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Full text of "Geologischer Führer durch das Elsass"

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Sammlung geologischer Führer V 

Führer durch das Elsass 



Sammlang geologischer Fährer Y 



Greologischer Führer 



diu'ch das 



E 1 s a s s 



von 

Eniv^.Benecke, H. Bttcking, E. Schnmacher 
und ti, TaiiWerveke 



Mit sechsundfünfMg Profilen und Abbildungen 



Berlin 

Verlag von Gebrüder Borntraeger 
S"W 46 Schönebergerstrasse 1-7 a 

1900 



Alle Rechte vorbehalten 



4Q 



Vorwort 



Q 



N, 



'S 



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er vorliegende „Geologische Führer durch 
das Elsass^i) schliesst sich in der Form 
und der Anordnung des Stoffes an die 
früher erschienenen Führer des Verlages der Firma 
Gebrüder Borntraeger an. Dass der Umfang des- 
selben grösser gev^orden ist, als z. B. der des Füh- 
rers durch Pommern oder durch die Insel Bornholm, 
liegt in der Ausdehnung und der Mannigfaltigkeit 
der Zusammensetzung des südwestdeutschen Grenz- 
gebietes. 

Die Verfasser sind der Verlagsbuchhandlung 
zu Dank verpflichtet, dass sie in bereitvnlligster 
Weise dem von ihnen geäusserten Wunsche ent- 
gegenkam, über eine grössere Seitenzahl, als im 
allgemeinen für diesen Führer in Aussicht genommen 
war, zu verfügen. 



über. 



1) Nur Excursion 3 greift auf lothringisches Gebiet 



172476 



II Vorwort. 

Der allgemeine Theil mag auf den ersten Blick 
zu ausgedehnt erscheinen. Die Geologie des Elsass 
ist aber deutschen Lesern, für die der Führer in 
erster Linie bestimmt ist, weniger bekannt, als 
diejenige anderer deutscher Gebiete. Es erschien 
daher zweckmässig, die topographischen Yerhältnisse, 
die entwickelten Formationen und die Tektonik 
etwas eingehender zu behandeln. Mit Rücksicht 
auf diesen allgemeinen Theil konnte bei Beschrei- 
bung der Excursionen manches kürzer gefasst 
werden. 

Sehr wünschenswerth wäre die Beigabe einer 
geologischen üebersichtskarte gewesen. Die Neu- 
bearbeitung einer solchen hätte aber viel Zeit er- 
fordert, und der Preis des Führers wäre durch 
dieselbe nicht unwesentlich erhöht worden. Zur 
allgemeinen Orientirung genügen auch heute noch die 
Geologische üebersichtskarte von Elsass -Lothringen 
im Maassstabe von 1:500000 von E. W. Benecke ^) 
und die Blätter Strassburg (22) und Mülhausen i. E. 
(25) der Geologischen Karte des Deutschen Reiches 



1) Zum Preise von 1 Mk. von der Simon Schropp- 
schen Hoflandkartenhandlung (J.H. Neumann) in Berlin 
zu beziehen. In demselben Verlage sind die bisher ver- 
öffentlichten .Blätter der Geologischen Specialkarte von 
Elsass -Lothringen (jedes Blatt mit Erläuterungen 2 Mk.) 
erschienen. 



Vorwort. UX 

von E. Lepsius, im Maassstabe von 1:5Q0000. 
Die für die Excursionen zu benutzenden geologi- 
schen und topographischen Specialkarten sind für 
jeden einzelnen Fall unten angeführt. Für den, 
der nicht nur geologische, sondern auch touristische 
Zwecke verfolgt, ist einer der Führer von C.Mündel 
unentbehrlich. 1) Für den Besuch der französischen 
Yogesen sei auf Bleicheres, Guide du Geologue 
en Lorraine, Paris 1887, hingewiesen. 

Yon dem allgemeinen Theil sind S. 1 — 54 und 
62 — 73 von Benecke, S. 55 — 61 von Bijcking 
verfasst. Die Excursionen 1, 5a, 8, 16 (2. Tag 
z. Th.), 21, 22 sind von Benecke, 10, 11, 12, 
14 und 20 (z. Th.) von Bücking, 3, 7, 9, 16 
(2. Tag z. Th.), 18 (z. Th.) von Schumacher, 2, 
4, 5b, 6, 13, 15, 16 (I.Tag), 17, 18 (z. Th.), 
19, 20 (z. Th.) von van Werveke bearbeitet. 

Empfehlenswerth ist vor der Ausführung der 
Excursionen ein Besuch der geologischen Landes- 



1) G. Mündel, Die Yogesen. Reisehandbuch für 
Elsass- Lothringen und angrenzende Gebiete. 9. Auflage. 
Strassburg 1899. 

Ders., Führer durch die Yogesen. Kleine Ausgabe 
des Reisehandbuches. Strassburg 1898. Beide Werke 
berücksichtigen auch die grösseren Grte des Elsass und 
enthalten Uebersichtskarten, Pläne, Wegangaben und 
zahlreiche historische Nachweise. 



IV Vorwort. 

- — — ■■■- ■ ■1 - ■■ ,1-- ■_ .. I ■»^^^^^^lJi^■— ■ » I .— 

anstalt von Elsass- Lothringen in Strassburg (Blessig- 
strasse), deren Sammlung einen Ueberblick über 
die im Elsass vorkommenden Gesteine, Mineralien 
und Versteinerungen gewährt, und deren Bibliothek 
die die Geologie des Elsass behandelnde Litteratur 
und die geologischen Karten des Gebietes nahezu 
vollständig enthält. 

Strassburg i. E., Mai 1900. 



Inhalt 



Seite 

Vorwort I— IV 

Oberflächengestaltung 1-15 

Die im Elsass auftretenden Foimationen . . . 16—62 

Grandgebirge 16 

Cambrium (?) 16 

Devon 17 

Carbon 19 

Dyas 22 

Bantsandstein 24 

Muschelkalk 27 

Keuper 29 

Lias 31 

Dogger 35 

Malm 40 

Eocän 42 

Oligocän 42 

Pliocän 47 

Pleistocän 49 

Eruptivgesteine 65 

Greologischer Aufbau 62—73 

Excursionen 74—447 

1. Weissenburg — Lembach , 1 Tag, oder "Weissenbnrg — 
Lembach — Niederbronn , 2 Tage. Graawackengebirge mit 
Eruptivgängen , Buntsandstein, Muschelkalk, Tertiär . 74 

2. Niederbronn — Reichshofen, 1 Tag. Trias und unterer 

Lias 102 

8. Gegend von Wolmünster, 1 oder 2 Tage. Oberer Bunt- 
sandstein und unterer Muschelkalk 105 



VI Inhalt. 

Seite 

4. Mietesheim — Wörth , 1 Tag. Unterer und mittlerer braaner 

Jara, unterer and mittlerer Lias, Erdöl 132 

5a. Dettweiler— Buchsweiler, 1 Tag. Mittlerer und oberer Keuper, 

unterer und oberer Lias, Dogger, eocäner Süsswasserkalk 

und oligocänes Eüstenconglomerat 146 

5b. Buchsweiler, IV« bis 1 Tag. Mittlerer und oberer Lias, Dogger, 

Eocän, Eüstenconglomerat 151 

6. Mommenheim - Obermodem , 1 Tag. Pliocän , Dogger , unterer 

Lias 161 

7. Lützelburg — Wintersburg, 1 Tag. Mittlerer und oberer Bunt- 
sandstein, Muschelkalk 178 

8. Sulzbad — Balbronn, Vs oder 1 Tag. Oberer Buntsaudstein, 
Muschelkalk, Keuper, Dogger, Oligocän 188 

9. Achenheim — Hangenbieten , Va Tag. Pleistocän .... 216 

10. ürmatt — Schneeberg — Romansweiler, 1 Tag. Culm, Roth- 
liegendes (mit Quarzporphyr), Buntsaudstein; Muschelsandstein 242 

11. Oberes Breuschthal. 

I.Tag. Schirmeck — Donon —"Wisch. Mitteldevon, Culm, 
Ober - Rothliegendes , Buntsaudstein, Kezatophyr, Minette, 
Diabas, Porphyrit, Quarzporphyr . . . . . . . 253 

2. Tag. St. Blaise — Champenay — Katzenstein — Schirmeck. 
Mitteldevonische Schalsteinconglomerate mit Versteine- 
rungen, Ober - Rotiiliegendes , mittlerer Buntsandstein, Mi- 
nette, Diabas 264 

12. Barr — Hohwald — Neuntestein , 1 Tag. Steiger Schiefer, 
mittlerer Buntsandstein, Hauptoolith, Granitstöcke mit Cbntact- 
höfen , Diorit , Granitporphyr , Granophyr , Syenitporphyr, 
Minette, Vogesit, Proterobas 269 

13. Epfig— Weiler, als Anhang Laach, 1 bezw. l'/a Tag. Glaciale 
Schotter, Rothliegendes, Weiler Schiefer, bei Laach Kohle 260 

14. Umgebung von Markirch, 2 Tage. Markircher Gneiss, kör- 
niger Kalk, Serpentin, Bressoirgranit , Kammgranit, Kersantit, 
Quarzporphyr, Erzgänge 295 

15. Wanzel — Rappoltsweiler , x Tag. Verschiedene Granitstöcke, 
Gneiss, Kohle, Rothliegendes, Buntsandstein, verkieselter 
Muschelkalk , . . . 310 

16. I.Tag. Urbeis oder Diedolshausen — Schwarzer und Weisser 

See — Schlucht. Granit, Seen, Moränen . 324 

2. Tag. Schlucht — Hohneck — Metzeral. Granit , metamorphe 
Grauwacke mit Granitapophysen , Seen, Glacialablagerungen 335 



Inhalt. Vn 

Seite 

17. Gebweiler — Grosser Beleben — Thann, 1 oder 2 Tage. Culm 

mit Einlagerungen von Decken von Labradorporphyr and 
Qaarzporphyr , Diabas, Granit mit Contactgesteinen , Glacial- 
bildungen. Als Nebenexcarsion Versteinerter "Wald bei Thann, 
Culmpflanzen 844 

18. Wesserling— Thalhom, Va ^^s 1 Tag. Glacialablageningen, 
besonderö Endmoränen , sog. Gabbroconglomerate and Serpentiii H6U 

19. Thann— Thanner Habel — Masmänster, 1 Tag. Calm mit Ein- 
lagerangen von Labrador porphyr, Orthophyr and Qaarzporphyr. 
Fandstellen für Calm - Versteinerangen 385 

20. Masmünster — Elsässer Beleben — Wesserling, 1 Tag. Glacial- 
erscheinungen , Beichengranit mit Bandfacies , Minetten , Graa- 
wackengebirge , Erzgänge 896 

21. Mülbaasen— Altkirch, 1 oder IV2 Tag. ünteroligocän und 
verschiedene Facies des Mitteloligocäns , Deckenschotter . . 403 

22. Umgegend von Pfirt, 1 oder 2 Tage. Oberer Dogger, Malm, 
Tektonik des Juragebirges 423 

Ortsverzeichniss 448—454 

Sachverzeichiiiss 455-461 




Oberflächengestaltang. 

uff allend vei*schieden ist der Anblick der Yogesen 
für den von Osten oder von Westen an dieselben 
Herantretenden. 

Von einem erhöhten Punkte des Rheinthaies, 
etwa dem Glöcklesberg westlich von Strassburg oder vom 
Kaiserstuhl aus betrachtet, erhebt sich das Gebirge steil 
hinter einer für den Gesammteindruck verschwindenden 
Vorhügellandschaft. Oft steigt das Gehänge über der Ebene 
in einer Flucht bis zu einer Höhe an, die nur wenig 
hinter der weiter gegen "Westen gelegenen höchsten Er- 
hebung des Gebirges zurückbleibt. Von der Mündung der 
wenig gewundenen, langsam ansteigenden Thäler sieht 
man nicht selten den steilen, kesselaiiigen Abschluss 
derselben an ihrem Anfang. 

Bald sind die Gipfelhöhen dem die Wasserscheide 
zwischen Rhein und Mosel bildenden Kamme aufgesetzt, 
bald weit gegen das Rheinthal vorgerückt. So kommt es, 
dass auf schmalem Räume eine ungemein reiche Gebirgs- 
gliederung von ausserordentlichem landschaftlichen Reize 
sich entwickelt. Scharf abbrechende Platten, genmdete 
Kuppen, steil anstrebende Kegel, flache Senken imd tiefe 
Einschnitte reihen sich in mannigfachem Wechsel an ein- 
ander. Von jedem Punkte aus ändert sich das Bild, 
niemals ist es einförmig. 

Kaimi ein anderer Vogesenberg dürfte gleich geeignet 
sein, mit einem Blicke die Verschiedenartigkeit der Ge- 
birgsbildung überschauen zu lassen, als der ringsmm los- 
gelöste, nÄe am Rheinthal gelegene Rücken der Hoh- 
königsburg bei Schlettstadt. Ueber der mit Städten 
und Dörfern besäeten, gegen Osten durch Kaiserstuhl 
und Schwarzwald begrenzten, Rheinebene erhebt sich un- 
Führer durch d. Elsass. 1 



OberflAchengestaltung. 



vermittelt das gerade hier der Yorhügel entbehrende Ge- 
birge. Zu Füssen des Beschauers gegen das Rheinthal 
hin ei*streckt sich auf granitischem Untergrunde eine 
Platte von Rothliegendem, die Fortsetzung der Unterlage 
der Sandsteinmasse der Hohkönigsburg, einem Teppich 
vergleichbar, um an ein von L. v. Buch bei ähnlicher 
Lagerung angewendetes Bild zu erinnern. Steile Furchen 
laufen vom Rande der Platte im Granit nach der Ebene 
hinunter, durch deren eine die Spitze des Kirchthurmes 
von Orschweier sichtbar ist. 

Gegen Süden tritt das Gebirge etwas zurück und 
bildet eine gegen Osten geöffnete Bucht, in der, von aus- 
gedehnten Rebhügeln umgeben, St. Pilt und Rodem liegen. 
Die Umrandung der Bucht gipfelt gegen Westen im 
Schäntzelberg, Frauenberg und Sommerberg, aus Granit, 
Kohlengebirge und Buntsandstein aufgebaut. Auf halber 
Bergeshöhe erblickt man die Halden des alten Kohlen- 
bergwerkes von St. Pilt. 

Dahinter erhebt sich gegen Südwesten die Sandstein-, 
platte des Rammelstein mit dem Yorsprung des nach den 
zerstreuten Häusern von Thannenkirch steil abfallenden 
Thännchel. Entfernter, in mehr südlicher Richtung, 
schieben sich die Bergzüge kulissenartig hinter einander." 
Zunächst treten die aus Gneiss und Granit aufgebauten 
Rappoltsteiner Berge, überragt von dem Hochrappoltstein, 
hervor. Links von letzterem fallen die eigenthümlichen 
Formen des Schlüsselsteins, Theile eines den Gneiss durch- 
setzenden Quarzganges, auf. Zwischen Rappoltstein und 
Thännchel schaut ein langgestreckter, einer Dachfirst ähn- 
licher Sandsteinrücken mit dem Königstuhl her\'or. Noch 
weiter nach Süden erblickt man den zwischen Kaysers- 
berger- und Münsterthal gelegenen plumpen Sandsteinklotz 
des Hohnack, in östlicher Richtung davon die Galtz, den 
dem bekannten "Wallfahrts- und Sommerfrischort der »Drei 
Aehren« nächst gelegenen Aussichtspunkt. 

Jenseits des Münsterthaies ragt der aus metamorphen 
Schiefem bestehende schön geformte Kegel des Staufen 
empor. Etwas weiter zurück gegen Süden lagert sich in. 
breiter Masse der Kahle Wasen, halb aus Granit, halb 
aus carbonischen Grauwacken zusammengesetzt. Zwischen 



Oberfl achcngestaltung. 



Kalüem "Wasen und Stauf en liindurch gewahrt man schliess- 
lich den höchsten Berg der Yogesen, den Gebweiler oder 
Sulzer Beleben mit dem gegen "Westen sich anschliessen- 
den Storkenkopf. Links vom Belchen ragt der Rossberg 
hervor. Der granitische Grenzkamm des Gebirges mit 
seinen gerundeten Buckeln schliesst das Bild gegen Süd- 
westen. 

Gegen Norden erhebt sich jenseits des Weilerthales 
aus der Rheinebene der aus Granit bestehende Dambacher 
Berg, an seinem südlichen Abfall die Reste der Burgen 
Ortenberg und Ramstein tragend. Es folgt gegen Westen 
die imponirende Gestalt des Ungersberges, eines, wie die 
Hohkönigsburg, dem Rothliegenden aufgesetzten Sandstein- 
kegels. Zwischen Ungersberg und Dambacher Berg hin- 
durch wird der Männelstein mit Schloss Landsberg am 
östlichen Abhang sichtbar. Die Buntsandsteinplatte des 
Altenberges mit der östlich vorgeschobenen Frankenburg 
im Vordergrund gegen Nordwesten trennt Leber- und 
Weilerthal. Gleichsam aus einer Yersenkimg aufsteigend 
erscheint in weiterer Entfernung der abgestutzte Sandstein- 
kegel des Climont. Massig erhebt sich am nordwestlichen 
Horizonte zwischen Climont imd Ungersberg der einfönnige 
Rücken des granitischen Hochfeldes, während links vom 
Climont, gegen "Westen, der aus Gneiss und Granit be- 
stehende Grenzkamm mit dem Einschnitt der Strasse von 
Markirch nach St. Die bei Chäteau de Faite hinzieht. 

"Wohl gewähren andere Höhen der Yogesen eine 
weitere Fernsicht als die Hohkönigsburg, von keiner 
derselben dürfte aber der Gegensatz von Ebene, Yor- 
hügellandschaft und Gebirge und die Mannigfaltigkeit der 
Gliederung des letzteren sich in ähnlicher "Weise über- 
schauen lassen. 

Die Fläche des Rheinthaies verläuft gegen Süden mit 
etwas südwestlicher "Wendung in das niedrige Hügelland 
des Sundgau, welches die Yogesen von den vom Jura in 
das Reichsland hereintretenden Bergen der Gegend von 
Pfirt trennt. Der Rhein -Rhonekanal überschreitet in 
345 m Höhe die "Wasserscheide zwischen Nordsee und 
Mittelmeer. Auch aus dieser Niederung, der burgundischen 
Pforte (Trouee de Beifort), erheben sich die Yogesen steil. 

1* 



Oborflächengestaltang. 



Von den jurassischen Yorhügeln bei Beifort bis zum Ei- 
sässischen Beleben muss man auf nur 20 km Entfernung 
800 ra ansteigen. 

Also auch der Siidabfall der Vogesen ist, wie der 
Ostabfall, steil, der Gegensatz zwischen (tebirge und 
Yorhügelland deutlich, wenn auch durch die beträchtliche 
Erhebung des letzteren (Miotte bei Beifort 444 m) nicht 
so auffallend wie im Rheinthal. 

Ganz andere Erscheinungen bi(»tet die Westseite der 
Vogesen, auf die wir hier nur hinweisen wollen, da sie 
ausserhalb der diesem Führer gesteckten Grenzen liegt. 
Hier haben wir nichts der Rheinebene vergleichbares, es 
fehlt eine in die Augen fallende (irenze des Gebirges. 
In einer Anzahl von Stufen sinkt die Landschaft bis zur 
Mosel, eine Stufe bildet wiederum das linke, westliche 
Gehänge dieses Flusses. Langgezogene Rücken (Cöte de 
Delme, Cöte de Mecleuves, Cöte de Tromborn) wechseln 
mit einförmigen Flächen. Lunevilh», doppelt so weit 
{60 km) .vom Schneeberg, dem höchsten Punkt der Nord- 
vogesen (961 m), entfernt als Strassburg (35 km), liegt 
noch fast genau 100 m höher als dieses. (Luneville 234 m, 
Strassburg 138 m *). Um an der Mosel das Niveau von 
Strassburg zu erreichen , muss man in nördlicher Richtung 
bis nach Diedenhofen hinabgehen. Die Doggei-stufe west- 
lich von Metz erreicht am St. Quentin noch 338 m Höbe. 

Im südlichen Theil der Voges(»n breitet sich das 
eigentliche Gebirge vom Grenzkamme ab viel weiter nach 
"Westen als nach Ost(»n aus. Vom Elsässer Beleben kann 
man beinahe 40 km bis jenseits Romiremont in Granit 
wandern, noch über 80 km weit tritt er hier imd da 
unter dem hochgelegenen Buntsandstein heraus, während 
man in entgegengesetzter Richtung schon in 15 km Ent- 
fernung vom Elsässer Beleben die Ebene unterhalb Mas- 
münster erreicht. Ein Blick auf eine geologische Ueber- 
sichtskarte*} lässt erkennen, dass die südliche Hälfte der 



1) Fuss des Münsters (höchster Punkt des aufgeschütteten Bodens 
143,5 m. 

2) Der deutsche und französische Theil der Vogesen ist auf f«il- 
genden Karten geologisch kolorirt: Lepsius, Geologische Karte dos 



Oberflächengestaltung. 



Vogesen eine breite, aus Ei-uptivgesteinen und paläozoi- 
schen Sedimenten aufgebaute Masse darstellt, durch welche 
die Flüsse meist in nordwestlicher Richtung in langem 
Laufe sich hindurchwinden, ganz anders wie die kurzen 
Wasseradern der Ostseite, so die Mosel über Epinal, die 
Mortagne über Ramberviller, die Meurthe über Baccarat. 
Bis etwa zu einer Linie von Bourbonne-les-Bains nach 
Luneville legen sich vor diesen krj^stallinischen und alt- 
sedimentären Kern Triasplatten, deren südlichste, grösste- 
zwischen Bourbonne-les-Bains und Remiremont in den 
einen nach Süden offenen Bogen bildenden Monts Faucilles 
abschliesst. Die Erosion hat diese Platten vielfach in 
lange Streifen (Rücken) zerschnitten, die besondere Namen 
erhalten haben, so die dui'ch einen Basaltdurchbnich aus- 
gezeichnete Cote d'Essey zwischen Mosel und Mortagne. 

Blickt man von einer freien Stelle einer solchen 
Platte , etwa vom Bois d'Herival bei Remiremont oder der 
genannten Cote d'Essey gegen Osten nach dem Gebirge^ 
so erscheint dasselbe wohl massig und imponirend, aber 
viel weniger gegliedert, als auf der Ostseite. Irgend eine 
auffallende Grenze zw^ischen einer Ebene und einem Steil- 
anstieg fehlt durchaus. Aeltere Autoren, wie Hogard 
und besonders E. de Beaumont in seiner klassischen 
Beschreibung der Vogesen haben dies Yerhältniss bereits 
betont und durch Ansichten und Profile erläutert. 

Etwas anders ist die Gestaltimg des westlichen Ge- 
birgsabfalles weiter nördlich. Hier macht sich eine un- 
gefähr nordsüdlich verlaufende, mit dilu\ialen Kiesmassen 
erfüllte Depression von Saarburg bis nördlich von Saar- 
alben bemerkbar, nicht entfernt der Rheinebene vergleich- 
bar, gegen die sie imi 100 m höher liegt,') aber doch 
insofern von Bedeutung, als in ihr die Saar fliesst und 
die von Osten kommenden Gewässer aufnimmt, die daher 
einen viel kürzeren Lauf haben, als die südlicher gelegenen. 
Das ganze Gebirge von der Saar bis hinüber nach dem 



deutsclien Eeiches. Im Maassstabe 1:500000. Sect. 22 Strassburg, 
Sect. 25 Mülhausen, und Vasseur et Carez, Carte göologique gönörale 
de la France ä rechelle de 1:500000 VI NO, VI SO, VI NE, VI SE. 
1) Saarburg 249 m. — Strassburg 138 m. — Saaralben 211 m. — 
Lauterburg 110 m. 



Oberflächengestal tungr. 



Rheinthal erscheint als eine einheitliche , sanft nach Westen 
abfallende Platte, in welche die Flüsse sich unregelmässig 
gewundene Thäler eingeschnitten haben. Bald dringen 
sie weit nach Osten, bald nach Westen, in entgegen- 
gesetzter Richtung an einander vorüberziehend ein , so dass 
die Wasserscheide zwischen Saar und Rhein in einer zick- 
zackförmigen, abwechselnd nach Westen und Osten vor- 
springenden Linie verläuft. 

Von einem Kamm als Wasserscheide, wie etwa vom Reis- 
berg zum Elsässer Beleben im Süden, ist hier keine Rede. 

Weil diese Platte in der nördlichen Verlängerung 
der Hochvogesen liegt imd w^ie diese steil nach dem 
Rheinthal abfällt, hat man sich gewöhnt, auch sie als 
Vogesen zu bezeichnen und nur durch einen Zusatz 
nach der Höhenlage oder dem Gesteinsmaterial als niedere 
oder Sandsteinvogesen zu unterscheiden. Diese Art der Be- 
nennimg kann leicht zu irrthümlichen Vorstellungen Ver- 
anlassung geben. Die nördliche Sandsteinplatte ist nicht 
sowohl eine Fortsetzung der krystallinischen Vogesen, als 
vielmehr der westlich an diese sich anlehnenden Platten, 
die von dem jurassischen Plateau von Langres an bis 
nach dem Rheinthal sich dem alten aus Gneiss, Massen- 
gesteinen und gefalteten Sedimenten bestehenden Kern 
der Hochvogesen, anfangs gegen Westen, dann durch 
Nordwesten gegen Norden anlegen. Die Hochvogesen 
sind eine gewaltige, kuppelartige Erhebung, welche von 
einem Mantel ungefalteter oder nur schwach gefalteter 
Sedimente , eben diesen Platten , umhüllt wird. Kern wie 
Hülle sind auf der Ostseite abgebrochen , Reste der nieder- 
gesunkenen Massen stehen in den Vogesenvorhügeln an, 
mächtige Aufschüttungen schufen die Fläche, auf der der 
Rhein fliesst. 

Altgewohnte Bezeichnungen sind schwer zu ver- 
drängen, aber es wäre doch wünschenswerth , wenn man 
die Vogesen etwa bei Zabem, nicht aber an der nörd- 
lichen Grenze des Elsass enden liesse imd das nördlich 
folgende Sandsteingebirge mit dem pfälzischen Sandstein- 
gebirge als Haardt vereinigte.^) 

1) van Werveko , Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellsch. XLI V. 
1892. 597. 



OberflAchengestaltnng. 



Wanderungen von Osten nach Westen lassen den 
Unterschied zwischen dem nördlichen und südlichen Ge- 
birgsabschnitt am besten erkennen. Wer vom Münster- 
th^d über das Fischbödele, durch das Frankenthal oder 
durch die Schlucht nach dem Kamme hinaufsteigt und 
dann seinen Weg über die Seen nach Gerardmer, nach 
Bruyeres oder nach Remiremont, immer im Granit blei- 
bend, fortsetzt, der gewinnt eine gute Yorstellung der 
Hochvogesen. Man vergleiche damit den Anstieg nach 
dem lothringischen Hochlande, etwa von Zabem aus. In 
kaum einer Stunde erreicht man auf der einst so be- 
rühmten Zabemer Steige die Conglomeratkante unter dem 
oberen Buntsandstein, nur wenige Meter unter der höchsten 
Erhebung des Gebirges. Wählt man den Weg durch das 
Zomthal, so kommt man erst nach 15 km an die Konglo- 
merate, die bei Arzweiler unter den jüngeren, von Eisen- 
bahn und Kanal durchf ahrenen Sandstein sinken. Niemand 
zweifelt, dass er sich bei Gerardmer und Remiremont 
noch im Gebirge befindet. Wo soll man aber zwischen 
Zabem und Saarburg die Grenze ziehen? Legen wir sie 
an den Beginn der lothringischen Abdachung, so erreichen 
wir sie in dem einen Falle dicht bei Zabem, in dem an- 
deren erst bei dem Arzweiler Tunnel. Von einem Gebirge 
als massiger Erhebung mit radial ausstrahlenden Thälern 
oder einer orographisch als Kamm erscheinenden Wasser- 
scheide ist hier überhaupt nicht mehr die Rede. Stufen- 
land und Massengebirge sind eben ganz verschiedene 
Oberflächengestaltungen, die man nicht wie ein einheitlich 
aufgebautes Gebirge mit einem gemeinsamen Namen be- 
zeichnen sollte. 

Durch die Sandsteinvogesen führen die alten Völker- 
strassen vom Rhein nach der Mosel. Von Wörth durch 
das Sauerthal aufwärts, dann über Stürzelbronn nach 
Bitsch und den Hombach hinunter nach der Blies und 
der Saar kann man ohne irgend wesentliche Steigungen 
aus dem Elsass nach Lothringen gelangen. Zorn- und 
Zinzelthal steigen so allmählich an, dass auch sie bequeme 
Uebergänge bilden. 

Zwischen Zabem und dem Südabfall der Vogesen 
führten in alter Zeit, mit Ausnahme der der Längs- 



8 OberflAckengestaltan?. 



erstreckiing des Gebirges parallel laufenden Strasse von 
Schirmeck nach St. Die, nur Saumwege aus dem Elsass 
nach Lothringen. Alle die schönen Kimststrassen , die 
jetzt den Verkehr vennitteln, sind neuere Anlagen, noch 
fehlt auf dieser ganzen Strecke eine direkte Eisenbahn- 
verbindung. 

Es \^Tirde oben gelegentUch der Vorhügel Erwähnung 
gethan. Sie stellen im Allgemeinen staff eiförmig, doch 
sehr unregelmässig gelagerte, nach dem Rheinthal ab- 
gesunkene Stücke des Gebirges dar. Mitunter können sie 
ganz fehlen, wie zwischen Dambach und dem Ausgang 
des Weilerthales , oder eine schmale Zone bilden, wie 
zwischen dem Weilerthal und Münsteithal. Mitimter er- 
reichen sie aber auch eine grössere Ausdehnung, so 
zwischen Münster- und Lauch thal. Die bedeutendste Ent- 
wicklung erlangen sie jedoch zwischen AVasselnheim und 
AVöi*th , so dass man hier von einem besonderen Zaberner 
Bmchfelde spricht. Die Breitenausdehnung desselben von 
Zabern bis nach Waltenheim beträgt nahezu 20 km. 

Von den Vorhügeln zu unterscheiden ist die ein viel- 
fach gefurchtes Plateau darstellende Landschaft des Sund- 
gau, die sich, wenn auch nicht hoch, über die Rheinebene 
erhebt. Sie wird gebildet von horizontal gelagerten oder 
doch nur wenig geneigten, grösstentheils mit Schotter, 
LÖSS und Lehm überdeckten Tertiärschichten, deren Ab- 
lagenmg der Hauptsache nach erfolgte, nachdem der 
Einbi-uch des Rheinthaies begonnen hatte. 

Ein den Vogesen ganz fremdartig gegenüberstehendes 
Gebirge ist der Schweizer Jura, der bei dem Städtchen 
Pfirt in das Elsass hineingreift. AVir haben demselben 
eine Excursion gewidmet, da er eine Formation, den 
Malm, in versteineiTingsreicher Entwicklung zeigt, die 
sonst im Elsass fehlt und da er ausserdem in tektonischer 
Beziehung besonderes Interesse bietet. 

Nach dem Gesagten haben wir in unserem Gebiete 
folgende Abschnitte zu unterscheiden: 

L Die eigentlichen Vogesen (Hoch vogesen , krystal- 
linische Vogesen) vom Südabfall des Gebirges bis 
Zabern (Exe. 10 — 20). 



Oberflächongestaltun^. 9 



2. Die Haardt oder Nordvogesen (niedere Vogesen, 
Sandsteinvogesen) von Zabem bis zur pfälzischen 
Grenze bei Weissenburg, untrennbar in die pfälzische 
Haardt übergehend (Exe. 1 u. 7). 

3. Das lothringische Stufenland (Exe. 3). 

4. Die Yogesenvorhügel (Exe. 2, 4 — 6, S). 

5. Den Sundgau (Exe. 21). 

6. Die Rheinebene. (Exe. 9). 

7. Die Berge von Pfirt (Exe. 22). 

Diese Abschnitte sind alle in den unten beschriebenen 
Excursionen berücksichtigt. 

Die Haardt und das lothiingische Stufenland zeigen 
einen einheitlichen geologischen Aufbau, insofern sie aus 
wenig geneigten, ebenen oder schwach gebogenen, durch 
normale Verwerfungen gegen einander verschobenen Platten 
bestehen. Einheitlich ist auch der Aufbau der Vorhügel, 
da es sich auch hier um Platten oder paraJlelopipedische 
Gebirgsstücke handelt, die, meist von geringer Horizontal- 
ausdehnung, bald als sogenannte Gräben, bald als Rücken, 
nicht selten mit steiler Schichtenneigung, neben einander 
gestellt sind. Die Berge bei Pfii-t zeigen eine gleichartige 
Anordnung von Sätteln und Midden mit gelegentlichen 
QueiTcrschiebungen. Das Rheinthal stellt die Oberfläche 
mächtiger, nach ihier Entstehung wenig gestörter Auf- 
schüttungsmassen dar. Die Hochvogesen hingegen lassen 
eine solche Einheitlichkeit des Aufbaues vermissen, trotz- 
dem sie sich in ihrer Gesammtheit selbstständig den 
anderen Gebieten gegenüber stellen. Die Mannigfaltigkeit 
der sie zusammensetzenden Gesteine , die tief eingreifende 
AVirkung der Erosion, gestalten ihre Oberfläche viel 
wechselvoller. Ueber sie dürften einige orientirende Be- 
merkungen am Platze sein. 

Im nördlichen Theil der Hochvogesen bildet das 
AVeilerthal eine Einsenkung, welche quer in das Gebirge 
hineinzieht. Sie ist erfüllt von Gesteinen der oberen 
Kohlenfomiation und des Rothliegenden, deren Lagening 
darauf hindeutet, dass hier bereits in sehr alter Zeit, vor 
Ablagerung der oberen Kohlenformation, eine mulden- 
artige Vertiefung im alten gefalteten Gneiss - und Schiefer- 
gebirge bestand. 



1 Obcrflächongestaltung. 



Nördlich von der Senke liegt altpaläozoisches Schiefer- 
gebirge und die Granitmasse des Hochfeldes (1099 m). 
Dieses nimmt zwar eine selbstständige Stellung ein, braucht 
aber darum doch nicht, wie geschehen ist, äs ein beson- 
derer, den südlichen Yogesen gleich werthiger Abschnitt 
der Hochvogesen bezeichnet zu werden. 

Dem oberen Weilerthal parallel läuft als nördliche 
Grenze des Hochfeldes das untere Breuschthal, gegen 
Westen hegt die tiefe Furche des oberen Breuschthales. 
Nur gegen Südwesten findet ein Zusammenhang des Hoch- 
feldes mit dem bis Senones zu verfolgenden Granit statt. 
Gegen Osten hin legt sich Buntsandstein (Odilienberg 
762 m, Männelstein 823 m) vor, nördlich von Andlau 
tritt aber nochmals Granit, nur durch eine schmale Vor- 
hügelzone vom Rheinthal getrennt, auf. Er trägt die 
Ruinen Andlau, Spesburg und Landsberg (hier Diorit). 
Die orographische Selbstständigkeit des Hochfeldes tritt 
auf einer topographischen Karte durch den von der Höhe 
aus radialen Yerlauf der Thäler deutlich hervor (Steinthal 
nach Nordwest, Magelthal nach Nord, Andlauthal nach 
Ost). 

Nördlich vom Breuschthal beginnt die zusammen- 
hängende Sandsteinplatte, schnell zu den Höhen vom 
Donon (1008 m) bis zum Schneeberg (961 m) ansteigend. 
Sie ruht auf Rothliegendem, welches mit seiner Porphyr- 
decke im Gebiet des Haselthales (Nideck) , des Thaies von 
Wisch und in den vom Donon nach Nordwesten und 
Westen hinunterziehenden Thälem schön aufgeschlossen 
ist. Von der in diesem Gebiet erreichten Höhe von 
1000 m fällt das Buntsandsteinkonglomerat rasch nach 
dem Zornthal bis auf 450 m (Hohbarr) hinunter. Das 
Gebirge zwischen Breusch- und Zomthal schliesst sich 
durch seine paläozoische Unterlage unmittelbar an die 
Hochvogesen an, deren Höhe es auch erreicht, durch den 
Buntsandstein hängt es aber unmittelbar mit dem nörd- 
lichen niederen Gebiete zusammen. Es nimmt also eine 
Mittelstellung ein. 

Die Senke des Weilerthales hat zwei Ausgänge nach 
dem Rheinthal, einen tieferen, südlichen, durch den der 
Giessen fliesst, und einen höher gelegenen nördlichen über 



Oberflächengestaltang. 1 1 



Nothhalten. Beide werden getrennt durch den vom Hoch- 
feld unabhängigen Granitstock von Dambach. 

Dem Eothliegenden aufgesetzt ist der ringsum frei 
gewaschene Sandsteinkegel des Ungersberges (901 ra), 
mit seinem Nordfuss an die Schieferhülle des Hochfeldes 
anstossend. Eine ähnlich isolirte Stellung wie der Ungers- 
berg nimmt im Westen des Weilerthales , auf den höchst 
gelegenen Partieen des Rothliegenden, am Uebergang 
vom Weilerthal nach dem oberen Breuschthal ruhend, 
der Climont (966 m) ein. Beide Berge bieten ausgezeich- 
nete Rundsichten. 

Die längere südliche Hälfte des Gebirges vom Weiler- 
thal bis zum Südabfall ist dadurch ausgezeichnet, dass ein 
lang hinziehender Kamm oder vielmehr zwei beim Col 
des Bonhomme an einander gelegte Kämme vom Elsässer 
Beleben bis etwas nördlich von der Diedeler Höhe (Chä- 
teau de Faite, westlich von Markirch) sich verfolgen 
lassen. Sie werden zum grösseren Theil von Granit (Am- 
phibolführender Granitit, sogen. Kammgranit, Amphibol- 
granit am Elsässer Beleben), zum geringeren von gefaltetem 
üntercarbon gebildet. Auf ihnen läuft die Landesgrenze, 
der Wasserscheide folgend. lieber dem südlichen Kamm 
erbebt sich in sanfter Rundimg der zweithöchste Berg der 
Vogesen, der Hohneck (1361 m). Von Kammhöhen mögen 
überhaupt hervorgehoben sein, vom Elsässer Beleben 
(1245 m) beginnend: Obere Bers (1248 m), Rothei-wasen 
{1249 m), Di-umont (1200 m), Felleringer Kopf (1222 m), 
Gross Ventron oder Wintei-ung (1200 m), Rheinkopf (1298 m), 
etwas östlich vom Kamm Rothenbacher Kopf (1316 m). 
Hohneck (1361 m), Roche du Thanet (1292,5 m), Reisberg 
(1272 m), Chäteau de Faite (882 m). Als besonders 
günstige Punkte, um einen Ueberblick zu gewinnen, seien 
Elsässer Beleben, Rothenbacher Kopf , Hohneck und Reis- 
berg genannt. Eine Kammwandernng würde nur etwa 
vom Elsässer Beleben bis zur oberen Bers und der Klippe 
über dem Stemsee, dann vom Rothenbacher Kopf bis 
zum Reisberg zu empfehlen sein. Lohnender für den 
Geologen ist der wiederholte Anstieg aus den Thälern 
nach den Gipfeln. 



1 2 Oberflächon^ostrtltunfT. 



Die ^pfalt»'tt»n ScliH^fcr- und (li-auwacken, welche 
zwischen dt»m Elsässer Bolchtm und dorn Col de Bussang 
dfn (in»nzkamni lülden, gewinnen nach Osten bedeutend 
an Brtnte und setzen das (iebiiye bis an das Rheinthai 
zusammen, in dt^n weit nach Osten vorgeschobenen Geb- 
weiler oder Sulz(»r Heichen (1424 m) die höchste Erhebung 
der Vogesen ))ildend. Innerhalb desselben tritt auf der 
iSüd- und Ostseite des Beleben von AVesserling bis gegen 
Murbach noch einmal Kainmgranit zu Tage. Dieses 
Schiefer- und (Jrauwackengebirge ist eine vielfach zu- 
sainmeng(\schobene und von Stöi-ungen durchsetzte ge- 
wölbeartige Erhebung. Eint? grosse Anzahl zum Theil 
sehr mächtiger Erui)tivdecken sind derselben eingelagert. 
Der ältere Theil, der Kern, liegt gegen Noi*dwesten und 
erreicht das oben» Alüiistei-thal. Dieses Thal seihst ver- 
läuft aber beinahe ganz im Oranit, welcher, vom Kamm 
sich weit nach Osten erstreckend, erst bei Winzenheim 
am Rheinthal sein End(^ erreicht, also hier die ganze 
Breite der Vogesen einnimmt. 

Zwisch(4i dem iinten^n Münstei*thal und dem Weiler- 
thal erreicht Oneiss eine b(Hleutend(» Entwicklung. 

Man trennt in dcnnselben nach den Gebieten der 
Hauj)tverbreitung Kaysersberger, Markircher und Urbeiser 
(rneiss. Letzterer lic^gt am weitestfMi gegtm Norden, er- 
reicht allein den Kamm und setzt über denselben noch 
weit nach Frankreich f()i*t. Die Obeiflächcmfonuen des 
(ineiss sind wenig auffallend, meist wird er von Granit 
ü})erragt; in der Nähe des Kammes erreicht er grössere 
Höhen, so an der Passhcihe zwischen Markirch und Bon- 
homme (in Markirch Diedolshauser Höhe oder Haut du 
Bonhomme gemannt, nicht mit Col du Bonhomme zwischen 
Bonhomme und Plainfaing zu venvechseln) 905 m, bei 
la Hingrie nordöstlich von Markirch zwischen Leber- imd 
AVeilei-thal 900 m. 

Eine gesonderte Stellung nimmt östlich vom Kamme 
der aus einem zweiglimmerigen (iranit bestehende Bre- 
zouard (1229 m) zwischen AVeiss- und Leberthal ein. Er 
übertrifft an Höhe den Granitkamm der Gienze und bietet 
eine ausgezeichnete Rundsicht, nach Frankreich bis St. Die 
und Nompatelize. 



OberflUchenge&taltnng. 1 3 



Während vom Hochfeld die Thäler radial auslaufen, 
verhalten sie sich in dem südlichen Gebirgsabschnitte an- 
ders. Hier streben sie, im Norden etwas nach Nordost, 
im Süden etwas nach Südost gewendet, auf möglichst 
kurzem "Wege dem Rheinthal zu, so lange sich ihnen 
nicht ein besonderes Hinderniss entgegenstellt. So das 
Münsterthal von der Fecht durchflössen , bei Münster sich 
in das Gross- und Kleinthal gabelnd, diese sich noch 
mehrfach in ihrem Oberlaufe verzweigend. Bezeichnend 
ist der circusaiiige Abschluss der Thäler unter dem Kamme 
(Frankenthal, Schiessrothried, Fischbödele, Altenweiher). 
Von dem ebenen oder etwas vertieften Grunde eines 
solchen Circus erhebt sich das Gebirge steil nach drei 
Seiten. An der vierten, thalabwärts, senkt sich der Thal- 
gnmd plötzlich, so dass eine Stufe gebildet wird. An 
deren oberer Kante hat man in mehreren Fällen, unter 
Benutzung aus der Glacialzeit stammender Schuttwälle 
(Moränen), Dämme quer über das Thal gezogen. Hinter 
denselben sammelt sich das Wasser zu Stauweihem, deren 
Abfluss durch Schleusen geregelt wird. 

Gleiche Verhältnisse findet man am Ostabfall des 
Grenzkammes zwischen der Schlucht und dem Col du 
Bonhomme (Sulzerner- oder Daren-, auch Grüner See, 
Forellen weiher, Schwarzer See, Weisser See). Hier haben 
die Abflüsse den Widerstand des Kaysersberger Gneiss 
nicht überwinden können, wenden sich daher nicht direkt 
nach dem Rheinthal , sondern haben sich ihre Wege theils 
gegen Südosten nach dem Münsterthal , theils gegen Nord- 
osten nach dem Kaysersberger Thal gesucht. 

Die Geschichte der Vogesenthäler ist schwer zu ent- 
ziffern, da verschiedene Factoren bei der Bildung der- 
selben mitwirkten. Gebirgsstörungen kommen nur an 
wenigen Punkten in Betracht, es handelt sich beinahe 
ausschliesslich um die Wirkung der Erosion. Im All- 
gemeinen erreichen die Gewässer die Ebene auf dem 
kürzesten Wege, wenn sie gleichartige oder gleich ge- 
lagerte Gesteine zu durchschneiden haben. Ein Wechsel 
des Gesteins bedingt meist eine Ablenkung, indem die 
erste Furchung der Gesteinsgrenze folgte. War so eine 
Richtung einmal vorgezeichnet, so wurde sie der Haupt- 



1 4 Oberflttchengestaltung. 



Sache nach beibehalten. Dollerthal und Amariner Thal 
bis zur Gabelung oberhalb Wesserling liegen in Schicht- 
gesteinen und eruptiven Decken, welche die Rolle von 
Schichten spielen. Das Münsterthal liegt wesentlich in 
Granit, der untere Theil des Kaysersberger Thaies im 
Gneiss. Sie verlaufen entweder in ihrer ganzen Er- 
streckung oder doch wenigstens im unteren Theil ziemhch 
geradlinig nach dem Rheinthal. Der Oberlauf nimmt oft 
eine der Längserstreckung des Gebirges ganz oder nahezu 
parallele Richtung an und diese Abweichung ist meist 
durch Gesteinswechsel in Folge des Auftretens selbst- 
ständiger geologischer Körper bedingt. So folgt das obere 
Amariner Thal von seinem Anfang bis öderen der Gienze 
von Granit und Untercarbon. Letzteres in seiner gewölbe- 
artigen Erhebung mit Abflüssen nach allen Seiten bot 
einer Durchsägimg ein ganz besonderes HindeiTÜss. Da- 
her wandten sich die vom Granit des Kanunes herunter- 
kommenden Gewässer nach Süden. Der Granitstock des 
Brezonard bedingte wahrscheinlich den nach Nordosten 
gerichteten Verlauf des oberen Lebei'thales. Der Granit 
des Hochfeldes drängte den Oberlauf der Breusch in eine 
ebenfalls nordöstliche Richtung. Eine der Haupteigen- 
thümlichkeiten des Aufbaues derYogesen, die Yorlagerung 
selbstständiger, zu bedeutender Höhe sich erhebender 
Massen östlich von dem Kamme des Gebirges, prägt sich 
also auch im Verlauf der Thäler deutlich aus. 

In der südlichen Hälfte der Hochvogesen tritt eine 
Form der höheren Erhebungen wiederholt auf, die als 
Beleben (Ballons) bezeichnet wird. Die Gestaltung ist 
einförmig, doch imponiren Höhe imd Massenhaftigkeit. 
Auch Berge wie der Brezouard , die der Volksmund nicht 
mit dem Namen Beleben belegt, zeigen dieselbe Ge- 
staltung. Bäume kommen auf diesen Höhen nicht mehr 
fort, letztere sind mit Grasflächen überzogen, aus denen 
nur hier und da eine Kuppe oder ein Kamm widerstands- 
fähigeren Gesteins hen'orragt. An ein bestimmtes Gestein 
ist diese Bergform nicht gebunden. Der Gebweiler Beleben 
besteht aus harten Grauwacken , der Elsässer Beleben aus 
Granit, über den höchsten Punkt des Kahlen "Wasen 
(Kleinen Beleben) läuft die Grenze zwischen Granit und 



Oberflttchengestaltaog. 1 5 



Grauwacke. Die Form der Beleben ist wohl wesentlich da- 
durch veranlasst, dass sie durch eine Schnee- und Eisdecke 
lange Zeit hindurch der Einwirkung des die Vei'witterungs- 
produkte wegführenden und immer neuere Angriffsflächen 
schaffenden fliessenden Wassers entzogen waren. 

Auf eine eigenthümliche Gestaltung der Oberfläche 
des Gebirges nördUch vom Münsterthal sei noch hin- 
gewiesen. Es wurde oben der durch ihre Form ausge- 
zeichneten Lage des Climont und des' Ungersberges ge- 
dacht. Ihnen schliesst sich durch seine isoHrte Form der 
Denen (1008 m) an, der nur an zw^ei Stellen noch mit 
den südlich und nördUch gelegenen Buntsandsteinmassen 
zusammenhängt, sonst aber durch die Erosion bis auf 
seine Unterlage von EothUegendem frei gelegt ist. Eine 
ähnlich isolirte Masse ist die Hohkönigsburg, lang ge- 
stieckt, rückenartig von Norden oder Süden aus, spitz 
kegelförmig, einem vulkanischen Berge ähnlich, von der 
Ebene aus gesehen. Sie ist am weitesten nördlich unter 
einer Anzahl von Platten, Rücken oder Kegeln gelegen, 
die dem Granit und dem EothUegenden zwischen Münster - 
und Leberthal aufgesetzt sind. Die nächste südliche 
grössere Masse ist der Rammelstein mit dem Thännchel, 
der über die Markircher Höhe mit dem Königstuhl (918 m) 
zwischen Strengbachthal und Kaysersberger Thal zu- 
sammenhängt. 

Die südlichsten Vorkommen von Buntsandstein liegen 
nördlich vom Münsterthal zwischen dem Seengebiete am 
Fusse des Reisberges und den Drei Aehren auf Gneiss 
und Granit. Am bekanntesten sind hier die eigenthüm- 
lichen Gestaltungen des Grossen und Kleinen Hohnack 
(976 und 920 m). 

Als eine auffallende Gestaltung des Abschnittes süd- 
lich vom Münsterthal seien noch die Kegel des Staufen 
(9(X) m) und des Stimipfen Kopfes erwähnt, wiederum 
w^eit gegen die Ebene vorgeschoben, vom westlichen Ge- 
birge durch das Wasserburger Thal getrennt und daher 
treffUche Aussicht bietend. Es sind mitten im Kammgranit 
eingeklemmte, grösstentheils metamorphosirte, Schollen alt- 
paläozoischer Schiefer, deren genaueres Alter sich nicht 
angeben lässt. 



1 6 Formationon. 



Die im Elsass aaftretendcii Formationen. 

In der in dem letzten Theile dieses Führers gegebenen 
Beschreibung der Excursionen finden sich Angaben über 
die auf jeder dersell)en bemhrten Formationen. Die hier 
folgende Zusammenstellung enthält eine Aufzählung aller 
in unserem Gebiete vorkommenden Formationen mit ihren 
Stufen in chronologischer Reihenfolge. Sie soll den Leser 
in die Lage versetzen, sich über das gegenseitige Alters- 
verhältniss der weiter unten lediglich nach dem lokalen 
Auftreten, also oft herausgerissen aus der ui*sprünglichen 
gesetzmässigen Aufeinanderfolge, bespruchencui Bildungen 
zu Orientiren. 

Die einiptiven Gesteine sind hinter den Sedimenten 
aufgeführt. Ihr Alter lässt sich nur innerhalb gewisser 
Grenzen nach ihrei Stellung zu den Sedimenten angeben. 

I. Bas Grandirebirire. 

Die ältesten in den Yogesen auftretenden Gesteine, 
welche die Unterlage aller anderen Bildungen ausmachen, 
sind Gneis se von recht verschiedener Beschaffenheit mit 
Einlagerungen krystallinischer Kalke. Da die Art ihrer 
Entstehung nicht sicher bekannt ist und daher nach dieser 
eine Bezeichnung nicht gegeben werden kann, hält man 
sich an die Lagenmg und spricht von Gmndgebirge. Sie 
sind auf den mittleren Theil des Gebirges zwischen 
Münster- und Urbeiser Thal beschränkt. 

Man unterscheidet den Kay sersberger, Markircher 
und Urbeiser Gneiss. In den zweitgenannten führt 
uns Exe. 14. 

ir. Paläozoische Formationsgrnp|)e. 

1. Cambrische (?) Formation. (Exe. 12, 13.) 

An der Grenze des Gneiss gegen die jüngeren Bil- 
dungen liegen die Gesteine, die Cohen als Grenzzone 
unterschied. Sie zeigen Merkmale starker Quetschung. 



Formationen. 17 



Eine untergeordnete Stellung nehmen in den Vogesen 
Gesteine ein, die petrographisch den in anderen Gebirgen 
über dem Gneiss so mächtig entwickelten Glimmer- 
schiefern verglichen werden können. Sie finden sich 
in überlappter Lagerung nächst dem Gneiss im Urbeiser 
Thal an der Basis mächtiger phyllitischer Massen, 
die sich in einem bis mehrere Kilometer breiten Zuge 
von der französischen Grenze zu beiden Seiten des Climont 
bis an das Rheinthal bei Andlau in ziemlich steiler 
Schichtenstellung mit im allgemeinen ostnordöstUchem 
Streichen hinziehen. Sie sind in Weiler und Steiger 
Schiefer getrennt worden. 

Die dunkel grünlich -grauen bis bläulich -schwarzen 
Weiler Schiefer sind reich an Einlagerungen von Quarz 
in Knauem, schmalen der Schichtung folgenden Lagen 
und grösseren Linsen. Sie sind gewöhnlich krystallinischer 
und glänzender als die jüngeren mehr thonschieferähn- 
lichen Steiger Schiefer, die eine violette und röthliche, 
seltener dunkelgraue bis schwarze Farbe haben. 

Es hat sich in diesen Schichten bisher noch keine 
Spur einer Versteinerung gefunden , trotzdem sie zweifellos 
sedimentärer Natur sind. Die petrographische Beschaffen- 
heit, dann die Einlagerung von Eruptivgesteinen (Dia- 
basen), zeigt eine grosse Aehnlichkeit mit dem Cambrium 
Ostthüringens und des Fichtelgebirges. Es ist daher nicht 
unwahrscheinlich, dass die Weiler und Steiger Schiefer 
dieser ältesten Sedimentformation angehören. 

2. Devonformation. (Exe. IL) 

Silurische Bildungen scheinen in den Vogesen 
zu fehlen. Auf die Steiger Schiefer folgen im Norden 
sehr verschieden entwickelte Schichten, in denen an 
einigen Stellen devonische Versteinerungen gefun- 
den sind. Thonschiefer, Grauwacken und Conglomerate, 
denen Quarzite, Kalk und besonders mächtig entwickelte 
Diabas- und Porphyrtuffe eingelagert sind, herrschen. Die 
Verbreitung reicht vom oberen Breuschthal bei Saales bis 
Urmatt und in nordwestlicher Richtung über Wackenbach 
bis an die französische Grenze am Südwestfuss des Donon. 
Führer durch d. Elsass. 2 



18 Fermationen. 



Wie bei den Weiler und Steiger Schiefem ist das 
Streichen im allgemeinen von Westsüdwest nach Ostnord- 
ost gerichtet. Die Thonschiefer haben bald eine Be- 
schaffenheit, dass sie als Dachschiefer benutzt werden 
konnten, bald sind sie weniger dünnschief eng, rauher 
und zerfallen griffelartig (Grauwackenschiefer). Die Grau- 
wacken verdienen theils diesen Namen, indem sie aus 
zum Theil eckigen Fragmenten verschiedener älterer Ge- 
steine in festem Zusammenhalt bestehen, theils sind unter 
diesem Namen allerhand Arkosen und schwer definirbare 
Gesteine zusammengef asst , die in jedem einzelnen Falle 
eine besondere Beschreibung erfordeni. Die Conglomerate 
enthalten kleine bis faustgrosse Gerolle von Quarz und 
verschiedenen emptiven Gesteinen. Häufig sind sie in 
der Nähe von Graniten so umgewandelt, dass sie nicht 
mehr einem klastischen Gestein, sondern einer felsitischen 
Masse gleichen. 

Besonderes Interesse beanspnichen die Einlage- 
rungen von Kalk. Sie treten entweder in grösseren 
linsenförmigen Massen, oder in Geröllfomi auf. In letz- 
terem Falle handelt es sich eigentlich um Conglomerate 
mit Kalkge rollen. Die grösseren, linsenfönnigen Masseh 
sind wesentlich zoogene Gesteine, in ei*ster Linie aus 
Stromatoporen und Favositiden aufgebaut. Einzelne Lagen 
bestehen aus Resten von Crinoiden, seltener sind Brachio- 
poden. Kalkmassen wie jene von Russ und vom grossen 
Kalkbruch bei Schirmeck (Chaufour) können direct als 
Stromatoporenriffe bezeichnet werden. 

In einer nur wenig zu Tage stehenden Kalkklippe 
unterhalb Schirmeck fand sich eine kleine Fauna, die der 
sogenannten Crinoidenschicht der Eifel, an der Grenze 
von Calceolaschichten und Stringocephalenkalk liegend, 
entspricht. 

Die in Geröllform vorkommenden Kalke sind in der 
That inind gewaschene Kalkfragmente, nicht etwa con- 
cretionäre Massen. An dem Einschnitt der alten Bahn- 
linie unterhalb Schirmeck, halbwegs gegen Hersbach, 
liegen sie , nuss - bis über köpf gross , in glänzenden Thon- 
schiefem. Da die Kalke denen der Riffe gleichen, auch 



Formationen. 19 



Stromatoporen und andere Versteinerungen enthalten, 
könnte man hier an Riffblöcke denken. 

Anders beschaffen sind Gesteine mit Kalkgeröllen, 
die in neuerer Zeit im oberen Breuschthal, besonders 
zwischen Champenay und Fosses, in grösserer Verbreitung 
nachgewiesen wurden. Es sind rothe Thonschiefer, braun- 
rothe, thonige Sandsteine, feine Arkosen und Conglomerate 
mit Gerollen verschiedener Quarze, Homstein, kieseliger 
Grauwacke, Kalk und Dolomit. Letztere waren früher in 
grösserer Menge vorhanden, sie sind meist ausgelaugt 
und das Gestein ist dadurch löcherig und zellig geworden. 
Die Hohlräume sind mit rothem mulmigen Zersetzungs- 
rückstand ausgekleidet oder ausgefüllt, wie denn alle diese 
Gesteine roth gefärbt sind. Das Vorhandensein häufiger 
aber nicht mannigfaltiger Versteinerungen der Kalke ist 
aus deren Steinkemen und Abdrücken zu entnehmen. 
Von Wichtigkeit ist das nicht seltene Vorkommen von 
Oalceola saiidalina Lmck. Neben derselben kommen 
andere Korallen und Brachiopoden vor. Stromatoporen 
scheinen zu fehlen oder können zum mindesten nicht 
häufig sein. Die Gerolle stammen also aus Schichten des 
unteren Mittel de von und die sie umschliessenden Schichten 
dürfen wohl ebenfalls noch in das Mitteldevon gestellt 
werden. Zum Verwechseln ähnliche Gesteine sind in den 
letzten Jahren im Mitteldevon des östlichen Nassau ge- 
funden. Dass es sich auch bei den Kalken von Champenay 
um Gerolle, nicht etwa um Concretionen handelt, beweist 
die conglomeratische Natur der ganzien Ablagerung, 

Unter- und Oberdevon hat sich bisher in den Vogesen 
nicht nachweisen lassen. Das Mitteldevon ist auf das 
Breuschthal beschränkt. 

3. Carbonformation. (Exe. 10, 11, 13, 15, 17—20). 

Sowohl Unter- als Obercarbon sind in den Vogesen 
vorhanden, beide nach Gesteinen, organischen Einschlüssen 
und Lagerung in recht verschiedener Ausbildung. 

Untercarbon setzt die Masse des gefalteten Sedi- 
mentes im südlichen Theile der Hochvogesen zusammen 
und tritt von diesem Vorkommen weit getrennt nochmals 

2* 



20 Formationen. 



im unteren Breuschthal auf. Die dasselbe, zunächst im 
Oberelsass , zusammensetzenden Gesteine sind sehr mannig- 
faltig. Man ist auch hier, wie in anderen paläozoischen 
Formationen, sehr freigebig mit der Bezeichnung Grau- 
wacke gewesen. Echte Grauwacken, mitunter denen des 
Harzer Untercarbons vollkommen gleichend, kommen aller- 
dings in grosser Verbreitung vor und fallen auf, da sie 
mehrfach zur Gewinnung von Pflastersteinen und Be- 
schotterungsmaterial gewonnen werden. Daneben spielen 
schief rige Gesteine, Gonglomerate, Porphyre, Poi-phyroide 
und deren Tuffe eine grosse KoUe. Wesentlich charakte- 
ristisch für das Untercarbon der Yogesen sind die zahl- 
reichen, zu gewaltiger Mächtigkeit anschwellenden Decken 
von Ergussgesteinen (Labradorporphyre imd Quarz- 
porphyre). AVeniger verbreitet sind Diabase. 

Die Schiebten sind steil gestellt, in Mulden und 
Sätteln aufgefaltet, geknickt und gequetscht. Eine herr- 
schende Streichrichtung, wie gewöhnlich angenommen 
wurde , ist nicht vorhanden , vielmelir wurde bei den Auf- 
nahmen eine Ali; umlaufenden Baues erkannt. Die Mäch- 
tigkeit beträgt mehrere tausend Meter, von der allerdings 
ein Theil auf die eingelagerten einiptiven Decken kommt, 
die ganz gewaltig anschwellen können. 

Seit lange sind Pflanzenreste aus diesem Untercarbon 
bekannt, in neuerer Zeit hat sich auch eine reiche Fauna 
gefunden. Die Pflanzen gehen durch das ganze Unter- 
carbon hindurch , häufen sich aber in den oberen Schichten. 
In den Grauwacken trifft man häufig Stämme von Lepido- 
dron und Knorriüy d. h. Erhaltungszustände lepidoden- 
droider Stämme, seltener Aster ocalamites scrohieulatus 
(Schi.) Zeill. (Ärchaeocalamites radiatus [Bmg.] Stur., 
Calamites transitionis Goepp.). In Bänken einer feinen, 
tuffartigen Grauwacke kommen ab(^r auch schön erhaltene 
Farne vor, wie Cardiopteris polymorphe Goepp. und 
Sphenopteris Schimperi Goepp. 

Unter den thierischen Resten, die besonders in der 
Umgebung von Oberburbach und zwischen diesem Orte 
und Bitsch Weiler gefunden sind, herrschen Brachiopoden 
und Zweischaler, daneben finden sich Gastropoden, Cephalc- 



Formationen. 2 1 



poden, Trilobiten und besonders sehr interessante Echi- 
niden. 

Das Alter dieses Untercarbons , soweit es sich aus der 
Fauna bestimmen lässt, ist das des oberen belgischen 
Untercarbon, des Kalkes von Yise. 

Ebenfalls in das Untercarbon sind Grauwacken, Schiefer 
und Conglomerate mit untergeordneten Einlagerungen von 
Kieselschiefer zu stellen , welche nördlich von der Breusch 
zwischen Urmatt und Hersbach auftreten. Eine in neuester 
Zeit festgestellte, vom Breuschthal nach dem Thale von 
Wisch in Südwest - nordöstlicher Kichtung verlaufende Stö- 
ruiig trennt sie vom Devon. Es haben sich in diesen 
Schichten nur einige schlecht erhaltene Pflanzenreste, 
daninter der Stamm einer Knorria gefunden. 

Das Obercarbon oder die productive Kohlen- 
formation lagerte sich in Vertiefungen des gefalteten 
Untercarbons ab, tritt daher in getrennten, sogenannten 
Becken auf (siehe Fig. 2 S. 63). Doch ist das Obercarbon 
selbst nicht muldenförmig gelagert, nur die Unterlage ist 
beckenartig. Die sehr zahlreichen Störungen, die man in 
dem Kohlengebirge beobachtet, sind normale Verwerfungen, 
die in einer Zeit lange nach der Ablagerung desselben 
entstanden. 

Wenn auch im Obercarbon noch Conglomerate wie 
im Untercarbon vorkommen, so treten diese doch zurück 
gegen Sandsteine , Arkosen und besonders gegen die überall 
für diese Formation bezeichnenden müden Schieferthone. 
Die Conglomerate enthalten vorwaltend Quarzgesteine, 
weniger Granit und Gneiss. Die im Untercarbon, dann 
wieder in der Dyas, so bezeichnenden PorphyrgeröUe 
scheinen ganz zu fehlen. 

Nach den in den Schief erthonen häufigen , aber leider 
in der Zeit, da noch Grubenbau betrieben wurde, in ge- 
ringer Zahl in die Sammlungen gekommenen Pflanzen- 
resten, gehören die Obercarbonablagerungen verschiedenen 
Zeiten an. Die älteste ist diejenige von St. Pilt und 
Roderen, die man früher in das Untercarbon stellen 
wollte; jünger ist die AblageiTmg von Hury am Fusse 
des Rammelsteins; den oberen Saarbrückener oder gar 
den Ottweüer Schichten dürfte die Ablagerung von La ach 



22 Formationen. 



im Urbeiser Thal gleich zu stellen sein, während die 
Erlenbacher Schichten im Weilerthal, durch Einlagenmg 
von chalcedonführenden Kalkbänken ausgezeichnet, un- 
mittelbar an die Grenze der Dyas heranreichen. Kleinere 
Fetzen von Obercarbon liegen noch bei Thannenkirch, im 
Glashüttenthal und in der Umgebung der Hohkönigsburg 
auf Granit. 

Unter ganz eigenthümlichen Verhältnissen kommt 
Obercarbon etwas oberhalb Bonhomme und im oberen 
Leberthal in Form von Conglomeraten mit Spuren von 
Kohle und undeutlichen Pflanzenresten, zwischen Gneiss 
amd Granit eingequetscht, vor. 

Das Obercarbon ist auf den mittleren Theil der Vo- 
-gesen beschränkt. Der niemals bedeutende Bergbau ist 
längst erloschen, es ist auch keine Aussicht vorhanden, 
jemals abbauwürdige Kohle in unserem Gebiete zu finden. 

4. Dyasformation. (Exe. 1, 10, 11, 13, 15, 17.) 

Von der bei vollständiger Entwicklung aus Roth- 
liegendem und Zechstein bestehenden Dyas tritt nur 
•ersteres in den Vogesen auf. Doch reichen Aequivalente 
Aes Zechstein bis nahe an die nördliche Landesgrenze heran. 

Im Rothliegenden des Weilerthales unterscheiden wir 
^zunächst die in concordanter Lagerung, d. h. ohne An- 
zeichen einer auffallenden Störung der Unterlage vor ihrer 
Ablagerung, unmittelbar auf die Erlenbacher Schichten 
folgenden Trienbacher Schichten, nach einem Dorfe 
unterhalb "Weiler benannt. Sie bestehen aus sandigen 
grauen, auch violetten Schiefern und Schief erthonen, Ar- 
kosen und Conglomeraten und führen zahlreiche Pflanzen- 
reste, unter denen besonders Taentopteris multinervis 
Weiss und Plagioxamites Planchardi Ren. sp. leitend 
sind. Sehr bezeichnend ist das Vorkommen verkieselter 
Stämme in den Conglomeraten. 

Mitunter häufen sich die Pflanzen in den Schiefern 
zu kleinen Kohlenschmitzen an, die T\ieder und wieder 
Veranlassung zu ganz aussichtslosen Schürfungen geben. 

Eine untergeordnete Verbreitung haben die Schichten 
von Heisenstein, schwarze Schief erthone mit Einlage- 



Formationon. 23 



ningen braunen und schwarzen Kalkes. Sie sind auf 
wenige Punkte im Gebiete des Weilerthales beschränkt. 

"Wichtiger sind die Meisenbuckelschichten, nach 
einem Forsthause*) am Fusse des Ungersberges benannt. 
Sie bestehen aus Arkosen, Schief erthonen und besonders 
Porphyrtuffen. Die beiden letzteren Gesteine sind lebhaft 
roth gefärbt, auch weiss geflammt und gefleckt. Sie sind 
ausgedehnter als die älteren Schichten des Rothliegenden 
und sind ausser im Weilerthal im Breuschthal und bei 
Gebweiler vorhanden. Wenigstens zum Theil entsprechen 
sie wohl dem Mittelrothliegenden anderer Gebiete. Am 
ausgedehntesten ist die oberste Abtheilimg des Rothliegen- 
den, die sogenannten Kohlbächelschichten. Siegreifen 
weit über alle älteren Bildungen des Rothliegenden und 
legen sich oft unmittelbar auf älteres Gebirge. Die das- 
selbe in einer Mächtigkeit bis zu 200 m zusammensetzenden 
Gesteine sind Aikosen, Schief erthone , Conglomerate und 
Breccien, meist lebhaft roth gefärbt. Die obersten Par- 
tieen, aus grandigen, sandsteinähnlichen Gesteinen be- 
stehend, vermitteln einen allmählichen Uebergang in den 
Buntsandstein. In denselben treten unregelmässige Lagen 
oder zerstreute Knollen kleinkörnigen Dolomits in meh- 
reren Horizonten auf. 

Für unser Gebiet fasst man bei dem Fehlen von 
Versteinerungen in den mittleren und oberen Abtheilungen 
am besten nach petrographischen Merkmalen Trienbacher 
und Heisensteiner Schichten als Kohlenrothliegendes oder 
Unterrothliegendes zusammen. Hier herrschen die dunklen 
Farben. Meisenbuckelschichten und Kohlbächelschichten 
wären dann Oberrothliegendes. Diese Eintheilung ist je- 
doch eine lediglich lokale. 

Wichtig sind für das Oberrothliegende, dem Unter- 
rothliegenden ganz fehlend, ausgedehnte Decken von 
Quarzporphyr, die letzten Ergüsse eruptiver Massen, 
die in den Vogesen vor der Tertiärzeit stattfanden. 

Ein grösseres Gebiet von Rothliegendem bei Gebweiler 
enthält zu unterst grobe Conglomerate mit verkieselten 
Hölzern, vielleicht vom Alter der Trienbacher Schichten, 



1} Jetzt abgerissen. 



24 Formationen. 



darüber Tuffe mit eigenthümlichen, vielfach sphärolithisch 
ausgebildeten Quarzpoi-phyren , schliesslich Grande und 
Arkosen. 

Im Weilerthal, von dem wir ausgingen, ist die 
Schichtenreihe am vollständigsten, im Breuschthal sind 
als älteste Schichten die Tuffe, darüber das obere Oberroth- 
liegende mit seinen Quarzporphyrergüssen (Nideck) ent- 
wickelt. Bei Champenay liegt ein lokales Vorkommen 
eines ausgezeichneten, für Bauzwecke verwendbaren Sand- 
steins. In geringen Aufschlüssen ist OberrothUegendes 
an vereinzelten anderen Punkten durch Abwaschung des 
Buntsandsteins frei gelegt, so im Jägerthal bei Niederbronn 
und bei Weissenburg. Zweifellos sind auch gewisse Quarz- 
porphyre, wie die des Robinothales bei Markirch, in der 
Zeit des Kothliegenden zu Tage getreten. 

IIL Mesozoische Formationsgruppe. 

1. Triasformation. (Exe. 1—5, 7—9, 10, 11, 15.) 

Wir unterscheiden in dieser Formation in herkömm- 
licher Weise Buntsandstein, Muschelkalk und Keu- 
p e r. Die grössten Flächen nimmt der Buntsandstein ein, 
er ist das herrschende Gestein der Haardt. Eine ge- 
ringere Verbreitung hat er in den Vorhügeln. Muschel- 
kalk und Keuper sind , bis auf ein kleines , erst in neuerer 
Zeit entdecktes. Vorkommen des ersteren im Gebirge, in 
ihrer Verbreitung auf die Vorhügel und das lothringische 
Stufenland beschränkt. 

A. Buntsandstein. 

Auf dem Buntsandstein kann man ohne Unter- 
brechung von den Höhen des Schneeberges und des 
Donon gegen Norden bis an die Pfälzer Grenze wandern. 
Er trägt die ausgedehnten Waldungen dieses Gebietes. 
Die einzelnen den Hochvogesen aufgesetzten Platten, Reste 
einer einst zusammenhängenden Decke, wurden früher 
gelegentlich erwähnt. Die südlichsten derselben, nördlich 
vom Münsterthal gelegenen, waren der energischsten Ab- 



Formationen. 25 



waschimg ausgesetzt, sie haben den geringsten Umfang. 
Die weiter nördlich liegenden haben grössere Ausdehnung, 
die bedeutendste derselben ist dem Hochfeld gegen Osten 
vorgelagert. 

Der Buntsandstein lässt trotz der scheinbaren Ein- 
förmigkeit seiner bis über 500 m Mächtigkeit anschwellen- 
den Schichten eine mehrfache Gliederung zu. 

Wir unterscheiden einen unteren Buntsandstein, 
theils dünnschiefrig, thonig, glimmerreich, theils dicke 
geschlossene Bänke bildend. Er ist von der nördlichen 
Grenze des Elsass nur bis in die Gegend von Nieder- 
bronn entwickelt und wenig aufgeschlossen, da er an 
den Thaleinschnitten meist durch Gehängeschutt verhüllt 
ist. Etwa 80 m mächtig. 

Der mittlere Buntsandstein (Hauptbuntsandstein, 
Vogesensandstein) ist die auffallendste , bis 400 m mäch- 
tige Stufe. Er besteht zu unterst aus mitunter mehrere 
Meter dicken Bänken eines feinkörnigen, kaolinreichen, 
bunten, weissen oder rothen Sandsteins, der in ausge- 
dehntem Maasse gebrochen wird. In diesen Sandsteinen 
treten, nicht überall in gleicher Menge, GeröUe von Quarz 
und von krystallinischen Gesteinen , Gneiss, Granit, Porphyr 
auf, die sich mitunter zu einem ausgezeichneten Conglo- 
merat anhäufen (unterer Gonglomerathorizont). 

Darüber folgen etwas gröbere Sandsteine mit geringem 
Thongehalt, die sich oft durch braune Flecke auszeichnen, 
die denselben den Trivialnamen Tigersandstein verschafft 
haben. Dieselben rühren von Concretionen oder auch 
vollständig entwickelten Krystallen von Kalkspath mit 
einem lEisen- und Mangangehalt her. Der Kalk wurde 
aufgelöst und es blieb eine braune mulmige Masse übrig, 
die mitunter die ursprüngliche Krystallform noch deutlich 
erkennen lässt. Nach dem Herausfallen des Mulms wer- 
den die Sandsteine löcherig. Die Bezeichnung Pseudo- 
morphosensandstein bezieht sich auf dies Vorkommen. 
Diese Sandsteine sind in den nördlichen und mittleren 
Vogesen ausgezeichnet entwickelt. Gewisse Zonen dieser 
Stufe haben eine Neigung zur Felsbildung (Ruinensand- 
stein). In solchen liegen dieWasenburg bei Niederbronn, 
Falkenstein, Fleckenstein. 



26 Formationen. 



Zu oberst treten thonarme, mitunter ziemlich grob- 
körnige, leicht zerfallende Sandsteine auf, die in der 
Sonne lebhaft gUtzem und höchstens als Bruchsteine Ver- 
wendung finden, daher weniger abgebaut werden, als die 
tieferen Abtheilungen. 

Die Grenze des Hauptbunisandsteins gegen den oberen 
Buntsandstein bildet ein bis 20 m mächtiges Conglomerat, 
welches aus Gerollen von Milchquarz, verschieden ge- 
färbten Quarziten und anderen Quarzgesteinen besteht 
und nur ganz vereinzelt GeröUe krystallinischer Gesteine 
führt. Es ist dies das sogenannte Hauptconglomerat, 
welches häufig die schützende Decke der tiefer liegenden 
Sandsteinschichten bildet und als Stirn am Rande derselben 
gegen das Rheinthal heraustritt. Wird auch das Conglo- 
merat durchfurcht, so entstehen allerhand eigenthümliche 
Felsgestaltungen, die ungemein charakteristisch für die 
Landschaft sind imd häufig zur Anlage von Bauwerken 
gewählt wurden (Odilienberg, zahlreiche Burgen, wie 
Hohbarr, Gross- und Klein -Geroldseck, Greifenstein, Dags- 
biirg. Bitscher Schlossfelsen). 

Im oberen Bimtsandstein trennt man die sogenannten 
Zwischenschichten und den Voltziensandstein. 
Erstere bestehen aus bald gröberen, bald feineren, meist 
glimmerführenden, festeren oder auch mürben Sand- 
steinen, selten in dickeren Bänken, von rother und vio- 
letter, oft trüber Färbung, sehr gewöhnlich mit Spuren 
eines früheren Dolomitgehaltes. Das gelegentliche Auf- 
treten von Geröllbänken macht mitunter die Unterscheidung 
von dem Hauptconglomerat schwierig. Bezeichnend ist 
der schnelle Wechsel der petrographischen Beschaffenheit 
der einzelnen Bänke. Mächtigkeit etwa 60 m. 

Ein sehr ausgezeichnetes Glied bildet der bis 16 m 
en'eichende, oft weniger mächtige, oberste Buntsandstein. 
Er liefert mit den tieferen Schichten des Hauptbuntsand- 
steins das Hauptbaumaterial unseres Landes. Bei seiner 
Feinkömigkeit, dem reichlichen Thongehalt und der Lage- 
inmg in dicken Bänken ermöglicht er die Gewixmung 
grosser "Werkstücke, die eine feine Bearbeitung zulassen. 
Li diesem Sandstein kommen an manchen Punkten zahl- 
reiche Pflanzenversteinerungen vor. Eine stellenweise 



Formationen. 27 



häufige Conifere, Voltxia heterophylla Bmg., hat dem- 
selben den Namen Voltziensandstein eingetragen. An- 
dere bezeichnende Pflanzen sind Änomopteris Mougeoti 
Bmg., Equisetum Motigeoti Bmg. und Schixoneura para- 
doxa Seh. Die obersten Lager des Voltziensandsteins 
werden dünnbankig und wechseln mit Lagen rothen und 
grünen sehr feinen Schief erthones. Eine derselben, bis 
2 m mächtig, bildet den Grenzletten (Weiss) gegen den 
Muschelkalk. Li den Schieferthonen kommt eine Lingula 
und eine Estheria vor, die Sandsteinplatten zeigen häufig 
ausgezeichnete "Wellenfurchen. 

Der mittlere Buntsandstein nimmt im Gebirge nach 
Süden hin an Mächtigkeit ab. Am Hohnack, der auf 
seiner Spitze Hauptconglomerat trägt, hat er nur 150 m. 
Nicht nur in dem Fehlen des unteren Buntsandsteins , auch 
in der Art der Entwicklung des mittleren Buntsandsteins 
ist ein Transgrediren der jüngeren Abtheilungen gegen 
Süden ausgesprochen. Der obere Buntsandstein tritt im 
Gebirge stets erst etwas entfemt von dem Abbmch gegen 
das Rheinthal auf. Im Gebiete der Yorhügel kommt 
mittlerer und besonders oberer Buntsandstein von Aue 
bei Masmünster bis nach Weissenburg an vielen Punkten 
vor. Er hat sich ohne Zweifel früher auch dort über das 
Gebirge ausgebreitet, wo jetzt keine Spur desselben mehr 
vorhanden ist. 

B. Muschelkalk. 

Der Muschelkalk ist in eine untere, mittlere und 
obere Abtheilung gegliedert worden. Besonders die 
erstere und letztere Stufe lassen sich auf Grund petro- 
graphischer EigenthümUchkeiten und der Versteinenmgs- 
führung noch weiter in ünterabtheilungen zerlegen. 

Der untere Muschelkalk ist zwar im Elsass weit 
verbreitet, aber nicht in einem vollständigen Profil auf- 
geschlossen. Ein solches^) findet sich in nicht zu grosser 
Entfernung von dei elsässischen Grenze auf lothringischem 



1) Schumacher: Zur Kenntiiiss des unteren Muschelkalkes im 
nordöstlichen Deutsch - Lothringen. Mittheil. d. Comm. f. d. geolog. 
Landes - Untersuchung von Elsass - Lothringen. 1890. IL 111 — 182. 



28 Formationen. 



Gebiete bei Wolmünster, wohin uns Exe. 3 führt. Die 
Gliederung bei Wolmünster gilt im allgemeinen auch für 
das nördliche Elsass, während weiter südlich die Ent- 
wicklung etwas anders ist. Hervorgehoben sei, dass der 
untere Muschelkalk der linken Rheinseite durchaus nicht 
immer kalkige, sondern auch sandige und mergelige Ge- 
steine enthält. Man spricht dann statt von Wellenkalk, 
einer aus Württemberg stammenden Bezeichnung des un- 
teren Muschelkalks, von Wellenmergel und Muschelsand- 
stein. 

Wir unterscheiden: 
7. Fossilfreie dichte Dolomite nebst deren sandigen 

Aequivalenten. 
6. Dichte Dolomite mit Myophoria orhicularis nebst 

deren sandigen Aequivalenten. 
5. Schaumkalk und Wellenkalk (richtiger Wellendolomit) 
(Pentacr in US -Schichten) nebst deren sandigen 
Aequivalenten. 
4. Wellenmergel mit Trochiten- (und Lingula-) Bänk- 
chen nebst deren sandigen Aequivalenten. 
3. Terebratelzone (Mergel mit schaumkalkartigen Dolo- 

mitbänken) nebst deren sandigen Aequivalenten. 
2. Region der Myacitenbänke (merglige oder sandig - 

thonige Schichten). 
1. Trochitenzone (Muschelsandstein). 
Die Gesammtmächtigkeit des unteren Muschelkalkes 
beträgt 30 — 56 m. Im Gebirge ist Muschelsandstein an 
einer einzigen Stelle, bei Altweier, erhalten geblieben. 
Verbreitet ist er im ganzen Vorhügelgebiete, besonders 
im Unterelsass nahe am Gebirgsrande und auf dem 
lothringischen Tafellande. Seine Grenze gegen den oberen 
Buntsandstein auf letzterem fällt beinahe genau mit der 
Grenze von Ackerland und Wald zusammen. 

Der mittlere Muschelkalk besteht aus einer un- 
teren mergligen und einer oberen dolomitischen Abtheilung. 
Die mitunter lebhaft grün und roth gefärbten Mergel ent- 
halten Einlageiimgen von Gjt)s imd (in Lothringen) Stein- 
salz. Die Dolomite sind theils plattig, theils als klotzige, 
zeUige Gesteine (Rauchwacken) entwickelt. Bezeichnend 
ist das häufige Vorkommen von Homstein in denselben, 



Formationen. 29 



der der Verwitterung nicht unterliegt und oft allein das 
frühere Vorhandensein des mittleren Muschelkalkes anzeigt. 

Der obere Muschelkalk zerfällt in eine untere 
Reihe dünner, oft wulstiger Kalkbänke, in die mehrere — 
häufig drei — dicke, widerstandsfähige Bänke, erfüllt mit 
Eesten von Encrinus liliiformis Lmck. eingelagert sind. 
Dieser »Trochitenkalk« ist Gegenstand eines regen 
Abbaues. 

Der mittlere Theil des oberen Muschelkalkes besteht 
im Unterelsass aus einem AVechsel oft ebenflächiger Kalk- 
bänke mit Thonen, im Oberelsass nur aus Kalk. Leitend 
ist unter den zahlreichen Versteinerungen Ceratites no- 
dosus Brug., der jedoch nur im Unterelsass häufig ist 
(Nodosuskalk). An Stelle dieser Form tritt nach oben 
Ceratites semipartitus (Semiparfitusschichten). Terebra- 
tula vulgaris Schi, in grossen Exemplaren setzt hier ganze 
Bänke zusammen. 

Zu oberst im oberen Muschelkalk liegen mehrere dicke 
Bänke recht verschiedener dolomitischer Gesteine mit 
mergeligen Schichten im "Wechsel. Sie werden häufig 
(auch auf den elsass- lothringischen geologischen Karfen) 
bereits zum Keuper gerechnet. "Wir wollen sie hier mit 
dem Muschelkalk verbinden, mit dem sie in der bei uns 
herrschenden Entwicklung wegen ihrer festen , widerstands- 
fähigen Beschaffenheit mehr übereinstimmen als mit dem 
bröckligen, zerfallenden Keuper. Je nach der ihnen zu- 
gewiesenen Stellung sind sie als »dolomitische Region 
des oberen Muschelkalkes« oder »Untere Dolomite des un- 
teren Keupers« bezeichnet worden. Einzelne Bänke zeichnen 
sich durch das häufige Vorkommen von Myophoria Gold- 
fussi Alb. und Trigonodus Sandbergeri Alb. aus. 

C. Keuper. 

Der Keuper zerfällt in unteren (Lettenkohlen- 
gruppe), mittleren (eigentlicher Keuper) und oberen 
Keuper (Rhät). 

Der untere Keuper ist nur an wenigen Punkten 
des Vorhügelgebietes und da nicht in vollständigen Pro- 
filen aufgeschlossen. Er besteht aus grauen, auch gelben 



30 Formationen. 



und rothen Mergeln mit eingelagerten dünnen sandigen 
und dolomitischen Bänken. Gegen den mittleren Keuper 
schliesst er mit dem sogenannten Grenz dolomit ab, einer 
wenig mächtigen Bildung, in der die Fauna des Muschel- 
kalkes noch einmal wiederkehrt. Besonders häufig ist in 
demselben Myophoria Ooldfussi Alb. 

Der mittlere Keuper besteht aus bunten, grauen, 
rothen, violetten, gelben zerfallenden Mergeln, festen, 
mitunter plattigen Mergeln von grauer oder blendend 
weisser Farbe (Steinmergel) , eingelagerten Bänken von do- 
lomitischen, in einem Horizont rauch wackenartigen , klotzi- 
gen Gesteinen und untergeordnetem Sandstein. Gyps und 
Steinsalz (dieses nur in Lothringen) tritt in zum Theil 
mächtigen, doch nicht anhaltenden Lagern auf. 

Wir werden diese Schichten auf Exe. 8 kennen lernen. 
Die folgende Uebei-sicht der normalen Aufeinanderfolge 
der Glieder der ganzen Abtheilung ist nach einzelnen, 
nicht zusammenhängenden, Aufschlüssen entworfen: 
3. Obere Abtheilung. 

a) Lebhaft bunt gefärbte Mergel mit hellen Stein- 
mergelbänken. Gyps. 30 — 40 m (Steinmergelkeuper 
genannt wegen der Häufigkeit der Steinmergel- 
bänke). 

2. Mittlere Abtheilung. 

d) Rothe Mergel mit Gyps. 7 m und mehr. 

c) Haupts teimnergel. Helle, plattige Steinmergel und 
rauchwackenartige Zellendolomite. Bis 4 m (stellen- 
weise fehlend). 

b) Bunte Mergel. 4 m. 

a) Schilf Sandstein. Unregelmässig anschwellende , graue 
bis gelbliche, braunrothe und violette Sandsteine, 
in unserem Gebiete untergeordnet. 6 m und mehr. 

1. Untere Abtheilung. 

c) Obere Estherienschichten (graue Dolomitmergel). 
5 m. 

b) Untere Estherienschichten (bunte Mergel, zum Theil 
steinmergelartig) , mit Gyps. 12 m. 

a) Salzkeuper. Bunte, doch weniger lebhaft als die 
höher folgenden gefärbte Mergel mit dünnen Sand- 
steinplättchen mit Steinsalzpseudomorphosen. Gyps 



Formalionen. 3 1 



und Steinsalz (in Lothringen). Er erreicht in Elsass 
60 — 70 m, in Lothringen wird er mächtiger. 

Der mittlere Keuper ist in der ganzen Vorhügelzone 
von Sentheim bis Weissenburg nachgewiesen. 

Der obere Keuper wird gebildet von feinem, rauh 
anzufühlenden gelben Sandstein (Rhätsandstein) mit hier 
und da eingestreuten Gerollen, schwarzen blättrigen Mer- 
geln und rothen Thonen, welche die Grenze gegen den 
Lias bilden. Mitunter kommen in diesen Gesteinen, an 
einer Stelle schon im obersten mittleren Keuper, An- 
häufungen von Zähnen und Schuppen von Fischen vor 
(Bonebed). 

Das Rhät ist nur an wenigen Punkten des Elsass 
und wenig auffallend entwickelt. 



2. Juraformation. (Exe. 1, 2, 4 — 6, 8, 22.) 

Die Juraformation zerfällt in drei Abtheilungen: Lias, 
Dogger und Malm. Der Malm kommt nur in den aus 
der Schweiz in das südlichste Elsass übertretenden Theilen 
des Juragebirges vor. Wir werden ihn auf Exe. 22 kennen 
lernen. Lias und Dogger sind weit verbreitet in der Vor- 
hügelzone längs des ganzen Gebirges, allerdings in sehr 
gestörter Lagerung. Wir haben es daher bei der Be- 
schreibung der Excursionen, wie schon bei Muschelkalk 
und Keuper, mit auseinander gerissenen Theilen der ganzen 
Schichtenfolge zu thun. Die folgende Uebersicht wird es 
ermöglichen, die der zeitlichen Aufeinanderfolge ent- 
sprechende Stellung der einzelnen Vorkommen leicht zu 
übersehen. 

A. Lias. 

Der Lias des Elsass besteht aus einer Reihe mergeliger 
und kalkiger Schichten von dunkler Farbe, die geringen 
Zusammenhalt haben , daher an der Oberfläche wenig auf- 
fallen. Der Vereteinerungsreichthum ist sehr gross, ein- 
zelne besonders bezeichnende Formen sind vielfach zur 
Schichtenbenennung benutzt worden und man unterscheidet 
daher eine grössere Anzahl sogenannter Zonen. 



32 FormatioDen. 



Die meisten Aufschlüsse liegen im Zabemer Bruch- 
felde, dessen Juraablageiiingen für unsere Excursionen 
beinahe allein in Betracht kommen. 

1. Unterer Lias. 

Die untere Hälfte des unteren Lias wird gebildet von 
dem Gryphitenkalk oder Arietenkalk der älteren Autoren, 
einem bis 45 m mächtigen Wechsel grauer Kalke, Mergel 
und Mergelschiefer, oft mit bedeutendem Bitumengehät, 
welche mit Ausnahme der imtei'sten Bänke durch das 
massenhafte Vorkommen von Oryphaea arcuata Lmk. 
ausgezeichnet sind. Seltener sind Ammoniten, nach denen 
man weiter gliedern kann. 

a) Schichten mit Psiloceras plmiorbis* 

Wenig mächtige blaue Kalke in Wechsellagerung mit 
Mergeln unmittelbar über den rothen Thonen des Rhät 
folgend. Bezeichnet durch Psiloceras planorbis Sow. sp. 
(selten), Ps. Johnstoni Sow. sp., Lima giganiea Sow. sp. 
Häufig Trümmer von Seeigelgehäusen und Seeigelstacheln. 

b) Schichten mit Scklotkeimia angulata. 

Gleiche Kalke wie in a), zwischen den Kalkbänken 
mitunter blätterige, sehr bituminöse Mergel. Schlotheitnia 
angulata Schi. sp. und andere Schlotheimien nicht selten. 
Daneben Lima gigantea Sow. sp. und Lima succincta 
Schi. sp. 

c) Gryphitenkalk. 

Einförmiger Wechsel von Kalken und Mergeln. Aus 
letzteren wittern Tausende von Oryphaea arcuata Lmck. 
heraus, die in den Schichten a) imd b) noch fehlen oder 
sehr selten sind. Arietites rotiformis Sow. sp., Ar. Ha- 
sicus Orb. sp. und andere Arieten bis 1 m im Durch- 
messer. Dieselben Limen, Pecten textorius Schi., Ostrea 
irregularis Gldf. 

d) Schichten mit Belemnites acutus. 

Graue, oft blättrige Mergel mit vereinzelten Kalk- 
bänken. Yersteinerungen mit Ausnahme des leitenden 



Fonnationen. 33 



Belemniten nicht Läufig, meist verdrückt. Ärietites mi- 
serabilis Qu. sp., Ar. Hartmanni Opp. sp. , Pentacrinus 
ttibereulatus Miü. 

Diese vier Unterabtheilungen kommen im ganzen Yor- 
hügelgebiet vor. Die Kalke von a) b) und c) sind überall 
Gegenstand eines lebhaften Abbaues, besonders in der 
Gegend von Hochf elden und Wörth. Eine Unterscheidung 
der Kalkbänke der einzelnen Unterabtheilungen, die häufig 
aus ein und derselben Grube gefördert werden, ist meist 
nur nach den Versteinerungen möglich. 

Auf die Mergel mit Belemnites acutus folgen dunkle 
Thone mit verkiesten Versteinerungen, für die wir vor der 
Hand den aus Lothringen nach dem Elsass übertragenen 
Namen : 

e) Fossilarme Thone 

beibehalten wollen. Die Versteinerungen sind selten und 
werden leicht übersehen. Es sind unter denselben her- 
vorzuheben Äegoceras planicosta Sow., Oxynoticeras 
oxynotum Qu. sp., Cymhites glohosus Ziet. sp., Gryphaea 
ohliqua Gldf. Ueber den fossilarmen Thonen kann man 
an einigen Punkten noch graue Mergel mit eigenthümlich 
geflammten Kalkknollen unterscheiden, die den seltenen 
Äegoceras Dudressieri Orb. sp. enthalten. 

Fossilanne Thone zwischen Buchsweiler und Ing- 
weiler, zwischen Ingweiler imd Schillersdoi-f, bei Ober- 
modem, Reichshof en, Hochf elden; Dudressierischichten 
bei Reichshof en Werk, Kirrweiler. 

f) Schichten mit Ärietites raricostatus. 

Den Schluss des. unteren Lias bilden dunkle, thonige 
Kalke mit Ärietites raricostatus Ziet. sp., einer Form, 
die bei uns, im Vergleich mit Schwaben, ebenfalls selten ist. 

Zinsweiler, Hochf elden, Weitersweiler, Gimibrechts- 
hofen. 

2. Mittlerer Lias. 
a) Mergel mit Zeilleria numismalis. 

Hellgraue Mergel mit verkiesten, rostbraun verwittern- 
den Versteinerungen. Sie mischen sich auf den Aeckern 
Führer d. d. Elsass. 3 



3 4 Formationen . 



mit tiefer und höher liegenden Schichten, selten sieht 
man sie getrennt im Aufschluss. 

Häufiger sind Zeilleria numismalis Lmk. sp., Rhyu- 
chonella rimosa B. sp., Spiriferina rostrata B. 

Bossendorf, Zinsweiler, Eberbach , Reichshof en "Werk, 
Hochfelden. 

b) Schichten mit Dactylioceras Davoei. 

Heller, grauer und bräunlicher Kalk mit fleckiger 
imd flammiger Zeichmmg. Wie die tieferen Schichten 
oft nur nach den auf den Feldern umherliegenden Brocken 
nachweisbar. Ausser dem Zonenammoniten häufig Belem- 
niten, besonders Bei. clavatus Schi. An der unteren 
Grenze eine Bank mit Pentacrinus hasaltiformis Mill. 

Reichshof en, Zinsweiler, Eberbach, Aue bei Sent- 
heim. 

c) Schichten mit Amaltheus margaritatus. 

Mächtige schwarze , etwas sandige Blättermergel , sich 
leicht venvaschend und an der Oberfläche wenig auf- 
fallend. In denselben liegen Concretionen von Sphäro- 
siderit, die beim Venvittem gelb werden und concentrisch 
schalig zerfallen. 

Die Franzosen nennen die Mergel mit Concretionen 
mames ä ovoides. Yersteinenmgen sind recht selten, auch 
den Zonenammoniten findet man nur hier und da. Häufig 
ist Gyps als secundäre Bildimg. 

Eberbach, Reichshof en Werk, Zinsweiler, Offweiler, 
Kirrweiler, Minwersheim, Gegend um Hochfelden. 

d) Schichten mit Amaltheus spinatus. 

Im frischen Zustande feste, blaue, oft schwefelkies- 
reiche Kalke. Nach dem Yerwättem braun, in Knollen 
zerfallend. Ausser dem Zonenammoniten besonders be- 
zeichnend Rhynchonella acuta Sow. sp. Die sogen. 
Costatus- (Spinatus-) Kalke sind einer der leicht kennt- 
lichsten Horizonte des elsässischen Lias. Die auf Aeckem 
und in Hohlwegen u. s. w. umherliegenden Brocken ver- 
rathen das Anstehen unter dem Ackerboden. 



Formationen. 35 



Früher ausgezeichnet aufgeschlossen am Bahnhof Merz- 
weiler, jetzt zu sehen bei Kin-weiler, Gundershofen, Silz- 
klamm bei ührweiler, Griesbach, Eberbach. 

Im unteren und mittleren Lias sind am auffallendsten 
die Gryphitenkalke. Ueber diesen hat man die mächtigen 
Thon- bezw. Mergelformationen der fossilfreien Thone und 
der Amaltheenmergel , die aber leicht verschwemmt wer- 
den, daher sich leicht der Beobachtung entziehen, auch 
im ganzen versteinerungsarm sind. Mitten in diesen 
weichen Gesteinen hegen die nach den auf den Aeckem 
umherhegenden Brocken und an den häufigen Versteine- 
rungen trotz ihrer geringen Mächtigkeit leicht kennthchen 
Raricostatus - und Davoeischichten. 

3. Oberer Lias. 

a) Schichten mit Posidonomya Bronni. 

Bituminöse, pappdeckelartige Schiefer, in dünne Blätt- 
chen zerfallend , mit flachgedrückten Yersteinerungen. Den- 
selben eingelagert sind dünne Bänke und Linsen bitumi- 
nöser Kalke, beim Zerschlagen übel riechend (Stinkkalke). 
In ihnen sind die Versteinerungen besser erhalten. 

Jetzt verdeckter Aufschluss am Bahnhof Merzweiler, 
sonst in der Silzklamm bei Uhrweiler, Minwersheim. 

b) Schichten mit Lytoceras jurense. 

Wenig mächtige Bänke grauer zerfallender Mergel, 
sehr reich an Ammoniten, von denen ausser dem Zonen- 
ammoniten Harpoceras fallaciosum Bayle , Harpoc. stria- 
tulum Sow. sp. und Hammatoceras insigne Schübl. sp. 
genannt seien. 

Ein bemhmtes altes Vorkommen hegt in der Silz- 
klamm bei Uhrweiler. Sonst bei Prinzheim, Pfaffenhofen. 

B. Dogger. 

Man unterscheidet im elsässischen Dogger leicht nach 
der petrographischen Beschaffenheit einige Abtheilungen. 
Zu Unterst hegt eine mächtige Masse von dunkeln Thonen, 
darüber folgen sandige, merghge und kalkige Schichten 
von gelber und grauer Färbung. Den Schluss machen 

3* 



36 Formationen. 



feste weisse und gelbe Oolithe (nicht Eisenoolithe , die 
tiefer vorkommen) aus, die nach oben in theils ebenfalls 
oolithische, theils merglige Schichten von geringem Zu- 
sammenhalt übergehen. Die unteren Abtheilungen bis zu 
den Oolithen werden als »Unterer Dogge r^ oder mit 
der französischen Bezeichnung Bajocien, die Oolithe mit 
den darüber folgenden Schichten als »Oberer Dogger« 
oder Bathonien bezeichnet. 

Im Einzelnen können wir für das Elsass in folgender 
Weise gliedern. 

1. Unterer Dogger (Bajocien). 

a) Schichten mit Astarte Voltxi und Turbo subdupli- 
catus. 

Auch wohl unpassender AVeise als Torulosusschichten 
nach einem in Schwaben häufigen, bei uns in diesen 
Schichten fehlenden Ammoniten bezeichnet. Die fetten, 
einförmigen, etwas blättrigen, beim Befeuchten plastisch 
werdenden Thone enthalten eine Anzahl frei heraus- 
wittemder Gastropoden und Lamellibranchier, die diesen 
Schichten gerade im Elsass eine grovsse Berühmtheit ver- 
schafft haben: Turbo subduplicatus Orb. , Purpurina 
subangulata Mnstr. sp., Certthium annatum Gldf., Ästarte 
Voltxi Gldf., Trigonia pulchella Ag., Nucula Hämmert 
Dfr., Leda rostralis Lmk. sp. Seltener ist die zierliche 
Koralle Thecocyathus mactra Gldf. sp. 

Ein reicher Fundpunkt war in früherer Zeit die Silz- 
klamm bei Uhrweiler. Jetzt sammelt man die zierliche 
Fauna noch am besten auf der Schweineweide bei Piinz- 
heim. 

Die Thone setzen sich in mächtiger Entwicklung nach 
oben fort, die Fauna ändert sich aber zum Theil. 

b) Schichten mit Trigonia navis und Harpoceras 
opalinum. 

Die genannten kleinen Yersteinerungen verschwinden, 
dafür stellen sich zahlreiche Ammoniten, Belemniten und 
Zweischaler ein, die theils frei in den Thonen liegen, 
theüs in Knollen zusammengebacken sind (Opalinusknollen). 
Häufig sind Harpoceras opalinum Rein. sp. imd H. sub- 



Formationen. 3 7 



comptum Brc, Belemnites hreviformis Yoltz und B. co- 
noideus Opp., Trigonia navis Lmk. und viele andere 
Formen. Seltener, aber bezeichnend, ist Qervillia Hart- 
mannt Ziet., sehr selten Lytoceras iorulosum Schübl. 
Die ausgezeichnetste Lokalität für diese Thone mit ihren 
Versteinerungen ist die, allerdings jetzt weniger als früher 
ei^ebige , Gundershof euer Klamm. Doch bieten noch viele 
andere Punkte gute Aufschlüsse, so Minwersheim (Hohl- 
weg nach dem Koppenberg), eine alte Grube rund 2 km 
westlich von Pfaffenhofen, etwas oberhalb der Strasse 
nach Buesweiler. 

c) Schichten mit Ludwig ia Murchisonae. 

Die Thone der Opalinusschichten werden nach oben 
sandig und gehen schliesslich in einen an der Atmosphäre 
mürbe werdenden gelben, eisenreichen Sandstein über, 
der L/udwigia Murchisonae Sow. sp. (selten), Pecien 
pumilus link, und andere Versteinerungen führt. Er 
ist wenig aufgeschlossen, am besten noch am oberen Ende 
der Gundershofener Klamm. 

d) Schichten mit Sonninia Sowerbyi. 

Die nun folgenden Schichten bis hinauf gegen den 
Oolith werden gewöhnlich nach einigen Ammoniten be- 
nannt. Dieselben sind aber sämmtlich selten. Man hat 
daher weiter nach petrographischen Merkmalen gegliedert. 
Die petrographischen Abschnitte decken sich aber wahr- 
scheinlich nicht mit den Ammonitenzonen. Es sei also 
betont, dass die hier gegebene Schichteneintheilung eine 
provisorische ist. 

Ueber dem Murchisonsandstein folgen sandige graue 
Mergel mit sehr festen Kalkknollen imd einige Bänke 
rauhen mergligen Kalkes, in dem meist Yei-steinerungen 
sitzen, darunter Sonninia Sowerbyi Mill. sp. Auf 
die Mergel legen sich feste blaue Kalke, die an der 
Atmosphäre plattig zerfallen. Sie sind im Elsass nicht 
oder nur ganz selten oolithisch. In denselben kommen 
nicht selten meist schlecht erhaltene Ammoniten (Sonni- 
nien) und Anhäufungen einer mit farbiger Schale erhal- 
tenen Lingula (L. Beani Phiil.) vor. Man hat diese 



38 Formationen. 



Kalke kurzweg als »Blaue Kalke < bezeichnet. Sie ent- 
sprechen aber den schwäbischen »Blauen Kalken« nicht 
genau. Der Name Sowerbyischichten kann auf die tieferen 
Mergel Anwendung finden, die Kalke werden später eine 
andere Benennung erhalten müssen. Sehr bezeichnend 
ist für dieselben das Vorkommen eigen thümlicher, einem 
Hahnenschwanz ähnlicher Erhabenheiten, des sogenannten 
Oaneellophycus scoparius Thioll. 

e) Schichten des Stephanoceras Sauxei und des Steph. 
Humphrwsi. Eisenoohthischer Kalk. 

Die blauen Kalke werden von dünnplattigen, eisen- 
T)olithischen Kalken und Mergeln von brauner und rother 
Farbe überlagert. So wenigstens ei*scheinen die Gesteine 
als Abraum der zahlreichen Steinbmche im blauen Kalk 
und auf den Aeckem. In den höchsten Lagen dieser 
mürben, eisenoohthischen Kalke wurde Stephanoceras 
Sauxei Orb. sp. gefunden. Liwieweit der äusserst seltene 
Ammonit in den tieferen blauen Kalken vorkommt, aus 
denen er gewöhnlich angegeben wird, mag dahingestellt 
«ein. Unter den sonstigen Yersteineiningen dieser eisen- 
•oolithischen Kalke seien noch als besonders häufig Pecten 
-disciformis Schübl. und Ostrea flabellotdes Lrak. genannt. 
In den eisenoolithischen Kalken kommen femer Sphaeroc, 
polyschides und Stephanoceras Humphriesi Sow. vor, 
aber auch recht selten. Dass letzterer, oder doch sehr 
ähnliche Formen, noch in weit höhen» Schichten hinauf- 
gehen, ist sicher. Für jetzt muss man die eisenoolithischen 
Kalke als petrographische Einheit beisammen lassen. 

Selten aufgeschlossen sind auf die eisenoolithischen 
Kalke folgende Thone , in denen Belemnites giganietis 
\Schl. vorkommt, der aber tiefer beginnt und höher hin- 
aufgeht. 

Ein Hauptgebiet der besprochenen Bildungen liegt 
bei Mietesheim, ein anderes zwischen Ettendorf, Pfaffen- 
hofen und Morschweiler. 

f) Schichten mit Stephanoceras Blagdeni. 

Hellgraue, klüftige, oft Kiesel enthaltende Mergel- 
kalko in Bänken von 10 bis 15 cm Dicke, mit Mergeln 



Formationen. 39 



wechselnd, zu rundlichen Knollen zerfallend, durch ihre 
Färbung leicht von den eisenoolithischen Kalken und dem 
höher folgenden Oolith zu unterscheiden. Das bezeich- 
nendste Fossil ist der nicht seltene Stephanoceras Blag- 
deni Sow. Stellenweise kommen Anhäufungen von Ostrea 
acuminata Sow. vor. Pf äff enhof en , Minwersheim, Bast- 
berg bei Buchsweiler, Ettendorf. 

2. Oberer Dogger (Bathonien). 
g) HauptoolitL 

Eine 50 m mächtige Masse weissen und grauen, an 
der Oberfläche gelben Oohthes, der in vielen Brüchen 
gewonnen wird. Die Versteinerungen sind lagenweise 
vertheilt imd fest mit dem Gestein verwachsen, so dass 
sie nur beim Yerwattem auf Klüften heraustreten. Im 
allgemeinen ist der mächtigere untere Theil versteinerungs- 
arm, nur Ostrea acuminata erfüllt ganze Bänke. In 
den obersten Schichten kommt dieselbe Form wieder vor, 
daneben Pärkinsonia Parkinsoni Sow., Macrodon hir- 
sonensis Arch., Pseudomonotis echinata Sow. sp. beide 
häufig, Glypeus Ploti Klein, Echinohrissus Benggeri Des. 

Der OoUth ist durch Steinbrüche bei Aue im Ober- 
elsass und dann an vielen Punkten der Vorhügel bis in 
das Zaberner Bmchfeld aufgeschlossen. Er fällt schon 
von weitem durch seine helle Färbung auf. Wir 
kommen auf denselben bei Beschreibung mehrerer Ex- 
cursionen zu sprechen. Als ein Fimdpunkt zahlreicher 
Yersteinerungen sei Katzenthal westlich von Colmar er- 
wähnt. 

h) Schichten mit Rhynchonella varians. 

Unter dieser Bezeichnung seien die über dem Haupt- 
oolith folgenden, theils oolithischen , theils mergeügen, 
grauen und gelben, im frischen Zustande blauen, Schichten 
zusammengefasst, welche neben Bhynehonella varians 
Schi, sp., Zeilleria ornithocephala Sow., eine Menge 
biplicater Terebrateln, Seeigel, Einzelkorallen, von Am- 
moniten, Parkinsonier und Oppelia aspidoides Opp. sp. 



40 Formationen. 



und viele andere Versteinerungen enthalten, Wir kommen 
auf dieselben in Exe. 5 b zurück. 

Die jüngsten Schichten des Dogger sind blaue Mergel 
mit Stepkanoceras subcontraetum M. u. L. sp., nur bei 
Buchsweiler vorgekommen. 

C. Malm. 

Malm ist im Elsass nur in den Bergen bei Pfirt ent- 
wickelt. Wir werden denselben auf Excursion 22 genauer 
kennen lernen. Folgende Abtheilungen sind zu unter- 
scheiden (von oben nach unten). 

5. Kimmeridge (Pterocerien). Mergelkalke mit Ptero- 

cera Oceani Bmg. 
4. Sequanien. 
e) AVeisse, splitterige, zum Theil oolithische, wohl ge- 
schichtete Kalke, mindestens 60 m. 
d) Mergel und Kalke. Häufig Exogyra spiralis Oldf. 

und Zeillena htimeralis Rom. 7,30 m. 
c) Grober Oolith, mindestens 3,70 m. 
b) Mergel und grosskömiger Oolith mit Äsiarte supi'a*^ 
eorallina Orb. 

a) Roth verwitternde Kalke mit zahlreichen Gastrc- 
poden. 

3. Rauracien. 

b) Klotzige , weisse , splitterige Kalke , in eckige Brocken 
zerfallend , mit einzelnen Korallenstücken und Kiesel- 
knollen (CoralUen). 85 m. — An Terebrateln ( Tere- 
hratula insignis Z.) reiche Bänke ziemlich nahe 
über a) , höher hinauf folgen Bänke mit verzweigten 
Korallen, dann Kalke mit Ghalcedonknollen. Zu 
oberst werden die Kalke deutlicher geschichtet. 

a) Dünnbankige Kalke mit zahlreichen Thamnastraeen 
und Olypticus hieroglyphictis Gldf. (Thamnastraeen- 
kalk). 15 m. 

2. Oxfordien. 

b) Mergel mit Kalkknollen (Chailles), im oberen Theil 
mit verkieselten Versteinerungen (Terrain ä Chailles)» 
40 m. 



Fonnatlonen. 4 1 



a) Dunkle, fette Mergel mit v erkiesten Ammoniten 
(Oppelia Benggeri Opp. und Aulacothyris im- 
pressa B.). 

1. Callovien. 

b) Dunkle , fette Mergel mit Peltoceras athleta Phill. sp. 
Zusammen mit a) des Oxfordien 50 m mächtig. 

a) Eisenoolithische Kalke mit Macrocephalites macro- 
cephalus Schi. sp. 

Bathonien. Yariansschichten. 

IT. Eainozoische Formationsgruppe. ') 

(Exe. 1, 6, 8, 13, 21, 22.) 

Bei dem gänzlichen Fehlen der Kreideformation in 
unserem Gebiete ruht das Tertiär immittelbar auf vor- 
kretacischen, besonders jurassischen Bildungen. Neben 
ausgedehnten marinen Ablagerungen haben wir solche 
brakischen und süssen Wassers. Die petrographische so- 
wohl wie die paläontologische Facies ist daher grossem 
Wechsel unterworfen. Da das Tertiär auf das Rheinthal 
beschränkt ist, verbirgt es sich auf grosse Erstreckimgen 
unter jüngeren Anschwemmungen und tritt nur in ge- 
trennten Partieen zu Tage. Dieser Umstand, in Verbindung 
mit der oben hervorgehobenen sehr verschiedenartigen 
Entwicklung, erschwert die Parallelisii'ung der vereinzelten 
Vorkommen unter einander. 

Von den herkömmlich im Tertiär unterschiedenen 
grösseren Abtheilungen haben wir bei uns das Eocän, 
Oligocän und Pliocän. Miocän tritt unfern Lauter- 
burg unmittelbar an die Grenzen des Reichslandes heran, 
ist aber innerhalb desselben nicht sicher bekannt. Viel- 
leicht jst ein kleines Vorkommen von Süsswasserkalk bei 
Donnenheim unfern Waltenheim hierher zu stellen. Zum 



1) Andreae, Ein Beitrag z. Kenntniss d. elsässer Tertiär. Ab- 
handlang, zur geolog. Specialk. v. Elsass- Lothringen. IL 3. 

Förster, Die Giiedening des Sondganer Tertiärs. Mittheil, der 
Comm. für die geolog. Landesunters. v. Elsass - Lothringen. I. 137. 



42 Formationen. 



Pliocän stellen wir vor der Hand gewisse weit ver- 
breitete Kies-, Sand- und Thonablagerungen, die auch 
wohl zum Peistocän gerechnet werden. 



1. Eocän. 

Bohnerz. Erbsen- bis nussgrosse, rundliche, mit- 
unter regelmässig kugelförmige Massen von Brauneisen- 
stein. Von geringer Verbreitung. In Spalten und Ver- 
tiefungen jurassischer Gesteine. Im Oberelsass im Gebiet 
von Pfirt (Lützel, Winkel, Lüxdorf), im Unterelsass im 
Kreise Hagenau (Mietesheim, Gundershofen, Hüttendorf). 

Das Alter dieser Bohnerze bestimmt sich bei dem 
Mangel an Versteinerungen durch die Ueberlagerung durch 
die folgenden, nach ihren reichlichen organischen Ein- 
schlüssen mitteleocänen Ablagerungen. 

Das Mitteleocän ist nur im Unterelsass bekannt, 
doch tritt es nahe an der Grenze des Oberelsass in der 
Schweiz auf. Am ausgedehntesten ist die aus Mergeln 
mit einer Einlagerung schwefelkiesreicher Braunkohle und 
Süsswasserkalk bestehende Ablagerung auf dem Bastberge 
bei Buchsweiler (Exe. 5 b). Bezeichnend ist für dieselbe 
in erster Linie eine mitunter das ganze Gestein erfüllende 
Süsswasserschnecke Planorhis pseudammonius Schi. 

Mitteleocän ist weiter verbreitet bei Dauendorf und 
Neuburg, um Buhhnger Berg bei Bitschhofen, am Bischen - 
oder Nationalberg bei Oberehnheim imd bei Mietesheim. 
Sämmtliche Ablage nmgen , die vielleicht nicht alle genau 
gleichalterig sind, entstanden in Süsswasserseen. 

2. Oligocän. 

Eine grössere Verbreitung als dem Eocän kommt dem 
Oligocän zu. In demselben herrscht grosse Mannig- 
faltigkeit. Neben marinen haben wir brakische und lim- 
nische Ablagerungen, neben ausgedehnten Massen von 
Kalken , Thonen und Mergeln kommen Sandsteine und 
Gyps vor. Ein besonderes Interesse beanspruchen imter 
den Faciesbildungen Conglomerate , die am Gebirgsrande 



Formationen. 43 



auftreten und zweifellos Uferbildungen sind (Küsten- 
conglomerate). 

Man geht bei der Gliedeining des Oligocän am besten 
von zwei marinen Bildungen, dem Meeressand imd dem 
Septarienthon aus, weil deren Gleichalterigkeit mit den 
gleichbenannten Ablagerungen des Mainzer Becken fest 
steht. Beide gehören dem Mitteloligocän an, der Sep- 
tarienthon überlagert den Meeressand. 

Zu letzterem sind zu stellen blaugraue, sandige, 
glimmerige Mergel mit sandigen Einlagerungen, welche in 
grossem Maassstabe bei Wolfersdorf nahe Dammerkirch 
zur Ziegelfabrikation gewonnen werden. Die Sande sind 
reich an Ostrea eallifera Lmk., Cytherea splendida Mer., 
C. incrassata Sow., Fusus elongatus Nyst und anderen 
"Versteinerungen. Dieselben Mergel stehen bei Hagenbach 
am Rhein -Rhonekanal an. Es gehören hierher ferner die 
bei Altkirch (Mamerie Gilardoni) gewonnenen Mergel. 

Das gleiche Alter haben petrographisch anders be- 
schaffene Schichten, gelbliche Kalke, welche in einem 
gelegentlichen Aufschluss vor langer Zeit bei Rädersdorf 
unfern Pfirt vorgekommen und durch Einschlüsse von Ha- 
ut he rium berühmt geworden sind. 

Der Septarienthon ist ein graublauer, fetter Thon, 
der im ünterelsass eine beträchtliche Verbreitung hat. 
Die innen geborstenen Concretionen, die demselben in 
Norddeutschland seinen Namen verschafft haben, fehlen 
bei uns. Sehr gross ist der Reichthum des Septarien- 
thones an Foraminiferen, während die leitenden Mollusken, 
wie Leda Desha/yesana Duch., selten sind. 

Dem Septarienthon können im. Oberelsass die bei Oll- 
weiler gewoimenen und bis in die Gegend von Aue bei 
Sentheim verbreiteten Thone mit Ostrea eallifera zu- 
gerechnet werden. 

Eine sehr interessante Ablagerung vom Alter des 
Septarienthones sind die wenig mächtigen »Fischschiefer«, 
graue bis schwarze, bituminöse, in dünne Blättchen zer- 
fallende Schiefer mit Ämphisyle Heinrichi Heck. Sie 
sind im Oberelsass nachgewiesen bei Buchsweiler unweit 



44 Formationen. 



Pfii-t, bei üntermagstatt, Obersteinbrunn, Landser, Alt- 
kirch, Aue, Gewenheim. 

Eine sandige Facies des Septarienthones stellen die 
Blättersandsteine von Habsheim und einigen anderen 
Punkten mit Cinnamomum Seheuchxeri Heer und Cinna- 
momum lanceolatum Heer dar. 

Der sogenannte »Untere Haustein«, ein vielfach 
im Sundgau abgebauter, mitunter conglomeratischer, Kalk- 
sandstein ist eine Küstenbildung des Mitteloligocän. In 
demselben sind früher bei Niederspechbach zahlreiche 
Pflanzen gefunden. 

Schliesslich wird von Förster in das Mitteloligocän 
eine sehr interessante Ablagerung des Hügelgebietes süd- 
lich und südwestlich von Mülhausen gestellt, der »Plat- 
tige Steinmergel«. Derselbe besteht aus grauen, mit- 
unter röthlichen, dünnplattigen , in einzelnen Bänken papier- 
dünn spaltenden Steinmergeln, die Reste von Fischen 
{Paralates cf. Bleicheri Sauv.), Asseln, Krebsen, eine 
grosse Anzahl von Insecten, Süsswasserschnecken, My- 
tilus socialis A. Bi., Cyrena semistriata Desh. und 
Pflanzen führen. 

Nicht sicher festgestellt ist das Alter einer auf dem 
Berge westlich von Rufach vorkommenden Ablagerung. 
Daselbst sind über Conglomeraten mit Mergeleinlagerungen, 
welche Foraminiferen enthalten, in ausgedehnten Stein- 
brüchen seit Jahrhunderten abgebaute Kalksandsteine auf- 
geschlossen, die hier und da einen conglomeratischen 
Charakter annehmen. Eingelagert sind diesen Sandsteinen 
mehrere Bänke gelben und weinrothen Mergelschiefers, 
deren eine den von hier zuerst beschriebenen Paralates 
Bleicheri Sauv., eine Assel, Oyrena semistriata Desh. 
imd einen Mytilus (als M. Faujasi Brngn. aufgeführt) 
enthält. Andrea stellt diese Ruf acher Mergel in das 
Oberoligocän. Sie dürften, wie bereits von Förster an- 
genommen wurde, als gleichalterig mit den plattigen 
Steinmergeln des Sundgau anzusehen sein. 

Dem Oberoligocän werden zugerechnet der wenig 
mächtige Kalk mit einer Helix cf. rugulosa von Alt- 
kirch und anderen Orten des Sundgau und der »Obere 
Haustein«, Merger und Plattenkgüke mit einigen Fora- 



Formationen. 45 



miniferen. Sicher oberoligocän sind die Cyrenenmergel 
von Kolbsheim und Truchtersheim bei Strassburg, aus denen 
vor Jahren eine Anzahl Versteinerungen in die Samm- 
lungen gelangte. Denselben steht wohl auch im Alter 
gleich der durch einen Eisenbahneinschnitt bei Epfig an- 
geschnittene Thon mit Ostrea cyatkula Lmk. 

Von Ablagerungen unter dem Septarienthon und 
Meeressand ist zunächst zu nennen der Melanienkalk 
von Brunn Stadt und anderen Punkten südlich und süd- 
westlich von Mülhausen. Er erreicht bis 100 m Mächtig- 
keit. Das Hauptgestein desselben ist ein in verschieden 
dicken Bänken abgelagerter, dichter, grauer bis grau- 
brauner, mitunter brecciöser Kalk mit Melania alhigensis 
Noul. und M. muricata Wood. Andrea stellt ihn in das 
Obereocän, Förster in das ünteroligocän. Blaue Mergel 
und Grypsmergel sind theils unter dem Melanienkalk er- 
bohrt, theils kann man Ueberlagerung derselben unmittel- 
bar durch den plattigen Steinmergel beobachten (Zimmers- 
heim), so dass sie zum Theil dem Melanienkalk im Alter 
gleich gestellt werden. Die Mächtigkeit geht bis 207 m. 

Unter dem Septarienthon hegen femer die technisch 
wichtigen bitumenführenden Ablagerungen, die in 
verschiedener Entwicklung auftreten. Durch Bergbau auf- 
geschlossen ist der Asphaltkalk von Lobsann ein 
weisslichrother dolomitischer Kalk, der von einem Netz- 
werk von Flötzchen und Adern von Lignit durchzogen 
ist. Asphalt tritt als Imprägnation im Kalk und im Lignit 
auf. Von Versteinerungen kommen Wirbelthiere , Brack- 
waßserconchylien und Pflanzen vor. 

Tiefer als der Asphaltkalk hegt die wichtigste petroleum- 
führende Ablagerung zwischen den Orten Sulz unt. W., 
Schwabweüer, Hagenau und Wörth (mit dem Ilauptvor- 
tommen bei Pechelbronn). Das Hauptgestein dei*selben 
sind einförmige graue Mergel, oft mit kleinen, weissen 
KnöUchen, die bis zu 700 m durchbohrt sind, ohne dass 
die, wahrscheinlich jurassische, Unterlage erreicht wäre. 
In den Mergeln hegen petroleumführende Sande in lang- 
gestreckten, schmalen, im Querschnitt linsenförmigen Ein- 
lagerungen. Im allgemeinen sind die Mergel ai*m an 



46 Formationen. 



Versteinerungen, doch haben sich neuerdings strichweise 
Foraminiferen gefunden. 

Etwas abweichend von dieser Entwicklung, die im 
Gebiete von Pechelbronn herrscht, sind die Verhältnisse 
bei Schwabweiler, woselbst die Mergel in den oberen 
Lagen eine Anzahl Foraminiferen geliefert haben, die auf 
eine mehr marine Ablagerung als bei Pechelbronn deuten. 
Auch harte, bituminöse Blättersandsteine sind Schwab- 
weiler eigenthümlich. 

Andrea ist geneigt, die oberen foraminiferenführen- 
den Schichten von Schwabweiler in das Mitteloligocän, 
die tieferen Schichten, ebenso wie die Mergel von Pechel- 
bronn, in das Unteroligocän zu stellen. Bei der grossen 
Mächtigkeit der Mergel und ihrer Stellung unter dem 
Septarienthon liegt es allerdings nahe, für die Bildung 
derselben auch die Zeit des Unteroligocän in Anspruch 
zu nehmen. Versteinerungen, welche mit Sicherheit auf 
Unteroligocän verweisen, sind aber in den tieferen Mer- 
geln noch nicht gefunden, und die ohnehin schon un- 
bestimmte Grenze nach oben ist durch das eben erwähnte 
Auffinden foraminiferenführender Lagen noch mehr ver- 
wischt 

Im Oberelsass haben petroleumführende Schichten 
bei Hirzbach südlich von Altkirch Veranlassung zu Boh- 
rungen gegeben, welche bisher zu keinen befriedigenden 
Resultaten führten. Die Ablagerung hat grosse Aehnlich- 
keit mit der von Schwabweiler. 

Die Küstenconglomerate sind durch das ganze 
Elsass von Thann bis Weissenburg längs des Gebirgs- 
randes verbreitet und kommen auch auf höher gelegenen 
Pimkten des Vorhügellandes, wie auf dem Bastberge bei 
Buchsweiler, vor. Durch Einlagerung fossilführender 
Schichten sind sie an einigen Stellen sicher als mittel- 
oligocän gekennzeichnet. Auch ein Conglomerat von 
Muschelkalkge rollen , die durch Petroleumsand verkittet 
sind, welches im Asphaltkalk von Lobsann vorkommt, ist 
sicher mitteloligocän. 

Xim haben die Conglomerate aber eine ganz ver- 
schiedene Zusammensetzung. Manche derselben bestehen 
ausschliesslich aus Gerollen jurassischer Gesteine, in an- 



Formationen. 47 



deren herrschen Muschelkalk und Buntsandstein. Die 
letzteren werden meistens jünger sein, da sie gebildet 
wurden, nachdem die jurassischen Ablagerungen, die das 
Material für die ersteren lieferten, bereits abgewaschen 
waren. Es ist daher angenommen worden, dass während 
der ganzen Oligocänzeit Küstenconglomerate abgesetzt 
worden seien, was ja auch der Fall sein mag. Immerhin 
wird im Auge zu behalten sein, dass wir im Rheinthal 
ausgedehnte Meeresablagerungen nur aus der MitteloUgo- 
eänzeit kennen. An dem Ufer eines bewegten Meeres 
wird aber die Bildung von Gerollen eher stattfinden, als 
in ruhigen, abgeschlossenen Becken. Ausgedehnte, gleich- 
artige Conglomeratablagerungen werden daher immer mit 
grösserer Wahrscheinlichkeit als gleichzeitige Bildungen 
mariner Absätze zu deuten sein, in unserem Falle äso 
Mitteloligocän. Thatsächlich kennen wir ja auch nur 
mitteloligocäne Versteinerungen innerhalb der Conglo- 
merate. 

Grosse Geröllmassen werden aber auch durch Strome 
herbeigeführt. Solche deltaartige Anhäufungen könnten 
allerdings in der ganzen Oligocänzeit gebildet worden sein. 
Eine sorgfältige Untersuchung der einzelnen tertiären 
Conglomeratvorkommen nach ihrer Zusammensetzung und 
ihrer Lagerung kann allein über die Entstehungsart und 
Ablagerungszeit Aufschluss geben. 

Mit Sicherheit als miocän zu bezeichnende Ablage- 
rungen sind, wie erwähnt, im Elsass nicht bekannt. Da 
solche aber in den Nachbargebieten vorhanden sind, fehlen 
sie vielleicht bei uns nicht, sind aber imter jüngeren 
Bildungen verborgen. 

3. Pliocän.*) 

Zum Pliocän werden hell gefärbte, oft blendend 
weisse Sande, mehr oder weniger fette Thone imd hell 

1) Andrea , Ein Beitrag zur Kenntniss des elsässer Tertiär , Ab- 
handlang, zur geolog. Specialk. v. Eis. -Lothr. II. 320. 

Schumacher, Die Bildung und der Aufbau des oberrhein. Tief- 
landes. Mittheil. d. Commission f. d. geolog. Landesuntersuchung von 
Eis. -Lothr. II. 217 — 221. 301. 



48 Forinationen. 



gefärbte Geröllablagerangen gestellt. Sie sind seit lange 
bekannt, da die Thone zur Steingiitfabrikatiön, die Sande 
als Streusande gewonnen werden. Ausser unbestimm- 
baren Pflanzenresten, die gelegentlich zur Bildung dünner 
Braunkohlenschmitze Veranlassung gegeben haben, sind 
keine Versteinerungen bekannt. 

Es sind zweierlei Arten der Entwicklung zu unter- 
scheiden. In dem Gebiete von Hagenau bis Weissenburg 
liegen unten weisse, seltener matt gefärbte, glimmerfreie 
Sande mit mehrfachen Einlagerungen hellgmnlichgrauer 
bis brauner Thone imd vereinzelten Anhäufungen von 
Quarz und BuntsandsteingeröUen. Darüber häufen sich 
die GeröUe, die aus Buntsandstein, Chalcedon, feinkörnigem 
Quarzit aus mittlerem Muschelkalk und besonders auf- 
fallend weissem Gangquarz bestehen. (Nach dem Dorfe 
Riedselz bei Weissenburg auch als Rieds elzer Sande 
bezeichnet.) 

Weiter südlich bei Epfig, femer bei "Wattweüer, 
Aue und Sentheim sind in die Sande mächtige Blockthone 
eingelagert. Es sind dies weisse bis gelbhche glimmer- 
führende Thone , in denen bis 4 cbm messende gerundete, 
oft mit auffallend geglätteten Flächen versehene Blöcke 
gelbhchen Buntsandsteins, seltener zei*setzten Granits und 
von Arkosen aus dem Rothliegenden eingebettet sind. 

Während die Sande mid Kiese des nördüchen Unter - 
Elsass zweifellos flmiatil oder in einem See abgelagert 
sind, deuten die Blockthone von Epfig auf das Vorhanden- 
sein von Gletschern. Sie machen den Eindi-uck von Mo- 
ränen. 

Diese Pliocänbildungen überlagern im Elsass das 
Oligocän, im Mainzer Becken das Miocän, greifen aber 
oft auf ältere AblageiTingen über. Bedeckt werden sie 
von den Aufschüttungen des Pleistocän, von denen sie 
sich durch die Bleicbung ihrer Bestandtheüe , die Kax)lini- 
sirung der feldspathigen Gemengtheile und das Fehlen 



van Werveko , Ueber das Pliocän des Unt. - Elsass. Mittheil, der 
geolog. Landesanstalt v. Eis. -Lothr. III. 139. 

Schumacher , Ueber die Gliederung der pliocänen und pleistocftnen 
Ablagerungen im Elsass. Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellsch. XLIV. 
1892. 828—834. 



Formationen. 49 



von kalkigen Gerollen unterscheiden. Bemerkt sei übrigens, 
dass es alte GeröUablagenmgen giebt, deren Zugehörigkeit 
zum Pliocän oder Pleistocän sich noch nicht feststellen 
lässt. 

4. Pleistocän.*) 

An der Zusammensetzung des Pleistocän oder des 
Diluvium und Alluvium, wie man oft, dem früheren 
Sprachgebrauch folgend, sich ausdrückt, nehmen haupt- 
sächlich dreierlei Bildungen Theil: Fluviatile Geröll- 
und Sandmassen, Moränen und Löss oder Lehm. 

Bereits zur Pliocänzeit waren, wie oben angegeben 
wurde, wahrscheinlich Gletscher in den Vogesen vor- 
handen. In der Pleistocänzeit erlangten sie eine grosse 
Ausdehnung. Mindestens drei Mal rückten sie vom Ge- 
birge gegen das Rheinthal vor. Zwischen den Zeiten 
grösster Ausdehnung lagen Perioden des Rückzuges, so- 
genannte Interglacialzeiten. Wie weit die Gletscher 
sich erstreckten, ist dann sicher festzustellen, wenn unter 
ihrem Einfluss entstandene Büdungen erhalten sind (Stim-, 
Seiten- oder Grundmoränen). Leider sind die älteren der- 
selben vielfach weggewaschen. 

Die den Gletschern entströmenden Bäche lagerten 
Schotter und Sande ab, die weit in das Rheinthal 
hineingeführt wurden (riu\'ioglacialschotter). Li Inter- 
glacialzeiten erfolgte die Bildung des Löss, ursprünglich, 
wie jetzt meist angenommen wird, unter dem Einfluss 
des Windes (äolisch). Die zuerst entstandenen Lössmassen 
sind aber wiederholt umgeschwemmt worden, so dass der 
uns thatsächlich vorliegende Löss zu einem sehr grossen 



1) Schnmacher, Die Bildung nnd der Anfbaa des oberrheinischen 
Tieflandes. Mittheil, der geolog. Landesanstalt von Elsass -Lothringen. 
II. 1890. 221. 

Ders., üebersicht über die Giiedwaog «les elsäss. Dilnviams. Die- 
selben MittheU. m. 1892. XXI. 

Ders., Die natürliche Entwicklang des Strassburger Landes , in : 
Strassbarg and seine Baaten, Strassb. 1894. 1—42. 

Förster, Geologischer Führer für die Umgegend von Mülhauscn 
i. Eis. llittheil. geol. L.-A. v. Els.-Lothr. III, 1892, 272. 

Ders., Jüngerer Löss auf der Niederterrasse. Mittheil. d. geolog. 
Landesanstalt von Eisass - Lothringen. V. 1899. 51. 

Führer durch d. Eisass. 4 



50 Formationen. 



Theile unter Mithülfe des Wassei*« gebildet ist, wie die 
deutliche Schichtung desselben beweist. 

Zurückgehende , also abschmelzende Gletscher lieferten 
die grössten Wassennassen , und das von diesen trans- 
portirte Material wurde in schwach nach der Richtung- 
des Abflusses gent^igten Aufschüttungen abgelagert. So- 
bald die Wassennassen geringer wurden, wurde die Ma- 
terialzufuhr geringer, die Gewässer, bisher in einem Netz 
von Wasseradern über breite Flächen strömend, zogen, 
sich in einige Furchen zurück, die sich allmählich tiefer 
in die Schottermassen eingruben. So entstanden Terrassen 
zu beiden Seiten eines Flusses oder Baches. 

Nahmen die Zuflüsse nun wieder zu, so erfolgte in. 
der Furche eine neue Aufschüttung. Diese wurde dann 
wieder zum Theil ausgewaschen imd neue Terrassen ge- 
bildet. Durch Wiederholung dieses Vorgange« konnten 
mehrere einander angelagerte Terrassen entstehen (Hoch- 
und Niederterrasse), deren höher gelegenen die älteren 
sind. 

Neben den Schottern spielen auch Sande und geröll- 
führende Sande eine grosse Rolle, so die grauen älteren, 
eine reiche Faima enthaltenden Rheinsande von Hangen- 
bieten (Exe. 9) und die rothen jüngeren Vogesensande 
vieler Pimkte des ünterelsass. Es sind dies fluviatile 
Anschwemmungen, die zu verschiedenen Zeiten, sowohl 
während des Vorinickens der Gletscher, als auch in inter- 
giacialen Zeiten entstanden. 

In Zeiten zwischen den Aufschüttungen fiel die Löss- 
bildung, wie sich daraus ergiebt, dass wir Löss auf 
Schotter, aber auch Schotter dem Löss angelagert kennen. 
Eine der wesentlichsten Stützen für die Annalmie einer 
äolischen Bildung des Löss ist, dass dieser sich ausser 
auf Terrassen auch auf älterem Gebirge bis zu Höhen 
findet, welche die Gewässer nur unter der Voraussetzung 
beträchtlicher Niveauverändeningen noch in der Pleisto- 
cänzeit erreicht haben könnten. Anzeichen von solchen, 
wenigstens in so bedeutendem Maasse, liegen aber nicht vor. 

Der Löss ist nun bei seiner lockeren Beschaffenheit 
nicht nur verweht, sondern auch in ausgedehntestem. 



Formationen. 5 1 



Maasse verschwemmt worden. »Sandlöss« ist ein mit 
mehr oder weniger Sand gemengter oft deutlich geschich- 
teter LÖSS, der lokal in Menge Süsswasserschnecken führt. 
Der eigentliche Löss ist ungeschichtet und enthält nur 
Landschnecken. 

Die Ablagerung des Sandlöss erfolgte zweifellos unter 
Wasser. Aber auch Massen, die sich vom echten Löss 
petrographisch nicht untei*scheiden, tragen Merkmale einer 
Umlagenmg in der zonenweisen Einlagerung fremden 
Materials und in einer mitunter deutlichen Schichtung. 

Der Löss ist ausgezeichnet durch einen hohen Kalk- 
gehalt, der leicht weggeführt, ausgelaugt, wird. Der ge- 
löste Kalk scheidet sich in tieferen, also älteren, Lagen 
des Löss wieder aus und zwar in jenen eigenthümlichen 
concretionären Massen, die als Lösspuppen, Lösskindchen, 
Kuppsteine (in der elsässer Volkssprache) bekannt sind. 
Die nach Wegführung des Kalkes zurückbleibende Masse 
wird zu einem kalkannen Löss, schliesslich zu einem 
braunen Lehm. Solcher findet sich in grosser Ausdeh- 
nung als Decke des Löss an der Oberfläche. 

Man kennt aber auch Lehmzonen im Löss, die von 
echtem Löss, gewöhnlich mit Zwischenschaltung geschich- 
teter Lössmassen, überlagert werden. Sie sind Anzeichen 
alter Lössobei flächen, die für die Gliederung des Löss 
von grosser Wichtigkeit sind. 

Für die Moränen ist der Aufbau aus regellos an- 
gehäuften Sand- und Lehmmassen mit ordnungslos ein- 
gestreuten Blöcken in theilweise sehr fester Packung be- 
zeichnend. Bald bilden sie ausgezeichnete, bogenförmig 
mit der Convexität thalabwärts quer durch die Thäler 
ziehende Wälle (Endmoränen, Stimmoränen) , bald be- 
gleiten sie die Tlialf lachen auf beiden Seiten als schmale 
Schuttterrassen (Seitenmoränen), bald erfüllen sie den 
Untergrund der Thalsohle bis zu Tiefen von 10 m (Grund- 
moränen). Oft haben sich nur kleine Fetzen der Moränen 
als der Abwaschung entgangene Reste in den Austiefungen 
der Gehänge erhalten, oder vereinzelte »erratische« Blöcke 
deuten das einstige Vorhandensein derselben an. 

Die GeröUe, richtiger Geschiebe, der Moränen (Glacial- 
geschiebe) zeigen bei geeigneter Beschaffenheit des Gesteins- 

4* 



52 Formationen. 



materials (Kalk und feine Grauwacken) oft die bezeich- 
nende ISchrammung, wie denn auch die Felsen, über 
welche die Gletscher sich schoben, auffallend gerundet, 
polirt und geschrammt sind (Exe. 18). 

Hinter Moränen haben sich die Gewässer oft gestaut 
und bilden Seen. Die Mehrzahl der Seen der Hoch- 
vogesen sind derartige Stauseen, wie die Beschaffenheit 
ihres Untergrundes und der sie umgebenden Felsen, so- 
wie die Anordnung des Materials der ihnen vorgelagerten 
Wälle beweist. Fand das Wasser einen Abfluss, so deutet 
nur eine mitunter sumpfige Depression das einstige Vor- 
handensein eines Sees an. 

Dem Pleistocän gehören auch die »Blättelerze« 
an, Anhäufungen rundlicher und eckiger Stücke von 
Brauneisenstein, die früher im Elsass gewonnen wurden. 
Es sind in Vertiefungen zusammengeschwemmte Bruch- 
stücke aus dem mittleren Lias stammender schaliger Thon- 
eisensteinknoUen (Ovoides S. 34). 

Die Gliederung des Pleistocän nach der Altersfolge 
hat bei uns mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen. 
Nahe am Ursprungsort, also vor den Moränen, liegen alte 
Terrassen hoch, jüngere tiefer. In grösserer Entfernung 
thalabwärts hält dies Kriterium nicht immer Stich. Dort 
senkte sich wohl eine ältere Terrasse und Material einer 
jüngeren lagerte sich auf ihr ab. 

Die GeröUe älterer imd jüngerer Terrassen sind, 
wenn sie denselben Gebieten entstammen, was oft der 
Fall ist, nicht verschieden, höchstens zeigen sie verschie- 
denen Grad der Zersetzung. Aber auch dies Merkmal ist 
nicht immer anwendbar, da bei der Zei*setzung nicht nur 
das Alter der Ablagerung, sondern mancherlei lokale Ur- 
sachen — fördernd und hindernd — in Betracht kommen. 
Quarz und quarzitische Gesteine, die in grosser Menge in 
den Terrassen vorkommen, zersetzen sich überhaupt nicht. 

Sehr schwer, in manchen Fällen unmöglich, ist die 
Unterscheidung von ursprünglichem imd umgelagertem 
LÖSS. 

Nach dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse kann 
folgendes Idealprofil der pleistocänen Ablagerungen für 
das Elsass aufgestellt werden (Fig. 1). 



ps Die im vori^n Abschnitt 
besprochenen, durch ihre Bleichung 
ausgezeichneten ältesten Schotter-, 
Sand - und Thonablagerungen mit 
den ihnen im Alter gleichstehenden 
Blockablage ruiagen von Eplig und 
anderen Orten (Oberpliocän). 

adg Aelteste Diluvialschotter. 
Sie bilden im Simdgau die Fort- 
setzung der »Deckenschotter» 
des Alpenvorlandes. Das Material 
der Gerolle besteht aus aJpinen und 
Vogesengesteineu, die vielfach un- 
ter Beibehaltung ihrer Form durch 
und durch zersetzt sind. Im nörd- 
lichen OberelsassH , sowie im Unter- 
elsass kennt man bisher ketnhierher 
gehöriges riieiniaches Material. Da- 
gegen müssen zahlreiche Vor- 
kommen von Anhäufungen aus den 
Vogesen stammenden Materials zu 
den ältesten Dilnvialschottem ge- 
rechnet werden, so die Blockab- 
iagerungen von Mittelbergheim, 
Ittersweiler, vom Mönkalb bei Barr, 
zwischen St. Nabor und Bemhard«- 
weiler(Dorenberg), zwischen Oher- 
ehnheim und Ottrott (südüstlich von 
der Frauenlobmiihle), bei Gereuth 
(Kriit), Thannweiler im fl'eilerthal, 
bei Lützelhausen, Ober- iindNicder- 
baslach im Breuschthal, westlich 
von 'Weiler bei Weissenburg, end- 
lich manche Schotterablageningen 
der Zabemer und Niederbronncr 
Gegend. 

Die Decke nschotter des Sund- 
gau deuten auf einen Abfiuss der 
ans den Alpen kommenden Ge- 
wässer gegen Westen nach dem 



54 Formationen. 



Doubsthal, nicht nachNoi"den in der Richtung des heutigen 
Rheinthaies. 

mds Mittlere DiluvialvSchotter (Hochterrassenschotter). 
Bilden im Oberelsass die rheinische Hochterrasse zwischen 
Basel und Sierenz, dann fehlen sie rheinabwärts auf 
längere Erstreckung, treten aber im Unterelsass überall 
in den Seit(»nthälem und an deren Ausgang auf. Den 
mittleren Diluvialschottem ist gleich zu stellen die Mo- 
räne vom Bahnhof Epfig, jedenfalls auch noch andere 
Vorkommen, deren Alter sich jedoch bei der isolirten 
Stellung derselben schwer bestinunen lässt. 

jds Jüngere Diluvialschotter (Niederterrasse). Sehr 
ausgedehnt im Oberelsass zwischen der Hochterrasse und 
dem Rhein, grosse Flächen wie das Ochsenfeld und den 
Nonnenbruch bildend. Ebenso im Unterelsass sehr ver- 
breitet, theils als Terrassen, theils als den Thälem vor- 
gelagerte Schuttkegel und Sand- und Kiesablagerungen. 
Untergrund des Bi-umather und Herrenwaldes, Sande 
längs der Moder, Zinzel, Sauer und I^auter vom Gebirge 
bis an den Rhein. 

Hierher gehört die Mehrzahl unserer wohl erhaltenen 
Moränen im (lebirge. Die hoch geleg(»nen dei"selben, zum 
Beispiel die die Seen aufstauenden Moränen, sind jeden- 
falls jünger, als die ausgedehnten Moränen in den Thälern. 
Ob man sie aber als Phasen beim Rückzug der Gletscher 
aus den Thälem oder als Anzeichen einer besonderen 
jüngsten, im Vergleich zu der nächst älteren jedenfalls sehr 
unbedeutenden, Eiszeit ansehen soll, ist noch zu ent- 
scheiden. 

sLa und La Aelterer Sandlöss und älterer Löss auf 
den mittleren Schottern ruhend. Besonders im Süden des 
Landes reich an Kalkconcretionen. Im Sandlöss Land- 
und Süsswasserschnecken , im echten Löss nur Land- 
schnecken. 

la Aelterer Lösslehm (Venvitteiningsdecke des älteren 
Löss, Lainien genannt). 

hsl Sandiger, verschwemmter Lehm, in sL oder L 
übergehend. Oft hmnos. Mit Steinwerkzeugen, Holz- 
kohlenstückchen und anderen Spuren der Anwesenheit 
des Menschen (sogen. Kultur schiebt. Exe. 9). 



Formationen. 55 



sL Jüngerer Sandlöss. 

L Jüngerer Löss. 

l Jüngerer Lösslehm (Verwittenmgsdecke des jünge- 
len Löss). 

Die Kxilturschicht und der jüngere Sandlöss sind die 
Hauptlager von Knochen (Pferd, Mammuth, Rhinoceros, 
XJrstier). Das Lager des vielgenannten Egisheimer Schädels 
und der zahlreichen Knochen von Vöklinshofen dürfte 
diesen Horizonten angehören. 

Den älteren sowohl wie den jüngeren Schottern laufen 
verschiedenartige Sandbildungen parallel, die nicht in das 
Profil aufgenommen wurden, um die üebersichtlichkeit 
desselben nicht zu beeinträchtigen. 

An die diluvialen Ablagerungen schliessen sich die- 
jenigen an, welche sich noch in unserer Zeit bilden, die 
sogenannten alluvialen : Niederschläge innerhalb des Ueber- 
schwemmungsgebietes der Flüsse, Gehängeschutt und Ge- 
hängelehm als Producte der Verwitterung und Ver- 
♦schwemmung. 

y. Eruptiygesteine. 

Am meisten verbreitet unter den Eruptivgesteinen ist 
der Granit; südlich vom Breuschthal setzt er mehr als 
ein Drittel des ganzen Gebirges zusammen. Es lassen 
sich hier mehrere grosse Granitmassive oder -stocke 
unterscheiden. 

Das mittelste und grösste Massiv wird gebildet von 
einem Granit, welcher von der Grenze zwischen Ober- 
und Unterelsass bis zum Col de Bussang dem Kamm des 
Gebirges folgt und deshalb den Namen Kammgranit 
erhalten hat. An seiner breitesten Stelle im Münsterthal 
reicht das Massiv bis zur Rheinebene bei Winzenheim; 
von da erstreckt es sich nach Süden bis über Wasserburg 
hinaus und verschwindet dann unter den Culmsedimenten, 
bis auf einen langen, breiten Streifen, welcher von Winzen- 
heim über Lauterbach imd östlich am Sulzer Beleben vor- 
bei bis nach Goldbach und über St. Amarin bis Ranspach 
bei Wesserling verfolgt werden kann. Nördlich vom 
Münsterthal bildet, wenn man von den mehr isolirten 



5 6 Formationen. 



Vorkommen des Kammgranit bei Thannenkirch und am 
Fiiss der Hohkönigsburg absieht, der Gneiss von Rappolts-^ 
weiler und von Markirch seine östliche Grenze. 

Der Kammgranit ist dadurch ausgezeichnet, dass er 
in einem bei reichlichem Biotitgehalt oft etwas dunkelem 
Gesteinsgewebe grosse Krystalle von weissem Orthoklas 
eingesprengt enthält. Diese porphyrartige Structur, sowie 
das öftere Auftreten von säuliger Hornblende neben dem 
braunen Glimmer, imd die matten, hellgrünlichen, in dem 
nicht mehr frischen Gestein rothen Körner, welche dem 
Kalknatronfeldspath (Oligoklas) zugehören, sind dm'chaus 
charakteristisch für den Kammgranit. 

Das Granitmassiv des Hochfeldes, welches sich 
von Saales bis Barr und von Steige bis Grendelbruch er- 
streckt, weist verschiedene Granitvarietäten auf. Zwischen 
Hohwald und Saales, bei Grendelbruch, Rothau und Natz- 
weiler, herrschen helle, zuweilen etwas Hornblende neben 
dem Glimmer (Biotit) enthaltende, mittelkömige Granite, 
oft reich an kopfgrossen basischen Ausscheidungen, die 
im südlichen Theil des Massivs reicher an Biotit, im 
nördlichen Theil reicher an Hornblende und Oligoklas 
sind und dort früher auch wohl als besondere Gesteine 
(Nadeldiorit) angesprochen wurden. In gewissen Rand- 
zonen des Hochfeldgranits, wie bei Fouday, Solbach, trifft 
man auf sehr feste und glimmeranne, etwas Hornblende 
und zuweilen auch Augit führende Granite (Augitgranit) 
von wechselndem Koni; sie gehen stellenweise in dio rit- 
artige Gesteine über. Auch das Gestein vom Neunte- 
stein bei Hohwald ist ebenso wie das von Schloss Lands- 
berg bei Barr eine solche dioritähnliche Abart des Granits. 
Andererseits stellen sich beim Struthof östlich von Rothau, 
und besonders zwischen Andlau und Barr, röthliche Gra- 
nite ein, welche durch grosse, blass-fleischrothe Feldspäthe 
porphyrartig ausgebildet sind, und neben oft intensiv roth 
gefärbtem Quarz gewöhnlich nur dunkelen Glimmer, seltener 
Hornblende, in dem grobkörnigen Gesteinsgewebe ent- 
halten. 

Aehnliche Gesteine wie im Granitstock des Hochfeldes 
treten auch in dem Granitmassiv des Elsässer Bel- 
eb ens, westlich und nördlich von Seewen im DoUerthal, 



^Formationen. 5 7 



ZU Tage. Der mittlere Theil des Massivs wird von einem 
grobkörnigen, sehr homblendereichen Granit gebildet, der 
durch grosse, lichtbräunliche Orthoklaskrystalle eine por- 
phyrartige Structur erhält und im Grandgewebe zuweilen 
auffallend reich an schwach grünlich gefärbtem Oligoklas 
ist (Ballongranit); in den randlichen Theilen dagegen 
herrschen fein- bis mittelkömige , oft röthlich gefärbte 
Gesteine, ohne grössere porphyrisch hervortretende Feld- 
späthe, welche neben voi-waltendem Feldspath noch hell- 
gränlichen Augit, sowie Hornblende und Epidot enthalten 
(Augitgranit). 

Durch Führung von hellem Glimmer neben dunklem 
ist der stets gleichmässig grobkörnige Granit des Bres- 
soirs^) ausgezeichnet; er bildet die höchste Erhebung 
dieses Berges und erstreckt sich über Altweier bis zur 
Dusenbachkapelle bei Rappoltsweiler. Andere Varietäten 
sind der Granit des Bilsteins bei Rappoltsweiler, der 
Granit von Dambach und der auf nur kurze Erstreckung 
unter dem Rothliegenden und Buntsandstein auftauchende 
Granit des Jägerthals bei Niederbronn. 

Der Granit des Hochfeldes hat bei Barr, Andlau und 
Steige die paläozoischen Schiefer (Steiger Schiefer) und 
Grauwacken, mit welchen er in Berührung kommt, in 
der weitgehendsten Weise verändert. *) Aus den schiefe- 
rigen und oft deutlich klastischen Steiger Schiefem ent- 
wickeln sich (Exe. 12) näher und näher dem Granit festere 
und mehr krystallinische Gesteine, und zugleich werden die 
in dem unveränderten Schiefer gleichmässig vertheilten 
Pigmente (Eisenoxyd und organische Massen) umgewandelt 
(in Magneteisen und Graphit) imd in kleinen dunkelen 
Knoten concentrirt (Knotenthon schiefer, Fleckschiefer, 
Knotenglimmerschiefer). Dicht am Granit sind die 
Schiefer in sehr feste, harte Gesteine mit splitterigem 
Bruch, sogen. Hornf eise, imigewandelt, welche an Stelle 
der wieder verschwindenden Knoten Neubildungen von 
verschiedenen Silikaten, besonders von Biotit und Andalusit 



1) Anch Br^zooard. 

2) Rosenbasch , Die Steiger Schiefer u. ihre Contactzone. Abhdig. 
zxtt geolog. Spezialkarte v. Els.-Lothr. I. 1877. 



58 Formationen. 



(Chiastolith) führen. Auch die devonischen Schiefer und 
Conglomerate erleiden in Berührung mit dem Granit des 
Hochfeldes Umwandlungen in Homfelse, in jene festen, 
scharfkantig brechenden Gesteine, welche im oberen 
Breuschthal (bei Rothau und Schirmeck) mehrfach in 
Steinbrüchen als Strassenbeschottenmgsmaterial gewonnen 
werden. 

Im Oberelsass hat der Kammgranit in den Grauwacken 
und Schiefem des Gulms, z. B. am Thalhom oberhalb 
Wesserling, femer am Gipfel des Sulzer Belchens, am 
Weg von Laxitenbach nach dem Beichensee, am Burgköpf le 
bei Metzeral u. s. w., ganz ähnliche Contacterscheinungen 
hervorgerufen. 

Da der Kammgranit und der Hochfeldgranit noch 
Culmsedimente verändert haben, sind sie jedenfalls jünger 
als der Culm; und da andererseits Geschiebe von Kamm- 
granit und auch von den anderen Graniten in den Con- 
glomeraten des productiven Kohlengebirges vorkommen, 
wird man dieselben für älter als dieses ansehen müssen. 
Es dürfte demnach die Entstehung der Granite, w^enigstens 
des Hochfeldgranits und Kammgranits, sowie des gang- 
artig in den letzteren sich erstreckenden Bressoirgranits, 
in die Zeit zwischen Ablagening des Culms und des pro- 
ductiven Steinkohlengebirges fallen. 

Gegenüber dem Granit treten die andern Eruptiv- 
gesteine wie an Masse, so auch an Bedeutung zurück. 
Nur der Quarz porphyr (oder Felsitpori)hyr) kommt im 
Rothliegenden nördlich von der Breusch (z. B. an der 
Burg Nideck) in ausgedehnten, lagerähnlichen Massen vor. 
Die gewöhnlichen Varietäten sind durch eine vorwaltende 
dichte, meist braimgefärbte Gmndmasse aasgezeichnet, 
in der, im Ganzen nicht gerade reichlich, Krystalle von 
Quarz und Feldspath eingesprengt sind. Im Thal der 
weissen Saar treten auch einsprengUngsreiche Quarzpor- 
phyre auf, in denen der Feldspath oft ganz sanidinartige 
Beschaffenheit besitzt. Sehr charakteristisch für die Quarz- 
porphyre des Breusch- und Saarthals ist der Gehalt an 
kleinen, erst mit dem Mikroskop deutlich erkennbaren 
Enstatitkrj'stallen. Begleitet wird der Porphyr häufig von 
Poii)hyr-Conglomeraten und -Tuffen (Thonsteinen) ; letz- 



Formationen. 59 



tere sind, sofern sie nicht schon eine mit blossem Auge 
erkennbare klastische Structur besitzen, indem sie eckige 
Trümmer von Poiphyr einschliessen, oft schwer von dem 
massigen Porphyr zu untei^scheiden. 

Der Quarzporphyr im Kothliegenden nördlich von der 
Breusch und am Donon, sowie der von Hury bei Mar- 
kirch und von Gebweiler, wo er am Raxihlels bei Wün- 
heim eine deutlich kugelige Structur besitzt (Kugelporphyr), 
gehört hinsichtlich der Zeit seiner Entstehung dem oberen 
Rothliegenden an. Wahrscheinlich von dem gleichen 
Alter sind auch viele von den Quarzporphyren, weiche 
den Granit des Hochfeldes und den Kammgranit bei Mar- 
kirch u. a. a. 0. in zimi Theil recht mächtigen Gängen 
durchsetzen und am Rosskopf bei Barr grosse Flächen 
bedecken. Aelter dagegen ist der Quarzporphyr, welcher 
im oberen Breuschthal bei Rothau in devonischen Ab- 
lagerungen eingeschaltet vorkommt, und der Quarzporphyr, 
welcher im Culm des Oberelsasses (z. B. am Molkenrain 
und am Hartmannsweiler Kopf, sowie an vielen Stellen 
im Masmünsteiihal) eine bis zu 2000 m mächtige Ein- 
lagerung bildet, und, wie südlich von Niederbnick, auch 
mit Conglomeraten und Tuffen in Verbindimg steht. 
Diese zuletzt envähnten Quarzpoiphyre besitzen annähernd 
das gleiche Alter, wie die sie einschliessenden Schichten. 

Durch einen geringeren Kieselsäuregehalt und deni- 
entsprechendes Zumcktreten des Quarzes unterscheidet 
sich vom Quarzporphyr der Orthophyr oder Syenitpor- 
phyr (quarzfreier Porphyr), ein Gestein, welches, ebenso 
wie der zuletzt ei'wäJinte Quarzporphyr, eine Decke (im 
Maximum an 200 m mächtig) im Culm des Oberelsasses 
bildet, besonders gut sichtbar am Rothhütel bei Thann 
und hier von intensiv ziegelrother Farbe (Porphyr bi*un 
von E. de Beaumont). Braune und auch wohl grünliche 
Gesteine, welche sich in ihrer mineralogischen Zusammen- 
setzung an den Orthophyr anschliessen, aber statt des bei 
letzterem herrschenden Kalifeldsj)aths einen natronreichen 
Feldspath enthalten und in chemischer Hinsicht bei einem 
im Ganzen hohen Alkaligehalt durch das Ueberwiegen des 
Natrons über das Kali ausgezeichnet sind, sogen. Kerato- 
phyre, kommen im Devon des Breusch thals, wenn auch 



60 Formationen. 



im allgemeinen nicht in auffallend grossen Massen, so 
doch im Ganzen ziemlich häufig vor. 

Andere Eniptivgesteine , welche dem Culm des Ober- 
elsasses eigenthümlich sind und zwischen Gebweiler und 
der südlichen Landesgrenze mehrere an 30 bis 2000 m 
mächtige Lager bilden, sind die sogen. Labradorpor- 
phyre. Es sind braune und graue bis grünlichgraue Ge- 
steine mit einer dichten Grundmasse, aus der kleinere 
und grössere basische Feldspäthe vom Charakter des 
I^bradors sehr deutlich hervortreten, zumal auf der an- 
gewitterten Fläche. Sehr schöne Varietäten dieses Ge- 
steins kommen bei Oberburbach vor. Ihnen verwandt 
sind die Porphyrite, helle oder dunkle Gesteine mit 
einer dichten Grundmasse und mit porphyrisch in dieser 
eingestreuten Krystallen von Kalknatronfeldspath und zu- 
weilen auch von Hornblende; sie sind im Devon des 
Breuschthals (zwischen Grendelbruch und Fouday) und 
im Culm des Oberelsasses (z. B. in der Umgebung von 
Thann) recht verbreitet und treten hauptsächlich lager- 
artig auf. 

Weniger ansehnlich sind die Diabase, fein- bis 
grobkörnige Gesteine von graugrüner Farbe, ohne porphy- 
rische Structur. Sie finden sich in Form oft recht mäch- 
tiger Decken im Devon des Breuschthals, hier gewöhnlich 
in Gesellschaft tuff artiger und conglomeratischer Gesteine 
(Schalsteine und Schalsteinconglomerate), femer 
in einigen unbedeutenden Lagern (sogen. Proterobas, 
Leukophyr) in der Zone der Steiger Schiefer zwischen 
Breitenbach und Climont, sowie im Culm bei Weiler im 
Amarinerthal. Etwas ausgedehnter ist das Vorkommen 
eines zum Diabas gestellten Gesteins oberhalb Ermens- 
bach im Dollerthal; es hat ein ziemlich grobes Korn und 
ganz dioritartigen Habitus. 

Grobkörnige, aus Kalknatronfeldspath und Diallag 
bestehende Gesteine, sogen. Gabbro, kennt man bis jetzt 
hauptsächlich aus Conglomeratcn im Culmgebiete vom Thal- 
hom bei Wesserling; sie kommen aber am Uhufels bei 
Öderen auch in selbständigen Massen von geringer Aus- 
dehnung vor. Mit den Gabbro -Conglomeratcn zusammen 
finden sich am Thalhom Olivin-Enstatitgesteine fast 



Formationen. Gl 



durchweg in dunkelgrüne, äusserlich braun verwitternde 
Serpentine umgewandelt. Letztere werden auch am 
Drehtopf und am Trimont bei Wesserling, ebenfalls im 
Culm, sowie in einem viel tieferen Niveau, im Gneiss, 
im Rauenthal bei Markirch, bei St. Kreuz und mehrfach 
in der Nähe von Diedolshausen (Bonhomme) angetroffen. 

Sehr verbreitet sind noch im Bereich der Granit- 
massive und der paläozoischen Ablagerungen gangförmig auf- 
tretende Eruptivgesteine von verschiedenartiger Zusammen- 
setzung. Sie sind theils hell gefärbt und granitisch bezw. 
porphyiisch entwickelt und werden, je nachdem der vor- 
herrschende Feldspath- Gemengtheil in ihnen ein Kali- oder 
ein Kalknatronfeldspath ist, als Granitporphyre oder 
Dioritporphyrite bezeichnet, theils sind sie dunkel 
oder rothbraun und durch einen beträchtlichen Gehalt an 
dunkelem Glimmer oder Augit und Hornblende ausge- 
zeichnet und werden dann als granitische (Kalif eldspath 
enthaltende) und dioritische (Kalknatronfeldspath führende) 
Lamprophyre oder als Minetten bezw. Kersantite 
unterschieden. 

Die Granitporphyre und Minetten, letztere oft 
reich an Roth- und Brauneisenerz und deshalb in älterer 
Zeit auch bergbaulich von Wichtigkeit, sind, ebenso wie 
die gangförmig ausgebildeten Syenitporphyre und die 
hellfarbigen, glimmerfreien Aplite, im Granitmassiv des 
Hochfeldes, im oberen Breuschthal, bei Hohwald und 
Barr, aber auch im Gebiet des Kammgranits, sowie im 
oberelsässischen Culm sehr zahlreich vertreten. Die Ker- 
santite dagegen kennt man nur in wenigen Gängen von 
Markirch (Steinbruch an der Strasse nach St. Die), von 
Urbach oberhalb Kaisersberg, und aus den paläozoischen 
Ablagerungen von Weiler bei Weissenburg, welche sie, 
zugleich mit mehreren Dioritporphyrit- und Minettegängen, 
durchsetzen. 

In der mesozoischen Periode sind innerhalb des Ex- 
cursionsgebietes keine Eniptivgesteine gebildet worden. 
Erst in der Tertiärzeit traten an drei Stellen basaltische 
Gesteine in sehr geringem Umfange zu Tage. Man kennt 
dichte schwarze Basalte schon seit längerer Zeit von 
Reichshof en (Feldspathbasalt) und von Reichenweier 



62 Geologischer Aufbau. 



fMagmabasalt), wo sie Ausfüllungen cylindrisch ge- 
stalteter Eniptionskanäle bilden; vor einigen Jahren wurde 
noch, ein drittes Vorkommen (Nephelinbasalt) bei Urbeis 
(Kr. Rappoltsweiler) entdeckt, wo es als schmaler Gang 
den Kammgranit durchsetzt. 



Oeologlscher Aufbau. 

Für den geologischen Aufbau eines Gebietes sind 
zweierlei Momente von maassgebender Bedeutung. Einmal 
die ui*sprüngliche Art und Weise der Entstehung der 
Gesteine, ob diese in feurig flüssigem Zustande aus dem 
Innern der Erde herauf gednmgen und als einheitliche 
geologische Körper, wie man sagt massig, erstarrt sind, 
oder ob sie durch Absatz aus Wasser, also der Schwere 
folgend , von oben nach unten in der Form von Schichten 
zum Niederschlag kamen. Sodann kommen in Betracht 
die später eingetretenen Stöiiingen, deren Einfluss ein so 
bedeutender ist, dass sich kein Gestein mehr an der 
Stelle seiner ersten Entstehung befindet. 

Vom Aufbau der Vogesen kennen wir bisher nur 
einige grosse Züge. Die fortschreitenden geologischen 
Aufnahmen haben uns zwar für manche Gebiete werth- 
volle Einzelheiten kennen gelehrt, für andere aber be- 
stehen noch grosse Lücken. 

AVir müssen uns an dieser Stelle mit einigen kurzen 
Hinweisen begnügen. Bei Besprechung der Excui*sionen 
wird sich Gelegenheit finden, das eine oder andere nach- 
zutragen. 

Die ältesten uns bekannten Gesteine der Vogesen 
sind Gneisse. Ihr Auftreten beschränkt sich auf den 
mittleren Theil des Gebirges zwischen Münster- und 
Weilerthal. Das Einfallen ist meist steil, im allgemeinen, 
trotz vielfacher lokaler Abweichungen, gegen Nordwest 
gerichtet, das Streichen also von Südwest nach Nordost. 

Sehen wir von einigen ihrer Entstehung nach noch 
etwas zweifelhaften Gesteinen im Hangenden des Urbeiser 



Geologischer Aufbaa. 63 



Gneiss ab (Grenzzone Cohens), so sind die nächst jünge- 
ren bei uns vorhandenen Ablagerungen die altpaläozoischen 
"Weiler und Steiger Schiefer. Auch sie sind aufgerichtet^ 
vielfach geknickt und gequetscht, auch sind Ueberschie- 
bungen in denselben wahrscheinlich. Das Streichen ist 
im wesentlichen von Westsüdwest nach Ostnordost ge- 
richtet. Gleiches mittleres Streichen haben die mannig- 
faltigen Graawacken, Conglomerate und Schiefer des De- 
von auf der West- und Nordseite des Hochfeldes. 

Das Untercarbon der Südvogesen endlich zeigt einen 
Kern älterer Schichten vom Col de Bussang nach Nord- 
osten über den Gebweiler Beleben nach dem oberen 
Lauchthale, auf den sich nach Osten, Südosten und Süden 
jüngere Schichten mantelföimig auflegen. Von einer all- 
gemeinen Streichrichtung kann man hier nach den bis- 
herigen Beobachtungen nicht reden, es findet vielmehr 
ein häufiger Wechsel statt. Das Einfallen ist im allge- 
meinen steil, doch kommt auch flache Lagerung vor. 
Mulden- imd Sattelbildung bedingt eine häufige Aenderung 
der Einfallsrichtung. 

In diese Sedimente drangen die Granite ein und zwar 
zu verschiedenen Zeiten. Wir wissen z. B. vom Brezouard- 
granit, däss er jünger als der Kammgranit ist. Dieser 
wirkte verändernd auf das Untercarbon, ist also jünger- 
als dieses, zum mindesten als der ältere Theil desselben. 
Auch die Granite sind einem seitlichen Drucke ausgesetzt 
gewesen. Manche Abarten desselben, wie der Bilstein- 
granit imd der Glashüttengranit, wurden durch Druck 
gneissartig. 

Gefaltete Sedimente und gequetschte Granite haben 
ihre Aufrichtung und ihre Stnicturveränderungen vor. der 
Ablagerung des Obercarbon erfahren, denn dieses ist nicht 
gefaltet und liegt übergreifend auf denselben. Der Durch- 
schnitt durch einen Theil der Vogesen von Süd nach 
Nord, von der Hohkönigsburg nach dem Breuschthal 
(Fig. 2) zeigt das alte gefaltete Gebirge, die in dasselbe- 
eingedrungenen Granite und die discordant aufliegenden 
Schichten des . Carbon und des Eothliegenden , letzteres 
mit Quarzporphyrdecke. Den gleichen Einflüssen, wie 
die alten Sedimente, sind natürlich auch alle die decken- 



64 



Geologischer Aafbaa. 



JT 



artigen Ergussgesteine in denselben , überhaupt alle Eruptiv- 
gesteine der Vogesen mit Ausnahme der dyadischen Quarz- 
porphyre und der tertiären Basalte, unterworfen gewesen. 
Das Eindringen granitischer Massen, die in unserem 
Gebiete an Ausdehnung die alten Sedimente übertreffen, 
muss nothwendig die Lagerung der letzteren beeinflusst 
haben, wie immer man die Art des Eindringens sieh vor- 



j&W^i^ y^gll^j^hal 



btay 



Mochfeld^ 



Breuschihal 




^^reuuwuJce 



-tf-fr 



Fig. 2. Profil von der Hohkönigsburg nach dem Breuschthal. 

Am Schlass des Oberrothliegenden. 

I. Maassstab der Länge 1:500000, der Höhe 1:50000. 
II. * > » 1:500000, ohne Ueberhahnng. 

Gr. Grenzzone. W. Weiler Schiefer. St. Steiger Schiefer. K. Kohle 

von Roderen. 1 Schichten von Laach. 2 Scnichten von Erlenbaeh. 

3 Untere Schichten von Trienbach. 4 Obere Schichten von Trienbach. 

6 Schichten von Heisenstein. 6 Schichten von Meisenbackel. 

7 Schichten von Eohlbftchel. d Dolomit, n Qaarzporphyr. 



stellen mag. Schon die ältesten Granite müssen Auf- 
richtungen und Stauchungen der Schichten veranlasst 
haben. Wiederholtes Eindringen wirkte weiter umgestal- 
tend. Dazu kam nun noch eine oder mehrere, auf all- 
gemeine Ursachen zurückzuführende Faltung durch einen 
Druck von Südosten her. Die Sedimente gaben dem 
Druck nach, die Granite widersetzten sich, sie wirkten 
stauend, vielleicht wurden auch bei dieser Faltung Granite 
eingepresst. Der Aufbau musste also schliesslich ein sehr 
complicirter werden. 

Dass Störungen bereits vor der letzten auffälligsten, 
nach Ablagerung des Untercarbon eingetretenen, statt- 
gefunden hatten, darf man aus dem Vorkommen mancher 



Geologischer Anfbau. 65 



Formationen in getrennten Gebieten folgern, wie des De- 
von im Breuschthal und wiederum weit entfernt im Süden 
der Vogesen. Wenn man auch hier ausgedehnte Ab- 
waschungen einer einst zusammenhängenden Decke an- 
nehmen wollte, so müssten diese doch eine ältere Störung 
zur Voraussetzung haben , denn nur eine höhere Lage der 
weggeführten Massen gegenüber den erhalten gebliebenen 
würde eine so gewaltige zerstörende Einwirkung der Ge- 
wässer erklärlich erscheinen lassen. 

Vom Obercarbon ab bis zum oberen Jura fehlen An- 
zeichen auffallender Störungen in unserem Gebiete. Das 
Obercarbon lagerte sich in getrennten muldenartigen Ver- 
tiefungen des alten Gebirges ab. Das Eothliegende 
transgredirte bedeutend, noch weiter griff der Buntsand- 
stein über, bis schliesslich alle trennenden Rücken, die 
noch emporragten, von einer gleichartigen Decke verhüllt 
wurden, deren vereinzelte Reste wir von Norden her bis 
an das Münsterthal verfolgen können. Im Zusammen- 
hang erstreckt sie sich vom Breuschthal nach Norden. 
Auch der untere Muschelkalk griff über die Vogesen, wie 
das Vorkommen von Muschelsandstein in 740 — 750 m 
Höhe bei Altweier mitten im krystallinischen Gebirge be- 
weist. Dass auch die übrige Trias und der Jura min- 
destens bis zum Malm östlich und westhch der heutigen 
Vogesen im Zusammenhang standen, dürfen wir mit 
Sicherheit annehmen. Es spricht dafür die grosse Ueber- 
einstinmiung einzelner Abtheilungen beider Formationen 
auf beiden Seiten des Gebirges und die Abwesenheit aller 
geröllführenden Küstenbildungen. 

Eine auffallende Erscheinung ist das vollständige 
Fehlen der Kreideformation im südwestlichen Deutsch- 
land. Sie tritt vom Rheinthal gegen Westen erst jenseits 
der Maas, gegen Osten erst bei Regensburg wieder auf. 
Zur Kreidezeit bildeten Vogesen und Schwarzwald ein 
grosses, von Südwest nach N-etKiost sich erstreckendes 
Gewölbe, dessen Vorhandensein uns beweist, dass Niveau- 
veränderungen auch in der mesozoischen Zeit nicht fehlten. 
Wenigstens muss zu Ende der carbonischen Zeit die Ober- 
fläche unseres Gebietes ganz anders beschaffen gewesen 
sein, als zu Anfang der Tertiärzeit 

Führer durch d. Elsass. 5 



G6 Geologischer Aufbaa. 



In der älten^n Teiüärzeit l)eganiien dann jene Vor- 
gänge, welche zur Bildung des Kheinthaies führten und 
der Oberflächengestaltung des südwestlichen Deutschland 
ihr heutiges charakteristisches (Jepräge gaben. 

Wirft man einen Blick auf eine geologische Ueber- 
sichtskarte oder auf die Querprofile durch das Rheinthal, 
wie sie in unseren geologischen Lehrbüchern abgedruckt 
sind, so sollte man meinen, nichts sei leichter, als das 
Gebirge von den Yorhügeln und vom Kheinthal abzu- 
grenzen. Das ist jedoch im Gegentheil oft recht schwierig. 
Mitunter freilich erhebt sich eine steil ansteigende Ge- 
birgsniasse, aus alten gefalteten Sedimenten oder Massen- 
gesteinen aufgebaut, an deren Fuss Trümmer der ein- 
gebrochenen Decke mesozoischer Sedimente, in Staffeln 
abfallend, liegen. An anderen Stellen aber ist der Kon- 
trast durchaus nicht so gross. Die Staffeln steigen hoch 
hinauf, die alten Massen überragen dieselben nur wenig. 
Dann trennen wir eben Gebirge und Vorhügel nicht nach 
der Höhenlage, sondern nach dem Material. Haben wir 
aber nach diesem Kriterium eine Grenze festgestellt, so 
finden wir beim weiteren Vorschreiten gegen "Westen in 
dem als Gebirge betrachteten Theil, dass dies nicht etwa 
eine einheitliche ungebrochene Masse ist, sondern selbst 
von zahlr(»ichen Bleichen durchzogen ist. Eine durchaus 
unrichtige» Voi"steUung wäre es, das Gebirge als einen 
ungestöi-ten Rücken anzusehen, an dem einerseits die 
Rheinthalvorhügel, anderei^seits im "Westen (tebirgsstücke 
absanken. Das was wir gewöhnlich (Jebirge nennen, ist 
selbst in eine grosse Anzahl parallelepipedischer Massen 
zerborsten, die in der Pi*ojection der Karte wie Streifen 
neben einander liegen. Der Gegensatz liegt oft viel mehr 
zwischen Gebirge und Vorhügeln zusammen als einer viel- 
fach gestörten Masse einerseits, der Rheinebene als einer 
Aufschüttung lockeren Materials ohne sichtbare Störungen 
anderei-seits, als zwischen Vorhügeln und Gebirge. 

Die Aufschüttung verhüllt uns den Untergrund des 
Rheinthaies. Derselbe muss nothwendig aus einzelnen 
neben einander geworfenen Gebirgsstücken von derselben 
Natur wie die in den Vorhügeln noch sichtbaren, beim 
Abbruch gewisse rmaassen hängen gebliebenen, bestehen. 



Geologischer Aufbau. C7 



Die grosse, noch nii-gends durchbohrte Mächtigkeit der 
Aufschüttung beweist, dassdie abgesunkenen festen Massen 
gegen die Mitte des Rheinthaies hin in sehr bedeutender 
Tiefe liegen. 

Längs der Vorhügel, die aus demselben Material be- 
stehen, wie die auf dem Oebirge zum Theil erhaltene 
Decke, liegen nun aber noch tertiäre Schichten, von 
denen auf der Höhe des Gebirges keine Spur zu finden 
ist. Dies Tertiär ist theils den Yorhügeln discordant auf- 
gelagert, wie wir bei Ruf ach beobachten können, theils 
setzt es von denselben an einer Verwerfung scharf ab, 
wie bei Lobsann. "Weiter ist aber auch dies Tertiär gegen 
Osten, also nach der Mitte des Rheinthaies hin, von einer 
bedeutenden Verwerfung durchschnitten, wie Bohrungen 
im Petroleumgebiet des Unterelsass gezeigt haben. 

Wir haben also Anzeichen folgender Vorgänge. Die 
geschlossene Masse von Vogesen und Schwarzwald senkte 
sich in ihrer Mitte, und zwar zu sehr bedeutender Tiefe. 
Theile des Deckgebirges blieben am Rande hängen, die 
Hauptmasse desselben sank nach der Mitte des Rhein- 
thales hin tiefer hinab. In diese gewaltige Furche drangen 
in der Tertiärzeit die Gew^ässer ein und lagei-ten discordant 
auf den gesimkenen Massen Schichten ab. Weitere Stö- 
rungen erfolgten nach Ablagerung des Tertiär, zerlegten 
dieses wiederum in schmale Streifen, die nach dem Rhein- 
thal hin absanken. Auch die tiefst gelegenen Theile dieses 
gesunkenen Tertiär müssen natürlich eine Unterlage me- 
sozoischer Schichten haben. 

Die jüngste Aufschüttung der quartären Massen ver- 
hüllte nun den mittleren Theil des Rheinthaies vollständig. 
Gegen das Gebirge griff sie vei*schieden weit vor, so dass 
sie bald auf tertiären, bald auf mesozoischen Schichten 
liegt, diese mitunter ganz verhüllend und an den Rand 
des Gebirges herantretend. 

Verfolgen wir nun den Gebirgsabfall von Süden be- 
ginnend. Von Thann bis nach Dambach haben wir keine 
Schwierigkeit Gebirge und Vorhügel zu trennen. Schon 
das steile Ansteigen und die Höhenlage des ersteren er- 
leichtert die Abgrenzung. Die Vorhügel sind in diesem 
Abschnitt bald auf eine schmale Zone beschränkt, bald 

5* 



68 Geologischer Aafbaa. 



erlangen sie beträchtliche Ausdehnung, und dann kann 
man besondere Senkungs- oder Abbruchsfelder unter- 
scheiden, so dasjenige von Winzfelden und Osenbach 
westlich von Rufach und dasjenige von Rappoltsweiler. 
Hier ist eine Hauptspalte leicht erkennbar. 

Anders gestalten sich die Verhältnisse weiter nörd- 
lich. Eine Spalte läuft, an die eben besprochene südliche 
Hauptspalte anschliessend, von Barr über Molsheim, 
Kirchheim, Monmienheim, Merzweiler, Wörth, bis zur 
Landesgrenze bei Weissenburg. Im südlichen und nörd- 
lichen Theil, dort von Dambach bis jenseits Molsheim, 
hier längs des Ostabfalles des Hochwaides, ist die Ab- 
senkung oberflächlich leicht zu erkennen. Im mittleren 
Theil zwischen Mommenheim und Wörth ist sie nur 
stellenweise auf Blatt Hochfelden und durch die Boh- 
rungen auf Petroleum verfolgbar geworden. 

Nun liegt aber westlich von dieser Spalte ein aus- 
gedehntes, aus mesozoischen und tertiären Schichten auf- 
gebautes Hügelland, das Bruchfeld von Zabem, welches 
als Typus der Yorhügellandschaft gilt. Wir können daher 
die Spalte, deren Verlauf oben angegeben wurde, nicht 
als Foi-tsetzung der südlichen Hauptspalte in dem Sinne 
ansehen, dass wir, was westlich derselben liegt, als Ge- 
birge bezeichnen. Als Hauptspalte kann nur die Störung 
westlich von diesem Bruchfeld gelten, welche von Zabem 
über Ingweiler nach Niederbronn verläuft und sich bis 
an die pfälzische Grenze zwischen Bobenthai und Noth- 
halten verfolgen lässt, von da ab aber ihren Charakter 
als Hauptspalte gegenüber anderen parallel verlaufenden 
Spalten verliert. Von jeher hat man den Anstieg bei Za- 
bem nach Hohbarr, bei Neuweiler nach dem Herrenstein, 
bei Niederbronn nach der Wasenburg als den Gebirgs- 
abhang bezeichnet. Gegen Süden trennt diese Sp^te 
Gebirge und Vorland noch sehr deutlich bei Oberhaslach, 
wo oberer Muschelkalk, dem letzteren angehörig, scharf 
an dem hoch ansteigenden Buntsandstein des Ringelberges 
absetzt. Noch weiter nach Süden macht sich die Spalte 
oberflächlich nicht mehr bemerkbar, doch ist ihr Verlauf 
westlich von Girbaden, westlich von dem Odilienberg und 
westlich von Andlau bis zum Zusammentreffen mit der 



Geologischer Anfbau. 69 



südlichen Hauptspalte nördlich von Dambach zu ver- 
folgen. 

Rechnen wir das Bnichfeld von Zabern zum Vor- 
hügelland, 80 müssen wir bei dem geschilderten Verlauf 
der westlichen Spalte auch den Hochwald vom Liebfrauen- 
berg bei Wörth bis zur Scherhol bei Weissenburg mit 
seiner Unterlage von Rothliegendem und Grauwacken- 
gebirge zum Vorhügellande rechnen. Ebenso fällt dem- 
selben der Odilienberg mit der Grauwacke von St. Nabor 
und der Granit von Barr-Andlau zum Theil zu. Diese 
geologisch nothwendige Abgrenzung widerspricht der oro- 
graphischen Trennung von Gebirge und Vorhügelland, 
denn nach der Oberflächenbeschaffenheit wird niemand 
die Grenze beider in den Buntsandstein westlich vom 
Odilienberg, vielmehr an den Steilabsturz des Buntsand- 
stein über Ottrott und St. Nabor legen. 

Wir mussten auf diese Verhältnisse etwas näher ein- 
gehen, imi der missverständlichen Auffassung entgegen 
zu treten, als gäbe es eine einheitliche, gleichartige 
Rheinthal spalte vom Süden des Elsass bis an die pfälzische 
Grenze. Wohl ist der Einbruch des Rheinthaies eine von 
Beifort bis nach Weissenburg und noch weiter nördlich 
zu verfolgende Erscheinung, er vollzog sich aber an ver- 
schiedenen Stellen in verschiedener "Weise, und wahr- 
scheinlich auch nicht in einer einmaligen, sondern in 
wiederholten Absenkungen. Dem scharfen und in die 
Augen fallenden Abbruch längs des grösseren Theiles der 
Hochvogesen und in der westlichen Umrandung der Za- 
bemer Bucht stehen andere Gebiete gegenüber, in denen 
die vom Gebirge losgelösten Theile weniger tief sanken. 
So am Hochwald und zwischen Andlauthal und Breusch- 
thal. Es bedarf keines Nachweises, dass auch hier ein 
etwas tieferes Absinken zu einem in die Augen fallenden 
Gegensatz eines Gebirges und einer Vorhügellandschaft 
geführt hätte. 

Man beschränkte sich früher darauf, in den Vogesen 
die verhältnissmässig leicht zu erkennenden Verwerfungen 
im ungefalteten Sediment des Tafellandes und am Gebirgs- 
rande zu verfolgen. Erst in neuerer Zeit hat man auch 
den Störungen in dem gefalteten Gebirge und den emp- 



70 Oeologischer Aufbau. 



tiven Massen mehr Aufmerksamkeit zugewendet. "Wenn 
wir auch hier noch ganz am Anfang der Untersuchungen 
stehen, so ist doch mit Sicherheit erkannt, dass auch die 
Hochvogesen von zahlreichen Verwerfungen durchsetzt 
sind. Zunächst kennen wir solche im Untercarbon des 
Oberelsass. Eine derselben läuft von Bitschweiler bei 
Thann etwas östlich vom Grossen Beleben vorbei bis in 
die Oegend von Murbach. Andere sind bei Moosch und 
im oberen Theile des Amariner Thaies beobachtet. Die 
Orientirung derselben ist ganz verschieden. Ein Theil 
der Störungen steht jedenfalls mit der Faltung des Unter- 
carbon in Beziehung, während ein anderer Theil jüngeren 
Alters sein wird. 

Im Kammgranit und weiter durch das Oneissgebiet 
streicht eine Vei-werfung von der alten Abtei Pairis bis 
zum Ostfuss des Thännchel. Sehr ausgezeichnet ist die 
Störung, die auf französischem Gebiete, südwestlich vom 
Cül du Bonhomme, beginnend sich über Eckkirch bis 
nach Deutsch -Rumbach verfolgen lässt. Es ist dies eine 
der wenigen Störungen in den Vogesen, die auf grössere 
Erstreckungen mit Thalfurchen zusammenfallen. Sie ver- 
läuft im oberen Leberthal von Eckkirch bis nach dem Haut 
du Bonhomme, dann im oberen Luschbachthal oberhalb 
Bonhomme und im Thal der Meurthe bei leValtin. Eine 
Anzahl ganz verschieden gerichteter Zerreissungem treten 
am Nordende dieser langen Spalte im Gneiss und (Kranit 
zwischen dem Leberthal und dem Urbeiser Thal auf, 
auch am Kamme des Gebirges östlich und nördlich vom 
Elsässer Beleben sind solche nachgewiesen. Von einem 
fönnlichen Netz von Bmchen ist das Gebi(»t des Carbon 
und des RothJiegenden im Weilei-thal durchsetzt. 

Sehr zahlreich sind die Störungen in der nördlichen 
Tafel. Sie lassen sich z. B. in der Gegend zwischen 
Zabern, Pfalzburg, Dnilingen und Lützelstein, die genauer 
untei'sucht ist, nur auf einer Karte in grösserem Maass- 
stabe eintragen. Eine Gruppe dieser Stöi-ungen läuft der 
Rheinthalspalte parallel, andere treten unter mehr oder 
weniger spitzem "Winkel, von Südwesten nach Nordosten 
streichend, an dieselbe heran. Schliesslich ist noch eine 



0«o1ogl$cher Aolbnu. 



grossere Anzahl von t ^^j, 

Verwerfungen von S°3 

Südosten nach Nord- := |j^ 

Westen, also quer gegen o 3 ^ 

die ers^nannten, ge- * = 3 

richtet. E =^ 

Die der Bheinthal- jS », 

spalte parallelen Ver- |,n 

Wertungen stehen wohl S J 3 

mit dieser in naher S %.^ 

Beziehung. Sie sind s f'.s S 

es ja, die die Unter- ^ |c^ 

Scheidung eines Haupt- 33 -'11 

bruehes mitunter er- c "^"' 

schweren. Die in an- £ g 1 1 

derer Sichtung ver- ^ 5" 2 

laufenden Störungen -^ . £-s^ 

könnten aber, wenig- ^ 1 g «8 

stens zum Theil, älter „ r. S^^ j 

sein. Ein abschl Jessen- 'c^I-Sl^ 

des Urtheil wird erst .a S Is^S 

nach weiterem Voran- g | .ge^^"" 

schreiten der Unter- 'Z ^ sS^ 

suchungen möglich .= IjH 

sein. Es muss, um ^ -^5-1 

unrichtige Voretellun- || 1,1 

gen fem zu halten, || (^ n=J 

her\-orgehoben werden. Äsg -sS'* 

(lass, wenn auf der ^ |^ to %^t 

vor einigen Jahren er- 5 | a :t ^ S ^ 

schienenen tettoni- ** 4J E S =| 

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72 Qeo1(^ischer Auf bau. 



los auf ihren Bau noch nicht genauer untersucht sind. — 
Die Vorhügel, wie das seit lange bekannt ist, stellen ein 
förmliches Chaos dar von Schollen, wie man gewöhnlich 
sagt, doch handelt es sich weniger um Schollen, als 
parallelepipedische und keilförmige Stücke, die in ver- 
schiedene Tiefe hinabsanken. Kleinere Spalten laufen meist 
den grösseren parallel, mitdenen sie durch Querspalten 
verbunden sind. Als Beispiel der Zerrüttung des Vor- 
hügelgebietes geben wir in Fig. 3 eine Ansicht aus einem 
Eisenbahneinschnitt östlich Hattmatt bei Zabem, in welchem 
auf eine Länge von 120 m sieben Verwerifungen auf- 
geschlossen wurden. 

Die Rheinthalspalte und die von Dambach nach Wörth 
laufende Spalte fallen steil nach Osten ein. Innerhalb 
der Bruchfelder fallen die Spalten aber bald nach Osten, 
bald nach "Westen ein, es wechseln Rücken und Gräben 
mit einander ab. Der oben genannte Hochwald zwischen 
Wörth und Weissenburg, bis 530 m ansteigend, ist ein 
ausgezeichneter Buntsandsteinrücken, der durch den Lem- 
bacher, von Muschelkalk ei*füllten Graben vom Gebirge 
getrennt wird. Der Osenbacher Graben, westlich von 
Ruf ach, von Muschelkalk und Keuper erfüllt, ist zwischen 
Buntsandstein und Granit eingesunken. Interessante Lage- 
nmgsverhältnisse des Zaberner Bmchfeldes werden in 
Exe. 5 b zu berühren sein. 

Wechselnd ist auch das Einfallen der Spalten im 
Gebirge, und wir haben auch dort zahlreiche Rücken und 
Gräben, sowohl in den Hochvogesen, wie in der nörd- 
lichen Platte, w^enn auch das Einfallen gegen "Westen, 
besonders in letzterer, herrscht und zum Theil Veran- 
lassung der gegen Westen immer geringer werdenden 
Höhenlage ist. 

Wir haben schliesslich noch eines Verhältnisses des 
Aufbaues zu gedenken, welches die geologischen Auf- 
nahmen in dem nördlichen Tafellande haben erkennen 
la.ssen. Dieses zeigt nämlich, wenn auch wenig aus- 
gesprochen, Sattel- und Muldenbau. Eine von PfaJzburg 
über den Gebirgsrand nach Buchsweiler und weiterhin 
etwa nach Merzweiler laufende Linie bezeichnet das Tiefste 
ainer Mulde oder Synklinale. Von den Höhen des Schnee- 



Geologischer Aufbaa. 73 



berg und Donon senkt sich der Buntsandstein nach Nord- 
westen gegen dieselbe, um sich jenseits wieder zu heben 
und dann nach einer zweiten Muldenlinie, die von Delme 
nach Saai^emünd läuft, wiederum herabzusinken. Man 
hat daher eine Pfalzburger und eine Saargemünder Mulde 
unterschieden. 

Es ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass diese 
Mulden und der sie trennende Sattel durch einen von 
Südosten nach Nordwesten wirkenden Druck zu Stande 
gekommen seien, dass also eine Faltung in demselben 
Sinne wie die alte postcarbonische vorläge. Ob wirklich 
eine solche posthume Faltung im Sinne von Suess vor- 
liegt, oder eine andere Ursache der Schichtenbiegung 
wahrscheinlicher ist, wird sich vielleicht nach vollstän- 
diger Aufnahme des gesammten südwestdeutschen Gebietes 
entscheiden lassen. 



Excursion 1. 

Weissenburf — Weller— Seherhol — KlimbMh — Lembaeh 1 Tag, oder 
"Weissonburg — Weiler — Scherhol — Klimbach — Wingen — Fleckenstein 
— Lembach 1 starker Tag, oder Weissenbnrg — Fleckenstein — "Wegeln- 
burg — SchÖnau — "Wasigensteln — Obersteinbach — Windstein — Nieder- 
bronn 2 Tage , oder Woissenburg — Obersteinbach wie vorher , weiter 
über Dambach — Rothenfels — Falkenstein — Philippsbarg — Niederbronn 
2 Tage. — Grauwackengebirge mit Eruptivgängen, Bant- 
sandstein, Muschelkalk, Tertiär. 

Geologische Specialkarte von Elsass - Lothringen , Blätter 41 Lem- 
bach, 42 Weissenbnrg. Für die zweitägige Toar ausserdem 

Blatt 40, Stürzelbronn 

eim Austritt aus dem Bahnhof Weissenburg 
(159 m) wende man sich links und folge 
der nach Weiler (3,1 km) führenden Haupt- 
strasse, welche, längs des alten Wallgrabens am 
Denkmal des Kreisdirektors v. Stichaner vorbei füh- 
rend, die Stadt rechts liegen lässt. Dieselbe ver- 
einigt sich am östlichen Ende von Weissenburg mit 
der aus der Stadt kommenden Strasse. An dieser 
Stelle stösst man in rechtem Winkel auf die nörd- 
lich von Weissenburg sich hinziehenden Weinberge. 
Dieselben bestehen unten aus oligocänen Mergeln, 
höher oben ausKüstenconglomerat, dessen mittel- 
oligocänes Alter durch Versteinerungen, welche in 




Weissenburg —"Weiler — Scberhol — Klimbach — Leinbach. 7 5 

geringer Entfernung gegen Süden bei Eott gefunden 
sind, sichergestellt ist. 

Mehrere in die Weinberge führende Wege 
schliessen das Conglomerat auf. Es besteht aus ver- 
schieden grossen Gerollen von Muschelkalk, darunter 
die oolithischen Homsteine des mittleren Muschel- 
kalk, Keuper, Buntsandstein, häufig die aus den 
Conglomeraten des letzteren stammenden Quarze. 

Die Weinberge senken sich gegen Osten. Wan- 
dert man auf der thalauf wärts führenden Strasse gegen 
Westen , so erreicht man bald eine von Norden 
herunterkommende Einsenkung, durch welche man 
auf das Schlösschen St. Paul blickt. Folgt man 
dem nach diesem in der Einsenkung hinaufführenden 
Wege, so trifft man in geringer Entfernung unteren 
Keuper (bunte Mergel und Dolomit mit Anoplo- 
phora brevis Schaur. sp.). Die nach Westen, am 
rechten Gehänge der Einsenkung hinaufsteigenden 
Wege schneiden in die steil nach Südosten fallenden 
Schichten des oberen Muschelkalk und die Mergel 
des mittleren Muschelkalk ein. Alte Brüche und 
gelegentliche kleine Aufschlüsse geben Gelegenheit, 
die gewöhnlichen Versteinerungen (Gervülia sodalis 
Schi, sp., Lima striata Schi, sp., Goenothyris vul- 
garis Schi. sp. u. s. w.) zu sammeln. Geht man 
im Streichen des Muschelkalk gegen Südosten 
wieder nach der Hauptstrasse hinunter, so trifft 



7G Excarsion 1. 



man gegenüber der Ziegelei (Oasthaus zur Albrechts- 
höhe) einen Bruch im oberen Muschelkalk. Den 
unebenen dünnen Ealkbänken des unteren Theiles 
des Bruches sind drei bis vier dickere von Trochiten 
erfüllte Bänke eingelagert, die zu Pflastersteinen 
verarbeitet werden. Im oberen Theil des Bruches 
liegen Plattenkalke und Mergel des Nodosuskalk. 
Am westlichen Ende des Bruches, an der Kante 
des hier den Berg hinaufführenden Weges sind noch 
die Köpfe der Zellenkalke des mittleren Muschel- 
kalk zu sehen, so dass man also in diesem Bruche 
den ganzen, etwa 12 m mächtigen Trochitenkalk 
vor sich hat. Die Schichten streichen N. 40® 0. 
und fallen mit 45® gegen SO. 

An der Ziegelei überschreite man die Lauter, 
wende sich unmittelbar jenseits der Brücke rechts 
und folge dem in der Wiese am Fuss des rechten 
Thalgehänges hinführenden Wege. Dieses Gehänge 
besteht in seinem unteren Theil aus sehr gestörtem 
Muschelkalk. Höher oben liegen, von dem Muschel- 
kalk durch eine Verwerfung getrennt, Kalke imd 
besonders Mergel und Thone des unteren und mitt- 
leren Lias, die grosse Rutschungen veranlasst haben. 
Die Aufschlüsse im Lias sind sehr schlecht. 

Gelegentlich haben sich Oryphaea arcuata 
Lamk. (unterer Lias) und Knollen der sogen. Co- 
statuskalke des mittleren Lias gefunden. 



Weissenburg — Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 7 7 

Wir folgen dem Wege im Thale, der an mehreren 
z. Th. im Betriebe stehenden, z. Th. verlassenen 
Brüchen im Muschelkalk vorbeiführt. In dem ersten 
der noch betriebenen Brüche stehen zu unterst weisse, 
hornsteinf Ohrende, steinmergelartige Plattendolomite 
des obersten mittleren Muschelkalk an. Darüber 
folgt Trochitenkalk, hier wie überall Gegenstand 
der Gewinnung, und Nodosuskalk. Die Schichten 
streichen N. 65® 0. und fallen mit 15® gegen SO. 
Etwas weiter, ungefähr der Stelle gegenüber, wo 
auf der anderen Seite der Lauter der Buntsandstein 
in das Thal tritt, liegt ein alter verwachsener Bruch, 
in dem unterer Muschelkalk aufgeschlossen ist. 
Man erkennt im oberen Theil desselben die Mergel 
und Dolomite mit Myophoria orhicularis Br. 

Die nun folgenden z. Th. noch in lebhaftem 
Abbau befindlichen Steinbrüche bei Weiler schliessen 
wiederum Trochitenkalk und Nodosuskalk auf. Die 
ausgedehnten Halden bieten Gelegenheit zum Sammeln. 
Ceratites nodostis Brug., Gervillia soeialis Schi, sp., 
Myophoria vulgaris Schi, sp., Corhula gregaria aut. 
sind häufig. Mehrfach haben sich hier auch See- 
sterne gefunden. 

Beim Hinunterschreiten auf dem Hauptabfuhr- 
wege nach Weiler beachte man den gegenüber den 
ersten Häusern anstehenden oberen Buntsand- 
stein (thonige Sandsteine und rothe Schief erthone), 



78 



Excursion 1. 



die an einer Störung gegen den Muschelkalk ab- 
setzen. 

Das bisher durchwanderte Gebiet zeigt in aus- 
gezeichneter Weise die ausserordentlich gestörte 
Lagerung des Yorhügelgebietes (Profil Fig. 4). Das 
Tertiär bei Weissenburg ist gegen Lias, Keuper und 



MßüQ. 




Fig. 4. Profil von Schloss Langenberg gegen Südost durch 

das Lauterthal. 

Maassstab der Länge 1:25000, der Höhe 1:12500. 

1 Grauwacke von Weiler. 2 Rothliegendes. 3 unterer Bantäandstein. 
4 Mitü. Bantsandstein , unt. Abtheilung. 5 Voltziensandstein. 6 Unt. 
Muschelkalk, unt. Abtheiiung. 7 ünt. Muschelkalk, obere Abtheilnng. 
8 Mittl. Muschelkalk, Bunte Mergel. 9 Mittl. Muschelkalk, Dolomit m. 
lAngula. 10 Ob. Muschelkalk m. Encr. Itliiformis. 11 Ob. Muschelkalk 
m. Cer. nodostcs. 12 Mittl. Lias. 13 Oligocäne Mergel, c Oligocäne 

Conglomerate. 



Muschelkalk gesunken. Diese wieder befinden sich 
in tiefer Stellung gegen den Buntsandstein, in 
welchen wir jetzt eintreten. Lias, Keuper und 
Muschelkalk sind weiter selbst in eine Anzahl von 
Südwesten nach Nordosten sich erstreckender Streifen 
zerlegt, so dass die gegen Südosten gelegenen die 
gesunkenen sind. Zu den Längs Verwerfungen treten 
noch Querrisse hinzu. Die Einzeichnung auf der 



Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach . 7 9 

Karte erfolgte nach mehrjähriger Untersuchung z. Th. 
gelegentlicher Aufschlüsse. 

Wir überschreiten nun die Lauter wieder bei 
dem Sägewerk und stossen am linken Ufer auf fein- 
kömigen, kaolinhaltigen mittleren Buntsandstein 
mit einzelnen Gerollen (untere Abtheilung des mitt- 
leren Buntsandstein), den der im Dorfe nach dem 
Schloss Yogelsberg hinaufführende Weg und ein 
Steinbruch in Weiler aufschliessen. Schloss Yogels- 
berg steht bereits auf thonigem unterem Bunt- 
sandstein. 

Im Dorfe Weiler treffen wir bald auf paläo- 
zoische Grrauwacken unbestimmten Alters,^) die 
von zahlreichen Eruptivgängen durchschwärmt sind. 
Sie bilden durch die Erosion frei gelegte Klippen, an 
welchen der gegen Osten liegende Buntsandstein 
an einer Verwerfung scharf absetzt (Profil S. 78). 

Hinter zwei Häusern befindet sich, von der 
Strasse aus zugänglich, ein alter Steinbruch an dem 
Absturz unter dem Park von Schloss Yogelsberg. 
Hier stehen in senkrechter Stellung N. 20® 0. strei- 
chend Sedimente an, die gewöhnlich als Grauwacken 
bezeichnet werden. Theils sind es feine, einem er- 



1) Linck, Geognostisch-petrographische Beschreibung 
des Grauwackengebietes von Weiler bei Weissenburg. Ab- 
handl. z. geolog. Specialkarte von Els.-Lothr. Bd. III. 



härteten Schlamm ähnliche, schiefernde, tfaeüs aus 
gröberen, eckigen Fragmenten von Feldspath und 
Quarz und einer feineren Art Orundmosae bestehende 
Gesteine von mannigfaltiger, nur durch mikroskopische 
Untersuchung festzustellender ZusaramenBetzung. 

In diesen Grauvacken setzen, im Streichen 
und Fallen mit den Sedimenten meist übereinstimmend, 



mehrere Gänge eruptiver Gesteine auf (Lager- 
gänge) (Fig. 5). 

Von der Strasse her trifft man zunächst auf 
Homblendedioritporphyrit, mit einem Hause (rechts 
von unserer Skizze) überbaut, dann mehrere Gänge 
von Minette, einen von Kersantitporphyrit, schliess- 
lich nochmals Minette (links von unserer Skizze). 



Weissenburg —"Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 8 1 

Der Kersantitporphyrit wird gelegentlich noch ge- 
brochen, die anderen Gesteine kann man immer noch 
in zur Untersuchung ausreichenden Stücken schlagen. 

Wenige Schritte weiter gegen Osten führt eine 
Brücke über die Ijauter nach einem Bruche, in dem 
man in ausgedehntem Maasse einen mächtigen Gang 
von Homblendedioritporphyrit zur Herstellung von 
Pflastersteinen und sehr feste Grauwacken zur 
Strassenbeschotterung gewinnt. Auf diesen, wie auf 
der anderen Thalseite steil stehenden Gesteinen liegt 
in horizontalen oder doch wenig geneigten Schichten 
Rothliegendes. 

Bald hinter den letzten gegen Osten gelegenen 
Häusern von Weiler zweigt rechts ein Horizoatal- 
weg nach dem Park von Schloss Langenberg ab. 
Zwischen diesem Wege und der Hauptstrasse führt 
ein Hohlweg den Berg hinauf. Derselbe schneidet 
in Grauwacke ein, in der mehrere Minettegänge 
aufsetzen. 

An die Grauwacke legt sich eine Schottermasse, 
der Rest einer einst ausgedehnteren Ablagerung an, 
welche aus verschieden grossen Gerollen vonVogesen- 
sandstein, Yoltziensandstein, Grauwacke und Porphyr 
besteht. Im unteren Theil dieser Schotter (an der 
Hauptstrasse) herrscht Buntsandstein vor. Das Alter 
dieser Bildung ist mindestens das der mittleren 
Diluvialschotter. 

Führer durch d. Elsass. 6 



82 Excursion l. 



Am oberen Ausgange des Hohlweges liegen 
Grande des Rothliegenden und in diesen, unmittel- 
bar jenseits der bayrischen Grenze, wo der längs 
des Parkes von Langenberg führende Weg sieh in 
das Bruchbach thal senkt, unregelmässige Knauer von 
krystallinischem Dolomit. Dieselben bezeichnen den 
obersten Theil des oberen Rothliegenden, welches 
hier in geringer Mächtigkeit über die Grauwacken 
transgredirt. 

Man steige nun auf dem steilen Grashange an 
der Landesgrenze wieder nach der Hauptstrasse 
hinunter. An derselben liegen zu beiden Seiten 
der hier (auf elsässer Gebiet) befindlichen Kapelle 
ausgedehnte Steinbrüche in der Grauwacke, die von 
zahlreichen Eruptiv gangen durchsetzt wird. Auch 
hier sind es Lagergänge in steiler Stellung. 

In dem ersten nicht mehr betriebenen Stein- 
bruch, nördlich von ^er Kapelle, beobachtet man 
eine Anzahl von Minettegängen. Theils ist das Ge- 
stein frisch, theils zersetzt, was ein deutliches Her- 
vortreten des Glimmers zur Folge hat. Am Salband 
ist das Gestein mitunter schieferig und plattig. Gegen- 
über den zahlreichen Minettegängen ist nur ein Gang 
von Kersantitporphyrit beobachtet. In den Brüchen 
südlich von der Kapelle wird Kersantitporphyrit und 
Minette zu Pflastersteinen, Grauwacke zu Beschotte- 
riingsmaterial gewonnen. 



"Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach . 8 3 

In dem südlichsten Bruche kommt die inter- 
essante von Linck beschriebene kuglige Minette vor. 
Der dieselbe enthaltende Gang ist aber stark ab- 
gebaut, so dass man nur hier und da noch ein Stück 
derselben findet. Bei dem lebhaften Abbau wechseln 
die Aufschlüsse sehr. Manche Eruptivmassen keilen 
aus, was besonders dann der Fall ist, wenn es sich 
um Apophysen mächtigerer Gänge handelt. 

In dem kleinen Bruch gegenüber, auf dem 
rechten Lauterufer, setzt ebenfalls ein Minette- 
gang auf. 

Man kann von diesem Bruch, zu dem eine 
Brücke führt, direkt nach dem gleich zu beschrei- 
benden "Weg:e nach der Scherhol gelangen, doch 
empfiehlt es sich, der Hauptstrasse folgend, den 
kleinen Umweg über den Germanshof zu machen, da 
später bis nach Lembach sich keine gute Gelegenheit 
mehr zur Einkehr findet. Die Anlagen von Germans- 
hof jenseits der Strasse liegen auf tief rothem , thoni- 
gem, glimmerreichem unterem Buntsandstein. 

Bei der Sägemühle am Germanshofe über- 
schreite man die Lauter^) und folge dem Wege, der 
wenige Schritte gerade bergan steigt, sich dann 



1) Die Brücke ist auf der elsass- lothringischen Karte 
eingetragen. Gleich nördlich derselben liegt auf pfälzischem 
Gebiet der Germanshof. 

6* 



84 Excursion 1. 



etwas links weodet. Er ist auf der Karte als Fuss- 
weg eingetragen. Nachdem man 70 m gestiegen ist, 
triflFt man auf einen schlechten Holzweg, der sich 
bald gabelt. Man folge dem Wege nach links, der in 
wenigen Minuten auf einen gut gehaltenen Horizontal- 
weg führt (Wegweiser: Bitscher Strasse 3 km). 

Auf dem unteren Theil dieses Weges sind die 
Aufschlüsse schlecht. Man geht zunächst jenseits 
der Brücke über unteren Buntsandstein, welcher 
an einer SW. — NO. streichenden Verwerfung gegen 
Rothliegendes absetzt. Dieses macht sich sofort 
durch die im Acker liegenden Feldspathbrocken bc- 
merklich. Die Grenze dieses Rothliegenden gegen 
den darüber folgenden unteren Buntsandstein ist 
durch Bänke eines hellen, grandigen, aus unvoll- 
kommen gerundeten Brocken von Milchquarz be- 
stehenden G-esteins, welches durch manganhaltigen 
Mulm braun gefleckt ist, angedeutet. Mit thonigen, 
glimmerhaltigen Sandsteinen beginnt der untere 
Buntsandstein. In demselben bleibt man auf einige 
Erstreckung (wahrscheinlich etwas weiter als die 
Karte angiebt) auf dem massig ansteigenden im 
Walde laufenden Wege, der an der Grenze von 
Wald und Acker in die grosse Weissenburg- Bitscher 
Strasse mündet. 

Wenige Schritte, ehe man diese erreicht, wende 
man sich rechts (östlich) nach dem auf der Karte ein- 



— Klimbaoh — Lembach. 



getragenen Steinbruch, der den unteren Theil des m itt- 
leren Buntsandstein ausgezeichnet aufschliesst 



Fig. 6. Profil im mittleren Bimlsanü stein (untere 
Abtheilung) an der Seherhol bei Weiasenbnrg. 

I 'Weikstain (weisser Eselin hsitiger Siuidsteinl. b Smidi^r, vic 
ach Tolber Sohiefetlhon mit SaniUieinligen. c Auskeilendo weis 
jandsteinbHnke. d Smiiltger ScbieCerlhDn mit Sandstein Ingen, ro 



Zunächst fällt die helle Färbung des feinkörnigen, 
kaolinreiehen Sandsteins, der Gegenstand des Ab- 
baues ist, auf. Nur einzelne Partien der Bänke 



86 ExcarsioQ 1. 



zeigen weinrothe Streifen und Flecken. Ursprüng- 
lich hatte der Sandstein die dunkelrothe Farbe, die 
gerade in Süddeutschland für den Buntsandstein 
bezeichnend ist. Längs der Hauptspalte, in deren 
unmittelbarer Nähe wir hier stehen, fand, wohl 
durch aufsteigende kohlensäurereiche Gewässer, eine 
Entfärbung statt. Sehr schön entwickelt ist in dem 
Sandstein diskordante Parallelstruktur (Fig. 6). 

Lebhaft kontrastiren mit den hellen Sandsteinen 
tiefrothe Schief erthone, die sich zwischen den dicken 
Werksteinbänken hinziehen. Sie widerstanden den 
entfärbenden Einflüssen ebenso wie hier und da 
eingestreute Thongallen. 

Wir folgen nun dem rechts von der Strasse 
abzweigenden, mit Wegweisern und farbiger Be- 
zeichnung versehenen Fusswege, der in einer halben 
Stunde nach der Spitze der Scherhol führt, die noch 
aus der unteren Abtheilung des mittleren Buntsand- 
steins aufgebaut ist. Wie man sich in dem süd- 
östlich unter der Spitze liegenden verlassenen Bruch 
überzeugen kann, treten hier im Sandstein zahlreiche 
Gerolle auf, die sich bank weise zu Conglomeraten 
anhäufen. Unter den Gerollen herrschen Quarz- 
gesteine vor, doch fehlen krystallinische Gesteine 
(Gneiss, Quarzporphyr) nicht. 

Von dem Thurme auf der Scherhol (Basis des- 
selben 506 m) weite Rundsicht. Die Scherhol ist 



Weissenburg — Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach . 8 7 

die nördlichste Erhebung eines mit dem Liebfrauen- 
berg nördlich von Wörth beginnenden Buntsandstein- 
rückens, der im Hochwald bis 511, im Klimbacher 
Berg bis 525 m ansteigt. Oestlich und westlich 
von demselben ist das Gebirge gesunken. 

Man sieht von dem Thurme gegen Osten voi- 
trefflich den scharfen Absatz zwischen dem bewal- 
deten Buntsandsteingebiete, auf welchem man steht, 
und der vorgelagerten niederen, Aecker und Wein- 
berge tragenden, aus Muschelkalk, Keuper, Lias 
und Tertiär bestehenden Hügellandschaft, die all- 
mählich in die Rheinebene mit ihren ausgedehnten 
Waldungen (Bienwald zwischen Weissenburg und 
Lauterburg) verläuft. 

Auch gegen Westen senkt sich das Gebirge 
schnell nach einer mehrere Kilometer breiten, von 
Südwesten nach Nordosten verlaufenden Depression, 
die im Westen von steil ansteigenden Buntsand- 
steinbergen begrenzt vdrd, deren Höhe an die der 
Scherhol heranreicht. Diese Einsenkung ist eine 
der auffallendsten tektonischen Erscheinungen des 
nördlichen Elsass, ein Muster einer „Grabenver- 
senkung" (Profil Fig. 7). Dieselbe gehört nach ihrer 
Lagerung und ihren Gesteinen (oberer Buntsandstein 
und Muschelkalk) zum Yorhügelgebiet , und doch wird 
sie von den von uns zwischen Weissenburg und dem 
Fuss der Scherhol durchwanderten yorhügeln durch 



" einsn Sand- 
grll steinrOcken 

%st gelrennt, der 

~ ganz den Cha- 

rakter des Ge- 
bii^s trägt. 
Gegen Norden 
E-~=--sa^> hebt sich der 

-""asl I ^ -Lembachei' 



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Graben",wie 
er zweckmäs- 
sig nach dem 



cl|i^ " ?■ demselben ge- 

"|||s« f- legenen Dorfe 

^' tele 3 3 genannt wird, 

B~; ^ S I. an der pfälzi- 

^f a*^ - ^ sehen Grenze 

|tj||| aus. Der Blick 

l^|| ' 1 schweift in 

,^e|I dieser ßidi- 

ffgri- tiing über die 

einem bewcg- 
tenMeere ähn- 
lichen Rücken 
und Thaler 
der nSrdlichcn 



Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 8 9 

Haartlt, deren Einförmigkeit nur durch einzelne 
höher aufragende Kuppen, wie den Bobenthaler 
Knopf, unterbrochen wird. Gegen Süden verläuft 
der Lembacher Graben über Wörth in das Zaberner 
Bnichfeld, dem die in südwestlicher Richtung sicht- 
bare Höhe von Fröschweiler und Elsasshausen an- 
gehört. 

Auf dem von der Scherhol nach Südwesten 
hinabführenden Fusspfad erreicht man in wenigen 
Minuten wieder die grosse Strasse, der wir abwärts 
nach Klimbach folgen. Der in einem links gelegenen 
Steinbruch gewonnene mittlere Buntsandstein ist 
von der gewöhnlichen rothen Farbe. Er liegt über 
1,5 km von der Hauptrhein thalspalte entfernt. Den 
Fussweg, der die letzte Biegimg der Strasse von Klim- 
bach abschneidet, benutze man nicht, sondern bleibe 
auf der Strasse. Man erreicht bald ein von links 
herunter kommendes Wiesenthal, welches bereits 
dem Lembacher Graben angehört, da der links von 
der Strasse hinaufführende Fussweg, der den Kirch- 
hof rechts lässt, über unteren Muschelkalk läuft, 
der durch einen schmalen Streifen oberen Buntsand- 
steins von dem mittleren Buntsandstein der Scher- 
hol getrennt wird. Auf diesem Fussweg gelangt 
man über einen niedrigen Rücken nach Klimbach 
(Gasthaus Frey, einfach), welches auf oberem und 
mittlerem Buntsandstein liegt. 



90 Excursion 1. 



Wir wenden uns im Orte links (südlich) und 
schlagen den Fussweg über Pfaffenbronn nach Lem- 
bach (auf Blatt Sulz u. W. der topographischen Karte) 
ein. ^) Der an den letzten Häusern beginnende Hohl- 
weg schneidet zuerst in Zwischenschichten, dann 
in Yoltziensand stein, schliesslich jenseits einer Stö- 
rung in die obere und die untere Abtheilung des 
unteren Muschelkalkes ein. In ähnlicher Weise wie 
hier ist der ganze Lembacher Graben zerstückt. Vom 
Klimbacher Berg abgeschwemmte Sandmassen (Qe- 
hängeschutt) verdecken von nun an zunächst das 
anstehende Gestein. 

In 1,5 km Entfernung von Klimbach erreicht 
man mehrere, rechts von der Strasse gelegene Stein- 
brüche im oberen Muschelkalk. Unten in denselben 
steht Trochitenkalkan, im allgemeinen steil gegen 
Südosten fallend, doch viele Unregelmässigkeit der 
Lagerung zeigend. Die auf demselben liegenden 
Platten kalke des Nodosuskalk sind von kleinen 
Störungen durchsetzt, gegen einander verschoben, 
die einzelnen Schollen gebogen und ineinander ge- 
würgt. Sie zeigen vortrefflich die ausserordentliche 
Unregelmässigkeit der Lagerung, die in stark ge- 



1) Der im Folgenden beschriebene Weg von Klim- 
bach nach Lembach ca. 6 km. Das Blatt Sulz u. W. ist zu 
entbehren, da man nur den Rand desselben berührt. 



Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach . 9 1 

störten Gebieten dünnplattigen Gesteinen, besonders 
wenn sie mit Lagen von Schieferthon und Mergeln 
wechseln, eigen ist. 

Auf einem dicht am östlichen Ende der Brüche 
vorbeiführenden Feldwege, der in einen Fusspfad 
ausläuft, gelangt man in das Thal des Schmelz- 
baches und auf dem in demselben abwärts führen- 
den Fussweg iii einer halben Stunde nach der Ziegelei 
an der Strasse von Pfaffenbronn nach Lembach. 

Yon der Ziegelhütte gegen Nordosten zieht ein 
kleines Thälchen hinauf, an dessen oberem Ende 
die Fundamente des nach einer anderen Stelle ver- 
legten Forsthauses Jun gen wald sichtbar sind. Der 
Rücken zwischen diesem Thälchen und der grossen 
Strasse Klimbach — Lembach besteht aus unterem 
Muschelkalk, der gut am rechten Gehänge des ge- 
nannten Thälchens aufgeschlossen ist. Steigt man 
den steilen Fussweg von Ziegelhütte am Gehänge 
gegen Nordosten hinauf, so trifft man zunächst 
dünne, unebene, bröcklig zerfallende blaugrüne 
Mergelbänke und Thone mit wenig mächtigen Ein- 
lagerungen sandiger Schichten. Myophoria cardis- 
soides Schi, sp., Lima lineata Schi. sp. und Myacites 
maetivides Schi, sind häufig (Myacitenschichten 
des unteren Muschelkalk). 

Am Waldrande kommt man dann in Mergel 
und Mergelschiefer, die häufig ebenflächig sind 



92 Excarsion 1. 



und in eckige Bioeken und kleine Plättchen zer- 
fallen. Eingelagert sind dünne Bänke mitunter san- 
digen Dolomits. Hier wittert Coenoihyris vulgaris 
in guter Erhaltung frei heraus. Ausserdem kommen 
vor: Myophoria vulgaris Schi, sp., M. cardissoides 
Schi, sp., Jf. laevigata Alb., Ldma lineata Schi, sp.^ 
Oervillia socialis Schi, sp., Nautilus bidorsatus Schi., 
Encrinus sp. (Stielglieder). Mit mehreren Metern 
dolomitischer Mergel mit unebener, wellenartiger 
Oberfläche (Welle ndolo mit) schliesst die untere 
Abtheilung des untei-en Muschelkalk. 

Die nun folgenden Schichten zeigen die petro- 
graphische Beschaffenheit, die dem ganzen unteren 
Muschelkalk den Namen We 1 1 e n k a 1 k eingetragen hat. 
Die festen, dünnen Kalklagen sind mit Wellenfurchen, 
oft auf der Ober- imd Unterseite verschieden orien- 
tirt, bedeckt. Die Platten sind dicht aufeinander- 
gepackt und von senkrechten Klüften durchzogen. 
Etwas dickere kalkige und dolomitische Bänke sind 
eingelagert. Die Kalke zeigen oft oolithische Structur 
und werden beim Yerwittern porös (Schaumkalk). 
Eine Bank an der Grenze von Wellendolomit und 
Wellenkalk ist mit zahlreichen Stielgliedern von 
Encrinus und Pentacrinu^ bedeckt (Pentacrinusbank). 
Sie steht gegenüber den Resten des Forsthauses 
Jungen wald an. Die aus tieferen Schichten an- 
geführten Versteinerungen kommen auch hier vor. 



Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 9 3 

Besonders günstig ist unser Gebiet für das 
Studium der obersten Schichten des unteren 
Muschelkalk. Am Waldrande über der Ziegelhütte bis 
zum oberen Ende des Thälchens stehen feste Bänke 
grauen, gelben und braunen Dolomits an, die derart 
mit Klappen von Myophoria orbicularis Br. erfüllt 
sind, dass das Gestein eine schalige Zusammen- 
setzung erlangt. Die in Folge der Verwitterung 
rauchwackenartigen, gelb bestaubten, bis 3 dm mäch- 
tigen Bänke sind leicht kenntlich, lieber ihnen 
folgen noch, in einer kleinen Grube im Walde über 
Ziegelhütte etwas gegen Lembach hin aufgeschlossen, 
ebenflächige grüne, in eigenthümlicher Weise grün- 
lich imd bräunlich gefleckte dichte Dolomite in 1,5 m 
Mächtigkeit. Mit diesen Schichten schliesst der 
untere Muschelkalk ab. 

Der mittlere Muschelkalk beginnt mit grauen 
und rothen, mitunter lebhaft gefärbten Mergeln, die 
auf dem Rücken zwischen dem Walde, in dem der 
Aufschluss in dem obersten imteren Muschelkalk 
liegt, und der höchsten Stelle der Strasse von ZiegeU 
hütte nach Lembach durch das Ausheben von Wasser- 
furchen und sonstige gelegentliche Aufschlüsse sicht- 
bar werden. An der Oberfläche machen sie sich 
durch das Stagniren des Wassers und die dadurch 
veranlasste Vegetation von Binsen u. s. w. be- 
merkbar. 



94 Excursion 1. 



Die obere Abtheiliing des mittleren Muschel- 
kalk besteht aus sehr mannigfaltigen, rauch wacken- 
artigen, zelligen und porösen Gesteinen, die der 
Verwitterung lange widerstehen und sorgsam aus 
den Aeckern ausgelesen werden. Sie liegen in 
Menge am Gehänge neben dem Wege von Ziegel- 
hütte nach Lembach, wo derselbe den letzten Rücken 
hinansteigt. Besonders bezeichnend sind in diesen 
Gesteinen eingelagerte linsenförmige, knollige, trau- 
bige, überhaupt sehr verschieden und regellos ge- 
staltete Massen grauen und weissen Hornsteins, die 
lagen weise eine oolithische Stnictur zeigen. Sie 
finden sich besonders an dem Eande des Waldes, 
der wenig westlich von Ziegelhütte an die Strasse 
herantritt. 

Auf dem Rücken zwischen Ziegelhütte und 
Lembach beachte man die mehrere Meter mächtige 
Lehmablagerung, die unmittelbar neben der Strasse 
durch eine Grube aufgeschlossen ist. 

Der steil nach Lembach hin unterführende Hohl- 
weg schneidet zu oberst ebenflächige, dünn schiefernde, 
bituminöse Mergel mit Myophoria orbicularis Br. an, 
die unter den oben erwähnten Dolomiten liegen, die 
an dieser Stelle nicht aufgeschlossen sind. Weiter 
abwärts folgt Wellenkalk. 

In Lembach (Gasthaus zum grünen Baum und 
zum weissen Ross) ist die Eisenbahn erreicht. 



"Weissenburg —"Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 9 5 

Die geschilderte Excursion von Weissenburg 
bis Lembach lässt sich in einem Sommertage gut 
ausführen. Wer nur über einen halben Tag verfügt, 
kann von der Scherhol nach Weissenburg auf der 
grossen Strasse zurückkehren, wobei zu beachten 
ist, dass dicht vor der ersten scharfen Biegung der 
Strasse links, beziehungsweise geradeaus ein Feld- 
weg führt, der bedeutend abschneidet. Dicht bei 
dieser Abzweigung am Wege nach Weiler Aufschluss 
in pliocänen Sauden. (Vom Waldrand bis Bahn- 
hof Weissenburg 3,5 km.) 

Für einen rüstigen Wanderer empfiehlt es sich, 
von Klimbach über Forsthaus Bosch nach Klein - 
Wingen und weiter dem in nordwestlicher Richtung 
durch das Sandsteingebirge führenden Thale auf- 
wärts folgend, bis an die Strassenkreuzung etwas 
südlich von Forsthaus Litschhof zu gehen. Zunächst 
wird der Lembacher Graben durchquert. An der 
letzten grossen Strassenbiegung vor Klein- Wingen 
Hauptconglomerat des Buntsandstein, dann unterer 
Muschelkalk, schliesslich, durch Steinbrüche im Dorfe 
aufgeschlossen, Yoltziensandstein. Der Anfang 
des Thaies nordwestlich von Wingen bezeichnet die 
Grenze des Lembacher Grabens, die hier sehr deut- 
lich durch das Absetzen von unterem Muschelkalk 
an mittlerem Buntsandstein und durch den Steil- 
anstieg des letzteren bezeichnet ist. 



Weissenbniii: — Wailer — Schethol — Kliiubach — Lembnch. 9 7 



98 Excarsion 1. 



Unterhalb Forsthaus Litschhof läuft die Wasser- 
scheide des nach Süden, nach der Sauer, und des 
nach Norden, nach Nothweiler in der Pfalz, führen- 
den Thaies. Wenige Meter höher liegt in geringer 
Entfernung (bei Höhenpunkt 337 m) die Wasser- 
scheide gegen das durchwandei-te Thal. Die tiefe 
Lage der Wasserscheiden und der schwache Fall 
der Thäler ist für das ganze Gebiet der Sandstein- 
vogesen bezeichnend. Die Bäche fliessen langsam 
und räumen ihre Thäler nicht mehr aus, daher die 
Neigung zu versanden und breite Wiesenflächen zu 
bilden. Es bedürfte in vielen Fällen nur geringer 
Niveauveränderungen, um eine Umkehr der Rich- 
tung eines Wasserlaufes zu veranlassen. 

Forsthaus Litschhof liegt auf unterem Bunt- 
sandstein, gegen den der durchwanderte mittlere 
gesunken ist. Auf ersterem gelangt man am rech- 
ten Gehänge des Dentelbachthales nach dem Hofe 
Gimbel (Erfrischungen) und weiter nach der Burg 
Fleckenstein (2 km), einer der interessantesten Ruinen 
des Elsass. Ein 43 m hoher schmaler Klotz von 
conglomeratführendem mittleren Buntsandstein ruht, 
ringsum frei, auf breiter rund gewaschener Unter- 
lage unteren Buntsandsteins (Fig. 8). Die natür- 
lichen Höhlen im Fels sind durch eine hohe Mauer 
nach aussen abgeschlossen, wodtirch grosse Räum- 
lichkeiten gewonnen wurden. 



"Weissenburg —Weiler — Scherhol — Klimbach — Lembach. 9 9 

üeberall in diesem Gebiete umherliegende Knol- 
len und Platten von eisensteinhaltigem Sandstein 
rükresi van zablFeichen Eisexksteinsgängen her, 
die früher abgebaut wurden. Bei Katzenthal ge- 
wann m^ Bleierze (Pyromorphit). 

Ton Fleckenstein bis Lembach 4,5 km im Sauer- 
thal abwärts. 

Wer an diese Excursion diejenige bei Nieder- 
bronn anschliessen will, wird zweckmässig von 
Fleckenstein den nördlich beim Hof Fleckenstein in 
den Wald führenden Fussweg nach den Ruinen 
Hohenburg (550 m) und Löwenstein, auch Linden- 
schmidt genannt, einschlagen. An den Felswänden 
der ersteren schöne Kugelbildung im mittleren Bunt- 
sandstein. Von Hohenburg über das Sandsteinplateau 
in 25' Minuten nach der Wegeinburg ^) (573 m), 
einem der berühmtesten Aussichtspunkte der Pfalz. 
In 45 Minuten hinab nach Schönau. Hier über- 
nachten (Gasthaus zum Löwen). 

Den nächsten Tag über Wengelsbach nach 
Wasigenstein , in ihrer waldigen Umgebung vielleicht 
die malerischste Ruine des Elsass, Oberstein- 



1) In dem kleinen Theil bayrischen Gebietes , welches 
von der Wegeinburg über Schönau bis Wengelsbach zu 
durchwandern ist, wird man sich auch ohne Karte oder 
mit Hülfe des Münderschen Vogesenführers zurecht finden. 



if 



Weissenburg — Weiler — Scherhol — Klimbach — Leiulach . 101 

bach mit der Ruine Kleinarnsberg, über Ruine 
Schön eck nach Herrenhof, weiter nach Windstein 
mit den Ruinen Alt- und Neu windstein , Nieder- 
bronn. Oder von Herrenhof über Dambach, Ruine 
Rothenfels und Falkenstein, Philippsburg. Hier 
Eisenbahn nach Niederbronn. Fig. 9 zeigt die 
eigenthümlichen Yerwitterungsformen des Buntsand- 
steins an der Südseite des die Ruine Falkenstein 
tragenden Felsens. 

Genaueres Eingehen auf diese Routen würde 
uns zu weit führen. Wir verweisen auf den Vogesen- 
führer von Mündel und bemerken nur, dass bei 
Windstein amphibolführender Granit auftaucht, der 
von Rothliegendem und Buntsandstein überlagert 
wird, und dass, wer diese an landschaftlichen Schön- 
heiten und interessanten alten Bauten reiche Gegend 
durchwandert, einen vollständigen Einblick in die 
SandsteinvogeseUj besonders die merkwürdigen Fels- 
formen des Buntsandsteins mit ihren Yerwitterungs- 
erscheinungen erhält. Fig. 10 ist eine Abbildung 
einer der nicht seltenen pilz- oder tischförmigen 
Felsen dieser Gegend. Forsthaus Langenweier liegt 
3,5 km nordöstlich vom Falkenstein. 



102 Excursion 2. 
















Excursion %. 

Niederbronn — Zin§weiler — Reif hshofen. — Trias and nntererLias. 

18,5 km. 
Blatt Niederbronn der geologischen Specialkarte von EUs. -Lothr. 

nerlässlich für einen erfolgreichen Ausflug 
in der Umgebung von Niederbronn 
ist der Besitz der geologischen Special- 
karte, da der geologische Aufl^au des Gebietes in 
Folge zahlreicher Verwerfungen ein so verwickelter 
ist, dass es kaum angeht, durch Worte allein die 
genügenden Anhaltspunkte für den Ausflug zu geben. 
In der näheren Umgebung von Niederbronn sind 
fast sämmtliche Schichten von den Zwischenschichten 
des oberen Buntsandsteins aufwärts bis in den unteren 
Keuper anzutreffen. Zwischenschichten und Yoltzien- 
sandstein sind am besten in dem Gebirgsstück nord- 
östlich vom Bade zu beobachten; unschwer lässt 
sich hier auch die üeberlagerung durch die tiefsten 
Schichten des Muschelkalks, den Muschelsandstein 
feststellen. Zum Sammeln in letzterem kann der 
Einschnitt der Strasse nach Oberbronn dicht unter- 
halb des Gasthauses zur schönen Aussicht empfohlen 
werden. Wer Glück hat, kann hier den seltenen 
A, Buchi finden. Für die höheren Schichten des 
Muschelsandsteins und für die Terebratelschichten ist 
der Hohlweg genau nördlich vom Badehaus anzu- 



Niederbronn — Zinsweiler — Reichsbof en . 103 

rathen. Schaumkalk und Wellenkalk sind sowohl 
an der Strasse nach Jägerthal, als am Richtweg 
nach Fröschweiler gut aufgeschlossen. An letzterem 
setzt sich das Profil durch die Schichten mit Myo- 
plwi'ia orbicularis bis in den mittleren Muschelkalk 
hinein foi-t. üeberlagerung des Wellenkalks durch 
Orbicularis -Schichten kann man auch an der Bahn- 
überfuhrung in der Nähe des Schlachthauses am 
südlichen Ausgang von Niederbronn beobachten. Auf 
der Südseite des hier mündenden Thälchens schliesst 
ein grosser Steinbruch den dickbankigen Trochiten- 
kalk auf, die mit Mergel wechsellagernden dünnen 
Kalkbänke im Abraum gehören den Nodosusschichten 
an. Wer einen längeren Aufenthalt in Niederbronn 
nimmt (Gasthäuser: Yilla Matthis und Goldene Kette), 
das als Badeort früher einen grösseren Ruf hatte 
als heute — die ersten Anlagen können auf die 
Römer zurückgeführt werden — , wird nach der 
Karte auch an zahlreichen anderen Punkten die ge- 
nannten Abtheilungen wiederfinden. Wer Nieder- 
bronn nur auf einem Ausflug berührt, wird sich 
zweckmässig auf die genannten Wege beschränken. 
Vom Bahnhof kommend, besichtige man zuerst die 
auf der linken Seite des Falken steiner Baches ge- 
nannten Aufschlüsse, überschreite diesen am süd- 
lichsten Ende der Stadt und besuche den Steinbruch 
im Trochitenkalk (4^4 km). Dann folge man 



104 Excursion 2—3. 



dem gegen Süden über die Höhe 257,6 führenden 
Wege bis zum Höhepunkt 207, wo unter Geröll- 
ablagerungen vom Alter des Pliocän Salzkeuper 
ziemlieh gut aufgeschlossen ist. Südwestlich von 
diesem Punkt, wo das Fossilzeichen eingetragen ist, 
kommt Grenzdolomit zu Tage. Man wende sich 
nun in westlicher Richtung gegen Oberbronn, das 
sich in malerischer Ijage an den Gebirgsrand an- 
lehnt. Auf der kleinen Kuppe beim Höhepunkt 
214,5 sind die unteren Dolomite des unteren Keupers 
in einem kleinen Steinbruch blossgelegt. Der von 
hier aus leiclit zu erreichende Feldweg am Nord- 
westrand des Frohret ist einer der geeignetsten 
Punkte des Blattes für die Beobachtung des Schilf- 
sandsteins und der auflagernden Schichten bis in 
den rhätischen Sandstein hinein. Von hier zur 
Strasse Oberbronn — Zinsweiler, wo sich das auf 
S. 50 der Erläuterungen wiedergegebene Profil mit 
dem bekannten Oberbronner Bonebed findet. Leider 
verhindert üeberwachsung häufig die Beobachtung. 
Mit grösserer Sicherheit darf man erwarten, die 
Schichten mit A, raricostatus und A. Davoei, 
sowie ihre üeberlagerung durch die tieferen Lagen 
der Margaritatusschichten am südlichen Ausgang von 
Zinsweiler (Wirthschaft zur Krone), an der Strasse 
nach Offweiler, aufgeschlossen zu finden (12 km). 
Man kehre durch Zinsweiler zurück und folge der 



Gegend von Wolmünster. 105 

• 

Strasse nach Gumbrechtshofen — Niederbronn. Sie 
führt auf eine Erstreckung von fast 2 km durch 
rhätische Sandsteine und Thone mit untergeord- 
neten Einlagerungen von Conglomeraten. Der beim 
Höhepunkt 198,5 gegen Nordosten abzweigende Weg 
führt über die Mattenkuppe, auf der vielfach Ge- 
legenheit geboten ist, in den Augulatusschichten 
des unteren Lias zu sammeln. Zweckmässig ist es, 
nun den Fusspfad durch das Sandholz einzuschlagen. 
Am Ostrand des Waldes angelangt, hat man Reichs- 
hofen dicht vor sich liegen. Die Sande, die man 
durchschreitet, gehören zumeist dem älteren Diluvium 
an, die flache Terrasse, auf welcher der Bahnhof 
steht (18,5 km), wohl dem jüngeren Diluvium, der 
Niederterrasse. 



Exeursion 3. 

Gegend tob Wolmfineter. 

Blätter Wolmünster und Bliesbrücken der geologischen Special- 
karte von Elftass - Lothringen nebst Erläuterungen. 

ie Excursionen bei Wolmünster sollen uns 




hauptsächlich mit der typischen Entwick- 
lung des unteren Muschelkalks^) bekannt 
machen. Eine ganz ähnliche Entwicklung hat uns 

1) Die allgemeine Gliederung des oberen Bnntsand- 
steins und unteren Muschelkalks siehe S. 26 — 28. 



lOG Excursion 3. 



zwar schon Exe. 1 kennen gelehrt, doch ist das 
Grebiet dieser letzteren als nördlichster Theil des 
Zaberner Bruchfeldes stark gestört, und zusammen- 
hängende Profile fehlen. Es erschien deshalb wün- 
schenswerth, die Möglichkeit zur Besichtigung voll- 
ständiger Profile zu bieten , weshalb die nachstehenden 
Excursionen aufgenommen wurden, obgleich sie über 
das für den Führer vorgesehene Gebiet hinaus nach 
Lothringen führen. — Wolmünster ist von Bitsch 
(Bahn Strassburg — Kiederbronn — Saargemünd) mit 
der Post (10,84 km) zu erreichen. Vorgesehen sind 
zwei Tage, und zwar für den ersten, durch die 
Hinreise bereits stark in Anspruch genommenen Tag 
eine kürzere Excursion, für den zweiten die Haupt- 
excursion. Wer sich eingehender mit der Gliedenmg 
beschäftigen will, wird gut thun, beide in der an- 
gegebenen Weise auszuführen. Wem dagegen eine 
allgemeine Orientirung genügt, dem ist zu empfehlen, 
von Excursion a) nur die Besichtigung des Voltzien- 
sandstein -Muschelsandsteinprofils westlich von der 
Sägemühle von Wolmünster (S. 110) auszuführen, 
alsdann den Theil der Excursion b) bis zum Höh- 
Wäldchen (etwa mit Auslassung der Aufschluss- 
punkte südlich vom Schlossberg, S. 127) anzu- 
schliessen und nach Besichtigung des Profils 
daselbst auf der Landstrasse nach Wolmünster 
zurückzukehren. 



Gegend von "Wolmünster. 107 

a) 1. Tag. Wolmnnster— Eppingeii— Welssklrchen— WolmOnster. 

Voitzien Sandstein und Muschelsandstein. Profil durch den ganzen 
unteren Muschelkalk , mit nahezu vollständigem Aufschluss aller 
Zonen ausser der Myacitenregion . Mittlerer Muschelkalk. 18 km. 

Von Wolmünster aus folge man zunächst der 
Strasse nach Ormersweiler (Bl. Bliesbrücken). Die- 
selbe führt nach Ueberschreitung des Schwalbbaches 
zuerst durch gut aufgeschlossene Zwischen- 
schichten (diskordante Parallelstruktur), sodann 
durch Yoltziensandstein. Kurz bevor man die 
rechts von der Strasse, gegenüber dem Piiferberg 
sich öffnende Klamm erreicht, gleich hinter dem 
auf der Karte verzeichneten Kreuz, kann man an 
der Nordseite des Weges bereits die Auflagerung 
des unteren Muschelkalks auf dem Yoltziensandstein 
beobachten. (Erläuterungen zu Bl. Wolmünster, S. 23.) 
In der Klamm selbst (siehe ebenda, S. 23 oben) sind 
die sandig-thonigen Schichten des ersteren auf- 
geschlossen. 

Diese tiefsten, auch als Muschelsandstein 
oder Trochitenzone bezeichneten Schichten des 
unteren Muschelkalks lassen in der Regel eine mehr 
oder weniger deutliche Gliederung in eine untere 
und eine obere, beiläufig je 2 m mächtige ge- 
schlossene Sandsteinmasse oder wenigstens sand- 
steinreichere Masse und einen zwischenliegenden, 
durchschnittlich 3Y2 ^ mächtigen thonreicheren 
Complex (Thone, sandige Thone und Sandsteine) 



108 Excursion 3. 



erkennen. Die Versteinerungen, unter denen die 
Trochiten besonders bezeichnend sind und deshalb 
zur Benennung der Schichten führten, sind wesent- 
lich an einzelne, in frischem Zustande mehr oder 
minder stark dolomitische (ockergelbe), nach der 
Zersetzung sandige oder mulmige (dunkelbraune) 
Bänke gebunden. Gewöhnlich liegt sehr wenig über 
(0,2 m) oder seltener unmittelbar an der Basis des 
unteren Sandsteincomplexes eine untere Trochiten- 
bank, über welcher bisweilen in einem Abstand von 
1 m oder etwas mehr noch ein weiteres Trochiten- 
bänkchen folgt, so dass man alsdann von mehreren 
unteren Trochitenbänkchen spricht. Eine obere 
Trochitenbank findet sich in der mittleren thon- 
reicheren Region, im untersten Theil derselben oder 
mehr in der Mitte. — Der obere Sandsteincomplex 
weist nur ab und zu dünne Trochitenbänkchen auf. 
In der genannten Klamm ist die untere Trochiten- 
bank in frischer Erhaltung, also mit späthigen Trochiten, 
zusehen; eine obere Trochitenbank fehlt. Der untere 
Sandsteincomplex ist ausnahmsweise nicht entwickelt, 
in dem oberen, von etwas über 3 m Mächtigkeit, 
erinnern die tieferen , hellgefärbten Schichten durch- 
aus an Voltziensandsteinbänke, weisen jedoch eine 
bei letzteren nirgends beobachtete krummschalige 
Absonderung auf. — Der östliche Zweig der Klamm 
bietet übrigens auch ein gutes Profil der beiden 



Gegend von Wolmünstcr. 109 

nächsthöheren Zonen des unteren Muschelkalks, der 
„mergeligen Schichten" und der „Terebratelzone" 
(Erl. zu Bl. Wolmünster, S. 36 unten). 

Man gehe auf der Strasse nach Wolmünster 
zurück bis zum nächsten, neben einem Steinbruch 
links abzweigenden Feldwege, der ein nur wenig 
unterbrochenes Profil durch Yoltziensandstein imd 
Muschelsandstein bietet. Dasselbe ist in den ge- 
nannten Erläuterungen auf S. 12 — 14 unter Nr. 1 
angeführt. Der Yoltziensandstein setzt sich im 
unteren Theil (8 m) ausschliesslich aus Sandsteinen 
zusammen, während sich im oberen Theil (12 m) 
zwischen die Sandsteinbänke schwächere Thon- 
Zwischenmittel einschalten. Im Muschelsandstein 
ist hier der untere Sandsteincomplex (1,6 m mächtige, 
meist hellgraue bis weissÜche Thonsandsteine mit 
wenig Thon) deutlich entwickelt, doch fehlt die 
untere Trochitenbank oder ist höchstens angedeutet. 
Die dagegen vorhandene obere TrochUenbank (0,2 m), 
welche stark mulmig ist, liegt ungefähi- 1 m über 
dem unteren Sandsteincomplex. Man sammelt in der- 
selben neben Trochiten Coenothyj-is vulgaris Schi, sp., 
Lima striata Schi, sp., Gervillia socialis Schi, sp., 
Mytilus vetustus Gldf., Hinnites (Prospondylusj 
compius Ziet; sp., Spiriferina frttyilis B. sp. Mit 
Sandstein schliesst der 7,2 m mächtige Muschel- 
sandstein wieder ab, über welchem die nun folgen- 



110 ' Excursion 3. 



den, aber nicht mehr aufgeschlossenen mergeligen 
Schichten der „ Myacitenregion ^ eine merkliche 
Yerflachiing des Gehänges bedingen. Durch diese, 
unter normalen Yerhältnissen allenthalben mehr oder 
minder deutlich wiederkehrende Verflachung des Ge- 
ländes hebt sich das Plateau des unteren Muschel- 
kalks, die erste Stufe des lothringischen Stufen- 
Jandes, meistens so gut von der Bimtsandsteinland- 
ßchaft ab, mit welcher der gebirgige Charakter ver- 
schwindet. 

Auf die Strasse Ormersweiler-Wolmünster zurück- 
gekehrt, gehe man auf dieser hinab bis unnSittelbar 
vor Wolmünster, wo von Südwesten her der nach 
Eppingen (auf Bl. Bliesbrüeken) führende Richtweg 
«inmündet (bi* hierhin 2,6 km). Auf diesem nach 
Eppingen (3,25 km). 

Bald nach Ueberschreitung des Backelbachcs 
gelangt man, westlich von der Sägemühle von "NVol- 
münster, in einen grossen Einschnitt, welcher in 
seinem oberen Theil ein vollständig zusammen- 
hängendes und aufs klarste aufgeschlossenes Profil 
durch den Muschelsandstein nebst den unmittel- 
bar unter- und überlagernden Schichten darbietet. 
Es ist dies der beste Muschelsandstein -Aufschluss 
im ganzen Gebiet. Der untere Theil des Ein- 
.schnitts schliesst ausser den obersten Bänken der 
Zwischenschichten hauptsächlich an der Südostseite 



Gegend von Wolmünster. 111 

des Weges auch den Voltziensaiidstein auf. 
In den Erläuterungen zu Bl. Wolmünster, S. 12 — 14, 
findet sich unter Nr. 2 das Voltziensandstein- Muschel- 
sandstein-Profil von dieser Seite des Weges genauer 
angegeben, während auf S. 24 — 26 ebenda das Profil 
der Nordwestseite, welche besonders den Muschel- 
sandstein, und zwar bereits in einer etwas anderen 
Entwicklung als an der Südostseite, aufgeschlossen 
zeigt, ausführlich mitgetheilt und besprochen ist. 
Pur den Voltziensandstein, welcher sonst ähnlich 
wie im vorhergehenden Aufschluss entwickelt ist, 
aber umgekehrt wie dort in seinem unteren Theil 
(bis zu 10 m über der unteren Grenze) Thonein- 
lagerungen enthält, während der obere Theil (etwa 
7 m) eine geschlossene Sandsteinmasse darstellt, ist 
bemerkens werth , dass er in der obersten Bank (1,1 m) 
reich ist an Versteinerungen, welche man gewöhn- 
lich erst im Müschelsandstein antrifft: Oervillia co- 
stata Schi. sp. und sodalis Schi, sp., Myophoria 
vulgaris Schi. sp. und ovata Br., Modiola Oredneri 
Dnkr., Naiicopsis Gaülardoti Lefr. sp., Myaciies cf. 
Albertii Vol t z , Peeten Alberiii Gl d f. , Worthenia Atber- 
tiana Ziet. sp. ^); Pflanzenreste gleichfalls häufig, niu: 



1) In einem wesentlich tieferen Horizont, nämlich 
etwa 12 m unter der Grenze zwischen Buntsandstein und 
Muschelkalk, kann man eine ähnliche Fauna in kümmer- 
lichen Exemplaren unmittelbar östlich von Wolmünster, in 



112 Excursion 3. 



als Seltenheit deutliche Abdrücke von Trochiten. 
Im Muschelsandsteinprofil hebt sich sehr deutlich 
ein unterer sandsteinreicherer Complex von 1 Y^ bis 
2^2 ^ Mächtigkeit und ein über 2 m mächtiger 
oberer Complex von geschlossenem Sandstein ab. 
In dem mittleren, thonreichen Complex sieht man 
besonders deutlich das schnelle Auskeilen der Bänke 
zwischen einander oder das üebergehen von thonigen 
in sandige Schichten. Sowohl eine untere wie eine 
obere Trochitenbank sind entwickelt und zwar als 
dunkelgelber bis brauner Sandstein oder als Mulm, 
erstere jedoch, gleich dem Grenzletten, nur an 
der Nord Westseite des Weges, wo sie übrigens, 
ebenso wie der Grenzletten selbst, in der Eichtung 
nach dem unteren Ende des Aufschlusses auskeilt. 
Versteinerungen in der oberen Trochitenbank reich- 
lich: neben Trochiten besonders Myophoria vulgaris 
Schi, sp., Mytilus vetustus Gldf., Lima striata 
Schi. sp. und Spiriferina fragilis B. sp., w^eniger 
häufig Gervillia sodalis Schi, sp., Modiola Oredneri 
Dnkr., Ostrea decemcostaia Gldf., Pecten discites 
Schi, sp., Coenothyris vidgaris Schi. sp. — In 
einem dünnen dunkelbraunen, sehr mulmigen Bänk- 



(iem kleinen nördlich von der Kapelle am Feldwege ge- 
legenen Sandsteinbruch beobachten (Erl. Wolm., S. 11). — 
Vergl. hierzu auch Exe. 7, S. 176. 



Gegend von Wolmünster. 113 

chen zwischen 0,20 und 0,25 m über der Basis 
des oberen Sandsteineomplexes kommen neben eini- 
gen Trochitenabdrücken Pflanzenstengel, Zweischaler 
und Stacheln von Cidaris grandaeva Gldf.^) vor. 

Im oberen Theil des "Wegeinschnitts, wo links 
der kleine im Felde auslaufende Weg abzweigt, hat 
man noch Gelegenheit, die Ueberlagening der rund 
8 m mächtigen Muschelsandsteinzone durch die 
mergeligen Schichten zu beobachten. Diese be- 
ginnen aber hier, wie in manchen anderen Profilen, 
nicht mit Mergeln , sondern mit grauen und violetten 
Thonen von 2 m Mächtigkeit, welche oberhalb der 
Einmündung des Seitenwegs ausstreichen und erst 
ganz am Ende des Wegeinschnitts (links) von grün- 
lichgrauen Mergeln überlagert werden. Beim weiteren 
Yerfolgen des Weges kommt man durch die höheren, 
nicht oder sehr wenig aufgeschlossenen Schichten 
der Mergelzone oder Myacitenregion bald in die 
mittlere Abtheilung des unteren Muschelkalks, die 
Terebratelzone, deren oberer Theil (über die 
Gliederung der Zone vergl. S. 123) in dem kleinen 
Wasserriss rechts neben dem Weg aufgeschlossen 
ist, dann eine kurze Strecke durch „Wellenkalk*', 



1) Eino günstigere Stelle, diese Versteinerung zu 
sammeln, und zwar in der unteren Trochitenbank, ist öst- 
lich von Nuss Weiler, in bezüglich neben der grossen Klamm 
daselbst. (Erl. z. Wolm., S. 22.) 

Führer d. d. Elsass. 8 



114 Eicarsion 3. 



richtig: „Wellendolomit "^), dessen unterste Bank, die 
Pentacrinusbank, oberhalb des genannten Wasser- 
risses dicht über dem Wege durchstreicht. Während 
diese, stets annähernd 0,3 m starke Bank der im 
Mittel 8 m mächtigen Zone des Wellendolomits, 
welche nach dem nicht seltenen Vorkommen von 
Pentacrinusgliedem (neben noch häufigeren Trochiten) 
benannt ist, im allgemeinen ein reineres, kömiges, 
den sog. „Schaumkalkbänken" der nächst höheren 
Zone durchaus ähnliches Dolomitgestein darstellt, 
bestehen die eigentlichen Wellendolomit«, aus denen 
sich die Zone im übrigen fast ausschliesslich auf- 
baut, aus körniger Dolomitmasse, welche von Mergel- 
substanz in Gestalt von feinen, sehr regelmässig - 
bis ganz unregelmässig- wellig verlaufenden Häuten 
durchsetzt ist. 

Auf der Höhe angelangt, befindet man sich in 
gelblichem Lehm mit Quarzit- oder Quarzit-Chalcedon- 



1) Die in den Erläuteningen zur geologischen Karte 
lediglich im geologisch -stratigraphischen Sinne angewendete 
Bezeichnung „Wellenkalk** ist besser durch „Wellendolomit" 
zu ersetzen, da auch genauere petrographische, neuerdings 
ausgeführte Untersuchungen die im allgemeinen schon er- 
kannte Dolomitnatur der betreffenden Gesteinstypen be- 
stätigt haben. Es soll daher im Nachfolgenden für „Wellen- 
kalk" stets „Wellendolomit*^ und entsprechend für „Wellen- 
kalkzone" „Zone des Wellendolomits '^ gesetzt werden. 



1 



Gegend von Wolmünster. 115 

Knauern und kantengerimdeten Hornsternstiicken aus 
dem iriittleren Muschelkalk. 

Beim Abstieg kurz vor Eppingen, nordöstlich 
von der Eppinger Mühle, ist im Wegeinschnitt die 
Schichtenfolge vom untersten Theil der Schaumkalk- 
zone durch den Wellendolomit bis zur Haupttere- 
bratelbank hinab blosgelegt (Erl. z. Bl. Bliesbrücken,, 
S. 11 — 12, Prof. 2), und in der unmittelbar nördlichL 
vom Wege gelegenen kurzen Klamm sind dieselben. 
Schichten bis zu den oberen Terebratelbänken hin-- 
unter tiefer und klarer aufgeschlossen (Erl. Bliesbr.^ 
S. 11 — 12, Prof. 1). Die Pentacrinusbank besteht hier, 
wie an manchen anderen Stellen, aus mehreren 
Bänkchen, welche durch ganz dünne Lagen voa 
Mergelschiefer abgetheilt erscheinen. Im Querbruch, 
weisen sie zahlreiche, denen von flachen Trochiteni 
ähnliche Hohlformen auf, die jedoch, wie man bei ge- 
nauerer Prüfung erkennt, offenbar nicht von Trochiten 
herrühren, sondern wohl von ausgelaugten dünn- 
tafelförmigen Barytkrystallen. ^) 

Nachdem man Eppingen en^eicht hat, folge man 
der in südwestlicher Eichtung aus dem Ort heraus- 
führenden Landstrasse nach Rimlingen (Bl. Rohrbach), 



1) Hiernach ist die Angabe auf S. II der Erl. zu Bl. 
Bliesbrücken, Profil 1, Zeile 5 — 6 von unten: „mit zahl- 
reichen Trochiten abdrücken'' zu berichtigen. 

8* 



116 Excursion 3. 



zunächst bis immittelbar hinter die erste grosse Bie- 
gung derselben (0,7 km). Der westlichste Theil von 
Eppingen steht bereits auf den Mergeln des mittleren 
Muschelkalks, doch heb^n sich etwa 200 m vor der 
bezeichneten Strassenbiegung in Folge einer ungefähr 
NW. — SO. verlaufenden, die Strasse fast recht- 
winkelig schneidenden Verwerfung wieder die 
Schichten des unteren Muschelkalks heraus. Zunächst 
hinter der Ter werf ung sind die Schichten des Schaum- 
kalks an der Südostseite der Strasse blossgelegt. 
Sie bilden, wie man hier deutlich sehen kann, einen 
flachen Sattel gegen die abgesunkenen Mergel des 
mittleren Muschelkalks, erscheinen also gegen die 
Verwerfungsspalte „ geschleppt ''. 

Die Schaumkalkzone setzt sich bei typischer 
Entwicklung aus einer unteren und einer oberen 
Schaumkalkmasse von je etwa 1 und 2 m Mächtig- 
keit sowie aus einer zwischen beiden lagernden, 
rund 3 m mächtigen Schichtenfolge von wechselnder 
Ausbüdungsweise zusammen. Die sog. Schaumkalk- 
massen (stratigraphische Benennung) sind nichts 
anderes als mehr oder weniger geschlossene Massen 
von festem grauen, körnigen Dolomit, die zwischen 
beiden eingeschaltet auftretenden Gesteinsmassen 
dagegen theils ebenfalls Dolomite (wellendolomit- 
bis dolomitsandartig) , theils Kalke. Letztere sind 
thonig, dicht und zeigen zum Theil ausgezeichnete 



Gegend von \Yolmünster. 117 

feine Wellenstreifung (dichter Wellenkalk). Die 
Kalke oder die Dolomite können für sich allein den 
ganzen mutieren Complex zusammensetzen, oder es 
findet Wechsellagening zwischen beiden statt. 

An der bezeichneten Stelle (Erl. zu Bliesbr., 
S. 17) ist zwar die Grenze zwischen Wellendolomit 
und Schaumkalkzone nicht aufgeschlossen, doch sieht 
man die untere Schaumkalk masse annähernd in der 
ihr zukommenden Mächtigkeit anstehen. Die mittleren 
Bänke des Schaumkalks zeigen dolomitsandartige 
Ausbildung. Von der oberen Schaumkalkmasse, 
welcher einige Lagen von dichtem gelblichen Dolomit 
eingeschaltet sind, ist an der Südostseite der Strasse 
nur noch etwa die untere Hälfte angeschnitten, die 
Schichten der oberen Hälfte streichen etwas weiter 
hin an der gegenüberliegenden Seite der Landstrasse, 
in einer dicht neben letzterer befindlichen Austiefung 
(gerade da, wo sich rechts der Abkürzungsweg von 
der Strasse abzweigt) aus. Die oberste (feinkörnige, 
bräunliche) Lage fällt, wie an vielen anderen Stellen, 
durch besondere Härte und Zähigkeit auf. 

Der nun an der grossen Biegung der Strasse 
folgende Einschnitt gewährt einen guten Einblick in 
die gewöhnliche Entwicklung der „dichten Dolomite'' 
oder „Schichten mit Myophcn-ia oi'hicularis^'. 

Diese den unteren Muschelkalk abschliessende, 
4 — 5 m mächtige Zone besteht entweder ganz oder 



118 Excursion 3. 



fast ganz aus dichten, mehr oder weniger thonigen, 
manchmal grauen, allermeist jedoch gelblich verfärbten 
Dolomitgesteinen, welche vorwaltend in dünnen Platten 
brechen und stellenweise selbst schief rig werden. Nur 
etwas über der Mitte der Ablagerung schalten sich 
mit grosser Eegelmässigkeit einige dünne, abweichend 
ausgebildete, gewöhnlich etwas poröse, braun oder 
grün gefleckte, oft auch mehr oder weniger körnige 
Lagen ein , welche zu einer etwas mächtigeren Bank 
verschmelzen können und nach dem Vorkommen von 
Saurierknochen (namentlich Wirbeln) als Knochen- 
bank bezeichnet werden. Die Schichten bis zur 
Knochenbank einschliesslich, in welchen die dünn- 
plattige bis schieferige Ausbildung besonders oft 
zum Ausdruck kommt, führen überall mehr oder 
weniger reichlich Myophoria orhicularis und haben 
daher als Orbicularis- Schichten im engeren Sinne zu 
gelten. Die im allgemeinen dickbankigeren Dolomite 
über der Knochenbank haben bislang noch keine Ver- 
steinerungen geliefert. 

Im genannten Strassenein schnitt (Erl. zu Bliesbr., 
S. 19) sind von den unteren, schieferiger ausgebüdeten 
dichten Dolomiten (SYg m) die tiefsten Bänke deut- 
lich, die höheren weniger gut aufgeschlossen. Die 
Knochenbank ist durch eine schieferige und gescheckte, 
fast genau im Niveau des Kilometersteins 9,6 ver- 
laufende Lage (0,1 — 0,2 m) mit Myophoria orbi- 



Gegend von Wolmünster. 110 

cularis angedeutet. Darüber folgen die oberen , etwas 
dickbankigeren dichten Dolomite (l^/g m) und über 
diesen, durch die Strasse in einer Mächtigkeit von 
etwa 2 m angeschnitten, grünlichgraue Mergel des 
mittleren Muschelkalks. 

Wenig vor der zweiten Biegung der Land- 
strasse (0,55 km) gelangt man aus den Mergeln in die 
Lingula-Dolomite, sodann aber, auf der Hohe, ge- 
rade an der Kreuzung der Strasse mit dem nord -südlich 
verlaufenden Wege , in Folge einer Verwerfung wieder 
in die Mergel des mittleren Muschelkalks und un- 
mittelbar nachher, nachUeberschreitung einer weiteren 
Verwerfung, in Schichten der oberen Abtheilung des 
unteren Muschelkalks. In Folge dieser zweiten Ver- 
werfung schneiden im Strasseneinschnitt Schaumkalk- 
bänke und bunte (rothe und grünlichgraue) Mergel an 
einander ab. Die bunten Mergel bilden einen schma- 
len und kurzen, linsenförmig abgegrenzten Streifen, 
welcher gegen den stehengebliebenen Schaumkalk 
weniger tief abgesunken ist als der Lingula- Dolomit. 

Man gehe auf der Landstrasse zurück, über 
Eppingen nach Weisskirchen (Bl. Wolm.), wo man 
die nach Wolmünster führende Landstrasse trifft. 
50 m südlich von der Vereinigungsstelle der beiden 
Strassen zweigt sich, zuerst in nordöstlicher Richtung 
ansteigend, der Richtweg nach Dollenbach ab , welchem 
man bis etwas oberhalb des Sandsteinbruchs folgt 



120 Excursion 3. 



(3,7 km). — Im Steinbnich Yoltziensandstein und 
imterer Theil des Muschelsandsteins. Ueber der 
obersten Bank des ersteren, einer 0,6 m mächtigen 
grauen Sandsteinbank, ist der untere Sandsteincom- 
plex der Trochitenzone recht deutlich entwickelt: 
3 m braune bis dunkelgelbe (dolomitische), durch 
untergeordnete graue Thonzwischenmittel abgetheilte 
Sandsteine, in den untersten Lagen mit einzelnen 
grösseren Trochiten und Bruchstückchen von Saurier- 
knochen, in den mittleren mit etwas zahlreicheren, 
aber kleineren und undeutlichen Hohlformen von 
Trochiten. Die trochitenführenden Lagen heben sich 
hier nicht, wie sonst, scharf von der übrigen Masse 
der Sandsteine ab , sind aber hinsichtlich des Niveaus 
ihres Auftretens mit den unteren Trochitenbänkchen 
anderer Profile, z. B. desjenigen der Schlanglinger 
Klamm oder der Hauptklamm nördlich von den 
Aebtissin- Büschen bei Nussweiler (Exe. b, S. 122, 
sowie Erl. z. Wolm., S. 43 unten und 44 oben) zu 
vergleichen. Eine obere Trochitenbank (0,5 m), welche 
hier unmittelbar auf den unteren Sandsteincomplex 
folgt, wird oberhalb des Steinbruchs durch den Weg 
angeschnitten. Im Gegensatz zu den bereits ange- 
führten Vorkommnissen ist sie hier frisch erhalten, 
mit späthigen Trochiten. Die oberen Schichten der 
etwa 7 Y2 ^ mächtigen Trochitenzone sind nur theil- 
weise im Wasserriss neben dem Weg entblösst. In 



Gegend von "Wolmünster. 121 

doloinitischen Sandsteinlagen nahe an der Grenze 
gegen die Myaciten- Mergel kommen einige Yer- 
steinerungen vor, darunter auch Trochiten. 

b) 2. Tag. Wolmfinster — SehlangUnger Klamm bei Esehw elier — 
Sehlossberg— HShwftldehen (7 km) — Schweyen (10 km) — Wolmfinster 

(16,7 km). Vollständiges Profil durch den unteren Muschelkalk 

mit Ausnahme der obersten Bänke. 

Auf dem Richtweg nach Eschweiler bis zur 
Schlanglinger Klamm und in dieser aufwärts auf die 
Landstrasse (etwa 2Y3 km). Am nordöstlichen Aus- 
gang von Wolmünster sieht man Zwischenschichten 
und Voltziensandstein aufgeschlossen. Die Schlang- 
linger Klamm und die Aufschlüsse an den Wegen 
oberhalb derselben bieten ein gutes Profil durch die 
untere und mittlere Abtheilung sowie den grössten 
Theil der oberen Abtheilung des unteren Muschel- 
kalks. Die Muschelsandsteinzone ist nicht so voll- 
ständig wie westlich von der Sägemühle von Wol- 
münster entblösst, dagegen sind die mergeligen 
Schichten und die Terebratelzone im Zusammen- 
hange aufgeschlossen, so dass man nirgends einen 
besseren Einblick in die Entwicklung dieser beiden 
Zonen gewinnen kann. Hier mögen einige orien- 
tirende Bemerkungen über die Entwicklung der 
Zonen im allgameinen, soweit diese nicht schon bei 
der ersten Excursion kurz besprochen ist, sowie über 
etwaige Besonderheiten des Schichtenprofils in und 



122 Excaraion 3. 



Über der Klamm Platz finden. Wegen Einzelheiten 
ist das Profil in Erläuterungen zu Bl. Wolmünster, 
S. 38 — 44, Nr. 8 a und b zu vergleichen. 

Im Muschelsandstein (über die normale 
Gliederung desselben vergl. S. 107), welcher nur 
wenig oberhalb der Kreuzung der Klamm mit dem 
Richtweg Wolmünster- Eschweiler beginnt, treten 
zwei deutlich getrennte Trochitenbänkchen nahe 
über dem Grenzletten auf, welche mit dem zwischen- 
gelagerten trochitenfreien Sandstein zusammen der 
unteren Trochitenbank anderer Profile gleich zu 
stellen sind. Das obere Bänkchen, zwischen 1,1 und 
1,25 m über dem Grenzletten, führt auch stengelige 
Wülste von abgerundet dreikantigem Querschnitt 
(vergl. Muschelsandsteinprofil am Südabhang des 
Schlossberges, S. 128). Mit einer gelblichen, stellen- 
weise braunroth getupften, 0,3 m dicken Sandstein- 
bank schliesst die rund 7 m mächtige Trochiten- 
zone ab. 

Die etwa 15 m mächtige mergelige Zone oder 
Myacitenregion zeigt sich in allen Aufschlüssen bei 
Wolmünster aus vorwaltenden grünlichen bis licht- 
grauen, gelblich verwitternden weichen Mergeln mit 
untergeordneten, mehr oder weniger dolomitischen 
Sandstein-, im obersten Theil auch Dolomitbänken 
zusammengesetzt. Von Versteinenmgen ist nur 
Myacites mactroides Schi, in manchen Lagen zahl- 



Gegend von Wolmünster. 123 

reich, besonders auch in zwei sandig -dolomitischen 
Bänken, der unteren und der oberen „Myaciten- 
bank". In der Schlanglinger Klamin ist nur die 
untere Myacitenbank, welche hier genau 2^2 na 
über der ünterkante der Mergel lagert, entwickelt, 
und zwischen 4 und 3 m unter der oberen Grenze 
der Zone schaltet sich als besonders auffallendes 
Glied ein vorwaltend aus körnigem, etwas sandigem 
Dolomit gebildeter Complex ein, welcher gleich der 
Myacitenbank neben anderen Yersteinerungen auch 
vereinzelte Terebrateln führt. 

Das Hauptglied der mittleren Abtheilung des 
unteren Muschelkalks, welche im oberen Theil der 
Klamm aufgeschlossen ist, bildet die durchschnitt- 
lich 9 m (in der Klamm etwa 8 m) mächtige Tere- 
bratelzone im engeren Sinne: eine Schichtenfolge 
von noch ziemlich weichen, grauen Mergelschiefern 
mit einigen durch ihre Yersteinerungsführung auf- 
fallenden und wichtigen Bänken von körnigem Dolomit. 
Die Basis bildet eine gewöhnlich nicht über Yg ^ 
starke körnige Doloniitbank, in welcher stets Cbeno- 
thyris vulgaris vorherrscht: die Haupt-Terebratel- 
bank. Etwa 6 m darüber folgt eine körnige bis 
dichte, rein dolomitische bis dolomitisch -sandige 
Bank mit meist zahlreichen anderen Yersteinerungen 
neben Goen, vulgaris , die obere Terebratelbank, 
oder es stellen sich in der oberen Hälfte der Zone 



124 Excursion 3. 



eine ganze Keihe solcher Bänke ein. Gewöhnlich 
führen nur diese dolomitisehen Lagen die betreffen- 
den Versteinerungen reichlich, manchmal sind jedoch 
die dieselben trennenden Mergelschiefer ebenso reich, 
wenn nicht zum Theil reicher daran. Letzterer Fall 
liegt in der Schlanglinger Klamm vor, in welcher 
man fast alle bis jetzt in der Terebratelzone beob- 
achteten Formen in kurzer Zeit sammeln kann. Nur 
Spiriferina fragilis und hirsuta, welche an anderen 
Stellen in der oberen Terebratelbank (immer ver- 
einzelt) vorkommen (z. B. in den beiden längeren 
Wasserrissen östlich von den Aebtissin- Büschen bei 
Nussweiler, oberhalb des Nadelwaldes), sind bis 
jetzt in der Schlanglinger Klamm nicht gefunden. 
Die untere oder Haupt- Terebratelbank fällt hier durch 
ihre ]VIächtigkeit (1 m) gut in die Augen. 

An die Terebratelzone im engeren Sinne schliesst 
sich als weiteres Glied der mittleren Abtheilung die 
Zone der Wellenmergel an, welche in ihrer nor- 
malen, 6 m betragenden Mächtigkeit in der Klamm 
aufgeschlossen ist und hier die für das ganze Gebiet 
typische Entwicklung aufweist. Da sie sich petro- 
graphisch im Ganzen enger an die eigentliche Tere- 
bratelzone als an die höheren Schichten anschliesst, 
so wird sie mit der ersteren als „Terebratelzone im 
weiteren Sinne" oder Terebratelzone schlechthin zu- 
sammengefasst und ist in dieser Weise auch auf der 



Gegend von Wolmünster. 125 

Karte ausgeschieden. Sie besteht, abgesehen von 
untergeordnet eingeschalteten Bänkchen von körnigem 
Dolomit mit wenig bezeichnenden Versteinerungen, 
im unteren Theil aus grauen Mergelschiefern, ganz 
ähnlich denen der eigentlichen Terebratelzone, im 
oberen hauptsächlich aus härteren (dolomitreichen) 
welienkalkähnlichen Mergelschief em , den eigentlichen 
Wellenmergeln. 

Die unterste Bank der oberen Abtheilung des 
unteren Muschelkalks, die Pentacrinus-Bank an 
der Basis des Wellendolomits (S. 114), streicht in der 
Klamm ganz nahe unter der Landstrasse aus. Sie führt 
grosse Trochiten, während die neben letzteren in 
dieser Bank sonst i) nicht seltenen Pentacrinus- 
Glieder hier zu fehlen scheinen. Ueber dieser 
Schicht stehen bis zum obersten Punkt des Auf- 
schlusses noch gegen 3 m mergelschieferähnliche 
Wellendolomite mit eingeschalteten rein körnigen 
Lagen an. 

Auf der Landstrasse angelangt, gehe man auf 
dieser etwas in der Richtung nach Wolmünsier und 
folge dann dem südwärts, über Höhenpunkt 357,5 
oberhalb des „Sesserling", führenden Feldweg bis 



1) Z.B. in der Hauptklamm nördlich von den Aebtissin- 
Büschen bei Nussweilei*. (AusführUches Profil der Klamm 
iu Eli. zu BL Wolm., S. 39 — 44.) 



126 Excursion 3. 



in die Nälie dieses Punktes. Zunächst schneidet 
der Weg in den oberen Theil des Wellendolomits 
(theilweise ausgezeichnete "Wellenfurchen in WSW. 
-r— ONO.) ein. Bald jedoch ist man in der Schaum- 
kalkzone (allgemeine Gliederung s. S. 116). Etwa 
zwischen 351 und 352 m über Normalnull steht 
im Wegeinschnitt die (auf dem Querbruch stellen- 
weise breccienartige) untere Schaumkalkmasse, grossen- 
theils zu bräunlichem Lehm verwittert, an, und 
darüber folgen, weniger gut aufgeschlossen, 3 m 
dichter Wellenkalk — Gesteine, welche im 
Gegensatz zu den „kömigen" (oder „schaum- 
kalkartigen'^) „Wellenkalken" der bisherigen Be- 
schreibungen wirkliche und zwar etwas thonige 
Kalke sind. 

Man kehre auf die Landstrasse zurück und 
folge dieser über die Schlanglinger Klamm hinaus 
zunächst bis zur Kreuzung mit dem Weg Esch- 
weiler- Olsberg. Zwischen der Klamm und der 
Kreuzungsstelle hat man Gelegenheit, noch einmal den 
oberen Theil des Wellendolomits und den untersten 
Theil der Schaumkalkzone durch die Strasse auf- 
geschlossen zu sehen. Die auch hier 1 m mächtige 
„untere Schaumkalkmasse" streicht mit ihrer Ober- 
kante genau an der genannten Kreuzungsstelle selbst 
zur "Rechten der Landstrasse aus. Biegt man daher 
hier ein wenig in den nach Olsberg hinüber führen- 



Gegend von "Wolmünster. 127 

de» Weg ein, so ist man sofort wieder in den 
etwa 3 m mächtigen „dichten Wellenkalken" der 
Schaumkalkzone, welche an diesem Wege besser als 
oberhalb des Sesserling aufgeschlossen sind. Geht 
man femer auf dem Wege nach Eschweiler, welcher 
fast die ganze Zone des Wellendolomits anschneidet, 
etwa 200 m weit hinab, so kann man hier auch die 
mittleren Schichten dieser Zone, welche oberhalb 
der Schlanglinger Klamm nur wenig entblösst sind, 
deutlich aufgeschlossen sehen. 

Auf der Landstrasse weiter bis zur nächsten 
Wegkreuzung. Hier auf dem „Gelben Weg", der 
seinen Namen ohne Zweifel der bezeichnenden Gelb- 
iUrbung der verwitternden Gesteine des unteren 
Muschelkalks, zumal der Mergelgesteine verdankt, 
rechts ab hinüber nach dem Sandsteinbruch neben 
der nord- südlich verlaufenden Klamm am Südabhang 
des Schlossberges. Beim Hinabsteigen auf dem Gelben 
Wege sieht man zur Rechten die Haupt -Terebratel- 
bank als gesimsartigen Absatz im Gelände ausgeprägt 
durch die südwärts benachbarte Klamm hindurch- 
streichen. Im Sandsteinbruch sind Voltziensand- 
stein, Grenzletten und 3 m Muschelsandstein 
aufgeschlossen. Letzterer beginnt mit einer 1 m 
mächtigen Masse von meist braunem, sehr mürbem 
oder hellockergelbem , dolomitischem Sandstein, welche 
im tieferen Theil Trochiten, im oberen stengelige 



128 Excarsion 8. 



Wtüste von abgerundet dreikantigem Querschnitt 
führt. (Vergl. Muschelsandsteinprofil der Schlang- 
linger Klamm, S. 122.) Darüber folgen etwa 2 m 
weissliche Thonsandsteine mit Pflanzenresten. 

Man steige nun in der schon genannten, west- 
lich vom Steinbruch beginnenden Klamm aufwärts 
durch die Mergel der Myacitenregion und die Tere- 
bratelzone. 16 m über dem Grenzletten trifft man 
in ersteren eine obere Myacitenbank ^) : Unzusammen- 
hängende, langellipsoidisch begrenzte, daher leicht 
aus den Mergeln herausrutschende, sandig -dolomi- 
tische Massen, reich an Myddtea maciroides. 6^/2 m 
höher steht in dem linken der beiden Zweige, in 
welche sich die Klamm oben gabelt, die Haupt- 
Terebratelbank (2 m) an, und noch 6 m höher 
folgt ebendaselbst die obere Terebratelbank (0,1 m). 

Man verlasse nun die Klamm und kehre über 
den Schlossberg nach der Landstrasse zurück. Auf 
dem durch das „Höh Wäldchen" führenden Feldweg 
gelangt man auf die Landstrasse Breidenbach — 
Schweyen. An dieser unterhalb der Kreuzung mit 
dem Feldweg vollständiges Profil durch die Schaum - 
kalkzone und die Orbicularis-Schichten im 
eigentlichen Sinne. Für letztere (Gliederimg siehe 



1) Die untere Myacitenbank liegt in der Sohlanglinger 
Klamm (vergl. S. 123) rund 10 m über dem Grenzletten. 



Gegend von Wolmünster. 129 

S. 117) ist hier, besonders an der Nordostseite der 
Strasse, der günstigste Punkt des ganzen Gebiets 
um Wolmünster zum Sammeln der Leitversteinerung. 
Die petrographische Entwicklung weicht von der 
gewöhnlichen insoweit etwas ab, als die Gesteina 
mehr grau gefärbt und thonreicher, vielleicht auch: 
kalkreicher sind als anderswo. In der darunter fol- 
genden oberen Schaumkalkmasse (etwa 2 m), welche - 
die gewöhnliche, im allgemeinen kömige Außbildung.- 
aufweist, bemerkt man neben Trochiten einzelne Pen- 
tacrinus' Q]iedGr^ und die oberste, stark bituminöse, 
stellenweise auch fein oolithische, etwas mit dichtem 
Dolomit durchsetzte Lage führt bereits, wie vielfach 
anderwärts, sehr reichlich Myophoria orbicularis. 
Wesentlich tiefer scheint diese Versteinerung auf 
reichsländischem Gebiet nirgends vorzukommen. Die 
untere Schaumkalkniasse zeigt theil weise dolomit- 
sandartige Ausbildung, und der zwischen den beiden 
Schaumkalkmassen lagernde, etwa 2^4 na mächtige 
Schichtencomplex besteht in seinem unteren Diittel 
aus Wellendolomiten von theils gewöhnlicher, theils 
dolomitsandartiger Beschaffenheit, im übrigen aber 
aus dichten Wellenkalken. Die Entwicklung der 
Schaumkalkzone hierselbst steht also etwa in der 
Mitte zwischen derjenigen des Profils oberhalb der 
Schlanglinger Klamm (S. 126) und des Profils west- 
lich von Eppingen (S. 117). 

Führer durch d. Elsass. 9 



130 Excarsion 3. 



Yon dem beschriebenen Aufschlusspunkt gehe 
man auf der Landstrasse in der Richtung auf Schweyen 
weiter bis -347,5 der Karte. Hier durch den „Grrossen 
Wald" rechts ab an den Westrand des „Kleinbirk". 
In dem Lehm, welcher die Fläche des Grossen 
Waldes und seiner Umgebung einnimmt, sowie viel- 
fach auch auf dem anstehenden Muschelkalk, melir 
oder minder zahlreiche, bis über faustgrosse Quarzit- 
oder Quarzit-ChalcedonknoUen und Homsteinstücke 
aus dem mittleren Muschelkalk. Man folgt dem am 
Westrand des Kleinbirk entlang führenden Wege bis 
zu dem links abzweigenden, nach der Chaussee hin- 
überführenden Feldweg. Hinter der ersten Biegung 
jenes Weges (alte Steingruben) zahlreiche, wenn auch 
meist nicht gut erhaltene Versteinerungen im dichten 
Wellenkalk: Myacües mactroides Schi, und Älbertii 
Voltz, Lima lineaia Schi, sp., QervilUa sodalis 
Schi, sp., Myophoria vulgaris Schi. sp. und cardis- 
soides Schi, sp., Encrinus- und Pentaerinus -Otlieder. 
Manche ganz poröse Bänke wimmeln von letzteren, 
welche im elsass- lothringischen Muschelkalk fast 
ausschliesslich in den Zonen des Wellendolomits und 
des Schaumkalks vorkommen, woher die zusammen- 
fassende paläontologische Bezeichnung „Pentacri- 
nus-Schichten" für beide, bei Fehlen von Auf- 
schlüssen oft schwer zu trennende Zonen. — Auf 
dem soeben bezeichneten, links abzweigenden Feld- 



Gegend von Wolmünster. 131 

wege en^eicht man wieder die Landstrasse. Auf 
dieser noch ein Stück weit gegen den Windhof, 
dann links durch die Brüche am „Zengel" nach 
Schweyen. In den genannten Brüchen stehen blau- 
graue körnige Dolomite oder Kalke mit eingeschalteten 
grauen dichten Kalken an. Die körnigen Gesteine 
zeigen im Bruch einen eigenthümlich schimmernden 
Glanz und sehr bezeichnende, durch die Auflösung 
der Schalen von Pecten discites, wobei sich Eisen- 
oxyd ausscheidet, hervorgerufene Flecken. Es sind 
der obere und mittlere Theil der Schaumkalkzone, 
welche hier abgebaut werden. 

Yon Schweyen auf der Strasse hinab in das 
Schwalbbach -Thal (2,2 km). Kurz vorher, an der 
Stelle des auf der Karte angegebenen Fossilzeichens, 
sieht man im Strasseneinschnitt die untere Tro- 
chitenbank, in der man Spiriferina fragilis 
sammeln kann, ausstreichen (Trochiten ausgelaugt). 
— Auf der Landstrasse im Schwalbbach -Thal zurück 
nach Wolmünster (4,5 km). Links an der Strasse 
verschiedentlich Aufschlüsse in den Zwischen- 
schichten. 



132 Excarsion 4. 




Excursioii 4. 

Mletetiheliu — OnnderKhofen — Gnnotett — W9rth. — Mittlerer 

brauner Jura, unterer and mittlerer Lias, Erdöl. löV« kin bis 

Gnnstett. (Mit Umgebung von Wörth 20 km.) 

(Messt ischbltttter Pfaffenhofen, Niederbronn, Worth. (Von 
diesen Blättern ist Niederbronn in geologischer Ausfühmng erschienen.) 

|ieser Ausflug soll uns in erster Linie mit 
zwei Punkten bekannt machen, welche für 
den elsässischen braunen Jura als klassisch 
bezeichnet werden können, mit Mietesheim für die 
sog. blauen Kalke und mit Gundershofen oder viel- 
mehr mit seiner Klamm für die Opalinusschichten. 
Daran schliesst sich eine Besichtigung der Bohrungen 
auf Erdöl bei Gunstett. Aus den Mietesheimer 
Brüchen sind eine Menge schöner Versteinerungen, 
besonders durch den verstorbenen Pfarrer Jäger in 
Mietesheim und den gleichfalls verstorbenen Direktor 
Engelhardt in Mederbronn, in die Sammlungen 
gelangt. Aus der Gundershofener Klamm hat schon 
im Jahre 1781 der ^trassburger Gelehrte Herrmann. 
die dort so häufige Trigonia navis abgebildet. 

Man beginnt zweckmässig mit Mietesheim 
(Bahnlinie Hagenau — Bitsch). Der Bahnhof liegt auf 
einer flachen Diluvialterrasse. Wo in der Richtung 
nach dem Dorf das Gelände zu steigen beginnt, kann 
man in den Feldern, besonders am Fuss der Wein- 



Mietesheim — Gundershof en — Gunstett — Wörth. 133 

berge, die oolithischen Bänke der Schichten 
mit Ostrea acuminata finden. Weiterhin führen die 
Wege in Löss und Lehm. Es sind vom Gebirge 
her die ersten Lössvorkommen, auf die man stösst; 
näher dem Gebirgsrand trifft man nur Lehm, der 
meist einen grossen Sandgehalt aufweist. In der 
Umgebung des Bastberges bezeichnet, wie wir sehen 
werden (S. 158), Imbsheim die Grenze zwischen 
dem Lehm- und Lössgebiet. Der Löss hält sich 
also auf einen ziemlich breiten Streifen vom Gebirge 
entfernt, eine Thatsache, die für seine Entstehungs- 
weise sehr ins Gewicht fällt. Im Dorfe schreite 
man bis zur Kirche vor und folge dem an dieser 
vorbei aufwärts führenden Wege. Zerstreut liegen 
oberhalb des Dorfes kleine Steinbrüche zur Gewin- 
nung von Kalksteinen, die als Bau- und Pflaster- 
steine verwendet werden. Hauptgegenstand der Ge- 
winnung sind dickbankige, etwas sandige und schwach 
glimmerführende, blaue Kalke, die in ihrer Ge- 
steinsbeschaffenheit durchaus mit den schwäbischen 
blauen Kalken übereinstimmen. Sie sind ziemlich 
reich an Versteinerungen, die meistens nestweise 
angehäuft sind. Besonders sei auf das Vorkommen 
von Lingula Beani aufmerksam gemacht, die man, 
ausser von hier und von dem nordöstlich davon ge- 
legenen Griesbach, von keinem anderen Punkte des 
Elsass kennt. Häufig sind auf den Spaltflächen, 



134 Excarsion 4. 



besonders wenn das Gestein einen gewissen Grad 
der Verwitterung erreicht hat, die als Cancellophyeus 
scoparius bezeichneten hahnenschwanzartigen Gebilde 
zu sehen. Yon Ammoniten findet man Sonninien, 
die z. Th. als Sowerhyi zu bezeichnen sind, oder 
doch diesem sehr nahe stehen. In der Literatur 
wird SpJiaeroceras polyschides neben Lingula Beani 
als charakteristische Versteinerung der blauen Kalke 
von Mietesheim angegeben. Derselbe liegt jedoch 
nicht, wie die Gesteinsbeschaffenheit der Fundstücke 
beweist, im blauen Kalk — merkwürdigerweise 
stammen alle Funde von Liebhabern, und kein Geo- 
loge, der in der Schichtenkunde genau Bescheid 
wusste , hat diesen Ammoniten gesammelt — , sondern, 
in den eisenoolithischen Kalken, welche das 
Hangende desselben bilden und sich petrographisch 
scharf von demselben unterscheiden. Neben SpK 
polyschides umschliessen die eisenoolithischen Kalke 
besonders Sonninien, dann Stepfianoceras Humphriesi 
und in ihren obersten Lagen auch Sphaeroceras 
Sauzei. Die blauen Kalke von Mietesheim und die 
eisenoolithischen Kalke bilden demnach zusammen 
das Aequivalent der blauen Kalke Schwabens. 
Das Liegende bilden dort wie hier Sowerbyischichten, 
das Hangende Giganteusmergel. Die eisenoolithischen 
Kalke halten am Rande der Weinberge fast bis zur 
Höhe des Lerchenberges an, wo sie noch einmal, 



Slietesheim — Gundershofen — Gunstett — "Wörth. 135 

an der Abzweigung eines Feldweges, durch einen 
alten Steinbruch aufgeschlossen sind. Unmittelbar 
nachher tritt man in S o wer byi schichten, ohne 
die zwischenliegenden blauen Kalke zu Gesicht zu 
bekommen. Es rührt dies daher, dass die letzteren 
am Ausgehenden leicht zu einem sandigen Mergel 
zerfallen. Sie sind deshalb nur in künstlichen Auf- 
schlüssen zu sehen und können bei der Kartirung 
nicht ausgeschieden werden. Das Gleiche ist in 
Lothringen der Fall. Gesteine, welche von den 
blauen Kalken von Mietesheim nicht zu unterscheiden 
sind und wie diese häufig Caneelhphycus führen, 
liegen dort über den Mergeln und Kalken mit A. So- 
werhyi und sind selbst überlagert von braunen eisen- 
schüssigen Kalksteinen , dem HohebrückenerKalk, 
der als Aequivalent der oben erwähnten eisenoolithi- 
schen Kalke anzusehen ist. Früher wurde dieser 
Kalk noch den Sowerbyischichten zugerechnet. 

Ueber den Lerchenberg gehe man nun nach 
üttenhofen (vom Bahnhof Mietesheim ab 5 km) 
und von hier durch Gundershofen (Wirthshaus 
an der Ecke der Strasse nach Niederbronn) nach 
der Klamm {l^j^ km), die am östlichen Ende des 
Dorfes sich öffnet. Ein von Lepsius veröffent- 
lichtes Profil wurde in die Erläuterungen zu Blatt 
Niederbronn aufgenommen, weshalb hier auf diese 
verwiesen werden kann. 



136 Excarsion 4. 



Was die Fauna der Opalinusschichten der 
Gundershofener Klamm von der der schwäbi- 
schen Opalinusschichten besonders unterscheidet, ist 
der Reichthum an Ammonitenarten. Während in 
Schwaben neben Ä, opalimts und A. torulosus andere 
Arten sehr selten sind, überwiegen solche bei Gun- 
dershofen meist die leitenden Ammoniten, besonders 
den seltenen Ä, torulosus, Haug führt nicht weniger 
denn 18 Arten an, darunter auch costula und aale- 
nisis^ welche in Schwaben den Jurensisschichten 
angehören, im Elsass in letzteren Schichten aber 
zu fehlen scheinen. 

Mehrfach bietet sich in der Klamm Ge- 
legenheit, die Auflagemng der Murchisonschich- 
ten auf die Opalinusschichten zu beobachten. Im 
Hauptriss liegt die Grenze unter dem Wasserfell, 
macht sich also topographisch genau in derselben 
Weise bemerkbar wie in den tiefen Rissen, welche 
am Fuss der schwäbischen Alb den unteren Dogger 
durchziehen. 

Ist die Klamm erledigt, so wende man sich 
über den Ingelshof (oder Höllenhof) nach der 
gegen Gunstett führenden Strasse. Ungefähr 250 m 
von dem ersten Hause, beim Beginn der Weinberge, 
gelangt man aus den Murchisonschichten in Folge 
einer bedeutenden Störung in rhätischen Sandstein; 
in den Weinbergen nördlich der Strasse und dicht 



Mietesheim — Gundershof en — Gunstott — Wörth. 137 

an den genannten Häusern kommt unterer Lias vor. 
Tom Ziegelberg aus, bevor man den Hof eireicht, 
«ieht man in einer Entfernung von 1 km in nörd- 
licher Richtung den Scheurlenhof (Schirlenhof) 
Tor sich liegen, der in der Geschichte des Krieges 
1870/71 durch den kühnen Ritt des Grafen Zeppe- 
lin und seiner Genossen zur Erkundigung der fran- 
zösischen Stellungen vor der Schlacht bei Weissen- 
burg berühmt geworden ist. Bis zum Eber-Bach 
(11^4^03), an dem etwas nördlich von der Strasse 
der gleichnamige Ort liegt, bietet der Weg wenig 
Bemerkenswerthes, ausser dass auch hier die 
Lehmvorkommnisse dieselbe Yertheilung zeigen, auf 
welche bei dem Ausflug von Mommenheim nach 
Obermodem ausführlicher hingewiesen ist. Jenseits 
des Eber -Baches, auf der linken, nördlichen Seite 
der Strasse, liegen kleine Brüche in den Piano rbis- 
und Angulatusschichten des unteren Lias. Nach 
Absuchung derselben kehre man zur Strasse zurück, 
folge jedoch nicht dieser selbst, sondern dem alten, 
den Bogen der neuen Strasse abschneidenden Weg. 
Gleich unten sind die /?-T hone freigelegt.^) Ovoiden 
sind in denselben so häufig, dass man sich in den 



1) Im letzten Winter fand Herr Apotheker Frey 
aus Wörth in diesen Thonen, etwa in der Mitte, eine 
Bank von thonigem Kalk, in welchem sich ein wahr- 
scheinlich als Hippopodium ponderosum zu bestimmender 



188 Excursion 4. 



Ovoidenmergeln der Margaritatusschichten zu be- 
finden glauben kann. Nahe unterhalb der Vereini- 
gung des Weges mit der Strasse treten die Dudres- 
sieriknollen, allerdings anscheinend fossilleer, zu 
Tage, dicht darüber die dunklen thonigen Kalke der 
Raricostatenbänke. Zum Sammeln von Ver- 
steinerungen ist aber auch hier wenig Gelegenheit 
geboten. Ist der Strasseneinschnitt nicht zu stark 
bewachsen, so sind über den Raricostatenkalken die 
hellen Mergel der Numismalisschichten mit 
Zeilleria numismalis nicht zu übersehen, während 
der Davoeikalk schon etwas schwerer zu beob- 
achten ist und meist nur in Bruchstücken gefunden 
wird; an seiner Gesteinsbeschaffenheit (S. 34) und 
den häufigen Durchschnitten von Belemniten wird er 
aber leicht erkannt. Nur wenig höher, an einer 
Stelle der Strasse, wo rechts und links ein Feld- 
weg abzweigt, steht der braun verwitterte, kömige, 
fossilreiche Kalk der Costatenschichten an. Ist 
der Weggraben frisch ausgehoben, so bemerkt man 
darüber die blättrigen, bituminösen Schiefer der 
Posidonomyenschichten. Die unter dem Costaten- 
kalk liegenden Ovoidenmergel oder Margaritatus- 



Zw eischaler findet. Diese Muschel war bisher im Elsass 
nicht im anstehenden Gestein gefunden worden und nur 
auf secundärer Lagerstätte, im Diluvium von Mühlhausen 
(U. Eis.), bekannt. 



Mietesheim — Gundershof en — Gunstett — "Wörth . 139 

schichten sind theils verdeckt, zum grösseren Theil 
aber wahrscheinlich durch eine Verwerfung abge- 
schnitten. Auch die besprochenen Kalkbrüche in 
den Planorbis- und Angulatusschichten sind von den 
/^-Thonen wahrscheinlich durch einen Sprung ge- 
trennt. Bestimmtes wird sich erst nach Abschluss 
der geologischen Specialaufnahmen sagen lassen. 
Gleich oberhalb des Aufschlusses in den Costatus- 
schichten beginnt der Weg nach dem Sauerthal hin 
abzufallen. Bald erreicht man eine Kreuzung; auf 
dem links abzweigenden Wege gelangt man nach 
Elsasshausen und Fröschweiler, das Centrum der 
französischen Stellung in der Schlacht bei Wörth, 
rechts führt ein tief eingeschnittener Hohlweg hin- 
unter nach Morsbronn. Hier zerschellte der be- 
rühmte Eeiterangriff der Kavalleriebrigade Michel. 
Nachdem man die Strassenkreuzung hinter sich hat, 
wird man bald rechts vom Wege kleine Gruben 
bemerken, welche in den Planorbis- und Angu- 
latusschichten stehen. Es ist nicht Zufall, dass 
gerade diese Schichten des Lias a am häufigsten 
durch Steinbrüche ausgebeutet werden. Vielmehr 
rührt dies daher, dass in denselben die Kalkbänke 
dichter aufeinander folgen als in den höheren Schich- 
ten, die Gewinnung also eine vortheilhaftere ist. 

Man steht jetzt dicht an der Rheinthalspalte, 
der Verwerfung, welche das mesozoische Gebirge 



140 Excarsion 4. 



des Zaberner Bruchfeldes vom Tertiär trennt. In 
dem Wiesenthälchen südlich von den Kalkbrüchen 
wurde vor einer Reihe von Jahren zur Aufsuchung 
von Petroleum ein Bohrloch im Tertiär nieder- 
gebracht, das jedoch nicht fündig wurde. Die Höhe, 
an die Morsbronn angebaut ist, besteht aus mittel- 
oligocänen Küstenconglomeraten. 

Unterhalb der Kalkbrüche, gegen Gunstett 
zu, gelangt man bald in die diluvialen Sand- und 
Geröllablagerungen des Sauer -Baches. Es ist wohl 
zweifellos, dass sie nicht einer einzigen Aufschüttung 
angehören, doch ist wegen der Gleichartigkeit der 
Ablagerung die Möglichkeit einer Trennung nach 
dem Alter ausgeschlossen. 

Schon von der Höhe östlich von Eberbach aus 
wird eine Reihe dunkler Bohrthürme, welche theils 
in der breiten Alluvialrinne des Bieber- und Sauer - 
Baches, theils im tieferen Theil der Diluvialterrassen 
angesetzt sind, die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt 
haben. Es sind die Bohrungen auf Petroleum der 
Gewerkschaft Gute Hoffnung - Wörth (15^4 km). 
Wegen der Besichtigung derselben wende man sich 
an den Betriebsführer, dessen Bureau sich bei den 
Bohrthürmen befindet. 

Die Art des Vorkommens des Petroleums im 
Tertiär des Elsass wurde bereits bei der Beschrei- 
bung der Formationen kurz besprochen. Es sei hier 



Mietesheitn — Gundershofen — G anstett — Wörth. 141 

hinzugefügt, dass, wie bei Schwabweiler, so auch 
bei Gunstett die Sandlager, welche das Oel führen, 
nicht mehr die Form langgestreckter Linsen zu haben 
scheinen, wie solche in der Gegend von Pechelbronn 
durch den Bergbau bekannt geworden sind, sondern 
sich gleichraässiger über grössere Erstreckung aus- 
dehnen und an Mächtigkeit abnehmen. Damit geht 
eine Abnahme der Ergiebigkeit der Quellen Hand 
in Hand, während zugleich die Wahrscheinlichkeit, 
durch ein Bohrloch Oel zu finden, zunimmt, und 
nur wenige Bohrlöcher nicht fündig werden. 

Für die Erkennung der Ablagerungen, in welchen 
sich das Erdöl findet, waren zahlreiche Bohrungen, 
welche die Elsässische Petroleumgesellschaft zwischen 
dem Sauer- Bach und dem Wald von Gunstett und 
z. Th. in diesem selbst hat abteufen lassen, von 
grossem Werthe. Die Bohrproben wurden von Herrn 
Herrmann in Sulz u. W. untersucht, der darin 
zahlreiche Foraminiferen nachwies, besonders in den 
Proben aus den obersten Teufen, dann aber auch 
aus Schichten bis zur Tiefe von 325 m; im all- 
gemeinen nimmt ihre Menge von unten nach oben 
zu. Es machen sich also in diesem Gebiet in den 
ölführenden Schichten Anzeichen einer in tieferer 
See erfolgten Ablagerung bemerkJsar, während solche 
bei Pechelbronn nicht bekannt sind, hier vielmehr 
der Einfluss des Süsswassers bis in die obersten 



142 Ezcnrsion 4. 



Teufen bemerkt wurde. Da westlich von Pechel- 
bronn über den ölführenden Schichten Meeressand 
und Septarienthon folgen, so lässt sich auf eine von 
Süd nach Nord erfolgte Transgression der echten 
Meeresbildungen schliessen. 

Durch mehrere Tiefbohrungen ist nachgewiesen, 
dass dem Tertiär in grösserer Tiefe — zwischen 
Gunstett und Morsbronn beträgt dieselbe 360 — 450 m 
— eine 90 — 100 m mächtige Ablagerung rother 
dolomitischer Mergel eingelagert ist. Unter dieser 
Schicht ist bei den Bohrungen, welche dieselbe 
durchsunken haben, noch kein Petroleum gefunden 
worden, und hier in Gunstett hat sich auf Grund 
dieser Beobachtungen das Verfahren herausgebildet, 
in der Regel nur bis auf die rothen Mergel nieder- 
zugehen. Eine in letzter Zeit tiefer gebrachte Boh- 
rung traf noch bei 629 m Schichten an, welche 
nicht gut anders denn als Tertiär gedeutet werden 
können. Unter Berücksichtigung der Tiefe, in 
welcher die rothen Mergel durchörtert wurden, und 
der Ergebnisse anderer Tiefbohrungen ergiebt sich 
daraus für das Tertiär im Unter -Elsass eine geringste 
Mächtigkeit von 780 m. Bemerkenswerth ist, dass 
durch dieselbe Bohrung in einer Tiefe von 569,50 m 
eine Conglomeratlage durchsunken wurde, welche 
hauptsächlich kleine Muschel kalkgeröUe führt. Bei 
^iner anderen Bohrung wurde aus einer Tiefe von 



Mietesheim — Gundershof en — Gunstett — Wörth. 143 

310 m ein Conglomerat mit kleinen Gerollen herauf- 
geholt, in dem sich mehrere Exemplare einer Sclmecke 
fanden, welche Prof. Andreae (in litt.) als Melania 
Lauras Math er. bestimmen zu können glaubte. 
Parallelisirt man, wie das auch Prof. Andreae tliut, 
auf Grund dieses Fundes diese tief liegende Schicht 
mit dem Melanienkalk von Brunstatt, welcher im 
Ober-Elsass im obersten Theil der als ünteroligocän 
erkannten Schichten liegt, und berücksichtigt man, 
dass der mitteloligocäne plattige Steinmergel discor- 
tant über dem Melanienkalk folgt, und das Erdöl 
bis jetzt nur in geringen Tiefen vorgefunden worden 
ißt, so kommt man zu dem Schluss, dass die petro- 
leumführenden Schichten des Unter- Elsass im Ober- 
Elsass nicht oder nur mit ihren tiefsten Schichten 
zur Ablagerung gekommen sind. In der That blieben 
die bisherigen Aufschlussarbeiten in den tieferen 
Schichten im Ober-Elsass erfolglos. 

Für diejenigen, welche an den beschriebenen 
Ausflug eine Besichtigung der Hauptpunkte des 
Schlachtfeldes vom 8. August 187 anzu- 
ßchliessen wünschen^), sollen hier die Beobachtungen 
noch zugefügt werden, welche an den beiden 



1) Die Bohrstellen liegen zwischen den Stationen 
Morsbronn und Gunstett der Bahnlinie "VN^alburg — Lem- 
bach. Der Strasse nach beträgt die Entfernung bis "Wörth 
4,3 km. 



144 Excarsion 4. 



Hauptwegen , an der Strasse nach Fröschweiler nnd 
am Wege nach Elsasshausen , möglich sind (zusammen 
5 km). In Wörth können die Gasthäuser zur Post 
(Troester) und Weisses Pferd (Wohlhüter) in gleicher 
Weise empfohlen werden. Wer Zeit hat, besuche 
die Sammlung des Herrn Apotheker Frey, welche 
interessante Funde aus der Umgebung birgt. Herr 
Frey hat sich in liebenswürdiger Weise bereit er- 
klärt, Interessenten dieselbe zu zeigen. In den ge- 
nannten Gasthöfen befindet man sich im südlichen 
Theil der Stadt, w^eshalb auch von hier ausgegangen 
werden soll. An den letzten Häusern führt ein 
steil ansteigender Weg durch graue Mergel mit 
Ovoiden, welche dem unteren Lias (fossilarme Thone) 
angehören und oberhalb des Städtchens von Lehm 
überdeckt sind. 250 m von den Gärten von Wörth 
entfernt tritt unter letzterem Steinmergelkeuper 
hervor, der in Folge einer Verwerfung sich in höherer 
Lage befindet als die fossilarmen Thone. Im Ein- 
schnitt des kurzen Weges, welcher nach dem Denk- 
mal der dritten Armee und nach dem Mac Mahon- 
Baum führt — von diesem Punkte aus leitete der 
französische Feldherr die Schlacht — , ist im 
Steinmergelkeuper eine Zweischalerbank blossgelegt. 
Der Denkmal- und Gräberwärter sieht allerdings 
das Sammeln nicht gern. Auf der Südseite des 
Weges und dicht unterhalb desselben treten in den 



Mietesheim — Gandershofen — Gunstett — "Wörth. 145 

Weinbergen die rotheu Mergel zu Tage, Etwa 
250 m westlich des Aufschlusses im Steinmergel- 
keuper gelangt man, in Folge einer zweiten Ver- 
werfung, in Ovoidenmergel. Dieselben halten über 
Elsasshausen hinaus bis Fröschweiler an, sind 
aber grösstentheils durch einen sandigen Lehm 
verdeckt. Auf der Strasse von Fröschweiler nach 
Wörth hält Lehm noch auf Y2 ^°^ ^^5 alsdann tritt 
Gryphitenkalk zu Tage, imter dem die rothen 
Thone, tiefer schwarze Thone des Ehät, beide in 
geringer Mächtigkeit, folgen. Auch der Steinmergel- 
keuper ist noch mit seinen obersten Schichten ent- 
blösst, dann aber durch eine Verwerfung abge- 
schnitten. In dem östlich derselben abgesunkenen 
Gebirgsstück wiederholen sich die Aufschlüsse im 
Lias a und Bhät. Am Fuss der Weinberge wird 
man nach einigem Suchen Schilfsandstein nachweisen 
können. Zwischen diesem und dem Rhät scheint 
nochmals eine Unterbrechung der Schichtenfolge, 
also eine Verwerfung vorzuliegen. Neben Nieder- 
bronn ist die Umgebung von Wörth die am stäi-ksten 
gestörte Gegend, welche wir bisher kennen gelernt 
haben. 

Bemerkt sei zum Schluss, dass das Kaiser 
Friedrich -Denkmal, auf der linken Seite des Sauer- 
thales, auf mitteloligocänem Küstenconglo- 
merat steht. Die den Sockel bildende Felsmasse 

Führer durch d. Eisass. 10 



146 ExcDrsion oa. 



soll die Felsbildungen in der unteren Abtheilung 
des mittleren Buntsandsteins nachahmen; dann hätte 
man aber auch Sandsteine dieser Abtheilung, nicht 
Voltziensandstein dazu verwenden sollen. Wegen 
der starken Bedeckung durch diluviale Sande liess 
sich die Verwerfung, welche das Tertiär von den 
mesozoischen Schichten trennt, bisher ihrer Lage 
nach nicht genau feststellen. Wahrscheinlich setzt 
sie mit nordnordöstlicher Richtung etwa 400 m öst- 
lich der Wegkreuzung am Kirchhof durch. 



Excnrsion 5a. 

Dettweiler — Prinzhelm — lUedheim — Bnchsweiler. — Mittlerer und 
oberer Eenper, unterer und oberer Lias, braaner Jara, 
eocäner Süsswasser^kalk nnd oligocänes Küstenconglo- 

merat. 18 km. 

Messtischblätter Zabern und Bnchsweiler. 

om Bahnhof Dettweiler über die Zorn, durch 
das Dorf nach der Hauptstrasse, auf dieser 
links bis zur Abzweigung der Strasse nach 

öottesheim (Buchsweiler). Von Dettweiler bis Buohs- 

weiler 9,5 km. 

Die Häuser von Dettweiler an der Strassen- 
abzweigung nacKGottesheim stehen auf dicken Bänken 




Dettweiler — Prinzheim — Riedheim — Buchsweiler. 147 

eines rauchwackenartigen Gesteins (S. 28), den sog. 
Crapauds des mittleren Keuper. Der Einschnitt 
der Strasse gleich hinter dem Kirchhof legt den 
Steinmergelkeuper frei, graue und bunte Mergel 
mit mehreren Lagen fester 'dichter Dolomite (Stein- 
mergel), in denen unbestimmbare Gastropoden, die 
überall in diesem Horizont häufigen, ebenfalls zu 
einer Bestimmung nicht ausreichend erhaltenen 
Zweischaler und (selten) die der linken Rheinseite 
eigenthümliche Pertia Keuperina Blanck. vor- 
kommen. Besonders die porösen, oolithisch aus- 
sehenden Bänke beherbergen die Versteineningen. 
Auch eine aus gerundeten Mergelbrocken bestehende 
Conglomeratbank ist vorhanden. 

Die Strasse steigt in geringer Entfernung von 
hier an einer Biegung etwas an. Rechts neben der- 
selben liegt eine alte Materialgrabe, in welcher unten 
bunte Mergel, über denselben die gelben, rauh an- 
zufühlenden Sandsteine desRhät anstehen. Ueber 
denselben fällt die lebhaft rothe Färbung der Aecker 
zu beiden Seiten der Strasse auf. Hier streichen 
die rothen Thone, das oberste Glied des Keupers, 
hindurch. 

Concordant überlagert diese Thone der Lias, 
leicht kenntlich an den blaugrauen Kalken und 
Mergeln, die denselben zusammensetzen. Die unter- 
sten Bänke enthalten Psiloceras Johnstoni Sow. sp. 

10* 



148 Ezcarsion 5a. 



und zusammengeschwemmte Haufwerke von See- 
igelstacheln und Pentacrmusstielgliedern. Sie sind 
nicht aufgeschlossen, doch findet man Brocken der- 
selben auf den Aeckern anmittelbar über dem Thon. 
Ein grosser Steinbruch in geringer Entfernung links 
von der Strasse ist zur Gewinnung der Kalke der 
Angulaten- und Gryphitenschichten angelegt. Eine 
von Südwest nach Nordost verlaufende Verwerfung 
durchschneidet denselben. In der gegen West ge- 
legenen Hälfte liegen die Angulaten schichten, 
kenntlich an den bituminösen, pappdeckelartigen 
Mergeln, die die Kalkbänke trainen. Sie enthalten 
nicht selten Schloth. angulata Schi. sp. flach ge- 
drückt. In den Kalken ist Lima gigantea Sow. 
häufig. Einige der Mergelbänke sind erfüUt mit 
den eigenthümlichen bindfadenartigen Gebilden, die 
man als Algen gedeutet hat. 

In der gegen Osten liegenden Hälfte des Bruches 
wird Gryphitenkalk gewonnen, der gegen die 
Angulatenschichten gesunken ist. Gryphaea artmata 
Lamck. kommt massenhaft vor, daneben Ldma 
gigantea Schi., Lima siiccincia Schi., Pecten textO" 
riics Schi., Peniacrinus tuberculatus Mi 11. Letztere 
Yersteinerung deutet darauf hin , dass hier die oberen 
Lagen des Gryphitenkalkes anstehen. 

Der Weg durch Gottesheim nach Prinzheim 
führt durch Löss und Lehm. Unmittelbar nachdem 



Dettwoiler — Prinzheim — Riedheim — Buchsweiler. 149 

man Prinz heim auf der Strasse nach Buchsweiler 
verlassen hat, trifft man an der Abzweigung des 
Weges nach Greisweiler (Blatt Hochfelden) Gryphaea 
ohliqua und Belemniten des unteren Theiles des 
mittleren Lias vereinzelt auf den Aeckern. 

Wenige Schritte weiter wendet sich die Strasse 
im scharfen Knick nach Nordnordwesten und führt 
uns zu einem interessanten Aufschluss im untersten 
Dogger. Der rechte Strassen graben schneidet 
in eine Ablagerung blätteriger, in nassem Zustande 
plastischer Thone ein, aus denen in Menge zierliche 
Gastropoden und Zweischaler herauswittern, die mit 
ihrer weissen Schale leicht in die Augen fallen. 
Auch auf der als Schweineweide benutzten Fläche 
jenseits des Grabens gehen die Thone mit den Ver- 
steinerungen zu Tage. Besonders häufig sind Turbo 
subduplicatus Orb., Astarte Voltzi Hon., seltener 
kommen Trigonia pulchella Ag., Leda rostralis 
Lamck. sp., Nucula Hammeti Gldl, Purpurina 
suhangulata Mnstr., Cerithium armatum Gldl vor. 
Ammoniten sind nicht selten, doch findet man nur 
Ausfüllungen von Wohnkammern. 

Das Gehänge auf der linken Seite der Strasse, 
nach der erneuten scharfen Biegung derselben, be- 
steht aus Thonen mit Trigmiia navis^ aus denen 
gelegentlich eine versteinerimgsreiche Knolle aus- 
gewaschen wird. 



150 Eicursion 5a— 5b. 



Kurz ehe die Strasse auf der Höhe den Wald 
erreicht, wende man sich rechts nach dem südlichen 
Hand des letzteren. Auf den Ackerstreifen, die sich 
hier das flache Gehänge hinunterziehen, liegen in 
Masse Fragmente von Ammoniten des obersten Lias, 
der sogenannten Jurensisschichten, die beim 
Pflögen an die Oberfläche gebracht werden: Lyio- 
ceras jurense Ziel, Harpoceras faUadosum Bayle, 
Hammatoceras insigne Schbl. sp. und andere. 

Weiterhin trifft man erst wieder jenseits Ried- 
heim Aufschlösse. An der rechten Strassen böschung 
zwischen den letzten Häusern und dem Fusswege, 
der links nach der Strasse Imbsheim — Buchsweiler 
fuhrt, stehen die blauen, braun verwitternden Kalke 
des Dogger mit Cancellophycus scoparius und Mya- 
citen an. 

Etwa 300 m nördlich des Kirchhofs von Ried- 
heim fuhrt auf der linken Seite ein Feldweg durch 
die Reben nach der Strasse Imbsheim — Buchs weiler 
hinüber. Er möndet in diese unmittelbar oberhalb 
des S. 159 erwähnten Steinbruches und gegenüber 
der ebendort erwähnten Halde mit Yariansschichten. 
Man besichtige beide Punkte oder wende sich, je 
nach Bedürfniss, gleich in die Stadt hinein, wo das 
Gasthaus zur Sonne und die bayerische Bierwirth- 
schafl Helmstetter zu empfehlen sind. Für die 
Fortsetzung des Ausfluges ist der auf S. 151 be- 



Bachsweiler — Kl. Bastb. — Griesbach — Imbsheim — Gr. Bastb. 151 

schriebene Weg anzurathen, falls man vorher die 
alte Halde und den Oolithsteinbruch besichtigt hat. 
Andernfalls kehre man zuerst nach diesen zurück. 
Vom Schwobebänkle aus wende man sich aber zu- 
nächst nach dem Conglomerat des Grossen Bast- 
Berges, von diesem zurück nach dem Kl. Bast -Berg. 
Ist Griesbach erreicht, so ist an den Abbruch des 
Ausfluges zu denken. Yom Bahnhof Buchsweiler 
ist man, nach den Richtwegen gemessen, 3^2 ^^ 
entfernt; nach dem Bahnhof Neuweiler hat man 
2^4 km (gute Landstrasse), nach dem Bahnhof Hatt- 
matt (Strasse und Feldwege) 2Y4 km zurückzulegen. 



Excursion 5 b. 

Baehsweller — Kl. BAst - Berg — Griesbaeh — Imbsheim — Gr. Bast - Ber^ 

— Baehsweller. t2,5 km. — Eocän, braaner Jura, oberer und 

mittlerer Lias, oligocänes Eüstenconglomerat. 

Messtischblatt Bachsweiler. 




K-&ÄJm 



er mit der Bahn in Buchs weiler ankommt, 
wende sich vom Bahnhof nach der Stadt 
und folge der am Gasthaus zur Sonne 
^Studentenherberge) rechts abzweigenden Neuweilerer 
Strasse. An der Dreitheilung des Weges geradaus. 
Die nach rechts abzweigende Strasse führt über 



152 Excursion 5b. 



öriesbach nach Neuweiler, links gelangt man zu der 
chemischen Fabrik von Buchsweiler, die gegenwärtig 
Oxalsäure herstellt, früher aber aus der dem Eocän 
von Buchsweiler eingelagerten schwefelkiesreichen 
Braunkohle Alaun gewann, öeradaus führt der an- 
steigende Weg auf den Bast -Berg. In dem Winkel, 
den dieser Weg mit der Strasse nach Neuweiler 
macht, steht das städtische Wasserwerk, das sein 
Wasser aus dem eocänen Süsswasserkalk und aus 
dem Hauptoolith bezieht. Nach 400 m ist links 
vom Bastbergwege durch einen kleinen Steinbruch 
tertiärer (mitteleocäner) Süsswasserkalk auf- 
geschlossen, der von den bezeichnenden Schnecken 
(Planorhis pseudammonius ^ Paludina Hammeri, P. 
Orhignyana, Euchilus Deschiensianum) geradezu 
wimmelt. 250 m weiter, bei einer Gabelung, wähle 
man den nach rechts abzweigenden Weg, den Kicht- 
weg nach Griesbach. Nach 950 m erreicht man 
eine Ruhebank, das sog. Schwobebänkle. 150 m 
vorher hat man die Grenze des Eocän gegen den 
Jura überschritten, die sich auch in einer schwachen 
Bodenschwelle bemerkbar macht. Im letzten Jahre, 
gelegentlich des Aushebens von Gruben zur An- 
pflanzung von Bäumen, Hess sich die Schichten- 
folge im Einzelnen genau verfolgen. Man wird sie 
auch noch eine Reihe von Jahren beobachten können. 
Unter dem Süsswasserkalk, am Fusse der Anschwel- 



Buchsweiler — Kl. Bastb. — Griesbach — Imbsheim — Gr. Bastb. 153 

lung, ist die Braunkohle aufgeschürft worden, 
unter dieser treten als tiefste Schichten des Eocän 
weisse fette Thone zu Tage. Der braune Jura setzt 
mit dunkeln Mergeln ein, in denen Rynchonella 
varians häufig ist, etwas weiter zeigen die Mergel 
neben dieser Versteinerung einen auffallenden Reich- 
thum an der kleinen, fein gestreiften Ostrea Knorrig 
Im unteren Theil ist MonÜivaultia Haimei nicht 
selten* Scharf unterscheiden sich von diesen Mergeln 
in ihrer öesteinsbeschaffenheit die darunter folgen- 
den Biplikatenschichten (die Aequivalente der 
Mergel von Gravelotte in Lothringen), bröckelige, 
eisenoolithische Kalke, welche mit Mergeln wechsel- 
lagem und reich an biplikaten Terebrateln (Ter. 
globata^ T. Ferryi^ T, Lutzii)^ sowie an Zeillefia 
ornühocephala sind. Daneben findet man wohl 
stets Bruchstücke von Parkinsoniern (Park. Württem- 
hergica, femtginea), selten Oppelia aspidoides, Yom 
Schwobebänkle aus folge man dem nach dem Bast- 
Berg schwach ansteigenden Weg. Pflanzgruben für 
Obstbäume auf der sich hier noch w^eiter erstrecken- 
den Schafweide lassen die Unterlagerung der Bipli- 
katenschichten durch den Hauptoolith gut erkennen. 
"Weiterhin führt der Weg an Aeckern vorbei, welche 
als Sammelpunkt für die Brachiopoden der Bipli- 
katenschichten empfohlen werden können. Man kann 
sie zu Hunderten sammeln , wenn die Aecker bereits 



154 Ezcorsion 5b. 



einige Zeit umgearbeitet und durch den Regen etwas 
abgewaschen sind. Nun weiche man vom bisherigen 
"Wege links ab, der Spitze des mit einer Schutz- 
hütte versehenen Kleinen Bast-Berges (326 m) 
zu. Aus den Biplikatenschichten gelangt man bei 
ziemlich steilem Anstieg in den Hauptoolith. Man 
hat eine Verwerfung überschritten, welche den 
Kleinen von dem benachbarten Grossen Bast -Berg 
trennt. 120 m nordnordöstlich von der Schutzhütte, 
am oberen Rande der nach Imbsheim sich herunter- 
ziehenden Weinberge, ist in einer Grube die un- 
mittelbare üeberlagerung des Hauptooliths durch 
Mergel und Kalke zu beobachten, welche reich an 
einer Rhynchonella varians sind, die als var. oolithica 
von der typischen Art abgetrennt worden ist. 

Der Gipfel des Bast -Berges bietet bei günstiger 
Witterung einen prachtvollen Rundblick. Fast genau 
^QQQTi Westen — die Wände, welche die Schutz- 
hütte in vier Abtheilungen theilen, sind nach den 
vier Haupthimmelsrichtungen orientiert — liegt, 
malerisch an den Fuss des bis etwas über 400 m 
ansteigenden, bogenförmig gestreckten und mit der 
Ruine gleichen Namens gekrönten Herrenstein an- 
gelehnt, das Städtchen Neuweiler, bekannt durch 
eine in Rococo und romanischem Uebergangsstyl er- 
baute Kirche. Nach links reihen sich daran Dossen- 
heim, am Austritt des Thaies der südlichen Zinsel 



Bachsweiler — Kl. Bastb. — Griesbach— Imbsheim — Gr. Bastb. 155 

aus dem Gebirge, dann Ernolsheim, Eckartsweiler 
und Zabern, alle am Fusse des Gebirgsrandes. All- 
mählich steigt vom Zinselthal das Gebirge bis zum 
Schneeberg (961 m) an, wo es steil gegen das 
Breuschthal abfällt. Wendet man den Blick von 
Neuweiler nach Nordwesten imd Norden, so er- 
scheint das Gebirge als ein weites Plateau, und 
erst gegen Nordosten macht sich ein flaches An- 
schwellen bemerkbar. Es sind die Berge der Um- 
gebung von Niederbronn, das Wasenköpfel (521 m) 
und der Winter -Berg (581 m). Noch etwas weiter 
gegen rechts — man hat nun den Grossen Bast- 
Berg (324 m) dicht vor sich liegen — erhebt sich, 
von der Hauptmasse des Gebirges durch eine Ein- 
senkung, den Lembacher Graben getrennt, der Lieb- 
frauen-Berg, die südwestlichste Spitze des Hochwaldes. 
Sein östlicher Fuss bezeichnet die Grenze des Bunt- 
sandsteins gegen das abgesunkene Tertiär des Ehein- 
thales. Gegen Osten, Südosten und Süden schweift 
der Blick in das unterelsässische Hügelland, ohne 
an charakteristischen Erscheinungen haften zu bleiben. 
Das Gebirge besteht, soweit man es übersieht, aus 
Buntsandstein, das Hügelland aus den verschieden- 
sten Schichten von Trias und Jura. Am Fusse des 
Herrenstein zieht ein schmaler, vielfach verworfener 
Streifen Muschelkalk durch, dem nördlich von Neu- 
weiler Bhät und unterer Lias vorgelagert sind. Die 



156 Excursion 5b. 



wellige Ebene zwischen dem Gebirge und dem Bast- 
Berg ist vorzugsweise aus unterem und aus den 
tieferen Schichten des mittleren Keupers aufgebaut, 
die aber meist von diluvialen Sandablagerungen ver- 
hüllt sind. Am Fusse des Bast -Berges, dicht vor dem 
Beschauer, liegt das Dorf öriesbach, von dem aus 
bis zum Gipfel des Bast -Berges ein grosser Theil 
der Schichten des mittleren Keupers, der mittlere 
und obere Lias, der untere und mittlere sowie ein 
Theil des oberen Doggers übereinanderfolgen. Die 
Schutzhütte steht auf Hauptoolith, der, wie in 
den Steingruben unweit der ersteren festgestellt 
werden kann, Südwest - nordöstlich streicht und 
mit etwa 12® gegen Osten fällt. Streich- und 
Fallrichtung bedingen die langgestreckte Gestalt des 
Kleinen Bast -Berges. Von den genannten Gruben 
aus, in welchen einzelne Bänke voll von Macrodon 
hirsonensis sind, andere fast nur aus Ostrea acu- 
minata bestehen, steige man nach dem auf der Seite 
nach Griesbach längs des oberen Randes der Wein- 
berge sich hinziehenden Wege herunter. Hier hat 
man bis zum Richtwege von Imbsheim nach Gries- 
bach, unmittelbar unter dem Oolith, auf eine Er- 
streckung von etwa ^4 km , den besten Aufschluss der 
Blagdenischichten (Coronatenschichten) im Elsass 
vor sich. Die thonigen, knollig zerfallenden Kalke 
und Mergel derselben werden zum Mergeln der Wein- 



158 Excarsionf 5 b. 



berge gegraben und man findet deshalb, besonders im 
Frühjahr, fast stets frische Aufschlüsse. Ohne die 
charakteristischen Versteinerungen Terebrafula globata, 
Pinna Buchi^ Modiola cuneata^ Pholadomya Murchisoni 
gesammelt zu haben, wird man diese Aufschlüsse 
wohl nie verlassen. Nur ausnahmsweise wird man 
den leitenden Ammoniten, Steph. Blagdeni^ nicht finden. 

Man steige nach Griesbach hinunter — im 
Wirthshaus zur Linde sind die Getränke geniessbar, 
fHr andere Stärkung wolle man aber selbst Sorge 
tragen — und den nächsten, nach Imbsheim führen- 
den Weg wieder hinauf. Bei einiger Aufmerksam- 
keit wird man die am Fusse des Bastberges sich 
hinziehende Verwerfung, an welcher mittlerer Keuper 
und mittlerer Lias aneinander stossen, nicht über- 
sehen können und auch die Mehrzahl der Schichten 
des mittleren Lias, sowie des unteren und mittleren 
Doggers, sei es beim Abstieg oder beim Aufstieg, 
erkennen (vergl. Profil Fig. 11). 

Von Imbsheim, das auf Hauptoolith steht, 
der im nördlichen Theil des Dorfes von Lehm und 
Löss — dieser hat den Bast -Berg gegen "Westen nicht 
überschritten — überdeckt ist, führt ein Feldweg 
in die Einsattelung zwischen den beiden Bast -Bergen, 
grösstentheils über Biplikatenschichten, deren 
bezeichnende Formen auf den Feldern aufgelesen 
werden können. In der Einsattelung selbst liegt 



Buchsweiler — Kl. Bastb. — Griesbaoh — Imbsheim — Gr. Bastb. 159 

der eocäne Süsswasserkalk, dariiber erheben 
sich die klotzigen, dem tiefsten Oligocän ange- 
hörenden Conglomerate des Grossen Bast- Berges, 
welche in zahlreichen Gruben zur Gewinnung von 
Beschotterungssteinen aufgeschlossen sind. Die Ge- 
rolle bestehen hauptsächlich ausHauptoolith; daneben 
machen sich Bohnerze bemerkbar und Gesteine aus 
tieferen Schichten des braunen Jura. Aeltere Ge- 
steine scheinen zu fehlen. Dies unterscheidet sie 
scharf von den mitteloligocänen Conglomeraten 
am Fnsse des Hochwaldes bei Weissenburg, die 
hauptsächlich Gerolle vod Muschelkalk und Bunt- 
sandstein führen, und war Veranlassung, denselben 
ein höheres Alter zuzuschreiben als jenen. Man 
wähle irgend einen der nach der Höhe führenden 
Wege, überschreite dieselbe in nordöstlicher Rich- 
tung und suche die Strasse von Imbsheim nach 
Buchsweiler zu erreichen. Auf dieser befindet man 
sich wieder im eocänen Süsswasserkalk. Ist der 
Strassengraben frisch ausgehoben, so wird man über 
die Grenze gegen die unterlagernden Doggerschich- 
ten nicht im Unklaren bleiben. Unmittelbar vor 
den ersten Häusern von Buchsweiler liegt rechts 
vom Wege ein grosser Steinbruch im Hauptoolith, 
dessen BänJke bei Südwest-^ÜSoidost-Stredcben mit 
20^ gegen Nordwest, also entgegensetzt den Schich- 
ten auf dem Kl. Bast -Berg einfallen. Dieser gehört 



160 Excarsion 5b— 6. 



■dem westlichen, der genannte Steinbruch dem öst- 
lichen Flügel einer Südwest -Nordost streichenden 
Mulde an, die zugleich, so widersinnig dies bei der 
die ganze Umgebung beherrschenden Höhe des Bast- 
berges auch erscheinen mag, im geologischen Sinne 
gesprochen, einen Graben bildet (vei^l. das Profil 
auf S. 157). An der Westwand des Steinbruches 
sind über dem Hauptoolith die Schichten mit 
Rhynchoneüa varians var. oolithica, die wir schon 
am Kleinen Bast -Berg kennen gelernt haben, auf- 
geschlossen. Man sammelt am besten im Abraum. 
Die Oberfläche der obersten Bank des Hauptooliths 
ist mit Schalen einer flachen Auster bedeckt und 
von Bohrmuscbeln angebohrt. Dieselbe Erscheinung 
beobachtet man in Lothringen an der Grenze des 
Ooliths von Jaumont gegen die Mergel von Grave- 
lotte. Im Hauptoolitli ist Clypeus Ploti in einer 
bestimmten Bank nicht selten; man findet ihn wohl 
kaum selbst, doch giebt der Besitzer des Stein- 
bruches solche gern ab. Gegenüber der Ausfahrt 
des letzteren, bei einem alten Förderschacht und 
vor der grossen Halde des früheren Alaunwerkes, 
liegt eine kleine Halde, auf welcher gewöhnlich in 
i-eichlicher Menge die Versteinerungen der Bipli- 
katenscliichten, sowie der Mergel mit Miyncho- 
neUa varians und Ostrea Knorri gesammelt werden 
können. Die Gesteine sind dunkler, als man sie 



Mommenheim — Minwersheim — Obermodem . 161 

sonst zu sehen bekommt, da sie aus dem genannten 
Förderschacht stammen und durch Verwitterung bis- 
her verhältnissmässig wenig gelitten haben. Dem 
vom Schacht in nördlicher Richtung führenden Wege 
folgend, erreicht man bald wieder die eingangs er- 
wähnte Gabelung der Strasse nach Neuweiler und 
des Weges über den Bast- Berg in der Nähe des 
Gasthauses zur Sonne. 




Excarsion 6. 

* Mommenhef m — Minwersheim — Obermodern« — Pliocän, brauner 

Jura, Lias a und ß, 18 km. 

Messtischblätter Hochfei den und Pfaffenhofen. 

ommenheim, der Ausgangspunkt des Aus- 
fluges, ist von Strassburg aus bequem zu 
erreichen, da es sowohl Station der Za- 
bemer als der Saargemünder Bahnlinie ist. Nach- 
dem man den Ort in seinem westlichen Theile 
durchschritten hat (0,6 km), befindet man sich auf 
der Strasse nach dem 3,3 km entfernten Minwers« 
heim. Mehrfach liegen zu beiden Seiten desWegea 
Gruben in hellgefärbten Schottern und Sanden, welche 
zum Pliocän gerechnet werden. Die Aufschlüsse 
beschränken sich auf das gegen Südwesten gerichtete^ 

Führer durch d. Elsass. 1 \ 



162 Excarsion b. 



vom Mühlgraben angeschnittene Gehänge des breit 
keilförmigen, gegen Mommenheim sich zuspitzenden 
Rückens zwischen letzterem Ort, Minwersheim und 
Wittersheim. Der ganze Rücken setzt sich ober- 
flächlich, abgesehen von dem genannten Gehänge, 
aus Löss und Lehm zusammen. Besonders be- 
achtenswerth ist die grössere Grube an dem Wäld- 
chen halbwegs der beiden genannten Orte. Die 
Natur der Ablagerungen bedingt, dass das Profil, 
je nach dem Stand der Arbeiten, ein verschiedenes 
sein wird. Bei einer früheren Besichtigung zeigte 
sich zu Oberst ungefähr 2,5 m deutlich geschichteter, 
hell- bis dunkelockergelber Sand; er überlagert mit 
scharfer Grenze eine von 0,5 bis 1,1 m anschwellende 
Lage von sandigem Thon, die ihrerseits auf weissen 
Sauden aufruht. Am nördlichen Ende der Grube 
und am Fusse derselben ist unreiner, den Sauden 
discordant angelagerter Löss aufgeschlossen. 

Der Einschnitt des Weges an dem nächsten 
Hügel legt jüngeren Löss bloss, gegen Westen, am 
Gehänge gegen das Thal des Mühlgrabens, tritt 
unter demselben Gryphitenkalk zu Tage. Die 
Rücken auf der Westseite des Thälchens sind aus- 
schliesslich von Lehm und Löss bedeckt, die bis 
zur Thalsohle herunterreichen. Wir werden auf 
diese Lagerungsverhältnisse zurückkommen. Von 
Minwersheim führt ein stark eingeschnittener, von 



Mommeuheim — Minwersheim — Obermodern . 163 

tiefen Fahrrinnen durchzogener Weg nach dem in der 
geologischen Literatur vielfach genannten Koppen- 
berg (Minwersheimer Kuppe). Zu unterst sind graue 
fette Thone angeschnitten, aus denen fossilreiche 
Knollen der Opalinusschichten ausgewaschen 
werden. Höher hinauf, bis zur Umbiegung des 
Weges nach links, gehen in einer Mächtigkeit von 
15 — 20 m die goldgelben mürben Sandsteine der 
Murchisonschichten zu Tage. In den obersten 
Bänken umschliessen sie gleichfalls muschelreiche 
Knollen. Auf eine Erstreckung von 50 bis 60 m 
liegen im Anschnitt an der rechten Seite des 
Weges über den Murchison- Sandsteinen graue Mergel 
mit kleinen Phosphatknollen und mit Eisenovoiden, 
die wir mitHaug^) den Sowerbyischichten zu- 
zählen, obgleich der leitende Ammonit sich erst in 
etwas höheren Schichten einzustellen scheint. Bei 
einer anderen Abgrenzung würden wir aber auf 
eine brauchbare Grenze gegen die Murchison- 
schichten verzichten müssen. Unvermittelt tritt 
man, in Folge einer Verwerfung, beim Verfolgen des 
Weges aus den Sowerbyischichten in die Blagdeni- 
schichten, die die Excursion nach dem Bastberge 



1) Hang, E., Note preliminaire sur les depots juras- 
siques du Nord de l'Alsace. — Bull. Soc. geol. d. Fr. 
XIV, S. 63. * 

11* 



164 ExcoTsion 6. 



bei Buchsweiler in schönster Ausbildung zu beob- 
achten Gelegenheit geboten hat. Dort sind sie in 
ihrer ganzen Mächtigkeit als graue, knollig zer- 
fallende Kalke , welche vielfach mit Mergeln wechsel- 
lagem, entwickelt, über denen sich die oolithischen 
Kalke des Hauptooliths mit scharfer Grenze er- 
heben. Dieselben Yersteinerungen, die man am 
Bastberg findet, sind auch für die tieferen Bänke 
der Blagdenischichten am Koppenberg bezeichnend. 
Die oberen Bänke, im Ganzen 3 m, zeigen aber 
eine andere Entwicklung als am Bastberg. In dem 
Anschnitt des Weges vor der Einfahrt in den Stein- 
bruch sieht man deutlich, wie Ostrea acumincUa 
sich in Kalken einstellt, die in ihrer Beschaffenheit 
von denen der typischen Blagdenischichten nicht zu 
unterscheiden sind. Terebratula perovcUis und T. st^ 
bucculenta sind hier häufig. Ausserdem kommen 
vereinzelt Parkinsonia Parkinsoni und Cosmoceras 
Oaranti vor. Ob sich neben denselben noch Si^hano- 
ceras Blagdeni findet, ist nicht festgestellt, jedoch 
wahrscheinlich, da an anderen Punkten, so am 
Nationalberg bei Oberehnheim, Stephanoceras Blag- 
deni bis in den Hauptoolith hinaufgeht. In zahl- 
losen Exemplaren reicht Ostrea acuminata auf etwa 
4 m in die unteren Bänke des Hauptooliths hinein. 
Wir haben also eine Austernfacies vor uns, welche 
in den oberen Blagdenischichten oder den von 



Mommenheim — Mlnwersheim — Obermodern . 165 

diesen kaum abzutrennenden Garantischichten 
beginnt und in den Hauptoolith hinein fortsetzt. 
Ihr Verbreitungsgebiet ist auf den nördlichen Theil 
des Unter- Elsass beschränkt; der Koppenberg ist 
der südlichste Punkt, an dem sie erhalten geblieben 
ist. In Lothringen entsprechen die „Mergelkalke 
von Longwy" dieser Facies, die ebenfalls nicht 
durch ganz Lothringen durchsetzen, sondern sich 
wenig südlich des Ornethales, zwischen Roncourt 
imd St. Privat, auskeilen. Man kann deshalb weder 
die „Mergelkalke von Longwy*' noch die 
„Mergelkalke von Minwersheim", wie dies 
früher geschehen ist, als Glied der normalen Schichten- 
folge ansehen. In den Weinbergen unterhalb des 
Weges findet man lose die Kalke mit Steph, poly- 
schides. Die Steinbrüche am Koppenberg, der das 
trigonometrische Signal 256,3 m trägt, stehen im 
Hauptoolith. 

Man verlasse jetzt den Weg, gehe in die Mulde 
zwischen Koppenberg und Schlossberg herunter und 
suche über die Felder hinüber den nach dem Eng- 
lischen Berg führenden Weg zu erreichen. Der- 
selbe führt zuerst durch Opalinusschichten, 
weiterhin durch Murchisonschichten, deren mürbe, 
goldgelbe Sandsteine überall in Bruchstücken zer- 
streut sind. Am Englischen Berg (288 m) selbst 
bieten einige kleine Aufschlüsse Gelegenheit zum 



166 



Excarsion 6. 



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Sammeln. Auch an dem 
von hier in westlicher 
Richtung nach Etten- 
dorf laufenden Wege hal- 
ten Murchisonschichten 
noch auf längere Er- 
streckung an, bis sich 
durch eine stärkere Ent- 
wicklung von Mergeln 
das Auftreten der So- 
werbyischichten be- 
merkbar macht. An der 
scharfen Umbiegung des 
Weges gegen Nordnord- 
west treten die festeren 
Bänke der blauen Kalke 
(von Mietesheim) und 
gleich darüber der eisen- 
oolithischen Kalke zu 
Tage. Letztere halten , da 
sie in demselben Winkel 
und in derselben Richtung 
wie der Weg fallen, fast 
bis zum Dorf an. Auf- 
schlüsse an der Kreuzung- 
mitderaWege vonEtten- 
dorf nach Grassendorf 



Mommenheim — Minwer&heim — Obermodern. 1 G 7 

gestatten, die leitenden Versteinerungen zu sammeln; 
besonders häufig sind hier Myaeiten. Auf dem 
Wege nach Grassendorf wird man auch weiterhin 
noch einige Aufschlüsse in dem eisenoolithischen 
Kalke bemerken. Nach etwa 500 m von der Weg- 
kreuzung biege man links ab nach dem mit Wein- 
bergen bestandenen Hügel (Profil Fig. 12). Der 
untere Theil, die südwestlichste Spitze, besteht 
ausschliesslich aus Mergeln, den Giganteusmer- 
geln, in mittlerer Höhe fördern die Weinbergs- 
arbeiten neben Mergeln thonige, blaugraue Kalke 
mit den bezeichnenden Versteinerungen der Blag- 
denischichten zu Tage. Noch höher führen diese 
thonigen Kalke reichlich Osirea acuminata und sind 
überlagert von oolithischen Kalken, welche dieselbe 
Muschel gleichfalls in zahllosen Exemplaren be- 
herbergen. Man hat hier dieselbe Entwicklung vor 
sich, wie am Koppenberg. An der Strasse Etten- 
dorf- Ringeldorf, die man von diesem Hügel aus in 
wenigen Schritten erreicht, ist über den oolithi- 
schen Acurainatabänken der Hauptoolith in 
einem Steinbruch aufgeschlossen. Die Schichten 
fallen flach gegen Südosten, also entgegengesetzt 
dem Fallen zwischen Englischem Berg \md Etten- 
dorf. Man befindet sich in einer Mulde, deren 
tiefstem Theil der besprochene, mit Weinbergen 
bestandene Hügel angehört. Die Längsachse der 



168 Excursion 6. 



Mulde verläuft ia Südwest -nordöstlicher Richtung 
und senkt sich gegen Nordost, gegen Pfaffenhofen. 
Schon aus der Feme wird man nördlich von Etten- 
dorf eine ganze Reihe von Steinbrüchen bemerkt 
haben. Diese, die in den eisenoolithischen 
Kalken mit Sphaer, polyschides stehen und in der 
Regel eine befriedigende Ausbeute an Versteinerungen 
liefern, suche man nun zu erreichen und wende 
sich dann nach Ettendorf. Unterhalb der Kalk- 
brüche, am Richtweg von Ettendorf nach Pfaffen- 
hofen, sind durch den Weg die vorzugsweise mer- 
geligen Gesteine der Sowerbyischichten gut 
aufgeschlossen. Die Versteinerungen finden sich 
hauptsächlich in zerstreut umherliegenden, etwas 
eisenoolithischen festen Kalkknollen, zu deren Ver- 
arbeitung ein kräftiger Hammer noth wendig ist. 
Eisenovoide sind hier ebenso charakteristisch, wie 
in den Margaritatusschichten oder in den tieferen 
Schichten der //-Thone. Näher an Ettendorf heran 
sind im Hohlweg, allerdings mangelhaft aufge- 
schlossen, die Murchisonschichten zu sehen 
In Ettendorf (von Minwersheim bis hierher 7Y4 km) 
Erfrischung im Wirthshaus „Zu den drei Rosen". 
Man spanne die Ansprüche aber nicht hoch. 

Wer die Excursion hier abbrechen will, kann 
mit der Bahn zurückkehren. Wer dieselbe fortzu- 
setzen beabsichtigt, wandere über Buesweiler nach 



Mommenheim — Minwersheim — Obermodern . 169 

Schalkendorf und von dort nach Obermodern 
(7 km) oder auf Richtwegen gleich nach Schalken- 
dorf. Der Weg von Ettendorf nach Buesweiler 
führt ausschliesslich durch Löss und Lehm, die 
nach dem Landgi'aben zu den ganzen nordöstlichen 
Hang des von Nordwest nach Südost sich erstrecken- 
den Hügels bedecken. Auf den gegenüber liegen- 
den Hügeln, auf deren Südwesthang man schaut, 
tritt das ältere Gebirge, brauner Jura, zu Tage. 
Man hat hier ein gutes Beispiel für die Lagerungs- 
verhältnisse der Lehm- und Lössablage- 
rungen in den Vorhügeln vor sich. Auf ein erstes, 
etwas weniger auffallendes Beispiel wurde zwischen 
Mommenheim und Minwersheim aufmerksam ge- 
macht. An den nach der herrschenden Regen seite 
gewendeten steileren Hängen sind nämlich die vor- 
pleistocänen Schichten freigelegt, während die im 
Regenschatten liegenden Hänge flacher und von 
diluvialen Ablagerungen überdeckt sind. Nördlich 
von Buesweiler und nördlich vom Landgraben schliesst 
die Strasse von Buesweiler nach Pfaffenhofen graue 
Mergel mit spärlichen Belemniten auf, welche den 
Margaritatusschichten angehören. An dem Weg, 
der in der Nähe des höchsten Punktes der Strasse 
in nördlicher Richtung gegen Schalkendorf abzweigt, 
lassen sich, wenn die Strassengräben frisch aus- 
gehoben sind, die Schichten mit Asiarie Voltxi 



170 Excursion 6. 



und die Jurensisschichten erkennen, erstere in 
Folge einer Verwerfung mit geringer Sprunghöhe 
zweimal. Nun durch Schalkendorf durch bis auf 
die Höhe, dann auf dieser in nordöstlicher Richtung 
auf dem Feldwege weiter. Zunächst führt der Weg 
in Lehm, später in den Mergeln der Sowerbyi- 
schichten, welche bis an die Waldecke anhalten. 
Denselben Weg weiter verfolgend tritt man, in Folge 
einer Verwerfung, in Opalinusschichten mit 
fossilführenden Knollen ein. Wenig weiter, 250 m 
nordwestlich vom Höhenpunkt 243,7 m, steht man, 
in Folge einer zweiten Verwerfung, bereits in den 
Costatuskalken des mittleren Lias. Auf dem 
gegen Norden durch den Wald abwärts führenden 
Wege sind als Liegendes der genannten Sowerbyi- 
schichten die Murchisonschichten, stellenweise 
ebenfalls versteinerungsreich, zu erkennen. Bald 
nachdem man den Wald verlassen hat, verflacht sich 
das Gelände und man befindet sich in den dilu- 
vialen Sand- und Schottermassen der Moder, 
welche sich hier deutlich terrassenartig ausdehnen. 
In den Einschnitten am südlichen Rande der Rangir- 
gleisanlagen des Bahnhofes Oberraodern, der nun 
bald erreicht ist, treten über Mergeln des Lias 
Schotter zu Tage, welche sehr reich an weissen 
Quarzkieseln sind und stellenweise mit weissen 
sandigen Thonen wechsellagern. Sie gehören, wie 



Mommenheim — Minwersheim — Obermodern. 171 

die Sand- und Geröllablagerungen zwischen Mommen- 
heim imd Minwersheim, wahrscheinlich dem Plio- 
cän an. 

In Obermodern (Restauration gegenüber dem 
Bahnhof) kreuzen sich die Bahnlinien Strassburg- 
Saargemünd und Zabern-Hagenau, so dass die Weiter - 
oder Ruckreise in beliebiger Richtung angetreten 
werden kann. 

Reichen Zeit und Lust, so ist ein Besuch der 
Seitenentnahme zwischen der Bahn nach Buchs- 
weiler und dem Kirchhof von Obermodern zu 
empfehlen, da sie gegenwärtig die einzige Stelle im 
Elsass ist, von der man erwarten darf, Versteine- 
rungen aus dem unteren Theil des Lias /^ sammeln 
zu können. Es bedarf zum Betreten der Stelle 
allerdings der Erlaubniss des Stationsvorstandes. 
Im westlichen Theil steht Gryphitenkalk mit süd- 
östlichem Einfallen an. Die Grenze desselben gegen 
die im östlichen Theil anstehenden Thone des 
Lias ß fäUt mit dem Dach der obersten Kalkbank 
zusammen und ist nicht zu übersehen. In den 
oberen Bänken sind neben Gryphaea arcuata Penta- 
crinus tuberculatus und Belemnites brevis häufig; 
auch zeigen sich Bnichstücke verkiester Arieten. 
Unmittelbar über der obersten Kalkbank stellen sich 
in den /^-Thonen auf etwa 0,20 m Mächtigkeit oder, 
bei einem Einfallen der Schichten von 12^, in einem 



172 Excursion 6 — 7. 



etwa 2 m breiten Streifen neben zum Theil ver- 
ästelten Eisenkiesconcretionen zahlreiche kleine ver- 
kieste Ammoniten ein, unter denen A, capricomu 
nudus am häufigsten ist. Erreichen dieselben einen 
Durchmesser von 15 mm, so machen sich, wenigstens 
an einem Theil derselben, deutliche Knoten be- 
merkbar, die bei Bruchstücken noch grösserer In- 
dividuen zu Stacheln auswachsen. Die Stacheln 
stehen näher beisammen als bei dem schwäbischen 
im gleichen Niveau und gleichfaDs neben A, capri- 
comu rmdus vorkommenden A, zypkus; die Form 
dürfte deshalb wohl als JDudressieri zu bezeichnen 
sein. Neben dem capricomu nudus treten A» obtusus, 
oxynoius und glöbosus an Häufigkeit stark zurück. 
Schreitet man in der Fallrichtung der Schichten 
6 m weiter, also bis zu 8 m von der oberen Grenze 
des Lias a (senkrechter Abstand etwa Im), so stösst 
man auf eine etwa 0,60 m mächtige, im Ausgehen- 
den 4 m breite Zone, die sich durch das Yor- 
kommen von kleinen, zu Thoneisenstein verwittern- 
den Knollen neben Eisenkiesknollen bemerkbar macht. 
Sie führt gleichfalls den A, capricomu häufig. 



Lützelborg — Wintersbnrg — Pfalzbarg. 173 



Excnrslou 7. 

Lfitzelbnrg— Pfialzbnrg (5,6 km)--We8ehheIm— Wlntersbarg (14 km) 
— Hertafen — Mlttelbronn — Pfiüzbnrg (24 km). Mittlerer and oberer 
Bantsandstein, besonders Voltziensandstein; unterer, mittlerer 

und oberer Muschelkalk. 
Messtischblatt Pfalzburg. Die geologische Karte befindet sich im 

Druck. 






\*'v J : 



er Ausflug in die Umgebung von Pfalzburg 
ist für Anfänger in der Geologie besonders 
zu empfehlen, da hier die Lagerung der 
Schichten im allgemeinen weniger gestört ist als in 
anderen Theilen des Elsass, so dass man sich leicht 
einen Ueberblick über die Bedeutung verschaffen 
kann, welche den einzelnen Schichtengruppen und 
ihrer Lagerung für die Gestaltung der Oberfläche 
zukommt. Die tief und scharf eingeschnittenen 
Thäler verlaufen sämmtlich im Buntsandstein. Mit. 
dem Muschelkalk beginnt das Plateau, welches in 
zwei Stufen zerfällt. Die erste Stufe, die sich 
zufolge des westlichen Einfallens der Schichten in 
der gleichen Eichtung langsam senkt, gehört dem 
unteren, die zweite dem oberen Muschelkalk an. 
Den Uebergang von der einen in die andere Stufe 
bilden die weicheren Gesteine des mittleren Muschel-- 
kalks. 

Vom Bahnhof Xiützelburg aus erblickt man in 
nordöstlicher Richtung die etwa 300 m entfernte- 
Schlossniine Lützelburg, welche gleich den Buinen. 



174 



Excarsion 7. 



bei Zabem (Greifenstein, Hohbarr, Gross- und Klein - 
Geroldseck) auf dem Hauptconglomeratdes Bunt- 
sandsteins ruht. Die auffallende Verflachung, 
welche sich über den steilen Felswänden dieses 
Conglomerats so häufig einstellt und gerade auch 
an der Lützelburg sehr deutlich entwickelt ist (vgl. 



7n 



50O 



\ 



300^ 



liilzelbur« 



Gewi n n - VVa Id 



CoarvoA 



Schlossrume 
LützeUntrff 



390 



■; ^cmv 



Mahrendud 

liABianuitJL 




m 

600 
509 
¥O0 



Fig. 13. Profil von Lützelburg nach dem Mohrenthal. 

sml unterer Vogesensandstein : 8m2 oberer Vogesensandstein ; K Haapt- 
conglomerat ; 80I Zwischenschichten: c conglomeratische , felsbildende 
Zone der Zwischenschichten ; so2 Yoltzionsandstein ; a Allaviam der 

Thalsohle. 

Fig. 13), hat derartige Anlagen in hohem Maasse 
begünstigt. 

Man durchschreite nun Lützelburg und folge 
der Strasse nach Pfalzburg. Auf eine längere Strecke 
steht links an derselben oberer Vogesensand- 
stein an (Steinbrüche unmittelbar am Ort). 700 m 
nördlich von den letzten Häusern überschreitet man 
eine Südwest -nordöstlich verlaufende Verwerfung, 
an welcher die Schichten auf der Nordwestseite um 
etwa 20 ra abgesütiken eTöcheiilen. Die Oberkante 



I iützelb arg — Wintersburg — Pf alzborg. 175 

des Hauptconglomerats im abgesunkenen Theil kommt 
dadurch, wie man am linken Thalgehänge wahr- 
nimmt, in gleiche Höhe mit der ünterkante des- 
' selben im stehengebliebenen Theil zu liegen. Die 
gleichmässig ansteigende Strasse durchschneidet nun 
bald das Conglomerat selbst, und man gelangt in 
die Zwischenschichten. In dem ersten, unmittel- 
bar neben der Strasse gelegenen alten Steinbruch 
beobachtet man die für den unteren Theil dieser 
Abtheilung bezeichnenden Knollen von Dolomit. 
Etwas höher liegende Brüche schliessen die braun- 
rothen thonigen Sandsteine auf. 

Etwa 1 Y2 km von Pfalzburg erreicht man grosse 
Steinbrüche im Yoltziensandstein. In dem ersten, 
rechts von der Strasse gelegenen Bruch bietet sich 
die nicht häufige Gelegenheit, thierische Ver- 
steinerungen in diesen meist nur pflanzenführen- 
den Schichten zu sammeln. Muschelsandstein, nicht 
hoch aufgeschlossen und meist als dunkelgelber, 
dünnplattiger Sandstein mit vielfachen Thonzwischen- 
mitteln entwickelt, bildet den oberen Theil des Ab- 
raumes. Der Yoltziensandstein schliesst mit stark 
thonig ausgebildeten Schichten (braunrothen und 
grauen Schieferthonen mit braunrothen und weiss- 
lichen Sandsteinbänken) von 4Y2 — 5 m Mächtigkeit 
ab. Darunter folgen geschlossene dickbankige Sand- 
steine von violettrother. oder weisshcher Färbung, 



176 Excursion 7. 



der Werkstein. Etwa IV2 ^ ober der oberen Grenze 
des letzteren schaltet sich im südöstlichen Theil des 
Steinbruchs zwischen den sandig -thonigen Schichten 
als lokale Bildung das Fossillager ein: eine durch- 
schnittlich 0,3 m starke Bank von dunkelgelbem 
bis braunem, sandigem Dolomit (stellenweise auch 
braunem Mulm). An Versteinerungen findet man 
neben Myophorien und Gervillien nicht seltene 
Exemplare von Naiicopsis Gaillardoti Lef r. und Lin- 
gula, femer Coenoihyris vulgaris, kleine Trochiten 
und Saurierreste. Es sind dies Formen des 
Muschelkalks; doch würde man zu einer ganz un- 
natürlichen Abgrenzung kommen, wollte man die 
sie umschliessenden Schichten vom Buntsandstein 
abtrennen und zum Muschelkalk stellen. 

Die Brüche auf der Westseite der Strasse sind 
für das Studium der unteren und mittleren Schich- 
ten des Muschelsandsteins besonders günstig. 
Die Ausbildung desselben ist der bei Wolmünster 
(Exe. 3, S. 107) sehr ähnlich. Die Trochiten scheinen 
jedoch viel spärlicher aufzutreten als dort. Dagegen 
ist neben den vielen anderen Versteinerungen, unter 
denen sich, wie bei Sulzbad (S. 190) Naticopsis Oail- 
lardoti^) besonders bemerklich macht, Coenoihyris 

1) Das Vorkommen von Naticopsis im untersten 
Theil des Muschelsandsteins nimmt auf reichsländischem 
Oebiet nach Norden in bemerkenswerther Weise ab. An 



Lützelbnrg — Wiiitersburg — Pfalzburg. 177 

vulgaris noch ebenso häufig wie bei Wolmünster. 
In dem südlichsten der vorhandenen Brüche, a.i 
der Westwand, liegt die untere Troehitenbank, 
ein dunkelbrauner mulmiger Sandstein oder dunkel- 
gelber sandiger Dolomit, zwischen 1,0 und 1,4 m 
über dem Yoltziensandsteiu. Sie führt zahlreiche 
Yersteinerungen, besonders Coenothyris vulgaris und 
Naticopsis GaiUardoti. Getrennt durch 0,9 m mäch- 
tigen, gelblichen sandigen Dolomit mit grauen Thon- 
zwischenmitteln, folgt eine 1,8 m mächtige Masse 
fon dunkelgelbem bis braunem (mulmigem) Sand- 
stein, deren imtere, viele Versteinerungen führende 
Hälfte der oberen Troehitenbank entspricht. 
Ueber dieser Sandsteinmasse sind noch gegen IY2 ^ 
graue und violette Thone vorhanden. — Der nörd- 
lich anstossende Bruch zeigt den Grenzletten 
(S. 27) in deutlicher Entwicklung. Die untere 
Troehitenbank (mit Naticopsis etc.) liegt etwas 
höher als im vorigen Bruch, die obere ist gleich- 
falls vorhanden. 

Die übrigen Brüche kann man übergehen und 
sich direkt nach Pfalzburg wenden. Auf der Höhe, 
die aus Muschelsandstein besteht, geniesst man bei 



der reichsl.-pfälz. Grenze scheint die Form in diesem 
Horizont nur noch in ganz zerstreuten, kleinen Exemplaren 
vertreten zu sein. Ueber das Vorkommen im Voltzien- 
sandstein daselbst siehe S. 111. 

Führer durch d. Elsass. ]2 



178 Excorsion 7. 



klarem Wetter einen hübschen Ausblick auf den 
Nordabfall der Vogesen, vom Schneeberg bis zum 
Donon. Nach einer Frühstückspause (Stadt Metz, 
Rappe, beide nahe am westlichen „französischen^ 
Thor gelegen) schlage man die Strasse nach Wesch- 
heim ein bis zur Bahn, welche vom Bahnhof bei 
Rothhäuser nach den Steinbrüchen von Wilsberg 
führt. Der Bahnlinie folgend trifft man etwas links 
von dieser kurz vor den Hauptbrüchen (400 m süd- 
südwestlich Kirche von Wilsberg) einen kleineren 
Bruch, der durch einen langen gegen Osten geöff- 
neten Yoreinschnitt zugänglich ist. In letzterem 
ist sehr deutlich eine ungefähr Nord -Süd verlaufende 
Verwerfung biosgelegt, an der Muschelsandstein 
und Yoltzien Sandstein gegen einander geschoben sind. 
Etwas weiter nördlich gelangt man in die Haupt- 
brüche, wohl die grössten im Voltziensaudstein an- 
gelegten Brüche des Elsass. Die hier gebrochenen 
Steine sind den Technikern als Pfalzburger Sand- 
stein bekannt. Durch die Steinbrüche kehre man 
auf die Strasse nach Weschheim zurück. 

Schlägt man von Pfalzburg, anstatt sich der 
Landstrasse nach Weschheim zuzuwenden , die 
Strasse nach Wilsberg ein, so hat man in dem 
Einschnitt derselben unmittelbar vor letzterem Ort, 
etwa 150 m unterhalb der starken Biegung bei 
• 277,9 der Karte, Gelegenheit, die Grenze zwischen 



Lützelbnrg — Wintersbnrg — Pfalzburg. 179 

den „mergeligen Schichten'' (Tgl. Exe. 3, S. 113) 
und der Terebratelzone des unteren Muschel- 
kalks aufgeschlossen zu sehen. Es ist dies eine 
der wenigen Stellen der ganzen weiteren Umgebung 
von Pfalzburg, wo die Haupt-Terebratelbank 
noch in einer derjenigen bei Wolmünster (S. 123) 
durchaus ähnlichen Ausbildung entwickelt ist. Die 
Bank steht, von weichen Mergelgesteinen unter- 
lagert, als dolomitisch -mergelige Schicht mit zwar 
meist stark verdrückten und schlecht erhaltenen , aber 
zahlreichen Terebrateln und einigen Ostreen 
in einer Mächtigkeit von über Yg m an der Ost- 
seite der Strasse an. Nur wenig höher streichen 
in demselben Einschnitte, in Folge einer die Strasse 
unter sehr spitzem Winkel schneidenden, beiläufig 
Süd -Nord gerichteten Verwerfung Muschelsand- 
steinbänke mit Coenoihyris vulgaris^ Gervillia so- 
Cialis, costata und mytiloides, Pecten discites und 
Myophoria curvirostris aus. — Durch Wilsberg ge- 
langt man zu den bereits genannten Steinbrüchen 
am bequemsten auf dem an der Kirche vorbei- 
führenden Hohlweg. In diesem sieht man etwas 
nordwestlich von der Kirche die untere Trochiten- 
bank anstehen. Nachdem man hier soeben die 
Grenze von Buntsandstein zu Muschelsandstein über- 
schritten hat, befindet man sich trotz Ansteigens 

des Weges bald nachher (130 m westlich Kirche), 

12* 



180 Excarsion 7. 



in Folge der schon erwähnten, im Steinbruch süd- 
südwestlich der Kirche aufgeschlossenen Verwerfung, 
welche hier den Weg kreuzt, wieder im Voltzien- 
sandstein, in dessen Schichten die Brüche stehen. 
Durch diese, wie vorher, auf die Landstrasse nach 
Weschheim. 

Gleich jenseits des Thälchens, welches nach 
"Wilsberg hinunterzieht, bietet ein etwas rechts von 
der Strasse nach Weschheim gelegener Steinbruch 
nochmals ein sehr lehrreiches Profil dm-ch Yoltzien- 
sandstein und Muschelsandstein. Der Yoltzien- 
sand stein, etwa 15 m mächtig, besteht in seinem 
oberen Theil aus massigen Sandsteinbänken von 
violettbrauner bis weissgrauer Färbung, in seinem 
unteren aus ebenso gefärbten Sandsteinen, welchen 
jedoch bis mehrere Meter mächtig werdende, schnell 
anschwellende, linsenförmige Lagen von violett- 
braunrothem oder grauem Thon eingeschaltet sind. 
Nach unten nehmen die Sandsteine in Färbung und 
Korn mit unmerklichen üebergängen mehr und 
mehr den Charakter der Zwischenschichten an, so 
dass sich gegen diese keine scharfe Grenze ziehen 
lässt. Nach oben schliesst der Sandstein nur stellen- 
weise, so etwa in der Mitte des Bruches, mit dem 
eigentlichen Grenzletten (0.4 m) ab. Nach Nord- 
ost keilt letzterer aus und Avird durch eine in dieser 
Kichtung anschwellende Sandsteinbank vertreten. 



Lützelbarg — "Wintersburg — Pfalzburg. 181 

Darunter folgt, wie auch anderwärts häufig, noch 
eine Schicht von grauem Schieferthon (0,4 m). 
Zwischen dieser und der bescliriebenen Hauptmasse 
des Sandsteins schaltet sich eine in nordöstlicher 
Richtung auskeilende, 0,3 m starke Bank von dunkel- 
gelbem zähen Dolomit ein, welche im Aussehen 
völlig den Trochitenbänken des Muschelsandsteins 
gleicht und neben anderen Versteinerungen auch 
einzelne Trochiten führt. — Der Muschelsand- 
stein beginnt mit einer 0,4 m mächtigen, weiss- 
lichen bis dunkelgelben (in nordöstlicher Richtung 
auskeilenden) Sandsteinbank, auf welche 0,3 m 
grauer Schieferthon und eine ebenso starke Lage 
von weisslichem und braungelbem Sandstein oder 
blaugrauem sandigen Dolomit folgen. Diese 1 m 
mächtigen Schichten entsprechen etwa der „unteren 
Trochitenbank'' (richtiger würde man sagen: der 
„Zone der unteren Trochitenbänke") bei Wolmünster 
(vergl. Exe. 3, S. 108). Sie werden überlagert von 
.1,5m lichtgefärbtem (gelblichem und weisslichem) 
Sandstein mit untergeordneten grauen Thonzwischen- 
mitteln. Darüber folgt nun ein rund 2 m mächtiger 
Complex von dolomitischen Gesteinen (Zone der 
oberen Trochitenbänke) , welchen nur untergeordnet 
(im tieferen Theil) weisslicher, gelblicher oder dunkel- 
brauner (mulmiger) Sandstein und grauer Schiefer- 
etten eingeschaltet sind. Die unterste, 0,5 m starke 



182 Excursion 7. 



braungelbe Dolomitbank dieses Complexes führt ein- 
zelne Trochiten, Terebrateln, Myophorien etc. 
(obere Trochitenbank). Die stärkere obere Hälfte 
des Complexes besteht dagegen ans einem, Ver- 
steinerungen führenden, mehr oder wenig f einsandig - 
thonigen, plattig abgesonderten Dolomit, wel- 
cher sich durch eine selten zu beobachtende frische 
Beschaffenheit und dementsprechend durch lichtblau- 
graue bis gelblichgraue Färbung, sowie durch eine 
bedeutende, für den Steinbruchbetrieb in äusserst 
störender Weise sich bemerklich machende Härte 
auszeichnet. In der Nähe der das Gestein senk- 
recht durchsetzenden Klüfte ist die Dolomitmasse 
zu porösem dunkelgelben Sandstein oder zu dunkel- 
braunem Mulm umgewandelt. Je nach dem grösseren 
oder geringeren Sandgehalt liefern eben die dolo- 
mitischen Gesteine bei der Auslaugung poröse Sand- 
steine oder nur eine ganz lockere feinerdige Masse. 
Ueber diesen Schichten sind noch gegen 3 m dolo- 
mitische Sandsteine (der unterste Meter ebenfalls 
sehr hart), Thonsandsteine und graue, sowie vio- 
lette Thone in Wechsellagerung mit einander auf- 
geschlossen. 

Nach der Besichtigung des Steinbruchs setze 
man den Weg nach Weschheim foi-t. Die Strasse 
steigt, ohne Aufschluss zu bieten, durch die untere 
und mittlere Abtheilung (Terebratelzone) des unteren 



Lützelburg — "Wintersbarg — Pfalzbu rg. 183 

Muschelkalks an. Sowie man die Höhe überschritten 
hat, befindet man sich im Wellenkalk, dessen Schich- 
ten in der Umgebung des Wegweisers an der Kreu- 
zung der Chaussee mit dem Richtweg Mittelbronn - 
Berlingen (Bl. Lützelstein) auf den Aeckern zu Tage 
ausgehen und wie überall einen sehr bezeichnenden, 
aus lauter eckigen Dolomitbruchstückchen bestehen- 
den Yerwitterungsboden (von den Bauern als ^scharfer 
Kies*' bezeichnet) bilden. Beim Abstieg nach Wesch- 
heim kommt man wieder durch die Terebratelzone 
in die untere Abtheilung des unteren Muschelkalks. 
Nachdem man bei -237,2 den Zinzel-Bach über- 
schritten, zweigt sich bald links die Yizinalstrasse 
nach Wintersburg ab , der nun zu folgen ist. Etwa 
650 m hinter den letzten Häusern von Weschheim, 
gegen 300 m vor dem Höhenpunkt 255,1 stehen 
im Einschnitt an der Nordseite des Weges die 
oberen Bänke der Terebratelzone, hier als 
mehr oder weniger körnige Dolomite entwickelt, an. 
Terebratelu nur sehr vereinzelt und in schlechter 
Erhaltung. Im westlichen Theil des Einschnitts 
kommt man in die hangenden Schichten: typischen 
„Wellenkalk" (Wellendolomit, vergl. Exe; 3, 
S. 114) mit sog. schaumkalkartigen Einschaltungen, 
d. h. mit Lagen von rein kömigem, nicht durch 
mergelige Häute wellig abgetheiltem Dolomit, und 
kurz vor -255,1 stehen geschlossene Massen von 



184 Excursion 7. 



körnigem Dolomit, weiche bereits zur Schaum - 
kaikzone (Exe. 3, S. 116) gehören, an. (Wenig 
oberhalb von -255,1 streicht an dem nach Norden 
abzweigenden Fahrweg die Grenze des Schaumkalks 
gegen die dichten Dolomite der Orbicularis- Schichten 
durch.) Der Strasse weiter folgend, kommt man 
absteigend wieder in den Wellendolomit. Man 
überschreite den Zinzel-Bacli und wende sich bald 
darauf links, die nach Zillingen führende Strasse 
aufwärts. Etwa 100 m von der Abzweigung der- 
selben trifft man Platten der obersten Bänke der 
Schaum kaikzone mit Myophoria orbicularis und 
Gervillia cf. Ooldfussi umherliegend. Unmittelbar 
darüber folgen die dichten, in dünne Platten zer- 
fallenden Dolomitgesteine der eigentlichen Orbi- 
cularis- Schichten. — Man kehrt auf die Strasse 
nach Wintersburg zurück. Kurz vor den ersten 
Häusern dieses Ortes sind im Strasseneinschnitt die 
weissen Lingula-Dolomite und Zellenkalke des 
mittleren Muschelkalks aufgeschlossen. 

Durch Wintersburg hindurch nach der Höhe 
westlich vom Ort, die aus oberem Muschelkalk 
besteht und sich etwa 50 m über die benachbarten 
Theile der Stufe des unteren Muschelkalks erhebt. 
Gerade vor der Abzweigung des zweiten Feldwegs 
auf der linken Seite steht ein kleiner Bruch im 
Trochitenkalk. Der Weg führt über den Rücken 



Lützelburg — "Wintersbürg — Pfalzburg. 185 

nach Heringen. Nördlich von diesem Ort aus- 
gedehnter Steinbruchsbetrieb in den gleichen , stellen- 
weise chalcedonführenden Kalken, deren Grenze 
gegen die Kalke und Mergel mit Ceratites nodo- 
ses gut aufgeschlossen ist. 

Der Rückweg über Mittelbronn nach Pfalzburg 
bietet Gelegenheit, einige Lücken der bisher beob- 
achteten Profile zu ergänzen. Etwa 100 m vor der 
Abzweigung des in nördlicher Richtung nach Winters- 
burg fuhrenden Weges stehen dicht neben der 
Chaussee, im Bachbett und am nördlichen Ufer des 
Baches, die tieferen, fossilführenden Schichten 
der Orbicularis-Zone (Orbicularis- Schichten im 
engeren Sinne) an: dünne Platten von dichtem Dolo- 
mit mit Myophoria orbicularis^ sowie eine schaum- 
kalkartige (d. i. kömige — vergl. Exe. 3, S. 117. 
u. 118) Dolomitbank. Etwas höher, in der kleinen, 
auf der Karte verzeichneten Grube nördlich von 
• 283,5 sind die höheren, versteinerungsfreien 
Schichten derselben Zone, ebenfalls dichte Dolomite, 
die aber in dickeren Platten brechen, aufgeschlossen. 
Steigt man über dem genannten Bruch auf dem 
Wege nach Wintersburg nur noch einige Meter 
höher, so gelangt man, gerade an der rechtwinke- 
ligen Biegimg des letzteren, in die bunten Mergel 
des mittleren Muschelkalks. 



186 Excnrsion 7. 



Man wende sich wieder der Landstrasse zu, 
folge dieser bis zum ersten, links abzweigenden 
Feldwege und schlage nun diesen ein. Kaum 200 m 
vor der Stelle, wo derselbe die nach Zillingen hin- 
überfiihrende Strasse erreicht, steht rechts in einem 
grabenaitigen Einschnitt Schaumkalk an, welcher 
auf den Schichtflächen dünnerer Platten zahlreiche 
Gervillien erkennen lässt. Etwas weiter, unmittel- 
bar vor dem genannten Wege, ist Wellendolomit 
angeschnittCD, der Lima lineaia, Myaciten, Gervülia 
sodalis und Ostreen führt. 

Von Mittelbronn aus ist ein kleiner Abstecher 
in der Richtung nach Weschheim zu empfehlen. 
Dicht unterhalb der Stelle, wo das auf der Karte ver- 
zeichnete Kreuz steht, schneidet der Weg die Grenze 
zwischen Wellendolomit und Terebratelzone 
an. Die Wellenfurchen des Wellendolomits 
erweisen sich etwa von Westsüdwest nach Ostnoi*d- 
ost gerichtet. Die Schichten der Terebratelzone 
sind an der Westseite des Weges gut aufgeschlossen. 
Sie zeigen, wie an den meisten Stellen innerhalb 
des Gebietes von Blatt Pfalzburg, eine von der 
normalen, besonders für die Gegend zwischen Wol- 
münster, Bitsch und Rohrbach gültigen, bereits sehr 
abweichende Ausbildung. Anstatt aus vorwaltenden 
weichen Mergeln und dolomitischen Mergelschiefem 
mit eingeschalteten Dolomitbänken, setzen sie sich 



Lützelburg — "Wintersburg — Pfalzburg. 187 

Dämlich hier ausschliesslich aus sandig-dolo- 
mitischen Gesteinen, welche mit denen der 
Muschelsandsteinzone die grösste Aehnlich- 
keit haben, zusammen. Bezeichnend, weil allent- 
halben in diesen Schichten verbreitet, sind stengel- 
ähnliche Gebilde aus graugrüner thoniger Masse, 
"welche manche Bänke quer und parallel zur Schich- 
tung durchsetzen. Zerstreut finden sich Trochiten 
und Bruchstücke von Saurierknochen. Terebrateln 
sind an dieser Stelle nicht beobachtet, kommen aber 
in dem Wegeinschnitt unmittelbar nördlich vom 
Höhenpunkt 271,3 in den gleichen Schichten spär- 
lich vor. 

Yon Mittelbronn nach Pfalzburg (2,8 km) wählt 
man zweckmässig den alten Weg, welcher in einer 
Entfernung von etwa 100 — 150 m nordwärts neben 
der Landstrasse läuft und kurz vor Rothhäuser 
(Station der Secundärbahn Pfalzburg — Lützelbiu-g) 
in die Landstrasse einmündet. Bald hinter Mittel- 
bronn schneidet der Weg in den Wellendolomit, 
weiterhin in die Schichten der Terebratelzone ein. 



188 Excursion 8. 



Excursioii 8. 

Snlzbad — Balbronn — Gressweiler oder Matclg. ObererBnutsand- 

stein, Maschelkalk, Kenper, Dogger, Oligocftn. 
Messtischblatt 1:25000 Mols he im. Blatt Molsheim, geologisch bear- 
beitet , in Druck. Ein Ausschnitt desselben , der unsere Excursion zam 
grössten Theil enthält, inA. Steuer, Der Keupergraben von Balbronn. 
Mittheil, der geolog. Landesanst. von Elsass - Lothr. IV. 195. Hanpt- 

quelle für unser Gebiet. 









an steige auf der Linie Strassburg — Mols- 
heim — Zabern in Avolsheim^) aus, gehe 
über die Brücke in das Dorf und wende 
sich an der ersten Strassentheilung links. Der Weg 
führt bald wieder ins Freie. Gerade vor sich hat 
man die Häusergruppe Kanal, die man in wenigen Mi- 
nuten nach nochmaligem Ueberschreiten der Breusch, 
die hier die Mossig aufnimmt, erreicht. Hier be- 
ginnt auch der Kanal, den Yauban 1682 zum 
Transport der Steine für den Bau der Strassburger 
Festungswerke erbaute. 

Der grossen Strasse Wolxheim — Sulzbad nach 
links folgend erreicht man bald einen rechts in die 
Weinberge führenden Weg, der in den grossen, seit 
lange nicht mehr betriebenen Steinbruch der Königs- 
grube mündet. Der Grund desselben ist mit Reben 
bepflanzt, die Rückwand zeigt ein schönes Profil 



1) Avolsheim ist auch von Norden her auf der Eisen- 
bahn Zabern — Molsheim (Schlettstadt) zu erreichen. 



Salzbad — Balbronn— Gressweiler oder Mutzig. 



189 




; i \ ^ L 



Lettenachief^ mit fkaten, 
Ddonüihiüüten.. 



.. . Adeeritaden 



s^55S^^ 



•£S':i.^ 




SandMtain. . tUipsoidiadi 
XBrnaiaiA. 



WedkMal vvn, sandigen 
JfgiffmUen und. MerftUdUenfm.. 

Graue, fftite luid braune 
Färbungen. Myoph-vtilgaru, 
Gemsecialis, Lima üjuata, 
Sptri/^ hirmuia,, Pect, discilem. 



Bank m.. IftUieopsia ßaiUardeti. 



YerroiegefkL rotke 
Srhuf^rtltone mit 
evaetnen. SanOeteiniagen^ 



OeUÜche u grüJüidts StMefyrOutnt 
mit SandsteinöüAJuhea, im, 
Wechsel. Vbltxia heterofriUfUa,, 
S^^iaoaetira, paradoxa? 

Sandatein 

'•^■i' Sandateüi 

Sdus^HJum. _ _ 

Satt4atmiJi, 

Thantaer SoJidstein., 
^f^t^f^n^, 

Stuiäat^jv 
Sandstein 




• • ■ >^ • • ■ - T . ■ . ■* ■ ' ■" ■ • Vr- >- *-— ■ 



Unterer Musdt^ • 

> kalk 
(MusrhAsoAdsteinJ 



GrenaieUen, 






^ YoLtMUnsanisteuv 



•^ ftfttWM ^m t t MMt^ mm. Smmtmtlm*mim ** 



jSffueflBrekan u^'Sandsteüt 
Sojidstein, 






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^ 14. Profil durch den Voltziensandstein und unteren Muschelkalk. 



190 Excursion 8. 



der obersten Buntsandstein- und der untersten 
Muschel kalkschichten. 

Zunächst fällt das bis 2 m mächtige Band des 
rothen „Grenzletten" auf. (Siehe das Profil durch. 
den Voltziensandstein und unteren Muschelkalk 
Fig. 14.) unter demselben stehtYoltziensandstein 
an, der abgebaut wurde. Er ist jetzt bis auf wenige Meter 
durch die Einebnung des Bruches verdeckt, üeber 
dem Grenzletten folgen die grau -gelben dolomitisch - 
sandigen Bänke des unteren Muschelkalk (Muschel- 
sandstein). 6 — 7 m über der unteren Grenze 
derselben liegt eine dicke Bank, welche in grosse 
concentrisch schalige Ellipsoide zerfällt. Diese Bank, 
die schon die älteren Autoren auszeichneten, hat 
ein ungemein charakteristisches Ansehen. Sie ist 
im Elsass und in Lothringen weit verbreitet und giebt 
einen guten Horizont ab. Aus dem Voltziensand- 
stein der Königsgrube stammt der grössere Theil 
der von Brongniart und Schimper beschriebenen 
Pflanzenreste , die eine Zierde der Strassburger Samm- 
lung bilden. 

Am südlichen Ende des Bruches befindet sich 
ein Ruheplatz unter einem einzelnen Baum. Un- 
mittelbar neben demselben steht eine Bank, erfüllt 
mit Naticopsis Gaülardoti heir. sp., Myophoria vul- 
garis Schi, sp. und Gervillia sodaMs Schi, sp., an. 
Diese Naticopsisbank ist bezeichnend für den unter- 



Salzbad — Balbronn — Gressweiler oder Matzig. 191 

sten Theil des unteren Muschelkalk und -vx>n weiter 
Verbreitung. Auch Knochenreste kommen nicht selten 
hier vor, doch nur in unbestimmten Fragmenten. 
Wenige Schritte von hier gegen Süden ist eine Stö- 
rung ausgezeichnet aufgeschlossen. Kalke der ^dolo- 
niitischen Kegion", an der Grenze von Muschelkalk 
und Keuper liegend, sind neben den unteren Muschel- 
kalk gesunken. Die Kalkbänke sind gebogen und 
in einander gequetscht. 

Wir gehen wieder auf die Hauptstrasse hinunter, 
die uns nach dem seit einigen Jahren geschlossenen 
Bade führt. Hier tritt ein alkalischer Säuerling mit 
einer Temperatur von 16,2^ zu Tage. 

Dem Bade gegenüber mündet ein kurzer Tim- 
nel, der unter einer alten Halde in einen etwas 
tiefer als die Königsgrube gelegenen, noch in Be- 
trieb befindlichen Steinbruch führt. Der Aussichts- 
thurm am Gehänge liegt zwischen der Königsgrube 
und diesem Bruch. 

Zu Oberst liegt der Grenzletten, darunter 15 
bis 16 m Yoltziensandstein , d. h. ein Wechsel von ab- 
bauwürdigen Sandsteinbänken von rother und weisser 
Farbe im Wechsel mit rothen, gelben und grün- 
lichen Schieferthonen. In letzteren kcmunen, etwa 
in der Mitte des Komplexes, von Pflanz 3n Voltzia 
heterqphylla Brng., Equisetites Mougeoti Schmp., 



192 Excursion 8. 



Schizoneura paradoxa Schmp., von thierischen 
Resten Estheria minuta Br. sp. vor. 

Den untersten Theil des Bruches nehmen die 
Zwischenschichten ein. Die Sandsteine derselben 
sind meist von gröberem Korn als die des Yoltzien- 
sandsteins, weniger thonig, auch treten die Schief er- 
thonbänke zurück, rothe, oft ins Violette gehende 
Färbung herrscht. Bezeichnend ist ein häufiger 
Wechsel der petrographischen Beschaffenheit der ein- 
zelnen Sandsteinbänke. Während einzelne gleich- 
massig sind und gute Bruchsteine liefern, haben 
andere Hohlräume mit brauner Auskleidung oder 
zeigen noch etwas dolomitische Concretionen, deren 
Terwitterung die löcherige Beschaffenheit veranlasst. 
Ebenso wechseln die trübe rothen und violetten 
Töne der Färbung schichtenweise. Eine sandige, 
hraune, dolomitische Bank kann als Grenze gegen 
den Voltziensandstein angenommen werden. 

Die beiden jenseits einer Störung gegen Nord- 
westen liegenden Sandsteinbrüche sind aufgelassen. 
Da sie in einem gegen den Sandstein der Königs- 
grube gesunkenen Gebirgsstück liegen, sind in den- 
selben nur die obersten Bänke der Zwischenschichten 
aufgeschloBsen. Der Steinbruchsfeetrieb wird über- 
haupt hier bald ein Ende nehmen, da bei der Steil- 
lieit des Gehänges der Abraum zu mächtig wird 



Sulzbad— Balbronn — Gressweiler oder Mutzig. 193 

und besonders der grosse Werth der "Weinberge das 
weitere Yoransehreiten des Abbaues verbietet 

Gleich hinter dem nordwestlichen Ende des 
letzten Sandsteinbruches setzt nochmals eine Störung 
hindurch, wiederum ist das Gebirge gesunken und 
unterer Muschelkalk kommt neben Zwischenschichten 
und Yoltziensandstein zu liegen. 

Yon der Biegung der Hauptstrasse nach Sulz- 
bad und dem bei derselben liegenden Bahnwart- 
hause wandere man noch wenige Schritte auf dem 
nach Scharrachbergheim führenden Yicinalwege und 
steige dann den steil nach rechts zum Theil mit 
Stufen versehenen Fussweg nach der von unten 
sichtbaren Steinhalde und dem am oberen Ende 
derselben liegenden Steinbruch hinauf. 

Der untere Theil des Gehänges ist stark über- 
schottert, in halber Höhe zwischen Strasse und 
Steinbruch machen sich die schwer verwitternden 
Brocken von Rauchwacken und Hornstein des 
mittleren Muschelkalk bemerklich. Plattige, im 
frischen Zustande weisse Dolomite, noch dem mitt- 
leren Muschelkalk angehörend, stehen im tiefsten 
Theile des alten nicht mehr betriebenen Steinbruches 
an. üeber denselben ragen Kalkbänke, erfüllt mit 
Trochiten, heraus. 

Der ganze Trochitenkalk hat hier, wie über- 
all im Unterelsass, nur geringe, 15 m wohl nie 

Führer durch d. Elsass. 13 



194 Excarsion 8. 



Übersteigende Mächtigkeit. Innerhalb desselben kann 
man an dieser Stelle zehn wenig dicke Trochiten- 
bänke unterscheiden. Ausser den Stielgliedem von 
Encrinus liliiformis Lamck., die frei herauswittern, 
findet man einzelne andere Reste, wie Lima striata 
Schi. sp. und Coenothyris vulgaris Schi. sp. 

Etwas höher, über dem auf der Süd Westseite 
des Sulzberges laufenden Horizontal wege, liegt ein 
ausgedehnter Steinbruch in den höheren Schichten 
des oberen Muschelkalk. Zu unterst in dem- 
selben stehen dünnplattige , theils ebenflächige, theils 
mit allerhand Wülsten und secundären Ausschei- 
dungen von Kalkspath bedeckte Kalke an. Einzelne 
Platten, besonders in den unteren zwei Metern, 
sind mit sehr grossen Exemplaren von Oervillia 
sodalis Schi, sp., Myophoria vulgaris Schi, sp., Cor- 
hüla gregaria aut. bedeckt. Gelegentlich kommt 
Ceraiites nodosusBrug. vor. Gegenüber weiter nörd- 
lich im Unterelsass und in Lothringen gelegenen 
Punkten sind Yersteinerungen hier seltener, auch 
treten die mergeligen Einlagerungen zwischen den 
Kalkbänken mehr zurück. 

Oben in den Plattenkalken, wo eine 1,23 m 
dicke Bank plötzlich einsetzt, findet sich Oervillia 
substriata Crd. und Coenothyi-is vulgaris Schi. sp. 
sowie Anhäufungen der sog. Ostrea ostracina Schi. 



Salzbad — Balbronn — Gressweiler oder Mutzig:. 195 

(Placunopsis), es ist in diesem Horizont ferner Gera- 
tües semipartitus Mntf. gefunden. 

Wir haben also hier, wie anderwärts, unten 
Schichten mit Ceratites nodosus, darüber Schichten 
mit Ceratites semipartitus und Coenothyris vulgaris. 
Beide zusammen, erstere nur zum Theil aufge- 
schlossen, haben 10 m Mächtigkeit. 

Die obersten 5 m des Bruches werden von 
dicken, bis über 1 m anschwellenden Bänken grauer, 
bräunlicher, gelber, dolomitischer, bald compacter, 
bald löcheriger, zerfressener Gesteine gebildet, die 
mit den dicken Bänken der Semipartitusschichten 
abgebaut werden. In einer Bank kommt Chalcedon 
vor, der auch tiefer in einer Bank des Nodosus- 
kalk sich findet. Diese Schichten über den Semi- 
partitusschichten gehören der sog. „dolomitischen 
Region" an, die bald zum Muschelkalk, bald zum 
Keuper gerechnet wird. 

Wir gehen nun über die Höhe des Sulzberges, 
292 m, und schlagen den Weg nach Dahlenheim^) 
ein. Siehe das Profil Fig. 15. Dasselbe schneidet 
in seiner rechten Hälfte den im Folgenden beschrie- 
benen bogenförmigen Weg ab, so dass nicht alle 



1) Dahlenheim liegt auf Blatt Geispolsheim der topo- 
graphischen Karte 1 : 25000. Man kann dasselbe entbehren, 
da mau nur den westlichen Kand desselben betritt. 

13* 



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! 


auf letzterem be- 
rührten Jura- 
achichten von 


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III t- 


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demselben ge- 
troffen werden. 
Das Gebiet ist 
ausserordentlich 


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gestört, die Auf- 


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schlüsse wenig 


11 


ausgedehnt. An 
den Muschelkalk 


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1 
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stösst unmittelbar 
Steinmergel- 
keuper, über- 




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lagert von schma- 


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len Streifen rothen 
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und unteren 
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stoni Sow. im<l 
Qnfphaea arcuata 


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Lmk. gefimden 


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; 


1 


wurden, durch 
den Weg aufge- 
schlossen. Jen- 
seits einer Ver- 



Sulzbad — Balbronn — Gressweiler oder Mutzig-. 197 

werfnng folgt Dogger, und zwar Murchisonsand- 
stein und Opalinus schichten. Letztere enthalten 
einzelne concretionäxe Anhäufungen von Versteine- 
rungen, die am Fusswege nach Wolxheim gelegent- 
lich aus den fetten Thonen ausgewaschen werden. 
Jenseits der Abzweigimg dieses Fussweges an der 
rechten Strassenseite sandige Kalke der Murchison- 
schichten mit Pecten pumilus Lmk. 

Nachdem man die aus dem Thal heraufkom- 
mende Strasse Bergbieten — Dahlenheim überschritten 
hat, an der linken Seite des direkt nach Dahlen- 
heim führenden Weges, ein Aufschluss in den Blag- 
denischichten, graugelben, mergeligen Kalken, die 
knollig zerfallen und sich leicht von den tieferen 
kalkigen , meist eisenhaltigen , daher braun und röth- 
lich verwitternden Gesteinen des unteren Dogger 
und des zunächst nach oben folgenden Haupt- 
oolith unterscheiden lassen. Der leitende Ammonit 
Stephanoceras Blagdeni Sow. sp. (co7'onatus aut.) ist 
hier gefunden. Pseudomonotis echinata Sow. sp., 
Oxytoma Münsteri Br. sp., Pecten lens Sow., Ostrea 
flahelloides Lamk. sind nicht selten. 

Auf den Blagdenischichten liegt Hauptoolith, 
der bei den ersten Häusern von Dahlenheim in 
mehreren kleinen Brüchen abgebaut wird. Wir lassen 
das Dorf rechts liegen und gehen auf dem spitz- 
winklig mit dem von uns bisher verfolgten zu- 



198 Excnrsion 8. 



sammentreffenden Wege in westlicher Eichtung über 
Oolith und mehrfach gestörte Doggerschichten weiter. 

Unser Weg endigt über einem tiefen Bruch 
im Oolith. Ehe man an denselben herankommt, hat 
man in den Weinbergen, besonders rechts vom Wege, 
Gelegenheit, die häufigeren Yersteinerungen der 
Yarians schichten, die frei aus den Mergeln 
herauswittern und beim Umarbeiten der Weinberge 
an die Oberfläche gebracht werden, zu sammeln. 
Häufig sind Bhynchonella varians Schi, sp.. Eh, spi- 
wosaSchl. sp., TerebratulaFleischeriO^]^. und andere 
Biplicaten, Zeilleria omithocephala Sow. sp., Ostrea 
Knorri Ziet, 0. costata Sow., seltener findet man 
Holeciypus depressus Leske sp., Echinobrissus cluni" 
cularis Lhw., Anabada complanata Defr. sp. 

Der unter den Yariansschichten liegende Oolith 
ist durch einen Steinbruch schön aufgeschlossen. 
Die Schichten streichen nordsüdlich und fallen mit 
350 gegen Osten ein. Sie zeigen Spuren gewaltiger 
Zerrüttung, mehrfach setzen Rutschflächen hindurch, 
im südlichen Theile des Bruches ist eine solche auf 
7 m entblösst. Der Oolith ist reich an Yersteine- 
rungen, die aber fest mit dem Gesteine verwachsen 
sind. Auf Klüften wittern Ostrea acuminaia Sow., 
Pseudomonotis echinata Sow. sp., Serpula sodalis 
Gldf., Echinobrissus Renggeri Des. und Anderes 
^ heraus. 



Sulzbad— Balbrotfö — Gressweiler oder Mutzig. 199 

Von dem Bruche wenden wir uns nach dem 
gegen Norden gelegenen, in wenigen Minuten zu 
erreichenden Scharrachberg (316,2 m). Wir über- 
schreiten eine Verwerfung und kommen aus dem 
Oolith und den Variansschichten in oligocäne 
Küsten conglomerate mit Mergeleinlagerungen. 
In letzteren wurden einige Foraminiferen gefunden, 
von denen Andrea jedoch vermuthet, dass sie aus 
dem Jura eingeschwemmt sind. Die Gerolle des 
Conglomerates stammen beinahe ausschliesslich aus 
jurassischen Schichten, nur selten findet sich 
Muschelkalk. Murchisonsandstein mit Pecten pumi- 
lus Lmk. und Oolith sind am häufigsten. 

Der Scharrachberg ist ein ausgezeichneter Aus- 
sichtspunkt. Man überblickt gegen Süden den nied- 
rigen Hügelzug, an dessen südlichem Fusse die 
Breusch fliesst, nachdem sie bei Avolsheim aus der 
südnordlichen Richtung in die west östliche umge- 
bogen ist. An diesem Hügelzug, in dem bei Kolbs- 
heim oligocäne Sande und Thone unter Diluvium 
liegen, lehnen sich die Schotter- und Lössterrassen, 
welche bis an die Thore von Strassburg reichen. 

Den Schwarzwald kann man von den Bergen 
bei Baden-Baden (Iburg, Merkur) bis zum Kandel 
verfolgen. Deutlich hebt sich der Kaiserstuhl aus 
der Rheinebene. 



200 Excursion 8. 



Eigenthümlich ist die Oberflächengestaltung 
gegen Norden und Westen vom Scharrachberg. In 
ersterer Richtung begrenzt den Horizont beinahe 
ausschliesslich ein aus Buntsandstein und Muschel- 
kalk bestehender Rücken, dem der Geierstein, der 
Kalkberg, der Marieberg angehören. Am höchsten 
erhebt sich der etwas zurückliegende Göftberg 
(396,6 m). An einer Stelle erblickt man durch eine 
Mnsenkung die Höhen im Norden des Zabemer 
Bruchfeldes (Hochwald). Ein tiefer Einschnitt, das 
Kronthal, trennt den Rücken in eine westliche und 
östliche Hälfte. Durch denselben fliesst die Mossig, 
neben der Strasse und Eisenbahn kaum Platz ge- 
funden haben. 

Ein ähnlicher Muschelkalkrücken liegt in süd- 
westlicher Richtung, in dem mit einem Fort ge- 
krönten 382 m hohen Molsheimer Berg gipfelnd, 
der durch das Mossigthal von dem von uns über- 
schrittenen Sulzberg getrennt wird. Dieses Thal, 
in welchem Sulzbad liegt, ist ein dem Kronthal, 
aus welchem die Mossig heraustritt, durchaus ver- 
gleichbai'er Einschnitt. 

Zwischen den beiden Rücken , gegen Westen von 
Scharrachberg, erstreckt sich eine ganz auffallende 
Senke mit den Ortschaften Irmstett, Odratzheina, 
Kirchheim, Marlenheim, Traenheim, Westhofen, Bal- 
bronn, Flexburg. Alle diese Dörfer liegen auf 



Sulzbad — Balbroiin — Gressweiler oder Mutzig. 201 

Keuper, der zwischen dem nördlichen und südlichen 
Muschelkalkrücken tief eingesunken ist. So wurde 
ein Graben, im geologischen Sinne, gebildet, der 
nach dem ungeföhr im Mittelpunkte desselben ge- 
legenen Orte Balbronn benannt worden ist. 

Diese Senke setzt sich gegen Osten zwischen 
dem dem Scharrachberg gegen Norden vorgelagerten 
Odratzheimer Hörn und dem Marieberg nach der 
Elieinebene fort. Es besteht aber kein Abfluss nach 
dieser RichtuDg. Eine niedrige, kaum 30 m über 
das Niveau der Mossig sich erhebende Schwelle, 
die von Nordheim aus quer über die Senke zieht, 
bildet eine Wasserscheide. 

Gegen Westen setzt sich die Senke in das 
Thal von Still und durch dieses in das Breusch- 
thal fort. Aber auch hier liegt eine niedrige Wasser- 
scheide westlich von Flexburg, von der aus die 
Bäche einerseits nach der Mossig, andererseits nach 
dem Bach von Still bezw. der Breusch fliessen. Der 
Bai bronner Graben hat also nur einen Abfluss durch 
das Thal bei Sulzbad. Die Mossig entspringt aber 
nicht in der Senke zwischen den beiden Rücken, 
sondern durchschneidet, vde wir sahen, den nörd- 
lichen derselben von Wasselnheim her, durchquert 
die Senke und fliesst dann, immer in nordsüdlicher 
Richtung, durch den zweiten Rücken. Das ist ein 
für die Vogesenvorberge ungewöhnlicher Yerlauf 



202 Excarsion 8. 



eines Flusses. Die hydrographischen Yerhältnisse 
müssen früher hier ganz andere gewesen sein, vor 
allem waren ausserordentlich viel grössere Wasser- 
massen vorhanden, wie schon die ausgedehnten 
Sand- und Geröllablagerungen zwischen Irmstett 
und Wangen innerhalb des Grabens von Balbronn 
beweisen. Wahrscheinlich fand einst eine Entwässe- 
rung der Senke nach dem Rheinthal hin statt, oder 
die Wasserbedeckung der Rheinebene reichte bis in 
die Senke herein. Bei Sulzbad erfolgte mit dem 
allgemeinen Sinken der Gewässer im Rheinthal eine 
immer tiefere Einsägung eines zu Anfang nach 
Norden gerichteten Zuflusses des Grabens bis in 
das Niveau des Rückens südlich von Nordheim, 
also ungefähr bis zu 200 m über d. M. Bei tieferem 
Einschneiden des Sulzbader Thaies musste der Ab- 
fluss nach dem Rheinthal aufhören, und an seine 
Stelle die Entwässerung nach Süden treten. Gleich- 
zeitig erfolgte eine Tieferlegung des Kronthals, es 
entstand ein Zufluss durch dasselbe von Norden 
her. Humose Ablagerungen zwischen Marlenheim 
und Nordheim deuten' auf das einstige Vorhanden- 
sein eines Sees in der Senke, der später durch 
Tieferlegung des Abflusses bei Sulzbad entwässert 
wurde. 

Gerade vom Scharrachberg aus übersieht man 
den Verlauf der, beinahe wie Trockenthäler er- 



Salzbad — Balbronn—Gressweiler oder Mutzig. 203 

scheinenden, breiten Senken und der schmalen, 
tief eingeschnittenen, heute die Bäche führenden, 
Einschnitte. Dass die ursprüngliche Anlage der 
Thaler eine ganz andere war und Wasserläufe wie 
der der Mossig relativ neueren Datums sind, liegt 
auf der Hand. 

Ueber den Graben von Balbronn hinaus hat 
man vom Scharrachberg aus ein prachtvolles Pano- 
rama der Sandsteinvogesen. Im Westen der Schnee« 
berg, etwas links davon die hohe Struth, am Hori- 
zont die Berge zwischen Schneeberg und Donon, 
unter denen der Langenberg mit seinem Steilabfall 
nach dem Breuschthal sich besonders bemerklich 
macht. Charakteristisch und leicht kenntlich ist 
rechts vom Einschnitt des Breuschthales der Donon, 
während links von demselben der Sandsteingrenz- 
kamm auf der Südseite des oberen Breuschthales 
noch sichtbar ist. 

Weiter gegen Südwesten streckt sich der lange 
Rücken des Hochfeldes, davor tritt der Odilienberg 
und der Männelstein, darunter Schloss Landsberg, 
etwas näher gelegen der isolirte Heidenkopf bei 
Börsch, hervor. 

Wir wenden uns vom Scharrachberg gegen 
Norden nach dem östlichen Ausgang von Scharrach- 
bergheim und durchschreiten das Dorf (Wirthschaft 
von Brosius) nach der Haltestelle der Eisenbahn 



204 Excursion 8. 



(Gasthaus von Musculus unmittelbar jenseits der 
Bahn). 

Schan-achberglieim liegt auf Hauptoolith, auf 
welchen Bathonien (Variansschichten) folgt. Beide 
dienen dem Küstenconglomerat zur Unterlage. 

Die beschriebene Wanderung von Avolsheim 
bis Scharrachbergheim lässt sich bequem in einem 
Nachmittag ausführen. Sie ist wegen der Mannig- 
faltigkeit der geologischen Verhältnisse und der 
weiten Aussicht auf Rheinebene, Vorhügel und Ge- 
birge, deren Gegensatz vom Scharrachberg aus vor- 
trefflich hervortritt, besonders lohnend. Man kann 
vom Scharrachberge aus, über den Oolithbruch zu- 
rück an grossen Muschelkalkbrüchen vorbei, nach 
Sulzbad gehen und hier den Zug besteigen. (Gast- 
haus zum Bahnhof. Hier, wie in den oben ge- 
nannten Gasthäusern, gute Landweine.) 

Wir setzen unsere auf einen ganzen Tag be- 
rechnete Excursion durch den Graben von Balbronn 
gegen Westen fort, um den Keuper kennen zu 
lernen , der hier von den Mergeln unter dem Grenz- 
dolomit bis zu den Mergeln unter dem Rhät ent- 
wickelt ist. Letzterer ist abgewaschen. Dass er 
4m Graben vorhanden war, beweist sein Vorkommen 
am Bande des Grabens auf dem Sulzberg und am 
Göftberg bei Wasselnheim. 



r 



Sulzbad -- Balbronn — Gressweiler oder Mutzig. 205 

Die Lagerungsverhältnisse innerhalb des Gra- 
bens sind sehr gestört, es fehlt daher an zusammen- 
hängendenr Profilen, doch werden wir Gelegenheit 
haben, die sämmtlichen oben (S. 30) aufgeführten 
Abtheilungen des Keupers in einzelnen anein- 
ander abgesunkenen Gebirgsstücken kennen zu 
lernen. 

Die grössten Flächen nimmt der Salzkeuper 
ein. Fasst man dessen Verbreitung auf der in der 
Ueberschrift genannten geologischen Karte ins Auge, 
so erkennt man, dass mehrere Streifen desselben 
von Südwest nach Nordost, ungefähr den Grenz- 
spalten gegen den Muschelkalk parallel, verlaufen, 
der eine nördlich von Balbronn und Tränheim, der 
andere südlich von diesen beiden Dörfern. Diese 
beiden Streifen können als Sättel angesehen werden, 
welche durch eine von Balbronn nach Tränheim 
verlaufende Mulde getrennt sind. Eine zweite 
Mulde erstreckt sich von Bergbieten in südwestlicher 
Eichtung. Auf dem Eücken der Sättel, z. B. der 
Höhe 292,7 m westlich von Balbronn und dem 
Krummberge, liegen die jüngsten im Balbronner 
Graben vorhandenen Schichten des Steinmergel- 
keupers. 

Sowohl diesen Sätteln parallel als auch quer 
gegen dieselben verlaufen mehrere Verwerfungen, 
so dass der Aufbau im einzelnen sehr complicirt 



206 Excnrsion 8. 



ist und nur durch sehr eingehende Untersuchung 
erkannt werden konnte. 

Wir gehen von der Haltestelle Scharrachberg- 
heim nach dem Kirchhof von Irmstedt, an der 
grossen Strasse von Sulzbad nach Wangen. In dem 
nach dem Krummberge hinaufführenden Hohlwege 
stehen zunächst sandige, schiefernde Schichten, die 
Tertreter des hier nur schwach entwickelten Schilf- 
sandstein, an. Darüber Spuren der bunten 
Mergel und des Hauptsteinmergel, die wir 
später besser aufgeschlossen treffen werden. Man 
überschreitet bald eine Querstörung und tritt in 
untere Estherienschichten: erdige, dolomitische 
und kalkige Mergel von grauer, rother, violetter 
und grünlicher Farbe. Bezeichnend sind in den- 
selben zerfressen aussehende Quarze in Knollen und 
Lagen. Es sind Anhäufungen von Quarzkrystallen 
von geringem Zusammenhalt. Ursprünglich, wie 
man bei tieferen Aufgi'abungen erkennen kann, han- 
delt es sich um Knollen dolomitischen Kalkes, in 
welchem Quarzkrystalle eingebettet sind. Löst man 
die Knollen in Säure auf, so bleibt ein Gerippe 
von Quarzkrystallen übrig. Obere Estherienschichten, 
Schilfsandstein und bunte Mergel sind hierüber nach- 
weisbar, fallen aber wenig auf. 

Es folgen nach einer Lehrabedeckung am 
Krummberg (284,2 m) und weiter bis zur Kreuzung 



Sulzbad — Balbronn — Gress Weiler oder Mutzig. 207 

unserer Strasse und der Strasse Bergbieten — West- 
hofen Steinmergelkeuper, unter denen an einigen 
Stellen, besonders an der genannten Kreuzung gut 
zu sehen, die ^Eothen Mergel^ und der „Haupt- 
steinmergel" heraustreten. Eine unbedeutende Stö- 
rung setzt an der Strassenkreuzung in nahezu nord- 
südlicher Eichtung hindurch. 

Für den hier meist die Oberfläche bildenden 
Steinmergelkeuper sind von wenigen Decimetern 
bis drei\dertel Meter anschwellende grauweisse Stein- 
mergelbänke, die sich von den bunten, zerfallenden 
Mergeln auffallend abheben, bezeichnend. Die 
Brocken derselben sieht man zonenweise durch die 
Weinberge zerstreut. Grössere Stücke derselben 
finden zur Beschotterung Verwendung und werden 
in Haufen an der Strasse zusammengetragen. Theils 
sind die Steinmergel gleichartig, dicht, muschelig 
brechend, theils aus verwaschenen, gerundeten 
Mergelstücken zu einem typischen Conglomerat zu- 
sammengebacken, theils löcherig, porös. Diese letz- 
tere Beschaffenheit rührt davon her, dass das Ge- 
stein aus verschiedenen kleinen Brocken besteht, 
die der Verwitterung ungleichen Widerstand ent- 
gegensetzen. Die Hohlräume entstehen durch Auf- 
lösung und Auswaschung der leichter zersetzbaren 
Fragmente. In diesem, auf den ersten Blick ooli- 
thisch aussehenden, aber nicht wirklich oolithischen 



208 Excursion 8. 



Gestein kommen Steinkeme von Zweisohalem und 
Gastropoden vor. Es sind mehrere solche versteine- 
ningsführende Bänke im Steinmergelkeuper der links- 
und rechtsrheinischen Gebiete vorhanden. Wenn die 
einzehien Formen auch nicht bestimmbar sind, so 
ist die Gesammterscheinung der Bänke doch sehr 
bezeichnend. 

Die muschelig brechenden rothen Mergel 
haben am Krummberge eine Mächtigkeit von nur 
2 — 3 m.. Sie fallen aber wegen ihrer ziegelrothen 
Farbe auf. 

Ein sehr auffallendes, besonders für Elsass- 
Lothringen bezeichnendes Glied des Keupers ist der 
„Hauptsteinmergel^, eine bei uns über einen 
halben Meter, in Lothringen mehrere Meter an- 
schwellende Masse dicht auf einander gepackter, 
hellgelber, plattiger Steinmergelbänke mit ebenen 
Schichtungsflächen. Das Korn derselben ist so fein 
imd gleichartig, dass man meinte, das Gestein für 
lithographische Zwecke verwenden zu können. 

Mit dem Hauptsteinmergel zusammen, bald 
unter, bald über demselben, ihn auch vertretend, 
kommen eigen thümliche Bildungen vor, die in Loth- 
ringen den in die geologische Terminologie über- 
gegangenen Namen Crapauds erhalten haben. Es 
sind dies zellige Dolomite, die in unregelmässigen 
Lagen , als Knauer und unförmliche Massen auftreten. 



Sulzbad— Balbronn — Gressweiler oder Matzig. 209 

Sie widerstehen den Atmosphärilien lange, ragen 
daher aus den zerfallenden Mergeln heraus. Da sie 
der Bestellung der Aecker und "Weinberge hinderlich 
sind, werden sie herausgehoben und an den Wegen 
aufgehäuft. 

Hauptsteinmergel und diese Zellendolomite sind 
an der genannten Strassenkreuzung gut zu sehen. 

Man wende öich nun nach Südwesten und 
überschreite den Niederberg. 

Es führt hier kein Weg, man kann aber über- 
all leicht zwischen den Rebstücken hindurch gehen. 
An der gegen Balbronn geneigten Abdachung trifft 
man in grösserer Ausdehnung oben rothen und 
unten grauen Schilfsandstein. Derselbe ist zwar 
hier auch sehr thonig und dünnschief eng, so dass 
er sich nicht als Baumaterial verwenden lässt, doch 
tritt die Sandsteinnatur viel deutlicher hervor, als 
an dem Kirchhof von Irmstett. 

An dem Steilabfall gegen den Niedermattgraben 
stehen unter dem Schilf Sandstein obere, unter diesen 
untere Estherienschichten an, letztere mit einer aus- 
gedehnten Gypseinlagerung. 

Uns interessiren hier besonders die oberen 
Estherienschichten. Am südwestlichen Ende 
(Jes Rückens, den wir überschritten, Balbronn gegen- 
über, streicht eine von Südwest nach Nordost ge- 
richtete Yerwerfung hindurch. An derselben setzen 

Führer durch d. Elsass. 14 



210 Excursion 8. 



die oberen Estherienscliichten ab. Es gehen an 
dieser Stelle, an der Grenze von Rebberg und 
Acker, dicht unter dem Sandstein, dunkelgraue, 
steinmergelartige, dolomitische Bänke mit röthlich 
und grünlich gefärbten Mergelflatschen zu Tage, in 
denen Pflanzenreste nicht selten sind. Scheiden 
von Equiseium arenaceum Jaeg. kommen in guter 
Erhaltung vor. Auch Estheria laxitexta Sdbrg. ist 
gefunden. Die festen Bänke liegen in schwarzen, 
blätterigen, bituminösen Mergeln, die man früher 
als der Lettenkohle angehörig ansah. Sie haben 
zu erfolglosen Bohrungen nach Kohle Veranlassung 
gegeben. 

Einige gute Aufschlüsse im Keuper bietet der 
Hügel westlich von Balbronn, der dem nordwest^ 
liehen der beiden, die Balbronner Senke durch- 
ziehenden, oben erwähnten Rücken angehört. 

Wir durchschreiten, um zu demselben zu ge- 
langen, das Dorf und gelangen am westlichen Aus- 
gange desselben, gleich nach den letzten Häusern, 
an eine Stelle, wo vier Wege aus einander laufen. 
(Höhepunkt 234,5 m.) Wir folgen dem nördlichstejj 
derselben, der nach dem Höhepunkt 292,7 m führt. 
Er schneidet zunächst inSteinmergelkeuper ein, 
unter welchem am Anfange des ersten rechts ab- 
zweigenden Seitenweges die violette Örenzbank 
gegen die ^othen Mergel" schön aufgeschlossen 



Sulzbad — Balbronn — Gressweiler oder Mutzig. 211 

ist. Weiterhin folgen jenseits einer Störung untere 
und obere Estheriensehichten, erstere an den 
^zerfressenen" Quarzknollen kenntlich, letztere mit 
Estheria laxitexta Sdbg., welche nicht selten ist, 
sich aber in den blätterigen, zerfallenen Mergeln 
leicht der Beobachtung entzieht. Hier, wie überall 
in unserem Gebiete, sind die oberen Estherien- 
schichten durch trübe, graue Färbungen ausge- 
zeichnet. 

TJeber die weiterhin aufgeschlossenen Schichten 
orientirt man sich am besten durch den auf die 
oberen Estherienschichten folgenden Schilfsandstein 
und den durch die nur wenig mehr als 3 m mäch- 
tigen Bunten Mergel von demselben getrennten 
Plattendolomite des Hauptsteinmergel. 

Der eigentliche Schilfsandstein, an der 
Grenze von oberen Estherienschichten und Bunten 
Mergeln, ist an dieser Stelle rothbraun gefärbt. Die 
Bunten Mergel zeichnen sich durch lebhafte rothe, 
violette, grüne und gelbe, in Streifen und Wolken 
angeordnete Färbung aus. In denselben ist noch 
einmal Sandstein entwickelt. Trotz der geringen 
Mächtigkeit dieser Schichten sind dieselben hier in 
Folge der flachen Lagerung doch gut zu beobachten. 

Besser als am Krummberg sind hier auch der 
Hauptsteinmergel und die Zellendolomite 
(Crapauds) aufgeschlossen. 

14* 



212 Excarsion 8. 



Die Höhe der Kuppe 292,7 m besteht aus 
Rotheu Mergeln und Steinmergelkeuper. 

Mehrere Specialprofile der Keuperentwieklung 
westlich von Balbronn hat Steuer in seiner oben 
erwähnten Arbeit mitgetheilt. Der Schilfsandstein 
ist hier auf der geologischen Karte desselben Autors 
seiner geringen Mächtigkeit wegen nicht von den 
Bunten Mergeln getrennt. 

Wir gehen entweder auf demselben Wege oder 
auf der zunächst südlich verlaufenden Strasse nach 
Höhepunkt 234,5 am Ausgang von Balbronn ziu'ück 
und folgen der in südlicher Richtung über einen 
niedrigen Rücken nach Flexburg führenden Strasse. 

Diese führt uns über wenig aufgeschlossene 
untere und obere Estherienschichten jenseits einer 
Störung in Gypskeuper. Man findet in den grauen, 
einförmigen Mergeln der Strassenböschung häufig 
dünne Sandsteinplättchen mit Pseudomorphosen 
nach Steinsalz, die für diese Abtheilung charakte- 
ristisch sind. 

Jenseits des Rückens, an dem Flexburg zuge- 
wendeten Abfall, ist eine mächtige Gypsmasse den 
Mergeln eingelagert, die früher zu beiden Seiten 
der Strasse abgebaut wurde. Die Gruben sind jetzt 
verlassen und sehr verwachsen. Doch ist eine Steil- 
wand von grauen, röthlichen und violetten Mergeln 
mit Lagen imd Knollen von dichtem Gyps und 



Sulzbad — Balbronn — Gressweiler oder Matzig. 213 

regellos verlaufenden Adem von Fasergyps noch 
erkennbar. Am gegenüberliegenden Thalgehänge, 
südlich von Flexburg, wird Gyps unterirdisch ge- 
wonnen. 

Um schliesslich noch die tiefsten Schichten 
des Keupers, die sogen. Lettenkohlengruppe, 
kennen zu lernen , folgen wir bei den ersten Häusern 
von Flexburg dem nach Westen führenden Wege. 
An demselben stehen, wo er zu steigen beginnt, 
graue Mergel mit Dolomiteinlagerungen an. Besser 
als diese wenig entblössten Schichten ist der den' 
unteren Keuper nach oben abschliessende Grenz- 
dolomit aufgeschlossen. Der erste links abgehende 
Feldweg, der auf der Karte das / des Wortes Flex- 
burg trifft, schneidet in denselben ein. Der gelb- 
liche, theils dichte, theils löcherige Dolomit ist 
ganz erfüllt von Muscheln (Myophoria Ooldfussi Alb., 
31. laevigata Gldf. sp., 3L vulgaris Schi. sp.). 

Der Feldweg mündet bald in die Strasse von 
Flexbiu'g nach Still, auf der wir weiter wandern. 
Wir berühren ausgedehnte Aufschlüsse in den 
Plattenkalken des oberen Muschelkalk mit Ceraiites 
nodosus Brug., 3Iyopkoria vulgaris Schi, sp., Ger- 
villia socialis Schi. sp. und anderen häufigeren Yer- 
steinerungen des oberen Muschelkalk. 

Der Weg durch Still bis an die grosse Strasse 
im Breuschthal bietet nichts Bemerkenswerthes. Die 



214 Excursion 8—9. 



Brüche dicht vor Dinsheim geben Gelegenheit, den 
oberen Buntsandstein in gleicher Entwicklung wie 
bei Sulzbad zu untersuchen. Der unterste Bruch, 
unmittelbar an der Strasse, schliesst Zwischen- 
schichten, der höher liegende, ausgedehntere, 
Yoltziensandstein auf, über dem der Grenzletten 
und die untersten Bänke des unteren Muschelkalk 
(Muschelsandstein, zum Theil zu einer braunen, 
mulmigen Masse zersetzt) zu sehen sind. 

Wii: durchschreiten Dinsheim und erreichen die 
Eisenbahn in Gressweiler (Wirthschaft Stempfei) oder 
Mutzig (Gasthaus zur Felsburg). Am Fusse der 
Felsbtirg, bei der Kapelle St. Yendelin, wo der Weg 
nach Gressweiler von der Breuschthalstrasse abzweigt, 
ist ein Steinbruch in dem oberen Theil des mitt- 
leren Buntsandstein (Vogesen Sandstein) eröffnet. 
Oben am Gehänge stehen die mächtigen Bänke des 
Haupt CO nglomerates, welches bei Sulzbad unter 
der Thalsohle liegt, an. Der Sandstein ist hier, wie 
überall im ünterelsass, in diesem Horizont dünn- 
schichtig, häufig mit Wellenfurchen versehen, thonig 
und glimmerreich, so dass man denselben mit oberem^ 
Buntsandstein verwechseln könnte. Dieser folgt je- 
doch erst höher am Berge. 

Man beachte die gleiche Höhenlage des Haupt- 
conglomerates auf der Südseite der Breusch bei dem 
Schutzhäuschen über Gressweil^ am nördlichen Ende 



Strassbarg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim. 215 

jler Dreispitz. Der Theil des Breuschthales von 
Gressweiler bis Mutzig ist lediglich durch Erosion 
entstanden. Er gleicht in dieser Hinsicht durchaus 
dem auf der anderen Seite des Molsheimer Berges 
gelegenen Thale von Sulzbad. Auch hier haben 
wir es mit einer relativ jungen Thalbildung zu 
thun. 



Excnrsion 9. 

strassbarg— Aehenhelm—Hangenbieten — Lingolsheim — Strassbn^. 

LÖSS und Sand,löss. Aelterer diluvialer Rheinsand. 
Jüngerer diluvialer Breuschkies- und Sand. Jungdilu- 
vialer oder altdiluvialer Breuschlehnir 

Messtischblätter 1:25000 Strassburg und Geispplsheim. 

an erreicht das in gerader Linie etwa 9 km 
. westlich von Strassburg gelegene Achen- 
heim von Wolfisheim aus, der Endstation 
der Strassenbahnlinie Strassburg Centralbahnhofr — 
AVolfisheim, in Zeit von ^/^ Stunde. Die Stelle, 




1) Die 1883 nebst Erläuteiningen erschienene „Geo- 
logische Karte der Umgegend von Strassburg" in 1:25000 
reicht westwärts nur wenig über "Wolfisheim hinaus. — 
J3in geologisches Uebersichtskärtchen der weiteren Um- 
gebung von Strassburg in ,1:160000, welches recht gut 



216 Excursion 9. 



an der man die Umwallung von Strassburg verlässt, 
liegt gerade am Hände der ^Schiltigheimer 
Lössterrasse^ (Sandlössterrasse). Zur Linken dehnt 
sich das Wiesengelände der Breusch- Niederung aus. 
Die Strasse macht eine starke Biegung nach rechts 
und hat auf kurze Strecke eine Steigung von 5 m 
zu überwinden, um in Königshof en die Höhe der 
Lössterrasse zu erreichen, auf welcher sie sich nun, 
in ihrem Verlauf der alten Römerstrasse folgend, 
hält. Dass die Lössablagerung in Königshofen eine 
erhebliche Mächtigkeit erreicht, ergab unter anderem 
eine hierselbst im Frühjahr 1898 als Vorarbeit zur 
Errichtung der inzwischen gebauten Kirche aus- 
geführte Ausschachtung. Bei dieser wurden 9,3 ni 
gelblicher Löss durchsunken, wobei eine stellen- 
weise sehr dunkele, bis etwa ^4 ^ mächtige, 
grossentheils aus aufgearbeitetem Lössmaterial be- 
stehende recente Kulturschicht eingerechnet ist, 
welche sich allenthalben in der Umgebung von 
Königshofen oberflächlich ausbreitet. Unter dem 
Löss wurden, wie bisher fast allenthalben, wo man 
innerhalb des Gebiets der Schiltigheimer Terrasse 
dessen Liegendes erreichte, diluviale Breusch -An- 



zur Orientirung über die nachfolgende Excursion dienen 
kann, ist enthalten in: Strassburg und seine Bauten, 
Strassburg 1894, bei S. 2 (Taf. II). 



Strassburg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim . 217 

schwemmungen getroffen, und zwar zunächst 0,9 m 
rother Sand und darunter rother Kies. 

Zwischen Königshofen und Eckbolsheim , am 
^Rothen Haus" (Haltestelle der Trambahn), kommt 
man an einer grossen Ziegelei vorbei, in welcher 
Lössmaterial, wie überall zur Herstellung von Back- 
steinen, abgebaut wird. Die Besichtigung der Grube 
ist zu empfehlen und lässt sich, da letztere un- 
mittelbar hinter der Haltestelle liegt, wenn man 
liier die Fahrt unterbricht, bequem zwischen zwei 
Zügen bewerkstelligen. In der Grube sieht man in 
einer Mächtigkeit von 4Y2 m jüngeren Löss auf- 
geschlossen. Zu Oberst (bis durchschnittlich etwa 
Y2 ni Tiefe) ist die Lössmasse, wie fast allenthalben 
im Gebiet der Schiltigheimer Terrasse, in Folge der 
mehr oder weniger weit vorgeschrittenen Yerleh- 
mung sowie der durch die Feldcultur bedingten 
Verunreinigungen stark gebräunt. Hiervon abgesehen, 
zeigen die oberen 3Y2 ^^ ^^i holzgelber Färbung 
eine fast reine Beschaffenheit, dabei aber ein etwas 
schichtiges Aussehen. Nur der unterste, 1 m 
messende Theil der Lössablagerung ist mehr oder 
weniger sandig ausgebildet (jüngerer Sandlöss). 
Er enthält nämlich Schmitzen, Nester und wellig 
gebogene, auskeilende Lagen von rothem, reinem 
oder mit Löss vermischtem Sand eingeschaltet, wo- 
durch ein geflammtes Aussehen der Masse erzeugt 



218 Excursion 9. 



"wird. Man ss^mmolt iin Löse ausser den gewöhn- 
lichen, nirgends fehlenden Landschnecken: Succinea 
qhlonga var. Schumacheri Andr. sowie Süsswasser- 
schnecken (Planorbis rotundattis Poir. u. PL, 
Eossmaessleri (Auersw.) A. Schm., Limnaetts pa- 
lustris Müll, sp., var. dihiviana. Unter den Löss- 
schichten steht über oder an. der Sohle der Gnibe 
durchschn. 0,9 rsx rother Sand, (Breuschsand) an, 
welcher von röthlichem Kies und Sand [(jüngerem 
diluvialem Breuschkies) unterlagert wird. Der 
diluviale Breuschkies ist zeitweise aufgeschlossen zu 
sehen, zeitweise durch die abgestochenen, zu ver- 
arbeitenden Lössmassen verdeckt. 

Yon der Strasse an der Ziegelei fällt der Blick 
nach Süden auf die Breuöch -Niederung, in deren 
Untergi'unde , von 1 — 2 m mehr öder minder san- 
digem Breuschlehm bedeckt, die diluvialen Breusch- 
kiese und -Sande ungefähr in der gleichen Höhen- 
lage über Normalnull anstehen wie unter dem Löss 
in der Ziegelei. Die. Breusch- Niederung tritt an 
dieser Stelle dicht an die Strasse heran, indem sie 
in einem nach Norden gerichteten Bogen buchten- 
§rtig tief in die Lössterrasse eingreift. Man hat 
solche concave Ausbiegungen der Terrassenränder^ 
der sogen. „Hochufer", zunächst unter Anwendung 
des Ausdrucks auf die Verhältnisse , des Eheinlaufs, 
als üferconcaven bezeichnet. Diese üferöoncaven 



Stra55sburg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim. 219 

sind nichts anderes als die vom Fluss, hier von 
der Breusch, in dem begrenzenden Terrassenrande 
während der Bildung der Niederung ausgehöhlte 
Buchten. Sie sind längs des Südrandes der Schiltig- 
heimer Terrasse besonders, deutlich entwickelt und 
werden hier stellenweise noch heute unmittelbair 
von Breusch -Armeti bespült. Der Breuschlauf, wel- 
cher in den soeben erwähnten Uferconcaven südlich 
vom Eothen Haus ehedem floss, oder vielmehr die 
von ihm zurückgelassene Trockenrinne, war früher 
noch durch eine schmale, dem Lössrand entläng 
halbkreisförmig verlaufende Wiesenfläche angedeutet. 
Theils durch natürliche Zuschlemmung der Rinne 
von der Lössterrasse aus , theils in Folge der Zu- 
ziehung des ehemaligen Wiesenbodens zum Acker- 
lande haben sich jedoch hier die natürlichen Yer- 
hältnisse bereits zu verwischen angefangen, so dass 
§ich an dieser Stelle der ursprünglich jedenfalls 
noch deutlicher abgesetzte Rand der Lössterrasse 
nicht mehr ganz so scharf von der Fläche der 
Breusch -Niederung abhebt, wie an anderen Stellen. 
Auf der Fahrt nach Wolfisheim sieht man Hoch- 
ufercöncaven in nahezu ursprünglicher Erhaltung 
gleich hinter Eckbolsheim zu linker Hand. 

Ton der Tramstation Wolfisheim gelangt man 
über Oberschäffolsheim nach Achenheim (3^2 k*^)- 
Nahe vor Achenheim, zu diesem gehörig, liegt 



220 Excursion 9. 



links zwischen der Landstrasse und dem Breusch- 
Kanal die grosse Grube der Schäfer'sehen Ziegelei, 
in welcher, wie in allen Achenheimer Gruben, ein 
sehr lebhafter Abbau des Lossmaterials zur Back- 
steinfabrikation stattfindet. Man sieht hier, an der 
Nordwand in einer Mächtigkeit von über 7 m, 
jüngeren Löss aufgeschlossen, welcher im all- 
gemeinen ganz die gewöhnliche, lichtocker- bis 
weisslich- gelbe Färbung und, abgesehen von den 
tieferen Lagen, eine sehr reine Beschaffenheit auf- 
weist. Er zeigt sehr deutlich eine Erscheinung, 
welche auch in den Lossgruben in Achenheim selbst 
überall zu beobachten ist und als Bänderung be- 
zeichnet werden kann. Man versteht hierunter einen 
Aufbau der sonst w^esentlich gleichartigen Lössraasse 
aus abwechselnd etwas heller und dunkeler ge- 
färbten Bändern oder Zonen, deren Breite im all- 
gemeinen zwischen einigen cm und 1 m wechselt, 
und deren gegenseitige Begi'enzungsflächen mit be- 
merkenswerther Regelmässigkeit zu verlaufen pflegen. 
In der Schäfer 'sehen Grube fällt eine, an der 
Nordwand derselben zwischen 2 und 3 m unter der 
Oberfläche auftretende, nahezu 1 m starke Zone, 
welche merklich dunkeler gelb gefärbt ist als die 
höheren und tieferen Lössmassen, dadurch besonders 
auf, dass ihre untere Grenze scharf zickzack- 
förmig verläuft, und dass sie femer in der oberen 



Strassburg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim . 221 

Hälfte drei noch dimkelere, nämlich braun gefärbte, 
wellig gebogene Bänder eingeschaltet enthält. 
Unmittelbar unter, zum Theil auch in diesen Bän- 
dern, sieht man etwas grössere, im lichtgelben Löss 
etwa Y2 ^ ^^^ ^®^ dunkeln Zone, kleinere Löss- 
kindel eingelagert, und noch kleinere liegen im 
lichtgelben Löss unmittelbar unter derselben Zone. 

Es handelt sich bei solchen, in dunkeleren 
Färbungen des Materials zum Ausdruck kommenden 
Erscheinungen offenbar um Verlehmungsvorgänge 
während der Entstehung der Lössablagerungen. Zeit- 
weise Verlangsamungen oder selbst kürzere Unter- 
brechungen des Lössabsatzes mögen stattgefunden 
haben, wobei dann bald stärkere, bald schwächere 
Verlehmungen der jeweils zu Tage liegenden Löss- 
massen vor sich gehen konnten. 

Nahe über der Sohle der Grube stellen sich in 
manchen Lagen weitläufig eingestreut kleine Gerolle 
und etwas Sand ein. In diesem tieferen Theil der 
Lössablagerung kommen auch Conchylien, sonst sehr 
spärlich in diesem Aufschluss vertreten, häufiger 
vor, darunter vereinzelt (besonders in der Nordost- 
ecke und an der Ostwand der Gmbe) kleine Süss- 
wasserformen (Ldmnaeus truncaiulus Müll, sp., 
pereger Müll, sp., Planorhis Bossmaessleri A. Schm., 
rotundatus Po ir.^ marginatus Dop., Pmrfiwtwy, welche 
dem oberen Theil der Ablagerung fehlen. Im nörd- 



222 Excursion 9. 



liehen Theil der Grube endlieh wird unmittelbar 
über der Sohle derselben eine stark verlehmte Schiebt 
getroffen, der „schwarze Boden" der Arbeiter, 
welcher durch seine viel dunkelere Färbung gegen 
xlen hellen Löss der Grubenwände, den „weissen 
Boden" gut absticht und offenbar mit der Kultur- 
ßchicht (siehe S. 224) der Achenheimer und anderer 
Profile zu vergleichen ist, auf jeden Fall annäherungs- 
weise diesem Niveau entspricht. Die noch nicht 
durchsunkene Schicht, meistens durch die zur Ver- 
arbeitung abgestochenen Lössmassen verdeckt und 
daher gewöhnlich nicht zu sehen, zeigt vorzugsweise 
röthüche Färbung; nur die oberste dünne Lage be- 
steht aus einem braunen, schwarz gebänderten Lehm 
(mit grobem Sand und kleinen Gerollen). 

Die Grube hat im Laufe der Zeit zahlreiche 
Knochenreste der typischen grossen Diluvial- 
säuger geliefert. Nach durchaus glaubwürdigen An- 
gaben wurden früher einmal ganze Karrenladungen 
„grosser Gebeine" auf einem Haufen beisammen 
angetroffen. All diese Eeste sind bis jetzt aus- 
nahmslos im untersten Theil der in der Gnibe zu 
Tage ausgehenden hellgeförbten Lössmasse, also an 
der Basis des jüngeren Löss gefunden worden. 
Sie liegen — auch die allemeuesten Funde irgend 
welcher Art machen hiervon keine Ausnahme — 
stets entweder genau auf der Oberfläche des leh- 



Strassbarg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim . 223 

migen „schwarzen Bodens" oder bis etwa Y2 ^ 
höher im gelblichen Löss eingebettet. Am reich- 
lichsten sind, wie in allen Gruben bei Achenheim, 
Diluvialpferd und Mammuth, sparsamer Nas- 
horn {Rhinoceros iichorhinus Fisch.) und etwaige 
andere Formen vertreten. Ausserdem werden, seit- 
dem die Arbeiter auf das Vorkommen kleinerer 
Skelettheile, die erfahrungsgemäss gewöhnlich von 
ihnen ganz unbeachtet gelassen werden, besondei*s 
aufmerksam gemacht sind, hier wie in Achenheim 
selbst, fortgesetzt (seit 1894 fast regelmässig jeden 
Winter, wenn die grossen Abgrabungen stattfinden) 
Reste vom Steppenziesel {Spermophilus rufescens 
K. u. BL) gefimden, so dass die geologische Landes- 
anstalt in Strassburg ausser einer ganzen Anzahl 
unvollständigerer Reste verschiedener Individuen 
bereits zwei nahezu vollständige Skelette dieses inter- 
essanten Nagers besitzt. Da sich die Reste der ein- 
zelnen Individuen auf einem Häufchen zusammen- 
zufinden pflegen, so liegen sie offenbar, wenigstens 
in den meisten Fällen, noch an derselben Stelle^ 
an der die Thiere verendeten. Endlich ist die An- 
wesenheit des Diluvialmenschen auch an dieser 
Stelle durch eine fossile, aus demselben Niveau 
stammende Rippe mit unverkennbaren ursprünglichen 
Spuren menschlicher Bearbeitung (Schnitt- oder Säge* 
fläche) angedeutet. 



224 Excarsion 9. 



In Achenheim, welches man, von der Schaf er- 
sehen Ghnibe herkommend, am Nordostende betritt, 
gehe man auf der in ungefähr südwestlicher Rich- 
tung durch den Ort hindurchführenden Strasse bis 
etwa 150 m über die Kreuzung derselben mit der 
von Holzheim kommenden Strasse hinaus, woselbst 
zu rechter Hand ein in die Lössmasse eingeschnittener 
geräumiger Hohlweg westwärts nach der Hurst'schen 
Grube führt, der nördlichsten der grossen Gruben 
in Achenheim südlich vom Thal des Breuschwickers- 
heimer Baches. Hier ist der interessanteste Auf- 
schluss in Achenheim, welcher gegenwärtig ein Profil 
durch jüngeren Löss, Kulturzone und älteren 
Löss darbietet. Die Kulturschicht ist eine leh- 
mige Schicht von röthlichbrauner Färbung, welche 
die Oberfläche eines alten, sowohl nach Norden wie 
nach Osten steiler als die heutige Oberfläche ab- 
fallenden Gehänges darstellt. Sie war in Folge des 
letzteren Umstandes früher, als die Südwand der 
Grube noch weiter nördlich lag, nicht im Ausstrich 
zu sehen, wurde aber alljährlich im Winter durch 
mehr oder minder tiefe Schächte von der Sohle der 
Grube aus aufgeschlossen, um die Lehmmasse zum 
Zweck der Ziegelfabrikation zu gewinnen. Bei diesen 
Gelegenheiten war es, dass man während der beiden 
letzten Jahrzehnte, zumal im Winter 1889, an ver- 
schiedenen Stellen in oder auch auf dem Lehm jene 



Strassborg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim. 225 

unzweideutigen Anzeichen paläolithischer Be- 
siedelung wie zu Schneide- oder Schabwerkzeugen 
zugeschlagene Steine, unregelmässig behauene grössere 
Gesteinsstücke, zahlreiche beisammen liegende, auf 
gleiche Weise gespaltene Eöhrenknochen vom Pferd 
und Eind {Bos primigenvus Boj.), Brandspuren und 
zahlreiche Holzkohlenstücke antraf. Erst seit einigen 
Jahren tritt diese alte Lehmdecke, entsprechend 
ihrem südwestlichen Ansteigen, in Folge der durch 
den Abbau bewirkten allmählichen Yerschiebung der 
südlichen örubenwand, an dieser selbst zu Tage, 
und man kann jetzt sehen, dass sie in demselben 
Grade, wie sie sich nach Südwest heraushebt, an 
Mächtigkeit abnimmt. In den alten, mehr nach der 
Mitte der jetzigen Grube zu gelegenen Schächten 
bis gegen 4 m mächtig angetroffen, steht sie an der 
jetzigen Südwand nur mehr in einer Mächtigkeit von 
Y2 — 1 m an. Feuerstellen mit Holzkohlenstücken, 
verkohlten Knochen und ziegelrothen Brandflecken 
in der Lehmmasse, sowie geschlagene Steine sind 
auch hier in der letzten Zeit wieder zum Vorschein 
gekommen. 

Der jüngere Löss, welcher in nordöstlicher 
Eichtung, wie schon aus dem Gesagten folgt, an- 
schwillt, ist im östlicheren Theil der Grube gegen- 
wärtig bis etwa 10 m tief aufgeschlossen, . Er zeigt, 
abgesehen von der durch theilweise Entkalkung be- 

Führer durch d. Elsass. 15 



226 Excarsion 9. 



dingten oberflächlichen Bräunung, in seinem obersten 
Theil ziemlich dieselbe reine Beschaffenheit und helle 
Färbung wie der typische Löss der etwas weiter 
südlich gelegenen, unmittelbar benachbarten Gruben, 
geht aber nach unten ganz allmählich in eine fein 
geschichtete Masse Über, indem sich mehr und mehr 
dünne Lagen von grobsandigem Aussehen einschalten. 
Letzteres ist bedingt durch ausserordentlich reichlich 
eingelagerte, meistens hirse- bis senfkomgrosse, 
theils kugelige, theils ellipsoidische Körperchen, 
welche sich als concretionäre Gebilde von kohlen- 
saurem Kalk mit radialfaseriger und gleichzeitig con- 
centrisch- schaliger Structur erweisen. Manche Lagen 
bestehen fast nur aus solchen Kalkknöllchen, neben 
welchen noch kleine rundliche Mergelconcretionen 
(Lösskindchen), hin und wieder auch kleine GeröUe 
von Porphyr, Quarz u. dergl. eingestreut erscheinen. 
Man hat die Kalkknöllchen mit Schrotkörnem ver- 
glichen, mit welchen sie in Gestalt und Grösse that- 
sächlich einige Aehnlichkeit haben. Kann man in 
diesem Sinne von „Kalkschrot'' sprechen, so lassen 
sich ähnliche, im unterelsässischen Gebiet öfter vor- 
kommende Lössausbildungen, wie wir sie soeben 
kennen lernten, der Kürze halber zweckmässig als 
Schrotlöss bezeichnen.. Mehr in der Mitte der 
Grube, wo die Kulturschicht entsprechend tiefer liegt, 
folgt unter dem Schrotlöss nach den bei den früheren 



Strassbnrg — Acbenheim — Hangenbieten — Lingolaheim . 227 

Ausschachtungen gemachten Beobachtungen noch ein 
jüngerer Sandlöss, indem sich neben dem Kalk- 
schrot nach der Tiefe zu mehr und mehr auch röth- 
licher Sand einstellt. — Die gesammten Schichten 
des jüngeren Löss sind ähnlich der Oberfläche des 
älteren Löss nach Norden bezüglich Nordosten ge- 
neigt, jedoch viel schwächer als die Kulturschicht, 
so dass sie an dieser deutlich abstossen. — Im 
Sandlöss und Schrotlöss, in der Nähe der Kultur- 
schicht, etwa bis zu 3 m über derselben, ist das 
Hauptlager der Knochenreste diluvialer Säugethiere: 
Wildpferd, Mammuth u. a., ab und zu Ren- 
thi er- Geweihe; seit 1895 an verschiedenen Stellen 
auch gut erhaltene Skelettreste vom Steppenziesel 
fSpermophüus rufescens K. u. BL). Yon Conchylien 
sind im Sandlöss, sowie im Schrotlöss nahe über 
der Kulturschicht, beobachtet: Helix hispidu L., 
Suednea oblonga Drp., Pupa muscorum L. sp., Pupa 
columeüa Benz, (selten), Clausilia parvula Stud., 
Helix pulchella Müll., Kalkplättchen von Nackt- 
schnecken, einzelne kleine Süsswasserformen 
(Planorben, worunter Planorbis marginaius Drp., 
Limnaeen, Pisidien). In den höheren Schichten des 
jüngeren Löss finden sich nur die gewöhnlichen 
Landschnecken. 

Uer im südwestlichen Theil der Grube bloss- 
gelegte ältere Löss ist theilweise heller und reiner, 

15* 



228 Excorsion 9. 



theil weise etwas gebräunt, streifig und mehr oder 
weniger sandig. Aucli er enthält in manchen Lagen 
neben einzelnen kleinen Gerollen (Breuschmaterial) 
viel Kalkschrot. An verschiedenen Stellen ist in 
diesem Löss, theils an oder wenig über, theüs unter 
der jetzigen Grubensohle eine Conchylienfauna zum 
Vorschein gekommen, welche in sehr eigenthümlicher 
Weise von den bis jetzt in Lössprofilen beobachteten 
abweicht. Neben Helix arbustorum L. von so unge- 
wöhnlichen Grössenverhältnissen, dass die Maasse der 
grössten bei uns jetzt lebenden Individuen dieser 
Art erheblich hinter denen dieser fossilen Formen 
zurückbleiben, finden sich, gleichfalls häufig, Helix 
nemoralis L., Helix fruticum Müll., seltener Hdix 
strigella Dri^. ^ Helix lapidda L. 

Biegt man von der Strasse unmittelbar hinter 
dem zur Ziegelei Hurst führenden Hohlweg nach 
links ein, so gelangt man in die grosse, nach der 
Seite der Breuschniederung hin sich ausdehnende 
Sundhauser'sche Grube. Auch hier folgt unter hell 
gefärbten, mit dem Gehänge, also nach Osten ge- 
neigten Lössschichten, welche sich nach unten ganz 
ähnlich wie in der Hurst'schen Grube in Färbung 
und Beschaffenheit allmählich ändern, eine dunkele, 
mehr graubraun gefärbte lehmige Zone (stark 
entkalkter, etwas humoser Löss). Sie bildet, selbst 
Kalkschrot führend, keine scharfe Grenze gegen die 



Strassbnrg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim . 229 

auflagernden helleren schrothaltigen Lössschichten, 
führt vereinzelte kleine Breuschgerölle und ent- 
spricht ungefähr der Kulturschicht der Hurst'schen 
Grube oder den tiefsten Schichten des jüngeren 
Loss. Neben Helix hispida L., Succinea oblonga 
Drp., Pupa muscorum L. sp., Helix pulchella Müll., 
Clausilien u. s. w., sowie Pupa pygnuxea Drp. 
kommen in dieser Schicht stellenweise Reste von 
Murmelthieren vor, und nach einem neuer- 
dings durch Herrn stud. Scheuermann gemachten, 
der geologischen Landes - Sammlung überwiesenen 
Funde ist auch der Schneehase hier vertreten. 
Im helleren Löss darüber sind Reste von Rhino- 
ceros tichorkinus Fisch, beobachtet. Geht man 
durch die Grube hindurch bei der Mühle vorbei bis 
zu der etwa 100 m südwestlich von letzterer an die 
Breuschniederung herantretenden Ecke des Löss- 
gehänges, so hat man hier Gelegenheit, eine ganz 
besonders auffallende, gesteinsartig feste, hell- bis 
dunkelbraune Ausbildungsweise des Schrot löss mit 
stellenweise zahlreichen Schalenbruchstücken grosser 
Schneckenarten in senkrechten, zerklüfteten Abstürzen 
anstehen zu sehen. 

Man kehre durch die Sundliauser'sche Ziegelei 
wieder auf die Strasse zurück und gehe auf dieser 
in südlicher Richtung weiter, wobei man zur Rechten 
an den mächtigen Massen von typischem (jüngerem) 



230 Excorsion 9. 



Löss, welche die Strasse sowie die westlich von 
dieser sich ausdehnenden Gruben in senkrechten 
Wänden aufschliessen, deutlich die Zonenstructur 
wahrnehmen kann. In der südlichsten örube (Ziegelei 
Schneider 1) wurden im Frühjahr 1894 bei der An- 
lage eines 52 m tiefen Brunnens unter diesem ge- 
bänderten reinen Löss (dem „gelben Letten*' oder 
„weissen Boden'' der Arbeiter, welcher nach allge- 
meiner Angabe der letzteren keine Knochenreste 
liefert, also mindestens sehr arm daran sein muss) 
nach einander folgende Schichten getroffen: 8,0 m 
Schrotlöss, vielfach etwas röthlich gefärbt (röthlicher 
Letten der Arbeiter) — 1,5 m Kulturschicht, 
schwach kalkhaltiger, etwas humoser Lösslehm, 
schwärzlich braun, ganz trocken graubraun, mit 
Kohlenstückchen, rostfarbenen Flecken und Säugethier- 
knochen (schwarze Erde der Arbeiter), 2a% — 5 m 
älterer Sandlöss. Sattgelbe bis hellgraue lössartige 
Schichten mit rothen Sandstreifen, conchylienreich, 



1) Vor dieser hat man von der Strasse aus einen 
hübschen Blick über- die Sundhauser'sche Grube auf die 
Breuschniederung. 

2) Die den Schichtenbezeichnungen am Ende beige- 
fügten Nummern entsprechen der Numerirung der Schichten 
in Fig. 16, welche das sog. Hangenbietener Profil darstellt. 
Sie sollen andeuten, in welcher Weise die Schichten dieser 
beiden wichtigen Profile mit einander zu vergleichen sind. 



Strassburg — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim . 231 

2 und 3, — 6,5 m sandlössähnliche Mergelsande 
und graue Diluvialmergel, 4 — 8, — 4,7 m Rhein- 
sand, wasserführend, 9. — 4,5 m Rheinschlick, etwas 
sandig, 10, — 2,0 m ebensolcher Rheinschlick, aber 
etwas dunkeler, mit moorigen Stellen. — 15,0 m 
schlickreioher feiner Rheinsand, ganz wasserfrei. — 
0,3 m Rheinsand. — Rheinkies, mit etwas Breusch- 
kies vermischt. Die Oberfläche dieser Kiesmassen, 
welche den Hauptgrundwasserhorizoot bildet, ver- 
läuft bei etwa 116 m über Normalnull, liegt also 
beiläufig 20 m tiefer als die Oberfläche der Rhein- 
kiesmassen der Rheinniederung bei Strassburg (135 m) 
und mindestens ebenso viel tiefer als die Oberflädie 
des Breusch- und Rheinkieses im Untergründe der 
Lössterrasse sowie der Breuschniederung westlich 
von Strassburg (die sich auf der Linie Kronenburg — 
Eckbolsheim — Lingolsheim in etwa 138 — 140 m 
über Normalnull hält. ^) Da im Schacht des Brunnens 



1) Das jüngere Alter der Kies- und SandablageniDgen 
im Untergrunde der Schiltigheimer Terrasse gegenüber den 
Rheinabsätzen unter dem Löss der höheren Terrasse (der 
sog. „Mundolsheimer Terrasse" und ihrer südlichen Foi-t- 
ßetzung) wird hierdurch besonders gut erläutert. 

Mit diesen Lagerungsverhältnissen hängt es zusammen, 
dass man in Hangenbieten, Achenheim, an den Haus- 
bergen U.S.W, tief unter das Niveau des Rheinspiegels, oft 
50 — 60 m unter die Oberfläche hinabgehen muss, ufii 
reichliche Wassermengen zu erhalten, wie man sie im 



232 Excursion 9. 



Über dem Schrotlöss etwa 4V2 m jüngerer Löss an- 
stehen und dazu noch mehrere Meter in der Grube 
über Tage anstehender Löss kommen, so ergeben 
die in der Grube aufgeschlossenen und im Brunnen 
durchsunkenen Schichten zusammen ein Profil von 
gegen 60 m Gesammtmächtigkeit, welches wohl das 
vollständigste bis jetzt aus dem Rheinthal bekannt 
gewordene Diluvialprofil darstellen dürfte. Es ent- 
spricht in allen wesentlichen Stücken demjenigen 
des grossartigen Aufschlusses am Breuschkanal 
zwischen Achenheim und Hangenbieten, welches 
uns die Excursion nun hauptsächlich noch'vor Augen 
führen soll, reicht jedoch bis in ein wenigstens 
noch 20 m tieferes geologisches Niveau hinab als 
dieses. 

Um zu dem soeben genannten Profil, gewöhnlich 
kurz als Profil von Hangenbieten bezeichnet, zu ge- 
langen, geht man von der Schneider'schen Ziegelei, 
hinter welcher sich der Weg theilt (der rechts ab- 
zweigende Weg führt nach Kolbsheim) zunächst 
weiter geradeaus, bis etwa 300 m über die ge- 
nannte Theilungsstelle hinaus. Hier schlägt man 
den links mit mehrfachen Biegungen durch Reb- 



Gebiet der Schiltigheim - Lingolsheiiner Terrasse vielfach 
schon in 7 — 10 m und noch etwas geringerer Tiefe, in der 
RheinniederuDg bei Strassburg aber gewöhnlich in der 
Tiefe von nur einigen Metern unter der Oberfläche antrifft. 



Strassbnrg — Achenheim — Haogenbieten — lingolsheim. 233 

gelände hinabführenden Weg ein und folgt dann 
weiter dem an letzteren sich anschliessenden Fuss- 
pfade, welcher (auf dem Messtischblatt nicht ver- 
zeichnet) am Fuss des Lössgehänges, dicht neben 
dem Breuschkanal, in der Richtung auf Hangenbieten 
verläuft. Wenn man auf diesem Fusspfad etwa V2 km 
zurückgelegt hat, tritt man aus dem schmalen Wald- 
streifen, durch welchen derselbe hinführt, heraus 
und sieht sich nun, an der zu Hangenbieten gehörigen 
Jeuch'schen Ziegelei und Sandgrube, gegenüber dem 
Profil von Hangenbieten. Dasselbe bietet die 
seltene Gelegenheit, eine rund 30 m mächtige diluviale 
Schichtenfolge an einem fast senkrechten Absturz 
ausstreichen zu sehen. Man hat hier über einander 
ältere diluviale Rheinsande, älteren dilu- 
vialen Rheinschlick, älteren Sandlöss, älte- 
ren Sandlehm (Yerwitterungsdecke des älteren 
Sandlöss) und jüngeren Löss aufgeschlossen. Die 
Eigenthümlichkeit des Löss, in vollkommen senk- 
rechten Wänden abzustürzen, tritt nirgends im Elsass 
so deutlich iu die Erscheinung wie hier, wo die 
eigentlichen Lössmassen eine Mächtigkeit von 17 m, 
stellenweise vielleicht sogar noch mehr erreichen. 
Der Löss wird zur Ziegelfabrikation abgestochen, 
der Sand theils ebenfalls hierbei verwendet, theils 
zu anderen Zwecken gegraben. Mehrere der auf- 
geschlossenen Schichten schliessen reichlich Schalen 



234 Excunion 9. 



von Schnecken oder auch kleinen Muscheln ein, 
so dass man hier gute Gelegenheit hat, Conchylien 
aus verschiedenalterigenDiluvialschichten zu sammeln. 
Das Profil ist in den Abhandlimgen zur geologischen 
Specialkarte von Elsass- Lothringen, Bd. lY, H. 2 
(A. Andreae, Der Diluvialsand von Hangenbieten im 
Unter -Elsass) im Besonderen mit Bücksicht auf die 
faunistischen Verhältnisse genau beschrieben, und 
in den Mittheilungen der geologischen Landes- 
Anstalt V. Els.-Lothr., Bd. 11 (E. Schumacher, Die 
Bildung und der Aufbau des oberrheinischen Tief- 
landes; vergl. S. 224 — 229, 240 und 253) sind 
die Verhältnisse der Schichtenfolge nochmals aus- 
führlich dargestellt und besprochen. Zum Bestimmen 
der vorkommenden Conchylien bediene man sich der 
beiden, der Andreae'schen Abhandlung beigegebenen 
Tafeln, auf welchen sämmüiche beobachtete Formen 
in wohlgelungener Weise photographisch abgebildet 
sind. Da wir ausserdem in Fig. 16 eine Profilansicht 
des Aufschlusses geben*), so erübrigen hier nur 



1) Die Figur, welche im übrigen weseutlich eine 
Wiedergabe der Fig. 6 aus Bd. II der oben angeführten 
Mittheilungen (S. 225) ist, weicht von letzterer durch die 
Ausscheidung der Zone 2a ab, deren sichere Deutung in 
Folge der namentlich früher zum Theil sehr schwieriger 
Zugänglichkeit der Stelle ei*st in neuerer Zeit möglich ge- 
worden war. (Zeitsohr. D. G. G. Bd. XLV, S. 550—553.) 



236 Excarsion 9. 



noch einige kurze orientirende Bemerkungen über 
die einzelnen Schichten als Ergänzung zu den in 
der Figurenerklärung gegebenen zusammenfassenden 
Bezeichnungen, welche uns nur verdeutlichen sollen, 
in welcher Weise die sämmtlichen zu unterscheiden- 
den Schichten in natürliche geologische öruppen 
zu vereinigen sind. 

Der Löss 1 ist typisch ausgebildet, ungeschich- 
tet, lichtockergelb bis weisslichgelb. Enthält nur 
die drei charakteristischen Landschnecken Helix 
hispida L., Succinea oblonga Drp., Pupa muscorum 
L. sp. — An der Basis sind gelegentlich Knochen- 
reste zum Vorschein gekommen. 

Schicht 2a ist ein im Allgemeinen braungelber 
bis gelbbrauner Lehm, der jedoch in den zwei obe- 
ren Dritteln durch Einschaltung von röthlichbraunen 
sandig-lehmigen Lagen gestreift erscheint. Zer- 
streut kleine Mergelconcretionen in manchen Lagen. 

Der Sandlöss 2 unterscheidet sich von 1 deut- 
lich durch seine mehr gelbliche, theilweise sogar 
sehr lebhaft gelbe Färbung. Er führt neben Land- 
schnecken auch Süsswasserschnecken und zwar 
in überwiegender Anzahl. Nach unten zeigt er sich 
vielfach in sehr eigenthümlicher Weise mit dem 
rothen Diluvialsand 3 verknüpft, indem unregel- 
mässige Schmitzen und Streifen des letzteren in 
jenen hineingeschleppt und ausgezogen erscheinen. 



Strassburg — Achenheim — Hansfenbieten — Lingolsheim . 237 

Yon dem rothen Diluvialsand (Breuschsand) 3 
ist der unterste 0,1 m besonders grobkörnig, mergelig 
und sehr reich an Schneckenschalen. Die hier vor- 
kommende Helix tenuilahris AI. Brn. lebt gegenwärtig 
im höchsten Norden Russlands. 

Der Schicht 4, welche eine lössartige Bank mit 
Linsen von grauem Mergel (Rheinschlick) sowie mit 
plattigen Mergelconcretionen darstellt, ist die Schicht 6, 
eine lössartige, geschichtete Bank auch in Bezug 
auf solche Einlagerungen durchaus ähnlich. Zwischen 
ihnen keilt 

Schicht 5, ein zum Theil sehr grobkörniger 
Breuschsand, aus. 

In Schicht 7 haben wir einen hellblaugrauen, 
nach unten häufig dunkelgelb bis braun gebänderten 
Mergel mit zahlreichen Schalen, namentlich von 
Wasserschnecken, vor uns, der als ein alter 
Rheinschlick zu deuten ist. — Ihr steht die haupt- 
sächlich durch Bohrung ermittelte Schicht 10 sehr 
nahe, welche aber einen starken Sandgehalt aufweist 
und demgemäss als sandiger Rheinschlick bezeichnet 
werden muss. 

Zwischen den Schlickschichten 7 und 10 schalten 
sich nun endlich die grauen Diluvialsande (Rhein- 
sande) ein, von denen die graugelb gefärbte Schicht 8 
noch stark mergelig (schlickig) und demgemäss als 
ein Schlicksand zu bezeichnen ist, während Schicht 9 



238 Excanioa 9. 



einen reineren , kalkhaltigen Sand von grauer Farbe 
darstellt, welcher \'iele helle Glimmerblättchen 
führt und kleine Thoneisensteinconcretionen ein- 
gelagert enthält. Der Sand 9 birgt, besonders in 
dünnen Schichten von etwas gröberem Kom eine 
sehr reiche und interessante Molluskenfauna, in wel- 
cher Andreae 71 Sohnecken- und 8 kleine Muschel- 
arten oder 48 Land- auf 31 Süsswasserformen 
unterscheiden konnte. Die Zusammensetzung der 
Fauna weist etwa auf das Alter der bekannten Mos- 
bacher Sande hin. Ein Fünftel aller nachgewiesenen 
Arten sind entweder bereits ganz ausgestorben oder 
doch gegenwärtig im Oberrheingebiet nicht mehr zu 
Hause. 

In 8 Minuten erreicht man von der Stelle des 
Profils aus den Ort Hangen bieten (2^2 km von 
Achenheim). Auf der ersten, rechts abgehenden 
Querstrasse, welche man hier trifft, gelangt man 
bald an eine zu rechter Hand gelegene Ziegelei, in 
der man jüngeren Löss, Laimen (älteren Löss- 
lehm) und älteren Löss bezüglich Sandlöss an- 
stehen sieht. Nahe über dem Laimen, also an der 
Basis des jüngeren Löss, finden sich auch hier 
Knochenreste von Pferd, Mammuth, Benthier usw. 

Von Hangenbieten begiebt man sich nach der 
Haltestelle Enzheim der Bahnlinie Molsheim -Strass- 
burg (2 km). Der Weg führt quer durch die 



Strassbi|]^ — Achenheim — Hangenbieten — Lingolsheim. 239 

Breuschebene, welche sich in mehrere über 
einander folgende, nur theilweise deutlich gegen 
einander abgegrenzte Erosionsstufen gliedert. Ein 
Theil von Hangenbieten, nämlich der östliche (der 
westliche steht auf Löss), liegt auf der mittleren 
Stufe, deren Höhenlage sich etwa zwischen 1^^ 
und 3 m über dem Niveau der Breusch hält. Nicht 
weit jedoch hinter dem Ort, bald nach üeberschrei- 
tung des Breuschkanals, tritt man in die oberste 
Stufe (etwa 3 m und mehr über der Breusch), welche 
allerdings nicht scharf gegen die mittlere absetzt, 
ein. Wenn man endlich etwa halbwegs zwischen 
dem Kanal und der genannten Haltestelle über die 
Breuschbrücke geht, so übei-schreitet man die tiefste 
und jüngste Erosionsstufe (die jungalluviale Fläche), 
welche hier die oberste in einer schmalen, scharf 
eingeschnittenen Rinne durchbricht. Den Untergrund 
dieser Erosionsterrassen bilden die diluvialen Breusch- 
anschwemmungen (die jüngeren diluvialen Breusch- 
kiese und -Sande), welche man sich unter den in 
der südlich angrenzenden flachen Lösslandschaft ent- 
wickelten Massen von jüngerem Löss und Sandlöss 
fortsetzend zu denken hat. Die Oberfläche, wenig- 
stens der beiden oberen Terrassen, wird dagegen 
bis zumeist etwa 1 m Tiefe von gewöhnlich röthlich- 
braunem sandigem Lehm oder lehmigem Sand ge- 
bildet, der sich, ein Hochwasserabsatz der Breusch, 



240 Excnrsion 9. 



auf den stufenweise ausgewaschenen Flächen der 
Diluvialkiese und -Sande (den eigentlichen Erosions- 
flächen) nachträglich abgelagert hat. 

Wenn die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges noch 
langt, mache man kurz (250 m) vor Station Enzheim, 
indem man die hier befindliche Brücke über die 
unmittelbar links neben der Strasse fliessende Altdorfer 
Breusch, einen schwächeren südlichen Arm des 
Flusses, benützt und dann in einem ganz jungen, 
bei gewöhnlichem Wasserstande trocken liegenden 
Breuschdurchbruch nordwärts weitergeht, einen klei- 
nen Abstecher an das südliche Ufer der Breusch 
nördlich und nordöstlich von der Station. Hierselbst 
tritt die oberste Stufe der Breuschebene an den Fluss 
heran, und hat man, wenn nicht gerade Hochwasser 
ist, Gelegenheit, an dem bis 3Y2 ^ hohen Steilufer 
über den diluvialen Breuschkiesen und -Sauden, in 
welche sich der Fluss mehrere Meter tief einge- 
waschen hat, die erwähnten B reu schieb m- Ablage- 
rungen in einer Mächtigkeit von bis über IY2 ^ 
aufgeschlossen zu sehen. Eine Strecke weit schaltet 
sich zwischen dem gelb- oder rothbraunen Lehm 
und dem Diluvialkies noch eine Ablagerung von 
weisslichbraunem , tuffigem, nach imten sandigem 
Lössmaterial ein. 

Yon Station Enzheim fährt man mit der Eisen- 
bahn in 10 Minuten nach Lingolsheim (letzte Station 



Strassburg — Achenheim — Hangen bieten — Lingolsheira. 241 

vor Strassburg). Etwa Yg ^^ hinter der Abgangs- 
station tritt man in das Lössgebiet der ^Lingols- 
heimer Terrasse" ein, welche denselben geologischen 
Bau aufweist wie die Schiltigheimer Terrasse und 
daher (gleich den niederen Lössflächen bei Enzheim 
und weiter westlich) als deren natürliche Fortsetzung 
zu betrachten ist. In Lingolsheim angelangt, folgt 
man dem neben der Bahnlinie auf der rechten (Süd-) 
Seite laufenden Feldweg und stösst, etwa Yg ^^ ^^^ 
Bahnhof, auf Gruben in den diluvialen Breusch- 
sanden und Kiesen. Ebensolche Gruben dehnen 
sich von hier ab auf der linken Bahnseite bis zum 
Strassenübergang am Bahnwärterhaus aus. Alte 
Gruben südlich von letzterem sind zum grossen Theil 
wieder zugeworfen. Die rothen Sande , welche oft sehr 
schön schräge Schichtung wahrnehmen lassen, 
werden als Mauersand gewonnen und schliessen, 
soweit sich nach den bis jetzt daraus bekannt ge- 
wordenen fossilen Knochenresten beurtheilen lässt, 
eine derjenigen an der Basis des jüngeren Löss ent- 
sprechende Säugethierfauna ein. In einiger Tiefe 
schalten sich, wie namentlich in alten, zugeschütteten 
Gruben seiner Zeit gut zu sehen war, in den Kiesen 
und Sauden ab und zu dünne Lagen von Ehein- 
material (grauem Sand oder sandigem Schlick) ein. 
In den Gruben südlich von der Bahnlinie ist der 
Kies noch von dem (jüngeren) Sand lös s bedeckt, 

Führer durch d. Elsass. ]6 



242 Excarsion 10. 



der aber, wie fast allenthalben in der Umgebung 
von Lingolsheim, bis zu 1 oder lYg m Tiefe ent- 
kalkt ist. 

Mit Strassburg wird Lingolsheim demnächst 
auch durch eine elektrische Trambahn verbunden sein. 



Excnrslon 10. 

rrniatt — Sldeck — Schneebem^ — Wan^enbnrg — Romansweiler. — 

Culm, Rothliogendes (mit Quarzporphyr), Bnntsandstein, 

Maschelsandstein. 

Messtischbiätter Lützelhansen, Dagsbarg, Wasselnheim. 
Vogesenclabkarte Blatt Molsheim. 







iese Excursion ist wesentlich dem Studium 
des Ober- Rothliegenden und des Bunt- 
sandsteins bis hinauf zum Hauptconglo- 
merat gewidmet. Da sie sich aber in der Nähe 
der grossen Verwerfung bewegt, welche die Zabemer 
Bucht auf ihrer Westseite gegen das Gebirge be- 
grenzt, haben wir Gelegenheit, auch diese, Avenigstens 
in ihrer südlichen Fortsetzung, etwas näher kennen 
zu lernen. 

Yom Bahnhof ürmatt folgen wir dem Yogesen- 
clubpfad, der in nordwestlicher Richtung nach der 
Nideck weist. Wir gelangen zunächst an eine Di- 



ürmatt — Nideck — Schneeberg — Roiüansweiler . 243 

luvialterrasse, gebildet aus Lehm und Schotter, 
dann, nahe am Waldesrand, auf ältere Schiefer, 
welche unter dem Diluvium hervortreten. Es sind 
graue und rothe, dem Culm zugehörige Schiefer 
von ähnlicher Ausbildung, wie sie bei Wisch und 
Hersbach (Exe. 11) anstehen. 

Während uns diese Schiefer etwa 2 km weit 
begleiten, nur zweimal auf kürzere Erstreckung von 
flach gelagerten, abgesunkenen Buntsandsteinresten 
bedeckt, liegen östlich vom Waldesrand und jen- 
seits des Wiesengrundes im gleichen Niveau, an 
einzelnen Stellen in Steinbrüchen und an Wegen 
gut aufgeschlossen, weit jüngere und vielfach steil 
gestellte Schichten, so das Hauptconglomerat des 
Buntsandsteins, Yoltziensandstein, oberer 
Muschelkalk und Gypskeuper, zum Beweis, 
dass hier eine starke Verwerfung etwa dem 
Waldesrande parallel verläuft, an der die früher in 
höherem Niveau gelagerten Schichten in die Tiefe 
gesunken und dadurch der vollständigen Erosion 
entgangen sind. 

Gegenüber Oberhaslach verlassen wir auf kurze 
Zeit den Wald. Wir überschreiten einen kleinen 
Bach, der Geschiebe von buntgefärbten Porphyr- 
tuffen aus dem oberhalb anstehenden Rothliegenden 
in grosser Menge enthält und gelangen, nachdem 
wir eine kleine von Diluvialschotter bedeckte 

16* 



244 Excorsion 10. 



Anhöhe erstiegen, in das Gebiet des Eoth- 
liegenden. 

Zunächst fallen uns einzelne Klippen links am 
Wege auf. Sie gehören einem Quarzporphyr an, 
der in vorherrschender rothbrauner Grundmasse nur 
wenige Einsprengunge von Feldspath enthält. Er 
bildet hier eine wohl an 80 m mächtige Decke 



z» 



Fig. 17. Profil vom Haselthal über Nideck bis zum 

Schneeberg. 

Maassstab für Längen und Höhen 1:50000. 

1 Onlmschiefer. 2 Porphyrtuffe. P Porphyr. 3 Porphyrtuffe , Arkosen 
und Schieferthone des Rothliegenden. 4 mittlerer Bontsandstein. 

5 Hanptconglomerat. 



Über Porphyrtuffen. Später fuhrt der Pfad in 
die Porphyrtuffe selbst; aber da dieselben, bei dich- 
ter Beschaffenheit und gleichraässig brauner Farbe, 
zuweilen silificirt sind, lassen sie sich von dem 
dichten Quarzporphyr nur schwer unterscheiden. 
Immerhin zeigen wenigstens einzelne Bänke eine 
deutlich breccienartige Beschaffenheit; auch sind 
runde weisse Flecken für einige Tuffbänke sehr 
charakteristisch. 



Urmatt — Nideck — Schneeberg — Romansweiler. 245 

Gegenüber dem Forsthaus Hohsteinwald tritt 
wieder eine Porphyrwand, ein Ausläufer der Porphyr- 
decke, direct an den Weg. Weiterhin aber folgen 
dann unter derselben gelagert, bezw. jenseits einer 
am Fahrweg weiter oberhalb gut aufgeschlossenen 
Verwerfung, rothe Schieferthone und mit ihnen 
verbunden hellfarbige, zuweilen verkieselte Por- 



.100»' 



. Jßrehe ^»ul _ Ruin». S4g*miMt . $00 



Fig. 18. Profil vom Schneeberg über den Kohlberg nach 

Wangenburg. 

Maassstab für Längen nnd Höhen 1:50000. 

3 Breccien , Schieferthone nnd Arkosen des Bothhegenden. 4 mittlerer 
Buntsandstein. 5 Hauptconglomerat. 6 Zwischenschichten. 7 Voltzien- 

Sandstein. 8 Muschelsandstein. 



phyrtuffe, die in dichter porzellanartiger Grund- 
masse einzelne eckige Einschlüsse von Porphyr ent- 
halten. Auch Porphyrconglomerate stellen 
sich ein. 

Bei der Sagemühle Steinbächel ändert sich 
plötzlich das Gestein. An der Strasse, die wir von 
hier aus eine kurze Strecke weiter wandern, stehen 
graue Schiefer mit steilem Einfallen an. Es sind 
Culmschiefer, zum Theil als Dachschiefer ent- 



246 Excnrsion 10. 



wickelt; sie wurden früher in einem Seitenthal, dem 
Schieferthal, wohl als solche gewonnen. Von dem 
vorher erwähnten Rothliegenden sind sie durch eine 
nordnordöstlich streichende Verwerfung getrennt. 
Die Verbreitung der Schiefer liier im Haselthal ist 
nicht gross; sie werden schon bald, kurz vor der 
Sägemühle Nideck, von flach gelagerten Porphyr- 
tuffen des Rothliegenden discordant überlagert (vgl. 
Profil Fig. 17). Von letzteren kann man verschie- 
dene Varietäten und prächtige Stücke an dem 
Promenadenwege sammeln, der bei der Sägemühle 
rechts von der Strasse abzweigt und uns hinauf 
zur Nideck führt. 

Schon von ferne hört man das Rauschen des 
Wasserfalles (siehe Fig. 19). Bald befinden wir 
uns am Fusse gewaltiger Felsen, die, fest inein- 
andergefügt, einer Mauer gleichen, von Riesen ge- 
baut. Zwei Bäche stürzen rechts und links vor 
uns über die Porphyrfelsen herab, und hoch über 
der mittleren Wand erhebt sich im Hintergrund aus 
dem Waldesgrün der Thurm von Burg Nideck, dem 
sagenumwobenen Riesenschloss. 

Ein schmaler Pfad führt an der rechten Wand 
zur Höhe und zum Thurm. Der Porphyr, der, 
auf den PorphyrtufPen gelagert, sich bis hierher er- 
streckt und auch die anderen weitläufigen Reste 
des Riesenschlosses trägt, erreicht eine Mächtigkeit 



natt— Sideck — Schi 



Fig. 19. ■Wasserfall unterhalb der Ruine Nidocl:. 



248 Ezcorsion 10. 



von etwa 140 m. Es folgen auf diese Decke, schlecht 
aufgeschlossen und von Buntsandsteinschutt vielfach 
bedeckt, zunächst noch einige Bänke PorphyrtuflF, 
dann Arkosen wechselnd mit Breccien, und weiter- 
hin an der Nideckstrasse rothe Schieferthone 
und dünnschieferige rothe, thonreiche, fein- 
körnige Sandsteine, über denen am Abhang des 
dichtbewaldeten Schneebergs zahlreiche Quellen zu 
Tage treten.^) 

In der Nähe des Forsthauses Nideck (Er- 
frischungen) beginnt auf bequemem Clubpfad der 
Anstieg zum Schneeberge. Der mittlere Bunt- 
sandstein, in seiner unteren Abtheilung reich an 
Gerollen von Quarz, weiter nach oben aber nahezu 
frei von solchen, erreicht hier die ansehnliche 
Mächtigkeit von etwa 300 m. Aufschlüsse im an- 
stehenden Gestein fehlen vollständig; denn wie am 
Donon (Seite 260), so bedecken auch hier den Ab- 
hang wild übereinander gestürzte grosse Blöcke, hier 
und da zu einem wahren Felsenraeere zusammen- 
gehäuft. Nur der Gipfel des Schneebergs (960 m 
über dem Meer) zeigt prachtvoll aufgeschlossen das. 
Hauptconglomerat; mächtige, durch breite Klüfte 



1) Eingehonderes über das Rothliegende dieser Gegend 
enthält die Arbeit von H. Bücking, Das Rothliegende des 
Breuschthals; Mitth. der Commiss. für die geolog. Landes- 
untersuchung 7v. Elsass- Lothringen, Bd. IT, 1890, S. 105. 



Urmatt — Nideck — Schneeberg— Bomonsweiler. 249 

voneinander getrennte Felsmassen erheben sich hoch 
über den spärlich bewachsenen, etwas moorigen 
Bücken und fallen schon von weitem durch ihre 
abenteuerlichen Formen auf. Der letzte, nur mit 
schmaler Basis aufruhende, gerundete Block links 
auf der Felsengruppe, kann schon durch schwache 
Stösse in deutlich schaukelnde Bewegung versetzt 
werden; es ist der Lottelfelsen, an den sich manche 
Sage knüpft. 

Der Weg nach Wangenburg hinab (^^ Stunde) 
führt durch ein ausgedehntes Felsenmeer von mitt- 
lerem Buntsandstein. Erst an der Waldesgrenze, 
von wo ein herrlicher Blick auf die zerstreuten 
freundlichen Häuser von Wangenburg und über diese 
hinweg auf die Eheinebene mit dem Strassburger 
Münster in der Ferne sieh eröffnet, gelangen wir 
in das Ober-Rothliegende (vgl. Profil Fig. 18). 
In dem geradeaus nach Norden zur Strasse hinab- 
führenden Hohlweg stehen rothbraune Grande, 
aus kleinen scharfkantigen Bruchstücken krystallini- 
scher Gesteine bestehend, und rothe Schiefer- 
thone mit Zwischenlagen von thonreichem fein- 
kömigen Sandstein an. 

Ein wenig weiter östlich, gerade vor der Kirche, 
schneidet die bereits bei Urmatt angetroffene Haupt- 
verwerfung das Rothliegende ab. In dem gleichen 
Niveau, in dem auf der Westseite der Verwerfung 



250 Excorsion 10. 



die Bänke des Ober-ßothliegenden, nahezu hori- 
zontal gelagert, anstehen, liegen auf ihrer Ostseite 
Yoltziensandstein und Muschelsandstein in 
ebenfalls horizontaler Lagerung. An der Kirche und 
besonders an dem Weg, der der Kirche gegenüber 
zum Wiesengrund hinabführt, kann man Muschel- 
sandstein mit den charakteristischen Versteinerungen 
sammeln. Die Höhe des Yerwurfs, der Betrag, um 
welchen der Muschelsaudstein gegenüber der Masse 
des Schneebergs nach Osten hin zur Tiefe gesunken 
ist, ist demnach hier noch grösser als die ganze 
Mächtigkeit des Buntsandsteins ; sie ist auf mindestens 
450 m zu schätzen. 

Eine Wanderung an dem * Hotel vorbei zur Ruine 
Wangenburg ist insofern noch belehrend, als wir 
dort, ungelähr in gleichem Niveau mit dem Muschel- 
sandstein an der Kirche, das Hauptconglomerat an- 
stehend sehen, ebenfalls horizontal gelagert, wie 
oben auf dem Gipfel des Schneebergs. Zwischen 
Kirche und Ruine haben Avir demnach abermals eine 
Verwerfung überschritten; diese unterscheidet sich 
aber dadurch von der vorher erwähnten, dass bei 
ihr im Osten die älteren und im Westen die jüngeren 
Schichten gelegen sind. Der Muschelsandstein an 
der Kirche bei Wangenburg liegt demnach in einem 
Graben zwischen zwei Verwerfungen von ungleicher 
Sprunghöhe. 



r 



Urmatt — Nideck — Schneoberg — Romansweiler. 251 

Der geologische Bau der Umgebung von Wangen- 
burg erweist sich bei genauer Untersuchung noch 
viel complicirter, als es nach dem eben Mitgetheilten 
den Anschein hat. Wenn man auf der Strasse von 
Wangenburg nach der Station Romansweiler, die 
man je nach der noch zur Verfügung stehenden 
Zeit zu Fuss oder zu Wagen (Hotelomnibus) zurück- 
legt (9 km), auf den Verlauf des Hauptconglomerats, 
des besten, weil weithin erkennbaren Horizontes im 
Buntsandstein, aufmerksam Acht giebt, wird man 
noch mehrere Störungen, besonders bei Freudeneck, 
an der Grenze der Messtischblätter Dagsburg und 
Wasselnheim , beobachten. 

Der Buntsandstein erstreckt sich im Thal der 
Mossig abwärts bis in die Gegend des Forsthauses 
Fuchsloch. Hier trifft man auf eine Ablagerung 
von diluvialem Lehm und Schotter. Erst in der 
Nähe des Bahnhofs Romansweiler kommen unter dem 
Quartär am Steilrande gegen die Mossig hin Bänke 
des oberen Muschelkalks (Trochitenkalk) zu Tage. 



252 Excarsion 11. 




Excainsion 11. 

0bere8 Brensehthal. 
1. Tag. Von Sehirmeek oder Henbaeh zum Ealkbnich oberhalb der 
Schirmeker Weinberge, dann über den Steinbmch bei Wackenbach 
znm Donon (Erfrischungen im Forsthaus oder im Hotel Velleda); von 
da durch das 'Wischer Thal nach Wisch zurück. — Mitteldevon, 
Culm, Ober-Rothliegendes, Buntsandstein, Keratophyr, 
Minette, Diabas, Porphyrit, Quarzporphyr. 

Messtischblatter Lützelhausen, Schirmeck und Lascemborn. 
Yogesenklubkarte Oberes Breuschthal und Alberschweiler — 

Dachsburg. 

en grossen Steinbruch an der Eisenbahn 
zwischen Schirmeck und Hersbach erreicht 
man von Schirmeck oder von der Station 
Hersbach aus am bequemsten, wenn man die Land- 
strasse, die der Bahn entlang führt, benutzt. 

Im Steinbruch wird eine helle quarzitische 
Ar kose zur Eisenbahn- und Strassenbeschotterung 
gewonnen. Ihr geologisches Alter ist nicht genau 
bekannt; wahrscheinlich ist sie zum Culm zu stel- 
len. Auf der rechten Seite des Bruches werden im 
Hangenden der Arkose rothe Schiefer sichtbar; 
solche erscheinen in ähnlicher Ausbildung auch 
weiterhinauf am Berge melirfach in Wechsella- 
gerung mit der Arkose. Schräg nach dem Berg 
hin gerichtete, 1 bis 2 m mächtige Gänge von 
Minette begrenzen den Steinbruch nach Osten und 
Westen; das Gestein ist stark zersetzt und zeigt, 



Oberes BrenschlbaJ. 



254 Excursion 11. 



zumal auf dem westlichen Gang recht deutlich, die 
kugelig- schalige Absonderung, die für Minette so 
charakteristisch ist. 

Wir wenden uns nun thalaufwärts, überschrei- 
ten das Tommeisbachthal an seiner Einmündung in 
das Hauptthal und gelangen in einen rechts von der 
Eisenbahn gelegenen Einschnitt. Hier stehen rothe 
Schiefer an, durch eine nicht gerade in's Auge fal- 
lende Verwerfung von den vorher gesehenen rothen 
Schiefern und Arkosen getrennt, dann weiterhin 
recht grobe Conglomerate mit zahlreichen Kalkein- 
schlüssen, von welchen bereits oben S. 18 die Rede 
war (Fig. 20). Etwa 100 Schritte seitwärts vom 
Eisenbahndamm, an einem Feldweg unterhalb der 
Weinberge, tritt ein Kalkstein zu Tage — wahr- 
scheinlich eine selbständige Bank im Liegenden 
der Conglomerate — , der dadurch besonderes In- 
teresse besitzt, dass sich in ihm eine Reihe von 
Petrefacten gefunden haben, unter welchen neben 
Heliolites porosa und Favosites polymorplia nament- 
lich Siringocephalus Burtin% Airypa reticularis, Bhyn- 
chonella parallelepida , Produchis acukatus, Cupn^esso- 
crinus abbreviatus und Calceola sandalina gefunden 
wurden.^) Auf Grund derselben hat man die zu- 



1) Vgl. Jaekel, mitteldevoiiische Schichten im Breiisch- 
thal, Mittheil. d. Geolog. Landes - Anstalt v. Elsass - Lothr. 
I. 1888, S. 229 ff. 



Oberes Breuschthal. 255 



letzt erwähnten Schichten in's Mittel clevon gestellt. 
Ein gleiches Alter kommt wohl auch den grauen 
und dunkeln Schiefern zu, welche man etwas hoher, 
in dem Weinberge, antrifft. 

Oberhalb des Weinbergs liegt ein grosser Stein- 
bruch. Man gelangt zu demselben am besten auf 
einem Wege, der bei der Einmündung des nächsten 
Seitenthälchens gerade in die Höhe führt. Unten 
stehen hier graue Schiefer an, dann folgen Arkosen 
und Conglomerate, zuletzt rothe und graue Schie- 
fer; in diesen einlagert ist die mächtige Kalk- 
linse, die Gegenstand der Gewinnung ist. Unten 
liegen hier hellgraue, dichte Kalksteine mit split- 
trigem Bruch, weiter oben weisse zuckerkörnige 
Dolomite mit einer eigen thümlichen zelligen Struc- 
tur; sie scheinen durch Uebergänge mit den dichten 
Kalken verbunden zu sein. Kalk und Dolomit werden 
von einem westnordwestlich streichenden M i nette - 
gang durchsetzt, der aber, entgegen einer von Ye- 
lain gegebenen Beschreibung, keine sichtbaren Ver- 
änderungen in dem Nebengestein hervorgerufen hat. 
Auch ein nordnordöstlich gerichteter Gang von Gra- 
nitporphyr ist aufgeschlossen und bildet eine hoch- 
aufragende Wand in dem östlichen Theil des Bruches. 

In dem Kalke finden sich Heliolites porosa, 
Favosites polymorpha und Cupressocrinus- Glieder^ 
Petrefacten, welche auch in dem vorhererwähnten 



256 Excnrsion 11. 



Kalkstein unterhalb des Weinbergs beobachtet wor- 
den sind. Auch die grauen Schiefer, Avelche den 
Kalk und Dolomit einschliessen , sind oft reich an 
Crinoidenstielgliedem. 

Wir folgen nun einem Horizontalpfad vom Stein- 
bruch aus nach Nordwesten hin, überschreiten das 
kleine Thälchen und wählen den Weg, welcher am 
Waldesrand entlang nach Schirmeck führt. Auf 
diesem treffen wir, anscheinend im Hangenden, in 
Wirklichkeit aber, da die Schichtenstellung eine über- 
kippte ist, im Liegenden des Kalkes, Schal stein- 
Conglomerate und feine graubraune Arkosen. 
Die letzteren schliessen schlecht erhaltene Steinkerne 
von Crinoiden und Brachiopoden ein. Wir gelangen 
dann, nach der Eisenbahn hin vorwärts imd zu- 
gleich abwärts schreitend, allmählich wieder in das 
Hangende und zwar zunächst in graue und dimkle 
Schiefer, die wahrscheinlich den vorher erwähnten 
Schiefern am Kalkbruch entsprechen. Im tiefen 
Bahneinschnitt, in den wir von oben hinabsehen, liegen 
graue Griffel schiefer, die wohl demselben Ho- 
rizonte zugehören. 

Wahrscheinlich etwas älter sind die devonischen 
Ablagerungen im Thal des Framontbaches. Dieses 
zweigt vom Breuschthal bei Schirmeck in westlicher 
Richtung, nach dem Donon hin, ab; in ihm ver- 
laufen die Waldeisenbahn, welche an der Rampe 



Oberes Breaschthal. 257 



oberhalb des Bahnhofes Schirmeck endigt, und die 
Drahtseilbahn, mittels welcher Beschotterungsmate- 
rial aus dem Wackenbacher Steinbruch über die 
Waldbahn hinweg zum Verladeplatz am Bahnhofe 
befördert wird. Wir folgen derselben thalaufwärts 
und erreichen bald, auf halbem Wege von Schirm- 
eck nach Wackenbach, den grossen staatlichen Stein- 
bruch. 

Hier gewinnt man ein Eruptivgestein und zwar 
einen Keratophyr. Das Gestein ist ganz einem 
qnarzfreien Porphyr ähnlich, unterscheidet sich aber 
von diesem durch das üeberwiegen des Natrons 
gegenüber dem Kali; demgemäss sind auch die 
zahlreichen weissen und blassröthlichen Feldspäthe, 
welche das Gestein in der dunkelgrünen Grund- 
masse enthält, kein Kali-, sondern ein Natronfeld- 
spath. Begleitet wird der Keratophyr im Steinbruch 
von stark veränderten, silificirten tufPähnlichen Ge- 
steinen (Keratophyrtuffen); auch durchsetzt ihn 
in nordwestlicher Richtung ein Gang von Min^tte, 
von der man ab und zu recht frische Stücke sam- 
meln kann. 

Der Keratophyr und die zugehörigen Tuffe bilden 

eine sehr mächtige Einlagerung in den devonischen 

Sedimenten. Im Hangenden finden wir dieselben 

Schalstein- Conglomerate und graubraunen 

Arkosen, die wir schon beim Verlassen des Schirm- 
Führer durch d. Elsass. 17 



258 Excnrsioii 11. 



ecker Kalkbruchs antrafen. Aber auch unter dem 
Keratophyr liegen Schalstein -Conglomerate zum Theil 
von ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie die oben 
erwähnten; sie gleichen auch den Gesteinen, in 
welchen sich weiter südlich, bei Champenay, Calr 
ceola sandalina etc. gefunden hat, imd sind deshalb 
wohl mit diesen in das untere Mitteldevon zu 
stellen. Wir erreichen diese Schichten im Liegenden 



La,Cnuhe 




Fig. 21. Profil von Raon-les-Leau über La Crache 

nach Les Minieres. 

Maassstab für Längen und Höhen 1 : 60000. 

dr rothe Dachschiefer und Arkosen (Devon), de devonische Conglomerate^ 

Schalsteine and Arkosen. m devonischer Kalk und Dolomit. D Diabas. 

Pt Porphyrit. ro Ober -Rothliegendes (Arkosen und Conglomerate). 

des Kerdtophyrs am bequemsten, wenn wir den 
Clubpfad nach dem Donon aufsuchen, der rechts 
von der Strasse gleich oberhalb des Steinbruchs in 
den Wald führt. 

An dem Fahrweg, den wir nach drei Minuten 
kreuzen, stehen beiderseits, sowohl nach oben als 
nach unten , Schalstein - Conglomerate an. Sie besitzen 
eine grosse Mächtigkeit. Davon kann man sich so- 
wohl auf der Wanderung nach dem Donon über- 
zeugen, als auf dem Fusspfad von Schirmeck über 



Oberes Btvaschthal. 259 



Salm nach Haut-Fourneau und von Minieres über 
die ehemalige Fenne La Crache (Messtischblatt Plaine) 
nach dem französischen Dorfe Raon-les-Leau, wo 
gleichfalls Einlagerungen von dolomitisirtem 
weissen Kalk und rothe zu Dachschiefern ge- 
eignete Schiefer auftreten (Fig. 21). Die Schalstein - 
Conglomerate bestehen aus zahlreichen rundlichen 
und eckigen Brocken porphyrit-, melaphyr- und 
diabasai-tiger Gesteine, welche durch ein feinklasti- 
sches Bindemittel zusammengehalten werden; bald 
sind sie grob-, bald feinconglomeratisch entwickelt; 
in der Begel stark zersetzt, besitzen sie eine 
schmutzig braungrüne bis bräunlich -violette Färbung. 
Als Einlagerung treten in ihnen ausser den bereits 
erwähnten Linsen von Kalk und Lagern von Kera- 
tophyr noch Quarzite und dichte hornfelsartige, 
stark siliücirte Gesteine, ferner Porphyroide, zum 
Theil von dunkeler Farbe, verkieselte Conglo- 
merate (besonders am Mattliiskopf) und dann mehr 
oder weniger mächtige Lager von Porphyr, Por- 
phyrit imd besonders Diabas auf. Gerade Diabas 
trifft man auf dem Wege nach dem Donon ziemlich 
häufig, zuletzt da, wo der Fusspfad gleich oberhalb 
des Forsthauses Donon (Messtischblatt Lascembom) 
in den Wald tritt. 

Der Clubpfad nach dem Gipfel des Donon führt 
bei 80 m Höhe über dem Forsthaus an einem klei- 

17* 



neo Steinbruch vorbei, in welchem devonische ver- 
kieselte Conglomerate fQr <tie Beschotterung der 
Waldstrassen gebrochen werden. Dann gelangen 
wir alsbald in den mächtigen Gehängeschutt, der 
■die Abhänge des DonoüB bedeckt. Grosse Blöcke 



von grobem Bnntsand stein mit zahlreich eingestreu- 
ten Qiiarzgeröilen, aus der unteren Abtheilung .des 
mittleren Buntsandsteins, liegen wild Über- 
einantlergostttrzt allenthalben am Bergabhange bis 
herauf zur Höhe; sie stehen auch in mächtigen 
Felsen auf der södlichen Kuppe an, während sie 
an der nünllichen, von dem kleinen Tempel (Musfe) 



Oberes Breuschthal. 261 



gekrönten Kuppe von einer Platte geröllfreien Bunt- 
sandsteins bedeckt werden, die man bereits zu 
der oberen Abtheilung des mittleren Buntsandsteins 
rechnet. 

Nachdem wir die umfassende Aussicht ge- 
nossen und uns Klarheit über all die zahlreichen 
Bergkuppen und Ortschaften ringsherum verschafft 
haben, wobei die auf der Höhe angebrachte Orien- 
tirungstafel recht gute Dienste leistet, verlassen 
wir den Berg auf einem Pfade, der nach Nordosten, 
am Schutzhaus vorbei, zum Dononsattel, der Ein- 
sattlung zwischen dem grossen und dem kleinen 
Donon (Fig. 22), führt. Am Dononsattel stehen wir 
auf den obersten Schichten des Ober-Rothliegen- 
den (mürbe Arkosen und feine Breccien oder Grande 
aus krystallinischem Material mit Einlagerungen von 
rothem Schieferthon), halten uns aber bei dem 
Mangel an genügenden Aufschlüssen nicht weiter 
auf, sondern wandern auf einem Horizontalweg am 
Südabhang des kleinen Donon entlang etwa 1 km 
weit bis zum Pass zwischen dem kleinen Donon 
und dem Kohlberg und dann links über diesen 
hinab in das Wischer Thal. 

Der Buntsandstein liegt in Folge einer Ver- 
werfung am Kohlberg tiefer als am Donon (Fig. 23); 
wir bleiben deshalb zunächst noch im Buntsandstein; 
auch 120 m unter dem Pass, an der Waldstrasse, 



?i-8- welche wir auf einem 

f a I (^ links abzweigenden 

g_P| pg Pfade erreichen, steht 

„■ " noch Buntsandstein an. 

j'^|_ 3 Abwärts wandernd ge- 

^ll ^ langen wir bald zu 

S' s g einem Waldwärterhause 

!j* 1 S und dann nach 100 

1|f| B. I Schritten an eineWeg- 

S.^ I| I » kreuzung. Die von hier 

%f' % s- oitch Nordnordwest ge- 
richtete Schneuse zwi- 






--„I ^ & sehen den Forstabthei- 

^S-il ö lungen42 und 41 führt 

^^^ 9 ^ § nns steil hinab zur Sohle 

e'« I f i r- des Scbneiderthals. 

|ff^g3a. Der Quarzpor- 

f-lif S 3 pliy. in den wir hier 

j?' p^ eintreten, bildet eine 

mächtige Decke im 
Rothliegenden des 
hinteren Wisch thales. 
I'sg- 1* Er ist platt^ abgeson- 

^ll -a dert, von rothbrauner 

*« ■ n Farbe, nicht reich an 

J o g. ^ Einsprengungen (Ortho- 

"^ i ? klaa) und enthÄlt in der 






in 



Oberes Brenschthal. 268 



Grundmasse, die oft deutlich fluidal struirt ist, 
häufig Enstatit. 

Etwa '3 km weit bleiben wir, dem Wasser- 
laufe folgend, im Porphyrgebiet. Dann kurz vor 
der Sägemühle Paquis treten Porphyrtuffe, die 
das Liegende des Porphyrs bilden, an die Strasse, 
um bald darauf einem discordant unter ihnen her- 
vortretenden älteren Schichtensystem, gebildet von 
steiler einfallenden, vielfach mit einander wechseln- 
den röthlichgrauen Arkosen und rothen Schie- 
fern Platz zu machen. Die Arkosen erinnern an 
die Gesteine im Steinbruche von Hersbach; sie ge- 
hören, ebenso wie diese, zum Culm. 

In concordant^r Lagerung tritt imter diesen 
nordwestlich einfallenden Arkosen und Schiefem, 
von der nächsten Sägemühle an auf beiden Seiten 
des Thaies gut aufgeschlossen, ein System von ty- 
pischen Culmsedimenten hervor, nämlich Grau- 
wacken mit zwischengelägerten, häufig grau 
und dunkel gebänderten Thonschiefern. In 
zahlreichen Steinbrüchen werden die Grauwacken ge- 
wonnen. Gut erhaltene Pflanzenreste sind äusserst 
spärlich; nur einmal ist ein Stammstück einer 
Knorria gefunden worden und zwar in dem Stein- 
bruch, der rechts oben am Waldesrande, schräg 
gegenüber der Sägemühle Klein -Wisch, sichtbar 
wird. 



264 Excnrsion 11. 



Näher bei Wisch (Hotel am Bahnhof) treten 
die Grauwacken auf Kosten der grauen Thonschiefer 
zurück. 

?. Tag. Von St. BUi§e über Champenaj und den Katzengtein nach 
Salm (Gasthaus znm grünen Kranz) nnd von da über Fr^conrapt nach 
Sehlrmeek. — Mitteldevonische Schalstein-Conglomerate 
mit Versteinerangen , Ober - Bothliegendes, mittlerer Bunt- 

Sandstein, Minette, Diabas. 

Messtischblätter Schirmeck nnd Plaine. Vc^esenclabkarte Oberes 

Breuschthal. 

Wer sich von dem mitteldevonischen Al- 
ter der Schalstein-Conglomerate, wie wir 
solche bei Wackenbach angetroffen haben , überzeugen 
will, wird gern die Fimdstelle der Calceola sanda- 
lina bei Champenay aufsuchen. Zu dem Zweck 
benutzt man die Eisenbahn bis St. Blaise. Man 
fährt an den Tags zuvor besichtigten Arkosen und 
an den devonischen Conglomeraten zwischen Hers- 
bach und Schirmeck vorbei und durch den Einschnitt 
bei Schirmeck, in welchem die auf S. 256 erwähnten 
GrifFelschiefer anstehen , und gelangt kurz vor Rothau 
in den Granit des Hochfeldmassivs , an dessen Grenze 
gegen das Devon, bald im Gmnit, bald im Contact- 
gestein, die Bahnlinie nun weiter bis St. Blaise 
verläuft. 

Gerade unterhalb des Bahnhofs St. Blaise führt 
die Strasse hinüber nach Poutay, dann im Seiten- 
thal und zuletzt am Bergabhang hinauf durch graue 



Oberes Brenschthal. 265 



und rothe devonische Schiefer zur Kirche von 
Plaine. Diese steht bereits auf Arkosen des Roth- 
liegenden (Fig. 24). Nach den Hänsem Les Fosses 
wählen wir den Weg links an der Kirche vorbei. 
Schon nach 500 Meter Entfernung sieht man unter 
dem Rothliegenden discordant graue und rothe de- 




1 

Fig. 24. Profil vom südlichen Ausläufer des Katzensteiiis 

über Les Fosses nach Plaine. 

Maassstab für L&ngen und Höhen 1:60000. 

de devonische Conglomerate. da devonische rothe Schiefer, ro Roth- 
liegendes (Conglomerate , Arkosen, Breccien und Qrande). tos Rothlieg. 
Sandsteine von ChamöeDay. m m Dolomitbänke im Rothliegenden-. 
am mittlerer Buntsandstein. cg\ Hauptconglomerat. 

vonische Schiefer hervortreten. Mit diesen wech- 
sellagem an dem Fusswege, der von dem ersten 
Hause in Les Fosses nach Champenay hinabführt, 
sowie an der Berglehne südöstlich von diesem Fuss- 
pfade Schalstein-Conglomerate mit zahlreichen Quarzit- 
geschieben, und diese sind es, welche Reste von 
Korallen {FavositeSj Alveolites) und Crinoidenstiel- 
glieder ziemlich reichlich enthalten, als Seltenheit 
aber auch Steinkerne von Calceola sandalina und 
Atrypa reticulaiHs. Leider liegen die versteinerungs- 



366 Emnion 11. 

führenden Schichten in einem auf zwei Seiten von 
starken Verwerfungen begrenzten Gebiete und wer- 
den ringsum vom Bothllegenden umschlossen; eine 
unmittelbare Verbindimg mit den devonischen Schich- 
ten bei Schirmeck existirt deshalb nicht. 



Mit dem Besuche dieser Fundstelle kann man 
eine Excursion in das Rothliegende von Champenay 
verbinden. Geht man in das Thal des Champenay- 
baches hiuab und dann aufwärts bis zum Dorf, so 
überschreitet man bei der unteren Mühle die eine 
der vorher erw&hnten Verwerfungen, man gelangt 



Oberes Breuschthal. .267 

aus dem Devon unvennittelt in einen rot heu plat- 
tigen Sandstein, der dem ßothliegenden zu- 
gehört. 

Besonders schön aufgeschlossen ist dieser Platten- 
sandstein in einem grossen Steinbruch im Walde 
links von der Strasse von Champenay nach dem Hantz. 
Der Sandstein ist reich an Kaolin, gewöhnlich weiss 
und roth gestreift, zeigt im Steinbruch besonders 
schön die üiagonalschichtung (Fig. 25) und schliesst 
in einzelnen etwas gröberen Bänken auch wohl 
Porphyrbrocken ein. Er bildet eine Einlagerung 
zwischen Porphyrconglomeraten und feinen 
rothen Breccien und Granden, welche zusammen 
mit rothen Schieferthonen und mürben rothen 
Arkosen in diesem Theil der Vogesen die Haupt- 
masse des Ober-Rothliegenden bilden. Man sieht 
derartige Schichten sowohl unterhalb als oberhalb 
des Steinbruchs an der Strasse aufgeschlossen; auch 
an dem Abhang oberhalb der Strasse von Champenay 
nach Plaine, zumal in dem alten Hohlweg, der von 
Les Fosses nach der Forstabtheilung La Falle hinauf- 
führt, ist ein sehr gutes Profil. Hier liegen weiter 
oben, unmittelbar an der Waldgrenze, unter und 
über der neuen Waldstrasse, graue dolomitische 
Bänke (Fig. 24), wie sie sich gewöhnlich im Roth- 
liegenden nahe an der Buntsandsteingrenze einzu- 
stellen pflegen. 



268 Excnrsion 11 — 12. 



40 m oberhalb der Waldstrasse führt ein alter 
Weg, allmählich steigend, zuerst durch den geröll- 
führenden unteren, dann durch den geröllarmen 
oberen mittleren Buntsandstein hinauf zum 
Katzenstein, von dessen mächtigen Conglomerat- 
felsen (Hauptconglomerat) aus man eine pracht- 
volle Aussicht in das Breuschthal und auf das 
gegenüberliegende Hochfeld geniesst. 

Den Abstieg vom Eatzenstein nimmt man am 
besten über die Ruine Salm. An dem Abhang des 
Schlossbergs kommt das Rothliegende zum Yorschein. 
Man kann von hier aus der Waldbahn folgen und 
gelangt durch das Thal von Haut-Fourneau (devo- 
nische Schalstein-Conglomerate, hier und da 
durchsetzt von Minettegängen) über Framont und 
Wackenbach nach Schirmeck, oder man wählt den 
Yogesenclubpfad von Salm über Freconrupt. Auf 
letzterem durchquert man bis in die Nähe von 
Schirmeck hauptsächlich devonische Schalstein-Con- 
glomerate mit Einlagerungen von grobkörnigem und 
von dichtem Diabas. 



Barr — Höh wald — Neuntestein . 269 




Exenrslon 13. 

Barr — llohwald — Nemitestelii. — Steiger Schiefer, mittlerer 

Bontsandstein, Haoptoolith, Granitstöcke mit Gontact- 

höfen, Diorit, Granitporphyr, Granophyr, Syenitporphyr, 

Minette, Vogesit, Proterobas. 

Messtischblätter Barr, Dambach nnd Schirm eck; Yogesenclubkarte 

Odilienberg. 
Literatur: Rosenbasch, Die Steiger Schiefer and ihre Contact- 
zone an den Granititen von Barr-Andlan and Hohwald. Abhdl. zur 
geolog. Specialkarte von Elsass - Lothringen , Bd. I, Heft 2. Strass- 

burg 1877. 

|em Bahnhof Barr gerade gegenüber führt 
ein schmaler Fahrweg durch die Weinberge 
in östlicher Richtung gegen die Ruine 
Andlau hin. Man kreuzt bald die Fahrstrasse nach 
Hohwald und gelangt dann an einen freien Platz, 
der einen schönen Blick auf das lang ausgestreckte 
Städtchen Barr gestattet. Hier haben wir den 
ersten Aufschluss. In einem alten Steinbruch ist 
■der Hauptoolith des Doggers entblösst; derselbe 
setzt auch den Hügel zusammen, an dessen süd- 
lichem Abhang unser Weg geradeaus weiterführt. 

Am Ende der Weinberge wenden wir uns links 
an einem Gehölz vorbei und erreichen nach wenigen 
Schritten einen anderen Fahrweg, dem wir aufwärts 
folgen. Der Oolith macht bald mittlerem Bunt- 
sandstein Platz, und an steilgestellten Bänken des 
Hauptconglomerats , über die wir hinwegschreiten. 



270 Excvrsion 12. 



deutlicher aber noch an den Qranitf eisen , die etwas 
weiterhin vor uns auftauchen, erkennen wir, dass 
wir die Hauptverwerfung, welche die Vorhügel 
vom Gebirge trennt, überschritten haben. Sie er- 
scheint hier in Gestalt von zwei parallel verlaufen- 
den Längsbrüchen, an denen ein staffeiförmiges 
Absinken nach Osten stattgefunden hat. Neben dem 
Granit des Gebirges lagert, durch die westliche 
Spalte getrennt, der mittlere Buntsandstein, neben 
diesem, an dem zweiten Sprung abgesunken, der 
OoHth. 

Die beiden Verwerfungen setzen von hier in 
nordwestlicher Richtung über das ßarrer Thal und 
umfassen jenseits desselben die kleine Buntsand- 
steinkuppe Mönkalb, in der man nach ihrer Form 
eher eine nachträglich dem Abhang aufgesetzte 
Quellkuppe eines vulkanischen Gesteins vermuthen 
möchte. Westlich von den Verwerfungen steigt 
das Gebirge in dem Männelstein uns gerade gegen- 
über und in dem Odilienberg bis zur Meereshöhe 
von 800 ra empor und baut sich auf aus einem 
ausgedehnten Sockel von Granit, der über einer 
nicht sehr breiten Zone von Schiefern tmd Hom- 
felsen eine mächtige Platte von mittlerem Bunt- 
sandstein trägt. 

Der Granit von Barr-Andlau, über den 
wir nun weiter wandern, ist ein Biotitgranit mit 



Barr — Hohwald — Neuntesteüi . 271 

grossen porphyrisch hervortretenden, gewöhnlich 
blass fleischrothen Orthoklasen. Er ist aucli reich 
an wasserhellem oder grünlichem Oligoklas und 
schliesst häufig kopfgrosse dunkele basische, seltener 
plattenförmige sauere aplitische Ausscheidimgen ein. 
Gänge von dunkel er und brauner Mi nette, und 
solche von hellem Aplit durchsetzen ihn häufig. 
Schon gleich bei der ersten Biegung des Weges 
sind beiderlei Gänge, rechts und links am Wege, 
sichtbar. Dann bietet sich uns bei dem Besuch 
der Ruine Andlau Gelegenheit, innerhalb der Um- 
wallung eine rothbraune Minette mit vielen Ein- 
schlüssen von Quarz zu sammeln, und später im 
Wallgraben der Ruine Spesburg eine andere Minette, 
an deren Zusammensetzung sich auch mikroskopisch- 
kleine Olivinkrystalle betheiligen. 

Vom Forsthaus Hungerplatz (Erfrischungen) 
kann man den Fusspfad herunter nach der Stadt 
Andlau wählen und, auf der Strasse im Thale an- 
gelangt, dieselbe aufwärts wandern, immer inner- 
halb des Granits. Will man aber Zeit gewinnen, 
so geht man besser von der Ruine Spesburg auf 
einem Horizontalwege etwa 1 km weit und biegt 
dann in der zweiten Thalmulde auf einen links ab- 
wärts führenden Pfad ein, der, zuletzt recht steil, 
zum Andlauthal herunterführt. Wir gelangen gerade 
neben einem Steinbruch auf die Hohwald -Strasse, 









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Fig. 27. Profil von Hohwald über das obere Hassel- 
bachthal noch der Spesburg. 

Jluiuslab ffir UKigea aod Hahen 1:50000. 
ji- Hohwaldgrenit. Bgr Burrer Granit. M MineltKlnga. P Giuo- 
— """'■ — -iger Schieter. En EnolenthocieUetH. 
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Barr — Hohvald — Neuntestein . 273 

die hier eine scharfe Kehre macht, und betreten das 
Contactgebiet der Steiger Schiefer (vgl. Kärt- 
chen und Profil Fig. 26 u. 27). 

Der Steinbruch ist seit einiger Zeit ausser Be- 
trieb. Früher war der Contact der Steiger Schiefer 
mit dem Granit hier sehr gut aufgeschlossen; jetzt 
sieht man letzteren nur noch an der rechten Seite 
und an der Oberkante des Bruchs anstehen. Im 
Bruche selbst wurden Homfelse für die Strassen- 
beschotterung gewonnen, und zwar biotitreiche An- 
dalusithornfelse mit unregelmässiger Zerklüftung ; 
neben diesen finden sich aber auch deutlich schieferig 
ausgebildete Andalusitglimm erschiefer, ebenso 
wie die massig erscheinenden Hornfelse von hellen 
Quarzbändem unregelmässig durchzogen und hier 
und da auf den Klüften reich an radialstrahligen 
Büscheln von schwarzem Turmalin. Etwas weiter 
von dem Granit entfernt fanden sich am äusseren 
Eande des Bruches 'auch Knotenglimmerschiefer, 
d. h. Biotitschiefer, welche auf den Schieferflächen 
kleine verwaschene, dunkele Flecken zeigen, bedingt 
durch Anhäufungen von Magneteisenkömchen und 
Schüppchen von Graphit. 

Wandern wir auf der Strasse nach Hohwald 
thalaufwärts weiter, so treffen wir auf Schiefer, welche 
in dem Maasse, als wir uns vom Granit entfernen, 
immer weniger verändert, weniger krystallinisch 

Fährer d. d. Elsass. IS 



271 I^eursioii 3. 



drscheinen. Es sind Knotenthonschiefer, graue, 
mehr oder weniger glänzende Schiefer mit schwar- 
zen, runden oder ovalen Flecken auf den Schiefer- 
flächoD. Die Menge und Grösse der Flecken (oder 
richtiger Knoten, da sie nicht auf die Schief erfiäclie 
beschränkt sind, sondern, wie man auf dem Quer- 
bruch erkennt, körperlich sind) steht gewöhnlich im 
umgekehrten Yerhältnisse. In den am wenigsten 
veränderten, tiefer gefärbten Schiefem erscheinen die 
Knötchen als winzige dunkle Pünktchen in grosser 
Zahl, in den mehr veränderten, stärker glänzenden 
Schiefern besitzen sie die Grösse von Schrotkörnern 
und fallen in dem helleren Grundgewebe um so 
besser ins Auge. Schöne Handstücke des Knoten- 
thonschiefers kann man an der nächsten scharfen 
Strassenbiegung und weiter oberhalb an der Strasse 
neben dem Forsthaus Eftermatten sammeln. 

Die Knotenthonschiefer werden vielfach von 
Eruptivgesteinsgängen durchsetzt, besonders Von Mi- 
netten und Granophyren. Die letzteren, sehr 
harte, widerstandsföhige Gesteine, bilden namentlich 
kurz unterhalb des Forsthauses Eftermatten schmale, 
coulissenartig in das enge Thal vorspringende Fels- 
klippen. 

Bei Forsthaus Eftermatten mündet von Süden 
her ein schmaler Wiesengrund in das Hauptthal ein. 
Wollen wir anch die unveränderten Steiger 



Barr — Hohwald — NMUitestein . 275 

Schiefer sehen, so empfiehlt es sich, in dieses 
Seitenthälchen (Basselbachthal) einzubiegen und dem 
auf der rechten (östlichen) Seite aufwärts fuhrenden 
Schlittwege etwa 1 km weit zu folgen. "Wir treffen 
hier auf dunkle Knotenthonschiefer, die weiter hinauf 
immer kleinere Knötchen einschliessen und allmäh- 
lich in die normalen rothbraunen Schiefer übergehen, 
welche die Hauptmasse der Steiger Schiefer zu- 
sammensetzen. Auf dem Rückwege versäumen wir 
nicht, den Granophyrgang an den Klippen links 
an der Einmündung des Thälchens in das Haupt- 
thal aufzusuchen; das röthlichbraune, dichte Grestein 
ist dadurch interessant, dass es stellenweise schon 
dem blossem Auge deutlich eine kugölige (vario- 
litische) Structur zeigt. 

"Wir nahem uns nun immer mehr dem Granit- 
massiv von Hohwald; hinter der nach 5 Minuten 
erreichten Sägemühle Strausbächel hebt es sich unter 
dem Schiefermantel rasch zu grossen Höhen empor. 
Im Gegensatz zum Andlau- Granit zeigt der Hoh- 
wald -Granit keine porphyrartige Structur; er besitzt 
ein mehr gleichmässig mittleres bis grobes Korn 
und enthält von dunklen basischen Gemengtheilen 
neben dem Biotit auch noch Hornblende; er ist also 
ein amphibolführender Granitit. An Plagioklas (Oligo- 
Mas) ist er ebenso reich wie der Andlau -Granit. 
Häufig sind dunkle basische Ausscheidungen; sie 

18* 



276 Excoräon 12. 



finden sich an den an der Strasse anstehenden Felsen 
und in den zerschlagenen Blöcken in allen Orössen- 
abstufungen, von Kopf- bis Nussgrösse. 

Ehe wir den Granit näher untersuchen, wollen 
wir aber erst noch einen kleinen Abstecher seitwärts 
in den Contacthof machen. Bei der Sägemühle 
Strausbächel (oder Sperbelbächel, wie sie auch wohl 
genannt wird) führt links ein Schlittweg aufwärts. 
Wir folgen diesem und gelangen nach etwa 40 bis 
50 m Steigen an eine Stelle, wo zahlreiche Stücke 
eines ausgezeichneten Homfelses herumliegen. Mit 
der Annäherung an den Hohwald- Granit sind näm- 
lich auch die Steiger Schiefer wieder stärker ver- 
ändert; hier, dicht an der Granitgrenze, treffen wir 
ziemlich grobkrystallinische Andalusithornfelse 
und -Schiefer; schon mit blossem Auge erkennen 
wir neben den Blättchen von Biotit auch grosse 
Schuppen von neugebildetem Muscovit, und bei mi- 
kroskopischer Untersuchung des Gesteins zeigt sich, 
dass auch die Andalusitkrystalle in ihm eine un- 
gewöhnliche Grösse besitzen. Auch Stücke von 
Granophyr und Syenitporphyr liegen neben dem 
Schlittweg; aber das Anstehende dieser Gesteine 
entzieht sich hier der Beobachtung. 

Wir steigen noch etwa 40 m höher und ge- 
langen nun zu grossen Blöcken eines schwer zer- 
schlagbaren, äusserst zähen, graugrünen Eruptiv- 



Barr — Hohwald — Neuntestein. 277 

gesteins. Es erweist sieh als ein körniges Gemenge 
von Plagioklas, Augit und Hornblende und ist ein 
Proterobas, ein im Contaethof des Granits ver- 
änderter Diabas. Letzteres Gestein bildet ziemlich 
häufig (so bei Breitenbach, Ranrupt und l'Evreuil) 
Einlagerungen von gewöhnlich geringer Ausdehnung 
in den Steiger Schiefem. 

Nun kehren wir auf dem Schlittweg wieder 
bis zur Strasse zurück und setzen unsem Weg thal- 
aufwärts fort. Auch im Granitmassiv von Hohwald, 
in dem wir noch längere Zeit verweilen, setzen 
zahlreiche Gänge sowohl von Granit- und Quarz- 
poiphyr als von Minette und Yogesit auf. Yon 
dem letzten, nach seinem Vorkommen hier in den 
Yogesen benannten Gestein, wird ein schmaler Gung, 
noch bevor wir die nächste Häusergruppe erreichen, 
im Granit links an der Strasse sichtbar; ein grau- 
grünes dichtes Gestein , in dem man mit blossem Auge 
kleine dunkle Homblendenadeln in Menge erkennt. 
Etwas breiter ist ein Gang, der oberhalb der Brücke 
unmittelbar vor dem ersten Hause von Hohwald 
rechts an der Strasse durch einen kleinen Stein- 
bruch entblösst ist. Er ist interessant wegen seines 
Reichthums an Einschlüssen des Nebengesteins, des 
Granits; sie sind so zahlreich und so fein durch das 
ganze Ganggestein vertheilt, dass man es früher für 
ein klastisches Gestein, eine Grauwacke, hielt. Li 



278 Exoarsion 12. 



der That ist es kaum möglich, ein Stück zu erhalten, 
in welchem sich seine Yogesitnatur nüt Sicherheit 
nachweisei} lässt. 

"Wegen seiner prachtvollen, gegen Hitze und 
kalten Wind geschützten Lage wird Hohwald (580 m 
üb. d. M.) neuerdings immer mehr von Sommergästen 
besucht (Hotel Kunz). Die Pfade durch die herrlichen 
Waldungen werden sorgsam gepflegt und sind aus- 
reichend mit Wegweisern versehen. So auch der 
Pfad nach dem Neuntestein, den wir zum Aufstieg 
benutzen. Am Neuntestein (971 m üb. d. M.) er- 
reichen wir ein ausgedehntes stockförmiges Vor- 
kommen von Diorit, wie solche mehrfach im Ge- 
biet des Hoehfeld- Granits auftreten. Das Gestein 
ist von mittlerem Korn und besteht wesentlich aus 
Plagioklas und Hornblende, zu denen sich noch 
Quarz, Orthoklas und Biotit gesellen. Frische Stücke 
sammelt man am besten schon beim Aufstieg auf 
dem Clubpfade, wo ab und zu zur Instandhaltung 
des Weges grössere abgerutschte oder umherliegende 
Gesteinsblöcke gesprengt werden müssen. Die Felsen 
auf der Höhe selbst sind sehr verwittert Dort ge- 
messen wir nur den herrlichen Blick auf das vor 
uns ausgebreitete, vielfach gegliederte Waldgebirge, 
am Horizont von der Rheinebene und dem fernen 
Schwarzwald begrenzt. 



Bair — Hohwald — Neuntestein . 279 

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Vom Neuntestein kann man verschiedene Wege 
einschlagen, um zurück und zur Eisenbahn zu ge- 
langen. Will man noch möglichst viel vom Granit 
des Hochfelds, sehen, so muss man sich nach der 
Rothlach wenden, wo man auf hornf eisartige Gon- 
tactgesteine trifft, und kann dann entweder über 
die Sommerhöfe durch das Thal der Rothaine nach 
Rothau (Granit mit verschiedenen Ganggesteinen), 
oder über das Münzfeld und den Struthof (normaler 
und dioritischer Granit, auch porphyrartige, dem 
Andlau- Granit ähnliehe Varietäten etc.) nach Schirm- 
eck (zuletzt durch devonische Schichten und Eruptiv- 
gesteine) gehen; auch der Weg von der Rothlach 
durch das Magelthal nach Grendelbruch und Urmatt 
führt die längste Zeit über Granit 

Wer nach Barr zurückkehren will, muss seinen 
Weg in südöstlicher Richtung, nach Forsthaus Welsch- 
bruch (Erfrischungen), nehmen. Von da kann er 
entweder einen alten Kammweg einschlagen, welcher 
ilm durch die Granophyr- (oder Quarzporphyr-) Decke 
des Rosskopf, dem Alter nach wahrscheinlich in 
das Rothliegende gehörig, und dann über Hornfels 
zu dem Granitmassiv von Barr-Andlau nach Forst- 
haus Hungerplatz auf den Vormittags begangenen 
Weg führt, oder er kann auch der Waldeisenbahn 
folgen, an der sich vielfach gute Aufschlüsse im 
Granophyr finden, imd dann durch das in den 



280 Excarsion 13. 



Granit eingeschnittene Kirneckthal nach Barr al» 
wärts wandern. 

Auch der Odilienberg ist von Welschbruch ans 
auf bequemem Wege in 1^2 Stunden zu erreichen. 







Exenrslon 13. 

Epflg—Ittenweiler—Erlenbaeh— Weller 18,7km.— Als Anhang Laaeh 
9 km. Glaciale Schotter, Bothliegendes, Weiler Schiefer. 

Bei Laach Kohle. 

Blätter Dambach und Weiler der Karte 1:25000. 

p f i g , an der Bahnlinie Zabern — Schlettstadt 
gelegen, darf in Bezug auf die Geologie der 
jüngeren Aufschüttungsmassen des Khein- 
thals als einer der wichtigsten Punkte des Elsass an- 
gesehen werden. Am Einschnitt des Weges am Bahn- 
hof, zwischen diesem und der Wirthschaft, treten über 
grauen Mergeln, welche dem Oberoligocän (Cyrenen- 
mergel) angehören, grobe ungeschichtete Block- 
lehme zu Tage. Die Auflagerungsfläche ist eine 
unregelmässige, einzelne Blöcke sind in die Mergel 
hineingequetscht. Die Blöcke bestehen aus Sandsteinen 
und Conglomeraten des Buntsandsteins, welche ihre 
ursprüngliche rothe Farbe beibehalten haben, sowie 
aus Quarz, der den Weiler Schiefem entstammt. Die 
Quarze erreichen bis zu 0,3 m, die Sandsteine bis 



Epfig — Ittersweiler — Erlenbach — Weiler. 281 

ZU 0,7 m Durchmesser. Die Blöcke sind kanten- 
gerundet oder ganz gerundet und meistentheils im 
Lehm regellos eingebacken. Stellenweise liegen sie 
jedoch auch in Reihen deutlich gegen Osten geneigt 
(schräg geschichtet). Der Lehm ist rothbraun und 
umschliesst in kleinen Stückchen zerriebene Weiler 
und Steiger Schiefer sowie Quarzgerölle. Nach Be- 
sichtigung dieses Aufschlusses gehe man durch den 
Wald gegen Süden nach der Höhe 263. Hier sind 
gelegentlich Gruben ausgehoben, in welchen ver- 
schieden grosse, mitunter 4 cbm messende Blöcke 
yon Buntsandstein zu Bausteinen gewonnen werden. 
Solche von Arkosen des Rothliegenden sind unter- 
geordnet. Die Blöcke stecken regellos in einem 
grandigen Thon, vielfach oline sich gegenseitig zu 
berühren, wodurch die ganze Ablagerung die Structnr 
einer Grundmoräne erhält. Die Sandsteine sind durch 
und durch gebleicht, die Feldspathkörner derselben 
sowie die Feldspathe der Arkosen und der im Sand- 
stein eingeschlossenen Gerolle krystalliner Gesteine 
sind in Kaolin umgesetzt. Kalk fehlt diesen Ab- 
lagerungen vollständig. Sollten zufällig hier keine 
frischen Aufschlüsse vorhanden sein, so gehe man 
auf dem gegen S. laufenden Wege weiter bis zur 
nächsten Wegkreuzung, dann gegen Osten bis zu 
einer dritten Wegkreuzung. An dieser sind sicher 
Aufschlüsse zu erwarten. 



282 ExcoxBion 13. 



Nun an Finkweiler vorbei zurück zum Bahnhof 
Epfig (3 km) und auf der Strasse nach Ittersweiler 
weiter. Dem ersten reolito ahzwdg^Mten t^Aweg 

folge man bis an den oberen Rand der Weinberge 
und wende sich nun gegen W. auf dem der Itters- 
weiler Strasse parallel führenden Feldwege bis zum 
Wege nach Eichhof en (4^2 l™i)« Zerstreut liegen 
an diesem Blöcke von Sandstein und Gonglomeraten, 
und in gelegentlichen Gruben sind die Ablagerungen, 
denen sie entstammen, aufgeschlossen. Diese zeigen 
die gleiche Structur wie die Blockablagerungen auf 
dem Hügel bei Epfig, unterscheiden sich aber von 
diesen dadurch, dass rothe grandige Lehme das 
Zwischenmittel der Blöcke bilden tmd dass letz- 
tere, Sandsteine und Conglomerate,. ihre ursprüng- 
liche rothe Färbung zeigen. Schiefer - Gesteine 
fehlen. 

Zweifellos gehören die bisher besprochenenBlock- 
ablagerungen drei verschiedenen Bildimgen an. Die 
ausschliessliche Betheiligung von Buntsandstein und 
Rothliegendem an der Zusammensetzung der Block- 
ablagerungen von Epfig und von Ittersweiler weisen 
auf einen geringen Grad der Abtragung im Gebirge 
hin, die Entfärbung des ersteren auf besondere Ver- 
hältnisse, welche der Reduction und Auflösung der 
in den Gesteinen vorhandenen Eisenverbindung günstig 
war. Man wird dieselbe auf starke Humusbildung 



Epfig — Ittersweüer — Erlenbach — Weiler. 283 

zurückführen müsgea,^) Die beschriebene Entfärbung 
imd das Fehlen des Ealkgehaltes sowie die Kaolini- 
sirung der feldspathigen Gemengtheile gestatten einen 
Vergleich mit den in den letzten Jahren als Flip cän 
beschriebenen Ablagerungen. Den rothen Blockab- 
lagerungen von Ittersweüer ist ein jüngeres Alter, 
das des Deckenschotters, den an älteren Gesteinen 
reichen Blocklehmen vom Bahnhof Epfig, welche auf 
eine wesentlich weiter fortgeschrittene Erosion des 
Grebirges hindeuten, ein noch jüngeres Alter, das 
der Hochterrasse zugeschrieben worden. Sämmt- 
lich sind sie wohl als Grundmoränen anzusehen. 
Daubr6e fasste die verschiedenen Blockmassen zu 
einer einzigen halbkreisförmigen Endmoräne zusammen. 

Mehr als die beschriebenen Pimkte wird man 
in Verbindung mit einem Ausflug ins Rothliegende 
des Weilerthaies kaum besichtigen können. 

Wer diese Glacialablagerungen zum Gegenstand 
eines besonderen, etwa halbtägigen Auflugs machen 
will, wird noch eine Reihe anderer Punkte in Be- 
tracht ziehen können. Es empfiehlt sich jedoch als- 
dann, zunächst nach Ittersweüer zu gehen und auch 
noch den Kirchberg zu besuchen, wo die rothen 



1) L. van Werveke, Bericht über einen Ausflug 
von Müihausen nach Brunstatt. — Zeitschr. D. G. Ges., 
XLIV, 1892, S. 596. 



284 Excorsion 13. 



Blockablagerungen zu sehen sind, dann zurückzu- 
kehren, den Aufschluss zwischen dem Bahnhof Epfig 
und der Wirthschaft zu besichtigen, und nun erst 
den Aufschlüssen auf dem Hügel bei Epfig seine 
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von der oben ge- 
nannten zweiten Wegkreuzung gehe man ins Dorf, 
wobei sich mehr^h Gelegenheit bietet, Aufschlüsse 
im Löss zu sehen. Derselbe ist den Schottermassen 
discordant angelagert. Im Dorf gute Wirthschaft. 

Epfig verlasse man auf der in südlicher Richtung 
nach Schlettstadt führenden Strasse und folge dieser 
bis etwa 200 m südlich der Abzweigung des Weges 
nach Dambach, wo in einer flachen Grube Schotter 
freigelegt sind, welchen nach ihrer Lage imd Zn- 
sammensetzung ein noch jüngeres Alter als das der 
bisher beschriebenen Schotter zuzuweisen ist. Sie 
können nur der Niederterrasse zugerechnet werden. 
Nach den in denselben vorkommenden Gesteinen 
(Weiler und Steiger Schiefer nebst sandigen Weiler 
Schiefern , Quarz , Glimmerschiefer und etwas Gneiss) 
können die Schotter nur aus dem Weilerthal stammen. 
Der Giessen, der heute nach dem Austritt aus dem 
Gebirge in östlicher Richtung in die 111 fallt, muss 
sich früher nahe am Gebirgsrand stark nach N. ge- 
wandt haben. Nun zurück nach dem Dambacher 
Weg und diesem entlang bis zu dem Feldweg, der 
zwischen Wald und Weinbergen nach dem Plettig 



Epfig — Ittersweiler — Erlenbach — Weiler. 285 

fuhrt In einer grossen Grube werden hier unter 
Blockablagerungen , welche mit denen von Epfig über- 
einstimmen , sandige Thone gegraben, die, wie die 
Thone von Riedselz und von anderen Punkten des 
Unterelsass, zu feuerfesten Steinen verarbeitet werden. 
Man gehe auf demselben Wege zurück nach dem 
Dambacher Weg und auf diesem, der meist durch 
einen feldspathreichen , aus dem Dambacher Granit- 
stock abgeschwemmten Grus führt, bis zum Bahnhof 
Dambach (12,5 km). In der Nähe desselben Wirth- 
schaft. In Dambach selbst, einem alten, wegen 
seiner Weine berühmten Städtchen, ist das Gast- 
haus zur Krone empfehlenswerth. 

Kehren wir zum Hauptausflug zurück. Yon 
Ittersweiler ab ist der Weg über Zell zu em- 
pfehlen. Am westlichen Ausgang dieses Dorfes 
stehen, an der Abzweigung eines Seitenweges zum 
Wege nach Heisenstein, mit 40® gegen 0. fallende 
Sandsteine des mittleren Buntsandsteins an. 
Unmittelbar daneben beginnen , nach einer Verwerfung, 
welche der Yogesenhauptspalte entspricht, Tuffe 
des Rothliegenden 1) und halten bis 225 m östlich 
von Heisenstein an. Ein 40 — 50 m breiter 



1) Ausführliche Mittheilungen über das Rothliegende 
des WeilerthaJes in : E. W. Benecke und L. van Werveke, 
Das Rothliegende der Vogesen. — Mittheil, geolog. Landes- 
anstalt V. Elsass-Lothr. Bd. m, 45—103. 



286 Exoureion 18. 



Streifen, den dunkle Schieferthone, schwarze dichte 
Kalke und braune kömige Dolomite, die sog. Heisen- 
steinschichten zusammensetzen, trennt sie von feld- 
spathreichen Arkosen, die westlich und südwest- 
lich von dem genannten Hof in einer ganzen Reihe 
von Gruben aufgeschlossen sind. In einer derselben 
(auf dem Messtischblatt zwischen "den Buchstaben 
St. und Br. gelegen) tritt unter der Arkose Granit 
zu Tage, dessen Oberfläche eine auffallend geglättete 
ist. Im Handstück lassen sich die Arkosen, die als 
Vertreter des oberen Theiles der Trienbacher 
Schichten anzusehen sind, vielfach schwer vom 
Granit imterscheiden, was aus dem Umstand, dass 
das Material zum grössten Theil aus geringer Ent- 
fernung aus dem Dambacher Granitstock zugeführt 
wurde, leicht erklärlich ist. Yereinzelte Einschlüsse 
anderer Gesteine weisen auch auf andere Zufuhr- 
gebiete hin. 125 m östlich von Heisenstein setzt 
ein NW. streichender Aplitgang durch den Granit. 
Wer sich letzteren genauer ansehen will, gehe auf 
die Strasse nach Hohwarth, die hier genau NS. 
läuft, aber nicht weiter als bis zur nächsten Um- 
biegung. Auf dieser Strecke, besonders auf der 
Ostseite, ist der Granit mehrfach gut zu sehen, an 
der genannten Umbiegung wird er durch eine Ver- 
werfung gegen Tuffe abgeschnitten. Man kehre zurück 
bis zum höchsten Punkt der Strasse (392 m, 9Y2 km). 



Derselbe liegt in Ar- 
kosen, die als flache 
Kuppe aus den sie 
rings umgebenden Kal- 
ken und Dolomiten der 

Heisensteinschichten 
hervortreten. Die ab- 
wärts nach Ittersweiler 
führende Strasse schnei- 
det zunächst in diese 
ein, dann in Tuffe und 
nachher, nach einer Ver- 
werfung, in Breccien 
des Oberrothliegenden. 
Die Schichten fallen in 
nördlicher Eichtung. 
Wir stehen am Südrand 
einer SW. — NO. strei- 
chenden Mulde, deren 
Tiefstes über Baum- 
garten verläuft (Profil 
Fig. 28). Jenseits dieser 
Häusergruppe heben 
sich die Schichten gegen 
NW. wieder heraus, so 
dass in Bernhards- 
weiler und Eeichs- 



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288 Excnrsion 13. 



feld die tieferen Trienbacher Schichten zu Tage 
treten. Dahinter, durch Yerwerfang gegen das 
Eothliegende abgeschnitten, erheben sich in steilem 
Abhang die Weiler Schiefer. 

Am Höhepunkt 392 m trete man in die „Rot he n 
Hecken*' ein. Aus den Arkosen gelangt man in 
die an dieser Stelle nur einen schmalen Streifen 
bildenden Heisensteinschichten, dann in Tuffe und 
schliesslich in die Grande und Breccien. Die Auf- 
einanderfolge ist jedoch keine regelmässige, durch 
üoberlagerung zu Stande gekommene, sondern durch 
eine Verwerfung unterbrochen, derselben, welche an 
der Strasse nach Ittersweiler durchsetzt. Weiterhin 
verbleibt der Weg am Fusse (560 m) des Ungers- 
berges vorbei bis jenseits F.-H. Kohlbächel^) 
(11,7 km), nach dem die Schichten benannt sind, 
in den Breccien und Arkosen des Oberroth- 
liegenden. Am Kühlbrunnen (11,3 km) starke, aus 
letzteren austretende Quelle. Jenseits des F.-H. setzt 
der Weg zunächst in OW.- Richtung fort und biegt 
dann gegen SW. ab. Hier verlässt er die Breccien 
und tritt in die Tuffe ein, ebenfalls in Folge einer 
Verwerfung^ nicht durch regelmässige Lagerung 
(Profil Fig. 29). Die Tuffe lassen sich nun am 
F.-H. Meisenbuckel vorbei — sie sind nach diesem 



1) Jetzt Forsthaus Ungersberg. 







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290 Excnrsion 13. 



von Heisenstein fehlen; sie sind auf den öst- 
lichen Theil des Weiler Beckens beschränkt. Um 
den tieferen, aus Arkosen und Conglomeraten 
aufgebauten Theil der Trienbacher Schichten 
in gutem Aufschluss zu sehen, folge man dem Weg 
in der Richtung nach Erlenbach und besuche den 
auf der anderen Seite des Thälchens unterhalb der 
letzten Weinberge liegenden Steinbruch, in welchem 
die Arkosen zu Bausteinen gebrochen werden. Die- 
selben sind grobkörnig, in frischem Zustande blau, 
nach dem Yerwittern grau bis gelb gefärbt, stellen- 
weise schwarz getigert. Die Flecken sind diu*ch 
Zersetzung von Arsenkies entstanden, welcher in 
den frischen Grauwacken deutlich zu erkennen ist 
In Gestalt flacher Linsen sind feinkörnige Arkosen 
und schwarze Schief erthone eingelagert, welche 
Pflanzenreste umschliessen (Callvpteris conferta, Wal- 
chia piniforfnis). Oberhalb des Steinbruchs fuhrt 
ein Weg durch die Weinberge nach der Höhe. Man 
folge diesißm — in den Reben stösst man bald auf 
die Schieferthone und Kalke der Erlenbacher 
Schichten — und suche nun durch die Felder 
den Weg zu erreichen, der von Erlenbach in öst- 
licher Richtung, unter Einschaltung einer grossen 
Kehre, auf dieselbe Höhe führt. Ohne Schwierigkeit 
sind hier die Halden und StoUn der alten Kohlen- 
bergwerke, welche ein 0,70 m mächtiges, unreines 



Epfig — Ittersweiler — Erlenbach — Weiler. 291 

Lager abbauten, zu finden. Von diesen gehe man 
auf den von Erlenbach an der KapeDe vorbei herauf- 
kommenden Weg. An der Weggabelung vor dem 
Walde stehen unter den Kohlen geringmächtige 
Arkosen und Conglomerate an , darunter steil gestellte 
Weiler Schiefer; an den Felsen bei der Kapelle 
sind in diesen schöne Faltungen zu beobachten. 

Nahe dem unteren Ende (16,8 km) von Erlen- 
bach zweigt auf der linken Seite von der Strasse 
nach Weiler ein Feldweg in südlicher Eichtung 
durch die Weinberge ab. Er schneidet zuerst durch 
Weiler Schiefer, tritt dann, nach einer Verwerfung, 
in die Schichten von Erlenbach ein, die ihrer- 
seits wieder durch eine Verwerfung zerrissen sind, 
dann, im Walde, in regelmässig auflagernde Trien- 
bacher Schichten. Am südlichen Waldrand an- 
gelangt, hat man den Weg vom üngersberg nach 
Weiler wieder erreicht und damit die Fortsetzung 
des früher durchschrittenen Profils. Es ist wohl 
das beste im ganzen Rothliegenden des Weilerthales 
und ist bereits von von Dechen, von Oeynhausen 
und von La Roche im Jahre 1825 beschrieben 
worden. Dem Weg in der Richtung nach Weiler 
folgend, tritt man sehr bald in Conglomerate ein, 
die durch das Vorkommen von Gerollen eines rothen 
pinitführenden Porphyrs gekennzeichnet sind. Die 
Ursprungsstätte des Porphyrs ist bis jetzt nicht be* 

19* 



292 Excarsion 13. 



kannt. Unter den Conglomeraten, welche dem tiefsten 
Theil der Trienbacher Schichten angehören, treten 
die Erlenbacher Schichten zu Tage. In den 
obersten Lagen derselben macht sich eine dünne 
Tuffbank bemerkbar , im übrigen bestehendie Schichten 
in ihrer ganzen Masse aus Schief erthonen, schwarzen 
dichten Kalken, welche stellenweise Chalcedonknollen 
umschliessen, und aus braunen körnigen Dolomiten. 
Die Gesteine halten bis zum unteren Rand der Wein- 
berge an. Ueber eine niedere Diluvialterrasse ge- 
langt man dann auf die Strasse nach Weiler und 
nach Yi ^^ ^^^^ ^®^ Gasthäusern (18,7 km). Das 
Gasthaus zur alten Post und das Gasthaus Minikus 
sind beide empfehlenswerth. 

In einem halben Tagesausflug lässt sich von 
Weiler aus bequem der Besuch des alten Kohlen- 
bergwerks bei Laach (4,5 km) abmachen. Ober- 
halb Weiler und der Gabelung der Strassen Weiler — 
Bassenberg und Weiler — Breitenau bis zur ümbiegung 
des Weges in südwestliche Richtung schreitet man 
durch obere Trienbacher Schichten, dann, bis 
auf 200 m von den ersten Häusern von Bassen- 
berg, durch Tuffe. Hier lagern sich die Breccien 
des Oberrothliegenden auf, die einerseits in 
grosser Mächtigkeit die ganze Höhe des Ruchwaldes 
zusammensetzen, andererseits sich bis Laach er- 
strecken. Sie sind auch noch im unteren Theil des 



Epfig — litGTSweiler — Erlenbach — "Weiler. 293 

Weges aufgeschlossen, der nach dem Kohlberg 
hinaufführt. Eine Yerwerfung schneidet sie ab gegen 
glimnaerreiche Arkosen, welche dem Hangenden der 
Laacher Kohle angehören. Nach einer zweiten Yer- 
werfung, oberhalb des letzten Hauses, beginnen die 
Tom früheren Bergbau herrührenden Halden. Da 
dieselben noch immer zur Aufsuchung von Kohlen- 
resten durchwühlt werden, so findet man stets 

Od ndi/ ^^'^ .7X.«- Urheiser Oiessen. 

^ . i — ^^^ JCbhOerg bei Laach, sot. 




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Fig. 30. Auflagerung des Kohlengebirges auf Gneiss 

bei Laach. 

ön Oneiss. 1 Conglomenite und Arkosen von Laach. K Kohle. 
7 Kohlbächelschichten (Ober -Rothliegendes). vVorworfangen. 

einzelne frische Schieferstücke, in denen wohl er- 
haltene Pflanzenreste gesammelt werden können. 
Die wichtigsten sind: Calamites approximatus Sclil., 
Annularia stellata Schi., Stachannularia iuberculuta 
Strnh. sp., Annularia sphenophylloides Znk., Sphe» 
nophyllum emarginaiuin Brngn., Sigülaria ovata 
Sauv., Callipieridium gigas Gutb., Pecopteris arbores- 
cens Schi, üeber der kohlenführenden Zone liegt 
ein etwa 2 m mächtiges, sehr grobes Conglomerat 
und über diesem eine etwa 80 m mächtige Schichten- 
folge von weniger groben Conglomeraten und grauen 



294 Excorsion 13—14. 



Arkosen. Die Unterlage der Kohle bilden feinkörnige 
Arkosen, die auf steil gestelltem Gneiss aufruhen 
(vergl. Profil Fig. 30). 

Wer den Besuch der Kohle nicht als selb- 
ständigen Ausflug ausführen, sondern, was em- 
pfehlenswerth ist, zugleich die von Cohen i) be- 
schriebenen Verhältnisse der Gegend zwischen dem 
oberen Weilerthal und dem Breuschthal sich ansehen 
will, halte sich an die Strasse von Laach über 
Urbeis nach Lubine bis zur französischen Grenze 
und schlage hier den an dieser entlang und stellen- 
weise über französisches Gebiet führenden Weg nach 
den Climonthöfen ein (Wirthschaft). 

Weiterhin gehe man am Südfuss des Climont 
vorbei über Hang nach Saales, von wo aus die 
Rückfahrt mit der Balm angetreten oder der Aus- 
flug 11 angeschlossen werden kann. 



1) Cohen, Das obere Weilerthal und das angrenzende 
Gebirge. Abhandl. z. geolog. Specialkarte v. Elsass-Lothr. 
ni. 135. 



f 



Markirch. 295 



Excursion 14. 

Harkireh. 1. Tag. Kletii« HOh«— Fortelbach — Blelgrnben — Schaf- 

hans — Baacnthal — Eekkireh — Marktreh. 

2. Tag. Markirch— ChAtean de fhtte. 

Markircher Gneiss, körniger Kalk, Serpentin, Bressoir- 
granit, Kammgranit, Kersantit, Qaarzporphyr, Erzgänge. 

Messtischblätter Markirch nnd Eckkirch, Vogesenklabkarte 

Markirch. 

Literatar: Groth, Das Gneissgebiet von Markirch. Abhdlg. z. geolog. 
Specialkarte v. Elsass -Lothringen , Bd. I. Heft 3. Strassbnrg, 1877. 









m ersten Tage kann man den Gneiss mit 
seinen Einlagerungen auf einer Wanderung 
von Markirch zur Kleinen Höhe und von 
da über Fortelbach, St. Philipp nach den Blei- 
gruben, dann über Schaf haus (Erfrischungen!) nach 
dem lingouttethal imd durch dafe Rauenthal über 
Eckkirch zurück nach Markirch kennen lernen; den 
zweiten Tag wird man am besten Vormittags einer 
Befahrung des Bergwerks im Rauenthal und bei 
St. Kreuz, Nachmittags der Besichtigung der Auf- 
schlüsse im Kammgranit längs der Strasse nach 
St. Di§ widmen. 

1. Etwa drei Minuten unterhalb des Bahnhofs 
Markirch überschreitet man die Eisenbahn und 
steigt den alsbald links von der Strasse nach 
Rappoltsweiler abzweigenden Zustreckweg, einen 
steileren Fahrweg, hinan; die Häuser von Fortel- 
bach liegen dann zur Rechten. Der Weg schneidet 



296 Ezcnrsion 14. 



bald tiefer in das Gelände ein , und in der Böschung 
links und rechts erscheint gut aufgeschlossen der 
Markircher Gneiss, eine Aufeinanderfolge von 
dickeren und dflnneren Bänken eines ziemlich grob- 
kömigen, flaserigen und grobstreifigen Biotit- 
gneisses, dem ab und zu feiner - kömige und 
glimmerreichere Lagen, sowie hellgraue, glimmer- 
arme leptinitartige Gesteine und kleine Linsen 
von Quarz eingelagert sind. Das Streichen ist ein 
nordöstliches, das Einfallen vorwiegend nordwestlich, 
bald steiler, bald flacher. 

In der Nähe der alten grossen Grubenhalde am 
Waldesrande („Fundgrube") begegnet man grossen^ 
lose herumliegenden Blöcken von streifigem Horn- 
qlendegneiss und typisch ausgebildetem Augen- 
gneis s, die ebenso, wie die kleineren im WaldQ 
herumliegenden Stücke, aus dem Zuge von Hom- 
blendegneiss stammen , welcher oberhalb der Strasse 
im "Walde, durch grosse Felsen gekennzeichnet^ 
sichtbar wird. 

Etwa 2 km von dem Bahnhof entfemt erreicht 
man wieder die grosse Strasse. Verfolgt man diese 
etwa 300 m aufwärts, so gewahrt man gleich nach 
dem Eintritt in den Wald an der rechten Seite der 
Strasse zunächst ähnliche Biotitgneisse wie vorher, 
dann hinter der nächsten scharfen Krümmung, in 



Markirch. 297 



ihnen eingelagert, mehrere Bänke von festem Horn- 
blendegneiss, mid unterhalb des Forsthauses, das 
man später erreicht, auch solche von stark zer- 
setztem glimmerreichem Qneiss. Die Homblende- 
gneisse zeigen bei einem Einfallen unter 30 — 40® 
gegen Westen ein fast genau nördliches Streichen, 
während die hangenden und liegenden Qneisse mehr 
in nordöstliche oder nordwestliche Bichtung ein- 
lenken, zum Beweis, dass hier eine Stauchung 
innerhalb des Gneisses vorliegt. 

«Will man von dem Markircher Gneiss noch 
einen frischen Anbruch sehen, so empfiehlt es sich 
die Strasse über die erreichte „Kleine Höhe" hin-? 
aus noch 2 km weiter zu wandern und die Steine 
brtiche an der Strasse oberhalb des Wirthshauses 
aufzusuchen, wo festere Gneisse, und zwar neben 
den vorherrschenden flaserigen Biotitgneissen mit 
oft erbsengrossen Gr an atkry stallen auch Hornblende- 
gneisse von wechselndem Korn, bald reicher, bald 
ärmer an Hornblenden, als Beschotterungsmaterial 
und zu Bau- und Pflastersteinen gewonnen werden. 
Sonst wenden wir uns gleich beim Verlassen des Wal-* 
des rechts und folgen zunächst einem Zustreckweg, 
dann der Strasse bis zum Dorf Fortelbach abwärts. 
Allenthalben hat man hier längs der Strasse im 
Walde prachtvolle Aufschlüsse im Gneiss; öfterer 
Wechsel im Streichen und Fallen deutet auf 



298 Excarston U. 



Störungen in der regelmässigen Lagerung, auf 
Stauchungen und Faltungen. 

In Fortelbacli verlassen wir die Strasse. Der 
Weg, der von der scharfen Strassenbiegung aus an 
der gegenüberliegenden Berglehne aufwärts führt, 
bringt uns bald zum Eingang einer alten Erzgrube 
(Ste. Barbe), an deren Halde sich Bleiglanz, ein- 
gewachsen in Brauneisenstein, noch reichlich findet, 
und zu einem Horizontalweg, dem wir in nörd- 
licher Richtung folgen. 500 m von der Grube ent- 
fernt zweigt links ein Fahrweg ab, der uns wiederum 
ein schönes Profil im Qneiss erschliesst. Glimmer- 
reichere und glimmerärmere Qneisse wechseln bank- 
weise mit einander und mit streifigem Homblende- 
gneiss; auch Lagen von Graphitgneiss, allerdings 
mit nur spärlichen Schüppchen von Graphit an 
Stelle des Glimmers, stellen sich ein. Kurz bevor 
der Weg die erste Anhöhe, den Pastetenplatz, er- 
reicht, deuten Halden und herumliegende Brocken 
von Brauneisenstein mit eingesprengtem Bleiglanz, 
auch Pseudomorphosen von Brauneisen nach Braun- 
spath und Eisenkies und Grüppchen von spiessigen 
Aragonitkry ställchen, auf das Ausgehende eines 
früher gebauten Erzganges. 

500 m vom Pastetenplatz entfernt liegt der 
Kalkbruch von St Philipp. Hier ist ein ziemlich 
mächtiges Lager von körnigem Kalk erschlossen) 



MarMrch. 299 



das, ebenso wie mehrere andere in dem gleichen 
Horizont gelegene Kalklinsen, eine concordante Ein- 
lagerung im Gneiss bildet. Der weisse, marmor- 
ähnliche Kalk enthält theils in feiner Yertheilung, 
theils in einzelnen faust- bis köpf grossen Aus- 
scheidungen schuppige Aggregate von braunem 
Phlogopit und ein weiches grünes chloritisches 
Mineral (Pseudophit), als Seltenheit auch Graphit, 
Spinell und Magnetkies. Ein Titanit und Fassait 
führendes Orthoklasgestein und Hornblendegneisse 
umschliesaen den körnigen Kalk. 

Der Weg oberhalb des Kalkbruchs führt uns 
annähernd horizontal um das Thal und die unter 
uns zerstreut liegenden Häuser von St. Philipp 
herum und dann, oft einen prachtvollen Blick auf 
Markirch und seine malerische Umgebung bietend, 
zuletzt durch Wald bis zu der Bleigrube im oberen 
Zillhartthal. Ueberall auf diesem 3 km langen 
Wege stehen Gneisse mit normalem Streichen und 
Fallen an; kurz vor der Bleigrube ist ein schöner 
Augengneiss mit etwa zollgrossen einfachen Kry- 
stallen und Karlsbader Zwillingen von Orthoklas in 
mächtigen Bänken aufgeschlossen, daneben normaler 
flaseriger und schieferiger Biotitgneiss und Horn- 
blendegneiss. 

An der Bleigrube bietet sich Gelegenheit zu 
einer Befahrung des Bergwerks. Ein reicher, 1 bis 



300 Excorsion 14. 



4 m mächtiger Bleierzgang war schon vor mehreren 
Jahrhunderten hier erschürft und durch ausgedehnte 
Grubenbaue untersucht worden. Jetzt sind die alten 
Strecken wieder fahrbar gemacht, und es hat ein 
regelmässiger Abbau der Erze begonnen. 

Gegenüber der Bleigrube führt ein Weg lang- 
sam ansteigend über normalen Gneiss und Augen- 
gneiss mit apli tischen Adern im Fortstreichen des 
vorher erwähnten Zuges in 10 Minuten zum Schaf- 
haus, einem beliebten Ausflugsorte der Markircher, 
mit prachtvollem Ausblick in das Eckkircher Thal 
und auf die jenseits hoch ansteigenden Granitberge. 

Hier befindet man sich ganz nahe an dem 
Bressoirgranit, der den Markircher Gneiss nach 
Südosten hin begrenzt. Steigt man auf dem steilen 
Pfade, der etwa 300 Schritt nördlich von dem 
Schaf haus in den Hochwald abzweigt, 240 m hoch 
den Berg hinan, so gelangt man in das Gebiet des 
anstehenden Granits. Er hat hier das gleiche Aus- 
sehen, wie allenthalben rings am Bressoir, ein mitt- 
leres gleichmässiges Korn und eine schwach röthliche 
Färbung; neben vorwaltendem Orthoklas enthält er 
wasserhellen Quarz und etwas Biotit und Muscovit. 
Auf Klüften und in kleinen Drusen finden sich 
häufig Schüppchen von Eisenglanz, zuweilen auch 
schöne- Krystalle dieses Minerals. Die Grenze gegen 



r 



Markirch. 301 



den Gneiss, sonst stark verrollt, ist hier oberhalb 
des Schafhauses ziemlich scharf ausgeprägt. 

Nachdem man den Granit erreiQht und auf 
einem Horizontalpfade etwa 200 Schritt weit durch- 
wandert hat, kann man sich in westlicher Richtung 
thalabwärts wenden. Man gelangt dann an eine kahle 



BML 



Blntbpro^__ 




Fig. 31. Profil vom Hirzberg (nordöstl. Ausläufer des 
Bressoir) über Rauenthal und Eckkirch bis zur Strasse 

nach S. Die. 

Maassstab für Längen und Höhen 1:50000. 

gn Gneiss. m Marmor, p Pegmatit- und Leptinitähnliche Einlagerungen. 
iS Serpentin. £^ Bressoirgranit. Kgr Kammgranit. Ke Kersaiitit. 

E Erzgänge. BB Brnchzone. 



Stelle im Wald, an der zwischen wild übereinander- 
gestürzten Felsraassen einzelne grosse Klippen von 
Serpentin hervortreten (Fig. 31). Derselbe bildet 
hier, gerade an der Grenze von Granit und Gneiss 
gelegen, eine mächtige Einlagerung in dem letzteren. 
Während das Gestein, nach seinen im tiefer ge- 
legenen Rauenthal aufgefundenen Eollstücken al§ 
„Serpentin des Raüenthals" bezeichnet, früher 
als veränderter Hornblendegneiss oder Amphibolit 



302 Elzcarsion 14. 



angesehen wurde, weiss man jetzt, besonders nach- 
dem sich an den anstehenden Klippen frischei^ 
Varietäten mit grossen Bronzitblättchen und mit 
noch wohlerhaltenen, aber mikroskopisch kleinen 
Olivinkörnern gefunden haben, dass auch es ans 
einem massigen Brouzit- Olivingestein hervorgegangen 
ist, wie solche, ebenfalls in Serpentin umgewandelt, 
an der Strasse von Markirch nach Diedolshausen 
jenseits des Passes mehrfach im öneisse eingelagert 
vorkommen. 

Wir folgen dem Thälchen unterhalb der Ser- 
pentinklippen, dem Lingouttethal, nach abwärts 
und erreichen, über Öehängeschutt und anstehen- 
den Gneiss (am Waldesrande rechts Graphitgneiss 
mit reichlichem Graphit!) abwärts schreitend, das 
breitere Rauenthal, in dem nach jahrzehntelanger 
Pause jetzt wieder ein lebhafter Bergbau umgeht. 
Aufwärts von der Stelle, wo wir in das Rauenthal 
eintreten, liegen die Grube Gabe Gottes, die auf 
einem reichen, ab und zu Rothgiltigerz führenden 
Fahlerzgange baut, und die noch nicht wieder er- 
schlossenen alten berühmten Gruben Glückauf, Daniel, 
St Wilhelm imd St. Jacob; weiter abwärts treffen 
wir auf den sog. tiefen Stollen und die diemalige 
Kobaltgrube St. Christian, sodann auf den Fürsten* 
B tollen, der sowohl die vorher erwähnte Bleigrube 
als die im oberen Rauenthal gelegenen Gruben 



Markirch. 303 



entwässern soll, und auf die grosse, neuerbaute 
Erzaufbereitung, an die sich alsbald die Häuser von 
Eckkirch anschliessen. Bei Eckkirch erreichen 
wir die grosse Strasse, die uns vorbei an guten 
Aufschlüssen im normal gelagerten Gneiss (im Stein- 
bruch unmittelbar an der Strasse finden sich im 
herrschenden Biotitgneiss hin und wieder linsen- 
förmige Lager von Hornblende- und Augitgneiss, 
auch turmalinführenden Leptiniten, zuweilen mit 
Magnetkies) in 20 Minuten nach Markirch führt. 

2. Die Erlaubniss zur Befahrung der Gru- 
ben im Rauenthal oder bei Kleinleberau er- 
wirkt man sich am besten schon Tags zuvor auf 
dem Bureau des Markircher Berg- und Hütten- 
vereins (zur Zeit in der Nähe des Grand Hotel)- 
Zur allgemeinen Orientirung sei hier nur erwähnt, 
dass die Erze, welche Gegenstand des Markircher 
Bergbaues sind, auf Gängen vorkommen, welche 
ohne Ausnahme im Gneiss aufsetzen. Es werden 
vorzugsweise silberhaltige Blei- und Kupfererze 
(Bleiglanz und Fahlerz) gewonnen; neben diesen 
kommen aber noch Kupferkies und Zinkblende und 
zuweilen auch gediegen Silber (im Jahre 1581 so- 
gar eine Masse von 1185 Pfund), Rothgiltigerz und 
gediegen Arsen, femer Eisenkies und Arsenkies, 
näher an dem Ausgehenden der Gänge (im sog. 



304 Excorsion 14. 



eisernen Hut) auch Brauneisenstein vor. Ein Grang 
im Rauenthal (Grube St. Christian) führt Speiskobalt 
und Kupfernickel. Die Gangart besteht aus Quarz, 
Braunspath und Kalkspath; hier und da tritt noch 
Schwerspath und Flussspath hinzu. 

Am wenigsten zeitraubend ist der Besuch des 
Rumbachstollens in St. Kreuz. Man kann zur 
Hin- und Herfahrt die Bahn benutzen, aber auch 
der Weg auf der Landstrasse, die auf der linken 
Seite der Leber am Fusse des Prinzenwaldes an 
guten Gneissaufschlüssen (besonders bei Petites- 
Halles und Maisons des Moules) entlang führt, ist 
nicht weit (3 km). In St. Kreuz geht man bis zur 
Kirche und gelangt etwa 300 Schritt oberhalb der- 
selben, an dem- Fahrweg nach Gross -Rumbach, an 
den Rumbachstollen. Durch ihn ist ein etwa 1 m 
mächtiger Gang aufgeschlossen, der in einer aus 
Bruchstücken des Nebengesteins (Gneiss), aus Quarz, 
Kalk- und Braunspath bestehenden Gangart Zink- 
blende und ab und zu auch Bleiglanz führt. 

Die Aufschlüsse im Kammgranit liegen an 
der grossen Strasse von Markirch nach St. Di6. 
Man verlässt Markirch durch , die St. Dideler Yor- 
$tadt. Bereits bei dem letzten Hause auf der linken 
Seite, dem früheren Zollhaus, gelangt man aii den 
Granit Derselbe ist hier durch eine breite Brüch- 
zone, genau in der Richtung des Kleinleberauer 



Markirch. 305 



Thaies gelegen, vom Gneiss getrennt. Die Bruch- 
zone setzt sich ans grossen Schollen von Öneiss 
und Granit, eingeschlossen in zermalmtem und 
wieder regenerirtem Granit, wie aus verkieselten 
Trümmergesteinen, Quarziten etc. zusammen, also 
aus sehr verschiedenen, jetzt vorwiegend klastisch 
erscheinenden Gesteinen, die man früher als „Le- 
berauer Grauwacke** bezeichnet hatte. An dem 
Wege, der vor dem früheren Zollhaus links abbiegt 
und über den Pass nach Eckkirch führt, und an 
der Waldstrasse, die vor der St. Dideler Yorstadt 
durch das Fenaruptthal nach Nordwesten hin an- 
steigt, kann man die Gesteine am besten erkennen. 
Der Granit, der in Felsen längs der grossen 
Strasse ansteht, ist stark zersetzt und bietet zu- 
nächst nichts Besonderes. Erst nach 2^2 ^^ all- 
mählichen Steigens gewahrt man rechts an der 
Strasse einen Steinbruch. Durch diesen ist ein 
durchschnittlich 15 m mächtiger Gang von Ker- 
santit aufgeschlossen. In der Mitte des Ganges 
finden sich recht grobkörnige Varietäten des seltenen 
Gesteins, in denen man den röthlichen Feldspath, 
den dunkelgrünen Augit und den bräunlichen Biotit 
mit blossem Auge unterscheiden kann; nach dem 
Salband hin ist das Gestein dichter imd von Kalk- 
spathadem durchzogen. In einzelnen Drusen, die 
sich hier einstellen, trifft man neben Quarz- und 

Führer durch d. Elsass. 20 



Mwkireb. 307 

Eisenglanzkrystallen oft üachenreich ausgebildete 
Eiystalle von Ealkspath. 

In der Nachbarschaft des Ganges ist der Granit 
reich an faust- bis kopfgrossen dunkeln basischen 
Ausscheidungen. Weiter oberhalb an der Strasse 
erscheint er stark verwittert und oft geradezu in 
Grus und Sand aufgelöst. Mehrere Gruben, in 
denen letzterer gewonnen wird, liegen näher nach 
der französischen Grenze hin dicht an der Strasse. 
Nach Wegräumen der lockeren Verwittenuigsproducte 
wird hier und da die kugelf5nnige, auch wollsack- 
artige Absonderung des Granits in schönster Weise 
sichtbar (vergl. Fig. 32). 

Festere Blöcke von Kammgranit trifft man erst 
an dem Pass (Haut de falte) und zumal an dem 
Wege, der rechts von der Strasse, der Landes- 
grenze und der Kammlinie entlang, in nördlicher 
Bichtung zu dem als Aussichtspunkt viel besuchten 
Chäteau de feite hinanführt. Hier werden schon 
seit Jahrzehnten die grossen, im Wald zerstreuten 
Blöcke, in jüngster Zeit auch die unterhalb des 
Chäteau de faite anstehenden Felsen bearbeitet, um 
zu Treppenstufen, Brunnentrögen, Denkmälern und 
Bausteinen aller Art Verwendung zu finden. Der 
frische Kammgranit, den man hier am besten sam- 
melt, ist ein grauer Granitit mit grossen Einspreng- 
ungen von hellen, zonar gebauten Orthoklasen. Das 

20* 



308 Ezcnnion 14. 



Grandgewebe besteht aus hellem Orthoklas, aus 
grünlichen, im angewitterten Gestein rothbraunen 
Oligoklasen, aus Quarz, Biotit und Säulchen von 
dunkelgrüner Hornblende. Interessant sind die üm- 
wachsungen des Orthoklases durch Oligoklas; letzterer 
kommt aber auch als Kern und in Form einzelner Zonen 
in den kleineren Orthoklasen eingeschlossen vor. 

Bundliche, kopfgrosse basische Ausscheidungen 
sind hier im Kammgranit nicht häufig, wohl aber 
sauere, plattenförmige, aplitartige. Auch ein fein- 
bis mittelkömiger glimmerarmer Ganggranit, der 
Turmalin enthält, sowohl eingesprengt als in radial- 
strahligen Aggregaten auf dem Salband, findet sich 
in Blöcken zwischen den Felsen dicht unterhalb des 
Chäteau de faite. 

Wenn man nicht auf demselben Wege nach 
Markirch zurückkehren will, so kann man vom 
Chäteau de faite aus den Clubpfad bis zum Grenz- 
stein Nr. 2584 wählen, dann zu einem 80 m tiefer 
gelegenen Punkte herabsteigen und von hier auf 
der oberen Waldstrasse in das Robinotthal wandern, 
wo man auf der linken (östlichen) Seite des Baches 
einen sehr dünnplattigen , fluidalstruirten Quarz- 
porphyr, den Rest einer einst mächtigen Decke 
im Rothliegenden, auf dem Kammgranit lagernd, 
antrifft. 5 Minuten weiter abwärts kommt man 
dann wieder auf die Strasse nach Markirch. 



Markirch. 309 



Für diejenigen, welche das Gneissgebiet ein- 
gehender Studiren wollen, empfiehlt es sich, am 
folgenden Tage auf der Bahn nach Leberau zu fahren. 
Hier stehen in dem "Weinberg, gegenüber dem Bahn- 
hof, stark gequetschte Granite, früher als „Leberauer 
Grauwacke" beschrieben, und weiterhin Gneisse an. 
In dem Thale nach Deutsch -Rumbach trifft man, 
1 km vom Bahnhof entfernt, bald hinter der Fabrik, 
auf den Eammgranit, und bleibt in diesem bis La 
Hingrie, abgesehen von einer etwa 1 km langen 
Unterbrechung durch Markircher Gneiss oberhalb der 
Kirche von Deutsch -Rumbach. Am Schulhaus in 
La Hingrie (Blatt Weiler) gabelt sich der Weg. Man 
bleibt auf der rechten Thalseite und überschreitet 
erst bei der nächsten Häusergruppe den kleinen 
Bach. Hier beginnt der sog. Urb eiser Gneiss. 
Derselbe ist hier reich an Einlagerungen von Gra- 
phitgneiss, unterscheidet sich aber im übrigen 
nicht von dem gewöhnlichen flaserigen Markircher 
Gneiss. Ein Fahrweg, zuletzt Fusspfad, führt 
in nordöstlicher Richtung bis zum Pass, von 
dem man, an der Ferme Schlingoutte vorüber, in 
30 Minuten Urbeis erreicht (siehe Excursion 13, 
S. 294). 

Yon Urbeis aus kann ein rüstiger Wanderer 
auch sehr bequem die Besteigung des Climont 
ausführen (2 — 3 Stunden). Wählt man dann den 



310 ExeuBiMi 16. 



Abstieg nach Westen, nach dem Breuschthal bin 
(Saales öder Boorg-Bruche, beide in 2 Standm vom 
Glimont ans beqnem zu erreichen), so lAast sich 
dann die Excorsioii 11, S. 252 ansehlieas^iL 



Exearslon 15. 

Waazel — HohkSnigsbnrg — Thumenkireh — Bappoltsweller 18Vt l^- — 

Verschiedene Graoitstöcke, Qneiss, Kohle, Bothliegendes, 

Buntsandstein, verkieselter Maschelkalk. 

Messtischblätter Schlettstadt, Markirch nnd Bappoltaweiler. 






ie Gegend von Bappoltsweiler darf zu den 
schönsten des Elsass gerechnet werden, 
nnd wer z. B. auch als einfacher Ver- 
gnügungsreisender für den Besuch der Yogesen nur 
über einen Tag verfügt, dem kann man unbedingt 
die Bappoltsweiler Gegend empfehlen. Man geht 
zweckmässig von der Station Wanzel der Bahnstrecke 
Schlettstadt — Markirch aus nach der Hohkönigsbui^, 
von da über Thannenkirch und entweder direkt oder 
über die Bappoltsweiler Schlösser nach Bappoltsweiler. 
Es ist dies der angenehmste und landschaftlich 
schönste Spaziergang der ganzen Gegend. Obschon 
manche sehenswerthe geologische Vorkommen auf 
diesem Wege nicht zur Beobachtung gelangen, so 



Wanzel — Uohkönigsbargr — Thanndiikirch — Rappoltsweiler. 311 

soll er dem Besuch des Gebietes doch zu Grunde 
gel^ werden. In der Nähe beündliche wiohtige. 
Punkte ssollen aber nebenbei erwähnt werden, und 
es wird deshalb jeder, der für das Eine oder das 
Andere Interesse besitzt, in beliebiger Weise einen 
anderen Weg wählen können. 

Vom Bahnhof Wanzel führt der Weg, theüs 
Fahrstrasse, theils Fusspfad auf etwa 1^/4 km durch 
Kammgranit, dann bis zum Gasthaus (5 km bei 
einer Steigung von 330 m) durch rothe Breccien 
und Grande des Oberrothliegenden, Kurz vor 
dem Gasthaus sieht man in den Breccien, in Lagen 
und auch als Ausscheidungen auf Klüften, klein- 
körnige Dolomite, wie solche sich im ganzen Msass 
an der Grenze gegen den Buntsandstein einstellen. 
Am Gasthaus findet die Auflagerung dieser obersten 
Schichten des Oberrothliegenden auf steilgestellten 
Gneiss statt. Wir befinden uns am Südrand des 
Eothliegendenbeckens des Weüerthales (Fig. 2 , S. 63). 

Unterhalb des Gasthauses, in 300 m Entfernung 
von diesem, mündet auf der linken Seite ein eben- 
falls viel begangener Fusspfad ein, der über Forst- 
haus Wick (Erfrischung) und den Hahnenberg 
nach Kestenholz führt. (Vom Gasthaus bis liierher 
6Y4 km.) Seitenwege gehen nach Orschweiler und 
Kinzheim herunter. Vom Gasthaus bis zum Hahnen- 
berg bleibt man fast beständig im Bothliegenden; 



312 Excarsion 15. 



schlägt man aber irgend einen der nach den ge* 
nannten Ortschaften führenden Wege ein, so gelangt 
man bald in Gneiss oder in Granit. Der Weg nach 
dem Hahnenberg führt also stets ' am Eande des 
Rothliegendenbeckens. Auflagerung von Roth- 
liegendem auf Gneiss lässt sich etwas oberhalb^ 
der Abzweigung des am Forsthaus Köpfel vorbei 
nach Orschweiler führenden Weges feststellen. Im 
ersten Einschnitt des letzteren, 300 m südöstlich 
vom Forsthaus, durchbricht ein Granitgang den 
Gneiss, der hier stark gestaucht ist. Auflagerung- 
von Oberrothliegendem auf Granit ist in einem 
alten Steinbruch etwas nordöstlich vom Gipfel des 
Hahnenberges (529,6 m) sehr deutlich zu sehen. 
In seiner Gesteinsbeschaffenheit weicht ersteres, das 
sich durch seine Bankung und Zerklüftung von dem 
zu Grus verwitterten Granit scharf unterscheidet 
(vergl. Fig. 33), wesentlich von den gleichalterigen 
Schichten des Weilerthaies ab und erinnert sehr an 
die unter gleichen Bedingungen abgelagerten aber 
älteren Arkosen der obersten Trienbacher Schichten 
bei Heisenstein. In der Fortsetzung des Weges nach 
Kestenholz tritt man etwa 150 m nördlich vom Aus- 
sichtsthurm des Hahnenberges , ungefähr in der Höhe 
von 495 m, in Kammgranit und verbleibt in diesem 
bis zum Fuss des Borges bei Badbronn. An den 
Maifelsen (Felsen bei 420 m) steht er in schöner 



Wrazel — Hohkänigibntg — 1 hannenkirch — RappoltsweLler. 313 



314 Exciusion 16. 



Felsbildimg an. Badbronn, Badehotel und Bestan- 
ration, ist ein von den Stiassburgem bevorzHgter 
Badeort, dessen kochsalzhaltige Quelle jeden&Us 
mit der hier durchsetzenden Bheintiialspalte in Ver- 
bindung steht. 

Auf dem Zickzackpfad, der vom Gasthaus Höh- 
königsburg zur Ruine, der grössten und best- 
erhaltenen des Msass, hinaufführt, gelangt man bald, 
ungefähr bei Curve 580, in Buntsandstein, der bis 
zum Oipfel des Berges, bis 726 m, anhält Des 
schönen Ausblickes, den man von der Burg aus 
geniesst, ist in der Einleitung (S. 1) gedacht Zur Er- 
gänzung sei hier bemerkt, dass das Gebiet, welches 
die Kohlenvorkommen von St Pilt umschliesst, 
sowohl gegen N., gegen den die Hohkönigsburg 
tragendenSücken, als gegen W., gegen den Schäntzel- 
berg und den Thännchel, durch Yerwerfongen 
abgeschnitten ist Gegenüber ersterem beträgt die 
Sprunghöhe 150 m, gegen den Thännchel 260 m. 
Bemerkenswerth ist, dass der Vogesensandstein am 
Fuss der Hohkönigsburg auf Oberrothliegendem, am 
Kochersberg aber auf Kohle, und zwar auf einer 
älteren Abtheilung der produktiven Kohle aufruht. 
Es liegt also discordante Auflagerung des Bunt- 
sandsteins vor, welche zu ihrer Erklärung die An- 
nahme bedeutender Störungen nach Ablagerung der 
Kohle von St. Pilt erfordert (vergl. Profil 2 , S. 63). 



Waozel — Hohkönigsboig — Thaanenkirch — Bappoltsweiler. 315 

Nach der Besiditigong d^ Burg, die jetzt 
Eigenthum Seiner Majestät ist und wieder aufgebaut 
werden wird, folge man dem nach dem Forsthaus 
Hohkönigaburg führenden Pfade; an diesem wurden 
die ersten Pseudomorphosen von Sandstein nach 
Ealkspath im lioksrheinischen Buntsandstein ge- 
fmiden. Am Forsthaus schiebt sich zwischen Bunt- 
sandstan und Gnäss geringmächtiges Oberrothliegen- 
des eia. Der Gnass hält bis zu dem am Ostfuss 
des Schäntzelberges gelegenen Forsthaus Schäntzel 
an. Vom F.-H. führen zwei Wege in südsüdöst- 
licher Richtung nach Rodem; wenige Schritte weiter, 
b^ einer Gabelung des Weges, wähle man den 
linker Hand abwärts führenden Weg. Nach 350 m 
erreicht man ein Thälchen; kurz vorher wird man 
im Anschnitt des Weges Schieferthone und Arkosen 
der Kohlenformation bemerken. Alte Schürfe 
auf Kohle ünden sich etwa 50 m höher, an der 
Einsattelung zwischen dem Schäntzelberg und der 
westlich vorgelagerten Höhe. Die Kohle schneidet 
in dem genannten Thälchen in Folge einer Ver- 
werfung scharf ab, jenseits derselben beginnt Kamm - 
granit(S.55), der über Thannenkirch (Gasthaus z. 
Thännchel) hinaus anhält. Vom Gasthaus Hohkönigs- 
burg bis hierher 5^/2 km. Der vom Yogesenclub 
durch prachtvollen Laub- und Tannenwald angelegte 
Fusspfad nach den Schlössern von Rappoltsweiler 



316 Excnrsion 15. 



und nach der Stadt selbst verbleibt im gewöhnlichen 
Kammgranit bis zu dem Rücken in der Waldab- 
theilung Dassenberg, wo allmählich eine Aenderung 
in der Beschaffenheit des letzteren stattfindet, indem 
sowohl die grossen Feldspatheinsprenglinge aJs auch 
der Glimmergehalt zunehmen, und sich eine aus- 
gesprochene Fluidalstructur bemerkbar macht Es 
liegt eine Randfacies des Kammgranit vor, die 
als Glashüttengranit bezeichnet worden ist. Jen- 
seits des nächsten Thälchens ist der Weg in auf- 
fallender Weise mit weissen Quarzkömem bestreut; 
man ist im Gebiet des Bressoirgranit (S. 57) 
angelangt , der durch den Pfad nach den Schlössern 
in einer Breite von ungefähr 600 m durchschnitten 
wird. Wer auf kürzestem Weg Rappoltsweiler er- 
reichen will, wird bald nach dem Eintritt in den 
Stock des Bressoirgranit den in östlicher Richtung 
abwärts führenden Weg wählen. Ein kleiner Ab- 
stecher gestattet die Besichtigrmg des Schlüsselstein, 
eines im Gneiss aufsetzenden, Amethyst führenden 
Quarzganges (vergl. Fig. 34). Geologisch inter- 
essanter ist der Pfad über die Rappoltsweiler Schlösser 
und die Dusenbachkapelle. Südlich vom Bressoir- 
granit überschreitet man eine ungefähr 300 m breite 
Zone von glimmerreichem Gneiss, die in dem Pass 
zwischen der Höhe 658 und der Ruine Rappolt- 
stein endet; der Anstieg nach dieser (642 m) führt 



318 Ezconioii t. 



ganz durch Bilsteingranit. Auch die tiefer liegen- 
den Ruinen Giersberg und St. Ulrich, und weiter 
gegen SW. die Ruine Bilsteln, nach weldier der 
Granit benannt wurde, stdieii auf diesen Granit 
Kein anderes Gestein der ganzen Gegend war durch 
seine Felsbildung fOr die Anlage von Burgen so 
geschaffen wie dieser Granit, und dies ist denn auch 
reichlich ausgenutzt w(»den. Bsim Abstieg ins Dosen- 
bachthal durchschreitet man, nachdem man den Biel- 
Steingranit verlassen hat, zunächst wieder die be- 
sprochene Gneisszone, gelangt dann, ungefähr in 
der Höhe vou 555 m, in Bressoirgranit und bleibt 
in diesem bis zur Thalsohle. Das Dusenbachthal 
ist quer zum Streichen des Gneisses sowie quer 
zur Längserstreckung der genannten Granitstöcke 
ausgewaschen, und bietet deshalb emsEL guten Ein- 
blick in ihre gegenseitigen Lagerungsverhältnisse. 
(Dieselben sind für das Strengbachthal in Fig. 35 
dargestellt.) Im Thal tiifft man die südliche Grenze 
des Bressoirgranit bei ungefähr 460 m, dann, in 
einer Breite von nicht 100 m, Glashüttengranit. 
Gegen Osten scheint sich diese Randausbildung bald 
auszukeilen, da sie weiter oberhalb nicht zu beob- 
achten ist. Gegen "Westen setzt sie über das Thal des 
Strengbaches hinüber, breitet sich in letzterem stärker 
aus und keilt sich 1 km jenseits des Thaies aus. 
Wir haben also Glashüttengranit nördlich und süd- 



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Wanzel — HohköDigsbmg — Thannenkircli — Bappoltsweiler. 319 







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320 Excarsion 15. 



lieh vom Bressoirgranit; letzterer hat also ersteren 
durchbrochen, ist demnach jünger als dieser. Aus 

dem Glashüttengranit kommt man wieder in die 
genannte Oneisszone, die genau bis zur Dusenbaoh- 
kapeile anhält. Diese steht bereits auf Bilstein- 
granit. Die Grenze zwischen Gneiss und Granit 
lässt sich an dem gegenüber liegenden Gehänge am 
Waldbestand scharf verfolgen; der Gneiss, leichter 
verwitterbar, trägt Tannenwald, der schwer ver- 
witternde Bilsteingranit kümmerliches Niederholz. 
Man verlasse an der Kapelle den Thalweg und folge 
dem neu angelegten Kreuzweg. Unmittelbar neben 
dem Gneiss ist der Bilsteingranit feinkörnig, beinahe 
dicht, dünnschiefrig. Mit der Entfernung von der 
Grenze nimmt die Komgrösse des Gesteins zu, die 
Schief rigkeit nimmt ab, ohne jedoch ganz zu ver- 
schwinden, und es stellen sich grössere Feldspath- 
einsprenglinge ein. Meist ist eine deutliche Fluidal- 
structur bemerkbar. Hat man das Hauptthal und 
damit die Strasse nach Eappoltsweiler erreicht, so 
macht sich bald wieder eine geringere Komgrösse 
und eine ausgesprochenere Schiefening bemerkbar. 
Etwa 150 m unterhalb der Fabrik stellt sich an 
der Grenze gegen den Gneiss, genau wie an der 
Dusenbachkapelle, ein dichtes, dünnschiefriges Sal- 
band ein. Die ausgesprochene Schieferung, welche 
das Gestein zeigt, war früher Veranlassung, das- 



Wanzel — Hohkonigsbiurg — Thaonenkirch — Bappoltsweiler. 321 

selbe als Gneiss aufzu&ssen. Die Entwicklung von 
Salbändern, wozu weiter gegen S"W., an der Ruine 
Bilstein und im Thal unterhalb derselben, wo der 
Stock sich verbreitert, eine deutlich granitische 
Structur desselben tritt, lässt das Gestein unzweifel- 
haft als eruptiv erkennen. Die Schieferung ist eine 
ursprüngliche, sie ist vor. der vollständigen Ver- 
festigung der gluthfiüssigen Masse entstanden. Im 
Gneiss bietet ein Steinbruch unmittelbar am Rande 
des Gebirges gegen die aus Bimtsandstein und 
Muschelkalk bestehenden Vorhügel, dicht vor der 
Vogesenspalte, einen günstigen Aufschluss. — Von 
Thannenkirch über Ruine Rappoltstein bis zum Bahn- 
hof Rappoltsweiler (in der Nähe Gasthaus Stadt 
Nancy) 8 km, über den Schülsselstein l^j^ km. 

Wer sich mehr für jüngeres als für älteres 
Gebirge interessirt, wird zweckmässig von Thannen- 
kirch aus über Bergheim nach Rappoltsweiler 
wandern (8^4 km). Das hübsche Thal des Bergeh- 
baches ist bis zu seinem Austritt aus dem Gebirge, 
bis 100 m oberhalb der Schlossmühle, im Kamm- 
granit ausgewaschen. Nördlich von dieser Mühle 
steht auf verkieseltem Sandstein die! Ruine 
Reichenberg; auf den Klüften des Sandsteins 
findet sich Schwerspath. Ziemlich genau an der 
Grenze von Granit, und Sandstein führt in nord- 
nordöstlicher Richtung ein Waldweg nach dem Gras- 

Führer durch d. Elsass. 21 



a (J? 



Bei^, der zugleii^ der Ab- 
fnhrweg für ^e Reihe von 
^ . Steinbrüchen ist, in welchen 

' 'Ig Terkieaelter Trochiten- 

13 I ' kalk gebrochen Mrird. Hier 

l^ « S' findet sich neben Sohwer- 

«f l| I Späth auch Flussspath 

s'J'b-I.c' als Neubildung dee Ver- 



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Sandstein, dem ein nr- 
spröngliclier Kalkgehalt ab- 
ö'»i.Hi — gebt, ■WTirde FlusBspath nir- 

*l t^? " gends beobachtet — , seltener 

^l^lwi. als bei Orschweiler auch 

^ ll a Asphalt Am Eingang in 

fl°^'*^i K ^° ersten grosseren Bruch 

ist die Spalte zwischen Onmit 
und dem mesozoischen Ge- 
birge gut aufgeschlossen 
g^|l? ? (Fig- 36). 

"lä"'" K Mittwegs zwischen der 

1 1 1 " I Ruine Reichenberg und Bei^- 

f%9. '. g; heim li^ der Tempelhof; 

^'^^ L ^ gegenübec demselben, auf 

l'g-^l* der linken Thalseite, hebt 

U^l sich als flache Kuppe ein 

weiteres "Vorkommen voa 



Wanzel — HohköDigsborg — Thannenkirch — Rappoltsweiler. 3 2^3 

yerkieseltem Muschelkalk heraus, in welchem 
mehrere kleine Steinbrüche angelegt sind, die zeit- 
weise sehr schöne Flussspathkrystalle geliefert haben. 
Oberhalb des Muschelkalks wird in einer grossen 
Grube Gyps gebrochen, welcher dem unteren Theil 
des mittleren Eeupers, dem sogen. Salzkeuper, an- 
gehört, üeber dem Oyps stösst man im Pass nach 
Bohrschweier auf Gryphit^ikalk, der Kanzler -Berg 
besteht aus Dogger. 

Von Bergheim . nach Rappoltsweiler führt 
der Weg bis zur Höhe des ersten Rückens über 
Granitgrus, der aus dem Gebirge angeschwemmt 
ist, dann, bis in die Nähe des Carolabades, durch 
Salzkeuper. Nördlich von der Strasse liegt, eben- 
^Is im Salzkeuper, der Zahnacker, eine der besten 
Weinlagen von Rappoltsweiler. Bei der Fassung der 
Badquelle, deren Wasser stark lithium- und schwach 
chlornatriumhaltig ist und eine Temperatur von 
18,2** besitzt, wurde unter diluvialen Schottern ver- 
kieselter Muschelkalk blossgelegt. Der Löss, welcher 
etwas weiter am Wege aufgeschlossen ist, scheint 
diese Schotter zu überlagern und ist wahrscheinlich 
als jüngerer Löss aufzufassen. Yom unteren Theil 
der Stadt schiebt sich gegen Osten, gegen Gemar, 
ein flacher Schuttkegel des Strengbaches vor, über 
den die Bahn vom Reichsbahnhof Rappoltsweiler 
nach dem Stadtbahnhof- fährt Trotz anscheinend 

21* 



324 Excuraioii 16. 



nicht wesentlicher Steigung beträgt der Unterschied 
in der Höhenlage zwischen beiden Bahnhöfen, bei 
einer Entfernung von nur. 4 km, doch 57 m. Be- 
merkenswerth ist, dass unter dem Schotter dieses 
Kegels, der am Reichsbahnhof ungefähr 1 m mächtig 
ist, durch den Bau einer Unterführung schnecken- 
armer Löss in einer Mächtigkeit von 2,50 m bloss- 
gelegt wurde, der im unteren Theil von dünnen, 
sich auskeilenden Streifen von Sand dui'chzogen 
war. Es ist dies entschieden älterer Löss. 



Excursion 16. 

1. Tag. ürbeis oder Diedobhansen — Weisser See — Schwarzer See— 
Gazon de Falte — Schlacht. ISV« oder 17 V« ^»^ ^i ®iner Steiifong von 

900 oder 1000 m. — Granit, Seen und Moränen. 
Messtischblfttter ürbeis nnd Münster oder Blätter XV, Schlacht— 
Gdrardmer nnd XVI, Kaysersberg— Münster der Vogesenclab- 

karte 1 : 60000. 

2. Tag. Schlncht — Hohneck — FischbSdle — Metzeral. 23^/, km. — 
Granit, metamorphe Granwacke mit Granitapophysen, 

Seen, Glacialablagernngen. 

Messtischblatt Münster oder Blätter XY nnd XVII (Wildenstein, 

bisher noch nicht erschienen) der Vcgesenclabkarte. 

ie beiden Tage sollen uns mit der Kamm- 
region der südlichen Hälfte der mittleren 
Vogesen, vom Bechine- bis zum Fechtthal, 
bekannt machen. Die Zusammensetzung ist sehr 
einfach, indem fast ausschliesslich Kamrogranit ver-: 




Urbeis — Schlucht — Metzeral . 325 

treten ist. Trotzdem lohnt ein Besuch der Gegend 
reichlich, allein schon wegen der landschaftlichen 
Schönheit des Gebietes, dann auch wegen der inter- 
essanten Fragen, welche sich an die Entstehung 
der in grosser Anzahl in der Nähe des Kammes 
vorhandenen Seen anknüpfen lassen. 

Der Ausflug lässt sich bequem an diejenigen 
von Rappoltsweiler oder Markirch anschliessen. Yon 
Rappoltsweiler aus benutzt man die Reichseisen- 
bahn bis Colmar, von dort aus die Kaysersberger 
Thalbahn bis Escheimer (Hachimette) oder Schnier- 
lach (Lapoutroie), von wo aus Postverbindungen 
nach Urbeis (Orbey) und Diedolshausen (Bonhomme) 
bestehen. Yon Markirch gelangt man auf guter 
Strasse in 2^/^ Stunden über den Pass Haut du 
Bonhomme zwischen dem Leber- und dem Bechine- 
thal nach Diedolshausen (660 m, Gasthäuser Cheval 
blanc und Hotel des Laos). 

Y2 km unterhalb der Kirche von Diedolshausen 
erhebt sich, 80 m über der Thalsohle, die Ruine 
Gutenburg. Sie steht auf steil gestellten Schiefem, 
die eingeklemmt sind zwischen Gneiss und Biotit- 
granit, der an der Bechine scharf abgeschnitten ist. 
Von Diedolshausen nach dem Weissen See (5Y4 km, 
Steigung 500 m) folge man dem auf der Ostseite 
des Fauxkopfes (1219 m) ansteigenden Yogesenclub- 
pfad, der auf seiner ganzen Ei-streckung in Block- 



32^6 Excnnion 16. 



masseil Ton Granit und im anstehend^i Granit 
führt. Yor dem Eintritt in den Wald sieht man 
in fast genau westlicher Richtung den Cbl du Bon- 
homme und die Strasse nach St. Di6 vor sich 
liegen. Etwas unterhalb des Gol du Bonhomme, 
bei Goutte-au-Rupt, wurden anfangs dieses Jahr- 
hunderts und auch noch in den letzten Jahren ver- 
gehliche Yersuchsarbeiten auf Kohle ausgeführt. 
Arkosen, welche ein Lager unreiner Kohle um- 
schliessen und wahrscheinlich gleiches Alter wie die 
Kohlen von St. Pilt haben, sind hier zwischen Gneiss 
und Granit eingekeilt, etwas östlich der Trümmer- 
zone, welche von Luschbach bis Deutsch -Rum- 
bach nachgewiesen ist und den Gneiss von Markirch 
gegen Westen vom Kammgranit trennt (vgl. S. 305). 
Weit sonniger und auch etwas länger (6^4 km, 
Steigung 620 m) ist der Aufstieg von Urbeis (Gast- 
haus zum goldenen Kreuz) nach dem Weissen See. 
Unmittelbar nördlich vom Ort, der rund 160 m 
tiefer liegt als Diedolshausen, erhebt sich bis zu 
772,5 m der mit einem Aussichtsthurm gekrönte 
Buntsandsteinkegel des Grand-Faud6, der, wie 
alle Sandsteinhöhen der mittleren Yogesen vom 
Hohnack bis zum Ungersberg, an einer Yerwerfung^) 

1) L. van Werveke, lieber einige Verwerfungen 
in den mittleren Vogesen. — Mittheil. d. geolog. Landes- 
anstalt, Bd. I, Heft 2, 1887, S. 108 — 113. 



Urbaia - ScUnolit - MetaBral. 327 

ge^en den westlichen Theil des Gebirges abge- 
sunken ist. Bei ürbeis Bcheint die Störung aa 
der Kapelle etwas östlich von Creuz d'Ärgent durch- 
zusetzen, wenigstens lassen die topographischen Ver- 
h&ltnisBe sie hier am ehesten Termuthen. Bis zum 



Fig. 37. Weisser See. 

Gasthaus zum Weissen See bietet der Weg 
nichts besonders Bemerkenswertbes. 500 m südlich 
vom Gasthaus gelaugt man an den Weissen See 
(Fig. 37), den grössten der Vogesenseen, zugleich 
den nördlichsten der noch vorhandenen nassen Seen. 
Der Spiegel des Sees liegt bei 1054,5 m; die grössta 
Tiefe wurde 150 m nördlich vom südlichen Ufer 



328 Excorsion 16. 



gelothet und beträgt 60 m.^) Gegen Westen, Süden 
und Südosten begrenzen denselben bis zu 200 tn 
hohe, von langen Furchen durchzogene, kahle und 
steile Qranitwände, über denen das G-elände bis zum 
Kamm des Eeisberges bis 1304 m flach ansteigt. 
In nördlicher Kichtung, nach dem Gasthaus zu, hebt 
sich das Ufer langsam heraus und ist stark ver- 
sumpft. Gegen Osten ist dem See ein in Nord- 
nordwestrichtung lang gestreckter, bis 74 m über 
dem See ansteigender Rücken vorgelagert, der voll- 
ständig mit granitischen Blockmassen überdeckt ist. 
Blockmassen bilden auch, wie beim Bau des Ab- 
schlussdammes festgestellt wurde, den ursprüng- 
lichen, natürlichen Abschluss des Sees (vom Gast- 
haus ab ly^ km). Der Ausfluss bildet einen hüb- 
schen Wasserfall. 

" Ein Granitriegel, der wie ein Dom dem Haupt- 
kamm ansitzt, an seiner Basis eine Breite von 
900 m hat und steil nach Süden abstürzt, trennt 
den Weissen See vom Schwarzen See. Dem Pfade 
entlang, auf dem man den Riegel auf der Ostseite 
umgeht, beträgt die Entfernung zwischen beiden 



1) Hergesell, Langenbeck und Rudolph, Die 
Seen der Südvogesen. — Geographische Abhandlungen aus 
den Reichslanden Elsass-Lothiingen, 1. Heft, Stuttgart 
1892, 121 — 184. 



Urbeis— Schlncht— MetMral. 329 

Seen 2^, km; in 750 m Entfernung vom Damm 
des ersteren kommt man an einem vertorften kleinen 
Troekensee vorbei. Der Spiegel des Schwarzen 
Sees (Fig. 38) liegt 104 m tiefer als der des 



Fig. 38. Schwarzer See. 

Weissen Sees, die Tiefe betrug vor der künstlichen 
Erhöhung des Abschlusses 38,7 m. Nur im nörd- 
lichen Theil, nördlich von den Wasserfällen, treten 
die steilen Granitfelsen unmittelbar an das Seeufer 
heran, während sie im südlichen Theil weit gegen 
Westen zurlie^eaehoben sind. Bei niederem Wa^er- 
stand, wie solcher sich z. B. im Jahre 1892 ein- 



330 EiCDision 16. 

gestellt hatte,') sieht man dea Fuss des Felsens 
sich ia den See vorstrecken (vergl. Fig. 39). Im 
ob^«n Theil ist derselbe gerundet aber lauh, tiefer 
unten, wo er nur selten Tom Wasser nicht bedeckt 
und dadurch gegen die Einflüsse der Witterung ge- 
schützt ist, zeigt er deutlich glaciale Schrammung. 
Die Richtung der 
Schrammen ist süd- 
östlich. Der natür- 
liche Wall, dessen 
Durchbruch der kOnst- 
_ liehe Damm ver- 
schliesst, ist zwischen 
den nach dem Reis- 
berg und nach dem 

Weissen See führen- 
Fiff. 39. Schwarzer See bei , „ , j a i. 
niederem Wasserstand. ''en Fusspfaden durch 

s eeBohrammiB FeisBo. Jf Moriine. eine kleine Grnbe an- 
geschnitten. In dieser 
sieht man abgeriebene, z. Th. deutlich geglättete 
Granitblöcke, welche in einem lehmigen Grus 
eingebacken sind. Man hat es hier mit einer 
lediglich aus (Kranit bestehenden Moräne zu thun. 



1) L. vaQ Werveke, Neue Beobachtungen an den 
Seen der Hoch\'ogesen. — Mittheil, der geolng. Landes- 
anstalt, Bd. 3, Hett 2, 1892, S. 133—138. 



Urbeis — Schlacht — Metzeral . 831 

- I ■ * ■ ■ ■ - - ■ - ■■■■■■ ■■■ ^ ■■ ■■ I I ^ ■ ■ 11 I H I I ■ ^^^m^^^^^^^^^^^^^m^m^^^^^^ 

Kahe der Oberfläche derartiger Moränen wird der 
OruB allmählicli fortgeführt, die Yerwitterung greift 
die Blöcke an, und die Unterscheidung von Moränen 
und Blockanhäufungen anderer Entstehung ist oft 
unmöglich, so lange keine tieferen Einschnitte vor» 
handen sind. 

Man muss darnach auch die Blockmassen, 
welche den Abschluss des Weissen Sees bilden, 
als Moräne deuten. Ob der erwähnte, den See 
auf der Ostseite begrenzende, vollständig mit Granit- 
blöcken besäte Bücken ebenfalls der Thätigkeit des 
Oletschers seine Entstehung verdankt oder ob hier 
unter oberflächlicher Blockbedeckung Granit ansteht, 
lässt sich bei dem Mangel an Aufschlüssen nicht 
entscheiden. Unterhalb des Abschlusses des Sehwar- 
zen Sees erstrecken sich die Blockablagerungen bis 
jenseits Pairis. 

Die steilen Granitwände, welche die Seen um- 
rahmen, waren Veranlassung, die Entstehung der 
Seebecken auf Einstürze und Verwerfungen 
zurückzuführen; vor der Hand beruhen diese An- 
sichten aber lediglich auf theoretischer Grundlage. 
Trümmerzonen oder Gangbildungen, welche auf das 
Vorkonunen von Spalten schliessen lassen könnten, 
sind bis jetzt an den Seen nicht beobachtet. Dass 
andererseits Störungen in der weiteren Umgebung 
nicht ganz fehlen, beweisen die Verwerfung westlich 



332 



Excuision 16. 




vom Faudö, der S. 335 erwähnte Porphyrgang und 
die Quetschzonen im Qranit bei Münster (S. 342). 
Man steige nun nach dem Kamm herauf, nach 
dem Sulzer Eck (2^^ km, Steigung 350 m), das 
eine Höhe von 1302 m hat. Unmittelbar südHch 
von diesem Gipfel erblickt man den Forlenweiher 
(vergl. Fig. 40), dessen Spiegel 6,5 m höher liegt 

als der des Weissen Sees; 
er ist von allen Yogesen- 
seen am höchsten gelegen. 
Etwas oberhalb des Ab- 
schlussdammes waren zur 
Zeit der Ausführung dieser 
Arbeiten die Eeste einer an 
die nördliche Kante des dem 
Hauptkamme parallel lau- 
fenden Zweiges des Gazon de Falte sich anlehnenden 
Endmoräne angeschnitten, und dabei zahlreiche ge- 
glättete und geschrammte Granitblöcke frei- 
gelegt worden. Die Felsen in der Umgebung der 
am Westrande des Sees gelegenen Sennhütten Len- 
zen wasen lassen deutlich eine Stoss- und eine Lee- 
seite erkennen. . Der Gletscher füllte das vom Alt- 
wasen sich gegen Norden senkende, jetzt vertorfte 
Thal und wandte sich unterhalb Lenzenwasen gegen 
Osten. Alter Gletscherboden ist auch weiter thal- 
abwärts an der Gross -Runz zu erkennen. 



Fig. 40. Forlenweiher. 

M MorEne. T Torf. 



Urbeis — Schlacht — Metzeral. 



333 



Dem Kamme weiter folgend, umgeht man den 
Forlenweiher auf der Westseite und erblickt den- 
selben nochmals vom Grenzstein 2781 aus. Bei 
Grenzstein 2784 gegen Westen Blick auf den See 
von G6rardmer. Bis zum Gazon de Falte (1301,4 m) 
ist der Kamm auffallend schwach gewellt und erst 




Fig. 41. Daren-See und Stillenbachthal. 
RS Geschrammte Rondhöcker. M Moräne. 



jenseits dieses Gipfels, der in steilen Felsen gegen 
Osten abstürzt, senkt sich derselbe und geht west- 
lich vom Daren See oder Sulzer See (1044 m), 
der wenige Schritte links vom Grenzstein 2793 
sichtbar wird, auf 1220 m herunter. Auch am 
Daren-See, um den die Granitwände sich circusartig 
schliessen, sind Gletscherschrammen und Moränen 
erkannt worden (vergl. Fig. 41). 

Weiter führt der Kammweg stets auf Granit 
über den Roche du Tannet (1292,5 m), den Wurzel- 



334 ExeoTsion 16. 



stein (1286,5 m) und den Erappenfels (1254,8 m), 
Ton denen der erstere gegen Osten, die beiden 
übrigen gegen Süden steil abfallen, nach der Schlucht 
(1139 m). (Vom Sulzer Eck 6V4 km.) Am Wurzel- 
stein soll 1798 der letzte Steinbock der Vogesen er- 
legt worden sein. Die Strasse , welche an der Schlucht 
von Münster nach G^rardmer führt, schneidet den 
Granit vielfach tief an und durchbricht denselben un- 
mittelbar südlich vom Erappenfels mit einem Tunnel. 
Vom Krappenfels auf der Grenze steil ab- 
wärts nach der Passhöhe (1139 m) 7 Minuten. 
Vom Krappenfels aus kann man leicht das pracht- 
voll gelegene Hotel Altenberg (I. Ranges, auch 
Restauration) besuchen. Man erreicht es in 25 Mi- 
nuten auf dem Waldpfad, der bei Grenzstein 2826 
in östlicher Richtung abzweigt. Von der Terrasse 
des Hotels herrliche Aussicht in das Kleinthal und 
auf die Felsabstürze südlich von der Schlucht (Quellen- 
felsen, siehe unten). Hohneck, Nächstebühl und den 
ganzen das Gross- und Kleinthal trennenden Rücken, 
Vom Hotel die Schluchtstrasse aufwärts in 25 Mi- 
nuten durch einen in den Granit gesprengten 
Tunnel nach der Passhöhe. Dicht vor dem Tunnel 
ein in das Thal vorspringender Fels, von dem man 
den oberen Theil des Kleinthal mit der aus dem- 
selben nach der Schlucht hinaufführenden steilen 
Thalrinne gut übersieht. 



Urbeis — Schlucht— Metzeral. 335 

An dem Pass steht auf deutscher Seite das 
Chalet Hartmaim, unmittelbar jenseits d^ Grenze 
das französische Oasthaus (Boos). 

Wer auf der Schlucht übernachtet/) um am 
nächsten Tage die im Folgenden beschriebene Tour 
über den Hohneck nach Metzeral zu machen, kann 
Morgens noch einen der lohnendsten Ausflüge in 
den Yogesen nach dem in Frankreich gelegenen 
Eetournemer ausführen. Man folge zu dem Zwecke 
der grossen nach G^rardmer führenden Strasse, die 
zwischen den Quellen der Meurthe (rechts) und der 
Vologne (links) abwärts führt. Ueber den le Collet 
genannten Punkt erreicht man in einer Stunde den 
vor einem Tunnel gelegenen Eoche du Diable 
(950 m) mit grossartigem Blick auf das 150 m 
tiefer liegende Eetournemer. Etwas unterhalb le 
Collet setzt in dem Granit (Eammgranit), dem herr- 
schenden Gestein von der Schlucht bis zum Eoche 
du Diable, an der nördlichen Seite der in den Fels 



1) Es sei für diese und aadere Ezcnrsionen bemerkt, 
dass man ohne jede Besorgniss die französische Grenze 
überschreiten, in französischen Gasthöfen einkehren und 
übernachten kann , natürlich unter der Voraussetzung , dass 
jedes auffallende oder gar provocirende Benehmen ver- 
mieden wird. 



336 Exoarsion 16. 



gesprengten Strasse ein Gang von Quarzporphyr 
auf, der Zeichen gewaltiger Quetschung zeigt. Er 
zerfällt beim Schlage in ellipsoidisQhe Stücke, die 
ringsum von gestreiften und polirten Flächen be- 
grenzt werden. 

Vom Roche du Diablo zurück nach der 
Schlucht, oder, was empfehlenswerther ist, denFuss- 
weg hinunter nach Retoumemer (Wirthschaft im 
Forsthause). Man umschreite den See und benutze 
dann den vom Forsthaus südöstlich hinaufführenden 
Fussweg, oder die etwas weitere, Chemin des Dames 
genannte Strasse, die bei le Collet in die Schlucht- 
strasse münden. 

Yon der Schlucht führt ein von dem Yogesen- 
club angelegter, dem auf französischem Gebiet laufen- 
den Pfade vorzuziehender Weg nach dem Hohneck. 
Er zweigt etwas unterhalb des Chalet Hartmann 
von dem aus dem Kleinthal heraufkommenden Zick- 
zackwege, anfangs etwas steigend, ab. In 15 Mi- 
nuten erreicht man den Quellenfelsen, einen mit 
Geländer versehenen Granitvorsprung, von dem aus 
man das Kleinthal weit hinunter überblickt. Weiter- 
hin die Sennhütte Deutsch- Lundenbühl (etwas links 
vom Wege gelegen). Der Pfad umzieht den Kessel 
des Frankenthaies und führt in sanftem Anstieg 
über Matten auf die 100 m über Deutsch- Lunden- 
bühl gelegene Spitze des Hohneck (1361 m). 



Urbeis — Schlucht — Metzeral . 337 

Die Aussicht von demselben ist eine der gross- 
artigsten in den Yogesen. Eine Orientiningstafel 
giebt die Lage der in den Gesichtskreis fallenden 
wichtigeren Höhen an. 

Vom Hohneck wandern wir in südöstlicher 
Richtung (nicht längs der Grenze) auf einem Pfade 
abwärts, der bald bei alten Schanzgräben in einen 
Karrenweg mündet. Diesem folgen wir 25 Mi- 
nuten am Südwestabhang des Nächstebühl, bis wir 
jenseits der (etwas rechts bleibenden) Schiessroth- 
hütte einen rechts steil hinabführenden Zickzackweg 
erreichen (Wegweiser). 

Auf diesem gelangen wir, bald in Wald ein- 
tretend, in dem der Weg kenntlicher als auf dem 
Grashang ist, nach dem zwischen Hohneck, Nächste- 
bühl und Spitzköpfen gelegenen Schiessrothrieth- 
w ei her (Wirthschaft). Derselbe ist ein an der 
Stelle des ehemaligen „Rünth-Wasen", einer becken- 
artigen, durch Sandmassen sowie ein kleines Torf- 
lager ausgefüllten Thalerweiterung, durch Errichtung 
eines Dammes mit Schutzmauer hergestellter künst- 
licher See, welcher die von der Wurmschel südlich 
vom Hohneck herunterkommenden Quellwasser der 
Wurmsa zum Zweck der Nutzbarmachung für die 
Industrie imd Wiesenkultur des Münsterthals sam- 
melt. Bei den zur Herstellung der Staumauer aus- 
geführten Ausschachtungen wurden auf der linken 

Führer durch d. Elsass. 22 



338 ExcoTBion 16. 



Thalseite diluviale Sandmassen, auf Granit auflagernd, 
getroffen, während auf der rechten Thalseite eine 
Moränenablagerung aus Granitmaterial aufstellen- 
weise rundhöckerartig abgeschliffener Granitoberfläche 
zum Vorschein kam. Diese Granitoberfläche liess 
auch sehr deutlich Glacialschrammen, deren 
Bichtung auf eine ^ Aufwärtsbewegung ^ des Eises 
an der Stelle der Thalverengerung hinwies, erkennen. 
Am Südwestende der Mauer kann man noch jetzt 
derartige Erscheinungen, Bundhöckerbildung mit 
Schrammung, sehen. 

Man gehe auf dem Damm an das südliche Ende 
des Stauweihers, von dem aus der Weg längs des 
Baches nach dem Fischbödle (790 m) führt. Auch 
hier ist ein Staudamm aufgeführt, von dem man 
einen herrlichen Blick auf die Wasserfläche mit ihrer 
malerischen Umgebung hat. Steil erheben sich gegen 
400 m hoch jenseits des Sees die schroffen, tief 
zerschnittenen Felsen der Spitzköpfe, an deren 
Fuss gewaltige Haufwerke abgestürzter Granitblöcke 
liegen. 

Gleich unterhalb des Dammes ragen rund ge- 
scheuerte Granitbuckel, echte roches moutonnöes, 
heraus, über die der Bach nach der nächst tieferen 
Thalstufe in hübschen Wasserfällen hinabstüi'zt. Der 
Weg windet sich in mehrfachen Biegungen abwärts. 
An einer Stelle, dicht vor einer auf das rechte Ufer 



ürbeis — Schlucht — Metzeral. 339 

des Baches führenden Brücke, sind (etwas oberhalb 
des Weges) einige kleine Strudellöcher zu sehen. 

"Weiterhin bietet der am rechten Thalgehänge 
laufende Weg eine vortreffliche üebersicht über den 
alten Gletscherboden. Kurz ehe man das Hauptthal 
erreicht, stösst man auf eine kleine, aber sehr deut- 
liche Moräne, die quer über das Thal zieht Sie 
ist da, wo der Weg den Bach überschreitet, durch 
letzteren gut angeschnitten und enthält in Menge 
gekritzte Grauwaokengerölle. 

Der rechts gelegene Eckpfeiler zwischen Haupt*- 
und Seitenthal ist das Burgköpfle. Wir treten an 
letzteren aus dem Granit in die Grauwacke. 
Ersterer entsendet zahlreiche Apophysen in letztere, 
die deutlich metamorphosirt ist. In den Halden am 
Fusse des Burgköpfle, denen Material zur Strassen- 
beschotterung entnommen wird, kann man leicht 
Grauwackenstücke sammeln, die von dünnen Adern 
eines aplitischen Granits, den Injectionen des Kamm- 
granits, durchsetzt sind. — Am Ausgang des Wurmsa- 
Thales liegt eine bis über 10 m hohe Schuttanhäufung, 
wiederum eine Endmoräne, welche ersteres Thal 
gegen das Hauptthal abdämmt. 

Im Grossthal abwärts, an ungeschichteten Massen 

von Granitsand mit eingelagerten Granitblöcken 

in Form von Terrassen vorbei, führt die Fahrstrasse 

nach Metzeral. Diese Terrassen sind Seiten- 

22* 



340 Ezcorsion IG. 



moränen des Fechtgletschers. Sie sind auf 
der linken Thalseite etwa halbwegs zwischen der 
Ausmündung des Wurmsa- Thaies und der Fabrik 
Steinabrück , auf der rechten Thalseite kurz vor 
Metzeral, gegenüber Altenhof , deutlich zu beobachten. 
An ersterer Stelle sind Grauwackengeschiebe (mit 
Kritzen) äusserst selten, an letzterer Stelle verhält- 
nissmässig häufiger, wenn auch an sich spärlich 
vertreten. Eine der besten Stellen zum Sammeln 
von deutlichen Glacialgeschieben ist, soweit bekannt, 
bei Metzeral, südöstlich von der Häusergruppe 
Pfeiferberg. Hier schneidet der nach dem Braun- 
Kopf führende Weg etwa zwischen 540 und 580 m 
Höhe über Normalnull Moränenschutt mit ungekritz- 
ten Qranitgeschieben und theil weise recht schön ge- 
kritzten Geschieben von Grauwacke an. 

In Metzeral, welches sich auf einer, durch die 
Gewässer der beiden sich hier vereinigenden Fecht- 
arme theil weise zerstörten, fast nur Granittrümmer 
enthaltenden Stirnmoräne erhebt, ist die Eisenbahn 
erreicht (P/^ Stunde vom Fischbödle, Gasthaus zur 
Sonne im Ort, neues Gasthaus am Bahnhof). 

Der geschilderte Weg vom weissen See bis 
Metzeral ist besonders geeignet, eine Vorstellung 
von der Ausdehnung der einstigen Yogesengletscher 
zu geben. Wie auf der deutschen Seite senkten sie 
sich auch gegen Westen hinab. Das von Retoumemer 



Urbeis — Schlucht — Metzeral. 34 1 

leicht zu erreichende Thal von la Bresse enthalt 
eine Anzahl schön erhaltener Moränen. 

Ungemein charakteristisch sind die gerundeten 
Felsen, über die die Grletscher sich fortschoben. Sie 

4 

zeigen, wie oben erwähnt wurde, noch deutliche 
Schrammen , wenn sie durch aufliegende Massen vor 
der Yerwitterung geschützt waren. Dass wir in 
den Moränen im Granitgebiet weniger gekritzte Ge- 
schiebe finden als an anderen Punkten, liegt an der 
Natiu" des Gesteinsmaterials. Sowie wir in das Ge- 
biet der Grauwacke treten, stellen sich sofort die 
gekritzten Geschiebe ein, wie in der Moräne, die 
sich an den Fuss des Burgköpfle anlehnt. Noch 
viel aufTall ender ist dies in den von Süden her, 
vom Lauchenkopf und der Breittirst nach dem Fecht- 
thal i) ziehenden Seitenthälern. Dort sind die Mo- 
ränen, besonders schön unterhalb der Sennhütte 
Gerbholz, durch die Bäche angeschnitten und man 
findet kaum eines der ausschliesslich aus Grau- 
wacken bestehenden Geschiebe ohne Kritzen. Lag 
hier über 1000 m hoch alles unter dem Eise, so 
musste auch auf der gegenüberliegenden Seite bis 



1) Nähere Einzellieiten über die Verhältnisse am 
Schiessrothrieth sowie über die Gletscherspuren im Fecht- 
thal einschliesslich "Wurmsathal siehe in: E. Schumachei', 
Geologische Beobachtungen in den Hochvogesen. Mittheil, 
der geol. Landes-Anst. v. Eis. Lothr. Bd. IL (S. 26 — 41). 



342 Excursion 16. 



mindestene zum Schiessrotliriethkessel, wahrschein- 
lich noch höher hinauf, eine Eisdecke vorhanden 
sein, aus der nvr einzelne Felsparthieen wie die 
Spitzköpfe herausragten. Es bedarf gerade hier 
keiner grossen Phantasie, sich die übereinander 
liegenden flachen Thalstufen mit mächtigen Eis- 
massen erfüllt zu denken, die durch schmale, von 
zahlreichen Querspalten durchzogene Eisstrome, die 
über die Anstiege zu den Stufen niederglitten, ver- 
bunden waren. 

Wer in Münster (Hotel Münster am Bahnhof) 
noch Zeit erübrigen kann, mache einen Spaziergang 
vom Bahnhof durch die Stadt thalabwärts auf der 
am linken Ufer der Fecht nach Günsbach führen- 
den Strasse. Gegenüber dem sogen. Hammer 
(Spinnerei) liegt unmittelbar an der Strasse ein grosser 
Steinbruch im Kammgranit, der hier, wie in der 
ganzen Gegend, ausgezeichnete Quetschzonen auf- 
weist. (Yom Bahnhof hin und zurück 374 km.) 



Gebweiler — Gr. Beleben — Moosch — Thann . 343 



t '•■ f 

^5 X»?> * 



{aben uns die Ausflüge ins Breuschthal, nach 
Hobwald und Weiler mit den nördlichen, 
und diejenigen von Markirch, Eappolts- 
weiler und Münster mit den mittleren Vogesen be- 
kannt gemacht, so sollen uns die nachfolgenden 
einen kurzen Einblick in den Aufbau des höchsten, 
südlichen Theils unseres Gebirges liefern. Das beste 
Profil durch die am Aufbau betheiligten Schichten 
bietet das Thurthal zwischen Moosch und Thann, 
und es sollte eigentlich die Besichtigung desselben 
den anderen Ausflügen vorausgehen. Es würden 
sich aber alsdann die übrigen Ausflüge nur zum 
Theil bequem anschliessen lassen, ganz besonders 
weil die Bahnverbindung zwischen den einzelnen 
Thälem sehr zu wünschen übrig lässt. Es ist des- 
halb im Folgenden eine Zusammenstellung gewählt, 
bei der die einzelnen Ausflüge unmittelbar anein- 
ander anschliessen. Der ^rste Tag soll uns von 
Gebweiler nach dem Sulzer oder Grossen Beleben 
führen und von diesem herunter über Geishausen 
und Moosch nach Thann. Für den zweiten Tag 
ist die Besichtigung der Glacialablagerungen bei 
Wesserling, für den dritten der Besuch des Ross- 
berges und des Thanner Hubel angesetzt, wobei 
man aus dem Thurthal in das südlichste Thal der 
deutschen Yogesen, das der Doller, gelangt. Der 
vierte Tag gilt dem Wälschen oder Elsässer Beleben. 

Literatur über das Grauwackengebirge: 

Koechlin-Schlumberger et Schimper, Memoire sur 
le terrain de transition des Yosges, Strasbourg 1852, 
349 S. mit 30 Taf. (Flora der Grauwacke). 



344 Excarsion 17. 



Bleicher, z. Th. mit Mieg, Verschiedene Aufsätze in 
den Comptes rendus des seances de l'Acad. d. Sciences, 
1882, 13 fevrier et 2C juin; 1883, 2 jaiivier. — Bjül. 
Soc. gool. de France 1882, Vol. X. p. 346, 504; 1884, 
Vol. XIL 107; 1885, Vol. XIU. 413. 

Meyer, Beitrag zur Kenntniss des Culm in den südlichen 
Vogesen. — Abhdlg. z. geol. Specialkarte t. Els.-Lothr. 
Bd. III, S. 75. 

van Werveke, Verschiedjene Mittheilungen über die 
Gliederung des Grauwackengebirges im Ober-Elsass in: 
Mittheil. d. geol. Landesanstalt v. Els.-LotHr. Bd. HI, 
S. XIV; Bd. IV, S. XLV, S. XCV, S: 79. 

Linck^ Geognostische Beschreibung des Thalhorn im oberen 
Amariner Thal. Mit 3 Taf. — Mittheil. d. geol. Landes- 
anstalt V. Els.-Lothr. 1892. Bd. IV, 1 — 72. — Nach- 
trag ebenda S. L. 

Tornquist, Das fossilführende Untercarbon am Östlichen 
Kossbergmassiv in den Süd vogesen. Abhdlg. z. geol. 
Specialk. v. Els.-Lothr. Bd. V, Heft IV, 1895; HeftV, 
1896; Heft VI, 1897. 



Excursioii 17. 

Gebireiier — Salzer oder Orosser Beleben — Moosch — Thann. 2^f^ km 

bei einer Steigung von 1125 m. 

Messtischbiätter Gebweiler, Lantenbach, Thann. 




er die vorgenannten Ausflüge in der an- 
gegebenen Reihenfolge auszuführen beab- 
sichtigt, wird gut thun, bereits am Tage 
vorher in Gebw eiler (mittlere Höhe 300 m) ein- 
zutrefiPen und dort zu übernachten, wo man im Gast- 
haus zum Engel (am Bahnhof) oder in der Goldenen 



Gebweiler — Gr. Belchen — Moosch — Thann . 345 

Kanone (im oberen Theil der Stadt) gut aufgehoben 
ist. Bayrisch Bier trinkt man im Luxhof oder im 
Cafe Jenny, die beide an der Hauptstrasse liegen. 
Wer den berühmten Gebweiler „Kitterle" versucht, 
thue es mit Vorsicht, denn es könnte andernfalls 
der Aufstieg auf den Belchen am nächsten Morgen 
etwas schwer werden. 

In der unmittelbaren Umgebung von Gebweiler 
verdient das Kot h liegende besondere Beachtung. 
Man folge dem am Gymnasium vorbei gegen Kim- 
bach führenden Weg bis zu den Felselen (2 km) 
(den auf dem Messtischblatt Gebweiler nördlich der 
Waldmatt in der Höhe von 400 m eingezeichneten 
Felsen) , und wende sich dann auf dem neuen Belchen- 
pfad nach dem Luspielkopf (483 ra). Anfangs 
führt der Weg durch mächtige diluviale Schotter- 
massen. Nahe unter den Felselen treten im Wegein- 
schnitt stark zersetzte Conglomerate mit Gerollen von 
Labradorporphyr und Arkosen zu Tage, welche der 
unteren Abtheilung des Rothliegenden des Gebweiler 
Beckens angehören. Sie bilden das Liegende der 
Felselen, die aus einem plattig abgesonderten, die 
mannigfachsten Fluidalerscheinungen zeigenden 
Quarzporphyre bestehen; Sphaeroidalstructur i) 



1) Der bekannte Kugelporphyr vom Rauhfels bei 
Wünheim kommt ungefähr 4 km südlich von Gebweiler vor. 



346 Ezconion 17. 



als endomorphe Contacterscheinung zeigt sich an 
der Grenze gegen die Arkosen. Gegen Norden 
keilt sich der Porphyr bald aus und wird durch 
Tuife vertreten, die theils fein, schieferthonartig, 
theils gröber breecienartig, roth, grün und weiss 
sind. Sie setzen den Luspielkopf und weiterhin 
den Calvarienberg zusammen. Am Luspielkopf ist 
unmittelbar über den Tuffen eine kleine Kuppe von 
Buntsandstein erhalten geblieben, welcher sich 
durch seine zahlreichen Pseudomorphosen nach Kalk- 
spath als der unteren Abtheilung des mittleren 
Buntsandsteins zugehörig erweist. "Weiter gegen 
Süden, bei Jungholz (Blatt Sennheim), ist derselbe 
Sandstein von den Tuffen durch mächtige Conglo- 
merate und Arkosen der oberen Abtheilung des 
Rothliegenden getrennt Der Sandstein am Luspiel- 
kopf liegt also ungleichförmig auf dem Roth- 
liegenden. Vom Luspielkopf kehre man auf den 
Beichenpfad zurück; man kommt auf demselben bald 
in das alte Gebirge, das vom Rothliegenden durch 
eine Verwerfung, die Rand Verwerfung des Geb- 
weiler Bruchfeldes, getrennt imd hier sehr reich 
an Decken von basischen Eruptivgesteinen, sog. 
Labrad orporphyr ist. Bis zum Petemit geht 
man in den jüngeren braunen Labradorporphyren, 
jenseits derselben stellen sich die dunkel grauen 
Labradorporphyre der älteren Stufe des ober- 



Gebweiler — Gr. Belchen — Moosch — Thann. 347 

elsassischen Grauwackengebirges ein und halten am 
ganzen Südabhang des Geiskopfes an. Am West- 
abhang desselben beginnen schwarze Schiefer, 
die eine etwa l^g ^^ breite Zone einnehmen und 
vielfach von kleinen Diabas stocken durchsetzt sind. 
Ein solcher steht z. B. am trigonometrischen Stein 
858,7 am Eben eck an. Wer den steilen Anstieg 
über letzteren nicht scheut, wird gegenüber dem 
sog. Kothen Pfad IY2 km abschneiden. Am erstem 
Wege stösst man auf der Höhe 942,8 m auf Knoten- 
schiefer, 75 m vor dem nächsten Pass auf Granit. 
(Vom Bahnhof bis hierher über Ebeneck 8Y4 km 
bei einer Steigung von 650 m.) Am Rothen Pfad 
schiebt sich zwischen Knotenschiefer und Granit 
eine breite Zone Hornfels ein. Diese Verschieden- 
heit an der Berührung von Eruptivgestein und ge- 
schichtetem Gebirge ist dadurch bedingt, dass die 
Grenze des Granits gegen letzteres nicht überall 
eine ursprüngliche, sondern, wenigstens am Pfad 
über Ebeneck, durch Verwerfung zu Stande ge- 
kommen ist. Gegen Süden lässt sich diese Störung 
über den Sudelpass hinüber bis ins Thurthal ver- 
folgen. Der Granit, gewöhnlicher Kammgranit, 
hält am Rothen Pfad, der zuerst am Ost-, dann 
am Nordfuss des Judenhutes langsam aufwärts führt, 
bis zu 1160 m an. Bei 969 m kommt man am 
Schlumberger Brunnen, einer aus Granit aus- 



348 Excursion 17. 



tretenden Quelle vorbei, welche zu passender Zeit 
Erfrischung und Gelegenheit zum Ausruhen bietet. 
Oberhalb 1160 m tritt man in Hornfels ein, der 
als Kappe den Granit überdeckt und auch den 
Gipfel des Beleben (1424 m) zusammensetzt (verg^l. 
Fig. 43). (Von Gebweiler ab 12^4 km bei einer 
Steigung von 1125 m.) Der Hornfels ist nicht 
aus Schiefer, sondern aus Grauwacken entstanden, 
wie sich deutlich an den eingeschlossenen Quarz- 
körnern erkennen lässt; neben rein körnigen und 
zwar kleinkörnigen Hornfelsen findet man auch solche, 
welche durch Einlagerung kleiner GeröUe conglo- 
meratische Beschaffenheit besitzen. Die auf der 
Höhe am Wege zahlreich herumliegenden Hornfels- 
blöcke zeigen deutliche Karrenbildung. Gut auf- 
geschlossen trifft man die Hornfelse in steiler Stel- 
lung an der Kuppe nördlich vom Beichengasthaus, 
dann am Siidwestabhang unter dem Gipfel. Der 
frische Anbruch der Gesteine zeigt eine dunkel- 
violette Färbung; die unveränderten Gesteine der- 
selben Abtheilung sind, wie man sich bei Moosch 
im Thurthal überzeugen kann, hellgrau oder grün- 
lichgrau. Die Orientierung auf der Spitze des 
Beleben ist durch eine erst in letzter Zeit an- 
gebrachte Tafel erleichtert. Neben derselben befin- 
det sich der Windmesser der meteorologischen Station. 
Yon der nördlichen Kuppe Blick auf den Beleben- 



Gabweilat — Gr. Baichen — Moosch — ThBnn. 349 

See. Bei niederem 'Wasserstand erblickt man auf 
der "Westseite gerundete Grauwackenfelsen, die sebr 
deutlich geschrammt siod. Den Äbschluss bildet 
eine Moräne- die durch Aufschüttung iiinstlich er- 
höht ist (vergl. Fig. 42). Im Beichenhaus gute 
'N'erpflegung zu Preisen, weiclie vom Vogesenclub 
festgestellt sind. Wer etwa 
die Excursion in zwei Tagen 
ausführen und Jra Belchengast- 
haus übernachten will, thut 
gut, sich dort rechtzeitig an- 
ztunelden. 

Andere geologische inter- 
essante Aufstiegeauf den Grossen 

Beleben, welche mit einem Ab- ^'S- ^^- Belohen-See- 
stieg ins Thurthal sich ver- jfsiorane. 

binden lassen, sind Folgende: 

1. Yon Gebweiler über Lautenbach (bis hier- 
her Bahn), durch das Seebaehthal und über den 
BeJchensee. Lautenbach liegt im Gebiet des Kamm- 
granits. In den "Weinbergen unterhalb der Dörfer 
kommen unveränderte Schiefer und Grauwacken zu 
Tage, was darauf hinweist, dass Granit und Sedimente 
hier nicht in ursiirünglichem Contact Stehen , sondern 
durch eine Verschiebung nebeneinander zu liegen 
getommenaind, wahrscheinlich durch dieselbe Störung, 
die bei Beschreibung des Aufstieges Ober Ebeneck 



350 Excnrsion 17. 



erwähnt ist. In dem Steinbruch oberhalb Lauten- 
bach, kurz vor der Mündung des grossen Sulz- 
Baches, zeigt der Granit deutliche Merkmale gewalt- 
samer Zertrümmerung. Dicht dahinter gelangt man 
in Contactgesteine , Hornfelse und Knotenthonschiefer, 
welche von hier ab aufwärts das ganze Thal zu- 
sammensetzen. Die Berührung von Contactgesteinen 
und Granit scheint aber gleichfalls auf Verwerfung 
zu beruhen, keine ursprüngliche zu sein: die starke 
Zersetzung der Gesteine, welche längs der auffallend 
geraden , in der Richtung auf Bönles Grab verlaufenden 
Grenze zu beobachten ist, legt mindestens die An- 
nahme einer Störung sehr nahe. Man folge dem 
Hauptthal bis Yorderlauchen und schlage hier den 
neuen Forstweg ins Seebachthal ein. In diesem 
hat man die besten Aufschlüsse in Contact- 
gesteinen, die bisher im Oberelsass beobachtet 
werden konnten, und wer sich für diese interessirt, 
wird also am zweckmässigsten den Aufstieg durch 
das Seebachthal nehmen. Ueber die geschrammten 
Felsen am See und die vorgelagerte Moräne s. oben. 
In den Aufschlüssen am östlichen Ende der Moräne 
findet man bald gekritzte Geschiebe. Oberhalb des 
Sees windet sich ein Pfad in vielen Schlingen nach 
dem Pass zwischen Storkenkopf und Beleben, stets 
durch Contactgesteine; 300 m vor dem Pass sind 
diese durch einen Granitporphyr durchbrochen. 



Gebweiler — Gr. Beichen — Moosch — Thann. 351 

2. Entweder direkt von Gebweiler oder, nach 
Besichtigung des Eothligenden, vom Luspielkopf 
über Bildstöckel nach Eimbach-Zell, Rimbach, 
Glashütte, Fürstacker, Beichenhütte, Beichen. 

Von Gebweiler bis Bildstöckle geht man be- 
ständig durch Schotter, vom Luspielkopf ebendorthin 
meist durch Eothliegendes, das auch noch am Pass 
des Bildstöckle ansteht. Beim Abstieg nach Eimbach 
gelangt man, nach üeberschreitung einer Verwerfung, 
in das „Grauwackengebirge", zuerst in Quarzporphyr, 
sehr bald aber in braunen Labradorporphyr und 
tiefer in die Zone der grauen Labradorporphyre (vergl. 
S. 364), in denen man über Rimbach-Zell hinaus bis 
Kimbach verbleibt. Zwischen den Eruptivdecken 
treten dunkelgrüne breccienartige und conglomera- 
tische Gesteine, z. Th. Tuffe der grauen Labradorpor- 
phyre zu Tage, die man wohl sonst nirgends so schön 
zu sehen bekommt wie auf dieser Strecke. Die 
Grenze der Zone der grauen Labradorporphyre gegen 
die liegenden schwarzen Thonschiefer durchschneidet 
den Geiskopf in SW. — NO. -Richtung. Schwarze 
Schiefer treten bereits am Fusse des Kopfes wenig 
nördlich von den ersten Häusern von Eimbach auf, 
auch durchschreitet man solche gleich oberhalb des 
Dorfes in der Richtung nach Glashütte. Wo der 
Weg aus SW. — NO. nach 0. — W. umbiegt, steht 
ein 30 Schritt breiter Gang von Granitporphyr an. 



352 Excarsion 17. 



und bald nach der nächsten Gabelung des Weges 
sind die Schiefer mehrfach von Diabasen durch- 
brochen. 1 Vi km oberhalb Kimbach tritt man aus 
unveränderten Schiefern infolge der schon erwähnten 
Verwerfung in Granit ein, der nun über Glashütte 
bis Fürstacker, dem Pass westlich vom Sudelkopf, 
anhält, wo er wieder an unveränderten Schiefern 
abschneidet. (Der Weg, welcher von diesem Pass 
nach Thann führt, ist besonders geeignet, die grosse 
Bedeutung kennen zu lernen, welche den Eruptiv- 
gesteinen am Aufbau des oberelsässischen Unter- 
carbon zukommt. Bis westlich Kohlschlag herrschen 
schwarze Schiefer, dann folgt die Zone der gi-auen 
Labradorporphyre und etwa 400 m vor der Melkei^i 
Freundstein (Erfrischung) die Zone der braunen 
Labradorporphyre, die man bis Thann nicht mehr 
verlässt. Vergl. das Profil in den Mittheilungen 
der geologischen Landesanstalt von Elsass- Lothringen, 
Band IV, Heft 2, Tafel VI). Man steigt nun durch 
Granit, der unterhalb der Melkerei Beichenhütte 
von Schotter, wahrscheinlich Glacialschutt bedeckt 
ist, bis zur Höhe von 1170 m und hat dann die 
Kappe von Contactgesteinen erreicht, welche den 
Grossen Belchen zusammensetzt. 

Zum Abstieg ins Thurthal wähle man ent- 
weder den auf der Südseite der Beichenkuppe 
herumführenden Fusspfad oder steige auf der West- 



Gebweiler — Gr. Beleben — Moosch — Thann. 353 

Seite geradeaus, stets durch Homfelse, nach, dem 
Pass (1231 m) zwischen dem Belchen und dem 
Storkenkopf (1361 m) hinab. In der Hager Hütte 
ebenfalls Erfrischung. Yon hier über den Aarutsch- 
fels nach Geishausen. Man folgt weiter zunächst 
dem St. Amariner Pfad, der sich in der Höhe von 
1160 m in einen neuen und den alten Pfad gabelt 
Der neue Pfad führt bis dicht oberhalb St. Amarin 
stets durch prachtvollen Laub- und Nadelwald und 
ist als Touristenpfad sehr zu empfehlen. Man halte 
den alten Pfad ein bis zu 1090 m, wo linker Hand 
der Pfad nach dem Aarutschfels abzweigt. Auf 
der ganzen Strecke verbleibt man in Contactgesteinen, 
Hornfelsen und Knotenschiefem. Der Aarutschfels 
liegt am "Waldrand, zugleich an der Grenze von 
Granit und Grauwackengebirge , und besteht selbst 
aus Granit, der aber nicht die normale Ausbildung 
zeigt, sondern durch dichtere Beschaffenheit sich 
als Randfacies erweist. Am Fuss desselben ge- 
wahrt man zahlreiche Blöcke eines an Gabbro er- 
innernden Gesteines, von sog. Gabbroconglomerat, 
die einer Klippe entstammen, welche unmittelbar 
oberhalb des Aarutschf eisen s in Nordnordwestrich- 
tung zwischen den Hornfelsen in den Wald hin- 
einstreicht. Wir werden derartige Conglomerate 
am Thalhorn bei Wesserling genauer kennen 
lernen. 

Fübrer durcb d. Elsass. 23 



354 Excarsion 17. 



Bis Geisliausen (vom Belchen ab 5 km) und 
Über dieses Dorf hinaus führt der Weg beständig im 
Kammgranit, der stellenweise von Apliten dra*ch- 
setzt ist. Kurz vor der Dreitheilung des Weges 
südlich vom Dorf und an zwei Stellen unterhalb 
dieser Theilung macht sich an der Strasse nach 
Moosch eine durch Eisenausscheidungen gefärbte, 
Nordwest streichende Trümmerzone bemerkbar. 
Wo der die grosse Schlinge der Strasse abschnei- 
dende, an der genannten Dreitheilung abzweigende 
Eichtweg die Fahrstrasse erreicht, tritt man aus 
dem Granit in Hornfelse. Dieselben halten fast bis 
zur scharfen ümbiegung der Strasse an der Süd- 
spitze des Heiskoples an, wo sie in die unveränder- 
ten Gesteine übergehen. Der Fahrstrasse immer 
folgend, kehrt man bald in die Honifelse zurück, 
die mehrfach von Granitporphyr durchbrochen sind, 
und berührt an der nächsten scharfen, bereits nahe 
über der Thalsohle liegenden ümbiegung nochmals 
die Grenze gegen den Granit. Ungefähr Nord -Süd 
streichende, saiger stehende Hornfelse schneiden 
scharf an letzterem, der an der Grenze ein feineres 
Korn angenommen hat, ab und lassen wohl kaum 
eine andere Deutung zu, als die, dass die Aufrich- 
tung vor dem Ausbruch des Granits erfolgt ist. 
Die Hornfelse sind durch dichte und feinkörnige 
Abarten gebändert und scheinen aus Wechsel- 



Gebweiler — Gr. Belchen — Moosch — Thann. 355 

lagernden Schiefem und Grauwacken hervorgegangen 
zu sein. 

^4 kni oberhalb Moosch liegt rechts über 
dem Wege eine Sand- und Kiesgrube^ eine zweite 
dicht oberhalb des Dorfes auf der linken Seite des 
Weges. Die Sande und Schotter sind deutlich 
schräg geschichtet (sog. üebergussstructur) i) und 
stellen einen Schuttkegel dar, welcher zur Glacial- 
zeit in einen den unteren Theil dieses Thaies er- 
füllenden See abgelagert wurde. Die Aufstauung 
war durch die Moränen des Hauptthaies bewirkt. 
An den ersten Häusern von Moosch stehen schwarze 
Schiefer nait Grauwackeneinlagerungen an, auch 
lässt sich hier ein Granitporphyrdurchbruch 
erkennen. Moosch steht auf einem flachen Schutt- 
kegel des Westel- Baches, der die Thur auf die 
rechte Thalseite hinübergedrängt hat. Man gehe 
nicht gleich durch den Ort selbst, sondern besuche 
vorher den grossen Steinbruch 500 m südöstlich 
der Kirche. Hier werden horizontal gelagerte Grau- 
wacken gebrochen, soviel bis jetzt zu ersehen, die 
ältesten Schichten des oberelsässischen Grauwacken- 
gebirges. Sie gehören dem Kern eines Südost -Nord- 



1) E. Schumacher, Die natürhche Entwicklung des 
Strassburger Landes. — Strassburg und seine Bauten, 
Strassburg 1894, S. 24. 

23* 



^ 



356 Excarsion 17. 



west streichenden Gewölbes an (vergl. Profil Fig. 43), 
und es ist dieser Steinbruch einer der wenigen 
Punkte, an denen horizontale Lagerung des alten 
Gebirges beobachtet werden kann. Die Grauwacke 
ist stellenweise durch eine Moräne eingedeckt, und, 
falls ihre Oberfläche an einer Stelle blossgelegt ist, 
wird man deutliche, thalabwärts gerichtete Glacial- 
schranimen beobachten können. Es ist schwer, zu 
entscheiden, welcher Eiszeit diese Moräne zugerech- 
net werden soll. Die erste deutliche Endmoräne 
liegt im Thurthal 5 km oberhalb des Steinbruchs, 
bei Wesserling. Bezeichnet diese den äussersten 
Stand der, wie man meist annimmt, jüngsten Yer- 
gletscherung, so wären die Moränenreste von Moosch 
einer älteren Yergletscherung zuzurechnen. Möglich 
ist es aber auch, dass die Moräne von Wesserling 
einer Rückzugsphase entspricht, und die Moräne von 
Moosch auf einen weiter vorgeschobenen Stand des 
Gletschers hinweist, üeberhaupt kommen wir hier 
bereits in typisches Glacialgebiet. Der Rücken 
auf der rechten Seite des Thaies, oberhalb Brand, 
zeigt deutliche Rundhöckergestalt und ist von zahl- 
reichen losen Blöcken bedeckt, von Gabbroconglo- 
merat und Granit, welche nur aus dem oberen Theil 
des Thaies hergebracht sein können. Am südöst- 
lichen Ende des Dorfes, am Wege ins Thal der 
Kühlbachrunz , schliesst eine Kiesgrube unter ge- 



358 Excorsion 17. 



schichteteu Schottern Orundmoräne mit gekritzten 
Geechieben auf. 

Man gehe nun zurück bis zur Brücke über 
die Thur (von Geishausen ab 4^2 ^^i) ^^^ dann 
durch Brand auf der rechten Seite des Thaies 
gegen Weiler. Der Rücken, an den sich Brand an- 
lehnt, besteht aus steil gestellten Südost- Nordwest 
streichenden Grauwacken (vergl. Profil S. 35 7). Unter- 
halb dieser Häuserreihe führt der Weg über eine 
Terrasse, deren Schotter am Ausgang des Thäl- 
chens, das von Löffelbach kommt, blossgelegt sind. 
An der nächsten Umbiegung des Weges, der nun 
die Terrasse verlassen hat und ins Niveau der Thal- 
sohle gelangt, beginnt ein Profil i), das die über der 
Grauwacke von Moosch folgenden Schichten erkennen 
lässt, zunächst Schiefer in Wechsellagerung 
mit Grauwacken — man wird hier an den nas- 
sauischen Culm erinnert — , die mehrfach von Mi- 
nette gangen durchsetzt sind, dann schwarze 
Schiefer mit Durchbrüchen von Diabas, Bei 
regelmässiger Schichtenfolge würden auf diese schwar- 
zen Schiefer wieder dunkle Schiefer in Wechsel- 
lagerung mit Grauwacke folgen, denen einzelne 



1) Eine Zeichnung desselben im Maassstab 1:1000 
ist in den Mittheil, d, geol. Landesanstalt von Els.-Lothr. 
Bd. lY, Taf . YI wiedergegeben. 



Gebweiler- Öt, Belchen-MooMh-Thaon. 359 

Bäoke Ton Qneisscongloinerat und voa crinoiden- 
führeadem Ealkstein eingeschaltet sind. In Folge 
einer Südwest- Nordost streichenden Störung, der- 
eelben, welche wir westlich vom Ebeneck über- 



Fig. 44. Blick auf den Grossen Beleben, 

schritten haben, sind dieselben aber zum grßssten 
Theil ausgefallen, und man gelangt jenseits des 
sich hier Cffoenden Seitenthaies bald in die Zone 
der Labradorporphyre. Ein dnnkelgrauer Labra- 
dorporphyr ist im Yoreinschnitt des Tunnels bei 
Weiler aufgeschlossen; man suche beim Eahnhofs- 
voretand die Ermächtigung nach, sich den AufschluBs 
anzusehen. Auf Klüften des Labradorporphyrs sind 



360 Excuraion 17. 



Schwerspath und Flussspath zum Absatz ge- 
kommen. Im Hangenden dieses Porphyrits, am 
südlichen Portal des Txmnels, kommen in dichter 
Grauwacke Fossilien des Kohlenkalks vor. 

Nun zurück durch Weiler (Zum grünen Baum) 
— gegen Norden hat man den Belchen vor sich 
liegen (vergl. Pig. 44) — nach Bitschweiler, nicht 
auf der Landstrasse, sondern auf den Feldwegen 
auf der linken Seite der Thur. Kurz bevor die 
ersten Häuser von Bitschweiler erreicht sind, stösst 
man auf einen grossen Steinbnich, in welchem ein 
hornblendeführender Quarzporphyr zur Strasseii- 
beschotterung gebrochen wird. Die Besichtigung 
der Steinbrechmaschine ist nur mit Erlaubniss des 
Aufsehers gestattet. Die Quarzporphyrdecke lässt 
sich in nordöstlicher Richtung über den Molkenrain 
hinaus, wo sie eine Mächtigkeit von 2300 m er- 
reicht, bis an den Rand des Gebirges bei Hart- 
man nsweiler verfolgen. Mehrfach haben Yerschie- 
bungen in Folge von Störungen stattgefunden. Gegen 
"Westen ist der Quarzporphyr durch einen Sprung 
abgeschnitten; auf der gegenüberliegenden Seite des 
Thaies, wo man die Fortsetzung der Decke erwarten 
sollte, stehen braune Labradorporphyre an. Man 
begegnet dem Quarzporphyr wieder wesentlich weiter 
südlich auf der anderen Seite der Störung im Kohl- 
wald und am "Weckenthalkopf (vergl. Profil S. 386). 



Gebweiler — Gr. Beleben— Moosch — Thann. 361 

Schreitet man vom Steinbruch gegen Bitschweiler 
(Gasthaus zum grünen Baum, an der Hauptstrasse), 
so gelangt man bald in braune und hellgraue Por- 
phyrite, und jenseits des nächsten Thälchens, des 
Ertzenbachthales, in steil aufgerichtete dichteGrau- 
wacke. Es wird nicht schwer fallen, an den Wän- 
den der vorhandenen Aufschlüsse Stammreste von 
Sagenaria Veltheimiana zu finden (Fig. 45). "Weiter- 
hin schieben sich zwischen die dichten Grauwacken 
Conglomerate ein, welche wesentlich aus Por- 
phyritgeröllen bestehen und wegen ihrer grossen 
Festigkeit als Felszonen aus der weichen Grauwacke 
herausragen. Die Schichten streichen Nordost bis 
Ostnordost. 400 m jenseits des Grumbachthales 
wird man, allerdings nur bei aufmerksamer Beob- 
achtung, an den dünnen Zwischenlagen zwischen 
den klotzigen Porphyritconglomeraten eine Aenderung 
der Streichrichtung in Nordwest bis Nordnordwest 
feststellen können. Man hat eine Störung über- 
schritten, welche an der Westseite des Grumbach- 
kopfes und im Pass westlich des Stauffen durch- 
setzt. Mehrfach trifft man alte Pin gen auf derselben, 
üeberhaupt stehen die vielfachen Störungen des Ge- 
bietes mit zahlreichen Gängen in Verbindung, auf 
denen früher ein kieselsäurereiches Braun eisen 
abgebaut wurde, das in Bitschweiler zur Verhüttung 
gelangte. In neuerer Zeit ist auch auf Kupfer- und 



Geb Weiler — Gr. Beleben— Moosch—Thann. 363 

Bleierze gemuthet worden. Man beachte am Pfade 
längs der Thur die durchs Wasser und durch die von 
demselben mitgeführten Gerolle und Sande glatt- 
geschliffene Oberfläche der Conglomeratfelsen. Gleich 
an den ersten Häusern von Thann, unterhalb der 
Buine Engelsburg oder dem Hexenauge, wie sie 
im Volksmund heisst, steht brauner Porphyrit an, 
Äuf dem auch die Ruine selbst sich erhebt Por- 
phyrit baut auch den gegenüberliegenden Stauff en 
ganz auf; den Abhang des Rangen, eine der besten 
"Weinlagen des Elsass, setzen Porphyritconglo- 
jnerate und Porphyrite zusammen. 

Die bisher durchwanderten Schichten lassen 
sich auf Grund der Gesteinsausbildung in drei 
Stufen zusammenfassen. Die untere Stufe umfasst 
die Grauwacken von Moosch und die schwarzen 
Thonschiefer mit Diabasdurchbrüchen zwischen Brand 
und Weiler. Diese Strecke zeigte uns die unver- 
änderten Gesteine, während wir zwischen dem 
Grossen Beleben und Moosch dieselben Schichten 
in contactmetamorpher Ausbildung getroffen haben. 
Versteinerungen kommen nur spärlich vor und be- 
schränken sich, soweit bis jetzt bekannt, auf meist 
undeutliche Pflanzenreste. 

Von der mittleren Stufe sind die tieferen 
Schichten in dem begangenen Profil in Folge von 
Störungen und Thalauswaschung nicht vorhanden; 



364 Excarsion 17. 



sie würden sich, wie schon gesagt, oberhalb des 
Tunnels von Weiler einschieben. Ungefähr lYg km 
südlich vom Bahnhof Weiler, gegen Altrain hin, 
treten in diesen Schichten die ältesten bis jetzt 
bekannt gewordenen thierischen Reste des ober- 
elsässischen Untercarbon auf. Höher wechseln 
schwarze Thonschiefer mit Grauwacken, dazwischen 
schieben sich die Decken von grauem Labrador- 
porphyr ein, welche wir beim Aufstieg auf den 
Beleben sowie am Tunnel von Weiler kennen ge- 
lernt haben und welche wir weiterhin (Excursion 19) 
am Rossberg in sehr mächtiger Entwickelung be- 
gegnen werden. In den zwischengelagerten Grau- 
wacken sind mehrere Fundpunkte von thieri- 
schen Yersteinerungen bekannt geworden. Neben 
schwarzen Thonschiefern finden sich in dieser Stufe 
conglomeratische und feinkörnige Grauwacken, ferner 
solche von dichter Besshaffenheit und meistens 
muscheligem Bruch. 

Solche dichte Grauwacken spielen eine grosse 
Rolle in der oberen Stufe und sind begleitet von 
Tuffen und von Conglomeraten , deren Gerolle aus 
Porphyriten bestehen. Schwarze Thonschiefer fehlen. 
An Eruptivgesteinen finden sich braune Labrador- 
porphyre, der Quarzporphyr, der in dem Steinbruch 
bei Bitschweiler gebrochen wird, und der sogen. 
Rothhütelporphyr (vergl. S. 59). Thierische Reste 



Gebweiler — Gr. Belchen— Moosch — Thann. 365 

finden sich an der Basis, unter und über dem 
Rothhütelporphyr (vergl. Excursion 19). üeber dem 
untersten braunen Labradorporphyr scheinen in der 
Grauwacke nur Pflanzenreste vorzukommen. Es 
sind hauptsächlich die dichten, muschelig brechen- 
den Grauwacken, welche bei Bitschweiler und 
Niederburbach die Seite 20 erwähnte reiche und 
wohlerhaltene Culmflora geliefert haben. In gröberen 
ziemlich hoch liegenden Grauwacken finden sich 
die Stämme des noch zu erwähnenden Yersteinerten 
Waldes bei Thann. 

Nach der Fossilführung ergeben sich also 
gleichfalls drei Stufen, eine untere, ausschliess- 
lich Pflanzen führende, welche bis nahe unter 
die grauen Labradorporphyre reicht, eine mittlere 
(hauptsächlich vom Alter der Yis6kalke) mit thie- 
rischen (marinen) und untergeordnet pflanz- 
lichen Versteinerungen, welche mit den ersten 
Ausbrüchen der braunen Labradorporphyre ab- 
schliesst, und eine obere, wieder lediglich Pflanzen 
führende, welche über dem untersten braunen 
Labradorporphyr beginnt. 

Yon Moosch bis Thann hat uns der Weg be- 
ständig vom Liegenden ins Hangende geführt. Da 
alle Schichten, mit Ausnahme eines Theils der 
Grauwacken von Moosch, steil gestellt sind, so 
giebt uns die Entfernung zwischen beiden Orten 



366 Excursion 17. 



(8 km) eine, wenn auch unvollständige, Yorstellung 
von der bedeutenden Mächtigkeit, in welcher 
das üntercarbon des Ober-Elsass entwickelt ist Die 
Gesammtmächtigkeit ist jedoch noch grösser und 
beträgt für das Gebiet zwischen Gebweiler, Moosch, 
Thann und Oberbuibach beinahe 13000 m, wovon 
etwa 5200 m auf geschichtete Gesteine, 7500 auf 
Massengesteine entfallen. 

In Thann gute Unterkunft und Verpflegung 
im Hotel des voyageurs (Moschenross) gegenüber 
dem Bahnhof sowie in unmittelbarer Nähe der Post, 
und in den Zwei Schlüsseln in der Nähe des sehr 
sehen swerthen, in gothischem Styl aufgeführten 
Münsters St. Theobald. 

Der in der Geologie am besten bekannte Punkt 
der Umgebung von Thann ist der sog. Yersteinerte 
Wald (vom Bahnhof ab etwas über 2 km), ein Stein- 
bruch in einer an Pflanzen reichen, steil gestellten 
Grauwacke. Früher sind von hier zahlreiche Stämme 
von Knorrien in die Sammlungen gelangt; gegen- 
wärtig ist der Betrieb in Folge einer vor mehreren 
Jahren erfolgten starken Rutschung eingestellt, und 
die Aussicht, Pflanzen zu finden, dadurch sehr ver- 
ringert. 

Ein Abstecher in den versteinerten Wald lässt 
sich ohne Schwierigkeit nach oder vor der nach- 



Gebweiler— Gr. Beleben — Moosch—Thann. 3C7 

folgenden Excursion in die Gegend von Wesserling 
ausführen. Der Weg führt zwischen dem Kegel, 
welcher die Ruine Engelsburg trägt, und dem 
Raogen ins Kattenbachthal. Die alten Steinbrüche 
hinter den letzten Häusern von Thann, Yorstadt 
Kattenbach, sind jetzt schwer zugänglich. Rothe 
Tuffbreccien und Conglomerate mit Porphyr- 
geröllen stehen auf der rechten Seite des Thaies 
in der Nähe des Höhenpunktes 363,7 m an. In 
denselben TiifPgesteinen steht an dem rechts ab- 
zweigenden Wege ein alter Steinbruch etwa 150 m 
oberhalb des einzelstehenden Hauses Sack-Uehrle; 
die Schichten fallen, wie an der Engelsburg und 
am Rangen, gegen Nordost. Demselben Wege 
weiter folgend gelangt man in graue, gröbere und 
zum Theil conglomeratische, mit dünnen Schiefer- 
thonlagen wechselnde Grauwacken, in denen 
Stammreste nicht selten sind. Die Schichten 
fallen mit 30 — 65^ gegen Südwest, also in ent- 
gegengesetzter Richtung wie die TufPgesteine ober- 
halb Sack-Uehrle. Es liegt trotzdem keine regel- 
mässige Mulde vor, indem sich nordöstlicher und 
südwestlicher Flügel in der Beschaffenheit der 
Schichten sehr wesentlich unterscheiden. Die Aen- 
derung des Einfallens fällt mit einer Verschiebung^ 
ssusammen. Dieselben Grauwacken streichen durch 
den Neu -Berg in das Thal hinüber, in welchem 



368 Excursion 17 — 18. 



der Yersteinerte Wald liegt, fallen hier zum Theil 
aber gegen Nordwest. Am Wege nach letzterem, 
400 m oberhalb Sack-Üehrle, wird man durch alte 
Halden auf früher hier vorgenommene Schürversuche 
auf Kohle aufmerksam. Sie gaben, wie alle bisher 
im Ober-Elsass ausgeführten Yersuche, kein be- 
friedigendes Ergebniss. Die Grauwacken des Ver- 
steinerten Waldes, der im unteren Theil des Risten- 
bachthales liegt, sind sehr hart und wurden früher 
auf grössere Entfernungen hin als Pflastersteine 
verfrachtet. In den conglomeratischen Lagen findet 
man mitunter Gneiss als GeröUe. Eine mit Wellen- 
furchen vollständig bedeckte, mit 78® gegen Norden 
fallende Schicht schloss früher den Steinbruch nach 
Norden ab. Die gleiche Schicht streicht an dem 
Wege durch, der vom Versteinerten Wald in den 
Langengrund führt. Man kommt zuerst durch viel- 
fach Pflanzenreste führende Grauwacken von sehr 
verschiedenem Korn, welche gegen Nord bis Nord- 
west fallen, dann, etwa 50 m ehe man das 
Hauptthal erreicht, in eine steil aufgerichtete, 
ungefähr 75 m dicke Decke von braunem La- 
bradorporphyr. Anscheinend das Hangende, that- 
sächlich aber das Liegende dieser Decke bilden 
tuffartige Gesteine und Conglomerate mit Por- 
phyritgeröUen, welche in plumpen Felsen hervor- 
treten. Ihre Mächtigkeit beträgt etwa 80 m. 



Wesserling — Rothbrück — Thalhorn . 369 

Weiterhin gelangt man in eine sehr mächtige Decke 
von braunem Labradorporphyr, die weiter zu ver- 
folgen keinen Zweck hat. 




Excarslon 18. 

Wesgerling — Hfisseren — Bothbrfick — Sehliffels — Thalhorn — 

Wesserling. Olacialablagerungen^ besonders Endmoränen, 

sog. Gabbroconglomerate and Serpentin. 13km. 

MesstischbJätter ürbis und Wildenstein. 

ie Excursion soll uns in erster Linie einige 
der wichtigsten GHetscherspuren des Ama- 
riner Thaies, welches an solchen besonders 
reich ist, sodann eine eigenthümliche Schichtenfolge 
im üntercarbon vor Augen führen. 

Der Bahnhof Wesserling liegt etwa 400 m ober- 
halb derEndmoräne von Hüsseren-Wesserling, 
der bedeutendsten des Thur- oder Amariner Thaies, 
welche zugleich als Typus der äussersten Endmoränen 
der Vogesenthäler zu betrachten ist. Sie zeigt 
schöner als eine der anderen die Gliederung in drei 
hinter einander liegende Wälle, welche auf 
einer ausgedehnten Schotterterrasse auf- 
gesetzt erscheinen. Die Thur hat in diesen 
Aufschüttungsmassen eine mehr oder weniger breite 

Führer durch d. Elsass. 24 



370 Excursion 18. 



Erosionsrinne geschaffen, durch welche jeder der 
drei Wälle in zwei Bogenstücke oder Zweige zer- 
schnitten wird. Die linksseitigen (östlichen) Zweige 
sind von den Wesserlinger Fabrikanlagen verdeckt 
und deshalb wenig zu sehen. Dagegen lassen sich 
die zugehörigen rechten Stücke in dem auf der rech- 
ten Seite der Thur gelegenen Hüsseren sehr schön 
beobachten. 

Man überschreite vom Bahnhof Wesserling aus 
das Thal auf dem Fusspfade, welcher ßich etwa 
120 m südlich vom Bahnhof von der Chausse ab- 
zweigt. Von diesem Pfad hat man thalabwärts den 
Blick auf den linken Zweig des innersten Mo- 
ränenwalles, auf welchem ein Theil der Fabrik- 
gebäude (Baumwollspinnereien, -Webereien, -Drucke- 
reien) und Wohnhäuser von Wesserling stehen. 
Nachdem man die Thur überschritten, wende mau 
sich zuerst rechts , dann bei dem nächsten abgehenden 
Wege links nach dem Höhepunkte 440 der Karte. 
Hier steht man auf einer ebenen Terasse und sieht 
südostwärts in geringer Entfernung vor sicli den 
rechten Zweig des innersten Walles, welcher auch 
auf dem Messtischblatt als deutliche wallartige Er- 
hebung verzeichnet ist. Von • 440 südwärts gelangt 
man an der westlichen Endigung des genannten 
Walles vorbei auf die westöstlich verlaufende Haupt- 
strasse von Hüsseren. Auf dieser an der Kirche vor- 



Wesserling — Rothbrück — Thalhorn. 371 

bei und dann rechts ab nach dem Kirchhof. An die- 
sem befindet man sich auf dem westlichen Ende 
des mittleren Moränenwalles und sieht nach Norden 
vor sich den inneren, nach Süden den äusseren 
Wall. An keiner anderen Stelle lassen sich die 
Wälle gleich gut übersehen. 

Man kehre auf dem in nordwestlicher Richtung 
führenden Wege auf die Hauptstrasse von Hüsseren 
zurück und gehe auf dieser nach Westen weiter 
bis kurz vor ihrer Einmündung in die nordsüdlich 
verlaufende, nach Mollau führende Dorfstrasse, wo- 
selbst ein kleiner Weg zu linker Hand hinter die 
Häuser von Hüsseren führt. Hier sieht man sich 
gegenüber einer kuizen Endmoräne, welche sich 
an die Westseite des auf der Karte als Bannwehr 
bezeichneten Rückens anlehnt und das aus der 
Richtung von Mollau herunter kommende Seitenthal 
verriegelt. Ein Aufschluss gestattet einen Einblick 
in die Zusammensetzimg und Structur der Moräne. 
Wie überall in den Yogesenmoranen , zeigt sich das 
Grauwackenmaterial zum grossen Theil deutlich 
gescheuert und geschrammt oder fein gekritzt, 
gleichviel ob es in Form von grossen Blöcken oder 
kleinen Geschieben vorliegt. An dem granitischen 
Material der Moräne haben dagegen diese Erschei- 
nungen noch nicht festgestellt werden können, da 

grössere Blöcke, an welchen sie allein vorkommen, 

24* 



372 Excarsion 18. 



bis jetzt hier nicht beobachtet wurden. Es ist be- 
merkenswerth, dass in den Vogesen noch kein 
einziges granitisches Glacialgeschiebe von massigem 
Umfang mit deutlich geschrammten Flächen gefunden 
worden ist, während grosse, frisch blossgelegte Qranit- 
blöcke Glättung und Schrammung bisweilen in 
ausserordentlich schöner Weise zeigen. — Vor Jahren 
war in demselben Aufschluss die Unterlagerung des 
Moränenschutt durch geschichtete Schotter sehr gut 
zu sehen. 

Man begebe sich nun auf die nach MoUau 
führende Dorfstrasse und folge dieser in der Sich- 
tung auf den genannten Ort bis zum ersten (gegen- 
über Brand) links abgehenden Wege. Yon letzterem 
zweigt sich alsbald wieder, 100 m von der Strasse, 
zur Linken ein in Nordostrichtung verlaufender 
Weg ab. An der Westseite desselben steht un- 
mittelbar hinter der Abzweigungsstelle Grauwacke 
an, welche deutliche Gleitflächen mit horizontal 
verlaufenden Riefen zeigt. Obwohl ein solcher Verlauf 
der Riefung bekanntlich nicht dem gewöhnlichen 
Verhalten von Rutschflächen entspricht, wird doch 
Niemand, der unzweifelhafte Gletscherschliffe kennen 
zu lernen Gelegenheit gehabt hat, auch nur einen 
Augenblick daran denken können, dass hier etwa 
Gletscherschliffe vorlägen, da die betreffenden Flächen 
im übrigen ganz das gewöhnliche Aussehen von 



Wesserling — Bothbrück — Thalhora. 373 

Gleitflächen haben^). Die Excursion wird uns sogleich 
noch Gelegenheit geben, Gletscherschliffe zu sehen. 
Besonders für Anfänger ist es daher zu empfeh- 
len, auch den soeben genannten Punkt zu besuchen, 
um auf diese Weise den mit Worten schwer zu 
bezeichnenden Unterschied zwischen Gleitflächen und 
Gletscherschliffen durch unmittelbar nach einander 
gewonnene Anschauung von beiderlei Yorkommnissen 
kennen zu lernen. 

Nach Besichtigung der Gleitflächen wende 
man sich wieder der Strasse zu, gehe auf dieser 
zurück und gerade aus durch den Ort hindurch. 
Zwischen dem Nordende desselben und der Säge- 
mühle an der Thur trifft man Gruben, in denen 
die Schotter der Terrasse, auf welcher sich die 
Wesserlinger Moränen erheben, aufgeschlossen sind. 
Bei einigem Suchen wird es gelingen, unter den 
Geschieben vereinzelte init geglätteten Flächen und 
noch deutlich erkennbaren Schrammen zu finden, 
was darauf hinweist, dass die Geschiebe zuerst 



1) Rutschflächen mit horizontaler Streifuog sind auch 
sonst auf reichsländischem Gebiet hin und wieder beobachtet, 
z.B. im Sandateingebirge. Vei-ticale Streifung ist freihch 
durchaus das gewöhnliche. lieber Horizontalverschiebungen 
im Grauwackengebirge des Ober-Elsass s. Mittheil. geol. 
L.-A. V. Els.-Lothr. Bd. IV, S. XCVIII. 



374 Excarsion 18. 



vom Gletscher transportirt wurden, bevor sich das 
fliessende Wasser ihrer bemächtigte. 

Von den Gruben aus erreicht man in wenigen 
Minuten den vielgenannten Glatt st ein, einen geglät- 
teten und in der Thalrichtung geschrammten Grau- 
wacken- Rundhöcker ^), welcher gegen 200 m nord- 
nordwestlich von der Sägemühle, unmittelbar am 
rechten Ufer der Thur, aus dem Glacialschutt auf- 
ragt an einer Stelle, wo der Fluss eine der convexen 
Krümmung des Gehänges entsprechende Biegung 
macht. In Folge des ungehinderten Betretens des 
Felsens, von welchem Fig. 4G eine Abbildung giebt, 
sind Glättung und Schrammung leider schon stark 
verwischt. 

Vom Glattstein wandere man auf der die Thur 
zur Rechten begleitenden Terrasse, der Fortsetzung 
der Wesserlinger, weiter thalaufwärts. Anfänglich, 
oberhalb des Glattstein, ist diese Terrasse sehr 
schmal; weiterhin, an der Einmündung des ürbiser 
Thals in das Amariner Thal, bei Rothbrück, ver- 
breitert sie sich und lässt hier eine mehrfache Ab- 
stufung zur tiefsten Erosionsfläche erkennen. 

Bei Rothbrück kreuze man die grosse, von 
Wesserling über ürbis auf der Südostseite des 



1) Die Schichten stehen saiger und sind von einem 
Granitporphyrgang durchbrochen. 



J 



^VeEse[liDg ~ RothbriicL — Thtilli 



376 Ezcorsion 18. 



Urbiser Thals führende Landstrasse und schlage 
nach Ueberschreitung des Seebaches den ungefähr 
nordwestliche Bichtung innehaltenden W^ nach der 
gegenüberliegenden Seite des Thaies von TJrbis 
ein. Dieser Weg führt zunächst auf eine Terrasse, 
welche der Wesserlinger entspricht und sich, gegen- 
über Felleringen, quer über das untere Ende des Ur- 
biser Thaies, in dessen ganzer Breite, ausdehnt. Der 
Abfluss des letzteren, der Seebach, hat sich an der süd- 
östlichen Thalseite durchgenagt. Bald jedoch sieht 
man sich auf einer wallartigen , quer über das Thal ver- 
laufenden Erhebung, welche der Terrasse aufgesetzt 
erscheint und sich als typischer En dm oränen wall 
darstellt. Der Weg führt auf der Höhe dieses Walles 
weiter und man nimmt schon von hier aus, besser 
allerdings von der linken oder rechten Seite des 
Thaies her wahr, dass sich thaleinwärts zwei weniger 
deutliche, flachere und unregelmässiger begrenzte 
Wälle direkt hier anschliessen. Es ist also auch 
eine Dreigliederung der Landschaft zu erkennen, 
doch erscheinen die einzelnen Wälle nicht durch 
weitläufige, ebene Zwischenräume getrennt, wie bei 
der Wesserlinger Endmoräne, sondern vielmehr dicht 
an einander gedrängt, und nur der erste (äusserste) 
Wall setzt sich gegen den zweiten (mittleren) noch 
ziemlich deutlich ab. Zwischen dem zweiten und 
dritten Wall bemerkt man in der Nähe der linken 



Wesserling — Bothbrfick — Thalhorn. 377 

Thalseite (östlich von den Seehäusem) eine für 
Glaciallandsehaften sehr bezeichnende Erscheinung, 
nämlich eine geräumige kesseiförmige Einsenkung 
ohne Abfiuss. — Geht man, auf der linken Thal- 
seite angelangt, hier noch etwa 400 m thalaufwärts, 
bis zur Wegkreuzung bei „Seehäuser" der Karte, so 
überblickt man die „centrale Depression", welche 
sich hinter der Moräne gegen Urbis ausdehnt und 
ehedem einen See bildete, von dem gegenwärtig nur 
noch eine etwas breitere Rinne unmittelbar oberhalb 
der Endmoränenlandschaft übrig ist. 

Noch 180 m weiter thalaufwärts oder etwa 
50 m thalabwärts vom letzten der Seehäuser steht 
dicht über dem Weg ein geschliffener und ge- 
schrammter Grauwackenf eis an, welcher dadurch 
bemerkenswerth ist, dass die Schrammen mit etwa 
45® thalaufwärts geneigt sind. Dies deutet auf 
eine starke Aufwärtsbewegung der Eismassen un- 
mittelbar hinter der Endmoräne hin. (Yergl. hierzu 
auch Exe. 16, Schiessrothrieth, S. 338). Man gehe 
nach Besichtigung des Schliffes auf demselben 
Wege, bei den Seehäusem vorbei, wieder zurück 
auf die Terrasse und auf der linken Seite derselben 
weiter bis zum Höhepunkt 450,9. 

Bevor man die Terrasse verlässt, werfe man 
einen Blick auf die gegenüberliegende, linke Seite 
des Thurthales. Man erkennt deutlich ein Gewölbe, 



378 Excnrsion 18. 



dessen Scheitel etwas nördlich von Felleringen liegt; 
der Südostflügel lässt sich bis zum Bahnhof Wesserling 
übersehen, von dem aus eine i^iächtige, nur stellen- 
weise durch Abrutschungen unterbrochene Felszone 
nach der Höhe über Ebenacker ansteigt. 

Man wende sich nun gegen Schliffeis und 
durch dieses nach dem Thalhorn, der auf der 
Generalstabskarte unbenannten Höhe zwischen Öderen 
und Eamerspach. Der Weg zweigt an dem soeben 
genannten Höhepunkt 450,9 ab; an der sehr bald 
folgenden Gabelung rechts am Ostfusse des Tul- 
Berges vorbei. Auf dem anderen, linker Hand in 
den Wald führenden Weg ist in 175 m Entfernung 
von dem genannten Höhepunkt ein Gang von 
Granitporphyr aufgeschlossen. In Schliffeis ist 
der Weg nach Ramerspach (und dem Trimont oder 
Drumont) einzuschlagen. Bis zur Stelle, wo derselbe 
mit starker Krümmung genau den Nordrand von Blatt 
ürbis berührt, stehen steil aufgerichtete, NW 
streichende, theilweise verkieselte Schiefer an, 
die wahrscheinlich gleiches Alter haben wie die 
schwarzen Schiefer oberhalb des Bahnhofes Weiler. 
Weiterhin führt der Weg durch Glacialschutt, 
der etwas über der Höhencurve 600 in einem tiefen 
Riss deutlich biosgelegt ist. Grosse, aus zähem 
gabbroartigem Gestein bestehende Blöcke, von denen 
nur mit sehr kräftigem Hammer Handstücke ab- 



Wesserling — Rothbrück — Thalhom. 379 

geschlagen werden können, liegen zerstreut umher. 
Dem oberen Theil des Risses folgend erreicht man 
bald die Häuser Thalhorn. Der ölacialschutt, der 
bisher gleichmässig die Abhänge bedeckte, nimmt 
bestimmte Gestalt an und schliesst sich zu einem 
grossen Wall zusammen, der im Halbkreis östlich 
von den genannten Häusern herumzieht. Diese selbst 
liegen in einer Depression hinter dem Wall (Fig. 47), 
der eine typische Endmoräne darstellt. An den 
südlichsten der Häuser vorbei folge man dem Fuss- 
pfad nach Ramerspach bis zu dem Wasserrisse, der 
gegen SO nach dem oben genannten Riss herunter- 
zieht. In ersterem, nicht tief unter dem Pfad, 
stehen schwarze, gegen NW fallende Schiefer von 
der gleichen Beschaffenheit an wie in Schliffeis. 
üeber dem Schiefer liegt eine gneissartige Grau- 
wacke^), welche ihrerseits überlagert ist von Ser- 
pentin, der besonders in dem Theil des Risses 
über dem Fusspfad gut aufgeschlossen ist. Letzterem 
gegen Ramerspach folgend, würde man in Schiefer, 
der meist durch Glacialschutt verdeckt ist, verbleiben. 



1) Der gelegentlich eines Ausfluges des Oberrheinisch 
geologischen Vereins von einem Mitglied desselben aasge- 
sprochenen Ansicht, dass das Gestein Granitinjectionen in 
Grauwacke seine Entstehung verdanke, kann Verf. sich 
nicht anschliessen. Granitinjectionen treten in den Vogesen 
nur als Gänge und Adern auf. 



Wesserling — Rothbrück — Thalhorn. 381 

Man kehre nach den Häusern Thalhorn zurück, 
nehme den Weg gegen Bergenbach und folge die- 
sem bis zu der Stelle wo die Moräne sich an die 
Hauptmasse des Rückens anlehnt. Die in der Nähe 
des Weges anstehenden Felsen bestehen aus Serpentin 
und Conglomeraten. Der Serpentin tritt in zwei 
Lagern auf, die durch theilweise schiefrige, geröll- 
arme örauwacke getrennt sind, üeber dem zweiten 
Lager stellen sich mächtige Gneiss- und Gabbro- 
conglomerate ein. Letztere erscheinen nach der 
Beobachtung als die hängendsten Schichten der 
ganzen, sehr merkwürdigen Schichtenfolge, üeber 
den angegebenen Punkt hinaus lässt sich das be- 
sprochene Profil in umgekehrter Reihenfolge fest- 
stellen, wie femer am Gipfel des Thalhorn., am 
Höhepunkt 875,4, die schwarzen Schiefer unter 
die gneissartigen Grauwacken und den diese über- 
lagernden Serpentin einschiessen. Die Serpentine 
und Conglomerate erfüllen demnach eine von Schiefem 
umschlossene, steil gegen einfallende Mulde. 
Linck^), der dieses Gebiet bearbeitet hat, sieht die 



1) Linck, Dr. G., Geognostische Beschreibung des 
Thalhorn im oberen Amariner Thal. — Mittheil. geol. L.A. 
V. Els.-Loth. 1892, Bd. IV, S. 1 — 72. — Nachti-ag in 
demselben Bande, S. L— LI. 

Vergl. auch L. van Werveke, Untersuchungen im 
Grauwackengebiet des Ober-Elsass. Ebenda S. XLV bis 
XLVI. 



382 Excarsion 18. 



Lagerung als überkippte an, fasst also die schwarzen 
Schiefer als Hangendes der ganzen Schichtenfolge 
auf. Die Serpentine sind nach demselben Verf. aus 
einem massigen Olivin-Enstatitgestein hervor- 
gegangen; über die Natur der öneiss- und Gabbro- 
conglomerate bringt die genannte Arbeit ausführliche 
Angaben nebst Abbildungen von Dünnschliffen. Es 
würde zu weit führen, hier auf dieselben einzugehen. 
Nach der Besichtigung der Gabbroconglome- 
rate steige man auf den Rücken des Moränenwalles 
hinauf, von wo aus man eine prachtvolle Aussiebt 
auf das Thurthal und die Höhen auf dessen Nord- 
seite gewinnt. Auffallend steil sind hier alle Anstiege. 
Am Fusse des Thalhorn liegt Öderen, rechts von 
diesem Ort erhebt sich der Märle-Berg (546 m), 
links der Bär- Berg (558>6 m); beide bestehen aus 
contactmetamorphen Schiefern , die von Granitporphyr 
durchbrochen sind. Der Märle-Berg steht mit der 
Schiefermasse des linken Thalgehänges durch einen 
stark mit Glacialschutt überdeckten Riegel in Zu- 
sammenhang, der Bär -Berg dagegen ist ringsum frei- 
gewaschen. An seinen Nordfuss ist eine sogenannte 
Hindernissmoräne angelehnt, die durch einen 
niedrigen Wall mit einer halbkreisförmigen End- 
moräne in Verbindung tritt, welche einem aus dem 
Wersclunattthal austretenden Gletscher seine Ent- 
stehung verdankt. Die Fabrik Fossbühl steht auf 



Wesserling — Rotlibrtick — Thalhorn . 383 

diesem Wall. Weiterhin erblickt man Krüth , dessen 
Häuser zum Theil an einen Moränenwall angebaut 
sind, der bogenförmig das Hauptthal durchquert. 
Jenseits Krüth erhebt sich, wie der Bär- Berg ringsum 
freigelegt, der 666 m hohe (über der Thalsohle 
152 m ansteigend), von einer Ruine gekrönte, aus 
Granit bestehende Schloss-Berg. Dem Nordfuss ist 
eine Moräne angelagert. Man hat wohl mit Recht 
die drei genannten Berge, Schloss-Berg, Bär -Berg 
und Marie -Berg als Beweise gegen die stark aus- 
kolkende Wirkung der Gletscher angesehen. Der 
Gletscher des Thurthales ist an denselben vorbei 
den vorhandenen Thalfurchen gefolgt. Unterhalb 
Öderen ruht das Auge mit Wohlgefallen auf dem 
langgestreckten , freundlichen Dorfe Felleringen, wenig 
weiter erhebt sich Wesserling auf den oben be- 
sprochenen Moränenwällen. 

Zerstreut liegen auf der Moräne, auf der wir 
stehen, grosse Blöcke von Granit und von Gabbrö- 
conglomerat, also von Gesteinen, welche vom Kamm 
des Gebirges und aus unmittelbarer Nähe, vom 
Thalhorn, stammen. Auf den Moränen im Thal sind 
solche Blöcke selten. Sicher waren sie auf den- 
selben früher gleichfalls vorhanden, Menschenhände 
haben aber dieselben entfernt. Auch am Thalhorn 
sind bereits einzelne Blöcke zur Gewinnung von 
Bausteinen gespalten, den anderen dürfte in nicht 



384 Excmsion 18—19. 



langer Zeit das gleiche Loos bevorstehen. Es wäre 
zu wünschen, dass Mittel gefunden werden, einer 
weiteren Zerstörung dieser Endmoräne, der schönsten, 
welche bisher in den Vogesen beobachtet wurde, 
vorzubeugen und dadurch einen der deutlichsten 
Beweise der ehemaligen Vergletscherung unseres 
Gebirges zu erhalten. Ebenso müsste der Olattstein 
unbedingt vor Zerstörung geschützt werden. Ge- 
legentlich bemerkt man kleinere Aufschlüsse in der 
Hauptmasse des Walles und kann dann das Vor- 
kommen gekritzter Schiefergeschiebe feststellen. Der 
Fuss der Moräne niht auf dem Sutter-Berg, der 
aus Schiefer und Grauwacke besteht, die von der 
mannigfaltigen Schichtenfolge am Thalhom durch 
eine NS verlaufende Störung getrennt sind; auf 
derselben Verschiebung setzt am Tul-Berg ein Eisen- 
steinsgang auf. 

Man kehre nun an den Häusern Thalhom vorbei 
über SchlifTels und Felleringen (Gasthaus zum Ochsen) 
nach Wesserling (Hotel Wesserling am Bahnhof) 
zurück. 



Thann— Rossberg — Masmünster. 385 



Excursion 19. 

Thann — Thanner Hobel — BiMsberg — Oberbarbaeh — Masmfinster. 

19 Vs km bei einer Steigung von 860 m. | 

Messtischblätter Thann, Senthoim und Masmünster. , 






on Thann führt eine ganze Reihe von 
Wegen nach dem Rossberg, durch das 
Steinbythal, über den Stauffen und den 
Napoleonsplatz, dann auf der Nordseite des Wecken- 
thalkopfes. Obgleich sie alle geologisch bemerkens- 
werthe Punkte bieten, soll hier doch nur der erstere 
beschrieben werden; er ist der kürzere und deshalb 
mit Rücksicht auf die ziemlich grosse Wegstrecke 
bis Masmünster vorzuziehen. 

Am Südfuss des Stauffen, wo, durch einen 
Schuttkegel verdeckt, die Voge^enspalte durch- 
schneidet (vergl. Fig. 48) — auf der linken Thurseite 
ist sie auf der Westseite des aus Buntsandstein be- 
stehenden Drachenfels leicht nachweisbar — sind 
wegen der ausgedehnten Weinberge geologische Be- 
obachtungen nicht möglich. Erst jenseits des ersten, 
von rechts herunter kommenden Thälchens treten 
Felsen von Porphyrit an den Weg heran. Dieses 
Gestein hält bis kurz vor dem nächsten Thälchen 
an, wo ein ungefähr 50 m breiter Streifen von 
Grauwacke durchstreicht. Dicht vor dem Thäl- 
chen bemerkt man Schürfversuche, die einem 

Führer dnrch d. Elsass. 25 




i $ S I S I 9 t M I I 



Thann — Bossbeig — Masmünster. 387 

Eisensteinsgang galten, der früher abgebaut 
wurde und über den Napoleonsplatz hinüber bis ins 
Thurthal bekannt ist. Es soll hier Kupfererz ge- 
funden worden sein. "Wer Erze, kieselsäurereiches 
Brauneisenerz, sammeln wiU, gehe auf die andere 
Thalseite hinüber, in das erste Thälchen westlich 
des Teufelsgrundes, wo zahlreiche Erzstücke am 
Wege und auf alten Halden zerstreut sind. Ein 
Pingenzug setzt schräg durch die Wiesen. Oberhalb 
des erwähnten Ganges durchschneidet der Weg drei 
steil gestellte Porphyritdecken, die durch zwei 
schmale Grau wackenzonen getrennt sind, und kommt, 
ungefähr bei Curve 520, in den homblendehaltigen 
Quarzporphyr, den wir vom Steinbruch bei 
Bitschweiler kennen. Man wird leicht Stücke mit 
deutlichen Hornblenden und Quarzkrystallen finden. 
Der Porphyr hält wegen seiner grossen Mächtigkeit 
und weil die Lagerung hier eine flache ist, bis 
zum Pass des Hunsrücken (750 m) an, wo der 
Pfad aus dem Wald in Weideland übertritt. G^gen 
Osten, gegen den Kuppelthannkopf ist der Quarz- 
porphyr von Porphyrit überlagert, gegen Westen 
ist er durch eine Yerwerfung gegen eine ältere 
Porphyritdecke abgeschnitten, welche in stark ge- 
neigter Stellung bis zur Höhe 843 hinaufreicht. 
(Yom Bahnhof Thann ab 5 Y^ km bei einer Steigung 
von 420 m.) 

25* 



388 Excorsion 19. 



In der Nähe des Passes vom Hunsrücken sind 
mehrere Fundpankte für Yersteinerungen be- 
kannt. Einer davon befindet sich unmittelbar im 
Liegenden der zuletzt genannten Porphyritdecke , 
in der Höhe von 680 m an einem alten, steil 
neben der Thalrinne und auf der "Westseite der- 
selben herunter führenden Pfade. Die Absicht, 
diesen Fundpunkt auszubeuten, liess zwei andere 
Punkte finden, welche an dem neuesten der vielen 
sich hier mannigfach schneidenden Touristenpfade 
liegen; man wird durch kleine vorhandene Schürfe 
(in der Höhe von ungefähr 690 und 660 m) auf 
dieselben aufmerksam. Die feinkörnige, kalkige 
Grauwacke, welche die Versteinerungen umschliesst, 
gehört dem Liegenden der Grauwacke des vorigen 
Punktee an und ist von derselben durch eine dünne 
Porphyreinlagerung getrennt. Die wichtigsten Formen 
sind: Productus semireticulatus Mart. sp,, Pr, conti- 
nentalis T o r n q. , Pr. hemisphaericiis S o w. , Orthoteies 
arachnoidea Phil, sp., Palechinics Lacaxei JuL, Pholi- 
docidaris tenuis Tornq. Eine andere Fundstelle 
ist auf der Südseite des Passes am Wege nach 
Niederburbach in der Höhe von ungefähr 700 m 
angegeben worden, war später aber nicht wieder 
aufzufinden. 

Yom Pass des Hunsrücken folge man dem nach 
^ Rossberg führenden Pfad, der zuerst in der 



Thann — Rossbeiig — Masmilnster. 389 

mehrfach erwähnten Porphyrdecke verläuft, dann 
den schmalen Zug von örauwacke, welchem der 
erstgenannte Fossilpunkt angehört, und nach diesem 
die erwähnte dünne Porp hyrit decke schneidet (vgl. 
Profil S. 386). Aus dieser tritt er in mächtige, 
dichte, klein- und grobkörnige Grauwacken und 
Conglomerate, welche Gerolle des später zu er- 
wähnenden Porphyrs vom Kothhütel umschliessen. 
Stellenweise finden sich Pflanzenspuren in der fein- 
körnigen Grauwacke. Die Conglomerate sind fester 
als die umgebende Grauwacke, weshalb sie als Kiffe 
aus dem Gelände herausragen. Sie sind dem unteren 
Theile der ganzen Ablagerung besonders reichlich 
eingeschaltet. Wo der Pfad aus dem Walde in die 
nördlichste Ecke des Weidelandes heraustritt, be- 
ginnt der Porphyr des Rothhütel und hält bis 
zum Gipfel der diesen Namen tragenden Bergspitze 
an. Den Namen verdankt dieselbe ihrer Form und 
der (ziegel)rothen Farbe des Gesteins. Auf dem 
Wege nach der Melkerei Thanner Hubel stellt 
sich im Liegenden des Rothhütelporphyrs eine nur 
bei aufmerksamer Begehung bemerkliche schmale 
Grauwackenzone ein, und unter dieser ein grauer 
Labradorporphyr in einer Mächtigkeit von etwa 
50 m. In der näheren Umgebung der Melkerei, die 
inmitten einer mächtigen Zone von Grauwacken 
und Conglome raten liegt, sind die Aufschlüsse 



390 £xQiu8ioa 19. 



schlecht 250 m nördlich von der Melkerei tritt 
in Felsen grauer Labradorporphyr zu Tage; 
nach ungefähr 200 m hat man diese Decke durch- 
schritten und gelangt in mächtige Conglomerate 
mit Gerollen eines rothen Porphyrs, in denen man 
bis zum Oipfd des Thanner Hubeis (1182,3 m) 
verbleibt (vom Hunsrücken ab 3^^ km bei einer 
Steigung von 430 m). Bei günstiger Beleuchtung 
bietet dieser Punkt einen prachtvollen Blick ins 
Thurthal, vom Wildensteiner Schlossberg bis Thann, 
dann hinüber nach dem Schwarzwald und gegen 
Süden nach dem Jura und den Alpen. 

Vom Thanner Hubel kehre man entweder auf 
dem Pfade, den man zum Aufstieg benutzt, zurück 
bis fast genau nördlich des Gripfels und wende sich 
hier gegen Westen nach der mittleren Rossberg- 
hütte (Kolbshütte), oder folge vom Gipfel dem 
Waldrande und gehe am unteren Ende desselben, 
unter Yermeidung der Heerden, über die Matten 
direkt nach der Kolbshütte. Hier Erfrischung (Ge- 
tränke, Brod, Butter und Käse) zu angemessenen 
Preisen. Etwa 70 m vor der Hütte fallen Blöcke 
von grauem, von grossen Feldspathkrystallen durch- 
spickten Labradorporphyr auf, der einer in 
nordsüdlicher Richtung über den Sattel zwischen 
dem Thanner Hubel und dem Rossberg nach Wald- 
'natten verlaufenden Zone angehört. In welcher 






Thann — Rossberg — Masmünster. 391 

Beziehung sie zu der mächtigen Decke von grauem 
Labradorporphyr steht, aus welcher der Kossberg 
(1191,4 m) und weiter nordwestlich der Yogel- 
stein oder Falkenstein bestehen, bleibt festzustellen. 
Die Aussicht auf dem Eossberg ist weit weniger 
lohnend als die auf dem Thanner Hubel. 

Vom Eossberg gehe man an der oberen Eoss- 
berghütte vorbei bis zum Pfade, der von der Kolbs- 
hütte in nordsüdlicher Eichtung heraufkommt, und 
schlage dann unterhalb der imteren Eossberghütte 
durch den Weg nach dem Pass des Huns- 
rücken ein. Anfangs führt derselbe durch stark 
zersetzten Labradorporphyr, dann über die Con- 
glomerate des Thanner Hubeis, welche am Wald- 
rande vom Porphyr des Eothhütel überlagert 
werden. Etwa 25 m vorher, nahe oberhalb des 
Weges, steht ein Gang von Granitporphyr an. 
Hier, soweit vom zu Tage gehenden Granit ab, 
sind solche Gänge eine seltene Erscheinung. Die 
^auen Labradorporphyre, welche nördlich und süd- 
lich der Melkerei Thanner Hubel beim Aufstieg be- 
obachtet wurden, reichen nicht bis an den Weg, 
sondern keilen sich früher aus, der eine bereits 
auf der Ostseite des Thanner Hubeis, der andere 
ungefähr 75 m oberhalb des Weges. Beim Abstieg 
wird beim Austritt aus dem Wald die bereits beim 
Aufstieg berührte hangende Grenze des Eothhütel- 



392 EiEcarsion 19. 



porphyrs erreicht. Die schwere Yerwitterbarkeit 
des letzteren bedingt, dass die Wege im Gebiet 
desselben allenthalben mit scharfkantigen Gesteins- 
brocken bedeckt und recht schlecht sind. Am 
Hände des Waldes entlang wandere man abwärts 
über die Matten nach dem nahe an Boutique vorbei- 
ziehenden Wege und folge dann diesem nach Ober- 
burbach. Von den genannten Häusern her führt 
ein Pfad in diesen Weg. Unterhalb der Einmün- 
dung desselben stellen sich dichte Grauwacken ein, 
die das Liegende des Rothhütelporphyrs bilden. 
Ungefähr 350 m weiter biegt der Weg gegen 
Westen um und fängt an stärker zu fallen; man 
gelangt an einen grauen Labradorporphyr. Dicht 
oberhalb desselben befindet sich die Fundstelle, 
welche Bleicher im Jahre 1882 bekannt gemacht 
hat. Nach einigem Suchen werden die fossüführen- 
den Bänke leicht gefunden. Die wichtigsten Formen 
sind: Chonetes iricomis Sem., Productics semireti- 
culatics Mart. sp., Pr, hemisphaericus Sow., Pr, 
giganteus Mart. sp., Pr. undatus Defr., Orthis resu- 
pinata Mart. sp., Orthothetes fasdfera Tornq., 
Spirifer subcinctus Kon., Sp. bisulcatus Sow., Mar- 
tinia glabra Mart. sp. , Reticularia lineata Mart. sp., 
Aviculopecten alsaticus Tornq., Äv. Meeki Kon., 
Ctenodönta sinuosa Ryckh. sp., McLcrodus imdatus 
Kon., Sanguinolites claudics Kon., Sang, simplex 



Thaim — Rossberg — Masmünster. 393 

Tornq., Edmondia sulcata Phill. sp., Protoschixodv^ 
aequilateralis M'Coy. sp. Oberhalb des Fundpunktes 
ist der Grauwacke eine dünne, im Ausgehenden 
sich nur auf 250 m erstreckende Decke von braunem 
Porphyr eingeschaltet, 20 m höher zieht die lie- 
gende Grenze des Rothhfitelporphyrs durch. 
Dem letzteren kommt eine verhältnissmässig geringe 
Verbreitung zu. In südlicher Richtung reicht er 
nicht ganz bis öberburbach, in nördlicher Richtung 
nur bis AUenbom. Die westliche und östliche 
Grenze haben wir bereits kennen gelernt. Die Decke 
ist mehrfach gebrochen, und die einzelnen Stücke 
sind ziemlich stark gegen einander verschoben. Wo 
sie fehlt, fallen liegende und hängende Grauwacke 
zusammen, damit zugleich die Fossilfundpunkte von 
Boutique und vom Hunsrücken in eine und dieselbe 
Grauwackenzone ; ersterer gehört dem tieferen, letz- 
terer dem obersten Theil derselben an. Die Fossilien 
lassen die Zone als Aequivalent eines Theils des 
Kohlenkalks, als Yiseschichten erkennen. 

Der graue Labradorporphyr unter dem Fundpunkt 
von La Boutique hält bis zur Kirche von Ober- 
burbach an (vom Thanner Hubel ab 7 km). Der 
auf der Ostseite derselben nach Bitschweiler ab- 
zweigende Weg schneidet in dichte Grauwacke ein, 
desgleichen der Weg nach Masmünster, doch sind 
an diesem die Gesteine stark zersetzt. Demselben 



/ 



394 Ezcuision 19->20. 



GrauwackeQzug gehört der von Bleicher zwischen 
Masmünster und Oberburbach beschriebene Fossil- 
fundpunkt an, der erste, durch welchen man auf 
das Yorkommen von Eohlenkalkfossilien im Grrau- 
wackengebirge des Oberelsass aufmerksam wm-de. 
Derselbe befindet sich etwa 75 m vom letzten Hause 
des Dorfes oberhalb einer scharfen Krümmung des 
Weges (Producius semireticulatii^ Mart. sp., Pr, bur- 
hachianus Tornq., Chonetes papüionacea PhiL sp.). 
Bei der Fortsetzung der Wanderung gelangt man 
nach ungefähr 150 m in einen Porphyrit, der mit 
Mandelsteinen in Verbindung steht. Ob er als 
oberster der grauen oder als tiefster der braunen 
Labradorporphyre anzusehen ist, bleibt noch fest- 
zustellen. Bis Masmünster verlässt der Weg die 
Labradorporphyre, die oberhalb Huppach wieder 
sehr schöne Mandelsteinstructur zeigen, nicht mehr, 
doch ist ihre genauere Stellung noch nicht ermittelt. 

{Von Oberburbach 3 Y2 ^"^O 

In Masmünster findet man gute Aufnahme in 

dem altbekannten Gasthaus zum Adler. 



Masmünster— Elsässer Beleben — Wesserling. 395 




ExcQrsion 20. 

Bfasinfiitster— Elstsser Belehen and zurück, 19 Vs km bei einer Steigung 
von 785 m, xxler ins Wesserllnger (Thiir-)Thal, 20 km bei einer Stei- 
gung von 785 m bis zum Beleben und später bäufigen kleineren Stei- 
gungen. Glacialerscbeinnngen, Belcbengranit, Minetten, 
Grauwackengebirge, Erzgänge. 

Hesstiscbblätter Masmünster, ürbis. 

ie Ausflüge nach dem Elsässer Beleben 
und zurück oder hinüber ins Tburtbal 
lassen sich von Masmünster aus in einem 
Tage zu Fuss ausführen, sind aber anstrengend, 
und es ist deshalb anzurathen, entweder jetzt die 
Post, später die in Angriff genommene Bahn bis 
Sewen zu benutzen oder hier zu übernachten (Krone 
und Hirsch). 

Das DoUerthal ist in Bezug auf Glacial- 
geologie nahezu ebenso interessant wie das Thur- 
thal. Man beachte besonders die drei hinter ein- 
ander und quer über das Thal liegenden Moränen 
bei Kirchberg. Sie liegen dem Gebirgsrand w^eit 
näher als die Wesserlinger Moränen, aber nahezu 
in derselben Höhe, nämlich bei 445 m, während 
die Höhenlage dieser 430 m beträgt. 

Bei Oberbruck finden sich Steinbrüche in 
der basischen Randfacies des Granits, welcher 
den Elsässer Beleben zusammensetzt. Auf derselben 



396 Excursion 20. 



Gesteinsvarietät steht Sewen (496 in). Bis 2 km 
oberhalb des Dorfes dehnt sich eine ziemlich breite, 
stark vertorfte Ebene aus, anscheinend der Boden 
eines alten, grösseren, jetzt bis auf einen geringen 
Rest verschwundenen Sees. Man hat früher an- 
genommen, dass der See durch eine bei Sewen 
liegende Endmoräne gestaut gewesen sei. Für diese 
Ansicht haben sich keine Beweise beibringen lassen, 
der Abschluss scheint vielmehr durch einen Ge- 
steinsriegel bedingt zu sein. Der Weg auf der 
Südseite des Thaies, der sich am Nordhang des 
Kleinen Langenberges hinzieht, bietet, wie die 
meisten Nord- und Nordostgehänge, wenig Auf- 
schlüsse. Zunächst hält noch die Randfacies des 
Beichengranits an, dann folgen Gesteine der Grau- 
wackenformation, die, soweit bis jetzt bekannt 
ist, der jüngeren Stufe derselben angehören. Wo 
der Weg nach dem Alfeld stärker zu steigen be- 
ginnt, gelangt man in den normalen Granit. Die 
Aufschlüsse an dem stark gewundenen Wege lassen 
das Auftreten eines westnordwestlich streichenden, 
vielfach Eisenglimmer führenden Ganges er- 
kennen. Im Abfluss des Sees, im Bett des Holen- 
baches, kann man mehrfach Riesentöpfe beobachten, 
besonders wo die untere Schlinge des Weges an 
den Bach herantritt. Beim Bau der Staumauer, die 
am Fusse in der Dicke 18 m misst und ganz in 



Masmünster — Elsisser Beleben — 'Wesserling. 397 

Granit eingelassen ist, wurde Glacialschrammung 
mehrfach erkannt. Yon diesen Arbeiten stammt der 
grosse Gletscher topf, welcher im Hofe der 
mineralogischen und geologischen Institute und der 
geologischen Landesanstalt in Strassburg aufbewahrt 
wird. Man gehe auf der Südseite des Sees (620 m) 
vorbei bis zu seinem oberen Ende (von Sewen ab 
4 km bei einer Stelling von 1 20 m). Dort geht 
an einer Stelle des Weges, wo dieser einen nach 
Norden convexen Bogen bildet, ein 3 m mächtiger 
Gang zu Tage, der neben Quarz, Flussspath und 
Schwerspath an Erzen Kupferkies und braunen 
Glaskopf führt 

Auf demselben Wege zurück und das Thälchen 
des Isenbaches aufwärts, das in normalem Beichen- 
granit ausgewaschen ist. Auf der linken Thalseite, 
längs des an Bärenbach vorbeiführenden Weges, 
sind mehrfach Spuren alten Bergbaues auf Eisen- 
erz bemerkbar. Sie erklären den Namen des Baches, 
denn Isenbach bedeutet soviel wie Eisenbach. Gegen 
Neuberg setzt der Weg in normalem Beichengranit 
fort bis zu dieser Behausung. Hier streicht in einer 
von Ost-West nur wenig abweichenden Richtung 
ein Quarzgang durch, imd jenseits desselben be- 
ginnt Grauwacke. Es liegt nahe, in dem Quarz- 
gang die Ausfüllungskluft einer Verwerfung zu 
vermuthen, doch mahnt das Auftreten einer Rand- 



398 EzcnistioD 20. 



facies am Granit zur Vorsicht in der Auffassung 
der Lagerungsverhältnisse. Man folge dem Gang 
bis zum Pfade nach dem Elsas ser Belchen, 
schlage aber nicht gleich die Richtung nach diesem 
ein, sondern gehe dem Pfade etwas in entgegen- 
gesetzter Richtung, nach dem Sternsee, nach. In 
der Nähe des Grenzsteines 3376 setzt ein Ghmg 
kugeliger Minette durch die Grauwacke, und in 
den flachen Sätteln des Kammes liegen anscheinend 
erratische Blöcke von Beichengranit und der 
Randfacies desselben. Sie sind in dieser Höhe 
(1080 m) eine sehr auffallende Erscheinung. Zu- 
rückkehrend tritt man südlich des Quarzganges in 
die Randfacies des Beichengranits, die hier nur 
schmal ist, dann in den gewöhnlichen Granit, der 
über den Rundkopf (1116,6 m) bis zum Gipfel des 
Elsässer Beleben (1244,7 m) anhält. Genau südlich 
der Grenzsteine 3386 und 3387 setzen über den 
Pfad zwei Minettegänge, von denen der eine 
Kugelstructur zeigt, und bei Grenzstein 3412 geht 
ein 2 m mächtiger Gang von einer Minette zu Tage, 
die bei Führung einzelner grosser Feldspäthe einen 
Uebergang zum Syenitporphyr darstellt. Auf dem 
Beleben (vom See ab 8 km bei einer Steigung von 
625 m) grossartige Aussicht in die deutschen tind 
französischen Yogesen, auf den Jura und die Alpen, 
n. b. bei günstiger Witterung und Beleuchtung. Er- 



MasiDÜnster — Elsässer Beleben — Wesserling. 399 

frischung bietet die 450 m vom Gipfel gelegene 
Melkerei Rozaye. Wer feinere Verpflegung wünscht, 
findet dieselbe zu angemessenem Preise in dem 500 m 
jenseits der Grenze an der grossen Strasse von St. Mau- 
rice bezw. Bussang nach Gei'ardmer gelegenen Hotel. 

Den Rückweg wähle man über den Grossen 
Langenberg nach dem Kleinen Langenberg. 
100 m nördlich vom trigonometrischen Punkt 982,9 
setzt in nordösüicher Richtung ein Quarz und Flüss- 
spath enthaltender Kupfererzgang (mit Kupfer- 
kies und Malachit) durch den Gh^nit, der hier noch, 
wie auf der ganzen von der Spitze des Belchens bis 
hierher diu-chwanderten Strecke, die normale Aus- 
bildimg zeigt. Weiterhin stellt sich die augitreichere 
feinkörnige Randfacies ein, und noch vor dem 
Hofe Klein -Langenberg tritt der Weg in das Grau- 
wackengebirge ein, dem zahlreiche Decken von 
Porphyrit und anderen Eruptivgesteinen eingeschaltet 
sind. Im westlichsten Theil von Sewen (vom 
Beleben ab 1^1 ^ km) erreicht man die bereits beim 
Aufstieg berührte Randfacies des Beichengranits. 

Ein rüstiger Wanderer kann die Besichtigung 
des Elsässer Belchens auch mit einem Ausflug in 
das obere Thurthal verbinden. Vom Alfeldsee ab 
folge man jedoch nicht dem oben beschriebenen 
Wege, sondern wähle den gewöhnlichen, stets im 
Granit bleibenden Touristenpfad (vom See ab 3 Y2 ^^^ 



Masmünster— Elsisser Beleben. 401 

bei einer Steigung von 625 m). Yom Blsässer 
B eichen ab ist der bereits beschriebene Pfad über 
Neüberg einzuhalten. Derselbe führt bis zum 
Eothwasen im Q-rauwackengebirge, das aber 
noch nicht genauer untersucht ist, weshalb hi^r 
von weiteren Mittheilungen über dasselbe abgesehen 
werden muss. Auf der Südwestseite des von steilen 
(Jehängen circusartig eingeschlossenen Sternsees 
(vergl. Fig. 49), in der nach der oberen Bers 
heraufziehenden Mulde, ist ein Arsenkies und 
Eisenkies führender Gang bekannt, und auf der 
gegenüber liegenden Seite, in der Mulde nach dem 
Pass des Kothwaaen, setzt ein eisenschüssiger 
Quarzgang auf. Dieser steht mit einer Spalte in 
Verbindung, die gegen Süden bis über Neuberg 
hinaus nachgewiesen ist. Die Grauwacke erscheint 
gegenüber dem Granit abgesunken. Am nörd- 
lichsten Ende des Dammes, welcher den See ab- 
schliesst, ist der Rest einer Moräne angeschnitten, 
in welcher sich gekritzte Grauwackengeschiebe 
befinden, und am Südufer kann man bei niederem 
Wasserstand Rundhöcker bemerken (Figur 50). 
Wer sich ein Urtheil darüber bilden will, warum 
zwischen der Grauwacke des Rothwasens und dem 
Granit an der Ostaeite des. Stemsees eine Ver- 
werfung — das Abschneiden an einer steilen 
Fläche allein begründet eine solche nicht — und 

Führer durch d. Elsass. 26 



102 ExcnnioD So — 21. 

nicht urBprün gliche Berühnmg anzunehmen ist, 
steige vom Pass des Rothwasens nach dem Eim- 
hachkopf aufwärts. Der Pfad führt zunächst über 
normalen Beichengranit, erreicht vor dem Walde 
eine augitreichere Randzone und tritt im Walde in 
Grauwackenhornfelse ein. Das ist die normale 
Entwicklung am Bande des 
Stockes. Am Stemsee da- 
gegen stossen gewöhnlicher 
Beichengranit und unveränderte 
örauwacke an einander ab. 

Der Pfad über QrOnwasen 

dui'chs Brtickenbacbthal nach 

Fig. 50. Stem-See. ijrbia und Wesserling führt 

B Rnndhlicker. U MorUno. , „ , , . , 

K Verwertung, duTch Grauwackenscüieier 

und Glacialablagerungen. 
Bis zu 700 m herunter treten erstere, durchbrochen 
von Granitporphyi-- und Minett^ängen, vielfach zu 
Tage, tiefer beobachtet man vorwiegend Moränenschutt. 
An der Brückcnbaehbrüekc (Buchemafoss 525,6 m), 
etwa. 2 km oberhalb Uibis, eröfßiet eich ein pracht- 
voller Blick auf die wci,:r aufwärts gelegenenRund- 
höcker des Urbiser Thalee und die steilen Wände 
und mächtigen Schutthalden am Steinkopf nordöstlich 
vom Col de Bussang, in welchen der Kammgranit 
sein südliches Ende erreicht. Näher bei Urbis stehen 
dunkele verkieselte Schiefer an; sie werden von 



Miilhaasen — Altkirch. 403 



mehreren Quarzgängen durchsetzt, welche Kupfer- 
erze führen und, wie alte Stollenmundlöcher seitlich 
der Strasse andeuten, früher gebaut wurden. Wegen 
der Umgebung von ürbis und Wesserling ist der 
Ausflug 18 zu vergleichen. 



Excarsion 21. 

MfiUiaaseii-Altklreh 1— IVsTag. 

Geologische Specialkarte von Elsass - Lothringen , Blätter Mttlhansen 
West und Altkirch, letzteres im Drack. Topographische Karte , Mess- 
tischblatt Altkirch. 
Förster, Geologischer Führer von JiJ&lhaasen i. £. mit geologischer 
Karte im Maassstabe Viooooot I^mgegend von Miilhaasen imd Altkirch nm- 
fossend. Auf den demselben beigegebenen Tafeln Abbildongen der wich- 
tigsten Versteinerungen des oberelsässischen Tertiär und Pleistocän.*) — 
Miltheil. geol. Landesanstalt v. Els.-Lothr. Bd. III, S. 199. 

ine niedrige, mit ihren höchsten Theilen sich 
nur 300 m über das Niveau des Rheines 
erhebende Landschwelle, der Sundgau, 
schliesst die scheinbar ebene Fläche des Oberrhein- 
thales, von dem Südfusse der Yogesen bis nach den 
äussersten Ausläufern des Schweizer Juragebirges sich 
erstreckend, gegen Südwesten ab. Sie erscheint dem 




1) Hauptwerk über das elsässer Tertiär: Andrea, Ein 
Beitrag zur Kenntniss des elsässer Tei-tiärs, Abhandlung z. 
geolog. Specialkarte von Els.-Lothr. II, 3, 1884. 

26* 



404 Exenrsion 21. 



von Norden her sich Mülhausen Nähernden beim 
üeberschreiten der an ihrem Nordfusse fliessenden 
Doller mit den aus den parkartigen Anlagen heraus- 
schauenden Tillen als eine freundliche Abwechslung 
der Kies- und Lehmflächen der Bheinebene, in denen 
nur die Ortschaften und hier und da eine Haardt- 
waldung dem Auge Ruhepunkte bieten. 

üeber die Schwelle läuft die Wasserscheide 
zwischen Rhein und Rhone, in einer ungefähr durch 
die deutsch-französische Grenze bezeichneten Richtung. 
Tertiäre Gesteine, deren Unterlage Bohrlöcher bis 
zu 350 m bei Karspach noch nicht ^reicht haben, 
bilden das Gerippe der Erhebung. Sie treten aber 
nur wenig an die Oberfläche, da sie von der ältesten 
Diluvialzeit an wiederholt von Schottern und anderen 
lockeren Massen überdeckt wurden. 

Wir dürfen annehmen, dass die ersten diluvialen 
Aufschüttungen, die des sogenannten Deckenschotter, 
zu einer Zeit erfolgten, in der der Rhein in seiner 
bis Basel inne gehaltenen Richtung noch weiter nach 
Westen, nach dem heutigen Doubsthal, floss. Später 
erst wendete er sich in scharfem Knick nach Norden. 
Dies bedingte eine ihm zufallende Entwässerung des 
östlichen Theiles der Schwelle. Die aus den Bergen 
bei Pfirt kommende 111 mit ihren nach allen Rich- 
tungen strahlenden Zuflüssen grub sich allmählich 
tiefer ein und so wurden an den Flanken der Thäler 



Mülhausen —- Altkirch . 40 5 



die terüären Schichten wieder frei gelegt. Sie mögea 
zeitweilig zusammenhängende, den tieferen Thälemi 
folgende Züge gebildet haben. Jüngere Ablagerungeiii 
an ä&i Gehängen überdeckten sie aber zum Theil 
von Neuem, und daher sind sie heute nur an ein- 
zelnen Punkten der direkten Beobachtung zugäng- 
lich« So erklärt sich das eigenthümliche Bild, wel- 
ches eine geologische Uebersichtskarte dieses Gebie- 
tes, z. B. die von Delbos und Koechlin-Schlum- 
berger bietet: eine ausgedehnte, von den Vogesea 
bis zum Jura sich erstreckende Fläche mit den üb- 
lichen matten Karben des Diluvium, in welche ein- 
zelne Flecken der Farben des Tertiär wie mit dem 
Pinsel eingespritzt erscheinen. Die wenig ausge- 
dehnten, von einander getrennton Aufschlüsse des 
faciell sehr schnell wechselnden Tertiär erschweren 
die Gliederung und den Vergleich mit anderen Ge- 
bieten ausserordentlich. 

In Mülhausen (Hotel Central, Hot^ du Nord 
am Bahnhof), befindet sich die sehr sehenswerthe 
Sammlung der Industriellen Gesellschaft, fünfMinutea 
vom Bahnhof. 

Beaditenswerth sind . besonders die schönen 
Pflanzenrest« aus dem Untercarbon der Südvogesen. 
Die von Koechlin-Schlumberger und Delbos 
bei der Bearbeitung der geologischen Karte des D6p. 
du Haut-Rhin gesammelten Belegstücke liegen in 



406 Excnrsion 21. 



Schränken in einem dem Publikum nicht zugäng- 
lichen Baum. 

Unsere Excursion beginnen wir, indem wir die 
vom Centralhotel abgehende Strassenbahn benutzen, 
die uns auf der grossen Strasse nach Altkirch längs 
des Rhein -Bhonekanales nach dem Bahnwärterhaus 
der Eisenbahn nach Beifort bei Schleuse 38, halb- 
wegs zwischen den letzten Häusern von Mülhausen 
und Brunstatt, führt (2 km). Von hier ziehen 
sich am rechten Gehänge des Illthales eine Beihe 
von Steinbrüchen hin, in denen der Melanien- 
kalk gebrochen wird. Das Hauptgestein ist ein in 
horizontalen Bänken gelagerter, etwas dolomitischer, 
hellgrauer oder bräunlicher, gleichmässig gefärbter 
oder gefleckter Kalk. Neben den herrschenden dich- 
ten, muschlig brechenden Bänken kommen solche 
mit Drusen von Kalkspath und brecciöse Lagen vor. 
Auffallend sind zerfressen aussehende Bänke, die 
in den verschiedenen Brüchen in annähernd gleichem 
Niveau wiederkehren. Die Hohlräume derselben rüh- 
ren zum Theil von herausgefallenen Steinkemen von 
Schnecken her. Hier imd da schieben sich mergelige 
Bänke ein. Eine häufige Erscheinung ist Yerkieselung, 
mitunter bis zur Anhäufung ellipsoidischer homstein- 
ähnlicher Massen. Bei Brunstatt hat die Yerkieselung 
besonders die oberen Bänke betroffen, während unten 
weichere, kreideartige Gesteine vorkommen. 



Müll^aasen - Altkirch. 



407 



Zahlreiche Klüfte durchsetzen die Bänke, so 
dass nicht selten ganze Wände niedergehen. 

Bei Brunstatt sind 20 m aufgeschlossen, die 
Mächtigkeit ist aber viel bedeutender, 9ie steigt 
z. B. zwischen den nahe gelegenen Dörfern Illfurt 
und Tagolsheim auf 100 m. 

Förster giebt folgendes Profil für Brunstatt, 
welches auch die Auflagerung des später zu be- 
sprechenden plattigen Steinmergel zeigt: 



Plattiger 
Stein mergel 

Oberer 
telanienkalk 

Unterer 

b 
Melanien- 
fr 
kalk 



' ' I I I ■ 



l_ T I -1 .1». 



i J —' _!_»_! _'_! J_ J. I 1-1—1, 



'*~' ' ' ' ' ' ' ' ' ■ '-T-^ 



^ _i_ 1 ^. [^ 11. j_ ' i_ ' '_'_-' "^ 



iliti.i).iii.tii Hirn 



4 ci 



Foraminlferen. 

Pflanzen, Eosphaeroma , Insekten. 




Zerfressener Kalk. 
4,50 m Kalk. 

Zerfressener Kalk. 
Tesiudo. 

3 m Kalk. 

Gefleckter, zertrümmerter Kalk. 



4 m 



Harter, gefleckter Kalk. 
Erdiger, gefleckter Kalk. 



b Kohlenschmitzen. 
Fig. 51. Melanienkalfc und Plattiger Steinmergel bei Brunstatt. 

Versteinerungen kommen in allen Schichten vor, 
sind aber ungleich vertheilt, indem in den oberen 
Schichten Formen auftreten, die tiefer fehlen. Pflanzen 
finden .sich nur vereinzelt, hier und da eingelagerte 



408 ExeoniOD 21. 



EohleoBchmitzen hat num abzubauen yersacht, z.B. 
bei Illfurt, dodi ohne Erfolg. 

Häufigste und bezeichnendste Form unter den 
tfaieriiBchen Besten ist Melania cUbigensü NouL, nach 
der die Ablagerung benannt wurde. AbdrQcke und 
Steinkeme derselben sind überall häufig. Eist in 
den oberen Lagen des Mdanienkalks tritt Uüania 
murwcAa S. Wood auf, ist aber dann in Menge vor- 
handen. Von anderen Formen dnd fOr Bnmstatt 
noch zu nennen: Hydrohia cf. Äiwifcer^ert Desh. sp., 
Valvata circinata Mer. sp., lAmnetis cf. marginatus 
Sdbrg., L. polüus Mer., Megalomastofna mumia 
Lmck. sp., Auricula alsatica Mer., A, striaia Forst. 

Selten, aber wichtig für die Altersbestimmung, 
sind Reste von PcUaeotkerium magnum Cuv. und 
P.niedium Cuv. 

Yollständige Verzeichnisse der Versteinerungen 
des Melanienkalks und der weiterhin zu besprechenden 
Ablagerungen findet man in den Arbeiten Försters, 
besonders in dem oben genannten Führer, auf den 
wir verweisen. 

Von dem letzten der Brüche vor Bmnstatt 
gehen wir wieder nach der grossen Strasse hinunter, 
durchschreiten Binnstatt und wandern in der Richtung 
nach Zillisheim bis zur Brunnen-Ereuzkapelle 
bei Schleuse 36 (etwas über 2 km). Hier li^ links 
am Gehänge einer der interessantesten Steinbrüche 



MülhaDSOD^ Altkirch. 400 



d^ Umgegend von MQlhausen.^) unten in demselben 
steht der Melanienkalk an, auf diesem lagert der 
„Plattige Steinmergel". Die Oberfläche des Mela- 
nienkalks zeigt an verschiedenen Punkten Furchen 
und knoUenaitige Erhöhungen, die. auf Erosion deu* 
ten. Jedenfalls liegt der plattige Steinmergel bald 
auf Melanienkalk, bald auf anderen Bildungen auf, 
bei Zimmershdm z. B. auf Qypsmergeln, den tiefsten 
Schichten des oberelsässischen Tertiär. Es muss 
also unter allen Umstanden der plattige Steinmei^el 
übergreifend gelagert sein; die Gewässer, aus 
denen er sich niederschlug, hatten eine andere Ver- 
breitung als die Becken, deren Grund der Melanien- 
kalk erfüllte. 

Das Gestein des plattigen Steinmergels ist ein 
dünnschichtiger, in einzelnen Bänken sich in papier- 
dünnen Lagen absondernder, sehr ebenflächiger, 
dunkelgrauer, mitunter in auffallender Weise wein- 
röthlich gefärbter Mergelkalk. Die Mächtigkeit bei 
Brunstatt beträgt nur 4 m, an anderen Punkten 
bis 25 m. 

Versteinerungen sind sehr zahlreich. Der Stein- 
bruch verdankt seine Berühmtheit besonders den vie- 
len in demselben vorkommenden Insekten, die Förster 



1) Siehe das Profil, Fig. 51, S. 407. 



410 ExcQTsion 21. 



gefunden und beschriebai hat. Es konnt^i 159 Arten 
unterschieden werden. 

Häufig sind auch Beste von Pflanzen. 

Yon Wirbelthieren ist nur Paralates Bleicheri 
Sa UV. zu nennen. Seltene Yorkommen sind eine 
Assel (EosphaeromaJ , Schalenkrebse und ein Floh- 
krebs. 

Unter den wenig zahlreichen Mollusken seien 
hervorgehoben: Cerithium submargarüaceum A. Br., 
Hydrobia Dtibuissoni BouilL, Oyrena semistriata 
Desh. 

Das Auftreten einer Anzahl von Foraminiferen 
in den obersten Schichten des plattigeh Steinmergels 
ist von Bedeutung, weil es beweist, dass marine 
Niederschläge den Schluss der Ablagerung aus- 
machen. Einen Salzgehalt des Wassers beweisen 
auch Pseudomorphosen nach Steinsalz. 

Beim Sammeln in dem Kapellen- Steinbruch ist 
man hauptsächlich auf die heruntergefallenen Blöcke 
und die Halden des Abraum angewiesen. Es mag 
daher noch die von Förster festgestellte Aufeinander- 
folge der Schichten in der natürlichen Lagerung 
mitgetheilt Werden (Führer S. 236): 

„Ackerkrume. 
f Harter, blättriger, dunkelgrauer 

Steinmergel. . . . . .' . Ojl'0~m 

e — f Weicher, kalkarmer Kergel . . 0,46 „ 



MülhaTisea — Altkirch. 411 



e Kalkstein 0,12 „ 

' d — e Gedrückter und gebogener Stein- 
mergel in dicken Bänken bis zu 
papierdühnen Schichten . . . 1,00 „ 

d (d2^ Steinmergel 0,40 ,, 

c^d(dj Zuunterst kalkärmerer, weicher 
Mergel in dünnen Platten, die 
nach oben kalkreicher werden 
und eine weinröthliche Färbung 
annehmen ; sie spalten in papier- 
dünne Platten 0,50 „ 

c Blätternde Steinmergel .... 0,06 „ 

h — c Etwas dickerer Plattenmergel. . 0,40 „ 

h Verbogene Steinmergel . . . . 0,08 „ 

a — h Kalkarmer Mergel in dünnen Platten 0,35 „ 

a Steinmergel 0,20 „ 

—a Kalkarmer, gelber Mergel in dünnen, 

zerbrochenen Platten . . . . 0,15 „ 
Melanienkalk. " 
„Die Schichten von o — h sind versteinerungs- 
leer. In den Plattenmergeln der Schichten h — c 
finden sich in einer bestimmten Lage Pseudomor- 
phosen nach Steinsalzkrystallen bis zur Grosse von 
25 qcm neben hier und da eingestreuten Blättern 
von Nadelhölzern. In den Schichten c—d (dj liegen 
zahlreiche Pflanzenabdrücke, eine kleine Hydröbia 
und ein kleiner Planorhis in grosser Menge; femer 



412 Excarsion 21. 



finden sich darin ein Fiscbchen, Paraiates Bleickeri 
Sauv., und hin und wieder Insekten. Die Schichten- 
reihe d zerfällt in drei Haapttheile, eine untere 
feste, allerdings auch aus dünnen Platten zusammen- 
gesetzte Bank d^ , eine zweite aus leicht von einander 
trennbaren dünneren Platt^i bestehende Bank d^ und 
eine dritte, festere Bank d^, welche letztere aus 
einer imteren, bis 20 cm dicken, nur selten in 
Platten springenden harten Steinmergelschicht be- 
steht, auf der eine sich leicht ablösende, 1 cm dicke 
Schicht desselben Gesteins aufliegt. 

Die Schichten d^ — d^ enthalten neben zahl- 
reichen Pflanzen die Insekten. Ich habe bis jetzt 
sonst nur noch in der Steinmergelbank f ein einziges 
Insekt, Apion et primordiale Heyd., gefunden. 

Hier und da kommt in (2 auch schon vereinzelt 
Cyreyia semistriata Desh. vor. Die Schichten d — e 
sind fast versteinerungsleer. Die Steinmergelbank e 
enthält Cyrena semistriata Desh. in grosser Menge 
neben zahlreichen Foraminiferen, die aber nur in 
wenigen Arten auftreten; ausserdem sind Schalen- 
krebse ausserordentlich häufig. Die Schichten e — f 
sind versteinerungsleer, in der Steinmei^elbank f 
habe ich das oben erwähnte Apion gefunden.'* 

Der Melanienkalk wurde von Andrea in das 
Obereocän, von Kilian und Förster in das Unter- 
oligocän gestellt. Der letztere sieht ihn als gleich* 



Mülhaosea — Altkirch. 413 



alteiig mit dem höheren Theil der mittleren Gyps- 
mergel an. In dieser mächtigen Ablagerung würde 
der Melanienkalk also eine lokale Einlagerung bilden, 
üeber dem Melanienkalk, doch nicht unmittelbar nach 
demselben gebildet und die Grenzen desselben über- 
sehreitend, folgt der plattige Steinmergel, Ton 
Förster als eine dem Meeressande gleichalterige 
Bildung angesehen und daher in das tiefere Mittel- 
oligocän gestellt. 

Der Melanienkalk ist limnisch mit Hinneigung 
zum brakischen. Der plattige Steinmergel ist eine 
rein limnische Entwicklung im unteren Theile, 
während die Versteinerungen des oberen Theile?, 
besonders die Foraminif eren , auf einen Niederschlag 
im Meere deuten. Wir dürfen wohl einen öfteren 
Wechsel der Einflüsse des Meeres und der vom 
Lande zuströmenden Gewässer bei der Ablagerung 
der Schichten annehmen. Das Auftreten der Pseudo- 
morphosen nach Steinsalz beweist, dass Salzwasser 
vom Meere abgeschlossen wurde und verdunstete. 

Wir gehen vom Kapellenbruche nach Brunstatt 
zurück oder auf der Hauptstrasse nach Zillisheim. 
Yon beiden Orten erreichen wir in 20 Minuten bis 
einer halben Stunde mit der Eisenbahn Altkirch.. 

Vom Bahnhof aus sehen wir gegen Norden auf 
dem Beb borg einen ausgedehnten Steinbnich. liegen. 
Wir erreichen denselben am Kirchhof vorbei in 



414 



Excnrsion 21. 



20 Minuten. Im unteren Theil desselben stehea 
5 m eines feinkörnigen Kalksandstein an, der als 
Baustein gebrochen und zu Kilometersteinen, Trö- 
gen u. s. w. verarbeitet wird. Es ist dies Försters 
„Unterer Haustein". Nicht selten wird der Kalk- 
sandstein conglomeratartig und führt dann die Be- 



Kalk mit 

Mel. Nysti 

and Hei. cf. 

n^losa 



Unterer 
Haustein. 













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1 



Ackerkrame, daninter Gerölllage. 
1,80 m Abraomkalk (Ramstein). 
2,35 m Kalk. 
Melania NysH. 

1 m Merg. m. schwarz. Streif .v.Thon. 

2 m Zackerkalk. 

5 m Kalksandstein nach anten in 
Fleckenkalk Übergehend. 



Fig. 52. Steinbruch am Rebberg bei Altkirch. 

Zeichnung Fleckenkalk. Bis auf schlecht erhaltene 
Pflanzen fehlen demselben Yersteinerungen. 

Der untere Haustein ist jünger als der plattige 
Steinmergel, er gilt daher als eine Küstenfacies des 
oberen Mitteloligocän, ebenso wie der Blättersand- 
stein, der bei Habsheim den plattigen Steinmer- 
gel überlagert. 

Dem unteren Haustein liegt concordant, mit- 
unter schwer zu trennen , ein spröder zuckerartiger, 
auch sandiger Kalk mit eingelagerten Mergelschichten 



MiHhansen — Altkirch . 415 



auf. Er eignet sich zum Brennen. Das Profil 
Fig. 52 zeigt die Aufeinanderfolge der Schichten im 
Steinbruch am Eebberg. 

In den Kalken kommen vor: Melania Nysti Du eh., 
Limneus cf. coenobü Font^ L. procerus Foerster, 
an anderen Punkten Helix ci, rugulosa Mart. (H, 
suhsukosa Thom.). Auf Grund der letztgenannten 
Versteinerung werden die Schichten in das Ober- 
oligocän (Hochheimer Landschneckenkalk, Calcaire 
d'Allenjoie bei Montböliard) gestellt 

Wir -wenden uns nach Altkirch zurück (Hotel 
Kubier, Eestauration nahe am Bahnhof) und durch- 
schreiten den Ort in südlicher Richtung an der 
grossen Ziegelfabrik (Qilardoni) vorbei. Die 
Strasse nach Hirzbach führt uns in wenigen Mi- 
nuten von den letzten Häusern an zu ausgedehnten 
Gruben, in denen das Material für die in der ge- 
nannten Fabrik hergestellten berühmten Altkircher 
Ziegel gewonnen wird. Das blaugrüne, mergelig - 
sandige, glimmerführende Gestein ist als eine mit dem 
mitteloligocänen Meeressand gleichalterige Bildung 
anzusehen. Es geht an anderen Orten in Blätter- 
sandstein über. Versteinerungen fehlen hier. 

Halbwegs zwischen den letzten Häusern von 
Altkirch und den Mergelgruben geht in südöstlicher 
Richtung die Strasse nach Hirsingen ab. Bald nach 
der Abzweigung, wo die Strasse den Rücken hinan- 



416 Ezcimion 21. 



steigt, noch ehe man den links nach Strohhütte 
abgehenden Weg erreicht, ist in früherer Zeit zur 
Anlage einer Wasserleitung aulgegraben worden. 
Man traf dabei die „Fischschiefer", dunkle, bitumi- 
nöse, pappdeckelartige Gesteine. Brocken derselben 
liegen noch auf dem Acker. In denselben finden 
sich einzelne Schuppen eines Fisches aus der Familie 
der "Eänage (Meletta crenata Heck.). Bei Buchsweiler 
unfern Pfirt kamen in einem gel^entlichen Aufschluss 
vollständige Exemplare dieses und eines anderen der 
Fistularidengattung Amphisyle angehörigen Fisches 
vor. Auf dieselben beziehen sich die Namen Meletta- 
und AmphisyleSchieier, An unserem Yoriüommen 
liegen die Fischschiefer über den vorher erwähnten 
sandigen Mergeln. Sie sind, wie diese, in das Mit- 
teloligocän zu stellen. Nicht selten sind in den 
Fischschiefem Forami niferen. Wir haben es daher 
mit einer zweifellos marinen Büdung zu thun. 

Der genannte, dicht bei dem Fischschiefervor- 
kommen links abzweigende Weg führt in wenigen 
Minuten in eine bei Strohhütte liegende grosse 
Schottergrube, die einen vortrefflichen Einblick in 
eine dem Oberelsass und der Schweiz eigenthüm- 
liche, im ünterelsass nicht bekannte Ablagerung, 
den „Decken Schotter" bietet, i) 

1) Gutzwiller, Die Diluvialbildungen der Umgegend 
von Basel. Yerhandl. der naturf. Gesellschaft in Basel, 
Bd. X. 3. 576. „Der oberelsässische Deckenschotter". 



Miilbansen — Altldrch. 417 



Die Bildung des Deckenschottier fällt iu die 
älteste Pleistocän- (Diluvial-), nach der Ansiclit 
einiger. Geologen in die jüngste Pliocänzeit. Die 
Verbreitung desselben reicht von Altkirch undDammer- 
kirch bis nach Delle. Nördlich von Altkirch liegt 
Yogesenschotter. Die Breite der einst von Decken- 
Schotter eingenommenen, jetzt durch Erosion vielfach 
zerschnittenen, Fläche beträgt von den äussersten 
Yorbergen des Jura bis nach Altkirch 14 km. Bei 
Oberhagenthal nordwestlich von Basel erreicht er 
520 m, bei Altkirch noch 375 m Höhe. Man be- 
obachtet im allgemeinen eine Senkung desselben 
von Ost nach West, niemals nach Norden oder 
Süden. Diese Eichtung ist besonders auch durch 
die mitunter sehr deutliche dachziegelartige Lagenmg 
der GeröUe angezeigt. Eine Berechnung des Gefälles 
ergiebt auf kurze Entfernungen sehr verschiedene 
Werthe, so dass die Annahme einer schuttkegel- 
artigen Aufeohüttung nahe liegt. 

Der Deckenschotter bei Altkirch besteht zum 
weitaus grösseren Theile aus alpinen RheingeröUen, 
zum geringeren aus Yogesengesteinen. Die Dimen- 
sionen der GeröUe schwanken sehr, man trifft nicht 
selten bis über köpf grosse, vereinzelt solche bis zu 
0,45 m Durchmesser. — Bei Strohhütte sind 13 m 
aufgeschlossen, an anderen Punkten ist eine Mäch- 
tigkeit von . 20 m beobachtet. 

Führer durch d. Elsass. 27 



418 Excnrsion 21. 



Das Material der GeröUe ist sehr mannigfaltig, 
die Herkunft derselben oft schwer festzustellen, da 
nicht nur Gesteine von primärer Lagerstätte, sondern 
auch aus Conglomeraten, wie der schweizerischen sub- 
alpinen miocänen Nagelfluhe, aufgearbeitet wurden. 

Es sei nur einiges hervorgehoben. 

Häufig sind wegen ihrer Widerstandsfähigkeit 
Quarzgesteine, so die meisten, oft in grossen Ge- 
rollen vorkommenden „Khonequarzite", femer grün- 
liche Quarzite (Oelquarzite) , schwarze Quarzite. Be- 
sonders aber fallen die rothen und braunen Radio- 
larienkiesel auf. 

Sandsteine mögen meist bei dem Transport zer- 
rieben sein. Doch begegnet man häufig Flyschsand- 
steinen; auch Buntsandstein findet sich vereinzelt. 
Ein gewöhnliches Vorkommen ist Yerrucano (Sernifit). 

Yon kalkigen Gesteinen sind zu nennen Flysch- 
mergelkalke, kenntlich an elliptischen Ringen der 
Oberfläche, .Flyschkalke mit heller Yerwitterungs- 
rinde, in spiessige Splitter zerfallend, vereinzelt 
Muschelkalk und eine Anzahl anderer zum Theil 
sicher aus der Nagelfluhe stammender Kalke. 

Von Eruptivgesteinen, die wegen ihrer Zer- 
setzung schwer zu bestimmen sind, kommen ver- 
schiedene Granite (darunter sogen. Protogin) und 
Quarzporphyre nebst deren Tuffen vor. Letztere 



Mülhausen — Altkirch. 419 



können aus dem Rothliegenden der Yogesen und 
des Schwarzwaldes stammen, treten aber auch in 
der Juranagelfluhe auf. 

Auch Gneiss ist vorhanden. 

Gutzwiller fasst das Resultat seiner Unter- 
suchung der Gerolle dahin zusammen, dass die 
grosse Mehrzahl derselben alpinen Urspnmgs ist, 
eine relativ kleine Anzahl aus den Yogesen her- 
geleitet werden kann, Jura- und Schwarz waldgerölle 
beinahe ganz zu fehlen scheinen. 

Ein lockerer, gelber, thoniger Sand füllt die 
Zwischenräume der Gerolle aus. 

Eine für den Deckenschotter in hohem Grade 
charakteristische Eigenschaft ist die tiefgreifende 
Zersetzung der Gerolle desselben. Sie macht sich 
bei Strohhütte bis zu 9 m, an anderen Punkten, 
z. B. bei Niedersept, bis 16 m tief bemerklich. Am 
auffallendsten werden die Eruptivgesteine und der 
Gneiss von derselben beeinflusst. Alle Feldspäthe 
sind kaolinisirt und beim Yersuch, ein Gerolle aus 
einer Wand zu lösen, zerfällt es zu Grus, trotzdem 
die Form desselben auf der Lagerstätte vollständig 
erhalten ist. Die ursprüngliche Zusammensetzung 
dieser Gerolle ist daher nur in seltenen Fällen noch 
erkennbar. Früher kalkhaltige Gerolle haben ihren 
Kalk vollständig verloren. Es ist von denselben nur 
noch eine Art Gerüst übrig, aus Thon und Kiesel 

27* 



420 Ezcaraion 21. 



bestehend; in welches der Hammer beim Schlage 
tief eindringt, ohne dass die Gerolle zerfallen. 

Unverändert sind nur die Qoarzgesteöne, sie 
wurden nur durch den Transport gerundet. 

Eine ähnliche Zersetzung wie der Decken- 
ßchotter, zeigen nur noch die pMocänen Schotter- 
massen. Die für dieselbe in so hohem Grade be- 
zeichnende Bleichung und Entfärbung ist aber in 
dem Deckenschotter nicht vorhanden. Auch fehlen 
letzterem die kantengerundeten Blöcke, die gewissen 
Pliocänablagerungen eigenthümlich sind (Blockthone), 
alle Gerolle sind vollständig gerundet Auf dem 
Deckenschotter liegen 2 m gelben, sandigen, das 
Wasser auf haltenden Lettens mit Hissen, längs denen 
eine graue Verwitterungslinde sich hinzieht. Das 
Material eingestreuter Sand- und Kiesstreifen stimmt 
mit dem des Deckenschotter. Zu oberst breitet sich 
LÖSS (Lehm) aus. 

Von Strohhütte direkt nach Altkirch hinunter. 

Wer sich an den geschilderten Punkten nicht 
zu lange mit Sammeln aufgehalten hat, kann noch 
an demselben Tage die sehr interessanten Aufschlüsse 
bei Wolfersdorf nahe Dammerkirch ^) besuchai. 
Man erreicht letzteren Ort von Altkirch aus mit 



1) Blatt Dammerkirch der topographischen Karte von 
Elsass-Lothriogen im Maassstabe V25ooo- 



Mülhaosen — Altkirch. 421 



der Eisenbahn in 11 — 15 Minuten. Yom Bahnhof 
Dammerkirch durch den Ort (Caf6 Riss mit Restau« 
ration) in westlicher Richtung nach den ausgedehnten 
Materialgruben der Ziegelfabrik zwischen Brücken- 
mühle und Wolfersdorf. Hier wird ein blaugrauer, 
glimmeriger Mergel abgebaut, der mit unregelmässigen, 
auskeilenden Sandlagem wechselt. Im Mergel kommen 
Haiiischzähne iind Pflanzen, darunter häufiger Oinna- 
momum Scheuckxeri Heer vor. Gelegentlich trifft 
man ein Kohlenschmitzchen. 

Die Sande sind reich an schön erhaltenen, aber 
nur mit grosser Vorsicht herauszulösenden Ver- 
steinerungen. Wir nennen von häufigeren Formen: 
NaticaNysti Orb., Fususelongatus'Nyst, Pleurotoma 
cf. Selysii Kon., Corbula gibha OL, Oytherea incras- 
sata Sow., C. splendida Mer., Cyprina rotundata 
Braun, Pectunculus obovatus Lmk., Osirea callifera 
Lmk., 0. cyaihula Lmk., Foraminiferen. 

Das ist die Fauna des mitteloligocänen Mee- 
ressandes. Gleichalterig sind die oben erwähnten 
Mergel von Altkirch , die aber keine Yersteinenmgen 
führen. 

Folgendes Profil zeigt die Aufeinanderfolge der 
Schichten an einer Wand der Wolfersdorfer Grube 
vor einigen Jahren. Der Hauptsache nach sind die 
Verhältnisse heute noch die gleichen. 



Eiouraion 21 — B2. 



Ueber dem Ueeressand liegöi 2 m Decken- 
schotter und 4 m LOss. Die grossen Quarzitgerßlle 



g. JhomchüAl mit Ot/fiskn/Mollab 

Fig. 53. Mergelgrube bei "Wojfersdorf. 

des Deckenschotter werden zur Strassenbeschotterung 
benutzt und sind zwischen der Grube und Dammer- 
kireh in Haufen aufgeschüttet 



Umgegend von Pfirt. 423 




Excurslon 23. 

rmgegend ron Pflrt. 1 oder 2 Tage. 

Messtischblätter 1:25000 Pfirt und 01t Ingen. Geologische Karte der 
Schweiz im Maassstabe 1 : 100000 Blätter II and VII. 

as Städtchen Pfirt, i) den Ausgangspunkt 
unserer Excursion, erreicht man am be- 
quemsten mit der Eisenbahn von Altkirch 
aus. Da die Fahrzeit zwischen beiden Orten 
IV2 Stunde beträgt, so wird man gut thuii, abends 
in Pfirt einzutreffen, um von dort aus einen ganzen 
Tag zur Verfügung zu haben. Wer nach der Ex- 
cursion (Nr. 21) bei Mülhausen und Altkirch nicht 
mehr Zeit gefunden hat, Wolfersdorf zu besuchen, 
kann morgens von Altkirch dorthin fahren, mit dem 
Mittagszuge nach Pfirt gelangen und noch an dem- 
selben Tage die nächsten Aufschlüsse (siehe unten) 
untersuchen und besonders den Schlossberg ersteigen. 
Es wird dann mehr Zeit für die Excursion des 
nächsten Tages gewonnen, auch ist die Möglichkeit 
gegeben, noch an demselben Abend nach Mülhausen 
zurückzufahren. 



1) Das grosse Hotel New -York ist abgebrannt und 
soll durch einen Neubau ersetzt werden. Bis zur Fertig- 
stellung desselben kann man Kost und Logis, ländlich ein- 
fach aber gut, in den Wirthschaften Taninger, Pfiff er und 
Blind finden. 




Fig. 54. Tettonische Kartenskizze des oberen Rheinthalgebietea und 
des mittelüchweizerischen Jura (nach Steinmaim). 

I BürcerwaldksUa. II Flüheikette. III BlaDSoberEkatts (ir«tl. Hllfla Bloclimont- 
kstta). jy Bnabeiskette, V HovelierketCe. PI Mt. 'feniblukatts. F/TCIos dn Doaba- 
kette. rJJJ Csqnerellekstte. IX ttonttette. .2 KoUmiBtWkelte. JU Baimenikette. 
jrnMoronkBtts. ^/«■WBiaiBiiBtBiiikettB. ^/F CluusMtlkstlo, XFSt. Voron^kstto. 
"^ JankMten. )Q^ UebeiHtaiebnEgazoDe. uumi Huipt-BnicliliDiMi. 



tt 



Zur OrientiruDg über 
das den Vogesen fremd- 
artig gegenDberstehende 
Gebiet schickea wir Fd- 
g^ides voraus.') 

Das schweizerisobe 
Joragebirge greift mit 
rwei nach Norden con- 
veien Bogen auf deut- 
sches Qebiet über. 

Wir unterBcheiden 
iwiaehea Luffendorf und 
Lützel im Westen eina-, 
Oltingen und KleinlOtzel 
im Osten andererseits 
zwei ROcken und zwei 
Thäler, welche nach ihrem 
geologischenAufbauSättel 
und Mulden darstellen. 
Vei^l. die Fig. 54, 55 
u. 56. 

An das Sundgauer 
Hügelland stöast zunächst 

1) Uau vergleiche die 
oben geoannten Blätter der 
geolc^ischeo Karte der 
Schweiz. 



426 Excursion 22. 



die Bürgerwaldkette, nach einem westlich von 
Pfirt gelegenen Berge benannt. Diese Kette biegt 
am weitesten nach Norden, bezw. Nordosten ans, der 
nördlichste Punkt liegt bei Köstlach. Yon Köstlach 
bis Luffendorf hat die Begrenznngslinie gegen das 
Hügelland einen auffallend geradlinigen Verlauf von 
Nordosten nach Südwesten. Man hat daran ge- 
dacht, eine Beziehung desselben zu den vaiiscischen 
Störungen, die von dem französischen Centralplateau 
nach dem Rheingebiet laufen und sich mit den 
Rheinthal Verwerfungen kreuzen, zu suchen. Pfirt 
liegt in einer Einbiegung der Kette. Yon diesem 
Ort an Buchsw^eiler vorbei bis nach Oltingeh ver- 
läuft die Kette mit schwach nördlicher Ausbiegung. 
Die höchste Erhebung derselben im Norden liegt 
nördlich von Bendorf (675 m), am Morimont süd- 
lich von Luffendorf steigt das Q^ebirge bis zu 740 m 
an. Durch eine von jüngeren Bildungen erfüllte 
Einsenkung getrennt, verläuft weiter im Osten die 
Flühenkette, nur mit ein^m kleinen Theil, der die 
Ruine Landskron trägt, nach dem Elsass herein- 
ragend. 

Im Süden der Bürgerwaldkette liegt das 111- 
thal im Tiefsten einer Mulde (Illmulde). Die 111 
entspringt bei Winkel, versinkt dann in dem zer- 
klüfteten Kalkgebirge auf eine kurze Strecke, um 
oberhalb Lüxdörf wieder zu Tage zu treten. Der 



Umgegend von Pfirt. 427 



Lauf derselben von Winkel bis Rädersdorf ist ziem- 
lich westöstlich. Oestlich von diesem Dorfe biegt sie 
scharf um das Ostende der Bürgerwaldkette und 
fliesst dann von Südost nach Nordwest. Südwest- 
lich von Winkel wird die Illmulde in Folge des 
nahen Zusammentretens der Bürgerwaldkette und 
der gleich zu erwähnenden nächst südlichen Kette 
weniger auffallend. 

Im Süden der Illmulde erhebt sich eine zweite 
Kette, die Blochmont- oder Glaserbergkette, im 
Westen nahe Winkel bis 810 m (höchster Punkt 
unseres Gebietes), im Osten westlich von der Bloch- 
montferme bis 785 m ansteigend. 

Auch diese Kette zeigt einen bogenförmigen 
Yerlauf, doch schwächer als die Bürgerwaldkette. 
Ihr östliches Ende biegt sich südlich von der 01- 
tinger Einsenkung gegen Südost. Jenseits dersel- 
ben gegen Osten liegt die Fortsetzung der Kette in 
einem zweiten nach Norden convexen Bogen, der 
Blauenbergkette, die ihre Stellung südlich von 
der Flühenkette, wie die Blochraontkette südlich von 
der Bürgerwaldkette einnimmt. 

Gegen Süden folgt auf die Blochmontkette wieder 
ein ausgezeichnetes Muldenthal, in welchem die 
Lützer fliesst. Wir imterscheiden daher eine I^ützel- 
mulde. Nur der Nordflügel derselben Mit auf 
deutsches Gebiet, da die Lützel die Grenze gegen 



428 Excusion 22. 



die Schweiz bildet. Entsprechend dem Yerlanf dei^ 
Blochmontkette zieht auch dieses Thal von der Jo- 
hannismühle bis St. Peter in ziemlich genau west- 
östlicher Richtung. Von St. Peter aufw&rts wendet 
es sich dem Umbiegen der Ketten parallel bis Lützel 
nach Südwesten. 

Die Gewölbe sind in ihrem mittleren Theil auf 
längere Strecken aufgebrochen, so dass in den 
Sattellinien ältere Schichten des Kernes zu Tage 
treten, während die jüngeren Schichten auf die 
Sattel- bezw. Muldenflügel und das Muldentiefste be- 
schränkt bleiben. 

Die Aufwölbung erfolgte durch einen Druck 
von Südosten, die Gewölbe sind daher nach Norden 
übergebogen und zwar am stärksten das nördlichste, 
die Bürgerwaldkette, so dass es am Rande des 
Sundgauer Hügellandes sogar zu widersinnigem Ein- 
fallen des Nordfliigels (gegen Süd) mit umgekehrter 
Folge der Schichten kommt. Man kann dies bei 
Buchsweiler an der alten Strasse nach Pfirt beob- 
achten. 

Früher wenig beachtet und auch jetzt noch 
nicht vollständig verfolgt, sind zahlreiche Verwer- 
fungen, sowohl im Streichen der Schichten als quer 
gegen dasselbie. Sie compliciren den geologischen 
Aufbau einzelner Gebiete in hohem Grade. Wir 



Umgegend von Pfirt. 429 



werden einige derselben in unmittelbarer Nähe von 
Pfirt kennen lernen. 

Den Aufbau im Grossen übersieht man gut auf 
den älteren üebersichtskarten, wie den oben ge- 
nannten Blättern der schweizerischen Karte, die 
keine Verwerfungen zeigen. Werden diese ein- 
getragen, wie es auf der in Bearbeitung begriffenen 
elsass- lothringischen geologischen Karte im Maass- 
Stabe 1:25000 vorgesehen und zum Theil geschehen 
ist^; dann treten die Sättel und Mulden, zumal auf 
den einzelnen Blättern, weniger auffallend hervor. 

Der landschaftliche Charakter des Jura ist 
durchaus verschieden von dem der Vogesen. Lang- 
gezogene, einander mehr oder weniger parallele 
Rücken und Thäler folgen wie Wellen aufeinander. 
Der bogenförmige Verlauf derselben, eine beträcht- 
liche Anzahl von Störungen und tiefes Eingreifen 
der Erosion, besonders bei der Bildung von Quer- 
thälern, bedingen trotz der Gleichartigkeit des geo- 
logischen Aufbaus grosse Mannigfaltigkeit der Ober- 
flächengestaltung. Matten mit einer üppigen Flora, 
bis auf die höchsten Erhebungen reichende Laub- 
waldungen erhöhen noch den Kontrast gegen die 
im Oberelsass vielfach kahlen und wasserarmen, ini 



1) ManuskriptkarteD der Umgegend von Pfirt von 
Dr. van "Werveke. 



430 EzcuTsion 22. 



Unterelßass von Tannenwaldungen bedeckten Vo- 
gesen. 

Wir ersteigen zunächst den Schlossberg mit 
den Ruinen des Schlosses der Grafen von Pfirt (Pfirt 
500 m, SchloBsberg 612 m), dessen Spitze von weissen, 
splittrigen Kalken des Corallien^) gebildet wird. 

Gerade vor sich hat man das Sundgauer Hügel- 
land und die Eheinthalfiäche. Mülhausen, an der 
Grenze beider, liegt genau nördlich. Gegen Nord- 
osten erhebt sich der Schwarzwald mit dem weithin 
sichtbaren Blauen, gegen Nordwesten erblickt man 
den Südabfall der Vogesen vom Elsässer .Beleben 
bis zum Sudel. Der Standpunkt auf der am weite- 
sten vorgeschobenen und nordwärts überschlagenen 
Jurawelle ist wie kaum ein anderer geeignet, beim 
Ausblick in das Eheinthal die Vorstellung eines 
Einbruches der einst zusammenhängenden Rand- 
gebirge zu erwecken. Von ähnlichem, aber ent- 
fernteren Standpunkte, der Röthi-Flühe bei Solo- 
thurn, zeichnete E. deBeaumont die Aussicht in 
das Rheinthal, um seine Ansicht über die Bildung 
desselben zu erläutern. 

Die ältesten , im Gebiet von Pfirt zu Tage treten- 
den Schichten gehören dem Lias an (nach Delbos 



1) Siehe die Gliederang in der Einleitung S. 40 — 41 
für diese und im Folgenden vorkommende Bezeichnungen. 



Umgegend von Pfirt. 431 



und 'Koechlin-Schlumberger früher in gering- 
fügigen Aufschlüssen bei Köstlach und Dirlinsdorf 
getroffen). Die Masse des Gebirges wird von Dogger 
und Malm gebildet. Die jüngsten Schichten des 
letzteren gehören den Kimmeridgien (Schichten mit 
Pteroceras Oceani Brngn.) an, innerhalb der Gren- 
zen des Keichslandes nur bei Winkel vorhanden. 
Eine untergeordnete Rolle spielen alttertiäre Sande 
(Huppererde), oligocäne Küstenconglomerate und Mo- 
lasse (Oltingen und Kiffis). Pleistocäne Schotter 
treten bis an den Rand des Gebirges aus dem Sund- 
gau heran, hier und da haben sich Lehmdecken auf 
dem Jura erhalten. 

Wir beginnen unsere Excursion,i) indem wir 
von Pfirt die nach Südosten führende Hauptstrasse 
nach Sondersdorf benutzen, unmittelbar hinter dem 
ersten Hause befindet sich ein Steinbruch im dickban- 
kigen, splitterigen, hellgrauen Oolith. Die Schich- 
tungsfugen desselben zeigen oft sehr schön eine Ver- 
zahnung der Bänke, eine im gefalteten Gebirge häu- 
fige Erscheinung. Das Einfallen ist mit 20^ gegen 
Nordost gerichtet. Auf der anderen Thalseite unter 
dem Schlossberge stehen dem Oolith aufliegende 



1) In den einfachen Wii-thshäusern der bemhrten 
Dörfer erhält man überall "Wein und Bier, Proviant nimmt 
man besser mit. 



432 Excnnion 22. 



jüngere Schichten an, die sich um den Kern der 
Bürgerwaldkette, in dem wir uns befinden, nach 
Südwesten herumziehen. Wir gelangen beim Weiter- 
wandem auf unserer Strasse also in jüngere Schich* 
ten des Südflügels des Sattels. Auf die hellen Oolithe, 
die dem versteinerungsarmen unteren Theil des 
Hauptoolith angehören, folgen dünnbankige, krüm- 
lige, braun gefärbte mergelige Oolithe mit zahlreichen 
Versteinerungen. Pseudomonotis eehinata Sow. sp., 
Limea dupliccUa Gldf. sp., Modiola gibbosa Sow., 
Trigonia cosiata Lmck., Homomya gibbosa Sow. sp., 
Terebrattila intermedia Sow. imd andere biplicate 
Terebrateln sind häufig, seltener kommen Seeigel, 
Ammoniten (Parkinsonia), Belemnites giganteus SchL 
imd Ä canaliculatiLs Schi. vor. Kleinere Versteine- 
rungen, besonders öasti'opoden, sind oft mit concen- 
trischen Lagen von Kalk umhüllt, „mumificirt^, eine 
Erscheinung, die gerade für diese oberen Schich- 
ten des Hauptoolith bezeichnend ist. Leitend für 
eine Bank ist Anabacia complanata Defr. sp. 

In normaler Lagerung folgen darüber die Mer- 
gelkalke mit Ehynchonella varians Schi. sp. und 
zahlreichen anderen Versteinerungen. Wir kommen 
auf dieselben gleich an einem anderen Aufschluss zu- 
rück. Die Wegstrecke bis kurz vor. dem Höhenpunkt 
540 bietet wenige Aufschlüsse und ist mehrfach von 
Verwerfungen durchsetzt. Man hat zunächst eisen-. 



Umgegend von Pfirt. 433 



oolithische Kalke des unteren Gallovien, dann Thone 
des oberen Callovien und des unteren Oxfordien. 
Dieselben sind vielfach verrutscht. 

Dicht vor der Strassenkreuzung, an dem ge- 
nannten Höhenpunkte 540, wenden wir uns in süd- 
westlicher Richtung auf die Strasse nach Winkel. 
Die hier in ausgedehnter Fläche zu Tage tretenden 
Thone machen sich durch ihre Wasserundurchlässig- 
keit oberflächlich bemerkbar. In Folge derselben 
entstehen an den niedrigeren Stellen Teiche und ent- 
wickelt sich eine Sumpfvegetation. Eine Yerwer- 
fong läuft von Südwesten nach Nordosten, genau 
durch die Strassenkreuzung. Andere Verwerfungen 
laufen quer gegen dieselbe. Kurz vor dem ersten 
Quersprung treten an der Strasse nach Winkel die 
braunen Kalke des Callovien an der linken 
Strassenböschung nochmals zu Tage. Sie führen 
nicht selten Pholadomya Murchisoni Sow., Myaciten 
und besonders häufig die langen Schalenstacheln von 
Ctenostreon pectiniforme Schi. sp. Die Kalke wer- 
den auf kurze Erstreckung von versteinerungsreichen 
Variansschichten unterlagert. Diese setzen an der 
genannten Querverwerfung ab, jenseits welcher man 
400 m weit bis an den Strasseneinschnitt auf der 
Höhe wieder in Thonen bleibt. Am Anfang des Ein- 
schnittes kommen die eisenoolithischen Kalke 
nochmals zu Tage, unter denselben tauchen die 

Führer durch d. Elsass. 28 



434 Excnrsion 22. 



Variarisschichten auf. An den zu beiden Seiten 
der Strasse mehrere Meter hohen Böschungen sind 
Mergel und Kalke ausgezeichnet aufgeschlossen. 
Von den zahlreichen Versteinerungen dieser und 
der früher genannten Stellen, an denen Varians^ 
schichten entblösst sind, seien nur die folgenden 
häufigeren genannt: Serpula teiragona Sow., Phola- 
domya Murchisoni Sow., Ooniomyä proboscidea Ag., 
Qresslya peregrina Phill. sp., Trigonia interlaevigatä 
Qu., Modiola imbricata Sow., Modiola aspera Sow.y 
Lima helvetica Opp., Ldmea duplicata Gldf. sp., 
Pecien vagans Sow., P. hemicostatics M. u. L., Ost- 
rea Marshi Sow., 0. costata Sow., 0. Knorri Z i e t., 
0, acuminata Sow., Zeilkria omithocephala Sow. sp., 
Z. suhhucculenta Ch. u. Dew., Terebratula intermedia 
Sow., T. diptycha Opp., T. Fleischeri Opp., Ehyn- 
chonella varians Schi., Rh, Badensis Opp., Äeantho- 
thyris spinosa Schi, sp., Holectypus dqrressus Leske^ 
Echinobrissics clunicularis Llhw. sp. 

Jenseits des Einschnittes streicht wieder eine 
Störung quer über die Strasse. Nach Ueberschrei- 
tung derselben tritt man auf eine kurze Strecke in 
oberes Oxfordien (Terrain ä Chailles), dann in die 
Thone des unteren Oxfordien, beide hier wenig, 
aufgeschlossen. Die Oriehtirung über die Lagerung 
wird von hier an leichter. Es folgen gegen Nord*-, 
Westen am Waldrande Gallo vien Und Varians- 



Umgegend von Pfirt. 435 



schichten, endlich, den Samstagberg (Rossberg der 
Karte im Maassstabe 1:25000) zusammensetzend, 
Hauptoolith. Mit letzterem haben wir wieder den 
Kern der Bürger waldkette erreicht, deren südlichen 
Sattelschenkel wir vorher durchschritten. 

Das nun gegen Westen folgende G-ebiet ist 
wieder durch mehrere von Südsüdost nach Nord- 
nordwest streichende Yerwerfungen in eine Anzahl 
paralleler Streifen zerlegt, so dass man wiederholt 
dieselben Schichten trifft. Wir machen auf folgende 
Aufschlüsse aufmerksam. An der Abzweigung des 
Weges nach Lüxdorf und besonders an der lin- 
ken, östlichen Seite dieses Weges in alten Brüchen 
steht ein Oolith mit unregelmässigen, die Grösse 
einer Erbse erreichenden Körnern an. Das Gestein 
ist ursprünglich weiss, erhält aber durch Eisen- 
hydroxyd, welches in die Spalten eingedrungen ist, 
eine lebhaft rothe Färbung. Äsiarte supracorallina 
Orb. ist in dem Oolith eingelagerten dichten Bänken 
häufig. Nach dieser Muschel wurden die Schichten 
Astartien genannt. Sie werden jetzt in das Se- 
quanien gestellt. Am Waldrande, im Strassengraben 
gegenüber der Abzweigung des Weges nach Lüx- 
dorf, ist das Söquanien als dünnschichtiger Mer- 
gelkalk entwickelt. Beim Zerspalten der Bänkchen 
zeigen sich eine Menge Versteinerungen, vor allem 
wiederum Ästarte supracorallina Orb. und andere 

28* 



436 Excorsion 22. 



Zweischaler. Bhcogyra spircUis Gldf. und ZeiUeria 
humeralis Roem. sp. wittern frei heraus. 

In einem Steinbruch an der Gabelung der 
Strassen Pfirt — Winkel und Pfirt — Bendorf wird 
Rauracien, insbesondere die oberen Schichten des- 
selben, die häufig als Corallien bezeichnete Ab- 
theilung, abgebaut. Sie besteht aus einem weissen, 
splitterigen, in eckige Brocken zerfallenden Kalk, in 
welchem einzelne Korallenstöcke und Kieselknollen, 
hier und da einmal Terebratula insignis Z. sitzen. 
Die Stnictur der Korallen ist meist vernichtet, die 
Masse der Stöcke in schneeweissen , oft zucker- 
kömigen Kalk umgewandelt. Bei reichlichem Auf- 
treten der Korallen verschwindet die Schichtung, 
das Gestein wird klotzig. 

Yon hier aus kann man einen Abstecher von 
einer Viertelstunde in südlicher Richtung machen 
imd einen Steinbruch am Wege von Lüxdorf nach 
Bendorf besuchen, in welchem eine schichtungslose 
Masse zuckerkörnigen Kalkes, erfüllt von Diceras 
ansteht, wahrscheinlich dem Corallien angehörig. 

Wir gehen nach der Strasse Pfirt — Bendorf zu- 
rück und folgen derselben nach Bendorf. In Folge 
von Störungen ist auch hier die Lagerung unregel- 
mässig, und die Abtheilungen wiederholen sich 
mehrfach. Besonders erschweren die ziemlich ver- 
breiteten Thone des unteren Oxfordien, die grosse 



Umgegend von Pfirt. 437 



Neigung zu Butschungen haben, die Orientirung. 
Wir bleiben zunächst noch im Corallien, über- 
schreiten S^quanien, welches in breiter Fläche nach 
dem Illthal hinunter zieht, treten nochmals in 
Corallien und stossen dann an eine Südsüdost — 
Nordnordwest streichende Verwerfung in einem 
Strasseneinschnitt. Die weissen Corallienkalke sind 
hier zertrümmert, mit Rutschflächen versehen und 
durch Eisenhydroxydüberzüge roth gefärbt. 

Jenseits der Verwerfung sehen wir zum ersten 
Male auf unserem Ausflug das obere Oxfordien, 
das Terrain ä Chailles, in gutem Auf schluss, doch nur 
den unteren Theil desselben, da der obere an der 
erwähnten Verwerfung abgeschnitten imd in die 
Tiefe gesunken ist. Gegen Bendorf hin folgen dann 
die Mergel des unteren Oxfordien, in denen ver- 
einzelt Aulacothyris impressa B. vorkommt. Gegen- 
über den grauen Thonen fällt das Terrain ä Chail- 
les durch seine gelbe Färbung auf. Es besteht in 
dem hier aufgeschlossenen unteren Theil aus einem 
Wechsel von Mergel- und Kalklagen. Letztere 
sind zähe und ragen zwischen den Mergeln sims- 
artig heraus. Sie zerfallen zu flachen, knolligen 
Massen. Ein reichlicher Kieselgehalt erhöht die 
Festigkeit. Besonders sind die Versteinerungen ver- 
Meselt, sie werden daher an der Oberfläche der 
Knollen frei gewaschen, auch ganz ausgelöst. Die 






438 Excarsion 22. 



.unteren Bänke der Abtheilung sind aber fossilärmer 
als die oberen, man trifft daher hier bei Bendorf 
üMT Rhynchonella Thurmanni Yoltz und Säulenglieder 
von Millericrinus und Apiocrirms häufiger. 

Wir durchschreiten nun Bendorf. Jenseits des 
Ortes, nach 800 m, gehen wir an einer Yer werf ung 
vorbei, durch welche Oxfordschichten neben Co- 
rallien, das sich mit dem Beginn des Waldes ein- 
stellt, zu liegen gekommen sind; gegenüber der Ben- 
dorfer Mühle, treten die oberen Oxfordschich- 
ten heraus. Die Versteinerungen sind hier häufiger 
(Cardioceras cordatum Sow. sp., Pholadomya exal- 
tata Ag. und andere Pholadomyen, Exogyra reni- 
formis Gldf., Oryphaea düatata Sow., Zeilleria Qal- 
liennei Orb. und Serpula, eine ganze Bank erfüllend). 
•Es sind dies höhere Schichten als die vorher ge- 
troffenen. 

Ein etwas zusammenhängenderes Profil ist 
weiterhin bei der Sägemühle und Fabrik aufge- 
schlossen. Es folgen in absteigender Reihe braun- 
rothe Kalke des Callovien, Variansschichten und 
oberer Hauptoolith, beide reich an Versteinerungen, 
letzterer mit Anabaeia und vielen, wie bei Pfirt, 
oft mumificirten Nerineen, schliesslich die Masse 
des Hauptrogenstein. Mergelige Kalke, die etwas 
weiter hin in dem engen nach Dürlinsdorf führen- 
den Thal an der Abzweigung eines in südöstlicher 



Umgegend von Pfirt. 439 

Eicktung in den Wald hinaufführenden Weges an- 
stehen, könnten den Sowerbyischichten ange- 
hören. Jedenfalls haben wir. hier wieder den Kern 
des Gewölbes erreicht. Das Thal ist ein Querthal, eine 
•Cluse, wie jenes, von dem wir bei Pfirt ausgingen. 

Wir wenden uns zurück zur Bendorfer Mühle 
und schlagen den in südlicher Richtung nach Winkel 
führenden Weg ein. In 1 Yj km Entfernung erreichen 
wir eine Strassenkreuzung bei Höhepunkt 542,9 in 
dem Tiefsten der Illmulde. Der nachher zu be- 
schreibende Weg von hier nach Pfirt zurück erfor- 
dert mit Besichtigung der Aufschlüsse etwa 3 Stun- 
den. Wer noch über 1^2 Stunde mehr verfügt, 
gehe durch Winkel bis zu der halbwegs nach Ob er- 
larg gelegenen Kapelle. Hier bietet sich Gelegen- 
heit, in dem Wegeinschnitt vor der Kapelle wiederum 
die oberen Schichten des Terrain ä C hailies zu 
untersuchen, die, wie erwähnt, ausserordentlich viel 
reicher an Versteinerungen sind als die tieferen. 
Die Oberfläche der Blöcke ist mitunter ganz bedeckt 
-mit den sauber herausgewitterten Schalen der zier- 
lichen Formen. Insbesondere kommt hier die „Zwei- 
«chalerbank" vor, aus der die Mehrzahl der von 
Reeder und Andreae^) beschriebenen Lamelli- 



1) Roeder, Beitrag zur Kenntniss des Terrain ä 
Chailles und seiner Zweischaler. Dissert. Strassb. SS82. 



440 Ezcnnion 23. 



blanchier und Qastropoden ausgeätzt wurde. Rhyti" 
(^Kmella Thurmanni Yoltz hat hier ihr Hauptlager, 
daneben kommen vor: Terebraiula Qaüiennei Orb^ 
GoUyrites bicordata Leske, Ostrea hastellata SchL, 
Oryphaea dilatata Sow., Spondylus tuhiferus Lmck^ 
ßp., Oervillia aviculoides Sow., Maerodon alsaticus 
Boed., Ntccula Menkei Eoem.. N, oxfordiana Hoed., 
Astarte muUiformis Roed., Oypina cyremformis 
Buv., Isodonta Deskayesea Buv., DentcUnmi entaloi^ 
des DesL, Cerithium russiense Orb., Cer, murtecUo^ 
echinatum Andr., Cer.Rinaldi Et., Cardioceras cor» 
datum Sow. sp. üeber der Zweischalerbank sind 
häufig Pholadomya exaltata Ag. imd Ph. Protei Ag. 
Ebenfalls über der Zweischalerbank liegt ein 2 m 
mächtiger Complex von Serpulabänken. 

Erst in der Nähe der Strassengabelung gegen 
Oberlarg treten Lagen mit Korallen auf, die den 
Anfang des Rauracien (Thamnastraeenkalk) be- 
zeichen. Wir kommen unten auf dieselbe zurück. 

Sodann ist bei Winkel das einzige Vorkommen 
des Kimmeridgien (Pt6rocerien) im Reichsland zu 
beobachten. An dem vom westlichen Ausgange des 
Dorfes gegen Süden ansteigenden Wege nach Lützel 
stehen, wenig mehr als einen halben Kilometer von 



Andreae, Die Glossophoren des Terrains ä Chailles der 
Pfirt, Abhandl. zur geologischen Specialk. von Els.-'Lothr. 
1887, Bd. IV, H, 3. 



Umgegend von Pfirt. 441 



den letzten Häusern entfernt, im Strassengraben 
plattige Kalke an, die sehr reich an grossen, nicht 
besonders erhaltenen Zweischalem sind (Pholadomyen, 
Ceromyen, Cyprinen, Cardien). Auch Pterocera 
Oceani Brongn. ist hier gefunden. 

Den Rückweg nach Pfirt nehmen wir am besten 
von der Strassenkreuzung im Illthal über Lüxdorf. 
Bis zu diesem Dorfe bleiben wir im Illthal, links 
am Gehänge Aufschlüsse in mehrfach von Verwer- 
fungen diurchsetzten und zu kleinen Sätteln aufge- 
bogenem Corallien und S6quanien, rechts, dicht 
vor Lüxdorf, die Stelle, wo die lU, nachdem sie 
eine Strecke lang unterirdisch geflossen ist, wieder 
zu Tage tritt. 

Am östlichen Ausgange von Lüxdorf verlasse 
man die Thalstrasse und wende sich links in das 
von Norden herunter kommende Seitenthälchen , in 
dem ein Weg in den Schifferätschwald und weiter 
jenseits Höhepunkt 541,5 nach der Strasse Sonder- 
nach— Pfirt führt. 

Zu Anfang hat man graue Thone des unteren 
Oxford mit Fragmenten von Belemniten, Stiel- 
gliedern von Pentacrmus und verdrückten Rhyn- 
chonella Thurmanni, Der Thon nimmt nach oben 
Ealkbänke auf, die grauen Farben gehen in Gelb 
über. Eine Bank, reich an Gervillien, Rhyncho- 
nellen und Millericrinen ist die einzige versteine- 



442 Kzcursion 22. 



rungsreiche Lage in diesem unteren Theil der 
Chaillesbänke. 50 cm über dieser Bank liegt eine 
sehr auffallende, 2 m mächtige versteinerungsarme 
Kalkbank. 2 — 3 m höher steht eine v.on ausge- 
zeichnet erhaltenen zierlichen Zweischalern erfüllte 
Bank von 35 cm Mächtigkeit an, die dieselbe oder 
doch eine nahezu gleiche Stellung in der oberen 
Hälfte des Terrain ä Chailles einnimmt, wie die 
Zweischalerbank von Winkel — Oberlarg. In dem 
über der Zweischalerbank folgenden Complex fallen 
wiederum die Massen von Serpein auf. 

Es folgen weiterhin die typischen Thamna- 
straeenkalke,die sich um den ganzen Rücken herum 
bis nach dem Ulthal gegenüber der Niedermühle 
östlich von Lüxdorf verfolgen lassen. Weiterhin 
führt der Weg im Walde über Corallien, dann bis 
nach der Strasse Sondersdorf — Pfirt über Sequanien. 
Beide Abtheilungen sind durch eine Verwerfung 
getrennt. Auf dieser Strasse gelangen wir nach 
einem halben Kilometer Weges an einen Steinbruch 
im Corallien, der einen ausgezeichneten Auf- 
«chluss gewährt. Das Gestein ist von mehreren 
Verwerfungen mit schön polirten Rutschflächen 
durchsetzt und so von kleinen Klüften nach allen 
Seiten durchzogen, dass es vollständig in poly- 
edrische Brocken zerfallt und mit Hacke und 
Schaufel als Beschottermigsmaterial gewonnen werr 



Umgegend von Pfirt. 443. 



den kann. Vereinzelt eingestreute Kieselknollen 
enthalten Foraminiferen , nicht selten ist Terebratula 
insignis Schbl. 

Unter den plumpen Kalken des Steinbruches 
streichen etwas weiter gegen Pfirt die Thämna- 
straeenkalke über die Strasse. Man findet Blöcke 
derselben, als Seltenheit auch Glypticus hieroglyphi- 
cus Gldf., zu beiden Seiten der Strasse im Walde. 
Daselbst liegen auch nicht selten grosse Pholado- 
myen der nächst tieferen Abtheilung, des oberen 
Terrain ä ChaiUes. 

Die Strasse führt mm im Bogen durch die 
Oxf ordien - und Gallo vienthone nach den Aufschlüssen 
hinunter, die wir am Anfang unserer Excursion be- 
suchten. In einer rechts von der Strasse gelegenen, 
jetzt verwachsenen, Materialgrube fand man früher 
Feltoceras athleta Phil, sp., etwas höher, am Wege 
nach Oltingen, ist Äulacothyris impressa B. sp. vor- 
gekommen. 

Der geschilderte Ausflug lässt sich von Pfirt 
aus gut in einem Tage machen, nimmt denselben 
aber bis zum Abendzuge nach Altkirch ganz in An- 
spruch. Wer aber in der Zeit nicht zu beschränkt 
ist, sollte nicht nach Altkirch oder Mülhausen zu- 
rückkehren, sondern am nächsten Tage auf der 
Blochmontstrasse nach der Schweiz bis an die Eisen- 
bahn Basel — Delsberg wandern. 



.444 Excnrsion 22. 



Wir wollen diese Excursion, deren genauere 
Beschreibung ausserhalb der Grenzen dieses Führers 
liegen würde, nur skizziren. Zur Orientirung dient 
das oben S. 425 stehende Profil (Fig. 56), welches bis 
Soyhiöres an der Birs reicht. 

Der Weg führt an den zuletzt besprochenen 
Aufschlüssen vorbei nach Sondersdorf, weiter durch 
einen Einschnitt im Corallien nach Hippolstkirch im 
Illthal. Die Strasse durchschneidet das Thal und 
windet sich, zum Theil in grossen Bögen, den 
Nordflügel der Blochmontkette hinauf. An Störun- 
gen fehlt es auch hier nicht, doch ist im Ganzen 
die Schichtenfolge regelmässig: Sequanien bis zum 
Hauptrogenstein. 

Zunächst östlich von Bachritti liegen Brüche 
in versteinerungsreichem Söquanien. Im obersten 
Theil des Bruches eine Bank mit flach aufsitzenden 
Austern und Spm'cn der Abwaschung, eine deutliche 
Unterbrechung der Ablagerimg anzeigend. Das Yor- 
kommen ähnelt ausserordentlich dem von Buchs- 
weiler an der Grenze von Hauptoolith und Varians- 
schichten angeführten (Exe. 5b, S. 154). Höher oben 
legt der Strasseneinschnitt ein sehr schönes Gewölbe 
in den obersten, gut geschichteten Kalken des 
Sequanien frei. Die Auflagerung auf den fossil- 
reichen Mergelkalken von Bachritti ist gut zu sehen. 
Die durch Sprengung hergestellte Strassenböschung 



Umgegend von Pfirt. 445 



ist von mehreren kleinen Verwerfungen durch- 
schnitten. Weiterhin, in dem nördlichen Theil der 
grossen nach Westen gewendeten Strassenschlinge 
kommen Terrain ä Chailles, Thamnastraeenkalke 
und Corallien zu Tage, mehrfach verworfen, daher 
zum Theil wiederholt auftretend. Regelmässig folgen 
dann Gallo vien, Yariansschichten und Hauptoolith, 
in den oberen Schichten des letzteren, kurz ehe 
man aus dem Walde auf die Matte vor der Bloch- 
montferme tritt, ein Steinbruch, in welchem Clypeus 
Ploti KL liäufig ist. 

Eine Yerwerfung bringt dann bis hinter die 
Blochmontferme (Wirthshaus) anhaltende Thone des 
unteren Oxfordien mit Nucula subhammefi-i Eoed. 
und Nucula inconstans Roed. zu Tage. Der nörd- 
liche Theil dieser Thone liegt in der Sattelaxe der 
Blochmontkette. Die bisher überschrittenen Schichten 
fallen nach Norden^ nach dem Illthal. Von hier 
an fällt die ganze Folge vom unteren Oxfordien bis 
zum obersten Sequanien regelmässig nach Süden 
nach dem Lützelthal, meist sehr schön, zum Theil 
in Steinbrüchen, aufgeschlossen. An der Strassen- 
biegung nahe bei dem Dorfe Kiffis liegt oligocäne 
Molasse auf dem Malm. Die Schichten des letz- 
teren, das alte Ufer des Molassemeeres, sind von 
Pholaden angebohrt und stellenweise wabenartig 
durclüöchert. 



446 Excarsion 22. 



Unmittelbar hinter Neu mü hie (schweizerisch^ 
Wirthshaus) steht Kimmeridgien mit Pterocera 
Oceani Brngn. und zahlreichen Zweischalern an. 
Hier liegen also die jüngsten Malmschichten in der 
Tiefe der Lützelmulde. 

Auf dem weiteren Wege gegen Süden giebt 
besonders ein Aufschluss im Terrain ä Chailles, 
unmittelbar an der Strasse, reich an Schwämmen 
und Korallen Gelegenheit zum Sammeln. Die dicht 
hinter Ederschwyler zu Tage tretenden Varians- 
schichten gehören dem tief ausgewaschenen Kern 
der ersten der schweizerischen Ketten, der Bue- 
bergkette an. In der nächstfolgenden Kette, nach 
dem Dorfe Movelier benannt, hebt sich der Haupt- 
rogenstein heraus. 

Von Movelier wendet sich die Strasse, die bis- 
her von Ederschwyler an eine südliche und süd- 
westliche Richtung einhielt, scharf nach Osten und 
läuft daher längere Zeit im Streichen der Kette m 
Yariansschichten und oberem Rogenstein. Am Ende 
der Combe auLoup biegt sie nach Süden, durch- 
schneidet den Mettemberg und mündet bei Soyhieres 
in das Birsthai, in dem die Eisenbahn von Dels- 
berg nach Basel läuft. 

Ein rüstiger Wanderer kann den Weg von Pfirt 
nach Soyhieres zu Fuss in 6 — 7 Stunden machen, 
wenn er nicht zu viel Zeit auf Sammeln verwendet. 



Umgegend von Pfirt. 447 



Von Soyhieres führt die sehr lohnende Strasse in 
einer Stunde durch die Mont Terriblekette (Keu- 
per bei Pr§ de Voex im Kern des Sattels) nach 
Delsberg. Fuhrwerk ist mit Sicherheit nur in 
Delsberg zu erhalten. Wer also nach diesem Ort 
und weiter über Delsberg nach dem Münsterthal und 
Weissenstein will, kann sich von Delsberg aus einen 
Wagen nach Movelier bestellen. Yon Pfirt aus zu 
fahren ist nicht zweckmässig, weil der Anstieg nach 
Sondemach und dann die Blochmontstrasse hinauf, 
zumal mit Besichtigung der Aufschlüsse, zu Wagen, 
ebensoviel Zeit wie zu Fuss erfordert. 



Ortsverzeichniss. 



AaiTitschfels 353. 
Achenheim 215, 219, 224. 
Alfeld 396. 
Altenberg 334. 
Altenhof 340. 
Altkirch 413. 
Andlau, Ruine 271. 
Andlau, Stadt 271. 
Avolsheim 188. 

Bachritti 444. 
Bad brenn 312. 
Bärberg 382. 
Balbronn 201, 209. 
Ballons 14. 
Barr 269. 
Barrer Thal 270. 
Bastberg 154ff. 
Baumgarten 287. 
Belchen 14. 
Beichenhaus 349. 
Beichenhütte 351. 
Beichensee 348. 
Bendorf 426, 436. 
Bendorfer Mühle 438. 
Bergenbach 381. 
Bergheim 321. 
Bernhardsweiler 287. 
Bildstöckel 351. 



Bilstein, Euine 318. 
Bitschweiler 360. 
Blauenbergkette 427. 
Bleigruhe (Erzgrube) 299. 
Blochmontferme 445. 
Blochmontkette 425, 427. 
Blochmontstrasse 443. 
Bosch, F. H. 95. 
Bonhomme 22, 325. 
Bourg- Bruche 310. 
Brand 358. 
Brand -Ehel 357. 
Breitenbach 277. 
Breitfirst 341. 
Bressoir 12. 

Breuschniedemng 218, 238. 
Breuschthal 10, 17, 21, 24, 
215, 242, 252. 

Brezouard s. Bressoir. 
BiTichfeld von Gebweiler 
346. 

Bruchfeld von Zabem 8, 
68, 89. 

Brückenbachthal 402. 
Brunnen -Kreuzkapelle 408. 
Bmnstatt 406. 
Buchsweiler, Ob. -Eis. 426. 
Buchsweiler, IT.- Eis. 151. 



Ortsverzeichniss. 



449 



Buebergkette 425, 446. 
Baesweiler 168. 
Bürgerwaldkette 425, 426. 
Burgköpfle 339. 

Carolabad beiEappoltsweiler 

323. 
Champenay 19, 24, 264. 
Chäteau de Faite 307. 
Climont 294, 309. 
Climonthöfe 294. 
Col du Bonhomme 326. 
Combe au Loup 446. 
Creux d'Argent 327. 

Dahlenheim 195. 
Dambach bei Niederbronn 

101. 
Dambach bei Schlettstadt 

285. 
Dammerkirch 420. 
Daniel (Grube) 302. 
Daren-See 333. 
Delsberg 447. 
Dettweiler 146. 
Deutsch -Lundenbühl 336. 
Deutsch -Rumbach 309, .326. 
Diedolshausen 302, 325. 
Dinsheim 214. 
DoUei-thal 395. 
Donon 258, 260. 
Donon, F. H. 259. 
Dürlinsdorf 431, 438. 
Dusenbach, Kap. 318. 

Ebeneck 347. 
Eberbach 137. 
Eckbolsheim 217. 
Eckkiroh 303. 
Ederschwyler 446. 

Führer durch d. £lsass. 



Eftei-matten, F. H. 274. 
Eichhofen 282. 
Elsasshausen 139, 145. 
Elsässer Beleben 395. 
Engelsburg, Ruine 363. 
Englischer Berg bei Etten- 

dorf 165. 
Enzheim 240. 
Epfig 280. 
Eppingen 115. 
Erlenbach 290. 
Ertzenbachthal 361. 
Escheimer 325. 
Eschweiler 121. 
Ettendorf 166. 

Falkenstein 97, 101. 
Fauxkopf 325. 
Fechtthal 341. 
Felleringen 378, 383. 
Felsburg 214. 
Felselen 345. 
Fenai-uptthal 305. 
Fink-wreiler 282. 
Fischbödle 338. 
Flafels 357. 
Fleckenstein (Hof) 99. 
Fleckenstein (Ruine) 96, 98. 
Flexburg 212. 
Flühenkette 426. 
Forlenweiher 332. 
Fortelbach 297. 
Fosses 19, 265. 
Framont 268. 
Framontbach 256. 
Frankenthal 336. 
Freconrupt 268. 
Freudeneck 251. 
Freundstein 352. 
Frohret 104. 

29 



450 



Ortsverzeichniss . 



Fröschweiler 139, 145. 
Fuchsloch 251. 
Fürstacker 351. 
Rirstenstollen 302. 
Fundgmbe (Erzgrube) 296. 

Gabe Gottes (Erzgrube) 302. 
Gazon de Faite 333. 
Gebweiler 23, 344. 
Gebweiler Beleben 349. 
Geisbausen 354. 
Gerbholz, Sennhütte 341. 
Germanshof 83. 
Giessen 284. 
Gimbel (Hof) 98. 
Glaser))ergkette 427. 
Glashütte bei Rimbach 351. 
Glattstein 874. 
Glückauf (Grube) 302. 
Gottesheim 148. 
Goutte - au - Rupt 326. 
Grand -Faude 326. 
Grassendorf 167. 
Grendelbmch 279. 
Grenzkamm 11, 324. 
Gressweiler 214. 
Griesbach 158. 
Grosser Beleben 348, 351, 

359. 
Gross - Rumbach 304. 
Grünwasen 402. 
Grumbachkopf und Gmm- 

bachthal 361. 
Gundershofen 134. 
Gunstett 136, 140. 
Gutenburg, Ruine 325. 

Haardt 6, 9, 73. 
Haardtsattel 73. 
Ilabsheim 414. 



Hachimette 325. 
Hager Hütte 353. 
Hahnenberg 311, 312. 
Hammer, Fabrik 342. 
Hang 294. 
Hangenbieten 232. 
Hantz 267. 
Hasselbachthal 275. 
Hausbergen 231. 
Haut de Faite 307. 
Haut du Bonhomme 325. 
Haut-Foumeau 259. 
Heisenstein 285. 
Herrenhof 101. 
Hersbach 252. 
Hippoltskirch 444. 
Hirsingen 415. 
Hirzberg 301. 
Hochfeld 10. 
Hochwald 87. 
Höhwäldchen bei Schweyen 

128. 
Höllenhof 136. 
Hohenburg 99. 
Hohneck 336. 
Hohkönigsburg 1, 314. 
Hohsteinwald 245. 
Hohwald 278. 
Hüssern 370. 
Hungeii)latz, F. H. 271. 
Hunsriicken 387, 391. 
Huppach 394. 
Hury 21. 

Illmulde 426. 
Illthal 426. 
Imbsheim 158. 
Ingelshof 136. 
Isenbachthal 397. 
Ittersweiler 282. 



Ortsverzeichniss . 



451 



Jungenwald, F. H. 91. 
Jui'a, Schweizer 8, 425. 

Kamm derVogesen s. Grenz- 
kamm. 

Kanal 188. 

Kanzlerberg 323. 

Kai-spach 404. 

Katzenstein 268. 

Katzenthal 99. 

Kestenhülz 311. 

Kiffis 445. 

Kinzheim 311. 

Kirchherg 395. 

Kimeckthal 280. 

Kleinarnsberg 101. 

Kleine Höhe 297. 

Kleinleberau 303. 

Kleinlützel 425. 

Klein -AVingen 95. 

Klimbach 89. 

Kochersberg 314. 

KönigsgiTibe bei Snlzbad 188. 

Köpfel, F. H. 312. 

Köstlach 426, 431. 

Kohlbächel, F. H. 288. 

Kohlberg im Breuschthal 
261. 

Kohlberg bei Laach 293. 

Kohlschlag 352. 

Kolbshütte 390. 

Koppenberg bei Minwers- 
heim 163. 

Krappenfels 334. 

Kronthal 200. 

Krüth 383. 

Kmmmberg 211. 

Kühlbnmnen 288. 

Kühlbachmnz 356. 

Kuppel thannkopf 387. 



Laach 21, 292. 
La Boutique 392. 
La Bresse 341. 
La Crache 259. 
La Falle 267. 
La Ilingrie 309. 
Langenberg 399. 
Langenginind 368. 
Langenweier, F. H. 101. 
Lapoutroie 325. 
Lauchenkopf 341. 
Lautenbach 349. 
Leberau 309. 
Le Collet 335. 
Lembach 90, 94. 
Lembacher Graben 88, 95. 
Les Fosses 19, 265. 
L'Evreuil 277. 
Lindenschmidt 99. 
Lingolsheim 240. 
Lingouttethal 302. 
Litschhof, F. H. 95. 
Löwenstein 99. 
Lothringisches Stufenland 4. 
Lottelfelsen 249. 
Lützel 425, 428. 
Lützelburg 173. 
Lützelmulde 427, 446. 
Lüxdorf 426, 435, 441. 
Luffendorf 425. 
Luschbach 326. 
Luspielkopf 345. 

Männelstein 270. 
Märleberg 382. 
Magelthal 279. 
Maisons des Moules 304. 
Markirch 295. 
Masmünster 393. 
Meisenbuckel, F. H. 288. 

29* 



452 



Ortsverzeichniss. 



Metzeral 339. 
Mietesheim 132. 
Minwersheim 162. 
Minwersheimer Kuppe 163. 
Mittelbronn 186. 
Mönkalb 270. 
Mollau 372. 
Molkenrain 360. 
Mommenheim 161. 
Mont Terriblekette 447. 
Moosch 355. 
Morimont 426. 
Morsbronn 139. 
Mossigthal 201. 
Movelier 446. 
Movelierkette 425. 
Mülhausen 405. 
Münster 342. 
Münzfeld 279. 
Mutzig 214. 

Nächstebühl 337. 
Neuberg 397, 401. 
Neumühle 446. 
Nideck 24, 246, 248. 
Niederbronn 101, 102. 
Neun testein 278. 

Oberbronn 104. 
Oberbmck 395. 
Oberburbach 393. 
Obere Bers 401. 
Oberhaslach 243. 
Oberlarg 439. 
Obermodern 1-69. 
Oberschäffolsheim 219. 
Obersteinbach 99. 
Öderen 382. 
Odiüenberg 270, 280. 
Offweiler 104. 



Oltingen 426. 
Ormersweiler 110. 
Orschweiler 311, 322. 

Petites Halles 304. 
Pfaffenbronn 90. 
Pfalzburg 177. 
Pfalzburger Mulde 73. 
Pfeiferberg 340. 
Pfirt 423. 
Philippsburg 101. 
Plaine 265, 267. 
Plettig 284. 
Prinzheim 149. 
Poutay 264. 

Quellenfelsen 336. 

Rädersdorf 427. 
Ramerspach 379. 
Rangen 363. 
Ranrupt 277. 
Raon-les-Leau 259. 
Rappoltstein , Ruine 316. 
Rappoltsweiler 320. 
Rauenthal 302. 
Rebberg bei Altkirch 413. 
Reichenberg, Ruine 321. 
Reichsfeld 287. 
Reichshofen 105. 
Reisberg 328. 
Retoumemer 335. 
Rheinthal 66. 
Riedheim 150. 
Rimbach 351. 
Rimbachkopf 402. 
Rimbach -Zell 351. 
Robinothal 24, 308. 
Roche du Diablo 335. 
Roche du Tannet 333. 



Ortsverzeichniss. 



453 



Roderen 21. 
Rohi-schweier 323. 
Eomansweiler 251. 
Rossberg bei Thann 390. 
Rossberg bei Pfirt 435. 
Rosskopf 279. 
Rothaine 279. 
Rothau 279. 
Rothbrück 374. 
Rothe Hecken 288. 
Rothenfels 101. 
Rothes Haus bei Königs- 

hofen 217. 
Rothhütel 389. 
Rothlach 279. 
Rothwasen 401. 
Rünth -AVasen 337. 
Runibach Stollen 304. 
Rundkopf 398. 

Saales li94, 310. 
Saargemünder Mulde 73. 
Saaithal 5. 
Salm 259, 268. 
Samstagsberg 435. 
St. Amarin 353. 
Ste Barbe (Erzgrube) 298. 
St. Christian (Gmbe) 302, 

304. 
St. Die 304. 
St. Jakob (Grube) 302. 
St. Kreuz 304. 
St. Paul 75. 
St. Philipp 298. 
St. Pilt 21, 314. 
St. AVilhelm (Grube) 302. 
Sattelfels 357. 
Schäntzelberg 314. 
Schaf haus 295, 300. 
Schalkendorf 169. 



Scharrachberg 199. 
Scharrachbergheim 203. 
Scherhol 86. 
Scheurlenhof 137. 
Schiessrothrieth 337. 
Schiff erätschwald 441. 
Schirmeck 252, 279. 
Schlanglinger Klamm 121. 
Schliffeis 378. 
Schlingoutte 309. 
Schlossberg bei Wildenstein 

383. 
Schlossberg bei Pfirt 430. 
Schlucht 334. 
Schlüsselstein 316. 
Schlumberger Brunnen 347. 
Schneeberg 248. 
Schnierlach 325. 
Schöneck 101. 
Schönau 99. 
Schwarzer See 329. 
Schwobebänkle 152. 
Seebachthal 349. 
Seehäuser 377. 
Sewen 396. 
Sommerhöfe 279. 
Sondersdorf 431, 444. 
Soyhieres 446. 
Sperberbächel, S. M. 276. 
Spesburg, Ruine 271. 
Spitzköpfe 338. 
Stauffen bei Thann 361, 363, 

385. 
Steinabrück, Fabiik 340. 
Stemsee 398, 400. 
Still 213. 
Storkenkopf 350. 
Strausbächel , F. H. 275. 
Strengbachthal 318. 
Strohhütte 416. 



454 



Ortsverzeichniss. 



Struthof 279. 
Sulzbad 188. 
Sulzberg 195. 
Sulzer Eck 332. 
Sulzer See 333. 
Sundgau 8, 403. 

Tempelbof 322. 
Thalhorn 378. 
Thännchel 314. 
Thann 366, 385. 
Thannenkirch 315. 
Thaimer Hubel 389. 
Thurthal 352 ff. 
Tommelsbachthal 254. 
Tulberg 384. 

Ungers-Berg 288. 
Ungersberg, F. H. 288. 
Urbeis bei Kaysersberg 326. 
Urbeis im Weilerthal 294. 
Urbeiser Thal 17, 294. 
Urbis 376, 402. 
Urmatt 242, 279. 
üttenhofen 134. 

Yersteinerter Wald 366. 
Vogelsberg, Schloss 79. 
Vogelstein 391. 
Vogesen 1, 9, 67. 
Vogesensattel 73. 
Vordere Ebel 357. 
Vorhügel 8, 67, 78, 87. 

Wackenbach 257. 
Wangenburg 249. 



Wanzel, Bhf. 311. 
AVasigenstein 99. 
Wegelnburg 99. 
AVeiler bei Schlettstadt 292. 
Weiler bei Thann 360. 
Weiler bei Weissenburg 

74, 79. 
Weissenburg 74. 
Weisser See 325, 327. 
Weisskirchen 119. 
Welschbmch 279. 
Wengelsbach 99. 
Weschheim 182. 
Wesserling 356, 369, 402. 
Wick, F. H. 311. 
Wilsberg 178. 
AVindstein 101. 
Winkel, 427, 433, 439. 
Wintersburg 184. 
AVischer Thal 261. 
AVörth 144. 
Wolfersdorf 420. 
Wolfisheim 219. 
Wolmünster 105, 121. 
Wolxheim 188. 
Wurmsathal 339. 
AVurzelstein 333. 



Zell 285. 
Ziegelhütte bei 

91 93. 
Zillhartthal 299. 
Zillisheim 413. 
Zinsweiler 104. 



Lembach 



Sachyerzeichniss. 



Alluvium 49. 
Amethyst 316. 
Andalusitglimmerschiefer 

273. 
Andalusithornfels 273, 276. 
Aplit 61, 271, 286, 354. 
Arsen 303. 

Arsenkies 290, 303, 401. 
Asphalt 322. 
Asphaltkalk 45. 
Astartien 40, 435. 
Aufbau, geologischer, des 

Elsass 62. 
Augeugueiss 296, 299. 
Augitgranit 56, 57. 

Bajocien 36. 

Ballongranit s. Granit des 

Elsässer Belchen. 
Basalt 61. 
Bathonien 39. 
Bilsteingranit 318, 320. 
Biotitgneiss 296, 297. 
Blättelerz 52. 
Blättersandstein 414. 
Blauer Kalk (Kalk von 

Mietesheim) 38,133,150, 

157, 166. 
Bleierze 99, 300. 



Bleiglanz 298, 303, 304. 

Blocklehm 280. 

Blockthon 280. 

Bohnerz 42. 

Brauneisen 361, 384, 387, 
397. 

Braunkohle, eocäne 153. 

Braunspath 304. 

Bronzit- Olivingestein 302. 

Bmchzone s. Quetschzone. 

Bunte Mergel über Schiif- 
sandstein 30, 104, 206, 
211. 

Buntsandstein 24. 

Buntsandstein, mittlerer 25, 
s. a. Hauptbuntsandstein. 

Buntsandstein, oberer 26, 
77, s. a. Hauptconglomerat, 
Zwischenschichten und 
A^oltziensandstein. 

Buntsandstein, unterer 25, 
79, 83, 84, 98. 

Buntsandsteinkegel der mitt- 
leren Yogesen 15. 

Callovien 40, 433, 434, 438, 

443. 
Cambrium 16. 
Carbon 19. 



456 



SachverzeichnisR. 



Circusthäler 13. 
Contactgesteine 57, 273. 
Corallien 40,430,436,438, 

441 445. 
Crapauds 104, 147, 208, 211. 
Culm s. Untercarbon. 
Culturschicht, diluviale 222, 

224, 229, 230. 
Culturschicht, recente 216. 
Cyrenenmergel 280. 

Deckenschotter 53,283, 416. 
Depression, centrale 377. 
Devon 17, 63, 255, 265. 
Diabas 60, 259, 268, 277, 

347, 358. 
Diluvialterrassen 50, 132, 

140, 170, 217, 218, 231, 

233, 241, 243, 251, 283, 

284, 355, 358, 370, 373, 

376. 
Diluvium 49. 
Diorit 56, 278. 
Dioritporphyrit 61. 
Dogger 35. 
Dogger, oberer 39, vergl. 

die ünterabtheilungen. 
Dogger, unterer 36, vergl. 

die Ünterabtheilungen. 
Dolomitische Region 29, 195. 
Dyas s. Rothliegendes. 

Eisenglanz 300, 307. 
Eisenglimmer 396. 
Eisenkies 303, 401. 
Eisenoolithischer Kalk (Kalk 

von Ettendorf) 38, 134, 

165, 167. 
Endmoräne 330, 331, 332, 

333, 339, 340, 349, 369, 

376, 379, 382, 401. 



Eocän 42, 152. 
Eruptivgesteine 55, 74. 
Estherienschichten 30, 206, 
209, 211. 

Fahlerz 302, 303. 
Fassait 299. 
Fischschiefer 416. 
Fleckschiefer 57. 
Flussspath 304, 322, 323, 
360, 397. 

Gabbro 60. 

Gabbroconglomerat 353, 381. 
Geschiebe , gekritzte 332, 

340, 371, 401. 
Granat 297. 
Granit 55, 63, 101. 
Granit von Barr - Andlau 

270. 
Granit des ElsässerBelchens 

56, 395. 
Granit des Bressoir 57, 300, 

316. 
Granit des Hochfeldes 56, 

264. 
Granit von Hohwald 275. 
Granitapophysen 339. 
Granitporphyr 61, 255, 277, 

350, 351, 354,355, 378, 

391, 402. 
Granophyi- 274, 275, 276, 

279. 
Graphit 299. 
Graphitgneiss 309. 
Grauwacke, gneissartig 379. 
Grauwackengebirge s. Culm 

u. Devon. 
Glacialschrammen 330, 332, 

333, 338, 349, 356, 374, 

377, 397. 



Sachverzeichniss. 



457 



Glacialschutt s. Moränen- 
schotter. 
Glashüttengranit 316, 318. 
Glaskopf 397. 
GleitfJächen 372. 
Gletscherschrammen s. Gla- 

cialschrammen. 
Gletschertopf 396. 
Glimmerschiefer 17. 
Gneiss 12, 62, 294, 296, 

303, 304, 311, 316, 320. 
Gneiss von Markirch 296. 
Gneiss von Urbeis 309. 
Gneissconglomerat 381. 
Grenzdolomit 30, 104. 
Grenzletten 27, 112, 174, 

180, 190. 
Grenzzone 16, 63, 294, 

s. a. Quetschzone. 
Grundgebirge 16. 
Grundmoräne 280, 283, 356, 

358. 
Gryphitenkalk 32, 145, 148, 

162. 
Gyps 209, 213, 323. 
Gypskeuper s. Salzkeuper. 

Hauptbuntsandstein 25, 79, 
85, 86, 89, 98, 100, 174, 
214, 248, 260, 268, 269, 
285, 314, 326. 

Hauptconglomerat 26 , 95, 
174, 214, 243, 248, 250, 
268, 269. 

Ilauptoolith , Austemf acies 
133, 165, 167. 

Hauptoolitli , normale Aus- 
bildung 39, 153, 156, 159, 
197, 198, 269, 432, 435, 
438, 445. 



Hauptspalte 68, 139, 146, 

242, 249, 270, 322, 385. 
Hauptsteinmergel 30, 206, 

208, 211. 
Haustein 414. 
Hindemissmoräne 382. 
Hochterrasse 50, 81, 283, 

s. a. Diluvialterrassen. 
Hohebrückener Kalk 135. 
Hornblendegneiss 296, 299. 
Homblendeporphyrit 80. 
Homfelse 57, 273, 276, 

279, 347, 350, 353. 
Huppererde 431. 

Jura 31. 

Eainozoicum 41. 

Kalk, körniger (im Gneiss) 

298. 
Kalkspath 304, 307. 
Kammgranit 55, 304, 307, 

311, 321, 324, 342, 347. 
Kammgranit, Randf acies 353. 
Karrenbildung 348. 
Keratophyr 59, 257. 
Keratophyrtuff 257. 
Kei-santit 61, 305. 
Kereantitporphyrit 80, 82. 
Keuper 29. 
Keuper, mittlerer 30, vergl. 

die Unterabtheilungen. 
Keuper, oberer 31, s. a. Rhät. 
Keuper, unterer 29, 75, 213, 

s. a. Grenzdolomit. 
Kimmeridgien 40, 431 , 446. 
Knotenglimmerschiefer 57, 

273. 
Knotenthonschiefer 57, 273, 

350, 353. 
Kobalterz 302. 



458 



Sachverzeichniss . 



Kohle, productive, s. Ober- 
carbon. 

Kohle, im Culm 368. 

Kohlenkalk 393. 

Küstenconglomerat 46, 74, 
140, 145, 159, 199, 431. 

Kupferkies 303, 397, 399,403. 

Kupfemickel 304. 

Labradoiiwrphyr 60, 346, 
351, 359, 360, 369, 389, 
390, 392. 

Labradoiporphvrtuffe 351, 
367. 

Laimen 238. 

Lamprophyre 61. 

Leberauer (jrauwacke 305, 
309. 

Lehm 94, 133, 145, 158, 
162, 169, 221, 233, 240, 
251. 

Leptinit 296. 

Lettenkohle s. Keuper, un- 
terer. 

Leukophyr 60. 

Lias 31. 

Lias, mittlerer 33, vergl. 
die Unterabtheilimgen. 

Lias, oberer 35, vergl. die 
Unterabtheilungen. 

Lias, unterer 32, vergl. die 
TJnte r abthe ilungen . 

Lingula- Dolomit 119, 184. 

LÖSS 49, 133, 158, 162, 
169, 217, 220, 222, 224, 
225, 227, 230, 233, 238, 
241, 284, 323, 324. 

Lösskindel 221. 

Magnetkies 299. 
Makrocephalenoolith 40, 433. 



Malachit 399. 
Malm 40. 
Mandelsteine 394. 
Meeressand 43, 415, 421, 

445. 

Melanienkalk 45, 143, 406, 
409, 411. 

Mergel von Gravelotte 153. 
Mergelkalke von Longwy 
165. 

Mergelkalke von Minwers- 

heim 165. 
Minette 61, 80, 82, 255, 

257, 268, 271, 274, 277, 

358, 398, 402. 
Miocän 41. 

Mitteldevon 255, 258, 264. 
Mittlerer Muschelkalk 119, 

185, 193. 
Moränenschotter 338, 379, 

403. 

Muschelkalk 27. 

Muschelkalk, mittlerer 28, 
vergl. die ünterabthei- 
lungen. 

Muschelkalk, oberer 29, vergl. 
die Unterabtheilungen. 

Muschelkalk, imterer 27, 
vergl. die Unterabthei- 
lungen. 

Muschelsandstein 102, 107, 
109, 121, 127, 174, 179, 
181, 189, 190, 214, 250. 

Mvacitenregion des unteren 
MuschelkHlks91, 113, 121, 
122, 128. 

Xiederterrasse 54, 217, 218, 
284, s. a. Diluvialterrassen. 



Saehverzeichniss . 



459 



Obercarbon 21, 292, 314, 

326. 
Oberflächengestaltung des 

Elsass 1. 
Oberoligocän 280, 415. 
Oligocän 42, 74. 
Olivin -Bronzitgestein 302. 
Olivin - Enstatitgesteine 60, 

382 
Orthophyr 59, 389, 393. 
Ovoidenmergel s. Seh. m. 

A. margaritatus. 
Oxfordien 40, 433, 434, 437, 

438, 439, 441,442, 443, 

445. 

Palaeolithische Ansiedelung 

225. 
Petroleum 45, 140. 
Phlogopit 299. 
Phvllit 17. 
Plattiger Steinmergel 407, 

409, 413. 
Pleistocän 49. 
Pliocän 47, 48, 95, 104, 

161, 171, 283, 431. 
Porphyr s. Quarzporphyr. 
Porphvrconglomerate 245, 

36r, 363, 367. 
Porphvrit 60, 259, 361 , 363. 

380*; 387, 389, 399. 
Porphyroide 259. 
Porphyrtuff 244, 246, 263, 

285, 288. 
Proterobas 60, 277. 
Pseudomorphosensandstein 

25, 315, 346. 
Pseudomorphosen von Sand- 
stein nach Kalkspath 315. 
Pseudophit 299. 



Pterocerien s. Kimmeridgien. 
Pyromoiphit 99. 

Quarz 304, 306, 316, 397, 

401, 403. 
Quarzpoi*phyr 23, 24, 58, 

246, 259, 262, 277,279, 

308, 336, 345, 351,360, 

387. 
Quetschzone 304, 326, 336, 

342, 3.Ö4, s. a. Grenzzone. 

ßauracien 40, 436, 440. 
Rhät 31, 104, 105, 145, 

147, 196. 
Riedselzer Sande 48. 
Eothe Mergel 30, 104, 145, 

206, 208. 
Rothgiltigerz 302, 303. 
Rothhütelporphyr 59, 389, 

393. 
Rothliegendes 22, 81, 84, 

214, 249, 311, 345, 351. 
Ruinensandstein 25. 
Rundhöcker 338, 356, 402. 
Rutschflächen s. Gleit- 
flächen. 
Salzkeuper 30, 104, 157, 

205, 212, 214, 323. 
Sandlöss 51, 54, 216, 217, 

s. a. LÖSS. 
Schalstein 60. 
Schalsteinconglomerate 60, 

256, 257, 264, 265, 268. 
Schaumkalk 92, 103, 115, 

116, 125, 129, 131, 184, 

186. 
Schichten mit Aeg. Dudres- 

sieri 33, 138. 
Schichten mit Aeg. plani- 

costa 33, 171. 



460 



Sachverzeichniss. 



Sch ichten mit A . margaritatus 
34, 104, 138, 157, 169. 

Schichten mit A. spinatus 
34, 138, 157, 170. 

Schichten mit Ar. raricosta- 
tus 33, 104, 138. 

Schichten mit Astarte Yoltzi 
und Turbo subduplicatus 
36, 149, 157, 169. 

Schichten mit Bei. acutus 
32, 171. 

Schichten mit Bei. giganteus 

38, 157, 167. 
Schichten mit biplicaten 

Terebrateln 153, 158, 160. 
Schichten mit Ceratites no- 

dosus 29, 76,77,90,185, 

194, 213. 

Schichten mit Ceratites semi- 

paiiitus 29, 195. 
Schichten mit Cosmoceras 

Garanti 165. 
Schichten mit Dact. Davoei 

34, 104, 138. 
Schichten mit Haip. opali- 

num 36, 136, 149, 157, 
163, 170, 197. 

Schichten mit Lit. jurense 

35, 150, 157, 170. 
Schichten mit Ludwigia 

Murchisonae 37, 136, 157, 
163, 165, 168, 170, 197. 
Schichten mit Myophoria 
orbicularis 93, 117, 128, 
184, 185. 

Schichten mit Posid. Bronnei 

35, 138, 157. 
Schichten mit Psil. planorbis 

32, 137, 139, 147, 196. 



Schichten mit Rhynchonella 

varians 39,153,160,197, 

432, 433, 438, 445. 
Schichten mit Schi, angulata 

32,105,137,139,148,196. 
Schichten mit Sonninia So- 

werbyi 37, 135, 157, 163, 

168, 170, 439. 
Schichten mit Steph. Blag- 

deni, Austemfacies 163, 

167. 
Schichten mit Steph. Blag- 

deni, normale Ausbildung 

38, 156, 197. 
Schichten mit Steph. Sauzei 

u. Steph. Humphriesi 38, 

157. 
Schichten mit Steph. sub- 

contractum 40. 
Schichten init Trigonia navis 

u. Harp. opalinum 36, 136, 

149, 157, 163, 170, 197. 
Schichten mit Zeill. numis- 

malis 34, 104, 138. 
Schichten vom F. H. Kohl- 

bächel 23, 249, 261,265, 

267, 288, 292, 311, 312, 

315. 
Schichten von Erlenbach 

22, 290, 292. 
Schichten von Heisenstein 

22, 285. 

Schichten von Meisenbuckel 

23, 244, 246, 288, 292. 
Schichten von Trienbach 22, 

286, 290, 292. 
Schichtung, discordante 86, 

96, 97, 241, 266. 
Schilfsandstein 30, 104, 145, 

157, 206, 209, 211. 



Sachverzeichniss . 



461 



Sehrotlöss 226, 229. 
Schwarzer Boden 222. 
Schwerspath 304, 321, 322, 

360, 397. 
Seebecken, Entstehung 331. 
Seitenmoräne 339. 
Septarienthon 43. 
Sequanien 40, 435, 441, 442, 

444. 
Serpentin 61, 301, 379, 381. 
Serpentin des Rauenthals 

301. 
Silber, gediegen 303. 
Silur 17. 
Speiskobalt 304. 
Spinell 299. 
Steiger Schief er 17, 63,273, 

275. 
Steinmergel keuper 30, 104, 

144, 147, 157, 196, 206, 

210. 
Stimmoräue s. Endmoräne. 
Störungen 64. 
Stmdellöcher 339, 396. 
Siisswasserkalk, eocäner 42, 

152 159. 
SyenFtporphyr 59, 61, 276. 

Terebratelzone des unteren 
Muschelkalks 113, 122, 
124, 128, 179, 183, 186. 

Terrain a Chailles 40, 434, 
437, 439, 446. 

Terrassen s. Diluvialterrass. 

Tertiär 41. 

Thamnastreenkalk 40, 440, 
442, 443. 



Titanit 299. 

Trias 24. 

Trochitenkalk 29, 76, 90, 
103, 184, 193, 214, 251. 

Trochitenzone des unteren 
Muschelkalks 107, 120, 
122, 131, 174, 179, 181. 

Turmalin 308. 

Uferconcaven 218. 
Untercarbon 19, 63, 243, 

245, 252, 263, 339, 343. 

363, 396, 405. 

Yerkieselungen am Gebirgs- 
rande 321, 322, 323. 

Yersteinerungsarme Thone 
33, 137, 144, 171. 

Yogesensandstein 25, s. a. 
Hauptbuntsandstein . 

Yogesenthäler, Entstehung 
13. 

Yogesit 277. 

Yoltziensandstein 26 , 95, 
109, 111, 174, 180, 189, 
191, 214, 243, 250. 

Weiler Schiefer 17,63, 291. 
Weisser Boden 222. 
Wellendolomit 114,125, 183, 

186. 
Wellenfurchen 368. 
Wellenkalk 92, 103, 125. 

130, 183. 

Zinkblende 303, 304. 
Zwischenschichten 26, 107 
174, 191, 214. 



Halle a. S., Bachdmckerei des Waisenhauses. 



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