorhandensein von Haselsträuchern 
hin. Weiterhin geht die Nordgrenze der Hasel längs dem 
Sfldufer des Ladoga-Sees, ohne jedoch die Stadt Neu-La- 
doga zu erreichen: nach A. G. Schrenck'), verschwindet 
der Nussstrauch bei Tschornaja (der letzten Poststation vor 



1) Hier geht die Hasel ausnahmsweise etwas nördlicher als die Eiche, 
welche von Xorrlin für das südöstliche Tavastland nicht angeführt wird. 

2) Ob diese Grenzlinie, gleich jener der Eiche, von Borgä auf die Süd- 
seite des Finnischen Busens springt, um bei Wiborg wieder auf dessen Nord- 
seile 2urückznkehren, darüber fehlen mir genauere Nachrichten. Midden- 
dorff rennuthet, dass die Polargrenze der Hasel aus dem südwestlichen 
Finland über Estland nach St. Petersburg verläuft. 

8) Reise nach dem Nordosten des europäischen Russlands; I, p. 4; U^ 
p. 441—442. 



— 166 — 

der genannten Stadt), etwa unter 60° n.Br.^) und 50® ö. L. 
(von Ferro). «Der vorherrschende Nadel waldboden, vereint 
mit den Einflüssen des nordischen Kontinentalklimas, das 
nun intensiver sich zu äussern beginnt, setzen seinem Vor- 
kommen ein Ziel». Von dort streicht die Polargrenze der 
Hasel durch die Kreise Tichwin, Bjelosersk (Antonow) und 
Tscherepowez (Bode) desGouv. Nowgorod, ferner durch den 
Kreis Grjasowez des Gouv. Wologda, den nördlichen Theil 
des Gouv. Kostroma und die Mitte des Gouv. Wjatka, auf 
Ossa (im Gouv. Perm) zu, wo sie ihre nordöstliche Grenze 
erreicht. Hier bricht die Polargrenze ab und wendet sich 
nach Säden, indem sie zur Ostgrenze wird. 

Antonow bemerkt, dass die Hasel in den Kreisen Tich- 
win und Bjelosersk häufig in Schluchten und Thälern vor- 
kojnme. Nach Iwanizkij, findet sie sich im Gouv. Wologda 
nur im Kreise Grjasowez auf der Anhöhe Schuiskaja-gorä. 
C. A. Meyer führt für das Gouv. Wjatka — Malmysh und 
Ssarapul als Fundorte der Hasel an; Krylow fügt noch ei- 
nige Fundorte hinzu, die indessen alle in der südlichen Hälfte 
dieses Gouvernements liegen, so dass Bode's Angabe vom 
Vorkommen dieses Strauches im Kreise Wjatka wahrschein- 
lich unrichtig ist. Georgi (Reise, p. 667) gab an, dass vor 
hundert Jahren, in der Nähe des Jugowskij-Hüttenwerkes, 
«einige wenige und nur kleine Stauden an der linken des 
Byrma, am Scherbasch, 2 Werst über seiner Mündung» 
standen, und fügte hinzu, «dass diese paar Büsche jedem als 



1) Bode sagt irrthümlich: 60° 50'n.Br. üeberhaupt ist diebetreffende 
Angabe B o d e's confus : es «erreicht die Hasel ihre nordwestliche Gränze 
im Gonv. St.-Petersburg, 60° 50' n. Br. bei Tschornaja, von wo sie aus dem 
Lnga'schen Kreis (?) in's Gouv. Nowgorod tritt». Auch im weiteren Verfolge 
ist der Verlauf der Haselgreuze unrichtig gegeben, und namentlich zu weit 
nach Süden geschoben. 



— 167 — 

etwas Merkwürdiges bekannt» seien. Diese Angabe ist zu 
genau, als dass man an ihrer Richtigkeit zweifeln sollte; 
andererseits lautet auch Krylow's Angabe sehr bestimmt, 
dass die Hasel nicht nördlicher, als Ossa vorkomme, — wo- 
ber man also schliessen dürfte, dass die wenigen Sträucher 
beim Jugowskij -Hüttenwerke, die daselbst als vorgeschobener 
Posten standen, vernichtet sind und gegenwärtig nicht mehr 
existiren. Krylow bemerkt, dass Ossa zugleich auch der 
östlichste Punkt des Vorkommens der Hasel sei; er fügt aber 
hinzu, dass mündlichen Aussagen zufolge, dieselbe in süd- 
östlicher Richtung bei Rjabinowa-Kur'ja (15 Werst von 
Erassnoufimsk entfernt) sich finde; damit würde auch die 
Angabe Georgias stimmen, dass die Hasel «um den Ur- 
sprung des Iren's und denn je weiter in's Ufaische oder 
südlicher, desto häufiger» vorkomme. Georgi sagt bereits: 
«Ihre Grenze ist also mit den Eichen fast gleich, wenigstens 
keinen Grad südlicher und nicht einmal so östlich». Auch 
Pallas^) bemerkte schon: «Eichen und Haselstaude über- 
steigen das Ural-Gebirge nicht, sondern finden am Fusse 
desselben ihre natürliche Grenze». Er traf die Hasel an der 
üfd bei Schokur-Aul und Ssorokinskaja-Pristan' an. Mid- 
dendorff meint, dass die Hasel sogar die Eiche bei ihrem 
Üebergriffe auf die Ostseite des südlichen Uralgebirges zu 
geleiten scheint ; allein Rechenberg, der, wie wir gesehen, 
die Eiche zwischen den Flüssen Ik und Ssakmara beobachtet 
hat, erwähnt die Hasel nicht aus jener Gegend; auch Les- 
sing und Meinshausen führen sie nicht aus dem süd- 
lichen Uralgebirge an, — wodurch Middendorffs Ver- 
muthung unwahrscheinlich wird. Schell gibt für das Gouv. 
Uf4 das Petrowskij- Hütten werk als Fundort derselben an. — 



1) Reise, Th. 2, p. 14; vgl. auch Th. 3, p. 470. 



— 168 — 

Ebenso wie die Stieleiche, fehlt auch die Hasel in ganz Si- 
birien, und erst am Argun' tritt, mit der dortigen Eiche 
(Qaercus mongolica\ auch eine Hasel, Corylus heteropkyUa 
Fisch., wieder auf. 

Die von mir gezogene Polargrenze der Hasel stimmt in 
der That auffallend mit derjenigen der Stieleiche äberein ; 
daher lässt sich auf dieselbe auch Alles anwenden, was ich 
über die klimatischen Verhältnisse gesagt habe, welche die 
Polargrenze der Eiche wahrscheinlich bedingen. 

Südwärts geht die Hasel fast bis zum Rande der baum- 
losen Steppe. Sie wächst noch in Bessarabien (Tardent und 
Linde mann), in den Gouvernements Chersson (Linde- 
mann), Jekaterinosslaw (Akinfijew und Beketow), im 
Lande der Don'schen Kosaken (Ledebour) und im Gouv. 
Ssaratow (Claus). Genau lässt sich aber die südliche Grenz- 
linie nicht ziehen, da die Angaben über die Verbreitung der 
Hasel in den südlicheren Gouvernements nur sehr dürftig 
sind. Tardent und Döngingk nennen für Bessarabien die 
Umgebung von Eischinew; in den Weinbergen von Akker- 
man (Tardent) wird die Hasel wohl nur angepflanzt vor- 
kommen; bei Belgrad fehlt sie (nach Akinfijew). Linde- 
mann sagt in Betreff des Gouv. Chersson nur, dass die- 
selbe in den Wäldern wachse, und gibt, ausser Elisabethgrad, 
keine genaueren Fundorte an. Nach Güldenstädt^), findet 
sie sich z. B. im Walde Tschuta, bei Nowomirgorod und 
unweit der Mündung des Tschernyi-Taschlyk in die Ssi- 
njucha; auch wächst sie im sogen. Schwarzen Walde (HepuBiH 
ji-feci). Akinfijew führt die Hasel für die Umgebung Jeka- 
terinosslaw's an; nach Beketow, findet sie sich an der Bi- 
rjutsch'ja im Kreise Mariupol; bei Alexandrowsk amDnjepr, 



1) Heisen durch Rassland; Tfa. 2, pp. 138, 155, 166. 



— 169 — 

80 wie an der Eonka, fehlt sie (nach Grüner), desgl. auch 
im nördlichen Theile des Taurischen Gouvernements (nach 
Ssrediuskij). GOldeustftdt (1. c, pp. 225, 262) fand sie 
in der Gegend von Bachmut, ferner am oberen Laufe des 
Miuss und an der Erynka; indessen nennt sie Bashanow^) 
nicht für den unweit des Miuss belegenen Wald «Leont'jew-, 
Bojerak». — An der Wolga reicht die Hasel lange nicht so 
weit nach Süden, wie die Eiche: während die Verbreitung 
der letzteren, wie wir gesehen, im Flussthale sich zungen- 
förmig bis in's Gouv. Astrachan erstreckt, bleibt die Hasel 
weit oberhalb Sarepta's zurück: nach Claus, soll sie süd- 
wärts nur bis Ssaratow gehen. Um so auffälliger ist die 
Angabe Ledebour's: «in regionibus deserto caspio adjacen- 
tibus ubique frequens», wobei er sich irrthümlicher Weise 
auf Claus beruft, der jedoch ausdrücklich von der Hasel 
bemerkt: «Sareptae non obvia». Wie die Südgrenze der- 
selben, von Ssaratow aus, weiter nach Osten verläuft, vermag 
ich, wegen mangelnder Nachrichten, nicht genau anzugeben. 
Falk^) sagt zwar, dass die Hasel am Uralflusse vorkomme, 
ohne nähere Bezeichnung des Fundortes; allein gegenwärtig 
fehlt sie daselbst sicherlich: L es sing und Borszczow er- 
wähnen ihrer gar nicht, desgl. hat auch Earelin sie nicht 
in das Yerzeichniss der Sträucher aufgenommen, welche im 
Lande der Ural'schen Eosaken wachsen. Ueber die Ver- 
breitung der Hasel in jenen Gegenden wäre es wttnschens- 
werth genauere Nachrichten zu erhalten; desgl. auch über 
die Ostgrenze dieser Holzart, die, wie bemerkt, nicht ganz 
mit derjenigen der Eiche zusammenfallt, sondern wahr- 
scheinlich nur wenig westlich von derselben verläuft. 



1) H. BaH^aHOB-B. aJIeoHTbCB'b-EoepaK'bi); bi> jI-I^ch. HlypH., 1871 r., 
Bfain. 3, CTp. 16—27. 

2) Beitr. z. topogr. Eenntniss d. Kuss. Reichs, Bd. II, p. 256. 



— 170 — 

Innerhalb der von mir gezogenen Grenzen kommt die 
Hasel ziemlich überall vor und ist in vielen Gegenden sehr 
häufig. So bildet sie bereits im südlichen Theile des Gouv. 
St. Petersburg stellenweise dichte Bestände; ebenso auch im 
Gouv. Moskau und überhaupt im mittleren Russland. Schon 
Georgi (Reise, p. 798) bemerkte, dass der Haselstrauch an 
der mittleren Wolga, namentlich zwischen Kasan und Ssim- 
birsk, nicht nur in den Wäldern das allgemeinste Unterholz 
bilde, sondern auch alle unbewaldete Hügel und Gründe, 
besonders am rechten Wolga-Ufer, bedecke. «Er ist kein 
gleichgültiger Beitrag des Unterhalts der Dörfer dieser 
Strecke, da sich ausser dem Kasanschen Gouvernement das 
Astrachanische, Orenburgsche, Nishneische und Sibirien mit 
Haselnüssen {Orechi)^ einem überaus gangbaren Naschwerk, 
von hieraus versorgen^)». Nach Veesenmeyer, ist die 
Hasel auch gegenwärtig in den Gouvernements Ssimbirsk 
und Ssamara gemein; ausgehauene Waldstrecken nimmt sie 
in kurzer Zeit in Besitz und behindert den Nachwuchs. So 
bemerkt auch Czerniaew, dass die Hasel im Gouv. Char- 
kow im Niederwalde als herrschende Holzart auftritt und 
sogar hochwachsende Baumarten (mit Ausnahme der Espe) 
erstickt. 

Ich finde nirgends^) angegeben, ob im europäischen Russ- 
land die beiden Varietäten der Hasel, mit runden und läng- 



1) Nicht uninteressant wäre es, den damaligen Preis der NQsse mit dem 
jetzigen zu vergleichen. Georgi sagt, dass, vor etwa 100 Jahren, ein Bad- 
man (ein Gewicht von 4 Pud) NOsse in der ersten Hand des Landmanns (an 
der mittleren Wolga) im Herbste 1 Enbel Bco, oder einige Kopeken mehr 
oder weniger, und schon in den nächsten Städten 1^2 bis 2 Rubel galt. 

2) So sagen z. B. Ledebour, Regel (in seiner Russischen Dendrolo- 
gie), Willkomm (in Betreff der Ostseeprovinzen), Trautvetter (in seinen 
Incrementa florae rossicae) und sämmtliche mir zugängliche Local-Floristen 
nichts aber diesen Punkt. Nur bei Steven heisst es in Betreff der Krim: 
«fructus magnitudine et forma valde varians». 



— 171 — 

liehen Nflssen, vorkommen, oder ob nur die erstere bei uns 
verbreitet ist. Da diese beiden Formen ausserordentlich alt 
sind, indem sie, nach Heer^), bereits in der interglacialen 
Zeit genau in denselben Unterschieden, wie gegenwärtig, 
vorkamen, so bieten sie ein nicht geringes Interesse. Um 
die Beobachter in Russland auf diesen Punkt aufmerksam 
zu machen, will ich hier einen Auszug ans SchQbeler's 
«Pflanzenwelt Norwegens» (p. 209) mittheilen: «Von der 
Hasel kommen in Norwegen zwei, in BetreflF der Früchte, 
verschiedene Varietäten vor: bei der einen, welche die ge- 
wöhnlichste und wohl auch am weitesten nach Norden gehende 
Form ist, sind die Nüsse mehr oder weniger kugelförmig, 
mit einer an der Spitze o£Eenen FruchthflUe; die Nüsse sind 
durchschnittlich 17 mm. lang, 15 mm. breit und 14 mm. 
dick^; bei der anderen ist die Nuss walzenförmig und die 
FruchthfiUe ragt etwas Ober die Spitze hinaus; diese Nüsse 
sind im Durchschnitte 22 mm. lang^), 13 mm. breit und 
12 mm. dick. Einen anderen Unterschied zwischen beiden 
Varietäten habe ich nicht auffinden können. Ich habe beide 
Formen aus Nüssen, die ich selbst gesäet, in drei auf ein- 
ander folgenden Generationen cultivirt. Beide erhalten sich, 
auf diese Weise vermehrt, unverändert». Dass die Form 
mit langen Nüssen nicht etwa aus kultivirten Exemplaren 
hervorgegangen, beweist die Thatsache, dass in einem hoch- 
gelegenen Torfmoore, in einer Tiefe von 4 Fuss, sowohl 
runde als lange Nüsse aufgefunden wurden. 

Der Haselstrauch wächst auch in den Gebirgen der Krim 
und des Kaukasus. Nach Steven, ist er häufig in den 
Krim *schen Wäldern, «so dassdieJ^üsse allein den Besitzern 



1) Die Urwelt der Schweiz; Aufl. 2, p. 624-525. 

2) Nach Heer, 15 mm. lang und 18 mm. breit. 
8} Nach Heer, 24 mm. lang. 



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— 172 — 

bedeutende Einnahme, manchem bis 2000 Rab. S. geben; 
das Holz wird sehr zu Tonnenreifen gebraucht. In gutem 
Boden wächst er zu 30' hohen Bäumen auf, mit starken Stäm- 
men». Im Kaukasus ist die Hasel weit verbreitet und kommt 
fast fiberall vor, bis zur Höhe von 5500' flb.d.M.; z.B. am 
Terck, in Imeretien, Eachetien, im Gouv.. Elisabethpol, in 
Karabagh und in Talysch; hier findet sie sich, nach C. A. 
Meyor, soUen vor; Radde fand sie bei Lenkoran. — Von 
hier sclieint die Hasel nur kaum nach Persien hinnberza* 
treten; Buhse erwähnt sie von Rescht; doch istesfra^ch, 
ob sie daselbst nicht etwa nuraogepflanzt vorkommt, — um 
so mehr> als Boissier, in seiner Flora orientalis (lY, p. 
1 176V diesen Fundort nicht berflcksichtigt hat. Ich habe 
$cbon oben bemerkt^ dass die Hasel weiteriün nadi Osten 
fehlt 

Pie Ha$<^luä$$e. im heilen Ofen stark getrodaei (^a- 
\jiKn\TJe ^>rjechiK Ruesue opixi V bUdeii. nafiitlich im mitt- 
lere^) Kasslaud * \ ein sehr beliebtes und aOgesanes Xasch- 
>rexk de$ Vv\k^ iix>d wvf>Jeii in esKrmeii Mengen zu Markt 
^^^brÄoht^v. IXäs aas ihr.» cfrr>este Od findet ■aimig- 
U.:Sr Verfcej^;-:::ur, :^ K sxr Yk^tii^zis: vca Oelöurboi. Die 
K;r$§Äri^fc Hji^Ir::;inrr Z:<c>fc rz G^Sf^iicOL Fassröfen etc. 
r^ie Ji;;$ *l;Ä Kj^V:»;!:^ c^ in:a::^ea>e ia:!» Kcoije wird «nr 



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« ^ 






— 173 — 

rassisch: lAstschina; Orischina. — Polnisch: Leszczyna. — 
Littauisch : Lazdynas^ Irnzdinas. — Lettisch: Lagsda, Lasda. 

— Norwegisch: Hasl, — Schwedisch: Hassel, — Moldauisch: 
Alunj Nussi (nach Annenkow). — Armenisch: Kagni-ad- 
jnoi; Tchlidzar^ Tchü. — Ossetisch: Achsser, Achssar. — 
Finnisch: Pakkinä^ Pähkämä. — Estnisch: Sarapu^ Pähkla 
put. — Mokscha-mord winisch : Päschtä] Ersa-mordwinisch : 
Peschks; die Haselnuss : Pestsche. — Tscheremissisch : Push- 
mtdi-pu (Annenkow). — Wotjakisch: Nagussem (Pallas). 

— Tatarisch (in Kasan): Tschetta-ug^ (in der Krim): Fun- 
duk'^)\ (im Kaukasus): Fundüch^ Fundych^ Fidlagadshi. — 
Kirgisisch: Tschatta-uk. — Baschkirisch: Tschelda-vk. — 
Tschuwaschisch: Sanga\ Schüschkä (Annenkow). — Kal- 
mflkisch: Schüligin-modun. — Grusin., imeretin., gurisch: 
TkgiS'thchü% Oaretdi-thchüij Thchili. — Mingrelisch: Tkgari- 
ihckUi. — Sswanetisch : Schtuchund. — Inguschisch: Barink. 

— Tschetschenisch: Balink. — Kabardin., tscherkessisch : 
Bei. — Kumykisch, h^KrvscYi'.TscherÜe-'uk. — Lesgisch (did., 
kaputsch.y inuch.): CheÜargo\ (sakat.): AracM. — Ssamurs.: 
Arak. — Abchasisch: Arrassä^). 

355. (2.) CorylwOolurnalj. (C^pon^tca C.Koch, CJacgue- 

montii Decaisne). 

Im Gegensatze zur strauchförmigen gemeinen Hasel, 
erwächst C. Golurna zu einem schönen, bis 80 Fuss hohen 
Baume, der bei uns nur in Transkaukasien, und hauptsäch- 



1) Diese im Arabischen sehr ähnlich lautende Benennung ist vielleicht 
deniselben entlehnt; sie stammt offenbar von dem bei den Griechen und 
Bömem gebräuchlichen Namen tcovtcxov xapuov = nuz pontiea. 

2) Die drei letzten Benennungen weisen auf das persische ara^^sNuss; 
Yon dem letzteren Kamen werden auch slav. orjech, orah (poln. oreech)^ litt. 
ressuias^ lett, rlMs abgeleitet 



-jr »I *" 



— 174 — 

lieh auf dem Kleinen Kaukasus vorkommt; er findet sich z. 
B. am Fl. Chram, an der oberen Kur4 (bei Borshom), un- 
weit Gori, desgl. im Kreise Nucha; G. Koch sagt, dass er 
im südlichen Daghestan zur Bildung der dortigen Wälder 
beiträgt; endlich wächst er, nach Radde, auch in Talysch, 
namentlich am oberen Laufe des Wiljasch-tschai. G. Oolurna 
kommt gewöhnlich mit Buchen^ Hainbuchen und Ahorn unter- 
mischt vor, und zwar vorzugsweise in der mittleren Gebirgs- 
region, zwischen 3500 und 5500' Ob. d. M. Sie liebt schat- 
tige Plätze und einen frischen, humusreichen Boden. Der 
Stamm ist gerade, mit weisslicher, sich abblätternder Rinde 
und mit pyramidaler Krone. Sie blQht im März und April 
und reift ihre Früchte im August und September. Die 
Nüsse, mit sehr dicker und fester Schale, sollen, nach Koch, 
sehr wohlschmeckend und auf den Basaren sehr gesucht 
sein. Der Baum wird über 200 Jahre alt; der grösste 
Holzzuwachs soll, nach Owerin und Ssitowskij % im Alter 
von 20 — 40 Jahren Statt finden. Das Holz weist sehr dünne 
Jahresringe auf, ist sehr dicht, dauerhaft und hübsch von 
Ansehen, mit einem leichten rosafarbenen Anfluge. Es wird 
hauptsächlich zur Verfertigung von Möbeln, desgl. zu kleinen 
Drechslerarbeiten verwendet ; auch dient es als Baumaterial 
und wird zu Brettern zersägt. — Im Kaukasus soll G. Go- 
lurna, nach Medwedew, nur selten kultivirt werden. In 
der Krim findet man sie vielfach in Gärten, unter dem Na- 
men Trebison-funduk (d. i. die Nuss von Trapezunt) *), ange- 
pflanzt; die schönsten Pflanzungen derselben finden sich an 
der Katscha. In Bessarabien hält sie, nach Döngingk, die 
Winter gut aus. 



1) 8anHCKH KaBK. 06ia. cejbCK. X03., 1858 r., CM'icb, crp. 66 — 67. 

2) Vielleicht gehört hierher aach die Varietät Kertisün^fuiMk (d. h. die 
Nass von Cerasus), die gleichfalls in der ISxim kaltiTirt wird. 



— 175 — 

(7. Colurna ist vom südlichen Banat, durch Macedonien, 
Tbracien und Kleinasien, bis zum Kaukasus verbreitet; wahr- 
scheinlich findet sie sich auch im nördlichen Persien; aber 
in Afghanistan wird sie vermisst, während sie im nordwest- 
lichen Himalaya, in der Höhe von 5500—10,000' üb. d. 
M., wieder auftritt. 

Namen, — Die Russen im Kaukasus nennen diese Hasel 
Medtqj6shij Orjich, i. e. Bärennuss (aus dem Tatarischen 
übersetzt). — Tatarisch : Ai-ftmdük. — Grusinisch : Ddtuns- 
tchili. 

Anmerkung. — Eine dritte Goryltcs- Art, die Lambertsnuss, 
C. iübulosa Willd., reicht in ihrer Verbreitung fast an die 
Grenzen des Kaukasus, denn sie kommt, nach Boissier, 
U.A. im Lazischen Pontus vor^). Sie wird gleichfalls in der 
Krim, unter dem^amen BadAm-fundük (d. h. Mandelnuss), 
kultivirt; die schönsten Pflanzungen derselben finden sich, 
nach Steven, bei Jalta. Auch hält sie in Bessarabien die 
Winter gut aus. 

Gattung 5. Carpinus, 

Eine unserer gewöhnlichen Hainbuche nahe stehende 
Form, Car^nus grandis Ung., war zur Miocänzeit ausser- 
ordentlich weit verbreitet: sie wuchs z. B. in Grönland, 
Alaska, auf Ssachalin, in Japan ^) und in Europa, beispiels- 
weise in der Schweiz und in Deutschland (am Niederrhein, 
an der Ostsee etc.). Eine andere Art Carpinus hetuloides 
Ung., fand sich zur Pliocänzeit am Altai. Die Umbildung 
der G. grandis in C. Betulus scheint auf europäischem Boden 
vor sich gegangen zu sein. 



I 1) Im Gebiete von Batum hat Fürst Massalski sie nicht gefunden. 

2) Vgl. H. Th. Qeyler, in d. Abhandl. d. Senckenb. Ges., Bd. 12, 1881, 
p. 214 — 215; mit Fig. — Nathorst verzeichnet fQr Japan 3 Carpinus-Ar- 



— 176 — 

356. (1.) Garpinus Betulus L. 

Die Hainbuche bietet, durch den Vergleich ihrer ehe- 
maligen mit ihrer gegenwärtigen Verbreitung im europäi- 
schen Rttssland, ein ausserordentlich interessantes Beispiel, 
wie eine Baumart, einfach durch schonungsloses Weghauen, 
aus Gebieten verdrängt werden kann, die sie einst einge- 
nommen bat. Es liegen nämlich, wie es scheint, unanfecht- 
bare^) Zeugnisse dafflr vor, dass die Hainbuche ejnst ostwärts 
bis zum Uralflusse verbreitet war, während sie gegenwärtig 
kaum bis zum Charkow^'schen Gouvernement reicht. Les- 
sing (Linnaea, IX, p. 168) fand sie, in den 30-er Jahren, 
auf den südlichen Vorbergen des Uralgebirges, — von wo 
sie seitdem verschwunden ist, denn alle neueren Autoren 
(Eversmann, Meinshausen und Schell) kennen sie von 
daher nicht. J. von den Brincken^) sagt, dass CarpiniMj 
mit Populus, SaliXj Betula^ Quercus^ ülmus^ Jlnus, Tüia 
und Pyrus, am Uralflusse wuchs, besonders oberhalb der 
Stadt Uralsk, so wie auf den kleinen Inseln, welche dieser 
Fluss bildet, und dass alle diese Baumarten abwärts etwa bis 
zur Schanze Ssacharnaja gingen. Pallas^) sagt auch, dass 
die Hainbuche, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun- 
' derts, am unteren üralflusse, so wie an der unteren Wolga, 



ten, UDter denen C grandia fehlt; doch hat er es nicht mit mioc&nen, son* 
dem mit plioc&nen (oder vielleicht sogar quatemftren) Pflanzen zu thnn. 

1) Gzerniaöw meint zwar, dass die älteren Angaben über das Vor- 
kommen des C. Betulus im östlichen Kussland aaf Verwechselung mit der 
Ulme beruhen; indessen dQrfte diese Ansicht in Betreff mehrerer Angaben 
nicht zutreffend sein. 

2) Ansichten über die Bewaldung der Steppen. (1688); p. 66. 

3) Flora rossica (Folio-Ausgabe), P. 2, p. 6. Von Georg! (Beschreibung 
des Russischen Reichs, Th. III, p. 1305) wiederholt. Auch Falk (Beitr. z. 
topogr. Kenntn. d. Russ. Reichs, II, p. 256) bemerkt von der Hainbuche: 
«sehr sparsam am untern üralfluss». 



— 177 — 

wenn auch sparsam, vorkam. Claus ^) fahrt sie gleichfalls 
für die Kaspische Steppe an. Karelin^) bezeugt, dass diese 
Holzart, noch in den 20-er Jahren des laufenden Jahrhun- 
derts, an den westlichen Abhängen des Obstschij Ssyrt wuchs, 
dass sie aber später von den Kirgisen vernichtet wurde. Nach 
Georgi, soll sie, zu Ende des vorigen Jahrhunderts, noch 
im Gouv. Woronesh existirt haben. Endlich gibt Czer- 
niaSw^) an, dass die Hainbuche, noch in den 50-er Jahren, 
in den westlichen Kreisen (Achtyrka und Bogoduchow) des 
Gouv. Charkow vorkam. Nach neueren mündlichen Mit- 
theilungen, die mir die Herren Reinhardt undPawlowicz, 
in den Jahren 1880 und 1883, machten, soll sie gegenwär- 
tig im Gouv. Charkow nicht mehr vorhanden sein. — Auf 
diese Weise lässt sich die einstige Verbreitung der Hain- 
buche, von ihrem gegenwärtig eingenommenen Gebiete (im 
Gouv. Poltawa), durch die Gouvernements Charkow, Woro- 
nesh, Ssaratow und Orenburg, bis zu den südlichen Vor- 
bergen des Uralgebirges, verfolgen. Man darf annehmen, 
dass diese Holzart an der Wolga und im Gouv. Woronesh 
zuerst ausgerottet wurde, während sie auf dem Obstschij 
Ssyrt und im Süden des üralgebirges noch länger fortexi- 
stirte, bis sie auch dort der vernichtenden Thätigkeit des 
Menschen weichen musste. 

In Schweden ist die Hainbuche, nach Schübeier, bis 
zum 56%^ n. Br., und auf der Insel öland bis zu 57° 11' 
verbreitet; aufder Insel Gottland kommt sie, nach Anders- 
so n*), nicht vor. Ihre gegenwärtige Nordostgrenze hat, 



1) «Localfloren der Wolgagegenden», 1. c, p. 68. 

2) TpyAbi C.-neTep6. 06m. ecTecTBOucnbiTar., t. VI (1875); cxp, 206. 

3) 6. M. HepHHes'b. j']^caxi> yKpafisbi; CTp. 14^ 21—- 22. 

4) In: Annales d. sc. natar., Botanique, 1867, t. 7, p. 247. — Die An- 
gabe V^illkomm's (Forsü. Flora, p. 302; Aufl. 2, p. 362), dass die Hain- 
buche sich im 3üden Gottlands finde, ist mithin irrthümlich. 

12 



— 178 — 

innerhalb des europäischen Russlands, annähernd folgenden 
Verlauf: Von Rutzau (in der sOdwestlichsten Ecke Kurlands/ 
etwa unter 56° 10' n./Br.) geht sie, in ostsüdöstlicher Rieh- 
tung auf Wilna^), Minsk, den Kreis Bychow (im Gouv. Mo- 
hilew) und den Kreis Starodub (im Gouv. Tschernigow); von 
hier senkt sich die Grenslinie, in südsüdöstlicher Richtung, 
zur Grenze der Gouvernements Poltawa und Charkow, um 
unweit Poltawa umzubiegen und, in westlicher Richtung, 
als Südgrenze, durch den Norden des Gouv. Chersson, nach 
Bessarabien' zu verlaufen (vgl. Karte Jte II). — Zum Belege 
mögen folgende genauere Angaben dienen. 

Bode fand im Jahre 1839 bei Rutzau (im Grobin'schen 
Kreise) einen ganzen Bestand 80 — 1 20-jähriger Hainbuchen, 
die mit Fichten und Linden gemischt wuchsen. Derselbe 
Autor gibt, wie schon bemerkt, die Kreise Troki und Lida 
(im Gouv. Wilna) als Fundorte dieser Baumart an, die, nach 
Eichwald, bei Wilna nur sehr selten vorkommt. Zwischen 
Rutzau und Wilna geht die besagte Nordgrenze jedenfalls 
durch den südlichen Tbeil des Gouv. Kowno; doch finde ich 
die Hainbuche für dieses Gouvernement (z. B. von Potu* 
janski und Afanass'jew) nicht erwähnt. Paszkewicz 
sagt, dass sie im Gouv. Minsk z. B. in den Kreisen Sluzk, 
Pinsk und Rjetschiza wächst. Im Gouv. Mohilew findet sie 
sich, nach Bode, im Kreise Bychow, nach Downar, bei Ro- 
gatschew, wo hohe Bäume dieser Holzart angetroffen werden. 
Trautvetter gibt (nach mündlicher Mittheilung von Rogo- 
wicz) den Kreis Starodub (im Gouv. Tschernigow) als Fund- 
ort derselben an; Bode nennt für das letztere Gouvernement 



1) Und nicht Witebsk, wie es, in Folge eines lapsus calami, bei Bode 
heisst; die von ihm (mit verstammelten Namen) bezeichneten Kreise Troki 
und Lida liegen im Gouv. Wilna. Danach ist auch die von Bode auf der 
Karte gegebene Grenze der Hainbuche zu corrigiren. 



— 179 — 

z. B. die Kreise Oster, Gorodnja und Ssossniza, wo die 
Hainbuche wächst; nach Schmalhausen, soll sie nur auf 
den westlichen Theil des Gouv. Tschernigow beschränkt sein 
und namentlich an der Dessna vorkommen; Tichomirow 
führt sie nicht fSr den (südöstlichsten) Kreis Konotop an, 
so dass ihre Grenze vermuthlich westlich von demselben ver- 
läuft; auch fehlt sie im benachbarten Kreise Putiwr des 
GoQV. Kursk, wie überhaupt in diesem letzteren Gouverne- 
ment. Im Gouv. Poltawa ist die Hainbuche recht verbrei- 
tet; Bode nennt als Fundorte die Kreise Priluki^X Loch- 
wiza, Lubny, Cborol\ Solotonoscha, Poltawa und Sen'how. 
Nach mündlichen Angaben des Herrn Fastowicz, finden 
sich die grössten Hainbuchen-Bestände in den Kreisen Lubny, 
Poltawa (z. B. bei den Ortschaften Ol'schan, Matschicha, 
Alt-Ssenshary, Dikanka und dem Kloster Budistschenskij) 
und Lochwiza (bei Gorodistsche, am linken Ufer des Udai), 
so wie bei Krjukow (am rechten Ufer des Dnjepr). Ich habe 
bereits oben bemerkt, dass G. BettUus gegenwärtig im Gouv. 
Charkow nicht mehr vorkommt. Im Gouv. Jekaterinosslaw 
scheint sie vollständig zu fehlen; wenigstens wird sie weder 
von Beketow noch von GrunerundAkinfije wangegeben. 
Nach Lindem an n^ findet sie sich im Gouv. Chersson, z.B. 
bei Elisabethgrad, und zwar sowohl in der genuinen Form, 
als in der Varietät intermedia Wierzb. {edentula Heufif.). Für 
Bessarabien wird die Hainbuche von Tardent wohl nur zu- 
fällig nicht angeführt; dass sie dort vorkommt, wird durch 
Lindemann, Döngingk und Schmalhausen bezeugt^). 
Sehr häufig wächst sie in Podolien und im Gouv. Kijew; nach 



1) Wie sehr yiele Ortsnamen bei Bode, bisweilen bis zar ünkeuntiich- 
keit, TerstQmmelt sind, so heisst bei ihm anch dieser Ort fälschlich Priktd. 

2) Im südlichsten Theile Bessarabiens, z. B. bei Belgrad, fehlt sie (nach 
Akinfijew). 

12* 



— 180 — 

Holtz, ist sie im Kreise Uman* der gemeinste Waldbaum; 
sie wurde schon von Güldenstädt bei Kijew selbst beob- 
achtet und findet sich, nach Belke, auch im Kreise Rado- 
mysl; grössere Bestände stehen, nach Rogowicz, namentlich 
bei Korssun' an der Ross'; auch bei Ssmjela fand ich sie in 
den Wäldern als vorherrschenden Baum. In Wolynien bil- 
det sie, nach Eichwald, ganze Waldungen; z. B. bei Kre- 
menez, Ustilug und Sapadniza (im Kreise Starokonstantinow). 
Auch im Gouv« Grodno kommt die Hainbuche recht häufig 
vor; so beispielsweise bei Bjelostok und im berahmten Walde 
von Bialoweza, wo sie, nach v. d. Brincken, zahlreich und 
in «ehr schönen Exemplaren anzutrefien ist. Endlich wächst 
sie, nach Rostafinski, überall in Polen, entweder verein- 
zelt in Wäldern, oder grosse Bestände bildend. 

Da das gegenwärtige Fehlen der Hainbuche im Südosten 
des europäischen Russlands, wie wir gesehen, grossentheils 
durch direktes Eingreifen des Menschen verursacht, und 
nicht durch klimatische Verhältnisse bedingt ist, — es sei 
denn, dass wir annehmen wollten, das Klima jenes Gebietes 
hätte sich, in Folge des massenhaften Aushauens der Wäl- 
der überhaupt, so weit verschlechtert, dass das Gedeihen 
der Hainbuche daselbst unmöglich geworden, — so will ich, 
um den Einfluss des Klima's auf die Verbreitung der Hain- 
buche zu erläutern, die Nordgrenze ihres früheren Vor- 
kommens in's Auge fassen. Diese letztere entspricht annä- 
hernd der April-Isotherme von 6° 0. und der October-Iso- 
therme von 8^ C. Dass das Klima thatsächlich nicht die 
Hauptrolle bei der Verdrängung der Hainbuche aus dem 
östlichen Russland spielt, darauf deutet auch der Umstand 
hin, dass sie, z. B. in den Pflanzungen der Gartenbauschule 

in Pensa, nach dem Zeugnisse 0. Baum's^), gut fortkommt 

— ^^— ^ I ^— — ^»—^ 

1) 0. M. BayifL. GTaTHCTH«iecRift o63op'b ji'i&cosoACTBa bti IleHseHCKoll 
ry6epHiH. (IleHsa, 1872); CTp. 28. 



w^- 



— 181 — 

• 

und von ihm zur Kultur als Waldbaum empfohlen wird; sie 
erreicht daselbst in 30 Jahren eine Höhe von 35 Fuss und 
einen Stammesdurchmesser von lOYg Zoll. — Was die geo- 
gnostische Unterlage betrifft, so machte v. Trautvetter^) 
die interessante Bemerkung, dass die Ostgrenze der Hain- 
buche ziemlich genau mit der Westgreuze des alten rothen 
Sandsteines zusammenzufallen scheine. Ist aber meine Auf- 
fassung von der früheren weit östlicheren Verbreitung der 
Hainbuche richtig, so verliert jene Bemerkung ihre Be- 
deutung. 

Ferner wächst die Hainbuche in der Krim und im Kau- 
kasus. In der Krim findet sie sich durch das ganze Gebirge, nur 
in höheren Wäldern ; indessen steigt sie, nach Rudzki, nicht 
so hoch hinauf, wie die Buche, und bildet nie reine Bestände, 
sondern kommt stets unter Buchen und Eichen untermischt 
vor. Im Kaukasus ist die Hainbuche ausserordentlich ver- 
breitet und findet sich daselbst Oberall; z. B. am Bosch tau 
(Gflldenstädt), amTerek, in der Kabardä, iniberien, Ime- 
retien, Kachetien, im Gouv. Elisabethpol, in Karabagh und 
Talysch; Radde fand sie beiLenkoran; sogar im dQrrenGe« 
biete des Gouv. Eriwan finden sich bedeutende Bestände 
derselben (z. B. unweit Daratschitschag). Die vertikale Ver- 
breitung der Hainbuche erstreckt sich von der Meeresküste 
bis 5000 — 6000' üb. d. M.; im westlichen Transkaukasien 
steigt sie jedoch nur bis zur Höhe von 4500' hinauf; an der 
Nordseite des Pontischen Gebirges soll sie, nach C. Koch, 
nur etwa bis 2000' reichen; C. A. Meyer gibt für Talysch 
3000' als die vertikale Grenze der Hainbuche an. Sie wächst 
auch im Kaukasus hauptsächlich mit der Buche, Eiche und 
anderen Holzarten untermischt; indessen bildet sie nicht 

1) Die pflanzengeogr. Verhältnisse des Europ. Kusslands; Hft. 2, p. 71 
bis 72. 



— 182 — 

selten auch vollständig reine Bestände von bedeutendem 
Umfange. In Ratsha erwächst sie, nach G. Koch, im Ver- 
eine mit der Buche, zu einem Hochwalde; sonst trägt sie 
meist zur Bildung der Mittel- und Niederwälder bei; nicht 
selten erscheint sie, vereint mit Carpimis duinensis^ als 
dichtes Gesträuch. Sie erreicht im Kaukasus keine bedeu- 
tende Höhe: 70 — 80 Fuss hohe Bäume, bei einem Durch- 
messer von 3 — 4 Fuss, kommen selten vor. Die Hainbuche 
wächst auf sehr verschiedenen Bodenarten, zieht indessen 
frischen und fruchtbaren Boden vor; auch in Bezug auf die 
Ortslage ist sie wenig wählerisch, denn sie kommt sowohl 
auf offenen, sonnigen, als auch auf schattenreichen Stellen 
von Sie erreicht das Alter von 200 — 300 Jahren. Ihr 
Holz wird in Transkaukasien als das beste Brennholz ge- 
schätzt; auch dient es als vorzügliches Nutzholz, insbeson- 
dere für Mühlenwerke, Maschinen etc. 

Von Transkaukasien aus verbreitet sich die Hainbuche 
in's nördliche Persien, wo sie in Karadagh, Qhilan, Masen- 
deran und Asterabad angetroffen wird. Im letztgenannten 
Gebiete scheint sie ihre Ostgrenze zu erreichen; sie fehlt in 
Afghanistan, am Himalaya und in Turkestan. Mit dem eu- 
ropäischen Verbreitungsgebiete hängt das kaukasische über 
Kleinasien zusammen, in dessen nördlichem Theile die Hain- 
buche weit verbreitet ist. 

Wiedemann und Weber bemerken, dass die Hainbuche 
auch angepflanzt nicht viel weiter nördlich, als Kurland, 
gedeihen will, wo sie, als wildwachsende Holzart ihre Nord- 
grenze findet. Nach Buhse, stehen starke Bäume in Kur- 
land, auf den Gütern Durbeu und Altrahden (Klinge). 
Willkomm bezeugt,dass das im Dorpater botanischen Garten 
vorhandene Exemplar strauchartig bleibt, da es alle Jahre 
durch den Frost stark leidet. Auch bei St. Petersburg friert 



p 



— 183 — 

die Hainbuche, nach Regel, in härteren Wintern bis zur 
Schneedecke zurück und tritt daher dort nur als niedriger 
Strauch auf. 

Namen. — Russisch: Grab^ Orabina^)] (am Terek): Ha- 
tschika (nach Pallas). — Polnisch: Grab. — Littauisch: 
Jowaras (H a ge n). — Lettisch : Wikksen (Klinge). — Schwe- 
disch: Annebok^ Hviibok. — Moldauisch: Karpan^ Karpyn. 
— Armenisch: Bogs^ Boch% Bechi^) (Medwedew). — Os- 
setisch: Fatked. — Estnisch: fTa/^^ raogr (Wiedemann). — 
Tatarisch (in der Krim): Kok (Pallas), Kok-agatseh (d. i. 
blauer Baum, nach Steven), auch Badin-kok (Rudzki); (im 
Kaukasus): Waljass (Medwedew), Gogom€n^Kogumon{V^\' 
.las). — Grusinisch: Rzchüa^ Tetri-rzchila. — Imeret., gurisch: 
Rzckemla. — Mingrelisch: Zchitnuri. — Ingusch., tsche- 
tschen.: Ptka. — Tscherkessisch: Tßja; Tschule (Pallas). — 
Kabardinisch: Tchoi. — Abchasisch: Achez, Achiaza^ Ächze- 
ubge. — Kumykisch: Gogoman. — Awarisch: Tegor. — Les- 
gisch: Tschertor; (did., kaputsch., inuch.): Tochas-chocho, — 
Ssamurs.: Damir-agatsch. — Persisch: Asad (Pallas); (in 
Ghilan): Scharam; (in Maseuderan): Mirs^ Maras. 

Anmerkung. — Ledebour (Fl. ross., III, p. 587) er- 
wähnt, dass unter den von Nordmann in Transkaukasien 
gesammelten Exemplaren der Hainbuche, eines sich aus- 
zeichnete: «strobilo gracili, involucri laciniis angustioribus, 
acute serratis». Steven^) bemerkt dazu, dass diese von 
Nord mann in Abchasien gefundene Hainbuche bestimmt 
eine eigene Art sei, unterschieden von (7. Betulus: «strobilo- 
rum squama tripartita laciniis oblongis serratis». Medwedew 
erwähnt diese Form gar nicht. 



1) Vielleicht mit Carpinus verwandt. 

2) Vielleicht mit lat. Fagus, a. nord. hole, d. Buche, verwandt? — Bei 
Aonenkow findet sich der armenische Name Tochki, 

3) Verzeichniss der taurischen Pflanzen; p. 303. 



184 — 



367. (2.) Carpinus duinensis Scop. (C. Orientalis Lam.). 

Wächst bei uns nur in der Krim und im Kaukasus. In 
der Krim findet sich diese Art auf beiden Seiten des Ge- 
birges, hauptsächlich auf den Yorbergen, in sonniger Lage 
und auf Kalkboden. Sie bildet manchmal fast undurchdring- 
liche Dickichte und bedeckt dann fast ausschliesslich ganze 
Abhänge. Vom Vieh, und namentlich von Ziegen und Scha- 
fen, wird dieser Strauch sehr gern benagt, wodurch er, wenn 
er einzeln steht, ein ganz sonderbares Aussehen erhält: im 
Ganzen höchstens 15 Fuss hoch, bildet er unten, so weit die 
Mäuler der Ziegen reichen, einen sehr dichten Kegel, wäh- 
rend er oberhalb dieser Höhe in eine ausgebreitete, astreiche 
Krone auswäcbst. Rudzki bemerkt, dass G. duinensis in 
den Wäldern der Krim einen ordentlichen Baum bildet; doch 
mag er damit vielleicht die Osiryacarpinifolia gemeinthobeu 
(worüber unten). — Im Kaukasus findet sich die orientali- 
sche Hainbuche nur selten im Norden des Hauptgebirges, 
z. B. auf dem Beschtau und am Terek; dagegen ist sie in 
Transkaukasien fast überall, in der unteren Waldregion, bis 
zur Höhe von 4000^ üb. d. M., verbreitet; sie findet sich z. 
B. im Gebiete von Batum (am Tschoroch), in Mingrelien, 
Grusien, im Gouv. Elisabethpol, in Karabagh und Talysch; 
wie Fürst Massalski mir mittheilt, kommt sie im Gebiete 
von Kars nur sehr selten, namentlich am Flusse Olty-tschai, 
vor. Sie wird 20 — 30 Fuss hoch, bei 4 — 6 Zoll im Stam- 
mesdurchroesser, doch erscheint sie auch im Kaukasus meist 
sehr astreich und krumm gewachsen. Sie hält sich vorzugs- 
weise an Waldsäumen und flieht sogar nicht trockene und 
steinige Abhänge. Medwedew empfiehlt diese Holzart sehr 
zur Heckenanpflanzung. 



— 185 — 

Von Transkaukasien aus verbreitet sich die orientalische 
Hainbuche nach Nordpersien, wo sie in den Provinzen Ghilan 
uudAsterabad angetroffen wird; Buhse fand sie im Alburs- 
gebirge. Willkomm (Forstl. Flora, p.307)sagt U.A. Folgen- 
des über abweichende Formen dieser Holzart: «In Turkoma- 
nien hat Karelin eine überaus grossblättrige und grossfrOch- 
tige Form gefunden (Blätter bis 8 Cm. lang und bis 4 Cm. 
breit; Fruchtdeckblätter 2,5 Cm. lang und 16 Mm. breit; 
Nüsse 8 Mm. lang), welche sonst von der gewöhnlichen nicht 
verschieden ist (var.macrocarpaWillk.). Dagegen hat Hohen- 
acker in der kaukasischen Provinz Karabagh eine sehr 
abweichende Form mit zerschlitzten Fruchtdeckblättern ge- 
sammelt, welche vielleicht eine besondere Art ist» *). Nach 
einigen Angaben, soll G, duinensis auch in Turkestan vor- 
kommen; doch fehlt mir dafür ein sicheres Zeugniss. Sehr 
interessant ist es, dass eine dieser Art sehr nahe stehende 
Form, G. Turcjsaninouni Hance, im nördlichen China (auf 
den Bergen, die Peking umgeben) wächst; Maximowicz 
(Mel. biol., XI, p. 315) hält sie für verschieden von G. dui- 
nensis'j Franchet^) vermuthet, dass sie nur eine Varietät 
dieser letzteren sei. 

Namen. — Russisch: Oräbinnik^ Grabnik. — Griechisch: 
PaOpoi; (nach Heldreich). — Armenisch: KasM^ Kersneni. — 
Tatarisch (in der Krim): Ghuttur-kok (i. e. räudige Hainbuche, 
nach Rudzki) ^); (im Kaukasus): Damur-kara. — Grusinisch: 
Dshag-rechüa. — Imeretinisch: Ktvinzcha. — Abchasisch: 
Acheradsh. — Ssamurs.: Kara-zcheV. 



1) Ob hierunter nicht dieselbe Form gemeint ist, von welcher in der 
vorstehenden Anmerkung die Rede ist? 

2) «Plantae Davidianae ex Sinarum Imperio», in: Nouv. Arch. du Ma- 
s^nm d'hist. nat. (Paris); s^r. II, t. 7, 1884, p. 88—89. 

3) Ueber weitere Namen vgl. unter Ostrya, 



— 186 — 

Gattung 6. 08tr7a^> 

Auch diese Gattung war bereits im Miocän vertreten, 
und zwar in Formen, die den jetzt lebenden ausserordentlich 
nahe standen. Gegenwärtig kennen wir nur zwei oder drei 
Arten dieser Gattung, die auch unter sich nahe verwandt 
sind: 1) 0. cnrpinifolia Scop., inSüdeuropa und im Kauka- 
sus; 2) 0. virginica Willd., in Nordamerika und Japan, wo 
sie, nach Nathorst, auch im Pliocän existirte; und 3) die 
fragliche 0. mandshurica Budistschew, in der Mandshurei, 
jenseits des üssuri*). 

358. (1.) Ostrya carpinifolia Scop. {0. vulgaris YfiUd.; Gar- 

pinus Ostrya L.). 

m 

Im Kaukasus ist dieser Baum, nach dem Zeugnisse Med- 
wedew's, nur wenig verbreitet und findet sich ziemlich selten. 
Er ist bisher nur in Transkaukasien, und zwar an wenigen 
Stellen, angetroffen worden: im Küstenstriche des Schwarzen 
Meeres (z. B. bei Adler und Psou), so wie im Kuräthale (in 
der Schlucht von Borshom, im Kreise Achalzich); C. Koch 
fand diese Holzart im Thale des Tschoroch, im Gaue Sber, 
auf Kalk und Porphyr, c. 4500' hoch; sie bildet daselbst, 
wie die beiden Carpinw5- Arten, aber weniger struppiges und 
sparriges Gesträuch. Medwedew vermuthet, dass sie auch 
in anderen Gegenden wachse, z. B. im Gouv. Elisabethpol. 
Sie kommt im Kaukasus in der unteren Waldregion vor, bis 
zur Höhe von 3000— 4000' üb. d.M. (oder auch darüber)«). 



1) Fehlt in Ledebour's Flora rossica. 

2) Vgl. Trautvetter. iDcrementa florae rossicae; p. 682. -> Wie mir 
Hr. Maximowicz bemerkt, ist diese Art höchst wahrscheinlich identisch 
mit Carpinus cordata Bl.^ welche im südljchen Ussurigebiete allein vor- 
kommt und in Japan sehr verbreitet ist. 

8) Laut einer Mittheilung des Fürsten Massalski, wächst 0, carpini- 
folia in Adsharleu in der Zone von 3500—4500' üb. d. M. und erreicht da- 
selbst bedeutende Dimensionen. 



— 187 — 

J. H. L6veill6^) sagt, dass die Hopfenbuche an der 
Sädküste der Krim, und namentlich bei Jalta, wachse. Ste- ^ 
Ten führt sie unter den taurischen Pflanzen nicht an. Aber 
vor Kurzem hörte ich von Hrn. Aggeenko, dass unter den 
Pflanzen, die er im Jahre 1886 an der Sfidkflste der Krim 
gesammelt, sich ein Zweig befindet, den er beim Abbrechen 
für der Hainbuche zugehörig ansah, sp&ter aber fOr 0. carpi- 
nifolia anzunehmen geneigt war'). Ich vermuthe, dass sich 
auf diese letztere Rudzki's bereits angeführte Bemerkung 
bezieht: es gäbe in der Krim, ausser der von Steven er- 
wähnten Strauchform der orientalischen Hainbuche {Carpinus 
dmnensts\ noch eine Form, die als ordentlicher Baum auf- 
tritt, der indessen nicht die Dimensionen der gewöhnlichen 
Hainbuche {G. Betulus) erreicht. Diese Form wird in vielen 
gemischten Laubwäldern, sowohl an der SüdkQste, als auch 
zwischen Sympheropol und Bachtschissarai, angetrofl^en. Da 
G. Orientalis niemals ein «ordentlicher» Baum wird und, wie 
bemerkt, auch im Kaukasus höchstens 30, meist aber nur 
20 Fuss hoch wird, so erscheint es schon a priori zweifel- 
haft, dass Rudzki wirklich die orientalische Hainbuche ge- 
meint habe. Dagegen wird Ostrya carpinifolia, nach Med- 
wedew's Angabe, 50 — 60 Fuss hoch und repräsentirt in der 
That einen ordentlichen Baum. Dazu kommt noch ein Um- 
stand: dass nämlich die Tataren der Krim für jene baumar- 
tige Form, nach Rudzki, besondere Namen haben, nämlich 
Morck'koky bei Bachtschissarai, und Ustreja an der Sttdküste. 
Der letztere Name bietet ein ganz besonderes Interesse, denn 
er ist offenbar nur wenig umgeändert aus dem griech.ocrrpOa, 



1) In Anat. de Demi d off. Voyage dans la Rassie m^n'dlonale et la Cri- 
m^e; t. U (1842); p. 231. 

2) Nachträglich ist Hr. Aggeenko in seiner Annahme schwankend ge- 
worden. 



— 188 — 

mit welchem Namen die alten Griechen, nach C. Koch^), 
entweder die orientalische Hainbuche oder die Hopfenbuche 
bezeichneten. Wir haben gesehen, dass die Tataren derSQd- 
kttste auch für die Rothbuche den griechischen Namen 6^6a 
(genau wie bei ocrrpua) in Ooo^a umgeändert und bis auf den 
heutigen Tag zähe bewahrt haben ^); da auch die Neugriechen 
den Namen 6^6a unverändert behalten haben, so darf man 
vermuthen, dass auch der Name öo-TpOa sich von Alters her 
auf die Ostrya carpinifoUa bezog, wie Dies Linn6 ange- 
nommen, — um so mehr, als, wie bemerkt, die orientalische 
Hainbuche (die einzige, die in Griechenland wächst) neugrie- 
chisch ganz anders (yaOpoc;) heisst, die Hopfenbuche aber 
(nach Boissier) noch gegenwärtig von den Griechen 6<rrpua 
genannt wird. 

Namen. — Russisch: Ghmelegräb (d. i. Hopfen-Hainbuche; 
offenbar aus dem Deutschen übersetzt). Die Russen auf dem 
Kaukasus nennen diesen Baum Nesnaika (so viel als der 
Unbekannte). — Armenisch; Bisi. — Grusinisch: Schawi- 
rzchüa, üchram. 

Farn. LVI. Betolaceae. . 

* 

Bei dem grossen Wirrwarr, welcher in der systematischen 
Abgrenzung der vielen Arten aus den Gattungen Betula und 
Alnus herrscht, erachte ich es fttr geboten, in Folgendem 
einer Autorität in der Kenntniss dieser schwierigen Gat- 
tungen zu folgen; und zwar halte ich mich an Regefs mo- 
nographische Beschreibungen derselben; abgesehen von seiner 
bekannten Monographia Betulacearum (in Nouv. M6m. d e 



1) Die Bäame and Str&ucher des alten Griechenlands; p. 55—57. 

2) Die Tataren an der Südkaste der Krim haben eine ganze Reihe von 
Pflanzennamen dem Griechischen entlehnt; so nennen sie z. B. die Nelke: 
Charanfö = xapuo9uXXov. 



— 189 — 

la Soc. d. nat. de Moscou, t, XIX, 1860 — 61), nenne ich 
noch: 1) «Bemerkungen über die Gsitnngen Betula und AI- 
nus, im Bulletin de Moscou, 1865, P.2, p. 388—434; und 
2) oiBäulaceae»^ in De Candolle's Prodromus,P. 16, Sectio 
posterior, p. 161 — 189. 

Gattung 1. Alnu& 

In der Miocänzeit war eine Art, Älnus Kefersteinii Goepp., 
weit verbreitet: sie wuchs z. B. auf Spitzbergen, Ssachalin 
und im mittleren Europa. Ganz besonders reich an Alnus- 
Arten war der Altai zur Pliocänzeit (resp. im jüngsten Mio- 
cfln), wie die Funde Ssokolow's beweisen; es wuchsen da- 
selbst, nach Schmalhausen ^), folgende 6 Formen: «die jetzt 
sfideuropäisch-kaukasische A. cordifolia^ die nordamerika- 
nische ^. serniZörfa Willd., die typische ^. ^/«/inosa und eine 
Form derselben, welche sich an die südliche A, denticulata 
anschliesst, und zwei Formen der A. incanan. 

Section L Alnaster. 

850. (1.) Alnus viridis DC. {A. fruticosa Rupr.^), A. crispa 
Pursh. , Alnaster fruticosus Ledeb. , Betula Alnobetula Ehrh.). 

Die Grünerle gehört zur Gruppe derjenigen Holzarten, 
welche zwar eine weite Verbreitung haben, indem sie in ganz 



1) Palaeontographica, Bd. 83, 1887, p. 199. 

2) Ruprecht (Flor. Samojed., As 249) hat seine A. fruticosa von A. vi- 
ridie DG. abgetrennt; indessen sind die von ihm angefahrten unterschiede 
Ton Regel und mehreren anderen Forschern nicht anerkannt worden. Aber 
F. ▼. Herder bemerkt neuerdings, dass A. fruticosa Rupr. als eine gute 
Art angesehen werden mtlsse, welche «in allen ihren Theilen, habituell und 
in ihrer Blflthezeit, ganz yerschieden von der echten Alwus viridis DC.» 
sich verhalte; vgl. in dessen Referat aber Erylow's «Material zur Flora 
des Gouvernements Perm», in Engler's Botan. Jahrbac)iern, Bd. YIII 
(1887), Litteraturbericht, p. 130—181. 



— 190 — 

Nordasien und auf den Gebirgen Mittel-Europa's vorkommen, 
die aber sowohl in Skandinavien (incl. Finland) als im Ean- 
kasus fehlen. Sämmtliche Repräsentanten dieser Gruppe^ 
zu der z. B. Pintts Gembra, Larix und Atragene (dpina ge- 
hören, schieben sich buchtenförmig, von Sibirien aus, mehr 
oder weniger weit in's nordöstliche europäische Rußsland 
hinein. Die Grünerle reicht, nach dem übereinstimmenden 
Zeugnisse Ruprechtes und A. 6. Schrenck's, westwärts 
bis zum unteren Laufe des Mesen'. Schrenck fand sie an 
der Ness', so wie an der Petschora, bis zur Kuja {67%^ n. 
Br.), desgl. am Zusammenflusse desSandiwei mit derKolwa 
(unter 67^); an der Petschora selbst beobachtete er sie z. 
B. zwischen den Mündungen der Ussa und der Zyl'ma. Die 
Expedition E. Hofmann's fand die Grünerle an den Quellen 
des Lire-jogan (66° n. Br.) und am Stschugor (Nebenfluss 
der Petschora, etwa unter 64° n. Br.). Iwanizkij gibt für 
das Gouv. Wologda nur das Petschora- Gebiet als Fundort 
der Grünerle an, und speciell die Petschora- Ufer unterhalb 
der Einmündung des Stschugor. Man kann aber vermuthen, 
dass dieser Strauch die ganze Petschora, bis zu deren Quellen, 
hinaufgeht; denn, nach Krylow, wachster am Schleppwege 
zwischen der Wolossniza ^) (Nebenfluss der oberen Petschora) 
und derWogulka (Quellfluss der Wischerka), etwa unter 61° 
40'n.Br. Diesseits desüral's nennt Krylow keine anderen 
Fundorte der Grünerle, die hauptsächlich am Ostabhange 
des Gebirges wächst und südwärts bis zu 6072"^ n. Br. geht; 
als südlichsten Fundort derselben gibt er den Sumpf Iwa- 
nowskoje-boloto an, der sich zwischen den Hüttenwerken 
Wssewolodoblagodatskij undNikito-Iwdü' befindet; sie wächst 



1) W. Latkin, der diesen Flusa befahren hat, nennt ihn Wolos^ianiza; 
er erw&hnt die Granerle nicht. 



— 191 — 

ferner z. B. an der Los' wa (bei der EinmUndung der Umpija 
und der Ljurja), ferner an der Toschemka und am Berge 
Ssishup. 

Leider sind die vorstehenden Nachrichten über das Vor- 
kommen der GrUnerle zu dürftig, um einigermaassen genau 
die Grenzen ihrer Verbreitung, sowohl nach Norden, als 
auch nach Westen und nach Süden, zu ziehen. Die Nord- 
grenzo dürfte, nach A. G. Schreuck, im Allgemeinen mit 
der Waldgrenze überhaupt zusammenfallen; stellenweise geht 
sie aber Über diese letztere Grenze hinaus und findet sich 
auf der oflTenen Tundra (Schrenck, Reise, I, p. 290). Wie 
schon gesagt, soll der Mesen'-Fluss die Westgrenze ihres 
Vorkommens bilden; aber es liegen gar keine Angaben dar- 
über vor, wie weit sie diesen Fluss hinaufgeht. Nehmen 
wir die Mündung des Mesen', einerseits, und die oben ange- 
gebene Gegend zwischen der Wolossniza und Wogulka, an- 
dererseits, als die beiden Endpunkte ihres Vorkommens an, 
so dürfte die Grenze ihrer Verbreitung etwa folgenden Ver- 
lauf haben: den Mesen' hinauf, bis zu dessen Quellen, dann 
den Südabhang des Timan-Gebirges entlang, zu den Quell- 
flüssen derWytschegda, und endlich zu dem besagten Schlepp- 
wege, resp. zum oberen Laufe der Petschora. Wir wissen 
zu wenig über die Lebensbedingungen der Grünerle, um 
ihre Verbreitungsgrenze auf klimatische Werthe zurückzu- 
führen; wie ich dieselbe gezogen, fällt sie indessen fast mit 
der October-Isotherme von 0° zusammen. — Wenn wir die 
oben mitgetheilten Angaben Ruprecht's, A. 6. Sehr enck's, 
IwanizkijV und Krylow's zusammenhalten, so erscheint 
G. A. Meyer's Angabe, dass die Grünerle beiMalmysh (im 
südlichen Theile des Gouv. Wjatka, unter 56%° n.Br.) vor- 
kommen soll, sehr befremdlich ; denn sogar im Uralgebirge, 
wo alle nordischen Baumarten (z. B. die Lärche) sehr weit 



— 192 — 

nach Süden verbreitet sind, geht die Grönerle, wie bemerkt, 
nur bis zn 60\^^ n. Br.; ihre Sudgrenze sollte also im Oral 
um ganze 4 Breitengrade gegen diejenige der Ebene zurück- 
bleiben, — was ausserordentlich unwahrscheinlich ist. Sollte 
indessen die Angabe C. A. Meyer's sich bestätigen und die 
Grflnerle thatsächlich bei Malmvsh spontan (und nicht etwa 
nur angepflanzt) wachsen, so wurde ihr dortiges, ganz insel- 
förmiges Vorkommen kein geringes Interesse bieten. Man 
könnte dasselbe als Relict aus der Eiszeit ansehen, als die 
Grflnerle, in Gemeinschaft mit den obengenannten Holzarten 
(Lärche, ZSrbelkiefer etc.). von Sibirien nach Westeuropa 
über die russische Ebene wanderte, aus deren grfisstemTheile 
alle diese Holzarten spSter, bei rflckgekehrter Wärme, wieder 
Terschwanden. Die weite südöstliche Verbreitung der skan* 
dinarischen Gletscher machte die Einwanderung aller dieser 
Holzarten nach Finland und Skandinarien unmöglich; als 
aber die Gletscher langsam zurückgewichen und abgeschmol- 
zen waren, bildeten sich enorme Binnenseen, welche jene 
Einwanderung ebenfiiUs behinderten ; in der Zeit aber, bis 
alle diese Hindernisse weggeräumt waren, mögen jene Holz- 
arten aus dem europäischen Russland verschwunden sein. 
Auf diese Weise erkläre ich mir das Fehlen der Grflnerle 
in Skandinavien, wo g^enwärtig alle Bedingungen ihres 
fröhlichen Gedeihens vorhanden zu sein scheinen. Leider 
liegen bisher gar keine fossilen Funde der Grflnerle aus dem 
europäischen Russland vor aus denen man ihre wahrschein- 
liche einstige Verbreitung auf der russischen Ebene consta- 
tiren könnte. Aber dass sie zur Eiszeit in solchen eben gelege- 
nen Gegenden wuchs, wo sie gegenwärtig nicht mehr existirt, 
beweisen die fossilen Funde der Grflnerle, z. B. bei Nancy M. 



1) Vfl. P. Fliclie. «iSiir les li^enites qaatermures de Jarrüle. pr^ ^ 
Kaacy», in d. CMiptes rendis. T. SO. 1S75. p. lä3S— 12S6w 



— 193 — 

Ostwärts ist A, viridis^ über ganz Sibirien, bis Kam- 
tschatka und Japan, und weiterhin auch in Nordamerika 
verbreitet. In Sibirien geht sie sehr weit nordwärts. Mid- 
dendorff (Reise, IV, p. 570 — 571) traf sie am Jenissei 
unter 69%° n. Br. noch mannshoch, bei 2% Zoll Durch- 
messer; nach F. Schmidt, wächst sie auf den Inseln des Je- 
nissei noch ziemlich freudig bis 7073° ^- ^^-J ^^^ Swerewo 
(etwa 7172°), dem äussersten Punkte, wo der letztgenannte 
Beisende sie antraf, bildet sie nur fingerdicke, der Erde 
angedrückte Aeste ; Schmidt bemerkt, dass sie früher noch 
weiter nach Norden reichte, denn er fand sie subfossil nahe 
der Jenisseimflndung, unter 72° n. Br. Middendorff be- 
obachtete sie im Taimyrlande unter 70%°; und an der Cha- 
tanga fand er sie «»sogar unter 71 7/ ausnahmsweise 37gFuss 
hoch; meist erreichte sie diese Höhe nicht, war aber nichts 
destoweniger mit vorjährigen Zäpfchen sehr dicht behangen». 
Weiterhin nach Osten erreicht sie indessen die Küste des 
Eismeeres nicht mehr: die Nordenskiöld'sche Expedition 
traf sie auf ihrem Ueberwinteruugsplatze (Pitlekai) nicht an. 
Die südliche Verbreitungsgrenze der GrOnerle in Sibirien ist 
nicht sicher festgestellt. Nach Ledebour, wächst sie z. B. 
im Baikalgebiete und in Daurien ; nach Maximowicz, findet 
sie sich im ganzen Amurlande. Sie kommt auch auf der Insel 
Ssachalin und in Japan, so wie in der Mandshurei vor; ja, 
David fand sie, in der var. julacea Franch., sogar im süd- 
lichen Theile der chinesischen Provinz Schensi^). 

Namen. — Russisch : OVcha^ OVschina (wie die übrigen 
MnuS'krtm). — Syrjanisch: Ssöss-pu (Iwanizkij); auch 
JTcha (aus dem Russischen; nach A. 6. Schrenck). — 
Ssamojedisch : Päjo (Schrenck). 

1) Vgl. Franchet, in: Noqt. Archives da Mos^nm d'hist nat (Paria), 
2nw ÜT^ 1 7, p. 91. 

13 



— 194 — 

Seotion 2. OymnothTrsus. 

360. (2.) Alnus cordifoUaTen. {A.8tii)cordataG.A. Meyer). 

Diese Art wächst bei uns nur in Transkaukasien, und 
zwar, nach Medwedew, nur im waldigen Küstengebiete des 
Talysch, namentlich im Kreise Lenkoran, wo sie von der Kflste 
des Kaspischen Meeres bis zur Höhe von 3000' angetroffen 
wird; sie findet sich daselbst in zwei Varietäten: a) genuina 
Reg. und b) subcordataReg.y und erwächst zu einem Baume 
mittlerer Grösse, d. h. bis 40 — 50 Fuss Höhe; ähnlich der 
Schwarzerle, kommt sie ausschliesslich auf feuchten Stellen 
vor. Ihr Holz ist röthlich, geädert, ziemlich dicht und im 
Wasser sehr dauerhaft. Da dieser Baum mit seinen grossen 
und glänzenden Blättern einen hübschen Anblick gewährt, 
so räth Medwedew zu dessen Kultur in Gärten. Ausser- 
halb des Kaukasus findet er sich in Nordpersien, namentlich 
in der Provinz Ghilan (Boissier), ferner im nördlichen 
Anatolien (C. Koch), so wie in ünteritalien und inCorsica; 
auf der zwischenliegenden Balkanhalbinsel fehlt er. Wie 
bemerkt, wuchs A. cordifolia zur Pliocänzeit am Altai. 

361. (3.) Alnus orientalis Decaisne {A. ohlongata Kotschy). 

Findet sich nur im südlichsten Theile von Talysch, na- 
mentlich bei Astara, auf feuchten Stellen^). Ausserhalb 
Transkaukasiens wächst diese Art auf Cypern, in Nordsyrien, 
Kleinasien und Nordpersien. 



1) So heisst es bei Medwedew; Boissier (Fl. or., IV, p. 1180) sagt 
ungenau: «Persift boreali ad Astara» und beruft sich auf Buhse, der in- 
dessen, in seiner a Aufzählung der auf einer Reise durch Transkaukasien und 
Persien gesammelten Pflanzen», Ä, orientalis gar nicht erwähnt. Rad de 
nennt diese Art gleichfalls nicht in seinem neuen Verzeichnisse der Taly- 
scher Pflanzen. 



195 



362. (4.) Alnus gliUinosaVfiM. {A. barbata CA. Mey., A. 

nitens C. Koch)^). 

Nach Schübeier, erreicht die Schwarzerle in Norwegen 
ihre Polargrenze in Värdalen, unter 63° 47^, in Schweden 
— in Angermanland, unter 63° 20' n. Br. Auf der gegen- 
überliegenden Küste des Bottnischen Busens, d. h. in Fin- 
land, geht die Schwarzerle bedeutend weiter nach Norden. 
Hr. V. Berg^) fand sie «nördlicher als Gamla-Carleby, fast 
genau auf dem 64. Grade, noch in grösserer Anzahl als 
Bauniy wogegen sie in Strauchform einzeln noch über üleä- 
borg, also über dem 65° angetroffen wurde. Von Gamla- 
Carleby aber senkt sie sich, ohne in das Innere des Landes 
einzudringen ^), nach Süden, und findet zwischen dem 6 1 . und 
62. Grade ihre nördliche Grenze, während sie nach Osten zu 
bis zum 62°ansteigt. AufWalamo trifft man sehr schöne Bäume 
der Schwarzerle». Die Beobachtung v. Berg's, ^n^A.gluti" 
nosa im Innern von Finland gar nicht angetroffen wird, ist in- 
dessen nicht ganz richtig; denn, nachWirz6n, berührt die Po- 
largrenze dieserHolzart u. A. folgende Punkte: Brahestad (am 
Bottnischen Busen, unter 64° 40'), Saarijärvi und Nurmis 
(im östlichen Finland etwa unter 63° 35' n. Br.). Ist unter 
Saarijärvi*) der See gemeint, welcher annähernd unter 62° 40' 
n.Br. und 42° 50'ö.L. (von Ferro) liegt, so macht die Polar- 



1) Ich verdanke Herrn Dr. F. von Herder einige speziellere Angaben 
Über das Vorkommen der Schwarzerle in den Grenzen Kusslands. 

2) Vgl. im Tharander Jahrbuch, 1859, pp. 65 und 124—125. 

3) Auch Fr. He 11 ström bemerkt, dass^. glutinosa bei Gamla-Carleby 
h&ufig wachse, aber weiter in*s Land hinein seltener vorkomme. Vgl. Med- 
del. af Soc. pro fauna et flora fennica, Hft. 5, 1880, p. 157. — Hjelt und 
Halt nennen sie nicht far das nördliche österbotten (Ib., Hft. 12, 1885). 

4) Saarijärvi bedeutet Jnselsee, und solchen Namen können begreiflich 
verschiedene Seeen führen, üebrigens bedeutet finn. saari {saamij auch 
die Esche. 

13* 



^r- 



— 196 — 

grenze der Schwarzerle in der That eine Ausbuchtung, die der 
von Berg bezeichneten gleicht, aber nur viel geringer ist, so 
dass die Grenze bedeutend nördlicher verläuft (vgl. die Karte 
J\ß II) ^). — Von Nurmis geht die Polargrenze der Schwarz- 
erle auf Schunga (am nördlichen Theile des Onega-Sees, 
etwa unter 62° 35' n. Br.), dann, in östlicher Richtung, auf 
Ust'-Waga (im Kreise Schenkursk des Gouv. Archangelsk), 
wo Kusnezow sie neuerdings, und zwar nur sehr selten, an- 
getroffen hat; von hier verläuft die besagte Grenze, wahr- 
scheinlich längs der Dwina aufwärts, im sfldöstlicher Rich- 
tung, auf Welikij-Üstjug (im Gouv. Wologda, unter 60%° 
n. Br.), und weiterhin zur Kama, welche sie unterhalb De- 
djuchin (zwischen den Dörfern Orel und Taman, im Gouv. 
Perm, etwa unter SOVg^ n. Br.) erreicht. Hier scheint die 
Grenze der Erle nach Sflden umzubiegen und die Kama hin- 
unter zu verlaufen, d. h. zur Ostgrenze zu werden. Krylow 
führt gar keine Fundorte der Schwarzerle östlich von der 
Kama an; bei Perm findet sie sich häufig. — üebrigens ist 
die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Polargrenze 
der Schwarzerle etwas anders verläuft, und zwar, dass sie im 
Gouv. Wologda eine südwärts gerichtete Ausbuchtung macht, 
durch die Mitte des Gouv. Wjatka geht und dann zungen- 
förmig die Kama hinauf, bis fast UssoPje, reicht. Die An- 
gaben über das Vorkommen dieser Holzart sind nämlich so 
dürftig, dass eine genaue Ziehung ihrer Polargrenze für jetzt 
unmöglich erscheint. Ich will hier die mir zugänglichen 
Nachrichten über das Vorkommen der Schwarzerle in der 
Nähe ihrer Polargrenze zusammenstellen. 



1) Südlich von der bezeichneten Grenze findet sich die Schwarzerle ziem- 
lich überall in Finland; so finde ich sie z. B. angegeben für das Kirchspiel 
Gustaf Adolfs (im östlichen Tavastland, unter 61 Vi^ ^' ^i"*)} ^^r ^^ südliche 
österbotten etc.; auch wächst sie auf den Inseln des Finnischen Meerbusens, 
z. B. auf Tytärsaari. 



— 197 — 

Norrlin^) sagt, dass die nördlichsten Stellen im Goav. 
Olonez, wo die Schwarzerle noch wächst, folgende sind: die 
Gegend zwischen Uniza und Dianowa-gorä, Pyhäniemi und 
Schunga; als weitere Fundorte am nördlichen Theile des 
Onega-Sees nennt er: Tolwoja, Welikajaund Wigorus; weiter 
nach Westen findet sich diese Holzart z, B. auf einer Insel 
des Sees Suojärvi. Nach Günther, wächst sie beispielsweise 
bei Eosalmi \ Stschelike und Petrosawodsk. FQr den Kreis 
Schenkursk des Gouv. Archangelsk nennt Eusnezow als 
Fundorte: Schegowarskaja, Ust'-Waga und Dolmatowskaja. 
Was das Gouv. Wologda betrifft, so sind die Angaben Ober das 
Vorkommen der Schwarzerle daselbst sehr ungenügend; 
nach Iwanizkij, findet sie sich im Kreise Wologda auf 
feuchten Wiesen; Bode gibt ausserdem noch den Kreis We- 
likij-Ustjug an, wo sie nur in Strauchform angetroffen wird; 
nach Drzewecki, soll sie sich auch im Kreise Ust'-Ssyssolsk 
finden'). Aus dem Gouv. Wjatka führt C. A. Meyer nur 
Ssarapul (unter 56° 28' n. Br.) als Fundort der Schwarz- 
erle an; auch Krylow nennt nur solche Fundorte derselben, 
die in der südlichen Hälfte dieses Gouvernements liegen, z. 
B. Rosbkinskoje, Bol'schoi- Kitjak, die Gegend zwischen 
Nishnija-Schuni und Lubjanskoje. Indessen hat Krylow 
das Gouv. Wjatka lange nicht so genau in botanischer Hin- 
sicht erforscht, wie das Gouv. Perm, so dass man das Fehlen 
der Schwarzerle im Norden des Gouv. Wjatka nicht mit 
Sicherheit behaupten kann. Für das Gouv. Perm führt Kry- 
low, wie bemerkt, nur die Ufer derKama als Fundort dieser 
Holzart an. 



1) Flora Eareliae Onegensis; pp. 26 u. 168. 

2) VoQ ihm KocojiMa geschrieben. 

8) Wenu man eine Linie von Welikij-Ustjug zur Kama (unterhalb De- 
4jiichin) zieht, so wQrde sie den südlichen Theil des Kreises Ust'-Ssyssolsk 
in der That berQhreo. 



V 



S 



— 198 — 

Die von mir gezogene Polargrenze der Schwarzerle 
stimmt recht gut mit der September-Isotherme von 9^5 C. 
flberein. Sie länft der Nordgrenze der Stieleiche ziemlich 
parallel, nnr mn 2 — 3 Breitengrade nördlicher, als diese 
letztere. 

üeber den Verlauf der Ostgrenze der Ä. ghdinasa fohlen 
bestimmte Angaben, üspenski fuhrtesiefiir die Umgegend 
Yon Jekaterinbnrg an (vgl. Ledebour, Fi. ross., III, p. 657), 
indessen höchst wahrscheinlich mit Unrecht; denn, wie es 
scheint, findet sie sich nirgends im Osten des Uralgebirges, 
welches sie im nördlicheren Theile nicht einmal erreicht, da 
sie, nach Erylow, nur bis zur Kama geht; weiter sQdlich 
tritt sie aber näher zam Ural hinan und geht sogar etwas 
in's Gebirge hinein. Rechenberg erwähnt die Erle von 
den Ufern des Ik und der Ssakmara, ohne jedoch die Species 
genauer zu bezeichnen; durch Borszczow wissen wir, dass 
A. glutinosa an der Ssakmara angetroffen wird, an deren 
Ufern sie kleine Haine bildet. Lessing fand sie in den sfid- 
liehen Yorbergea des Urals; nach Schell, kommt sie z. B. 
bei Uezkaja-Sastschita vor; in desseaHerbarium fanden sich 
noch folgende Fundorte aus den Gouvernements Ufa und 
Orenburg angegeben : Eondurowka, Bjelosersk, Mar'jewskoje 
und das Fort Michailowskoje. Sollte die letzte Angabe rich- 
tig sein, so wäre A. glutinosa doch auch jenseits des Ural- 
gebirges vorhanden, denn das genannte Fort liegt am Ta- 
gusak (einem Nebenflusse des Ui, der seinerseits in den Tobol 
mündet), sfidlich von Troizk. Diese interessante Angabe 
scheint durch die kartographische Darstellung Borszczow's 
bestätigt zu werden, nach welcher die SQdostgrenze der 
Schwarzerle, von Orenburg aus, den Uralfluss hinauf verläuft 
(vgl. unten). Eine genauere Ermittelung ihrer Ostgrenze 
erscheint sehr wünschenswerth. — In den handschriftlichen 



— 199 — 

Notizen des Herrn Sslowzow heisst es, dass diese Holzart 
im Kreise Tjumen häufig und im Kreise Tobolsk seltener 
wachse; da dieser Gewährsmann aber A. incana, die dort 
zweifellos vorkommt, gar nicht nennt, so könnte er sich viel- 
leicht in der Benennung der betreffenden Art geirrt haben. 
Schon Trautvetter bemerkte, im Jahre 1850, dass in 
neuerer Zeit Niemand die A. gltUinosa in Sibirien gefunden 
habe: «nur Ledebour hat sie nach unverbürgten Gerüchten 
in seine Flora altaica (IV, p. 242)^) aufgenommen, wobei 
er indessen selbst an der Richtigkeit dieser Angabe zweifelt». 
Sie fehlt auch z. B. in Stscheglejew's Supplement zur 
Flora des Altai, so wie auch in der neuesten Abhandlung 
über diese Flora des Herrn Krassnow. Und doch ist sie 
von AI. G. Schrenck in der Dsungarei gefunden worden, 
und zwar in den Thälern der Bajan- Aul-Berge ^). Dadurch 
gewinnt auch Ledebour's eben angeführte Angabe an 
Wahrscheinlichkeit. Ja, nach Mart'janow^), soll sie so- 
gar im Kreise Minussinsk des Gouv. Jenisseisk (im Norden 
des Ssajan'schen Gebirges) vorkommen. Ueber die Verbrei- 
tung dieser Holzart in der Dsungarei und in Sibirien sind 
genauere Nachrichten sehr wünschenswerth. Sehr interes- 
sant ist die Thatsache, dass A. glutinosa zur Pliocänzeit 
im Altai-Gebiete wuchs. 

Die Südgrenze der Schwarzerle verläuft, wie bemerkt, 
den Uralfluss hinunter, und zwar, wie Borszczow angibt, 



1) Diese selbe Angabe: «in deserto soongoro-kirghisico pr. Kar-Earaly» 
figorirt, mit einem Fragezeichen versehen, auch in Ledebour's Flora ros- 
sica, III, p. 657. 

2) Vgl. Trautvetter. «Enumeratio plantarum Songoricarum a Dr. 
Schrenk collectarum»; im Ball, de Moscou, 1867, P. 2, p. 93, J\& 1061. 

' 3) MapTbflHOBi». «Marepiajiu ajh «»Jopu MHHycHHCKaro Rparn». 
(TpyAU O611;. ecTecTBOHcofaiT. npu Ka.'mn. yeRB., t. XI, nun. 8, 1882); 
CTp. 107. 



^ 



^ 

[ 



— 200 — 

etwa von Orsk bis unterhalb Orenburg's, an dessen linkem 
Ufer. Als südlichsten Punkt ihres isolirten Vorkommens 
gibt dieser Autor eine Schlucht südwestlich von Orenburg 
an, durch welche ddiS Fluschen Jelschanka^) fliesst, etwa 
unter 51%^ nördl. Breite. Dass^. glutinosa sich am üralflusse 
findet, bezeugt auch Earelin. Ungefähr unterhalb Tati- 
stschewa geht die Sodgrenze derselben wieder auf das rechte 
Ufer des Ural hinfiber, verlässt dann diesen Fluss und ver- 
läuft westwärts, längs dem Nordabhange des Obstschij-Ssyrt 
und dem Flusse Irgis^), zur Wolga, welche sie, nach Bor- 
szczow, unterhalb Wolsk überschreitet. Von hier geht die 
Schwarzerle, längs dem hohen Wolgaufer hinunter bis Sa- 
repta, wie Claus und Becker tibereinstimmend angeben. 
Bogdanow^) bemerkt, dass er den letzten Erlenhain ober- 
halb Dubowka, in einer Schlucht beim Dorfe Olen'ja, beob- 
achtet habe, und dass A. glutinosa bei Zarizyn bereits fehle; 
damit mag es seine Richtigkeit haben, aber jedenfalls tritt 
sie bei Sarepta wieder auf; Becker sagt, dass sie daselbst 
häufig «im sumpfigen Waldboden der Bergschluchten» vor- 
komme. Wie die Sfidgrenze der Schwarzerle von Sarepta 
aus westwärts verläuft, vermag ich, aus Mangel an Daten, 
nicht mit Genauigkeit anzugeben, und muss mich auf ein- 
zelne Fundortsangaben beschränken, die sich wohl z. Th. 
nur auf insulares Vorkommen dieser Holzart beziehen. — 
Nach Ledebour, findet sich die Schwarzerle im Lande der 
Don'schen Kosaken ; der Name der OVchowaja^ eines linken 
Zuflusses der Kalitwa, deutet auf das Vorhandensein der 



1) Der Name dieses FlQsschens ist yon der russischen Benennung der 
Erle abgeleitet. 

2) Georgi (Reise, p. 773) erwähnt Erlen am Irgis. 

8) M. BorAanoB'b. nTua,bi h SB-^pa ÜOBOJUKbfl; crp. 22. 



■ 



— 201 — 

Erle; Gttldenstädt^) bemerkt, dass hauptsächlich sie den 
Miuss, oberhalb der Einmündung der Krynka, einfasst; auch 
noch gegenwärtig wächst -4. glutinosa im Leont'jew-Bojerak, 
am Flüsschen Eorennaja, wieN. Bashan ow^) bezeugt. Be- 
ketow führt die Schwarzerle gar nicht für das Gouv. Jeka- 
terinosslaw an; indessen fand sie Gfildenstädt an verschie* 
denen Stellen im östlichen Theile des Gouvernements, so z. 
B. am Flüsschen OVchowaja ^), das in den Lugan' mündet; 
femer südlich von Bachmut, am Flfisschen Bulawin-Eolodes' 
und an dem Bache OVchowatüy wo die Schwarzerle, wenig- 
stens vor 100 Jahren, sogar die gemeinste Baumart war. 
Nach Akinfijew, wächst sie in der Umgegend von Jekate- 
rinosslaw, z. B. bei Igren' (an der Einmündung der Ssamara 
in den Dnjepr). Nach Lindemann, soll die Schwarzerle 
gar nicht im Gouv. Chersson vorkommen ; er nennt sie auch 
speciell nicht für die Umgegend, von Elisabethgrad, wo sie 
noch am ehesten zu erwarten wäre; auch Iwastschenkow 
führt sie nicht für den sogen. «Schwarzen Wald» an; aber 
im benachbarten Walde Tschutä fand sie Güldenstädt vor 
100 Jahren, wenn auch nur vereinzelt. Nach Tardent, soll 
sie in Bessarabien, z. B. bei Kischinew und Orgejew, vor- 
kommen; doch erscheint diese Angabe zweifelhaft, da Lin- 
demann und Döngingk sie für diese Provinz nicht angeben; 
auch Akinfijew nennt sie nicht für den Süden derselben. 
Ganz inselförmig wächst sie, nach Ssredinskij, im nördli- 
chen Theile des Taurischen Gouvernements, namentlich in 



1) Reisen durch Russland, Th. II, pp. 262 und 264. — Ledebourhat 
eine ganze Reihe yon Angaben über das Vorkommen der Schwarzerle, die 
sich in diesem Reisewerke (z. B. auf pp. 210, 213, 214, 218, 257) finden, nicht 
berQcksichtigt. 

2) In: .l-J^CH. >KypHaj'b, 1871 r., bbiq. 3, CTp. 18. 

3) Von russ. OVcha = Erle. 



— 202 — 

der sandigiefi Regicm am Dujepr, wo sie kleine Wilddien 

bildet 'V 

£in^ Angaben Aber das YoriLommea da- Schwirzerie 

in derNibe ibrcr Süd^reiize durften an Platze sein. SovoU 

Ki^iTdvici al$ Scbnalbansen nennen fnrPodolien. Wolj- 

nien nnd die Gv^rerneinaits Kijev, Potetva nnd TsdMrni- 

jT^'W k^ine s^^ecMlen Fandc4te dieser Holrait ond beengen 

N>rb mii dfr HNMfbuur. dass sie auf fencbten Stayniorten 

\\>rkoniaiie; danns dtrfte «an srblie^iem dass die Scfciran- 

erie im ^XMiusiea GeVieie allse^ein rert^recte« ist, wie Dies 

.^j*^*:^'! ax.--:: an>ur&ciL.>:i NciCKTti. Ariern 

i:oiÄ r,\:>* i>e^»$ iVbSiiesc r^ä^i o« Gi>?!L:a B 

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— 203 — 

hmüber; nach Nikolskij, erscheint sie im Kreise Balaschow, 
mit der Eiche und Rfister, als vorherrschende Baumart; im 
Kreise Ssaratow wächst sie, nach Ssmirnow, z.B. bei dem 
nach ihr benannten Dorfe Jelchowka. — Weiterhin nach 
Norden wird die Schwarzerle immer häufiger, z. B. in den 
Gouvernements Minsk, Tschernigow, Kursk, Tambow, Pensa 
und Ssimbirsk. Es würde mich zu weit fähren, wollte ich 
alle Gebiete aufführen, wo diese Holzart angetroffen wird. 

üeber die Wachsthumsverhältnisse der Schwarzerle, so 
wie Ober die Dimensionen, welche sie erreicht, liegen aus 
dem europäischen Russland so gut wie gar keine Nachrichten 
vor. CzerniaSw bemerkt, dass sie im Gouv. Charkow einen 
Stammesdurchmesser von 10 Werschok (44,45 Cm.) aufweist. 
Nach den Angaben Paissel's, wird die Schwarzerle, im Gouv. 
Woronesh, in 70 Jahren 55 Fuss hoch; im Alter von Ober 
60 Jahren wird sie kernfaul; sie erreicht folgende Dimen- 
sionen : 

Höhe Dicke 

in 40 Jahren 45 Fuss 22 Zoll 
» 45 x> 49 D 26 » 
» 50 » 50 » 32 » 

Solcher Bäume stehen auf 1 Dessjatina (= 1,0925 Hek- 
tare), in einem nicht gelichteten Bestände, circa 1000, die 
einen Holzmassen-Ertrag von 12000Kub.-Fuss geben. Die 
Schwarzerle wird leicht vom "Winde umgeworfen, in Folge 
davon, dass sie vom Frühjahrs-Hochwasser stets unterspOlt 
wird. Sie trägt häufig und reichlich Samen, jedoch nur an 
Waldsäumen. Ihre ßeproduktionsfähigkcit ist ganz enorm: 
die Fälle sind nicht selten, dass die beim Feldmessen ver- 
wendeten erlenen Absteckpfähle Wurzeln fassen und im fol- 
genden Sommer ergrOnen. 



— 204 — 

Jenseits der Steppen tritt die Schwarzerle in der Krim 
und im Kaukasus wieder auf. In der Krim kommt sie dies- 

und jenseits des Gebirges, hauptsächlich an Bächen, vor; an 
der Alma, unweit der Brücke (auf der Strasse nach Sewa- 
stopol) steht ein Wäldchen hochstämmiger Bäume. Im Kau- 
kasus, wo sie sich in der genuinen Form und in der var. 
denticiUata C. A.Mey. {A.öblongata'VfiM.y) findet, wächst 
sie fast überall, bis zur Höhe von 5500^ üb. d.M.; z.B. am 
Terek, in der Kabardä, in Imeretien, Kachetien, Talysch. 
Auch, die Varietät wächst, nach G. Koch, «sehr häufig im 
Hochgebirge, auf Urgestein, Porphyr undKalk, 3000 — 5500' 
hoch». Sie wird bis 70 Fuss hoch , bei einem Durchmesser 
von 1 Fuss. Auch hier findet sie sich an Flussufern, auf 
feuchten Wiesen und auf Sumpfboden. — Vom Kaukasus 
aus verbreitet sich die Schwarzerle nach Nordpersien, wo sie 
von Buhsein den Provinzen Ghilan und Masenderan häufig 
gefunden wurde. Karelin fand sie, in der var. denticulcUa^ 
an der Mündung des FL Bahn. In Afghanistan und im Hi- 
malaya fehlt sie. Wie oben bemerkt, kommt sie aber in der 
Dsungarei vor. Der kaukasische Verbreitungsbezirk hängt 
mit dem europäischen über Kleinasien und Griechenland zu- 
sammen. 

Namen. — Russisch: OVcha^ OVcha tschornaja (d. i. 
schwarze Erle); Olech und Älech (Woronesh), OUschina^ 
Ol&schniky Jelocha (Kostroma), Jüschina (Nowgorod, Pskow), 
2^cAmfl(Pskow); PF(jrcÄa(Nishnij-Nowgorod); kleinrussisch: 
WWcha. — Polnisch: Olsza^ Olszyna^ Olcha. — Littauisch: 
ElksniSj Alksnis. — Lettisch: AlksniSj Meinais alksnis. — 
Norwegisch: Or^ Older^ Svartolder. — Schwedisch: AI, Klibbe- 



1) Auch diese Varietät fand sieb, wie oben erwähnt, zur Pliocäazeit am 
Altai. 



r 



• • 



• — 205 — 

al{Klil)bal)^ Grön-al. — Armenisch: Bärtig Assnaterewy^ Las- 
teni. — Ossetisch: Fertv, Färb, Ssau-ferw. — Finnisch: 
Leppäy Tervaleppä (d. i. Theer-Erle), Hyötyleppä; auch Bau- 
taleppä und Bautiaisleppä (nach Norrlin und Nylander). 
— Estnisch : Lep, Sangg (were^ ema) lep. — Livisch: Lepa, 
Li^a, Läpa. — Mokscha-mordwinisch : Lepä; Ersa-mord- 
win.: Läpe. — Tscheremissisch: Lül-pä. — Wotjakisch: 
Lul'pu. — Syrjanisch: Lol-pu^ Lo-pu. — Tatarisch (in Ka- 
san): Iryk^ JerSk^); (in der Krim): Dsherik (Ruizkij^ Tscha- 
ryk-agdtsch^ (Steven)^); (im Kaukasus): Kisü-agätsch (d. i. 
rother Baum). — Baschkirisch: Dshirek (Pallas). — Tschu- 
waschisch: Ssirik. — Grusinisch: Murkgani. — Imereti- 
nisch, gurisch: Thchmela. — Mingrelisch: Thchumu. — 
Sswanetisch: Bölkösch. — Abchasisch: ÄU^). — Inguschisch: 
Miink. — Tschetschen.: Maa. — Kabardinisch: Jekäbze. — 
Tscherkessisch: Jekepza^ Aschcho^ Ffe. — Kumykisch, awa- 
risch: Makar. — Lesgisch (did., inuch.): Nukche; (kaputsch.): 
Nakcho. — Persisch (in Ghilan): Tusseh; (in Masenderan): 
Tusskoh. 

868. (5.) Alnu8 pubescens Tausch. {A. glutinoso-incana Wirt- 
gen^ A.badensis Lang, Alnus glutinosa ß puhescens Regel, 

Monogr. Betul., p. 101). 

Diese Art, die allgemein als Bastardform zwischen A. 
glutinosa und A. incana gilt, kommt bei uns sehr zerstreut 
vor und wird wahrscheinlich noch in verschiedenen Gegenden 



1) Den Laoten nach ähnlich der russischen Benennung. 

2) Der von Steven gleichfalls der Erle zugeschriebene Name üsak- 
agatsch (Yerzeichniss etc., p. 814) bezeichnet nicht diese Holzart, sondern 
die Espe (wie ib., p. 14, richtig angegeben ist). 

8) An die indoeuropäischen Benennungen anklingend. 



— 206 — 

gefunden werden. Aber dass sie in solchen Gebieten wachsen 
sollte, wo eine der beiden Stammarten fehlt, ist a priori sehr 
unwahrscheinlich. Daher kann man nicht der (von Beketow 
wiederholten) Angabe N. I. Fellman's^) trauen, dass A. 
puhescens im russischen Lappland, bis Kola und Ponoi, vor- 
komme, da A. glutinosa, wie wir gesehen, daselbst fehlt; 
und in der That hat J. P. Norrlin^) gezeigt, dass die N. I. 
Fellman'sche Angabe sich auf eine besondere Varietät (bo- 
realis Norrl.) der A. incana beziehe (vgl. unten). A. pu- 
hescens findet sich, nach Schübeler^, auch im südlichen 
Norwegen nur in Gesellschaft der beiden genannten Arten. 
Sie wächst, nach Willkom m, z. B. in Baden, Böhmen, Schle- 

* 

sien, Galizien, Ostpreussen, meist auf Moor- und Sumpfboden. 
— Bei uns ist A, puhescens bisher in Finland, im Gouv. 
Oionez, in Polen und im Kaukasus gefunden worden. In Fin- 
land wächst sie an verschiedenen Stellen, z. B. im sädöst- 
lichen Tavastland (am Wesi-järvi)*). Im Gouv. Oionez findet 
sie sich, nach Norrlin^) und Günther (1. c, p. 51), bei- 
spielsweise an der Welikaja-guba (einer Bucht des Onega- 
sees) •). In Polen ist A. puhescens^ nach Rostafinski, bis 
jetzt nur im Thale Ojc6w beobachtet worden. Ihr Vorkommen 
hie und da im Kaukasus wird von Regel und Medwedew 
bezeugt. 



1) Plantae vascalares in Lapponia orientali sponte nascentes; p.54. Als 
Alnus gluHnosa v. puhescens aofgefQhrt. 

2) «Bidrag tili Sydöstra Tavastlands Flora»; in: Notiser nr S&llsk. pro 
fauna et flora fennica förhandl., Hft. 11 (1871), p. 151. 

3) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 197. 

4) Vgl. Norrlin, 1. c, p. 160. 

5) Flora Kareliae Onegensis; pp. 27 u. 168. 

6) Bei St. Petersborg scheint A. pübescens zu fehlen; wenigstens hat 
Schmalhaasen sie nicht anter den dortigen Bastardformen verzeichnet. 



— 207 — 

364. (6.) Alnm incana Willd. 

Bevor ich die Verbreitung der Weisserle betrachte, will 
ich die Varietäten derselben aufzählen, die im europäischen 
Russland, nach Regel und Norrlin, beobachtet werden. 
Es sind folgende: 

a) vulgaris Reg.^), verbreitet in der nördlichen Hälfte 
Russlands, desgl. im Kaukasus. 

b) glattca Ait., in Finland und im Gouv. Olonez (Norr- 
lin), Sibirien, Japan und Nordamerika, desgl. in den Alpen. 

c) sibirica Ledeb.j im Gouv. Perm (Krylow), in Sibirien 
und in der Mandshurei. 

d) pinnatifida Spach, z. B. in Livland und Kurland, so 
wie (nach Bakunin) im Gouv. Ssmolensk. 

e) argentata Norrl.^), am Onega-See. 

f) borealis Norrl., ersetzt in den nördlicheren Gegenden 
Finlands und in Lappland die Stammform; sie findet sich, 
nach Norrlin, auch in Tavastland und am Onega-See. Wie 
bemerkt, hielt N. I. Fellman diese Varietät für Alnus pu- 
bescens. 

In Norwegen ist die Weisserle, nach SchObeler, bis 
zur Mündung des Tana-Flusses in Ost-Finmarken (unter 70° 
30'n.Br.) verbreitet. Auch in Enare- Lappmark dringt die 
Weisserle (in der var. borealis Norrl.), nach Osw. Kihl- 
man'), längs den Bächen, in der subalpinen Region, bis zur 



1) Norrlin (Notiser ar Sällsk. pro faunaet florafennicafOrhandl., Hft. 
11, 1871, p. 151) unterscheidet noch eine Sabvariet&t jnnna<i-j>arftto, die in 
Tavastland (am ürajärvi) vorkommt; es fragt sich, ob diese Form mit fieder- 
spaltigen Blättern nicht mit Spach's var. pinncUifida zusammenfällt? 

2) Norrlin (Flora Eareliae Onegensis, p. 168) gibt folgende Diagnose 
dieser Varietät: «foliis duplicato-serratia, utrinque praesertim in junioribus 
dense pnbescentibus, albido-sericeis». 

S) Anteckningar om floran i Inari Lappmark; in: Meddelanden af So- 
cietas pro fauna et flora fennica, Hft. 11 (1885), p. 120. 



— 203 — 

Nordgrenze der Birke, d. h. etwa bis zom 70° n. Br. Bei 
ToiToniemi (etwa unter 69^ 5' n. Br.) traf Eihlman noch 
Büsche an, die 2^ ^ Meter hoch waren; auf dem Berge Pel- 
doaiyi fand er sie in der Höhe Ton 396 Metern fib. d. M., 
bei nördlicher Lage. Middendorff beobachtete die Weiss- 
erle an der Bacht Schoretskaja. nahe der Mündung des Kola- 
Bosens, unter 69*!j^ n. Br. Nach N. I. Fellman, geht sie 
im Russischen Lappland bis zur Mündung des Kola-Bnsens 
und bis zum Dorfe Ponoi. Jac. Fellman^) bemerkt, dass 
sie bei Kandalax noch einen Durchmesser ron 7 Zoll (17*/4 
Cm.) erreicht weiter nach Norden aber immer niedriger 
wird. — Im Osten des Weissen Meeres glaubt Ruprecht 
die Weisserle noch am Cap Kargowskij im Busen ron Mesen' 
beobachtet zu haben. Ä.G. Schrenck fand sie an der Pjosa, 
RötschugaundZyrma; an der unteren Petschora und an der 
Eolwa hat er sie nicht gesehen. Die Hofmann'sche Expe- 
dition scheint die Weisserle gar nicht im nördlichen Ural 
angetroffen zu haben; wenigstens wird sie tou Ruprecht, 
der die Resultate dieser Expedition bearbeitet hat, gar nicht 
erw&hnt. Nach Iwanizkij, kommt sie im ganzai Gout. 
Wologda Tor, also auch am oberen Laufe der Petschora. 
Bei so ungenügenden Daten ist es unmöglich die Nordgrenze 
der Weisserle im Osten des Weissen Meeres auch nur eini- 
germaassen genau zu ziehen; jedenMIs bleibt de dort hinter 
der Birke bedeutend zurück, denn die letztere reicht an der 
Kolwa bis zur Mündung des Ssandiwei. 

Die Sudgrenze der J. incana bietet grösseres Interesse, 
denn, wie Bode und Ruprecht bemerken, soll dieselbe mit 
der Sädgrenze der Fichte, resp. mit der Nordgrenze des 
Tschemosjom-Gebietes, zusammenMlen. Bei Betrachtung 



1) Im BnlL de Mosco«, T. 3, 1831, pi 



i 



— 209 — 

der Fichte werden wir sehen, dass diese Annahme nicht ganz 
genau ist, dass aber immerhin eine gewisse Congruenz der 
Verbreitungsgebiete beider Baumarten Statt hat; im Allge- 
meinen dringt die Weisserle etwas weiter nach Süden vor, 
als die Fichte. Blasius^) hatte bereits darauf aufmerksam 
gemacht, dass A. incana als eine geographisch auffallend 
charakteristische Baumart erscheint, «mit deren Südgränze 
ffir das Innere von Russland, für das Fiussgebiet des Dojepr 
und der Wolga, auch die Nordgränze der Obstcultur zusam- 
menfällt», und die, «in Gemeinschaft mit dem Auftreten der 
wilden Obstarten in Sfldrussland, die wesentlichsten Natur- 
gränzen Russlands anzudeuten» scheint. Wenn auch diese 
Bemerkung im Allgemeinen ihre Richtigkeit hat, so hat doch 
Blasius die Südgrenze der Weisserle viel zu weit nördlich 
gezogen: nach seiner Angabe, soll sie u. A. zwischen Babi- 
nowitschi und Orscha (im Gouv. Mohilew) verlaufen. In- 
dem ich in Folgendem die Südgrenze des Vorkommens dieser 
Holzart annähernd mittheile, muss ich bemerken, dass eine 
continuirliche Grenze ihrer compacten Verbreitung gegen- 
wärtig, aus Mangel an genaueren Nachrichten, nicht gezogen 
werden kann; in einigen der von mir zu gebenden Fundorte 
scheint die Weisserle nur inselförmig vorzukommen. — Es 
lassen sich im europäischen Russland, wie in Europa über- 
haupt^), zwei gesonderte Verbreitungsbezirke der Weisserle 
unterscheiden: ein nördlicher und ein südlicher. Der letztere 
umfasst (in Europa) die Gebiete der Apenninen, Alpen (mit 
ihren Ausläufern bis nach Bosnien ^) hinein) und Karpathen. 



1) Reise im Europäischen Russland; Th. 2, p. 164—165; vgl. auch pp. 
82 n. 118. 

2) Vgl. Willkomm. Forstl. Flora, p. 292 (Aufl. 2, p. 852). 

8) A. incana wächst in Bosnien, unweit Serajcwo. Vgl. 0. Blau. Reisen 
in Bosnien und der Hertzegowina. Topogr. und pflanzengeogr. Aufzeich- 
nungen. (1877); p. 73. 

14 




— 210 — 

Von den letzteren steigt sie in die Ebene hinab nnd findet 
sich in Galizien und in der Bukowina, von wo aus die Weiss- 
erle nach Podolien und Bessarabien hinfibertritt Eichwald 
behauptete bereits ihr Vorkommen in Podolien; Schmalbau- 
sen verdanken wir die Bezeichnung eines genaueren Fundor- 
tes : sie w&chst am Fl . Sgar unweit Ssuprunow (im Kreise Win- 
niza); vermuthlich werden sich auch noch andere Fundorte 
constatiren lassen. Nach Tardent, findet sich die Weisserle 
in Bessarabien, auf feuchten Stellen an Flussufem ^). Ganz 
abgetrennt von diesem kleinen südlichen Verbreitungsgebiete 
der Ä. incana erscheint das umfangreiche nördliche, dessen 
Sodgrenze annähernd folgenden Verlauf hat. 

Aus Wolynien ^), und zwar, nach Bode, aus dem Kreise 
Nowograd-Wolynsk, geht die Südgrenze der Weisserle über 
den nördlichsten Theil des Gouv. Kijew, wo sie, nach Rogo- 
wicz, bei Korostyschew (im Kreise Radomysl) beobachtet 
worden ist; ferner durch den Kreis Nowgorod-Ssjewersk (des 
Gouv. Tschernigow) ') und den Kreis Trubtschewsk des Gouv. 
Orel (nach Zinger)*), so wie durch das Gouv. Kaluga (Ssa- 
nizkij), den nördlichsten (an's Gouv. Moskau stossenden) 
Theil des Gouv. Tula^), den Norden des Gouv. Rjasan (im 
Kreise Kassimow, nach Zinger)*) und des Gouv. Tambow 



1) Indessen wird sie von Lindemann, Döngingk und Akinfijew 
nicht für Bessarabien genannt. 

2) Schmalhausen bemerkt irrthümlich, dass die Weisserle in Woly- 
nien nicht gefunden sei; Eichwald, Lindemann und Bode kennen sie • 
von daher. 

3) Vgl. Schmalhausen (I. c, p. 587), nach dessen Zeugniss die Weiss- 
erle auch im Kreise Mglin wächst. Ruprecht scheint sie daselbst nicht 
beobachtet zu haben. 

4) Wie mir ein FOrster aus dem Kreise Brjansk mittheilte, soll die Weiss- 
erle in den dortigen Wäldern fehlen; doch mag eine genauere Nachforschung 
ihr Vorhandensein ergeben. 

5) Vgl. Bode. Notizen, gesammelt auf einer Forstreise (1. c, p. 385). 

6) Bode (Holzgewächse, 1. c, p. 49) gibt, nach Berichten der Förster, 



— 211 — 

(SsemenowX wo sie indessen im Kreise Schazk nicht vor- 
kommt^); weiterhin durch den Norden des Gouv. Pensa 
(Bode)y wo sie aber inselförmig iiuch im südlichen Kreise 
Tsehembar vorkommt, wie mir Prof. Rudzki mündlich mit- 
getheilt; dann durch die Gouvernements Ssimbirsk and Ssa- 
mara(nach VeesenmeyeV, der leider keine speciellen Fund- 
orte angibt), und zwar über Ssimbirsk und Ssergijewsk 
(Claus), nach Ufa (Schell)^) und zum Uralgebirge, welches 
die Weisserle zwischen dem 54° und 55° n. Br. zu über- 
schreitenscheint. Nach Claus, solU. tncona auch im Gouv. 
Ssaratow vorkommen ^), doch bedarf diese Angabe wohl der 
Bestätigung. Ganz unwahrscheinlich klingt die Angabe Lin- 
dem an n's^), dass er die Weisserle in den Gouvernements 
Charkow und Poltawa gefunden habe; Czerniaßw sagt aus- 
drücklich, dass im Gouv. Charkow nur A. glutinosa vor- 
komme; Dasselbe bezeugt Ssewerzow in Betreff des Gouv. 
Woronesh*^); nach Misger, fehlt A, incana auch im Gouv. 
Kursk; desgl. auch, nach Rogowicz und Schmalhausen, 
im Gouv. Poltawa. 



aach den Kreis Rjashsk als Fundort der Weisserle an, welche Angabe er 
indessen selbst bezweifelt. 

1) Vgl. CejibCK. Xo3. H JltcoB., }KypH. Mhh. roc. hm., 1866, h. 92, 
CTp. 169. 

2) Schell nennt für die Gouvernements Uf& und Orenburg folgende 
Fundorte: Earagaisk, Kasakkulowka, Ufa, Rebasch. — Nach Karelin, soll 
sie sogar am üralflusse vorkommen. 

8) An einer Stelle heisst es sogar, dass sie bei Sarepta wachse; offenbar 
liegt hier ein Druckfehler vor, und es soll Ssaratow heissen. 

4) alndex plantarum» etc., in Bull, de Moscon, 1860, P. 2, p. 163. 

5) Indessen nennen einige Autoren die Weisserle für das Gouv. Woro- 
nesh; so sagt Paissel (HCypn. Muh. rocy;^. HMyii;., 1861, h. 76, Jltcon. u 
ozoTa, CTp. 105), dass sie daselbst sehr selten vorkomme; und Ippol. Wi- 
cinski (Taa. Jltcos. h oxotu, 1856, JI&A& 26 h 27) gibt sie sogar fQr den 
sQdlichen Kreis Waluiki an; diese letztere Angabe beruht offenbar auf einem 
Irrthume. 

14* 



'^ 



• weiter nach Norden, so lisst sich Ober das 
Weisserle niKli Folgendes mittbeüeD: In 

. «»eh Rost»fi«ski, überall TereinzehTor, 
\V;jiKl$tellen und sumpägen Flassiifeni; 

*a wnil*>wh-.', so wie iwfetfh«i Maijampol 
Vüöe< sie jrrv^ss«* Eestici*. !■ Goht. 

v\ rjiv-i: P«$ifcew:ei, lB- iciaiKniseB 

t. Sf':.T 'U-5.i, !_'■; ii"J: sf'Jiat criaatn 
■■.'v'4-^.^i, Vintfr tatnc su zt b£Xvr:a:%tr- 

s> >,y r.:s,- !>;■ -ri -n.vs. ir-jy^xipfu. I-i'L-f 
'i y--'i\, ns-:-. :.:i u i~i/=iaw»-, äff 

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— 213 — 

sächlich innerhalb des Hanptgebirgszuges — in Imeretien, 
Ratscha, Ossetien,Taschetien, Daghestan etc., bis zur Höhe 
von 6000' üb. d. M. Sie wird daselbst 40—50 Fuss hoch. 
— Das gegenwätige Vorkommen der A. incana im Kauka- 
sus scheint ein ganz inselförmiges zusein; denn, nach Bois- 
sier (Fl. or., IV, p. 1180), findet sie sich weder in Klein- 
asien, noch in Persien. Da die kaukasische Form, nach 
Regel, mit der europäischen identisch zu sein scheint, so 
muss der kaukasische Verbreitungsbezirk dieser Holzart einst 
mit dem europäischen zusammengehangen haben, und zwar 
über Kleinasien, wo die Weisserle nachträglich ausgestorben 
sein muss. In Sibirien tritt sie in drei Formen auf: a) stbi" 
rica Ledeb., b) Mrsuta Spach (z. B. am Amur) und c) glauca 
Ait.; in dieser letzteren Form findet sie sich auch in Nord- 
amerika. 

Namen^). — Russisch: OVcha^ Bjelaja OV cha (d. h. weisse 

Erle), etc. — Polnisch: Biata Olsza. — Lettisch: Baltais 
Alksnis. — Norwegisch: Or^ Older^ Qraa-Or^ Hvid-Or. — 
Schwedisch: Qrdalj Arr, Arre. — Ossetisch: Urs-ferw (d. 
i. Pferdeerle). — Norweg.-lappisch : Laibbe (Schübeier); 
Enare-lappisch: Laib; finn.-lappisch: Leipe^ am Imandra-See: 
Leap, am Nuottejauri: Leppe (Jac. Fell man); schwed.-lap- 
pisch: Sieipi (Schübeier). — Finnisch: Leppa^ Leppä\ Hi- 
Tdäisleppä (Nylander), Harmaorleppä (bei Annenkow). — 
Estnisch: Isa (pash) lep. — Tatarisch (in Kasan): Iryk. 

Gattung 2. Betula. 

Die Birken existirten bereits im unteren Tertiär, aus 
welcher Zeit sie in Nordamerika aufgefunden worden sind. 
Aus dem Miocän beschrieb Heer vier Arten allein von der 



1) Die meisten Namen sind dieselben, wie für Alnus glutinosa. 




— 214 — 

Insel Ssacbalin; davon waren zwei Arten zu jener Zeit weit 
verbreitet, nämlich: 1) Betula prisca Ett. (der im mittleren 
Asien gegenwärtig verbreiteten B. Ehojpattra nahe stehend), 
die z. B. im mittleren Europa, in Alaska und auf Spitzbergen 
gefunden worden ist; 2) B. Brongniarti Ett. (nahe stehend 
der gegenwärtig in Japan wachsenden B. carpinifdia Sieb.), 
die in Europa weit verbreitet war. 

In Anbetracht des grossen Wirrwarrs, der in Folge der 
Mannigfaltigkeit der Formen dieser Gattung herrscht, halte 
ich es für geboten, mich an die von RegeP) durchgeführte 
Eintheilung zu halten, die natfirlich nicht als das letzte Wort 
in dieser schwierigen Frage gelten kann. Nach den von Re- 
gel aufgestellten Gruppen geordnet, kommen folgende Be- 
tula' Arien im europäischen RusshiuJ und im Kaukasus vor: 

Gruppe 1. Albae, 

1 . Betula alba L. Verbreitet im europäischen Russland 
und im Kaukasus. 

2. Betula pubescens Ehrh. Im europäischen Russland 
(mehr im Norden) und im Kaukasus. 

3. Betula tortuosa Ledeb., in Lappland, Nordrussland 
und im Altai. 

Gruppe 2. Fruticosae, 

4. Betula intermedia Thom. In Nordrussland. 

Gruppe 3. Nanae, 

5. Betula nana L. Im nördlichen Russland. 

6. Betula alpestris Fries, in Nordrussland. 



1) In De Candolle's Prodromus, P. XVI, Sectio posterior (1S68), p. 
161 — 180. — Nur wenige Aasnabmen erlaube leb mir: so trenne icb, nach 
dem Vorgange Boissier's nnd vieler anderer Forscher, Betula pubescens 
▼on B, alba; desgl. scheide ich Ton der letzteren anch B. tortuosa ab. 



— 215 — 

7. Betula humüis Schrank, im nördlichen und mittleren 
Russland. 

Gruppe 4. Costatae. 

8. Bäfda Raddeana Trautv., im Kaukasus. 

9. Betida Medwedetci Regel, im Kaukasus. 

Die beiden letztgenannten Arten sind erst in den Jahren 
1885 und 1886 entdeckt worden. Sie erweisen sich als be- 
sonders interessant, da die Repräsentanten der Gruppe Co- 
statae bisher nur aus Asien und zwar ganz vorwiegend aus 
Ostasien, bekannt waren. Nur eine Art, B. Bhojpattra 
Wall.^), ist von Japan, über West-Kansu (Przewalski) und 
Nordindien, bis Afghanistan verbreitet; diese Form bildet, 
so zu sagen, die geographische Verbindung zwischen der in 
Kamtschatka und Ostsibirien wachsenden (zu derselben Gruppe 
gehörenden) B, Ermani Cham, und den beiden genannten 
kaukasischen Arten. 

Von einigen Autoren, z. B. von N. I. Fellman^), wird 
B. hybrida Regel als besondere Art aufgeführt. Dazu muss 
ich bemerken, dass Regel, der in seiner Monogr. Betul., p. 
36, diese Art aufgestellt und mehrere Varietäten derselben 
unterschieden hat, sie später (in De Candolle's Prodromus) 
fallen Hess, indem er die einzelnen Varietäten ganz verschie- 
denen Arten zuwies; so die Varietäten y, 8 und X, derB.tor- 
tucsa Ledeb., var. £ der^B. intermedia Thom. und var. a, ß 
und Y (?) der B. alpestris Fr. 



1) Wie bemerkt, wuchs indessen eine dieser letzteren nahe stehende Art, 
zur Miocänzeit, auch in Europa. 

2) «Plantae vasculares in Lapponia orientali sponte nascentes» (1. c, p. 
54). Als Fundorte gibt Fei Im an Kola, Olenij und Eildin an. 



1 



216 



365. (L) Betula alba L. 

Um sich in der Menge der Varietäten der Weissbirke 
zurechtzufinden, gebeich, nach Regel (1. c, p. 162 — 169), 
nach Ausscheidung der B. pubescens und B. torttwsay eine 
Uebersicht derjenigen Formen, welche im europäischen Russ- 
land vorkommen. Es sind folgende, die alle zur Subspecies 
verrucosa Ehrh. gehören: 

a. vulgaris Regel, verbreitet in Mittel- und Nordeuropa, 
in Armenien, Sibirien und Japan. 

ß. sterilis Regel, z. B. in Finland und am Amur. 

y. OycoviensisBess.y beiOjcöw^) (im südlichen Polen) ^). 

Im Folgenden werde ich die genannten Formen nicht 
auseinander halten. Da auch B. pubescens nicht von allen 
Autoren von B. alba unterschieden wird, so ist es nicht un- 
möglich, dass einige wenige Angaben über das Vorkommen 
der Weissbirke sich auf B. pubescens beziehen. 

Betula alba ist von allen Birkenarten die am weitesten 
verbreitete. Nordwärts geht sie zwar nicht so weit, als B. 
pubescenSy B. tortuosa^ B. nana und B. alpestriSy dagegen 
dringt sie weit nach Süden vor, und findet sich gleichfalls 
in der Krim und im Kaukasus. Bei dem vorhandenen, sehr 
lückenhaften Material, speciell für B. alba, erscheint es für 
den Augenblick unmöglich die Nordgrenze ihrer Verbrei- 
tung zu ziehen. Die uns bekannte Nordgrenze der Birke, 
die z. B. von Trautvetter besprochen worden ist, bezieht 



1) Ojcöw ist die richtige polnische Schreibweise dieses Ortes. 

2) Vgl. V. Traut Vetter, «üeber Betula oycoviensis Bess.j>, in: Bujl. 
phyB.-math. de TAcad. d. sc. de St.-Ptsbg, t. XV, 1867, p. 287—288. Desgl. F. 
Herbich. «Einiges Aber Betula oycoviensis Bess.», in dessen «Botanische 
Mittheilungen aus Galizien». (Flora, 1857, p. 504—506). — Diese Form 
wächst auch im Szekler-Lande (in Siebenbürgen); vgl. Verhandl. d. zool.- 
botan. Ver. Wien, 1856, Sitzungsber., p. 88. 



— 217 — 

sich ohne Zweifel auf B. pubescens, die unter den baumför- 
migen Birken am weitesten nach Norden reicht, und kommt 
weiter unten, bei Betrachtung dieser Art, ausführlich zur 
Sprache. Im russischen Lappland kommt f. alba (verrucosa), 
nach N. I. Fellman, nur in der untersten Region vor, und 
geht nordwärts nicht über den See Ruanjäryi hinaus; in 
Enare- Lappland fehlt sie (nach Kihlman). Nach Homi- 
lewski, findet sich die Weissbirke im Kreise Kem\ Im 
ganzen Gebiete des Onega-Sees wächst B. verrucosa, nach 
Norrlin und Günther, häufig, und zwar vorwiegend auf 
trockenen Stellen; es ist also nicht richtig, wenn Blasius 
(Reise, I, p. 93 — 94) sie erst am Südufer des Onega-See's 
auftreten lässt. Ueber das Vorkommen der Weissbirke im 
östlichen Theile des Gouv. Archangelsk vermag ich nichts 
zu sagen. Nach Iwanizkij, soll sie im Gouv. Wologda über- 
all vorkommen. Weiter nach Süden wird sie immer häufiger. 
So z. B. im südlichen Finland, in den Ostseeprovinzeu (vor- 
züglich in höherer Lage, auf trockenem Boden), in den Gou- 
vernements St. Petersburg (überall verbreitet), Nowgorod, 
Twer, Jarosslaw, Kostroma, Wjatka, Perm etc. 

Was die Südgrenze der J?. alba betrifi't, so hat Bgde 
eine doppelte angenommen, nämlich danach, ob sie nur in 
einzelnen Exemplaren vordringt, oder aber Bestände bildend 
auftritt ^). Trotz des sehr viel vollständigeren Materials, das 
mir vorliegt, sehe ich mich ausser Stande, diese beiden 
Grenzen zu trennen, obschon, bei genaueren Angaben, die- 
selben gewiss zu unterscheiden wären. — Aus dem Norden 



1) Die erste Grenze zieht er (]. c, p. 50) aus dem nördlichen Bessara- 
bien, durch Podolien, die Gonvernements Chersson, JekaterinossIaw^Taurien, 
nach dem Goav. Astrachan. Die zweite Grenze verläoft, nach ihm, aus dem 
GouY. Eijew, durch die Gouyemements Poltawa, Charkow, Woronesh und 
Ssaratow (bei Wolsk die Wolga überschreitend), nach Orenburg. 



n 



— 218 — 

Bessarabiens verläuft die Sädgrenze der B. alba durch deu 
nördlichen Theil der Gouvernements Chersson und Jekate- 
rinosslaw, zum Donez (etwa bei Sslawjansk), dann diesen 
Fluss hinunter, bis unterhalb der Mündung des Aidar; von 
hier, querdurch das Land der Don'schen Kosaken, zum Don, 
etwa bei der Mündung der Uowlja; femer längs der Wasser- 
scheide zwischen diesem letzteren Flusse und der Wolga; 
weiterhin das rechte Wolgaufer hinauf bis etwa zwischen 
Ssaratow und Wol'sk, wo die Birkengrenze die Wolga über- 
schreitet und längs dem Obstschij-Ssyrtzum Uralflusse ver- 
läuft, den sie dann hinauf verfolgt. Südlich von der so ge- 
zogenen Grenze tritt die Weissbirke nur an wenigen Stellen 
ganz inselfSrmig auf; so namentlich in der sandigen Zone 
am unteren Dnjepr (bei Aleschki), wo sie kleine Wäldchen 
bildet^); desgl. südlich vom Dralflusse, bei der Anhöhe Ur- 
kätsch, in der quelleoreichen Sand-Mulde Jakschi-Urkätsch- 
bassy, fast unter ^%V^ n. Br. (nach Borszczow). — Zur 
Begründung der von mir gezogenen Südgrenze der B. alba 
will ich einige genauere Data anführen. 

In Bessarabien kommt B. alha^ nach Tardent, nur im 
nordwestlichsten Theile vor, namentlich bei Chotin (am 
Dnjestr) und bei Nowosseliza (am Pruth). In der Umgegend 
von Chotin kommen sogar kleine Birkenwäldchen vor^). Was 
Podolien betrifft, so ist die Weissbirke daselbst offenbar ver- 
breitet, denn sowohl Rogowicz als Schmalhausen bezeu- 



1) Diese V^&Idchen sah ich z. B. auf dem Gnte des Herrn Yassal, wo 
sie ziemlich gross sind. Nach Aggöenko, finden sich dergleichen Birken- 
gehölze aach im Kreise Melitopol, unweit des Dnjepr. Die von Birken be- 
wachsenen kesseiförmigen Niedemngen werden dort 8sdg% genannt Der 
Wuchs dieser Holzart ist daselbst schlecht; sie ist grossentheils Strauch- 
förmig, in Folge vielfacher Beschädigung durch das Vieh. 

2) Schon bei Kischinew fehlt sie (nach Döngingk), desgl. im Söden, z. 
B. bei Bolgrad (nach Akinfijew). 



— 219 — 

gen ihr dortiges Vorkommen, ohne besondere Fundorte nam- 
haftzumachen. Merkwürdigerweise nennt Holtz sie nicht 
für den Kreis Uman' des Gouv. Kijew, wo sie doch sicher- 
lich vorhanden ist. Sie wächst, nach Lindemann, bei Eli^ 
sabethgrad (im nördlichen Theile des Gouv. Chersson); nach 
Galdenstädt (Reisen, II, p. 133) findet sie sich nur sehr 
selten im Walde Tschutfi; auch im «Schwarzen Walde» wird 
sie, nach Iwastschenkow, nur im nördlichen Theile und 
in geringer Anzahl angetroffen. Beketow sagt, dass £.aZ&a 
im Gouv. Jekaterinosslaw nur angepflanzt vorkomme; indessen 
wächst sie, nach Akinfijew, in der Umgegend von Jekateri- 
nosslaw am Dnjepr, z. B. bei Igren' (an der Mündung der 
Ssamara). Ich vermuthe, dass ihre Südgrenze von hier aus 
die Ssamara hinauf, bis zu deren Quellen, verläuft; die Ufer 
der Ssamara sind bekanntlich stellenweise, z. B. zwischen 
Nowomoskowsk und Pawlograd, noch recht waldreich, und 
da dort sogar die Kiefer waldbildend auftritt, so wird die 
Birke, als deren steter Begleiter, kaum fehlen. Am Donez 
kommt die Weissbirke, an beiden Ufern, verbreitet vor; 
Güldenstädt^) fand sie z. B. zwischen Smijew und Isjum, 
am Sswjatogorskij -Kloster (unweit Sslawjansk), unweit der 
Mündungen des Osskol und des Aidar; an letzterem Orte 
(zwischen Trechisbenskaja und Muratowa) standen schon da- 
mals nur wenige Birken, die gegenwärtig vielleicht ver- 
schwunden sind ^). Ob am Donez noch weiter hinunter Birken 
wachsen, ist mir nicht bekannt. Das Land der Don'schen Ko- 
saken ist in botanischer Hinsicht sehr ungenügend erforscht. 



1) Reisen, Th. II, pp. 232, 275, 279, 281, 288, 287, 290, 298. 

2) Südlich von diesen Gegenden, z. B. bei Bachmut, fand Güldenstädt 
die Birke nicht; und von den Ufern des Miuss sagt er (Keisen, II, p. 262) 
ausdrücklich, dass die Birk^ daselbst fehlt; auch Bashanow nennt sie nicht 
für den Wald Leont'jew-Bojerak. 



-•5W 



— 220 — 

SO dass ich nicht im Stande bin, die Südgrenze der Birke 
in diesem Gebiete auch nur einigermaassen genau zu ziehen ; 
der Name des FL Beresowqja^), eines linken Zuflusses der 
Kalitwa (die ihrerseits von links in den Donez fällt), weist 
auf das Vorhandensein der Birke hin. Die präsumtive Grenz- 
linie, die ich von der Mündung des Aidar (in den Donez) zur 
Mündung der Ilowlja (in den Don) gezogen, schneidet die 
Beresowaja in ihrem oberen Laufe. Nach Bogdan ow^), 
kommt die Birke, in Gemeinschaft der Espe, auf dem Kamme 
vor, der die Wasserscheide zwischen der Ilowlja und der 
Wolga bildet, und zwar auf einer dünnen Schicht von Tscher- 
nosjom; hier fand er sie südwärts fast bis Kamyschin, wäh- 
rend er sie im Süden dieser Stadt nicht mehr beobachtete ^). 
Die Birke fehlt, nach Claus und Becker, beiSarepta; noch 
weniger kommt sie im Gouv. Astrachan vor*). Weiterhin 
geht ihre Südgrenze, wie bemerkt, längs dem hohen rechten 
Ufer der Wolga, die sie höchst wahrscheinlich zwischen Ssa- 
ratow und Wol'sk überschreitet. Den Punkt anzugeben, wo 
Dieses geschieht, sehe ich mich ausser Stande, da neuere 
Nachrichten über das dortige Vorkommen der Birke fehlen. 
Wenn ich oben den Obstschij-Ssyrt als Südgrenze der Birke 
angegeben, so halte ich mich an eine ältere Notiz Georgi's^), 
der unter den Bäumen, die auf jenem Gebirgszuge vor 100 
Jahren wuchsen, auch die Birke nennt; ob dieselbe noch 
gegenwärtig, wenn.auch nur vereinzelt, dort existirt, vermag 



1) Von russ. Beresa (sprich Berjdsa) = Birke. 

2) M. EorAaHOB'B. IIthi^li u ae-l^pu UoBOJimha; CTp. 22. 

3) Jedenfalls muss die Birke bei Kamyschin sehr selten sein, da Jakow- 
lew sie nicht von daher kennt. Vgl. B. H. oOiepKH creaHaro IIpiiBOJixckfl». 
(HaxypajHCTb, 1866 r., cxp. 137—138). 

4) Bode's oben mitgetheilte Angabe vom Vorkommen einzelner Birken 
im Gouv. Astrachan ist zweifellos irrthümlich. 

5) Beschreibung des Russischen Reichs; Th. 1, p. 157. 



— 221 — 

ich nicht zu sagen, doch zweifle ich daran; Karelin führt 
sie nicht unter den Holzarten an, die er in den 2 0-er Jahren 
auf dem Obstschij-Ssyrt antraf Hr. v. d. Brinken nennt sie 
unter den Bäumen, die auf den Inseln des Uralflusses ober- 
halb Uralsk wachsen ; auch Karelin kennt sie von den Ufern 
dieses Flusses. Borszczow bemerkt, dass die Südgrenze 
der ununterbrochenen Verbreitung der Birke durch das 
südliche Baschkirien, nördlich vom 52° n.Br., verlaufe, dass 
diese Holzart aber, in kleineren Gruppen, bis zum Uralflusse 
gehe und sich stets an dessen Ufern halte: Schell nennt als 
Fundorte im Gouv. Orenburg z. B. Kondurowka und Nowyj- 
Orsk. 

Nach Eversmann^), ist die Birke im Orenburger-Ural 
sehr verbreitet; sie wächst auch auf den südlichen steppen- 
artigen Vorbergen desselben. Im "Waldgebiete zwischen den 
Flüssen Ik undSsakmara bildet sie, nach Rechenberg, die 
herrschende Baumart; sie wächst daselbst sehr freudig, in 
verschiedenen Lagen und auf verschiedenem Boden. Ueber 
die Verbreitung der B. alba im Wolgagebiete wissen wir 
nichtviel. Claus und Veesenmcyer haben sie von der B. 
p<6esc6ws nicht unterschieden ; Claus sagt, dass sie im Gouv. 
Ssaratow, mit Ausnahme Sarepta's, überall vorkomme; nach 
N. Ssmirnoff, ist sie im Kreise Ssaratow sehr verbreitet ; 
im Kreise Balaschow findet sie sich, nach Nikol'skij, nur 
stellenweise. Veesenmeyer bemerkt,* dass die Weissbirke, 
in den Gouvernements Ssimbirsk und Ssamara, der häufigste 
Laubwaldbaum der Hochwälder sei. Im Gouv. Woronesh 
wächst B, alba, nach dem Zeugnisse Ssewerzow's, haupt- 
sächlich auf höher gelegenen Stellen; W^icinski bemerkt, 
dass sie im südwestlichen Kreise Waluiki ganz fehle; im be- 



1) dßi,. 3BcpcMaH'b. EcT. HCTopifl OpeHÖyprcKaro Kpaa; h. 1, CTp. 46. 



— 222 — 

rühmten Schipow- Walde (im Kreise Pawlewsk) findet sie 
sich^ nach Anderson, nur in sehr geringer Anzahl. Paissel 
bemerkt, dass die Birke in früheren Zeiten im Gouv. Woro- 
nesh enorme Dimensionen erreichte; man findet noch jetzt 
80-jährige Stubben mit einem Durchmesser von 70 Cm., 
während die Birke gegenwärtig daselbst kaum halb so dick 
wird und meist krumm gewachsen erscheint. Da die wu- 
chernden Gräser und Kräuter die keimenden Birkensämlinge 
ersticken, so geschieht die Reproduktion dieser Holzart im 
Gouv. Woronesh fast ausschliesslich durch Wurzel- und Stock- 
ausschlag; Dieses ist auch der Grund, warum für sie gewöhn- 
lich nur ein 30-jähriger Umtrieb angenommen ist. In den 
ersten 10 Jahren hat die Birke sehr viel vom Befressen durch 
das Vieh zu leiden. Sie erreicht daselbst folgende Dimen- 
sionen : 









Höhe. 




Dicke. 


Masseninhalt. 


iil 


t 35 Jahren 


30 Fnss 


5- 


- 8 Zoll 


5 Kub.-F'ss. 


» 


40 


> 


35 


» 


8- 


-12 » 


12 


» 


i> 


50 


t> 


45 


» 




12 » 


26 


» 


» 


60 


» 


50 


» 




15 » 


45 


» 


» 


80 


» 


65 


» 




18 » 


62 


» 


» 


90 


» 


65 


» 




20 » 


80 


» 



Bei der grossen wirthschaftlichen Bedeutung der Birke, 
will ich einige Worte über ihre Nutzung im europäischen 
Russland sagen. Aus mehrfachen Mittheilungen Ober diesen 
Gegenstand wähle ich diejenigen aus, die sich auf das 
Gouv. Kostroma beziehen, wobei noch zu bemerken wäre, 
dass die mitzutheilenden Angaben sowohl B. alba^ als auch 
B. pubescens betreffen ^). Wie im grössten Theile des euro- 



1) Vgl. G. PoXCHOBCKifi. aJ['i^C0X03flfiCTBeHHbie o^epKH KocTpoucKoil 

r76epHiuo. (JI-i^cH. }KypH., 1872, buq. 4, CTp. 7 — 85). 



— 223 — 

päischen Russlands, so bedecken sich auch im Gouv. Ko* 
stroma die Brandstätten im Walde hauptsächlich mit zwei 
Laubhölzern: der Birke und der Espe; im Kampfe unter 
einander um die Herrschaft auf diesen Stätten erhält die 
Birke schliesslich immer die Oberhand. Es ist die äussere 
weisse Birkenrinde (russ. ber6sta\ die in der Wirthschaft 
eine sehr grosse Rolle spielt, denn dieses blättrige Eorkge- 
webe enthält sehr reichlich ölig-harzige Stoffe, aus denen, 
auf dem Wege trockener Destillation, der gewöhnliche Theer 
(russ, djögot^) gewonnen wird. So lange der Lebensprocess 
der Birke nicht erloschen ist, behält sie die Fähigkeit jenes 
Korkgewebe anzusetzen ; je trockener und kälter der Sommer 
ist, desto dünner erweist sich die Schicht desselben, und zu- 
gleich ist es härter und leichter; bei feuchten und warmen 
Sommern wird das Korkgewebe in dickerer Schicht ange- 
setzt, es ist dann auch weicher und schwerer. In erhöhter 
und trockener Lage producirt die Birke dünnere Schichten 
desselben, als in feuchten Niederungen^). Zum Zwecke der 
Theergewinnung vom Stamme abgelöst, erneuert sich das 
Korkgewebe wieder, sobald das Cambialgewebe unverletzt 
bleibt, aber es erscheint härter, trockener und brüchiger und 
enthält weniger ölig-harzige Stoffe, als das erste Gewebe; 
es wird vom Bauern a\yh mit einem anderen Namen {barma) 
bezeichnet; in 15 — 20 Jahren bildet es eine Schicht, die 
zum technischen Zwecke verwendbar ist. Bei 40-jährigem 
Umtriebe, zur Erzeugung von Brennholz mittlerer Dimen- 
sionen, kann man, wenn die Birke 20 Jahre alt ist, das erste 
Korkgewebe ablösen, das zweite aber am Ende der ümtriebs- 
zeit, nach dessen Wegnahme der Baum, zum Zwecke der 



1) DslB, äWa vorwiegend auf trockenen erhöhten Stellen, B.pubescena 
dagegen in sampfigen Niederungen wächst, so setzt diese letztere durchweg 
mehr Eorkgewebe an. 




— 224 — 

Holzgewinnung, gefallt wird. Bei 60-jährigein Umtriebe, 
wird die barma zwei Mal abgeschält. Die gewerbsmässige 
Ablösung des Korkgewebes geschieht in der Saftzeit der 
Birke, — im genannten Gebiete von Mitte Mai bis Mitte 
Juli a. St. Um einen Begriff von dem Umfange des Gewerbes 
der Theergewinnung zu geben, sei erwähnt, dass um das 
Jahr 1870 im Gouv. Kostroma allein 583 Theerhütten mit 
2915 Apparaten thätig, und 12,624 Menschen mit dem 
Abschälen der Korkrinde, mit der Zufuhr derselben und 
mit der Theergewinnung selbst beschäftigt waren. Ausser 
dem Theere, wird aus demselben Materiale eine Menge 
Leuchtgas gewonnen, welches in den vielen, namentlich in 
der Wolgagegend belegenen Fabriken allgemein zur Beleuch- 
tung verwendet wird. 

Das Holz der Birke dient in Eussland nicht nur als sehr 
geschätztes Brennmaterial, sondern wird auch vielfach als 
Nutzholz, zur Verfertigung von Möbeln und dem verschie- 
densten Geräthe, verarbeitet. Als besonders werthvoll gilt 
das Holz der bisweilen sehr grossen Maserknollen, aus wel- 
chem Gefässe und dergl. gedrechselt werden. Schflbeler^) 
bemerkt, dass die wirkliche Ursache dieser eigenthümlichen 
Bildungen nicht gehörig aufgeklärt sei. Ich erlaube mir 
hier eine Vermuthung über diese Uirsache zu wiederholen, 
die ich bereits anderwärts^) ausgesprochen: «Ratzeburg*) 
sagt von der Sesia culiciformis L., dass ihre Raupen in 
'dicken, kopfgrossen Maserbeulen der Birke vorzukommen 
pflegen. Andererseits theilt er mit*), dass die Raupen der 



1) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 181—182. 

2) Fr. Th. Koppen. Die schädlichen Insekten Russlands. (Beiträge zur 
Eenntniss des Russischen Reiches; zweite Folge, Bd. III, 1880); p. 328. 

3) Die Waldverderbniss; Bd. 2, p. 397. 

4) Ebendort, p. 29—83 und Taf. 37. 



r^ 



— 225 — 

Sesiacephiformis Ochs. i die in der Weisstanne leben, Maser- 
knorren erzeugen, die bisweilen sehr grosse Dimensionen 
erreichen. Wenn man diese beiden Tliatsachen in Betracht 
zieht, so wird Einem die Frage nalie gelegt, ob die bei uns 
nicht selten anzutreffenden Birkenmasern ihre Entstehung 
nicht der Thätigkeit jener Raupen verdanken? Man vermu- 
thet zwar, dass diese Bildungen durch Pilze hervorgerufen 
werden und stützt sich dabei auf deren Analogie mit den 
sogenannten Hexenbesen; allein erwiesen ist solches in Betreff 
der Masern nicht, und es wäre wohl möglich, dass Sesien- 
raupen an deren Bildung betheiligt sind ^))). — Die Birken- 
rinde wird gleichfalls zur Verfertigung verschiedener Ge- 
räthe (Körbe, Ge&sse, Tabaksdosen etc.) verwendet; besonders 
verbreitet sind die unter dem Namen burdk bekannten läng- 
lichrunden Gefässe von Birkenrinde, mit hölzernem Boden 
und Deckel. Das sogen. Birkenwasser (d. h. der Frfihjahrs- 
saft, russ. herjosowiza) wird vielfach abgezapft und dient (z. 
B. in den Ostseeprovinzen) als wohlschmeckendes Getränk; 
auch wird eine Art Schaumwein daraus dargestellt. 

Schübeier (1. c, pp. 187, 189, 190, 192, 193) bildet 
mehrere, durch ihren Wuchs interessante Birkenbäume ab. 
Es wäre wünschenswerth, auch bei uns in Russland photo- 
graphische Aufnahmen solcher merkwürdiger Exemplare zu 
machen. Georgi (Reise, p. 576) erwähnt einer sehr grossen 
und schönen Birke, die «ihre Krone einer Eiche gleich theilt» 



1) Interessant ist es, dass schon Strahlenberg (Nord- und Ostl. Theil 
von Europa und Asia, 1730, p. 885—886) von diesem asonderlichen Ge- 
wächs», das er mit dem russischen Namen Kapp (Kani>) bezeichnet, Fol- 
gendes bemerkt: «Mir ist erzehlet worden, es entstehe dieser Knorpel von 
einem Wurm, welcher zwischen der Rinde des Baums und den Stamm ein 
Loch mache, wodurch der Safft von der Bircke dieses Gewächs so hoch 
treibe, und dass der Wurm hernach hierinn sein Gehäusse und Wohnung 
nehme». 

15 



— 226 — 

und an der ütka (einem Nebenflusse der Tschussowaja) 
stand ^). Mehrfach finde ich eine ausgezeichnete Birke er- 
wähnt ^), die im Kreise Wetluga des Gouv. Kostroma wächst; 
in der Höhe von lYgFuss über der Erde theilt sie sich in eine 
Menge aufrecht wachsender Aeste, deren Anzahl verschieden 
angegeben wird; unter dieser Birke haben die heidnischen 
Tscheremissen einst ihren Gottesdienst verrichtet. — Gele- 
gentlich will ich bemerken, dass es noch gegenwärtig gehei- 
ligte Birkenhaine in den Grenzen Russlands gibt; so wächst 
ein solcher, nach A.G. Schrenck, im Ssamojedenlande (vgl. 
unter Bettda pübescens) ; ein anderer findet sich im Kaukasus, 
am oberen Terek, dem Dorfe Abanä gegenüber^. 

Das Vorhandensein der Birke in der Krim ist erst im 
Jahre 1846 vom Förster Subkowskij konstatirt worden*); 
er fand sie auf einem Flächenraume von etwa 70 Dessjati- 
nen, an einem der Quellbäche der Alma, am Rande des Berges 
Babugan-Jailä; sie soll daselbst untermischt mit andern Laub- 
hölzern wachsen. Steven bemerkt, dass nur etwa 50 — 60 
Bäume vorhanden seien; auch Rudzki hörte vom Förster 
Dlatowskij, dass nicht mehr Exemplare zu finden wären, 
die noch dazu von schlechtem Wüchse seien; er selbst, so 



1) Hr. Maximowicz bemerkt mir, dass die schönste Birke, die er ge. 
sehen, im Jahre 1849 auf dem Gute Friedrichshof (unweit Heiligensee) in 
Livland stand; ihr Stamm mag 4 — 5 Fuss im Durchmesser gehabt haben; 
die mächtige Krone beschattete den grOssten Theil des sehr geräumigen 
Gutshofes; der Baum war kerngesund. ' 

2) Vgl. JI-JäcHofi HCypHajiT>, 1885, h. III, crp. S09— 810 (mit Abbildung); 
1844, H. I, CTp. 118—120; desgl. BiLa^HMip. tj6, b-]^aom., 1844 r., CTp. 180. 
Höchst wahrscheinlich ist hier von einer und derselben Birke die Rede, 
wenn auch die Angaben nicht vollständig übereinstimmen. 

3) Vgl. Engelhardt und Parrot. Reise in die Krym und den Kauka- 
sus. Th. 2, p. 127. 

4) Vgl. daraber: HCypH. Mhh. roc. um., 1847, h, 22, CM'icb, CTp. 137 — 
138; Pas. Jitcon. h oxotu, 1855, cxp. 11 — 13; HCypH. Mhh. roc. hm., 1856, 
H. 58, OTÄ. I, CTp. 69—74. 



— 227 — 

wie auch Reh mann, haben die Birke im Erim'schen Gebirge 
nicht gesehen ^). Ganz neuerdings hat Hr. Agg^enko ^) eine 
werthvolle Notiz über die Krim'sche Birke mitgetheilt. Da- 
nach ist es die Form B. verrucosa^ die dort wächst; doch 
finden sich Exemplare, die, ihren Früchten nach, sich der 
B. pubescens nähern. Er beobachtete die Birke im Krim'schen 
Gebirge an 4 Stellen, die übrigens nicht weit von einander 
entfernt sind, — meist an sehr steilen und unwegsamen Ab- 
hängen. Die Birke wächst daselbst meist in einer nordischen 
Umgebung, in nächster Nachbarschaft von Pinua sylvestris 
und Papulus tremula; auch ihr nordischer Begleiter, der 
Birkenpilz {Boletus scaber)^ wird nicht vermisst. Bisweilen 
bildet sie kleine Gehölze von etwa 20 Individuen, oder aber 
findet sie sich einzeln in Buchenwäldern. Agg6enko fand 
alte Bäume, die im Umfange 75 — 93 Cm. (1 Ar. 1 Wersch. 
und 1 Ar. 5 Wersch.) maassen, bei einer Höhe von 1 7 Me- 
tern (8 Faden). Im Ganzen ist jedoch die Birke so selten in 
der Krim, dass die einheimischen Tataren keinen besonderen 
Namen für sie haben. — Im Kaukasus wächst die Weiss- 
birke überall im höheren Gebirge, — nach Medwedew, in 
der Zone von 5000 — 7000' üb. d.M.; nach dem Zeugnisse 
Rehmann's, geht sie noch höher hinauf ; er bemerkt darüber 



1) Ich selbst habe gleichfalls keine Gelegenheit gehabt jene Stelle zu 
besuchen, wo die Birke spontan vächst. An der Molotschnaja, namentlich 
auf dem Gute des Herrn J. Cor nies, sah ich vor vielen Jahren einige 
Exemplare, die aus Samen der Krim'schen Birke erzogen waren; so viel 
ich nach damaligen, leider ungenügenden Aufzeichnungen urtheilen kann, 
war die Rinde bei denselben bedeutend dunkler, als bei der gewöhnlichen 
Weissbirke, — an jungen Zweigen ganz braun; die Bl&tter waren kleiner, 
die Aeste schienen mir steiler zu stehen; auch soll das Holz härter sein; 
leider hatte ich keine Gelegenheit die Samen zu sehen. 

2) B. ArreeHRo. «0 pacTHTejibHbiz'b «opMaulAXi» TaepuHecKaro nojy- 
DCTpona»; bt, Tpy*. CnÖ. 06m. ecxecTBOHcntiTaT., t. XVHI, 1887 r., cxp. 
33—35. 

15* 




— 228 — 

Folgendes: «Unter allen baumartigen Gewächsen steigt in 
den Alpen des Kaukasus am höchsten unsere nordische Birke 
hinauf, bei der Höhe von 6800' wird sie aber strauchartig 
und in dieser Gestalt bildet sie noch eine ungefähr 1 600' 
breiteZone». üebrigens bemerktauch Medwedew, dassdie 
Birke nach oben zu nicht selten die Baumvegetation be- 
schliesst. In einzelnen Bäumen findet sie sich auch in tie- 
feren Regionen, sowohl mit verschiedenen Laubbäumen, als 
mit Kiefern untermischt. Die Birke erreicht im Kaukasus 
keine bedeutenden Dimensionen, indem sie nur zu einem 
30 — 40 Fuss hohen, meist krummen Baume erwächst. In 
Bezug auf den Boden ist sie wenig wählerisch, zieht aber 
feuchte Lage der trockenen vor und meidet im Gebirge die 
sonnigen südlichen Abhänge. 

Nach Medwedew und Radde, fehlt die Birke in Talysch; 
sie wird auch in Persien, Afghanistan und imHimalaya ver- 
misst. Ihr kaukasischer Verbreitungsbezirk scheint mit dem 
europäischen über Armenien und Kleinasien zusammenzu- 
hängen. Vom europäischen Russland aus ist sie, über Sibirien, 
bis nach Japan verbreitet. In der Barabä-Steppe kommt die 
Birke als einziger Baum vor und bildet dort, nachMidden- 
dor ff, höchst malerische Gruppen und Haine, soll aber früher 
viel mehr verbreitet gewesen sein. Auch kommt sie in den 
Gebirgen Turkestan's und der Mongolei vor; in der letzteren 
dringt sie weit nach Süden vor, denn Przewalski fand sie 
noch unweit des See's Kuku-nor. 

Namen ^). — Russisch: Beresa (ausgesprochen: BerjosaY). 
— Polnisch: Brzoza, — Littauisch: BerSas, Biarzas. — 
Lettisch: B^hrse. — Norwegisch: Birk, BjörJc. — Schwe- 



1) Zugleich fnr BettUa eüha und B. pübescens. 

2) lieber einige locale Benennungen vgl. in Annenkow's Botanischem 
Wörterbuche. 






— 229 — 

disch: Bjö^^k. — Ossetisch: Bars^ Bers^). — Armenisch: 
Getschi^ Käschi, Ketsch; TchtenL — Moldauisch: Mastak. 

— Norweg. -lappisch: Sodkke\ seh wed. -läpp.: Söfe (Schübe- 
ier); finn,-lapp.: SoaJcke; Passe muorra (Jac. Fellman). — 
Finnisch: Koium. — Estnisch: Köiw\ Kask^ Arn kask. — 
Livisch: Köw, Küu. — Wepsisch: Koiw. — Karelisch (im 
Gouv. Olonez): Koitvu. — Tscheremissisch: Ät*'e, Ktige. -r^ 
Mokscha-mordwinisch: Kelu\ Ersa-mordwin.: Küei. — Wo- 
tjakisch: Ky^\ Kyz\ — Syrjanisch: Kyds\ Kytsch'^). — 
Ssamojedisch: CÄo, Ghu. — Tatarisch (in Kasan): Kojen (C. 
A, Meyer); (im Kaukasus): Tos. — Kirgisisch: Kaln-agatsch; 
(am Zarafschan): Kajen. — Kumykisch: Kaln-agatsch, — 
Tschuwaschisch: Ghorn. — KalmOkisch: Baschtun (Falk). 

— Baschkirisch: Dierek. — Grusin., imeret., gurisch: Arkgi, 

— Sswanetisch: Shachwar^ Shokwra^ Shokwer. — Ingusch.: 
Arsh'dechk. — Tschetschen.: Dek. — Kabardinisch: Pchachei. 

— Tscherkessisch: P'hafia. — Abchasisch: Azaazla, — Les- 
gisch: MachiT'ZuV; (sakat.): Biz\ (did., kaputsch., inuch.): 
Me^ Mije^ Mi. — A warisch : Mach. 

366. (2.) Betula pubescens Ehrh. {B. alba^ subsp. pubescens 
Regel; B. glutinosa Wallr.; B. odorata Sechst.). 

Von den vielen Varietäten dieser Art kommen im euro- 
päischen Russland u. A. vor: 



1) Es ist sehr interessant, dass der ossetische (also ein eranischer) Name 
der Birke zu demselben Wortstamme gehört, wie die germanischen, slavi- 
schen und littauischen Benennungen dieses Baumes, dessen Name bekannt- 
lich auch im Sanskrit verwandt ist: Bhürja, vorauf bereits Klaproth (im 
Nouv. Journ. Asiat, t. Y, 1830, p. 112) aufmei'ksam gemacht hat; nicht min- 
deres Interesse bietet der Umstand, dass in den einheimischen Dialekten 
die im Himalaya wachsende Betula Bhojpatira Wall, auch noch gegenwär- 
tig ähnlich klingende Namen führt: Bürjj Bhüj, Bürzcd, Thurz (vgl. Ste- 
wart &Brandis The forest flora of North- West and Central India; p. 458). 

2) Dieser Name klingt merkwürdig an das armenische Ketsch an. 



.«»-r-l 



^■-r ' 



230 



Et.', 



a. sterüis Regel, z. B., nach Brenner^), auf den Inseln 
des Finnischen Meerbusens. 

ß. Frimi Reg.; nach Regel, u. A. im Uralgebirge; 
fernerauf den Gebirgen Mitteleuropa's und in Island. Will- 
komm bemerkt, dass, nach Regel's Beschreibung zu ur- 
theilen, diese Form kaum von der var. carp<Uica Waldst. et 
Kit. verschieden sein dQrfte. 

y. rhombifolia Tausch. Diese Form kommt z. B., nach 
N. I. Fellman, auf der Insel Ssolowezkij vor; desgl., nach 
Brenner, auf den Inseln des Finnischen Meerbusens; und, 
nach Lindemann, bei Elisabethgrad. 

0. parvifolia Regel; z. B. in Lappland, bis Kola (N. I. 
Fellman); auch auf den Inseln des Finnischen Meerbusens, 
z. B. auf Tytärsaari; desgl. auch im Kaukasus? (= B. alba 
pontica Wats.). 

e. carpatica Waldst. et Kit. (Regel); nach Brenner, auf 
den Inseln des Finnischen Meerbusens. 

Aus Lappland finde ich noch folgende zwei Formen er- 
wähnt : 

C latifolia ^eg.y^ nachN. I. Fellman, geht diese Form 
wenigstens bis Kola und bis zum Flusse Warsuga. 

Y). alpiccla Bl. Nach Kihlman, bildet diese Form 
Wälder in der subalpinen Region Enare-Lapplands. 

Im Folgenden werde ich die Verbreitung dieser Varie- 
täten nicht auseinander halten, sondern von B. pubescens 
schlechtweg sprechen. 

Die Haarbirke ist im europäischen Russland ausseror- 
dentlich weit verbreitet und dringt hoch nach Norden vor. 






1) Vgl. M. Brenner, Finska Tikens öyegetation; 1. c, p. 86. 

2) In De Gandolle'sProdromnshat Regel diese Yariet&t fallen lassen 
und sie anter den beiden Varietäten: Homemanni Reg. und rhouMfolia 
Reg. untergebracht. 



— 231 — 

In Sibirien soll sie fehlen; wenigstens liegt mir keine sichere 
Nachricht über ihr Vorkommen vor; doch halte ich Dies für 
sehr unwahrscheinlich. Was die Nordgrenze dieser Art be- 
trifft, so bin ich geneigt auf dieselbe den grössten Theil der 
Angaben zu beziehen, die über das nördlichste Vorkommen 
der Birke im europäischen Russland (und Sibirien) gemacht 
worden sind. Diese Grenze verläuft annähernd, wie folgt: 
Vom Nordcap auf der Insel Magerö (unter 71° n. Br.) geht 
sie über Berlevaag in Ost-Finmarken (70° 50') und die Fi- 
scher-Halbinsel (fast unter 70°), längs der Murman'schen 
Küste, zum Eingange in's Weisse Meer (etwa unter 67°); 
im Osten desselben reicht sie, nach A. G. Schrenck^), an 
derPjoscha^) bis 66%°n.Br.; dann steigt sie, nördlich vom 
Fl. Indega, zu den Seen Ssorwanskije (etwa unter 67° 35') 
und zur Ssewemaja (Görmjaga), einem Nebenflusse der Pe- 
tschora (circa 67° 40'); an der Kolwa (Nebenfluss der üssa) 
erreicht die Birke an der Mündung des Ssandiwei, unter 67 
n.Br., ihre Grenze; nach Pallas, geht sie am Ob' über den 
67° hinaus. — üeber das Vorkommen der Haarbirke in 
dieser Grenzregion mögen einige genauere Angaben folgen. 
0. Eihlman^) gibt interessante Data über die vertikale 
Verbreitung der Birke in Enare-Lappland. Er fand sie auf 
den einzelnen Alpen u. A. in folgenden Höhen üb. d. M.: 

Als Baum. Als Strauch. 

auf d. Pietarlauttasoaivi (ca. 68°35' 

n. Br.) bis 456 Met. 484 Met. 

» d. Hammasuro » 462 » • — 



O ' 



1) Reise nach dem Nordosten des earop. Kasslands; Th. 2, pp.446, 449, 
454, 455, 467; desgl. Th. 1, pp. 554, 660. 

2) Bei Trautvetter (Pflanzengeogr. VerhältnisBe, Hft. 8, p. 60) irr- 
thflmlich als Boscha bezeichnet. 

8) Anteckningar om floran i Inari Lappmark; 1. c, p. 80—82. 



— 232 — 

Als Baum. 2V] s Strauch. 

auf d. Peldoaivi (ca. 69° 10'). • • bis 426 Met. 474 Met. 

» d. Kuarvekods » 400 » 544 » 

» d. Ailigas (ca. 69'' 30') . ...» 397 «> 424 » . 

» d. Rastekaisa (ca. 70°) . ...» 314 » 371 » 

Drei Birkenstämme von den Ufern des Ivalojoki (etwa 
unter 68° 30' n. Br.) ergaben folgende Dimensionen: 

AU«« uäi,« Durchmesser in 

Alter. Hohe. Brusthöhe. 

105 Jahre 30 Fuss 6,5 Zoll. 
85 » 27 » 4,6 » 
52 » 23 » 3 » 

Nach Jac. Fellman, soll die Birke bei ütsjoki (unter 
69° 40') noch bis 1800' üb. d. M. hinaufsteigen, — welche 
Angabe aber, nach den von Kihlraan gegebenen Höhen zu 
urtheilen, zu hoch gegriffen scheint. Böhtlingk^) fand auf 
der Fischer-Halbinsel ein Wäldchen von Birken, die bis 1 2 
Fuss hoch waren. Westlich vom Kola- Busen traf Midden- 
dorff (Reise, IV, p. 566—567) die Birke noch unter 69%° 
n. Br. auf dem schmalen Stiele, welcher die letztgenannte 
Halbinsel (russ. Rybatschij) mit dem Festlande verbindet, 
10, 12, ja bis 25 Fuss hoch, mit breit auseinander gehender, 
fast kugliger Krone, bei höchstens fussdickem Stamme; «ei- 
nige erheben sich 1 2 Fuss senkrecht und astlos, worauf aus- 
einandergespreizte Aeste folgen, welche ganz an die durch 
Beschneiden gewonnenen Kugelformen der Birke erinnern». 
An den Buchten des Eismeeres, längs der Murraan'schcn 
Küste, fand Middendorff: «in der Bucht Teriberskaja Bir- 
ken von 14 Fuss Höhe, freilich stark gekrümmt im Stamme, 



1) Vgl. Bull, scient. de PAc. Imp. d. sc. de St.-Ptsbg, t. 7, 1840, Sp. 199. 






— 233 — 

aber keineswegs daniiederliegend; in der Buclit Litsa fast 
20 Fuss hohe Birken, von der Dicke eines starken Schenkels, 
auch mit geradem Stamme; — freilich in gut geschützter 
Oertlichkeit und auf tiefgründigem Sandboden». Baer^) 
fand beim Dorfe Ponoi noch aufrechtstehende Birken; gele- 
gentlich der Schilderung A. 6. Schrenck's überiiie krüpp- 
lig wachsenden Birken im Ssamojedenlande (vgl. unten) 
äussert sich Baer^) über ihren Habitus in Lappland, wie 
folgt: «Diese verkrüppelte Form hat die Birke nur, wo sie, 
bei hoher geographischer Breite, dem unmittelbaren Ein- 
flüsse der Seewinde ausgesetzt ist. So schon an der Sfidkfiste 
des Russischen Lapplands. Man glaubt aus der Ferne einen, 
wenige Fuss hohen, aber sehr breiten Strauch vor sich zu 
haben. Erst bei näherer Betrachtung findet man einet Stamm, 
der 'sich etwas erhebt, dann aber in einem Bogen dicht au 
den Boden sich andrückt und vom Boden aus seine Aeste 
verbreitet und erhebt. Eine strauchförmige Weissbirke ohne 
Stamm ist mir nicht zu Gesicht gekommen. Geht man aber 
nur etwas tiefer in's Land, so findet man die Birke aufrecht. 
In dieser aufrechten Form sieht man sie durch ganz Lapp- 
land, wo sie nicht unmittelbar an der Küste steht, selbst in 
der Einsenkung zwischen der Fischer-Halbinsel und dem 
Festlande von Lappland». 

Oestlich vom Weissen Meere kann die äusserste Grenze 
der Birke, nach A. G. Schrenck, (Reise, I, p. 691, und II, 
p.446), etwa unter 67 V4°n. Br. angenommen werden; denn, 
nach den einstimmigen Aussagen der dortigen Einwohner, 
soll noch klägliches Birkengestrüpp, nebst Fichten und Lär- 
chen, an der Schomokscha vorkommen ; an der Ness' (etwa 



1) Im Bull, scient. de l'Ac. Imp. d. sc. de St.-Ptsbg, t. 3, 1838, Sp. 138. 

2) In einer Anmerkung zu Bode's «Yerbreitungs-Gränzen der Holzge- 
w&chse»; 1. c, p. 51. 



— 234 — 

unter 66%° n. Br.) erscheint die Birke, nach Schrenck, 
gleichfalls noch gänzlich verkrüppelt und verstraucht; schon 
unter 66y,^ soll sie daselbst nur strauchartig anzutreffen 
sein. Aber beim Dorfe Ssjomsha (an der Bucht von Mesen', 
unter 66%'' n. Br.) fand Ruprecht (Fl. Samoj., p. 52) 
25 — 30 Fuss hohe Birken, die, nach Schrenck, sich hie 
und da zu kleinen Gehölzen gruppiren, wie z. B. im gehei- 
ligten Haine E6s'min-Perelj6ssok. Nach dem Zeugnisse des- 
selben Reisenden (Reise, II, p. 455), wird die Birke an der 
Kolwa (unter fast 67° n.Br.), «nachdem sie mannigfach ver- 
krüppelte Gestalten angenommen hat, zuletzt ein kaum 2 bis 
3 Fuss hoher Strauch, etwa von der Gestalt der Zwergbirke, 
der seine harten knorrigen und knotigen Aeste fest an die 
Erde drückt und sie in dichter Verzweigung rund um einen 
Mittelpunkt ansetzt». — Wie hoch nach Norden die Birke 
im Uralgebirge geht, darüber fehlen genauere Nachrichten ; 
denn dass die Hofm an nasche Ural- Expedition diesen Baum 
nicht nördlich vom QiV^ n. Br. gesammelt^), beruht natür- 
lich nur auf einem Zufalle, da die Birke im Gebirge jeden- 
falls weiter nach Norden vordringt. 

Wie schon bemerkt, ist B. pubescens im europäischen 
Russland sehr weit verbreitet. Sie kommt in denselben Ge- 
genden, wie die Weissbirke, vor, siedelt sich aber vorzugs- 
weise in feuchten und sogar morastigen Niederungen an, 
während B. alba mehr die trockenen Höhen einnimmt. Im 
nördlichsten Russland ist sie, nebst der B. tortuosa^ die ein- 
zige baumförmige Birke. Auf den Ssolowezkij-Inseln soll sie, 
nach Homilewski, besonders gross werden. Im Gouv.OIo- 
nez wächst sie in sehr grosser Menge, ebenso wie in Finland, 



1) Vgl. Raprecht. «Ueber die Verbreitung der Pflanzen im nördlichen 
Ural»; 1. c, p. 18. 



— 235 — 

in den Ostseeprovinzcn, in den Gouvernements Pskow, St. 
Petersburg, Nowgorod, Wologda, Wjatka, Kostroma, Jaro- 
sslaw, Twer etc. Im Gouv. Moskau wächst die Haarbirke, 
nach Kaufmann, auf Torfmooren und soll nur strauchför- 
mig vorkommen und nicht blflhen. In Polen ist sie im nörd- 
lichen Gebiete häufig, im südlichen selten. Fflr das Gouv. 
Minsk fOhrt Paszkewicz den Kreis Sluzk als Fundort an; 
im Gouv. Kaluga wächst sie, nach Ssanizkij, in Sfimpfen 
in den Kreisen Shisdra und Mossalsk; Blasius (Reise, 11^ 
p. 47) bemerkt, dass B. pubescens im Gouv. Kaluga in Wäl- 
dern fast gar nicht mehr zu sehen ist; indessen kommt sie, 
nach Koshewnikow und Zinger, im Gouv. Tula überall 
dort vor, wo Sümpfe oder feuchte Stellen auftreten. Sie 
findet sich auch in den Gouvernements Orel, Rjasan', Wla- 
dimir (nach Zinger); im Gouv. Nishnij -Nowgorod soll sie, 
nach demselben Gewährsmanne, im Kreise Ssemenow wach- 
sen; Rajewskij und Niederhöfer nennen sie nicht für 
dieses Gouvernement; im Gouv.Tambow ist sie z.B. in den 
Kreisen Tambow, Koslow, Lipezk und Usman gefunden 
worden. In Bezug aufdas Wolgagebiet liegen, mit Ausnahme 
des Gouv. Kasan ^), gar keine sichere Nachrichten über das 
Vorkommen der 5. 2?t«&esccws vor ; Claus und Veesenmeyer 
erwähnen sie speciell nicht; ebenso wenig nennt sie Krylow 
für das Gouv. Perm, desgl. auch Karelin nicht für das Ge- 
biet der ürarschen Kosaken; aber Schell hat sie in Kara- 
gaisk(im6ouv.Orenburg)gefunden. Nach Misger, kommt sie 
im Gouv. Kursk vor; nach Schmal hausen, auch im Gouv. 
Kijew (z. B. bei Kijew, Berditschew und im Kreise Tarastscha), 
desgl. im Gouv. Tschemigow (z. B. bei Ssurash) und in Wo- 



1> Naeh Korshinskij, wächst B, pubescens in diesem letzteren Gou« 
vernement, namentlich im nordwestliehen Theile, auf Torfmooren. 



- ''-r; 



— 236 — 

lynien (im Kreise Owrutsch). Die Südgrenze der B. pubes- 
cens zu ziehen fällt schwer, da sie, je weiter nach Süden, 
desto insularer auftritt. Nach einigen Autoren (Eichwald 
und Rogowicz), findet sie sich sogar in Podolien; ja, Lin- 
de mann führt sie für die Umgegend von Elisabethgrad (im 
Gouv. Chersson) an, wo sie in der var. rhombifolia wachsen 
soll; nach Akinfijew, soll sie sich auch bei Jekaterinosslaw 
finden; ferner kommt sie, nach Schmalhausen, im Gouv. 
Poltawa (im Kreise Perejasslaw) und, nach Czerniaöw, im 
Gouv. Charkow vor. — Die Abgrenzung der Haarbirke nach 
Osten zu bedarf einer genaueren Untersuchung. 

Jenseits der Steppen tritt B. pvhescens im Kaukasus 
wieder auf ^); sie kommt daselbst gewöhnlich in Gemeinschaft 
der B.oZfea, im Hochgebirge, vor, sowohl in der Hauptkette, 
als auf dem Kleinen Kaukasus; z. B. in Ssomchetien. am 
Kasbek, auf den Gebirgszügen Bambak, Trialet etc. Da die 
Haarbirke, nach Boissier, in Kleinasien, Persien und in 
Afghanistan fehlt, und, nach Borszczow, erst indenAlpeu 
des Karatau (im Südosten von Samarkand, unter SOYs^ n. 
Br.), westwärts aber erst in Siebenbürgen wieder auftritt; 
da sie auch vom nördlichen Verbreitungsgebiete im euro- 
päischen Russland durch die Steppen vollständig abgeschieden 
ist, — so bietet ihr ganz insulares Vorkommen im kaukasi- 
schen Hochgebirge ein ungewöhnliches Interesse^). 

Die Namen für B. pubescens sind dieselben, wie für B. 
alba. Im Gouv. Olonez soll sie, nach Günther, Oluschnjäk 
heissen^); derselbe Name ist, nach Annenkow, im Gouv. 



1) Tu der Krim fehlt sie. (Vgl. abrigcns oben). 

2) Wir haben gesehen, dass einige andere Holzarten (z. B. Lonicera eoe- 
rtäea und Linnaea horecdis) ähnlich insular im Kaukasus auftreten. 

3) Zum Unterschiede von Gladyseh = B. verrucosa (alba). Diesem Na- 
men, der im Gouv. Olonez gebräuchlich, entsprechen offenbar die von An- 



rn — 7 



— 237 — 

Archangelsk für diejenige Birke gebräuchlich, bei deren 
Blättern die Unterseite rauh ist; die letztere heisst im Gouv. 
Wologda — Oluschina^ in den Gouvernements Pskow und 
Twer — Olmchinina. 

867. (3.) Betula tortuosa Ledeb. (B. alba, var. tortuosa 

Regel). 

Diese Art kommt in folgenden zwei Formen vor: 

a. genuina Regel; und 

ß. Kmmischeffii Fellm. 

üeber die Verbreitung dieser Art ist ausserordentlich 
wenig bekannt. Die erstere Form findet sich, nach Regel, 
in Finmarken, Lappland, Nordrussland und im Altai ^); die 
letztere wächst, nach demselben Gewährsmanne, am Weissen 
Meere und in Lappland; nach N. I. Fellman (I.e., p. 53), 
kommt sie im ganzen russischen Lappland häufig vor. Wei- 
tere Angaben über die Verbreitung der B. torttwsa, sowohl 
im europäischen als im asiatischen Russland, sind sehr er- 
wünscht. 

368, (4.) Betula intermedia Thom. (B. oycowiensia Laest. 

non Besser). 

Bekanntlich gilt diese Art als Bastardform zwischen B. 
alba und B. nana. Ist Dies richtig, so kann man a priori 
annehmen, dass sie nur dort vorkommt, wo die beiden Stamm- 
arten gedeihen; nordwärts wird also ihr Vorkommen durch die 



nenkow mitgetheilten Benennungen: Tschistjdk (im Gou?. Archangelsk), 
Tsehistücha und Tschistüschka (im Gouv. Wologda), — fOr die Birke, deren 
Blätter auf der Unterseite glatt sind. (Qladko = glatt; tschisto = rein, 
sauber). 

1) Ledebour (FL ross., III, p. 652) gab für B. tortuosa als Fundort nur 
das Altai-Gebiet an. 



— 238 — 

Verbreitung der B. älba^ südwärts aber durch jene der B. 
nana beschränkt sein. Middendorff hat sie im russischen 
Lappland gefunden^); nach Norrlin, ist sie im Gouv. Olo- 
nez, namentlich im westlichen Theile, ziemlich häufig; z.B. 
an den Seen Tamasjärvi und Porajärvi. Schmalhausen 
fand diese Form im Gouv. St. Petersburg, am südwestlichen 
Ufer des Ladoga-Sees (beim Dorfe Nikuljassy) ^). Ob Ba- 
kunin's B.alba ß, intermedia, die im Gouv. Twer verbreitet 
ist, hieher gehört, erscheint fraglich, um so mehr, als B. 
nana in jenem Gebiete nicht vorkommt. Nach Trau t vetter, 
findet sich B. intermedia Thom. auch in Nordsibirien. 



369. (5.) Betula nana L. 

Wir verdanken Hrn. v. Traut vetter^) die ersten ge- 
naueren Aufzeichnungen über die Verbreitung der Zwerg- 
birke im europäischen Russland. Im Wesentlichen kann das 
von ihm Gesagte wiederholt werden, wobei nur einige Cor- 
recturen und Zusätze noth wendig erscheinen. 

Die Zwergbirke gehört zu denjenigen Holzgewächsen, 
die am Weitesten polwärts vordringen; denn sie findet sich 
noch auf Spitzbergen*), auf Nowaja-Semija (vgl. unten) und auf 



1) Vielleicht bezieht sich aaf diese Form die oben wiedergegebene An- 
gabe N. I. Fellman's über das Vorkommen in Lappland der B. hybrida 
Reg. Kihlman sagt, dass am Tana-Elf (in Enare-Lappland) strauchfl^r- 
mige Birken zu finden sind, die der B. intei-media nicht unähnlich sind, sich 
aber dennoch von ihr unterscheiden ; dass Dies wirklich der Fall, ist um so 
wahrscheinlicher, als eine der Stamm arten, nämlich B. al6a, daselbst nicht 
vorkommt. 

2) Aber in seiner späteren Abhandlung über die im Gouv. St. Petersburg 
beobachteten Bastardformen scheint Schmalhausen nicht sicher zu sein, 
ob die bei Nikuljassy gefundene Birke die B. intermedia ist 

8) Pflanzengeogr. Verhältnisse des Europ. Russlands; Hft. 1, p. 50—61; 
Hft. 3, pp. 88, 64. 

4) Und zwar an der Kol-Bai, unter 78° n. Br., in der Form rdieta Th. 



^ - " B 



— 239 — 

der Taimyr-Halbinsel, wo Middendorff (Reise, IV, p. 568) 
sie noch unter l^P-j^ n. Br. antraf. In Europa verläuft die 
Nordgrenze der Zwergbirke von Island zum Nordcap (71° 
10'), und von da, längs der KQste des Eismeeres, bis zum 
Karischen Meere, und noch nördlich davon auf den Inseln. 
— Nach Schübeier, wächst^, nana am Nordcap noch bis 
zur Höhe von 1 000' üb. d. M. In Enare-Lappland steigt sie, 
nach Ei hl man, bis auf die höchsten Spitzen der Alpen hin- 
auf, wo sie kaum zolllioch wird und, an die Erde angedrückt, 
zwischen Empetrum etc. sich ausstreckt ; auf dem Rastekaisa 
(unter 70° n. Br.) wächst sie noch in der Höhe von 694 
Metern üb. d.M. Es ist also nicht richtig, wenn Jac. Fell- 
man berichtet, dass die Zwergbirke auf den Gipfeln der 
Alpen Lapplands fehle. Sie kommt überall, im finnischen 
und im russischen Lappland, sehr häufig vor. Auch in den 
Kreisen Kem' (Gouv. Archangelsk) und Powjenez (Gouv. 
01onez)istsie, nach Homilewski, ausserordentlich verbrei- 
tet und überzieht oft allein grosse Torfmoor-Flächen; sie 
wird daselbst 2 — 3 Fuss hoch, und gedeiht sehr gut auch 
auf den Inseln des Weissen Meeres, z. B. auf den Ssolowez- 
kije-Inseln. 

Im Osten des Weissen Meeres ist die Zwergbirke, nach 
Ruprecht, überall im Ssamojedenlande verbreitet, sowohl 
in der Waldregion, als in der Uebergangsregion von Wald 
zur Tundra und auf der Tundra selbst, — bis zur Küste des 
Eismeeres. A. G. Schrenck (Reise, II, p. 457) sagt Fol- 
gendes über die Verbreitung der B. nana im Ssamojeden- 
lande: «Die Zwergbirke ist ein ächter Bewohner der Tundren, 
der nach dem Norden zu, je mehr die Wälder sich lichten, 



Fr., nach Th. M. Fries, in den Abhandl. herausg. vom naturwiss. Vereine 
xn Bremen, Bd. 3, 1873, p. 87—92. 



— 240 — 

um so häufiger die offenen Moore überzieht, unter dem 68. 
Breitengrade etwa, mit den Strauchweiden, grosse Flächen- 
rftume bedeckend. Gegen den 69. Breitengrad aber wird sie 
seltener und nimmt eine pygmäisehe Gestalt an, unter etwa 
69y2°, gegen die Jugrische Strasse hin, gänzlich sich verlie- 
rend». Indessen ist die letztere Behauptung Schrenck^s, 
dass die Zwergbirke auf der Insel Waigatsch fehle, nicht rich- 
tig. Die Ho fm an nasche Expedition fand sie an der Jugrischen 
Strasse, an der Mündung desOi-jaha^); und dass sie auf Wai- 
gatsch vorkommt, bezeugt Kjelhnan'). Baer trafsienichtauf 
Nowaja-Semlja an; Pachtussow fand sie indessen daselbst 
an der Südküste: seine BesclireiVung lässt keinen Zweifel 
aufkommen, dass er es inderThatmil einer niederliegenden 
Birke zu thun hatte, deren Hauptstamm (?) bis 6 Fuss lang 
wird, bisweilen mit weisser, häufiger jedoch mit dunkelbrauner 
Rinde ^). Später wurde das Vorkommen der B. nana auf 
Nowaja-Semlja durch verschiedene Forscher, z. B. Fries, 
Blytt, Trautvetter*) und Kjellman, bestätigt. H. Gö- 
bel und Fürst Uchtomskij fanden sie an der Karmakul- 
Bucht (zwischen 72° und 73° n.Br.). Nach Ä. G. Schrenck, 
kommt sie auf der Insel Kolgujew überall vor. — Längs 
dem Uralgebirge geht die Zwergbirke in südlichere Breiten 



1) Vgl. Ruprecht. Verbreitung der Pflanzen im nördlichen Ural; pp. 
9,70-71. 

2) Die Phauerogamenflora von Nowaja Semija und Waigatsch; I. c, 
p. 164. 

8) Vgl. adKcae;^Hi;iii noAOopynHKa IlaxTycosa ;i.jfi oohcu nocTOHHaro 
6eperaHoBofi 3eMJiH, bt> 1832 h 1888 ro^ax-b»; bt» 3an. FMAporp. ^eoapT., 
«I. I, 1842 r., CTp. 215. — Üeber das Vorkommen der Birke ist Folgendes 
gesagt: aMticraiCH pocrerb CTejiiouj.ii)cfl 6epe3HHKi> (cjianKa); j^Hna rjas- 
naro ctcöjh 6hiBaerL xo G-h ^t^yn^, TOJiuiHHa ;^o o^Horo AK)i)Ma; khctii 
HCJiKin, KpyrjOBaTUfl, TeHuo3e;ieHaro uBiiTa; KOpa na iihi>ixi* 6biBaerb 6-^- 
jiaH, HO 6oji'ke Teiiiio6ypafl, KaKi» y Mojioj^oit 6epe3bi». 

4) In: Acta Horti Petropolitani, T. VI, p. 648. 



■?F 



— 241 — 

hinab.- Die Hofmann'sche Expedition fand sie an verschie- 
denen Stellen, z. B. an der Kara, an den Quellen des Lire- 
jogan, an der Koschemja (Nebenfluss des Ilytsch, unter 63® 
25'), auf dem Kamme des Ischerim (61° 10' n. Br.). Nach 
Iwanizkij, findet sich B. nana, im Gouv. Wologda, sehr 
häufig im Petschora- Gebiete. Im Gouv. Perm wächst sie, 
nach Krylow, fast überall in der alpinen Kegion, südwärts 
bis zur Umgegend des Berges Katschkanar (etwa unter 59° 
n. Br.), wo sie auf dem Sumpfe Üskoje-Boloto vorkommt; 
sie findet sich z. B. am obersten Laufe der Petschora und 
der Un'ja, auf dem Berge Konshakowskij-Kamen' etc.; vom 
Gebirge entfernt ist sie nur selten anzutreffen, z. B. am Ufer 
derWolossniza (einem linken Zuflüsse der Petschora), so wie 
auf einem Torfmoore zwischen Wilgort und Iskor. 

Was die Südgrenze der Zwergbirke betrifft, so lässt sie 
sich, bei mangelnden Nachrichten, nicht genau ziehen; man 
kann vermuthen, dass einige Angaben über ein südlicheres 
Vorkommen dieser Art sich auf eine andere Strauchbirke 
(B. humüis Schrk) beziehen; so soll sie angeblich im nörd- 
lichen Theile Polens vorhanden sein, was übrigens nicht un- 
möglich ist, da sie, nach Willkomm, bei Thorn (in West- 
preussen) wächst; zweifelhaft ist das von Arnold angegebene 
Vorkommen im Gouv. Mobile w; nach älteren Angaben soll 
sie sich im Gouv. Moskau finden, was aber von Kaufmann 
nicht bestätigt wird, und was auch sehr unwahrscheinlich 
ist, da sie in den nördlicher gelegenen Gouvernements Twer 
(Bakunin) und Jarosslaw (Petrowsky) fehlen solP). Nach 
Gilibert, wächst sie in der Umgegend vonGroduo^ so wie, 
nach Eichwald, bei Gotskischki, 8 Meilen von Wilna. 



1) In den nördlichen Theilen dieser beiden Provinzen ist sie jedoch wahr- 
scheinlich vorhanden. 

16 



jI^ 



— 2'42 — 

A gg 6 e n k führt sie für das Gouvernement (und Kreis) Pskow 
an, wo sie auf den Moossümpfen beim Kripezkij- Kloster 
vorkommt. Nach Pallas, findet sie sich auf der Insel Ryb- 
nikim Waldai-See; desgl., nach Gobi, im Kreise Nowgorod. 
Ferner wächst sie im nördlichsten Theile des Gouv. Kostroma : 
nach Georgi, an den Ufern des Tschuchloma-Sees, so wie 
an der Unsha; nach einer neueren Angabe Zinger's, findet 
sich die Zwergbirke am Bykowo-See im Kreise Wetluga. 
Ausser den Gouvernements Twer und Jarosslaw, wird sie 
auch für die Gouvernements Minsk (Paszkewicz), Ssmolensk 
(Zinger) und Wjatka (C. A. Meyer und Krylow) nicht 
angeführt. Nimmt man diese negativen Angaben mit in Be- 
tracht, so verläuft die Südgrenze der B. nana annähernd, 
wie folgt: Von Thorn über Grodno, Wilna, in nordöstlicher 
Richtung, durch die Mitte der Gouvernements Witebsk *) und 
Pskow, auf den Waldai, ferner durch die nördlichsten Theile 
der Gouvernements Twer, Jarosslaw und Kostroma, und dann, 
längs den sogen. Uwaly (an der SOdostgrenze des Gouv. Wo- 
logda), zur Wolossniza und zum obersten Laufe der Petschora. 
— Die so gezogene Südgrenze entspricht annähernd der 
Juli-Isotherme von 18°5G., wie dieselbe auf der betrefienden 
Karte in Wild's Atlas über die Temperatur- Verhältnisse 
Russlands verläuft. Danach zu urtheilen, wäre es die grosse 
Sommerhitze, welche der Verbreitung der Zwergbirke Halt 
gebietet. 

Innerhalb der erwähnten beiden Grenzen ist B. nana 
weit verbreitet und findet sich vorzugsweise auf Torfmooren; 
so z.B. im Gouv. Kowno (Jundzilt), in Kurland, Livland, 
Estland und auf der Insel Oesel ; im Gouv. St. Petersburg 



1) Hr. Antonow nennt sie nicht fQr das Gouv. Witebsk, in welchem er 
jedoch zwei Formen von Stranchbirken angetroffen hat, so dass die eine doch 
vielleicht B. nana ist. (Vgl. unten). 



— 243 — 

soll sie, nach Meinshausen, im Sfldgebiete fehlen, dagegen 
im Norden gemein sein; in Finland, z. B. in Tavastland 
(Norrlin) und in Österbotten (Nylander); ferner im Kreise 
Wologda (Portunatow); etc. 

Im Kaukasus fehlt die Zwergbirke, während sie in den Al- 
pen südwärts bis Kärnthen und Krain geht. Der nordeuro- 
p&ische Yerbreitungsbezirk derselben hat zur Eiszeit jeden- 
falls mit demjenigen der Alpen und des Jura zusammengehan- 
gen, was nicht nur durch ihr noch gegenwärtiges Vorkommen 
im Harz, im Erzgebirge, Fichtelgebirge, in den Nordkar- 
pathen, im Böhmerwalde etc., sondern auch durch, den Um- 
stand erwiesen wird, dass sie sich in den glacialen Ablage- 
rungen der Eiszeit an solchen Stellen findet, wo sie gegen- 
wärtig nicht mehr vorhanden ist; so hat Nathorst ihre 
einstige Existenz in der ebenen Schweiz (im Kanton Zü- 
rich) nachgewiesen. — Es bleibt nur noch zu erwähnen, 
dass B. nana durch ganz Sibirien, bis Kamtschatka, ver- 
breitet ist, desgl. auch in Nordamerika, z. B. in Alaska, 
Canada, auf Neufundland und in Grönland vorkommt. 

Namen. — Russisch: Sslanez^heresovoyj ^ Sslanez^ Sslanka; 
Jornik'beresoivyj^ Jornik; Karla (d. h. Zwerg). — Norwe- 
gisch: DvergbirJCy Rape^ Fjeldrape^ Kjerringris. — Schwe- 
disch: Fjällrapay Kärringris^ Rypris. — Norweg.-lappisch: 
Skirrek; schwed.-lappisch: Reusak-skirre (i. e. das Reis des 
Schneehuhns); finn. -lappisch: Skerre. — Finnisch: Vaivasen 
varpu (Jac. Fell man); Vaivais koivu^ Varpakoivu (Annen- 
kow). — Estnisch: Soo kask^ Tarna puu. — Syrjanisch: 
JdV^), Jör-pu. 



1) Eigentlich Sstla/nez^ vom Verbum astlat^ = ausbreiten. 

2) Ob davon der russische Name Jornik, oder aber umgekehrt? 

16* 



— 244 — 

370. (6.) Betula alpestris Fries. {B, alba var. intermedia 
Wablenb. non Thom., B. humüis Hartm. non Schrank). 

Diese Art ist bekanntlich eine Bastardform zwischen JJ.pii- 
bescens und B. nana, üeber ihre Verbreitung liegen keine ge- 
nauen Nachrichten vor. Sie kommt, nach Kihlman, in Enare- 
Lapplandvor, z.B. aufdem Berge Tuarpumoaivi (etwa unter 
69° 5' n. Br.); ferner ist sie, nach N. I. Fellman, im rus- 
sischen Lappland verbreitet (als JB. wana, var. alpestris Fr.); 
sie wächst in verschiedenen Gegenden Finlands, z. B. in 
Osterbotten^(Simming, Karsten und Malmgren). Ru- 
precht (Fl. Samojed., J\& 247) fand nur einen kleinen Strauch 
dieser Art in einem Torfmoore bei Mesen'. Nach M eins- 
hausen , kommt sie im Gouv. St. Petersburg auf tiefen Moor- 
sümpfen im Nordgebiete, stellenweise, nicht häufig vor, z. B. 
bei Eolomäggi, Pargola, Lewaschowo; im südlichen Theile 
fehlt sie gänzlich. Ohne Zweifel findet sich diese Form noch 
an verschiedenen Stellen, wo die beiden Stammarten wachsen, 
z. B. in den Ostseeprovinzen, in den Gouvernements Now- 
gorod, Olonez und Wologda*); doch fehlen darüber die An- 
gaben. Nach Trautvetter, kommt sie auch im nördlichen 
Sibirien vor. 

371, (7.) Betula humilis Schrank. {B. fruticosa Fall., ex 

parte; Trautv.; B. palustris Rupr.). 

Diese Art gehört fast ausschliesslich dem mittleren eu- 
ropäischen Russland an ; im Norden fehlt sie vollständig, so 
z. B. in Finland, in den Gouvernements Archangelsk und 
Olonez^); sie soll, nach Iwanizkij, im ganzen Gouvernement 



1) Ich Termuthe^ dass die von Iwanizkij als B.hiimüis Sehr, verzeich- 
nete Birke als B. (üpestris gedeutet werden muss. 

2) Günther sagt zwar, dass B. fruticosa Fall, bei Kargopol and Rubesch 
wachse; doch bedarf diese Angabe der Bestätigung. Norrlin fahrt B. hu- 
milis nicht an. 



— 245 — 

Wologda auf Torfmooren vorkommen, doch beruht diese An- 
gabe, wie bemerkt, wahrscheinlich auf einer Verwechselung. 
Nach A. 6. Schrenck, soll sie auf der Insel Hochland, auf 
Mooren, wachsen, aber Brenner bezweifelt die Richtigkeit 
dieser Angabe. Meinshausen bezeugt ihr häufiges Vor- 
kommen im südlichen Theile des Gouv. St. Petersburg, z. 
B. bei Gatschina, Lissino, Luga, Pljussa etc., während sie 
im Nordgebiete fehlt. Ferner wächst sie in den Ostsee- 
provinzen^): in Estland, z. B. bei Paddas, Ampel und 
Munnalas; in Livland, beispielsweise bei Dorpat und Kar- 
dis, und in Kurland (bei Tuckum). Hr. Antonow nennt 
diese Art^) für das Gouv. Witebsk, Aus den Gouverne- 
ments Pskow und Nowgorod liegen keine Angaben über 
ihr Vorkommen vor; im ersteren wird sie bestimmt nicht 
fehlen, und auch im Gouv. Nowgorod dürfte sie im südwest- 
lichen Theile vorhanden sein. Nach Baku n in, ist B. hu- 
müis im Gouv. Twer, und zwar im Kreise Torshok, angetrofiFen 
worden; wahrscheinlich kommt sie auch an anderen Stellen 
dieser Provinz vor. Sie findet sich ferner in den Gouverne- 
ments Jarosslaw (Petrowsky), Kostroma (Ostrowskij und 
Bekarewitsch), Kasan (im westlichen Theile, nach Kor- 
shinskij), Rjasan' (im Kreise Kassimow, nach Zinger), 
Moskau (Kaufmann), Tula (im Kreise Wenew, nach Zin- 
ger), Kaluga (in den Kreisen Shisdra und Mossalsk, nach 
Ssanizkij), Ssmolensk (in den Kreisen Dorogobush und 
Rosslawl', nach Zinger), Mohilew (Downar und Czolow- 



1) F. Schmidt bemerkt, dass die dortige Form besser zu der Pallas'- 
schen B» fruticosa passt, als za B. humüis Schrk. 

2) Wie schon bemerkt, fahrt er zwei Arten an, und zwar: B. fruticosa 
PaU. aus den Kreisen Rjeshiza und Lepel, so wie B. humüis von einem 
Moosmorast bei Witebsk. Ob darunter eine und dieselbe Art gemeint, oder 
ob Tielleicht unter der letzteren Art B. nana zu verstehen ist, lasse ich 
dahingestellt. 



f^^'V^^^^^^FT^:^ 









— 246 — 

ski), Minsk (in den Kreisen Sluzk und Minsk, nach Pasz- 
kewicz)^), "Wilna (Eichwald: «unfern Wilna, bei Werki 
und Waka») und Grodno (bei Bjelostok, nach Schmalhausen). 
Ferner findet sich diese Art in Polen, und zwar, nach Ro- 
stafinski, sehr zerstreut und nur im nördlichen und östli- 
chen Gebiet, z. B. bei Sejny, Preny, Szczuczyn, zwischen 
Erynice, ZamoSd und Krasnybr6d, etc. Sie wächst auch in 
"Wolynien, z. B. bei Kremenez, im Kreise Owrutsch und bei 
Nowograd-Wolynsk; ferner unweit Kijew, im Gouv. Tscher- 
nigow (im Kreise Starodub, nach Rogowicz und Schmal- 
hausen); im westlichen Theile des Gouv. Orel, namentlich 
im Kreise Karatschew (Ruprecht), und endlich, nach Czer- 
niaew, an den Ufern einiger Flüsse im Gouv. Kursk. 

Dieses von mir bezeichnete europäisch-russische Verbrei- 
tungsgebiet der Strauchbirke, welches sich westwärts bis 
Pommern und Mecklenburg fortsetzt, erscheint durchaus zu- 
sammenhängend, und nach Osten ähnlich begrenzt, wie wir 
Das bei verschiedenen Holzarten (z. B. dem Birnbäume and 
der Esche) gesehen haben. Sie fehlt, naöh Ssemenow, im 
ganzen Don-Gebiete, d. h. im grössten Theile des (jOuv. 
Tula, im Osten des Gouv. Orel, in den Gouvernements Wo- 
ronesh, Tambow, Pensa, Ssaratow; ferner an der mittleren 
und unteren Wolga ^), nebst dem Kama-Gebiete, d. h. in 
den Gouvernements Wjatka, Ssimbirsk, Ssamara, Ufa und 
Orenburg; desgl. auch fast im ganzen Gouvernement Perm. 
Aber sie tritt, nach Krylow, plötzlich, ganz insular, inziem- 



1) Dieser Autor führt zwei Arten für dasGour. Minsk an: B, fruticosa 
Fall, und B. humüis Schrk. 

2) Ans dem Gouv. Nishnij -Nowgorod liegen zwar keine Angaben über 
das Vorhandensein der B. humüis vor, doch dürfte sie daselbst kaum feh- 
leu; da sie einerseits im Norden des Gouv. Rjasan, andererseits im Gouy. 
Kostroma und im Westen des Gouv. Kasan vorkommt. 



~ 247 — 

lieh grosser Anzahl, in einem Gebirgsthale auf, im Südwesten 
des Berges Jurma (an der Grenze der Gouvernements Perm, 
Uf& und Orenburg). Ebenso unvermittelt mit ihrem euro- 
päischen Verbreitungsgebiete erscheint dasjenige in Asien: 
nach Regel, wächst sie in den Gebirgen der Dsungarei, am 
Altai, im Ssajan'schen Gebirge, am Baikal, in Daurien und 
in Ostsibirien ; ja, sie findet sich sogar in Nordamerika (in 
den Staaten Oregon und Wisconsin) wieder; in der ybt. BUr 
prechtiana Trautv. {Buprechtii Regel) wächst sie in Daurien, 
am unteren Amur und in der Mandshurei; und in der var. 
Kamtschatica Regel kommt sie in Kamtschatka und auf den 
Aleuten vor^). — In Skandinavien (incl. Finland), so wie im 
Kaukasus und in der Krim fehlt die Strauchbirke ; sie fehlt 
gleichfalls in Mitteldeutschland und in den Rheingegenden, 
erscheint aber am Nordrande der Alpen wieder. 

Wir können mithin gegenwärtig fOnf von einander ge- 
trennte Verbreitungsbezirke der B. humüis unterscheiden: 
1) das Alpengebiet; 2) das norddeutsch-russische Gebiet; 
3) das Uralgebirge; 4) das asiatische und 5) das nordame- 
rikanische Gebiet. Die ersten beiden Bezirke standen zur 
Eiszeit offenbar in Zusammenhang, und erst später wird die 
Strauchbirke im zwischenliegenden Gebiete ausgestorben sein. 
Aber die übrigen Bezirke brauchen nie mit den beiden ersten, 
und auch unter einander, in direktem Zusammenhange ge- 
standen zu haben. Die ausserordentlich weite Verbreitung 
dieser Holzart, so wie die Diskontinuität ihrer Verbreitung, 
lassen vermuthen, dass dieselbe uralt ist; wenn auch die pa- 
läontologischen Beweise dafür fehlen, halte ich es für wahr- 
scheinlich, dass sie bereits in der Miocänzeit den präsumirten 



1) Eine verwandte Art, B, chinensis Maxim., wächst in Nordchina, auf 
dem Conolly, in einer Höhe von 1600—2000 M. 



— 248 — 

arktischen KontiDent bewohnt, und Ton dort sich strahleo- 
förmignachEaropa, zum Uralgebirge, nach Asien und Nord- 
amerika verbreitet habe, nachträglich aber im arktischen 
Gebiete ansgestorben sei. 

Namen. — Rassisch: Bereska; Jomikberesow^; Tsckor- 
naja Beresa (im Ural, nach Krylow; d. i. schwarze Birke). 
— Littauisch (imGouv. Kowno): Berza; Media (Anoenkow). 

373. (8.) Betula Baddeana Trautv.'). 

Diese interessante Birke ist erst im Jahre 1885 von 
Radde in Daghestan, in der Hanptkette des Kaukasus, un- 
weit Gunib, in einer Höhe von 5000 — 6500' ob. d. M., 
entdeckt worden. Wie mir Herr v, Trautvetter mündlich 
bemerkte, bildet diese Art, nach Radde's brieflicher Mit- 
theilung, einen Strauch von 20 — 30 Fuss Hohe, üeber die 
Grenzen ihrer Verbreitung im Kaukasus ist noch nichts be- 
kannt geworden. 

373. (9.) Betula Medwediem RegeP). 

Auch diese Birke ist erst in neuester Zeit, undzwarim 
Jahre 1886, vom Oberförster Medwedew in Transkauka- 
sien entdeckt worden; sie wächst auf dem Berge Ssomlia, 
im Adsbaro-gurischen Bergrücken, an der Höbengreuze der 
Wälder, etwa 6800' Üb. d. M. ; Ober ihre Verbreitung wissen 
wir noch nichts. Nach Regel, steht sie (wie auch B. Bad- 
deana Trautv.) den in Ostsibirien und in der Mandahurei 



1) K B. & TrantTetter. aContribiitio &d floram Dagestaniae ex herba* 
rio BaddeaDO anni ie86>; io Acta Horti Fetropolitani, t. X, Fase. I, 18S7; 
p. 129—130. 

2) Ebenda, T. X, Fase. 1., p. 375. — Richtiger wire e 
sclireibeii. 



, — 249 — 

wachsenden B. Ermani Cham, und B. Schmidtii Regel nahe. 
Sie erwächst zu einem zferalich hohen Baume. — Es wäre 
sehr interessant, über die Verbreitung und die Wachsthums- 
Verhältnisse der B. Medwediem^ so wie der B. Baddeana^ 
Genaueres zu erfahren. 

Farn. LVII« Salicineae. 

Gattung 1. Salix. 

Indem ich an eine Aufzählung der im europäischen Russ- 
land und im Kaukasus wachsenden ^Veidenarten gehe, ver- 
hehle ich mir nicht die grossen Schwierigkeiten, die ein 
solches Unternehmen bietet; ich habe schon im Vorworte be- 
merkt, dass ich am liebsten davon ganz abstehen würde und 
mich nur nothgedrungen dazu entschliesse. . . . Der kolos- 
sale Formenreichthum dieser Gattung, verbunden mit einer 
beispiellosen Fähigkeit der Bastardirung, bringt den Weiden- 
Systematiker zur Verzweiflung. Hr. v. Trautvetter, der 
sich so viel mit dieser Gattung beschäftigt hat, theilte mir 
die wenig tröstende Erklärung mit, dass, je mehr man sich 
mit derselben abgebe, desto mehr man der Confusion inne 
werde, die in der Gruppirung und Abgrenzung der Arten 
herrsche. Unter so be wandten Umständen verzichte ich auf 
ein detaillirtes selbstständiges Studium dieser Gattung und 
folge in der Aufzählung und Abgrenzung der Arten der Mo- 
nographie Andersson's in De Candolle's Prodromus 
regni vegetabilis (P. XVI, Sectio posterior, p. 190 — 323), 
wobei ich nur in Betreßt weniger Formen etwas abwei- 
che, indem ich einige derselben (z. B. Salix TaimyrensiSj 
S. Broumei etc.), die Andersson als Varietäten ansieht, 
nach dem Vorgange Lundström's u. A., als selbstständige 
Arten betrachte. Da die Bastardirung nicht nur innerhalb 



— 250 — 

einer bestimmten Gruppe dieser Gattung, sondern auch zwi- 
schen Repräsentanten verschiedener Gruppen derselben Statt 
findet, so halte ich es ffir zweckmässig, die Uebersicht der 
Bastardformen besonders zu geben und die Aufzählung der 
selbstständigen Arten vorauszuschicken ^). 

Im Ganzen sind aus dem europäischen Russland (incL 
Nowaja-Semlja) und dem Kaukasus 46 (resp.41) selbststän- 
dige Arten und 40 (resp. 46) Bastardformen bekannt ge- 
worden; dass die Zahl namentlich der letzteren hinter der 
Wirklichkeit zurückbleibt, lässt sich als sicher annehmen, 
da sich bei uns nur wenige Forscher mit denselben einge- 
hender beschäftigt haben ^). Besonders wichtig in dieser Hin- 
sicht ist die Arbeit Schmalhausen's über die Pflanzenba- 
starde der St. Petersburger Flora ^. Die selbstständigen 
Arten vertheilen sich auf folgende 1 3 Sectionen : 

1. Amygdßlinae mit 1 Art. 

2. Luddae v. Pentandrae »1 » 

3. Fragiles v. AUxie » 3 » 

4. G^nerascenles v. Capreae » 6 » 

5. Boseae v. Myrtüloides ........ » 1 » 

6. Ärgenteae v. Repentes »1 » 

7. Virescentes v. Pkylicifoliae . ...» 4 » 

8. Bigidae v. Hastatae » 2 » 

1) Ich bin auch hierin Andersson gefolgt, der aber mehrere Formen, 
nämlich: 8. mxätiformis Doli. (moUissima Ehrh.), 8, Laestadiana ELartm., 8. 
retietdoides Anders., 8. rubra Huds. und 8. Doniana Sm. als selbstst&ndige 
Arten ansieht, während sie doch höchst wahrscheinlich oder bestimmt Ba- 
starde sind. 

2) Der Herr Förster Teploachow im Perm' sehen Kreise hat sich zwar 
Jahre lang mit den dortigen Weiden beschäftigt, aber seine Beobachtungen 
noch nicht veröffentlicht (Maxim.). 

8)11. UIuajiBrayseH'b. «0 pacTUTejibnuxi» noM-J^cax'B. Ha6jiH)AeHiH 
H3i> neTep6yprcKoil «lopu» ; ex Tpj^. Gn6. O611;. ecTecTBoncnuTaT., t. Y, 
1874, crp. 79 — 190; cb 8-Mfl xaÖJ. puc. — Das die Weidenbastarde Betref- 
fende steht auf p. 122—131. 



— 251 — 

9. Pruinosae v, Daphnoides. . mit 2 Art. 

10. Micantes v. Viminales ...» 2(i) » 

11. Niveae v. Glaucae » 5(4) » 

12. Nitidulae v. Olaciales ... » ll(io) » 

13. Purpurea^ » 7(6) 



» 



Was die. geographische Vertheilung betrifft, so ist der 
Norden des europäischen Russlands ganz besonders reich an 
Weidenformen. In Nowaja-Semija kommen noch 10 Arten 
vor, von denen 7 der Section Gladales angehören. Es sind, 
nach Lundström^), folgende: 1) 8. polaris Whlbg., 2) S. 
rotundifolia Trautv., 3) S. reticiUata L., 4) S. ardica Pall., 
5) 8. Broumei Anders., 6) 8. Taimyrensis Trautv., 7) 8. 
glaucalj.^ 8) 8. reptotw Rupr., 9) 8. ovalifoüa TrtiutY.y 10) 
8. lanata L. Auf der Insel Waigatsch kommt noch 8. Myr- 
sinües L. hinzu. Ffir das Ssamojedenland zählt A. 6. 
Schrenck 1 5 Arten und eine Bastardform {8. stipularis Sm.) 
auf^). In Enare-Lappland kommen, nach Eihlman, 14 
Arten und 6 Bastardformen vor. Wiedemann und Weber 
verzeichnen für die Ostseeprovinzen 2 1 Arten und 5 Bastarde; 
die Zahl der letzteren ist wenigstens 3 Mal so gross, me 
Dies auch Klinge gezeigt. Rostafinski nennt für Polen 
18 Arten und 8 Bastardformen. . Im mittleren Russland 
wachsen, nach Zinger, nur 16 Arten; ausserdem führt er 
nur 2 Bastarde (Ä stipularis Sm. und 8. 8mithiana Willd.) 
an. Im Gouv. Perm kommen, nach Krylow, 22 Arten und 
2 Bastardformen vor ; dieser Reich thum an Arten wird durch 



1) A.N. Lundström. «Eritische Bemerkungen über die Weiden Nowiga 
Semljas und ihren genetischen Zusammenhang»; in: Nova Acta Reg. Soc. 
BC. Upsal., ser. III (1877); 44 pp., mit Taf. — Vgl. darüber in Engler's 
Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Pflanzenwelt, Th. 1, p. 145—146. 

2) Dazu kommt noch 1 Art {S, reticüloides And.) und 1 Bastardform {S, 
Schrenkiana And.). 



^v 



— 252 — 

den Wechsel tod Ebene und (jebii^e bedingt: iSngs dem 
Ural gehen mehrere nordische Arten weit nach Süden hin- 
unter, so z. B. S. glauca (bis zu den Bergen Iremel nnd Ja- 
mantao), S. lamata, 8. ardka, S. retiadata, S. herbacea. Im 
sfldwestUchen Rassland wachsen, nach Schmalhaosen, 15 
Arten und 2 Bastarde. Anffiillend arm erscheint, nach den 
bisherigen Nachrichten, der Kaukasus an Weidenarten, und 
namentlich an solchen Formen, die ihm eigenthOmlich sind; 
Medwedew zählt nur 14 Arten auf, von denen nur 2 For- 
men dem Kaukasus allein angehören, nämlich S. apodaTnntv. 
und S. stfesiaca Tar. caucasica And. Aber noch armer an 
SaUx-Arten ist die Krim: Steven zählt deren nur 5 auf {S. 
fragiliSj S. alba, S. awufgdalina, S. fmrpurea und S. caprea); 
auch der neueste Erforscher der Krim'schen Flora, Hr. 
Agg^enko, fugt keine weitere Art hinzu. Ueberhaupt nimmt 
der Reichthum an Weidenarten ab, je weiter wir von Norden 
nach Söden vorschreiten, d. h. je trockener und steppen- 
hafter das Gebiet wird. Während z. B. im Gouv. Minsk, 
Dank der Verbreitung der Pinskischen Sümpfe, nach Pasz- 
kewicz, noch 16 Arten (und 4 Bastardformen) vorkommen, 
weist die Flora von Elisabethgrad (im Gouv. Chersson), nach 
Lindemann, nur 8 Arten auf; in Bessarabien wachsen deren 
6 (und zwar: S. pentandra, S. fragUiSy 5. alba, S. amygda-^ 
lina, S, cinerea nnd S, caprea): beiSarepta finden sich, nach 
Becker, gar nur 5 Arten und 2 Bastarde^). 

Section L AmyRdalinaa 

374. (1.) Salir triandra L. {ß. amygdalina L.). 

Durch den grössten Theil des europäischen Russlands 
verbreitet, desgl. in der Krim und im Kaukasus; und zwar 



1) Claas nennt Übrigens noch 3 — I Arten för Sarepta. 



T* 



253 



meist in ihren beiden Varietäten a, discolor Koch und ß, 
concolor Koch. Ihre Nordgrenze lässt sich, aus Mangel an 
Nachrichten, nicht genau ziehen. In Enare-Lappland und 
im Ssamojedenlande fehlt diese Art. Der nördlichste be- 
kannte Fundort sind die Ufer der Niwa, zwischen dem See 
Imandra und dem Busen von Kandalakscha (etwa unter dem 
67° n.Br.). Nach Iwanizkij, findet sie sich im Gouv.Wo- 
logda, im Petschora-Gebiete. Sfidwärts geht die Mandel- 
weide bis zum Rande der baumlosen Steppe, in welche sie, 
längs den Flussläufen, tief hineindringt. So findet sie sich 
z. B. in Bessarabien; desgl. im Ueberschwemmungsgebiete 
des Dnjepr und der Konka, noch im Taurischen Gouverne- 
ment (Ssredinskij und Grüner); ebenso folgt sie dem Don 
weit hinab in's Land der Don'schen Kosaken ; an der Wolga 
findet sie sich nicht nur bei Sarepta noch häufig, sondern 
dringt, nach Ledebour, selbst bis Astrachan vor. Sie wächst, 
nach Borszczow, am linken Ufer des Uralflusses, unweit 
Orenburg; dann tritt sie inselförmig noch 40 Werst südlich 
davon auf — am Fl. Jel'schanka; am Ilek, zwischen Ilez- 
kaja-Sastschita und dem FI. Akssu kommen stellenweise 
ganze Bestände niedriger Büsche vor; als südlichsten Punkt 
nennt Borszczow die Ufer des Fl. Tawantal (unter 50° n. 
Br.). Einzelne Fundorte der Mandelweide im südlichen Russ- 
land sind z. B.: Elisabethgrad (Lindemann), Jekaterino- 
sslaw (bei Igren', an der Mündung der Ssamara, nach Akin- 
fijew), am Ufer des Torez im Kreise Bachmut (Beketow). 
— Je weiter nach Norden, desto häufiger erscheint diese 
Holzart. Ich will mich auf die Anführung einiger Fundorte 
beschränken. Im Gouv. Perm ist sie recht verbreitet, z. B. 
bei Perm, Ssolikamsk, an der Kolwa am Berge Diwij-Kamen' 
etc. In den Ostseeprovinzen kommt sie häufig vor; nach 
Günther, wächst sie auf den Wiesen bei Petrosawodsk 



^1 



'fi^i 



— 254 — 

(Gouv. Olonez); nach Ledebour, findet sie sich in Finland, 
z. B. in österbotten; doch muss sie daselbst selten sein, denn 
sie fehlt in den meisten neueren Floren- Verzeichnissen für 
verschiedene Gegenden Finlands. Kusnezow fand sie in 
den Kreisen Schenkursk und Welsk. — In der Krim kommt 
die Mandelweide ziemlich häufig an Bächen, besonders im 
östlichen Theile des Gebirges, vor, und zwar meist nur 
strauchförmig. Im Kaukasus wächst sie hie und da, sowohl 
im nördlichen Theile (z. B. am Terek), als in Transkaukasien 
(z. B. in Imeretien, Mingrelien, bei Eriwan' etc»); fflrTalysch 
fQhrt sie Radde nicht an. Sie wächst auch in Nordpersien, 
z. B. in der Provinz Karadagh (Buhse) und im persischen 
Kurdistan. In Afghanistan und im Himalaja fehlt sie. Da- 
gegen ist sie durch ganz Sibirien (mit Ausnahme des arkti- 
schen Theiles), bis zum unteren Amur verbreitet, wo sie, 
nach Maximowicz, in der var. discolor vorkommt. 

Namen. — Russisch (in Sfidrussland): Bjelotal (kleinruss. 
Bilotal)^ i. e. Weissweide; (im Gouv. Kursk): Lomaschnik; 
sonst auch: Losa^ Losina. — Polnisch: Zo^a. — Lettisch: 
KdhrUis. — Estnisch: Wesi paßu puu^ West rämmelgas. — 
Mordwinisch^): Kal\ Akschyks. — Syrjanisch: Bad\ Bad^- 
pu; Jora = Weidengebüsch. — Ossetisch: Gheris. — Ar- 
menisch: Uri. — Grusin., imeret., gurisch: Nerg% Tiripi, 
Tilipij Dsenziy Znori. — Sswanetisch: Bagira. — Tatarisch 
(in der Krim): TaP); (im Kaukasus): Ssöjut. — Tschetsche- 
nisch: Tal. — Ingusch.: Dek. — Kabardinisch: Dsd. — 
Tscherkess.: Zelli. — Abchasisch: Äpslysch. — Kumykisch: 



1) Die meisten finnischen, so wie die im Kaukasus gebräuchlichen Na- 
men beziehen sich auf Weiden überhaupt, ohne Unterschied der Art. 

2) Gleichklingend mit dem russischen TaJ, TctPntk, welcher Name ver- 
schiedene Weidenarten bezeichnet. 



— 255 — 

Tal. — Awarisch : Biz. — Lcsgiscli (sakat.): ByzyV-ged] 
(did.): Izi\ (kaputsch.): Ajso\ (inuch.): ItscJie, 



Seotion 2. Luoidae v. Fentandrae. 

375. (2.) Salix pentandra L. 

Die Lorbeerweide ist gleichfalls ansserordentlich weit 
verbreitet. Nach Wahlenberg, J. Fellman und Anders- 
so n, kommt sie nordwärts bis zum Enare-See vor, wo sie 
indessen Kihlman nicht beobachtet hat. In Torneä-Lapp- 
land ist sie, nach Hjelt und Hult, selten, z. B. in den Ge- 
genden von Kolari und Eittilä; diesseits des Polarkreises, z. 
B. bei Öfver-Torneä und Rovaniemi, kommt sie häufiger vor. 
Nach J. Fellman, findet sie sich bei den Dörfern Kouda 
(Kowda) und Keret; N. I. Fellman fand sie zwischen dem 
See Paanajärvi und der Enjashaja-gubä (einer Bucht des 
Weissen Meeres); zugleich bemerkt er, dass er sie jenseits 
des Polarkreises nicht angetroflFen habe. Beketow nennt 
als Fundorte: Kandalakscha, Eem', Ssumskoi-Possäd und 
Archangelsk; auch Bogussla w erwähnt sie für die Umgegend 
der letztgenannten Stadt; Kusnezow beobachtete sie im 
Kreise Schenkursk. Ruprecht fand sie bei Mesen'; aber 
A. 6. Schrenck kennt sie nicht aus dem Ssamojedenlande. 
In der Umgegend des Onega-See's ist die Lorbeerweide, 
nach Norrlin und Günther, überall häufig. Hr. v. Berg 
fand sie auf der Insel Walaam (im nördlichen Theile des La- 
doga-See's). Nach Iwanizkij, findet sie sich imGouv.Wo- 
logda z. B. in den Kreisen Wologda, Kadnikow, Nikol'sk 
und Ust'ssyssolsk. Sie kommt, nach Krylow, im grössten 
Theile des Gouv. Perm vor, z. B. an den Ufern der Los'wa 
und bei Krassnoufimsk; desgl., nach C. A. Meyer, überall 



— 256 — 

im Gouv. Wjatka. Im Gouv. St. Petersburg, z. B. im 
Kreise Luga, findet sieb, nacb .Sehmalbaasen, eine Form 
der Lorbeerweide, die der Bastardform S. cuspidata Scbultz 
sebr nabe stebt. Paszkewicz nennt für das Goav. Minsk 
aucb die var. latifolia als bäufig vorkommend. — Was die 
SQdgrenze dieser Art betrifft, so soll sie sieb, nacb Tar- 
dent, Lindemann und Akinfijew, nocb in Bessarabien 
finden; Lindemann verzeicbnet sie ffir das Gouv. Ober- 
sson (z. B. bei Elisabetbgrad); nacb Akinfijew, wAcbst 
sie selten bei Jekaterinosslaw^); ferner findet sie sieb, 
nacb GzerniaSw, bei Charkow und, nacb Ssemenow, 
im Lande der Don'scben Kosaken. Claus bemerkt, dass 
sie an der Wolga bis Sarepta binab vorkomme; aber 
Becker nennt sie nicht ffir die Umgegend von Sarepta. Nacb 
Karelin, wächst sie im Lande der Urarschen Kosaken; 
Borszczow sagt, dass sie sich selten am Ilek, zwischen 
Ilezkaja Sastschita und dem Fl. Akssu finde; als fiusserste 
sädöstliche Punkte ihres Vorkommens bezeichnet er die Er- 
höhung ürkätsch (unter 49V2° n. Br.) und das Thal des Fl. 
Kundusdy (des Hauptqnellflusses der Emba, unter 49^ n. 
Br.); sie fehlt im Osten des Mugodsbar-Gebirges. — In der 
Krim kommt S. pentandra nicht vor. Im Kaukasus inräcbst 
sie hie und da, sowohl im Norden als im Sflden des Haupt- 
gebirges, bis zur Höhe von 6000' Ob. d. M. In Talyscb, 
desgl. in Persien und Afghanistan, fehlt sie. Sie kommt aber, 
nach Ledebour, in ganz Sibirien, bis Kamtschatka, vor; 
Maack fand sie auch am oberen Amur. 

Namen. — Russisch: Bred, Werholös, Losina, Wald; 
Tal'nik, WerbownH] (im Süden): Tdla, Tschemotdl. — Pol- 
nisch: Lozina. — Lettisch: Blihgsne, Blihsne. — Norwe- 



1) Beketow führt sie gar nicht für das 6oqt. Jekaterinosslaw an. 



wrp' 



— 257 — 

giscb: Isler^ Istervidje. — Schwedisch: Johter. — Norweg.- 
und finn.-lappisch: Wi8keS'Säjdga\ schwed.-Iappisch: Wiskes- 
sierka (d. i. gelbe Weide). — Finnisch: RaU<i (J. Fellman); 
Halalj Hala-paju (Annenko'w), Oja-halawa. — Estnisch: 
Pcyu, PajU'puu (J. Fellman). 

Anmerkung. Gzerniaöw stellt (in seinem «Conspectus» 
der Pflanzen der Ukraine) zwischen Salix pentandra L. und 
8. fragäis L. eine besondere Art, 8. pinetorum Czern., die 
im Gouv. Tschernigow (an der Grenze des Gonv. Charkow), 
in Kiefernwäldern, wachst. Doch hat er diese Weidenform, 
so viel ich weiss, nirgends beschrieben, so dass es angewiss 
bleibt, zu weicher Gruppe der 8aliX'Arten sie gehört, und 
ob sie wirklich als selbstständige Art anerkannt werden kann, 
oder vielleiciit nur eine Bastardform repräsentirt. 

Sectioii 3. Fragiles v. Albae. 

876. (3.) 8alix fragilis h}). 

Auch diese Art ist im europäischen Russland ziemlich 
weit verbreitet; auch findet sie sich in der Krim (?) und im 
Kaukasus. Die Nordgrenze der Bruchweide ist schwer fest- 
zustellen, da diese Holzart vielfach durch Stecklinge ver- 
pflanzt ist und sich weiter verbreitet hat, so dass es oft 
unmöglich zu entscheiden ist, ob sie ursprfinglich wildwach- 
send vorkommt. Nach einigen Angaben, wächst sie im süd- 
lichen Finland (z. B. in Satakunta und Tavastland); Hr. v. 
Berg fand sie auf der Insel Walaam; femer findet sie sich 
im Gouv. St. Petersburg und in den Ostseeprovinzen; sie 
fehlt im Gouv. Olonez, desgl. auch, wie es scheint, im Gouv. 



1) üeber die von Ledebour (Fl. ross., III, p. 598) als Variet&t dieser 
Art angesehene 8. BMssdiana Sm. vgl. unten, bei den Bastardweiden. 

17 



— 258 — 

Nowgorod; Bakanin fflhrt diese Art aach f&r das Gou?. 
Twer nicht an^); doch kommt sie, uach Zinger, im Kreise 
Subzow ?or. Nach dem letzteren Autor, findet sie sich im 
Gonv. Kostroma (in den Kreisen Kostroma oni Ssoligalitsch); 
desgl. im Gonv. Jarosslaw, und zwar, nach Petrowsky, 
wildwachsend nur im südlichsten Kreise Rostow; auch im 
Gonv. Wjatka ist sie, nach C. A. Meyer, nur im sOdlicheo 
Theile (namentlich bei Ssarapul) gefunden worden. Daher er- 
scheint die Angabe von ihrem Vorkommen im Gonv. Wologda 
(und gar im Kreise üst'ssyssolsk !) sehr unwahrscheinlich; 
jedenfalls wird sie dort nicht spontan wachsen. Sie findet 
sich femer in den Gouvernements Kasan (Wirz6n)^) und 
Nishnij -Nowgorod. Aber von Kasan abw&rts scheint sie 
an der Wolga zu fehlen; denn weder nennt sie Claus in 
seinen «Localfloren der Wolgagegenden», noch auch Veesen- 
meyer für die Gouvernements Ssimbirsk undSsamara. In- 
dessen kommt sie, nach Zinger, doch im Gonv. Ssaratow 
vor'). Aber weiter östlich fehlt sie fiberall. Zwar nennt 
sie Karelin ffir das Land der Ural'schen Kosaken, doch 
dürfte diese Angabe irrthümlich sein, denn Schell hat sie 
in den Gouvernements Orenburg und Vfi nicht gefunden; 
sie fehlt auch, nach Krylow, im Gouv. Perm*). — Ihre 
Sfidgrenze verläuft aus Bessarabien, Ober den nördlichen 
Theil des Gouv. Chersson (Lindemann), nach Jekaterinosslaw 
(Akinfijew); von hier erstreckt sich die Verbreitung der 
Bruchweide buchtenf&rmig den Dnjepr hinunter; sie kommt 
unterhalb Alexandrowsk, am Dnjepr (Grüner), desgleichen 



1) Er nennt nar die Form Bussdiana. 

2) Von Korshinskij wird sie nicht erwähnt 

3) Claus fahrt sie, in GoebeTs Reise in die Steppen des sadlichen 
Rnsslands (Th. 2, p. 807), anch von daher an. 

4) Die von Ledebonr wiederholte Angabc Üspenski^s von ihrem Vor- 
kommen bei Jekaterinbnrg beruht also offenbar auf einem Irrthume. 



r" 



— 259 — 

auch im Taorischen GoavernemeDt, im Ueberscbwemmungs- 
gebiete dieses Stromes, vor (Ssredinskij); ferner findet sie 
sich im Lande der Don'scben Kosaken. — Das Vorkommen 
dieser Art in der Krim ist noch nicht sicher festgestellt; 
Marschall-Bieberstein fQbrt sie von daher an, aber Ste- 
Yen hat sie daselbst nicht gefunden. Im Kaukasus wächst 
die Bruchweide nicht selten, sowohl im nördlichen Theile 
als in Transkaukasien (z. B. in Imeretien, Karabagb, im 
6ouv. Elisabethpol, in Talysch etc.) ^). Der kaukasische Yer- 
breitungsbezirk hängt über Kleinasien mit dem europäischen 
zusammen. — Nach Led ebon r, kommt die Bruchweide auch 
in der Dsungarei und im südlichen Sibirien vor. Ist diese 
Angabe richtig, so ist der sibirische Verbreitungsbezirk der- 
selben von dem europäischen und kaukasischen ganz abge- 
trennt. 

Namen. — Russisch: Werba^ Lomkaja-Werhai}. e. Bruch* 
weide); Wäla^ Itoa, Bakita. — Polnisch: Kruchotoierzb. — 
Lettisch: Sehtas wihtols. — Estnisch: Rämmälj RämmdgaSj 
Bämlika ptm. — Wotjakisch: BaV-pu. — Tatarisch (in Ka- 
san): Kuba (C. A. Meyer). . 

377. (4.) Salix cUba L. (und S. vüellina L.) 

Wir dOrfen wohl von der zweifelhaften Angabe Rup recht's 
(Fl. Samoj., p. 11), dass die Silberweide bei Archangelsk 
vorkomme, absehen; denn nicht nur wird sie von Niemandem 
bestätigt^), sondern diese Art fehlt auch in den sQdl icher 
gelegenen Gouvernements Olonez, St. Petersburg, Nowgorod, 
Twer und Jarosslaw, so wie in Finland und Estland; sie fehlt 



1) Im Kaukasas findet sieb, nach Andersson, auch die var. austrälis, 
die auch in Persien nnd bei Aleppo vorkommt. 

2) Bognsslaw nennt sie z. B. nicht fQr die Umgegend von Archangelsk. 

17* 



— 260 — 

ttaiten Theile des Gonv. Wologda, wo sie, 
, nur im südlichsten Gebiete (am See Ku- 
Creise Wologda) vorkommen soll; und zwar 
wahrscheinlich nur angepflanzt anzutreffen, 
»uents Wjatka und Perm findet sie sich 

den sQdlicheren Theilen. Auch bei dieser 
iflansten Weide ist es kaum möglich, mit 
t die Nordgrenze ihrer spontanen Verbrci- 
Sie geht, nach Trautvetter'), von der 

St. Petersburg; aber am letzteren Orte 
ireide, nach Ruprecht, nur kultinrt vor 
I Neinshaasen's Flor« in^ca); und auf 
ich offenbar auch nur angepflanzt, denn F. 
sie nicht unter den vildvaefasend«! Pflanzen 
lässt skh dorn die Kordgr«ize dieser Asi, 

vie folgt, liehra: ans dea sfidUdea Liv- 
irdlicb«n Tbeil der GonT«iieBe»ts Witebsk, 
Moskau: Tv«hwrr«r)iuftsi«, vie^sdwiBt, 
; and twxr durch den Nrndfa des Gomx. 
'ai sfidlidx« Tbeil der G<mwraemtmts £»• 
nwl TVna. In Gobt. Wladmir tedet sie 
fc^inainifrrn Kreis*'; im Gimv. Kestraaa — 
r^f«; i™ G«iT, Vja^ — an natena 
h ani Iwi .VJaYoij«; im Giair. Per™ — z B. 
4- «T>^ dem Rfiiliniwfitf KTscänriBÄ];. 
B^ä. ia Aic ÄillvTwciöf zjRmlicii sfthan in 

>»r^ lP:,i('lsk .shnlirh vmi BwIobijA;: desgi 
»ik-hsi ir dm tToi.vtvmnmemj; lünak Vmsi- 






261 



»lV;v. 'M 



kewicz), Mohilew (Lindemann), Kaluga (selten, nach Ssa- 
nizki j), Tula, Rjasan, Nishnij-Nowgorod (z. B. in den Kreisen 
Gorbatow und Lukojanow, nach Zinger), Kasan (Claus), 
Ssimbirsk undSsamara (Veesenmeyer, Claus), Orenburg 
(Schell); zweifellos findet sie sich auch im Gouv. üfä. — 
Die Sfidgrenze hat etwa folgenden Verlauf: aus Bessarabien, 
über den nördlichen Theil des Gouv. Chersson, zum Dnjepr, 
längs welchem sie zungenfßrmig sfldwärts bis zum Taurischen 
Gouvernement (Grüner und Ssredinskij) hinuntergeht^); 
ferner, Ober Jekaterinosslaw (Akinfijew), in's Land der 
Don'schen Kosaken und nach der unteren Wolga, längs wel- 
cher sie, nach Ledebour, bis Astrachan vordringt. Bei 
Sarepta ist sie, nach Becker, häufig in den Schluchten an 
der Wolga und auf den Wolga-Inseln. Sie wächst, nach 
Karelin, auch im Lande der Ural'schen Kosaken; nach 
Borszczow, finden sich am Ilek nur selten kleine Bäumchen ; 
als sfidlichsten Fundort bezeichnet er die Ufer des Sees In- 
derskoje (unter 48%^ n. Br.). 

In der Krim wächst die Silberweide sehr häufig an Bä- 
chen und erreicht daselbst bedeutende Dimensionen; grosse 
und dicke Bäume finden sich besonders am Ssalgir. Im 
Kaukasus, wo auch die Varietäten vitdlina L. und mica/ns 
Anders, vorkommen, ist diese Weide sehr verbreitet; sie 
findet sich z. B. auf dem Beschtau, in Iberien, Imeretien 
etc.; sie wird dort 50 — 60 Fuss hoch und bis 2 Fuss dick. 
Von hier verbreitet sie sich nach Kleinasien und dem nörd- 
lichen Persien. Ferner findet sie sich in der Dsungarei, in 
Chokand \ so wie im südlichen Sibirien. 



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1) Sie wächst, nach Beketow, auch anf der Insel Chortiza. 

2) Vgl. E. Regel, in: Acte Horti Petropolitani, t. VI, p. 469— 460. Hier 
werden die vielen Varietäten aufgezählt, in denen die Silberweide sich in 
Torkestan findet. 






— 262 — 

Die Form vitellina L. wächst z. B. bei Wilna, in Wo- 
lynien (z. B. bei Kremenez) und Podolien (Eichwald); bei 
Kijew und Poltawa (Rogowicz), in Bessarabien (Tardent) 
und, wie bemerkt, im. Kaukasus. 

Namen. — Russisch: Werba^ WeÜa^ Bjelaja losa (i. e. 
weisse Weide), Tal; kleinrussisch: Büa werha^ bila losa, — 
Lettisch: Wihtols. — Estnisch: Saksa pajupuu (d. h. deut- 
scher Weidenbaum). — Mokscha-mordwin.: Akschu. — Ta- 
tarisch (in der Krim): Tal — Tschuwasch.: Imra (Annen- 
kow). 

378. (5.) Salix Babylonica L. 

Spontan wächst bei uns die Trauerweide nur hier und 
da im sfidlichen und Ostlichen Transkaukasien, z. 6. am 
Araxes und im Kaspischen Strandgebiete; Fürst Massalski 
beobachtete sie im Gebiete von Kars (bei Olor). Kultivirt 
findet sie sich z.B. in Bessarabien und in der Krim. — Nach 
Regel, scheint diese Art auch am Fl. Ili vorzukommen. 
Nach einigen Autoren ist S. japanica Thunb., die sich in 
Japan findet, eine Varietät derselben. 



Seotion 4. Cinerasoentes v. Capreae. 

379. (6.) Salix grandifoüa Sering. 

lieber das Vorkommen dieser Art in den Grenzen des 
europäischen Russlands wissen wir gegenwärtig kaum mehr, 
als zu Ledebour's Zeiten, der (Flora ross., III, p. 609) 
von ihr nur sagt: «Hab. in Rossia media [Petropoli (Wein- 
mann)]». Für die Umgegend von St. Petersburg wird sie 
von späteren Autoren (z. B. von Meinshausen) nicht ge- 
nannt. Ueberhaupt finde ich sie in neuerer Zeit nur von 
Paszkewicz für das Gouv. Minsk angegeben, wo sie im 



— 263 — 

Kreise Sluzk wachsen soll. Bekanntlich ist diese Weide 
hauptsächlich in der Alpenkette verbreitet; sie geht aber 
ostwärts bis nach Siebenbürgen und bis in^s Tatra-Gebirge 
(Knapp). Mithin nähert sie sich den Grenzen Russlands, 
woher das Vorkommen im Gouv. Minsk nicht unmöglich er- 
scheint, — welches Gebiet sich auch sonst durch merkwür- 
dige Holzpflanzen auszeichnet; ich erinnere an das Vorkom- 
men der Asalea pontica; weiter unten werden wir sehen; 
dass gerade im Kreise Sluzk auch die Lärche einst wuchs. 
Die Bestätigung der Angabe Paszkewicz*s wäre sehr inter- 
essant und erwünscht. 

380. (7.) Salix silesiaca Willd. 

Wird für einige Gegenden des kühleren Mittelrusslands 
angegeben, so namentlich für die Umgegend von Riga (Wie- 
demann und Weber), St. Petersburg (Ledebour) und 
Wjatka (CA. Meyer). Andersson (1. c, p. 218) bezwei- 
felt, vermuthlich mit Recht, die Richtigkeit dieser Angaben 
und meint, dass die genannten Autoren Varietäten der 8. 
caprea fUr S. silesiaca angesehen haben. In der That ist 
die letztere Weide, so viel bekannt, eine ausgesprochene 
Gebirgsart, welche namentlich in den Sudeten und Karpathen 
wächst. Eine Varietät derselben, var. caticasica Anders., 
kommt im westlichen Transkaukasien, auf feuchten Stellen, 
vor. 

381, (8.) Salix aurita L. {S. uliginosa Willd.). 

Die Ohrweide gehört zu den in Russland weit verbrei- 
teten Arten. Nordwärts geht sie bis in's finnische Lappland 
(J. Fellman)^), Archangelsk (Ruprecht und Bogusslaw) 



1) Nach H jelt and H ul t ist sie daselbst sehr selten; als nördlichste Fund- 
orte bezeichnen sie: Turtola (am Torneä-Flusse) undTervo (im Kirchspiele 
Rovaniemi). 



— 264 — 

und bis zur Pjosa, an deren Nebenfluss Rotschuga (etwa 
unter 65° 40' n. Br.) A. 6. Schrenck sie gefunden hat. 
Sie fehlt im Kreise Kola (J. Fellman) und N. I. Fellman 
hat sie im russischen Lappland nirgends gefunden. Sie wächst 
fiberall in Finland (z. B. Österbotten, Tavastland, Nyland 
etc.); bei Äbo ist sie, nach v. Berg, gemein; sie findet sich 
auch auf den Inseln des Finnischen Meerbusens, z. 6. auf 
Hochland (A. 6. Schrenck), Tytärsaari und Lawansaari 
(Brenner). Im 6ouv. Olonez, z. B. in der Umgebung des 
Onega-Sees, wächst sie häufig auf sumpfigen Wiesen (Norr- 
lin und Günther). Kusnezow beobachtete sie im Kreise 
Wel'skdesGouv. Wologda. Besonders häufig und verbreitet 
ist sie im mittleren Russland, z. B. in den Ostseeprovinzen, 
in Polen, Littauen, in den Gouvernements Twer, Moskau, 
Wladimir, Kaluga, etc.; desgl. an der mittleren Wolga. Nach 
Osten zu wird die Ohrweide seltener; ffir das Gouv. Perm 
führt Krylow nurUssoI'je als Fundort an; bei Schell fehlt 
sie für die Gouvernements Ufa und Orenburg. Auch nach 
Süden dringt sie nicht so weit vor, wie z. B. 8. triandra, S. 
pentandra und S. alba. Sie fehlt in Bessarabien, in den 
Gouvernements Chersson und Taurien, so wie im Lande der 
Don'schen Kosaken und im Gouv. Astrachan; auch fehlt sie 
im grössten Theile des Gouv. Jekateriuosslaw und im Süden 
der Gouvernements Woronesh und Ssaratow (z. B. bei Sa- 
repta, nach Becker). Die südlichsten bekannt gewordenen 
Fundorte der Ohrweide sind: Podolien, das Gouv. Kijew ^), 
die Umgegend von Jekateriuosslaw (Akiufijew), die Gou- 
vernements Poltawa (Rogowicz) und Charkow (Czernia- 



1) Holtz fahrt sie nicht für den südlichsten Kreis Uman' an; doch will 
Das nicht yiel sagen, da er überhaupt nur drei SaHix-Arien für jenen Bezirk 
nennt, was jedenfalls unrichtig ist. 



— 265 — 

ew), das Goiiv. (und Kreis) Tambow') und der Norden des 
Gouv. Ssaratow (Kreis Petrowsk, nach Zinger). — S. au- 
Tita fehlt in der Krim. Im Kaukasus ist sie dagegen sehr 
verbreitet und findet sich äberall, sowohl im nördlichen 
Theile, als in Transkaukasien, bis zur Höhe von 6500' ttb. 
d. M.; sie findet sich auch in Talysch. 

382. (9.) Salix cinerea L. {S. acuminata Ehrh., S. aquatica 

Sm., S. .pMomoides M.B.)'j. 

Gleichfalls sehr weit verbreitet, geht aber nicht so weit 
nach Norden, wie 8. aurita. In Lappland fehlt sie; als nörd- 
lichste Fundorte werden genannt: Tomeä (v. Berg) und 
Archangelsk (Bogusslaw, alsS^. aquaticaY); Ruprecht und 
Schrenck führen sie fQr das Ssamojedenland nicht an. In 
Finland ist die Werftweide ^) sehr verbreitet und kommt, 
nach V. Berg, häufig auf nassen Partieen im Walde und 
auf sumpfigen oder nassen Wiesen vor; er fand sie bei 
Uleäborg und in Menge bei Äbo; sie wächst z. B. in 
österbotten und Satakunta, in Tavastland, Nyland, Kare- 
lien etc.; desgl. auf den Inseln des Finnischen Meerbu- 
sens und des Ladoga-Sees (z. B. aufWalaam). Sie findet 
sich häufig im Gouv. Olonez, so wie in den Gouvernements 
Wologda, Wjatka und Perm. Südwärts geht die Werftweide 



1) Litwinow nennt sie nicht fQr den südlichen Theil des Gouv* 
Tambow. 

2) DieMar8ehall-Bieber8tein'scheiSa7ia;|7%7o9»iatcfe«;dieLedeboar 
(Fl. ross., III, p. 608) neben S, cinerea stellt nnd die Andersson (1. c, p. 
817) als fragliche Art betrachtet, ist, nach Boissier, identisch mit 8, ci- 
nerea. 

8) Eusnezow fahrt sie indessen nicht für die Kreise Schenkurek und 
Cholmogory des Gouv. Archangelsk an. 

4) Der Name Werjt, Wer/ei ist vielleicht slavischen Ursprungs: von 
Werba = Weide. 



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— 266 — 

bis zQin Rande der baomlosen Steppe ond, längs den Flüssen 
noch tief in jene hinein. Sie findet sich noch im sfidlkhen 
Bessarabien, bei Belgrad (Akinfijew); im Gonv. Chersson, 
z. B. bei Elisabethgrad (Lindemann), bei Jekaterinosslaw 
(an der Mündung der Ssamara, nach Akinfijew), anf der 
Insel Chortiza und bei der Kolonie Rosenthal (Beketow); 
zongenförmig erstreckt sich ihre Verbreitung, l&ngs dem 
Dnjepr, wenigstens bis znr Mfindnng der Konka (Graner 
und Ssredinskij), wo sie noch in Menge wichst; Gfilden- 
sttdt fand sie an vielen Stellen am Donez; sie wilchst, nach 
Beketow, anch im östlichen Theile des Gouy. Jekaterino- 
sslaw, am Flfisschen Kaschlagatsch; nach CzerniaCw, findet 
sie sich im Goav. Charkow in Menge. Ohne Zweifel kommt 
sie auch verbreitet im Lande der Don*schen Kosaken vor, 
wenn auch Ledeboar und Ssemenow sie nicht von daher 
erwfthnen; denn sie wachst auch weit hinab- an der Wolga 
in Menge; sie ist, nach Becker, bei Sarepta noch häufig, 
und wahrscheinlich geht sie l&ngs der Wolga noch weiter 
nach Sfiden, vielleicht bis Astrachan, denn Claus bemerkt 
von ihr: «in tota regione». Karelin fiihrt sie zwar nicht fftr 
das Land der Urarscheu Kosaken an, wo sie indessen kaum 
fehlen dürfte; denn sie ist nach Schell, im Gouv. Orenburg, 
u. A. auch am Uralflusse, weit verbreitet; er nennt z. B. als 
Fundorte: Ilezkaja-Sastschita, den Kreis Orsk, Guberliuskij- 
Otrjad, das Fort Michailowskoje, Karagaisk und das Hütten- 
werk Bjelorjezkij. Als sfldlichste insulare Fundorte der 
Werftweide verzeichnet Borszczow die Erhöhung Urkatsch 
(iOV,"" n. Br.) und das Thal des Fl. Kundusdj im Mugod- 
shar-Gebirge (unter 49° n. Br.). — In der Krim fehlt 8. 
cinerea ^). Im Kaukasus, wo auch die var. longifolia Anders. 



1) Indessen bemerkt Steven, dass S. pUomoides M.B., die er mit S. ca- 
prea identificirt, bei Alupka an der SQdkOste wachse. 



— 267 — 

vorkommt, wächst sie namentlich imsfidlichen und östlichen 
Transkaukasien, bis zur Höhe von 5000' flb. d. M.; z. B. 
in Talysch. Von hier erstreckt sich ihre Verbreitung in's 
nördliche Persien: Karelin fand sie bei Asterabad. — Sie 
wächst ferner in der Dsungarei: unweit Wernoje, am Ili bei 
Kuldsba, am See Alakul, so wie an den Flüssen Tschu und 
Karagandy (Regel). Endlich findet sie sich, nach Ledebour, 
am Altai, am Baikal-See und sogar in Kamtschatka. 

Namen. — Russisch: Tschernolos (d. h. Schwarzweide), 
Tschernotal; Iwa^ Bakitnik, Tal^ Losa (wie viele andere 
Weiden). — Littauisch: Karklus (Annenkow). — Schwe- 
disch: Vide^ Gravide (v. Berg). — Finnisch: Wesi-paju, 
NcMia-paju. 

383. (10.) Salix caprea L. 

Die Sahlweide gehört bei uns zu den allerverbreitet- 
sten Salix-ArteHy denn sie dringt nicht nur sehr hoch nach 
Norden und sehr weit nach Süden vor, sondern wächst auch 
in der Krim und im Kaukasus. Nordwärts geht sie bis Enare- 
Lappland, wo sie, nach Kihlman, in der unteren subalpinen 
Region sparsam wächst; sie kommt bis zur Mündung des 
Utsjoki (in dieTana-elf) und des Njavdamvuodna (in den 
Varanger- Fjord) also bis etwa 69® 40' n. Br., vor. Nach 
N. L Fellman, findet sie sich selten an der Mündung des 
Fl. Kurengi (in den nördlichen Theil des Imandra*Sees). 
Beketow nennt als Fundorte: Maaselga (nördlich vom letzt- 
genannten See, etwa unter 68® 15' n. Br.), Kandalakscha, 
die Inseln Ssolowezkije und Archangelsk; nach Homilewski, 
wächst sie im Kreise Kern'. Ruprecht fand die Sahlweide 
bei Mesen' und Ssjomsha (circa 66® 15' n. Br.), desgl. zwi- 
schen Mesen' und Pinega; A. 6. Schrenck^) erwähnt sie 



1) Reise, I, pp. 66, 162; II, pp. 452, 462, 463, 621. 



— 268 — 

von der unteren Dwina (bei Cholmogory), so wie von den 
Ufern derPjosa,Rotschuga,ZjTmaundPetschora, bis 66%° 
n. Br. — Es würde mich zu weit führen, wollte ich die 
Verbreitung dieser Weide genauer schildern; es genügt, wenn 
ich bemerke, dass sie in keiner einzigen Localflora des euro- 
päischen Russlands fehlt, — nordwärts bis zur angegebenen 
Grenze , südwärts aber bis zur baumlosen Steppe verbreitet 
ist, in welche sie, längs den Fliissläufen, noch weit hinein- 
dringt Sie findet sich, nach Tardent, in Bessarabien fiber- 
all an den Ufern der Flüsse und Bäche, — nach Akinfijew, 
noch im südlichsten Theile, bei Bolgrad; ferner imGouv. 
Chersson (Lindemann) und unweit Jekaterinosslaw, an den 
Ufern der Ssamara ( A ki n f i j e w); von hier geht sie den Dnjepr 
hinunter, wo sie, nach Grüner und Ssredinskij, auf den 
erhöhteren und trockneren Stellen im Ueberschwemmungs- 
gebiete dieses Stromes wächst; sie findet sich auch auf den 
Hügeln (Ky^yrypbi) der Flugsandregion von Aleschki. Nach 
Beketow, wä^^hst sie auch im östlichen Theile des Gouv. 
Jekaterinosslaw, bei Dubowka; Gflldenstädt (Reise, II, p. 
255) fand sie auch unweit Bachmut. Ferner findet sie sich 
im Lande der Don'schen Kosaken. Was ihr Vorkommen an 
der Wolga betrifft, so sagt zwar Claus: «in tota regione» 
und «ad Wolgam inferiorem», aber Becker führt sie für die 
Umgegend von Sarepta nicht an; sie kommt indessen im Gouv. 
Ssaratow vor (Zinger). Karelin verzeichnet sie nicht für 
das Land der Ural'schen Kosaken; auch Borszczow nennt 
sie nicht für das Aralo-Kaspische Gebiet. Nördlich vom 
Uralflusse kommt sie aber, nach Schell, vor, z. B. bei Gu- 
berlinskij-otrjad, dem Hüttenwerke Bjelorjezkij etc. 

Für die Krim nennt Steven nur einen einzigen Fund- 
ort: die Ufer der Angara bei der Poststation Tawschanbasar. 
Marschall-Bieberstein (Fl. taur.-cauc, III, p. 628) 



— 269 — 

sagt, dass er eine Varietftt der S. caprea («foliis latis rotun- 
dioribus») in der Umgegend von Nikita an der Südkfiste an- 
getroffen habe ; Rndzki fand sie noch nnweitBeschui, sowie, 
als kriechenden Strauch, unter dem Plateau der Jaila, ober- 
halb Nikita. Im Kaukasus \^äehst die Sahlweide fast flberall, 
sowohl im nördlichen Theile (z. 6. auf dem Beschtau und am 
Terek), als auch in Transkaukasien, bis zur Höhe von 7000^ 
üb. d. M.; sie findet sich auch in Talysch. Buhse traf sie 
im nördlichen Persien an : im Albursgebirge, bei Asterabad 
und im Ketulthal. Der kaukasische Verbreitungsbezirk hängt 
mit dem europäischen Ober Eleinasien zusammen, wo 8. ca- 
prea namentlich im nördlichen Theile verbreitet ist. — In 
der Dsungarei kommt sie sehr häufig vor; ferner geht sie 
durch ganz Sibirien und ist, nach Maximowicz, auch im 
ganzen Amurlande häufig. 

Namen. — Russisch: Bredina^ Brednjak; Iwa; Werba, 
Werbolos; Losa; Tai. — Polnisch: Iwa^ Iwina; Wierjsboioza] 
Blindzia (Annenkow). — Littauisch: Blödes. — Lettisch: 
Puhpfdu^) kohks. — Norwegisch: Selje. — Schwedisch: Sälj^ 
Saig. — Norweg.- u. scbwed.-lappisch; Serg. — Finnisch: 
Halava, Halaja^ Salaja^); Raitapaju, Lempipaju^ Vahva 
paju (Annenkow). — Estnisch: Pöld pajUy Lembri puu. — 
Wotjakisch: Bad\ 

384. (11.) Salix vagatis Anders. {S. depressa L., S. livida 
Whlbg, 8. Starkeana Willd., 8. bicolor Fries, 8. malifolia 

Bess.). 

Schon aus vorstehender, nach Andersson zusammen- 
gestellter Synonymik, die noch lange nicht vollständig ist, 



1) Klingt an Poptäus, Pappel an. 

2) Merkwürdige üebereinstimmnng mit den indoeuropäischen Benen- 
nangenl (Vgl. unten, bei dem russischen Namen fdr Salix acutifoUa), 




— 270 — 

lässt sich ersehen, dass diese vielgestaltige Weidenform von 
vielen Autoren in mehrere Arten zerlegt worden ist. Anders- 
son folgend, will ich die zwei hauptsächlichsten, im europä- 
ischen Russland vorkommenden Formen besonders behandeln. 
Es sind: a) cinerascens And. und b) livida And. 

Die Varietät cinerascens And. (S. cinerascens Whlbg, 
8. velutina Koch), die ihrerseits in mehrere Subvarietäten 
zerfällt, geht nordwärts bis Enare-Lappland, wo sie, nach 
Kihlman, in der subalpinen und alpinen Zone auftrockne* 
ren Stellen, z. fi. in Kiefernwäldern, wächst; nach N. I. Fei 1- 
man, findet sie sich hier und da an den Ufern desimandra- 
Sees; ferner in Torneä* Lappland (Andersson) und im fin- 
nischen Lappland überhaupt häufig, in der alpinen und 
subalpinen Zone (J. Fellman). Ob sich diese Varietät im 
Ssamojedenlande findet (oder nur var. livida) ^ vermag ich 
nicht zu entscheiden, wie denn in sehr vielen Angidi^i 
nur von 8. depressa L. die Rede ist, ohne Unterscheidung 
der beiden Varietäten. Die Nachrichten Ober var. eine- 
rascens sind überhaupt sehr ^rlich. Im Gouv. Olonez geht 
sie, nach Norrlin, nordwärts wenigstens bis Petrosawodsk. 
Sie findet sich z. B. in den Gouvernements Nowgorod (Gobi), 
Moskau (Kaufmann), Kaluga(Ssanizkij) und Minsk (Pasz- 
kewicz), desgl., nach Meinshausen, im südlichen Ural- 
gebirge, namentlich in den Thälern der Ilmen-Berge. 

Ueber die Verbreitung der Varietät livida And. (8. 
livida Whlbg., 8, 8tarkeana Willd., 8, bicolor Fr.) wissen 
wir viel mehr. Einige Autoren (wie z. B. Zinger und 
Schmalhausen) handeln überhaupt nur von dieser weit 
verbreiteten Varietät. — Sie geht nordwärts gleichfalls bis 
zum Enare-See, wo sie hie und da, ziemlich sparsam, vor- 
kommt; Kihlman hat sie auch in der alpinen Region beob- 
achtet; J. Fellman fand sie im Kreise Kola an den Flüssen 



^. 



— 271 — 

Tuloma und Kowda; im finnischen Lappland ist sie sehr 
häufig. Nach A. G. Schrenck, soll sie an der Kolwa (Ne- 
benfluss der Ussa) bis über die Waldgrenze hinaus gehen 
und in der Tundra häufig vorkommen, bis zum Fusse des 
Arktischen Urals und fast bis zur Jugrischen Strasse, — 
welche Angabe übrigens der Bestätigung bedarf. Sie findet 
sich in den Gouvernements Olonez, Nowgorod und Wologda, 
und weiterhin fast überall im mittleren Russland; z. B. in 
den Ostseeprovinzen, in Polen, in den Gouvernements Twer, 
Jarosslaw, Kostroma, Nishnij-Nowgorod, Kasan, Ssimbirsk, 
Ssamara^ Pensa, Tambow, Wladimir, Rjasan, Tula, Kaluga, 
Orel, Ssmolensk, Wilna, Grodno, Kursk, Tscbernigow, Kijew, 
Wolynien. Die Angabe Ledebour's, dass diese Weide in Po- 
dolien vorkommt^), bedarf der Bestätigung; Rogowicz er- 
wähnt übrigens Brazlaw (in Podolien, am Bug) als Fundort, 
aber Schmalhausen kennt sie nicht von daher. Lindemann 
nennt sie nicht für Elisabethgrad, ebensowenig Akinfijew 
für Jekaterinosslaw. Sehen wir von Brazlaw ab, so sind die 
südlichsten bekannt gewordenen Punkte dieser Weidenart 
folgende: Kanew (am Dnjepr, im Gouv. Kijew, nach Rogo- 
wicz), der Kreis Pirjatin im Gouv. Poltawa (Schmalhausen), 
das Gouv. Charkow (Czernia6w), die Kreise Balaschow, 
Sserdobsk und Petrowsk im Gouv. Ssaratow (Zinger), end- 
lich die Ufer des Ilek, unweit des Berges Ak-tüb6 (unter 
5072^ Q- Br.), und das Flussthal Kundusdy im Mugodshar- 
Gebirge (unter 49° n. Br., nach Borszczow)^). Offenbar 
beziehen sich auf diese Varietät auch die Angaben SchelTs 
über das Vorkommen der S. depressa L. in den Gouverne- 
ments Orenburg und Ufa. Ist Beketow's Angabe richtig. 



1) Ledebour (FI. ross., III, p. 611) beruft sich auf Besser's Enamera- 
tio, p. 87, J^ 1248; aber hier ist Podolien nicht speciell als Fundort genannt. 

2) Borszczow spricht von S, depressa L. 






» j.«/ t • . 






^ 



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— 272 — 

dass S. depressa im südöstlichen Theile des Gouv. Jekateri- 
nosslaw wächst, und findet sie sich dort nicht nur im kulti- 
virten Zustande, so wäre Dies das südlichste Vorkommen 
dieser Art in den Grenzen des europäischen Rüsslands. — 
In der Krim und im Kaukasus fehlt S, vagans; aber sie 
wächst, nach Regel (1. c, p. 469), in beiden Varietäten in 
derDsungarei und inTurkestan; ferner geht sie durch ganz 
Sibirien (Ledebour), bis zum unteren Amur (Max im wie z), 
und findet sich, nach Trautvetter, noch in Kamtschatka und 
in der Mandshurei. In der var. rostrata And. (8. roatrata 
Richards.) ist sie in Nordamerika weit verbreitet. 

Sectton 5. Boseae v. Myrtilloides. 

385. (12.) Salix myrtilloides L. (8. elegans Bess.). 

Diese Zwergweide, die auf Torfmooren und Waldsümpfen 
wächst, kommt im europäischen Russland nur auf dem nörd- 
lichen, neu erratischen Gebiete, d. h. im Norden der Tscher- 
nosjom-Region, vor; innerhalb der letzteren findet sie sich 
nur ganz insular dort, wo Torfmoore vorhanden sind. — 
Die Nordgrenze dieser Art in Lappland wurde früher nur 
bis Sodankylä und Kola angegeben^); aber, nach Kihlman, 
wächst sie zahlreich in Enare-Lappland, auf nassen Sphag- 
^t«m-Sümpfen, z. B. am Flusse Vaskojoki, und sogar noch 
bei Toivoniemi und Kettu-Matti, — also jenseits des 69° 
n. Br. N. I. Fe lim an sagt, dass sie bis zum Kola-Busen 
ziemlich sparsam vorkommt; er hat sie nur im westlichen 
Theile der Kola-Halbinsel beobachtet. Im finnischen Läpp- 
land findet sie sich, nach J. Fellman, häufig; nach Hjelt und 



1) Vgl. Trautvetter. Die pflanzengeogr. Verhältnisse des Europ. Rüss- 
lands, Hft. 3, p. 21. "^ 



— 273 — 

Hult, wird sie bei Turtola (etwa unter 66° 40' o.Br.) 3 Fuss 
hoch. Ruprecht (Fl. Samoj., p. 9) und Bogasslaw (1. c, 
p. 61) fanden sie bei Archangelsk, Kusnezow im Kreise 
Welsk des Goav. Wologda. Nach Ruprecht and A. 6. 
Schrenck, fehlt sie im Ssamojedenlande. Auch hat die Hof- 
mann'sche Expedition sie im nördlichen Uralgebirge nic|)t 
gefunden. Es liegen gar keine genaueren Angaben vor, um 
die Nordgrenze dieser Art im östlichen Theile des europäi- 
schen Rasslands zu ziehen. Wir wissen nur, durch Iwaniz- 
kij, dass sie in den sttd westlichen Kreisen (Wologda und 
Kadnikow) des Gouv. Wologda vorkommt, — im letzteren 
Kreise sehr selten; fttr das Gouv. Wjatka wird sie von C. A. 
Meyer und Krylow gar nicht verzeichnet. Auch für das 
Gouv. Kasan wird sie von Wirz^n nicht genannt; sie kommt 
dort indessen, nach Claus ^), im Nordwesten (namentlich im 
Kreise Zarewokokschaisk) sehr selten vor. Aber im Gouv. Perm 
findet sie sich, nach Krylow, an verschiedenen Stellen, auf 
Torfmooren, z. B. am Berge Tulymskij-Kamen', beiNikito- 
Iwdir, üssol'je, Perm und dem Hüttenwerke Kyschtymskij. 
Für die Gouvernements Orenburg und Ufa führt Schell 
nur einen einzigen Fundort (Nikolajewka) an. Sie wächst in 
den Gouvernements: Kostroma (Ostrowskij)^), Jarosslaw 
(Petrowsky), Twer (im Kreise Subzow, nach Baku n in), 
Moskau (Kaufmann), Wladimir (in den Kreisen Wladimir 
und Gorochowez, nach Zinger),Nishnij-Nowgorod (Rajew- 
skij und Nieder höf er), und zwar im Kreise Makar'jew 
(Zinger); femer im Norden des Gouv. Tambow (in den Krei- 
sen Spassk undSchazk, nach Zinger) und des Gouv. I^asan 



1) Localfloren der Wolgagegenden; pp. 68 u. 149. — Eorshinskij er- 
wähnt sie nicht. 

2) Bekarewitsch erw&hnt sie gar nicht. 

18 



— 274 — 

(im Kreise Kassimow, nach Zinger); im Gouv. Kalnga (in 
den Kreisen Mossal'sk undShisdra, nach Ssanizkij). Aus dem 
Gony. Ssmolensk liegen keine Angaben vor, doch wird S. 
myrtillaides dort kaum fehlen. Femer findet sie sich in den 
Gouvernements Mobilew (Gzolowski) und Minsk (im Kreise 
Sluzk und im sogen. Poljfes'je, d. h. in den Pinskischen 
SOmpfen,nach Besser^) und Paszkewicz), so wie bei Wilna 
(ccin Sfimpfen um Kaivaria», nach Eichwald); desgl. in den 
nördlichen Kreisen der Gouvernements Tschemigow, Kijew 
undWolynien, auf sumpfigen Stellen in Kiefernwäldern (Ro- 
gowicz); als südlichste Fundorte nennt Schmalhausen 
für Wolynien: Knjashaja-gora (im Kreise Kowel), Luzk, Go- 
rodniza und Polonnoje (im Kreise Nowograd-Wolynsk); fDr 
das Gouv. Kijew: Bjelitschi, ffir das Gouv. Tschemigow: die 
Gegend am Dnjepr gegenüber Kijew und Rogowitschewo 
(im Kreise Starodub). — Weiterhin wächst diese Weide in 
Polen, in den Ostseeprovinzen, in den Gouvernements Pskow 
(Agg^enko), St. Petersburg (Meinshausen), Nowgorod 
(Gobi), Olonez (Norrlin und Günther) und in Finland 
(z. B. in Tavastland und österbotten). 

Dies wäre (mit Ausnahme des Vorkommens in den Gou- 
vernements Perm und Orenburg) das ziemlich zusammen- 
hängende Verbreitungsgebiet der fif. myrtüUndes im europäi- 
schen Russland. Nach Osten zu ist es etwa durch folgende 
Punkte abgegrenzt: Archangelsk, Lauf der Dwina (und 
Waga?), der westliche Theil des Gouv. Wologda, der Osten 
des Gouv. Kostroma und der nordwestliche Winkel des Gouv. 
Kasan. Von hier biegt die Ostgrenze nach Westen ab und 
wird zur Südgrenze, welche, in ihrem Verlaufe von Ost 
nach West, folgende Punkte berührt: Kreis Zarewokokschaisk 



1) Vgl. im Pami^tnik farm. Wiln., 1822, t. II, p. 874— S75. 



— 275 — 

(Gouv. Kasan), Kreis Makar*jew (Gouv. Nishnij-Nowgorod), 
Kreis Schazk (Gouv. Tambow), Lauf der Oka von Kassimow 
bis Kaluga, Kreis Sbisdra (Gouv. Kaluga), Kreis Starodäb 
(Gouv. Tschernigow), der nördlichste Theil des Gouv. Kijew, 
die Kreise Nowograd- Wolynsk und Luzk (in Wolynien). Ein 
Blick auf Dokutschajew's Karte der Verbreitung des 
Tschemosjom-Gebietes belehrt uns, dass die von mir ange- 
gebene SQdgrenze der S. myrtüloideSj ähnlich derjenigen der 
Fichte, der Nordgrenze des Tschernosjom's recht gut ent- 
spricht. — Südlich von dieser Grenzlinie kommt diese Wei- 
denart nur an wenigen Stelleu ganz insular vor7 so nament- 
lich im Kreise Tula des gleichnamigen Gouvernements, auf 
einem Torfmoore beim Dorfe Tichwinskoje (Koshewnikow 
undZinger); und, was besonders auffallend, im Gouv. Char- 
kow, nach Gzernia6w^). Ich will jedoch daran erinnern, 
dass die Umgegend von Charkow verschiedene nordische 
Sumpf- und Haidepflanzen aufweist, die im Tschemosjomge- 
biete fiberall fehlen, so z. B. Juniperus communis^ Linnaea 
borealiSj Vacdnium vitis idaea und Ooßycoccos palustris. Alle 
diese Pflanzen sind, meiner Ansicht nach, für jene Gegend 
als Relicten aus der Eiszeit aufzufassen. 

Es bleibt noch zu erwähnen, dass S. myrtüloides in Si- 
birien weit verbreitet ist und, nach Maximowicz, noch am 
unteren Amur in ^jpAa^num-Sümpfen wächst; desgl. auch in 
Kamtschatka und im arktischen Amerika. 

Namen. — Russisch: Talowyijornik (Pallas). — Finnisch: 
Juolükka-pcyu (Annenkow). 



1) Gzerniaöw (Conspecius, p. 56) gibt leider gar keinen genaueren 
Fandort au; somit ist offenbar das Gouv. Charkow gemeint, und nicht das 
GouY.Kursk, wie Schmalhausen vermu thet. M i s g e r führt S. myrtiUaidea 
fflr das Gouv. Kursk nicht an. 

18* 



276 



& Argenteae v. Repentes. 

386. (13.) Salix repensh. {S.incuhaceah})^ 8. angustifolia 

Wulf., 8. polynwrpha Ehrh.). 

Die Angabe Ledebour's, dass diese Art in Lappland 
vorkomme, finde ich nicht bestätigt; beide Fellman's wissen 
nichts davon ^). Sie findet sich in einigen Gegenden Finlands, 
z. 6. in österbotten, bei Gamla-Earleby und im Südwesten 
des Gebietes; nach Gflnther, wächst sie amOnega-See, auf 
feuchten Wiesen (Norrlin fOhrt sie nicht an). Meinshau- 
sen nennt sie nicht für die Umgegend von St. Petersburg. 
Sie kommt in den Gouvernements Wologda (Iwanizkij) und 
Kostroma (Bekarewitsch) vor. I& den Ostseeprovinzen ist 
sie durch das ganze Gebiet verbreitet. Sie wächst femer in 
Polen und Littauen, z. B. um Wilna (Eichwald, als incu- 
bacea L.), desgl. in Wolynien und Podolien (Eichwald); 
ferner im Gouv. Minsk, z. B. in den Kreisen Sluzk und 
Minsk (Paszkewicz); in den Gouvernements Kaluga (in den 
Kreisen Medyn' und Shisdra, nach Ssanizkij), Tula (auf 
Torfmooren in den Kreisen Tula^ Krapiwna und Jepifan', 
nach Koshewnikow undZinger),Tambow(z.B. im Kreise 
Usman', nach C. A. Meyer) und Pensa (Ledebour); sie 
wächst, nach Claus, im Gouv. Ssamara, bei Ssergijewsk. 
Krylow gibt sie für das Gouv. Perm an, wo sie auf Torf- 
mooren vorkommt, z. B. zwischen Wilgort und Iskor, bei 



1) In Ledebour's Flora rossica (III, p. 615) ist 8. ineuhaeea L. als be- 
sondere Art neben 8. repens gestellt. Als dritte Art gilt daselbst 8. rosMa- 
rinifölia L., welche Andersson (1. c, p. 287) gleichfalls als Varietftt der 
S. repens ansieht; nach Anderen ist 8. roamarinifölia ein Bastard zwischen 
8, viminalü und 8. repens. Da sie von den meisten Autoren als besondere 
Art betrachtet wird, will ich sie auch als besondere Variet&t der 8, repens 
folgen lassen. 

2) Nach Bogasslaw (1. c, p. 58), soll sie bei Archangelsk vorkommen. 



1 



— 277 — 

Perm und beim HfittenwerkeKyschtymskij; ferner findet sie 
sieb, nach Schell, im Gouv. Orenbarg, z. B. bei Dongus, 
Orenburg, zwischen Gaber linskij- und Chabarnyi-otrjad und 
bei der Staniza Pawlowskaja. Als äussersten südlichen Fund- 
ort dieser Art gibt Borszczow die Erhöhung Urkatsch 
(unter 49V,° n. Br.) an; einige klägliche Büsche stehen auf 
dem Bisch-Tamak (50° n. Br.); im Lande der Ural'schen 
Kosaken soll 8. repens, nach Karelin, nur in den Sandre- 
gionen wachsen. Nach Czerniaöw, kommt sie bei Poltawa 
vor, nach Rogowicz, — bei Browary (im Gouv. Tscherni- 
gow) und bei Kijew; Grüner fand sie reichlich am unteren 
Dnjepr, unweit der Mündung der Eonka; nach Steven und 
Ssr edinskij, wächst sie in der Flugsandregion von Aleschki, 
desgl. im Kreise Melitopol (im nördlichen Theile des Tauri- 
schen Gouvernements). — In der Krim und im Kaukasus 
fehlt diese Art, die aber in der Dsungarei, im Tianschan 
(9000' Ob. d. M. von A. Regel gefunden), desgl. in einem 
grossen Theile Sibiriens, bis zum unteren Amur, vorkommt. 

Namen. — Russisch: Bäkitnik; kleinrussisch: Nieelos. — 
Littauisch: Zyltvjftis. — Finnisch: Bäme-paju. — Estnisch: 
Hane tvitsad, Hane-paju. 

ß) Var. rosmarinifolia {8. rosmarinifolia L., Ä canali- 
culata Bess.). 

Diese Weidenform hat ungefähr dasselbe Verbreitungs- 
gebiet, wie die Stammart; doch scheint sie etwas weiter nord- 
wärts vorzudringen, denn Kusnezo w fand sie noch im Kreise 
Wel'sk des Gouv. Wologda, auf Torfmooren. Sie wächst 
in Finland, am Onega-See noch bei Schunga (etwa unter 
62® 40' n. Br., nach Norrlin), in den Gouvernements St. 
Petersburg, Pskow, Nowgorod, Twer, Moskau, Jarosslaw, 
Wologda (im gleichnamigen Kreise), Kasan (unweit Spassk), 
Ssimbirsk, Nishnij-Nowgorod, Wladimir, Tambow, Ssaratow 



- "W 



— 278 — 

(Claus), RjauD^ Orel, Kursk, Charkow, Jekaterinosslaw 
(Beketow ond AkiDfijew),Poltawa (in den Keiseo Choror, 
Solotonoscha nndPerejassIaw, nach Schmalbansen),Tscher- 
nigow (z. B. bei Browary), Kijew, Woljmien (z. B. bei 
Owrntsch, Bowno und Wladimir- Wolynskij, nach Rogo- 
wicz); nach Schmalhausen, findet sie sich noch im Goav. 
Chersson, an der Mündung des Dnjestr. (Linde mann er- 
wähnt sie nicht). Ferner wichst sie in den GouTemements 
Mohilew (Downar), Minsk (Paszkewicz), in Polen und in 
den Ostseeprovinzen. Sie findet sich femer in der Dsnngarei 
und im sQdlichen Sibirien. 

Namen ^). — Russisch: Ndalä; Nisdos, Nisaja losa (i. e. 
niedrige Weide); S^eryi ToTnik (d. h. graues Weid^igebflsch), 
Bakitfdk. — Pohlisch: Koduimcaj BMta^ Bokicina. — Fin- 
nisch: Hanhen-paju (Annenkow). — Estnisch, wie Salix 
repens. 

Section 7. Yirencentes t. Phylicitbliaa 

387. (14.) Salix nigricans Sm., Fr. {8. phjflidfolia Whlbg, 
non L.; S, slylaris Ser.); und var. eriocarpa Koch. 

Diese Art ist zwar im europäischen Russland sehr weit 
▼erbreitet, gehört aber vorzugsweise der nördlichen Hälfte 
desselben an. Sie geht nordwärts bis Enare-Lappland, wo 
sie in beiden von Andersso n nnterscbiedenen Varietäten 
vorkommt: a) barealisFr.j wächst, nachEihlman, in Menge 
und dringt häufig bis zur Birkengrenze vor; an den FIflssen 
Eaamasjoki und Jevjejoki soll sie bis 4 Meter hoch werden ^; 



1) Annenkow fahrt n. A. auch einen Namen {Nerka) an, mit dem die 
Ssamojeden an der Petschora diese Art bezeiclmen sollen; indessen kommt 
8. rosTRorini/öHa, nach A. 6. Schrenck,an der Petschora gar nicht Tor. 

2) Nach Hjelt nnd Hnlt, erreicht sie in der Gegend Ton Kolart (in 
Tomel-Lappland) sogar die Höhe von 20 Fnss. 



— 279 — 

sie wächst auf dem Hammasuro noch bei 450 Meter Ob. d. 
M. und auf dem Rastekaisa (fast unter dem 70^ n. Br.) noch 
in der Höhe von nahezu 300 Metern; sie findet sich, nach 
N. I. Fellman^), Oberall im Russischen Lappland. ^) pro- 
tea Anders.^ geht wenigstens bis Toivoniemi und Eaamas, 
also Aber den 69^ n. Br. hinaus. — 8. nigricans wächst häufig 
auf der ganzen Kola- Halbinsel; sie findet sich, nach Beke- 
tow, auch auf den Chibiny- Alpen , ferner bei Archangelsk 
(Bogusslaw); bei Ssjomsha (etwa unter 66^ 12'n. Br.)fand 
Ruprecht sie noch Frflchte tragend; am Kanin-Noss (bei 
fast 68^ 40' n.Br.) traf er sie kaum einen halben Fuss hoch 
an. A. 6. Schrenck erwähnt sie merkwflrdiger Weise nicht 
aus dem Ssamojedenlande '), wo sie doch höchst wahrschein- 
lich vorkommt. Eusnezow fand sie im Kreise Schenkursk'). 
Sie wächst ziemlich überall in Finland (z.B. gemein bei Abo, 
nach V. Berg), auch auf den Inseln des Finnischen Busens 
(auf Tytärsaari, nach Brenner); im Gouv. Olonez kommt 
sie stellenweise sehr häufig vor; sie ist durch das ganze 
Gouv. Wologda verbreitet; ferner findet sie sich z. B. in den 
Ostseeprovinzen, so wie in den Gouvernements St. Peters- 
burg, Nowgorod (bis 7 Fuss hoch), Twer (überall; auch var. 
eriocarpa und var. concolor), Jarosslaw, Kostroma, Wjatka 
(bei der gleichnamigen Stadt); im Gouv. Perm ist sie ziem- 
lich verbreitet und steigt im Uralgebirge bis in die unteren 
Theile der alpinen Region hinauf, z.B. auf den Bergen Ische- 
rim, Konshakowskij- und Deneshkin-Kamen', so wie Jurma. 
Die Hofman'sche Expedition beobachtete 8. nigricans an 



1) Dieser Autor nennt noch YdLr.prumfölia Hrtm., die bei Kandalakscha 
Torkommt. 

2) Es ist ein Irrthum, wenn Beketow in Bezug auf das Vorkommen 
dieser Weide im Ssamojedenlande, sich auf Schrenck beruft. 

S) Von ebendaher fahrt er noch die var. pJathyphyUa Meinsh. an. 



_■* I 



— 280 — 

der Wischera. Für die Gouvernements Orenbnrg und Utk 
nennt Scbell nur einen einzigen Fundort (Nikolajewka); 
M einshausen fand sie (in der Form eriocarpa) in der Um- 
gegend von Slat4>u8t. Femer^ndet sich diese Art im Gouv. 
Kasan (Wirz^n); Claus führt sie nicht von daher an, wie 
er denn^ und auch Veesenmeyer, sie nicht weiter hinab 
an der Wolga angetroffen haben. Sie wächst ferner in den 
Gouvernements Pensa (im Kreise Gorodistsche, nach Zinger), 
Nisbnij-Nowgorod (Rajewskij; von Niederhöf er nicht er- 
wähnt), Wladimir, Rjasan (Zinger), Tambow (z. B. im Kreise 
Koslow, nach Koshewnikow, und noch im Södosten, nach 
Litwinow), Moskau (häufig, nach Kaufmann), Tula (im 
ganzen Gouvernement, sehr häufig, nach Koshewnikow 
und Zinger)^), Kaluga (häufig, nach Ssanizkij), Orel 
(Zinger), Minsk (z.B. in den Kreisen Sluzk und Minsk, 
nach Paszkewicz), Mohilew, Tschemigow (z. B. in den 
Kreisen Starodub und Nowgorod-Ssjewersk, nach Schmal- 
hausen) ^, Kursk (Misger), Charkow (CzerniaSw), desgl. 
in Wolynien (Schmalhausen), in den Gouvernements Grodno 
(z.B. bei Prushaiiy) und Wilna (Schmalhausen), so wie in 
Polen. — Mithin geht S. nigricans nicht so weit südwärts, 
als z. B. S. triandra^ S. fragüis, S. alba und 8. cinerea. 
Beketow erwähnt sie zwar für den südöstlichen Theil des 
Gouv. Jekaterinosslaw, wo sie am Flüsschen Kaschlagatsch, 
auf den Ländereien der Weliko-Anadorschen Forstei, zahl- 
reich wachsen soll; da aber in jener Forstei, seit etwa 40 
Jahren, grossartige Waldanpflanzungen ausgeführt sind, so 
^vermuthe ich, dass 8. nigricans daselbst ursprünglich nur 



1) In den Gouvernements Moskaa and Tnla findet sich auch die var. 
eriocarpa Koch, Fr. 

2) Bei Rogowicz fehlt aa£fälliger Weise 8, nigricans fOr den Egewer 
Lehrbezirk. 



— 281 — 

kultivirt vorkam und später vielleicht verwildert ist; eine 
solche Vermuthung wird dadurch bekräftigt, dass diese Wei- 
denart im Osten und Westen des Gouv. Jekaterinosslaw (d. 
h. im Lande der Don'schen Kosaken und im Gouv. Ghersson) 
fehlt; nach Akinfijew, wächst sie auch nicht bei Jekateri- 
nosslaw selbst. — Sie fehlt gleichfalls in der Krim und im 
Kaukasus. Nach Ledebour, soll sie sich am Baikal und so- 
gar noch in Kamtschatka finden. Andersson bezweifelt je- 
doch ihr Vorkommen in Asien. Indessen wächst sie, nach 
Regel, im Tarbagatai Gebirge. 

Namen. — Russisch: Bredina^ Bredinnik (Annenkow), 
Brednik (Rajewskij); Iwa. 

388. (15.) Salix phylicifolia L. (S. bicolor Ehrh., S. Wetge- 
liana Willd., S. tenuifolia Sm.?^), 8. arbuscula Whlbg, 

non L.). 

üeber die Verbreitung dieser Art im europäischen Russ- 
land sind wir nicht genau unterrichtet; denn sie fehlt merk- 
würdiger Weise in mehreren Floren- Verzeichnissen solcher 
Gebiete, wo sie dennoch wahrscheinlich vorkommt; z. B. im 
Gouv. Kostroma. — In Enare-Lappland ist sie, nach Kihl- 
man, ähnlich verbreitet, wie S. nigricans] nur kommt sie 
auf feuchteren Stellen, z. B. auf Torfmooren, vor. Nach N. 
I. Fellman, wächst sie im russischen Lappland häufig; sie 
findet sich auch noch bei Kola; nach HJelt undHult, kommt 
sie im finnischen Lappland häufig vor. Bogusslaw führt 
sie fßr die Umgegend von Archangelsk an. A. G. Schrenck 
verzeichnet sie nicht unter den Weideuarten des Ssamojeden- 



1) So bei Andersson; Ledebour (Fl. ross., III, p. 612) BteUtS.tenuu 
fdlia L. als Varietät {majcdis Koch) zu S. phylicifolia L. Vgl. weiter unten, 
unter 8, Brownei Anders. 



V.v 



— 282 — 

landes. Die Hofmann'sche Expedition fand sie an den Flös- 
sen Woikar (etwa unter 65° 40' n. Br.) und Porotsch-jadyr 
(Zufluss des Paj-jer, am Westfusse des Uralgebirges, unter 
677^° n. Br.). Sie wächst in verschiedenen Gegenden Fin- 
lands (z. B. in Tavastland), doch, wie es scheint, nicht Ober- 
all, denn sie fehlt in mehreren Localfloren dieses Gebietes ; 
sie findet sich auch auf den Inseln des Finnischen Meerbu- 
sens (Brenner). In den Ostseeprovinzen scheint sie nur in 
der nördlichen Hälfte vorzukommen: in Estland (gemein, 
nach Wiedemann und Weber) und in Nordlivland, z. B. 
beiDorpat (F. Schmidt). Ferner findet sie sich in den Gou- 
vernements St. Petersburg, Olonez (häufig, nach Norrlin), 
Nowgorod (z. B. im Kreise Waldai), Twer (verbreitet und 
häufig), Jarosslaw(Zinger)^), Wjatka (bei der gleichnamigen 
Stadt, nach C. A. Meyer). Im Gouv. Perm wächst sie z. B. 
bei Tscherdyn', zwischen üssol'je und dem Dorfe Orel, so 
wie beim Dorfe Rastes. Schell nennt sie nicht für die Gou- 
vernements Ufa und Orenburg. Nach Claus, wächst sie im 
Gouv. Ssamara (bei Ssergijewsk), so wie bei Kasan und so- 
gar bei Chwalynsk, im Gouv. Ssaratow. Sie findet sich ferner 
in den Gouvernements Pensa (Ledebour), Tambow (Sseme- 
now), Rjasan (z.B. im Kreise Rjashsk, nach Zinger), Mos- 
kau^), Tula (im gleichnamigen Kreise, nach Zinger), Orel 
(im Kreise Liwny, desgl.). Im Süden und Westen des euro- 
päischen Russlands fehlt diese Weide, wie es scheint, voll- 
ständig. Sie findet sich aber, nach Rostafinski, in Polen 
wieder, wo sie nur bei Maciejowice und an den Ufern der 
Kamienna gefunden ist; da sie, nach Ander sson, im be- 



1) Fehlt im Verzeichnisse von Petrowsky. Far die GoaTernements 
Koatroma und Wologda wird sie nicht angegeben. 

2) Nach älteren Angaben von Zinger angegeben ; fehlt in der Moskaaer 
Flora Kaufmannes. 



7f 

I 



— 283 — 

nachbarteu Schlesien und in Ungarn vorhanden ist, so er- 
scheint ihr Vorkommen in Polen nicht überraschend. Ffir 
Galizien fahrt Knapp sie nicht an. Die Existenz dieser Art 
in Sibirien wird von Andersson, wohl mit Recht, bezwei- 
felt. Sie soll in Nordamerika, in der alpinen Region der 
Weissen Berge (in New-Hampshire) wieder auftreten, welche 
Angabe Andersson gleichfalls fOr unrichtig hält. 

380. (16.) Salix arbuscula L. {S. Waldsteiniana Willd., S. 

prunifolia Sm.). 

Diese in den Gebirgen Europa's (in Hochschottland, 
Skandinavien, in den Pyrenäen, Alpen und Earpathen) weit 
verbreitete, gleichfalls in Sibirien und in Grönland vorkom- 
mende Weidenart bewohnt bei uns zwei weit von einander ge- 
trennte Gebiete, nämlich den Hochnorden des europäischen 
Russlands und die Alpen des Kaukasus. In Enare-Lappland 
scheint sie, nach Kihlman, zu fehlen; desgl. auch, nach J. 
Fellman, in der Umgebung von Kola; nachN. I. Fellman, 
findet sie sich im russischen Lappland bei Ponoi (an der Ost- 
kOste); nachJ. Fellman, ist sie häufig im finnischen Lapp- 
land; sie findet sich auch im nördlichen Finland (Ledebour). 
Ruprecht und Beketow erwähnen sie nicht fOrdasSsamo- 
jedenland, wo sie indessen^ nachA.G. Schrenck, weit ver- 
breitet ist: er fand sie z. B. auf Sumpfwiesen an der R6- 
tschuga, an der Zyl'ma, im Ueberschwemmungsgebiete und 
auf den Inseln der Petschora, so wie an der Kolwa ; sie wird 
jenseits der Waldgrenze klein und kriechend, erhält sich 
aber in dieser Gestalt noch bis zum 68^ n. Br. Längs dem 
Uralgebirge dringt sie ziemlich weit nach Süden; zwar nennt 
sie Ruprecht nicht für den nördlichen Ural, desgl. auch 
Iwanizkij nicht für den an das Gouv. Wologda angrenzen- 






ro 












— 284 — 

den Theil dieses Gebirges; aber, nach Krylow, findet sie 
sich (in der Form Waldsteiniana) nicht selten in der alpinen 
Region des Ural, in den Grenzen des Gouv. Perm; so na- 
mentlich auf den Bergen: Tulymskij-Kamen', Ischerira, Ku- 
rokssar, Tschuwal'skij-jMortaiskij-, Bjelyi-,Deneshkin- und 
Ssuchoi-Kamen*, — r also hinunter fast bis zum 60° n. Er. 
— Im Kaukasus findet sie sich (in der Form prunifolia) in 
der Hauptkette weit verbreitet, in der Höhe von 6000 — 
10,000'. üb. d. M. Das Vorkommen dieser Weidenform in 
den Alpen des Kaukasus bietet ein interessantes Problem; 
denn sie findet sich daselbst vollständig insular: die nächsten 
Punkte, wo sie vorkommt, sind einerseits die Sfldkarpathen 
und andererseits der dsungarischeAlatau, wo sie sich, nach 
Ledebour, in beiden Formen finden soll; Regel fuhrt sie 
nicht fOr die Gebirge des Turkestan an; auch fehlt sie im 
Himalaya, so wie in den Gebirgen Afghanistan's, Persiens 
und Kleinasiens. Da sie in den Karpathen, nach Knapp, 
in der Form Waldsteiniana vorkommt, dagegen in Sibirien 
auch in der kaukasischen Form prunifolia weit verbreitet 
ist^), so vermuthe ich, dass sie in den Kaukasus (etwa zur 
Eiszeit?) aus Sibirien eingewandert, später aber in den zwi- 
schenliegenden Gebieten ausgestorben ist. 

390. (17.) Salix apoda Trautv. 

Diese von Trautvetter im Index semin. Horti Petro- 
pol., a. 1865, p. 37, beschriebene Weidenart fehlt in An- 
dersson's monographischer Bearbeitung der Gattung Sa- 
lix ^. Sie wächst im Kaukasus, und zwar im westlichen und 



1) Sie wächst, aasser dem Alatau, noch im Tschaktschenlande; vgl. 
Trautyetter,ia: Acta Horti Petropolitani, t. VI, p. 85. 

2) Boissier (FI. or., IV, p. 1192) spricht die Yermuthung aas, ob diese 
Weide nicht eine Varietät der S, arhuscula sei. 



— 285 — 

centraleu Gebiete der Hauptkette, im Hochgebirge, z. B. in 
SswaDetienyJlatscba(Ssredinskij)undain Kasbek. Radde^) 
fand sie am Nöschka-Passe, in der Höhe von 6 — 7000' üb. 
d.M. 

Section a Bigidae v. Hastatae. 

391. (18.) Salix pyrolaefolia Ledeb. {S. alnoides Schangin, 
S. corylifolia Turcz., 8. sabulosa Turcz.). 

Bis ?or ganz Kurzem war diese sibirische Art nur aus 
dem äussersten Nordosten des europäischen Russlands be- 
kannt. Nach A. 6. Schrenck, wächst sie auf den verschlamm- 
ten Ufern der Petschora (zwischen den Mündungen der Ishma 
und Ussa) und der unteren Kolwa. Die Hofmann'sche Ex- 
pedition hat sie nicht beobachtet. Neuerdings verdanken wir 
Herrn Kusnezow die interessante Angabe, dass diese Weide 
auch in den südlichsten Theilen des Gouv. Archangelsk vor- 
kommt; er fand sie im Kreise Schenkursk (bei der gleichna- 
migen Stadt an der Waga und am Ufer der Tschurga). 
Wahrscheinlich findet sie sicli auch im zwischenliegenden 
Gebiete. In Sibirien geht sie noch viel weiter nach Süden ; 
denn Po tan in hat sie am Irtysch und am Saissan-See ge- 
funden (Regel); auch findet sie sich im Baikal-Gebiete und 
in Daurien. 

392. (19.) Salix hastata L. (malifolia Sm.). 

Sie gehört dem Norden des europäischen Russlands an, 
ohne dass es möglich wäre, mit einiger Sicherheit, die Süd- 
grenze ihrer Verbreitung zu ziehen. Nach Kihlman, findet 
sie sich an verschiedenen Stellen in Enare- Lappland, an 



1) Berichte über die biologisch-geographischen Untersuchangen in den 
KaukasnsIftnderD ; Jahrg. 1^ p. 162. 



.'\-- 



— 286 — 

Ufern vou Bächen und Flüssen. N. I. Feilman be- 
zeugt, dass sie am Kola-Busen und beim Dorfe Ponoi (im 
Osten der Kola-Halbinsel) nicht selten sei; die Form mit 
grösseren Blättern {8. malifolia Sm.) fand er bei der Stadt 
Kola. Nach J. Feilman, kommt sie überall im finnischen 
Lappland vor. Bogusslaw nennt sie für die Umgegend von 
Archangelsk. A. 6. Schrenck fand sie weit verbreitet im 
Ssamojedenlande, wo sie im Waldgebiete, an Flussufem und 
auf Torfmooren, häufig wächst, z. B. an der Pjosa, Zyl'ma 
und Petschora; sie geht noch über die Waldgrenzen hinaus 
und findet sich in der Tundra, bis zum Fusse des Uralge- 
birges; Schrenck beobachtete sie noch am Fl. Korotaicha, 
unter 68%° n. Br. Ruprecht traf sie an der Indega-Bucht 
(am Flüsschen Schelika) an, desgl. auch im Innern der Insel 
Kolgujew. Weiter ostwärts scheint sie das Eismeer nicht zu 
erreichen. Wie weit sie sich südwärts verbreitet, darüber 
liegen keine genauen Angaben vor. L^debour bemerkt, 
dass sie in Finland, und speciell in Österbotten, vorkomme; 
im nördlichen Theile des letztgenannten Gebietes findet sie 
sich, nach Hjelt und Hult, in der That häufig, aber im süd- 
lichen Theile desselben ist sie in neuerer Zeit (von S i m m i n g, 
Karsten und Malmgreo) nicht gefunden worden; Hell- 
ström nennt sie nicht für die Umgegend von Gamla-Karleby; 
auch fehlt sie in allen Localfloren des südlicheren Finlands, 
z. B. vonTavastland(Norrlin, Aspelin und Tbur^n), Ny- 
land (Selin), und überhaupt im südwestlichen Finland (Zet- 
terman und Brander); daher erscheint die Angabe v. 
Berg's (1. c, p. 136), dass 8. hastata bei Abo, wenn auch 
selten, vorkomme, sehr zweifelhaft. Nach Norrlin und 
Günther, fehlt sie am Onega-See; desgl. auch, nach Kry- 
low, im Gouv.Perm, wohin doch mehrere nordische Weiden 
sich längs dem Uralgebirge verbreiten. Daher scheint mir 



— 287 — 

die Angabe Drzewecki's, dass diese Weide im Kreise Ust'- 
Ssyssolsk des Gouv. Wologda vorkomme, etwas fraglich zu 
sein ^). Sehr überraschend und der Bestätigung bedflrftig ist 
die YonWiedemann und Weber mitgetheilte Angabe, dass 
S, hastaia im sfldlichen Livland, an der Dflna (bei Riga und 
Kokenhasen) gefunden sei; jedenfalls wäre dieses Vorkommen 
ein ganz insulares. Die Vermuthung Ruprechtes, dass sie 
sich bei St. Petersburg finde (vgl. Ledebour's Fl. ross., 
III, p. 612), hat sich nicht bestätigt; wenigstens führt 
Meinshausen sie für das Gouv. St. Petersburg nicht an. 
— In Sibirien ist S. hastaia weit verbreitet; sie findet sich 
z. B. in den Alpen des Alatau am Flusse Lepsa (Regel), im 
Altai, im Baikal-Gebiete und in Daurien, desgl. auch in der 
arktischen Zone, z. B. an der Boganida. Auch wächst sie 
im westlichen Tibet und im Himalaya, in der Höhe von 
9000—1 5,000' üb. d. M. Bekanntlich ist sie in den Ge- 
birgen Europa's weit verbreitet: in Skandinavien, auf den 
Karpathen, Alpen und Pyrenäen. Im Kaukasus fehlt sie; 
aber Boissier (Fl. or., IV, p. 1191) führt als fragliche Va- 
rietät (pontica Boiss.) dieser Art eine Weide an, die im La- 
zischen Pontus, in der Höhe von 6600' üb. d. M., gefunden 
worden ist. 

Anmerkung. — Nach J. Fei Im an, soll Salix glabra Scop. 
{S. Wfdfeniana Willd.) bei Kola vorkommen; von Lede- 
bour (Fl. ross., III, p. 612) und Beketow ist diese Angabe 
wiederholt worden. Allein sie ist von Andersson (1. c, p. 
259) als irrthümlich nachgewiesen worden; auch nennt N. 
I. Fell man diese Art nicht unter den Weiden des russischen 
Lapplands. Sie bewohnt die Alpen Baierns und Oesterreichs. 



1) Aach Kasnezow verzeichnet diese Weidenart nicht für die Kreise 
Cholmogory and Schenkarsk des Goav. Archangelsk; ebensowenig An- 
tonow für den Nordosten des Goav. Nowgorod. 



H.» 



J*': 



(♦ 



li' 



1 



288 



Section a Froinosae v. Daphnoides. 

393. (20.) Salix daphnaides Vill. (S.praecox Hoppe, Willd.). 

lieber die Verbreitung dieser Art in den Grenzen Russ- 
lands ist nur wenig bekannt. Rostafinski gibt sie für Po- 
len an. Nach Wiedemann und Weber, findet sie sich in 
Livland (bei Riga) und in Kurland (bei Tuckum); in Estland 
soll sie nur angepflanzt vorkommen. F. Schmidt hat sie in 
Estland bei Reval und unweit Weissenstein (ob wildwach- 
send?) gefunden; seine frühere Angabe in Betreff des Vor- 
kommens auf Oesel erklärter fflr unrichtig. Sie findet sich, 
nach Kaufmann, im Gouv. Moskau, jedoch wahrscheinlich 
nur verwildert. Nach Krylow, ist sie im Gouv. Perm, an 
der Kama (zwischen Ssolikamsk und dem DorfeBjelkina) gefun- 
den worden; desgl. im Gouv. Wjatka, am unteren Laufe des 
gleichnamigen Flusses (zwischen Nishnija-Schuni und Lu- 
bjanskoje). Sc hiell bat sie in der Umgegend Orenburgs beob- 
achtet. Nach diesen wenigen Angaben zu urtheilen, kommt 
S. daphnoides im europäischen Rudsland sehr zerstreut vor. 
Stammt sie im Gouv. Moskau wirklich nur von angepflanzten 
Exemplaren, und beziehen sich die Angaben fflr die Gouver- 
nements Wjatka, Perm und Orenburg, wie ich vermuthe, 
auf 8. aaUifolia Willd., die von mehreren Autoren als Va- 
rietät der S. daphnoides angesehen wird, — so würde die 
spontane Verbreitung dieser letzteren Art bei uns nur auf 
den W^esten (Ostseeprovinzen und Polen) beschränkt sein. 
— Nach Ledebour, kommt sie in Sibirien (im Altai- und 
Baikalgebiete), desgl., nach Maximowicz, am Amur vor. 
Sie wächst, nach Brandis, im Himalaya, bis zur Höhe von 
15,000' Ob. d. M.; desgl., nach Aitchison, im östlichen 
Afghanistan. 



— 289 — 



394. (21.) Salix aciUifoliaWiWd. {S.daphnaides ß, acutifoUa 

Anders., 8. pruinosa Wendl.)^). 

Obschon dieso Weide sich vorzugsweise in Russland 
findet, so fällt es doch schwer, die Grenzen ihres spontanen 
Vorkommens genau anzugeben, da sie in vielen Gegenden 
zurBefestigung von Flugsandflächen dient, und mithin durch 
künstliche Anpflanzung verbreitet wird. — S. acutifoUa 
kommt in Finland nur im Südosten, d. h. im Gouv. Wiborg 
und zwar, wie es scheint, nur am Westufer des Ladoga-Sees 
vor, von der Grenze des Gouv. St. Petersburg nordwärts bis 
Kexholm (z. B. bei Kuokknla und Metsäpirtti) ^). In den 
Localfloren des südlichen und südwestlichen Finlands finde 
ich sie nirgends angegeben, — von nördlicheren Gegenden 
gar nicht zu sprechen. Im Gouv. St. Petersburg wächst sie, 
nach Meinshausen, auf den sandigen üferrändern desLa- 
doga- und Peipus-Sees ; «ebenso am ganzen Meeresstrande 
bei Ssestrorezk und weiter (also auch auf dem Gebiete Fin- 
lands) sehr gemein, sonst entweder gar nicht oder nur sehr 
selten; früher bekannte Fundorte sind Zarskoje-Sselo und 
Duderhof, wo sie aber nur in Gärten oder an Feldrändern 
gepflanzt worden ist, und gewöhnlich nur die männliche 
Pflanze». 8. actdifolia kommt, in allen drei Ostseeprovinzen 
an sandigen Stellen und Ufern vor: in Estland, z. ß. bei 
Reval und in grosser Menge bei Rannapungern am Pcipus 
(F. Schmjdt); nach Klinge, z.B. beiKaugern am Ostsee- 



1) Anf diese Art beziehe ich alle Angaben, die Zinger über das Vor- 
kommen der S. daphnoides im mittleren Russland mitgetheilt. 

2) Vgl. W. Nylander. <vCollectanca in floram Karelicam». (Notiser ur 
Sällsk. pro fauna et flora fennica förhandl., Hft. 2, 1852, p. 160); desgl. A. 
J. Malmberg. «Förteckning ufver Karelska n&sets kärlvexter». (Ib.^ Hft. 
9, 1868, pp. 315 11. 824). 

19 



— 290 — 

strande; sonst häufig angepflanzt. Norrlin und Günther 
fahren sie nicht fUr das Gouv. Olonez an; aber, nach Kus- 
nezow, wächst sie im Kreise Cholmogory des Gouv. Ar- 
changelsk, auf Wiesen und sandigen Inseln der Dwina. Wie 
weit nordwärts sie hier vordringt, ist nicht erforscht; die 
von Blasius gemachte Bemerkung, dass diese Weide noch 
am Weissen Meere vorkommen soll, bedarf jedenfalls der 
Bestätigung. Sie findet sich in den Gouvernements Nowgo- 
rod (bei Krestzy grosse Bäume, nach Gobi), Twer (wie es 
scheint, nur angepflanzt, nach Bakunin), Jarosslaw (nur in 
männlichen Exemplaren, nach Petrowsky), Kostroma ^), 
Wologda (im Kreise Kadnikow, nach IwanizkijV), Nishnij- 
Nowgorod (nach Rajewskij, an der Wolga und der Oka die 
häufigste Weidenart), Kasan (an den sandigen Ufern der 
Wolga und Kasanka, nach Claus), Ssimbirsk (Claus), Pensa 
(im Kreise Gorodistsche, nach Zinger), Ssaratow, Tambow, 
Rjasan, Wladimir (Zinger), Moskau; Kaufmann') sagt, 
dass S. acuHfolia hier wildwachsend als grosser Strauch an 
der Kljasma angetroffen wird; er vermuthet, dass sie im 
ganzen Ostlichen Theile des Gouv. Moskau wachse. Ferner 
findet sie sich im Norden des Gouv. Tula, wo Ruprecht sie 
bei Kaschira fand; sonst wird sie in diesem Gouvernement 
vielfach angepflanzt; ferner in den Gouvernements: Kaluga 
(unzweifelhaft spontan an der Oka im Kreise Perernyschl', 
nach Ssanizkij), Orel (in den Kreisen Liwny und Brjansk, 
nach Zinger), Ssmolensk (in den Kreisen Ssmolensk und 
Jernja, nach Zinger), Minsk (an den Ufern des Pripet' und 



1) Von Bekarewitsch als 8. daphnoides beseichnet, — wahncheinlich 
8, acuitfolia. 

2) I wan i z k ij's Angabe, dass 8. actdifoUa auch im Gebiete der Petschora 
vorkomme, beraht wabrscheinUeh auf einem Irrthume. 

8) H. Kay «na Hl». MocKOBCRaa «jopa; crp. 452, 641—642. 



— 291 — 

bei Minsk, nach Paszkewicz), Wilna (Sclimalhausen); 
in Polen (an den Weichselufern, nach Rostafinski), in Wo- 
lynien (Rogowicz), in den Gouvernements Kijew (am Dnjepr 
bei Kijew, nach Schmalhausen), Tschernigow (Rogowicz), 
Poltawa (im Kreise Solotonoscha am Dnjepr und unweit 
Lubny an derSsulä, nach Schnialhausen), Kursk (z. 6. 
im Kreise Nowyj-Osskol, nach Misger^ Charkow (z.B. am 
Donez, nach Czernia6w), — ohne Zweifel auch im Gouv. 
Woronesh. 

Die SQdgrenze der S. acutifolia geht durch Podolien 
(Eichwald, Rogowicz), den Norden des Gouv. Chersson 
(im Flugsande unweit Krjukow, nach liindemann), Jekate- 
rinosslaw (am linken Ufer des Dnjepr, nach Akinfijew); 
von hier geht sie buchtenförmig den Dnjepr hinunter, wächst 
auf der Insel Chortiza (Beketow), an der MOndung der 
Konka (Grüner) und in der Flugsandregion von Aleschki 
im Taurischen Gouvernement (Ssredinskij); weiter Östlich 
scheint der Donez die SOdgrenzc zu bilden, die weiterhin 
jedenfalls durch das Land der Don'schen Kosaken geht (aus 
welchem Gebiete die Angaben fehlen); ferner Sarepta, wo 
S. acutifoliay nach Becker, im Sandboden der Wolgainseln 
noch häufig wächst ; von hier geht sie die Wolga noch wei- 
ter hinunter, wie es scheint, bis Astrachan (Krassnow). 
Sie findet sich ferner, nach Borszczow, am Uralflusse, und 
zwar selten bei Uezkaja-Sastschita; als sQdlichstes, insulares 
Vorkommen derselben bezeichnet Borszczow die Anhöhe 
Urkatsch (unter 4972° n. Br.). Wie ich vermuthe, muss 
Schell's Angabe vom^ Vorkommen der S. daphnoides bei 
Orenburg auf 8. acutifolia bezogen werden, — ebenso wie 
K ry 1 w's Angaben über 8. daphnoides in den Gouvernements 
Perm und Wjatka. — Borszczow bemerkt, dass 8. acuti- 
folia erst im Karatau, am oberen fiaufe des Zarafschan, wie- 

19* 



"^ 



— 292 — 

der auftrete; aber Regel hat keine Exemplare aas Türke- 
stan gesehen. Nach Ledeboar, findet sie sich im sQdlichen 
Sibirien: im Altai- und Baikal-Oebiete, so wie in Daurien. 

Wie bereits bemerkt, wird & aoü^e/bJia im sQdlichen und 
mittleren Russland vielfach zur Befestigung des Flugsandes 
angewendet; so z. B. in der grossen Flugsandfläche im Tau- 
rischen Gouvernement, am linken Ufer des Dnjepr; hier sind 
im Laufe von 25 Jahren (1834—1859) 7500 Dessjatinen 
Sandes mit dieser Weide bepflanzt worden ^). 

Namen. — Russisch: Scheljvg^ Scheljuga^)^ Scheljushina^ 
ScItelJMhnik; Krassnotal^ Krassnolos (i. e. Roth weide). — 
Finnisch: Wirnapaju (Nylander). 

Seoüon 10. BEicantes v. Viminales. 

385. (22.) Salix viminalis h. 

Die Korbweide ist im europäischen Russland ziemlich 
weit verbreitet; doch bietet ihre Verbreitung, wenn man den 
Angaben A. 6. Schrenck's trauen darf, eine ganz merk- 
würdige Anomalie. Er gibt nämlich an, dass diese Art im 
Ssamojedenlande bis zu den Waldgrenzen (67V2° n. Br.) 
reicht; er fand sie z. B. an der Zyl'ma, im üeberschwem- 
mungsgebiete und auf den Inseln der Petschora, so wie an 
derKolwa, noch unweit der Mfindung des Ssandiwei. Traut- 
vetter') hat sein Bedenken in Betreflf dieser Angabe aus- 



1) Vgl. K. «i^poMifb. «061) yKp'bajeHiH leTyHHxi» occkobi» bi> fl,Ht- 
npoBCKoifb y^Mfk TaspHnecKoA ry6epHiH». (HCypH. Mhh. rocy^. uMyu;., h. 
76, 1860 r.). — 1 Dessjatina = 1,0925 Hektare. 

2) Dieser Name ist insofern sehr interessant, als er offenbar eines Stam- 
mes ist mit griech. cXtE, eXixv]; lat. saüx; altgerm. salaha, deutsch Sahle, 
Solch, Scdtoeiäe; altnord. sdja, schwed. sälgi irisch saüy saileach etc. 

3) Die pflanzengeogr. Verhältnisse des Enrop. Rasslands; Hft. 2, p. 66. 



— 293 — 

gesprochen und hinzugefügt, dass Ruprecht, der die 
Sc]irenck'sche Pflanzensammlung benutzte, in seiner Arbeit 
über die Flora des Ssamojedenlandes, der 8. viminalis nicht 
erwähnt. Es lassen sich noch andere Bedenken in Betreff 
der Schrenck'schen Angabe vorbringen. Schflbeler^),der, 
übereinstimmend mit Wahlenberg, das ursprüngliche Feh- 
len der Korbweide in Skandinavien bezeugt, sagt, dass sie in 
Schweden zwar bis zum 64^ n. Br. angepflanzt vorkommt, 
aber in dieser Breite oft durch die Kälte leidet. Nun er- 
reicht die Kälte im Ssamojedenlande eine sehr viel grössere 
Intensität, als in Schweden unter dem 64° n. Br.: während 
in dem letzteren Gebiete die mittlere Januar- Temperatur 
— 10° C. beträgt, fällt sie an der Mündung der Ussa in die 
Petschora, wo, nach Schrenck (Reise, I, p. 239), S. vinU- 
nalis wächst, bis — 18° C. Dazu kommt noch der Umstand, 
dass diese Weide in Lappland und in ganz Finland ^) fehlt, 
ebenso auch wie bei Archangelsk (nach Bogusslaw) und im 
Goav. Olonez (nach Norrlin und Günther); ja, sogar in ' 
Estland scheint sie nur ganz vereinzelt vorzukommen, denn 
ich finde nur einen Fundort (Kusal) für sie angeführt; und 
im Gouv. St. Petersburg ist sie, nach Meinshausen, nörd- 
lich von den Flüssen Luga und Pljussa nicht gefunden worden. 
Für die Richtigkeit der Schrenck'schen Angabe sprechen 
indessen mehrere Umstände; u. A. das Vorkommen genau 
in denselben, von ihm für S. viminalis angegebenen Loka- 
litäten der S". stipiUaris Sm., d. h. einer Bastard weide, deren 



1) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 227. 

2)Ledebour (Fl. ross., III, p. 605) führt zwar Finland an, allein von 
Fries (Summa veget. Scaod., p. 56) wird diese Weide^ für Finland nicht 
angegeben; auch habe ich sie in keiner der Localfloren dieses Gebietes er- 
wähnt gefunden; sie fehlt gleichfalls in: 0. Alcenius. Finlands k&rivex- 
ter. (1863). 



— 294 — 

eine Stammart eben die Korbweide ist, die also auch eben- 
daselbst vorkommen muss. Fcnier findet sich S. vitninalis 
nach Andersson, bei Ajan und, nach Maximowicz, im 
ganzen Amnrlande, — also in solchen Gebieten, wo die mitt- 
lere Jannar-Temperatnr unter — 20^ C. fällt. Endlich steht 
das Vorkommen der S. viminalis im Ssamojedenlande nicht 
ganz isolirt da; denn sie findet sich, nach den neuesten An* 
gaben Kusnezow's, im Kreise Schenkursk des Gouv. Ar- 
changelsk, besonders auf den sandigen Ufern der Waga; 
femer wSchst sie im Gout. Wologda, und zwar nicht nur in 
den sfidlicheren Kreisen Wologda (Fortunatow), Kadnikow 
undNikolsk (Iwanizkij), Sondern, nach Drzewecki, auch 
im Kreise Ust'-Ssyssolsk, an der Wytschegda. Es wäre je- 
denfalls sehr wfinschenswerth eine Bestätigung der Angabe 
Schrenck's, so wie Oberhaupt genauere Mittheilungen fiber 
das Vorkommen der Korbweide im Nordosten des europäi- 
schen Russlands zu erhalten ^). 

8. viminalis wächst anf der Insel Oesel, in Livland (z. 
B. bei Dorpat, an der Aa und an dcrDfina), so wie in Kur- 
land (z. B. bei Mi tan und Tnckum); in den Gouvernements 
Nowgorod (in den Kreisen Krcstzy, Staraja Russa und Wal- 
dai, nach Gobi, desgl. im Nordosten, nach Antonow),Twer 
(in den Kreisen Twer und Snbzow, nach Zinger)*), Jaro- 
sslaw (Petrowsky),Kostroma (häufig, nach Bekarewitsch), 
Wjatka (z. B. bei Wjatka, Ssarapul, zwischai Nishnija- 
Scbuni und Lubjanskoje etc.), Perm (häufig an Flussufem, 
z. B. bei Perm, Krassnoufimsk, den Hüttenwerken Kysch- 



1) Ich habe auf der Karte (J^ II) Tersacht, die merkwardige Nordgrenze 
der Korbweide sa sieben; natürlich kann die Ton mir gegebene Grenzlinie 
keine Ansprache auf ToHstiadige Genauigkeit machen. 

2) Baknnin enr&hat gar nicht des spontanen Yorkommens der Korb« 
weide im Govt. Twer; er beararkt, dass sie dort knltiTirt wird und in harten 
YFintem £ut bis sor Wurael erfriert. 



— 295 — 

tymskijy Talizkij etc.). Im Gouv. Oreiiburg kommt die Korb- 
weide, Dach Schell, an vieleo Stellen vor, z. B. bei Oren- 
bürg, Berda, Ilezkaja-Sastschita, Ssakmarskij-Gorodok, Kon- 
durowkaetc; an der Ssakmara wächst sie, nach Borszczow, 
häufig, seltener am Ilek, zwischen Ilezkaja-Sastschita und 
dem Flusse Akssu; als sQdöstlichste Fundorte bezeichnet er 
das Fort Karabutak (unter 50^ n. Br.), östlich yom Mugod- 
shar-6ebirge, und dieMQndung desFl.Temir (48%^n.Br.)i 
westlich von demselben ; sie kommt, nach Karelin, auch 
im Lande der Ural'schen Kosaken vor; M einshausen traf 
sie an den Ufern desTobolan. Ferner findet sie sich in den 
Gouvernements Kasan (Wirz^n und Claus), Ssamara und 
Ssimbirsk (sehr gemein, nach Yeesenmeyer), Nishnij-Now- 
gorod (Rajewskij), Wladimir (z. B. in den Kreisen Wladi- 
mir und Schuja, nach Zinger), Moskau (z.B. an den Ufern 
der Moskwa, nach Kaufmann), Rjasan, Tula (z. B. an der 
Oka und im Kreise Nowossil'), Kaluga (an den Ufern der 
Oka, nicht häufig), Orel (Zinger), Tambow (Ssemenow, 
Litwinow), Pensa (Ledebour), Woronesh (Ledebour, 
Ssemenow,.Ssewerzow), Charkow (Czerniaöw)^), Kijew 
(z. B. im Kreise Radomysl, nach Belke, und im Kreise 
Uman', nach Holtz)^), Mohilew (Downar), Minsk, Wilna 
und Wolynien. — Die Sfldgrenze der Korbweide geht aus 
Podolien, Aber die Gouvernements Chersson und Poltawa, 
zum Donez und Don, und dann, über das Land der Don'- 
schen Kosaken, zur Wolga (im Gouv. Ssaratow) und zum 



1) Sie ist wohl nur ans einem Versehen in Misger's Flora des Gouv. 
Kursk nicht angefahrt. Oder sollte sie dort, desgl. im henachharten Gouy. 
Tschemigow, wirklich fehlen? Far das letztere Gouvernement erwfthnt sie 
indessen Gflldenstädt (Reisen, II, p. 888). 

2) Es ist auffallend, dass Rogowics und Schmalhausen das Gout. 
K^ew nicht als Fundort der S. viminälü anfahren. 






»* 'I 



:»• 



— 296 









Uralflusse. In Podolien wächst sie im Kreise Kamenez am 
Fl. Sbrntsch, ferner am Fl. Jagorlyk bei Okny, so wie am 
Dnjestr zwischen Jampol und Jagorlyk (Rogowicz und 
Schmalhausen). Im Gouv. Cbersson findet sie sich z. B. 
bei Elisabethgrad (Lindemann), und sogar an der Mttndung 
des Dnjestr (Schmalhausen). Im Gouv. Poltawa kommt 
sie im Kreise Sen'kow amFl. Staw vor. Bei Jekaterinosslaw 
fehlt sie, nach Akinfijew; nach Beketow, wächst sie am 
FlQsschen Kaschlagatsch, auf den Ländereien der Weliko- 
Anadol'schen Forstei (im Südosten des Gouv. Jekaterino- 
sslaw); doch findet sie sich dort höchst wahrscheinlich nar 
angepflanzt. Claus bemerkt zwar vom Vorkommen der Korb- 
weide an der Wolga: «in tota regione», indessen fährt Bek- 
ker sie nicht für Sarepta an; nach Zinger, findetsiesich im 
Kreise Petrowsk des Gouv. Ssaratow. lieber ihr Vorkommen 
am Uralflusse und sfldlich von demselben ist schon oben ge- 
sprochen worden. 

In der Krim fehlt iS. viminalis. Im Kaukasus wächst sie, 
nach Medwedew, hier und da im westlichen und sfldlichen 
Transkaukasien, bis zu 6500' üb. d. M.^) Sie findet sich, 
nach Boissier, auch im türkischen Armenien, desgl. in der 
alpinen Region des Lazischen Pontus. Aus Persien und Af- 
ghanistan li^en keine Angaben Aber ihr Vorkommen vor. 
Sie wächst aber im Pendshab und im Himalaya^ in der Höhe 
von 5000— 9000' Ob. d. M., desgl. inKashmir bis 10,000' 
hoch. Sie findet sich gleichfalls im Alatau, im Flussthale 
des Tschotkai ; in der Dsungarei, z. B. an den FlQssen Ten- 
tek und Tschutschutsu, am See Sairam, am FI. Ili, so wie 
am See Issyk-kul (Regel). Ferner wächst die Korbweide 



1) In Ledeboar's Flora rossica fehlt der Kaukasus als Fundort der 
Korbweide. — Nach Pallas, muss sie sich auch am Terek finden, da er 
für sie einen besonderen Namen anführt, der daselbst gebräuchlich ist. 



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— 297 — 

am oberen Irtysch, im Baikal-Gebiete^ in Daurien (Lede- 
bour), desgl. nach Maximowicz, «im ganzen Amurlande, 
am Ufer und auf Inseln Überall häufig», und, nach Anders- 
son, auch in Kamtschatka. 

Namen. — Russisch: Bjelotal (i. e. Weissweide), Bjelyj- 
TaVnik] Losa^ Losnik; Korsinna-losa (i. e. Korbweide), 
Korsinotschnikj Kusowiza (in der Ukraine); Malokitnik (am 
Uralflusse, nach Karelin); Talashtschanik (im Gouv. Woro- 
neih); Talashennik (amTerek, nach Pallas); Rakita, Baku- 
nik (im Gouv. Wjatka); Werbolos (Pallas). — Polnisch: 
Witwa \ Witwina ; Wierzba ; Mhkicifia ^) ; Kozlina (Annen- 
kow). — Lettisch: Buicka tvihtols. — Syrjanisch: Bat\ — 
Ssamojedisch: Nirka (A. G. Schrenck). 

Anmerkung. — Andersson (1. c, p. 266) zieht zu 8. vi- 
minaiis als Varietät Salix Gmelini Pall.^ die in Lede- 
bour's Flora rossica (JII, p. 606) als besondere Art figurirt. 
Pallas (Flora rossica, II, p. 77) sagt, dass er sie am Jenis- 
sei, am Baikal und in Daurien angetroffen habe; auch soll 
sie sich an der unteren Wolga, zwischen Zarizyn und Astra- 
chan finden, welchen Fundort Pallas für seine S. serotina 
angibt, die Ledebour fQr identisch mit S. Omelini hält. 
Andersson bemerkt fibrigens, dass die von Ledebour zu 
8, Gmdini gezogenen Synonyma sehr unsicher seien. An- 
dersson selbst sagt, dass die von ihm untersuchten Exem- 
plare von Sanson bei St. Petersburg gesammelt seien.. Es 
wäre wönschenswerth. Genaueres über das Vorkommen die- 
ser Weidenform in den Grenzen des europäischen Russlands 
zu erfahren. 



1) Offenbar ist dieser Name sowohl, als das \eiii9che tothtolSf verwandt 
mit althochdeutsch toida, deutsch Weide \ griech. ixea, so wie mit lat. vüis 
etc., — und schliesslich mit slav. witi (russ. wü*) = drehen, flechten, winden. 

2) Stimmt zum uralischen Malokitnik. 



— 298 — 



396. (23.) Salix mulUformis Doli, in den var. tnoUissima And. 
{S. moUissima Ehrh., S. pubera Koch). 

Nach W immer, ist Dies eine Bastard weide, gekreuzt 
aus S. triandra (amygdalina) und S. viminalis^ oder aus S. 
hippophaifolia Thuill. und 8. viminalis. Andersson (1. c, 
p. 271 — 273) stellt S. hippophaifolia gleichfalls als Varie- 
tät zu S. multiformiSy die er für eine eigene Art hält. Die 
Form moUissima ist bei uns, so viel ich weiss, nur im sfld- 
lichenLivland aufgefunden worden. Wiedemann und We- 
ber (1. c, p. 598) sagen Ober dieselbe Folgendes: «Eine 
nirgends häufig vorkommende Art. In unserer Flora aufge- 
funden von Hrn. Heugel auf dem Katharinendamm bei Riga 
und zwischen den Gemflsegärten in der Vorstadt daselbst. 
Ob sie auch dort ursprOnglich angepflanzt ist (wie in Kur- 
land, nach Lehnert), möchte wohl eben so schwer zu be- 
weisen als zu widerlegen sein, da die Weiden so leicht Qberall 
fortkommen. Wenn sie hier ursprünglich spontan ist, so 
wOrde diess die Annahme Wimmer's aufheben, womach S. 
moUissima Ehrh. ein Bastard von S. viminalis L. und hippo- 
phaifolia Thuill. sein soll, denn die letzte ist, so viel uns 
bekannt geworden, noch von Niemandem in unserer Flora 
gefunden». Diese letzte Bemerkung ist fibrigens insofern 
hinf&Uig, als Wimmer, wie bemerkt, auch S. triandra 
(amygdalina) im Vereine mit 8. viminalis^ als Stammart der 
S. moUissimalSi\ir\x. ansieht, nnAS. triandra inLivland vor- 
kommt. Nach Willkomm, wächst 8, moUissima an Fluss- 
ufem in Nord- und Mitteldeutschland, in Böhmen, Ungarn 
und Siebenbflrgen. 



f • 



— 299 — 

Section 11, Niveae v. Olaucae. 

397. (24.) Salix lanala L. (S, chrysanthos Valil., S. lanugi- 

nosaVhW.). 

Diese nordische Art, die in Hochschottland, Norwegen 
(noch auf der Insel Magerö, unter 71^ n. Br.) und im ark- 
tischen Sibirien wächst, findet sich auch im höheren Norden 
des europäischen Russlands. Nach Kihlman, ist sie in 
Enare- Lappland verbreitet: sie wächst z. B, am Ufer des 
Fl. Ivalojoki, zwischen Kultala und dem Dorfe Kyrö; bei 
Toivoniemi; ferner am Fl. Tenojoki (Tana-Elf), zwischen 
Yliköngäs und Puolmak (unter 70^ n. Br.) häufig, desgl. 
auf der Alpe Harmitschokka (Ober den 70^ n. Br. hinaus); 
bei Puolmak und am Njavdamvuodna fand Kihlman noch 
Sträucher von 8 — 10 Fuss Höhe. J. Fellman bezeugt 
das häufige Vorkommen dieser Weidenart in den hö- 
heren Theilen Kola-Lapplands, desgl. auch in der sub- 
alpinen Region des finnischen l^applands. Nach N. L 
Fellman, findet sie sich auf der Kola* Halbinsel häufig, von 
Kola bis Ponoi, und stidlich davon. Nach Beketow, wächst 
sie an der Bucht Podpachta und bei Gawrilowka (an der 
Murman'schen Kflste), so wie auf den lokonskije-Inseln. Im 
Osten des Weissen Meeres fand Ruprecht (Fl. Samoj., p. 
54) S. lanata am Kanin-Noss, desgl. im Innern der Insel 
Kolgujew (etwa unter 69^ n. Br.); in der var. glandulosa 
Whlbg. beobachtete er sie an der Indega-Bucht, landeinwärts 
bis zum Flusse Bjelaja A. 6. Schrenck bemerkt, dass an 
verschiedenen in die Petschora mflndenden Bächen und in 
der Waldregion an der Kolwa die robustere Form (var. 
chrysanthos \ ah] y) vorkommt, während jenseits der Wald- 



1) Diese Varietät wächst, nach N. I. Fe lim au, auch im russischiru 
Lappland. 



— 300 — 

grenzen, in der Tundra, die kleinere Stammform wächst; sie 
soll bis Ober den 69-sten Breitengrad vordringen, aber den 
arktischen Ural und die Jugrische Strasse nicht erreichen. 
Aber hierin ist Schrenck imirrthume; dennS*. lanata geht 
noch Ober die letztere Strasse hinaus und kommt nicht nur 
auf der Insel Waigatsch, sondern auch auf Nowaja-Semlja 
vor, wo sie den 73° n. Br. erreicht; sie wächst daselbst z. 
B. an der Rogatschew-Bai (Kjellman) und an der Karma* 
kul-Bai (Trautvetter) ^), wo sie von H. Oöbel und dem Für- 
sten Uchtomski gesammelt wurde. Längs dem Uralgebirge 
steigt S. 2ana/a in tiefere Breiten hinab. Sie findet sich, nach 
Krylow, nicht selten, imGouv. Perm, in der alpinen Region 
des Ural, auf flechten- und moosbewachsenen Tundren und 
an Gebirgsbächen ; so namentlich auf den Bergen Jany-jenki, 
Jalping-nör, Tulymskij^Eamen', Ischerim, Kurokssar, Tschu- 
waP), Mortaiskij-Kamen', Ssishup, Kwarkusch' und Koss- 
winskij-Kamen'; südlich vom letztgenannten Berge ist diese 
Weidenart nicht beobachtet worden. Aus der alpinen Region 
steigt sie nur sehr selten in die Waldregion herab; sie ist 
z. B. am sumpfigen Ufer des Fl. Wels (zwischen den Bergen 
Tulymskij-Kamen' und Ischerim) angetroffen worden, — als 
ein bis 7 Fuss hoher Strauch, mit glatteren Blättern •). — 
Im arktischen Sibirien ist 8. lanata weit verbreitet; Mid- 
dendorff fand sie am Fl. Taimyr noch bei 73%° n. Br.; sie 
wächst auch z. B. an der unteren Lena und im Tschuktschen- 
lande (Trautvetter). 



1) In: Acta Horti Petropolitani, t. VI, p. 548. 

2) Unweit dieses Berges, am oberen Laufe der Wischcra, wurde S. la- 
nata auch von der Hofm an naschen Expedition angetroffon. 

3) Die Angabe Drzewecki's, dass 8. lanata im Kreise Ust'ssyssolsk des 
Gouv. Wologda vorkomme, bedarf gewiss sehr der Bestätigung. 



— 301 — 

398. (25.) Salix Lapponum L. {S. arenaria Willd., S. K- 

mosa Whlbg.). 

Weit verbreitet im earop&ischen Russland. In Enare- 
Lappland findet sie sich h&ufig und oft in Menge in der 
Uebergangsregion vom Walde zur subalpinen Region, so wie 
in dieser letzteren, bis zur Birkengrenze; sie wächst z. B. 
auf den Alpen Hammasuro bis 457 Meter Qb. d. M., Pel- 
doaivi 396 M., Kuarvekods400M. und auf dem Rastekaisa 
(fast unter 70° n. Br.) noch bis zur Seehöhe von 297 Me- 
tern. Bei Kola ist sie ausserordentlich häufig, ebenso im fin- 
nischen Lappland ^) und im westlichen Theile der Kola- 
halbinsel, auf welcher sie ostwärts bis Pjaliza vorkommt. 
Sie findet sich, nach Beketow, am Imandra-Sec, bei Kan- 
dalakscha undKeret; nach Homilewski, wächst sie in den 
Kreisen Kem' (6ouv. Archangelsk) und Powjenez (Gouv. 
Olonez); Bogusslaw fand sie bei Archangelsk, Kusnezow 
in den Kreisen Schenkui^sk und Wel'sk, und Ruprecht bei 
Mesen'; nach A. G. Schrenck, findet sie sich im Ssamoje- 
denlande, z. B. an der Pjosa und Rötschuga, auf den schlam- 
migen Ufern derPetschora und in den Moosmorästen an der 
Kolwa^). — Südlich von dieser Nordgrenze ist 8. Lappo- 
mim durch das ganze nördliche und mittlere europäische 



1) Nach Hjelt und Ilult, findet sie sich hier stellenweise massenhaft 
und erreicht die Höhe von 8 Fusa. 

2) Schrenck unterscheidet die Formen S. limosa und S. lAippanum 
and sagt Folgendes ttber deren Verbreitung (Reise, 11, p. 468): «S, Hmosay 
wie 'sie auf den Morästen unseres gemässigten Nordens und noch an der 
Pjosa und Rötschuga angetroffen wird, geht in höheren Breiten, an der Pe- 
tschora und Kolwa, in S, Lapponum über, die ihrerseits nicht bis an die 
Waldgrenzen ausdauert, wo sie zu der arktischen Form S, glauca L. sich 
gestaltet». ... In der That scheint es Uebergangsformen von S, Lapponum 
zu S. glauca zu geben; eine solche ist, nach Andcrssou (I. c, p. 277), die 
8. Helvetica Vill., die er als Varietät zu S. Lapponum stellt. 



— 302 — 

Russland verbreitet^ und es wäre ermüdend, alle die einzelnen 
Gouvernements zu nennen, wo sie beobachtet worden ist; 
darum will ich nur einige anfahren. Sie findet sich z. B. in 
ganz Finland, in den Gouvernements Olonez (sehr häufig), 
Wologda, Nowgorod, Twer, Witebsk, Ssmolensk, Moskau, 
Nishnij-Nowgorod (Zinger), Rja8an,TuIa (nur im gleichna- 
migen Kreise auf einem Torfmoore gefunden), Kasan (nach 
Claus, nur in einigen Sämpfen bei der Stadt Kasan) ^). Im 
Gouv. Perm wächst iS". Lappanum^ nach Krylow, sowohl in 
der alpinen Region auf moos- und flechtenbedeckten Flächen 
höherer Berge (z. B. Jalping-nör, Ischerim,Tschuwal,Kwar- 
kusch'), als auch in der Waldregion, auf Torfmooren, z. B. 
an den FlQssenMoiwa und Wels, desgl. bei Perm. Lessing, 
Meinshausen und Schell erwähnen 8. Lapponum nicht 
aus dem südlichen Uralgebirge; aber Georgi sagt (Reise, 
p. 720), dass er sie auf dem Gipfel des Dshigälga und des 
Maschak gefunden habe, zusammen mit 8. reticuiatay 8. 
glauca^ Empdrum nigrum etc. Femer findet sich 8. Lappo- 
num z. B. in den Gouvernements Tambow (auf Torfmooren, 
in den Kreisen Schazk, Spassk, Tambow, Lebedjan und Li-> 
pezk, nach Zinger und Litwinow)'), Kursk (Ledebour), 
Kaluga (in den Kreisen Shisdra und Mossal'sk), Minsk (z. 
B. im «Poljess'je», d.h. in den Pinskischen Sumpfen), Wilna, 
Grodno (bei Kobrin, nach Schmalhausen). In Polen ist 5. 
Lai^^Mm^im. nach Rostafinski, «sehr selten ; nur im süd- 
östlichen Gebiete zwischen Krynice und Krasnybröd; hier 
aber sehr gesellig')». Die südlichsten Fundorte dieser Wei- 



1) Nach Korshinskij, findet sie sich im Gouv. Kasan hie und da anf 
Torfmooren, namentlich im nordwestHchen Theile. 

2) JIiitbhhob'l; in: TpyAM Cn6. 06ii\. ecTecTBOHCouraT., t. XIV, 
CTp. 282. 

8) Auch inGalizicn ist diese Weide, nach Knapp, nur an einer SteHe 
im nördlichen Theile (bei Kopytöw) angetroffen worden. 



fT»-^ 



— 303 — 

denart sind im europäischen Russland folgende: Wolynien, 
und zwar in den Kreisen Kowel (Knjashaja-6or&), Rowno, 
Nowograd-Wolynsk (bei Gorodniza und Olewsk), Owrutsch 
(bei Oserjany); das Gouv. Kijew, im Kreise Radomysl (Belke) 
und unweit Kijew (Schmalhausen); das Gouv. Tscherni- 
gow, in den Kreisen Gorodnja (bei Radul'), Nowgocod-Ssje- 
wersk (bei Pirogowka), Starodub (bei Rjuchow) und Mglin; 
das Gouv. Charkow (Czernia6w, leider ohne Angabe ge- 
nauerer Fundorte); höchst wahrscheinlich das Gouv. Woro- 
nesh ; der SOden des Gouv. Tambow (s. oben) und der Norden 
des Gouv. Ssaratow (im Kreise Chwalynsk, nach Zinger). — 
Andersson bestreitet das von Ledebour angegebene Vor- 
kommen der S. Lapponum in Sibirien ; indessen fahrt Trau t- 
vetter^) sie noch neuerdings für das nördliche Sibirien an, 
z. B. fflr die Gegend zwischen dem Fl. Olenek und der un- 
teren Lena, die Ufer dieser letzteren, so wie das Tschuk- 
tschenland. 

399. (26.) Salix Laestadiana Hartm. (canescens Fr.). 

Diese der S. Lapponum sehr nahe stehende Weide, die, 
nach einigen Autoren^), ein Bastard zwischen 8. Lapponum 
und einer Art aus der Gruppe der Salices capreae {8. caprea^ 
S. cinerea oder 8. auritä) ist, kommt bei uns, so viel bekannt, 
im finnischen Lappland, z. B. in der Gegend von Torneä, 
vor; desgl. auch im Gouv. St. Petersburg (Schmalhausen). 
Sonst findet sie sich, nach Andersson, in Schweden, in der 
Schweiz und auf den Sudeten. 

400. (27.) Salix glauca L. {sericea Vill.). 

Eine arktische Art, die bei uns in Lappland, imSsamo- 
jedenlande, auf den Inseln des Eismeeres und im arktischen 



1) Acta Horti PetropoHUni, t. V, p. 106; t. VF, p. 33. 

2) Vgl. Trautvetter. Incrementa florae rossicae; p. 695. 




— 304 — 

Sibirien wächst. In Enare-Lappland findet sie sich sehr 
häufig an den Ufern der FlQsse und Bäche, an denen sie, im 
Vereine mit 8. nigricans und S. phylicifolia^ dichte Gebüsche 
bildet; sie ist daselbst durch alle Regionen verbreitet und 
erreicht, längs den Bächen, fast die höchsten Gipfel der Al- 
pen. Kihlman fand sie auf dem Hammasuro bis zur Höhe 
von 473 Metern üb. d. M., auf dem Ailigas bis 483 Met., 
und sogar noch auf dem Rastekaisa bis 415 Meter. Bei 
Kola und auf der ganzen Kola-Halbinsel kommt sie sehr 
häufig vor, zugleich mit der Varietät pallida Hrtm. (nach 
N. L Fellman). An der Murman 'sehen Küste ist sie, nach 
Beketow, z. B. bei Teriberka, Podpachta und Gawrilowka 
angetrofl^en worden. Auch im finnischen Lappland findet sie 
sich häufig (J. Fellman); sie wächst auch im nördlichen 
Finland (Ledebour). Als südlichste Fundorte bezeichnen 
Hjelt und Hult: die Gegend zwischen Turtola und Pello 
(am Torneä-Flusse, etwa unter 66° 45' n. Br.) nnd Rova- 
niemi (fast unter dem Polarkreise). Nach Beketow, soll diese 
Weide auf den Ssolowezkije-Inseln vorhanden sein. Im Osten 
des Weissen Meeres kommt sie, nach Ruprecht (Fl.Samoj., 
p. 53), längs der Eismeerküste, z.B. am Cap Konuschin und 
an der Indega-Bucht, vor, desgl. auch im Innern der Insel 
Kolgujew; am Cap Sswjatoi-Noss fand er sie nur vier Zoll 
hoch. Nach A. G. Schrenck, ist S, glauca im nördlichen 
Theile des Ssamojedenlandes häufig* und wächst dort, in 
pygmäisclier Gestalt, bis an die Jugrische Strasse und noch 
auf der Insel Waigatsch. In der var. subarctica Lundstr. ist 
sie auf Nowaja-Semlja verbreitet, wo sie schon Baer an der 
Silber-Bucht und am Kostin Schar fand; sie wächst z.B. am 
Matotschkin-Schar, an derBesimjannaja-Bai, am südl. Gus* 
sinnoi-Cap, an der Rogatschew-Bai und an der Udde-Bai 
(Kjellman und LundstrOm), desgl. an der Karmakul*Bai 



— 305 — 

(Trautvetter), — bis über den 74° n. Br. hinaus, d. h., 
80 viel bekannt, am weitesten von allen Weidenarten. — Im 
Üralgebirge geht 8. glauca weit nach Süden hinunter. Die 
Hofmann'sche Expedition fand sie auf dem Gipfel des 
Nintsch-ur-tschachl (etwa unter 62° 35' n. Br.), desgl. auch 
an der oberen Wischera und an deren Quellen (61° 40' — 
60° 50' n. Br.). Innerhalb des Gonv. Perm ist diese Wei- 
denart, nach Krylow, in der alpinen Region des Urals sehr 
verbreitet; er fand sie, von den Bergen im Quellgebiete der 
Petschora und der LosVa, südwärts bis zum Katschkanar, 
auf allen zwischenliegenden Berggipfeln, d. h. von 62° bis 
58° 45' n. Br.; nicht selten steigt sie von den Gipfeln zum 
Fusse der Berge, in die Waldregion, herab. Aber 8. glauca 
reicht noch viel südlicher; denn Lessing (1. c, pp. 151, 
153, 157) fand sie auf der sumpfigen plateauartigen 
Alpenregion des Iremel; auch kommt sie, nach Schell, 
am Fusse des Berges Jaman-tau vor, und Georgi (Reise, 
p. 720) beobachtete sie auf den Gipfeln des Dshigälga 
und des Maschak. Mithin hat 8, glauca, von allen arkti- 
schen Weiden, die grösste meridionale Verbreitung, d. h. 
von wenigstens 20 Breitengraden (vom 74° bis zum 54^ 
n. Br.). — Auch im arktischen Sibirien ist diese Weide weil 
verbreitet. Dr. Almquist sammelte sie, in der var. subarc- 
/ica, auf der Halbinsel Jalmal (Kjellman); Middendorff 
traf sie am Fl. Taimyr bis zu 747^° n. Br. an; sie wächst 
ferner z. B. an der Chatanga, am Olenek und an der unteren 
Lena (Trautvetter); desgl. in Kamtschatka, so wie im ark- 
tischen Amerika, z. B. auf der Chamisso-Insel, in Labrador 
und Grönland; nach Ledebour, auch auf dem Altai, fehlt 
aber auf dem Kaukasus- Gebirge. 

Finnisch -lappisch heisst diese Weide 8irka (J. Fell- 
man). 

20 



^ 



' — 306 — 

401. (28.) Salix reptans Rupr. 

Ruprecht, der diese arktische Weide zuerst (Fl . Samoj . , 
p. 54, tab. III) beschrieben und abgebildet hat, fand sie im 
östlichen Theile der Insel Eolgujew, unweit der MOndung 
des FlQsschens Pestschanka. Sie kommt auch auf Nowaja- 
Seralja vor, wo sie in mehreren Formen {typka Lundstr., 
subarctica Lundstr. und glaucoides Lundstr.) z. B. am sfld- 
lichen und nördlichen Gussinnoi-Cap, so wie an der Roga- 
tschew-Bai (bis etwa 72Va° ^- ß^) angetroffen worden ist. 
Wahrscheinlich wächst sie auch auf der Insel Waigatsch und 
im nördlichen Theile des Ural-Gebirges. Nach Iwanizkij, 
kommt sie im Osten des Gouv. Wologda, an den Ufern der 
Petschora, nicht selten vor. Ery low fand sie in ziemlich 
grosser Anzahl auf dem Ischerim (etwa unter dem 61^ n. 
Br.), in einem geschlitzten Gebirgsthale, an den Ufern eines 
Schneebaches. 

Section 12. Nitidulae v. Glaciales. 

402. (29.) Salix arctica Pall. 

Diese im arktischen Sibirien weit verbreitete Art^) be- 
rflhrt nur die Grenzen des europäischen Russlands. Sie 
kommt auf Nowaja-Semlja verbreitet vor; als Fundorte 
werden genannt: Matotschkin-Schar, Besimennaja-Bai, Kar- 
makul-Bai, nördl. und sttdl. Gussinnoi-Cap, Rogatschew-Bai, 
Kostin-Schar. Ferner wächst sie auf der Waigatsch-Insel 
an der Jugrischen Strasse (A. G. Schrenck). Die Hof- 
mann'sche Expedition fand diese arktische Weide am Lire- 
jogan (einem Quellflusse des Woikar, unter 66^ n. Br.); 
nach dem Zeugnisse Erylow's, wurden einige Exemplare 



1} Middendorff fand sie noch auf der Baer's-Insel anter 75^ 86' n. Br. 



I 



— 307 — 

der S. arctica auf dem Berge Denesbkin-Kamen' (etwa unter 
60° 30' n.Bn) gefunden. A. G. Schrenck und Ruprecht 
nennen diese Art nicht ffir das Ssamojedenland, zwischen 
der Jugrischen Strasse und dem Weissen Meere. Um so 
auffallender ist ihr Auftreten in Russisch-Lappland^ wo Fr. 
Nylander sie gefunden hat. ^) 

408. (30.) Salix Brotvnei Anders., Lundstr. {S. arctica yslv. 
Brotvnei Anders., 5. fwnosa Turcz., 8. phylicifolia var. 
majalis Koch, Ledeb., FL ross., III, p. 612; S. tenuifolia 

L,, Sm., nach Ledebour(?)^). 

Ist die von Andersson mitgetheilte Synonymik richtig, 
so findet sich diese Art, nach J. Fei Im an, im finnischen 
Lappland; N. I. Fellman und Kihlman kennen sie nicht 
aus Lappland. Gehört ferner Ruprecht 's 8. tenuifolia L., 
wie Ledebour annimmt, wirklich zu 8. majalis Koch {8. 
fumosa Turcz.), so findet sie sich bei Mesen^ und an der 
Indega-Bucht (etwa unter 67° 40' n. Br.), wo Ruprecht 
sie fand. Dieselbe Form wurde, nach Ruprecht's Bestim- 
mung, von der Hofmann'schen Expedition an den Quellen 
des Lirejogan (am Ostabhange des Ural, unter 66° n. Br.), 
desgl. auch bei Tscherdyn' im Gouv. Perm (?) gefunden. 
Krylow kennt sie nicht aus dem letztgenannten Gouver- 
nement. — Lassen wir diese nicht ganz sicheren Angaben 
bei Seite, so bleibt nur ein Fundort der 8. Brownei übrig, 
nämlich Nowaja-Semlja, wo sie an mehreren Stellen ange- 
troffen worden ist; so namentlich an der Rogatschew-Bai, 
am südl. Gussinnoi-Cap, an der Besimennaja-Bai und am 
Matotschkin- Schar. — Trautvetter ^) führt diese Weiden- 



1) Vgl. Meddel. af Soc. pro fauna et flora fennica, Hffc. 6^ 1881, p. 250. 

2) Vgl. oben, unter 8, phylicifolia, 

8) Acta Horti Petropolitani; t. V, p. 107; t. VI, p. 36. 

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308 



form, als S. fumosa Turcz., für das arktische Sibirien an, 
|f wo sie z. B. an der Chatanga, am Wiljui, am Olenek, an 

der unteren Lena und im Tschuktschenlande gefunden wor- 
den ist. Nach Andersson, kommt 8. Broumei auch im 
arktischen Amerika vor. 



404. (31.) Salix Taimyrensis Trautv. {S.ardica var. Tai- 

myrensis Anders.). 

Wächst, nach Lundström und Kjellman, auf No- 
waja-Semlja, an der Rogatschew-Bai. Sonst ist diese Polar- 
weide, nach Trautvetter, im arktischen Sibirien ziemlich 
weit verbreitet; sie wächst z. B, am Flusse Taimyr, wo 
Middendorff sie bis zu 747^° n. Br. fand, ferner zwischen 
dem Fl. Olenek und der unteren Lena^). 

405. (32.) Salix Myrsimtes L. (& alpina Scop., S, arbuti- 

folia Ser., S. rectijulis Trautv.). 

S. Myrsinites ist auf den Norden des europäischen Russ- 
lands beschränkt. In Enare-Lappland wächst sie, nach 
Kihlman, häufig in der Üebergangs-Zone von der Wald- 
zu der alpinen Region, so wie in dieser letzteren, — bis 
zur Birkengrenze. Sie findet sich, nach den beiden Fell- 
man's, nicht selten bei Kola und auf der Kola-Halbinsel, 
am Eismeere sowohl, wie am Weissen Meere, südwärts bis 
zum Dorfe Kowda (d. h. fast bis zum Polarkreise). Nach 
J. Fellman, kommt sie auch im finnischen Lappland häufig 
vor; Hjelt und Hult führen sie aus dem Kirchspiele Kittilä 
auf. Ledebour gibt (nach Nylander) an, dass sie sich 



1) Trautvetter gab sie (Acta Horti Petropolitani, t. V, p. 557) auch 
far die Ufer der Eolyma an ; indessen ist, seiner späteren Bemerkung (ib., 
t. VI, p. 84) nach, 8. hoganidensis Trautv. darunter zu verstehen. 



— 309 — 

auch in Finland findet; doch ist fiber die SQdgrenze ihrer 
Verbreitung nichts bekannt geworden. Bogusslaw nennt 
sie nicht unter den Weidenarten aus der Umgegend von 
Archangelsk; auch Kusnezow fand sie nicht in den Kreisen 
Cholmogory und Schenkursk. Aber, nach Norrlin (FL 
KareL Oneg., p. 167), kommt S. Myrsinites im Nordwesten 
des Onega-Sees, an den Seen Soutajärvi und Mundjärvi 
(Munosero, etwa unter 62°15'n. Br.), auf Sümpfen vor. 
Ob dieses Vorkommen ein ganz insulares ist oder mit dem- 
jenigen in Lappland zusammenhängt, lässt sieb, nach den 
vorhandenen spärlichen Angaben, nicht bestimmen. Oestlich 
vom Weissen Meere fand Ruprecht diese Polarweide auf 
der Kanin -Halbinsel (am Fl. Kambalniza und am Kanin- 
Noss), ferner am Fl. Bjelaja (südlich von der Indega-Bucht) 
und im Innern der Insel Kolgujew. Nach A.G. Schrenck, 
wächst sie auf der Tundra, an der oberen Kolwa, am Fusse 
des arktischen Ural und an der Jugrischen Strasse. Nach 
Kjellman und Lundström, findet sie sich auf der Insel 
Waigatsch; desgl., nach Trautvetter ^), auch im südlichen 
Theile von Nowaja-Semlja, namentlich am Kostin-Schar. — 
Iwanizkij nennt S. Myrsinites nicht unter den Weiden- 
arten des Gouv. Wologda, wo sie indessen, im nordöstlichen 
Theile, wahrscheinlich vorkommt. Auch die Hofmann'sche 
Expedition fand sie nicht im üralgebirge. Krylow bezeugt 
jedoch, dass sie in dem letzteren sich findet: er traf sie auf 
dem Gipfel des Berges Ssishup an, wo sie auf Moosflächen 
wächst. — Dies ist auch Alles, was mir Ober die Verbrei- 
tung der 8. Myrsinites im europäischen Russland bekannt 



1) Acta Horti Petropolitani ; t. I, p. 78—79. — Trautvetter bemerkt, 
dass Dies die Weidenart ist, die Baer daselbst fand uud Salix Brayi be- 
nannte. A. G. Schrenck (Heise, II, p. 464) war der Ansicht, dass Baer's 
S. Brayi mit S, herhacea L. Obereinstimmt. 




— 310 — 

geworden ist^). Sie ist Ober Sibirien bis Kamtschatka, desgl. 
auch im arktischen Amerika verbreitet. 

Finn.- lappisch wird diese Weide Sedga sJcirrek (d. i, 
Weidenruthe) genannt. 

406. (33.) Salix ovalifolia Traut v. 

Diese frflher aus dem Tschuktschenlande, aus Kam- 
tschatka und aus dem westlichen arktischen Amerika be- 
kannte Art (vgl. Ledebour, Fl. ross., III, p. 620—621) 
findet sich, nach Kjellman und Lundström, in mehreren 
Formen, auf Nowaja-Semlja, wo sie an der Rogatschew- 
Bai und am südl. 6ussinoi-Cap gefunden worden ist. Die 
von Lundström unterschiedenen Formen sind folgende: 
a) typica Lundstr., b) subarctica Lundstr., c) glaucoides 
Lundstr. und d) nummulariaefolia Lundstr. 

407. (34.) Salix herbacea L. 

Kihlman beobachtete diese arktische Weide häufig in 
der ganzen alpinen Region in Enare-Lappland ; in der subal- 
pinen Region fand er sie nur am See Sappijärvi unterhalb 
des Berges Peldoaivi. Nach N. I. Fellman, findet sie sich 
auf den Alpen am Imandra-See häufig, desgl. auch auf denen 
am Eismeere, und überhaupt auf der ganzen Kola-Halbinsel, 
ostwärts bis Ponoi ; sie wächst auch bei Kandalakscha ; bei 
Katschkowa an der Ostküste (Terskij-bereg) fand Fellman 
sie fast 1 Fuss hoch. Beketow nennt sie für die Gegend 
von Opossowa (an der Murman'schen Küste). Nach J. Fell- 
man, kommt sie häufig auf den Alpengipfcln sowohl im 



1) Die älteren Angaben über das Vorkommen dieser Weide in den Ost- 
seeprovinzen und im Qouv. Moskau haben sich als falsch erwiesen. 



— 311 — 

Gebiete von Kola, als im finnischen Lapplaud, vor^). Ru* 
precht fand sie im Ssamojedenlande, besonders am Eismeere; 
so am Eanin-NosSy am Fl. Eambalniza, am Barmin-Noss, 
desgl. auch überall auf der Insel Eolgujew. A. G. Schrenck 
beobachtete diese Weide auf trockenen, sandigen Hflgeln an 
der oberen Kolwa, so wie hier und da auf der Tundra bis 
zum arktischen Ural und zur Jugrischen Strasse; ja, er fand 
sie, unter dem 69. Breitengrade, noch auf dem Gipfel des 
Wassaymbai (1330' üb. d. M.); Schrenck bezeugt auch, 
dass dieselbe auf der Insel Waigatsch wachse. Die Hof- 
mann'sche Expedition fand 8. herbacea an der Eara, im 
Höhenzuge, der sich gegen die Jugrische Strasse hinzieht, 
unter 68% — 69° n. Br, Dieselbe Expedition beobachtete 
diese Weidenart auch am Flusse Pae-jer-jaha, am westlichen 
Abfalle des Urals, unter 66°50'n. Br. S. herbacea geht, 
längs diesem Gebirge, südwärts bis in die Grenzen des Gouv. 
Perm, wo sie, nach Erylow, ziemlich häufig auf den Gipfeln 
des Jalping-nör, des Ischerim und des Tschuwal wächst; im 
Süden des letztgenannten Berges hat Erylow sie nicht ge- 
funden. In der Waldregion ist sie an den Ufern der Petschora 
unweit Jakschinskaja-Pristan' angetroflFen worden. Iwaniz- 
kij führt sie für das Gouv. Wologda nicht an; doch findet 
sie sich daselbst wahrscheinlich im Petschora-Gebiete. — 
Nach Ledebour, kommt S. herbacea am unteren Ob', in 
den höchsten Alpen am Fl. Tschuja, im Baikal-Gebiete und 
in Daurien vor. Sie wächst, nach Th. M. Fries ^), auch auf 
der Bären-Insel. 

Die finnisch-lappische Benennung dieser Weidenart ist, 



1) Nach Homilewski, soll S.herhacea anch im Kreise Kern' wachsen; 
doch weiss ich nicht, wie yreit dieser Angabe zu trauen ist. 

2) Vgl. in d. Abhandl. herausg. vom naturwiss. Vereine zu Bremen, Bd. 
3, p. 87—92. 



— 312 — 

nach J. Fellman, Kiron lastdkj d.h. das Laub des Schnee- 
huhns. 

408. (35.) Salix sarmentacea Fr. 

Ueber die Verbreitung dieser Art in den Grenzen Russ- 
lands wissen wir so gut wie nichts. Nach Andersson (I.e., 
p. 298 — 299), kommt sie in Torneä-Lappland vor; ausser- 
dem wächst sie in Schweden und in Norwegen. Für Enare- 
Lappland und das russische Lappland wird sie nicht an- 
geführt. 

409. (36.) Salix rotundifolia Trautv. {Salix retusa L., var. 
rotundifolia Ledebour, Fl. ross., III, p. 624). 

Diese im arktischen und im gebirgigen Sibirien, so wie im 
westlichen arktischen Amerika verbreitete Art wächst, nach 
Kjellman und Lundström, auf der Insel Waigatsch (an 
der Jugrischen Strasse), so wie auf Nowaja-Semlja: an der 
Rogatschew-Bai, am südl. und nördl. Gussinoi-Cap, desgl., 
nach Trautvetter, an der Karmakul-Bai (von H. Göbel 
und A. J. Tjagin gesammelt). Neuerdings ist S.' rotundi- 
folia von Fr. Nylander in Russisch- Lappland gefunden 
worden ^). 

410. (37.) Salix polaris Whlbg. 

Eine arktische Weide, die bei uns nur auf den höchsten 
Norden beschränkt ist. In Enare-Lappland findet sie sich, 
nach J. Fellman, auf den Alpen Jeskadam (bei Utsjoki) 
und Pallas-tunturi; Eihlman fand sie auf dem Gipfel des 
Rouvuoaivi (etwa unter 69^50' n. Br.). N. L Fellman 
sagt, dass Fr. Nylander sie auf den Chibiny- Alpen gefun- 



1) Meddel. af Soc. pro fauna et flora fennica, Hft. 6, 1881, p. 2fi0. 



— 313 — 

den, dass er selbst sie aber dort nicht angetroffen habe. 
Ruprecht beobachtete sie im Innern und an der Nordwest- 
küste der Insel Kolgujew. Nach A. G, Schrenck, erscheint 
S. polaris erst jenseits des 69. Breitengrades; er fand sie 
an der Jugrischen Strasse. Sie wächst auch auf der Insel 
Waigatsch und auf Nowaja-Semlja: an der Rogatschew-Bai, 
am südl. und nördl. Oussinoi-Cap, an der Besimennaja-Bai 
und am Matotschkin-Schar (Ejellman und Lundström), 
ferner am Kostin- Schar, an. der Karmakul-Bai und am Fl. 
Puchowaja (Trautvetter). Nach Th. M. Fries, findet sie 
sich auch auf der Bären-Insel und auf Spitzbergen. Sie ist 
ferner durch das arktische Sibirien verbreitet. Midden- 
dorff fand sie im Taimj rlande noch auf der Baer's-Insel, 
unter 75°36' n.Br. Kjellman^) nennt folgende Orte, wo 
sie die Nordenskiöld'sche Vega-Expedition angetroffen hat: 
Dicksonshafen, Minin-Insel, Actinia-Bai, Cap Tscheljuskin, 
Preobrashenie-Insel und Irkaipij. Sie kommt, nach Traut- 
vetter, z. B. am Fl. Olenek, an der unteren Lena, so wie 
im Tschuktschenlande vor. Auch findet sie sich im arkti- 
schen Amerika. 

Bekanntlich fehlt S. polaris gegenwärtig in den Alpen. 
Sehr interessant ist aber die von Nathorst constatirte That- 
sache, dass diese Weidenart zur Eiszeit in der Schweiz 
wuchs; er entdeckte sie in einem Lettenlager bei Schwer- 
zenbach (im Kanton Zürich). Während die Begleiter dieser 
Weide, z. B. Salix hastata^ 8. retusa und S. retictdata, sich 
auf den Alpen bis heute erhalten haben, ist S. polaris da- 
selbst erloschen.^) Nathorst hat die letztere in Gletscher- 
ablagerungen verschiedener anderer Länder Europa's ge- 



1) Die Phanerogamenflora der sibirischen Nordküste; 1. c.^ p. 115. 

2) Vgl. darüber: 0. Heer. Die Urwelt der Schweiz; Aufl. 2, p. 580. 



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— 314 — 

funden, — im südlichen Schweden, in Dänemark und in 
Norfolk. Man kann daraas schliessen, dass S, polaris zur 
Eiszeit über einen grossen Theil Europa's verbreitet war. 

411. (38.) Salix retictUata L. 

Gleichfalls eine arktische Weide, die eine ähnliche Ver- 
breitung hat, wie 8. polaris. Eihlman bemerkt, dass er 
sie nicht in Enare-Lappland, wohl aber auf Alpen an den 
Ufern des Varanger- Fjord beobachtet habe. Nach N. I. 
Fell m an , wächst sie, in Gesellschaft von S. herhacea^ auf den 
Alpen am Imandra-See (z. 6. auf den Chibiny-Alpen), so 
wie auf denen am Eismeere und, durch die ganze Kola- 
Halbinsel, bis Ponoi. Oestlich vom Weissen Meere findet 
sie sich, nach Ruprecht, fast überall in der arktischen 
Zone, am Eismeere, desgl. im Inqern der Insel Kolgujew. 
A. G. Schrenck fand sie an der oberen Kolwa, und von da 
ab nordwärts, bis zum Eismeere und bis zum arktischen 
Ural, z. B. am Fusse des Berges Wassaj'mbai; sie findet 
sich daselbst gleichfalls vergesellschaftet mit 8. herbacea^ 
die Flächen überziehend und, mit ihren Zweigen, den losen 
Sand in bedeutender Tiefe durchwirkend, oder, mitsammt 
den Blättern, dicht am Lehmboden anliegend. 8. reliculata 
* kommt, nach Schrenck, auch auf der Insel Waigatsch vor ; 
desgl. wächst sie (in der typischen Form und in der var. 
denticulata Lundstr.) auf Nowaja Semlja: an der Rogatschew- 
Bai, am sfidl. Gussinnoi-Cap und an der Besimennaja-Bai. 
Längs dem Uralgebirge geht sie weit nach Süden hinab. 
Die Hofmann'sche Expedition fand sie z. B. am Westab- 
hange des Ural in der Nähe des Fl. Lorto-motala (etwa 
unter 66°40'n.Br.), ferner im Gebirge an den Quellen der 
grossen Petschora (62° 15'), so wie auf dem Fels Porimon- 



— 315 — 

git-ur (unter 61^45' n. Br.). Nach Krylow, findet sie sich, 
in den Grenzen des Gouv. Perm, z. B. auf den Bergen 
Eurokssarskij-, Deneshkin- und Eoss'ivinskij-Kamen'. Nach 
Georgi's Angabe (Reise, p. 720), wächst sie sogar noch auf 
dem Baschkirischen Ural , wo er sie auf den Gipfeln des 
Dschigälga und des Maschak, in Gesellschaft von Salix 
glauca und S. Lapponum^ antraf. — Im arktischen und ge- 
birgigen Sibirien ist 8. reticulata weit verbreitet. Sie findet 
sich, nach Trautvetter, z. B. am Wiljui, am Olenek, an 
der unteren Lena und im Tschuktschenlande; die Norden- 
skiöld'sche Expedition beobachtete sie am Dicksonshafen, 
auf der Preobrashenie-Insel und bei Pitlekai; nach Lede- 
bour, kommt sie auch im Baikal-Gebiete und in Daurien 
vor. Sie wächst ferner auf Spitzbergen, in Grönland und 
im westlichen arktischen Amerika. Bekanntlich ist sie auch 
auf den europäischen Gebirgen weit verbreitet: in Skandi- 
navien, Hochschottland, auf den Pyrenäen, Alpen und Ear- 
pathen. Im Kaukasus fehlt sie, wie sämmtliche arktische 
Weiden ^) (mit Ausnahme von S. arbuscula). 

412. (39.) Salix reticuloides Anders. (1. c, p. 301). 

Diese wenig bekannte Weide steht, nach Andefssou, 
zwischen S. hastata und 8. reticulata (vielleicht ein Bastard 
von beiden?) und kommt im Ssamojedenlande vor, wo sie 
A. G. Schrenck gesammelt hat; Letzterer selbst erwähnt 
ihrer nicht. Ausserdem wächst sie, nach Andersson, auf 
den höchsten Alpen Luleä-Lapplands. Im finnischen und 
russischen Lappland scheint sie zu fehlen. 



1) Doch ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass einige derselben 
dort noch aufgefunden werden. 



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316 — 



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Section 13, Purpureae. 

418, (40.) Salix purpurea L. (S. Hdix L.,Koch, S. monan- 
dra Hoffra., S.hippopJtaefolia Ledeb.). 

Rupreclit's und Bogusslaw's Angabe, dass die Purpar- 
weide in der Umgegend von Archangelsk vorkomme, scheint 
mir sehr zweifelhaft zu sein und bedarf jedenfalls der Be- 
stätigung; ich glaube diese Angabe, bei der Skizzirung der 
Verbreitung dieser Weide, ausser Acht lassen zu dürfen ^), 
Auch die Angabe 0. Grimm's, dass sie im Gouv. (und 
Kreise) Nowgorod wächst, erscheint unsicher; vielleicht 
hatte er es mit gepflanzten Exemplaren zu thun; Gobi hat 
sie dort nicht gefunden. Das von Ledebour angegebene 
Vorkommen bei St. Petersburg hat sich nicht bestätigt. 
Sogar Kaufmannes Angabe, dass S. purpurea sich im 
Gouv. Moskau (bei Butyrki) finde, beruht vielleicht auf 
kultivirten Exemplaren; denn diese Weidenart fehlt in allen 
benachbarten Gouvernements: Twer, Wladimir, Rjasan, 
Tula, Kaluga und Ssmolensk. Sie fehlt gleichfalls überall 
nord- und ostwärts davon, z. B.in Estland, in den Gouver- 
nements St. Petersburg, Jarosslaw, Kostroma, Nishnij-Now- 
gorod, Kasan, überhaupt längs der ganzen oberen und mitt- 
leren Wolga, ebenso auch in den Gouvernements Wjatka, 
Perm und Ufa. Die Nordgrenze ihrer spontanen Verbrei- 
tung hat annähernd folgenden Verlauf: Aus dem südwest- 
lichen Livland geht sie durch das südöstliche Kurland, den 
Norden des Gouv. Wilna, die Gouvernements Mohilew, Orel, 
Tambow und Ssaratow, zur unteren Wolga, und endlich 
(längs dem Obstschij-Ssyrt?) zum üralflusse, bei Orenburg. 
Zur Begründung dieser Grenzlinie dienen folgende Data. 



1) In den südlicher gelegenen Kreisen Cholmogory und Schenkarsk ist 
sie von Kusnezow nicht gefunden worden. 



— 317 — 

Nach Wiedemann und Weber, wächst S. purpurea 
im südlichen Livland, an der Aa (z. B. bei Treiden) und der 
Dflna (bei Riga); desgL auch in Kurland; nach Eichwald, 
findet sie sieb häufig bei Wilna; Czolowski gibt sie für 
das Gouv. Mohilew an^); im Gouv. Orel, und namentlich im 
Kreise Jelez^), kommt sie nach Zinger vor. Nach Sseme- 
now und Ignat'jew, wächst sie im Gouv. Tambow (z.B. im 
gleichnamigen Kreise), so wie, nach Zinger, in der sfldli- 
chen Hälfte des Gouv. Ssaratow, namentlich in den Kreisen 
Atkarsk, Balaschow und Kamyschin; Becker^) sagt, dass 
die Purpur weide bei Sarepta, in Schluchten der Hochsteppe, 
selten sei, 40 Werst von Sarepta aber häufig vorkomme. 
Claus fflhrt sie gar nicht für die Wolgagegenden an, desgl. 
auch Karelin nicht ffir das Land der Ural'schen Kosaken. 
Nach Schell und Regel, findet sie sich bei Orenburg. — 
Südlich von der bezeichneten Grenzlinie wird 8. purpurea 
in vielen Provinzen angegeben. In Polen kommt sie überall 
an Flussufern vor, häufig auch in den Varietäten Laniber- 
tiana Sm. und angustifolia Kerner {Helix Sm.). Im Gouv. 
Grodno wächst sie z. B. bei Sslonim (Schraalhausen). Für 
die Gouvernements Minsk, Kijew, Tschernigow und Poltawa 
finde ich die Purpurweide nicht angeführt; doch dürfte sie 
daselbst kaum ganz fehlen. Im Gouv. Kursk findet sie sich, 
nach Misger, an Flussufern und auf feuchten Triften; 
desgl., nach Czerniaew, selten im Gouv. Charkow; Sse- 
menow gibt sie für das Gouv. Woronesh und das Land der 
Don'schen Kosaken an. Nach Borszczow, wächst S. pu^-- 
purea selten am Fl. Ilek und in der Sandregion bei der Er- 
höhung ürkatsch (unter 4:9%^ n.Br.); als südlichste Punkte 



1) In den Floren Lindemann's und Downar's fehlt sie. 

2) Grüner führt sie nicht fQr die Umgegend von Jelez an. 
8) Im Ball, de Moscou, 1880, P. 1, p. 146. 



— 318 — 

ihres Vorkommens bezeichnet er die Ufer des Irgis beim 
Fort üral'skoje {^8%^ n. Br.) und die Mündung des Temir 
in die Emba (48ya° n. Br.). Ferner findet sie sich in Woly- 
nien, z. B. bei Ustilug (am westlichen Bug) und bei Kreme- 
nez; desgl. in Podolien, z. B. am Fl. Sbrutsch und am süd- 
lichen Bug (bei Bogopol). In Bessarabien scheint die Pur- 
purweide zu fehlen, wenigstens wird sie von Tardent, 
Döngingk, Lindemann und Äkinfijew nicht aufgeführt; 
Lindemann nennt sie auch nicht für das Gouv. Chersson. 
Im Gouv. Jekaterinosslaw findet sie sich an mehreren 
Stellen; so bei Jekaterinosslaw, am Ufer des Dnjepr, selten 
(Äkinfijew); amDonez bei Sserebrjanka, im Kreise Bach- 
mut; bei Nowotrolzkoje, im Kreise Alexandrowsk, und am 
Fl. Kal'tschik im Kreise Mariupol (nach Beketow). 

In der Krim wächst 8. purpurea häufig an den Ufern 
vieler Bäche und Flüsse ; ihre biegsamen Zweige bilden da- 
selbst das gebräuchlichste Material zum Flechten von Kör- 
ben. Im Kaukasus ist sie ebenfalls recht häufig an Fluss- 
ufern und in feuchten Wäldern, sowohl im nördlichen Theile 
als in Transkaukasien, z. B. in Iberien, Mingrelien und 
Karabagh. Von hier verbreitet sie sich in's türkische Ar- 
menien und nach dem nördlichen Persien. Sie findet sich 
ferner in der Dsungarei, in den Gebirgen Tarbagatai und 
Koktschetau, an den Flüssen Lepsa und Saissan (nach 
Regel); desgl. wächst sie, nach Ledebour, imBaikal-Gebiete. 

Namen. — Russisch : Losnik, Sheltolosnik (i. e. Gelb- 
weide); Tal^nik. — Polnisch: Wikle^ Wiklina {Ann enkoxv). 

414. (41.) Salix rubra Huds. {S. fissa Hofi^m., 8. purpureo- 

piminalis Wimm.). 

Diese Art, die von Boissier als Varietät von 8. pur- 
purea^ von Wimm er aber als Bastard von 8. purpurea und 



— 319 — . 

S. viminalis betrachtet wird, kommt bei uns sehr zerstreut 
vor. Nach Wiedemann und Weber, wächst sie in Liv- 
und Kurland in denselben Gegenden, wie S.purpurea, und 
wo 8. viminalis gleichfalls vorkommt; dieser Umstand 
spricht ffir die Ansicht, dass sie aus einer Kreuzung dieser 
beiden Arten hervorgegangen ist. Ist Dies thatsächlich der 
Fall, so ist ihr möglicher Verbreitungsbezirk namentlich 
durch denjenigen der S. purpurea bedingt, da Ä viminalis 
weiter verbreitet ist^). Aber, ausser den Ostseeprovinzen, 
finde ich S. rubra nur aus wenigen Gebieten angegeben. 
Nach Rostafinski, wächst sie in Polen selten und verein- 
zelt, z. B. bei Warschau. Ssemenow führt sie für das 
Gouv. Worouesh und das Land der Don'schen Kosaken an. 
Nach Boissier und Medwedew, kommt sie im Kaukasus, 
z. B. am Terek, vor. 

415. (42.) Salix Ledebouriana Trautv. {8. pallida Ledeb., 
8. tenuijulis Ledeb.^), 8. Elbursensis Boiss.). 

Auch diese Art hält Boissier für eine Varietät derS. 
purpurea. Sie berührt nur die Grenzen des von mir behan- 
delten Gebietes. Nach Schell, findet sie sich im südlichen 
Theile des Gouv. Orenburg, z. B. bei Orenburg, Berda, 11'- 
jinskij-und Guberlinskij-Otrjad. Medwedew sagt, dass sie 
im östlichen Trauskaukasien wächst. Sie findet sich, nach 
Boissier, im nördlichen Persien und imHimalaya-Gebiete; 



1) In der Krim muss sie fehlen, da zwar S, purpurea dort wächst, aber 
8. vimimüis nicht vorhanden ist. 

2) So nach Boissier (Fl. or., IV, p. 1186—1187). Eegel (in: ActaHorti 
Petropolitani, t. VI, p. 464—465) trennt gleichfalls 8. UnuijtUis Ledeb. von 
8, purpurea ab, mit der sie Ledeb onr nachträglich (in seiner Flora rossica, 
III, p. 603) vereinigte; aber er hält sie nicht für synonym mit 8. Ledebou- 
riana Traut V.; er stellt zu 8. tenuijtUis auch die von Andersson (1. c, p. 
809) als besondere Art beschriebene 8. Begelii Anders. 




— 320 — 

ferner kommt sie iu Turkestan und in der Dsungarei vor, 
z. B. am Fl. Ajagus, am Balchasch-See, am Saissan-See, 
bei Samarkand, am See Iskander, am Fl. Tekes (Regel); 
desgl. auch in Sibirien: im Baikalgebiete und in Daurien 
(Ledebour). 

416. (43.) Salix Volgensis Anders. (Ä caspica Pall.?). 

Findet sich im südöstlichen Russland, zwischen der 
Wolga und dem Uralflusse (zum Kaspischen Meere hin), 
desgl. zwischen der Ssarpa und der Kuma*). Auch soll 
Lessing diese Art im südlichen Uralgebirge gefunden 
haben. 

417. (44.) Salix angmtifolia Willd., non Wulf. (S. Wilhelm- 
siana M. B., S. dracuncuUfolia Boiss.). 

Diese Art ist in Transkaukasien sehr verbreitet; sie 
findet sich häufig und fast ül)erall, au Flussufern, auf feuch- 
ten Wiesen etc.; z. B. in Iberien, Georgien, Kachetien, 
Ssomchetien, Armenien (bei Nachitschewan) *). Sie wächst 
auch im türkischen Armenien; in Nordpersien, z. B. in der 
Provinz Karadagh (Buhse) und im Alburs-Gebirge; desgl. 
in Afghanistan (Aitchison) und im Himalaya, in der Höhe 
von 7000—12,000' üb. d. M. (Brandis). Ferner findet 
sie sich in Turkestan, z. B. bei Taschkent, Ssalar, Bairak, 
am Amu-Darja, in Chokand, desgl. iu der Dsungarei, am 



1) Durch einen Druckfehler heisst es bei Andersson (1. c, p. 814) Kama^ 
statt ^uma. — Es ist mir nicht verständlich, warum Andersson den Pal- 
las'schen Namen ctis^a umgeändert, da er die Fundortsangaben einfach 
der Mittheilung Ledebour's (Fl. ross., III, p. 604) für S, caspica Fall, ent- 
nommen, offenbar also dieselbe Art im Sinne gehabt hat. 

2) Andersson (1. c, p. 815) sagt, dass S, angu8t\foUa auch zwischen 
der Wolga und dem Uralflusse vorkomme; doch finde ich diese Angabe in 
keiner russischen Quelle ; vielleicht ist S. Volgensis damit gemeint. 



r^ 



— 321 — 

FI. Ili (Regel); nach Ledebour (Fl. ross., III, p. 604), 
wächst sie auch im Baikal -Gebiete, am Fl. Irkut. 

418. (45.) Salix J)on%ana Sm. (5. parviflora Host). 

Nach Wimraer, ist diese Art eine Bastardform zwischen 
S. repens und 8. purpurea. Bei uns ist diese Form, so viel 
mir bekannt, nur in Polen beobachtet worden, z. B. bei 
Zamosc und unweit von Lowicz (Rostafinski). Sie findet 
sich auch sonst hauptsächlich in den an Polen grenzenden 
Provinzen Deutschlands und Oesterreichs (Ostpreussen, 
Posen, Schlesien, Galizien), doch auch hie und da im west- 
lichen Deutschland. 



410. (46.) Salix caesia Vill. (bei Ledebour, Fl. ross., III, 
p. 622, als Varietät von S, sibirica Pall.). 

Diese seltene AlpenAveide hat zwei von einander weit 
entfernte Verbreitungsgebiete: sie wächst einerseits in den 
Alpen, von der Dauphine bis Kärnthen, aber nur stellen- 
weise auf Moorboden (Willkomm); andererseits findet sie 
sich im Dsungarischen Alatau, im Thianschan, im Mussart- 
Gebirge (in der Höhe von 9000—10,500' üb. d. M. von 
Alb. Regel gefunden), im Juldus-Gebirge etc. (Regel), 
desgl. im Baikalgebiete und in Daurien (Ledebour). Sehr 
interessant ist es, dass Lessing (Linnaea, IX, p. 151) diese 
Art auf dem Plateau des Iremel, im sQdlichen Uralgebirge, 
in Gesellschaft der S. glauca^ gefunden hat, wo sie, wie es 
scheint, ganz insular wächst; Krylow gibt für den Permi- 
schen Ural keine Fundorte der S. caesia an. 



21 



■^ 



— 322 — 

Indem ich zu den Bastardformen der Weiden Aber- 
gehe, will ich im Voraus bemerken, dass^ bei der enormen 
Anzahl solcher Formen innerhalb der Grenzen des europäi- 
schen Russlands, meine nachstehende Aufzählung derselben 
durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen kann, 
— und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind, wie schon 
oben bemerkt, die Bastardformen bei uns noch sehr unge- 
nügend erforscht. Zweitens aber ist ihre Anzahl wirklich 
eine so kolossale, dass man deren, bei genauerem Studium, 
wohl einige Hunderte aufstellen könnte; und Dies würde 
mich natürlich zu weit führen. Einige sicher oder wahr- 
scheiulich hybride Formen sind von mir bereits (Andersson 
folgend) als selbstständige Arten in Betracht gezogen, näm- 
lich: 1) S.rosmarinifolia L. (als Var. von repens L.) = S. 
viminalis h. X 8. repens L.; 2) S. muUiformis Doli (nwl- 
lissima Ehrh.) = S. triandra L. X S. viminalis L.; 3) 8. 
Laestadiana Hartm. = 8. Lapponum L. X 8. caprea L. 
(oder 8. aurita L.); 4) 8. reticuloides And., wahrscheinlich 
= 8. hastata L. X 8. reticulata L.; 5) 8. rubra Uuds. = 
8. purpurea L. X 8, viminalis L.; und 6) 8. Doniana Sm. 
= 8. purpurea h. X 8. repens L. — In der Aufzählung 
der Bastardformen werde ich, wie bei den selbstständigen 
Arten, gleichfalls hauptsächlich Andersson folgen, indem 
ich einige in neuerer Zeit beobachtete Formen an den be- 
treffenden Stellen einschalte. 

1) 8alixundulata Ehrh. (lanceolaia Sm.) = 8, triandra 

L. {amygdalina L.) X 8. alba h}). 
Ist bei uns in Polen (hie und da an den Weichsel ufern, 
z.B. bei Warschau, nach Rostafinski), desgl. inWolynien 



1) Früher wurde angenommen, dass diese Form ein Bastard von 8. 
triandra und 8. viminaHia sei; doch ist ein solcher Bastard die 8. moflis- 
sima Ehrh. (8, muHtiformia Doli). 



— 323 — 

(nach Besser) beobachtet worden. Nach Ledebour (Fl. 
ross., III, p. 601), soll sie auch bei St. Petersburg und im 
Kaukasus vorkommen; aus neuerer Zeit fehlen darüber An- 
gaben ; das Vorhandensein bei St. Petersburg ist sehr zwei- 
felhaft, da S. alba daselbst fehlt. 

2) Salix cuspidata Schultz (S. Meyeriana Rostkov.) = S. 

pentandra L. X S. frägüis L. 

Das Vorkommen dieser Form bei St. Petersburg (vgl. 
Ledebour, Fl ross., III, p. 597 — 598) hält Schmalhau- 
sen fQr unwahrscheinlich, da 8. fragüis daselbst kaum spon- 
tan wächst; aber, nach Meinshausen, ist die letztere Art 
in der Umgegend der Hauptstadt häufig angepflanzt und 
findet sich (vielleicht verwildert) auch hie und da in den 
Wäldern; daher dQrfte dieser Umstand schwerlich für die 
Abwesenheit der S cuspidata bei St. Petersburg in's Ge- 
wicht fallen^). In Estland wächst sie z. B. bei Reval (nach 
Wiedemann und Weber, nur in Anpflanzungen), desgl. in 
Liv- und Kurland. In Polen findet sie sich, nach Rosta- 
finski, sehr selten (nur unweit Konin gefunden). Sie kommt 
ferner im Gouv. Minsk vor, z. B. im Kreise Sluzk (Pasz- 
kewicz) und bei Bobruisk (Eichwald); desgl., nacli Czo- 
lowski, im Gouv. Mohilew und, nach Rogowicz, auf 
sumpfigen Wiesen in den nördlichen Kreisen der Gouverne- 
ments Wolynien und Tschernigow, so wie bei Kijew (von 
Schmalhausen nicht angeführt). FQr das mittlere Russland 
finde ich 8. cuspidata gar nicht angegeben). Nach Krylow, 



1) Die Angabe Homilewski's, dass 8, cuspidata in den Kreisen Kern' 
und Powjenez vorkomme, ist offenbar irrtbQmlich, da S.fragüia dort ent- 
schieden fehlt; vermuthlich meint er S. pentandra, die u. A. im Kreise Kern* 
wächst ond, wie Seh mal hausen bemerkt, bisweilen der S. cuspidata 
sehr gleicht. 

21* 



■^ 



— 324 — 

soll sie im Gouv. Wjatka (beim Dorfe Parsinskoje) vor- 
kommen; desgl. im Gouv. Perm, auf Sümpfen und an den 
Ufern, z. B. bei Perm, Krassnoufimsk und dem Hütten- 
werke Eyschtymskij. Ohne Zweifel findet sie sich auch 
sonst in manchen Gegenden. 

Anmerkung. — Scdix hexandra Ehrh. (^8^. Ehrhartiana 
Mey.) -= S. pentandra L. X S. alba L. dürfte im Westen 
des europäischen Russlands, z. B. in Polen, vorkommen^), 
da sie, nach Andersson, (1. c, p. 208), u. A. bei Tilsit und 
Posen wächst. (In Willkomm's Forstl. Flora fehlt sie). 

3) 8. viridis Fr. (8. Russeliana Sm.; 8. fragüis ß. Russe- 
lianay in Ledebour's Fl. ross., III, p. 598) = 8. fragüis 
L. X 8. alba L. 

Bei St. Petersburg fraglich (von Schmalhausen nicht 
angeführt); in Dorpat im botanischen Garten, stehen sehr 
grosse Bäume dieser Bastardart, — wahrscheinlich künstlich 
angepflanzt (Klinge); übrigens ist sie, nach Wiedemann 
und Weber, in den Ostseeprovinzen verbreitet. Im Gouv. 
Twer soll sie, nach Bakunin, nicht spontan vorkommen. 
In Polen findet sie sich häufig und oft angepflanzt ; sie wächst, 
nach Eichwald, auch in Littauen und Wolynien, z. B. bei 
Shitomir (Schmalhausen); ferner bei Eijew und Poltawa 
(Rogowicz); bei Elisabethgrad (Lindemann), Jekaterino- 
sslaw (Akinfijew) und im Taurischen Gouvernement, im 
Ueberschwemmungsgebiete desDnjepr (Ssredinskij). Nach 
Zinger, kommt sie hier und da im mittleren Russlaud vor, 
desgl., nach Ledebour, bei Kasan. Marschall v. 
Bieberstein gibt 8. Bmsdiana für die Krim an, wo 
Steven sie indessen nicht gefunden hat. Sie wächst auch 



1) Dasselbe könnte auch mit S. stenodaäos Doli (= 8. Itvida Whlbg.X 
S, repena L.) der FaU sein, da sie, nach Andersson, z B. bei Posen, Königs- 
berg und Tilsit vorkommt. 



— 325 — 

im Kaukasus, z. B. im Gouv. Elisabetlipol, iti Karabagb und 
Talysch (Ledebour). 

4) Salix lutescens Kerner = S. cinerea L. X Ä aurita L. 

— Diese Form fanden Meinshausen und Schmalhausen 
an verschiedenen Stellen im Gouv. St. Petersburg, z. B. 
im Kreise Nowaja-Ladoga (am Fl. Ssjass'), so wie bei Jam- 
burg. üeber ihre sonstige Verbreitung ist mir nichts be- 
kannt geworden. 

5) Salix livescens Doli, non Turcz. = 5. awUa L. X 
S. vagans And. var. livida Whlbg, — Ist von Schmalhau- 
sen im Gouv. St. Petersburg (bei Jamburg) beobachtet 
worden; sie wächst auch in Littauen (Andersson, Traut- 
vetter). 

6) Salix rtigulosa Anderss. = S. myrtiUoides L. X 8. 
aurita L. — Findet sich bei uns in zwei Formen: 

a) Var. onusta And. (S. onustaBess.^ S. Vilnensis Gorski). 

— Sie wächst in Littauen, (namentlich bei Wilpa) und in 
Wolynien (Eichwald und Besser), z. B. auf dem Berge 
Knjashaja-Gora (Schmalhausen). Nach Maximowicz, 
findet sich diese Form auch am unteren Amur, in Sphagnum- 
Sümpfen. 

b) Var. Finmarkica And. (S. Finmarkica Fr.; S. palu- 
dosa Hartm., S. aurita ß. paludosa Laestad.). — Diese 
Form soll sich, nach J. Fe 11 man, in Lappland, namentlich 
in der Umgegend von Kola, finden; jedoch erscheint diese 
Angabe zweifelhaft, da S. aurita daselbst fehlt. Nach 
Schmalhausen, wächst sie im Gouv. St. Petersburg, z. B. 
bei Staraja-Ladoga und Jamburg. 

7) Salix hirttda Anderss. = S. livida X S. myrtiUoides. 

— Wächst z. B. inTomeä-Lappland (Andersson), im Gouv. 
St. Petersburg (bei Jamburg, nach Schmalhausen) und in 
Littauen (Andersson). 



— 326 — 

8) Scdix versifolia WJilbg. (5. fwca Fr., S. neglecta 
Gorski, 8. myrtoides Hart in.) = S. Lapponum x 8. myr- 
tÜloides. — Wächst, nach Kihlman, in Enare-Lappland, 
bei Toivoniemi (jenseits des 69° n. Br.), auf 8phagnum- 
Sümpfen; ferner in Torneä- Lappland (Andcrsson)'), in 
Finland, z. B. bei Gamla-Karleby (HellstrOm), bei St. 
Petersburg (Ruprecht) und in Littauen (Gorski). Findet 
sich auch in Norwegen und in Schweden. 

9) 8aHx amhigua Ehrh. (5. incubacea Fr., 8. versifolia 
Ser.) = 5. aurita x 8. repens. — Die Angabc Honii- 
lewski's, dass diese Art in den Kreisen Kern' und Powje- 
nez vorkommt, ist ohne Zweifel falsch, da beide Stammarten 
(wenigstens im Kreise Kem') fehlen. Sie findet sich zerstreut 
in verschiedenen Gegenden Russlands; so z. B. auf den 
Älands-Inseln ^), in Liv- und Kurland (Wiedemann und 
Weber), in Polen (nur auf einer Moorwicsc bei Olkusz ge- 
funden, nach Rostafinski), im Gouv. Twer (verbreitet, 
nach Bakunin), im Gouv. Minsk (im Kreise Sluzk, zer- 
streut, nach Paszkewicz), so wie im Lande der Deutschen 
Kosaken (Ssemenow). 

Anmerkung. — 8alix latifolia Forb. (= 8. caprea L. x 
8. nigricans Sm.) könnte sich in den Grenzen Russlands 
finden, denn sie wächst, nach Andersson (I. c, p. 249), 
z. B. in Lappland und bei Tilsit. 

10) 8alix puberula Doli = 8. cinerea L. X 8. nigri- 
cans Sm. Bisher aus Schweden, Deutschland und der Schweiz 
bekannt, ist diese Bastardweide vor Kurzem von Herrn Wai- 
nio im östlichen Finland (bei Nurmis) gefunden worden '). 



1) Hjelt und Hult fahren die Gegenden von Kolari and Kittilä (etwa 
unter 67^ 30' n. Br.) als Fundorte an. 

2) Yg). Arrhenius, in: Meddel. af Soc. pro fauna et flora fenn., Hft. 9, 
1883, p. 129. 

3) Ib., Hft. 9, 1888, p. 128. 



— 327 — 

1 1) Salix laurina Sni. {S. j)hylicifolia ß. laurina Koch, 
bei Ledebour, Fl. ross., III, p. 611 — 612) = S. caprea 
L. X S,phfflicifoliaL. — Wird von Ledebour und Meins- 
hausen für die Umgegend von St. Petersburg angeführt 
(von Schmalhansen nicht beobachtet). Nach Bakunin, 
im Gouv. Twer. Kusnezow fand sie im Kreise Schenkursk 
des Gouv. Archangelsk. 

1 2) Salix macrorhyncha Anderss. = S. phylicifolia L. x 
S. acutifolia Willd.^). — Soll, nach Andersson (I. c, 
p. 251), von Sanson bei St. Petersburg gesammelt sein; 
(fehlt bei Schmalhausen). 

13) Salix Schrenkiana Anderss. = S.hastijUa L. X S. 
myrtilloides L. — Ist von A.G. Schrenck im Ssamojeden- 
lande gesammelt worden^). 

14) Salix Körnickei Anderss. (1. c.,p. 263). Andersson 
sagt nicht bestimmt, aus der Kreuzung welcher Stammfor- 
men dieser Bastard entstanden ist, der zwischen S. laurina 
und S. acutifolia (resp. daphnoides) die Mitte hält; danach 
ist er vermuthlich = S. caprea x S. phylicifolia x acuti- 
folia. — Diese Form wurde von Körnicke bei St. Peters- 
burg gefunden. 

1 5) Salix stipularis Sm . {S. longifolia Host, S. Hostii 
Kern.). — Die Zugehörigkeit dieser verbreiteten Bastard- 
form scheint merkwürdiger Weise nicht genau festgestellt 
zu sein; sie ist, nach Wimmer, = Ä viminalis X S. caprea^ 



1) Bei Andersson beisst es: 8. daphnoides] aUein, da diese letztere bei 
St. Petersburg nicht vorkommt, so wird in diesem Falle S, acutifolia WiUd. 
zu verstehen sein, die Andersson für eine Yariet&t der 8. daphnoides 
ansieht. 

2) Andersson (Monographia Salicum, p. 179; so wie auch in De Gan- 
dolle's Prodromus, p. 261) citirt als Synonym: 98dlix hastata var. inundata 
Schrenck Reise d. d. Tundr. d. Samojeden, II, p. 522»; indessen findet sich 
am angeführten Orte nicht der Name inundata. 



— 328 — 

oder = S. viminalia X S, dasychdos Wiiiim., — während 
8. dasyclados selbst eine hybride Form von S. viminalis und 
einer Art aus der Gruppe der Salices Capreae zu sein scheint ^). 
— S. stiptdaris soll sich, nach Mei nshausen, bei St. Peters- 
burg, am Ausflusse der Newa und auf den In^seln ziemlich 
häufig finden; diese Angabe aber erscheint insofern zweifei* 
liaft, als S. viminalis (d. h. eine der Stamroarten), nach 
Meinshausen's eigener Angabe, nicht bei St. Petersburg 
gefunden ist. Sie wächst in Liv-und Kurland (Wiedemann 
und Weber), in den Gouvernements Twer (öberall, nicht 
selten, nach Bakunin), Jarosslaw (selten, nach Petrowsky)« 
Kostroma (Bekarewitsch); ohne Zweifel kommt sie im 
Gouv.Wologda vor, wenn Iwanizkij sie auch nicht angibt; 
denn sie folgt ihrer Stammform viminalis in ihrer merk- 
würdigen Verbreitung, über den nördlichen Theil des Gouv. 
Wologda (im Kreise WeFsk, nach Kusnezow), nach dem 
Ssamojedenlande, wo sie, nach A. G. Schrenck (Reise, II, 
p. 521), an der Zyl'ma, im Ueberschwemmungsgebiete und 
auf den Inseln der Petschora, so wie an der Kolwa, bis zur 
. Mündung des Ssandiwei (d. h. bis über den Polarkreis hinaus), 
vorkommt. Genau dieselbe Verbreitung hat auch 8. vimi- 
naliSy aber 8.caprea gibt Schrenck nicht so weit nördlich 
an, indem er sie*bei 66V^° n. B. verschwinden lässt-). Fer- 
ner wichst 8. stipularis im Gouv. Perm an vielen Steilen, 
z. B. an der Los'wa (oberhalb Üst'-Umpija), bei Perm etc.; 
desgl. im Gouv. Wjatka (Krylow); auch im Gouv. Oren- 



1) Nach Ascher 8 OD, ist S, stipularis = 8. viminalis X S, cinerea. — 
Dieser letztere Bastard ist voa Schmalhausen im Gquv. St. Petersburg, 
an der Luga, gefunden worden. 

2) Vgl. A. G. Schrenck. Reise, 11, p. 463. Uebrigens heisst es hier, im 
V^iderspruche zu dem auf p. 521 Gesagten, dass auch S, stiptdaris bereits 
in dieser selben Breite verschwindet, — und dies klingt auch glaublicher, 
als ihr weiteres Vordringen nach Norden. 



— 329 — 

bürg (bei Rebascli und Gubcrlinskij-otrjad, nach Schell); 
im Gouv. Ssamara (bei Ssergijewsk, nach Claus); ferner in 
den Gouvernements Kasan (Wirz6n und Claus), Nishnij- 
Nowgorod(Rajewskij und Niederböffer), Wladimir (Zin- 
ger), Moskau (Kaufmann), Tula (an der Ok& bei Kaschira, 
nach Koshewnikow und Zinger), Kaluga (an der Okä, 
ziemlich häufig, nach Ssanizkij), Orel (im Kreise Jelez, 
nach Zinger), Rjasan (Zinger), Tambow (in den Kreisen 
Spassk und Tambow, nach Zinger und Ignat'jew), Pensa 
(in den Kreisen Pensa und Gorodistsche, nach Zinger), 
Ssimbirsk und Ssaratow, nach Claus, der von S. sHpularis 
sagt, dass sie längs der ganzen Wolga wächst; in der That 
findet sie sich, nach Becker, noch bei Sarepta häufig, in 
Schluchten an der Wolga. Im westlichen, südwestlichen und 
südlichen Gebiete scheint S. stipularis vollständig zu fehlen, 
obgleich sowohl S. viminalis als S. caprea dort' ziemlich 
weit verbreitet sind. — S. stipularis kommt gleichfalls in 
Turkestan (z. B. am Fl. Jagnaus, nach Franchct) und in 
der Dsungarei vor: im Alatau, bei Tokmak, am Fl. Tschu 
und bei Kuldsha, — nach Regel, der in Bezug auf die 
Verbreitung dieser Form in jenem Gebiete bemerkt*), dass 
aS. viminalis und S. stipularis nur bis südlich zum Ural 
gehen, dann südlich vom Altai in der Dshungarei wieder 
auftreten und von da westlich nach dem Alatau, südlich bis 
Wernoje luid bis zum Thianschan und östlich bis an den 
aus den östlichen Thianschan-Ausläufern kommenden Tekes, 
Kasch und Ili gehen». Nach Ledebour (Fl. ross., III, 
p. 606), findet sich S. stipularis auch an den Flüssen Aja- 
gus und Lepsa, desgl. im Baikal-Gebiete und in Daurien ; 
endlich ist sie, nach Maximowicz, im ganzen Amurlande 
häufig. 



1) Acta Horti Petropolitani, t. VI, p. 468. 



— 330 — 

1 6) Salix Smithiana Willd. = S. viminalis X S.caprea}). 
— Wir fassen hier, nach dem Vorgange Andersson's, drei 
Formen dieser vielgestaltigen Bastardart zusammen, näm- 
lich: a) 8. serkans Tausch (5. mdlissima Sm., S.lanceolata 
Fr., S. SmUhiana Koch); b) 8. velutina Schrad. {8. hoto- 
sericea Willd., S. lancifolia Doli); und c) 8. acuminata Sm- 

Diese Bastardform erscheint in den Grenzen Russlands 
merkwürdig zerstreut über ein grosses Gebiet, — aber, 
wie es scheint, mit grossen Unterbrechungen. Ruprecht 
hat die Formen Smithiana und acuminata bei Mesen' be- 
obachtet; C. A. Meyer die Smithiana{?) bei Malmysh im 
Gouv. Wjatka. Schmal hausen fand diese Bastardart im 
Gouv. St. Petersburg , in den Kreisen Luga und Jam- 
burg. Sie wächst in Livland und in Kurland. Die Form 
acuminata soll, nach Ledebour (Fl. ross., III, p. 607), bei 
Moskau und im Gouv. Kursk gefunden sein; neuere An- 
gaben fehlen darttber. Sie kommt, nach Belke, im Kreise 
Radomysldes Gouv. Kijew vor^). Nach Rostafinski, wächst 
8. Smithiana in Polen zerstreut, z. B. unweit Warschau. 
Becker bezeugt, dasssiebei Sarepta, in Schluchten an der 
Wolga, häufig sei^). Nach Ledebour, wächst die Form 
act4minata auch in Sibirien: im Baikal Gebiete und in 
Daurien. 



1) Oder S, mminoHs X S. aurita? (Vgl. Andersson, 1. c, p. 268). — 
Es ist mir nicht bekannt, ob genügendes thatsächliches Material vorhanden 
ist, nm SU entscheiden, welches die beiden Stammarten der 8. Smithiana 
sind; es kOnnen ja deren auch drei oder vier sein, üebrigens ist theoretisch 
denkbar, dass sowohl 8, attpidaris als 8. Smithiana durch Kreuzung der- 
selben Arten entstanden seien; wetin n&mlich in einem Falle S. eaprea, 
im anderen aber 8. ffiminälis die männliche Pflanze ist. 

2) Rogowicz und Schmalhansen fflhren sie nicht an. Ob Belke 
nicht 8. acuminata Ehrh. = 8. cinerea L. gemeint hat? Dies erscheint um 
so eher möglich, als 8, cinerea von Bolke nicht genannt wird. 

3) Claus nennt sie nicht. 



— 331 — 

17) Salix Hartmanniana Anderss. = S. lanata L. X 
S.hastdtah. — Nach Kihlman, findet sich diese Bastard - 
form in Enare-Lappland, ziemlich selten, auf wasserreichen 
Wiesen bei Toivoniemi (etwa unter 69° 5'n. Br.); sie wächst, 
nach Andersson, (I.e., p. 275), auch in Torneä-Lappland. 

18) Salix Amandae Anderes. =:,S.glaucah. x S. nigri- 
cans Sm. — Nach Andersson (1. c, p. 283), kommt diese 
Form fast in ganz Lappland und in Finmarken vor; Kihl- 
man fand sie in Enare-Lappland, bei Toivoniemi. 

19) Salix Wichurae Anderss. = S, glauca L. X S. 
phylicifolia L. — Nach N. I.Fell man, wächst sie im russi- 
schen Lappiand, und zwar bei Keret am Golf von Kanda- 
lakscha. Nach Andersson (1. c , p. 284), findet sie sich in 
Luleä- und Piteä-Lappland, so wie in Dovre. 

Anmerkung. — S. Normanni And. (S. phylicifolia L. X 
S, myrsinites L.) könnte in Enare-Lappland vorkommen, 
da sie, nach Andersson (1. c, p. 288) im östlichen Fin- 
marken wächst. Indessen hat sie Kihlman nicht gefunden. 

20) 5. mi/rsinitoides Fr. (Ä punctata Whlbg.; S. nigri- 
canSj y. concolor Ledeb., FI. ross., III, p. 608 —609) = 
S. nigricans Sm. X S. myrsinites L. — Kommt, nach 
Wahlenberg und J. Fellman, in Enare- Lappland, am 
Tana-Flusse häufig vor; Kihlman fand sie auf der Alp 
Harmitschokka (jenseits des 70° n. Br.) und am Varanger- 
Fjord. 

Ferner sind u, A. noch folgende Bastardformen im euro- 
päischen Russland beobachtet worden: 

21) Salix caprea L. X S. vagans var. einer ascens Fr. — 
Von Kihlman in Enare- Lappland, bei Könsävaara, ge- 
funden. 

22) ScUix nigricans X S. Lapponum. — Von Herrn 
Wainio im nördlichen Finland, bei Kuusamo, gefunden. 



— 332 — 

23) Salix herbaceah. X S. Lapp(mumL.{u3Lch A.hnnd' 
ström). — Eihlman beobachtete diese Bastardform (io 
einem Exemplare) iu Enare-Lapplaud, auf der Aipe Rou- 
juoaivi (unter 69° 50' n. Br.). 

Für Torneä-Lappland führt Trautvetter (Incrementa 
florae rossicae, p. 694 und 701) noch folgende drei Arten an: 

24) Salix haslata L. X S. kerbacea L. 

25) Salix haslata L. X S. phylicifoUa L. 

26) Salix repens L. X S. myrtilloides L. 

Nach Lundström^), kommt auf Nowaja-Semija vor: 

27) Salix artica Pall. X 8. polaris Whlbg. 
Schmalhausen hat, ausser den bereits genannten, noch 

folgende hybride Formen im Gouvernement St. Petersburg 
beobachtet: 

28) Salix aurita L. X S.phylicifolia L., bei Molossko- 
wizy (im Kreise Jamburg). 

29) Salix vagans var. livida Whlbg. x S. nigricans 
Sm., bei Jamburg und bei Molosskowizy. 

30) Salix myrtilloides L x 5. nigricans Sm., auf 
Sümpfen bei Jamburg. 

31) Salix phylicifolia L. X S. viminalis L. Diese 
Bastardart wächst, in grosser Menge und Mannigfaltigkeit, 
an den Ufern der Luga, z. B. bei Jamburg. Schmalhau* 

sen zählt 6 Formen auf. 

32) Salix nigricans Sm. X S. viminalis L. (ohne ge- 
nauere Angabe des Fundortes). 

33) Salix caprea x S. phylicifolia X S. viminalis] am 
Ufer der Luga unweit Jamburg. 

34) Salix dr^erea x S. phylicifolia x S. viminalis^] 
bei Narwa. 



1) Vgl. Th. Holm. «Novaia 2emlia's Vegetation» etc., iu: Dijmphna- 
Togtets zoologisk-botaniske Udbytte (1887). 

2) Die Yon Seh mal h aasen an der Luga gefundene Bastardform S- 



— 333 — 

35) Salix cinerea L. X 8. Lapponum L. (Laestad.); 
z. B. am Ladoga-See. 

36) Salix aurita L. X S. Lapponum L.; bei Jamburg 
auf Sümpfen. 

37) Salix Lapponum L. X S. rosmarinifolia L.; unweit 
Jamburg. 

In Meinshausen's P'lora ingrica sind noch einige 
Bastardformen für das Gouvernement St. Petersburg er- 
wähnt, die von Schmalhausen nicht genannt werden, und 
zwar folgende: 

38) Salix phylicifolia X S.nigricans Sm.« am Ausflüsse 
der Newa und an der Efiste des Finnischen Meerbusens. 
Meinshausen (I. c, p. 319) nennt diese Form laurina, 
unter welchem Namen sonst S. phylicifolia X 8. taprea 
verstanden wird. Dieselbe Bastardform ist auch in verschie- 
denen Gegenden Südfinlands beobachtet worden ^). 

39) Salix cinerea L. X Ä depressa L. (= & vaganSy 
var. cinerascens Fr.) (1. c, p. 320). 

40) Sfüix depressa L. x Ä rosmarinifolia L.; sehr 
selten und nur bei Pargola (nördlich von St. Petersburg) 
gefunden; (1. c, p. 322). 

41) Salix bicolor Ehrh. (phylicifolia L.) x 8. depressa 
(1. c, p. 319). 

Qattung 2. Popnlus. 

Vier selbstständige Arten und eine Bastardart sind hier 
zu betrachten. 



cinerea X S, vimmalis ist bereits oben (nnter S. stipularis) erwähnt worden. 
Sie findet sich anch in Liv- nnd Kurland. 

1) Vgl. die Notiz Saelan's in: Meddel. af See. pro fauna et flora fen- 
nica, Hft. 6, 1881, p. 257—258. 




I 



334 — 



420. (1.) Populns alba L. 

Die Silberpappel wird bei uns so vielfach in Parkan- 
lagen, in Gärten und in Dörfern angepflanzt, dass es schwer 
fällt, ihr natfirlicbes Verbreitungsgebiet genau festzustellen. 
Die Nordgrenze ihres spontanen Vorkommens lässt sich 
etwa, wie folgt, ziehen. Aus dem mittleren Polen geht sie 
über die Gouvernements Grodno, Minsk, Mohilew, Orel, den 
Süden der Gouvernements Tambow, Pensa und Ssimbirsk, 
zur Wolga, die sie oberhalb der Stadt Ssimbirsk schneidet, 
berührt den südlichsten Theil des Gouv. Kasan und verläuft 
dann auf Ufa und zum Uralgebirge. Mithin zieht sich die 
Nordgrenze der Silberpappel ziemlich durchweg in dersel- 
ben Breite von etwa 5 2^2° und steigt nur im Osten fast bis 
zum 55^ n. Br. hinauf. Hier die Belege. 

Nach Rostafinskiy findet sich P. alba in Polen an 
feuchten Waldstellen und an Wiesenrändern; da nicht hin- 
zugefügt wird, dass sie nur im südlichen Gebiete wächst, 
lässt sich annehmen, dass sie ziemlich im ganzen Zarthum 
vorhanden ist, — doch wohl mit Ausschluss des nördlich- 
sten Theiles (Gouv. Suwalki). Sie kommt, nach v. d. Brin- 
cken, im, Gouv. Grodno, im Walde von Biatowieza vor; 
desgl. findet sie sich bei Bjelostok. Nach Paszkewicz, 
wächst sie in den Wäldern des Gouv. Minsk (im Kreise 
Pinsk); desgl., nach Czolowski, im Gouv. Mohilew, in 
feuchten Wäldern, an Flussufern und auf Wiesen; auch 
Downar führt sie für das Gouv. Mohilew an; sie findet sich, 
nach Lindemann, im Gouv. Tschernigow, z. B. im Kreise 
Starodub (Schmalhausen); nach Zinger, kommt sie viel- 
leicht spontan im südöstlichen Theile des Gouv. Orel vor; 
sie findet sich wildwachsend in den südlichen Kreisen (Us- 
man, Kirssanow und Borissogljebsk) des Gouv. Tambow 



— 335 — 

(Bode, C. A. Meyer und Litwinow); Ledebour (Fl. 
ross., III, p. 626) gibt sie für das Gouv. Pensa an. Nach 
Veesenmeyer, wächst sie in den Gouvernements Ssim- 
birsk und Ssamara, in feuchten Laubwäldern; nach Claus, 
soll sie sich an der ganzen "Wolga, von Kasan bis Sarepta, 
so wie am linken Ufer der unteren Kama finden; auch Wir- 
z6n fahrt sie für das Gouv. Kasan an; Korshinskij fand 
sie auf einem steilen Abhänge, am rechten Ufer der Wolga, 
beim Dorfe Ssjukojewo. Nach Krylow, finden sich sogar 
am rechten Ufer der Kama (bei P'janyj-Bor, im Gouv. 
Wjatkli) einige strauchartige Exemplare der Silberpappel, 
— wahrscheinlich in verwildertem Zustande. Nach Pallas 
(Reise, II, p. 16), desgl. auch nach Bode, wächst sie bei 
Ufa. Wenn aber Traut vetter*) sie für die Umgegend von 
Jekaterinburg angibt, so sind offenbar nur angepflanzte 
Exemplare gemeint; denn, nach Krylow, fehlt sie wild- 
wachsend im ganzen Gouv. Perm. 

Südlich von der bezeichneten Nordgrenze ist die Silber- 
pappel bis zum Rande der Steppe verbreitet. Sie wächst in 
Wolynien (z. B. bei Ustilug am westlichen Bug, bei Wladi- 
mir-Wolynsk und in den Kreisen Rowno und Owrutsch), in 
Podolien und Bessarabien ^) (z. B. bei Skuljany, nach 
Schmalbausen), in den Gouvernements Chersson (z. B. 
bei Elisabethgrad, nach Liudemann), Kijew, Poltawa 
(namentlich an den Flüssen Ssula, Psjol und Worskla, nach 
Rogowicz). Im Gouv. Jekaterinosslaw findet sie sich bei- 
spielsweise bei der gleichnamigen Stadt (Akinfijew) und 
auf der Insel Chortiza (Beketow); nach Grüner, soll sie 



1) Die pflanzcDgcogr. Verhältnisse des Europäischen Russlands; Hft 2, 
p. 70—71. 

2) Auch Lindemann verzeichnet sie für diese Provinz; doch fehlt sie, 
nach Döngingk, schon hei Kischlnew. 




— 336 — 

auch weiter unten am Dnjepr, in der Nähe der Konka-MOn- 
dung, vorkommen, doch hat er sie selbst nicht beobachtet. 
Im Gouv. Kursk findet sie sich an feuchten Waldstellen 
(Misger); sie ist, nach Czerniagw, durch das ganze Gouv. 
Charkow verbreitet; wie Ssewerzow bemerkt, wächst sie 
im Gouv. Woronesh nur selten und vereinzelt, an schilfbe- 
wachsenen Ufern; Bode fand sie z.B. in der Nähe der 
Stadt Woronesh. Nach Ledebour und Ssemenow, findet 
sie sich im Lande derDon^schen Kosaken; sie kommt, nach 
Claus und Zinger, im Gouv. Ssaratow vor, z. B. an den 
FlQssen Worona, Choper und Medwjediza; nach Becker, 
ist sie bei Sarepta nicht häufig. Nur sehr selten und ganz 
vereinzelt soll sie auch im nördlichen Theile des Goav. 
Astrachan angetroffen werden ^). Schell hat die Silberpappel 
bei Orenburg gefunden; sie fehlt, nach Karelin, als wild- 
wachsender Baum , im Lande der Urarschen Kosaken; auch 
Borszczow fuhrt sie fflr jene Gegenden nicht an; und doch 
därfte sie am Uralflusse und am Ilek vorkommen, da P. 
canescens (d. h. eine Bastardform zwischen P. alba und P. 
tremtdß) sich daselbst findet. 

Im Norden der von mir gezogenen Nordgrenze kommt 
die Silberpappel, wie bemerkt, häufig angepflanzt vor. Nach 
Regel, hält sie bei St. Petersburg auch die rauhesten Win- 
ter gut aus. Sie gedeiht noch im Gouv. Wologda und er- 
reicht daselbst, nach Iwanizkij, sehr grosse Dimensionen. 
Ferner findet sie sich kultivirt z. B. in den Gouvernements 
Witcbsk^), Kostroma, Twer, Moskau, Kaluga, Tula, Rjasan 



1) Vgl. K. A. ITcpKHHT». <iGTaTiicTii<iecKoe onacaHie jfbcoRi» AcTpa- 
xaRCKott ry6cpiiiH». (/Kypn. Muh rocyA. HMyia., h. 76, 1861 r., crp. 18). — 
Krassnow fQlirt sie für das UeberschwemmuDgsgebiet der Wolga, zwi- 
schen Sarepta und Astrachan, an. 

2) Hr. Antonow theilt mir mit, dass P. alba im Gouv. Witebsk (z. B. 



— 337 — 

und Nishnij-Nowgorod. Bode ist geneigt sie im letztge- 
nannten Gouvernement fär wildwachsend anzusehen; auch 
glaubt er sie noch im Kreise Tschebokssary (Gouv. Kasan) 
spontan angetroffen zu haben; doch dürfte sie daselbst nur 
kultivirt vorkommen. Bode fügt hinzu: «Gleich der Schwarz- 
pappel^ scheint die weisse Pappel vorzugsweise den Fluss- 
thälern anzugehören, und einen Beweis hiervon liefern die 
ausgezeichneten 4 — 5 Fuss starken Bäume dieser Holzart, 
welche in der grossen Ebene, begrenzt im Norden von der 
Kama, im Westen von der Wolga, wachsen». — Ich will 
noch bemerken, dass die von mir gezogene Nordgrenze der 
Silberpappel ziemlich gut der Juni-Isotherme von 18^0. 
entspricht. 

In der Krim wächst P. alba ziemlich selten, ausschliess- 
lich an Flussufern, besonders am Ssalgir und am TaweP; 
nach Steven, kommen daselbst kolossale Bäume vor, deren 
Stamm beinahe 12 Fuss im Durchmesser misst. Sie wächst 
fast überall im Kaukasus, vorzugsweise in den Wäldern der 
Niederungen, und nur selten im Gebirge; indessen findet sie 
sich in Talysch stellenweise bis 6000' Ob. d. M. Nach 
Buhse, wächst sie im Littorale des Kaspischen Meeres, 
sowohl in Transkaukasien als in Persien. Auch kommt sie 
in Turkestan, in Chokand und in der Dsungarei vor; sie 
findet sich, nach Regel, z. B. bei Samarkand, Ssalar und 
bei Kuldsha. In der var. nivea Wesm. wächst sie, nach 
Wesmael, z.B. in Transkaukasien, an der Kurä (von Mcd- 
wedew nicht erwähnt) so wie im Himalaya; ferner, nach 
Regel, im westlichen Turkestan (z. B. bei Taschkent), in 
Chokand (am Zarafschan), bei Samarkand, im Chanate 



im gleichnamigen Kreise, am DQna-üfer) in verwildertem Zustande Tor- 
kommt. 

22 



— 338 — 

Chiwa, in der Dsungarei (z. B. am Fl. Ajagus), bei Kuldsha, 
so wie im sfidwestlichen Sibirien (an den Flüssen Irtysch 
und Ob') und in der Mongolei. 

Namen. Russisch: Töpol\ Sserebristyj TöpoV (i.e. Silber- 
pappel); Bjäolistka (i. e. die weissblättrige) ; kleinrnssisch : 
Ssokorina (Rogowicz). — Polnisch: Biaia Topola, Bia- 
iodreew^ Jatvrz§c^ Jabrjsqb (Annenkow). — Moldauisch: 
Alb (von (Hbä). — Armenisch: Kagamach-spücJc. — Osse- 
tisch: Oedihelass. — Tatarisch (in der Krim): KawakjKa- 
wak-agatsch; (im Kaukasus): Komach. — Grusinisch: AI- 
unss-chCj Werchwü — Abchasisch: Agysch. — Ingusch.: 
Mach. — Tschetschen.: Akterk. — Awarisch, kumykisch: 
Akterek. — Kabardinisch: Bsjuch. — Tscherkessisch : 
Ghutnhlja. — Ssamurs.: Darango. — Persisch: Sefidor 
(Buhse). 

421. (2.) Populus hybrida M. B. (P. canescens Sm., P. albo- 

tremula Krause). 

Ledebour (Fl. ross., III, p. 626) stellt diese Form zu 
P.dba; auch RegeP) vermuthet in ihr nur eine Form der 
Silberpappel; die meisten Autoren indessen erblicken in ihr 
einen Bastard zwischen dieser letzteren und der Espe (P. 
tremula). Sie ist ziemlich verbreitet in der südlichen Hälfte- 
des europäischen Russlands, — dort, wo auch P. alba 
wächst. Nach Rostafinski, findet sie sich in Polen, sowohl 
in Wäldern, als auch sehr oft angepflanzt. In Littauen ist 
sie, nach Eich wald, ziemlich selten ; sie kommt, nach Czer- 
niaäw, im Gouv. Kursk vor; desgl., nach Schmalhausen, 
im Gouv. Kijew am 1^1. Teterew; Lindemann gibt sie für 
Elisabethgrad, Akinfijew für Jekaterinosslaw an. Borsz- 



1) Acta Horti Petropolitani; t. VI, p. 472—478. 



— 339 — 

czow hat P.canescens am Uralflasse und am Ilek gefunden, 
und zwar soll sie daselbst sQdlicher als P. tremula gehen, 
und P. alba soll dort fehlen ^). In der Krim ist sie nicht 
beobachtet worden. Im Kaukasus kommt sie an verschiede- 
nen Stellen vor; Marschall v. Bieberstein hat sie bei 
Kisljar in einem Pappelhaine entdeckt, wo sowohl P. alba 
als P. tremula wuchsen; sie findet sich auch in Abchasien 
(Trautvetter) und in Talysch (Radde). Ferner wächst 
sie, nach Regel, in Turkestan, im Alatau und bei Euldsha; 
nach Wesmael, — auch im südwestlichen Sibirien. — 
Ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes kommt 
P. canescens angepflanzt und bisweilen verwildert vor; so 
z. B. bei Riga (Wiederaann und Weber). 

422. (3.) Populus tremula L.^). 

Die Espe hat bei uns eine ausserordentlich weite Ver- 
breitung und wetteifert darin mit der Birke, mit der zu- 
sammen sie auch zuerst die Brandstätten im Walde über« 
zieht (vgl. oben, bei Betrachtung der Birke). In Norwegen 
wächst sie noch am Porsanger- Fjord (unter 70° 17' n. Br.) 
baumförmig, während sie an der NordkOste des Varanger- 
Fjords nur strauchartig auftritt. In Enare-Lappland findet 
sie sich, nach Kihlman, sehr häufig fast bis zur Birken- 



1) Diese Eigenthamlicbkeit in der Verbreitung der P. canescens am 
Ilek wQrde, wenn die typische P. alba dort wirklich fehlt, für die Ansicht 
Regel's sprechen, dasa P. canescens nur eine Form der Silberpappel, und 
kein Bastard sei. 

2) Vor ganz Kurzem sind zwei grOssere Abhandlungen über die Espe, 
mit specieller Berücksichtigung ihres Vorkommens in Russland, erschienen : 

1) H.HecTepoB'b.a3HaHeHie ochhu et» pjccKOH-b Ä^coBojifiTBh».{U,3B^CTia 
IleTpoDCKofl 3eMJiex. n JlicHofi AKaAeniH, 1887 r., Btia. I, crp. 1—75); 

2) E. KyHHURifi. EoTanuiecKaH h iibcoBo;i.CTBeHHaH zapaKTepucTHKa 
ocHHfcj. Cn6., 1888. 8°. ^ 

22* 



— 340 — 

grenze, auf fruchtbaren Abhängen; in der ganzen Ueber- 
gangszone von der Wald- zur subalpinen Region kommt sie 
mit baumfOrmigem Stamme vor; am See Muddusjärvi (etwa 
unter 69° n.Br.) wird sie 9 Meter hoch; bei Partakko, am 
nördlichen Ufer des Enare- Sees (unter 69° 12' n. Br.) er- 
reicht sie noch die Höhe von 6 Metern und bildet schöne 
Haine. Im unteren Theile der subalpinen Region kommen 
an Flüssen und Bächen auch noch kleinere Bäume vor. 
z. B. bei Utsjoki und bei Puolmak an derTana-Elf (jenseits 
des 70° n. Br.); aber in der alpinen Region hat Kihlman 
die Espe nicht höher als 12 Decim., und sogar meistens 
nur 3 — 6 Decim. hoch gesehen; auf dem Peldoaivi (etwa 
unter 69° 12' n. Br.) fand er sie in der Höhe von 390 Me- 
tern üb. d. M. nur Vl^ Decim. hoch. Im russischen Lapp- 
land geht die Espe, nach N. I. Fellman, bis zum Kola- 
Busen und bis zum Dorfe Lumbowka, und findet sich über- 
all, mit Ausnahme der Alpen. Middendorff (Reise, IV, 
p. 572 — 573) fand sie noch am Ufer der Bucht Schuret- 
skaja, unter 6972° J^Br.; im Innern der Halbinsel Kola sah 
er unter 6872°, zumal aber unter 68° n.Br., hohe, schlanke 
Espen. Kudrjawzow^) beobachtete an der Tuloma kleine 
Espenhaine; die Bäume hatten 3 — 4 Decim. im Umfange. 
Im Osten des Weissen Meeres reicht die Espe lange nicht 
so weit nach Norden; nach Ruprecht (Fl. Samoj., p. 52), 
geht sie bis zur Grenze der Waldregion, z. B. bei Mesen'; 
A. G. Schrenck^) fand sie an den Flüssen Mesen', Pjosa, 
Rötschuga undPetschora; sie kommt daselbst nur in dünnen, 
niedrigen Bäumchen vor und geht kaum über die Parallele 
der Stadt Mesen' (65%° n. Br.) hinaus; «es fällt die nörd- 



1) Tpy^u Gn6. 06iu. ecTecTBOHcnuTaT., t. XII, 1882, CTp. 287. 

2) Reise, I, pp. HO, 254; 11, pp. 445, 455, 624. 



— 341 — 

liehe Grenze fQr das Vorkommen dieses Baumes mit 
der Eulturgrenze der Getreidearten zusammen»; an der 
Petschora, zwischen den Mündungen der Zyl'ma und der 
üssa, wird sie schon selten und tritt nur als mageres Bäum- 
chen auf; an der unteren Eolwa bemerkte Schrenck sie 
nicht mehr, «obwohl sie, nach den Aussagen der Eingebo- 
renen, daselbst noch vorkommen soll; ihre Grenze über- 
schreitet mithin, wie bei Mesen', nicht den 66. Breitengrad». 
Am mittleren Laufe des Mesen', so wie am unteren Laufe 
seines Zuflusses Washka, kommen, nach Loginow, schon 
B&ume vor, die sich zum Bauen von Nachen eignen ^). 

Ueber die Südgrenze der Espe im europäischen Russ- 
land hat Bode^) berichtet; jedoch sind seine Angaben sehr 
unvollständig und z. Th. ungenau; so z. B. behauptet er 
irrthümlich, das diese Baumart im Gouv. Chersson voll- 
ständig fehle. Die südlichsten Fandorte der Espe sind bei 
uns, so viel mir bekannt geworden, die folgenden. InBessara- 
bien findet sie sich, nach Tardent und Lindemann, z.B. am 
Ufer des Dnjestr und bei Eischinew; im südlichen Theile fehlt 
sie, z. B. bei Bolgrad (nach Akinfijew) ^. Im Gouv. Chersson 
wächst sie im nördlichen Theile; Güldenstädt (Reisen, II, 
p. 155) fand sie am Fl.Wyss', unweit Nowomirgorod ; nach 
Linde mann, kommt sie bei Elisabethgrad vor; desgl., nach 
Iwastschenkow, im sogen. «Schwarzen Walde». Die Be- 
merkung von L. Holtz (Linnaea, Bd. 42, p. 185), dass die 
Espe im Ereise üman^ des Gouv. Eijew sich nur ange- 
pflanzt finde, ist höchst wahrscheinlich unrichtig, da sie in 



1) Vgl. JltcH. JKypeajn» 1880, cxp. 93. 

2) Yerbreitangs-Gr&nzen der Holzgewächse etc.; 1. c, p. 52. 

8) Im Norden Bessarabiens bildet die Espe eine geringe Beimengung 
zu den Eichen- und Lindenbeständen. Ygl. TypcKifi. oO cocTOAein jitcoBii 
Bi» Beccapa6iH». (Jltcn. HCypn., 1875 r., nun. 6, CTp. 108^128). 



— 342 — 

Podolien und im Gouv. Chei'sson wildwachsend angetroffen 
wird. Güldenstädt hat sie unweit des Fl. Tjasmin, desgl. 
am Dnjepr bei Krementschug und am unteren Laufe des 
OreP (auch an dessen linkem Ufer) gefunden. Nach Akin- 
fijew, wächst sie bei Jekaterinosslaw, am Ufer des Dnjepr. 
Güldenstädt traf sie verbreitet am Donez an, z. B. 
zwischen den Mündungen des Osskol und des Aidar, so wie 
am Sswjatogorskij-Kloster; ferner fand er sie zwischen Tor 
und Bachmut, so wie südlich von der letztgenannten Stadt, 
in der Gegend zwischen den Ursprüngen der Flüsse Bach- 
mut, Lugan' und Erynka. Nach Beketow, findet sich die 
Espe in der Forstei Bol'sche-Michailowskoje (im Gouv. 
Jekaterinosslaw), — es fragt sich, ob nicht nur angepflanzt? 
Güldenstädt (Reisen, II, p. 262) nennt sie nicht unter den 
Baumarten, die am Miuss, im Walde Leont'jew-Bojerak, 
wachsen; aber, nach Bashanow^), wird sie in dieser in- 
teressanten, von der Steppe rings umgebenen Waldinsel an- 
getroffen. Ueber ihre sonstige Verbreitung im Lande der 
Don'schen Kosaken ist wenig bekannt; im Norden findet sie 
sich recht häufig; bei der Eremenskaja-Staniza (am Don, 
etwa unter 49y2°n. Br.) wächst sie noch in grösseren Grup- 
pen ^). An der Wolga geht die Espe bis Sarepta hinab, wo 
sie, nach Becker, noch häufig in Schluchten wächst. Im 
Gouv. Astrachan scheint sie vollständig zu fehlen'), — 
ebenso auch im Lande der ürarschen Kosaken. Bis Sarepta 



1) H. EaxcaHOBi». «JleoHTbeß'B-BoepaK'b». (JEtcH. }KypH., 1871, Bun. 
8, CTp. 18). 

2) Vgl. P. JleBHTCKiil. «061» o6iu6CTBeHHuzi> Ji']^cax'b BoficKa J^^oh- 
CKaroo. (CejibCK. Xo3. h JltcoB., ^KypH. Muh. roc. hm., 1871 r., <i. 106, 
CTp. 102). 

8) Indessen will Becker sie im üeberschwemmungsgebiete der Wolga 
zwischen Sarepta und Astrachan gefanden haben; von Erassnow ist sie 
neuerdings dort nicht beobachtet worden. 



— S43 — 

erstreckt sich ihre Verbreitung wahrscheiulich nur zuugen- 
förmig, längs dem Laufe der Wolga. Borszczow zieht die 
Südgrenze der Espe von Ssaratow auf Orenburg, wo sie den 
Uralfluss überschreitet und^ im Vereine mit der Birke, süd- 
wärts bis zur Erhöhung ürkätsch (49V8° °- ^^') ^"^ ^^^ 
zum Flussthale Kundusdy (49° n. Br.) geht. Von hier ver- 
läuft ihre Grenze steil nach Norden, den Uralfluss hinauf. 
Als Fundorte der Espe im Gouv. Orenburg nennt Schell: 
Orenburg, Eondurowka, Nikolajewka; im Kreise Tschelja- 
binsk soll die Espe, nach B. Kunizkij, recht verbreitet 
sein und, nebst der Birke, als vorherrschende Baumart auf- 
treten. Im südlichen Uralgebirge, zwischen den Flüssen Ik 
und Ssakmara, wächst sie, nach Rechenberg, hauptsäch- 
lich auf den südlichen und westlichen Abhängen und ge- 
hört auch hier stellenweise zu den herrschenden Holzarten. 
In dem ganzen ungeheuren Räume, welcher zwischen 
den beiden, von mir gezogenen Grenzen liegt, ist die Espe 
ziemlich fiberall verbreitet, wenn sie auch nur selten reine 
Bestände bildet. In Finland findet sie sich überall in den 
frischeren und humusreicheren Waldgegenden, wo sie nicht 
selten in grösseren Gruppen wächst, bis zum Polarzirkel 
stattliche Bäume bildend (v. Berg). In den Kreisen Kem'^ 
(Gouv. Archangelsk) und Powjenez (Gouv. Olonez) kommt 
sie^ nach Homilewski, vorzugsweise untermischt in 
Fichten- und Kiefernwäldern vor, wenn letztere auf frischem 
Boden stehen; in den genannten beiden Kreisen soll die 
Espe sehr häufig, sogar schon in früher Jugend, kernfaul 
werden. Im Gouv. St. Petersburg ist sie, nach Meinshau- 
sen, eine sehr häufige Baumart, die sowohl auf trockenen, 
als auch auf feuchten Plätzen wächst; sie bildet stellenweise 
kleine Bestände, wächst aber meist, wie auch die Birke, in 
Wäldern untermischt. Im Gouv. Kostroma findet sich die 



344 — 



Espe, nach Rosbnowskij^), hauptsächlich in Gesellschaft 
der Fichte und der Birke, während sie in höher gelegenen, 
auf Sandboden wachsenden Kiefernwäldern fehlt. Am besten 
sagen ihr Niederungen mit lehmig-sandigem Boden (sogen. 
Bamin'ja) zu; hier tritt sie nicht selten als herrschende 
Baumart auf und bildet bisweilen reine Bestände von 40 — 50 
Dessjatinen; so z. B. in den Kreisen Makar'jew (an den 
Flüssen Luch und Bjelbash), Buj (am Fl. Karega) und Ko- 
stroma (am gleichnamigen Flusse). Auf solchen günstig 
gelegenen Niederungen erreicht die Espe folgende Dimen- 
sionen : 



Im Alter von 


Höbe 
in Faden'). 


Dnrchmesser 

(inBra8tb0l)e)in 

Werschok »). 


Uolzmasse 
in Enbikfossen. 


20 Jahrea 


3 


2% 


0,78 


30 » 


474 


3 


1,8 


40 » 


5% 


4 


3,0 


50 » 


6% 


5 


5,3 


60 n 


7% 


6 


8,7 


70 » 


8% 


7 


14,6 


80 » 


9 


8 


21,2 


90 » 


9% 


9 


30,2 


100 » 


10 


10 


42,1 



Bode bemerkt, dass die Espe im europäischen Russland 
ihre grösste Vollkommenheit zwischen dem 53° und 60° n. 
Br. erreiche, und dass südlich vom 5 3° reine Bestände der- 
selben zu den grossen Ausnahmen gehören. 



1) C. PoiKHOBCRifi. aJI'j&cozoaaficTBeHHbie onepRu KocTpoMCRoft ry6ep- 
HiH». (JltcH. HCypH., 1872 r., nun. 2, CTp. 1—19). 

2) 1 Faden = 7 engl. Fass, = 2,i3S56 Meter. 
8) 1 Werschok = 4,445 Cm. 



— 345 — 

Von mehreren Autoren werden zwei Formen von P. 
tremula im europäischen Russland unterschieden, wobei 
aber die Unterscheidungsmerkmale verschieden bezeichnet 
werden. CzerniaSw^) nimmt fflr die Ukraine folgende 
zwei Varietäten an: a) mit heller Rinde; diese ist die 
gewöhnliche und, ihren Eigenschaften nach, besonders ge- 
schätzt; b) mit dunkler Rinde; sie findet sich selten in 
schattigen Wäldern, besonders im nördlichen Theile der 
Ukraine, und erreicht, bei schlechterer Beschaffenheit des 
Holzes, weder die Dimensionen, noch das Alter der ersten 
Form. Grebner^) wieder unterscheidet die Espen nach 
folgenden Merkmalen: bei der einen Varietät sind die 
Blätter grösser und weicher, und das Holz ist locker, wäh- 
rend bei der anderen die Blätter klein und nicht tief ge- 
zähnt sind, das Holz aber zähe und widerstandsfähiger ist; 
diese letztere Form findet sich vorzugsweise im mittleren 
Rassland. — Von eigenthflmlich gewachsenen Exemplaren 
der Espe erwähne ich eines Baumes, der im Kreise Kor- 
tschewa des Gouv. Twer von Hrn. v. Wildermet') be- 
obachtet worden ist: der Stamm desselben war, in der Höhe 
von 6,4 Metern, aus zwei Stämmen zusammengewachsen, 
deren Wurzelstöcke 2,6 Meter von einander entfernt stan- 
den; diese zwei zu einander geneigten unteren Stammenden 
bildeten eine Art Thor, unter welchem bequem ein Bauern- 
karren hindurchfahren konnte. Auf dem Gute Lebjash'je, 
etwa 20 Werst hinter Oranienbaum (am Finnischen Meer- 
busen), hatte ich selbst (im J. 1881) Gelegenheit, eine inter- 



1) B. M. HepHfleBi). ji'l^cax'B yKpafiHu; CTp. 27. 

2) B. Fpe^Hep-B. adHaneHie ochhu bi» pyccKOirL Ji'J&coBOACTBt». (Fa- 
seTa j-i^coB. m ozotu^ 1859 r., J^"^ 8 u 9). 

8) BHibAepMeTi). a3aM'i&<iaTeJi>Hoe ^epeBO». (üi^cH. HCypH., 1837 r , 
H. III, CTp. 468). 



— 346 — 

essante Verwachsung zweier Espenstämme zu beobachten: 
ein Ast^ der von dem einen Stamme ausging, war in einen 
anderen, in nächster Nähe stehenden Stamm vollständig 
hineingewachsen. 

Jenseits der Steppen tritt die Espe in der Krim und im 
Kaukasus wieder auf. In der Krim findet sie sich, nach 
Steven, sehr häufig nicht nur an Bächen, sondern auch auf 
ganz dürren, steinigen Bergen, oftmals auf solchen Stellen 
emporsprossend, wo Hochwald geschlagen ist, bis sie später 
durch die aufwachsenden Eichen oder Kiefern unterdrückt 
wird. Dasselbe beobachtete ich auch in dem durch Feuer 
zerstörten, aus Pinus Laricio gebildeten Walde, oberhalb 
Nikita, an der Südküste der Krim. Im Kaukasus ist die 
Espe sehr verbreitet und scheint, nach Medwedew, nur in 
den Wäldern Talysch's zu fehlen^); auch ihre vertikale 
Verbreitung ist sehr bedeutend, denn sie findet sich von 
der Meeresküste bis zur Höhe von 6000—7000' üb. d. M. 
— Das kaukasische Verbreitungsgebiet der Espe ist mit 
dem europäischen über Kleinasien verbunden, auf dessen 
Gebirgen sie an vielen Stellen angetroffen wird. Aus Per- 
sien liegen keine Angaben über ihr Vorkommen vor; sie 
fehlt auch in Afghanistan und im Himalaya. Aber sie findet 
sich im Dsungarischen Alatau, im östlichen Turkestan (z. B. 
beiWjernoje), so wie in ganz Sibirien. In Westsibirien geht 
sie (nach brieflicher Mittheilung Herrn Sslowzow's) süd- 
wärts bis Omsk (am Irtysch), nordwärts wenigstens bis Ssa- 
marow (am Zusammenflüsse des Ob' und Irtysch); am Je- 
nissei reicht sie, nach Middendorff, kaum über den Polar- 
kreis hinaus, an der Kolyma aber bis etwa 67V2^ n.Br. (im 

1) Aach von Kadde nicht erwähnt, der jedoch Poptüus cHha yar. hy- 
hrida anführt, welche, wie wir gesehen, als Bastard von P. alba und P. 
tremtda gilt. 



— 347 — 

Anjui-Thale). Sie kommt, nach Ledebour (Fl. ross., III, 
p. 627), auch am Altai, im Baikal-Gebiete, in Daurien und 
in Ostsibirien vor; nach Maximowicz, wächst die Espe 
«im ganzen Amurlande sehr häufig, doch selten ungemischt 
Gehölze bildend». Ferner findet sie sich in Nordchina, bei 
Peking, so wie in der Mongolei, wo sie 'David antraft); 
Przewalski^) fand sie am obersten Laufe des Hoang-ho, 
in der Höhe von 10 — 11,000' üb. d. M., zusammen mit 
Sorhus Aucuparia^ Betula Bhojpattra^ Abtes Schrenkiana 
und Junipei^us Pseudo-Sahina. Die Espe findet sich endlich 
auch in Japan. 

Die Nutzung des Espenholzes in Russland ist ausser- 
ordentlich mannigfaltig und, in volkswirthschaftlicher Hin- 
sicht, von grosser Bedeutung^). 1) In den waldarmen Ge- 
bieten, namentlich im sOdlichen Russland, so wie in der 
üebergangsregion von Wald zu Steppe, wird die Espe 
vielfach als Bauholz verwendet^). Zu diesem Zwecke wird 
sie häufig im Frühjahre entrindet und erst im folgenden 
Frühjahre gehauen. Dieser Vorsicht ist es hauptsächlich 
zuzuschreiben, dass die aus Espenholz erbauten Häuser in 
einigen Gegenden (z. B. im Gouv. Kursk) über hundert 
Jahre ausdauern. 2) An der mittleren Wolga, an der Eama 
und deren Zuflüssen, so wie auch anderwärts, erreicht die 
Espe so bedeutende Dimensionen, dass man ihre Stämme 



1) «MoDgoIie: G^hol dans les vall^es fraiclies» ; ygl. Franchct, in: 
NoiiY. Archives da Musöam d'hist. nat., s4r. 2, t. 7, 1884, p. 94. 

2) H. M. IIpweBaxbCKifi. Ha-b daficaea <iepe3i> XaMH bi» TH6erB. 
(1883); CTp. 886. 

8) Das Folgende gebe ich grossentheils nach dem oben citirten Artikel 
Ne8terow*s, dessen Anordnung ich auch beibehalte. Ygl. auch den er- 
wähnten Aufsatz von G rebner. 

4) So z. B. im Kreise Tschembar des Gouv. Pensa. Vgl. IT. K Hoppe. 
aOcHHa Bi> HepHbimescKofl ^^aq'b rpa<»a ysapona, HeiidapcKaro y^a^a, 
nes.iencKofi ryöepeiH». (Jltcn. JKypa., 1880 r., crp. 165—175). 



— 348 — 

ZU Böten aushöhlt. Auch werden in vielen Gegenden grös- 
sere Flussfahrzeuge aus Espenholz gebaut, wobei nur zum 
Boden derselben bisweilen Kiefernholz verwendet wird. 
3) In grosser Menge dient das Espenholz zur Verfertigung 
der verschiedensten Geräthe, so wie in der Tischlerei. Daok 
seiner Leichtigkeit und grossen Spaltbarkeit, ist dieses Holz 
zur Bearbeitung besonders geeignet. So werden aus ihm 
u. a. mannigfache Möbel, Kasten etc. verfertigt, desgleichen 
enorme Mengen von Schaufeln, Eimern, Schöpfkellen, 
Löffeln, Schüsseln, Näpfen u. drgl. Namentlich sind es die 
Gouvernements Nishnij-Nowgorod (und speciell der Kreis 
Ssemenow), Wladimir und Kostroma ^), wo die Anfertigung 
genannter Geräthe in besonders grossem Maassstabe betrie- 
ben wird. Von Gorodez an der Wolga werden ganze Barken 
mit Geschirr aus Espenholz nach Nishnij-Nowgorod (zur 
Messe), Ssaratow und Astrachan verfrachtet, von wo es 
weiterhin nach dem Kaukasus, nach Persien, Ghiwa, Bu- 
chara etc. verfahrt wird. In den westlichen Gouvernements, 
so wie in Polen, werden vielfach Espenholzschuhe getragen, 
und Hr. Nesterow hat gewiss Recht, wenn er die Anwen- 
dung derselben auch im übrigen Russland für wünschens- 
werth erklärt, weil dadurch der grossen Verwüstung der 
Linden Wälder (zum Zwecke der Anfertigung von Bastschu- 
hen)^) erfolgreich gesteuert werden könnte. Ferner wird 
das Espenholz vielfach zu Fässern benutzt, und neuerdings 
verwendet die Firma Nobel Espenfässer zum Transport des 
Petroleums. Auch Bienenstöcke und verschiedenes Zubehör 
im Wagenbau (Deichseln, Krummhölzer etc.) werden mei- 
stens aus Espenholz verfertigt. 4) Sehr wichtig ist die Ver- 



1) Für das letztgenannte Gouvernement finden sich darüber eingehende 
Angaben im oben citirten Aufsätze Roshnowskij's. 

2) Vgl. im I. Bande dieses Buches, auf p. 39—41. 



J 



— 349 — 

\veDdaQg dieses Holzes zu verschiedenen Dachschindeln (russ. 
dpauh und tOHtm). Dank seiner grossen Spaltbarkeit ist das 
Espenholz auch zur Fabrikation von Zündhölzchen sehr ge- 
eignet, und zwar sehr viel mehr, als das häufig dazu ver- 
wendete Fichtenholz ^). Sehr grosse Quantitäten von Zünd- 
hölzchen aus Espenholz werden in Grusino (im Gouv. 
Nowgorod) angefertigt, wo 14 solcher Fabriken existiren. 
Auch die Schachteln, in denen die Zündhölzchen in den 
Handel kommen, werden grossentheils aus Espenholz ge- 
macht. 5) Sehr interessant ist die im Gouv. Perm geübte 
Anfertigung von Matten aus Hobelspänen vom Espenholze; 
diese Matten, die in den Barken zum Salztransport als 
Unterlage verwendet werden, haben die früher dazu be- 
nutzten Lindenbast-Matten in jener Gegend ganz verdrängt, 
da sie fester und wohlfeiler sind und zu jeder Jahreszeit 
angefertigt werden können, während der Lindenbast nur im 
Frühjahre geschält wird. 6) Aus dem weichen Espenholz 
wird eine Masse gewonnen, die als Surrogat der Lumpen 
mit Erfolg zur Papierfabrikation verwendet wird. 7) Das 
Holz der Espe liefert eine Art Pottasche, die unter dem 
Namen Schadrik bekannt ist und beim Bleichen, Seifensie- 
dcn. Gerben und Färben benutzt wird. 8) Das Espenholz 
dient ferner zur Gewinnung von Theer, Essigsäure und 
Holzgeist. 9) Endlich findet es vielfach als Brennmaterial 
Verwendung. 

Ausser dem Holze selbst, werden noch andere Organe 
der Espe benutzt. Aus der Binde wird, ebenso wie aus 
Birkenrinde (vgl. oben, p. 223), ein sehr guter Theer ge- 
wonnen, — z. B. im Gouv. Perm. Ferner bildet die Asche 
aus Espenrinde ein werthvoUes Produkt, das, besonders im 

1) Die aus dem letzteren angefertigten ZQndhölzchen brechen leicht 
quer durch. 



— 350 — 

Gouv. Kaluga, zum Bleichen der Leinwand dient. Sie wird, 
z. B. in Sibirien, auch als Arzneimittel, u. A. gegen Scor- 
but, verwendet. Die biegsamen Wurzeln der Espe werden 
zum Flechten von Hürden und zu anderem Flecbtwerke 
benutzt. Endlich dienen die Blätter vielfach als Viehfutter; 
sie werden namentlich von Schafen sehr gerne verzehrt. 
Im Kreise Jarensk des Gouv. Wologda werden von den Sy- 
rjanen zu diesem Zwecke dttnne Espenzweige in Mengen 
eingesammelt und im Winter den Schafen verfüttert. Die- 
selbe Verwendung finden wir z. B. in Livland, in den Gou- 
vernements Jarosslaw, Pensa, Orenburg u. s. w. 

Namen. — Russisch: Ossina] kleinrussisch: Ossika, Os- 
sitschina. — Polnisch: Osaj Osina^ Osica^ Osika, Osiczyna. 

— Littauisch: Apusjsis, Äpocz%8\ DrebtUe^ Drehbxde. — 
Lettisch : Äpse, Äpsa. — Norwegisch : Osp, Äsp. — Schwe- 
disch: Asp. — Armenisch: Korapi. — Ossetisch: Qedybe- 
lass^). — Lappisch: Suppe^ Suoppe. — Finnisch: Haapa, 

— Karelisch (im Gouv. Olonez): Häbü (Annenkow). — 
Estnisch: HaaWj Haab, Äaw, — Li wisch: 063s, AhSs^), 
Oby Ah. — Wepsisch: Hab. — Tscheremissisch : SchopkCy 
Schapki. — Ersa-mordwinisch: Poi, Poi-ischuft; Mokscha- 
mordwinisch: Poyu, PojUj Poew. — Wotjakisch und syrja- 
nisch: JR», Pipu. — Tatarisch (bei Kasan): Ussäk^] (in der 
Krim): UsdJc^ Usäk-agdtsch; (im Kaukasus): Koioäch^ Dshidd- 
agdtsch; ferner auch: Apsal^) (Pallas). — Kirgisisch: 



1) Derselbe Name, wie für die Silberpappel, — was sich bei mehreren 
kaukasischen Benennungen wiederholt. 

2) Diese Namen, die jedenfalls mit den lappischen, finnischen, estni- 
schen und tscheremissischen Benennungen der Espe verwandt sind, klingen 
etwas an das lettische Apse an, welches seinerseits offenbar mit dem ger- 
manischen Aspe zusammenhängt. 

8) Auffallender Anklang an das kleinrussische Osstka! * 
4) Wieder ein ganz merkwürdiger Anklang an das lettische Apsa ! Te- 
leutisch heisst die Espe: Apsaik-agatsch (Pallas). 



— 351 — 

• 

Asak'tirek {VaUsiS). — Tschuwaschisch: Wuss^) (Annen- 
kow). — Kalmükisch: Ulaas^ TJlasen; Torai. — Grusi- 
nisch: Chwalo; Werchm, — Imeretinisch : Werchtoa. — 
Sswanetisch : JccAwra. — Ingusch.: Moch. — Tschetschen.: 
Akterk. — Kumykisch, awarisch: Achterek. — Kabardi- 
nisch: B^uch. — Tscherkessisch : Bsufa, — Abchasisch: 
Agsch. 

423. (4.) Populus Euphratka Oliv. (P. diver sifolia A. G. 

Schrenck). 

Eine uralte Form, die, nach Heer^), so wie nach 
Ascherson, nächst verwandt ist mit P. mutabilis Heer, 
welche zur Miocänzeit in Europa weit verbreitet war, z. ß. 
an der Ostsee^), in der Schweiz, in Oesterreich und Italien, 
— Die lederblättrige P. Euphratka streift nur den Süden 
Transkaukasiens, wo sie namentlich im südlichen Theile des 
Gouv. Eriwan\ an den Flüssen Alindsha-tschai und Araxes 
vorkommt und kleine Gehölze bildet. Sie ist von Oran*), 
über Aegypten, Palästina, Syrien, Mesopotamien, Persien, 
Ghorassan, Afghanistan, — einerseits bis Beludshistan, 
Pendshab und bis zum Himalaya, andererseits, über Turk- 



1) Auch dieses Wort hat Analogieen in indogermanischen Sprachen; 
die Espe heisst, nach Annenkow, ruthenisch: Wosika, wendisch: Wosa, 
Wo»yca, Wosydka, 

2) 0. Heer. Die Urwelt der Schweiz. Aufl. 2 (1879), p. 343—344. 

3) Vgl. 0. Heer. Miocene baltische Flora. (1869). 

4) Zwischen dem algerisch- marokkanischen und dem orientalischen Ver« 
breitungsgebiete der P. euphratica fehlt sie auf grösseren Strecken. Als 
Verbindungsglied erscheint das von Ascherson constatirte interessante 
Vorkommen derselben in der Kleinen Oase in der libyschen Wüste. Ascher- 
son bemerkt: <ces liegt sehr nahe, das jetzige getrennte Vorkommen des 
Baumes auf die Einschränkung eines früheren ausgedehnten Bezirkes zu- 
rückzuführen». (Sitzungs-Berichte d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin, 1876, 
p. 88—89). 



• ■• 



— 352 — 

menien und Turkestan, bis zur Dsungarei, der Mongolei und 
bis zu den Grenzen West-China's verbreitet. Radde^) fand 
diese Pappel, die sieb durch ausserordentliche Mannigfal- 
tigkeit ihrer Blattform auszeichnet, in Turkmenien, z. B. an 
den Flüssen Ssumbar und Tedshen, — oder vielmehr in 
den Betten dieser Flüsse; oft wächst diese Holzart da- 
selbst st rauchför mig. Borszczow fand P. Euphratica haupt- 
sächlich am Ssyr-Dar'jä, so wie an dessen Armen, wo sie, 
in Gesellschaft von Populus pruinosa Schrenck, ganze Haine 
bildet; sie wird hier 20 Fuss hoch, bei einer Stammesdicke 
von 3—6 Zoll und darüber; nordwärts geht sie bis 45%° 
n. Br. P'erner wächst sie am Amu-Dar'jä und im Chanate 
Chiwa, in der Wüste zwischen Taschkent und dem Ssyr- 
Dar'jä, so wie in der Dsungarei, z. B. am Fl. Ili (Regel); 
desgl. im Zarafschau-Thale, in der Höhe von 2480 Met. 
üb. d. M. (Franchet). 

Namen. — Persisch: Terängut^ auch Patta. — Kirgi- 
sisch: Tal'Turcmgyl (Borszczow), Turangä^ Duranga^ Du- 
rangun% — Arabisch: /Sa/äa/* (Boissier) und Garab^). 

424. (5.) Populus nigra L. 

Die spontane Verbreitung der Schwarzpappel, die ganz 
vorzugsweise im üeberschwemmungsgebiete grösserer Flüsse 



1) PaAAe, BajibTepi» h Kohiiihbi>. npeABapHTeibHuft amerh o . . . 
3KcneAHi;iii Bi} 3aKacnificKifi Kpafi h c-]&BepHbift XopaccaH-b, bi> 1886 roß^j, 
(Thoihct», 1886); cxp. 81, 92. 

2) Franchet fahrt eine in Turkestan gebrftachliche Benennung Mdlham 
an, die ich sonst nicht gefunden. Dass aber anch der die Espe bezeichnende 
Name Usäk oder üsjak fQr P. Euphratica gebräuchlich ist, wird durch die 
Namen solcher Orte angedeutet, wo, nach Borszczow, diese Pappel w&chst, 
— z. B. Kara-Üßjak und Chan-Usjak. 

8) Diese beiden arabischen Namen werden auch für die Bezeichnung 
von Weiden gebraucht; die jungen Exemplare der P. euphratica mit schma- 



— 353 — 

wächst, ist, in Bezug auf das europäische Russland, noch 
lange nicht genügend festgestellt. Die Angaben Trautvet- 
ter's^) und Bode's^) Ober die Nordgrenze dieser Holzart 
gehen ziemlich auseinander. In der That scheint diese Nord- 
grenze sehr eigenthOmlich zu sein. Die Schwarzpappel 
fehlt als wildwachsender Baum in Finland, in den Ostsee- 
provinzen, so wie in den Gouvernements Witebsk, Pskow, 
St. Petersburg, Nowgorod und Twer; auch im Gouv. Mos- 
kau soll sie, nach Kaufmann, nicht spontan vorkommen, 
— wenn auch ältere Autoren sie anfahren. In den Gouver- 
nements Tula (Zinger) und Ealuga (Ssanizkij) kommt sie 
nur selten, und ausschliesslich an den Ufern der Oka (z.Th. 
nur strauchförmig) vor. Nach Petrowsky, findet sie sich 
im Gouv. Jarosslaw, wie es scheint, wildwachsend; nach 
übereinstimmenden Angaben Bode^ Bekarewitsch's und 
Zinger's, wächst sie spontan im Gouv. Kostroma, an der 
Wolga und an der Wetluga. Bode vermuthete, dass Dies 
•ihr nördlichster Grenzpunkt sei. In der That wurde sie bis 
vor ganz Kurzem von Niemandem als nördlicher vorkom- 
mend angegeben; nach Iwanizkij, findet sie sich im Gouv. 
Wologda angepflanzt. Aber wir verdanken Hrn.Kusne- 
zow die überraschende Mittheilung, dass er die Schwarz- 
pappel anscheinend wildwachsend an der Waga, im Kreise 
Schenkursk, und sogar an der Dwina, im Kreise Cholmo- 
gory des Gouv. Archangelsk, angetroflfen habe; er verfolgte 
sie nordwärts bis zum Dorfe Jemezkoje (unter ^SYj^n.Br.). 



len Blattformen gleichen in der That dem Weidengebüsche. Ascherson 
bemerkt, dass Garäb der richtige arabische Name fflr diese Pappelart, und 
nicht für Salix häbytonica sei, wie früher angenommen wurde. Vgl. Sitzungs- 
Berichte d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin, 1872, p. 92—93. 

1) Die pflanzengeogr. Verhältnisse des Europäischen Busslands; Hft. 2, 
p. 69—70; Hft. 3, p. 47. 

2) Verbreitungs-Gränzen der Holzgewächse etc., 1. c, p. 53—64. 

23 



►■•-,7 



rlP'^ 



354 



:>.:,■ 









<\. 



Es ist Dies ein sehr interessantes, wie es scheint, ganz in- 
selförmiges Vorkommen dieser Holzart; übrigens soll Iwa- 
nizkij, wie Kusnezow mir sagte, später die Schwarz- 
pappel wildwachsend im westlichen Theile des Gouv. Wo- 
logda gefunden haben; wenn Dies thatsächlich der Fall ist, 
so wäre damit eine Brficke fOr den Uebergang aus den 
Gouvernements Jarosslaw und Kostroma nach dem Kreise 
Schenkursk gewonnen. Das spontane Vorkommen der P. 
nigra im letztgenannten Kreise erscheint nicht unglaublich, 
wenn wir uns der Thatsache erinnern, dass dieselbe in der 
Umgegend von St. Petersburg ganz ausgezeichnet gedeiht: 
sie erwächst daselbst zu einem majestätischen Baume von 
80 Fuss Höhe und 4 — 5 Fuss im Stammesdurchmesser*). 
Auch soll sie am Ob', wie mir Hr. Sslowzow mittheilt, 
fast bis Ssamarow spontan wachsen, — also fast bis zu der- 
selben nördlichen Breite, wie im Kreise Schenkursk. — 
Nach Rajewskij, findet sich die Schwarzpappel wildwach- 
send im Gouv.Nishnij-Nowgorod, ausschliesslich im Ueber- 
schwemmungsgebiete und auf den Inseln der Wolga und der 
Oka; von der letzteren aus dringt sie auch die Kljasma 
hinauf, an welcher sie, Dach Zinger, im Gouv. Wladimir 
(in den Kreisen Gorochowez und Wladimir) angetroffen 
wird; vielleicht geht sie, längs diesem Flusse, auch bis in's 
Gouv. Moskau. Nach Krylow, wächst die Schwarzpappel 
im südlichen Theile des Gouv. Wjatka, im Ueberschwem- 
mungsgebiete der unteren Wjatka (bei Roshkinskoje) und 
der unteren Kama (bei P'janyj-Bor); Bode führt sie für 
den Kreis Malmysh an. Unter gleichen Verhältnissen wächst 
sie, nach Korshinskij, im Gouv. Kasan. Im Gouv. Perm 



1) Ein Biesenbaam, der im Kaiserlichen Botanischen Garten steht, soll, 
der Sage nach, von Peter dem Grossen gepflanzt sein. 



— 355 — 

findet sie sich, nach Krylow, spontan nur im südwest- 
lichen Theile; die nordöstliche Grenzlinie verläuft vom 
Dorfe Orel (an der Kama, unterhalb Dedjuchin), über 
Krassnoufimsk zum Hüttenwerke Eyschtymskij^); unterhalb 
Orel, z. B. bei Perm und südlicher, kommt sie an der Kama 
nicht selten vor und erreicht bedeutende Dimensionen (bis 
80 Fuss Höhe und sy^ Fuss im Durchmesser); sie findet 
sich auch an den Flüssen Ufa und Babka. Wie mir Hr. 
Sslowzow mittheilt, kommt sie in den Kreisen Tjumen' und 
Tobolsk gruppenweise an den Flüssen Tawda und Tobol vor. 
Nach den vorstehenden Angaben t&Wt es in der That 
schwer, mit einiger Genauigkeit die Nordgrenze der Schwarz- 
pappel zu ziehen. Lassen wir das merkwürdige Vorkommen 
an der Waga, als ein wahrscheinlich ganz insulares, ausser 
Betracht, sa hätte jene Grenze etwa folgenden Verlauf. Aus 
dem nördlichen Polen (Rostafinski) geht sie durch die 
Gouvernements Grodno (Lindemann; z. B. im Walde von 
BjaJowieza, nach v. d. Brincken, und bei Brest, nach 
Eichwald), Wilna (bei Merecz, nach JundziJl), Minsk 
(Lindemanu; im Kreise Pinsk, nach Paszkewicz), Mohi- 
lew (Lindemann, Downar und Czolowski; z.B. im Kreise 
Bychow, nach Bode), Ssmolensk (in den Kreisen Bjely und 
Gshatsk, nach Zinger), Kaluga (im Kreise Tarussa, an der 
Oka, nach Ssanizkij), Tula (an der Oka, nach Zinger), 
Rjasan' (Zinger), Wladimir, längs der Kljasma und Oka bis 
Nishnij-Nowgorod; von hier zungenförmig die Wolga (bis 
Jarosslaw) und die Wetluga (bis zum gleichnamigen Kreise 
des Gouv. Kostroma) hinauf; ferner von Nishnij-Nowgorod 
die Wolga hinab bis zur Mündung der Kama, dann diesen 



1) Danach wäre die Angabe Uspenskrs zu corrigiren, dass P. nigra 
bei Jekaterinenburg wächst; wahrscheinlich kommt sie dort nur ange- 
pflanzt vor. 

23* 



— 356 — 

Fluss hinauf, etwa bis zur Mündung der Jaiwa (unterhalb 
Dedjuchin), und endlich, wie schon oben angegeben, über 
Erassnoufimsk zum Kyschtymskij -Hüttenwerke (am östlichen 
Abfalle des Uralgebirges). 

Die Südgrenze der Schwarzpappel zieht sich, wieBode 
bemerkt, «durch den Süden Russlands, so weit dort noch 
Holz wächst». Längs den grösseren, in's Schwarze und in's 
Easpische Meer mündenden Flüssen dringt sie tief in die 
Steppe hinein. Sie findet sich, nach Tardent, hie und da 
in Bessarabien, z. B. bei Akkerman und bei der Eolonie 
Chaba am Dnjestr-Liman, desgl.^ nach Lindemann und 
Döngingk, bei Eischinew; nach Lindemann, auch im 
Gouv. Ghersson; nach Akinfijew, wächst sie bei Jekate- 
rinosslaw^ am Ufer des Dnjepr; ferner auf der Insel Chor- 
tiza (Beketow) und weiter hinunter am Dnjepr, bei der 
Mündung der Eonka, auf feuchten Wiesen (Grüner) und im 
angrenzenden Theile des Taurischen Gouvernements, in 
grosser Anzahl (Ssredinskij). Am Donez fand Gülden- 
städt (Reisen, U, p. 267) die Schwarzpappel noch bei der 
Staniza Luganskaja, und überall höher hinauf (z. B. an den 
Mündungen des Aidar und des Osskol, so wie bei Isjum). 
Sie wächst ferner am Don, im Lande der Don^schen Eosa- 
ken (Ssemenow, leider ohne genauere Fundorts-Angaben). 
An der Wolga kommt sie, nach Claus, von Easan bis Sa- 
repta vor; an letzterem Orte findet sie sich, nach Becker, 
häufig in Schluchten an der Wolga und auf den Wolgain- 
seln. Aber sie geht noch weiter hinunter; denn sie wächst, 
an beiden Ufern der Wolga, noch im Gouv. Astrachan; nach 
den Angaben Rawinskij's^) und Perkin's (1. c), kommt 
sie in den Ereisen Zarew, Tschernyi-jar und Jenotajewsk 



1) XosflficTB. onucame AcTpazaHCRoA h KaBRaacKoil ry6epuift. (Cn6., 
1809); CTp. 95. 



- 357 — 

Tor. Nach Krassnow^) wächst sie im UeberschwemmuDgs- 
gebiete der Wolga, von Sarepta bis Astrachan. Sie findet 
sich auch am Uralflusse, z. B. bei Orenbarg (Schell); nach 
Borszczow, geht sie den Ilek, etwa bis zur Mändung der 
Chobda, hinauf; sie wächst auch im Gehölze Bil'-agatsch 
(unter dem 51° n. Br., südlich von Orsk). 

Im Gebiete, welches zwischen den beiden angegebenen 
Grenzen liegt, kommt die Schwarzpappel zwar ziemlich 
fiberall vor, indessen immer nur stellenweise und haupt- 
sächlich dem Laufe der Flüsse folgend. Sie wächst z. B. in 
den Gouvernements Orel "(an der Oka), Kursk, Woronesh 
(selten, nach Ssewerzow), Tambow (z. B. bei Jelat'ma an 
der Oka und im Kreise Borissogljebsk), Ssimbirsk und Ssa- 
mara (in feuchten Laubwäldern, hie und da zerstreut, nach 
Veesenmeyer), Ufa (Bode), Ssaratow und Pensa, — an 
den Flüssen Medwediza, Choper und Worona (Zinger). 
Femer wächst die Schwarzpappel in den Gouvernements 
Charkow, Poltawa, Tschernigow, Kijew, Podolien und Wo- 
lynien. — In den beiden letztgenannten Provinzen (Rogo- 
wicz), so wie im Gouv. Ghersson (Lindemann) und bei 
Jekaterinosslaw (Akinfijew), findet sich auch die Varietät 
croatica Waldst. et Kit. {pannonka Bess.). 

Bode bemerkt noch Folgendes: «Das eigentliche Vater- 
land der Schwarzpappel scheint das obere Gebiet der Wolga 
und Kama zu sein, wo namentlich am rechten Ufer des 
letztgenannten Flusses ausgezeichnete Bestände vorkommen. 
Einzelne bei Makariew, Gouv. Nishnij-Nowgorod, gemessene 
Stämme, am Ufer der Wolga, unweit des dortigen Klosters, 
hatten in der Brusthöhe 5 Fuss Durchmesser bei einer ast- 



1) In: HsB^CTifl H. PyccK. Teorp. 06m., t. 22, 1886, CTp. 46. 



— 358 — 

I 

reinen Stammlänge von 1 6 Fuss und einer Totalhöhe von 
9—10 Faden» (d. h. bis 70 Fuss). 

Die Schwarzpappel wächst ferner in der Krim und im 
Kaukasus. In der Krim findet sie sich ausschliesslich an 
Flussufern, z. B. am TaweP und am Ssalgir; am letzteren 
wächst ein hübsches Pappel Wäldchen einige Werst unter- 
halb Sympheropol. An der SUdküste scheint sie, nach Bode, 
nicht vorzukommen. Ein kolossales £xemplar steht (oder 
stand) an der Katscha; unweit Bachtschissarai ^). Im Kau- 
kasus findet sich P. nigra fast fiberall , sowohl im nördlichen 
Theile (z. B. an der Ssundsha und am Terek), als auch in 
Transkaukasien (beispielsweise in Imeretien, Mingrelien, 
Kachetien, bei Derbent und in Talysch); sie wächst bis zur 
Höhe von 4000 — 5000' üb. d. M., grossentheils in einzel- 
nen Bäumen, an Waldsäumen, Flussufern etc. — Vom Kau- 
kasus aus verbreitet sich die Schwarzpappel nach dem nörd- 
lichen Persien und nach Syrien; im östlichen Afghanistan 
kommt sie, in der var. afghanica Aitch. et Hemsl., wild- 
wachsend vor. Sie findet sich ferner im Chanate Chiwa, im 
Zarafschan-Thale, im östlichen Turkestan, in Ghokand und 
im Alatau (Kegel); Przewalski fand sie, in Gesellschaft 
der Silberpappel, am Fl. Urungu. 

Namen. — Russisch: OssoJcor\ (in Westrussland): Jassa- 
kar^; kleinrussisch: Ossokorina (Ssredinskij), Ssokorina^ 
Ssokora (Annenkow); Wetla^) (im Gouv. Perm, nach Kry- 
lo w). — Polnisch : Sokora^ Sokorzyna^ Jasiokor (Annenkow) ; 
Topola Cisarna (Nemnich). — Lettisch: Pehpeles^) (Nem- 
nich). — Moldauisch: Plön negru (Annenkow). — Ar- 



1) Vgl. JltcH. ;KypH., 1850 r., CTp. 71. (Mit Abbildung). 

2) Mit dem Namen WeÜa werden gewöhnlich einige Salix - Arten he- 
zeichnet. 

3) Offenbar mit PaptüuSf Pappd und TopoV (?) verwandt. 



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— 359 — 

menisch : KagamachseawiMedwedeyf)] Barti (Annenkow). 

— Ossetisch: Gedibelass. — Tatarisch (iu der Krim) : ^(2ß%f- 
rek-agätsch (Steven), auch Katoäk-agätsch (R^dzki). — 
Kirgisisch: Karchterek. — Tschuwaschisch: Tar^-jüwyaa^ 
(Annenkow). — Grusinisch: Opi. — Ingusch: Moch. — 
Tschetschen.: ^feferÄ. — Kabardinisch: Schluck. — Tscher- 
kessisch: ütaba. — Abchasisch: Amyschwa. — Ssamurs.: 
Aalzsch^ JEJcma-kowach. — Kumykisch, awarisch: Achterek. 

— Lesgisch (sakat): Sarmi] (did., inuch.): Bele. 
Anmerkung. — Die italienische oder Pyramiden-Pappel, 

Populus pyramidalis Roz. (P. fastigiata Poir., P. düatata 
Ait., F. üalica Moench.) wird bekanntlich von den meisten 
Autoren für eine Varietät der P. nigra^ von einigen aber 
(z. B. von Boissier) für eine besondere Art gehalten. Sie 
wird bei uns, namentlich in der südlichen Hälfte des europäi- 
schen Russlands, vielfach angepflanzt. In St. Petersburg und 
in der Umgegend hat man zu wiederholten Malen, aber er- 
folglos, versucht sie durch^ubringen; trotz sorgfältiger Be- 
deckung, ist sie doch stets in rauheren Wintern erfroren. 
Auch in den Ostseeprovinzen leidet sie, nach Klinge, ge- 
wöhnlich in harten Wintern und geht dann stark zurück; 
Willkomm bemerkt: «Man findet sie noch im östlichen 
Kurland (um Mitau) und im südwestlichen Livland ange- 
pflanzt; doch leidet sie dort bei anhaltender strenger Win- 
terkälte und noch mehr durch Spätfröste im Frühjahre». 
Dies wird wohl auch im Gouv. Twer der Fall sein, wo sie, 
nach Bakunin, kultivirt wird. Nach Regel, befinden sich 
in Moskau, im Schutze der Kreml- Wand einige, bis 20Fuss 
hohe Exemplare der Pyramidenpappel, welche indessen zum 
Winter stets eingebunden werden. Die Nordgrenze des den 
Winter ohne Bedeckung vertragenden Baumes geht etwa 






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360 



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Über Witebsk^) nach Bogorodizk im Gouv.Tula^)* In Polen 
wnrde die italienische Pappel, nach Rostafinski, «am Ende 
des XVn. Jahrhunderts vom König Johann Sobieski aus 
der Lombardei eingeführt; einige von diesen ersten Exem- 
plaren existiren noch im Schlossgarten Wilanöw bei War- 
schau; da nur männliche Exemplare gebracht worden waren, 
80 finden sich im Gebiete stets nur männliche Bäume». Im 
Gouv. Minsk wächst die Pyramidenpappel häufig in Gärten 
und an Wegen angepflanzt (Paszkewicz), desgl. in den 
Gouvernements Grodno und Mohilew (Linde mann); ferner 
im Gouv. Eursk (Misger), wo, nach einer Bemerkung 
W. Guttceit's'), sie schlecht wachsen und kränkeln soll; 
im Gouv. Charkow finden sich, nach GzerniaSw, auch 
weibliche Bäume. Weiter nach Süden kommt sie immer 
häufiger vor; z. B. in Wolynien, Podolien, Bessarabien, in 
den Gouvernements Eijew, Chersson, Poltawa und Jekate- 
rinosslaw. — In der Krim, und besonders an der Südküste, 
erreicht die Pyramidenpappel nicht selten eine Höhe von 
über 100 Fuss; eine ganz herrliche Allee dieser Bäume 
passirt man, vom Gebirge kommend, bei der Einfahrt in 
Äluschta. Im Kaukasus findet man sie gleichfalls häufig 
angepflanzt. 

Namen. — Russisch: Bc&na^); PiramidaPnyj Topol\ 



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1) Wie Hr. Antonow mir mitiheilt, gedeiht diese Pappel im Goa?. 
Witebsk sehr gat. 

2) In der N&he dieser Stadt, aof dem Gate Michailowka des Grafen 
Bobrinskij, beobachtete mein Vater die nördlichsten Exemplare "dieser 
Baamart Vgl. P. y. Koppen. Statistische Reise in's Land der Donischen 
Kosaken etc. (1862); p. 9. 

8) In d. Medicin. Zeitong Rasslands, 1851, J^ 28, p. 221. (Gitirt von 
P. ▼. Koppen, 1. c.)* 

4) Die Etymologie dieses Namens scheint anbekannt zn sein; Miklo- 
sich und Badilowitsch erklären sie nicht. 






WmS^r^ 



— 361 — ' 

Ital^janskij TopoV. — Tatarisch (in der Krim): Sselwi^). — 
Persisch : Ssofida/r (B o i s s i e r). 

Farn. LVIII« Nyriceae. 

Oattang Myrioa. 

Diese über die ganze Erde zerstreute Gattung ist gegen- 
wärtig in Europa nur durch eine einzige Art vertreten, 
während in der Miocänzeit in Mitteleuropa allein 23 Arten 
wuchsen % 

425. (1.) Myrica Qaleh. 

Der Gagel scheint in seiner Verbreitung in Europa auf 
die Küstengebiete des Atlantischen Oceans und der Ostsee 
beschränkt zu sein und nur wenig landeinwärts zu dringen. 
Er findet sich in Nordportugal, Nordspanien, im westlichen 
und nördlichen Frankreich, in Belgien und Holland, in 
Grossbritannien und Skandinavien, in der norddeutschen 
Zone, so wie, innerhalb Russlands, in den Küstengebieten 
der Ostsee und ihrer Annexe: des Finnischen und des Bett- 
nischen Meerbusens. In Norwegen ist er, nach Schübeler, 
bis zum Kirchspiele Ibbestad in Nordland (unter 68^ 47' n. 
Br.) und in Schweden bis Haparanda (65° 50' n. Br.) ge- 
funden worden. In Enare-Lappland und auf der Kola-Halb- 
insel fehlt der Gagel ; im finnischen Lappland geht er, nach 
Wirzen, bis Ober-Torneä (etwa unter 66° 35' n. Br.) und, 
nach J. Fell man, bis Kuusamo (fast unter dem 66° n. 
Br.) *). In Finland ist er ziemlich verbreitet, — wohl Dank 

1) Mit demselben Namen bezeichnen die Erim'schen Tataren auch die 
Pyramidal-Cypresse. 

2) Vgl. 0. Heer. Die Urwelt der Schweiz; Aufl. 2, p. 846—347. . 

8) Auffallender Weise fehlt M. Gäle in Hjelt und Hnlt's «Vegetatio- 
uen och floran i en del af Kemi Lappmark och Norra Österbotten» (1. c). 




.'1 












— 362 — 

dem enormen Systeme von Seen und der Menge von Moo- 
ren; er findet sich z. B. im südlichen österbotten (Simming, 
Karsten und Malmgren), im nordwestlichen Nyland 
(Selin), in Tavastland (Aspelin und Thuren), z. B. am 
Päijäne-See und am See Wehka-järvi (Norrlin), im Gustaf- 
Adolf-Eirchspieie (Bonsdorff), auch am SüduferdesSaima- 
Sees bei Willmanstrand (laut mfindlicher Bemerkung 
Maximowicz's). Ferner wächst der Gagelstrauch auch auf 
den Inseln des Finnischen Meerbusens, z. B. auf Hochland 
(«auf moorigem Boden in Menge», nach A. G. Schrenck) 
und auf Tytärsaari (M. Brenner). Im Gouv. St. Peters- 
burg findet er sich, nach Meinshausen, nur auf den Süm- 
pfen in der Nähe des Meeresstrandes, aber oft sehr zahl- 
reich (z. B. bei Lachta, auf der Insel Krestowskij, bei 
Strelna, Peterhof und bis Narwa). In den Ostseeprovinzen 
kommt der Gagel zerstreut auf Torfmooren und Sümpfen 
vor, gleichfalls hauptsächlich in den Strandgegenden: 
in Estland (in der Wiek auf Moorwiesen häufig, nach 
F. Schmidt), auf Oesel (desgl.), in Liv- und Kurland; hier 
findet er sich auch im südwestlichen, an Ostpreussen gren- 
zenden Winkel, bei Kretingen und Polangen (Eichwald). 
— Die Angabe von Pallas und Falk, dass der Gagel- 
strauch überall «von der Newa bis zur Kama» vorkomme, 
ist ganz bestimmt falsch ; denn er wird in neuerer Zeit in 
keiner einzigen zwischenliegenden Flora erwähnt. Auch 
die Bemerkung Georgi's^), dass er an der Kama häufig sei, 
beruht höchst wahrscheinlich auf einem Irrthume; denn 
Kr y low erwähnt seiner nicht für die Gouvernements Perm 
und Wjatka. Ebenso befremdend und der Bestätigung be- 
dürftig ist Ledebour's Angabe (Fl. ross., III, p. 661), dass 



1) Beschreibung des Russischen Reichs; Th. III, p. 1842—1343. 



— 363 — 

M. Gale bei Pensa wachse. Zinger bemerkt ausdrQcklich, 
dass dieser Strauch in neuerer Zeit weder im Gouv. Pensa, 
noch auch sonst irgendwo im mittleren Russland gefun- 
den ist. 

Im allergrössten Theile Sibiriens scheint der Gagel zu 
fehlen; erst im äussersten Osten tritt er wieder auf: in 
Kamtschatka (Ledebour) und an der Mändung des Amur, 
in der Küstenregion (Maximowicz); desgl. in Nord-Japan. 
Ferner ist er im nördlichen Theile Nordamerika's weit ver- 
breitet: auf der Insel Sitcha (Ledebour), am Fl. Macken- 
zie, in Labrador, Cunada und auf den Bergen Virginiens 
(Gas. De Gandolle). 

Namen. — Russisch ^): Wosskownik (i. e. Wachsstrauch) ; 
Bolötnaja-Mirta (d. h. Sumpfmyrte); Duschistyj-Wireski}. e. 
duftende Haide); Jdgodnyj-Wiresk (d. h. Beerenhaide). — 
Lettisch: Wirseji. — Norwegisch: Pors, Post^). — Schwe- 
disch: Pors. — Finnisch: Pursu (wahrscheinlich aus dem 
Schwedischen) ; Pursurahka ; Merihumala ^), Pyoräruöho 
(Annenkow). — Estnisch: Soo-kaerad (Wiedemann); 
Porsa (J. Fellman); Sinniko-warded (Pallas); Sa kaen 
(Klinge), 



1) Da M. Gäle im eigentlichen Russland so gat wie gar nicht wächst, 
so sind die russischen Namen grossentheils übersetzt, und zwar meist aus 
dem Deutschen. 

2) Diese Namen, die auch im Deutschen wiederkehren {Porssey Post^ 
Borsa etc.), beruhen auf einer Verwechselung mit dem Sumpf i^or«^ (Ledum 
palustre). 

8) Dieser Name deutet darauf, dass der Gagel auch in Finland, wie in 
Norwegen (vgl. Schübeler. Die Pflanzenwelt Norwegens, p. 177), anstatt 
des Hopfens (finn. Humäla), zum Bierbrauen benutzt wird. 



Zweite Classe. Monocotyledoneae. 



Ans dieser Classe kommt nur die einzige Familie 
Smilaceae in Betracht. Ans der Familie der Paltnae re 
zwar eine Form, die Dattelpalme {Phoenix dactylifera 
bis zu den üfem des Kaspischen Meeres'), allein sie f 
aach in den södlichsten Tbeilen Transkankasiens. 

Fan. III. Saitlueae. 

Die wenigen holzigen Bepr&sentantcn dieser Fan 
kommen sämmtlich jenseits der Gebirge ror, welche 
sQdrussischen Steppen im S&dea begrenzen, d. h. in Tn 
kaukasien und z. Tb. in der Krim. 

Gattong 1. Smilax. 
Diese Gattung ist bei uns nur in Transkaukasien ' 
treten, findet sich aber im fiussersten Osten Asiens, in 
Mandsbnrei (in der Art Smilax herbacea L.), wieder. 

426. (1.) SmÜax excelaa L. 

Dieser kletternde Strauch ist in Transkaukasien e 
verbreitet; er findet sich sowohl im Westen als im Oi 
dieses Gebietes, desgl. im Thale der Kurä, auf den Nif 
rungen und in den Yorbergen; nach C. Koch (Linni 



I) Tgl. E. E. T. Baer: 1) «Dtttel-Palnieii an den Ufern deeKaspii 
Heeres, sonBt nod jetsta; im Ball. phjB.-math. de I'Acad. d. k. de St 
tenb., 1. 17, 1869, Sp. 417—480. — 2) ■Erg^üuendfl Nachrichten 
Dattelpalmen am Eaapisehen Heere and in Pertiens; im Ball, de Vi 
d. M. de St.-P£tersb., t 1, 1860, 3p. 8&— 37. 



— 365 — 

1 849, p. 268), kommt er hauptsächlich auf Kalk und Por- 
phyr vor, bis zur Höhe von 1 500' Ob. d. M. Er wächst z. B. 
in Iberien, Imeretien, Mingrelien, im Gebiete von Batum, 
im Gouv. Elisabethpol, in Earabagh, bei Derbent und in 
Talysch; hier ist er, nach Buhse, namentlich im Kaspi- 
schen Littorale, häufig. Gewöhnlich wächst er auf feuchten 
Stellen, an Waldrändern, wo er die Bäume und Sträucher 
ganz umstrickt. In den feuchten Uferwäldem des Schwar- 
zen und des Kaspischen Meeres bildet er, in Gemeinschaft 
mit anderen kletternden Sträuchern (VitiSy Glematis^ Peri- 
ploca^ Bulms etc.), fast undurchdringliche Dickichte. Von 
Talysch aus verbreitet sich die Stechwinde nach dem per- 
sischen Südufer des Kaspischen Meeres, wo sie von Buhse 
(in der Provinz Ghilan) gefunden worden ist. Wie Lede- 
bour (Fl. ross., IV, p. 129) angibt, hat Earelin sie auch 
in Turkmenien (wahrscheinlich im südlichsten, an Persien 
grenzenden Theile) angetroffen^). Earelin^) selbst gibt die 
Ufer des Flusses Bahn als Fundort an. 

Namen. — Russisch: Powoi^ Pawoi. — Grusinisch: 
Gittschi^ Burtzumali. — Imeret., gurisch: Ekala. — Ratsch.: 
8chaschipura% — Mingrelisch: Kort8ckachel\ Kortschckeli, 
Kakilari. — Abchasisch: Amach. — Lesgisch (sakat.): 
Gjffischi. — Ssamurs. : Gchytschi. 

Anmerkung. — Gflldenstädt (Reisen, I, p. 428) bezeugt, 
dass er in Imeretien, «am Tscherimela der Ewirila oder dem 
Queergebfirge», die im Mediterrangebicte weit verbreitete 



1) Neuerdings hat Radde sie daselbst nicht beobachtet. 

2) Im Bulletin de Moscou, 1839, J^ II, p. 173. 

8) Erinnert auffallend an SassapariUy mit welchem Namen nicht nur die 
Wurzel der echten (amerikanischen) Sarsaparille (Smilcuc sarsapariUu L.), 
sondern auch der italienischen Stechwinde {Smilax aspera L.) bezeichnet 
wird. 



— 366 — 

Smüax aspera L. angetroffen habe. Später ist die italieni- 
sche Stechwinde von Niemandem in Transkaukasien gefun- 
den worden, so dass ihr dortiges Vorkommen kaum als 
gesichert gelten kann. Güldenstädt führt den Localnamen 
Kataboda an. 

Gattung 2. Ruscus. 

427. (1.) Buscus aculeatus L. 

Der stachlige Mäusedorn wächst bei uns in der Krim 
und in Transkaukasien. In der Krim kommt er, nach Ste- 
ven, häufig auf Steinen an der Westseite der Südküste vor, 
so z. B. im Kaiserlichen Garten von Nikita; ostwärts geht 
er wahrscheinlich bis Aluschta; wenigstens fand ich ihn 
noch auf dem Gute Karabagh (8 Werst südwestlich von 
Aluschta). In Transkaukasien findet er sich im westlichen 
Gebiete (in Iberien, Imeretien, Mingrelien), in Grusien und 
inTalysch. Von hier ist er, nach Buhse, durch das ^Iburs- 
geblrge bis Asterabad verbreitet. 

Namen. — Russisch : Igliza (von igla = Dorn). — Ta- 
tarisch (in der Krim): Sitsch-anteken (i. e. Mäusedorn). — 
Imeretinisch : Thagwis-issari, — Gurisch: Badsgi. — Min- 
grelisch: Bartzkwania. — Abchasisch: Atschad'huz\ 

428. (2.) Ruscus hypophyllum L. 

Wächst im westlichen Transkaukasien, in den benach- 
barten Gegenden des Kura-Gebietes und in Talysch; diese 
Art ist seltener, als B. aculeatus^ steigt aber auf die Berge 
höher hinauf: in Imeretien kommt sie bis zur Höhe von 
4500' üb. d. M. vor. — Imeretinisch: Dsmerchli, DsheV- 
machi. 



— 367 — 

I 

429. (3.) Buscus hypoglossum L. 

-47ach Agg^enko^), kommt diese Art an der Sfldkfiste 
der Krim vor, namentlich in der Umgegend von Jalta, so 
wie auf den steilen und schattigen Bergen bei der Burg 
Issar. Diese Art ist durch die Mediterranregion weit ver- 
breitet. 

Gattung 3. Oanae. 

430. (1.) Danae7'ac€mosaL.' (Rtiscus racemosusL.j Danaida 

racemosa Link). 

Findet sich in den Wäldern Talysch's, von wo diese 
Art, nach Buhse, über Ghilan und das Albursgebirge ver- 
breitet ist. 



Dritte Classe. Gymnospermeae. 



Farn. LI« Goetaceae. 

Gattung Ephedra. 

431. (1.) Ephedra vulgaris Rieh. {E. monostachya L., E. 

distachya L., E, polygonoides Pall.). 

Borszczow bemerkt, dass die Nordgrenze dieser Step- 
penform im Osten des europäischen Russlands fast mit der 
Südgrenze der Wälder zusammenfalle. Dies trifft auch im 
Westen Russlands ziemlich gut zu. Es scheint, dass mit dem 
Vorrücken der Steppe auch das Meerträubel gegen Norden 



1) ((Addendam ad Chr. Steven i enumerationem (VerzeichDiss etc.) plan- 
taram in peninsnla Taurica sponte crescentiumj». (Scripta botanica Horti 
Universitatis Imperialis Petropolitanae, t. l, 1886—87, p. 292). 




— 368 — 

zu allmälig an Terrain gewinnt; wenigstens wird es neuer- 
dings aus einigen nördlicher gelegenen Gegenden genannt, 
wo es froher gefehlt zu haben scheint. Zugleich mit der 
Steppe geht die Verbreitung der E. vulgaris im Osten Russ- 
lands viel weiter nach Norden, als im Westen. Uebrigens 
kommt sie sehr zerstreut vor. Sie findet sich im sQdlichen 
Podolien (z.B. bei Bogopol'am Bug, nach Schmalhausen), 
in Bessarabien (im Sande am Meeresufer, so wie auf Felsen 
zwischen der Kolonie Ghaba und Akkerman, nach Tardent), 
im Gouv. Ghersson (namentlich an der MeereskQste, bei 
Odessa und Nikolajew), im nördlichen Theile des Taurischen 
Gouvernements (auf trockenen HQgeln am Dnjepr, nach 
Ssredinskij); ferner hie und da im Gouv. Jekaterinosslaw 
(z. B. im gleichnamigen Kreise ^) am Fl. Kaschegum, desgl. 
bei Mariupol,nachBeketow) und im Gouv. Charkow (Czer- 
niaöw). Nach Misger, soll E. vtdgaris im Gouv. Kursk 
nur in Gärten kultivirt vorkommen; doch findet sie sich 
daselbst wahrscheinlich auch wildwachsend, denn Zinger 
fand sie auf dem Berge Galitsch'ja-Gora im Kreise Jelez 
des Gouv. Orel, wohin sie vermuthlich aus dem Gouv. Kursk 
eingewandert ist. Sie wächst ferner im Lande der Don'schen 
Kosaken (Ledebour, Ssemenow); im Kreise Tscliembar 
des Gouv. Pensa (beim Dorfe Jurowka), so wie im Kreise 
Ssysran' des Gouv. Ssimbirsk (beim Kloster Bogojawlenskij, 
nach Zinger); nach Claus, findet sie sich bei Ssergijewsk 
im Gouv. Ssamara; desgl., nach Schell und Borszczow, 
in den Gouvernements Ufa und Orenburg, z. B. bei Kondu- 
rowka, Orenburg, Orsk, Guberlinskij-Otrjad. Sehr verbrei- 
tet ist E. vulgaris im Gouv. Ssaratow: in den Kreisen Chwa- 
lynsk, Atkarsk, Ssaratow, Kamyschin und Zarizyn (Zinger); 



1) Akinfijew fahrt E. vulgaris nicht für die Umgegend von Jekateri- 
nosslaw an. 



— 369 — 

Jakowlew fand sie z. B. auf dem hohen Wolgaufer bei Ssa- 
ratow; nach Becker, ist sie bei Sarepta häufig «im Sand- 
boden der Berge» ^). Nach Earelin, findet sie sich im Lande 
der Ural'schen Kosaken ^). Endlich wächst sie bei Astrachan 
und an den Küsten des Kaspischen Meeres. — Im nördli- 
chen Theile der Krim scheint E. vulgaris nicht vorzukom- 
men; wenigstens erwähnen Steven und Rudzki dieselbe 
nur fflr die SüdkQste, wo sie zwischen Alupka und Ssudak 
hie und da gesellschaftlich wächst, und zwar adie männli- 
chen Pflanzen oftmals weit von den weiblichen getrennt». 
Im Kaukasus findet sich E. vulgaris selten im nördlichen 
Theile, z. B. am Terek, dagegen sehr häufig im östlichen 
und sOdlichen Transkaukasien, z. B. im Kaspischen Strand- 
gebiete, in Talysch, im Gouv. Elisabethpol, in Grusien und 
Armenien, — bis zur Höhe von 4000' üb. d. M. — Ferner 
wächst E. vulgaris im nördlichen Persien, in Afghanistan, 
bis 11,000' hoch (Aitchison), im nördlichen Himalaya, in 
Tibet; desgl. in Turkmenien (z. B. am Ostufer des Kaspi- 
schen Meeres), in Turkestan (Regel)'), in der Dsungarei 
und iuT südlichen Sibirien (Ledebour). 

Namen. — Russisch: Ghwöinik] Stepnäja- Malina (i. e. 
Steppen-Himbeere); BirjutscVji-Jdgody (Pallas); Kalmyz- 
kaja-Malina (Karelin). — Armenisch: Tschörgäk. — Tatar 
risch (im Kaukasus): Katyr-koiruch. — Kirgisisch: KysyU 
tschä. — Kalmükisch: Seergene (Po tan in), Dskergana 
(Pallas). — Grusinisch: Dshoriss-dsua. 



1) Nach der Art der Verbreitung der E, vulgaris, darf man vermuthen, 
dass sie auch im SQden der Gouvernements Woronesh und Tambow nicht 
fehlt; Litwinow führt sie jedoch fQr das letztgenannte Gebiet nicht an. 

2) Earelin bemerkt, dass die langen Wurzelf&den der E. vulgaris da- 
selbst in Bündel gesammelt und als Sassaparille verkauft werden. Dasselbe 
geschieht, nach Steven, auch in der Krim. 

8) Vgl. Acta Horti Petropolitani; t VI, p. 482—488. 

24 




370 



432. (2.) Ephedra procera Fisch, et Mey. 

Diese im Mittelmeergebiete weit verbreitete Art wächst 
bei uns im Kaukasus, sowohl im nördlichen Theile (z. 6. 
am Terek), als im Hauptgebirge (zwischen Darial und dem 
Kasbek) und namentlich in Transkaukasien, besonders im 
östlichen und südlichen Theile, — beispielsweise in Grusien 
(in Menge bei Tiflis), bei Elisabethpol, in Armenien (bei 
Nachitschewan'), so wie in Iberien und Imeretien; desgl. 
auch im Batum'schen Gebiete, bis 5000' Ob. d. M. (G. Koch). 
Ferner ist diese Art in Tarkestan weit verbreitet; sie findet 
sich, nach Regel (1. c, p. 480 — 481), z. B. im Gebirge 
Karatau, bei Turkestan, in Chokand, am Zarafschan, desgl. 
in der Dsungarei; im Gebirge Kysemtschek wächst sie noch 
in der Höhe von 7000' üb. d. M. 

Die Namen sind dieselben, wie für E. vulgaris] am Fl. 
Zarafschan heisst sie Tschakanda (0. Fedtschenko). 



Die nächstfolgenden drei Pflanzenfamilien {Taxineae^ 
Gupressineae und Alnetineae) werden gemeiniglich unter 
dem Begriffe der Nadelhölzer vereinigt, welche, nach eini- 
gen Botanikern, in folgende zwei Hauptabtheilungeh zer- 
fallen^): 

A) Ganiferae. Ihrerseits wird die Abtheilung der Zapfen- 
träger aus folgenden vier Familien gebildet: 

I. Fam. Araacarineae. Sie umfasst gegenwärtig zwei 
Gattungen: SdadopüySj mit einer Art auf sehr beschränk- 



1) Wesentlicli anders ist die Eintheilung^ die von Pariatore, in De 
Candolle's Prodromas, P. XVI, Sectio 2, p. 861—521, angenommen wird. 



mr^ 



— 371 -^ 

tem Gebiete (Japan), und Araucaria^ mit 6 Arten auf der 
südlichen Halbkugel (namentlich in Südamerika und Austra- 
lien). — Zu dieser Familie scheinen die ältesten Nadelhöl- 
zer gehört zu haben, die bereits zur Steinkohlenzeit existirt 
haben, nämlich die Gattungen Walchia und Dadoxylon, Die 
letztere Gattung war auch in Sibirien durch eine Art (D. 
Tchihatcheffianum Göpp.) vertreten. Eine der Sciadopäys 
nahestehende Gattung wuchs zur Tertiärzeit auf der (im 
Kaspischen Meere befindlichen) Halbinsel Mangischlak. 

n. Farn. Bammaraceaey — durch vier Gattungen re- 
präsentirt: 1) Cunninghamia^ init einer Art im südlichen 
China; 2) Ärthrotcum, mit drei Arten auf Van-Diemens- 
land; 3) Dammara^ mit 5 Arten, die nur auf Inseln, haupt- 
sächlich auf der südlichen Halbkugel, wachsen; und 4) Se- 
quqja {WeÜingtonid)^ mit zwei Arten in Californien. — In 
älteren geologischen Perioden waren alle diese vier Gattun- 
gen in Europa vertreten. Eine Art, Sequqja Langsdorfii 
Brongn., war zur Tertiärzeit ausserordentlich weit ver- 
breitet; sie wuchs u. A. in Kamtschatka, am Altai und in 
der Kirgisensteppe. 

in. Fam. Abietineae. 

IV. Fam. Gupressineae. 

B) Gymnospermae drupaceae. — Aus dieser Abtheilung, 
die fünf Familien umfasst, hat für uns ein specielles Inter- 
esse die 

V. Fam. Taodneae. 

Die drei letztgenannten Familien unterliegen im Fol- 
genden unserer Betrachtung. Die geographische Verbrei- 
tung der im europäischen Russland und im Kaukasus wach- 
senden Repräsentanten dieser Familien habeich vor Kurzem, 
in russischer Sprache, unter folgendem Titel monographisch 
behandelt: 

24* 



372 



Feorpa^iraecKoe pacnpocrpaueflie xBOHHbixT> Aepewb bt» 
eBponeficKOH Poccin h na KaBKaai^). (Cn6. 1885. 8°.); Mit 
3 Karten. 

Fam. LH. Taiineae. 

Die Familie der eibenartigen Pflanzen wird von der 
Mehrzahl der Autoren ^) in folgende fünf Gattungen einge- 
theilt: 1) Phyltodadus; 2) Salisburia {Gingko); 3) Gepha- 
lotaanis ; 4) Torreya und 5) Taxus. Mit Ausnahme der Gat- 
tung PhyUodaduSy die nur in wenigen Arten hauptsächlich 
in Nea-Seeland und Tasmanien wächst, finden sich alle 
flbrigen Gattungen auf der nördlichen Halbkugel, und vor- 
zugsweise in der gemässigten Zone. Die Familie der Taxi- 
neae ist gegenwärtig hauptsächlich auf Ostasien, namentlich 
China und Japan, concentrirt. Zur Miocänzeit wuchsen in 
Europa verschiedene Repräsentanten dieser Familie, — 
wie die vielen Reste in der Braunkohle Deutschlands be- 
weisen. Eine der ältesten Gattungen vfBX Salisburia, welche 
gegenwärtig nur durch eine Art, 8. adiantifolia Smith 
{Gingko biloba L.), vertreten ist, die im nördlichen China 
und in Japan wächst. In der Tertiärperiode war eine dieser 
letzteren sehr nahestehende (wenn nicht identische) Art {S. 
adiantoides Ung.) sehr weit verbreitet: sie wuchs z. B. in 
Grönland, auf Ssachalin und in Südeuropa. Die Vorfahren 
der Gattung Salisburia kamen, in den Grenzen Europa's, 
nicht nur in den ältesten Juraschichten ^), sondern sogar im 



1) npHJioxceHie ki> L-My tomj SanncoKi» HiinepaTopcKoft AKa^eMiH 
HayKi». 

2) Einige Botaniker fassen diese Familie indessen weiter, indem sie zu 
derselben noch die Gattungen hinzurechnen, welche die Familie der Fodo- 
carpeae bilden; andere Autoren hingegen trennen von ihr die Gattungen 
PhyUodadus und ScMsburia, als eine besondere Familie der PhyUocUideaef ab. 

8) Vgl. Osw. Heer. «Zur Geschichte der Gingko-artigen Bäume»; in 
Engler's Botan. Jahrbüchern, Bd. 1, 1881, p. 1—18. — Sehr reich war 



— 373 — 

Permischen Systeme vor, wo sie vor Kurzem Graf Saporta 
(im sädlichen Frankreich) entdeckt hat. Ich bemerke bei- 
läufig, däss Salisburia adiantifolia auch bei uns, an der 
SOdkflste der Krim, angepflanzt vorkommt und sehr gut 
gedeiht, trotzdem, dass dort bisweilen Fröste von — 15° C. 
vorkommen. 

Oattang Taxus« 

Diese Gattung ist die einzige aus der Familie Taxineae^ 
die in Europa, und zwar nur in einer einzigen Art {Taxus 
baccata L.) vorkommt. Die Repräsentanten der Gattung 
Taxus wachsen ausschliesslich auf der nördlichen Halb- 
kugel, und zwar fast nur in der gemässigten Zone. Die 
Schwierigkeit, welche die Unterscheidung der einzelnen 
Arten bietet, veranlasste mich, Herrn Akademiker Maxi- 
mowicz darum zu bitten, mir seine Ansicht über die For- 
men der Gattung Taxus mitzutheilen. Seiner verbindlichen 
Antwort entnehme ich folgende interessanten Angaben^): 

«Die Botaniker unterscheiden 2 — 7 Arten Taxus^ und 
zwar: T. baccata L. (in Europa), T. cuspidata Sieb, et Zucc. 
(in Japan), T. WaUichiana Zucc. (im Himalaya), T. cana- 
densis Willd. (in Canada), T. brevifoUa Nutt. (T. Lindley- 
ana Laws., in Californien), T. floridana Nutt. (in Florida) 
und T globosa Schlecht, (in Mexico). Aber die verschiede- 
nen Autoren gehen in ihren Ansichten über die einzelnen 
Arten sehr auseinander. So »kennt Pariatore (in De Can- 
dolle, Prodromus, t. XVI, 2, p. 500) keinen Unterschied 
zwischen T. WaUicUana und T baccata an und erwähnt 



Sibirien zar Jora-Zeit an Repräsentanten dieser Gattung; zwei derselben, 
n&mlich 8, digüata Brongn. und 8. Euttoni Stemb., waren westw&rts bis 
England und nordwärts bis Spitzbergen verbreitet. 

1) Diese Mittheilungen sind hier aus der russisch geschriebenen Ant- 
wort übersetzt. 




— 374 — 

T. floridana gar nicht. Michaux (FI. bor. Amer., t. II, 
p. 245) und Äsa Gray (Manual, 5. edit., p. 474) halten 
T. canadenais für eine einfache Varietät von T, baccatUj 
wfihrend Carriere (in der neuen Auflage seines Trait6 des 
coniföres, t. II, p. 733) T. cuspidata von T. baccata nicht 
unterscheidet, nachdem er beide Formen in der Kultur be- 
obachtet, und die japanische Form als T. baccata var. cus- 
pidata Carr. bezeichnet. Die Meinungsverschiedenheit wäre 
gewiss noch grösser, wenn die übrigen, wenig bekannten 
Arten gleichfalls kultivirt würden. Bei einem Yergleicho 
im Herbarium des Kaiserlichen Botanischen Gartens (in 
St. Petersburg) aller beschriebenen Formen (mit Ausschluss 
des daselbst nicht vorhandenen T.globosa)^ fällt am meisten 
T. WaUkhianaj durch seine sehr langen, schmalen und zu- 
gespitzten Blätter auf, — während Brandis (Forest Flora 
of British India) auch ihn für nicht verschieden von T. 
baccata ansieht; und in der That gleichen die Blätter seiner 
fruchttragenden Zweige denen unseres Eibenbaumes. 

«Uns interessiren hauptsächlich T. baccata^ T, ctispidata 
und T. canadensis; der letztere ist durch seinen kriechen- 
den Wuchs und seine kleine Frucht ausgezeichnet. Die 
ersten beiden sind Bäume, die einander ausserordentlich 
gleichen, aber bei T. cmpidata ist die Frucht kleiner (6 
Mm.), als bei T. baccata (8 — 11 Mm. nach Pariatore, 7 
Mm. nach Trautvetter) ^). Der Kleinheit seiner Frucht 
nach nähert sich mithin T. cuspidata dem T. canadensis (5 
Mm.). Nach der Grösse der Frucht zu urtheilen, finden wir 
in Japan und im südlichen Ussuri* Gebiete T. ctispidata^ 



1) Ich bemerke meinerseits, dass Pariatore von der westeuropäischen 
Form handelt, während die Messungen Trautvetter's sich auf die kauka- 
sische Eibe beziehen, welche, danach zu urtheilen, einen üebergang von 
der westeuropäischen zur ostasiatischen Form zu bilden scheint. 



— 375 — 

dagegen auf der Insel Ssachalin und am unteren Amur jene 
Form, die Trau t Vetter^) als T. baccata var. microcarpa 
Trautv. bezeichnete. F. Schmidt (Flora Sachalinensis, 
Jk 399) nennt die Ssachalin^sche Eibe gleichfalls T. b. micro- 
carpa. Diese kriechende Varietät vom nördlichen Amur 
und von Ssachalin ist thatsächlich von 7. canadensis nicht 
zu unterscheiden, worauf auch Trautvetter selbst auf- 
merksam gemacht. Indessen findet sich diese Varietät in der 
Mandshurei, am mittleren Amur, nicht nur als kriechender 
Baum von 5 Zoll Stammesdicke, sondern auch als aufrecht 
wachsender vielstämmiger Strauch, der 4 — 10 Fuss hoch 
wird. 

ccAus Vorstehendem kann man folgenden Schluss ziehen : 
unser Eibenbaum, T. baccata^ der in Europa, Nordafrika, 
im Kaukasus und im Himalaya wächst, besitzt eine klein- 
frflchtige Varietät, die in den östlichen Theilen Asiens und 
Nordamerika's angetroffen wird. Im Norden (am Amur, auf 
Ssachalin und in Canada) tritt diese Varietät kriechend auf, 
indem sie sich vor den Winterfrösten unter einer tiefen 
Schneeschicht birgt; Dies ist T. baccata microcarpa Trautv. 
(T. canadensis Willd.). Im Süden (im südlichen üssuri-6e- 
biete, in Japan, — im Süden nur im Gebirge) erwächst die- 
selbe Varietät zu einem ansehnlichen Baume und wird zum 
T. cuspidata Sieb, et Zucc. 

«T. baccata var. microcarpa Trautv. wird, innerhalb Ost- 
asiens, an folgenden Orten angetroffen: Im Amurgebiete nur 
am Ssichota-Alin', nordwärts bis Sofijsk, namentlich auf den 
Gebirgen am rechten Ufer des Amur, z. B. zwischen den 
Mündungen des Ghungari und des Gorin (Maximowicz); 
BoFschew beobachtete ihn beim Eaiserl. Hafen (Imperator- 



1) In G. J. Mazimowicz's «Primitiae florae Amurensis»; L c, p. 259. 



— 376 — 

skajaGawan' oder Bai Hadshi, unter 49^ n. Br.); nach Aussage 
der Eingeborenen, wächst er östlich vom Ussuri, an dessen 
Zuflüsse Ima und weiter südwärts; endlich findet er sich noch 
sQdlicher, am oberen Laufe des Li-Fudin (Maximowicz). 
Die Eingeborenen behaupten, dass diese Eibe bisweilen als 
krummwfichsiger Baum, bis zu 1 Fuss im Durchmesser, auf- 
trete. Im Norden des Amur findet sie sich nicht, so z. B. 
am Fl. Amgun' und im Burejä-Gebirge (F. Schmidt und 
Badde). Auf der Insel Ssachalin beobachtete Schmidt 
diese Varietät sfldlich von Dui und Arkai. — Auf diese 
Form dürfte auch die Angabe von Pallas^) zu beziehen 
sein, dass auf der Insel Ketoi (der 15. der Kurilen-Kette) 
eine besondere Baumart vorkomme, die der Tanne gleiche, 
sehr festes Holz habe und rothe Beeren mit hartem Kerne 
trage; Pallas selbst spricht die Yermuthung aus, dass die- 
ser Baum, der von den Eingeborenen Baima genannt wird, 
ein Taoßus sei. 

«Auf der «Bussischen Insel» (Russkij Ostrow), im sfid- 
liehen Ussuri-Gebiete, wo die Eibe sich ziemlich häufig 
findet, werden die grössten Bäume bis 50 Fuss hoch, bei 

einem Stammesdurchmesser von 3 Fuss ') Da sie mitten 

in dichten Wäldern, im Innera der «Russischen Insel», wächst, 
so erscheint ihr Vorkommen auf Korea sehr wahrscheinlich»^). 

Auf Grundlage dieser ausserordentlich dankenswerthcn 
Mittheilungen, glaube ich die Vermuthung aussprechen zu 
dürfen, dass das Ausgangsgebiet der Repräsentanten der 
Gattung Taxus in Ostasien zu suchen sei, wo, wie wir ge- 



1) Nene nordische Beitr&ge; t. IV, p. 128. 

2) Wie bemerkt, h&lt Maximowicz diese Form fQr identisch mit dem 
japanischen T, OMpidata (resp. T. haceata yar. euspidata), 

8) Am unteren Ussnri fehlt derEibenbaum; wenigstens erwähnt Regel 
desselben nicht in seinem «Tentamen florae üssuriensis». (M6m. de l'Acad. 
Imp. d. sc. de St. P6tersboarg, YII. s6rie, t. lY, J^ 4; 1861). 



_ 377 — 

sehen, auch die gesammte Familie der Taodneae hauptsäch- 
lich concentrirt ist. Von hier ist die Urform der Eibe 
(welche vielleicht dem T. cuspidata am nächsten stand) 
einerseits nach dem Nordosten, — über die Kurilen (und 
Aleuten?), nach Nordamerika gewandert, indem sie in den 
nördlichen Gegenden Ostasiens zur kriechenden, kleinbeeri- 
gen Form (T. baccata microcarpa Trautv. = T. canadensis 
Willd.) zusammenschrumpfte und als solche nach Amerika 
gelangte; andererseits siedelte sie nach Westasien und Eur 
ropa über, wobei ihre Beeren, je weiter sie nach Westen 
kam, immer grösser wurden. Man darf ferner vermuthen, 
dass der Weg, längs welchem diese letztere Wanderung, 
wahrscheinlich ^ur Miocänzeit, Statt fand, im SQden des 
Han-hai, d. h. des damaligen chinesischen Binnenmeeres, 
gelegen habe, — längs den Gebirgszflgen, welche im Osten 
und Süden die gegenwärtige Gobi- Wüste begrenzen und 
westwärts sich an die Gebirge Tibet's anschliessen. Auf 
diese Weise wird der Zusammenhang hergestellt zwischen 
dem T. cuspidata im südlichen Ussuri- Gebiete und dem in Ti- 
bet und im Himalaja wachsenden Taoims Wallichiana, Wenn 
aber gegenwärtig eine grössere Unterbrechung in der Verbrei- 
tung des Eibenbaumes bemerkt wird ^), so darf man annehmen, 
dass er in einigen Zwischengebieten ausgestorben ist; eine 
solche Annahme ist um so zulässiger, als nach dem Schwinden 
des Han-hai und nach der Ausbildung, au seiner Stelle, der 
Sandwüste Gobi, das einstige maritime Klima der im Süden 
gelegenen Gebirge einem kontinentalen Klima, mit sehr 
heissen Sommern und rauhen Wintern, weichen musste; 
wir werden aber sehen, dass der Eibenbaum stärkere Kälte 
nicht verträgt. 



1) Uebrigeos kommt er in der chinesischen Provinz Yun-nan vor (vgl. 
unten). 



378 



433« (1.) Taxus haccata L. 

Der Eibenbaum findet sich bei uns wildwachsend nur 
im äussersten Westen und Süden. Die Grenzlinie seiner 
Verbreitung verläuft von den Älanda-Inseln (etwa unter dem 
60^ n. ßr.), durch den westlichsten Theil Estlands und Liv- 
lands, steil nach Süden, femer durch das Gouv. Grodno, 
Wolynien, Podolien und Bessarabien (?). Jenseits der Steppe 
wächst er in den Gebirgen der Krim und des Kaukasus. 

lieber das Vorkommen des Taxus auf den Älands-Inseln 
liegen leider keine genaueren Angaben vor, — was um so 
mehr zu bedauern ist, als diese Inseln den nördlichsten 
Fundort desselben bilden. Ledcbour (Fl. ross.,III,p. 667) 
beruft sich auf die Angaben Kalm's und Wirzen's. Rad- 
ioff ') erwähnt gleichfalls nur die Thatsache des Vorkom- 
mens, ohne irgend welche Details. In einem Kataloge des 
Forstinstitutes von Evois ^ heisst es, dass die Eibe, in den 
Greuzen Finlands, ausschliesslich^) auf den Älands-Inseln 
wachse, und zwar gewöhnlich strauchförmig, und nur selten 
als kleines Bäumchen. — In Estland ist der nördlichste 
Fundort der Eibe beim Gute Newe, nördlich von Hapsal, 
unweit der Meeresküste (Wiedemann und Weber); indes* 
sen muss sie daselbst sehr selten sein, denn Hr. Jürgens, 
der bei Hapsal sehr eifrig botanisirt hat, hatte sie nicht von 
daher in seinem Herbarium, wie ich selbst mich zu fiber- 



1) Fr. W. Radioff. Beskrifning öfver Aland. (Abo, 1796); p. 235. 

2) Catalogae special d'objets forestiers enyoyös k rezposition de Mos- 
couen 1882 par rinstitut forestier d'Evois en Finlande; p. 4. 

8) Die vagen Angaben aber das Vorkommen der Eibe in Finland selbst 
haben sich als falsch erwiesen. So sollte sie auf der Insel Jalasaari im 
Lojo-See (westlich yon Helsingfors) spontan wachsen, was neaerdings von 
Prof. Lind borg widerrufen wird. Vgl. Meddel. af Soc pro fauna et flora 
fenn., Hft. 6, 1881, p. 188. 



— 379 — 

zeugen Gelegenheit hatte. Nach mfindlicher Mittheilung des 
Hrn. Försters Lütkens, findet sich die Eibe strauchförmig 
bei Audern, westlich von Pernau, wie bereits Georgi^) an- 
gab. Weiter nach Süden kommt sie bei Salis und Pernigel ^ 
vor. In Kurland ist T. baccata ziemlich verbreitet, beson- 
ders in den Strandgegenden, z.B. bei Angern, AngermOnde 
und Windau; desgl. bei Tuckum, Dondangen etc. Erwächst 
auch auf den Inseln Dago und Oesel; auf der letzteren fand 
ihn F. Schmidt an verschiedenen Stellen, z. B. zwischen 
Mustel und Karris, so wie auf der Halbinsel Sworbe. — 
In Kurland erwächst die Eibe zu einem ansehnlichen Baume ; 
Willkomm*) hat auf den «Blauen Bergen» (auf der Nord- 
spitze Kurlands) ein Exemplar gesehen, das, bei einer Höhe 
von 40 Fuss, in Brusthöhe einen Durchmesser von 2V/^ 
Zoll hatte. 

Nach Jundzill, findet sich der Eibenbaum im Gouv. 
Kowno, bei Rossieny und Szwekszeny. Im Gouv. Grodno 
wächst er selten im Walde von Bfalowieza (Eichwald, 
Dalmatow, Kowal'skij, v. d. Brincken), desgl. im 
Kreise Brest und unweit Grodno (Gilibert); hier soll er 
einen Durchmesser von 1 Fuss erreichen. Das Vorhanden- 
sein dieser Holzart in Wolynien und Podolieu, ohne ge- 
nauere Fundorts- Angabe, erwähnt nur Eichwald, während 
Besser, Juudziil, Rogowicz und Schmalhausen sie 
nicht von daher kennen. Aus Bessarabien liegen keine An- 
gaben über das Vorkommen derselben vor. Daher fragt es 
sich, ob die Ostgrenze ihrer Verbreitung nicht aus demsöd- 



1) Beschreibung des Russischen Reichs, Th. 3, p. 1361. — Die hier be- 
findliche Angabe, dass die Eibe auch bei Dorpat wachse, ist jedenfalls irr- 
thümlich. 

2) Und zwar soll auf dem Gute Susikas ein ganzer Bestand wachsen. 
Vgl. «Das Inland», 1869, J^ 17, p. 343. 

3) StreifzQge durch die Baltischen Provinzen. (Dorpat, 1872); p. 121— 122. 



— 380 — 

östlichen Polen, über Galizien und die Bukowina, nach der 
Moldau verläuft, ohne Wolynien, Podolien und Bessarabien 
zu berühren? — In den Grenzen des Zarthums Polen fiodet 
sich der Eibenbaum hie und da, meist nur vereinzelt; so 
z. B. in den Wäldern von Preny am Njeman (im Sfiden von 
Kowno), worüber Jundzitl und PotajaAski^) berichten; 
nach dem Letzteren, wächst er auch in den Kreisen Kalwa- 
ryja und Maijampol. Nach den Angaben J. Waga's") und 
RoBtafinski's (l.c.,p.88 — 89), findet sich der Eibenbaum 
z. B. bei Ostrolenka, zwischen Sejny und Lipsko, in Grzqdy 
bei Rajgröd, am Fl. Tanew, in Odrow^zek unweit Opatöw, 
so wie auf dem Berge Lyse-g6ry. Nach dem Zeugnisse 
Rostafinski's, war die Eibe in Polen bereitsim XIV. Jahr- 
hundert ein seltener Baum. 

Nach Steven, sollen in der Krim nur wenige Eiben- 
bftume existiren, die in Felsklüften nnterhalb der Jaila 
wachsen; nnd auch diese erreichen nur unbedeutende 
Dimensionen. Indessen bemerkt Rudzki, dass die Eibe 
ziemlich liäufig in Felsklfiften, in der Hfihe von 3000 — 
3500' üb. d. M , desgl. auch in schattigen Kiefernwäldern 
am SQdabfalle des Gebirges, angetroffen wird. Nach einer 
mündlichen Mittheilung des früheren tauriscben Gouverne- 
ments-Forstmeisters Bulatow, fand er die Eibe auf der 
Kammhohe des Gebildes oberhalb SsimeTss, Kikinels'), 
Myss-chor und Muchalatka, in verkümmerten Exemplaren, 
— wahrschemlich in Folge der heftigen Winde, die daselbst 
herrschen. Ich selbst habe Tamsh&ame beim Aufgange zur 



1) Opisanie ]as6w kröleatwa Polskiego, etc.; 1. 1, p. 336. 

2) Flora polaka; t. 2, p. 676. — Wag& hat B&nme von 1% Faden (lO'/t 
FuBs) Hohe gesehen. 

3) Oberhalb KikinelB goll r.boceoto, wie Hr. Aggienko mittbeilt.nacb 
oben zn, als letztes Holzgew&chs auftreten. 



— 381 — 

Jaila, oberhalb Jalta, etwa in der Höhe von 3000' üb. d. 
M., gesehen. Rudzki hat in der Krim keine ganz geraden 
Eibenstämme beobachtet; zwischen den Felsen erscheint 
die Eibe grossentheils fast strauchförmig. 

Medwedew bemerkt, dass «die Eibe im Kaukasus weit 
verbreitet sei ; sie findet sich in allen Gebirgswäldem Trans- 
kaukasien's, mit Ausnahme des Gouv. Eriwan' und des Ge- 
bietes von Kars; relativ häufig wächst sie im westlichen 
Transkaukasien, besonders in den Strandgegenden Gurions, 
Abchasiens und des sfldlichen Theils des Bezirks des Schwar- 
zen Meeres; im nördlichen Kaukasus findet sich diese Baum- 
art in der Haupt- Gebirgskette, doch viel seltener, als in 
Transkaukasien. Ihre vertikale Verbreitung ist gleichfalls 
bedeutend: sie wächst hauptsächlich in der unteren und 
mittleren Zone der Gebirgswälder, von der Meeresküste ab 
bis zu 5000 — 5500' üb. d.M.». Da Medwedew keine ge-' 
naueren Fundorts-Angaben mittheilt, will ich einige Data 
anderer Autoren zusammenstellen: Gmelin fand die Eibe 
an der Kuma, Guldens tä dt am Terek, in Ossetien und 
Imeretien; C. A. Meyer beobachtete sie in der subalpinen 
Region des nordöstlichen Kaukasus; Eichwald fand sie in 
Mingrelien, Hohenacker in Karabagh und im Gebirge von 
Talysch. C. Koch sah sie in Letschgum und Ratscha, auf 
Porphyr und Kalk, etwa in der Höhe von 4000', so wie im 
Gebirge Nakerale, gegen 5000' üb. d. M. Ssredinskij 
traf die Eibe an verschiedenen Stellen des Rion-Thales an, 
während C. Koch dieselbe auch an der Mündung dieses 
Flusses, so wie am unteren Laufe des Tschoroch beobach- 
tete. Mithin wächst diese Holzart auch im Batum'schen Ge- 
biete^), woher man vermuthen kann, dass sie auch im Ge- 



1) Farst Massalski verdanke ich die Angabe, dass die Eibe im Gebiete 
von Batum aberall zerstreut vorkommt; in Menge wächst sie in der Dewe- 




— 382 — 

biete ron Kars nicht fehlt. Was aber das Goot. Eriwan* 
betrifft, wo sie, nach Medwedew, oidit Yorkommen soll, 
80 bezeugt Blawatskij*), dass die Eibe daselbst aaf dem 
Gebiiige wichst, welches deo See Goktscha im Södosten 
begrenzt; es sollen sich hier sogar stellenweise reine Taxus- 
Bestände finden, die jedoch viel von Fenem zn leiden haben, 
welche toh nomadisirenden Tataren-Hirten angel^ werden ; 
die Eibenstämme erreichen hier die Dicke von 44 Cm. End- 
lich berichtet J.Wassiljew, dass die Elibe im Bezirke des 
Schwarzen Meeres hauptsächlich in der Bochenregiim wachse, 
und zwar meistens in Gesellschaft des Bnchsbanmes, bis 
znr Höhe von 3000' fib. d. 51. — Nach Medwedcw, er- 
wächst die Eibe im Kankasos zn einem hochstämmigen 
Baume und erreicht eine Höhe Ton 70 Fuss, bei einem 
Stammesdurchmesser von 3 — 4 Fnss. In Folge ihres lang- 
samen Wachsthums erscheint sie jedoch stets nur als Unter- 
holz. 

Im Zusammenhange mit der Verbreitong der Eibe im 
Kaukasus (und spcciell in Talysch) steht ihr Yorkommen im 
Alburs-Gebirge, wo Buhse sie im oberen Ketul-Thale (im 
Südosten von Asterabad) angetroffen hat. Welter östlich 
wird ihre Verbreitung durch die gegenwärtige Waldlosig- 
keit der Gebirge Chorassan's unterbrochen ; man darf an- 
nehmen, dass zur Zeit, als an Stelle der jetzigen turkmeni- 
schen Wfiste noch das Aralo-Kaspische Meer fluthete, jene 
Gebirge bewaldet waren und aucii der Eibenbaura dort vor- 
kam. Er tritt im östlichen Afghanistan wieder auf, wo er, 
nach Aitchison (1. c, 1881, pp. 13, 97), westwärts nicht 



kerscben Schlacht, am Fosse des Kortschchal. Im Gebiete von Kars hat er 
sie nicht beobachtet. 

l)EjaBaTCRift. rnJl^pesecEun pacremH dpasaHCRoi ry6epRiHB.(AKRJH- 
■aTHsai^ifl, T. I, 1860 r., crp. 252). 



— 383 — 

Ober den Fluss Gandbäo geht; er wächst daselbst im höhe- 
ren Gebirge, 7500—9000' flb. d. M. Nach W. Hoffmei- 
ster ^), findet sich T.haccata im Himalaja, in der Höhe von 
5000 — 8000' üb. d.M., zwischen dem 30'' und 32° n.Br.; 
er bildet dort kleine Haine. Hoffmeister selbst war übri- 
gens nicht sicher, ob der dortige Eibenbaum wirklich T. 
haccaia sei oder einer anderen Art angehöre. Einige Bota- 
niker, wie z. B. Hildebrand^) und Willkomm, vermutljen, 
dass im Himalaya nur T. Wallichiana Zucc. wachse. Wenn 
wir jedoch einerseits in Betracht ziehen, dass T. baccata im 
benachbarten Afghanistan vorkommt, andererseits aber, 
dass T. Wallichiana j nach Hildebrand's eigener Angabe, 
nicht unter 8000' üb. d. M. angetroflFen wird, während die 
von Hoffmeister gefundene Eibe bis 5000' üb. d.M. hinab- 
geht, — so fragt es sich, ob diese letztere nicht identisch 
mit T. baccata ist? Und eine solche Vermuthung wird durch 
mehrere Angaben bestätigt. So bezeugt Brandis"), dass 
im Himalaya T. baccata wachse, die sich vom europäischen 
Eibenbaume nicht unterscheide. Nach S. Kurz^), soll der 
letztere auch noch in der südwestlichsten chinesischen Pro- 
vinz Yun-nan vorkommen. Endlich sind, wie wir gesehen 
haben, auch die am Amur, am Ussuri und in Japan wach- 
senden Eibenformen nur als Varietäten von T. baccata zu 
betrachten. 



1) In d. Botan. Zeitung, 1846, Sp. 185. 

2) F. Hildebrand. «Die Verbreitung der Coniferen in der Jetztzeit 
und in den früheren geologischen Perioden» ; in d. Ycrhandl. d. naturhist. 
Vereines der preussischen Rheinlande und Westphalens; Jahrg. 18, 1861; 
p. 885. 

3) Stewart and Brandis. The Forest Flora of India; p 539—541. — 
Brandis hält T. WaUichiafia Zucc. für identisch mit T. haccaia. 

4) «On a few new Plauts from Yunan». (Journal of Botany, 1873, p. 
193-196.) 



384 



Es fragt sich nun : welche Ursachen bedingen die von 
mir gezogene Yerbreitungsgrenze des Eibenbaumes im eu- 
ropäischen Russland? Offenbar ist es die Winterkälte, welche 
seiner Verbreitung nach Norden und Osten Halt gebietet. 
In der That gleicht jene Grenze der Januar-Isotherme von 
— 472° C. Die Eibe gehört mithin zu einer ganzen Gruppe 
von Holzgewächsen, die in ihrer Verbreitung durch die 
Winterkälte beschränkt werden. Zu dieser Gruppe gehören 
beispielsweise: die europäische Edeltanne, die Buche, die 
Stechpalme {Hex Aquifolium\ der Epheu ^), Erica tetra- 
lix etc. 

Das Vorkommen der Eibe ausserhalb der Grenzen Russ- 
lands zeigt, dass sie zu ihrem Gedeihen sehr ausgesprochen 
des maritimen Klima's, oder aber des Gebirgsklima's be- 
darf, welches bekanntlich dem maritimen in vielen Stücken 
gleicht. Sie findet sich auf den Azoren, wo sie früher in 
Menge wuchs. Ferner kommt die Eibe in Algier, auf dem 
Dshurdshur-Gebirge, vor. In den Grenzen Europa's^wächst 
sie auf den Gebirgen Portugals und Spaniens; im letzteren 
findet sie sich sowohl auf der Sierra- Nevada (bis 6000' hoch), 
als auf den Pyrenäen (bis zur Höhe von 5000' üb. d. M.). 
In Frankreich kommt die Eibe vorzugsweise auf Gebirgen 
vor, namentlich auf den Cevennen, dem Jura und den Vo- 
gesen ^). Sie ist in Irland, England und Schottland ziemlich 
verbreitet; im letzteren geht sie bis zum 58^ n. Br.; ferner 
wächst sie im südlichen Norwegen, wo sie, im westlichen 



1) Mit der Bache, dem Epheu und der Stechpalme hat die Eibe das Ge- 
meinsame, dass aUe diese vier Holzarten einerseits im südwestlichsten Eu- 
ropa (in Portugal und Spanien), in Schottland und im sQdlichen Norwegen, 
andererseits aber in ganz Transkaukasien vorkommen. Sehr interessant ist 
es, dass die meisten der genannten Arten sich in Japan wiederfinden. 

2) Tu der Ebene findet sie sich im Departement la Moselle. Vgl. A. Ma- 
th ieu. Flore forestiöre. (1877); p. 444. 



— 385 — 

Theile, ihre Nordgrenze unter 62^25' n. Br. erreicht^); 
in Schweden geht sie bis zum 61^, und auf den Alands- 
Inseln bis zum 60^ n. Br. Der weitere Verlauf ihrer Ver- 
breitungsgrenze ist oben mitgetheilt. Die Südgrenze der 
Eibe verläuft (abstrahirt von Algier) von Spanien über Süd- 
frankreich und ostwärts längs den Alpen, von denen sie 
einen Zweig südwärts, längs den Apenninen, hinabsendet; 
die Eibe findet sich, nach Pariatore, auch auf den Inseln 
Sardinien und Sicilien. Ob sie im Balkan-Gebirge wächst, 
darüber liegen mir keine Angaben vor; Grisebach fand sie 
nicht in Macedonien, wo sie indessen, nach dem Zeugnisse 
Theophrast's^), früher vorkam. In den Gebirgen Griechen- 
lands hat die Eibe sich noch erhalten^), desgl. auch in 
Kleinasien; z. B. im Cilicischen Taurus, wo Eotschy sie, 
in der Höhe von 4000—7000' üb. d. M. angetroffen, so 
wie im Nordwesten, am Fl. Ssimaw-tschai (derin'sMarmora- 
Meer mündet), wo F. Calvert sie beobachtet hat*). Von 
hier zieht sich die Südgrenze der Eibe, über das Pontische 
Gebirge und Transkaukasien, nach dem Alburs -Gebirge. 
Ein grosses Interesse bietet die Verbreitung der Eibe 
in den Grenzen Deutschlands, wo sie früher viel häufiger 
vorkam und grössere Flächenräume einnahm, als gegen- 
wärtig. Darüber berichten die Aufsätze von C. Seehaus*) 
und A. Rose®); nach Aussage des Letzteren, geht die Eibe 

1) F. C. Schabeier. Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 174. 

2) Vgl. E. Koch. Die Bäume und Sträucher des alten Griechenlands. 
(1879); p. 41. 

3) Boissier. Flora orientalis; t. V, p. 711. 

4) Vgl. P. Ascherson. «Beitrag zur Flora des nordwestlichen Klein- 
asiens»; im Jahrbuch d. Egl. botanischen Gartens zu Berlin, Bd. 2, 1888, 

p. 365. 

5) «Ist die Eibe ein norddeutscher Baum?» (Botanische Zeitung, 1862, 

Sp. 38—39). 

6) MTaxiM haccata in Thüringen». (Botanische Zeitung 1864, Sp. 

298—302). 

25 



— 386 — 

nicht nur in Thüringen, sondern Oberhaupt in Deutschland, 
mit raschen Schritten ihrem Aussterben entgegen^). Im 
nördlichen Deutschland wächst sie vorzugsweise, als Unter- 
holz, in gemischten Wäldern, auf etwas feuchten Niederun- 
gen. Seehaus bemerkt, dass die Eibe in Deutschland sich 
in zwei Zonen findet: 1) in Strandgegenden der Ostsee, be- 
sonders in Pommern (mit Einschluss Rfigen's), so wie in 
West* und Ostpreussen ; und 2) auf den mittel- und süd- 
deutschen Gebirgen. Im Gebiete, das zwischen diesen beiden 
Zonen liegt, scheint sie zu fehlen. Wie Seehaus hervor- 
hebt, wird eine ganz ähnliche zonenförmige Verbreitung 
auch bei einigen anderen Holzgewächsen (Hex Äguifolium^ 
Empetrum nigrum und HippophaS rhamnoides) beobachtet. 
Er vermuthet, dass diese PlSanzen (incl. die Eibe) in post- 
glacialer Zeit im ganzen Zwischengebiete vorhanden gewe- 
sen, später jedoch, in Folge des kontinental gewordenen 
Elima's, daselbst ausgestorben sind, während sie sich im 
Baltischen Strandgebiete, so wie in den Gebirgen, erhalten 
haben. 

Ich habe bereits oben die Vermuthung ausgesprochen, 
dass die Eibe nach Europa, zur Tertiärzeit, aus Ostasien 
übergesiedelt ist und dass ihre Wanderung längs jenen Ge- 
birgen Statt gefunden, die, um jene Zeit, im Süden das 
einstige chinesische Binnenmeer Han-Hai, so wie das ge- 
waltige Aralo-Kaspische Meer umrahmten. Die grossen ver- 
dunstenden Oberflächen dieser beiden verschwundenen Meere 
mussten an ihren Küsten ein maritimes Klima erzeugen, 
welches dem Gedeihen der Eibe zusagte. Wahrscheinlich 
war sie damals über Tibet verbreitet, in dessen nördlichem 



1) Das Gleiche bestätigt J. A. Knapp in Betreff Galiziens. Vgl. dessen: 
Die Pflanzen Galiziens und der Bukowina. (1872); p. 82. 



— 387 — 

Theile sie, unter dem versengenden Hauche der Gobi- Wüste, 
nachträglich ausgestorben ist^). 

Namen. — Russisch: Tiss^); desgl. Negnoi^)] — Pol- 
nisch: Gis. — Littauisch: Eglus. — Lettisch: Ihwe^). — 
Norwegisch: Ba/rlind. — Schwedisch: 7rf, Idegran\ Barr- 
lind. — Ossetisch: 8a8% — Armenisch: 8l9chn%\Kem. — 
Finnisch: Marjakuasi (i. e. Beerenfichte); Punakatqja (i. e. 
rother Wachholder). — Estnisch : Juga pü •). — Tatarisch 
(in der Krim): Dafin (Rudzki); (im Kaukasus): Eisü- 
agdtsch (i. e. rother Baum). — Grusinisch: Vtchowari^ 
Urtchii, Ssadshi^ Schtachssi^). — Imeret., gurisch: ürt- 
chmelGy ürtchwda. — Mingrelisch: Ürtcheli. — Ingusch.: 
Bäs. — Tschetschen.: Basisch'detschik. — Abchasischr^a« 
Kabardin., tscherkessisch : Pchamuf, — Awarisch: TMu. 
— Kumykisch : ^arörf ^. — Türkisch: Illeden-Bajas (Bois- 
sier). — Persisch: Skurchedor (Buhse). 

Farn. LIII. Copressineae. 

Die Familie der cypressenartigen Holzgewftchse zer- 
fällt, nach einigen Autoren, in folgende fünf Gruppen: 

I. Cupressineae verae. Hierher gehören die Gattungen: 
1) Cupressus (vgl. unten); 2) Chamaecyparis^ drei Arten, 

1) Przewalski hat sie daselbst nicht gefanden. 

2) Verwandt mit poln. Cis and lat. Taxus, — Vgl. über diese Namen: 
V. Hehn. Ealtarpflanzen and Haasthiere; Aufl. 4, (1883); p. 488—484. 

3) Von: ne gni^ = nicht £aalen, — yon der grossen Danerhaftigkeit des 
Holzes. — Es ist merkwürdig, dass diese Holzart, trotz ihres fast vollstän- 
digen Fehlens in Rassland, zwei rassische Namen hat 

4) Verwandt mit dem dentschen Eibej Ibe, althd. Itoa; franz. JJ; 
engl. Tew, 

5) Vielleicht verwandt mit Taxus? 

6) Von juga = Wasserfall, Vertiefung, Streifen, and pü = Baam. 

7) Die beiden letzten Namen erinnern an Taxus, 

8) Bedeutet im Tatarischen die Kiefer. 

25* 



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— 388 — 

in Nordamerika und in Mexico; 3) Betinospora^)^ drei Ar- 
ten, alle in Japan. — Die Gruppe der wahren cypressen- 
artigen Bäume ist ausserordentlich alt: die von Göppert 
aufgestellte Gattung UUmannia geht fast bis zur Stein- 
kohlenzeit hinauf. 

IL Taxodineae^). Diese Gruppe besteht aus vier Gat- 
tungen: 1) Glyptoatrobmy mit zwei Arten^ in China. Eine 
Art (GL europaeus Heer) wuchs zur Miocänzeit fast in ganz 
Europa, so wie an der Westküste Nordamerika's. — 
2) Taxodiumj mit zwei Arten, in Nordamerika und auf den 
Gebirgen Mexico's. Sehr bekannt ist die sogen. Sumpfcy- 
presse (T. distichum Rieh.), die in Sümpfen und an Fluss- 
ufern Nordamerika's, namentlich am Missisippi, wächst; 
eine sehr nahestehende (vielleicht identische) Art war in der 
Miocänzeit ausserordentlich weit verbreitet, z. B. in Europa 
vom Mittelmeere bis zur Ostsee, im nördlichen Grönland 
und in Alaska. — 3) Otyptomeria^ mit nur einer Art in 
Japan. — 4) Fitz-Boya^ gleichfalls mit einer einzigen Art, 
in Patagonien. 

III. Thuyopsideae. Die Gruppe der Lebensbäume wird 
aus drei Gattungen gebildet: 1) Bioto, mit einer Art, B. 
Ofientalis L., die in Japan, China und in Centralasien zu 
Hause ist'). Dieser Baum kommt auch in Russland vielfach 



1) Pariatore betrachtet die Gattung Betinospora als identisch mit CAa* 
maecyparis; und nach Bentham und Hook er (Genera plantarom), w&ren 
alle drei genannten Gattungen zar einzigen, Oupre«9tM, zusammenzuziehen. 

2) Pariatore sieht diese Gruppe als eine besondere Snbtribus an, die 
gleichwerthig mit der Subtribus Cupressineae ist Er rechnet dazu noch 
die oben genannten Gattungen Ounninghamia^ ÄrthrotcunSy Sciadopytis und' 
Sequoia, so wie die Gattung Widdringtonia^ w&hrend er die Gattung FUe* 
Boya lu den Cupressineae stellt 

S) Nach Buhse und Boissier, findet sich B.orientäUs (persisch: /Sisolr) 
wildwachsend im Süden des Easpischen Meeres, unweit Asterabad und im 
Eetul-Thale. B. jpendula Endl. wird von Pariatore als Varietät zu B. 
orientaUs gezogen. 



— 389 — 

angepfiauzt vor ; er gedeiht auch noch in der Umgegend von 
St. Petersburg. 2) Thuya^ vier Arten in Nordamerika, 
eme in Japan. 3) Thuyopm^ mit 1 — 2 Arten, in Japan. 

lY. Äctinostrdbeae. Diese Gruppe, die aus 7 Gattungen 
besteht, ist gegenwärtig fast ausschliesslich auf der sfidlichen 
Halbkugel vertreten. Zur Mioc&nzeit wuchsen Repräsentan- 
ten zweier Gattungen {lAbocedrus und Gallitris) auch in 
Europa. 

V. Juniperineaej — aus der einzigen Gattung June- 
perus gebildet, die weiter unten besprochen wird. 

Unserer Betrachtung unterliegen Repräsentanten nur 
aus der ersten und der letzten der genannten fünf Gruppen. 

Gattung L Cupressus» 

Die Cypressen sind in 14 Arten in der gemässigten 
Zone der nördlichen Halbkugel verbreitet; davon kommen 
5 auf die Alte und 9 Arten auf die Neue Welt. 



434. (1.) Gupressus sempervirens L. (C fastigiata DG.). 

Als Varietät gehört hierher auch G. horizontalis Mill., 
welche von einigen Autoren, doch wohl mit Unrecht, als 
eine besondere Art betrachtet wird. 

Bd der weiten künstlichen Verbreitung der Cypresse, 
welche westwärts bis Portugal, ostwärts aber bis China 
reicht, fällt es nicht leicht die Urheimat dieses schönen 
Baumes zu bestimmen, der gegenwärtig im ganzen Mittel- 
meergebiete die Parkanlagen und Friedhöfe schmückt. In 
der That gehen die Ansichten über das Ausgangsgebiet der 
Cypresse auseinander. Hildebrand betrachtet als ihre 
Heimat Griechenland, Eleinasien und Persien. Pariatore 



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— 390 — 

(1. c, p. 468) und Boissier (Fl. or., V, p. 705) äussern 
keinen Zweifel über das spontane Vorkommen der Gypresse 
(wenigstens der Varietät C. horizontalis) auf der Insel Kreta. 
Andere Autoren sind weniger bestimmt in ihren Angaben; 
so sagt z.B. Willkomm, dass die Gypresse «im Orient» zu 
Hause sei. Auch Ritter hat sich, in einer besonderen Ab- 
handlung Aber die «asiatische Verbreitung der Gypresse» \ 
nicht mit gewünschter Bestimmtheit über diesen Punkt aus- 
gesprochen; während er Eingangs (auf p. 568) sagt, dass 
Persien, Afghanistan und Kabul die eigentliche Heimat die* 
ses Baumes bilden, bemerkt er an einer anderen Stelle (auf 
p. 577), dass derselbe auch in Syrien (z. B. auf dem Liba- 
non), desgl. in Palästina und sogar auf den Aegäischen In- 
seln ursprünglich spontan vorgekommen sei. Auf Grundlage 
linguistischer und archäologischer Untersuchungen gelangt 
V. Hehn') zum Schlüsse, dass Afghanistan als Ausgangs- 
gebiet der Gypresse zu betrachten sei, von wo dieselbe be- 
i; reits in uralten Zeiten in die westlidi gelegenen Länder 

ti fibergesiedelt wurde, und zwar hauptsächlich durch die Be- 

p' kenner der Zendreligion, welche in der schlanken Obelisken- 

form dieses Baumes das Symbol der himmelwärts züngelnden 
heiligen Flamme erblickten. Nach Hehn's Ansicht, wäre 
die Gypresse, mit den ältesten assyrisch-babylonischen Er- 
oberungszügen, schon frühe nach Syrien, Palästina und 
Gyperu gekommen, welche Insel ihren Namen von 'dieser 
Holzart erhalten habe. Ritter und Hehn nehmen an, dass 
hauptsächlich die Phönizier, welche ihre Schiffe vorzugs- 
weise aus dem kostbaren Gypressenholze bauten, die Verbrei- 
tung dieses Baumes vermittelt haben. Selbst der Name Kuirop- 
t^o-o; weist, ihrer Ansicht nach, daraufhin, dass die Griechen 






* 



ET- 



1) C. Ritter. Die Erdkunde; Bd. XI, p. 567—682. 

2) Kalturpflanzen und Hausthiere; Aufl. 4, 1888, p. 228—234. 



— 391 — 

die Cypresse (althebr. gofer) durch die Phönizier kennen lern- 
ten, — wie bereits Bocha rt annahm. In Betreff Afghanistan*» 
beruft sich Ritter auf die arabischen Schriftsteller Idrisi 
und Ibn-Haukal, so wie von neueren Reisenden auf £1- 
phinstone, in Bezog auf Kabul. Aber neuerdings findet 
sich die Cypresse, wie es scheint, nur sehr selten in Kabul, 
wie Aitchison bezeugt, der sie daselbst gar nicht wildwach* 
send angetroffen hat. Wenn auch die Cypresse, ihres Tor* 
zfiglichen Holzes wegen, seit den ältesten Zeiten, in jenem 
Gebiete unzweifelhaft in Menge ausgehauen wurde, so lAsst 
sich jedoch ein völliges Verschwinden derselben schwerlich 
annehmen. — Was Griechenland betrifft, so wurde die Cy-^ 
presse dahin, nach H ehn's bereits mitgetheilter Vermuthiing, 
durch die Phönizier flbergesiedelt, wobei die Insel Kreta 
als Zwischenstation fungirte; letztere war im Alterthu» 
durch ihren Reichthum an Cypressen berOhmt, welche, nach 
Theophrast, hochin's Gebirge hinaufstiegen ; Plinius be- 
merkt sogar ausdrücklich von diesem Baume : «huic patria 
insula Creta»^). Hehn behauptet, dass die Cypresse in 
Griechenland ursprünglich nicht vorhanden war; allein 
stricte Beweise fflr diese Annahme fehlen ; denn die ältesten 
schriftlichen Aufz^chnungen reden bereits von ihrer £xi« 
stenz in Griechenland. Hehn selbst macht darauf auf- 
merksam, dass in der liiade, im sogen. Schiffsverzeichnisse 
(xaTaXoyo^ Tcov v&cov), zwei griechische Städte erwähnt sind, 
die nach der Cypresse benannt waren; desgl. ist in der 
Odyssee, und zwar in deren ältestem und echtestem Theile, 
die Rede von einer Cypresse, welche im Park um die Höhle 



1) Wie bemerkt, sind auch neuere auagozeichnete Botaniker der An- 
sicht, dass die Cypresse auf Kreta, namentlich im Skafiotischen Gebirge, 
wildwachsend vorkommt. 



) * 



— 392 — 

der Galypso wuchs. K. Koch^) schliesst sich der Ansicht 
Hehn's an, ohne jedoch neue Belege beizubringen. Das ur« 
sprOngliche Fehlen der Cypresse in Griechenland scheint 
mir durchaus unbewiesen zu sein. 

Nach dem Zeugnisse Ritter's, fehlt die Cypresse im 
Taurus ; so viel bekannt, ist sie auch im Armenischen Hoch- 
lande nicht wildwachsend vorhanden. Was den Kaukasus 
betrifft, so soll diese Baumart, nach den Angaben einiger 
Autoren, im westlichen Transkaukasien (Imeretien und 
Mingrelien) spontan vorkommen^). Wie Medwedew be- 
merkt, bedürfen indessen diese Angaben der Bestätigung'), 
da wahrscheinlich alte Kulturexemplare dieses Baumes, die 
an Stellen froherer (zerstörter oder verlassener) Ortschaften 
sich erhalten haben, fflr wildwachsend angesehen worden 
sind. In der That wird die Cypresse in Transkaukasien 
überall in Gärten und auf Friedhöfen vielfach angepflanzt, 
und man darf annehmen, dass Dieses seit sehr alten Zeiten 
geschehen ist. 

Ausserhalb Transkaukasiens, kommt die Cypresse bei 
uns an der Südkäste der Krim in grosser Anzahl kultivirt 
vor, — nordostwärts bis Aluschta, jenseits welcher Ort- 
schaft sie die Rauhheit des Winters nicht mehr verträgt. 
In die Krim soll dieser Baum erst nach Eroberung derselben 
durch die Russen eingeführt sein. Wie behauptet wird, 
sollen die ersten beiden Exemplare durch den Fürsten 
Potemkin in Alupka, im J. 1787, angepflanzt sein, als die 
Kaiserin Katharina II. die Krim besuchte, woher jene 



1) Die B&ame und Str&ucher des alten Griechenlands; p. 84—41. 

2) Und dieser Umstand bewog mich, die Verbreitung der Cypresse 
einer Betrachtang zu unterziehen. 

S) Laut einer Mittheilong des Fürsten Massalski, findet sich die Gy* 
presse in den Gebieten von Batum und Kars nirgends wildwachsend. 



— 393 — 

beiden Bäume als die Potemkin'scbenCypressen bezeichnet 
werden^). Pallas'), der bald nachher nach Alupka kam , 
erwähnt, dass mehrere Cypressen, zusammen mit einigen 
anderen Pflanzen, dorthin aus Konstantinopel verschrieben 
waren, woher auch die bei den Krim'schen Tataren ge- 
bräuchliche türkische Benennung dieses Baumes entnommen 
ist. — Die Nordgrenze des Vorkommens der Gypresse an 
der Südkflste der Krim ermöglicht die Bestimmung der 
Winter-Temperatur, bei welcher die Cypresse noch gut 
gedeiht. Die mittlere Temperatur der Wintermonate er- 
reicht nämlich, nach W. Koppen '), auf dem Gute Karabagh, 
etwa 7 Kilometer südlich von Aluschta (dem Grenzpunkte 
des Vorkommens der Gypresse), folgende Werthe (nach 
Celsius): 

December 4^125; Januar 3^225; Februar 3?475. 
Aus der Krim liegen, so viel mir bekannt, keine Be- 
obachtungen über die Minimal-Temperaturen vor, welche 
die Cypresse zu ertragen im Stande ist. Nach den von 
A. Döngingk bei Kischinew (in Bessarabien) angestellten 
Beobachtungen^), erfrieren, sowohl bei Oupressus fastigtata, 
als auch bei der Varietät G. horizontaliSj die Zweigspitzen 
bei — 6°R. (7?5C.); bei — 10° R, (12°5C.) erfrieren die 
Pflanzen vollständig; bedeckt, friert die Cypresse bei 
— 17°R. (21°25C.) bis zur Wurzel ab. Es wäre interessant 
diese Ziffernwerthe in Bezug auf das Verhalten der Cypresse 
in der Krim und in Transkaukasien zu verificiren. Ich selbst 



1) Vgl. P. ▼. Koppen, üeber Pflanzen-Acclimatisirung in Rnssland; 
p. 4. 

2) Bemerkangen auf einer Reise etc. (Ed. in 8^); Bd. II, p. 184. 

8) «Temperatnr-Beobachtongen zu Earabagh, an der SüdkQste der 
Krim]), in d. Zeitschrift der Österreich. Gesellschaft f. Meteorologie, Bd. 8, 
1868, p. 125. 

4) Ygl. P. V. Koppen. Über Pflanzen- Acclimatisirung in Rassland; p. 21. 



— 394 — 

habe Gelegenheit gehabt, auf dem obeDgenannten Gate 
Karabagh (an der SadkOste der Krim), einen Frost von 

— 11°R. (13°75C.) zn beobachten, den die Cypressen un- 
beschadet ertrugen; freilich dauerte jene niedrige Tempe- 
ratur nur 3 — 4 Stunden an. ZabeP) bemerkt, dass im 
Kaiserlichen Garten von Nikita, an der SfidkOste der Krim, 
wo die Cypresse gut gedeiht, die Temperatur bis — 1 2° R. 
(1 5° C.) sinkt. 

Ritter bemerkt (1. c, p. 567), dass die Verbreitungs- 
gebiete des Oelbaums (Olea europaea) und der Cypresse, 
wie es scheint, mit einander ganz zusammenfallen; Dies 
findet auch an der Sfidkflste der Krim statt, wo beide Holz- 
arten nordwärts bis Aluschta gehen. 

Namen. — Russisch: Kipariss (aus dem griech. xuira- 
ptadoc;). — Armeui^h : Kipari; Notschi. — Persisch: Sserw, 
SaarWySsärvi'Kühi; (in Masenderan): Awärs (nach Buhse). 

— Tatarisch (in der Krim): SseVwa^) (aus dem Türkischen, 
und Dieses wohl aus dem Persischen). — Grusinisch, ime- 
retinisch, gurisch: Gimdissrche; Kwiparosi] S!saro (offenbar 
aus dem Persischen). 

Gkkttung 2. JuniperuB. 

Die Wachholder zerfallen in drei Gruppen: 1) Garyo^ 
cedrus oder ÄrcetUhos^ mit einer Art: C. drupacea Ant. et 
Kotschy, in den Gebirgen Griechenlands, Kleinasiens und 
Syriens; fehlt in Transkaukasien. 2) Oxycedrus^ mit etwa 
13 Arten; und 3) Sabina^ mit 18 Arten. Die beiden letz- 



1) H. E. Ila6ejii>. J^pesecHUfl h KycTapBUfl nopoAu, pasBOAHiiufl s'b 
PocciH. (1884); crp. 47. 

2) Wir haben gesehen, dass die ähnlich pyramidal gewachsene italie« 
nische Pappel im Tatarischen den gleichen Namen führt. 



i 

A 



— 395 — 

teren Gruppen sind in den Grenzen des europäischen Russ- 
lands und des Kaukasus mit je 3 — 5 Arten vertreten. Die 
genaue Anzahl der bei uns vorkommenden Arten zu geben 
ist, für den Augenblick, aus doppelter Hinsicht unmöglich. 
Erstens kann die Begrenzung der Arten noch lange nicht 
als sicher gestellt gelten; bei mehreren Formen* sind die 
Ansichten getheilt, ob dieselben als besondere Art oder nur 
als Varietät aufzufassen sind. So z. 6. halten viele Autoren 
JttniperM^itawaWilld. für eine Varietät von J. communis L.; 
«7. depressa Stev. wird von einigen Botanikern für identisch 
mit J. nana angesehen; J. rufescens Link wird von einigen 
Autoren mit J. Oxycedrus L. vereinigt; desgl. J. foetidis- 
sima Willd. mit J. excelsa M. B. Zweitens aber ist das 
Vorkommen dreier Arten in Transkaukasien unsicher, näm- 
lich von J, Oxycedrus L., J. sabinoides Gri«. und J. Phoe- 
nicea L. Ich werde folgende 6 Arten einer genaueren Be- 
trachtung unterziehen: 

a) Gruppe Oxycedrus. 

1. Juniperus communis L. und var. oblonga M. B. 

2. Juniperus nana Willd. {depressa Stev.?). 

3. Juniperus rufescens Link {Marschalliana Stev.). 

b) Gruppe Sahina. 

4. Juniperus Sahina L. 

5. Juniperus excelsa M. B. 

6. Juniperu^ foetidissima Willd. 

Die Vertheilung der Wachholderarten in Russland ist 
ziemlich ungleichmässig. Im grössten Theile des europäi- 
schen Russlands kommt nur eine einzige Art, J. communis^ 
vor; im Norden gesellt sich zu ihr der sehr ähnliche J. nana, 
während im Südosten hie und da J. Sahina auftritt. In der 



k- -.\ 



— 396 — 

Krim wachsen vier Arten: J. rufescena, J. dt 
{J. nana L.?), J. excelsa und J. Sabina. Im Kai 
sich alle genannten Arten ; im Osten Transkat 
die Wachholder sogar fast die einzigen Coniferc 
liehe Repräsentanten der Familie Abietineae, d: 
Torherrschen, ihnen in die dflrren östlichen C 
zu folgen rermOgen'). 

Seotion 1. Oxrcedras. 

486. (1.) Juniperus communis L. 

Dank den geringen Ansprüchen, welche 
Wachholder an Klima und Boden stellt, hat er 
sehr weite Yerhreitung. £r findet sich im gri 
' des mittleren und des nördlichen europäisch« 
und reicht, Ober ganz Sibirien, bis Kamtsc 
wächst er im Kaukasus. Indessen sind die Gr 
Verbreitung, trotz seines häufigen Vorkommen 
genügender Genauigkeit erforscht. 

Was die nördliche Verbreitungsgrenze des 
betrifft, so erscheint eine genaue Feststellung ' 
den Augenblick unmöglich, da er häufig mit < 
wechselt wird. Die Angaben Aber sein Vorkomn 
ren Norden sind einander widersprechend. N 
Vetter^), soll iu Lappland und auf der Eola-B 
J. nana vorkommen, welchen er als Varietät t 



1) Ancti im fenchten TalyBch fehlen die Abietiiuae voll 
Aber diese interessaDteii Verh&Itnisae: R. Mexe^AeB-b. «( 
iHBJazii pacnpocTpaHccifl H'bKOTopux'b pacTesifi b^ Sasae 
CTiH KaBKUCRaro OtimecTsa imönreie^ eciecTBOSBaeia 
ujtSa; KH. I, 1879, crp. 12—13). 

2) Die pflanzengeogr. Verli&ltDiBBe des Europ. KusslaDdi; 



— 397 — 

Wachholders betrachtet. Ebenso sagt auch Homilewski^), 
dass in den Kreisen Kern' undPowjenez nur J.nana wächst, 
während, nach i^adra^), in der Umgegend des Sees Wyg- 
osero J. commtmis vorkommt. Freiherr v. Berg bemerkt 
seinerseits, dass dieser letztere in Finland «bis in den hohen 
Norden» verbreitet ist. Nach Ki hl man, findet sich derselbe 
auch noch in Enare-Lappland, neben dem häufigeren J. nana, 
den dieser Autor für eine Varietät des J. communis ansieht; 
er wächst noch auf dem Berge Rastekaisa (unter 70^ n. Br.), 
in der Höhe von 226 Metern Ob. d. M. Endlich bezeugt 
N. I. Fellman (Lc, p. 62), dass der gemeine Wachholder 
im ganzen Bussischen Lappland (d. h. auf der Kola-Halb« 
insel) in Menge vorkomme. Diese letztere Bemerkung ver- 
dient, wie es mir scheint, das meiste Vertrauen. — Oestlich 
vom Weissen Meere scheint J. communis zu fehlen, denn 
Buprecht^) fand am unteren Mesen' nur J. nana. Damit 
stimmt auch die Angabe A. 6. Schrenck's (Reise, Bd. H, 
p. 457) flberein, der J. communis an der Petschora nicht 
gefunden hat; bis wohin aber dieser letztere geht, darüber 
fehlen jegliche genauere Nachrichten. — In Finland ist der 
gemeine Wachholder weit verbreitet; ebenso in den Gou- 
vernements St. Petersburg (Meinshausen), Nowgorod 
(Gobi), Olonez (Norrlin und Günther), Wologda (Iwa- 
nizkij), Wjatka (C.A.Meyer und Krylow) und Perm; im 
letztgenannten Gouvernement wächst J. communis, nach 
Krylow, im grössten Theile des Waldgebietes, z. B. am 



1) FoMHJieBCKii. aCi» Rpafinnro ci^sepa EBponeftcKofi Pocciu», (1. c, 
p. 98). 

2) }Ky;^pa. a3aMi^TRH ji^CHHiaro odi» OxoeeiiRoft rydepeiH». (GexBCR. 
Xo8. H JtcoB., HCypn. Mhh. Focyx. HMyn;., 1867 r., «i. 96, crp 63). 

8) FL Samojed. cisaral., p. 56— 66. — Trautvetter (1. c, Hft. 3, p. 11) 
hat diese Angabe nicht richtig gedeutet, indem er am unteren Mesen' beide 
JunipertM-Arten wachsen lässt. (Vgl. unten). 



— 398 — 

oberen Laufe der Un'ja, an den Ufern der Wischera, To- 
schemka, LosVa und Ljul'ja, so wie in den Kreisen Irbit 
und Jekaterinburgy bei Perm etc.; nach Sonni^), findet er 
sich auch im Kreise Tscherdyn'. — Aus dem Mitgetheilten 
ist zu ersehen, dass J. communis im nordwestlichen Russ- 
land viel höhere Breiten erreicht, als im Nordosten. Die 
Angaben über sein Vorkommen sind jedoch viel zu dfirftig 
und unbestimmt, um die Nordgrenze seiner Verbreitung mit 
einiger Sicherheit ziehen zu können. 

Auch die SOdgrenze der Verbreitung des gemeinen 
Wachholders lässt sich nicht mit Genauigkeit bestimmen, 
^ — hauptsächlich wohl in Folge des Umstandes, dass diese 
Holzart in forstwirthschaftlicher Beziehung eine so unter- 
geordnete Rolle spielt und in Folge dessen vielfach flber- 
sehen wird. Die SOdgrenze der mehr oder weniger ununter- 
brochenen Verbreitung des «7. communis verläuft aus dem 
sfldlichen Theile des Zarthums Polen durch das nördliche 
Wolynien, den sfidlichsten Theil des Gouv. Minsk, dasGouv. 
Tschemigow, den westlichsten Zipfel des Gouv. Orel, und 
steigt dann steil nach Norden, das Gouv. Tula fast ganz 
umgehend ; weiterhin scheint jene Grenze den Lauf der Ok& 
zu verfolgen und dann längs dem Fl. Alatyr' zur Ssura zu 
gehen; an welcher Stelle sie die Wolga schneidet und wie 
sie weiter nach Osten verläuft, darflber fehlen genaue Nach- 
richten. 

Das Vorkommen des Wachholders in Wolynien wird 
durch Besser, Eichwald und Rogowicz bezeugt; Letz- 
terer gibt ihn für den (nordwestlichsten) Kreis KoweP an. 
Nach Paszkewicz, ist er im Gouv. Minsk verbreitet, wäh- 
rend er im Gouv. Kijew fast vollständig fehlt, denn Belke 



1) JltcH. Htype., 1839 r., h. III, crp. 199. 



r' ■ 



— 399 — 

fOhrt ihn auch für den nördlichsten Kreis Radomysl nicht 
an; indessen wächst er^ nach Schmalhausen, zwischen 
Weta nnd Kosin (etwa unter 50° n.Br.). Im Gouv-Tscher- 
nigow findet sich der Wachholder, nach Rogowicz, in den 
Wäldern bei Mglin, Ssurash und Starodub , desgl. bei Rjepki 
im Kreise Gorodnja. Aus dem Gouv. Orel sind die Angaben 
Ober sein Vorkommen ausserordentlich spärlich ; Taratsch- 
kow nennt ihn z. B. nicht ffir den Kreis Karatschew, wo er 
indessen, nach Zinger, sich findet; im Kreise Brjansk 
dürfte er kaum fehlen. Nach Ssanizkij, scheint er im 
GouT. Kaluga fiberall vorzukommen; Koshewnikow und 
Zinger bemerken, dass der Wachholder im Gouv. Tula 
ebendort wachse, wo die Kiefer, d. h. im äussersten Westen 
(im Kreise Bjelew) und im Norden (im Kreise Alexin) ; aber 
Blasius (Reise, II, p. 41) fand ihn auch an der Upä; und 
auch Menzbier^) hat ihn im Kreise Tula beobachtet. Im 
Gouv. Moskau wächst er, nach Kaufmann, überall und 
häufig. Weiter östlich findet sich der Wachholder, nach 
Ssemenow, in den Gouvernements Rjasan und Tambow; 
im ersteren kommt er wahrscheinlich hauptsächlich nur 
nördlich von der Okä und ihrem Zufiusse Pra vor; nach 
Bode, soll er sich indessen auch im südlichsten Kreise 
Ranenburg ^) finden, — vermuthlich ganz inselförmig. Im 
Gouv. Tambow wächst er gleichfalls hauptsächlich im nörd- 
lichen Theile, z. B. im Kreise Jelat'ma (Wiazemsky); 
jedoch findet er sich, nach Litwiuow, auch in Kiefernwäl- 
dern in den Kreisen Tambow, Lebedjan', Lipezk und Us- 
man\ Wahrscheinlich kommt er auch an der Mokscha, im 
Kreise Krassnosslobodsk (des Gouv. Pensa) vor. Nach einer 



1) M. MeHsdHp'L. aOpHHTOJ[orH<iecRafl «aysa Tyjii>CRofi rydepHia»; im 
Bulletin de Mobcoo, 1879, P. 1, p. 404—405. 

2) Durch einen Druckfehler heisst es hei ihm: Oranienbaum. 



1 



— 400 — 

brieflichen Mittheilung Herrn Krassnow's, findet er sieh, 
wenn auch selten, in der Sandregion am Fl. Alatyr', zu* 
gleich mit der Kiefer und der Fichte. Ob er dann die Ssurä 
hinaufgeht, bis zum Kreise Kusnezk des Oouv. Ssaratow, 
wo er sich, nach Bode, findet, oder ob sein Vorkommen, 
an letzterem Orte, wie wahrscheinlich auch im Kreise 
Wol'sk desselben Gouvernements (Bode), nur inselförmig 
ist, — darüber fehlen genauere Angaben. Ueberhaupt ist 
die Verbreitung des Wachholders an der mittleren Wolga 
nicht genau erforscht; besonders klingen die betreflPenden 
Angaben von C. Claus sehr unbestimmt: während er an 
einer Stelle^) einfach bemerkt, dass er an der Wolga vor- 
komme, sagt er an einem anderen Orte, dass J. communis 
an der mittleren Wolga nur im Kreise Zarewokokschaisk 
des Gouv. Kasan wachse. Nach Veesenmeyer, findet er 
sicE"je3lwfr4ia_6oi^^ Ssamara, am linken Wolgaufer, auf 
den trockenen AbhftngenTtes^erges Jurman; und ein ein- 
zelner Strauch wurde von ihm alD Jf Iflsschen üsen' (bei 
Iwanowka) angetroffen. Man darf wohl die Vermuthung 
aussprechen, dass frflher der Wachholder an äf^er Stelle 
in grösserer Anzahl vorkam. Wie bemerkt, soll eiv ^^^^ 
Bode, auch noch in der Nfthe von Wol'sk wachsed^ — 
üeber den weiteren Verlauf der Südgrenze des J. commiiii^ 
fehlen jegliche sichere Nachrichten. Im ebenen Theile de^ 
Gouvernements Ufa und Orenburg scheint er ganz zu fehlen.^. 
Auch im südlichen Uralgebirge ist er von Lessing und i 
Meinshausen nicht gefunden worden; indessen hat ihn 
Schell in den Guberlin'schen Bergen, so wie zwischen dem 
Hüttenwerke Bjelorjezkij und dem Berge Jamantau ange- 
troffen. Er ist, nach Krylow, bereits im südlichen Theile 
des Gouv. Perm sehr selten. 



1) In Fr. GoebeTs Reise. 1. 11, p. 308: «Ad. Yolgam». 




— 401 — 

Südlich von der bezeichneten Sädgrenze seiner ununter- 
brochenen Verbreitung tritt der gemeine Wachholder an 
wenigen Stellen ganz inselförmig auf. Am interessantesten 
ist sein isolirtes Vorkommen im Gouv. Charkow, wo auch 
die Kiefer ziemlich verbreitet ist und wo, wie wir gesehen, 
verschiedene nordische Holzgewächse (z. B. Vacdnium VUis 
idaeüj lAnnaea horecüis etc.) sich wiederfinden, die, ebenso 
wie der Wachholder, in einigen nördlicher gelegenen Gou- 
vernements (Kursk, Orel und sogar Tula) entweder gar nicht 
oder nur in deren nördlichsten und westlichsten Theilen 
vorkommen. Nach Bode, wächst J. communis im Kreise 
Kupjansk; Gzerniaöw sagt, dass er ihn nur sehr selten 
und ganz vereinzelt, 27 Werst von Charkow, in einem 
Kiefernwalde gefunden habe. Wie bereits bemerkt, ist das 
angegebene Vorkommen des Wachholders im Gouv. Ssaratow 
gegenwärtig vielleicht auch nur ganz inselförmig, — wäh- 
rend es früher vermuthlich, längs der Wolga und der Ssura, 
mit dem Gebiete seiner ununterbrochenen Verbreitung 
zusammenhing. Man darf nämlich annehmen, dass der 
Wachholder an vielen Stellen, in Folge der Urbarmachung 
derselben, ganz ausgerottet ist. Nur diesem Umstände glaube 
ich es zuschreiben zu müssen, dass er, innerhalb seines 
grossen Verbreitungsgebietes, an manchen Stellen ganz fehlt, 
obschon weder Klima noch Boden seine Abwesenheit zu er- 
klären im Stande sind. So bemerkt Willkomm, dass der 
Wachholder in der östlichen Spitze Kurlands, desgl. auch 
an beiden Ufern der Dfina, zwischen Dfinaburg und Jakob* 
Stadt, fast vollständig fehle, während er in der Umgebung, 
unter den gleichen klimatischen und Bodenverhältnissen, in 
grosser Menge wächst. Höchst wahrscheinlich hat er in den 
genannten Gebieten dem Pfluge weichen müssen. Ich selbst 
erinnere mich, im Beginne der 50®' Jahre, den ganzen 

26 




— 402 — 

Flächenraum zwischen dem Dorfe Bobyl'skaja (westlich von 
Peterhof) und dem Parke des Herzogs von Leuchtenberg, 
von Wachholdergebüsch dicht bewachsen gesehen zu haben, 
welches gegenwärtig vollständig verschwunden ist. 

Wir werden sehen, dass die Südgrenze der ununter- 
brochenen Verbreitung des Wachholders ziemlich gut mit 
derjenigen der Fichte zusammenfällt; beide Holzarten schei- 
nen spontan auf dem Tschernosjom - Boden nicht vorzu- 
kommen. Bei der Betrachtung der Fichte werde ich auf 
diese interessanten Verhältnisse genauer zu sprechen kom- 
men. Was aber das inselartige Vorkommen des J, communis j 
z. B. im Qouv. Charkow, betrifft, so widerspricht dasselbe 
nicht der Annahme, dass diese Holzart den Tschernosjom 
meidet, da verschiedene Gegenden dieses Gouvernements 
entschieden nicht dem Tschernosjom -Gebiete angehören, 
wenn sie auch von demselben fast ganz umschlossen sind. 
Die im Gouv. Charkow inselförmig auftretenden nordischen 
Holzgewächse dürften vermuthlich als Relicten aus der Eis- 
zeit aufzufassen sein. 

In der Krim fehlt der gemeine Wachholder, gleich vie- 
len anderen Baumarten, die sowohl im europäischen Russ- 
land weit verbreitet sind, als auch im Kaukasus vorkommen. 
Nach Medwedew, ist J. communis im Kaukasus der am 
weitesten verbreitete Wachholder, der sich überall in den 
Wäldern findet und vom Meeresstrande fast bis zur Wald- 
grenze, d. h. bis zur Höhe von 6500—7500' üb. d. M., 
hinaufsteigt. Während er in den tieferen Regionen zu einem 
Bäumchen von 20 — 30 Fuss Höhe heranwächst, tritt er an 
der oberen Grenze seines Vorkommens als niedriger, nur 
2 — 3 Fuss hoher Strauch auf. Er findet sich unter den ver- 
schiedensten klimatischen und Bodenbedingungen, indem er 
z. B. weder die feuchten Wälder des pontischen Strandge- 



. .AJ 



— 403 — 

bietes, noch auch die offenen und trockenen Abhänge im 
Gouv. Eriwan' (z. B. am Goktscha-See und bei Nachitsche- 
wan') meidet ^). — Im Kaukasus wachsen noch zwei Varie- 
täten des gemeinen Wachholders: 1) J. communis reflexa 
Parlat. (J. Wittmcmniana Stev.), z. B. in Gurion, bei Man- 
glis und Abasstuman; 2) J. oUonga M. B. Nach C. Koch, 
der diese Form für eine selbstständige Art hielt, findet sie 
sich sehr häufig in Grusien, besonders in der Umgegend von 
Tiflis, auf Tertiärkalk und Mergel, in der Höhe von 1200 — 
3500' Ob. d. M.; ferner auf den Vorbergen des Kleinen 
Kaukasus, im Kreise Elisabethpol, auf Porphyr, etwa 2000' 
hoch, so wie im östlichen Theile der Hauptkette, in der 
Höhe von 3000' üb. d. M. Ledebour (Fl.ross., HI, p. 685), 
der an der artlichen Selbstständigkeit dieser Form zweifelte, 
führt folgende Fundorte für dieselbe an: die Kabarda, die 
Umgegend der Narsan- Quelle, den östlichen Kaukasus, 
Karabagh, das Talysch-Gebirge und den Ararat. 

Nach Buhse und Boissier, wächst J. commimis im 
nördlichen Persien, namentlich auf dem Alburs-Gebirge, 
unweit Asterabad. Nachdem Zeugnisse Aitchison's, findet 
er sich im östlichen Afghanistan im hohen Gebirge, nahe 
der Baumgrenze, in der Höhe von 11,000— 13,000' üb. 
d.M. Brand is bemerkt, dass die im Himalaya vorkommende 
Form mit der europäischen identisch sei. Pr^ewalski fand 
ihn in den Wäldern des Tian-schan. Ob der Wachholder 
in Westsibirien vorkommt, oder ob daselbst nur J. nana 
vertreten ist, darüber fehlen bestimmte Angaben. Laut 
einer brieflichen Mittheilung Herrn Sslow^ow^s fand er 
den gemeinen Wachholder in einem Kiefemwalde 20 Werst 



1) Laut einer Mittheilung deft Farsten Massalski, kommt J. communis 

in den Gebieten yon Batum (im sadlicben Theile) und Kars (am FL Olty- 

tschai) selten vor. 

26* 



— 404 — 

von Tjumen', desgl. auch unweit Jalutorowsk am Flusse 
Isset. 

Ueber die Wachsthumsverhältnisse des Wachholders 
sind wir noch lange nicht genügend uoterrichtet. So schei- 
nen auch die Ursachen seines baumförmigen Wuchses nicht 
genau bekannt zu sein. Freiherr v. Berg war der Ansicht, 
dass derselbe hauptsächlich durch kräftigen Boden bedingt 
wird. In Finland und in Estland habe ich bisweilen auf 
kleineren Arealen zahlreiche baumförmige Exemplare des 
Wachholders gesehen, während er in der nächsten Nach- 
barschaft fast ausschliesslich als Strauch wuchs; dieser 
Umstand macht es in der That wahrscheinlich, dass der 
Boden dabei die Hauptrolle spielt. Doch mag auch das 
Klima darauf einwirken; denn besonders hohe Bäume finden 
sich vorzugsweise in nördlicheren Gegenden. Zwei schöne 
Bäume stehen im Parke von Dondukow-Korssakow (3 Werst 
hinter Oranienbaum) ; im J. 1883, als ich dieselben sah, 
waren sie etwa 30 — 35 Fuss hoch. Krylow bemerkt, dass 
im Perm'schen Ural, besonders bei den Bergen Eatschkanar 
und Eonshakowskij -Kamen', sich bisweilen bis 4 Faden (28 
Fuss) hohe Bäume finden, die einen Durchmesser von 18 — 
22 Cm. haben. Ueber drei Riesenwachholder berichtet 
J. V. Sievers^). Besonders grosse Dimensionen besitzt ein 
Baum, der auf dem Gute Kokenberg, im Kirchspiele Ermes 
(in Livland), steht: am Boden hat der Stamm einen Umfang 
von 10% Fuss und in der Höhe von 2 Fuss über der Erde 
beträgt sein Umfang noch 7 Fuss; die pinienförmige, halb- 
runde Krone niisst in ihrem grösseren Durchmesser 24, im 
kleineren — 12 Fuss; sie wird von nur 2 Aesten gebildet, 



1) aDrei merkwürdige Biesenb&ame in Livland», im Correspondenzblatt 
d. Naturf. Ver. su Riga, Jahrg. 14, 1864, pp. 72—75; 171— 172.— Vgl. auch 
ib., 1877, p. 194. 



— 405 — 

von denen der eine 27, der andere 30 Zoll im Umfange 
hat. Sehr merkwürdig war ein Wachholderhanm, der an* 
weit Eoternitsch (im Gouv. Wjatka) wuchs; laut Angabe 
Ssjennikow's^), war dieser Baum über 6 Faden (42 Fuss) 
hoch; der Stamm theilte sich nahe vom Boden in 6 vertikal 
stehende Aeste, die oben wieder zu einem einzigen Stamme 
zusammengewachsen waren. 

Namen. — Russisch: Moshewd^nik^)^ MoshsheweVnik^ 
Mosshucha^ Moshshucha; BrushdeweVnik, BryshsheweVntk^ 
Wer est ^ Weress; in den westlichen Gouvernements: Jefene^r, 
Jalowez (aus dem Polnischen); im Osten des europäischen 
Russlands und in Sibirien auch Arssa (aus dem Tatarischen). 
Die Beeren heissen im Gouv. Wologda Moshdjucha; sonst 
gewöhnlich Moshshucha. — Polpisch: JacUatoiec. — Lit- 
tauisch: Kadagys^ KadagynaSj Eglis. — Lettisch: Paegle; 
Kadikis. — Norwegisch: Ener] Brisk^ Brake, Brtise^). — 
Schwedisch: En. — Ossetisch: Ächssali. — Armenisch: 
Qichi. — Norweg.-lappisch:jBdE?fta; schwed.-lappisch: £a8- 
kes. — Finnisch: Kaiaja^ Katava. — Karelisch (im Gouv. 
Olonez): Kadai. — Estnisch: Kadakas^ Kadajas% — Sy- 
rjanisch: Pomel\ PonW (Annenkow); Tussja-pu (im Gouv. 
Wologda, nach Iwanizkij). — Wotjakisch; Ssussti-pu. — 
Tscheremissisch : Lamekosch. — Ostjakisch: Iduschas-juch 



1) A- G^HHHKOBi». (oAKKJUMaTHaaiUfl», T. III, 1862 r., CTp. 432). 

2) J. Grot vermuthet, dass dieses Wort aus den beiden Wörtern meshe- 
jeVnik (d. h. zwischen Fichten) gebildet sei. Vgl. H. FpoTii. 4>HJioxorH^e- 
ckIh paaucKaBifl, t. II, erp. 439. — Abstrahirt davon, dass der Wachholder 
vorzugsweise nicht zwischen Fichten, sondern zwischen Kiefern w&chst, 
dürfte die Grot'sche Etymologie auch von rein sprachlicher Seite beanstan- 
det werden; Miklosich bemerkt, dass diese Erklärung unrichtig sei. 

3) Dieser Name erinnert an das russische Brushe-xoe^nik, 

' 4) Die finnisch- estnischen Benennungen des Wachholders gleichen den 
littauisch-lettischen und sind vielleicht nur diesen letzteren Sprachen ent- 
lehnt. 



— 406 — 

(i. e. Mährchen-Baum); auch Mi-tim-juck (d. h. Baum der 
EwchaflFung der Erde) ^). — Tschuwaschisch: Ortschä-ju- 
toy88\ Ordysch. — Tatarisch :^rc{^30%; (am Kuban') : &any. 
— Orusin., imeret.: Gwia,6ia^ Tum. — Lesgisch (sakat.): 
ÄriscJKm\ (did.): Zaro\ (kaputsch.): Zaru\ (inuch.): Tsche- 
hAatu\ (kasykum.): Zugid^-kata. — Ssamur.: Zyp. — Per- 
sisch: Dsherdsheri. 



436. (2.) Juniperus nana Willd. (/. alpina Clus., J. Gana- 

densis Lodd.). 

lieber die Artberechtigung dieser Form herrschen be- 
kanntlich immer noch Zweifel, indem viele Forscher die- 
selbe nur fQr eine Varietät des J, communis ansehen. Wenn 
es in der That Uebergangsformen vom gemeinen zum Zwerg- 
-wachholder gibt, so muss J. nana als eine besondere Art 
eingezogen werden. Als eine solche Uebergangsform er- 
scheint, nach Willkomm (Forstl. FL, p. 214; Aufl. 2, 
p. 264), die Varietät J. communis prostrata] auch die Form 
subnana Sael. gehört dahin. Einige Botaniker, z. B. Par- 
iatore (1. c, p. 480), halten die in der Krim vorkommende 
Form J. depressa Stev. für identisch mit J. nana^ während 
Ledebour sie für eine Varietät des J. communis ansah. 

J. nana ist ausserordentlich weit verbreitet, denn er 
findet sich nicht nur in der arktischen und kalten Zone der 
Alten und der Neuen Welt, sondern auch auf den Gebirgen 
Mittel- und Säd-Europa's, des Kaukasus und Centralasiens. 



l)Ahlqvi8t, der diesen Namen mittheilt, bemerkt, dass nach der An- 
nahme der Ostjaken, der Wachholder von allen Bäumen zuerst erschaflPen 
wurde. Vgl. Aug. Ahlqvist. Forschungen auf dem Gebiete der Üral-Al- 
taischen Sprachen. Th. III. Über die Sprache der Nord-Ostjaken. (1880) 
p. 103. 



— 407 — 

Da der Zwergwachholder, wie bemerkt, häufig mit J. com- 
munis verwechselt wird, so fällt es schwer, die von ihm im 
europäischen Russland eingenommene Zone, und namentlich 
deren SQdgrenze, genauer zu bestimmen. Nach Wahlen- 
berg (Fl. läpp., p. 276), reicht er bis zum Nordcap (71** 
n/Br.). In Enare-Lappland ist er weit verbreitet und geht 
auf den Alpen höher hinauf, als J. communis] Eihlman 
fand ihn auf dem Peldoaivi bis 550 Met., auf dem Aili- 
gas bei 383 Met. und noch auf dem Rastekaisa (unter 
70^ n. Br.) bis zur Höhe von 415 Metern fib. d. M. 
Nach N. I. Fell man, ist J. nana auf der Kola-Halb- 
insel nicht selten. Homilewski bemerkt, dass er 
überall in den Kreisen Kem' und Powjenez wächst und 
nordwärts bis zum 69^ n. Br. geht; auf den felsigen Inseln 
des Weissen Meeres (z. B. Kusow, Bjelousik, Sajatschij etc.) 
erscheint er als einziger Repräsentant der Holzgewächse. 
Im Osten des Weissen Meeres ist J. nana durch die Kleine 
und Grosse Ssamojeden-Tundra verbreitet und scheint hier, 
nach Ruprecht^) und A. 6. Schrenck, die einzige Wach- 
holderform zu sein; sie findet sich auch auf der Insel Kol- 
gujew, unter 69° n. Br. Nach dem Zeugnisse A. 0. 
Schrenck's^), reicht J. nana an der Petschora bis zum 
68^ n. Br.; er wächst noch am Fl. Chajodepadara (Chai- 
pudra) und erscheint hier als ein sehr niedrigd^ Kleinstrauch, 
mit niederliegenden Aesten. Schrenck beobachtete ihn 
z. B. an den FlQssen Kolwa, Kuja, Indega und Rötschuga. 
Weder Baer noch die neueren Reisenden haben «7. nana 



1) Fl. Samoj., p. 56—66. Hier heisst es: ^Juwiperus communia L. In terra 
eontinente fere nbiqae, nee desideratur in ins. Kolgigew, nbi vero, ut etiam 
in alpina regione /. nanam W. refert^ at frustra in subalpinis et sabsylva* 
ticis limites harnm speciemm quaesivi». 

2) Reise; t. II, pp. 449, 460, 467, 526-626. 



— 408 — 

auf Nowaja-Semlja beobachtet; aberPachtnssow^) berich- 
tet, dass er an der SQdostkQsteniederliegenden Zwergwach- 
holder (MOdHceaejOBafl cjiaHKa) angetroffen habe; eine Be- 
stätigung dieser interessanten Angabe erscheint sehr er- 
wünscht. 

Wie weit J. nana sfldwärts verbreitet ist, darOber feh- 
len jegliche sichere Angaben. Wie bemerkt, fährt ihn 
Homilewski für den Kreis Powjenez des 6ouv. Olonez an; 
aber ^^udra kennt vom Wyg-See nur J. communis (vgl. 
oben); desgl. erwähnen auch Norrlin und Günther J. nana 
gar nicht für die Umgebungen des Onega-See's, woher 
Homilewski's Angabe als sehr zweifelhaft gelten muss^). 
Iwanizkij führt ihn gleichfalls nicht für den ebenen Theil 
des Gouv. Wologda an; ebenso wenig C. A. Meyer und 
Ery low für das Gouv. Wjatka. Längs dem Uralgebirge 
geht J. nana sehr weit südwärts hinunter, d. h. etwa bis 
zum 54° n. Br. Die Hofmann'sche Expedition fand ihn 
an den Quellen des Stschugor (unter 63° 15' n. Br.)*), auf 
dem Berge Nintsch-ur (etwa 62° 30), so wie an der Wi- 
schera; nach Iwanizkij, wächst er am oberen Laufe des 
Ilytsch. Sehr verbreitet ist er, nach Krylow, im Perm'- 
schen Ural, wo er überall in der alpinen Region, meist 
jedoch in der Nähe der oberen Waldgrenze, wächst und nur 
selten die Berggipfel erklettert; Krylow fand J. nana auf 
den Bergen Janyjonki, Armija, Ssishup, Jal'ping-nör, 



1) 3aa. ruAporpa«. ^enapTaMeHTa, h. I, 1842 r., cTp. 215. 

2) Hr. Kusnezow bemerkt neuerdings, dass er die typische Form des 
/. nana nor auf der Ssolowezkij-Insel gefunden habe, üebergangsformen 
ZQ /. communis beobachtete er ebendorc, so wie in den nördlichen Theilen 
des Dwina-Bassins. An der Waga fehlen bereits auch diese üebergangs- 
formen. 

8) Nach Bupr echt (Verbreitung der Pflanzen im nördlichen Ural; p. 
76}, in einer intermediären Form zwischen /. nana und /. communis. 



— 409 — 

Ischerim, Tulymskij-^Kurokssarskij*, Mortaiskij- und Tschu- 
warskij-Eamen', Kwarkusch', Deneshkin-, Ssuchoi- und 
Koss'winskij-Kamen'; ferner auf den Bergen Bjelyj-Kamen^ 
Ostraja-gor& (bei Rastess) und Jurma. Von hier geht J. nana 
noch auf den südlichen Ural hinüber; Meinshausen fand 
ihn auf dem Gipfel d'es Berges Urenga (Gölaja-gorä), wo er 
indessen nicht h&ufig ist; Lehmann^) beobachtete ihn auf 
den Bergen Jamantau, IremeP, SsiratkuPund Taganai; auf 
dem letzteren Berge fand ihn auch Lessing^) in der Höhe 
von 3080' üb. d. M. Schell, der ihn gleichfalls auf dem 
Berge Iremel' antraf, sammelte auf dem Berge Schatak eine 
Uebergangsform von J. communis zu J. nana. 

Im grössten Theile des europäischen Russlands fehlt der 
Zwergwachholder ; aber er tritt in den Gebirgen der Krim 
und des Kaukasus wieder auf. Wie schon bemerkt, ist J. 
depressa Stev., nach Pariatore, identisch mit J. nana. 
Nach Steven, sollen nur sehr wenige verkrüppelte Sträucher 
dieser Form unter den Felsen der höchsten Kuppe des 
Tschatyrdagh vorkommen; Dasselbe wird auch von Reh- 
mann') bemerkt. Indessen bezeugt Rudzki, dass dieser 
krüppelhafte Kleinstrauch den ganzen Gipfel des Tschatyr- 
dagh, wenigstens an dessen Nordwestseite, in einem zu- 
sammenhängenden Gürtel umgibt, der schon von Weitem 
zu erkennen ist und eine Breite von etwa 20 — 30 Faden 
(140 — 210 Fuss) aufweist. Dieser Strauch erhebt sich von 
der Erde auf Ya — 1 Fuss und bildet dann eine breite und 
sehr dichte, polsterförmige Krone. Nach einer mündlichen 
Mittheilung Herrn Bulatow's, wächst J. depressa B,uch grup- 



1) Vgl. AI. Bange. ctAlexandri Lehmann Heliquiae botanicae» etc., 1. 
c, p. 501. 
. 2) Linnaea, T. 9, 1834, p. 204. 

3) In d. Verhandl. d. zool.-botan. Ges. in Wien, 1875; p. 398. 




— 410 — 

pen weise auf dem Berge Babugan-Jailä. — Im Kaukasus fin- 
det sich J. nana, nach Me dwe de w, ausschliesslich im höheren 
Gebirge, vorzugsweise in der Region der subalpinen Wiesen, 
in der Höhe von 7000 — 9000' Ob. d. M., wo er grössere 
Flächenräume bedeckt. Uebrigens ist er bisher nur an 
wenigen Stellen beobachtet worden, namentlich auf dem 
Trialet-BergrOcken — auf den Berggipfeln Karakaja (am 
See Tabiszchuri) und Gwirgwina ; ferner auf dem waldlosen 
Ssagänlug-Rficken im Gebiete von Kars (in der Höhe von 
9000' üb. d. M.)^); desgl. auf dem Bergrücken Alibek bei 
Daratschitschag. Medwedew hält es für wahrscheinlich, 
dass J. nana noch an verschiedenen Orten im Kaukasus 
vorkomme. Buhse fand ihn im Talyschgebirge am Kuh- 
Mulum (7000—9000' üb. d. M.)^). 

J. nana wächst in Kleinasien und Nordpersien. In 
Afghanistan scheint er zu fehlen. Nach Pariatore, wächst 
er im westlichen Himalaya, in der Höhe von 4000 — 1 1,000' 
üb. d. M. Er findet sich in der Dsungarei wieder, wo er, 
nach A. G. Schrenck^, auf dem Bergrücken Dshil-kara- 
gai bis 8000' üb. d. M. hinaufsteigt. In derselben Höhe 
fand ihn Alb. Regel auf dem Alatau; Potanin sammelte 
ihn am See Saissan; femer wächst er im östlichen Türke- 



1) Fürst Massalski bat ihn daselbst nicbt beobachtet. 

2) Vermuthlich ist es der Zwergwachholder, der, nach Q. Radde und 
G. Sievers, auf dem Alagös nach oben zu die Banmvegetation beschliesst 
und, in Gemeinschaft mit einer Daphne-ATt, einen Gürtel von 1000 Fuss, 
d. h. von 7200' bis 8200' üb. d. M., bildet. Vgl. deren «Reisen im Armeni- 
schen Hochland, ausgeführt im Sommer 1871»; in Petermann's Geogr. Mit- 
theil., 1873, p. 176—177. 

3) Vgl. dessen aBericht über eine, im Jahre 1840, in die Ostliche Dsun- 
garische Kirgisensteppe unternommene Reise», in d. Beiträgen zur Kennt- 
niss des Russischen Reiches, Bd. 7, 1845, pp. 292 u. 296. — Ein von da- 
her gebrachtes Stammstück, das (mit der Rinde) einen Durchmesser von nur 
3 Cm. hatte, wies 92 Holzringe auf. Vgl. G. E. v. Mercklin.Palaeodendro- 
logikon rossicum; p. 74, Nota 2. 



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!="^'. 



— 411 — 

stan im Gebirge Dshagastai, in der Höhe von 5000 — 7000', 
und anf dem Berge Kokkamyr (6000—7000' Hb. d. M.)^). 
J. nana ist im gebirgigen Sibirien weit verbreitet, z. B. im 
Altai, im Baikalgebiete, in Daurien und in Kamtschatka. 
Ebenso findet er sich in einem grossen Theile der arktischen 
und kälteren Zone Nordamerika's; z. B. auf den Inseln Sitcha 
und Yancouver, in Britisch- Golumbien, an den Seen Huron, 
Winipeg und Michigan, in Canada, auf Neu-Fundland, an 
der Hudsonsbai und in Grönland. Bekanntlich kommt J. 
nana auch auf den Gebirgen Mittel- und Südeuropa's ^ weit 
verbreitet vor; z.B. in Portugal und Spanien, in den Pyre- 
näen, auf dem Jura, den Alpen und den Earpathen; desgl. 
spärlich auf einigen mitteldeutschen Gebirgen (z. B. auf 
dem böhmischen Isergebirge und auf den Kämmen des 
Riesengebirges). Endlich findet sich der Zwergwachholder 
auch auf der Insel Sardinien und im Dshurdshur- Gebirge 
in Algier. 

Eine solche ausserordentlich weite und z. Th. unter- 
brochene Verbreitung des J. nana weist auf sein sehr hohes 
Alter hin. Offenbar ist er in vielen Zwischengebieten nach- 
träglich ausgestorben; und man darf annehmen, dass die 
gegenwärtig weit von einander geschiedenen Fundorte die- 
ser Holzart einst zusammenhingen. So stand das Vorkom- 
men des Zwergwachholders im Kaukasus wahrscheinlich 
(zur Eiszeit?) im Zusammenhange mit seinem Verbreitungs- 
gebiete im Himalaya und in der Dsungarei. 

Namen. — Russisch: WeresSj Werest. — Syrjanisch (im 
Gouv. Archangelsk): KatschpomoV. — Ssaraojedisch: Ghar- 



1) Vgl. E. Kegel, in: Acta Horti Petropolitani; t. VI, p. 486. 

2) Vom Vorkommen auf französischem Gebiete bemerkt A. Mathieu 
(Flore forestiäre; 8^ 6d., p. 449): ccHautes r^gions du Jura, du Danpbin6, 
de l'Ard^cbe, de l'AuTergne, des Pyr6n6es et de TAlg^rie». 



— 412 — 

iMpang (A. G. Schrenck). — Baschkirisch: Juräk (Leh- 
mann). 

437. (3 .) Juniperus rufescem Link (J. Marschalliana Ste v.). 

Von Boissier (Fl. or., V, p. 707) mit J. Oxycedrus L. 
vereinigt, unter welchem Namen diese Art auch von Pallas 
und allen älteren Reisenden angeführt wird. 

Im Mittelmeergebiete weit verbreitet, bei uns nur an 
der Südküste der Krim und in Transkaukasien. Auf der 
Sfidküste der Krim kommt J. rufescens zerstreut vor, ohne 
irgendwo selbstständige Wälder zu bilden ; meist wächst er 
in ausschliesslicher Gesellschaft von J. excelsa, mit dem er 
an der Küste, z. B. bei Massandra, in grösseren, lichten 
Beständen auftritt; übrigens bleibt J. rufescens gewöhnlich 
strauchartig, so dass in solchen Wäldchen J. eoccelsa als die 
herrschende Form erscheint. Westwärts geht J. rufescens 
bis zur Umgegend von Ssewastopol; beim Kloster Georgi- 
jewskij fand ich indessen nur wenige Sträucher desselben. 
Ostwärts dringt er bis Koktebel' (16 Werst südwestwärts 
von Feodossija) vor, wo ihn neuerdings Hr. Agg^enko, in 
einem einzigen Exemplare, beobachtet hat; er findet sich 
z. B. in Kos, Ssudak, etc., ist aber im Osten des Aluschta- 
Thaies viel seltener, als im Westen desselben. C. Koch 
bemerkt, dass diese Art in der Krim auf Grünstein und 
Porphyr, in der Höhe von 200 — 1500' üb. d. M., wachse. 
Nach Steven, wird sie, wenn sie baumförmig auftritt, selten 
über 10 Fuss hoch; der Stamm wird aber ziemlich dick: 
Hr.Rudzki besitzt ein Stammesstück von 8 Zoll im Durch- 
messer, doch gibt es noch stärkere Exemplare. 

Nach Medwedew, der, nach dem Vorgange Boissier's, 
J. rufescens gleichfalls mit J. Oooycedrus L. identificirt, ist 



— 413 — 

die Verbreitung desselben im Kaukasus noch nicht genügend 
erforscht. Er ist bis jetzt nur in Transkaukasien beobachtet 
worden, und zwar im nördlichen Theile des Pontischen 
Eöstengebietes (bei Anapa und Noworossijsk, und südwärts 
bis zum Fl. Pschada); ferner an der Eurä (bei Borshom, 
Mzchet, Tiflis), so wie auf der Schirak'schen Steppe. Nach 
Ledebour, findet er sich auch in Mingrelien und Gurien; 
auch soll er in Imeretien wachsen; wie Medwedew be- 
merkt, bedürfen indessen diese letzteren Angaben der Be- 
stätigung, da J. rufescens in neuerer Zeit in den letztge- 
nannten Gebieten nicht angetroffen worden ist. Jedoch hält 
es Medwedew für sehr wahrscheinlich, dass diese Art auch 
in anderen Gegenden Transkaukasiens, namentlich im Öst- 
lichen und südlichen Theile, vorkomme, wo alle Bedingungen 
zur Existenz dieses Repräsentanten eines wärmeren und 
trockeneren Elima's vorhanden sind. Er findet sich in der 
unteren Bergregion, bis zur Höhe von 3000' üb. d. M., 
vorzugsweise auf sonnigen Abhängen, sogar auf steinigem 
Boden. Gewöhnlich wächst er an Waldsäumen, wo er, in 
Gesellschaft einiger anderer Wachholderarten {J. commu- 
nis^ J. foäidissima, J. excelsa\ bisweilen lichte Bestände 
bildet. Als Baum wird er 15 — 20 Fuss hoch, bei einem 
Stammesdurchmesser von 10 — 12 Zoll. C. Koch bemerkt, 
dass J. rufescens in Grusien sehr häufig, auf tertiärem Kalk 
und Mergel, 1000 — 2500' hoch, vorkomme; desgl. auch im 
Gaue Sber (im Thale des Tschoroch) auf secundärem Kalk 
und Porphyr, in der Höhe von c. 3000' Ob. d. M. Fürst 
Massalski fand ihn am Fl. Tschoroch bei Artwin und weiter 
hinauf, desgl. auch im Gebiete von Kars, und zwar ziemlich 
selten am Olty-tschai (als J. Oxycedrus bezeichnet). — Der 
Kaukasus erscheint als östliche Grenze des Vorkommens 
des J. rufescens^ der weiter nach Osten (in Persien, Afgha- 



?<* 



— 414 — 

nistan und im Himalaya) fehlt. Der kaukasische Yerbrei- 
tungsbezirk hängt über Kleinasien mit dem sOdeuropäischen 
zusammen. 

Namen. — Russisch: Krassnyj-Moahewd^nik (Le. rother 
Wachholder, nach Medwedew); Kedrotoyj'Weress^ Ispan- 
skij'Kedr (Spanische Ceder), Krassnyj-Kedr (rothe Ceder), 
— nach Dahl. — Armenisch: Gichi. — Tatarisch (in der 
Krim): Ärdytsch; (im Kaukasus): Dyschi-Aräysch. — Gru- 
sinisch: OwiGj Oia, Tuna. 

Anmerkung. — Ob in Transkankasien der echte, gleich- 
falls mediterrane Juniperus Oxycedrus L. wächst, erscheint 
zweifelhaft. Da Medwedew ihn, wie bemerkt, mit J. ruf es- 
cens identificirt, so lässt sich aus seinen Angaben kein 
Schluss über das Vorkommen speciell des J. Oxycedrus 
ziehen. Ebenso wurden diese beiden Arten auch in den älte- 
ren Floren (z. B. von Marschall v. Bieberstein) nicht 
unterschieden. Es bleibt die einzige Angabe von G. Koch 
Qbrig (der beide Arten von einander trennt), dass J. Oxy- 
cedrus im Gaue Sber (im Thale des Tschoroch), c. 3500' 
hoch, auf Kalk vorkommt. 



Seotion 2, Sabina. 

438. (4.) Juniperus Sahina L. 

Willkomm hält den Sadebaum fttr «eine entschiedene 
Gebirgspflanze»; diese Bezeichnung trifft aber nicht zu, 
wenn wir sein Vorkommen im europäischen Russland in 
Betracht ziehen, wo er auf der Steppe wächst. Die Ver- 
breitung desselben in Russland bietet manche nicht erklär- 
bare Eigenthfimlichkeiten. Im südwestlichen Russland fehlt 
J. Sabina^ wie es scheint, vollständig; wenigstens erwähnen 



i 



— 415 — 

die Floristen dieses Gebietes (z. B. Besser, Eichwald, 
Rogowicz, SchmalhauseD) seiner mit keiner Silbe. Um 
so überraschender ist eine neuerdings von Twardowski^) 
gemachte Angabe, dass der Sadebaum im Kreise Pinsk des 
Gouv. Minsk (in der Umgebung des Dorfes Welesniza) 
wachse. Sämmtliche Autoren, die über die Flora des Gouv. 
Minsk mitgetheilt haben (Eichwald, Jundzill, Polu- 
janski, Zelenski und Paszkewicz), wissen nichts davon. 
Jedenfalls ist dieses Vorkommen ganz isolirt, denn die näch- 
sten Fundorte sind einerseits Galizien^, andererseits der 
mittlere Lauf des Don. Am letzteren tritt J. Sabina^ nach 
Gzerniaew^), unterhalb der Staniza Kasanskaja (beim Fl. 
Pesskowatka) auf und folgt eine Strecke seinem Laufe ; er 
wächst daselbst auf Sand, Sandstein und Kreidefelsen. Das 
Vorhandensein dieser Holzart im Lande der Don'schen Ko- 
saken wird bereits durch ihren russischen Namen («Kosaken- 
Wachholder») bezeugt. Bogdanow^) fand ihn auf Kreide- 
felsen am Fl. Ilowlja, im Kreise Kamyschin des Gouv. Ssa- 
ratow (zwischen dem Dorfe Ol'chowka und der Grenze des 
Landes der Deutschen Kosaken); nach Zinger, fand auch 
Litwinow den Sadebaum in Menge an der Ilowlja, so wie 
beim Dorfe Bjelyja-Giinki (im Kreise Kamyschin). In näch- 
ster Nähe, an der Wolga, scheint er vollständig zu fehlen, 
denn weder erwähnen seiner Claus (für die Ufer dieses 
Flusses) und Becker (für Sarepta), noch hat ihn auch 



1) Maryj Twardowski. «Przyczynek do flory Piüszczyzny», in: Pa- 
mi^tnik fizyjograf., t. IV, 1884, p. 431. 

2) In Galizien findet sich J. Säbma^ wie es scheint, ebenso insolar, denn 
er ist nur auf einigen Ealkfelsen der Pieninen gefanden worden. Vgl. J. A, 
Knapp. Die Pflanzen Galiziens und der Bukowina; p. 81. 

3) B. M. HepEfleai». jrbcaz'B yKpaftnu; crp. 18. 

4) M. H. EorAaHOBi>. IItui^u H sntpH nepHoaeifHoft nojocu IIoboji* 
aafl; CTp. 22. 



— 416 — 

Jakowlew in dem an die Wolga stossenden Theile des Krei- 
ses Eamyschin gefanden. Nach Earelin, findet sich J.Son 
bina im Lande der UraPschen Kosaken ; doch gibt er keine 
genaueren Fundorte an. Claus ^) fand ihn bei Orenburg, 
wo er übrigens weder von Eversmann noch von Borsz- 
czow angetroffen worden ist. Pallas^) beobachtete ihn un- 
weit Sterlitamak, an der Bjelaja, an einigen felsigen Bergen. 
Nach Lehmann^), wächst er im Lande der Baschkiren, 
zwischen den Flüssen Jalan-Silalr und Ssakmara. Lessing 
und Meinshausen haben den Sadebaum nicht im südlichen 
Uralgebirge gefunden; nach Schell, kommt er in den Guber* 
lin'schen Bergen vor. 

J. Sabina findet sich ferner in der Krim und im Kau- 
kasus. Sein Vorhandensein im Krim'schen Gebirge ist erst 
vor Kurzem bezeugt worden, Marschall v. Bieberstein 
und Steven erwähnen seiner nicht. Rudzki^) war der 
Erste, der sein Vorkommen auf dem Tschatyrdagh consta- 
tirte; und zwar fand er ihn in der Höhe von 4000' üb. d. 
M., in den Revieren der Dörfer Korbekly und Bijuk-Jankoi, 
in wenigen kriechenden Exemplaren. Später fand ihn auch 
Rehmann, nicht nur auf dem Tschatyrdagh, sondern auch 
auf dem Berge Demirdshi, «in so elendem Zustande, dass 
die Pflanze unter anderen Stauden sehr leicht hätte über- 
sehen werden können». Nach mündlicher Mittheilung Herrn 
Bulatow's, findet sich der Sadebaum auch an anderen 
Stellen des Krim'schen Gebirges, z. B. in den Revieren der 



1) In Fr. Göbel's Reise, II, p. 808. 

2) Reise, I, p. 450—451. — Lepechin hat den Sadebaum gleichfalls bei 
Sterlitamak, auf dem Berge Tara-tan, gefanden. Vgl. JlenezHH'B. ^en- 
HUH sanHCRH nyTemecTBifl; h, U, CTp. 83 — 84. 

8) Ygl. AI. Bange. «AI. Lehmann. Reliquiae botanicae»; 1. c, p. 501. — 
Hier ist der Flass unrichtig genannt: JdoU'Sdair, 
4) ras. x-hcoB. H oxoTBi, 1859 r., CTp. 579. 



— 417 — 

an der SOdküste belegenen Dörfer Kisiltasch und Gursuf. 
Endlich bemerkt Agg6enko^), dass J. Sahina, gemein- 
schaftlich mit J.depressa Stev., einen Gürtel um die Gipfel 
der Berge Tschatyrdagh und Ssamarkajä bildet. — Ueber 
die Verbreitung des Sadebaumes im Kaukasus sind wir nicht 
genau unterrichtet. C. Koch erwähnt seiner gar nicht. 
Ledebour (FI. ross , III, p. 682) verweist nur auf C. A. 
Meyer, der ihn in den westlichen Alpen, in der Höhe von 
7800' üb. d. M., gefunden hat. Nach Medwedew's Ver- 
muthung, ist «7. Sdbina wahrscheinlich im Hochgebirge des 
Kaukasus weit verbreitet, doch soll er bis jetzt nur im 
Daghestan, in der subalpinen und alpinen Region der Ratscha- 
Berge (in Imeretien), so wie auf den Südabhängen des Ber- 
ges Karakäja (am See Tabiszchuri) beobachtet worden sein. 
A. Becker fand den Sadebaum auf dem Alachun-Dagh im 
Daghestan^). Boissier (Fl. or., V, p. 708) bezeugt sein 
Vorkommen bei Lars (nach Reh mann), so wie auf dem 
Berge Bescht^u und in Tuschetien (nach Ruprecht). Radde 
nennt (nach C. A. Meyer) als Fundort: Suant in Talysch, 
bei 4000' üb. d. M. Endlich führen Buhse und Boissier 
(1. c, p. 205) folgende Fundorte des J. Sahina an, die z. Th. 
im südöstlichen Transkaukasien, z. Th. im nördlichen Per- 
sien liegen: «Am Fuss des Ilanglidagh; Karadagh, im Gu- 
sjumbet-Thal ; Ssamamgebirge und bei Eulischim, etwa 
5000—6000' üb. d. M.; Albursgebirge, an verschiedenen 
Stellen unweit Asterabad». 

Im Osten von Asterabad folgt wieder ein grösserer 



1) «Addendam ad Chr. Stevenienameratioüem(Verzeichni8setc.)p]aii- 
tarum in peninsala Taurica sponte crescentiam». (Scripta botanica Horti 
üniveraitatis Imperialis Petropolitanae; 1. 1, 1886^87, p. 292). 

2) Vgl. E. R. a Traut vetter. aElencbus stirpiam anno 1880 in isthmo 
Gaucasico lectarnm». (Acta Horti Petropolitani, t. YII, p. 511). 

27 



— 418 — 

Zwischenraum, wo J. Sabina fehlt: in Chorassan und Afgha- 
nistan, so wie im Himalaya, ist er nicht beobachtet worden. 
Als nächster Fundort erscheint der Bergrücken Dshil-Kara- 
gai (in der Nachbarschaft des Ala-Tau), wo er, nach dem 
Zeugnisse A.O. Schrenck's (I.e., pp. 292 u. 296), höher, 
als alle Holzgewachse, hinaufsteigt, nftmlich bis 8600' üb. 
d. M. Nach RegeP), findet sich der Sadebaum in den Ber- 
gen des westlichen und östlichen Turkestan, so wie in der 
Dsungarei, in der Höhe von 4000—8000' üb. d. M. Nach 
Pri:ewalski^), wächst er häufig in der alpinen Region des 
südlichen Abhanges des Tian-Schan. — Ferner kommt J. 
Sahina in den südsibirischen Gebirgen (z. B. im Altai, im 
Baikal-Gebiete und in Daurien) vor. Er findet sich gleich- 
falls in Nordamerika (z. B. am Huron-See und auf Neu- 
Fundland). Endlich wächst der Sadebaum auf verschiedenen 
Gebirgen Süd- und Mittel-Europas; z. B. auf der Sierra- 
Nevada, auf den Pyrenäen, Alpen und Apenninen. 

Aus dem Vorstehenden ist zu ersehen, dass J. Sabina 
ausserordentlich weit verbreitet ist, aber sehr zerstreut 
vorkommt. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass diese 
Wachholderart, ebenso wie J. nana^ ein sehr alter Typus 
ist, der etwa in der Eiszeit (oder vielleicht noch früher) eine 
mehr zusammenhängende Verbreitung besass, während er 
später in vielen Zwischengebieten ausgestorben ist, — wo- 
her seine gegenwärtige Verbreitung so aufiallend lückenhaft 
erscheint. So mag z. B. sein insulares Vorkommen am Don 
und an dessen Zuflüsse Ilowlja einst, über den Obstsclnj- 



1) Acta Horti Petropolitani, t. VI, p. 486—487. — Im östlichen Turke- 
stan wächst eine Varietät macrocarpa Kgl. mit fast doppelt so grossen Bee- 
ren, als bei der Stammform. 

2) H. M. npHceBajiLCKifi. Ha-b Saftcana ^epeat XaMii bt. THÖe-nb; crp. 
49; 64. 



wp:fr 



— 419 — 

Ssyrty mit seiner Verbreitung am Uralflusse und in der 
Nachbarschaft des südlichen Uralgebirges zusammengehan« 
gen haben. 

Namen/ — Russisch: Kasazkij MosheweVnik (d. h. Ko- 
saken-Wachholder); Kasazkaja Mashskucha. — Polnisch: 
Sateinaj Jaiotoiec, Nietota (Annenkow). — Kirgisisch: 
Arische^); Tschagar. — Kalmflkisch: Choin-artschan. 

Anmerkung. — Nach der Angabe C. Koch's (Linnaea, 
1849, p. 303)y soll Juniperus sabinoides Griseb. im östli- 
chen Theile des Kaukasus wachsen. Da diese Art von kei- 
nem anderen Autor genannt wird, da ferner Koch seinerseits 
J. Säbina nicht anführt, welcher im Ostlichen Kaukasus (in 
Daghestan) vorkommt, so liegt die Vermuthung nahe, dass 
Koch diese letztere Art für den ihr anheben J. sabinoides 
angesehen hat. 

439. (5.) Juniperus excelsa M. B. 

Dieser im Orient heimische baumförmige Wachholder 
wächst bei uns in der Krim, im Kaukasus, in Turkmenien 
und Turkestan. In der Krim findet er sich fast ausschliess- 
lich im Küstengebiete jenseits des Gebirges. Hier ist er von 
Ssewastopol ab fast bis Feodossija verbreitet. Ich fand ihn 
in grösserer Anzahl beim Georgi-KIoster (unweit Ssewasto- 
pol); Aggeenko^) beobachtete ihn z. B. bei Balaklawa, 
Laspi, Jalta, Nikita, in besonders grosser Menge zwischen 
Nikita und Gursuf, ferner unweit Ssudak (zwischen diesem 



1) Dieser Name, der auch im Mongolischen als Arsa {=J. Fseudo- Sahina) 
wiederkehrt; erinnert sonderbarer Weise an griech. apxeu^o^, Wachholder- 
Strauch. 

2) B. ArreeHKO. aO pacnpocTpaneHiH pacTenifi na TaBpiiqecKOMi> no- 
jiyocTpoBi^ii; bl TpyA. Cn6. 06u;. ecTecTBOHcnuTaT., t. XVII, 1886 r., cxp. 
231—232. 

27* 



— 420 — 

Orte und Nowyj-Sswjet) ^), wo er ganze Bestände bildet, so 
wie zwischen Otus und Eoktebel. Die Umgegend des letzt- 
genannten Dorfes ist der östlichste Fundort dieses Wachhol- 
ders. Ganze Bestände desselben, in Gemeinschaft mit J. ru- 
fescens, finden sich auch bei Martian und Massandra. Ich 
fand J. excdsa u. A. nördlich von AI uschta, am Meeresufer. 
Die vertikale Verbreitung dieses Baumes in der Krim ist 
nicht genau gemessen; Rudzki gibt sie auf etwa 1000' fib. d. 
M. an^). Steven bemerkt, dass J. ca;crfsa nicht auf der Nord- 
seite des Gebirges wächst und den Winter in Sympheropol 
nicht aushält. Indessen fand ihn AggSenko, in einzelnen 
Exemplaren, auch im Norden des Gebirges, namentlich ober- 
halb des im Baidarthaie belegenen Dorfes Baga. — Nach 
Medwedew, findet sich J. eo^cetea vorzugsweise im östlichen 
und stidlichen Transkaukasien. Im westlichen Theile kommt 
er nur im Küstenstriche des Schwarzen Meeres vor, — in 
Abchasien, bei Noworossijsk und Gelendshik. Im Gebiete der 
Kurä ist er z. B. bei Mzchet und auf der Schirak-Steppe 
beobachtet worden; auch ist er nicht selten in Karabagh, 
im südlichen Theile Sangesur's, so wie im Gouv. Eriwan' 
(bei Daratschitschag, Kul'py, am Goktscha-See, etc.). Seine 
vertikale Verbreitung erstreckt sich von der Meeresküste 
(bei Noworossijsk) bis 6000' üb. d. M. (bei Daratschitschag); 
im Kars'schen Gebiete steigt er, nach Angabe des Fürsten 
Massal'ski^), sogar bis 9000' hinauf. Medwedew erwähnt 



1) Das häufige Vorkommen Ton J. excelsa wird auch von L^veill^, 
in Demidoffs Heise (Voyage etc.), t. II, p. 231, erwähnt. 

2) L^veill^ bemerkt aber, dass^ laut einer Versicherung Nord mann^s, 
J, excelsa in der Höhe von Aber 400' üb. d. M. nicht mehr gefunden werde. 

8) Kh. B. H. MaccajibCKifi. aOHepRi» norpanH^iHOfi qacTH KapccRofi 
oÖjfacTH». (H3B. Hmo. P. Teorp. 06ii^, t. XXIII, 1887, CTp. 18). In einer spä- 
teren brieflichen Mittheilnng spricht FQrst Massalski von einer Seehöhe 
von 7500'. 



— 421 — 

gar nicht des Vorkommens des J*. exceUa im Norden der 
Hauptkette des Kaukasus; indessen findet er sich, nach dem 
Zeugnisse C. Eoch'S; «im Thale des Terek, auf Kalk, Thon- 
schiefer und Porphyr, 1500 — 4000' hoch». In Talysch 
scheint J. ea;c62sa zu fehlen. Ra d de fand ihn in Armenien, bei 
Kasikibaran ^). 

Ob J. exceha in Nordpersicn vorkommt, darüber scheinen 
keine sicheren Nachrichten vorzuliegen ^. Aber weiter nach 
Osten tritt er in Tarkmenien wieder auf. Nach Karelin^), 
wächst er im-Balchan-Gebirge; neuerdings fand ihn Maloma 
gleichfalls auf dem Grossen Baichan ^). Dr. 6. Sievers') 
beobachtete Gruppen dieses Wachholders auf dem Kjuijan- 
dagh-Gebirge, bei der Quelle Koschljuk (etwa unter 38^0' 
n. Br. und 55°45' ö. L. vonGreenwich). Dr. Sieverstheilte 
mir mündlich mit, dass J. excelsa auch am Atrek und an 
dessen Zuflüsse Ssumbar vorkomme. NjichH. Christoph^), 
finden sich vereinzelte Bäume auf dem Kopetdagh, circa 20 
Werst von Askhabad entfernt. Nach mündlicher Mittheilung 
Hrn. Sarudnyj's '), sollen sich in der oberen Region des letzt- 
genannten Gebirges ganze Bestände eines hochstämmigen 
Wachholders finden, — wahrscheinlich J. excelsa; in dieser 
Region soll er die Höhe von 4 Faden (28 Fuss) erreichen, 
während er in der Höhe von unter 4000' üb, d. M. häufi- 
ger strauchförmig erscheint. — Aus Chorassan und dem 



1) Vgl. Trautvetter in: Acta Horti Petropolitani, t. II, p. 591. 

2) Boissier (Fl. or., V, p. 708—709) erwähnt Persien nicht als Fund- 
ort dieses Wachholders. 

3) Im Bnlletin de Moscoa, 1639, p. 172. 

4) Vgl. Traatvetter in: Acta Horti Petropolitani, t. I, p. 281. 

5) In Petermann's Geogr. Mittheil., 1873, p. 291. 

6) In: M^moires sur les L^pidoptdres, rMiges par N. M. Roman off; t. 
I, 1884, p. 97. 

7) Durch Prof. M. Bogdanow vermittelt. 



.<>% 



— 422 — 

westlichen Afghanistan fehlen Angaben über das Vorkom- 
men des J. excelsa; aber in Kabul, namentlich im Bezirke 
Hariab, bildet er ganze Bestände in der Höhe von 9 000' ab. 
d. M.; Aitchison bemerkt (1. c, Vol. 18, p. 97), dass er 
ostwärts nicht über den Fluss Gandhäo hinausgeht. Aber 
nach Brandis^), wächst er im nordwestlichen Himalaya und 
im westlichen Tibet; auch W. Hoffmeister^) sagt, dass /. 
excelsa im Himalaya, in der Höhe von 8000 — 12,000' üb. 
d. M., in Gesellschaft mit Gupresms torulosa^oKy orkommi. 
In Tibet ist er von Thomson in der Region von 5000 — 
15,000' üb. d. M. gefunden worden^). Lehmann fand J. 
excelsa auf dem Gebirge Fon-tau, am oberen Laufe des Za- 
rafschan, so wie auf dem Kara-tau *), wo er ganze Bestände 
bilden soll. — Weiter ostwärts kommt J. excelsa nicht vor, 
sondern wird durch einen anderen baumförmigen Wachhol- 
der, J. PseudO'Sabii^a Fisch, et Mey., vertreten, den Prze- 
walski*^) neuerdings in der Umgebung des Sees Kuku-nor, 
am oberen Laufe des Hoang-ho und auf dem Nan-Schan ge- 
funden hat. — Westwärts ist J. excelsa, über Kleinasien, 
bis Syrien und bis zum Griechischen Archipel verbreitet. 

Die Nordgrenze des J. excelsa fällt ziemlich gut mit der 
Januar-Isotherme von 2° C. zusammen. 

J. excelsa wächst vereinzelt oder in lichten Beständen, 



1) The Forest-Flora of India; p. 538. 

2) In d. Botan. Zeitung, 1846, Sp. 185. 

8) Ygl. A. Grisebach. Die Vegetation der Erde; Bd. I, p. 572, Nota 
75. — Grisebach bezeugt, dass Dies J, excelsa M. B. sei, den er mit J.foe- 
tidissima Willd. identificirt. Hildebrandwar der Ansicht, dass alle Anga- 
ben über das Vorkommen des J, excelsa im Himalaya auf J. rdigiosa Royle 
bezogen werden müssen, der von da ab bis zum Gebirge Fon-tau verbrei- 
tet sei. 

4) Vgl. Bunge, I.e., p. 501; dsgl. Borszczow, 1. c, p. 167. 

5) L. c, pp. 310, 811; 888, 858, 866, 867; 407, 409—410. — Mongolisch 
heisst dieser Wachholder: Ärza, 



— 423 — 

meist in Gesellschaft anderer Wachbolder- Arten; er siedelt 
sich vorzagsweise auf trockenen, offenen Stellen an nnd ist 
in Bezug auf den Boden wenig wählerisch: er wftchst z. B. 
auf steinigem, kalkhaltigem Kies (bei Noworossijsk), auf Thon- 
schiefer (in der Krim und am Terek), auf schwerem Lehm- 
boden (im Thale der Kurä) etc. J. excdsa erreicht ein sehr 
hohes Lebensalter (wenigstens 200 Jahre) und bedeutende 
Dimensionen — bis 25 Fuss Höhe (und darüber), bei einem 
Durchmesser von IV, Fuss am Boden. In Orianda, an der 
Sfldküste der Krim, steht einer der grössten Bäume, der 30 
Fuss hoch ist^). Das Holz dieses Baumes ist sehr aromatisch, 
an den Duft der Cypresse erinnernd, schön rosafarben, fest, 
dicht und ausserordentlich dauerhaft. Es wird im Kauka- 
sus zum Räuchern verwendet. Zu Baulichkeiten benutzt, 
hält es sich sehr lange unverwQstlich und ist weder der 
Fäulniss noch dem Wurmfrasse unterworfen. Daher er- 
schieint Steven's Vermuthung gerechtfertigt, dass wahr- 
scheinlich aus dem Holze dieses Baumes die Särge verfer- 
tigt sind, die in den Grabhflgeln bei Kertsch noch ganz un- 
versehrt gefunden wurden, und in denen, wie man meint, 
Mithridates und seine Gefährten begraben gewesen. Dank 
seiner Dauerhaftigkeit, sind die Pfähle aus diesem Holze 
für die Weinberge sehr gesucht. Die Tataren in der Krim 
legen Stückchen dieses Holzes in ihre Kisten etc., um den 
darin enthaltenen Gegenständen seinen Wohlgeruch mitzu- 
theilen. Auf der Messe von Nishnij-Nowgorod wird dieses 



1) Vgl. aber diesen Baum: E. Koch. Die Krim und Odessa. (Neue Aus- 
gabe; 1867); p. 124—125. — Um das J. 1850 betrug der Stammesdurchmes- 
ser dieses Baumes 3V2 Fuss. «Wenn man bedenkt, dass der Wachholder 
ungemein langsam wächst, so gehörte ohne Zweifel mehr als ein Jahrtau- 
send dazu, um ihm eine solche Stärke zu geben. Er ist demnach yielleicht 
das einzige Gehölz, was alle die yerschiedenen Völker zur Zeit der Völker- 
wanderung kommen und wieder verschwinden sah». 



— 424 — 

Holz als Gypressenliolz verkauft; es dient zur Einfassung 
von Heiligenbildern und Kreuzen, zu Bleistiften etc.; zu 
diesem Zwecke wird es aus dem Kaukasus ausgeführt. Das 
den Stämmen entfiiessende Harz bildet in Centralasien (un- 
ter dem Namen Artsche) einen Handelsartikel. In der Krim 
werden die Bäume im Winter öfters gekappt und die Zweige 
zum Futter für Ziegen und Schafe verwendet, 

Namen. — Tatarisch (im Kaukasus): Erke-ardy8ch; (in 
der Krim): Ssamlä (Steven), Kard-ardytsch^). — Grusi- 
nisch: DedaH-gtoia. 

440. (6.) Juniperus foetidissima Willd. 

Einige Botaniker vereinigen diese Art mit J. excelsa; 
so z. B. Grisebach, Hildebrand (1. c, p. 320) undBeh- 
mann^. Andere dagegen, wie Pariatore, Boissier und 
C. Koch, unterscheiden beide Arten von einander; Med- 
wedew, der im Kaukasus Gelegenheit gehabt beide Formen 
genau zu studiren, trennt sie gleichfalls; auch führt er für 
dieselben verschiedene grusinische Benennungen an. Abstra- 
hirt von verschiedenen botanischen Unterscheidungsmerk- 
malen, zeichnet sich J. foetidissima durch seine bedeutende 
Grösse aus: er erreicht, nach Medwedew, bei pyramida- 
lem Wüchse, die Höhe von 50 Fuss; mithin wird er fast 
doppelt so hoch als J. excelsa. 

Nach Medwedew, findet sich J, foetidissimay so viel 
bekannt, nur in Transkaukasien, und vorzugsweise im östli- 



1) Vgl. Pallas. Bemerkungen auf einer Reise, etc.; Ed. in 8^, Bd. II, 
p. 894. 

2) AuchHr. Agg6enko hält beide Arten für identisch; er bemerkt, 
dass die Zahl der Fruchtnüsschen an einem und demselben Strauche varürt, 
mithin nicht als Artmerkmal dienen kann. 



— 425 — 

chen Theile; im westlichen Transkaakasien ist seine Ver- 
breitung auf eine geringe Strecke der Pontischen KQste 
(von Gelendshik bis Anapa) beschränkt. Laut einer Mitthei- 
lung des Fürsten Massalski, kommt er iia südlichen Theile 
des Batum'schen Gebietes vor, wo er in enormen Bäumen 
auftritt. Im Gebiete der Kurä wächst er bei Mzchet, Tiflis, 
in der Delishan'schen Schlucht, so wie auf der Schintfc- 
Steppe; femer ist er in Karabagh, Sangesur und Armenien 
beobachtet worden. Mithin fällt der Verbreitungsbezirk des 
J. foetidissima in Transkaukasien fast genau mit demjeni- 
gen des J.excelsa zusammen; ob er aber gemeinschaftlich 
mit diesem letzteren wächst, wird von Medwedew nicht 
erwähnt. Nach C. Koch (Linnaea, 1849, p. 303), findet 
sich J. foetidissima «sehr häufig auf beiden Seiten der Tifiis- 
Eriwaner Strasse im Thale der Akstafa und des Bambak- 
flusses, auf Kalk, Porphyr undTrachyt, 2000— 6000' hoch; 
in der Umgegend von Tiflis auf Mergel und Kalk, c. 1500' 
hoch; im Gaue Pertakrek im Hochgebirge, 5000 — 6000' 
hoch, auf Porphyr». — J.foetidissimaist ein entschiedener Ge- 
birgsbewohner und fehlt in der Tiefebene; seine vertikale 
Verbreitung erstreckt sich von der Meeresküste bis 6000' 
üb. d. M. Meistens findet er sich vereinzelt und bildet nur 
selten grössere Bestände (z. B. bei Noworossijsk und Mzchet). 
Nach einigen Andeutungen zu urtheilen, scheint J. foe- 
tidissima auch an der SüdkOste der Krim vorzukommen. So 
sagt Ledebour (Fl. ross., III, p. 683), es komme in der 
Krim eine Form des J. eicelsa vor, die dem J. foetidissima 
sehr nahe steht; und Grisebach (1. c, I, p. 572) bemerkt 
ausdrücklich, dass in der Krim eine Form mit fast drttsen- 
losem Rücken der Blätter vertreten sei. Agg6enko sagt, 
dass er diese Form, in einem ganzen Bestände, in der Buchen- 
regioD, beim Kosmodem'jan'schen Kloster, beobachtet habe. 



•r-7c 



— 426 — 

In dieser Hinsicht ist ein genaueres Studium der Erim^schen 
Repräsentanten der Sabina-Gmip^ wfinschenswerth. 

Namen. — Griechisch: McUokedra (Boissier). — Tür- 
kisch: Sseltoi-agdtschi}. e. Cypressen-Baum), Sseltoi-Ardytsch 
(Cypressen- Wachholder), Jack-Aräytsch (Pariatore). — Ta- 
tarisch: ErM-Ärdpsch. — Grusinisch: MamaH-gwia. 

Anmerkung. — Nach einigen Nachrichten^), sollJ. I^ioe" 
nicea L. im Tschoroch-Thale (im Gaue Pertakrek), in der 
Höhe von 6000' fib. d. M., so wie auf dem Schachjol-Dagh, 
6000 — 8000' hoch, vorkommen. Diese Nachrichten beru- 
hen auf einer Angabe G. Koch's, der von den genannten 
Fundorten zwei neue Juniperus-Avten beschrieben hat: J. 
polycarpos und J. isophyllos^ welche beide Arten Hilde- 
brand für identisch mit t7. PAoenicea ansieht^). Medwe de w 
jedoch betrachtet die beiden genannten Arten als unbedeu- 
tende Varietäten von J. excelsa. Zugleich vereinigt Hilde- 
brand mit J. Phoenicea auch Juniperus Davurica Fall., 
welche Form indessen von Trautvetter und Maximowicz 
als eine selbstständige Art aufrecht erhalten wird. Schliess- 
lich wäre noch zu bemerken, dass Pariatore (1. c, p. 486), 
angeblich nach Steven, J. Phoenicea in der Krim vorkom- 
men lässt; Steven erwähnt jedoch mit keiner Silbe dieser 
.Art. 

Farn, LUU. Abietineae. 

Von den sieben Gattungen, in welche die Familie der 
Abietineae zerfällt, sind vier im europäischen Russland und 
im Kaukasus (so wie überhaupt in Europa) vertreten, näm- 
lich: 1) Pinus^ 2) Larix^ 3) Picea und 4) Ahies. Von den 



1) Ygl. Hildebrand. «Die Verbreitung der Ck>nifereni>; 1. c, p. 322. 

2) Farst Massalski hat J, Fhomicea in jenen Gegenden nicht beob- 
achtet. 



»JV- -TT 



— 427 — 

fibngen drei Gattungen findet sich PseudolariXj mit einer 
Art, in China; Cedms^ mit 2 — 3 Arten, auf den Gebirgen 
Sfidasiens und des nordwestlichen Afrika's^); und Tsuga^ 
mit 7 Arten, von denen 3 in Asien und 4 in Nordamerika 
wachsen. 

So reich das europäische Russland, namentlich die nörd- 
liche Hälfte desselben, an Nadelwäldern istj die nicht sel- 
ten die Alleinherrschaft behaupten, so arm ist jedoch der 
grösste Theil der russischen Tiefebene an Bepräseqtanten 
der Abietineen; denn es wachsen daselbst nur zwei Arten: 
die Kiefer {Pintis sylvestris) und die Fichte {Picea excelsa). 
Nur im Nordosten, so wie im äussersten Westen und Süden 
wird eine grössere Mannigfaltigkeit der Abietineen- Vertre- 
ter beobachtet, — wie es scheint, unter dem Einflüsse der 
nahen Gebirge, welche die enorme Tiefebene umrahmen. 
Und zwar sind es im Nordosten mehrere sibirische Arten, 
die, das niedrige Uralgebirge überschreitend, sich buchten- 
förmig, mehr oder weniger weit, in 's Innere des europäi- 
schen Russlands verbreiten ; abgesehen von der Varietät der 
Fichte (Picea öbovata\ ist es die sibirische Lärche (Larix 
sibirica)j die am weitesten westwärts vordringt; dann folgt 
die sibirische Tanne {Abies sibirica) und endlich, in der 
Nachbarschaft des Uralgebirges selbst, tritt die Zirbelkiefer 
{Pinw Cembra) auf. Sehr interessant ist es, dass im Westen 
(resp. Südwesten), mit der Annäherung an die Karpathen, 



1) Ceäru8 Libani Barrel, ist vor Kurzem auf den Gebirgen Cyperna ent- 
deckt worden; vgl. J. D. Hook er. «On the discovery of a variety of the' 
Cedar of Lebanon on the mountains of Gyprus; with Letter thereupon from 
Sir Sam. Baker». (The Journal of the Linn. Soc, Botany, vol. XYII, 1879— 
1880, p. 617 — 619). — Interessant ist es, dass den alten Griechen bereits 
das Vorkommen der Ceder auf Cypern bekannt war, wie ans einer Angabe 
Theophrast's zu ersehen ist; vgl. K. Koch. Die Bäume und Sträucher 
des alten Griechenlands. (1879); p. 89—40. 



— ' l- 



— 428 — 

die entsprechenden drei Formen (z. Th. in den nämlichen 
Arten) in derselben Reihenfolge wieder auftreten: am rech- 
ten Ufer der Weichsel die Lärche {Larix europaea)^ an de- 
ren linkem Ufer — die Tanne {Äbies pectinata) und schliess- 
lich, auf den Karpathen selbst (bereits ausserhalb der Gren- 
zen Russlands), die europäische Form der Zirbelkiefer (Pi- 
mi8 Cembra). Im Süden erscheinen mehrere neue Formen: 
im Krim'schen Gebirge eine Kiefer {Pirms Tjaricio PaUa- 
siana)y im Kaukasus aber — gleichfalls eine Kiefer {Pintis 
Halepensis var. Piiyusa\ die kaukasische Fichte {Picea orien- 
talis) und die kaukasische Tanne {Äbies NordmanniafM). 
Charakteristisch für den Kaukasus ist das Fehlen der in den 
europäischen Gebirgen weit verbreiteten Lärche und Zirbel- 
kiefer. 

Im Norden Russlands halben die Nadelhölzer noch in 
historischer Zeit an Terrain gewonnen, indem sie einige 
Laubhölzer verdrängten; Dies fand z. B. in den Ostseepro- 
vinzen Statt, wo die Eiche, wie wir gesehen, froher viel 
mehr verbreitet gewesen ist und der Fichte, so wie einigen 
Laubbäumen, weichen musste. Das Umgekehrte wird im Sfl- 
den, namentlich innerhalb des Tschernosjomgebietes, beob- 
achtet, wo die Nadelhölzer immer mehr und mehr von Laub- 
hölzern, namentlich von der Birke und Espe verdrängt wer- 
den. 

Gtattung 1. Finus. 

Die zahlreichen Arten der Gattung Pint^ (nach Aus- 
schluss der früher zu derselben gerechneten Lärchen, Fich- 
ten und Tannen) werden gewöhnlich ^) in den folgenden vier 
Gruppen untergebracht: 



1) Einige Aatoren anterscheiden sechs Gruppen: 1) Cemhra, 2) StrohuSy 
3) PseudostrobuSy 4) Taeda, 5) Pinaster, 6) Pinea. 



— 429 — 

1) Gemhra (Zirbelkiefern oder Arven); zu 5 Nadeln in 
einer Scheide; Samen gross, ungeflögelt. Vier Arten, in 
Europa, Asien und Nordamerika. 

2) Strobus (Weymouthskiefern); gleichfalls zu 5 Nadeln 
in einer Scheide; Samen klein, geflügelt. Vorwiegend in 
Nordamerika; eine Art, Pinns excelsa Wall. (P. Peuce Gri- 
seb.), bietet durch ihre Verbreitung ein ungewöhnliches In- 
teresse, indem sie im Hiraalaya und an wenigen Stellen auf 
der Balkan-Halbinsel vorkommt, im Zwischengebiete aber 
fehlt (d. h. wahrscheinlich einst existirt hat und später aus- 
gestorben ist) ^). 

3) Taeda (Weihrauchkiefern) ; zu 3 (selten 4) Nadeln in 
einer Scheide. In Asien und Amerika. 

4) Pinaster (echte Kiefern); zu 2 Nadeln in einer Scheide. 
Zahlreiche Arten in Europa, Asien und Amerika. 

Von diesen vier Gruppen haben nur zwei ihre Vertre- 
ter im europäischen Russland und im Kaukasus ; nämlich : 
Geinbra^ mit einer Art (P. Gembra L.), und Pinaster, mit 
wenigstens drei Arten (P. sylvestris L., P. Laricio Palla- 
siana Loud. und P. Halepensis Mill. var. Pityma Stev.). 

Const. Freiherr von Ettingshausen ^) hat den Versuch 
gemacht einen Stammbaum fär einige europäische Pinvs- 
Arten zu construiren, namentlich für P. Laricio ^ P. sylves- 
tris, P. Pumüio und P. Genibra. Alle diese Arten leitet er 
von einer Urform, Prwws Palaeo-Strobus Ett., ab, aus wel- 
cher zwei Kiefernreihen hervorgingen : mit 2 {Pinaster) und 
3 — 5 Nadeln in einer Scheide (iSifro&us, Gembra und Taeda), 



1) Vgl. Grisebach. Die Vegetation der Erde; Bd. I, pp. 316, 886—887. 

2) «Beiträge zur Erforschung der Phylogenie der Pflanzenarten I. Phy- 
logenetische Untersuchungen über Föhrenarten» , in d. Denkschriften der 
Kais. Akademie der Wissenschaften; Mathem.-naturw. GL; Bd. 88 (Wien, 
1878), p. 65—80; mit 10 photogr. Tafeln. 



— 430 




SeoÜon L Cembra. 

Die wenigen Repräsentanten dieser Gruppe sind haupt- 
sächlich in Asien vertreten. In früheren geologischen Pe- 
rioden war ihre Zahl eine grössere; so sind in der Kreide- 
formation Belgiens vier Arten aus dieser Gruppe gefunden. 
Mithin kann man die Form der Zirbelkiefern als eine aus- 
sterbende betrachten^). Der Bildung der Zapfenschuppen 
nach, so wie nach der Flflgellosigkeit der Samen, kann man 
die Vertretel" der Cfewfcra- Gruppe als eine sehr tief stehende 
Entwickelungsstufe der Gattung Pinus ansehen. 

441. (1.) Pinus Gembra L. 

Die Art-Identität der sibirischen Zirbelkiefer mit der- 
jenigen der europäischen Gebirge wird fast von allen Auto- 
ren anerkannt; indessen sind verschiedene geringe Unter- 
schiede zu bemerken, die London veranlassten die erstge- 
nannte Form als eine Varietät zu betrachten, die er P. Gern- 
bra Sibirica benannte. Leider sind die Angaben über diese 
Unterschiede sehr widersprechend. So heisst es z. B. in 
Gordon's Pinetum (p. 296), dass die Nadeln bei der sibi- 
rischen Form viel kürzer sind, als bei der europäischen; 
Schübeier ^) bemerkt umgekehrt, dass die sibirische Zir- 
belkiefer (wenigstens in der Jugend) etwas längere und hei - 
1er gefärbte Nadeln hat, als die europäische. Nach Schü- 
beier, sind die Nüsse bei der sibirischen Form bedeutend 
kleiner, als bei der europäischen; Willkomm (Forstl. Flora, 
p. 143; Aufl. 2, p. 174) gibt hingegen an, dass sie etwas 



1) Vgl. F. Unger. Geologie dereuropäischen Waldbäume; 11, p.9 1—92» 

2) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 154. 



— 431 — 

grösser sind; etc. SchQbeler spricht die Vermuthung aus, 
ob nicht die sibirische Zirbelkiefer eine besondere Art bilde. 

Als Heimat der russischen Zirbelkiefer muss Sibirien 
angesehen werden, von wo sie sich nach dem Nordosten 
des europäischen Russlands ausgebreitet hat. Die früher 
öfters wiederholte Angabe, dass P. Genibra sich auch im 
Kaukasus finde, ist durchaus falsch ^). 

Die Grenzen der Verbreitung der Zirbelkiefer zu zie- 
hen, fällt nicht so leicht, da die Angaben über ihr Vorkom- 
men ziemlich unsicher und einander widersprechend sind. 
Diese Widersprüche erklären sich aber z. Th. durch die in- 
teressante Thatsache, dass P. Gembra früher etwas weiter 
nach Westen verbreitet war, als gegenwärtig. Immerhin ist 
sie, wenigstens in historischer Zeit, ganz bestimmt nicht 
bis zur Waga (einem linken Nebenflusse der Dwina) verbrei- 
tet gewesen, wie A. 6. Schrenck^) nach Hörensagen be- 
richtet, welche unsichere Angabe Middendorff®) veran- 
lasst hat, irrthümlicher Weise, die Verbreitungsgrenze der 
Zirbelkiefer bedeutend weiter westlich zu ziehen, als Dies 
Bode gethan (vgl. unten). Abgesehen davon, dass, ausser 
Schrenck, kein einziger Reisender, Botaniker oder Förster 
P. Gembra an den Ufern der Waga gesehen oder auch nur 



1) Vermutblich beruht diese fehlerhafte Angabe auf einer Verwechse- 
lung mit P. Finea, die gleichfalls Zapfen mit essbaren Nttssen trägt. 

2) Heise nach dem Nordosten des europäischen Kusslands; II, p. 441: 
«Die Zirbelfichte soll bereits an der Väga, 61^ d. Länge, gefunden werden». 

8) Reise, Bd. IV, Th. 1, p. 558— 559^ in der Nota: «Auch die Nachricht, 
welche Schrenk gibt, dass die Dörfer an der Petschora alljährlich haupt- 
sächlich aus den Wäldern des Wologda^schen und Perm'schen Gouverne- 
ments mit Nüssen der Arve versehen werden, lehrt uns, dass wir südlich 
von den Quellen der Waga die Grenzlinie bedeutend südwestwärts von 
dem Verlaufe versetzen müssen, den Bode in dieser Gegend seiner Linie an- 
gewiesen hat». Ich muss gestehen, dass diese letzte Schlussfolgerung mir 
durchaus unverständlich ist. Middendorff spricht übrigens irrthümlich 
von 61^ n. Br., während bei Schrenck von 61^ ö. L. die Rede ist. 



432 



davon gehört hat, deutet auch schon der Mangel einer ge- 
nuinen russischen Benennungför die Zirbelkiefer darauf hin, 
dass sie an den ufern der Waga fehlt, welche schon im XTI. 
Jahrhundert^) zum Territorium der Republik Nowgorod ge- 
hörten. Nach Bode und Stuckenberg^), soll die Zirbel- 
kiefer, in den 40-er Jahren, wenn auch selten, im Kreise 
Ssol'wytschegodsk existirt haben, während sie um jene Zeit 
aus dem Kreise Jarensk bereits verschwunden war. Nach 
Blasius (Reise, I, p. 150), begann sie, um das Jahr 1840, 
sich am mittleren Laufe der Wytschegda zu zeigen, wäh- 
rend sie froher weiter westwärts verbreitet gewesen sein 
soll. Nach Sonni') wächst die Zirbelkiefer im Kreise üst'- 
ssyssolsk vorzugsweise im Osten der Petschora, im übrigen 
Theile des Kreises aber nur vereinzelt; J. v. N.*) bemerkt, 
dass sie im Gouv. Wologda nur im Kreise Ust'ssyssolsk vor- 
komme. Nach den Zeugnissen Margin's*^) und Puschka- 
rew's®) findet sich die Zirbelkiefer nur auf den westlichen 
Vorbergen des Urals. Stuckenberg sagt, sie wachse an 
folgenden Flüssen: Jagrolap, Podtscherem, Ilytsch, Mylwa, 
Posawicha und Stschugor; die meisten dieser Flüsse sind 
rechte (d. h. östliche) Zuflüsse der Petschora. Latkin')be- 



1) Die Nachrichten über die Stadt Wel'sk an der Waga reichen bis zum 
J. 1147 hinauf. 

2) IIlTyKeHÖepn.. CTaTHCTH«recKie TpyAu. Onucame BoioroxcRoft ry- 
6epHiH. (1858, CTp. 19). 

8) COHHH. aH-l^CKOJIbKO SaMtHaRifi CH^BpCKOH-B KBAP'i^». (JTtCH. }RypH., 

1839 F., H. I, CTp. 134). 

4) K). o. H. «rJI'l^o-cTaTHCTnqecKoe o6o3p'hHie Boioroj^CROli ry6epHiMi>. 
(ra3. jitcOB. H oxoTbr, 1855, cxp. 316). — Der Verfasser ist offenbar Julius 
von Nolde. 

5) MajbrHH-B. «H-hROTopbiH aaMtHaRiii o npoHspacTaniH cH^HpcKaro 
KeApa». (JltcH. HCypH.. 1842, h. II, cxp. 332). 

6)nymKapeB'L. Oniicame BojioroACKofi ry6epHiH. (1846); ota. II, CTp. 
25—26. 

7) «AHeBBBKT> B. H. JlaTKHHa, BO BpeMfl nyremecTBifl na Ilenopy, bt» 

1840 H 1843 roAax-bj); q. I. (3an. Hirn. P. Teorp. 06m., kh. 7, 1853; cxp. 45). 



i: 



— 433 — 

merkt, es gebe Arvenwälder nur am oberen Laufe der Wy- 
tschegda und an einigen ihrer Quellflüsse. Endlieh bezeugt 
neuerdings Iwanizkij^) dass gegenwärtig das Timan-Ge- 
birge im Gouv. Wologda die Westgrenze der Zirbelkiefer 
bilde; wobei er es für wahrscheinlich hält, dass, wenn sie 
auch früher im Westen des genannten Gebirges vorgekom- 
men, sie daselbst ganz ausgerottet sei. 

Bode allein gedenkt des Vorkommens der Zirbelkiefer 
im Kreise Glasow des Gouv. Wjatka; doch wird diese An- 
gabe auf einem Irrthume beruhen; denn sämmtliche Auto- 
ren, die Ober die Flora dieses Gouvernements geschrieben 
(C. A. Meyer, Weschtomow, Puparew und Krylow), 
kennen sie nicht von daher oder bemerken ausdräcklich, 
dass sie daselbst nicht spontan vorkomme. Am ehesten könnte 
sie noch im nördlichsten Kreise Sslobodskoi vorhanden sein; 
aber Sommer, der diesen letzteren in forstwirthschaftlicher 
Hinsicht beschrieben^), erwähnt nicht die Zirbelkiefer. Auf 
ihr Fehlen im Gouv. Wjatka deutet auch die Art ihrer Ver- 
breitung im benachbarten Gouv. Perm hin; denn, nach Kry- 
low, verläuft ihre Südwestgrenze durch das letztgenannte 
Gouvernement (vgl. unten). 

Aus dem Vorstehenden lässt sich der Schluss ziehen, 
dass die Westgrenze der gegenwärtigen continuirlichen 
Verbreitung der Zirbelkiefer, gegenOber der von Bode auf 
seiner Karte gegebenen Grenze '), nicht nur nicht weiter 
westwärts hinausgeschoben werden darf, wie Dies Midden- 
dorffirrthfimlicher Weise annahm, sondern, dass sie im 



1) H. A. HeaHHaKifi. «CnHCOR-B pacreeift Boioro^cKofi ry6epHiu» (1. c, 
p. 16). 

2) Vgl. ras. jitcoB. H oxoTti, 1858, cxp. 569—573. 

8) Sie verläuft bei ihm westlich toh Ssol'wytachegodsk, Ostlich von 
Üstjtig-Welikij und nördlich von Wjatka. 

28 



— 434 — 

Gegentlieil bedeutend weiter nach Osten gerückt werden 
muss. — Es hat diese Westgrenze der continuirlichen ^) 
Verbreitung der Zirbelkiefer annähernd folgenden Verlauf. 
Im Nordosten beginnend, durchschneidet diese Grenze 
(aus der Nordgrenze zur Westgrenze werdend) die Petschora 
genau unter dem 65° n. Br., verläuft dann in westsüdwest- 
licher Richtung längs dem rechten Ufer der Kleinen Kosh wa, 
und wendet sich darauf immer mehr nach Süden, bis sie un- 
ter dem 6372° ^* ^^' ^^^ ^^® Ishma trifft ^), welche sie dann 
(längs dem Ostabhange des Timan-Gebirges) in südlicher 
Richtung hinauf verfolgt; ferner geht sie bei den Quellen 
der Wytschegda vorüber und diesen Fluss hinab, bis zur 
Mündung der Nördlichen Kel'tma, so wie diesen letzteren 
Fluss hinauf; dann übersteigt sie die Wasserscheide der 
Wytschegda und der Kama und verläuft, im Gebiete dieser 
letzteren, anfänglich längs der Lup'ja, fiberschreitet die 
Kama und dann die Kossa (etwa unter dem 60°n. Br.),geht 
darauf längs dem rechten Ufer des letztgenannten Flus- 
seSy dann seinen NebenflnssLopan hinauf^) und durchschnei- 
det die Inwa beim Dorfe Kuprosskoje (unter dem 59° n. 
Br.); von hier aus verläuft die Westgrenze der Zirbelkiefer, 
nach Krylow, in südöstlicher Richtung, oberhalb des Hüt- 
tenwerkes Tschermosskij auf das Hüttenwerk Archangelo- 
Paschijskij; weiterhin verläuft sie wieder etwas südwärts, 
geht zwischen den Poststationen Lukowa und Kedrowka^) 

1) Ueber ihre in solare Verbreitung vgl. weiter unten. 

2) Tgl. daraber: Middendorff's Reise, Bd. IV, p. 559, in der Nota 1; 
desgl. einen interessanten Aufsatz über die Bedeutung der Zirbelkiefer und 
deren Untergang an der Petschora von Ja — w. (H — bt>. «dnaHeHie Ke^pa 
H ero rnöeib na üe^op-i^; etb Apxanr. Tj6, Bt^oii., 1868 r., J^ 95). 

8) Vgl. darüber die genauen Angaben AI. Teploüchow'8(Aji. Tenio- 
yxoBi». ffJI'i&coxosaficTBeHHoe onücanie HepAuecKaro yi^sAa»; bI) XlepiccK. 
ry6. BtAOM., 1855 r., JßJ^ 46—61, h 1866 r., J^J^ 1—4). 

4) Die letztere ist nach der Zirbelkiefer (russ. Kedr) benannt. 



— 435 — 

hindurch uud wendet sich dann ostwärts, um als Sfldgrenze 
etwas südlich vom Hüttenwerke Belimbajewskij das Ural- 
gebirge (etwa unter 56°50' n. Br.) zu überschreiten und 
auf Jekaterinburg zu gehen. — Die Nordgrenze der Zirbel- 
kiefer vermag ich, aus Mangel an sicheren Angaben, nicht 
genau zu ziehen. Wie bemerkt, durchschneidet sie, nach 
Middendorff, die Petschora unter dem 65° n. Br.; damit 
stimmt auch die Angabe Ja — w's (1. c), dass die Arve an 
der Petschora inseiförmig bis zum genannten Breitengrade 
vorkomme; desgl. auch die Angabe A. G. Schrenck's, der 
dieselbe an der Petschora noch unterhalb Oranez (unter 
64:%^ n. Br.) beobachtet hat. Das üralgebirge durchschneidet 
sie ungefähr unter der letztgenannten Breite, um im Osten 
desselben weiter nach Norden — am Ob' wenigstens bis 
zum 67° n. Br. — vorzudringen. 

Zur Erläuterung des Gesagten mögen noch einige wei- 
tere Angaben folgen. — Nach Krylow, erstreckt sich das 
von der Zirbelkiefer im Gouv. Perm eingenommene Gebiet 
über die Kreise Tscherdyn', Ssolikamsk, Werchotur'je, den 
nordöstlichen Theil des Kreises Perm, den nördlichen des 
Kr. Jekaterinburg und den östlichen des Kr. Irbit (jenseits 
des Fl. Niza). Bode nennt noch den Kreis Kungurals Fund- 
ort*). Pallas (Reise, II, p. 180) beobachtete die Zirbelkiefer 
in der Umgegend des Hüttenwerkes Tagil'skij und bemerkt, 
dass sie weiter nach Süden nicht vorkomme. Indessen fin- 
det sie sich, nach T. Uspenski^), noch bei Jekaterinburg; 
nach mündlicher Mittheilung Meinshausen's, hatmanihm 



1) VTenn Bode (1. c, p. 17) von einem Kreise Kosinak redet, so muss be- 
merkt werden, dass ein solcher gar nicht existirt. YieHeicht meinte er das 
Dorf Kossinskoje, welches genau unter dem 60^ n. Br., an der Eossa, einem 
rechten Zuflüsse der Kama, liegt (Vgl. oben). 

2) Im Bulletin de Moscou, 1834, t. 7, p. 881. 

28* 



— 436 — 

in der Umgegend dieser Stadt Zweige der Zirbelkiefer ge- 
bracht, docb hat er sie selbst dort nicht gefunden, woraus 
er auf ihre Seltenheit in jener Gegend schliesst. Weiter 
nach Norden wird die Arve immer häufiger. Das Centram 
ihrer Verbreitung innerhalb des europäischen Russlands 
bilden das Petschora-Gebiet des Gout. Wologda und der 
Nordosten des Gouv. Perm, — inbesondere derKreisTscher- 
dyn'; im nördlichen Theile des letztgenannten Kreises, na- 
mentlich an der Kolwa, finden sich ganze Arvenbestände; 
weiter nach Süden findet sich die Zirbelkiefer hauptsächlich 
in Fichtenwäldern eingesprengt. 

Im Westen und im Süden der von mir gezogenen 
Grenze der continnirlichen Verbreitung der Arve wird sie 
an einigen Stellen inselförmig angetrofien. Am weitesten 
nach Westen hinausgeschoben ist das bereits oben erwähnte 
Vorkommen derselben im Kreise Ssol'wytschegodsk des 
Gouv. Wologda, wo sie sich selten nnd nur vereinzelt 
findet, — reap. sich früher fand, da sie, nach den neuesten 
Angaben Iwanizkij's, aus jener Gegend verschwunden zu 
sein scheint. Sie wnchs daselbst im nördlichen Tbeile; ancb 
soll sie in geringer Anzahl im Kreise Jarensk vorhanden 
gewesen sein'). Aber Ssucharshewskij*) bemerkt ans- 
drficklich, dass die Zirbelkiefer ausglich im Kreise SsoP- 
wytschegodsk erscheint, darauf im Kreise Jarensk voll- 
ständig verschwindet nnd erst im nordöstlichen Theile 
des Kreises Ust'ssyssolsk in reinen Beständen auftritt. 
Daraus muss gefolgert werden, dass, wenn die Arve noch 
gegenwärtig im Kreise Ssol'wytschegodsk vorkommt, sie 



1) Tgl. ras. itcoB. 11 ozoTbi, 1859, crp. 157. — Bode behaaptete BOgar, 
daBS sie aich im Kreise Jarensk häufig gefunden babe. 

2) CjzapweBCKifl. sCTaTHCTBiecKoe onucasie xticosi Boiaro^cxofl 
rföepeiuB; bi> Bojor. Tj6. BIiaoii., 1S45 r., w. neo«., crp. 298. 



— 437 — 

daselbst ganz insular wächst, — weit entfernt von ihrem 
jetzigen continuirlichen Verbreitungsgebiete. — Ein anderer 
insularer Fundort der Zirbelkiefer ist von Krylow^) im 
Kreise Ochansk (25 Werst westlich von Perm) beobachtet 
worden; hier wächst sie auf einer erhöhten Stelle inmitten 
eines Torfmoores, zwischen Fichten, Kiefern und Tannen; 
das ganze Areal, auf dem sie hier, vorkommt, ist nur 
3 Werst lang und 1 Werst breit. Nach den Aussagen der 
älteren Anwohner, war die Arve früher in jener Gegend 
weiter verbreitet, und ist allmälig ausgerottet. Junge Bäum- 
chen finden sich gar nicht, da sie von den Bauern, sobald 
sie erscheinen, mit der Wurzel ausgerissen und nach den 
Städten verkauft werden. Daher ist auch diese Arven-Insel 
ihrem Untergänge geweiht. — Eine andere solche Insel 
scheint bereits verschwunden zu sein; sie befand sich im 
sfldlichen Uralgebirge, in der nordöstlichen Ecke des Gouv. 
Ufa, wo die Zirbelkiefer, nach Eversmann^), nur ver- 
einzelt wuchs. Meinshausen bemerkt, vielleicht auf Grund- 
lage dieser letzteren Angabe, dass die Arve im sfidlichen 
Ural sehr selten sei; «Lessing erwähnt ihrer gar nicht, und 
Schell bemerkt, dass später, d. h. nach Eversmann, sie 
Niemand in den Gouvernements Ufa und Orenbnrg gefunden 
habe. Bode zweifelt an der Richtigkeit der Angabe Evers- 
mann's; indessen haben Trautvetter und Schell einen 
solchen Zweifel nicht geäussert; und man kann vermuthen, 
dass die von Eversmann gesehenen wenigen Arven seit 
jener Zeit ausgehauen und aus der besagten Gegend voll- 
ständig verschwunden sind. 



1) n. KpbiJtOB-b; Bi> TpjA* 06m. ecrecTBOBcnuT. npH Hmh. Kasan. 
yflflB.^ T. Y, BUQ. 4, 1876, CTp. 14—15. 

2) 9a. dBepCMaHii. Ectcctb. ncTopU OpeB6yprcKaro Kpan; h. 1(1840), 
CTp« 45. 



^ 



J 

I 

4 



— 438 — 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese inseiförmigen 
Fundorte der Zirbelkiefer einst mit dem gegenwärtigen 
continuirlichen Verbreitungsgebiete derselben in ununter* 
brochencm Zusammenhange gestanden haben. Abgesehen 
von der angeführten Bemerkung von Blasius, weisen auch 
einige Local-Beobachter darauf hin. So hält es Krylow 
für wahrscheinlich, dass die Arvengrenze früher tiefer in 
das Innere des europäischen Russlands hineinragte; er hält 
es für möglich, dass klimatische Veränderungen auf das 
Zurückweichen derselben nach Nordosten influirt hätten. 
Bei dem Fehlen langdauernder meteorologischer Beobach- 
tungen aus den Grenzen Russlands lässt sich darüber nichts 
Sicheres vermuthen. Zudem ist eine solche tiefgreifende 
Veränderung für die historische Zeit kaum wahrscheinlich, — 
um so mehr, als die Zirbelkiefer angepflanzt sehr gut z. B. 
noch bei St. Petersburg gedeiht und reichliche Zapfen 
trägt, woher das Klima der zwischenliegenden Gebiete 
kaum ihre spontane Existenz verhindern dürfte. Dass das 
Klima thatsächlich den Verlauf der Westgrenze der Arve 
so gut wie gar nicht beeinflusst, erhelK aus dem Umstände, 
dass jene Curve durchaus mit keiner Isotherme überein- 
stimmt. Viel eher scheint mir der direkte Eingriff des 
Menschen jenes Zurückweichen veranlasst zu haben: das 
schonungslose Aushauen ganzer Bäume, zum Zwecke der 
Zapfenernte (vgl. unten), ist höchst wahrscheinlich haupt- 
sächlich daran Schuld, dass die Zirbelkiefer z. B. aus dem 
Kreise Jarensk des Gouv. Wologda, so wie aus einzelnen 
Theilen des Gouv. Perm etc., wo sie früher vorhanden ge- 
wesen, gegenwärtig gänzlich verschwunden ist. 

Diesseits des Uralgebirges bildet die Zirbelkiefer selten 
reine Bestände, und stets nur auf geringen Arealen. Meistens 
findet sie sich mit Fichten, Tannen und Lärchen, seltener 



— 439 — 

mit Kiefern und Birken untermischt; am häufigsten ist sie 
in Fichtenwäldern anzutreffen; bisweilen herrscht sie in 
solchen gemischten Wäldern vor, häufiger aber tritt sie als 
untergeordnete Holzart auf. Nach Krylow, geht die Arve 
auf einigen Bergen des Urals höher, als alle anderen Baum- 
arten ^) und erscheint schliesslich als ein verkümmertes 
Bäumchen von % Meter Höhe. An ihrer Westgrenze er- 
reicht die Zirbelkiefer lange nicht die bedeutenden Dimen- 
sionen, wie auf dem Uralgebirge und namentlich in Sibirien. 
Sie findet sich dort seltener gruppenweise, sondern meist 
vereinzelt, und in solchem Falle häufig auf Feldern ^). 

Gegenwärtig sind beide Verbreitungsbezirke der Zirbel- 
kiefer (der sibirische und der europäische) durch eine weite 
Strecke, d. h. fast durch die ganze russische Tiefebene, von 
einander geschieden. Eine solche Trennung erfolgte offenbar 
vor sehr langer Zeit, da die europäische Form der Arve, 
die höchst wahrscheinlich von der sibirischen abstammt, 
wie bemerkt, sich bereits von der letzteren durch einige 
Merkmale unterscheidet. Man darf vermuthen^ dass jene 
beiden Gebiete in posttertiärer Zeit mit einander continuirlich 
zusammenhingen. Auf eine solche Möglichkeit wies Hilde- 
brand (1. c.,p. 206) hin, indem er den Umstand hervorhob, 
dass in Steiermark eine fossile Arve in der Höhe von 1000^ 
üb. d. M. gefunden worden ist, während sie gegenwärtig 
daselbst erst in der Höhe von 5000' aufzutreten beginnt; 
daher kann man annehmen, dass sie in jener entlegenen 



1) üebrigens ist Dies nach den einzelnen Bergen sehr yerschieden, denn 
auf einigen geht die Fichte am höchsten, auf anderen die L&rche und wie- 
der auf anderen — die Zirbelkiefer. 

2) Die erhabene Schönheit der Arvenwälder, besonders in Sibirien, ist 
von verschiedenen Beobachtern poetisch geschildert worden, so z. B. von 
Ja— w (1. c.) und Dmitrijew. (B. Ä^HTpiee-B. «CndiipcKifi Ke^Lpt»; bt» 

CH6HpCK0in> BtCTBHRt, 1818 F., H. I, GlltCB, CTp. 22—23). 



440 



Zeit auch Ober die Ebene verbreitet war. Und daraus wie- 
der resultirt die Möglichkeit, dass die auf den Karpathen 
wachsenden Zirbelkiefern mit denen des nordöstlichen Russ- 
lands einst in Verbindung gestanden, wo, wie wir gesehen, 
dieselben früher wahrscheinlich weiter westwärts verbreitet 
waren, als gegenwärtig. Zwar ist die Arve bei uns noch 
nicht fossil oder subfossil gefunden worden; aber unsere 
fossilen Hölzer sind noch so wenig erforscht, dass mit der 
Zeit unter ihnen auch P. Gembra sich erweisen dürfte. Die 
Abwesenheit der Arve, so wie der Lärche, einerseits im 
Kaukasus, und andererseits in Skandinavien, deutet darauf 
hin, dass diese beiden Holzarten, die beide auch eine sehr 
ähnliche Verbreitung haben, aus Sibirien nach Europa nicht 
längs den Gebirgszügen hinüberwanderten, welche zur 
Tertiärzeit das Aralo-Kaspische Meer im Süden und Osten 
umrahmten, — denn sonst würden sie im kaukasischen 
Gebirge kaum fehlen, — sondern dass der Weg, den sie ge- 
wandert, im Norden jenes Meeres lag; und zwar dürfte 
derselbe sie über das uralte Festland geführt haben, welches 
sich, am Schlüsse der Tertiärzeit, ununterbrochen vom 
Uralgebirge zu den Karpathen hinzog, und welches das 
gegenwärtige Tschernosjom- Gebiet repräsentirt. Im Osten 
breit beginnend, verschmälerte sich jenes der Vegetation 
zugängliche Terrain nach Westen immer mehr, da es im 
Norden durch die allmälig näher heranrückenden Gletscher, 
im Süden aber durch das Aralo-Kaspisch-Pontische Meer 
eingeengt wurde. Jene weit verbreitete Vergletscherung des 
nördlichen und nordwestlichen Russlands, so wie die nach 
ihrer Abschmelzung erfolgte Bildung kolossaler Binnen- 
gewässer, welche Skandinavien vom besagten Wandergebiete 
der Arve trennten, verhinderten ihre Einwanderung nach 
jenem Lande, so wie auch nach Finland, wo die klimatischen 



441 



Bedingungen ihre gedeihliche Existenz ermöglichen würden. 
Und zwar masste die Zirbelkiefer aus dem Innern des euro- 
päischen Russlands bereits verschwunden sein, bevor jene 
trennenden Gewässer ausgetrocknet waren; denn sonst hätte 
sie wahrscheinlich den Weg nach Skandinavien gefunden. 

Die Ursachen, welche das völlige Verschwinden der 
Arve aus dem Innern des europäischen Russlands veranlasst 
haben, mögen sehr verschiedener Natur gewesen sein. Diese 
Holzart, nach ihrer Verbreitung in Sibirien, so wie in den 
höheren Gebirgen Europa's zu schliessen, bedarf eines 
kohlen Klima's. Zur Eiszeit fand sie die ihr zusagende 
niedrige Temperatur im Innern Russlands, am Südrande 
des weitreichenden Glacialgebietes. Mit der Rückkehr und 
stetigen Steigerung der Wärme musste sie aus jenem Gebiete 
verschwinden. Direkt nach Norden zu wandern vermochte 
die Arve nicht, da hier die enormen Gletscher nur langsam 
abschmolzen und ihr den Weg verlegten; daher wich sie 
nach Nordosten aus, wo das unvergletscherte Gebiet sich 
sehr weit nach Norden erstreckte. Ebenso siedelte sie nach 
Südwesten über, und zog sich immer höher auf die Gebirge 
(Karpathen, Alpen etc.) zurück. — Ferner war es wahr- 
scheinlich die veränderte Bodenfeuchtigkeit, welche auf das 
Verschwinden der Zirbelkiefer influirte. Alle Angaben aus 
dem nordöstlichen Russland und Sibirien stimmen darin 
überein, dass sie recht feuchten Boden nicht nur verträgt, 
sondern auch verlangt. Daher kann man vermuthen, dass 
die vielen Sümpfe und Seen, welche das mittlere Russland 
zur glacialen und postglacialen Zeit bedeckten, dem da- 
maligen Gedeihen der Arve förderlich waren. Mit dem Aus- 
trocknen dieser Gewässer und der Zunahme der Bodendürre 
musste ihre Existenz gefährdet werden. — Dazu gesellte 
sich, in späterer Zeit, die vernichtende Thätigkeit des 



J' -. 



— 442 — 

Menschen. Lüstern nach der leckeren Speise, die ihm in 
den Zirbelnüssen umsonst geboten wurde, verschmähte er 
die Mühe des Erkletterns der Bäume und hieb sie einfach 
um^). So vollendete seine Axt das Verschwinden dieses 
herrlichen Baumes auch aus solchen Gegenden, wo das 
Klima und der Boden seinem Gedeihen kein Hinderniss in 
den Weg setzen. Im europäischen Russland, wo die Bevöl- 
kerung etwas dichter ist^ wurde die Arve auf diese Weise 
fast gänzlich ausgerottet, während sie in Sibirien, das sich 
durch seine sehr dünne Bevölkerung auszeichnet, sich 
noch in grösserer Menge erhalten hat. — Ausser dem 
Menschen und den veränderten physikalischen Bedingungen, 
beeinflusste das Verschwinden der Zirbelkiefer vielleicht 
auch der Kampf um's Dasein, den sie mit besser aus- 
gerüsteten Baumarten zu bestehen hatte, — besonders aber 
mit der Fichte, die in den Schweizer Alpen sowohl die 
Lärche, als die Arve, immer mehr verdrängt^). 

Nach Mal'gin's Angabe, erreicht die Zirbelkiefer im 
Uralgebirge und in Sibirien ihre physische Reife mit 200 — 
250 Jahren, während sie über 400 Jahre alt wird. Im 
Kreise Werchotur'je des Gouv. Perm untersuchte der 
genannte Forstmeister einen mit der Wurzel ausgerissenen 
Baum, der einen Durchmesser von 1 50 Cm. und ein Alter 
von 700 Jahren aufwies. Nach dem Zeugnisse Sonn i 's,- 
kommen im Kreise Tscherdyn' Bäume vor, aus denen man 
Bretter von 1 y^ Metern Breite erhält. Nach der Angabe 



1) Eine solche barbarische Art der Erlangung der Arvenzapfen ezistirt 
leider noch gegenwärtig diesseits des Uralgebirges, während jenseits des- 
selben und in Sibirien, seit langer Zeit, ein regelrechtes und streng orga- 
nisirtes Sammeln der Zapfen Stattfindet, — zu welchem Zwecke die B&ume, 
mit Hälfe eines an die Fflsse befestigten eisernen Werkzeuges (KOtmu = 
Krallen genannt), erklettert werden. 

2) Vgl. H. Christ. Das Pflanzenleben der Schweiz; pp. 227 u. 228. 



— 443 — 

desselben Gewährsmannes, finden sich jenseits der Pe- 
tschora Arvenbäume von 90 Fnss Höhe, lieber den Einfluss 
des Elima's und des Bodens, so wie der Qbrigen Faktoren, 
auf den Zuwachs und die Beschaffenheit des Holzes der 
Zirbelkiefer fehlen, so viel mir bekannt, aus Russland 
jegliche vergleichende Beobachtungen. Beketow hat aus 
den Grenzen Russlands nur einen einzigen Arvenstamm 
verzeichnet, der aus Sibirien, und zwar vom Jenissei (bei 
der Mündung der Unteren Tunguska) stammte; derselbe 
wies, bei 225 Jahresringen, einen Halbdurchmesser von 
100 Millim. auf; folglich betrug die mittlere Breite eines 
Jahresringes 0,44 Millim. 

Ich möchte hier noch einer interessanten und sicher be- 
zeugten Anomalie gedenken, die im Kreise Werchotur'je 
des Gouv. Perm von Dalmatow^) und Mickewicz^) 
beobachtet worden ist, — nämlich eines Herauswachsens 
zweier Arven-Aeste (oder -Bäume?) aus einer Kiefer. Das 
betreffende merkwüdige Exemplar steht im erwähnten Kreise, 
auf einer Trift des Dorfes Gubina (im Amtsbezirke Topor- 
kow). Die Mutterkiefer ist etwa 100 Jahre alt und 50 Fuss 
hoch; in der Höhe von etwa 17 Fuss entsendet sie zwei 
ausgezeichnet ausgebildete und dicht belaubte Arvenäste, 
die ganz normale Arvenzapfen tragen. Diese Stiefkinder 
wachsen so flppig, dass sie ein Kränkeln des Mutterbaumes 
verursacht haben, dem wahrscheinlich bald der Tod folgen 
wird. Die örtlichen Bauern vermuthen, dass sich die beiden 
Arvenäste als besondere Bäume aus Samen entwickelt 
haben, welche Eichhörnchen oder Vögel dorthin verschleppt 



1) AftJiMATOB'L. a3a¥-i^qaTejiiHii]il cjynaft bi> pacTHTeJibBOHi» iiapcTBtii; 
Bi> Fas. JitcoB. H ozoTu, 1855 r., CTp. 41^42; (mit Abbildung). 

2)MHi^ReBH«i'B. «Ke^pu, Bbipocmie aaxcHBoft cocB'i^vjB'bJI'i^cH.HCypH., 
1878 r., CTp. 621—625 (mit Abbildung). 



f 



— 444 — 

haben, and da^s sie sich durch Wurzeln ernähren, die tief 
in das Innere des Eiefernstammes eingedrungen sind. Diese 
Ansicht theilt auch Mickewicz. Dalmatow bemerkt 
seinerseits, dass die genaueste Untersuchung keinen Anhalt 
dazu bietet, dass jene Arvenäste von Menschenhand auf den 
Kiefernstamm aufgepfropft wären. Und dennoch vermuthe 
ich, dass gerade dieses Letztere Statt gefunden hat. Eine 
solche Annahme erscheint um so wahrscheinlicher, als Bei- 
spiele erfolgreichen Pfropfens der Pinm Cembra auf P. syl- 
vestris bekannt sind. So bezeugt Baron Yietinghoff- 
Scheel ^), dass auf dem Gute Bauenhof (im Kreise Wolmar, 
in Livland) sich einige Afven finden, die, in der Höhe von 
lYa Fuss von der Erde, auf junge Kiefern aufgepfropft sind; 
auf den unteren Theilen der Stämme ist die Kiefemrinde 
noch deutlich zu erkennen. 

Nicht der Mensch allein veranlasst, durch sein unver- 
ständiges Wirthschaften , das Verschwinden der Arven- 
bestände; diese letzteren werden nicht selten das Opfer 
wüthender Waldbrände oder starker Stürme. Auch ver- 
schiedene Thiere delectiren sich an den leckeren Zirbel- 
nüssen. Selbst Meister Petz ist darin kein Kostverächter: 
er erklettert die Arvenstämme und bricht mit seinen 
mächtigen Tatzen die zapfentragenden Aeste ab, um dann 
an der Erde die erbeuteten Nüsse gierig zu verzehren. 
Nicht minder lüstern ist das Eichhörnchen nach dieser 
schmackhaften Speise; und die Einwohner Sibiriens be- 
rechnen nach der Ernte der Arvenzapfen den wahr- 
scheinlichen Erfolg der Eichhörnchenjagd, da diese Thiere 
scharenweise nach den an Arvenzapfen ergiebigen Wäldern 
wandern. Unter den Vögeln sind es ganz besonders die 



1 

< 



1) JltcHOfi JÜYpHSjLTi, 1879 r., CTp. 164. 



— 445 — 

Tannenheher (Nucifraga Caryocaiactes)^ die den Zirbeinfisscn 
nachstellen und die Arvenwälder verwüsten. Dr. R. Bla- 
sias^) hat neuerdings den merkwürdigen Wanderzug dieser 
Vögel durch Europa (im Herbste 1885 und Winter 1885/86) 
auf das Missrathen der Zirbelnüsse in Sibirien und im 
nordöstlichen Russland zurückgeführt; nach brieflicher Mit- 
theilung Hm. Sslowzow's, gab es in der That im J. 1885, 
sowohl im üralgebirge als im grösstenTheile Westsibiriens, 
eine vollkommene Missernte an Zirbelnüssen. Der Tannen- 
heher hat einen seiner russischen Namen {Kedrowka) von 
der Zirbelkiefer (russ. Kedr) erhalten. 

Die Zirbelnüsse ^) bilden nicht nur in Sibirien, sondern 
auch diesseits des Uralgebirges , einen nicht unwichtigen 
Handelsartikel. Die Eaufieute von Ust'ssyssolsk und Tscher- 
dyn' versorgen damit reichlich das Petschora-Gebiet. Die 
Nüsse gehen sogar, von Archangelsk aus, in's Ausland, und 
zwar nach Norwegen, wo sie als arussische Nüsse» ein be- 
liebtes Naschwerk bilden. Die Wogulen, die mit ihren Ren- 
thierheerden auf den Höhen des üralgebirges nomadisiren, 
bereiten aus denselben einen Theil ihres Speisevorraths. 
Hr. Sslowzow theilt mir mit, dass die Zufuhr von Zirbel- 
nüssen nach Tjumen' in guten Jahren bis 190,000 Pud") 
beträgt, während im J. 1885 (d. h. in einem Missjahre) 
nur 50,000 Pud zugeführt wurden. 

Die Benutzung der Zirbelnüsse zur Speise war wahr- 



1) Der Wanderzug der Tannenheher darch Europa. (Wien, 1886; Sepa- 
ratabdruck aus ffOmis», Jahrg. II, Hft. 4); p. 104— -107. Hier sind die von 
Hm. Sslowzow mir brieflich mitgetheilten interessanten Angaben ver- 
werthet. — Tgl. auch: t. Tschusi zu Scb mid hoffen, in d. Verhandl. d. 
zool.-bot. Ges. Wien, 1888, p. 407—506. 

2) In Russland gewöhnlich unter dem Namen aCedemasse» bekannt. Vgl. 
weiter unten, bei Besf rechung der Namen der Zirbelkiefer. 

3) 1 Pud = 40 russ. Pfund; 3 Pud = etwa 50 Kilogramm. 



— 446 — 

scheinlich schon zur Zeit Herodot's gebräuchlich, nach 
dessen Zeugniss einige Völker, die in verschiedenen Gegen- 
den ansässig waren, von den Griechen (pdeipo^payoi genannt 
wurden. Diese Benennung wurde zwar vielfach buchstäblich 
mit Läuseesser übersetzt; aber wir verdanken einem alten 
Scholiasten die Erklärung, dass unter (pdeTpe; auch oi xapuoe 
TCüv iriTüCüv, d. h. Früchte von Kiefern, verstanden wurden^). 
Eines jener Völker, nämlich die Budinen, wohnte^ nach 
Bitter's Annahme (zu der sich auch Baer bekennt), 
irgendwo an der mittleren Wolga. Baer bemerkt, dass in 
dieser Gegend die besagten Früchte nur von der Zirbel* 
kiefer stammen konnten, die vielleicht früher bedeutend 
mehr nach Süden (und Westen) verbreitet war, als gegen- 
wärtig, später aber ausgerottet ist. (Wir haben gesehen, 
dass diese letztere Annahme Vieles für sich hat). Oder 
aber, es standen die Budinen in lebhaften Handelsbeziehungen 
mit den Stämmen, die am Uralgebirge wohnten und ihnen 
die Zirbelnüsse lieferten. Später aber erlosch der Handel 
mit diesen Nüssen an den Ufern der Wolga; denn sie werden 
nicht unter den Handelsaitikeln aufgeführt, welche im 
VJI. — XL Jahrhundert von den Arabern von der Wolga 
bezogen wurden; so z. B. werden sie von P. Ssawel'jew*), 
L Ssresnewskij^j und neuerdings von G. Jacob ^) nicht 

1) Vgl. G. Ritter. Die VorhaUe Europäischer Yölkergeschichten vor 
Herodotus. (1820); pp. 154; 469—461. — Baer macht daza die Bemerkung: 
«Diese Früchte sitzen zwischen den Schuppen der Zapfen; eben deshalb 
fiel man auf den ekelhaften Vergleich, da man diese NQsse zwischen den 
Schuppen hervorsnchen muss». Vgl. K. E. y. Baer. Historische Fragen mit 
Hülfe der Naturwissenschaften beantwortet (Reden und kleinere Aufs&tze; 
Th. 8); p. 87—89. 

2) n. CaBejibee-b. MyzaMMeAancicaH HyMusMaTHKa bi» oTHOuiemH ri> 
pyccRofi HCTopiH. (1847). 

8)H. GpesHeBCKifl. oCji^Au aabbafo BHaROMCTBa PyccKHxi» erb lo»- 
Hoft Asiefi. JlfiBHThiik B-hKi>»; bi> B^CTBHK'h Hmo. PyccK. Feorp. OCus,,, 1854 
r., H. 10, crp. 49—68, 

4) Georg Jacob: 1) Welche Handelsartikel bezogen die Araber des Mit- 



— 447 — 

genannt; ebenso wenig nennt Chwolson^) die Zirbelnüsse 
nnler den Erzeugnissen des alten Bolgariens selbst, noch 
auch unter den Handelsartikeln, die dorthin eingeführt 
wurden. 

Namen. — Russisch: Kedr^ d. h. Ceder. Auf welche 
Weise und seit wann dieser fremdländische Name, der be- 
kanntlich einem ganz anderen Nadelbaume {Gednis Libani) 
zukommt, in Russland heimisch geworden und auf die 
Zirbelkiefer fibertragen worden ist, habe ich nicht feststellen 
können. Dass in der russischen Sprache kein genuiner 
Name für diesen Baum existirt, ist sehr begreiflich, da 
sowohl das an's Uralgebirge grenzende Gebiet, als auch 
Sibirien, wo allein derselbe vorkommt, erst spät an Russ- 
land fielen, im alten Russland aber die Zirbelkiefer nirgends 
wächst. Als die Rassen dieselbe kennen lernten, galt es ihr 
einen Namen zu geben. Ich vermuthe nun, dass die Ko- 
saken, die zuerst an den Ural kamen und den herrlichen, 
ihnen fremden Baum erblickten, ihm aufs Gerathewohl 
den Namen der berühmten Ceder zuertheilten , die sie 
gleichfalls nicht von Ansehen kannten, von deren Existenz 
aber sie durch die Bibel unterrichtet waren *). Ist diese 
Yermuthung zulässig, so konnte der Name Kedr^ für die 
Zirbelkiefer, erst im XV. Jahrhundert in Russland Fuss 
fassen. Herberstein'), der im Beginne des XVI. Jahr- 



telalters aus den nordisch-baltischen L&ndern? (Leipzig 1886). — 2) Der 
nordisch-baltische Handel der Araber im Mittelalter. (Leipzig, 1887). 

1)A.A. XnoabcoH'L. HsB'icTifl o Xo»apaxi>, Bypracazi», Eojrapaxi», 
MaAbflpaxi», GjiaBflHaxi> h Pyccaxi» II6H'B-AacTa. (1869). 

2) Ganz Ähnlich ist der italienische Name der Zirbelkiefer, Cembro, von 
der Cypresse herzuleiten, die bei den benachbarten SQdslaven u. A. auch 

C>mpre« und Cemprä heisst. Vgl. B. Sulek. Jugoslavenski imenik bilja. 
1879); p. 60. 

8) Rerum MoscoTiticarum Commentarii. (1556); p. 88: «Crescunt etiam 
illic arbores cedri: circa quas nigerrimi Zebelli reperiuntur». 



* "* 



— 448 — 

hunderts Russland bereiste, kennt bereits die Benennung 
Geder für IHnvs Cemhra. Es würde meiner Annahme der 
Umstand nicht widersprechen, dass derselbe Name, im Be- 
ginne des XVIII. Jahrhunderts, bei den Ruthenen in Gali- 
zien gebräuchlich war ^). denn er konnte dahin aus Russland 
gelangen. Uebrigens findet sich der Name Geder für die 
Zirbelkiefer, nach Nemnich^), auch in einigen germanischen 
Sprachen: holl. Geder - pynhoom , dfln. Gederfyrr^ schwed. 
Gedertall; da aber P. Gembra in diesen Ländern nicht vor- 
kommt, so halte ich es für wahrscheinlich, dass die erwähnten 
Namen dem Russischen entlehnt sind. — Polnisch heisst die 
Zirbelkiefer — Limhaj Linha% — Tatarisch (in Sibirien): 
Kussochj Kussukj Kusu-agatsch; Ssyra. — Syrjanisch: SsusSj 
SsusS'pu. — Wogulisch: Tjat; (an der Tschussowaja) : OU>a; 
(an der Ssosswa) : Ulpe. — Ostjakisch : Ljagal, Liggal; Nogor- 
juch (Nogor = Arvenzapfen). — Ssamojedisch (am Ob'): 
Tiddi; (am Jenissei): Tyri; (am Tom'): Njarga. — Kalmü- 
kisch: Mesch (Annenkow). 



Section 2. Pinastei". 



442, (2.) Pinti8 sylvestris L. 



Bei der grossen Bedeutung dieser wichtigsten Holzart, 
halte ich es für nothwendig, nicht nur deren Verbreitung 
eingehender zu erörtern, sondern auch Einiges über ihre 
Wachsthumsverhältnisse etc. mitzutheilen. 



1) Vgl. Rz^czynski. Historia naturalis curiosa regni Poloniae. (1721); 
p. 191—192. 

2) Allgemeines Polyglotten-Lezicon der Naturgeschichte; Bd. II (1794); 
Sp. 978. 

3) Damit wohl zusammenhängend die deutschen Benennungen: Lihbaum, 
Leinbaum. 



1 

■ 

• 



— 449 — 

Was die Umgrenzung der Art betrifft, so sind wohl die 
allermeisten Forscher darin einig ^). Von botanischen Varie- 
täten der gemeinen Kiefer kommen in den Grenzen des 
europäischen Russlands und des Kaukasus folgende vor: 

1) Var. rubra Hort. {Rigensis Fisch., Scotica Willd.). 
Nach Angabe einiger Autoren (z. B. Regel's), sollen ganze 
Wälder dieser Varietät in der Umgegend Riga's wachsen; 
Willkomm hat sie daselbst nicht gefunden. Trautvetter ^) 
spricht die Vermuthung aus, ob nicht der Name Bigensis 
dieser Form nur deswegen gegeben ist, weil sie aus Riga 
in's Ausland exportirt wird; damit ist auch Regel einver- 
standen. 

2) Var. Altaica LeAeh.^) {üralensis Fisch.); im Ural- 
gebirge und in Sibirien. 

3) Var. argentea Stev.; in Transkaukasien. 

4) Var. hamata Stev ; gleichfalls in Transkaukasien*). 

5) Var. persica Hort. {Caucasica Fisch., altissima Le- 
deb., laüfolia Gordon); in den Gebirgen des Kaukasus und 
in Persien (?). 

6) Var. pontica Koch, in Armenien. — Henkel und 
Hochstetter^) nehmen mit Bestimmtheit an, dass diese 
Form eine Varietät der P. sylvestris sei, und nicht der 
P. LariciOj wie Koch meinte. Ihrer Ansicht nach, gehören 
P. Kochiana Klotzsch ®) und P. armena Koch gleichfalls zu 
P. pontica. 

1) Nur in Betreff der Zugehörigkeit von Finus Frieseana Wich, zu P. 
sylvestris gehen die Ansichten aus einander (vgl. unten). 

2) Incrementa florae rossicae; p. 726—727. 

3) In Ledebour's Flora rossica fehlt indessen diese Varietät. 

4) Gordon, desgl. Henkel und Hochs tetter, halten die beiden letzt- 
genannten Varietäten fflr identisch. 

5) Synopsis der Nadelhölzer. (Stuttgart^ 1865); p. 42—43. 

6) Koch selbst (Dendrologie, II, 2, p. 280) identificirt P. K<ychiana 
Klotzsch mit rar. hamtxta Stey.,h&lt aber ihre artliche Berechtigung aufrecht. 

29 



— 450 — 

Abstrahirt von diesen botanischen Varietäten, unter- 
scheidet man in einem grossen Theile Russlands zwei 
technische Varietäten der gemeinen Kiefer, nach der Dich- 
tigkeit und Nutzbarkeit des Holzes. Da in der deutschen 
Litteratur über diese interessanten beiden Formen der 
Kiefer nur Weniges bekannt geworden ist ^), so halte ich es 
nicht für uninteressant darüber Einiges mitzutheilen. Die 
beiden Formen führen die eigenthümlichen Namen Könda 
und Mjända^ die beide finnischen Ursprungs und, wie es 
scheint, sehr alt sind ^). Könda oder Konga entspricht dem 
finn. Honga, Honka; Mjända aber dem finn. Mänd. *). Und 
zwar: 

1) Könda oder Kondöwaja Ssossndy auch Budöwaja^) 
Ssossnd; in der Ukraine: Ssmolistaja Ssossnd (i. e. harzige 
Kiefer) oder Ssmölka^)] im Gouv. Ssamara: Sharötvaja (von 
SÄar=: Hitze) Ssossnd^ auch Kandöwaja Ssossnd^). Man 



1) So viel ich weiss, ist nur in Middendorffs Reise (Bd. IV, Th. 1, p. 
637— 6S8) davon die Hede; desgl. auch bei AI. Teploüchoff, im Forstli- 
chen Cotta-Album, p. 248—249. Alle ferneren Quellen sind in russischer 
Sprache und daher dem Qbrigen Europa unzugänglich. 

2) Wie weit diese Namen hinaufreichen, l&sst sich nicht ermitteln; Pal- 
las (Flora rossica, P. 1, p. 6) führt sie bereits an. 

8) Vgl. weiter unten, bei Betrachtung der Namen der Kiefer. — 6 rot 
(H. FpoTT». ^luojiomqecRifl pasucKaHifl; t. I, 1876, CTp. 460) leitet diese 
Namen gleichfalls aus dem Finnischen her. Doch bin ich mit seiner Annahme 
nicht einverstanden, dass könda und konga verschiedenen ürsprangs seien 
(könda aus dem schwed. kdda^ isl. qvoda = Harz). Mir scheinen beide Wör- 
ter identisch zu sein, mit dem in der russischen Sprache nicht seltenen 
Wechsel von g und d, 

4) Manche leiten das Wort rudötoc^a von Rudd = Erz ab, in der irr- 
thamlichen Voraussetznng, dass diese Kiefernform nur auf erzreichen Ber- 
gen wachse. Viel plausibler ist die Ableitung von rudöi = roth, rdthlicb, — 
nach der Färbung des Holzes. 

5) Vgl. B. M. HepRfleB'b. Ji'&cax'b yRpafinu; CTp. 81. 

6) Vgl. P. ToHKOB'b. «EysyjiyKCKifi dopxD. (JltcH. }KypH., 1874 r., nun. 
6, CTp. 26). 



— 451 — 

bezeichnet mit diesen Namen Kiefern, die feinere Jahres- 
ringe, röthliches, festes Holz und eine ^flnne Splintlage 
haben, so wie sich durch Harzreichthum auszeichnen. Dank 
diesen vorzfiglichen Eigenschaften, wird das Holz dieser 
Kiefernform hauptsächlich dort gesucht, wo es auf lang- 
dauernde Nutzung ankommt; so namentlich beim Schiffbau 
und bei der Äufiführung besonders dauerhafter Gebäude. 
Sonni und WrangeP) theilen die Äowrfa- Kiefer noch in 
drei Unterabtheilungen ab: rudöwaja, kdmennaja und horo- 
wdja ssossnd. 

2) Mjdnda^)^ Mjandöwaja (Mendowajä) Ssossna^ Mjan- 
ddtsch; im Gouv. Kursk: SsuchostscMpka (von 8Suchoi^=> 
trocken und 5tecÄ^^A:a = Holzspan); im Gouv. Poltawa: 
ZMtiza^)\ im Gouv. Ssamara: Ssjerjdkowaja oder Molodikö- 
waja Ssossnd. Mit diesem Namen werden Kiefern bezeichnet, 
die schwammiges, blassröthliches Holz, breite Jahresringe 
und eine dicke Splintlage haben, desgl. harzarm sind. In 
Folge dessen taugt diese Kiefernform nicht zum Schiffbau 
und wird zu solchen Gebäuden verwendet, die keine be- 
sondere Dauerhaftigkeit erfordern. 

Dieselben unterschiede in der Bezeichnung dieser bei- 
den Formen finden wir auch in anderen Sprachen. So ent- 
spricht im Polnischen Sosna tiusta {£uczywo) der Könda 
und Ghoina^) der Mjdnda. Im Schwedischen scheinen Fura 



l)GoHHH H BpaHrejib. «0 ji'l^cax'B, 3aroTOBjiiieMLJxi> ß,MH Kopa^jie- 
cxpoeniH bt, PoccIm». (JltcH. JKypH., 1840 r., h. II, CTp. 70 — 71). 

2) £s ist sehr merkwürdig, dass Anklänge an diesen arsprünglich fin- 
nischen Kamen sich aach in Deutschland wiederfinden; so heisst die Kie- 
fer in Schwaben Mändelbaum, in Baiern Mandlbaum und in Schlesien Mädel- 
l)awm.ygl.PritzeI und Jessen. Die deutschen Volksnamen der Pflanzen; p. 
281. — Die beiden letzten Benennungen sind offenbar durch Volksetymo- 
logie umgeformt. 

8) Nach Czerniaöw. — Ohne Zweifel vom kleinruss. iut = Bast. 

4)Rz%czynski (Hist. nat. cur. regni Poloniae; p. 199), der diese Na- 

29* 






y-T^ 



452 






f^ 









V^ 



■ 1 



r.v 






ä*' 



und TaK dieselben zwei Varietäten zu bezeichnen. Ich halte 
es fflr wahrscheinlich, dass auch die früher gebräuchlichen 
Unterschiede der Bothföhre^) und Weissföhre der Könda 
und Mjdnda entsprechen. In Finland soll, nach Midden- 
dorff, Petäjä {Päaja) die Ä^dnda-Kiefer bezeichnen, während 
Mänd sich sprachlich und begrifflich mit dem russ. Mjdnda 
deckt. 

Welche Ursachen dieses verschiedene Wachsthum der 
Kiefern, und zugleich die verschiedene BeschaflFenheit ihres 
Holzes, bedingen, ist noch nicht genügend aufgeklärt. 
Hauptsächlich scheinen es Unterschiede in den Boden- 
verhältnissen zu sein, welche darauf einwirken, und erst in 
zweiter Linie (vielleicht von denselben abhängig) — Ver- 
schiedenheiten im Schlüsse der Bestände. Die Könda-Kieter 
wächst vorzugsweise in erhöhter Lage, auf trockenem, 
steinigem oder sandigem Boden, in dichten Beständen; da- 
gegen findet sich die Mjanda-Kiehr in Niederungen, auf 
nassem, thonigem Boden, in lichten Beständen. Aber sowohl 
Sonni und Wrangel (1. c), als auch Graf Vargas-de- 

m 

Bedemar^), unterscheiden von den Mjanda-Kiefern die- 
jenige Form, die auf Moosmorästen wächst, die festes Holz 
hat und ziemlich harzig ist. 

Die Kiefer ist bei uns der weitverbreitetste Nadelbaum, 
denn sie findet sich auf etwa zwei Dritttheilen des ganzen 
Areals des europäischen Russlands, wobei sie häufig als 
herrschende Baumart auftritt. 



men anführt, spricht zwar nicht von den unterschieden des Holzes, doch 
hat er offenbar dieselben beiden Kiefernformen gemeint. 

1) Vielleicht ist auch die oben angefahrte var. rubra Hort, mit der Könäa" 
Kiefer identisch. 

2) Vgl. dessen Aufsatz: aForst-Ertrags- und Zuwachsuntersachnngen 
im Gouvernement St. Petersburg»; in d. Mittheil, der K. freien Ökonom. 
Ges. zu St. Petersburg, 1849, pp. 287—289, 447—454. 



— 453 — 

Die Nordgrenze der Kiefer hat im Westen des euro- 
päischen Russlands folgenden Verlauf. Sie geht nach 
0, Kihlman^), von Norwegen übertretend, zuerst etwas 
nördlich vom Fl. Vaskojoki (am See Pyhäjärvi vorüber) zu 
den Seen Muddusjärvi, Geggijäyri und Jääjärvi; femer 
steigt sie etwas nach Norden, den Fl. Eaamasjoki hinauf 
und wendet sich dann nach Nordosten, um weiterhin etwas 
nördlich von den Flüssen Pakananjoki und Uutuanjoki 
wieder Norwegisches Gebiet zu betreten und zum Njavdam- 
vuodna (der in den Varangerfjord mündet) zu verlaufen. 
Nordwärts findet sich die Kiefer nur in einem schmalen 
Streifen längs den Flüssen Anar-joki und Tana-elf (Teno- 
joki), bis zur Ortschaft Outakoski (etwa unter 69° 40^ n. 
Br.). Nördlich von dieser Grenzlinie kommt die Kiefer an 
wenigen Stellen inselförmig vor; so namentlich am Fl. 
Näätä-joki (etwa bis 69° 40') und längs dem Utsjoki, fast 
bis zur Mündung desselben in die Tana-elf) etwa unter 
69° 50' n. Br.). — Vom Njavdamvuodna neigt sich die 
Nordgrenze der Kiefer anfänglich schwach nach Südosten, 
verläuft über das Dorf Petschjenga (das seinen Namen nach 
der lappischen Benennung der Kiefer führt) auf Kola zu, 
von wo ab sie, mit der Waldgrenze überhaupt, starker nach 
Südosten abfallt; eine Zeit lang streicht sie ungefähr längs 
dem 67° n. Br., im Norden des Fl. Ponoi, um schliesslich 
eine weitere Schwenkung nach Süden zu machen und die 
Einfahrt in's Weisse Meer gerade gegenüber der Insel 
Ssossnowez zu erreichen, welche nach dem russischen Namen 
der Kiefer {Ssossnd) benannt ist, aber, so viel mir bekannt, 
gegenwärtig keine Kiefern mehr trägt. — Im Osten jener 
Einfahrt finden sich die letzten Kiefern an den Ufern des 



1) Anteckningar om floran i Inari Lappmark; 1. c, p. 66—68. 



— 454 — 

Fl. Ness', etwa unter 66%° n. Br,^); die hier stehenden 
Kiefern sind indessen alle abgestorben, und dieses inter- 
essante Factum kann als Beweis davon dienen, dass die 
Kiefernvegetation hier einst weiter nach Norden reichte, 
als gegenwärtig ^). Die Kiefer geht jetzt in diesem Gebiete 
wälderbildend kaum Ober den 66° n. Br. hinaus; weiter 
hinauf tritt sie, und zwar nur selten, inselförmig auf. 
Schrenck sah sie in der Kleinen Ssamojeden-Tundra, an der 
Pjoscha, wo sie ihre Grenze bei 6672° "• ß^- erreicht. An 
der Fetschora findet sie sich unter diesen Breiten selten; 
sie bleibt dort hinter der Fichte und Lärche zurück. 
Latkin erwähnt einen Kiefernwald an der Ssos'wa (einem 
rechten Zuflüsse der Petschora), etwa unter dem 67°n. Br.; 
an der Kolwa (einem Nebenflusse der üssa) findet sie sich sel- 
ten und verschwindet unter 66)'^^ n. Br. Nach Midden- 
dorff (Reise, Bd. IV, p, 554, in der Nota), reicht die Kie- 
fer im Osten der Tschesskaja-Bucht bis zu dem Quellgebiete 
der Wolonga (also bis 67° n. Br.); weiter an der Ssoimabis 
zum See Urdjugskoje (67V3°n. Br.); ferner im Quellgebiete 
der Laja, im Osten der Petschora (67V^°n.Br.);anderüssa 
aber nur bis zur Mündung des Koss-ju (6673° n. Br.). Unter 
welcher Breite die Kiefer das Uralgebirge überschreitet, 
darüber fehlen sichere Angaben. Am Ob'geht sie über den 66° 
n. Br. hinaus^), verschwindet dann aber wahrscheinlich bald. 
AmJenissei findet sie sich auch noch unter dem 66°n. Br., 
namentlich unweit Turuchansk (an der Mündung der Unte- 
ren Tunguska); weiter ostwärts senkt sich aber die Nord- 
grenze der Kiefer stellenweise bis zum 64° n. Br.; so z. B. 
am Ijeiko (einem rechten Zuflüsse der Unteren Tunguska)*). 

1) Vgl. A. G. Schrenck, Reise, II, p. 445— 454; desgl. Ruprecht, I.e. 

2) Dasselbe Phänomeu wird auch bei der Fichte beobachtet. 

3) Erman's Reis« um die Erde; Th. 1, p. 634. 

4) Vgl. Ferd. Müller. Unter Tungusen und Jakuten. (1882); p. 63—64. 



— 4oo — 

Die Kiefern erreichen noch in Lappland recht bedeu- 
tende Dimensionen. So haben sie, nach Eudriawzow^), auf 
dem Berge Owetsch'ja Waraka (35 Werst südlich von 
Kola), im Mittel 126 Cm. im Umfange, in der Höhe von 1 
Met. über der Erde. Etwas weiter nach Sfiden, auf den 
Chibiny-Alpen (67 — 68° n. Br.) wächst ein grosser Kiefern- 
wald, mit ganz geraden, säulenförmigen Stämmen, die sich 
nur im Wipfel in mehrere eigenthümlich gekrflmmte Aeste 
theilen; diese Stämme haben einen Umfang von fast 200 Cm. 
Auch Middendorff^) berichtet von Bauwald, kaum zwei 
Meilen von Kola, mit Stämmen von 2V2 Fuss Durchmesser. 
Aber in der Umgebung des Enare-See's erreichen die Kie- 
fern, nach Kihlman, eine Maximalhöhe von nur 35 Fuss. 
Bei Utsjoki (etwa unter 69^45' n. Br.) beobachtete er an 
den dortigen Kiefern folgende Grössenverhältnisse: 

Durchmesser in Brusthöhe, 
in Zollen. 

9 

9,5 

5 

10,6 

15 
12 

Viel grösseres Interesse bietet der Verlauf der Süd- 
grenze der Kiefer. Nach den älteren Aufzeichnungen 
Trautvetter's (1. c, Hft. 1, p. 23—25) und Bode's(l.c,, 
p. 25 — 26), so wie nach einer Mittheilung meines Bruders 



Alter. 


Höhe in Fassen 


66 


18 


71 


19 


108 


19 


121 


30 


178 


33 


193 


34 



1) KyAPHBi^OB-B. «KoJBCKifi nojiyocTpoB-B»; b-b TpyA« C-üeTcpÖ. 06m. 
ecTecTBOHcnuT., t. XII, Bun. 2, 1882 r., CTp. 287. 

2) In Baer and Helmersen's Beiträgen, Bd 11, 1845, p. 164. 



- • », 



— 456 — 

W. Koppen^), konnte man sich kein klares Bild von dieser 
Grenzlinie machen, die ausserordentlich gehrochen und stel- 
lenweise verworren erschien. Daher verfiel ich auf den Ge- 
danken die kontinuirliche Verbreitung der Kiefer von 
ihrer insularen Verbreitung zu unterscheiden^); und es 
scheint mir, dass eine solche Trennung, namentlich karto- 
graphisch dargestellt % die Verbreitung der Kiefer sehr viel 
klarer und natürlicher erscheinen lässt. 

Die SQdgrenze des kontinuirlichen Vorkommens der 
Kiefer verläuft, von West nach Ost, ungefähr durch die Mitte 
Wolyniens, den nördlichsten Theil des Gouv. Kijew, die Mitte 
des Gouv. Tschernigow, durchschneidet dann das Gouv. 
Orel in seinem westlichen und das Gouv. Kaluga im östli- 
chen Theile. das Gouv. Tula fast vollständig umbiegend; 
ferner streicht jene Grenze durch die Mitte des Gouv. Rja- 
san, die nördliche Hälfte des Gouv. Tambow und die sfld- 
liche des Gouv. Nishnij-Nowgorod, von wo sie buchtenför- 
raig südwärts, in's Gouv. Pensa, und sogar in den Norden 
des Gouv. Ssaratow, dringt, um sich, mit der Annäherung 
der Wolga, wieder nordwärts zu wenden und diesen Strom 
unweit Tetjuschi zu überschreiten; weiterhin verläuft die 
südliche Kieferngrenze durch den Norden des Gouv. Ufa 
und senkt sich in der Nähe der Uralgebirges wieder süd- 
wärts. — Werfen wir einen Blick aufdie beifolgende Karte, 



1) B. KenaeHi». «SaM'JbTKa o io/khux'b rpaHHn^xi> pacnpocTpaHeHia 
cocHBi u ejiH BT» EBpoQeficKoft PocciH». (GejbCK. Xo3. H JltcoB., JKypH. 
Mhh. roc. HM., 1866 r., anpi^Jib, cxp. 881—886). 

2)KontinuirIich nenne ich die Verbreitung dort, wo die Kiefer fast 
Qberall vorkommt und wo die Zwischenräume, auf denen sie fehlt, kleiner 
(und meist bedeutend kleiner) sind, als die Ton ihr besetzten Areale, 
wenn sie auf diesen letzteren auch nur eingesprengt vorkommen sollte. Um- 
gekehrt ist es bei der insularen Verbreitung der Kiefer. 

3) Vgl. die Karte J^ IV. 



— 457 — 

so ersehen wir, dass mehrere Flüsse den Verlauf der Süd- 
grenze der kontinuirlichen Kiefernverbreitung, so zu sagen, 
bestimmen; so namentlich die Dessnä, mit ihrem Zuflüsse 
Sseim, ferner die Okä, die Ssurä, die Eäma, mit ihrem Ne* 
benflusse Bjelaja. 

Aus Galizien nach Wolynien übertretend, nimmt die 
Kiefer hier die ganze nördliche, sumpfige Hälfte ein, die von 
zahlreichen rechten Zuflüssen des Pripet' durchströmt wird. 
Ferner gehört zu ihrem kontinuirlichen Gebiete der (nörd- 
lichste) Kreis Radomysl des Gouv. Kijew, wo die Kiefer 
hauptsächlich im Norden des Fl. Teterew wächst; sie bil- 
det hier nur selten ungemischte Bestände und findet sich 
häufiger in Laubwäldern untermischt. Die Grenze ihrer kon- 
tinuirlichen Verbreitung überschreitet den Dnjepr etwas 
oberhalb Kijew's und folgt dann, im Gouv. Tschernigow, 
anfänglich dem Laufe der Dessna und später demjenigen des 
Sseim ; ferner geht sie längs der Ussoscha (einem Zuflüsse 
des Sseim), um dann, längs den Flüssen Ssjew und Nerussa, 
wieder zur Dessna zurückzukehren; diesen letzteren Fluss 
entlang durchschneidet die Kieferngrenze, von Süd nach 
Nord, den westlichen Theil des Gouv. Orel und verläuft 
weiterhin, in nordöstlicher Richtung, durch den Südosten 
des Gouv. Kaluga; im Kreise Bjelew des Gouv. Tula erreicht 
die besagte Grenze die Okd, deren Laufe sie dann, bis zur 
Mündung der Para, folgt, indem sie den ganzen nördlichen 
Theil des Gouv. Rjasan' einnimmt. Die Kiefer entfernt sich 
meist nur auf einige Werste vom rechten Ufer der Okd; in 
den Kreisen Alexin und Kaschira des Gouv. Tula bildet sie 
hie und da ungemischte Bestände, die indessen immer mehr 
und mehr vom Laubwalde verdrängt werden; die Kiefer 
findet sich auch in den westlichen Theilen der Kreise Tschern 
(an der Suscha) und Odojew. Der Lauf der Okä bildet auch 



— 458 — 

im Gonv. Rjasan', wie bemerkt, bis zur Mündung der Para, 
die Südgrenze der Kiefer, die auch hier, an ihrem rechten 
Ufer, nur auf etwa 15 — 20 Werst weit südwärts geht: so 
sah ich sie, auf der Eisenbahn von Kolomna nach Rjasan', 
eine Werst südlich von der Station Luchowizy verschwin- 
den. Nach Polonski, nimmt die Kiefer in den Kreisen Je- 
gor'jewsk, Kassimow, Rjasan' und Saraisk gegen 507o ^^^ 
ganzen Waldfläche ein, während sie im Kreise Spassk (des 
6ouv. Rjasan') nur im nördlichen und nordöstlichen Theile 
vorherrscht; im Kreise Ssaposhok hat der Laubwald bereits 
das üebergewicht. Die kontinuirliche Kieferngronze geht 
den Fl. Para hinauf und tritt dann in den Kreis Schazkdes 
Gouv. Tambow hinüber; darauf geht sie, in nordöstlicher 
Richtung, durch den Kreis Spassk des letztgenannten Gou- 
vernements und, längs dem Fl. Alatyr', durch den südlich- 
sten Theil des Gouv. Nishnij- Nowgorod ^), von wo sie, längs 
dem Laufe der Ssurä, bedeutend nach Süden ablenkt, durch 
die Gouvernements Pensa und Ssimbirsk verläuft und sogar 
den nördlichsten Theil des Gouv. Ssaratow berührt. Hier ist 
die kontinuirliche Kieferngrenze nicht genauer erforscht; doch 
offenbar bildet sie daselbst nur eine schmale Bucht im Kreise 
Kusnezk^). Sie scheint vom Fl. Barysch, steil nach Nord- 
osten, durch das Thal der Sswijaga, hinaufzusteigen und etwa 
unter dem 55° n. Br. die Wolga zu überschreiten. Wie 



1) Aber im Norden des Alatyr, fast bis zar Wolga, liegt eine grössere 
TschernoBJom-Insel, die fast vollständig von Kiefern entblösst ist. Sie um- 
fasst die Kreise Lukojanow, Ssergatsch und Ki^jaginin, so wie Theile der 
Kreise Arsamass und Wassil\ 

2) Es dürfte mich zu weit führen, wollte ich hier die genaueren Anga- 
ben über den Verlauf der Südgrenze der Kiefer wiederholen, die ich in 
meinem russischen Werke, hauptsächlich nach den Aufzeichnungen M. Bo g« 
danow's, mitgetheilt habe. Vgl. M. EorAanoB'b. JIthi^u h 3BtpH «lepHO- 
seMHOii noJiocbi UoBOÄTRhn; CTp. 9—15. 



— 459 — 

schon bemerkt, verläuft die Kieferngrenze weiter ostwärts 
südlich von der Kama und längs dem linken Ufer der Bje- 
laja, bis zu deren Quellen im Uralgebirge, in welchem sie 
südwärts ungefähr bis zum 53° n. Br. hinabgeht. 

Das insulare Vorkommen der Kiefer erstreckt sich 
stellenweise sehr viel weiter nach Süden, — und zwar wird 
Solches besonders längs einigen Flüssen beobachtet, so na- 
mentlich längs dem Dnjepr, dem Donez, dem Don, dem Wo- 
ronesh, am oberen Laufe des Choper. und an der Wolga. 
Es wäre zu ermüdend alle die einzelnen Kiefern-Inseln auf- 
zuzählen; ich will mich mit einigen Beispielen begnügen 
und besonderes Gewicht auf die südlichsten Standorte die- 
ser Baumart legen. In Podolien kommt die Kiefer spontan 
gar nicht vor. Im Gouv. Kijew findet sie sich z. B. bei Ta- 
rastscha, namentlich aber am Dnjepr, bis zur Grenze des 
Gouv. Chersson, und sogar noch am rechten Ufer des Grenz- 
flusses Tjassmin (also im Gouv. Chersson), wo sie nur in 
ganz geringer Anzahl wächst. Im Gouv. Poltawa kommt die 
Kiefer gleichfalls hie und da am Dnjepr vor, und zwar geht 
sie an diesem (linken) Ufer noch weiter hinunter; denn sie fin- 
det sich, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, nicht nur 
auf der Insel Prosseret (unweit Tschigirin-Dubrow, 5 Werst 
von der Mündung der Ssulä), sondern sogar beim Dorfe 
Orlik (im Kreise Kobeljaki, zwischen den Mündungen der 
Worskla und des Orel'). Die Kiefer wächst ferner in einigen 
sandigen Gegenden des Kreises Poltawa, so wie im Nord- 
osten — im Kreise Gadiätsch, von wo sie in den benach- 
barten Kreis Lebedin des Gouv. Charkow hinübertritt, durch 
welches Gouvernement sich, von Nordwest nach Südost, ein 
ziemlich breiter Streifen von Kiefernwäldern zieht, die, na- 
mentlich längs dem Donez, weit nach Süden, d. h. bis zur 
Grenze des Gouv. Jekaterinosslaw, dringen. Sehr interes- 



— 460 — 

sant ist die Kiefern-Insel au der in den Dnjepr fallenden 
Ssamara, zwischen Nowomoskowsk und Pawlograd (im 
letztgenannten Gouvernement); die Existenz der dortigen 
ganz isolirten Kiefernwälder, die ich im J. 1861 besucht 
habe, ist sehr wenig bekannt; sie ziehen sich längs dem 
Flusse ca. 45 Werst (ßy^ geogr. Meilen) weit *), Leider wer- 
den dieselben schonungslos ausgehauen, worüber ich in mei- 
nem angeführten Werke genauere Angaben mitgetheilt 
habe. — Im Gouv. Kursk wächst die Kiefer nur sehr zer- 
streut und in ganz geringer Menge; z. B. in den Kreisen 
Putiwl'y L'gow, unweit Kursk (zusammen mit Ledum pa- 
lustre^ Calluna vulgaris und Vaccinium vitis idaea)^ ferner 
in den Kreisen Bjelgorod und Korotscha — am Neshegol* 
(einem Zuflüsse des Donez), so wie am Fl. Oskol (zwischen 
Alt- und Neu-Oskol). Im Gouv. Orel kommt die Kiefer, wie 
wir gesehen, im Westen in kontinuirlicher Verbreitung 
vor; im centralen Theile wächst sie z. ß. an wenigen Stel- 
len im Kreise Orel; im Osten aber findet sie sich, nach 
Zinger, nur an einer Stelle, nämlich im Kreise Jelez, am 
Don (unweit des Dorfes Panikowzy). Zwischen dem linken 
Ufer des Don und dem rechten des Woronesh ziehen sich 
Kiefernwälder aus dem Kreise Lebedjan fast bis zur Stadt 
Woronesh. Ein sehr grosser Kiefernwald, der Chrjenowoi-Bor^ 
findet sich im Kreise Bobrow des Gouv. Woronesh^). Unter 



1) Es sollen dort noch gegenwärtig Stämme vorkommen, die im Umfange 
47« Meter messen. Vgl. ]{. H. deapHui^Kifi. 3aaopo}Kbe; h. 1 (1888 r.); 
CTp. 77. 

2) Nach den Angaben W^icinski's und des Grafen Deviöre, glaubte 
ich (in meiner erwähnten russischen Abhandlung, p. 132—138) annehmen zu 
massen, dass die Kiefer im (südwestlichsten) Kreise Waluiki des Gouv. Woro- 
nesh ganz fehle. Aber Hr. Krawtschinskij macht mich darauf aufmerksam, 
dass Mnichowskij (in: JltcH. HCypn., 1876 r., buu. 5, cxp. 74) das Vor- 
handensein derselben am Fl. Walui, unweit des Dorfes Tschepucbino, be- 
zeugt habe, wo sie auf Kalkboden wächst. 



— 461 — 

derselben Breite wächst ein kleines Kiefernwäldchen am Cho- 
per, unweit No wochopersk ^). Weiter diesen Fluss hinauffindet 
sich eine kleine Kieferninsel oberhalb der Stadt Balaschow 
(beimDorfe Arsjan'), im südöstlichen Theile des Gouv. Ssa- 
ratow. In diesem letzteren Gouvernement finden sich kleinere 
Kiefernbestände zerstreut in den Kreisen Sserdobsk, Pet- 
rowsk, Chwalynsk, Wol'sk und Ssaratow. Als südlichstes 
Vorkommen der Kiefer in dieser Gegend bezeichnet M. Bog- 
danow die Ufer des Latryk beim Dorfe Popowka (im Süd- 
westen von Ssaratow). 

Am linken Ufer der Wolga kommen Kiefern unterhalb 
der Mündung des Ssok nirgends vor. Aber weiter ostwärts 
findet sich etwas südlicher, an der (in die Wolga fallenden) 
Ssamara und an deren Zuflüsse Borowka, unterhalb der 
Stadt Busuluk, ein sehr grosser Kiefernwald, der Busuluk- 
skij'Bor^ der ganz isolirt liegt und für die sehr waldarme 
Umgebung eine grosse Bedeutung hat. Im südlichen Ural- 
gebirge wachsen Kiefern, mit Birken und Lärchen unter- 
mischt, auf der Hochebene zwischen den Quellflfissen des Ik 
und des Jalan-Silair. Der Bergrücken Dshabyk-Karagai (die 
südliche Fortsetzung des Ilmen'-Bergzuges) ist mit hoch- 
stämmigem Kiefernwalde bedeckt, der südwärts annähernd 
bis zum 52° n. Br. reicht. Nördlich vom Fort des Thron- 
folgers (Nassljednika) finden sich zahlreiche kleine Kiefern- 
und Birkenhaine; desgl. an den Flüssen Karagaily-Ajat und 
Karataly-Ajat. 



l)Da8S diese kleine Kieferninsel, die Güldenstädt (Reisen, I, p. 49) 
im J. 1769 beobachtete and über die spifter Ssewerzow und M. Bogda- 
now berichteten, noch bis anf heute sich erhalten hat, bezeugt D. Litwi- 
now, in seinem interessanten Aufsatze: «OqepK'i>pacTHTejii>Hiiix'b<i>opMaiiifi 
CTennofi loro-BOCTOHHOfi nacTH TaM6oBCKofi rydepniH». (Tpyxu G.-neTep6. 
06ii^. ecrecTBOHcnuTaT., t. 14, 1888 r., crp. 272). Hier (auf p. 272—274) 
finden sich werthvolle Mittheilungen über das Vorkommen der Kiefer and 
ihrer Begleiter im südlichen Theile des Gouv. Tambow. 



— 462 — 

Weiter ostwärts, in der Kirgisen- Steppe, kommen au 
verschiedenen Stellen sehr merkwürdige, schmale und lang- 
gestreckte Kiefernwälder vor, die z. B. längs dem 82° ö. L. 
(von Ferro) eine Kette bilden, welche beim Fort Swjerinogo- 
lowskaja beginnt und südwärts, mit einigen Unterbrechun- 
gen, sich bis zum 51°30' n. Br. fortsetzt. Aehnliche ketten- 
förmig aneinander gereihte Kieferninseln finden sich auch 
weiter nach Osten, — bis zu den Vorbergen des Altai. 
Diese Waldoasen, in welchen Birken, Espen, Ulmen, 
Schwarzpappeln und Weiden den Kiefern beigemischt sind, 
finden sich meistens auf Sanddflnen, die vielleicht als Ufer- 
terrassen des einstigen, allmälig zurücktretenden Aralo- 
Kaspischen Meeres anzusehen sind. 

In froheren, und zwar noch in historischen Zeiten ist 
die Kiefer im europäischen Russland viel mehr verbreitet 
gewesen, als gegenwärtig. Dies bezeugen nicht nur Kiefern- 
reste (Rinde, Wurzeln etc.), die in solchen Gegenden gefun- 
den sind, wo die Kiefer jetzt fehlt (z. B. im Kreise Jepifan' 
des Gouv. Tula), sondern auch sehr zahlreiche Ortsnamen, 
die von den russischen Benennungen für Kiefer (Ssosnä) und 
Kiefernwald (Bor) abgeleitet sind. In meiner russischen Ab- 
handlung über die Verbreitung der Nadelhölzer in Russland 
bin ich auf diesen interessanten Gegenstand näher einge- 
gangen und habe, nach solchen Ortsnamen, die Sfidgrenze 
der einstigen Verbreitung der Kiefer im europäischen Russ- 
land zu bestimmen gesucht. Als ein merkwürdiges Beispiel 
will ich den östlichen Theil des Gouv. Orel nennen, der ge- 
genwärtig von Nadelholz fast vollständig entblösst ist; dass 
aber daselbst die Kiefer vielfach wuchs, beweisen mehrere 
Dorfnamen in den Kreisen Jelez und Liwny, desgl. auch der 
Name des Flusses Ssosnä^ an welchem die Stadt Jelez (von 
russ. JeV = Fichte) liegt, — wonach man annehmen darf, dass 



— 463 — 

auch die Fichte einst bis hieher reichte. Die Kiefer ist aus 
vielen Gegenden vollständig verschwunden, indem sie haupt- 
sächlich der Axt hat weichen müssen. An Stelle der einsti- 
gen Kiefernwälder traten vielfach gemischte Laubwälder, in 
denen besonders die Birke und die Espe prävalirten. Und 
auch diese Laubwälder sind ihrerseits nicht selten durch 
Felder, resp. durch die Steppe verdrängt worden, — wie 
Dies in den letzten Jahrhunderten mit dem östlichen Theile 
des Gouv. Orel thatsächlich geschehen ist. 

^ Nach der gegenwärtigen insularen Verbreitung der Kie- 
fer, so wie nach den eben besprochenen Zeugnissen über ihr 
früheres Vorkommen, lässt sich eine Linie ziehen, die muth- 
maasslich die einstige Südgrenze der Verbreitung der Kie- 
fer im europäischen Russland bezeichnet. Diese Linie hat 
etwa folgenden Verlauf: sie geht durch den Norden der 
Gouvernements Chersson und Jökaterinosslaw, biegt am Do- 
nez (unterhalb Sslawjanosserbsk) nach Norden um, durch- 
schneidet den Don nördlich von Pawlowsk und verläuft dann 
in östlicher Richtung, über den nördlichsten Theil des Lan- 
des der Don'schen Kosaken, zur Wolga, die sie unterhalb 
Ssaratow erreicht, um dann längs dem rechten hohen Ufer 
dieses Stromes zu streichen und denselben bei Ssamara zu 
überschreiten. Diese Linie stimmt einigermaassen mit der 
•Juli-Isotherme von 22ya° C. überein; aber noch besser fällt 
sie mit der Südgrenze der Lössverbreitung zusammen, wie 
Dokutschajew^) dieselbe gezogen. Ihrerseits stellt diese 
letztere jene Linie dar, bis zu welcher die Vergletschern ng 
des europäischen Russlands während der ersten Eiszeit 
sich erstreckte, — wogegen die Südgrenze der Verbreitung 
der Fichte {Picea excelsä), wie wir sehen werden, mit der- 



1) B. /J^OKynaeBii. PyccKin nepHOseM-B; CTp. 223. 



— 464 — 

jenigen der Vergletscherung während der zweiten Eiszeit 

zusammenfällt^). 

Jenseits der Steppe tritt die Kiefer in den Gebirgen der 
Krim und des Kaukasus wieder auf. In der Krim findet sie 
sich zerstreut im höheren Gebirge, sowohl auf dem nördli- 
chen als auf dem südlichen Abhänge d€sselben;z.B. beiden 
Quellen der Alma (im Beschui'schen Reviere), im Reviere 
des Dorfes Korbekly, und am Südabhange: oberhalb Alupka, 
Kokkos und Nikita. Meistens wächst sie als Beimischung in 
den Wäldern der Schwarzkiefer (Pinus Larido Pallasiana); 
indessen hat mein Bruder W. Koppen, auf der Nordseite 
des Gebirges, kleine Haine der P. sylvestris mitten zwischen 
Buchen- und Eichenwäldern gesehen. Einzelne alte, krumm- 
gewachsene und gipfeldörre, z. Th. auch ganz abgestorbene 
Exemplare der gemeinen Kiefer stehen an verschiedenen 
Stellen auf dem waldlosen und felsigen Plateau der Jaila. 

Im Kaukasus, wo; wie oben bemerkt, mehrere Varietä- | 

ten der P. sylvestris vorkommen, ist sie von allen dortigen j 

Abietineen am weitesten verbreitet. Sie findet sich, nach ! 

Medwedew, im nördlichen Kaukasus fast in der ganzen 
Erstreckung der Hauptkette, wenn auch mit einigen Unter- 
brechungen. So wächst sie z. B. im Gebiete südlich vom 
Kuban', am oberen Laufe mehrerer Zuflüsse desselben: der 
Bjelaja, der Grossen und Kleinen Laba, des Selentschuk, 
der Teberda etc.; ferner auf den Vorbergen des Elborus,an 
den Quellen der Malka und des Baksan, desgl. am Terek 
(vom Kasbek bis Lars), so wie im westlichen Daghestan. Im 
letzteren Gebiete haben Ruprecht^) und Radde^)dieKie- 

1) Vgl. weiter unten, bei Betrachtung der Fichte. | 

2) F. J. Ruprecht. «Barometrische Höhenbestimmungen im Gaucasus, 
ausgeführt in den Jahren 1860 und 1861 fQr pflanzengeographische Zwecke». 
(M6m. de TAcad. Imp.d.sc. de St-P^tersb., VII® sfirie, t. VIT, J^ 1); pp. 
30—81; 71. 

3) 6. Radde. Die Chews'uren und ihr Land. (Cassel, 1878); pp. 259,278, *' 
292, 296, 298, 802, 809, 312, 314. 



— 465 — 

fer beobachtet; der östlichste Fandort derselben liegt an 
kleinen ZuflQssen des Andij'schen Koissu, unter dem 64° ö. 
L. (von Ferro); Radde fand sie u. A. am PerekiteFschen 
Alasan', gegenüber der Ortschaft Dartlo, im hohen Gebirge, 
zugleich mit der Birke und begleitet von verschiedenen 
nordischen Sträuchern {Vaccinium Myriülus^ Vacc. Vitis 
Idaeüj Empärtmi nigrum und Linnaea borealis). Gülden- 
städt (Reisen, I, p. 147) sah einen ansehnlichen Kiefernbe- 
stand am unteren Terek, ungefähr gegenüber der Einmün- 
dung der Ssunsha, zwischen den Ortschaften Nowogladkow- 
skaja und Stschedrinskaja (südwestlich von Kisljar); es ist mir 
nicht bekannt, ob dieser weit vorgeschobene Posten der Kiefer 
noch gegenwärtig existirt. — In Transkaukasien ist das von 
der Kiefer bewohnte Gebiet ein viel beschränkteres. Sie fin- 
det sich in den Gebirgen Abchasiens, Sswanetiens, der 
Ratscha, Ossetiens, Tuschetiens, Pschawiens und Ghewssu- 
riens und geht, nach Medwedew, ostwärts nicht über die 
Gebirge Kachetiens hinaus. Im südlichen Transkauka- 
sien wächst die Kiefer in der ganzen Erstreckung des Ad- 
sharo-Imeretinischen und Trialet'scheu Bergrückens, auf den 
BesobdaPschen und Lorij 'sehen Bergen, so wie auf dem Bom- 
bak'schen und Delishan'schen Bergrücken. Am oberen Laufe 
der Kurä und an ihren Zuflüssen (z. B. bei Borshom) ist die 
Kiefer ziemlich verbreitet. Als östlichsten Fundort im Klei- 
nen Kaukasus gibt Medwedew die Quellen des Küruk- 
tschai (südlich von Elisabethpol) an. Sie findet sich, nach 
Ssredinskij, auch hie und da an den Ufern des Rion. Fer- 
ner wächst die Kiefer in den Gebirgen der Gebiete von Ba- 
tum und Karss, z. B. an den Quellen der Kurä, an den 
Flüssen Penjak und Ol'ty-tschai, auf dem Ssaganlug'schen 
Bergrücken und in der Umgegend von Kagysman. 

Die vertikale Verbreitung der Kiefer im Kaukasus ist 

so 




— 466 — 

recht gross; nach Medwedew, wächst sie daselbst zwischen 
2500' (im Thale der Kurä bei Ssuram) und 8000' üb. d. M. 
Engeihardt und Parrot^) bestimmten die Höhengrenze 
ihres Vorkommens am oberen Terek auf 912 Toisen (5830 
engl. Fuss) üb. d. M.; C. A. Meyer, für dieselbe Gegend, 
auf 420—1000 Toisen (2680— 6390^). In Daghestan be- 
stimmte Ruprecht als höchste Grenze des Vorkommens der 
Kiefer 8100' üb. d. M. (am Fl. Iljan-chewi); Radde gibt 
7700 — 8000' als ihre Höhengrenze an.Ssredinskij beob- 
achtete sie am Rion bis zur Höhe von 7000' üb. d.M. Im Ge- 
biete von Earss geht die Kiefer besonders hoch, — nach 
Med wede w auf dem Ssaganlug'schen Bergrücken, bis 9000', 
nach der Angabe des Fürsten Massal'ski, sogar bis 9500' 
üb. d. M., wobei kaum ein Einfluss dieser hohen Lage auf 
den Wuchs der Kiefer zu bemerken ist. — Im angrenzen- 
den Türkischen Armenien fand Tschichatschow') folgende 



Höhengrenzen der Kiefer: zwischen den Dörfern Kerekli und 
Kesse erreicht sie 2000 Meter (6560'), und zwischen dem 
Dorfe Sepigor und der Stadt Erzindjan — 2500 Meter 
(8200'). Zum Vergleiche mögen einige andere Höhengrenzen 
der Kiefer in Russland und den benachbarten Gebieten fol- 
gen: 

In Norwegen, auf dem Kjölengebirge, unter 60° n.Br. — 
3164', unter dem Polarkreise 1200', in Alten (70° n. Br.) 
700' üb. d. M. 

In Enare-Lappland, nach Kihlman: auf dem Hammasuro 
(etwa unter 68°35'n. Br.) 473% Meter (1553'); am See Mud- 

1) Reise in die Erym und den Kaukasus. (Berlin, 1815); Th. I, p. 220; 
Th. II, p, 129. 

2) Nach Dubois de Montp^reux und Ruprecht, muss die Angabe 
von Engeihardt und Par rot um 62 Toisen (896'), und diejenige von C. 
A. Meyer um 15 Toisen (96') erhöht werden. 

8) P. de Tchihatcheff. Asie mineure; P. III, Botanique, II, p. 497. 



— 467 — 

dusjärvi (69° n. Br.) 27872 Meter (913'); auf dem Tuarpu- 
moaivi 32472 Meter (1064'); auf dem Ailigas (unter 69°30' 
n. Br.) 335 Meter (1090'); am See Mandoj&yri (unter 69°52' 
n. Br.) 145 Meter (477') üb. d. M. Dies bezieht sich auf 
einzelne Exemplare; die Höhengrenze der Kiefernwälder 
tritt natürlich früher ein; z. B. auf dem Pietarlauttasoaivi 
(etwa unter 68^30' n. Br.) bei 368 Metern (1207'); auf 
dem Kudossuvannonpää (unter 68°50' n. Br.) bei 274 Me- 
tern (898') üb. d. M. 

Unweit Kola, auf der Alpe Gorjelaja-Tundra (unter 6 9*^ 
n. Br.) — 450'; auf den Chibiny-Alpen (im Osten des Iman- 
dra-See's, unter 67^45'— 68"^ n. Br.) — 700' Ob. d. M. 
(Kudriawzow)^). 

Im mittleren üralgebirge, auf dem Berge Deneshkin- 
Kamen' (etwa unter 60°30' n. Br.) — 2500' üb. d. M. 
(Hofmann). — Im südlichen Uralgebirge, auf dem Berge 
Iremel (etwa unter dem 54° n. Br.) — 3800' üb. d. M. 
(Lessing). 

Im Altai gehen die Kiefernbestände, nach Teploüchoff^), 
bis 2500' üb. d. M. — In den Gebirgen, welche den Bai- 
kal-See umgeben, steigt die Kiefer bis 3260' üb. d. M. 
hinauf). 

In den Karpathen — 4200' üb. d. M. (Knapp). 

In Macedonien — 5115' üb. d. M. (Grisebach). 

In Kleinasien — 6560' üb. d. M. (Tschichatschow). 

Von Transkaukasien aus verbreitet sich die Kiefer, über 



1) H. KyApflBi;oBT>. oKoibCKifi nojiyocTpOB'B»; bii Tpyx. C-IIeiep^. 
06m,, ecTecTBOucnuTaT., t. XII, blih. 2, 1882 r., CTp. 240. 

2) Vgl. B. Gotta. Der Altai. (Leipzig, 1871); p. 286. 

3) G. Rad de. «Berichte aber Reisen im Süden von Ost-Sibirien»; in 
Baer und Helmersen's Beiträgen z. Eenntn. d. Russ. Reiches, Bd. 28, 
1861, p. 124—125. 

30* 



— 468 — 

Armenien, nach Eleinasien, wo sie an mehreren Stellen an- 
getroffen wird ; daher ist es wahrscheinlich, dass der kauka- 
sische Yerbreitnngsbezirk derselben mit dem europäischen 
über Kleinasien zusammenhängt. Ob P. sylvestris in Persien 
vorkommt, wie einige Autoren ^) behaupten, erscheint sehr 
fraglich ; es fehlen darüber, so viel ich weiss, jegliche be- 
stimmte Angaben. Buhse hat sie in Nordpersien nicht ge- 
funden; auch Dienert^) erwähnt ihrer nicht. Sie fehlt, nach 
Aitchison, in Afghanistan; desgl. auch im Himalaja, wo 
indessen, nach Brandis, eine Art, Pinus Boyleana Jame- 
son, vorkommen soll, die unserer Kiefer sehr nahe steht. 
Przewalski hat am Tetung (einem Nebenflusse des Ho- 
angho, im westlichen Theile der chinesischen Provinz Kan- 
su) eine Kiefer, Pintis leucosperma Maxim., wälderbildend 
angetroffen, die ebenfalls der P. sylvestris ausserordent- 
lich gleicht und sich von ihr fast nur durch ihre etwas 
grösseren, weissen Samen unterscheidet. In Turkestan scheint 
unsere Kiefer vollständig zu fehlen ; dagegen ist sie in Sibi- 
rien weit verbreitet. 

Namen. — Russisch: Ssossnd^); im westlichen Russland 



1) Pariatore (1. c, p. 885) sagt: «in Persia Laristam» und bezieht sich 
auf Boissier's Herbarium. Aber Boissier selbst erwähnt diesen Fund- 
ort nicht, sondern spricht von Lazistan, d. h. vom jetzigen Gebiete von 
Batum (Fl. or., V, p. 695), so dass Pariator e's Fundortsangabe wahrschein- 
lich nur auf einem Schreibfehler beruht. Willkomm hatte irrthdmlich dar- 
aus Xunstan gemacht. — Auch Gor don's Angabe, dass seine Varietät 
latifölia in Persien wachse, ist unsicher. 

2) aUeber die Florengebl^ete des nordostlichen Persiens», im Gorresp. 
bl, d. Naturf. Ver. Riga, Jahrg. 11, 1859, p. 60—64. 

3) Die Ableitung dieses Wortes ist ganz dunkel; Pictet versuchte es 
zu pers. söztdanj sdcAton=brennen, verbrennen, zu stellen, doch augenschein- 
lich unmotivirt. Ob es nicht von Ssok r= Saft^ Baumsaft (litt, sakas, lett. 
sfoaks = Harz) abzuleiten ist und ursprQnglich vielleicht Ssohstia lautete; 
dass k fällt im Slavischen vor dem n öfters weg, wie z. B. slav. desni^sskt. 
dakHna, griech. Se^td^, lat. dexter. 



— 469 — 

auch Ghwaika und Ghw^a '). Der Kiefernwald heisst Saossngäk 
und Bor^). — Polnisch: 8osfia\ der Wald: Sosnina^ Bor. — 
Littauisch: Fuszis^)] auch 8zita8\m^Kwaje^). — Lettisch: 
Preede^ Prehde. — Norwegisch: Fure^ Toll. — Schwedisch: 
FurGy Tall^). — Moldauisch: Brad (Ännenkow). — Ar- 
menisch : Tegosch^ PUschi. — Ossetisch : PUschi. — Schwed.- 
lappisch: Petse; auch Pasche (nach Europaeus); norweg.- 
lappisch: Bätse; finn. -lappisch: Patse; Zorwa^ Hange (J. 
Fellman). — Finnisch: Päcya^ Pääjä; Mändy^ Ma/nty; 
Honga, Honka^ ZToit^a. — Karelisch (im Gouv. 01onez):P6- 
dai^Podai. — Estnisch: Pedakas^ Päddaja] Mänd^ Man; 
Ong. — Livisch: Pädag. — Wotjakisch : Pushim^ Pushum. — 
Syijanisch : Pöshöm^ Poshum^ Poshym •). — Tscheremissisch : 
Pyshe^ Pandshe; Pyntsche (nach Europaeus). — Mordwi- 
nisch: PUsche. — Ostjakisch: Unlsche^ Ontsche^ZMcYiPUschf 
Pintsch (nach Europaeus). — Wogulisch: Taeri. — Ssa- 
mojedisch (in verschiedenen Dialekten): Ohe, Che, Je, SJ^, 
Tsche, KyjSy Tschyj^^ Tiw, Taimua. — Tschuwaschisch: Ghyr\ 
Chyra. — Tatarisch (bei Kasan): Naratj Narak; (in der 
Krim, im Norden des Gebirges): Nardt (Rudzki), (an der 
SQdkQste): Tscham; (im Kaukasus): Scham^ Tscham. — Kir- 
gisisch: Nfirat. — Baschkirisch (auch sibirisch-tatarisch): 
Karaga% Gharagai. — Kumykisch: Keragai. — Grusin. , 



1) Chwqja bedeutet eigentlich Tangel, die Nadeln der Nadelholzer mit* 
sammt den Zweigen. 

2) Bor bedeutet in vielen slavischen Sprachen die Kiefer; yerwandt mit 
skand. Fura und deutsch Föhre, Forche, wovon das Wort Forst (also ur- 
sprflnglich Kiefernwald und dem russ. Bor entsprechend). 

8) Verwandt mit griech. xeuxv] und deutsch Fichte. 

4) Nach K. G. Hagen. Preussens Pflanien, Bd. 2 (1818), p. 278.— Offen- 
bar verwandt mit rnss. Chtooja. 

5) In der Schweiz sind ganz ähnliche Namen (Do?« und IVUZen) gebräuch- 
lich. 

6) Der Kiefernwald heisst wotjakisch und syrjanisch J^g. 



— 470 — 

imeret., gur., mingrelisch: Pitschwy, Pittschtm. — Sswane- 
tisch: Oogib. — Inguschisch: DecJüc. — Tschetschenisch: 
Bagen-detscMk. — Kabardin., tscherkessisch: Uasdigei^ Wosd-^ 
gei. — Abchasisch: Ämsa, Apsa. — Lesgisch (sakat.): Kan; 
(did.): Atschit\ (kaputsch.): Nikesch-chocho] {innch,): Ätschirpy. 
— Awarisch: NaJcch. 

Ich kann nicht umhin, auf den merkwürdigen Gleich- 
klang aufmerksam zu machen, der in verschiedenen indo- 
europäischen und finnisch-ugrischen Namen der Kiefer un- 

« 

verkennbar ist. Den indoeuropäischen: griech. mTu<;, armen, 
und osset. Pitschi^ alban. Pise (nach Europaeus), ent- 
sprechen die finnisch-ugrischen Benennungen: lappisch Petse 
{Petsche\ mordwin. Pitsche^ ostjak. PUsch, Pintsch^), Ausser- 
ordentlich auffallend ist auch der Umstand, dass im Grusini- 
schen und in den verwandten Sprachen die Kiefer gleichfalls 
ganz ähnlich heisst: Pitschwy, 

Man kann aus den nach der Kiefer benannten Ortschaf- 
ten, Flüssen und Völkern ganz interessante Schlüsse ziehen — 
einerseits auf das einstige Vorhandensein dieser Holzart in 
solchen Gegenden, aus denen sie längst verdrängt ist, an- 
dererseits aber auf die einstige Gegenwart verschiedener 
Völkerschaften in solchen Gebieten, aus denen sie seit lan- 
ger Zeit verschwunden sind. Ich habe schon oben den Ver- 
such gemacht, die ehemalige Süd grenze der Kiefer nach 
solchen Ortsnamen zu reconstruiren, die von den russischen 
Wörtern Ssossnä und Bor abgeleitet sind. Auch im Norden 



1) Europaeus rechnet auch magyar. /en^d= Fichte hieher, welches 
Wort, seiner Voraassetzung nach, ans einem ursprflnglichen peviJt^Ö ent- 
standen sei. Vgl. A. n. Esponeycb. 06'i> yropCKOMT> napo^'^, oÖBTaenieirb 
B'b cpeAHefi H ci^nepHoil PocciH ^o DpHÖuTin Ty^a nuH'ikniBHX'b wnTejBeft. 
(1874). — In sämmtlichen finnisch-ugrischen Sprachen (mit Ausnahme des 
Wogulischen) findet sich derselbe Stamm in den Benennungen der Kiefer 
wieder. 



— 471 -^ 

finden wir viele Ortschaften, Flüsse und Seen nach finnisch- 
ugrischen Namen der Kiefer benannt. So z. 6. in Lappland: 
der Fluss Patsjoki (schwed. Pasvig), der aus dem Enare-See 
nach dem Varanger- Fjord fliesst; der See Petsekojaur; das 
Dorf Patscjenniska^ östlich vom See Enare ; die Ortschaft 
Petschengaj östlich vomS6e Kjolme-javre (unter 69°30'n. Br.). 
Europaeus hat darauf hingewiesen, dass es im mittleren 
Russland mehrere Flüsse Päschegda gibt, welchen Namen er 
aus Petsch und dem ugrischen schaget{= Aermel, hier Fluss- 
arm oder Nebenfluss) zusammengesetzt denkt; drei solcher 
Namen finden sich im Gouv. Jarosslaw, und je einer in 
den Gouvernements Wladimir und Twer. Europaeus fol- 
gert daraus, dass in den genannten Gebieten einst Ugrer 
(russ. Jugra) gelebt haben (nach dem ostjakischen Namen 
der Kiefer: Htsch). Wenn wir vom zweiten Theile jener 
Flussnamen absehen^ so entspricht Petsche vollständig der 
lappischen Benennung der Kiefer, wie sie Europaeus selbst 
wiedergegeben; woher man das Vorhandensein der Flussna- 
men Petschegda im mittleren Bussland vielleicht eher als wei- 
tere Bestätigung des Factums ansehen dürfte, dass die Lappen 
einst viel südlichere Gebiete bewohnt haben, als gegenwär- 
tig. — Ob die Petschora ihren Namen nicht gleichfalls von 
den finnisch-ugrischen Benennungen der Kiefer erhalten hat, 
und nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, von den Höh- 
len (russ. pestschera, auch petschera)^ die sich an ihren Ufern 
befinden sollen? — Europaeus vermuthet, dass auch der Na- 
men der Petscheneget' ein ugrischer ist und aus Petscheng-jax 
entstanden ist, — wörtlich Kiefern-Letfte, d. h. Bewohner der 
Kiefernwälder; er setzt ihnen das von Stritter ^) erwähnte 



1) Memoriae populorum; t. I, p. 719. 



— 472 — 

Volk Tarniach gegenüber, — wörtlich Gras-Leute, d, h. 
Steppenbewohner, — vom ostjak. torn = Gras ^). 

Anmerkung. — In Lappland und wahrscheinlich auch in 
anderen Gegenden Nordrusslands kommt eine Eiefemform 
vor, die Wichura^) als eine besondere Art beschrieben und 
Pintts Frieseana Wich, benannt hat', unter anderen Merk- 
malen, die sie von der gemeinen Kiefer unterscheiden, hebt 
Wichura folgende hervor: ihre Nadeln sind kflrzer, breiter 
und h&rter; sie stehen so, dass sie mit dem Zweige einen 
grösseren Winkel bilden; auch besitzen sie eine längere 
Lebensdauer, da sie erst etwa nach 7 Jahren abfallen; die 
Rinde ist stark rissig und blättert nicht so ab, wie bei 
der gemeinen Kiefer. Wahrscheinlich ist es diese Kiefem- 
form, die Homilewskiauf den Sümpfen der Kreise Powje- 
nez (Gouv. Olonez) und Kem' (Gouv. Archangelsk) beobach- 
tet hat. Seiner Angabe nach, werden die Bäumchen kaum 
über 1 2 Fuss hoch und erreichen in Brusthöhe selten die 
Dicke von 2% Zollen, obgleich sie bis 200 Jahre alt wer- 
den. Merkwürdiger Weise sprechen weder Schübeier noch 
V. Berg über das Vorhandensein dieser Kiefernform in 
Lappland und im nördlichen Finland. A. G. Blomqvist^ 
erwähnt zwar P. Frieseana für Finland, hält sie aber für 
eine Varietät der P. sylvestris j wie Dies auch die Mehrzahl 
der schwedischen Botaniker thut^). Middendorff spricht 
nicht über das Vorhandensein dieser Form in Sibirien; aber 



1) Auch syijanisch und wotjakisch turyn, turun= Gras, Hea. 

2) «Ein Ausflug nach Lukä-Lappmarken. III. Pinus Frieseana n. sp». 
(Flora, 1859, p. 409—411). 

8) Finlands trädslag i forstligt h&nseende beskrifha. Hft. 1 (Helsingfors, 
1881); p. 53. 

4) Derselben Ansicht ist auch Hildebrand, w&hrend Willkomm be- 
merkt, dass P. Frieseana einen üebergang von P. sylvestris zu P. morUana 
bildet 



— 473 — 

er berichtet (Reise, Bd, IV, p. 636) über ein interessantes 
Beispiel zweier neben einander in einem Hochmoore aufge- 
wachsener Kiefern, von denen die eine eine rauhe, rissige 
Borke und nur 1%'' lange Nadeln aufwies, während die andere 
ueine zarte, höher ab vom Boden sogar glatte und papier- 
dflnn sich abblätternde Binde» und 2%'^ lange Nadeln hatte. 
Da hier Klima und Boden genau dieselben waren, so li^t 
die Yermuthung nahe, dass der merkwOrdige Unterschied 
durch specifische Verschiedenheit bedingt war, indem die 
erste Kiefer der P. Frieseana^ die letztere aber der P. syl- 
vestris angehörte. — Es wäre sehr interessant, Genaueres 
über die Verbreitung und die Wachsthumsverhältnisse der 
besprochenen Kiefernform zu erfahren. 



448. (3.) Pinus montana Duroi (P. Pumäio Haenke, P. 
Mugkus Sco^.yP.iUiginosa Wimm.,P. undnata Bamd. et DC). 

Nach C. Koch, findet sich die Bergföhre im Gebiete 
von Batum, unweit des Tschoroch-Thales, und zwar im Gaue 
Sber, in der Höhe von 3500'flb.d.M. Med wedew bemerkt 
etwas unbestimmt, dass sie, nach den Angaben einiger Be- 
obachter, in der Hochgebirgsregion des Kaukasus, in Ge- 
sellschaft der P. sylvestris j wachsen soll. Diese nicht beglau- 
bigten Nachrichten reichen nicht hiu, das Vorkommen der 
P. montana im Kaukasus ausser Zweifel zu stellen. Indessen 
kann man dasselbe für wahrscheinlich halten, da, nach den 
fibereinstimmenden Angaben vonEngelhardtund Parrot, 
Radde und Ffirst Massalski, so wie laut brieflicher Mit- 
theilung Hrn. Ssmirnow's, P. sylvestris in Transkaukasien 
auch an ihrer obersten Grenze, sogar bei 9200^ flb. d. M. 
(im Gebiete von Karss), stets als gerade gewachsener Baum 
und niemals als Knieholz auftritt. Ssredinskij hat aber im 



— 474 — 

Rion-Tbale, in der Höhe von 7200' fib. d. M., solches Knie- 
holz angetroffen, welches vermnthlich der P. fnontana an- 
gehörte. AnchFQrstMassalski^) erwähnt, dassim Gebiete 
von Batum, oberhalb der Grenze der Nadelwälder, krnmm- 
gewachsene Kiefern vorkommen; vielleicht sind es gleichfalls 
Repräsentanten der P. mantana, die bekanntlich in den Ge- 
birgen Sfid- nnd Mittel-Eoropa's weit verbreitet ist nnd in 
den Alpen bereits znr Zeit der Schieferkohlenbildnng wuchs ^. 

44A. (4.) Pinus Laricio Poir. (P. austriaca Höss.,P. taurica 
Hort., P. nigricans Host., P. Laricio Paüasiana Lamb.). 

Die Schwarzföhre, die in den Mittelmeerländem weit 
verbreitet ist, kommt bei uns mit Sicherheit nur im Gebirge 
der Krim vor, wo sie Wälder bildet. Sie steigt bis 3500' 
üb. d. M. hinauf und geht nur an wenigen Stellen (z. B. bei 
Nikita) bis zur Meeresküste. Wälderbildend findet sie sich an 
der Sfidküste der Krim, und zwar hauptsächlich im westli- 
chen Theile, nordostwärts nicht über das Thal von Aluschta 
hinaus; aber in einzelnen Exemplaren soll sie sich, nach Ag- 
geenko, noch bei Ssudak finden. Der am weitesten nach 
Osten vorgeschobene Wald, den ich gesehen, steht auf dem 
Tschamly-Burun (tatar.: Kiefern- Vorgebirge), unweit des 
Dorfes Bijuk-Lambat. Am nördlichen Abhänge des Krim'- 
schen Gebirges wächst die Schwarzföhre nur hier und da. 
Pallas bemerkt, dass sie, zu Ende des vorigen Jahrhunderts, 
die Berge bei der alten Festung Mangup, so wie beim Dorfe 
Ai-Todor, bedeckte; nach Steven, findet sie sich auch an 
den Quellen der Katscha und nur noch an wenigen anderen 
Stellen. Nach dem Zeugnisse HablizPs, soll sie früher auch 



1) H3B. H. PyccK. Feorpa«. O611;., t. 22, 1886, cxp. 356. 

2) Vergl. 0. Heer. Die ürweU der Schweiz; Aufl. 2, p. 620—523. 



— 475 — 

bei Bachtschissarai und Tschufut-Kale vorgekommen sein.— 
Keine und ziemlich ausgedehnte Bestände bildet die Schwarz- 
föhre nur an der SOdküste. Wo sie in derselben Gegend mit 
der Buche auftritt, geht diese letztere stets höher hinauf; 
oberhalb Jalta und Alupka wird die Buche bisweilen gänz- 
lich von der Schwarzföhre verdrängt, die ihrerseits, östlich 
von Gursuf, immer mehr zurücktritt. P. Laricio ist früher 
viel mehr verbreitet gewesen, als gegenwärtig; ausser der 
Axt, hat auch das Feuer die Kiefernwälder der Krim viel- 
fach gelichtet; so brannte im J. 1859 ein grosser Theil des 
Kevieres von Nikita ab, welches fast ausschliesslich aus 
Schwarzföhren bestand; desgl. wOthete im J. 1883 ein Brand 
in den Kiefernwäldern oberhalb Jalta. 

Ob P. Laricio im Kaukasus wächst, ist noch nicht de- 
finitiv festgestellt. Steven^) behauptet, dass er sie aus 6e- 
lendshik (unweit Noworossijsk) erhalten habe, "Wie mir Hr. 
Ssmirnow schreibt, erscheint aber diese Angabe zweifel- 
haft, da spätere Forscher (Medwedew und WassiTjew), 
die sie dort ausdrücklich gesucht, sich von ihrem Feh- 
len überzeugt hätten. Koch will eine der P. Laricio sehr 
nahe stehende Form am Fl. Tschoroch gefunden haben; er 
nannte sie R pontka Koch; während Hildebrand diese 
Form für P. Laricio ansieht, nehmen Henkel und Höch- 
ste tter an, dass dieselbe eine Varietät der P. sylvestris 
bilde (vgl. oben). Es ist sehr wünschenswerth, dass das Vor- 
handensein oder das Fehlen der Schwarzkiefer im Kauka- 
sus mit Sicherheit konstatirt werde. 

Namen. — Russisch: Erymskaja Ssossnd, i. e. die Krim'- 
sche Kiefer. — Tatarisch, in der Krim (an der Südküste): 
Tscham^ oder Karä-tscham^ d. h. Schwarzkiefer; (am Nord- 
abhange): Narät. 



1) «De Pinubus taurico-cancasicisj), im Balletin de Moscou, 1838, p. 50. 



r ü 



476 



445. (5.) Pinttö HcUepensis Mill. (P. maritima Lamb., P. 
Pityusa Stev., P. ^ftcÄewica Fischer, P. Colchica Booth, P. 

ParoMniana Webb.)^). 

Die Aleppo- oder Seestrandkiefer, die im ganzen Mit- 
telmeergebiete verbreitet ist, findet sich bei uns nur in 
Transkaukasien, fast ausschliesslich im Strandgebiete des 
Schwarzen Meeres. Erst vor Kurzem ist sie von Herrn Mio- 
kos ie wie z unweit Eldar, am untersten Laufe der Jora 
(eines Nebenflusses des Alasan') entdeckt worden. Dieser 
letztere Fundort ist insofern sehr interessant, als er ganz 
insular und vom Seestrande weit entfernt ist, während diese 
Kiefer fast immer in der Nähe des Meeres, und sogar un- 
mittelbar am Strande, wächst; der untere Lauf der Jora 
befindet sich aber ungefähr in der Mitte zwischen dem Schwar- 
zen und dem Kaspischen Meere. Die Aleppokiefer findet 
sich daselbst auf Felsen von Nummulitenkalk, meist zer- 
streut oder horstweise. Wie Hr. Forstmeister Kessler^ 
berichtet, befinden sich diese Kiefern im Stadium des Aus- 
sterbens. Er bemerkt, dass zwar die Wasser des Kaspischen 
Meeres einst bis zu jener Gegend reichten, dass aber die 
Annahme eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen die- 
ser letzteren Thatsache und dem dortigen Vorkommen der 
Aleppokiefer unzulässig sei; daher erscheint ihm das Vor- 
handensein dieser Baumart an jener Stelle als ein phyto- 
geographisches Räthsel. Angesichts der Thatsache, dass 
diese Kiefern, deren Gedeihen hauptsächlich an die Nähe des 



1) Nach brieflicher Mittheilang Herrn Ssmirnow's, mass aach Pinus 
Brutia Ten. hierher gezogen werden. 

2) «Ueber den Kankasas and die wissenschaftliche Erforschong dessel- 
ben», in d. Yerhandl. d. Ges. f. Erdkunde za Berlin; Bd. 8, 1881, p. 48. 



— 477 — 

Meeres angepasst ist, in der ihnen ungünstigen Umgebung 
an der Jora, dem Aussterben unterliegen, kann man ver- 
muthen, dass sie in jener Gegend z. Tb. bereits ausgestor- 
ben sind; wahrscheinlich bedeckten sie daselbst frfiher ein 
grösseres Areal und dürfen somit als ein Relict einer ein- 
stigen ausgebreiteten Eiefernvegetation angesehen werden; 
vielleicht standen sie sogar einst im Zusammenhange mit 
den Kiefembeständen im Strandgebiete des Schwarzen Mee- 
res. Eine solche Yermuthung wird durch die Thatsache 
gestützt, dass zur Miocänzeit in jener Gegend, wo jetzt die 
Aleppokiefer ganz insular wächst, eine Meerenge sich er- 
streckte, welche das Kaspische Meer mit dem Schwarzen 
verband. Wenn mithin P. Halepensis bereits damals an der 
pontischen Küste wuchs, so konnte sie, längs den Ufern je- 
ner Meerenge, bis zur Gegend des jetzigen unteren Laufes 
der Jora sich verbreiten, später aber, in Folge des ungün- 
stig gewordenen Klima's, im zwischenliegenden Gebiete aus- 
sterben. 

Die Grenzen der Verbreitung der Aleppokiefer am pon- 
tischen Strande lassen sich, nach den vorhandenen ungenü- 
genden Angaben, nicht genau feststellen. Jedenfalls reicht 
sie mindestens von Noworossijsk bis zur Mündung des Fl. 
Eodor; mithin findet sich diese Kiefer im Distrikt des Schwar- 
zen Meeres (Tschernomorskij Okrug) und im Ssuchum'schen 
Militärdistrikt. Im nördlichen Theile, wo das Strandgebirge 
sich noch nicht sehr hoch erhebt, soll sie sich in einzelnen 
Exemplaren auch auf die nördlichen Abhänge ausbreiten. 
Ihre vertikale Verbreitung erstreckt sich, nach WassiPj ew, 
im Distrikt des Schwarzen Meeres, bis 800', nachMedwe- 
dew, bis 1000' üb. d. M.; aber, nach Bernazkij's Angabe, 
soll sie an den Flüssen Bsyb' und Kodor bis 2500 — 3000' 
üb. d. M. hinaufsteigen. Sie findet sich an der pontischen 



— 478 — 

Küste z. B. bei Gelendshik, Wardane, auf den Felsen am 
Fl. Begerpsta, bei Gagry, Pizunda^) etc. Medwedew hält 
es für wahrscheinlich, dass die Aleppokiefer auch südlicher 
im Küstenstriche des Schwarzen Meeres, z. B. im Gebiete 
von Batum, vorkomme; indessen hat Fürst Massalski sie 
im letzteren Gebiete nicht gefunden. 

446. (6.) Pinus Pinea L. 

Nach C. Koch^), wächst die Pinie «in einem völlig wil- 
den Zustande», am Fl.Tschoroch,unweit Artwin (im Gebiete 
von Batum); Fürst Massalski bemerkt, dass die Umge- 
bung des Dorfes Nashwi (in der Nähe von Artwin) durch 
ihre Pinienhaine besonders bekannt sei; nach Medwedew, 
soll sie auch bei Ardanutsch wachsen^). Ruprecht fand die 
Pinie in Gurien; Ssmirnow (brieflich) und Medwedew be- 
stätigen dieses Vorkommen, vermuthen jedoch, dass sie da- 
selbst ursprünglich angepflanzt und verwildert sei, da sie 
gewöhnlich in der Nähe von Tempel- oder Dorfruinen an- 
getroffen wird. — An der Südküste der Krim ist die Pinie, 
um das J. 1820, durch Steven eingeführt worden; ein be- 
sonders hübscher Pinienhain findet sich in Korassan (einem 
Gute des Herrn Rajewskij). Wenn die Pinien thatsächlich, 
wie behauptet wird, befähigt sind die Luft von den Sumpf- 
miasmen zu reinigen, — welchem Umstände das gesunde 



1) An diesem letzteren Orte, dem alten Pitj/us, fand Steven zuerst 
diese Kiefer, woher er sie P. Pityusa benannte. Ihrerseits verdankte die 
Stadt Pityus ihre Benennung dem griechischen Namen der Kiefer = tt'.tu;. 

2) Linnaea, 1849, p. 298; desgl.: Die Bäume und Sträucher des alten 
Griechenlands, p. 38. 

3) Brieflich theilt mir Farst Massalski mit, das P. Pinea im Flussthale 
des Tschoroch, von der Schlucht Bemaulis-uchali ab, aufwärts spontan 
vorkommt. 



— 479 — 

Klima der von Sfimpfeü umgebenen Stadt Ravenna zuge- 
schrieben wird^), die durch ausgedehnte Pinien Waldungen 
geschätzt ist, — so erscheint es sehr wünschenswerth, dass 
die Kultur dieses malerischen Baumes dort, wo das Klima 
es zulässt, sich mehr verbreite; — so namentlich in den 
Küstengegenden Transkaukasiens, besonders aber in den 
durch ihre Sumpffieber verschrieenen Niederungen am FL 
Rion. 

Gattung 2. Larix. 

Die Gattung Larix hat nicht viele Repräsentanten, de- 
ren Abgrenzung von einander jedoch durchaus nicht als 
definitiv festgestellt angesehen werden kann. Zur lUustri- 
rung der verschiedenen Anschauungen über einige Formen 
dieser Gattung mögen hier die üebersichten der Arten 
folgen, wie sie Pariatore und Regel gegeben, und zwar in 
der von ihnen beobachteten Reihenfolge. 

Pariatore (1. c, p. 409—412) zählt folgende 8 Ar- 
ten auf^): 

1. Larix pendula Soland. {L. americana Michx., L. 
microcarpa Lamb.), im östlichen Nordamerika. 

2. Larix davurica Fisch. (-46tc8ÖmeZ«mRupr.), in Nord- 
und Ostsibirien. 

3. Larix leptolepis Endl., in Japan. 

4. Larix Ledebourii Endl. (L. sibirica Ledeb., L. Eu- 
ropaea sünrica Loud., L. intermedia Lodd.,L. Archangelica 
Laws., L. Jltaica Fisch., L. decidua ß rossica Henk, et 
Höchst.).» im arktischen und nördlichen (europäischen) Russ- 
land, so wie in ganz Sibirien. 



1) Vgl. V. Hehn. Kulturpflanzen und Hausthiere; Aufl. 4, p. 244*-246. 

2) Sie stehen bei ihm unter Pmus. 




— 480 — 

5. L(mx Europaea DC. (L. decidiia Mill.; Pintis Larix 
h.\ in den mitteleuropäischen Gebirgen. 

6. Larix Griffithii, im östlichen Himalaya, in der Höhe 
von 8000—12,000' Ob. d. M. 

r 

7. Larix Lyallii Pari., im westlichen Nordamerika (im 
Felsengebirge). 

8. Larix NuttalUiVdirX, (L. occidentcdis Nutt.), ebendort. 
BegeP) nimmt gleichfalls 8 Arten an, die er auf fol- 
gende Weise gruppirt: 

1. Larix deddtui Mill. {Pintis Larix h.). Als Varietä- 
ten finden sich angefahrt: 

a. communis Henk, et Höchst. (L. europaea DC): «in 
Europa boreali^) et in Europae mediae montibus». 

ß. sMrica Ledb. {AHes Ledebourii Rupr., L. decidua ß 
rossica (Henk, et Höchst.); in Sibirien. 

y. rossica Sabine {L. archangelica Laws., Pinus Larix 
Y rossica Endl.); in Nordrussland, am Weissen Meere. 

S. pendulina Regel. 

e. pendula Reg. {Pinus pendula Soland., Larix pendula 
Salisb., L. decidua y americana Henk, et Höchst.); in Nord- 
amerika. 

2. Larix leptolepis Endt., Murr.; in Japan (auf der In- 
sel Nippon)^). 

3. Larix occidentalis Nutt. {Pinm Nuttallii Pari.). Re- 
gel fögt hinzu: «An satis a L. decidua di versa»? 

4. Larix Lyallii Pari. 

5. LaHxjaponica Murray*); in Japan (auf der Insel 



1) oBevisio specierum generis Laricis». (Acta Horti Petropolitani, 1. 1, 
p. 155—161). 

2) Diese Angabe beruht offenbar auf einem Irrthame. 

8) Nach Maxim owi CS, findet sich diese Art aach anf der Insel Ssachalin. 
4) Diese Art fehlt bei Pariatore. 



— 481 — 

Nippon, auf dem Berge Fusi-Yama, in der Höhe von 8000 — 
8500' üb. d. M.). 

6. Lariac dahurica Turcz. {L. kamtschatica Endl.; 
Abies OmeUni'Rn^T.), und zwar in folgenden Variet&ten: 

a. typica Regel, in Daurien, in Ostsibirien, im Amur- 
Gebiete und in der Mandshurei. 

ß. prostrata Regel, in den Torfmooren Dauriens. 
y. japonica Maxim., in Japan. 

7. Larix americana Mich. {Pinus microcarpa Lamb., 
L. tenuifdia Salisb., Pirnts intermedia Du Roi, Pinus pen- 
dula Pari.); in Nordamerika, von Canada bis Virginien. 

8. Larix QriffUhii Hook. {Ähies Orifßthiana Lindl. et 
Gord.); in Bhutan, Sikkim und im östlichen Nepal, 8 — 
12,000' ab. d.M. 

Die DiflFerenzen in den beiden üebersichten beziehen sich 
mithin hauptsächlich auf die Stellung und Zugehörigkeit 
der nordameril^anischen L. pendtda Soland., so wie der L. 
sibirica, mit der von Regel angenommenen var. rossica. Wäh- 
rend Pariatore L. pendula mit L. americana Mich, (wtcro- 
carpa Lamb.) identificirt, stellt Regel diese beiden Formen 
weit aus einander und hält L. pendula fUr eine Varietät der 
europäischen L. decidua Mill. Auch L. sibirica Ledeb. (Ze- 
debourii Endl.) sieht er für eine Varietät dieser letzteren 
Art an, indem er als weitere gleichwerthige Varietät die im 
Nordosten des europäischen Russlands wachsende Form, 
unter dem Namen var. rossica Reg., von derselben abtrennt. — 
Middeudorff wieder ist geneigt, L. dahurica Turcz. nur 
für eine Varietät von L. sibirica Ledeb. zu halten. Er sagt 
darüber (Reise, Bd. IV, p. 527) Folgendes: «Beide sind sich 
der Gestaltung nach höchst ähnlich, und werden von den 
Männern des Faches hauptsächlich nur nach ganz unerheb- 
lichen und unmerklichen Kennzeichen, nämlich nach der 

31 



— 482 — 

Gestalt der Schuppen ihrer Zapfen, unterschieden, indem 
diese bei der sibirischen Lärche an ihrer Spitze zugerundet 
und sogar zugespitzt, bei der daurischen dagegen an ihrer 
Spitze abgestutzt und ausgerandet sind^)... In allem Uebri- 
gen sind diese Zwillingsformen sich dermaassen ähnlich, dass 
sie in forstwirthschaftlicher, so wie in landschaftlicher Be- 
ziehung als ein und derselbe Baum gelten müssen». — Unter 
diesen Umständen magDrude's^) Ansicht vielleicht gerecht- 
fertigt erscheinen, wenn er L. europaea, L. sibirica, L. da- 
hurica und L. americana «als (nicht einmal bedeutend ver- 
schiedene) Varietäten einer gemeinsamen und mit Ausschluss 
einer Lücke in der Skandinavischen Halbinsel circumpolar 
verbreiteten Grundform» ansieht, die zugleich auch zu den 
alpinen Eindringlingen gehört. 

Es wäre verfrüht, nach dem geringen paläontologischen 
Material, das wir über das einstige Vorkommen der Lärchen 
besitzen, auf das Ausgangsgebiet und das Alter der Gattung 
Larix zu schliessen. Sehen wir von der Stenonia Ungeri 
Endl. ab, die sich im Miocän Oesterreichs findet und, nach 
Unger's^) Vermuthung, zu den Lärchen in naher Beziehung 
stehen soll, so sind, nach R. Ludwig*), die ältesten Re- 
präsentanten der Gattung Larix^ in drei Arten, inder Wet- 
terauer Braunkohle (in der Nähe von Frankfurt a/M.) ge- 



1) Mi d den dor ff macht auf den merkwürdigen Umstand aufmerksam, 
dass die sibirische Form der Fichte (Picea ohovata Ledeb.) sich von der euro- 
päischen {Picea excdsa DG.) auch nur hauptsächlich durch dasselbe, schein- 
bar ganz unbedeutende Kennzefchen unterscheide. 

2) Oscar Drude. Die Florenreiche der Erde. (Petermann's Mittheilun- 
gen, Ergänzungsheft J\& 74, 1884); p. 47. 

8) F. ünger. Geologie der europäischen Waldbäume. II. Nadelhölzer; 
p. 100—102. 

4) «Fossile Pflanzen aus der ältesten Abtheilnng der Rheinisch-Wetter- 
auer Tertiär-Formation». (Palaeontographica, t. VIII, 1859—61, p. 169 — 
170). 



— 483 — 

funden worden; und es käme darauf an, das Alter dieser 
Braunkohle zu bestimmen. Ludwig selbst glaubte dieselbe 
in's Eocän verleben zu müssen ; H. Credner^) sagt, dass 
die norddeutsche Braunkohle als oligocän zu betrachten sei. 
Nach den in der Wetterauer Kohle gefundenen Pflanzen- 
resten musste ich jedoch vermuthen^, dass die von Lud- 
wig beschriebenen Lärchen und Fichten nicht im Oligocän, 
sondern in viel neueren Schichten eingeschlossen sind. Neuer- 
dings hat in der That H. Th. Geyler*) gezeigt, dass die 
von Ludwig beschriebene Flora der Wetterauer Braun- 
kohle nicht zum Oligocän zu zählen, sondern dem Pliocän, 
resp. Oberpliocän, einzureihen ist. Damit stimmt auch die 
Annahme C. F. Zincken's*) überein, dass diese Braunkohle 
zum Pliocän gehört; Lyell zählte sie sogar zum Pleisto- 
cän. — Die Gattung Larix ist überhaupt vielleicht nur zur 
Pliocänzeit nach Europa gelangt. Als Ausgangsgebiet dürfte 
wahrscheinlich der arktische Kontinent angesehen werden, 
der, nach Buffon, G. Jäger etc., zur Miocänzeit sich um 
den Nordpol herum ausdehnte, und von welchem aus, nach 
Asa Gray's sehr wahrscheinlicher Vermuthung, die circum- 
polare Flora sich nach Nordamerika, Asien und Europa aus- 
breitete *). Diese Ansicht wird durch den interessanten Fund 
einer Lärche, Larix Johnseni Schroet., gestützt, die, nach 



1) Elemente der Geologie. Aufl. 5, 1883, p. 687. 

2) Ich habe diese Vermuthung in meiner russischen Abhandlung über 
die Verbreitung der Nadelhölzer (auf p. 365, in der Nota) ausgesprochen. 

3) aNotiz aber eine neuerdings aufgeschlossene Pliocänflora in der Um- 
gebung von Frankfurt a. M.»; in Engler^s Botan. Jahrbflchern, Bd. 8, 
1886, p. 161—164. 

4) Die Physiographie der Braunkohle; Th. 1, 1867, p. 123-124; u. Er- 
gänzungen, 1871, p. 34; 1878, p. 31. 

5) Ygl. darüber auch: A. Penck. «Die Pole als Entwicklungscentren», 
in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 1885, I^J^ 135 u. 136. 

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C. Schroeter^), zur Miocänzeit, auf dem heutigen König 
KarPs Land (Giles-Land, im Osten von Spitzbergen), unter 
dem 79° n. Br., wuchs und am nächsten verwandt der La- 
fix dahurica gewesen sein soll. Man kann vermuthen, dass 
sie die Stammform der L. dahurica gewesen, von welcher 
ihrerseits vielleicht die drei genannten Formen {L. europaea^ 
L. siUrica und L. americana) abzuleiten sind^). 

Im europäischen Russland finden sich zwei Arten der 
Gattung Larix^ nämlich L. europaea DC. im äussersten 
Westen und L. sibirica Ledeb. im Nordosten, während im 
grössten Theile der europäisch-russischen Tiefebene diese 
Gattung vollständig fehlt. Sie fehlt gleichfalls im Kaukasus, 
ebenso wie Pinus Gembra^ deren Verbreitung überhaupt 
mit derjenigen der Lärche grosse Aehnlichkeit aufweist. 

447. (1.) Larix emopaea DG. {L. decidua Mill.). 

Die europäische Lärche findet sich bei uns gegenwärtig 
nur im Zarthum Polen; wir werden sehen, dass sie früher 
etwas weiter nach Osten verbreitet war. In Polen scheint sie 
spontan nur im südlichen Theile vorzukommen, und zwar be- 
sonders in der Umgebung des Berges Lysa-Gora. Hier bildet 
sie hie und da grössere Wälder, z. B. zwischen Konskie und 
Szydlowiec, bei Samsonöw, zwischen Sienno, Opatöw und 
Nowa-Slupia; von hier geht sie auch auf das rechte Weichsel- 



1) «Untersuchung Ober fossile Hölzer aus der arctischen Zone»; in 
0. Heer's Flora fossilis arctica, t. VI, Abth. 1 (1880). 

2) üng]er leitet L, pendula (aus Nordamerika), L, europaea und X. «t- 
birica von der in der Wetterauer Brannkohle gefundenen L» graeüuf Ludw. 
ab, w&hrend er die ebendort angetroffene L. sphaeroides Ludw. als Stamm- 
form der nordamerikanischen X. americana {microearpa) betrachtet Wir 
haben aber gesehen, dass einige Autoren (z. 6. Pariatore) die letztge- 
nannte Art mit der L. pendula identificiren. 



— 485 — 

afer hinüber, wo sie sich beispielsweise zwischen Urzgdöw 
und Belzyce, Czechöwka und Lublin findet. Ferner kommen 
Lärchenhaine auch bei Lubochnia, so wie zwischen Rawa und 
Brzeziny (im Gouv. Piotrkow), desgl. im Laznow*schen Re- 
viere (im östlichen Tbeile des Gouv. Kalisz) vor; nach einer 
brieflichen Mittheilung Herrn Brzozowski% sind indessen 
die letztbezeichneten Lärchenhaine nicht spontan, sondern 
angepflanzt. Oberforstrath v. Be r g ^) fand die Lärche in Polen 
nur auf dem Jura. Im Forstamte Samsonöw (unweit Kielce), 
bei einer Erhebung von etwa 800— 1000' Ob. d. M., auf 
frischem humosem Sandboden, sah er sie von seltener Schön- 
heit «Bis 40 Zoll (1,01 Meter) Durchmesser, 110 Fuss (33,5 
Meter) hoch, ganz gerade und sehr vollholzig, mag ihr Al- 
ter zwischen 150 bis 200 Jahren schwanken und sie waren 
kerngesund. Ein Stamm von 22 Zoll (0,56 M.) Durchmes- 
ser zeigte 140 Jahresringe^). — Waga sagt, dass die Lär- 
che ausschliesslich im südlichen Theile Polens vorkomme. 
Aber, nach Polujanski^, soll sie sich auch im Nordosten, 
in den Kreisen Ealwaryja und Marjampol des Gouv. Su- 
walki, finden; namentlich wird sie in den Wäldern bei Preny 
und Wisztyniec vereinzelt angetroffen. Polujanski scheint 
sie daselbst fQr spontan zuhalten;Hr.Brzozowski schreibt 
mir jedoch, dass sie dort ganz bestimmt nur angepflanzt vor- 
kommt und wahrscheinlich nie wildwachsend vorgekommen 
ist. Als die westliche und nördliche Grenze ihrer gegenwärti- 
gen spontanen Verbreitung nimmt er den FIuss Pilica an; nur 
an einer Stelle, namentlich beim Berge Ealwarya (unweit 
Warschau), findet sich ein insularer Bestand von 200 — 300- 



1) «Die Wälder in Polen», in d. Monatschrift für das Forst- und Jagd- 
wesen, 1866, p. 18—14. 

2) Opisanie lasöw krölestwa Polskiego; 1 1, pp. 885, 844. 



— 486 — 

jährigen Lärclicn, — als ein Denkmal längst vergangener 
Zeit. 

Hr. Brzozowski hält es indessen für wahrscheinlich, 
dass die Lärche früher über das ganze Areal der Gouverne- 
ments Piotrkow und Warschau verbreitet gewesen. Als Be- 
weis dafür können noch jetzt erhaltene Kirchen und herr- 
schaftliche Häuser gelten, die vor 300 — 500 Jahren aus 
(noch gegenwärtig gesunden) Lärchenbalken von 20 — 30 
Zoll Durchmesser aufgebaut sind. Die Existenz solcher ur- 
alter, aus Lärchen aufgeführter Baulichkeiten wurde schon 
von Rz^czynski^), im Beginne des vorigen Jahrhunderts, 
bezeugt, ü. A. erwähnt er zwei solche Kirchen im Gouv. 
Kalisz, und zwar befindet sich die eine im Dorfe. Blon (im 
Kreise Lgczyca), die andere beim Städtchen Tuszin (im Kreise 
Sieradz); als Rz^^czynski die letztere Kirche besuchte, 
stand sie bereits 587 Jahre. Danach zu urtheilen, war also 
die Lärche, vor 500 — 700 Jahren, auch über den östlichen 
Theil des Gouv. Kalisz verbreitet. 

Aber auch im angrenzenden Theile des westlichen Russ- 
lands muss die Lärche früher wildwachsend vorgekommen 
sein, wie aus dem Vorhandensein ähnlicher alter Bauwerke 
aus Lärchenholz gefolgert werden kann. Nach Gilibert^), 
soll diese Holzart noch vor 100 Jahren sich in der Umge- 
gend von Grodno gefunden haben. Bode (L c, p. 23) be- 
merkt: «auch im Gouv. Grodno sollen einzelne Gebäude 
existiren, welche uralt und aus Lärchenholz gebaut sind. 
Dass solches Holz weder von den Karpathen noch aus dem 
Gouv. Wologda oder Kostroma angeführt worden sei, lässt 
sich doch wohl annehmen». Die Verbreitungsgrenze der 



1) Auctuarinm historiae nataralis curiosae regni Poloniae. (1786); p. 275. 

2) So wenigstens berichtet Ledebour (Fl. ross., III, p. 672). Mir selbst 
ist es nicht gelungen in Gilibert's Schriften diese Notiz zu finden. 



— 487 — 

Lärche mag einst den F'luss Nieman, fast bis zu dessen Quel- 
len, hinaufgegangen und dann längs dem Flusse Slucz süd- 
wärts verlaufen sein; denn in der Stadt Sluzk, die am letz- 
teren Flusse belegen ist, existirt noch gegenwärtig eine im 
J. 1419 aus Lärchenholz erbaute Kirche. Polujaiiski (I.e., 
II, p. 217) folgert daraus, dass um jene Zeit die Lärche in 
den Wäldern des Kreises Sluzk zahlreich vorgekommen sein 
muss. Auch Jundzill^) bemerkt, dass an mehreren Stellen 
Littauens sich Ueberlieferungen von der einstigen Existenz 
von Lärchenwäldem erhalten haben ^). — SowohlJundzitt 
als auch Bichwald^) erwähnen das Vorkommen der Lär- 
che nur für Littauen; daher erscheint die Angabe Georg i's *), 
dass dieselbe in Podolien «gegen die Karpaten hin», wenn 
auch nicht häufig, wachse, sehr zweifelhaft. 

Jedenfalls kann die Möglichkeit einer einstigen weiteren 
Verbreitung der L. europaea nicht geleugnet werden, da 
sie angepflanzt sowohl in den Ostseeprovinzen als in Fin- 
land recht gut gedeiht. Zwar bemerkt Willkomm, dass in 
den baltischen Provinzen die Samen meist taub sind, aber 
aus weiter nördlich gelegenen Gebieten liegen keine Klagen 
darüber vor. So sagt Schübeier, dass die Lärche in Nor- 
wegen noch bis zum 64° n. Br. keimfähige Samen trägt; 
überhaupt wächst sie in Norwegen sehr gut, wie Dies zahl- 
reiche Anpflanzungen dieses Baumes bezeugen. Das Ge- 
deihen der Lärche in diesem Lande, und zwar auch am atlan- 
tischen Gestade desselben, welches sich durch sein Seeklima 



1) Opisanie roälin w Litwie, na Wotynia, Podola i Ukrainie dzikoros- 
n^cych. (1880); p. 418. 

2) Indessen ist es auffallend, dass es in der littanischen Sprache kein 
Wort zur Bezeichnung dieses Baumes gibt. 

8) Naturhist. Skizze von Lithanen, Volhynien und Podolien (1880); p. 
128. 

4) Geogr.-physik. Beschreibung des Russischen Reichs; T. III, p. 1314. 



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— 488 — 

auszeichnet, lässt die Annahme Christ's^) als ungerecht- 
fertigt erscheinen, als gehöre dieser Baum ausschliesslich 
dem Kontinentalklima an und fehle desshalb in Skandinavien 
im spontanen Zustande. Seit etwa 50 Jahren wird X. eu- 
ropaea in Finland kultivirt. Auf der Moskauer Ausstellung 
im J. 1882 figurirten mehrere Holzproben von Lärchen, 
die in Fiskars (unter 60°8' n. Br.) und in Evois (unter 
61°15' n. Br.) gewachsen waren. Nach Schübeler^), kommt 
die europäische Lärche in Finland bis Oleäborg (65°n. Br.) 
angepflanzt vor. Die mittlere Jahrestemperatur dieses letz- 
teren Grenzortes des Vorkommens der Lärche beträgt 2?02 
C, bei einer mittleren Januar- und Februar-Temperatur 
von — 10^07 und — 10?30 C. Da indessen die europäische 
Lärche bei Uleäborg höchst wahrscheinlich keine keimfähi- 
gen Samen zeitigt, so müssen für eine gesicherte Vermehrung 
derselben etwas höhere klimatische Grenzwerthe angenom- 
men werden. In den Alpen beträgt die Jahrestemperatur an 
den HOhengrenzen der spontan wachsenden Lärche, nach 
Willkomm, 2?675 C. 

Prof. Willkomm beobachtete im botanischen Garten 
zu Dorpat eine auffallende Varietät, die sich von der ge- 
wöhnlichen var. alba (mit granlichweissen weiblichen Bltt- 
ten) durch ihre eigenthümliche Zapfenbildung auszeichnet. 
«Die weiblichen Blüten sind oft über 2 Cm. lang und haben 



1) H. Christ. Das Pflanzenleben der Schweiz; p. 226: «Die Lärche ist 
der Baum des continentalen Clima*s... Gerade ihr Austreten in die Voralpen 
nur im Osten ist bezeichnend: im Westen hört sie mit den Alpen im Dau- 
phin6 auf; weder die Pyrenäen noch die südlichen Halbinseln kennen den 
Baum, und selbst in Scandinavien ist er nicht vorhanden: er flieht die Be- 
genfalle des Golfstromclima's». — Bei Nördlinger (Deutsche Forstbota- 
nik, p. 414) findet sich die irrthümliche Angabe, dass die Lärche im Gata- 
Ionischen Theile der Pyrenäen rorkomme; Philippe, in seiner Flore des 
Pyr^n^es, erwähnt sie gar nicht 

2) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 172. 



— 489 — 

sehr stark zurOckgekrOmmte bleiche Fruchtblätter mit grüner 
Rippe, deren membranöser Theil am Rande gezähnt ist. Die 
Zapfen erreichen gegen 5 Gm. Länge, sind eifömig-länglich 
und haben nach der Samenreife auffallend zurQckgekrfimmt 
sparrig abstehende Schuppen». Willkomm hat diese Varie- 
tät pallidiflora genannt. Nach einigen der angefahrten 
Merkmale zu urtheilen, nähert sich dieselbe der X. sibirica. — 
woher man vermuthen kann, dass sie eine Bastardform zwi- 
schen dieser letzteren und der europäischen Lärche ist. Dies 
ist um so möglicher, als, nach dem Zeugnisse Willkomm's, 
beide Stammarten im botanischen Garten zu Dorpat kulti- 
virt werden. 

Namen. — Russisch : lAstweniza^ Listtvennijsa ^). — Pol- 
nisch: Modrzew^ Modrzen. — Lettisch: Wahzemes egle{i.e. 
deutsche, oder Oberhaupt fremdländische Fichte). — Est- 
nisch: Saksama-Jcusk (d. h. deutsche Fichte). — Finnisch: 
Sakscmnäre (von Saksan = deutsch und näre = junge Fichte); 
Lehtikuusi (von lehti = Blatt und kuusi = Fichte). 



448. (2.) Larix sibirica Ledeb. {L. Ledebourii Endl.). 

Wie schon bemerkt, halten mehrere Autoren (z. B. Re~ 
gel) diese Art nur für eine Varietät der europäischen Lär- 
che, von der sie sich jedoch durch einige konstante Merk- 
male zu unterscheiden scheint. Willkomm^), der eine ge- 
nauere Beschreibung dieser Form mittheilt, macht auch auf 
die Gestaltung der BlQten, resp. der Staub- und Frucht- 



1) Dieser charakteristische Name, der vom ross. Worte List {= Blatt 
Laab) stammt, ist von der Eigenthümlichkeit der L&rche entnommen, gleich 
den nordischen Laubbäumen, ihre Nadeln zum Winter abzuwerfen. Ganz 
ähnliche Namen finden sich in einigen finnischen Sprachen. 

2) Forstliche Flora; p. 126—126; 2. Aufl., p. 164. 



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blätter, aufmerksam, durch welclie sich die L. sibirica von 
der L. europaea gut unterscheiden lässt. 

Von Sibirien ausgehend, erstreckt sich das Verbreitungs- 
gebiet der sibirischen Lärche bnchtenförmig in den Nord- 
osten des europäischen Russlands hinein, westwärts fast bis 
zum Onega-See, südwärts aber beinahe die Wolga (unweit 
Nishnij-Nowgorod) berührend. 

Auf der sibirischen Seite des Uralgebirges reicht die 
Lärche nordwärts, an den Flüssen Stschutsch'ja und Ljess- 
naja, fast bis zum 68° n. Br.^). Im Ural selbst senkt sich 
ihre Nordgrenze etwa bis zum Polarkreise, um westlich vom 
Gebirge wieder etwas weiter nach Norden vorzurücken: 
nach Ruprecht, findet sie sich, am Westabhange desselben, 
in einem geschützten Thale unter 67^^^ n. Br. Die Nord- 
grenze verläuft sodann im Norden der Ussa, wie es scheint, 
ziemlich parallel mit diesem Nebenflusse der Petschora. 
Nach A. 6. Schrenck, findet sich die Lärche am Chymor 
(einem rechten Zuflüsse der Ussa) noch an der Mündung des 
Flüsschens Charota-jaga (d. i. ssamojed.«Lärchenfluss»), un- 
ter dem 67° n. Br.; an der Kolvva verschwindet sie unter 
66%° n. Br.2). Im Thale der Petschora reicht die Lärche 
bis zum 6772° n. Br., d. h. bis zur Umgebung von Pusto- 
sersk; etwa 10 Werst von diesem Flecken finden sich, nach 
Latkin, zu Brennholz taugliche Lärchen- und Fichtenwäl- 
der, deren Fällung verboten ist. Westlich von der Petschora, 
bis zur Mesen'-Bucht, ist der Verlauf der Lärchengrenze 
nicht genügend bekannt; wahrscheinlich bleibt sie nur we- 












1) Ruprecht und Middendorff ycrmuthen zwar, dass es L.dahurica 
Turcz. (X. Gmelini Rupr.) sei, die in diesen hohen Breiten Torkommt; allein 
Beweise für diese Annahme liegen nicht vor. 

2) Vgl. A. G. Schrenck^s Reise nach dem Nordosten des europäischen 
Russlands; I, pp. 258, 465; II, p. 453. 



— 491 — 

nig liinter der Baumgrenze überhaupt zurück. An der In- 
dega, wo sich, nach Schrenck (I, p. 642), noch Fichten, 
Wachholder und Birken finden, fehlt die Lärche, lieber ihr 
Vorhandensein am Fl. Ness' berichten S ch r en ck (I,p. 691) 
und Ruprecht (Fl. Samoj., p. 56 — 57); hier, etwa unter 
66%° n. Br., kommt sie nur inselförmig vor. Weiter nord- 
wärts, auf den mitten in der Tundra liegenden Waldoasen 
fehlt sie, nach dem Zeugnisse Schrenck's (II, p. 449). Am 
Fl. Mesen' (zwischen 65° und 66° n. Br.) wachsen herr- 
liche Lärchenwälder. — Von der Mündung des Ness' west- 
wärts verläuft die Nordgrenze der Lärche wahrscheinlich 
längs der Küste des Weissen Meeres. Vom «Sommer- Ufer» 
springt die Lärche nach der Ssolowezkij -Insel hinüber, wo 
Maximow^) siö beobachtet hat. Dies wäre der westlichste 
Punkt ihrer Verbreitung. 

Von hier biegt die Verbreitungsgrenze der sibirischen 
Lärche scharf nach Süden um und wird zur Westgrenze, 
die anfänglich, im Westen des Onega-Flusses, nach SSO., 
etwa bis zum See Andosero, dann aber ziemlich direkt nach 
S. verläuft, — wie es scheint, längs dem Hügelrücken, der 
sich südwärts bis zum Fl. Wytegra zieht und die Wasser- 
scheide bildet zwischen den östlichen Zuflüssen des Onega- 
sees und den westlichen Zuflüssen des Onega-Flusses und 
der Seen Latscha und Woshe. Nach Günther, treten die 
ersten Lärchen auf dem halben Wege zwischen Pudosh und 
Kargopol auf und werden in der Richtung nach Nordosten 
immer häufiger; etwa 20 Werst nördlich von Kargopol bil- 
den sie schon grössere Bestände. Nach A. G. Schrenck 2), 
erblickt man, am Postwege von St. Petersburg nach Archan- 



1) G. MaKCHMOBi». Toxh na ci^sept. Ha^. 2-oe (1864); cxp. 119. — 
Diese Angabe bedarf übrigens der Bestätigang. 

2) Reise, I, pp. 21, 24, 26, 27; II, pp. 440-441, 442—448. 



— 492 — 

gelsk, die ersten Lärchen südlich von Kargopol, und zwar 
gleich als ordentliche Bäume, theils mit anderen Holzarten un- 
termischt, theils in kleinen Horsten. Als westlichste Punkte^) 
ihres Vorkommens in dieser Gegend sind die Flüsse Kema 
(in den See Bjelo-Osero mündend) und üchta (Zufluss des 
Latscha-Sees), in ihrem oberen Laufe, zu bezeichnen, — 
etwa unter dem 61° n. Br. und dem 55° ö.L. (von Ferro). — 
Von hier wendet sich die Lärchengrenze nach SO., streicht 
beim See Woshe vorüber, berührt den nördlichsten Theil 
des Kreises Kadnikow (Gouv. Wologda) ^), überschreitet die 
Ssuchona oberhalb Tot'ma und tritt im Kreise Ssoligalitsch 
in's Gouv. Kostroma hinüber, wo sie, nach Bode, südwärts 
bis zu den Kreisen Makar'jew und Wamawin gehen soll; 
nach einer mündlichen Mittheilung Prof. Rudzki's, findet 
sie sich im letztgenannten Kreise nur östlich von der Wet- 
luga; doch erscheint mir diese Angabe fraglich, da die Lär- 
che, noch weiter südwärts, im Gouv. Nishnij-Nowgorod, im 



1) Neuerdings bezeugen die Herren R. Regel and W. Polowzow das 
Vorhandensein spontaner Lärchen noch weiter westwärts, und zwar am FL 
Sswir, wo sie Hr. Georgijewskij beim Dorfe Gak-rutschei (unter 61^5' n. 
Br. und 4^50' ö. L. von Pulkowo), im sadlichen Theile des Kreises Petro- 
sawodsk, gefunden hat; auch sollen welche beim Dorfe Jukssowitschi (im 
Kreise Lodeinoje-Pole, 15 Werst südlich vom Sswir) vorkommen. Die ge- 
nannten Autoren berufen sich auch u. A. auf W. Nylander's Gollectanea 
in floram Karelicam,~1852, p. 112, und vermuthen, dass die Samen der Lär- 
che dahin durch östliche Zuflüsse des Onega-Sees (und durch diesen selbst, 
so wie den Sswir) hingebracht seien. Vgl. P. Perejib h B. Hojiosi^OB'b. 
«CoHcoK'b rep6apifl, codpäHHaro bt» 1882 r. A. FeoprieBCKMM-b bt> ci^- 
Bepo-BocTOHHofi MacTB 6accefiHa p-i^Ku CsupH»; in: Scripta botanica Horti 
Universitatis Imperialis Petropolitanae, 1. 1, 1886 — 87, p. 810. — Hat es mit 
dieser Angabe seine Richtigkeit, so wird man dieses interessante Vorkom- 
men der Lärche nur als einen inselförmigen Vorposten derselben zu betrach- 
ten haben. 

2) Nach Iwanizkij, findet sich die Lärche im Kreise Kadnikow sehr 
selten und nur an der Grenze des Kreises WePsk. In den Kreisen Wologda 
und Grjasowez fehlt sie. 



— 493 — 

Westen des letztgenannten Flusses vorkommt; und zwar sol- 
len die ersten vereinzelten Lärchen, in Gemeinschaft mit 
den ersten sibirischen Tannen, im Reviere Bogojavlenskaja, 
am Fl. Kershenez (etwa 20 Werst nördlich von Ssemenow) 
auftreten^, — wie ich Dies an Ort und Stelle in Erfahrung 
brachte. Ich selbst habe freilich sowohl Lärchen wie Tan- 
nen erst östlich von der Wetluga, in der nordöstlichen Ecke 
des Gouv. Nishnij-Nowgorod, zu beobachten Gelegenheit ge- 
habt. Hn Krassnow bemerkt, dass Lärchen ziemlich häu- 
fig im Reviere Wosdwishenskij seien; sie sollen auch süd- 
licher, in der Nähe des Dorfes Jurkino (an der Wetluga), 
sporadisch vorkommen. Bode behauptet, dass L. sibirica 
im Kreise Balachna das linke Ufer der Wolga erreiche ; 
doch habe ich Grund, nach meinen eigenen Informationen, 
an der Richtigkeit dieser Angabe zu zweifeln. Dagegen er- 
scheint eine andere Angabe Bode's sehr glaubwürdig, dass 
nämlich die Lärche im Kreise Makar'jew des Gouv. Nish- 
nij-Nowgorod nicht mehr angetroflfen wird. 

Hier, d. h. im nördlichen Theile des Kreises Ssemenow, 
beginnt die Südgrenze der sibirischen Lärche, welche das 
Gouv. Kasan im Norden umgeht^) und in's Gouv. Wjatka 
hinübertritt: sie verläuft, in östlicher Richtung, durch die 
Kreise Jaransk, ürshum, Malmysh und Ssarapul; nach C. 
A. Meyer, soll sich die Lärche, wenn auch in geringer 
Anzahl, bei Ssarapul (an der Kama, unter 56°28' n. Br.) 
finden. Von hier zieht Trautvetter^) die Sfldgrenze der- 
selben direkt auf Sterlitamak (im Gouv. Ufa) zu. Die Irr- 
thümlichkeit dieser Linie lässt sich aus der damaligen, fast 
vollständigen Abwesenheit von Nachrichten über die Flora 



1) Das vollständige Fehlen der Lärche im Goav. Kasan wird neuerdings 
auch von Eorshinskij bestätigt. 

2) Die pflanzengeogr. Verhältnisse, etc., Hft. 1, p. 36. 



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— 494 — 

jenes Gebietes erklären. Bode bemerkt richtiger, dass die 
Lärche im Gouv. Orenburg (d. h. dem jetzigen Gouv. Ofä) 
nur am Uralgebirge angetroffen werde, und dass sie mithin 
auf dem Räume zwischen Ssarapul und Sterlitamak fehle. 
Wir verdanken P. Krylow eine genaue Angabe des eigen- 
thümlichen Verlaufes der Lärchengrenze innerhalb des 
Gouv. Perm; und zwar verläuft sie, wie folgt ^): Nachdem 
sie die Kama etwas unterhalb Ssarapul überschritten, biegt 
sie scharf nach NNO. (oder fast nach N ) um und geht lange 
Zeit immer unweit des linken Ufers der Kama; das Ural- 
gebirge erreicht sie in der nordöstlichsten Ecke des Gouv. 
Perm, unweit der Quellen der Petschora. Dann aber wen- 
det sie sicli steil nach Süden und verläuft längs dem West- 
abhangc des Ural's, etwa bis zum 53° n. ßr. Mithin befin- 
det sich zwischen dem Uralgebirge und dem mit ihm fast 
parallelen mittleren Laufe der Kama ein langer und schma- 
ler Raum (etwa vom 5672° bis zum 62° n. Br.), auf wel- 
chem die Lärche vollständig fehlt, während sie im Westen 
und Osten davon vorkommt. (Vgl. die Karte J€ IV). Süd- 
wärts geht die Lärche, wie bemerkt, wenigstens bis Sterli- 
tamak (unter 53°37' n. Br.), wo Pallas (Reise, I, p. 451) 
sie beobachtet hat; er sah sie auch auf dem Berge Iremel 
(unter dem 54° n. Br.), wo auch Lessing sie, bis zur Höhe 
von 3500' üb. d. M., antraf. Ueber das südlichste Vorkom- 
men der Lärche im Uralgebirge theilt Rechenberg^) u. 
A. Folgendes mit: Sie findet sich hauptsächlich im westli- 
chen Theile des gebirgigen Gebietes zwischen den Flüssen 



1) Laut einer handschriftlichen Karte, die mir von Herrn Krylow mit« 
getheilt worden ist. 

2) Ä. A. PexeH6epri>. «GTaTucTHHecKoe onHcanie j-j^cnaro npocTpan- 
CTBa iieTKjLj pi^Kanu ypajiOM'b m 6octo4huui> HKOU'b». (3aa. U, P. Peorp. 
06m., KH. 6, 1862 r., cxp. 491). 



— 495 — 

Ik und Ssakmara, wo sie eine der herrschenden Baumarten 
bildet. Die obersten Theile der Flussthäler, so wie die 
nächstliegenden Abhänge, sind fast ausschliesslich von ihr 
besetzt. Die günstigste Lage für die Lärche bieten die nord- 
westlichen and nordöstlichen Abhänge der Hochebenen. Sie 
wächst im ganzen Waldgebiete zwischen den Flüssen Ik, 
Ssjurjan' und Kassmarka, bis zum Fusse der Berge Ssolei- 
man-Karaül, Kiptschak und Jemaschla-tau. — Es fehlen 
mir genaue Nachrichten über die Breite, bis zu welcher die 
Lärche südwärts in Uralgebirge hinabsteigt; doch halte ich 
die Angabe Bode's, dass sie bis zum 52° n. Br. reicht, für 
falsch; ihre Verbreitung endigt wahrscheinlich um einen 
Breitengrad nördlicher. Auch der weitere Verlauf ihrer Süd- 
grenze, im Osten des Uralgebirges, ist nicht genau bekannt. 
Nach den mir vorliegenden Nachrichten, geht sie wahrschein- 
lich von Jekaterinburg (56°49' n. Br.), nach ONO, über 
Irbit (etwa 57°40' u. Br.) und dann, längs den Flüssen Niza 
und Tura, zum Tobol. 

Innerhalb der von mir bezeichneten Grenzen ist die Lär- 
che ziemlich überall verbreitet, aber besonders häufig und 
schöne Wälder bildend findet sie sich an der mittleren Pe- 
tschora und an deren Zuflüssen: Welwa, Ishma, Neriza, 
Pishma und Zyl'ma; desgl. an der oberen und mittleren Wy- 
tschegda, so wie an deren Zuflüsse Wym'; ferner an der 
Waschka (einem Nebenflusse des Mesen'j, etc. Aber auch an 
ihren westlichen Grenzen, zwischen den Flüssen Dwina und 
Onega, wächst die Lärche hier und da in Menge; A. G. 
Schrenck (Reise, II, p. 443) bezeugt z. B., dass längs dem 
Postwege von St. Petersburg nach Archangelsk, zwischen 
den Dörfern Fedotowa und Waimugskaja, auf mehr als 150 
Werst Länge (von 62V3'' bis 63V3° ^' ß^.), ein enormer Na- 
delwald sich hinzieht, der aus Kiefern, Fichten und Lärchen 



^ 



— 496 — 

besteht, wobei die letzteren bisweilen als vorherrschende 
Baumart auftreten ^). Auch an ihrer Sttdgrenze bildet die 
h Lärche hier und da ganze Bestände; so z. B. in den nord- 

östlichen Kreisen des Gouv. Kostroma. 

Was nun die Ursachen betriflFt, von denen die Verbrei- 
tung der sibirischen Lärche im europäischen Russland ab- 
hängt, so kann man schon a priori vermuthen, dass ihre 
Nord- und Südgrenze durch klimatische, die Westgrenze 
hingegen hauptsächlich durch Boden -Verhältnisse bedingt 
ist. Bode bemerkt, dass die Lärche südwärts nicht über die 
Jahresisotherme von -i-2° R. (2°5 C.) hinaustritt und sich 
derselben nur in den Gouvernements Kostroma und Nishnij- 
Nowgorod nähert. Diese Bemerkung bedarf nur einer ge- 
ringen Korrektur, insofern als, nach Wildes Atlas Ober die 
Temperatur- Verhältnisse des Russischen Reiches, die Süd- 
grenze der Lärche (mit Ausnahme jener merkwürdigen Aus- 
buchtung innerhalb des Gouv. Perm) recht gut mit der 
Jahres- (und zugleich der Oktober-) Isotherme von 3° C. 
zusammenfällt und sich derjenigen des September von 1 0^ C. 
nähert. — Die Nordgrenze der Lärche ist gleichfalls eine 
klimatische, aber hierbei kommt nicht die Jahres-, sondern 
die Sommer-Temperatur in Betracht; und zwar entspricht 
jene Grenze ziemlich gut der Isotherme des Juni von 6° C. 
und derjenigen des Juli von 10°C. 

In BetreflF der Westgrenze der sibirischen Lärche ist 
die bedingende Ursache nicht so leicht zu erkennen. Denn 
wenn sie auch in ihrem mittleren Verlaufe einige Aehnlich- 
keit mit einer Isochimene (und speciell mit der December-Iso- 
therme von — 10°C.) aufweist, so stimmen doch die nörd- 



1) Hr. Kasnezo w hat in den Kreisen Welsk und Schenkursk, besonders 
an den Ufern der Waga, grössere (z. Th. gemischte, z. Th. reine) L&rchen- 
bestände beobachtet. 



— 497 — 

liehe und sQdliche Verlängerung dieser Linie keineswegs 
mit der genannten Isotherme überein. Auch die Yerthei- 
lung und die Menge der atmosphärischen Niederschläge 
scheinen nicht in bestimmter Beziehung zu jener Grenzlinie 
zu stehen. Zudem bezeugt der ausgezeichnete Wuchs der 
L. sibirica^ die an zahlreichen Stellen im Westen ihres spon- 
tanen Verbreitungsgebietes angepflanzt ist, dass ihre West- 
grenze nicht durch klimatische, sondern durch andere Ver- 
hältnisse bedingt wird. Und zwar sind es offenbar die Bo- 
denverhältnisse, welche hier ausschlaggebend sind. A. 6. 
Schrenck') hat zuerst auf die Abhängigkeit des Vorkom- 
mens der Lärche vom Vorhandensein des Kalkbodens auf- 
merksam gemacht; Dies geht, wenigstens im Nordosten des 
europäischen Russlands ^), so weit, dass Schrenck, aus dem 
Auftreten der Lärche, auf nahe unterliegenden Kalkflötz 
schloss '). Er sprach die Vermuthung aus, dass die Lärche 
westwärts nicht das Gebiet der im Flusssystem der Onega 
abgelagerten horizontalen Bergkalkschichten Oberschreite, 
indem sie dort verschwindet, wo die metamorphischen Ge- 
steine silurischer Formation auftreten, die den Uebergang 
vom uralischen Gebirgssystem zur skandinavischen Gruppe 
bilden. In der That belehrt uns ein genauer Blick auf die 
geologischen Karten des europäischen Russlands, dass das 
Vorkommen der Lärche annähernd an der Ostgrenze des 
skandinavischen Granitgebietes aufhört, auf welches sie, wie 



1) Reise nach dem Nordosten des europäischen Kusslands; Th. I, pp. 84, 
89, 157—158, 167j Th. II, pp. 440—441. 443-444, 451. 

2) Anders ist es in Sibirien, wo Midde ndorff,z. B. im Stanowoi- Gebirge, 
die Lärche auf sehr verschiedenen Fels- und Bodenarten antraf. Vgl. des- 
sen Reise, Bd. IV, Th. 1, p. 536. 

3) Das constante Vorkommen der L&rche auf Kalkboden hat Hr. Kus- 
nezow auch an der Westgrenze ihrer Verbreitung, namentlich im FIuss- 
gebiete der Waga, beobachtet 

32 



— 498 — 

es scheint, nirgends binttbertritt ^). Ein genaueres Studium 
dieser merkwürdigen Abhängigheit der Verbreitjjng dei 
Lärche vom unterliegenden Gesteine erscheint um so gebo- 
tener, als die Ostgrenze des skandinavischen Granitgebietes 
überhaupt eine interessante phyto- und zoogeographische 
Grenzscheide bildet. 

Man könnte vermuthen, dass auch jene merkwürdige 
Ausbuchtung in der Südgrenze der Lärche, innerhalb des 
Gouv. Perm, durch ähnliche geognostische Verhältnisse be- 
dingt ist. Indessen lässtsich Das nach den Karten von Hel- 
mersen und Möller nicht nachweisen. Auch hat auf das 
Fehlen der Lärche auf dem oben bezeichneten Räume (zwi- 
schen der Kama und dem Uralgebirge) offenbar ein ganz 
anderer Factor stark eingewirkt, und zwar die Thätigkeit 
des Menschen. Bekanntlich findet sich in der Nähe des 
Uralgebirges, so wie auf demselben, desgl. auch in der Nähe 
der Kama, eine grosse Anzahl von Hüttenwerken, die kolos- 
sale Mengen von Holz consumiren; in Folge dessen, und in 
Ermangelung der Nachpflanzungen, sind die vorhanden ge- 
wesenen ungeheuren Wälder zum grossen Theile verschwun- 
den. Einen ähnlichen Einfluss auf die Vernichtung der Wäl- 
der übten die Salzsiedereien (z. B. bei Ssolikamsk) aus. 
Laut Ueberlieferungen, wuchsen, noch vor etwa hundert 
Jahren, an verschiedenen Stellen an der Kama, immense Na- 
delwälder, die seitdem durch Birkengestrüpp ersetzt sind, 
oder aber ganz nackte Flächen darbieten ^). Nach verschie- 



1) Nach der geologischen Karte von Helmersenzu urtheilen, scheint 
die Lärche speciell die Granite zu fliehen, während sie auf anderen krystal- 
linischen Gesteinen, z. B. auf dem Diorit am Onega-FIusse, vorkommt. 

2) So z. B. unweit der Mündung der Garewa in die Kama (nördlich von 
Perm). Vgl. A. Teploüchoff. «Über die prähistorischen Opferstätten 
am üralgebirge», im Archiv für Anthropologie, Bd XII, 1879, p. 201. 



— 499 — 

denen Beobachtungen, die im europäischen Russland (z. 'S. 
im Gouv. Kostroma und am Ural) gemacht worden sind, 
wird die Lärche durch die Kiefer verdrängt; einmal aus 
einer bestimmten Gegend verschwunden, erscheint sie daher 
dort meistens nicht mehr von selbst. Es ist mithin sehr mög- 
lich, dass das Fehlen der Lärche auf dem von Krylow be- 
zeichneten- Areale zum grössten Theile der Vernichtung 
durch den Menschen zuzuschreiben ist. 

In Folge derselben vernichtenden Thätigkeit des Men- 
schen ist die Lärche wahrscheinlich auch aus. anderen Ge- 
genden des europäischen Russlands verschwunden, resp. 
durch andere Baumarten verdrängt und ersetzt worden. 
Kusnezow constatirt, dass auch an ihrer Westgrenze, und 
specieli in den Kreisen Schenkursk und Cholmogory des 
Gouv. Archangelsk, die Lärche grossentheils bereits ausge- 
hauen ist, und dass gegenwärtig nur schwache Reste der 
grossen Waldungen übrig geblieben sind, die einst von die- 
ser Baumart gebildet wurden. Derselbe Process des Aus- 
sterbens der Lärche wird, nach Krassnow^), augenblick- 
lich im Gouv. Nishnij -Nowgorod beobachtet. «Mächtige 
Riesen von Lärchen, welche die umgebenden Kiefern hoch 
tiberragen, werden durch das Gesetz vor dem Gefälltwerden 
geschützt; allein, sobald die umstehenden Bäume vernich- 
tet werden, fallen auch sie beim ersten heftigen Sturme zur 
Erde. Der junge Nachwuchs ist sehr dünn, kränkelt oft ohne 
nachweisbare Ursache und wird von der üsnea barbata be- 
deckt». Aus diesem Beispiele kann man mit Wahrscheinlich- 
keit folgern, dass die Lärche früher weiter nach Süden ver- 
breitet gewesen und in den südlicher gelegenen und mehr 



1) A. KpacHOBii. «MarepLAjibi x^ji seaKOMCTBa cb <»jopoio ci^eepHofl 
rpaHHUbi lepBoaeHHaro npocTpaHCTsa». (Tpy^u Cn6. 06ui. ecTecTsoHcnbiT., 
T. XV, 1884 r., CTp. 660—661). 

32* 



" »J' 




— 500 — 

bevölkerten Gegenden bereits ganz ausgestorben ist. Die 
Vernichtung dieser ausgezeichneten Holzart wird frflher 
noch intensiver vor sich gegangen sein, bevor die dieselbe 
schützenden Gesetze erlassen wurden. 

Dass die Lärche in früheren Zeiten wahrscheinlich weiter 
südwärts verbreitet gewesen, als gegenwärtig, darauf scheint 
eine interessante historische Nachricht hinzuweisen, welche 
die Existenz des sarmatischen Yolksstammes der Agaren 
('ÄYapot) betrifft. Dieses Volk, welches, nach der Ansicht ei- 
niger alten Geographen, an der Küste des Asow'schen Meeres 
lebte ^), war weit und breit durch seine Heilkunde berühmt ^); 
von ihm wurde wahrscheinlich zuerst als Arznei der Lär- 
chenschwamm angewandt, der nach diesem Volksstamme 
otYaptxov benannt wurde ^). Flückiger*), der diese Nach- 
richt anführt, bemerkt dazu: «möglicherweise erstreckten 
sich damals Lärchenwälder bis in die' pontischen Küsten- 
länder und lieferten den aagarischenD Pilz». Zwar kann ich 
dieser letzteren Ansicht nicht beistimmen, — da das ponti- 



1) Ptolomaeus (im 5-teii Kapitel des 3-ten Baches seiner Geographie) 
spricht von einem Gap Agaron, welches man, nach der von ihm angegebe- 
nen geographischen Lage, fflr die Fedotowa-Kossa (eine Nehrung im Asow'- 
sehen Meere) h&lt. Er erwähnt auch die Mündung eines Flusses Agaros, 

2) So erzählt z. B. Appian, dass ein Arzt aus dem Stamme der Agaren 
dem Mithridates mit Schlangengift zwei Wunden geheilt habe, die er im 
Kriege erhalten hatte. Vgl. Appiani Alexandrini Historia romana; Mithri- 
dates, cap. 88. 

3) Dioscorides (De materia medica. r, a; editio Sprengel, t I, p. 
338—340) bezeugt, dass dieser Schwamm (nach Anderen — eine Wurzel) 
aus Agaria im Sarmatenlande erhalten werde. Seiner Angabe nach, bezo- 
gen die Griechen denselben auch aus Galatien und Cilicien^ wo er auf Ce- 
dern wächst. Plinius sagt (im 25-sten Buche seiner Historia naturalis), dass 
der agaricus vom (Gimmerischen) Bosporus komme, welcher Ort, in diesem 
Falle, wahrscheinlich als Transits tation im Handel Sarmatiens mit Griechen- 
land fungirte. 

4) F. A. F 1 üc ki ger. Pharmakognosie des Pflanzenreiches. Aufl. 2 (1883^ 
p. 256—259. 



— 501 — 

sehe Gestade offenbar von jeher eine waldlose Steppe gewe- 
sen, — allein man darf vermuthen, dass der erwähnte Yolks- 
stamm der Agaren, von dem die Griechen den Lärchen - 
schwamm *) erhielten, nicht sehr weit vom Verbreitungsge- 
biete der Lärche entfernt war, dass also dieses letztere frü- 
her sich bedeutend weiter nach Sfiden erstreckte, als Dies 
gegenwärtig der Fall ist. Flockiger 's Annahme, dass in 
den erwähnten Berichten gerade der Lärchenschwamm ge- 
meint ist (obgleich er nicht direkt als solcher bezeichnet 
wird), halte ich für sehr wahrscheinlich; denn einerseits 
findet sich in Sarmatien (d. h. dem heutigen europäischen 
Russland) kein anderer Baumschwamm mit ähnlichen hei- 
lenden Eigenschaften, andererseits aber vergleicht Dioscori- 
des denselben mit dem Schwämme, der auf Cedern (d. h. 
auf einer der Lärche sehr nahe verwandten Holzart) wächst. 
Wir haben gesehen, dass die sibirische Lärche mit der 
europäischen sehr nahe verwandt ist und von mehreren Au- 
toren nur fflr eine Varietät dieser letzteren angesehen wird. 
Jedenfalls stammen beide Formen von einer und derselben 
Art ab, welche, wie oben bemerkt, wahrscheinlich erst in der 
Pliocänzeit in Europa eingewandert ist. Wo ihre ursprüng- 
liche Wiege gestanden, darüber können wir nur Vermuthun- 
gen aufstellen. Sie könnte direkt von der «Arktis» (Jäger's), 
über Skandinavien oder die Faröer und Grossbritannien, nach 
Mitteleuropa gelangt sein. Doch halte ich Solches nicht für 
wahrscheinlich, da weder in Skandinavien noch in Grossbri- 
tannien, deren fossile Flora genauer erforscht ist, Spuren 
von Lärchen aus dem Pliocän (oder aus dem jüngeren Mio- 
cän) nachgewiesen sind. Viel plausibler erscheint mir ein 
einstiger Zusammenhang der Verbreitungsgebiete der sibi- 



1) Pölyporus {ApfM) officinalis Fries (Boletus laricis Jacq., B, purgans 
Pers.). 



— 502 — 

Tischen und der europäischen Lärche über die ganze Tief- 
ebene Russlands hinüber. Zwar trennt dieselben gegenwär- 
tig ein enormer Zwischenraum — vom südlichen Polen bis 
zum Onega-See und bis zu den Ufern des Fl. Eershenes 
(im Gouv. Nishnij-Nowgorod)^), — allein dieser Zwischen- 
raum ist in früheren Zeiten ohne Zweifel viel kleiner gewe- 
sen: einerseits war L. europaea^ wie wir gesehen, noch vor 
500 Jahren wenigstens bis zum Kreise Sluzk des Gouv. 
Minsk verbreitet, andererseits aber reichte L. sibirica, wie be- 
merkt, wahrscheinlich einst bedeutend weiter nach Süden und 
nach Westen^ als gegenwärtig. Daher ist es denkbar, dass 
in sehr entfernten Zeiten die Verbreitungsbezirke beider 
Arten an einander grenzten, oder aber ein einziges, zusam- 
menhängendes Verbreitungsgebiet bildeten. — Dass aber 
der erwähnte Zwischenraum bereits vor Jahrtausenden ent- 
standen ist, dafür kann als Beweis die Thatsache angesehen 
werden, dass im westlichen Europa eine besondere Form 
der Lärche sich auszubilden Zeit gehabt hat. Auf die Exi- 
stenz dieses lärchenlosen Zwischenraumes bereits in vorhi- 
storischer Zeit scheint auch der Umstand hinzuweisen, dass 
die indoeuropäischen Völker, während ihres wahrscheinli- 
chen gemeinsamen Aufenthaltes auf den Ebenen des euro- 
päischen Russlands, die Lärche daselbst offenbar nicht 
mehr vorfanden, — da die Namen derselben sonst nicht bei 
den meisten indoeuropäischen Völkern, ja selbst bei den ein- 
zelnen Stämmen z. B. der Slaven, so weit aus einander ge- 
hen würden ^). 



1) Middendorff (Reise, lY, p. 629), indem er dieses lärchenlosen Rau- 
mes gedenkt, sagt irrthflmlich, er reiche vom Waldai bis nach Polen. So 
viel bekannt, gibt es gar keine (weder historische noch paläontologische) 
Zeugnisse eines früheren Vorkommens der Lärche auf dem Waldai. 

2) Z. B. ital. Lance, franz. Meldae; russ. Listweniza, poln. Modrzewy süd- 



slay. Maeeselj, Meceaen, wend. Slco%oron61c\ etc. 

} 



— 503 — 

Indem ich hier die Frage bei Seite lasse, zu welcher 
Zeit und auf welchen Wegen die Lärche wahrscheinlich 
aus Asien nach dem europäischen Russland vorgedrungen 
ist^), will ich nur bemerken, dass die weitere Wanderung 
nach Westeuropa verrauthlich ganz ähnlich derjenigen war, 
wie ich dieselbe für die Zirbelkiefer wahrscheinlich gemacht 
habe. (Jeher das uralte Festland des jetzigen Tschernosjom- 
Gebietes verbreitete sich die Lärche nach den Karpathen, 
und von hier aus weiter westwärts, nach Deutschland, 
Frankreich und sogar England. Aus ihrem Vorkommen im 
böhmisch-mährischen Gebirge ^) folgert Willkomm, dass sie 
in früherer Zeit weiter nordwärts verbreitet gewesen ist. In 
Frankreich, wo die Lärche noch gegenwärtig in den Alpen 
der Dauphin6 ausgezeichnet gedeiht, war sie zur Diluvial- 
zeit, über den Jura und die Vogesen, wenigstens bis Loth- 
ringen verbreitet; hier, in der Nähe von Nancy, wuchs sie 
damals gemeinschaftlich mit der Bergföhre {Pintis montanä)^ 
der sibirischen Form der Fichte {Picea obovata) , der Birke 
und der Grünerle {Älnm viridis), d. h. inmitten einer ark- 
tischen Vegetation^). Von Lothringen aus erstreckte sich 
das Verbreitungsgebiet der Lärche, zur Diluvialzeit, wahr- 
scheinlich, über die Ardennen und Belgien, bis nach Eng- 
land, das damals mit dem Festlande verbunden war; das 
Vorhandensein dieser Holzart in England wird durch das 
Auffinden einer besonderen Lärchenform im Diluvium Nor- 
folk's belegt, welche von Göppert Laricites Woodwardii 
benannt ist. 



1) Ich will nur bemerken^ dass die L&rcbe nach Europa jedenfalls 
nicht über den Kaukasus und Eleinasien, sondern offenbar über das Ural- 
gebirge gelangt ist. Vgl. das bei Pinus Cemhra Gesagte. 

2) Vgl. A. Eerner. Das Pflanzenleben der Donauländer. (1868); p. 158. 
8) Vgl. P. Fliehe. «Sur les lignites quaternaires de Jarville, prös de 

Nancy»; in d. Comptes rendus, t. 80, 1875, p. 1233—1236. 



— 504 — 

Jene arktische Vegetation, inmitten welcher die Lärche 
in Lothringen einst wuchs^ deutet darauf hin, dass Solches 
während der Eiszeit Statt fand, als sowohl die skandinavi- 
schen wie die Alpen-Gletscher sich weit nach Mitteleuropa 
ausdehnten. Bei der Wiederkehr der Wärme, rQckte die Lär- 
che, mitsammt den Qbrigen polaren Formen (Zirbelkiefer, 
Griinerle etc.), langsam einerseits nach Norden oder Nord- 
osten, andererseits aber zog sie sich immer höherauf die Ge- 
birge zurfick. Auf diese Weise erklärt sich bekanntlich die 
immer grösser gewordene Kluft in der Verbreitung sowohl der 
Lärche als der übrigen arktischen Formen. Die auf den 
Alpen und Earpathen zurflckgebliebene Lärche passte sich 
dem wärmer gewordeneq Klima Europa's an und änderte 
gleichzeitig in einigen ihrer morphologischen Merkmale 
ab — es bildete sich aus ihr, mit einem Worte, die Form 
L. europaea heraus. Dagegen blieb die jetzige L. sibirica^ 
die immer weiter nach Nordosten, zum Ural hin, zurückwich, 
dem kalten Klima angepasst und bewahrte zugleich viel rei- 
ner die ursprünglichen morphologischen Merkmale. 

Dank dem Schutze, den das Gesetz, bereits seit dem 
vorigen Jahrhundert, der Lärche angedeihen lässt^), darf 
man hoffen, dass dieser kostbare Baum den Wäldern des 
nordöstlichen Russlands noch lange erhalten bleibt. Ande- 
rerseits muss man es beklagen, dass so wenig für die künst- 
liche Anpflanzung dieser Holzart geschieht. Dass solche Kul- 
turen der Lärche an passenden Stellen ausgezeichnet gedei- 
hen, beweist ein sehr gelungener Versuch, der vor 150 
Jahren, auf Befehl der Kaiserin Anna loannowna, unweit 



1) Bereits Lepech in bezeichnet die Lärche als einen Baum, dessen 
F&llung in Russland verboten ist. — Es ist mir nicht gelungen, in der Ge- 
setzsammlung (üojiHoe Co6paHie daROHOB-b) die speciell die Lärche betref- 
fenden Bestimmungen aufzufinden. 



— 505 — 

der jetzigen Station Raiwola (an der Eisenbahn von St. Pe- 
tersburg nach Wiborg), in grösserem Style ausgeführt wor- 
den ist. Der aus Deutschland berufene Forstmeister Fo ekel, 
der selbst werthvoUe Aufzeichnungen darüber hinterlassen 
hat^), besäete zuerst im J. 1738 ein grösseres Areal mit 
Samen der sibirischen Lärche, die von Archangelsk bezogen 
waren. Später sind die Kulturen mehrfach, bis zu den 20-er 
Jahren des laufenden Jahrhunderts, vergrössert worden. 
Der Wuchs der Lärche ist ein ganz vorzüglicher. Es kom- 
men dort Exemplare vor, die 135 finl. Fuss^) hoch sind, 
bei 2 Fuss im Durchmesser (in der Höhe von etwa 5 Fuss 
über dem Boden). Dabei ist das Holz fast durchweg ausge- 
zeichnet. Auch sind Insektenschäden und Krankheiten, die 
durch pflanzliche Parasiten erzeugt werden, daselbst nicht 
beobachtet worden. Es wäre sehr wünschenswerth, dass 
dieses Beispiel zahlreiche Nachahmung fände ^). 

Was die vertikale Verbreitung der sibirischen Lärche 
betrifft, so wird, nach Krylow, im Uralgebirge auch bei 
ihr dieselbe Verschiedenheit in der Aufeinanderfolge mit 
anderen Baumarten bemerkt, wie z. B. bei der Zirbelkie- 
fer, — je naqh den einzelnen Bergen. Auf dem Koss'win- 
skij-Kamen' bleibt die Lärche, in ihrer vertikalen Verbrei- 
tung, hinter allen übrigen Nadelhölzern zurück; wohingegen 
sie auf dem Konshakowskij-Kamen' ^) hoch hinaufgeht und 



1) Vgl. <f»OKejib. OiiHcaHie ecTecTseHHaro cocTOflnin pacTyu^HX'B bi» 
ctBepHUx-b pocciKcKHX'b CTpaHaxi» Ji-j^coei.. (Cn6., 1766); cxp. 259—297. 

2) £iQ finländischer. Fuss ist » 0,2969 Meter. 

3) Bei einem Besuche dieser sehr interessanten Anpflanzung im Sommer 
1888, bemerkte ich, dass die Lärche daselbst ganz den Eindruck macht, als 
wüchse sie spontan. Leider erscheint die Anpflanzung gegenwärtig ziem- 
lich verwahrlost. 

4) Nach H Ofmann, befindet sich die obere Waldgrenze auf diesem 
Berge: auf dem südlichen Abhang bei 3072', auf dem nördlichen — bei 3024' 
üb. d. M. 



— 506 — 

als letzter aufrechtstehender Baum erscheint; wenn auch 
noch weiter hinauf kriechende Fichten, Tannen, Zirbelkie- 
fern und Birken wachsen, so bleibt auch die Lärche hinter 
ihnen nicht zurQck, wenn sie daselbst auch nur als verkrüp- 
pelter, niederliegender Strauch auftritt. Auf dem Denesh- 
kin-Kamen' bildet die Lärche die obere Grenze des aufrecht- 
stehenden Waldes und steigt wenigstens bis zur Höhe von 
3800' üb. d. M. hinauf. Auf dem Berge Ssishup tritt sie 
diese Rolle der Zirbelkiefer ab und bleibt wieder hinter al- 
len Nadelhölzern, sogar hinter der gemeinen Kiefer zurück; 
sie findet sich nur in Gemeinschaft der Espe, in den unte- 
ren Theilen des Berges. Unter dem 62° n. Br. bilden, nach 
Hofmann, die Zirbelkiefer und die Fichte die obere Wald- 
grenze. Weiter nach Norden (vom 63V2^ u. Br. ab) herrscht 
die Lärche an der Waldgrenze vor, und im Thale des Fl. 
Chai-Jaga (jenseits des 65° n. Br.) soll sie sogar bis 2600' 
üb. d. M. hinaufgehen. Auf dem Berge Jurmä, dessen Gip- 
fel die Höhenlinie der Waldgrenze nicht erreicht, ist die 
Lärche weder von Lessing noch von Krylow gefunden 
worden. Sie wächst jedoch im Osten des Jurmä, namentlich 
auf dem Hmen-Rücken und auf dem Berge Karabasch (bei 
der Ssak-Jelgin'schen Grube), und zwar auf dem letzteren 
ziemlich häufig. — Dieser merkwürdige Wechsel in der Bil - 
düng der Waldgrenze durch verschiedene Baumarten wird 
höchst wahrscheinlich nicht durch klimatische, sondern 
durch Boden-Verhältnisse bedingt. Denn bei der grossen 
Nähe der einzelnen Berge von einander kann von scharfen 
klimatischen Unterschieden nicht die Rede sein; während 
die Ursache jenes Wechsels vermuthlich Inder Verschieden- 
heit der Unterlage, resp. der Felsarten, aus denen der be- 
treflfende Berg gebildet wird, zu suchen ist. Ein flüchtiger 
Blick auf die geognostische Karte des Uralgebirges lehrt, 



— 507 — 

dass daselbst thatsächiich solche Verschiedenheiten in den 
Felsarten, und sogar auf sehr nahen Entfernungen, exi- 
stiren. 

Nicht minder merkwürdig ist die geringe absolute Höhe 
der Lärchengrenze auf dem Ural, und besonders in dessen 
südlichem Theile. Chr. Fr. Lessing ^) sprach bereits seine 
Verwunderung darOberaus; er bemerkt, dass die Lärche auf 
dem Berge Iremel (unter 54Va° n. Br.) nur bis zu 3 500' üb. 
d. M. hinaufgeht, d. h. um 500' unterhalb der oberen Wald- 
grenze zurückbleibt, — während sie in den Gebirgen Sibi- 
riens viel höher ansteigt. Nach Radde^), beträgt die mitt- 
lere Höhengrenze der sibirischen Lärche im östlichen Theile 
des Ssajan^schen Gebirges 7278' üb, d. M. (Auf dem Berge 
Nuchu-daban reicht sie sogar bis 7500'). Aber in der Um- 
gebung des Baikal-Sees, wo die Waldgrenze durch Pinus 
Cemhra gebildet wird, geht dieselbe bis 5900' üb. d.M. hin- 
ab, und die Lärche erreicht nicht einmal diese Seeböhe. Im 
Altai befindet sich der höchste Punkt, wo die Lärche wächst, 
gegenwärtig auf 5500' üb. d. M. (auf den Bergen in der 
Umgebung des Flusses Ulba)^); in früheren Zeiten ging sie 
jedoch bedeutend höher hinauf, wie die vertrockneten 
Stämme beweisen, die Ledebour bis zur Höhe von 6200' 
Ob. d. M. angetroffen hat. 

Bemerkenswerth ist noch der Umstand, dass das Sinken 
der Waldgrenze im nördlichen Ural relativ viel weniger auf- 
fallend ist, als im südlichen. Im Norden grossentheils von 



1) In der «Linoaea», Bd. IX, 1834, p. 149—150. 

2) In Baer und Helmersen^s Beiträgen zur Kenntniss des Ku8sischen 
Reiches, Bd. 23, 1861; pp. 16, 23, 117, 472. — üebrigens spricht Radde 
meistens schlechtweg von Imtix^ so dass er bisweilen L. dahurica (und 
nicht L. sibirica) meinen mag. 

3) Vgl. Th. Teploüchoff, in B. v. CottaV. Der Altai; p. 294—295. 



— 508 — 

der Lärche gebildet, liegt die Waldgrenze, nach der An- 
gabe Kowalsky's^); 

zwischen 61° und GlYg^ n. Br. bei 2500' üb. d. M. 

» 6lVa » 62 » » 2200 » » 

» 62 » 62V3 » » 2150 » » 

» 62ya »63 » » 2070 » » 

»63 »64 » » 1820 » » 

Mid den dorff (Reise, Bd. IV, p. 623) bemerkt zu obi- 
gen Zahlen ganz richtig: «Das allzu-Mathematische dieser 
Angaben kann nicht umhin, den Biologen an nur vorsichtige 
Entgegennahme derselben zu mahnen». Immerhin kann man 
aus diesen Ziffern den Schluss ziehen, dass die Lärche im 
nördlichen Uralgebirge relativ höher steigt, als im sfldlichcn. 

Wodurch ein solches Sinken der oberen Waldgrenze im 
Ural bedingt ist, erscheint nicht genügend aufgeklärt. Den 
Umstand, dass diese Grenze, unter dem 61° n. Br.,amUral 
um 600 Fuss tiefer liegt als in Norwegen, sucht Grise- 
bach^) durch den mildernden Einfluss des Golfstroms auf 
dieses letztere zu erklären. Die Hauptursache jenes Sinkens 
gewahrt aber Grisebach, für den nördlichen Theil und für 
die Gipfel des Uralgebirges, in der Bedeckung derselben 
mit Felsgeröll, welches dem Boden keinen Halt bietet und 
den Waldwuchs verhindert. 

Namen. — Russisch: Listweniza^ lAstwen*] Karagdi (im 
Gouv. Wjatka, aus dem Tatarischen); Negla^) (im Gouv. 



1) Vgl. E. Hof mann. Der nördliche Ural und das Küstengebirge Pae- 
Choi; Th. I, p. XXXII. 

2) Die Vegetation der Erde; Bd. 1, p. 184—185. 

8) J. Orot leitet diesen Namen vom finn. negla {nekHa, neula) ab, » Na- 
del, Tangel. Vgl. fl. FpoT-b. 4[>HJiojiorH<iecKiH pasriicKaHifi; t. I, crp. 472. — 
Doch erscheint eine solche Ableitung kaum wahrscheinlich, da die betrcf- 



— 509 — 

Wologda). Ein Lärchenhain oder Lärchen waldheisst Xi^/ti^e- 
nik^ Listwenjak oder Listujak. — Tatarisch (in Sibirien): 
Tyt^ Tä-agcUsch; Karagdi. — Baschkirisch: Karagäs^ Kara- 
gäsch. — Tschuwaschisch: Kävorysa^ (Annenkow)^). — 
Syrjanisch: Nia^ ^'i^, N^ja-pu] auch Liswen^ (aus dem 
Russischen). — Wotjakisch: Lystem-pushim (d.i. die Blatt- 
kiefer) ^); auch Listah (nach Annenkow; wohl aus dem 
Russischen). — Ostjakisch und wogulisch: Nank] (an der 
Tschussowaja) Njug. — Ssamojedisch (an der Petschora und 
am Ob^): Chdru\ (am Jenissei): Kamu^ Chamme^). 

Oattang 3. Picea. 

Die Gattung Picea ist sehr alt; in Europa war sie be- 
reits in der Kreidezeit durch P. (Pinus) Briarti Coem. ver- 
treten*). Aber die nächsten Verwandten (resp. Stammfor- 
men) unserer gemeinen Fichte (P. excelsa) sind offenbar erst 
viel später, und zwar wahrscheinlich vom Norden, oder aber 
von Asien aus, nach Europa eingewandert. Ich habe schon 
oben, bei Besprechung der Lärche, bemerkt, dass die von 
Ludwig fQr oligocän angesehene Flora von Gross-Steinheim 
(bei Frankfurt a/M.), nach den neueren Untersuchungen 
Geyler's, dem Pliocän zuzuzählen ist, so dass auch die der- 



fenden Wörter nur bei den Westfinnen vorkommen und, nach Thomsen, 
dem Germanischen entlehnt sind. 

1) Das Vorhandensein eines besonderen tschuwaschischen Namens fQr die 
Lärche erscheint sehr auffallend, da sie gegenwärtig in dem yon Tschuwa- 
schen bewohnten Gebiete nicht spontan vorkommt. Ezistirt thatsächlich ein 
solcher Name, so wäre derselbe geeignet unsere Ansicht von einer einsti- 
gen weiter sQdlichen Verbreitung dieser Baumart zu stQtzen. 

2) Aehnlich der russischen Benennung; vgl. oben, p. 489. 

3) Pallas fahrt in seiner Flora rossica noch mehrere, in verschiedenen 
ssamojedischen Dialekten gebräuchliche Namen der Lärche an. 

4) Hierher gehört auch Pinites undtüatus Eichw., welche Art in der obe- 
ren Kreide der Ukraine vorkam. 



— 510 — 

selben angehörenden Fichten wahrscheinlich nicht vor dem 
Pliocän in Europa aufgetreten sind. Unter den Miocänpflan- 
zen der Südküste der Ostsee hat Heer^) gar keine Picea- 
Art aufgeführt. (Vgl. das Weitere unter Picea excelsa), — 
Gegenwärtig wachsen in den Grenzen des europäischen Russ- 
lands und des Kaukasus nur zwei Arten: P. excelsa (mit der 
Varietät P. obovata) und P. orientalis. 

449. (I.) Picea excdsaUC. {Picea vulgaris Link, PinusAbies 

L., Pinus Picea Du Roi). 

Unsere gemeine Fichte oder Rothtanne variirt bekannt- 
lich ausserordentlich nach verschiedenen Richtungen bin: 
nach dem allgemeinen Habitus; nach der Grösse, Formund 
Farbe sowohl der Nadeln als der Zapfen ; nach der Form 
der Zapfenschuppen; etc. Eine ihrem Habitus nach sehr auf- 
fallende Varietät, die sogen. Schlangenfichte (var. virni- 
nalis Alström)^) findet sich z. B. in Finland, wo sie Norr- 
lin^) und Blomqvist^) beobachtet haben. Ebendort, sowie 
in den Ostseeprovinzen (und ohne Zweifel auch sonst im 
nördlichen Russland), wächst die Form der arktischen oder 
Alpen-Fichte*). 

Ledebour®) trennte eine Form als besondere Art von 



1) Osw. Heer. Mioceue baltische Flora. (1869). 

2) Eine sehr charakteristische Abbildung derselben ist von Sc hübet er 
(Die Pflanzenwelt Norwegens, p. 162) gegeben. 

3) In: Notiser ur Sällsk. pro fauna et flora fennica förhandl., Hft. U, 
1871, p. 151. 

4) Finlands tr&dslag; II, p. 76—79; mit zwei interessanten Abbildungen. 

5) Vgl. Willkomm. Forstliche Flora; p. 65. — Eine charakteristische 
Abbildung einer solchen Fichte, die im Russischen Lappland, unter dem 
08° n. Br., gewachsen war, hat v. Berg mitgetheilt im Tharaoder Jahr- 
buch, Bd. 13, 1859, p. 83. 

6) Flora altaica; t. IV, p. 201. 



— 511 — 

der gemeinen Fichte ab und nannte sie Picea obovata Le- 
deb., die von mehreren Autoren (z. B. Trautvetter) als 
selbständige Species anerkannt wurde. Später vereinigte 
Ledebour^) selbst diese Form irrthümlicher Weise mit 
Picea (IHntcs) ofientaiis h. und gab dadurch Veranlassung 
zu einer grossen Confusion^). Nach den Arbeiten von Te- 

plouchoff'),Hisinger*), Middendorff (Reise, IV,p. 542), 
Damm er*) u, A., kann es gar keinem Zweifel unterliegen, 
dass die sogen, sibirische Fichte (P. obovata) nur eine Va- 
rietät unserer gemeinen Fichte ist, mit der sie, in Bezug auf 
Benadelung, Grösse der Zapfen und Form der Zapfenschup- 
pen, durch eine ganze Reihe von üebergangsformen verbun- 
den wird. Solche üebergangsformen sind z. B.: 1) P. excelsa 
var. medioxima W. Nyl., die z. B. in Finland sehr verbrei- 
tet ist*); sie findet sich übrigens auch hier und da in Deutsch- 
land ^) und in der Schweiz, wo sie Heer, Brügger und 
Christ beobachtet haben; sie ist von Fliehe auch in den 
quaternären Ligniten von Jarville aufgefunden worden (vgl. 
unten). 2) P. excelsa fennica Regel®), — in Finland, bei 

1) Flora rossica; t. III, p. 671. 

2) Vgl. unter Picea orientalis. 

3) Zuerst im Bulletin de Moscou, 1868, P. 2, p. 244— 252 (mit Abbildun- 
gen); später in: JltcHOÜ Hiypnaji'b, 1872 r., nun. VI, cxp. 86—91. 

4) In: Botauiska Notiser för Ir 1867, p. 49—54; mit Tafel. — Ein Refe- 
rat von Ascberson in d. Botan. Zeitung, 1870, Sp. 610—611. 

5) In d. Berichten der Deutseben Botanischen Gesellschaft, 1883, Bd. 1, 
p. 360—362. 

6) Vgl. N. I. Fell man, im Bulletin de la See. botan. de France, T. 10, 
1863, p. 501; desgl. in: Notiser ur Sällsk. pro fauna et flora fenn. förbandl., 
Hft. 8, p. 57—62. Es heisst bei ihm u. A.: «Des passages frequents relient 
ces formes, souvent en apparence fort distinctes, avec le type de Pinus 
Ahies L.». 

7) Vgl. A. Braun. «Über die Veränderlichkeit der Zapfen der Fichte»; 
in d. Verhandl. d. botan. Vereins der Provinz Brandenburg; Jahrg. 18, 
1876, Sitzungsberichte, p. 13—14. 

8) Vgl. z. B. in d. Gartenflora, 1863, p. 96—96; mit Abbildung der Zap- 
fenschuppen. 



*.*'' 




— 512 — 

St. Petersburg und in Ostrussland. 3) P. excelsa var. JJm^o- 
rom Kaufm. ^), im Gouv. Moskau. 4) P. excelsa var. Uror 
lensis Teploüch., z. B. in den Gouvernements Eostroma, 
Wologda, Perm, Ufa und Rjasan. — Dammer bemerkt, 
dass in der Umgegend St. Petersburg's alle Uebergänge von 
P. excelsa zu P. obovata gefunden werden. Dasselbe beob- 
achtete A. Antonow^) im östlichen Theile des Gouv. Now- 
gorod, in der Umgebung des Sees Bjeloosero, so wie auch 
N. Kusnezow in den Kreisen Schenkursk und Cholmogory 
des Gouv. Archangelsk. Ruprecht fand im Kreise Malmysh 
des Gouv. Wjatka gleichfalls eine solche Uebergangsform. 
Bei einer genaueren Beobachtung werden diese Ueberginge 
von der europäischen zur sibirischen Fichte, ohne allen Zwei- 
fel, auch in vielen anderen Gegenden gefunden werden ; und 
höchst wahrscheinlich wird es sich erweisen, dass, die Zap- 
fenschuppen an ihrer Spitze, desto abgerundeter und die Zap- 
fen selbst desto kürzer werden, d. h. die Fichtenform sich 
desto mehr der Picea obovata nähert, je weiter man nach Nor- 
den und Osten geht. — Aus allem Diesem darf mit Be- 
stimmtheitgeschlossen werden, dass P. obovata Ledeb. keine 
selbständige Art, sondern eine klimatische Varietät der P. 
excelsa ist^). 

Ist Dieses aber der Fall, so lassen sich die beiden extre- 
men Formen der Fichte — P. excelsa und P. obovata — auch 
geographisch nicht trennen, wie Dies früher, namentlich von 



l)Kay<t>MaH'i>. MocKOBCKan 4>jiopa; CTp. 605. 

2) A. A. Ahtohobt», bti Tpy;i,. Cn6. 06m. ecTecTBOHCiiuT., t. XV, 
1884 r., DpOTOKOJibi sacfe^äBiM, CTp. 100. 

3) In meiner russischen Abhandlung aber die geographische Verbreitang 
der Coniferen Russlands habe ich (auf S. 271 — 284) diesen Gegenstand ein- 
gehend behandelt. — Hier finden sich auch verschiedene Details über die 
Wachsthumsverhältnisse der Fichte in Russland, auf die ich hiernicht ein- 
gehen kann. 



. ,j 



— 513 — 

Trautvetter^), gethan wurde. Wenn mithin dieser hoch- 
geachtete Autor bemerkt, dass die Westgrenze der Hcea 
obovata noch wenig ermittelt ist^), so ist Dies der Fall nicht 
«wegen der bis auf die neueste Zeit stattgehabten Yerwech^ 
seiung derselben» mit der europäischen Fichte, sondern des- 
wegen, weil eine solche Grenze thatsächlich gar nicht exi- 
stirt, indem P. obovata ganz allmälig in die P. excdsa über- 
geht. Daher werde ich im Folgenden die Verbreitungsbe- 
zirke beider Formen nicht getrennt geben, sondern nur ein 
einziges Verbreitungsgebiet der Fichte annehmen, wel- 
ches fast die ganze nördliche Hälfte des europäischen Russ- 
lands umfasst; westwärts geht dasselbe unmittelbar nach 
Skandinavien, Ostpreussen und Schlesien, ostwärts aber nach 
Sibirien über. 

Wenden wir uns zu der Nordgrenze der Fichte. — 
Nach V. Berg^), tritt dieselbe bei Muonioniska (genau un- 
ter dem 68^ n. Br.) aus Schweden nach Finland hinüber 
und verläuft, in nordöstlicher Richtung, über Waskojänka, 
zur südlichen Spitze des Enare-Sees, wo die Fichte, nach v. 
Berg's Angabe, ihre nördlichste Grenze, etwa unter 68^45' 
n. Br., erreichen soll. Indessen ist diese letztere Angabe 
unrichtig; denn Th. M. Fries*) konstatirte das Vorkommen 
der Fichte noch an den Ufern des Sees Kjolme-javre, nament- 



1) Die pflanzengeogr. Verhältnisse des Earop. Rasslands, Hft. 1, 1849, 
p. 28— 32 (Picea cxeel^a) nnd p. 82—34 (Picea obovata). Kartographisch 
dargestellt von demselben Antor, in dessen Abhandlung: «0 pacTHTejBHO- 
reorpa4>uHecKiix-b 0Kpyraxi> EßpooeficKoA PocciH». (Tpyj^u KoMnuciH fi,Asi 
onHcanifl ry6epBiiS KieecKaro yneönaro OKpyra; t. I, 1851 r.). 

2)6eketow wiederholt ganz neuerdings diese Bemerkung. 

3) Im Tharander Jahrbuch, Bd. 18, 1869, p. 128. 

4) «Nya Skandinayiska V&xter», in: Botaniska Notiser for är 1857, p. 
174—176; vgl. auch desselben Autors «Bidrag tili kännedomen af Finmar- 
kens Florad (ib., 1858, p. 199). 

33 



— 514 — 

lieh an der Bucht Svanvik, unter 69^25^ n.Br.^); und zwar 
wächst daselbst eine Form, die sich der P. öbovata sehr nä- 
hert. Schübeler^) bezeugt das Vorkommen der Fichte west- 
lich von dem letztgenannten Orte, aber genau unter derselben 
Breite, und zwar bei BjOrnsund (im finnischen Lappland, un- 
weit der Grenze Norwegens), unter 69^25' n. Br. und 47^50' 
ö. L. (von Ferro). Wahlenberg*) hat diese Fundorte offen- 
bar nicht gekannt; denn er lässt die Fichte nicht nördlich 
vom Flusse Ivalojoki wachsen, der in den Enare-See mündet. 
Kihlman^), indem er auf diesen Fehler aufmerksam macht, 
verzeichnet das Vorkommen der Fichte an verschiedenen Stel- 
len im Norden des genannten Flusses ; z. B. auf der Alpe Ham- 
mastunturi, auf mehreren Inseln im Enare-See (bis 69^5' n. 
Br.), am See Nitschijärvi (unter 69°12' n. Br.); hier stehen 
11 — 12 Bäume, von denen zwei die Höhe von 9 Meterner- 
reichen. Westwärts vom Enare-See finden sich Fichten an den 
Seeen Muddusjärvi (unter 69^4' n. Br.) und Paadajärvi. Noch 
weiter westlich berührt die Nordgrenze der Fichte Ounas- 
vaara, im Norden der Alpe Ounastunturi (nordöstlich vom 
obengenannten Muonioniska, unter 68°20' n. Br.); hier fand 
Norrlin*) einen Baum, der 61 Fuss hoch war, bei einem 
Durchmesser von 1 Fuss und einem Alter von 225 Jahren. 
Kihlman bemerkt, dass am Fl. Ivalojoki die Form me- 



1) Dieser See steht, vermittelst des Flusses Pasvig (finn. Paatsjoki), in 
Zusammenhang mit dem Enare-See. Eine Kartenskizze dieser Gegend fin- 
det sich in Entomologisk Tidskrift, arg. 4 (Stockholm, 1883). 

2) Die Pflanzenwelt Norwegens; p. 156. 

3) Flora lapponica; pp. XXXI, 266—267. 

4) «Anteckningar om Floran i Inari-Lappmark». (fiieddel. af Soc. pro 
fauna et flora fennica, Hft. U, 1884, p. 63—66). 

5) J. P. Norrlin. «Berftttelse i anledning af en tili Torneä Lappmark 
verkst&lld naturalhistorisk resa». (Notiser ur Sällsk. pro fauna et flora fen- 
nica förhandl., Hft. 18, p. 255). — Ebenda, auf p. 349, heisbt es, dass die 
von ihm bezeichnete Fichte die Picea ohovata Led. sei. 



— 515 — 

dioxima Nyl. vorherrscht; hier erreichen die Fichten nicht 
selten die Höhe von 12 — 15 Metern; die grösste, die er 
daselbst beobachtet, war 61 finl. Fass (18,ii Met.) hoch, 
bei einem Durchmesser in Brusthöhe von 18 finl. Zollen 
(53,5 Cm.> und einem Alter von 230 Jahren. 

Den Verlauf der Fichtengrenze im Osten des Sees Kjol- 
me-javre kann ich leider nicht mit gewünschter Genauigkeit 
geben. Nach den übereinstimmenden Angaben von W. Böht- 
lingk^), A.G. Schrenck und Middendorff, geht die Fichte 
auf der Kola- Halbinsel (ebenso wie östlich vom Weissen 
Meere) weiter nach Norden, als die Kiefer (während in Skan- 
dinavien das umgekehrte Verhältniss beobachtet wird) ; da- 
her darf man die Grenze der Nadelhölzer Oberhaupt zu- 
gleich als die Fichtengrenze ansehen. Die Nordgrenze der 
Nadelwälder in Russisch-Lappland verläuft aber, nachJ. A. 
Friis^), wie folgt: Vom See Kjolrae-javre geht sie auf Kola, 
indem sie zwei zungcnförmige Ausbuchtungen macht — die 
eine nach Südwesten, die andere nach Nordosten. Oestlich 
von Kola wendet sich die besagte Grenzlinie scharf nach 
Süden und verläuft in dieser Richtung am Ostufer des Flus- 
ses Kola und des Sees Kolosero (Guolle), etwa bis zum klei- 
nen See Peles (nördlich von der Nordspitze des Imandra- 
Sees). Hier schwenkt die Nordgrenze der Nadelhölzer nach Os- 
ten ab, durchschneidet den See Lowosero, senkt sich dann wie- 



1) «Bericht einer Reise durch Finnland und Lappland»; im Bull, scient. 
publi§ par l'Acad. Imp. d. sc. de St.P6tersb., t. 7, 1840; Sp. 107—128 u. 
191—208; mit Karte. 

2) ci Russisch-Lappland»; in Petermann^s Mittheilungen, 1870, p. 361 — 
362; mit Karte. — Die Resultate der neuen, von Prof. Palmön geleiteten 
naturwissenschaftlichen Expedition nach Lappland sind mir noch nicht be- 
kannt geworden. Man kann vermuthen, dass, in Folge derselben, der bis- 
her bekannte Verlauf der Nordgrenze verschiedener Holzarten mancher 
Correctur unterliegen wird. 

33* 



— 516 — 

der nach Sflden und folgt weiterhia eine Strecke lang dem 
linken (nördlichen) Ufer des Fl. Ponoi, bis sie schliesslich 
von Neuem eine bedeutende Ausbuchtung nach Süden macht 
und die Mündung des Weissen Meeres gegenüber der klei- 
nen Insel Ssossnowez (etwas südlich vom Polarkreise) er- 
reicht. Indem die Fichtengrenze längs dem Fl. Kola so 
weit nach Süden hinabgeht, entfernt sie sich ziemlich be- 
deutend von der Nordgrenze der Laubhölzer (namentlich 
der Birke); vom See Lowosero ab geht sie aber dieser letz- 
teren Grenze parallel, etwas südlich von derselben. 

Unweit der Mündung der Tuloma, d. h. in der Nähe 
von Kola (unter 68^53' n. Br.), wachsen noch hochstämmige 
Fichten, worüber Böhtlingk (1. c), Middendorff^) und 
neuerdings Kudriawzew^) berichten; der Letztere beob- 
achtete daselbst Fichten von 84 — 91 Fuss Höhe. Was die 
Ostküste der Kola-Halbinsel betrifft, so besteht das äusser- 
ste, gegenüber der Insel Ssossnowez befindliche Fichten- 
wäldchen, nach Trautvetter 's Bestimmung, aus der Form 
Picea obovata. Nach Middendorff (Reise, IV, p. 541), der 
dieses Wäldchen besucht, liegt es wohl eine halbe Meile 
vom Meeresufer entfernt; er afand dieses Wäldchen — 
das laut Aussagen der Bewohner das nördlichste auf der 
offenen Tundra stehende ist — aus 20 bis 30 Fuss hohen 
verkümmerten, nicht über 1 Fuss im Durchmesser halten- 
den Bäumen gebildet. In solchem höheren und höchsten Al- 
ter waren die Bäume regelmässig gipfeldürr, trugen auch 
ihre schmalen verkrüppelten Zapfen nur an ihren untersten 



1) «Bericht aber einen Abstecher durch das Innere von Lappland», in 
d. Beiträgen zur Eenntniss des Rassischen Reiches; Bd. 11, 1846, p. 164 — 
166. 

2) KyAPHBi;eBi>. «KoilckIII noxyocTpoB'L»; bi> Tpy^. Co6. 06iu. ecre- 

CTBOHCOUT., T. XII, 1881 F., CTp. 237. 



— 517 — 

Aesten». — Nördlich von der von mir gezogenen Grenzli- 
nie findet sich die Fichte hie und da in der Tundra, verein- 
zelt oder in kleinen Gruppen, aber, wie N. I. Fe Um an be- 
merkt, niemals auf offenen Stellen, sondern nur in Fluss- 
thälern, im Schutze des hohen Ufers. So sah er im tiefen 
Einschnitte des Fl. Ponoi, unweit des gleichnamigen Dorfes 
(etwa unter 67° 10' n. Br.), einige niedrige Fichten, die, 
nach dem Zeugnisse von A. G. Schrenck, nur wenige Fuss 
hoch werden. Fell man bemerkt, dass zusammenhängende 
Fichtenwälder erst etwa in der Entfernung von 30 Kilome- 
tern von der Meeresküste beginnen. Auch die einzelnen Fich- 
ten finden sich erst einige Kilometer von der Kflste entfernt; 
Dies wird z. B. unweit des Dorfes Pjaliza (au der südöstli- 
chen Küste der Kola-Halbinsel), etwa unter 66°15' n. ßr., 
beobachtet. 

Im Osten des Weissen Meeres, am Fusse der Kanin- 
Halbinsel, finden sich nordwärts die letzten Fichten (in der 
var. öbovatä), in Gemeinschaft mit kläglichem Birkenge- 
sträuch, in der hügeligen Gegend am Fl. Schomokscha (auf 
den sogen. Schomochowskije-Bergen), etwa unter 67°15' n. 
Br. Die Ssamojeden nennen diesen in die Tundra vorgescho- 
benen Fichtenhain den Heiligen Wald-Rücken^). Von hier 
verläuft die Nordgrenze der Fichte ostwärts parallel mit der 
südlichen Küste der Tschesskaja-Bucht, in einiger Entfernung 
von derselben; A. G. Schrenck (Reise, I, pp. 674, 675) 
fand dieselbe an der in diese Bucht mündenden Pjoscha; 
dann steigt die Fichtengrenze wieder nach Nordosten und 
erreicht am Fl. Indega (in der Kleinen Tundra) die Breite von 
etwa 67^40', indem der Baum hier in Oasen vorkommt oder 



1) Vgl. A. G. Schrenck, Reise, IT, p. 446; und F. J. Raprecht, FIo- 
res Samojedorum Cisaralensium, ]. c, p. 56. 



— 518 — 

die FlQsse umsäumt; als äusserstea Fundort der Fichte an der 
Indega gibt Ruprecht das Dorf OmuP an. Etwas östlich 
davon, bei den Seeen Ssarwanskija-Osera stehen, nach A. 6. 
Schrenck (Reise, I, p. 650), «einige Gruppen ausgestorbe- 
ner Fichten und Birken, die hier mithin fast den 68-sten 
Breitengrad erreichen». Darauf senkt sich die besagte Grenz- 
linie wieder etwas südwärts, um aber sehr bald, am rechten 
Ufer der Petschora, von Neuem bis zu 67^30' n. Br., bei 
Pustosersk, zu steigen. Nach A. G. Schrenck (Reise, I, p. 
554), stehen in dieser Gegend die letzten, krQppelhaft ge- 
wachsenen und abgestorbenen Fichten am FlOsschen Görm- 
jaga (Ssjewernaja) ^). Der Archimandrit Wenjamin^) sagt 
Folgendes Ober diese äussersten Vorposten der Waldvege- 
tation: «In den Bezirken der nomadisirenden Ssamojeden 
von Pustosersk ist der Wald eine Seltenheit; die Fichte fin- 
det sich, in ganz geringer Anzahl, unweit Pustosersk, desgl. 
am Flusse Chaiputyra und auf den sogen. Ghalmerowy-In- 
selu. Diese letzteren sind kloine Gehölze, die etwa 1 Werst 
vom Flusse Totsch-jaga '), in der Nähe des Sees ürer*) lie- 
gen. Die grösste dieser «Inselrn» misst in der Länge drei, in 
der Breite fast eine Werst; die übrigen sind kleiner. Aller 
Wald auf den Chalmerowy-Inseln , einem alten Friedhofe 
der Pustoserskischen Ssamojeden, ist gegenwärtig von der 
Kälte ganz abgestorben. Es gibt noch einige Wälder an den 
Flüssen Schapkina^) und Totsch-jaga; in den übrigen 6e- 



1) Ein Nebenfluss der Kuja, welche unterhalb Pustosersk in die Petschora 
mandet. 

2) ApxHMaHAPHrb BeniaiiHH'b. aGaMotAU MeaencKie». (BtcTHHK-BH. 
PyccK. Teorp. O611;., «i. 14, 1855 r., cxp. 89). 

3) Oder Eolwa, der westlichste (rechte) Nebenfluss der Ussa. 

4) Dieser See ist einer der westlichsten einer ganzen Gruppe von Seeen, 
die sich, längs dem 68^ n. Br., bis zum Uralgebirge hinziehen. 

5) Oder Pil-wor-jaga (i. e. sehr tiefer Fluss), ein rechter Nebenfluss der 



— 519 — 

geuden der Pustoserskischen Tundra wächst durchaus gar 
kein Wald». — Die vorstehenden Nachrichten vervollstän- 
digen die Angaben A. 6. Schrenck's^), der an der Kolwa 
(Totsch -jaga) als nördlichsten Fundort der Fichte die sogen. 
Todten-Insel (Chalmer-ngo) ^)^ unter 67%° n. Br., bezeich- 
net. Uebrigens hat Schrenck auch die vom Archimandrit 
Weniamin erwähnte Fichtenoase unweit des Sees Urer be- 
sucht; denn er spricht (Reise, I, p. 520) von verkrüppel- 
tem Fichteugesträuch, das er am Bache Momboi-jagako 
(i. c. Gestrüppe-Bach) fand; dieser Bach aber ist ein Zu- 
flnss des Urer-jaga, welcher Fluss aus dem erwähnten See 
Urer fliesst und (durch die Tschernaja) in's Eismeer mündet. 
Es dürfte wahrscheinlich sein, dass die obenerwähnte 
Fichtengruppe am Fl. Chaiputyra") einst mit den eben be- 
sprochenen Resten der Fichtenvegetation am See Urer in 
Zusammenhang stand, und dass die letztere, so kläglich sie 
auch war, längs dem ganzen Grosslands-Rflcken sich hin- 
zog, an dessen Sttdabhange jene Seeengruppe liegt, von der 
oben die Rede war. Denn, nach A. G. Schrenck (Reise, I, 
p. 462)y finden sich krüppelige Fichten (und Wachholder- 
gesträuch) auf der Chaundei-Höhengruppe, welche die Was- 
serscheide zwischen der in's Eismeer mündenden Korotaicha 
und dem Chusmor (einem Nebenflusse der Ussa) bildet. Die 



Petschora, in deren unterstem Laufe. Dieser Fluss fliesst aus dem westlich- 
sten See der erwähnten Seeen-Gruppe. 

1) Reise, II, pp. 447, 453—454. 

^ Dieser Name, der den Umstand bezeichnet, dass diese Waldoasen als 
Begräbnisstätten der Ssamojeden dienen, entspricht der Benennung der 
Ghalmerowy-Inseln des Archimandrita Weniamin; er hat die Bedeutung 
eines Gattungsnamens fttr dergleichen Friedhöfe. Daher brauchen noch die 
beiden Orte nicht identisch zu sein, wie sie es auch in der That offenbar 
nicht sind. 

3) Auch Ghaipudra; A. G. Schrenck schreibt: Ghaiode-padara und Gha- 
bide-padara. 



• T ■ 



— 520 — 

genannte Höhengruppe liegt, den Karten zufolge, etwa un- 
ter 68°15^n. Br.; und Dies wäre mithin der nördlichste 
Fundort der Fichte im östlichen Russland, — während sie 
in Lappland, wie wir gesehen, um iVe^ weiter nach Norden 
vorrückt. Das Vorkommen der Fichte auf der Chaundei- 
Höhengruppe wird wahrscheinlich durch den Schutz ermög- 
licht, der diesem Standorte im Osten durch den nördlichsten 
(Ssamojedischen) Ural, im Norden aber durch das Gebirge 
Pae-Choi gewährt wird. 

Weiter nach Osten, näher zum Ural-Gebirge scheint 
die Fichtengrenze abermals etwas südwärts abzulenken. 
Nach dem Zeugnisse E. Hofmann's^) traf er, vom 
Norden kommend, die erste Fichteninsel an der Ussa, 
unter dem 67^ n. Br. und dem 64° ö. L. (von Greenwich), 
an. Allein zwei Umstände, die Hof mann selbst anführt, 
lassen vermuthen, dass diese Fichteninsel in jener Gegend 
nicht die äusserste nach Norden zu war. Denn, erstens, sind 
die Fichten daselbst hochstämmig, während sie sonst an 
ihrer Nordgrenze stets niedrig und mehr strauchartig sind; 
und zweitens, kommt, nach Hofmann, die Lärche noch wei- 
ter nordwärts (z. B. an den Quellen der Kara, unter 68^ n. 
Br.) vor^ während die Fichte, nach allen Angaben, im nord- 
östlichen Russland, von allen Nadelhölzern am weitesten nach 
Norden vordringt^). Hof mann bemerkt, dass die erwähnten 
Fichteninseln in der Entfernung von etwa 40 — 50 Werst 
vom Uralgebirge liegen, an und auf welchem, in diesen ho- 
hen Breiten, sich kein Wald findet. Unter welcher Breite 



1) Der nördliche Ural und das Kastengebirge Pae-Choi; Bd. 2, p. 194— 
195. 

2) Ich habe schon oben bemerkt, dass die Lärche an der Kara von eini- 
gen Forschern für Larix dahwrica angesehen wird, die in Sibirien weiter 
»ach Norden reicht, als die Fichte. 



— 521 — 

aber die Nordgrenze der Fichte den Ural selbst fiberschrei- 
tet, darüber theilt Hofmann keine genaueren Angaben mit. 
Nach den von ihm gegebenen Höhengrenzen der Baumvege- 
tation im nördlichen Ural, kann man indessen vermuthen, 
dass die Fichte daselbst wenigstens bis zum 66° n. Br. 
reicht (und nicht bis zum 64°, wie Trautvetter annahm). 
Auf dem Berge Ssumach-njer, unter dem 64° n. Br., steigt 
die Baumgrenze bis 1600' flb. d. M. hinauf, und am ober- 
sten Laufe der Lemwa (eines linken Zuflusses der Ussa), 
unter 66%^ n. Br., reicht sie sogar bis 2000' üb. d. M.Da 
nun die Fichte zu denjenigen Baumarten gehört, die im 
Gebirge besonders hoch hinaufgehen, so kann man kaum 
voraussetzen, dass sie im Ural bereits unter dem 64° n. Br. 
verschwindet. — Es wäre sehr wunschenswerth, genauere 
Nachrichten Ober die nördliche Fichtengrenze im Uralge- 
birge zu erhalten. 

Schliesslich wäre noch die interessante Angabe Pach- 
tussow's^) zu erwähnen, dass kriechendes Fichtengesträuch 
im südöstlichen Theile Nowaja-Semlja's vorkomme; leider 
fehlt eine genauere Angabe des Fundortes, doch kann man ver- 
muthen, dass derselbe ungefähr unter dem 71° n. Br. liegt. 
Middendorff (Reise, IV, p. 543) bemerkt zu dieser An- 
gabe: «Wäre der Gewährsmann nicht von so erprobter Zu- 
verlässigkeit, so hätten wir das Becht an dieser kaum glaub- 
lichen Mittheiluug zu zweifeln, weil Nowaja-Semlja für 
baumlos gilt». Zwar schweigen alle übrigen Erforscher der 
Vegetation Nowaja-Semlja's über das Vorkommen der 
Fichte, — so namentlich Baer, Trautvetter, Bl ytt, Heug- 
lin, Tb. M. Fries, Ejellman und Lundström; — allein, 



1) «BKcneAHi^ifl noAnopyHHKa IlaxTycoBa» etc. (San. FHAporpa«». JUe- 
napr., h. I, 1842 r., crp. 215): «HazoARJiH TaKxte cjaHKyeaosyioH 1103- 
x(eBejioByiOD. 



I, 



— 522 — 

SO überraschend Pachtussow's Angabe auch klingt, so 
kann ich nicht umhin, dem Beispiele Middendorffs zu fol- 
gen und derselben Glauben zu schenken, und zwar auf Grund 
folgender Erwägungen. Vor Allem ist es die von Midden- 
dorff betonte Zuverlässigkeit Pachtussow's, welche mich 
dazu veranlasst; seiner Angabe zu trauen. In der That ha- 
ben sich mehrere seiner Nachrichten Ober die Holzgewächse 
Nowaja-Semlja's bereits bewährt; so namentlich ist das von 
ihm zuerst erwähnte Vorkommen der BeMa nana später 
von mehreren Forschern bestätigt worden; in der Bestim- 
mung der Vaccinium- Art j die daselbst wächst, hat er sich 
zwar geirrt ^), doch ist dieser Irrthum leicht zu entschuldi- 
gen. Ferner fällt die Thatsache sehr in's Gewicht, dass, wie 
F. R. Kjellman^) bemerkt, die Kflstenstrecke längs der 
Strasse, welche Nowaja-Semlja von Waigatsch scheidet, so 
wie die ganze OstkQste des südlichen Theiles von Nowaja- 
Semlja botanisch nicht erforscht sind. Pachtussow aber 
hat das Fichtengesträuch gerade auf dieser, von den übri- 
gen Forschern nicht besuchten Südostküste Nowaja-Seralja's 
gefunden. Eine Bestätigung der Angabe Pachtussow's, 
oder aber eine sichere Widerlegung derselben, erscheint sehr 
erwünscht. 

Vielleicht aber war die Fichte an der Südküste Nowaja- 
Semlja's nur zeitweilig vorhanden und ist, seit der Expedi- 
tion Pachtussow's, wieder von dort verschwunden. Wie 
Baer bemerkt, wird nämlich ein grosser Theil der Flora 
Nowaja-Semlja's nur durch wiederholtes Stranden von Sa- 



1) Er hielt dieselbe für F. MyrtiRus, während es V. fdiginosum ist; doch 
führt er nur den russischen Namen Tscf^ernika an und mag damit V, uHgi- 
nosum gemeint haben. 

2) «Die Phanerogamenflora von Nowiya-Semlja und Waigatsch»; in: Die 
wissenschaftlichen Ergebnisse der Vega-Ezpedition, Bd. I, p. 159. 



— 523 — 

mcu erhalten, die von auswärts durch Eisschollen oder ange- 
schwommene Baumstämme dahin geföhrt werden. Zufallig 
dort ausgeworfene Fichtensamen konnten keimen und in gOn- 
stigeu Jahren zu kleinen Sträuchern erwachsen, deren Exi- 
stenz daselbst aber nicht gesichert ist, da die Fichten in die- 
sen hohen Breiten keine Zeit hätten Samen zu bilden und 
mithin sich zu vermehren ^). Solche temporäre Bewohner No- 
waja-Semlja's konnten auch die von Pachtussow beobach- 
teten Fichten sein, die nur eine Zeit lang zu vegetiren im 
Stande waren. Wenn daher diese Holzart späterhin auch an der 
Südostküste Nowaja-Semlja's nicht wieder aufgefunden wer- 
den sollte, so wäre dadurch immer noch nicht bewiesen, dass 
sie auch zur Zeit der Expedition Pacbtussow^s daselbst 
gefehlt habe. 

Sehr interessant ist die Thatsache, dass die äussersten 
Vorposten der Fichten (so wie der Kiefern und Lärchen), 
längs der ganzen Nordgrenzc derselben, — augefangen von 
Lappland (Baer) bis zu den Ssamojeden-Tundren (A. G. 
Schrenck und Archimandrit Weniamin), so wie bis Si- 
birien (Middendorff), — abgestorben sind. Während 
Schrenck dieses Phänomen durch die Wirkung äusserst 
strenger Wniter (und speciell zwischen den Jahren 1810 und 
1817) zu erklären sucht, vermuthet Middendorff, dass 
dasselbe ausschliesslich durch ungünstiges Sommerwetter, 
und besonders durch Eintritt von Frösten zur Sommerzeit, 
verursacht wird. Am wahrscheinlichsten erscheint mir, dass 
jenes Absterben durch eine Aufeinanderfolge beider genann- 
ten Bedingungen veranlasst werde. In der That fällt eine 



1) Zwar ist die Fichte, nach den Untersuchangen Schübeler'd u. A., 
nicht vollst&odig der Fähigkeit beraubt, Wurzelschösslinge zu treiben, al- 
lein eine solche Vermchrungsart erscheint nur als Ausnahme und bietet je- 
denfalls keine Garantie für die Fortexistenz dieser Baumart. 



— 524 — 

solche Gombination beider Ursachen in die von Schrenck 
bezeichnete Periode. Der Januar 1814 war in Archangelsk 
ganz ungewöhnlich kalt: seine mittlere Temperatur betrug 
—24*^70., gegenüber dem allgemeinen Mittel von — 1 3°64C.; 
in demselben Jahre betrug das Mai-Mittel 1^2 0., d. h.um 
3^7 weniger, als im allgem. Mittel; im darauf folgenden 
Jahre 1815 waren der Mai (1°3C.) und der Juni (9°6C0 
wieder ungewöhnlich ktthl. 

Wie Ruprecht (Fl. Samoj., p. 56) bemerkt, sind die 
flussersten, in der Nähe des Eismeeres wachsenden Fichten 
ganz niedrig, mit an den Boden gedrückten Zweigen, wel- 
che sich radial um das Stfimmchen ausstrecken. A. G. 
Schrenck (Reise, II, p. 454 — 455) charakterisirt, wie folgt, 
den Habitus der Fichte an der Nordgrenze ihres Vorkom- 
mens, wo sie sich sehr abenteuerlich krüppelhaft gestaltet. 
«Ohne eigentlich zu verstrauchen, behfilt sie einen kaum 
wenige Fuss über den Boden sich erhebenden, ja bisweilen 
auch nicht einen Fuss langen Stamm, der, bei einer unver- 
hältnissmässigen Dicke, eher einem ungestalteten Klotz, als 
einem lebenden Stamme ähnlich sieht, um welchen dann 
ebenso unverhältnissmässig mächtige Aeste, dicht über ein* 
ander, in vielfachen Krümmungen verworren, sich ansetzen, 
und der an seiner Spitze^ gewöhnlich aufeinem dünnern und 
längern Stamm, einige todte Aeste, als Rest einer einst ab- 
gestorbenen Krone trägt». Zuletzt sah Schrenck noch die 
Fichte aauf dürren SandhOgeln als einen kaum fussliohen, 
nach oben zu wie geschorenen, dichten, grünen Rasen sich aas- 
breiten, wo der Stamm und die unteren Theile der Aeste 
unter dem Sande ganz verschwunden waren». 

Grosses Interesse bietet auch die Sfidgrenze der 
Fichte. — Aus den südlichsten Theilen Polens und aus dem 
nördlichen Galizien tritt sie in's mittlere Wolynien hinüber, 



— 525 — 

wo die Fichte, nach Vogel's Angabe, in den Kreisen Luzk, 
Rowno, Kowel und Owrutsch vorkommt; nach Schmalhau- 
sen, findet sie sich auch im Kreise Dubno (bei Obuchowo)^); 
Basiner bemerkt, dass sie südwärts bis zu den Kreisen 
Nowograd-Wolynsk und Ostrog reicht; ohne Zweifel ist sie 
auch im Kreise Wladimir- Wolynskij vorhanden^). Die 
Fichte wächst mithin nur im sogen. Wolynskoje-Polj^ss'je, 
d. h. in der nördlichen, ebenen Hälfte Wolyniens, die von 
vielen Sümpfen bedeckt ist und von zahlreichen Nebenflüs- 
sen des Pripet bewässert wird. Im Allgemeinen scheint hier 
die Südgrenze der Fichte nur etwas nördlich von derjenigen 
der kontin uirlichen Verbreitung der Kiefer zu verlaufen. 
Laut mündlicher Mittheilung des Herrn Forstmeisters 
Krause, fehlt die Fichte im Gouv. Kijew vollständig; da- 
mit stimmen auch die meisten Literatur Angaben (z.B. von 
Kondzerowski und Basiner) überein; Belke^) sagt aus- 
drücklich, dass im Kreise Radoraysl (wo allein man das Vor- 
kommen der Fichte erwai'ten könnte) von Nadelhölzern nur 
allein die Kiefer vorhanden sei; indessen gibt Sowinski^) 
an, dass sie im letztgenannten Kreise bei der Ortschaft Koros- 
tyschew vorkomme*). Nördlich davon, im Kreise Rjetschiza 
des Gouv. Minsk, soll jedoch die Fichte, nach Paszkewicz, 
fehlen, welche Angabe ich übrigens für unwahrscheinlich 
halte. Von hier verläuft die Südgrenze der Fichte durch den 



1) Ausserdem fahrt Schmalhausen nur noch den Kreis Owrutsch an, 
wo die Fichte zwischen den Dörfern Ssnowdowitschi und Rudnja wächst. 

2)Rogowicz gibt als Fundorte der Fichte in Wolynien den Berg Knja- 
sh'ja-Gora und die Ortschaft Olewsk an. 

8) aNotice sur l'histoire naturelle du district de Radomysl», im Bulletin 
de Moscou, 1666, P. 1, p. 216—217. 

4) In: 3aii. Kies. O611;. ecTecTBOUcnur., t. V, nun. 3, 1878 r., cTp. 361. 

5) Bode (1. c, p. 23) bemerkt, dass die Fichte nur in der Nordspitze des 
Gouv. Kijew in einzelnen Exemplaren angetroffen werden soll. 



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526 



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Südlichsten Theil des Gouv. Mohilew, berührt im Gouv. 
Tschernigow, nach Schmalhausen, die Dörfer Klimow (im 
Kreise Nowosybkow) und Rjuchow (Kreis Starodub);Rogo- 
wicz fand sie im letztgenannten Kreise noch etwas südlicher, 
nämlich zwischen den Ortschaften Grinew undPogar^). Ro- 
gowicz nennt als Fundorte der Fichte im Gouv. Tschernigow 
die Kreise Gorodnja^), Starodnb, Ssurash und Mglin; in 
diesem letzteren Kreise sollen sich bereits ausgedehnte Fich- 
tenurwälder finden^). 

Aus dem Norden des Goav. Tschernigow verläuft die 
Fichtengrenze durch den westlichenTheildesGouv. Orel, wo 
diese Holzart in den Kreisen Brjansk und Karatschew ganze 
Bestände bildet, z. B. in den Forstrevieren Ressetizkaja 
und Okulizkaja; nach Bode, findet sie sich auch im Kreise 
Trubtschewsk. Aus dem Gouv. Orel steigt die Sfldgrenze 
der Fichte steil nach Norden (oder NNO) und streicht durch 
die westlichsten Theile der Kreise Bjelew und Odojew (Gouv. 
Tula), so wie den östlichen Theil das Kreises Lichwin (Gouv. 
Kaluga); im Kreise Alexin (Gouv. Tula) findet sich die Fichte 
nur in vereinzelten Exemplaren, an der Oka. Blasius*) be- 
richtet, dass, auf dem Wege von der Ukraine, die ersten 
Fichtenwälder plötzlich zwischen Bjelew und KosePsk auf- 
treten^). Im Kreise Kosersk erscheint sie stellenweise bereits 
als herrschende Baumart. Von Sserpuchow fast bis Kolomna 
findet sich die Fichte, so viel mir bekannt, nur am linken 



1) Vgl. Trautvetter. Die pflauzengeogr. Verhältaisse des Europ. Russ- 
lands, Hft. 1, p. 30. 

2) Dieser Kreis liegt noch südlich vom Kreise Nowosybkow; den letzte- 
ren gibt auch Bode als Fundort der Fichte an. 

3) yKypnajib oxotu, t. VH, 1877 r., A? 6, CTp. 85—36. 

4) Reise im Europ. Russtand, II, p. 347. 

5) Mithin ist die Angabe von Gflldeustädt (Reisen II, p 441) unrich- 
tig, dass die Fichte (hier Abies rubra genannt) nicht südlich Ton Kosersk 
vorkomme. 



— 527 — 

Ufer der Oka % welches hier mithin ihre SOdgrenze bildet. 
Unweit Eolomna tritt sie auf das rechte Oka-Ufer hinüber, 
ohne sich indessen von diesem Flusse weit zu entfernen: auf 
der Eisenbahnstrecke von Moskau nach Rjasau sah ich 
zwischen den Stationen Stschnrowo und Luchowitschi ziem- 
lieh ausgedehnte Fichtenwälder, z. Th. mit Kiefern unter- 
mischt; südlich von der letztgenannten Station finden sich 
keine Fichten mehr. Laut brieflicher Mittheilung des Herrn 
Försters Hellgar, wächst die Fichte im Gouv. Rjasan zur 
Rechten der Oka in den Kreisen Saraisk (im eben genann- 
ten Reviere Luchowitschi), Spassk (im Reviere von Tyr- 
nowo) und Kassimow (in mehreren Revieren); nach Polon- 
ski und Rasewig kommt die Fichte auch hier und da im 
Kreise Ssaposhok vor, — wahrscheinlich östlich vom Flusse 
Para. Von hier verläuft die Fichtengrenze durch die Kreise 
Sqhazk und Spassk des Gouv. Tarobow und berührt den 
Kreis Krassnosslobodsk (Gouv. Pensa). 0. Baum^) nennt, 
ausser dem letztgenannten Kreise, als Fundorte der Fichte 
noch folgende Kreise des Gouv. Pensa: Kerensk, Narow- 
tschat, Nishnij-Lomow, Ssaransk und Mokschan; leider sagt 
er nichts über die Verbreitung der Fichte in diesen Krei- 
sen; vermuthlich erstreckt sich dieselbe hierher längs der 
Mokscha, so wie längs den südlichen Zuflüssen des Alatyr'; 
vielleicht tritt sie aber hier nur ganz insular auf. Längs dem 
ganzen Laufe des Alatyr' zieht sich eine Zone von Fichten- 
wäldern (oder von mit Fichten gemischten Laub- und Kie- 



l)6Qlden8tftdt (Reisen, TT, p. 446) bemerkt, dass noch um das Jahr 
1750 die Fichte gegenüber Saerpuchow auch am rechten Oka-Ufer wuchs, 
dass sie aber sp&ter daselbst theils durch Waldbrände vernichtet, theils 
ausgehauen wurde. 

2) 0. M. BsLjwh. CTaTHCTHHecKitt oöaopi» ji-hcoeoACTBa n-b IleuaeHCKoil 
rydepHin. (IleHsa, 1872 r.); CTp. 19. 



- 528 — 

fernwäldern), bis zur Mflndung desselben in die Ssurä Ueber 
diese merkwfirdige Zone, welche die berühmten Murom'- 
schen Wälder (an der Okä) mit denjenigen an der Ssurä 
verbindet) sind erst ganz neuerdings einige Nachrichten, 
durch die Herren Dokutschajew^) und Krassnow (1. c), 
bekannt geworden. Wie ich schon bei der Besprechung der 
Kiefer hervorgehoben, liegt im Norden dieser Zone eine 
grosse, bis zur Wolga sich erstreckende Tschernosjom-In- 
sel, auf welcher die Fichte (und auch die Kiefer) vollständig 
fehlt. 

Ob die eben besprochene sehr interessante Fichtenzone 
südwärts mit den genannten Fundorten im Gouv. Pensa zu- 
sammenhängt, darüber fehlen leider die nöthigen Angaben. 
Wenn Solches Statt hat, so wird der Znsammenhang höchst 
wahrscheinlich, wie schon angedeutet, durch die Mokscba 
und deren Zuflüsse hergestellt. Ostwärts aber reicht jene 
Zone, wie bemerkt, bis zur Ssurä, längs welcher die Fichte 
aufwärts fast bis zur Einmündung des Barysch verbreitet ist, 
die von M. Bogdanow^) als der äusserste südliche Grenz« 
punkt der Fichte in jener (jfegend bezeichnet wird. Indessen 
s(Al sie, nach mündlichen Erkundigungen meines Bmders 
W. Koppen, noch am Barysch, im Kreise Kofssun des 
Gouv. Ssimbirsk, stellenweise, mit der Kiefer untermischt, 
vorkommen. Nach einer brieflichen Mittheilung Herrn Krass- 
now's, war der südlichste Standort der Fichte, den er im 
Kreise Ardatow (Gouv. Ssimbirsk) beobachtet, unweit vom 
Dorfe Apraxino an der Nuja (einem südlichen Zuflüsse des 

1)B. J^OKynaesi». PyccRifi nepHOseMi»; CTp. 38, 57, 60. — Genauere 
Angaben finden sich in den, unter Leitung Prof. Dokutschajew's ausge- 
arbeiteten aMarepiajibi kt» oi^'^hr^ seicejb Huweropo^CRofl FyöepHiH». (U 
Bände; 1884—1886). 

2) M. BorAanoBi». ÜTHi^fai h aeikpH HepHOseMBofi nojocu UoBOiSKhB', 
CTp. 26—27. 



— 529 — 

• 

Alatyr'). — Von der Mündung des Barysch steigt die SOd- 
grenze der Fichte steil nach Norden hinauf, dem Laufe der 
Ssurä folgend und sich nicht weit ostwärts von ihr entfer- 
nend. Oberhalb Tschebokssary Oberschreitet sie die Wolga, 
um nicht wieder auf deren rechtes Ufer zurückzutreten. 
Nach den Angaben Laptew's und Bogdanow's, fehlt sie 
im Kreise Ziwilsk des Gouv. Kasan, so wie im ganzen Fluss- 
thale der Sswijaga. Die Südgrenze der Fichte verläuft, von 
ihrer Ueberschreitung der Wolga, diesen Fluss hinunter, am 
linken Ufer desselben, bis Kasan; hier verlässt sie das Thal 
der Wolga, um, in der Richtung nach OSO., die Kama (etwa 
bei Bybnaja?) zu erreichen und dann wahrscheinlich diesen 
Fluss hinauf, längs seinem rechten Ufer, wenigstens bis zur 
Einmündung der Bjelaja, zu verlaufen. Oberhalb dieser letz- 
teren überschreitet die Fichtengrenze die Kama und verläuft, 
in östlicher Richtung, durch den südlichsten Theil des Gouv. 
Perm, bis zum Uralgebirge; wie Kry low bemerkt, bildet sie 
hier zugleich die Grenze zwischen der Waldregion und der 
Uebergangsregion von Wald zu Steppe; innerhalb der letzte- 
ren findet sie sich nur an ganz vereinzelten Stellen. — Der 
ganze Verlauf der Fichtengrenze von Kasan bis zum Uralge- 
birge ist nicht genau bekannt^); wir wissen nur, dass diese 
Holzart in den Kreisen Mamadysch (Gouv. Kasan), Jelabuga 
und Ssarapul (Gouv. Wjatka) vorkommt, und dass sie zwi- 
schen Kasan und Laischew, so wie in den Kreisen Spassk und 
Tschistopol (Gouv. Kasan), desgl. im Kreise Menselinsk (Gouv. 
Ufa) und weiter nach Süden fehlt. Nach Teploüchoff, soll' 



1) In den neuesten Werke aber die Flora des Gouv. Kasan von Eor- 
shinskij fehlen leider genauere Angaben über die Yerbreitnng der Fichte. 
Er bemerkt nnr (1. c, p. 94, in der Nota), dass daselbst mehrere Varietä- 
ten vorkommen, welche Üebergänge yon P. viügaris zu P. obovata bilden. 

84 




I ■ 



— 530 — 

• 

sie im Kreise Birsk des Gouv. Ufa vorhanden sein, — doch 
wahrscheinlich nur auf den Vorbergen des Ural. 

Jenseits der üfd, in den Vorbergen des Ural, senkt sich 
nämlich die Grenze der Fichte nach Süden. Pallas (Reise, 
II, p. 24) fand sie an den Ufern des Ssim (eines Nebenflus- 
ses der Bjelaja), etwa unter dem 55° n. Br. Nach Bode, soll 
die Fichte im Kreise Ufa südwärts bis zum 54° n. Br. rei- 
chen; Dies könnte nur im östlichen Theile dieses Kreises, d. 
h. im Uralgebirge selbst, Statt haben. Trautvetter vermu- 
thet, dass die Fichte im Ural bis zum 53° n. Br. vorkomme, 
fügt aber hinzu, dass der Grenzpunkt ihrer Verbreitung von 
Niemandem genauer bestimmt worden sei. Auch in den neue- 
ren Nachrichten finden wir keine sichere Angabe über diese 
Grenze. Lessing traf sie auf dem Berge Iremel (unter dem 
54° n. Br.) an. Jedenfalls geht die Fichte hier lange nicht 
so weit südwärts, wie die Kiefer und die Lärche; sie fehlt 
z. B. zwischen den Flüssen Ik und Ssakmara, wo die beiden 
letztgenannten Holzarten noch wachsen. — UeberdenVer- 
lauf der Fichtengrenze im Osten des Uralgebirges sind wir 
sehr wenig unterrichtet. Im Hmen-Gebirge fehlt diese Holz- 
art, desgl. auch im ganzen ebenen Theile des Gouv. Orenburg 
(z. B. im Kreise Tscheljabinsk); ebenso fehlt sie auch im 
südlichen transuralischen Theile des Gouv. Perm; nach 
Turskij, findet sich in dieser Gegend der südlichste Fich- 
tenbestand im Jertar'schen Reviere im Kreise Kamyschlow 
(unter 56°30' n. Br. und 82° ö. L. von Ferro). 

Ein solches insulares Vorkommen, wie wir es bei der 
Kiefer konstatirt haben, beobachten wir bei der Fichte, jen- 
seits der von mir gezogenen Südgrenze, gar nicht oder so gut 
wie gar nicht. Mein Bruder W. Koppen berichtete über eine 
Fichteninsel im Kreise Kromy des Gouv. Orel ; doch hat er 
mir später seinen Zweifel über die Richtigkeit dieser Angabe 



— 531 — 

ausgesprochen ^). Wie bemerkt, bilden vielleicht die oben be- 
sprochenen Fundorte der Fichte in mehreren Kreisen des^ 
Gouv.Pensa solche Inseln. — Dassdie Fichte wahrscheinlich 
einst in einigen Gegenden vorgekommen ist, die jenseits ihrer 
gegenwärtigen Südgrenze liegen, darüber belehren uns ver- 
schiedene Ortsnamen, in deren Auswahl indessen grosse 
Vorsicht zu beobachten ist, da einige derselben offenbar von 
Uebersiedlern aus nördlichen Gegenden mit hinüber gebracht 
sind. Solche, nach der Fichte (russ. JeV) benannte Orte 
finden sich beispielsweise in den Gouvernements Tscherni- 
gow {Jelino im Kreise Gorodnja), Orel {Jelenka im Kr. Bol- 
chow), Tula {Jelowaja und JeVkino im gleichnamigen Kreise) ; 
etc. Besonders interessant ist der Name der Stadt Jelez (im 
östlichen Theile des Gouv. Orel), die am Fl. Ssossnd (russ. 
Ssossnd = Kiefer) liegt; wie ich es schon bei Besprechung 
der Kiefer erwähnt, weisen diese beiden Namen darauf hin, 
dass jene Gegend, die jetzt ein ganz steppenartiges Gepräge 
trägt, einst von Kiefern- und Fichtenwäldern bedeckt war ^). 
Vielleicht befand sich hier, vor vielen Jahrhunderten, mit- 
ten im Tschernosjom -Gebiete, eine grössere Insel, auf der 
jene Nadelwälder wuchsen; möglichen Falls erstreckte sich 
diese Insel ostwärts auf Theile der angrenzenden Kreise Sa- 
donsk (Gouv. Woronesh) und Lipezk (Gouv. Tambow), in 
denen gleichfalls Ortschaften existiren, die nach der Fichte 
benannt sind. 



1) Uebrigens gibt es in diesem Kreise ein Dorf JePkowo, dessen Name 
auf das einstige Vorkommen der Fichte hinweist. 

2) Die Stadt Jelez ist sehr alt, denn sie wird in den Chroniken bereits 
in der ersten H&lfte des XII. Jahrhunderts erwähnt. Da um jene Zeit die 
ganze nördliche H&lfte des europäischen Russlands von finnisch-ugri- 
schen Stämmen bewohnt war, so konnten die russischen Gründer dieser 
Stadt nicht vom Norden kommen; und daher kann die Annahme als sehr 
wahrscheinlich gelten, dass der Name dieser Stadt ursprünglich, und nicht 

Yon Uebersiedlern mitgebracht ist. 

34* 



— 534 — 

mählich mit Sphagnum und anderen Moosen bekleideten. Be- 
kanntlich nimmt man gegenwärtig, und zwar augenschein- 
lich mit mehr Recht, fast allgemein an, dass jene Findlinge 
oder erratischen Blöcke nicht vermittelst Eisschollen so 
weit hingeriethen, sondern durch Gletscher, die sich, von 
Skandinavien und Finland aus, südwärts erstreckten, an ihre 
gegenwärtigen Fundorte transportirt worden sind. Ru- 
precht's Annahme vom Zusammenfallen der Südgrenze der 
erratischen Blöcke mit der Nordgrenze des Verbreitungs- 
gebietes des Tschernosjom ist neuerdings von D ok u tscb aj e w 
als irrthümlich nachgewiesen worden. In der That liegt der 
Tschernosjom zu einem grossen TheUe auf erratischem 
Blocklehm. Daraus folgt unwiderleglich, dass vor der Bil- 
dung des Tschernosjom das gegenwärtig unter ihm liegende 
Terrain von Gletschern bedeckt gewesen ist. Und zwar fand 
Solches offenbar während der ersten Eiszeit Statt. Die Bil- 
dung des Tschernosjom fällt, wie ich annehme, in die inter- 
glaciale Zeit. Die Yergletscherung aber, die während der 
zweiten Eiszeit eintrat, reichte bekanntlich nicht so weit 
südwärts, wie zur ersten Eiszeit; und zwar dürfte sie in der 
That sich bis zum Nordrande des unterdessen abgelagerten 
Tschernosjom's erstreckt haben. Bei einer solchen Annahme 
lassen sieh die scheinbar sich widersprechenden Ansichten 
Ruprecht's und Dokutschajew's miteinander versöhnen^). 
Mithin fällt die südliche Verbreitungsgrenze der Fichte mit 
der Südgrenze der zweiten Vergletscherung oder des neu- 
erratischen Gebietes zusammen, — während die Südgrenze 
der Kiefer, wie wir gesehen, mit derjenigen der ersten Ver- 
gletscherung (des alt-erratischen Gebietes) übereinstimmt. 



1) Ich kann hier nicht n&her auf diese interessante Frage eingehen. Vgl. 
darüber meine rassische Abbandlang aber die Yerbreitang der Nadelhölzer 
in Rassland, pp. 150—156 and 850—855. 



— 535 — 

Im Zusammenhange mit dem eben besprochenen Ge- 
genstande steht die Frage nach dem ursprQnglichen Aus- 
gangsgebiete der Fichte, so wie nach der Zeit und den We- 
gen ihrer Uebersiedelung nach dem europäischen Russland 
und überhaupt nach Europa. 0. Heer hat die Existenz un- 
serer Fichte zur Miocänzeit sowohl auf Spitzbergen ^) als 
auf Grinnelland ^) nachgewiesen '). Um jene Zeit fehlte sie 
in Europa vollständig. Die ältesten Funde derselben stam- 
men aus dem Forestbed bei Norfolk, welche Bildung von 
Heer zum Postpliocän, von Credner aber zum neuesten 
Pliocän gerechnet wird. Um dieselbe Zeit, d. h. im neueren 
Pliocän, wuchs eine wahrscheinlich mit unserer Picea ob- 
oi;a<a identische Form, Picea {Pinus aJtnes) rotunde-squamosa 
Ludw., in der Wetterau*). Unsere Fichte ist ferner von 
Heer in den interglacialen Ablagerungen der Schweizer 
Schieferkohlen (z, B. von Utznach und Dürnten) nachgewie- 
sen worden; wie Heer*) bemerkt, sind die meisten Zapfen 
kleiner, als bei der europäischen Form der Picea excelsa, 
und die Zapfenschuppen sind «öfter vorn etwas stärker ge- 
rundet, als bei unserer Fichte, und stimmen darin mit der 
nordrussischen Fichte tiberein». In der That weisen beide 
von Heer angeführten Merkmale darauf hin, dass inderin- 



1) Osw. Heer. «Die miocene Flora und Fauna Spitzbergens»^ in dessen 
Flora fossilis arctica, T. II, 1871, pp. 14—15 und 41. 

2) 0. Heer. «Die miocene Flora des Grinnell-Landes». (Flora fossilis 
arctica, T. V, 1878, pp. 12 u. 25—26). 

3) A. Schenk (in Zittel's Handbuch der Paläontologie, Abth. II. Fa- 
l&ophy tologie ; p. 848) spricht einen Zweifel an der Richtigkeit der Deutung 
Heer's aus, ohne indessen sein Bedenken zu begrdnden. 

4) Ich habe schon oben (p. 483), gelegentlich der Besprechung der Lär- 
che, daraufhingewiesen, dass Ludwig selbst die Wetterauer Braunkohle 
dem Oligocän, oder sogar dem Eocän, zuz&hlte, dass aber, nach den neue- 
sten Untersuchungen von H. Th. Geyler, dieselbe zum oberen Plioc&njg^e- 
rechnet werden muss. 

6) Die Urwelt der Schweiz; Aufl. 2, p. 519—520. 



— 536 — 

terglacialen Zeit die Form Picea obovata Led. in der Schweiz 
vorhanden war. Nach P. Fliehe^), wuchsen P, obovata und 
die üebergangsform P. medioxima W. Nyl. (vgl. oben) zur 
Postpliocänzeit in Lothringen. — Aus diesem spärlichen 
Material können wir uns keine bestimmte Ansicht Qber die 
Wege der Einwanderung der Fichte nach Europa bilden. 
Was aber die Zei t dieser Einwanderung betrifft, so scheint 
die Fichte in Europa nicht früher als im neueren Pliocän 
aufzutreten. Da sie, wie bemerkt, zur Miocänzeit auf Spitz- 
bergen und Grinnell-Land, d. h. auf dem präsumtiven Fest* 
lande wuchs, welches sich um jene Zeit rings um den Nord- 
pol erstreckte, so gilt es diese weite Lücke räumlich und 
zeitlich zu überbrücken. 

Da Spitzbergen in der Miocänzeit wahrscheinlich mit 
Skandinavien zusammenhing, so könnte die Fichte auf d ie- 
sem Wege nach Europa gelangt sein. Indessen haben die 
Untersuchungen von Nathorst, Blytt u. A., so viel ich 
weiss, diese Holzart nicht im Miocän oder Pliocän Skandi- 
naviens nachzuweisen vermocht. Wenden wir uns nach Asien, 
so finden wir, dass unsere Fichte zur Tertiärzeit am Altai 
wuchs, wo ihre Reste neuerdings von N. Ssokolow in dea 
Ablagerungen am Flusse Buchtorma aufgefunden worden 
sind. Schmalhausen ^), der diese Reste beschrieben, neigt 
sich (ib., pp. 189, 192) zur Ansicht hin, dass jene Flora 
dem Pliocän einzureihen sei ; da aber in derselben eine grosse 
Anzahl solcher Arten vertreten ist, die bereits in der Mio- 
cänzeit existirten (z. B. Sequoja Langsdorffii Hr., Alnas 



1) «Sur les lignites qnaternaires de Jarville, präs de Nancy». (Gomptes 
rendus, T. 80, 1875, p. 1235). 

2) aOber tertiäre Pflanzen aus dem Tbale des Flusses Buchtorma am 
Fasse des Altaigebirges». (Palaeontographica; Bd. 88, Lfrg. 4—6, 1887, p. 
194—195). 






— 537 — 

cordifolia Ten., Fagus ÄntipofiiUr.^ Fagus DeticalionislJug.^ 
Planera Richardi Mich., Acer ambiguum Hr. etc.), so muss 
man diese tertiäre Altai-Flora jedenfalls zumunter enPlio- 
cän, wenn nicht zum oberen Miocän rechnen. Danach zuur- 
theilen^ wäre unsere Fichte am Altai wahrscheinlich frQher 
vorhanden gewesen, als in Europa; und man dfirfte die wei- 
tere VermuthuDg aussprechen, dass sie aus jenem miocänen 
Polarlande zuerst nach Nordasien, und erst von hier aus nach 
Europa gewandert ist^). Und zwar wird sie diese letztere 
Wanderung, wie bemerkt, nicht vor der Pliocänzeit ausge- 
fahrt haben. Es muss ein besonderes Hinderniss existirt ha- 
ben, welches die Fichte, die Lärche, die Zirbelisiiefer und Ober- 
haupt viele sibirische Pflanzen, desgl. auch Thiere (z. B. das 
Elen), lange Zeit nicht zu forciren im Stande waren, um nach 
Europa zu gelangen. Und diese Barriere wurde wahrschein- 
lich durch einen sehr breiten Meeresarm gebildet, welcher das 
einstige Aralo-Easpische Meer mit dem Eismeere verband. 
Aber auch nach Süden scheint die Wanderung der Fichte 
relativ erst recht spät erfolgt zu sein. Ich nehme nämlich 
an, dass Picea Schrenkiana Fisch., die Ledebour und Par- 
iatore nur für eine Varietät von derP. o&ovato halten, von 
dieser letzteren Form abstammt. P. Schrenkiana kommt 
nicht nur in den Gebirgen der Dsungarei und im Alatau vor, 
in der Zone von 5000 — 9000' üb. d. M., sondern ist in den 
Gebirgen Centralasiens weit verbreitet. Nach Regel ^), bil- 
det dieser Baum «in den Hochgebirgen südlich vom Altai 
und von Wernoje an, bis zu den Ausläufern des Thian-Schan, 
die Waldungen»; er wächst z. B. an den Flüssen Borotala, 



1) Schmalhausen (1. c, p. 192) vermathet auch, dass die Gegend des 
Altai «als Bracke gedient hat, Aber welche Pflanzenwanderungen von Nor- 
den nach dem Saden und Westen stattgefunden haben». 

2) In: Acta Horti Petropolitani, t. VI, 1880, p. 485—486. 



— 538 — 

Kasch, Tekes und Juldas. Priewalski^) fand Wälder, die 
von der P. SchrenMana gebildet werden, nicht nur im Tian- 
Schan^, sondern auch am oberen Laufe des Hoang-ho, am 
See Kuku-Nor und aufdemTetung-Bergrücken(imGebirgs- 
Systeme des Nan-Schan, östlich vom letztgenannten See). 
Noch weiter südwärts, im Himalaya, wächst eine der P. 
SchrenMana verwandte Fichte, Picea Smithiana Lamb., die 
wahrscheinlich von dieser letzteren abstammt; sie findet 
sich in der Höhe von 6000—11,000' üb. d.M. — Aus dem 
Umstände, dass die Fichte nicht vom Himalaya, über den 
Hindukusch und längs den einst bewaldeten Gebirgen Af- 
ghanistan's und Ghorassan's, nach dem Alburs-Gebirge und 
dem Kaukasus^) gelangt ist, kann man mit Wahrscheinlich- 
keit folgern, dass sie erst spät die Nachbarschaft des Hin- 
dukusch erreichte, — zu einer Zeit, als das gewaltige 
Aralo-Kaspische Meer, das die Nordabhänge der genannten 
Gebirge bespülte, bereits zurückgewichen war und den Sand- 
wüsten Platz gemacht hatte, unter deren heissem Hauche 
die Waldvegetation verschwunden, und ein weiteres Hinüber- 
wandern von Bäumen und Waldthieren unmöglich geworden 
war. 

Welche Form der Fichte die ältere ist — die europäi- 
sche (P. excelsa) oder die sibirische (P. obovata\ — Das zu 
entscheiden fällt recht schwer. Nach Heer, sollen die Fich- 
ten, die zur Miocänzeit auf Spitzbergen undauf Grinnelland 



1) H. M. IIp^eBaJibCKifi. Hsi» 3a3caHa lepes'b Xami b'b TH6erB; cTp. 
68-64; 310, 311, 397; 338, 358, 367—368; 406, 409. 

2) Ruprecht betrachtete die im Tian-Schan vorkommende Fichte als 
eine besondere Art, Ficea tianschanica Rupr. Vgl. Baron Fr. v. d. Osten- 
Sack en und F. J. Ruprecht. Sertum Tianschanicum. (M6m. de TAcad. 
Imp. d. sc. de St.-P6tersbourg, VII« s^r., t. XIV, J^ 4, 1869); p. 72. — Diese 
Form ist offenbar identisch mit P. Schrehkiana, 

8) Wir werden sehen, dass im Kaukasus eine Ptcea-Art vorkommt, die 
aber einem anderen Typus angehört. 



— 539 — 

wuchsen, sich von der europäischen Form nicht unterschie- 
den haben. Auch der am Altai gefundene (pliocäne?) Fich- 
tensamen besass, nach Schmalhausen, den schmalen Flügel 
der Samen von P. excelsa^ während er die Grösse derjenigen 
von P. öbovala hatte, — so dass er vielleicht einer Mittel- 
form angehörte. Danach zu urtheilen, könnte man vermuthen, 
dass P. excelsa die ältere Form ist. Dagegen spricht aber 
einigermaassen der Umstand, dass die älteren Funde der 
Fichte in Europa sich vorzugsweise auf P. dbovata beziehen; 
so die oben erwähnten Funde in der Wetterauer Braunkohle 
(P. rotunde-squamosa Ludw.), in den quaternären Ligniten 
von Jarville und in der Schweizer Schiefer kohle. Das Auftre- 
ten der Form P. obovata fand hauptsächlich nach der erfolg- 
ten Abkühlung des Elima's, so wie vor, während und bald 
nach der Eiszeit Statt. Damit stimmt die Thatsache überein, 
dass P. obovata gegenwärtig in kälteren Gebieten vorkommt, 
als P. excelsa. Man dürfte also die Yermuthung aussprechen, 
dass P. excelsa^ unter dem Einflüsse der Eiszeit, sich in P. 
obovata umbildete. Nach der Rückkehr der Wärme aber 
scheint auch in morphologischer Hinsicht ein Rückschlag ein- 
getreten zu sein: unter dem Einflüsse des veränderten Elima's 
änderte die Fichte im westlichen Europa von Neuem ab, und 
zwar wurde sie wieder zur Picea excelsa^ — während in den 
kälteren Gebirgen Westeuropa's, wie wir gesehen, eine Mit- 
telform (P. medioodma) zurückblieb, im kalten Sibirien aber, 
so wie im nordöstlichen europäischen Russland, P. obovata 
sich bis auf heute erhielt. Auf diese Weise Hessen sich die 
scheinbaren Widersprüche erklären. — So ausserordentlich 
alt mithin die Form unserer Fichte ist, da sie bereits zur Mio- 
cänzeit existirte, so muss sie für Europa als ein relativ 
neuer Ankömmling gelten ^). 

1) Es lässt sich in dieser Hinsicht eine Parallele mit verschiedenen 



— 540 — 

Was die vertikale Verbreitung der Fichte im enropfii- 
schen Russland betrifft, so kommea aar das Uralgebirge und 
die Älpea Lapplands in Betracht, da diese Holzart sowohl im 
Kaukasas als in der Krim fehlt. Im Ural wird, nach Krj- 
low, in Bezug auf die Fichte dieselbe EigenthQmlichkeit 
beobachtet, wie bei der Lärche and der Zirbelkiefer, daf 
sie nämlich auf einigen Bergen am höchsten von allea Baum 
arten hinaufgeht, auf anderea Bergen aber zurßckbleibi 
Nach einer BemerkungHofmann's, bilden die Fichte aaddi 
Zirbelkiefer uater dem 62° n. Er. die obere Waldgrenz* 
weiter nordwflrts — die Lärche. Auf dem Deneshkin'Eamei 
(etwa unter GO^SS' n. Br.) geht die Fichte bis zur Höh 
von 3900' üb. d. M., erscheint aber an ihrer obersten Grenz 
als ein verkrüppelter, an die Felsen angedrückter Strauch. Ai 
dem Taganai steigen, nach Lessing, am höchsten die Fichte 
und Birke hinauf, auf dem Iremel aber die Fichte allein.— 
In Betreff Lapptands sind die Angabeu über die Höhengreaz 
der Fichte sehr spärlich. Nach Blomqvist (1. c, II, p. 16] 
kommt sie im nördlichen Fiuland bis zur Höhe von 130( 
üb. d. M. vor; so z. B. auf dem Berge Pallastunturi (uuwei 
Muonioniska, unter dem 68° n. Br.), desgl. auf den Berge 
liwara und Nuorunen (unweit Euusamo, unter dem 66° i: 
Br.). Auf der Alpe Hammastunturi (etwa unter 66°35' i 
Br.) fand Kihlman die letzten Fichten in der Höhe vo 
390 Metern üb. d. M. — Zum Vergleiche gebe ich einig 



Thierformen ziehen. So gehßrt daa Elen nnzweifelhaft zu einem sehr alte 
Typus; in Eitrupa erschien es aber nicht vor der Pliocänzeit, vielleicht eri 
im Postpliocän. Vgl, meinen Aufsatz: «Die Verbreitung des Elentbiera ii 
Europäischen Russland*. (Beiträge enr Kenutniss des Rusaischen Reichei 
Zweite Folge, Bd. VI, 1883). 

1) Nach Grisebach und EryloT wfire die Fichte unter der ron Le: 
sing erwllhnteu Abies zu verateheo, und nicht die Edeltanne, wie Hiddei 
dorff vermuthete. 



— 541 — 

Data Ober die Höhengrenze der Fichte auf anderen Gebir- 
gen: 

Auf den Gebirgen in der Umgebung des Baikal- 
Sees, nach Radde 5000' 

Auf dem Altai, nach Ledebour^), c. 5500' 

In Norwegen, unter 64° n. Br 1940' 

» 60° n. Br 3300' 

In den Central-Karpathen 4700' 

In der Schweiz von 5580' bis 6500' 

Namen. — Russisch: Jel\ J6lka\ ein Fichtenwald: JiV- 
nik. — Kleinrussisch: Jatyna, Jaiyjsa; ruthenisch (in Gali- 
zien): Smereka. — Polnisch (im Zarthum Polen): Sunerk^ 
Smreky Smerek] (in hiitsixxen): JocUa^Jedlina. — Littauisch: 
Egli, Aglis. — Lettisch: EgU. — Deutsch (in den Ostsee- 
provinzen): Grane (aus dem Schwedischen). — Schwedisch 
und norweg.: Gran. — Lappisch (norweg.): Guossa\ (schwed.): 
Kaosa\ (finn.): Kuossa\ (Enare-lapp.): Kuas. — Finnisch: 
Kuu8i\ (eine junge Fichte) : ^äre, ÄiaraÄfea; (eine ausgetrock- 
nete Fichte): Rotko^ Rtiotko. — Karelisch (im Gouv. Olo- 
nez): Ktisy. — Estnisch: Kuusk, Kuae. — Mordwinisch: 
Ku8. — Tscheremissisch : Kosch^ Eosh^ Kotsch. — Syrja- 
nisch: Kos, Eos. — Wotjakisch: Kys-pu. — Wogulisch: 
Kaut^ Kauta, Ghoud. — Ostjakisch: Ghut^ Ghul, Eol. — 
Ssamojedisch (in den verschiedenen Dialekten): (7Äa, Ghade^ 
Ghady; Ea^ Ghari, Euo\ Eyt, Eut, Eat, Eote. — Tatarisch: 
Eara-schersche (i. e. schwarze Fichte); Tschirisch; (um 
Wjatka) : Terschy ; (in Sibirien) : Tschiby, Schigschi. — Tschu- 



j 1) Flora altaica, t. IV, p. 201. — Hier heisst es, dass Picea öbovata bis 

zur Höhe von 4000 Par. Fuss Wälder bildet, dann aber, bis 5272 Par. Fuss, 
einzeln angetroffen wird. 



— 542 — 

waschisch: TscÄir^^scÄ, Tschirscha. — Baschkirisch: Tschir- 
sche. 

450. (2.) Picea orientalis L. 

Ich bemerkte schon oben, dass Ledebour(FLross.,III, 
p. 671) diese Art irrthümlicher Weise mit seiner Picea ob- 
ovata vereinigte, von der sie durchaus verschieden ist. 
Dieser Irrthum veranlasste u. A.Grisebach^) zu Erwägun- 
gen in Betreff der nahen Verwandtschaft von P. orientalis 
und P, SchrenJciana Fisch.; seine Bedenken fallen von selbst 
weg, sobald jener Irrthum als solcher erkannt ist; Lede- 
bour hat jedenfalls P, obovata (und nicht P. orientalis) ge- 
meint, wenn er sie nächstverwandt mit P. SchrenJciana hält. 
Nach Unger^) gehört P. orientalis zu einem sehr alten Ty- 
pus, der in Europa bereits zur Kreidezeit durch Picea {Pi- 
nus)Briarti Coem.*) vertreten war; Unger vermuthet, dass 
die kaukasische (orientalische) Fichte von dieser letzteren 
abstammt. Boissier (Fl. or., V,p. 701) wiesauf die Aehnlich- 
keit der P. orientalis mit der Fichtenart hin, die Panöiß in 
Serbien entdeckt und als Picea Omorika Panö. beschrieben 
hat; indessen bezeugen A. Braun*) und Ascherson^),dass 
P. Omorika viel näher verwandt sei mit der im Küstenge- 
biete von Ostsibirien wachsenden Picea Äjanensis Fisch., 
desgl. mit Picea Menziesii Dougl., die in Japan und an der 
gegenüberliegenden Küste Nordamerika's zu Hause ist. 

P. orientalis scheint ausschliesslich Kleinasien und dem 



1) Die Vegetation der Erde; Bd. I, pp. 816, 470, 591—592. 

2) Geologie der europäischen Waldbänme; II, p. 105. 

8) Vgl. E. Coemons. «Description de la flore fossile da premier 6tage 
du terrain cr6tac6 du Hainaat». (M6m. de l'Acad. de Belgique; t. 86, 1867). 

4) In d. Sitzungsber. d. bot. Ver. d. Provinz Brandenburg, 1877, p. 45—46. 

5) In d. Sitzungs-Berichten d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin, 1881, p.88. 



— 543 — 

Kaukasus anzugehören^). Im Kaukasus ist sie auf den süd- 
westlichen Theil beschränkt. Im Norden der Hauptkette findet 
sie sich nur selten in den Bergen jenseits des Fl. Kuban', 
und namentlich an dessen ZuflQssen: Bjelaja, Grosse und 
Kleine Laba, Selentschuk, an deren oberem Laufe. In Trans- 
kaukasien bildet die Fichte ausgedehnte Wälder im Batum'- 
schen Gebiete, in Gurien, Mingrelien, Imeretien, Ratscha 
und Sswanetien ; grosse Fichtenbestände finden sich auch im 
Flussgebiete der Kurd, in den Kreisen Achalzich und Gori, — 
z. B. bei Abastuman, am oberen Laufe der Flüsse Poss-chow- 
tschai und Koblian-tschai, in der Umge