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Full text of "Georg Hermann Collection 1837-2001"



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yius alten garten. 

^ ' Xaö iRali^tgcffi^I in bcr neueren 3^^* 5^* ^^'^^^ 
pac fo lange iT^ .enrei^e. i'Jlxi feinen SSortej(*%at 
©urf^arbt fiejeigt, h?tc e3 mit bem 53cginn bet ita* 
lieuifcbcn öicnaifjancc Bei einigen 9)^enfd(>en: ®e- 
le^rtcn, gütftcn, (^eiftlicben unb ©taatömänncrn, 
oufbänimertc unb 53cbürfm6 n?urbe; njie biefe nac^ 
te« Zaci^c^ 9[Rü&cn bic ©c^ön^eit unb Äü^Ie bet 
©öftcn, bcr ?auljjvege fud^tcn unb bie ir»eiten Slicfe 
in« 2:al fc^ä^^tcn; n^ic bie 5ll?ebicäcr fit^ braugcn in 
ibrcn Janb^äujcrn mit bcm 5lrei8 i^rcr gciftrcidjien 
unb fünftlerifc^ien grcunbe gufammenfanbcn unb i^re 
SO'Jufcn^öff hielten. 9?oc^ jcigt man bcn Sicblingö* 
tücg bc3 Jungen Sorcnjo, unb man mag i^n jtc^ 
bcrftcflen, n^ie er jmifc^en bcn langen Citopicffcnrei^cn 
träumenb einl?crn.\inbcrte, n?S^renb in feinem ^opf 
bie 5?crfe ;}u feinen nUegorirtcrenben ©onettcu auf- 
f($offen uhb fi(^ jufammenfügten. 
^ 3n bcm XVIL unb XVIII. Sa^rdunbcrt trieB 
in bcr ©c^öpfung üon ^arl« unb ©ättcnanlagcn biefefl 
9?aturgcfü^I, ba8 eine foutcränc ?aune bcr .^Jcrren 
unb Könige bicfer Sföclt n?ar, feine feinftcn unb gier» 
lit^ften, feine faprl3ii3feftcn unb aBfonbedic^iften 
©lüten. C« tt>or eine ©artcnfunft, bie fic^ burc^auö 
cn bie SBünfd^e bc« einzelnen anfd^toß, unb bie mit 
toöer 5lBric^tIirf;feit M ol« Äunft füllte unb bic mtur 
q(« ein Serf^eug Betrachtete; ober rid^tigcr qIö eine 
to\)t SWatcric, bie fit naä) Suft unb £aune formte 
unb fnetcte, bie fie oufpu^te unb ber3ierte, öcr- j 
fd^nörfcUe unb t)erf(i^nitt. 2)iefe ®artcn fünft — 
bie ba« a u t f r a t i f d^ e ^Regiment t^crförpert unb 
crftarrtc gürftcnlaunc ift, h?ic ni(^t bicicö fonft, ba« 
unö gcBlicBcn — xcat nur cttoa« für bcn verfeinerten 
©efci^mod ber funftfrcubigcn SIriftofratie, — benen 
Ht Statut touIgSr unb ro^ erfd^ien ... ein plumper 
Ctra§enfötcr. 

5lBer, n?cnn bie ®artcnfunft öt« bor nehmet 
atmatcurfport rcid^cr Äarbinälc unb Hriftcfratcn iric 
bcr Söorg^cfc unb bcr ^lIBant, a\9 bie fcinfte ?aunc 
eine« föniglit^jcn 3unggcfcflcn n^ie griebrit^ ber 
©roge, ober eine« 2[ßittcl«Bacficr8 n^ic SWay Gnsanuel, 
cber einer pMIofop^iercnbcn gürftin toie bcr JeiBnig. 
freunbin ©opBic (S^arlcttc — wenn biefe ©arten- 
'* fünft ouc^ in fidf Beute tot ift — fo ift fte boc^ 
ni^t tot im SBcdfifel bc« ©cfc^mocf« unb ber Sc 
urtcilung ber nat^tood^fenbcn ©cnerationcn. e« Bot 
adtot gegeBgi, bic fie, jili. Unnotitr ttrod^tttcn, bie 



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in i^r ben ft^limmfteJv'-'^njuIft Barocfer Äapriceti 
unb ftarrer SRcgelttJut fa^cn — ^bic 55äumc ftnb f» 
regelrecht gcfc^nittcn, ol« n?ären*« Serfc toon ©oilcau* 
fingt ®eiBel bon @an«fouci. ©oetBc — bcr ruBig» 
©octBe felBfl — gerät in §arnifc^ üBcr bcn ,,Unrmr 
bc« fingen ^Pcllagonia", üBcr bic „^cIIagcnif(J\: 
Siafcrci", n?cil Befagter tprinj in feinem ©arten Jei 
Palermo feinen Süouncn nflju fcBr bie 3ügel fcBi'ien 
lieg. Unb patriotifd^c« (Smpfinben Bat biefe ©ailn* 
fünft oft genug at« toclfd^e Unnatur gefcnngcic^net; 
bie 3nftinfte ber 3J?affcn B^Bcn jicfy gegen fic öuf» 
gctcf;nt, bcnn fic füBHen fic^ burc^ fic Beengt, unb 
felBft, h?cnn bic 2)?afjcn in biefen $arf« fid^ ergeben 
burften, verloren fic nic^t eine SKinute ba« ©efü^l, 
Bier nur 3öungäfte ju fein — ein ©cfü^l, t)üi i^ncn 
Bei $arfö im englifc^cn ©til nie fam. 

5lBer bafür B^t bic 9^omantif ben gangen ^cinU: 
bicfer ©artcnlunft cmpfunbcn, mit iBrer ftißen, 
träumenben 5Bcrlaf(cn^eit, mit iftrcm ©eiftcrn am 
Bellen 2:ag, mit ttm fc^n?cigcnben galanten ScBen, 
ba« uon aU feinen ^ccfcn unb S^ifc^en, feinen 
9?^mpBcn unb ®i5ttern, feinen gigürc^en, ^Putten unb 
©ruppen, feinen Söaffcrfünftcn unb grcunbfc^aft«. 
tempclc^cn nod^ immer öußftraBttc unb bie 9?ac^* 
leBcnben mit einer 51tmofp^ärc hjcller ^arfüma 
umBüßte. ' \ *' 

2)ic ®(^enr;cit bcr ?pot«bamcr ©arten ift fc^on 
ben 9?omantifcrn Bcfannt gchjcfcn. „3dji !am" — 
lägt $cine bcn 9J?apmiIian in ben „glorentinet 
9?äc^ten" fagen, unb n^ir muffen $cine mit fcincc 
Werfen ibcntifigicrcn — „id!> f am bort in ^Jotöbam 
mit feinem i^icnfc^en in 53crüBrung, unb mein ganjcc 
Umgang Befd^ränftc \id} auf bie ©tatucn, bic fiä} im 
©arten oon ®an«fouci Bcfinbcn." 

2)ie iüngfte ©egenn?art pcBt aBcr in bcr ©arten- 
fünft be« 53arod unb ^Rofofo mcBr al« nur ?aunc 
unb ©d^nörfcl — toie baö iBre BdlBfarifaturiftifc^cn 
3eid^ncr unb S^cutcr inn; fic^t in i^r mcBr al« nur 
bcn $intfrgrunb für fuBtilc Stimmungen, h?ic ba8 
bic 9?euromantifcr tun, g. 53. (Stephan ©corge, bcr 
ia nur btn einen C)intcrgrunb ber alten $iarf« fcnnt: 

,,S3om Store, beffcn ^ifcnlilien roftcn, 
Entfliegen SBijgcI jum bcrbcdtcn 3^afen, 
Unb nubre trinfen frierenb auf bcn ^foflcn 
S3üm iRcgcn au9 bcn f}c^kn ©lumenbafen.'^ 

9?cin, ^eutc fe^en toir enblid^ in ber olten ©arten- 
funft-eine ^vmmt fdncr Ißnftterifti^cc ©cbonfen; toit 



fcBcn in ben ©runnen unb gontainen mcBr n?ic eine 
Spicferei, eine „SSafferfunft"; tt?ir freuen un« an ben 
feinen Umrahmungen unb hjie baö SSaffer al« gici« 
tcnbe« SKetall üBcr bie Breiten SD^arniorlippen gu 
nicbercn SBccfcn riefelt. 2öir empfinben bie ©c^ön* 
l)eit ber JJcrraffcn, bcr nicbercn ©tcinBänfc, ber 
2:reppcnfüBrungcn, auf benen man in leiten S3ogcn 
größere .'pi3Bcn leicht unb angcncBm üBcrn^inbct. S^ic 
2J?armcr» unb ©anbftcinfigurcn, auf benen bie iR o - 
m a n t i f nur bic S3crgrünung unb bic fil6ernen unb 
f(^ii^efeIfarBigen glecBten, ba« ©c^abBaftc unb 
Snjalcrifc^c faB, incrben für un« Beute 3eugen 
feinerer plaftifcBer Äunft, unb bon bcm 9?unb ber 
großen gontaine ©an«fouciö Bringen njir bic giguren 
in ba« ^aifer griebrid^:=2)?ufeum, um fte an ber aüm 
©teile burc^ Kopien ju erfe^en. Hn ben fleinen 
©ruppen in einem SBürgBurger ©d^Iogparf IcBcn n?ir 
Beute aUe Sntgücfungcn mic bor feinen alten $or- 
jeüangruppcn burc^; ©i)dttin B«t unö ba« SScrftänbni« 
für 2:ritoncn unb S^^mpBcn, 9^icfen unb Centauren, 
für qU bie SWa^fen unb all ba« gaBcImcfcn be« 
5|?arocf«, bie bic 9iampcn umlagern, bie 53runnen 
frönen, bic JJrcppen Bctpad^cn, h?icbergcgeBen. (Sin 
fiilbcBranb Begeiftert ftc^ an ben Söafferanlagcn ber 
italicnifc^cn Saubfilje unb fc^afft im $RBeinBrunnen 
€traßBurg«, im SBittcISBac^icr SBrunncn SWünc^cn«, 
in bem S3runnen ber S0icnbetöfoBnfc^en SSiffa STrBcitcn, 
bic fid^ laut unb bcutlid^ gu biefen öarodfd^öpfungen 
Befennen. 

S5?ie fd^Sn ba« ift: bon einem §alBrunb mit 
5niufd^clfre«fen unb ©rotten — einer ©c{;cinard^itcftur 
— ftraBtcn bie Sßege auö; unb Bintcn, n>o fie enben, 
glcBt fic^ eine Sanb bon ©äulcn ober eine offene 
$KciBc bon Äari^atibcn, bercn 8eiBcr au3 bicr- 
fantigen tpilaftcrn h?ad^fen unb bercn Äijpfc Breite, 
Bauchige 53Iunicnbofen cmporBaltcn. ^ic gormen, 
gon^ bon Sebürfni« Io«gcIi3ft, folgen icber geiftboßcn 
lüuftlcrifc^cn SSiflfür. Xci bie grofic SBaffcranlagc, 
bie gontäne bcr SoBoIigärten in gicrcng. ©teil 
BinaB füf^rt ber (S^pref[enn?cg, er fommt toie bom 
^immel herunter; unb al« Eingang ju bem großen 
9icnt^cö bcr gontäne mit iBren gefreugten S[ßegcn rec^t« 
imb linf« ftcBcn je jmci BcBc, fanneflierte freie ©Sutcn, 
ouf benen oBcn irgenb ein feltfame« gaBcIn^efcn, BalB 
3iege, B^^B fc^uppigcr gifc^. Balanciert: ein Unfmu, 
ein y?onfcuö, eine ©rotc«fc — unb boc^ unbcrgeglitB. 
Ober 2:ritonen mit geBogcnem bilden fpeicn in bie 
breite SWufc^el, SCritoncn, bereu Slrntc wn^ ©eine in 
gerinc:e(te gifd^fc^mSnje au«I<mfen. ^. ^ 



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2in., ^Ift ben Koniferen, ben 3:aj:u«()|ie»T, ben 
.S>ainlmd^cn, bic ju giguren, gu 9hf(^cn unly 23?änben 
gcftu^t finb, aBgcn^onncnl ©ie pnb gu einem ©tücf 
grüner, IcBeuber 5frd^iteftur gemacht. 3(^ fcIBft ^afc 
gum 53eifpiel faum eine nettere Erinnerung al« bie 
an ba« !J^^aturtBcatcr bon §errenBaufen. 9)?ic^ ent- 
gücfcn biefe 2;eppidf»6ectc um gontänen, biefe ©patier- 
rcfcn, bie fclBft ju ficineu, crftarrten Jiofcnfoutäncn 
geftii^t fmb, unb bie bämmerigeu S3ogcngSngc ber 
Befd^mittencu $ainBurf;en, bie fid^ boüfommen gu 
grünen 3)äc^ern bon BüBen unb brüBen ineinanbct 
berftricft B<^Ben, unb in bercn 9?ifc^cn unb genftern 
— bm nicbercn ©tcinBänfcn gegcnüBcr — ^utten 
iBrc fleinen, fofetten ©teingruppen bon grüBüng, 
©ommer, ^crBft unb 29inter, bon aJiuftf, 9J?aIcrci 
unb 2)i(itfunft Bitben. "äJlxd) cntgücfcn biefe fleinen 
©artcnBäuSd^cn, SSillcn unb Zmpc\d)cn, bercn n?cigc 
Sänbc burc^ lange 2inbcnh?cgc Blinfcn. üBcr bie nun 
3aBrjeBnte nic^it me^r bie ©c^erc be« ©ärtncr« fam. 
©ic fxnb am gug fnoüig gen?orben, bie ?inbcn, ftnb 
mit €cl;öglingen unb iungen SBitbfprcffcn üBcrbecft, 
gtoifc^en benen bie ginfen fic^ tummeln. 

$ier in S3crlin fönnen nnr bon bicfer Jtuttur 
nur n)cnig mcBr bcrfpürcn, fxe umfängt un« in SBürg* 
Burg, in ^J?i;mpBcnBurg, in ©d^IcigBeim, in ©c^n^c^in- 
gen, ity^J^effau, in ©cnratB am SHBein, in gra«catd, 
in ben'S3iüen bcr SBorgBefe, in bcn S3cBotigärten ber 
2}?cbicäer, in SSerfaiöc« — üBcraü giBt e« no(^ if;rc 
glücJIicBcn 3nfcln — i^rc (SiptBercninfeln. 

§lBer tpir Braud5»en nic^t fo h^cit gu gcBcn — tvenn 
n>ir nad^ ?Pot«bam fommen unb faum bie lange 
53rücfc üBcrfd^rittcn B^Bcn, unb nnr ftcBcn bor ber 
offenen ©äulcnnjanb, bie bcn Suftgartcn, ben ^arabc- 
plaii oBfc(;ücgt mit il^rcn 2:ritonen* unb S^^mpBcn- 
gruppen gn?ifc^en ben ©äulcn gu cBcncr Örbe . . . 
unb n?ir fcBcn nad^ ben Slntagen BerüBer, n?o in bcm 
fleinen Steic^ jene BbBc ©runncngruppc fid^ BeBt, 
9?cptun unb ©alatBca, bon grogfloffigcn 9)?ecrpferben 
gcgogcn, bon Bfafcnbcn $:ritoncn umringt, bon 5traut, 
gcnd(iel unb ©c^ilf umhjatlt, in allen gugcn bon bcn 
6rauncn ©arBcn bc3 SiSafferampfer« Befc^jt, — unb 
n?ir treten auf biefe ©ruppc gu unb feBcn, njtc in 
aH bicfer regen 53untBeit nur fic, bie fc^önc 9?ije, 
ruBig 'unb ftolg iBre üppigen grauen ©tcinglieber in 
ber ©onne n»ärmt — fo fmb toir auc^ fc^on am 
©eftabc bon einer iener 3nfeln (S^tBerc gctanbet, bie 
an SÄcid^tum unb ©c^önBcit feinem 53crfaiflc« unb 
feinen ©oBoligärtcn gu hjcic^cn Braucht. 



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.Georg Hermann« 



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Schlichte ^Architektur. 

* Qlon fommctltdgen t^nfirten* 

^ Sd) würbe mir (Sntbccferfrcubcn fd^mdc^cln, wctin 
(cl^ \i\tt üBcr blc einfädle unb ftnnooHc SQU0!urtft 
eines Sergflabtcßen bc§ ^lorb^arjeS Mreibc, l^Site 
nic^t fd)on cor mir jcmanb, ein 53efferer, mit feineren 
gSorten, qI5 fte mir ju (Sebotc ftelöen, bic 5lrd^itc!tur 
ÄiefeS 6t5btclöe"3 ßefenngeidjnet. G§ ift S i (ft t ro a r f, 
bcr In einer ©tubie ,,18ürflcrli£%e Saufunft" neben 
Seffcrfelb unb ÄlauStßal audö auf ©runb 
am §arj I)inroclft, unb mit Sßcc^t öeltcnb rnad^t 
baB bort bie 5?eimc einer ßcfunben bürflcr* 
liefen 5lrd5ilc!tur flecfcn, n?clcf)c mir miß* 
eckten, um ftatt bcffen ßUc Sßelt unb oHc 
Seiten anauBorflen, ö^nc nod^ ben 93ebürfniffen 
unb bem ^^^x^Xitt DeS SanbcS unb be§ 2anbftrid[)e8 
gu frogen, in ba§ wir ba§ ©cliel)ene ccrfctjcn. Slud^ 
üon biefer Snfcl einer fd^lidjten farBcnlrcubißen ii3au» 
fünft Brocfeln bic Söellen einer ßefclömadfSormcn 3"* 
lanftfam ein 6tü(f nad^ bem anberen ab; neue 
35auten in Irgenb meld&en cermaf^enen ©tilen fommen 
l^inju, unb Bei ^TuSBeffcrungen metbcn bie ftgnififanlcn 
SUJcrfmalc biefer auf ben JReij ber %^i\it geflcttlen 
löaufunft cetroifdöt. Sln^teHe be§ tolen ober grünen 
!lüranftricf)c5 Iritt ein grauer ober braunlid^ ^olafatbcncr, 
utib nun ift bic fd)5ne ^iffcrcnj, bic ein blanfer 
ÜJJcffinggriff ober Älopfer ergab, mit ©efd)icf 
umgangen unb bel^oben. „3d) l^aBe ein 'flacl()eic5 
S)ai \i^\X be§ alten (teilen ©aijbadieS — c§ tränt 
oiel 3um 6l)ara!ter ter Slrd^iteflur Bei — im Umbau 
auf mein §auS (e^en laffen/' fagic jemanb ju mir, 
,,unb badete niunber mie !(ug idt) baian ^tK^w l^ätte. 
Sei bem anberen rutfd^ten im 5J^ü()j[a^r bic Sd[)nce» 
maffcn o^ unb bei mir Iief*5 burd). 3)ie oor un§ 
mußten olfo fd^on, marum fic i^rc S)od^cr fo [teil 
einbedtcn." 

Unb fic mußten fo mand^c3 ! 9lid^l retd^ genug, 
um mit formalem <3c§mud ju mirfen, fteHten fie iBre 
2lrd^ite!tur auf eine rein !oloriftifd^e 93aft5. X»ie 
(teilen 3)ad^er bedten ftc mit roten galjjiegeln, unb 
oud^ bic Geitenmanbc Beichten fte l^ier unb 
ba mit ben gcriUien giegclplatteu ; ben ©ad^ranb 
ober bcfe(5ten fic mit einer gan;j feinen, grauen Sinie 
»on 6d)ieferplatten, fo mie eine S)amc um ein roteS 
Äleiö eine bunflc e^nur feftt. 2luf bem S)oc^fitft 
ISuft biefc Sinic entlong unb gleitet an ben 6cl)ragen 
ber 6attelbSd)er l^inunler. 2)ie furjcn ©d&ornfteinc 
finb oft gann mit Schiefer »erfleibet, bic ?^latten ju 
einem jicrlidien SKufler gufammcngefud)t. 2)cnn l&ier 
freist mon nid^t aüein bic ©fraßen, fonbern e§ gibt 
taufenb fünfte, mo moxi. in %^^1'^t ftel^t, ober ouf 
boS $aud (erabfel^en fann, unb ba fonntc ber 

[ornjlein oud^ ein Hein nnnig ©d§mud Dcttragen. 



ÜJfan fann fic^ !aum oorftcHen, roic rci^oott 
bicfcä üoHc Sftot — bic com 3flegen leicht aufge« 
rauF)ten Biegelplaiten befommcn ptad^ttgc Tönungen! 
— ju bem bunfelen ©rün ber Söalöer unb bem 
ÖcIIeren ber Söiefcn fic^t — , mie prächtig bo3 cu5* 
ficBt, mcnn man fol^ ein roleS Dertd^en in att* bem 
®tün cingebcllct ficfit. 2)icfe rote 35cifleibung finbcn 
mir in ganjj 9iiebcrfad^fen ; aber fic ift im Slüdgang, 
benn cor ^<x\izx\. fd^on Beflagte ficö SSiir)clm 9laabc 
mir gegenüber, baß bic löeuti(\e ?lrct)i{cEtur in Sraun« 
fc^ireig bie Xrabition butd)brad)c. „5ßenn Sic ftüf)er 
^ier com 5öinbmüBlenbcrg r)erunterfd)auten, fo faB 
ganj Sraunfdjroeig noc^ mie ein ü)?oI)nfclD ou§, aber 
je^t fcBminbft ba§ me^r unb meljr," fagtc er 
faft Befümmcrt. S^i ^f»« ^^oten %Ci^) nun 
ftcBt in ber Sergftabt eine SÖanb in $u^« 
fläche, oft fein geraupt, gierlid^ aBgcfcftt; meift grau, 
(yw^ leid)t l^ettblau, leidet rofa getont; unb in biefcn 
glttd)en leuc^tenb, roeiße genfierraBmen, Bier unb "^o, 
mit jierlid^en, grünen Slumcngitlern bacor. ©onft 
aber prangt aud^ \)v^{tx ben ©d&eiben ein 93Iüten» 
reid)lum con mand)mal ganj olimoDifcB ocrlorenem 
3eug, baS Beute faum nod) fonft ge3üd)let rcirb. 25ie 
genfter finb cier» unb fed^Sleilig, unb e§ finb faft 
burd)iceg ©d^iebefenftcr ; ba§ Beißt: bic untere Hälfte 
ift Bintcr bic obere j\u jdf)ieben, fo ^io,^ alfo 
fein genfletflüc^el offen fleBt, on bem man 
fid^ flößen fann, ber bie 23reitc BeBiubert, feine 
6d)cibc im 2Bcg ift, bic jjertrümmcrt merbcn 
fann, menn man ben GHenbo^cn rüBit, — 
fonbern man fd^aut burc^ eine Dcfjnung inS gieic, 
fo alö ob eben bort ba§ genftcr BcrauSgenommen 
mare. S)a im Slflaemeinen mit geufteru in bem 
niebcifacBfifcBen §au§ nid)t gefport ift, fo ift bie 
ga^abc jeBr luftig an^ufd)auen ; unb noc^ luftiger 
mirö fie, roenn be§ 5lbenbS bie ©arbincn B«untcr» 
gelaffen finb, rnaä ja in joIcB einem Deild^en jjiem« 
\\^) frü5 gefcBieOt. SÄan finbet nämlicB nur eine 
^Irt con ©arbinen im Ort: tiefblaue^, mafcBBlaueS, 
fornblumenblaueS ®Iani;leinen ift ber ©toff, auS bem 
fic gefertigt. 2Öir ^V^t erinnern un§ feiner; er 
mar 3Ko0e, al§ mir jung xotixtn\ unb 2Ruttcr Bat 
ciellcidjt nocB eine 5lüdbcn(\arDinc, ouf ber er eine 
oblonge 3Konbfd)cinranb[d)oft mit einem gluß, einem 
ScBIoß unb ;;njei 5ivid)cn transparent in td)iüarj unb 
rocißcm S)rud tragt. S)icfe ©arbinc Bat man bort, 
unb eS läßt fid^ nid^t fagen, mie pra^tig fic aBcubß 
in ber milben, Beßen ©ommcrluft gegen ben meißcn 
genfterraBmen fte§t unb %\x bem leicht ongeglül^tcn 
Serputj ftd) fügt. 

2)ic §auptaujSbiIbung jebod^ Jat bic Mr er« 
faBren. öiuc Unfumme con liebenSicürbigen ®e* 
banfen, einen unerfcBöpflid^en 9leid)tum an IWotioen 
l^at man ouf bic ^ür oermanbt unb fle ift auc^ ber 



cinaißc ^cil be§ $üufc5, ber ©d^murf befommt. Jd^ 
lEiabc in bicfem fleimn §ar;iort cielleicBt breißig ccr« 
fd^isbcnc Slnorbnungen unb 5(u5bilbungen ber ^ür 
gegaBlt. ©ic ift rot ober grün geftridjcn; ober fic 
mar eS bod^, unb jmar aud^ bort, mo fie %tvXt 
einen Bol^farbenen 3lnflrid^ §at. SWeift führen 
ein ober %m\ ©telnftufen ju iBr empor 
Bei einzelnen eine treppe, bcren 2Bangc in fcBmung« 
coHer ©mpirclinic gefaßt ift. 9flcd){§ neben ber©lufe 
ift eine menige Sott BoBc, m»nige Duabratmetcr große, 
aufgemauerte' glad^c, ber Seifc^lag, ber in rcicBeren 
©labten, cor allem in 3)an3ig, eine foftBarc 2lu§» 
bilbung erfaBrcn 5at, unb auf biefer aufgemauerten 
platte fleBt eine grüne §o(.;;banf, audö fic in ben 
gotmen bem Empire cnlflammenb. $ier unb ba 
flanfieren ijroei niebrige, fiarfc, fugelig ccrfd^nitlenc 
Sinben bie Xür. 2öo fnBcn mir Beute roieber, baß 
ein 53aum mit ;iur 5lid^ileftur geBörlc ? !5)ic ^üren fclbft 
finb meift einflügelig — feltener arociflü.iclig unb in ber 
3Kiltc AU ijffncn, jebe in ben güHungcn originett geteilt, 
origineff gefdönitten, unb bie aufgelegen SDJefrmgteile 
genau banacB gebilbet. 2Benn jum Seifpiel bie 2J?ittc 
eine fpitjc rBombifcBc gorm Bat, mcld)c ftraBlenförmig 
fannclliert ift, fo Bat ber 3}?cifingfnopf ben gleid)en 
fpiö iBombifcBen 3"fcBnitt; auf quabratifcBer güllung 
ift er guabraiifd), auf runber runb. ©inigc prSd)tigc 
"ilütflopfcr, in gorm liegenber romanifd^er Söroen, 
mcrben jc(jt mit ^ictat gegen faufluftigc grembcn — - 
unb foKen fie ielbft für ein 3J?uieum ermorbcn mer» 
ben — certeibigt. 2)er Sid)tcinfatt über bcr 3:ür 
tragt bie ;jierlicBftcn Xcilunr.en; Bier trennen nod) 
bie ©d)rocifungen bcS IHofofo bic fleinen, fid) au 
cinanber gliebernben ©cBelben, unb bort, unb bort, 
unb bort . • . atte bie flcifcn unb bocB fo gierlid^en 
Teilungen be3 ©mpircS; Bier Üuabrale, bort ©piö* 
bogen, bort jd)rSge Sl^ombcn, bort fd^lanfe 
©täbc — faum ein ©auS, mie baS anbere. 
9lun, um biefe cielfac^cn Teilungen beS ^ür* 
oberlicBtcS gu fel&cn, \^x^yxi]i man nid^t fo 
meit %yx gcBen. ©elbft in ben ormlid^cn Käufern 
con 9Joroamc§ finb fic Bei jebem com ^iacBbar cer« 
d&ieben. 5lbcr tixQ^^, maS bie Biefigc Slrdiiteftur beS 
23auern5aufeä nicBt fcnnt, mdd^t eift biefc lüranlagcn 
coHfommen, fcBlicßt fte: fcBmalc, fcBlanfc gcnfler — 
aucB oft üum SocBfcBicben eingerid)let — finb recBtS 
unb linf3 ganj natje o.x\, Den ^ürraBmcn Beran« 
gebogen, einen 5lu5bli(f con bcr 2)iele auf bic ©tufen 
Bietenb. ©ic faffen Die Xür ein, fmb ein 5lompl€j 
mit iBr. SKan fiellc fidö baS einmal cor: bie grüne 
Xür mit bem blanfen aJJeffinggriff, baran bie meißcn 
genfterraBnjcn, rccBt3 unb linfs bie Sinben, bic grüne 
93anf auf ber fauberen platte, unb ba^u baS rote 
2)Q(^ — Ott bo5 fic^ con einem feinen ®rau ob* 
l^cbenb, . . . b a S ift eine Slrc^iteftur ouf folorlftifc^cr 



IBafiS, bie atteS ift, mo^g fie fein mitt, unb nid^t mcl^t 
fein mitt, al3 fic fein fann. S)ic Satcmc, meldte 
gefd^idt in \^(x^ Oberlid^t über ber Xür cingefetft mat^ 
bic ©traßc unb bie 3)iele juglcid^ Beleud^tenb, unb 
mit iBrcr corfpringenDen ©d^meifung bic gl£d^c 5e« 
febenb, finben mir — feitbcm für ben 3Kagi|lrat nldjt 
mcBr atte Xage SD^onbfd^ein im ^alenber ftcBt — nu« 
noc§ feiten unb in menigen ©lüden. S)a8, xq<x^ Biet ^ 
am einijelnen ^auS liebenSroürbig, fauBcr, freunblid^ ^, 
unb gefättig mirft — mtiXi. mirb fro5 unb tu^ig, 
menn man fo ein $au3d^en ficBt, man meiß faum 
marum — mirft als ©traßenbilb, alS ©tabt^araClet 
außcrorbenllid^ fiiloott, gefcBloffcn, beroußt unb Be* 
ftimmt. %\t l!lrd^iteftur tonnte bod^ eigentlicB ein 
5linb entnjcrfen; unb bod^ ift fic con jenem feinen 
9lei3, ben ein ^rd^iteft l^cutc mit ott feiner ©c^ulung 
nur in ben feltenften gStten %\x treffen ccr« 
mag, fic ift j^ur Umgebung geftimmt, foloriftifcB gc« 
bad^t, au§ bicfem Soben erroacBfen, coHcr Xaft unb 
con einer ruhigen greubigfeit getrogen. 

©at bie SBcrgftabt eine foft Bottönbifd^c ©auber« 
feit, mie überBaupt bicfe 5lrt ber 5lrcBiteflur prinzipiell 
auf bem S3obcn ber BoUanbijcBen öauSfunft flcjl 
unb nicBt oBne iBren ©influß enlftonOen ifl, fo ifi 
bie maletifd)c SBiflfür — bic jo nic^t immer mit 
©auberfeit &anb in £)onb geBt — in einem fleine« 
DerlcBen 53aben§ bie §errfd)erin. Unb aud^ mcnn id| 
über biefcS ©taHd^en etroaS fagen moHie, fobUcB« 
mir nid^t ber SRul^m beS (SntOcderS unb gcbern, 
roclcBc oufd^aulid^erc Silber j^u f(ßaffcn miffen oW 
bie meine, finb mir jucorgefommcn. GS finb bie 
^ünftler 5?arI3ruBe§, bie in i^rcn Sil^ograp^ien einet 
©umme con SKoticen au5 ©roc^ingen eine 
meitc aSerbreilung cerfd^afft Babcn; Baben ficB bodj 
einige IWaler ganj bort^in gurüdgegogcn, Baufen ba 
in einem ollen ©d^loß mit einem präd^ligen biden 
Xurm, in \iiXi\ ein paar fd^rage genfter« 
lein unter luftiger, gebrungener ^o:^'pt fteBen, 
©ein SWauerroer! ift jur ^Slfte »erfleibet 
unb cerftedt, con einem (Scronfe milben 2Beln3, bet 
mit feinem falten 2öcinrot ber ^erbftfärbung bie 
5?ünfiler ju einigen pracBtigen Slatlern anregte. S^urdj 
bic „Suaenb" ift cor äal^ren ba3 ölolt Senn^ 
gifentjd^eiS otten 5uganglid^ gcmorbcn, benn bamolS 
101) ficB nod) ein jeber bie „gugenb" on; unb id^ 
glaube, ba5 einfacBc, eigenartige 3)?otio ift nid^t cer« 
geffen morben: biefe rote Saubmanb unb bcr groue 
Xurm con einer müben, milben ^erbftionne flor unb 
rnBig überftoubt, träumenb am BettlicBtcn Xage. 
Söeniger bcfannt, ober bebeutfamer ifl bo3 feltene ölatt 
iBreS SBruberS — beS 3JJaler Äompmonn, — unb eS IR 
mol^l eines ber fcBBnftcn, meines "^n^ ben ^vc\%ß 
rul^etn in ber Ull^ograpl^ifd^en Xec^nif gefc^affe« 



jur Sclbcnborftettung im jugenblicjen gacßT 
präd&lige, con einem poelifd)cn ©aucB um« 



mürbe. S)a§f<lbe SWotio^ on einem $crbftabenb 
gana fp5t; meicBe Suft con unenbli(t)er ©d^tcermut; 
ber fiimmel fo tief blou unb innerlid^ leucBtenb, 
, wie mir ijn nur fennen, menn mir ouS lompenBcttem 
Sitttmer in bie blaue Dämmerung ftarren. Unb in 
ber SKaffe be3 tolen SauBcS bic glcieBc cerBollenc 
®lut. 2)ic i^onluren ccrfd)mimmen, ber Xmm mit 
feinem p^oSpBorcSaicrenben ©emauer roirb unbeftimmt 
unb un^mlicB in ber obenbIid)en ©elifomfeit biefer 
fd)n)eren, leudBlcnben Snft. 

)XvLii fennen mir oud) au§ ben Sil^ograpl^ien bie 
flcinen jjott BimmelBIoucn ©SuSd^en, on benen ftd^, ^ 
bie gcnfter freilaffcnb, ein einziger florfer SScinfiod 
emporronfl unb fid) (X)\ bic a^3anb mit üppig ouSge* 
breiteten 3lanfen, mit fd)önen, breit gejarfien 
Slallcrn preßt; im ©omnier ein präd&» 
ItgeS, ßefdjidt »etteilteS Ornament auf bcr 
?u^flcW|c bilDenb. S8on bem alten Ort ift oußcr 
bem ©(Bloß, Äird&c unb menigen Käufern nicBt gor 
tnel&r cid corBanben, ober mcnn bu bie Hugen ouf« 
tnad^ft, fo ftcBft bu in ba§ aj?auernjerf oßcntBalben 
iSlefte eBemoliger ©leinme(}funft eingefügt, unb ein 
■fleineS ^Jorlol mit \iim ©ignet be§ ^ünfilerS unb bcr 
3aBre§aaBl finbeft bu pIöfelicB on irgenb einem arm* 
• licBcn ^5u5tBen. S)ic Soge in einem Äeffcl, ber fid| 
ttac^ einer ^benc BinauS öffnet, ein gUißd)en, ba§ — 
•eine greubc für itinber unb ©nten — ganu Bett 
unb gonj flod) burd^ bo§ Dcrld^en 5iei)t, Bier 
ficB ceraroeigeno , bort fid) in einem breiteren 
^^tn beBncnb, r)ier ixw ben Käufern entlong 
eilenb unb bort in ©lein gcfafct, bann micber 
amifdien gleiten blüBenbcr §onunbcrbüid]c Baflig 
boBinaicfienb, beftimmen bie almofpBaritd)e Sf^eiae, 
wie bic regellofe, malcrifcBc 5lnorbnung bcS OrlcS. 

JBon einem eigenen SHcij unb unoergefelid) für 

ben, ber iBn einmal gefeBen, ift ba§ fleine 

@lüd ©arten lonb, con ben glügeln bc§ allen 

(ScBIoffcS eingcfd)loffen, eine S)ornro§(Benprad&t 

ift cS gonj unb gar ocrmocBfen; große 

;Ä'cßel con weißen Souerrofen brängcn fid) fo, 

boß fic unfere ©d^ultern ouf ben fcBmalen 2ßegcn 

ftreifen, unb 83eelc unb 93üid)c con gcuerlilien, 

Secfoien, 2I?oBn unb 3JiannSld)ilb umringen bid) 

Dcrnjorren, roilD unb üppig — ein fonniger äJiSrdjen« 

gouber. Unb oucB bic ccrroilbcrlc §errlicBfeit eineS 

.foIcBtu ollen S3fumengorlcnS mitt icB mit \\x ben 

|5tunflerlcbniffen recBncn; muß cS benn immer ein 

S^om lein, ben mir Beicunbcrn, m\x^ eS benn immer 

ein iBilBelmSBö^e, ein ©onSfouci fein, beffen gärt« 

nerifcfic Slnlogen unfer ©nti^üden bilben? 

j _ GeorgHermann. 



V 



,«ie 



ni. 



3)er ^arf 2 
' ©■> Wlicfit n « ^'"»"tietmirtit " 



,9^1"5e ©tim 
eine 










o ■ ^1 



l)cftcn 



V" 






tjt: jTO ttUcm Ä, 



la \dm\]i 5lupiDo Icö imb ()ot fic c^ut c^etroffou. 
U)tan tcnnte meinen, ^af^^oö 511 einem C^HMnälCe 
jMMi l'aucret ^^Vcrte tiniren ober ^n einem iumi Cefcr 
erer iumt Seefali, ^^HTfe im (Stil einer .^laifcbin cter 
eine^ ^\)^^vtin ^lUanbenbnrc^, ober ineüeiii)t 'Il'orte jii 
einem .Vua^'er ^berou'ierfio ober "'JJlexU, 9lhT, treilu 
man fduirfei biiiheit, |o irirt man ;^en Unterton 
loii baltannliebtci 3rLMii|gJbariit, frrffc», ben über- 
'<»^t:ielenen 2d)norfe(, bie^atiiifcfy« l'inie Ib. Ib. 



g[y?u|rf)elfreefcn rnib ©rotten — einer ®c^ ,v^,j„^,, ^^1^, 1^^ oiiv^itlid) hn .s>eiÄt irod) fciuer ^nr 
— ftrablen bie 5[öegc au«; UTA Mnten, i(VH4tim'c^ fommt, ivenn er ein fe^Wfteifet^ ^^Hieber^ 



jie()t fuf) eine 2öanb t)ün ©äulen obei 
:Keibc luMt .^ari^atiDen, bere» ?eikr 
!vintic\en ^ilcijtcrn n.\nd)fen unb bercn 
fcaud^icjc ^Mumcni?afcn emporf^olten. x 
c\an^ toon '^eDiirf'wi^i bögelöft, folgen i-et 
fiinftterifrfien iÜNiüfiir. ia bie große S 
bie ivontänc bcr ^oboUgärten in gtor 
bina6 fiil)rt bcr Qii)^reffcnn)cg, er fomi 
§imme( berunter; unb alö (Singang ji 
yicii'jeli cer J^cntöne mit i{)ren gcfreujteii 
uiio linf«^ flehen je ^uhü bebe, f<jnncüicrte 
ouf benen oben irgenb ein feltfamc« gofe 
,iiege, bolO fÄuppiger fvifc^, Balanciert: 
ein 9(ün)cno, eine Örotcöfe — unb boc^ 
Crer Ititc-aen mit gebogenem 9?ü(fen f| 
brate 9J?ufci)eI, Iritoncn, i:eren 9lrme uf. 
gerir;,lte Aifd^fdnvm^e anolaufen. 
"^cid) ein ungehnnter ^Reic^tunt a 



meieiTclfdien ak^ fpätc (i'reen in biejen ilicfofogäiten 
fii) einlegen lä^t. 

lie jüiuifte (^Vgenu^rt |iebt aftcr in tev (*»\vrten= 
fünft bet( i\u'\:'d nnt ^Kefofo mehr cl« nur Vanne 
!m^ Sdmertel — ane baß ibre batbfarifaturiftifd^en 
,^,eirfmer ir.ib Teuter tun; fiebt in ibr mebr c\{^ nur 
ton ^>inteic\rHnb für fnbtile (Stimmungen, une ba<^ 
Die ^.VenrLMuanlifer tun, \. ^. «Stepban (^^eorge, ber 
ja inu' ben einen A>tutergrunb ber alten ^^avf^ teunt: 
„f^cm lore, beffen (Sifenlilien roften, 
tS-ntflic(\c!v ^H^gcl jum üel•^ecften ^Juifeu. • 
Unb aubve tvinfcn fricrenb auf ton *^3feftert 
^HMU 'liegen au^ ben bebten ^^MnmeniHifen." 
9(oin, beute [eben \v\x cnblid) in ber alten C^Knleu- 
finift eine Siimn^e feiner fünftlerifd)er CsH^banfen; nn'r 
jcbcn in ^e^ '^^runnen nnb /"yontainen mebr wie eine 
5,vfrleref, eine ,/il'afferfnnft" ; u>ir freuen nn^ an ben 
fcium llnirabmimgen unb trie baö ^l^affer aK^ glei= 



formen, an ^topboren, an ©odetn, ai ^^,^,^,^ .3J^,taa über bie breiten ^rcarmorlippen ^n 
fteinernen ^Mmnenfübeln ftecft in u ^^;,,^^^.^,„ .;p,^^,,^ ,|,f,|t. mx empfinben bie ©d)ön^ 
ardnteftur! ^i^ield) ein 9?eid)tum au 31 j,^,j^ ^^^. lerrafien, ber nieberen ®tcinbönfe, ber 
an Ireppeu mt^ an überrafd)enbcn «5| :^,,pHenfiibrnnqen, auf benen man in u>eiten ^^oc^en 
Ucbemnnbuug t)en Unebenbeiten htß ^ ^^.^^^^^.^ .s>oben ' lei.tt unb angenel^w iiberunnbet. Tte 
m^ ift ben .Sicnifcren, ben t^i 9Varmor= unb eanbfteinfigu'ren, auf benen bie ^l ^ 
^^ambmten, tic ^u ,^-ignren, ^u 9?iy^en ;„ , „ t i f nur bie ^sergriinunc; unb bie filbernen unb 
öeitntn finb, abgea>onnen! Sie M jv ..^^efelfarbigeu ?;icd)"ten, k^ ed)abbafte unb 
flrunei, lebeuDcr ^^Ird^iteftur gemacht, l ^)^,(,rifd,c fab, ererben für u n ö beute Senden 
3um ^Heiipiel faum eine nettere @nnn. ^^.„^,j.,, ^^,^,^^,^,,, ,q,„^ft, unb i^on bem ^unb ber 
an ^ao ;Jiaturtbeater bon .Oerrenl^aufei . .^,^ ;^.,„taine @an^fouci(^ bringen mx bie Figuren 
bilden Mete lepputbeetc um Sontänen, . ^ ^^^^ ^^^-^^^^ Anebrid)-9J?ufeum, 'um fte an ber 'alten 
rolen bie |eU'ft ju (leinen, erftartten ^^^^^^ ^^.^^ ,^,p|,„ ^,, .^fe^en. ^?(n ben fleineit 
• o.MtM.t te. imt Me bämnurigejl SB. ^^^^^^^^^ in einem ^:fi?ür^burger ©d^leftparf leben tinr 

beute aüc Gnt^ücfungen tvie t^er feinen alten ^^or= 

^edangruppen burcb; Söörflin hat wm bae 5?erftänbni^ 

■^M für Iritcnen unb il^Dmpben, ?T?iefen unb (Sentanren, 

«K f'lr aii bic 9?iai^feu unb all Da« ^Vibchvefeu bc« 




Ter $arf 2 
,>5ic fangen üon SD^anneibilbcru, 
^<ün @ärten, bie über'ni (^eiteiiii 
3n bämmernbcn ?au6cn üerunlbcin, 
^^aläften im 9D?cnbenfc^cin — 
^0 bie $D?äbc^en am genftcr laufd^cn, 
SäJenn ber S*ante 5llang envad)i, 
I Unb bie 53runnen terfcf;lafen raiifrf)cn 

/ 3n ber prächtigen (Sommernait)!/' 

• ®o fc()aegt baö öingangögebief)t 3U ben Si^crfcn 
CS*irf)enbcrffö, unb es f«mgcntrt€rt biefc ganje ©tim=« 
ninng ber ^Jeomantif. man fithi bie C^^ärtcn eineii 
italienifc(;en ^^^alaftc« bö6ei, t)i0 fW) bergan jiet^n in 
3:crraffen, unb wie im «Harbiinr (iJiufti iiOer'm ©eftein 
bämmernbcn !i?au6cn ücrttyilbern. 

bönrn 




I 



tu 



2öic fc^cn ba^ ijt: \)on einem Ä;)aibruno ml 
g(Ku|d;elfrc0fen imb ©rotten — einer ®rf)einarrf)iteftii 
— ftra()lcn bie SBegc au^futtb l)inten, \r>o fie enbenl 
gie()t fic^ eine 5ßanb öon ©öulcn ober eine offen^ 
iRcihc tocn ,SlarvatiDen, bcrcu ?eikr am^ met>, 
fantigen ^ilaftcrn tva(f)ien unb bereu -ftöpfe 6rcit^, 
baud)ige '^lumcntjafcn emporbalten. Xie gormcrt^' 
gan^ t»on '^^efürf'iiiö loögelöft, fotgen i-cber gcifttoüeti? 
ifünftlerifiten 5Biüfür. Ta bie große SBafjcr anläge/'- 
bie is'ontäne ber iPofcoligärten in glorenj. @te4l 
binab fübrt ber Qii)prc[fenti?eg, er tommt n^ie 00m 
^^immel l)erunter; unb aU Gingang 5U bem groj^eil 
j)iori'jeU ber ^^-ontönc mit i()ren gefreu^ten 5Begen red)tö 
un? [h\h ftf'hcn je 5tr>ei bobe, Mnucüierte frci-e (Säulen ^ 
öuf bcnen oben irgenb ein feltfameö J^^ibehoefen, balb 
Hicge, I)alb fc^uppiger S^Wf balanciert: ein Unfinn, 
ein 'J(onieno, eine Öroteöfc — unb bocb unoergeftUd). 
CDer Xiitc-iiPu mit gebogenem 'JJücfcu fpeien in Cic 
•brntc 93?u|d)cl, ^ritoncn, Oeren ^?lrme u/.ib ^I^'ine i' 
gcrii'-.lte Aijd^fdvtvän'sc auslaufen. / 

^^cid) ein ungefannter ^Reid)tum an (^etäupA 
formen, an ^?(mpboren, an Worfeln, an 3>afcn, an 
ftcinernen 33tumcnfübeln ftecft in unferer ^arf« 
crdütcftur! ^2\>eld) ein 9fJeid)tum an Sßegfüi^rungen, 
<in Ircppen unb an überrafd)enben 5i!öfungcn in ber 
Ucbernnnbuug öon Unebenheiten beö iBobcH«. 

©a« ift ben Monifcren, bcn 3^aj:u£< becfen, ben 
.^"^ainbudKU, bie ]n j^-igureu, ^u 9?ifrf)cn unb 5^änben 
c\c\\n\it fmb, abgeioonnen! <Sie fnib ju einem ©titcf 
griiner, lebcnbcr ^^Irdntcttnr gcmadit. 3d) fclbft hatt 
^um ^H'iipiel faum eine nettere (Srinuerung a\^ bie 
an biiö :){Oturtbcater ton A^errenbaufcn. JOiiid; ent= 
dürfen riefe Icppid^becte um jvontäncn, biefc Spalier* 
rofen, bie felbft ]n fleinen, erftarrtcn ^Hofenfoutäneii 
«••■"'f! iU fiuü. unb I ie bämnurigen iBogengänc\e ber' 




bcffen - V" 
bat ftc ^»t getroffen, 
ta^ ]n einem (*»kMnäiCe 
rei|^||ter \n einem oon Cefcr 
im 2til einer .<^laifd)in ober 
urg, ober oieüeiitt '^^Jorte ^u 
•ie ober 'me\)i§^- ^Itor, irenii 
4 Itirb man \tcn llnterton 
Wjlpriit fpffrc», bcn iih^r^ 

bei .vriit« " iTOcft feiuer ^ur 
A bi;Kirr=fteifeö ^^ieber== 
m ili bicfen i)iofo!egärtcn 

[06er in ber Onvi'ten- 

tehr al* nur Vaune 

ifjrd balbfarifaturiftifduMi 

tmmungen, une ba<^ 
(Sllphan (^k\>rge, bor • 
^■«Älten "^axH teunt: 
H« roftcn, 
>ccÄn ^)iafcn, • 
aSi ben ''4-H'oftcn 
i SSjilunienoafcn/' 
ftnl^cr alten CKulcn^^ 
ifcftct (^V^banfcn; ivir 
ifnen mehr umc eine 
t freien unö an ben 
a« Saft er alc* glci= 
9^y|norlippen \n 
pfmcw bie 8d)ön- 
\ ^^nbänfc, ber 
i tnwiten ^^ogen 

fj^rüfinbet. 7\c 
bene« bie ^ » 
? bie |Ul6ernen unb 
^©cbabtoftc unb 

^ ^eute ^fiJ^'^f^' 
i bem ?Runb ber 

i toir bie 55''^ii^i'it 

' fie an ber alten 

?(n ben fleinen 

oßparf (eben toir 

iien atten ^^m- 

'>a« aSeiftSubni^ 

mb (Jentaurcu, 

^•abdn?cfcn .bc« 



ne 

i 



-"pac io lange <Jl «cumlje. " f ;_^;i„„ tef ita= 
ichvtou, ?-«ritcn, ^f^ ," Je «.ne tieie «a* 

tie ^^evfe ^u fernen aUeöenutrciuiu ^ 

; ic'i^ul^c te. cimduon onfdüoft, "f/'; 
rein ißcvt,cu(, fccttmWctc; etct vt*t,flct at« c« t 

„t tnotctc, bic fie anfpuMe unb ««^ " ; *'^^ 
nöttcltc unb »n1*nitt. Tiefe P-Virtcu t u n ft 
; u to f r Jt i f rf, e Stcflimcnt .crtörpcr nub 
:.,anto 5iU„enianno if., ;^>io -f ^ -' '^.^ X 

tic 9!otur inilaät unb toi, evfcl)ien . . . cm pUunpu 

^t^ 3uia,nn,en . . . tiefe GVn-JenO.nf. nnt 
tcm „den' rUnre, unb il-rSopf fiel e,V^M^^^ 
,nn einen ä'eiflloi* ,u btouclKn - unter bcr (.«u.Uo-, 
ti„c ivie ber bcr alten SJiabame Watntcuon. 
' SVn emilanb, bcm parlan.entarifcb re^c tcu 
ÖMC^anb tani ein anbcve* ^Jatuvenivfmten, e« !a 
„/ ten *Vman« :Tt i * a r bf c u . , e. >r,ute . n 
'^ean Tacque« iK e u f f e n u Mvtcve.tct, Uirnj 
i,r\8er?l,er beMun^en (SWtl. unb e. .CH^ 
He (Martentunit enslifcfien ®til6. ®.e. f"*'' " '' 
©tel,' bariu, 5B!cnf*emvovt «rrc,efi''u V n;^-"*^" I" "^ 
f ,ti .5 notiirti* >rie bic 9fanir felbft U' tein - -"«^ 
u llmffn für feutin.entale ßrgebun, ter (Mnlfetcn, 
bcr Suitn- ber «atniUni. 2o. obecl .ft ^a^>l.- 
, ,c S ni'* mit aiMefen unb i*önen v-^aun^mWHM. 
!, I *on «nb ^i^S*en, nüt 9)ioc<<hnttcn uuD- 
SteS^täntcn, n.it 9Jicioveieu unb ?cttl,antmelu 
auf bidUcm ^luifea. 



lie (^^ev3einiH-irt aber — bic jci niit ftöner (sHoidi 
nuif^ic^feit aüe J-äben icber alten .^nnftülnmii burrfu- 
[dutittcn tuit — KW übertmifpt feine: (*^iartenfunit 
i^roften 2tilo mcf^r. Xac t^^W bat für [täMifite ^^lu 
lachen ar.C^ere ^^ebürfniifc ak^ rein äitbetifd^e. Tie 
Aürften haben <\,m\\<\, ^w ihrem CiThteil, bao fie nirf^t 
finmal aHofüIien tonnen, ^^^iedeirf^t ein^,ic\ V\^ retiten 
»errenfibe enptlanCc^ \\v^ Svanfrei't«^ Cilben hente 
ohie (^'Virtenfnltur u^eiter. llnb fie befduiftiiien c\ern 
iav^i"itdic Onirtncr, bie in ^himen;nd)t nnb Vhitac^en^ 
luiic (^V'banfen brinj^en. (Sin^elne ^i^erfnche für eine- 
nicberne C'»\irtenfnnft, iric fie ^4^eter ^^ehrenvi jir 
:rüfieirerf nnternahm, fii^loffen fid^ an bie alte fran^ 
gefifdK' O^artcnfnnft an, nnb jnbeni blieben fie uer* 
fln^elt nnb blieben 'i^crfnd^c. / 

Vlber, trenn bic OKirtcnfnnft a(s< l>ernehnicr 
^:?fniateur|>crt reid)er .<5larbinäle unb Vlriftofraten irie 
bcr S^m^befc nnb ber Vllbani, aks ^\^ feinfte \\inuc^ 
eine^ ti3ni9lid)cn 3nnc\(^efcüen nnc Sn^baid^ bcr 
f^hcne, ober cineö ^^llMtteK^bad^er« tine Wi^^x (^inanuel^ 
cber einer thilofc)>hierenben Js-iirftin tvie bcr Veibni^- 
frennbin 'Sepbie (Sbarlottc — trcint biefc 0>^arten= 
fnnft and) in fid) hente tot ift — fo ift fie ^^\\)_ 
nid)t tot im 35?ed)fel bc^ (^Vfdnnarfi^ nnb ber ^^e= 
nrteilnnc^ ber nadnrad)fenben G^cneratienen. (5^ hat^ 
3etten c^ec^eben, bic fie <x\^ Unnatur t^cradUoten, bie"^ 
in ihr ben fdUimmften (2dnrnlft barocfer .^lapiicon 
iiitb ftarrcr ^lieneüinit fahen — ,,bie ^-^anmc finb fL> 
recielred)! c^efdmitten, al«i trären'«^ Ünn-fe t?en ^^^cileaii" 
fiuöit O^eibcl »i?n San^fouci. CH^ethe — ber rnhiiie 
O^ücthe felbft — (\erat in .s>arnifdi über ben „llnfiun 
be« ^^^riuijen ^:pc(laiionia", über bic „^^^cüac^enilii^e- 
5)iaferei", ivcit befac^ter *|.^rin^ in feinem (^Vuten bot 
aiialermo feinen Vaunen aü^u fehr bie ^Ht\ fdneHen 
liefi. Unb patriotifd^eö Cfmpfinben bat biefc G\irten>- 
fünft oft %^\\\\<^, <x\^ )velfd)e Unnatur iiefenn^^eidinct; 
bic Snflinfte ber SO^affen haben fid) gc^cn fie <\\\V- 
nelehnt, Denn fie fühlten fid) burd) fie beenc\t, unb 
felbft, trenn bie lOJaffen in biefen ^i^nrfö fid) n-c^ehen' 
burften, inerteren fie nid^t eine !iO(innte ba«^ (>>efüht, 
bier nur 3»^w"JViftc ^n fein — ein (^^efühl, baiss ihnen 
bei 'il.^arf« im cn^^lifd^en ®til nie fam. 

Vlbcr bafnr hat bie !:)fomantif ben c^an^cn Sauber^ 
biefer ü^artenfnnft empfnnben, mit ihrer ftiüen, 
träunienben ^Nerlafienhcit, mit ihren Gkiftern am 
heüen Xag, mit bem fdm^eii^enben cialanten ?ebeii, 
baö J3on <^\!i feinen .r^eden unb 9?ifd)en, fcincir 
^tmnpbcn unb ©öttern, feinen S-ii"\iirdKn, ^Uitten unD 
Ohnppcn, feinen ^föaffcrfünflcn unb ^-reuubfctafto« 
tempeldien noct immer auöftrahllc unb bic ^<\iy^ 
lebenben mit einer Vltmefphärc ivelfer ^^arfüm^ 
liiiöhütftc^ 




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9^otl;enburg. ©efamtanfid)t 



2lu^ 



einer alten bentfd^en 

(9^ot^enburg) 

Q3on @eorci Sbcnnann 



etabt 




XX biefem biö()cr, an feinen Q3or-- 
gängern gemeffen, nid)t gar lan- 
gen, cih^v befto ru^mveid)eten 
GäfuUnn tft n>c()I hwxiV. üw '^xixiy 
ling t)ergangen, in bem bet 
6cl)reiber biefet Seilen nid)t t>on 
einer leltfamen 6e^nfud)t gepacft tvurbe, bie 
immer bebrot)lid)ere "iVormen annaf)m, unb 
beren bebenf(id)c 6i>mptome fid) bann erft 
be()oben, tpenn befagter '^lutor an einem 
fd)önen 5rül)nng^tag in bem (Btät>t6)i^r\ mit 
feinem sacfigen ^O^auerfranj i)o6) über bem 
■y^K^y '^aubergrunb lanbete. 

9^ot()enburg i)at fid) für i^n ;\u einer ^rt 
t)on (3aifonfranf()eit aus!getpad)fen, tt)ie ber 
Äeufd)nupfen, t)on bem man fagt, ba§ ber« 
jenige, ber t)on i^m einmal befallen mürbe, 
/ftetfif wieber jur Seit ber ©ra^blüte mit er- 
neuter Äeftigfeit t)on il)m l)eimgefuc^t tpirb. 
9Dkn tonnte 9lotl)enburg t)ielleic^t aud) al^ 
eine !unftl)iftorifd)e Q3erufsifranf^eit beuten, 
i aberba« tt>ärebeim6d)reiberbiefeet ttjenigften^ 
l eine burd)auei unjutreffenbe <S)iagnofe; benn, 
\ tvenn er aud) ju ber 5^unft in einem gett)iffen 
\^evl)ältnifii perfönlid)er Suneigung ftel)t, fo 
^at er al^ ber unl)iftorifd)e 9}^enfd) ber 
©egejimart — unb tt)er möd)te beftreiten, t>af^ 
bafii 3rttereffe ber "^lllgemein^eit für Äiftorie 
l)eute erlofc^en ift! — für Sbiftorie nie 
Qtwa^ übrig get)abt. Unb tuaät bie Ä^unft» 
l)iftorie betrifft, fo liebt er ^tvav bie 0inge 
äftl)etifd) 5u betrachten, i)at aber oon je t)on 



ber '5orfd)ung nur fotjiel in ftd) aufgenommen, 
tüie 5um ^Begreifen ber 0inge nötig unb 
unerläglid) war; er i)at fid) immer unb alle» 
(,vit t)ierbei l)inter t>a^ Q3er«lein be^ alten 
Qöeimaraner Obmann^ in allen ^aft-, ©e- 
fd)macf- unb 5^unftfragen t)erfd)an5t, fo in 
t>tn ja^men 9[enien ju lefen: 

<S)ie gefd)id)tlid)en Gt)mbole, 
^örig, tDer fie toid)tig bält, 
3mmer forfd)et er inst Äot)le 
Unb t)erfäumt bie reid)e Qöelt. 

Unb tpirflid)! eö tt)aren nid)t bie gefd)id)t- 
lid)en G^mbole, bie mid) nad) bem alten 9^cft 
über ber Zauber sogen, fonbern bie reid)e 
QSelt n)ar e^, bie mir nirgenb^ in 'S)eutfd)- 
lanb gerabe fo reic^ bünft n)ie bort an unb 
um biefen alten umfd)an5ten Äö^enfran^. 
9^id)t t>a^ öerlofd)ene Geben tvar e^, fonbern 
ta^ neue lebenbige l?eben, t>a^ nod) l)eute 
biefe alte t)ergeffene, t)om Q3erfel)r faft ab- 
gefd)nittene «eine 9^eid)giftabt auöftrat)lt. (^ö 
n^ar ber unert)i)rte 0^eid)tum an Q3ilbern, 
ber ^ier auf einem «einen ^rbenflecfe ^u= 
fammentommt, 93ilbern in Q3autoerten, Um- 
mauerungen, (Straften unb ©äffen, in ^a\xt>- 
fd)aft unb im Sufammenflang t)on Canb unb 
(s>ta'Ot «^iefe^ 9^ot^enburg i)at nämlid) 
ettt)a^ t)om oäjürjburger Q3ifd)offd)loft an fid), 
baei ber ^altl)afar 9^eumann in ja^r^et)ntc 
langer "i^lrbeit bi«^ auf bie ^ürfd)löffer burd)- 
geäeid)net ^at — felbft im unfd)einbarften 

515 



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bietet e^ Q3oU!ommeae^ uub llcbcwafc^enbe^. 
^äbcfer fagt jtvar, man lernt 9^otl)enbuvG 
in ein paar etunben fennen, ober fie genügen, 
um fid) einen ^inbrucf ju tjerfd) äffen, ^a- 
befer in aUen (f t)ren — aber man fann ^age 
unb Zac^t in 9^ott)enburg tjertveilen, unb man 
wirb norf), wenn man ^2lbfd)ieb nimmt unb 
jsum Q3at)nt)of get)t, auf ed)ritt unb ^ntt 
Crntbecfungen mad)en. 

<5)ie ^iftorifd)e unb fünftlerifd)e ^eacb- 
tung, bie 9?ott)enburg gefd)enft würbe, galt 



betten aueftattete -- nid)t met)r im groiK« 
etil aber mit reijenber ©efäUigfeit unb mc 
enbenber Ä^unftfreube. Steine ^efunbe tft tu 
9^otbenburg t^a^ ^lugc unbefd)afttgt; mit 
iebem neuen Äauei, mit jebem ^Itcf auf 
Fächer unb ^ürme, mit jebem 6tege unb 
jebem Ääu^d)en, t>a^ an bie 9}Zauer geflebt 
ift mit jeber Gtrafjenbiegung unb jeber 
^runnenfufe ift man t^or überrafd)enbe unb 
anfpred)enbe Q3ilber gefteUt. Äier finbet man 
ein gefd)ni^te^ Äauetor, in ba^ man ftcb 




O^ot^enburg. >bcrrenftrafje mit 9^att)aufi( 



?,uerft ben l^auwcrfcn ber (3ot\)\t; bem alten 
n^at()au^, ber 3afobö-S^ird)e, bem QSolfgang- 
knrd)lein, ben frül^en ^laftifen; bann fat> 
man in 9^ot()cnburg bie etabt ber 9^c- 
naifTancc mit feinem prad)tt)oUcn 0^att)au^, 
bem Äau^ be^ Q3aumcifter^, bem ^farrt)aut\ 
bem Subentanjbau^, bem ^euerlein-Äau^ 
ufw., mit feinen Q[9ad)ttürmen unb Ummaue» 
rungcn. ^^Iber beute fel)en wir, t^a^ t^a^ 
ard)ite!tonifd)C Q3ilb ber alten 9^eid)eiftabt 
bod) nod) t)iel me()r uns; gibt, t>a^ ba^ XVII. 
unb XVIII. 3al)r()unbcrt c^ 5"^em nod) auf 
ed)ritt unb :S:ritt mit liebenetwürbigen ed)ön- 

516 



verliebt; t>a entjüden un^ pagobenförmige, 

fpifte 3iegell)auben auf '5:ürmen, ®äd)ern 

unb Srfern; ober biefc^ bunte, ewig 

wed)felnbe 6piel ber rotbraunen ed)uppen, 

bie mit i^rer fd)cdigcn, t^erwittcrten ed)(an» 

gent)aut aUe ^äd)cr unb ^ürme, 9}Zauern 

iuib Umgänge beö u eitt)ingelagcrten 6täbt- 

lein^ übcr,vel)cn, nimmt unö immer wieber 

gefangen. \>ln trüben, feud)ten C$:agen aber ift 

biefe^ ganje etäbtd)en mit feinem ia()rt>unbert' 

alten 9}^auerwerf wunbcrfam oergrünt, tonig 

unb oon bunten Sarbenfpielen überl)aud)t. 

^ortfe^ung t)C« Qlrtttclö fte()C Seite 525 



,;;::#V--iiS^i^S?:^^ 51"« e«n« «««" t>eutfd)en ÖtaDt (^g^ii^^iSgä^ö;;:;::;::.,^ 



Unb ba^ öan^e tvunbcrüoUc IMitf -- e^ 
ift t>cvtüacl)fen mit t)em O^a^meu l)cr !(arcn, 
fvtfd)cn, t)eutfd)en l?anbfd)aft, tie e^ umc^ibt. 
93on bcr Q3at)nfeite fd)cint Ovot(;enlnirö flad) 
^u liec^cn; unt) u>cnn man ba^ fleinc 3tüc! 
unten t>on Gteinad) au2J ^uvücfoctegt i)at, 
mit ben tueiten "^lidcn auf blaue, bergige 
;^erncn, fo l;at mau nod) feinen Q3egdff, wie 
enti^ürfent) bod) biefe^ 9\ott)enbui'g liegt, 
ilnt) tueun man buvd) Da^ Q\i)t)ev-^or (Sinjug 
bält, unb bie C^evanien fielet, bie vot n>ie bie 
Ciebe üom ^üvmevfenfter leud>ten, unb t>ann 
t)inabb(icft in bie bunte Q[ßilbnifi; beö alten 
•Jeftungsgrabenö, ^n bem nod) 3tväud)ev unb 
Zäunte, bie in t>cn 9\it^en beei ©emäuerei 
tDuv^cln, \i)V tvaufeö ($rün fd)icfen, ba bläft 
ee! n)ül)l einen '^ufd) in unfevem Sberjen, 
aber x>on biefem ti^unbertjoUen 3ufammen- 
fd)lu§ be^ \3anbfd>aft2!bilbe^ mit ber Gtabt- 
ard)itettuv tuiffen mv nocl) nid)t0. 0en 
empfinben u>iv erft l)inten am 9)^ar!t, 
n>o t)on bvüben bie Q3cvge in bie 
Ci^affen fel)en, unb bie i)cik £uft, bie 
übev ben *5:iefen gittert, ^u unst tpe^t. 
hinten, in ber ^urg, empfinben n>ir 
fie, wenn tt>ir un« über bie Q3rüftung 
lehnen unb bei Gonnenuntergang in 
bie Zauber l)inabblicfett, unb ftaunen, 
wie rechte! unb linfö t)on une^ t>ai^ türm» 
gefri5nte '^^^auerwerf ben jadigen Äügel- 
frans umfriebet. 

Ueberall fällt es; l)ter ganj fcl)roff l)in- 
ab — in Qßinfeln öon 60 @rab wo^l — mit 
Obftgärten, öteinbänbern unb QBeinbergen 
5u bem ^luftbett ber Zauber, bie tief unten, 
wie eine 6ilberfd)lange . . . l)ier breiter, bort 
fd)maler, bort fd)einbar ganj tjerfiegenb in 
blanfen QSJinbungen neben bem weisen ^anb 
ber Strafen fid) 5iel)t. Unb tvenn man 
bann am beginnenben "^Ibenb ^ur Zauber 
felbft ^inunterfteigt in ha^ fd^male ^al hin- 
ein mit feinen Äöfen unb ^ü|)len, bie flar 
wie auf ben 6tubien eine^ ^ürerfd)en 
0üj^jenbud)e^ im ©runbe liegen, unb wenn 
man beim 6d)reiten burd) bie Obftgärten 
unb QBeinpflanjungen bann jurücfblicft jur 
v3tabt, beren ©iebel unb ^ürme braun unb 
golbig im legten (Sonnengolb gegen einen 
meergrünen abenblid)en Fimmel ftel)en; wenn 
man ben ^o^len folgt, bie in bid)ten 
6d)Wärmen t>on weitl)er ^eimfommen 5u 
i^ren türmen unb Sinnen — bann emp- 
finbet man erft t)öUig biefen wunber- 
t)ollcn Sufammenflang t>on eanbfdjafts!« 
bilb unb Gtabtbilb. Hnb ber alte ^raum 
biefer 6tabt t^cn mand)ma( t>aii ^age^- 
lid)t übertäubt, er wirb mäd)tig in 



une beei '•^Ibeubg^, wenn man bort oben 
in ber Äerrengaffe fd)rägüber üom alten 
9^atl)au^ auf ber Strafe fi^t unb feinen 
6d)oppen Q[ßein trinft unb fiel)t, wie ber 
l)ol?e '^urm be^ alten gotifd)en 9\atl)au^- 
bau^ fid) in bie 6ternennad)t t>erliert, unb 
wie bie (Giebel ber alten ^atri5ierl)äufer in 
ber Äerrengaffe unb bie anberen brüben 
jenfeitö besi 9}^arft0 wie riefige 0reiedc 
wnh Q3oluten, wie riefige '5:reppen in ben 
t)^ad)tl)immel emporfteigen, wäl)renb auf tftn 
blanfen ^:2lugen ber ^cnfter, bie fo fein unb 
geiftt>oü über bie ^affaben üerftreut finb, 
noc^ fo ein letzter Qä3iberfd)ein t)on i3id)t 
l)ängt; — — bann, 'Oamx wirb ber alte 
^raum in m^ mäd)tig, unb bie l)ifto- 
rifd)en epmbole füüen fiel) für 'iHugenblicfe 
mit Cebcn. 

0er weite 9}^arft ift t)on feltfamen (!^eftalten 
erfüllt, bie fommen unb gel)en -- gel)en xxnt> 
fommen. 0a bringen fie ben ^ürgermeifter 
-Joppler l)eim, ber mit bem ^Burggrafen t>on 
9^üvnberg um bie (BtaH gewürfelt l)aben foU. 
U\\t> faum ift ber 3ug in^ 9lat^au2J ein- 
getreten, lagert um bie 9Cßad)tfeuer fct)on bie 
6olbate^fa StarlfiJ be^ V., unb oben in t>cn 
erleud)teten ^rinfftuben warten ber Q3ürger- 
meifter unb ber 9^at felbft ben pofulierenben 
Cfblen auf. 

<S)ie fonft fo ftitten ©äffen fd)aUen 
wieber t>on Cärm unb Sd)lägereien, t)on 
Äilfefd)reien unb '52led)5en. 0ie ganjc 
wed)felX)oüe @efd>id)te biefer alten 9^eid)2J- 
^taXit, ^e^ben, Q3auernfriege, eine ununter- 
brod)ene ^^tU t)on 9}^orben unb Äinrid)- 
tungen,6tolsunb eterben, 9}Zutunb9^eid)tum, 
Hnterwürfigfeit unb Hebermut, fie ^ie^t vor- 
über. 0a ift ber Äan^ t)on 6elbenec!, ber 
bie Q3erwunbeten fragte: ,,9?iagft wo^t 
nod) genefen?!" unb wenn fie ,,0 we^, 
ja" ftöl)nten, bann burd)ftieft er ftc 
wo^l nod) t)iermal ober gar ^e^nmal 
mit ber @let)e. 

3c^ fe^e il)n je^t auf feinem «einen 
9lo% fo nieber, t>a^ be« 9^itter^ <5ügc 
faft t>en <33oben ftreifen, fommt er öon 
unten bie ed)miebgaffe l)eraufgeftolpert 
mit ftieren ^liefen, bie blutige @let>e über 
ber ed)ulter. Hnb ha^ ^lutgerüft fe^c 
icf) auf bem 90^arft, bunfel unb unflar 
in bie 9^ac^t ragen — t>a^ ^lutgerüft, 
auf bem für t>iin ^auernfrieg *^bred)nung 
gehalten würbe, fo ba§ ber rote ßeben^faft 
wie ein Q3ad) bie fteilen Gtragen l)inab- 
rann; unb üon brausen ^er t)or ben 
gjlauern flingt ba^u t>a^ alte ^ru^lieb 
ber fränfifd)en 9^eiter: 

525 



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S^aufleuf fint) et)cl tporben, 
^afif mcvft man täc^lid) tuol)l; 
T^ann fommt ber Ovcitctorbcn, 
9}^ad)t i()vcn ^t)cl \)oll. 
>bevau^ foU man fic !(aubeu 
"lim ii)ven fud)^ncu 6d)aubcn 
9}^it Q3renncn unt) mit Q^auben 
0icfclbcn 5tauf(euf gut 
Um i|>rcn llebcrmut. 



• 



ein ^Ucf auf bie Sparte öon O^ot^cnbuvg 
gibt ein ^ilb ber baugcfd)id)tlid)en (^Mtt- 
ttjidlung bet Gtabt. 0a ift 5«crft bic ^uvg 
a\^ bcv ältcfte ^ei( 
auf bcr 0pii)e, bie 
am n^citcften übet 
ber ^aubev l;eröor-- 
fpvingt. 0ie ftanb 
gleic^fam auf einer 
cinfamen ^li^^e, m- 
einnet)mbar, fo lange 
eben i^ve Seit war. 
<2ln biefe Q3urg — 
t>orerft xi)v gegen- 
über — gliebert fid^ 
im ßaufe üon 3ab^= 
t)imberten bie alte 
etabt an. Gie bef)nt 

ftd) an bem Äügel- 

franj au^, tJielleic^t 

t)on 6anft QBolf- 

gang auf ber einen 

Geitebieiaum^toboU 

jeüer "^ox auf ber 

anbeten 6eite. 3^v 

Scntrum ift tai^ alte 

9Rat^au^; t)on il)m 

pr Q3urg, bie f^on 

gefaUen, fül)rt bie 

^atri^iergaffe, bie 



Äjerrenftrage, in benen bie reid)en @e- 

fd)lec^ter leben, bie Ä'önige ber Q3ürger-- 

tepublif, unb fiet)aufen aud) in ben üotne^men 

5bäufern am SO^arft; unb ein etM bie 

Gc^miebgaffe ^inab unb l)inauf tfa ift \i)x 

<S>o\x\\h\l 'S)ie etätten ber 9^eligiofität imb 

all beffen, tva^ nid)t birefte 9lngelegenl)eit 

be^ 9Rat^ ift, finb ettvaei abgebrängt. ®a ift 

ber 0om - bie fd)öne gotifd)e 3afob^- 

^ivd)e — nod) im eigentUd)en Sentrum, aber 

fd)on ctwa^ abfeit^; xi)v gegenüber ftel)t ba^ 

©pmnafium. '^ie alte '5ran5i^faner-^ird)e ift 

5War in ber Äerrcngaffe, aber fie ift flein. 

<5)a^ epital liegt uneber am einen ßnbe, unb 

t>a^ qöolfgangfiJ-^irc^lein, bie 0d)äfer=S^ird)e, 

für bie ^ereinfommenbe eanobetjölferung, ift 

526 



ganj am anbeten ^nbe an baiäi Zox geflebt. 
ilnb biefe ©otte^ftätte tDat fogat nod) füt 
friegerifd)C 3ii>ec!e gebad)t, benn bie ^lu^en» 
mauer u>ar mit ed)k%^d)axtm t)erfel)cn. Hm 
biefe innere Gtabt ^u fd)üt)en, ift um fie 
nun ein CiMirtel oon 9D^auern unb 3n'«'t<^» 
mit ^oren unb türmen gelegt tvorben — 
ober melmel)r: er tuar t>a^ begebene unb 
füllte fid) langfam nad) einem tDol)lburd)- 
bad)ten ^lan mit ^aulid)!eiten. ^bet balb 
i)at fic^ bet O^ing al^ ju eng ertpiefen, unb 
Äanbtuerfer x\nt> ©efolgleute unb bie 3uben, 
bie au^ ber Gtabt t>ertrieben tr^aren - 
9lotl)enburg tt)ar eine ber älteften jübifd^e:^ 

(Semeinben ^eutfd)- 
lanb^ — l>aben fid) 
äugen angefiebelt 
nad) ber 6eite ber 
ebene ^in. '^a, bie 
3uben, bie nid)t in 
bet (Btat>i übet- 
nad^teu butften, 
l)aben fic^ fogat ba« 
fd)öne5bauöbtaugen 
t)ot bem ©algentot 
(^ctabeanbie^auet 
gebaut, t>a^ nod) 
l)eute tfa^ 3uben- 
tan5l)au^ l)eigt unb 
mid) jebe^mal et- 
fteut burc^ feinen 
cntjücfenben Srfer 
unb bie rotgelben 
5c)edenrofenbüfd)e 
t)or il)m, bie ii)re 
fc^n)eren Q3lüten» 
laftenüberbie9Jlauer 
werfen, ^ad) ber 
(Seite ber "^iauber hin- 
gegen u>ar eine*5luö- 
be^nung bet ötabt 
unmöglid). Unb fo legten fid) bie Ääufetteil)en 
im ibalbtunb nad) bet Äoc^ebene ^in um 
bie etat^t l)etum, unb fie finb bann wiebev 
\)on einem ^weiten 9}^auergürtel umfangen 
worben, ber geräumig genug war unb ift, 
fo U^ im Saufe ber 3at)v^unberte nid)t ein 
^oau^ me^r auger^alb be^ 9}^auerring^ erbaut 
werben braud)te. 0ie «einen ^ircben finb 
frül)e ©otif ; ber «^om ift fpätere. 0ie öffent- 
lid)en Q3auten — t>a^ 9^atl)au^, bie ^^atri^ier- 
Käufer - fmb 9^enaiffance, unb bie 
Q3ürger^äufer be^ <5^uftenring^ finb meift 
^arorf ober boc^ an ben alten Äau^tpp 
angelel)nt, aber mit ben ^üren unb bem 
6d)muc! be^XVII. unb XVIII. 3al)rl)unbertd 
oerfe^en, bie \a aud) an ten alten ^atrijicr- 




6töbetleing-^urm 



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^U0 einev alten ^eutfd)en 'Zta'Ot 



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{)äufern manrf)esi umc^efovmt uut) (jcfd)mücft 
^aben. Hut) trot) tiefer Q3cvfcl)iet)enartig!cit 
ift au^ t)em ©anjen tabci ettva^ fo tDunbcrtJoU 

^in()eit(irf)C2^ n^^i^v^^"/ ^^i^ ^<^^ ^<^i"<^ anbeve 
Äniltuvftätte 0eutfrf)(anb^ bietet. Q3ieUeic^t, 
t\>ei( fid) adeei bev 5:enben5 bev 0tabt, juc^leid) 
S^cftung ju fein, unterorbnet, unb tueit biefei* 
^p!(opifd)c 9}^auetfti( u\\t> bie fd)rägen, vot- 
braunen 3ictielbäd)er überall ben ^on angeben 
unb ftet^ beibel)alten tvurben, unb enblid), 
ttjeil bie au§erorbentlid)e ^txnfyext, mit ber 
bie 6traßen geführt tuerben, nie verloren 
ging. Qßie in ber 6d)miebgaffe am ^lönlein 
fid) ber untere Q33eg nac^ bem Ä'oboljeUer 
^or ab5tpeigt, t>ci^ 
ift ja ^unbertmal 
ge5eid)net iporben, 
aber derartige gcift« 
t)oKe Cöfungen fiel)t 
man auf 3 d) ritt 
unb '5:ritt. ^a finb 
ein paar 9}^äi'fte 
t)on prad)tt)oUer @e- 
fd)loffen^eit; ober 
plö^lid) ban6)t fid) 
bie Saffabc eine^ 
Äaufeö ein tt)enig 
runb t>or. '^an 
benft juerft, t><x^ ift 
zufällig; aber tvenn 
man einen klugen- 
blid t)ertt)eilt, fo 
empfinbet man, t>a% 
ba^ tt)o^( überlegt 
ift unb j>on ber 

^ettjegung be^ 
0tra§en5ug^ gefor- 
bert. Äätte Q^otlien- 
bürg feinen einzigen 
feiner ^rad)tbauten 
unb nicl)t2t t)on 
feinen ^unftfd)ä^en, e^ toäve aud) fo ent- 
jüdenb unb eine nie enbenbe 'JJteube für 
jeben, ber 6inn für t>a^ lebenbige QäJefen 
ber '2Ird)iteftur ^at. 

*'2lber eö i)at ^xad)thautm. Q[Öeld) ein 
9^eid)tum mu§ einmal in biefer fleinen 
9?eicl)0ftabt — benn fie mar nie fel)r t>ol(» 
reid) — geftei^t l)aben, unb \\)M) eine ff ceube 
am (Bd}ö\Knl 

^Q^auern unb Zürnte unb ^ore finb nid)t 
nur jur 93erteibigungerfonnen, fonbern ebenfo 
jur 3ier. <5)ie Brunnen finb fd)lid>ter toie 
in ^ug^burg ober 9^ürnberg, aber fügen fid) 
meUeid)t bejTer in baö 6traf)enbilb ein; bie 
6d)miebefunft unb ^ron^^efunft i)at fid) nid)t 
an i^nen betätigt, tpo^l aber bie grobe 




9lot^cnburg. Burgtor 



finngefäüige 6teinmcl)funft be^ ^aiocfi^. 
0ai 3cid)en ber ftäbtifd)en 9}^Kl)t ift bai^ 
9^at^aui^, e^ ift ba^ Gtabtjentrum. '^ie 
.Hälfte beei alten gotifd)en ^aucie^ ftel)t nod); 
für feine üorbere .sbälfte l)at man in ben 
3al)ren 1572—1578 bicfen tounberuollen 
9^enaiffancebau l)ingefet3t. ^ie Oxuftifa- 
^olonnabe l)at man fpäter bann t)orgebaut. 
^'^Iber trot)bem fie fid)erlid) nid)t v>orgefeben 
toar, für mid) iftfie unjertvennlid) t)on biefem 
golbgelben QSJunberbau. 3d) liebe bie portale 
über alle^, t>or allem aber ta^ <^t\v>ci^ t)er» 
nad)läffigte an ber Q^ücffront mit biefer 
ureinfad)en ffüUung am '^ürpfoften. Qßie 

fein ift aud) bai^ 
Heinere portal jum 
9}cittelturm, ba^ 
gan^ toieber t)om 
gro§en9\uftifabogen 
eingepreßt ift. 9^0- 
tl)enburger *Sau' 
meiftern t)at bet 
"Df^ürnberger 6tabt- 
ioerfmeifter beige- 
ftanben, unb fein 
@e()ilfe i)at ben ^au 
t)oUenbet — nad)- 
bem ber9'Zürnberger 

3tabtn)erfmeifter 
mit einer ,,Q3er- 
el)rung t>on 24 Ma- 
lern" l)eimge5ogen 
wav. Q3om @^mna» 
fium fpred)en bie 
Ceute tocniger, unb 
bod) ift l)inten biefer 
^la$ Stt>ifd)en bem 
•^om unb bem 
@t)mnafium einer 
ber fd)önften Q[ßinfet 
9^otl)enburg^. (finen 
Q3au mit brei portalen unb in ber 
OMte biefei l)errlid)e '^arodportal mit 
t^en beiben merftpürbig t)erfd)mer5ten 
5lart)atiben; — i^n überb lieft man gan^, 
loenn man an bem malerifd)en S^üfter- 
l)äu^d)en ftel)t, ba^ t)ielleid)t au^ alten 
Q3auteilen ber abgebrod)enen 9}^id)aelfii- 
5^apelle jufammengefe^t ift. Hnb grab' 
t)or fid) i)at man babei, toie einen 
riefigen fteinernen (3d)iff^rumpf, ber einem 
entgegenfäl)rt, ganj fd)mal unb ^od)- 
fteigenb ben (S,i)ox be^ 0omö. ^er ^la^ 
ift ftet^ einfam, ftet^ ^erbftlic^ unb 
)oiebert)allenb \)om ©efd)rei ber 0ol)len, 
auc^ ift er nid)t eigentlich) gefc^loffen, 
fonbern münbet ^ie unb ba in 6tragen 

527 



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- aber cjrab^ t)iefc geifteniDe crnftc 
0ttUc am t)eUeu 5ag «^<V*/ ^;^^^' .^^" 
anbcrcn ^Ui^en biefev 6tat)t feinen 

Sauber auet. . . r^ «^ 

g^ebeu t)em ^om (taub em[t - e« 
muß t)a^ ein äl)uUd)e^ bauUd)e^ ^ilb 
octuefeu fein, tvie tmr c^ in löert^cuu 
an bet Zauber traben - ,^^!^ Jj^^' 
gotifcl)e 9}^icI)ael^-5tapeUe. ßtft d^ O^xott>cn= 
bürg -- bo^ ^roteftantifc()e ^ott>enbur9 

— 1802 5u ^at)crn fam, t)at man fie 
öcrfteigevt unb abgebrod)en. . ^ie Sranji^- 
!ancr-kird)C mad)tc man jum eaUmagastn; 
bie Sloboi5eüer'S^ird)e tvurbe an einen 
^^auern tjcrfauft, unb bic fleinc offene, 
gotifd)c S:>aU^ ^or ber Q3urg, in Der emft 
öffentlid) (Öerid>t gct^aUen würbe, broc^ 
man au^ .äftt)etifd)en ©rünben" nieber. 
Unb bcr Q^eftaurateur Äeibeloff tam 
bann fpäter über bie 3a!ob^-5tircI)e unb 
feilte ben 0^iemenfd)neiberfd)en ^:Ultar t)in, 
wo e^ i^m gerabe gefiel, unt> fet)fc 
Siquren hinein, bie nid)t ^incinc5et)orten, 
ufu). - fo baft fid) ba^ neunjel^nte 
3al)rt)unbert rüt)men fann, im ^rieben 
qRotbenburg met)r jerftört ju t)aben, M 
<^ar!graf ^2llbred)t, ^iUt), T>iccolomini unb 
bie grcm^ofen in ben ^^riegen. 

^:2lbcr aud) bie !unftfeinblid)e Heber- 
t)ebung ber erften Hälfte be^ XIX. ^ai)X' 
J)unbert^ W bod) nirgenb^ t>ermod)t, 
aud) nur ben ^Uigetftaub üon t>tn fingen 
t)erunter5uwifd)en unb ju entnüc^tetn. Unb 
fclbft an ta\)Uv Qßanb ftra^lt ber „^etlige 
q3lutaltar" be^ '5:ilman 9^iemenf(^neiber 
no* biefe feufd)e (grgriffeni)eit au^, bie 
aUer jungen ^unft eigen ift. ®ic beiben 
ßngel, welche unten red)t^ unb ixnU 
fnien, finb für mic^ bie innigften jtvei 
gngelgeftalten, bie \6) in ber beutfc^en Sl'unft 
fcnne. Qßenn biefer ^Uax aud) nid)t bie 
^a6)t l)at n>ie ber anberc 9^iemenfd)neiber' 
^aitar, unten im ^aubertal in ber fleinen, 
uralten ®orfeird)e m ^ettmng, unb tuenn 
er aud) nic^)t r>a^ jarte ^rü^ling^liet) ift, t>a^ 
fid) in bem weiften <3)^arienalter in ber 
Äerrgottö-S^ird)e ju dreglingen aufjubelt, fo 
ift er boc^ reid^ an unt)ergänglicl)en, tiefen 
0d)önl)citen, unb ber 3ol)anne2^ be^ <abenb-- 
maW t>ier, er ift t)on aU feinen fielen 
trübem - benn ber feminine, fc^merstjer» 
«arte 3ol)annc^ ift ber Ciebling O^iemen- 
fd)neiber^ — mir ber am meiften ah- 
geflärte unb am meiften crgreifenbe. 
9^äd)ft biefem ^2lltar ^at mid) ber 'iHltar 
in ber Q33olfgang^«Ä'ird)e mit feinen be- 
malten klügeln, auf benen Sbeilige mitten 

528 



im beutfd)en Qöalbe il)r ftolje« ^arti>num 
tragen, ftetiJ gefeffelt. 6bier empfinbet 
man eine bobenftänbige mit) frifd^e S^unit. 
0ie qöalbbauern, Die oon Draußen l)erein. 
famen, l)aben fie oerftanben. 

Unter Den t>ielen, fd)önen 0d)miebearbeiten 
0^otl)enburgö i)at tnid) ebenfo immer t^a^ 
(3\ttex in bem ^reppd)en in Der Q[ßolfgang«^- 
5tird>e überrafc^)t, weil eö fo prac^ttJoU einfad) 
fid) au^ bem 9}^aterial unb feiner Q3el)anblung 
ergibt. Äier ift bie 6d)miebefunft nod) nid)t 
fo weit, wie in ben O^ofofogittern t)on 1772, 
bie bie ^enfter Dea( Gtaubtfc^en Äaufesi 
fd)üt3en, in il)ren wunberoollcn 6d)wcifungen, 
unb bie Dod) über all ber blumenblatt^arten 
6d)miegfamfeit Der eifernen Q3ersierungen 
un^ nid)t einen ^2lugenblicf Die 9lufgabe ^ev- 
geffen laffcn, ber fold) ein ©itter ju bienen 
t)at; ebenfo, wie bei il)ren feinen jerflatternDen 
Q3lütenblättern biefe Q3lüten bod) immer no* 
gifcn bleiben. 6o ^twa^ fann nur in einer 
etaDt unD in einem ÄanDwerf mit jat)r- 
t)unDertalter fünftlerifd)er ^rabition ge- 
fd)affen werben. UnD biefe QSJorte fagt 
man fi* eigentlid) überall in 9^otl)en' 
bürg, ^an fagt fie fic^ bei bem Äof 
be^ 93aumeifterl)aufe^, mit feinen fo ein- 
fa^ gefd)niüc!ten 'Jenfterpartien. '^lan fagt 
fie fid) beim (^rfer be^ ^euerlein-Äaufe^ 
unb bei bem ^weiftöcfigen (grfer be^ ^farr- 
t)aufe0. xO^an fagt e^ fi* bei Dem Q»ed)fet 
t)on bel)auenen mtf unbehauenen Öuabern 
ber :$:ortürme, bie biefe 5^«opif(*en Rauten 
fo überrafc^enb beleben. UnD man wieberl)olt 
fie fid) bei ber '5:reppe De^i ^üfterl)aufefi{ 
unb am ^linger-'5:or, t)or ben ganj frühen 
©rabfteinen ber ^ran^i^faner-Slirc^e fo gut 
wie t)or ben fpäteren Oberlid)tfüUungen 
ber ^üren in ber Äerrengaffe. 



* 



qßenn wir t>on O^ot^enburg einigeei er* 
wähnten, fo foUen t>a^ natürlid^ feine (gut- 
bedungen fein, ^unftgele^rte i)aUn e^ fid) 
angelegen fein laffen, 9^ott)enburgfi; Gc^a^e 
5U ergrünben; bie Äiftoriter i)aUn bie <ar- 
(^)it)e gefc^loffen. 0ic^ter, wie Äepfe unb 
3enfen, t)aben t>erfud)t. Den etimmung^jauber 
biefer etaDt au^5ufd)öpfen ; ^aUv unb 
Seic^ner, wie Q»ill)elm 6ci)ul5, <ard)ite!tcn 
unD gute 13l)otograp^en — wie «iaibrec^t, 
bem wir unfer reid)ei^ 9}^aterial t>er. 
banfen — finD an ber <2lrbeit, 9^otl)enburg 
5U fd)ilDern. UnD bocb, fomel man aud) 
gefd)ürft unb gemutet i)at, überall liegt 
noct) ^d^ reine ®olb faft ungefannt unb 
ungenü^t jutage. 




r^^y^rn.**^ 



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Sojener üRaien. 

I. 

> S5t\ nn^ bffmten flc^ ficcatc fcie erften 5^aftamen, 

bffncten ifere »eigen Sölütcaleqcn, gana ^eimlic^, em 

»aar ^liet unb U, am ©airrn, trä&tent) Die anbcrn 

ttocfi flcl^, Hein, fc^laff unb gef^lofien toarcn. 3* W 

i)a« toic ein« e*mlbe im öotüSerflicgen öom 5lutc. 

moBil an«, in tn 3^ä^c 'r« Äurfilrftcnbamm«, m 

iraenb einet ©trage, i)crcn gc()cimni«öüöcn S^amcn tc^ 

feit nunmehr ätrblf Sauren !on(tant au behalten traute 

oinb fonftant öcrseffe. ö« hjat ba« ^a^nal« am 

^immelöfa^rtstag nad^mittag gegen 7 Ufer, ©crabe 

al« tüoüte mir S3eran noc^ einmal joigcn: ba« bin ic^, 

mb ba« öcrmagft bu fo leic^tftnnig aufaugeben, (jatte 

c3 au feine Äo^orten öon equil>agen uni) Slutomobilcn, 

ton 2)ügcatt« unb ^remfern, m (Slcttnfc^en uno 

Staren auf 'bie ©tra'ße ße|c^ic!t, unb c« &attc bic 

©ürgerfteige Bctöüert mit aü ben neuen ©otnmer- 

toUetten alter SSaren&äuIer, mit $anamal)üten unb 

l)cm ttJO« fonft nod^ c^ic, mobccn unb dernier cri tjt; 

es batt« eigen« nod& ein öataiKon ton XcnmöBoi?« 

mit gelben ©c^u^cn iinb nötigen S3einfleibern aBgc 

Dttnet, um mein $erj ju ertueid^en, ültt mem 9Iuto- 

moiil uni) i(^ — »« i>eioc Hieben *art. Unb ic^ 

seifte 

mt e« ni($t (Sortej, bcr fcie ©^iffe hinter fid^ 
berBranntc e^ebcm in mt^ilo? ^un, ä^nli^ ^anbclte 
iA auä). 3cf) tcrgag mir meine 3eitung nad^fcnben ju 
laffen unb lebe fcitbem in graufeer ginftcrnt« unb 
iicfftec SBernjirrung. Sa« ift'ö mit bcr gri^enS* 
lonferenj? $auen fie [vi) fd^on im ?)aag? ©elc^e 
2>cn!mäler l&at man entftüüt, toelc^e S«etcn get>altcn? 
3ft ber 5Rcic^«tag in "^ie gcricn gegangen unb !oc§t 
Ibie nationale S3olI«feete immer tüeitcr? ©crlm, bu 
clte« öerlin mit i'einem neuen Slf^^altpflafter unb 
bcincr neuen Sllp^altfultur, fte^t bu noc^? obe« ^ai 
ber ^reu^Bcrg gcucr gcfpieen unb bic^ eingcfargt in 
^\^t, ©^ladcn unb' ia^a, mt tveilanb 'X)er SBefutjiu« 
Äertulanum, ^ompeii unb 6taHac im 3a^ce anno 
— toie'« bic ©i^mnafiaften lernen? SBenn i^ gutücf* 
le^re, n>crbe i^ mir bann mit gleichem ©cnug bcine 
QU«gcgra]6cnen ©tatuen unb 2)cnfmciltr im 9}?u[cum 
ton ^hu^-Scrlin betrachten, U^ie icf; cljebem ben 
trunfencn ©iten unb hin ru^enben §erme« au« §er- 
fulanum im 2)^ufeo ju ^apoli betrachtete? Slber ca« 
mac^t mir ia gar nid;t «Sorge — ob 53eclin wcd) fteljt 
ütcr cb e« tom (Srbbcben terfc^n)unfc€n ift — ob man 
»eiter entbüüt unb njeiter rcbct. ob SSolfcn am Poli- 
tiken ^orijont, unb ob fic in granfrcic^ bic alte 



gtetanc^e auf« geuet fd^ieben, — fonbern midf bc- 

matn tiefere 2)inge: njie ift ha9 Setter?^ arm 

ober !alt? SReguef« ober fd^eint ''t)\t ©onne? ©fubt 8 

Obft noc$ ober ift'« ^m am SSerblüben? 3^ ber 

glirbcr nad^gelomuicn unb ber ©oltregen unb ber 

ßöeigborn unb -xier $Rotborn? @lbt'« f(bon 9^ad?tigaIIen 

überall mie :^ier? ^i3nnen unfcre !2^amen jum grub- 

fonjert beüe grübUngSfleibcr ansieben, obne fic^ gu 

erlälten? Unb Uja« mad^t bic ^aftanie in ber ©tcage, 

tcrcn gramen ic^ lonftant tergeffe? 3e^t tt?irb fie ganj 

tüÜ ölüten fteden, n?ie'n Tannenbaum toll 5tcr3enl 

$ier ift ba« fc(;on etn?a« pass6. 3)a« Obft ift ter- 

blübt '^ic ®h)cimen ftreuen ibte leisten blauen 

ecf;mctterlingc über ben $of, bie geigenbäumt b^ben 

fc^on groge grüc^te, aud) bic iD^aubcln. S^er 2öein 

iüirb balb blübn — bie ganjcn ^flanjen buften fcf;on 

nac^ Sonnenuntergang, Ujenn man unter ibren grünen 

©ängcn entlanggebt . ♦ . in bicfen truntettoÜ linben 

STbenben, an 'oenen ton Un ©ergcn biuab bte Äubte 

gie&t unb un« ftrcidfjelt n?ic eine liebe §anb. Unb 

bic $Rofen blüben bicr, bic S^ofen — bie ücinen hjic 

ircigc knöpfe, unb bie grogen, bic gefBen, bic rofa 

überbauest fmb — al« bätte man pc in 'Bt'm geworfen, 

'^er nun langf am ton ibrcn ^clcf^-cn tropft. 2)ic SRofen 

blübCTt in ungejäblten ©d^aren binten in meinem 

©arten an ber ©erglebne. Unb fo bin ii^ bod^ eigent« 

üd^ biefc«mal ttn^a« um ben grübling gdommcn. 

2)enn bic SJlofe, bü^ U?eig iebc« Äinb, blül;t SD^itte 

3uni unb ni(^t im SD^ai. 

3mmerbin, nic^t gan3 bin id^ um meinen grübling 
gefommen. CSr njac nur furj, mein grübling — ticl* 
leicht brei ©tunben lang. 5Iber er trug ^ood^ eigentlich 
am, 1»a« ber grübling gu geben b^t in feinen reicfien 
^änbcn. ' dt begann mit Primeln, fo gan^ tlcinen 
gelben Primeln, neben ben ©d;neeflcdfcn in bcm 
n?cl!cn ©ra«, bie im falten SSinb jitterten, unb er 
!am njcitcr mit einem glcdtc^en tiefblauem Gnaianen, 
bie and) nod^ im Sinb sittcrten, oben, ctlüa« unter 
bec §öbe 'oe« S3rcnner«. 2)ic 2ärcf;en traren fabl, unb 
bie SÖ3cibe batte erftc j^ä^en. SIber in einer 33icrtel= 
ftunbc, ha haaren bic Järdf;cnbäume gans rot ton 
5tnofpen, unb in n?ieber einer ^icrtelftunbc, ba ftanben 
fic ganj grün ha in ibren neuen lic^tgrünen ^elj lic^t^ 
grüner Nabeln gebüüt. SD^an erjäblt ton intifc{;en 
ÖJauflern, bag fie einen tern in htn 53Dben tun unb 
botübcr i'bre ©cbete fprcdf;en, unb bann fifbcn bic Um* 
ftebcnben, n^ie er einen Äeim treibt, einen ©cl;aft, 
Sölätter, Wfpen, 53lüten, grüi^Ue, unb bann hjicbcr 
t-jrfinft . . . fo ungefäbr mar'« bi^^i^. ^ic erften Cbft= 
bäume gan^ tot. 9hin glänzen bai'sigc tropfen, ^n 
fcf;ciiü'« njic tnofpcnl glattem ba nid^t fc^on bic 
erftc J S31üten?r Unb ber iüaum greift mit feinen 



zeigen 2trmen fin t»ie blaue ^imntcl«luft. 3mmet 
neue — al« ob jcbn ©crber Sierbcrterfctjt n^ärcn. 
Slbcc t>er ba ift fc^on reid^ mit ®rün burc^fefet; ton 
bem ftäubcn bie Icljtcn ^Blumenblätter in« ®ra«, unb 
bier fc^on bie erften grüc^tc, fl eine grüne 53anen, 
tier unb fünf immer aufammen. 3n granjcnöfcftc 
blübt ber gliebcr, unb in bie Äaftanic fteigen tie 
©cgclf alter empor: 

„granjen^eftc, hu %ci M grübling«!" 

II. 

Oben auf bcm 53renner fäbrt bic 53abn Hd^t 

neben ber alten 9ti5merftragc bin. 3^ fag in einem 

febr fc^önen 3ug. (Sr batte birefte SBagen nod^ S3o* 

logna, nad^ 9Jom unb anberen fc^bnen Orten, ton 

benen man meiftenteil« nuc träumt. G« fagen lauter 

febr feine 5eute in bem 3ug. — uiit Slu^nabmc meiner 

Söenigicit natürlich ■— fo fiein iraren fie, bag fic ibcc 

Unbilbung nid^t bamit bolumcntierten, tag fie cttüa 

au« bem genfter gcfcben bätten; nein, fie gäl)ntcn nur; 

bcnn ben Brenner fcnnt man ia. Unb ha oben auf bcr 

alten 9tömerftraßc, ganj oben, mo ber ©c^nee bi« an 

bic ©trage reicht, neben ber eifenbaT)n, 'ta tapecte cm 

alter S^ann mübfelig tabin, ein 2ßanberbettlcr mit 

einer fleinen 2)reborgel im 5lrm; unb fein ®ang 

oben im fc(>arfen öergminb, fein Filter unb feine müben 

©lieber bic flagten bie Sffielt an, f\t fpradl;en ton 

boirten ^^ac^tlagcrn im 23alb unb im Sinter auf ©treu 

in. augigen $üttcn uno ©täüen, ton einem baftig ge^» 

fc^lürften Löffel ©uppe im Sinfel neben bcr ^Uid;e 

be« ©aftbaufc«, ton terängftigten ©liefen nadf) ben 

©enbarmcn, ton htn biffigen unb !nurrenbcn ^orf:» 

bunbcn, ton farger ^Jaft unb ton cmigem SSeitcrtreiben. 

— Unb toenn all bie feinen 2eute nic^t gerabe ge^äbnt 

bätten, n?eil man ben 53renner 't)oä) fcnnt, bann bätten 

Tic fcben fönnen, bag ha^ menfd^lic^c (Slcnb nid;t auf* 

bort unb oben bi« unter bic ©ipfel tcr ©d;neeberge 

mit ibnen giebt, unb bi« an bic genfter ibrcr 2u^u«* 

gügc betanreic^t. ©octbc fagt einmal — bem ©mne 

nac^ — bag man bi'« ""t^n fpürt, bag ba« 5eben 

feine ©emeinbeit, fonoern ein ©cfdjcuf ift. 9?un, 

©oetbc in aücn ßbten, aber eS fann and) bicr unten 

eine ©emeinbeit fein, bicr an biefer tielgepriefcnen 

(5infall«pfortc nac^ 3talicn. 

III. 

Sn bem §of, auf bem id; iüobnc, gebort ein ©ein. 
gut gebort eine Orangeric mit tielen bobcn 3itronen« 
bäumen mit grüd^ten unb 53lütcn tic^t beieinanber, 
CSijprcficn, Äübc, allerbanb ©eticc, tielen Äinbern unb 
einer Äirc^e. 3n ber Äirc^e liegt ber l)ciltge ^cinrit^. 
!J)cr beilige ^cinric^ foü in bicfcm $aufc geboren fem, 
Ocftorbcn ift.cr in Xrctifo im Sabte 1881. Ob er 



ganj über nur parseüiett fic^ in '^er 5lircf)c bcfinbet, 

n>fig ic^ nic^t. Slber iebcn 5(benb fd;au ic^ ton bcr 

iBeranta binunter, n?enn bic ©lüde bie Ccute am bcr 

Umgegenb jur Slbcnbanbac^t ruft, ©ic muffen alle 

hcn 2Beg ge^cn tor meinem genfter torüber, gmifc^cn 

ber Saube unt) ben 5(fa^ien, bic bi« in meinen ©d)laf 

buften. 3cS fenne [k fd;on alle, bie fommen. 3uerft 

bort man braugen ein Carmen. Xa^ fmb bie 3ungcn, 

mit blauen ©d^ütjen unb blogen 53einen unb obnc 

$ütc. ©ie balgicn fid) unb fielen fic^ im ©taub 

braugen auf ber ©trage, herein fommen fie crft 

beim legten häuten im Dauerlauf. Unb einer mug 

erft noc^ über bic §ccfe fpringen, einer 5Rabfd()lagcn, 

unb bann puffen fie fid^ unb bufd;cn berein in bic 

Stirc^entür -— nnt^ bie allererften fmb fic tüieter 

braugen. Slbcr bi« fic bcreinfornmen in bic ^irc^e, 

fommen noc^ tiele anberc. ' 2:ie ©d;Iüffe.riungen ton 

ber ?lrbeit, fd;i'rar3 mic 'oic 9J2übren, breit tr»ie bic 

(£l;flüpen, unb fie fe(jen fic^ nod^ einen 2J2üment auf 

hk öanf, um ein paar 3ügc au« bcm 3ig^''i^'^cn* 

ftummel ju tun. 2in Offijier fommt mit feiner ^i^amc, 

unb er b^t ein ^läppd^fn auf, bod; unb oben abgeplattet 

trie ein öafaltfctfen auf 3vlanb, unb auc^ auf bem 

5lird;gang terleugnet er nic^t bic garte 9f?itteclid;fcit. 

Unb bie 5D?ägbe fommen, uno bie tern?ad;feiie grau 

tom ©pegereibänblcr, bie bei iebcm ©d^ritte grügt — 

benn fic ift freujlabm — unb bic bübfd;en fd^lanfen 

Stüd^ter tom SBirt, jierlid^ unb fauber, 2)?ubmc SRcblen 

fonimt — bie richtige Wln1)mt JKeblcn, ton ber es im 

Sieb bcigt, 'iJag fie. einen ©arten b^t, „bicr ein 

(^atttn, ha ein ©arten unb ba« tcat ein fd^oner 

©arten". 3d; glaube gar nic^t, bag ftc nod; lebt. 2lber 

fie.lebt nod;. ©ie trägt einen ©trob^ut, gang flad^, 

toic'n (Sicrfud;cn mit einem fc^margen SRanb unb ein 

paar fc^n^arjen ©c^leifen brauf getlatfc^t. SD^an foülc 1 

gar nic^t glaubten, bag e« nod; füld;cn ©trobbut gibt. f 

Unb füllten glatten grauen Umbang, unb folc^cn 9^ocf 

mit ^liffee« unb folc^c bürrc SBoblanftänbigfeit bc« 

3nftitut«fräulcin«. Xann fommt ber ©ärtner, unb ec /' 

bat tcinen $ut auf. Unb mcil er feinen $ut auf bat, 

fiebt fein Äopf auQ mic bic Üiroler glagge, Ib^lb rot 

unb b^l'^ ^^^ig- ^^nb bcr Äcllcrmeiftcr, ber oben in bcr 

Saube gcfeffen, fd^iebt feine pfeife in bic ©rufttafd^c, 

lüeil brinncn fd;on Ca« ©löcfd;en läutet. Unb tüäbrcnb 

brinnen bie ?cutc hckn, fenft fid; langfam bcr Slbcnb 

nieber. Xk 53ergc Ujcrben blau, um bic §ügel Rieben 

bie ©c^lcier, ba« SSaffer fängt an lauter gu raufc^en, 

bie Gifaben fummen unb ton tm Käufern, 3n?ifd;en 

ben §ügeln, an^ ben SSßcgen be« Söcinboben, flammen 

bie erften Siebter auf, unb ganj oben ton ber SWenbel 

leuc^>ten fic mic a^i 3)oppelfterne unb aeißcn bic 

, ©teile on, too öcrg uno ^immel incinanbeiraebtt. 



^•. 



^ 



^ 



-J 



;a\\ ^u6 fd?on fo cttras tt>ic 5cl^nfud)t in ftd? trag^tt/ 
^nair im fa^en ITTonat Februar reift, ol|ne gerade reifen 
ffen, unö eine Stabt auffud^t, n>o man fanm einen 
Qxi h\mt, um t>ort fremö unter fremben (Seftd^tern um» ^ 
.jUirren. Unb es rt>ar andi ^ine Seljnfud^t, bie mid? mitten ^ 
11 iDinter rrieber nad? ^raunfd]rx)eig trieb. IDären es nui* 
iii> 3tpei (ßemälbe ber F^ersoglid^en (öaöerie getücfen, bie oot i 
,.um einem y^fy, als id] ^as erfte IHal por fie l^intrat, mir '^ 

ifreigniffe lourben, 2lbam unb (£t)a Don palma Pecd^io ; 

m mir nod) l^eute (trofe Bresben mit 5if tina unb (ßiorgones^ ' 
Y^^v,«^// ff^fe rrTiiiirf^^ti tiitf tritifln^ .Dornenfrönuna" unb 



^bamcri in Ciiicii^f i-eisbollvn iv^iifcl l/iclivi-, ^:bi'U;:'j}cncr 5enfic: 
formen, in einer Cl)ürumral|muncj, einer malerifd?cn Daii 
anläge, einem J)urd)blidP, ber uns entsücft. 3rgenb«)0 auf^ 
einem alten f}of entbccft man wol\i ein fteinernes SenaiffanceM 
portal von siemlid) reinen formen, toenn aud] minberer Stein»! 
mcfearbeit. ^llcntl^alben ^m^ nod\ fpätgotifd^e D iftelaf an tl^us-l 
bänbcr an ^cn l^orisontalen ^^alfensügen ber Stocftoerfe, mxbr 
felbft bie I^olsgefd^nii^ten ober gemeißelten 5ignr^n jeigen nodjl 
bis fpdt in ^as XV., ja bis in bcn Anfang ^qs XVI. Ijinein, 
bei freierem Cl^arafter h^ — wodt- auffallenb gotificrenbe 



II 

\ 

^It mir'nod) l^eute (trofe Bresben mit Siytma unb (ßiorgones 4faltengcbung unb Cinicnfül^rüng. ills befonbcrs ''reid^e m^ 

„r>enus'', trofe münden mit Citians „Dornenfronung unO .. origiTielle ^ad^merfbäufer finb bie alte IPage (^3^) unb ^as 

„Karl V.'O für bas l)errlid]fte, überseugenbfte IDerf ber j I5aus Sacf ZTr. 5 5U nennen. :ilte Steinl^äufer fmb feltener. 

itdienifd]cn ^od]renaiffance, tüeld^es fid7 auf beutfd7em ^oDen \^^^^ ^^^^ ^as (ßeu?anbl?au5 (lud^mad^rgilbe) in einseinen 

b(?fint)et; unb jenes gans fpäte 5amilienbilb Hembranbts bietet, r^;,.^^^ i„ ^j^ 5rül]gotif bis in X>as Oal^r \270 surücf, aber 

felbft teilmeife perpufet unb unfertig, bie lefete,t)od])te<^r^^^ jerabe ber reid^e unb — man möd?te fagen — pifante Dor- 
barung Hembranbtfd]er Kunft, b. l]. ber l|oUanbif*en ^i^lerei , i^,^^ ^^^ 5acabe, „bie Sd^ürse", ift in bie Spätrenaiffance 5u 

Überl>aupt; beim aües, u?as fie je geu>oUt unb I:>erDorget)racDt, v^^^^^ ^[rofe feiner ettpas gebrücften 5ormen, in berien pd? 

ift ja in nuce in il^rem IHeifter peremt — tt)aren es "ur bie e migperflanbene 2Intife unb lefetes ^lusflingen ber (5otif mit 

,u.;k.^ /«.^.;;fs. -.n)efen, id? b^^ia mir xoolil nod) bie Ziei|e j^^^^„ beginnenbem Sarod merfipürbig -• — » ''■"- 

mid? uniPiberftel^lid] locfte, bas n?ar, bas^ s^^„, träftigen, emporftrebenben, \xvX) bo 




ibeiten (ßemälbe geu)e 
kiberlegt, aber n?as 



einen, fann man fid) 
bod7 rpieber luftigen €in 



VN-S» I^WlIlWj^ltll .^V4flllUVtC7 VVt|M.C|.;»V IIIV«I% jv* *v.v*vii. ^.^MV4; 

fd^inen bi'efe bauten mir meift nidit bürgerlid^e lDoB|nl^äufer 
gcu)efcn 3U fein, fonbern eFicr fommunalen 5tP<?den gebient 
5U l^abcn. Das (5leid)e gilt pon bcn nod? feltener ein^ 
gcftreutcn l^öflfcben I^arocf* ober (gnipirebauten. Die erftcn?! 
tonnten, felbft voenn fie bebeutcnb n?ären, in ber ernften Häl^e ^ 
romanifd?er unb gotifd^er Kird?en unb profanbauten, bei 
ber bisarr malerifd|en (5affe nid^t 3ur (Seltung fommen; bie 
anbern ipirfen bort in il^rer anernpfunbenen (5rabl^eit boppelt 
nüd]tern. Der ard^iteftonifd? rcinfte ^au fd]eint mir bas 2lh 



für 
lur 
t^aus 

^^cs Stilfritüers, fonb... . . 

Kunftfreunbes. 3d\ tpoüte mir benfen, mie fid? l^ier unter 
"^m fteilcn, roten ^iegelbäd^ern bas Üben ber 21Ten|d]en ab* 
• fpielt, l^inter biefen breiten, niebrigen 5enftern, m ^m en^^cn 
Stuben. Unb an t>en (ßrabplatten, bie allentl^alben, innen 
,unb außen, an l>en Kird^en in bie XDänbe eingelaffcn finb, 
\t>a wollte id? lernen, wie man einft l^ier gefül^lt l:iat «s freute 
mid] rpieber, ^en Kontraftcn nad^sugel^n, bie fid? ergeben, 
(wenn r)ergangenl]eit unb Heuseit fid] berül]ren! bemaltes 
fad?tperf, rqleußiebel, porfpringenbe Stocftperfe, aus ^en 
3alfenf6pfeir^?fa]r 
ils CE^ürtlopfer — 

Jen Spiegelfd^eiben ^^^.,^ ,.._,, , ,.^^ 

,bie engen, winHigen, regellofen Straßen burd)brauft ^^ri bem ^^^^j^^ '^^^^ flaren unb oraanifd]en (£l?afafter ber' frnl?eit 
•Raffeln ber eleftrifd?en ^al]n. Die lebensbul^ne arbeitet o^^ ^^^^if^ j^^l^^ ^^^^ ^.^^^^^ ^'^^ ^^^ ftammen. Cuftig unb bod? 
»benfo brutal unb unfünftlerifd? mit ben (ßegenfafeen, wie Oas ^^^ ungemein fräftig ift biefer Caubenumgang. Heber t>em 
El^eater. tPie uns alte Ceute Pon il)rer 3ugenb, Pon il^rer ^^^^f^^^ Untctban von breiten maffipen Spifebögen ftreben bie 
[annl^cit ersdblen, fo foUten mir bie Kird?en bapon fprectien, fcl7lanfcn Pfeiler empor. Das große ZTiaßwerf bes erften 
I Icr.igen 3aEjrl?unberte an il^nen porubergegangen ; ta^t c,^^^^ glicbert ftd? in einen breiton 2^unbbogen, ber wiec^er 
|at feine Spur l^interlaffen, im Elitär ober im (Lt|or, ^^^^- |.(^|„^,j.^ 2?unbbögen trägt, jeber pon swei Spifebögen gc 
tx Kapelld^en ober einem 2Inbau, einem jLurm. ^"\^"}, bilbet, unb über biefem nun, in ^en WinM eingefügt, eine 
ter, einem (Srabmal; unb babei ift fte bod?^e |e lb|t ^^^^ fcd^sfreifige 2^ofette. Im redeten irinfel ftoßen bie 
in fteinerner ZlTad^t „bie Kird^e^ €nblid] tPoUte ^^^^^ ^^^ dnanber unb jeber umfaßt pier 3ogen. Der bilb^ 
fel^n, wie bas 3raunfd]weig ber (Gegenwart Oas i^^^^j^j^^^ „„^ Steinmefefd^mud ift reid] unb fd?ön. Die 
igenl^eit umflammert mit P^^'^P/^^f "^.^.", ""5,.^ ^lußcnfeite ber Pfeiler tragen in ber t^öh^e bes erften Stocfes 
iffaugt. 5u bem ^ufammenliaU aü bieler iptim* ^j^ Statnen bor perfd^iebcnen O)ttonen mit il^ren (ßemal|linnen. 
a foUte ft* mir nod) ber (Einbrud ber "J^^ J^^l^ Die auffallenb gleid^mäßige Sd^ellentra*t läßt annel^men, t^a^ 
•eid^en, aber porsüglid^en l^ersoglid^en ©emalOe- r-^ ^^^ aleid^en ^eit um bie mitte bes XV. entftanben. 



"l.'M: 



^u viv^i^v w^i. J^-'^*^,-^;'*". ■•-■•^.^77' oajuira 3U grunöe, (öotif 
ftetgen mod?ten. 2lü bas nnt> nod} mel]r l^at mir bie Zieite ^^^^^ ausgcfd^müdt, bas 

gel]alten. Das IDetter begünftigte fte, fo ba% man gern au^ nüd]tert. Xlxd^t eine ftebt mel]r als in fi* gcfd?loffenos, ein- 
Iben Straßen uml^ergel^en mod]te. (£s war warm unb treuöig, ^^^.^jj^ gebadetes (Sames Por uns, aber nod? jebe tann uns 
bie Kinber fpielten in Sd]wärmen por ben Cl^uren, unD ij^enug crsäblcn. (£in eiaencs — faft luftiges — Stubium 
ben Dämmerflunben lagen fd]on £eute m ben Senltern uno j^U^^^^ bie (ßrabplatten ünb Denffteine. (Sans 5rül]e scigen 
fd^auten auf bie Straße, fallen, wie über ^cn roten X)ad]ern ^^^ ^j^^^^^. ^j»^^ ^^^ bie llmriffe ber Figuren pertieft. 2lber 
ber weiße ^benbl^immel flammte, riefen ftd] W0I7I <^ud] 3u ^^^ ^j^ ^^^^,^^ ^^^ ^^^ .^r^ r^^^ 1^ ^.^1^^^ ^[rad^t mit 
r».^M Viiih^ti iitih feWib^n. ^d> folate bann planlos ben 5aoeny^v .:r,r. . . ^^_^ s f^..cc.^f_f' k;:. ^;*,^ r:^^v,^ %.,»Uf fi\Ur, .^m 




Ipon l^üben 

|ber 5tta%en 
jogen, befto 
hvadite, umfd^ritt 

[ober fd^aute 

unb bie l^eimfel] ^^^^,^.. ^-.^ ^ ^ .. . 

In bor 2(ltftabt — unb Pon biefer werbe id] l^ier nur fpred^en 

'^ ift bas ^ilb ber Straße ftets ein äl^nlid^es unb bod] ewig 
wed^fclnb im Cid?tfpiel, ewig rcispott im 5Iuß ber Innen. 

,2^ot ift bie Dominante: taufenb 2Ibtönungen m ben J^ragcn 
Däd^crn; pom alten pcrräud^crten Si^Ö^lrot, bas ^^d) fteUcn* 
weife faft golbig fd?eint, bis snm ließen Hotpiolet, f^lbft^l^ 
fteilen Stirnwänbc finb mit giegelplatten gepanscrt, unb bort 
ift fogar eine ganse XDanb bis iiun ^oben m bicfes -Rot gc- 
bleibet. Keine 2iid]tung, feine (Drbnung in t)m r'^^^^B^^'j 
fortipäbrenb fpringt etwas Por, tritt anbcres snrud, fyex bucrt 



eine Viant> xnbit füljn am 

lofen I^anbfd)ul:?e. So 

orgfame (Battin ift in 

s ftecFt bas Spifeen» 

mand^mal fel^lt aud] 

-- ^.-.,.. I^ausmad?t, t>as Sd^lüffelbunb nid]t. Dd5 , 

XVII. cr3äl>lt nns wol^l, wie bie ef^emals tugenbreid^e Dung» / 
frau, i^o F)od7betrübte IDitwe, mit il^rem (ßemal^l 3 3aE?re, 
5 Zfionat, ^ Zage in ftl^r pergnügter €I]e gelebet; bas XVIII. 
bittet uns überl^öflid?, inbcm es uns „l^od^ebler ZlTenfd^en« 
freunb" tituliert, einen 2(ugenblicf 3U perweilen, unb säl^lt 
uns bie Porsüge bes Derftanbes nnb bes ^ersens bes Kauf- 
mannes 3erenuas Sd^mibt auf, ber yet^t bie eble perl 3<?fi^"jf^ 



erl^anbelt. 

^in eigenes (5efüF)l überfam mid), als \d> mid? 
meinen abenblid^en (Sbänaen 5wifd]en fraufen (ßaffen pei 



y 



Wui} ein ^äusd^cn >t>on brct 5enftcr Breite, \o °^^ Tt ftlr^rft tt>ar es an einer IjälboerfaUonen, eplieuberantten Kit 
foie l)Mit> auf öen Sd^ornftein leijen fann, unö «"»"«^^n ';;J'' rorbeigecangen, tatin freus unb quer, utiö plöfelict? ftanö 
ein cd^tcs altes Kauftjaus — mit mogltdijtcr 2-<aw'"«»"5''"5»"9 auf einem fleitien Iänglid)en Ülaß, Öas €nÖe einer (5a 
lin bie fjöl^ gefül^rt, mit gctpaltiger brciftodiger Xiaiiiaustiucung ri„£,5un, „iebrigc ßäusd^en, bereu rote Dädjer in ben Icl 
für bie Speidjer; an Cürmd^en unbCiiteii 1»»° ".„^' J^^'^SoiiitcnftraHen glühten; eine Heitic tjolsbrücfe füljrte an e 
bPaarenaufsügc, unb ben ^rafeen bes Salfcnfoptcs 5«"9J ?ff fd^malen, fdimarjett ' Sad), ber an ben fjäufern »orbcifd .. 
l3tri<f am bem manl M öf-^rall ftnbet man nod\ trgeno .^-^ uin^t, bie Dor ben Cl^üren fpielten, faljcti crftawnt 



J 



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fW? jcmcinb 5r(?ntbc5 in bicfc Sacfgaffc ocriicf, fin& fiiie 

innge 5rau, txx^Id^e mit einem fleincn 21Tä^djen auf bcm 2lrnt 

luf ber ISrücfc ftanb, rief mir 5u: ,,^ier fliJl)t5 nidjt weiier. 

i^ier ijl bie tPelt mit örettcrn oernagelt." yta 2lugcnbli/ 

Tf(;l7ienen mir all btefe Ceute mie 2Imeifeiv 'meid?« tii ibrem 

XJEjügel leben unb fterbeit. (ßeneration folgt auf <5eneratton 

fim eioigen 2Iu5taufd), Ijeute »ie oor 3af]r!^unberten. ZHand^es 

fCeben mag l^ier begonnen unb geendet \[Oihzx\,, t|ier in Mefer 

Sacfgaffe, too „bie H^elt mit Srettern vernagelt tft". 2(ucf? 

ftn ^raunfd)n:>etg werben pon 3<^^f 3^ 3ö^r biefe fttflen 

/jlDinfel feltencr, fomme td| wieber bort^in, fo mag oielleidit 

;fcl7on bort eine Strafe burd?gelegt fein, unb ein mobernes- 

Kaufl^aus fann \>(x ftel^n, oon Stein, €ifen unb (Sias. ITenn 

moca auf ^^m XPinbmüI^Ienberg ftel^t \x\\(> bie Sicx^i über» 

;jd?aut, fo fielet man a\K ^av. anbers gefärbten ©äd?ern, rrie 

''aud? in ber ^Itftabt aViin'CcioXh^XK neue ^äufer I:|err>orgett)ad?fcii 

finb. Z^od? Dor wenigen 3<^^n^^"ten foU man oon bortj 

über ein Däd^ermeer gefd>aut i[<x\>z\Ki rot loie ein Jllol^n^ 

blumenfelb. 

Ses 2lbenb5 plauberte td) in einer gemütlid^en ID^inftube- 
-/ber 5riebrid)'tDiII?eImftra6e. 3d? lieg mir pon bem alten. 
|^raun|d]n?eig er3äl]Ien, oon £effmg, ber nid]t ^<xs bortige- 
^I]eater befud^en n>oflte, Don feiner €milia (Salottij^, bie- 
bvis erfte iXicX an borttger ^üE^ne <xvx (Seburtstag l^ ber 
Tyer^ogin aufgefüE)rt mürbe. 2Tlein lTad?bar ersäl^Ite mir, toie 
l^oute Hapoleon J. auf ^^m ta\<^^ nod? gefannt, ja faft per« 
d^rt ujürbe, tt>ie man o^z\K\^<x\hzw ^zw 5tid^ fänbe ^Napoleoa 
it^ntonre de »es geueraux". €c ersäl^Ite mir, Xi(x^^ er nod] 
cineit 21Tann mit einem S^^pf gefannt unb il|m nod? ein ftein* 
olfer 3"^cilibe ge3eigt morben fei, pon bem bie Sage ging, 

'a§ er X:>(ix\ fiebenjäl^rigen Krieg mitgemad^t \\^\X^ u. f. f. 

j„Unb a>as 3^nen I^ier I^eute dw ^raunfd^meig geläÜt, "(xxs 

tft ^<xs Hcgellofe, ber malerifd^e Cid^teinfaU; aber bie eigent« 

^lid^e, fd]öne, alte, rote Hiebevfäd) fif d)ftabt giebt es nid)t mel:^r, 

tas xx>ox einmal. 3<^/' — ^"^ tpanbte ftd] 3U einem anbern. 

l/^errn unferer Hunbe — ^,X>a preifen u>ir nun bie gute, alte 

'^eit, unb ireiin u>ir nod^^ba ftänben, tt>o mir einft iparen, 

bvi fönnten Sie nid^t, n>ie Sie mollen, übermorgen ox{, bie 

(2^ipiera fal^ren. ^ier fefeen Sie ftd7 in Xi^n gug/ "^^^ ^»^ 
anbern Cag xxxxd^^zw, Sie in yioX\^x\ auf. 5reuen mir uns 
/hur, Xi<x^ bie guten, oXUxk Reiten nid]t meB)r finb." ©er be» 
/ jalirte ^err, ber fo leE^rreid? pon bem Braunfd^meig pon eife- 
rn als 3u plaubern ^x>^x'^i^, unb babei bod] fo jung, fo mobern, 
empfanb, mar XPilljelm V^a^xU. 
^ (Seorg ^ermanm 



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mte Städte. 



Sßüraburg. 

SBcnn man t)e§ !D^oröen3 f^eöcn lialh neun liier 

cuf ticn ricf)tiacn ©al^inbof ge^ltf einen Sabtfrfjein 

löft — tt)o§ in ^eulfd)fanb leiDcc mit unerfrcü* 

licfecn 5Toflcn oerfnüpft ift, — fo fann man (öcfctjt, 

t)a6 man t)cn regten 8u(? crmifc&t unt) oefc^t, 

t)Qfi ifim unb mit ifim niit un5 eiwa^ Unootbcr^ 

rtefcbenc§ juflofti) fcfion bc§ SRadjmittan^ futjnocf) 

fünf ltl)r in SBürjbura fein ; jene &at)i, von 

t)cr iünöft fo oiel bic 9^et)c mar, mcil 

'einzelne ©lieber bc§ afat)cmifd)cn Seftr* 

fürpetS ficö mit bcr ijnen übcrgcorbncien ^ad)t 

YiUhi einigt fühlten, roeil eben bicfe — in politifcben 

5lffairen bin id) nid)t ßut üctRett — fur;^, baö 

baijcrifcbc Gentrum Irbntc i)a§ S3ubaet für ©e* 

[malDe unb onbcrc 3fiubitätcn gu roieberbolten 

pRakn fatcaorifd) unb apobütifcö ah, ber leiegropb 

Ifpielte (fo betfet eä bocft mobi ?) unb r)k WU 

larbeitcr ber „r^uacnb" bcfamen bcn ©toff für bie 

jfrf)önften CJebiditc umfonft ccüefcrt, ber Wmaij^c 

5lupuft fdilua $urj^elbaume oor Sreubc, unb bie 

'^farrcrg^fiatbi cnttüflcie fid) morolifcb. 

2)oc& oon biefcm unliebfamen Btüifcßenfpicl — 
nidit bic morolifcbc (Sntrüftung ber braoen ßalbi, 
I nein, baä (Sänge ift öcmcint — foll bier nid)t 
ßefprod)cn mcröcn. 'i)omaI§, a[ö id) nod) 
2Bürgburfl fam . l^örte man aucb nod) 
nidilS baoon. G^ mar ein marmcr leud)« 
tenber ??rül)(inaötaa unb i^ubem J?ronkid)- 
ttamöfeft. Xa^ mer!tc id) crft, al3 id) jenfcitS 
t)on Subl mor, alö id) bic £>öl)en bcä Sbüiingcr 
ISl^alDeS übcrfcbriltcn balte, bcffcn J^ercie mit bcm 
lolbgrüncu 5\Ieib ibrcr entfnofpclcn Su'.tenmälbcr 
liner fonft, bott flcil ,^um blauen, Iid)tbraucn 
)immet empoiftießcn. Qa, Da ial) id) balD tlctnc 
)crid)cn , non bereu 2botlütmen blaumcifec 
fobnen flaitcrten unO Saljticn, bic in bcn 



fcbmalcn ©äffen mit ben niebrigen ft>au3d)cn faft 
ben 33oben ftrciften. Sicblicbe Silber folgten, 
Heine fonni^e ©örfer öonj in SBiefcn, SBaffer* 
müblen nnb roufdjenbc J^orellenbQrfie. Unb icb 
fab SKäbcbcn turd) ba§ ©rtin ber SSicfcn oeben 
— bie bort üppiger finb nl8 bei un§, mit iaufcnb 
Slumcn öeflernt — , SKäbcben, fittfam cinanber 
on ber ÖQub boltcnb unb nur jcitmeifc f!d) 
umfd)auenb racb ben 93urfc6en, bie in 
Sruppä unb fleincn Rubeln pfcifenb, fummenb 
unb lQd)enb ibncn folgten. 33üIo mirb t>a§ Janb 
breiter, fladier, bic Sonne beller, hie Slicfc meitcr, 
überall ©puren ron belobntcm ^icii, viel .(Tom, 
oiel SBicfcn, »ercingeltcr SScinbau on fcüßeln, 
6täbtc unb Crtc licöcn nid)t gar meit oon ein* 
anbcr, unb bann fommt SBürjburg. 

„Son öambetg 61« nac^ SBüriBurg l^in 

93cflrcn3en SScrg unb öflgcl 

S)ic rocite ftromburc^alätii\tc 5lu\ 

ftcb iDoHt*, mir ioüd)fen Slüßel, 

S^aUcri, oallera, SSaQeri, oaUera, 

3c^ iDoaf, tc^ b«ttc glfiöPl !" 
fingt Scbeffel im l'eit oon ©taffelflein, 

♦ a. * 

Sluf bcm 23abnbof ein bunteS Seben, oiclc 
Sducr innen im ©onntagSfiaat mit farbigen SeiDen* 
tüd)crn über fnubercn 5llciöern unb reid)cm ©über* 
fd)mucf, borbäuptig, bic blanfen fd)n)ar5en 3«3pfc 
feftgeörebt unb um ben 5Topf gelegt ; oiclc ©olDaten 
baün)ifrf)en/ bie uon bcimfabrenben ©cbmcftern, 
ÜJ^üttcrn, Sräuten 5Ibfd)ieb ricbmen. 3)ie gange 
5laifcrf6tra6e entlang flattern luftvj bie langen 
J^abnen. 2^ic Siutlcröottcöbilbcr fmb mit93lumen 
gcfdjmüctt : 

Sn SBüriburg faft on jebem ioau3 
©d)aut ein !Waricnbilb beraub. 

2)ie Suliuöpromcnabc ift geflapgt, befranst 
nnb groHe alte SarccfAcmälbc bat man an ber 
55a)"fabe beä .>5uliuöfpitalö befcfligt bie feltfam 
biauu unb golbig leud)tcn. iiion ift nid)t gc* 1 



roobnt, ©cmSlbe im «freien m feben unter beä 
bleuen i&immel^ ooHem, gangem ßicbtcinfaH. Unb 
man ift mond)c§ tiicbt geroobnt, ba8 man bier 
fiebt ; bic wenigen ©tunben 5?abit baben unä in 
eine anbete SBelt, ober beffcr su einer onberen 
flultur gebrad)t, baö cmpfinben mir auf ©cbritt 
unb Iritt. i&ier ift aOeä fonniger, frcubigcr, 
Icicbter; eS fcbeint, al§ ob oHc läge 
J^efttag märe. $Da§ Solf ift Icbbaftcr, 
meniger bebrücft, meniger fcbmerfoHig. 3D^an 
merft: bier mirb SBcin actrunfen, ni(bt Sier mic 
in 2nünd)cn. Unb bic SBeinfultur ift olt bier, fo 
olt mic bic SHcftc ber fünfileii'd)en Kultur, fo olt 
roie bic TlaM unb SBebrbaftigfcit ber 5lird)c c§ 
bier ift, bic fpater im 18. Sabrbunbcrt in bicfem 
©rgbiStum eine le<jtc, prunfbafte, meltlidje Slütc 
geitigen foflte, bi§ er einer föbler bcnfcnbcn Seit 
gefiel, einen Seil ibrcr ©üter gu föfularifxeren 
unb tai meltlicbe ©ccptcr ben ffircbcnfürflen ou§ 
ber öanb gu nehmen. ^Jlber nocb ftebt jener berr« 
lid)c, flcmaltigc Sau, bag fütftbifd)öflid)c ©Aloß, 
ba§ Saltbafar 5^cumann für bic Ferren oon 
Scbonborn, ©reifcntlau, Qngelbeim, ©einiSlbeim 
unD Butten fcbuf. 5iicbt, ta^ finb SHamen, bei 
bencn flA etroa§ benfen lägt, bie in un§ 
bic Gmpfinbung t)on Sülle, firaft, dicidi* 
tum unb 6ittlid)feit medfcn. S?on ber ©runb* 
fteinlcgung 1720 bis gur ScrtigfteHurg hc$ S3auc3 
oergingcn 25 Sobre, unb mebr benn ein weiteres 
SKcnfcbenalter oerfliefet bis gur ffiollenbung ber 
3nnenau§ftattung. 5iocb leud)ten im ©d)lo6 oon 
SBanben unb 2)ecfcn bie gijlt(irf) IcicblRnnigcn 
J^reßfen Jicpoloä in buntem ©djiOer, roie ber 
©d)melg auf ©d)mettcrling6flügeln, tocnn aucft bic 
rceiten, prunfenben 3intmciflud)tcn, bic großen 
©äle unbcmobnt, oerbangen unb oetfcbloffen babin 
träumen, fofetn nicbt öcrabc um bic äl^ittagö* 
flunbcn eine ©d)ar oon !üefud)ern oon einem 
unoufböltfam recitierenben £)iencr binburdigo* 
trieben mirb, ber einzig an ber intereflanten ©teile 



ctma§ länger ocrmcilt, roo in einem S'laum ein 
(Sdio non iJBänben unb S)ecfc fd)atltV fo man in 
ber Seilte in bic öänbc flatfdjt. Scbcnfanö 
eine ©ad)C t)on bobcrer 2Bid)tigfeit ! 3Rocb 
ftebt ber alte, romanifcbc 2)om ou3 bem 
gmölftcn giabrbunbcrt, einer ber umfanglidiftcn 
$Deulfd)lanbä, unb an ber 9icumünftcr 5lird)c 
ift ber ©tein für SBalter oon ber^ Sogcl* 
meibe, ber in SBürgburg fein ©rab fanb. !}iicbt 
meit tjon ibm bie Selicfplattc für einen an^ 
bercn 5?oeten, einen S)id)ter mit ÜKcißel 
unb ©d)nitjmeffer , für Sil Sliemcnfcbncibcr. 
Qm 2)om, unler aller 23aroc!prad)t, t>a liegen t>k 
öifcböfe, ba fteben bic ölten ©ebenffteinc, ha 
finb bic cmfien 2J?onumcntc ber (Jrgbifcböfc SHu* 
bolpb t)on ©cberenbctg unb Soreng oon Sibra, 
©teinmerfc SliemenfdjneibcrS. SBäbrcnb baö erftc 
ntxb gang in tcn Xrabitionen ber ©otbit geigt 
ba§ gmcitc bic neue S'ormenmelt ber bcutfd)en 
Wenaiffance. IJiocb ruben unter ben ©rab^ 
vMkn beS ^reu^igangS unb ber ©epuU' 
tur bic Steiben ber 2)oml)errcn unb in 
bcn 9iifrf)en fteben ftolgc S)enfmöler für friege«» 
rifd)C SDlänncr, bic einmal in irgcnb einer Sebbe 
tbr &ebcn ließen ; nocb ragt brüben am anbcren 
ffliainufer om Sufic ber SRorienburg bic uralte 
Sutfborbu§fird)c, bic faft in allem ibre ur* 
fprünglidicn gormen bcmabtt bat, unb nocb 
trinft man bcn Seiftcnmcin, ber auf ber Serglebnc 
barüber mäcbft, unb beffen alte Qabrgänge bcn 
©d)lo6fencr füllen. 3^ocb fd)aucn oon bcn gier* 
Hd)cn, gotbifcben ©trebepfcilern ber aJiarientapelle 
hk ftcinerncn Siguren Sil SMiemcnfd)neiber3 in 
ha^ bunte 3}^atftgemübl; itod) prunfen bic fiuppeln 
unb 2ürme ber golbftroöcnben, roeitboHigen i 
SBarocf f ircben SSetriniö ; nocb finben mit tetd)Iicb \ 
^racbtbauten bc§ S3arocf3 unb 3lofofo — mic \ 
ha^ licblid)c $au3 gum galfcn — unb ocrcingelt j 
SBerfc beutfcbcr ^tenai)7ance, nocb piaubern * 
t>k olten ^^^runnen ooc bem ßcfartsturm, am 



■l 



J 



\ 



SifAmarft unb in bcr ^^offJtof^c, «nD 
tiocf) fpetibcn t)tc profien , reichen Spitäler ben 
Firmen, 5Utcn unb flran!en; unb im Säulen* 
Oang beS Quliu^fpitalS fol& icö alte 5DlännIc{n in 
ber Sonne Htjen, rebenb, träumenb unb Icfcnb, 
ba6 id) ölauble, icö fäbc ein SilDoon Siebermann. 
5^oc& finb btc ftttten 3nfe[n ber DrbenSbtüDer 
unb ber Scftrocftern überall cinßeftreut ; ja man 
Jüunbcrl fid) fclbft beute, n)cnn man oben auf ber 
Sut)n)ia§tero{ic unter bem 5läppele R^t, bo§ ÜRain* 
tbal l&inabfcbaut unb auf bic melen, fielen Sürme 
ber aeflcnüberlicftenbcn ^i^^i, fpi^e unb ecfiße, 
fd)[anfc-unb plumpe btnabjdiaut, roo aft* Wt 
£eute berfommen foßcn, bic 5tird)cn gu füflen. 

Dft fmbet man an alten Äirdfeen bic Spuren 
iebe§ QabrbunbcrtSr biet mürbe ber 6bor annebaut, 
bort bem Surm tm neuer ^:)elm ßcncben, bort 
eine neue Scitenfapeüe augefügt ; unb feine 3cit 
bicit c§ für nötifj, bie alte Sormenfpracbe beiju* 
bebalten, jebe fpracb in ibrcm ^t)iom. Gincm 
foldien Saumerf miß icö STOürjburfl t)cröletd)cn. 
ScDe .Qunfianfcbauunji feit 800 ^Q^tcn bat bter 
bcutlicb Spuren binterlaffen, aber am reid)ften nc» 
fcbmücft ift bocb ba§ le^te Staot§(^emanb, ba§ oon 
prad)tliebcnbcn 5lircbenberrn biefer ÜRainRaöt um« 
ßebönöt mürbe, unb ba§ ift e§ ciöcntltcbr mclcbcS 
ibr nodi \^^^x\^ ben beftimmtcn 9lu§brucf, bic 
eigene, liebeuSmürbigc 9iotc ^\zW, „5öür5« 
burct, bie Stabt bf§ giofoFo" fcbricb ®urlitt. 
5lber mir muffen ben SBegriff 9iofofo 
fcbott eiroaS meit fafien unb ben Ueberöanoäfiil 
oom S3orocf binein3iel)en, unb muffen baiS bc* 
öinnenbe Empire unter ben legten !ird)Itcb*melt* 
lieben 5)?arf)tbabern um bie 2öenDc be§ 18. Sabr* 
bunbcrtS I)ingufügen. 3ene (Spodjen, bic auf iloften 
1 be§ .(lonftruftiocn bic ^eforotion beroorfteben — 
fei biefe 2)eforation nun prunfood prad)ti(j, roic 
bic üppigen SSolutcn, bic fdbroercn öngeliStüoIfen 
be§ SBaroA fei fie bic gierndje, fpiclerific, lodere, 
tteroofc Drnamentil beS ä^ofofo in Stucl« 
«eraolbutigcn ober fcbmiebccifeiner Sltbeitcn, 



in Sboren, !I'bürfcI)löffern, Sedfenfüttunöcn, 
ober fei fle bcböcbttgc, flarc Svlädietiglieberunar 
motte, barmonifcbc 5?arbengebung in fd)li6tcn 
Snnenraumen — fie giebt SBüri^bura ba§ ©e* 
präge. UnD weil mir erft feit ein bi§ /<roci 3abr* 
jcbnten gelernt baben, an ben tieften bicfer 
faprijiofcn, on GJcfcbmacf unb Sd)mucfibccn fo 
überrcid)en ^unft , olö oxi bem legten mit Icicbt- 
finnig glücf Iid)er §anb oerfdimenbctem Grbe großer 
ixultur unfere ST-rcuDc au bobcn , unb meil n)ir 
tjorbem biefe Bcit oB Serfon.^jcit a« mifead)ten 
unä \>^^ Sflccbt nabmen, fo fommt c§, "^o,^ beute 
bic Stabt SBüraburg ntd)t fo fcbr Don 
5?remben aufgcfucbt roirb, mie fie e§ oer« 
biente. 5lber mer fürbaöSDiaditoolle, 5Beraufd)cnb« 
prunfenbc ber Sarodfirdien Sinn f)at unb roer 
öar bie cleoante, (trüsißfc biö iw erotifcber $Hei^* 
fam!ett ficb fteigernbe Sinienfübruns eine§ Sal«* 
Ibafar Dleumann nad)uifüblen weif^ mcr für bic 
lid)te ??arbcnfprod)e, ben fübnen (55ruppenbau, bie 
flatternbc t)on ©röenfdjmerbc befreite Scidjtigfcit 
Sicpoloö cmpfäoglicb ift, bicfe§ ülJonne«, ber ein* 
fad) olIcS, mo§ ibm groß unb nialcrifcb^bcforatii) 
erfd)ien: blübenbc 2öeiber, SRüben, leucbtenbc 
Uniformen, brounc S3ebuincn, flicgenbe Sabnen, 
e5otifrf)e§ ©etier in feinen ÄreiS aoö» — ber mirb 
mobl faum in 5Deutfd)lanb eine Stnbt finben, mc(d)e 
ibm mebr ju fogen bot, roic SBüraburg. Bugegeben : 
ma§ er bier finbct, ift nicbt bic größte, ftödiftc oer* 
ebrungSiDÜröigc .^unft, er finbet feinen .<^atfer 5Tarl 
oon %tan, mie in !Diündien, feinen @^f=5lftar, roic 
in 23ctlin, feine 9iembranbt§, roic in ilaffel ober 
Sraunfd)roeig, fein ipeibelbergcr ©d)Io6, fein 
Strofeburgcr 2Rünfter, aber nja§ er bafür finbet, 
ift bcjicbungSreicö 3um beutigen ^mpfinbcn, ift 
für ibn liebenSroetter, ftebt ibm oiel naber. 

SKcr einmal in Sßiirjburg roor, ben mirb e§ 
roieber jurücfaicben unb aOc5 mirb ibm in ber 
S'crnc nocb bcgebrcn^roertcr unb lieblidicr er* 
fdjctncn. 3)ic Üoöc am flacbcn Ufer bc§ 2Iuffe§, 
\y\A älbenbc am äJtainquai unb in "^^Xi enacn 



I 



©äffen, brüben bic ^tonung ber S3ergc t)on Der 
J^eftc OTarienberg, bic 33licfc Ha§ roeite fKaintbal 
binauf, binab, bic ftof^en Srficfen, befonDer^ 
jene nninbcrfamc, alte ![Rainbrücfc mit ben anjei 
^Ticiben bober, fd)ier bramatifrf) berocgter $)ciliaen* 
figuren oon barocfer ®elllid)fcit. SebnHid)tia 
mirb er ^6 ber fricblid)en Sit?im;icn beim guten 
SBcin bc§ Srü(fenbäcf3 erinnern — Särferei unb 
SBeinroirtfdjaft finb in SBüribura ftetö in einer 
.^anb — -, be§ feüacn §eimfd)roanfcn§ am ß'cfartö« 
türm noiüber über ben möd)tigen ^omplat? aunt 
alten (53aftbau§, ber fd)icr unQlaublid)en 53lüten* 
füQc an ber ,^offTarten»2^crraffc mit ibren ;^ierlid)cn 
(S3ruppcn, bic mic Sergröfierungcn non 3Rqmpbcn» 
burger ^oriielloncn roirfen, gefcbmacfoollc 51r betten 
be§ 5Rcif1cr§ ffiagner, ber Stunbcn ongcregtcr 
SI^ctrnd)tunft in SlirAcn, Sommlungen, im Sd)Io6, 
nn 33aun)erfen ; unb beiner , bu ffcinc§ Sumcl 
5]eumannfd)cr .^nnft, bie Sdjönborn^^apeUe, unb 
Deiner, bu finblid)*Iieblicber unt) bocb tief nad)* 
bcnflidicr Sill SHicmenfdjneiber, oon bem SSura- 
bürg fo oiel pracbtigc 91rbeiten bellet, unb ber btc 
jugcnblid)c 51nmut, ben gefcbämigen SWuttcrfiola 
ber ül^abonnen fo gut gab, roic "^xt mübe 5löfefc 
ber jungen ipfiltgen, x6\z bie Sorgenfurcben, roelcbe 
ein 90 3abrc langes Scbcn in bic 3üge cinc§ 
©reifes gebogen, wie bic ftiDfe, in jicft gefefiigte 
.(^raft ftolacr, eifcnberoebtter SRttter. Unb nud) biefe 
oon ber großen, milocn Scbrocrmut übcrftrablt, bic 
mir ba§ ßbaraftcriftifum beiner .Qunft au fein 
fd)eint. 2)od) bic §anb, melcbc fo feiner ©mpfinbung 
folgen unb 5lu5brucf geben fonnte, griff audb »um 
Sd)mert für bie UnterDrürften, unb ber fecbaifl« 
jäbrigc 5ileifter mirb SRitftreiter unb i?ubrer im 
S3auern!riea, beffen roilDc SBeDfen ficb brüben an 
ber iPefte ÜJlntienbcrg bradjen, ber glcicbcn Scflc, 
W fpSter 1866 preußifcbe ©ranaten über* 
fcbütteten. 

3cb müßte faum eine Stabt, bie un§ fo 93iele§ 
unb fo öörcn^rocrtcS a« f^öen Jat roic Sßüraburg. 

Georg Hermann. ^ 



butd) eine 5lent)crung biefer gemeinfd)öblic6en/ 
ben ^ntercffcn einer beooraugten i^aftc bienenbc*' 
2®iitfd)aft^poIitif. 2)ie ilommunen fiebcn biefe: 
fficrbältniffen atcmlicb mad)tlo§ gegenüber unb 
roerDcn ficb gcbulben muffen, biS bic 3Kacbt bc. 
2batfocbcn bic Sdiranfen binroegfegt, bic bci 
©infübiung binigcr SIeifd)nal&run3 gcjogen Rnb. 

SBie un§ ein eigener J)rabtbcri(bt au§ $ofen 
melbet, bat bic bortige £)anDelSfammer auf ibte 
ßingaben xQ^^^x\. ber @d[)abt<|nttg bcd $attbcl9 
btttdö bie SRaiffctfcit'^ettoffenfdjiaftcn in Ser* 
binbung mit ber ^^l n f i e b c l u n g § « Ä o m m i f- 
f i n oom foanbelSminificr unb oom Dber«$rä* 
fibenten bie 9Jad)ridit erbalten, 'r^^'^ eine cingebenbc 
Prüfung ber Slnöcfcgenbeit ftattfinben roerbe. 

3um 9»üd6f rieöc. 51I§ eine fleine SHufiratioi 
ber ungünftigen Sage, tn roeirficr fiA ber 5Rilcb< 
ring bcfonntlicb feit geraumer 3cit befinbet, roat 
füralicb in ber 55reffe beiläufig erroabnt roorbcnj 
baß bic 3Jlild)Ccn träfe oon ben 36 5?crnfprecb= 
5lnfcf)lüffcn, bic fie biöbcr befaß, nicbt rocnigei 
nlS 30 aufgegeben l&abe. S)ie 2)tfcb. Jagc§;tg.| 
roartet jetjt mit einer 5Rac6ricbt auf, bic eine 6r^ 
flärung für biefe auf ben crften Slirf bocb ftdbcr^l 
lid) mcrfroürbig berübrenbe 3JlaßregeI geben foll. 
„^te 50li(Acentrore'', fo fagt fic, ^bat be^l 
fanntlidb 60 Söben, bie größtenteils mit ber| 
Centrale telepbontfd) oerbunben roaren. "^^xt- 
bem aber bie 2Rilcb an biefe SSben nidbt mebcj 
bireft oon bem SBa^nbof, fonbern in gut] 
gereinigter unb gefüblter Sorrn oon ber OTtldi^ 
centrale in ber ScbiUing-Straßc 12 geliefert roitbJ 
ift täglicb eine breimaligc SSerbinbung amifcbenj 
ber !tRoIferei unb ben Säben bergeftcüt, roobitrd)! 
ficb einige 30 gwnfprcAer erübrigten." 3Bcm oii 
ßrflärung nid)t genügt, befommt eS mit bei 

5Dtfcb. ^gcSatg* au tbun. 



I 



Illte Stadtcl^eD. 

IL 

^m Sommer — hjä^rcnb bcr THonaie ^ult 
unb Sluguft — tft JHotf)cnbur|3 fcr)r bcfudit bon 
T^-rcmbcn, befonberS bon Snglänbcrn unb "üUnctu 
lancrn. (£nbc 3}?at, gu 53efltnu bc§ ^uni ift 
bcm nod) tiidjt fo; ba» Untcrfommcn ift nod) 
binin unb bcr (Jintro^ucr bcr ^crrfdjer, ntd}t 
bcr ®aft. ^ro^bcm fa^ id) iJlotf)cnburg belebt; 
gange ä'Jcnfdicnfd^arcn burdjgogcn e§, benn eg 
lüar 3??cffe. Unb nidjt cinatg, ba?5 alle Stäbtct 
gepult imb auf bcn 53cincu tüaren, aud^ bie 
^^aucrn bcr Umgcgcnb tnarcn Uon lDcitr}cr 5crctn^ 
gcfommcn unb brängtcn ftd; um bie (Stäube, 
fauftcn unb feilfd)tcn. ?hi§ allen SSirtfdiaftcn, 
in bcncn cS luic in 53icncnförben fdjtüirrte, brang 
ba^ Stampfen bcr tangcnben ^aarc, unb 
95urfd)cn unb äJläbdjcn aogen in breiten .Letten, 
bie Üeinen J^tnger incinanber ge!)a!elt, mit 
fdöradcrnben Firmen btc Oiaffcn entlang, faum 
miteinanber rebenb, nur Icifc unb glüdltd) bor 
ftd^ l^er fummenb. ?luf bcn (Strafen ftanben 
Xifd^c unb (Bt\it)\c, unb bi§ nac^ 3??ittcrnadit 
flang ba^ flarc (Singen bcr 23auer§rcnte, bie 
ha mit ir)rcn J^rauen ober Bräuten, mit .^nediten 
unb 2)?ägben beim (Bd)oppcn allein faf^en. iSot 
bcn Sdjaububcn in bcr <t')crrengaffc brängten 
fid) bie Ä4nber unb bcftauntcn bie JHebegettJanbt>' 
l^eit be§ befradtcn ^errn, bcr bie (Sdiönl^cit 
unb Seltenheit feiner Objcftc anprtc§, fallen 
angftboll auf ba3 Sad^bilb bcr .^inbcymörbcrin, 
ba^ aU 52odbogcI bicnte, unb bettJunberten bie 
Irädöferne ?tfrobattn, bie nun fd^on bcn gangen 
^ag in bcr unbcgucmcn (Stellung be§ ilrcug^ 
Üange^ mit if}rem !J'ra|JC5 auf unb nieber 
^djtvcUc. Huf bcm djcmaligen ^ubcnfrieb^of 
fogor hjar ein grofter rcifenbcr dtrfuä, unb 
toä^rcnb au^ bem ^Hicfcnaclt Söeifaa^üatfdjen 



/ 



bröfintc, faft leinten auf einer umgeftürgten 
Äliftc ein öcrhilcsS im grünen ^rifot unb luartcte, 
bt§ bie S^ci^c an ii)x\ fäme. HU ba^ madjtc fi(^ 
fcnberbar in biefer Umgebung. S^ict ivat cin^- 
mal bcr ^ubenfrieb^üf getu^fen, bocft ba man 
bie ^uben bcr ^iabt bcrmiefen fjatic, mar er 
in 93crfaII geraten, unb bie GJrabblattcn boten 
gutc§ 53aumaterial für ein na^eftc^enbeS Q6c^ 
böube, iro man fie nod) im S^auertücr! mit i^rcn 
^nfd^riftcn finbet. ^IJebcnbct Rotten bie ^ubcn 
tro^bem balb toiebcr großen ^influfe auf ba§ 
®cfd)äft§Ieben bcr ^tabi IfTtotlienburg getüonncn, 
unb, ba e§ ifincn berluc^rt Ujurbc, in bcr ^tabt 
gu übernachten, fo bauten fie fid) ein fd^öncS 
J^ad)h)erf^au§ mit gterlid)em ^rfer gleid^ neben 
ba^ '^f)ot, fo ba'^ bie ?llMtvanb fid) an bie Stabt^s 
mauer lehnte unb bie gront in§ 2anb fa^ — 
unb bcr 3??agiftrat Iiattc bcn Herger. 2)a§ S3ol! 
aber nannte ba^ .^au§, lücil lüo^I bort anä) 
??eftc gegeben tüurben, ba§ ^ubenian^ffau^, 
^cutc ftel^t e§ in bcr ^Btabt benn um ben eisten 
93efcftigung§gürtcl legte fid) fjpätcr nod) ein 
gtneitcr, fo ba^ bcr ättere, fc^önere ^eil bcr 
(Biabt, bcr Stern gicidifam, in einer öiUfe ftcdft, 
unb um iljn fic^ nod) eine breite (3d)alc legt. 
^t§ auf iücnigc§ ift bie 93efeftigung mit all 
i^ren i^oren, Hnlagen, i&öfen unb iliren 
d)ara!terbonen SBarttürmen gang erl^altcn, 
fd)lief5t aud) nod) i)e\\te bie (Biabt ah; lein ^au3 
fter)t au^crfialb ber 2)?auer. Ül^ad) bcr Seite bcr 
Zauber t)erftc!)t fid) bie^ \)on felbft, benn ipo 
folltcn auf biefem ftcilen, fed^^ig iWeter tiefen 
Hbf all Käufer errichtet Jucrbcn? Hbcr aud) nadj 
bcr anberen Seite r)in laudierte ber Ort nid)t 
über bie i^m burd^ btc Sl^aHgräbcn gcgogenc 
(Srcnge ^inauS; cingig bor bcm 'iöocbertr)or bi§ 
gum 53a^nf)of jaben fid^ fyabrücn, Gärtnereien 
unb ^DJiet^l^äufcr Vorgelagert, ^d) glaube, ba§ 
ift ein 2;rid bcr 9totftcnburger. ll^an foH ent^s 
täufd^t lücrbcn, locnn mon auSfteigt, gmcifeln, 
ob aud) bie, lüeld)c bon ber Biabt un§ in HuS^ 
brüdcn bcr ii3cit)unbcrung ergäljltcn, bie 28a§rl^eit 



gefprod^cn ^aben, um bann befto mcl^r cnt^Mt 
$n merben burd) bie Sieblid^fcit unb (Eigenart 
ber 33ilber, bie fid^ un§ auf Sd)ritt unb 5tritt 
mit jcbcm neuen 93Iid crfdjlicficn. So rein 
unb ed'jt fid^ aud) in JRot^euburg ba^ HItc cr^^ 
Ijaltcn l^at, unb fo fc^r für bie #rl)altung avid\ 
geforgt mirb — bcr Ort ift fauber toic ein 
(2ifimudläftd)en — , fo gtebt e§ and) 5ter Hna- 
cbroni^mcn, bie un§ anmuten toie Stell mit bcr 
^iftote auf bcr Sd^miere, btc feine Hrmbruft 
unter ben 3lequifiten i)at. ®ic alten Strafecn^ 
laternen finb nod) bor^anben, il^re gicrlid)en 
Vogelbauer Rängen nod) an bcn .Letten über 
bie G5affe; aber man l^at fie für elcftrifd^c S3e^ 
leud)tung inftaHiertl ^ic ölten .^^äufer finb 
nod^ ba, aber c§ h^ol^ncn anberc 2)?cnfd^cn barin, 
nid)t bcncn äl^nlid^, bon tveld^en un§ in ber 
^afob§fird)c unb in bcr alten ^rangi^fancrfird^e 
bie ©rabftetnc crgäl^ten, feine ^Ritter in (5ifen 
gefüllt, feine !)änbelfud)cnbcn ^unfcr in fcibenen 
28ämfern unb ben ®egen lodfer, feine ftol^cn 
JHat^l)erren mit golbenen 5^ettcn unb ^runf:: 
^arnifd)en unb ernften, fingen (3Jeficf)tcrn unb 
feine er)rfamen $au§fraucn mit iD^ü^lftctn^ 
f raufen, tncitem galtenrodf über bcm ftarfen 
ficib unb ^uffärmcln. gu 5ßftngftcn foH man 
bie S^wf^o" fjabcn, tvenn bort ba^ geftfjjiel auf 
bem jyiat^au^faal gegeben hJtrb, „ber 3J?ciftcr:; 
trunf", mit bem bcr bamaligc S3ürgermciftcr 
bie Strafe be§ crgürnten ^iHt) bon ber Stabt 
abtoanbte. — ^enn toenn bie alten ^rad^tcn 
bie Straften beleben, foH man fid^ gang aurüdf^ 
träumen fönnen. ^df faf) auf bem 9tatl^au§ 
eine 3?ac^bilbung be5 ®lafe§, ba$ nod) am Ort 
bie (Snfel jenes trinffeften Stabtobcrl^auptcö he^^ 
tDal)ren. 3Rit hjurbc and) bon bcr ^förtnerl^ 
frau ber gange Hergang crgä^lt, hi^ auf ba^ 
Stirnrungeln be§ grimmen ^icg§manne§, bcr 
feinen SBein tranf, fein 25cib berü[)rte unb 
feine Sd^lad)t berlor. (2113 er ba§ leiste jebod) 
bennod) iijai, bcfam c§ iftm fd}lcd}t, benn er 
büfetc bei bicfcr ©clc^cnl^cit fein Zehen ein.) — 



Unb troi^bem mir bcr S3cd^er gegeigt unb bie 
gamilic genannt mürbe, bie ba§ Original l)ütct, 
meint bie moberne frttifd)c ©efd^id)t§forfd[)ung 
— rüdftd)t§lo§, tüic fie ftet3 ift — , ba^ biefc 
Hrt ber Errettung eine fronunc Sage luärc. 
9?cbcnbci ift bie Sad)c fd)on fo lange — balb 
brei^unbcrt ^a^re — l^cr, ba^ c§ tüirflid^ gleid)* 
giltig ift. ^n brei^unbert ^a^ren ift cttra^ 
©efdficÖenc^ nid)t mebr tua^r unb ctwa^ ®c* 
fabeltet chen 3Sal)rI)cit gemorben. Unb bod) — 
tro^ bcr Hnadöroni§men glaubte id) in 9iotl)en=» 
bürg Sö^^^unberte mid) ^urüdbcrfc^t, benn bie 
dauern unb Bäuerinnen, bie gum 3??arft famen. 
Wo fanntc id) fie bodj Ijer, il)re öcfid)ter, il^rc 
fleincn, gcbrungcncn ©cftaltcn, iljrcn Gang, i^rc 
93clücgungen? 25?o fjotie id) bicfe grauen, bereu 
®cfid)ter tncifec ^üdber raljmtcn, bie SDJäbc^en 
mit ben lücrbcn, faft ernften 3ügcn fd)on gc* 
fcf)en? JRid^tig, in ben 3cid)nungen, in ben 
Stid^en be^ 3??eifter§ Hlbred)t. 2)a§ fränfifd)c 
Bauernbolf — ba^ finb nod) gang unb unber« 
änbcrt biefclben ^bpen, iric fie un§ ^ürer he^ 
toa^rte, unb er ift and) bcr fcinfte Sditlberer 
bicfcr Hrd)itcfturen, bicfcr fleincn, gcfdiaditelten 
Stabtbilbcr, ber gluf^läufc mit bcn Saffcr^ 
mül)len — man benfe an feine ^ra^tgicl^mü^lc 
— unb ber gerben, fd}lid^tcn 91c Ige biefer Ibcitcn 
lanbfd^aftlidöen 33licfc. SlMc fid) bie fränfifd)c 
fHaffe in il^rer Slcinl^cit bctüafirt, ba§ erfennt 
man am beftcn, luenn man ^atev unb Sol)n 
ncbcneinanbcr gc^cn ficl)t; einer ]d)aui tvie ber 
anbcre au^, faft gum bcriucdifcln, mit bcn bart- 
lofen ©cfid^tern. ^n bcn Stäbten bcrfd)icbt fidj 
bie 3?ebölfcrung bon (55cncration gu (Generation» 
brausen ift fie fcfs^t^ft unb ftctig. Unb ebenfü 
luanbcrt ba§, tua§ in bcr 'Biabt abgcbraud)t ift 
auf§ 2anb. ^urd) ^a^r^unberte erl)altcn fidt 
brausen bie ^radjtcn; ein gutc§ ^eil unfcrci 
bäucrif($cn Srauenfleibung gcIit auf ba^ 
9iofofo unb rocitcr gurüdf; btc iDlöbcl unb bei 
3immerfd)ntud, erft für bcn fiuruö bcä StäbtcrS 
beftimmt, fommt auf» l^anb l)inau!3, um nad) 



j] 



/ 



.•Jialu-fimibertcn tuicber bon ^äublcrn aufgcfauft 
5U inerbcn für ben (Sdfjmiiii bcr Si^ü^nungcu bcä 
rcidjen ©täbter^. ^aS ift mm einmal bcc 
5ltei§Iauf. 

c^runb tl)rer i&x^aijhinqcn gclDär)rt; id) bcnfc an 
^')cl}fe itnb an 3^"f<^i^- ^cr 5D?aIcr Itiar unb t)'t 
ftänbigcc (^^a\t in feinen 2}lanern. Hnb hod) 
erfd)cint cy mir nodj unbefdC)ricbcn nnb nn^ 
ncmalt. S^ic Slrdiitcften füllen i()rc Sfiaaen^ 
büd)cr, II nb bic ^^^otoara|3r)cn — Cy finb bcrcn 
ntclircvc türf^tigc in Dtotljcnbnrg mtfäffig — 
bnrd)]*tü(icrn jjcbcn ^ffiinfel, nnb bod) crgiebt c§ 
ftd) nidjt, unb jebem geint eö neue 6d)önljcitcn. 
^a§ einzige, \va^ i^m na^c fommt finb 23Iättcr 
bcr ^ugcnb^cid^ner, ^anl iinb ??elbbauer, bte 
id) Ic^tfjin fal). S)tc Ijabcn ettt>a^ Don bcr 
C^incnart gebannt. Tlan l)at 9tot^cnburö oft 
mit 5^ürni3ern Deriilid)cn; aber c» ift reiner, 
unnetrübtcr im (^ijaxaXkt bcr beutfd)en Ole* 
naifiancc, unb e3 ift au^ncscic^nct t)or jenem 
burdi bte 2icbTid)fcit feiner ^ag^c, burd) bic 
hjcitcn ^Uidc über tiefe ^öälcr unb !ar)Ie ober 
gering belnalbcte Oüget, bnrd) bic flare 2uft 
icr .^y6i)c, bnrd) bic 5(nnnit ber ©arten, Jüeld}e 
bic .C')ängc ^ur lauter itnilfeibcn unb bic alten, 
Irocfcncu (5h*äber mit i^rcr Blül^enbcn lleppigfcit 
erfüttcn. .<C'ier licrftelit man bic «Se^nfudit ber 
bciitfd)en jytomantif, I)icr mödjtc man Sßaden^ 
rober» „^er.^eiiSergicf^imgcn cineS hmftlicbenben 
,Vl(oi'tcrbruber§" einmal lefcn, unb bod) lüer)t 
über bcni ganzen eine Suft, fo l)c(I unb Tlar, 
bic 53Iif!e bcr}nen fid) fo \vc\t, fo Ineit, ba'^ man 
unnnnfürlid) tnieber an bic liditOorie, beutfdic 
^äxt Oicttfrieb itcTIerS bcnfcn muft. SS^enn man 
am Gobol.^ellcr 2:f}or ftc^t «nb tief unten in 
filberncr 5i?inbung bic li^anbct gieftt, ttjcnn ba^ 
gotifcbc 5tirdilein r)erauförüf^t unb bic ^rüde 
mit i^xcv boppeltcn 33ogcnftc(Iung — man f)at 
cinfad) auf bio alte ''ZH'ücfe eine neue gcfe(5t — , 
fo imniöglid), fo fabelfiaft luftig crfdjcint, ioenn 
iiiaii brübeu bic .Oügcl fdjarf mit jebem 33aum, 
jcbent .^of im '^Ibcnblidit fielet, unb red)t§ bic i 
^taH mit all trjrcu roten ^ädjcrn, mit il)rcm 1 



S)iauerfvan5, if)ren 2::ürmcn, bic $ö^c frönt, — 
bann I)ört man mo()l bon fern $)uffd)läge bc^^ 
dV6\^lcuv$, unb man ficl)t ben J)iittcr, bcr bic 
Sd}üne geraubt, brübeu ben Si^cg emporjagcn; 
man meint, bcr Türmer müf5te in^ ^orn ftof^cn 
unb bic Sieifigcn ir}m nad)fe|^en. 5)od) fein 
§orn crflingt; nur gan^c (5d)loärmc bon 2)o()Ien 
lommcn, fräd}(Senb unb Tjeifcr beUcnb toic junge 
.§unbc, bom loeitcn Sanb hereingezogen, unb 
bebor fic if)rc Quartiere auf ben 5\ircr}türmen, 
in hcn ®d)arrii3d}ern im ®cfd)nör!cl ber gütifd)en 
Streben be3ie()eu, mad)en fic ^ier nod) einmal 
^alt. ^eine ift mit bem ^la(^, ben fie toär)lte, 
aufrieben, jcbe toitt bic anber bcrbrängcn; e^ 
ift eine etoige llnrul)e in ben Spieren, jebcn 
äugenblic! nel)mcn fie eitva^ anbcrcS bor; \c^i 
fliegen einige fort, al§ oh fic ettüa^ bergeffen 
Ijätten, aber auf l^albem SSeg befinncu fie ficl^ 
unb !el}rcn 5U ben anberen gurücf, unb bann 
laufen fie bon biefer au jener mxb plappern 
il)r biefclbc 9?cuig!eit bor. ^sdi ^äbc fic an ben 
fd)önen ^Ibenbcn auf ber ^o^^^'^^i^^^i^^^K, bie 
ettoag tiefer, meinem genftcr gegenüber lag, 
lange beübad)tet — unb fie ioarcn mir ein 
9{ätfel mit i^rer gefd)mä^tgen ©efdiäftigfeit, 
i^rer S5?id}tiatr)uerei, bic i^nen boc^ nid^t§ ein*: 
trug, ^a, frül)er, too nod) brausen bor bem 
^^or ber Galgen ftanb, ber feiten leer tourbe, 
ba tvax e» nod) ein beffercS 2ehen für fic. S<^ 
loitt l^icr nid}t über bic b^äd)tigc ^rc^itcftur 
^iotftenburgg rcbcn, biefer alten ^atriaierftabt, 
bie fiel) um bm 2??ar!t, ba^ ^at^au§, bic ^aloh^- 
fird)c erhalten I)at, bon all ben materifd)en 
SiUnfcln, ben fdiönen Üienatffance^öfcn, nidit* 
Hon bem entaüdenben .^ciligcnblutaltar mit 
feinen amci Engeln, gegen bie ein S3otticelli 
plumb unb fbicfebürgcrlid) erfdjeint. — (5r ift 
ein frü5e§ Serf (Silmann Slicmenfd^ncibcrg — 
ein äl}nli(f) fd?önc§ finbet man in ©ettlrang 
nuten in ber fleinen 2)orffird}c im ^aubert^at 
unb in d^reglingen, atoei $P?eilen toeiter, gicbt eö 
fein fcbönftcd äöerf. — ^d) loiH nid)t bon ben 
QJcmälbcn bc§ 3Jlei]iet§ perlen unb jenc§ 
poctifd^en granfen reben, ben x(^ in 8t. 5&olf== .• 



gang fanb, nicbt bon all ben präd)tigcn (Sdjmiebe^ 
arbeiten am StaubtfdKu .<Qa\i^ in (5t. SBolf- 
gang — man finbet ba Icidit ben ^^Infang, a'bct 
fd)mcr ba?^ Gnbc. ^di ftjill aud) nid)t bon ber, 
52anbfd)aft reben mit i^ren meiten, flarcn ^"^lidcn, 
mit ben ©äumcbcn, bic fdiarf in bic Suft 
fdineibcn unb l}inter benen e§ in§ Gnblofc gcl)t. 
2Bir finben fic anf beti 23ilbcrn bcr primitiben 
^eutfdjcn fo gut tvie auf ben ÖJemälben ^^eru^ 
gino§. 9Zid)t non ott ber 93lntenfülle, bic bic 
.f)änge übcraieljt, ben ^t^ficbcrbo^quetg im ^urg^ 
bla^. — ^d) luitt nur nod) ein SBort über einen 
^^Ibcnb fagen. ^emanb hat mid), ir)n ^u be^ 
fud)en; fein ^pan^ ^tanb an bcr (Stabtmauer, 
auf ber alten ©tabtmaücr, felbft ein 25?artturm 
gcljörtc ba3U. Unb mic ein (5d)n5albenneft 
Uebic ba oben ein Heiner ^^alfon an ber Wlauex, 
l)od^ über bem ^aubcrtl)al. Unter un§ bom 
^5urgbla^ j^örte man nod) (Schritte unb ^laiibern, 
unb bie ^üfdic bufteten empor. Sic (Sonne lüar 
langfam unb loibertoiHig hinter bie 93ergc gc^ 
gangen, unb bie ^Ibcnbmolfen berloren aud) all^ 
mäl^lid) il)rc tiefen fyarben, fc^rtcn ^um milbcn 
Örau 5urücf. Grüben am ©ang berfdjlcierten 
fid) bann bic S^ormcn; e§ mürbe ftiKcr, müber; 
bic Zauber, bie am ^age gcfcl^miegen, §örte 
man bi§ herauf, l^ic unb ba hlii^tc cä filbern 
auf ben SBinbungen bc^ rflüftdicnS. ^m $ori>' 
3ont 30g ein :£>abid)t, eine Sßeilc fonnte man i^n 
berfolgcn, bann entfd)loanb er ben ^SlidEen. (Bin 
5U?aifäfer fummtc \vie trunfcn borbci, aber bann 
mar'§ micber ftilT, nnb ba^ Sanb träumte, unb 
ber glufe laute im (Bd)laf. ^n ^ettmang fbrang 
ein 2id)t auf, unten an ber Nobler Wn^Xc ein 
^mciteS, imb bcr Seg am Sl^affer leud)tete leifer 
unb leifer. 

^ott unten in ber SJZülilc X^atic einft ber 
93ürgcrmeifter ^Toblcr, ber Stot^enburg 3U bem 
gcmad)t, toaä e§ nocf) ^eute ift, feinen Sommer^ 
fi^ gel)abt. Hnb bamal3 3ogen bie glcidicn 
9lbenbc l^crauf, bcr ^ah\d}t freifte unb bcrlor 
fid^ im '^lau luic bort bcr ^-öogcl. 

Georg Hermann. 



I 



Da6 5laifer23ilbelm t)emnac6ft nad) 
4Jariö fommenrocrbc, umöiefreunt)* 
fd)aft liefen SScjiebungcn ätüifAcn 
bem 2)rei* unb bemSroeibunbe^u 
förbcrn. @« roitD biefer ^tad)rid)t an ©läubtöctt 
in 5?tanfreid) nic^t fehlen. 

2)cr F)oltänbifd)c tlRinifterotafibctti 35r. ffiug p et 
ift nod) einer un3 juaebenDcn eigenen '4)rabt- 
n ad) rid)t infognito in ^Introerpcn eingetroffen 
unb eiflärte tn einer Unterrebung, bafi bte 
.^anbciöbcsteftunaen .^tnifrfiett f&tlqitn nnh 
JgJoUanb beffcr merDen müßten. Tlan flebt in 
Der 'Jicifc be§ bollanbifcfien 5labinett§d)efö baö 51n# 
jeicben einer betjorftcbenben (Srcna* unb 3ott^ 
regulterunö« 

Q3urcn itnb ^«(^Ittnbcr. Seitens ber öor^ 
maligen ^ran^3baal^®efanbtfd}aft toirb witge^ 
teilt, 5|$räiibent 5^ rüg er befi^e fe:^ genaue, 
burd) bie neneftcn 33enditc au§ v^übafrüa cr^ 
gän^tc ?lnfftel(ungen ber gefamten militärifd^en 
Sitä^tc, tvcidyc feiten^ beiber S3urcnftaaten tn0 
gelb geftellt mürben, ^liernad) fei bic ongcblid^ 
Dom '^oten Irena gu Pretoria gemad)tc 3JliU 
tdluitg, ba^, im aan^cn 75 000 S3uren gefämbft 
unb bon bicfen 3700 Tlmn gefallen unb 32 000 
^hmn gefan<ien genommen feien, gana unrid6tig. 
^ie öefamtaa^l ber 23uren!ämbfer 
ijdbe iTiclmclir, einfdiliefVHd) aKcr grcitüiHigen 
unb aller ^'abr)oIlänbcr nur 41000 iDZann he^ 
tragen, ^ie genauen 5]iften unb 93enc^te mür^ 
ben gleid) nai^ bem (Eintreffen bcr ernKtrteten 
Generale bcröffcntlidit ioerben. 

Gin- ^rrcfponbcnt be§ (Stanbarb teilt öu§ 
Durban unter beut 14. ^uli folgcnbeS über bie 
bcabfiditigte ©arnifonicrung (Büb^ 
a f r t f a 'g mit : 3^ran§baal: Äabancric 5 
l-lteaimenter; berittene Infanterie 9 i&ataiU 
lone; Infanterie 26 iöataiHone; ^Irtillcric eine 
^l^rig-abcabteilung. €r a n j c f l u f5 ? 51 1 n i e: 
.ftaballerie 2 liRcgimenter; berittene J^nfanteric 
,3 )öataillonc; ^nfontmc 8 Bataillone; ^rtittc^ 



V 




r^> 



/ 



J 



/ 



bicfcr ?ltt öeftt c§ tDcitcr, unt) fo feben roir Öcnn 1 /^aiipt f)Qt dnnellanb ron feiner 6rf)iml^iöc 



iotin!n^^TicTe^öan/5e i;>Q|Te3* | Den befanntcn ipctrn ssD uflo xJacoDr, Dcir 



mte Städte. 



aS ü r 3 b u r g. 

3Scnn man t)c§ OTorgenS jt^öcn ^al!) neun biet 
ouf bcn rid)ttaen ^^a^nbof ö^lfit, einen Sabtfd&ein 
löft — rcaS in ^eutfcftlant) IciDer mit unerfreü* 
lidien SToften oerfnüpft ift, — fo fann ntan (ßcfetjt, 
Dag man ten rechten Qm txwiW nnt) öefc^t, 
t>a% ibm unb mit ifim nicht im§ ctroa§ Unootber:: 
f^efebeneS jufiofit) fcbon t)c§ ^adimittaft^ fürs nod) 
fünf Ubr in SBuriburg fein ; jene &at>t, non 
ber iünöft fo ml bic 9Rebe mar, mcif 
ci'naelnc ©lieber bc§ ofabcmifd)cn Sebr* 
förperS flcb mit Der ibnen überöcorönclen ![Rncbt 
nirf)t cinia fübltcn, meil eben bicfe — in politifcben 
51ffQiren bin id) ntd)t aut pctfieit — für;;, baä 
bojjcrifcbc Gentrum Icbnte "Dci^ SBubßet für ®e* 
mä!Dc unb onbcrc SRubitätcn gu roieberboltcn 
TlaUn fatecjorifd) unD opobiftilcb ab, ber Jelentopb 
fpielte (fo bcigt cä Docb mobl ?) unb bic W\U 
atbeitcr ber „f^uacnb'' befomm ben ©toff für bie 
fd)onften ©cbiditc umfonft ßclicfcrt, ber fdimai/ie 
5luöuft fdilua ^l^uraelbäume oor Sreubc, unb bie 
$farrcr§.5latbi entlüftete ficti moralifd). 

Socö pon biefcm unliebfatncn Siöifdbenfpiel — 
nidbt bie morolifdie ©ntrüftuna ber braoen ilotbi, 
nein, boö ©on^e ift gemeint — foU bier nidit 
ßefprod)cn roerDcn. 'Damalö, öl^ id) nad) 
SBürsburg fom . ])'6ik mnn ouit nod) 
niditö baoon. S^ xvat ein luotmer kxid)* 
tenber S^-rüblinaotaa unb jjubciu fjronleid)- 
tiamsfeft. 2^Q5 nicrflc id) crft, alö ich jenfcitS 
pon Subl mor, nlö idi bic i>5ben bc^ Sbüünßer 
äßalDeö überfcbriltcn batto, bef[cn S3crae mit bem 
ßolDöruncn .UleiD ibrcr entfnofpetcn a3ul)cnmälDcr 
bier fonft, bort flcil mn blauen, Ii:btb[aucn 
Öimmel emporfliegen. Qn, ba Job id) balb flcine 
Dcrtd)en, pon bcrcn Xboitüimcu blauipcifec 
Sonnen flüttcrteij uno gab^-cn, bie in t)cn 



fcbmalcn ©offen mit ben niebrigcn öäu§d)en faft 
ben S3oDen ftreiften. Sieblidie S3tlbct folgten, 
tieinc fonnige 2)örfer öQ«J tn SBiefen, Söaffcr* 
müblen nnb roufdjenbc Sorellenbad)e. Unb icb 
fab !roäbd)en burdb boS G3rün ber SBiefen ßcbcn 
— bie bort üppifler finb nid hd un§, mit taufcnb 
Slumen öefternt — , SHöbcben, ftttfam einanber 
an ber ^anb baltenb unb nur gcitmeifc fid) 
umfd)ouenb nac6 ben Surfd)en, bic in 
Iruppä unb fletnen SHubcln pfeifenb, fummenb 
unb ladienb ibnen folgten. 93qId roitb ba§ Sanb 
breiter, flarf)er, bie Sonne bellcr, tie ©liefe meiter, 
überall Spuren con belobntem ?jiexi, piel .^orn, 
piel Söiefcn, ©ereinj^elter 2Scinbou an S^ügeln, 
Släbtd unD Crtc ließen ntd)t gar roeit Pon ein* 
anber, unb bann fommt SBürjburg. 

„^on lBambrr({ 618 nac^ SQür^Burg l^in 

23c(^rcn3fn 93crg unb öügcl 

2)ie rocitc ftromburc^qlänjitc ^n\ 

J^cb iDoHt', mir loüdifen Slügel, 

93aHcri, oallcra, Sauer <, paUcra, 

3cb iDoat*, id& bSttc Slüßel !" 
fingt Scbeffel im U>cit oon Staffelfiein. 

♦ -. ♦ 

5luf bem Sabnbof ein buntcS Seben, t)iele 
Soueiinnen im SonntaflSfiaat mit farbigen SeiDen«« 
tücbern über faubercn Äleibern unb reichem Silber^ 
fcbmud, barbäuptig, bic blanfcn fd)roat5cn 3öpfc 
feftgcöiebt unb um ben .(lopf gefegt ; oiele ©olöotcn 
ba/in)iicben, bie Pon beimfabtenben Scbroeftern, 
3JIüttern, Stauten ^bfdUeb nebmen. Sie ganae 
5laifer*6lra6e entlang flottern luftig bie langen 
S^abnen. Xi^ 3)luttorgotteöbilber finb mitSIumen 
gefdjmücf t : 

3u Söürjburg foft an jebem £^ou3 
Sd)out ein SRarienbilö beraub. 

T^ie QuliuöpromenaDc ift geflapgt, befranst 
unb grofic alle 53arorfAcmölbe bat man on ber 
Saflaöe beä Suliuöjpital^ bcfefligt, bic feltfom 
biouu unb Qolbig leucfetcn. ""^Jian ift nid)t gc* 1 



roobnt, ©emälbc im freien ju fcben unter beä 
bleuen öimmeld poriem, ganjem Sicbtcinfatt. Unb 
mon ift mand)e§ nid)t gcrcobnt, ba« man bier 
fiebt; bic wenigen 6tunben J^abit babcn unS in 
eine anbete SBelt, ober beffcr au einer anbeten 
flultur gcbrad)t, baä empfinben mir auf <Bö)x\it 
unb 3^ritt. i&ier ift oHeS fonniger, frcubiger, 
Ieirf)ter; e$ fcbeint, als ob alle STagc 
JVefttag märe. 2)a§ ffiolf ift lebbaftcr, 
racniger bebrücft, meniger fcbmerfäfltg. 3J?an 
meift: bter rcirb SBein getrunfen, nicfet Sier mic 
in 2Jlüncbcn. Unb bic Sßeinfultur x\i alt bier, fo 
cit mic bic SHeftc ber fünftleii'cben Äultur, fo alt 
roif bie 3]?ad)t unb SBebrbafliafcit ber ilirdje c§ 
bier ift, bic fpätcr im 18. Sabrbutibert in biefem 
(Sr^biätum cim letjtc, prunfbafte, meltlidjc 33lütc 
Scitiflen follte, biö er einer fObler benfcnben Seit 
gefiel, einen Seil ibrcr ©üter gu fäfulariflercn 
unb ta^ meltlid)e Sccptcr ben Äircbenfürflen auS 
ber &anb au nebmen. ^ilber nocb ftebt fencr bcrr« 
Iid)c, geroaltige Sau, boS fürftbif6öflid)c ©cblofi, 
^a^ Saltbafar 5^{eumann für bic Ferren Pon 
£d)önborn, ©reifenllau, Sngelbeim, ©einSb^^nt 
unD feuttcn fcbuf. 9iicbt, ta^ fmb !Ramen, hei 
benen fid) etroaö benfcn läßt, bic in un§ 
bie ßmpfinbung pon SüÖe, flraft, SJeid)* 
tum unb 6ittlid)feit roecfen. a?on ber ®tunb=» 
fteinlegung 1720 bid 5ur SettiöfteUung be3S3aueä 
pergingen 25 Qabre, unb mebr benn ein meitereS 
2Renfd)enalter nerfliefet biä m Soflenbung ber 
3nnenau$ftattung. 9iod) leucbten im ©d)lo6 Pon 
SBSnben unb 2)ecfen bie göltlicb leicbtfinnißcn 
/"^•reefen licpoloä in buntem ©djiller, rcie ber 
Sd)melj ouf ©d)mettctling§flüaeln, menn aucft Xiic 
mciten, prunfenbcn 3itnntetflud)ten, bie großen 
Säle unbemobnt, pctbanflcn unb oetfcbloffen babin 
üäumen, fofcm nicbt getabc um bic ^Jiittagö* 
ftunDen eine Sdiar pon Sefud)ern pon einem 
unaufbaltfam rccitiercnben ©icncr tiinburdigc- 
trieben mitb, i)er einzig an bei intcreffanten Stelle 



eiwa^ länger octmcilt, mo in einem 5Haum ein 
6d)0 pon iSänDen unb 2)ecfe fdiaat', fo man in 
ber mne in bic So'dnU flatfd)t. Qcbenfanä 
eine Sodic Pon boberer 2Bid)tigfeit ! Stocb 
ftebt ber alte, romanifcbc 2)om auS bem 
j^roölften ?![abrbunbett, einer ber umfanglid)ften 
S)cutfd)lanbö, unb on ber Sicumünftcc 5lircbe 
ift ber Stein für SSaltct Pon ber^ Bogel- 
mcibe, ber in SSüraburg fein ®rab fanb. 9iicbt 
meii von ihm t>ie S^eliefplottc für einen an* 
beten 5?oeten, einen 2)id)tcr mit SKcifieC 
unb Sd)ni^mcffer, für Sil Sfliemenfdmeibcr, 
Sm S)om, unter aller S3arocfpraAt, ba liegen bic 
öifd)öfc, ba fteben bic alten ©cbenfftcine, ba 
Rnb bic ernten OTonumentc ber ©tabifd)ofc fflu* 
bolpb pon Scberenberg unb Sotcnj Pon Sibra, 
©tcinmetfe 9liemenfd)neiber§. Söäbrenb 'öa^ erfic 
nocb gang in t^cn Srabitioncn ber ©olbit seigt 
baö amcitc bic neue Sormenroelt ber bcutfd)en 
Slenaiffance. 3^od) rubcn unter ben ©rob* 
platten beS Äreui^gangä un'o ber Sepul« 
lur bic Steiben ber SDomberren unb in 
ben 9Jifd)en fteben ftolje SDenfmäler für friege^ 
rifd)C Scanner, bic einmal in itgenb einer Sebbc 
ibr Seben Hefeen ; nod) ragt brüben om onberen 
Dkinufer am j?'u6c ber OTatienburg bic utaltc 
33ur{börbuäfird)c, bic faft in allem ibrc ut«» 
fprünglid)en gotmen bemabtt bat, unb nocb 
ttinft man ben Seiftcnmcin, ber auf ber Serglebnc 
barüber mäd)ft, unb beffen alte Öabtgange ien 
SdjlofefeOer füflen. 3Rocb fcbauen Pon ben jier* 
Hd)en, gotbifcben Strebepfeilern ber Sl^arientapeflc 
bic ftcinetnen Siguren Sil ^Jtiemcnfd)ncibcr§ in 
t)a^ bunte 5Katftgeipübl ; uod) prunfen bie kuppeln 
unb Sütme ber golbftroeenben, mcitballigen 
SBarodfircben 5Setrini8; nocb finben mir reicblid) 
$raditbauten beä Satocfö unb Mofofo — mic 
baö Iieblid)e ipauö j^um gölten — unb pcreinjelt 
2i3crfc beutfd)er ^enaiffance, nod) ploubern 
bie alten ^^^runnen poc bem ßcfart^turm^ am 



gifd)marft unb in ber .?)offlro^c, unD 
nod) fpcriben t)ie proficn, leicben 6pitalcr t)en 
5lttnen, 5llten unb 5Tranfen; unb im ©aulcn* 
ßang be3 SuliuäfpitalS fal& td) alte SDIännIcin in 
ber Sonne ft^cn, rcbenb, traumenb unD Icfenb, 
bafe id) fllauble, tcö fä^c ein SilDoon Siebermann. 
9^04 ünb bie flinen Snfcin ber DrbcnSbrüDer 
unb ber ©cfenicfiern überaß ein^eftreut ; ja man 
njunbcrt fiel) fclbft beute, mcnn man oben auf ber 
Sutiioiööteraffe unter bem .Päppele RtJ^ *0a^ 9J^oin* 
Ibal l^tnabfcftaut unb auf bic melcn, üielen Sürme 
ber geöcnüberlieaenbcn Stobt, fpi^e unb ecüae, 
fcbfanfc unb plumpe binobfcftaut, mo all* bie 
Seute lierfommen foHen, bie iltrdben gu füllen. 

Oft fmbet man an alten .(lirdbcn bic Spuren 
iebeö ^KabrbunbcrtS, feier mürbe ber 6bor anöcbout, 
bort bem iurm ein neuer öelm ßeacbcn, bort 
eine neue ScitenfapeUe guöefüßt ; unb feine Seit 
6ielt e§ für n5ti(^, bie alte Sormenfprocfee beiju* 
bebalten, iebe fprad) in ibrcm Ö^iom. (Sincm 
folcben Säumet! rotO tc6 SBürgburg pcrölcicbcn. 
Sebe ^unfianfcbauunfl feit 800 Qa^ren bat l^ter 
beutlicb Spuren binterlaffen, aber am reicbftcn pe» 
fd)müc!t ift bocb ba§ le^te StoatSöemanb, t^a^ oon 
prod)tliebcnben ilircfeenberrn blefer ![RainfiaDt um* 
ßebänöt rourbc, unb t>ai ift c§ ciaentltd), meldjeS 
ibr nocfi Ifeeute ben bcftimmten ?lu§brutf, bie 
ciöene, liebcnSmürbißc ^ok piebt: „5Qüra* 
bura, bie Stabt bc§ SHofofo" fcbricb ©urlitt. 
9lber mir muffen ben SearifF IHofofo 
fcbon dwa§ mcit faffen unb ben Üebetflanööflil 
pom öarocf Innein^icben, unb muffen t)a§ be* 
ißinnenbe @mpirc unter ben Ictjten fird)licb'n)elt# 
ilidjen 5Racbtbobern um bie SöenDc be§ 18. Sabr* 
JunbettS biüjufüßen. S^ne ©podjen, bie auf Soften 
beä 5lonfiruftioen bie S^eforotion l)eroorI)cben — 
fei biefe 2)eforatton nun prunfooll prScbticj, mie 
bie üppigen Sßoluten, bic fd^roercn (^ngelätuolfen 
be§ 23arocf, fei fie bie sierlidje, fpielerif^e, locferc, 
neroöfe Drnamentif beö S^ofofo in Stuct« 
peraolbungen obet fcbmiebeeifetnec Sltbeilen, 



in Sboren, 2:burfd)I5fTern, SecfenfüIIunflen, 
ot>er fei f!e bcbäd)tigc, flare 5vlad)englieberunct^ 
matte, barmonücbc J^arbengebuna in fd)li6ten 
Sntiemaumcn — f!e giebt SBür^burö bo§ ©e« 
präfte. HnD rocil mir erft feit ein bi§ jimci 3abr^ 
aebnten gelernt baben, an ben tieften biefer 
faori^iofcn, on ©efdjmncf unb Sd)mucfibcen fo 
überreid)en 5lunft , ol§ an bem legten mit Icid)t« 
finnin fllilcf lieber 5)Qnb oerfrt)n)enbctcm Grbe gtofter 
.^uliur unfcrc J^reuDe su boben , unb meil mir 
Port)em biefe Seit al§ Serfafli^eit au mifiad)ten 
unö ba§ 9ted|t nabmcn, fo fommt e§, "Oa^ beute 
bie Stabt ffiürjburg nidjt fo febr non 
J^rembcn oufgefurbt roirb, wie fle c§ oer^ 
biente. 5Iber mer für ba§ !Kad)toolle, Seroufd)enD« 
pruntenbc ber S3oTocffird)cn Sinn l)at unb roer 
gar bie elegante, gragiofe biä ni erotifcber Wi^^ 
famfeit üö) fteigernbc Sinienfübrung eineS S3al* 
tbofar Sfieumann nad)^ufüblen meif?, mcr für bic 
licf)te 5^arbenfptad)e, ben fü^en ©ruppenbau, bie 
flatternbc con ®tt)enfd)merbe befreite Seidjtigfeit 
S^iepoloö empf Soßlicb ift, biefeS 5D?onne§, ber ein* 
fad) aüc^, maS ibm groß unb malerifcb^beforotio 
eifrf)ien: blübcnbe üöeiber, SlüDen, leudjtenbe 
Uniformen, brounc Sebuinen, fliegenbe t?abnen, 
efotifdjeS (Seticr in feinen ÄreiS ^üq, — Der mirb 
roobl faum in 2!)eutfciblonb eine Stnbt finben, meldjc 
ibm mcbr gu fagen l)at, roie SBüraburg. Sugegeben : 
n)Q§ er bier finbet, ift nicftt bie ö^öfete, bödifte per* 
ebrung§mürt)iße5lunft, er finbct feinen Äatfer Äarl 
ton Sijian, mie in 5Küncben, feinen ©'t)f«=5lltar, mie 
in 93ctlin, feine 9lembranbt§, mie in 5laffel ober 
SÖTounfrfjroeig, fein .^cibelberger Sd)lo6, fein 
Sirafeburger 2Jiünfter, aber roa§ er bafür finbet, 
ift be5iel)ung§retc6 gum l^eutigen (Smpfinben, ift 
für ibn liebenSmctter, ftebt ibm oiel naber. 

SEBcr einmal in Söürsburö mar, ben mitb eS 
lieber gutücf^ieben unb aOeS mirb ibm in ber 
Serne nodb begebrcn^roertcr unD (ieblicber er* 
fcöcincn. S)ic ifage am flacbcn Ufer be§ gluffeS, 
bic Slbenbc am i)iainquai unb in t>tn enaen ^ 



(Stoffen, brüben bic Krönung ber Serge von Der 
5^cftc !l[Rarienberg, bie Slirfe Da§ meitc 9J^aintbal 
binauf, binab, bie ftohen 93rücfen, tefonber^ 
jene munbcrfame, oltc -DTainbrücfe mit ben ^nn 
Wifim bober, fcbier bramatifdj bemegter öeiliacn* 
figuren non barocfer 5?elt lieb feit. SebnHid)tifl[ 
mirb er fid) ber friel)lid)en Sit'un^^en beim guten 
2Bein be§ ©rücfenbäcf^ erinnern — Säcferei unb 
2Beinmirtfd)aft jinb in ffiür^burg ftet§ in einer 
.^anö — , beS fclirtcn .^eimfd)manfcn§ am (Scfart§« 
türm worüber über tcn mQrf)tigen ^ompla^ ^um 
alten ®aftbau§, ber fAier unglaubnd)en 33lütcn* 
fülle an ber ipof^arten»2^erraffc mit ibren ;^ierrid)en 
Ckuppen, öie mie 9Sergrö6crunaen non ^Rumpbcn* 
burger ^or^^ellanen mirfen, gefdimodoolle ^Jlrbeiten 
bc§ ^cifterS Sßagner, ber Stunbcn angeregter 
Setracfttung in Äirdjcn, Sommlungen, im Sd)io6, 
ein Saumerfen; unb beiner, bu fleineö Surocl 
5leumannfcber .(lunftr t)ie Sd)önborn'.(lapene, unb 
Deiner, bu finblidj^lieblicbcr unb Docb tief nad)« 
bcnflidier 2^ill SWicmenfd^nciber, non bem SSüri^» 
burct fo üiel praditige arbeiten bcRtjt, unb ber bic 
jugenblidic 5lnmut, ben ßcfcbämigen 9J?ulterf!ol5 
ber 9J?abonncn fo gut ßob, mie bic mübe 5Ufefc 
ber jungen ftciliöen, mie bic Sorgenfurd)en, roclcbe 
ein 90 ^obrc longeS Scben in 'Ok Büge eineS 
©reifet gci^ogen, mie bic ftiHe, in jtc^ gefcfligtc 
flraft ftol^er, eifenberoebrter SHitter. Unb autf) biefe 
non ber ßrofien, milDcn Scbmermut überftraWt, bie 
mir ba§ ßbarafteriftifum beiner .Qunft m fein 
fdieint. ^odj Die iQanD, mefcbc fo feiner ©mpfinbung 
folgen unb 5lu3bni(t geben fonnte, griff audb gum 
Sd)mert für bic llnterbtücften, unb Der fecbjig* 
jöbrige ÜT^eifter mirb ![Ritftreiter unb Sübrer im 
S3ouernfrieg. beifen roilDc SBeHen ftcb brüben an 
ber Sefte SRarienbetg brad)en, ber glcidicn Sefle, 
bie fpater 1866 prcußifcbc ©ranatcn über^ 
fcbütteten. 

Qd) roüfete faum eine Stabt, "ole un§ foSSieleS 
unb fo ipöienSrocrtciS gu fagen bat mie SSüraburg. 

Georg Hermann. 



fünftlicb oerteüert; befeitigt rocrbcn fann f!c nur 
butd) eine ^lenberung biefer gemeinfdjäblicbctt, 
ben >l[ntereiTen einer beoorjiugtcn i^afte bienenben 
SBirtfdiaft^politif. ^ie ilommuncn ftcbcn biefen 
Scrbältniifen jiemlicb mad)tlo§ gegenüber unD 
merbcn fid) gebulben muffen, bi3 bie ^aiii Der 
2:batfa(bcn bie Sd)ronfcn binmegfegt, bie ber 
©infübrung biOiger S'kifdjnal^runö öWöcn finb, 

SBie un3 ein eigener 3)rabtbericbt au§ ^ofen 
melbet, bat bic Dortige ipanDelBfammcr auf ibrc 
Eingaben megen ber ^ä^ühi^nna bcd $attbeld 
bur^ bie $Rtt!ffctfctt«®CttofFenff6rtftcn in Ser* 
binbung mit ber 51 n f i c b e I u n g ö * ^ o m m i f- 
f i n oom ibanbel^minificr unb oom Dber»^ra< 
fibentcn bie 9iod)rid)t erbaltcn, t)a^ eine eingcbenbc 
Prüfung ber 3lngclcgcnbeit ftattfinbcn merbe. 

Snm 9>lifd)f rieöc. 5ll§ eine f leine SOfnnrattoit 
ber ungünfligen Sage, in meldicr fld) ber 5DJilc6^ 
ring befanntlid^ feit gcroumer Seit beftnbet, mac 
fürjlid) in ber treffe beiläufig ermabnt morben^ 
ba6 bie 5!Jlild)Ccntrale^4)on ben 36 5?ernfprec6^ 
5lnfdjlüffen, bie fic bi§ber befaß, nicftt mcnigec 
al« 30 aufgegeben l&abe. 3)ic S)tfcb. 2^agc5;tff, 
mortet je^t mit einer S^acbridbt auf, bie eine 6r« 
flärung für biefe auf ben crflen SlidC bocb ficfter* 
lieb merfroürbifl berübrenbe 50la6re0tcl geben fott. 
„3)ie OTild) centrale", fo fogt ftc, „hat be- 
fanntlicb 60 Saben, bie größtenteils mit bet 
Sentrale telepjonifdj nerbunben maren. ^adi^ 
bem aber bie SJZilcb an biefe SaDcn nid&t mel&c 
bircft non bem Sabnbof, fonbern in gut 
gereinigter unb gefüblter Sorm oon ber ÜRilrfi* 
centrale in ber Sdjilling^Stroße 12 geliefert mitb, 
ift taglicb eine breimalige Serbinbung amifc^en 
ber 3JloI!erei unb ben Säben bergefteHt, rootiurcö 
fid) einige 30 gernfpredjer erübrigten." 2Bcm bic 
©rflörung nid)t genügt, bcfommt c§ mit ber 
2)tfcb. XogeSatg. au tbun. 



•^ 



\ 



; N 



flite Stadt(l)eD. 



II. 

JHotljcnburg. 

;gnt (Hommcr — toä^rcnb bcr 3??onatc J^uli 
unb Sluguft — ift ^ot^euburij fcl^r bcfudjt bon 
^rcmbcn, bcfonbcrö bon ßnglänbern unb Hmcri^ 
fancrn. Snbc 33?at, 5U 53entnn bc-^ ^uwi ift 
bcm nod) ntd)t fo; bo^ Untcrfommcn ift nod^ 
billig unb bcr (SintDo^ner bct ©crrfd^cr, nic()t 
bcr (S5aft. !J:rot^bcm faf) id) Slot^cnburg belebt; 
flonac ä)?enfd)enfd)arcn burd^aogen c§, bcnn c§ 
irar $üleffe. Unb ntd)t ctnaig, ha^ aUc (Btähtet 
qepu^t unb auf bcn 53ctncn hjarcn, oud^ btc 
i^aucrn bcr Umgcgcnb luarcn öon iucit^cr l^crcin^^ 
ncfommcn unb brängtcn ficf) um bic ©tänbc, 
fauftcn unb fcilfdjtcn. Hu§ allen SBtrtfd^aften, 
in bencn c3 it'ic in ^tcnenförben fd^tüirrte, brang 
ba$ (5tamj)fcn ber tanaenben ^aarc, unb 
üöurfdicn unb Tlähdjcn exogen in breiten ^'etten, 
btc flcincn ??ingcr incinanbcr getafelt, mit 
fcfiradCernbcn Firmen bic ©äffen entlang, !aum 
mitcinanbcr rebenb, nur leifc unb glürflid) bor 
fid^ :^er fummcnb. ?tuf bcn ©trafen ftanben 
^ttfd&c unb (5tüf)rc, unb bi§ nac^ 2Wittemad)t 
flang ba§ Harc ©tngen ber 33auer6Ieute, bic 
bo mit if)ren grauen ober 33räuten, mit ^neditcn 
unb 5D?agbcn beim ©dioppcn SBcin fafeen. 5Por 
hm (Bäjauhuben in bcr .^errcngaffc brängten 
fid) bic ^nbcr unb bcftauntcn bic fHebcgcmanbt^ 
l^cit be§ bcfradten ^errn, ber bic ©diönbcit 
unb (Seltenheit feiner ObjeTtc önpricS, fa^cn 
\ Qngftt»oII ouf ba^ SBadjöbilb bcr .mnbegmörberin, 
ba§ als i^ocfbogel biente, unb betuunberten bic 
lt)äd)fcrnc ?Ifrobatin, bic nun fd)on ben ganzen 
*3:ag in bcr unbcQucmcn Stellung bed .^reua^ 
IiangcS mit iljrcm Trapc^ auf unb niebcr 
fdjmebtc. ^;'ruf bem e^ematigen ^"i^cnfricb^of 
fogar tüor ein grof^er reifenbcr (SirfuS, unb 
irä^rcnb an^ bcm micfcnaclt ^öcifaEaHatfdjcn 



bröl^nte, faf^ Ijintcn auf einer umgcftür^icn 
^iftc ciw §crfulcö im grünen 5trif ot unb lüartetc, 
bis bic dlci^t an i^n fäme. 51II ba^ mad)tc fid^ 
fonbcrbar in bicfcr Umgebung. $icr iüar ein- 
mal bcr S^^c^f^i^^^of getpcfen, bod^ ba man 
bic ^ubcn bcr (Biabt bcrtnicfcn ^aiic, tvat er 
in S3crfaII geraten, unb bic ©rabplatten boten 
gutes Baumaterial für ein na^eitc^cnbc^ ©c- 
bäube, tüo man fic nod) im 2)laucrlDcr! mit i^ren 
^nfd)riften finbet. 5Zcbcnbei Ratten bic ^uben 
tro^bem balb tricber grof^cn (Sinflufj auf bav 
@efd)äftsleben bcr ^tabt j)iütr)cnburg gctDonnen, 
unb, ba cS il)ncn bcrlücl^rt Irurbe, in ber (Btabt 
^u übernachten, fo bauten fic fid) ein fd^öneS 
gad) Irerf^auS mit 3ierlid)em ©rfcr gletd^ neben 
ba^ X^ot, fo ba'i^ bic JRüdföanb fid^ an bic (BiabU 
mauer lel^ntc unb bic gront inS ßanb fal^ — 
unb bcr Il^giftrat f^aitc ben ?lcrgcr. ^aS öol! 
aber nannte ba^ ."S>auS, lücil luo^I bort aui!i) 
??cftc gegeben lourben, baS Z^bcnian^fjon^. 
.?>eutc ftcftt eS in bcr <Biabt, bcnn um ben crftcn 
33efcftigungSgürtel legte fid^ fpäter nodi ein 
Streiter, fo ba^ ber ältere, fd^öncrc !^cil bcr 
^iabt bcr ^crn glcidjfam, in einer ^ülfc ftcdt, 
unb um il)n fidö nod) eine breite Sd)alc legt. 
23iS auf Weniges ift bic S3cfeftigung mit off 
i^ören i^oren, Einlagen, §öfcn unb i^rcn 
djaraftcrbollcn SBarttürmcn gana erl^altcn, 
fdjlicf^t auc^ nod) fjcuic bic (Biabt ah\ !cin $au3 
ftel)t aufecrl^alb ber SUJaucr. '^aäi bcr (Seite ber 
Zauber bcrfte^t fid^ bicS bon felbft, benn ioo 
folltcn auf biefem ftcilen, fed)3ig STJeter tiefen 
?lbfall Käufer erriclitet tücrbcn? ?lbcr aud^ nad) 
ber anbcrcn (Seite l^in tüud)ertc ber Ort nid)t 
über bic if)m burd) bic ^l^allgräbcn gezogene 
(53renae Ijinauö; einzig bor bcm 33ocbert]^or bis 
3um ^a^nl)üf l^abcn fid) gabrifen, Gärtnereien 
unb '^JlicUifäu^ci borgclagcrt. ^ä^ glaube, ba^ 
ift ein !J'ridf bcr iHotf)cnburgcr. ^an foff cnU 
täufd)t ircrben, toenn man auSfteigt, 5h)cifcln, 
ob aud) bic, iucldjc bon bcr ^BtaH unS in %u^^ 
brüdcn bcr iöchjunbcning craä^ltcn, bic SBal^rl^cit 



gefprod^cn l^abcn, um bann befto mc^r cnt^ürft 
^u merben burdi bic Sicblid)feit unb (Eigenart 
ber 23ilbct, bic fidft unS auf <Bd)txtt mxb 5lnit 
mit iebcm neuen 23lidf erfd^lie^en. Bo rein 
unb ed)t fid) aud) in JKot^cnburg baS ?lltc er* 
l^oltcn l^at, unb fo fe^r für bic ^r^altung and^ 
gcforgt tüirb — ber €>rt ift fouber Iric ein 
(5d)ntudfäftct)en — , fo giebt eS audi) f)xcv 5Ina== 
djroniSmcn, btc unS anmuten tric 5tcll mit ber 
^iftole auf bcr (Sd)micre, bic feine ?lrmbrujt 
unter bcn $Hcquifiten l^at. ^ic alten (Strafeen* 
latcrnen finb nod^ bor^anben, i^rc ^icrlid&cn 
5?ogelbauer l^ängcn nod^ an bcn Letten über 
bic ©äffe; aber man ^at fic für clcftrifd^e 93es 
lcud)tung inftallierti ©ie alten i£)äüfer finb 
nod) ba, aber e§ tool^ncn anbcrc Vlcn^d)cn batin, 
nxä)t bencn äl&nlid^, bon tvcld^cn unS in bcr 
JJafobSfird^c unb in ber alten JranatSfancrfird^c 
bic ©rabftctne eraäl^len, feine JTlitter in (^fen 
gefüllt, feine l^änbelfud^nbcn ^wnfer in fcibcnen 
SSämfern unb bcn ®egen lorfer, feine ftolaen 
n^atSl)crren mit golbcittn Stcttcn unb ^runf== 
]Öarnifd)en unb ernften, flugen ©cfid^tern unb 
feine cl^rfamcn ©auSfraucn mit S^üblftcin* 
fraufcn, hjcttcm galtcnrod über bcm ftarfcn 
2cib unb ^itffärmeln. Qu ^ßfingftcn foll man 
bic ^llufion fiaben, trenn bort baS geftfbtel auf 
bem fJlat^au^faal gegeben toirb, „ber STJciftcr* 
trunf", mit bcm ber bamalige S3ürgcrntci|tcr 
bic (Strafe bcS eraürnten Zxliij bon ber Biabt 
abtranbte. — ^enn tüenn bic alten ^raditcn 
bic (Strafecn beleben, foII man fid) gan^ ^urüd^ 
träumen fönncn. ^dj faf) auf bcm Slot^anS 
eine S^Jadibilbung beS ©lafeS, baS nod^ am Ort 
bic (^fcl jenes trinffeften (3tabtobcrl)aupteS hc^ 
ira^ren. 97?ir ttJurbc aud) bon bcr Pförtners* 
frau bcr gan^c Hergang cr^ä^lt, bis auf baS 
(Stirnrunacln beS grimmen ^iegSmonncS, ber 
feinen Sein tranf, fein 51Bcib berührte unb 
feine (Bdjlad)t bcrlor. (2llS er baS Ic^te jcbod^ 
bennod) tf^at bcfam eS i^m fd^lcd)t, bcnn er 
büfetc bei bicfcr Qklegen^cit fein ßebcn ein.). — 



Unb tro^bem mir ber S3cd^er gezeigt unb bic 
gamilic genannt Irurbe, bic baS Original Ijütet, 
meint bic mobernc fritifd)c öefdöid)tSforfd)ung 
— rüd|id)tSloS, iric fic ftctS ift — , ba^ btcfc 
5(rt ber Errettung eine fromme «Sage Iräre. 
$ricbenbei ift bic Bad)c fd^on fo lange — balb 
brei^unbert J^al^rc — ^er, baf^ eS mirflid) glcid^=: 
giltig ift. ^n breil)unbert ^a^ren ift citva^ 
öefd)c5cneS nid)t meHr toa^r unb cttoaS ®e^ 
fabcltcS eben S[öar)r5eit gctrorbcn. Unb bod^ — 
tro^ ber ^nad)roniSmen glaubte id^ in ^otr)enj: 
bürg ^a^rl^unbertc mid) ^urücfberfe^t, bcnn bic 
93auem unb 33äucrinnen, bic ^um 2^arft famen, 
tüo fannte id) fic bod) f^cv, ifjtc @efid)tcr, i^rc 
flcincn, gcbrungcncn ©eftaltcn, i^ren ©ang, i^rc 
S3eb:)egungen? So l^attc id) bicfc grauen, bereu 
ÖJefid)tcr tüci^c ^üdjer rahmten, bic S^Jäbc^en 
mit bcn r)erbcn, faft ernften 3ügcn fd^on ge=» 
fcr)en? SHii^tig, in ben 3c^rf)"i^"0cn, in bcn 
(Btiä)cn beS 2)?eifterS Sllbrcdit. ^aS fränfifd)c 
©auembolf — baS finb nod^ gan^ unb unber* 
änbert biefclben ^t)pcn, tpie fic unS S)ürer bc^: 
toa^rte, unb er ift axxd) ber feinftc (Sd)ilbcrer 
biefer ?lrd)iteftuten, bicfcr flcincn, gefd)ad)telten 
(Stabtbilbcr, bcr Jlufjläufc mit bcn SSaffer* 
mü^len — man benfe an feine ^ra^t^ie^mü^lc 
— unb bcr l^crbcn, fd)lid)ten Siei^c bicfcr tocxten 
lanbfd^aftlid^en 33lidc. SÜSic fid^ bic fränfifd)c 
JHaffc in iftrer JRcin^eit betoal)rt, ba§ erfennt 
man am beften, Jocnn man Spater unb ©o^n 
ncbeneinanbcr gc^cn fie^t; einer fd)aut tvic bcr 
anbcrc auS, faft gum bcrlucdrfcln, mit bcxx bort- 
lüfen @efid)tern. ^n bcn Biäbtcn berfd^iebt fidj 
bic 3?ebölfcrung bon (Generation ^u ©cneration^ 
braufeen ift fic fcfjl^aft unb ftetig. Unb cbcnfo 
tuanbert baS, traS in ber Biabt abgcbraud)t ift, 
aufs ßanb. ®urd) ^a^rl^unbcrtc err)alten fid^ 
brausen bic ^raditcn; ein gutes 'Xcil unfcrci 
bäucrifd^en groucnflcibnng gcr)t auf ba^ 
JRofofo unb iueiter ^urüdf; bic 3)Jöbel unb bei 
3immcrfd)mudf, erft für ben 2uruS beS Biäbicti 
bcftimmt, fommt aufs 2anb l)inauS, um nad). 






Jr 



•J 



>arul)un betten lüicbcr bon i^äublern aufgcfauft 
51t trerbcn für bcn <Bd^xnud her Si^o^imnj^cn hc^ 
rcidien (£täbtcr§. ^a^ ift mm einmal bcc 
5Cret§Iauf. 

S3tcre 2)tditer ^ctben S'lot^cnburg 5um hinter* 
nrunb ifirer (^tj^äriliingen öcix)äf)(t; icf) benfc an 
.pet^fe unb an ^cnfcn. ^cr Später \vat mib ift 
ftänbigcr 03aft in feinen Stauern. Unb bod) 
erfdieint c§ mir nod^ itnbefc^ricben unb nn^ 
ncmalt. ^ic ?Ird)iteftcn füüen if}rc ©fi^^cn^ 
I)üd)cr, iinb bic ^^jS^otograpI^cn — c§ finb bercn 
meiere rc tüd)tigc in iHot^cnburg onf äffig — 
burd)ftübcm jebcn SBinfcI, unb bod) crgtebt eS 
fid) nid)t, unb jcbem 5cint e^ neue <3d)önl^eitcn. 
^a^ einzige, tt>a§ iftm na^c fommt finb 5ö[ättec 
bcr !5ugcnb3eid)ncr, ^^nf unb gelbbaucr, bic 
id) Ic^t^in ^a^. ^ic f^ahen dtva^ t>on ber 
d-igcnart gebannt. 3Jla\\ fjat JHot^enburg oft 
ntit ^3Jürnberg i)erglid)cn; aber e§ ift reiner, 
ungetrübter im ß^^arafter ber beutfd)cn d\c^ 
naiffancc, unb e§ ift ait§ge5eid)net bor jenem 
burd) bie 2ieblid)feit feiner 2age, hwxä) bic 
Jüciten ^Uicfe über tiefe ^^äler unb fa^Ie ober 
gering betualbete ,t>üger, burd) bic flarc 2uft 
ber ^ö^c, burd) bie ^Inmut bcr C55cirtcn, h)eld)e 
bic .?)änge a^ir Zauber uniffcibcn unb bic alten, 
trodcncn Gjräber mit i^rcr blü^enben Uepl^igfeit 
erfüllen. .<pier licrftcr)t man bie (SeT^nf ud)t ber 
beutfcl)en ^omantü, (jier möchte man SBaden^ 
robcr« „$cr5cn§crgicf3ungen cincS funftliebcnbcn 
.SMofterbruber§" einmal lefen, unb bod) locr)t 
üOcr bem gan,^cn eine i?uft, fo I)cfl unb flar, 
bic S3licfc bc^nen fiel) fo Ireit, fo incit, ba^ man 
unhjirifürlid) luicber an bic lirfjtbolle, beutfd)c 
5lrt C^ottfricb ÜtclIcrS bcnfen mufe. S5?cnn man 
ant dobol^cfler ^^or fielet unb tief unten in 
filberncr ©inbung bic !^aubet 3icl)t, tpcnn ba§ 
gotifd)c Ätird)lein l^craufgrüf^t unb \>xc 2?rürfe 
mit i^rcr boppelten 33ogcnftclIung — man fjat 
cinfad) auf bic aüc ^I^rürfc eine neue gcfc(3t — , 
fo uumögtid), fo fabcU)aft luftig erfd)eint, tncnn 
man brübcn bic ^ügel fdiarf mit iebem 33aum, 
jcbem §of im ?lbcnblirf)t fiel)t, unb red)t§ bic 
^tabt mit all i^rcn roten ^äd)crn, mit i^rcm 



9}?auer(rana, il)rcn 3:ürmen, bic ^ö^c frönt, — 
bann l)ört man lrol)l bon fern ^uf|d)läge bc^ 
Jliöf^lcin», unb man fielet bcn jyiittcr, ber bie 
(Bdjönc geraulit, brübcn bcn Si^cg cmporjagen; 
man meint, bcr 2:ürmcr müf3te in^ $orn ftoftcn 
unb bie 9{cifigen i^m nad)fet^en. ^od) fein 
©orn crfltuöl; nur Qan^t (5d)märmc bon ^oI)lcn 
fommen, fräcl)5cnb unb Reifer bcllcnb iric junge 
^unbc, bom lucitcn Sanb l^creinocfjogcn, unb 
bebor fie i^rc Ouarticrc auf hen .Viird)türmcn, 
in bcn ©d)ainöd)crn im ©cfd^nörfcl ber gotifd)cn 
Sttchen bc^iel^cn, mad)en fic W^ ^od) einmal 
^alt. Äeinc ift mit bem ^^3la^, bcn fie h)äl)lte, 
j^ufrieben, jebc iptll bic anber bcrbrängcn; cä 
ift eine etuigc Unruhe in bcn Vieren, \cben 
?tugcnblid nehmen fic citoa^ anbcrc§ bor; je^t 
fliegen einige fort, aU ob fic cthja§ bcrgcjfen 
^ätten^ aber auf falbem 2ßcg befinnen fic fid) 
unb fc^ren ^u bcn anberen aurürf, unb bann 
laufen fic bon bicfcr au jener \mb plappern 
\^z bicfelbc 9?euig!cit öor. ^d) l)abc fic an bcn 
frf)öncn ^bcnben ouf t|£r ^o^anniSürd^c, bic 
ctmaS tiefer, meinem ??cnftcr gegenüber lag, 
lange heohad)tci — unb fic luarcn mir ein 
Dtätfcl mit i^rcr gcfd)mä^igcn öefd)äftig!eit, 
i^rer 2Bid)tigtl)uerci, bic i^ncn bod) nid)t§ ein- 
trug, ^a, frür}cr, Iro nod^ braufjen bot bem 
!^^or bcr öalgcn \tanb, bcr feiten leer hjutbc, 
ba tvai c8 norf) ein beffercS 2ehcn füt fic. 3<^ 
tuill l^ier nid)t übet bie präd)tigc 9ltd)iteftur 
^Kot^enburgS rebcn, biefer alten ^atri^icrftabt, 
bie fid^ um bcn 3??arft ba^ ^otl^auö, bic ^aloh^^ 
fird)c erhalten ^at, tjon all bcn malcrifd)cn 
Sl^nfcln, btn fd)öncn ^flcnaiffancc^öfcn, nidbt 
bon bem cntgücfcnbcn ^ciligcnblutaltat mit 
feinen stüci (Engeln, gegen bic ein S3otticelIi 
plump unb fpicfebürgcrlid) erfd)eint. — 6t ift 
ctn ftül^cg SÖcrl (Silmonn Oticmcnfd^neibcrg — 
ein äl)nli(^ fc()önc§ finbet man in ®etthjang 
unten in bcr fleinett 2)orffird)e im ^^aubert^al, 
unb in G^rcgliugcn, atrci SJ^cilen tocitcr, giebt c^ 
fein fdiönftc^ 53er!. — ^d) tritt nid)t bon bcn 
(55cmälbcn hc§ 3Wctftcr0 perlen unb jenes 
poetifd^en granfcit rcbcn, bcn ic^ in &, $Q3olf* 



gang fanb, nidit bon all bcn präd)iigcn Sd)micbc^ 
arbeiten am Staubtfdien ^a\\^ in (5t. SSolf^ 
gang — man finbet ba leid)t bcn 'ülnfang, aber 
fdih^cr ba^ ©nbc. ^^d) iriü aud) nidit bon bcr 
2anb^d)aft rcben mit il)ren hJcitcn, Haren Soliden, 
mit bcn 23äumcl)cn, bic fd)arf in bic Suft 
fdnieibcn unb hinter bcnen e§ inä Gnblofe Qcht 
55?ir finben fic auf bcn Silbern ber primitiben 
'^cutfd)en fo gut tric auf bcn ©cmälbcn JPcru^ 
ginod. '')l\d)t bon aH bcr S^lütcnfüHc, bic bie 
§ängc übcr^icl^t, ben glicbcrbogquctö im 93urg=: 
pla^. — ^dj Irin nur nod) ein SBort über einei^ 

$lbcnb fagen. 5^^"^^"^ ^^^ ^^^^)' ^^" 5^^ ^^^ 
fud)en; fein ^än§ ftanb an bcr (5tabtmaucr, 
auf bcr alten ©tabtmauer, felbft ein Sartturm 
gehörte ba^n. Unb trie ein Sd^malbenncft 
flcbtc ba oben ein Heiner S3alfon an bcr 3Jlaucr, 
fjod) n\)cx bem Xanbcxtt)al. Unter un5 bom 
S3urgpla^ §örtc man nod) (5d)rittc unb ^laubern, 
unb bic 93üfd)c buftctcn empor, ©ic ©onne ioor 
langfam unb Iribcrtrillig !)inter bie 93crge ge= 
gangen, unb bic Hbcnbhjolfen berloten aud) att^ 
mä^lic^ il^tc tiefen ??arbcn, fc^tten gum milbcn 
@rau 5utüc!. ä)tüben am ©ang bctfd)lcicrtcn 
fid) bann bie fyormen; eS trurbc ftitter, müber; 
bic Zauber, bie am S^agc gefd)toiegen, l^örte 
man hi^ Ijcrauf, l^ic unb ba bli^tc c§ filbern 
auf bcn SBinbungen be<§ ?]flüfed)cn§. ^m Qoti- 
gont aog ein ^abidji, eine SBcilc fottnte man i^n 
berfolgcn, bann entfd)manb er ben Sliden. (Bin 
;iD?aifäfer fummte tric trunfen borbei, aber bann 
tvax^ trieber ftill, unb bo» 2anb träumte, utib 
bcr 5l"f5 läUtc im (5d)laf. ^n ©ctttrang fprang 
ein 2id)t auf, unten an ber 5topler Mütjle ein 
^trciteg, unb bcr 29eg am SSaffer \cud)tctc Icifcr 
unb leifer. 

!I^ort unten tn bcr 93?ü!jlc ^attc einft bcr 
93ürgermciftcr kopier, bcr J)?ot5cnburg ^u bem 
gcmad^t, tra§ e§ noc^ l^eute ift, feinen ©ommet^ 
fi^ QcX)abi. Unb bamalö gogcn bic gleid)en 
2lbcnbc herauf, bcr .^abidjt freifte unb bcrlor 
fid^ im S3lau irtc bort bcr SBogel. 

Georg Hermann. 



1 



bafe 5laifct 2Bi(bcIm bcmnäAß nacf) 
l^nriö fommen rocrbc, um Dicfreunb- 
fc6afllic6cn 23 es icbungc n amifcöe.'. 
bem 2)ret* unb Dem 3 njcibunbc a.. 
f ö r b e r n. @ä roirD biefer 9lac6rid)t an ®I«ubtfl< n 
in 5?ranfretd) ntc^t fehlen. 

2)cr ]&olIänDifd)e apRtniflcrpräribcnt 3^r. Äu g p et 
ift nod) einer un3 auoiebenben eigenen SDrabt* 
n a d) r i d) t infognito in ^Introeipett eittöetroiren 
unb etflörte in einer Unterrebunö, boft Die 
J^onbclöbcaieftttttflcn sttitfdiett f&tlnitu nnh 
J^oflaiib beffer merDen müfeten. "SHan Hebt tn 
bcr ^Jteifc beö bonanDijd)en JtabineltödjefS ÖaS An* 
jeicben einer beoorftcbenben ©rcna* unb 3ott* 
reguUcrunfl. 

üButen unb C^ttglmtbcr. Seitens bcr i? 
maligcn ^ran§t>aal:-(5^cfanbtf(%xft Irirb mil 
teilt, 5präfibent Ä^rüger befi^c fe:^ ger 
burd) bie ncueftcn 93cnd)tc au^ Sübafrifi 
gän^tc ^lufftellungen bcr gefamten militä 
.^reifte, tvcldyc feiten^ bciber 33urenftaat' 
gelb geitcHt trurbcn. $)-iernad> fei bie oi 
bom %ien Ärcu^ a« H^tctoria gemad^c 
tcilung, ba^ im ganzen 75 000 33urcn gefc 
unb bon bicfcn 8700 37?attn gefallen unb 3 
a??ann gefangen genommen feien, gtma unri 
^ie OWfamtaa^l ber 23uren!ämp 
^o^c mclmclir, einfdilief^lidi aOcr grcitrillr. 
unb aller .<Kat?5orfänbcr nur 41000 9?Jann t 
tragen. Sie genauen fiiftcn unb ^cvidiic trüv 
bcn gleid) nad) bem (Eintreffen bet cctrartetctv 
generale bcröffcntlidrt irerbcn. .v 

(^i\x Äorrcfpontvent be§ Stanbarb teilt au$ 
^urlhjn unter bem 14. ^uli folgenbcS über bie 
bcabfid)tigte ©arnifonierung Süb* 
afrtfaS mit: 2:ran§baal: ^abaHeric 5 
^)icgimcntcr; berittene $snfantcric 9 ©otail^ 
lonc; Infanterie 26 93atainonc; Slrtillcric ein« 
^rignbeabteirung. Oranjcfluf^^itoronic: 
Ä\rbaneric 2 9?cgtmenter; berittene 3"?^"*^^^ 
3 Bataillone; 3nfcrnteric 8 Bataillon«; Slctillc^ 



Sojenet 9Raiem 

Sßon iBt^x^ $enttmttu 

eti una '6\\niitrt fid^ ßccate fcie crftcn ^aftanicn, 
cffnctcn i^rc hjcijen i^lütenfcraen, gana ieimlic^, ein 
paar !^icr unb ta, am ^aim, toai^itnt) t>ie antcm 
nod^ gel6, Hein, fc^Iaff unD gcfd^Ioflen toarcn. 3c^ fal^ 
fca« toic eine €d^n)al6c im ^orüScrfliegen tom 5luto* 
moBil an«, in ier Q^ä^e ueö Äurfürftcnbamm«, in 
irgcnb einer ©tra§e, fcctcn gc^cimniö tollen 'üflamtn ic^ 
feit nunmehr aiüölf ^a^xtn lonftant 3u behalten trad^te 
unb fjjnftant tjecgeffe. (So »at i)a« iamal« am 
^immclöfa^rtstog nachmittag ^t^tn 7 U^r. ®crabc 
1^ aU mUU mit Berlin noc^ einmal geigen: tai Hn id^, 
mnt' ba« öcrmagft i>u |o Itic^tfmnig aufaugeben, {jatte 
eö all feine ^olfiotten ööit Equipagen uab SlutomoBilcn, 
ton 2)ogcart« unb 5lremfcrn, ton (glcftcifc^en un'o 
2:ajen auf ^ie ©trd^c ßcfc^ictt, «nb e« I^atte bic , 
©ürgerfteige Bet)öl!crt mit öll ben neuen 8ommer- 
toUetten aller Saren^äufer, mit $anamal;üten nni) 
Um, n)a« fonft tiod^ i)k, mobern unb dernier cri ift; 
H l^atte eigen« noc^ ein ©ataiüon ton XetiniöBoi?« 
mit geifcen 6c^u^cn wnb »ttigcn öeinfleibern abgc* 
Drtuct, um mein £)cr3 ju ern?eic^cn, at>er mein Sluto^« 
moMI unb i^ — tt>ir kice blieben ^art. Unb id^ 
jfeifte. 

2Bar eö nic^t CSorlca, fccr bie ©dfjiffc l&intcr fid^ 
bcrbrannte el^cbcm in SD^ejrifo? 9?un, äl)nUc^ ^lanbette 
üd^ auc^. 3d^ teigag mir meine S^itung nac^fcnbcn ju 
laffen unb lebe feitbem in graufiger ginfterniö unb 
tiefftcc iBerhjirtung. SSa« ift'« mit ber griebcnö=» 
fonfercnj? ^mm fte fid^ fd^on im §aag? ffißelc^e 
5>cnlmä(cr 5at man enthüllt, n)cl(f;e 9Jctcn gehalten? 
Qft ber 9iei(f;§tcig in '^ic gerien gegangen unb lod^t 
Ibie nationale ©olföftcte immer itciter? öcriin, t)u 
clteö öerlin mit beinern neuen 5(f)j^altpflafter unb 
deiner neuen Slfp^altfultur, fte^t i)ii nod)? obcc ))at 
ttt ^Ireujbers geuer gefpiecn unb bid^ cingcfargt in 
Vi\^t, S^Iadfcii unb ici)oa, mt n^eilanb 'oer 5iJefutia3 
^crfulanum, ^om^cii unb ©tabiae im 3a^cc anno 
— toie'ö bic ö^J^mnaftaftcn lernen? 233enn ic^ gurü(J* 
lebre, ttcrbc \^ mir bann mit glcid^cm ©cnu^ bcine 
üu^gcgraicncn ©Uituen unb 2)cnfmä(cr int 2J2ufcum 
ton 9^eu=53crliit betrachten, n)ie ic^ c!;ebem bcn 
trunfenen <SiIcit unb bcn ruijenben $crmcö auö $er=« 
fulanum im äJiu[eo gu 9?apoli bctrad^tctc? ?l6ei* baS 
imad^t mir [a gar nicf;t «Sorge — ob 53erlin noc^ ftcl;t 
ober ob cfi toom (Erbbobcn tcifc^iDunbcn ift — ob man 
toeiter cntbüttt unb njcittr rcbet, ob SBoIfen am poli* 
tifd^en ^ori^tnt, ur^ ob fit in grantreic^ bie alte 



SRetand^e au\9 geuet fd^ieben, — fonbcrn mid^ bei 
h)eg<n tiefere S)inge: toie ift ha9 Söettcr? 23a:nn 
ober falt? SRegnet'8 ober fd^eint 'oie ©onnc? ©lü^t'? 
Obft no<^ ober ift'8 fc^on am Sßerblüben? 3ft ber 
glieber nac^gefommen unb ber ©clbregen unb ber 
fißeigborn unb 'ocr ^otborn? (Sibt'« ]d)on 92acf;tigaIIen 
überall toie Ifiier? 5lönnen unfcre 2)amcn gum grub* 
fonjert ^leüe g^ü^lingeflciber an3ie()cn, obne \i^ gu 
erfälten? Unb toa« maäji bie Äaftanie in ber ©trage, 
tcren 9^amcn icf; fonftant tecgeffe? 3e1?t n?irb fie ganj 
toll 53Iütcn ftedfcn, toic'n 2;anncn,^aum toll 5!er3enl 
^\it ift boa fc^on ttima^ pass6. 3)a8 Obft ift ocr^» 
blül^t, loie ®It?cimen ftreucn i^re leisten blauen 
^cf;mettcrlingc über bcn $of, bic Seigenbäumt l^aben 
fd^on große grüc^te, auc^ bic injanbeln. 2^cr ©ein 
n)ia:b balb blü&n — bic ganjen ^flanjen buftcn fc^on 
nad) Sonnenuntergang, ttenn man unter ibren grünen 
®ängen entlanggebt ... in bicfcn tounCtrtoIl linbcn 
^Tbenben, an 'c^ntn ton ben öcrgen biuab bie ^ü^Ic 
gie^t unb unö ftrcic{;clt toic eine liebe §anb. Unb 
iie 9?ofcn blüben bicr, bie SRofen — bi« fleincn toic 
tocigc ^Inopfc, unb bie großen, bie gelben, bic rofa 
überbaudBt finb — al« b^ttc man fte in 3[ßcin gctoorfen, 
'oer nun langfam ton ibrcn ^elcf/cn tropft. 2)ie stufen 
blül^en in nngcjä^ltcn ©d^arcn bunten in meinem 
©arten an ber ©erglc^nc. Unb fo bin idf) bod^ eigent* 
lid^ bicfcömal tttoaö um ben grübling gcfommcn. 
2)cnn bic SHofe, i)a9 toeig icbc^ ilinb, blül}t '2D^itte 
3uni unb nid&t im SD?ai. 

3mmerbin, nic^t ganj bin id^ um meinen grü^üng 
gcfonimen. (Sr toor nur furj, mein grübling — tiel^ 
leidet brci ©tunben lang. Slber er trug 'ooc^ eigentlich 
alles, toa5 ber grübling gu geben b'^t in feinen r^eu 
t^änbcn. Sr begann mit Primeln, fo gang fleinen 
gelben $rimeln, neben bcn ©cf;necf(ccfcn in bcm 
toeifcn ®ra3, bie im falten SÖinb gitterten, unb er 
!cim toeiter mit einem gledfd^cn tiefblauer (Sngiancn, 
bie aud^ nod^ im SBinb gitterten, oben, tt\va9 unter 
ber §öbc 'oe« Srenncr«. 2)ic ?ärdf;en toaren faf)!, unb 
bie ^cibe b^ttc erfte ÄäfedBcn. Slbcr in einer SSicrtel^ 
ftunbe, la toaren bic ?ärcf;cnbäumc gang rot ttn 
itnofpcn, unb in toiebcr einer 55iertclftunbc, ha ftanben 
fie gang grün ta in ibren neuen lic^tgrünen $el3 üd)U 
grüner 9KiüeIn gefüllt. SJJan ergäblt ton inHfcf;cn 
©auücrn, bag fte einen 5lern in ben ©oben imi unb 
batübcr ibrc Öebetc fprcd^en, unb bann ]ii\)cn bic Uin- 
ftebcnbcn, toic er einen Äeim treibt, einen ©dfiaft, 
S3lätter, ^nofpen, 53lüten, grüitüc, unb hamx toiebcr 
Oterfinft . . , fo ungcfäi^r toar'ö bi:r. j^ie crftcn Cbft-- 
bciunic ganj tot. 9hni glänzen bargige 2:ropfen. 'iJlun 
fd;eint'3 toie ^nofpcn! glattem ta nid)i \d)on bic 
crftcn fluten?! Unb ber ^aum greift mit (einen 



m-eigcn Firmen in hit blaue $imT|teI«lnft. 3mmer 
neue — cl^ ob jcfjn SÖerbcr Jierberterfe^t U^ärcn. 
SlBcr ber ba ift fd^on reid^ mit @rün burdf^fefet; ton 
bcm ftäuben bie legten SÖIumenblättcr in« ®raö, unb 
'bier fd^on bic crfttn grüc^te, flcine grüne 53aUcn, 
bicr unb fünf immer gufammen. 3n grangcnSfcftc 
blübt ber glicber, unb in bie ^aftanic fteigen bk 
©cgclfaltcr empor: 

„grangen^efte, bu 2^or ^t9 grüftling«!'' 

IL 

eben auf bcm ^Brenner fä^rt bie ^a^n tm 
neben ber alten 9lömerftragc bin. 3^:^ fag in einem 
fel^r f($ünen 3ug. (5r t)aiU bireftc 5Bagcn noc^ 53ü* 
logna, nad^ 9?om unb anbcrcn fcl;önen Orten, ton 
bcnen man mciftentcil^ nur träumt. (5s fagcn lauter 
febr feine £cutc in bcm 3"3 — uiit Slui^nabme meiner 
Senigfeit natürlicf; — fo fein toaren fii^, bag fie ibrc 
Unbilbung nic^t bamit bofumcntierten, tag fie ettoa 
aus bem genftcr gefcben glätten; nein, fte gäbnten nur; 
benn bcn iöirenncr fcnnt man [a. Unb ba oben auf ber 
alten 9^ömcrftragc, gang oben, too ber <Sc^nec bis an 
bie ©trage reicht, neben ber (Sifenbal^n, ioa tapcrtc ein 
alter 9D?ann mübfclig babin, ein 2ßanbcrbettlcr mit 
einer fleinen 2^rcborgel im 2lrm; unb fein ®ang 
üben im fc^arfcn ©ergtoinb, fein Sllter unb feine müben 
©lieber, bie flagten bie SÖelt an, fte fpradf;cn ton 
ba-rtcn 9?acf;tlagcrn im SBalb unb im Sinter auf ©treu 
in ^ugigen «£>üttcn unb Ställen, ton einem b^iftig ge* 
fc^liirftcn Söffet Bnpp^ im SSinfcI neben ber Äücf;c 
bc^ ©aftbaufe^, ton tcrängftigtcn ^liefen nacf; bi:x 
©enbarmen, ton bcn biffigen unb fnurreuben 2)orf« 
bunben, ton farger S^^aft unb ton ctoigem SScitertreiben. 
— Unb toenn aü bie feinen Seutc nic^t gerabc gegähnt 
I}ättcn, toeil man btn örenner 'tod) fcnnt, bann bätten 
fie fcbcn fcnncn, bag ba^ mcnfdf;Iic()c ßlenb nidf;t auf* 
bijrt unb oben bis unter bie ©ipfcl ber Scf;necbervje 
mit ibnen giebt, unb bis an bic genftcr ibrcr SujuS* 
jügc bc<^anreicf;t. ©oetbe fagt einmal — bcm Sinne 
nad; — bag man bi<^ unten fpürt, bag baS feben 
feine ©emeinbeit, foinoern ein ®efcf}cnf ift. ^un, 
©oetbe in allen (Sbren, aber eS fann aud^ bier unten 
eine ©cmeinbeit fein, bicr an biefcr tielgepriefenen 
öinfaüspforte nad^ 3taliGn. 

IIL 

3u bcm 5t>f, ^uf bcm icf; toobne, gebort ein SBcin^ 
gut, gebort eine Orangeric mit tielen boben ^i^^onen* 
Bäumen mit grücf;ten unb 53Iütcn bid^t beieinanber, 
(Stprcffcn, Äübe, allcrbanb ©cticr, tielen ^inbem unb 
einer ^iri^e. 3n ber 5lircf;c liegt ber beilige ^cinric^. 
35er beilige §cinric^ füll in bicfem $aufc geboren fein, 
©cftorbcn ift er in 2;rctifo im 3öbrc 1381. Ob er 



g|ng ober nur pargcITiert fic^ in ber ^ird^e 6cfinbet, 
ig id} nid)t. $Ibcr (eben Slbenb fc^au id) toon ber 
ranCa binuntcr, toenn bic ©locfc bic Ceute ans ber 
UAigegcnb gur Slbenbanbacfit ruft, ^ie muffen alle 
ben 2Bcg geben tor meinem genftcr torübcr, gtoifd^en 
ber $?aubc uno bcn §lfagicn, bie bis in meinen (Schlaf 
buUtn. 3d) fcnne fie fc^on atii, bie fommen. 3uerft 
biJrt man braugen ein i!ärmen. 2)as finb bic 3ungen, 
mit blauen Sc^ürgcn unb blogen deinen unb obnc 
^i'itt. Sie balgicn ftc^ unb fielen fic^ im StauB 
braugen auf ber Stragc. herein fommen fic erft 
beim legten häuten im S^aucrlauf. Unb einer mag 
erft nocf; über bic §c(fc fpringcn, einer 9?abfc^lagen, 
unb bann puffen fic fic^ unb l)u\d)cn l;crein in bic 
Äircf;cntür — unb bic allererften ftnb fte »ricber 
braugen. Slbcr bis fte bercinfommen in bie ^irc{;e, 
fommen nocf; ticlc anbcrc. 2)ic Sc()loffcriungen ton 
ber ^Irbeit, frf;toarg toie 'Oic Tlohun, breit toic bie 
(Sl;fIopen, unb fie fe^^cn fic^ noc^ einen 2)?üment auf 
bie öanf, um ein paar 3üge an^ bem Sigarrcn* 
ftummcl gu tun. (2in Offizier fommt mit feiner ^^amc, 
unb er l;at ein täppdf/en auf, bocf; unb oben abgeplattet 
wie ein ©afaltfelfen auf ^^lanb, unb aud) auf bem 
5tird^gang terlcugnct er nic^t bie garte 9tittcclic{;feit. 
Unb bie 2)?ägbc fommen, uni'o bit tcrtoad^fcne grau 
tom Spcjereibänblcr, bie hei iebcm Sd^ritte grügt — 
b^nn fic ift freu^labm — unb bic bübfc^cn fcfjlanfen 
Xücf;tcr tom eirt, gierlidf; unb fauber, ü^ubmc ^^eblcn 
fommt — bic richtige 9}?ul;mc D^eblen, ton ber cg im 
Sieb beigt, bag fic einen ©arten hat, „bier ein 
©arten, ba ein ©arten unb baS mar ein fd;öner 
©arten". 3i^ glaube gar nic^t, bag fte noc^ lebt. Slbcr 
fic lebt noc^. Sie trägt einen Strobbut, ganj flac^, 
lüie'n Sierfuc^en mit einem fcf;toargen ^ant) unb ein 
paar fcf;margeu Schleifen brauf gcflatfc^t. SWan fnlltc 
gar nid^t ^iaubtn, bag cS norf; folc^cn Stro|^ut gibt. 
Unb folfben glatten grauen Umbang, unb fülcf;cn '^cd 
mit $Iiffecs unb fülcf;c bürre SBoblanftän^igfcit beS 
3nftitutSfräuIeinS. 2)ann fommt ber ©ärtner, unb er 
bat feinen $ut auf. Unb toeil er feinen $ut ouf bat, 
fi^^t fein Äüpf aus toie bie tiroler glaggc, balb rot 
unb 'i)alh toeig. Unb ber Äcllcirmeiftcr, ber oben in ber 
Saube gefeffen, fdfiiebt feine pfeife in bic SSrufttafc^c, 
toeil brinncn fc^on cas ©lijcfc^cn läutet. Unb toäbrcnb 
brinnen bic Jeute beten, fenft fic^ langfam ber 2l6enb 
nicbcr. !2)ie 53crgc toerben blau, um bie ©ügel gießen 
bic Schleier, baS SBaffer fängt an lauter gu caufc^en, 
bic (Sifabcn fummcn unb ton ben Käufern, 3toifcf;en 
bcn ©ügeln, auß ben Sßcgen beS Söcinboben, flammen 
bic crftcn 2icf;tcr auf, unb gang oben ton ber 2)^cnbcl 
leuchten fie toie gitei 3)oppclftcrnc unb geigen bic 
Stelle an, too ©crg uno ^immel ineinanbergeiiu 



I 



Y^< 



/ 





g t ftt ti, 6ÖJ9erto«nbet. Zai StraßcJipfldftct 
ift mit «lut gefärl&t. ßcitftt SRuticftöcunöcn tectücn 
Befürchtet. 

Sie ^fotimal ItfoiUi^it !hrieo9cntr(i)äb{<)tt1t(t» 
?|>ctetöburö, 18. SD^ai. ($ritat*2clc. 
(^ramm bcr „öctlin 
68 tiat große« Sluff^^en erregt," 
iieuerbing« bei ber S^Ccic^Sbuma bic ö^eiüälK/ig eine« 
Befonb^ren .^rcbit« ton 46 SÜ^iÜionen 3ur iBcgathmg 
einer Sntfc^äbigung für bcn U n t e r t» a l gM gWHJ* ' 
gefangener in 3ap «« J|MÄi»*Blp^ ^^ bic 
gleich ©ummc l&eteit« im tStioprc b^iüigt ivcrben 
toar. 

^}j^tvie^ oegcn bie tSticbei^oitfcrciif^* 
5lmftetbam, 18. ÜJ^ai. ^Ii/ Sla^4ac^ 
Bffuung bcr ^aagcr g ri eb cndfo ij^^r cn 3 n?irb 
bie nieberlänbi|d;e a n t i m i I i/a r i |t i f c^ c iß c c • 
einigung ein gcoßefl, gegen bic Äonfercnj gcrid^- 
tetfö, ^Jroteftmceting im ^aog öbOolten, um 
barjutun, ta^ bie griebcnöfonfercng fcineflmcg« gur 
görberung be« gticbcnö beilrage; bicfcc föime lebtgt 
tüxd) bcn SiÜcn bcr Slrbeitcr guftaubc fommc 
SKebner be« 3n- itnb SluSlanbe« fmb ju bic[ 
2>?cctiiig ongcmclbet» 

(Sin tiatioitaltt ^vhcittt\>nban'^4 
^atnhnx^f IS. WlaL $icc (^at ri4 l^te b 
©unb toatcrlänbifc^cc 21 r &^)rtc röe r 
eine !^eutfc^Ianb« gcbilbcl, bem 43 Scrcine mit 
7000 Slrbeitcrmitglicbcrn ongc^i^ren. 

^iaiimntcn« itnb Golbfunbe im t^un^rttcf. 
HUn, 18. aJiat. (? cit at telegramm 
ber ,,ScrIiner ÜTio rge npo ff'.) Sie ^op* 
;jarber Leitung bringt eine $(uffe^en erregenbe ä)?c(- 
bung, mnad) in einem J^cile be« $unörücfgc6irgc« 
© 1 b unb 2j i a m a n t e n gefnnben njutbcn. 3n 
bcr ^Q\)t toon ® c^ n e 11 6 a (^ ^at eine Äoblcngct 
girma umfangreic^je ©ü^rungen vorgenommen. Um 
2) i c b ft ö M c 3U tcrdinbern, njurben ftänbig Söait^cn 
aiKigcftellt. 

9Hefenbi;itiib in 9^ehi ?)urf, 
Wehi ?)Di:f, 18. äRai. S^r Jpicr bcr SUJor- 
g Q n - 1' i n i e , bie jnjifdjen 9'^em 9)orf unb 9icm 
Crlcanö — (^altefton ocrfc^rt, njur&e mit bcn bar auf 
logemben SSaren ^eute burc^ eine geuer«brunft to c r - 
n i c^ t e t. X<x ©c^aben ivirb auf 3 h? c i ÜJi 1 1 - 
lionen SJiaif gefc^ä^t; ©c^iffc fmb ni(^t U» 
fi-^äbigt. 

S9laif<^nee in 9nittclbcu<fd)lrtwb. 
ftaffei, 18, mal ($ritat*$:clc. 
gramm ber ^^öcrUner SWorgenpo ft".) 
i^^cute öormittag fiel im Jlnüügcbirgc, ©pcffart unb 
«(löngebirge © (^ n e 6, 





ägc^ mti 

fic ^ötte e« 6i« oott bort au«finbig gemacht, e« fei 
ein fc^r ^übfc^e« 5tinb unb ganj ocrlafjcn; ifcrc eigenen 
Äinber fei-cn in3nji[cf;en grog gcn?orbcn unb Brauchen 
feine Pflege me^r, fie ahti muffe mal h?ieber ctiüa« 
e« im ^aufe \)cibtn unb barum folle t:\i9 5linb 
jcilcn bei i^r bleiben. Xet $U?ann ift 5unäi;ft 
nicf;t übermäßig erbaut, refpcftiert iube« ba« S3cbürf* 
]m ber Jvrau, ,;Ctti\i« 5ilcinc« im $aufc ju l^abcn", 
u\\f läfjt ber ©ac^c i^rcn ^auf; nacf; tvcnigcn SBcc{)cn 
fäiigt er an, mit bcm ^liubc feine greubc ju Ijiibtn 
unb bamit ift berny^^« bcm „cinftn^cilcn" et)i>a6 
boiÄntc« Qeiror^rg%ifca|£an;c $anbcl boüjiel)t fui) 
iciÄe«f<>ÜÄC 53rimbormtn unb cf?ne adefl pbilan* 
^ifi^e 2;rdjfe. Slbcr rt^cr bie göttliche ©orglüfigfeit 
faft finbp(f;e 9?aioetät f\ti)i, une (liet fojialf« 
S[Berf übernommen unb pbil^ntbropifcfjc ¥flicf)t geübt 
h?irb, muß unn^iflfürlic^ be« ^eiligen 2Bcrtc3 gebcufen: 
,,(5« fei bcnn, 3()t n?crbct nnc bie hinter . . ." 

§ln bie n}o()Ifiabcnbcn klaffen hjiro öfter ber 
TlcS)nxu^ gerichtet, fte feilten, ftatt if;rer SBorliebc für 
^Ujlpl, SSögel, 5la|5fn unb fonftige« §au^getier nar^* 
^cn, lieber elternlofe 5tinbct in ibre ^^3flcgc unb 
^utjiebmen. 316er fo berechtigt ber SD^abnruf auc^i 
ein jnÄ. fciiJlJöcfQlgung frf;eitert mcift an beii 53e- 

e Jtr 53^«^ mit fid) bringit. 5^ie 
^d^i^" fjlmpi^ um ibren ^lafc 
ojjayh ©^ic^tv felbft tücnn ibnen 
3t,ß^ eine böbcrf" 5^Iaffe bor3ubringcn, 
fo n^ollcn fic ^ocf^ |eine«fafl8 fic^ beflaffieren laffen unb 
in ba« Proletariat 3urücffinfen, bcm fie ia allcfamt 
bircft ober burc^ ißermittclung einiger (Generationen 
entftammen. 5l'er nic^t fo rcic^ ift, bag i^n ü6etj|iiii|?t 
ni(f>t8 mebr anfechten fann — unb ba« finc- ^'^trenig^ 
ftcn — befinbet \\d) bauernb in einet ge»5!f]>n ?lngfl; 
oor biefcr 2)cnafricrung. Zcii\'dd)\iii) Jm bie 5llaffcn< 
läge ber icoblb'-ibenbcn «Sd^iit^ten bc^^^gc eine« 



bfi^l^^fcitenjf 
bejÄ? pti^ie 

inJerboit' ibr 
niW baran 




baftcm 
n bcn 
feine ^oi 
bie beffcr fituierj 



fo3ialen 
fnricf)crbcit 
tt8gefii(}l 



fc(nffe« 3U bcrgleic^jen, ba« bei 

an gefäbrlic^cr 5lüfte entlangläuj 

schaffen be« 58elfe« ^at man 

taocn, njie n>euig 'C:\i\i gc()i3ij 

SITiittclidf^iititcn au« if;rcr 

n?iebct {)erabftür3en. S^iefi 

crbö-bt bii« ' 3Scrantn>o;ttiii 

fcrgcnfcf;irerc <Slimmunjen, cie gut 

mancher guten triebe unt) ©trebungci 

in ttn n.u>ölbabenbcn streifen ficb eiuci 

annimmt, prüft babcr bic baburcb nj 

bcn SücfautiuürtUcf)!citen iiberau« ängl 

yrirtfc^ftlic^ct ©orijcnt nic{;t bi« ju jenen gcrncn bin 

n^olfenlo«, n?o fclc^ ein 5linb füll felbft ernnbren fann, 

fo lägt er liebet bie $anb batjon, benn in feinen 

fcjialeu ©tur3 nnrb fcuft hci^ Stinb mit binein »er* 

n.nclclt unb trägt nid()t feiten für to« ganjc Cebcn an 




'fii)mcr3li(^, nic^t ernten ju fijnnen, rcai ifnS^Tjeiu! 
in $?iebe ju fäcn 3U jagbaft hjocen. 

2)cr gcfunbe 2öagcmut unfcrer Keinen ?cute folltc 
ibnen ein 53orbi(b fein. Slud; in bcm SBort ton bcn 
Milien auf bcm gelbe lie^ tiefe SBeiöbeit; e« tt?äre 
fc(;Iimm, n:cnn in bct SJBcIt nur ongitlicbc 5lalfula- 
torenfeelen umbcrliefcn; <« b^'^t auc^ feinen 3n>ccf 
mit bem enngcn Diccbncn. (Sine« ^agc« fommt 
grcunb §cin unb fd;lägt tem fummenooüeu ilalfulatot 
ba« §auptbuc^ 3U. 2;ann lüirb on^ Xebct uno Ärcbit 
bie ©ilan3: ,/2lIle« ift eitel." 2ie Milien auf bem 
gelbe, n>enn fic fterben, b^bcn njcnigftcn« fic^ unb 
anbetn jur grcube geblüht, A. B. 



^a$ neue !Het(^$hoIon!aIamt. 

ö:« ift erreicht I 2)er 9^ei(^«an3eiger ber- 
fünbcte geftern amtlich, n?a« fid) al« ^lonfequeng ber 
©c^iaffung bc« 3leic^«folonialamt« ergeben b^t. 3"* 
näcfift n)irb auf ©runb einet faiferlic^en Orbre Dom 
17. SD^ai beftimmt, „hci^ bie bi«bcr mit bem Slu«« 
tt?ärtigen Slmt terbunbene Äolonialabteilung nebft 
bem Cberfommanbo bcr ©c^;u|jtruppcn fortan eine 
befonbere, bem SRcic^6fan3let unmittefbat unterftellte 
3cntralbebörbe unter bcr Benennung „$R e i c^ « - 
Ä 1 n i a l a m t" gu bilDen bcjt." Unb eine gn^eite, 
fidf) unmittelbar anfc^UcBcnbe offi3ieIlc TOtteilung 
iaukt mt folgt: 

„©eine äJiaieftät bcr 5laifcr t)ühtn Mergnäbigft 
gerubt: bcn bi«bcr mit ber S5crtretung be« 2)i- 
reftor« ber Äolonialabteilung ^t9 Slu«n.^ärtigen 
i^nt« beauftragten Söirflic^en ©cbeimen 9tat 
2) e r n b u r g gum 6 t a a t « f e f r e t ä r be« 
SRcic{;«»Kolonialamt« 3U ernennen, fomie 

lew ©taatsfcfrelär bc« 9tcii:^««5toloniatamt«, 

Sidliibcn ©ebcim^ 9?at 2) c t n b u t g mit ber^ 

etÄiwMuua bc*;f?i?ld)«fan3lcr« 

• ^ifi kcicl)«'5tof^Iamtr%tf ^ 

lifeöjfoiMn 17^D7är3 1878 ju . ^ ^ 

Ißcrr ©taat«Pretär 5:ernbiirg%rau^l^jjp^ 0t 

■aud) einen U n t e r ft a a t s f e f r f tf?; bcn Um 

bct neue 9Jei(^ötag ja auc^ bcnnlligt \)at. §(ber oor- 

läufig ^cii er noc^ feinen. !5^er (immer fcbr gut unter» 

ri(()tete) berliner 5?crtreter bcr granff. 3^9« fc^rf^ibt 

über biefen ^^unft folgenbe«: 

gür bcn %h\{cn te« U n t e r ft a a t « f e ! r c t ä r « 
ift eine geeignete ^^3crfÖnlicf;feit biöbet norf; nicf;t ge* 
fiinbcn UH^rbcn; e« nMrb tt?abrfcbcinlicb ein l)l^')nn 
j^eg{crung«beamtcr ci\i^ einem anbercn 9?ef(ort baju 
berufen a^crben. Sin bcn maßgcbcnben ©teüen 
f)crrfif;t nac^ ivie tor bic ©cneigtbcit, SOiännet be« 
prafti)rf;en Jcbcn« au« ipanbel. 3nbuftrie unb ©cf;iff- 
fafirt für bie leitenben i^cften im 9?eicb«'5tolonialamt 



bcn ift* 




b, J^olilik 



^ie Itacritrc C^litiöintrt» 5^ic brci entfcf;iebeii 
liberalen ^\utcicn crlaffcn einen gemeinfamcn Huf- 
ruf, in bcm bie liberalen unb bcmofratifc{)€n 5trci[e 
in <^\M unb fanb 3ut 2)?itarbeit aufgeforbcit 
n?erben. (g« beißt in bem 5(ufruf u. a.: 

%\t bon bcn graftionen einmütig befd^loffene gornt 
■bc« 3nfcmnnen)rirfenö in bcn ^4-^arlamentcn bc»t fid^ 6f- 
mäbrt; bie Hbmaii^ungen \\^\\\ 10. gcbruat 1907 
baben \\<^ oI« geeignete ©runblagc für gemeinfamc 
crnfte Arbeit in libcraUbemofratifcfiem Geifte er- 
nMcfen. @o ift für eine gefunbc ^eitcrcntmicfluna 
bc« fortfc{;rittlii'()en i^bcralii^mu« bcr 53obcn geebnet. 
G« gilt, in Ginigfcit bic politifc^e STrbeit entfd;Ioffcit 
unb unermüblic^ n:citct gu fübren. 'J^ie Jaubtagt^- 
n\iblen in 5i3ai;ern unb (Sarfjfen ftcbcn bcoor. 5Bct 
allem gilt eö auf geiftigem Ö^ebiet unb in bett 
grollen lulturfragen be« ecf;ulmefen« liberale 
©taat«auffaf|ung \\\x (Stellung gu bringen. 23ollc 
©emiffen«- unb $JJcligion«freibeit, ane bie gteibcit 
bet Söificnfcbaft unb ibret Sebre muß gefiebert, X^^% 
Untcrric(>tßii'efen gemäß '^tw Slnforberungen bcc 
fortfc^rcitcnbcn 3eit ausgebaut unb bie fad)- 
männifc^c ©c^ulaufficf^t burc(;gcfübrt n?crbcn. Gegen- 
über fircl;licber Unbulbfamfcit muß bie religiöfe 
Jolcranj, gegenüber bcr auf h^cltlicbc 5ü?ad^tftcuun3 
bcbac^ten C^icrard^ie bct moberne ©taat«gebanfe nacb- 
brücflirb geforbert trerbcn. jTie Gntn^icfelung bec 
itulturftaatcn Icbrt, baß in bct (^egcnn>art ein ©taat«j 
n*^fen nur gebciben fann, n?enn eö fiel; aufbaut aut 
b« ©runblagc ijollct 9?ec^t«aleirbbcit feinet 53ürgec'' 
To auf ivabrbaft fonflituttcnenen, i?on liberalem 
cifte getragenen 53erfaffung§cinrid;tungcn. Xie 
'linfölibcrolcn ^arteien crftrebcn bcn Vtiiöbau bei 
©taatöwefen« in frcibcit(iri;cm ©eifte. (Sic ~ 
^«tfitd^et 9}iitarbcit unb gum/^ufj 
nntcwn ^attfieii' gegenübci;'''gcij 
b-rei| rig>' obet nic(;t gci^jlj 
rid;teK.^ Äiwlcn fcon libcrafw gfrbeningcn 
ober (jrunbfä^üid;« ?lnf(f;auungoiT prciöjugcl 

5^ic frcirinnig=bemüfratifc{;cn Parteien n>crfcTi 
unter ?Iufrecf;tcrbnltung ber pvuteipclitifcf;en ©clb- 
ftänbigfeit in genieinfamer §Irt'eit ivirfen für ticii 
^lu^bau ber politif(t;cn greibeit unb bi'« fonftitutio- 
nclien 53erfaffungölcben« im 9ieic^ unb in bcn Gin.^el- 
ftaatcn, für bie S^urdifübrung bet 9iecf;t«gleii"l;beit 
auf allen ©cbicten bc« bffentiid)en feben«, für Die 
•Hebung ber ^elföbilDung unb bic görDcrung i?oit 
^nnft unb Slöifienfc(;aft, für eine gcfunbe ©ü3iaU 
reform unb bie iüirtfci^aftlicf;e Sl^oblfabrt aller ©olf«- 
f({;id)tcn. ©ie lehnen iebe einfcitige Sntcreffen* unb 
5tlaffen2>olitif 06 unb befämpfen (ine ^^'O« untt 



V 



i 



t. 



liä( 



($umor beg 5lu§Iaube§.) Scr' 
ni^jof (Seliü^n Don 9lcu«@cclQTtb iinb 
bht njäl^rcnb feiner llniüerrität0j[o]6rc ü3 
'8 cifrtaer SltiBäuger bcr ^unft ber ©el 
.^ni0. (ät erfuhr t)iel geiubyi^Qft öon fei 
jciunfen Seiles öou Ü^eu^Seelanb tüegcn 1 
jatljie, bic er bcu SRaoriS toäörenb beS Ät 
peaenbrai^te. (äineS StageS lourbc er iu eitt 
\q\\c tJoti 3luc!(cnb j)on einem xoljen ^otrr 
>b er ber Sifd^of fei, ber btc "tSlaoii^ 
iie^mc. STuf bte bcial^enbc Slntmort j 
'^uifcfee beut Sifd^of mit hcn SBortcn »® 
aä'; in0 ®cm)i. „mdn greunb/' jagte b 
Lmcine 33ibel leiert luicö, menn jemanb 
KBac!enftrei(J6 gibt, fo ^altc t^m ai4 bie an 
pin/* nnb gab feinem Äopfe eine leiste 
hSein ctmaö Dcrtüirrtcr Singreifer f(^iug 
neuem. „5tun aber/' fpradi) bcr S5ifc6of, 
i<8 meine ^\iiä^t (Bott gegenüber etfüttt 
id^ fie aud& bcn SIKenf^en gegenüber erfn 
feinen diod aiig, loarf feinen $ut fort 
linügeltc beu 9Inti'^aJlQort=(5]^ampion in i 
[Derftänbiger Seife. (SIjc 2lr 

Smit^: „Scö U)ürbc©ie gern 5u2ifc 
|iber mit ^abe« feine ^öd&in." — Soneö: 
)ürbc (Sie ciiitaben, bei mir ju fpcifen, 

üben cm," ((Sleöelanb 

l r,23cnn 6ic ein 5aitomobil Ijahtn," \ 
ftugginS« bcgeijtcrt, „finb ©ie ubffig aufj 
'(itenigena ongetüiefen. SaS ift aber anb. 
(c mit 5)ferbcn fahren.'* — „^a," fp 
Ii(j§ter Sn^öter, „boö ift einer üpn ben 
karuiu i^ glöube, ba6 ein g)ferb fixerer 
' CaBaff)ington 






Soll ©cprg ^eimamt. 

(Stnen SBeg mit Sollen S3iid&en entlang. $uben 
ba5 ©tafett bcä ^axU unb brüben auf ber Sßicfe, 
im @ra3, im ^6)aüen ber (5r(enbüfd)e, ein t^aar 
öolbige gafanen, bic äyiittagöiaft l^otten. SDiefc 
Säume finb alter ttjol)! \mc bk Sauten, ober ebenfo 
olt. (SinftmalS jnaven ja Ijicr überaU ring3 um 
?)ot0bom fc^toere (Sidöcnioälbcr. SD^Ian l^at fie äum 
San ber ©tobt burcl) aioct SQ^^-'^Jin^^^^te nicbcr* 
gefd^Iogen. ®ie Sinbeubänme ber SlKeen unb ber 
(Sävten Rnb ni($t cinfjeimifc^, griebri* ber ©roge 
fjat Säume unb ©träucfeer in uuge3ä{)Iter SBeugc 
für ?)ot5bam eiitfür)ren laffen. g-ür feine 5}lautaöe 
Iie§ er mit einenimal über 700 Sinben auS i^oüaub 
!ommen. SIucö 9}^anlbecrbäume l^at er angepflanzt, 
lücil er au0 9}otöbam ein bentfcfieS fit)on mad)en 
woUie, eine 3eutrale für ©eibengeioinnnng unb 
©eibenioeberei. 3lbcr e3 gob nid&tu au^. ^c^t ftcl^en 
uocö brüben jenfeitS ber (ä6au))ee, bic na^ (Si(^e 
^i\^xt — bcm ©arten gegenüber -- fo ein paar 
^nnbcrt olter, immer loiebcr gefiöpfter ^Kanlbeev:: 
bäume mit ©ängen baaioifdien, hk gana »on 2ßcin 
Überranft finb unb Don 5lürbi3 umfponnen. Jöon 
Jamalen Söcgen ift bog umfriebctc Saumlanb burcfi* 
quert, unb ber Soben ift ganj eingebettet in 
Öerbftbliimen. ®oß ©onac ift je^t nur ctn 
cinaigeö, öou Sßegen unb ©äugen burdfefd^nit^ 
teueö Slumenbeet. Segauf, tocgab flammen in unge* 
iäljUen Stengen bic g^cuerroerföfijrper ber ©onnen* 



blumcn. Saljlien, ©eorgincn, 5lftern, S-ro^*, ^unbert^ 
fadö, l^unbcrterlei ö^förbt, pnben fid) au immer neuen 
DJiuftern aiM'Q^i^n^-i^- 5i^c3 mi3glid)e altmobifdjc 
Slumenaeng, ta^ bei un§ längfi öergeffen ober in 
bie Sauerngörten Derbanut ift, treibt Ijier in berbft== 
lidEier Ueppigfeit. Sa ift ber 5(maraut, ber 5ud)3- 
fd&ioaua, mit roten öängcubeu SBcbefn, pfunb|d)\t)cr, 
bie orbentlidö über hen Sobcn fdjkifen. S)a fmb 
ireiBc unb rote Saloppen, bk oor bcr ©onnc 
hk Stüie gcfd)Ioffcu l)ab'm unb auf bie 5uufcU)cit 
märten, um it)ren tDilben ®nft in bcu Ijerbfitidben 
5(benb f;inau§ 8" ftrömcu. Äeiueut 9J?cnfd?en bc^ 
geguet man Ijicr, unb loenn mau nid}t fä^e, ha^ 
bk ^ycc[e gc^arft fiub, mau luürbc nicßt glauben, 
bog je 'SHeufd^en in biefc3 öcraaubcrte Slumenlaub, 
baQ bod) nur einen ©d)ritt Dom SJegc Hegt, ba^ fie 
ie babin fämen. Wan loürbe meinen, ba^ gehört 
f)ier allcö bcn Sanbuögetn, bk in bcn iTronen ijin* 
über nnb I^erübcr flattern, unb ber Sroffel, bie an 
einer Otant'c aerrt. ©ic finb bk nugefrönten ^'önige 
bicfer uuer^ürten 5^^'benmitbniö. Unb menu mau 
bnxä) itjren ©onncnglana loeiterge^t, erlebt man ein 
fleineä Sunber. $ier im 9Zorbeii ein ©ti'idP ^-'»üm* 
peii — ein flcincö Sab au0 bcr ©^iuFelaeit. (Sin 
2[trium; in ber ^Jliittc ein aißaffcrvefevDoir. y)inkn 
bie 9^ifcfie, ber SlnHeibcraum, ift mit luftigen greSÜen 
gcfd/mütft. S)a bic ffiaffevfälle an3 %\t)oli 
bei ^om. Sa Ü^eopcL 5lmalfi — unb ber gan^e 
San ift meinübetfponuen. Dben aber, in 9^ifcben 
ftclÖ<^n große, ontifc 3Safen unb Slmpboren aus 
rotem, grünem, blauem u'ib milchigem bö()mifd)cn 
ober fd^lefifcben CHIaö. S)tc greSfen üor .fetter ge^ 
fdftüjt, Ijaben nid^t öiel garbc eiugebü|t. Äeine 



raaam 



(Seele ift yiet; baB einaigc, J003U biefc3 ©tuet 
g}onipeii, bicfer romifdö * fi^baritifdic Slraum in 
bcr garbcnmilbniS be^ norbifd^eu Snuerngartcnö, 
biefe lebenbige SReifecrinnerung benujjt loirb, ift 
ba^ bcr ©ärtner im «öcrbft um btc Änfe beä Sabc<5 
feine Äürbiffe aur ©d&au ftellt. Unb boc6 liebe i^ 
biefc3 f leine, Dcrgeifenc unb gemiB ctn^ bcplacierte 
©tücf ©d}infclfd)cr Sraumm'elt im Üiouben, ^n bem 
fo graaiö^ oben oon ber Orangerie leidöt tropfcubc 
5l^n3faben b^vnntcrgeleitet loerbcn, nnb baB ba fo 
eingebettet liegt am öügcl, im ©rün ber 5lf}orn^ 
bäume unb ßinbeu, unb fo umaogen ift üou bicfer 
^arbenmilbuiö oltmobifd^er .O^^bftblumcn. 3ebe5 
3al)r fuc^e ic§ Ci3 micber. & i\t nidftt großartig, 
feine ©eoenötoürbigfcit, nicöt einmal fc!)i3ne ^rd^i* 
teftur — wie bie oft fo einfad)cn ©tabtöäufcr — , 
eS ift nur eine farbige unb ©tein gemorbene ^fieifc« 
erinnerung an^ beni ©üben f)icr oben im 3torbcu, 
eigentlid) läc^eilicö, nnbraudjbar — aber immer 
miebcrbeftedjcub unb Don neuem entaüc!enb in feiner 

füllten 5lumut. 

* 

3n bie 93littc ber fiairianif^cu ©arten ^at man 
jüugft — benn für ^otöbam fmb Scacnuicn flcinc 
3eitfpanncu — ben Sogcnf(^üi^en Don ©eiger gc- 
ftcOt. «113 plaftifdöe^ SBerf bebeutenb, burftc er 
boä) nic^t in einem %al, in einem engen, löier nou 
ßaubioäuben, bort oon efeuumaogenen S^erroffen um«» 
fc^Ioffenen ©arteuranb ftcljcn, ba3 er üoClfommcn 
Quöfüilt, überragt mit feinen -JJ^aßen, ba^ er noc^ 
fleiner mac^t, al3 eS fdjon ift ~ foubern biefe 
Sronacfigur mar für bie J^bbc gebockt mit i^rer 
mad&tooüen ©illjouette. (S0 muß überl;aupt einmal 




öefaflt itjcrbcu, ba6 mou in aicnbcrunQeu uub 3teu* 
SluffteUungctt in ben ^axU unb (Sd^Iüffern öou 
^otöbom feine ölücüidje $aiib ge.^eigt ])at S)er 
ftcrbcnbc 9}f)i(üiüplj oon ^Ji}^agnuf]cns6f>nftenfcn oben 
in ©anefouci mag für Diele 33eifpietc [preisen. 6in 
SEftormor Don biefcn Simenfiouen ift nun einmal 
in einem gebicltcu 3i"^^^^^i i^ ^^"^ Sülöbcl ftcfjen, 
«nmbglicö. 

^Idn — tiofj be§ ©eiaerf^en 33ogcnf(Siifecn — 
bie psilioiuft^ßn (Gölten entfalten erft, wenn manTiiJ 
jtüingt, nidöt 3U ifjm ju blicfen, i^re fcinften 3letäe. 
Sier ßtangenbäumc tn Äübeln ftel)en um eine Heine 
S'ontäne, ein Sßnjjerbedcn, beffcn fd&iüarac %läd)c 
Don ben toten Slürfcn ber öolbfifd^e belebt ift. S)nr(ft 
bie btaugrünc Saubwonb bcr S3äume fielit ein Harcr 
Jr)tmmcl unb bo3 SBaijev funMt n)ic Silber un.» 
Staljl in bcr ©onnc. .Oo^ öoni ©übmeften fjer 
iibeiflntet fie baä gonac SSilb — böS ganjc SSilb, 
bc3 ficfe im ^ölbvnnben 2lu^fc§nitt beö fiol^cn Saub^ 
öangeä loic in einem bunllen ätaftmen hkict. 5)a3 
fiub bie fisiliamfc&en (Härten ! Unb ein ^lid oben 
no(^ ben beiben ontilen 2:icrcn, btc l^ier bie 3*vampen 
Itöncn, unb ben beiben 3lereuStöcötern briiben, ein 
ölic! ^inouf, njä^rcnb mou lanflfam an fiiglig gc« 
f^nittcnen S3ucö3bäumen entlang fd^reitet, bie ^ier« 
li^en 9ilabeIfu(Sfien betradfetet unb ben ©uft bcr 
alten »öcltotropbäum^en atmet, bie am SBegc fielen, 
•— bafl fittb bie fi5ilinnifc!6en Öärteu! ^in fur^eö 
tränmenbed Schreiten in bämmernben Sanbgang öon 
befci^nittencn ^oinbuc^en, t)e\]t\i aSoben grün unb 
golb belegt ift — • boS fuib fie. SQJau bcn!t an 
Sonette, an SttaDcrimen, an aierlicö üerf^lungene 
U^erfe, bie itt 5lücgorien abgetlärtc (Smpfinbungen 
»aletu 



♦■wrairirnhi 



«-*»<• A 5 



J)ann ftaub iä) oben auf bcr Serrajfe Con (3an^^ 
fouct : SWan \vn% Äuobel^borf, ber geiftUoHc ^iv^b 
tc!t, ü?ofltc ba3 ©c^loS unterteHern unh uäljcr aum 
SRaub ber Seriofjcn legen, fo ha^ man e3 üon unten 
üon ber gontänc iiet ot)nc jebc Ueberfcönetbung feljcn 
£önute, iDOÜte ü)u\ btn (Sljaraüter he^ SRagenben, 
SffieUbel)erxf($enbeu geben; iocil)rcnb griebrid) bcr 
(SJro&e tS — ob sugnuften ober uuguufteu beS 
SSaueö, bleibe offen — parterre, ju ebener (Sube 
erbaute unb üon beni 3lanb auriidEftente unb ifjut 
babur(]& gan^ bie ßigenicfeaft titS ä5ornel)men, ^^ri^' 
Daten, 3"^iitt3^3ogenen gab, bcm perfönlicfeen Öc^ 
bürfni^ bie arc^iteEtonifd^e SBirfung unterorbuete. 
3c^ ftunb oben auf ber i^ervafje, too mou gan^ -^otä- 
bam wie im Äejfel uor fi^ ftcf)t, unb bk ^f>i\o^el 
blübeu un3 grüben Dom anbcren «öaDelufcr. ^^Iber 
bie gerneu .finb immer triüial. Unö itjxe ©d^onlicit 
fann fic|) nic^t meffcn mit ber cntjüdfenbeii $>lnorb* 
nung ber SSäumc unb 2aubma{[en ring^ um bie 
grofec gontäne, bereu SBafler felbjt Don fjicr oben 
^crab beutlicl) rot gefprenfelt unb betupft ift üou 
ben S^gcn Don ©olbfifcben, bie gnüer fucbenb über 
feine gläd^e ftvcicöen. ^an lann fag^n, bog biefe 
aerflatternben, cinaclftel^enben Saumüontuven tl)ea^ 
tralifd^ finb, ha^ tk beiben Säume, bie Ijoc^ übec 
bcm fleinen Dteiterbentmal griebrid) be5 @io§eu in 
einer luftigen S3rücfe i^re ßaubmaffen oeifd^rönfen, 
Äulijfcn finb, Sjencrie eines Oiofütotl^eateTö, cinc0 
pot^ctif d6cn (Sdöäferfpiclä ; id6 finbe bocfc hie lieber» 
l)olung bc3 ©aenariumö unten um bk gontäne nodö 
einmal oben in ben SBipfeln ber i3änme, cnt^üifenb, 
gei^ixeicö, fcinftc lebcnbige Äunft. 5{bci* elje man eö 
bcnft, ftat man bie 2Bipfct über fi(^. Senn e^e mon 
e3 bcnft, ifi man unten an ber öecfenumicölojicuen 



gontäne, ift man bie Slbfäjje ^vibgcftiegen. 3liä^t 
einmal Sreppen fönnen mir l^euft meljÄbnfteücn.'^ 3» 
alten ^$axU ift hie Ueberminbung Don Unebenheiten 
beä Serrainö eine ©pielerci, eine (Svfrifdiung. dn 
Vergnügen, Ui l^eutigen ^^Inlagen ift fie eine Tortur, 
bie un§ (Scl)n»ei6 foftet. (äinä ber griec^ifc^en (Götter» 
bilber Don y^igaHc I)at mon jcljt i\\2 Jtaifer grtcbridö* 
^3JRufeum gcbrnd)t. 3n toeitcrcn bnnbert 3a^ren loäre 
Dielleic^t in unfcrem Älima bcr fd6i3ne *J)^armor bei 
gransüfcn an bicfer ©teile faput gemefen, mäljrenb et 
fo ein unbegrenztes ?D^ufcumßbafein filieren fann. 
9lber im ölufeum ift er begroben, tote Äunft in« 
mitten toter ^unft, unb bicr an biefer ©teile fprii^te 
er fein miinbcrüüIIeiJ fotette3 fieben anB, boö eben 
bie Dcviüßlidöte blouEeÄoptc nid&t beRÖt. SDoöÄ^unft» 
n;er! ijt bcm SerfoE entriffen; ober icb §dttc eä 
lieber gcfel)cn — unb ujcnn man baQ 5eljnmol bar* 
borifd) nennen mag — fo e§ an feiner flaffifcöen 
©teile langfom in ©d&önl^eit geftovben iväre, Der* 
grünt, oermorfdjt, Dermofi^en, — ouc^ bann l&cittc 
c0 DicUeicfit nod) meljr Don feinem urcigenften Seben 
Ijergegebcn, al3 iej|t, ha mnn e3 in ein lU^ufeum ge* 
braci^t l)at. 

IXnh jnrüüE ibnrd) bie &(\ht. 5Im Sranben* 
burger Sor biege icö ab. ©a fel^^ icb fcfton lotebet 
boä öäu*j(^en mit ben 3lelief0 über bengenftern im 
2BebgemoobftiI. ^i&ic rei^enb pnb biefe Jpcinfer, unb 
luenn gor nid)td an i^nen ift, bann finb boi) nod| 
2;nc6er, bie fid^ burcö 3^tinge aie()en, unb Slnmen* 
geioinbe unb grud^tgeljöngc an^ ©tucf in ben 
güllungen 3H)i|cöcn ben ©toifmerfen, unb eine 2;ür 
mit ein paar Stufen boDor, bie fid^ fo gefällig ouf«« 
haut unb ein fo netteä Äcrbf^nittmu|ter im $013 
Ijot. Dbcx e^ ift DieQeidgt eine i^fibfd^e ä^e^anblung 



beö93uije3. SIber e» ift mcl)r,— auf ©cC)rittnnbSrii 
uiel^r. 3Belcl&c ftot^e äJornefjmljcit in btcfer Ä'ett 
Don Sauten an bcr(^vad)t ober on ber8inbenftraBe| 
loclcfic tci3cnben ötotiDc om ,;©porn'^ Ijintcr ben 
D3Jilitävmaifen6aua. S&o inScrlin Ijdtten tüir einei 
fo feinen üciucn Sau, ber bodf) in fid& mitbcr h 
ßi'üfeügig ift Joie ba3 s^am in ber öobiaftra^eJ 
gevobcüber Dom ®cburtC>ÖQ"ö Don ^ehnljoltj; unbl 
iDotd)c $urnel)nii)eit lebt in bicfem [tiricn, fc^rögen 
Söinfel am Stobtfdjlo[j — am ©(^lofeplaij! ^iöid 
fc6i3u finb biefe t)o^en genfter in bie gläd^e gefegt J 
allcij ift fo felbftücrftänbli^ jebc ©licbernng bei] 
gojjabe fcbeint notiucnbig; jebea Drnameut ftef)t in] 
bcr richtigen ßh'öfee 3U feinem ^JJlaö unb ^n benii 
©onacn; troti ber 2Biebet!el)r ü[)nlid:)er?JJotiDe fdöcint 
öllei3 eigene für bicfen ^JSan unb für feinen fonft er* 
fonnen. ülic^t^ ift trioiol, nichts aHtäglicI. 5^ein, bomal3 
im 18. Sal)vl3unbert, al3 bie »öo^enaoücrn 9)üt5bnm| 
ei'banteu, loar bie SauEunft no^ nid^t tot, mic fie 
e^ Ijcnte ift. 

o Ubr nachmittag — i^ bin in Sevlin. 
9iid)t 3©tuubcn loar id) untcnucgä, unb loelcbcUn« 
fnmme Don Ginbrüdfen, Silbern, 5)araMen, Sc- 
tradjtungen l)at fic^ mir gcboicn. 

iBoUkn loir Icn Sefucö bicfer Äulturftötteu 
nic&t clrooä uiel;r pflegen? ©outen luir, mcnnj 
unä ber 5i:rubel auf icbciu ©ebiet, — auc6 auf ben| 
cijllKtild)cn ©ebieteu — hie Dr)ren aergellt, nid&i 
öfter einmal in biefeS fülle unb flare Sab unter* 
tauten unb unferc Singen unb ©inne tuiebcr l&clj 
niü^en, — bannt ftc fid) nicöt Don iebem neuen uni 
bunten ©d6tDinbel blenben lafieuV 



X 



\ 



I 



rcrtig unb öcrftauBtSDcn öu bcr SBanb öe^an^cn 
l-!l^^^' ""^ incmanb '.ic ftd} mc^r auöcfcl^cn ^attc, 
^d^ltciiö, ba& man fic einmal einem jaöcnblicfrcii 
^^]nd) geigte, ber fic gn' au Qcnt ocfcfjcnft f^öDcit 
iuoDte -^ itüdjbcm ftc fp iatirelcmg feinem Tlcn* 
nycn ein l^eib ^ui^cfü^f/iDurbc ii)nen plö^lkl) bi**/ 
arte q)a|tfreimbfd)aft öcninbi0t - unb m4 
td;icftc ITC mir, alg i^rem red)tmä{5iGen a5cfii-,c 
5". ©IC hjurben babnr;d) nidjt bcffcr, — bie* ^au 
ten (5ommcrt)ööer ~,bifc fd;on borbcm bitrd) £ic^iV 
nnb (Bianh unb lluborfidjtißfcit gemig Qclitici^' 
Wien, ber ^ranS^ort Fiatte fie biirdigcfd}utieh 
^ler fehlten bic gäf^Ier. §icr liHircn bie glüae! 
ramiJomcrt. fttcr mar oin ed)to<tlbcnfd)h>an^j Düu 
ber 3?aber Gerntfd;t iinb fcgelte tryic einft iit ^cinen 
^chcnmqcn umi-jct ^ fuvs. bk Qan^en incv. 
fünf s\a}fcv boller ed;mctterlingc haaren für einen 
cdjicn uitb redeten gntomüIoGcn feinen ^dum 
^Mifüer n;crt. Sfber mir rt^arcn fie metjr U» rt 



Sonntag, 
ben 5. Juni 1904, 



Unb iraftrcnb td; mtr fo bie 3eu9cn unb Ötcftc 
ntetner nu^lo§ l>erbrad)ten ^ua^Hbtage anfaö — 
^f^l^^rc (Bdmcttcxlin^c Ratten eifrig für bie 
iücrfangcrung meinem Sdjulbcfud^g gefürgt — 
faiid)ten m mir ^ei jebem neuen 6tücf neue 
"; ?!^' ^^f; S^n^Waft^miber, Selber, 23irr'n. 
inagc ^a\b nnb §cibe, Srud;iriefen in ber 
'3lnt ber eonne unb roter ^nE^cnb^immcI, ber 
urd) ha^5 Ojcäft ber (^td>en fa§. 
^ m m bie rnnben ©afcrijüfd^v bie nad; allen 
::eiten tf^rc ^lüctgc ftrcrften, unb über i^nen bie 
^-^atiibudjen mit bcn QiatUn Stämmen, ou bcnen 
bic .isonne fDicItc in toten ,^upfd;en; unb bad 
nicbcrc ibaumiucrf Wxirbt üöcrragt uon i^obtit 
^i^-^fern, bie fteil unb ftarr in bm ^immet [djnit.' 
tcn UHb aimciprad)c mit ben tDerJson ^^olten ftiel. / 
ten bte geruhig bar)intriebcn. ^dj faf) Ji.tcTJr' 
bte ^ac^m nnb (5^eftcIIe, bie langen, geraben m^.b. 
tvcQe mit bcn «orarraftcrn rcd;t3 unb linU, ben 
Idwu'n, blanhn iöud;cnf loben, bcn lüeißen .iöirfen^ 
frurfen u6er bcnen bie gücgcn unb ^^äfcr 
f^ummten. ^d) fal, bic haben tiefen Sutdrcn ber 
pegc, tn bcnen bie f^üar^c Salbcrbc ^u Xaae 
itat ui benen ft^j ba^ 9tcgeniraffcr fammeltl 
ben O^tnfen aum ':dab bereitet. a)?ir3fraut iScil 
c^en, .Wjmrant nnb 2öit>cnsal^n fyittcn bcn 

iüiattcr ber S?ai6Iumen unb be^ '^lueibiattcS 
^uf trorfenem Sl^albboben bilbeteu bie Trom: 

eerf^eden bornenumDegte .^aftelle unb bif M 
arunen ^ uten ber .Oimb.erftauben fSlug n mi^ 

m bte 23etne, iviiinenb idj in ber StuHl bni 
tiudimi fümmert)ögcrd)en nac^jagtj ^ ^^ 7 

«lattdTcn, ^ogen firf^ jücitDin vecW unö inf 
umitanben .on I^o^em ed;i Ifgra^^üt b m * £ 
tn retditer ^inb rafd;ertc. ^d) fal) bie 4icKf 
Je nanen eumpfmicfcn in i^c oten 1 L n 

'To i "' burcl^lminben Don ©räfern, XJo 

tb Cuecfen; m.t bem fdjm^rcn SBcg bei bu 

^l?inburdiruDrte, n^j c ber ^^Sfab dm, ^'ap^' 




burdi bal üo6c (SraS ber 5ßräricn. Unb bann 
iand)ien bte (&id)cnfd)Iäge auf, tro bte 93äumc trcit 
auseinanber ftanbcn unb jebcr feme STronc 
weitete, unb 5licfernfd)onungen, bon graben i:m^ 
r)egt mit jungen «öäumdrcn, bie gana im 2Im.^tet 
unb (^ra^ berfanreit. ^Tannenbunfel aogjjoriuier 
mit fredjtenübctfponncnem töten (5Jeäft unb 
3«ärd)enbunfer. ^d) fa^ ©äufer im SBalb, ba^ 
(55rün blidtc t^nen gerabc in bte g-enfter, unb 
unter ben $örcnncffeln am 33acfofen rafd>crte ctnc 
^öUnbfdjIeidie. S* Öt"g am frühen 2)?orgen Uüt 
5trtu unb 3:ag burd) btn Sü^alb, unb jcbed ^.alt, 
jeber ^^ilm am ©oben fdiüttelte feine S:ropfc'n 
auf mid); unb xd) aog ^eim cn fpätcn ^&e;ibcn, 
IDO bie ^unfcUieit in ben yiüeigcn I^ing- Jtub cm 
3lau|dren, üäglid) mie ein (5d)mer3en§Iaut burcfi 
bie SBälber unb <Bd}läqc brauftc. Wnb xd) fd'citt 
lüiebcr, l^afb im ^Traum, ben uralten S3irfenit3eg, 
ber feine tüeiicn Sogen oben bcreintc unb l)iuten 
feine a^^ei 23aumrei^en gan^ eng aneinanber 5« 
fdilicBcn fdKint, unb id) ^oq unter ben Btcitci:. 
fdiirmenben iiaubbädKrn ber Indien, burc^ Mc 
rafdielnben brauen 83Iätter am 23i>bcn, bte um 

meine güfie ftoben. r • r^ -^ ^u 

^§ aHcS eilte an mtr borget, aU tcg bte 
alten e^erflebbertcn, berbtal^ten <3d)mettcrln!!3e 
iyii^berfa^ — jeber ed)ie unb red}te Cfntomclotic 
mirb auc5 fagcn, ba']}, fie feinen (Bd)n\) "^^nlvcz 



tt>ert finb. ^. ^ ., w vo 

ragt: ^0 ift benn btefe§ ^ugcnbraitbl 

a «rtrTi fiiMttg? ÖJan;? nidit tneör fo — 



3^c fra( 



5öcfte{)t e§ nodi Üeute? ©ati^ nidit tnerir 10 ;- 
C'^ liai fid) audj ba bicTcv^ gemtbert in ben '^aU 
bern unb Srü^en 5njifd;cn 5^auen unb Spanban. 

6^ r e g r. 






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Teta0tS0nlw.It behauptet Mi woffcnteu- ^ 
. ?iu nun ?luffiabc ber «mfangtetcften g^^ 



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II 



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len 21. Ruguft 1904. 




■yr^^: 



u^n unb ^at;ern. 



,3cbcm, bcm baä 8cttungötocfcn nic^t gana 
unb gar fi'cmö ift, h)trb bic mirfrid) fci^oii tnS 
5lfct)grauc geJ^cnbc müdfid^t^Iofigfcit auföefatten 
fein, mit bcr SWcnfd^n ftcrbcn. 9?i(^t bic gc^ 
h)üf)n(i(^cii Sci^uracö unb 3Wüncr§, bic finb 
Sterin fc^r oerftänbig. (^d) fanntc fogac einen 
3Wann, bcr eigene auf bcm gricb^of einen 
iSc^IaganfaH bcfam, nur um feinen Slngel^örigen 
bic S3c|tathingö!oftcn au bcrbiüiocn.) "Mc'uh 
rücffidjtijroö finb nur bic «erü^mt^citen, btc, 
öon bcnen man 9totia nehmen mui, bic, bic 
einen 9?ad)ruf l^abcn muffen, unbebingt "iiaben 
muffen; fic ftcrben nämlic^ immer unb ftänbig 
; nad) mebarttoni^fd^rufe. ^d) l^abc no^ !cinc Sk* 
rü^mtf)cit gefannt, bie haä ni^t getan Iftättc. 

^bcr bcr Ücfer tüill unb tnuf5 tuiffcn, too^ 
an bicfer ^crül^mt^cit baran mot, toa§ benn 
eigen tltd) ihre 5?crbienftc finb. CDr mufe il^ren 
ÜeDcniiaaug fcnneu lernen unb gtoar fofort. 
S^enn in ahjölf Stunbcn ift bic S3erit^mt^it X. 
fdion lüiebcr inaftuctt gctporbcn, unb bo5 ^Iblcben 
bcr •!lVriir)mtiycit ?). erfd)iUtcrt ^iatt feinet bie 
3}?ith)crt. 

> "Der \lcfcr m u fe fofort a H c § crfaf)rcn. (*§ 
ift unbcbingt nötig, boR er beim SWorgcnimbiö 
feine Wattin frogen !ann: ,,?(di, fie^ mal, bcr 
iJt. ift nnn md) geftorben." Hub ba^ bic (iJattin 
ein ^l^röbdicn mimmclnb mit boUem aWunb unb 
mitleib?reid)en ,§cracn^ entgegnet eben baö, h)a3 
man bei füld)cn ^nläffen fteti^ a« fooc" Pflegt, 
nämlirt): „39 fo." ^iefe ^Inteilnaljme ift burd)^ 
auß fdüin nnb nicnfdjlid), nor aüem, iocnn man 
icbenTt, baf3 jic eine rein felbftlofc ift, ha Sefer 
nb Vefcrin ja ben 5)camcn unb bie ^aten bcr 1 



93crü^mt^cit ^um erftln unb aiiJ" legten ^aU 
in i^rem i2eben l^öreii. , 

?rber ber 5?efer a^nt' ja gar nic^, mit iDcId^n 
unenblici^en (Sd^tpierigfeitcn, bicfc 9iad)rufc ge= 
haut lucrben muffen — eg finb gerabc^u mo^ 
berne »^e;i:enmeifterftiiiMien — nnb mit ii3cld)er 
ftiegenben .^aft bic 2J?anuffriptpapiere in bie 
CDrucferci flattern, um bort acrfd)nittcn nnb 
gcfe|3t ^n merbcn, gebrncft ^u luerben mit 23lii^; 
aug^eife. ^Man mufe t>a^S mit angcfcr)cn Oabcn, 
um bie ^^^rä3ifiün t>c^ arbcitcnbcn ?l|?paratcg 
,\u beiüunbcrn. llnb iüie oft axbcitct er falfd), 
f(^red)t unb ungenau. 

^aö ift bagcgen au tun? 9cad)rufc auf 5Sür^ 
rat fd)rcibcn l^at firt) nidit bclüar)rt, benn man 

l)at leiber in (^rfa^rung gcbrad)t, baf5 bicfc 
^^tad^rufe inr (£>d)uh^ad} hav cinaig fid)crc ^Uättcl 
aur l^cbenöUcrlängcrung ber ^Betroffenen finb, 
unb ha^ bic in i§ncn bel^anbclten ^crii()mt^ 
Reiten nie unter bcn Tiaianfdjen ncununb- 

neunaig biefe^J irbifdjc ^sanunertal Uerlaffen, 
au einer 3eit. lüo bicfc 9iad)rnfe natiirlid) 
tängft t)cra(tet unb über()oIt finb. 9icin, t>a^ 
ift nidjtä. ?Iber id) fjabc einen S3orfd)rag, eine 
ficinc, rein tcd)nifd)e 5ien()eit, bic ben ii^oraug 
^at, praftifd) au fein unb einfad; a" ^anb^ 
l^aben ift. ^ic unnii(3c unb at^i^^'^iii^cnbc 
»Sd^rcibarbcit fällt fort, e§ loerben nur ein 
paar Flamen unb ^aten aufgefüllt unb nom 
<5c^er in ben ftcT^enbcn Sa^ eingefügt, ^er 
;i^efcr l^at beim SÄorgcnfaffcc feine tote ^c- 
rübmtt)eit; i^r ift tüol^L i^m ift rtJol)!, bcm Ste^ 
baftcur ift geholfen unb niemanb plagt unb 
fcfiinbct fid). 



^n Tester Stunbe lommt un» bie Ü)l<ic^rid]t 
bom ^infc^iben beu allbclicbtcn 9?ait)en bc» 

^oftl^eaterä, (£mmt*) — . ^ic 

gefeierte (Äi^aufpielerin ift im ficbaigjtcu 

^§re einem fc^Icidjenbcn ^^lltcr^leibcn erlegen. 

^ie ^ugenb öon , bic i^rcr unbcrgleid)^ 

Iid}en ifeiftnng aU „C^lärdjcn" anjubclte, loeif^ 

tüot)l faum , baö C^mmi — aud) 

ben .^abitue^ hc§ aUcn 'Saliner^ 
t^eatcrö noc^ mo^lbcfannt .ift, loo 
bic reiaenbe (^rfd^einung al^ „5Hld}en" in 2ou\^ 
3d]neiberö „(^r requiriert" einft alle §eraen be« 
aaubcrte. "^i)tc 93ü^ncnlaufbal)n begann C^mmi 

in bem SBorftabttl^ater ber 3?lutter 

®räbcrt, boä) mürbe l^ier, hjic im Äönigftäbtifd^cn 
^^eater unter ©erf, i^rer 23egabung nid)t bie dn^ 
gemeffene iöefd^äftigunö, unb erft im alten 
Sl^allncct^atcr crftraftltc iftr Stern in öoßeui 

GJlanae. 5§re erftc C£^ mit bem iRegiffeur 

toar feine glücflid)e unb tDurbc fdjon nac^ tucni^en 
93?od)en gcfd^iebcn. $tud} bie 58eicinigung mit 

beut 20 ^al^rc jüngeren (3d^ufpicler 

ftcEte fid^ aU eine 93erirrung bar, nnb erft in 
britter ®^e mit bem fcd^aigiä^rigcn Hauptmann 

fönte bie SSielgeprüftc ba^ &[nd eines 

ungetrübten (S^lcbcn^ fennen lernen. ^§ §of^ 

ttjeater au beflagt mit bem ,^infd)etben 

©mmi '3 ben SBcrluft i§rc§ langjährigen 

SWitglicbcS, unb aud) bic bcutfd^e "öü^nenfunft 
bciltcrt eine bjcr ^cröorragenbften Vertreterinnen 
alter ©<i^ile. 



^n Tetter (Biunbc !ommt un§ bie "üiadiridit 
bcm $tnfd;cibcn bc§ bcrül^mlcn Zoologen ^ßro^- 
feffor^ . ^cr greife ©elc.§rte l^atte ta-s 

*) Wt 9?aii>en feigen (5mmi. 



müd. ein ediüTcr be§ unbcrgcf^lid^cn ^. 6:. dl. 
3??üüer (bc§ (Bd^ncrfenmüller) a» fein, unter, 
beffcn Wegibc er and) mit bcr gciftbollcn Stubic 
über bie H^ignicntUerteilnng in bem ^aniepitel 
bcr 9^7dtfd)necfen promoütcrte. Unter feinen 
^ai)ivcid)en ^Irbeiten Ijat bor allem ba§ grunb^- 
ftcinlegenbe ^nt über bic ,,(rnftococcen in ben 
OdKitelaellen be$ Srofd)c^" ein ^^luffcfKn er- 
rertt, ba^ loeit über bic .m-eife ber Jvad)gelel}rten 

l)inauögtng. 2)cr (Streit mit ^^.^rof. in ber 

feine 3:l)coricn Hcuteibigte nnb aur ^"'incrteu. 

ninig btadjie, ift nod) in frtfdjcr (Erinnerung. 

a)ic Ä^iffcnfdmft Ucrlierr in feinen heruov^ 

raiienbften S>ertretcr. 

(tiefer ?cadjruf pai3t immer, benn ob nnit 
ba bie „fubtutane Gcrebralinfufion" ftebt, oi^er 
bic „C£nftococcen in ben 3d)citclaencn" iji bod) 
cigcntlid) red)t gleid)gültig.) 



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%M gleidjer ^A^eife knircn ber C^icnerafmajor 

Uli' ' ^" ^idöter , beu öiftoricnnmlcr 

f-, .Stnetfd)anjuit (bei ber StraBcnjugenb mar 
^^gutmütige, ^albnärrifd)c mann unter bcm 
^^jUamen „.Sinctfcbaujuit" bctannt) u. f. Ui. 
(f^ljanbcln. 

lir lücrben OiclleidTt tarauf nodi ein- 
^ciai^i^iirffomnien unb meiter ber leibenbeii 
tigng^luelt felJi)ftlo;5 unter bic 'ännc greifen. 
dii Qii r c ö r 



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Die Candpartie. 



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c\it)'6xi bic ?anbpartie. 3a, eine fürforgIirf;e Cbricjfcit 
bat (cgar bic 5Urcf;l)öfc fo aiu^clegt, baj^ unfcc lebtcc 
©pfli^icrcjaug immer iicc^ eine Vaiibpartie ift. ^\t 
fcniicn unä unfrr ganjes ?c6eu iiic^t i>cn i^r tucnucn, 
unb uad) bcm ii!e6eii bauert'ö ja and) necf) eine ganje 
25?ci(e, 6iö tinc'ß miö o(>gca">(?f;ncn. 2[9aö ift bcnii 
ciijentlicf; 'nc Sanbpartie? Seiui ber S^reöbiicr narf; 
^^illni^ fä[;rt, ber 9??ünc^ener mid) ©rcöOcffelofjc cbp: 
$uüu<i), über bec .^amSurgct nadf; ©lanfencfc ober 
md) Ui)ienhox\t ~ ift baö 'nc ^anbpartic? 2)aö ift 
im Beftcit gaüc eine 5Iu5f(iig, ein (5y6ummcl, eine 
flcine Steife — irgcab etii^aö fouft, akr ScileiBc !cine 
?anbpartie. 2l6ci*, n?enn ein 53crlincr nad) ®runp= 
tvalb, ncid) (Srfner, nad) ©irfc^gartcn unb 3ü^anniö= 
ii}ai, md) gintenfrug unb ^^ricfelang, nac^ $ic^elö= 
n?crber unb ©rünau unb §anfelö ?(6lagc „madf;t", hci^ 
ift 'nc Öanbpartie. 

j 3a, Unrb man fragen, iüorin Befielt benn nun 
ber feinere Unterfcf^icb ? Sa« ift benn nun 'ne ?anb= 
Partie? J)aö ift nic^t fo Iei(f;t bcfiuiert unb eö üer=: 
Dirgt \iö) m Ui^itn Örunbe Der 3^eutung; aber iebcnfaüö. 
eine i^anbpartic ift, mcnn äJZutter fcf)on am Hbenb bürl)cr 
©tuüen |d)micrt, bic am när()ften S^ormittag, trül? b^5 
sBIec^>faftenö, bctrccfuet finb ; — iücnn einer Beleibigt ift. 
ba^ er nic^t aufgcfcrbert ivorbcn ift, — — ivenn 
ftrf; ber @efangt?ercin „.?>armonie" um Wh (id)i am 
ä'^eri^^pla^ trifft unb aüe auf SBrenbi<fc fc^)impfen, 
ber natürlid^ n>icber nirf;t am bc gcberu fann, biö 
53rcnbicfc o^an^ i^ergnügt angepfiffen femmt unb mit 
einem „53renbicfc, Ulieufc^, ie^t fommftc cnblirf), bu 
bift Wohl bob uf bie ccne 5?adfc" ton feinem Söufcn» 
fteunb 3abemacf begrüßt luirb . . ., n:^cnn Mn 22 
S^^cnfcficn in einem Coupe brittcr Älaffe ftef)cn unb 
juviicf 24 9}?en)cf)cu, Der fleine Hlmin ©cf)ulj, ber 

im ©cpäcfne^^ liegt, uic^t eingerechnet n."»cnn 

ed trc^ aller isBarümctcr unb iI9etteru\irten regnet U\iö 
t*om Ajinunel trill, unb gerabc ivä^renb man bie balbc 
Stunbc über gelb biv^ gum SBalbfater geben mufi — 
ivcnu mau ftcf; ein ^Poot mietet unb immer einer babei 
ift. ber fc^unfelt, bu laf? boc^ ba^ fein, S.i5cber! — 
u>enn ,mau fir^ mit (5lli ^>crn am iWac^mittag in 
eine tcrfc^nriec^enc 2i>albccfe fetten n?ill unb ficbt, bog 
ba fcbon fünf anbcre mit ibreu (Süi ^orn'e filjen 
— trenn'? cinfad;, aber teuer ift, unb man fiel; mit 

f 9?i(barb ©c(?a>arl?fopf, ber mit (5mma rau^fommen 
woUic, in @c{)ilbbotn terfcbtt — u^enn ber anberc I 
c« für einen netten Sd;er^ (uilt, bir feine Zigarren* | 
afcl;c inö ^^icr ^u irerfcn — ivcnn ber görftcr fcmmt 
unb einen auf)cl)reibt, u>ei( man nid)t auf ben 5lvilb* 
ti^egcn rau((^en barf, — u^enn man i?cn ben üicc 
Stunben, bic man braunen ift, brci (gtunben über 
bic '^tutemcbile fc&impft. ^ic \oid)cn ©taub macf;en, 
baö man gar nirf;t mebr \x>cig, ob man n' 3unge 
ober 'u aJZäc^en ifl, — ircnii gri^c{;en bei ber 
TlMirfcIbubc abbanbcn foniint unb enblir^ bei ber 
Tampfcrantcgcftcllc (unb ter 3unge fonnte boi-^ inö 
^iivifjcr fallen, — ioö4 pafjte benn nirf; uff ibn 
uff, (Smit) ivieberj^ofunbcn irirb, U^o er 6c{;nedcn 
furf;t, — tvenu grau 9fugufte .Cvnfe fooiet ?^?apffu(^cn 
mitnimmt,' b<Si[i fämtlirfic A^übner ber llmgcgcuö au 
gettfuc^t cingeljcn, — tvmn ber oüc ©d^uljc mit 



i 



I 



II 



.1 



bcTl '^ 






feinen bcTl "^ . c.. ..av3*->Ä Giemen« m\b 

ipalöfe, mil' bcnf ÜTüden gcgefi" bic ?Uu^ii(f>t ui 
(Grünau ©fat fpielt, — ni^cnn örna ?toenfe ba^ ^^icb 
lu>n bem frf>önften ^^^la^ am 9.T?uttergrab fingt, mit 
0)efü(?i unb' falfd;en i^^ctcn, — trenn .?>ugi) (aber 
*i>ugo ift immer fo!) eencn in bc ^rone ^ai unb nad) 
bem ad)im ©laö mit irgenbtrem 5uafebl anfangen 
Tiiuß, — mcnn man gar nic^t glaubt, umö e« für 'nc 
g}iengc finberreid;e gamilicn gibt, rom ©porttvagen 
rauf u?ic bie Crgelpfeifen, — n.^cnn cö flcine 2:iffe- 
renken sunffben Gljegatten gibt, unb „na fomm bu 
mir mau nacb A^aufe!" für 'iß'mt, ßmil, gcrDtuanb, 
3uftato unb (5rna, — trenn l'cute mit ^4?apiermut^en 

rumlaufen, auf benen Oualmtutc ftetit! ;- 

Unb, trenn man fid; bei alle bem famov^ „amn* 
ficrt'' unb närf)ftcrt ©onntng trieber md) $id)el"3- 

trerber gu ©rfniljcö mad^t — ba« ift 'ne ?anb^ 

^^jtie. — 5Uie« anberc ift ein ^u«flng ober fonft 

irgenb tt^a«. ^ 

'^ Gregor. 



eonntöö' 2- Cftobcr 1904. 




Der Umzug. 



• • g?c6cnBci tft btc «Sac^c fd^on furd^lBat alt. ©o- 
^pt na^ 2)cli^fcf; noc^ tiel älter. 9?ac$ 3>ctifefcf; leistet 
' j&aIJi?Ionifd;cr g-orfc^ung fpieltc fic^ tcr crftc Umjug un. 

T ,,A3erc mal!" fagtc grau (Sba b(^ SD^orgcn« ju 
if'icm ä)^iunc, „bu u^cigt, lieber ?lbam, unfcr alter 
^C^iuci^err bat unö gefünbigt, treil bu bid^ bod^ nicf^t 
ton i^m fprecfien laffcn trcüteft. SD?ir perfönlic^ tut 
bic (Sacf;e ia ic|jt leib — aber trir muffen nun rau6, 
ba bilft nicf)t3. 9?un fann ic^ bic^ aber irirfUdf; Bei 
bcm Um^ug fe^r irenig braurf;en. '^k Äinber {)ahe 
if6 auc^ fiten Ijcute frü^ ju bcn ©c(;h)iegcreltcrn gc= 
fci)tcft. Sltfo, treifjt bu, bu fannft bei ^empinSfi 
ä'iittag cffen, bann gefift bu fpajieren, unb bor abcnb 
fümmft bu mir nic^t in bic neue SBcbnung, börft bu. 
3^i) fann bif^ ba nntflicf; nicfit braucf;en. Um 6 IWjt 
I)abe id) bic ^T?ebelii\igen beftcllt, unb ic^t ift cfi 
%8, lauf bod^ mal um bic (5dfe unb fie^, h?o bic ^ä\u 
ncr eigcntlidf; bleiScn!" 

5^amit fing grau (5i?a an ju n?cinen. „^d} ®ott," 
iammertc fie, „\m\^i bu, 5(bam, eigentüc^ gie^* id^ [a 
fcbr ungern, bcnn fclcf^e nette 2l^ol;nung njic bic fric=' 
gen nnr bcc^ nid^t lieber/' 

?I6cr 5(^am, bcr \cid)t Lamentationen fetner C5^c* 
gattin fLf)on tocn ben lebten acf;t Za^tn i^n gemeint 
n>ar, lief fcf;nen an bie (5cfe, um gu fc^en, ob bic 
?JteBeIn\igcn famcn. 9iiif;tig! ÜDa btnten fuljr einer; 
aber n>ie ?lbam ()inranntc, ba toar er i?on einer a\u 
bcren girma. 

'Jlun, man fennt bie ^ci<!()e ja. !5)cr ©pebiteur 
licH grau Gba fc^nnäbtic^ im ©tid), unb fte n?urben 
öiif bte rigorofeftc Seife ejrmittiert. 3n b^r bilber» 
rciitcn (Sprache bcr Jontafcl ift fogar e\\r>Q9 tcn 
feurigen 3rf)irertern gu lefen, aber ba« ift natürlidf; 
nur eine 9Ji*etapbcr unb Umfc^reibung. STm närf^ften 
Sl^^orgcn fam ganj rubig bec SSertretcr be« (Spebiteur« 
311 grau Goa unb fagte, er irunbcrc fid^ febr, bcnn 
qU bes 5(6enbs um %12 feine Leute gefommen 
n^äien — in bcr ä^ti^itii märe baö eben nicf;t anbcrö 
— , ba biitten fie bie SBobnung f(^on leer gefunben. 
Unb er erlaube jtcb, bic 5Kcc^nung gu präfentieren, um 
bereu balbigc ^eglcic^mng er bitten mijc^tc. 9?a, ba 
n?urbc er aber ^cn grau (5üa nic^t fd^lcd^t angetappt. 

5D?an ftc^t, bic <Sac^e mit bem Uinjug ift noc^ 2;c- 
Ii(3fii; fogar noc^ biet älter. 

* * ♦ 

Unb merfmürbig, pe M fid^ ff^i^n bcn je in ben 
gtcicben 53af)ncn bellgogcn. ©ie ift bi3 auf bcn bß"* 
tigen 3:ag biefelbc unangenehme ©ac^e geblieben. 



2)te legten SBod^en borget f!nb fc^on fcbr ungc* 
mßtlic^. 9Ran friert, h>cnn man in bic SBobnung 
fommt. 2:ic ©arbincn. p"^ b^runter, aßeö ift tin* 
gcpadt. SQ?an t§t ouf ber ^^orjetfanüftc 50?ittag, bcnn 
bcr (S^tifd^ ift gum Hufpoticren unb foü gleid^ in bic 
neue 2öobnung geji^^icft n?crbcn. Slm .3i^^*^3 f^^^f^ 
h)irb alle« früb aui ben 53ctten geriffcn. Q^ ift ein 
grauer, unfrcunblicber iX^ag. Xic Söafc^gefc^irrc h)cr* 
ben fc^nett noc^ in Rapier gefrf)Iagen unb in bic 5lin= 
bcrbabeioanne gefegt, bic 53ctten in ©äcfe gcftcdft, unb 
bu läufft gtoifc^en bcn i3bcn 2[9änbcn, bon bcnen längft 
bie 53ilber bcrunter ftnb, bcrum, mißbergnügt, fri5- 
ftcinb unb, fofcrn bu C'^aii^bcrr bift, al8 fcbr über* 
flüffigc ^crfönlic^fcit. 9UIe fünf ?[l?inuten mal cilft 
bu, mic baö 55urgfräulein, auf bcn (B'6lict unb b^^itft 
Umff^au, ob bcr 9D?öbeIn3agen nor^ mdji fommt. Um 
fcc^^S ivclltc er ba fein, unb um gebn feilte allcö in 
ber neuen 5I?cbnung fertig fein. Ch bes SP?orgcn3 
ober beö ?(benbö, barüber b^it bcr Tlcinn ]\d} md)i 
aucgelafien. (S'nbür^, cnbücf; gegen neun — ja, in 
ber 3^>^^)5<^it ift haQ n\d)t anbcrö! — fommt babintcn 
gang langiam folcbc miicf^liac 2rrif;c 9^oa() bcrangereüt, 
unb n>ic fic bor bcr Xih bält, fpringen ba fo fcrbg 
große S[l^cufcf;en mit (5c(batenmül3en unb in blauen 
(Sii^ürjcn f'cntntcr, recfen unb ftrecfcn ]\d), geben ein 
paarmal fcfitoer auf unb ab, unD girci fommen aucf) 
berauf 5U rir, n^äbrcnb bie anbcrn oier noif) einen 
@ang brüben nad) bem (Sdlabcn, in bcm ein flicftaitra- 
ticn^ibetricb fid) befintet, untcrnebmcn. ^bcr adeö, 
tva^ xcd)t ift, in einer 5>icrtelftunbc fmb bie and) 
oben. 

Unb nun gebt'5 lo«, unb Balb gäbncn \mS bie 
leeren 9iäume an. ©ie fmb einem mit einem 9)^ilc 
fo fremb, fo unn^obnlicb, bcr ^ctcn ift abgcfcbeuert, 
n:^o er benuM n.nirbe, unb ned; gut, ivo bie Spinbc 
ftanben. $rn bcr 5Banb geigen heuere gicden, n.>o 
einmat bic S3ilber bi^gf^n, unb bic «Stätten ber greube 
unb ber ©df)mer3en b^ben fi-^ binnen einer (Stunbc 
in leere, b^^ÜPnbe. unioirtlicbc 9iäume bcnvanbctt, in 
bcnen nic^t einmal ein ^\iu(^ oon Erinnerung mcbr 
trebt. ?tber man Ijcii n\d)[ 3cit, [\d) biefen Sinbrüdcn 
bingugcben. 3c^t fommt bcr Obcrftc, ber \id) burc^ 
eine \d)cm Sticfcrci auf ber blauen ©d()ürgc bon bcn 
anberen abbebt, auf bic^ gu unb fragt fategorifib: 

„.?>abcn ®ic noc^ n.\it auf 'n iöobcn ober im 
Steiler? Xamit n.nr nämlid^ balb bier ircgfcmmcn, 
bcnn fonft frübftüdfen 31}ncn bie Leute eift, unb bann 
bauert baö länger, ffiir b^.'Jbcn ia beute morgen um 
balb fccbftc fiten einen 3ufügrat mit girec 5llaoicre 
iegogen." ; • . 

* * * 



SIbcr crft in ber neuen SSobnung, bo gebt bo« 
rechte 35crgn{lgen on. fDlan ift bingcfabrcn unb mat- 
tet. Unb cnblic^ fommt bie richtige Slrdfie 9?oab, nac^* 
bem \ed}9 falfc^c borbcifubrcn, nm bie C5dfc gerattert 
unb bält bor ber Ziit. Slber nid^tö regt ficb. 9?ur 
ber futfc^ier fpringt bom 53odC unb becft bic ©c^immcl 
in. ^)lan gebt bcrunter gum SSagen, 

,,'Bo finb bcnn bie Leute ?" 

„$lBo bic 2euic ftnb?!" 

„@ic muffen laut mit mir rcben, \d} bin ein 
biBdben iciuh auf bic Obren," jagt bcr SD^ann unb 
ficbt einem frcunblidb auf bcn 5D?unb. 

„So Die ^cnk rmb?!" brüllt man, baß cö in 
2euipcIbof gu b»3ren ift. 

„^Tc^ fo — baö meinen ©ie? — bic frubftücfen 
nodb. '^qS fann irobi noc^ 'ne gan^e Seile bauern, 
biö fc bier fein ioer'n," fagt bcr SRann, um fic^ bon 
ic(3t an nur mit feinem ©c^immcl ^n bc[i-(uh'ftigen. 

Gnblit"^ fommen bic ^cnte, ein n:cnig überfiübftücft, 
nur ein tvenig. Unb nun gebt bic rechte greube loö. 

„<St . . . Sillem, nid;t faulen ! . . . y?a, nimm 
mir bofb mal eencr hkt ahl — .^altc mal, (Sbe! 
Cgenblicf! Cgenblidt! 3cf n?ill blofj 'n Gtiicf unter- 
Rieben! . . . 50?abamc, rt^o fommt bcnn ber (Spiegel 
^in? . . . gaf? bodfi mal biec einer mit an . . . 
.^nutfcbfc, bu immer mit beinc eilen 53lumentijppc ! 
. . ..9?a, Umc fenncn (Sie bcnn aber ocf; unten in 
ben Scf)ran! 3.Micf^er cinpadfen?! Xen friegen unr 
Sbncn ia jar nid;t bie treppe ruff ! . . . jTcö muffen 
©c ecnen bod^ fagcn, ba§ ber @pinb barübcr kommen 
[eil, n?enn baö (Sdbn^cinebraten n?ärc, bann bätte id'ö 
ja jerocben . . ." 

5?ei bcn ©laöfad^cn flirrt eö Bcbcnflic^ unb bei 
ter ^Uugclianfiftc noc^ mebr; unb man überlegt fid) 
|d)on, h?o eine ^(nnoncc: 53rurf;porgeIlan, faft Jinc neu, 
ift billig gu bcrfaufcn, am meiftcn ^luöftd^t auf (Sr. 
feig bat. 

Wnt) enblirf) fommt ber SD^ann mit ber fd;i5nen 
'3tidcrei auf feiner blauen <Bd)ii^e Uneber unb fagt: 
Ob oiellcic^t nocb U\iö auf'n ^oben ober in ben 5leIIcr 
feilte; bie 2cuie müf^ien nämlic^ ieljt frübftüden, unb 
fic tieften fonft bic Strbcit fteben. Unb bann ift man 
ple^ltd) umringt ben einer (Sd;ar bon SD^enfcbcn, bic 
qanj ftill um einen berumftebcn unb Unarten, iinc ba9 
Xrinfgelb auöfällt. Unb ganj gleich n?ie eö auöfäüt; 
für jcbcn feblen bocb gerabc nod) bic fünfgig Pfennig 
;u bcr flcinen SeiHc. (Gö mug eine befonberö gute 
unb teure Sorte fein.) 

Unb 3:age unb Sodicn bergeben, ebe man toieber 
(jin .r>riMt UM. Unb baö nun aiic paar 3abr einmal, 
^Jcr alle 3abr ein paarmal. Sfbcr S^eli^fc^ fagt unö 
la, bag bic @ad^c uralt, fogoc nodfy bicl älter ift. 

Gregor. 



Berliner ßUlerM 




i 



Das neue Ccbcn. 

(?« ift eine fatale t^atfac^, baS toir alfe nur einmal 

auf bicfer Srb« ontrefenb |u fein pflegen, «nb ba 

biefe Einrichtung metftentcil« al« Ucbfl empfunben 

toirb, fo ift ber fultibierte iWenfc^ auf einen an- 

gcnebmen Sluömeg i>erfa(Ien. @r fann — eber et 

meint h)eni0ften«, c« gu fönnen — ju iebcr «Stunbe ber 

!lage«- ober 9?a(t)tjcit ein neue« Cebcn anfangen. 

ü)?eift<n« pflrgt er ba« aber ouf eine beftimmte \t\\ 

borauS^ubcftimmen. Son morgen frü^ ober toom 

näcf;ften 2;onner«tag (xh, fagt er, fange ic^ ein neue« 

Seben an ßrften« n?erbe id^ jcitig ju 53ctt geben, 

unb jhjetten« tocrbe id^ früb aufftcbcn. Slußerbem 

toerbe ic§ arbeiten, t>icl arbeiten, einfach ungeBpuer »iel 

arbeiten, gerner — gebe i(^ ieben 5lag ©d^Uttfc^ub 

[laufen, um bei bicfer großen geiftigen 3nanfpru(^nabme 

auc^ bcm Körper baö nötige 2(equitalent iju Bieten, 

cnblic^ h>erbe \^ mä^tg h)ic ein 2:iirfe »erben unb aU 

ben J'ingen, bie nur baju angetan fhib, unfcre 

fieben«lage ju oerfürjen — al« ba pnb Sllfobol- 

gcnu§ ufto. — furjipeg entfagen. 3n bicfem neuen 

2cben tverOe icb bcrübmt reic^ unb glücflic^ trerben. 

Unb narf)bem man p^ ba« gefagt \i^'i, ^'6\\ man 

I ftc^^ eine längere SRebe, inbem man ba« gajit, bie 

( ©umme feine« bt«bcrigen 2^afein« ^iebt. SKan 

• tituliert pfö einen Öfel ober einen anbcren ©ier- 

ifüf^ter, crftärt, baß man S\^ nut^Ic« umOergetrieben 

babe, unb flogt ftc^ an, bafi man c« immer udc^ \\x 

nic^l« gebracht b^tbe. (5« n?äre gerabeju unoeraut« 

ioortlicb, fagt man. mte man mit R't unb feinen ©abcn 

umginge; unb noibbem man fo feinem tiefen Unmut 

ob feiner böfen ?cben«fübrung^ mortreicb<»n ?lu«brucf 

gcc^cben ^Oi{, erflärt man ton neuem, baft man am 

■näM?ften 2^onner«tag ober bieömal am näcbftcn 

!J^ien«ta<| ein neue« Ceben anfangen molle. Unb man \ 

ift tnnerlid) feft baoon überzeugt, bag man e« im 

teirb. 

UpSerm cremen, öm 1. Sanuar, ba ift ba« General« 
reinmac^en für aüe bie, bie ?um minbeften breimal 
im IWonat unb 3Gmal im 3ol)r ein neue« ^t\ivx q>x^» 
fangen. 853ir n?erben ein neucö ?cben anfangen, einen 
neuen STbam ani^iebfn, n>ie e« bcifet. Unb menn nur 
ein 3?icrtel »on afl bem, ma« njir un« für ba« neue 
3abr torjjenommen baben, in ©abrbcit umgefc^t mirb, 
fo mirb ficberlii^ im 3abre 1907 au« ber Srbe ein 
^arabie« unb au« ben SQJenfcben ein CSbor oon ßngeln 
irerben, fo bag man mit ©utten fagcn fann: (S« ift 
[< eine J^reube \\x leben. 

2lfl benen aber, bie ein neue« ^z^:>tx{ beginnen 
twrben, n?ünfcb« icb, bc§ e« ibnen nicbt fo geben 
möge mie jenem SRann. ber eine Wii Stngemobnbcit 
batte: er tranf nämtic^. ,^r^ »or bem 9?euiabr«- 
tagr ba i^icf. er aö feine greunbe ;;ufammen unb er- I 
Üävte ' ^n baft er am 1. 3anuar ein neue« ?ebfn 

(beginnen unb einen neuen 2tbam anhieben 
tpürbe. Tocb al« nun ber 3. Sonuar bcranfam, traf 
ibn einer feiner j^reunbe, nne er miebcr mit bem 
fc^imanfenbcn (5^ang eine« fcf^u-^erbcfrarbteten ©ifjiffe« 
bei bocb^benber ®ee nacb faufe fteuerte. %ti 

J'S^ccjinb bielt ibn an unb fante: 
,,SIber id^ benfe, ®uftao, \)\x ttJoHteft ein neue« 
Heben anfangen?" 
,,3a", meinte ber ©tbmanfenbe. „ba« b a B e ii^ 
{a aufb getan, — ab<r ma« fann id^ baju machen, 
irenn ber neue ?lbQm au(!^ trinft!" Unb fo 
blieb'« bis ü^w fein feiige« Gnbe. 

gilfö«3^ien«tQg, 4Dicn«tag, tjerftebt \\i, h?irb ein 
neue« ^^<^^ ongcfangen. Gregor. 



f 



1 



t\e gan^c 



Das Gänscöiümtncn öes iDcrosKs* 

e« gibt ?eutc, bie — ic^ ftoffc, boß bicfc $i?ci^r* 
^cit iiid^t kfirittcu trirb — alfo, tüic gefagt, 5[!eute,| 
bic aM fluider l^akn muffen, irie onbcic. (S^rfion 
fcuci ^agc, bcDor bic ®<.i;ün}cit für 9fc6f)iil:nct mt- 
über ift. liiüffcn fic M t^^nva bceimal an i)ecbbü()iKni 
bcu iiyiacjcn tocrborbcn I;aben, unb am 15. ecptcmbec 
gc()cu fic fii?cii mit bcm Ä)erbftpalctL^t, unb iucnii 
aud; nod) alle 6patcii bcn i>il?|cl}Iag tmc^tnl 

2)ic(e unan3cne[)nic Sorte ton ü/ätbiirgcni pflegt 
auc^^ jrf;on am 15. Cftcbcr ibrcn 2Bintciicl;nupfPif ju 
!rimcn, tuäljrenb bcd; bcr anfiäiibigc 9?ormalmcjift^ 

ba btc .^ftitung bo« Crßau für bm anftänbigiju 
9?ermalmcitj|^j,^^ Ij^^ [^ ^ücüen tuir audf; ba3 ^bcma 
„<S-4nupfeu'^| crfr fjeutc bcbanbctn, uub irir ^offeu 
bamit auf aL'gemcinpS 53crftänbni« p flogen, tüä^- 
rcnb irir wod) tocr 14 X^am nur ju einer Keinen 
®d)ar öcf^rodjen Rotten, unb bic übrigen gefagt 
I;üttcu: „<B(f)nnppcn? n)at gebt bct mir an?" 

^oid} eilt ricf;tiger (Sc^mupfcn ift ~ ba wirb mW] 
f.cutc jcbiCr rccfjt gcDea — für aüc ©dt ci i \y6(i)l{ 
()uniori|'tifL^cr ^iift^^nb. 5Fiur fite einen nic^t, für 
bcn, bcr ibn I;at. 3:)a8 ift näniHd) ba§ gatalc an 
bcn imiiften füniifcben fingen, baß ftc jnjar für ben 
2)rittcn ungemein ulfig finb, aber für bcn, bcr fiel; 
))cr)önli(^ mit ifjncn xu befaffcn Ijat, ein ijcrtcufelt 
anbcreß ^^^efic^t auffefeeu. 

(3o aud; bicr. 3»^ finbc c^ immer fe^r amüfanii, 

Jrenn ein anbcrcr nicf;t au^ hn\ klugen unb öuiS' 

bcr 3^afe fclicn fann, unb im ÜJaufc eines ©efpräi^iJ! 

öu3 ^ebn bcrfrfjicbcnen ^afdjcn icljix toerfd)icbcnc 

!i:afci^entüd;cr F)t^ri3ür3ief)t, in bcr ganscii l^cnffala bc^l 

!t<cr(grau unb m aUm Öröfeen — 'com Smcimarf* 

ftücf bt3 jnm $){üütud; — ; unb n^cnn er bciju feinen 

Bo.i^ 3u (2nbe bringt, ireil fein ©ebtrn cingerüflctl 

ju fein fc^cint, unr?, irenn er en'blici) i)ür öem ?fb- 

fd)icbncbmen notf; sn^cimal nieft, taf^ bic hinten' 

fäfjer tjom Xifrf; fliegen . . . fo ift ba^ immer fcl;r| 

luftig — für uit«. 

«.«ff ... ., - .- 

*-'ioer \\nJf^'i:timt\^ai:T (ri: ;3ttc 
3eit ta& Cöefiif;!, qH ob ifnu bic i^^afc rcmgfam'amn 
.(-^cfid^t fKi'au^ge|d;iraubt ioürbc; mit langen yMbcIil] 
piefte (ober: fagt man picfftcV) alfo pieffte man il^m 
bnr(fi bic ^d;läfcn, unb mit gan^ langen burd) hm 
.^Mntcrfopf. 3Sür feinen n?cr;(eibigen ^lu(]en fcfiirom- 
mcn graue (Sifileier, untorbrod'cn tcn^ feurigen ^hjnf- 
teil, bie n)ic iO^üden auf unb uieber \ti((\en. (Bein 
©ebirn \i\u eine },'d{}e, triigc 5)'iaf|e. gnnj ijerftbdt 
uub ijerbunnut. i3)ic S'S^^r^c fcf)mecfte ibm nacfi öcr- 
brannten .rvnücf;en, iiiib feit nd)t "lachen n.uinbcrte' er 
iid) barübcr, in tveld)cn tttid^Ubencn Jocmcn u'»ii 
'Jlggrcgat.^uftänbeu „<2trüh" auf bcr Seit ej'iftiert: 
alö S^^U'^^ ö^S ©emüfc, aU eingemad;tc (Srbbecren, 
fügai- al» 2uppc. Cr c^Linbt, bafj ^trcf) bcr leiste 
Uiftoff ift, nad; bcm bic ^^bemic frf^on iati^e fud)t. 

6cit acht iitageii ift bcr ^Jlrmc chm,j ber ?JJci= 
nung, baf^ fein ^Jtenfd) je einen i^crnünftigen «Sal^j 
gc|d;ricbeu bat, uub baf? t}k Si3cltf;crrfd)erin fid; 
Stumpffniu nennt. Gr l)ai c5 fegar mit 2?ßilbclni 
ill^eiftcr berfud)t, aber fold) £luatfc(> ift ibm überb^upt 
ncd) nidit bürgefcmmen. il^cn ber ganzen ^Diufif 
intcrcfftcrtc ihn nur nod) t<iß 2;rompetenblafcn, unb 
bic ^^ülitif, innere unb äuflere, ift ibm ^urft, rraö 
\a M bcm <£ianb ber gleifc^prcifc aud; im)i 3U ijcr 
acyteu ift. 

Chatte i(fr eiiimat über einen 53alcrntI3rbcr Üiec^i 

3U fprec^en, fo anirbe id; einen ^»fjnupfeii ijor, xm^^ 

icnb ober nad? ^HXjebung bcr 2;at alö ftrafmilbecub 

nebnien, iocnn id) nid;t meinte, baj$ Ci^ 3um grgi=^ 

Iprucf^ üu6reid;te. Xenii ein iüieufd;. ber einen orbent« 

lid;cu (©c^uu|)fcn f;at, ijt über(;aupi fein WUn]d) mefjr. 

Unb ielJt, meine Ocrrcu uub 2^amcn, ift fo bic 

rechte 3cit für bcu <3d}nupfen — feine fr(;i3nfte ^Müte=^ 

^eit. ^c^i ift er fo häufig, ioie (iHinfcblümrlHMi int 

^/ai. C5ö gibt fccrfcbiebenc «Sorten luon ibncn. CSxJ 

gibt n?clc^c 3. 53., bie blü(;cn nur 14 3:ngc; fie fangen 

im HüVfo an alö (»cbirufcf/nnpfcn unb ücrlajfen nn'i 

qU dk\\m bnic() ben fleinen ^>>cb beä linfen ^n^i:^ 

n.Mcbcr, nacybcm fic auf bcr Gtrctfe mel^rfad; Gtaticn 

gcmad;t l;abcn. Xa^ finb bie gctoöl;uli(3()cn ^Balb^ 

unb ilBicfcnf'i)nu^^fen, bic in ber 3^it ^h^^^ l^cUften 

^Uiite bÖd)fleu<J öuf ^toülf i^afdientiidicr ben iiag 

fonunen uno im gan^^cn i3 ungciäi;r auf IIU 

Bringen — tt)a«J einem 'iBafdjgclb lon 4 äJiarf unb 

(jü ^]ifcnnigcn cutfprid;t. Xana gibt c^ aber ©d;nupfni- 

ganliinge, 8d;nupfenbr!tliugc unh ^d^iiupfenjabcl- 

greife, bie ein Filter ton 1 2/?onat''n (^rrnriyc^n: cive 
Qciu;(* Ctf/AuvtCKuiiCiai', lUi ^clotonfcaer ücn 
(Sd;napfen auf einmal, ncbencinanbev, übcreinonbcr 
unb bintereinanber. 

(Sebr gut für bcn Gdbnupfcn ift ^rbbiirtung unb 
frifc^c l'uft. 'iDlan &at nämlid; nod) nie grfebcn, bog 
fte bem !Sd)nupfcn et^oaö gcfd;abet hätten. 3n! 
O^cgenlfit^ fr gcbfibt i^or^figlii^ babei un'b ffibft fit^ 
böd;]t ivobl. '-^a'S gleid^e gilt t>cn Stubcnarrcft uno 
innerer unb äuHcver (Srn^ärmnug. Sie fdnnbcn ibm 
oud) nur fetten unD erbü'ocn fein SföobUiefint^en. Tq^ 
'^Meftc gegen bcn 3d)nupfen fd^cint mir — fotorit 
meine t2rfabrung reiibt — , ibn mit ftummcc ^^ti' 
nc^tung 3u [trafen unb ju tun, al^ö pb er übcibaupt 
ntc^t ba irärc. 2^aci beleibigt manrfie tcn Gbrgffnl^l 
iiüD [li trollen Hd). ^ber niüa fnnu >\üiif .; 'v^) 
Öd;nuo[en treffen, bie b^*»"" fiin)f«jj\^iiA^ 



*--, — 



CiniQ 32. 



3mi aöcUett. 

,^frölf nf)t nocfitö. lieber bcr 'ißotS'batncrbrücfc 
ftcOcn röte, öJ^ii"^' Blaue unb ö^IIjc 2id)tcr, btc 
ficf) lannfain löfen unb fid) int Ircitcn üÖoßcn 
in bcr breiten (Strafte l)cxan)d)Kbcn. bi§ ^cttc, 
befdiragcnc (Sri^cibcn auftaiicf]cn unb baljintcr 
hie bunficn 'B(i)aiim boti 9?Zcnfd)cn. i^lodm^ 
,^cicf>cn iinb Sdfiaffncrrufc. 5In bcm fi)altcp(a^e 
in bcr )!ficU)c Don $n?cnfcl)cn, bic auf 53aT)ncn 
martcn ober borgeben, c3 ^u tun, ein ^aat cnq 
(Bcltc an (Seite unter einem <5(f)irjn. 

(Er: in 2lT?antcf mit breiter (Stet>|?uno, n^ns 
engen iöeinficibern unb 3^)^i"bci: r^orm 1004. 
(Sr i)t an bic breifeig alt, bom 2t){?u-S Araber 
Äerl unb „guter ^ungc''. (^r f}ai aUc Gj.:amina 
.^ür rcdjtcn gcit mit „ausrcirfjcnb" bcftanbcn 
unb irirb in feinem !re|tament fcIOft an feine 
(Snfcl benfcn. 

Sie (3nt roten ^Tbcnbinantcl mit iretfiem 
^er5fr.aoen, ein rofa Scibentud) mit (Bcf}lran 
um ben .^opf; flein, gicrlid), lebljaft, rtjic ein 
(3cf)mucfftü(f in einem 3U großen rotfcit)c:ien 
(gtui) : „2(Ifo morgen treffen irir m\v um I)alb 
elf, <Qax\^. £bcr Iiolft bu midj ab, (5tf}at^? . . . 
^d) freu' midj ja fo, baf5 2J?ama nidit mitfann, 
bcnu Jüeif^t hn, fic rcbct bod) immer rein, unb 
bann muffen irir a(Ie3 nehmen, mie fie'il tüiÜ 

— nnb cigcntlid) füKen lü i r bodf) brin luofjucn 

— tvci^t bu?I . . . ?lber icfi befteHc e-3 um, x^ 
nclime bod) CHcfrc grün für§ C^fegimmer nwb 
fo 'n ©üffct mit 'ncm CUo§auffal3, inie toir ba$ 
neulich in ber ^citfdirift acfcfien l^oben, Wzi^t 
hu, ha^ bon ^ctcr 33e5rcn§, ^an§l" 

^ c r gute ^ u n g c (fic ftrci({)elnb) : ,,'^sa, 
ßicbcficn, bafiir bin idf) aud^, hciS tüar feßr löübfii), 
igör nii*§t fo bcrrücft lt3ie bic anbcrcn. ^ielleidit 
modjt ung 2oemcnt(}aI ein ä^nlidjcS, mcnn luir'^ 
i^nt bcfdireibcn. 5(ber bic roten Oiarbincn . . . 
lac^, ^reiunbbreifjig, mit bcr fönntcn Irir lUtcf) 
fahren, tücr tüci^, tvann ber d^arlottcnburg^r 
fommt." 

(33cibc ftetgen in bcn SBögcn. ©ic borön, 
er hinter i^r, fc^r ftcif, ernft unb öoHcr SBürbc, 



um bamif s^i fagcn: bicfc ^amc ift meine 
^rauK icift hhk, meine Ferren, meine 23raut. 
Oben an bcr ;^ür finben fie atrci $Iä^e. ^i)nc\\ 
gegenüber fife^t ein ""^aar: in eifrigem ®cfpräd). 
(^r bom Stamm bcr ^anblung^rcifcnbcn auf 
Leutnant in 3ibil gefärbt. ^a§ 30?äbd)en rot, 
frifd^, cinfad) nnb fd^id gcfteibct, fic berlinert 

unb Tad}t, ha fic f(^önc 3^^"^ ^^^' ^^^^ ""^ 
bli^cnb, luic hti einem Sieger. 

^cm „guten jungen" bleibt tilö^rid) haS 
^JBort — er ift wöd) bei ben roten öarbincn — 
in bcr .^cbte Rieden: (Si Dcrfludjt, bic (Smmöl 
'2)a5 ^i)?äbrf)cn ftodtc cbcnfalTö, toirb nod\ röter 
itnb bcif3t btc 2\pt)ct\. ^Ijr alte§ bicfeS .^änfcftn. 

2) i c iö r a u t : „Ud] uTd^t b\u §an§, id) 
gc^c bicl lieber mit bir in§ ST^catcr, uiel lieber, 
lüic in (SefcHfd^aft. Qcntc hjar'g bod^ tüicbcr 
rcd)t langtüeilig . . . !J>ii. \(f) freu' mid^, hjenn 
Jrir — ioa^ I)aft bu ^^cnn ?I" 

2) c r g u t c ?i u n c : „gd)? md)i§. Sdja^I 
^a (laut) id) hadite nur an ba^ Muffet mit bem 
föla^auffa^. Ü»2ic^t? (Sine ^ac^clplattc muft c§ 
and) fricg'ji? (Q^r triumpl^tert: ^u fannft mir 
nid)t§ mcl)r an^abenl)" 

2) i c 93 r a u t (fidi on tt)n fd^miegenb) : 
^»'ülbcr, (Sd}0^, bod) nidit fo laut." 

^cr gute ^ungc (lad)cnb) : ,Sa, ,ba^ 
fann boc^ jcber f)öux\." 

^aö 2)Jäbd)cn (ba3 eine lü>eilc Tcifc gcül 
f):)rod)cn, plöt^lidi erregt): ,Mäx\, Gmil (fic 
ficr)t i^r altes, bidc8 i&änfcüii btttcnb an), mor* 
\cn mittag um a^^If faim id^ n xä). (Bief} mau\ 
^mtl, id) f>abc e$^retd)cu bcrfprod)cn, ha^ id) ^u 
tt)r fomtnc. SSirflidj, c5 ier)t nid)t, CSmil, ic^ 
muf^ feu J^retdienl" 

®cr .^anblungörctfcnbc (tnur-, 
tcnb) : ,Sa fd^ön, ober beS braud) bodj nid)t| 
bcitoc\tn jUid) bcr jan^c Sßagcn ^n I)i)rcn.' 

2)cr gute t^Üungc (mit cr^o6ene£ 
«Stimme) : ,,Sßeifet bu, gcüne Äad)ein, ober ie^ 
bcnic, nod) bcffcr rote, ifiot unb grün ftef)t tjor> 
^iiglid), auc^ gu ben ©arbinen ruürbcn bonn bic 
roten Äadicln . » ." 

5)ie ©raut: „^u, ficV mal, <^ani, ba9 
a}?(ibd}cn ba brübcn, bic ift tüofjl aud^ ntc^td 
3fcinf9?r' 

^cr gute auttßc (angftUt^) ; ,,Sfftl 

«fit i" 



(^aufcl) 
^ a 3 m äbd)cn (fd)nippifd) unb fd^arf ) : 
,.!»Zcin, trf fagc bir bod), C$;mir (fic fielet iftr alte^", 
bicfc« .t>änfcfin hahd bittcnb unh bcbentfam an). 
3cf fagc bir. e§ jcf)t nidi, idi m u f5 eben mörjen 
311 '^rctd^en! , ?d] fi^^bc e5 ifir bcrfprodicn, unb 
tüa5 id^ bcrfprod)cn f)aU. i,a$ l)alk ufi aud)." 
^cr .$an btun g§r ei fcnbc (fcr)r ru.^ 
Öig) : „5Ja. hctxn nid), licbc Xanic." 

C^dimürc ^aufc. '^ct gute ^ungc ,^kH ein 
fcibcnc§ 5rafd)cntud) auö bcr ^rnfttafd)c unb 
tupft fid) bekommen bic Stirn.) 

^ic ^ r a u t : ,,^u, iüeif3t hu, <gan?, xd) 
fagc aT?ama gar mdji, bajs id) bid) treffe, unb 
bu Irartcfr bann unten," 

2) c r g u t c 3 u n g e (fid] befinnenb) : „!^nu 
^:cM .^errgott, bo5 f)abe id) ja gan^^ bcrgeffen. 
^^d) fann nid^tl ^di fann nicfit. mimii ^df i)abc 
ja morgen (er Iäd)clt unmotibiert 3U bcm TOb^- 
d',cn herüber), morgen um 11 IU)r litermin. d^ 
QcU nidit, tütrflid) nid]t, ilJJimi. CEntKftuIbigc 
taufenbrnal (fc^r a^irtlid]), mein Heiner Sicb-^ 
ling." 

2) { e 53 r a u t (lucincrlid)) : Jln 5aft bu iric^: 
bcr Termin I" 

2) er gute' -^unge (fc^r bcbäditig Unb 
rc5rr)aft): llnb ftefift bu, (Sd)ätui)cn, unb felbft, 
mcnn ic^ nid)t ^:^crmin I)ätte; — mir fönnen e» 
nid)t; e§ trärc nnrcd)t. ^.IlUr fönnen babci bctnc 
SWutter nidfit umger)cn; ha§ mürbe fic un« nie 
bcraci^cn, SßciRt hu, mir irollen nid^t gtcid^ f o 
anfangen, nad)]^cr fönnen mir ja mad}en, 
ma3 h)ir moHen, aber fo lange muffen mir ha-^ 
:nit tbarten." 



2)^c »raut (langfam) „2)a fjaft hn au.lj 
lec^t^c^a^. (3tc mtfd)t mit berM .^anbfduf, bi 
befc^rajjcne 3d)e{bc) . . . <^u, ^an^s, )»icNni ff cn 
gleid) ^Tau9. CS ift fc^on Sü^ompla^ 7^^^''' 

UaZy ^ "^^ ^ ^ f " '^ ^ • ''^^' ^m- nnb Sgjl 
\ma?[l^^'V^ ^"^ ?rugftetgen): „2)u, f, 

Wbdicn ?" 

Jöic «raut: „iTi'ct bic , . 
h bu JFcnnft fie bon früf)cr ... ^,, ,^,„ 
. . ^d) bin bir ja gar nid^t jfe, baf{ 
JCcr gute ,^ungc (toürbeboü, boc 
^;tig): ,,Slbcr, a^Jimi id) begreife bf, 




„2ßcl( 



' fag*5 ^ 
Wer fcnii 



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) 



« 

\ 



„Stilleben'' in jloxhxuy. 

« „^dö \t)erbe ^riöatim mcincrt 

?(ufcjU^att in l)iorbetne9 
b a 5 u b e n u 1* c n , bem ^errit 
^Heic^^fanslcr unb buid) 
i^rt Seiner 3)^ a j e [t ä t nt i t * 
5 u t e i ( c n , Jütc bic ^oUsei in 
bicfer ©ad()c berfa^rcn ^at u. f. h?. 

u. f. it)/' 

?Iuä bem 53ricfc gcrbittaitb 
53 n n § tocßen bcr Ucbprnaljme 
be» 53erUiter 2:^cater^. 

^tiüe^cn in 1. 
£ li t et § vT n b 1 u n 3 : bei: Stiaiib i^on 
9?orberueiK ce geht eine frifd^e 5^iife. Oicid)iJtaii;i(cr 
gürjt l^üloiv, mu" ihmi tcm iucltbiftcrifificn 'l^urd 
äRüf^irf^cn ^eijtcilot, fifn'oitet Ivingfam unt clciftilrf^ — 
giirftcu „icfiveitcu" immer, iiiib raö iuh1> jtcte elajuiu; 
• — bic Strciiib^rcmenabc entlang. 

g ü r ft ^ ü I ü m (für firf>) : 3Bic kniid) ift c^5 
Bier, fern tcn 9}2aCrib. (^(iifatment ) : S^m Bin ii(; 
?J?en|cf>. (neu bavf icfr^ fein, ((ir n^enbct [icf; teut 
3)tecie 3u): 

_^ /2:6aratla! 3:r'afatta! 

!- ^ei mir gcgriiRt, tu cirigeö -Dieei! ..-, 
\ .* Sei mir gegrüßt 5Cfnitaufeutmvi( 

l'lu^S jaud)icntem Öerjen! ij 

gerbinanb S3cnn: ^'er^cißen, ^urcf^Iauc^t, 
miwe^uL- iLc^ .tü4 nicinej:? 53cuu — gcrbinanb 
iöcnn ! 

% ü r ft 53 ii i m (in ÖJebaufcn) : ?[6er natürücf^, 
niGtn ^ic6cr, rei^cubc ®tabt — gan^ lei^^enbe v^tabt. 
^einc äj'caieftät, ber 5lrcnprin3 Ijabm [a fcgar ba 
ftubiert. 

gerbinanb ^onn: ^^erjei^en, :Xurdf>taud)t 
— ic6 fprad; nic^t ihmi ber <S t a b t ^cnn, fcnbern 
Den mir, bem -X f; e a t e c b i r e 1 1 e r gerbiuanö 



^cun. 

g ü r ft 5B ü l ü ir : 5(5 Unrflicfi, fe^r intereffant, 
mein lieber. 3Bic Icmit' id; aud>i 

gecbinanb 53ünn: 3«, trie i cf> beu bec 
^cli^ci bebaubelt ircrben bin, ift 3(;neu bod; befanut, 
XurdilaudU? 

8 ü r ft 5ö ü ( c n? : ^^^ligei ? (fid) bermnenb) : 3a, 
ic^ babe in meinem ^cbredfen ta'ccn .^enntn-iig ge- 
nommen. Xk iöebijrbe ift in ibrcm H>fUd;teifcr . . . 

(Stilfebc^m in 2 

gcrbinanb ^Bonn: ^^cin, :XnrdBfau6t, Sic 
lönnen baö unmi^glic^ mit ^fUd^teifer entfd^ulbigcn. 
Unb be^n^egen ined;te id) Sic bitten, 3^urd>Iaud?t, 
Seine iüJaieftät tcn biefem — fagen nni' nülbe — 
„uittgcbcrigen" Sl^orgebeu geg^n micB ^erfönlid) .... 

g ü r ft ^ ü ( tu : Slein JiÖcrt nunter, alter 
greunb, — Sie triffen yci, ivcnn icf) 3(,nieu irgcnb^ 
une gefällig . fein !ann .... 

gerbinanb 8bnn: ^^{ mmm Xant, 
btr |>imniei b&ne e?. (516.) 
^ g ü r ft 33 ü ( n) (pfeift SUJo^rd^en, bann für m : 
L....^ 2:ag biefc güüc bcr ©erid^te 
Ij' ■ Xn trocfnc Sc^tcicber ftören mu§. 

(SgBert v^ulicfe: :^rd5>Iauc^t, -jEttr^fai^t 
^— h?er ^ätte ba^S ä^bac(^t! 

g ü r ft 53 ü 1 lü : mein öerr ! id^ irüBtc md;t — 

Egbert Anliefe; 2(6ei: 3)ur(^Iaurf;t, hjiffen 
©ie benn nic^t mc^r . * . SSie iütr bamal^ in 9?onr 
inv Cafe greco 53rnbcrfd^aft getrnnfen baben? Unb 
im'wml l'\\\ \d) bcd) ju bem (^inpfaucj bei S^imn 
auf bem Outrinal getoefen; unb bic 150 Sirc, bie 
muffen Sie ijcn mir immer ncci& n?iel?er!riegcn. Unb 

g ü r ft 53 ü U n> (erfreut): ^^ ia, lieber Zuliefe, 
l>ic 150 Sire (lad^enb.) 2)ex Uebel ßrij^teg aber fmb. 
h^ ^ie Sc^ull^en. 

Ggbci't $lult(!e: 3a, aber *-^ ivie feil \^ 
Jlf 35ncn benn n?iebergcbcn, iüenn man burd; gc= 
meinen 5?rotneib fo unerhört gefduibigt tcirb? Xm- 
!en Sie, !lurcblaud)t, bic 3urv bat meine grcj^c 
Sd)cpfung „9?ero auf ben ^uiimmern 'ocn ftartbago" 
jurücfgemiefen — ^urüdgelriefen, a(ö eb id) nid^t 
ein Slünftlci i;cn 5?erbicnftcn^ fcnbcm ein ^beliebiger 
.Sd)mierer ivärc! 

gürft 53 ü (Ott? (nad)ben!lidf)) : öabcn li:ir uid;t 

in §alle gelernt, \)v\fi eö 9)?ariu^ tt?ar ?! , , j j^ 

Stiücben in 3 ^ : -^ 

GgBcrt flulidc: gjJijgüdi, iTurd^laue^f, ^ 
abti )}hvo bat nad; 3}?cmmtm im Oafjrc 73 nad; 
C£[;rifti feine Scmmerreifc and; nod) ^lartfyago ge^ 
iHÄ<^. 3a, — unb trenn id; Xurc(^(aucbt nun um 
ein^ bitten barf, treten Sic bei Seiner SJtajeftät ta^ 
für ein, ta^ bic 3ur\) •abc^cfdiafft trirb, unb bann 
lönntc ijielleid)! iOtaieftät burd; 31&i*c gürl|.uac^e l^ei 
jeinen leicben 5(ufträgen! — — i—^ 

gürft Söülon): $!ieber alter gicunb, li\i0 
on mir liegt, bic f4>äblid^^e (5inrid;tu"rtg t^r 3uri\ Tic 
teu frei fcbaffenben (iVniuä untcrbinbet, ab^ufd^affen, 
feil gefd^eben. Unb mit im Slufträgen, — ba 
xihm n>ir nod; brüber. (9Jiit ifetenung.) ^(bieu — • 
.t^err — ^^^ r o f e { j c r flulide, (Cfr |?feift ?Jcc(;r- 
rf;cn xm\) geht.) . * . . ^ 

Ggbert ivuHdfc; {^ani In mt — Witv!, 
3:urd;lauc^t! 

• g ü r ft 53 ü (-0 113 (ilc^ umbre^enb) : , Unb iai 
mit tm lüO ^irc f;at rul;tgi biö' ^um erftcn '^uguft 
^cit. ,' 

gürft 53ü(oU) fi^reitet auf bie 53abeanftalt ?u. 
3)?att ^i5rt baS 9?ufen uni) 2ad}m bec ^abentcn.. 
(§'«-|i^>4 — ^^--^ — 'ZZr^'^^"^ " d 

^ci eben n?irb_mit-?ief+'1Inb^uft Bencmmen, ,J 
t 3i^4*öi!'f ivobl_bci £U£i^ ein llnter^^ 
' ??adb einer 53citc Irin er au3 bcr .Sabine unb 
iaudvt mit glüdtftra^lenbcm d^-M in bic gluten. 
^Ii3ulid; fd;äumt e-g neben i^ni auf, unb iemanl> 
ipaiiM beni güvften mit ber uaffen $anb auf bie 
gdfniltcr, ..^^^z m' ■ - •♦n.^ •. -V 

I ^ec 3emanbi3 ^iCi^ 53ern5aib, e0 ift gut, 






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iStimc6en in L 
g ü r ft 53 ü 1 n) : 5ßer Bi[l tu, furd^tbare« 

GeFicbt! 

2ier Sem anb: ^Il^er Sem^arb, tveijlt bu 
tum nidht mehr, nne 'tin bicft . . . 

g ü i ft 53 ü U 11) : Üu fanuft rufjig Sie 3U mir 
fagen. 

^ e r 3 e m a tt b : SItfo — na Ircnn Sie meinen 
' — U)ic Sie \\&} inmier amüfiert liaben, irie id^ bic 
.^anbfc^rift fcon uuferem ÜJeegra|>^ieleI)rcr, bem alten 
Üauiel, na^gealimt l^abc? 

g ü E ft 53 ü 1 ü 11) ; 3efet — ia — natüilid^^ ! 
5Sic gef^t'ö benn? 

^ e r 3 e m a n b : Unb nun I^abe idfi yn meinem 
3?crguügen [cld^ paar Unterfdbriftcn Den 53efanntcn auf 
5:^'ed>felfürmulare gefeist. 9^ur um mid; ju üben. 
Unb bcnfen Sie, Xurc^laud;t, meine- grau in ihrer 
3erftreut^eit füllt bie S^ingcr ausJ unb gibt fie lucg. ~ 
Unb nun lüill bc* ter ©taatöanicalt .... 

g ü i ft 53 ü 1 ü U3 : Zi) »crfte^c, i d; terftebc bid\' 
aiter 3uuge. Staatöaniualt linrb abgefd^afftl Tout 
coniprendre c'est tout pardonner — allciS bei= 
\{t{m\ ift aüeö to^r^eiljen. 2(uf 5öicbepfel;en. 

(gürft 53ülciü Uwi)i unter unb fd;nnmmt, um 
cnblid;. ein paar Scfunbcn uugeftijrt ju bleiben, eine 
«Stretfe unter 5Baffer.) O. H. 



i 



^i»v .«, a?!Cl>crfnm * . • 

hjfc mib injcnbinaiüi ctnmat ein hö\(*^S (Snbc. — 
CS fcficint, als cb ba6 tu il)rcc Platin bcf^rünbct 
ift. Unö fo pffciic'.i oud) Mc mciftcu Jcricn^ 
reifen \äi) unb miftlid) burd) bic JiHüdfrcifc untere 
htc^(X^a\ iinb oöftcfdUoffcn 511 irtcrbcn, nni^ ba-S 
Itcbc, 3iir ®(?lDo()nl)cit gclrorbcnc 9Jidit^:5tun, i^ai 
nur buvd) bic CSt)pcTufcit ober öicUcidjt burdi bic 
5Pabc3eit flcrenelt mar, finbct feinen ^Ibfd)Iut\. 
uub man fpa3icrt gäfincub unö unmutig ttJtcbcv 
jurürf in ba^ ölte ^oä). 



1 



(fö c^'iht ^\v>(tt unaufriditii^c unb lucnin glaube 
Iiafte ,'JnbiLnbuen, bie bcl)auptcn, ^a^ fic ^ct\x 
arbeiten, ba)i, fic fid) auf ifjrc "t^lrbcit freuen, 
unb ivaS fünft nod) ber bummcn JHcbeuyartcn 
mcf)r finb. ^d) perfönlid) faun mid) bei einem 
9J?inimum iiou ^(ubeit unQcIicuer )^)oX)i füf}ten, 

^?ein .^cr^^ensmunfd) ift c-^ bev()alb, einmal 
nad) ©üb*$D?er;ifü ^u ^ic^cn, bcnn irf} I)abc in 
einer ^Keifebefd)reibun3 ßelcfcn, baf^ c» ^a 
irflcnb eine <3iat>t am 03olf gäbf, bic fo ibJiQifd) 
Iräre, ba^ ein ^Tag Arbeit im ^a^r öC""9^' i^i" 
fid) 3u crf)alten, unb baf^ bort ber, bei* uicllcirfjt 
fünf '^(x^}C im Sa^rc arbeitet, mit Sluglncifutifj 
bebro^t irirb. 2)a iv'xU. id) {pätcr mal ^in^ieften. 

'iJlbcr lommen tinr ouf bcfagtc $ammcl aus 
riidf, nämttcf) auf bie, fo fachen, fic freuen fid) 
iricbcr auf i^rc ncrei^ltc 3:ätiöfeit (:^äti(ifelt 
nennen fic i()r Jvlicöcnfani^en in. bcn ^ureaui:!), 
unb fic bättcn nun nad)flerabc ßcnui] bon ^^er* 
neu unb lüicber S3eroen, unb alle ^üncn luären 
ja fanbij^, unb jcber ^A^alb I)ätte ja nur ^äume; 
fic lüofltcu nun iuicbcr nad) |>^iM"Cf unb fic 
fel^ncn fid) nad) ^i^erlin. Sie natürlid^ ^abcn 
für hai, lürty id) f)icr fagen lucrbe, fein Crgan; 
fic lüiffcn nid)ty bon ber grauen itatcrftimmung, 
bic un5 fcinerbcnerbte SDUtbürgcr pacft, menn 
iüir 3urü(ffcr)rcn au3 bcw (^rünben unb SSäl-- 
bcrn, jurüdf bon bcm »fersen jungfräulid)cr 
Statur, öu bcm Irir cy unö fythcn lrof)l fein 
laffcn — unb fd}on am ^5aI)nriDf empfängt un3 
bicfeS alte Ungeheuer Scitftabt, mit feinem Qie? 
triebe, feinem ^urdicinonbcr, feinem Öärm, 
feinem (Btaub, mit aH bcn !P^cnfd)en, bic ti fo 
furditbar eilig fiabcn,^^ irgenbmic burd) bicfc^ 
fragmürbigc Safcin ^u fommen. 

5Bie betäubt fal^rcn ober gc^cix toit nun 
burd) bic altbcfanntcn ©trafecn, unb unfcr JKicrf)^ 
organ ift belcibigt: auö jcbcm Steuer ftcigcn 
anbcrc ^üftc; fonft l^abcn mir ba^ nie fo be- 
mer!t. ^ie 9}?cnfc^en fc^cn alle mürrifcf) unb 
bla^ öu§, öabcn nidjt bcn roten, gefunden SCn* 
Iftrid), btn Iüir brausen fairen; alles 2a\ib fd,ctnt 

;»t(»ubrwJnb: bcm fnlhcii jXob gtfiDcihti ,^it ^» 



i 

6 

1 



mb tüäl^rcnb mir borbcm -^ r\od) gcftcru 

ncKcidit — cingefungen rourben burd) ba3 

SJrudern ber CucIIc im SCÖalb brüben, burd^ ba^ 

ftaufd)cn, baä bon ber i&ö^c Ijcrqb über bie 

ßipfel fortl'tric^, fingt \t^t nn^ bttS ©eflingel 

)cr ÜÜL^agcn ein biSTöarmonifd)cS (Sd)lummcrUcb. 

Öorbcm mufetcn irtr gar nid)t mef)r, bais unfcrc 

/^trafec SJa^nberfe^r W, utib T>cutc nac^t fa^ 

ittn hjir acfinmal l)od), befinncn un^ mür)fam, iro 

imir iinb, unb fludjen iric ein 5türfc. Unb bann 

tiorgen ba^^ alte ^od). 2:cr Sl^eg burd) bu3 ^ 

,iühibini fdie .'So^t. ^en bunncmalig^ icjiltcnjtc^^^^^ ._^_ 

gingen, ift ein heblid)cr ^t»ö3i3cgüng haacgcn. » 

<S:^ finb bicfelbcn 05cficbtcr miebcr; man finbct 

aud) feinen alten <Bi\M unb feinen alten Vlr^ 

bcit'Jplal? unb all feine Sorgen imb feine rrcin-^n 

Hergerniffe, |ic ^abcn )id) munbcrbar fonferbicrt, 

-^ [ic finb fogar Mdcr unb fettcv gemorbcn. Unb 

bic lieben ^Vorlegen finö micber ba, uwb jic 

bieten unä eine ^^^igarre an unb fragen: ^^m, 

' h)ic inar'^? C^3 finb neti«: Xfcute, unb lucnn irir 

ftcr^cn, laufen iie jid) md)t lumpen unb fdjicfcn 

unö einen greifen iiran^, unb febcr briicft Der 

untröftlidicn aUrme bic <Qa\x^ unb bemerft, ba\^ 

gcrabc c r fid) mit ifircnt gclucfcnen Spanne bc^ 

fonbcrS gut gcftanbcn l)abe. Unb $n $aufc, bi 

tritt ber alte molod) «pau^^altung micoer an 

uns r)cran, unb bic Äinbcr braudien ScCiul^e, 

unb bie Srau löd)ert einen, maö man aum fD?ittag 

ttjin ?(d). tt»ic fd)ön trar'5 bodi borbcm. ba lebte 

man cdyi biblifd), nidrt f)cibnifd\ unb ba fragte 

\ man ntdit: 2i^a^ trollen irir effen, maa motten 

mir irinfcn? — fonbcrn überlief bcn anbcrcn 



— I ■»■ W I>i W 



/ 

Jtc Sorge für fein lciblid)eö ^iBo^l. .t^öt^ftcnJ 
faf) man einmal in 'bk Spctfc!artc ober füm^! 
merte fid) barum, ba\!, c^ mal micbcr gorcttcn 
gäbe. i?lbcr je^t icbai .Tag: was millft bu 
cfien? (5Jcrabo, al^3 ob man ein <^eibc märcl 

•J^odi nad) einer 2i^od)c ift aßcg iricbcr im 
olten 05reit^: bk gcfunbe ^arbc ift fort, aud) 
fällt bir nidit me^r auf, bafj au^ icbem Heller 
aubere (iJerüd)c auffteigcn, bie Gleftrifdic ftört 
btd) ind)t mcl)r ufm. ufm. ^cr 2^enfd) ift eben 
ein fcltfame^ S&cfcn — er gcmör)rtt fidj an 
aüc^, fogar an i^Iin unb an^ Slrbcitcn. 



r c g r. 



^<C ^Itltrr-«' 



T 



ttt 37. 
Beiblatt. 



I 



V« 



r 



Die ITIitarbeiten 

in. 

^crönternc. 
' SSic Üommt 6ö«I unter bte 5pvoj;>5ctcii? 
SiHrTtt^. cc W ntdf)t)3 Don bcr (Mcfe^t^eit, bcu 
cmig JtJad^cn 9^crtJcn bc3 ^agc5fcf;i:tf!]IieTIer3 — 
ber ^ntcunc. CDr fommt ia(^Vi^) ein pttör Ghin^ 
^cn auf btc 9tcbrt!Hon, um Mc anbeten burdg 
frcunbliciöcS gwtcbcri öon ber löcfc^äftiGun^t a5^ 
ou-^ölfcn, tpäfjrcnb ßc fid^ fctbft I)ci einem blxwU 
ntum bon ^frbeit iinne^cncr ttJo^t fül^Icn fann. 

3m 3citung§tocfcn tft er ba^jct abfolut 
a5mmöSlo5. ^l* lic&t geitungen üt^evl}au|jt 
nid^t; ba3 ^^catcr nennt er ibiottfdj, iinb Uon 
ber ^ßolitif l)at er fo biet Söcrftänbntl jvic bie Äufj 
fcom <S|?amf(iöcn. 

„5!cö hPill 5?^^^^^ ctlpa3 f<^rcil)cn, iDcrtcr .öcrt," 
]a%i er, ^cinc ftinimb feine (5acC;c ütH:r btc 
5p|i)d)oroflic ber ÄraQcnfni^bfc-'* 

^,«Sdjdn/ meint ber JHcbafteur, ,,)(^rcibcn 
wie « • • • 

5lbec er fd^rcil^t nid)t5 , » . ., er cc^ä^U nur 
ac^t ^agc long, bofe er ettuaS f«3)rcibert lüirb, 

^ai er aber einmal cliua5 ßefdjricbcu, fo ber« 
fid^rt er aUcn, bie c5 ^öwn unb nidjt Ptcn 
molleit, bafe e^ ^ü^ ^eftc ift, lt>a3 er feit lano^ii 
Seit gcmad^t bat. 

!Dcr ^Interne '^at nämlid) bie irrige 2rnfcf)au=! 
ung, c3 ßä&c ctftjoS ij)ö5crc5, luic für geitmtgcn 
au fdöreiften, unb Jüur^clt für fi(5 an btrfleibigcn 
9?omancn, btc nie fertig lucrben. 3n tl)ncn iicf)t 
er feinen ScbcnS^toctf, QJcgcn atte^ä ^d^reibcn 
fonft ^cigt er nur eine füuöcränc 5öerac&tung. Cfr 
tut aud^ n\^ einen flfhibcrfri^Iöjj mt%u toit gc- 
rabc nötig, um feilt Sebeitaifdbiff» \^a^ nodj burdf) 
Heine unb ^wfse ÜJäfte aicmli^ ftarf bcfradötct tft, 
im 3ettcnftrom boriüärtö au bringen, 

t§ot ber tcdjtc Soumalift cigcntUd^ gar feine 
%x\taitg\\itxi^, fo ift ber Sntcrne bagcgcn gaii^ 
•^t^ribatlcBen. ^axx mcrft ba§ aw allem, ioa^^ er 
giöt. (Sr ficr)t bie SSelt nur bont ego5cntrifd)cn 
<5tanbunlt au§ unb lümmctt fic^ i^tn Teufel um 
baö, Jt3a3 hie anbcren angebt. ^tgcntTic^ ift er 
eine önartfjifcf)c S'lahtr, ol^nc Sfd^tung bor irgcnb 
ti)3ia^ im $immcl unb auf Grben, aber eine gc^ 
totffe gettfc^d^t bon S3on§ommie unb ^l^äbigfeit 
bie grcubc am ^mifd^eu löfct \ia.% nid^t fo 3ur 
©eltung lorttmcn. 

Unter gel^n S)ingcn, bie er gcfd^r leben, ift 
immer cincö, ^a^ auä bem SÄittcImafe l^crborragt. 
itnb biefeS eines 6türfcl toegen nimmt man üht 
fonbcrlid^fciten mit in bcn 5lauf. 

2nic5 in aUcm ift cc recljt überflüffig, ein 
Su^pferb in i>c\x D^ebaftioniSftallungen, ober 
nton mö^tc il^n ungern mlffen, unb c3 mürbe ouf- 
foücn, toenn er fel^Ite. (!h: ift ba« „i'^Xü^feldJcn 
in ber Seitung. geber mürbe \>t\\ S3ud&ftaben 
(nx6) fo für „K" Icfeil. ober c3 Ift bodfj ganj nett 
unb luftig, luenn'f ^«^^t I Gregor. 




-*— 



— ion bcr ßicbc, ahtt fott^ hrtrbi mit (S^tDcigen 
übergangen. * 



rtahcntfcl)cn üöüitbniffe^, mc^r als bcc f^öni^nfci^en, btc Wd^opcnfiauct fonft für eine tlü 

iicnbftc ^ro<3e6; cg ift immer iinb überall auf^^I«mcnfo^I Italien luürbcn, fcnncn i^tt beg^alb 

öcr $ö5c baö 5t^cma, flaut ntcTjt ab, c§ befd^äf^^^tnb red^nen t^n unter bte ^^ilofojj^cn. StudC) 

tigt emcu guten ^ctl bcr 2;?cnfd)5citunauggcfct{t,i^at (Sd^openl^auer btc böfen Äonfequenaen bct 

inib jc^t bor aflcm, ba btc SRadjttgaKcn fogar am Siebe gana rid^tig crfannt unb bte '©ad^e fo als 

^ögc fingen. €bcr glaubt in unfcrcr auf.cinc STrt (sd^IagfaHc bargeftcHt, bcr SBcg 3^ ^^^ 

Öcrrartcn3citntcmanbmc§ranbte9?arf)ttgancn?if^ mit 8u(fcrplä^d^en bcftrcut, aber e^c man'ö 

ScT) lege icbc geltJÜnfc^tc cibc3ftattrtd)c ^ct)xd}c^M\ci^ Derfic^t, fd^Iägt über einem baS 9le^ ä«^ 

rung für t^rc ^rMicns ab; td^ l^abc ftc fc()on fammen, unb bann toirb einem langfam aber 

gcftcrn glurffcn unb trälfcrn l^örcn, atuct ©türf, fic^cr i>aS.%cU über bte Clären gesogen. <£r ticr^ 

btc fidf) anthjortctcn t)on atoct (Bdcn beö fttffcn gafe aber au fagen, ba% ßtebcSpaare für atts 

I Wartens t)et. ^^n ^j^^gr fürcinanber unauöftd^Itc^ finb, itnb 

Sibcr hJäl^rcnb td^ nun herinnen Jptll, befättt ixt^ infolgebeffcn um bicfc ^a^rc^aeit gute aioet 

mid^ btc Stngft, unb td^ fommc mir Dor, luie jener ,2)rtttel bcr a?lcnfc^]^ett uod^ ungcniefebarer tüic 

5?arr, ber ben Oacan mit feinem 3i)Itnberfiut '^^nft finb. 2)ic berfalacnen ©petfen fttib an bcr 

au^frf)ö^fcn hjoatc ^^ ) ,!£aQc8orbnuna. man hJtrb nunmehr fd^on rem 



1] 



, .,_, ji^ageöorbnung, man hJtrb nunmehr fd^on rein 

3<5 mörf)tc nämltd:) ettvaS übet Siebcöbaarc P^ ®^^^"^ ^^^ ^^""^^ "^t f^^^i^^'Z'^ ^f^ 



fd^rctben; man §ört fo locnig tjoit tönen- man ^^^^^'^ *«*^"- ^^ ^" @efcf)dften hnrb ntrf)t3 
tttcft nur bon t^nen, mcnn ftc Jtjic ^Brin;» iöamict ^gearbeitet unb bte jungen lWabd§en bttten um 
'^Iflt tf>rcn «erftanb Imxtxen, unb fo gtuci arme plaub, ha fte in« ^eater moncn. ßiebeSbaarc 
bummc S)ingcr, bcncn litan tpcbcr ®iftc nodi fl^"^ ?*^*^ unauSftcl^Iidö; man gcl^t bc§ 5lbcnb3 
«dncftlDöffm ttt St.» Ä^..K ^^t.^^ r^wx. . ^ !;n^*4*.rr.« nttih h^tiW iifier feine ©cfdbäftc 



öummc ^tngcr, bcncn litan tpcbcr ®iftc nodi ff^"^ ""^ unauSitc^lic^; man gcqr c 
©d)tc6h)affcn in bxt $anb geben fofltc boit Wirren unb beult über feine ©cfd&äftc 
btcfcn berfängHdjcti :3nftrumcntcn fdjlcditcit OJc ("«d), mau fefet fid) ntc^tSa^nenb auf 
brauri) mad)cn; hjcnn ciitc bcr betben Parteien /eine Söan! am 2»egc, plb^Ud) fielen 
|mit einem ^pi^cn Csnftrumcnt ober einer beiftcn '3*^" ^'^"*^ ^"f ""^ berlaffen beleih 
^cn tyiüfftgfeit bcr anbcrn bch)cifcii hjia t>an I i>iö* ^^^ ^^^^ ^^^^^ S)umm5ctten. 2)tc ©tinr. 
fc i^r für bic ^aucr biefcS (^rbcnbafein^ unb ' "^""6 ^^* ^^"' ^" ^"^^^'^' ^^^ ^^^"^ Slntoefcnl^ctt 
je näd)ftforgettbcn l^fconcn ctnaig unb aücin f**^^*enb loar, unb bamit bift bu au§ ber ©tirn^; 
laugc^örcn f}at unb tvmn bei a ober b, luic 
! W) fctgt, bic i?tcbc fcincrfcitg bleibt unb 
\ l^^ialb fdjmoflcnb bei ©citc geljt, bort^in, 
cJOicgenfät^c fidi auöglcid)cn — bann lieft' 



er 

lüO 

ntan 



I 



ftörcnb loar, unb bamit bift bu anS ber (Bt'inx. 
mung, a\i§ bem S^f^ntmen^ang mit beinen ^c^ 
banfcn unb fd}iebft bid) toicber bcn 2axcn >^^^ 
5ßeJtatcn 3U. p 

3)0(^ eg gibt 2(u§na^men unter ben Siebes* 
paaren, aber fic finb fetten. Scromc Ä. Scronic, 
i bcr feine cnglifcfjc fgumorift, ^at einmal eiit 
^ f old^ee ??ärd^en beobad)tet. er loo^ntc auf 
einem J&au^boot einen Sommer lang, ba eö 
unentluegt regnete, e3 fiffcltc am SWorgen, c3 
fd^üttcte am mittag unb c§ goß am 5lbcnb, 4tKil)- 
renb Solide für bic S9clcud)tung bcr Ufer forßtcn. 
3ebcn (Sonntag ^oö^n bc^3 Wotqtn^ unjä^ltgc 
üiebcöbaarc in bcn Iteincn booten att ifjin 
borübcr bic 2:^emfc hinauf, luftig, bcrUcbt unb 
guter a)iugc, unb am ?lbenb famen fic trietenb 
Aurüdf, miömutig, berjanlt, unb fd)riccn firfi 
(S)robf|eiten inö ÖJefirfjt. 9lur cmntal sog cm 
$aar am Saui^^^ot borübcr, bie bc« aibcnbsJ, 
ausgcnjafdicn ebcnfo luftig unb glüdlid& Ifcim- 
famen, rt)ic fie beS SKorgcnS auggejogen tparen. 
Unb aud^ mir ift mal ein «ftai; fold)cr feltener 
mqtl begegnet ein iunger ^erl, biellctc^t ctn 
Jnäenicui, unb ein Xing bon 19 3a^rett bie 
hinten auf bcr (Sleltrifc^en ftanben, ^m^'^^n^' 
S unb 3reube, jtuci bt(b^übfd)c ^ienfd,en- 
litbcr, bic cinanber anlachten. UnD a ^ fic 
an öer nftd)ften <oalteftc((c abftiegcn, mn tc td) 
Snen uadi unb gab tDncn meinen öruv unb 

TZ ^^ünidic mit. eottft ^^^;j3^.^^^^^^- 

baarc unauöftc!}ltd) für btc mxttvf, ^ , 






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%'m»ii hnfei («rtoa" aTtaeiaix- 




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ic gctcttt, 
/ten Äarte I 

fetcttin na(3^ , 
/üblich uom 

Jblic^c mucu 

fan^potit bou 
4 3)la0beburö, 

!.u. ir. 2)ic 2Ba0cit toetbcn 
fi#^t ttQ(*. imb/bon bcn 



rSl— 



2«. 3atiuar 1907, 



ibtiUt tiuc .S'i.KlJtBürftcIliui» 3i'n«"f'f« «'"«* J^}^' 
«■rtcnfteu «itbim.Ifinftlet«. lic «ciftcUung ieBtnnl 

Hill 12 IUh- t'i*!«- ß« ')>^''"' ''"'"*" '■'"''«n'.« Sf«l'< 



Der mobcrnifierte 
Strutpipclpeten 

^)ctcr burd) ein neues ^inbcrhid) d" ecfc^jen; 
aber maw i)ai feinä öefrf)offen, baS i^m an bie 
Seit« au )HUc\\ tüäcc. ^cnn, iücnn man fid) aud) 
nar bauüber ift bafe bc5 alten §offmanri^ 
Struiülüclpct^r mit feiner ?Ibicf)rcdfung§t^eorie 
buu(l)au3 cr^ic^Iicö 8« tjcrtüerfen ift ja, mcnn 
imn aiuf) bic cinäelucn (äJeidndjtcn für untra^r* 
fd)einltif) unb nnmoölid) crflärcn mufe, fo^t 
boS md) trieber fo biete S^oraüöC bcr Ieid)t 
faßlidKn unb luftigai ©arfteHnntjSart m SBoct 
unb 93ilb, bafe — aud& menn fein Sn^alt unS 
fvcmb öcitorben ift - c3 feinen 2Bett at3 Ätnbet^ 
bnd) faum berlicren tüirb unb verlieren !ann, 
unb bcStregen ift eS nur frcubiö 3U Begrüfectt, 
irenn bcr JÖerlag bon Ilürjnelmann unb S^uHcr 
in 9loftod eine 9leuau5öabcbeS „(Sttumtoel*. 
petcr ö«mnftaltct ^t, inbcm er bie emaelneit 
(iJcfii)irf)tcn beg 33ucl}cS bcm moberncn (i^mpftn^ 
bcii unb bpr allem bcm mobcrnen fic:6en anoepafet 
^ai 53efonbcr3 ift atvcr biefe SfJeuau^ßaf^e ^m 
loben. tütU fic audC) bcr mobernen Ißäbagogt! 
5ncif)nunfl träßt unb cnfteHe ber ^bfd^redfunö bie 
«Infcucnmg 3"^ 5Jad")a^munö fefet. 

^a ift 3. 93. bie CSJcfc^icT^te bom etrütütüelpcter 

pdjftfclbft. 

dämmen liefe er nicf)t fein ©aar, 
ßöntjer aU ein ßanacS Saftr. 
m$ bic (Altern nun öon bcr unü6criüiubbarcrt 
§(6nci0un0 beS Knaben ö^Oe« ©aarlämmen unb 
.fdjnciben fidf) übcraeußt ^aben, nehmen fie üjm 
einen Älabicrle^rer unb laffen ^^Jcter bie C-dur- 
tcnteitec cinbläuen. US er nad) einem ^a^tt 
bann bie C-Moll-SConleiter bon rüdmärt§ bc^ 
5c rrf d§t, bringen fie i^n nad^ 93etlin unb laffen 
i^n eis 5peter Ötoan Hnalp^abctonjitfd) al3 
2Bunberlinb approbieren. (£r toirb ber Äiebling 
bcr öornel^men ^amenmelt unb ernährt fürber 
feine alten braben Altern burd^ feine Äunft. 

gtudö ber bitterböfc griebcrid) nimmt ^itt 
nid)t ein fo fd^IimmciS Snbe. 

„^t fing bie gliegen in i>txn ^a\xi i 
Unb fd&onte ni(f)t bie Üeinfte 2^au0/' 
<J)ic eitern aber, bie ben Oana bcr 3^« 
rtdfitig berftcl^en, forgen bafür, l>a% Mefe öon 
i&oufc l^er Qlüdttid^c ^nlaße beS Knaben md^t 
öetfümmett, unl) fefeen aHeS baran, um ani 
Srieberid^ «inen tüd^tigcn Sloloniatbeamten 8« 
mad^n, ber - in fünf ¥^;oaeffen frei^- 
fjjrodöcn — ben ©tola unb bo« ©lud ifire^ m* 
tcrS Bitbet. 

au grci(5er Seit lüerben ^r. 93ra5m unb 
DFlcin^arb auf bie eigentümlt^e S3egabung beS 
i ^8ap|?elp5ilipp" aufmcrifam, ber ol^nc gtüeifel 
' aU ein nerböfeS, peröerfeS, :^t)fterifd^e8 unb im 
^anm ftnt! crbti($ belafteteS ^inb anaufe^en ift. 
®c. ©ra^m bietet i^m bi§ ium öollenbeten 
18. fiebcngja^r ein SWonatSgel^alt bon 750 aWarf, 
tüä^tenb IRein^atb ein fold&el bon 1000 2««r! 
äo^It. 2tl§ 5p^ilipp enblid) in i>tn ^^ammcr:« 
fpiclen 8um erftcnmal ben „€)^toaW Ireiert, 
rcd:)tfertiöt er tro^ — ober gerabe toegen feine« 
(Sprad)fct)ler§ düt auf il^n bon ber ^riti! je^ 
festen i&offnungen. 

S)er (Suppcnlafpar toirb nacÄ^be 
^d§ cffe meine ©uppc 
»ein, meine Suppe efe , 

bort feiner ÜRutter gefragt, h)ariy[ 
nidjt cffen tooUc. „SBeil, liebc^ ^ 
trottet er, „bonberncucrci 



*^»%. 



ein ri(*iig« Schnupfen ift für aüe SGßelt ein H^c^fl 
Jumoriftifc^cr 3uftonb. 9?ut für einen nic^t, für 
ben, ber ifrn tat. $)al ift nSmtid^ ba« S^tole on 
ben mdften fomifc^en S^ingen, bog fie gmar für ben 
dritten ungemein ulfig pnb, aber für ben, ber fic^ 
perfonlit^ mit i^men %\\ bcfaffen t>at, ein verteufelt aiibere^ 
©erid;t auffegen. 3t^ finbc e« immer fe^r amüfant^ 
irenn ein onbcm nic^t aul ben Äugen unb öu« 
bet iftofe fe^n fann, «nb im CaHfc eine« %t\^^ 
ou« v(n »erfc^iebenen tA\6^Xi |e(itt »etfc^iibeiie 
2:af(^cntü($er ^eröor^ieht, in bcr gangen Sonffala be« 
perlgrau unb in all^ ©rögcn — bom 3ttjcimarf- 
jlücf bi« ivm 9toütuc^ — ; unb trenn er bqu feinen 
€afe gu (Srtbe Bringt, »eit fein Q^^irn eiugeroftet 
ju fein fc^eint, unb, toenn et enbJic^ toc bem 511^- 
f(^ifbnejmen noc^ |meimoI nieft, ba§ bie ^Jintcn- 
fäfi'er bom a:ifc^ fliegen . . . fo ift baö immer fe^r 
füfiig — fflt uns. ^Äf- •«^' 

$tScr für ben örmcn jtcrt? Sr ^atte bie ganjc 
3fit ba« @efüf)I, qI6 ob i^m bic 9?afe langfam gum 
, ^cftc^t ^eröu«gefd^rauBt trüfbe; mit fangen 9?aücln 
jjieffe (obct fagt man pietfte?) alfo |jtcfftc man i^m 
burc^ bie <Srf;lafcn, unb mit ganj langen bur(^ ben 
^intcrfopf. ^or feinen me^lcibigen ^Tugcn f(^n?üm- 
men graue (Sd)Ieier, untcrBroc^en bon feurigen ^unf* 
ten, bie toic 9D?ücfen auf «nb niebcr fticgen.» @ei« 
©e^irn njat eine |ä&e, träge SWaffe, ganj berftodt 
unb tjerbummt. %\t ^\%<Mit fc^mcdfte i^m nac^ ter» 
Brannten Änod^en, unb feit ac^t 2^agen tounbcrtc er 
ft(^ barüBcr, in irelrf^en berfc^icbenen gönnen unb 
Srggregatjuftänben ,,«trö(i" auf ber Söelt f^rifticrt: 
al« gieifc^, al5 ©cmüfe, alö eingemachte 6rbBecrcn, 
fogar al« 6up)>e. 6r ^mVi, bag ®tro^ bcr le^t« 
Uiftoff ift, nud^ bem bie (S^emic fc^on lange fuc^t. 

<Seit nc^t 2:agen ift bet 9[rme cSenfo ber ^t\* 
nung, bag fein SO?cnfc^ \t einen bernünftigcn v£a|j 
' gefd^rieBen %^\, unb bafi bie iä^ett^errfc^rrin fic^ 
®tum|)ffinn nennt, ör Bat e« fogar mit SBilBelni 
iWeiftet berfuc^t, aber fdcj Duatfc^ ift ijm üBerBaupt 
noc^ nicBt borgcfommcn. SBon ber ganjcn a^'^ufif 
intereffierte iBn nur nocl) ba« 5:rcmj>cteuBlafcn, unb 
bic ^^üUtif, innere unb äußere, ift iBm SBurft, n^a« 
ia bei bcm €^tanb ber gleif(!^reife au($ nic^t au bet- 
achten ift. 

$ätte idj einmal übet einen Catetmörbet !Äej^t 
ju fjjrcc^cn, fo hjürbe ic^ einen ©c^nupfen bor, toä^« 
rcnb ober nac^ ©cgcBung bcr XaX aU ftrafmilbernb 
ncBmen, hjcnn id^ nic^t meinte, bag eö jum grci* 
fpru^ aulreic^te. !£)enn ein 3J2enfc^, bcr einen ürbent« 
ii(^en (Schnupfen (>at, ift üBcr^aupt fein 9J?cnf(^ fhcBr. 

Unb ieljt, meine Ferren unb 2)amen, ift fo bic 

{redete 3dt für ben Schnupfen — feine fi^önfte «lüte- 
jciti 3ett ift er fo Bäufig, teie @önfeBIümc$cn im 
SD^ai. (S< gibt »jerfc^iebene Porten bon tBncn. @« 
gibt n?elc^c 3. 53., bic BIüBcn nur 14 2^agc; Rc fangen 
im Äopfe^an ot« ©cBirnfd^nupfen unb bcrlaffen nwA 
alö $Heigen burc^ ben f leinen 3<^B ^c« linfcn guge« 
triebet, n<i($bem fte auf ber ^ttede mcBrfac^ Station 
flcmacBt ^aBcn. *^<x% fmb bic gctoiJBnlid^en SBalb« 
unb S5Hcfcnf(^nupfen, bte in ber 3eit ir^rer boflftcn 
eiüte W^^xi% mtf \xtM\ Xofd^enttid^et ben Sag 
fommcn unb im gangen c« ungcfäBr auf 140 
Bringen — toa« eirtem ©afcfgetb bon 4 SWarf «nb 
GO Pfennigen cntfpric^t. !IDann gibt e« aBcr «Sc^nupfen- 
givitlingc, ©c^nupfcnbriüinge unb ©c^nupfcnjiuBcI- 
greife, bie ein ^ttcr »en 7 üJJoiiaten erreichen : eine 
ganjc ©c^nnpfcnattacfc, ein ^clotonfeucr bon 
Schnupfen auf einmal, neBencinanbcr, üBcreinaiibcr 
unb Bintercinanbcr. 

©cBr gut für ben ©c^nupfen ift STBBärtung unb 
fn(((fe %ft. ^ '^iQXi (lat nämUc^ noc^ nie gefc^cn^ ba^ 

fie bem Schnupfen etnja« gefc^abct Bitten. 3m ' 

®cgentci(, et gcbciit borjüglic^ böBci unb fü^U fiti^ 

\ Böcfcft n^oBt. 2^a« gteic^c gilt t?on ©tubenarreft unb 

, innerer unb öugcrer Crnjärmung. (Sic fcBöbcn ibm 

^ öuc^ nur feiten unb crBöBen fein SoBIbcfinbcn. 5)a« ' 

©efte gegen ben ©tBnupfcH fcBcint mir — fotocit 

meine (JrfaBrung reicht — , iBn mit ftummer SScr- 

ac^tung 3U ftrafen unb \Vi tun, al« oB et üBerBaupt 

hid^t ba »üre. 3)(t« bcicibigt manche bou CBi-'geiiiBl 

i unb r« ttüÖen flc^. 5(Bct man fann au(B ouf oftl 

■ Cc^nupffn treffen, bte bann fn($6tcufel»i" *■" 

unb fagen: JsW\i^^V* 

t3ot biefct ttotte>ü^anfeB(üm<9en mBc^te 
icrmit toornfH» Ofetor. 



f 




nr. 419. 
1. BefMatt. 



Berliner 



\ 



i 



c 



Berliner Heben 



1 



QeftfiUiiMfalettbet nom 7« ^^pitmbtx^ 

6 IVbt 83 ^in. 
1811, ^Mi CTdrl 9nt(m toon ^ol^enaoOfern 0e6. 



Be! Kfrjcljner. 

5ns meine Smii bcn J?r(rf auSl6ürftft«. f(tnb 
ftc nod? trt bcr linfcn inneren ©citcntttfd^ eine 
faft unläbicrtc ?{m|)ort<5i0arrc, bic xd) irgcnb- 
too im bortöcn ^at^t Qcfenft fjaiic. Itnb btc 

iai mir tvoi^U bcnn fie ntaditc mit Wlni, h>cit 
tdft, ItJte lüettanb jcncS a^önd&lctn ctncn fd^tocrcn 
(Bang 3U flef)on 5«Jttc. ^di, grabe idj, foHtc nmn^ 
Ttrf) ben ^tabtöemaltiöcu befragen, tr»a3 er bcnn 
ctflcntitcl) mit bcit biet unb ein kHertct SÄiUio* 
ncn ojtgufangeu öcbäcl)te, bic bcr ©tabtfäcfct im 

bergangencn '^ai)t crarl>citci "^altc. Unb baJ»ct 
gibt es bDd) bicl Sßiirbigcrc, Heitere, 3prarf> 
'ijejDaliißcrcI Scr Bin i<$, bafe id^ tebcit fottl 
Ätrfd}ner \a\^ in bem roten ©aal ht^ roten 

^aufct^ ba, alr> moii miii) borlicfe, hnc ein Aönig 
— umgeben Don einem 5irang hjcife^r ©^rcn;^ 
Jungfrauen, uon bcnen er iicf) fdfton bcntlid) 
burd) bic »SVIetbung unterfdricb. ^cfc (S§ren:? 
iungfraiicn öcw^<^«icii ^^^ <*" ^<^" ScintcCfcr 
cine<3 0ourmet3 — alled nur bie bciten ^afir* 
öäitge; ilire öicöcnnjart ijcrnjirrtc midö <^^' ^^b 
nur ftohcmb mrb ^agcnb In^gann irfy meinen 
(Bctnion. 

„Nöefjr tJcrel^rtcr iC>err ObcLi)ürQcrmei»>rI 
^[ftit greuben §abe ic^ üoii bem angtmc^men 
5ßlii^ im ^tabtftaul^altc bcrnx)mmen. ^ier utib 
eine btcrtcl S^üHion, roemt idö ntdit irre; bötf 
xd) nun froföcn, toa3 mirb bie <5tabt S9crlin, 
toai toerbtn ©ie, bie Sic bic <Biabi 23crlin öcr:» 
för|)crn, mit biefem !öerg bon äWamnton, mit 
biefcm Ä;XumJJCrt CUoIb, cinoetoidclt in Äaffen* 
fd^cinen, beginnen? Qäbtn (Sic au^ fd&on be* 
bad^t, to\c jic mit biefcm fd)tt)eren d)4;id^tum 
bic großen Äulturaufgaben, bic bic SBeltftabt 
berletngt. f erbern tocrbcn? 

gm nädiiten ^Ja^rc ^ bcr Cmir bon "öc: 

lutft^iftan bcm 5«ftöcn i&ofc feinen 93cfuc& axi^ 
gefaxt; xd^ meine too^I, bafe für eine C5T)ren' 
rt^ortc, für eine 2[ugfd)niüdfun(5 be3 Üöranben^ 
burgcr ^or5 unb ber Sinbcn, toenn '^tc fid^ 
bequemen nod^ ciniöcS auaulcßcn. bic bier imb 
eine bicrtcl IKiHion reichen tacrbcn. 

£)bcr, ijcrr Oberbüröcrmeifter, Jute irärc 
c5 mit einer SJlirbadjfirdie? <Bic lüiffcn, ha^ 
jRtage Qe^iif)tt ft)irb: 33crlin itiäre nidbt fromm 
genug. 2Bcnn cS nad^ mir ßel^t, ^crr Ober- 
bürgermciftcr, fo muffen hjir iiod) bar)in fom- 
men, ba^ ^öerün bont Ärcu^öcrg ftcroö am^ 
jittjtp toie c'vA. 5tabcrfiifcn. ^a, baijin müifcu I 
mir !ommen. ^tufecrbcm ift bcr $5a« bon 5tir- 
d^cn im S^u^cnb billiocr. ' 

Ober Irie toärc e5, trenn toir ^adcnfdjmibt 
ober Sioä^ (bic i?cutc finb an grofee ig>onorarc . 
gehJÖ^nt) sunt 9lauäfd)mctfecr für haS SIfi)I für | 
O&bad)lofe ann^ürbcnV Sicxn Sc^ngebotc-.Ooff- j 
manii hjürbc bann bort mel^r bic tHuf)c fricb^ 
lid^cr Prügeleien ftörcn. 

Ober, $crr Oficrbürgcrmciftcr. (Bk ergeben 
nad) bcm (5Jcfc(5 bom J^a^re 1102, bad unter bem 
SWorfgrafen Slbalbert bcm ©artigen eclaffcn 
tourbc, einen ^kn\tboicrü)c\itaQ, 2Bic h)drc c3, ' 
Ipenn irir hierfür nodj eintöc Söcamtcn cin^» 
ftentcn? 

Cbcr geben toir bcr ^oliaei etrt gcftcffen? 



Ober tote toare eS mit einer SHumtnatton, 
einer G^rcnpfottc unb einem ^^Jaloft für ben 
fommcnbcn <iprcc|)räfclten? S^idCjt, ba^ toäre 
eine 8ad6cl 

Ober fd^affcn ©ic mit bem Qiclb ctncn fjfonbg, 
um ^roaeffc gegen Hilfsbeamte s^ führen, bie 
fid) untcrftelöcn, nac^ löjäl^rigcr ^^ätigfeit fo 
ethJtt^ hjie ^enfion unb Äranfcnuntcrftüfeung ju 
bf rlongcn I 

Ober Ipörc c§ nid^t ratfam, bai ®clb bcr 
.^unft!ommiffton gu ü6crtocifen, bamtt fie anf 
ben f)tc5&crgfn, tro gar fein SS^affcr ^^rani«* 
fdhaffeii ift, einen „?[uguftu$brunncn" erbaut, j 
Ober, bamit fie ein paat fd)Önc ^^nbctabcr bor 
bcm ^ranbenburger Tor erridf)tct, bcnn man 
miife bic !S)cnfmäIcr unbebingt aiidfi bei ^adft 
gut fcr)cn lönncu? $Da3 ift eine Stngeregcnöett, 
btc c5ic in (frlüägung ^kf)cn müßten. 

Ober nodi einige "iörüdrcn, bic fo nicber finb. 
baf^ leine CSdiiffe unter ilinen l^inburc^fa^rcn 
l'^nncn. 

Ober, ^err Obcrbürgermcifter, an rtd^f^ 

Öuuhcrt ©crahc^alter naciö bcr ncueftcn 

bcr cllerneueften Äonftntüion? Ober, tric h?ärc 
c3, lücnn Sic ba^ i^clb mir ^ut fr*^HnbI{tf)cn 
S3eini^ung über — — — " 

.^ier untcrbrctdi mid^ bcr .^crr Oöcrbürgcr«: 
mcifter: „^isl^er, mein Sycrtcftcr," fagtc er, „ift 
über bic ;öcrh>cnbung be§ 05elbc5 nodi nic^t ber> 
fügt toorbcu, imb lann td^ ginnen alfo l^ierin 
feinen Scfdjcib geben. IJfjre 5ßorfdilägc aber 
fdjetncn mir mand^tS ®ntc au enthalten, bcfon-^ 
hcr§ toörc bic ^ad)c mit bem (Emir bon Selui- 
fdnftan unb bem l^alaft für bcn ®|:5tccj?rafc!tcn 
^u Debenfen — unb tvh toerben iui geet^ncic^t 
2(ugcnbltdt gern barauf aur üdKo muten. " 

^amit luanbtc \id) ba^ aümad^ttgc €tcbt^ j 
oberüanjjt micbcr feinen C^rcnj'»ngf tauen .^u, , 
unb id§ toar cntlaf^t^n. (Sregor. 



I 



■^ i.~:aii.:«r.*-. 



'"■^n*n' 



V' 



n" 



<t}im oW ^^^ cinacucCjinc Gicfiir/i inncvcc 
tvlinivmciibci:' .<&c.itcrfeit Dcvmocljtc Ufy mandy^ 
bcL- ucueu 'Xkxic bcr ^ o I o r o j a 5U lefcn. „CDa 
jaiui bic graitc ^roubabom:" nennt fie fic. 
!'^lUinicl), fie finb I)ic, nnb 'Cd nou einei veijenbcii 
.Svoniif/'niib ^ivivc Dor^ bcu bcjtcu Momlf beu 
äi>elt, ckii icnci; l^üii ber t>i.^ ^idjtcnn \db\t 
•nidrr^^ al}nt nnb luciji. .<£>eivn CSbelfricb jinb bicfc 
)lkx']c oeivibmct nacl) 'aUciu, lüac^ icli I)iei- \ci)C, 
Chi !l^aanicl)ibcai: niariitt4i*aftt)olt l)Ionb()aariö 
imb blanänaia- ^^'^^^^^^ ^^^^ $l>oinüürt l)c!cnnt bic 
^h()tcvin, ha']) \\c 6^^^^ ci"^ afjnnnßvlü^^ 
(aI)nnna§Ioö \]t ßnil) (s)iiiOrunxcu. 3vt öocl)3Ci^3^ 
luiii^cu lüünb, jc^t alKi^ C^cfunbuna ^ciixb luib 
bic ,,pciDeife Oual" bcrtjanöeuei* ^^agc cinoc=* 
[tuGt Ijat. Hab bie^ ciUc>^ Dcuuocljic Ocrr C£be(^ 
fucb. ^-)tuu ijt a 3iüar fapn Dcil)elralci — c.bct 
ex iKmwäjit c^ •cinii hodj, ^ebcnfaU^ 
Ijat bie Sicfjtcnii fc^crru C^belfdcb atten 
anbcrn üonjcäcöcn, bcnu fie Ukxmt un«: 
Sra^e trab IHädytc tcU 'ÄNcincn 
eiuuire um Stnnbe f liebt. 
O, id) li^be „tüic steinen" (!) 
.§crrn Cicelfvieb. 
Unb boci) iueiB fie firl) nidit öanä Hon ber lln^ 
ircuc fi'ci, benn fie läfet am CSnbc be5 ^oem3 
gart lurdjOIicfcnv bafi, mcnn bcu (^^ärtner bic 9lü. 
fcn nicljt Md)t c5 ein grcmblinö tnt. llnb 
cl.cnfo dcnimmt ficrj <oen (fbcrfdcb n'M fair, 
ulctit nett, nidit öcnticnianlifc, Warn tt \'cin 
,MiWW tnit 3U bcr ^id)teriii nimmt unb fie 
luu;. ein mcnage k trois anffiir)rcn, nnb ci; bann 
imd) b(i^^ licbeööcbürft iae iuvtl}d)en 
„fonucnfjcU" anlädKlt itnb fie ablrcift. „V.:it[}^ 
cuat, nein — ba^^^ it)äre nid)t oriaincK." nSd} 
iann mir nnn nuU nidjt r)clfen: ein ,^-rrfnl)(:n;= 
iber iDiann ift tQOi): C^bclfricb nidjt, idj ftnbc fu 
iuay fnaar GefüW^^^'öli. 

£i)nc ^^mcifcl aDcr Oci allen fomifcrjicn (>k^^ 
fdnnadlüfiqleitcn, an bcnen bo2 5l3ud) fo reid) ift, 
— - bie ©i'drterin ift nur ncirrifdji, lucnn fie l^cr- 
iuhi ift mit if)rcr inb'ifcficn Scibcnfdjaft, — itnb 
fie bietet ncdcn bcnt XlnfimuGcn Sdjönfjeitcn 
lion a(ei:anbrinifa]cr 'spradjt, taö man l'anm o^^^^^ 
bcn nnff, 'baö c3 biefclbc oefd^affen, Imc bie, bic 
jene Unfinnia!eitcn' l^erbrad). 

Unter iOnen luiK id> jcne^ „Einern Jyrennbe" 
ha^:^ ctlua3 triüialc, aber üDcrrafdjcnbc „(Sin alter 
^^•ncf" nnb hiVS „^JadjbcnttieOe £ieb" eriwdjncn. 
Hui» e» forbcrt nnr bie (^ercdjtiaieit, bafj id) and) 
miö ifinciT eine "^xohc Qcbc, bainit bcr '4^r)iiifter 
inicr)t fttaubt, baf5 er dci bem ^Jtamen ^oforofa 
ha^ mcd]t an ladien Tjabc. ^icr bcr !2dj(ui3 bc3 
„^Jac^benriidjcni J^icbcS": 
3cf; a6cc mU)U bem gebanfenlofcn 
^^erfd;üngec gern mit meinem (iHücf cntflie(?n. 
3cf; mecf)t' au^ meinen buffgcn Sieljci^ncfcu 
2a0 eble £zl, baö nie »erflücfjtet, 5icl;n. 



C\n eine mavniorne 5Imvr)ürc bann 

Tivd}i' Ui) bcu ^nn liic uüc 3eit l^cr[rf?(ic,len; 

Go, dk \?u)i, bie ie burcr;3 53(nt mir rann, 

iöd)V icö in ftarfe, cioicjc ^^erfe gicfien, 
S^afj Spätem nccf^, bic meine i'icrcr Icfcit, 
S'ic (Se()nfmfit beiß an S'xx] unb Siinuni frifit: 
C ÖMt, n?ie finb bic 9fc(cn fcbeu gcivefcn, 
3Bcnu ned) bcr 3:uft bauen fo !öfttid; ift! 



! 



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1 



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So Ist das Ceben, 

»ir crOttltcn folgciibc 8iifif)nft: 
„Siebet ©i-eciorl Seine fleiite öefrtjirfite boii 
bciii ii(tpenitn-i.iti.f)cntit sWav tect)t traiirifl unb 
aiiif) eiiüricrmnnei' djaralteriftifit) für btc Sbed)^ 
felfäric beä Sebciiä, ake — U) Imin mti- iml)t 
[,elf,.„ _ id) f)rtlto ben Gffeft für ein 5j.M-obittt 
S5ein-r reiben bidjlerifAcn 5}Jf)rtnta!ic. ®ciut 
auf einen «utornntentu-Sirfien für 10 W^xnm 
liegt nicmaiö fo Diel ■'«d)aOeftciicr,, bau "'«n m 
einen 93nnblourm baüou Ijolcn tonnte. «Ufo: 
cntloeber Oaft ®n ein r,a(&eg 35u^enb üon ber 
©orte miä bcin ©laSfaitcn rauggerjoU, ober bn. 
©ad)c ift Srf)n)iubel. 

2a mxit;t ®u nnd) fcf;on mnl PV3Öf;ten lafien- 
Giuc lüal)£C eSefdjidite, bie bxd rül)tcnber tlt 

cäü ©eincl ^ . ■■ ,,. 

'\rfi tirtttc cimnal einen ^xnmh. ber Ijoitc 

ein Srama gcS'i'W';'' "^"' "'■•'" ''■' "^"'«^"O* 
1 toar, baf5 c3 gut fei. Hub er fanb auc.) einen 
©irelti:;:, tcr e3 aufjiilircvj »«oütc. aoer fca 
bei S5ircHor nur ein i^cot.iiiaif)catcc r)attc,_ fo 
1 ertldrtc mein Sreunb, hnä %?uKifum lunrc it)m 
! nidit bcrftänbig geniig, vtub er luoKte c® nur 
I in Söerlin. loo bic funiinimigc« 2cvti alte ouf 
cincut Müufcn luof)!- n, anffüf)ren lofien. .i-auu 
i würbe 'ea fid)cr Grfoig f)abcn, itnb er ücrut;mt 
■ lu'-rbcn. Stbcc in Söerliu faiib er feinen, bot 
c3 tnbcn U'ofltc. Gr bcfic.d) al]o ein ®i!t.;nb 
"laenten ui\b opferte fein ßauaeS SJermügen, 
lAxb n» nrmcr mann unb fanb borf) Jemen. 
Itnb fo lu-rgingcn incfjrerc Sn^rcL in t-en-n 
Win «reunb fiif; unr bon ednuaräbrot naö 
Sgäreücn nä(,rte «nb babei UÖUig^ aur ben 
Cjsmb tarn. Hnb enbtirb fjctte ein Sireftor - 

^Äi!c£ "i;erfud?eu.' '©^1^1' meiirgreüni gans 

Item bcdi enblicf) ax^üdjm. l üb ^^^\^'^f 
luurbe tinrf(id) aufgefüljrt, v,ub a(ä ber eilte ?tt 
tn (Jnbe war, bewarf iaS qSublifum ben Std)ter 
mit fai-.tcn Giern uub i^Jferbcfdjmut?, luoraut 
ber Ijinging, einen Slaget iu bie Si-^anb fdjlu.j 
fid) baran crl;ain2tc. Sß«3 er fieser >"cl)t nWlg 
^ncr)abt f)ärte, iBcnn fein bummer f to.j md)t g.^ 
we en Wiire. Senn bieä.nal lag eS imrd.d) ma 
ani nnoer^taufcnis bc3 ^^nbühmS, »"( ^f,*» 
•etiict tatfädüid) lüag ®ute§ nn fid) ^lattc. mti 
er'^ atio bem erften Sireltot gegeben, in bellen 
Jf)eatcr imincrf;in beifere Seuic gingen, fo Ware 
er üicßeidit bcrufjint geworben «nt lebte bt« auf 
ben Dcntigcn Sag. ^d) finbe ba3 um raurra 
unb f)off^ b« luivjt; U\V iwS S(c()ntuijCv 

.^ijltml)." '- 




..••V"^"». 







>^V/i^ 



^^^>^ 







l}erbffforgcn. 

^^ tft fciiint nt^n,^ öcbcnüidj tü^l ßfinorbcn. 
5>aö tft eine 3:iufaföc, Me ab^ulcnjjncn cinfadj 
eine ^^aidfanc tvibct bfffen*-5 )!\<tifcn 'bcbcntax 
Itvüxbc. D^cuHii) r>ar fdlon jcmviiib icgcnbmo hjcifcc 
|j)ffbönf)ncr nrfd[>o)Tcri, ^\c. jicij ^aitri alg ticTitiöc 
norbifd)c ^d;nco^iir)nci- citlpiipptcii {obtt Waten 
e^ (lallten?), im man fviU bmmi^3 einen fni^cn 
itnb falten SlMnfci: prüp^c^cien. 

€, Mefc iwuriiic nd&troaiiöö^cit in bcr 
bic ^i'atur fid) lajuifum a"Jn sterben kflt. (^ie 
erfüllt iebC'^ fiirilenbe .Ocr^ mit fctfer, fdilmninüti 
ÖCL- illüoc ob bc^ .^inh)€lfcnö nflc^3 Jrbifci^cn. 
33ci nwnrfjcn löir ftrf) tiefer frü^a^-iriöc ©rabcö^ 
fd^ancu in S]cro,^eilcn, wcidic je nari) bem i'iamen 
beg (5d)rcilier^ unoobnidft MeiOen (inib ba^ finb 
iiifC-t bic ftfjlcditcirenj, cit^^^'nrlt Reiben oratio unb 
fmnfo (öegen ^Ifionnemeiit) in bcm ^H'aafuS 
ünb in bcn ^iitfcr)cn iVhifenfIcinocn ober cnb^ 
lic^ a^^i- ^iö firnfunbamaiMi^ >'fninin bem not.-- 
Icibcnbcn öklbOcntel cinbiitiricii. IHnbcrc (jin^* 
öeQcn Jüieberuni — a6cr 'con iljnen roollcn tvii 
nid^ rcbeiu 

?hid) meine idi ja nid)t bicfe ^^erbitfor^Kn; 
nid)t bic fentimcn talcn. ^d) meine ernftcre, tic:^ 
fcre, einfd)neibenbcre, fdjmer^^fjaftcvc unb foftfpic- 
Hocrc, bic um biefc ^al^rcaaeit un§ bcbränöen, 
bic mit bem erften f^röfteln in -iinfer .<^>cr5 fdinci:= 
ben — bic 2d)ncibcrforaen. ^\d), bei bcm 9Jamcn 
Gdjncibcr luirb mir n^"o anber«. ?J^cin ©djnei* 
bcr iücninftenö ):)ai eine otiuiffc 5rc§nlid)!cit mit 
bem burd)Iöd}crtcn ^v^f^ bcr ^atiaibcn; mau mag 
I^incinlücrfcn. luaö man fann, er ift nie aufric^ 
ben. (?5 bleibt immer ein pcinTid)er J)icft int 
.V^onto. (?r trirb itnb rüirb nub iuirb nid)t üeincr* 
ber JHeft. llnb man fann ]\d) immer nod) freuen, 
tücnn er fidf) auf ber fltcidOen .^t3I)e Ijält. !Jif) 
[fann nid)t fagen, hcx^ mid^ bicfc (SdjnciberfcfTitlbcn 
briicfcn, ja, mir irürbe citvav fehlen, locnn ntd)t 
um bcn C:nartaI^^iDed)feI I}crnnt bcr X)?ann ct\va^5 
wow fid'i l^örcn lieVje; idi glaube, ha^ irürbe meine 
tecrbanung ftören. Hbcr locnn idi aufri(f)tig fein 
fofl, irf; sä^fc fie nid)t 5n bcn Huncl^mlidi!eiten bc« 
|^cbcn§, id3 ^ä^Ic fie nur 3U bcn nottoenbigcn 
illebcln. 

Unb je^?t ift Cv loieber bebcnffid^ üil)! gcinür;^ 
bcn. llnb nun fommen bic .^erbitforgen. llnb 
locnn id) mir nun ba§ 33ilb meine» SBintcr- 
utantel^ Dor bie ©cclc goubcvc: er liegt in 
,V^amfer unb \v\tb bon bcn S)2ottcn gefrcffen, 
fo fd^toanfc id), ob idj ibn ber SrocfcnfammTung 
ober bcm H)?ärHfdien ^nfciim iiberlueifcn folT. 
^a§ 3??är!ifd)e a}?nfenm f)at fd)on lange ein ?tngc 
auf if)n gcitjorfeu; aber bcr '3)irci'tor irrt fid^: 
ci ift nidjt bcr Sü^antel, auf ben ^oltei fein Bc^ 
rühmte» SPJantenieb „Sdjicr brcifeig ^al^re bift 
bn altr' gcbi(^tct "(^at; fonbcrn c§ ift uur ein 
S3rubcr bon i^m. ?irfo inerbc id^ mid) bod^ für 
bic S3ro(fcnfammruug enrfdiciben, b^im im 'ifflät^ 
!ifd)en 2)2ufcum ift ja fd)on genug ^funbcr, bcr 
feinem iWcnfd)en cifva^ uü^t, uttb ^icr 
iüirb bcr ^lunbcr It>cnigftenv trgcnb etuem cttt)a§ 
nü^en. 

llnb batm ber ^interanäitg. ®iefc» ^aljr 
fommc idi nidit ^crum. llnb id) fc!)e fd)ou, loic mir 
mein (Bdineibct bic neueftcn ccl^t englifd^en ©foffe 
nug (Bontmcrfelb unb (^nben borlegt, iucnn ftc 
utd^t gar no<l^ näl^er, nämlici^ aii5 fiudentralbc, 
finb, unb hcf)aupict, bofc fie auö 
reiner cd^cr (Ed&aftoollc mären, ^mmer balfelbe. 
5ßffffcr unb (Sal^ nnb Sal3 imb ^Pfeffer, unb 
tüiebcr ein bimtcr (Jljcbiot mit einem grünen 
^Titpfen unb einem gelben (Streifen. :gcbc^ ^al^r 
berfclbe ^lunbcr al§ ba^ ^lllerucucftc im öc- 
fdömacf. 

llnb bann cntfc^cibct man fid) cnblidi fiir 
trgcnb cttüa3, nadjbem man bcm 3)?ann fedi^mal 
erflärt l^at, bü^ man mit bcm ^In^^ng auf bte 
(^trafee imb nid)t auf bcn 33?a^tcnbali gc^en tv\ü, 
unb jener fagt mit ber frcunblid}fien 2^iene bon 
ber SSclt: ©teircu <B\c ftd), bitte, mal l^in, legere, f 
Jüic ^ic gctrad)fcu finbl ^a§ ift fo feine d\c^ 
bcn^vort. llnb er baftelt an einem l^crum, Inufft 
unb brüdt unb amidt unb pieft einen, mif^t einem 
übern iHüdcn unb fraudit einem um bie Süfte, 
um einem 5um ©d^Iufe bic erfreuIid)C S^itteihnig 
5U mod^cn, ba^ man, feitbem er baS leiste 9??at für 
einen gearbeitet, im 2^aiIIcnumfang gc^n 3cnti- 
mctcr angenommen l^öttc. llnb bann gibt e§ Hu^ 
proben, too einem bcrfelbe ^anw mit ©tednabeln 
in bie (5d)ulter imb in bic ^ruft j^ieft; unb aum 
(Äd)Iuf5 hcf)a\iptcn nod) bic 33efannten, man 
fönntc bcn ^Inaug mit bcr l^o^cn ©djultcr unb 
3U furzen ?lermeln unmöglii*^ tragen, man 
muffe i^n triebergeben. Hd), man ift ja fo frof), 
baf^ bcr J)iummel borbci ift. 

^a§ finb fo beine .^erbfiforgen. Sic brücfcn 
bic6. OJemife. Slbcr toaS bebcirtcn ftc gegen bie 
bciner ^vrau. 0icr fompli^icrcn fie fic^ unb ber^ 
btelfälttgcn fid) ^unbcrtfad^. ^od) mcrrioürbig, 
uon beincr Srou mcrben bicfe «Sorgen eitt^ig al5 
angenclfttnc acrftrcuung empfiuil>cn, unb bir bfct:^ 
bei! bie Seufzer unb bie Allagen. 

??eljmt'ö mir nid^t übel, 2tnic: ^aS finb bic 
.a^cnfdicn bod^ für 9?ai'ren. Gregor. 



[ 



^il/A^tm^^^^U^ ift für öHc ajdt ein m\i 
^umoriitifc^cr 3uftanb. Sflut für einen nic^t, füc 
ben, bec i\)n 6at. 2)a« ift nämU(^ ba« gatale an 
bcn meiftcn fomifc^en 2)in9en, bog fic gnjar für ben 
3)rittcn ungemein ulfig pnb, oBcr füc ben, bet fic^> 
perfönlid^ mit i^nen ju Bcfaffen ^ai, ein oertcufclt onberc« 
@eric^t auffcljcn. 3c^ finbc e« immer fe^r omüfant, 
trenn ein anberer nic^t au9 ben Saugen unb au9 
ber 5^afe fc^en fann, unb im Saufe eine« ®cfprädj« 
avi9 jc^n berfc^iebenen 2:afc^en je^n bcrfc^iebei.a 
2:afc^cntüc§er frertorjiejjt, in ber ganzen ^^onffola be« 
^Perlgrau unb in an# (trögen — bont S^^iuior^* 
ftücf bi« gum SJoDtuc^ — ; unb trenn er baju feinen 
©a|j gu Gnbc Bringt, »eil fein ©e^irn eingeroftet 
gu fein fc^eint, unb, hjcnn er enbUc^ iDor bem ^B- 
fc^iebnc^mcn noc^ jnjcimat nieft, bog ijie 2:inten- 
/äffer bom %\\d} fliegen .^ . fo ift ba« immer fe^r 
luftig — für un«. "" 

StBcr für ben armen 5terl? (Sr iaiit bic ganjc 
3eit baS ÖJcfü^l, al« ob ifcm bic 9?afc langfam gum 
Gericht ^erauögcfc^rauBt njürbe; mit langen 9?abeln 
piefte (ober fagt man pieffte?) alfo picfftc man i^m 
burc^ bic ©dfiläfcn, unb mit gang langen burc^ ben 
.^intcrfcpf. 33or feinen n}c{)leibigen ^ugcn fc^tuom* j 
mcn graue 6($lcicr, unterbrochen tjon feurigen fünf- 
ten, bie toic SDWiden auf unb nieber fliegen, ©ein 
©c^irn trar eine gäjc, träge SD^affe, gang toerftocft 
unb berbummt. Xk .B^S^rre fdbmedte il;m nac^ ter- 
Brannten Änocf;cn, unb feit ac^t Jagen njunbertc er 
fic^ barüBcr, in n?el(Ben berf^icbencn gormcn unb 
Stggregatguftänben ;,©tro^" auf ber SBelt ejrifticrt: 
qI« glcifc^, al« ö^cmüfe, al8 eingemarf^te CSrbBecrcn, 
(ogar al« ©u|>))e. (5r glauBt, ba§ ©troB bor lefetc 
Uifloff ift, naö^ bem bie >£Bemie fc^on lange fuc^t. 

©eit Qd}i Jagen ift ber Slrme cBenfo ber 2)?et* 
nung, ba§ fein SJJcnfc^ je einen t)ernünfti9en ©a|j 
gcfi^rieBen l^ai, unb bag bie 5ßcltBerrfc^erin fic^ 
©tumpffinn nennt. (Sr ^ai e6 fogar mit SöilBelm 
IWeiftcr bcrfuc^t, aber folc^ Ouatfc^ ift iBm üBcrBaupt 
nüd^ nicBt borgefommen. ißon ber ganjen iKufil 
interelfierte i^n nur nod^ ba3 JrompetenBlafcn, unb 
bie ^olitif, innere unb äugere, ift iBm Surft, nja3 
ja Bei, bem ©tanb ber gleifc^prcife auc^ nic^t gu »er« 
achten ift. 

§ätte i^ einmal üBer einen SSatermBrber S^cc^t 
gu fprcf^cn, fo n?ürbe id) einen ©d^nupfcn bor, toäB* 
rcnb ober nac^ ©cgeBung ber Zai al8 ftrafmilbemb 
neljmen, n?enn \d) n\d)t meinte, bag c3 gum %m' 
fpru(^ au«reic^te. Jcnn ein SWcnfc^, ber einen orbent« 
liefen ©c^nupfen Bat, ift üBer^>aupt fein 3Jtcnfc^ mcBr. 

Unb ie^t, meine §crren unb Jamen, ift fo bie 
redete 3fit für ben ©c^nupfen — feine fc^önftc öliitc- 
geit. Oe^t ift er fo Bäufig, toic ©änfeblümc^cn im 
SKai. ®« gibt berfc^icbene ©orten bon i^ncn. (53 
gibt n)elc^e g. 23., bic BlüBcn nur M Jage; fic fangen 
im Stopfe an al« (SeBirnfc^nupfen unb öcrlaffen un« 
atö ^Reigen burc^ ben f leinen ^c\) bc3 linfen gugc« 
I n?icbcr, nac^bem fic auf ber ©trecfe me^rfac^ ©tation 
gemarf)t ^aBen. 3)aö fmb bie getnöBnüc^en SÖalb« 
unb sißicfcnfd^nupfen, bie in ber 3eit i')rer bollftcu 
53lütc Böc^ftenö auf gnjölf Jafc^cntüc^er ben Jag 
lommen unb im gangen e« ungefähr auf 140 
Bringen — toa« einem SSafcJgelb bon 4 SWarl unb 
60 ^Mennigen entfpridEit. J)ann gibt eö aBer ©c^nupfcn« 
gtiuüingc, ©c^nupfeubrilfingc unb ©c^nupfeniuBeU^^ 
greife, bie ein 5Iltcr bon 7 iKonatcn erreichen: eine 
gange ©c^nupfenattade, ein ^clotonfeucr bon 
©c(;nupfen auf einmal, ncBeneinanber, üBercinanbcr 
unb Bintereinanber. | 

' ©eBr gut für ben ©c^nupfen ift SIB^ärtung unb | 
frifc^e Suft. Tlan Bot nämlic^ nod^ nie gefe^en. bag 
; fie bem ©c^nupfen titoai gef(^abct Ratten. 3m 
Gegenteil, er gebeiBt borgüglic^ baBei unb fü^It fic^ 
Böcfift ft»oBl. Xa« gleiche gilt bon ©tuBenarreft unb 
innerer unb äugerer ©rnjärmung. ©ie fc^abcn iBm 
an(f^ nur feiten unb erBöBen fein SBoBlBefinbcn. 2)a« 
öefte gegen hcn ©c^jnupfcn fd^eint mir — fonjdl 
meine (Srfaf^rung reicht — , iBn mit ftummer SBer=^ 
ac^tung gu ftrafen unb gu tun, aU oB er üBer^aupt 
nid^t ba »äre. Ja« Beleibigt monc^c bon (S^rgefüBl 
unb fic trollen fic^. STBer man fann auc^ ouf anbcrc 
©c^nupfen treffen, bic bann fuc$«teufeltt»ilb toerbe» 
unb fagen: „9?u irabe." 

»or biefer ©orte ©änfcBlümt^cn möchte \^ ©ie 
C^ermii toomen. ^' Gregor, i . 




( 



ij^ (f1 !Der galante Sinftauf. 

%^% Äaufcn mat^t gar fein ©ergnügen me^r. 
SWan gfjt ttin in ben Ca^cen, fieftt |l(^ bic S^inge 
an, tt>äf)It, crfunbigt \\^ nad^ bcm ?tell unb fauft 
ober fauft nic^t. 2)amit ift ta« ptofaifc^e öcMäft 
cricbigt. grüner, »ic no(^ gc^anbflt tourix, ba toat 
ba« bütj »icl ^ü6(c^cr. Xa fragte man: „2öa« 
foftct b<r ©ut?" 2)ann fogte ber iD?önn: „3e6n 
iWarf." :i)arauf cxflärte nton i^m, baj man fcc^f« 
ga^iien toilrbc unb Befam i^n entließ für 7 9Jl. 
fünfzig. Söcrt hjar er brci aWarf fünfunbjmanjig. 

3rf; erinnere mid^ nod^ ganj g<nau ön biefe 
3uftäiibe. (So mar icbc^mol eint angenehm« Auf- 
regung, menn man eintn (Sinfauf machte; folc^e 9[rt 
, »«ji.eilpicl, «in SBctttn, eine ft>öctItdS»e aJiotion. «bft 
^ute "^t bit ®a(^c bbc^ ieglit^en feineren 9lcia 
cinge6UBt. ^^, loA mite nun alletf anber« merben; 
jefet friegcn mir in ©erlln ben „gähnten ijinfauf". 

2)a ^<x\ bot^ "KOi^ ba« Äoufmannlgerit^t ijorgeftern 
entfc^icben, baft man au« ®<[c^äft<interef(e 2)on 3uan 
(ein barf, unb bag c« gar nic^t« öefonberc« auö- 
mac^t, »enn bec ©crfäufer flc^ einen fleinen ©d^erj 
erlaubt. 2)amit ^at ba« 5lairfmann«g<ric^t gar nid^t 
fo unred^t. 3c^ Bin burd^au« feiner SKeinung. %\t 
©ac^c ift mir fogar fe^r fi^mpat^ifä^, 3c^ ^offe, 
e« imrb ©c^ule mad^en. 

3(^ ftellc mir ba« fo öor: 3d^ föufe mir j. ©. 
eine Äratt?atte. 2>a« gräulein ift W^\^, ^al gelBc 
©aaie toit ein 5tanQrienöß0cl — (bce ^eigt ein 
5lanaticntoogcI ^at feine ©aare) — \xxCsi ein ^)aar 
Slugen, bic h?crfen ©liefe — jebcr ein günfmarfftiicf. 

,/J?un, mein $crt," fagt \\t unb fifeelt mic^ unter« 
^inn baSci, „iräljtcn ©ie ®rün. 3n ®rün mü||en 
Sie jum Jtliffen au«|c6cn. 2)ö toärben ©ie mir 
nod^ Bcffer gefallen al« fo. STB-cr, toenn Sie nid^t 
^rün nehmen moöen, — geftatten ©ie mir eine 
infcisfretc grngc: 3;anjen ©ic gern Iinf«rum?I 3(^ 
tanjc ma^nrinutg gern Iinf«rum. 3eoen SÜitttmoil^ 
fiJnnen ©ie micf) btau&m Bei ©c^ramm treffen. 
STBer öieöcic^t nehmen ©ic je^t biefe Blaue jtramatte? 
©cBen ©te, ©lau ^at ctma« g^J^^^^^f^'^örnc^me«, 
nic^t aufföüig, biöfrct, fooalicrmäBig. 3£^ mcnigften« 
nnirbc nie mit einem anbe-rn §errn [ou^icren al« 
mit einem, ber eine Blaue Ätamotte trägt. !Da« 
ift nun einmal mein unurnftSSH^^«« ^^rinji^. 
9(l|o, mein $crT, nocj einmal: mäblen ©i€ ©lau. 
9luc^ nic^t?! 2!ie ganjcn Äramatten finb^n nit^t 
3{>rcu ©cifaü?! ©ie moflen »iebcrfommen? 9?ujt, 
— bann erlauBcn ©ie mit, ba6 id^ S^nen bie ber« 
traulic{;e Sl^itteilung ma(^/ baj mir um 9 UJr 
Sabenfc^luB BaBen." 

Unb 3U gleicher ^\i tt)ut.be btüBen am anbetn 
. Xifc^ i)on 'finem iBcrfäufer «int %i3xc\.t Bebient. 

„€üBe, öngeBetetc ©d^öne, — Öle mcrben,'' fagt 
et, „in btifem SKouffclinc be fiainc toie einf ©t^pB^be, 
toie eine terfd^leiertc — unb nur jart öcrfc^leiertc 
9'^^mpBe au«fcBen. 3)0« fc^öne ©picl 3Brcr gormcn 
toitc fic^ Bei ieber öemcgung untet bem ©toff i^et- 
taten; unb ic^ fteße mir »or, meine ©üge, »ie 
3Bre SRofen^aut — ober barf icj ,,teine" fagen — 
Xmx^ 'ti^'i afl^*« ®emeBe leuchtet gleich bem ouf» 
fteigenbcn iDiono unter büunen ffiolfen. Senn ©ie 
in bieiem Äleib — unb fei e« au(^ nu« für einen 
©onntag nai^mittag — mit meiner armfeligen ®c- 
feflfd^aft oorlieB nehmen mürben; ©ie, bie ©c^önfte 
ofler ©terBUd^cn, mürben m^ |um ©lücClic^ften aller 
(Ct^rBlid^en machen. 3^nfn gefäüt biefer Snouffcline 
trofebem nid^t?! 9^un, meine a:cure, menn i(^, offen 
fein foU, fo muß i(^ fagen, bag für eine SieBIic^Icit 
»ie bie 3Brigc icgli<^e BerBüüung eine ©la«pBt-.." 

S>ie«: Bore ic^ beutlic^ '«a« %tiwx\^ eine« ©c^iofle«, 
imb bie n?<itercn Söortc »erben unoerftänblid^. 

Sltfo — ©(^era IBeifeite — man fonn wfld^ert 
fein, »enn mir e« fo Belommen, i<^ merbe ber 
oflerBcfte 5>au«oater, btn e« üBerBaupt giBt. C« giBt 
nic^t ein ©tüd, bog ic^ mir bonn iii*t alleine 
laufe, «frtr meine 5«au — terfteBen ©ie -^ unb 
meine Stocktet — ber Teufel foO fic Bolen — , menn 
bie mir üBer^aupt bann nodj (linfäufe machen. 

Gregor. 



Verlorene ^orte* 

5^ct bcm Itarfiu ircihiiaittlidfKn ^i^U 
. tcrfcf)i- [inD I3cr[cf)ciitlic() einige uiu-^cuau 
öL^rcffiertc iBiiefc iii unfcrc >^ä^^c n<^^^i"3t; 
ii>ir übci\]c6cn fic hiermit t^cr Ccffcntlid)fcit 
iu bec .'ocffmuu^, iMeUcidjt i^oDurd; oic lH6^ 
jcnbor cbci' Vtrcmiicii 311 cvniittclii. 

I. 

2 1 c () c r 3 r c 11 n b I 

(13 iüirb bid) tröjtcii, Inenit icf) bir fd)cciOc, bai5, 
fcitbcm bu ba in bcni * * * ^^cft I)ocf]t, aud) gar 
iiidjtö mcl)r I)icr Tod ift. :^m iiafiiio fpiclt man 
jci^ füßar Gcd)!3imbfcd)5in um '^^fcffcrnü|fc inib 
finot „öciUc^c :!)Jadjt, ftiUc i\'adjt" ba^^u — ocrabc 
Jüic &ci (ycr}cimrat Sd)ul3cnx^. C^incntlid) nie 
licnriffcn, luanim bcr ^?[Itc bid) abncfäi]t i)at, — 
über bcinaf) aOoefäat beim luaö liief aiibcreä ift 
ha^ bod) uiefjtl -— nidjt mal)r? -— gamilic Tjattc 
büd) alias be^aljlt; iian^ iinbeflrciflid; nelDefeiil 
5^clicnki rcdit fatal, baft bu nidit iiad) ^ier 
tonimcii !ann|t; Ijattc fogar fdjoii ?(niiic oc^ 
fdjrieOeiT, fiVatc 3um aiueitcu gcicrtag Jyrcunbin 
mitOiinocu, uatürlid) nu fdjleuuioft luicbcr cih^ 
lUlinnft. 2)icn|'t immer fd)Iimmcr. S\cd§ burd) 
bic )i5anl i)ciitc Goaialbcmotratcn, Oc)d)iDcrcu fid), 
lücuu tfjncu Ijorn ''^aud) getreten Jutrb, — fagc biv, 
{•\ansc 'i^lrmcc luirb langfam, aber jid}cr UcrLiebcIt. 
iWuIid) !ommt bcr^JlItc üub meint bod), ba^ id) 
aUS 2(iifndit£ifiir)renber ba» I)ättc fcl)en muffen, 
cineu 3)?arfd) ^at er mir gcblafcn — bu fennft 
ja bic (Sorte, — baf3 id) bad)tc, id) muf5 glcid) 
nadimittag meinen 3^linbcr()ut ^^um bügeln 
fd;idcn. VlOer c§ ift nod) mal fo Vorbeigegangen. 

)^\c id) meine Seit Verbringe, luillft bu luiffcn'^ 
3c(ir einfad]: ^^(nnic — - .Suiifcr(}of fivc o'clock tca; 
iHunic — '-^nippcnau^öftclluug; 5(nnic — .Ua>ino; 
5(nuic — üöajjargcljopfc; \>(niiie — l)iet):r5 Vio()t- 
lätigfciti^baK. Ojlaubc, fic moUcn für ^Ji'cgcr^ 
finbcu in .«poanglio XaImnbtf)orafd)ulc cinrid)^ 
ic\], ober toic ba?^ -S^ing^» i)ci\]t. .^-^abeu mid) 
nud) ,^um (i^^^riftfcft cingclabcn; fageu immer 
^.ÖA^W^^^ — ungemein ulfig. (i)cf)e nid^t. 



C£rftcn!5 S^^niilienfimpelei; unb bann rann ^.^(nnic 
in fo(d)cn Tingcn fd)cnnlid) cflig mcrbcn. Hibcv, 
Wenn iion Jpaufe utd)t mcl)v gebcdt lüirb, tüiib 
mir bod) nid)t übrig bleiben, toic 'i'Jteijcr!?. ^JZcu-- 
lidi micbcu fatale Sad)e. ^iH'icf an^S J)fegimcnt. 
Crrinncn't bn bidi nod; an meine ^-Pamela aui^ 
(iurl^entl) uon X:>oftor? Si^oIIte mit einem 
mal fein Jointcrnio ntcljr nehmen. ü>rab? fo 
foinmc id) mir }c{ü immer üor. , 

Vüfo bu ftel)ft, lüir l)abcn e^ aud) uid)t an- 
bcr^o, unc bn in bcinent •*•' ':)teft. ^Im fo lang- 
tocilig ift'^o nid)t. Mein Tämmerfd)Opvc)i, at-cr 
geiftige 'iffurcgunnen bajür, mic 'AHnter garten 
unb Xobcvfpruug; nnb bann bic :)(e!iigfeiten, 
bic 9?cuigfeiten! X^xin^ ?l — 'Dtamen tun nid)ty 
5ur (2ad)c! — iDotlte fid) bod) neulid) fogar 
mit feinem l:)?citfncd)t fd)iefHMt, aber fic I)at 
if)ni bann OieI)aIr>j;^niage gegeben, — näinlid) bcm 
5')Untfncd)t. llnb bann nod) Mie anberc ^ady:, 
bic bic (3pat^en fou bcn 'Xäd)ern pfeifen, bi: 
luill id) bir lieber mal miinblid) cr^^äl)[cn, t)cr^ 
ftel)|t bu — lieber nüinblid). Seit ^"yorbad) ncben^ 
hei, :i>crl)ältuiffc I)icv inuner unerträglidier; 
;]iM immer üppiger, fimpler Maufmann nid)t 
'mal J)iefcrc»eleutnant, üerjcut neu(id) auf einem 
SiO gan^ einfad) oiernmll)nntcrUaufeub !iWarf; 
Solua^^ foUtc bod) bcm !!Öürgcrftanbc l^on 
Staatytuegcn nerboten trcrbcn! l'nb Monuncr=' 
^icnrätc merbcn übermütig, nnb fetten alten 
^^(d)tuiiblner(ürevu CTcnfmälcr im Iicr;";art:n — 
einfad) im Tiergarten, Wo bi: langet ^Heilicn 
uufcrcr crlaudifen S>c.r;ct)er tcit ^d)önncit:^ 
finii bcv ^jiöick' l)cranbilben follen. 
llnb iuarnni ein Ci^c^fma^:' 'iü.^eir ber .Slcrl ein 
paar Cpcrn gcfdirieben I)at. i\\'id)ficnv merbcn 
fic nod) (Bubermami unb 3inger in'n ^^icrgarten 
auyl)au'n. ytebenbei, ba^i T^ing-^lird^n niuf^t bn 
feli'nl SlMirbe bir ^annc bereiten. Unten 
leicrbcluaffnctcr l^odenfnabe, oben Jsüngling mit 
Oknirfftarre. ^-|>ref^bengel meinen ^Jnfpiration, 
fagc bir Oienidftarrc; Okfreitcr im i/a^nrctt in 
Obcriücfcl fal) genau fo an^^. üBüIolurebe ge-- 
lefen'^ 5lliJ fanuife Xfcftürc au cmpfel)lcn. 



Taufenb Stüd foftcn 24 9;earf banon. Sirflid) 
gebilbeter .v?crr, l^at fogar .Stlaffifer gelefen. ; 
brndt bic rote ÜSanbc cinfad) platt unb fagt 
bann, bai] ber .^Mibra bc^ fo^ialen (rlenbö auf 
gefel>geberifd]em "ill^cgc fämtlidie 5li3pfc cgalloeg 
anc^licbrannt mcrbcn follen. äUuf^t bn lefen — 
jüirflid) billiget i^ergnügen. l]n )i£^ci{)^ 
nad)tcn follen loir ja l)icr nod) nerfdjiebenc 
liiibfdjc "Dinge gcfif)enft friegen. Sd)on geljört? 
!J'icrgartcn nebft Umgebung loirb loeiter Uer>- 
fdiöiit. l^ranbenbnrgec Tor luirb freigelegt, 
red)t!^ nnb linli? romanifdie .Uird)c mie auf 
^iiigyplal3. *?luf ber ß^l)arlottenburger (Jl)auffce 
luerben bie l^äumc gefällt nnb bafür ^^enf- 
mälcr einftiger regicrenber Samen ober fold)er, 
bie ,^um .Ocrrfd)erl)auö in ^^c^ieliungen ftanben, 
anfncftellt — i^arbarin>; gürftin IMcgnitj unb 
(ber fianxc ift unleferlid)!) fdjon in ?lrbeit gc- 
neben, luerben näcbftcn Sonnabcnb fertig. 
iUiilitüretat Inirb l)icr berboppelt, itultnrauf^ 
gaben follen geftridien luerben, ^Hfobemifer er* 
l]alien llntcroffi^^ierrang nnb :^03el)ältcr. 9lbgc^ 
I)a(ftertc Cberleutnanty luerben in ber 3iuil>' 
Uerlualtung al^ (Staaröanluältc lueitcr gefülirt. 
55cl;crlein luirb cnblic^ in ^.?litilagcuiftctnb ber* 
fcl3t, nnb U. l}>lcffüiu luill fogar jci3t Xbocnl) 'nc 
Sorberung fdjiden -— , er bel)auptet, ber iVcrl 
portraitiert il)n immer. 

'^Iber id) l>abc l)eute bormittag meinen GJeift 
mit .SUimmaubieren fdion fo angeftrcngt, baf5 id) 
ibm feine luciteren 'i^-iefftrapa^en .zutrauen 
luiü. llnb auf5erbcnt muf^, Vtnnie g^cid) ba fein. 
Cftern lommft bn bod) fidjer? 

Sh treuer ytamerabfd)aft 

2)ein 

(I^er ^lamenvjug ift böllig unleSbar.) 

♦ ♦ 

IL 

ü? i e b e r 5y r c n n b I 
3d) glaube, bu marteft fd)on ctn 'i^tertelia^r 
auf "^(ntiuort. *?lber bu lueif^t bod), iuir finb 
faul mir ber geber, luir il??alcr. 'J>Saä treibfr 



buV ,^Jmmer nod) 5lopf unb 5lft, nnb 5lft unb 
.•iiopf; luie fd)on bie brci '?al)re? ^a, Cy ift fo 
fcl:iüerl €b bie l)ier ba^ and) fo getrieben 
l)abcn? C'ber ob bic l'uft l)ier bcffcr luar? Sic 
tonnten e^ eben. Siel)ft bn, ba ift l&icr auf fo 
einem fteinen i)hnvbbil.b beö 93otticelli ein 
.^töpfd)en, bav ift gar nid)t gut Qcsdd)nct, am 
'^(uge llappt luaö nid)t, unb cö ift gar nid)t gut 
rtcmalt, feincöluegy — irenigftcnö nic^t bü'-S. 
lua^ »uir X)cntc garbe nennen, locnn'^ aud) babci 
lcud)tet 'luic ein ^ulucl (luomit l)abcn bic ^crlc 
ba6 blof3 gcmad)t*^I), aber eine C^mpfinbung, 
eine Seele l)at ba^^ 5iüpfd)cn — ^ott, ö^ott, 
ift ba^S fd)önll ?;cl) fiel)' täglid) eine ^alhc 
Stunbc baüor; näd)ften3 fcpier' idj'§ mal, aber 
id) trau mid) nid)t. Man mufj ^ubiet ba^n ber-- 
acfien. "^^lan bergifit aber l)ier mand)eö mxb 
fd)nell. 'iOlan bergif^t fogar, baf5 bei (^nd) ilBeil)- 
naditcn ift unb grimmige Äältc, nnb bielleid)t 
oar C^i^ unb (5d)ncc bom .<pimmel faHcn; inan 
nergif^t bie luarmen, tran{td)cn Stuben nnb (Sure, 
tncbermeierlidic. Oicmüt^tiefc, bic bei ber 
^"jrüncn Xanne über bic füf5en .<pcimlicr)feitcn ber 
beutfdicn Ä^ci^nad)t fd)lndi3t. ^unge, f)iet 
fiel)ft bn iet^t mel)r iliofcn unb Steifen an eincnt 
Xag auf ben Strafjen luic bei Crnd) in einem 
:3al)r. (iJeftcrn bin id) nad) gcfolc ^^nauö- 
Ocgangcn. ^d) l)ab<: nidjti? üoit 2ßei§nadl)ten 
gcuterft; cv luar ein grül)lingötag, unb bot 
'^üin unb San ilViniato unb ber (Sampanilc, bic 
lagen in einem golbigcn Suft. Sod) tdj luill 
bir nid)t ba^i .C^er^ fel)ti>ct mad)en, ober bod) — 
i^rabe, id) luill bir')5 fdr)tucr mad)en; la^ ÄVo^f 
nnb ^?lft unb "^tft unb ^opf, fünbige ber ?lfa^ 
bentic bic grcunbfdiöft, ba lernft b u n i cT) 1 3 
inel)r. Junge, felbft ipcmt id) bic Sl^al)l l^abc, 
iu "i^Tlin ober in gloren^ 3U bcr^ungern, 'bann 
,3iel)' id) J'loren3 unbcbingt Uor. llnb ^nan 
tann l^ier fo billig, fo billig leben; ba^$ TOttag 
füftct in ber Trattor ia SO i^U., vino com- 
prcso — 5i?ein inbegriffen. Unb btcfcc SBctnl 
Csungel ;?ungel Ucbcrlcg'5 bir unb gib ber 
grciftcllc gan^ laltbliitia einen TriUj wntec 



^^Ww£-JMpBp|^—i^ ! ni 

»nennen, nnb J!i" c*r enoiia) nad) längereut Sudienl 
eine H>erfüikfid)teit fanb, iücld)c in ben let>ten| 
Jal)ren iit beut ^Hennluefen Oiali^ieny eiuc ber- 
Uorragenbe Atolle fpielte, erklärte il)m biefe über 
fein eiubringlidie^j 'befragen, bie ^Kennen l)ätten 

■■■«■■■■■■■■■!■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ 



■tut 



nu^, C'^ luäre fonft fd)abe um bid), benn bn baft 
garbc. ?lber bie^ luirb man bir in S3erlin 
fd)ün üUyprügeln. ^Jlngencl)ntc^ geft. 

.^d) buntmele nod) ein lucnig nadj beut 
Xontplii(3. Fclice notte. 

.' • Sein alter 

• • > • S l) a n n c v. 



III. 



Sd)äiKl)en, Sd)äl3d)cn, ber "iörief mocf)t mir 

^;icin, 
''^Iber er ntufj bod) gefd)rieben fein, 
(iigeutlid), Sd)äl',d)en, ntöd}t id) bir fd)rciben, 
^-iinr foilen inuner ,^u|antu!cubleibeu, 
'i^erganf, bergab, binsii-'b'ii tuir bcibeu, 
"^ic ftiüen '^l^cge unb nimmer uuv fd)eiben, 
^'iebtid) luär ba^$ unb ixaniid) unb fd)ön; 
*^ibct, Sd)älKl)en, e^^ luirb Uiot)l nid)t geb'n, 
"Xcnn fiel) uml, fiel) mal, bie '^'e(t l)at xed)i, 
Su bift fo gut unb id) fo fd)Ied)t, 
Hub, baf5 luir ^wei nid]t ^infamutcnpaffcn, 
Sd)äj3d)eul Sd)äj5d)cn! id) tann ba^i uid)t 

f äffen l 
5(bcr, lüa<^ ift ba lueitcr ^u mad)en, 
^lUrflid), man tonnte barüber Iad)en, 
^iHc C2} ain)ier fo feltfam beftcKt, 
^cr eine I)at OJeii't unb ber anberc l)at i^clb, 
Unb id) l)ab, luic id) oft bir cr^äblt, 
ii^ber bcn fd)led)tcrcn Tcii geluä()lt. 
llnb, luenn um bid) bic frü[)en Okfiri^tcr, 
^ic bunten Singe, bic l)cllen i'id)ter. 
Sann fit^' id) ba bxan]]en irgeubtuu, 
''Jlnn ja, ba^j !i!ebcn ift einmal fo! 
Sa brauf3en in meinent oben ;^)imnter. 
Meine :9J?cnfd)cufceIc, fein .'öoffnungx-fd)innncr. 
5li>05U? Su fteigft ja ju fonnigcn S:^ö{)n 
Unb id) luerbe eben ini$ (SIenb gel)'u. 

(Sic llnterfdjrift fcl)lt.) 



# 



f 



Berliner Ceben^ 




f SBiittcr in bet ,,®IcftrH*cn'^ 
i 2^an faßt bafe ahJifd^it SSct^nad^tctt itnb 

ßc^en, unb baS ift audfj btc geit ba bic ©tcafecii:« 
ba§rt bic offenen Sommcrlüagcn lanöfam au3 
bem 93ctrieb aic^t unb btc SBintertoagcn au 
l^aen betoinnt. W<a\\ merft baS, incnn man fic 
I'cnu^t; iücnißer a\\ 't>tx, Temperatur alö an bcn 
^tifaffcn, bic abfoubcrItd)t Öeftc^ter fd^neibcn 
unb t>ertÄd6fcIt, berme<^felt \>Ci^ spiä^d>en fptcleu. 
%<S) beobachte ba§ oft — bcnn meine Skl^aufuna 
l^aBe ic5 fo praftifdf; öctDäf)It 'tia^ ic^ bcn bcffcm 
S^etl meiner ^ußenb tuic 3«J^itcr lonanS in bcni 
©onnertoaöcn öedbrinöCr unb 'titw beffccn Seil 
meinet 5öermÖ0cn§ ber (Jrljö^unö bcr S)ibibenben 
jener ©cfeüfd^ft opfere. Sin ber ^ubftatton 
ftcifjc ic^ ein, ixK \>t\\ leeren falten SBaßen, bcffen 
liftigcr SSorgängcr fi(f) cöen in 23cmcguiKö 0^i»-'^t 
\)a'dt, oIS id^ um bic ^dfe bog; — olfo ac^n 
37?inuten toarteu. %<S) fc^e midC) a\\ bic SDJcffing* 
ftangc in bcr W,\i^f Jocil man \^Ci nur öon einer 
(Seite ö^prefet 'cotx,\it\\ !ann, unb nidjt bon beibcn 
S^ad^öarn auglcid^ aufgcforbcrt, bod) ein Jocnig 
SU rüdfen — unb beginne %\x lefcn. 
(f3 ift !att; c8 ift Ijunbcfalt; bic 
blauen Stnßcc aiiicrn unb bic Sä^nc 
llappern im %<di be§ fci^önen Sicbeg: <5ag mir, 
5Bcmi§, iDcId^c fiuft cmpfanbft ^ixsji ^lö^Iid^ 
fpiirc id) eine leifc, pridclnbc, ^interliftt-gc 
äßärmc an mir cmporftcigen, ober tiielmel^r midjt 
emporftcigcn, fpürc fic fid^ auf eine Öcgenb fon^ 
acntricrcn, bic man \iz\ SJJcnfc^cnünbern mino^ 
rcnncr %dfyit mit C^r3ier)ung§fläcf)c 
bcacid^ncn bürfte. %^) rutfc^c ein 
tcenig 5in unb ^tx,, iuic ein S^nge, 
t)cr nidfjt auf feinem Stu^t fi^jen bleiben iriH, 
reibe mir bic 5änb<i, bic nid^t au crlüärmcn 
finb, fül)lc, toic meine 5?afc aufcfuiUt, unb 'ht- 
trac£}tc fc^ielenb, mie fic t»on einem gicgcirot 
langfam in ein, fc^önc3 ^urpurbiolctt übergebt; 
aber jene Verteufelte SSärme axi jener bertcufcl^ 
itw (Stelle trirb immer intenfibcr, unb au met* 
nem Sd^redfen toccbe id^ bon (Sciunbe au (Scfunbc 
me^r getoa^r, 't>Ci^ idCj mid^ in meinem S^id)td 
burdjbo^rcnbcn ®cfür}Ic auf einen l^cimlid;en 
83cfub, einen bcrborgcncn SIctna, einen tüdifd)* 
grollcnbcn äJiont Jpele niebergelaffen r}aüc. Mwt 
id^ meibc fürber bic ^izSit einer unter irbifdjen 
Stätigfeit unb rüdPc CiX\^ bic Xvx, too id) \At fdöönc, 
frifd;c fiuff ber (Strafe al§ 3"Ö burd) bic Sd)ci* 
bcn aus crftcr ^(xx<t> befommc. fiangfam füHt 
ficö iube§ bcr SBagen. CHn beleibter $err irnrb 
mein crftcr Sl^ad^folger. CSr toirb bölb unruhig, 
il^rt fdjcint geheimer ^mmcr a^ bebrüden, 
plöfelid^ Ifgt er nadibcnflid) bic $anb auf 'tid^ 
55JoIftcr unb aiC^' fi(^ bann in eine ^de aurüd. 
^a§ gc§t Jocitcr — fo ac^n, elf 2)?al; bcr SSagcn 
f üHt fid), unb bcr S^üdjftc m u fe cnblid; auf bcm 
^cimlid^en SJcfub fampicrcn. ^o3 fio3 trifft 
eine fe^r bidc S)amc mit einem Äinbcrgcficöt 
unb einet ^fannfud>enbütc. (sie >?rcfet fid) 
(idiacnb in bic '>lMt vsk^ fdiicbt nod) bic 5pfaun? 
Juc^cnbüte alüifdjcn fiffj unb iljrcn S^ad^bai;. 

Unb Tangfam bogijincn \>\t 5ßfanniCud)c*?i tüorm 

au twrbcn, unb cinr' (Sdjmalabuft h\t%i licblid^ 

njic ein grü^ItngSfK ^^urdf) 'ti'Zn ciftgcn Dtaum; 

v«3l> ^iiaS S^inberg'- '-nt langfam rot av 

ocrbcn, fo to' 'irlen hoxxtw ci 

^S'iabein auf be> Tib jaltc 3"fö^''^ 

'■■ cHc ?iV^cnIcu' '' "1^**' 

fciübcn, 

' uttf ^ 



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UUi0^ 



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'l^C-Jt^ty*^ 



-'^^'W^)^^ 







'itit ttcnitüUbttjamklunq. ^ V 

8u öctotffcrt 2^iUn bcl^ ^o/rcS ötöt'iS öt:ofee 

toU Scttcl on ben ©äurcn^.uitb ben fie rthHxS 

Ottöc^en, bcr ficfjt ftc ftc^ on. (£5 ftc^u ba 

ßfl^cfmntSboHc 5Jummcrn, 33u(f}ftabcn unh Sa^r* 

öänge brauf. gür ieben, ber btcfc rot<ii Settcl 

fhibtcrt, um 2:aö unb ©tunbc feiner gf/üünfdötcn 

STntocfcn^ctt auf bem ©ofc bc§ Sanblüc^rbicnft* 

OcbäubeS au erfal^rcn, bcbcutct btcfc§ 53ertiefen 

in bxc 9lätfcraetd^cn eben ba3 ©tcid^: ciu 

3J?orgcn ober ein feormtttagr geopfert auf bem 

HItarc bc^ 3[^aterlanbc§. ©oute er biefeg 0|?fer 

au bringen nid^t getoillt fein, fo toirb er aU 

abfc^redfeubeS iöeifjnel auf ber ßiftc bcr loegcn 

5?ontroIIent3ie§ung mit §aft ober ©elbftrafe bt* 

legten ©ünbcr crfd^inen .... Beim näd)ften 

^ppeU, ioenn bie (Bdytoalben ^ctmtoärtä aie^cn. 

§lIfo man fud^t unb finbci unter leinen ©c^rcib:^ 

fairen ben SWilitärpafe unb begibt fidC) cm frag«» 

Iicl}en ^EflotQcn beim fc^aubcrl^aftcften SSctter 

aufg Sßanbcrn. ^c tiäl^cr man bem ^afernen* 

btcrtel lommt, befto me^r SP^enfdöcn überholen 

einen, bie im befd}leunigten ^cmjjo ba^ gieicä^e 

Siel erftreben. S)ie SBo^Iunterric^teten aber 

öe^en fd^ön langfam unb bei^äbtg, bemt ftc fagen 

fid^, ba^ fie gu ben Sßcrgnügungen, bie i^rcr 

Darren, nod^ immer zeitig genug fommen. i 

S)ie erften 3etd^en bc§ 2)lilttari8mu8 be* 
gegnen unS. ^in ^oc^bclabener ^euhxxgen, öuf 
bem SWauufd^ften §oc!en; ein ©injal^riger mit 
siner S3riIIe, einem gu langen §al§ unb einem 
fd^iefcn ÄotJjjelfd^Iofc; ein (Sd^u!aften mit 9le* 
ferbiftenpl^otograpl^ien; — unb balb fic^t man 
ba brübcn Un!3 auf bem gelb SWannfcfmflen,] 
In Ifcinen Ztupp^ üben. 

SWan lommt über bie fd^loargc örüdfe mit 
ti^ren bielen ©J^alten, burd^ bie ber 9laudC) bcr 
8üge, bit unter i^t l^infa^ren, in Dielen üeinen, 
intereffanten SSöHd^en bringt; man gcniefet ben 
SÖIicC über ba^ tvcitc gelb unb fic^t Joicber bic 
runben fronen bcr Jjaar $apt>cln, bie in ben 
^immcl f(f)neiben, — fo toar cS immer fd;onI 
S)rüben bom Äreu^berg §er fommen auf einem 
fdjmalen Sßegftrcifen bie Slcnte l^erauf: eine 
langt, gleitcnbe ^üi^; imb^ba oben auf bem 
gelbe fte§l btcJRcil^c'bcr (ö^mtenbcn, — eingeht 
unb 5U atpcien unb breicn — in fcltfam großen, 
fd}arfcn/ bunflen ©il^oucttcn gegen bic belle 
ßuft. 

iBor bem Eingang, an ber 55?anb be§ ^a* 
fcrncment§, ba baUt fiel) bie l)arrcnbe Snengc 
au bidf}tcn Knäueln. ^§ iawä^tn (öd^u^mann§* 
l^elme brau$ ftcrbor; man fic^t ^oftfd&trebcn, 
^fcrbcba^nfclTaffner, 2:ajamctcrfutfd^er, ©ict* 
faljrer. 

Öangfam öffnen fid^ bie cifernen Pforten, unb 

bie H^icnge ftrömt ein in ben Qf>l tvic SBaffcr 

: in ein ricfigeS S5cdfen. %n btn berfdjiebencn 

I C^dfcn bes $ofe§ fielen ©olbaien mit 2:afeln, boii 

benen «udfiftaben unb Sal^len leudf^tcn. ^ebcr 

fud^t ftdö nun fein giedfd^en. greunbe, bie bcr^ 

bem s^^f(irnmen f|)rad^en, muffen fid^ trennen. 

?t^ ^^f«* ^*« !^^^ in fünf langen «Heiden bei 

jeoet xafcl; o-bcr imm«r nodC) lotnmcn ißet=« 

fbätcte l^in^u unb fliiebcrn fid^ on, ettreldf)e 

^alb ängftLc^ im Äauffd^ritt; ctmelc^ gan^ long* 

fam, in aV«fid>tlid^ aur (5d^u getragener ^oma* 

1 bigfeit. /C^ftbltd^ toerben bie (älicb«»*- gud^j 




f 



i 



I 



, • •> » -• . .« • 




gcridjtct; 5lommanboS ertönen; unb' iocr 6inn 
für ba^ ^omifdje i)at, geniert eineä ber 
lufiigften öilber. (5inc folcI)c 2:ruppc, bunt ^uj 
fanunengcmürfclt, — ber bidP, bet Tang; ber in 
^oppc, bcr mit ^orfjgefrentpeltcn .^ofenbcinen; 
ber mit Sdiir*" mi^e unb bet mit ^<l)tapptf\n\ 
ber in Qiöil^e. unb fein Sladjbai mit bem 
STnüpftucö; aVic 3arttraditen unb giguren burd)* 
cinanber gcm if d)t; aKc ©orten Mäntel, bic nur 
je (Sd^neibergcift erfann, bermcngt; ©ruft rein, 
S3aud) rau3 — rt)ic ba§ nun mal bei ben ^ö^ercn 
fiebendfcmeftcrn bcr ftäbtifcljcn S3ct)ölferung üb^ 
lid^ ift — , eine folcfe^-^rubpe fönnte einem tü»-^' 

tigen Äarüaturt^ten T^f^)fefliö^,"Ö ^^ fef„ 
ganae§ 2ebcn ^c^,^, ^ ^ ^• 

l|vi^, O ©Ott, mctn fennt mial ^mmer lieber 
II bic 2?)srlefiing ber ^ctXMitapim unb JhriegS-« 
artifell ^Ser ein ^act Stiefel . . . fofern bie^ 
felbcn aU bienftbraud^ibar anerfannt toerbcn . . . 
erl^ält bcr mann cntfprcd^cnbc C^ntfd^bigung in 
(SJelb. :;icb€ ^Dritten fenntlid^ gemad^te S^nb* 
gebung rebolutionärer, beaüglid^ foaialbonofra* 
ttj d^cr gJcfi nnung burd^ cntfl^rcdjenbe SluSrufe, 

iScfange, 2;etlna5me an löerfammlungcn — p. p., 
. . . eine eintägige a%nbt>er^fregung . . * einen 
SBogen ^adpapier ... 47 SO^ann, treil fie . • . 
ein 3Wann, toeil er in bclrunfcncm 8"i*«^öc . . . 
brei S^ann, meil fie in bienjtlid^er ^Ingclcgenl^cit 

toiffcntlicö bic Untoa^r^eit ... '' 

fiangfam fefet aucä^ ber Siegen ftörfer ein. 
Hudö bon unten fricd}t eine ftudjtc .^älte am 
■ 2?2enfd^n l^erauf, unb eS bemad&tigt fid) imferer 
ein Qnitanb let^argifd^cr öreid)gültig!eit. ©in 
gal^r tuie alle ^a^re ift ba ber befreite, ber bor 
langer ©eile l^intcr ber Xxuppt ein ioeni^j lang^ 
famen ©c^ritt übt, fo toie unfereiner bieneid^t 
ein ßicbd^n bor fid^ ^inträUcrn loürbe. 3ft ba \ 
bet junge ßeutnant bet SHcferbe, bem beim £ef en ^ 
ber Strtilel bie (Stimme berfagt; tönte l^tnter unS. 
ba9 löfterlid^e glud^n irgenb eines bösartigen' 
ÖSurfd^en, ber bie ^o^e 2Bid^tig!eit unb ^oU 
hjenbtg!eit beS 2luig<nftlid8 nid^ etfofet unb über 
bertröbelte 2^ii unb berlorencn 53erbienft fnurct. 
S)aS SCufrufen bet S^amen bom gcTbioeber l^öt, 
fo lottt eS aud§ fein mag, ettoaS merftoürbtg (5in* 
fd'lafer^^'»^- * ^^"(^ ^alte, gal!cn<berg, gontin.i 

lian^'" ^^""^'5 ^gör^tt, gelfc?, gettc^net/ 
Jgelfing, gciluAu, -— - --'' . .. «r^*.J 

^ ©tum^ffinnig K^^^^ ""^"cr-'" f.« ht. t^ot^ 
bes ^afernen^ofcS, bte ^aar ^P«",ä^)en. bte tto 

rber bielen fc^locren (Stiefel, meiere fte treten 
S bem LS atrifc^en bem ^-S emb-1br.i3er| 
— — unb beult bet Sieben m ber gerne. ^ i 



i 



ttttoori 



Nr. 32. Nr. 82. 



Die (^t^tnwatl 



91 



S)Q^ ju frü^ geborene Slnb tvax männli^en ®cfd)Iccl)te^. 
S)aö ift mir Don einem preufeifcfien Dfficier, ber in ber frag- 
lichen Seit amtlid) in 9{ufelanb mar, mitgettjeilt morben. 
©obann i[t am 12. Sluguft 1904 bem ruf[ifct)en Saifer* 
paare ber erfef)nte X^ronerbe geboren. 




3al)ntuet)* 



etne ©rote^fc öon (Scorg ^ermann. 

S)aS 3Bort 3a^nmef) ift eigentlich ganj meicf) nnb ^ar^ 
monifc^, iatyn nnb ^armlo«. @ö ift ein SBort faft fo ge* 
müt^lid) unb cinfc^meicl)clnb mie ,,2;orte" ober „@c^ät}d)en\ 
®aö ift eine Ungerecf)tig!eit ber @prad)e. SBenn icf| einmal 
eine Sprache jn fcljaffen Ijätte, ic^ mürbe für 3al)nmet) ein 
aSort erfinben, tioU uon fiinfc^meljenber gSerjmeiflnng, cm 
bo^renDe^, nagenbei^, jerrenbe^, murfcrnbeö SBort, ein fener* 
rotlje« Söort mit f^mefelgelben Sirfjadbti^en. 

3n 3at)nfct)meräen, ba liegt ja etmaS t)on btefem 
3iet)en unb SReifeen, t)on bem Änirfcf)en nnb ^Raffeln, üon 
biefen ^aarfc£)arfen Slabetn, bie fo ganj langfam nnb rucf^ 
njeife Ijeran^gejogen unb immer mieber ein fleineS ©tücf ju* 
rücfgefto^en merben, etma§ öon biefer ®umpff)eit, öon biefem 
©tieren auf einen gterf, m\ biefer Slnt^eillofigfeit an ber 
?lufeenmelt, ber felbft bie ^öct)ften unb tiefften 3)inge egal 
unb fc^nuppe merben, üon biefer üöttigen (Soncentration auf 
einen 5ßun!t unfereö 3d)^, ber nid)t größer ift, afö ein 
S)aumennagel, unb ber bo^ unfere ganje ©eete m fic^ f)in- 

ein frißt. ^ . / r ^ 

Slber um ba§ 3a^nme^ ju fd)ilbern, ba§ \q \)Mt, M 
f)ätk man ein SBort erfinben muffen au§ ätuanjig SRö unb 
ge^n % au§ fünf bumpfen, turjen iU unb jelju langen m. 
®o ein gräßlic^eiS SBort, mie'ö nur bie 9KeiHtaner tennen, 
ober mie e§ bie Ortsnamen in SBaleö finb. 

3af)nfc^merjen marcn ba§, mie eS fiel) bie älteften Seute 
ni^t erinnern fönnen, je erlebt ju f)aben. 3c^ t)erfud)tc 
3llle§. 3uerft t)erfucf)te iij Kant, ber behauptet, man fönne 
bur^ bie Sraft feinet ®eifte§ allein ©dimerjen überminben. 
Äant ift ein S^arlatan fdjtimmfter ©orte. 3c^ macf)te bann 
marme Umfc^läge unb falte Umfd)läge; i^ na^m fämmthd)e 
3af)nmatten, 3a^nmaffer, 3"9Pfföf^^^' 3al)npiaen liter^ 
bu^enb' unb filomeife ein. Set) taud^te ben ftopf in marmeS 
SBaffer unb na^m bann ein faltet gufebab; unb i^ tauchte 
ben Sopf in faltet SBaffer unb nal|m bann ein marmeö 
gufebab. 3^ ^ing micf) eine 5Siertelftunbe mit bem Sopfe 
na^ unten über bem S^ürpfoften jum Srodnen auf unb 
banb mir baju eine ®iöblafe auf bie SKagengrube. 3c^ ter- 
fudjte es mit ©pmpat^ie, inbem id) brei §unbet)aare unb 
ein ©tüdd^en ^eterfilie bei SReumonb mir in ben linfen 
©tiefel legte, unb baju breigetin 9Wal baS 3llpt)abet öon rüd* 

märtS l^erfagte. 

?lber bie 3a^nme^ empfanben biefe unmiffenfctiaftltd^e 
9D?et^obe als eine perfönlic^e §lnfo^lung, unb menn fie t)or' 
f)er 3epf|^r geme[en mären — toaS fie nictjt maren — fo 
mürben fie barauf^in Xornabo ober ber SBirbelfturm ber 
©übfee. ©ie bohrten, tief, tief mie bie Sotirmaf^ine t)on 
ÄrebSjaucfie bei ©premberg, unb riffen unb jogen unb vergelten, 
baß i^ jebe ©ecunbe glaubte, fie mürben mir bie 9Jafe ab* 
reißen, f^lantmeg, mitten auS bem ®efi^t ^erauS, einfach 
mit einem 9tud brei 9Wal runb hierum, ©ie trieben mein 
®efid^t auf mie eine ©i^meinSblafe unb mad^ten mid^ jum 
-abmef^felnben ^ofaunenengel. Sluf ber 9^ert)entaftatur, bie 
5um ©c^äbet hinaufführt, fpielten fie ein milbcS ^arfenfolo 
^mifc^en multo presto unb prestissimo. S9iS in bie Dt)ren 
Ijinauf Inatterten fie mit einem ^elotonfeuer; unb, menn icf) 
ftü^nenb bie 3lugen f^loß, bann blifete eS öor meinem brum^ 
menben §irn mie ein ganzer Slaffeetlatfc^ t)on Äugelbli^en, 



9?orblid)tern unb ^tjnamitei'ploftonen. ©eit brei Xagen l^atte 
id| leine ©tunbe mel)r gefd^lafen, ^atte nur nod^ Don ©ognac 
gelebt, ben icf) mir mit 3^^"tt^^ff^^ Derbünnte. 3cf) mar 
bis jum Sleußerften geiftig unb förpcrlic^ rebucirt. Unb fo 
entfdjloß id) mic^, jum 3ö^narjt ju ge^en. Se^t ertenne 
\6), \ä) fjätte es beffer nicf)t tf)un foHen. 2lber eS ift auS^ 
fidjtSDoKer, einem S^ilpferb baS 31S6 beijubringen, als einem 
Don 3a^nfd)mcrä ©eptagten SScrnunft ju prebigen. 

®er SÜJann mol)nte brinnen in ber ©tabt, in einer ber 
^auptftraßen, in einem grauen $auS mit Dielen runben 
©d^ilbc^en am Sfjormeg. Oben im jmeiten ©tod mo^nte er. 
®anj brüljficbel^ciß trar mir, als ic^ bie 3;reppe fjinauf* 
ftürjte, unb in meinem 5lopfe fd)ärfte Semanb bie 3^^^^ 
einer ©äge. SBenn ein mitfüt)lenber ßeitgenoffe mir mit 
einer Äeule Dor bie ©tirn gef^lagen l^ätte unb fo meine 
©eelenmanberung Deranlafet ^ätte, fünf ®rofd)en ^ötte ict) 
if)m noc^ Xrinfgelb gegeben, berart gleicf)giltig maren mir 
nun fc^on bie 3leußerlid)teiten biefer Sammermelt gemorben. 

©ottlob, baß ic^ nid)t erft noc^ lange ju märten 
braudjte. ©in §err in einem langen, meißen S?ittel mit 
Seinem fpi^en röt|lic^en Sart, in SWitte ber SSierjig. We^rere 
junge Seute in gleiten meißen Sfitteln. (Stäferne Sifd^c. 
JBlinfenbe Qanc^tn unb 9Keffer. (Sine Stcgeftatt. 3^ fa^ 
baS SlQeS mie burcl) ®ajefd)leier. 
{ „3^^"f^"^^^ä^"''' ftotterte ic^. 
' ,M6) — fo — 3ö^"f^"^^^ä^"' ®ö^ haä)k icf) mir!" 
fagte ber §err mit bem rötl&lic^en 93art unb blidte micf) burc^ 
bie (Släfer feiner golbenen SriHe burd^bringenb an. ®ann 
manbte er ftc^ ju einem ber jungen Seute. 

„Srinnern ©ie fic^, |)err College", fagte er nid)t ol^ne 
©elbftgefüf|l, „baß icl) auf pagina 317 meines Se^rbudjeS biefe 
'S8egleiterfd)einungen genau befdjrieben l^abe. Sei) l^abe eS 
fcfjon bei mef)reren 5ßatientinnen gefunben. ®aS le^te ÜKat 
am 12. ©ecembcr 1901. ®er gatl lag nad)^er jur Db= 
buction Dor." 

S)er junge §err erinnerte ftc^ natürlidt), baß biefer gaH 
auf pagina 317 befc^rieben mar. 

„Unb mie lange f puren ©ie — ber mit ber 93rille 
lehrte fid) mieber mir ju — fpüren ©ie nun fd^on biefe 
Begleiter fd^einungen?" 

„Seit einer SSoctje i)ab^ id) bie furd^tbarften . . ." 

„§m," unterbra^ mxd) ber §err unb mad)te ein fe^r 
ernfteS Oefidjt. „?lcf)t Sage — alfo — fofo — l^m — 
DoHe act)t Xage fc^on. Sc^ fürchte mo^l . . ., ba merben 
mir fog(eid) jur ©i^ftirpation fc^reiten muffen." 

„Sn ®otteS SWamen" — fagte i^ unb ftö^nte — benn 
bie 93o^rmafc^ine in meinem itiefer fd^ien gerabe auf eine 
©d)id)t (Kranit geftoßen ju fein unb raffelte, judte, rudte 
unb fnarrte, baß id^ eS in jeber ^aarmurjel fpürte. 

9Son je^t an finb meine (Erinnerungen etmaS getrübt. 
3d) meiß nur noc^ genau, baß micft mel^rere Seute feft^ietten 
unb tro^ meines ©träubenS mit (Semalt auf ben glöfernen 
tXif^ nieber brüdten. 9)?an l^ielt mir eine Sappe DorS ®e* 
fid)t, unb icf) j^atte einen faben, füßlid^en ®erucf) in ber 
9}afe. SBaS fie bann mit mir gemacht ^aben, ift mir 
ent(d[)munben. 

SltS icf) ermatte, lag i^ in einer meißen ©tube in 
einem meißen 93ette. Sd) fül^lte micf) fe^r matt unb l^atte 
3a^nme^, 3^^"^^^^ 3^^"^^^- äReine S5ade fal^ auS, menn 
ic^ baran Dorbei jum genfter blinjelte, mie ein ^immelS* 
globuS. Unb als id) mid^ bemegte, föl^lte idf), baß Don 
meinem SKagen auS ein paar Steigen Änöpfe nad^ unten 
liefen. 

2)er ^err Don Dot^in mit bem meißen Kittel, bem 
rotten 99art unb ber golbenen öriUe faß an meinem 93ett 
unb füf)lte mir ben 5pufö. 

\ „127," murmelte er ftiÜDergnügt. Slber bann, als er 
fa^, baß id) bie 9tugen geöffnet ^atte, manbte er fic^ 
an mic^. 



„®ie finb fd^on einmal in SBel^anblung getuefen?!" 

„SRein" — fagte id) — „aber id) f)abe immer nod^ 
3al^nfc^meräen." 

„3a — fic^erlid) — icf) fann micf) nid^t täufcf)enl" 
rief er ganj erregt. „3c^ täufd^e mid^ nie. 3)ie SBernar* 
bungen fprad^en ^n beutlidf). ©ie finb gemiß fd)on Don 
meinem ßoQegen |)errn ^rofeffor ©c^neibenbad) operirt 
morben. SBarum leugnen ©ie eS? S)aS fie^t aber biefem 
^^fufd^er mieber ä^nli^!" 

Sdf) Derneinte burc^auS. 

«Sa" — fagte ber |)err — „icf) fldnbe nämlicf) fonft 
l^ier Dor einem SJätl^fet. 3cf) meiß nic^t, mie id) 3^nen — als 
Saie — baS erflären foH unb erflären fann. 9Serftef)en ©ie, 
eS mar einfach nicf)tS me^r — glattmeg nic!)tS me^r ba — 
jum ©jftirpiren — nichts — gar nid^ts me^r. 3Benn fie 
nic^t meinem ©oHegen ^rofeffor ©d^neibenbad^ fc^on in bie 
$änbe gefallen fein follten — biefer SWann ift ja als rüd* 
fid^tSlofer Draufgänger befannt — menn biefe meine 
fefte SSermut^ung fi^ mirtlid^ nicf)t bema^r^eiten foHte — 
fo fielet in Sinnen bie gefammte mebicinifc^e 3Biffenfd)aft 
Dor einem ^^änomen." 

„©c^ön," fagte id). 

„SebenfallS," ful^r er fort, „l^abe id^ bie ©d)nittmunbe 
mit knöpfen unb Snopf(öcf)ern Derfe^en laffen. — 5)enn 
©ie merben boc^ nicfjtS bagegen l^aben, baß id) ©ie näd^ften 
Donnerstag ber mebicinifi^en ©efeflfd^aft Dorfteüe unb bann 
DieUcic^t nod) ein paar mebicinifd^en (Songreffen." 

Sd) f)atte gar nid^ts bagegen. (^eiliger ^immet, maren 

baS 3^^"f^^^^ä^i^0 

„3^ f)offe," fagte ber ^err Iöd)elnb, inbem er fidE) er* 

l^ob — „id) ^offe nun, baß fic^ biefe nidjtS fagenben SBegteit* 

erfc^einungen, bie ©ie — als Saie — mit 3<^f)nme^ beäeicf)neten, 

enblid) geben merben. Denn, nacf)bem id) mid) burd^ opera» 

tiDen (Singriff überjeugt ^abe, baß fie eigentlidf) boc^ ber 

93afiS entbehren, über ber fie — rein miffenfc^aftlic^ be* 

trachtet — fidö eri^eben bürften . . ., ba meine ic^, toirb 

il^nen bod^ mo^l ober übel fein anberer Slusmeg bleiben, 

als Don felbft ju fc^minben.'' 

3n ber mebicinifc^en (SefeUfdjaft erging man ftdt) in 
langen Sieben über mi^, mäf)renb icf) Dor 3ö^"f^"^^^ä^" 
aus ber $aut fu^r. Drei Süd)er finb über mid^ ge« 
fc^rieben morben, Don benen in jebem bie QSerfaffer ber 
beiben anberen als gemeingefä^rlid)c unb unmiffenfc^aftlic^e 
ß^arlatanS — giebtS benn miffenfd)aftlidöe?! — bejeic^net 
merben. 3^ f""f Doctorbiffertationen i)C[bt id) ^erf)alten 
muffen. 3500 SKarl mußte icf) für bie Operation . jaulen, 
ben 3lufent^alt in ber S!linit unb bie Xrinfgcfber für bie 
Ferren Slffiftenten unb bie §erren Unteraffiftenten nid^t 
eingeredE)net. 3c^ f)abe Srad^ gefc^lagen. Den gaH überaß 
l^erum erää^lt. DaS foftete mic^ 600 SWarf megen S3e* 
leibigung, übler JWac^rebe unb ®efcf)äftSfcf)äbigung. 3)?ad)t 
äufammen 4100. öis aufS ^emb f)at man mid) auS* 
gepfänbet. 2luf ©tro^ f)at man mxä) gelegt, mie'n un* 
reifen Slpfel. 

Unb baS SllleS nur, meil id^ in meinem ©cf)merjenS* 
furor mit biefem gottsjämmerlid^en, l^unbSgemeinen 3«^^n^^Ö 
ftatt red^tS, linfS in bie 2pr gelaufen bin, ftatt ju ®rmin 
©c^ul^e, Qaf)naxit, ju 5}5rofeffor SuliuS SeD^, grauenarjt. 



5Dte |)oltlik ber %fer. 

9Son Marsyaa. 

®ic ^Jlcnfc^en biefer ^age merben tnältg an i^rer (ScftuIweiS^eit 
irre. §atte man i^ncn bocft von frü^ auf beigebracht, \>ai ^reugen« 
^eutfc^lanb ber monarcftifc^e (Staat fei; l^atte iod) meiter baS ganjc 
i^ffentUcfte Mm ber brei legten önftren i^nen biefe nnitarifcf)e ©taatS^ 
form in i^rer fd^ftrfften 2luSprägung öorgefü^rt. Unb nun, ba fie 




m(^en bes ^erbftes. 



M 



rnupfcn ift für aöc Söclt ein ^öd^ft 
iumonitii(i;cr ^uftanb. 9?ur für einen nic^it, für 
bcn, ber i^n W. 3)a« ift nnmUc^ ba8 gatnic on 
bcn meiftcn fomifd^en fingen, bog ftc gtrar für ben 
^Dritten ungemein ulfig fmb, ober für ben, ber pf^ 
pcrfönlic^ mit i^ncn ju bcfaffeu dat, ein ocrtcufclt anbcrc« 
(^e\iö)i auffegen. 3f^ finbc t9 immer fetjc amüfant, 
h?enn ein onberer nic^t au« ben Slugen unb au« 
ber 9?afe fe^jcn fann^ unb im Saufe eine« ®cfpräc^« 
avi9 jc^n bcrf(^iebenen ^afc^en ^cljn berf(^|icbcll^ 
i^afc^entüc^er terbür3iejt, in ber ganzer SConjlala be« 
^Perlgrau unb in nn# Ö^rögen — tom S^finiarN 
ftiicf bi« jum ^Icüind^ — ; unb trenn er boju feinen 
©afe ju (Snbe 6ringt, toeil fein ©ejirn eingeroftct 
in fein fc^eint, unb, h^enn et enbtic^ bor bem 9(6- 
fc^icbne^mcn noc^ jtrcimal nicft, ba§ bie S^inten- 
Jäffer tom Jifc^ fliegen . . . fo ift ba« immer fc^r 
luftig — für uns. 

Sl6er für ben armen Äerl? Gr f^aiit bie ganjc 
3cit ba3 (^cfü()I, alö ob ifjm bie 9?afc langfam jum 
©efici^t ^crau^gefc^raubt trürbe; mit langen 9?abeln 
picftc (ober k^i man picffte?) alfo picfftc man i^m 
burc^ bie ©c^Iäfcn, unb mit pcnj langen burc^ ben 
^intcrfüpf. 5Bor feinen n?e()(eibigen Slugcn fc^tüom- 
men ^rauc ^d}U\n, unterbrochen J?on feurigen fünf- 
ten, bie h?ic TOicfen auf unb nicber fticgcn. ©ein 
©cbirn n?ar eine gä^e, träge Sl^afje, ganj terftocft 
unb ijcrbummt. '2)ic Biö^rrc \dm\tdU if;m nac^ »er- 
brannten Änod^en, unb feit ad}t ijagen irunberte er 
firf; barübcr, in ioelcben öerfc^icbencn gormcn unb 
^tggregatjuftäuben „©tro^" auf ber SBelt eyifticrt: 
aU %U\\(!I), al« ©cmüfe, cl« eingemachte Grbbcercn, 
fogar <xU ©u|)pc. (5r glaubt, bag @trob ber lefetc 
Urftüff ift, nafl^ bem fcic Qü^emie fc^on lange fuc^t. 

©eit ac^t j^agen ift ber 5(rme cbenfo ber 9D?ei^ 
nung, bog fein SO^enfc^ je einen tocrnünftigen ©a|} 
gefc^riebcn bat, unb ta^ bie äJ^cItberrfc^erin ^xd} 
©tumpffiun nennt. CSr bat e« fogar mit SBillicIm 
SKeiftcr terfuc^t, aber folcj Duatfc^ ift ibm überbaupt 
nod^ nicbt oorgefommcn. SSon ber ganjen SD^ullf 
intereffterte i^n nur noci) ba« Ürcmpctenblafcn, unb 
bie ?Jülitif, innere unb äußere, ift ibm Sßurft, ma« 
ia bei bem ©tanb ber gleifc^prctfc auc^ nic^t 3U ber- 
ac^ten ift. 

$ötte id^ einmal über «inen 53aterm3rbfr Stecht 
ju fprcf^en, fo h?ürbe ic^ einen ©r^nupfen bor, tüäb* 
rcnb ober nad^ S3cgebung ber 2;at al« ftrafmilbemb 
nebmen, n?cnn \d) ni(i)i meinte, bag e3 jum %m* 
fpruc^ auöreic^te. 2;enn ein SD^enfc^, ber einen orbent* 
lii^en ©c^nupfen bat, ift überbaupt fein üTtcnfc^ mcbr. 

Unb ie|jt, meine Ferren vnh ^Tamen, ift fo bie 
rechte S^xi für ttn ©c^nupfen — feine frbiJnftc ^tüte* 
geit. 3e^t ift er fo bäufig, toic ©äufeblümc^cn im 
SWai. (S« gibt berfc^iebene ©orten öon ibnen. @« 
gibt ioelt^c 3. 53., bie blübcn nur 14 2:age; fie fangen 
im Äopfe an aU ©cbirnfc^nupfcn unb oerlaffen un« 
als SHeigen burc^ ben fleincn ^c\) bc« Unfen gugc« 
n?icbcr, nac^bem ftc auf ber ©trecfe mebrfat^ ©tation 
gemacf;t ^aben. 2)a« fxnh bie geiuöbnlic^en SlBalb« 
unb SBiefenfci^nupfen, bie in ber ^t'xi ibrer »«lüften 
53lütc bi'c^ftcuö ouf gtrölf 2;afc^entücber bcn iag 
fommen unb im gonjen c9 ungefähr ouf 140 
bringen — Joa« einem SBafcbgelb ton 4 HWarf unb 
60 Pfennigen entfpric^t. 3)ann gibt e« aber ©c^nupfcn* 
|n>iüinge, ©c^nupfenbriüingc unb ©(^nupfeniubcl* 
greife, bie ein 5lltcr ton 7 SWonaten erreichen: eine 
ganjc ©c^nupfcnattade, ein ^clotonfcuer ton 
©c^nupfcn auf einmal, nebcneinanber, übeteinanber 
unb bintcreincinbcr. 

©ebr gut für ben ©cbnupfcn ift 9(bbärtung unb 
ftifc^e Suft. Wlün iai nämü<fy nc^ nie gefe(icn, bog 
ftc bem ©c^nupfen cth?a« gefcbabet bitten, ^rrt 
©egenteil, er gcbeibt torgüglirf; tahti unb füjlt p^ 
bödift n^obl. 5^a« gleiche gilt oon ©tubenarreft unb 
innerer unb äugcrer Srmärnumg. ©ic fc^abcn ibnr 
auc^ nur feiten unb erböben fein SBobIbefinben. 3)a« 
öcfte gegen ben ©d;nupfcn fcfieint mir — fotoeit 
meine (Srfabrung reicht — , i^n mit ftummer 33er=< 
otbtung iu ftrafen imb ju tun, oI« ob er überbaupt 
nic^t ba tt?ärc. 3^a« beleibigt manche ton (Sbrgefübl 
unb [xt troüen \xd). ^tber man fann aud^ auf anberc 
©c^nupfen treffen, bie bann fuc^«tcufe(n?ilb toerbca 
unb fagen: „^lu jrabe." 

* il^or biefcr ©orte ©änfcblümc^cn möchte x(^ ©i» 
bicrmit toarnen«». Gregor« j 



I 



!» 



'^' ' ' ^U (Sonnctifinftctui«. ' -— i--i-> -^ 
3u bell iinf)eintlli'6en 5)ingeu auf (^rb^ti g^l^Öiett 
oilcircil bic ^cnncnfiiiftcniiffc, aucf; bie 3Jionb=»^ 
fiiiftciiiiffc finb ctamö uieifuM'iibigca itnb iMiigieicu 
in eine i)icir)c mit bcn 6l'omcten, iH^ii toiicu ckufo^ ^ 
fein iÖ^ntfif) 'fo xcd}i tveiß, aH^3u fic cicjcntlttf; \iot* ^ 
(mnrcu finb. 

fXi« ?(ftrüncmcn lyaUw ci^n fificn liiugft nadf;^ 
9ca>iefeu, ivic felcf^c («enueufinftcrni^ juftaube fonimt, 
iinb fic rcifnieu cö aiuf) au«, genau auf jebntel (5c^ /^ 
fiuiron, tvann, ti>o mit) U>ie fi2 beginnt unb aufi^ört /"T^ 
^lUc fic baö maif^fii, Uurb niii iniinei' ein 9iätfet ^^^ 
tlciOcn, aüec Mef)ci f;a6cu fic — i?eni 2ai rfibeoit l^"^ 
nu — iiiiuici 9iccf^t 6e(;a(tea. 3Bannn nebencei tic 
Scinieufinfleruific niif)t in. genau g(eiif)en S^it^i^i./J"" 
ftänbcn a>iebeifolu'en, fo baß cinfacf) ic^cv^ ^iiub ijou 
beute t>iö iu od': CSiuigteit fagen tanw, )x\mn fie ftatta 
finben roeibcn, taii ift mir (mic fo ticicö fcnft) un^^ 
flai — uiib icf) f)altc baö füi einen SWegicrungv^fef^lct 
in bec :ii?eiti.H-bnuug. Z\Mi lüüibc bocf) ben iöetiieb^ jj/» 
hiigcnieiu Dcretnfacf^cn. llunb t:ci\\n ßiCt fie — bie 
(^LMirciifiiiftcinix? — ni>d) SÖanbcriJürfteüungcn, nuidht 
euuiiat ein? ^Xouiuec buitf) ^luftralien unb gaftiert^ 
ein anboinial in 9('oibameiifa, 2'uniö unb Cbcc- 
ägvptcu — alk^ D.^anieren, bic bie 6efc^idf;te Uuu^ jj y 
pli3teicn, beu 9(ftvünoincu nunii^ ©elb fcfteii un: am 
Ci'ht>e becf) feinem Süienfcfieii 33üitei( h'ingcn. 

3if) eiinncre uiicf) necf; bcutUtf) an t^ie le^le^ 
3onncnfiii[tei*nio I;ici\ 3ic \i\u furj nad) <Sonucn* 
aufgang unb fanb 0ei iD^aiienbcrf ftatt. — DKimücf^ J^ 
bei ii3ciüii gef)t bic Bcnnc nidfit auf.; \m !riegen 
bie ^"onnc inimec crft, mcf)bcni fic ein paat Wmnkn 
aufgegangen ift. 2:ic gan3en äßodßeii ücttjct fpracfj^ 
ade 3i^e(t nur ijön ^^3i'i)tukian3cu (ober fo ä()nlid^ 
bicH boö 3Boi't) baö li>arcn gcucrfäuieu bie niit^ j y 
einer uncr()i3iten (33e(if)iDinibig!eit — idf) glauße bcn 
ü,O01 in ^ei* taufenb[tc( Scfunbe — i)cu bcc (£ounc 
iu 'i^cn Sffiel'tenraum ge(cf;kxi^ert lüurben, fo(cf)e ^Ict^ 
Fontaine illumineuse — tjiedcidvt aui5 brcnncnbcit 
^siiiciftoffgafen. 2c[^ \oUit ctluaS fel)r fcf)önc0 fein;, ^^ 
loenu man ein G3(aö anrußen ließe, fcnntc man e« 
beut(icf) f^^()cn. Ikib foldf^e berußten unb fcfjn.virjcn 
OHäfer lL>uvben ein begelirier mit) lMe( getaufter^ 
l^rtifel; unb man fonnte fie füc einen ©rü'fcf;en ncbft 

einem langen ?icb unl S3efc()reil)ung Uon bet ^cnw^u »^ Y jT 
finftcruiö faufen, — b(\ß \X)\e eine 3icf)f^1l^»l'^'li^^ 
anofab, unb bie Oonnenfinftcrniö in fdE)iüar3em unb 
pelbem uiiO Mutrctem 2:iuc! in aU ibren ^fiafen^ 
batfteüte. 3rf) ii^eiß, idf) t;a5e niid^ bamalö fel)r gc^ 
uuiuoert, wie bie Seute baß ft^oat büibet iüinert^ ttp 
ifonnten, h)ie hc\^ nad}l)n !ijmm^u imirbc. 

.^uq, man tvar i[ebr in ^lufregung. Unb bic 
irirf-tigftc grage \vcit bie: h)irft bu bir bie «Sonnen^«^ 
fiufteriüci anfeilen ober nidjt Xcwn e^ tuar, glaube 
icf\ 3uni cber 3uU, unb bie (Sonnenfinfterniö in^J"^ 
9J^^rienborf fanb ju nacfitfd)(afenb[tec 3eit ftatt. Me 
fagten ficf> ja, baß cä n)a8 9farcö n:äre, aber Diele 
meinten borf), e^ ginge fid;erUd{) ciucb c^iue fie bfibei. ^^ 

iluD für idm Pfennig !onnteii fie fidf; baö im ^i(D 
[ebi* fc^HMi anfe()n; anberö iDÜrbe ba^ md) nicf)t auö*^ 
[ifvauen — unb alle Sünnenfinftcrniffe bec i[ßett iüäreu 
^nfanimengcnDUimeu nicf»t fo tüicf^tig, boß fie [id) beö^ 
batb '.'ine 9(\iq)t um bie Obren fcfjlagen foüteu. ^ 

jTaÄ ivaren bic SD'Jatci'ialiften. 

9(ber tie 3beaUften gingen mit 5linb unb 5legel^ tf s"^ 
unb einet <Srf)na|))öfftnfci;<e — hm eö feÜte ptcfelid) 
eifig falt iüeiben, n>ar i^ropfK^eit ! — Jfeij 9^ad^t^u/^ 
lim ^iLüHfc aiif'ö Xem|>e(()ofer getb in ber iHicbtung^ 
iiacf) jDiaiicnborf. ©an^e 6larali\infn ^ogen ba bin- 
cwiü. gliegenbc 53ubifcr legten be n(^runbftccJ joi^ 2^ 
ihren tiinftigcn 9icicf)tiimeru, tau[e:ib lagerten lui "^ 
3icicn, cö WiU bao reine l^(?acf;ttagei: i?cn (S^ranaba 
auf beni !ieni|)etf)cfer ge(b — imb iücr nid^t ber^ 
3ünucu(iufternicf iH^-gniigt entgegei» ijcf^uardf^te, ber:» 
pii1gt?'fic6-baTnit, tajt er §afe« ijf^^üi^be 6(arnicfeJ^ ^ 5^ 
jagte, bie burcf; bie ungetoüf;nten iik^fuci^er aufgcftijrt 
UM reu unb UMlb unb im Sidsactfurc« iu ber 2äinme* 
rung bnrcf) bic 9}icnf(f^cnjd)aren fcf'ejfen, berfclgt iumi^ 
einer iüb(:Mibeu SlRannfcbaft, bie nadb if;reu ©euntag«* 
braten Iiiflcrn U>ar«^ ^ J^ 

Unb bann, — ^cmn 1l>ic befijricbcn irartj e^ (;«■• 
icurbe fdf;enfiiiib falt, m'D ein SJßinb ging unb ei«- 
1 Staub fani, bcifi man gar ui(f;t mebr tüußte, ob man 
ein 3nngc ober ein 3)?äbdf)en mar, unb in bem ^icixib 
,'unb bcni $li>inb ging ba binteu bei SDiaricnborf -^^ ( S^ 
mc einige befnui^teu — fülcf)e fd/ioaijc Scf;eibc auf 
mit einem roten .^h*anj berum. 

Xie ilTtatcria(i|ten fagten: unb bejioegcn foü mau^^' 
fiif) eine ^tacT^t um bic Cbien fcblagen! 

?(ber bie 3bea(ifteu fagten, cö tväre f;od(>intcrefianf^ 9^ 
geu\,'en. ' 

Tiefes 50^i( ift ja bie (Sounenfinfterni« bcn bec 
^cf)crbe inunerbin (c()ün pra!ti|cf)er gelegt Würben — 
nbcr gerate in bie bcftc SOTittagöjcit. 

^cnu fic mal bcö 5(benb»s sn^ifcben 9 unb 10^ fjT' 
ift, febe xd) fie mir l^eftimmt an. Z;i l)aU id) am ' 



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'ttmtt'nid)t n.^'^^^'^^.^^^^^. meffc^r molltc 
bic hei ifjm gcfuttbcncn QJcgcnftäubc auf einer 
Stuftion in ber Sc^ön^oitferftra^c gefauft ^o^cn. 
5lod) bcfonb fid^ in einet böfcn för^rUd^n 
33cfcf}affcnl)eit, er Ijat hjtcberl^olt einen ©ctbft^ 
morbbcrfud^ gemalt, ^cr (^cxid)t^f)o^ fcf)icb 
einen gaü, bcr einer fpäteren ^Jer^anblung t)Ot^ 
bcl^altch bteibcn foll, gegen SSaucr au§ unb öer- 
urteilte nur bcn ^^IngcfTagten 3Icifd)cr ju b r e i 
Salären Qudjt^jau^, ^off) h?cgcn öctjrerei 
in einem JJoUc ^u neun 93i o n a t <?ti ÖJ d • 
f ä n g n i g. SBaucr trurbe itjegcn ü8cilc(<!ing f a^ 
f(f)en 9?ainen^ ju fccf)g 38ocf|cn §aft t)cr- 
urteilt, ©r bleibt in §aft. 




( ©omtett ' Sluffjanfl 4 U^r 32 9)Htt. <25omicn * ntttcrflöng 

7 U^r 24 yj^in. 

1872. f^fcierttd^c ©röffnuitfl bcr bcutfrfjen SHctd^S^ 
UtttJ^crfttaf in 6tr:if;burfl. 

^ ^ouitctt^JIufgauö 4 U^r 30 yJHtt. ^onitcit •Untcrgaitfl 

7 nt)r 25 ^Jl«in. 
1813. 6cl)lacf)t bei Üül^^cu unb (5Jrof;görfc^ctt. 
1864. iüictjcrbccr f. 



e^ fori I)tcr über baö ^;!rftucllftc gcfcf^rtcbcn 
loerben, bcfümmcrt c» bod) bic iS^cU mc^r oI§ 
bic 9tu(|cn iinb Japaner am Sarufluö. mc^r aU 
(£übofrtfa unb bic iiJJoglidjfcit etncö franco^ 
italicnifdKU S3iinbnifK^, inc^r aU bcr fpan^ 
ncnbflc ^pro^eö; cö ift immer unb überall auf 
bcr ^öX)c bct^ T^cma, flaut nidil 4^, c§ bcfd)äf^ 
itgt einen guten teil ber 93?cnfc^^cif unausJgcfct^t, 
unb ic^i Uor allem, ba bic 3tad)tigaÄett fogar am 
^a(;ic finden. €bcr gtaubt in unfcrcr auf:= 
gcfiävrcu i^cxt niemanb mcljr au bie ^^xd^tigaricn? 
^d) lege icbc gclt)ünfd)tc cihe^}tatüid}t $yerftd)c^ 
ruug für i^vc Ciiftcna ab;, td) ^ab«, fic fdion 
gcftcrn glucffcn mxti trällcctt .I)ürcn, 3lpci <Stüd, 
bic fid) anthjortetcu tjon'-ftdcir (Bdcvi:hC''S ftidcn 
($5artcn§ ^cr. inj - ,if dr 

2lbcr lüäbrcnb id) nun ^iamffan'IHiCU bcfäKt 
mid) bic ^Ingft, iinh id) fomtöc Btti!.büP> rtlc jcnci* 
5Jarr, bcr t>tn Oäcan mit ^.|ct|^lm 3>)*inbcrf}ut 
aui?fd)ö|ifcn lüoHte. ttmi -ß 

3(^ möditc nämlirf) ctmaS üb(nr>^Btcbe;^|HKtrc 
fd)rciben; mau ^ört fo Ircnig bon i^neiHjwUiau 
lieft nur boii ü^nen, tücnn fic loic H^'riii^ Ä/tt|jJct 
unt i^rcn ^.^ctftanb !ommcn, unb fo 3tuci}fn^tc> 
bummc Finger, bcncn man n?cbcr öif^c^j^cji 
(Sd)iefen3affen in bic ^anb geben foüte^^^^^vi 
bicfcn t)crfängliri)cn ^nftrumcntcu fd)Ied)tcn-öe - 
braud) mad)cn; tocnn eine ber bcibcn ^Parteien 
mit einem fpi^cn Jjj'M^i^umcnt ober einer bcij^cn 
bcn glüffigfcit bcr aubcrn bclocifen luiU, bafj 
fic if)r für bic ^aucr biefcS (Srbcnbafc iny nn'ö 
bic näd)ftfoIgcnbcn IHconcu einzig unb allciii 
anzugehören r)at, imb iocnn bei a ober b, luie 
©ufd) fagt, bic ^xcbc feinerfeit» bleibt, unb er 
i>ci?^a\b fd)moricub bei (? »tc gebt, bürtf}in, tvo 
Hc ••^'i^gcnfät^c fid) au^^;]HB^ — bann Ircit..u 



•ön bcr i^tcöe, no^niijv^f* ivx 

^übcrgöngen. ■ r^^^^ "^^ '^^i :uo -^^• 

^ofe fic ber Stngcl|)unft beS <Bexn8 ift, l^at 
fd^on ©d}o|?cn]^aucr gefagt, er läftert fogar, bafj 
fic t§rc ^aarlodcn unb S3riefd;en in bie Ißorte-- 
feuiöcg ber 2??inifter fd^muggelt; biefem Kapitel 
berbanft er feine öerü^mt^eit, unb bie tneiftcn 
27lenfdjen, bic ©d^oj^cn^auer fonft für eine "Cht 
SSIumcnfoI)! Italien toürben, fcnncn i§n beS^alb 
unb red^nen ifjn itnter bie Jß^irofop^en. 5tud5 
^at ©d^ojjcn^auer bie böfen ^onfequenacn bcr 
Siebe gana ridjtig crfannt unb bic (Baä^e fo als 
eine 5lrt (Sd^Iagfaüe bargefteüt, ber SBcg au ir}r 
ift mit Sudferplä^d^cn bcftreut, aber e^c man'^ 
fid) berfiel^t, fdjlägt über einem baS ^c^ 3U* 
fammcn, unb bann lüirb einem langfani aber 
fidjcr ba^ geH über bie O^ren gcaogen. @r bcr* 
gafe aber ^n fagen, ba^ Liebespaare für alit 
SL^elt aufter füreinanbcr imauöftcblid) finb, unb 
ba^ infolgebeffcn um biefc ^afjrc^acit gute aloci 
drittel bcr 3?lcnfd^5eit nod) ungenießbarer h?ic 
fonft finb. ^tc berfalaenen ©peifen finb an bcr 
^Tagcöorbnung, man trirb nunmcl^r fd)on rein 
aur ©alinc unb fönnte mit 2ot§ grau in ''BetU 
hetvcth treten, ^n ben Oiefdiäften totrb nid;t3 
gearbeitet, unb bie jungen 'SJläbdjen bitten um 
Urlaub, ba fic in§ ^i^catct Irottcn. 2iebe§paaxe 
finb ftctS unauöftcljlid); man gel)t beß ^tbcnbs 
fpo3iercn unb benft über feine ©efd^äftc 
nad), man fc^t fidj nic^töal^nenb auf 
eine Söan! am S^cgc, plöt^Iid) fielen 
Stvei !denie auf unb bcrlaffen beleih, 
bigt baS gelb i^rcr S)ummr}eiten. ^te ©tim^ 
mung ift ^in, bn fü^ft, ba'j^ beine 5(nn)efcnr)eit 
ftörcnb iDar, unb bamit bift bu au§ ber ©tim^ 
mung, an^ bem 3"f<^n^utcn^ang mit beinen (3z^ 
ban!en unb fd)icbft hid) Iviebet ben ßarcii unb 
^^cnatcn au. 

5)od^ eö Qiht 2(ugno^men unter ben Siebet* 
paaren, aber fic finb feiten. Seromc Ä\ 3cromc, 
bcr feine cnglifc^c ^umorift, l^at einmal ein 
fold)eö ^^?ärcf)ert beobacf)tet. ©r tvoljnte ouf 
einem ^uc-boot einen Sommer lang, ba' eö 
unentlücgt regnete, eö fiffcitc am 3?iorgen, eä 
^dßttete am lOiittag unb eö gof3 am Slbcnb, iuäl)^ 
renb S3li^c für bic SSelcud^tung ber Ufer forgten. 
!ieben Sonntag jogen be^ 9JJorgen^ un5äl)lige 
2ieb^^\>aaxe in ben fleinen SSooten an il)nt 
borübtr bic 2:^emfc I)inauf, luftig, berlicbt unb 
guter ^inge, unb am ^^Ibeub lamen fic triefeub 
gurud, mißmutig, berjanft, unb fd^rieen fid^ 
CijrobI)citen in^ ÖJcfid^t. 91ur einmal jog ein 
^^aar am ^auöboot t^xübev, bie be^ Ülbeubi?, 
auögemafd)en e*cnfo luftig unb glüdtid) F)eim^ 
famen, Ujic fi(i%ill IDJorneng au^gejogcn maren. 
Unb aud) miiflll mal ein ^^aar foId)cr feltencr 
l^ögel begegnet, ein junger ^erl, bielleidjt ein 
Zn^^M^Tj unb ein ^ing bon 19 ^al^ren, bie 
^intcrfauf bcr (£tcftrifd)en ftanben, gansiicbenö* 
luft unb greubc, ^luci bi[br)übfd)e iÜJcnfdjen^ 
tinbcr, bic cinaubcr anlad^tcn. Unb alö fic 
an ber ncid)ftcn J&altcftclte obfticgen, miu!te id) 
if)nen nad) unb gab i^nen meinen (öruß unb 
meine '4ijünfrfK mit. Sonft aber finb LicbecJ- 
poarc unauii^ftcljlid) für bic il^itmelt. 

Ö) r e g r. 



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(!c< gibt überhaupt nii?tfl Gdpöncre«. cl3 Tic^ Mc 
i5-crtid;rittc ber 5\iiltur ju tcrgcgemrarti^cn. ^cm 
man fo tcnft: crft iroi tcr 6Ucnfpan ba; baim 
(\Uiuhic iiMU ((^cn tvunbcr, iraS man (^attc, tric bic 
llnfif^littfcrj: auffam, uiib \innn f)tclt bic 5P?e^CTa!cu:• 
lanipe il?rcn CSinjug, tciwn ta^ ^>ctroleum, tt: 
öiciö — cb^r [aßt man baC Öaö? — , unb cnbli:^ 
bo« Ölcf{riui)e. ^^ct (jcutc ein 6ißc^cn »aö auf fi^ 
l;ält, rcr muH «^'(^ Ölcftriii)c« ^a^cii. Cr trfl^l'J 
3irar immer aufl, ii^cnn t<x ^pfuc^ nreggrcjanv^fn ii't. 
unb ninnnt für fui) fclbft Mc ^.'ampc, iccil'« C!lcfUi(.i;t 
(o teuer ift — akt l^i6cn, ()a6cn muB cr'ö. 

llnb mit bcr C^eijunj ift cfi ganj äljnlir^. grulicr 
buttc num Cefen — \o{d)c ttti\^:n Xtngcr, ^ic in 
t>cn öcfcn ^criimftanbcn unb ^'lat^ trcc^ nahmen, unb 
ba^ ifivibd^en Icim t^ci ä'iorc^cnö, trarf einem bi* 
Gtutc Pcl) 5lc()Iciiftiicf'{)cn unb i">oIjfpciiie, nnb mati;te 
nrl^cnfier ciiuf» gcucr an. 3ci} erinnere mid) no^l) 
ftcin^ bcutliif) ans meiner ^i.'ßcnb \)fx, [Adjt Ccfcn 
gef-'bcn ^u l)C[b:n. Cf3 cj^"»^ i^-'^iH*^ "üt einem braunen 
^cbaiüon in bcr ^"^litte, Ca5 eine S;[;äfcrin beim 
»^"^eumo.i^eu jcij^te, inib ganj bunte a^ab t^, bie tcic 
rinc 9iiltct6ut9 ouf Urloufi viuS'afccn mit iluiiiuf/cn 
nnb 3^"i'<^" "^^^ 3<^cf:n. Sic tcrf:^öntcn cinfvi^t 
jebcö 3i^"^<^'^. "''i^ ^^ ^" ^i"* cii^em CSf^ftu&cn« 
cinrici^tung InneinflcIItrft ober einen n-nV'n ü?elftcr» 
[alon — c5 )vor tcnfcmmcn s'cict) — , man fvil) niir 
bie 9iitt<:vbur<:^ auf Urlaub. 

^a — ba« ujar mal. 3e(jt ftat m.'jn c6fn 
^cntralbeijung. Sc« ift bequem, cinfaJ; unb prviftifil). 
^>V.n fiebt /;i<! ^)ci:,uiu3 gar nid)t; unterm Js'eiifter ftcfien 
b.i fü ein puar cifenie ^^'ehrcn — bo^^ iit cillci. Ctcr 
bicfe Cr^^tpfcifen ftchen mitten an bcr SBanb, ba*? 
bu nicf)lö icnft [^inftif'en fannft, — bcun ^Jiöbclfrürf: 
barf man ia ni.t't p naij an bie SfntraLVijUKj] 
Iiercinbrinc^en, fonft fpringeu jtc t>cn otxT:\ bii iint?M. 
W\i ber IPJiete :;al}(t man bic .^>ci^uni3, bamit ift afl'\^ 
cricdjt ~ unb nun brau;[)t man [li) tcn ö-n^rn 
lieben langen ir^intcr nid^t mehr um tic 2ciM ^u 
fümmern. Sloine ?N-rau er^iblt bir, bajj fie id^y^ 
m:tcT taufcnb 'i^refjfi^bl.ni bcftcKcn muf^, bic imm:: 
teurer nn^rben, fein 9Jui:.ivcn behauptet, baf? an :i^i:: 
muigen Stelle bic grau fcfbit ^^cim cii^crm.d^t bätte; 
bc3 3JuT0ien.^, ivcun bu auffie(»[t. ift tcin 3i)nmrr 
fvf)on md]\<\. unb ivcnu bu Did; ',ur ircblvcrbiciitei' 
9iui}C bcvjibft, ift cfi aud^ nc>d; ivarm anc'n 53acf^ 
cfcn. 

•iurj, bu fiibUt bii) ivic G'-eft in ^rxinfreif). 

9ia — jvi, ein paar ^^civfrän^c bcit ci\id} nt^i) 
^cntval^ci^ung. ^v?a« jvaic i^i-llfcnüneu jrriüf)'!! 
.^v.nimcl unD (Srbc? ITic ?u|t ift ein Hü-tcn indcA. 

3^cm ^ilft man ab, inbcm man SBaficrfc^alfn [?:!> 
fteüt unb nafje Wappen auffangt. ^Ta« feü tr.;;! 
bcr ?uft bic nötige g-eu.'^tigfcit c^cbtw. Uiit» bai^ 
ficl;t bic ganje ©e^nung üu3 iric eine ^Ud}t n^i 
kinbcrftubcn — überall Irnngen 2Öinbcln. llr.b tvel^^ 
bcm fann in .J)chwn in Untcrägi^ptcn t\t Suft niilt 
trccfcner fein. irj}cnn braufjcn 3e!)n Ovab ^ijciinn 
finb nacf; SKcmuIu« unb ?ieaumur, f)cijt tein grei:n5 
nuten im Steuer ein, al« cb cfl ©tcin unb '^^ei'! 
friert; unb bu ma^ft beine ^eijuug abftcllcn fü vi.I 
bu irillft, cö nübt n'vd^H, Ztin Jpermcmctcr ^riiit 
fünfuni:5tran3ig. Jyiicrt'« ober 8tein unD ^c\v,, 
bann fonnft bu puften, fo Diel tu mll\t, tic Cuccf^ 
filbcrfäulc ficttcrt nid;t I;eT;cr cl5 ^cyn ©rab. \h\^ 
n?cnn t)u unicn beni iliann.ipi iieüec ba« fagft, meint 
er, c5 muffe wai an bcr C'^eijung faput [ein, bic 
Ti'6\k n>ärc burc(igebrannt. 2Öic oft vi) ba3 lum 
\d}on gcl)ört Ijabe, baß bie 3^öfte burci)gcbrannt i't, 
fann ir^ gar ntc^ü jäfjlcn. ^d) irciö ui:f;t, tra5 bii 
?iöftc cigcntlicf; ift; aber ic^ fteflc mir tcr, fic mn'? 
foId)c ?Irt ocn SÜ'affiercrpoften. bei fcct ^f^tralbcijir.ij; 
befleißen. Unb mit cincmmal — gcrabe in bcn 
S^agen, an bencn bie 8pa|^en tor 5lälte tcni X:/i} 
fallen — ba ücrfagt bic ^cijung c^an^ — unb t-it 
ft<3t ben ganzen gcfcfilagencn Ütag cci ©a^Ii.T;!, riiu 
um bic Temperatur erträgliif; ju bcfontmcn. Xrin? 
?IngcbiJrigen febcn aui wie bic SKitglicbcr eine« 
fappcnlagcrS. 

5lbcr faum iroti, brci Jage, bann ift alle« irlcb.T 
beim alten. 2^tr €d)abcn ift repariert, ^ra'.rrn 
fmb jc^n ©rab 5Bärmc unb bei bir fiinfunl3n\inV'.i- 

^Tag ber SSirt fein (Selb b^^t uiiD nii;t (ici^en 
laffen fann, n.MC c« meinem grcunb neuIicT; gegan^vn 
ift, bcr mit ber 3cit 1""^ 53Iaufu4)i8 gefrcreu ^.\ir, 
ebe er bom (3>ericf;t bic CSrfcnntni« crftritt. tic T'lch* 
nung augerbalb Ic^ Äontrafta in tcrlaffcu — ba'\ 
fo ctira« and) tcrfümml, bafür ift eigcntlid^ tic 
3entralbci}ung nicl;t i^crantTvortlic^ gu marinen. 2a-i 
ift pcrfiJnlic^e« ?ec^. 

Hub n^cnn mit ncc^ jcjn feiere g-ciflc rr^ci'M 
riM'irt^en — fei bem, nMc bcm n^cllc — auf bic 3-^^t^-^^' 
Oci^ui^g lüffc ;c^ nun einmal nic^it« fcmmcn. 

Gregor. 



» 



^ 






Der Oauf ing. 

alten ®rle*e«, "« "f ^^ ? ®"'fl' """'"«n* 

bie 3af)t bet »«Irenen «no g i ^,„, 

e n. Brteutenbc ift ««* ,fb^ geigelte« aJlonattn 

{teigt. Obet mctn ^^\'^%.'Zn anbetet, toU 
»cniget fe(t «m «mg « i'S'J^" ^' „„^ b.d) »et. ■ 
ein Stiüantring. «« ''« «««J ^ng immer je«,« 
, ben auf einen tetloteieu, »^ "» W ^ j^jt^ ftel,t ' 
»ertoteue ^^nnge «„. J>. ^ ^ ^^^^^ ,,„ 

»"^S if. H* ein ^Ä M f j ^;„ f^;;; 

ein gan, «einer, sel;;"" t Jitp 6u em . 

L obctt unb neu in bio ^flen ja ».t gen tlm 

* J™n eure 5Wuttet einft ba« alte @*nud. 

• ««neSeifcben in bie *>tb naf,mt, ba« He 
iwnjig Hetne Jietimen m c 

f fÄ ;reigM,e £bet üLuef. «nb n,.e 

f "*PuA 'eine «am wr|rf,oUcne im» »ctblaBle Siebe«. 

u^SnX mi -S«"U«u8 « mf*«iegenen 
5e,t auftauet« um i .^ ^^^^^^^ ^^^ 

SS'anS. Ä Wet unb ■:«^fen.t.e„ ,u Hen- 

Unb h^ie ttautifl ietflW e«, wenn wir in bet 
./ , so^n Im aefen «u^olül-fT^nb uu« ße9e«fi6er e.nen 
U.n«n OTenfdK" «bot eine iungc grau fe^eu mit ben 
vXiten ©lieb bet boppclten fR.ngc, «üb un« e.J 
\ Slitf in ein etnftc« ®eR(^!t eine f^wcte unb Bitfete 
®eftf|i(^tc 5U et;äHcn weiß! , | 

S>te Heine, golbene Jtefltt! ©le ttet gteube, »U 
Biet Seib, n-ic biel Ungcbulb unb a«V'f,tieben()«it, unb 
«er@(ii<I 6äU r.e un,fdjlo(,:en. ®.e »am, «.^ 
f*euetn, unb f.e fann. itie xi) emmot ■« «««n 
Ln (^togmuttet« 8iefce8btiefen ia4, „un« ba« Sei.« 

uiij J«W<'>'t»<n ui^«'*»*«*-" Gregor. 



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London, 1. Dezember. Daily News meldet aus 
Washington: General Crozier, der Chef des Verwal- 
tungsbure^us des Artillerie-Departements, erklärte, bin- 
nen kürzten würden Schritte getan werden zur Bildung 
einer Flotte von Luftschiffen. Der Konstruktion der 
Luftschiffe sollen die Entdeckungen der Gebrüder 
Wright in Dayton (Ohio) zu Grunde gelegt werden. 



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Pssst— ! 

t?on ©eorg ^ermann. 

4c gotifd^e 5?arifQtur ift bic Biblia pauperum bcö öffcntKd^cn 
Scbenö. 2Bic bic 9lrmcnbi6cl ficf) an bic loanbtc, bcnen baö 
gefd^riebcnc, gcbrurftc SBort fein Seben gewann, um ju if)nen 
mit ber ftärferen Suggcftion bcö bilblid^cn (Sinbrudö ju fpredöen, fo raenbet 
fid^ bie politifd^c Äarifatur agitatorifd^ an bic brcitcftcn Sd^ic^ten bercr, 
tt)cld)e nid^t ju (efcn ücrftc^en, ober bcnen eö an S^it mangelt, ben 93c:» 
mcgungcn ju folgen. Unb fctbft bcnen, meldte im politifcf)en Seben fte^en, 
miß fic, roie in einer 3lnmerfung einer gloffierenben ^ufenote jur QtiU 
gefd^idE)te nod) einmal in fd)lagenbcr SBeife ba^ üorfüfjren, maö f)ier baß 
Springenbc ift. Äurj unb flar miH fic ben Sinn erfaffen, tnaif^p unb 
fd^arf if)n jum 3luöbrudf bringen. 6ic miß nidE)t erft mit unö untere 
fianbcln, unö mit ©rünben ber SScrnunft etraaö bemeifen, fonbern fie miH 
unö btenben, unö überäeugen, ef)e mir nac^benfen fönnen. Sie Seleud^* 
tungötücifc ber poIiti)d)en Äarifatur f)at nid)tö von bem ruhigen STageö^ 
Ud^t, meld^eö crmärmenb felbft bie Sdiatten auff)eHt, fonbern ift cfier bem 
2lufbligen beö etettrifd^cn Sc^einracrferö ju t)ergleid)en, melc^eö ^ier breite 
Sic^tmaffen ^äuft, um fie gegen tieffdömarjc ®d)atten nod) greller mirfen 
}u laffen. 

SDiefe 3lrt ber 33e(cud^tung jmingt bie ^arifatur in if)ren 9lngriffen 
übermäßig fd)arf unb ungerecht ju merben; alleö ift iljr agitatorifc^c 
SBirfung, fic fcnnt unb miß feine 9{üdfidE)t fennen, nidE)t einmal 3I($tung 
üor bem ©egner, fie mitt verlegen — c'est la guerre — ; aber Äunft 

©te ©efeHjc^aft. XVII. — JBb. I. — 5. 19 



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282 



©ermann. 



unb SBig loQcn im erftcn 9lugcnMicf ücrgeffcn madjcit, roxi wüäjtv ün^ 
crbittlid)fcit I)ier gcfämpft löirb. 

Sluf anbcrer ©citc barf bic poIitifd)c i^arifatur — (bei aller ©e* 
l^äffigfeit ber Singriffe) — niemalö i^rer großen 3)liffion uneingebenf fein; 
fie barf nid^t fleinlid^ auf ber Dberf(äd)e (jaften, fie mu^ tiefer ge^cn, 
baö [jinter btn Singen erfennen. Selbft n)enn fie fic^ gegen eine ^erfon 
irenbet, barf fie in ü)v nie ii^n 3Jlenfd;en, fonbern nur bie 33erförperung 
eineö leitenben ©taatägebanfenö erbüden, mu§ biefen burdb feinen 
SSertreter auf bie 9ln!Iagebanf bringen. Unb fo — ^crausgel^oben über 
baö ^Perfönlid^e — muf] bie poUtifd^e Äarifatur im ©egenfag jur 31E* 
tagöfarifatur, meWje fic^ mit ftiHem Se^agen in taufenb J^umorDoKen 
geinfjeiten ergeben barf, monumentale 3üge aufmeifen, gebanflid^ unb 
formal :^apibar[d)rift fc^reiben. 

Sapibarfd)rift fd^reiben ber Sßirfung auf bie 3)laffen racgen (bie 
furäfid;tig mie ftetö äierlic^eö ni($t ju lefen oerftanben). SWonumentale 
3üge aufmeifen, um 5U jeigen, bog baö, maö fie befpiegett, wa^ fie be^ 
fämpft, turm^od) über bem fleinen Sebcn, bem engen Äreiö beö ©injelnen 
fte^t, etmaö ift an bem mir teil Ijaben, baö in un§ unb bod^ au§er unä 
liegt, etmaö, baö erft ba^ S^fammenmirfen oon taufenben üon Gräften 
bietet. Unb je gewaltiger, eherner ber S^on ber bilblic^en Sprad^e, befto 
breiter feine Sebenögrunblagc, befto bauernber — weit über itn S^ag 
l^inauö — fein Sßert, befto ftärfer bie ©uggeftion, meld^cr mir untere 
liegen. 

Sßenn mir bie ®rei)fu§farifatur aller Sänber — bie JDregfuäfeinb^ 
tid^en mie bie S)rei)fuöfrcunblid^en überbtiden — fo fönnen mir uns bem 
©inbrud nid^t entjie^en, ba^ bie ©re^fuöfeinblid^en agitatorifd^ mit größerer 
^raft mirfcn, tiefere gefc^id)tli^c 5{?erfpeftioen, meitere gebanfli($e ^orijonte 
eröffnen. 9Jlag bie oertreteue Qad)t eine gered)te ober ungered^te fein, 
fie bilbet ben 3ßid^ttern im legten ®runbe nur bzn 2luöbru(J eines Äultur^ 
lampfeö, bie SSerteibigung beö SRomaniömuö gegen Seutfd^tum unb ^uben- 
tum, unb mä^renb eö bei ber ©egenpartei oft nur ein ©treit, eine mifeige 
Seleud^tung beö ^aKeö ju fein fd^eint, fo ^at man Ijier ftets f($arf unb 
prägnant ben Untergrunb ber Seraegung betont, feiten ober nie rergeffen, 
ba^ eö fic^ eigentlid^ um me^r bre^t, mie um einen ju 9led^t ober Un=^ 
redE)t verurteilten Dffiäier, um mel^r, mie um bie ©ütjmmg ober ©lorifi^^ 
jierung eineö Suftijmorbeö. 

SDlit ber politifd^en 2:^ragmeite biefer SIrbeiten gel^t ^anb in ^anb 
einfache, gro^e SBirfung unb ein oft l)o^er lünftterifdfier Sßert; aUeö üer^ 
fprid^t ifjnen bauernbe S3ebeutung. ©ö finb ölätter barunter großen 



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283 



©ti(ö, n)ic fic bic politif^e ^arifatur feit S)amnicr unb ©aoarni faum 
tneljr gcfc^cn l^at. . -; 

Sßffft 1 ^ic^ baö üon ^oroin unb ßaran b'3l($c ^crauö« 

gegebene SBi^blatt; eö Derbanft bem 2)rei)fuöfan feine (Sntfte^ung unb 
tjanbelt faft nur oon i^m. 3^ guter Stunbe fei eö gefagt: 5ßffft — ! ift 
auögefprod^en beutfd^ — unb iubenfeinblid^, auögefproc^en antireüifioniftifc^. 
2l6er — , id; meine —, mv fielen ^ier ben SDingen fo fern — , finb 
tt)of)I intereffiert ^ahn anä) ^Partei genommen; flehen i()nen aber eigent^^ 
lid^ bod) fo fern, ba§ loir ruijig eine anberc 3Jleinung ^ören fönnen, ofjne 
in .^Qrnif($ ju geraten; unb wix ^aben ja ^ier nur über eine SBert^ 
fd^ägung in fünftterifd^er ober gebanflid^er ^infid^t äu entfd^eiben. SBaä 
im legten ®runbe SHec^t unb Unred^t, raer möd^te ba mo^t ju ent* 
fd^eiben raagen? 

^^Jffft! fd^on ber ^itel l^at bas ^red^e unb ^rotjogierenbe einer 
©trafeenpfCanje, eincö Souleoarbtreterö; aber er mei^ fid^ ju behaupten, 
tt)ei9 gel&ört äu merben, mei^ auf fid^ ju lenfen. 

S)ie beiben S^ici^n^^ finb alö bie crften Äarifaturiften granfreid;^ 
befannt. Sie finb nid^t immer parteiagitatorifd^ ttjätig gemefen unb 
mä^renb ber bittere gorain fic^ nur raenig ju änbern brandete, um feinen 
jeid^nerifd^en ^enbenjen uad^ in baö politifd^e Seben einjugreifen, mu^te 
ber reid^ere, mifeigere, pridfeinbe ßaran b^3ld^e üiet üon feinen intimen 
3ügen einbüjjen, um nur bie ©pradje ju fpred^en, meldte alten, aud^ faft 
tauben D^ren, üerftänblid^ — unb, tüenn mir hzn 3!a^rgang bur($b[ättern, 
fo finben mir, ba^ erft (angfam ber ^ünftfer fid^ fügte, ba§ er immer 
größer unb mud^tiger lüirb, ba& er, ber erft mit fpifeen 5ßfei(en fämpft, 
cnblid^ aud^ Äeulenf)iebe austeilen mlH. 

ßaran b'Sldje unb ^orain finb smei l^eterogene ^erföntid^feiten, 
meldte fidE) glüdltd^ ergänjen. ßaran b'Sld^e ^at nod^ S^rabition, uor* 
jüglid^ in beutf d^en 3^ic^^ßt:n, raie Dberlänber; feine Äunft ift ftetö migig, 
f)at fogar mand)mal faft tii)kn ^umor, feine Äunft ift bemeglid^, umfaßt 
breite Sebenöfd^id^ten. ^orainö ^unft ift enger, üiel enger begrenzt, fte 
I)at nid^t ben fd^illernben 9teic^tum, bie überrafd^enben fapriciöfen ®in^ 
fäHe, mie bie ßaran b'9ld^es, fte fennt nur beftimmte gegenfäfeüd^e Spfjären, 
beftimmte 3:i)penfreife, mie fie erft ha^ moberne Seben erzeugt ^at, — 
fie Iad;t nie, fie ift bitter -- bitter — reißt blutenbe SBunben. 

3lber ^orainö ^arifatur l^at eine ©röße unb einbringlid^e ©infad)^ 
l^eit, mie fie ßaran b^3Id;e nie erreid^t. S^rainö Äarifatur ift uon einer 
Stimmung, t)on einer malerifd^cn SBirfung, mie mir fie bei bem anbcrn 
üergcblidj fud;en. gorain ift 2}laler in iebcm Strid;, er vermag mit 

19* 



/t. 



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284 



^ermann. 






fc^ttjarj unb ircife in %avit ju fegen, ßaran b'3ld^c ift unb bleibt S^icl^ner 
na^ ber alten ©d^ule, wenn awö) \d)x geiftooll, fe^r, fe^r 9efcf)idt, bod^ 
nur 3ßi^ner. Sei S^rain beioegt fid) aUcö, jeber Strid^ fließt, bei ©oran 
V^ä)t bleibt er am ©nbe bod^ erftarrt. i5*5^^öi^ becorjugt nieic^eä 3JlateriaI, 
S3Iei, ^of)Ienftift, beoorjugt eine von 3apan überfommene impreffioniftifd^e 
$infeläeid)nung, weld^e mit an^ unb abfd^mettenber ßinienfü^rung gefcbidt 
gorm unb Seroegung roiebergicbt, eine Semeglid^feit, ein Seben ücrtaufd^t, 
loie eö faum eine anberc SDorfteUungöart ju geben vermag. S^rain 
mobeHiert Slunbung unb "^alU mit fließenben \xä} Derjüngcnben Sängö^ 
ftridE)cn, ©aran überläßt alleö ber 6ontourfüf)rung, fc^reibt mie mit 
marfigen Stridjen einer ^anbf^rift bie 3nbit)ibualität eineö aJlenfcf)en, 
eine Seraegung f)in in feiner großäugigen 2lrt, fidE)er, beftimmt. ®r raeiß 
genau, wofür bie Seraegung, ftärfere ober fd^raäd^ere Sinie erforberlid), er 
fd^afft ein S3latt voo^l in großen, rairffamen ©egenfägen, intereffanten 
?S(edEen, aber bod) o^ne jebe S^Ud^^nftufcn, unmaterifd^, erftarrt. 3Iber 
er ift babei raicber 9)teifter ber Sinie, fpielt mit i^r in fouüeräner 
Seberrf d&ung , fd;afft felbft unmöglid^e Übertreibungen, meldte bod^ 
organifd) mirfen. 

So ergänjen fid^ bie beiben ßarifaturiften beö ^ffft ! ßaran 

b^2ld)e, ber reid)ere, ^orain, ber einfeitigere, aber größere, ber eine ber 
perfönlid^c, geiftüoKe 3^id)ner, ber anbcre ber äeic^ncnbc SJlaler, ber, alleö 
waö er aud^ anfaffen mag, in gefd^loffener Silbrairfung giebt. Unb nidjt 
allein in hzn eigentlid^ äußertid^en, ted^nifdE)en SDingen ijaikn fie SBiber^ 
part; aud; innerli^ ergänjen fie fid^. ^orain forgt bofür, ha^ mir nidjt 
JU marm unb luftig bei ben 3lrbeiten ßaran b*3Id^eö werben, unb biefer 
läßt mieber bie Sitterfeit gorainö nicl)t in unö Über^anb nel)men. 

2Benn ßaran b*3ld^e feinen 9Dlenfd)en ein luftiger 33erfpotter ift, fo 
ift gorain it)r ©d)idfal. SDie 3uben ßaran b'3Id)cö ^aben große ge* 
bogene 9^afen, ^aben große 3lugen, bidc 33äud^e, meiße Sßeften unb golbene 
Ul)rfetten, unb man lad^t über bie ©pottbilber, mie ber 3^id^ner geläd^elt 
l)at, alö er fie fd^uf. S3ei ^^orains jübifc^cn Xxjpcn ni(^tö üon allcbem, 
feine maßlofe Übertreibung, fein (Spott — ^orain trifft tiefer, feine ^qpen 
finb mit Subentum belaftet, mt mit einem glud). ßaran b^SldEie mad^t 
fid^ luftig, bitter luftig, aber er lad;t bod^, ^orain jeigt mit gingern. 

So aud^ feine 2Irt ber Untcrfdjriften ; nidjt migig in unferm Sinne, 
fonbern epigrammatifd) gef(^ärft. Dftmalö üon einer unö unerprten 
Brutalität beö 3lngriffcö, aber bafür aud^ oft eine 3tooel(e in einem Strid&, 
ein Seitartifcl in einer ^zik, Sefonberö üerftc^t eö gorain feinen ®e=^ 
ftalten mie feinen Unterfd^riften große ^orijonte ju geben. 



?ffft! 



285 



„Allegorie". (Sin fcl^r l^o^cr bcutf^cr Dffiäict: — unfd^tüer ift er 
an bcr bcutfd^cn 93arttrad^t ju crfcnnen — binbct bcm 3ubcn bic 3<5l^^ 
ntaöfc Dor. 

»Cassation*. 2)cr 9li($tcr jcrbric^t üott 2But unb ©oß überö Änic 
bie trifolöre ^al^nc. 

„L'Embereur". (b für p ift im granjöfifd^cn ba§ 3^'^^^ jübifc^cn 
Sargonö.) Über ber niebern, bunfetn Sinie von ^ariö ergebt fid^ l^od^ 
in bie SBolfen n)ie eine gemallige graue ©leinfigur bie ©eflolt eines fa^I* 
föpfigen, (orbeergefrönten Smperatorö, an beffen ©efid^töfd^nitt fid^ itnfd^roer 
feine SHaffe erfennen lä&t nnb ^ält in ber SHed^ten ate 3^^^^" f^i^^^ 
SBcItmad^t bzn mammonfc^raeren Seulel. 

„Au secours". 3!n unenblid^er trofttofer SBaffermüfte fämpft, fd^on 
- I^albertrinfenb, f($on faft überflutet, S^la mit btn Sßeflen, ntü^fclig, ^off^ 
nungö(o§, unb am fernen Ufer, als großer bunfler Sd^atten gegen ben 
.^immel bie ragenbe ©eftalt bcö beutfc^en Äaiferä. 

©r. Sie 2luöfid^ten finb fc^ied^t. ©ie. SBir roerben in eine 
anbere ©egenb 5ie[)en muffen. 6r. Unb ^roteftanten rcerben muffen. 

(Unb rcenn man bic beiben fed^ömal burd^ bm Sförban jöge, es 
tnöd^te uid^tö fruchten, fie blieben Snben.) 

Cedant arma togae. Sabori, meld^er ber ©eneralftabßmüge einen 
gewaltigen ^u^tritt giebt. 

®ie (Srille unb bie 9lmeife: 3Imerifa, ba^ brutale robufte Sßeib 
tritt auf bie entfallene ©uitarre ber flcinen fd()mäd^tigcn ©panierin unb 
ftredft ibr ben dizvolmv entgegen. S)ie ganje ©pannung beö fe^nigen 
2lrmö, bie ganje Sercegung beö Äörperö fonjentricrt fid) im Äorn beö 
. ajlorbmcrfäeugö. 3Serängftigt unb bodb lauernb le[)nt fid^ bie fleine fdbroarj* 
äugige ©panierin jurüdf, felbft im Äampf nocf) mit ber 9lttitübe ber 
S^änjerin. Sie ?{ed)te E)ält baö furje ©tilett umframpft unb lauernb 
blidfen bie 9Iugen, ob nid^t bod^ nod^ ein 3lugenblidP junt 3Sorfto§ bliebe. 

Unterfd^rift unb 3^i<^^wng beibe gteid^ fnapp, gleich auöbrudföDoH. 
^ein SBort ju üicl, fein ©trid^ ju üiel. SlUeö gro§, einbringlid^. 

^orain liebt SRüdEenfiguren, fd^eut vox feiner SSerfürjimg. 3lber 
trofe ber malerifd^en 2:cdbnif ift nirgenbs bie ^orm t)erna($läffigt, überaH 
ftedfen menfcE)licbe ©liebmaffen unter ber breitbe^anbelten ©emanbung. 
SDas ©rftaunlid^fte ift mir hierin in bem 33latt l'Enquete de Tassestance 
publique geleiftet. Ser Slrjt tritt in baö ^ranfenjimmer ein unb ber 
fleine ©oljn fagt Ijalb ängftlidl) abnenb, l)alb uerftänbniöloö: 

,,9Jlutter fprid^t fd^on feit gcftern nid^tl" 



X 



286 



Hermann. 



SBic fid^ ^icr unter bcm treiben Settlud^ in bcr leifeu ^altcngebitng 
ber l^agerc Äörpcr ber S^oten abäeid)net, unb wie mit einfa^er unb bod^ 
fieserer 3ßi^nung in iDenigen, jarten Sinicn biefe Sßirfung crreid^t ift, 
baö i[t gcrabeju üerbfüffenb. 

SBie gorainö Stattet nur (Sröf^e, aber bod) feine SSielfeitigfeit bieten^ 
fo finb feine 2lffeftc nur bie tragifc^en, ^a^, SBut, 2Ingft unb 3?eib; fie 
l^abcn nid^t b^n 3?eid)tum unb befonbcrö nid^t bie Saune eines Garan b^9ld^e,. 
fennen !ein 8ad)en, fein (3d£)munäcln, nid^t bie taufenb 2Ibftufungen, raelc^e 
ber 3intag bietet, gorain ift immer Ätäger großen Stilö, unb aud) ber 
fortgefe^te ^atfjoö mad;t ermübenb, unb beöiuegen fiefjt man gern gmifd^en 
feinen SSIätteru bie 3ßid^i^ungen ßaran b^3rd)eö (benn man mill bod^ auc^ 
einmal tad^en bürfen). !^\mx je me^r mir unö bem ®nbe beö ^al)x^ 
gangö nähern — (je meniger feiner Sad^e baö ®Iüdf ^o(b) — bcfta 
größer, ernfter, figurenarmer mirb er — er fd)reibt legt 3lnf(agen, üer^ 
fa^t jegt SÄppeK an bie SanbbeDÖlferung, er läßt alle intimen 3^9^/ meldte 
ableiten fönntcn, aber immer bleibt i^m bod^ feine 33ielfeitigfeit, fein 
S^i)penreid^tum, immer fd;immert bod^ nod; ein $Reft feiner alten Saune 
burdj, in einer fomifd^cn Sinie, einer .^anbben^egung, einer gußfteHung, 
im ©ig bcä SJodfcö. 

6aran b^3(d^e ift immer geiftüoH, immer originell, mol^t einmal 
meniger gut, njeniger Zentrum, aber niemals nid;töfagenb, nie ein Sdjuß 
ins 33laue. 

ßineö feiner föftlid^ften 33lätter ift ber ß^rentag beö (Sroßüaterö. 
Sie ganje Familie, CSroßüater, ©o^n unb ©nfel, alles ftra^lt t)or ^^t^cube. 
2)er 3Sater ^at bie ^anb bem jüngften (Snfeld^ens aufö §aupt gelegt, in 
geredetem Stolj, er l^ält ein 39orberau in bie §öt)e unb meift es bem 
©roßüater. „SDas \)at ber Sunge ganj allein gefdEirieben." 

Ser 2llte im Setjnftu^l breitet feine Slrme aus, um ben talentüollen 
Sprößling an bas ^erj ju brüdfen, felbft ber S)adEel (6. 'S 2:iere, hz^ 
fonbers feine ^ßferbe finb oft üon jmingenber Homif!) blidt bemunbernb 
auf äu bem Sd;öpfer bes 33orberaus. 3m ^intergrunb an ber SBanb ein 
S3ilb mit »ismarrf, SBil^elm I. unb SJioltfe meift noc^ jum Überfluß bie 
Srenbenj ber gamilie. S)er alte jübifd^e ^atriard; mit bem Käppeldjen 
unb bem Sd^tafrodf, bie bidfen .^erren ©ö^ne, fdjon ciüilifierter, faljlföpfig 
mit Sadfenbärten unb i)erfd()lagenem ®rinfen; ber Kleine mit Sud^saugen, 
ein älterer ©nfel fd)laffig mit fd)iefem 5?opf ; bie f leine bidfe 33anfiersfrau, 
— atte mit großen Olafen, aüe mit bidfen, finnlid)en Sippen, aEe mit 
fd^meren oricntalifdjen 3lugenlibern — unb alte lä^elnb, aEe ftraljlcnb 
Dor ©lüdf unb greube. a)iag bie tlnterfc^rift fo fred;, fo unmöglid;, mie 



287 



baö S)ar9cftcnic fein, ba^ ®anäc ift \o DoHer ^omit ba^ man cö barübcr 
DoHenbö ücrgij^t. 

3liä)i oft Iä§t ßaran fo feiner Saune bic gügel fc^ie^en unb fd^on 
ba^ ^lait Concert symphonique (Musique allemande), auf bem bie 
bret)fusfreuublidjen S^itungcn Slaöiuftrumentc fpieten, unb bei bem jübifc^en 
®aft äur Unterhaltung beö Drd;efterö einfammeln, ift bei aller 6f)arafteriftif 
ber üerfc^iebenen Stimmen nid^t mefjr von gleid; sraingenber Suftigfcit 
ber Sälad)t. 

Db all biefc 9luöfäl(c bcred^tigt finb, ift fdjtücr ju cntfdjeiben, iebem 
faHö lüerben fie unterftüfet burd) bie SBud)t ber 3^Wjnung, burd; bie ge^ 
brängte ^orm, in metdje bie 3ibeen gefteibet. 

2ßie man eä treibt 1789. SDer S3auer pflügt unb trägt auf feinem 
JWüdfen btn Sd()[o6f)errn, in feibenem, geftidten 9iod, mit ^aarbeiitel, 
Sacfett^ ®cl}nallenfd)u^en unb Söfarpinö, unb ber SDlarquiö nimmt ge^^ 
mäd)lic^ fein ^rieödien Spaniol. J)aö ^ferb jie^t müf)fam, aber eö 
fommt bod) üon ber ©teile, ©in jiüeiteö ölatt geigt Ijeute ben ^flügcr, 
aber t)eute bricht er faft jufammen unter ber Saft, bie auf if)m rul)t, 
Ijeute trägt er auf feinen Schultern ben Staatsmann, ben Soäialbcmofraten 
unb obenauf atö geiüic^tigftcn b^n 3uben — bie 23örfe. Saö ^^ferb, 
beffen flippen ju jagten, bringt bie Saft beö ^ftugeö !aum burd; ben 
93oben. 

Saö finb Slppelle t)on einer Sprad)e, meldte an überjeugcnber ßin^ 
bringlid^feit nid;tö }u münfc^en übrig lä^t. 

Später üerfällt Garan b'3Id^e oft inö Sigarrc, ^ragen^afte, fdjafft 
nur nod^ in großen ÖJcgcnfä^en, opfert alleö ber Sßirfung, mill aber 
5U t)iel unb überfd^ä^t Dielfad) fein können. So bleibt bei aUebem gorain 
trog feiner ©infeitigfeit ber reid^ere, tiefere, ßaran b'3Id)e, ber fd^einbar 
müfjeloö feinen 3teid^tum auöftreut, bei bem alleö bligt unb fprütjt oor 
(Seift, bodj ber nüchterne, ärmere. 

So groß erfa&t unb luirfungöoüll bicfe tenbeuäiöfcn, politifd)en 
^arifturen, fo jiefie id^ ben ©aran b^9ld)c üon früljer üor. '^n roi^igen, 
l^umoriftifd^en ©rfinbungcn, in benen er feine, fleine 3üge Ijäuft, ba^ faft 
jebe gigur ein eigeneö Stubium bilbet, ba ift er in feinem ©lement. 
ßine beifpiellofe Sid)crl)cit, eine golbene .'panb, bie baö alleö auöftreut. 
SRit befonberm 33ergnügen erinnere id^ mic^ an §unbe unb ^ferbe, bie 
id^ einft oon it)m gefcljen, Don einer Schärfe ber 33eobad)tung unb babei 
Don einer Suftigfeit ber a)lad)e, ba^ man jugleid) erftaunt unb erfreut 
n)ar. 2lud^ l)at er nid^t immer fo mie b^ute auf ber Seite ber ©tjauoiniften 
geftanben, unb id^ fenne von iljm ein 33latt ungcfätjr folgcnben 3intjalts: 



hl 



288 



^ermann, ^ffft! 



L' 



f/Sß/ tüiften Sie, mein ^err, mit bem 3lntifcmitißmuö feigen 

Sic, fjicr ift ein 20sgrQncöftücf; id^ mcrfc eö f)in. SDer ß^rift unb bcr 
3ubc, bcibe laufen barauf ju ; beibe biicfen fid^ ; aber ber 3ube ift fd^neDer, 
er ^ebt eä auf unb flecft eö in bie 2:'afc^e — unb bcr anbere ^at baö 
SHad^fe^en. 2)a ift nichts ju machen, mein $err, ber 3ube ift eben 
fc^ncHer." 

^eute brandet 6aran b*3ld^e anbere SDlittel, um ju rairfen ; bie 2luf^ 
gäbe, welche er fid^ ftcHt, verlangen aud^ ein anbereö Swgreifen. 2)er 
Äünftler \)at fid^ gut in feine neue JRoIIe gcfunben, aber feine eigentlid^e 
Begabung ift ftitt unb friebfertig. 

3Inbcrö bei gorain. Deffen Äarifatur ift fojial, nidf)t launig, nid^t 
mifeig, bitter, ja unerbittlid^. Seine 3ßW)"w^9ßn finb fdf)Iimme 5Rot)eIlen 
auf ein Sßort, auf ein paar Sinien fonjentriert. Seine ganje Setrad;- 
tungöiüeifc, feine S£:ec^nif ift uon ^eute unb geftern, \)at feine SrüdEen 
flinter fid^, roie bie eineö ßaran b'Sld^e. 

gorainö 5larifatur liebt aJIorf^cä, SBelfes, aScrfatt, Entartung fie^t 
überall in bem Familienleben ©cil^eit unb 3ß^^iittung, rei^t grenjenlofe 
|)erjenöroöeiten auf; fie liebt illegitime SSergnügungen, üerfte^t mit einem 
Slinseln in bem müben übernäc^tigten ©efic^t eineö ^otelmäbd^enö ober 
eines .^aiiöbienerö ganje ©efd)ic^ten jn erjä^len, fennt aH bie fraglid^en 
SWoHen, bie Hammcrjofen unb ©ouüernanten in ben fittfamen Käufern ju 
fpielen ^aben, fennt bie 9lolle ber ^zt% ber grauen SKorgenentnüd^terung 
im Seben ber grau, fennt — mie Segeä — bie JioHc, meldte baö 33ab 
unb falte ®üffe im ithn ber ^ariferin fpiett. 

Seine Slätter ^aben alle baö 9Ibfid)tölofe beö ^Jatur^'Sluöfd^nitteS, 
ba^ 3wföllige ber Äompofition; fie fd^einen ot)ne jebe Siegel aufgebaut ju 
fein, unb bod^ bei genauerem Stubium mirb man baö innere ©leic^* 
geit)id)t in ber glecfenoerteilung, in ber ©ntfernung ber ©egenftänbe von 
einanber ertennen. 

9}lan fommt bei flünftlern, bereu SBefen einen titterarifcben, ja faft 
einen journaliftifd^en ®runbäug Ijat, Ieid)t baju, fie ju überfd)ägen if)rer 
fuIturl)iftorifdE)en 33cDeutung megen, foldje Überfd^äfeten giebt eö von Sörael 
üon aJlefenem (XV) an. 

3Iber gorain gel) ort nic^t ju bicfer ©attimg. 5ßid^t baö 9Baö, ia§^ 
SBie mac^t ben ^ünftler. ?Jic^t, baf^ er biefc ober jene Spt)ären auffud;t, 
fonbcrn, roic er fie fiel)t. Unb an g-orain bciuunbere id^, ba^ er unter 
biefem 33erfalt Sc^öntjeiten in '^avb(^, 93en)egung, 3lffctt erblidt, ba^ er 
in einer einzigen Sinie ©emütlidjcö — , ein n)ciblid)eö 3lnfd)miegen, 
S:rauer, 33erlaffenl)cit, roiebergiebt, bafj er mit feinen einfachen SRitteln 



SBicglcr. ©corg §ermann. 



289 



Stimmungen oon mcid^er ä^ri^^it bannt, Stimmungen, meldte ein §aud^ 
zerreißen fann. 

93on bem ®rnft unb bcr ©röge feiner fojialen ^arifatur mar eö 
für ^orain nur ein Sd^ritt ju ber beö öffentlid;en 2ebenö. §ier fiatte er 
jmar mand^eä ju opfern, aber er gemann aud^. Unb au§cr bem ^ranjofen 
Seanbre müßte i^ nicmanb, bcr politifd) fatirifd^e Slätter t)on gleicher 
2:enbenä ju fd^affen im ftanbe märe. 

6ö ift bie Slufgabe ieglid^er jRunft, bie SBerte beö inneren unb 
äußeren 2tbtM umjumünjen; unb bie beroeglid^e Äarifatur l^at f)ieran 
ftärferen ^eif, alö gemciniglid^ angenommen mirb. 

3lux nod^ einige SBorte. SDiefer Sanb f)ier vov mir märe in 
^eutfd&Ianb unmöglicf), mcil unö Sd^ulung unb Stil feJjtt; unb fo fjat 
bie ^arifatur in ©eutfd)lanb nod) nie biefe ^ö^e crreid^t, nie biefe ein^ 
fd^ncibenbe Sebcutung für baö SSoIfötcben gemonnen. Siötjer fe^It uns 
nod; ber 33obcn, auf bem bie 5lünftfer emporroad^fen fönnen, fe^It uns 
baä Kolorit, bie (Sefamtftimmung beö Sebenö. SDcr Simpliciffimuä, in 
bem etmaö bavon ju fpüren, ftcf)t einfam ba. S)ie [jier ermähnten 
3eid)ner finb auö ben Cabarets artistiques Ijerüorgegangen, ^aben bort 
i^re erften 2^a(entprobcn abgelegt, finD untergetaud^t in bie Strubel beö 
Sebenö, bort, too fie am tiefften finb. Sßarum mir feine ä^nlidjen ®r^ 
fd^cinungen non gleid^er SBud^t unb Äonjentration befifeen? ,,33erlin f)at 
alle Äeimc ju großftäbtifd)cm Scben in fid^, menn aud), maö fid^ nid^t 
leugnen läfjt, bie SSer^ältniffc an einer gcmiffen Sebern^eit leiben." So 
fd^rieb S)rol)nfe, ein [ournaliftif^er ^tauberer, 1843. 1843, nic^t 1901! 





Geord llermann. 

Von Paul IDiegler. 
(£übcdi.) 

or ein paar 3ial)ren traf id^ i^u äum erftcnmal. 3!n einem gleid^? 
giltigen Stubenteuüerein fiel er mir bur^ feine unfid^cren 3lugen 
unb ben Iarmoi)anten S£:on feiner Stimme auf. 3lber tro^ feiner fdlimer^^ 




# 



( 



? 



290 



Jöieglcr. 



mutigen aJlicnc war er ol^ne bas ©cbal^rcn bcö Sttleraten ganj befc^eibcn, 
jutraulid), ein aJienfd^, bcn man lieben mußte, unb ber mit feinen (eife 
flagenben unb ttwa^ jerfa^renen Äunftgcfpräc^en baö grellere Segefjren 
eineö jüngeren fdjmeräUd) lieber erroccftc. ®r fonnte niema(ä bie finb- 
lid^e Slnbai^t vor bem aJlenfd^Iid^en üerlorcn l^aben, gang fd^Iidjt, ein 
menig serbriidt trat er auf unb t)efa{3 fo eine raofjltljätige Steife ü[)ne 
^ofe imb SSerad^tung. 

3>c^ ^abe feitbem fein ganjeö SBerf lieber unb loieber gelefen, cö 
ift mir befannt mie lüenig anbere 33ü^er, unb man($e, bie praf)(erif(^er 
maren, finb mir ingtüifcöen nid)tig geraorben. ^Damals tag ein 9?oman 
von ii)m t)or, bie ,,(3pielfinber", bie bei Fontane unb in ber foäialiftifdjen 
5^euen 3Be[t erfdjienen, unb ganj furje Sfisjen mit btm 2:^ite[ ,,9JlobeIIc". 
3lber gerabe bamalö famcn feine ,,3wf^^^ftöfrof)en" ^erauä unb t)or balb 
einem Sci^r bie ©ammlung ,,3luö bem legten ^aufe". 3!n biefen oier 
33änben ift alleö bef($Ioffen, mas (Seorg ^ermann uns geben fann unb 
meiter geben mirb.*) Unb baö möd^te ic^ umfc^reiben, nid^t bie fenfibten 
unb erfahrenen, boä) ungleichmäßigen Stubien, in benen er für bcutfd)e 
unb auölänbif($e 9)Ialerei pfi)^ologifc^e 3luöblicre gefuc^t l)ai, ober feine 
ju nur fpärtid;er 3^^)^ gebie^enen 93erfe unb ^ritifcn. 

Sllö 23erliner ßrjä^ler ift (Seorg ^ermann feit feinem ®rftlingön)erf 
angercbet morben, unb bie 33ergteid^enben fjäüzn \i)x\ t)ielleid)t, cl)c fic feine 
perfönlid^e 9Jote üibrieren f)örten, in bie 9Jä^c beö t)orbratjminifd)cn ^irfc^- 
fetb alö beö SDid^terö beö 3lftes ,,3u §aufe" unb ber ,,3}luttcr" [teilen 
fönnen. S)iefelbe STrauer ber jungen Seute aus bem jübifc^cn Kleinbürger^ 
tum, bie fo fein unb Derleglid) burd^ eine i^nen frembe, ärmliche ßnge 
ge^en. 3fm ^nb^n ober Dften Berlins finb fie aufgeioad^fen, in einer 
fd)lcd)ten Suft, bie t)on iljren 5?lcibcrn nid^t meid;cn loill mie 5?ol)lgerud^ 
auö bm 3intntern, ^aben in ®ngroögefd^äften, in fd^alen ©efeHigfeitS^^ 
vereinen ober in ber Uninerfität freubloä fid) umt)ergeftof3en, inbcö bie 
große ©e^nfud^t fd^eu aus it)nen träumte, bie ©ef)ufud)t nad) bem Scben 
ber bumpfen Straßen mit ben ^inter^äufcrn unb kellern unb bleid^en 
5)Jroletariermäbd)en, alö meinen fie Stu^e unb ^eimat ju finben, bie 
raä^renbe ©tiHe beö ^cierabenbö, ber bie Qual löft unb fie i^re fiebernbe 
Sdimäd^c üergeffen mad()t. S)a loerben fie ju Eünftlern von einer fd^lanfen, 
raeinerlid^en 3lrt, oI)ne jeugenbe Kraft, aber mit einer leibenfc^afttid^en 
."pingabe, bie i^nen Offenbarungen fdjafft, unb auö ber mandjmal mirflic^ 
ba§t ^üf)len einer neuen SJlenfd^^cit flingt, ^erb unb innig mie ein a[5otfö* 

*) Sic tüurbcn ]^crauj§gegeBcn von g. gontone & ©o., S^erlin, in 'Om Salären 1897,. 
1898 m\) 1900. 



V 



©eorg ^ermann. 



291 



Heb auf t)evftimmtem ^foüier, bod) äugletd) bic ©rfenntniö bcr eigenen 
^ragif, beö tiefen SBaffcrä, über ha§> fie nic^t hinüber fönnen. 

Unb feineu von i(jnen l^at biefc Stimmung fo ganj bef)crrfrf)t, mie 
fte es an ©eorg ^ermann l^at. ©eit fie faen geiftig Grmadjten nicber* 
beugte, ift er fte nid^t me^r (oö gemorben. Sie f)at in fein geben unt^ 
©rieben ben ajlollton gebrad^t, t)on bem er in ben ,,,3^if^nftöfro[)cn" 
fpridjt, ber mand)mal lauter mirb unb 5um Sd)rci anfdE)n)i(:t. .^ier finb 
aud^ bie (Srcuäen feiner bic^terifc^en §ä^igfeit; oerfud^t er'ö, barüber 
fjinauöjuge^en, fo mirb er unperfönlid). SDer glatte 2:I)atfad)cnberid^t 
bleibt bei if)m farbtoö, Oeftatten aus anberen ©pljären, mie ber 2lriftofrat 
feiner ,,©pielfinber", finb üerjeid^net, feine Satire ift nid)t üirtuoö, jcr^ 
ftörenb, peinigenb, fonbern fdt)Ieppt fid) mit üerbraudjten aJJotiücn, n)ie bie i^ 
2lnfäfee ju ben litterarifdjen ^^3arobien in ben „SKobeEen", fd^merätoö ba- 
I)in. 9lber in feiner feelifd^en ^roüinj ift er ein Sd^öpfer lüie nur ein 
paar anbere. 9Ue ift bas SBet) jener ©rofeftabtiugenb, bic jum Sid^te 
miH unb bod) gietloö ju (Srunbe ge^t, fo aufrüttelnb bargefteHt morbcn 
n)ie in ^ermannä 9tnfangöroman mit feinen entmutigenbcn [)el[bunf(en 
^intergrünben. ©r l)atk ben Sinn für \)a§> bürftige ®Ienb ber Sourgeoiö* 
familic, ba^ mä()ti^ ^inabjieljt Don einanber unb feige mad^t in ftummcm, 
fd)am^aftem Jungen, für baö brutale ^oö ber unteren Sdt)id^ten, bencn 
bic (Sntgleiften jnirren. Unb gerabe baß biefe 5?inber nur bie ^älfte non 
allem uerftef)en, lüie ber ficinc ®corg, bcr luftig in b^n ©arten fpringt 
unb mit itn SJ)necfcn fpiclt, -lm£ö broben bcr ©eridjtöüoHäictjer lüaltct, 
läfet unö bie unfäglicbc 9iol)eit beö Scbenö t)icr nodj ücrticft empfinbcn. 
S)ie 5linber n)erben ju jungen SDIcnfdjcn. Sie finb rein, doÜ jufüuftiger 
SBerte. Sic Icfen unb bcgciftcrn fid> 3lbcr bann faf)ren fie fröftelnb 
äufammcn. ©ie große Gnttäufdjung fommt. Sic verarmen, o\)m eö ju 
merfen, in früf)er ©rniebrigung. Ober ha^ 33cmuf3t[cin, baß fie ücrarmt 
finb, treibt fie gierigen, glüdöcrlangenbcu Seibeufd^aften ju. SBcnige 
I)abcn in bic SSrü^igteit beö ,,33crl)ättniffeö" fo einbringlid^ gefdjaut tüie 
©eorg ^ermann. SDie ©rotif, aus ber bie Sieg feiner ©rjä^lung ent- 
ftanb, ift bcmütig crnft, ^offnungötoä, unb SdE)n)inbfud^t, ^ranteu^auö unb 
S::ob ift i^r melobramatifd^cr 2lbfd;luß. 

S)aö ift ein 33crid)t, in bem ba§f 2:icfftcmpfunbcne beö 33erid^tenben 
nad^jittert, 25ie 3atjre ber Pubertät I)abcn über i^n entfd^ieben. 

3Sn i^tn ift üicleö abgcftorbcn, aber um fo milber unb feiner marb 
ba^ ®cbct feiner SBciöljeit. 2ßaö nun fommt, ift mie ein Sßanbcln im 
S^raum. ®r ift auö 33crlin hinausgegangen, in fübbcutfd;cn aKilitärbicnft. 
Sd;tt)cr tjat bie §^nb beö rol)en S^^^ngeö iljn niebergepreßt. 3n beu 







\ 



^92 



Sßicglcr. 



paar Solbatcngcfd^id^ten, bic ©corg ^crntann rcrfagt t)at, ift ntd^tö als 
bic fifc 3bee bcß Scibfttnorbcö, bie noc^ im S^agcbud^ bcö ,,8c6tcn 
Kaufes" loicberfc^rt als ©rinncrimg an einen ©ommerabenb t)or bem 
3udf)tf)auö, lüo ber ©efang ber SScrjtücifelten ju bem einfamen 5ßoflcn 
burdö bie ©itter bringt. 2)aö l^ört fid^ an raie ein jornigeö, me^rlofeö 
Sd^Iud^jen. 2lber bie ^-erne gab il^m mit neuen 3mpreffionen unb $er== 
jpeftiüen bie fünftterifd^e Befreiung. (Sd^on in ben flüd^tigen ^^aßobellen" 
überrafc^t baQ nuancenreiche, faft freubige unb frifd^e Silb beö Sfart^ateö, 
beö SBalbjauberö, ben ^ermann feitbem mit nimmer ru^enben Sinnen 
in fid^ auffog, unb mand^mal ift ber Schritt beö SBanbererö mutiger, fein 
.^immet geller. ®ann greift er mit mciten 2Irmen in baö golbene 33(umen^ 
meer beö ^rü[)(ingö, in bie ,,taufenbc üon großen fd^roeren Slütenföpfen." 

S)aä finb i^m ftetä ©pifoben geblieben, bie if)n von feiner 3ugenb 
nid)t frei|prad;en, bod^ feine Begabung üertieften. So fte^t er in bem 
,,3ufunftöfrot)en" fertig ba. (Sr ^at nicl)tö me^r fiinjujulernen. S)ie 
,,t)erängftigte Sd^ön^eit", r)on ber er einmal rebet, ift fein Sr^puö. Die 
Oroßftabtmenfd^en, bie er frf)ilbert, finb abgenugte, in ben ®ram gejagte 
©flauen. SBenn fic äufammenfommen, finb fie linfifd), Ijäßlid^ unb teit^ 
iia{)mIoö. 9iirgenbö (jaben fie eine 3^iff^^)t aud) nid)t in i^n toten 
Käufern, in benen fic mit Dielen fremben ®efd^öpfen jum ©d)Iafe fic^ 
üerfriei^en. 3im ipodjfommer figen fie mie franfe Siere auf bzn an^ 
geficbten Salfonen, bei ber fd^raälenben 8ampe, mit trodenen, gierigen 
Sippen. ?licmanb fragt nad) i^rcm Stummer unb niemanb lieft bie Dpfer 
auf, niemanb af)nt, ia^ bort im @ela§ ein Siedjer ftirbt ober eineä 
SBeibeö äudenber Sd)oß ein Äinb gebiert. 3lße muffen fie oersid^ten, 
elenb unb jag^aft loerben. ?iur feiten gefte^en fie einanber, maß fie 
fd)rcdt, unb looüon fie nod^ immer mit maßlofcn SBünfd^en träumen. 
®ann fe^t fid^ mie in ben ,,2^[)ränen", bem Symbol üon ®eorg c^ermannö 
Äunft, baß ber i^m bid^terifd^ ocrmaubte 3afob SBaffermann mit guten 
SBorten auögejeii^net ^at, eine grau anö Älaüier unb fpielt eine ein^ 
förmige SBcifc, in ber mitunter etmaß fd)ii)irrt „mie baß minternäc^tige 
©dE)reien ^ungernber SRebt)ü^ner", unb bie fid& ^ebt unb üern)ü{)(t, inbeß 
in ben c^örern bie £eibenfd)aftcn unb 9tngfte gelten, bie fie fonft erftiden. 
33iß bic SKctobie ganj langfam in ben grauen 2intag jurüdfäuft unb alle 
üerfdjioffen unb arm finb, vok äuüor. Ober imter ben ©tubenten, bie 
über ben „3DBert beß Sebcnß" bebatticren, fte[)t ein fd^üdjterner 33ud^^ 
pnbter auf, ber mit feierlid^ ungefd)idten SBorten feine ^citigfte Snbrunft 
entf)ül[t. Siß er fd;n)eigt unb nur ber loeincnbe Stegen üon ben genftern 
atieberriefeU. 



y" 



/ 



@earg ^ermann. 



293^ 



2rm r)cftt9ftcn ift bicfcr ocrjc^rcnbe 9]auf(f) in betn irren %laättn. 
»on ©eorg Hermanns „Sefeten ©luten" ober in feinem „^lac^tflcbet" 
etnporgeidilagen. Reiter unb ofine drängen fommen ba ein junger Sitterat 
unb eine ^ok^ äujammen, aber in ber 3>unfel^eit t^ut feine Seele ft(^>4-- 
auf er beichtet if)r feine unöertitglidje Sebensangft. „5lunft. SBas fann 
fie 'bir bieten? ©ie iiödifte ^unft ift baä geben. 3lm »ergranb ftef)t cm 
roeiftes öaus, bort rootint baö ®m unb brübcn im 9Uc^ts toofint eä. 
im ©*Iaf, in ber 9lu^e, im Seben, im M." ®o8 ift fo oott oon meic^er 
gjlufif roie Jöermanns aSifton oon ben roeifeen Saltern, bie tot mit auä» 
gebreiteten ^lügetn neben rot leu^tenben 9Jelfenblüten ben %i^\}'2. 
treiben. Ober baö SSlotw ift gebämpft wie in ber Sfiäje „Unoergelltjes ,. 
bie baö Seben fegnet, nicf)t um ber blenbenben ^agc unb trunfenen 9la(|te 
roiÜcn, fonbern für feine I)eimtid)en, fcf)meräoonen ^(^uitx. SDas fmb 

Äunftroerfe einer f)ot)en SSoHenbung. , ^.,. . 

Oft ^at ©corg Jpermann ifinen ben 83orort al« üKilicu gegeben, 
nicbt metir in ber 3lrt ber «Kufeenftrafeen, bicT^t if)rcn 9leubautcn,. 
fchmarjen ^enfter^ötilen unb @ct)cnfen bereitö in ben „©pielfinbern" ge= 
leoentUc^ 5eicf)nete, fonbern alö !aum bebaute Sanbfc^aft, alö „eigene aSer» 
mifdiung üon ©rofeftabt unb 9iatur". ®af)in trieb i^n feine 31eigung. 
mm ern)acf)enben Seben einer neuen Seit, mie es 3ltcf)arb SDefimet in ber 
ftarren ÜJltjftif feiner «erfc p ergreifen fuc^te. 9luc^ ®eorg Jgermann 
füfirt feine ÜJlenfdien auf bie gelber imifc^en ben ©arten, »"" ««^t^ 
wenn bie Sonne ftirbt unb bie fernen, roten aJlauern im 2ßtberfd)em 
flammen, menn braufeen aüeö inö ©rofee, »reite, Serbe, 5?no(f)igc am 
oeroac^fen, roenn bie legten Set)!oien auf ben »eeten roie somig tn ben 
3lbenb buften unb nur über ben üppigen ©ängen oon 2)a^tten unb 
©eorginen bie großen Sonnenblumen fdiroarj gegen ben igimmel ftef)en". 
3n Sruppö, in'Samilien irren bie Stäbter oorüber, unb atte l)aben grofee, 
fragenbc Singen. Dber eö cntftetit ©eorg J&ermann auä bicfen Sitzungen 
eine ftiOe ®efcf)ic^te, loic feine ^flooeDe „3lue bem legten §aufe". 

Sie ift für il)n fein ^ortfc^ritt geraefen, fo gebrecfilicf) unb tief fie 
ift gür it)n, benn fte ftef)t t)ocf) über manchen, oiel prötentiöfercn «er» 
fucben anberer. ©od) er ^at unö äl)nlic^eö fd)on früber Ö^geben. Selbft 
baö Sragebud) beö gciftigen 3lrbeiters, ber ficft bie paar ^axtjnx Äof 
unb Sogiö mit mübcn Ringern pfammenfdireibt unb in feiner ©mfamfeit 
niditö bat alö ben l)eii3en m gegen bie Särmenben unb Setriebfamen 
beö großen iölarfteö, bat feine Überrafd)ungen. 5lber l)ier ift eine aparte 
5Rotc bie bisl)er nur flüd)tlg angefd)lagen mar; baö fmb beö S)icf)ter& 
naioe ^inberfcenen, in benen auferftel)en loiü, roaö in il)m oerfd;uttet mar,. 




/•■ 



*• 



294 



Söiegicr. (^corg ^ermann. 



bic ^reubc am SDctail. .l^crmannö C^umor ift meifl fentimcntat; faum, 
ba& er mt in bcm launigen „18^, amicitia" ju üerraegener ^crfiftage 
einen Slnlauf nimmt. S)a ift er nüd)tern, ein gcf^irtter Slrrangeur 
bcmütigenber ^leinigfeiten. 3n ben ^^inberfcenenyo^r ift er berlini[d), 
gutmütig, bcrjagti^ mie bie Sentenjen feiner Suifc^^sS^mann im (Srftlingö:^ 
roman. Oänfefpiel, Kartenlegen, 2ßei{)nad)töbefd)erung finb feine SRequi-- 
fiten. 33iö ber S($mers feines ^auptmotiüö if)n aufö neue übermättigt 
unb bie Ud^teren SSorgänge, au^ baö üermeintlid^ Unbebeutenbe unb aKäU 
aSenreilenbe in i()nen, bie Stimmung nur mehren, ©o bleibt aurf) von 
ber ©efc^id^te im ^^Sefeten §aufe" baö ©rgcbniö jurücf, baö ^ermann 
früt) erfaßt (jatte, ber Sebenögegenfag sraifdjen bem beflaffierten fleinbürger^ 
lidien Sitteraten, bei bem „alleö unterirbif^, fdimerflie^enb, gef)emmt" 
ift, unb bem mutigen, üerfteljenben, auffteigenben Keinen 2Jläbd^en ber 

Sirbeiterflaffe. 

9lpart ift unter ®eorg ^ermannö foäialen aJlotiüen aurf) bic 
Sd)itberung ber biätarif^en Hilfsbeamten in ben ,,3u!unftöfrol)en", bie 
etraaö Don ruffifd^er aKeland^olie ^aben unb nur in einer S^i^inung bcö 
2:()omaö 2r^eobor §eine ein ©egenftüdE finben. Sie alle finb Sträflinge 
beö Sebenö, auö i^ren berufen in bie Sd^reibftuben üerfc^tagen, unb feiner 
^at bie Sreube gefannt. 3lber liftig cer^e^len fie i^re 3lot unb janfen 
fid) mitlcibtoö mie böfe Sraerge, gierig, ber üerftaubten SBelt ber ^Regale, 
aiftenbünbet unb Formulare ju entrinnen. SDann trägt ber Sufatt bic 
Sd)iffbrüd;igen weiter, bis fie irgenbrao üerfommen. Xoä) auö biefem 
aSormurf, ber einer naturaliftif^en Süäse ju ©runbe liegen lönnte, rcirb 
etraaö ganj eigenes, baö äarte 3bgll einer Kranfen unb eines mabonnen^ 
haften, blaffen, liebli^en 3Jläb^enS, unb bann ein erregenbes SDrama, bas 
biefes fd)ämige SBinfelglüdE serbri^t, bas S)rama smeier unbefannter 
3)lenfd;en unb aller, bie hinter if)nen ftel)en, bie glei^ ifinen von ben 
JJotmenbigfeiten bes Sebens jermalmt lücrben. S)as ift aud^ ber Sinn 
in ber 3lovt\lt „(Sin ©rufe", ber näc^tli^en eifenba^nfaf)rt mit ftumpfen, 
gehegten aiusmanberern. ©in ©efid^t, barin bas ^röfteln eines SReifenben 
ift, ber einfam in h^n fal)len SRorgen I)inausftarrt, inbes in ben ®cfen 
bie aSieljuüieten bem Xa^ entgegenbämmern. 

SDaS etuja raäre (Seorg Hermanns litterarifdje 5J3erfönlid^feit. Sie 
beften feiner Sad^en fte^en im legten ber mx Sänbe. So bütfen wxx 
üiel no(^ von it)m erl)offen. Ob er je Don ben Smpreffionen ju prteren 
gormen fommen rairb, loie es i^m aus Slnlafe feiner bialogifd^en Sfijäc 
„•greiljeit" üon einfidjtigen Seuten propljejeit mürbe, fönnte id^ ni^t er^- 
meffen. 3lber i^ meine, man foHte me^r no^ als bisher bie 33üd;er 



si 



©crcambi. ^(micuä unb ^melius. 



295 



bicfeö S)id)terä lefcn. SDaö Erbe, baö unfcrc ©cncration J^intcrtoffcn wirb, 
i[t fo färglidö. SBäre cö ba md)t Dctbftnft[i($, einem feinen Xakni bie 
Slufmerffomfeit ju gönnen, bie eö vor bem Spütid^t ber i^unftreportagc 
beiöaört? 




Ilmkus und flmelius. 

Von ©topannt Sercambt.*) 
(£ucca.) 

;ur ^tit beö Äönigö $ipin von ^ranfreid^ (ebtc ein ©beimann namenö 
Sfobiaö, welcher auö ber ^ßroüinj 33urgunb raar, unb ein beutfd^er 
©raf namens 9lid;arb, raetd^e bcibe fe^r fromm maren, unb feiner von 
i^nen ^atte ©o^n ober Stod)ter, miemof)! fie junge grauen Ratten. Unb 
beibe traten ein ®elübbe, raenn i^ncn ©ott bie ®nabe ermicfe, ba^ fie 
(Sö^ne befämen, fo moHten fie mit i[)nen nad^ SRom ge^en, bamit fie üon 
btn ^änben beö ^eiligen SSaterä getauft mürben, unb ber SRömifd^en ^ird^e 




*) ©iooanni ©crcambi ttjurbc 1347 in Succa aU ber ©ol^n cine§ 5lpot]&c!cr§ gc* 
boren. 3" ^^^ ©tabt rangen, roie bamalö geraoljnlic^, ^roei 5<^milien nm bie ^errfd^aft 
unb auf3crbem roar il^rc Unabl^änfttgfcit beftänbig oon \)em mächtigen ^ifa bcbrol^t, 
njeld^eS in oieler ^infid^t bie SJorgängerin oon S^orcnj irar. S3ei regem politifc^em 
©^^geij unb großer Siebe ju feiner 3Jatcrftabt lüibtnete er fic^ frül^geitig ber militärifc^en 
unb politifctien Saufbal^n. @§ war baö in feiner anbern gorm tnoglid), rcie al§ treuer 
Parteigänger ber einen gan^i^ic, fo il)at er fic^ in ben kämpfen gegen bie ^ifaner §er* 
cor nnt) biente eifrig feinen Patronen, roelc^c il)m bie enblid^c Dber]^crrfrf)aft in ber 
6tabt oerbanften. 1382 würbe er alä ©efanbter ber Sflepublif an ben (Strafen 5llberic^ 
be 23arbiano gefd)ic!t, 1397 raar er ©onfaloniere, 1399 ging er al§ ©efanbter nad^ 
glorenj, 1403 ju ©aleaffo SiSconti, unb oon 1405 bi§ gu feinem ^obe im ^aljxt 1424 
mar er ßonfigliere be ©opitano unb Xifenfore be§ 3Jol!e§. S)iefe l)öd^ften SBürben be^ 
fleibete er mit bem ©efc^icf \in\) ber natürlichen bilbungSIofen ÄlugF)cit bf^naioen 
^recentiftcn. ®§ giebt oon ir)m nod) eine G^ronif oon Succa, einen merfioürbigcn 
politifd)en ^raftat, in meld^em er ftd^ al§ 33orIäufcr oon DJiacc^iaoeKi errceift (mit 
meldjem er, 'ocn Untcrfc^ieb ber Söilbung abgered)net, iüeld)er burd) bie ocrfc^iebene geit 
bebingt rairb, überf^aupt grofee 5(r)nlid)!eit aufmeift burd^ fein gro^cS aKgemeineiS ^^^^^reffe, 
feine natürlid^e, burd) feine ^^rafe unb S)oftrin getrübte Älugl^eit unb feine ftaat§= 



296 



@ercatnbi. 



®d)ä6c barbringen. Unb nad^bcm fic bicö ©clübbc^gctfjan Ratten, gefiel 
es ®ott, i^re SBünfd^e ju erhören, fobag nid;t üiel Qtii üerfloß, bafe bcibe 
befagtc SDamen t)on i^ren aJlännern in gute Umftänbc famen, unb nad^ 
neun aJionaten bracfite jcbe ein Änäbicin jur SBelt, beffen bie 3Sätcr unb 
ffllütter roo^l jufrieben waren, unb gebadeten, bcfagte ^inber nad) 9iom 
JU bringen, um fie von ber ^anb beö ^npftcö unb im 9Jamcn ©otteä 
}u 6f)riften mad^en ju laffcn. 

Slitter Tobias ntad^tc fid^ mit feinem So^n in guter ©efeKfd^aft 
von Surgunb nad) 3lom auf ben 2Beg, als er fd^on jroeijä^rig mar. S)er 
beutfd^e ©raf SKid^arb, olä er fal^, bag (Sott i^m einen Knaben gefd^enft 
f)atU, befd^Iog, fein @e(übbe ju erfüllen unb reifte mit feinem Sofjn ab, 
meld^er etwa anbert^alb 3a^rc alt njar, unb ba fie beibe reiften, luoHte 
es ©Ott, ba6 fie fid^ eineö S^ageä in unferer Stabt Succa in berfetben 
Verberge trafen. Snbem ber JRitter Tobias bem ©rafen 9iic^arb er jaulte, 
mof)er er fam unb roo^in er moKte unb i^m ba^ Kinb jeigte, baö i^m 
©Ott auf fein ©ebct gefd^enft ^atte, jcigte ber ©raf 9lidjarb, meld)er auö 
ä^nlid^em ©runbe oon ^aufe raeg roax, fein Äinb, unb fie befd^Ioffen, 
jufamnten fürba§ }u äie^en. SBaö f ollen mir nun fagen uon ber ajlad^t 
©otteö, ba6 bie bciben ätDeijä^rigcn Äinblein, alö fie fic^ jufammen fanben, 
nid^t cffen, nod^ trinfen, noc^ fd^Iafen rcoHten, außer, raaö ber eine madE)te, 
t^at ber anbere auc^, unb oftmals mürbe t)on ben SSätern auögeprobt, 
ba'^ eö fo mar? fo, baß fie pfammen in bemfelben 93ett fd^Iafen mußten 

männifd^c ©ncrgic) unb einen fcl^r fonberbaren Kommentar jum S^ferno 2)antc0, racld^er 
von ber fonberbarften SfJaiüetnt fein mu^. Seine 9^oüeKcn blieben biö 5(nfang biefeö 
So^rl^unbcrtig unbefannt, unh man erfuhr ml von iljnen, a(§ ber ©ammler SJJard^efe 
^ritjuljio, bem bie ®efrf)ic^tc ber italienifrfien D'ZoDeHiftif überl)aupt oiel oerbonft, ))en 
Siebl^^bern befannt maä)k, ^a^ er ein 3Jlonuffript befi^e. 5lu§ biefen oeröffcntlid^tc 
bamalö g^w^ba, ber Jßerfaffer ber erften öibliograpl^te ber italiemfd)en S^ooeHiftcn, 
32 Stücf, bann gabften im Saufe ber geit nod) einige Sßeröffentlidöungen als §od)3citä« 
unb ©elc{jenl;eit!§brucfc, bi§ enblic^ 1896 S^lobolfo 3lenier hen ganjen grojjen, bann noc§ 
au,^ftel)enben S^teft ber 5^ot)e(len F)erau§gab (Novelle imdite de Giov. Sercambi, 
Torino 1896). ®ie ^^iooeKen l^aben eine große miffenfd^aftlic^e S3ebeutung für i)k @r« 
fenntniS ber 2öanbemngen ber (Stoffe, n)ie ja aud^ W l^ier abgebrucfte einen bcrül^mten 
unb üielfac^ UljanMkn ©toff l^at. äftl)etifc^ betrautet fann man ben finblidjen 
gabulifien natürlich nid^t mit einem großen ^ünftler liS'^^occacclo oergleid^en, nic^t 
einmal neben Saubetto barf man il^n nennen. 5lber er Ijai einen großen unb feltenen 
9lci5 burd) feine merfmürbige 9Jait)etät, bie freilid^ am meiften Ijeroortritt in ben „be* 
benflid)en" ^^looellen; biefe finb berartig, 'öaii Denier fie nur auS^ugSroeife abgebrucft 
l^at, roiemoljl bod) bie Italiener bei il)rcn ^floüelliften an ha^ henlf)ax Stärffte gerool^nt 
finb. ^ie Überfe^ung oerfud^t, biefe reijüoKc ©igenart, fomeit oljne allaugrofje ©emalt 
moglid^, miebergugeben ; oieHeic^t gelingt e§ iF)r, hcn Sefer einen ^aud^ be§ raunberbaren 
^recento oerfpüren ju laffen. 



1912. 9k. 15 



Über fianb unb SKeer 



415 



liegt bas aber oor allem baren, 
baö man bamals mel intenftüer 
^egen jeben Slusroud^s ber SRobe, 
la gegen jebe Steuerung ber 
äJfobe, bte fid) immer mit einer 
reoolutionären feelifd)en lenben^ 
oerbanb, lämpfte, als bies l)eute 
ber gall ift. 9Kan mufe fid) nur 
einmal burd) 9lbra^)am a Santa 
Clara cergegenroärtigen, roie von 
ber Äanßel ^erab gegen 9J?obetor= 
l)eiten geu)ettert tourbe, unb 
loas etttia bort nod) oergeffen 
tourbe, bas !am in bod)notpein* 
liefen ftleibert)orfd)riften von 
Staats unb Stabt toegen ^um 
^llusbrud. Die $Bertl)ertrad)t ift 
teine 3^ittrac^t, fonbern fid)er= 
lid) auc^ eine 3:enben5trad)t ; 
ebenfo u)ie bie 3a!obinertrad)t 
ober fpäter bie 3:rad)t bes Direc= 
toire 3uer|t einfach eine feelijd)e 
unb politifd)e Stimmung 3um?lU5= 
brud bringt, bie naturgemäß, fo= 
fern fie übermäßig betont roirb. 




Die ertappte Sd)mugglerin, ftarifatur aus ber Sleftaurations^eit 



^ [SBenn toir bie 9Wobefari!atur 
nad) il)rer ^rooenien^ betrad)ten, 
fo ift fie naturgemäß in gran!= 
reid) am sablreic^ften. Denn 
J^ranfreid) ift bas cigentlid)e 
Öeimatlanb ber 9J?obe — u)enig= 
ftensbcrDamenniobe — ,it)är)renb 
Gnglanb fd)on 3iemlic^ frül)3eitlg 
t>k Serrenmobe beeinfluf^te. Sis 
5ur 3^it ber Äontinentalfperre 
gingen allmonatlid) oon ^arisnad) 
fionbon große ange5ogene 5*9^- 
rinen l)inüber, anbenenbie engli= 
fc^en ä)fobel)äufer erfolgen, u)as 
ber dernier cri in "iparis toar; ge- 
nau fo, toie es beute gemad)t xoirb, 
I)eute, t>a \a nocb ölle fiänber il)re 
ffiintäufer in bie großen SWobe^- 
bafare nad) ^aris fd)iden, um bie 
neueften 9Jfufter 5U ertoerben. Crft 
mit bem Slugenblid, als Knglanb 
oon ber franjöfifc^en 9Kobe ab= 
gefd)nitten roar, begann fid) bort 
— üorerft fe^r jum Spott ber 
^ariferinnen— eine eigne grauen^ 



bem (5eläd)ter anl)eimfällt. $aben toir bocb ein neuen SBegen unb neuen Slusbrudsmitteln fud^t, mobe 3U entroidcln. Se5ei(i)nenb ift es immer= 
munberoolles Slatt t)on 3föbe^, bas alle ©roßen lann man fid) eigentlid) beibe obne einanber gar bi^, baß man unter ben englif^en SRobefarifaturen 
unter bem Direftorium — ?lapoleon mit ein= ni^t mebr beulen. mel)r Spottblätter auf t^m Sturer, t>tn Danbi), bie 



gefd)loffen — auf bem „Soulet)arb be 
'^anh" oereint seigt — einfad) als SKobe= 
tarilaturen. 

SBenn b^^te aber bie reine 9Kobe= 
farifatur feiten geroorben ift, fo liegt bas 
taxan, t>a^ fie uns etroas 5U örmlid) er= 
fc^eint. Uns toürbe nidji me^r ber SBi^ 
genügen, ta^ eine J^nfur fo l)od) ift, baß 
ber £oiffeur eine fieiter befteigen muß, 
um fie aufzubauen, fo gewaltig, baß ibre 
Trägerin md)i burd) bie 3:ür bas Saus 
oerlaffen !ann, fonbern burd) bie \)o\)zn 
Saalfenfter mit einer eigens baju fon= 
ftruierten ftaroffe, bereu Si^ auf einer 
9lümberger Sd)ere bod)geftcllt werben 
!ann, ins greie gelangt. Slud) erfd) einen 
vms bie 95ögel, bie 3u:»if(ben h^n \)o\)m 
Straußenfebern unbeforgt niften, nicbt 
mebr fo übenuältigenb tomifd). Daß 
man eine ftrinoline im 5Ratur3uftanb 
als ftäfig für SÖ^aftgänfe benu^t ober 
baß man mit ibrer §ilfe bie 3ollbebör= 
htn bintergebt, mag fd)on e^er paffie= 
ren . . . immerbin böben toir nod) bas 
©cfübl, als ob biefe Dinge ettoas febr 
vieux genre finb. Unb beim erften 
weniaftens mit gutem 9?e(bt, b^^ß bod) 
bie Ärinoline im fieb3ebnten 3abrbun= 
bert — man benfe nur an bie riefigen 
9?eifröde ber 3nf antinnen auf ttn (5e- 
mälben bes 93ela3que3 — im ficb3ebnten 
Vertugator, bas b^ißt S^ugenbfcbü^er; 
im ad)t3ebnten, im 5Ro!o!o, aber mit ibrem 
Spottnamen Panier, bas b^ißt $übner= 
torb. 

5Iberjeben toir bod) malunfrc bcutigen 
großen SBiöblätter bur^, toir roerben faft 
alle paar Seiten auf 
9Mobe!ari!aturen ftoßen, 
nur in anbrer gorm als 
einft: üerfappt, mitge- 
geben. Unb feltfam — 
hit SRobe!ari!atur oon 
beute b^ßt nicbt mebr 
toie 'ök aWobefarÜatur 
oon einft, fonbern fie 
lacbt, fie fpottet unb fie 
liebt. Sie fämpft nur 
bort, tüo fie meint, baß 
ibr fiieblingsünb auf 
9lbtoegen ift. ßigentlid) 
bat fie beute ben Danbt) 
fo gern toie bie gepu^te 
grau; unb hit Scbläge, 
bie fie austeilt, finb 
Silage mit ber Starren- 
pritf^e, tk nxd)i toeb 
tun unb t>it nid)t be^ 
toeifen, baß man bem 
anbern bös ift. ffiinft 
eine® gnerinberSRobe, 
oerbünbet mitftird)eunb 
Staat, hk ibr nie febr 
toobltoollten, ift bie Äa= 
rifatur b^^te 3U einer 
lad)enben unb fpotten= 
ben Helferin getoorben. 
Unb ba bie Äarüatur 
toie bie OTobe immer na^ 




ftarilatur auf bie übertriebenen §ut= unb §aartrad)ten 




Seim Sd)neiber. Serfpottung ber neuen 9Jtobc ber Sofenträger (um 1800) 



Srummels finbet als auf bie 9Wobebamen. 
3llle großen Äarifaturiften grantreidbs finb 
eigentlich 9J?obeIari!aturiften getoefen. 
äJionnier, ber ben Siebermeier unb bie 
Siebermeiertra^t in fo rei3enben Slätt= 
d)en oerfpottet, ging felbft bis 3um (inht 
feines; fiebens toie hit oon ibm gefd)affene 
Äarüatur bes ^rubbomme, bes 'Xx)pns 
bes rüdftänbigen, tooblgefälligen Sour= 
geois, ;ge!leibet. Gaoarni, ber 93er= 
fünber ber fußen (5rifettengra3ie — feiner 
!ann toie er bie Duftigfeit eines fid) bau= 
fd)enben Seibenrods, bas glirren unb 
glimmern leid)ter Xüllftoffe toieber= 
geben — roar nid)t nur Äarifaturift ber 
URobe, fonbern 3ugleid) aucb SRoben3eid)ner 
unb 5ÜJobenfd) Opfer, unb trug fid) felbft 
bis an fein fiebensenbe roie einer jener 
ugenbli(^en Klegants ber Sallfäle, hk er 
b liebte, ©reoin, ber Sd)ilberer ber 
ÄoIotten,u)ar3uglei(Jbber9Wobenfd)ilberer 
bes ätocitcn 5^aiferreid)s. Unb nidit 3U 
oergeffen ®ur)s, ber bie pbantaftifd)e unb 
fpufbafte ®ra3ie ber legten 5lrinolinen3eit 
wit fein anbrer empfanb, mit feinen 
blättern, bie 3eid)nerifd) im S(btoar3 unb 
aSeiß fo außerorbentlic^ fc^ön finb unb 
babei unbeimli^ ojirfen roie eine ^oefd)e 
5looelle. 

(£rft in jüngfter 3eit fommt in ber 
SRobeforifatur aud) Deutfd)Ianb mit in 
Setrad)t. Die „gliegenben Slätter" 
pflegen 3roar bie SJlobefarifatur fd)on feit 
3abr3ebnten nod) im alten Sinne, inbem 
fie immer toieber bie Übertreibungen ber 
üIRobe angreifen — aber eigentlid^ b^t bod) 
ein Oberlänber in feiner berübmten 

©egenüberftellung oon 
3rit-'2ltben unb 3far= 
9ltben über ein JRarbolb 
in feinen ©efellfdiafts- 
bilbem feineres ge= 
geben, als es bie Spott= 
bilber auf all3U große 
§üte ober all3U große 
Äratöatten finb. 

Die mobemen 3Btö= 
blätter in Deutfd)lanb 

aber mit 3ei<^^e^^ ^i^ 
§eilemann, 'X{)önx), 9te3= 
nicef, Seine, 'bit 3ugleid) 
unerbört feine Äenner 
ber 9Kobe mit bem 
Sinn für ibre intimften 
Sd)toanfungen finb, mit 
bem Slid für le^te 
^reis« unb ftlaffen« 
untcrfd)iebe ... fie baben 
bod) au^ für Deutfcblanb 
bie OTobefarifatur auf 
eine gan3 anbre Stufe 
gebobcn, als fie früber 
roar. äJlobe unb ftari» 
fatur ro erben in ßufunft 
einanber fo roenig ent= 
bebrcn fönnen, roie fie 
es in ber 93ergangenbeit 
gefonnt böben. 



416 



Über ßanb unb 9Wcet 



1912. 5Rr. 15 









3Imcrifanif^c Rrtegsfd)iffc mit ©ittcrmaften im Äicicr öafcn 




^^er Scfu^ bes amerilanif^cn (5cf(i)tDabcr5 in 
/i/ unfern Säfcn bot bcr beut[cf)cn ScDöHerung 
5um cr[tenmal (5elegenl)eit, bic neuen (5itter= 
maften, mit benen feit einigen 3ci^i^ßtt bie Äriegs« 
fd)tffe ber bereinigten Staaten oon 9lorbameri!a 
ausgerüftet finb, 3U befid)tigcn. Die eigentümliche, 
oon ben üblid)en ®efed)tsmaftIonftruItionen gänj* 
lid) abtoeid)enbe Sauart läfet oI)ne toeiteres 
bie 5rage auftauten, loelc^e Sorteile man fi^ 
oon ir)r t)erfprid)t. 

Um biefe 5ragc bcanttoorten 3U fönnen, ift 
es nötig, einen turjen Ilberblirf über bie (£nt= 
toidlung ber (5efed)tsmaften unb über bic oer= 
fd)tebenen Seppen, roie fle in ben StRarinen ber 
elnjelnen ©rofemäd^te üblid) finb, ^u geben. 

Der urfprüngUd)e 3toe(! ber URaften ift bas 
fragen ber Segel, fie bienten alfo nur 5um 9luf« 
nehmen bes gortbetDegungsmittels. Das Sd)iff 
toar 3unäd)ft als 2:ransport= unb 93er!ebrsmittel 
allein Äulturfaitor, unb erft fpäter tourbe es für 
Äriegssroede als SBaffe oertoenbet. So entftanb 
aUmä!)Iid) neben bem §anbelsfal)r5eug bas Äriegs» 

fd)iff. 

SWan erlannte balb ben grofeen Vorteil, oon 

ber §öl)e bes SWaftes l)txah bie Dede feinbli^er 

SdE)itfe burd) S^arff^ü^en befd)ie6en 3U laffen, 

unb brad)te am SRaft eine Plattform an, bie ben 

Sd)üöen mebr ©eo^egungsfreibeit bot. 3^^ 

Sd)U^e gegen feinblid)e ©ef^offe rourbe bie ^Iatt= 

form mit einer Srufttoebr umgeben, unb fo ent= 

ftanb ein torbä]^nlid)es ©ebilbe, bas man allgemein 

mit SKaftforb ju be^eidinen pflegte. 

3al)rl)unbertelang l)aben fid) bie (5efed)ts» 
maften in biefer 2form ert)alten, ol)ne ba& eine 
loefentlic^e Snberung eintrat, ^x §aupt30Ded 
wax unb blieb inbeffen bas S^ragen ber Segel. 
9Ils bann in ber SCRitte bes oorigen 3cib^^unberts 
bie Dampfmafd)ine immer roeiter oeroolHommnet 
tt)urbe unb auf ben Äriegsfd)iffen bas Segel als 
gortbetoegungsmittel allmäblid) oerbrängte, ujar 
es nur eine natürlid)e 5olge, bafe fldb immer mel)r 
unb mel)r ber ®efed)tsrüert ber SWaften ])nans= 
bilbete. 

SKit 3unel)menber Durd)fc^lagslraft ber mo= 
bemen ®efd)offe traten an Stelle ber I)öl3ernen 
äRaften fold)e aus Stal)lplatten ; aus t>m 
Ield)ten SlRaftförben rourben gepan3erte 3ita« 
bellen, bie man „©efec^tsmarfcn" nannte, unb 
allmöbli^ entroidelten fic^ in ben legten 3abr* 
sehnten bie ®efed)tsmaften 3ugetDaltigen ftäblemen 
äürmen. 

(£ntfpred)enb bem SDBert, ben bie oerfd)iebenen 
Äriegsfd)iffs!onftru!teure unb laftHer t>tn ®e« 
fed)tsmaften 3ulegten, bilbetcn fid) in ben einseinen 
äRarinen oerfd)iebene Iripen oon ®efed)tsmaften 
I)eraus. 

9Iuf ben beutfd)en ftrieösfd)iffen befteben bie 
®efed)tsmajten im u)efentU^en aus bem Unter^* 
maft, bem Obermaft unb ber Stenge. Der Unter* 
maft i[t ein aus Stablplatten gefertigter 39li^ber 
oon glrfa 4 äRetern Durd)mefjer unb ungefähr 
15 SWetem $ö^c. 3" feinem 3"nern finb über« 



einanber 305ei SBenbeltreppen für ben Sluf == unb 3Ib* 
ftieg angeorbnet. Der Untermaft trägt auf feinem 
oberen (£nt>t hm ®efed)tsmars, eine gepanzerte 
3itabelle, bie burd) ftät)leme Sruftocbr unb Über* 
bad^ung oor feinblid)en ©efc^offen gefd)üöt ift. 
?Ius bem Untermaft ragt ber ettoa 60 3entimeter 
ftarfe unb ebenfalls aus Stabiplatten gefertigte 
Cbermaft b^roor. (£r enbigt in einer Plattform, 
bem „Sd)einn)erfcrmars", unb trägt ben britten 
3^eil bes ©efed)tsmaftes: bie Stenge mit ber 5RaI)e. 
(£ntfpred)enb biefer Dreiteilung ift auc^ ber 3^^^ 
ber ®efed)tsmaften ein breifad)er. ß^^öc^ft bient 
bie Stenge mit ber 5Rabe 3um einbringen ber oer* 
fd)iebenartigften Signal3ei^en,u)ie 5laggen,3Bin!er 
unb £id)ter, burd) t>k fid) ber ©ef^roaber* 
d)ef bei 3^age unb bei 5Rad)t mit tm Jtomman« 
bauten ber Sd)iffe feines ®efd)tDaber$ oerftänbigen 
!ann. 3^^ 305eiter fiinie bient ber ©efec^tsmaft 3U 
3Iufflärungs3toeden; auf ber Plattform bes Dber* 
maftes ift ber Sd)eino3erfer aufgeftellt, ber mit 
feinem mäd)tigen £id)t!egel ben im S^u^e ber 
5Rad)t l)erannabenben geinb seigen foll. Der 
britte unb böuptfäd)lid)fte 3^^^ bes ®efed)ts* 
maftes aber beftebt in feinem offenf ioen £I)ara!ter. 
3n t^tn ®efed)tsmarfen finb Heinere Sd)nellfeuer* 
gefdjü^e unb 9Wafd)inengeroel)re aufgeftellt, mit 
benen bie Dede feinblid)er Schiffe, befonbers bei 
lorpebobootsangriffen , roirfungsooll beftrid)en 
toerben fönnen. 

(Jranireid) mit feiner Vorliebe für I)oI)e ^luf* 
bauten legte \)^n ©efed)tsmaften einen über* 
mäßigen Sßert bei unb baute feine ©efed)tsmaften 
nodi oiel roeiter aus, fo bafe fie förmlichen 
Surgen gleid)en. 

(£s liegt auf ber §anb, bafe berartige äRaften 
bem geinbe ein oor3üglicf)es 3ielobie!t bieten unb 
in Iur3er 3^it 3ufammengef^offen roerben. Stür3t 
aber ein fol^er geroaltiger ®efed)t6maft um, fo 
rid)tet er entroeber auf Ded burd^ fein ungef)eures 
©etüid)t grofee Seru)üftung an ober er fällt über 
Sorb, bleibt an einseinen platten bangen unb neigt 
bas Scbiff berartig über, ha^ einerfeits beffen 
9Kanöorierfäbig!eit ftar! beeinträd)tigt, anberfeits 
bas 9lbfeuem ber ©efcf)üt^e erfd)rDert, mmn nic^t 
fogar unmöglid) gema(^t roirb. 

(gnglanb bat baber gerabe ttn entgegengefe^ten 
SBeg eingefd)lagen, [eine 3lufbauten febr niebrig 
gel)alten unb bie ®eied)tsmaften fo leid)t mt nur 
möglieb tonftruiert. ?Iuf ber rooblbefannten Dreab* 
nougbt unb tm barauff olgenbcn 9leubauten baben 
bie englifd)en ftonftrulteure bie {J^age ber ©ef eci)ts* 
maften burcf) ben fogenannten Dreibeinmaft 3U 
löfen oerfu^t. Der ©efec^tsmars mit feinen 
Scbnellfeuergefc^ü^en u)irb an Stelle bes mäcbtigen 
Untermaftes bur^ brei b^be ftäblerne 9lobre ge* 
tragen, bie fid) unten auseinanberf preisen, fo bafe 
fie ein möglicbft ungünftiges 3ielobie!t bieten, 
anberfeits aber berartige afeftigteit befifeen, ha^ 
felbft nacf) bem 9Begfd)iefeen smeier biefer 5nobre 
ber SRaft nod) ftebenbleibt. 

Die übrigen Staaten roanbelten entroeber bie 
golbene OTittelftrafee ober fie oer3id)teten, roie 3um 



leil 3öpan, gänslid) auf ©efecf)tstürme unb be* 
gnügten fiel) mit ein ober sroei Signalmaften. 
2Beld)er Stanbpunft ber rid)tige ift, !ann nid)t fo 
o^ne roeiteres entfcf)ieben toerben, benn t)tn großen 
Sorteilen fte^en ebenfo grofee 5Rad)tcile gegenüber. 
Sprucbreif toirb biefe Srage toobl erft bann u?erben, 
o^enn fi^ sujei mobeme flotten feinblic^ gegen* 
überfielen. 

Die SCRarine ber Sereinig ten Staaten oon 
9lorbameriIa ging i^re befonberen SSege unb fd)uf 
in htn ©ittermaften eine böcbft eigenartige unb 
originelle Äonftruftion, t)k stoeifellos bas Staunen 
bes Sef^auers beroorruft. Diefe ©ittermaften 
bcfteben aus einer großen ^nsabl oon oerbältnis* 
mä^ig bünnen unb febr langen Stablrobren, bie 
in einer gans eigenartigen SBeife angeorbnet finb. 
SRand^er !)at voo\)l fcf)on in bem Sd^aufenfter 
eines ÄoIonialroarengef(^äftes ein Sünbel oon 
SPJaüaroniftangen aufregt fteben feben, bas in 
feiner äRitte nur tnxd) einen 9?ing sufammen* 
gel)alten o^irb unb oben unb unten fid) aus* 
einanberfpreist. 

©s entftebt baburi^ ein gans eigentümlid)er 
ftörper, ben man in ber 9Jlatl)emati! §9perbüloib 
nennt. 

3näl)nli^er SBeife, mt bie äußeren äRalfaroni* 
ftangen fteben, finb auc^ bie Stablrobre ber ©itter* 
maften angeorbnet, nur mit bem Unterfd)iebe, 
ba& eine sroeite Sd)ar oon 5Rol)ren innerbalb ber 
erften, aber in entgegengefe^ter SRi^tung, fiel) neigt, 
fo baß bie 9{obre ber erften Scf)ar mit benen ber 
Sroeiten fid) Ireusen. Diefe Äreusungsftellen finb 
3U feften Änotenpunften oerbunben unb aufeerbem 
bie in gleid)er $öbe liegenben jebesmal burc^ 
bortsontale SRinge innen oerfteift. ©s entftebt ba* 
bur^ ein gitterförmiges gad)U)er!, bas fiel) aus 
einseinen Dreieden sufammenfefet unb eine gans 
auöergetoöbnlid)e geftigteit befifet. Diefes ©itter* 
toer! trägt oben eine geräumige Plattform, auf 
ber S^eino^erfer unb ©efctiü^e fteben unb au^er* 
bem ein lurser Signalmaft angebracbt ift. Die Sor* 
teile ber Äonftruftion follen folgenbe fein: einmal 
fd^lagenbie ©efd)offe,obnenennenso3erten Sd)aben 
ansurid)ten, burd) bas ©itterroer! binburcb, unb es 
gebort eine oerl)ältnismäfeig grofee ^Insabl oon 
Treffern basu, biefer Äonftruttion ibre geftigfett 
SU nel)men; femer foll bie Sernicbtung eines 
©ittermaftes nid)t oon fo unangenebtnen folgen 
begleitet fein, roie fie oorber befcbrieben mürben; 
oielmebr finft bie ganse, an fid) febr leicf)te Äon* 
ftruftion in fid) sufammen, obne meiteren Stäben 
an3uricf)ten. Sor allem ift bas leichte ©itterroer! 
auf größere ©ntfernungen laum su erfennen unb 
bietet baber ein au feerorb entlief) fd)lecf)tes 3'el= 
objeft. 

Derartige SRaften finb auf einer gansen 9?eil)e 
oon älteren unb neueren Sd)iffen ber Sereinigten 
Staaten oon SRorbamerifa eingebaut. Cs bleibt 
aber no^ absumarten, ob fie fid) im ©mftfall 
roirflid) fo bemäbren, roie il)re Äonftrufteure 
es baffen. 

Dipl.=3Ttg. 5^16 5Reimann 



414 



Über Slan'ö unb SKecr 



1912. 5Rr. 15 



I)ie 5Dlobc unt) bie Slarüatur 

(^ine5 ber feltfatnften unb utigefUirtcftcn Sc^au= 
\^ fpiele bc6menfd)Iicöen Seelenlebens bilbet Jcin 
93erl)alten ber 9Jtobe cjegenüber. §aben bod) fogar 
in iüncifter 3eit il)re Probleme bcnx geifircid)ften 
unfrer^ftatl)ebcrpl)ilo[opl)en Stoff ^u einem 2Ber! 
geliefert. SBeroeis genug, t^a^ fie burd)aii5 n)ici)titi 
imb ernft ^u nel)men finb. 3B i r aber toollcn l^ier 
nur oon il)rer Weiteren Seite j'pred)en. Denn — 
merftoürbig genug! — 'öa^, roas uns f)eute gefällt, 
U)a5 u)ir l)eute als ajiobe apart, überrafd)enb unb 
l)übfd) finben, roirb uns morgen gleid)gülttg unb 
er[d)eint uns übermorgen toieber läd)erlid). Gbcnfo 
roie es uns läd)erlid) erfd)ien in bem 9lugenbltd, 
als es auftaud)te. 3Bir tonnen rul)ig faaen, ha\] 
ber erfte Einfang unb bas le^te &nt)(t einer SUfobe ber 
ftarüatur unb bem Spott gel)ören unb nur th 
äWitte eine Sefriebigung unfers Sd)önl)eits(inns 
in fid) trägt. Sie tommt unter (5cläd)ter unb fd)win= 
bet unter (5eläd)ter — bie SDiobe. Unb bod) l)aben 
roir fie lieb, toeil fie eine reisoolle Belebung unfers 
fonft all3U eintönigen T)afeins ift. (Eigenartige 
Sötaffenfuggeftionen toirten in il)r mit; bas ?luge 
mufe fi^ an ^-arben, an £inien, an Übertreibungen 
erft geroötinen, unb toas x\)m 5uer[t befremblid) er= 
fd)ernt, loirb il)m balb gan^ natürlich unb folge- 
rid)tig bunten. 3a, bas ?luge toirb fid) beleibigt 
füllen, roenn es auf anbres, Sorgeftriges [töfet, 
unb es roirb biefe ©eletbigung burd^ tin fiäd^eln, 





SRabame fäl)rt aus (18. 3al)rl)unbert) 



Die „Unabl)angig!ettsfrifur" (ancien regime) 

jebe allju qrobe Übertreibung in ber 9JJobe 
— in ber Äletbung fo gut roie in ber §aar= 
tradt)t — I)at [id^ bie Äarifatur oon je geroanbt. 
SBenn in ben legten 3ö^^3^^^ten fie fid) oor 
allem mit ber toeibli^en Xxad)i befaßt l)at, fo 
liegt bas baran, t)a^ thtn hh männlid)e 3:ra^t fid) 
im großen unb ganjen oon allßu pt)antaftif^en 
Übertreibungen, oon allsu !ül)nen 9leuerungen 
ferngel)alten bat. 2Bo fie aber angreifbar toar, ba 
bat 'Oi^ 5\ariiatur fdionungslos aud) uuf fie i^re 
Pfeile gefanbt. 3n früberen 3abrbunberten aber, 
ha bie 9Kärt'nertrad)t farbig mar, ha man oor 
einem Überreid)tum in ber Stoffoerroenbung nid)t 
5urüdfd)redte, ba man bas Siinn in feibene Sd)al$ 
Stoängte, Stülp enftiefel mit Sd)leifen trug, bie 
Öaare puberte ober frei röad)fen lie^ — bis roeit 
über hi^ CEmpireseit hinaus — ba maren bie Äart= 
faturen auf bie männlid)e Wöbe faft ebenfo l)äufig 
roie bie auf bie Stauen. 

Gs läfet fi^ aber oftmals au^ für h^n ^reunb 
ber ©efd)i^te ber ftarüatur fd^roer entf($eiben, 
mo bie reine äRobetarüatur beginnt. Denn t)iel-- 



93on ©eorg gcrmann 

fad) ift fie oerquidft unb oerbunben mit Sittenbilbern 
aller ?Irt. Oft, nur allsuoft, l)at fie leiber aud) eine 
ftar! erotifd)e 5Rote, roie sum Seifpiel bei faft allen 
S^aritaturen, toelc^e hit 9JJobe ber 9Ja(!tl)eit, bie 
3eit ber Pallien unb 9?ecamier mit il)ren griec^i- 
fd)en, üielfad) fogar nod) gefd)liöten ©eroänbern 
5U geißeln oorgeben. Gbenfo !ann aud) bie britte 
ftriholinenseit fid) nid)t genugtun an oerfänglid)en 
Situationen, in bie burd) irgenbroeld)e Unbill ber 
SBitterung ober bes ©latteifes hiz Trägerinnen 
biefes neumobifd)en ftleibungsftüds gebrad)t roer^ 
ben. gein finb biefe Dinge nid)t immer, ja oft 
oon einer getoiffen lafsioen iJüfternl)eit, bie ber 
3eöt5eit nid)t met)r liegt, an ber aber fid) er unfre 
93oroäter — bereu Sinn für 2Biö i^nh §umor 
ol)ne 3to^tf^l no(^ primitioer unb unentmidelter 
roar — Vergnügen gebabt l)aben. Seltfam ift es 
aber, bafe bie Äarüatur [i^ aud) gegen Dinge 
roenbet, hiz uns mit ber 3^^t ganj felbftoerftänblid) 
getoorben finb, roie gegen bie JRobe ber öofen= 
träger bei ben $erren unb gegen bie bes ftorfexts 
bei htn Stauen; ein S^^^^^f ^^fe beibes einft als 
neu, reoolutionär unb unnatürlid) empfunben 
rourbe. 

Oftmals ift bie SRobefarüatur au^ eine fosiale 
ftarilatur getoefen, unb fid)erli(^ ift bas 3w^^^Tnen 




Die ftrinoUne als fiuftballon (19. 3ol)rl)unbert) 



burc^ einen SBi^, burd) 
eine ikluftigung !om= 
penfieren. 

3ßenn mir es uns 
red)t überlegen, fo gibt 
es eigentlid) !aum ein 
Ding, mit bem fid) 
imfer SBi^ unb ber 
3BiÖbes3^M)ners me^r 
befci[)äftigt als bie 
•DUiobe; ja, hit Äari!a= 
tur l)at es fd)on öfter 
als einmal fertig ge= 
brad)t, eine 9Jbbe, bie 
mel)r als il)re $or= 
ganger h^n Spott I)er= 
ausforberte, 3U galt 3U 
bringen. Sagt man 
bod), ha^ fie es roar, 
bie einft in ber (£uge= 
nienjeit hit KrinoUne 
roieber oertrieb. Unb 
tner bie ^Bt^blätter t)er= 
folgt, mu& 3ugeben, 
ha^ ber Äarüatur eben- 
fo ein Anteil an bem 
gias!o bes berübmten 
unb berüd)tigten öofen^ 
rocfs 3U3ufd)reiben ift, 
ber oieUeid)t, eine 
feinesroegs unoemünf^ 
tige Reform ber 
Jyrauenfleibung l)ätte 
roerben tonnen, (öegen 




Die Sturmperiobe bes SPJicbers 



ber Spottblätter auf 
hi^ Äleibung im aus= 
gel)enben 5?o!o!o nid)t 
ßin3ig gegen bie Zxad)i 
gerid^tet, fonbern \)ai 
aud) htn Stachel gegen 
bie 5Reid)en, hit — in 
ben Stugen ber "Slith^'- 
ren — nur aus Über= 
mut bis 3U biefen 93er= 
ftiegent)eiten gelangten. 
Stets l)at man emp- 
funben, ha^ dnt StRobe 
bann am fomifc^ften 
roirft, toenn fie ber 
ober b i e trägt, für 
htn fie eigentlid^ nic^t 
gefd)affen ift, menn 
bas 9llter unb bie §äö= 
lid)!eit fid) bie ^zd)U 
anmaßt, hit nur ber 
3ugenbunb ber Sd)ön= 
l)eit 3uftel)en. 

SBenn in früf)eren 
3eiten — folange roir 
überl)aupt oon einer 
Äarifatur fpred)en !ön= 
ntn, bas \)ti^i unge= 
fäl)r oon ber 3^^i ö^s 
Drei6igjäl)rigen Krie- 
ges an — bie reine 
UWobefarifatur oerl)ält= 
nismä&ig 3al)lreid)er 
Ift als ]^eut3utage, fo 



— 378 — 



fam matten, matten fie ftd)er. Sn ^(aneten^ unb 
Sl'ometenba^nen mit DöciKationen üon @onnennäf)e unb 
(Sonnenferne fdjtüingen bie |)oIitifd)en ^Parteien; bie @tl)if 
aber ift bie rul)enbe ©onne. 



^f , /^^ ^0" ©corg ©ermann. 

Unftreitbar DoHäiel)! [td; (jeute im Söefen ber beutfdjen 
Siaritatur ein Umfd)U)un9; mau entlüidelt fic^, rte()t einer 
reid)eren Bufunft entgegen. 3Jid;t nur äufjerlid; in ber 
2lrt unb SBeije, tüie in ben 93fitteln ber ©arfteüung, aud) 
innerlich änbert fic^ l)ier etma^. S)er gan^e Segriff beö 
Si^eö fd^eint fid) gu uerfc^ieben; unfer £ad)en betommt 
einen eigenen Sinn, einen anberen Sllang, einen neuen 
^intergrunb. 

5(t)er — tuaS ba^3 eigentlich ift, tüoljer e-^ fommt, 
\\)Qi^ eg mit fidj fii^rt, ift fc^tuer ju beuten. 

S)ie a(tc, unfd)ulbige ^eiterteit, bie fidj am Spiel 
einej^ Bufaßö freute, ift abijanbcn getommen. S)er geift^ 
reid) jongüerenbe SBorttuit^ Idfet un^ talt; bie ä5erfpottung 
beftimmter, breit umjogener Sljpen — alte Sunggefelten, 
©c^iuiegermütter, Äaffeefdjtüeftern u. f. f. — erregt nidjt 
jum minbeften mel)r unfere i?adjluft. Sljr ffiJilj ift f^w tuenig 
ernft ju nei)men, ju breit, gu unbeftimmt unb uer^ 
f(^tr)ommen, tjat nid)t ben SebeniStjintergrunb, ber un*^ 
f)eute allein beac^tenötDert. @r ift eben nur W\\^, SBil^* 
fpiel, fd)U)ebt über ben Singen, ftatt in ifjnen ju liegen. 
3^m feljU — \>a^, tua^ tuir forbern — ber innige 3^' 
fammenl)ang mit bem Seben unb mit ber ßeit. (£r ift 
t)on aU hcw aSanblungen unfere^ gefeUfdjaftlidien Siei^ 
einanber t)oUenbg unberü()rt geblieben; nid)t^ Ijut fidj 
gednbert, nid)tg ijerf^oben an iljm feit Saljr^eljnten. 
3leue S^age, ba§ ©mporfornmen neiici ©d)ld)tcn, bie Um^ 
formunq ber ©täube, bie beti)uf]te iJÜerfdjarfung ber ®egen^ 
fä^e — nid)tg Ijat fid) in il)m befpiegelt. Unb fo tam 
ei§, bafe auc^ bie ®d)tl)cit ber tünftterifdjen Sarfteltung 
fid) uerlor unb ftatt ^ortfc^reiten ein ?(bfterben, ein 
?trbeiten mit ©djublonen fid) ergab. iJeben unb Äunft 
ftel)t in taufenben Don aBed)felbeäiel)ungen, unb jebe Äunft, 
bie fi^ oom iJeben löft, „oerflattert fid) in ben ^'runf^ 
gemäd)ern.'' Unb grabe bie Äarifatur forbert unb braud)t 
ben innigften Stontatt mit bem i]eben, beun fie ift feine 
reine ft'unft (SSifdjer); fie l)at eine 9iolle ju erfüllen, e^ 
gel)en bei il)r Sjinge nebenl)er, 'lenbenjen, Öeäiel)ungen; 
fie ift burd)trän£t oon 9lbfid)t, fie tuill ettoa^ befämpfen, 
angreifen. ®ab bie frül)ere beutfd)e Äarifatur oft ein 
me^r ober toeniger freiem Spiel ber ^^l)antafie, fo finben 
n)ir in ber mobernen Staritatur mel)r: eine Seben^^ 
anf^auung, eine 3trt beö Slbfinben^ mit bem l)eutigen 
Safein. Sie t)at it)re aSurjeln in ber oeränberten fee^- 
lifd)en 9lnteitnal)me, bie wir an ben Singen unb a5or== 
gangen nel)men, unb ift fo ^i\m^, lote eine geseic^nete 
^^l)ilofopl)ie. 

3n Seutfd)lanb ift biefe 5lrt be^ fid) ?(bfinbenö neu; 
in granfreid) unb Snglanb l)aben toir fie nun fd)on balb 
feit einem Sal)rt)unbert; 5Dionier, Saumier, ^:ßl)itippon, 
®aoarni, ei)am u. f. f. maren fd)ün faft gan^ in bem 
gleid)en Sinne Äarifaturenäeid)ner, toic mir l)eute an 
|)eine ober Stjoenl), S5ilfe ober Öalufd)ef fel)en. Sie 
fd)ufen 3:i)pen aller Stäube, jogen bie fo^iaten ®egenfät^e 
immer mieber in it)re Sebatte. Ser eigentlid)e ä\5it3 ent^ 
bel)rte oft in unferem Sinne ber ^^ointe, er lag in ber 
Sc£)ilberung beö Staubet, in ber g^^^)^^^^^fl "^^^ ® riffele, 
in ber 2(uf[affung be^3 2;t)pu0. 9J(an burd)iOö ^^ari^ unb 
uer)ud)te \>a^ Safein eine-^ Staubet, einer ®ruppe tarita^ 
turiftif^ äu beleud)ten. Ser ßoncierge, ber ijau^toirt, 
ber Sourgeoif^, bie Äofotte, bie Stubeutenliebfte, ber 



8of)emien u. f. f. Saumier fd)ilbert fogar bie Sabenben 
ber greibäber; unb ftet^ toar e<g bai^ intime, eingel)enbe 
Stubium, baö fid) SSerfenfen in baö Seben unb bie 
Sebeni^bebingungen biefer ®ruppe, baö ben Äünftter reijte; 
er rnoüte jeigen, toie fidj in il)m bie 9Belt fpiegelte, unb 
mie er über allein ladjte, laut ober leife, luftig ober bitter 

— aber ftetiS lad)te. @ö ift ein §ang, ba^ Seben ju 
umfaffen, in allen Streifen, *iHeuBerungen, Stimmungen; 
eö ift "t^a^ Streben, allein feiner — beö ftünftler^ — eigent* 
lid)en 2Beltanfd)auung untertl)änig ju madjen. Sie 50c'itte( 
finb äierlid), bcmeglid), getjen allem nad^, fd)miegen fid) 
allem an, fie geben flüdjtige Smpreffionen, bie man taum 
für fajjbar erad)tet. Sn ^i^anfreid) finb bie Äaritaturiften 
mit il)rcm innigen Sid)lierfenten in bie medjfelooUen (Sr^ 
fd)einungen bei^ ücben^ bie 'ißioniere ber mobernen S[)unft 
getoefen. Selacroi^* topierte fogar forgfam Saumiers^ 
iSaigneur^, um fel)en unb äeid^nen ju lernen, unb munberbar 
t)aben fid) in g^antreid) alle ?leu^erungen bes^ fojialen 
Seietnanber in ber Sarifatur umgeprägt. Senn bie 
3!)?alerei, ba^ farbige 93ilb fprid)t ftet^ ein toenig in 
patl)etifd)em 2^on; e^^ Ijat ernftere, ftrengere ©efe^je, unb 
erft bie gang SOcobcrnen: j. ö. ein Segaö, — meldjer bie 
atabemifdjen R-effeln jerbrodjen, l)at mit biefem Son 
geenbet uub näl)erte fid) in ben SlMrtungen eigenartig ber 
fo^iaten Äarifatur. Sebenfalti^ befteljt eine engere !Cer:= 
manbtfdjaft beiber unb bie ftrengen ©renken jtoifd)eu 
l)ol)er unb nieberer, reiner unb gemifdjter Äunft finb 
gefallen. 

9lud) in Seutfd)lanb ti)unte ein ?fufblül)en ber fojialen 
Starifatur nur oon tueitget)enbem Stufen für bie Äunft 
fein; fie mürbe unö lel;ren, feinfinniger auf ba^ Seben 
ber ©cfellfc^aft ein^ugeljen, afö eö biöljer gefd)iel)t. Senn 

— mid) büutt — bie Äarifatur l)at ben Slufflärung^^ 
bienft im Äunftfrieg übernommen; fie ift ber leicht be- 
meglidje äJortrab, ber auiSfd)märmt \\n\> möglidjft tief 
Dorjubringen fud)t in baö öcbcn, eö ^u Clären bcftrcbt 
ift. Seber Sd)ritt oormärtig ift gemonneneö Sanb, uub 
tjaben mir erft einmal gelernt, bie nüd^ternen Singe, 
9Jfenfct)en unb ^i^orgängo be^^ Seben^ mit ben Slugen bes^ 
Sfünftlerö ju feljen unb mit bem Sädjeln be§ ^l)ilofopl)en 
3U betradjten, fo Ijuben mir einen grojgen (Seminn ein* 
gel)eimft. 

2Bir l)ätten aud) ein ®egengemid)t gegen bie rein 
politifdje Äarifatur, bie oft nur ben tleinlidjeu Streit ber 
^^arteien ali§ golie aufmeift, unb gang unb gar beö 
groJ3cn §intergrunbeö entbel)rt, ben fie nad^ SBic^tigfcit 
iljrer Jtuf gaben ju beanfprud)en l)ätte. te'in ®runb l)ier^ 
für liegt aud) in ber 9iatur ber Äünftler. Ser Äünftler 
ift eigentlid) meift politifd) inbifferent unb nur in fel)r 
bemegten ^di^n tl)ut er fiel) im Äampfe ber SJJeinungen 
l)ert)or; aber täglid) all ben erlal)menben SBinteljügen ju 
folgen, baju ift er nid)t fät)ig, ebenfo menig, mie er nidjt 
fät)ig ift, fidj einem ^^rogramm einäufügen; benn ma^ bie 
^^arteien leljren unb glauben, baran ^at bie moberne 
Seele längft „oorbei gelebt". Ser Äünftler fdjafft fic^ feine 
eigene ^^olitit, ebenfo, mie er fid) feine eigene Stnfdjauung 
befS Sebemg fdjafft. So toirb er oft unbemu^t 9{el)olutionär, 
mirb 9tnardjift miber SKillen. 9)fan rangiere aber biefe 
Seute nidjt ein, glaube nidjt j. 83., baß ei8 eineö ©erljart 
^auptmannö Stbfidjt mar, in ben „3Bebern" ein 3^enbenäi= 
brama gu fdjreiben, ober bajs ilju einfadj 9Kitleib^gefüt)le 
geleitet Ijätten, — fidjerlidj finb bie „Söeber" oiel tiefer 
begrünbet. 

3Benn jetU ber 90?aler $an^ Salufdjed in allem, maiS 
er fd)afft, fojiale Äarifaturen bietet, fo finb e^^ audj 
fidjerlid) nidjt SDc'itleibcigefütjle, bie bem ju ©runbe liegen; 
eio ift audj feine biabolifd)e greube an ^^'atljologifdjem 
Ä'ranfem, gefeUfct)aftlidjem !i5erfall, fonbern eiS ift Oorerft 
bo^ Streben, neue, ber Äunft nodj nid^t erfdjtoffene Sphären 




— 379 — 



fünftterif^ ju feetücrtcn, unb jebe« — tüte abftd:)ttic^ 
toixUnhe — ®efül)t änflftlid) t)ermiebcn. 9Beber [inb bie 
©ingc non einem ^arteimanne flefeljcn, nod) Don einem 
reßiftrierenben ^Reporter, nod) mit c\c\v\\)m f^mun^elnben 
»eliaflen, — tnie ber Sßxo^, bem bie Suppe boppclt gut 
fd^mectt, ttjcnn er bentt, baf^ anbere barben, — fonbern 
fie finb fo gefetien. une fte eben 93alufd)e! feiner ureigenften 
•tPerfönlicfiteit nad) nur fel)en fann. @ie peinigen itju, fie 
fc^(agen if)m tlaffenbe a3Sunben burd) if)re 9{ol)()eit, burdj 
bie iperabtDÜrbigung be^ ^:ßl)t)fifd)en unb ^$)t)d)ifd)en in 
il)nen, unb er erläge i()nen, tüäre il)m nid)t ber ?lft ber 
Setbftbefreiung gegeben, fi3nnte er fic^ nid)t biefe ®inge 
tünftlerijd) bienftbar mad)en, entbedte er nidjt in i()nen 
JReiäe üon eigener 93ebeutung. 

Zä) mi^h man liebt bie fo^iate Slaritatur unb alle^^, 
tuag biefe^ ®e6iet ftreift, ^eute nic^t. Wan l)at [id) juerft 
mit einem getniffen ©ntfetjen — bem be^ guten Stjriften — 
Don il)r getuanbt unb Ijeute, mo fie fid) mel)r unb me()r 
ausbreitet, erfennt man fie ^xoax an, red^net mit i{)r, (ernt 
aud) (angjam it)re tünftterifi^en Qualitäten fd)ä^en, be^ 
bauert aber oft unb gern, bag fid) fo reid)eS Stönnen in 
ben 2)ienft einer fd)(ec^ten Sad)e ftellt. Tlan begreift 
garnid)t, tnarum bie Ceute it)re Äunft ba^u braud)en, 
45erelenbigung unb feetifd)e 3{ol)l)eiten aufjubeden. Sa, 
eS ift trai)r: ' biefe 2)inge finb oft nic^t ^um 2ad)en, finb 
rol) unb brutal, l)art unb freublo^. ®ie gel)en auS einer 
S)iSl)armonie l)erDor, au^ bem unnerföl)nlid)en (^egenfa^ 
ber Snnenmelt beö ÄünftlerS unb ber ?tuBentoelt mit 
il)rer fd)reienben Unfultur: — llntultur, bie fid) überaü 
bemertbar mad)t: im Seben be§ ©in^^elnen, tuic in bem 
beS Staate^, in ber Snbuftrie wie im ^i?erfet)r, bie täglid) 
unferm menfd)lid)en ©mpfinben, iuie unfern äftt)ctifd)en 
Sinnen l)unbertmal \u<'> @efid)t fd)lägt. (&§ get)ört Steife 
ba^u, biefen ©tngen ein Sad)en ab^ugeuiinnen. SSer 
lüoUte an SDaumlerS Stöbert !a?acatrc, Der in ber ^er^ 
fleibung aller Stäube ftet^ ber gleid)e gemiffenlofe Sump 
bleibt, ungetrübte ^reube empfinben? 2Ber mi)d)te 21). Zi). 
.f)eine ftet^ mit ®eläd)ter begrüben, tuenn er feine bitteren 
Satiren mit bem Stift liinfd)reibt. Unb bod) empfinben 
mx es tnie eine erli3fung, baft fie auSgefprod)en U)erben, 
unb stuar in einer gorm, bie nod) baS iiad)en juläfet. 
es ift mirltid) — tuie auf einem Quartafeumfd)lag beS 
SimpliciffimuS ^u fet)en — ber 9Jarr, ber ben ©rtrintenben 
auf unterget)enbem Sd)iff bie SKettungSringe jutnirft. 

3)ie ©efc^id)te ber fojialen Sl^arifatur ift in furzen 
iöorten bei unS folgenbe. Sl)re friil)efte gorm möd)te id) 
in ben fogenannten „SluSrufern" erbliden, bie U)eit in 
baS ai^tjetinte vNal)rt)unbert ^^urüdreid)en. 3Sorl)er regt 
fic^ aud) fc^on unter ben §ollänbern beS 17. man^mal 
etmaStnic eine fojiale ßritü. ®ie „?(uSrufer'' finb Strajgen^ 
lierMufer aller 9lrt, fal)renbe§ 3Solf, Sauern, bie jurStabt 
fommen, um il)re SBaren abäufel^en u. f. f., 2;i)pen, bie 
mit fomifd)em ^^atl)O0 il)re Pumpen tragen unb jugteid) 
Eigenheiten beS SSoltSlebenS unb beS StragenbilbeS Dor^ 
ftetten. 3)ann ift befonberS in ben Stabierungen ß^obo^ 
iDiediS mand)eS ju finben, tnaS fid) unferm ®ebiet nät)ert. 
3)oerbed, §ofemann finb bie fo-jialen Sd)ilberer beö oor^ 
mär3lid)en SerlinS. S)ie „©üffelborfer 9J(onatSl)efte" bieten 
mand)eS für baS Seben ber 9tl)eingegenb 93eäeid)nenbe, baS 
aud) für unS l)ier Sntereffe l)ätte. Sd)olj im Slabbera^ 
batfd) unb Söffler im ©orfbarbier fc^lagen t)ier unb ba 
fd)on ä^nlid)e Sone an tuie bie moberne fojiale Öetrad)tung, 
aber im allgemeinen finb eS nur geringe ?(nfät^e, unb ber 
aSi^, ein burc^auS unfd)ulbiger, untritifd)er, legt ebenfo^ 
tuenig ernftl)aft bie Sonbe an bie 3uftänbe, mie ber 
8eid)ner fid) feinfinnig Dertraut mad)t mit ben tljpifc^en 
formen unb ®rfd)einungen. @S ift me£)r ein freies, oft 
geiftoolleS ^l)antafieren über bie ©egenftänbe, tuie ein 
einbringlidjeS, fdjarfeS Stubium. ©rft in ber SJfitte ber 



neunsiger Sal)rc ^at fic^ ^ier mit Simptictffimuö, .sugenb, 
^iarrenfc^iff eine Söanblung angefünbigt, unter bercn 
Heieben tüir l)eute nod) ftcl)cn. (£in eigenartiges ßufammen^ 
treffen ift eS, bafe mit bem ?}euauftreten ber foäialen 
Äaritatur jugteid) eine i«euerung ted)nifd;er ^trt ber 
J?arbenbrud, baS ä^ertDenbcn mel)rerer platten auftam, 
mib ber 3eid)nung eine ?^ilbtDirfung, ein gefd)loffeneS tolo^ 
riftifd)eS Gepräge gegeben U)urbc unb t)iermit eine ^ntimiat 
unb aSielfältigteit ber Stimmung, tuie fie bie frühere 
Äarifatur nid)t fannte. Uub mit biefen reicheren, 
qefd)meibigeren 5Wittetn Derfu^t man nun Dorju^ 
bringen in baS Seben. Unb man ift tneiter em^ 
gebrungen, benn Dorbem. S8ie §eine t)at niemanb bie 
StanbeSfatire gel)anbt)abt, fo fd)arf, fo treffenb unb fo 
einbringlid), S[jönt)S „SeutnantS" finb bie ed)teften 2l)pen 
beS StanbeS, ^einingerS 9{abfal)rer finb Don einjiger 
pfl)d)ologifd)er 2:reue u. f. f. 2)er fünftlerifcfje 5«u^en, 
ber ®etmnn an ertenntniS, an perfönlid)er Stote ift ntrgenbS 
fo ftarf, tuie bei ber fo^ialen 5?aritatur l)erDorgetreten. 
äBir t)aben burd) fie gelernt auf DieleS ju ad)ten, tuaS 
fonft unbemerft geblieben tnäre unb mand)er l)at l)ier 
5ßu(3en gesogen, ' ber, um ein^Söort Sic^enbergS ju 
braiid)en,' baS Sanbleben biSt)er nur auS Sd)aferfpielen 

aSenn tuir aucl^ an bem pl)antafieDolIeren Dberlänber 
ungetrübtere ^reube l)aben, als an einem §eine ober 
iaul, iDenn wix aud) oft bie klugen Dor aU ben 2öaf)r* 
tieiten f^tießen möd)ten, man folge it)nen bod) gern unb 
tDillig, Derfud)e fic^ btnein.^uteben in bie 9lnfd)auung ber 
Sünftler, unb man tnirb für fid) - als 50fenfd) m feiner 
93etrad)tung beS SebenS — grof^en ©etumn f)aben. ferner 
fpäteren ^eit tinrb aber bie fojialc tarifatur ber ®egen:* 
tüart •bie' tDid)tic3ften, tulturl)iftorifd)en ©ofumente m bie 
S'^anb geben; benn in il)r frt)ftaUifiert fid) -meines ®r* 
adjtmd -— ha& lebenbige ßeben ber 3eit, 9luS ©aupt^ 
unb StaatSaftionen tnirb man eS nie lieber aufrollen 
tonnen, aber l)ier, mo all baS, tuaS neben ber ®ef^ic^tc 
liegt, fid) ummünzt, l)ier n)irb baS geiftige unb fo^iale ©a^» 
fein beS i?olfeS fid) entl)üllen - tviebererfte^en — em 
fompliäierter, lebenber Organismus. 



S3on Slnna «Imquift (Stodt^olm). 

a)(an l)ört oft 9JJenfd)en bel)aupten, fie l)ätten !eine 
Sbealc unb uioHten feine l)aben. SSiele aber, bie fo reben, 
tl)un fid) bamit Dermutlid) Unrei^t. Sie finb fic^ if)rer 
Sbeate nur nid)t betüufet. S)cnn eS fann tüot)l gefd)eben, 
ha^ biefe felben 5Dfenfd)en, äußert man il)nen gegenüber 
eine beftimmte 3lnfid)t über irgenb eine Sac|e, lebl)aft unb 
mit gntl)ufiaSmuS il)re eigene Stuffaffung über biefetbe 
auSfprec^en unb Derteibigen. SBaS ift eS bann n)o^l, tuaS 
fie fo eifrig Derfed)ten, toenn nic^t il)r Sbeat Don ber 
Sac^e, bie fie fic^ fo Diel beffer unb DoHfommener gebai^t 
^aben? Unb ein Sbeal ift ja eigentlich nur ein ©ebanfen^ 
bilb. Selten nennen mir, maS tuir errei^t l)aben ober 
befi^en, ein Sbeal, fonbern baS, maS tv\x nad) unferer 
?(uffaffung, in unferer ^l)antafie als baS ^ßollfommenfte 
anfel)en, baS tüir unS benfen fönnen. 

es giebt Sbeale fotDol)l Don Derfd)iebener 9(rt — 
3beal einer menfd)lid)en ß5efeafd)aft, ber ®^e, ber Siebe, ^ 
einer 5ßerfünlid)feit u. f. w., als aud) Don Derfd)iebenen 
©raben, je nad) ben Derfd)iebenen Stnforberungen ber 
einjelnen. 

*) an einem ber ©ffcDfcfiaft&abcnbc, an meieren, oeranlafet 
lüxi^ eacn Äet) in ©tod^olm, ©amen mit 2Irbeiterinncn ju pcrfön- 
li^cm ißcxUf^x äufammcntreffen, leitete bie 3Jer(afferin, eine gabrif- 
arbeitcrin, ben üon i^r fclbft üorgefc^Iagenen ©isfufrionggegenftanb 
mit t)m folöcnbcn Sflfferatc ein. 



f 



!! 



Ildtt htv m^Uvmn Uni f^tn ^nvlhniuv* 

jil lll ©tubie Don ©eorg ^etmann. 
t\\ii" (3ia*bruct »erboten.) 

7 86 3eilen. ?telS für ben em3eta6bru(t 2 3»a(t. 

sßjenn öiet »oit einer „mobernen" beutfd^en Äotifatur bte 
giebe fein foH, fo fte^t fie im (ttenßen ©egenfo* »" i«"« '""'* 
läufiflen Sttufttation, töeIcJ)e nod» t)eute oon ben metften «lättet« 
»olltifcd-fatgrif« ober ^umoriftif<5en ?n^alt8 ^M to«*»- »•« 
hat nichts ju t^un mit ben Beicfenungen, bie für oUeä ©angbove 
- für ben Seutenant, ben «adfifc^, ben Suben, bie ©c^rotcgei- 
mutter, ben ©onntagäreitet — mit einer SRei^e petrefaltev %mn 
aufroortet unb fo erftaunlid^ geift» unb talentlos mit ja^rje^nte» 
langen Ueberlicferungen mudiert. SGBenn aber ^ler »on einer 
„mobetnen" ^arifotur bie Sebe fein foH, fo ift „mobern eben= 
foluentg baS ©tlagniort für eine beftimmte 9li(ötung, für eine 
3lrt ber JJaifteaung, roie beS SJarftcUboren, fono«" «f 
foH etnfa(^ unb attcin im ©treit um Äunft uno gjidttunft ba* 
bexeic^nen, moä fteute fid) oeränbcrt, ootn»ärt§fd)reitet, lebt unb 
fcöafft, unb ni*t in I)anbn)ertmä6iger 3lu8übung einer gerttgleit 
ftetien geblieben ift. 62 foH ja nic^t etroo geglaubt roerben, bafr 
üieaeiAt ein Dberlänber ober SBufdb- nur roeil t^re ?ÖIittel unb 
bie airt ifirer ©etroc^tung nid&t ber eineä 2f|. %% «eine ober 
$aul gleiten alä „unmobern" abget^an werben mü^te. 

3)ie „moberne" Sarüatur im roeiteften Sinne barf fein ober» 
fläd^licfteä ffii^fpiel mit ben Singen treiben, fonbern mu6 ben 
tiefen ©umor offenbaren, roeld&er i n ben Dingen liegt ; fie mufe 
bie lehte ainfc^auung in fi* bergen, bie fo l)0(ft über bem Seben 
fte&t, bafe fie fclbft bem JBittetften ein 2ä(*eln absroingt. ß^ 
oerlange noc^ nte£)r, niel me^r oon if)r : fie foU ber f cmftnntgfte 
2)olmetf4 unb ©loffterer ber ungefc^riebenen 3eitflefcl)t*te fem, 
nicbt feiner ßaupt- unb ©taatäaftionen, fonbern bes eroig 
?flutenben, ftünbUc^ fic^ änbemben gefeUfd^aftlic^en 3ufaminen= 
lebenS in ber gamilie, roie in ben 5ßolfJif*ic^ten ; unb baju 
muft fie immer umfangreichere Somänen umfaffen, fic^ '"1 fl/^-'f ''" 
ftets etroeitern, im {leinen oertiefen. SDer beroeglic^ere ©tift fett 
nur baS 3)afcin felbft in flü^tigften 9tegungen unb ©timmungen 
bonnen, foH iN bort nac^ge^n, roo feine fdjroer ottigen 
©cbroeftan eä nic^t me^r vermögen; bie Äarifatur mu| fic^ ber 
roeiteften ©renken i^ret SJarftettungSfctöigteit beroufet fem unb 
bocb nie uergeffen. bafe i^re oerWltniömöfeig cmfadjen |littel bei 
afler grifcbe perfönlic^cr ©igenort bem ©eifte be§ 8ef*auei* 
weiten Spielraum loffen muffen. 

®er aBert ber Sßi^blattiauftrotion an fic^ wirb oft unter' 
fdlä^t; man fie^t in il)r, roeit fie für ben ^lag flewaffen, fo 
etroaä, roie eine müfeige Spielerei. ?«un, ic^. »'«"^.V.^^^Vm* 
„moberne" Äarifatur roo^l \>0i?> ftärffte «mbeglieb sroi^en »oll 
unb ^unft fein iönnte, unb bafe fie faft baä emsige 3Kittel tft 
roeiten Greifen eine „^unftauffaffung" beä SebenS ju geben. 

5^roei wichtige gattoren baben fid& burd^ bie ted&nifc^e 
gieueiung be§ 35rudoerfat)ren§ für bie i?arifatur ergeben, »a- 
burcb, bafe man ben3)ingen roieber garbe gab, lag eä nalje, ba* 
©tofflidbe an il)nen su betonen ; man begann bie SRufterung ber 
fileiber il)re rau^e ober glatte Dberfläc^w^ bie ©truftut oon JpoU 
unb Stein foroeit eS mit ben einfachen 3RitteIn ongmg, . «""th* 
»u machen. 5Dabur(i& aber roieber, bafe man m geroiffer »t- 
fchräntung nur über roenige "^axUn »ecfügen tonnte, rourbe matt 
auf baä SBebeutfamfte gelenit, aitf bie „ © 1 1 m m u n g . 
3)enn unter ©timmung oerfte^en roir la eigentlich roetter nichtä. 
roie einen ©runbattorb oon roenigen öarmonierenben 2;onen, 
grofee forbige einleiten in ©egenfäften. Unb mit biefem (um- 
bringen ber ©timmung ooCjog ficb erft bie grofee Umroanblunft 
in ber Äarifatur. , .. , . r • 

erft tebt oerfte{)en rotr \>aS. ßanbfc^oftl^e m feiner 
ganjen »ebeütung, achten auf Intimität unb f 6ara Her, erft le^t 
erfa fen mir ganj^ben SBert be« SntermurS, ifl^^J^l^"^ 
Äiritatur für feine ffiefen nici)t mel)r allem unb loägeloftju geben 
fonbern legt qleict)e§ ©eroic^t auf bie ©pfiare, bie Umgebung, m 
roelc^e fie t)ineinge^ören, roelcl)e mit i^nen g ei^fam »«>"«*?" 
ift. Unb juerft unb julefet : erft W fdfofft bie Äaritatur m 
i^rem ©inne „Silber". 

®ie Äünftler lernen fcl)nea i^r 3eic^enmateril mahlen,, 
beginnen mit Sufcije unb ©ecfroeife, mit JJeber, ©djabmeffer unb 
in ©pn^ermanier ju arbeiten, fc^affen für Äontourplatten, garb- 
platten, aiutotqpien, für §albtöne unb Ueberbrude, ""^ oerfu^ « 

mit biefen einfacl)en SJerfa^ren ;f *«-• i*'««"^i..Ä "^„..,!ä 
erzielen. (£§ ift d« ob bie Äünftler ftd) i^ret ga^igleiten neueä 
»u fagen oott beroufet roerben. Unb roir motten nun xufe^n, roie 
mit ber ftärleren SKugbrucf^fraft ber awatel bte Äarifatur t^re 
Äreife erroeitert, an 3lu§bcl)nung roie an Siefe gcroonnen ^at. 

2Bäl)renb bie ^niamn «ne^. Ä' », w 'l'^^wLi« 
flüchtigen ^«mpreffionen mit fo emmenter ©ic^ert)eit il)re ^crfonen. 
in irgenb roelctien ©emütäaffelten «t^ei «nbequemen aufeeren Sagett 
fcbilbert, e§ bocf) nur feiten oermag, bie^ßerfon W f? S«Knn;/ 
ie iciinen, ba& fte o^ne atte 3utt|aten oon JBert unb ©ituationg^ 



lomif fdbon aflein burci) i^r Sßorfianbenfein un« - in ber ooDen 
2Ba^rl)eit unb 2iefe ber 6()arafteriftit - Iäct)eln machte jie^t bte 
Äaritatur Dberlänber^ barüber f)tnau§. «et if)|"'P.«» 
fchon ba§ Dbieft, roelcl)e§ un§ jum «äcl)eln bringt, nic| ferne 
Sage, feine Slffette, nici)t bie - beiJBufc^ >M'3 ""«We - 
Uekrtreibung beä ef(aratteriftifd)en. 9lem bei Dberlänber tft e^ 
bie 9ltt ber Setradjtung, ift eS "öa^ ftitte ©ic^oerfentcn be^ 
Öumoriften. ßr befifct fo eine freunblic^e, förmige 3liiteilnal)me, 
mW nie jürnt, roeldje ganj ä"f"ebett ift mit ben Singen m 
biefer närriic^en üßelt, unb fie gerabe mit t^ren ©djroac^eti unb 
nic^t anberg I)aben mag. Äeine ©ptjr oor einer Ärttit ber 
8cben§formen, fein Spott, feine 35erad)tung ber Suftanbe; .uol)l 
eine ft ä r f e r e Snbioibualität, aber bod) feine fo tief gerourjelte 
Siebe ju ben Singen, fein fo inttmeä einbringen, roie fte bte 
moberne Äarifalur j. 33. in einem 2^. %% §etne in ftc^ birgt 

nRan möd)te bei aller fünftlcrifd;en aSoräüglicl)tett etnent Sufd) 
ober Dberlänber aud) nic^t in jenem maa'iii eine fulturelle 33e- 
beutung einräumen, rote fie einige ber ttiobernen 3eid)ner oer- 
bienen.' Saö Gebeutet aber an fid) fein SBerturtetl, fonbern be- 
tont nur eine 35etfc^iebenf)eit jroifd)en ©enerationen. 

SBal ber mobernen Äoritotur bie fulturelle »ebeutung oer- 
leibt, ift Dorjüglicf) bie fojiale Sat^re, bie Stanbeäfottjre, roeldje 
gleichmäßig atte ©efeUfc^aftlfdjtc^ten, f)ocJ) rate ntebrig umfpannt. 
einen biä^er ungeahnten 2i)penretd^tutn fii^rt fte ber ^Uu= 

3lber"' nicht nur unfere Sf)ätigfeit, unfer „äufecreä" Seben 
finbet feinen SBibert)alI in ber ffiarifatur, nein aucf) utifer 
„innere^" Sehen, unfere ®cfd)mac!äric^tungeij in Äunfi, un ere 
Sßorliebe für )>as, Sanbfdjaftlic^e oerfiJrpert ftc^ tn ber ^ax\M\xx. 
Sie ganje Senfibilttät ber «Reruen einet Sefabence nnbct felbft 
ihren luSbrucf. Sa man möchte faft fagen, \ia.^ bte oerfc^tebenften 
litterarifc^en Sichtungen fiel) £)ier roieberfinben px § eine bte 
Unerbittlicbfeit ber 9Jorroeger unb ibrer glu{)enben, eigenartigen 
«Bbantaftif, in Salufdief ben berliner aSorftabtromattu. f. f. 
3ttit Slutfallenbften aber ift baä rounberbare ^erftanbnt« einiger 
Reidiner für bie Siebermoierjett, jene Qt\i ber aiomatittf, ber 
Sir un§ ^eute litterarifc^ roieber fo nähern, mit beitt 3ururfflcben 
auf 2lnfänalid)c8 in ber ilunft, ber Vorliebe für bog aRarcl)en' 
fiate, mit ber faft übcrgrofeen empfinbfamfeit ber 9fafur gegeit. 
über, bem SBinlligen unb Siäarren im altertuntlicfien ©tobte» 

e§ liegt ctroaä oon eic^enborf in einem e i c^ l e r unb 

eine'nidjt unroef entließe Stenberung fdieint fic^ mir aud) in 
ber poHtifdjcn Äarifatur - roentgftenä «"e fte jm 
Simplicifftmuä gepflegt roirb - ooHjogen ju t)aben Senn f^ 
hat mir an Sebeutung unb Sdjärfe geroottnen, fettbn.i fte nid)t 
meV bie birefte Äritif an einer 5ßerfon übt, al§ ob bie e ato 
fchulb an irgenb einem Buftanb roäre^roetl gerabe ©lud f « 
Uoglücf fie auf fenen Soften gefteUt. 3* (^"^V"),"" »«# fr 
leiÄ über be^erfon be§ SargefteDtcn bte ©«*% "«'^« «^ 
oertrttt. 9lut eine Äritif an ben „Suftänben" tm po i igen Sehen 

fann jene liefe SBirfung ^aben, n'el*^>"'"2"f'' s'*c^«f.rh^r 
tatur geforbe t roerben mufe. aSenn mir ©^arfe «"b §o^e ^et 
politif Jen Äarifatur al« SlRafe für ^«fnaufneben^ett betrauten 
f)ahen roir eine jiemlic^ Beträ^tlt^e §o^e errei<|t ©^ tft 
gerabe, al§ ob bie Äarifatur ein »lifeableiter für unletbltje p r, 
Mltniffe roärc, eine Scaftion gegen anbraiigenbe Unluftgefü^le, 
iinb ie jugefpifeler bie Ser^ältniffe »erben, befto luftigere Sßursel. 
bäume fi^lägt ber §umor. 



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ZEITSCHRIFT 



FÜR 



BUCHERFREUNDE 

Monatshefte für Bibliophilie und verwandte Interessen. 



Herausgegeben von Fedor von Zobeltitz. 



4. Jahrgang 1900/1901. 



Heft 7: Oktober 1900. 



Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Von 



Georg Hermann in Berlin. 

I. 
Bis zur Napoleonischen Zeit. 




[n der ersten Hälfte des XVIII. Jahr- 
hunderts finden wir keine deutsche 
Karikatur von irgend welcher Wich- 
tigkeit, weder politisch noch sittengeschichtlich; 
es scheint überhaupt das Bedürfnis für sie bei 
den gebildeten Ständen 
vollends geschwunden zu 
sein, und nur die niederen 
Formen der Komik mögen 
im Volk ihre Freunde fin- 
den. Das politische Leben 
leidet an der grossen Er- 
schlaffung nach schwerer 
Krankheit; dem Deutschen 
ist die Lust am Lachen 
gründlich abhanden ge- 
kommen, versiecht mit den 
Quellen seines Spottes, 
und bis der deutsche Hu- 
mor wieder ein eigenes 
Gewand bekommt, darüber 
vergehen weitere 100 Jahre. 
So lange leben wir fast nur 
von Anleihen bei den Nach- 
barn, oder können uns doch 
nicht zu einem eigenen 
Z. f. B. 1900/1901. 







Abb. I. Neujahrswunsch um 1790. 



Stil ermannen. Der derbe alte deutsche Humor, 
der in den Steinmetzarbeiten des romanischen 
und gotischen Kirchenschmucks in tausend 
l'ormen seinen Ausdruck fand; der selbst im 
Spiel mit dem Grausigen, wie in Holbeins 

Totentanz, seine Überkraft 
offenbart, der in iMschart, 
in Sebastian Brandts Nar- 
renschiff, in bösartigen, 
monströsen Satyren der 
Reformation seine Rechte 
behauptete; der in der alten 
Sage vom Reinecke Fuchs 
so viel Geist und Laune 
aufwies — er ist vollends 
vergessen, und wie er sich 
wieder hervorwagt, da ist 
aus seiner breiten, tot- 
schlagfreudigen Kraft eine 
armselige Spiessbürgerlich- 
keit geworden, die nicht 
fähig ist, herzhaft zu lachen, 
noch weniger herzhaft zu 
hassen. Jedes Band, das 
die politische Zerrissenheit 
verknüpfen konnte, fehlt, 

30 



>->!\tff 




234 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



235 




J^37t>. 






Abb. 2—4. „Nürnberger Schimpfwörter." Um 1790. 



und das, was heute der deutschen Karikatur 
ihren Reichtum giebt: die Vielheit der Stämme, 
die Summe der Zentren, welche sich unter 
einer Einheit zusammenfindet, stellt uns, so- 
lange diese Einheit fehlt, ihre tiefste Ohn- 
macht dar. Frankreich hat im Gegensatz zu 
Deutschland nur eine geistige Kraftzentrale: 
Paris, während sich in Deutschland eine Reihe 
von Stätten der Kunst und des Wissens ent- 
wickelt hat. Jede zeigt hier ein eigenes Ge- 
sicht, und doch werden alle heute von einem 
gemeinsamen Band gehalten. In dieser Viel- 
heit ist die Grösse und Zukunft deutscher 
Kultur zu sehen. 

Allen politischen Ereignissen des XVIII. Jahr- 
hunderts gegenüber zeigt sich in der Karikatur 
eine merkwürdige Anteillosigkeit; selbst die 
Kriege Friedrichs des Grossen finden nur ein 
geringes Widerspiel, und sogar noch die fran- 
zösische Revolution erreicht kaum eine eigene 
Berücksichtigung. Die Almanache bringen fast 
nur Nachbildungen englischer und französischer 
Arbeiten und „London und Paris'' y eine in 
Weimar erscheinende Publikation, ist natur- 
gemäss nur mit fremden Blättern, vorzüglich 
von Gillrai, Cruikshank, Rowlandson, ausge- 
stattet. Die Schweizer Hess und Duncker sind 
die Hauptkünstler der politischen Zeichnung 
der Revolutionszeit. David Hess {ly 70 — 1843) 
steht im Stil ganz unter dem Einfluss der Eng- 
länder und hat selbst später an der Manier 
seiner Jugend festgehalten; und doch muss man 
ihn zu den befähigtsten deutschen Zeichnern 



der Epoche zählen. Die „Hollandia Regene- 
rata*' (London 1796) befasst sich mit der Ver- 
spottung der französischen Revolution und ihrer 
Errungenschaften. Sie ist von dem giftigen 
Witz, jener uns abstossenden Gefühlsrohheit, 
die auch noch der politischen Karikatur im 
Napoleonischen Zeitalter eigen ist; aber gerade 
durch ihre scharfe Gehässigkeit, durch Wut 
und Verachtung wirken diese Blätter noch 
heute auf uns, besonders da sie auch zeich- 
nerisch nicht uninteressant sind und den Eng- 
ländern das manierierte, ausdrucksvolle Mienen- 
spiel, die übertriebene Bewegung und das Dra- 
matische des Vorgangs gut abgelauscht haben. 
Diese Blätter sind verkleinert den „Deutschen 
Revolutionsalmanachen" in Stichen von Schubert 
und Riepenhausen beigegeben und mit langen 
Erklärungen dort ad usum Delphini des deut- 
schen Kleinbürgers zugeschnitten worden. In 
den Almanachen verstreut finden wir hie und 
da karikaturistisches, doch wie mager diese 
Ernte ausfällt, zeigen am besten „Falks Taschen- 
bücher für Freunde des Scherzes und der 
Satyre*\ die alles in allem herzlich matt sind. 
In Berlin sind es Funke und Niegelsohn, die hin 
und wieder ein Blatt gegen die Revolution nach 
englischen Vorbildern auf den Markt bringen. 
Während in der Litteratur der englische Ro- 
man, das französische Lustspiel bald verdrängt 
wurden, ist gerade in unserm Feld nur Nach- 
ahmung zu finden; oder die eigenen Erzeugnisse 
sind von so plumper Form, so altmodischer, 
handwerksmässiger Mache, dass es sich kaum 



lohnt, auf sie hinzuweisen. Und doch lebt unter 
der Jahrmarktsware, den Neujahrswünschen 
(Abb. i), den Blättern mit Ermahnungen, mit sym- 
bolischer Darstellung der Laster, der kleinen wie 
der grossen, der Moden wie der Sitten, noch 
etwas wie ein Rest der alten Kraft. Künstlerisch 
bieten sie uns heute nichts mehr, und beson- 
deren Witz können wir ihnen nicht nachsagen, 
und immerhin ist ein etwas an ihnen, eine Unbe- 
fangenheit, die uns gewinnt. — Ein häufiges 
Motiv ist der arme Podagraer, der schon von 
Dürer und Hans Sachs her immer wieder daran 
glauben muss. Alles verhöhnt den alten Sünder, 
und giebt er seiner schlimmen Laune Worte, 
erscheint er erst recht jämmerlich und willenlos. 

Mich ärgert jetzt vor Schmerz die Fliege an der Wand, 
Und da ich fressen will, bin ich es nicht im Stand'. 

Einen weiteren Grund zur Heiterkeit geben alt- 
modische Typen von Ärzten, gelahrten Herren, 
Bramarbassen, deren Kleidung und Gebahren, 
deren originell ernste, aufgeblasene Wichtigkeit 
den Spott weckten. Man schafft Gestalten wie 
den Horribilescribifax oder den „achtbaren 
und übernatürlich studierten Herrn Vergilius 
Physicgangius von Grillenberg, der in sehr 
tiefen Speculationen und Meditationen wohl- 
bedächtig und gemächlich die Strasse betritt". 
Diese Blätter stammen meistenteils aus Augs- 



burger Offizinen. Oder wir bewundern in der 
Sammlung „Nürnberger Schinipfivörter" (Nürn- 
berg, um 1790) den grossen Reichtum an frag- 
lichen Schmeichelworten, mit denen der leb- 
hafte Franke seinen Mitmenschen zu bedenken 
liebt. Die Figürchen (Abbild. 2, 3, 4) sind, 
wenn auch künstlerisch wertlos, so doch recht 
lustig und geschickt ersonnen und geben gut 
und klar das Gewollte. Ganze Bilderfolgen er- 
zählen von den Ubelständen, die daraus er- 
wachsen, wenn alte Männer junge Frauen oder 
wenn umgekehrt junge Männer sich mit alten 
Frauen ehelich verbinden. Wie bescheiden ist 
dieser Witz! Bescheiden, wie die Ansprüche 
des damaligen Lustspiels, und sicherlich hat 
das Lustspiel hier Pathe gestanden. Das bei- 
gegebene Blatt (Abb. 5) stammt aus dem Be- 
ginn des XIX. Jahrhunderts und zeigt deutlich 
französischen Einfluss. Es ist farbig hand- 
koloriert in zarten Tönen, in allem ein treff- 
liches Charakteristikum der Zeit. Das Ver- 
hältnis der Menschen zur Landschaft — den 
Horizont in Höhe der Kniee — kann nur die 
Bühne gegeben haben: Schauspieler, die vor 
einer Kulisse stehn. Die Köpfe sind klein, 
die Körper überschlank und wie zugespitzt nach 
unten hin. Jede Stellung hat etwas Bewusstes, Aus- 
geprobtes, und gar der Amant mit den zu kurzen 




Abb. 5. „Herr Alt und Fräulein Jung." Handkoloriertes Blatt; um x8xo. 



236 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Armen und demTanzmaitreschritt ist vollends der 
jugendliche Liebhaber jener Zeit. Diese ganze 
gezierte Theatergrazie wirkt aber in ihren ein- 
fachen geraden Linien, ihrer steifen Koketterie 
ungemein zart und gefällig. Andere Blätter 
zeigen den Tod des Herrn Credit, wieder an- 
dere wenden sich gegen die Verderblichkeit 
des Lottospiels, aber besonders zahlreich sind 
doch die, welche sich gegen die neue Reifrock- 
mode und die neue Haarfrisur, die Toupets, 
wenden. Allen ist das gemein, dass sie das 



Charakter zu konstruieren, hat sich bis heute 
in den deutschen Witzblättern als ein unschul- 
diges, humorloses Spiel mit den Formen be- 
wahrt. Lavater stellte Regeln für die Karika- 
tur auf und wandte sich besonders gegen die 
Künstler im Sinne Hogarths, welche von dem 
eine Karikatur schufen, was in der Natur schon 
Karikatur war. Ihm erscheint die Karikatur 
als das Widerspiel des Hässlichen im Schönen; 
so z. B. sieht er sie in einer hervorragenden 
unförmigen Nase in einem sonst edlen Gesicht. 




Abb. 6. Spottbild auf die Galische Schädellehre. Um 1800. 



Bildliche durch langatmige, eingehende Er- 
klärungen unterstützen, und dadurch wird das 
Beste den Blättern genommen: ihre Wirkung 
durch sich selbst. Auch in Almanachen wer- 
den die Karikaturen mit breiter Geschwätzig- 
keit Übergossen, und da sie vielfach noch an 
einer Überlastung mit Figuren leiden, von denen 
jede ihre Bedeutung haben soll, wirken sie 
durch dies Vielzuviel heute zerrissen und un- 
erfreulich. 

In Lavaters JViysiognomit' findet die 
Karikatur reichlich Berücksichtigung. Ja, jene 
Art, sich aus Tierköpfen durch langsame Um- 
formung Menschengesichter von bestimmtem 



Die Auffassung seiner Zeit mag hierin ausge- 
sprochen sein (stellt doch Frangois Grose in 
seinen „Principes de Carricature" [Leipzig, ohne 
Jahr] sogar wissenschaftlich in Tafeln auf, wie 
man Karikaturen zeichnen müsste, indem er in 
Kreise, Kreisbogen und Dreiecke Gesichter mit 
verdrehten, verdrückten Gesichtsteilen, mit 
schiefen Augen, übermässigen Mäulern ein- 
zwängt und so nur eine Deformation erreicht, 
die uns mehr peinlich als lächerlich erscheint.) 
— Aber mit unseren heutigen Begriffen deckt 
Lavaters Auffassung sich keinesfalls. 

Auch die Fragen der Wissenschaft regen nur 
wenig die Spottlust der Zeichner an. Allein die 



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Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



237 




Y&64^i/tc, 



tc/v 

Abb. 7. Daniel Hildebrandt (David Hess): Der Scharringelhof, Blatt 5 (i8ox). 

Verkleinert. 



Lavatersche Physionomik und später die Galische 
SchädelleJire sind es, die hier heftige Angriffe 
erfahren. War es Lichtenberg, der Lavaters 
überschätzte Theorien zusammenstürzen Hess, 
so ist es vorzüglich zeichnerische Karikatur, 
welche sich energisch gegen die schwindelhafte 
Ausbreitung der Galischen Lehre auflehnte. 
Abbildung 6 zeigt Gall auf der Bühne erklärend; 
die Eintretenden haben ihren Eintritt teuer 
genug an den Schädelkassen erkaufen müssen. 
Der Freimütige rührt die Trommel der Reklame, 
der Harlekin schwingt das Panier des neuen 
Jahrhunderts und weist auf den Gelehrten. 

Nicht einmal das so reiche litterarische 
Leben, welches in Travestieen, Parodieen, 
Litteraturkomödien sein Gegenspiel findet, er- 
weckt die Karikatur; selbst der Xenienkampf 
bietet nur ein Blatt von Bedeutung. Es ist 
den „ Trogalien zur Verdauung der Xenien von 
Christian Fürchtegott Fulda'* beigegeben und 
stellt einen Zug von Narren und Gesindel dar, 
welcher an den Thoren Jenas Einlass begehrt. 
Schiller mit Hetzpeitsche und Flasche klammert 
sich an den Schwanz des Satyr-Goethe, der 
gehörnt, bockfüssig, einen Ring mit dem Wort 
„Tierkreis" in die Höhe hält (siehe Floegel 
„Atlas der grotesken Komik"). Auch einen 
anderen Punkt greift die Karikatur jener Zeit 
häufig an: es ist das übertriebene, reich und 
vielfach ausgebildete Ceremoniell des gesell- 
schaftlichen Umgangs, das sich von Frankreich 
aus den Höfen, von den Höfen den bürgerlichen 



Kreisen mitteilte: ein Ceremoniell, das dem 
Deutschen im Wesen vollends widersprach, und 
welches er doch überaus gelehrig, wie stets, auf- 
nahm und weiterbildete. Der „Scharringelhof '' 
(1801) hat den Schweitzer Zeichner David Hess 
zum Urheber, der sich hier unter dem Pseudo- 
nym Daniel Hildebrandt verbirgt (Abb. 7). Es 
zeigt den Abschied zweier ältlicher Herren, die 
vor Höflichkeit und Unterwürfigkeit vor einander 
ersterben. Der Witz, dass der Fortgehende 
bei der fünften Position über die vor ihm 
liegenden Steine stürzt, ist nicht überaus geist- 
voll, aber er erscheint auch nebensächlich 
gegenüber der feinen Zeichnung der Typen 
und der witzigen Schärfe, mit der hier eine 




Abb. 8. D. Chodowieckit Liberte, Egalite, Sansculotte. 



238 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 







«^«äJ'"**"<».^ 



Abb. 9. Daniel Chodowiecki: Wallfahrt nach Französisch- Buchholz. 



Modetliorheit gegeisselt wird. Der Spötter 
Lichtenberg ist es besonders, der diese Rücken - 
beuger und Komplimentemacher sich aufs Korn 
nimmt; seine aphoristischen Studien „Bemer- 
kungen vermischten Inhalts" bieten manche 
Parallele zum Scharringelhof. 

Welch ein Mangel, trotz Chodowiecki, an 
jeder sittengeschichtlichen Vorstellung war, 
zeigt uns der Beifall, den Hogarth in Deutsch- 
land fand, und der durch die Erklärungen des 
kleinen, witzigen Physikers, des vorzüglichen 
Kenners englischer Zustände, Georg Christoph 
Lichtenberg, noch erhöht wurde. Und trotzdem 
erscheinen uns diese Ausführungen (Göttingen 
1794), so scharf und geistvoll sie immer sein 
mögen, von jenem Witz, der ein jonglierendes 
Spiel mit Worten und Begriffen treibt und oft 
Lehren hineingeheimnist, zu Betrachtungen 
überleitet, welche sicher dem bildenden Künst- 
ler fern lagen. Aber ausserordentlich treffend 
sind doch manche Bemer- 
kungen, so z. B. wenn es in 
der Erklärung des dritten 
Stiches aus dem „Wege 
des Liederlichen" — jenes 
Blattes, welches Ausserstes 
an Völlerei, Bezechtheit und 
Sittenlosigkeit wiedergiebt 
— ganz beiläufig heisst: 
„Dieses Blatt mögen die- 



Abb. 10. D. Chodo 
und das 



jenigen beherzigen, welche das Landleben nur 
aus Schäfergedichten kennen". Und in einen 
knappen Satz presst er den Hauptunterschied 
zwischen dem hastigen Zusammenströmen in 
London und der kleinen deutschen Stadt des 
XVIII. Jahrhunderts. „Mit Geld lässt sich in 
London nämlich aus jedem Zimmer alles machen : 
Bibliothek, Bildergallerie, Museum oder Harem 
— und das in kurzer Zeit." Wir vermögen heute 
in Hogarth kaum noch das Karikaturistische 
zu erkennen; wir bewundern den Sittenschil- 
derer, der eine ganze Zeit mit ihren Lastern 
heraufbeschwört, der in scharfer Charakteristik 
die Typen auseinander hält, staunen über seine 
eingehende Kennerschaft der menschlichen 
Unzulänglichkeiten, wenn wir uns auch nicht 
enthalten können, die Gesten oder Affekte oft 
schauspielerisch zu finden; indessen bei Lob 
oder Tadel wieder und wieder scheint uns 
im letzten Grunde doch das rein Moralisierende 

hervorstechend, und das 
Gefühl der Heiterkeit oder 
der lächelnden Befriedigung 
wird unser nicht Herr. 

Aber dieses Gefühl wird 
unserer Herr bei einem 
deutschen Künstler, der uns 
aus dem Leben des Berliner 
Bürgers des XVIII. Jahrhun- 

wiecki: Petion, Marat 

Fischweib. derts — des Jahrhunderts 




MP 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



239 



der Originale, der verschrobenen, verknöcherten 
Käuze, der Freigeister und Schwärmer — feine 
Züge bewahrt hat, die, ohne im Sinne oder in 
der Darstellung gerade karikaturistisch, ja selbst 
absichtlich humoristisch zu sein, uns zugleich 
traulich und lächerlich erscheinen. Traulich — 
weil es etwas in sich birgt, das einmal unser war, 
und das uns das brausende Durcheinander der 
Moderne täglich mehr und mehr entreisst, so 
sehr wir es auch zurückerstreben: das ruhige 



sagen kann als von jenem Greis in Gellerts 

Fabel: „Er lebte, nahm ein Weib und starb ." 

Ja, und wenn dieses Künstlers Werk auch 
nicht einmal im eigentlichen Sinne humoristisch 
ist, wenn er bei aller Vornehmheit und Deli- 
katesse auch stets kühl und ein wenig nüchtern 
bleibt — nüchtern wie das verstandesklare 
Preussentum — so hat er doch die erste Vor- 
bedingung des norddeutschen Humors: die 
Freude am Heim ; bei aller Steifheit der äusseren 




Abb. XI. J. H. Ram bergt Aus „Till Eulenspiegcl". 

Verkleinert. 



Leben der Familie, die saubere, würdevolle 
Wohlanständigkeit — auch Alltags jene seltene 
Sonntagsnachmittagsstimmung, in deren heim- 
lich-engen Kreis gemach die lauten Wünsche 
entschlafen; lächerlich — weil es tausend un- 
nötige Gewohnheiten züchtet, Phlegma, Selbst- 
überhebung, Beschränktheit, Philistertum, Weiss- 
bier- und Kannegiesserei fördert; weil es die 
Frauen zu raffinierter BestienfLitterung, die 
Töchter zu Klavierklimperei und Männerfang 
anhält; weil es der Indifferenz in jedem Sinne 
Vorschub leistet und weil es oftmals Menschen 
hervorbringt, von denen man weiter nichts 



Form: die sesshafte, verweilende Gemütlichkeit, 
ein behäbiges Betrachten, eine angewandte 
klar erkennende Philosophie, welche das ein- 
fache Leben liebt in allen seinen Äusserungen 
und sich hier einrichtet, so gut es geht. Steif und 
ruhig, verständig, eine kleine Freude am Witz, 
ein wenig spöttisch, wohl auch rührselig, wie 
es die Zeit mit sich brachte; im Wesen stark 
beeinflusst durch die Führer auf litterarischem 
Gebiet; begabt mit feinem, scharfem Blick für 
das Charakteristische und voll Liebe und 
Können, voll Geschmack und Anmut; ausge- 
stattet mit einem ausserordentlich malerischen 



•**»' 



240 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deuts chen Karikatur. 



i 




Abb. 12. Silhouette zu Kortüms „Jobsiade". 

Sinn, der sich in der Lichtverteilimg seiner 
Kompositionen ausspricht — das ist Daniel 
Chodmnccki. Er, der ruhige Realist, ist der 
einzige, der alle intimen Dinge seiner Zeit uns 
bewahrt, in dessen kleinen, winzigen Blättchen 
— er schuf meist Illustrationen zu Almanachen 
_ sich ein guter Teil vom Berlin der Frederi- 
cianischen Zeit kristallisiert. Trotz seiner 
Danziger Herkunft ist Chodowiecki einer der 
wenigen spezifisch berlinischen Künstler, in 
allem — auch in seinem unglaublichen Fleiss, 
wie in seiner verstandesmässigen Kälte. Und 
was er versuchte : die Lebenswerte, das Kolorit 
der Stadt, ihrer Bewohner, ihr Zusammenleben 
in der Familie, wie in öffentlichen Bethätigungen 
auf der Strasse, bei Volksfesten — alles das 
künstlerisch mit einem Anflug von Ironie zu ver- 
arbeiten, das zu bewältigen ist immer wieder das 
Streben einzelner, bis herab auf Hans Baluschek 
gewesen. Und gerade jener Anflug von Ironie, 
der sich bei den wachsenden sozialen Gegen- 
sätzen jetzt bis zum bitteren Sarkasmus ge- 
steigert hat, wird auch immer wieder, wie von 
selbst, mit in die Betrachtung einfliessen müssen, 
so dass das Wenige, was wir als typisch ber- 
linische Kunst bezeichnen möchten, meist mit 
der Karikatur im engen Zusammenhange steht. 
Chodowieckis Wallfahrt nach „Französisch-Buch- 
holz" (Abb. 9) zeigt mit der übermässigen 



Anhäufung essbarer Gegenstände, mit dem 
armen, überlasteten Eselchen, das nach Busch- 
scher Manier seinem Missfallen Ausdruck giebt, 
mit den glückseligen, erwartenden Blicken, wel- 
che alle Eselreiter auf den bchangenen Brat- 
spiess der Karawancnführerin werfen, deutlich, 
dass hier die Futterkobersucht sich in die 
Natürliche des Berliners schon damals umge- 
setzt hatte. 

Während der Witz meist eine Handlung in 
sich einschliesst, so ist der Humor verweilend 
und stellt einen Zustand dar. Chodowiecki ist 
Humorist, und so sind es vorzüglich Gruppen, 
Strassentypen, kleine bespöttelte Eigenheiten 
seiner Mitmenschen, die er, dem didaktischen 
Zug seiner Zeit folgend, aufs Korn nimmt. 
Eine der reizendsten Schilderungen, die wir über- 
haupt vom Bürgerleben des XVIII. Jahrhundert 
übernommen haben, ist die Reise nach Danzig: 
Skizzen, die Chodowiecki gelegentlich eines Be- 
suches bei seiner Mutter sammelte und später 
einer Überarbeitung unterzog. Mit verweilendem 
behäbigem Humor werden uns hier kleine All- 
tagserlebnisse in liebenswürdiger Redseligkeit 
erzählt. Aber auch in der Travestie des 
Götterwesens und der Antike, in den Blättchen, 
die der Stecher zu Blumauers Aeneide ge- 
schaffen, zeigt er sich geistvoll und witzig — 




Abb. 13. J. M. Vo 1 z : Das wahre Porträt 
des Eroberers. 1813. 



^ 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



241 



mehr als der Schriftsteller. Wie er den Zeus 
als alten Herrn mit Schlafhaube, die anderen 
je nach Würde in mehr oder minder ehrbaren 
Alltagstypen giebt, wie sich statt der Trojaner 
Berliner mit Waffelbäckern und Schornstein- 
fegerjungen (sie vertreten die späteren Schuster- 
lehrlinge) um das grosse Pferd drängen, das 
ist noch heute von unmittelbarer Wirkung, 
trotzdem wir nun nachgerade genug Travestien 
in Wort, Bild, ja sogar in Opern über uns 
haben ergehen lassen müssen. Aber dass selbst 
die unsterblichen Götter der Abwandlung und 
Degeneration unterliegen können, dieser Ge- 
danke wird immer wieder fruchtbar sein: er 
gehört mit zum eisernen Bestand des deutschen 
Humors. In ihm eint sich Mitleid und Schaden- 
freude, in ihm fühlt man sich behaglich, denn 
der Humor erkennt nicht gern Dinge an, die 
über ihm sind. 

Dramatisch bewegtes zu schaffen lag nicht 
in Chodowieckis Naturell, eben so wenig wie ihm 
der scharfe Spott gegeben war, und so ist die poli- 
tische Karikatur nur selten und mit wenig Glück 
von ihm gepflegt worden. Zwei Blättchen ^^^^"^ 
die französische Revolution sind ohne jeden 
Stachel und recht unschuldige Scherze. „Petion 
Marat und das Fischweib" (Abb. lo) und 
„Liberte, Egalite, Sansculotte" (Abb. 8). Das 
erste persifliert nicht ungeschickt die stolzen 
Römerattitüden der Revolutionsmänner; das 
zweite soll die bösen Früchte der Freiheit und 
Gleichheit darstellen und zeigt, wie ein nackt- 




JmX. 



Da^irt" infiHlirtirr Solin,Än dnnidiWblü^'ÄnaLliftl)©*; 




Abb. 15. Napoleonskarikatur von 1815. 
Z, f. B. 1900/1901. 



Abb. 14. J. M. Volr: „Da habe ich einen netten Bock 
geschossen!'* Verkleinert. 

bciniger Schornsteinfegerjunge mit einem 
Fräulein der besseren Gesellschaft schön thut, 
das gerade ausholt, um sich thatkräftig den 
Zudringlichen vom Leibe zu halten. Weder 
das eine, noch das andere trifft den Kern der 
Sache. Die politische Karikatur konnte da- 
mals nicht in Deutschland und am wenigsten 
in der Anschauung und ruhigen Lebenssphäre 
dieses Künstlers ihren Boden finden. Gerade 
seine Stellung und sein Urteil über Hogarth 
zeigen, dass er es seiner Schule — denn Hogarths 
Einfluss auf die englischen Karikaturisten ist 
unleugbar — überlassen musste, dieses Gebiet 
zu pflegen. Ausserdem war Chodowiecki zur Zeit, 
als die Ereignisse der Nachbarländer auch für 
Deutschland bodenbereitend für die politische 
Karikatur hätten wirken müssen, zu alt, um 
sich in diese neuen Aufgaben schicken zu 
können. Inwieweit im einzelnen die Litteratur aut 
die Karikatur im XVIII. Jahrhundert Einfluss ge- 
übt hat, kann hier nicht berührt werden; gerade 
in der Erscheinung Chodowieckis begegnen sich 
aber die litterarischen Strömungen und einen sich. 
Es scheint vielleicht verfrüht, hier schon J, 
Heinrich Ramberg (1763— 1840) zu erwähnen; 
aber seine Kunst zeigt ihn von solch einer 
eklektischen Vielseitigkeit, einer so glatten 
Rokokoliebenswürdigkeit, einer so hofmännischen 
Grazie, dass wir ihn ruhig in das XVIII. Jahrh. 
hineinnehmen wollen, als einen der letzten Aus- 
läufer eines, wenn auch oberflächlichen, so doch 

31 



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242 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



243 




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Abb. 16. Wellington und Napoleon I. 1814. 
Nach Cruikschank. 

schönheitsfreudigen und leichtsinnigen Kunst- 
regimes. Ramberg lebte als Hofmaler in 
Hannover; er zeigt auch auf dem Gebiet der 
Karikatur eine fruchtbare Thätigkeit. Neben 
politischen Blättern ist ein „Reinecke Fuchs" zu 
erwähnen, und besonders ein „ Till Enlcnspiegel'\ 
Abb. 1 1 mit den gedrungenen, ausdrucksvollen 
Typen verrät ein fleissiges Studium der Hol- 
länder, wie wir überhaupt dem Einfluss von 
Brower, Steen, Ostade noch häufig begegnen 
werden. Der prächtige, derbe Humor der alten 
Holländer findet sich in ähnlicher, verwandter 



Form beim Niederdeutschen wieder. Weist doch 
auch Busch in seiner Selbstbiographie (neue 
Ausgabe des „Pater Filucius") darauf hin, dass 
diese Künstter immer seine Lieblinge und un- 
erreichbare Vorbilder gewesen sind. 

Von allen humoristischen Werken hat nur 
eines seinen Einfluss bis in unsere Tage erstreckt. 

Hier sitz ich auf dem Meilenstein 
Und schaue froh verwundert, 
Wie Du auf Deinem Rösslein fein 
Hertrabst durch das Jahrhundert 

so begrüsst Wilhelm Busch Karl Arnold 
Kortümy welcher die Batzen in Buschs alten 
Deckel werfen muss. Schon ist er vorüber — 

Es sitzt so stramm der Reiter, 
Wie lustig wackelt ihm der Zopf — 
Zack, zack, so geht es weiter . . . 

„Leben, Meinungen und Thaten von Hieronymus 
Jobs, dem Kandidaten*' — in diesem breiten, 
anspruchsvollen Titel steckt eine ganze AUonge- 
perrücke voll Wichtigkeit und Selbstgefälligkeit. 

Die Jobsiade (Münster 1784), deren Titel- 
silhouette (Abb. 12) wir als Karikatur auf die 
deutsche Silhouettomanie — wenn wir so 
sagen dürfen — beigegeben haben, ist — „vorn 
und hinten und in der Mitten, geziert mit 
schönen Holzschnitten; eine Historia lustig und 
fein, in neumodischen Knittelverselein". Und 
die Beherrschung dieses Knittelverses, der nach- 
hinkt, und uns jedes Mal wie mit einem Wasser- 
sturz übergiesst, die Heranziehung der Komik 
im Reim hat sich auch auf Busch vererbt. 
So schlecht Kortüms Verse scheinen — als ob 
ein Wagen über einen Knüppeldamm führe — 
so leicht folgen sie doch jeder Stimmung und 
Absicht. Man lese sich nur einmal das präch- 
tige Examen daraufhin durch, wie vorzüglich 
hier Stimmen und Charaktere auch im Klang 
der Verse aus einander gehalten sind. 

In der Jobsiade gehen meines Erachtens zum 
ersten Mal die Mittel mit der Darstellung Hand in 
Hand und ist für humoristische Dinge ein eigner 
Stil des Wortes geschaffen, während in der 
Karikatur jener Zeit stets nur der Gegenstand 
karikaturistisch aufgefasst worden ist, aber nie 
für die Darstellung eine eigne Sprache der 
Linie, der Kunstmittel geschaflen wurde. Das, 
was hier Kortüm für den Vers gethan, hat 
nach 80 Jahren Wilhelm Busch auch für 
die bildliche Darstellung erobert. Er hat be- 
wiesen, dass auch die Karikatur ihre eignen 




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Abb. 17. J. M. Volz: Spottbild auf den russischen Feldzug. 



Kunstmittel hat und dass zu dem Was des Dar- 
gestellten, zu der Auffassung, erst noch als 
Drittes das Wie der Darstellung kommen muss, 
um das zu ergeben, was wir unter einer 
modernen Karikatur verstehen. Wir haben 
uns deshalb etwas eingehender mit Kortüm be- 
schäftigt, weil er in der Art seines trocknen 
Humors wie in der Behandlung des Verses 
ein Vorbild seines späteren Landsmanns Wil- 
helm Busch ist, mit dem ihn viel Gemeinsames 
verbindet: jene Behäbigkeit, die Freude am 
Essen und Trinken, und besonders die nicht 
allzugrosse Freundschaft mit den Menschen, 
welche beide aus dem ff kennen, und denen 
sie beide mit gutem Recht eher das Schlech- 
teste als das Beste zutrauen. Und wenn auch 
Kortüm lustig der Zopf wackelt, so ist er doch 
der Einzige, der als Karikaturist des Wortes 
aus dem XVIII. Jahrhundert für uns heute noch 
in Betracht kommt. Nicht allein das sitten- 
geschichtliche Interesse ist es, sondern es 
steckt in dem Humor dieses Bändchens etwas, 
das bleibend und das auch noch heute wertvoll 
ist, während andere komische Heldengedichte 
— denn, wenn man überhaupt klassifiziert, 
muss man es dieser Gattung zuzählen — längst 
jeden Stachel für uns verloren haben und 
während humoristische Romane jener Zeit, wie 
Nicolais „Sebaldus Nothanker", uns angähnen. 
Wenn wir noch einmal das XVIII. Jahr- 



hundert überschauen, so ist die Ausbeute in 
künstlerischer Beziehung keine übermässig 
reiche gewesen. Die politische Karikatur ist 
in Deutschland fast verschwunden, und die 
wenigen Blätter fallen kaum ins Gewicht. Die 
humoristische Zeichnung im heutigen Sinne ist 
noch fast unbekannt; höchstens ist es die 
Sittenschilderung, die Mode, welche stärker 
den Bilderspott herausfordert und in welcher 
Dinge von Wert geschaffen werden. Diese 
allein können uns hier interessieren; in dem 
engen Rahmen, den wir für unser Thema 
haben, gehen wir durch unser Gebiet wie ein 
Spaziergänger durch eine Landschaft, werfen 
hier einen Blick auf die Baumgruppe, dort auf 
das Gebüsch, freuen uns über den murmelnden, 
schnellfliessenden Bach, aber machen keine 
geologischen Studien und zählen nicht die 
Staubgefässe jeder Blume, die am Weg steht. 
Bis jetzt sind uns auf unserm Spaziergang zwei 
freudige Überraschungen geworden: Chodo- 
wiecki und Kortüm . . . 

Zuckte von der französischen Revolution hin 
und wieder nur ein heller Schein, wie fernes 
Wetterleuchten über Deutschland, so zog jetzt 
das Unwetter vollends herauf mit grellen 
Blitzen und erschütterte das Land in seinen 



244 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



245 



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I. 




Abb. 18. Gottfr. Sc[hadow: Spottbild auf die Entsetzung Berlins. 1813. 




Abb. T9. Orlowski: Modekarikatur. 



Grundvesten. Heute, wo längst die Wunden 
vernarbt sind, kann wohl zugegeben werden, 
dass die Napoleonische Zeit für die politische 
und kulturelle Entwicklung und Stärkung 
Deutschlands von manchem Nutzen war 
und dass wir sie eher als Segen denn als 
Fluch ansehen müssen. Die Begeisterung, 
mit der man in ganz Westdeutschland und 
auch in Berlin dem Kaiser zujubelte, hatte 
— abgesehen von der übermächtigen Per- 
sönlichkeit des Eroberers — eine gewisse Be- 
rechtigung; denn es war nicht allein Preussen, 
welches vor Frankreich unterlag, sondern 
eine neue Zeit, die eine alte besiegte. Und 
wenn auch später der Sieg Frankreichs 
reichlich wettgemacht wurde, der Sieg der 
neuen Zeit Hess sich doch nicht vollends 
ungeschehen machen. In der Napoleonischen 
Zeit tritt naturgemäss die politische Kari- 
katur in den Vordergrund, während der 
feinere Sinn für Humor abhanden kommen 
muss. Die politische Karikatur steht in 
Deutschland ganz und gar unter dem Ein- 
fluss englischer Zeichner. Wie beschaffen 
diese englische Karikatur ist und wie sie 
so eigentlich gar nichts Deutsches besitzt, 
das können wir gut in der Sonderpublikation 



Grand-Cartcrcts „Napoleon I. in der Karl- 
kattif' (deutsch Leipzig 1899) studieren. 
Hier wird der Lebenslauf des Kaisers von 
dem Ende der neunziger Jahre bis zu seinem 
Tode, bis nach St. Helena, uns in Spott- 
bildern voll Hass, Hohn und Wut, teuflischem 
Lachen und Verzerrung vorgeführt — die 
bittersten Satyren des modernen Leandrc 
scheinen gegen diese Blätter nur wie gut- 
mütige Vermahnungen. Teufel und Galgen, 
Verrat und Unzucht: das sind die mindesten 
Ingredenzien, mit denen man diese Blätter 
gewürzt hat. Welche Summe von Hass 
und Verachtung muss in diesen Zeichnern 
Rowlandson, Cruikshank, Gillrai gesteckt 
haben : man trägt Napoleons Kopf auf der 
Mistgabel umher, hetzt ihn als Fuchs mit 
Hunden zu Tode, zeigt ihn als Prahler, 
Feigling und Verräter, in ohnmächtiger 
Wut sich verzehrend, hauptsächlich aber 
als den kleinen, armseligen Boney. Die 
Karikatur von dem Deutschen Volz{Noh. 1 3), 
welche sein Antlitz aus Leichen gebildet, 
uns zeigt, trägt nach Grand -Carteret die 
Unterschrift: 

Napoleon der erste und letzte, durch den Zorn 
des Himmels Kaiser der Jakobiner, Beschützer der 
Confoederation der Spitzbuben, Bevollmächtigter der 
Höllenliga, Grosskreuz der Unehrenlegion, komman- 
dierender General der Legionen von Skeletten, zurückge- 
lassen in Moskau, Smolensk, Leipzig etc., der Schnellste 
an derT^te der Ausreisser, After-Priester von Sanhedrin, 




Abb üo. Orlowski: Modekarikatur. 

After-Prophet der Muhamedaner, hole Säule des christ- 
lichen Bekenntnisses. 

Und wie wenig entspricht jene berühmte 
Karikatur Cruikshanks (Abb. 16) — die Nach- 




Abb. 21. Gottfr. Schadow: Klage der Napoleonsfreunde nach seiner Gefangennahme. 



i 



246 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



247 



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V 



ahmungen und Copien in der ganzen Welt 
fand — wie wenig entspricht sie der geschicht- 
lichen Wahrheit! Der grosse Wellington lässt 
den kleinen Napoleon auf seinem Daumen 
reiten und giebt ihm Nasenstüber. Ich meine, 
hier setzt sich die Karikatur in offenbares Un- 
recht, und nur der ärgsten Verblendung kann 
das Verhältnis zwischen dem Riesengeist Napo- 
leons und dem untergeordneten Wellington in 
so falschem Licht 
erscheinen. 

Von allen poli- 
tischen Karikaturen 
dünkt mich das 
Kapitel der Napo- 
leonskarikaturen das 
Unerfreulichste, und 
wenn man sie auch 
durchaus nicht alle 
mit Grässe erbärm- 
lich und geistlos 
finden möchte, ja 
selbst manche der 
deutschen Blätter 
wie „Der glückliche 
Jäger" (Abb. 14) mit 
der Unterschrift: 
„Da habe ich einen 
netten Bock ge- 
schossen" und dem 
Teufel mit Napoleon 
als Wickelkind (Abb. 
15): „Das ist mein 
lieber Sohn, an dem 
ich Wohlgefallen 
habe", durch das 
kurze und schlagen- 
de der Pointe uns 
noch heute in Er- 
staunen setzen, so erscheint es uns doch, als ob 
sich die Gestalt Napoleons nicht zur Karikatur 
eignete. Besonders aber verstimmt es uns, dass 
die Menge der deutschen Karikaturen ins Ge- 
waltige wächst nach Bonapartes Fall. Das ist 
ein Zeichen der Unreife. 

Nach dem Sturz Louis Philipps brachte der 
„Charivari" in Paris, der mit allen Mitteln des 
Geistes und Spottes gegen ihn gearbeitet hatte, 
keine Karikaturen mehr auf den Entthronten, 
in voller Erkenntnis, dass die politische Kari- 
katur nicht gegen Tote, sondern gegen Leben- 




Abb. 22. J. M. Volz: Der Autizeitgelst. Nürnberg 1819. 



dige zu kämpfen hat, und dass es unser Ge- 
fühl beleidigt, wenn Gefallene verhöhnt werden. 
Zwei Künstler sind es in jener Zeit, die 
Erwähnung verdienen: Johann Michael Volz 
(1784 — 1858) und Johann Gottfried Schadoiv 
(1764 — 1850). Volz, der Süddeutsche, der für die 
Kunstanstalten in Nürnberg, Stuttgart, Regens- 
burg, Frankfurt, für die Schweiz arbeitete; 
Schadow, der Berliner. Zu ihnen käme noch 

Geisler, der Leipzi- 
ger. Karl Hagen 
hat (Stuttgart 1863) 
eine ausführliche 
Würdigung des süd- 
deutschen Illustra- 
tors geboten, und 
wenn er auch die 
Qualitäten desZeich- 
ners durchaus über- 
schätzt — wie man 
überhaupt bei länge- 
rer Beschäftigung 
mit einer Künstler- 
persönlichkeit gern 
gewillt ist, sie höher 
einzuschätzen als 
sie es verdient — so 
bietet uns die Arbeit 
doch viel kulturell 
Interessantes über 
den deutschen Buch- 
handel und den Ver- 
trieb der Einzel- 
blätter und berührt 
hier ein Gebiet, von 
dem wir nur wenig 
Nachricht haben. 
Fast alle bekannten 
Napoleonskarikatu - 
ren (zahlreich in der Lipperheideschen Samm- 
lung und im Berliner Kupferstichkabinett) 
stammen von Volz, und auch bis in die dreissiger 
Jahre hinein hält Volz den Markt der Karikatur 
mit Blättern gegen Kornwucher, mit Krähwink- 
liaden und anderen unschuldigen Dingen. Die 
Arbeiten sind handkolorierte Kupferstiche, mit 
leichter, nicht unharmonischer Farbengebung : 
eine Technik, die zum ersten Mal wieder aus- 
giebig der Schweizer Aberli (1723 — 86) anwandte 
und die bald in der ganzen Welt Nachahmung 
fand. Sie war bis hinein in die Mitte des 



Jahrhunderts gang und gäbe, ohne doch sich 
zu besonderer Höhe und Vollendung zu ent- 
wickeln; ja, bei der wachsenden Grösse der 
Auflagen sank sie mehr und mehr zu flüch- 
tiger, mechanischer Ausübung herab. Volz 
ist ein Volkskünstler, der eine starke Vielseitig- 
keit, ein Anpassungsvermögen für jeden von 
ihm geforderten Stoff besitzt; religiös, histo- 
risch. Schlachten- und Zeitbild, Karikatur, 
Klassiker - Illustration , Genrebild , Trachten- 
schilderung, Gebräuche, Typen, Bilderbücher, 
Kartonagen, Bonbonvignetten, Neujahrswün- 
sche, Porträts und Zeichenvorlagen: für alles 
versteht er die richtige Form zu finden. Ihn 
zeichnet eine ruhige Nüchternheit und Leicht- 
verständlichkeit aus. Hagen rühmt von ihm, 
dass seine Schlachten keine modernen Ge- 
metzel sind, sondern eher in uns den Ein- 
druck einer griechischen Ringschule erwecken. 
Dieses wäre ja nach der heutigen Auffassung 
gerade kein Vorteil. Und wenn Hagen ihn 
als das nachahmenswerte Vorbild eines Volks- 
künstlers hinstellt — so mögen wir auch dem 
nicht beistimmen. Seine Kunst nimmt ein so 
niedriges Niveau ein, ist so kühl und nüchtern, 
dass sie dem Geschmack der Menge nur ent- 
gegenkommt, ohne ihn im geringsten zu heben. 
Und gerade, dass Volz und seine Schule in Süd- 
deutschland die einzigen Vertreter der Karikatur 
sind, zeigt nur die niedere Rolle, welche die 
Karikatur noch zu spielen sich genötigt sah, 
wie man ihren Wert und ihre Mission kaum höher 
anschlug als den der Jahrmarktsware. Sämtliche 
Napoleonskarikaturen sind von Volz für den 
Campeschen Verlag zu Nürnberg geschaffen 
worden. Hagen zählt aus den Jahren 18 14/15 
deren 30 Blatt von ihm auf. Sie haben vor 
den englischen, denen sie an Ausdrucksfähigkeit 
und künstlerischer Persönlichkeit so weit nach- 
stehen, doch den Vorzug klarer und einheit- 
licher Anordnung. Besonders verfallen sie nicht 
in den Fehler, dass die Worte, welche ein jeder 
ausruft, wie in Hauchwolken von dem Munde 
der Personen ausgehn und das Blatt mit einem 
Gewirr von Buchstaben bedecken, so dass man, 
anstatt das Bild als Ganzes zu betrachten, 
rechts, links, oben und unten die Ausrufe und 
Inschriften zu entziffern sich bemüht. Solange 
eine Karikatur diese Hilfe braucht, ist sie sich 
ihrer Mittel noch nicht bewusst. Die Arbeiten 
von Volz möchten, wenn sie nicht so ledern 




Abb. 23. Spottbild auf sächsische Soldaten aus der Napoleonszeit. 

Farbiger Kupferstich. 

und trocken wären, sicherlich in ihrer Ge- 
schlossenheit und in der Prägnanz des Gedan- 
kens angethan sein, uns auch noch heute be- 
achtenswert zu erscheinen; aber der Mangel 
jeglicher Handschrift und die handwerksmässige 
Flachheit lassen dieses Interesse nicht zu. Wenn 
man Napoleon auf St. Helena als wildes Tier 
im Käfig darstellt oder ihn im Höllenfeuer 
jammern lässt — wenn man, wie in einer mo- 
ralischen Kindererzählung, sein Leben in zehn 
Stufen vorführt, mit Hirtenknabe beginnend 
und mit PlöUenpein endigend, so können wir 
diesen Dingen nur wenig Geschmack abge- 
winnen. Der Spott auf den unglücklichen 
russischen Feldzug aber — in dem auch tau- 
sende von Deutschen umkamen vor Kälte und 
Hunger — scheint uns erst recht deplaciert. 
Wie diese in Lumpen gehüllten Gestalten über 
das tote Pferd herfallen (Abb. 17), das kann 
nur selbst im Gegensatz zu ihrem sonstigen 
Verhalten unser Mitleid wecken, während an- 
dere Blätter, welche Napoleons Flucht von der 
Armee geissein, schon eher den angreifbaren 
Punkt herausgefunden haben. Einen gewissen 
seelischen Takt muss eben selbst die politische 



248 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



249 



' 



Karikatur bewahren, und nur in Zeiten äusser- 
ster Erregung wie hier ist es zu verstehen, 
wenn auch nicht zu entschuldigen, dass dieser 
letzte Rest von Menschlichkeit über Bord ge- 
worfen wird und alle unterirdischen Kräfte sich 
hervorwagen, die tief in uns gefesselt liegen 
sollen als letzte tierisch-atavistische Regungen. 
Auch wenn Hagen vorschlägt, man sollte Volz 
in den Kabinetten als Sittenschilderer sammeln 
wie Chodowiecki, so weiss man wohl zur Ge- 
nüge, weshalb man es nicht thut. Von den 
sonstigen Blättern wäre noch das „Kaffeelisel", 
gegen die Kontinentalsperre gerichtet, eine 
breite, rohe, aber nicht uncharakteristische Ar- 
beit, zu erwähnen. Auch ist es interessant, 
dass nun wieder die Karikaturen <^cgcn die 
Juden an Boden gewinnen; selbst eine Napo- 
leonskarikatur zeigt einen Juden, welcher der 
hinter dem Hügel niedergehenden Sonne zu- 
ruft: „Au weih! Sonne von Austerlitz, wie biste 
gesunken!" Dass grade zu diesem Zeitpunkt 
sich das Spottbild von neuem nachdrücklich 
gegen die Juden wandte, ist darin begründet, 
dass Napoleon ihnen als Bürger des Staates 
die gleichen Rechte wie den Christen ein- 
räumte. 

Künstlerisch auf bedeutend höherer Stufe 
stehen die Arbeiten von ScJiadoiv, dem Berliner 
Bildhauer; die Akademie der Künste bewahrt 
viele von diesen Blättern, ebenso das Königl. 



Kupferstichkabinett und die Lipperheidesche 
Sammlung zu Berlin. Auch im Handel begeg- 
net man ihnen häufiger. Sie sind entweder im 
scharfen Umrissstich gestochen, oder wie die 
Abbildung 18 mit tonigen Flächen in Licht 
und Schatten gesetzt. Bezeichnet sind sie 
„Gilrai ä Paris", während sich der englische 
Zeichner James Gillrai mit doppel-1 schreibt. 
Zwar kann man auch in Schadow den eng- 
lischen Einfluss nicht verkennen, aber die 
Dinge sind doch geistreich in der Erfindung 
wie in der Behandlung und voll Leben. Jeden- 
falls ist es hier schon ein Spott, der auf einer 
scharfen Beobachtung der Schwächen des 
Gegners beruht und nicht in jene infernalischen 
Verzerrungen ausartet wie bei den Engländern. 
DerpreussischeGrenadier(Abb. 18), der russische 
Bär und John IkiU haben den Feind aus Berlin 
hinausgejagt und sperren nun mit ihren drei 
gewichtigen Gestalten das Hallische Thor. 
Draussen empfangen die Fliehenden die Ka- 
nonen vom Windmühlenberg aus, und ein 
Grenadier mit erhobenem Kolben schlägt auf 
sie ein. Die Figuren der französischen Militärs 
im Vordergrund, das erstaunte Äffchen mit 
den langen Armen und der lange Gardist mit 
den kurzen Armen sind von stark komischer 
Wirkung. Auch die „Klage der Napoleons- 
freunde bei seiner Gefangennahme" soll Schadow 
zum Urheber haben (Abb. 21). Sie scheint 
gut genug, um von ihm herrühren zu können. 
Ausser dem Interesse, das wir dem Gegenstand 



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abgewinnen, vereint dieses Blatt 
noch alle damals gebräuchlichen 
Moden der Herrenkleidung und ist 
uns so zugleich kulturell vonWichtig- 
keit. Hier sollen auch die genialen 
Zeichnungen von Orlowski (Abb. 19 
und 20; Berlin, Nationalgallerie, 
Handzeichnungssaal) ihre Stellen 
finden : die vorzüglichsten deutschen 
Modekarikaturen jener Zeit, Blätter 
von einer Kühnheit und breiten 
Wucht des Striches, wie sie erst 
viel späteren Zeichnern eigen sind. 
Ausser dieser Serie von Napoleons- 
karikaturen, auf denen es nicht 
gerade immer anständig zugeht, 
hat Schadow noch manches humo- 
ristische in Einladungen zu Künst- 
lerfesten geschafi'en und einzelne 
merkwürdige Typen vom Jahrmarkt 
des Lebens, eigenartige Käuze, 
scharf und treffend wiedergegeben. 
Die Razcinski-Sammlung bewahrt 
ein kleines, in Wasserfarben aus- 
geführtes karikaturistisches Gemäl- 
de. In diesen Dingen spricht sich 
mehr ein eigner Stil aus als in der 
politischen Karikatur Schadows. 




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Abb. 25. Die Krähwinkler entdecken den Nordpol. Um 1820. 



Abb. 24. Der Klub der Denker. Um 1820. 



Die Napoleonische Zeit ist alles 
in allem reichhaltig, aber unerfreulich an deut- 
schen politischen Karikaturen. Unerfreulich mit 
wenigen Ausnahmen; so erscheint z. B. Abb. 
23, welche sächsische Soldaten, altmodische 
Herren mit Gamaschen, Zopf und Dreispitz 
uns zeigt, die einen kühnen Bajonettangriff gegen 
ein unschuldiges Kätzlein richten, witzig und 
von künsderischer Eigenart. Und doch hat 
die Napoleonische Zeit den Vorzug, dem Be- 
dürfnis für Karikatur in Deutschland einen 
breiteren Boden gewonnen zu haben. Die po- 
litische Karikatur bleibt von jetzt an in un- 
unterbrochener Thätigkeit, ist ein Faktor ge- 
worden, welcher mitspricht, so sehr er von 
der Zensur immer wieder und wieder unter- 
drückt werden mag. Und 1848, als die Fesseln 
der Zensur abgeschüttelt werden, da tritt sie 
plötzlich hervor als eine gewaltige Macht im 
Kampfe und schnellt zu früher nie gekannter 

Z. f. B. 1900/ 1901. 



Höhe empor. Wir können sie nicht bis dahin 
verfolgen und müssen wieder Abschied vom 
politischen Spottbild nehmen. Nur zwei Blätter, 
die gegen die Reaktion gerichtet sind und der 
Zeit der Burschenschaftsbewegung entstammen, 
sollen hier Platz finden. Hatte erst die politische 
Karikatur sich gegen Napoleon gewandt, so 
wendet sie sich jetzt gegen die, welche den 
Zeiger zurückdrehten und von denen Wilhelm 
von Hessen-Kassel sagte, „dass sie sieben Jahre 
geschlafen hätten, und nun alles wie einst 
wäre". Das eine ist der „Antizeitgeist" von 
Volz (Abb. 22): ein Esel im Staatsrock, mit 
Allongeperücke, dem Stammbaum als Stecken- 
pferd, stösst das Licht um und tritt auf die Nacht- 
mütze; die Sonne verfinstert sich; Eulen und 
Fledermäuse haben sich hervorgewagt und um- 
flattern ihn; Kröten und Molche kriechen am 
Boden; Giftblumen öffnen ihre Kelche. Das 

32 



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250 



Hermann, Zur Geschichte der neueren deutschen Karikatur. 



Ganze ist eine vorzügliche Karikatur im Ge- 
danken; ein Vorwurf, aus dem vielleicht bei 
einem Daumier eine unsterbliche Schöpfung er- 
wachsen wäre, der hier aber langweilig, nüch- 
tern, steif, ohne jede persönliche Eigenart wirkt. 
Der „Klub der Denker" (Abb. 24) steht höher 
und ist in den einzelnen Typen von zwingen- 
der Komik. Sie denken, dass der „Schädel 
knackt", jeder in anderer Stellung, aber wortlos, 
ohne einen Laut; denn der Maulkorb ver- 
schliesst den Mund, und noch Dutzende hängen 



Kleinstädter" (Leipzig 1803) ist das Urbild — 
geistvoll und unerreicht — dieser Dinge ge- 
wesen. Gerade durch das realistische bürger- 
liche Lustspiel sind der Karikatur jener Zeit 
eine Unzahl Typen zugeführt worden, und wenn 
sie auch auf dem Umweg über das Theater 
ihr zugeflossen sind, so haben sie doch dazu 
beigetragen, die Lebenswahrheit der Blätter zu 
erhöhen, ein tieferes, schärferes Eingehen aul 
die kleinen Eigentümlichkeiten von Menschen, 
Sitten und Ständen zu veranlassen. Unter 




Abb. 26. Die Krähwinkler mit dem Wegweiser. Um 1820. 



oben für Neuankommende. Auch die Frage 
der Tagesordnung: „wie lange nach uns das 
Denken noch erlaubt bleibe?" ist treffend und 
lustig. Überhaupt ist dieses Blatt eine der 
witzigsten Verspottungen, die mir bekannt ge- 
worden. Besser und schärfer kann die geistige 
Bevormundung kaum gegeisselt werden. Und 
auch die unschuldigen KräJnmnkliaden, welche 
nun in Mode kamen, zeigen eigentlich einen 
politischen Hintergrund; denn sie wenden sich 
indirekt gegen den Zopf, die Altertümelei, die 
Stagnation des Lebens; sie spotten der deut- 
schen Mittelstadt und des Bureaukratismus. 
Sie alle sind wohl stark durch das Lustspiel 
der Zeit beeinflusst, und Kotzebues „Deutsche 



„Krähwinkler" von Volz finde ich das Nordpol- 
blatt nicht erwähnt (Abb. 25), ebensowenig das 
andere, das einen Bürger jener Weltstadt vorstellt, 
dem man riet, einen Wegweiser auf die Reise 
mitzunehmen (Abb. 26). Man sehe, wie er es be- 
folgt hat! Das Blatt ist ausserordentlich geschickt 
komponiert, kräftig und frisch in der Iknvegung. 
Es mag wohl von dem Schweizer Dunckcr 
stammen. Auch die Nordpolentdeckung ist lustig 
und trotz der übertriebenen Typen eine erfreu- 
liche Leistung. Für Sitten, Moden und Trachten 
der Biedermaierzeit bieten diese Krähwinkliaden 
ein gutes Studienfeld, und die hellen Farben, 
mit denen sie koloriert sind, lassen uns den 
Eindruck jener Zeit noch frischer erscheinen. 



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^Sumoriften Des Set^enftitts. 



2öcr ia&rau«, io^rein unfcrc groHcn ^ «Stellungen 
Betrachtet, ber mu6 ei^entlic^ übcrau« etftauut (ein. in 

einem to'ie geringen 3ii(a''^»ic"^^'i9« ^^ ""f*^^^ ®^' 
mSlbt unb ©fulpturen mit tem 2c6en l?c« Stogeö 
fielen, njie meuig unfere Mnftler ben n>ecf)|'elnOen 
ifcj6cn«fonncn bc5 'Xngeö 3ied;nung tragen. ^Benn 
einmal öüu ber ganjtu heutigen Kultur nic^t« ü6rig 
bleiben h)ik)x al8 ein paar Sa^jrgönge ßunflau«» 
ftcüungm, fo mirü fic^ fein uoi^ fo gemantter 
©iftorifcr barau« ein ^ilb unferer 3eit mof^ien 
fönncn, feinen 53:griff erfjalten öoit bem Bü|)len. 
geben imb «^mpfinben unferer ©efeflfc^aft, ia. e« 
mürbe i^m ntd)t einmal gelingen, baraus bie ganje 
gein^eit unb 2el>Htigteit beä fortgefi^>ritte1lC^ fünft- 
Icicifc^en @cf(^ma(f3 ber ©cgenmart abjulcfen. Sicnn 
Miijcrc Seften intcrefianteftcn. leb^afteftcn unb bcrocg- 
!i(^ften öeifter unter ben ^ünftlern fmc eben nic^t 
iijitec oeu 2J2alcrn uub ©ilbbauern. fonbcrn fte finb, 
üb in !5)cutMla3b ober in granfreidji, bei ben Ä a - 
r i I a t n r i ft e n , bei bcn ö u m o r i ft e n , bei b«n 
;3eic^eni. Bnb vwd^rcnb — banf bfö afabemiic^en 
öctriebec unjcrer ^^tuuft — bei U\\ ?Ülalcrn uab 
©ilb^ucrn meijt (o etn?a« n?ie l'art pour l'art gc- 
fc^ffen n)irb, b^« ^eigt, Äunft um ibrer fctbft tDißcn, 
Wt nic^t mcbr au8 bem Seben ^>erauö beftiüiert mirb 
intb nic^t me^r mit bem Seben in 3u|ammcnbang 
ftebt, fo ftcbcn tiefe Scic^ncr auf« engfte mit bem 
iSeben ^^ 2:agc5, mit bem Sebcn bcr (SroBftabt, mit 
•bcjt n)e«^fclnbcn ?Infc^auungeu ber SD^affcn in iBcr» 
."binbung. ©ie fmb ben 5lerjtcn gu tcrgleiiten, Cie 
'tcr 3cit bcn %\x\^ füblen; fit Tinb i()rc unb:ptcigteu 
■^iftoiüci, bi? in gciftvcncr, fd\irfcr iiöcife glofficren. 
Unb cnbli'i) finb fic boil; bic groöcn (^)lcid)mad)er. Denn 
\fie finoen für ade (^cgenjälje t>en oben luiD unten. 
t^en rcc^t« unb liuf^, b.i^ tSrIefcnce: ba-.^ ri;eu. 
Sbrc 5Uiu[t, bem ?cbcn cccbunbcn, hat eine ^^circv^liit 
leit lüic ba$ i'cbcn jclbft uuD ift ucvro^ uiit piictcliiC; 



mie bQ« ?eben felbft. 3bte 8inie ftrcbt nac^i immer 
neuer ©d^micgfamkit. SSereinfat^^ung unb 3lu«t)rucf«. 
föbigfeit, ibr g-arbengeid^macf ujiü immer neue iKei^e 
auSfofteti. ©eit einem 3abrbunbert fmo fic bie eigeut» 
lid^fn gübrcr bei bem ©iegeSgug bcr Äunft burcb bo^ 
Sebcn, bei bem Äampf um Die fünftlerifdje 2lu3» 
beutung unt Umformung uaferc« fcbeinbar platten une 
alltäglichen ©ein«. Unb biiC t)auptfd?lac^ten biefe« 
Sampfc« fmo ftet« in ^?ari« gefc^lagen worben. ^uerft 
wn ber .^larifaturiftcn»®eneration bc« 3abre« X830, 
feren 9?amen, 5)üumicr, ®up« unb ©aoarin nod? 
beute erften Älang baben; bann in bcn ad^tgigcr unb 
neunziger Sab^n im Gil Blas illustre öon ©teinlen. 
fpäter i>on <£aran, b'^ii>e, gorain unb ^ilette. ^J?ac() 
ibncn festen erft bie interefjauten kämpfe in 
^eutfc^lanb in ben Streifen ber eimpliäifftmu«- unb 
3ugenD--Mnftler ein, nräbrcnb »orbem burci? lange 
3abrjebnte ber k^tvM, fc^einbar fc^on antiquierte Ober» 
lönber mit fernem gonjcn ©treben unb ^mpfintcn 
allein geblieben n?ar. 

3n Teutfcblanb bat bie 5tari!atur eine anbere felb» 
ftßnbige Sntmidelung genommen, unb c« tt?are un* 
gerecht, njoUtc man bicfe ©umme »on Begabungen, 
bie plö^lid? in einem 3<»bqfbnt aufflammte, etn?a 
niebrig anfcblagen. ©ie fteben gemig an relatiocm 
Jtönnen ben ^arifern faum nac^. §lber toa« ibnen 
feblt, bü« ift oie ?aun€, bie C^-oprice, tie $uftigfcit, 
biefe' eminente, forttreibenbe, Wnfllerifc^c ©emeg. 
lic^feit, bie ia ¥ari« bie gan^e heutige ©cflctotion 
bcr Oumoriften auÄje^net, unb bie un« bie gcftern 
eröffnete Slu«ftcllung in ber ©ejeffion ben 
© a 1 n b e c ^ u m o r i f t e n , — ttr in biefem 
grübjabr im ^lai« üe glace auf ben Gbamp« 
Glpfec« ba« erftemal jufanimentrat — (o inteteffant 

mud;t. 

©inb ba« anbcrc 9J?enfc^en ober ift'« ber anbere 
icbcu^bübcn? Öicnug. bie ©crfe biefcr SttViit b^ben, 
üb gut. cb fd;lccbt, cb raffiniert ob ftarf. ob elegant, 
eb fi)ivä1ilicb, immer ein geiuiffe« pricfelnbe« 
iliJcufjcuf C^5 (?efd?macf5 unD Cer Vlaimc, Cer fünft 
Icrijdica Capricc, ba5 b:u aujncii feblt. :iic ^^cuüc 



rangen t^rer bumoriftifc^n Äunft fitb fcbon öiel 
rfic^er. SSer malt bei un« bumoriftifcbe Öilbcr? 
C'^iilt bie Celfarbe nic^t für ^u beilig. um in ibr in 
grajiöfer^löeifejrec^beiten \vl fagen? SJeld^criöilobauer 
f(i>afft Don ?.^er[oncn be« iage^ plaftifit« Äarifaturen, 
beleibigenb (a\:>vXv^ trc|j n'ilber Ueberlreibungen. unb 
fj>rübenb mi^ig in STuiJbrucf fomobl roif in \m $:e£^mf. 
mie X)<x% %t\)tÜit oDer ?llpbenfe ^iquenwl tun? 3n 
J\-ranfreic^ tat man "^Oi^ fc^ion cor 70 3cibren, unb 
Xaumier formte im ^^arlament con ben 5(bgeorbneten 
flcine plaftifc^ie 3crrbilt>cr, nat^ beucn er micber feine 
berübmtc ©erie ber ^^arlameutaricr-^arifaturen fc^uf, 
al« bie ^7)t)ette ©uilbert auftau^btc, al« 9(riftibe Sötuant 
im (Sbat iJ?oir feine ©affenlieber lang, \i<x rollte man 
auf .^oanbn^agen grofje plaftifdje IRarifaturcn oon ibnen 
<x\% SRefkmcn burd^ bie ©tragen. Unb in aü bem 
ftedt Sl u n ft J? u n f t fledt in folc^en bumoriftifc^n 
griefen, n?ie SJJetiöet für ben ©abn ^^our ^ire 
fiuf, auf benen in enblofer 9ieibe bie ^^ölfer ber firbe 
in parobiftift<>en SSerrcnfungcn üorüberjicbcn, 

2>ie metften unferer beutf(^n ütarifaturenjeldbiiw 
ftnb n u t Äarifaturenjeic^ncr — bie Slu«nabmen fann 
man an ben gcbn gingern berjäblcn — , unb man 
bot ba« ®efubl, bag fie e« finb, n?cil fie eigentlich 
ni4>t« anbere« Tonnen. 53ei ben ^ a r i f e r n mirft 
bi< Rarifatur nur »ie ein ?Iu«flu6 ibrc« Stünftler- 
tum«, wie eine ©eite ibre« ©efen«. ©uiflaume ift 
nic^t mir Seifbner, fonbcrn ein guter ?itbograpb, 
gorain unb ^rrmann ?oul, iRaubiEe unb SRetiöet 
föxinen malen, bie Slftaeic^nungen eine« ©teinlcn. 
eine« §errmann ^aul, eine« SQßilette unb miebetum 
eine« Äaubiüe fteben für vx\^ — um e« furj ju 

fagen , bober al« bie eine« Slrtbur 5tampf. Toilette 

unb ?^anbre fmb ©rapbifer oon '3ebeutung unb be» 
bcrrfcbcn cbcnfo bie groB3ügige 5lunft be« "ipiafat« unb 
alle geinbeiten mobcrner Xrucftcdjnifen. iturg, Diefe 
Jcute finb nid;t abgeftcmpclt n?ie unfere 5larifaturiften, 
unb fo rei.-b, mie Xi^^ i'eben ibnen entgegentritt, fo 
reid; ift :i\xi) bic iSanbclbarfcit ibrcr luftigen goimen. 
3;»^' Hulüi]uucnl;ana mit ^^Hui« unb bem fraj«iJÄfi3(>cn | 



(Sfpnt mirb in ber netnj^en »^ft*nung offenB<jc, fo 
^\x\ mie in ben mScbtigcn 9rffi(bcn eine« (Sapieflo, 
ö^rün ober be eo«Que. Wüe« ift oon biefem gaüifi^en 
(Sfprit, biefer leid;tercn, bemeglicberen 9luffaffung be« 
^cbon« burii;tränft, X)\t ;i\x^ bort no(t rei^enb ju 
mirfen mei&, njo ber Teutfd;e plump unb gotig wirft 
2)a« ift ba« 5Ö e f e n 1 1 i (^ e , »afi un« btefe 9Iu«. 
ftcllung lebrt Unb bemgegenübcr fcmmt e« gar nic^t 
fo febr in ^:yetrad;t, cb \i<k^ einzelne gut ober fd)lec^t 
ift. jTaö bei über ^jöO Serien nicb* alle« $i?eifter. 
mcrfe fein fennen. brauibt nicbt eigen« bemerft ju 
merben e« genügt, feft^ufteOen \i(x^ fid) eine Unjabl 
fünftlcrifc^ reisooücr JiBerfe barunter befinben. 53on 
ben grollen fran;örifc^en Äarifaturiften ift daran V%6^ 
unb ©ilette, ?eanbre unb gorain \z mit einer 3iei^>e 
ton Sierfen oertreten, unb öltere, mie SWi^rö, 93ac, 
©uiüaumc, fcblen ei^enfo mentg. 2Wan oeracbte biefc 
fcute nii-^t, menn fie Sivai) alle etma« füRlicf) unD in 
ibrer ©üglictifeit etma« gleicbmäftig crfc()einen. ^nb- 
li(^ SxvXi fte boiti in ibrem Söefen ^oabUit=$arifcr. 
Unb mcnn bie X)!tX>t\\, bie fie fcben, \m^ ;k\x^ beute 
veraltet erfcbeincn, fo fmb fie baburcb. \)<3i)^ fu» fic 
gefeben baben. boci^ bie ^orlöufer eine« SRegnicef unb 
eine« ßeilemann gemorben. Unfcrem beutigen ^yxi"^*, 
finben fteben obne 3^"ffl Äünftler mie ©cm/ 
5Ketit)ft, (Sapieöo, bc ?o«que, 9JaubUle mit ibrec 
f4>Srferen ©atite, ibrem bitteren 
39ni«mu«, aber auc^ mit ibrem r c i (b e r c n uni» 
neuen ©efcbmccf, ber oft auf Anregungen Sopan«, 
oft auc^ auf Anregungen be« gröj^ten mobernen, 
nunmcbr ocrftorbenen Äarifaturiften, nämlic^ ilouloufe 
Üautrcc jurürfgcbt . . . fteben un« naber. bcnn «bnen 
muffen mir — ic^ nannte nur nnmige 9^amen ftatt 
einer gangen ©ruppe — bie 3«f"nft unb bie ©eiter» 
bilbung Der fran^öfifcben 5larifatur crbcffen. ©ie fmb 
bie legten ^-Pioniere, bie Me 5lunft oorgcfanDt bat, 
um \i^% ?eben Der ©roßftabt unD ber (iJcfeUfcbaft iii^ 
all ibren ©e^eimnifjcn auöjufunofc^ftcn unb \\\ er- 

fc3{?lie6en. 

Georg Hermann. 



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52 



Berliner ]lluftrlrte 3eltunq. 



9k. 7 




(£ine 9>iiefenp{)otoörap^ie, bic auf einer fonabifdien ^ricfiöbilberauöftcUung ju fe^en ift: 
©ic ^I)otOöropl)ic ift eine «ergröfecrung oon 6 m 10 cm «reite nnb 3 m 35 cm ^ö^c. ; (-^us einer franjöfifcOcn 3citf(^rift.) 




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9[Rit Seid&nunöcn oon ff r i ^ 51 o d^ = o 1 1^ o. 



•••••••••■«• 



'las 3Bort Urfaub ^ot feinen Sinn unb 

I iO ' ^^ö^ö aetoecöfelt, ffrü!)er ocrftanb man. 
1 .1 baruntct: ^udfad unb ßobcncapc, ver- 
regnete Soge an ber 6ee, ffugroanberung burrf) 
Springen, ober ^^lufftefien um 11 Ul)x unb 3n- 
bic=6onnc«bUnäeln. 3JlQn üerftanb barunter: 
ffrembe ßeute, ©nftf)öfe unb (öicbelaimmer — baQ 
\a, nad) jenem rDifeigen (Snglönber, ougerorbentlic^ 
frf)äfeensrDert ift, totil es eine 3uflud)t bietet t)or 
bem Familienleben. $>n\it bebeutet Urlaub: 3^^ 
|)Oufe; ^Bieberfef)en mit ^iül^rung, f)erantDaci)fenbc 
^inber, Bioilfleibung — aud^ tDenn's nid)t fein 
foir — Spnfete; Butter, 6pec!, See nnb Slaffee — 
Heimat unb |yeimat!lang; 9^itf)e na* bem ßanbs» 
!ncd)töleben bo brausen; ffamilie; SHutter; «raut 
ober ffrau; 33rot!arten, gmei Sage unb gioei 
^^tt 33al)nfal)rt in fci^lerf)t gcl)ei^tcn 3ügen auf 
l^arten Sänfcn; bebeutet einen Untcrfd^ieb, als 
ob man oon ber (Erbe auf ben 2Ronb !äme, mo 







^er Urlauber 
bei bei ^nfunft in bei $)cimat. 



belanntlirf) (toenigftens (agen^s bie *3lftxonomcn) 
fi4) bie Qatib^e^afi metiiid^ i» on ^ b v i ^ ufi gen unitt*'^ 

fc^eiben foU, unb bie Suft fidöcilid^ leidster unb 
mcniger bidC ift. 5lurj bos 3Bort Urlaub l^at fi:^ 
in feinem 3nl)alt unb in feiner feelifd^en Be- 
tonung fo gemanbelt mie faum eines fonft. (Es 
ift eigentlich) gar nid^t me^r ba^ gleid^c 933ort. 
(Es ge^t aud^ bie 9^ei^e um, toie ber ^lumpfadf. 
3cber fricgt'ö mal. (Er l^at fogar ein d\ed)t barauf. 
Jrii^er ba fam ber Urlauber mit leeren §änbcn 
an unb 50g htpadt mit allem (S>i:icn mieber l^er« 
nus. ipeute !ommt er mit ooKem 33eutcl, mit 
^l?a!eten bel^angen roie ber 3Öeipad^tsmann nac^ 
§aufc, unb }eber alte 33cfannte ift bcleibigt, tücil 
er i^m nidjts mitgebrad^t l^at 0ie Si^^'ilfad^cn 
ried^en nad^ Sflap^t^alin unb anberem Qtnq rx>U 
eine 9?aturalien]^anblung; unb toenn man fie an» 
jie^t, ift an ber 6telle, u)o frül)er ber 33aud^ toar, 
'ne ffolte. (Eine ffalte? ffünfl^unbertunbbreigelön 




*.*■•*■««« 



;,$al mein Settll' 



8ci(^nunfl ©on ^rife Jtocö-®ot()3. 



9U. 7 



Berliner ]llu[trirle 3eitung. 



53 




werben foll m\b l)inimfommajibicrt — bcmi bic 
3ßclt baut fid} jn füv il)u jcfet ctnnciuncife auf — 
nid)t gan5 cinncrftniibcn. llcbcr^aupt ift er ^u 
ipaufc unb bod) nid)t 31t öctnfe. C2r ift lüic bcr 
6oI)n, bcr ron bcr llinocrfität tommt, ^ucrft 
mnl 511 önu[c auf 'i^cfudi. llnb die er ciiUMit-- 
lidi anfännt, uneber rcd)t wann ^u luerbcn, 
5a l)ci(3t'6 fd)ou luicbcr: übermorgen, ad)t 111)1 
ge^n, mit bem Urlaubcrj^uc^. ^Xlan c\(!l)i nod) 
5U bem unb jenen, lägt fid) feticrcn, man bc- 



Xcx Urlauber 
im Siüilnn.^ufl or>ci Der? ucl1c^3ttnln^cnc ^ctt. 



galten! Scr >;ut fit^t cud) nid)t mc^r, rutfd)t 
über bic Ohren. Denn irnt)renb man ror-- 
f)er ftol^ auf bie iippitic JüUe feines i^ccfcn-- 
haorcö iDor, hc^t einen braufien bie C2rfal)-- 
rung 9elef)rt, t(\^ man bcffcr baran tut, bem 
öußern ^cu\b möglid)ft geruigc Qlngriffeflädien 
5U bieten, 931au ift erftaunt, lüicüiel über-- 
flüffißcs (öcriimpcl fo in bcr 'SSol^nunö ^crum« 
ftcl)t, 3. ^, Letten, 0ie Ainber toieberum 
finb mit bem frembcn ^crrn, ber ba plöfelid) 
iidcr "Oladjt Jfjcrcint^cfdjncit ift, ^ava ncnannt 





2k )})lad)t ber O^eiuolinbeit. 



llntt'ifcftrift unnötic^I 



bancvi fc^mer^lid) unb tcIcpf)ouifd), Zawic (fmma bicfcö 
iölal nid)t haben fe^cn ja tonnen. (iUlan Ij'ditc ee nod) 
mehr bebauert, menn man fie öcfehen h^tte, benn fie ift 
mirflid), mic bas ja fo mandimat alle Manien fein foUca, 
unaueftchlid).) ^lan nimmt bic ^tnbcr umfd)id3ti9 auf 
ben Schoß, baQ heißt bic 3üngftcn guerft; man freut 
fid) insgeheim, ba^ btefcs SDkl bcr 9iuc!fact nicht fo 
brücken toirb, unb mögUd^ft unauffällig gonbelt man 
,sur ^ahn . . . 2)q6 nä(^fte 3[Ral vohb — fo benft man 
— bas "©ort „Urlaub" uneber in bcr "iffielt ben alten 
^lang höben: 2;hüringer 'Balb ober 3öarncmünbe, unb 
bo, 3ungcn5, u:)oUen mir uns mal ausaalcn. B 




l 



^i\ud) bei ben 5loUcgen im 3?üro: Bericht ber (Jrlcbniffe. 



Scictnungcn non grl^ 5locf)'C&otha, 



54 



Berliner Jlluftrirtc 3ertung. 



9lt. 7 



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Oman 



von 



Ludwig 



23. ffortfcfeunfl. - Snac^btucf octboten. 



W o 1 f f 

Amerikanisches .Copyright 1917, by Ullstein & Co*. 



©le ©on^er^rucfe t)ev bfö^er erfd)fenenen 
Äapffet &e^ JJomani^ f(nÖ i>ergrfffen. Sin Tleu« 
^rucf fft wegen bc^ Papfermangelrf gegentoartig 

lei&er unmöglich. 

XXI. 

r7*'pm Drei Ufer frü'6 fem fction Mc üKorfiembämme' 
i LI ^ J^unö. Cöcfniti i\oö ben fc^i'tDcrcn •tBor^anQ 

i i i^uriict nnb öffnete bos Senfter. ^ie 2uft 

wat Irf)wül iinb bicf. 3}kn !onn>te fid) qoc md)t cor« 
ftcUcn, bog CS irc^cnbujo in ber ^elt betaute 3Blcfen 
unb rlefelnbc ^Qct)e c^ab. ipier tlapperten Spiel- 
matten. 

iiörfnit^ ücrlicg bas ffenfter unb ginc^ langfam 
burd) bie 3immcr. jyifct)b'ein I)ielt bie ^an!. (Sc 
voax fc^r luftig unb faß in ^mbörmcln. ^er 9^itt- 
meiftec blieb beim 6pieltifd) fte^en unb blicfte mit 
leeren ^^ilugen auf ba<i grüne Zud). dt fül)lte ficf) 
entcl)rt unb ausgeftogcn. (£r ^atte ettoos unter- 
nommen, toas er nicf)t burd)fül)ren tonnte. (Es gelang 
i^m nicftt, beftänbig im 6d)muti m u)oten. (Sr led)i^tc 
nad) frifd)er Suft. 

3n biefcr fe^nfud)t6Dollen Stunbe bencibctc er 
bie Spieler um ifire fieibenfd)aft. (Es u>ar üerlogenc 
^nma&ung^ ujcnn er fic^ bcffer büntte als biefc 
^lühpnbcn unb bcfinnungslofen ^Hönner, auf bie er 
mit föeringfc^ät^ung ^^rabj^ublicten getool&nt voax, 
(£r ftonb ujeit unter il)nen, bas füllte er in biefem 
f)ellfcl)enben ^tugenblid mit graufamer Sllarfieit. Se- 
lber biefer Sölenfdjen l^atte feinen '33cruf. ^omfe 
pl^otograpl^icrte, ©cgenl^er,^ fül^rte ^^coj^effc, 5)r. iper* 
gotin maffiecte, jyifd)bein mad^tc SCHäntel, unb ©untel* 
bnum leitete eine Sd)ul)fobrit. (Es gab tcinen 
2)Hi6iggänger unb ^erufsfpieler im ^f)ila»belpl^ia' 
5llaib. 5llle biefe ^Hänner arbeiteten unb gaben ben 

llebcrfdiuS il)rcr Itraft^ bejc. burcö teine Arbeit üer» 
braudyt toetben tonnte, on il)rc 6picncibcnfrf)aft ah. 
(Es tuaren fleißige unb unab^öngige SJlenfc^cn, über 
bie man fid) nic^t j^um Siid^tcr aufmerfen burfte. 

5)er 9iittmeifter üerlieg bas Spielj^immcr gleich 
einem ^Verurteilten unb fetjte fid) in eine buntle (Ede. 
*2ll6 6tödcl ?^ur ^blöfung erfc^ien, rief er i^n j^u fid). 
„2d) XDxü megfa^ren, 6tödel." 

„2Barum, §crr üon fiöctnitj?" 

„3d) tann nid)t mebr. 3d) mug ausfpannen." 

„§m/' mod)te 6tödel unb fa^ beforgt aus. 

„Sie muffen mir Urlaub geben," fdöer^te ber 
9^ittmeifter. „Unb lücnn es nid)t möglich ift, fdiliegen 
mir ben Älub." 

„Um Fimmels uDiIlen," rief Störfcl entfefet, „mas 
fällt Stnen bloß ein! 5IBenn mir ben ^lub für eine 
9iad)t i\ufperrcn, ift bie gauj^e ^crrlic^feit oorüber. 
Spieler finb treulos. 5)a ift es mir fd)on lieber, 
mcnu Sie mcgfa^rcn. Sollen Sic lange fortbleiben, 
iperr uon Si5ctnit^?" 

„(Ein paar ^Bocften." 

„iHa, bos ift nid)t fo fc^limm. 3Barm mollen 
Sie reifen?" 

„Spätcftens morgen. 5lber bos fagc ic^ 5l)mn, 
Stödel, id) mill iüäf)renb meiner ^Ibmefcnbcit üon 
nid)ts I)örcn. SBerfd)oncn Sie mic^ mit i«ad)ricbtenl" 

„0a5 liegt gan,^ in -Obrer $anb, ^err oon fiöcf« 
nitj. Sie braud)cn mir nur 3brc "iJlbreffe ^n ner» 
fd^meigcn." 

„Stimmt. '3d) barf alfo jefet Dcrfcbtoinbcn?" 
„^bcr oergeffen Sie bas iBi^bcrtommen nid)t!" 
„3d) bin am erften ^ktguft j^urücf. ^aun bürfen 

oie ouf Urlaub geben." 

„3cb ftabe Urlaub genug, iperr dou Cödnift." 
5)er S^ittmeifter reid)te ibm bie $>anb. „2thtn 

Sic mobl, Stödcll" 

„^uf iffiieberfe^en, !perr oon ßörfnife, nnb angc- 
nef)me ^ieifel" 

3>er 9Uttmcifter lief bie 3:reppen hinunter, mie 
ein 3unge, bem bie Serien mintcn, unb begann fo- 
glcidb eine längere 2öonbcrung, inbem er ^u S^ufi 
nad) Scftönebcrg marfd)ierte. 

^m früben iRacbmittag mor er bei ßifa <5)ierf^cr. 
„3d) h(ibt eine göttlid) fcböne 3bec, JJräulein Cifa," 
fogte er beim (Eintreten unb lad)te. 

„^a bin ic^ neugierig." 



„^lämlicb — nämlid)," — er begann ^n ftottern. 

\,^nx OJlut! 3d) bin auf aUes gefagt." 

„0ic Sacbe ift gar nicbt fo einfacb, mic ic^ auf 
bem ©eg ^ 3ftncn geglaubt babc 3d) möd)tc näm- 
lid) — " (Er ftoctte oon neuem. „3d) möd)tc toeg- 
fa()ren." 

„^as ift in ber %at eine glan^^ooUe 3öee. Sas 
f)inbert Sie baran, iDcgi^ufa)I)ren?" 

„Sie, J^räulein 0icrtl)er." 

.3c^)?" 

„3amof)l, Sie," ermiberte er leife unb ergriff 
il^re ipanb. „3cö tann nid)t allein reifen. 3cb toürbe 
am i\u)eiten 3)ag fd)tocrmütig werben. 3d) moUte 
3l)nen einen 5Vorfd)lag mad)en, ber unpoffenb, unge» 
börig unb mas meig icb nod) aUes ift, aber id) 
glaube, ba% Sie mid) ietjt fd)on j\air (Genüge tennen, 
um meine ^bfid>t ni4t falfd) ausj^ulcgen. 5ö&rc» 
Sie mit mir, {j^räulein ®iertl)er!" 

(Eine l^eige diöte fd)o6 in i^rc Sangen. • 

„Sie bürfen mir nid)t böfe fein, JJ'^äulein ßifa," 
bat er fc6üd)tern unb gob il^re ^anb frei. 

„3cb föb^^e fcl)r gern mit 3i^nen, iperr oon £örf- 
nift," fagte fie mit fefter Stimme unb blirfte ibm 
offen in bie klugen. „Sir finb freie 3ßenfd)en unb 
l^oben niemanbem, au§er uns felbft, i)fied;enfd)aft ah' 
j^ulegen." 

„^ant, 0an!," ftammelte er unb füblte, mic fein 
^cx^ lauter fd)lug. 

//3cb ftöbe j^u bauten, toeil id) Sie begleiten barf." 

„3^0 bin febr glüctlid)," fagte er gan-\ ftill. „(Es 
ift mie ein erfüüter Sraum." 

„Sonn vooUen Sie reifen, §err oon fiöctnit^?" 

„5)a5 bautet nur oon 3()nen ah, JJ^öulein fiifa." 

„3Horgen, menn es 3l)nen xej^t ift." 

„9Korgen? J^einl Unb mobin roollen mir 
fahren?" 

„3Rir ift es gleid)," «ntmortete fie unb b^ttc 
leud)tenbe ^ugcn. 

(Er crblidCte bie SKufctel auf bem Sd)reibtifd) unb 
rief: „Sir muffen an bie See, bas ift tlar. Sie 
I)aben bos 3)Zeer nocb nid^t gefeiten." 

Sie freute ficb über feinen (Eifer unb über fein 
fcligcs SReifeg'Cfid)t. 

„•Jlber moftin?" fragte er unb lief ungebulbig 
burcb bas 3i"^"^er. „(Ein beutfd)es Seebab ift aus« 
gefc^loffen. Sie finb eine oiel ^u betanntc ^erfön- 
Ud)feit gemorben, f^^räulein ßifa." 

„Unb Sie finb oud) nic^t gan^ unbetannti" 

„2)as ftimmt," lad)te er. „Sir muffen irgenb- 
mol^in, too uns tein 2)lenfd) tennt. ®ie 2nite finb 
mir ja oolltommen gleicbgüUig, aber id) fcl)ne mid) 
nacb fremben (&efid)tern. J?ür mid) gibt es nid)ts 
|)übfd)eres, als burd) eine frembe Stobt ju laufen, 
in ber mid) niemanb tennt." 

„Unb bo toollen Sie mid) mitnebmen?" 
fc^erj\te fie. 

„Sie gcl)ören ^u mir," ermiberte er nacftbentlid) 
unb tourbc plöftlid) ernft. „0as beißt, fo ift es nid)t. 
3d) gehöre j^u 3^nen, als.befd)eibener SKann, ber 
neben 3^nen ge^t, folange er Sd)ritt bölten tann." 

„(Sott! Sie oermideiti" rief fie fröftlid) unb 
trat ;\u ibm unb blirfte in feine '^ugen. „'^U^andjcs' 
mol tomme id) mir gan,/^ alt neben 3bnen oor, menu 
Sie fo fd)recflid) junge 5)inge baberreben." 

„3cb ocrftciI)e Sic nid)t, J^räulcin fiifa." 

„Sinb Sic blinb ober moUcn Sic nid)t fel)cn?" 
fragte fie mit ^^urfen'bcm 3J?unb. 

„Sas bcnn?" 

„iRicbts," fagte fie in fcbamoollcr ^ermirrung 
unb u)cnbcte fid) ab, 

„3d) meift toir!lid) nid)t," begann er unb murbc 
fofort oon ibt untcrbrod)cn. 

„•©cr^ei^cn Sie, id) bin ein menig neroös! 
ßcgen Sie meine Sorte nid)t auf bie Sagfd)alc, fic 
boben mirtlid) nid)ts a" bebeuten. Suchen Sie 
lieber einen Ort, roo es nid)ts als Saffer unb Sanb 
gibtl ^ud) id) maq teine mcnfcblicbcn (&erid)ter 
fcbcn." 

• „So einen ^abcort gibt es natürlicb nicbt, unb 
obne 3Kcn[cbcn merben mir nid)t oustommcn, aber 
unfcren .greunben' mollcn mir ausmeid)en." 

Sie fetzte fid) ans Älaoicr unb fcblug einige 
^ttorbe an. 



„3d) bab's," rief er enti^üdt. „Sir mollen naci& 
9lorben fahren, ^u ben Soloeigs, bie breißig 3ö^rf 
lang auf uns gemortct l)aben/' 

„3n 9iormcgcn gibt es aber um biefe Seit nur 
berliner, fo l)örte id) menigftens. ffröulcin Küppers 
mac^t iebenfaUs eine 9lorblanbsreife, um nur eine 
angenebmc iUiitbürgcrin j^u nennen." 

„Sie boben recbt. 3nt Sommer ift mit ben Sol- 
oeigs nichts m mollen. 3)ie Seit ift ^u flein." 

„Sir beibe metjbcn boc^ nocb ^löfi l^obcn?" 

„9as tonn man nie miffen, g^röulcin Cifol" 

„9la, bann bleiben mir in (Ebgtlottenburg, ift ja 
oud) eine gan;\ fd)öne (öcgenb, unb Sonntags reifen 
u)ir nocb Sonnfcc." 

„Spotten Sic nur, besmegen fahren mir morgen 
bennod) ob. Unb ^mor — jet^t l)ab* i6) es mirtlic^ — 
nod) 5anö." . 

„Sos ift J?anö?" 

„(Ein tlcines bänifc^cs Sccbob. Sunberfd^ön, 
ber befte Stronb unb ftill unb bcfd)eiben. 3cb ^(^^ 
oor 3obtcn ein paor 2age long bort. S^idbt ein ber- 
liner mar j^u febcn." 

„5Mlfo ouf, nod) Sanö! 2)os ift ein ^Ittfc^lug. 
3tft beginne ^u porfcnl'' Sic fprang auf unb lief in 
bos Sd^lof^immcr. 

„Su/^ette, mir oerreifen," fogte fie ooll Uebcrmut 
j^u einer nid)t oortiTonbcncn ilommcrj^ofc. „Sebr 
U)ol)l, 3Jlabomc," ontmortetc Suj^ette. „Sßacfcn Sic 
unfere fd)önften Kleiber ein, Sui^ette, ber $crr ^Kor- 
quis münfc^t es." 

„0cr Serr SDlorquis münfd)t nie, er bittet nur," 
rief fiödtnift lac^enb. (Er trat ans J^enftcr nnb fo^ 
ol)nc 9leib bie 3üge in bie Seit ^inousroHcn. 

SMm nöcbftcn Söiittag bolte er fiifo ob. ^lus feinen 
■fingen lcud)tetc bie J^reubc. 

^Is pe im ^uto fogen, fogte er ooll ^ontbor- 
teit: „3d) tonn es nodi) gor nicbt glauben, bofi bies 
alle» toivtlic^ utr^-wnlrt" ij^räwmt—tfh — ^ttf fürcbtc 

immer nod), pliJt^lid) j\u crmodöcn. 33itte, fneifen Sic 
mid) in ben ^rm!" 

®ann fd)mieg er unb überlegte, mic er i^r fogen 
folltc, mos ibm am $erj^cn log. (Erft furj^ oor bem 
ßc^rter ^ol^n^of fogte er 2Jlut unb begonn febr un- 
fid)er: „3d) böbe nod) eine ^itte, f?räulein fiifo, bie 
Sic um §immcl& millcn nic^t folfd) ouffoffen bürfen." 
(Er j^og mit ^itternben Jfingern -einen fcbmolcn (öolb- 
reif aus ber 5;ofd)'e. „2Jlöd)tcn Sic nicbt biefen 91ing 
tragen, J?räulein ßifo? (Er erfport uns oiele Jyrogen 
unb müftige S^lcugier." 

„(öcrn, öcrr oon fiörfni^," flüftertc fie unb xourbc 
brennenb rot. (Er no^m ibrc ^anb, tüßte fie unb 
ftectte ibr ben 'DUng an. 

„Sirb es 3bncn oucft nid)t ollj^u fc^mer fallen, 
midb m buj^cn?" fragte er fd)üd)tern. 

„9kin," ontmortetc pe mit fefter Stimme unb er- 
innerte fid) ber oielen gleid)gültigen 2:i)eatcrlcutc, 
mit benen fie bos ®u=Sort ;^u mcd)fcln gej^mungen 
morben mor. 

„fielen ^an!, unb ocri^eil)cn Sic, bofi \d) Sic 
mit oll bem bummcn JVormentrom beläftige, ober bos 
finb Opfer, bie mir ber Seit bringen muffen." 

„(Es finb für mid) teine Opfer," fogte fic frei» 
mutig. 

^•cr Sagen l)iclt. 9]Qd)'bem fic '^ßlöl^c belegt 
botten, begaben fic fid) in ben Speifemogen. 

Sifo freute ficb, bog ßöctnij^ iftr öcu 9Hng gc« 
fc^cntt bötte, ben bie 3;ifd)gefäbrtcn onertenncn - 
mußten, ob fic rooUtcn ober nicbt. 

„9Jiogft 2)u ^ot. ober Scißrocin?" fragte ßöd« 
uit^ ^ögernb. 

„Sic 0u miUft," ermiberte fic fcl)r fid)er. 

Sie erinnerten fiel) fpäter oft boron, bog fic in 
biefen inboltsreid)en Sotten j^um crftenmol bos ©u*. 
Sort (^cbraud)t batten. 

*3lls fie in ipomburg ontomen, bitten Rc brci 
Stunben 3eit bis }(ux ^bfobrt ibrcs 8«ges. 

„Senn Sic nid)t ^u mübe finb ~" 

„anit mem fprid)ft 5)u eigentlich, lieber 511» 
brcd)t?" unterbrod) fic i^n unb lad^tt übermütig. 

„3cb bin ein bifid>cn fd)roocb im Äopf," entfd>ul» 
bigte er ftd) unb ftimmte in il)r Soeben ein, 

„<Du m'ufit 2>id) nur*cntfd)eibcn, entmeber egol 




^ 



yix. V 



Berliner Illuftrlrte 3citung. 



51 




3ur c^olbcnen ^od)5eit bce bai)rifrf)cn Stöntgepaares am 20. Jyc^ntar. 
?ll5 iuuc|C5 Ö;l)cpanr 18(>8. "Jieiicfte ^ufnnljme uom $>ofpt)ot. 'S^. i)JUiUcr. 



)"d)üc§ücfj, bofi 5lol)lc von linc\avn i:ad) Ocftcrrctcf) 
geliefert tocrbc. ^)lan i)urd;fud)te b^n näc^ften 
S^ransport imb cntbedte, ba^ nur bie obcrftc 
6d)tc^t ber Saftiuagen ^oI)le voax, bantntcr lagen 



große ä)toiigeu ot^n icltcncn ^ieOcnemittetn! (Sin 
liftiges ©orfmüttcrd)cu aui' einer ungarifc^en 
(örenjortfi^aft füllte in i^re ^lufe fo gefdiicft 
^oI)nen, bo^ man nickte bemerfen tonnte. ^Ib fie 



aber bcn (Sifcubat)nu)agcu bcftctgen iDoUtc, rut(d)te 
fie auf bem Trittbrett aus, tarn ju 'gaU, uab 
bie 33o5ncn folterten im SBogen aus ber^lufe, 5ie 
ujieber i^re natürliche, Oefc^eibene Jorm annahm. 




„fVlnnbern bcn J?lamen!" 2)er proftc Äunbgetntngs.Umjug ber Jvlamen in 9Intu)erpen bei ©clegcnfieit bei i^olfsabfttmmunc;en für bcn ^\at von J?laubcrn. 

Aufnahme BiM- untl Film-Ami. 



^r. 45 



Berliner |llu[trirte 3eitun3« 



833 





„^^ariö — iel)r frf)ocu! ^^Ibcr bic 



^TVC. 



• 



o 



au ]"ü(I iiirfjt 
iilnuOen, 
bah t'tiua 
.srcrin Ci-nuiii Miaufc — il'utrs 
Ctaiinc ciirtiLK> — bei* Wcbant'c 
nadj 'iHU'ici ,511 reifen, uniljius 
pathijdj luau; ober baf) ftd) fein 
Patriot ifdiec' Ok'fiibI banencn 
ciiiporte! l'lber, Dar, i^^* nid)t 
aüciii, loiibcrii mit Arau mit) 
3:üd)tcr iiad) ^4>ari-3 reifen 
füllte — Dax> luoüte .s:errii 
(i'riüiu Mraufe biirdiaiiö uidjt 
eiuleiid)teii . . . fdjon luec^eu 
bcr .^loftciu A'tctii Mraufe je« 
büd) faiite, "^ay^ e§ ilir .s>er,^euös 
Uniufdi luäre, einmal "^.sariö 
mieber^ufebeu — beuii fie lier= 
ftiei] fid) ba()in, ,^u bel)auptcn, 
bafj fic fd)on in einem frül)eren 
5)afeiu iu '|"5ariy i^elcbt I)iitte 
\u\^ fidierlid) aU eine jcueu 
ijiofofobiundjen ouiliotiniert 
iDüiLicu iLHirc. Unb iucr T^i^au 



raUifej' in ^f^arix 

Slraufe fannte, mod)te bao moM o^t^uben. ^.'lui',crbcni aber noi) 'isariv, um ihr and) Da« itlebtc 3u ac^en, beffeu eine 
faotc 5rau ÄVraufe, lutirc eö Cf(tcvnpflicl)t, ^x.\\(\^ ^^ilbuna t^cutfdjc o^inMU^'^^i benötige, bamit fie ciuft einen Chatten 
nunmel)r al),^ufd}Iief)en; fic male nun ^-lU-au^, ian^c nlürflirf) madicn fönnc. Hub ba .s>err (i^rmin .Slraufc ctma 
3a[ome, beflamiere ^^w .\?eibefuaDen i:nb fo fehle nur nid)t beii '■iHUiintrf auf iid) laben moüte, er Ueruadiliiffiiiie 

bie (ia'jiehuui^ feiner 
^od)ter, fü fauftc er fid) 
einen Vobenlnit. Vllvl'alb 
aber fafjen .v>err Mraufe, 
A'rau 5Vraufe uiib (irua bei 
3d)uilHi unb 3d)ellfifd) im 
^peifemaiieu luib fuhren 
nad) '|>ariv. llnb mie ber 
uädjfte iUiürrten (^rau über 
^^w /velbern hiuii» bn tarnen 
^^ik'rfe unb 3d)iippcu, bau= o 




I 










i 



**"" 



fiillii) 



e .s: auf er, fdiuiar^c 



i 






!Dcutfc^ = fran.^öjiffTje 5ßcrftänbiöunc|. 



3i'ül min ^cit uoii (" rH,\ MOcf) = Oiütlia. 



,Ou esf r KitTeUuim? 



(( 



Xädjer mit taufenb3diorn= 
fteineii befpidt, iinb ber 
x\\^^ Pnif ItiiHi unb anbal= 
tenb unb ftanb bann ...» 
llnb .s>err Mraufe fui^te: 
^^!Day i^' nu 'i>ariy'c'! Xay o 
hab* id mir jan^i aiiber^' R 
uorjeitelltr' Hub ein flei- 2 
ner, fd)mar,^er Merl rif; | 
.s>errn .sa'uufe auf bem 
^^^abuhüf ben.Siüfferauvber 9 
.s>aub, unb fprad) iiaui 
fd}neü ni.t .s>ti übe 11 unb 
iviif^)eu in einem fehr merf- 
uiürbii-^en ^sbiom ftne laui'^c ^ 
r)iebe her unter, Don bcr.s^err 
Mraufe uidjt ein ^-li^ort ber:= 
ftanb. llnb barum rief er 
einmal iiber '^a^ anbete 



Ter ii^ricftriincr: ,Jia toiir (rKiffd? Kien (!»• plus siinph». Vous nllcz iralord (otit droit dcvan 



t vous attn^ äu.iftlid) „Vitc Erna, 



aisenicni 




"•». .w 



5rau Kraufc toolltc burc^aus ins fcinftc $)?eftaurant! Smpojanter C^mpfang t)urd) bio ^lüte ber ^liarijcr Ikllnerjc^aft. 



634 



Berliner Illuftrirte 3citung. 



s;r. 4 5 




.-•± 



3eicl)ttUttgcn tjou Ö^l^ 5locI;=(yotf)a 



$crr Äraufc tüoUtc burtfjaus ins ^all^aus. 

jenecomprondspasl^grau^raufe aber meinte feufgenb: 

^^Unb baau l;aft Du bei §errn TinUct bie teuren 

©tauben Genommen I" "üdad) ein paar ^agcn je» 

bod), ba mar 5üaufe fd;on gum ^arifer oe* 

tüorben; nur ein^ Iränfte il)n, er moijte 

feinen ßobenI)ut nod^ fo fdfiief feigen, bie 

£eute fpradjen il)n alle beutfd^ an. Unb 

loenn il)m jemanb auf bem ^oulebarb 

auf ben gub trat, fo faßte er fid)er 

,,(Sutfd)ulbi0en Oiel" anftatt „^ar» 

bon". 5lber lüie nett fid)'§ ba fafe im 

Calo de rOpora. (öerabe auf ber 

©trafee fafe man unb alleS flutete 

an einem Uorbci. ^ie 5lutomobile 

unb bie ^aqcn nal}men gar fein 

(5nbe. ^'ßon allen leiten famen 

fic I)eran0erolIt, unb mitten burd) 

ha^ (^elr)ül)l tändelten immer hie 

Ileinen 9Jiäbd)en bal)in, mit Stöcfel= 

fd)ul}enunb(5traufeent)üten,mit3eber= 

boa§ unb (SamtbarettS. ^ebe ©e!unbe 

fd^rie irgenb ein ^erl §errn Traufe 

„La Presse! LaPatrie!" in§ iOl)r ober 

i)telt il)m I)eimlid^ ein ^ädd)en mit 

S3ilbern l)in, ha^ ^err Traufe bielleid^t 

gelouft I)ätte — benn fo biel franaöfifd^ berftanb 





^11 33erUit barf er tiirf)t. @r ftubet „bie Uccnc SlbiDcc^ftunfl nid^ icbcC 

er fd)on — lüenn nid^t feine grau foId)e klugen qc« 

niadjt l)ätte unb €rna. 2id}, ©rna, fein 3)^ufeum 

iuar bor il)r fieser, unb überaE fd)leppten fie 

ben armen Traufe mit, ^a§ l)eut5utagc 

alleö 3u be ^^ilbung iel)ört! SÖßie er, 

5lrau)e, nod) jung toat, I)atte fein ä^enfd^ 

'ne 5ll)nung baDon gel)abt, ^n S3erlin 

ift bIo§ ha§ $oI)en3ollerns3Wufeum, ha 

gel)t man einmal l)in, luenn man 33ea 

jud^ I)at, unb bamit i\i bie (Bad)e für 

aEe Seiten erlebigt. 2)e§ ^2lbenb§ 

aber, ha lebte ©err Traufe auf. 

S)a fing fein dici(^ an. S)a gingen 

fie ing ^Ijeater, in lauter (Btiide, 

in bie fie (£tna nid^t mitnebmen 

tonnten, unb tücnn i^err MtClVlJZ 

and) nid)t fonberlid^ gut franäöjifd^ 

t)erftanb, fo fonnte er bod) banf bem 

t)or5Üglid)en ©piel ber ^arifer Slfa 

teure ber §anblung ftetg fel)r gut 

folgen — unb für bie interejfißtte fid^ 



mmtmmtmtmm 




'■,.A 




%tt @fattbal mit bem 53ier tat ^art« bct Äröufc ^efdOobct. 
(tx ift fertig mit biefem $o(r. @e(bft bie iBenud oon 'SRilo 

im £oubre (ä§t il^tt tatt 



9l6er nanu? — „3)et is 'n Sias 58ter? 

Kniacfli^es 33oI!I" 

Traufe am meiften. 5lbcr §crr Traufe fagte, 
man iDäre nidjt in ^ari§ geloe[en, loenn man 
nid)t ein 33all!o{al be^ud^t I:ätte. Unb mäbrenb 
ftd) grau Traufe im i&aüi)an^ ,,S^oulin i){ouge" 
moralifd) entrüftete, fafe .^err Traufe unb 
mad)te k)or ^^ßergnügen gang fleine ^2lunen. 
3m ^lugenblic! mar'g il)m !lar, baf5 er t)on 
jefet an jebe^ 3al)r ^tueimal gefd)äftlid^ nad) 
^ariS faliren müfete; er berftanb gar nid)t, mie 
er biefen für hen ä)^argarinemeltl)anbel fo un« 
ertört h?id^tigen ^la^ fo lange l)atte umgeljen 
lönnen. Slber grau Traufe fpieltebagegenauS: 
fie müfete einmal in ein feines 9ieftaurant 
foupieren gel)en. ^err Traufe gab nad^. %(i}, 
l)ätte er e§ bod) niegetanl ^enn mie er ha 
bie S^ed^nung befam, ha gefiel i^m mit einem 
SWal gana ^ari§ nid^t mel)r, unb er fagte: bo§ 
tüärc alles Xünd^e. 2)iefe toingigen 93iergläfer I 
Unb bie ©trafeenreinigung tüäre aud^ unterm 
$Iffen. Unb el)e nod) brei ^agc hergingen, mer 
fafe ha lüieber bei (sd^eöfifd^ unb ©d^ni^el 
im ©pcifeltjagen?! $err Äraufe, grau Äraufe 
unb ©rnaH" Georg Hcrmamu 




Uttb batttt bie(S)(l^n)eittereianf ben8ou(ebarbdf fiauter h}cqpen}orfette 
3eit«ttfle« ttttb JHettomesettet „9iee, pfui! S>et i« feen ^anh ficr 

anftänbige 8ürqerr 



\ 



172 



Berliner Jlluftrirte 3eitung. 



9Jr. 10 








• • 



^ucc^ bic '^cfprcd)ung bcs ,,5^Hcö §amm" im Oicirfjslag ift ba^ 
Sntcreffc c^w bicfcr traurigen "^Iprc in lüeitcftcni ^JJlaßc n^u^ccft luorben. 
5rau §amm, bic im 3al)rc 1908 in (£lberfclb i\\ 14 3al)reu 3uci)tl:nii5 
ücrurtcilt u)urbc, weil bie "i^cteiligiino c^w ber (frmorbunj il^rcs iUknnc 




^yrau ^amm, 

bic () '^(\\)Xi DOii il;rcr 
Uiäl)ri(icu Strafe ali-- 
ncbUßt batuubjoHtauo 
bom 8iHl)tl)aufe cnt-- 
laffcn iDurbc, aie;l ibr 
^^^ro,H'ß "«•*» uorl)anbclt 
U)irb. 



no(^ncir)iefenfrf)ien, 
l)at ftete il)re Un-- 
fd)ulb beteuert unb 
üergeblid; üerfuc^t, 
bic 3i"iebcrauf= 
nabmc il)re6 ^xo- 
;?,cffcs i^u r)crnn= 
laffen. ©urrf) einen 
Sufall I)örtc ein 
berliner SHcc()töQn= 
lüalt ein (öcfpräc^ 
j^iDcicr kriminal» 
beamten, bie ben 
ffall ber Jrau §amm als 
„Suftijmorb" bci^eic^ncteu. 
9hui toar t>ci^ bcruflid)c iinb 
mcnfc^lic^c Sntereffe ht?> %\\' 
iDalts geroecft, er [teilte um= 
fangreic^c Slac^forfc^unöcn 
an unb fanb \)tx(x\\Q, ba^ bas Urteil l)aupt= 
fäd)lid) auf ©runb eines (öutac^tens erfolgte, 
bas ber bamalige^riminaltommiffaroon^rcsfoiD 
crftattet l)attc. tiefer ^ommiffar f)atte in- 
j^iüifc^en ben "^^oli^cibienft quittieren muffen, ^us 




:Der 2 9J?eter 67 3entimeter grofie englifdic 
liHicfe, ber gcgcntDärtig in ^Berlin gezeigt 
mirb, auf einem Spaziergang im Xiergarten. 



iyrancic^co ^Isiüa, 

b'jr üioliioiuinnto 0)c-- 

ncrnl ber imTJfnnifiteu 

9lutftaubi)M)en. 

1 liot. Tiiüiupsoii. 



feiner ^ätigteit luar 
uielcs betannt ge= 
morben, bas and) 
fein 0)utad)tcn im 
Sali §amm min-- 
beftens als falfd) 
crfd)einen lieg, unb 
jet;,t enblid) lüurbc 
5rau $)amm aus 
bcm 3iid)tl)aus ent» 
laffcn,umuorläufi.i 
in 5^reil)cit bie 'JBie- 
i:craufnal)mc bes 
SJiro^cffes ab^uwar» 
ten. — 0er(öeneral 
ber mc5itanifd)en 
^uffiänbifc^jcn^illa^bcr bicfcr 
S^agc ten Sd^otten "iBcnton in 
3uarc3 ,,l)inric^tcn" lieft — er 
\)(xi \\)\\ uui^rDcifelbaft faltblü» 
tig über \>t\\ Raufen gefc^offen 
— foU, roie man cr^äblt, 9iäu" 
bcrftaiiptmaun gcioefen fein. (£r toar fogar 
oou bcm frül)cren ^räfibcnten :i)J^abcro ein« 
mal tücgen spfcrbcbicbftabls gum S^obc oer» 
urteilt getücfen, als §ucrta bei iö^abero ben 
^^3arbon für il)n eru)irttc. 



1 



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Pliot. ZioLcra. 



5)ie üoit ben ©reoboucr Slünftleru geftcUtc ©ruppe „Slunftfrcil)cit". 



93om Starncüalsfcftaug in J)re5ben. 



1 liot. Sauden. 



©ic ,,1^aüor.tin" bcs "^^rin^^en SUrnciml. 



Sie löcrlincc Oauftcirtc Seituug crfci)eint u)öd)cutlid) einmal. •^Ibonucmcnt im 3nlanb: 5,20 3)U. iäl)rlicl); 1,30 Dicrteliäl)clid); 45 *^f. monotlid) hn icbet ^oftanftalt unb im 'i3uciy.)a:i:)el 

foujie burd) bic (JKpcbition frei ins öaus. (Sin^elnummern finb für 10 '^f. in allen BcitungsocrfouföfteUen erbältlid). 
'SInacigeu mt 5.00 bie 5.gefpaltcnc ^JlonpaceilU»3cilc. Verlag UUftcin & (So, «ccliu. ^lebattion unb ©c|d)äftöftcac Berlin SW, Äoc^ftra&c 22)24. 



i«r. 10 



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Berliner Jlluftrirtc 3eitung. 



' 171 





(^ininc :iüiihulrtciibc aito bcr -Wol)ltäti(V- 
tcito--"iNorftclUiiui bcr ioofi^cfoUfrlinft im 
"iU'rlinor Möninl. cri)nufpioU)nuö: 

alö 6flaüin in ,,1)ornrc6cl)iMi" dou 
§iiinpcrbiiicf. 

6tunbe. Ohir luenn in^cnbciner plol)-- 
lirf) „6cf)icbci'" brüllte, bann fiUjrcu fic 
auf, brüllten iDie bcfcffcii „Sdjicba — 
6d)tcba", uub nacf) fünf tWiinntcn lunrcn fic 
lüiebcr cui(icfrf)(afcn. ^Bas „6cl)ieber" ciiicnt-- 
lid) bcfnc^cu foU, iDctr? irf) nirf)t rcd)t. 3d) lueiB 
nur, iDcnn einer fd)ucUcr fnl)rt als bie aubcrn, 
luenn einer (nnnfamcc ftt()rt, luenu einer nuöfel-t 
— brüüt mau „Sd)icber". 'iH'enn's ber eine nid^t 
i\\\, tut's ber aubere. 3c nad^bem er pevfiinlid) 
am (öeneuteil iutereffiert ift, Uub ferner faub 
id) immer fo amüfant bie ^Beinc ber 5^l;rer, bic 
roarcu in fo luflineu i).1hiftern mit cnö= 
Iifd)cm öcftpflafter bctlcbt — 
birett betoratiu. Xhx^ 
einer hatte 



ilomtcffc ^^rafc^ma als „6f(aDiu". 



Jyrau üon Sd)U)abad) 

(bic (öattiii bco 3»l)«lHTo boo 'i^auf-- 
l)oiifc6 "^lcicl)röbcr) 
alö Obcrl)ofmciftoriu in ,,®ornröod)eu". 
Vuriialmioii vom llofpliot.Pi. Bielier-Beiliii. 



eine "iMnbc um'e i^Mu, mit flattern-- 
ben (fubeu, uub xrnwn ber fo frumm 
lüie ein Jicbelboi^en um bie "i3al)n marfelte, 
bann erinnerte er mid) imuier (X\\ eine (£utc 
mit einem L^lppen um'^ 'iBein, bic auf beut 
§ül)nerl)of Orbnung mad)t. 'ia, uub norf) 
eins l)abc id) immer ou bcn 6ed)ötancrenuen bc= 
lunnbert: 5iti'd)tbar nette ^ameu fiub bal *Dlid)t 
nur bie, bie nad) ,^iuölf in 'i^aUtoilcttc mit mo-- 
notelbcmaffneten Smotiuöträgern tonimcn, fonbern 
aubere, bie fid) um bas ^o\)\ ber 9^ennfalircr 
bemül)en, il)nen Sdjofolabe briui^cn, in btw 9htl)c-- 
paufen fic mit (öeplauber laben, '^xi mir ift man 
nie fo. 3d) merbe auc^ 6ed)ötagc» 
fal)rer. Ucbevmorgen fauche 
id) mit bem 2rai» 
niu3 an. 



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93oI!5tan3f3ene auf bcr geftmiojc aus bcr neuen ^iluffü^rung bcr „^Jfciftcrfingcr oon ^Rürnbctö" im (£^arIoittcnburgcr Dcut|d)cn Dpcrn^aufe. 

ihot. Kcniltrandt. 



9ir. 10 



• 

• 



Berliner Jlluftrlrte 3eltung. 



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1(9 



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Taöe 




fop{)en, bic bcl)auptcit, 

alles, tuas roärc, 

lüärcücruüuftio. Unb 

bann Ijat ein i3cr« 

frf)oUcncr — feieren 

lüir 6rf)ri(tc^clcl)rlcr 

— cbeufaUö bc= 

I)auptct: (fö ift nllcö 

fc^ou mal baijeiüe[cii. 

91atütli^ ftimnit 

lücber bas eine nocf) 

taQ auberc. 3^) fcunc 

eine 'DZcnc^e, einen 

^anfen üon 3[Ren[cl)en, 

bie leincörDcgs ücrnünf-- 

ticj finb, nnb eine iOlcncjc 

©ingc, bic nodö nid)t bac^e= 

u)Q\cn finb. 3fft t'cnnc aurf) 

©ingc, bie bcibcs in ibealcr 

^onfnrrcn,^ nic^t finb. 3" bencn 

^äi){c \d) (^nm ^Beifpiel ba^ 6cd)Qta(\c= 

rennen. ^nil;ci' finb auc^ juncie toitc 

tüetlcgefa^rcn . . . nnb man ^at i^ncn 




2?on 65ccrg ^ermann. 
3cicf)nHngcrt v>on 
gril^Äod)^®otl)a. 



'rnm, unanfl)örlid) 

einer tinter bem 

anberu. SO^al lüill 

einer nor, eine 

i)\nnbe (\cu)inncn — 

aber bic anbcrn 

laffen i(:u nid)t lueo, 

l)eften fiel) an feine 

Werfen ober '^ebale 

ober spnenmalite. 

^lan bcnlt an bie 

Rranid)e bes Sbitns: 

„Unb l)offt er, flicl)cnb gn 

cntfpriniien, cicflügelt finb 

tüir bo." 2Benn \d) bes 

*3lbcnbs mic^ ins 'Bett lege 

imb fo rec^t anöcncl^m mic^ 




ajtorgcntoilctte bee Set^s^Xagc-Sa^rcrs mit ^ilfe 

jctncs 3^P^^|orio. 



(Siner ber ö^^fe^^ SJlomcntc bcs 

Sec^5=Xaöe=5Henncns: 

^ufrcgcnbcr ^orfto& eines ^a^rers unter bem ol^rcn« 

bctöubenbcn 6c^reien xinb 'pfeifen ber (Salerie. 

e'ncn ^ranj cjcfP^^^^t unb fic l)alb ober gan^ aus« 

gcl^an'n. S)lan fyxt fid^ bas angcfe()cn. ®as ganjc 

gricd^ifd^c ^olt unb bas römifd^c ift in ben ^xxlu^ 

ober ins 6tabion öß^^wfc« unb ^at je nad^bcm, 

„5cftc ©ajus," — ober, „Schieber — ©ncins — 

ed^iebcr,'' gcfd^ricn. ^bcr bic finb l)örf)ftcns fcc^s» 

mal im Greife ^crumgefal)rcn — unb bann lüar 

ber Jall crlcbigt. Unb bann toar's immer nur 

einer. 2)cr „^nabc Center" l)at nie einen (£rfafe-- 

mann gel)abt nnb fid) in eine ^ifle, eine ^Irt 

^aninc^enftall, fr^lafen gelegt. 0as finb alles 

iieumobifcfte 'ülngclerjCn^citcn. Unb man beute 

boc^ fec^s 5:agcl 144 ... in 'Borten eiuljunbert» 

üiernnbDicr;^ig Gtunbenl ©aoon mu& jcbcr ber 

'il^arlncr ^mn minbcftcu 72 Stunbcn auf bem 'iRab 

fein; l'ann in fcd)5 Sagen eigcntlicb nirf)t in ^ute 

cffen; an rid)tiges Schlafen ift nic^t ?u beuten: 

mu6 jcbc 'JTiinute feiner 9inl)eäeit gctoärtig fein, 

für ben anberu ein^ufpringen. Unb immer im 

.^reis, . . . immer im ^rcis . . wie bic japanifrf)cn 

San^^mäufc. 3c^ Icfc ftets mit (fnttu- 

fiasmus bie Ailomctcri^iffcrn unb fefee 

mir bas um. 3p6t tonnten [xc \d)on 

in iülailanb fein; jcfet in 91capcl (mit 

'l^ompeji); je^t frf}on in 2:aormiua. 

^unbcrooll Saormina — ba blül)en 

bie 'ülnnbeln, ober fe^cn fd)ou 5rürf)tc 

an. Unb ftatt beffcn rafcn ober 

tröbeln all bie jungen üente in einem 

qualmige:^ grofen 9^anm auf einem 

Ooal tjou "iBrettern immer im ^reis 



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1 



T)as Sc^s^Xage^^Rennen als le^to Station 
ber STac^tbummler. 



170 



Berliner Jlluftrirte 3eJtung, 



-Jtr. 10 




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^^ilber uom 6cclie=Xaöe=^cnncn: UUftimmunn 

U)äl)renb bor ')iad)t 



auöftvectc, bann foiu' i^) 
mir: $xnTtiott, — nn' 
fal)ven btc immer nod)! 
^Ii>cnn id) am ^roitaii nm 
Vo4 U()r mid) aufö 6ofa 
lei'^e, nm Des lüoliluerbicn-- 
ten i)Jcittaiiö|d)lafe6 h\\ 
\)]\cc\c\\ (bauon luirb man 
fo Inibfd) bid), tand)t 
pli31^Ud) im CDämmem 
,smifd)cn ilsad)en nnb (£in= 
fdjlafcn in meinem Jpirn 
•[>aQ ^)>roblem anf: Ob bie 
iuol)l ba immer nod)? — 
Unb erft luenn id) lefe: bie 
6d)lnfirnnbe .^ni^te einen 
fpannenben .^Uimpf ^m-- 
fd)en . . . ,^iuifd)cn mem 
behalte id) jn nie . . . 
benn id) \ac\c mir uon 
SJlnfana an : einer mnft es 
bod) lUHuinnen, bao ift 
ebenfo mie mit bemiu'ö> 
tcn ^id)ter ober bem 
iKeid)5tan,^ler Don 6iam 
ober bem '^V^räfibenten uon 
SJlmerita: C£iner nniH ee 
bod) i^erabe fein. Ta, 
wenn id) bac> lefe . . . 




Tsn ben ^JIul)c=5talnnen: 

iniiid) bor ^rnii 0*)cmal)lin bc5 ^}ieuufal)rcr;.> 



Die „3aqb nad) bem :ölauen": 

6purt ber ^a()vor um eine ^^UHimie mm 100 aKart bie ,snfd)aucnbc 6portentl)unaftcn öfter nuofctUMt. 



il)rem (knittern 



bann biu id) erlöft, irann 

ineiB id) (^enan: ::")J!ori^en 

abenb tonn mir ^ränlein 

i)JiiiUer lei ber ^^humao- 

boiule non "iVieoimpreffio-- 

niömnc^ fpred)en, ol ne i:>a\] 

im iointerc"^rnub meines 

inHinintfehiö bie ,^el)n 

^Hiare berumlarjolen. 3d) 

reri ue nid)t mel)r anc^ ob 

bie Cinifeinunti ,^n einer 

i)\üdrcife über 'il>ien ober 

über 'Vi'ii'^^' ^^*^^) reidjen 

iinirbe — id) bin i^an;^ 

nnb i;ar entlaftet. Unb 

bod) l:at fold) Sed)i?taoc-- 

renneu uhk> für fid). 3d) 

fel)'i^ o.ern. Tsor allem 

Da? ^:|.'nblitnm. Ci)a er-- 

innerc id) mid) ,^nm i^ei-- 

fpiel on eine "3\eil)e non 

:l)ienfd)en, ba l:atte immer 

einer bem anbevn ben '^^Irm 

anf bie 6d)nller i^elei^t — 

mie fo bei c.emiffen Xnrn= 

fpielcn i)u'il)cn i^^bilbet 

luerbcn — nnb bie fd) liefen 

im 6tel)en . . . benn eo 

mar ,-J<-'iiil^rf) rnn-iieriidte 



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IDic T)aucr-3uid)auer: Tsbi)!! auf bcr C5a(ctie um (> Ul)r moröene. 

3oid)mmc\en uon ^rit^ S\od)--0>otl)a. 





/35s atz 



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Ich erinnere mich noch vor x Jahren - es ist gar nich t 
auszudenken, so lange ist es her - da konnte man Unter den 
Linden, (man musste über einen Hof gehen) iJdison's Lebende Pho- 
tographieen sehen, fcin Schnellmaler trat auf , der etwas an eine 
Wandtafel zeichnete, ein paar komische SprUnge machte und dann 
verschwand - wie weggespukt; und dann war's wieder duster. 
Die Sache flimmerte unr blitzte und zitterte, ruckte und sprüh- 
te, dass einem ris Augen weh taten./tJnd rus solchen armseligen 
Anfängen hat sich das Kinotheater ert wickelt . Films, die so lang 
sind, dass sie von Königsberg bis Cöln reichen, Drcraen von ein«? 
Stunde^ in sechs Abteilungen. An ^eder Ecke ist ein Haus aus Mar- 
mor und Polisander, in dem das "Kind der Sünde", "Der Todesrausch", 
die "Enterbten des Glückes" "Per J?luch der Liebe" und andere Tra- 
gödien rufgeführt werden. •Und die Ms torischm Films • in denen 
TJero mit der Gesclwirdigkeix eines Bsrkbeainten Schecks ausschreibt 
oder Kapoleon eine Schar Burenkriegei' anführt - wenn man so et- 
was bedenkt, kriegt man wirklich Achturg mot dem menschlichen Er- 
find\ingskraft. 

Hut ein paar kleine Schwächen haben sidi mit der Zeit her- 
ausgebildet. Ich meine, die Dinge sind ein bischen zu sehr über 
einen Leisten geschlagen* Man sollte ein bischen Abwechselung 
hineinbringen. Man weiss immer schon, was kommt. Wern z. B. in 
der Gesellschaft bei der Operrü iva (Sie v/ohnt in einer Glashalle, 
die mit Marquardtbukotts dekoriert ist. und in der Mitte des Sa- 
lons steht ein Porzellanschwan auf einer weissen gedrehten SUule) 



- 2 - 



A^tt^y{/^^ 



^1 




einer mit einer weissen Fr&ckweste da ist» so weiss man genau^ 
das ist der Mann» der sich nachher erschiesst. Der liegt nach- 
her im Vordergrund und hat einen schwärzen Tintenfleck auf der 
weissen Weste. 

Wenn Kinder auftreten • und sie treten immer auf - 
so ist es immer das arme und das reiche Kind, das Kind der Eihe 

und das Kind der Liebe. Sie sind dressiert wie die Affen, dass 

ihm 
sie, sowie ein Erwachsener in ihre Nahe kommt, an tkajor hoch- 
springen und von ihm einen Kuss bekommen - und damit ist das 
Familienleben erledigt. Das arme Kind muss Hunger haben und beim 

Bäcker Brot stehlen. Es stirbt im Hospital und die lültern reichen 
sich über der kleinen Leiche die Hilnde. (Man kann das auch als 
Vision sehen) Praktischer ist noch, die Muttor des unehelichen 
Kindes sterben zu lassen - a propos , ;'«raruri hat die Sünde immer 
solche Augen wie Rosinen. - Ich kenne sie von den verschieden- 
sten Zonen her, aber konnte diese Rosinenaugen nie bei ihr bemer- 
ken. - Warum nimmt sie sich schwarze tUcher um und schleicht 
des Abends an hohen düsteren Mciuern entlang? Warum^ haben die Kin- 
der so oft zwei Väter - was doch in der Natur ein selteiBS Spiel 



istl V^^arum schreiben die Leute ewig Briefe? 



Warum werfen sie 



mit Millionen um sich? - Werum sind die Menschen im Kientopp 
entv/eder so reich oder so arm, ^vio es gar nicht gibt? 
Die Reichen wohnen in einem Salon, der aus einer Muschel gar nitur 
besteht, tii und den zu beziehen sich heute jeder Chambregarnist 
sich weigern würde, während die Armen überhaupt nur eine Näh- 
maschine besitzen? - Warum wimmelt die Welt von Verleumdern und 



- 3 - 






Intriganten, von gefälschten Attesten und Test amen ten9 - 
Warum bestehen die Gesellschaften immer nur im Händeschütteln 
und y Zigarettenrauchen? - Jeder Schlossherr ist ein pro- 
fessioneller Hundes chütt 1er. Warirn sehen die russischen Gross* 
fürst en immer wie Strassenräuber aus, in der Uniform von Grenz- 
Soldaten? Ist denn russischer Grossfürst sein ein so schlechtes 
Geschäft? Waiiim zieht jeder unglücklicher Liebhaber - haste 
was, kannstr was - in den n.'chsten Kriege und knall* nach 
rechts und links, dass nur die Wolken so fliegen - bis er den 

T 

glücklichen Liebhaber errettet, und auf dessen Todesbett von ihm 
zum Nachfolger eingesetzt wird. (Die Sache mit dem gefälschten 
Testament hat sich inzv/irchen auch erledigt) Warum geht es mit 
der Liebe immer so scluiell? Kauni, dass die Kellnerin oder Ver- 
Käuferin den Jungen Mann ansieht, sitzt sie schon mit 'nem Kind 
von ihm da. Warum sind die JßJltern von zwanzigjähilgen jungen 
Leuten immer uralte ianntM Greise und Greisinnen? Warum spielt 
sich die Verzweiflurg immer an der rechten Tisch eckb ab? - 

Die Verzweiflung oder die abgebrochene Tischecke . Waium^wecht 

fernab altes (Vision) 

immer jEsocxk ein'^Mutterherz'', wenn der junge Mann am Spieltisch 

sitzt? - Warum retten die schlechtesten Hallunkan immer zum 
Schluss Kinder aus brennenden Häusern oder wilden Wellen, wäh- 
rend sie selbst dabei den Tod finden/? "Die Glocken läuteten 
und die Wellen schlössen sich über ein fi-üBies Grab". - 
Warum hat jeder Mensch einen Diener, der die Visitenkarten der 
anderen auf silbernen Tabletts hereinbringt* "Kurt von Waldheim"! 
Warum machen die rreisten Leute immer solche Augen* wie der Mann 



• 4 • 



auf dem Plakat: '^Wie werde ich energiscW oder '•Schicken Sie 
mir Ihre Handschrift und Idi werde Ihnen Ihr Schicksal künden* " 
Ueberhaupt, warum hetzen sie als friedlich^ Bürger wie die wild- 
gewordenen l'ausendfüsse durch dieses Dasein? - Warum haber alle 
Polltisten, wenn sie den Arm ausstrecken, plötzlich Hände wie 
Seehuiidsflossen? - Oder vorn am Bildrand Köpfe wie Mondkälber? 
um im nächsten Augerblick zu verschv/inden, Äun» sagen wir - wie 
dam^^ls schon der Schnellraaler verschwand - wie regp;espukt • 
Warum schneidet die lüifersucht solche Grimüssen? Und warum sind 
die verbindenden Texte so unsagbar yi kitschig und unorthographisch 

Wmxum endet jede Geschichte im Hospital? bezv;. in einer 
ßcke des HosT)itals? - Denn man sieht immer m:r ein Bett, eine 
Krankenschwester, einen Sterbenden, und irgend jemand, der knie- 
end dem Sterbenden ins Gesicht starrt* Warum sitzen die grossen 
L'rfinder immer zv^ischen so unmöglichen fclektrisiermaschinenj!^ und 
sehen aus wie Detektivs? - Wainim gestehen Verbrecher immer vor 
dem ¥ode? - kurz? warum? - fifL man könnte diese Warums bis 
morgen abend fortsetzen. -* lieln, der Grossindustrielle des 
Kientopps, der zwar über ein sehr betrachtliches KlnkommeoL, aber 
über eine sehr unbeträchtliche Bildung verfügte und die schönen 
Worte sprach: ^las Kino muss xmiiaxdxsnxjmtx empor degeisriert 
werden" hat mit diesen Worten gar nicht sop^unrecht gehabt. Ich 
bin ganz seiner Meinung. 






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Berliner Jiluftrirte 3eUung. 



1037 



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^ctm Srü^ftücf im 2ßinter!port=$oteI. 



geic^mmg von ^t\^ ^oc^--©otl)a. 




^ i n f e t;:^^ o rrt 



oon ^eorff y^erniünn 




:rüt)er tonnte man bcn Sommci* 

ov : md)t abiüartcn. 3e6t tann 

: man ben ^löintcc nid^t oh 

loarten. Unb mit gntem 9kd]t. 
0cnn man l^at l)cranööcfun= 
ben, baJ3 bcr 3Bintcr ein mcit 
ücdä6Ud)ercr "iBnrfc^c ift, als 
ber I^nftit'ns non Sommer, 
®er !ann falt, reöncrifd) nnb 
türfifd^ fein ober l)eif, t^o.^ 
einem bie '^xnxo.t jnm §alfe 





ßeic^rtunffen vanJrl^^JXOcß'^offfa^ 



finb für Sportslente, bie in einem 

ücrrentten 5^16 ein 5\nl)me6blatt im 

golbenen ^\\A) i^res iiebene fe()en. 

3e narf)bem ob nmn mit ttn 

•^^einen, t>t\\ 6c^nltctn ober bem 

5lopf snerft in ben Sd)nce 

fliegt, mirb ber Schlitten 

9^ober, 'Bob ober 6telelon 

genannt. Unb im 6ommcr 

finb ba Ci{)anffecn nnb 3ßalb-- 

tueöc, lang unb i)be. 3»^ 



•ilJuppc unb 6(f)mcttcrlin^: 
5)ic ^interfportlct am 3)lorgen unb 



5Bob5= 
leigt)faf)= 
ren, ber au 
regenbfte Sport 
für bie 3u!d)auer. 

terans l)ängt. Ueberall. — iUtan U3eir3 wxc, 
loie man'ö trifft. Qlbcr ber 'Bintcr . . ., ber 
bietet fcf)on clier Sicl;erl)citen. Oben im Ö)e= 
birge, über einer gcmiffen (örcn.^e, finben 
roir beflimmt bas, mas roir fud)en: Sd)nec, 
6d)ncc, lociBe, ftäubcnbe, l;oi)e %t{}^^ oon 
Gc^nec nnb tiarc Üuft nnb 6onne basn. 
Unb (£iö, (£is auf ben 'Bergfeen, in blonten 
Spiegeln, tart unb fd;arf unb tlitrcnb. Unb 
§änge unb Berglcl)ncn, große fanftabfallenbc 



Cin^l^obfcf)lit- 

tcu in bcr Muruc, 

bcffcn ü)iannfcliaft 

narf) biT ncueflcu 2:ed)« 

auf bcni ^l^auc^ lici^t. 



'$Bicfenfläd)cn. — 'iB?iefcnflnd)en fagt ber 
Uncingeroeil)te, bei' l^armlofe üJMtbürger. 2öer 
ctioas auf ficO l)ält, fpr d)t es als ibeales 
Stigelänbc an. ©er '}3ro[pett i. B. nennt es 
nie anbcrs. 3a, unb im Sommer, t>a gibt 
CS '^ege, bie man lcid)t fteigt, unb fold)e, 
bie man mündig bergan tra^elt. 3m ':iBin:er 
finb bie einen iHobelbal)neu für ältere 
iDknfc^en, bie ein T)incr um 4V2 einem oer- 
ftnud)ten ^nöd)el üori5'iCt)en; unb bie anbcrn 




*• • 





am ^bcnb. 



1038 



Berliner Jlluftnrte 3eitung, 



inr. 52 





6c^neeboni(f)Ia^t atütj^en Sülöufei'n 

bereu S?:cUncl)mcr, auf tleincn 6d)litten fi^enb, fid) 



unb einer S^Ieppl^Iitten^^artte, 

von einem großen Sßferbefd)litten ai^ben la[[eiu 



3cid)uiinö uou 5 r i I3 H dj - (ö o 1 1) 0. 



m 






iföiuter ernennt mau crft, ba^ fie 
cic\cntlic^, nur bn^u anoelecit finb, 
baS mau mit bcm 'Dknniüolf barauf 
cullauaxut[d)cu lauu. 6ic tüiffcn 
; j^ uid)t, was ein "Dkuuroolf ift? 'Das 
ift ein 6d)Uttcu mit langen Hufen unb 
ciueyt (öinff in §anbl)öl)c. 2)a fagt 
man nun an, tritt auf eine bcr Slufen 
mit einem 5u6 unb ftögt mit bem 
auberu, an bem man einen (£ifen-- 
born l)at, ab. ©ann rutf d)t man los 
n)ie ein geölter ^life. Unb gan^ 
liarmlos ift es. (£ine ja^nlofe (öreifin 
taun fid) cbeufo bamit üeronügen, loie 
ein ^ßirfelfinb. '^Iber — roirb man 
l)ier cinroerfeu, ift es nic^t eigentlich 
^unbetalt im 3öiuter? (Enblidö ift man 
bodö fein (£isi\apfen. Unb nod) ba^u 
oben im (öebircje? 3c^ fnere fc^on 
'u bcr Sßautftraße. 2>aö ift eine 
irrige ^lufirf)t, baft es ba falt ift. ^m 






,,§ö^e bic ^crtraulic^teit entfernt", 
fo mer!t man fc^on baraus, baJ3 ber 
gjlann einem 3a^rl)unbert angel)örte, 
in bem ber 3Binterfport nod) c\an un-- 
befanut luar. (öerabe bas (öegenteil 
iftrid)tig. Unb beöf)alb macftt es 
aud) gar nirf)ts aus, ba^ bic SJlbenbc 
etroas laug fiub. 9hiu ja . . . bie 
'Eliten tonnen ja 6fat fpielcn. Unb 
ujcnn bas alles ims noc^ nic^t be- 
uDcgen fpUte, iicib unb Seele burc^jn- 
lüften oben in btn bergen, n3eiut 
felbft ba^ 9Jlad)tu3ort bes ^rjtes, ber 
uns ertlärt, ba^ ad)t Sage aus- 
fpanneu im Sinter fooiel uüfet, loie 
üier ^öoc^en im 6ommer nid^ts 
fruchtet . . . fo roerben toir uns bod) 
ber Satfac^e fügen, bai 3öinterfport 
tobfc^id ift. Unb ba^ 9)lei)ers lefetes 
3al)r axi^ fc^ou in Sedierte toaren. 
5!Ber möd)te ba aurüdfte^en ? ! 




j 



n 



2)er ^iKinterjpori als Sungbrunnen 
SDkma unb ^ava beim 'iRotelu. 



Dlb ©nglanb beim 3ßinterJport: 
„^ic iDOÜen ojarten, bis fic einen 9kt'orb aufgeftettt l3aben." 

93Uttag in ber 6onne ift es fogar fo loarm, ba^ man laug- 
fam eine ^elle nad) bcr auberu ausi^iel)t unb nod) fcftioi^t 
tüie'n "^fanntucftcn. 3a, aber wanmx taut bcnu ba ber 
6cbnee nid)t. 3d) meine immer, ber mu6 fid) atHimali- 
fiert baben . ., benn er taut roirtlid) nic^t. C£s ift genau bas 
gleiche 'Problem — nur umgetel)rt — toie jenes, ba^ in ^dlxm 
bei ber grö&ten Halte bie ^Blumen, bie 9^ofcu unb hielten 
blül)eu. 6ie baben fid) eben baxan geu^öbnt. SMber eine 
grage im ^Bertrauen. 3"nner fold)e tueigeu gelber unb 
rüclßeu ^Kälber unb (d)ueei?erbüUten ^Berge ift bas nicbt auf 
bie 2)auer langroeilig? ^lan mü bod) für fein teures (Sielb 
Slatur l)aben. 2m (Sommer ba gibt's ^:Blumen, rote unb gelbe 
unb roeiße. Unb bie Sie^e ift fo bunt u)ie ein mobemes 
Gofatiffen. Unb bie <Ißälber finb öeUgrüu unb buntelgrün 
unb gelb wie eine Jlügelbede. 3n aUen (£cfen unb Ctnben 
gibt's neues m fel)*u. <3lber im Sinter ift alles tot unb weiß. 
3a . . . erftens ift bas rar uid)t fo — unb ber 6d)uee im 
<5lbenb= unb SO]orgeulid)t tanu üiel bunter fein, als bas 
buntefte 6ofafiffen; unb i^ujeitens, babeu 6ie nicbt aud) 
gcfunben, baf^ eigentli* bie 91atur gräglid) ablentt? 3* meine 
fo . . . fo ... fo . . . oon bem, was angeuel)m ift. 3um 
<Beifpiel oon ben braunen klugen feiner <=partnerin. Senn 
6d)iller ba in bem iUläbd)cn aus ber grembe fagt, ba^ bie 




Das Äöftlidifte: 

6onncubcanb im 6d)nee. 



Kultu r^St immfn . 



a. 



Wfihnaohta^esohenke» 



Von 



Qeora ff ermann , 



Sohenk(»n kann J^der;' es iat einfach eine Saohe des Geldbeutels 
und des guten Willens, Wo es mit beiden sohleoht bestellt ist, wird 
der andere swar kmum auf seine Eeohnung kommen» Jmmerhin: Schenken 
äann Jeder/ Aber das Riohtige sohenken, daa Passende he rmus finden, 
das ist unerhört schwierig. Wäre dem nioht so, niemand würde Rubri- 
ken unserer Blätter lesen: "Als geeign&te Festgabe für einen älteren 
Herrn könnten wir besonders,.'," Und man muss unsere Lebensgenossinnen 
nur einmal beobachten; da st^ht eine ernste Arbeit über die Ratten- 
plage in Neu-Süd-Wales, einGedioht über den Herbst, ( ziemlich allge- 
mein gehalten: es steht feöt, dass im Herbat sich das Imut verfärht 
und die Tage kürzer werden) meint ihr, sie werfen auch nur einen Blick 
darauf ?l Aber da kommt: Eine Schlummerrolle verfertigt man am besten, 
indem man aus Grossväterohens altem Wintermantel einen Aermel heraus- 
schneidet, ihn mit Sägespän&n füllt und an beiden Enden vernäht. Und 
schon sitzen sie fest, wie der Gründling tn der Angel, Also es muss 
doch sehr schwierig sein, so dms riohtige Featgesohenk zu finden. Und 
es soll ja auch nicht immer so etwas sein, was man plump mit eiruem 
Geldstück erwerben kann. Nein, man soll di& Liebe, die Arbeit, die 
Handgesohiokliohkeit bewundern können, .und der '^T^^r' J°-'-^J^ ,^J1 ^ 
lieh auch brauchen können, er soll sageni ^oh, das hübe *f ,^";*''^.J^^^ 
gewünscht . Wie reizend, wie aufmerksam, wi& praktisch, tuf ^^^ -rur 
originelle Jdeen du auch immer kommst! Las ist nicht J*'^/^^^' ^^^^J** 
zwr^t die Dinge, die man besticken kann. Als da sind: Morgensohuhe, 
Wei^63fTU Käppohen, Xrawitten, Schlummerrollen, Sofakisaenj Monogramme 
füTwi'nte&tel, Kaffeewär^r, Fuasbänke, Flügeldecken, Brieftaschen, 
Agenden für den Schreibtisch usw. Alle diese Dinge ^^^J^^^''^'' ^j^Y/^^, 
Wirkung verfehlen' Wie erquickend «s,* .f"f -?^*«^<:-^„^^OtJ!;'!of°{?^* 
mit 
oh 

Ttn KalPnder mit erhöhter KanevaaticKerei auf dem Deckel. U eberhau pt 

noch nie einen Schreibt ie,h i^"^P' ''"^ÄT^J'lV^^iJjlei.TnioM. ob 
etmas Fehlendes hätte entdeoken *<">?"■,•( ^"7^?"' *°7,^il',?'°Sa'i°„_ 
ich da klar bin; toh meine natürlich.) Da f «*« " ""Jf J!f// fj^*^" 
^nfeuchter Briefmappen, FaUbeij^M^^^ 

'ctTtl/nle^Z.^tTLebeneinunvoino^e^^^^^^ 



8sen 



wertes wäre. ViZ prlohtTge i^^f^^^/^^/l^J^^^ 
für Herren, die rauchen. Am besten^sind die, die Pfeife rauoh_en,^j^j 

der ist diese angenehme (^^'^}^^^/^t J.T^ZJThZi. 



Abnehmen begriffen. 



von Porzeiian-Jfussen, ^cuz-cr/ jj*> -- ----- . , . 

gar^etrauchern ist die if/J'J'^, X^l\Tu8 Pfur^ schwer) eines Hirschfän- 
stalt ^«^^^^^^''^^^'•^i^^J^^^.^r^nä^r Formen. Man hat ganze Rau.h- . 
iZi:sfirTlZ\l7r'l'r^^^^^^^^^ 



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(Weihnaohts^Gesohenke. '■^ 2 - ) 



Kultur ^St immen . 



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bedeckt sind» Man hat Meerschaumap itpren mit dem Trompeter pon 
Säokingen in Denkmalsform darauf oder einer Nixej die sich -um die Run- 
dung mit Armen und Schwänzen ringelt •• . Köstliohkeitenj die nur der 
Kenner zu sohätzen weiss. Aber was soll ioh mir anderer Leute Kc ^e 
zerbrechen» Lass die Damen sich doch selbst überlegen^ v^as sie den 
Herren schenken sollen, und die meisten werden es ja auch jetzt schon 
wissen. Denn das ist das Merkwürdiget es ist nur schwierig, für einen 
Herrn das Fassende zu finden» Es gibt ninhts, was man einer Dame nicht 
schenken kann, vom Automobil bis zum Brillant schmuck, vom Sealmantel 
bis zur Rivierareise, von einer Bluse und einem Dutzend Wildledernen 
bis zur Salongarnitur. - Bloss die Herren, diese verdarmten Rackers, 
machen einem die Sache immer so eoheusslich schwer, bis man was Frakti' 
sohee. Hübsches, Prei^ipertes und Brauchbare-^ als Weihnachtsgeschenk 
für sie herausfindet 9 



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Berliner ]lluftrirte 3eitung. 



205 




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5\rauicö ^kljcn um! 

.Cnn-r Atvaufo beim (iiiipacfoii: „'Xct 2iiiii Uiittfto nocl) mit *rin= 
liabeuV iiiHMtcv nifc()ty — .Sicnnt' mci nidi am (i-iibc ooc(/:3 

jutc ^stci'Mpiiiöt' rinpnctcuV" 



niuu^cn t)cn Atiis Äod) ^ C^3etha. 

9iad)bcnt .s:cn' (rnuiu ^Iraufc — 
?Jiaroarinc cnaiov — lulc mir ja liörtcn, 
mit Araii unb 2oditcv im IctUcn .s^crdft 
in %<axh^ (\{:\vc']cn, fa^tc ^sn-au Mraiifc, 
i)a\] \i)X bic !ii^o(iiuini"i nicl)t mein' i^'Üelc, 
uiib bic 0>cncnb iol)Oü iviv nidit. Ari'ii)(-'i* 
iiHirc baö ja iiod) ^11^5 uoviiclim am 
Ticncn ^or ncH'cf^'n, aber in IctUcr ^i-^it 
ba fiättc fid) 'C>iv:> fcf)r ucränbcrt; un'i> 
auncrbcm möd)tc (ic c[cx\\c ctiimö mehr 
moberncn Momfort (Hibeiu 3ie I)älteii 
ja iiicHt 'mal 8^*ntralbcioiuui! v^a, luib 
bann niiUl '^'^'^'^ ''K^o{)nm\(\c^ind)cn {o?\ unb 
jeben '^ormittan jtür^te ^^rau Mraufe 
fort unb !am mittags Iieim inie 'n aD« 
acT)eiUcr ^saabfmnb mit ber pjunae au3 




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^td)tlll)r— beriüfiibohüaöcii fommt nocf) immer nid)t! 



bent s:>aU, Vlber enblid) liatte ^raii Mvanie baS^ SofnutnivS^ 
ibeal cu'fitnben, unb am 3onntanüornuttan (\\iu} iie mit 
.s^erru.Slraufe fiin unb jie nnterid)ricbcn einen Montraft, ber 
bic ^)Jedit^>aniprüd)e bcv ^-^H^rmicter^:^ ln^5 auf bic llrenfel be3 
<pcrrn Mraufe (\a\a\[ feitleate. ^sa. uub une .s>crr M raufe 
fcclcnfi-ol), aber ctuuici crmiibet nad) .s>aufe fam unb fid) 




auf's Sofa Icöcu moüte, ba mar ba^^ 3ofa luen, abaeiioU 
3um Vlufpolitern. Tenn in biefem :]uitanb, fa^te ;vrau 
Mraufc, tonnen fix unmöalid) — fd)on ber i^eute meacu 
-- mit bem 3ofa ,^ief)en. \U\i) luic er ben nädifteu 
?.)cittaa nad) .s^aufe taut, iuar'ö fo fd)ön (leü in ber 
SlNoIjuuuo, 'b^nn alle CS)arbincn iuareu abaenommeu. 
VJhm fror orbcntlid). .s>err .Siraufe fd)impftc unb ßin^ in§ 



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$alb clj Ul)r — es flc^t los! 
„.V, win-iol Icilc <crfällt'u Bct «.fjct), iwr MraufcV" - .Set Wirb jauj bvuü aulou.mcu, Wie «Ct l,.»(rf).uo.„cu . 



206 



Berllni^r Jlluftrirte 3eJtung. 



S2v. 12 






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ab uub fctUc bic ?,iiumcr tii« in 
bic legten SBinfcl unter .OoI.^luoKc 
uub 3citum^c4Hiptcv. ,,3o" — fat^tc 
er — .10 luirb "^(xl^ iiomadit" uub 
IiicO fid) Ocim Miitcu^^una^H^fu auf 
bcu XauuuMi. \nd), uub immer ww- 
acmüt(id)cr uuirbc cv bei .Siraufev, 
uub nuui cC\\ Uürind) \>^\\ beu Mijtcu, 
\>^\\\\ berMüdieutifd) munto bod) <\\\6) 
auf'A\nuKitridien merbcu. xnOcr, 0)ott 
jei l:a\\\, mort^Mi um V^S, ukmiu 
uidit früfter, fommen fduni bie iViöOel* 
leute. \\\\^ um Vo'^ n^ii^b (xiWi auf 
uub baS' Wäbd)eu fod)tc eiueu lebten 
Maffee, eiue redite .s>eufer§mali(.Kit, 
\\\\^ \\\<\\\ i^iua i^it iievüfn-teu ^>^(ideit 




5\rauieö ^ie^en um 

(l'ui flef(il)rlicl)ov iHuncnbüit: Ii 

tic'o fluten ^picrtclfcöraut»^, bc' 

ftücf« uou Xante xHntalic 

ej'j^immer. ^HOer ba jtau 
fü ciu alter madfU^ier 
^lüdieutifd) ftatt bc§ ^\V' 
tifd)eö. „2lUMitbeuuber 
C^t5til dir' fragte .Cx^rr 
.<iirau)e. ,So. luo foH er 
bcuu fciu?" — eut= 
(^cnucte bie C^Uittiu — 
„äum^lufpolieren".— 
„^äd)ften§ iucr'u mir 
uüd) auf 'uc ,Vlifte 
effeu," brüütc §err 

fd)üu fein!" — fagtc 
grau Traufe uub uer= 
licf^ (\cräufd)lioII '^o. 
Zimmer. %^%i aber 
I)atte ,<oerr ^Vraufc qc^ 
uua uub er erÜärte, baf^ 
bie Rraueu uid)ty Her 
ftäubeu uub er mürbe b 
^a&)'^ mit beut Itmsuo fe 
iu bie ^"^aw^ nelimeu. \\\\ 
fdileppte ^Ufteu imm 'iHibe 
pacfte uub tiämmerte u 
üon beu '^or.H*ltanfanueu 



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d)ieb uom Sortier: 

^on eciiteu IKavmovtmOen ihre 
ujenievt, .N>erv Atvanfe! Sei* 
be^ablt'n bot nuV" 

uterliriuaeu?" „3iücc 

aU'auu? ^ie auberuMol- 

lef^eu fomnteu ia uod) — 

bie früOftüdeu erjt!" 

faate ber eiue frieblid) 

uub Kappte bie uieite 

"Xxw be^ iUiübeÜuaaeuy 

x^w einem a^'^i-^altiiieu 

Jl{ad)cu auf, mafircub 

ber auberc bic 'i^f erbe 

aubecftc. \\\\^ fie 

lauten, bic .«rtoaeßcn; 

ein 6if^d)cn fd)it)cr,cin 

I)if5d)eu torfelub, aber 

neröuüt^t uub ßuter 

^in^^e. .^Jieufd)" — 

fajitc ber Obmauu \i^\\ 

beu iy^öbcUeuteu 5U beut 

"^^Nortier, ,.iuic foH'u u>ir 

benn mit ben '^siauo ()ier 

e treppe runter! lln-^ 

ub(id), une buffeliö bie 

te immer bie cOäufer 

!" ^^^.6.) eg ^\\\% c§ pina 

5Ber I)at benn bie ^Ufteu 

fragte ber COnutnn ernft. 




^cim ^uspacfen: 

„Qott nee, .Hinbev, bic fc^ccnc^>a|e, vy .N)oc()UMt^öfleicl)en{ uou Cnfel Marl". 



!Daö Xriutijelb: 

,/.Koo, >>cvr Mraufo, — nic^' SU nuulKiil" 

umliei-, nabm VlDjcDieb ihmi ben 
:)(äumeu. Uub luädreiibbeifeij 
unirbe Cx^ S, e<? U'urbe i), ^2^^^' 
\\\\^ .s>ebuna, bav I ienftmäbdien, 
laa im Ü-rferfeniter u'ie bev l:ür= 
mervl:öditerlein;ui;b.s>errS\raufe 
telepdonierte uuauvaefebt ^\XK\r\~'' 
Riorte K\\\ bie 3pcbitiou^nrma. 
Vlber bie faate, jie uerftäube ec^ 
aud) nid}t: bie ^^'eute mären feit 
l)eute friib fdion unterluea^'- -odi 
eublid) fd)rie .s>obu>ia: »o^tu 
fommen fe!" uub ilmcö auf eine 
(^rüue XHrdie ^^ioali, bie ba ricfia 
um bie (fcfe fdimanfte. \\\\^ mie 
fic IiicU, lief .s>err Mrauie ber= 
unter inn feine Vhuueifunaen .^u 
aeben. ,S<\ — nur ^mci Wann!" 
rief er erftaunt. ..''Il'ie luoüen 3ic 
beibe benn allein ba^^ ^-IHifctt 




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Scr erftc 5JJoröen iu ber neuen 3ßo^nung 
..Sat iö bcun bctV" 



«r. 11 



Berliner Jlluftrlrte 3eitung. 



179 



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lücnio äcit. Gie I)attcn 311 uicl (^elb uub tciu 

Sutercffc baran, ncuc§ 311 crlucrbcn. C5§ luar 

alfo !ciu ^5}un&cv, bafj ein ^i-inan^ocnic Unc e^^ 

C5. S^. <oarriman i)t, fid) bic Mrouc i)cv= 

Crlfenl)al)iiföniac auf«.s>nupt febcn foiuite, 

lobalb er erft baraii öi»Ö» ^iefc§ 

^löuiotiim 311 croOcrn. .<oarriniau 

i(t ein äl)n(irf)c§ Sinaii^ncuic, lr»ie 

e^ bcr alte '-l^aiibcrbiü \vav, er 

lüiifitc uad) imt) iiadj bic VUticii 

bcr ä3al)neu be§ ^l^aiibcrbiltbe* 

lil3c§ an Ud) 311 bringen uub 

Ijatjel^t biiud) ilcbcniahme j)c§ 

^ircltoriunu^ bic .s>crvfd)afi 

über tia^ ricjirtc lliitcuucdnicu 

crlauöt. ^er neucCf-ifcnbaljns 

!öuiö iiat I)eute nur uod) 

einen O)eoner: H^Uerpout 

?J^üröan. Xüd) luein ntan 

nicfjtredjt, ober iid)nid)tnnt 

biefem C^^köncr Dcrbiiibcii unb 

Don nun an ncmcinfani mit 

i(}ni arbeiten lüirb. ,\l*)avrinian 

ift I)eute etiua 00 ^sa(}ic alt. 

Crr fönt rülti ort ein Kapital uon 

12 ^JJiüiarbcn iUiarf, bcricbU 

über ein .s>ecr non IHnöcitcüten, 

i)a^ Sloeinial fo nroft ift, al^ bie 

ftcljcnbe l'lrniee bcr ^Ncrcinititcn 

Staaten, unb lbcl)err]d)t 25 000 

iUJeilen CrijenbabniDcac. Cfr ijt Don 

Siour flcin, I)intcv bcni 'iH-iücnalaö 

f unfein 3luci liftioe Vlcuolein, feine 

ilkibunn ift nadjlciffiaev unb einfadjcr 

aly bie feiner ^iHidjhaltcr, unb loenn man 

il)n in ^^iMiüitreet fiebt, fo luürbe man in 

biefem Mörper nie ben imnebcuven '-Ii>iUcn 

3ur JiUtadjt Ucrmutcn. iDt'it feiner H>i^rfönnd)= 

teit ift er ftct§ int .<olnternrunb acbliobcn, er 

lüirftc reife binter bcn .^htliffen. :^cn C^runb^ 

ftod 3n feinem ricfiiicn ^-iNcrmööcn bat er afv 



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'ffmtimmH. 



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9Teue|te ^ilufna^mc bcöltronprtnacu ßeorg 
oon Serbien. Piiot. m. jovan<)w;t«oii. 



'i^an!fommi§ mit 23 5ii^)vcn erluorben. ^urd) eine 
iltiitflidie Spefulation Uerbientc er foUiel, baf; 
er fidj einen (sii^ an bcr l^öörfe fdjaffen 
tonnte, ^i^on t>a an i)atic er 03Iüdf, unb 
fein iliU'onina ftetS aufnuirt§. ^-l^or 3cbn 
o^abren erft begann er, fid) für bie 
li'ifenbabnen 3U intereffieren; 180S 
taufte er 3ufannnen mit einem 
3l)nbifat Uon ber i)ienierunö bic 
krümmer ber Union ^^.^acific ^■i3al)n 
für 300 :jWillionen 'IHaxt, ^ie 
iüabnen, bie er in bie .s^anb 
befam, bliiljten auf, nnt> finb 
I)eute bie beften beö ^anbe?^ 
i^reilid) luar er in ber 'l^}ai)i 
feiner HH'ittel uötüa ffrnpeüov. 
Mein XritI luar il)m s^i 
fd)(ed)t, menn eö inalt, feine 
^U^id)t 3u enoeitern. ^ie 
„Union '^^acific" ift unter il)m 
t)a^ 3meibeutiiifte ^2Hu*fen= 
papier aemorben, ha^ ;Hmerifa 
je c^d'iabi bat. "sm ''|U'iDat= 
leben intereffiert er fid) hc=^ 
fonberS für '^.^fcrbefport, er 
befil3t einen n^'LiJH'u Araber = 
^){ennftaü nnt> 3ciat fid) oft 
an ber Seite feiner fport= 
tiebenben ?od)ter, u^enn fie eine 
iSoad) ober einen ^^^ierer3ua 
teuft. .s>arrimany Töd)ter finb be^ 
fannte Crrfdieinunnen in ber 'Jceiu= 
)Jjorfer Sportmelt unb bänfici '|sreiv= 
iieloinncr beint (Ioncour-5 bippiquc. 
•Xer näd)fte .Vlampf be§ raftlofen Cfifen- 
babnföniiv^ loirb nuibrfdicinlid) ben Ounilb^ 
fd)en^i^abnen, biein^^^itt^burii münben, cit'lten. 
Vtudi bei ber Okiulbfd)en ilkMllionärfaniilie licöen 
bic^-lH'vbättniffc äbnlid) luie bei ben 'iHinberbilt^s 
fie Uiirb feinen uniiberfteiiibaren 'l'}aU für 
ben Stiirnierfünftfcr .s>arrinian bilbcu. 



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Scrbi[d}c Dffisiere beim SU\o, bcm Jiationaltana. 



Phot, Chusscau-Flaviens 



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180 



Berliner Jlluftrfrte 3e(tung. 



92r. 11 





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SHuftrationen 3U SJleiers Srtcfen au \e:mn Stammti|c^. 

„(ÄJcftcm niacl)tctt mir einen ^)iitt burd^ bic Süftc e^s toax luunbcruoül „i^or bcr e^]()inr liefen mir unö ptjotoßrap^ieren, auf bcm SBllbc fic^t 

(^in e[cl, ber t>a^:s itic^t niitmad^t . . . /' ^^ ^„^ mau bcutUd^ micf), bcn ^[eC, meine ^taix, ba^Maxml mb beit iöebuinen. 



3rül}cr (5U DCL'idjicbncu iDialicii 
Steiften iDtcicrS nad) Italien. 
Macca-coni, i){om, gireuäc 
^aVn [ic iiod) im l?or'ö^n Scu^c. 
Sei^t 3icl)t fic*ö nad) Iici^crn 3o"cn, 
Tiad) bcm Sanb bcr ^-Pl^araoncn: 
C^rftcuS ift c§ ^^(frifa; 
iSiücitcnö lüar man nod) nidjt ^a; 
S)ritten§ mad)t man anf bie SBeifc 
(^leid) ^)cr 3d)iff mal eine i)icifc; 
UJiertcn^ ift c§ I)od}mobern, 
•S^at im *!Üaebccfcr 'ncn Stern; 
günften§ i[t e§ furd)tbar tcncr, 
©odj: „2)aS mad)t nidjt^I" iaQt 

.<5err SD^cicr. 
$tn{3crbem fiel)t man im 'Jcil 
Stnmer nod) ba^ ^rofobil; 
C5d)a!al unb bcr Sömen iörüUeu 
9'läd)tlid) bort bic Süft crfüKen, 
llnb nad) altem Sanbc^braud) 
^an^cn £)bali§ten l^öaud), 
Set^teS aber tvixt) tjor allen 
©em .s!)crrn iyJet)cr nut Qc\aUcn. 
5öor bcr 'iU)ramibe ünU 
iiicot im 3anbe olcidf) bic 

3pl)inj, 
llnb an .^lönio^aräbcrn tvadjen 
<Bicl}t man malerifd) 3ellad)cn. 
5^urd) bcn ^attelpalmenl)ain 
Sanbclt ^a^ Sxamcl aUcuu 
llnb mit lüürbcDoUcn JOncnen 
©d)reitcn mcijje l^öebnincn 
^n bic .s: allen ber iWo;d)ccn, 
So fic täolid) beten ocl)en. — 
3üemalö fann man fid) erlälten, 
©enn ntan fd)lummcrt unter 

igelten 
Sn ber Süfte l)eii3em ©anb 
3?2itten in bem Sonncnbraub. 
m\o imirbc ?;JeicrnS 3iel 
SencS alte iianb am 3^il, 
llnb fic lanbcn im beliebten 
Söintcrfportlanb, bcm C^otjptcn. 
93ei ber Vlnfuuft mit ber 23al)n 
gino )d)on bicCrnttäufd)unö an; 
^Jluf bc^ (iiranbs cötclö :i:errai[e 
Safeen eine fd)iücre 2)2 äffe 




,.3lm uäcf)ftcn 1' orcjcn m cl;tcn luir luicbcr, bicSmal Doa fcuriflcn :\rabcin c; troffen, 
einen ^-11111101 = :^^". .Mcicimuucn l>üu i'ance ^J'acfcrai). ^-l^cria Vi u. S. 55Ia(t 



Söl)nc '^llbionv im ^racf, 
Gmoüno, Saterproof mxb dlaquc, 
llnb and) S)amcn l)ell in (Beibe, 
^efolltde, ^rillantoefd)meibc» 
Vlber ad), boit Obalii^fen 

a() N^-^err El^cier nid)t ein löipcn^ 
Unb bie ftol^cn ^cbnincn 
f^)an^ unb gar ücrfdjiunnbcu 

fd)iencn. 
';^in bcn lebten ber Mamclcn 
iD^ufjteu il^cicr§ felbft fid) ^äljlen. 
Vlbcr grofse Sirofobile 
^iefe fal)*n ," e riefia biclc, 
C^rünladiei't, Qeitan^t au§ '^ledC) 
3i3aren fie 3U Mciex^ '4>ed). 
233ilbe ^iere aller Vfrten 
(!6aV^ nur im ;3ooloGifd)cn ©arten. 
"iSon bcn ^'ßl)ramibcu lin!§ 




u 



ao 



bie ^knnbal)n unb bi^ 

Splnnj;. 
!?J?orocn§ ritt man mit bem 



(V 



„3öcnn lü.r an:i bcm ^^otcl trc.cn fc cu w.r auf bcui 'JJ.arltplaQ bic rcscnbjicn, altcgvptifdjcn 

yicppfiflurcn ftctjcn ..." 



>ücfct), 
5i}Jittao§ fpielt mau (SJolf unb 

.sjüctcl) 
llnb beS abcnb§, ad) me nett, 
Gpielt man Dennis unbdriquet 
Seit ift bie 5tullur I)ier fd)on: 
^)lamfeS felbft I)at Iclcfon, 
llnb unterm ftol^cn ^o^tclbaum 
S'iuot felbft ber Jycllal) „illUiU 

5crh'aum"l 
Sn 2?2cmpl)iS, itarnact unb in 

Sujor 
Wlad)t Meiet^ man bcn ölci.tcn 

.Ocrr SD2cicr bcnft: ,,2i>a3 foU 

bcr Krempel? 
Zd pfeife uf bcu SfiStcmpell 
llnb 5lf[uan unb .^ocluan* 
^a§ fel)'i(f näd))tes;3al)r mir an. 

Gre<>-or. 



9Jr. 52 



Berliner Illuftrlrtc 3eftung. 



1001 



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X)er etcu i)er »efrfjeritng 190D: Stapettauf bes "3 V". 



C^Runium kfi' 



'W 3<^irf)nmtgcn t)on gril^ Äod)^®otl)CU 






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35erfc \)on @corg ^ermann* 



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3)le 2ßci^nQ(^ts[cnfation t)on Sc^rlmm. 

SieSd^cn 33raucr mit tcr neuen '^arifcr ^ct^^GJarnimr. 



C>citt$^ittcnfcl)ön, bcr 'Ihix^djc bei ^cröettejt'.^fipitcitt§, 
l;at *nc stifte „(idjtcipomburfl er ^-cljlfaröcit" icfommcn. 

(?§ bämmcrt leifc — iiun lDir^ c§ fpät, — 
^cr Grfjttee I)ört auf bcr 'XaQ Ucrael}t. — 
Vlm .^iiunicl flacft t)a§ 5lbciibrot — Tiod) 
einmal l)odj - - bann lieöt er tot, -- Uni) 
nuS bcr 9icbcliüe(tcnfernc — (^rüfeen itnb 
lüinfeii bic erflcn Sterne. - iiMe S^abeU 
jtid)e fo finb fie fein, — :IiUc nlit3ernbe ^yüiifs 
d)en bri^5c!lcin .... -^ I)o.i) unten, tief 
unten — mit il)ncn 5U]anniu'n — ücud)len 
nun auf eleltcii'dje ^"ylonniten, — Seit 
Greller, tüeit I)eller, tueit prunfenber, 
bunter — 3n lanncu Ükil)en bie StraJ3en 
l)inuntcr, — Sdjaufcnfter ftralilen plöi3lid) 
t)or 2idjt, — C^in tau)enbfad)c§ garben« 
Ocbid)t — ißon Scibcnftoffen unb Silber 
bliuft — il^iit teifeer fiodung mirbt e§ 
unb irinft, — X)oc() überm (öetoül)l 
lucii5fladernbe J^alßxcn — Sdjmcben uno 




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ÄarWjcns SBci^nüc^töoerönügcn: 

Cnfcl „fnUt auä bcr iMoUc". 



1002 



Berliner Jlluftrirte 3eitung. 



9lr. 52 




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2lm crften Seiertag: „Ser 33ater aJer ftöfilic!) Iprtd)t, 'nett I(I)öitetn ^iepma^ gibt es ni^t!" 



Qleiten t)ie ^trafeenbaljnen/— ^d)lüerräbrio# breitl)üfti^7, ftreben äuni 
^iele — Sc^naufenb unb tutenb bie '^(utomobiTe. — Säl)renb bie (^äulc 
t)or il)ren SÖagen — ^m Sd)nee mit iDel)en §iifen ftd) plagen. — ^a« 
neben abet ftapfen nid)t minber — ^a!etbelabene Menfc^enünbcr; — 
llnb atle§, toa§ irgenb ein .<oeim nur I)at, — S)a§ ftrebt l)inau§ au§ ber 
lärmenben Stabt. — ^ürtl)in, 
lüo (Strafe en in lanöen 8^0^" 

— 3nt §all)lid)t berfd)neit 
unb t)erfd)tüicöen (teocn. — 
.v^ier ift ber (Sdjnee 5erfurd)t 
nid)t tüie i)rinnen, — Sonbem 
lüie breitC; ireifefdjimniernbe. 
Sinnen — Olu^t er nod) 
über dämmen unb (Bteißen, 

— ^äd)ern xinb girften, 
Q3üfd}enunb ymeigen. — ^er 
^annenbauml)änbler ging 
jc^on nad) .'pöuje — Unb bie 
't>ortierfrou i^tutter Straufe, 

— 2)ie tritt uor V\z ;Jür unb 
ruft: „2(d) .s>err Jel - i'iu 
tie! einer art — bie !ä^Jcnge 
üon (Schnee — S)e^ aber 
foE un§ nid) tüeiter fteren, 

— ^en tüern lüir . liebeu 
morgen (el)ren/'-- (Unb imd) 
einer langem ^^Saufe — ii^er» 
fd)lüinbet il^tufter Traufe im 
s^aufe) — ^\\\ .<oerr !ommt, 
liod}0c!la:ppt Den fragen, — - 
^-öom %zvüoo\\ rumpelt bcr 
lefete Söagen, — 3tiC[ träumt 
bie (ötrafee *ne SBeile*. . . 
unb t)ann — ^appt plö^lid) 
um bie (5c!c ein "^(xxkxk — 
^^on feltfam feierlicher 5lrt 

— W\i einem langen meinen 
^^art. — S)ie ^a\?)^t I)at er 
im C^enidt — Unb um 'ti^xi 




Das eigenfinnige pberfte 2i^t. 



öeib 'nen l)änf'nen (Strid, — SDiit ^cCozn ift er fd^iuer bepadt, — -^ie 
aU er forglid; eingefadt. — (5r I)ufd)t beim legten ^ämmerfdiein — - (^an3 
leife in ^a% ^Oi\x^ I)inein. — (5Id) ©ott mie trägt ba§ ä^ännc^en fdjlrer 
— (5d)ne(l — jd^leidien mir mal l)interl)er) — (^leid) I)od}parterre linfi^ 
bei ?J^al)cr — > ^a gel)t er ^^u bcr Seil)nad)t§feier. — %vx Tannenbaume 

]prül)eu ileräen, — S^u:t 
erUjeidjet aEe ^er^en. — 
^rüßt gorte fonft ber ^l)ono= 
grapl), — Selbft ^ote medt 
er au^ ^zx(\. 8d)laf, — Go 
fd)narrt er I)eute fanft unb 
\a^)i — i)tül)rfam unb fd^meU 
acnb „.<oeirgc 9tac^t'\ — .<g)err 
M€i)Vi probt — ein Stüd 
baüon — S^en (Spielzeug* 
geppelinballon — Unb in be§ 
'4!ll)onograpl)en ^^aufen— .§ört 
fdiarf man titn ^ßropeller 
laufen. — (rmilic lieft fd)ün 
im (^oetI)e, — ^er ^'>anö 
mad}t "Xwi auf ber 3:'rompetc, 

— ®odj (£urt mit ernfter 
iliUffenömicne — aerlegt bie 
fleiue Xainpfmafdfiine, — 
S)ie SO^inua banft bor'ö 
Portemonnaie,— grau SJJe^er 
probt 'y>(x^ ^^-^crlcoüier, — ©ie 
finbet e§ amar gum ^e« 
raufd)en, — 2)od) fic befd)nef3t 
eö um^utaufdien. — ®er ^lltc 
nidt unb fd)mun3elt I)eiter — 
3^immt feinen Ärüdftod, pil= 
gert meiter, — (^leid^ l)intcn 
tool)nt ,<g)err 9iid)arb (öd)melir 
— ^etrieböamtSunterfefretär. 

— O tüie 3rou (5rica fid) 
freut — 3Wit il)rem fdjmaräen 
^of(f)mir!leib, — ©ic fiel)t 
fid^ fd)on xxk I)cüem ©tulse — 



s< 



vir. 52 



Berliner llluftrirte 3eltung. 



1003 




Dr. yünimaini (^x. ilsgo-)» 

bcr im i){ciil)vtan eine intcrcfiaiue :Hcbc 

ncflcn bcu ßaninn^oarOeitc^iincOluciv? l)ie(t. 

rijoi. Karl Wa'il. 

'i^cim Xcc Der .')iccl)nuii(iyiätiu 
Sdjiil^c. — .s>cn: 3djmcl}i* ijt 
mcl)r füi'y iUJatericüe — Un^ 
cu betupft Der Oian» bic '|>cüc — 
Ulli) fpiidjt mit itiücm O^laii^s 
öcfidjt — *:'tcii idjüiici-n 'j>iepinai3 
(libi cv iiiditl — WaiM aiit)crv 
lüic im IclUcii Jci^,u'# — --o tie 
]0 I)art uuL) maoer uuir. — Ter 
'^'(Ite iiidt uiib fd)miiii,5cit beitcr 

— 'Jtimmt feinen Mriiditüd, 
pilijevt lüctter. — ^Hed)t!^ in Der 
dritten lüüliiit allein — Xer 
^^'eutnant ^"vrii.^ von :UabenOein. 

— ;:^n)ar ioiiV er beute mit 
Ottilie . . . — llni) aujjerbem ijt 
er bei 'ner ^vamilie — 3 über« 
mann abeuDy auytjebeien. — ;]ii« 
crft iebüd) ift cö uunnöten, — 

^en ^hirfdicn — Den libriftian 

— t>a^ Ot)ccyci)iücnt, — VlUec 

bic 3ad)e, — Die mufj Dod) mal 



' ^.-i^ ^ ^^■,!.:' i'^" : \ 




Vllita 93?öt:rt«n|i*v^n •^, 



bie UcvbienfiDoUc ^cnriinbcrin bcrjU^crliner iHitfvfiidiciT. 
?ür ble „'iJerlinet rslluftrirte ;^,cttun'i" iu\icidmct luni Sücljart» :ix.U!icfcL 



X^cr yictürMcbncr .^otlar^, 

bcr in bov Cbftruttioiuöfit5UUfl bc-3 

öfUnTcirI)tld)Cii ^){cicl);rat^> oiiio JJicbe 

uou ilftiUibiaov 2^auci liiclt. 

fein, — ,r^^\^ — '-^t^'^) — (iliri)iiaii 
bier bait Xu 'neu luiiiDert — 
^ii-jarren — lucil niimlid) ey mid) 
immer fo iininbert, — '-ii>über 
ey foinmt, Dar, ]i^ iiefdurniiD — 
^ie C^Iiiumiteiu-icI bei mir alle 
jiiiD. — .')iaiid} Diefe 3ürte -~ 
iic jcbt fü 3iemtidi — 'Uiit Dem 
'-iH'riianD,— io4)ir einentümluV 

— Xer (ibriiiian üebt luic eine 
^liNanb — llnD brüllt: ^^H^el}! — 
.s>err XieutenantI — ^er Vllte 
aber fdjinnu.H'lt beiter — 'Jiimim. 
feinen .Siriid od, pilgert lueiter. 

— llnD Ccl), iei3t felM er jid) in 
Irabl — 3d}0u ift V\t treppen 
er bmabl — 3diüu fcl)n luir il)ii 
lueit l)inten t^bn, — • .Suuim Die 
.siapu3e tut nod) luebn. — IhO 
bord): fein 3d)ritt oer fallet fadit 

— ^u jilbcvlueifjcr Ülk'ibnadjtvs 
nadjt. Geor7 11 ermann. 



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äJoii bcn SBcrmäMungöieicrlic^tciten bes iiHcöcntcn oon 43raun)cf)u)ci0, ^craogs rsoljami ^j(lbrcrl)t 3U i)Jfcclleuburg=Sc^u)erin, mit bcr ^4>rin3ej[iii (^Ii(abet^ üoii 
<:>ct30ö oofiann 5iiorccf)t. Stolbcrfl^^oßla: (ipiiMUfl bcr Sraut in 33rounjf^n)cig. Phot. B.ta 



1004 



berllnt ' Jlluftrlrte 3eitung. 



'Jlr. 52 



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Uubcfannt 1. 

Ser fiff) nit ber SÖfung UMfcregi 

im Seilten t>e$ SiMntcrfport^^ ftcin, 
letfilißen WxU, mm Deriurlcn bie 
fofflcnbcit tcibcn Don ci'-anbcr nv^ 
a5l)änfliflcn Tstancn ju bca tuoitcu: 

1. Sßcr finb bie fünf ui bclnnnct 
5lMntcrfport(cu(e? 2. 2B{c bielc 4^ci' 
fonctt (icncu im edmoe? ^fire 3ar)t ift 
nu^o bcn (^licbmaf^en gu erfel)cit, bie 
an^:? bcm ^d^nec tjerangraacn. iHuf 
bk Sijfitnq bciber ^sragcn l^aben \mv 
greife öon uifanimen 200 i)Jif. auc^ 
refe^At, «nmtiffi enoit erf'cii ^|^rcl • 
öon 100 mt. wiib nar^ S?cbarf bi^ 
,^el)n Jroftprcifc öon je 10 3Kf. 

)i.^ c b i n ö u n e n 3 u m ¥ r.e t ö ^ 
r n 1 1 c l : 

1. ^le Söfnnflen muffen auf ^;^o' = 
farteit flefd[)iiebeu fein, b e mifKv 
ber l'i)fnnfl nicI)to anbcre^^ atzten 
yiantcn nnb bie Q^ua\:e iUbrcff^' 
US 5l5fenbero cut^alteu b'rfe.t. 

3)ic ^ofifartcu muffen abrejfiert 
fein: 

3(n bie 9tebaftlon ber 

'crlinet Cblluitrtrteu Seitunn" 
(•VrciSriitiel) 
a^erlin SW., ftocfjftrafse 22/25. 



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Unbefonnt i3. 



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Wddnacdts - Treisrätfef 

7. Träge: Wer fmö bk ^ier adgedifÖQten WinterfportfQute ? 
2. finge: TVier^v' Terfonen fieqen im Scfjme? 



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-Sr:-^ 



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!Dte oeiunölüclte 
S^littenpartie : 
Sie Diele %^cr= 
fönen liegen im 
(^clnice? 



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fönen ift auö ben 
f.n§bem(^c^necl)cv« 
an^ragcnben Wlieb= 
mof^en ju erraten. 



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Kntet'aniit 2. 



:i iHKe SöfnuAen niü'cn ipätefcn^ö 
am 15. Januar 1910 in 
uu ferem '^'cftiie fein.' laä ^)ieful- 
■ t(U mir^ in e ner ber baiauf 
fcliien ben Stummer ;i t>eröffcntlirl)t 
lueiben. 

4. Jyür bie u.l tiflc Sijfung fe^cn Inir 
einen erften ^rei)§ Don 

100 ?0?aif 

unb nad) 53cbarf b\ä ,^el)n 2;roft = 
D reife Don je 10 ^Jiarf anö. 

5. Webt mcljr al^o eine rirtjtiöc i^öfunn 
ein, fo merben bie 'ireiSträgor 

b\t«cf) ha* üoS boütutwtt, bovavt, 

baf? ber jncrft CSJcjo^er.c bcn A>anpt= 
prei':>, bie folgenben ^eljn i'ijfer bie 
2:roftpreifcüon je lOOJ arf crl)altcn. 
(fg finb alfo im pan^cn elf ^reüc 
an^fjefet^t, bie benen snfaKcn, tie 
biiiS 2o^ beftimmt. O'el^en mcl)r 
aUi elf Söfmttien ein, fo m.ffen 
t^k bnrcl) baö -l'oö nirf)t (Vejogeiicn 
fic^ anf mcl)r Öliirf bei einem 
fpätcrcn ^i"rcif^an§fc()reiL*ett öcv= 
tröften. ^:c J)ieil:e!ifo(gc ber (£in = 
fenbnnnen I)nt feinen Cfiufinf? auf 
bie (Srtangnna cinc^ ^reife§. 

6. 2)ie einmal netroffenc (£nifrf)eibnng 
ler 9iebaftion ift auf alle ^äUt 
enbnüliig. 



Unbefannt 4. 



Uiibefannt 5. 



0} 



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nbonncmcnt: 1,30 ITIk. Dicrtcljährlld), 45 P(. monaillct) bei jcber Poftanftalt un' im Budilianbcl, foipic burdi bie expcbition frei ins fiaus. - einzelnummern {int 
iQt 10 Pf« in allen 3eltungsperkau(s[tellen crbditlid). -^ Rnzeigen IHK. 3^00 bie 5-g '(paltene nonpareiIle-3elle. • Rebaktion unb öerdiattsrtelle Berlin SW., Kodiftr. 22/25. 



5Kr. 52 



Berliner llluftrirte 3eftung. 




1069 







''^■^ffi^^ ' ^^'^ ^^^ ^^ ^ 




Wüort'fy /. 



3eici)nungeit Don ^cinrid) Äfe»)^9Kün*en. 




tere 



3m St. SDIoriö ber Xierc: ^robuftioiteii au6länöi[d)er ©äftc im Äunftlauf. 



1 taja bie (\vXt, alte Seit, — SBic Itcnt fte fd)on tioncntüeit, — ^ic ^t\i, 

^ V ba man nur crft nad) H)tontc — ^in SBintcr ciuaia reifen fonnte. — 

♦♦♦♦♦♦♦♦! ®i'- Seit, '^a man nid)tö anbcrS fanntc, — 5(10 bic Riviera di Levante — 

W\i ^Palmen unb 3t)preffcnlüänbcn — llnb aubcrn Süblanb^neoenftänbcn, — yX\\^ 

icncm 3?2cere, bag fo Dlau ift — SScnn'i5 nid)t — lüic merftcntcel^ — tief grau ift — 

5(c^ — fern ift jene 
3eit entfditüunbcn, — 
^a nod) ber 8!ilauf 
nidjt erfunben, — 2)a 
, man im 8!elcton unb 
23ob — "^Xq^) nid)t brad) 
23cine, ^oX^ unb Slopp, 
— S^od) nid)t im ß^ur« 
lina ftd) erprobte, — 
3^od) nid)t beim 9iobcIn 
ftd) üerlobte, — SSte 
fern, luie märd)cnfern 
unb lueit — Sic^t biefc 
nute, alte Jjeitl — Unb 
bod) — für inandjen e§ 
ein ®lüd ift, — Äafs 
baS Slafino nid^t melir 
fd)i(f ift. — Unb baf5 
e§ irin — ftatt cinft 
\m^^ 3}contc — ^cfet 
Bier)t 5um ©ranbf)ote( 
in ^onte, — ^af5 er 
bom ©tranbe ber W\* 
mofa — 3id) lüenben 
mufjte nad) ?(rofa, — 
Set, — baf3 Uom grünen 
(Epicitifd) fort — 5r)n 
mäd)tig rifj ber SBintcr» 
fport. — 3m C^ngabin 
öuS oüen ©auen — 
Äann längft man SBin* 
tergäfte fdjaucn — 2cr 



6 




d^tüebcn überfd)Ian!c Sößne, — 5rufiraIicnS fportgcluanbtc 
(Bd}öne, — 5(u§ 5(fien felbft \>\z r^allDen 2i?ilbcn, — Qiel^t eS 
nad) !5d)mei,^er Sd)neeaefilben — 2Bcn fann'ö \ia tuunbcrn, 
luenn aud) ^ierc — 5hin fud)cn bic SBintcrfportreDiere, — 
5ZatürIid) nur fold)e or)ne 3:abel — S3on ^elb* — ober S3rief* 

— ober fonftigem 5(bcl — Sibirien r)at %\iO(x\\ C^iSbär gefanbt 

— (5ir ^ullbogg !om au§ CrngeUnnb — 2lug 33ombat) !am %\^ 
Moxahw — 5lu§ Sibnct) gräulcin ^längurul) — S^ife ^orc» 
(ir)icago, Üo^ig rcid) — 3dunamm grabmcgg über'n grofeen 
Seid^ — Selbft au§ bcm fd)tüär5ften 5lfrifa — ©er ®olb* 
fr)are!önig Sor)n S^ilpferb ift \i(x, — .Oerr ©riSli, "^an ©eel^unb, 
Heulet) ©iraffe — §err 8d)neer)a§, @raf Stiner,ber i3ftlid)e 5lff c— 







3)te ^rcisttc^ter. 



Die ^crü^mte Pirouette bcs nonDegifd^en iü?ei|ter5 ^eö. 



^ 






1070 



Berliner Jlluftrirte 3eitung. 



^t. 52 




Sßcr irocnb luie \va^ auf fid) 
X^ält — Unb ber subem mit 
bcw nötiaen ®clb — toer^et^n — 
ben Bön ^^^ <5cafon ftet§ fort — 
SnS ©nnabin B^m ÄHnterfport, 

— ©r mufet mit ©d)nccfd)ut)cn 
unter bcn fvüfecn — ©id) bicfc§ 
gammerfein berfüfeen, — ®er 
mufet' in .«^ollänbcrboncn laufen 

— ^er mufete einen Ülobcl lau* 
fen, — 2)er mufste, ob er alt, 
ob iunn — ^sroben ben S^cle« 
mar!enfd)lüunn. — l^nb felOft 
^errn C5fel, mic man \vc\\^, — 
SBarb e§ 5U Wohl — er mn(; 
auf'g ei§» — ^ei ben firof^cn 
Sprina^onfurrcn^en — <Bätj 
ieber J^-räulein ^änöurut) ^\'dn^ 
Bcn, — ©0 ba(3 foflar ber See« 
I)unb fprid)t: — S^cin, foldie 
Uebuna t)ab idi ntc^t. — 33eim 
^unfllauf — iüie üorau§3U= 
fet)n — ^er (£i§Där fießt — er 
lief 8U fd)ön, — Unb luar bic 
Hebung nod) fo fd)lDcr — i^r 
mad)t'§, mie lücnn e§ f^ar nid)t§ 
iüär'— Unb er errang audibiefeS 
Wal — ^en SBanbcrprciS, hcn 
©olbpoIaL — 5ot)n SUIpfcrb 
!am, iDie man nebad)t, — iMl^ 
f^aoorit nid)t in S3ctrad)t. — 
S)enn erftenö ift er gu enorm, — 
Unb .'n^citenS n^ar er aufeer 
gorm. — Sir S3uUboaa fic^t 
Beim ^ob§(eiar)faI)ren — (ör, 
ber tro^ Od^äbclbrucftö bor 
Sar)ren — Sid) fportlid) nid)t 
5ur dlni) aefc^t, — ^a eble 
Steile unöerle^t) — STagSüber 
alfo mar man Sportmann — 
Unb abenbS mar man bafür 
fiorb bann.— Unb ba^ ,Mu^^ 
©ranb ^oicV tut'ö 33cfte — 
fiüt fo illuftre SBintergäfte. — 



3m St. aJlorife ber 2iete: Xable Vi)oU im C)oteI, 




2)cr neuefte Sport: Stifprunci mit einem ^offagier. 



&\n\} ia(;\^ man in beut Sobcn^ 
flcibe, — So trun man abenbg 
Samt unb Seibe ;— ^iiei Sonnen* 
fd)cin, hex Sdinccfturmipctter 
— SUian ainn amSa(^ im mollncn 
Smcatcr, — 2)e§ 5lbenbö in ber 
$anb ben GIaque — ^^an^t two 
Step man im H-^oolfdjcn d^ad — 
Unb mad)te in Tiöd)ft aegiertem 
5ton — StanbcSßemäf^e ^ow 
Derfation.— 31«an liefe fid) SBein 
unb C5ffen munben, — ©at motil 
aud) mag füri^ öera öcf"^^^^"' 
^ 'ne reid)e ^rbin, — oline 
(3aiic, — genannt auftralifdie 
S3cutclratte, — ^ie einem ©eift 
unb Sinn betört, — Sclbft menn 
man bieg unb jenes T)ört. — 
Slura: bie Seafon ftanb auf ber 
^ÖI)' — 93ei ber 3oolo0ifd)en 
©autebole. — 5lber plö^lid), in 
mcnigen Stunben— SBaren alle 
stiere berfd)munben, — ^a(i) 
Silben, Dften, SBeftcn unb 
SJorbcn — Si^aren hie ©äfte 
f(üd)tin gcmorben. — (£§ blieb 
nid)t 5tilpferb, Sdmeetiag, 23är 
— 2)a?^ Qönae ©ranb .«ootel marb 
leer. — ^ie iielincr, ber S)ire!* 
tor bann — ^a fclbft ber Sift* 
bot) f d)loü fid) an. — S)ian fraj^t 
erftaunt, mie biefeö !am, — unb 
mie bci^ fo ein (^nbe nalim? — 
iörad)plö^lid)(5nglanbg93an!8U* 
f ammcn ? — San! benn bie ^^all« 
ftrcct bin in ^ylammen? — (^ab'§ 
^aummoübaiffe über 9lad)t? — 
Unb ijt ^er Stabltruft jäl) Her« 
fradit? — 5ld) nein: e§ braditc 
nur bic Leitung:— .t>crr.<oaaen« 
iicd !ommt mit ^enleituna. -^ 
Sd)on na[)t er mit bem D^Jjug 
fdineU — Unb er jteigt ab im — 

Q^ranb .§Otel. Oeorj? Hermamu 



^L'M. ^'^' 



/fdf 



2)er ©dilofekaftellan. 

aSon ©eorg ^ermann. 



2luf 9leifen fmb tpir ganj anbere 
9}Zcnfd)ett, n>ie aütag^. ®er Äarnttofcftc 
t>on un^, ber nie im ßeben baran benlt, 
rcc^t^ unb linf^ ju fe^en, ber brat? feinem 
^eruf nad)get)t, n>irb plöt^lid) t)on bem 
unn>iber[te^Ud)en 95ebürfni^ nac^ 6el)en^- 
ȟrbigfeiten ojt'^(xi.t Cr [tubiert bie 9leife- 
^anbbü(^er auf S^reujd^en unb Stemmen, 
unb er fragt bie erftaunten (gingeborenen, 
^ätt fte am ©itetfnopf unb lä^t fte nid)t e^er 
loder, bi^ fte if)m fagen, \o(x^ e^ benn in 
biefem etenben 9^eft eigenttid) ju fe^en 
gäbe. 60 t>eränbert ftc^ ber menfc^tid)e 
d^aralter auf 9leifen. 

Unb immer fagt ber Eingeborene: 
©inb Sie benn f (^on im Sc^Io^ gewefen ? 
®a^ t?erfäumen Sie ja nic^t; ba muffen 
Sie ^inge^en. ®a ge^en atte S^remben 
^in. (®a^ er fetbft f(^on fünfunbt)ierjig 
3al[)r in ber Stabt tebt unb no(^ nie im 
e^Io^ war, ba^ t)erf^n?eigt er bir, ber 

5i(ou.) 

Unb man ge^t in^ 6d)Io^. S^ ift 
fol^ netter, langer, n^ei^er, geftrecfter "^(xyx, 
mit einer grüngebedten Kuppel in ber 
glitte unb 5tt>ei niebern klügeln im Äatb- 
frei«; auf ber einen ©eite ^af« einen alten 
^arabepla^, unb auf ber anbern Seite 
f(jf)öne fiinben unb Äaftanien. 

(fnbUi^ ftnben n>ir in att ber €in- 
famfeit einen befi^eibenen 9^ebeneingang, 
fe^en fe(^^, <xi:}i, je^n Ceute, bie bort 
tt)arten, n>eil fte gteid)faa^ ftd) in i^rem 
Seelenheil gefct)äbigt fügten, wenn fte 
ba^ S(^Io^ in Ä. nid^t gefe^en \f'aitXK, 
fe^en ben alten Sd^to^faftettan no(^ eine 
^rife nel;men, e^e er un^ mit ^o^eit^ootter 
©ebärbe eintabet, i^m ju folgen; unb in 
langer ^eiertic{)feit f(^reiten nun SiJZänn- 
lein unb ^eiblein in ßobenroc! unb grü- 
nem ©irarbi^ütel mit gebämpfter Stimme 
unb gebämpften Sd)ritten l^inter i^m t)er. 

Äerrgott — wer \)<xi ftd) nid^t fcbon 
gcn>ünf(^t, 5?aftetlan in einem S(^lo^ 5U 
fein? So brausen erft t)or ber ^ür in 
ber Sonne fi^en unb ftc^ ju freuen, wie bie 



btanfen 5?ni5pfe t)on ben Gipreen blitzen 
unb wie bie roten ^uffd)läge teud)ten. 
3n jeber Bewegung be« SlafteUan^ 
ift je^t ^eiertid)fcit unb Äerabtaffung. 
9^iemanb wagt in feiner ©egenwart laut 
äu f))red)en ober gar ju Iad)en. 9^id)t ber 
Sauber be^ Orte^ brüdt ja bie 9}Zenfd)en 
nieber — nur bie 2ßürbe be^ ^üt)rer^. 
er ift t)ier Äerr. (£r beftet)It, \o<x% man 
fel;en fott, unb wie lange man e^ fet)en 
foü. "SBie einen ftörrif d)en Äammel treibt 
er bic^ au^ bem Simmer, ber Äerbe nad), 
bie f(^on weitergerürft ift. ®u wittft bie 
^orjettane betrad)ten, aber er Ien!t beine 
^lide auf eine alte Äroute — >iefe^ ift 
ba^ ^itbni^ ber ^ürftin Sftbora, ber britten 
©ema^tin be^ ^o(^fetigen S^ürften ^(ej- 
anber S^erbinanb". ^Uiemanb wei^, wer 
^tejanber ^erbinanb war, unb bod) be- 
\x(x<!ciitxi alle bie graue, ge))uberte ^erüde 
Sftbora^ unb fagen: ,^W fragen liebt 
ber S^afteUan nid)t. ®ie Ratten nur auf 
unb oerwirren. ®a^ er wei^, fagt er, 
ob'^ rid)tig ift ober nic^t. (Sr ift me^r 
Äiftorifer at^ 5?unftfreunb. QSen'^ ^ilb 
barftettt, ift bie Äaut)tfad)e; oon wem e^ 
ift, ift gleic^. Er lann ben 9^amen bo(^ 
nic^t ri(^tig au^fprec^en. ^ragft bu i^n, 
fo fagt er: ,,®iefe 93itber ftnb t)on oer- 
fct)iebenen 9}Zeiftern!" ®ie ein rechter 
©ete^rter liebt er e^, feine ^ü^rungen burd) 
<ane!botif^e^ t)on ^o{)en, ^öd)ften itnb 
aaer^5(^ften Äerrfd)aften etwa^ auf^u- 
tDürjen, um ju jeigen, ba^ er unb fein 
^rotgeber in nid)t bienftli(^en 21ngelegen- 
^eiten unter ft^, ft^ ganj fo benet>men, 
wie gew&^nlid)e Sterblidie, ja, ftc^ ber 
größten Sinfac^^eit befleißigen. ®en STob 
eine^ t)erbUd)enen 5)errfd)erö fd)eint feine 
Stimme nod) na(^ 80 3at)ren ju beKagen. 
gjleift ftnb babei feine Snformationen ni^t 
gerabe fe()r ungenau, aber auc^ nic^t fe^r 
überrafd)enb. ^ei einem Simmer mit 
weißen 9!J?armorwänben fagt er: ,,®iefe^ 
Simmer ift ganj au^ weißem 9!}iarmor 
unb l)eißt ba^ „weiße" x^armor» 



100 




fiujuoreife im 3luto: Begegnung atüifc^en |cc^3ig unb atoei ^ferbe!räften. 



jimmcr." Unb bei bem näc^ften 9^aum 
mit grauen SOiarmomänben fagt er: 
,,®ie[c^ Simmer ift Qan^ au^ „graue m" 
9!}Jarmor unb ^ei^t be^toegen ba^ 
„grau e" ^armorsimmer. Hnb alle ^e- 
fud)er betaften ganj ^eim(id) bie ^anb 
unb tpagen 'oov 93ett)unberung !aum ju 
atmen, „tiefer ^a(ad)itti[d) ift ein ©e- 
fdjenf be^ 3aren 3tDan be^ XV. oon 9lu^-- 
lanb. gr ift t)on l)i5rf)fter Äoftbarfeit. ®er 
S^u^ ift erf)te ^ronje. ^tnn ic^ att 
bie 9!}ZaIad)ittifc^e oon 3tt)an bem XV ., 
bie id) fd)on im Ceben gefet)en l)abe, ju- 
fammenred)ne, fo mu^ i(^ ju bem Sc^tu^ 
fommen, ba^ bie ganje äußere ^olitif 
t)on 3n)an bem XV. nur im Q3erf d)en!en 
wn 5?Zatad)ittifd)en beftanb. 3u ettt>a^ 
anbercm I a n n er gar feine Seit gefun-- 
ben I)aben. Q3or irgenb einem fraglici)en 
^ilb erjä^tt ber S^aftettan aber, ba^ mnüd} 
ein "iJImerifaner ba n>ar, ber ^tvn 9[Riüionen 
für ba^ 93ilb geboten t)ätte. ©iefer rätfel- 
t)afte 'Slmerifaner taud}t je^t überall auf, 
er f4)eint eigene aU Sport t)on Sciylo^ 
JU Scf)lo^ t>on Capplanb bi^ 9?eapel ju 
reifen, um bur(^ feine märd)ent)aftcn ?ln-- 
gebote bie 93eft$er unb me^r noct) bie 
.5?aftellane ju t)ertt)irren. 93on ben 9!3?5beln 
fiet)t man jn)ar ni(^t^, bcnn fte fmb alle 
unter ßeinenbejügen, aber einen Sipfet 
fd)tägt ber 5?aftcllan bod) jurüd — n>ie 
ber ^riefter ia^ ^ud) wn bem 2lller-- 
t)eingften — unb fagt: „"^xt biefem roten 
S)amaft fmb nun alle bie Seffel, bie 
Sie l)ier fet)en, belogen." ®er ^aftellan 
|)ört j[at)rau^, jat)rein biefelben 'Jragen: 
„Sft ba^ e d) t e r SSJZarmor, ift ba^ e (^ t e 
93ronje, ift i^a^ e d) t e ^ ^alifanber- 
I)olj?" €r ftel)t ja^rau^, ial)rein bie 
9)Zenfd)en burd) bie Säte rennen, mit ben 
9DZienen wn erftaunter @teid)gültigfeit 
unb nid)t na(i) red)t^ unb linf^ guden, 
fict)t fie ben ^oilettentifd) ber ^rinjeffm 
2lmalie berounbern unb an einem Q3ou(^er 
blinb t)orübcrIaufen. €r fül)lt immer tt>ie-- 
ber bie llnfid)ert)cit ber Äerbe, bie er ju 
treiben f)at, unb bie in bicfen 9?äumen fid) 
nid)t bet)agt unb fid) ^ier nid)t ju bewegen 
t>crftel)t. 



'.■>.-• 



Unb ba alt ba^ nid)t anber^ tpirb, 
fo n^irb er aud) felbft nid)t anber^. Sabr-- 
au^, ial)rein ^ält er ben S:ag 5et)nmat ben- 
felben 93ortrag. ^ladjt immer an ber 
gteid)en Stelle ben gtei(^en ^il) unb fet^t 
an ber gteid)en Stelle „mir'' für „mid)". 
dv fprid)t t)on ber „SDJuftf" auf bem ^u^-- 
boben, \tatt be^ 'SDZofaif^, t)on bem „bar- 
barif d)en" 9}?armor ftatt be^ cararif d)en 
9}Zarmor^, unb füt)lt ftd) babei al^ 5?ultur-- 
förberer. 3:rot5bem unb allebem wirb it)m 
niemanb gram fein, unb man wirb fid) ge- 
fd)meid)elt füllten, wenn er fid) t)ulbt)otlft 
in ein furje^ ^rioatgefpräd) mit un^ ein- 
löst. (?r ift ber 93ertreter be^ Äau^^errn, 
mac^t bie Äonneur^ bc!^ ^irt^ unb fein 
„®anfe" belot)nt u n ^ mel)r, al^ i ^ n 
unfer 5!rin!getb. 

3öer i}at nid)t fd)on mal bat>on ge- 
träumt, ilaftellan in einem S^lo^ ju 
werben? — 2lber e^ ift wie mit ber ^abaf^^ 
nieberlage in 'Jtanfreid) — e^ glüdt nid)t 
jcbem. 2luf äel)ntaufenb 93efud)cr fommt 
fid)erlid) erft ein Si^lo^aftellan. Sa, wenn 
man fo red)t innig an bie Sd)lof3fafteltane 
bentt, fo begreift man nxd}t, wie ®oett>e 
be|)au|)ten tonnte, ba^ 'Jlmerifa e^ beffer 
l)ätte al^ wir; weil ^Imerifa feinen 93afalt 
unb feine Äerrenfd)li}ffer befä^e. Cinem 
fo umfaffenben ©eift foHte ein fotd)er 
Cat>fui^ eigentlid) nid)t jufto^en. ®enn, 
wenn'^ feine Äerrenf(j^l5ffer gäbe, wa^ 
follten bie Sd)Io^faftellane mad)en? ^er 
fann fte fic^ aber in irgenb einem anbern 
93eruf t)orftellen ? ! 

Ergo: ba e^ Sd)lo^faftcllane geben 
mu^, mu^ e^ aud) Äerrenfd)lBffer geben. 
S^^iemal^ wirb e^ ein £anb beffer ^ben, 
ba^ feine Sd)lo^faftellanc unb scilicet aud) 
feine Äerrenfd)löffer beft^t. 

^Kein Äerr "SERinifter t)on ©oett)e . . . 
mit bem ^auft mögen Sie ja im ganjen 
nid)t fo unred)t t)aben — wenn er aud) 
flellenweife frit)ot ift — aber mit bem 

2Imerifa, bu l)aft e^ beffer, 

Äaft nid)t QSafalt 

Unb feine Äerrenfi^löffer, 

bamit, alter Äerr, l)aben Sie fid) boc^ 
fd)euf^lid) blamiert. 



102 




/.-i/. /f-vc Z^-^/ 




3um 3eid)en, bafe id) bein 

gebatf)t ... 



aKttBttnöJel von bet 9leife. 

^ane mit (5fl)nurr5artfrf)ut5. 

(II)arafteriftiffl)c§ 2lnben!eu an bcn .'pari 

für Onfet Slttuin. 



von (Seorg g)ermann. 



93ater Äomer, ber ja befauntUc^ 5U- 
tt)etlctt ld)(äft, mu^ fic^erlid) äum Sd^lu^ 
ber Oif))^tt f(^ott ganj beträ(^tUc^ ge- 
[cl)nard)t ^abcn; bcnn id) ertnneve mic^ ttict)t, 
ba^ ^enetope — aU Ob^ffeu^, i^r ®cniat)I, 
von feiner taugen 9veife jurücffe^rt — i^n 
fragt: Äaft bu mir auci) etwa^ mitgebracht? 
ilnb mnn fte e^ fetbft ni(^t gefragt \)ätk — 
benn 9!Jiabame ^enelope xvav eine ta!tt?oUe 
®ame — , fo ^ätte e^ bod) al^ i^r erfter 
©ebanle in Äejametern t)ermer!t werben 
muffen. ®enn eine 9^eife ot)ne ^itbringfet 
gab'^ f(^on bamal^ ju Otim^ imb 
Obpffeu^' Seiten ni(^t. Itnb 9}Zitbringfet 
fmb eine get)eiUgte 3nftitution, uralt, 
überaß 5U Äaufe. Ob mau e^ nun @aft- 
gefd)en! nennt ober 9?eifeaubenfen, e^ ift 
immer ba^ gtei(^e. Sage mir, n>a^ bu 
mitbringft, uub id) n>ia bir fagen, mt bu 
bift. Sage mir, tva^ bu mitgebrad)t be- 
fommft, uub i(^ toitt bir fagen, mv beine 
QSerwanbten ftnb. ®anht 3nbuftrien leben 
von ben 9!}Zitbringfetn uub I)aben immer 
batjon getebt. ®ie böl)mifd)e ©ta^inbuftrie 
vtvbantt i^re einftige ^tüte ben ?0?it- 
bringfetn. QBer lennt fie nid)t, bie f(^i5nen 
alten 9?ubinbe(^er mit „^arienbab", 
,,^^art^bab", ber „bitten ^öiefe", mit bem 
,,5?önigftein" unb bem ,,^interftein'', ja 
felbft mit bem ,,^ranbenburger 5:or"? 
,,3um Seilten, ba^ i^ ©ein gebad)t" fte^t 
barauf. Ober „3«tn %iben!en an (S. S. 
1838". ^er !ennt fte ^eute nic^t, bie t>ene- 
5ianif d)en 9)?of aHbrof d)en ? 9^iemat^ I)at 
ein g!}?äbd)en in 93enebig je fotd) ein Stüd 
getragen. ®a^ ift nur für bie ^reunbinnen 
in ®eutfct)lanb. Ober bie !(einen unb 



mittetgrof3en 3)Zarmorgrup})en in ^lorenj, 

9?om, gZeapet ? ®er Q3erf äufer l)at fd)on 

vm^ fein Staiienifc^ t>erternt, fie Qti)cn 

fiftentDeife nad) ©eutfi^tanb aU ?!}iit- 

bringfet. 3ebe 9li5merin tjergiftct i^ren 

gjlann o^ne ©nabe, n>enn er e^ tt)agt, xi)v 

fotd) ein Stüd in^ S)ani ju bringen. Hub 

fie n>irb, n>ie bie erfat)rung tet;rt, ftet^ tjom 

@erid)t freigeft)rod)en; erften^, weit fie eine 

g^rau ift, unb jweiten^, weit i^r bie 

qöat)run9 bered)tigter Sntereffcti juerfannt 

wirb. ?yiiemate l)at im 9liefengebirge ein 

eingeborener an^ ben ^feifenfpit^en, bie 

mit Olübesa^t^bart beforiert finb, geraud)t, 

fouft mü^te fid) fd)on tängft nad) barwinifti- 

f(^er St)eorie eine 9laffe von 3at)nat^teten 

bort entwidett t)aben; benn eine ^tb- 

erwad)fenc 3igarrenf))it5e au^ bem 9liefen- 

gebirge wiegt 75 ^funb, bo^ finb auc^ 

fc^on etwetd)e bi^ 5U 123 ^funb beobad)tet 

worben. Set^t, 

wo'^ fein S^rei- 

gepäd auf ben 

93at)nen met^r 

gibt, ift ja i^r 

Sjport bebeutenb 

jurüdgegangen. 

5lber mir i)at 

meine 9!Jiutter, 

at^ i(^ brei5et)n 

3at)r att war, 

nod) eine tdjtc 

g^übeja^t^fpit^e 

au^5lrummpbet 

mitgebrad)t, bie 

mir bei ^rüge- labafspfeife, 

^ . ,. . ^ äiti?crft finnig unb uuvtuenig 

teien mtt meinen ^bcv s 'mnh fciimer. 




/ 



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'I 



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114 



Scbct^alter für "i^apa, 

fc^r \dmx SU t)ottcit; aber mit 2(ufic()t sunt lurc^o^rff«- 



nortt)e9ifd)c 95rot auf Berlin lo^sctafjen, 
ber t(i}tt ^umpernidet au^ Äamm, Släfe-- 
!eut^cn au^ ßeipäig, Spidade unb ^lun- 
bern, bic im eigenen S^eft ertrinfen, ba 
!ommen ^efing^fud)en unb Spedflaben 
gegen Berlin aumarf(^iert; 6d)nap^f orten 
fdjarf n)ie Salsfäure, unb ^armelabe, bie 
jur Äälfte in ber ^äfci)e «ebt. Unb nid)t 
nur, ba^ man ben entt)ufia^mu^ be^ 
anbern ni(i)t teilen fann, nxd)t nur, ba^ ba^ 
3eug grä^ti^ fi^mecft, — nxd)t leben unb 
nid)t fterben fann man banad). Hnb n?enn 
man bem gütigen Spenber ba^ erjä^It, 
bann fagt er, it)m tpäre e^ 5 u e r ft g e n a u 
fo gegangen, aber je^t, je^t möd)te er atte 
5age litauifdjen 6pe(ieier!u(J)en effen, unb 
er ^ttt feiner 5:ante ba^ 9leäept mit- 
gebrad)t. 

Rubere aber gibt e^, bie begnügen ft(^ 
nid)t bei biefen t)om ©efe^ y)orgefd)rie' 
benen gjZitbringfetn, fte pf)antafteren ttxva^ 
wn 93oIf^funft, bringen in bie MtUn ber 
gSauern ein, bringen au^ 9Zorn)egen einen 




Stofc^e für 9lnna, 

bcS §aufcö rcblic^e Hüterin. 



atten, gefc^nittenen Äolälöffet bir mit unb 
tjertangen, ba^ bu i^n auf^ 93üf ett legft; 
ben S^eUad)en entwenben fte ein 5:ud), ba^ 
au^ 5?refetb ftammt, unb ein 9lo^rgefled)t 
au^ SUlerane in 6ad)fen, unb [teilen an bxdf 
ba« ^Infmnen, bu fottft bamit bein 9Jluft!- 
jimmer beforieren. ®ie f(^limmften fmb 
aber bie ?lntiquitätenfd)en!er. ©ine 3inn- 



fanne, t)on ber einjig nod) im £aufe eine« 
3at)r^unbert« eine gro^e ^eule überge- 
blieben ift, galten fie für begeifternb im 
,^on". ein 5?upferfeffel, fct)warj ^om 
©ebraud), tpäre gerabe ba« 9vic^tige für 
beinen ©(a«fct)ranf. Sin alte« ^orjeüan- 
fännd)en mit Sprüngen, ot)ne Sülle, 
fd)limm[te« QSiebermeier, ^aben fie mit 
je^n ^arf bejal)« unb tpijfen nod) ni(^t, 
ob fie fid) t)on it)m txi^nnm fotten. ^auern- 
gefd)irre, bie fie auf jebem 3:opfmar!t lau- 
fen fönnen, bringen fie 'oon 50 ^Keilen 
n>eit angefd)leppt. ®ie Sru^e, bie fte al« 
g^utterüfte cntbedten, war xvxvtlid) nur no(^ 
al« ^utterfifte ju gebraud)en. ®er ^ferbe- 
ftriegel au« ^effing mxtt im 6aton be- 
placiert. ®ie i?upferftid)e fmb alte« be- 
brudte« Rapier unb ber tä)U Srijian ift 
eine 5?route, ift ein ed)infen, ift ein oer- 
räud)erte« 93arodbilb. 

^ber enbli(^, tt>a« nü^t e«! 3d) 
fd)en!e, bu fd)enlft, er fd)enft. Sine 
6d)lange, bie fid) in ben ©(^wanj bei^t. 
eine ^M(t oI)ne ßnbe. 6d)on Äomer, ber 
alte Äomer fpri(^t — tpenn id) nic^t aße« 

t)erfd)tt)it3t I)abe — t)On dayov unb av7idojyov 

ba« ^ei^t, t>on „^Jlitbringfeln". 




SKuf^el, 

o^nc bereit 93efi^ ba§ Scben reigtoS 
Wäre, für 3J2anta. 



116 



älteren trübem oorjüglid^e ©ienfte leiftete. 
?lud) ^at [ie mir ^ebertjalter öftere mitge- 
bracht. Sein Q3orfommen ift n^eniger lofali- 
fiert, boc^ jeigen fid) immerl)in n)eitget)enbe 
örtUd)eQ3erfd)ieben^eiten. 3ft er au^Äolsge- 
fd)ni$t, mit 93(umen unb 93lättern, fo ba^ 
er in ber Äanb u>ie ein Stüd Stad)elbra^t 
liegt, fo ftammt er aueJ „Snterlafen''. 5rägt 
er an feiner Spi^e eine fcf^tparje Keine 
©emfe, mit beffen 53i5rnlein man fid) in bie 
klugen ftid)t, ift er au^ ,,®aftein^ 3n 
^c^at — ©en)id)t eineint)alb 5?ito — au^ 
gjZarienbab. ^n^ 2lluminium (breii>iertel 
©ramm fd)tt)er), ^orm 9vabenfebcr mit 
btau gematten 93ergi^mein-- 
nid)tfranä unb bem ^ort 
„^ernigerobe", fo ftammt 
er au^ Äarjburg u. f. f. 
m bie Äatter — fo t)er- 
fd)ieben it;re Spielarten 
and) fein mi5gen — ^aben 
aber ettt)a^ ©emeinfame^ : 
5?ein SiJZenfd) fann mit it)nen 
fd)reiben, unb lein ^Jlenfi^ 
fann ba^ 93ilbd)cn erfennen, 
ba^ fte in ber ©ta^perte 
tragen. 3m beften ^aü ent- 
jiffert man ^^'SJZäufeberg 
mit ^etterfteinruine" ober 
„©amenbab in 9^orbernep", 
ober „?lnben!en'\ ober ,, Er- 
innerung'', unb barüber fiet)t 
man einen f(^n)arsen ^led. Unb bann fagt 
man: Bibern) irfli(^ entjüdenb! Unb ber gütige 
Spenber blidt auc^ bur(^ unb lä6)dt nod) 
glücffelig, inbem er äurücfbenft, „ftet)ft bu, 
genau fo fieK^ au^! ®a unten bin \d) 
immer be^ 5D^orgen^ fpajieren gegangen." 
S:)aht id) jd)on t>on ben ^erlmuttermufd)etn 
geft)rod)en mit bem ölbilb barin: 93ett?egte 
See bei ^albecf? ^ünftaufenb Stüd ^abe 
id) fd)on i>awn bei meinen Q3efannten unb 
93ertt)anbten auf ben 9^uf3baumt)ertito^ 
ftet)en fe{)en. 3d) bin jet^t ba^interge- 
!ommen, ba^ biefe ^ufd)etn übert)au})t 
feine rid)tigen 9!??ufd)e(n fmb, fonbern eine 
fünfttid)e 3mitation, bie in 9^ieberfd)i5ne- 
tt>eibe wn einer ©. m. b. Ä. au^ Äecffel, 



Die Äufiglotfe. 

„3itm 3cicl)cu, baf? ich bciu ncbad^t, 
^ab' id) bir biefcö mitgcbvacl)t.-" 



^^ferbct)aaren unb übcrmanganfaurem i?aU 
^crgeftellt tpirb. Unb äi)nlx(i) ift bie Sad)e 
mit ben I)unbert ?ln[id)ten, bem roten 
9Süd)elc^en für ben Qalontx\6) unferer 
g^reunbe. 9?ur ber ©ectet n)irb neu ge- 
brudt — ber 3nt)alt ift überaß ber gleiche. 
3d) i)abe: neulid) bie I)unbert f(^önften 2ln-- 
fid^ten wn 93ujtcl;ubc unb bie t^on ^ofo- 
l^ama t>ergtid)en. Unb benfen Sic, tt>a^ 
fitibe id) ? Seite für Seite ba^fclbe. 9'Zur 
bie Unterfd)riften anber^. 3öa^ in ^ujte-- 
t)ube ^riegerbenfmal auf bem 5?aiferpla$ 
l)ie^, n>ar in T5o{ot)ama aU ^ubbt)aftatue 
t>or bem Cangfutempel ausgegeben. (Sine 

äI)nHd)e Slllgemeinoerbrei- 
tung tt>ie ber Sebert;alter 
t)at aber aud) ber ^riefbe- 
fi^merer, bie ©(anfüget, 
in ber eine ^intertanb-- 
fd)aft fid) befinbet; fd)üt- 
telt man, fd)neit eS. 3(^ 
l)abe brei bat^on in einem 
3a^r befommen, einen wn 
einer 9?orbIanbSreife auS 
Sromfö, t>tn anbern auS 
5DZabrib, ben britten wn 
ber äu^erften Station ber 
QSagbabba^n. ®er ^rief- 
befd)tt)erer fd)eint alfo 
bemnac^ in ber ganzen ge-- 
mä^igten 3one verbreitet 
ju fein, ja, er ift fübtic^ bis 
^imbuftu unb nörbUi^ bis ^rd)anget be- 
obad)tet n>orben; eS gibt i^n in ben öer- 
fd)iebenften Spielarten auS Olit^en^Ij mit 
einer 5?aftagnettenf(^Iägerin, auS ^(^at, 
^labafter unb SeeiunbSfea. ®0(^ f(^ä$e 
id) ben mit ber ^intertanbfd)aft atS immer- 
träl;renben Sd)er5artilet am ]^öd)ften. dv 
ift tt>o^t and) bie Stammform. 

5lber nic^t immer ^at baS SO^it- 
bringfet biefe fonftftenten formen, er- 
freut uns nac^ Sauren bnvd) feine Sd^bn- 
t)eit. ?ncin, 33^^ ^rojent ber gjlitbringfet 
bcftel)en auS Cfjbarem, ^Nationalgerichten, 
totalen ©ebäden imb Spejiatitäten. ^ragt 
einen ^agenboftor, n?ann er am beften ju 
tnn t)at. ^ad) ben großen Serien; ber 
•Sluguft ift fein Erntemonat. ®a wirb baS 




115 



8» 



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^TTcaTHT^T^^ 



5^eifebriefe ber 5cimüte Sumke, 

1. Selfiftoerfafetes C5ebiö)t bcs öerrn »umfe an (einen Stommti|d). 







Monu 




^Aif^a.cJjß^'llc^ 



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^TKOt^i 



















€^/ma/n/f< 



91 



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2^eifebriefe ber Samilie 93umlie, 

2. /?tau Sumtc an bas Dicnftmöb^cn. 



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CxiLa£v€ytHiy 











* /9 , <* C/ /^ /f 




^ 0Ui^f^^i^^^ ^^^^^^^^^ ^^T^^ -^-^^^5r^^7^4^-#^C<^ 




y^o-irti^^ 










yf(h^< 



y^\/tu 




92 



5^eifebriefe ber Oramilie 93umke. 

3. Sröulcin ßmmi Sumfe an il)rc greunbin. 



(^^fyt/-f^ ^pC^t^f^>u<^ti^ 










y^i^-*^^-^ 







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9lc. 27 



Berliner Jlluftrirte 3eltung. 



023 



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SBorrcbe jum ,,Ä feinen @d)ufl3e in 2afd)enformat'' 

t)on (^eorfl Jpcrmann. 
SKit 3cid)nnngen i)on S'ri^ Äoci)^@otl)a» 

Srotjbcm mir CDcutfc^en ron allen 9^a.ioncn bie reife« 
frcitbinften finb, l)nben toir bic 2ed)iül; bcs 'Dicifcns 
bod) nod) uid)t in bcr Seife aiiönclnlbct, wie boe bte 



^-Ptattiid;e 9iatid)Iäöe füi 
bie 9leije: ! 

1. ^^crmcibe unnützen 33anait 
an reiner ^einenit)äfd)c. 3i^oUs 
n)äfd)e tut c§ aud) nnb ift 
tJiel Dauerliaftcr. 5Iöcr n^^^' 
nod) 3crDiteiir, lUianfd)cttcn 
unb Attacken aU Untaten 
nimmt , ift nidit t)on einem 
ii^aron au unterfd)cibcn. 



;ö 



toanberlitftiöen Kinber bt 
jneei:umfd)lungenen ^Ibions 
c\etan. ©arum ift es wol)l 
nid)t unseitöemag, trenn an 
biefer 6tellc ein alter spra!ti!er 
bem tDcnt(\et crfal)rencn 9icife* 
Juncker mit einigen bel)cri^ic^enö-- 
lüerten 9iatfc^läcien unter bie 
<3lrmc (greift. Säl)le ©eine ^Ici- 
bunc^ einfach unbprattif^^aBoIlener 
3Bäfd)e ift auf SHeifen ror Seinen- 
uiäfd)e ber '33or3ug ^u neben, bod) cm 



2. ^affc Xid) in Äleibnn^ nnb 
Sprüdie fo t)iet als möj^lid) ben 

^ilUerlicbft 
ift immer bie S;irnMtrad)t. 

3ett mit ein bis ^töei tlei* 
nen (öepädftuden bel^elfen 
tonnen unb nicl (öelb unb 
Xlnößlenenbeiten fid) er« 
fporcn. Um ober Satxb 
unb ßeutc c^enüc^enb tcnnen 
;^u lernen unb um nid)t als 
^eifeni)er aufzufallen, ift es 
angezeigt, fid) nad) Wog," 
Iid)teit ber Qpxad)z unb ben 
Sanbesfitten an^upaffen. 9Jlan 
xohb bann and) üon ber 53e» 
üölterung gutjorlommenber be» 
I)anbelt. 6o frage man gum 
SBeifpicl in Oberbai)ern: „6ä, mei 
fiiaba, gabt's l&ter lint^ auft f^um 
5tra?:enftoan?" unb lüirb an bcr 




4. 3tclle Xirf) fo oft tvic mögtid) t)or, inbem Xu fogft: STlein 
Slame ift Hraufe. 'ilux: fo mad)ft 2)u angencbmc unb einfluf;= 
tcid)e:öefanntfd)aftcn. ^^icUeid)t ift einmal ein i)JUniftecbaruntet. 



3. S^Ocnn and) eine Stafel beiithd) 
Steinen 3ng ontünbigt, traue il)r 
nid)t. 33ieneid)t t)at fid) ber SBeamte 
geirrt, t^ragc lieber nod)mal§ ben 
3uöfüi)rer, ben Sdiaffner, bie ©c= 
pärfträger unb einige 9ieifcnbe. 

pfiel)lt es fid) für längere Steifen 
(über t)ieri\c^n Sage), fid) mit 
einem ^tefertjeb^'tnb p t)crfcl)en. 
<akr roollene 3a3äfd)e nid)t liebt 
ober für nid)t „fein" genug l)ält 
tann leicht mit öerniteitr, 9Jkn» 
fd)etten unb fragen fid) ben ^In« 
ftrid) eines üoUenbeten ^aoaliers 
geben, 3Ber fo reift, mirb nic^t 
burd) vieles (öepöcf bel)inbert 
unb in feiner SBcu)cguncsfreil)cit 
gcbemmt. gür ben (Erfahrenen 
toirb aud) für eine meiterc 'i)icife 
ein $anb!offer aus ftartem Seinen 
genügen, ja, mcnn fid) bie (Gattin 
cntfd)lie6t, nod) eincgcftidteipanb* 
tafd)c mit}\unef)mcn fo toerbcn 
felbft (El)cpaarc fid) für längere 




5. G§ genügt nid)t, bafj ®u einen Söalb belounberft, nein 
2)u mufjt aud) butd) ^nftimmen bc§ fd)üncn t'iebcfe fragen 

iDcr il)n ouf gebaut l)at. 







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Auf dem Bücherbord 



Georg Hermann: „Jeltchen Geberl". Ro- 
man. 1955, Verlag Kiepenheiier & Witsch, Köln, 
464 Seiten mit Illustralionea von Beate Obsie- 
gCT, Leinen, DM 10,80). 

„Jettchen Gebert" ist wieder da! Meine erste 
Begegnung mit „Jettchcn" vor zirka zwanzig 
Jahren war rein zufällig. Damals hatte das gute 
l,Jettchen" eigentlich überhaupt keine Existenz- 
berechtigung; es war verboten. Welchem Um- 
stand es noch sein Schattendasein in einem 
Hintergelaß der Buchhandlung, in der ich 
meine Lehre absolvierte, verdankte, weiß ich 
nicht. Es verstaubte hinten in einem Winkel 
gemeinsam mit Alice Berends „Spreemann & 
&o." und Theodor Fontanes „Jenny Treibel", be- 
fand sich also nicht in schlechter Gesellschaft, 
obschon weder die Berend noch Fontane auf 
dem Index der Reichskulturkammer standen. 
Man sieht, daß der Zufall und das Gebot der 
Stunde (besser: Verbot) Hand in Hand arbei- 

teten, wie wäre sonst so eine sinnige Versamm- 
ung von Verbotenem und Erlautem in jenem 
Hintergelaß mi^glich gewesen, spielen doch alle 
drei Romane im alten Berlin des 19. Jahrhun- 
derts. Es will in rückschauender Betrachtung 
fcheinen, als habe sich der Geist Alt-Berlins 
Qconserviert in diesen drei Büchern) vom Geist 
des neuen Berlins vorn im Laden distanziert. 

Georg Hermann, mit bürgerlichem Namen 
Georg Borchardt, hatte mit „Jettchen Gebert" 
geinen ersten großen Erfolg. Der Roman er- 
schien 1906 und wurde ein paar Jahre später 
sogar dramatisiert. Er erzählt die melancholisdie 
Liebesgeschichte des jüdischen Waisenmäd- 
chens Jettchen Gebert, das im Haus reicher Ver- 
wandten aufwächst, sich in einen armen, bra- 
ven Literaten verliebt und mit einem ungelieb- 
ten, ekelhaften Vetter verheiratet wird. Die Ge- 
schichte gebrochener Herzen, wie sie Fontane 
schön und gefühlvoll zu erzählen verstand und 
auch — die Marlitt. Aber Hermanns Roman 
lebt von der Sentimentalität. Was an Gefühl 
verströmt wird, wird neutralisiert durch die 
unbestechlichen und ironisch gefärbten Charak- 
ters^iilderuncen. Hermann malt seine Men- 
schen und die Welt, in der sie leben, liebevoll 
und meisterhaft. Alt-Berlin und die Bieder- 
meierzeit werden lebendig, und jede Seite des 
Romans atmet den Duft. von Flieder und Ver- 
gißmeinnicht. 

Herbert Rocht „Schicksal am Monlpar- 
nasse". 1955, Gebrüder Weiß Verlag, Berlin, 
404 Seiten, Leinen, DM 15.80. 

Im Jahr 1906 reist ein zwanzigjähriger Maler 
nach Paris. Es ist Amedeo Modigliani, Sohn 
eines bankrotten Bankiers aus Livorno. Paris ist 
um die Jahrhundertwende Brennpunkt der euro- 
päischen Malerei, und Modigliani wird bald 
eine der auffälligsten Gestalten unter den exzen- 
trischen jungen Leuten, die den Montmartre 
bevölkern, um Anerkennung ringen, hungern, 
lieben, leiden und ihre Enttäuschungen im 
Pernod ertränken. Modigliani stellt die Welt 
mit einer verfeinerten, entzauberten und ernüch- 
terten Grazie dar. Er malt jene schwermütigen, 
ovalen Kinderköpfe auf überlangen Hälsen, aus 
denen die Traurigkeit allzufrühen Erlebens 
blickt. Hemmungslos läßt er sidi in ScJiaffens- 
pausen von Caf6 zu Caf6, von Mansarde zu 



Mansarde treiben. Seine Freunde veranstalten 
eine Ausstellung mit seinen Bildern. Es. gibt 
einen Skandal, und die Ausstellung wird ver- 
boten. Während des Weltkrieges läßt er sich 
von der englisdien Sdiriftstellerin Beatrige 
Hastings unterstützen. Später lebt er mit Jeanne 
Hobuterne zusammen und schenkt ihr ein Kind. 
Seine Gesundheit — er leidet an Tuberkulose — 
wird sdilechter und sdil echter. Auch eine Reise 
an die Riviera, zu der ihm Dr. Zborowsky die 
Mittel verschafft, bessert nidits. Erst sedisund- 
dreißigj ährig stirbt er in einem Hospital. Jeanne 
stürzt sich an seinem Begräbnistag aus dem 
Fenster. 

Herbert Roch hat die Welt des Montmartre 
mit all ihrem Zauber und all ihrer Laszivität 
glänzend eingefangen. „Schicksal am Montper- 
nasse" muß an dem Hauptwerk des Meisters der 
Pariser Boheme-Schilderung, an Daudets „Sapho" 
gemessen werden. An Subtilität ist Roch Dau- 
det gleidi, an Realistik übertrifft er ihn. R. 

Walter M e c k a u er : „Die Nachtigall im 
Tintenfaß". (1956, Verlag Pohl & Co., Mün- 
chen, 192 Seiten, Pappband, DM 6.80). 

Walter Meckauer legt die erste original- 
getreue Sammlung von rund 150 Gedichtea der 
berühmten „schlesischen Nachtigall** Friederike 
Kempner vor. Lohnt es sich wirklidi, die ziem- 
lich vergessenen, aber unvergeßlichen Poeme 
der schlesischen Nachtigall aufzuwärmen? Drei- 
mal ja! Es lohnt sich! Nicht nur wegen ihres 
unfreiwilligen Humors, der allein schon die 
Ausgrabung rechtfertigte, müssen Friederikes 
Verse der Nachwelt erhalten bleiben. Sie sind 
überdies auch kulturgeschichtlich von unschätz- 
barem Wert. In ihrer unübertrefflichen Däm- 
lichkeit und ahnungslosen Selbstüberhebung 
entlarvt die dichtende Friedrike nicht nur sich 
selbst sondern die ganze Gefühlsdusseligkeit 
und Etepeteteluerei ihrer Zeit. Nie ist sie über 
das schwärmerische Backfischalter hinausgekom- 
men und noch als „Nesthäkchen im grauen 
Haar" verbrach sie tiefgefühlte Verse wie die: 
sen: 

„Du läßt den Menschen steigen 
hinai\f bis zum höchsten Berg. 
Dann lassest du ihn sinken 
hinab bis zu einem Zwerg.** 

Man sollte meinen, ein einzelner Mensch 
könnte gar nicht so schafsdämlich sein, so was 
in tiefstem Ernst hinzuschreiben und obendrein 
auch noch drucken zu lassen. Die schlesische 
Nachtigall konnte es! Alles, alles ist heilig ernst 
gemeint, vom ersten bis zum letzten Vers. In 
den Vorworten zu den acht Auflagen (!), die 
ihre Gedichte zwischen 1881 und 1903 erleb- 
ten, dankt sie „der liebenswürdigen Lesewelt, 
welche die 2. Auflage schon im Mai 1883 ver- 
griffen hatte". 

Friederike Kempner war sich der Unsterb- 
lichkeit ihrer Dichtungen bewußt, weshalb sie 
denn in einem Gedicht darum bittet, „daß nicht 
wer mein Werk verderbe, / leiht drum willig 
Herz und Ohr, / nicht enthaltet dieses Erbe ' 
euren Nachekommen vor**. Walter Meckauer hat 
uns dies Erbe nicht vorenthalten, und wir sind 
Ihm dankbar dafür; denn die Kempner war die 
größte Meisterin des unfreiwilligen Humors. R. 



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Diese neuartige Radio-Phono-Kombination, bei der die Lautspredier neben Skala und Platten- 
spieler angebracht sind^ weidit von der althergebraditen Form der Musiktruhe stark ab. Ei 
ist eines der Geräte, die von Hans Gugclot von der Hodischule für Gestaltung in Ulm für die 
Firma Max Braun entworfen wurden. In hellem Ahornholz ohne zweckfremde Vergoldung paßt 
sich die Kombination dem modernen Wohnstil an. Das kleine Gestell darunter kann durdn einen 
Plattensdu-ank ersetzt werden oder man baut das Gerät in Regale ein, oder setzt es auf Anbau- 
möbel. Tedmisch ist das Gerät mit einem Hodileistungs-Super ausgestattet, (ILA) 




Man nehme ... 

Edeka- 
Weizenmehl 

feinstes Auszugmehl 
Type 405 . . 1-kg-Btl. 0,81 
Type 405 . 2,5-kg-Bd. 2,08 

Edeka Nuß, die feine 
Pflanzen-Margarine 250 g 0,49 

Edeka Sonne, die feine 
Eigelb-Margarine . 250 g 0,55 

El^eka Ass, die feine Delikaleß- 
Margarine 250 g 0,64 

Edeka Palmgold, 100% reines 
Pflanzenfett .... 250 g 0,54 

und alle Backzutaten: 

Sultaninen, Korinthen, Man- 
deln, Nußkerne, Kokosraspeln, 
Blaumohn usw. 

für die Weihnachtsbädcerei 
finden Sie bei mir. 

£• Schütte 

Feinkost — Lebensmittel 

Holzminden- Altendorf 

Ruf 280 



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Winter, Siegfried: „Das große Flie- 
gerbuch" (Reutlingen, Ensslin & Laiblin, 
30O S. DM 8,50). Gewissenhaft gear- 
beiteter Versuch, der flugbegeisterten 
Jungen'schaft sachliche Kenntnisse zu ver- 
mitteln. 

O. A. H. Schmitz: „Brevier für Welt- 
leute" (Marbach/N, Perlen-Verlag. 234 S. 
DM 12,80). Diese Causerien sind in der 
12. überarbeiteten Auflage so frisch wie 
am ersten Tag. 

" Werner Ackermann: „Urwald in der 

großen Stadt" (München, Verlag Pohl & 

Co. 101 S. DM 5,80). Das durdi Vor- 

. abdrud^e in den Heften 5 und 6/1954 

bekannte Afrikabudi. 

Georg Hermann: „Jettchen Gebert" 
(Köln, Berlin, Kiepenheuer & Witsch. 
464 S. DM 10,80). Dankbar begrüßte 
Neuauflage. 

Jagemann, Eberhard: „Die raumpoli- 
tischen Grundlagen Europas" (Wolfsha- 
gen-Scharbeutz, Westphal-Verlag. 79 S. 
DM 4,80). Ein Versuch, der sich auf die 
Schule Haushof ers beruft. 

Jacobi, Hansrcs: „Nur für Raucher" 
(Zürich und Stuttgart, Classcn-Verlag. 
90 S. DM 4,90). Mit Sachverstand zu- 
sammcni;estellt und trefflich von Helmut 
Knorr illuminiert, wird das Bändchen 
dem nachdenklichen Raucher willkom- 
men sein. 

Fehse, Willi: „Lächelnde Justitia" 
(Eßlingen, Bechtle-Verlag. 84 S. DM 
4,20). Das Thema der weisen richterlichen 
Entscheidung wird in kürzeren und län- 
geren Geschichten amüsant pointiert. 

Rauch, Karl und Christel M. Schrö- 
der: „Heilige Heiterkeit" (Eßlingen, 
Beditle-Verlag. 98 S. DM 4,20). Anek- 
doten aus der Geistlichkeit der beiden 
christlichen Bekenntnisse, die mit Ge- 
schmack das Motto variieren: „Der Hu- 
mor ist eine Erscheinungsform der Re- 



ligion, denn nur wer über den Dingen 
steht, kann sie belächeln." 

Carmiggelt, Simon: „Abenteuer mit 
Kindern" (München, Langen-Müller. 
110 S. DM 5,80). Neue Feuilletons des 
humorigen Holländers, die aber nicht die 
Vollkommenheit seines „Katzenbreviers" 
erreichen. 

Coster, Charles de: „Die Geschichte 
von Ulenspiegel und Lamme Goedzak" 
(Frankfurt/M, G. B. Fischer & Co. 515 
S. DM 10,80). Die von Walter WiJmer 
mustergültig besorgte Übertragung er- 
hält ihren besonderen Akzent durch die 
16 Holzschnitte von Frans Maserecl. 

Weidlich, Hansjürgen: „Ordnung muß 
sein" (Frankfurt, Europäische Verlags- 
anstalt. 196 S. DM 4,80). Die z. T. durch 
den NWDR bekannten Satiren über die 
verbürokratisierte Existenz zu drucken 
war ein Wagnis, das ohne Zweifel glück- 
lich gelang. 23 Federzeichnungen von 
Otto Berenbrock. 

Mostar, Gerhart Hermann: „Richter 
sind auch Menschen" (Heidenheim/ßrenz, 
Heidenheimer Verlagsanstalt. 240 S. 
DM 6,80). Mostars Kritische Justizbe- 
trachtung ist in wenigen Jahren zu einem 
Begriff geworden. Diese neue Auswahl 
wird sein Ruf verdientermaßen ver- 
breiten. 

Weizsäcker, Viktor von: „Klinische 
Vorstellungen" (Stuttgart, Hippokrates 
Verlag, 126 S. DM 10,80). Vgl. die aus- 
führliche Darstellung von Werk und Per- 
sönlichkeit Weizsäckers in dieser Zeit- 
schrift Nr. 6/1955 S. 599 ff. 

Dovifat, Emil, Prof. Dr. phil.: „Zei- 
tungslehre I und 11" (Berlin, Walter de 
Gruyter-Verlag, je DM 2,40). Die seit 
der 2. Auflage erheblich veränderte Neu- 
ausgabe der beiden Göschen-Bändchen 
dürfte weit über den Kreis der Studie- 
renden hinaus Beachtung finden. 



Mitteilungen: 

Den ersten Preis im Umschlag- Wettbewerb der Deutschen Rundsdiau 
erkannten die Preisrichter einstimmig Frau Professor Eva Schwimmer, Berlin, 
zu. — Der Ladenpreis des in Heft 12/55 angezeigten Buches \om Bracher 
„Die Auflösung der Weimarer Republik" beträgt DM 27,80, leider nicht 
DM 21,80, wie unser Referent angab. — Das Zitat aus dem Brief von Kuno 
Graf Westarp, S. 1264, muß vollständig lauten: „Ich kann mich auch durch 
den Vorwurf der , Front von Westarp bis Crispien* nicht veranlaßt sehen, 
die Politik preiszugeben, durch welche idi seit dem April vorigen Jahres der 
Regierung Brünings die Fortsetzung ihrer Arbeit ermöglicht habe ..." — Das 
Inhaltsverzeichnis der Deutschen Rundschau 1955 ist vom Verlag zu beziehen. 



105 



[ge in das^Janr iüod "verlegt, dürfte das 
lenbild nicht an verstaubte Operetten- 

iage der vorliegenden Zeit erinnern. Oben- 

|n hat man auch die Musik zerpflückt und 
einzelnen Partien durcheinandergemixt, 
zerstört den Aufbau dieser vollendeten 
Lußschen Komposition. So muß man sich 

JEinzelheiten halten, an ein paar drollige 
^e und an die unverwüstlichen Melodien. 

Imbühne Wien) W. F. 



au ver- 



htet waren 



in Frankreich 

lungsreiche Spiel — selbst eine Art gran- 
in Theaters — bis in unsere Tage: vor 
;en Jahren wurde eine Nachfahrin Moli^res, 
Jlied der Com^die FranQaise, im Habit des 
[ten Ordens der Dominikanerinnen, dem sie 
jhört hatte, beigesetzt: ihr weißes Gewand 
war eine weiße Tunika, in der sie unzäh- 
Male Racines „Phädra" oder „Agrippina" 
gestellt hatte. Louis Jouvet schließlich, der 
seines Lebens zu seiner Kirche „unter- 
y war, der unmittelbar nach seinen Büh- 
luftritten, um sich zu sammeln, um sein 
[der Bühne aufgegebenes „Ich" wiederzu- 
m, theologische Bücher las, dieser große 
luspieler unserer Tage wurde unter Teil- 
te unzähliger Kollegen in St. Sulpice f eier- 
I bestattet. 

Siegel aber unter die endgültige „Ver- 
[ung" zwischen Theater und Kirche stellen 
I sich ergänzende Ereignisse dar: angeregt 
[zwei Schauspielern der Com6die Fran^aise 
unter dem Patronat des Erzbischofs von 
wurde 1923, zum 300jährigen Geburtstag 
feres, in St. Roch eine Messe für den 
juspieler- Autor des „Tartuffe" gelesen, und 
söhnten sich die Pariser Schauspieler mit 
_ alten Feinde Bossuet aus, indem sie aus- 
glich für »eine Seelenruhe in St. Roch 
ten. Wie »ehr aber heute, da wir e» ernst 
lien, das Christentum nicht trotz oder 
In der Arbeit, sondern gerade in Arbeit und 
)f zu verwirklichen, auch die Welt des 
Lter» „misflionlerbar" geworden ist, davon 
[nicht nur der den Künstlern vorbehaltene 
[on ihnen gewünschte! — allsonntägliche 
»sdienst in einer Seitenkapelle von St. Roch 
lis ab, davon gab P. Carr6 au» »einer 
[hrung eine Fülle bewegender Beispiele. 

Hilde Herrmann 



-viti"Cir-Rrämg6r StemiB Humor. Miiiy 
fügt darüber. Sie gehörte zu jener kleinen 
Gruppe deutscher Forscher und Publizisten, 
die als erste nach dem Kriege eine Expedition 
in Bolivien durchführen durfte. In ihrem Buch 
„Heilige Berge — Grüne Hölle" berichtet sie 
lebendig und voller Farbigkeit von ihrem drei- 
jährigen Aufenthalt in diesem noch wenig er- 
schlossenen Land: ein packender Expeditions- 
bericht, der dadurch, daß ihn eine Frau ge- 
schrieben hat, seinen eigentümlichen Reiz er- 
hält. Kameramann Hans Ertl hat zahlreiche 
»chöne Fotos beigesteuert. (Ehrenwirth Verlag, 
München. 248 S., 12,80 DM.) P.D. 

„USA" UND „ANAHUAC" 

In seiner bekannten Länder-Reihe hat der 
Verlag Orell Füssli, Zürich, das Buch von 
Andr6 Siegfried über die USA wieder heraus- 
gebracht. Erstmalig erschien es 1927 und ge- 
hörte schon damals zum besten, was man lesen 
konnte, wenn man sich ernsthaft über die neue 
Großmacht, über ihr inneres Gefüge informie- 
ren wollte. Heute liegt das Buch — neu ge- 
schrieben, ergänzt und erweitert — mit dem 
Titelzusatz „Aufstieg zur Weltmacht" vor. 
Welch eine Entwicklung! Die solide und den- 
noch elegante Feder von Andr6 Siegfried schil- 
dert sie in packender und zugleich gründlicher 
Weise (283 S., DM 18,—). 

Ganz anders das neue Buch über Mexiko, 
das derselbe Verlag von Marc Chadourne unter 
dem Titel „Anahuac" — dem ältesten Namen 
des Landes — vorlegt. Es ist nichts für den, 
der durch nüchterne Betrachtung ein Bild von 
den Tatsachen gewinnen will. Es ist das Buch 
eine» Poeten, der in das Land und seine Men- 
schen verliebt ist. So vermittelt es zwar kein 
Fachwissen, aber Atmosphäre. Erschließt uns 
Chadourne damit das Geheimnis Mexikos nicht 
besser als mit einem Kompendium ? Er selber, 
dieser gescheite und weitgereiste Autor, glaubt 
es jedenfalls (190 S., DM 17,80). —1 

JETTCHEN GEBERT 

Man muß dem Verlag Kiepenheuer und 
Witsch wirklich dankbar sein, daß er das alte, 
so völlig vergangene Berlin mit der neuen Auf- 
lage von Georg Hermanns entzückendem Ro- 
man au« der Biedermeierzeit „Jettchen Gcbert'* 
wieder lebendig werden läßt. Die glücklich-un- 
glückliche Liebesgeschichte der schönen Hen- 
riette, schon vor fünfzig Jahren ein literari- 
scher Erfolg, bedarf auch heute keiner Anprei- 
»ung. (Mit 20 Zeichnungen von Beate Obsieger, 
464 S., DM 10.80). —1 



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TofQUX'^^i' ^^•'?-" 



Seite 8 



i Begrtißentwerte KlMilker-Neuausgabe 

Von öottfrieJ Keller bis Henry Jämes 






Kein wunder, daß ein Vierzigjähriger mehr 
von der Lektüre des ..Grünen Heinrich^ hat 
als einst der Siebzehnjährige gehabt hat so 
«roß auch dessen Erregung gerade beim ersten 
lesen gewesen sein mag. Gottfried Kellers 
großer Bildungsroman scheint gerade den 
Vierzigjährigen anzusprechen, dem er Lebens- 
erfahrungen vermittelt, die durch persönliche 
Erlebnisse bestätigt sind. Und scheint es Jetzt 
nicht so. als habe der gereiftere Leser erst 
das richtige Organ für sein yerstehen ent- 
wickelt T und erscheint dann ndch „Der grüne 
Heinrich" dem gereifteren Leser als ein Werk, 
das dauerhafter ist als die zahllose Flut der 
sensationell angekündigten Bestseller T 



wenn der Rezensent bei der Wiederbegeg- 
nung mit dem „grünen Heinrich" das Gefühl 
hatte, das Buch sei ihm plötzlich auf rätselhafte 
weise aufgegangen, so möchte er, daß ahn- 
liehe Empfindungen manchen bildungsbeflis- 
senen Romanleser unserer Tage heimsuchen, 
und er erfüllt darum gern die erfreuliche 
Rezensentenpflicht, auf die Neuausgabe des 
Romans von Gottfried Keller hinzuweisen, die 
der verdienstvolle Verlag Kiepenheuer & 
Witsch. Köln und Berlin, zum Jahresende vor- 
genommen hat. (Der grüne Heinrich". voU- 
ständift Aufgabe. 1955. 634 Seiten. Ln. DM. 
10.80.) 

Dieser umfangreiche Keller-Band erscheint 
in der vom Verlag Kiepenheuer & Wltach be- 
treuten Sammlung ..Schöne Romane und Er- 
zählungen der deutschen und der Weltlitera- 
tur". 

In dieser Sammlung Ist auch Flauberts 
HMadame Bovary" In vorzügUcher deutscher 
Uebersetzung erschienen. Und •• erachten dar- 



in ein Roman, der das bürgerliche Leben Im 

Berlin von 1840 schildert: »^^^^^^^^ ^^J^^Vl 

von Georg Hermann (484 Selten, 1955, LH. 

DM 10,50). 

Vielen jüngeren Lesern ist Georg Hermann 
ein Unbekannter. Er ist auch schon lange tot, 
und well er Jude war. wurde er von den 
Nazis verschwiegen, die seine Werke auf «lie 
Verbotsliste setzten. Und doch - o Wunder I 
— hat dieser Georg Hermann, den noch ein 
Literaturwissenschaftler wie Alfred Biese 
1915 verkannte - um diese Zeit ist „Jettchen 
Gebert" entstanden -, alle Aussicht, Im Ge- 
folge Theodor Fontanes zu einem Klassiker 
des deustchen Romans zu werden. Der Stil 
Georg Hermanns Ist so unbeschwert-modern, 
dabei von so zuchtvoller Form, daß man man- 
chen absoleten Charakter der Romanhandlung 
vergißt und die Kunst des Schiftstellers be- 
wundert. Wenn heutige gefeierte Autoren 
schieben wie er, so brauchte man sich über 
die Stilproblemen der modernen deutschen 
Romanllteratur weniger Sorgen zu machen. 

War „Der grüne Heinrich" für den Rezen- 
senten eine Wiederentdeckung, Georg Her- 
mann sozusagen eine Entdeckung, so war der 
von Hans Hennecke ins Deutsche über- 
tragene Roman „Malsle* von Henry J a m e • 
die Bestätigung des Eindrucks, den ..Prinzes- 
sin Casamassima" (an dieser Stelle vor Jahres- 
frist besprochen) auf den Lesenden gemacht 

hatte. 

Die James-Renaissance, die vor kurzem Im 
deutschen Sprachraum eingesetzt hat, nach- 
dem der bedeutende amerikanische Romancier 
in England und Frankreich längst zu den ge- 
schätzten Klassikern gehört, hatte ihre Ver- 
spätungsgründe in einem Mangel an guten 
deutschen Uebersetzungen des schwer über- 
setzbaren James'. Als dann die erste deutsch« 
Ausgabe von ..Prinzessin Casamassima" Im 
Verlag Klepcnheuer & Witsch erschien, wurd« 
James in Deutschland erst „richtig entdeckt". 
Und die deutsche Kritik erinnerte sich eine« 
Ausspruchs, den Graham Greene im Hinblick 
auf James getan hatte : „Er Ist so einsam in 
der Geschichte des Romans, wie es Shakes- 
peare In der Geschichte der Dichtung ist." 

Der Roman „Malsle<* (293 Selten. 1955. Ln. 
DM 16,80. im Verlag Kiepenheuer A Witsch, 
Köln und Berlin) schildert das Schicksal eines 
Kindes geschiedener Eltern. Die gleiche echte 
Kraft, die „Prinzessin Casamassima" zu einem 
bleibenden Werk der Weltliteratur formte, ist 
hier spürbar. ..Malsle" Ist 1897 entstanden, die 
„Prinzessin" 1886. 

Gottfried Keller und Henry James : e« 
scheint, als lege die Wiederbegegnung mit Ihren 
Werken eine Tiefenschicht Im Geist des auf- 
merksamen Lesers frei, die es Ihm erlaubt, 
seine Innerlichkeit dem Ewig-Lebendige der 
Weltliteratur vollends tu erschließen. 

Joseph HANCK. 



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® LITERATURßEILÄÖE ^ 



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Ein Griff auf unseren Büchertisch 



vielgeliebt und vielfach aufgelegt, bis 
es im Jahre 1933 auf die Verbotsliste der 
Nazis kam, war die zauliorhafte Gesrhidite 
der iungtn und sc+iönen Berlinerin 
„Jettchon Clfibert", ein Roman von Georg 
Hermann, der diesen Autor seinerzeit mit 
einem Schlfige berühmt machte. Jetzt hat 
es der Verlag Kiepenheuer und Wietsch, 
Köln-Berlin, unternommen, dieses Buch 
wieder in einer neuen Ausgabe heraus- 
zugeben. Und sicherlich wird „Jettchen 
Gebert" wieder viele Liebhaber finden. 
Denn diesem Roman haftet noch heute der 
unvergänglicbe Zaaiber an, der ihm nach 
seinem Erscheinen vor einem halben Jahr- 
hundert nachgerühmt wurde. Jettchen Ge- 
bert lebt im Berlin von 1840, in der Zeit 
des Biedermeier. Sie lebt die Geschichte 
Von den beiden Königskindern, die nicht 
zueinander kommen können. Bei aller 
Zartheit und MolanclioUe, die in dieser 
Geschichte mitsdiwingen, ist dieser Roman 
von erstaunlicher Kraft und Leidenschaft 
getragen. Er wird auch heute seine lite- 
rarische "Wie seine kulturgeschichtliche Be- 
deutung behaupten (464 Seiten, 10,80 DM). 

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Au8 Oesterreich kommt der Roman 
von Herbert Zand „Der Weg nach Hass- 
El Emel" (Donau-Verlag, München-Wien, 
171 Seiten, 9,50 DM), ein ungemein fesseln- 
des, nicht nur in der Thematik, sondern 
auch in der Kunst der Darstellung in- 
teressantes Buch, das vor allem durch die 
Symbolik, die dem tatsdchlidien Gesdiehen 
gegeben wird, einen besonderen dichte- 
rischen Reiz erhält. 

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sensationelle Leistung von Stoff-Stern, 
Hannover, Georgstraße (neben Karstadt) 
und Lister Platz und Wunstorf. 



Als Sonderausgabe in der Reihe .Die 
Bücher der Neunzehn" gibt die Nymphen- 
burger Verlag-shandlung in München den 



Romain des großen schwedischen Dich- 
ters Harry Martinson »Der Weg nach 
Glodcenreich" heraus (392 Seiten, 6,80 DM). 
Martinson hat mit diesem Roman eines 
Vagabunden ein Thema aufgeciriffen, das 
typisch ist für die skandinavische Literatur. 
Sein vagabundierender Held, ein arbeitslos 
gewordener Zigarrenmacher, hat sicti das 
Ziel gesteckt, nach „Glockenreich" zu 
kommen, jenem unerreichbaren Ziel äuße- 
ren Strebons. Aber mit dem gewonnenen 
Vvissen um die Fragwürdigkeit vieler 
Werte des menschlichen Öaseins schlecht- 
hin und der modernen gesellschaftlichen 
Ordnung im besonderen, gelangt der Va- 
gabund an ein anderes, vielleicht besseres 
Ziel. Martinson hat sich mit diesem Buch 
in die Reihe der bedeutendsten Dichter 
unserer Zeit qestpllt. 

Von dem zur Weltliteratur gehörenden 
Buch des Flamen Charles de Coster über 
Till Ulenspiegel ausgehend, unternimmt es 
der Flame Raf Verhulst „Till Eulenspiegels 
Jugend" nachzuzeichnen, im Hinblick auf 
den großen Vorgänger ein kühnes Unter- 
fangen, das durch den Reichtum an 
spannender Handlung, urwüchsigem Humor 
und glüciclich gelungenem Zeitkolorit sehr 
wohl neben dem Roman de Costers zu 
bestehen vermag (Franz Westphal-Verlag, 
Wolfshagen und Scharbcutz, 268 Seiten, 
1/J,80 DM). 

Ebenfalls im Franz Westphal-Verlag er- 
schien die aufschlußreiche Geschichte einer 
deutschen Gemeinde in den Vereinigten 
Staaten, „Klumpendal" von Ralph Charles 
Wood, in der der Verfasser den Leser 
ernst und heiter durch viele alltägliche 
und manche nichtalltägliche Begebenheiten 
einer kleinen, im mittleren Westen der 
USA gelegenen deutschen Gemeinde führt 
(199 Seiten, 9,80 DM). 

Der Marion von Schröder-Verlag, Ham- 
burg, legt zwei unterhaltsame Erzählungen 
vor. Der Engländer Patrick Ligh Fermor 
benutzt in seiner Erzählung „Karneval auf 
Samt-J^quies" als Hintergrund eines dra- 
matischen Gesdiehens während eines 
Karnevalballes, auf dem langjährige Feind- 
schaften, Haß und Intrigen unter den 
europäischen Gesellschaftskreisen auf einer 
Antilleninsel zum Ausbruch kommen, den 
furchtbaren Vulkanausbruch des Mt. Pele 
auf Martinigue im Dezember 1902 (192 Sei- 
ten, 9,80 DM). Eine sinnige, fast zarte 
Erzählung ist die von Lutz Besch „Immer 
nach Hause" (132 Seiten, 7,50 DM). 

Ein Kleinod angelsächsischer Erzählkunst 
und britisdien Humors ist die Geschichte 
dos »kurrillen, fabuJierenden, schnurrigen 
„Sem Smair aus Yorkshire, die Eric 
FJnigth erzählt. Wir sitzen mit Sam Small 
am Stammtisch des „Goldenen Anker" in 
Polkingthorpe Brig und hören Geschichten 
voller Einfachheit mit dem Inhalt alter 
Märchen, Träume, Phantasien, in denen 



das Selbstverständliche des täglichen Le- 
bens sichtbar gemacht wird. Diese Ge- 
schidite ist ein wahres Kleinod erzählender 
Kunst. (Eric Knigth, „Sari Small fliegt 
wieder", Scherz und Goveris-Verlag, Stutt- 
gart, 249 Seiten, 10,80 DM). 

„Helfen Sie mir, Herr Doktor* heißt ein 
populär-medizinischer Ratgeber für die 
intimen Probleme der Frau, den Harry B. 
Saffort, ein bekannter Facharzt für Frauen- 
krankheiten in New York, cjeschrieben hat. 
Erschienen ist dieses Handbuch im Wilhelm 
Goldmann-Verlag, München (216 Seiten, 
0,80 DM). 

Ein typisch amerikanisches Buch ist das 
im Albert-Müller-Verlag, Püschlikon, er- 
sdiienene „Lehrbuch" von Dr. Donath A. 
Laird „Aufstieg durch Willenskraft". 
„Sprechende Beispiele für jeden Beruf, 
geschöpft aus dem Leben fihrrndor Men- 
schen", damit dürfte dieses 3uch charakte- 
risiert sein, das auf 22{ Seiten für 
12,80 DM eine Fülle praktif.aer Ratschläge 
für das Alltagsleben und cin^n Wegweiser 
zu erfolgreichem Wirken gibt. 

Kurz notiert 

Immer wieder macht e^ Freude, dem 
lesehungrigen Publikum arz'igen zu kön- 
nen, mit welcher Fülle von IJeu-Ausgaben 
und Wiederrtuflagen die klünen Bücher- 
reihen der einzelnen Verlög< überraschen. 
Wir nennen nur einige aus der Fülle der 
laufend herauskommenden lande. So im 
Rowohlt-Verlag von Jean Giono „Der 
Husar auf dem Dadi" (Banc 161), H. K. 
Laxness „Atomstation" (12), Francois 
Mauriac „Die Sünde" (163) md von Giu- 
seppe Giono „Der Himmel -t rot". Oder 
aus der Reihe der Ullsteinlüdier: Rene 
Fülop-Müller „Sankt Franzis' is" (Band 53), 
Werner Bergongruen „Die ZvilHnge aus 
Frankreich" (63), Albert Eipstein „Mein 
Weltbild" (65), Marx O'Hara ,Vlein Freund 
Flicka" (66), Annemarie S.iinko „Hnute 
heiratet mein Mann" (75), M.Maeterlinck 
„Das Leben der Termiten" (78), Jakob 
Burckhard „Weltgeschichtlid^e Betrachtun- 
gen" (79). Und in der Reihe <ier Kriminal- 
romane erschienen von Franns lies „Vor- 
sätzlich" (Band 67 K), und S. W. Taylor 
„Der Mann mit meinem Gc-sidit (64 K). 
In der Reihe der Fischer-Bürh?rei er.sdiie- 
nen neu von Erick Ambler .^chirmers Erb- 
sdiaft" (Band 78), Edzard Sdiaper „Das 
Leben Jesu" (96), James A. Midienf^r „Die 
Brüdcen von Toko-Ri" (98) Gustav von 
Bodelschwingh „Das Lebensbild Friedrichs 
von Bodelschwingh" (99) uW als 100. Band 
der kleinen Bücherreihe .Die Göttliche 
Komödie" von Dante, übertragen von Wil- 
helm G. Herz. Als 60. Band der kleinen 
List-Bücher erschien der Roman von Kurt 
Heynicke .Herz, wo liegst Du im Quar- 
tier?". 




Die Schwebebahn in Wuppertal 

Die Schönheit einer bezaubernden Landschaft und die Romantik der großen 
Industrieanlogen bei Tag und Nacht, die das Industrierevier Westdeutsch- 
lands kennzeichnen, werden uns in dem ausgezeichneten Bildwerk „Nord* 
rhein-Weslfalen' nahegebracht, das der Umschau-Verlag, Frankfurt (Main), 
herausgegeben hat. Landschaft, Mensch, Kultur und Arbeit sind von Helmut 
Domke erläutert und die Bilder von Harald Busch zusammengestellt worderu 
Eingeleitet wurde dieses vorzügliche Werk von Otto Brues. Es enthält 
152 ganzseitige Bilder im Großformat. Das Buch kostet in Ganzleinen 
15,40 DM. 



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Wcihnichtetifch 

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Irmln Frank: „Die Dame mit dem 

loeKen'*. Roman. 384 S., Ln. 14.80 Mark 

(Lothar Blanvalet-Verlag, Berlin. 

IDen in der Pfalz geborenen Autoren 

Jit es, bevor er sich an dieses Buch 

[achte, auf vielerlei Meeren und 

jntinenten umhergetrieben. Aus 

?rsönllchem Erleben, also mit dem 

ienteuer vertraut, gelang ihm denn 

lieh dieser weitgespannte und bunt- 

Ihillernde historische Abenteuer- 

iman vortrefflich, der uns vom auf- 

(genden Schicksal der Dame mit dem 

igen berichtet. Als Catalina de 

l'auzo wird sie im Kloster erzogen. 

itflieht jedoch der strengen Zucht 

id verbringt fortan ihr Leben in 

finnerkleidung zwischen Abenteuern, 

[lellen, Intrigen, Inquisitionskerkern, 

Monagediensten und Sensationen, 

|k sich schließlich doch auch aus dle- 

<C wagemutigen, abenteuerlustigen 

jd" degenbewaffneten Dame eine 

frtlich liebende Catalina entpuppt. 

llhelm Moberg: „Neue Heimat in 
fernem Land" Eine schwo'lische 
'hronik. Propyläen-Verlag. Berlin. 
159 S., Ganzleinen DM 12.80. 

,./er den ersten Band — „Bauern zle- 
\n übers Meer" ist sein Titel — von 
jbergs als Trilogie angelegter Ge- 
fliehte der großen schwedischen Aus- 
knderer-Bewegung kennt, wird vie- 
h Gestalten im zweiten Buch wieder 
Igegnen. Doch reicht die dichterische 
[aft des Erzählers aus, dieses neue 
)os von einer mutigen Schar eln- 
:her Menschen zu einem in sich ge- 
ilossenen Werk zu machen. Das 
jltbild dieser Einwanderer, gebildet 
Verhältnissen und Lebensbedin- 
|ngen, wie sie sie in Amerika um die 
itte des 19. Jahrhunderts erlebten, 
lellt sich quch für uns aus diesem 
jch, aus der Art, wie Moberg ihre 
jrwunderung und ihr Erstaunen über 
itur und Menschen darzustellen ver- 
ebt. Daß auch dieser zweite Band 
|s Mobergschen Epos ebenso hübsch 
igebunden ist wie der erste aei am 
inde vermerkt. 

Irbcrt Zand: „Der Weg nach Hassi 
\l emel**. Donau Verlag, Wien, 
1.50 Mark. 

:in Buch, in dem der Schreckensweg 
les in der Wüste Verirrten bis In 
tiefsten Gefühlsregungen hinein 
schrieben wird, seine Wahnvorstel- 
,igen, seine Selbstquälereien, seine 
Iffnungen, seine Enttäuschungen. 
Je Minute wird dramatisiert. Wie 
le Erlösung erleben wir seine Ret- 
ig durch seine Frau. 

* 

[ria Mathi: „Wenn nur der Sperber 

ir\xi kommt". Roman. C. Bertels- 

i:iann Verlag, Gütersloh, 303 Seiten, 

feinen, 10,80 Mark. 

las der Erinnerung des Erlebens In 

em hessischen Heimatstädtchen Ha- 

Wiar gestaltet die Verfasserin ein 

inschlich ansprechendes und tief er- 

lifendes Werk um das Schicksal der 

Jen in den letzten fünfzig Jahren. 

Ts sie mit dichterischem Feingefühl 

lildert, könnte in jeder deutschen 

[Mnstadt ge^Bliehen sein: die selbst- 

ständliche Bürgerlichkeit, in der 

Pen undChristen zusammenlebten, die 

Itzliche Angst, „wenn nur der Sper- 

nicht kommt" — und schließlich 

furchtbare Einbruch des Raub- 

iols, des Zerstörerp und Vernichters. 



„Die Tiere im Stall". Erzählungen. 112 
Seiten, Halbleinen 3.S0 Mark. Argon- 
Verlag, Berlin. 

In seiner Reihe „Kleine Argon-Ge- 
schenke" legt der Verlag ein wunder- 
schönes Gescbenkbändchen heiterer 
und besinnlicher Weihnachtserzählun- 
gen bekannter zeitgenössischer Auto- 
ren vor. In den stillen Stunden der 
Adventszeit im häuslichen Kreis vor- 
gelesen, werden sie mithelfen, den 
ganzen Zauber der Vorweihnachtszeit 
sich entfalten zu lassen. 

• 

Georg Hermann: „Jettchen Gebcrt". 
Roman. 4fi."5 Seit., Leinen 10.80 Mark. 
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln. 

Ein Buch, das seit fünfzig Jahren 
zum festen Bestand der deutschen Li- 
teratur gehört und damals wie jetzt 
mit dem gleichen Interesse gelesen 
wird, scheint uns in weit echterem 
Sinne ein „Bestseller" zu sein, als 
man den Begriff gemeinhin heute ver- 
steht. Wie dem auch sei: Jettchen Ge- 
bert und ihre Geschichte im Berlin 
der Biedermeierzeit werden sich be- 
haupten. Und sowohl als literarisches 
als auch kulturgeschichtliches Doku- 
ment verdient es dieser Roman, neu 
herausgegeben und immer wieder ge- 
lesen zu werden. 

• 

Walter Schimmel-Falkenair: „In den 
Händen ein Jahrhundert". Verlag A. 
W. Hayn's Erben, Berlin. 

Ein Buch um einen Thron und eine 



große Liebe ... um die große Lleba 
der Elisabeth Christine von Braun- 
schwelg-Bevern, die die Gemahlin dei 
großen Friedrich wurde, deren Lieba 
zwar unerfüllt blieb und die dennoch 
ihren Lebenssinn in dieser unerfüll- 
ten Liebe zu finden vermochte urd 
die Kraft zur Erfüllung ihrer könig- 
lichen Pflichten daraus schöpfte. Un- 
ter den aktuellen Aspekten tragischen 
Widerstreits um Herz und Krone, 
königliche Pflicht und menschliche 
Neigung wird in diesem Buch Ver- 
gangenheit zu unmittelbarer, fesseln- 
der Gegenwart. 

• 

Ann Petry: „Link und Camllo*. Ro- 
man. A44 Seiten, Ganzleinen 14.80 
Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. 

Nicht nur die Geschichte der Liebe 
zwischen der schönen Camilo Tread- 
way und Link Williams in einer klei- 
nen englischen Stadt erzählt dieser 
Roman, sondern behandelt gleichzeitig 
das Ras«5enproblem. Denn Link Ist 
Neger. Camilo jedoch eine Weiße. 
Welche Konflikte entstehen stellt Ann 
Pelry, selbst Negerm, ohne jede Vor- 
eingenommenheit dar. Sie erklärt und 
begründet sie mit Ereignissen aus der 
Vergangenheit ihrer Gestalten, als 
Erinnerung in die Handlung ein- 
geblendet, die sie so in eine weite 
Zeitspanne einordnet und zu einem 
Gleichnis von Glück und Leid mensch- 
lichen Daseins werden läßt. 



Musik der Welt im Budi 



Annette Kolb: „Mozart", Sein Leben. 

Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach— 

Zürich. 

Dieses hervorragend gestaltete Buch 
Ist mehr als nur eine der üblichen 
Musiker-Biographien. Die Autorin ist 
mit Ehrfurcht dem unfaßbaren Genius 
Mozart nachgegangen, Sie versucht 
aufzuzeigen, was diesen Genius, was 
den Zauber des gottbegnadeten Künst- 
lers ausmacht. Wer dieses Buch liest, 
wird gefesselt sein vom Erlebnis und 
einer Huldigung an das Große, an 
Mozart, dem die Menschheit so viel 
Schönes zu verdanken hat. 



Marcel Brlon: „Robert Schumann — 
und die Welt der Romantik". Eugen 
Rentsch Verlag, Erlenbach—ZUrich 
und Stuttgart. 

Auch diese Muslker-BIographle 
nimmt eine besondere Stellung in der 
Literatur ein. Sie Ist nicht nur Le- 
bens und Werkbeschreibung, sondern 
stellt den Künstler mit seinen Freuden 
und Leideri. seine vielfältlrre Umwelt 
und die vulkanartig ausbrechende 
schöpferische Kraft lebensvoll dar. 
Schumann, einer der reinsten Figuren 
im Kreis*» dpr Romantik, wird hier 
mit künstlerischem Einfühlen nach- 
gespürt, das Schicksal des Genius in 
seiner Zeit gedeutet. 

Hans Schnoor: „Oper, Operette, Kon. 
zert", Bühnenwerke, Werke der gro- 
ßen Vokalmusik, der Konzertmusik, 
172 Fotos von Komponisten, Dirigen- 
ten und Interpreten, über 40o Noten- 
beispiele und erklärende Illustratlo- 



nen im Text. C. Bertelsmann Verlag 
In Gütersloh. 

Das Forum der Musikhörer hat heute 
durch Rundfunk und Schallplatte eine 
nie gekannte Breite gewonnen. Hier zu 
vermitteln, überkommene Traditionen 
zu würdigen und den Weg der Mo- 
derne zu eröffnen, ist über den all- 
gemeinen Gebrauchszweck des Buches 
hinaus seine besondere Aufgabe. 

* 

Antonio Mingottl:*„Singe, wem Gesang 
gegeben". Ein Buch für Sangesfrohe. 
Ernst Heimeran Verlag, München. 

Mit einem Wort: Ein heiter plau- 
derndes, darüber hinaus aber ernst- 
haft anregendes, zugleich unterrich- 
tendes Lese- und Lernbuch. Auto- 
didakten sollten es in die Hand neh- 
men, bevor sie ihre Stimme im häus- 
lichen Kreise hören lassen. Zugleidi 
appelliert es an alle, das Singen all 
Hausmusik wieder zu pflegen. 

• 

Frieda Hempel; „Mein Leben dem Ge- 
sang*'. Argon Verlag, Berlin. 

Die Erinnerungen Frieda Hempels, 
Stern der einstigen Berliner Hofoper, 
Star der Metropolltlan Opera und 
große Konzertsängerin, sind ein auf- 
schlußreiches kulturhistorisches und 
menschliches Dokument. Das Buch Ist 
wertvoll für den Musikkenner, den 
Opernfreund, den Historiker und die 
muslkliebende Jugend — es fesselt den 
Bewunderer der Größe und dei 
Ruhms, und es ist lesenswert für Jeden, 
der zwischen den Zeilen Schicksale 
erkennt. 



Weltliteratur 



Guiscard-, das Lustspiel „Die Freier" und die auto- 
biographischen Schriften. Die Gedidite werden in 
der vom Didirer selbst geschaffenen Ordnung dar- 
geboten. Ein knapper Kommentar und em lebendig 
geschriebenes Nadiwort ergänzen die vorbildliche 
Edition. 

THEODOR FONTANE, Werke in 
zwei Bänden. Carl Hanser Verlag, 
lein. DM 29.50 

Die beiden von Walter Keitel herausgegebenen 
DünndruAbände bieten nidit nur Fontanes Meister- 
romane „L'Adultera", „Irrungen, . W.rrungen^, 
,Stine". „Unterm Birnbaum". ."Unwiderbringlich^ , 
„Effi Briest", „lenny Treibel" und „Stechhn , 
sondern auch Partien aus den „Wanderungen ^ Ge- 
didite. Theaterkritiken, Autobiographisdies, Briete 
und Unvollendetes. Die Texte wurden sorgfaltig 
durdigesehen Nachwort. Zeittafel und Personeti- 
register zu den Briefen ergänzen die Ausgabe, die 
den ganzen Fontane zeigt. 

GEIST DES ABENDLANDES: Antike 
Geisteswelt. Holle Verlag, 2 Bände, 
lein, je DM 14.- 

Das von Prof. August Rüegg besorgte zwei- 
bändige Lescbudi (Band I: .Natur ""^^ Geist , 
Band II: „Die Bestimmung des Mensdien ) tunrt 
den Leser an Hand bedeutender, zu Themenkreisen 
geordneter Texte in die geistige Welt der Antike 
ein und madit ihn so mit dem Quellgebiet des 
europäisdien Geistes, der europäisdien Kultur und 
Wissensdiaft vertraut. Überleitende Erläuterungen 
erleiditern die Lektüre und das Verständnis. 
GEIST DES MORGENLANDES: 
Japanische Geisteswelt. Chinesische 
Geisteswelt. Holle Verlag, 
jeder Band Lein. DM 14.- 

Beide Bände - für Japan zeidmen Oscar Benl und 



MANESSE BIBLIOTHEK DER 

WELTLITERATUR: Deutsche Lyrik des 

Mittelalters, lein. DM 14.40. 

Die schönsten Liebesgeschichten aus 

Tausend und eine Nacht. 2 Bände, 

lein, je DM 12.20. 

Martin Buber, Die Legende des 

Baalschem. lein. DM 8.80. 

Thomas Hardy, Die Rückkehr. 

lein. DM 12.20, sämtlich Manesse Verlag 

Die „Manesse Bibliothek" besteht jetzt zehn Jahre. 
So hat man die von Max Wehrli besorgte An- 
thologie mittclalterlidier deutscher Lyrik im Urtext 
und in neuhüdideutscher Übertragung besonders 
festlich herausgegeben: mit 36 mehrfarbig reprodu- 
zierten Bildern aus der Manessischen Liederhand- 
schrift geschmüdt. Neben der Minne- und Sprudi- 
diditung wurde audi die geistliche und mystisdie 
Lyrik aufgenommen. , , 

Die „Schönsten Licbesgesdiichten aus 1001 Nadit 
in der Littmann sehen Übersetzung umfassen eine 
Auswahl der herrlidisten und anziehendsten Stucke 
aus der großen orientalischen Märdiensammlung 
und dazu die unentbehrliche Rahmenerzählung. Die 
beiden Bände wurden von Otto Bachmann mit 
180 Zeichnungen gesdimückt und sind ebenfalls eine 

echte Jubiläumsgabe. , , .. . . a.^ !« 

Bubers „Legende" tritt ebenbürtig neben die m 
der gleichen Sammlung vorliegenden „Erzählungen 
der Chassidim". Diese Erzählungen aus der polni- 
schen Judenschaft von ehedem reichen nahe an die 
Gesdiiditen des Alten Testaments heran und sind 
Zeugnisse einer tiefen, ergreifenden Religiosität 

Unter den Romanen von Thomas Hardy gilt „ine 
Return of the Nativc" als einer der schönsten. Vor 
dem Hintergrund der Heidelandsdiaft von Dorset- 
shire spielt sidi eine meisterlidi gesdiilderte Liebes- 
und Ehegesdiichte ab. Die .Übersetzung besorgte 
Elisabeth Sdmadc, das Nadiwort schrieb Rudolf 
Gerber. 



Horst Hammitzsdi, für China Werner Speiser und ^^g^Der. 

der beiden fernöstlidien Völker und bereitem sdr^ ^^ folge, Phaidon Verlag, lein. 
unser immer noch fragmentarisdies Wissen um (*feV./ ^^ g 
grollen Kulturen und Literaturen Asiens, die zu- ca. uivi o.y 
nehmend audi in den europäisdien Raum hinein- 
wirken. Jedem der beiden gut ausgestatteten, 
eingeleiteten und kommentierten Bände sind 6 Ab- 
bildungen beigegeben. 

FRIEDRICH HÖLDERLIN, Werke. 
C. Bertelsmann, lein. DM 6.85 

Von R. Honseil und H. J. Meinerts herausgegeben, 
von Bernt von Hciseler liebevoll und ehrfurchtig 
eingeleitet, bietet der gut ausgestattete uiid preis- 
werte Band Hölderlins zentrales Werk: die herr- 
lidien Gedidite, den .Hyperion" und den .hm- 
pedokles". 



LEGENDA AUREA. Ins Deutsche 
übertragen von Richard Benz. 
lambert Schneider, lein. DM 19.80, 
Halbleder DM 27.50, leder DM 35.- 

Die „Goldene Legende" des Jacobus von Voragine, 
der 1298 als Erzbisdiof von Genua starb, war ein 
Volksbuch des späten Mittelalters und ist heute ein 
„Grundwerk der Gotik". Die zuerst 1917 ersdiienene 
Übertragung von Ridiard Benz im bildhaft-kräftigen 
Luther.üeutsdi wahrt alle diditerisdien Feinheiten 
des aus zahlreichen alteuropäisdicn Quellen ge- 
speisten Werkes und sdienki uns damit aufs neue 
eines der sdiönsten Werke de» chnsilidien Abend- 
landes. 



Der Band, von Walter Widmer übersetzt, sdiließt 
sidi der ersten, von Georg von der Vring übersetz- 
ten Folge würdig an. Er bringt weitere siebenund- 
zwanzig Gesdiiditen des großen Erzäh ers, heitere, 
komisdie und tragisdie. Eine ganze Welt - die auA 
nodi die unsere ist - wird hier mit den Augen des 
Mensdienkenners gesehen und mit dem Siitt des 
Künstlers festgehalten. 
MAZEDONISCHE MÄRCHEN UND 
FABELN. Verlag Der Greif, lein. DM 7.80 

Von George S. Martin ausgewählt und ver- 
deutsdit. von Irma Sdiüle mit 35 reizenden zwei- 
farbigen Illustrationen gesdimüdct, bringt der Band 
wenig oder gar nidit bekanntes Volksgut aus Maze- 
donien: bäuerlidie Märdien und Fabeln, erfüllt von 
Humor, Lebenseinsicht, Weisheit und Sehnsudit 
nach Reichtum, Glück und Frieden. 
GEORGE MEREDITH, Der Egoist. 
Faul list Verlag, lein. DM 16.80 

Meredith (1828-1909) gilt als Meister des psycho- 
logischen Romans und der englischen Gesellschafts- 
satiie. Sein „Egoist", von Hans Reisiger übersetzt 
und mit einem Nadiwort versehen, entwirft das 
Bildnis eines sentimentalen Ichmenschen und ist in 
seinem zwisdien Tragik und Komik schwebenden 
Humor einer der bedeutendsten Romane des ly. Jahr- 
hunderts überhaupt. 



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Afvvx f^sxf^ch ^"j^icUfAjei 



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II II 



UNSERE AUTOREN 



Gerhart Pohl • Ruth HofiFmann 

Bernt von Heiseler • Karl Kupisch 

Erwin Reisner • Kurt Flachte 

Heinridi Vogel • Otto Wolff 



u.V. a. m. 



TTJTT 

Schöngeistige Literatur 

Gesdiichte 

Evangelische Theologie 

Pädagogik 

Kirchengeschichte 

Kunst • Philosophie 






TTlTT 



LETTNER-VERLAG • BERLIN 



® FRIEDRICH NIETZSCHE, Werke 

in 3 Bänden. Carl Hanser, in Leder je 
DM 28.-, in Lein, je DM 19.50 

Von der von Prof. Karl Schlechia besorgten Dünn- 
druckausgabe liegen Band I »''^J\^,^'?'%''Jll' 
Band III folgt im Frühjahr 1956. Die Werke Nietz- 
sches werden ungekürzt und in sorgfaltiger, mit 
den Erstausgaben verglidnener Textgestaitung dar- 
geboten, wobei die von dem kühnen Denker selbst 
veröffentlichten Arbeiten vom Nachlaß streng ge- 
trennt gehalten sind. Die Ausgabe wendet sidi also 
sowohl an den Wissensdiaftler als audi an den 
Liebhaber. 

EDGAR ALLAN POE, Dreizehn 
phantastische Geschichten. 
B. Taudinitz, Lein. DM 6.80 

Mit 26 Illustrationen von Alfred Kubins Meister- 
hand gesdimückt, bietet der Band die schönsten 
Erzählungen des „amerikanisdnen E. T. A. Motr- 
mann" in der vorzüglichen Übersetzung von Arthur 
Seiffhart. Er stellt also einen bibliophilen Lecker- 
bissen dar und ersdieint audi in Halbpeigament 
(ca. DM 9.80) und in einer von Kubin signierten 
Ganzleder»Ausgabe (ca. DM 28.-). 

SAMMLUNG SCHÖNER ROMANE UND 
ERZÄHLUNGEN DER DEUTSCHEN 
UND DER WELTLITERATUR: 
Gustave Flaubert, Madame Bovary. 
Georg Hermann, lettdien Gebert. 
Gottfried Keller, Der grüne Heinrich. 
Kiepenheuer & Witsch, Lein, je DM 10.80 

Kiepenheuers neue Sammlung wjll nicht nur 
groGe Literatur, sondern audn volkstumlidie Werke 
bringen, die sidi die besondere Liebe der Leser- 
schaft erworben haben oder sie verdienten So tritt 
zu Kellers unsterblichem "Grünen He.nridi'' und 
zur „Madame Bovary" in Rcn6 Sc4iidceles meister- 
hafter Übersetzung ein Neudrude des Berliner Ro- 
mans„Jettdnen GeberV, der ^ugleid. ein tragisAes 
Tauensdiicksal und die alte preußisdic Hauptstadt 
um 1840 im Stile Theodor Fontanes schildert. 

FRIEDRICH SCHILLER, Gesammelte 

Werke. C. Bertelsmann, 5 Bände, 

Lein, je DM6.85 ^ . : 

Die preiswerte, gut ausgestattete Ausgabe in ein- 
zeln käufliAcn Bänden wurde von R Netol.tzky 
herausgegeben. Sie geht jeweils auf den Text der 
Ersfdrudfe bzw. der kritisdien „Nationalausgabe 
furüdc und bietet alles, was der K ^ssikerfreund in 
einer volkstümlichen Ausgabe zu finden hofft, also 
de Gedichte und Dramen, die Erzählungen und eine 
Auswahl aus den Schriften zur Geschidite, Kunst 
und Philosophie, die wir heute ^i^^^J^f ""\'": 
behrlidi für die Kennmis des ganzen Sciiiller an- 
sehen. 

DER BRIEFWECHSEL ZWISCHEN 
SCHILLER UND GOETHE. 
InseUVerlag, 3 Bände, Lein. DM 36.- 

Der Briefwedisel zwischen Schiller und Goethe, 
das vornehmste und größte Monument einer Dich- 
terfreundsAaft, wird hier in der auf die Hand- 
Schriften zurüdcgehenden kritischen Ausgabe von 
Hans Gerhard Graf und Albert Leitzmann neu dar- 
geboten. Band I und II enthalten die Briefe von 
1794-1797 bzw. 1798-1805, während Band 111 neben 
9 den Anmerkungen und Naditrägen «u* die not- 



/ 



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a-6t(3LMW^ u>f'ec4^ /l(o^ Ci 



HERMANN, Georg: Jettchen Gebert. Roman. Neuausgabe. 8". Ca. 
464 Seiten. Mit 20 Zeichnungen von Beate Obsieger. Ganzleinen. 
Preis: DM 10.80. (Erscheint Oktober 1955.) Verlag Kiepenheuer 
&, Witsch, Köln-Marienburg, Rondorfer Straße 5. 

G. HtMiiiann, clii Nachfahr Fonlancs, I)c.schwört in diesem Roman das Bild 
des Berlins von 18-U) ebenso kenntnisielcli wie einfühlend heiaiü. Liel)e>4)li 
zeichnet er die Stadt und ihre AIcns( lien. „.Jettchen Gebert*' ist ^'lei< hsam 
eine Abuandhuig des Tliemas von den Kr>nlgskindern, die nicht zueinander 
kommen — , ein Buch von dramatischer Kraft und Leidenschaft und einer 
gi-olJen Innigkeit zugleich, das immer wieder gelesen zu werden ^el•dient. 



I 



!Mit freundlichen Empfehlungen 

überreicht vom 

Verlag Kiepenheuer & Witsch 

Köln 

Rezensionsabt. 



Dr. Kurt Schubert zum Profestor ernannt 

Der österreichische Unterrichtsminister Drimmel hat den 
bekannten Dozenten Dr. Kurt Schubert auf Vorschlag der Fa- 
kultät zum Professor für hebräische und aramäische Sprache 
und Geschichte an der Wiener Universität ernannt. Diese Er- 
nennung krönt den raschen wissenschaftlichen Aufstieg eines 
interessanten jungen Mannes, dessen Name nicht nur in Fach- 
kreisen, sondern auch in der gesamten Welt des Judentums mit 
höchster Achtung genannt wird. Dr. Schubert, ein Wiener aus 
einer aus Böhmen stammenden, streng katholischen Familie, 
entschloß sich als junger Student unter dem Eindruck des bar- 
barischen Vorgehens des Nationalsozialismus gegen das Juden- 
tum, Hebraistik zu studieren und brachte es auf diesem Ge- 
biet in kürzester Zeit zu außerordentlichen Kenntnissen. Es war 
ihm auch möglich, während der Verfolgungszeit in Wien zahl- 
reiche Thorarollen und hebräische religiöse Literatur vor der 
Vernichtung zu retten. Schubert, gegenwärtig Vorsitzender der 
christlich- jüdischen Arbeitsgemeinschaft in Wien, ist in vielen 
Kongressen als Redner aufgetreten und durch zahlreiche Vor- 
träge in Österreich, Deutschland, Israel und der Schweiz be- 
kannt geworden. Im letzten Jahr erschien bei Herder in Wien- 
Freiburg sein Buch «Die Religion des nachbiblischen Juden- 

tumsi>, 

Dr. Ursula Schubert, seine Gattin, Orientalistin von Beruf, 
ist die Tochter des Ministerialrates im Wiener Innenministe- 
rium jyr.Alfons Just, dessen Name seinerseits mit der Ge- 
schichte des Staates Israel verbunden ist. Just hat in seiner 
Eigenschaft als Leiter des Ressorts «Flüchtlinge» im österrei- 
chischen Innenministerium in den Nachkriegs jähren Tausende 
von jüdischen* Flüchtlingen aus dem Osten, die zur Haganah, 
der jüdischen Untergrundarmee, in das Palästina der britischen 
Mandatsherrschaft wollten, durch Österreich durchgeschleust 
und sich damit sehr wesentlich um die Stärkung der Streit- 
kräfte verdient gemacht, die im Augenblick der Ausrufung des 
Staates Israel dem konzentrischen Angriff der arabischen Staa- 
ten mutig, glänzend ausgebildet und erfolgreich widerstehen 
konnten. F. A. M. Glaser 

Neue Israel-Marken 

Zum Jörn Haazmauth hat die Postverwaltung des Staates Israel 
wie in den vergangenen Jahren eine Marke herausgegeben. In der 
linken Ecke befindet sich das Wappen des Staates. Um einen Stab 
windet sich ein Band in den nationalen Farben, das eine Acht, an- 
läßlich des achten Jahrestages, darstellen soll. Die Marke ist viel- 
farbig, die Zähnung 14 und der Wert 150 Prutah. Die First Day 
Covers (Ersttagskuverts) weisen mit ihrem Bohrturm auf den öl- 

fund bei Chelez hin. 

Im Mai soll anläßlich des Citrus-Pflanzerkongresses eine Marke 
im Werte von 300 Prutah erscheinen, die durch die Darstellung von 
2 Orangen mit Blüte und Blatt die Citrusfrüchte symbolisiert. 

Preise anläßlich des Unabhängiglceitstages 

In Gegenwart einer Versammlung von Gelehrten und Künst- 
lern wurden in der Rechavia Schule in Jerusalem die Preise für 
besondere Leistungen auf dem Gebiete von Kunst und Wissen- 
schaft anläßlich des achten Jom Haazmauth verliehen. Der 
Minister für Kultur und Erziehung, Z. Aranne, überreichte 
jedem Preisträger als Anerkennung isr. £ 1000. Unter den An- 
wesenden befand sich der «Grand Old Man» der Hebräischen 
Literatur, S. Y. Agnon. 

Die Preisträger waren: Theater: Ghana Rowinah, Schauspielerin 
der Habimah, für ihre Darstellung der Medea; Jüdische Wissen- 
schaft: Dr.Yigal Yadin für sein Buch «Der Krieg der Söhne des 
Lichts und der Söhne der Dunkelheit» und Prof. Tur-Sinai für seine 
Arbeiten über die Bibel und in der semitischen Philologie; Thora: 
Rabbi Jecheskel Abraws/cj/ für sein Buch «Chason Jecheskel»; Schöne 




Israelitisches Wochenblatt ^»/g-. :> 
für die Schweiz .^v*-^^- ^. Mai 1956 

Literatur: Gerschon Schoffmann für seine gesammelten Kurzge- 
schichten; Kinderschriften: Miriam Yalan; Sozialwissenschaften: 
Dr. Jacob Talmon für seine Studie über «Die Ursprünge der totali- 
tären Demokratie»; Erziehungswissenschaften: Dr. Nechama Leibo- 
witz für ihr Werk über Methoden des Bibelunterrichts und der Er- 
wachsenenbildung; Exakte Wissenschaften: Professor A.H.Fraen- 
kel über ein bedeutendes Werk über die Grundlagen der Mathe- 
matik; Medizin: Professor Ernst Wertheimer für seine Untersu- 
chungen über die Umgestaltung des Fettes im Körper; Naturwis- 
senschaften: Prof. Manfred Aschner für Untersuchungen über un- 
natürliche Todesursachen bei Fischen. 

In seiner kurzen Ansprache wies Minister Arahne auf die poli- 
tische Lage hin und betonte, daß die Schöpfer der israelischen Kul- 
tur im Kampfe Israels «wichtige Krieger» seien. Besonderen Tribut 
erwies er Ghana Rowina, die den Preis nicht für ihre jetzigen Lei- 
stungen, sondern für die Leistung einer ganzen Generation emp- 
fangen habe. ^_^^«_^_ 

St. Gallen. Wizo. Am 25. April hielt die Wizo ihre diesjährige 
ordentliche Generalversammlung ab, bei der die Präsidentin, Frau 
Irma Teitler, eine stattliche Zahl von Mitgliedern begrüßen konnte. 
Ihr ausführlicher und interessanter Tätigkeitsbericht gab Aufschluß 
über die große Arbeit des verflossenen Vereins Jahres. Es war nicht 
einfach, ohne den traditionellen Ball unser Budget zu erfüllen. — 
Der ausgezeichnete Kassabericht von Frau Snzy Roschewski fand 
den verdienten Beifall der Anwesenden. Im Beisein der Jugend- 
gruppe und einiger weiterer Gäste sahen wir im zweiten Teil der 
Sitzung den Gemeinschaftsfilm der Wizo und des KKL, «The Gathe- 
red Flock», welcher in wunderschönen farbigen Bildern die Ankunft 
und Eingliederung Jugendlicher aus unterentwickelten Ländern 
und schlechten Familienverhältnissen in Affula erzählt. Bei Tee 
und Kuchen klang der erfolgreiche Abend gemütlich aus. S. D. 

Literatur 

Eina4Qeuautgabe von «Jettchen Gebert» 

rjnepenheuer & Witsch, Köln-Berlin) 

/ Es sind genau 50 Jahre her, daß diese gefühlstiefe und doch 
nicht sentimentale Liebesgeschichte zwischen dem schönen Juden- 
mädchen der Biedermeierzeit Jettchen Gebert und dem christlichen 
Freund Dr. Kößling von einem Berliner Kunsthistoriker Georg 
Hermann geschrieben und zunächst als Feuilleton-Roman in der 
«Vossischen Zeitung» gedruckt wurde. Der Lektor und Redakteur 
Arthur Eloesser erzählte später einmal launig, wie er den Jettchen- 
Gebert-Roman zu Gesicht bekam, ihn schon, nachdem er kaum 
die Hälfte gelesen hatte, annahm, sofort abdruckte, und wie nun 
Tausende und aber Tausende von Zeitungslesern um das Schicksal 
der beiden Liebenden bangten. Das Buch wurde ebenfalls ein Best- 
seller und sein Autor sozusagen über Nacht berühmt. Bis zum Jahre 
1933 erlebte der Roman immer neue Auflagen, dann wurde er von 
den Nazis verboten. Aber in den Herzen der überlebenden Groß- 
mütter des letzten Weltkrieges lebte er ständig fort. 

Eine der ergreifenden Gestalten des Romans, der gute Onkel 
Jason, spricht die Worte aus, die das Problem des Buches, das 
noch heute aktuell wirkt, umschreiben: Der Jude Jason sagt zu sei- 
nem christlichen Freund Dr. Kößling: «Sie vergessen einen gewis- 
sen Stolz, den unsere Familie hat, daß wir eben als Juden hier an- 
gesehen und geachtet sind. Wenn mein Vater sich und uns hätte 
taufen lassen wollen, wie ihm öfter als einmal nahegelegt worden 
ist, wir hießen vielleicht heute von Gebert und wären Offiziere und 
Räte bei der Regierung. Und daß wir das nicht getan haben und 
nicht zu Kreuze gekrochen sind und in keiner Weise unsere Gesin- 
nung verkauft haben — nicht so und nicht so — das ist unser Stolz, 
und wir wollen auch für die Zukunft nicht gern, daß er in unserer 
Familie aufgegeben wird.» 

Nun, Georg Hermann ist bis zu seiner Deportation aus einem 
holländischen Internierungslager nach Auschwitz, wo er 1943 ver- 
gast wurde, ein aufrechter Jude geblieben. Der Verlag schreibt in 
dem Klappentext der Neuausgabe von dem «inzwischen verstorbe- 
nen Verfasser», ohne, wie es seine Pflicht den heutigen deutschen 
Lesern gegenüber gewesen wäre, die Ermordung Hermanns auch 
nur mit einem Wort zu erwähnen. Aber das Buch selbst wird, wie 
vor 50 Jahren, viele Leser von neuem ergreifen und beglücken. 

Gertrud Isolani 



Bücher Landkarten 



Zeitschriften 




Basel, Tel. (061)24 78 95 









^ 



55 




I 

um fii He 



Albert Hartmann S. J., Toleranz und christlicher Glaube, 
Verlag Josef Knecht, DM 10,80. Wir Juden schütteln leicht 
den Kopf, wenn wir christliche Theologen über Toleranz reden 
hören. Aus der wesensmäßigen Verschiedenheit unserer Glau- 
benswelt und vielleicht noch mehr aus einem jahrtausende- 
alten Leiden unter der Intoleranz der jeweiligen Umwelt ist 
uns Toleranz etwas Selbstverständliches geworden. Das kann 
offensichtlich dem Christen aus dem Heilsanspruch seiner Kir- 
che weit schwerer gelingen. Wir lesen darum ein Buch, wie das 
des Jesuiten Hartmann, mit einem gewissen Unbehagen. In 
der vorliegenden Abhandlung fühlen wir uns als Juden nicht 
angesprochen, also auch nicht angegriffen. Dennoch läßt uns 
die Frage nicht los, wie die abendländisch-christliche Kultur 
gegenüber den asiatischen Völkern und Religionen in Zukunft 
bestehen soll, wenn sie von dem Anspruch der allein selig- 
machenden Kirche so wenig lassen kann. Uns will wenigstens 
scheinen, als ob im Fernen Osten auch religiöse Mächte in den 
Vordergrund drängen, gegenüber denen das Christentum einen 
noch weit schwereren Stand haben wird, als zur Zeit des Vor- 
dringens des Islams im 8. Jahrhundert. Auch dürfte heute nicht 
unbeachtet bleiben, daß die Sünden der Väter sich an den 
Kindern und Kindeskindern rächen, die Sünden christlicTier 
Missionare als Gefährten kolonisierender Mächte nicht ver- 
gessen sind. Wir sagen das nicht als Kritik, nur in sehr banger 
Sorge. 

Klemens Brockmöller S. J., Christentum am Morgen des 
Atomzcitalters, Verlag Josef Knecht, DM 9,80. Ein mutiges 
Buch, dem wir noch weit mehr Auflagen wünschen, als die 
sechs, die es schon erreicht hat. Mit mancher Erstarrung im 
religiösen Bereich wird hier gründlich aufgeräumt und dafür 
der Blick für eine Welt geöffnet, die man nicht gewinnen 
kann, wenn man sich ihr nur ängstlich verschließt. Manche 
Hypothese mag sich als nicht haltbar erweisen, der Verfasser 
deutet das selbst schon im Vorwort an. Wir persönlich fühlen 
uns überfragt, wenn wir die Chance der Loslösung des Chri- 
stentums vom Abendland beurteilen sollen. Aber eines scheint 
uns gewiß, nur mit diesem Wagemut ist noch etwas zu ge- 
winnen, eine neue Möglichkeit anzubahnen. 

Bernhard Weite, Vom Geist des Christentums, Verlag Jo- 
sef Knecht, DM 5,80. Das kleine Bändchen des Freiburger 
Professors will uns als eine imponierende Darstellung des mo- 
dernen Katholizismus erscheinen. Wir sind an und für sich 
skeptisch, wann immer von „Geist" oder „Wesen" die Rede 
ist. Hier aber spricht nicht reflektiertes, sondern ungebroche- 
nes Christentum und es spricht froh bekennend und dem Le- 
ben aufgetan. 

Das Mysterium des Todes, Verlag Josef Knecht, DM 10,80. 
Eine dankenswerte Übersetzung des vom französischen Centre 




Pastorale Liturgique herausgegebenen Sammelbandes, in dem 
eine Reihe namhafter französischer Theologen die Stellung des 
Christen zum Tode behandeln. Wer sich mit diesen Aufsätzen 
wirklich konfrontiert, sollte als Christ vielleicht doch eine an- 
dere Einstellung zu seinem Leben haben, aber auch zum Leben 
kirchlich-politischer Gemeinschaften bekommen. Vom Tode her 
könnte das Leben eine Umwandlung und Neuerung erfahren. 
Wer wollte leugnen, wie not das unserer Zeit täte, nicht zum 
wenigsten auch unserer jungen Bundesrepublik? 

* • 
Georg Hermann, Jettchen Gebert, Verlag Kiepenheuer 
&: Witsch, DM 10,80. Im Jahre 1906 erschien dieser Roman, 
der Juden so begeisterte, weil sie die deutsch-jüdische Einheit, 
an die sie glaubten, darin so vollendet dargestellt fanden. 50 
Jahre später, nach dem Untergang des deutschen Judentums, 
nimmt sich der Verlag Kiepenheuer und Witsch dankenswerter 
Weise dieses Buches wieder an. Lasen wir es einst und litten 
mit Jettchen Gebert, so ist bei einer erneuten Lektüre das 
Leiden von ganz anderer Art. Wir sollten aber bei dem 
Schmerz nicht stehen bleiben. Hier wird ein Stück jüdischer 
Geschichte lebendig, eine Generation, die vom traditionsgebun- 
denen Judentum sich entfernte und dennoch stolz auf ihr 
Judentum blieb. Will dem Nachgeborenen das als unverständ- 
lich erscheinen, so greife er zu diesem Band und überzeuge 
sich davon, daß Wirklichkeiten oft anders aussehen, als das 
bloße Denken wahrhaben will. Der Leser wird aber darüber 
hinaus auch heute noch entzückt sein können von der Liebes- 
geschichte zwischen Jettchen Gebert und Doktor Kößling. 

♦ 

Hugo Jacobi, Gedichte, Verlag Kiepenheuer und Witsch, 
DM 6,80. Gedichte von einer seltsamen Schönheit, aus denen 
das Leid der Emigration und der unerschütterliche Glaube an 
Europa zugleich spricht. Dahinter steht ein Mensch, der das 
jüdische Schicksal in besonderem Maße erfahren hat. Als Deut- 
scher von dem Straßburg seiner Heimat verdrängt, deutscher 
Soldat des ersten Weltkriegs, Regierungsrat in Potsdam mit 
einem übersteigerten Pflichtbewußtsein und schließlich aus dem 
Boden, in dem er wurzelte, ausgerissen und als Jude schimpf- 
lich geächtet und vertrieben. Die Gedenkrede für Hugo Ja- 
cobi aus der Feder seines Freundes Ferdinand Lion bildet den 
Schluß des Gedichtbandes und bannt das Bild eines Menschen, 
der wahrhaft stellvertretend stand für eine Generation deut- 
scher Juden, deren Denken und Dichten allein dem Lande galt, 
das sie verwarf. 






^ 



WÖCHBNTUCHE BEILAGE DES 



Cclcovaf 



[D [1 B 2 

SONNTAG. 1. JANUAR 1956 




D IT 



Hofmannsthals leizie Pro 

Wiederbegegnung m» dem Dichfer - Von Pefer Silens 



Die sdiöne Hofmannsthal- 
Ausgabe, die Herbert Steiner 
betreut, geht langsam ihrer 
Vollendung entgegen. Jeizt ist 
der vierte und letzte Prosa- 
band ersdiienen: Hugo üon 
Hofmonnsthal, „Gesammelte 
Werke" in Einzelausgaben 
„Prosa IV" (S. Fischer. Verlag, 
Frankfurt a. M., 532 S., Gzln.. 
22,50 DM). Er umfaßt die Prosa- 
sdiriften, Aufsätze und Reden, 
von 1921 bis zum Tode im 
]ahre 1929, die mi-t dieser Aus- 
gabe zum Abschluß kommen. 

Das Staunen über die Breite 
und Tiefe des Prosawerkes 
dieses Diditers ist immer wie- 
der erregend. Viele dieser schö- 
nen Prosastüdce sind Stücke 
der Wiedererinnerung und Wie- 



derbegegnung. Sinn und Be- 
deutung sind mit dem zeit- 
liciien Abstand keineswegs 
schwächer und dünner gewor- 
den, sondern im Gegenteil ge- 
wachsen. Es ist ein Funkeln 
und Strahlen in diesen Sätzen, 
eine Tiefensicht und eine Klar- 
heit zur Höhe, die mandie die- 
ser Stüdke zum festen Bestand 
und unversieglichen Vorrat 
deutscher Sprache bestimmt. 

Alles dieses Schreiben und 
Dichten um die Großen des 
Geistes, wie Goethe, Schiller, 
Lessing, Beethoven, GriUpar- 
zer, Stifter, Moliere, Manzoni, 
Gerhart Hauptmann, R. A. 
Schröder, gesciiieht nie aus Prä- 
•tension und Anmaßuang oder 
aus dem Wunsch und Willen zu 



Weiimacht Spanien 



Es hat eine Zeit gegeben, da 
Spanien die Welt beherrschte, 
ehe seine Macht in britische 
Hände überging. Und bis ins 
Wiener Hofzeremoniell des 
alten Kaisers Franz Joseph ha- 
ben spanisciie Traditionen noch 
in die Geeenwart hinein ge- 
wirkt. FrüKer einmal «»t^Spa- 



ß, au« 



mens Bodeu Zu großen Teilen 
durch Eindrin«glinge aus Afrika 
verwüstet worden. Nach deren 
Vertreibung erst konnte die 
klassische Gesdiichte des 
Abendlandes beginnen. Vor 
zwanzig Jahren erst wurde in 
Spanien in äußerster Brutalität 
ein BntscJieidungskampf zwi- 
schen dem traditionellen 
Abendland und den Moskauer 
Urosturzpionieren ausgetragen. 
Seilher führt Spanien am 
Rande Westeuropas unci in sei- 
ner gebietsmäßigen Ausdeh- 
Bung auf Nordafrika eine 
eigentümliche und fast wie aus- 
gesondert erscheinende Rolle 
abseils der kontinentalen Ge- 
sdiehnisse. Sein Regierungs- 
ßystem ist das einer gemaöig- 



Traam und Erkenntnis 

Ein kleines sozialistisches 

Lesebuch 

von 

Walther G. Oschilewski 

84 Seiten, engl. Broschur 3,40 DM 

Eine geschickte Komposition 
sachkundig ausgewählter litera- 
rischer Dokumente. Die Schrift 
könnte aU Lesebuch gute Dienste 
in einem zeitnahen Unterricht in 
Oesellschaltskunde leisten, 

JDer Tageispiegel", Berlin 

SMXDÖ 
Verlftga-GmbB. • Berlin -Grunewald 



ten und von der Kirdie gefor- 
derten Militärdiktatur. Alle 
Vorbereitungen sind getroffen, 
das Land in absehbarer Zeit 
wieder einer Monarchie zu un- 
terstellen. 

Spanien ist ein romantisches 
Land von sehr besonderem Ge- 
präge. Seine Geschichte kennt 
wgeheuÄPliche Siege und 
sdftauerlidiÄte Niederlagen. Sem 
Mensdienschlag bekundet einen 
zähen Stolz und eine große, 
von innen her getragene RuHe. 
Vom zivilisatorischen Fort- 
sdirittsfieber hat Spanien sich 
ziemlich frei gehalten. Auf cier 
anderen Seite ist es m sozialer 
Hinsicht ein Hort reaktionärer 
Verslockung. 

„Sponien - Wesen und 
Wandlung" nennt der heutzu- 
tafie angesehenste Historiker 
des spanischen Volkes. Solua- 
dor de Modariago sein neues, 
umfangreiches und repräsenta- 
tives Werk über sein Vater- 
land (Deutsch in der Deutschen 
Verlagsanstalt, Stuttgart 432 
S., Gzln., 21,50 DM). .Unzu- 
gänglidikeit ist das Zeichen 
dieses Landes. Spanien ist eine 
Burg " Mit dieser zutreffenclen 
Feststellung beginnt er seine 
Darlegungen. Die let^^ge Gf" 
stall des Buches geht auf die 
oründliche Überarbeitung einer 
vor geraumer Zeit ersdiienenen 
Erstauflage zurück. Es ist eine 
oroße Ländermonographie^ par 
excellence. Was hier entwickelt 
wird, konnte nur em Spanier 
selbst gestalten. Neuerdings 
hat ein ausgedehnter Reisever- 
kehr das lange Zeit unerschlos- 
sene spanische Land dem Uit- 
teleuropäer nähergebracht. 

Aber flüchtigem Reiseaufent- 
halt öffnet Spanien seine groö- 
artigen Geheimnisse nicht. Wer 
Land und Leute, Geist und Ge- 
schichte wirklich kennenlernen 
möchte, wird gut tun, dieses 
Buch zu lesen. *" 



erheben und zu preisen, son- 
dern immer im demütigen 
Dienst am Geist und aus tief- 
ster geistiger Leidenschaft. Das 
gleiche gilt für die Darstellun- 
gen und Beschreibungen aus 
Griechenland, Sizilien und dem 
nördlichen Afrika. Gipfel sind 
ein so klassisches Stück Prosa 
wie die Abhandlung „Wert und 
Ehre deutscher Sprache" und 
die große, grundlegende Rede 
in der Universität München 
von 1927 „Das Schrifttum als 
geister Raum der Nation", in 
der das Wort von der „konser- 
vativen Revolution" fiel. In 
diesem letzten Band ist in 
einem kleinen Beitrag zur Frage 
Europa da« verwandte Wort 
von der „schöpferischen Restau- 
ration" zu finden, wobei das 
ganze Gewicht auf dem Bei- 
wort schöpferisch ruht. Aber 
auch die Gedenktafeln zum 
„Deutschen Lesebuch" sind in 
ihrer Knappheit und Klarheit 
gültige und beispielhafte Bei- 
träge zur deutschen Biographie. 
Die Prosa des späten Hof- 
mannsthal ist immer reicher 
und reicher geworden und lüiit 
sidi mit immer neuen unci tie- 
feren Bildern und Einsichten 
an. Ein Glanz und eine Leucht- 
kraft wie vom feinstem Altgola 



ruht auf dieser Prosa, als habe 
sich in diesem Werk noch ein- 
mal alle Kraft der Überlieferung 
und des Lebendig-Schöpferi- 
schen zum großen Ausdruck 
gesammelt und die Prägung 
neuer Dauer erfahren, die 
Größe einer neuen Stufe des 
Schönen, die man tragische 
Schönheit nennen muß. 

JahreS'Begleifer 

Als kleine Nach-Festgabe 
eignen sich vorzüglich die bei- 
den reizend ausgestatteten Jah- 
resweiser de« Horst-Siebeii- 
Verlages. Berlin, „Das Jahr der 
Dome" oder - je nach Gegeben- 
heit - das „Jahrbuch für den 
Herrn". (Je 4,80 DM.) Das in 
weißes Kunstleder gebundene 
Damenbüchlein ist mit reizen- 
den Zeichnungen und Vignetten 
von Eva Schwimmer, Lilo 
Rasdi-Nägele, Helen Brun u. a. 
ausgestattet. Sorgfältig ausge- 
wählte literarische Zwischen- 
texte machen das Notieren und 
Blättern zum Vergnügen. - Das 
Jahrbudh für den Herrn" ent- 
hält gleichfalls neben einem ge- 
räumigen Terminkalender man- 
nigfaltige literarische Würze 
und u. a. wichtigen und wis- 
senswerten Angaben »J** 
einige Cocktailrezepte. U. S. 



Neuauflogen von Bedeutung 

_ . — . •»._ i.:,j.»»iv«afto Vßrbundei 



Kurz vor Torschluß der Frei- 
heit, im Jahre 1932, war em 
Buch erschienen, das vor allem 
außerhalb Deutschlands alar- 
mierend wirkte. Es hieß „Karl 
und das XX. Jahrhundert und 
stammte von dem Österreicher 
Rudolf Brunngral?er. In Deutsch- 
land konnte es sich nicht mehr 
durchsetzen, denn es wurde 
1933 von den braunen „Kullur- 
politikern" sofort verboten, 
fetzt, nach über zwanzig Jahren, 
ist es im Forum Verlag Frank- 
furt/Wien unter dem Titel nUie 
ZeitJonjine" mit einem begei- 
sterten Vorwort von Kasimir 
Edschmid neu aufgelegt. Em 
halbes Jahrhundert umfassend, 
schildert es nicht nur das tra- 
gische Schicksal eines Wiener 
Proletarierjungen m ^'or-, 
Kriegs- und Nachkriegszeit, son- 
dern es deckt schonungslos unci 
wohlbelegt „die Abhä^ngigkeit 
des Individuums von den gro- 
ßen Zusammenhängen in Politik. 
Wirtschaft und Technik", auf ; es 
beschuldigt und entschuldigt zu- 
gleich den Menschen, weil er 
Schöpfer und Opfer von Zu- 
ständen ist, die ihm über den 
Kopf wachsen, die i*^" entper- 
sönlichen und zum Spielball 
von Kräften machen, die der 
ewige Zauberlehrling nicht zu- 
rückrufenkann. In Amerika und 
im sonstigen Ausland g^lt und 
oilt dieses Buch als eine der 
wesentlichsten Aussagen über 



die schicksalhafte Verbunden- 
heit des einzelnen Menschenr 
lebens mit den großen „Errun- 
genschaften" des Jahrhunderts 
und ihren katastrophalen Fol- 
gen. Es war an der Zeit, dieses 
wertvolle Buch audi den deut- 
sehen Lesern wieder z«ga^8|\* 
zu machen, denn an der Gültig- 
keit seines Grundthemas hat 
sich nichts geändert. 

Eines der für Zeit und Ort 
zutreffendsten Bücher war der 
berühmte Roman aus d©m >f- 
ben Berliner Proletarier zwi- 
schen den Kriegen, die Ge- 
schichte vom entlassenen Sträf- 
ling Franz Biberkopf, der siA 
wifder nach oben arbeiten 
wollte und doch an der GleiA- 
gültigkeit und Böswilligkeit der 

Umwelt und an der ^^8^"^^ 
SAwäche scheitert. .^A exande^ 
pJotz", von dem niilieukundi- 
gen Berliner Arzt Alfred Dob- 
C geschrieben, gehörte zu den 
Dokumenten eines neuen Rea 
lismus, der die ^^len Dinge 
beim Namen nannte, bis aer 
IvöTkisdie Idealismus", der auf- 
geblasene und ver^^ 

Käi^r'dies^errch verbot 
und diesen Dichter vertrieb. 
Jetzt erschien es neu als dop- 
n«ltes Tasdienbuch m der Serie 
Ter mstein-Büdier (3 80 DM 
m einer ganz anderen Welt 



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in eine* 6°"« j « 

spielt der Roman aus den» Her 
lin der Biedermeierzeit ^eu^ 



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dien Geberl", eins der meist- 
gelesenen Büdier nadi der Jahr- 
hundertwende. Sein Autor 
Georg Hermann gilt als ein „le- 
gitimer Nachfahr" Fontanes, und 
er besitzt in der Tat die Fähig- 
keit, in der besinnlidi vorgetra- 
genen Gesdiidite von Mensdien 
einer versunkenen Zeit die kul- 
turgeschichtliche Atmosphäre 
ihrer Epodie bewußtzumaciien. 
Ohne Sentimentalität, aber mit 
inniger Teilnahme und sanfter 
Melandiolie sdiildert er den 
tragisch kurzen Lebensweg 
eines Mädchens aus bürgerlich- 
jüdisdiem Hause. Dieses Milieu 
war natürlidi Grund genug, auch 
„lettchen Geberf auf die Ver- 
botsliste der Nazis zu setzen. 
Der Kiepenheuer und Witsch- 
Verlag, Köln, hat es in einer 
hübsciien Leinenausgabe (470 S., 
10,80 DM) neu herausgegeben. 
Es wird den Freunden einer un- 
verkrampften psychologischen 
Erzählerkunst und allen an ver- 
gangenen, geruhsameren, aber 
keineswegs problemlosen Zei- 
ten interessierten Lesern herz- 
liÄ willkommen sein. 

Hanns Gensecke 

Was glauben denn 
die anderen? 

In der Zeit des wiederauf- 
lebenden Konfessionalismus 
sind Beispiele religiöser Tole- 
ranz besonders wohltuend. Ein 
solches Beispiel liegt in dem 
von der „Arbeitsgemeinschaft 
der Kirdien und Religionsge- 
m-einschaften in Berlin" heraus- 
gegebenen Budi „Was glauben 
die anderen?" (Verlag Willy 
Trubach, Berlin, 192 S., Gzln., 
6,90 DM) vor. In 26 Selbstdar- 
stellungen beschreiben die ver- 
schiedenen Religionsgemein- 
schaften ihren organisatori- 
schen Aufbau, ihre Lehre und 
deren Fundament. 

Das eigentliche Phänomen 
des Buches liegt darin, daß es 
möglich war, die zum Teil recht 
weit auseinanderliegenden Be- 
kenntnisformen ohne unheili- 
gen Eifer, aber in gegenseitiger 
Achtung nebeneinanderzustel- 
len, wobei jeweils einem an- 
onym bleibenden Vertreter der 
betreffenden Religionsgemein- 
schaft das Wort zum Bericht 
gegeben wird; ein Unterneh- 
men, das unseres Wissens bis- 
her nur in Berlin gewagt und 
vollendet wurde. 

Neben den christlichen 
Hauptkirdien werden Buddhis- 
mus, Islam, Judentimi. aber 
auch die — zumindest in Ber- 
lin - kleineren Kirchen und Ge- 
sellschaften mit spezifisch reli- 
giösem Gehalt wie Evangelische 
Brüdergemeinde, Heilsarmee, 
Methodistenkirche, Quäker usf. 
dargestellt. 

Daß nur die Grundzüg« der 
Religionsgemeinschaften aufge- 
zeigt werden können, daß die 
kritische Analyse fehlt, liegt 
im Wesen und Umfang des 
Buches begründet. Es ist übri- 
gens für jedermann lesenswert, 
da seine knappe, dabei ver- 
ständliche Form einen Blidc 
über die Religionen, ihre 
wesisntlichen Merkmale und 
Unterscheidungen gestattet, 

ohne daß die Perspektive durch 
apostolischen Eifer verzerrt 
wird. Gottfried Vetter 



Gegen den Unfug der Gewalt 

Absage an den milifarisfischen Terror 



Der Name Louis Bromfield 
gehört zu den literarischen Be- 
rühmtheiten Amerikas. Sein 
großer und dokumentarischer 
Indien-Roman „Der große Re- 
gen" hat lange Zeit zu den 
Best-Sellern gehört. Jetzt über- 
rascht dieser bedeutsame Er- 
zähler und realistische Sdiilde- 
rer der sittlichen Zersetzung 
aller Kolonisierungs-Unterneh- 
men mit einer herausfordern- 
den und rücksichtslos offenen 
Publikation. „Vom Un/ug der 
Geivalt" nennt er sein umfang- 
reiches Buch, dessen Thesen 
durch eine Fülle von Zitaten 
untermauert werden, in deren 
Reigen wir nahezu alle in der 
westlichen Welt führenden Na- 
men auf dem Gebiet der Politik 
und der Wirtschaft finden kön- 
nen. „Ein neues Konzept für 
eine verwirrte Welt" nennt sich 
das Buch im Untertitel (Econ- 
Verlag, Düsseldorf, 276 S.. Gzln. 
14,80 DM). 

Ausgangspunkt dessen, was 
Bromfield vorträgt, ist die 
These, daß der gegenwärtige 
gesellschaftliche Zustand 

menschlicher Existenz auf die- 
sem Planeten ein völlig ver- 
wirrter, erschütterter und weit- 
hin unglückseliger ist, weil seit 
dem vermeintlichen Friedens- 
schluß von Versailles die mili- 
tärische Gewalt mehr und mehr 
, zur Beherrscherin alles Han- 
delns und Denkens geworden 
Ist. Genau darin erkennt Brom- 
field den Kardinalfehler. Militär 
und Politik haben die moderne 
Welt dicht an den Abgrund ge- 
führt. Sie haben sich als Stifter 
neuer geordneter Möglichkei- 
ten als völlig unfähig erwiesen. 
Deshalb verlangt Bromfield, in- 
dem er von Anklage und Kritik 
vorstößt zu gesundenden neuen 
Vorschlägen, daß ein natürlicher 
Zustand innerhalb des Aufbaus 
der einzelnen Völker und im 



internationalen Verkehr ange- 
strebt wird: die Überordnung 
des sozial-wirtschaftlichen Be- 
reichs über Politik und Militär. 
Bromfield begründet seine 
Forderung durch einen umfang- 
reichen und überzeugungskraf- 
ligen Nachweis aller Fehlent- 
scheidungen, die das Bündnis 
der beiden Gewaltbereiche seit 
dem Anfang unseres lahrhun- 
derts getroffen hat. Er zeigt auf. 
wie die Staatsmänner und Ge- 
neräle auch heute noch unver- 
ändert und starr sich versteifen, 
die Geschidce der Völker nach 
längst überholten Vorstellungen 
zu lenken - nach Methoden, die 
automatisch in die letzte Kata- 
strophe hineinsteuern müssen, 
wenn nicht endUch Einhalt ge- 
boten wird und eine radikale 
Ablösung in der Verteilung der 
Gewalten erfolgt. Alle groß- 
mächtige EinmischungspoUtik 
hat aufzuhören. Das militärische 
MachtdenJken ist in seine 
Schranken zurüdczutreiben. 

Asien besitzt das Redit, den 
Lauf seiner Entwicklung selbst 
zu bestimmen. Die Großmacht 
USA hat sich jeder Einrede und 
aller Eingriffe zu enthalten. 

Bromfield sieht eine Lösung 
vieler zuges-pitzter. mit brutaler 
Gewalt unlösbarer Probleme in 
der Bildung mehrerer großer, 
in sidi selbständiger Wirt- 
schaftskraftzentren, an die sich 



die kleinen, für sich allein 
nidht mehr lebensfähigen Völ- 
ker anschließen. Nur so und 
durch einen nach sozialen und 
wirtschaftlichen Erfordernissen 
abzus^redienden Handelsaus- 
tausch läßt sich der Frieden 
der modernen Welt sichern. 
Alle nationalen, rassischen und 
politischen Vorbehalte müssen 
gegenüber großzügigen Wirt- 
schaftsabkommen zurücktreten. 
Das gleiche gilt für radikale 
Umwälzungsmethoden und 

weltfremde Utopien. 

Es wird sich leicht einwenden 
lassen, daß Bromfields Plan 
selbst utopisch ist. Darüber 
wäre zu streiten. Er selbst er- 
klärt: „Das von mir behandelte 
Thema fordert in vielen Punk- 
ten zum Widerspruch heraus; 
doch wenn der Streit der Mei- 
nungen zum Denken anregt 
und die Vorstellungen klären 
hilft - um so besser." In einem 
Punkte dürfte in den Reihen 
der klar und unvoreingenom- 
men Denkenden aller Völker 
Einigkeit bestehen: Die militä- 
rischen Gewalten sind in eine 
Sacicgasse geraten, und alle 
Versuche, ihre überlebten In- 
stitutionen zu restaurieren, 
müssen im totalen Zusammen- 
bruch enden. Sich dagegen zu 
wehren, ist eine Forderung des 
gesunden Menschenverstandes. 

Karl Rauch 



Unterhaltung aus England 



Was den gepflegten Unt^r- 
haltungs- und Gesellschafts- 
roman angeht, so kommt das 
Beste auf diesem Gebiet iimner 
noch aus England. Freundschalt 
und Liebe, der einzelne und 
die Gemeinschaft, Arbeit und 
Vergnügen, Leben und Tod - 
die Probleme dieser Romane 
sind einfach und bewegen sich 



Begegnung mi\ Afrikanern 



In einer südafrikanischen 
Negerzeitung - der „Bantu- 
World" - las man 1952 den 
Satz: „Es ist an der Zeit, daß 
der weiße Mann den Wert des 
schwarzen Mannes neu ein- 
schätze . . ." Damit wird die 
Kernfrage der gesamtafrikani- 
schen Problematik sichtbar ge- 
macht, die eine Lebens- und 
Schicksalsfrage Europas ist. 
Denn Europa hat den „dunklen 
Erdteil", der, nicht nur geogra- 
phisch, zu seinen Füßen liegt, 
erforscht, erschlossen und ge- 
nutzt, und muß nun, wenn es 
seine Bewohner auch gewinnen 
will, ihre Seelen erforschen, er- 
schließen und mit dem Geist 
der Gereditigkeit in die ihnen 
noch fremde und daher gefähr- 
liche Lebenswelt der Zivilisten 
führen. 

Der Schweizer Schriftsteller 
Peter Sulzer durchreiste in den 
Jahren 1952/53 die südafrika- 
nischen Länder, um die innere 
und äußere Situation des Ne- 
gers zu studieren. Er stellt in 
seinem Buch „Schmorze Intelli- 
genz** fest, daß die Zivilisierimg 



unaufhaltsam fortschreitet imd 
auch did entlegensten Orte be- 
rührt und in dem Städten zur 
Entstehung eines aus allen 
Ordnungen gelösten Proleta- 
riats bzw. elnef teilweise 
hochgebildeten Intelligenz- 

schicht geführt hat, die gefähr- 
det ist, weil sie allein gelassen 
wird. [Atlantis-Verlag, Freiburg 
i. Br., 240 S.) 

Ein Kikuyulehrer klagte, die 
Weißen lebten zwar mehr als 
ein Jahrhundert mit den Afri- 
kanern zusammen, „aber be- 
gegnet sind sie uns noch nie"^ 
Dies ist der Riß, den der Kom- 
munismus um so sicherer 
nutzen kann, als die Weißen 
sich noch immer nicht von ihrer 
alten kolonialen Gesinnung zu 
lösen vermochten. 

Sulzers, auf sehr interessante 
Zitate aus Werken der gut ent- 
wickelten modernen Neger- 
literatur gestütztes, erfreulich 
faires Buch sei allen empfohlen, 
die Verantwortung fühlen für 
die „sdiwarzen Brüder** Afri- 
kas. H. A. Recke 



alle auf der gleichen Ebene. 

nämlich der des Alltags. 

„Die Suche noch dem Gelieb- 
ten" von Walter Baxter (Paul 
Zsolnay, Verlag, Hamburg, 
Gzln., 403 S.) ist die Geschichte 
einer jungen Frau, deren Ehe 
eine d^r ganz seltenen Liebes- 
erfüllungen wird. Als ihr Mann 
als Flieger im Krieg fällt, ist 
es, als wenn auch diese junge 
und schöne Frau in ein Nidits 
fiele. Ihr weiteres Leben ist die 
Suche nach dem, was verloren- 
ging. Ein recht hoffnungsloses 
Suchen. Das ist mit viel psy- 
chologischem Verständnis und 
einiger Offenheit erzählt. 

„Die Blume im Mai" von 
Kate O'Brien (Paul Zsolnay, 
Verlag. Wien, 456 S., Gzln.) er- 
zählt von dem Mäddien Fanny, 
das seine Umgebung durch Na- 
türlichk^t, Liebreiz und Anmut 
bezaubert. Fanny ist die 
„Blume im Mal", und geschil- 
dert wird die Zeit der Reife, 
ein Sommer in Italien, da 
Fanny zur Frau wird. Das ist 
mit viel Empfinden erzählt. 

„Zroef Seelen^ von Margaret 
Kennedy (Paul Zsolnay. Verlag, 
Wien, 280 S., Gzln.) wurde in 
England als „bester Roman des 
Jahres" preisgekrönt. Der Ro- 
man spielt im frühen 19. Jahr- 
hundert und ist die Gesdiidite 
eines Mannes, der ein Doppel- 
leben führt, das eines Träu- 
mers und das eines Strebers. 
Der Konflikt: Das Mäddien, 
dem die Liebe des Träumers 
gehört, liebt nur den Streber. 
Ein ausgezeichnetes Charakter- 
porträt. H. H. ß. 



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:Mit freundlichen F^mpfehlun^en 

überreicht vom 

Verlag Kiepenheuer & Witsch 



Köln 



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BaöbilUgcBucb 












Liste 2 

Jahrgang 1956 
Februar 



Diese Liste enthält Gelegenheitsposten, Restauflagen, Volksausgaben, Remittendenexemplare, modernes Antiquariat der 
letzten Jahre sowie Sonderausgaben und Neuerscheinungen. Es wird in dieser Liste jedem Geschmack etwas geboten: so 
billig wie möglich und auf Wunsch gegen Teilzahlung. Bei Bestellungen ab 20, — DM kann die Zahlung in fünf gleichen 

Monatsraten erfolgen. Die Vorräte sind nur gering, daher LiefermögUchkeit vorbehalten. 

Berlin VNTIS, Kurfürstendamm 226 (Britischer Sektor) • Telefon 914681 



Liste 2 

Jahrgang 1956 
Februar 



Der kleine 
Roda-Roda-Band 

Dies Buch ist für ältere Leser 
gesciiricben worden, für jene 
Leser, die Roda l\oda, den 
österreichisclien I^2xofflzicr und 
Grandseifineur mit der charak- 
teristischen roten Weste, selbst 
noch erlebt haben. Ihnen wird 
bei der Lektüre das Herz auf- 
gehen. Denn in diesem Bande 
sind die schönsten Geschichten 
des großen Humoristen zu- 
sammengestellt, Anekdoten 
und Krzählchen, wie er sie 
einst in den Kabaretts ganz 
Europas vortrug. Eine ver- 
klungene, versunkene "Welt 
wird hier wieder beschworen 
und unser vergnügtes Lachen 
ist schwer an Erinnerungen. 
228 S., Gzl., mehrf. J OA 
Schutzumschlag. DM H.UU 



Die neuen Psalmen 

Das hier vorgelegte Werk, das 
die neuen Psalmen und die 
Cantica des Breviers enthält, 
ist herausgegeben nach der 
neuesten lateinischen Ausgabe 
des Päpstlichen Bibelinstituts 
in Rom und mit dem Impri- 
matur der katholischen Kirche 
versehen. Es enthält die Psal- 
men, die 17 Cantica, die ein- 
leitenden Vorbemerkungen da- 
zu sowie die erklärenden 
Schlufibemerkungen, welche 
nachträglich noch vermehrt 
wurden. Von Pater Florian 
Auer S. J. in das Deutsche 
übersetzt, hat diese Ausgabe 
mancherlei Fehlerund Dunkel- 
heiten älterer Übersetzungen 
beseitigt. 4r>t> Seiten, auf Bi- 
beldruckpap., Ganzl., Q QC 



Friedrich Nietzsche 
Also sprach Zarathustro 

In diesem Hauptwerk Nietz- 
sches wird die ewige Wieder- 
kunft verkündet und die Her- 
unbildung des Übermenschen 
postuliert. Zarathustra ist der 
Prophet dieser Lehre und 

f leichzeitig der Typus des 
Übermenschen. Vorgetragen in 
einer einzigartigen konzertan- 
ten Sprache, gehört Nietzsches 



Schutzumschlag. DM 

Poul Bertoloiy 
Die Lausbuben 

Ein Roman, der in mancher 
Hinsicht ein Gegenstück ist zu 
Bertololys berühmtem Buch 
„Dora Holdenrieth**. Da hier 
aber jede tragische Note fehlt 
und da das Buch durchtränkt 
ist mit einem überquellenden 
Humor, liest es sich viel leich- 
ter als die Geschichte der klei- 
nen Dora. Wie die Lausbuben, 
von denen hier die Rede ist. 
Streich auf Streich vollbringen, 
wie sie schließlich eine ganze 
Stadt auf den Kopf stellen. 



Georg Hermann 
Jettchen Gebert 

Als vor einem halben Jahr- 
hundert diese Geschichte der 
schönen jungen Berlinerin Jelt- 
chen Gebert erschien, war ihr 
Autor noch kaum bekannt. 
Mit diesem Buch schuf er sich 
rasch einen Namen, und zwei 
Jahrzehnte hhidurch wurde 
sein Roman wieder und wieder 
aufgelegt. Zweifellos wird auch 
diese neue Ausgabe des be- 
rühmten Buches genau den- 
selben F^rfolg haben wie ihre 
Vorgängerinnen. Es gehört 
längst zum festen Bestand der 
modernen deutschen Literatur, 
und nichts hat ihm seinen un- 
verwelklichen Zauber nehmen 
können. 464 Seiten, Ganz- 
leinen, mehrfarbiger 1 A Q A 
Schutzumschl. DM IU*OU 



Paul Weiglin 

Unverwüstliches 
Berlin 

Kenntnisreich, farbig und be- 
wegt erzählt der Verfasser die 
Geschichte Berlins in der Zeit 
zwischen dem ersten Welt- 
krieg und dem Zusammen- 
bruch von 1945. Dabei wird 
nichts beschönigt, nichts ver- 
hehlt. Von den Schwächen der 
Stadt und ihrer Bewohner wird 
ebenso offen gesprochen, wie 
von ihrer Kraft und ihren 
guten Seiten. Freunde Berlins 
und einstige Berliner überall 
in der Welt werden das 
hübsche reichillustrierte Buch 
daher mit viel Vergnügen le- 



le- 
zahl- 
Ganz 



sen. ,318 Seiten, mit 
reichen Abbildungen, ^— - 
leinen, Kunstdruck- IH 911 
Schutzumschl. DM IW.fcW 



Louis de Wohl 
Longinus, der Zeuge 

Longinus, Hauptmann der 
21. Kaiserlichen Legion, nimmt 
teil an den rauschenden Festen 
der römischen Gesellschaft. In 
leidenschaftlicher Liebe zur 
schönen Claudia Procula 
kämpft er in der Arena des 
Cirkus Maximus um Ehre und 
Blut. Dann wird er nach Pa- 
lästina versetzt und ein selt- 
sames Schicksal will es, daß er 
als Führer des Hinrichtungs- 
kommandos Christis Kreu- 
zungstod erlebt. Aus dem wil- 
den Landsknecht wird ein 
Zeuge für Gottes Herrlich- 
keit. Ein großangelegter, fär- 
ben- und figurenreicher Ro- 
man von erschütternder Aus- 
sagekraft! 352 Seiten, Ganz- 
leinen, mehrfarbiger iO flfl 
Schutzumschl. DiM ■fc«WW 



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NAPOLEON 










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George R. Stewart 
Feuer 

„Roman eines Elements** nennt 
sich dieses sehr fesselnde Buch 
im Untertitel. Es erzählt die 
Erlebnisse einer jungen Ame- 
rikanerin, die als Brandwache 
im Ponderosa National Forest 
angestellt ist und die von 
ihrem zwanzig Meter hohen 
Stahlturm aus das Entstehen 
und die elementare Gewalt 
eines riesigen Waldbrandes er- 
lebt. Mit allen Mitteln moder- 
ner Erzähltechnik gestaltet, 
ist das Buch spannend von der 
ersten bis zur letzten Zeile. 
Eine großartige Lektüre! 
363 Seiten, mit 1 Karte, Ganz- 
leinen, mehrfarbiger Schutz- 
umschlag. A isn 

Statt 13.80 DM. .nur ■»•vV 

Bruce Marshall 
Kätzchen und Katzen 

In den hier vorgelegten Ge- 
sprächen mit und über Katzen 
erweist sich Bruce Marshall 
nicht nur als großer Katzen- 
freund, sondern auch als ein 
kühner, aber immer liebevoller 
Kritiker der menschlichen — 
allzumenschlichen Welt. „Ge- 
wiß, sie stehlen*', urleilt er 
über seine vierbeinigen Haus- 
genossen, „aber**, so fährt er 
fort, „sie nennen es nicht Ge- 
schäft'*. Mit seinen reizenden 



Francoise Sagan 
Bonjour tristesse 

Dieser Roman einer blut- 
jungen l>anzösin wurde zu 
einem Welteriolg. Die knapp 
achtzehnjährige Autorin be- 
handelt hier mit ebensoviel 
Delikatesse wie Offenheit die 
Beziehungen eines Mannes zu 
zwei F'rauen, dargestellt und 
auf unnachahmliche Weise 
psychologisch durchleuchtet 
von seiner eigenen Tochter. 
Die Meisterschaft der Fran- 
zosen, dem Thema Lie?l)e im- 
mer neue Nuancen abzugewin- 
nen, zeigt sich auch hier wieder 
in dem Bericht eines jungen 
Mädchens, das auch vor dem 
eigonen ersten F:rlebnis nicht 
haltmacht. 191 Seiten, GanzL, 
mehrfarbiger Schutz- Q Ofl 
Umschlag DM 9 •%3\3 

Peter Bamm 
Die kleine Weltlaterne 

Optimismus ist ein Geschenk 
der Götter, ist die beste Me- 
dizin, die es auf Erden gibt. 
Hier wird dieses Lebenselixier 
dargeboten in kleinen, mit Be- 
hagen erzählten Geschichten 
und Anekdoten, in deren 
witziger Schale jedesmal ein 
Körnchen Weisheit steckt. 
Wer unserer Leser Peter 
Bamms Weltlaternchen bisher 
noch nicht leuchten sah, für 



„Die Polnische Mühle" von Jean 
Giono, einer der bedeutendsten euro- 
päischen Romanciers, fand schon 
starke Beachtung während des Vor- 
abdruckes in der „Frankfurter All- 
gemeinen Zeitung". Es ist die Ge- 
schichte einer begüterten französi- 
schen Sippe, die einem Experiiment 
mit dem Schicksal gleichkommt, da 
aus dem Lebensbündnis ungleicher 
Partner ein großartig spannungs- 
volles Geschehen erwächst (Kiepen- 



heuer & Witsch, 192 S., GL, 11,80 DM). 
In der bittersüßen Geschichte der 
jung'en Berlinerin „Jettchen Gebert" 
ist die Zeit des Biedermeier kennt- 
nisreich und einfühlend heraufbe- 
schworen, ein Buch von dramatischer 
Kraft und melancholischer Innigkeit. 
Der Roman von Georg Hermann, der 
nach 1933 verboten wurde, war vor 
50 Jahren bereits ein Bestseller (Kie- 
penheuer & Witsch, 464 S., GL, 
10,80 DM). In der Zeit zwischen 
Jahrhundertwende und erstem Welt- 
krieg spielt der Roman „Eine Frau 
zwischen zwei Welten" von G. Sime 
und F. Nicholson. Er behandelt das 
immer aktuelle Problem der Aus- 
wanderer, ihre Nöte und seelischen 
Konflikte zwischen neuer und alter 
Heimat. Schauplätze sind die alte 
Donaumonarchie und Kanada (Neff, 
468 S., GL, 15,80 DM). Weltweit, ist 
auch der Bogen, den R. C. Muschler 



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Vc>C->v^ • V>^V . SV 

AUS DEM BESTAND DES BILDENDEN 

Gottfried Keller 

DEll GRÜNE HEINRICH 

632 Seiten, Lii DM 10,80. 

In der Sammlung .,Schöne Uomane und Erzäh- 
lungen der deutschen Weltliteratur'- erscheint 
nun der bedeutendste Entwiclvlungsronian der 
deutschen Healistik. In dem Keller seinen Helden 
von romantischer Fliuntastilv In das Schlichte der 
alltägliciien Pflichterfüllung führt. 

Georg Ilermann 

JETTCIIEN GEBERT 
464 Seiten, Ln DM 10,80. 



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Das Buch, mit 
dem sich vor 

einem lialbon 
Jahrhundert der 
Autor durch seine 

bittersüße Ge- 
schichte der schö- 
nen jungen Ber- 
linerin mit einem 
Schlage einen Na- 
men maclite. In 
dem Berlin von 
1}{4(). des Bieder- 
meier, spielt der 
Boman In einer 
Abwandlung des 
Themas von den 

Königskindern, 
die nicht zuein- 
ander kommen 
können — ein li- 
terarisches und 
kulturgeschiciit- 
liches Dokument. 



Miguel de Cervantes 

DER SCHARFSINNIGE RITTER DON 
QUIXOTE VON DI:R MANCH A 
Mit einer Einleitnng von Iwan Tur- 
genjew und einem Nachwort von An- 
dre Jolles. Dünndruckaiisgabe, zwei 
Bände. 1400 Seiten, Ln DM 36,—, 
Leder DM 60,—. 

Die unverkürzte Insel-Auagabe, von Konrad Tho- 
rer besorgt, geht auf einen 1837 anonym er- 
schienenen Text 7Airück. Man hat ihr von je 
besondere Lesbarkeit und Schönheit der sprach- 
lichen Form nachgerühmt. 

Herodot 

HISTORIEN 

Deutsehe Gesamtausgabe mit Eridu- 
teningen, übersetzt von Dr. A. Hor- 
neffer. Neu heransgegeben nnd erläu- 
tert von Dr. W. H. Haussug. 808 
Seiten, 4 Bildtafeln, 2 Karten. Ln 
DM 17,50. 






t » w 



Es ist die erste Ausgabe nach dem Kriege, die 
den gesamten llerodot bringt. Die leicht lesbare 
Übertragung von Horneffer ist der neuesten 
kritischen Textausgabe von Ilude angeglichen. 

DEUTSCHEU GEIST 

Ein Lesebuch aus zwei Jahrhunderten. 
2 Bände, 1030 und 1020 Seiten, Ln 
DM 25,—. 

Diese Bunde geben nicht bekannte Texte wieder, 
die in anderen Büchern zu finden sind, sondern 
bringen Essays, die das gesarate Denken nnd 
das Geistesleben der letzten beiden Jahrhunderte 
erkennen lassen. Ein für jung und alt sehr 
wertvoller Beitrag zur Erkenntnis deutschen 
Denkens. 

Dante Alighieri 

GÖTTLICHE KOMÖDIE 
Übersetzt von Philalethes, erläutert 
von Th. Kaner, Ln DM 5,80 
Fischer-Taschenbuch DM 2,90- 

KLASSIKER IN EINEM BAND : 

Heinrich v. Kleist 

Theodor Fontane 

Conrad Ferdinand Meyer 

Theodor Storni 

Es sind die bekannten K n a u r - 

Klassikerausgaben zum Preise von Ln 

DM 9,80, Ldr DM 18,—. 

Daneben besteht die Reihe der Bergland- 
Bueh-Klassiker, ebenfalls in vorzüglicher 
Güte: 

Drostc Hülshoff 
Heinrich Heine 
Hölderlins Werke 
Lessings Werke 

Jeder Band ca. 1000—1200 Seiten. 
Ln DM 16,—. 

KLASSIKER IN ZWEI BÄNDEN 

Johann >\ olfgang v. Goethe 
Gotfried Keller 
Friedrich v. Schiller 
V^illiam Shakespeare 

ca. 2600 Seiten. Herausgegeben von 
Prof. Dr. L. Schücking. Jeweils 2 
Bände. Ln DM 18.50, Ldr. DM 36,—. 

Nietzsches Werke Ln DM 32,— 

Stifters Werke Ln DM 27,— 

Die deuitsehen Romantiker Ln DM 32, — . 

Jeder Band ca. 2000—2250 Seiten. 



16 



p^\.,e\l \\^ ACM >^f. ,V^U^- 



1 



Romane und Erzählungen 



sehen Königssohns Paris, die Geschichte 
eines „Schönen Mannes", dem alles zu 
Füßen liegt. Als der junge Paris, den eine 
unheildrohende Weissagung in die Einode 
des Gebirges verbannt hat, seine Vater- 
stadt Troja betritt, unterliegt alles seiner 
Schönheit und seinem Zauber. Jetzt be- 
ginnt der Wandel im Wesen des jungen 
Mannes vom einfachen Naturkind zum 
Salonlöwen und Weiberhelden. Unter- 
dessen entbrennt im Olymp ein Streit um 
den goldenen Apfel aer Schönheit. Zeus 
bestimmt Paris zum Schiedsrichter. Aphro- 
dite erhält den goldenen Apfel, Paris die 
schöne Helena, und das Schicksal nimmt 
seinen Lauf. Der Trojanische Krieg be- 
ginnt. 

HARTOG, Jan de: 
Die kleine Arche 

Roman, 270 S., mit zahlreichen Illu- 
strationen, Leinen, 10,80 DM 
Die Sturmflut, die im Jahre 1953 über Hol- 
land hinwegfegte, brachte Tod und Ver- 
nichtung mit sich. Jan de Hartog schildert 
die Erlebnisse zweier Kinder, des Jungen 
Jan Brink und seiner indonesischen Stief- 
schwester Adinda, für die diese Sturm- 
flut ein aufregendes und herrliches Aben- 
teuer wurde. Mit ihren vierbeinigen Ge- 
spielen fuhren sie auf einem Hausboot hin- 
aus in eine abenteuerliche Welt. Die kleine 
Schar blieb zusammen, lernte die Welt der 
Erwachsenen kennen und überlebte wohl- 
behalten die Katastrophe. Jan de Hartog 
schildert die Welt dieser Kinder mit einer 
Mischung von Naivität, Dramatik und mil- 
dem Humor. 



y 



HASTINGS, Phyllis: 

Du kamst in meine Stille 

232 S., Leinen, 9,80 DM 
In das noch unerfüllte Leben, das Agnes 
auf einem einsamen Bauernhof an der 
englischen Kanalküste führt, in ihre 
Traumwelt, die sie mit den Tieren und 
mit dem Blühen und Vergehen im Jahres- 
ablauf der Natur verbindet, bricht das 
Schicksal in Gestalt eines schuldig gewor- 
denen Unschuldigen. Kaum je hat eine 
Schriftstellerin so eindrucksvoll das Liebes- 
erwachen eines jungen Mädchens geschil- 
dert und nachempfunden wie Phyllis 
Hastings in diesem Roman. 

HAUPTMANN, Gerhart: 
Der Ketzer von Soana 

157 S., mit Illustrationen von Ger- 
hard Ulrich, Leinen, 8,50 DM 
Der junge, eifernde Priester Francesco ver- 
fällt im Frühlingsrausch des blühenden 
Tessins der heidnischen Schönheit des ver- 
femten Hirtenmädchens Agata. Er erliegt 
den Lockungen eines übermächtigen Eros, 
„der älter und mächtiger als Zeus und alle 
Götter ist". Der Roman liegt hier in einer 
illustrierten Neuausgabe vor. 



HAUPTMANN, Gerhart: 

Bahnwärter Thiel 

Das kleine Buch Nr. 71 
62 S., gebunden, 2.20 DM 
Die klassische Erzählung Gerhart Haupt- 
manns vom Bahnwärter Thiel spiegelt 
echte, große Menschheitstragik. Über dem 
Leidensweg des geliebten Söhnchens To- 
bias, an dem, vom Vater schmachvoll ge- 
duldet, einzig die Stiefmutter Schuld trägt, 
keimt in der wirren Seele des Mannes 
unheilschwangeres Tun, an dem die ge- 
samte Natur Anteil nimmt. 

HEINRICH, Wolf gang: 
Meister der Kriminalistik 

Seltsame Verbrechen und ihre Auf- 
klärung durch die großen Polizei- 
zentralen 

296 S., Leinen, 9,80 DM 
Spannender als jedes Produkt der Phan- 
tasie ist die Wirklichkeit. Die Wahrheit 
dieses Satzes zeigt sich am deutlichsten 
in der Geschichte der Kriminalistik. Rund 
dreißig der interessantesten internationa- 
len Kriminalfälle der letzten 100 Jahre 
werden in diesem Buch geschildert. Die 
Bedeutung '.er Meisterdetektive wird da- 
bei aufgezeigt, aber auch die der großen 
kriminalistischen Organisationen. 



HERMANN, Georg: 
Jettchen Gebert 

464 S. mit 20 Zeichnungen von Beate 
Obsieger, Leinen, 10,80 DM 
Vor einem halben Jahrhundert erschien 
die bittersüße Geschichte der schönen jun- 
gen Berlinerin Jettchen Gebert. Bis zum 
Jahre 1933 erlebte der Roman immer neue 
Auflagen, dann kam er auf die Verbots- 
liste der Nazis. „Jettchen Gebert" ist 
gleichsam eine Abwandlung des Themas 
von den Königskindern, die nicht zuein- 
ander kommen können — ein Buch von 
dramatischer Kraft und Leidenschaft und 
einer melancholischen Innigkeit zugleich, 
das als literarisches wie als kulturge- 
schichtliches Dokument immer wieder ge- 
lesen zu werden verdient. 



HERZOG, Peter J.: 

Die stählerne Straße 

Roman der Eisenbahn 

400 S. und 8 S. Abbildungen, Leinen, 

16,80 DM 

Dramatisch geschriebene „Stories;; schil- 
dern die Entwicklung und umsturzende 
Wirkung der Welt der Schienen. Techni- 
sche Erfindungen, Menschenschicksale und 
politische Ereignisse verbinden sich zu 
einer Entdeckerfahrt durch alle Lanüei 
der Welt. 

11 



Caldwell, Taylor: Einst wiid.komineA der Tag 

In drm nrolJanqeleglcn, droi Generationen umspannende., 
Romraus der Lerikanisdu-n «"f '"Ssi-l-'- -;^-P- 
sich die Dämonie der Macht, des Erfolges und der Htnsch 
suAttn einem Manne von eiserner Energie und grau- 
sämster RücKsiAtslosigkeit gegen sich -"'^'^>;f ^^^ .^-^^ 
weit. 

Dahn, Felix: Ein Kampf um Rom 
Der große Roman der Völkerwanderungszeit vom tragischen 
Kampf der Goten um ein germanisches «■='* ^^^ ^f "^j'; 9 g^ 

Deeping. Warwlck: Hauptmann Sorrell und sein Sohn 

Deepings reifstes und berühmtestes Werk; das hohe Ued 
treuer Kameradschaft zwisdien Vater und Sohn.^ ^ ^^_ ^^^^ 

Dyhrenfurth.G.O.: Das Buch vom Kautsch 

Der Kampf um die Besteigung des dritthöchsten Bercje^ und 

er Gipfelsieg einer britisdren Expedition. Em Gegenst k 

"u den beiden Erlebnisbüchern „Das Buch vom Everest und 

„Das Buch vom Nanga Parbat" (je W ^^ ^^^^^ ^^ ^^ 

Freytag, Gustav: Die Ahnen 

Die borühmten sechs Romdne: aus deutsdier Vergangenheit 

1380 S. Gl. G,80 



ungekürzt in einem schönen Geschenkband. 



Glulh, Oskar: Das höllische Paradies 

K, überlebende einer Schitfskatastrophe retten sich auf eJne 
Tropeninsel und führen einen harten Kampf gegen die Na^ 

tur und die aufbrechenden eigenen ^^f ".^^^^L^f"Vle dmTs 
den Anständigen zum Guten gewendet wird. Ein Gleichnis 
der europäischen Welt von heute. 

814 S., Dunndruck. Gl. /,öU 

Gulbranssen, Trygve 
Und ewig singen die Wälder. - Das Erbe von Bjorndal 

Zum Bleibenden gehören diese beiden hier i^ einem Band 
vereinten nordischen Romane, welche die Kräfte der Natui 
und des Menschenherzens gleich eindringlich^gestalt^n. ^^ ^^ 

Hermann, Georg: Jettchen Gebert 

■mne Neuausoabe des unsterblichen Romans aus dem Berlin 
der Biedermeierzeit ^- das Thema von den Königskindern 
die nicht zueinander kommen können, mit dramatischer 
Kraft und melancholischer Innigkeit gestaltet. 

464 S. m. 20 Zeichn. Gl. 10,80 

Jones, James: Verdammt in alle Ewigkeit 

Die mit großem Erfolg verfilmte tragische und trotzige Ge- 
schichte des Soldaten E. Lee Prewitt schildert wahrheits- 
getreu die Welt der amerikanischen Kasernen — Vor- 
gesetzte. Kameraden, Dienst, Freizeit und Flauen. 



26 



Ife 



Q^m^mm'üoWsbUilllt 



?Q ?3 

Nr. Datum 



■1 



Das Gesicht des vergangenen Berlins 

Georg Hermann: „Jettdien Geben", 464 Seiten, Leinen, 10,80 DM, Verlage 
Kiepenheuer und Witsdi, Köln- Marienburg, 



Als Jettchen Gebert die Königstraße 
entlang spazierte, da war noch keine 
Hede von Zonengrenzen und einem 
geteilten Berlin, da gab es noch keine 
Ostsektoraner und Westberliner, es 
standen keine Vopos an der Ober- 
baumbrücke und die Pferdebahn fuhr 
ungehindert durch das ganze liebe, 
alte Berlin. Dazumal gab es wohl auch 
Sorgen für den einzelnen, und man 
war doch eingehüllt in eine wohltuende 
Sorglosigkeit, das Plüschsofa war die 
Zierde der „guten Stube", die, noch an- 
gefüllt mit Nippessachen, im matten 
Licht der Petroleumlampe ein beschau- 



lidies Dasein führte, das für den Haus- 
herrn die Krone in Filzlatsdien, dem 
Schlafrock und dem Käppchen fand, 
während die Dame des Hauses ihre 
leiblidie Fülle mit Mühe und An- 
strengung in die Korsettage preßte. 
Es war noch das alte, liebe Berlin, 
wie es leider nur noch im Gedächtnis 
der Alten lebt, imd die heutigen Gene- 
rationen leider nur noch aus den Er- 
zählungen ihrer Vorderen kennen. Und, 
Jettchens Liebe war nicht weniger 
heiß, als sie heute bei den Klängen 
der Jazz-Rhythmen sein kann, sie war 
nur zarter empfunden und bewegte 
sich noch nicht in sachlidier und ab- 
geschätzter Bahn. Hermanns Erzählung 
läßt uns träumen von einer für immer 
vergangenen Zeit, sie wischt in ergötz- 
lichen Lesestunden das ganze Unge- 
madi des Lebens nach der Uhrzeit, der 
Unbeständigkeit und der Furdit vor 
dem Morgen hinweg, und läßt uns 
untertauchen in ein Meer zärtlicher 
und zarter Empfindungen. AS. 



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DER PF* 



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A»^^^ 



Frpitarr. »^e" "^ Februar 1^58 



NummeT 6, Seite 7 




Th. Hosemann: Im Alten Tiergarten zu Berlin. Kolorierte Lithographie. 1845 

Das Sdiid'vsal Berlins verpflichtet uns heute mehr denn je, die Erinnerung an die einstige Haupt- 
stadt Deutschlands wachzuhalten, die ihren Rang, so wünschen wir es alle, recht bald nach 
einer Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit wiedergewinnen möge. Mehr denn je aber auch 
sollte diese Erinnerung nicht nur dem früheren Sitz oberster Behörden gellen, sondern auch das 
Wesen der Stadt und ihrer Menschen umfassen, die zur Zeit wohl die größte Bewährungsprobe 
in der Gosdiichte Berlins zu bestehen haben. Einer so aufgefaßten Erinnerung zu dienen, ist 
die Absicht dieser Seite; es ist auch wohl nicht zuletzt die Absicht des neuen Landsdiafts-Buches 
^Berlin" des Prestel-Verlages, Mündien, dem wir die obige Abbildung verdanken (336 S. 
Zahlr. Abb. GJwd. 14,50 DM). Hunderte literarischer Zeugnisse von Einheimischen und Reisen- 
den, die ihre Begegnungen mit Berlin in Vergangenheit und Gegenwart sdiildern, hat Johann 
Jakob Hässlin, der Herausgeber, für diesen einzigartigen Berliner Almanadi zusammengetragen. 
Mit feinem Geschmack hat er vornehmlidi alte Stiche und Zeidinungen beigefügt, die, wie die 
Texte, Straßen und Plätze, Landschaften und Denkmäler, aber auch die Menschen und ihr Ge- 
müt sichtbar bzw. erfühlbar werden lassen. Es ist sdiön, daß das so reizvoll aufgemachte Buch 
gerade aus dem deutschen Süden kommt. So könnte diese gerad'-zu 
die Verbundenheit aller mit dem heute so bitter leidenden Berlin 
geht der Band auch uns alle an. 



festliche literarische Gabe 
versinnbildlichen. Deshalb 

Pl 



Onkel Salomon und Tante Riekdien 

Ein Familienbild aus dem Berlin der Biedermeierzeit - Von Georg H er mann 



T u u uA.o^ Rrpitp aefühl- und gemütvoll, aber mit viel literarisdicm Geschmack erzählt 
In ^'^/l^^V,^?'^^ 1905 erstmals erschienenen Roman ..Jettchen Gebert" die Gesdiichte 

Georg He mann in seine^^_^ ^.^ elternlos, im Hause ihres Onkels Salomon und der Tante 
omer jungen scn. ^^ gegebener Zeit verliebt, aber ihren Verehrer nicht heiraten 

^'"^ '] npmTßd^Wunsdi der Onkeln und Tanten, die in der Familie die Rechte spredu^n, 
dart ^"" y;"**? wg„j^ angetraut wird. Der Roman ist aber mc^hr als nur diese Licbesgesdiidi- 
T^^u mann hat mit einem geradezu einmaligen Einfühlungsvermögen das Bürcjorlebcn des Ber- 
r ■ Biedermeiers nachgezeidinet. Eine stille Wc^hmut, aber auch ein goldener Humor lieqt über 
lTe7ern köstlidien Werk, das jetzt in einer Neuauflage des Verlags Kiepenheuer & Witsdi, 
K-öln oeschmüdct mit Zeichnungen von Beate Obsieger. wieder ersdiien (,. J e 1 1 di c n Ge- 
hprt" 464 S Glwd 10,80 DM). Die nadistehendc Schilderung, die wir dem Buch entnehmen, 
mödite'eine Vorstellung von dessen kulturgesdiiditlidiem Wert und von der reizvollen Erzahl- 
kunst Georg He-manns vermitteln. 
OnkPl Salomon trua im Hause einen lan- sengirlanden in Kreuzstich. Rote Rosen an 

ne^Rock miTkoU iz^^^ Landkarlcn von Onkels Fenster, unschuldsweiße an Tantens. 

Flecken und da^rst^^^^ ein gesticktes Kapp- Schlummerrolle, Fußbank- und Fensterkis- 

den^on Schwaigern ^^^ mit einer Eichen- sen waren Jettchens Werke. Vor dem Fen- 
XidL^^^^ Wenn er das ster aber hingen an kleinen Kettdren weiße 

veSß "o wl^ er am nächsten Tag erkäl- Biskuitbilder, die durdi das durdischeinen- 

tet, und 



Jettchen monte, daß Onkels Nachricht 
Wühl zu iiberirjrfen wäre. Aber Onkel soll- 
te nur nodi nichts unternehmen. Jafeon, der 
scnst alles hörte, hätte heute vormittag 
noch nicht gewußt, daß es dem König 
schlecht erginge. 

Mit, der Erwähnung Jasons war Tante 
Riekchen aufgezogen wie ein Mühlenwehr? 
und ihr kurze Zeit gehemmter Redestrom 
floß frei und breit dahin. 

Sie erging sich in Exkursen über Jasoni 
Daseinsbereditigung und seinen morali- 
schen Wandel. Salomon aber ging darauf 
nicht ein; denn er liebte seinen Bruder Ja- 
son, weil er heimlich fühlte, daß vieles in 
jenem zur Reife gekommen war, was bei 
ihm verkümmerte. Und zudem wußte er 
nur zu gut, daß seine Frau nun seit dreißig 



dan^L^^Tglerc^d. cj eHaüs dru^t cTne s^öne Plastik der Figuren /^hren einen steten Krieg führte gegen al- 
aann war suyiciuu j ^. .. ., i,.,**^ ^:^ «^cf ^rr^^ knrypm PC W3S Hphert hieß, weil das hoher, see- 



verschnupft. 

Salomon ^ah (.seinem Bruder) Jason ahn- 
lich, war aber Mlter. schon ganz grau, dazu 
etwas gedunsen. Und dieselben Züge, die 
bei Jason fein, scharf geschnitten und geist- 
voll ersdiienen, waren bei ihm mit den Jah- 
ren stumpf und grob geworden. 

Punkt ein Uhr saß Onkel Salomon sdion 
an seinem Platz in seinem hohen Stuhl mit 
geschweifter L6hne am runden Mahagoni- 
tisch. Er hatte die Serviette vorgebunden 
und sie sorgfältig mit drei Nadeln an dem 
alten Rod< befestigt. Er saß da, sagte kein 
Wort und piekte nur mit der Gabel takt- 
niäßiq in die Serviette, um damit seiner Un- 
qeduld Ausdruck zu leihen, denn sein Leben 
war so auf die Minute geregelt, daß die 
Nachbarn nach ihm die Uhren zu 
pflegten 



zeigten. Onkel hatte sie erst vor kurzem 
gekauft. , Abendgebet' und ,Morgengruß' wa- 
ren Pendants, und die ,Mohrenwäsche* und 
,Der Krieger und sein Sohn, meinte Onkel, 
könnten doch immer noch als Gegenstücke 

gelten. 

Onkel Salomon saß immer noch ungedul- 
dig allein und piekte mit der Gabel in das 
Tischtuch. Dann kam Riekchen und war un- 
gehalten, daß das Essen noch nicht fertig 
wäre; Jettchen wäre aber so spät gekom- 
men. Und endlich kam Jettchen, hochrot mit 
tränenden Augen — der Herd hatte ge- 
raucht — , und hinter ihr her tänzelte das 
neue Mädchen mit dem Tablett. 

So saßen sie nun immer schon zusammen, 
die drei. Onkel und Tante waren alt gewor- 
stellen den um diesen runden Tisch, in diesen Zim- 
mern. Und auch Jettchen hatte nun schon 



les, was Gebert hieß, weil das höher, see- 
lisch vornehmer und lebensstärker war als 
die kleinlidi beschränkte Gehässigkeit, die 
die Ihrigen zierte. Trotz der Verschieden- 
heit jedoch hatte das Band der Gewohnheit 
dieses ungleiche Menschengespann eng zu- 
sammengekoppelt, und sie wollten es nidit 
anders haben, als nebeneinander herzuge- 
hen. Die Stürme der Meinungsverschieden- 
heiten zwischen ihnen wühlten den eheli- 
chen Hafen nicht im Grunde auf. Ja, sie 
kräuselten kaum dessen Oberfläche, und 
der Onkel mochte eben noch seine Frau 
, Dickkopp' angebrüllt haben, nachher saßen 
sie doch beide wieder friedlich nebeneinan- 
der auf dem Sofa und machten ein Schläf- 
chen; — entweder die Köpfe eng zueinan- 
der geschoben, oder jeder in seiner Ecke, 
das Gesicht gegen die Schlummerrolle ge- 



Das Zimmer war groß, hell und blau ge- bald ein Vierteljahrhundert an dem runden 



strichen. Um das Gesims lief ein breiter 
silberner Mäander. Dunkle Eichenstühle mit 
hoher geschweifter Lehne paradierten in 
langer Reihe an der Wand. Auf dem Büfett, 
einem braunen, hohen, glatten Kasten, stan- 
den rote, geschliffene Gläser, die blitzten 
und kleine Lichtscheine zur Decke warfen. 



Tisch mit der Wachstuchplatte mit ihnen 
gegessen. Als sie in das Haus kam, hatte 
man ihr Kissen auf den Stuhl legen müs- 
sen, daß sie nur mit der Nase über die 
Tischkante sähe. Jetzt brauchte sie kein 
Kissen mehr. ♦ 

Sie hätte sich wohl schon längst verhei- 



Sie spiegelten sidi lustig in einer blanken raten können, wenn sie nicht eben aus an- 
Sinumbralampe, soldi einer zum Verstellen, gesehener Familie gewesen wäre. Der Va- 
und sie umringten die beiden porzellane- ter hatte ihr zwar kein Vermögen hinter- 
nen Leuditer, ^steile dorische Säulen, mit lassen, er hatte alles kleinbekomrnen; aber 
den dicken gelben Talglichtern, von denen man müßte dodi dafür sorgen, daß sie nun 
wieder jeder eine silberne Putzschere im gleichfalls in eine gute Familie käme. Das 
Gefolge hatte. Unter dem Sofa mit dem hätte man eigentlich sdion oft gekonnt 
blauen Damastbezug standen noch jetzt im wenn der Onkel Salomon sein Geld nicht 
April ganze Reihen von Töpfen voll einge- festgehalten hätte und wenn es den beiden 
machter Früchte. Eine Schlummerrolle, die nicht bequemer und billiger gewesen wäre, 
einen blauen Papagei in gesdiorener Arbeit Jettchen zur Unterstützung der Tante im 
zeigte, hing über einer Ecke des Sofas, und Hause zu haben. Sie bekäme ja sowieso 
eine zweite mit sdiönen geschwungenen später genug und übergenug. Da brauche 
Schriftzügen über der anderen. Auf der Fuß- man sich doch nicht jetzt schon zu veraus- 
bank war in gleicher Art ein weißes Sei- gaben; und sie würde schon noch einen 
denhündchen auf blauem Grund mit sdiwar- Mann finden. Wenn es durchaus notig, wür- 
zen, krillerigen Perlenaugen zu sehen; und de man ihr einen Mann suchen. Voierst la- 
die Fensterkissen, die hodi und weich die gen die Dinge ganz gut so, wie sie waren, 
beiden Fensterbänke deckten, zeigten Ro- Und Jettchen wäre nodi hübsch genug, um 



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preßt, daß der Onkel noch die nächste hal- 
be Stunde den Kopf des Papageien in Blind- 
druck und die Tante ,Sanft' in Spiegelschrift 
auf der Backe trug, wenn sie aus dem Fen- 
ster sahen, gelehnt auf ihren Kissen von 
Rosenketten purpurn und unschuldsweiß 
— bis diese Zeichen ihres friedlichen 
Schlummers langsam verblaßten, um am 
nächsten Tage wieder zu erblühen. 

Früher hatten sie beide ganz gut neben- 
einander aus einem Fenster geblickt, aber 
letzten Jahren war das aus physio- 



Der Kaiser als Regisseur 

Aus den Berliner Erinnerungen der Sängerin Frieda Hempel 



©le groBen Zelten Berlins als Hauptstadt des Deutsdien Reidies waren auch große Zeiten 
■einer Kunst und Gesellschaft. Der folgende Bericht, der zugleidi ein interessanter Beitrag zur 
Charakteristik des Kaisers Wilhelm II. ist, entnehmen wir auszugsweise den Lebenserinnerun- 
gen der zu ihrer Zeit hodiberühmten Sopranistin Frieda Hompel, die kürzlidi unter dem Titel 
»Mein Leben dem Gesang" im Argon-Verlag, Berlin ersdiienen sind (320 S. 31 Abb. 
Glwd. 15,80 DM). Das äußerst lebendig gesdiriebene Buch der im Oktober vorigen Jahres ver- 
storbenen Künstlerin, die einst als Partnerin Carusos und als Star der Metropolitan-Opera In 
New York Weltruf gonoß, birgt eine Fülle authentischen Materials über das Musikleben unse- 
rer Jahrhunderthälfte, über die Lebensgewohnheiten zahlreicher großer Sänger, Sängerinnen 
und Dirigenten dieser Epodie. Es ist ein bemerkenswertes Dokument Jener Jahre, die als das 
.Goldene Zeitalter des Gesangs" in die Musikgeschichte eingegangen sind. Freilich wäre es 
besser gewesen, die Verfasserin hätte ihren Ruhm von einem Biographen verkünden lassen, 
ftatt ihn selbst so stolz vorzutragen. Aber über der Fülle der fesselnden Berichte vergißt man 
gerne diese Schwäche, die ja das Kennzeichnen so vieler Biographien ist. 

Ich hatte midi in Berlin schon im ersten tausend Farbreflexen, ein glitzerndes Sprü- 

Jahr meines Aufenthaltes völlig eingelebt, hen. Das Parkett war mit Offizieren aller 

Die Atmosphäre der Stadt war mir ja ver- Waffengattungen gefüllt; Neben deutsdien 

traut, seitdem idi aus Leipzig übergesiedelt Uniformen entdedcte man die aller mögli- 

und sodann an das Stern'sdie Konservator!- dien anderen Länder. 

um gekommen war. Meine ersten Auffüh- Wie zu den Festlidikeiten bei Hofe ka- 

rungen hatten mir überall Fre\mde erwor- men audi zur Galavorstellung die Gäste in 

ben, idi hatte midi, wie man sagt, „in die vorgesdiriebener Reihenfolge. War das Par- 



an jedem Finger zehn für einen zu kriegen, jn den ^ .. ^ .. ... «^„,^,Hon 

Der Onkel war mißgestimmt, denn er hat- logischen Gründen unmöglich geworden, 

te aus guter Quelle von hintenherum erfah- und so hatte nun jeder sein Fenster, 
ren, daß es dem König nicht gut gehe. In diesem Kreislauf wickelten sich audi 

Nicht, daß dieses etwa sein vaterländisches heute die Ereignisse ab. Im Laufe des nun 

Gemüt erschüttert hätte, aber er sagte sich, folgenden angeregten Gesprächs über On- 

wenn dem König etwas Menschliches zu- kel .lason verglich Onkel Salomon Tante 

stieße, jetzt, gerade jetzt, und auch ein König Riekchen mit einer Pute. Ein Bild, das, wenn 

ist ja vor solchen Zufällen — er sprach un- man das Gesamtgewicht ihres Körpers ge- 

gern von dieser Endaussicht unseres Da- gen die Menge ihres Hirns hielt, gar nicht 

seins — ja, er bekam den Schlucken, wenn so gar falsch war, und nannte Tante Riek- 

x».^ ...v...«..,..^x. v^.ti^L^ucu v./x.v^i. .-.IX- er nur daran dachte selbst ein König diens Sippe ein , hinterlistiges Otternge- 

kurze Pause erwartungsvoller Stille. Dann ist vor solchen Zufällen, sagte er sich, nicht zücht'. Bei der Bekräftigung dieses letzten 



an der Seite der deutsdien Kaiserin, dann, 
die Gemahlin des Gastes führend, der Kai- 
ser. Leo Blech gibt das Zeichen, die Kapelle 
intoniert die Nationalhymnen der durch 
ihre Monarchen vertretenen Völker. Eine 



Heizen der Berliner gesungen". Die Sympa- kett besetzt, so füllten sidi die Logen der führung zu verfolgen... 



sicher; ebenso wie ein Geheimer Hofrat Wortes löste sich ein alter Suppenteller 
sterben kann. Also wenn sich dieses ereig- aus englischem Steingut, der ein Muster 
nete, so würde er — Salomon Gebert & Co. von allerhand tiefblauen Wundervögeln 
sicherlich mit der Hälfte seines Lagers trug — aber er hatte schon lange eine Nie- 
farbiger Westenstoffe sitzenbleiben ... te — in zwei ungleiche Hälften. Doch nach 
Tante meinte, das würde nicht so schlimm zehn Minuten saßen sie trotzdem wieder 
sein, mit dem König. Er würde wohl noch beide, Salomon und Riekchen, leise den 
einige Jahre am Leben bleiben, auch wün- Odem durch die Nasenlöcher ziehend und 

schrecklich unbequemen Maria-Stuart-Kra- sehe sie sich, gottlob, keinen andern. Sie blasend, nebeneinander auf dem Sofa, ent- 

gen zu gewöhnen, den der Kaiser für meine hatte nämlich so eine Art dunkler Empfin- rückt dem irdischen Gezanke und Getriebe. 

Kostümierung für unerläßlich gehalten hat- düng, als ob sie mit dem preußischen Kö- Und nach einer guten Stunde blickten sie 

te und von dem er nicht abzubringen gewe- nigshause verwandt oder verschwägert wä- beide wieder hinaus in den schönen sonni- 

sen war, obgleich mich dieses mühlsteinar- re, weil ein preußischer Prinz einmal auf 

tige Gebilde beim Singen sehr behinderte, einem Bürgerball mit ihr getanzt hatte, da- 

Ich hatte auch Muße, den Verlauf der Auf- mals, als sie nodi hübsch, jung und weniger 



ein neues Zeichen Leo Blechs, hinter der 
Bühne leuchten die Signallampen auf, schon 
spielt das Orchester; und der Vorhang gibt 
die Szene frei. 

Als Margarete von Valois war ich wäh- 
rend des ersten Aktes nicht auf der Bühne. 
Fertig angekleidet stand ich hinter einer 
Kulisse und hatte Zeit, mich an den 



umfänglich war. 



gen Nachmittag, jeder aus seinem Fenster, 
und riefen einander über die Vorüberge- 
henden, die sie kannten oder die ihnen 
fremd waren, Bemerkungen zu . . . 




sches — und deutsches — Panorama, das da vor uns 
abrollt toll und darum er^diütternd auch m semen 
^en chli^en Tragödien, in der Gesd^ichte d- Kunst- 
historikers Krüger, der unschuldig m die Fange der 
Justiz aerät die nicht mehr Recht spricht, sondern ab- 
i^^S "t'von politischen und weltanschaulichen Fak- 
toren Weil er unbequem ist, muß er ^^llen Daß Kru 
rrprs Zelle 134 knapp ein Jahrzehnt spater die Todes- 
zeTe mUngezäi^lte werden sollte, wird Feuchtwanger 
vo au geseh'n haben. Daß ein ganze, ^-dx an diesem 
Rechtsbruch zerbrechen wird, haben wir selbst erfahren. 
S heu^ ist Feuchtwangers Roman aktuell wie kaum 
ein Zeitdokument. Wir sollten uns erneut damit befas 
sen, um nicht zu vergessen. 

Richard Pape, Kühnheit — ich rufe dich! Roman, 
Scientia-Verlag'zürich, 1956, 358 S. Gzl. DM 11.80 
Ein etwas eigenartiger Titel für einen Roman zwischen 
Dichtung und Wirklichkeit. Aber wie selten stoßen wi 
^rBi^her, die sich mit dem russischen Geheimdiens 
beschäftigen. Und was wissen wir schon von ihm 
Richard Pape ist jedenfalls außerordentlich gut unter 
richtet, und schon darum lohnt es sich, mit dem Roman 
sich näher zu beschäftigen, ganz abgesehen davon daß 
er gut erzählt und — schon im Hinblick auf den unge- 
wöhnlichen Stoff — äußerst spannend ist. 5>t. 

Werner Koch, Sondern erlöse uns von dem Übel, 

Roman, Jakob Hegner-Verlag Köln imd Ölten, 1955, 
212 S. Gzl. DM 11.80 

Ru-öife^-nafh dem ''5^^Vi'orenen''VäteF.""Zwar'^ Können 'wi'r 
nur dunkel ahnen, weshalb er im Gefängnis saß; auch 
die Amtsenthebung seines leiblichen Vaters bleibt in 
ihren Gründen ungeklärt, nicht in ihren Auswirkungen. 
Sie sind offenbar aber bestimmend für das Schicksal des 
Sohnes, der tragenden und tragischen Figur dieses 
Romans. Denn wo soll er als Strafentlassener Halt fin- 
den, an wen soll er sich klammern in dieser höllischen 
Welt, die sich von der Wurzel gelöst hat, die gottlos, 
vaterlos, haltlos in Sünde und Verbrechen ohne sittliche 
Ordnung dahintreibt? Daß es dennoch einen Weg zum 
Vater gibt, zum Vater aller Dinge, zum ewigen Vater, 
wird in der Sicht des jungen Autors, der uns mit diesem 
tiefgründigen Buch seinen ersten Roman schenkt, trotz 
allem zur Gewißheit. — Keine alltägliche Lektüre, nichts 
, für den oberflächlichen Le'ser. Wer aber vom Roman, 
auch vom Zeitroman Tieferes erwartet, der greife zu 
dieser Dichtung. T. 

Stefan Andres, Das Grab des Neides, Erzählung, mit 20 
Zeichnungen von Hans Fronius, Neuausgabe zum 50. Geburtstag d€s 
Dichters, R. Piper & Co., Mündien, 1956, '125 S., Gzl., DM 9,80. 

Stefan Andres führt den Leser auf ein Eiland, das — fern vom 
Wellensdilag der Zeit - der griediisdien Küst€ vorgeJaigert ist: 
Fluditort und endlidier Aufenthalt eines Unschuldig-Sdiuldigen. Er 
haust dort zusammen mit seinem schwarzbärtig-zwergenhaften Diener 
Chrysologos. Drei Reisende, zwei Männer und eine Frau, treffen 
eines Abends auf dem nahen Festland ein. Was verbindet die An- 
kömmlinge, deren Einkehr den Bewohnern des Ortes unverständlidi 
bleibt, mit dem einsamen Mann auf der Insel? Andres' Gestaltungs- 
kraft zeigt sidi hier auf ihrem ureigensten Feld: in diie diditerisdie 
Schau der Landsdiaft ist das Mensdhlidie ganz einbezogen. Es geht 



um die Oberwinduag der .dunklen Mä*te des Dasein.. ^Mlt^ einer 
Erzälilltunse, deren Starke in «" '";'"^!,?J^"„n'd fUlirt die Handlung 
S.er^."m'*röhÄri r^&üS,^e^lei;"Vt" einem ansprudis- 
vollen Leserkreis. 

rnfe^e^rK^iÄ^hr^no*^^^^ 

diesen herzhaften und '" Jf'"5 *f*dem d«"'^"" B"*"»"" *^''' 
zehnte hindurch ein B"tsell«r X 'lern oe^^^^ ^^^^ 

lango entbehrt haben Nun e^ ihn Kiepenheuer & v, ^^^ ^^^ 

r?s%ferBe*s?^iid Ä"gV„" ihb"üÄt^ei°Ä er ist bei 

IlleT leitgeÄenVei" d^di im bebten Sinne zeatlos. .St. 

F r i e d a H e m P e 1 . M.ln Leb.n dem Ge.an,. Erinnerungen. Argon 

Hingen wird auch uns ™[« *"f^if " e*"^;*^' ?^™ehm°ich die besten 

des Gesanges wiedf^*''H'*7'''-rtiJ''dle Sängerin von Erfolg zu 
Jahrzehnte dieses Jahthunde^dte d^eSangen^^ ^^^ Dirigenten 

Erfolg tragen. A"e.''™f/"/J^„S^ un^ begeistert ihre 

liieuzen ihren Weg, Kaiser, Komgeunu .^^ j 

herrlidie Stimme. Die «»«"ts^ti^I'lfa^V^^^^^^^ wird sie in alkr Welt 
Lind und als zweit« "S^wedisdio Nachtigall wii ^^^ 

gefeiert. - Kein Wunder, daß 'hre Erinnerungen ^j^^^_ 

persönlKhen Rahmen Mnjifßehen. Sie Mnd zugmcn^^ _^^ 
gesdilchtiidies Dokument, wertvoll für alle musmui^^ ^^^^^ 

rtrti^ ä^?zU'tirs<^öreri"n^ ll^en^^'d^Äbens bewahrt 
liaben. 



Lawrence un d El i s a b e t h H a n s o n, Paul Gau- 

Diese Gauguin-Biographie, diese Geschichte eines faszi- 
nierenden Lebens liest sich fast wie ein Roman, obwohl 
die Autoren sich streng an das französische Original- 
material — Briefe und Schriften Gauguins, Tagebücher 
und Erinnerungen seiner Freunde und Verwandten — 
gehalten haben, ohne etwas zu beschönigen, wegzulassen 
oder hinzuzufügen. Der frühere Börsenmakler und harm- 
lose Sonntagsmaler verläßt sein bürgerliches Leben nicht, 
weil er es verlassen will — tausend Fäden verknüpfen 
ihn bis ans Ende mit seiner Frau Mette und seinen Kin- 
dern — sondern weil er muß. Er nimmt endlose Leiden, 
Armut und Hunger auf sich, um sich zu dem durchzu- 
ringen, was er und seine Künstlerzeitgenossen die „Sen- 
sation" nannten. Auch das Ende dieses Widerstreits in 
Wesen Gauguins ist Untergang und Auferstehung zu 
gleich. — Für Büchereien mit einem anspruchsvollen Le 
serkreis. 

Louis Bromfield, Der Mann, der alles hatte, 

Roman, Humanitas-Verlag Konstanz, 1956, 312 S. Gzl. 
DM 9,80 

Das Schicksal meint es gut mit Tom Ashford, vielleicht 
zu gut. Als Autor — man ist versucht, Bromfield selbst 
in der Titelgestalt seines Buches zu sehen — bringt er 
es zu Weltruhm. Kein Wunder, daß ihm die Gesell- 
schaft huldigt, insbe.sondere die Frauen. Er ist eben der 
Mann, der alles hat. Er lebt in Reichtum und Genuß, 
aber im tiefsten ist er dennoch nicht befriedigt. Irgend- 



im 



S^Hbcrcr-f^^hhcn^er-^csicr 



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^ARGENTINISCHES TAGEBLATT 



A 



-|ü.ip 



[ennann: Jettchen Ge- 
rn. Illustrationen von 
oi.gci *ib4 öexten. Lei- 
LÜöü. Veilag Kiepenheu- 
uscii, Koni -Berlin. 
i'acöueiit'i" ütorg liurchardt, 

^ dem Decknamen Ueorg 

liermaiiii ciuica üoine Komane aus 
utni juuiscncu Milieu üerlins der 
Bieuciineierzciu oekannt wurde, 
bi-uro aib wpicr nazisiisclier Un- 
rneiiöChiACiikciü 72jaiing im Janre 
1^-xö 111 nUocnwitz. öein erster Ko- 
jUi*.Ai, jeti/üAien Cieoero, e^vscnien iyü6 
unu er macnte iliii mit einem 
fc)Ciilage btKaiini, L»er Human erleb- 
te Auaat,e uin AUnage, ois er 1933 
auf uie vcroocslisuü uer Nazis kam 
und nur nucii iieimiicn gelesen wer- 
uen kuiinie. Oeiesen wurde er trotz- 
aem und trot^j ueni Verüot iand er 
Immer neue Lieber, soweit sie das 
Buch in ilire Hände bekommen 
konnten. üie neue Ausgaoe, die 
Je «Zu lierausgekoramen ist. wird da- 
her einem nie verscnwundenen In- 
leresöö uegegnen, denn weiciier Ber- 
hner und welclier Deutsciie, der ein- 
mal Ber.in gekannt hat, möchte 
nicht wibsen, wie sich das Leben 
in der auistrebenden. damals noch 
aussciillessiich preussisclien Metro- 
pole der vierziger Jahre des vergan- 
genen jahrhunaerts abgespielt uat? 
Aber auch ohne innere Beziehung 
za BeriiU ist dieses mit liebevoller 
borgiulu gezeichnete Gemälde dw 
fcstaat, ihrer Menschen und ihrer 
bciiiCKsaie, die manchmal tragisch 
waren, aber von Hermann ohne un- 
echte Sentimentalität geschildert 
werden, nocii nach einem halben 
Jahrhundert wert gelesen zu wer- 
den. Nicht nur, weil es ein litera- 
risches und kulturgeschichtliches 
Dokument ist, das sich an Fontanes 
Werk anreiht und gleichsam eine 
Lücke ausfüllt, sondern weil die un- 
glückliche Liebe der schönen, jun- 
gen Berlinerin Jettclien Gebert, die 
noch nicht dreissig Jahre alt wird, 
kraftvoll und innig geschrieben ein 
Thema ist, das seit der Geschichte 
der zwei Königskinder, die nicht 
zueinander kommen konnten, nie 
veralten wird. 

Alma Holgersen: Die Reichen 
hungern. Roman. 386 Seiten. Lei- 
nen DM 15,80. Paul Netf Verlag. 
Wien - Berlin - Stuttgart. 

Wer ist arm. wer reich? Mlsst 
man den Reichtum am Besitz, an 
der Möglichkeit, sich alle Freuden 
des Lebens zu gönnen, auch dieje- 
nigen, die keine sind? Ist der arm, 
der sich mit dem bescheidet, was 
er hat, auch wenn es wenig ist? 
Monsieur Lorante und seine Frau 
Margarete, die mit Ihrer vierzehn- 



r ein Jahrhundert umfasst und dessen 
Geschehen sich in den Hauptstäd- 
ten der alten Welt wie In den Me- 
tropolen unseres Kontinents abspielt 
und eine Jrülie von Schicksalen ge- 
staltet, die sich sternförmig in aer 
LeDenagesciiichte des Dichters und 
Denkera Abel Berg verknüpfen. Ihm 
gewähr L das Leoen Erfolg und Ruhm 
in reichem Masse, aber innerlich 
bleibt er einsam, obwohl eine Frau 
ihm bis zur öelbstverleugnung 
seiostlübc Lieoe enigegenbringi,. Wir 
sind alle nur Gast auf Erden, und 
nur Wenigen ist es vergönnt, dass 
die Erinnerung an ihr Dasein wach 
bleib i, ist die Erkenntnis dieses Ro- 
mans. 

lleitha Pauli: '*Das Genie eines 
liebenden Herzens". Ein Bertna 
von isuantr — Roman. 3/0 Sai- 
ten. — Paul Zßoinav — Veriag, 
Hamburo-Wicn. 

Wenige Tage vor dem Ausbruch 
des ersten Weltkrieges starb Bertha 
von öuttner, die als Sekretärin Al- 
fred Nobels diesen zur Schaffung 
der seinen Namen tragenden Preise, 
darunter eines Friedenspreises, ver- 
anlasst hatte, den sie dann selber er- 
hielt, nachdem sie die Idee des Welt- 
iriedens in Wort und Scnrift verkün- 
det hatte. Der grosse öchmerz blieb 
Ihr erspart, zu erfahren, dass alle 
ihre Befüllungen umsonst blieben 
und inre Arbeii, vergeblich war. öle 
Starb unmittelbar vor Ausbruch des 
ersten Weltkrieges. Ein zweiter Welt- 
krieg ist seither gekommen und heu- 
te, mehr als 4U jähre nach dem To- 
de aieser ersten Vorkämpferin für 
den ineden zittert die Welt mehr 
denn Je unter der Drohung eines 
Krieges, wie er furchtbarer nicht 
sein könnte. Die öesterrelchlsche 
Schriftstellerin Hertha Pauli hat das 
Leben Bertha von öuttners, einer 
geborenen Gräfin Klnsky, einer 
schönen Aristokratin aus einem der 
ältesten Adexsgeschlechter der Habs- 
burgermonarchie, die dann durch ih- 
ren Roman "Die Waffen nieder" 
weltberühmt wurde, In einen Roman 
eingesponnen, der nicht nur die Bio- 
graphie des "Genies eines liebenden 
nerzens" ist. Er ist gleichzeitig eine 
Schilderung aer gesellschafiiichen 
und weltpolitischen Verhältnisse um 
die Jahrhunaertwende und zeigt da- 
durch noch mehr das Ausserordent- 
liche der Suttner, die es wagte, den 
Kampf gegen einen Wall von Vorur- 
teilen aufzunehmen, und sich durch- 
setzte. 

Giovannino Guareschi: '*Bleib 



BÜCHER TIS GH »^ --^ 



Erich Schenk, •'Mozart" (Pest- 
ausgabe 1756-1956), 795 Seiten. 
Amalthea - Veriag, Zürich- - Leip- 
zig - Wien. 

Mit unendlichem Flelss hat Pro- 
fessor Erich Schenk, Ordinarius für 
Musikwissenschaft an der Wiener 
Universität, Daten aller Art zusam- 
mengetragen, um ein Standardwerk 
von seltener Vollständigkeit über 
Mozart herauszubringen. Nicht ge- 
nug an dem, dass dieses Tondich- 
ters Leben und Schaffen, seine Rei- 
sen und alle Wechselfäile seines 
schicksalhaft kurzen Erdenwallens 
fast lückenlos rekonstruiert erschei- 
nen, werden auch alle Personen und 
Persönlichkeiten, die zu diesem 
•Komet" in "Konstellation" stan- 
den, zur möglichst restlosen Klar- 
stehung aller Zusammenhänge von 
öchenk herangezogen. Immer wie- 
der ehrfurchtsvoll staunend veree- 
genwärilgt man sich das Wunder sol- 
cher Genialität, die den vier jährigen 
Knaben eine Kompositionstechnik 
beherrschen Hess, die sich reife Män- 
ner im eifrigsten Studium nicht an- 
eignen können und die den Sieben- 
jährigen befähigte, eine einmal ge- 
hörte Melodie nicht nur solort 
richtig nachztispielen sondern auch 
kunstgerecht zu begleiten Ei- 
nigermassen bekannt ist die Tatsa- 
che, dass der vierzehnjährige Mozart 
ein "Miserere" Gregorlo Allegrls ^s- 
sen Koplatur die päpstliche Kinelle 
eifersuchtig verbot. dadurch der 
Nachwelt erhalten konnte, dasa er 
den gehörten neunstimmigen Dod- 
pelchor nach dem Gedächtnis nieder- 
schrieb. **iCUC 

In diesem reichbebllderten. als 
Nachschlage-Behelf hervorragend ge- 
eignetem Buche findet Mozarts Nei- 
gung zu Ulk und Schabernack eben- 
so breiten Raum wie sein Familien- 
sinn, seine Aeusserungen lautersten 
Charakters und seine unermüdiche 
Schaffenskraft; Schenks Werk wird 
bei aller Gründlichkeit, nie troclen- 
akademlsch. sondern schöpft "r 

S Ä^^-ndC^ a^^ Z 
^erLu^r^- ^^^ Zeltg^hlchte 

P*i*^ ?*"*• Deutsche Metrik", 



» Karnewallfahrt zur Wortspieiholie 



Von Heinz Picntek 

Schrifttum kann vor der Annahme von Rowohlta- 

ten warnen, da ihn diese leicht zu 
Salomonolie verlühren oder 



Von unserem 
mit ebensoviel Fug wie Recht be 
hauptet werden, diss es auf höch- 
stens Literatouren länft. Die Lei- 
stungen unserer Uebersetzmaschi- 
iien sind enorm, was an reklame- 
rikanischen Dichtungen verarbe.- 
tet wird ,lässt sich kaum noch 
übersehen. Auch die Zeitungen 
pfeifen in ailen Feuil.elonarten 
und beantworten den a'tlgemeinen 
Rohstoffmangel mit Papierknapp- 
heiterkeit. Nur der Rundfunk ver- 
mag dieses Tempo nicht durchzu- 
halten, gibt sich mit nichtssagen- 
den Hörspielereien ab und ver- 
sucht, uns seine Nachtprogram- 
matik einzupauken. 

Ist der Schriftsteller erst ein- 
mal thomasmannbar geworden, 
beschäftigt er sich sogleich mit 
Nobelletnstik, schreibt Weltan- 
schauerliches, Epossierliches und 
kümmert sich weder um das Ver- 
legeröLhel noch die salne.wegen 
entstehenden Buchhändel. Der 
Rücksichtsloseste ist der junge 
Autorero. Von Haus aus schon 
eine Kahlschliägernatur ge- 
braucht er nach dam Ge- 
nuss einiger Gläser Existen- 
zian oder Neovemiouth ohne 
Hemmungen seine Sartremitäten. 
Später hat er zwar einen Kafka- 
ter, doch sind die Nachwirkungen 
des Rausches überstanden, ver- 
fällt der junge Mann wieder der 
Kolbenstoffart. Es macht ihm 
auch nichts aus, wenn seine 
Werke bei Kritikerzenbeleuch- 
tung zur Dikmmakulatur ge- 
worfen werden. 

Zu den beliebtesten Büchern der 
Jüngeimanen zählt jetzt der neue 
Wa.dganghofer, während die Le- 
ser der Böhemisphäre noch Im- 
mer den italienischen Schriitstel- 
lern den Vorzug geben und sich 
von Malaparterreakröbatik ver- 
blüffen lassen, deren Nachah- 



:ht€n auch den jungen Dichter re dich redlich." 



zu 

epigonenhafter Hemingwehmut. 
Ijeoerhaupt muss hier einmal ge- 
sagt werden: Wir haben das l\a- 
zynische ebenso satt w*e die bil- 
ligen Demokratiraden, und e-n 
Autor, der zu Humanitätlichkei- 
ten neigt, sollte sich in Zukunft 
sehr in acht nehmen. Wie harm- 
los sind dagegen jene Schreiber, 
die nach alterprobten Surreaiis- 
muslern arbeiten und die i^eser 
mit Hämoritaten rühren. Sie be- 
wahren immerhin noch ihr Poe- 
thos. 

Zu einer heimtückischen Be- 
rufskrankheit hat sich für den 
Schriftsteiler die Akademigräne 
entwickelt, unter der ganz beson- 
ders die phrasenüen Dichter zu 
leiden haben. Hierbei spielt die 
Spes.nsuchi e.i e nicht unbeträcht 
liehe RoJle, doch muss zugegeben 
werden, daäs unsere Literaien von 
Honoraiiiäten allein nicht lebexi 
können. Kum tt.^ber ergeht es den 
Filmystikern, u.s ^hre Not mit 
Kinochalance t. ragen und bei 
Schwänken aus der Militertiärzeit 
Vjergesseii suciien. Die wahre Ur- 
sache ihres Leidens dürften die an 
ihnen fälschlicheiweise vorgenom- 
menen h, in spritzungen von Dreh- 
buchmiserum sein. Aber vielle.cht 
sollte man, um ihre Genesung liu 
beschleunigen, die tantiemelodiöse 
Musiktherapie anwenden, mit d r 
man bisher überall ausg^zsich- 
iiel'3 Heilerfolge man erzielen 
konnte. 

Ach, wie herrlich leben dagegen 
im Ausland uns3re Jaspersönlch- 
keiten! wrer — ausser eln:m neuen 
Horoskopernikus — vermag hier- 
zulande noch sein Glück zu ma- 
chen? Doch richten Wir uns an 
dem Penzoldtschen Motto auf: 
"Bleibe im L'^nde, und unteniäh- 



Laterne aus, um Menschen zu su- 
chen. Er will nicht die gefärbte Bril- 
le auisetzen, die die Augen vor der 
Sonne der Vernunft schützt. Die 
Mitarbeiter — Pritz von Unruh, Pe- 
ter üamm, Walter von Molo, Dr. Eu- 
gen üerstenmaier, Pfarrer, Professo- 
ren, sichern den Beiträgen ein ho- 
hes Niveau. Ständige Hinweise auf 
Persönlichkelten wie AI Der t Schweit- 
zer oder Gandhi sind für die Ten- 
denz luid die hohen moralischen An- 
sprüche der Zeiiöchnlt oezeichnend. 
Mau muss sich allerdings darüber 
klar sein — und der jrxerausgeber 
uürlte sich in dieser Hinsicht keine 
Illusionen machen — wie schwer das 
grosse Publikum sich neuen und ei- 
genen Gedankengallgen offen zeigt. 
üie kosten mühe, und Anstrengung 
siusst zunächst einmal ab. Man 
braucht nicht mit allen Anregungen 
und i'neseii einverstanden zu sein, 
die In dieser Zeitschrift vorgetragen 
werden. Wir können z. B. uie Aui- 
lassung aes Herausgebers nicht tei- 
len, dass die Auflösung der Verein- 
ten Nationen und ihre Erseczung 
durcii eine Gemeinscaait der bcaa- 
ten aeti Wesiens der richtige Weg 
zur trnaltung des P'riedent» waro. 
IM ich i/äuesto weniger freut man sich 
üoer uiesen Veisuch, herkömmliches 
una äcnemutisches ijenken aurcn ei- 
gene Ideen auizulockern und aozu- 
iosen, zum Nachaenkcn anzuregen 
und neue Gesichtspunkte auizuzei- 
gen. hä ist aiesem. moaernen Dioge- 
nes zu wünschen, dass seine äucxie 
mit uer ijHmpe uer Veruunlt nichu 
vergcuens :^ei und dass er ivienscnehi 
linue, die bereit sind, seider zu den- 
ken und zu eigenen Anschauungen^ 
'^u. gelungen. . 

*D.ie neue Gesellachalt", No^ 
vemi^eriliezembcr i95ö, V,eriag' 
i\eue OeseJschalt, Bielefeld. l 

iHacLi Milder onalbjährigdUi j^rscheif 
neu uicbtr kieiischrifi, die sich ui 
nochscenendes DisKussionsorgan ue 
aktuellen Zieluproo lerne erwiesen hai 
setzt sich einleitend Ulrich Lohma 
mit den KruiKeni und Skeptiker] 
auseiiiaiiaer. uühs er dabei auch a 
grunasatzlich aoiehneude und ha 
willige ätimuien wie aie des liiesigc 
Naziüiäiicnens "Der Vveg" eingcu 
eiscneiiii uns allerdings überiiussi; 
Ehrlicnen jvritikern und auch at 
ii.ni,tauscnten, aie mehr "Parteiliniei 
Ciwarteten, aniwor>,et er sachiic 



SFB AH BtlCIIERTISCH 27 • 4. 56, l6.4o-17*oo/üKW 

Hans Rl tt ermann 1 1 "Jettchen Gebert'' v# Georg Rennann 

KIEPENHEUER 4 WITSCH 



In der Sammlung '•Schöne Roniane und Erzählungen der deutschen 
und der Weltliteratur", die der Verlag von KIEPEimUER ft WITSCH 
in Xüln und Berlin vor kurzem begonnen hat, seil neben dem 
schriftetellerischen Rang auch die volkstumliche Bedeutung 
die Auswahl der Werke f ir diese Buchreihe bestimmen^ Das trifft 
nun in besonderem !.:aie zu fUr die Neuauflage des Alt-Berliner 
Romans " Jettchen Gebert , " , von Georg Hermann, dem wir hier 
wieder begegnen« Das Buch war zuerst um die Jahrhundertwende 
erschienen. In ihm wird das Schicksal eines jungen Mädchens 
zur Zeit des Biedermeier geschildert, auf dem Hintergrund 
des bürgerlichen Lebens Jener Tage« Es ist indessen nicht das, 

^-^«^ -•«^-^^— ^«p ^*3t^^'\^r7 a < iim K i ±xrr±±xjii** nijrt Idylligah-behäblger 

Spießbiirgerlichkeit gleichzusets^en geneigt sind, sondern 
wir erfahren von recht tragischen Schicksalen, die den 
Menschen auch im Kostüm jener Zeit widerfahren sind« Die ver- 
blaßten Aufschriften einiger halbvergessener Gräber haben den 
Autor angeregt, uns von den Menschen zu erzählen, die dort 
ihre letzte Ruhe gefunden haben« Da er zum großen Teil 
Jüdische Mltblirgcr unoprer Stadt gewesen sind, war das Buoh 
von 1953 - 1945 verboten. Nun können wir es wieder lesen, und 
wir entdecken, so weit wir ihn nicht schon gekannt haben, in 
Georg Hermann einen Erzähler, der Fontanes Schilderungen aus 
der Welt dee Berliner Eiirgertums auf schätzenswerte Weise 
fortif/aetzt und erg.'inzt. 

Und nun hören Sie zum Schlu3 bitte eine kleine Leseprobe aus 
diesem Roman vom alten Berlin. So beginnt der Erzähler seine 
Geschichtet 



- 2 - 



t 



•'Es kann ölch wohl kaum noch einer erinnern , wie damals 
Jett^chen Gcbert die Koni, strafie entlang ging. Staub- 
wolken blieij der Wind vom Alexanderplatz in die K ;niß- 
straße hinein; und es war so der erste wirklivoh schöne 
blaue Frühlingstag im Jahre. Orade zwischen den Puppen 
der Königskolonnaden oben auf dem Dacht zwischen den 
hastig be?/egtcn Steinfiguren ^ogen am Himmel wei3e 
Wölkchen hin. In der Neuen Priedrichstraßet in den 
Gärten hinter der Mauer, wurden eben die Bllume rot 
und braun; Kätzchen pendelten an den Pappeln, und 
Blutentupfen überzogen selbst die feinsten Xstohen 
der Ulmen. Die Flieder|>Usche, die sich Über den Zaun 
bogen, hatten sogar dicke grUne Knospen mit zackigen 
Spitzen, die morgen schon aufbrechen wollten. Um den 
xuiTu awr Paroohlalkirohe aber flogen, sich Jagend und 
taumelnd wie schwarze verliebte Schmetterlinge, die 

« 

Dohlen; und die ganze Klosterstra^e herunten standen 
die Planwagen vom 6 Snsemarkt. .. groüe braune Pil.'je 
undler der weißen Sonne. 

Die schmalen Häuser jedoch, die unter der rotbraunen 
Kappe der Dächer, rosig und hell angestrichen, mit 
ihren schlichten Piippohen von Stuck in der Sonne lagen, 
mit den Kellerhälsen und den Steinbänken daneben, mit 
den vielen kleinen blanken Scheiben im weißen Rahmen, 
mit den Spionen an den Fenstern Jedes Stockwerks, «> 
sie standen da, wie zwei Reihen Grenadiere, die Spalier 
bilden und präsentieren, weil die Schönheit kommt« 
Ja, die Passanten mußten sogar hie und da ganz nahe 
am Rinnstein entlangbalancieren, so weit auf dem 



N 



iininier 



Seite 4 



Mündiener Jüdisdie Nachrichten 



Freitag, 24. Februar 1956 



Ueberrelehung der 

medaille 



Wie wir liereits meldeten, hatte der Ge- 
meinderat Wien Iiesdilossen, Joint-Direktor 
Theodore D. Feder in Würdigung seiner 
besonderen Verdienste um die Stadt Wien 
die „Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt 
Wien" zu verleihen. Direktor Feder, der nun 
in Frankfurt a. Main Joint-Direktor für 
Deutschland ist, war vorher in gleicher Eigen- 
schaft in Wien tätig. 

Die Überreidiung der hohen Auszeidniung 
an den Geehrten fand am 14. Februar im 
Roten Saal des Wiener Rathauses durch Bür- 
germeister Jonas statt. Von Seiten der 
Stadt Wien nahmen an dem feierlichen Akt 
teil: Bürgermeister Jonas, die Vizebürger- 
meister Honay und Weinberger, die Stadträte 
Afritsch, Glaserer, Mandl, Dkfm. Nathschlä- 
ger und Thaller. Von jüdischer Seite waren 
anwesend: der Präsident der Wiener Kultus- 
gemeinde, Dr. Emil Maurer, die beiden Vize- 
präsidenten Dr. Ernst Feldsberg und Komm.- 
Rat Arnold Weiner, der Direktor des Joint 
in Österreich, Fred Ziegellaub, sowie Amts- 
direktor Wilhelm Krell. 

Stadtrat Mandl erinnerte eingangs in 
einer Ansprache daran, daß mit Gemeinde- 
ratsbeschluB vom 18. Februar 1949 eine 
Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien 
gestiftet wurde, die als Zeichen der Anerken- 
nung eines besonderen gemeinnützigen Wir- 
kens auf dem Gebiete des gesellschaftlichen, 
wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kultu- 
rellen Lebens der Stadt Wien, dienen sollte. 
Der ursprünglidi eng gezogene Personenkreis, 
der sich zumeist aus Wienern zusammensetzte, 
wurde in der Folge auch auf Ausländer aus- 
gedehnt. Da die Wiener Bevölkerung sozia- 
len Leistungen, mögen sie von privater Seite 
oder von offiziellen Stellen herrühren, stets 
besonderes Verständnis entgegenbringt, habe 
der Wiener Gemeinderat am 18. November 
1955 besdilossen, dem Direktor des Ameri- 
can Joint Distribution Committee, Theodore 
D. Feder, in Würdigung seiner besonderen 
Verdienste um die Stadt Wien die Ehren- 
medaille der Bundeshauptstadt zu verleihen. 
„Der Mann", so führte Stadtrat Mandl 
aus, „dem zu Ehren wir heute hier versam- 
melt sind, dient in seinem Wirkungskreis 
hoben Zielen, indem er sic^i "bestrebt zeigt, 
unverschuldete Not zu bekämpfeii und den 
sozialen Fortschritt zu fördern. Er hat seine 
besten Kräfte dem Zweck gewidmet, die Wun- 
den der vom Nationalsozialismus aus Gründen 
der Abstammung Verfolgten zu heilen und 
den ärmsten Opfern dieses verabscheuungs- 
würdigen Systems zu einer neuen Existenz 
zu verhelfen." 

Nach Sdiilderung des Lebenslaufes von 
Direktor Feder und Unterstreichung dessen 
Wirkens als Leiter des Joint in Wien sagte 
Stadtrat Mandl abschließend: „Seine Arbeit 
in Österreich und vor allem in Wien hat ihn 
zu einem wahren Freund unserer Bevölke- 
rung gemacht. Wir hoffen, daß er diese Ge- 



Wiener Ehren- 
Joinidirekior Feder 

spradie unter anderem: „Direktor Feder wur- 
de aus den USA nach Europa geschickt, um 
hier zu helfen. Österreich und Wien waren, 
so wie viele andere Länder Europas, von der 
Kriegsfurie gepeinigt. Millionen Menschen 
waren ohne Wohnung und zehntausendc ka- 
men, gebrochen an Leib und Seele, aus den 
Konzentrationslagern des Hitler-Reidics zu- 
rück. Der Hunger war eine Massener&chei- 
iiung. Die Sterblichkeitsziffern stiegen auf 
Rekordhöhe. — Am fürchterlichsten war je- 
doch eine Mensdiengruppe geschlagen, näm- 
lich unsere jüdischen Mitbürger, weil sich auf 
sie die volle Wucht des nationalsozialistischen 
Terrors konzentriert hatte. Wir gedenken in 
Ehrerbietung der vielen schuldlosen Opfer 
der nationalsozialistischen Barbarei, unsere 
Abscheu wendet sich gegen alle Institutionen 
und Personen, die der menschlichen Gesittung 
und der Humanität so schwere Wunden ge- 
schlagen haben. — Der Joint hat dazu bei- 
getragen, viele Tränen zum Versiegen zu brin- 
gen und in vielen hunderttausenden Menschen 
wieder Lebenshoffnung zu erwecken. Wenn 
wir die Verdienste Direktor Feders hervor- 
heben, so dürfen wir ihn gleichzeitig dazu 
beglückwünschen, daß es ihm vergönnt war, 
durch seine Arbeit so viel menschliches Leid 
zu lindern und so viele Wunden zu heilen. 
Daß er es mit Verständnis und Mitgefühl 
getan hat, dafür möge er unseren herzlidisten 
Dank entgegennehmen. — Mit der Ehren- 
medaille der Stadt Wien wollen wir auch der 
gesamten Organisation des Joint unseren 
Dank und unsere Anerkennung zuerkennen. 
Diese Organisation war das Fundament, auf 
dem die vielen Mitarbeiter und Helfer ihre 
Arbeit aufbauen konnten.'* 

Bürgermeister Jonas gratulierte dann Di- 
rektor Feder in herzlichen Worten zu der 
ihm verliehenen Auszeichnung und überreicht 
ihm die Medaille und die Widmungsrolle, wo- 
bei er dem Wunsche Ausdrudt gab, es möge 
Direktor Feder auch in Zukunft vergönnt 
sein, wertvolle Arbeit für die notleidenden 
Mitbürger zu leisten. 

Direktor Theodore D. F e d e r sagte in sei- 
nen Dankesworten, daß es ihm eine große 
Ehre und persönlidie Genugtuung sei, diese 

Me«laille in Empfang nehmen asn «lürf«>n^ i»«,. 

sonders zu einem Zeitpunkt, da sie ihm von 
einer freien Stadt in einem freien Land ver- 
liehen wird. Offiziell sei zwar er der Emp- 
fänger der Medaille, die Ehre gebühre aber 
tatsächlich von rechtswegen zwei Organisatio- 
nen: zunächst der Organisation, die er ver- 
trete: dem Joint, dessen Planung und Hilfs- 
mittel es möglich machten, beim Wieder- 
aufbau der Wiener Jüdischen Gemeinde mit- 
zuhelfen; der zweite Faktor sei die Israeli- 
tisdie Kultusgemeinde Wien. Denn selbst mit 
allen verfügbaren Mitteln wäre ohne den 
Geist und die Energie der jetzigen Leitung 
der Wiener Kultusgemeinde keine einzige der 
gegenwärtigen Errungenschaften der Juden 



Menorah für Knesseth 

Eine Delegation englischer Parlamentarier 
stiftete nach ihrem Besudi in Israel zusam- 
men mit anderen Freunden Israels für den 
Neubau der Knesseth bei Jerusalem eine 
Menorah, da der siebenarmige Leuditer das 
Symbol des jungen Staates Israel darstellt. 

Die Menorah, die von dem 80 Jahre alten 
ehemaligen Frankfurter Bildhauer Benno 
E 1 k a n, einem Meister der Kleinkunst, nach 
fast achtjähriger Arbeit vor kurzem vollendet 
wurde, ist zurzeit in der Tate-Galerie in 
London ausgestellt, bevor sie nach Israel ab- 
transportiert wird. 

Der siebenarmige Leuchter, zu dessen Vor- 
läufern die Paradiestüren des Ghiberti und 
die Sixtinische Decke gehören, ist über vier 
Meter hoch, etwas über drei in der Weite, 
die Arme beginnen etwas über Mannshöhe 
sich auszuzweigen. Auf dem Stamm und den 
Armen der Menorah, des Symbols für das 
Licht der Lehre, die von Jerusalem ausging, 
und des Staates Israel, ist das Epos des jüdi- 
schen Volkes dargestellt, von Abraham bis 
zum Warschauer Ghetto, von Moses bis zu 
den Pionieren auf heiligem Boden. Neunund- 
zwanzig Plaketten, sinnvoll ausgewählt und 
in beziehungsvollen Entsprechungen angeord- 
net, sind in der Form und im Format ent- 
schieden, durchschnittlich einen halben Qua- 
dratmeter groß. Das Einzelne ist bewunderns- 
wert gestaltet, wie Maimonides und Jehuda 
Halevi, Ruth und Rahel, David und Hiob, 
der Chassidist und Hillel, Salomo und der 
Kabbaiist, aber das Einzelne ist der Gesamt- 
wirkung und den glücklichen Proportionen 
des Ganzen untergeordnet. 



Asriel Carlebach s. A. 

Am 10. Februar ist in Israel der bekannte 
Journalist Asriel C a r I e b a c h im 48. Le- 
bensjahre an einem Herzleiden gestorben. 

Der Verstorbene, der Sohn eines früheren 
Leipziger Rabbiners, iiatte sidi nadi seiner 
Ausbihlung auf den Jeschiwoth von Slobodka 
und Telsdii und nadi seinem Studium in Ber- 
lin dem Journalismus zugewandt. Er redi- 
gierte zeitweise das „Hamburger Fremden- 
blatt" und gehörte u. a. dem Mitarbeiterstab 
des „Haint" in Warsdiau, der „Jewish Post", 
des „Haaretz- und des „Hatzofeh" an. Nadi 
seiner Übersiedlung nadi Israel im Jahre 1936 
gab er zuerst die „Jedioth Adironoth" und 
später den „Maariv" heraus. Die Bestattung 
dieses fähigen und allseits geachteten Journa- 
listen fand unter Teilnahme von Vertretern 
der Regierung, der Knesseth, des israelischen 
Journalistenverbandes und zahlreicher Freun- 
de statt. — Einige Tage vor seinem Tode war 
seine Mutter gestorben. 



30. Todestag 
von Rachel Kaminska 

Vor 30 Jahren ist die große jüdische Schau- 
spielerin Rachel Kaminska, die „Mutter 
der jiddisdien Bühne" gestorben. Zum Ge- 
denken dieses Tages wurde in Warschau in 
Anwesenheit von Vertretern des Kulturlebens 
und zahlreicher i)olnisdier Bühnenangehöriger 
das Theaterstück „Mirele Efros", in welchem 
diese bedeutende Künstlerin ihre größten 
Triumphe feierte, aufgeführt; ihre Tochter 
spielte dabei die Titelrolle. 



/ VIfelt Im 




uch 




Georg Hermann: „JETTCHEN GEBERT". 
Roman. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 
Köln. 464 Seiten, Leinen. 

„Jettdien Gebert" war eines jener Büdier, 
das einst zum eisernen Bestand auch der 
kleinsten Bücherei im Hause der Groß- und 
Urgroßeltern gehörte. Die überzeitliche Be- 
deutung für die Sittengeschichte verdienstvoll 
erkennend, legt Kiepenheuer & Witsdi jetzt 
eine Neuausgabe vor, die in ihrer reizenden 
Aufmachung überall dort neue Freunde fin- 
den wird, wo Sinn für Erzählerkunst, kulti- 
vierte Unterhaltung und Gemütlichkeit noch 
Kurswert haben. Die Zeit des Biedermeier 
steht in all ihrer so liebenswerten Grazie und 
Behaglichkeit wieder da, auf ihrem Hinter- 
grunde aber das bittersüße Schidisal Jettchen 
Geberts, gestaltet mit geradezu Fontanescher 
Meisterschaft. Der Verlag verrät einen feinen 
Instinkt für die geheimen Wünsche heutiger 
Leser, deren Unterhaltungsbedürfnis hier 
durch besonders gelungen dosierte Kost ken- 
nerisch erspürt worden ist. Als Kulturdoku- 
ment wie als Roman gleidi bedeutend, wird 
„Jettdien Gebert" den verdienten Platz im 
Büdierschrank zurüdcbekommen. 



ein geborener Erzähler, der nie erklärt, nie 
kommentiert, sondern sine ira et studio be- 
schreibt. Wie Roger Martin du Gards be- 
rühmtes Familienepos „Die Thibauts", so 
werden audi Lesorts Kleinbürger ihren Weg 
niadien und, dank Leopold Voelkerg Ver- 
deutsdiung, bei den Lesern gut ankommen. 
Statt künstlidier Problematisierung bietet 
Lesort fascinierend wesentliche Schlichtheit, 
(-lie unwiderstehlich anspridit und den Leser 
im Sturm erobert. Auf den Roman „Aus dem 
Fleisdi geboren" folgt demnäciist — wie eine 
logische Ergänzung — „Der Geist weht, wo 
er will". 

Das Große Jungen- Jahrhudi: „ÜBERALL 
DABEI". C. Bertelsmann-Verlag Gütersloh. 
400 Seiten, 250 Fotos, 150 Zeidinungen, 
16 Farbtafeln, 16 Kunstdrucktafeln, drei- 
farbige Beilage, Fhigmodellhogen. Leinen; 
12.80 DM. 

Ein ganzer Generalstab von namhaften 
Autoren, Künstlern, Photographen hat mit 
„Überall dabei" ein Standardwerk geschaf- 
fen, das alles in den Schatten stellt, was die 
Sdnilweisheit sidi einmal träumei 



Vt 



><^» 






I 



H a u s' m a n n , Manfred 

IsalDel 

77 So ?po 2,2o 

Martin 

77 Sc Ppo 2,2o 



Heitere "und 'oGSinnliche Szenen aus dem Leben einer sec^lislropf igen Sc! 
Stollerfamilie in der Bremer Gegend« Im ersten Bändchcm steht die El' 
frau und Mutter, im zweiten der fünfjährige Sohn im Mittelpunkt « 
Jeder Bdo illustrierte 
'BertelsmcTnn) 

Hermann ^ Georg 
Jettchen Gebert 



hrift 
ne- 



Roman einer j^ungen Berlinerin aus 
Mit 2o Zeichn. 

464 So (iCiepenheuer & Witsch) 
Ln o 1 9 8 



der Biedermeierzeit 



J 14 

Ho f f m a n n - Ha r n i 

Manitus V/elt versinkt 



seh 



Wolf gang 



Eine romanhafte Darstellung des Kampfes zwischen- Indianern und V/tißen^ 
die versucht, beiden Seiten gerecht zu werden. Im Mittelpunkt die Ge- 
stalt Daniel Boones ^Urbild des ^^Lederstrumpf^O ? ihm gegenüber die be- 
deutenden Fersi^nlichkeiten großer Indianerhäuptlinge o 
^ Kteo , 16 Bildtafo 
55o So .'Krüger Berlin) 
Lno 9?8o 

H u c h y Felix 

Beethoven 

Rorarno Der junge Beethoven o Beethovens Vollendungo 
492 So (Langev/i es che -Brandt) 



J 16 



j 



Hueck-Dehio 
Liebe Renata 



Else 



Vor dem anschaulich gezeichneten Hintergrund deutsch-^baltischen Lebens 

von 1913 - 1918 spielt die Liebesgeschichte einer Arzttochter aus Dor- 

pat zu einem jungen Theologeno Einfach und etv;as breit erzählte 

51 So (Salzer) 

Lno 15980 

I n n e s ^ Hammond 

Das Schiff im. i'elsen ■ 

Abenteuerliche Geschichte von einem Silberschatz, der während des zwei- 
ten Weltkrieges von modernen Piraten geraubt und auf einer arktischen 
Insel deponiert wird« Sehr spannende 
Aus d o Engl o 
254 So {Günther) 
Lno 9980 



• •- • • 



«^ •««» m* 



G i 1 b r 9 t h 5 Frank B» iind Ernestine Gilbreth 
Tm Dutzend "billL^^er 

Heitere P^egelnisse in einer vierzehnkopfigen amerikanischen Familie^ 

rcn Oljcrhaupt von Seruf RationalisierLingsfachmann ist» Die Anwendiog 

seiner ausgek?.ägelten LIethoden auch im täglichen Familienleben fiUirt 

den komischsten Abenteuern o 

Aus do Amerikano * . 

275 So /ilanvalet) 



da- 



zu 



hn 



9.80 



j :4 

G u d g e 9 Elizabeth 

Die Inselkinder 

Fröhliche und aufregende Begebenheiten aus dem Leben der fünf Kinder 

des Ehepaares du Frocq, vielen Lesern schon lieb und vertraut durch das 

Buch ''Inse].zauber^\ (So TAUSEND TITEL, So 16) 

Aus d o Engl o 

22o So ;^ Steinberg) 

Ln o 1 5 8 



r 

O 



(- ^ 



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d e 1 



Harry 



i^'iug onne ij^naung 

Fli.egererlebnisse aus dem zweiten '.7eltkrieg, in lyrisch-heroischem Ton 
eindringlich erzählte Dokument dafür ;, daß es für die Flieger noch eine 
eclite Begegnung mit dem Tode gab^ den der Landser nur noch als Krepie- 
ren im Drecl: erleiden könnt Co 
! o5 So ;Bechtle) 



?T)o 



-^ ? 



8o 



H a m b r a e u s 

iVia r i t 



Axel 



r 



vomxan einer tapferen und gläubigen Frau» Ausgev/anaerte Schweden sehet 
tern in der Fremde o Unter großen Schwierigkeiten gelangt die Frau mit 
ihren. Kindern in die Heimat zurück o Es gelingt ihr, den aufgegebenen 
Hof wieder zu erw^erben, und schließlich kehrt auch der Mann nachi m^an- 
nigfachen Abenteuern heim« 
Aus do Schwede 
525 



o 



i, Claudius-Verl o ) 
8o 



H a r r i s ^ John 

Sie sollen nicht untergehen 

Die unpathetisch erzählte, sehr spannende Geschichte einer pLCttiannsak- 

tion. die gestartet wird in einer'" V/int crnacht IQ^^/^rS. u.m die im ,. ^.. 

Schlaucliboot feindwärts treibende Besatzung eines abgestürzten Flugzeu 

ges SU retteno 

Aus do Eng]. o Vo Hermann StresaUo 



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287 So .Fi-et2 Ä ;Vasmuth) 
j.in « '•5950 



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OS je vermöchte. unterrichtet das BERTELSMANN LEXIKON über IVclt und 
Mensch .Himmel und Erde,N^^'tur und Kulturdn seinen 4 Bünden cchlicßt 
.es den ganzen Kosmos ein. das Ergebnis vieltausendjähriger Bemühung 
' des schöpferischen Menschengeistes :das WISSEN des 20. JAKRPUNDERTSo 
Das moderne jinit seinen 4 Bänden handliche und leicht überschaubare 
Nachschlagewerk is'c das Ergebnis der sorgfältigen Arbeit einer er- 
fahrenen Lexikon-Redaktion' und einer großen Zahl erstrangiger Spe- 
zialkräfte aller V/issens-UoLebensgebiete.Mlt dem Erv/erb des Lexi - 
kons kann aer Käufer für die Dauer von 10 Jahren den BERTELS^JANII - 
LEXIKONAUSKUNETSDIENST in allen lexikalischen Fragen in Ahsrr uch 
nehmen. dessen Leistungen im. Kaufpreis eingeschlossen sind^ 



Ein^'Yermächtnis für das deutsche Volk'* : 
Hermann Ehlers: G e da n k e n zur' Z 



e i t 



Hit einem Vorv/ort von 



Bischof D.Dr.Dibeilus.2o7 ScGzl. DMoT^ 80 iKreuz-Verlag in Stuttgart) 
Dieses Buch gilt nicht nur dera Gedenken an einen nirklic'n ungcv.öhn- 
liehen und unvergessenen Mann^ sondern es ist.r/ie Bischof Dibelius 
sagt /'nicht mehr und nicht v/eniger als das Vermächtnis ^ das Hermann 
Ehlers dem. deutschen Volke hinterlassen hat" ^ Der Bogen des Inhalts 
ist durch den Herausgeber Karl-Heinz Meyer v;eit gespannte Die gan- 



ze erstaunliche Vielfalt der Persönlichkeit Ehler 's v;ird 
Es gab kein Problem, dem er nicht tapfer zu Leibe ginge 



s 



lcl:tbar 



Forscher beweisen die historische 7/ahrheit: 
Werner Keller: Und die Bibel hat d o 



c h recht. A80 S 



Zahlr. Abb« i. Text u.auf 40 KunsüdrucktafelncGanzleineno DM» 19.80. 
Die aufsehenerregenden Ausgrabungen und Funde an biblischen Stätten 
werden in diesem Buche zu einem spannungsreichen Bericht zusammen - 
gefaßte der eine Fülle bisher unbekannter Forschungscrgcbnlsco über 
den historischen Hintergrund der Bibel erschließt. Was der moderne 
Mensch bisher als Legende hingenommien hat, gewinnt auf dram.aticchc 
Y/eise reale Gestalt als ein Abschnitt der Menschheitsgcsch 'c hte , der 
von schicksalhafter Bedeutung für unsere Welt war und ist« Verant- 
wortungsvoll und sachkundig reiht der Autor eine Beweiskette anein- 
ander, die sich nahezu lückenlos von der Patriarchenzeit des Alten 
Testamentes bis in die Zeit der Apostel des Neuen Testamentes spannte 
Das Buch ist bereits ein''Bestseller" geworden; seine Übersetzungs - 
rechte wurden schon an I3 Länder der Erde verkaufte 

fEoon-'Verlag in Düsseldorf) 



FI S C H ER-BÜCH'FT?'R:T ; Das" ^ut e 'R uch f ür iedermppm 

— ■■■■■■■ - - ■.■.■■— ^ ■.■■. ■■■. — ,-—■■■■ ...,., ,— ^— ^— *»^»*.i«.Mi— M.. ■■■ ■■■ ■■ im .lg I » II II -^W.^l>.-. . ■— — ,. , ..,—■■■—■■-■■■■ — —. .■^-. — .■.-, .. L. | , ■■-^.■r,-, ,_„. , ,.| ,, i^T ■ iii,^^ I .1 > .111 

(Jeder Band molo90) . (Fischer-Bücherei , Frankfurt/Mo -Hamburg) 

Bard N rolo4: PJarti n Buber: Die GESGHICHT?';N des RABBI N AC^.^/fML I hm ' 
nacherzählte 179 'Sei ten'o- -Aus den teilweise entstellten I-Jicdefschrif~ 
ten des Rnbbi Nochman, eines der letzten großen Vertreter des Chassi- 
disraus.het Buber rni t .dichterischem Einfühlunt^sverniügen die schönsten 
ausgev;ählt und nacherzähltoLli t einer Schilderung des Lebens und der 
Lehren des Rabbi Nachman ergeben, sie eine fesselnde Darstelluno der 
chassidischen Bev/egungc • . ' • 

B and Fr. lo ?: F ranz V/e rfel : Di e GESnHV/lSTER von NEAPE L. Roma n o 364 S . 

Gro7?rbBndrDMo 2o ~1üo'* ^-""Me drei" Geschva^terpaare Pascarella leben un - 
ter dem strengen Gesetz ihres Vaters in Neapel wie in einem eigenen 
Reicho Dennoch dringt die AußGnv;elt in ihr Leben und setzt sie Vor - 
Lockungen UoGefahj^n /Freuden UoLeiden .ausc Im Schicksal dieser einen 
Familie spiegelt sich er schutterrief der Einsturz einer ganzen Weite. 

Bancl_Nr_ollO: Tennessee Williams: D ie KATZE a uf d e m heiße n BI.ECFDAC^R, 
Die"* TATÖV/IFM^l^rROS>\^^^^^^ Thea'DersuücKeVVQ'ü SeiieFÜ- JJies6""l)eraen " 



Drameli" aus unserer Zeit erscheinen in Deutschland hier zum ersten- 
mal in Buchiorm.nachdem man sie auf der Bühne bereits gesellen hat« 
Williams ist einer der führenden Dramatiker der Gegcnv^artoSein 
größter Erfolg v/ar^'Endstation Sehnsucht^^j aus dem Film allen bekannte 



L I S T - B LT C E E R 



(Jeder Band DMolo90) 



Dichtung - Lebe n - Y/issen der Wel t! 

(Paul List-Veriag, München) 



1 n a 



Ba nd Nr o^o: Nora Waln: SÜSSE Frucht - BIT;:rRE J^I^^^li. Q^ ^ _ 
224 Seiten^- '"^'^Eiiie's der 'entzückel:dsten"~Mche''r über ChTna^ *n3ie^ Auto- 
rin schildert hier das Leben einer großen^ von abendländischen Ide- 
en noch nicht angekränkelten Familie, die hohe Moral ihrer einzel - 
nen Mitglieder und das noch tief im Boden verbundene Leben mit 
seinen jahreszeitlichen Festen und Ereignissen« 

Band Nr .'^Q: Hei n_z Vferner H uebne rt D as FLQ3S d e r VE RTR IEB ENENo R oma n o 
'21o""lDeiten«""-" Ern "mens chlTche^s" Buch 'ohne Pathos um den Leutnant 
P:^er\vegen und ein paar Menschen seines Umgangs " in Ostpreußen von 
Okt,1944 bis Juli 1945«Krieg ^Flucht^Besetzungj Soldaten-UcZivili- 
stenschicksale 5Männer-und Frauengestalten - das ist in einer Xlelse 
erzähltjdie man künstlerische Reportage nennen möchtOoEs ist v;ohl 
eines der besten Kriegsbücher , die bisher erschienen^ 

B an d N r,^!' Evelyn Waugh" Au f d er schiefen Ebene , 

Romano2ol Seiten.- Der bekannte englische Schriftsteller erv/ies 
sich bereits in diesem R.oman**als derKritiker der englischen Gesell 
Schaft par excellence"« Auch hier kommt schon das untergründig sich 
vorbereitende Hauptthema seiner V\ferke zum Ausdruck: die Sinnlosig- 
keit des Lebens ohne Beziehung zu GottoDas Buch ist eine^^Spring - 
flut von Witz und Spott"! -^ 



U ^' Ii„S T_E2„N - B ir C H E R für den anspruchsvollen Leser! 

Ue de r "Band '" DM . 1"; 9 O] .", ( Uli s te in- Ve r la g . Bin . - Tempe Ih of ) 

' B a n d . Nr o 71 » Marce l P ro ust: Tage der Freuden. 188 S. 
"LafigsaJTi zeichnet sich "am"Horizont unserer literarischen Bildung 
so etwas 'vvie eine Aufgeschlossenheit für den Franzosen Proust 
ab.j von dem das vorliegende Skizzenbuch v;irklich einen Zauber 
hoher Erzählkunst bietet» Welche Fülle köstlicher Schönheit , sel- 
tenen Reizes und feiner Anmut taucht hier •'^ufpOine neue differen- 
zierte Sc'iönheit, 

Band Nr. 72- Richa rd E ssex: LESLEY mit der leichten i^^^ n/i . 

Kriminalromano 175 Selteiio "- "LesTey".der verwegenste aller Einbre- 
cher, der Schrecken von Scotland Yard, aber immer ein Gentlem^an^die 
Dame in Schv/arz . "Serpolo t";, die geheimnisvolle Frau und rätselhaf- 
te Gehilfin Lesleys.und der berühmte Detektiv Slade sind die 
Hauptpersonen dieses dramatischen. Krirainalf alles- 



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I- 



GeGchcnkc für die heranv/achsende Jugend 



Johann Christoph Hainpe g Dein Tag brlcht''an, Eine Gabe 
für die leonfirmierte Jugend c llerau3p:e/3:eben im Auftrag von DuDroH.von 
Thadden-Trieglaffj Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages .. 
384 Sdavon 52 Bilds.eitenoLnoDMol2o80 (Kreuz-Verlag^Stuttgart) 
"Mit diesem überragenden Buch sind wir endlich der fatalen Verlegen- 
heit enthoben^koine überzeugenden Geschenke an unsere Jugend für 
alle Anlasse zu wissen. "(Westdeutsche Rundschau) - "Obwohl ich schona 
ein wenig über das Konfirmandenalter hinaus bin^habe ich das reiche^ '^ 
erregende und tiefgründige Werk mit der größten Begeisterung gele- 
sen!" (Manfred Hausmann) loAufloMär^; 1955 ,2. Auf IcAugo 1955 ,3 -Auf läge 
in Vorbereitung) o 



D a 









1 1 .d i r b 1 e i b e n c Ein Brevier für ,1un,^e Menschen 



Zusammengestellt von Uiiristopii üampeo GescneniCDandcnen ijnnmoueiiopuan 
hülle umlegt 9 64 Seiten9DMo2o80 (Kreuz - Verlag in Stuttgart) 
Johann Christoph Hampe hat mit gutem.; finderischem Gespür zu suchen 
gewußt.; was jugendliche Leser unmittelbar anzusprechen vermag <, und so 
hat er Erzclhlungenj, Gedanken^Briefe , Verse et c» gesammelt ^die in ihrer 
bunten.; abwechslungsreichen Thema/fcik zum Bleibenden unseres Schrift- 
tums und zu den "guten Begleitex^n"auf unserem Lebensweg zählen« 



Das EUROPA -BUCH für di e Ju g :endo Mit einem Vorwort und Bild 
von Bundeskanzler Drc Adenauer o 528 Seltene Über 650 Fotografien Uo Zeich- 
nungen9l2 Parb-UoKunstdrucktafelnoGroßf ormoGzloI)Mol9c 80o 
In mehr als 200 fesselnden Beiträgenund über 650 Bildern bietet das 
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seiner Landschaften und Städte , seiner menschlichen Schicksale , der 
Abenteuer seiner technischen Entv/icklung^der kühnen Leistmigen sei- . 
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wendigkeit.en seiner Aufgabenin Gegenwart und 2ukunfto Dieses EUROPA- 
BUCH - erstmalig in seiner Art im Bereich des europäischen Jugend - 
schrif ttums-entstand in einer Gemeinschaftsarbeit bedeutender euro- 
päischer ^ international bekannter Schriftsteller .und Journalisten ;>Er- 
zlelier und Wissenschaftler mit dem Ziel jVerständnis und Freundschaft 
füreinander zu wecken und zu vertiefenoEin Geschenk von bleibendem . 
Wert füi' Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene o (Welt in V/ORT und 
BILD - Vorlag SoIIeuft*, Köln-Bayenthal) 



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32 farbo Tafeln 5 460 Darstellungen, Großformat764ü Seltene Ganzleinene 
DIdolGoBO (Verlag Zimmer & Herzog^Berchtesgaden)- - Die vorliegende 
Ausgabe 9 fußend auf der 2 «Auflage des 13-bändigen Werkes Alfred Brehms 
wurde von den Mitarbeitern des Zoologischen Instituts Prankfurt/Main 
neu bearbeitet und auf den heutigen Stand der Wissenschaften gebracäit 
32 Kunstdrucktafeln mit 177 farbigen Tieren und 181 Sepiabilder schuf 
der hervorragende Tiermaler Wilhelm Eignere Die Petes stellte der be-:- 
kannte Direktor des Frankfurter Zoos DroGrzimek. zur Verfügung «Unter 
Beibehaltung der lebendigen Schilderung Brehms soll dieses wertvolle 
Buch ein Bild von unserer heutigen Kenntnis des Tierreiches vermit- 
teln und Liebe und Verstähdnis für die Tierwelt erweckeno 



der J u n ^ e w 



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s e n v/ i 1 1 



Ein 



C _C^. Bergius^ \7 a s j e 

Han3l3ucli für 3edeno 3l6 z o T o farbige- Daxsteliungeno 612 Seiteno Groj3f or- 
matoGanzlcinenoDMo 16 o80( Verlag Zimmer & Herzog^ Berchtesgaden) 
Dieses Werk ist - auch wenn es in erster Linie für die Jugend ge -■ 
sciiaffen wurde - ein Handbuch für jeden, der sich ausreichend über 
Sport jBeschäf tigung^ Kunst , Wissenschaf t, Technik, Allgemeines und Spie- 
le unterrichten v/illo 73 000 km mußte der Herausgeber zurücklegen ^ 
um die 130 Autoren^Experten auf ihrem Gebiet, zu bekommen! 2o7 Themen 
wurden behandelt miit 516 Darstellungen c 221 farbige Bilder und 295 
Sepiazeichnungen machen das Buch zu einem bunten Universalwerk ^ das 
jeden Jungen brennend interessiert o Um seinen Besitz werden sich' 
Väter und Söhne streiten! 



Ro Ro Ro Taschenbücher - Ungekürzte Romane bekannter Autoren 
aus aller Welt - Jeder Band Dr/rolo50( Doppelband 3.~) 

Band IMro 173/'174: Herman Melville : Moby Dick . Roman. 41? S. 
Melvillejeiner der größten Schilderer des Meeres^ schrieb diesen 
Roman schön 1851;doch wurde er damals abgelehnt ^Melville selbst 
vergessenoErst in den 20er Jahren fand er Anerkennung j und seitdem 
ist'^Moby Dick^Amerikas Volksbuch geworden und als solches in die 
Weltliteratur eingegangen^die G-eschichte des Kapitän Ahab und des 
weißen Walfischs Moby Dick, der ihm einst ein Bein raubte o 

Band Wr.lT'o: Mascha Kaleko^ Das lyrische Stenopirammheft. KLEINES T.e- > 
sebuch für GROSSE. 173 Seltene- Die Lyrikerin Kaleko wurde als Toch- 
ter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter gebo- 
ren und 1930 ii^ Berlin^'entdeckt'»; heute lebt sie als literarische Be- 
rühmtheit in iimerikao ^*Eormulieitune;en von bezaubernder Innerlichkeit ^ 
von verblüffender 5 höchst komplizierter Einfachheit," (Rowohlt-Hbgo ) 



o 



Zaubertricks und Kunststücke 

Joseph Leeming: DasZauberbuch^ 80 SoG-roßf ormatc234 bun- 
te Textbilder Uo4 FototafelnoHlnoDPiI-5o80(Franck~Stuttgart ) 
In der Eeihe der^V/eite-Welt-^Bücherei^erschien dieses Zauberbuch^ in 
dem uns Leeming vielerlei lustige und überraschende Zaubertricks 
zum Nachmachen schildert und" manches Geheimnis von den Künsten und . 
den Tricks der Meister der magischen, Kunst enthülltoKinige Kunst - 
stücke können buchstäblich sofort nachgemacht werdenjandere^raff i- 
nierterCc verlangen vorher einiges' Üben.Aber man lernt rasch^denn 
alles v/ird klar u^anschaulich beschrieben^ (Erwachs., UoJ.ab 10 Jahren 



) 



Ein Hausbuch zum Lesen und Vorlesen: 
Die schönste n Geschichten aus" 10 1 



Nacht 



tj 



Übersetzt; ausgewählt Uoeingeleitet von Enno LittmannjSoS Seiteiic 
Ganzleinen. DM<.14c.80 (Insel-Verlag in Wiesbaden) o - Diese neue Auswahl 
der schönsten Geschichten wird in der Übertragung von Enno Littmann 
-also nach dem Text der deutschen Gesamtausgabe in 6 Banden-geboten^ 
Sie ist als Hausbuch zum Lesen und Vorlesen gedacht und will sich 
Freunde unter alt und jung erwerbeni, indem sie aus der unübersehba- 
ren Fülle das Schönste in einem handlichen Band zusammenfaßt^dessen 
Auswahl zugleich auch für die Jugend bestimmt ist.. 



DIE SEEMÄMCHEN - Das kultilviarte Geschenk für jedermann! 
Flexibel i^imitiertes Leder geb^9b Seiten.Mit je 8 vierfarbigen Ta 
fein. Je DMc2.90 (Verlagsanstalt Hermann Klemm, Freiburg/Breisgau) 
Die SEEMÄNNCHEN packen^ rühren 5 erheitern^ begeistern, nur eines 
sie nie ^ langweilen! Sie bestechen nicht nur durch ihr 
Äußerest jeder Band hat Niveau! Die neuesten Bändchen: 
Seemännchen-Band 13: Hellmuth von Cube : SEEMÄNMCHEN für DAMEN, 
Mix farbigen Bildern von Asta Ku'ün-Sorrner • ' *"*" '■ '~- ^"^ ' 



tun 



Seem.ännchen Band 14: Ge s'präche in der 



a u n a 



Mit 



Beiträgen von Bruno Brehm^Effi HornjAlbrecht Knaus^Erika Röder 
und Eugen Rotho Mit farbigen Bildern von Claus Arnold «Unter deiji 
Mottorln sudore veritas - auch im Schweiß liegt Wahrheit!, 

'- — • — - — - — - .■■-...■. .. . ..■■.... _.... ^.„^^^_...^^^_^^___^ ^ . , ^^ — ^ . . . . _ ..._.. _ . . . 



Luigi Pirandello: Angst vor dem Glück o Novellen. 5 o? Seiten 
Ganzleinene DM- 15 «80 (Drei Brücken Verlag in Heidelberg) • 

Das novellistische Werk dieses italienischen Dichters war bisher 
dem deutschen Publikum so gut v/ie unbekannt „Bei der Lektüre dieser 
von den Anfängen seiner literarischen Laufbahn bis zur Zeit seines 
höchsten Ruhmes verfaßten Novellen wird deutlich ^ wie lebendig Pi - 
; randello mit den Mitteln der Kunst gestaltet^was in der zeitgenös- 
sischen Philosophie als Existenzerhellung eine entscheidende Rolle 
spielt. Von jeder einzelnen dieser 38 Novellenjdie von der verzwei- 
felten Angst vor dem Glück bis zur Erfahrung echter Selbstverwirk- 
lichung im Opfer für den anderen den ganzen Umkreis unserer moder- 
nen Lebensproblematik abschreiten, wird man gepackt^ gebannt und 
zum Nachdenken gezwungen. 



Der Lebensweg eines Chirurgen: 

Horc?.ce McCoy: S k a 1 o e 1 3. <. Roman« 439 Seiten« CrPnsleinen« 
iWTTSTao iLothor-Blanvalet-Verleg in 3erlin~\7pnnsee ) 
Das Buch vom Lebensweg eines Chirurt^^^en.unbev/öhnlich packend, aus 
dem Leben c^'egriffen,mit sicherer Hand e^eschricbenoEs ist die stei- 
le K'^rriere eines Fannes^der .-in seiner Jugend Berg-rbci ter .. sucrs '.: 
nichts pIs den Erfolg um jeden Preis suchtoDer seelische Durch 
bruch.das Bewußtsein der ärztlichen Berufung kommen ihm erst wäh- 
rend einer Katastrophe im Bergwerk ganz zum Bewußtsein« "Das Ganze 



ist eine Mischung aus Subiilität und Brutalität , zartem Kolorit und 
konzentrierter' Derbheit -wirksamp zeitnahjplastisch-ein Film., wie er 
im Buche stehtoOder ein Buch^das auf seine Verfilmung wartet!^' 



Ein Welterfolg •; 3 Millionen Gesamtauflage! 
Mazo de la Pioche : Die F a m/ i 1 i e auf Ja Ina . "Roman. 
Sonderausgabe • 524 SoGzl . DM« 9 <> öüi Jti'ugen liieaericns-Vlg ojjüsseldorf ) 
Diese preiswerte Sonderausgabe (auch in Halbleder für D'^-Tc 12.80 )ent~ 
hälv: die drei Bände"Die Brüder und ihre Frauen'^ **Das unerwartete 
Erbe"und'*Finch im Glück". Dieser große Familienroman behandelt das 
Leben dreier Generationen einer kanadischen Einwandererfamilie «Das 
Buch wurde ein Welterfolg und ist bereits in 9 Sprachen übersetzte 
Liebe oSifersuchtjHaß und Treulosigkeit . und wiederum Liebe ^das alle 
pulst' und wirbelt in einem Sturzbach überschäumender Lebenslust 
daher. Das Buch wurde in Amerika mit dem Pulitzer-Preis bedacht« 



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merika.das wir nicht kennen« « c ' • 

Lucien Burman: La n d der Sehnsucht . R oma n o 
SeitenoGanzleinenoDMol2.60 ißianvaieo-verlag m Berlin) 
diesem Buch gestaltet der amerikanische Autor das Schicksal des 
inen Mannes im Räderwerk der großen WeltoDas^^Land der Sehnsucht 
suchenjin d$m er. seine Kinder abseits des Treibens der modernen 
t in Frieden um sich vereinen kann, sieht Kapitän Asa in seinem 
nwagen durch die vielfältig gewaltige Landschaft Amerikas o Wie 
einem unendlich farbenreichen Kaleidoskop gleiten .die heiteren 
melancholischen Bilder dieser Fahrt am Leser vorüber« 



- y? 



Drama einer zerbrechenden Ehe 



Ferreira de Castro '; K a r ig e Erde .< > Rom.an aus Portugals 

f o bu i uar 1 Schünemann-Vlg c Bremen ) 

der einsam.en Bergw^e].t zwi - 



sse 



195 Seiten^ Ganzleinen« DM 

yor der kargen^ schwermütigen Kuli ^ ^._ 

sehen Portugal und Spanien spielt sich das Drama der zerbreclienden 
Ehe des armen Fellhäi.dlers Leonardo und der jungen lebensliungrigen 
Frau Ermelinda ab ^ die dem aus Übersee reich zurückgekehrten''*Ameri"- 
kaner '^verfällt, um ihn dann aus Eifersucht zu töteiioDe Castros Ro- 
mane sind Balladen aus dem portugiesischen Volkslebenj so durchbebt 
von dunklem Gefühl und so unmittelbar^als hätte sein Volk mit da- 
ran gedichteto - 



Ein farbenprächtiger« historischer Roman :^ 

Hugo Paul Uhlenbusch: Die GEHE IMI^'I SSE des Herrn BOTIER. Roman. 

504 Seiten p CTanzleinenoLM.15o8ü (Paul Nef f-Vlgo /V/ien-Bln« -^Stuttg. ) 
Frankreich zur Zeit der Schreckensherrschaft: unzählige Adelige 
verlassen das Land. um. den Kerkern und der Guillotine zu entgehen^ 
unter ihnen auch Charles de Hede . der nach Amerika auswandert und 
erst nach Napoleons Sturz in die Heimat zurückkehrte Er f inde ü 
seinen Besitz vneder und auch die Frau, die er liebt^ doch auf ihr 
lastet ein dunkles Geheimnis., 3pannungs-und überraschungsreich 
wird geschildert;; wie diese glänzend skizzierten Menschen zusam - 
m.enge rührt werden, ^^Das farbenprächtige Buch mit seiner fesseln - 
den Handlung führt uns durch ein halbes Jahrhundert französischer 

Geschichte o 

—* '■■■'■■■ ' -■ ■ ■ 

"Eine ausgewählte Büchersamimlung ist und bleibt der Brautschatz des 
Geistes und Gemüts. Bücher sind immeri' noch die wohlfeilsten Lehr - 
und Freudenmeister und die w^ahren Tröster für Millionen besserer 
Menschen»^* Carl Julius Weber (gestorben 20o7ol832) 



Das fesselnde Schicksal einer spanischen Familie: 
Mnre^uerite Steen: S t r e r e von P a r r a 1 . Romano 495 Seiten 
GanzleinenoD''>Mb.50« (Verlag ?re tz & Wasmuth.Zürich) 

Marguerite Steen gestalte thhier das fesselnde Schicksal einer be - 
deutenden spanischen Familie ^ die sich der Zucht tapferer Kampfstie- 
re mit fast heilie^em Eifer widmet, Eine zauberhafte , fredmartige V/elt 
tut sich auf in diesem Spanien der Stiere und Matadore.des Flamenco 
(Tanz)und der vergitterten Fenster oDoch nichts von kitschiger Roman-- 
tik der Spitzenrnantillenj sondern hinreißende Wirklichkeit starker 
Leidenschaften und zahlloser Schicksalsfäden^ zu einem leuchtenden 
Teppich kunstvoll verv;obenc • • 



Wie sieht es im heutigen Persien aus 
Anne Sinclair Mehdevi : Pfein p e r s 



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h e s A b e n t e \x 






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26g Seiten.G-anzleinenoDMc9o80 (i''oAcr.erbig-Vlgsbucnaaig , J:ie i'im ; 
Wie sieht es im heutigen Perrien aus? Diese Frage beantwortet Fr.-? 
Mehdevi auf sehr eindringliche una humorvolle V/eise ^ Sie ist dazu 
der Lage.iveil sie einen jungen -Perser geheiratet hat und ihm j.n s 
ne Heimat folgte «Es liegt auf der Hand, daß, eine junge Dame aus Ke 
York; die in das Haus vornehmer persischer Schwiegereltern versetz 
v/irdjnun in eine sie s ehr überraschende Umwelt gerä-t^von der sie 
äußerst lebendig zu erzählen weißp ■ ■ . 



KT, r- 



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9 0» 




Wieder ein großer historischer Roman 
Max Brod: A r m e r. Cicero. Roman. 298 Seiten. Ganzleinen» 
Dr/[79T80 ( Fe A ^ Herbig-VeriagsDucnnandlung . Berlin) 
Auch dieser Cicero'-Roman vereint wie stets in den V/erken Max Brods 
historische Genauigkeit mit spannendem Handlungsablauf .geistig- 
weltanschauliche Auseinandersetzungen mit farbigen Schilderungen 
der historischen UmvveltcBrod beschränkt sich auf uie letzten Le ~ 
bens jähre CiceroSjals der Alternde noch einmal in Liebe zu einer 
jungen Römerin entbrennt oV/ieder ein großer historischer Roman wie 
^»Tycho Brahes' Weg zu Gott" und '^Galilei in Gefangenschaf t^^ 

"Ein Jungbornj der ö.en Geist reinigt und heilt! ^^' 

Kurt Kusenberg: W ein auf Lebe'nszeit .Und andere kuri- 
ose Geschichten. ibü SeitenoGanzloDM. 7.HÜ (Rov/ohlo-Yerlagj Hamburg) 
Der Autor selbst sagt ^ "Wenn jemand in meinen Geschichten einen Sinn 
findet, so ist das seine Sache: ich habe keinen hinein getan. Nichts 
als Dinge sollen diese Geschichten seinjkuriose und lustige Dinge 
für Leute ;^ die an ihnen den gleichen Spaß finden v/ie der Verferti- 
ger.^Das Unsinn gut bekommt^weiß ich aus Erfahrui^g^Wenn Humor -wie 
sein Warne sagt- feucht ist^ so ist Unsinn das reinste Wasser: ein 
Jungborn, der den Geist reinigt und heilt!" 



in kulturgeschichtliches Berliner Dokumeni;: 
j?Teor^^ Hartmann: Jettchen Gebert 

Ganzleinene 



Roman. 464 Seiten 



DM.IÜ08O (Verlag Kiepenheuer 8g Witsch, Köln) 
In der Samnilung^^ Schöne Romane und Erzählungen der deutschen und dv r 
Weltlitera tur^'erschien auch der vorliegende Band, ein Buch von dra - 
matischer Kraft und Leidenschaft und einer m.elancholischen Innig - 
keit zugleich, das als literarisches v;ie als kulturgeschichtliches 
Dokument immer wieder gelesen zu werden verdientoEs ist die bitter^, 
süße Geschichte der schönen jungen Berlinerin Jettchen Gebert. Her- 
mann beschvvört hier das Bild des Berlin von I84O3 jener Zeit des 
Biedermeier , ebenso kenntnisreich wie einfühlend herauf« 



Das pariserische Budapest der dreißiger Jahre«. • 
Johann v.Bokai^ Ich habe eine F r a u b e s c h ü t z t o Roman.. 
?4;^ Sei'cenc Ganzleirienc D'^'U^-^.^ö nBlanvolcx-Veriag m ßerliii) 
Wer eine Frau beschützt ^ die nicht die eigene ist ^ hat die ungeahn- 
ten Folgen solcher galanten Pflichterfüllung auf sich zu nehmen ' 
und muß froh sein. wenn ersVom Dasein tückisch durchschüttelt, von 
der Liebe listig geprüft, mit zwei blauen Augen davonkommt. Ein Ro- 
man aus dem pariserischen Budapest der dreißiger Jahre . charmant 
und witzig erzählt «B6kai ist einer der geschliffensten unter den 
bedeutenden ungarischen Romanciers« 



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Erich Kastnero D a 



doppelte L o t t c h n 



1 7 O '^•^ -i i-m •' jL 

111 II s t T Ha 1 b 1 « DMobcBüCCe c i lie Lressler-A/lgoheriiny (KuJ'i.a b 1 /1. J' . u . E;! ) 
Es ist eine ernste Sache., v;enn Zvällinbe ,die bislier nichts vonoinH,.. 
andei- wußten^ sich plützlich u^e-oenüberstehen; und versuchen, hlntc^'^^ . 
ein e;'roßes Geheimnis zu korpjiienc Schließlich ne]::iiGn sie ihr Schick -'^^\ 
sal selbst in die Hand und brin^^en Versöhnung für iliro Eltern. Die 
netten Illustrationen sind von Walter Trier« Der gleichnamige r.iirn 
v/ar ein (^ro(3er Erfolg! ^ . 

" Rudyard Kipling: Das k o m m t d a v o n . lA^ Se i te n . K"a 1 bl e i ne n . 

biän/\.oSO ( Ce c i li e Dr e ss le f - Vit; , Be j:-i in ; ^Kinaei- ab 6 Jahre UoErvvacasene ) 
Hier zeigt sich ein herrlicher Humorist in dem Dichter Kiplin^:;. Er 
erzählt zauberhaft verspielt aus den ersten Schöpfune^sta^en^v/ie der 
Elefant zu seinem Rüssel kam und das Nashorn zu der faltigen P^aut, 
v;arum Walfische nur kleine Happen' schlucken können und v;ie die Er- 
findung der Schrift vor sich girjg. Illustrationen von Helen Brun. 



• Das TöPffLEIN mit dem hiilx;h;-.B'UI.T:K-BäUORLEI]V und anaere Märchen für 
die* Kleinsten ausgewählt von Lisa TetznerolGo S. Illustr oHalbl«Dr.Io 4. 50 
Ein Handbuch für die ¥\it'bex zur Einführung 






Kinder in die wun - 
der'vvelt der Fabeln und MarchenoBegonnen v.-ird mit Rcim-cn^dic CTrimiii- 
schen Märchen, finden sich im Urtext vor 5 es folgen Tienmärchen und 
donn sind lobei"isv;ahre Schicksalsmotive gestalteto ( Sauerländer-Vlg. ) 

R/\TEI\T., denken, LACHEN und' noch andere Sachen von "Fritz Aebli ,5.j^uf lo 
Ein fröhlicnes unpraktisches Spielprogram^m buche 120 SoGanzl o D'To 5o 3O0 
Jeder; der mit gesellschaftlichen Anlässen zu tun hat^uird den 1/ert 
dieses Spie Iprogramm/buches auf den ersten Blick erkennenoüor dieses 
handliche Buch besitzt, kann jungen Leuten oder Erv/achsenen' ohne 
große Vorbereitungen ein paar kurzv/eiligo Stunden bercitenoEs gibt 
vvohl schon viele Spielbücher .aber noch kein so übersichtliches 
Spielprogramm.buch! ( JaDcSauerländer \s Verlag Erankf urt/M., ) 

S_ e g e 1 f 1 u g von Willy E i chenberge r und Harald Widmer. 4 Tafeln 
UoViele Zeichnd^Y S"^ Ha Ibl « iW. 4 - ^"^ü ( o « jjo Sauer Xcinaer * £~*v -ig /i'r ankf ur t ) 
E'in ernsthaft ges^ hriebenes Lehrbuch über die ;^robleme des Segel - 
fliegens^aber nicht in trockener Herrn dargeboten :, sondern als Zwie- 
gespräch z'wisclien Schülern einerseits und Fluglehtrer oder Techniker 

rden ezakt^aber dgch so 

• • 1.. .• ^ ^ ^ ^ . . •. • .-> ". .• _ - - 

J 



^t:^t^[).Lacn 'z.wisc:..exi >::5Ciiuxt:. xiä k^in^rt^^i u::^ ana r±ugj-eiuei utier i^^c^.,111. 

andersei bSo Die ' Wissenschaf tlichen KaiJitel werden exakt ^ aber dgch 

•anschaulich entwickelt . daß sie für einen 15- Jährigen vers ländlich 



sind 



Ha n s c. V/ . U 1 1- i. c h :- Die 



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e n von T a n a R a d .1 a h . Erzahlg 



.^^us den Tropeno214" Seiten. Illustr<,Bairji..ijMo«'^'^<-^i L^^'^'*^^- ^-JL-g- Stuttg« ) 
Jutla lebt mit ihrem Vater auf einer Tabakpflanzung der Insel Suma 
tra^Bärbel und ihre Mutter kommen jetzt erst von Deutschland und 
müssen sich erst einge\vöhnen«Eine abenteuerliche Zeit beginnt für 
die beiden Mädchen:eine \virklichkeitsge treue Darstellung der Men ~ 
sehen 5 Tiere und Natur einer wenig bekannten tropischen V/elt. 

(TTädchen ab 12 Jahren) 

Ilse Friedrich: Kurs J\ f r i k a , 248 Sei ieno Illustriert 



folble inen , W[7^Tß0l Loewe s~ Verlag m Stuttgart ) (LTädchen ab I4 ;/. ) 
Vier Mädchen treten auf dem deutschen Übcrsoedampfer^'Westfalen^'',, der 
seine Jungfernfahrt rund um. /rfrika mac]it,ihre erste große Rej.se an;: 
Elsbe th wird Schiffsschwester werden.Martinajdie Nichte des Kapi - 
tänsjsoll sich erholen^ Charlotte und i\nneliese fahren zu ihren Ver- 
lobten in i^frika^Die Reise wird für die Mädchen von schicksalhafter 
Bedeubung«Land und Leute des schrwarzen Erdteils lernen wir in die- 
ser spannenden Erzählung kennen« 

Auf dieser Seite finden Sie immer gute Kinder-und Jugendbücher, 
Alle Verlage schicken Ihnen -^uf V/unsch gerne ihre ausführlichen 
Prospekte» Jede Buchhandlung zeigt Ihnen diese Bücher unverbindlich. 



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1520 ^loalt 



H B R DE R 5 o Auf läge. Band VIII: Sade big Toscin 
ondrio zalilr o 'rextbilderno b2 lax g1-Uc, Kart eu c c 1 1 e } i in 



VIII SoU. 

Schwär :::-u . Buntdruck c Je Sand Gzl o IM , 43 ^. - ? Halbldr o DU « 50 o - , Halbf rn- o DU ., 5 6 o - 
. In Vordergrund dea jetzt erschienenen 8c. Bandes stehen diesmal ^ den 
bchaxidelton Buchstaben entsprechend ^ Naturwissenschaft Uo Technik o Nur 
ein paar Stichv/orte : Schij^f ahrt-Schiff bau-3tapellvauf -Schleuse-Segeln- 
Straßenbau--Stäätebau-3pektrum--Teiriperatur--Strahlungsgeaet2;c;Sa.irxenfor-- 
nen-Stoinfrüchte-Tee-TabakcWiGsen Sie übrigens ^daß Vater Staat 1954 
durch die Tabaksteuer 2 545-^9 Millionen DM. veroinnahinte? Weitere 
StichA7orte:SGhinetterlinge--Singvögel---3chädli]?igsbekäinpfungo Stets legt 
der GROSSE liSRDSR besonderen vYert auf aktuelle Berichterstattung; 
hier die Portraits bekannter Politiker(Sorin jSuhrjSchv/eriiig.Sohuinan) o 
Natürlich sind auch andere Gebiete nit interessanten Stichv/orten ve??- 
trotenoBurch Umfang, Bild-und Kartenbeiträ;Q:e ragen die Länder Schvreiz, 



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Spanien, Südamerika und Südosteuropa hervor «Nicht vergesnen seien die 
Schaubildcr^die 2 Themen behandeln ^ die den iriOderiien Menschen irnraer 
v/iodor anrühren rSchners und Spiel. (Kerder-VerlagjFreiburg/Brsgo ) 



Bas 'wunder des Menschen 
Theodor lieuss: Beut 



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Studien zum 



19 c Jahrhundert ;520 SoGzl.I)Mol9o 5Ü (Rainer /wunderlich VlgoTübingen) 
Bio in diesera Bande gesamnielten Aufsätze schrieb der jetzige Bundes- 
präsident in den Jahren 1958 bis 1943 für die '^Frankfurter Zeitung"; 
dar.u treten noch einige Gedächtnisreden aus den Jahren 1949/1950 o 
"V/as micli an dieser Gfestaltenreilie erregt, das ist die Art^v/ie Houss 
den Wunder des Menschen in seiner Vielfalt nachspürt , und die bunte 
Phantasie, mit der er jedes Portrait in einer neuen, immer überraschen- 
den Sicht angehtoooEs gibt viel Gewaltiges in der V/elt , es gibt 
großartige Erfindungen - der Funde ursprünglichster und immer wie - 
der neu zu entdeckender aber ist der Mensch!" 



Bio \7isscnschaf t der Gesellschaft:; 
JoPurnney UoJoM a ier; Soziologie . 232 Seiten.Kart 0BM06 o80o 
GanzloB2.Ic 9o80*TNest--¥crlag,i'reinKi'urvMain) - Es ist eine oft ausge- 
sprochene Tatsache pdaß im Zeitalter der \7asserstoffboratoo unser ge- 
sellschaftliches Bewußtsein weit ins Hintortreffen geraten ist, daß 
■;;ir,dic Allgemeinheit , nicht in genügendem Maße zur Kenntnis nehmen, 
was die junge Wissenschaft der Gesellschaft , die Sosiologie ,uns an 
brauchbaren Ergebnissen ihrer Arbeit vermj.tteln kamuDieGeD Euch 
ist ein Versuch, in leicht verständlicher V/eise uns mit den a^uf gaben, 
den I.Iethoden,den Problemstellungen und den Ergebnisse:! der Sosiolo- 
gie bekannt zu machen.. 



000 



Bin prachtvolles Bergblumenbuch 
B o r B e r g b 1 ü h t o Erleben UoBcutung alpiner Pflanzen in 
?rbrt UoBild ' Vo Volkinar Vareschi UoSrnst Krause-o-löS SoinoSO Ilaturr.uf- 
nahmen , dax^on 8 färb c Gz 1 . DM « 12 .. 80 ( P . Bruckraann-München ) - "Ni rgend s 
offenbart sich die tragische Schönheit des Daseins so ergreifend 
deutlich und den Geist gegenv/ärtig wie in einer sich aus den Leben 
frei in den Tod hinüberblühenden Blume" «.o und nirgends-körinte nan 
hinzufügen-offenbart diese Schönheit sich in solcher Kraft wie in 
den Bergeno"Ein prachtvolles Bergbluiaenbuch,das ein Winscnschaftlcr 
so frei von aller Wissenschaft geschrieben und ein meisterhafter . 
Fotograf so überzeugend bebildert hat!" 



Zu beliehen durc?is 



Buoh-und Kunsthandlung Hans Baumbach 
Königslut ber/ Ein Am Plan 4 



ZusaiTiinongestellt von Ho Schneider, NeuGtadt/Weinstro / 3 o Folge 1956 



!Mit freundlichen Empfehlungen 



überreicht vom 



VERLAG Kiepenheuer & Witsch 



KöU 



Rezensionsabt 



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l Rojas in Bahia Bianca 



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.treffen. 

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I Konter. 



Duellfra^^e bereinigt 

Auf Grund eines Zwischen- 
falles im Hotel Salta hatten 
sich Dr. Jorge Sanmiguel 
und General Jorge Ovejero 
Arenales. der zur Begleitung 
des Heeresministers gehört, 
gegenseitig die Sekundanten 
zugeschickit, doch konnte 
die Angelegenheit nach Aus- 
sprache der Sekundanten al£ 
erledigt betrachtet werden. 

Patenschaft Aramburus 

Heute wird in Villa Bel- 
grano (Tucumän) der sie- 
bente Sohn der Eheleute 
1 Pedro Noberto juärez und 
; Marta Damiano Romano ge- 
; tauft werden. Der Vorläufige 
i Präsident, der die Paten- 
I Schaft übernommen hat, 
wird sich hierbei durch Ar- 
metso L. Aguilar vertreten 
lassen, der den Eltern eine 
Erinnerungsmedaille über- 
reichen wird. 

Die verlorene Bombe 

Bei Uebungen der Zweiten 
Luftbrigade in Paranä, fiel 
eine Bombe auf die Strasse 
ParanÄ — Dia man te. ohne 
dass bisher FolReii eingetre- 
ten wären. Die Behörden 
warnen jedoch, die Bombe 
zu berühren, da mit der Ge- 
fnhr einer Explosion gerech- 
net werden mass. 




DAS BUCH 



sozialen 
che Ge- 
jco Mar- 

Augen- 
Reise 

wegen 

en müs- 

um für 

e Reise 

3 niclit 

g 
;n 

ung der 
nca^_gab 



— Georg Hermann: ,,J**tchcn 
Gebcrt", Roman. 4f.4 Seiten. Ver- 
laK KiepenheutT und Witsch, 
Kö'n, Berlin. 

Diese Creschiohle ftu« dem 
Berlin der Bicilermeicr-zeit halte 
sch^n vor einem halben Jahr- 
hundert, als sie zum eratennial 
erschien, durch ihre vers'ändiffe 
und humorvDllf Darstellung ei- 
nen grossen Kreis von Freun- 
den gefunden. Das f«rhige Mi- 
lieu, in dem «ii-h das Schicksal 
von Jettohen Gehört vonrieht, 
hat Hermann mit kennlnisrei- 
eher Sicherheit in liehevorer 
KleinmaJerei darpre« tollt, die ein 
lebeneeohtes Gesamtbild de« Ber- 
lin um das Jahr 184 erstehen 
lässt. Mit verstHndniavoller 

Wärme begleitet der inzwischen 



verstorbene Autor den echwe- 
ren Lebensweg der schönen 
Berliner Jüdin, liisst Freud und 
Leid. Hoffnung und Verzweif- 
lung au5 Innerer Nof wondi^l'eit 
cr&tehen. ohne tich übormäBsiif 
in sentimentale Betra<-htungea 
zu ver]i**ren. Jettchen Gebert: 
e'.ii Menschenschicksal, tciaub« 
würdig, mit einfühlende rii Ver- 
ständnis in allen seinen Ver«, 
fechtungen und Verpflichtungen 
dargestellt, ein Mcnsch«^nschick« 
aal, das AnteÜTiahme erwec<kt 
durch die verzehrende Schmet»- 
lichkeit dieser Menschense^'i«. 
Der HterariBche Wert de« ..Jett« 
chen Gebert'* kann dahinKe^teJlt 
bleiben. Sicher ist, das« man 
den literarischen Gehalt dieses 
Romanes überschätzt, hat; dt« 
treffende Milieuschilderuni? und' 
die ironisierende Vernünftelei 
allein machen noch kein«? lite- 
raribche Qualität aus. Si-«*her i«t 
aber auch, dasa das ,,Jettehen 
Gebert" durch eine ergreifend« 
Menschlivhkeit aupg^^'/eichnet itit, 
die das Buch immer wieder lia- 
benswert macht. — -el. 



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Christliche Welt 



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— D . Dr. Reinold von Thail« 

den-Trieurlaff der Präsident «]«« 
Deu*«chen Evangeüpchen Kir- 
chen' affes, berichtete nach neiner 
Rückkehr aus Dänemark and 
Schweden vor dem Fvangeli- S 
sehen Presseklub in Hamburc ** 
über die Vorbereitungen zum 
Deutschen Evangelischen Kir- ^ 
chentag 1956 in Frankfurt an» j 
Main. Die Reiae, eo sagte der ^ 
Präsident, sei nicht unternom- ^ 
men worden, um den I)t»ut«ehen 
Kirchentag zum ».Exportartikel" «/ 
zu machen, sondern um die Teil- 
nahme ökumenischer Gruppen 
am Frankfurter Kirchentag, der 
vom 8. bis 12. August etaUfin» 
det, vorxubereiteTi. 

•— Papst Pius XII. hat «in« 
für daa kirchliche Leben in Süd- 
tirol bedeutsame Enlf^cheidung 
getroffen. Der bisherige Dekan ^ 
und Pfarrer von Curtina. Mon« *• 
sijtnore Heinrich Forer, «-in Ke- , 
hurtiger Südtiroler, wurde x\xv\ ^ 
Weihbfschof der Diözeae Trient^ 
ernannt. Der neuo W«"ihbiHchof ^ 
wird seinen Sitz in B «en ha- --/ 
ben, also jenen Teil der Diözese 
Trient betreuen, der df'Ut schspra« 
chig ist. Das übrige Südtirol un«» 
tersteht kirchlich dem Bischof 
von B-ixcn. In Südtirol hat die 
Ernennung Monsignore Forer« 
grosse Genugtuung aupgelöftt. 

— Der neue Hamburger Lan* 
desbischof Prof. D. Herntrich 
wird am 8. April durch I^andes- 
biächof D. Dr. Lilje in se^n Amt 
eingeführt. \ 






>* 



Zeit", ein großer Wurf gelungen. Seine Schilderungen des Staates 
der Roboter und der Reaktionsweis? der intelligenten Automaten 
ohne jede menschliche Regung der Bosheit oder der Güte sind 
von großartiger Eindruckslcraft und von bestürzender Aktualität. 






GEORG HERMANN: Jettchen Gebert 

Kiepenhauer & Witsch, Köln-Marienburg 464 S., Ln., DM 10,80 

Als vor einem halben Jahrhundert die bittersüße Geschichte der 
schönen jungen Berlinerin Jettchen Gebert erschien, war ihr 
Autor Georg H-^rmann ein noch fast Unbekannter. Aber mit 
diesem Buch schuf er sich bsi Kritik und Publikum rasch einen 
Namen, und es wurde sozusagen über Nacht zu einem Bestseller 
der damaligen Zeit. Bis zum Jahre 1933 erlebte der Roman 
immer neue Auflagen, dann kam Jettchen Gebert auf die Ver- 
botsliste der Nazis, was aber nicht zu hindern vermochte, daß 
es in d:;r Stille weiterlebte und immer neuen Lesern zum Er- 
lebnis wurde. Wenn jetzt dieses Buch endlich wieder in einer 
neuen Ausgabe erscheint, so wird es, dessen sind wir gewiß, 
ein nicht weniger starkes Echo finden als damals, als es den 
Namen seines inzwischen verstorbenen Verfassers mit einem 
Schlage bekannt machte. Denn längst g-rhört Jettchen GJ«bert 
zum festen Bestand der modernen deutschen Literatur, und seine 
fünfzig Lebensjahre haben ihm nichts von seinem unverwelk- 
llchen Zauber nehmen können. Man muß Paul Fechter zustim- 
•men, wenn er in seiner „Geschichte der deutschen Literatur" 
darauf hinweist, daß Georg Hermann mit diesem Buch die Lücke 
ausgefüllt habe, die TheoÖor Fontane, der große deutsche Er- 
zähler, zwischen seinen Berliner Erzählungen aus der Zeit der 
Befreiungskriege und denen der Bismarckzeit gelassen hat. Georg 
Hermann ist ein legitimer Nachfahr Fontanes, und er beschwört 
das Bild des Berlin von 1840, jener Zeit des Biedermeier ebenso 
kenntnisreich wie einfühlend herauf. Liebevoll zeichnet er die 
Stadt und ihre Menschen, ohne dabei das tragisch? Geschehen 
dieser Geschichte sentimental zu überpinseln. Jettchen Gebert 
ist gleichsam eine Abwandlung von den Königskindern, die nicht 
zu einander kommen können — ein Buch von dramatischer 
Kraft und Leidenschaft und einer melancholischen Innigkeit zu- 
gleich, das als literarisches wie als kulturgeschichtliches Doku- 
ment immer wieder gelesen zu werden verdient. 



10 






S-. J. 1^ 



l«r He(* . "aUt »f 



Bücher als "Brücken 



VON MENSCH ZU MENSCH 
VON GLAUBE ZU GLAUBE 
VON VOLK ZU VOLK 



Eine Auswahl f(ur 

Woche der Brüderlichkeit 1956 



Schirmherrschaß : 

Bundespräsident Prof, Dr. Th, Heuss 



-:: 



Herausgegeben vom Deutschen Koordinierungsrat 
der Gesellschaften für Christlich-Jüdische 
Zusammenarbeit e.V., Frankfurt am Main, 1956 



ALLER GUTEN DINGE 
SIND DREI 

^ie Voranstellung dieses Sprichwortes soll weder sagen, 
daß diese Liste, die dritte in der Reihe seit 1954, die letzte 
sein solle, noch wollen wir damit behaupten, daß unsere 
kleine Arbeit gut sei. Über das eine wie das andere werden 
unsere Freunde mitzuentscheiden haben, die in diesem 
Heftchen blättern und dadurch angeregt werden mögen, 
das eine oder andere der hier empfohlenen Bücher zu 
lesen. Denn auf das Lesen kommt es natürlich an, nicht 
etwa auf das Wissen darum, daß dieses oder jenes Buch 
erschienen sei. Von Goethe stammt das Wort 

„Dicke Bücher! Vieles Wissen! 

Ach! Was werd ich lernen müssen! 

Will es nicht in Kopf hinein,^ 

Mag es doch im Buche sein!" 

Anderswo sagt Goethe 

„Das Wissen wächst, 

die Unruhe wächst mit ihm." 

Nun, in den Werken, auf die wir in den folgenden 
Blättern hinweisen, ist sehr viel von solchem Wissen auf- 
gespeichert, durch das Unruhe wächst — und wachsen 
soll ; Unruhe über das Befinden einer äußeren Welt, die zu 
verändern wir nur mithelfen können, wenn wir unsere 
innere Welt zu wandeln vermögen. Nicht nur charity 
begins at home, sondern alles Gute, Edle, Fortschrittliche 
muß seinen Anfang in unserer Brust nehmen. Und welches 
bessere Mittel zur Besinnung, dann eben zur Unruhe und 
schließlich zur Tat gäbe es, als das Sichversenken in ein 
gutes Buch? 

Möge also auch in diesem Jahr unser bescheidenes Heft- 
chen Freunde werben — für das gute Buch und für unser 
besonderes Anliegen: Überwindung der Vorurteile. 

INHALTSVERZEICHNIS Seite 

Geist und Menschlichkeit 3 

Religion und Glaube ' 

Geschichte, Politik und Gesellschaft 9 

Israel 

Erziehung und Gruppenverständigung 13 

Lebensbilder und Erinnerungen 15 

IQ 

Episches und Kunst *° 

Jugendbücher 



Qeist und zMenschlichkeit 

Adorno, Theodor W. PRISMEN Kulturkritik und Gesell- 
schaft, Essays 
Frankfurt: Suhrkamp. 342 S., DM 17,50. 

Aufsätze des Frankfurter Philosophen, in denen er versucht, 
-yur Rettung der menschenwürdigen Kultur gegen die falsche, 
'die mit Barbarei verbunden ist, beizutragen. Er will das 
Positive und Negative am Geist zugleich festhalten und den 
Menschen z^im Beivußtsein bringen. 



Baden, Hans Jürgen 

ENDE UND ANFANG DER HUMANITÄT 
Gütersloh: Rufer. 256 S., DM 11,50. 

Benjamin, Walter EINBAHNSTRASSE 

Frankfurt: Suhrkamp. 126 S., DM 4,80. 

Philosophische Bilder, die in der Form von Aphorismen, 
kurzen Betrachtungen, Träu?nen sich um die Aktuahsterung 
des Denkens bemühen. Die gegenwärtige Welt wird in einem 
Guckkasten eingefangen, und nichts zelgi -J"'^^ deutlicher als 
ihre Bedürftigkeit nach Erlösung, 

Benjamin, Walter SCHRIFTEN Herausgegeben von Th. 
W. Adorno und Gretel Adorno. 2 Bände. 

Frankfurt: Suhrkamp. 

1. Band XXVIII, 652 S., 2. Band 539 S., Gesamtpreis 

DM 40,—. 

Benjamin ivar ein unbequemer Denker, der seine Aussagen in 
'den scharfen Aphorismus z^ packen liebte, ein Mensch mit 
einem immer wachen, kritischen Bewußtsein, das sich —fem 
von jedem System — immer am konkreten Gegenstand ent- 
zündete und Einsichten z^l^&^ förderte, die neu und erregend 

Frankfurter Neue Presse 



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waren. 



Buber, Martin DER MENSCH UND SEIN GEBILD 
Heidelberg: Lambert Schneider. 53 S., DM 2,50. 

Croce, Benedetto — Vossler, Karl BRIEFWECHSEL 
Frankfurt: Suhrkamp. 410 S., DM 22,50. 

Der Briefwechsel :^»^/xr/'f« dem Münchener Romanisten und 
dem italienischen Historiker und Philosophen. 



Dahrendorf, Gustav 
DER MENSCH DAS MASS ALLER DINGE 
Hamburg: Verlagsgesellschaft deutscher Konsumge- 
nossenschaften. 294 S., DM 10,80. 

ECKART JAHRBUCH (Herausgeber Kurt Ihlenfeld) 
Witten und Berlin; Eckart. 328 S., DM 12,50 
Zeitkritik in- und ausländischer Autoren, die uns einen Weg- 
weiser 2eben möchten, um uns aus dem pessimistischen Denken 
der ^^Restauration'' und der ^^Fehlentwicklung des deutschen 
Geisteslebens"' herausv^uführen . 

^"SVnfSpH UND NATURFORSCHER 
Stuttgart: Kohlhammer. 540 S., DM24,—. 
Das Testament Albert Einsteins. Rückblick auf sein Üben 
und Denken. Mit 25 Beiträgen bedeutender Physiker und 
Philosophen aus aller Welt. 

Einstein, Albert MEIN WELTBILD 
(Herausgeber Carl Seelig) 
Berlin: Ullstein. 120 S., DM 1,90. 

Gesammelte und kommentierte weltanschauliche Äußerungen 
und Bekenntnisse des Wissenschaftlers. Selbstdarstellungen 
Das Bild eines unabhängigen Geistes, eines einfachen und 
gütigen Menschen. Ferner wissenschaftliche Beiträge. 

UND DIE FLAMME SOLL EUCH NICHT VER- 
SENGEN Letzte Briefe zum Tode Verurteilter. 
Zürich: Steinberg. 554 S., DM 17,80. 

Zehn Jahre nach dem Sturz des Nazismus kommt diesem 
Buch eine fest umrissene Bedeutung z^, so sehr sprechen diese 
Botschaften im Angesicht des Todes dieselbe moralische 
Sprache und führen dem Leser von 1955 die tiefe geis ige 
Einheit vor Augen, die, jenseits aller nationalen und ideologi- 
schen Verschiedenheiten, die europäische Widerstandsbewegung 
zusammenhielt. Wir kennen kaum ein Buch, Jas so von ver- 
:^weifelter Liebe r//w Leben erfüllt wäre. . ." 
^ -^ Neue Zürcher Zeitung 

DAS GEWISSEN ENTSCHEIDET Bereiche des deut- 
schen Widerstandes von 1933—1945. 

Berlin: Mosaik Verlag. 

240 S., 64 Bildtafeln, DxM 14,80. 

Ein Bildband, gesammelt von Annedore Leber, herausgegeben 

in Zusammenarbeit mit Willy Brandt und Karl Dietrich 

Bracher. 

^THEODOR HAUBACH ZUM GEDÄCHTNIS 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 84 S., DM 3,80. 
Über den engeren persönlichen Rahmen hinaus werden hier die 
Menschen geehrt, die sich während der Zeit des nationalsoziali- 
stischen Regimes für Freiheit, Recht und Menschenwürde auf- 
opferten y um die Ehre des deutschen Namens z^* retten. 



Hand, Learned DAS WESEN DER FREIHEIT 
Rechtsphilosophische Essays. 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
129 S., DM 4,80. 

Es ist der unbestechliche kritische Blick für die politischen 
'Verhältnisse und ihre Hintergründe, der sichere Instinkt für 
das, was der liberalen Demokratie frommt, und die Kraft, diese 
Meinung, auch wenn sie nicht populär war, beherzt auszu- 
sprechen, was Learned Hand aus der Reihe der Richter heraus- 
hob und den Entscheiden des Bundesappellationsgerichtshofes, 
dem er vorstand, eine richtunggebende Bedeutung z^^kommen 
Ijgß^ ^ " Neue Zürcher Zeitung 

Hausmann, Manfred DIE ENTSCHEIDUNG 
Frankfurt: S. Fischer. 206 S., DM 9,80. 
Neue Betrachtungen, Briefe, Gedanken und Reden des 
Dichters. 

Heuss, Theodor WÜRDIGUNGEN Reden, Aufsätze und 
Briefe aus den Jahren 1949—1955. 
Tübingen: Rainer Wunderlich. 444 S., DM16,80. 
Ein Bekenntnis z^* ^^^ geistigen Erbe Deutschlands. 

^^E^RVERSION VON RECHTSORDNUNGEN 
Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). 
214 S., DM 15,80. 

Der Freiburger Rechtsgelehrte umreißt das akute Problem der 
Unterhöhlung und Verkehrung der Rechtsordnung, seine Ent- 
stehung und die Möglichkeiten z^r Vorbeugung. 

Huch, Ricarda BRIEFE AN DIE FREUNDE 
Ausgewählt und eingeführt von Marie Baum. 
Tübingen: Rainer Wunderlich. 392 S., DM 16,80. 
Die Briefe einer Frau, der es um die Würde und die Freiheit 
des Menschen ging, für die sie leidenschaftlich Partei ergriff 
als jene verletzt n>urden — auch wenn sie allein gegen eine Welt 
der Bosheit und des Terrors stand. 

^ToÄrSPRUNG und ziel der GESCHICHTE 
Frankfurt: Fischer Bücherei. 269 S., DM 1,90. 
Der Philosoph Jaspers überblickt die Grundentscheidungen 
der Menschheitsgeschichte in der Absicht, dadurch Maßstäbe 
für den Sinn des gegenwärtigen Geschehens z^ g^^^^ ' ^^^ 
Achse der Weltgeschichte'' liegt in den Jahrhunderten 
zmschen 800 und 200 v. Chr., der Zeit Laotses, Buddhas, 
Zarathustras, der Propheten, Homers und der vorsokratischen 
Philosophen. 

Kraus, Karl BEIM WORT GENOMMEN 
München: Kösel Verlag. 368 S., DM 25, — . 
Umfaßt neben Aphorismen die Bücher „Sprücfje und Wider- 
sprüche'', „Pro domo et mundo" und „Nachts", 

Mann, Thomas VERSUCH ÜBER SCHILLER 
Frankfurt: S. Fischer. 104 S., DM 5,80. 



MusiK Robert TAGEBÜCHER, APHORISMEN, 
ESSAYS UND REDEN Gesammelte Werke. 
Hamburg: Rowohlt. 1064 S., DM 36,— . 

Wir erhalten Einblick in die Existenz des großen Schrift- 
stellers, das Drama seiner Selbstentdeckung, seines Schajjens 
und seiner Einsamkeit^ seiner Kritik an der Umwelt, 

Oppenheimer,]. Robert ^^^„^^..t 

WISSENSCHAFT UND ALLGEMEINES DENKEN 

Hamburg: Rowohlt. 136 S., DM 1,90. 
Der Atomphysiker stellt die Frage : Bestehen Beziehungen 
zwischen den relativen Wahrheiten, die die Wissenschaft auf- 
deckt und den allgemeinen Lebensanschauungen der Menschen ^ 
Er mahnt z^tr Vorsicht gegenüber der Versuchung, den Er- 
gebnissen menschlichen Forschens einen absoluten Wert beizu- 
messen. 

OrteQay Gasset, Jose VERGANGENHEIT 

UND ZUKUNFT IM HEUTIGEN MENSCHEN 
Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt. 160 S., DM9,60. 
Drei Essays des spanischen Philosophen, ein Versuch, die 
Krisis des gegenwärtigen Menschen, seiner Existenz nnd 
seines Denkens, z^i überwinden. 

Picard, Max DER MENSCH UND DAS WORT 

Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch. 201 S., DM 14,20. 

Die Sprache ist „unmittelbare Wirklichkeit, so sehr, daß 
die Dinge ihr gegenüber z^ Symbolen werden. Der Mensch 
ist durch das Wort geworden ; das gibt dem Wort die Wirk- 
lichkeit. Christus, Mensch werdend, hätte das menschliche 
Wort gesprengt, wenn das Wort Symbol wäre ; aber es war 
Wirklichkeit, die Wirklichkeit Gottes kam in die Wirklich- 
keit des W'^ ort es."' 

Schmid, Carlo BESINNUNG 

Frankfurt: Deutscher Koordinierungsrat der Gesell- 
schaften für ChristUch- Jüdische Zusammenarbeit. 
Rede des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages am 
6. März 1955 in der Paulskirche ^// Frankfurt am Main z^tr 
Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit'^ 

Schneider, Reinhold ERBE UND FREIHEIT 
Köln-Olten: Jakob Hegner. 234 S., DM 12,80. 
Heute geht es um Verfall oder Bestand Europas. Der einzel- 
ne ist z^ir Entscheidung aufgerufen, aus lebendigem geschicht- 
lichem Bewußtsein heraus, die traditionellen menschlichen 
Werte z'i wahren und sich z^igleich in der Freiheit des Neuen 
ZU bewähren. 

WENN DER TAG BEGINNT 
Morgengedanken für Jedermann 

Witten und Berlin: Eckart Verlag. 308 S., DM8,60. 
Fünf Autoren (Stefan Andres, Rudolf Hagelstange, Claus 
Heitmann, Kurt Ihlenfeld und Rudolf Krämer-Badoni) 
schreiben über ihre schöpferischen Lebensbetrachtimgen, 



T{eligion und Qlauhe 

Barth Karl DIE ORDNUNG DER GEMEINDE 
Zur dogmatischen Grundlegung des Kirchenrechts. 
München: Chr. Kaiser. 85 S., DM 3,90. 

Buber, Martin ^ ^ ^ ^r tt^ -r * ivtxt 

DIE GESCHICHTEN DES RABBI NACHMANN 

Frankfurt: Fischer Bücherei. 179 S., DM 1,90. 

Bub er, Martin . . . ^ ^ * ^ t ^ 

SEHERTUM. ANFANG UND AUSGANG 

Köln und Ölten: Jakob Hegner. 74 S., DM 5,80. 

Zwei Aufsätze : Abraham der Seher. Prophetie und Apo- 

kalyptik. 

BÜCHER DER GESCHICHTE Verdeutscht von Martin 
Buber in Gemeinschaft mit Franz Rosenzweig. 
Köln und Ölten: Jakob Hegner. 517 S., DM32,—. 
Der :^w//^ Band der „Schrift'', die Bibel, nicht bloß in 
ihrem Wortlaut, sondern in ihren von den Übersetzern er- 
kannten Ausdrucksabsichten wiedergegeben. 

Dessauer, Friedrich WELTMANN UND CHRIST 
Frankfurt: Josef Knecht. 86 S., DM4,20. 

Stellung z/^ ^er Frage, wie sich der Mensch inmitten der 
heutigen Welt und den von ihr gestellten Aufgaben in Wirt- 
schaft, Technik und Geistesleben als Christ bewähren könne. 

Ehlers, Hermann GEDANKEN ZUR ZEIT 
Stuttgart: Kreuz- Verlag. 207 S., DM7,80. 
Einige Aufzeichnungen des verstorbenen Oberkirchenrates und 
Bundestagspräsidenten aus der Nachkriegszeit : „Wenn wir 
mit Gott neu beginnen, werden wir neue Menschen und werden 
ti'ir, so Gott will, ein neues Volk und eine neue Kirche," (1946) 

Freudenberg, Adolf DER VERPFLICHTENDE 
HINTERGRUND UNSERER ARBEIT 
Frankfurt: Deutscher Koordinierungsrat der Gesell- 
schaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. 
Referat, gehalten in der Kuratoriumssitzung des Deutschen 
Koordinierungsrates, Offenbach a. M., 2.funi 1955. 

Ger stenmaier, Eugen ^^.„ 

AUFGABE UND GRENZE DER TOLERANZ 
Frankfurt: Deutscher Koordinierungsrat der Gesell- 
schaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. 
Rede des Präsidenten des Deutschen Bundestages ^//r Eröff- 
nung der „Woche der Brüderlichkeit", München, 6. März 
1955. 

Hart mann. Albert . , „^ 

TOLERANZ UND CHRISTLICHER GLAUBE 

Frankfurt: Josef Knecht. 281 S., DM 10,80. 
Von katholisch-theologischer Seite Ji'ird hier der lückenlos er- 
scheinende Beweis geführt, daß jedermann, der des eigenen 
Glaubens bewußt und froh ist, in der Begegnung mit anderen 
wahre Toleranz üben kann, ja muß. 



Heuer, Hans GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN 
Gütersloh: Rufer Verlag. 160 S., DM3,90. 
Ökumenisches Brevier mit Betrachtungen geistlicher Väter und 
Gebeten aus allen Zeiten der Kirche und Christenheit, 

Keller, Werner UND DIE BIBEL HAT DOCH RECHT 
Düsseldorf: Econ Verlag. 480 S., DM 19,80. 
Was die Wissenschaftler im alten Orient ausgehoben haben^ 
ist hier als Beweismaterial für die objektive geschichtliche 
Wahrheit der Bibel :(usam??ienge tragen worden. 

Kierkegaard, Sören FURCHT UND ZITTERN 
Düsseldorf: Eugen Diederichs. 178 S., DM 8,80. 
Über die Bedeutung des Opfers für den Menschen, der bis :^u 
den Gren:(en und Abgründen seiner Existeni^ gläubig ist, 

Klausner, foseph THE MESSIANIC IDEA IN ISRAEL 
New York: Macmillan. 543 S., $ 7,50. 
Eine Untersuchung des Messianismus im Alten Testament. 

Luther SCHRIFTEN Ausgewählt von Karl Gerhard 
Steck. Eingeleitet von Helmut GoUwitzer. 
Frankfurt: Fischer Bücherei. 207 S., DM 1,90. 

Martin Luther wird hier gezeigt als „Ausleger der christ- 
lichen Botschaft von solcher Ürsprünglichkeit und Kraft, wie 
er in den ^(ipeitausend fahren dieser Botschaft selten erstanden 
ist. Wer aber könnte leugnen, daß Ji'ir diese Botschaft noch 
nicht hinter uns haben. Wir irerden sie nie hinter uns, wir 
jverden sie immer wieder erst noch vor uns haben. ^^ 

Helmut GoUwitzer 

Maritain, facquesy^-EG^ ZUM GOTTESBEKENNTNIS 

Freiburg: Alsatia- Verlag. 118 S., DM7,80. 

„Es gibt für den Menschen ebenso viele Wege der Annäherung 
an Gott wie Schritte auf der Erde und Zugänge t^u seinem 
eigenen Hennen. ^'^ Jacques Maritain 

DIE MÜNDIGE WELT Dem Andenken Dietrich Bon- 
hoeffers. Vorträge und Briefe. 

München: Chr. Kaiser. 144 S., DM 4,80. 

Ein umfassender Versuch, die theologischen Ansatz^ in 
Pfarrer Bonhoeffers Ethik und seinen nachgelassenen Briefen 
fortzuführen und auszuweiten. 

Rosenstock-Huessy, Eugen DES CHRISTEN ZUKUNFT 
oder WIR ÜBERHOLEN DIE MODERNE 

München: Chr. Kaiser. 352 S., DM 13,60. 

Die Zukunft der Menschheit : ein Versuch, die Beziehung 
jviederherzustellen z^l^^hen dem Zeitgeist und der christlichen 
Hoffnung. 

vanRuler,A.A. DIE CHRISTLICHE KIRCHE UND 
DAS ALTE TESTAMENT (Beiträge zur Evangeli- 
schen Theologie, Band XXIII.) 

München: Chr. Kaiser. 92 S., DM 5,40. 



8 



Spoerri, Theophil DER VERBORGENE PASCAL 
Hamburg: Furche Verlag. 212 S., DM 10,80. 
Aus dem Inhalt : Die Aktualität Pascals — Das Unvollen- 
dete des Lebens — Die Stimme Pascals — Der Ausgangs- 
^ punkt — Die gestörte Ordnung — Das neue Denken — Das 
neue Weltbild — Das neue Menschenbild — Die neue Ge- 
sellschaftsordnung — Der Mensch in der Geschichte — Das 
Wagnis des Lebens. 

Susmann, Margarete 

DEUTUNG BIBLISCHER GESTALTEN 

Konstanz: Diana Verlag. 144 S., DM 10,80. 

Ein Versuch, den Abstand des heutigen Menschen von der 
biblischen Menschenwelt z^^ überbrücken, Moses, Saul, David 
und andere uns unmittelbar zugänglich z^ machen. 



QeschichtCy "Politik und Qeseüschaft 

Adler, H. G. THERESIENSTADT 1941—1945 
Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. 
Tübingen: J. C.B.Mohr (Paul Siebeck) . 
772 S., DM'34,— . 

„Manches, was in der schwarzen Zeit verübt wurde, könnte 
^überschrieben sein: Die Bosheit als experimentatum . Ein 
solches Experiment des Willens :^//w Bösen war in ganz ^^' 
sonderer Weise das ausschließlich für fuden bestimmte Konzen- 
trationslager Theresienstadt. . . feder, der das, was war, z^ 
erkennen bereit ist, und ein jeder darum auch, dem, an welchem 
Platz« immer, neues Leben anvertraut ist, wird Dr. Adler 
für sein Werk tief verpflichtet sein.'' Leo Baeck 



Becker, Ingeborg, Harald Huber, Otto Küster 
KOMMENTAR 
ZUM BUNDESENTSCHÄDIGUNGSGESETZ 

Berlin und Frankfurt: Verlag Franz Vahlen. 
1036 S., DM 50,—. 

Ein umfassender fustizkommentar, der die Fragen des Bundes- 
ergänzungsgesetzes z^^ Entschädigung für Opfer der national- 
sozialistischen Verfolgung nach neuestem Stand behandelt. 

Arendt, Hannah ELEMENTE UND URSPRÜNGE 
TOTALER HERRSCHAFT 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
784 S., DM19,50. 

„Dieses Buch behandelt die Frage, die heute alle Denkenden 
als die für unser Dasein brennendste kennen ; die nach der 
geschichtlichen Wende, welche im Totalitär ismus ihre schreck- 
lichste und drohendste politisch-überpolitische Wirklichkeit 
zeigt.'' Karl Jaspers 

BRITAIN'S NEW CITIZENS The Story of the Refugees 
from Germany and Austria. 

London: Association of Jewish Refugees in Great 
Britain. 75 S., sh 1/ — . 



DISPERSION AND RESETTLEMENT The Story of 
the Jews from Central Europe. 

London: Association of Jewish Refugees in Great 
Britain. 61 S., sh 5/ — . 
Das Schicksal jüdischer Emigranten. ^ 

Foersier, Werner NEUTESTAMENTLICHE 

ZEITGESCHICHTE Das Judentum Palästinas zur 
Zeit Jesu und der Apostel. 
Hamburg: Furche. 248 S., DM 12,80. 

Guttmann, Bernhard DAS ALTE OHR 
Frankfurt: Societäts Verlag. 394 S., DM 19,80. 

40 Essays über Gesellschaft und Staat. ,,Die Zukunft hängt 
davon ab, daß in den Individuen die Funktion des Wider- 
standes, der Protest gegen das Unmenschliche, lebendig bleibt. 
Unruhe ist die erste Bürgerpflicht.'' (S. 236) 

Hammer, Walter HOHES HAUS IN HENKERS HAND 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
200 S., DM14,80. 

Der Leidensweg und Opfergang deutscher Parlamentarier der 
Weimarer Republik z^ir Hitler^eit. 

Hermelink, Heinrich DAS CHRISTENTUM 
IN DER MENSCHHEITSGESCHICHTE 
Band III, 1871—1914. 
Tübingen, Stuttgart: Rainer Wunderlich. 
683 S., DM39,—. 

,,fet:^t, da die Dämonen aus der Methodik der Kirchenge- 
Schichte verschwunden sind und nur die guten oder bösen 
Menschen, die Gläubigen und Ungläubigen wider einander 
stehen und handeln, mag es ivohl geschehen, daß den Betrachter 
Abscheu oder heilige Entrüstung überkommt ob all dessen, was 
im Namen Gottes in seiner Kirche gesündigt und in verstockter 
Verblendung vertan ivorden ist.'' Es sei darum ein um so 
stärkeres Ringen um echten christlichen Glauben und Wahrheit 
notwendig. 

Heuss, Theodor EIN VERMÄCHTNIS Werk und Erbe 
von 1848. Neue und erweiterte Auflage. 
Stuttgart: Curt E. Schwab. 256 S., DM 14,80. 
Der Sinn dieser Schrift ist nicht nur, den Leser mit dem 
Werk der Paulskirche 1848149 bekannt v^u machen, sondern 
darüber hinaus ihn „^n den überkommenen und überdauernden 
deutschen und europäischen Grundproblemen hinzuführen, die 
aus der 48er'Bewegung heraus- und in sie hineingeivirkt 
haben." 

Hirshler, Eric E. (Herausgeber) JEWS FROM 
GERMANY IN THE UNITED STATES 
New York: Farrar, Straus und Cudahy. 182 S., $ 3, — . 
Die Emigration der fuden aus Deutschland nach den USA 
seit 1702. 

THE JEWISH CATASTROPHE : TEN YEARS AFTER 
New York: Institute of Jewish Affairs. 44 S., $0,50. 
Dokumente und Augen^eugenberichte über die Konzentrations- 
lager. 



> 



Kersten, Kurt DIE DEUTSCHE REVOLUTION 1848/49 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt 
386 S., DM 14,80 

Eine umfassende Darstellung über den ersten Versuch einer de- 
mokratischen Umgestaltung Deutschlands. Das Werk ist als 
Beispiel gemeint, die Lebenden davor ^^ bewahren, die Fehler 
der Vergangenheit z^ wiederholen. 

Kisch, Guido r.^^^ k^ 

FORSCHUNGEN ZUR RECHTS- UND SOZIAL- 
GESCHICHTE DER JUDEN IN DEUTSCHLAND 
WÄHREND DES MITTELALTERS 
Stuttgart: Kohlhammer. 312 S., DM 29, — . 

Kisch, Guido HUMANISMUS UND JURISPRUDENZ 
Der Kampf zwischen mos italicus und mos gallicus an 
der Universität Basel. 
Basel: Helbing und Lichtenhahn. 176 S., DM 17,10. 

Poliakov, Leon DU CHRIST AUX JUIFS DE COUR 
Histoire de Tantisemitisme. 
Paris: Calman-Levy. 344 S., fr. 775. 
Der erste Band einer umfassenden Geschichte des Antisemitis- 
mus in der christlichen Welt, 

Poliakov, Leon und Wulf, fosef „,^^^, 

DAS DRITTE REICH UND DIE JUDEN 

Berlin: Arani. 472 S., DM 39,50. 

Aus den Dokumenten der geheimen Staatsarchive des „Dritten 
Reiches" . Die Untaten des Regimes werden von den Akteuren 
selber dargestellt durch ihre Berichte, Anordnungen, Befehle, 
VoHz^gsmeldungen und Bilder. 

^ ME^EUTSCHE AKADEMISCHE EMIGRATION 
NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN 1933-41 
Berlin und München: Duncker & Humblot. 
69 S., DM4,80. 

Ritter, Gerhard CARL GOERDELER UND DIE 
DEUTSCHE WIDERSTANDSBEWEGUNG 
Neuauflage 1955. 
Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt. 630S., DM 19,80. 

„Ritter hat alle Erinnerungen z}isammen verwerten und 
'quellenkritisch prüfen können ; er hat da^u neue Dokumente 
benutzt, neue Archivfunde gemacht, und er verbindet damit als 
langjähriger Bekannter Goerdelers die Kenntnis seiner Persön- 
lichkeit." Paul Sethe : Frankfurter Allgemeine Zeitung 

Rosenberg, Artur ENTSTEHUNG UND GESCHICHTE 
DER WEIMARER REPUBLIK 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
586 S., DM 19,50. 

Der Verfasser untersucht den Zusammenbruch der Demokra- 
tie in Deutschland. Er verfolgt insbesondere die Geschichte der 
politischen Parteien in ihrem Verhältnis zt* den herrschenden 
Gruppen. 



10 



11 



Rüssel of Liverpool^ Lord (Edtvard Frederkk Langby) 
GEISSEL DER MENSCHHEIT 
Berlin: Verlag Volk und Welt. 369 S., DM Ost 6,10. 
Eine faktische Darstellung der Verbrechen des nationalso:(ia- 
listischen Regimes von einem Berater des englischen Haupt^ 
kommandanten während der Nürnberger Prot^esse, 

Scholl, Inge DIE WEISSE ROSE 

Frankfurt: Fischer Bücherei. 155 S., DM 1,90. 
A.ufvieichnungen aus der jugendlichen Widerstandsbewegung in 
München, 

SOCIOLOGICA Aufsätze, Max Horkheimer zum 60. Ge- 
burtstag gewidmet. Frankfurter Beiträge zur Soziologie. 
Bandl. Im Auftrage des Instituts für Sozialforschung. 
(Herausgeber Theodor W. Adorno und Walter Dirks) 
Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
470 S., DM 25,—. 

Ein Querschnitt durch die Tendenzen und Interessengebiete der 
modernen So^^iologie sowohl in Deutschland wie im Ausland, 
Unter den Mitarbeitern finden sich u. a. : Raymond Aron^ 
Bruno Bettelheim, Arnold Hauser, Franco Lombardi, Nevitt 
Sanford, Paul Tillich, Otto Kirchheimer . 

Schrey, H. H. : DIE GENERATION DER ENT- 
SCHEIDUNG Staat und Kirche in Europa und im 
europäischen Rußland 1918 — 1953. 
336 S., DM11,80. 

Schwab, Hermann MEMORIES OF FRANKFORT 
London: Jewish Post Publications. 31 S., sh 1/6. 
Erinnerungen an die orthodoxe jüdische Gemeinde in der 
Schüt^enstraße, Frankfurt am Main. 

Sternberger, Dolf „PANORAMA" 

oder Ansichten vom 19. Jahrhundert. 
Hamburg: Ciaassen. 240 S., DM 14,80. 
Ein Querschnitt durch die Geschichte, 

Truman MEMOIREN 
Bandl „Das Jahr der Entscheidung" (1945). 
Stuttgart: Scherz & Goverts. 615 S., DM25, — . 

Whceler-Bennett,fohn W, DIE NEMESIS DER MACHT 
Düsseldorf: Droste. 831 S., DM25,50. 
Die deutsche Armee in der Politik 1918 — 1945. 



Israel 



Bamm, Peter 

FRÜHE STÄTTEN DER CHRISTENHEIT 

München: Kösel. 374 S., DM 14,80. 

Perspektiven aus der Archäologie, Geschichte und Bibel, 

Eisenstadt, S. N. 

THE ABSORPTION OF IMMIGRANTS 

New York: Free Press. 275 S., $ 6,—. 

Eine Studie der israelischen Gesellschaft von ihren Anfängen 

bis v^um englischen Mandat, 




fellinek, Johannes 

EINE HANDVOLL OLIVEN AUS ISRAEL 
Stuttgart: Quell -Verlag. 174 S., DM6,80. 
Ein Reisebericht : Begegnungen mit israelischen Menschen. Die 
Frage nach Gott, altjüdischer Glaube, radikaler Atheismus 
und Christentum nebeneinander werden erläutert. 

Lüth, Erich EIN DEUTSCHER SIEHT ISRAEL 1955 
Hamburg: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusam- 
menarbeit in Hamburg. 103 S., DM 2,70. 
Eine Sammlung von Zeitungsartikeln und Rundfunkberichten 
über des Verfassers :<^weite Reise nach Israel. Enthält Auf- 
i^eichnungen über die innen- und außenpolitischen Verhältnisse, 
deutsch-israelische Beziehungen, über den wirtschaftlichen 
Fortschritt und die geistige Entwicklung. 

Maas, Hermann . . . UND WILL RACHELS KINDER 
WIEDER BRINGEN IN DAS LAND 
Reiseeindrücke aus dem heutigen Israel. 
Heilbronn: Eugen Salzer. 220 S., DM9,80. 
„Hermann Alaas hat das doppelte Auge des gläubigen Rea- 
lismus : Er sieht die Reich-Gottes-Geschichte gleich:^eitig ?nit 
der von Menschen gemachten Geschichte.'"'' Heinz Kappes 

PALÄSTINA Bilder einer Reise. 
(Herausgeber Focko Lüpsen.) 

Witten und Berlin: Eckart -Verlag. 136 S., DM 18,60. 
„Das Nebeneinander von Geschichte und Gegenwart, iv eiche s 
kennt^eichnend ist für das moderne Palästina, wurde ausge- 
:(eichnet in einem Bildwerk von Focko Lüpsen eingefangen. 
Neben hervorragenden Aufnahmen aus dem Alltag von heute 
stehen Bilder der berühmten biblischen Stätten.^*" 

Die Welt, Hamburg 

Rackmann, Emanuel 
ISRAELIS EMERGING CONSTITUTION. 1948—51 
New York: Columbia. 196 S., % 3, — . 
Das Grundrecht des neuen Staates mit einer Darstellung der 
verschiedenen Anschauungen der politischen Parteien^ des Ver^ 
hältnisses abwischen fuden und Arabern, 

Erziehung 

und Qruppenverständigung 

Benedict, Ruth URFORMEN DER KULTUR 
Hamburg: Rowohlt. 228 S., DM 1,90. 
Kulturbetrachtung der amerikanischen Anthropologin, die v^u 
der Erkenntnis führt, daß die Anfänge gesellschaftlichen, 
kulturellen Lebens nicht aus den biologischen Gegebenheiten 
des Menschen erklärt werden können^ sondern daß Kultur eine 
geistige Willensleistung ist. 

Decker, Günter DAS SELBSTBESTIMMUNGSRECHT 

DER NATIONEN 

Göttingen: Verlag Otto Schwarz & Co. 

450 S., DM14,80. 

Eine sorgfältig dokumentierte und umfassende Arbeit, die hei 

den internationalen Friedensbestrebungen als Nachschlagewerk 

dienen kann. 



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13 



Eheling, Hermann KENNST DU DEINE RECHTE? 
Menschenrecht und Brüderlichkeit. 

Bad Nauheim: Christian- Verlag. 184 S., DM 2,85. 

Aus dem Inhalt : Freiheit und Sicherheit — Der Kampf 
gegen die Sklaverei — Europäische Kommission für Men- 
schenrechte u. a. 

Foerster, Friedrich W. SCHULE UND CHARAKTER 
Recklinghausen: Paulus. 452 S., DM 13,80. 

GRUPPENEXPERIMENT 

Ein Studienbericht, bearbeitet von Friedrich Pollock. 
Frankfurter Beiträge zur Soziologie, Band IL Im Auf- 
trage des Instituts für Sozialforschung. (Herausgeber 
Theodor W. Adorno und Walter Dirks) 

Frankfurt: Europäische Verlagsanstalt. 
559 S., DM25,—. 

Eine Untersuchung über Meinungen^ Einstellungen und Ver- 
haltensweisen der Bevölkerung der Bundesrepublik ViU wesent- 
lichen gesellschaftlichen und politischen Fragen^ über die Schuld 
an dem, was im Dritten Reich geschehen ist, über die Demokra- 
tie, über die Konzentrationslager, über die Vernichtung der 
fuden u. a. 

Jacobsen, Walter LAUTER VORURTEILE 

Bonn : Bundeszentrale für Heimatdienst Schriftenreihe, 
Heft 18, 19 S. 

Kaufmann, Herbert 

ROTE STRASSEN — SCHWARZE MENSCHEN 

München: Nymphenburger Verlagshandlung. 
160 S., 68 Fotos, DM14,80. 

Nicht nur ein Reisebericht. Auch eine Auseinandersef:(ung 
mit den gesellschaftlichen Problemen Afrikas. 

von Koerber, Lenka VERIRRTE JUGEND 

Hamburg: Rowohlt. 266 S., DM 6,80. 

Die Verfasserin, die bis 1933 als Schöffin und danach freiwillig 
als Helferin in Gefängnisanstalten tätig war, beschäftigt sich 
hier mit den Fragen der Bestrafung, sittlichen Umstellung, 
also der Gefangenen- und Entlassungsfürsorge von straffällig 
gewordenen fugendlichen. 

Monsheimer, Otto 
DREI GENERATIONEN BERUFSSCHULARBEIT 

Weinheim an der Bergstraße: Verlag Julius Beltz. 
487 S., DM24,—. 

Dieser erste Band eines Werkes über das Berufsschulwesen in 
der Bundesrepublik befaßt sich mit der Arbeit an gewerb- 
lichen Berufsschulen. Er gibt in erster Linie Fachleuten 
manchen Fingerzeig, aber auch interessierten Nichtfachleuten 
wertvolle Einblicke in die Unterrichtswege der gegenwärtigen 
„berufsbegleitenden Schulen^\ Interessant sind Lehrbeispiele 
aus politischem und kulturkundlichem Unterricht in ihrem Be- 
mühen, zjir Ablehnung des Nationalsozialismus und zjtr Be- 
tonung der Toleranz Kl^ erziehen. 



4. 



^t 



9U 



Müller-Claudius, Michael 

DEUTSCHE UND JÜDISCHE TRAGIK 
Frankfurt: Josef Knecht. 184 S., DM4,60. 

Ein geschichtlicher, auf die Quellen der jeweiligen Zeit be- 
gründeter Überblick über das Verhältnis :^»'/xf/'^« Deutschen 
und fuden seit der Zeit des frühen Frankenreiches. Der Ver- 
fasser weist die verhängsnisvoll-entscheidende Rolle nach, die der 
Antisemitismus im Nationalsozialismus spielte und in 
welchem Ausmaß die Katastrophe des deutschen Volkes auf 
ihn :^//r//f^:^///////r^;/ ist. 



RASSENFRAGE — HEUTE Herausgeber Deutscher 
Koordinierungsrat, Frankfurt, und Gesellschaft für 
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, München. 

München: Süddeutscher Verlag. 93 S., DM 3,80. 

Biologen, Anthropologen und Pädagogen diskutieren das Pro- 
blem der Gruppenvorurteile . Eine Auseinandersetzung mit 
dem nationalsozialistischen Rassebegriff . Eine ivissenschaftlich 
fundierte und für die Schule brauchbare Neuorientierung. 

Strohal, Richard AUTORITÄT 

Freiburg- Wien : Verlag Herder. 168 S., DM 8,80. 

Schon der Untertitel „Eine psychologisch-pädagogische Dar- 
stellung''*' besagt, daß es sich hier um ein Fachbuch für Studen- 
ten der Pädagogik und für Lehrer handelt. Des Verfassers 
Ziel ist die „Erziehung einer Persönlichkeit, die sich einer 
höchsten Autorität verantwortlich iveiß und darum frei ist 
gegenüber den dieser höchsten Autorität fremden Mächten'''' . 

von Weizsäcker, Viktor MENSCHENFÜHRUNG, 
NACH IHREN BIOLOGISCHEN UND META- 
PHYSISCHEN GRUNDLAGEN BETRACHTET 

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 
84 S., DM2,40. 

Ein wegweisendes Buch für Eltern, Lehrer, Psychologen und 
Seelsorger. 



Lebensbilder und Erinnerungen 

Beckmann, Max TAGEBÜCHER 1940—1950 

München: Albert Langen/Georg Müller. 
432 S., DM24,80. 

,Jn diesem Tagebuch, das so viel Qual und Fluch der Schöpfung, 
überanstrengte Körperlichkeit, gepeinigte Seele, Rausch der 
Empfindungen einschließt, das in dem unaufhaltsamen Stakkato 
von Worten im Telegrammstil Seiten um Seiten hämmert, wird 
aus seinem letzten Grund wunderbare, stille, beharrliche Zart- 
heit vernehmlich.'''' Die Gegenwart 

Bernauer, Rudolf DAS THEATER MEINES LEBENS 
Berlin: Blanvalct Verlag. 444 S., DM 16,80. 
Nachgelassene Erinnerungen des Berliner Theaterdirektors und 
Regisseurs, Kabarett- und Filmautors und Operettenlibret- 
ti st en. 



14 



15 



Bott^ Hans und Leins^ Hermann (Herausgeber) 
BEGEGNUNGEN MIT THEODOR HEUSS 
Tübingen: Rainer Wunderlich. 491 S., DM 14,80. 
Persönliche Zeugnisse^ die über das Leben, Wirken und die 
Leistung des Bundespräsidenten berichten. Eine ^^Mahnung 
an die Würde des Menschen, an seine Verantwortung gegenüber 
den geschichtlichen Werten und an die Aufgaben, die die Ge- 
genwart an uns für die Zukunft stellt.*''' 

Bullock, Alan HITLER Eine Studie über die Tyrannei. 
Düsseldorf: Droste. 840 S., DM23,80. 

Epting, Karl 

DER GEISTLICHE WEG DER SIMONE WEIL 

Stuttgart: Friedrich Vorwerk. 102 S., DM 5,80. 

Ein Einblick in das Denken und Glauben der Mystiker in. 

Frank, Anne TAGEBUCH 

Frankfurt: Fischer-Bücherei. 231 S., DM 1,90. 
Die Atf^eichnungen eines 1 5jährigen jüdischen Mädchens aus 
der Zeit der Verfolgung. Ihre Liebe, ihre Freude am Leben^ 
der Kampf gegen die drohende Vernichtung. 

Gide, Andre TAGEBUCH 1889—1939 
Stuttgart: Deutsche Verlags- Anstalt. 
Band I 1889—1913. 503 S., DM 14,80. 
Band II 1914—1923. 503 S., DM 15,80. 
Band III 1924—1939. 672 S., DM 24,80. 

Gollanc^, Victor AUF DIESER ERDE 
Gütersloh: C. Bertelsmann. 479 S., DM 14,80. 

Lehensgeschichte des Philanthropen und Verlegers, :(weiter 
Band : „Ich ivill Hoffnungen und Sehnsüchte, Ängste und Be- 
trübnisse dem Durchschnittsmenschen ins Licht seines Bewußt- 
seins rücken und ihm helfen, v:ielbewußt seine Rolle bei der 
Rettung der Welt :^« spielen, die einem jeden von uns :(ugedacht 
ist:' 

Grosny Georg 
EIN KLEINES JA UND EIN GROSSES NEIN 
Hamburg: Rowohlt. 290 S., DM 16,80. 
Selbsterzähltes Leben des Künstlers, der in den r^wanajger 
Jahren den Militarismus, Kapitalismus und die Bourgeoisie 
angeklagt, der Deutschlands Irrweg vorausgesagt hat. 

Heuss, Theodor HANS POELZIG 

Lebensbild eines Baumeisters. Neuauflage. 
Tübingen: Rainer Wunderlich. 163 S., DM 12,80. 

Keller, Helen GESCHICHTE MEINES LEBENS 
Stuttgart: Alfred Scherz. 240 S., DM 12,50. 
Das Leben der blinden und taubstummen Frau, das Beispiel 
innerer Stärke und unverwüstlicher Zuversicht ist. 

Kolh, Annette BLÄTTER IN DEN WIND 
Frankfurt: S. Fischer. 274 S., DM 13,80. 
In loser Folge : Kindheitserinnerungen, Porträts bedeutender 
Zeitgenossen, Reiseeindrücke, Gedanken i^u Problemen der Ge- 
genwart. 



^ 



^ 



Lion, Ferdinand THOMAS MANN Leben und Werk. 
Erweiterte Ausgabe. 
Zürich: Europa. 217 S., DM 12,50. 

Lowrie, Walter 

DAS LEBEN SÖREN KIERKEGAARDS 
Düsseldorf: Eugen Diederichs. 239 S., DM 13,80. 
Das Leben des dänischen Philosophen-Theologen. 

Marx, Hugo DIE FLUCHT Jüdisches Schicksal 1940. 
Düsseldorf: Verlag Allgemeine Wochenzeitung der 
Juden in Deutschland. 194 S., DM 5,50. 

Perrin, Henri TAGEBUCH 
EINES ARBEITERPRIESTERS 1943/44 
München und Kempten: Kösel- Verlag. 
352 S., DM 13,50. 

Aus den Jahren seiner Gefangenschaft in deutschen Arbeits- 
lagern und Gefängnissen. Zeugnisse echter Liebe und Brüder- 
lichkeit. 

Seaver, George ALBERT SCHWEITZER 

ALS MENSCH UND DENKER Mit 17 Bildtafeln. 
Göttingen: Deuerlichsche Verlagsbuchhandlung. 
393 S., DM 17,50. 

Die siebente Auflage einer Übersetzung aus dem Englischen. 
Eine Biographie, die dieser vielleicht größten Persönlichkeit 
unseres fahrhunderts als Menschenfreund, Friedensstifter, 
Denker, Theologe, Mediziner und Musiker gerecht z}* werden 
versucht, vor allem seine ethische Sendung in dieser lichtarmen 
Geschichte. 

Schweitzer, Albert 

BRIEFE AUS LAMBARENE \^lAr-Y)Tl 

München: C. H. Beck. 195 S., DM 7,—. 
Der Arzt-Missionar erzählt von seiner Wirksamkeit unter 
den Negern. Wir erfahren von den Krankheiten in Afrika, 
von medizinischen Behandlungen und von den großen Schwierig- 
keiten, mit denen Schweitzer als Arzt md Mensch z^ 
kämpfen hat. 

SieinberQ, Werner _ 

DER TAG IST IN DIE NACHT VERLIEBT 

Stuttgart: Verlag Deutsche Volksbücher. 

444 S., DM 12,80. 

Ein Lebensroman über Heinrich Heine, worin der Verfasser 

sich nicht nur auf die Quellen stützt, sondern sich auch in die 

Gestalt des Dichters hineingelebt hat. 

Vallentin, Antonia DAS DRAMA ALBERT EINSTEINS 
Stuttgart: HansE. Günther Verlag. 
286 S., DM13,80. 

Nicht nur die wissenschaftlichen Arbeiten, auch die ethische 
Größe Einsteins werden hier hervorgehoben. 

Walter, Bruno VOM MOZART DER ZAUBERFLÖTE 
Frankfurt: S. Fischer. 24 S., DM 5,80. 
Mozart, der Aufgeklärte und Tolerante. 



16 



17 



i 



DIE WELT ALBERT SCHWEITZERS 

Ein Fotobuch von Erica Anderson. 
Frankfurt: S. Fischer. 136 S., DM 24,80. 

Vorspruch und Bilderläuterung von Eugen Exman. ,,Ein 
Tag bei Albert Scbweitt^er'' von Stefan Zweig. 

Wiechert, Ernst JAHRE UND ZEITEN 
Wien-München-Basel: Kurt Desch. 488 S., DM 16,80. 
Ein von Tragik erfülltes selbstbiographisches Bekenntnis z^ir 
Menschlichkeit und Menschheit, die höher stehen als das 
Vaterland. 

Zmig Stefan BEGEGNUNGEN MIT MENSCHEN, 
BÜCHERN UND STÄDTEN 
Frankfurt: S. Fischer. 452 S., DM 19,50. 
Aus dem Inhalt : Rilke — Rodin — Toscanini — Gorki — 
Albert Schweitzer — Mahler — Bruno Walter — Dante — 
Coethe — Bal^^ac — New York — Salzburg — Brasilien. 



Episches und Künste 



Adler, Hermann VATER . . . VERGIB ! 
Gedichte aus dem Getto. 
Auswahl und Nachwort von Karl Thieme. 
Bad Nauheim: Christian- Verlag. 46 S., DM3,90. 
Eine Auswahl der Werke des Dichters, der die Vernichtung 
der fuden im Getto von Wilna und ihren Todeskampf in 
Warschau mitgemacht hat. 

Asch, Schalom REISE DURCH DIE NACHT 
Konstanz und Stuttgart: Diana- Verlag. 
406 S., DM16,80. 

Ein Roman über die Sühne des an Gewissenskonflikten 
leidenden Menschen. Ein Mensch, der durch den Glauben 
seiner Väter neue Kraft fand und über die quälende Vergangen- 
heit sich erhebt. 

Baermann-Steiner, Fran^ UNRUHE OHNE UHR 
Ausgewählte Gedichte aus dem Nachlaß. 
Heidelberg: Verlag Lambert Schneider. 
113 S., DM5,25. 

Barlach, Ernst TASCHENBUCHZEICHNUNGEN 
Wiesbaden: Insel Verlag. 36 Bildtafeln, DM2,50. 

Ben-gavriel, M. Y. DAS ANSTÖSSIGE LEBEN 
DES GROSSEN OSMAN 
Berlin: Ullstein. 244 S., DM 9,80. 
Ein herzerfrischender Schelmenroman, der in den Straßen und 
Plätzen der Hafenstadt faffa spielt. 

Böll, Heinrich DAS BROT DER FRÜHEN JAHRE 
Köln: Kiepenheuer & Witsch. 142 S., DM9,50. 
Eine Liebesgeschichte aus dem Alltag der Gegenwart. Ein 
Mensch, der in frühen Jahren durch Hunger und Leid Nihilist 
wurde, wird in der Liebe verwandelt. 



18 



l, 



' 



\ 



Borchert, Wolfgang DAS GESAMTWERK 
Hamburg: Rowohlt. 420 S., DM 14,80. 
Der frühverstorbene Schriftsteller „hat das Auge eines Dich- 
ters die Sprache eines Dichters, große Ehrlichkeit, und vor 
allem er spricht nicht für sich allein, sondern für Millionen 
seinesgleichen'' . Times Literary Supplement 

Birkenfeld, Günther WOLKE, ORKAN UND STAUB 
Darmstadt: Franz Schneekluth. 374 S., DM 13,50. 
Der Roman überblickt die letzten z^'an^ig Jähre, politische 
und menschliche Spannungen in Deutschland, den Einbruch des 
Bösen in die Be:<Jrke des Humanen. 

Brod, Max ARMER CICERO 

Berlin: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung. 
298 S., DM9,80. 

Ein überzeugendes Charakterbild, ein dramatisch gesehenes 
'stück Geschichte, ein philosophischer Roman, wie die meisten 
Werke Max Brods mit überlegener Ironie und wissender 
Heiterkeit erzählt.'' Frankfurter AUgememe Zeitung 

DIE SCHÖNSTEN ERZÄHLUNGEN DER WELT 
Mit einem Vorwort von Thomas Mann. 
München: Kurt Desch. 850 S., DM 19,80. 
Von Ägypten bis ^tir Neuheit. 

Faulkner, William LICHT IM AUGUST 
Hamburg: Rowohlt. 366 S., DM 6,80. 

Der verzweifelte Lebensweg eines Negers in den Südstaaten 
Amerikas, eines Ausgestoßenen. Kritik an einer Gesellschaft, 
die den Menschen wegen seiner Herkunft peinigt. 

Feuchtwanger, Lion SPANISCHE BALLADE 
Hamburg: Rowohlt. 492 S., DM 14,80. 
Der tragische Liebesroman der „füdin von Toledo'\ 

Frisch, Max DIE CHINESISCHE MAUER Eine Farce. 
Frankfurt: Suhrkamp. 154S., DM6,— . 

Goes Albrecht ERFÜLLTER AUGENBLICK 
Frankfurt: S. Fischer. 216 S., DM 4,80. 
Eine Auswahl aus den Werken des Dichters. 

Heine, Heinrich DIE HARZREISE 
Stuttgart: Reclam. 96 S., DM 1,30. 

Heiander, Gunnar NUR FÜR WEISSE 
Gütersloh: Rufer. 224 S., DM 8,80. 

//.r;...., C..r, JETTCHEN GEBERT 

Köln: Kiepenheuer & Witsch. 464 S., DM 10,80. 
Erzählung über eine Berliner jüdische Familie, schon vor einem 
halben Jahrhundert ein „Bestseller . 



19 



/ 



Hoffmann, Ruth 

MEINE FREUNDE AUS DAVIDS GESCHLECHT 

Berlin: Lettner Verlag. 284 S., DM 10,40. 

Eine deutsche Schriftstellerin greift den Komplex des Anti- 
semitismus an, Vergangenheit und privatgeschichtliche Realität 
werden heraufbeschworen. 

facohi, Hugo GEDICHTE 

Köln und Berlin: Kiepenheuer & Witsch. 
74 S., DM 5,80. 

Gedichte, die menschliche Dokumente sind. 

Kafka, Franz BESCHREIBUNG EINES KAMPFES 
Frankfurt: S. Fischer. 360 S., DM 15,80. 
Novellen, Ski^^ßn, Aphorismen. 

Kerr, Alfred GEDICHTE 

Köln: Kiepenheuer & Witsch. 128 S., DM6,80. 

Eine Auswahl der Gedichte des Kritikers, der Deutschland 
1933 verlassen mußte. 

Kühn, Ulrich ESTHER 

Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses. 
64 S., DM2,40. 

Die Geschichte eines jungen Mädchens aus Simferopol (Krim) , 
die für die Tragik des ganzen jüdischen Volkes steht. Der Ver- 
fasser weist darauf hin, daß wir ivieder den Menschen sehen 
müssen, gleichgültig, welchem Volk er angehört. 

Lager löf, Selma JERUSALEM 

Teill: In Dalarna. Teil II: Im Heiligen Land. 

München: Nymphenburger Verlagshandlung. 
520 S., DM12,80. 

Lampe, Friedo DAS GESAMTWERK 

Hamburg: Rowohlt. 332 S., DM 14,80. 

Die Werke des jungen Dichters, der im Dritten Reich der 
Wahrheit treu blieb und am Kriegsende durch einen fürchter- 
lichen Zufall ums Leben kam. 

Laxness, Halldör Kiljan ATOMSTATION 

Hamburg: Rowohlt. 156 S., DM 1,50. 

Eines der jüngsten Werke des isländischen Nobelpreisträgers . 
Seine Heldin Ugla sucht angesichts des Endes der primitiven 
Bauernkultur, des anbrechenden Atom^eitalters, des ameri- 
kanischen Lebensstils eine neue Ordnung. 

Laxness, Halldör Kiljan ISLANDGLOCKE 

Frankfurt: Suhrkamp. 466 S., DM 6,20. 

Der Dichter „strahlt . . . im Gesamtwerk die Ahnung der 
Schönheit und jene volle und dauernde Kraft der Wahrheit aus, 
die ihm stets das Nötigste war, und hob sich selber in die 
Dichtung der Menschheit, indem er das neue und nun gültige 
Bild seines Volkes schuf und damit z}tgleich einen Spiegel der 
Dinge, die uns alle angehen. . ." Frankfurter Rundschau 



20 



Mathi, Maria 
WENN NUR DER SPERBER NICHT KOMMT! 
Gütersloh: C. Bertelsmann. 303 S., DM 10,80. 

Die Leidensgeschichte der jüdischen Familien einer hessischen 
Kleinstadt. „Daß es Maria Mathi gelungen ist, die Form und 
die Sprache für ein so unsagbar grauenvolles Geschehen ^// 
finden, diesen Stoff aus Herzblut und Todesangst künstlerisch 
ZU bewältigen : dafür schulden ihr alle, die sich gelobten, Ausch- 
witz^ Bergen-Belsen und Hadamar niemals z^ vergessen, weil 
man, z^ir Versöhnlichkeit aufgerufen, vor Vergeßlichkeit sich 

hüten muß, unendlichen Dank.'''' 

Frankfurter Neue Presse 

Miller, Arthur BRENNPUNKT 

Hamburg: Rowohlt. 180 S., DM 1,50. 
Am Schicksal eines amerikanischen Durchschnittsmenschen 
wird das Problem des Rassenhasses in der Form des Anti- 
semitismus und der Massenhysterie, die nach einem Sündenbock 
verlangt, ad absurdum geführt. 

van der Post, Laurens TRENNENDE SCHATTEN 
Berlin: Verlag KarlHcnssel. 98 S., DM4,50. 
Der Haß :^»m/j^« Völkern, z^l^f^hen Quälern und Ge- 
quälten soll überwunden w'erden. 

Proust, Marcel AUF DER SUCHE 
NACH DER VERLORENEN ZEIT 
Frankfurt: Suhrkamp. 

Band 3 : 867 S., DM 24,—. „Die Welt der Guermantcs". 
Band 4: 808 S., DM 24,—. „Sodom und Gomorra". 

Proust, Marcel TAGE DER FREUDEN 
Berlin: Ullstein. 200 S., DM 7,80. 
Der Erstling des Schriftstellers. Er schildert das Leben der 
Pariser Gesellschaft Ende des vorigen fahrhunderts. 

Rinser, Luise DER SÜNDENBOCK 
Frankfurt: S. Fischer. 202 S., DM 9,80. 
Ein Roman über das Böse, das, einmal in die Welt gesetzt, 
wächst und immer weitere Kreise zl^ht. Die Schuld fällt auf 
einen, irgendeinen, den „Sündenbock'. 

ROTER MOND /WEISSES WILD Lieder der Indianer 
Heidelberg: Rothe. 38 S., DM 5,80. 

Rüber, fohannes BLEIBE MEINE WELT 

München: Albert Langen und Georg Müller. 

328 S., DM 12,80. 

Eine junge jüdische Frau findet hei einem dänischen Pfarrer 

Zuflucht und wird von ihm vor den Nationalsozialisten gerettet. 

Die Schrecken der Verfolgung, der Verlassenheit und der 

inneren Einsamkeit überwindet sie durch einen immer tiefer 

werdenden Glauben an Gott. 

Sartre, fean Paul DIE MAUER 

München: Albert Langen und Georg Müller. 
58 S., DM 3,80. 



21 



Schiller GESAMMELTE WERKE 5 Bände. 
Gütersloh: C. Bertelsmann. 
Etwa 600 S., 2u DM 6,85 je Band. 

Schmidt, Georg ZEHN FARBENLICHTDRUCKE 
NACH GOUACHEN VON MARC CHAGALL 
Basel: Holbein. 13 S., 10 Tafeln, DM 120,—. 

Seidel, Ina DAS UNVERWESLICHE ERBE 
Stuttgart: Deutsche Verlags- Anstalt. 
418 S., DM 13,60. 

Senghor, Leopold Sedar TAM-TAM SCHWARZ 
Gesänge vom Senegal. 

Ausgewählt und übertragen von Jan Heinz Jahn. 
Heidelberg: Wolfgang Rothe. 64 S., DM 7,80. 

Sperber, Manes DIE VERLORENE BUCHT 
Köln und Berlin: Kiepenheuer & Witsch. 
351 S., DM 14,80. 

,,Manes Sperber läßt die Überlebenden seines Romans eine 
Antwort auf ihr Scheitern suchen, worin endlich das über- 
wunden wird, weis man den heroischen Nihilismus der Moderne 
genannt hat. Sein Roman ist eines jener Bücher, die dem 
heutigen Menschen helfen, sich selbst r^u finden und seinen 
Standort in einem größeren Horizont abzumessen.'' 

Neue Zürcher Zeitung 

SPIRITUALS Geistliche Negerlieder. 

(Herausgeber Ernst Berendt u . Paridam v . d . Knesebeck .) 

München: Nymphenburger Verlagshandlunff. 
88 S., DM 9,80. ^ & ö 

Von tiefer Erregung und Gläubigkeit t^eugende geistliche Ge- 
sänge der amerikanischen Neger. Mit deutscher Übersett^ung, 
Melodie und Baßbe:(ifferung. 

Stephan, Hanna ESTHER Ein biblisches Spiel von den 
Konigen und von der Reinheit des Herzens. 
München: Chr. Kaiser. 48 S., DM 1,40. 

Tau, Max DENN ÜBER UNS IST DER HIMMEL 
Hamburg: Hoffmann und Campe. 316 S., DM 14,80. 
Der Verfasser : Vor Hitler nach Norwegen geflohen, nun 
dort beheimatet, Träger des ersten Friedenspreises des deut- 
schen Buchhandels (1950). Sein nun deutsch erschienener 
Koman .• eine schlichte und doch erregende Zeitgeschichte aus 
eigenem inneren und äußeren Erleben, getragen von einer vor- 
urteilslosen Liebe und von dem Gedanken der Völkerversöhnung 
und des Friedens. Und von besonderem Reiz für jene, ^'^ ^^'^ 
deutsch-tschechischen Grenzratm kennen oder doch für ihn sich 
interessieren. 

Tutuola, Arnos DER PALMWEINTRINKER 
Ein modernes Märchen von der Goldküste. 
Heidelberg: Wolfgang Rothe. 124 S., DM9,80. 

Werfel, Fran^ ERZÄHLUNGEN AUS ZWEI WELTEN 
Frankfurt: S. Fischer. 1. Band: 297 S., DM 9,50. 
2. Band: 400S., DM 18,80. 3. Band: 472S., DM 21,50. 



22 



i 



Zuckmayer, Carl DAS KALTE LICHT 

Frankfurt: S. Fischer. 164 S., DM 7,80. 

Ein Schauspiel, in dem ein Mensch sich gegen die Zß^störerische 
Gewalt der Atombombenforschung einset:(t und :(um Verrat 
verleitet wird. 



]ugendhüche\ 



Fallada, Hans HOPPELPOPPEL, WO BIST DU ? 
Kindergeschichten . 

Stuttgart: Reclam. 77 S., DM 1,30. 

Für ältere Jugendliche und Erwachsene. 

DIE GROSSEN DER WELT 

Würzburg: Arena Verlag. 432 S., DM 16,80. 

90 Biographien großer Männer. Viel lexikalisches Material, 
lebendig und spannend dargestellt. 

Gründer, Georg WOHIN GEHST DU? 
Bielefeld: Ludwig Bechauf. 184 S., DM 12,50. 
Eine Auswahl ^zeitgenössischer Erzählungen, Märchen und 
Lyrik. 

Schaper, Eduard DAS CHRISTKIND ^ 
AUS DEN GROSSEN WÄLDERN 

Erzählung mit Zeichnungen von Richard Seewald. 
Köln und Ölten: Jakob Hegner. 101 S., DM 5,80. 

Eine Weihnachtserv^ählung für Erwachsene und Kinder. 

Tet^ner, Lisa DIE SCHWARZE NUSS 

Düsseldorf: Eugen Diederichs. 192 S., DM 4,80. 

Ein Buch für Erwachsene, die das Lesen von Märchen als 
Studium betreiben, und für Kinder, denen nicht nur die Hand- 
lung, sondern auch die Tatsache bewußt wird, daß es sich hier 
um Märchen aus fernen Erdteilen, von Indianern, Negern und 
Insulanern, handelt, also für Kinder, die schon fähig sind v^u 
vergleichen und i(tt entdecken, daß unabhängig von Rasse und 
scheinbarer Kulturhöhe in den Märchen der Völker verwandte 
Züge auftreten. 

Worm, Piet DREI KLEINE PFERDE 
Köln: Kiepenheuer & Witsch. 40 S., DM8,50. 
Für Kinder ab 6 fahren, 

Ylla ZWEI KLEINE BÄREN 
Hamburg: Christian Wegner. 32 S., DM 7,80. 
Ein Fotobuch. 



23 



/ 



ANSCHRIFTEN 

DEUTSCHER KOORDINIERUNGSRAT 

der Gesellschaften 
für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit e.V. 
Generalsekretär Leopold GOLDSCHMIDT 
Frankfurt a.M., Junghofstraße 14, Tel. 9 1569 



Gesellschaften für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit 
befinden sich in: 



Augsburg 

Kilianstr. 6 

(V) Heinz l lagen 



Aurich/Ostfriesland 

Dwarsglupc 94 
(V) Erich Lestcr 



Berlin -Wilmersdorf 

Lauben hcimcrstr. 19, Tel. 836683 
(G) Heinrich Kcul 

Bonn 

Schloßstr. 17, Tel. 29213 
(G) Frau L. von Borckc 

Darm Stadt 

Frankfurter Str. 90 
(G) Frau E. Kunkel 

Frankfurt a. M. 

Hügclstr. 150, Tel. 26269 
(G) Frau M. L. Hecker 

Hamburg 36 

Kaiser- Wilhelm-Str. 85 II 
Zimmer 201, Tel. 348020 
(V) Erich Lüth 

Kassel 

Kunoldstr. 42, Tel. 2553 
{G) Dr. W. Hallwachs 

Dortmund 

(Münster-Dortmund) 

Vaerstr . 11 — Auslandsinstitut der Stadt 

Dortmund 

(G) Frau E. Rettberg 



Bielefeld 

Ludwig-Lepper-Str. 31, Tel. 3340 
(G) Frau I. Potratz 

Bremen 

Kohlhükcrstr. 63, Tel. 23165 
(V) Pastor Dr. A. Richter 

Düsseldorf 

Marienstr. 26/28, Tel. 19978 
(G) Frl. E. Cremers 

Freiburg i. Br. 

Werthmannphitz 4, Tel. 3811 
(V) Frl. Dr. G. Luckner 

Karlsruhe 

Belchenstr. 19, Tel. 32075 
(G) Pfarrer H. Kappes 

München 19 

Ysenburgstr. 9/0, Tel. 64089 
(G) Dr. Jos. Bnindlmeier 



Nürnberg 

Hinterm Bahnhof 20, Tel. 25025 
(V) Dr. Hans Heuer 



Offenbach a. M. 

Buchrain weg 17, Tel. 80351, App. 425 
(V) Frau A. Heikaus 

Stuttgart 

Marienstr. Ib, Tel. 96006 
(V) Dr. H. Kruse 



Regensburg 

Pfarrgasse 5/1 

(V) Dekan H. Greifenstein 



Wiesbaden 

Bahnhofstr. 371, Tel. 27734 



(G) Geschäftsführer (V) Geschäftsführendes Vorstandsmitglied. 



Druck : Druckerei der Frankfurter Neuen Presse 



Georg Hermann 
Jettchen Gebert 



vCtlM.b-V.1 •l^ VQr o4V. Vfo^.>Uv.,-.ev» 



464 Seiten 

Als vor einem halben Jahrhande 
jungen Berlinerin Jettchen Geb 
sagen über Nacht zu einem Best 
schwört der Verfasser das Bild 
Biedermeier, ebenso kenntnisre 
Gebert" ist gleichsam eine Abw 
die nicht zueinander kommen kö 
und Leidenschaft and einer mel 
literarisches wie als kulturge 
lesen zu werden verdient. 



1 



Leinen DM 10,80 



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rt die bittersüße Geschichte der 
ert erschien, wurde dieses Buch sozu- 
seller der damaligen Zeit. In ihm be- 
des Berlins von 1840, jener Zeit des 
ich wie einfühlend herauf, "Jettchen 
andlung des Themas von den Königskindern, 
nriQn - ein Buch von dramatischer Kraft 
ancholischen Innigkeit zugleich, das als 
Schicht liches Dokument immer wieder ge- 



Brian Stuart 



Abenteuer Wüste 



200 Seiten mit 24 Bildtafeln 



Leinen DM 9,80 



Mit offenen Augen durchreiste Stuart einen großen Teil der Sahara^ 
Er wollte das Land, seine Menschen, seine Geheimnisse kennenlernen. 
Entdeckergeist und Forscherdrang waren die Triebfedern seines Unter 
nehmens. Und mit dem trockenem Humor und der typischen Nüchternheit 
des Engländers beschrieb er, was er sah und erlebte. 



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Seite 4 



DIE FRAU 






vT , Nr. 09 



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NEUE BÜCHER 



Muscheln in meiner Hand 

Anne Morrow Lindbergh, die Frau des 
weltberühmten Ozeanfliegers, hat ein Buch 
geschrieben („Muscheln in meiner Hand"), 
in dem sie erstaunliche Dinge enthüllt: daß 
sie trotz Reichtum, trotz Berühmtheit im 
Grunde ein armer, von tausend Verpflich- 
tungen gehetzter Mensch ist, der sein Ich 
gleichsam verloren hat. Sie versucht, es 
wiederzufinden, und schreibt nieder — ganz 
schlicht und leicht verständlich — , was dazu 
nötig ist. Dabei kommt sie zu Erkenntnissen, 
die uralt sind — nur haben die meisten von 
uns sie schon wieder vergessen — : zum 
Beispiel, daß jeder Mensch manchmal allein 
•ein, in sich selbst hineinschauen muß, daß 
seine echtesten Kräfte jeder nur aus sich 
selbst herausholen kann und nicht von 
außen; oder: daß man andern nur dann etwas 
geben und sein kann, wenn man selbst 
etwas „ist" — - das heißt, ein in sich ge- 
schlossener, sich selbst vertrauender Mensch. 
Und: daß die meisten von uns diese innere 
Kraft brachliegen lassen, weil sie durch ihren 
Tag hetzen, getrieben von tausend Pflichten, 
von einem vielfachen äußeren Druck, und 
daß unser Zeitalter der Technik die Zer- 
mürbung unserer Nerven auf's äußerste vor- 
getrieben hat. Das Tempo der Maschine 
schreibt das Tempo unserer Arbeit vor — und 
wir kommen nicht mehr nach. Was uns zum 
Segen hätte werden können, ist uns vielfach 
zum Fluch geworden. Freilich: es gibt kein 
Zurück mehr und soll es auch nicht geben. 
Aber die Freiheit, die den Frauen durch ihre 
Emanzipation gegeben wurde, soll auch 
rtchtig t..?rützt werden. Manche Iie<;er innen 
"Werden vielleicht finden, das sei gar nicht 
leicht, über sie sollten doch versuchen, den 
«ißenen Verhältnissen angepaßt, daraus zu 
lernen; eine Stunde im leeren Park kann 
S^?ri"^''..*:Y?^°^^.^^^^ f^)^ als eine turbulente 




Sein Dichter, der Amerikaner Thomton 
Wilder, hat nicht viel geschrieben, aber 
was er schrieb, ist außerordentlich. Jeder 
kann es lesen, es ist ganz einfach geschrie- 
ben — man versteht es mit dem Herzen 
genau so gut wie mit dem Hirn. Die Bücher- 
gilde Gutenberg hat es nun in einer sehr 
schönen Ausgabe, mit Zeichnungen von Hans 
Fronius, herausgebracht. Es Ist das 
schönste Geschenk, das man einem lieben 
Menschen machen kann. Und jeder sollte 
dieses Buch lesen. 



F. M. 



Jettchen Gebert 



War das eine Freude! Wirklich, als ob man 
alte, liebe Freunde plötzlich wiedersähe. 
Dieses „Jettchen Gebert" hat vor ein paar 
Jahrzehnten die Menschen für sich gewonnen, 
wie selten ein Buch. Sein Verfasser, Georg 
Hermann, ist gleich allzu vielen anderen 
ein Opfer des Rassenwahns geworden. Und 
Jettchen Gebert wurde auf dem Scheiter- 
haufen der Kulturbarbarei verbrannt. Nun 
hat uns der Verlag Kiepenheuer & Witsch 
diesen Roman neu geschenkt, und dafür 
danken wir ihm aus ganzem Herzen. Dieses 
«tille. innige, woise Buch, das 1840 in Berlin 
spielt, al^o In der Zeit d6s deutschen Bieder- 
meiers, will mit Gefühl und mit Verstand 
gelesen werden. Seine ganz unheroischen 
Helden sind die Mitglieder einer begüterten 



Jüdischen Familie. Alle Charaktere sind in 
ihr vertreten: die Großstädter und die Pro- 
vinzler, die Verdiener und der behäbige 
Kartenspieler, die wohlbeleibte alte Frau und 
das bezaubernd schöne, kluge, menschlich 
hochstrebende Mädchen Jettchen mit seiner 
kaum geahnten, wie ein köstliches Geheimnis 
gehegten Zuneigung zu seinem Onkel Jason, 
dieser Personifikation des vergeistigten Men- 
schen seiner Zeit. Wenn wir etwas an dem 
Band auszusetzen haben, sind es die Zeich- 
nungen, die nur den Stil, aber nicht die Seele 
des Milieus treffen. Nun haben wir den 
Wunsch, es möge bald dieser Geschichte 
zweiter, trauriger Teil nachfolgen: „Henriette 
Jacobl." 






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J/\ISj W/\R Herausgegeben von der Afbeltsgemeinschoft der CVJW Deutschlands 



1956 



Mehr Kirchgänger — warum? 

Das bekannte Gallup-Institut 
fragte einen repiäsentativen 
(Querschnitt von Amerikanern; 
„Heute gehen mehr Leute zur 
Kirche als früher. Worauf füh- 
len Sie das zurück?" 30 Prozent 
nannten als Grund für die Zu- 
nahme „Furcht, Unruhe, Un- 
sic+ierheil der Zukunft", 19 Pro- 
zent nannten „erneuerten Glau- 
ben an Gott" als Grund. Einige 
meinten, die Entwicklung sei 
auf eine „bessere Publizität für 
die Programme der Kirchen" 
/.urüdczuführen, und andere 
wiesen auf den „Einfluß Eisen- 
howers" hin. 22 Prozent der 
(iefragten antworteten, sie 
wüßten den Grund nidit. 

Junge Mannschaft 

Betreuung statt Bewegung? 

Wir müssen es in aller Form 
zur Kenntnis nehmen, daß die 
Jugendarbeit den Charakter der 
Bewegung verloren hat. An 
deren Stelle ist die Jugendbe- 
treuung getreten; aus einer 
Aktion durch die Jugend, 
wurde eine Aktion für die Ju- 
gend. Die Zeit der alten Garde 
muß zu Ende gehen. Manche 
Verbände, wie zum Beispiel 
der Bund der Katholischen Ju- 
gend, scheinen aus dieser Er- 
kenntnis schon die entsprechen- 
den personellen Konsequenzen 
zu ziehen. Die bisherigen Ku- 
lissen und Gerüste werden 
wohl zwedcmäßigerweise noch 
etliche Zeit als Hilfestellung 
bestehen müssen, aber noch 
vyichtiger ist es, daß nun wirk- 
lich die neuen Gesichter an die 
Rampe treten. Nadi allen bis- 
herigen Erfahrungen ist aller- 
dings nicht damit zu rechnen, 
daß sie große revolutionäre 
Impulse mitbringen und neue 
schöpferische Konzeptionen pro- 
klamieren. Aber was sie sagen, 
wird vor allem ehrlidier sein, 
weil es wieder unmittelbar aus 
der Jugend selbst herauskommt. 

Junge Stimme 

Priester im Roman 

Die deutschen katholischen Bi- 
schöfe haben ein gemeinsames 
Hirtenwort zur Literatur ver- 



öffentlicht, darin heißt es: „Be- 
sonders gern, wenn nicht in^ 
zwischen allzuoft, hat sich der 
moderne Roman der Gestalt 
des Priesters angenommen, 
Wiederum stellt man mit Vor- 
liebe seine Gefährdungen dar, 
seine Versuchung zur Macht, 
zum Besitz, zum Unglauben, 
zur Sinnlichkeit. Gern zeichnet 
man den Widerstreit des Prie- 
sterlichen gegen das rein 
Menschliche und gerät biswei- 
len in ein unwahrhaftiges Ver- 
hältnis gegenüber den treu sich 
um beides abmühenden Prie- 
stern. Auch läßt man mitunter 
den sympathischen menschlichen 
Seiten eines ideal gezeichneten 
Priesters seine eigentliche zwi- 
schen Gott und den Menschen 
vermittelnde Aufgabe zurück- 
treten. Nicht selten hebt sich 
dazu ein solcher sympathisdier 
Priester peinlich ab auf dem 
Hintergrund einer vertrottelt, 
hart oder genießerisch dahin- 
lebenden „höheren Geistlich- 
keit". Wir möchten wünschen, 
daß audi das reichlich vorhan- 
dene Positive im Priesterlichen 
eine dichterisch gültige Gestal- 
tung fände." 

Wdchl 



Vordusabteilung 

Wir meinen, daß der CVJM 
seine ganz besondere Aufgabe 
hat und darum seine ganz be- 
sondere Art, seine Arbeit zu 
tun. Der CVJM müßte so etwas 
sein wie eine Vorausabteilung 
der Kirche Jesu Christi, die 
beweglich kämpfen kann, und 
die nidit so viel Gepäck mitzu- 
schleppen hat wie heute noch 
die Kirche. ... Ihr sollt nicht 
bloß — wie einer einmal ge- 
sagt hat — etwas Küstenschiff- 
fahrt treiben, mit dem Boot- 
lein ein bißchen spazieren fah- 
ren, irgendwo am Ufer, son- 
dern es wagen, in unentdeck- 
tes Gebiet vorzustoßen. 

Dekan Rüger/Fürth 

Rassentrennung 

In der Debatte der politischen 
Sonderkommission der UNO 
über die Politik der Apartheid 
in der Südafrikanischen Union 
kam auch eine Feststellung des 
Leiters des Verkehrswesens in 
der Stadt Johannesburg zur 
Sprache. Danach kostet die 
Rassentrennung allein in Jo- 
hannesburg die Stadt jährlich 
fünfeinhalb Millionen DM. 
Wenn die Rassentrennung nicht 
bestünde, könnten die Tarife 
der öffentlichen Verkehrsmittel 
gesenkt und könnte das Ver- 
kehrswesen selbst verbessert 
werden. Denn 95 Prozent der 
städtischen Verkehrsmittel ste- 
hen für die viel weniger zahl- 
reichen Weißen zur Verfügung, 
während nur fünf Prozent der 



Fahrzeuge für Neger da sind. 
Die „weißen" Autobusse sind 
daher meist halb leer, während 
die „schwarzen" für den Ver- 
kehr nicht ausreichen. 

Christ und Welt 

Weltweite Brudersciiaft 

Es geschah in Oxford bei einer 
Weittagung. Jeder Teilnehmer 
trug ein buntes Kärtchen im 
Knopfloch, auf dem Name und 
Heimat des Trägers zu lesen 
waren. Ein Japaner stellte mich, 
er hatte mich als Deulsdien 
erkannt. Da er nicht deutsch 
konnte, faßte er was er sagen 
wollte in die Worte: Deutsch- 
land - Luther - Jesus - Bruder! 
Ich verstand. Er wollte sagen: 
Du bist aus dem Lande Martin 
Luthers. In Jesus bist Du dar- 
um mein Bruder. Wir haben 
uns fest die Hand gedrückt, 
voll Freude, denn wir verstan- 
den uns. Im Weltbund sind 
wir alle Brüder in Jesus. 

Dr. Karl Otto Horch 

Qualität der Aussage 

Die Glaubwürdigkeit der pub- 
lizistischen Verkündigung hängt 
aber nicht zuletzt auch an der 
Qualität der Aussage. Die 
kirchliche Presse kann den ihr 
gegebenen Auftrag überhaupt 
nur dann wirklich erfüllen, 
wenn sie außer der theolo- 
qischen Sachkenntnis auch die 
journalistische Ausbildung ihrer 
Redakteure beachtet. Damit 
rückt das Nachwuchsproblem 
in den Vordergrund der Dis- 
kussion. 

Die kirchliche Presse ist einer 
Brücke vergleichbar, auf der 
es nicht nur einen Einbahnver- 
kehr gibt. Indem sie die Fra- 
gen der Öffentlichkeit zu be- 
antworten sucht, leistet sie 
einen positiven Beitrag zur 
Meinungsbildung. Sie kann es 
nur in der Kraft der Sprache 
und mit jener Phantasie, die 
man die Tochter der Liebe ge- 
nannt hat. 

„Der Jugend dienen" 

Das ist gewiß eine Aufgabe, 
die zur „Daseinsvorsorge" ge- 
hört. Aber weil es dabei um 
die Jugend geht, reicht diese 
Aufgabe weit hinaus über die 
sachlichen und zeitlichen Gren- 
zen, die diese „Vorsorge" nun 
einmal besitzt. Vergessen wir 
nicht, daß unser Staat so be- 
schaffen ist und in Zukunft so 
beschaffen sein wird, wie ihn 
seine Bürger gestalten. Die 
Jungen und Mädchen von heute 
sind die Bürger von morgen. 
Der Jugend dienen heißt also 
nichts anderes, als Vorsorge 
für das Dasein unseres Volkes 
überhaupt in einer freiheit- 
lichen Ordnung zu treffen. 

Innenminister Dr. G. Schröder 



PFLUGSCI I AR 



MONATSSCHRIFT 
DER CVJM 
DEUTSCHLANDS 



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Lasset euch versöhnen mit Gott 



Manchmal hält man bei einem Worte 
inne, so als ob man es zum ersten Male 
höre. So ist es mir kürzlich mit dem 
Wort „entzweit" gegangen. Diese zwei T 
und dieses Z sind von einer schneidenden 
Schärfe, und die beiden Silben ent und 
zweit, die auf Trennung hindeuten, bilden 
zusammen ein Schwertwort der deutschen 
Sprache und weisen auf einen Zustand 
hin, der unerträglich ist, weil niemand 
immer im Zeichen der Ent-Zweiung leben 
kann, sondern Kontakt braucht, Nähe, 
Ausgleich, Versöhnung. 

In einer Zeit, die von Ko-Existenz redet, 
als dem heute eigentlidi Möglichen, also 
von einem Nebeneinander-Existieren, also 
nicht von Kontakt, also nicht von Aus- 
gleich, ruft uns die Jahreslosung die 
klare Forderung zu, uns mit Gott ver- 
söhnen zu lassen. Dieses Wort „versöh- 
nen" gehört audi zu den geheimnisvoll 
wirkenden. Es bedeutet ursprünglich ver- 
sühnen, eine Schuld ausgleichen, aber so 
tief ist der verborgene Wandel der 
Sprache, so tief auch die oft nicht einmal 
erkennbare Weisheit in ihren Verände- 
rungen, daß die Deutschen aus dem Ver- 
sühnen ein Versöhnen gemacht haben. 
Dies klingt an das Wort Sohn an und 
damit ist uns ein wunderbarer Schlüssel 
zum Verständnis der Losung gegeben. 

„Wenn also einer in Christus ist, sagt 
Paulus, so ist er eine neue Schöpfung; 
das Alte ist vergangen, es ist neu ge- 
worden. Das alles aber von Gott, der 
uns mit sich durch Christus versöhnt hat 
und uns den Dienst der Versöhnung gab. 
Gott war ja in Christus und versöhnte 
so die Welt mit sich selbst, indem er 



ihnen die Übertretungen nicht anrechnete 
und unter uns das Wort von der Ver- 
söhnung aufrichtete. Für Christus also 
wirken wir als Gesandte, als ob Gott 
durch uns mahnt. Für Christus bitten wir: 
Lasset euch versöhnen mit Gott!" 

Dies ist es: Unsere Gottesferne wird uns 
nicht angerechnet, wenn die Versühnung 
für unsere Übertretungen eintritt durch 
das Opfer des Sohns, überhören wir da- 
bei nur nicht das erste Wort der Losung: 
Lasset! Darin nämlich liegt Verheißung,* 
denn uns wird damit klipp und klar 
gesagt, daß wir die Bereitschaft aufbrin- 
gen können für etwas an sich Unwahr- 
scheinliches: Daß nämlich Jesu Gerech- 
tigkeit unsere Gerechtigkeit wird. 

Die große Weltpolitik sitzt vor einem 
Schachbrett, und die Figuren stehen auf 
Patt. Wir sind festgefahren. Ungeheure 
Machtblöcke haben sich aufgebaut, alles 
erscheint ausweglos. In diese Zeit klingt 
wie eine Fanfare das Wort der Jah- 
reslosung, das, oberflächlich betrachtet, 
mit alle dem nichts zu tun zu haben 
scheint, in Wahrheit aber in das Wesen 
aller, auch der letzten Zusammenhänge 
führt. Es ist audi wie ein grelles Licht, 
das das Dunkel unserer Nacht durch- 
schneidet und zwei gekreuzte Balken er- 
hellt. Die unsere Hoffnung sind. 
Denn sie sichern uns die Versöhnung zu, 
wenn wir sie nur wollen K.M. 



W^er weiß, was Glauben heißt, muß immer auch 
unter dem bannenden Auge jener dämonischen 
Macht gestanden haben, wider die geglaubt wer- 
den muß. Der Glaube ist entweder ein Kampf, 
oder er ist niciit. 



Kurt Poschwitz: 



Das Wesenhafte leuchtet doch hindurch 

Eine geistlidie Selbstbesinnung über den Stand des deutschen CVJM 



Der deutsche CVJM ist eine Frucht der^ 
Erweckungsbewegung des vorigen Jahr- 
hunderts. Seine Wurzeln liegen im Pie- 
tismus, Methodismus und in der Ge- 
meinsdiaftsbewegung. Es ist gut, uns 
von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, zu- 
mal dann, wenn wir in der Gefahr ste- 
hen, statt des „neuen Menschen" (Kol. 3, 
9, 10) den „modernen Menschen" anzu- 
ziehen. In dieser Versuchung stehen wir 
gerade im CVJM besonders. Wir bemü- 
hen uns z. B., ein Stück Öffentlichkeits- 
bedeutung zu gewinnen und weithin ge- 
lingt es auch. Das birgt Gefahren in sich. 
Andererseits stöhnen wir immer, daß es 
so schwer sei, den jungen Mann zu er- 
reichen. Es hegt sehr nahe, sich hier da- 
durch zu helfen, daß man einige An- 
gleichungen an die Welt vornimmt, oder, 
wie Karl Bednarik in seinem Buch „Der 
junge Arbeiter heute — ein neuer Typ" 
sagt: 

„Während die Verbände früher for- 
mend hinauswirkten auf die indifferen- 
ten Teile der Jugend,, sind sie heute 
kaum in der Lage, das Einsickern des 
neuen Typs in ihren sehr verkürzten 
Lebensraum abzuwehren. Um .zugkräf- 
tig' zu sein, müssen sie häufig zu For- 
men der GeselUgkeit greifen, die streng 
verpönt gewesen waren." 
Die Beurteilung, die Jugendpfarrer Krause 
in der „deutschen Jugend" zu dieser Si- 
tuation gibt, hat uns manches zu sagen: 

„Es gibt in unserer Jugend noch Men- 
schen, die wirklich innerlich bewegt sind 

— mindestens in den Gruppen, die von 
einer bindenden Grundlage her geprägt 
sind. Um diese Gruppen zu gergrößern 

— im Banne der Magie der Zahl — 
werden nun die verschiedensten Mittel 
angewandt, bis hin zum Gesellschafts- 
tanz und zur Koedukation, bis hin zu der 
Legion der Freizeiten, Lager und Fahrten 
(einschließUch komfortabler Auslands- 
fahrten). Anstatt unendUche Mühe auf die 



Attraktivität und Zugkräftigkeit des Pro- 
gramms und der Werbung zu legen, 
wäre es vielleicht wichtiger, sich auf das 
Entscheidende und Spezifische eben die- 
ses Verbandes zu beschränken — selbst 
unter dem drohenden Aspekt der Ver- 
kleinerung. 

Die Jugendbewegung hat ihre Lebendig- 
keit und Kraft früher nicht aus der 
Attraktivität bezogen, sondern aus der 
Kraft der inneren Idee. Jugendgruppen 
ohne solche tragende Mitte haben im 
Grunde keine Existenzberechtigung. Sie 
gehen an der eigenen geistigen Leere zu- 
grunde. Es ist nicht schade darum! Wo 
aber noch eine tragende, geistige Mitte 
vorhanden ist, sind lebensfähige, wenn 
auch oft kleine Gruppen, die um eben 
dieser Mitte willen — und um keiner 
anderen Dinge willen — zusammenkom- 
men und zusammenhalten. Daß sie dann 
von dieser Mitte aus auch gelegentlich 
andere, mehr periphere Dinge mitein- 
ander treiben können und sollen, ist 
selbstverständlich. Wir sollten wieder 
wirklich den Mut zur kleinen Zahl haben, 
aber zur Zahl derer, die innerlich ange- 
packt sind. Nur von solchen Gruppen 
kann wieder ein formendes Hinauswir- 
ken nach draußen erwartet werden." 

Die Wege, die mit Koedukation, Tanz 
und anderem in christlichen Kreisen z. T. 
schon beschritten worden sind, liegen in 
dieser Richtung. Wir tun gut, uns in 
solchen Situationen die Grundlagen un- 
serer Tätigkeit vor Augen zu halten. 

Blick auf die Basis 

Nach dem ersten Teil der Pariser Basis 
hat sich der CVJM die Aufgabe gestellt, 
„solche junge Männer miteinander zu 
verbinden, welche Christus nach der Hei- 
ligen Schrift als ihren Gott und Heiland 
anerkennen und in ihrem Leben seine 
Jünger sein wollen." Hier liegt also die 
Voraussetzung für unsere Arbeit: klar im 



Glauben stehende junge Männer! Haben 
wir sie und bemühen wir uns, daß stän- 
dig „etliche" dazu kommen, wie Kor. 9, 
22 bezeugt? Wir sollten hier nicht in den 
Fehler verfallen, auf einen bestimmten 
Typ von Bekehrten zu warten. Es gibt 
Brüder, die nur die gelten lassen, die 
eine klare Bekehrung nachweisen kön- 
nen. Gottlob erleben immer wieder Men- 
schen eine Damaskusstunde wie Paulus. 
Wir sollten aber das Wort eines alten 
Erweckungspredigers beherzigen, das lau- 
tet: „Wenn du unter einem Brückenbogen 
zum Glauben gekommen bist, so danke 
Gott an jedem Brückenbogen, an den du 
kommst, dafür. Erwarte aber nicht, daß 
sich jeder unter einem Brückenbogen be- 
kehrt." Eine „bewußte" Lebenshingabe an 
den Herrn ist ganz gewiß mit inneren 
Zerbrüchen, Ängsten und Demütigungen 
verbunden; aber die Damaskusstunde ist 
nicht der einzige Weg Gottes. So lesen 
wir z. B. bei der großen Buchverbren- 
nungsaktion in Ephesus, daß viele „die 
gläubig geworden waren, ihr früheres 
Treiben bekannten" (Apg. 19, 18 
nach Menge), also erst nachdem sie 
zum Glauben gekommen waren. 

Zentrale Fragen 

Hier bricht eine ernste Frage unserer 
TM auf. Wieviele mögen wohl darunter 
sein, die schon länger einen Glaubens- 
weg gehen, denen aber noch keine klare 
Erkenntnis ihrer Sünden geschenkt ist. 
Ihr eigentUcher, wirkUcher Zustand, in 



dem sie sich Gott gegenüber befinden, ist 
ihnen noch gar nicht bewußt. Wir er- 
leben ja regelmäßig bei Evangelisationen, 
daß zuerst unsere gläubigen Mitglieder 
angesprochen werden und ihr Leben in 
Ordnung bringen. Nach dem Ausspruch 
des Herrn steht ein Mensch bereits im 
Glauben, wenn er sein Wort hört und 
glaubt dem, der ihn gesandt hatj 
dann hat er ewiges Leben (Joh. 5, 24a). 
Glaube (griech. pistis = Treue, Ver- 
trauen) oder Vertrauen ist danach zu- 
nächst eine reine Herzensangelegenheit. 
Es kann also jemand schon lange und 
ganz im Verborgenen Vertrauen zu Jesus 
gefaßt haben, ehe er mit Menschen dar- 
über spricht, ja wir müssen sogar danüt 
rechnen, daß mancher unter uns ist, dem 
es, um ein Bild zu gebrauchen, wie Laza- 
rus geht. Er hat den Ruf Jesu vernom- 
men und ist aus dem Tod in das Leben 
hinübergegangen (Joh. 5, 24b). Er ist 
aber noch an Händen, Füßen und Gesicht 
gebunden. Erst nachdem Lazarus 
zum Leben gekommen ist, spricht Jesus: 
„Löset ihn ..." (Joh. 11, 44), d. h. ein 
zum Glauben Gekommener kann noch 
tief verstrickt sein in das Todeswesen 
dieser Welt (beachte die Grabtücher). 
Hier gebietet der Herr den brüderUchen 
seelsorgerlichen Dienst. 

08/15 ohne uns 

Was wollen wir damit sagen: Daß die 
erste Forderung der Pariser Basis — das 
Sammeln junger Männer, die im Glauben 



„/Är seid das Salz der Erde'' 



Dieses Wort Matth 5, 13 steht über 
dem Jahreslager der Arbeitsgemein- 
schaft der ChristUchen Vereine Jun- 
ger Männer Deutschlands, das in die- 
sem Jahr 

vom 4. bis 10. August in Dassel 

stattfindet. Bibelarbeit, Vorträge und 
Diskussionen werden sich im wesent- 
lichen auf den für unsere Bewegung 
gerade heute so wichtigen Gedanken 
der missionarischen Ausbreitung be- 
ziehen, und zwar ist dabei an die 
Ausbreitung nach innen und nach 



außen gedadit. Es werden also auch 
Redner der äußeren Mission zu Worte 
kommen. Die B i b e 1 a r b e i t hat 

Bundeswart Waller Tladi, Stuttgart 

übernommen. — Wie in jedem Jahr, 
geht auch 1956 dem eigentlichen 
Hauptlager eine Sekretärskonferenz 
(vom 2. bis 4. August) voraus. 
Bitte merken Sie sich schon jetzt die 
Zeit für das Hauptlager vor. Nähere 
Einzelheiten werden in Kürze bekannt 
gegeben. 



an Jesus stehen — nicht eine, der Aus- 
druck sei gestattet, 08/15mäßige Ange- 
legenheit ist. Hier gibt es kein Sdiema-F, 
sondern es ist der ganze Einsatz der 
„Evangelisten, Hirten und Lehrer" (Eph. 
4, IIb) erforderlich, um „die Heiligen" 
(sagen wir unsere gläubigen jungen Män- 
ner) tüchtig zu machen und voll auszu- 
rüsten zur Ausübung des missionarischen 
Dienstes (Eph. 4, 12). Wo niciit in unse- 
ren Vereinen an erster Stelle und 
vor allem anderen dieser Dienst 
des Sammeins und Zurüstens gläubiger 
junger Männer geschieht, sind die Vor- 
aussetzungen für unseren Auftrag nicht 
gegeben. Nur wer ein gesundes Glau- 
bensleben führt, kann Zeuge, kann Mis- 
sionar sein. 

Damit kommen wir zum zweiten Teil der 
Pariser Basis. Er lautet: „Gemeinsam da- 
nach zu trachten, das Reich ihres Meisters 
unter jungen Männern auszubreiten", also 
Dienst von jungen Männern an jungen 
Männern für Jesus. 

Woran liegt es! 

Jeder, der verantwortlich im Werk steht, 
kennt das derzeitige Dilemma, die Klage- 
litanei über die mangelnde Einsatzfreu- 
digkeit und Opferbereitsdiaft unserer 
MitgUeder, das Ausweiciien vor der Ver- 
antwortung, den fehlenden missionari- 
sdien Schwung, kennt die ewige Frage, 
„wie kommen wir an den jungen Mann 
heran" usw. Die ganz Alten schauen oft 
seufzend auf die gesegneten Anfänge 
des Werkes zurück, „wo es ganz anders 
war" und möchten die Zeit wieder leben- 
dig werden lassen. Das geht nicht. Ganz 
abgesehen davon, daß die Erinnerung im- 
mer vergoldet, ist es offenbar, daß wir 
weder nach dem ersten und noch viel 
weniger nach dem zweiten Weltkrieg 
von dem auslaufenden Wellenschlag einer 
Erweckungsbewegung berührt sind, wie 
es in den ersten Jahrzehnten des deut- 
schen CVJM-Werkes der Fall war. Die 
geistlichen Kräfte, die damals in Vielen 
wirkten, sind heute meist nur bei Ein- 
zelnen zu finden. Vielleicht schaut man 
deshalb so begehrlich nadi einem Mann 
wie Billy Graham aus. Ich glaube nicht. 



daß für uns von dort das Heil kommt. 
Vielleicht einige methodische Anregun- 
gen und etwas Begeisterung, das ist aber 
nicht der Kern. 

Woran liegt es nun bei uns, daß . der 
„missionarische Schwung" nicht oder nur 
selten vorhanden ist? 

Es ist zu unterscheiden 

Wir müssen zunächst zwei Dinge ausein- 
ander halten: Wenn ein Mensch zum 
Glauben kommt, so ist das e i n Vorgang, 
ein zweiter ist seine Sendung, seine 
missionarische Beauftragung. Dazwischen 
liegt durchweg eine Spanne Zeit. Einige 
biblische Beispiele: Die zwölf Jünger 
standen bereits drei Jahre in der Nach- 
folge Jesu, ehe sie vom Herrn den gro- 
ßen Missionsbefehl empfingen. Paulus 
ging nach seiner Bekehrung drei Jahre 
nach Arabien (Gal. 1, 17). Als er zu- 
rückkam, wurde er schlichtes Gemeinde- 
mitglied in Damaskus, Tarsus und spä- 
ter Antiochien (Apg. 11, 25). Erst dort 
erfolgte seine Aussendung zu besonde- 
rem Dienst. Das sollte uns zu denken 
geben, zumal Paulus ein Vorbild für uns 
ist (1. Tim. 1, 16). In seinem Leben sind 
vorbildlich die verschiedenen Phasen un- 
seres Glaubenslebens dargestellt. 

Nicht voreilig handelnl 

Bei Paulus ist zwischen Bekehrung und 
Sendung ein Zeitraum von mindestens 
drei Jahren, wenn nicht mehr. Und was 
machen wir, wenn ein junger Mann 
zum Glauben kommt? Weil er Mangel- 
ware ist, wird er sofort mit einer ver- 
antwortungsvollen, womöglich geistlichen 
Aufgabe betraut. Dabei ist er nach dem 
Zeugnis der Schrift ein Kindlein in 
Christo, das der Mildi bedarf. Kein Ge- 
schäftsmann ist so töricht, seinen neu- 
geborenen Säugling mit in den Betrieb 
zu nehmen, um den Erben sofort mit sei- 
nen zukünftigen Aufgaben vertraut zu 
machen. Im übertragenen Sinne wird hier 
oft von uns verantwortungslos gehan- 
delt. Wir können nicht warten, bis das 
junge Glaubensleben sich so weit entfal- 
tet hat, daß es stark genug ist, um auch 
Aufgaben zu übernehmen. Ist der oben 



geschilderte Punkt 1 im Verein in Ord- 
nung, können wir getrost abwarten und 
brauchen nicht zu eilen. Auch heute gilt 
noch, daß der Herr durch seinen Heiligen 
Geist die Beauftragung zum Dienst eines 
Menschen vornimmt. Handeln wir vor- 
zeitig, geht die Sache sciiief und ist vor 
allem für den Betreffenden zum Schaden; 
andererseits erhalten wir gewachsene 
Mitarbeiter, die dann aus der Glaubens- 
verantwortung heraus auch schöpferisch 
tätig sind und nicht ständig aufgemun- 
tert werden müssen. Sie bedürfen aller- 
dings der regelmäßigen seelsorgerischen 
Betreuung. Für sie müssen sich die ver- 
antwortlichen Brüder Zeit nehmen. Paul 
Herzog hatte einen Leitsatz, der hieß: 
„Die Stunde, die Du einem Mitarbeiter 
widmest, bringt dir 10 Stunden ein". Nur 
auf dieser vorbildlichen Grundlage werden 
wir zu lebendigen Jungmännerabteilun- 
gen kommen und Mitarbeiter mit Initia- 
tive erhalten. 

Es gilt aber noch einen dritten Punkt zu 
beachten, der mit dem „im Leben seine 
Jünger sein wollen" zusammenhängt und 
das ist m. E. der neuralgische Punkt, der 
schon länger im Glauben stehenden Brü- 
der in den Vereinen. 

Der neuralgische Punkt 

Seit Jahren stelle icii in Gesprächen mit 
älteren Brüdern in den verschiedensten 
Orten fest, daß sie über einen gewissen 
Abschnitt ihres Glaubenslebens nie hin- 
ausgekommen sind. Sie haben meist in 
jungen Jahren den Herrn gefunden, sind 
dann voll und ganz in den Dienst getre- 
ten und haben keine Opfer an Zeit und 
Geld gescheut. Aber es fand keine wachs- 
tümliche Entfaltung ihres Glaubens- 
lebens statt. Sie haben Heilsgewißheit, 
aber keine Krönungsgewißheit (2. Tim. 
4 8). Vergleiche auch 1. Korinther 9, 
25, 26; Offb. 2, 10; Jak. 1, 12; 1. Thess 2, 
19; Phil. 4, 1 und 1. Petr. 5, 3, 4. Jahr- 
zehnte haben sie nur eine evangelistische 
Botschaft gehört und auch selbst verkün- 
digt, aber davon, daß Gott sein Wohl- 
gefallen daran hat, uns das Geheimnis 
seines Willens kundzutun (Eph. 1, 9) und 
worin dieser Wille besteht (V. 10) haben 



sie nichts vernommen; Ferner daß Paulus 
den Ephesern bezeugt, er habe ihnen 
den ganzen Ratschluß verkündigt (Apg. 
20, 27), den Philippern schreibt, daß das 
Wort des Lebens nicht nur bezeugt, 
sondern auch dargestellt werden 
muß (Phil. 2, 16 nach Elberfelder über- 



Intersesse für den Bruder 

Da kommt also neulich ein Brief bei mir 
an. In ihm stehen die folgenden Zeilen, 
von denen man kaum annehmen möchte, 
daß sie echt sind. Sie schneiden ein altes 
Thema an, das sich in unseren CVJM 
beinahe schon zu einem Problem ent- 
wickelt hat: Hat man bei uns kein Inter- 
esse mehr am Bruder? 
Ein Heuchler ist doch wohl der, der an- 
ders redet, als er handelt. Wie steht es 
denn damit bei uns, die wir den Dienst 
am Bruder auf unsere Fahnen geschrie- 
ben haben? Lesen wir einmal gemeinsam 
den Brief meines jungen Freundes. Er 
ist aus einer mittleren Stadt in einen 
Großstadt-CVJM gekommen und schreibt 
mir nun: 

„ ... In den CVJM bin ich hier schon 
am ersten Tage gegangen. Bin aber so 
enttäuscht worden, so daß ich dann 
eigentlich sehr selten hingegangen bin. 
... Als ich das erste Mal hinkam (es 
war gerade Bibelabend), stand ich da wie 
bestellt und nicht abgeholt. Es wurde 
auch bei den näciisten Malen nicht 
besser. 

Nun, da dachte ich, wenn die dich nidit 
wollen oder brauchen, dann bleibst du 
eben weg. Es ist wahrscheinlich in an- 
deren CVJM auch nicht besser. Aber das 
hat mich damals mäciitig geärcrert, daß 
sich kein Mensch um einen Neuling küm- 
mert. Nun, ich habe meine Ellenbogen 
gebraucht und habe mich einfach dazwi- 
schengeschoben. Es war wahrscheinhch 
meine eigene Sturheit, die es mir er- 
schwerte, dort schnell herzlichen Kontakt 
zu finden. 

Aber all dieser Kram ist jetzt überwun- 
den, und ich fühle mich hier genau so 
zu Hause wie in meinem Heimatverein, 
übrigens mache ich jetzt mit zwei an- 
deren Boys den Empfangsdienst. 

Alles Gute und Gottes Segen wünscht 
Dir Dein Eduard". 

H. S. 



Setzung), daß unsere „Liebe mehr und 
mehr überströme in Erkenntnis und 
alle Einsicht, damit wir zu prüfen ver- 
mögen, was das vorzüglichere sei" (Phil. 
1, 9. 10. Elbf.) und daß Paulus „nicht auf- 
hört für uns zu beten und zu bitten, auf 
daß wir erfüllt sein mögen mit der Er- 
kenntnis seines Willens in 
aller Weisheit und geistlichem Verständ- 
nis, um würdig des Herrn zu wandeln zu 
allem Wohlgefallen in jedem guten 
Werk durch die Erkenntnis Gottes ..." 
(Kol. 1, 9. 10) oder daß wir zur „gan- 
zen Fülle Gottes gelangen sollen!" 
(Eph. 3, 19). 

Die Botschaft bleibt Jung 

Dies alles ist ihnen verborgen. Nun hat 
aber Gott an allem Unvollendeten kein 
Wohlgefallen. Er will, daß wir aus dem 
Kindheitsstadium des Glaubens hinaus- 
wachsen über die Jünglingsschaft zum 
vollkommenen Mann in Christo und zu 
Vätern in Christo werden (1. Joh. 2, 12 — 
14; Eph. 4, 13). Geschieht das, dann wird 



es keine Erstarrung des Glaubenslebens 
geben. Im Gegenteil! Wir fangen dann 
an, zu begreifen, daß der Reichtum Christi 
unausforschlich ist (Eph. 3, 8). Dadurch 
wird unser Wandel und auch unser Zeug- 
nis befruchtet. Die Botschaft greift sich 
mit den Jahren nicht ab, sondern er- 
strahlt in immer neuem Licht. Auch das 
Generationenproblem wird hier gelöst, 
weil die „Alten" es nicht mehr nötig 
haben, verkrampft einen Arbeitsabschnitt 
im Werk festzuhalten, der den Jungen 
zukommt. Im Gegenteil! Sie sind längst 
über ihn hinausgewachsen und froh, ihn 
in jüngere Hände legen zu können. Die 
jungen Mitarbeiter aber suchen dann 
den Umgang und Rat der älteren Brüder, 
denn sie haben ja das, was ihnen an 
Erkenntnis der Schrift und des Willens 
Gottes noch fehlt und sehen dann auch 
im Wandel der älteren Brüder die Dar- 
stellung des Wortes des Lebens. Das alles 
mag sich in großer Schwachheit vollzie- 
hen; das Wesenhafte leuchtet doch hin- 
durch und wird erkannt. 



Gottes Heilsplan und die Juden 

Israel, Land der Sehnsucht, Land der Hoffnung. — Zwei neue Bücher 



Innerhalb der großen politischen Ereig- 
nisse, die die Welt bewegen, spielt die 
Frage um das junge Land Israel eine 
nicht zu übersehende Rolle. Die Spannun- 
gen zwischen Israel und den umliegenden 
arabischen Staaten nehmen kein Ende 
und halten die Welt in Atem. 
Um das Jahr 1200 v. Chr. eroberten die 
Juden Palästina; etwa um das Jahr 1000 
wurde unter König David Jerusalem die 
Hauptstadt des Reiches, die durch den 
Tempelbau des Königs Salomo zur Mitte 
des kultischen und nationalen Lebens 
wurde. Bis zur Zerstörung des Tempels 
im Jahre 70 n. Chr. hat Israel eine wech- 
selvolle Geschichte durchlebt. 933 erfolgt 
die Teilung des Reiches in das Land Juda 
mit Jerusalem und das Land Israel mit 
Sichem als Mittelpunkt. 
Mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 
70 n. Chr. hörte das Volk Israel auf, 
Nationalstaat zu sein. Wechselvoll ist 
seitdem die Geschichte des Landes und 
das Schicksal der Zerstreuten aus Israel 
gewesen. Nur verhältnismäßig kurz war 



die Herrschaft der Kreuzfahrer, die das 
„Heilige Land" der Herrschaft der Mo- 
hammedaner entreißen wollten. Ab 1291 
waren die Araber die Herren des Landes. 
1917 wurde den Juden durch England 
wieder ein gewisses Recht auf Palästina 
eingeräumt. 1947, als Folge der Juden- 
verfolgung in Deutschland und in den 
von Deutschland besetzten Gebieten, be- 
schlossen die Vereinten Nationen die 
Teilung des Landes in einen jüdischen 
und arabischen Staat. 

Hunderttausende Araber wurden dadurch 
heimatlos und fristen noch immer in un- 
zureichenden Lagern kümmerlich ihr Le- 
ben und sind verbittert bis zum glühen- 
den Haß. Es kam 1947 zu dem blutigen 
jüdisch-arabischen Krieg, der 1948 durch 
einen Waffenstillstand, dem nodi immer 
kein Friede gefolgt ist, beendet wurde. 
Am 14. Februar 1948 proklamierten die 
Juden den Staat Israel. 

Was ist seitdem in Israel geschehen? Sehr 
widersprechend sind die Nachrichten in 
der Presse, bestimmt von Sympathie bzw. 



8 



Antipathie, die man dem neuen Staat 
entgegenbringt, über die inneren Ver- 
hältnisse, die Schwierigkeiten und Span- 
nungen politischer und kultischer Art 
sagt die Presse wenig aus. 

Israel sollte uns aber nicht nur als Staat 
interessieren, sondern weit mehr als von 
Gott erwähltes Volk, dessen Heilsge- 
schichte noch nicht zu Ende ist. Was aus 
Israel wird, wird nicht von den großen 
politischen Machthabern dieser Welt be- 
stimmt — sie können nur Handlanger 
Gottes sein, nur „Knechte Gottes", wie 
einst Nebukadnezar. „Heilsgeschichte" 
macht Gott allein, weil seine Verheißun- 
gen noch gelten — und allem Wider- 
spruch der Welt zum Trotz auch an Israel 
erfüllt werden. 

Zwei äußerst interessante und aufschluß- 
reiche Bücher, beide von evangelischen 
Theologen geschrieben, sollten nicht un- 
beachtet bleiben. Hermann Maas, ein 
Deutscher, Johannes Jellinek, ein Skan- 
dinavier, berichten sehr eindrucksvoll 
von ihren Erfahrungen und Erlebnissen 
in Israel. Beide sind gute Kenner des 
Judentums, seiner Sehnsucht und seiner 
Hoffnung. 



Das kommende Reich Gottes und Israel 
sind nicht voneinander zu trennen. Die 
Bekehrung Israels ist der Zeiger an der 
Weltenuhr. Wo steht der Zeiger? 

Was schreibt Paulus von seinem Volk? 
„Ich will euch nicht verhalten, liebe Brü- 
der; Blindheit ist Israel zum Teil wider- 
fahren, solange bis die Fülle der Heiden 
eingegangen ist und also das ganze 
Israel selig werde. Nach dem Evangelium 
sind sie zwar (jetzt) Feinde um euretwil- 
len — aber nach der Wahl sind sie Ge- 
liebte um des Vaters willen. 

Gottes Gaben und Berufung können ihn 
nicht gereuen!" 

Martin Marquardt 



Hermann Maas „ — und will Rachels 
Kinder wieder bringen in das Land" 
(Reiseeindrücke aus dem heutigen Palä- 
stina). Verlag Eugen Salzer, Heilbronn. 

JohannesJellinek „Eine Handvoll 
Oliven aus Israel." Quell- Verlag, Stutt- 
gart, DM 6.80. 



Ein Jun^enlager unter afrikanischer Sonne 

Stimmungsbericht von der CVJM-Jugendarbeit in Belgisch-Kongo 



Haben Sie eine Ahnung, wo Ndjili liegt? 
Wir wußten es bisher auch nicht. Nun 
liegt aber ein Bericht des CVJM in Bel- 
gisch-Kongo vor, der von Jean-Rene Ri- 
chelle geschrieben worden ist und uns 
etwas Von der Tätigkeit der Bewegung 
unter der brennenden Sonne Afrikas er- 
zählt. 

Da hatte man nämlich ein Jungenlager 
außerhalb von Leopoldville geplant, und 
zwar in dem oben erwähnten schwer aus- 
sprechlichen Ort. Die Jungen waren an 
einen Treffplatz bestellt worden, wo sie 
der dänische CVJM-Sekretär Overgaard 
in zwei Gruppen teilte, nämlich solche, 
die ihren Beitrag bezahlt hatten und in 
die anderen. Die schwarzen Jungen aus 
dem Kongoland sind bisher gewöhnt ge- 
wesen, daß die Weißen alles für sie 
taten. Jetzt sollte das einmal aufhören. 
Die Beitragszahler marschierten den gan- 
zen Nachmittag und kamen gegen Abend 



in Ndjili an. Zu ihrer großen Über- 
raschung war das Lager schon teilweise 
besetzt von Jungen, die vorsichtshalber 
nicht am Treffpunkt erschienen waren. 
Überraschung Nr. 2 folgte eine Stunde 
später. Die Nichtbezahler hatten sich 
schlauerweise einen LKW organisiert und 
erschienen mit lautem Gebrüll mitten im 
Lager; vor so viel Einfallsreichtum ver- 
sagte die Phantasie der Lagerleitung. 

Die Zelte wurden errichtet, die Petro- 
leumlampen angesteckt, und nach dem 
Essen gab es eine Gemeinschaftsver- 
sammlung. Die Wachen wurden verteilt, 
dann herrschte Ruhe. Am nächsten Tag, 
einem Sonntag, wurde früh um fünf Uhr 
geweckt, und nach der Morgengymnastik 
begab sich die schwarze Rasselbande an 
den Fluß, um sich dort zu waschen. Dann 
gingen sie alle in die Kirche, ein Teil in 
eine baptistische, ein Teil in eine katho- 
lische Kapelle und die dritte Gruppe in 



einen Saal der Heilsarmee. Auch am Sonn- 
tag versammelte sich alles zu einem gro- 
ßen Treffen, wobei ein vaterländisdies 
Lied gesungen wurde, das von einem 
unaufhörlichen Taratata der Jungen im 
Refrain „untermalt" wurde. Der Kradi 
wurde so enorm, daß die Lagerleitung 
eingriff und Einhalt gebieten mußte. 
Bei einer Kluft-Besichtigung stellte es 
sidi heraus, daß die Jungen allerhand 
merkwürdige „ Schmu dcstücke" angebracht 
hatten. Einige trugen ihre Küchenmesser 
an der Feldmütze, andere hatten Tassen 
am Gürtel hängen. Abends gab es ein 
Lagerfeuer. Aber was für eins! Der 
Dschungelgeist Akela erschien, und ob- 
wohl er sich nur einen Bart aus Bind- 
faden umgebunden hatte, wagte doch kei-* 
ner der Jungen, darüber zu lachen. Im 
Anschluß daran spielte man Morsen und 
römisches Wagenrennen. Als dann der 
Holzstoß angezündet wurde, sangen die 
Jungen in der Kicongo-Sprache das Lied: 
„Wir sind so glücklich, euch hier zu 
sehen", ein anderes lautete: „Wölfing, 
Wölfing, Wölfing sein, ja da liegt Musik 
darin". 

Für unsere Begriffe unvorstellbar tanzten 
und sangen die Jungen vor der Orts- 
gemeinde. Sie kopierten und karikierten 
Menschen auf die drolligste Art und 
Weise und spielten allerlei mit dem afri- 
kanischen Boden verwurzelte Spiele. (Im 
Anschluß veröffentlichen wir ein solches 
Spiel). 

Am nächsten Vormittag gingen noch ein- 
mal alle Lagerinsassen zum Gottesdienst. 
Merkwürdigerweise waren in der Bap- 
tistenkapelle doppelt so viel wie am Vor- 
tag, während die katholische Kirche nur 
mäßig besucht war. 

Schließlich drohte der Regen. Man mußte 
die Zelte rasch abbrechen und die Wa- 
gen beladen. Jean-Ren6 Richelle, der uns 
diesen Bericht vermittelte, verheimlicht 
nicht seine Verblüffung über die Anders- 
artigkeit dieser Lager- und Lebensgestal- 
tung. Uns interessiert der Bericht des- 
halb, weil der deutsche CVJM, wie be- 
kannt, gerade für die Arbeit unserer 
weltweiten Bewegung in Belgisch-Kongo 
einen namhaften Betrag gestiftet hat. 



Afrikanisdies Junflsdiarspiel 

„Der Weinhändler, der Säufer, der Dieb 
und der Medizinmann", so heißt ein 
Lagerspiel der Jungen vom Kongo. Es 
ist mit großer Ausführlichkeit dargestellt 
worden und hat unbändige Freude bei 
den Zuschauern bereitet. Hier der Inhalt: 

Ein Kunde kommt zu einem Weinhänd- 
ler und gibt mit seinem Reichtum an. 
Er trinkt sehr viel, aber er bezahlt nie 
und fällt schließlich betrunken wie ein 
Toter hin. Der Weinhändler hat Angst, 
daß er den Tod dieses Kunden verursacht 
haben könnte. Er rafft seine Geräte auf 
und verschwindet. Ein Dieb nähert sich 
dem Trunkenbold und stiehlt ihm sein 
Geld. Der Betrunkene wacht schließlich 
auf, merkt, daß er bestohlen worden ist, 
jammert laut und begibt sich zum Medi- 
zinmann. Hier entsteht ein endloses Pa- 
laver mit Beschwörungen, und schließlich 
fällt der Medizinmann die Entscheidung. 
Er legt einen Fetisch auf die Erde. Wenn 
sich der Dieb diesem Fettich nähert, wird 
er umfallen. Der Dieb kommt heran und 
bricht unter den tollsten, lustigsten und 
krampfhaftesten Bewegungen zusammen. 
Der Trunkenbold jubiliert, will sich nä- 
hern, um sein Geld wiederzubekommen. 
Da aber greift der Medizinmann wieder 
mit dem Fetisch ein. Der Trunkenbold 
gerät in einen Wutausbruch, aber das 
hilft ihm alles nichts. Der Medizinmann 
entfernt sich triumphierend mit dem 
Gelde. 



Ein Jugendlager der AG 

Die AG veranstaltet für alle ihre Ver- 
eine ein Jugendlager in der Rhön be! 
Neuwildflecken. Dieser kleine Ort liegt 
bei Wildflecken. Der genaue Beginn 
des Lagers steht noch nicht fest; er 
dürfte zwischen dem 26. und 28. Juni 
liegen. Die Bibelarbeit häjt Oskar Zeiß. 
Alter der Teilnehmer zwischen 14 und 
18 Jahren. Es sollen auch Jungen aus 
dem Ausland eingeladen werden. 
Bitte schon vermerken, falls ihr Lust 
dazu habt. Näheres ist in Kürze bei 
euerm Verein zu erfahren. 



1 
J 



Lün eburg 

MONS, FÖNS, PONS ! 

„Die trotzige, phantastische Stadt in der 
Heide hat viel von ihrer fremdartigen 
Schönheit bewahrt. Ihrer Mauern beraubt, 
gleicht sie einem Ritter, der den Harnisch 
ablegen mußte, aber dessen Haltung und 
dessen Gang man immer anmerkt, daß er 
gerüstet war und daß metallisches Klir- 
ren seine Schritte begleitete. Die Häuser 
mit den gestuften Backsteingiebeln ste- 
hen da wie versteinerte Schilde, die un- 
erschütterlich ein anvertrautes Leben hü- 
ten das längst verronnen ist. Zugleich 
aber hat die Stadt etwas niedersächsisch 
Behagliches, Träumerisches und verrät 
sich als Teil der Heide, wo unter der 
Sonne violettes Kraut Würze aushaucht". 

So sieht die Dichterin Ricarda Huch die 
Stadt. 

In diesem Jahr wird Lüneburg auf eine 
tausendjährige Geschichte als Stadt zu- 
rückblicken. Es ist unmöglich, in diesen 
wenigen Zeilen die ganze Bedeutung die- 
ser alten Stadt wiederzugeben. So möchte 
man den Leser selbst hinführen zu den 
alten ehrwürdigen Domen, die wie Sym- 
bole eines unerschütterlichen Glaubens 
dastehen. Man ist überwältigt, wenn man 
in diesen Kirchen vor den alten Kunst- 
werken der Altarbilder und den ge- 
schnitzten Altären steht, die von den 
Meistern Conrad von Vechta, Hinrich 
Bornemann, Hinrik Funhof u. a. geschaf- 
fen wurden. 

Das Rathaus, das zu den schönsten und 
größten älteren deutschen Rathäusern ge- 
hört, zeigt die Wucht seines Ruhmes im 
Fürstensaal, der Gerichtslaube und in der 
Kunst der ausdrucksvollen Schnitzwerke 
eines Albrecht von Soest in der Rats- 
stube. Die Körkammer in ihrer originel- 
len Bedeutung läßt uns den Zauber der 
mittelalterlichen Stimmung besonders 
verspüren. Hier wurden die Bürger- 
meister der reichen Hansestadt im Kon- 
klave „gekürt". Die ganze Stadt in ihrer 
mittelalterlichen Unberührtheit mit den 
Zeugen der gotischen niederdeutschen 
Backsteinrohbauten, ihren Treppen- und 
Dreiecksgiebeln ziehen den Beschauer 
ganz in ihren Bann und lassen ihn Macht, 




MONS'PONS.FONS 



Reichtum und ungebrochene Tradition 
eines alteingesessenen Bürgertums er- 
kennen. Es ist ein Erlebnis, die unzer- 
störte — unfaßbar unzerstörte — Stadt 
in ihrer hansischen Schönheit auf sich 
wirken zu lassen. Das lateinische MONS, 
FÖNS, PONS (Berg, Quelle, Brückte) ist 
das alte Lüneburger Wahrzeichen «... das 
der Statt beste Nahrrung und Aufnahme 
von diesem dreyen, nemblich der SULT- 
ZEN, dem KALKBRUCHE und der KAUF- 
MANNSCHAFT, welche bei der Brücke 
und dem Kaufhause verrichtet werd, her- 
rühret ..." hat noch heute — wenn auch 
bedingt — seine Geltung. 

Heute ist der Besucher besonders vc)n 
der Zusammenballung der Menschen in 
dieser alten Stadt überrascht. Sie scheint 
überzuquellen, und das geschäftige Trei- 
ben einer Bevölkerung, die in den letz- 
ten Jahren von 30 000 auf 60 000 Ein- 
wohnern anschwoll, will uns schier ver- 
wirren. Die dadurch besonders bedingte 
Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit, so- 
wie die Nähe der sowjetischen Zone ha- 
ben Lüneburg zu einem Notstandsgebiet 
werden lassen. So hat die Heidestadt in 
den letzten zwei Jahrzehnten den ihr bis 
dahin eigenen Charakter einer verträum- 
ten mittelalterlichen Stadt eingebüßt. 
Nicht von ungefähr ergab es sich, daß 
eine Handvoll junger Männer vor sieben 
Jahren, von der Not junger Menschen 
angepackt, den Entschluß faßten, den viel- 
fältigen Gefahren durch ein Bekenntnis 
zu Jesus Christus entgegenzutreten. So 
gründeten sie den CVJM Lüneburg, der 
heute mit einer beachtlichen Jungen- und 
Jungmännerarbeit (eine gute Mädelarbeit 
hat sich im letzten Jahr parallel zum 
CVJM als Christlicher Verband Weib- 
licher Jugend entwickelt) der Jugend 
Lüneburgs dient. Noch fehlt das eigene 
Haus, und das täglich offene gemütliche 



10 



11 



Heim will kaum nodi ausreichen. Ein 
junges Werk steht hier ohne den tradi- 
tionellen Grund einer alten Arbeit, und 
so fehlen weithin die nun einmal erfor- 
derlichen Mittel, um diese Arbeit stärker 
vorantreiben zu können. Erst in den 
letzten zwei Jahren wurde die Bürger- 
schaft auf den so wichtigen Dienst des 
CVJM aufmerksam und immer mehr auf- 
geschlossen. So steht dieses junge Werk 



in Lüneburg, das jetzt schön gut einen 
zweiten Berufsarbeiter gebrauchen könnte, 
weithin nur auf seinen Glauben geworfen 
und ruft allen Brüdern in dem großen 
Werk der CVJM zu: Helft ihr uns durch 
eure Fürbitte, daß wir hier in noch viel 
größerem Ausmaße tun dürfen, wozu wir 
angetreten sind: Junge Menschen zu 
Christus zu führen! 

H. Hagen 



Tötlidie Betriebsamkeit 



Durch Herztod verloren allein im Novem- 
ber die Bundesregierung einen Minister, 
(Robert Tillmanns) und der Bundestag ein 
Mitglied (Gerhard Lütkens). Herzanfälle 
erlitten ebenfalls im November die Ab- 
geordneten Herbert Kriedemann, Kurt 
Georg Kiesinger und Carlo Schmid. Diese 
Nachrichten haben eine neuerliche Dis- 
kussion über den „Tod von Bonn" her- 
vorgerufen. Alle möglichen Vorschläge 
sind in der Presse veröffentlicht worden. 
Wir haben einen angesehenen Inter- 
nisten gefragt, welchen Rat er den über- . 
lasteten Bonnern geben würde. Er sagte: 
„Einen dreifachen: mehr Schlaf, mehr kör- 
perliche Bewegung, weniger Essen." Das 
klingt plausibel; aber ist es durchführbar? 
Was das Essen betrifft, ist es eine Frage 
der Willensstärke jedes Einzelnen, bei 
den ununterbrochenen Empfängen und Di- 
ners, die zu seinem Beruf gehören, recht- 
zeitig zu bremsen. Aber die Erfüllung der 
beiden anderen Ratschläge des Arztes 
* hängt auch von der Einstellung der Be- 
völkerung ab. Solange jeder Witz gegen 
Minister oder Abgeordnete, der sie als 
Faulpelze, Spesenjäger, Nichtstuer, Schar- 
latane darstellt, brausendes und zustim- 
mendes Gelächter auslöst, befinden sich 



diese Männer in einer ständigen Defen- 
sive. Sie sind geradezu gezwungen, stünd- 
lich aufs neue zu beweisen, daß sie flei- 
ßige Leute sind und ihre Tagegelder 
redlich verdienen. Keiner von ihnen 
würde es daher wagen, abends zu einer 
vernünftigen Zeit aufzubrechen, um seine 
acht Stunden Schlaf zu bekommen, oder 
sich gar mit einem Tennisschläger sehen 
zu lassen, von einem Reitpferd oder 
Jagdgewehr ganz zu schweigen. 
Sind wir nicht alle mitschuldig an dem 
frühen und jähen Sterben derer, die wir 
rücksichtslos und unnachsichtig in unsere 
politische oder gesellschaftliche Fron 
zwingen? Ist es wirklich nötig, daß wir 
so viel tagen, diskutieren, debattieren, 
konversieren, Vorträge halten und anhö- 
ren, Empfänge veranstalten und erdulden, 
hohle Begrüßungsworte von uns geben 
und über uns ergehen lassen? 
Es ist schwer, sich als Einzelner dem 
Betrieb zu entziehen, denn dann gilt man 
sofort als Sonderling. Aber dieser ver- 
maledeite Betrieb ist keine Naturgewalt! 
Wir haben ihn in der Hand. Nehmen wir 
ihn in die Hand und würgen wir ihn ab, 
um bei Kräften und am Leben zu bleiben. 

C. u. W. 



WAS IST MISSION 

Besser kann man eine Frage nicht beantworten, als es Prälat Karl Hartenstein 
(1894—1952) im kirchlichen Jahrbuch 1951 getan hat: 

„Gewiß ist die Sache der Mission die Sache des Gehorsams gegenüber dem Mis- 
sionsbefehl des Herrn. Aber nicht nur dies. Gewiß ist die Sache der Mission die 
Frage der Treue gebenüber dem Werk der Väter. Aber nicht nur dies. Alle diese 
Beweggründe zur Mission haben an ihrem Ort ihr Recht, aber sie genügen alle 
nicht, um angesichts der Erkenntnis der Heilsgeschichte die Mission zutiefst zu 
begründen. Die Mission ist viel mehr. Sie ist im Kern der heilsgeschichtliche Sinn 
der Zwischenzeit zwischen der Himmelfahrt und Wiederkunft des Herrn. Sie ist 
als Evangeliumszeugnis die Fortsetzung der Heilslinie in der Gegenwart auf die 
Wiederkunft Jesu hin." 



12 



1' 






in der Lohntüte? 



Im letzten Dezember spazierten vier 
junge Männer durch eine deutsche Groß- 
stadt. Sie trugen ein schweres Gerät mit 
sich herum. Dieses Ding hatte es in sich 
— es diente nämlich der Aufnahme von 
Gesprächen, die mitten auf der Straße 
geführt wurden — ein modernes Band- 
gerät, das in das Zentrum der Stadt 
hineingetragen wurde. 
Die jungen Männer hatten einigen Mut, 
als sie die Gespräche mit anderen jun- 
gen Männern begannen. Sie fragten näm- 
hch z. B. etwa so: 
„Herr Schneider, wie alt sind Sie?" 
Antwort; „21." 
„Was sind Sie von Beruf?" 
„Elektriker." . . 

, Dürfen wir Sie mal fragen, ob Ihnen 
Christus noch etwas zu sagen hat?" 
Volikommnes Verstummen. 
Auf die weitere Frage, ob Herrn Schnei- 
der Weihnachten noch etwas zu sagen 
habe, erfolgten blitzartige Antworten. Ja, 
ja, es sei ein Familienfest; aber gegen 
die Geschäftemacherei habe er, der Herr 
Schneider, einen Widerwillen. 
Hier sprudelt es also kräftig, während 
aie entscheidende Frage gar nicht be- 
antwortet wurde. 

So oder ähnlich war es bei fast allen 
anderen, die befragt wurden. Offene 
junge Menschen, die sich mehr oder we- 
niger gut ausdrücken konnten und in 
jedem Fall den Eindruck der Ehrlichkeit 
hinterließen. 

Manche wurden anscheinend durch die 
unmittelbare Anfrage in Verlegenheit 
versetzt; dann aber kamen die vier, bei 
denen es sich um junge Christen han- 
delte, mit jemand ins Gespräch, der in 
schneidender Schärfe ein paar Gedanken 
äußerte, die hier vermerkt werden sollen. 
Dieser Herbert sagt: „Ihre Frage ist 
eigentlich nicht bloß eine Weihnachts- 
frage. Sie gilt auch für das ganze Jahr." 




„Ja, ja", sagten die anderen, „man könnte 
es sogar auch eine ,Neujahrsfrage' nen- 
nen." 

„Wissen Sie, es werden jetzt so viel 
Vorträge gehalten, die einen Titel tra- 
gen, wie „Begegnung mit Gott" oder so. 
Ich habe mir darüber ein paar Gedanken 
gemacht. Wo kann ich denn eigentlich 
Gott begegnen? Die meisten Menschen 
verwechseln, um das gleich mal voraus 
zu nehmen, die Kirche mit Gott, also 
entweder die evangelische oder katholi- 
sche Kirche, oder sogar das Kirchen- 
gebäude. Sie meinen, sie sollten gele- 
gentlich eine Begegnung mit Gott haben, 
oder diese sei immerhin möglich, wenn 
sie ihrer Kirche treu blieben oder wenn 
sie sonntags in das Gotteshaus gingen. 
Hier liegt aber ein dicker Denkfehler. 
Denn ein Haus ist ja nicht Gott. 

Die große Zahl der Menschen von heute 
geht natürlich nicht einmal so weit, d. h 
sie geht nicht in die Kirche. Und trotzdem 
hat sie eine Begegnung mit Gott." 

„Ja, und wo?" fragten unsere vier jun- 
gen Leute. Und sie dachten aus ihrer 



13 



eigenen Glaubenshaltung heraus, die 
Antwort würde lauten: „Im Gebet." 

Herbert aber erwiderte: „Jeden Freitag- 
abend in der Lohntüte!" 

Er fuhr fort: „Ja, ja, machen Sie sich da 
mal gar nichts vor. Das ist so. In der 
Lohntüte tritt Gott auf beim Kirchen- 
steuer-Abzug. Die Kirchensteuer ärgert 
die Leute. Und deshalb fangen sie auch 
an, sich über Gott zu ärgern. So ist die 
Situation — und nicht ein bißchen 
anders!" 

Was hätten Sie diesem Mann erwidert? 
Unsere vier jungen Freunde versuchten 
es auf folgende Weise: 

„Wir glauben Ihnen gern, daß Sie von 
Ihrer Schau her recht haben; aber nach 
Ihrer Darstellung verwechseln ja auch 
diese Lohntütenempfänger Gott mit einer 
Behörde. Das Ärgernis geht also nicht 
von Gott aus, sondern von einem Amt. 
Das Christentum kennt freilich ein wirk- 
liches Ärgernis, und dazu bekennt es sich 
mit Freuden, während es mit diesem fal- 
schen ,behördlichen' Ärgernis anders ist." 

„Und wie heißt das wirkliche Ärgernis?" 

„Das ist das Kreuz. An diesem Zeichen 
haben die Menschen Anstoß genommen, 
seit es errichtet wurde. Und sie werden 
es auch -in kommenden Jahrhunderten 
tun. Aber gerade darauf kommt es nun 
auch an, nämlich, daß dieses Ärgernis, 
das mit Gottes Willen aufgerichtet 
wurde, auch erhalten bleibt. Das Kreuz, 
an dem Jesus hängt, ist eine geradezu 
furchtbare Herausforderung an jeden 
Menschen. An uns, ebenso wie auch an 
Sie! 

Wir sind nämlich gefordert, Stellung da- 
zu zu nehmen, d. h. entweder von diesem 
Zeidien wegzulaufen, ihm den Rücken 
zu kehren, oder aber darauf zuzugehen. 
Herbert konnte das alles nicht verstehen. 
„Aber", sagte er, „der Pfarrer ist doch 
der Mittler zwischen Gott und den 
Menschen?" 

„Nein", war die Antwort, „in der evan- 
gelischen Kirche sagt das kein Pfarrer." 
„Dann ist es also Unsinn, von einer 
Begegnung mit Gott zu reden?" 



„Nein. In der Bibel gibt es unzählige 
Beispiele von direkten Begegnungen mit 
Gott." 

„Ach was, die Bibel." 

„Entschuldigen Sie, aber wir hatten den 
Eindruck, daß Sie von sich aus die Frage 
und dann eine Anklage gestellt hätten. 
Jetzt zucken Sie schon bei dem bloßen 
Wort ,Bibel' zurück." 

Sie gingen dann alle zusammen eine 
Tasse Kaffee trinken und sprachen wei- 
ter bis tief in die Nacht hinein und ohne 
Bandgerät. Sie sagten, daß die Begeg- 
nung des Menschen mit Gott ein für alle- 
mal durch Jesus Christus, den Mittler, 
hergestellt worden sei, und daß sie alle, 
eingeschlossen Herbert, auch mit Gott 
durch das Gebet ins Gespräch kommen 
könnten. „Gott sieht und hört auf uns", 
sagten sie, „und wenn wir ihn zwar auch 
nicht sehen können, so können wir doch 
seine Stimme hören, wenn wir nämlich 
zu reden aufhören." 

Als Herbert, ziemlich aufgeregt, schließ- 
lich die Frage stellte, warum ihm das 
noch keiner gesagt hätte, erwiderten sie, 
daß er vielleicht vorher nicht gefragt, 
sondern nur geschimpft habe. 

Sie wünschten ihm zum Absciiied ein 
„begegnungsreiches neues Jahr", und um 
— wie sie es ausdrückten — „Nägel mit 
Köpfen zu machen", luden sie ihn gleich 
zur Fortsetzung des Gesprächs in den 
CVJM. Nun warten sie darauf, daß er 
auch kommt. K. M. 



Der Papst znm Fernsehen 

Niemand darf tatenlos der rasdien Entwicklung des 
Fernsehens zuschauen, wo man um seinen mäch- 
tigen Einfluß weiß, den es zweifellos auf das 
Volksleben auszuüben vermag, In der Förderung 
des Guten wie in der Verbreitung des Bösen. 
Als Ziel möchten Wir hinstellen nicht nur ein 
sittlich einwandfreies Fernsehen, sondern auch 
eines, das in christlichem Sinn erzieherisch wirken 
soll. 

Wir verkennen nicht, daß das Werk gewaltig grcjß 
und mühsam ist. Wenn aber das Fernsehen in 
jedes Haus, an jeden Ort, überall, wo es hin- 
kommt, .alles bringt, was wahr, was tugendhaft, 
was recht, was hellig, was anziehend" ist, wird 
die Sache der Kultur, der Religion und des Frie- 
dens den Gewinn davon haben. 

Papst Pius XII. 



Neue Horizonte für die Ausbreitung 

Blick aus der VogelsAau auf die Möglichlieiten missionarisdieii Dienstes 



1 1> 



14 



In Fortsetzung der Berichte über 
die Lage der CVJM in den fünf 
Erdteilen lassen wir nun die Dar- 
legungen Dr. Limberts über Europa 
und Amerika folgen: 

Europa, Mutterland der CVJM, Erdteil 
der Flüchtlinge, tief aufgespalten durcii 
die Spannung Ost— West, und zwar gei- 
stig wie geographisch — bedarf Europa 
noch der Ausbreitung der CVJM? Von 
Problemen des Geldmangels und des 
Wiederaufbaues nach dem Kriege be- 
drängt, sind viele Bewegungen nur Min- 
derheitsgruppen mit einer ungewissen 
Stellung in einer verweltlichten und 
feindlichen Gesellschaft. In manchen Län- 
dern sind die CVJM verschwunden, und 
in anderen, in denen sie eine lange Ge- 
schichte haben, sind sie kaum am Leben. 
Es muß noch viel mehr geschehen an ge- 
genseitigem Dienst der Bewegungen 
untereinander. Ausgedehnte Arbeits- 
besuche der Sekretäre von Land zu Land 
würden beiden Teilen ein Segen sein. 

Auf wenigstens zwei Linien muß es vor- 
angehen: „Die Eroberung der Haupt- 
städte" ist schon vor 60 Jahren als Ar- 
beitsgrundsatz des Weltkomitees geltend 
gemacht worden und nodi immer gültig. 
In allen strategischen Großstädten Euro- 
pas bedarf es großer CVJM mit einem 
Gebäude und wohlabgerundetem Pro- 
gramm. Gleichzeitig bedarf es einer gro- 
ßen Durchdringung der ländlidien Ge- 
biete mit einem Programm ohne Ge- 
bäude. Die Sekretärschaft muß als ein 
Fadiberuf mit innerer Berufung auf Le- 
benszeit verstanden werden. 

Europa ist ebenso sehr wie Asien und 
Afrika ein Arbeitsfeld evangelistischer 
Tätigkeit der CVJM. Es nimmt in Europa 
das Bewußtsein zu, daß man sich mög- 
licherweise in einem sozusagen „nacii- 
christUchen" Zeitabschnitt befindet. Die 
große Masse der Menschen ist dem Le- 
ben der Kirdie entfremdet und weithin 



ohne Kenntnis der grundlegenden christ- 
lichen Glaubenslehren. Selbst in Ländern 
mit hohen Mitgliederzahlen der Kirche 
ist die Zugehörigkeit zur Kirche oft eine 
Sache der Gewohnheit, mit wenig Teil- 
nahme am Leben der christlichen Ge- 
meinde. Es zeigt sich zunehmender Wi- 
derspruch gegen den Klerikalismus auf 
Seiten der Jugend und gleichzeitig ge- 
steigerter Konfessionalismus bei den amt- 
lichen Kirchenführern. Unter der Jugend 
gibt es einen neuen Individualismus, der 
sich nicht um seinen Nächsten kümmert 
und doch ernstlich Frieden wünscht. So 
liegt eine gewaltige Gelegenheit vor den 
CVJM, mit ihrem Zeugnis in Berührung 
mit diesen jungen Männern zu treten und 
ihnen zu helfen, ihren Platz in der leben- 
digen christlichen Gemeinde zu finden. 
Als Laienbewegung steht den CVJM der 
Weg zu Versuchen mit neuen Methoden 
offen, das Evangelium in allen Lebens- 
lagen wirksam werden zu lassen. Diese 
Versuche, die Jugend an den Rändern 
der christlichen Gemeinde anzusprechen, 
ist in der Vergangenheit die Art der 
CVJM gewesen und hier bietet sich auch 
ein Feld für die Ausbreitung in den kom- 
menden Jahren. 

Amerika, Land großer Stadtvereine 
mit sehr regen Programmen und doch 
noch zu erobernden Grenzen, die zum 
Vorgehen rufen. In Nordamerika 
mit seiner Begabung für Organisation 
sind alle größeren Städte besetzt. Zusam- 
men mit der raschen Füllung des Erdteils 
und dem Schwinden der Grenzen hat das 
schnelle Wachstum der CVJM Schritt ge- 
halten, gemessen an der Statistik der 
Vereine, Sekretäre und Mitglieder. Man 
kann sehr wohl fragen, ob dieses Wachs- 
tum zu schnell gegangen ist auf Kosten 
der Tiefe der Arbeit. So würde die 
Grenze, welche die Ausbreitung zu über- 
schreiten hätte, eine geistliche sein. 
Die von jüngeren Sekretären und Mit- 
gliedern häufig gestellte Frage, ob die 
CVJM in ihrer Wirkung „christlich" ge- 
nug sind, schiene anzudeuten, daß ein 



15 



Hunger besteht nach einer bestimmteren 
Darbietung der christlidien Botschaft, 
nach einem prophetischeren Programm 
und weniger Abglanz des kulturellen 
Musters des Erdteils. Können die CVJM 
ihre Stellung wiedergewinnen als die 
scharfe Schneide der christlichen Ge- 
meinde, als evangelische Vorposten und 
Schule des christlichen Zeugnisses sowie 
des christlidien Charakters? 

In Südamerika sind noch vier Län- 
der ohne einen einzigen CVJM. Vier 
andere haben nur einen Verein. Viele 
große Städte sind noch ohne Verein und 
warten nur auf die Leitersdiaft, die die 
Arbeit beginnen könnte. Zwei bedeu- 
tende Gruppen bleiben von den CVJM 
verhältnismäßig unerreicht. Die eine ist 
die einflußreiche Studentenschaft, die an- 
dere ist die ländliche Bevölkerung. Die 
CVJM Südamerikas haben ihren Schwer- 
punkt in den Großstädten, und es sind 
noch wirksame Mittel zu entwidceln, um 
in das Hinterland einzutreten. Obgleidi 
die Verhältnisse ganz andere sind, ste- 
hen die CVJM hier wie in Nordamerika 
vor den überwältigenden Aufgaben, dem 
Programm einen positiv christlidien Ge- 
halt zu geben und Mittel zu einer wirk- 
samen Darbietung der diristlidien Bot- 
sdiaft zu finden. Ein aufblühender, ge- 
sdiäftlidi höchst lebendiger, vorwärts- 
blidtender Kontinent mit alten Über- 
lieferungen und Kultur bietet große 
Möglichkeiten für Fortsdiritt und Aus- 
breitung der CVJM in Südamerika. 

In Mittelamerika und auf den Ka- 
ribisdien Inseln haben die CVJM sidi 
noch kaum bemerkbar gemacht. Die Ent- 
fernungen sind groß und die Vereinsa- 
mung der bestehenden kleinen CVJM- 
Gruppen ist umso größer. In einem Ge- 
biet mit einer großen Mannigfaltigkeit 
der Sprachen, Kulturen und politisdien 
Beziehungen ist es schwer, eine Strategie 
des Vorgehens zu sehen. Und dodi ist 
das Gebiet ein Angelpunkt. Es liegt am 
Schnittpunkt der amerikanischen Ver- 
kehrswege, und gerade hier ist eine um- 
fassende Strategie und ein vordrängen- 
der Einsatz der CVJM vonnöten. 




Wie wir in der vorigen Nummer der Pflugschar 
beriditeten, liat der CVJM Mannlieim eine Ver- 
lobtensdiule eingeriditet, die sidi eines guten 
Zusprudis erfreut. Die beiden hier sdieinen auch 
Interesse zu haben. 



Wir sdiließen die Beridite ab mit einer 
Frage aus dem Absdinitt: „Neue Hori- 
zonte für Ausbreitung": 

„Wird eine erneute Hingabe an Christus, 
eine erneute Bereitschaft williger und 
geschulter Leiter, eine angemessene Op- 
ferbereitsdiaft, eine den Zeitverhältnissen 
angepaßte Arbeitsmethode unter der 
Wirkung des Heiligen Geistes aus den 
Feiern von Paris hervorgehen? Wir wis- 
sen es nicht, wir hoffen und beten, daß 
es gesdiehe. Haben wir Glauben genug 
an Gott und die Macht seines Wortes, 
um uns ganz für seine Zwedce, und nidit 
für unsere eigenen gebraudien zu las- 
sen? Sind wir willig, zuerst seine Kinder, 
von ihm gelehrt, dann seine Jünger und 
sdiließhch seine Mitarbeiter bei der Aus- 
breitung seines Reidies zu sein?" 

Mdt. 



16 



Aus dem Werk- für das Werk 



100 Jahre Ostwerk 

Am 28. Januar 1956 begeht das Ostwerk seine 
Hundertjahrfeier in Berlin. Festprediger sind Lan- 
desbischof D. Dibelius, Reichswart F. Bopp, P. Dr. 
Werner Jentsdi. Die Feiern werden sich über 
einige Monate hinziehen. Die AG der CVJM grüßt 
das Ostwerlc in brüderlicher Verbundenheit und 
im Bewußtsein eines gemeinsamen Dienstes, der 
Auftrag von Gott her ist und sidi im Zeichen der 
Liebe äußert, die keine Grenzen kennt. 

Pariser IMadilese 

Das World Communique (Welt-Nachriditen) ist mit 
einer Sondernummer über die Hundertjahr- 
feier in Paris erschienen. Das Heft bringt in 140 
Aufnahmen einen ausgezeichneten photographi- 
schen Querschnitt und enthält in straffer Zusam- 
menfassung Berichte über die Veranstaltungen in 
Paris. Bestellungen an die Eichenkreuz-Buchhand- 
lung Kassel-W., Im Druseltal 8. (Text: Englisch.) 
In diesen Tagen erschienen zwei deutsche Ver- 
öffentlichungen über die Hundertjahrfeier in Pa- 
ris, und zwar ein Band mit 100 Aufnahmen, der 
sich „CVJM-Weltkonferenz Paris" nennt, 80 Sei- 
ten, DM 4.80. Außerdem liegt vor „Pioniere der 
Ökumene". Es handelt sich dabei um einen Al- 
manach mit den bedeutendsten deutschen Beiträ- 
gen und dem Grundreferat des Generalsekretärs 
des Weltbundes, sowde der Grundsatzerklärung 
des indischen Vertreters. 176 Seiten, DM 5.20. 
Beide Bücher sind von größtem Wert für jeden 
deutschen CVJMer. Des weiteren liegt ein Bild- 
streifen vor „Paris 1955, das Fest der 70 Na- 
tionen" mit 75 Bildern. Film DM 15.—. Glas 
DM 26.75. Alle Veröffentlichungen sind durch das 
Eichenkreuz-Haus, Kassel-W., Im Druseltal 8, zu 
erhalten. 



In wenigen Zeilen 



Ein V o 1 k s 1 i e d e r b u c h für die deutsche Be- 
wegung soll zu Ostern mit Noten vorliegen. Her- 
ausgeber ist Dr. Erich Gruber. 

Der internationale Jugendaustausch / CVJM be- 
teiligt sich mit der deutschen Kolping-Familie und 
dem VDK auch in diesem Jahr wieder an einem 
Einsatz auf einem deutschen Soldaten- 
Friedhof. Voraussichtlich wird ein Friedhof 
in Frankreich oder Italien in Frage kommen. Ein- 
satz von Mitte Juli bis Anfang September in 
mehreren Gruppen nacheinander. Anmeldungen 
schon jetzt an den Internationalen Jugendaus- 
tausch, Kassel-Wilhelmshöhe, Im Druseltal 8, er- 
beten. 

Walter S c h ü f f 1 e r , Essen, ist auf eigenen 
Wunsch aus dem AG-Ausschuß ausgetreten, dem 
er lange Jahre mit brüderlichem Rat diente. An 
seine Stelle trat als Vertreter der westdeutschen 
AG Walter Lange, Hagen. 

Der dänische und der belgische Nationalverband 
der CVJM haben der AG für die bereits über- 
wiesene Spende in Höhe von 3000 DM zur Unter- 
stützung der CVJM-Arbeit in Belgisch- 
Kongo gedankt. Bisher haben sicii 18 AG-Ver- 
eine am Aufkommen dieser Summe beteiligt. 



Aus Bremen liegen seit der Eröffnung des 
Hospizes folgende Belegungszahlen vor: 1. Monat 
56»/o, 2. Monat 84»/o, 3. Monat 93»/o, 4. Monat 97«/o. 

Wie in der deutschsprachigen Torontoer Zeitung 
mitgeteilt wird, wurde in Toronto in Canada 
ein neues Heim des CVJM und des Christlichen 
Vereins Junger Mädchen eröffnet. Die Bauten 
repräsentieren einen Wert von rund einer Million 
Dollar. 

Die Jungensciiaft John M o 1 1 vom CVJM Ra- 
tingen, Görsenkothen 5, fragt bei der „Pflugschar" 
an, ob nicht die Möglichkeit besteht, daß sich 
andere John-Mott-Gruppen mit ihr in Verbindung 
setzen. Wer macht den Anfang? 

CVJMer als Couleurträger? Das gibt es in der 
Schweiz, wie die Zeitschrift „Der Ruf" mitteilt. 
Die schweizerische CVJM-Verbindung SCV bezieht 
ihr Existenzrecht ausschließlich aus unserer Be- 
wegung. Es wird festgestellt, daß das Tragen von 
Farben (Mütze und Band) eine enge Verbunden- 
heit unter den Mitgliedern bewirkt. Man will sich 
dadurch auch in aller Öffentlichkeit zum CVJM 
bekennen. Im .übrigen gibt es „Burschen" und 
„Fuxen", eine Selbstverwaltung, einen Alt-Herren- 
verband und offenbar sehr viel gute Laune. 

In die AG neu aufgenommen wurden die Vereine 
Ludwigsburg und Osterode. 

Für die letzte Juli-Woche 1956 plant die AG ein 
großes Jugendlager im Steigerwald, das 
unter der Leitung von Generalsekretär Oskar Zeiß, 
Würzburg, steht. 

Die nächste Vorsitzenden-Freizeit der 
AG findet vom 27. April bis 1. Mai 1956 auf der 
Elsenburg bei Caub am Rhein statt. 

Der Finanzausschuß der AG ist neu ge- 
bildet worden. Ihm gehören an: Prof. Dr. Sörensen, 
Kommerzienrat Vordemfelde, Dr. Bartholomeyczik, 
Generaldirektor Bieneck und Bankdirektor Röttger. 

Peter Jakobson, der 2V2 Jahre Dienst im 
CVJM Frankfurt getan hat, ist nach den Verei- 
nigten Staaten ausgewandert. 

Zum Ersten Vorsitzenden der C.A.V. wurde stud. 
phys. Albrecht Dinkelsacker gewählt. Geschäfts- 
führer ist Wilfried Uhlmann. 

CVJM-Sekretäre, die die Sekretärschule in Kassel 
besucht haben, werden in der letzten September- 
woche 1956 zu einem Fortbildungslehrgang für 
„Ehemalige" zusammengerufen werden. 

Das deutsche Gesamtwerk plant für das Jahr 1956 
einen Tag des Jungen Mannes mit einer öffent- 
lichen Sammlung für den RV zu erwirken. 

Als hauptamtlicher Referent für Wehrmachtsbe- 
treuung im Stab des Reichsverbandes wurde Herr 
Günther Collatz angestellt. 

Der Reichsverband hat eine Fürbittenliste ent- 
worfen. Sie wird noch überprüft und dann den 
einzelnen Gliederungen des Werkes zugeleitet. 



17 



Der RV hat sidi entschlossen das Hotel Viktoria 
auf der Insel Borkum anzukaufen. 

CVJM-Sekretär Walter Kodi, B o ^^^ • . ^^^^ ^.^ 
Presse vier eigene Filme vorgeführt, die er m 
Laufe dir Jahre gedreht hat. Neben Fahrt- und 
Ferienfilmen wurde auch ein r^ciitiger Spaelhlm 
gezeigt, der 25 Minuten dauert und den Weg 
eines sich selbst überlassenen, verwahrlosten Jun- 
gen in die Geborgenheit einer Jugendgemeinschau 
zeigt. 

In diesem Jahre wird die B u n d e s h ö h e in 
Barmen ausgebaut. Der Westbund hatte ein Preis- 
ausschreiben für die beste Baulösung ausgesetzt. 
Den ersten Preis erhielt der Krefelder Architekt 
Esch U. a. ist audi die Anlage eines großen 
Sportplatzes mit Sporthalle vorgesehen. 

Die CVJM-Sekretärschule in Kassel hat einen 
neuen bebilderten Prospekt herausgebracht 
der auf Anforderung zur Verfügung steht. Er 
berichtet über die Aufgaben und Ziele, die be- 
schichte der Sekretärschule, Unterricht und Lehr- 
plan, Aufnahmebedingungen, Schulzeit und ent- 
hält die Anschriften der deutschen CVJM, wo 
nähere Auskunft eingeholt werden kann. 

In Köln wurden die „Ganz offene Tür" und das 
CVJM-Jugendhospiz an der Machabäerstraße 4Z 
eröffnet. Zur Feierstunde waren Vertreter der 
Stadt, der evangelischen und katholischen Kirdie, 
sowie des Jugendringes anwesend. Der 1. Vor- 
sitzende Zierold bezeichnete das Haus der »Offe- 
nen Tür" mit Hospiz als Brücke zum Ausland, da 
besonders das Hospiz ausländische Gäste beher- 
bergt. 

In Dortmund-Eving wurde ein „Haus für 
Alle" seiner Bestimmung übergeben. Es wird 
von 1200 Heimatlosen, insbesondere von Polen, 
benutzt. 



Unser Titelbild: 

GotisAer Backsteingiebel eines Bürgerhauses 
am Sande in Lüneburg 



Bei der Einweihung des neuen Rathauses in 
Nürnberg nahmen Mitglieder des CVJM ak- 
tiv teil: Sie traten in mittelalterlicher Kleidung 
mit Posaunen auf und eröffneten die festliche 
Stunde. Die Presse berichtete darüber in Wort 
und Bild. 

Der deutsche CVJM London teilt in seinem 
Jahresbericht mit, daß in den letzten zwölf Mo- 
naten insgesamt 34 299 Übernachtungen gezählt 
wurden. Diese Zahl stellt einen Rekord dar. Für 
den Verein erhebt sich angesichts dieses unerwar- 
teten Andranges die Frage, ob eine nochmalige 
Erweiterung ins Auge gefaßt werden soll. 

Für den CVJM forderte Altreichswart D. Stange 
in Wiesbaden eine Radikalisierung der 
Botschaft angesichts der großen geistigen Aus- 
einandersetzungen unserer Zeit. Wort und Tat 
müßten wieder eine Einheit werden. 

Stärkere Zentralisierung oder stärkere 
Dezentralisierung? So lautete die Frage, die auf 
einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Evan- 
gelischen Jugend Deutschlands aufgeworfen wurde. 
Man will sich zur weiteren Erörterung dieser 



Fraoe vom 21. bis 23. Januar 1956 treffen. Es 
werden H^ns-Otto Wölber, Arnold Dannenmann 
und Manfred Müller über die Situation der Ju- 
gend und unseren Auftrag sowie über die Struktur 
und Entwicklung der EJD sprechen. 

Barnabas Kofi D z a n t o r von der Goldküste in 
Afdka. im deutschen CVJM weithin bekannt, 
wird im Februar nach der Bundesrepublik kom- 
men, um die alten Beziehungen wieder aufzu- 
nehmen. 

Das B r a u n s c h w e i g e r Haus des Jungen 
Mannes besteht seit zwea Jahren. Die Statistit 
belehrt uns, daß wöchentlich 500 Personen dur^ 
VeranstaltuAgen erreicht werden. Im Wohnheim 
konnten 280 junge Männer untergebradit werden. 
Sarunter 65 Sowjetzonenflüchtlinge. In diesen zwei 
Jahren wurden rund 100 000 Portionen an Mittag- 
und Abendessen ausgegeben. 

Der Schulvorstand in Kassel hat einen Vorschlag 
für einen Anstellungsvertrag für P r a k 1 1 kan- 
ten ausgearbeitet. Er soll allen Bunden, der AG 
der CVJM, dem Heimatlosen-Lagerdienst und dem 
Christlichen Jugenddorfwerk zugesandt werden. 
Näheres dort. 



Überwindung der Vergangenheit 

Vor einiger Zeit nahm ein holländischer Rabbi- 
ner, dem man .nichts ansieht-, auf einer Fahrt 
durch Deutschland einen deutschen Jungen in sei- 
nem Auto mit. Man kam auf die Hillerzeit zu 
sprechen und war sich in der Abneigung gegen 
die Person Adolf Hitlers einig. »Zwei gute Dinge 
hat er uns aber doch vererbt", sagte der Junge, 
.wir haben die Autobahnen, und wir sind die 
Juden losgeworden.- Im weiteren Gesprädi stellte 
sich heraus, daß der Junge noch nie in «ei°«°J 
Leben einem Juden begegnet war. Ohne Zweiiei 
hatte er nichts Bösartiges zu denken und z« *agen 
gemeint, und ohne Zweifel hatte er eine AnslcÄi 
ausgedrückt, mit der er nicht alleinsteht. Ebenso 
aber darf kein Zweifel darüber sein, daß diese 
Einstellung verhängnisvoll ist. 
Sie ist verhängnisvoll wegen der Blutschuld, die 
wir von Hitlers Massenmorden der Juden ereroi 
haben. Es ist unsinnig, sie eine »Kollektivschuld 
zu nennen; der Bundespräsident hat "»»" *f™' 
vorgeschlagen. Ihn durch den Begriff der .Kolieit- 
tlv-Scham" zu ersetzen. 

Jene Einstellung ist aber auch verhängnisvoll, 
weil sie — selbst wenn sie aus GedankenloslgKeii 
stammt — einen bösartigen Keim darstellt, aus 
dem die unheilvollsten Früchte entstehen können. 
Der Satz Jenes Jungen Ist die klassische Form 
eines Vorurteils: er hatte noch nie mit einem 
Juden gesprochen; er redete kritiklos nach, was 
er gehört hatte; das Vorurteil bestärkte ihn m 
dem Bewußtsein, selbst zum besseren Teil der 
Menschheit zu gehörigen und auf andere Men- 
schen verächtlich herabsehen zu dürfen. Die un- 
geheure Macht der Vorurteile hat auf Erden si- 
cherlich schon viel mehr Unheil angerichtet als 
alle Bomben und Granaten; sie ist der Feind der 
Menschlichkeit, der Grund fürchterlichster Un- 
menschlichkeit. Sie ist die Macht der Stumplheli, 
der Dummheit, der Selbstgerechtigkeit. 

Helmut GoUwitzer 



Nene Bfidier 



* 






18 



Jettchen Gebert. Roman von Georg Hermann. Ver- 
lag Kiepenheuer & Witsch, Köln. DM 10.80. 
Es ist ein erfreuliches Ereignis, daß der Verlag 
dieses Buch, das um die Jahrhundertwende in 
aller Mund war, neu herausgebracht hat. Die 
Familiengeschichte, in der Jettchen Gebert die 
Mitte darstellt, spielt sich in dem allen Berlin 
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ab. Bei aller 
— oft fast dramatischen — Spannung, zwingt das 
Buch zur Besinnlichkeit; es hetzt und jagt den 
Menschen nicht, wie so viele Bücher unserer Tage. 
Menschen, die das gute Buch lieben, finden es 
hier. Mdt. 

Herberge zum Hufeisen. A. Den Dooland. Verlag 
Rütten & Loening, Frankfurt am Main. DM 3.90, 
Eine mitreißende Erzählung aus den schwarzen 
Bergen Albaniens. Ein Junge kämpf als Hort 
seiner Sippe um die Ehre seiner Familie bis zum 
Einsatz seines eigenen Lebens. Mdt. 

Verlag Albert Nauck & Co., Köln: „Im Faltboot 
von Gabon nach Mozambique". Maurice Patry, 
DM 12.50. 

Ein mit vielen schönen Aufnahmen ausgestattetes 
Buch von einer abenteuerlichen Durdiqueiung Alri- 
kas im Faltboot. Interessant, spannend und lehr- 
reich. Mdt. 

Quell-Verlag, Stuttgart: „Die Verlorenen". Anne- 
len Midcwilz. DM 1.80. 

Eine Erzählung aus dem Dreißigjährigen Krieg. 
Sie könnte auch aus dem Flüchtlingselend un- 
serer Tage geschrieben sein. Das macht sie so 
gegenwartsnah. 

Die Rotte Korah. Johannes Schöne. DM 3.60. 
Die Geschichte einer Gruppe von Flüchtlings- 
kindern, im Dorf mit dem Spitznamen „Rotte 
Korah" belegt, die gern Gutes tun will, aber von 
den Dorfbewohnern verkannt wird, gerät dadurch 
in allerlei Schuld und Not. Aber die prächtigen 
Kerle setzen sich durch und gewinnen die Herzen. 

Mdt. 



Wissen Sie eigentlich schon, was Diamat ist? 
Das ist der dialektische Materialismus, mit dem 
sich die ganze Welt auseinander zu setzen hat, 
ob sie das nun will oder nicht. Im Ernst-Klett- 
Verlag, Stuttgart, erschien ein Buch »Marxismus, 
Leninismus, Slalinismus". Der Verfasser Max Gu- 
stav Lange gibt eine Darstellung des Sachverhal- 
tes und übt Kritik, wobei auf billige Schlagworte 
verzichtet wird. Sehr lehrreich. 210 Seiten. Leinen 
DM 12.80. 

/ „überall dabei", so nennt sich das große Jungen- 
/ /Jahrbuch des Bertelsmann-Verlages mit 400 Seilen 
/ und zahlreichen Abbildungen zu dem verhältnis- 
mäßig geringen Preis von DM 12.80. Das Buch ist 
deshalb so wertvoll, weil es den Jungen Anre- 
gungen zu eigener Beschäftigung bietet und eine 
große Fülle von praktischen Winken enthält. Für 
jeden Jungen, aber auch für jeden, der Jugend- 
arbeit zu tun hat, sehr zu empfehlen. 

Bücher zum Vorlesen sind im CVJM immer ge- 
fragt. Jetzt liegen zwei neue vor. Das eine heißt 
„Sternenfall" (DM 4.80, Rufer-Verlag, Güters- 
loh). Es enthält Geschichten für ältere Leute, 
aber unter uns gesagt, eignet es sich für jede 
Altersklasse von Hrwachsenen. — Im gleichen Ver- 
lag hat Paul Alverdes eine Sammlung von Er- 
^ählungen und Gedichten herausgebracht, die sich 
der „Widerhall" nennt. Eine Fundgrube für 
Vorlese-Abende. 320 Seiten. Leinen. DM 12.80. 

Die Weltbewegung des CVJM kennt das Schlag- 
wort „Nur für 'Weiße" nicht. Dies ist aber 
der Name eines Buches von Gunnar Heiander. 
Hierbei geht es um das Rassenproblem, wie es 
uns in greller Schärfe in Südafrika gegenübertritt. 
Das Buch will keine Lösung bieten, sondern einen 
Ruf zur Selbstbesinnung darstellen. Es öffnet für 
vieles Ungekannte die Augen und sollte von 
jedem zu Rate gezogen werden, der sich für die 
Rassentrage interessiert. 



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Zwei neue alte Bücher 



Der Verlag Kiepenheuer & Witsch greift 
bei seinen Veröffentlichungen auch gern 
auf solche älteren Werke zurück, von denen 
man annehmen kann, daß sie nicht ohne 
Absicht vergessen worden sind. Vor einigen 
Jahren war es „Schönblatt und Cornelius** 
von Claude Tillier, jetzt sind es „Die Aben- 
teuer des braven Soldaten Sehwcjk" und 
„Jettchen Gebert". Der zuletzt genannte 
Roman, der noch eine Fortsetzung fand, er- 
1 schien, wenn ich nicht irre, zu Anfang die- 
ses Jahrhunderts. Er wurde damals lebhaft 
.begrüßt. „Die Abenteuer des braven Sol- 
daten Schwejk" (1921 tschechisch) haben 
sogar einen weltweiten Wideihall gehabt. 
Uebersetzungen des Buches, das satirisch 
den Nationalitätenkampf in der österreichi- 
' sehen Armee schildert und damals als eine 
Manifestation eines absoluten Pazifismus 
empfunden wurde, kamen in Deutschland, 
Oesterreich. Frankreich und England her- 
aus. Inzwischen sind manche Ereignisse 
über die Welt hinweggegangen. Die Fäden, 
«ie das Buch mit der politischen La^je, aus 
der es herauswuchs, verbinden, haben sich 
für den modernen Leser gelockert. Trotz- 
dem freut man sich, es endlich wieder in 
der Hand zu haben. Die grandiose Komik 
d«r Situationen ist dieselbe wie einst, und 
mehr, als man es früher empfinden konnte, 
zeigt sich jetzt, daß dieser Roman von sei- 
ner Perspektive lebt Pathot'sches G'^^che- 
hen wird von unten gesehen, von einem, 
der die nüchterne B?sis des Menschlich- 
Allzumenschlichen festhält. 

Auch „Jettchen Gebert" wird wieder ihre 
I^ser finden. Ich sage das nicht rnit dem 
Blick auf die Handlung, denn es ist die alte 
Geschichte, aus der die Dichter seit .ie .iede 
Menge an „süßer Schwermut" ziehen. Den 
Mann, den sie haben möchte, bekommt sie 
nicht, und der andere bleibt ihr fromd. Aber 
es ist ein kluges und gut gemnchtes Buch. 
Mit minutiöser Sorgfalt sind alle Tat5nch'-n 
zusammengetragen, die !^eei<Tnet sind, ein 
Bild vom Leben der bürgerlichen Kreise 
Berlins zwischen 1830 und 1840 zu geben, 
in denen der Roman spielt. Die Manier, m 
der dieses Bild gemalt ist, mag man etwas 



kaoriziös finilen. Es scheint mit kleinen 
Farbfleckcn hingetupft, aber es hat die 
Signatur der Zeit und ist darum auch von 
einem echten sozialgeschichtlichen Wert. 
„Die höheren und mittleren Schichten ver- 
achten und fürchten jetzt die Ideen und 
denken nur noch an ihre Interessen", 
schrieb Tocqueville in einem Brief 1858. Der 
Roman zeigt, wie weit dieser Prozeß zwei 
Jahrzehnte früher schon in den Kreisen 
gediehen war, die im 18. Jahrhundert noch 
in Berlin die geistige Elite gebildet hatten. 

w. s. 



Ueber die Sendung der Dichter 

Die „Deutsche Hausbücherei'', wohl die 
älteste Buchgemeinschaft des Landes, feiert 
den 40. Geburtstag. Buchgemeinschaften 
kamen und gingen in dieser Zeit, die man 
ein Menschentlter nennen kann. Manche 
wurden groß und bedeutend, andere sind 
schon wieder versessen. Mit Recht blickt 
die „Deutsche Hausbücherei" stolz auf die 
gelei^tete Arbeit im Dienste der Leser, im 
Geiste der Autoren, zurück. Sie gibt zu 
diesem Rückblick kein „Jahrbuch" heraus, 
keine umfangreiche Statistik, keinen auf- 
fallenden Katalog. Sie legt vielmehr eine 
kle^'ne Festschrift vor, „Die Sendung der 
Dichter" betitelt, in der namhafte Autoren 
zu einem Thema zu Wort kommen, das 
man als Bindeglied zwischen Leserschaft 
und Schriftstellern bezeichnen kann. 

Da plaudert Werner Eergengruen aus 
der Schule und verrät, warum er dichtet, 
da analysierten Friedr. Griese, Emil Barth, 
Gunnar Gunnarsscn und Ludwig Tügel, 
was es eigentlich mit dem Schreiben, dem 
Schreiben-Müssen und dem SchreibeÄ- 
Können auf sich habe. Wilhelm von Scholz 
erklärt die Kunst der kurzen Erzählung 
und Wilhelm Lehmann glossiert das Ge- 
dicht als Tatsache. Dies sind einige der auf 
119 Seiten des schmucken Leinenbändchen 
plaudernden Autoren. Wären nur alle 
Jubilnumsbände, Festschriften und Jahres- 
rückblicke so kurz, so geistvoll und so an- 
genehm zu lesen. -off 



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Garland, Rodiiey: Die Nacht der Verwirrung. Roman. (A. d. Engl.) 

Stuttgart: Steingrüben -Verlag 1955. 258 S. L. 12.80. 
Der Pseudonyme Verfasser hat einen Schlüsselroman um das Verschwinden 
der englischen Diplomaten Burgess und McLean aus offenbar ausgezeichneter 
Kenntnis der Zusammenhänge und der beiden Geflohenen geschrieben. Das 
fesselnde Buch ist eine scharfsinnige Analyse der geistigen und sozialen Lage 
unserer Zeit mit all ihrer Labihtät. Ausgezeichnet geschrieben und übersetzt, 
wird es allen Volksbüchereien für reife Leser empfohlen. Dr. Thiel 

Henschel, Gerhard: Colonel Brooks. Roman. 

Bamberg: Staackmann 1954. 272 S. L. 9.80. 
Dieser Roman ist weniger ein Kriegsbuch als die Darstellung eines starken, 
ja wesentlichen Erlebnisses zwischen Menschen zweier Rassen. Colonel Brooks 
ist ein amerikanischer Negeroffizier, der zwei jungen deutschen Kriegsgefan- 
genen in einem Lager bei Marseille zum wahren Helfer und Freund wird, ihnen 
den Glauben an die Kraft der reinen Menschlichkeit wiedergibt und der sich 
wegen dieser Menschlichkeit schHeßlich verantworten muß, denn „m solcher 
Freiheit zu leben, duldet kein Gesetz." — Das vorliegende Buch ist das Erstlings- 
werk eines jungen schlesischen Schriftstellers, und es haften ihm auch noch viele 
Mängel an, in der Sprache und Darstellungskraft und in der Geschlossenheit 
der Komposition; trotzdem eine vielversprechende Hoffnung! Der Roman wird 
vor allem diejenigen Leser interessieren, die Verständnis und Aufgeschlossenheit 
für das Rassenproblem besitzen, er enthält Stellen voller Schwermut und ernster 
Schönheit. Für größere Büchereien zu empfehlen. Marg. Schmeer 

Hermann, Georg : Jettchen Gehert. Roman. 

Köln — Berlin: Kiepenheuer & Witsch o. J. 464 S. L. 10.80. 
Eine der erfreulichsten Neuauflagen älterer Romane, die den ganzen Reiz 
bewahrt haben, mit dem sie einst in die literarische Welt traten. Die Geschichte 
der schönen Jüdin Jettchen Gebert ist eingebettet in ein liebevoll gemaltes 
Zeitbild des Berliner Biedermeier, durch das bereits die ersten Sturme des 
Vormärz wehen. Reicht der Verfasser auch nicht an die Gestaltungskraft 
Theodor Fontanes heran, an dem er sich ein Beispiel nahm, so hat er doch einen 
bedeutenden Roman geschaffen, an dem das Kulturgeschichtliche nicht minder 
als das rein Menschliche auch heute noch fesseln. Alle Volksbüchereien sollten 
dieses Buch einstellen. Gerade in der heutigen an wertvollen Neuerscheinungen 
so armenZeit werdenRomane, wie dieser, den Lesern besonders willkommen sem. 

Rüdiger 

Hoffmann, Ruth : Meine Freunde aus Davids Geschlecht. 

Berlin: Lettner- Verlag (Neuauflage 1955). 243 S. L. 10.40. 
Aus dem Born der Erinnerung haben diese biographischen Erzählungen 
Gestalt gewonnen, die so menschlich nacherlebt und von einem liebenden Herzen 
durchglüht sind, daß sich niemand dem Zauber der kleinen Begebenheiten 
wie den bemerkenswerten Begegnungen und Geschehnissen in einer unseligen 
Zeit wird entziehen können. Durchaus unpolitisch sind diese aneinander- 
gereihten poesievollen Erinnerungen und Erlebnisse der schlesischen Erzählerin 
auf einen versöhnlichen Grundton gestimmt. Wo klug durchdachte Abhand- 
lungen gegen den Antisemitismus belehren und überzeugen wollen, weckt 
dieses flüssig, geschriebene Buch mit seiner privaten Atmosphäre und seinen 
farbig kolorie^rten Zeitstimmungen echte menschliche Anteilnahme. Hier bietet 
sich für jeden Büchereileiter die willkommene Gelegenheit, mit einem gediegenen 
Erinnerungsbuch dem Gedanken der Toleranz zu dienen. H. O. Thiele 



20 



^it freundlichen Empfehlungen 
überreicht vom 

Verlag Kiepenheuer & Witsch 



Xöln 



ßeieniionccbl. 



BÜCHEREI 

UND 

BILDUNG 

Redaktion 



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Beleg aus Heft T Jg-^/l^^^ S. 33f 



Georg Hermann: Jettchen Geben. Roman, 
Mit HL V. Beate Obsieger. Köln: Kiepen- 
heuer & Witsch o. /. 464 S. Lw. D?4 
10.80. 
»Sie konnten zueinander nicht finden, das 
Wasser war viel zu tief . . .« Das uralte, 
ewig-neue Lied von den unglüdclich Lie- 
benden, Georg Hermann hat es in seinem 
Roman von der sdiönen Jüdin Jettchen 
Gebert in leiser Melancholie vor dem Hin- 
tergrunde des biedermeierlichen Berlin ab- 
gewandelt. Die Nichte des reichen Seiden- 
warenhändlers Salomon Gebert aus der 
Neuen Königstraße muß auf Familien- 
wunsdi den dicken, wurstfingrigen Vetter 
Julius aus Neu-Bentschen ehelichen, wäh- 
rend ihr Herz doch dem talentierten und 
aufstrebenden Literaten Dr. Kößling ge- 
hört, der so hinreißend Beethoven zu spie- 
len versteht und ihr von den verträumten 
Märchengassen seiner Heimatstadt Braun- 
sdiweig erzählt auf langen Spaziergängen 
durdi die schattenkühlen Alleen des Char- 
lottenburger Schloßparks. 
Das Mißtrauen wohlhabender Bürgerkreise 
gegenüber jeder nicht gesicherten Existenz, 
vor allem gegen künstlerische Boh^mie 
wird hier noch verstärkt durch den Stan- 
desstolz und das Vorurteil glaubenstreuer 
Juden dem liberalen Journalisten gegen- 
über. Verhalten und mit einem Unterton 
schmerzlicher Entsagung erzählt Hermann 
diese Geschichte eines kurzen Liebessom- 
mers und fügt in sie eine Reihe von sdiar- 
fen Zeitbeobachtungen ein. So ersteht vor 
den Augen des Lesers, mit haarfeinem 
Pinselstrich gemalt wie auf den Bildern 
Krügers, das vormärzliche Berlin des drit- 
ten Friedrich Wilhelm, der arbeitsamen 
emsigen Stadt und der heimlidien geistigen 
Unruhe, die, von den besten Köpfen der 
Nation geschürt, nadi einer Verfassung und 
der Beseitigung alter Köpfe verlangte. 
Man hat Hermann oft mit Fontane ver- 
glichen. Das stimmt aber nur für die foto- 
grafische Treue der Details. Die pointierte 
Sprache des märkischen Gaskogners ver- 
mißt man bei dem Jüngeren ebenso wie das 
»heitere Darüberstehen«. Hermanns Welt 
ist nicht nur ständisdi enger, sie bleibt in 
das Halbdunkel einer melancholisdien 
Tristesse getaucht und irgendwie steigt aus 
den Seiten der Duft von Lavendel und 
Thymian, was, um mit Fontane zu reden, 
natürlich auch manches für sich hat. 
Der Verlag hat dem schönen, ja noblen 
Buche einige entzückende Illustrationen 
beigegeben, die, graziös wie die hauchzar- 
ten Sdiöpfungen Bele Bachems, ein doppel- 
tes Gesicht tragen: ein biedermeierliches 
und ein modernes. Wir werden »Jettdien 
Gebert« in unseren Büchereien auf das 
herzlichste wieder willkommen heißen 
und vor allem für unsere weiblidien Leser 
vom Backfischalter an in jeder Stadt- 
büdierei bereithalten. Jürgen Eyssen 






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REDAKTION 

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Sächsiscilßii Arbeiter-Zeitung 

lind des 

Volksfreundes. 

Sprechstunde von 12—1 Uhr. 




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Heid^lberg^ohlierbaoh March^27 



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Ur. Arnold Bennett, 
London • 



Dear Sir! 



I have commissioned my publisoher to send you a 
copy of m^ novel Hett^ Jeybert. Thia tranalation appeared rather 
a long tlme ago in England and then in America ^but did not have 
the success aocording its auooess in Sermany and other european 
covoatries^especiall/ Scandinavia and Holland« 

In Grermany it belongs to the permanoy of litteratur and in Holland 
it is read in schoola» Perhaps it was publicated to soon after 
the v»ar,having no sucoeas^althougb it was oritised most favour- 
ably^I am double upsat about the faot^beoause X^ust bj/ this book 
I wanted to make my way in Bngligh speaking oountries for others 
such like Dr. Herzfeld^which have a pacific and nation-reoonoi- 
lation idea# 

Hett^ Jeybert is without its continuation Henriette iacoby scare- 
celi to be understood in its depth^-A^ I am of the opinion that 
my way of writing ought to be understood by Bnglish people.the 

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main part of my readers belonging to the*people of the Oerman 
idiomialthough I also found friends in Prance,Italy,H\xngaria 
and Russia) I rec^uest you once more to have the great kindness 
to trjr to get for the book the estimation by the Bnglish readers 
thanks to you and the prominent and notable place which is at 
your disposal 



yours truly 



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Berlin N.W. 

Altonakrstn. 36. 



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ALBERT SACHS 



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Lüueburgerstr. 11. 



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SIEGFRIED FREUND 

DRESDENERSTR. 10 
TELEPHON 2634. 

BU REAU : 

SUBDI RECTION 

DER 

FRIEDRICH WILHELM 

WESTENHELLWEG 40. 
TELEPHON 2901 




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GKORG HERMANN BORGHARDT 

TEL. AMT WILM» 978 
3-4 UHR. 



WILM EKSDORF, D fT-T . .*,,/f-^ 

UULANDSTK. 114-115, GTII. I. 



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SIEGFRIED FREUND 

DRESDENERSTR. 10 
TELEPHON 2634. 

BUREAU : 
SUBDIRECTION 

DER 

FRIEDRICH WILHELM 
WESTENHELLWEQ 40. 

TELEPHON 2901 




DORTMUND. -rrr:. 19 



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Dr. EDMUND SAALFELD, 

Specialarzt für Haiitkr:iiikhcitcn. 

— I/o*;, 1/24—5 ausser Mittwoch. 



Fernsprecher: II, 727. 

BERLIN NW., 2./J i, 
4 Kronprinzenuter. 



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F'asanen-Strasse 69. 




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ELLEBOOGSTRAAT 945 - HILVERSUM 



LAAT UW 

SCHAREN, BIJLEN, TUINGEREEDSCHAPPEN 

. ENZ. VAKKUNDIG SLIJPEN ^ 



SPECIAAL INGERICHT 

VOOR HliT SLIJPEN EN POLIJSTEN VAN 

ROESTVRIJE MESSEN 

Laat Uw Antiek Koperwerk poetsvrij vernissem 

BELEEFD AANBEVELEND. 

A. WESTBROEK» 




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Hünibcraer Str. 7. 



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Georg Bornhöfft, 



Lübeck. 



Fabrik chemischer Präparate. 

Spezialität : 
Appreturen und Schlichtpräparate, 
Wollschmelzfette und Textilseifen. 



Fernsprecher 228. 
Bankkonto: Bank für Handel und Gewerbe. 

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Lübeck, den X9r ^^^^^^ 19 U 



Herr n 



9eorg Hermaan B o r o h a r d t 



Grunewald -: Berlia* ' 



Trabenerstrasae 19* 



Sehr geehrter Herr#' 

Jhren Roman „' Kublnke ' habe lob mit. grossem Jnteresse gelesen und konnte 
loh dar Versaohung nloht widerstehen^ das Buoh zu erwerben;' 

Joh trete nun heute ah Sie mitr einer Anfrage heran und hoffe, dass Sie dlei»; 
selbe: nloht. falsoh auffassen werden«* 

Joh fabriziere: einen Raslroreme und wsir mir, wie: dieses so häufig geht^ 
liber eine passende Benennung dieser Art alohb klar, bis mir: nabh dem Lesen Jhres drolligen 
Romans der Qedanke kam, mein tjiabrikat mit. dem Hamen „Kublnke • zu bezelohnen;' 

Bevor: ich dieses in die fflrklichkelt' umsetze; möohte loh mir die höfl<» An^: 
frage: erlauben, ob: Sie Irgend welohe: Bedenken hierbei hätten und sollte es mloh freuen, auf 
mein Schreiben eine kurze diesbezägllohe Röokäusserung zu erhalten.' 

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GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 



BERLIN W.« den 21. Oktober 1911. 

Kleiststrasse 21. 



Ha. 



Herrn 



Georg Hermann- Borchardt . 



G r u n e w a 1 d • 



Trabenerstrasse 19. 



Lieber Herr Borchardt! 



Selbstverständlich werde ich Ihren Brief beant- 
worten und sogar recht ausführlich. Aber ich muss Sie bitten, 
sich mit der Antwort noch einige Tage zu gedulden, da ich 
augenblicklich sehr in der Arbeit stecke. Und um alle Irr- 
tümer Ihres Briefes zu widerlegen, brauche ich viel Zeit* 
Ich hoffe die ausführliche Antwort, die Sie sicherlich da- 
von überzeugen wird, wie falsch alle Voraussetzungen sind, 
von denen Sie ausgehen, bestimmt noch im Laufe der nächsten 
Woche zugehen zu lassen* 

In grosser Eile 




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GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 



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Herrn 



BERLIN W.« den 

Kleiststrasse 21. 



9. November 1911. 



Georg Hermann - Borchardt 



Q r u n e w tL 1 d - Berlin 



Lieber Herr Borchardt ! 



.♦•t 



Am 20. Oktober (NB. an meinem Qeburtßtag ) habe ich 
Ihre Zeilen vom 19. Oktober erhalten und erst heute am 9. November 
bin ich in der Lage, diesen Brief zu diktieren^ mit dem ich das 



Ihnen gegebene Antwortverspreehen einlösen will. Ich hatte Ihnen 
gern früher geantwortet, aber Ullstein, Plutus, Vorlesungen, die 
Notwendigkeit, hie und dd eine mit geneigte Stunde zu schöpferi- 
scher Arbeit auszunutzen und ab und zu auch der Wunsch, mir ein 



klein wenig Abwechslung diroh Vei^gnugen zu verschaffen, das hat 
mich alles schon seit langem in einen heftigen Kampf mit dem lie- 
ben Gott verstrickt, den ich alle paar Tage einmal mit der Bitte 
bestürme, dem Tag noch ein paar Stunden anzuflicken. Auch heute 
ist die Gespensterstunde schon vorüber, da ich mich zur Beantwor- 
tung Ihres Schreibens vor meinem Sprec^happarat niederlasse/. Ich 
will aber trotz dieser sptxten Stunde meine Ihnen zugesagte Antwort 
nicht länger aufschieben, weil das vielleicht doch sonst den Ein- 



druck machen konnte, al s ob ich einer Antwort aus dem Wege gehen 
wijl. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall. Es ist mir 
ein Bedürfnis, Ihnen zu antworten. Denn das, was Sie in Ihrem Brie 
ziemlich offen schreiben, ist , wie ich genau weiss, die Meinugg 
einer ganzen Reihe von Mensehen und ich bin nicht einfaltig genug, 
die vielen liebenswürdigen Gesichter, die sich mir zu zeigen pfle- 



II. 



GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

Herrn 



fljeorg Hermann - 



BERLIN W.^, den 



^r 



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gen, a] s den Ausdruck der Ueberzeugung der lachenden Maskentrager 
anzusehen. Vielmehr weiss ich ganz gut, dass das, was Sie offen ge 
sagt haben, viel.e hinter mir herraunen, teils aus Neid, teils aus 
Bosheit, teils wohl auch nur, weij es nun einmal in der Natur der 
meisten Menschen liegt, eine gewisse wollüstige Befriedigung darin 
zu finden, jemanden, der es weiter als sie gebracht hat, einen E- 



s 



el oder einen Schurken zu nennen. Ich muss wirklich schon beinahe 



stolz darauf sein, dass diese Leute furchten müssen, sich lacher- 
lich zu machen, wenn sie mich dumm schelten. Aber ich muss sagen, 
dass es mir doch im Qegensutz zu einem anderen Koj legen, immer 
noch sympathischer ist, ein Esel als ein Schweinehund zu heissen« 
Und nehmen Siö ^^ niir nicht übel, lieber Borchardt, ich komme auch 
heute, nach vielen "idQen noch immer nicht dai-^über hinweg, dass ge- 




rade Sie, mit/ich nun wirklich viele jähre hindurch vw Lpklicy h gut 



gestanden habe, dass gerade Sie, dessen dauernder Gewinnung für 
das Haus Ull^:tein, aus aufrichtiger Wertschätzung für Ihre Leistun 
gen, einer meiner ersten Versuche meiner damals noch frischen Stel 
lung Wtir, mich ziemlich unverholen einen Schweinehund nannten,. 
Sie wollen es ja jetzt nicht wahr haben. Aber Sie haben mir doch 
schliesslich in der letzten Verscmmlung ziemlich unverholen gesagt 
dass ich zwar beteuert hätte, mir schlüge unter dem Schafpelz noch 
immer das Wolfsherz, aber dieser Versicherung sei doch nicht recht 
zu trauen. Ich kenne den von Ihnen zitierten Heineschn Vers sehr 
wohl. Ich kann auch seinen Sinn deuten. Aber dieser Sinn passt 
nicht zum Sinn Ihrer Rede. In Wirklichkeit lag in Ihren Worten der 



frri i-vr^ 



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I^^Hhs— in e f J. g 



III. 



GEORG BERNHARD 



Herausgeber des Plutus. 

^ Herrn Georg Hermann 



BERLIN W.^, den 



^ 



Diesen Vorwurf halte ich für sehr schwer und zwur ganz 
g].eichgi] tig, ob diese Doppelzüngigkeit »^ich gegen die Herren Ull- 
stein oder ^,egen raeine Vereinsko] 3 egen rieht et • Tatsächlich habe 
ich aber , fiir Jed^n verständlich, damals ni hts weiter gesagt, 
a] s dass ich nach wie vor lediglich meiner Überzeugung nach hande/ 
le. Dass ich mich weder ira Ullstein sehen Interesse zu einer Unlau- 
terkeit gegen meine Berufskollegen, noch im Interesse dieser zu 
einer Unlauterkeit gegen die Herren Ullstein missbrauchen lassen 



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rde. Darin un terscheidif^sich Ja gerade ein Mann von Karakter 



von einem Gesinnungslosen, dass er wohl Arbeitskraft und Talen-:, 
aber niemals seine Überzeugung verkauft. 



Sie legen sc^grosses Gewicht auf die Erhaltung der 



bisher zwischen uns bestandenen guten Beziehungen und drucken mir 
zuri Schluss Ihres Briefes noch einma/^Ihre Wert s^^^i atzujig aus. Ja, 
aber lieber Herr Borchardt, wo sind denn die Au^üjei ' ^ngtf n^ Ihrer 
Wertschätzung durch die Tat. Ist Ihnen denn während der ganzen 
Debatten niemals der Gedanke gekommen: Der Bernhard, den ich als 



•• 



anstandigen Menschen kenne, vertritt hier eine Angelegenheit, die 
mir nicht ganz klar ist* Sie muss doch, da Bernhard sie vertritt, 
sieht ganz so faul sein, wie sie von der Gegenseite dargestellt 
wird! Ich hätte Ja s^^h] iesslich schweigen können, haltte doch über 
haupt nicht not ig, in die Versammlung zu kommen. Wenn ich es doch 
tat und wenn ich dort das Wort in so nachdrücklicher Weise er- 
griff, wie ich es getan habe, so muss/ircif, wenn von einer wirkli- 
chen Wertschätzung meiner Person bei Ihnen die Rede sein konnte, 
den Pa]] Goldschmidt doch etwas skeptischer betrachten als Sie 



IV. 
GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

— <» — Herrn Georg Hern an n 



B E R L I N W. ^, den 

Kleiststrasse 21. 

Borchdrdt . 



es getcin haben . 

Lassen Sie sich von mir sagen, dass Herr Dr. Gold- 
Schmidt keineswegs wegen des Pal 3 es Go3 dsohr.'iidt;6 entlassen worden 



ist, den er konstruiert und mit so grossem Pathos vortragt. Aber 
selbst dieser Fall liegt wesentlich anders, als wie Golds':?hmidt 
ihn dc.rste]]t. Quldschrnidt hatte eine Information der ^eut sehen 
Bank veröffentlicht. Am nächsten Tag erklärte ihm jemand, die 
Deutsche Bank habe ihn belogen. Fiir diese Tatsache hatte er kei- 
nen anderen Beweis alsr di^Behauptung eines Dritte^^, Er informierte 
sich nicht, ob diese Behauptung richtig war, sondern schrieb flugs 
in die Zeitung, dass die Direktoren der Deutschen Bank kein Ver- 
trauen verdienten. Als Soh.i einer Kaufmann sfamil ie werden Sie wis- 



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sen, dass das für einen Kaufmann ein immerhin sehr schv/erer Vor- 
wurf ist. Aber auch das war Ju noch nicht das Schlimmste. Am nach- 



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ster] Tag lasst der Direktc;r der Deutschen Bank ihn an der Bcräe 
bitten, doch einmal an seinen Tisch zu kommen. Herr Du. Goldschmid 
aber brüllt durch das Presseäimmer an der Börse, sodass es Jeder 
hören kann, mit einem Manne, der mich belügt, verkehre ich nicht 
mehr. Darauf erklart die Direktion der Deutschen Bank, dass sie 
zu der Redaktion der Uli stein sc hen B3^*tter ihre Beziehungen .-b- 
briciht , (erklart übrigens gleichzeitig, das^' das auf die geschäft- 
lichen Beziehungen mit dem Hause Ullstein keinen Einfluss haben 
werde) I und verlangt vom Verlage, (da# die Redaktion jeden Verkehr 
mit ihr abgelehnt hat ) eine Genugtuung. Man stellt Gol dschmldt 
das Ungehörige dieses Falles dar, sagt ihm, da 's er doch schliess- 
lich als Vertreter unserer R^^daktion die Leute an der Borse/be- 




> 



GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

HerPn Qeorg 



V. 



BERLIN W.^, den 
Hermann - Borchara**«*^"^*^!. 



Sihirapfen könne, beson-lers da er nicht einma^den Beweis dafür 
in der Hand habe, dass er wirklich beloKen sei. Der Verlag stellt 
sich auf den Standpunkt, C cxss Goldschiaidt die Sache irgend wie ins| 
Reine bringen müsse. Goldschmidt wehr^sicli aber wochenlang prinzi- 
piell gegen diese Forderung, vergchlepyt die Sache so lange, bis 
die Direktion erklärt, jeti^t keine andere Genugtuung als Revoka- 



tion annehmen zu können. Der Verlag legt Goldschr.iidt dar, dass er 

einen unha] tbaren Zustand geschaffen habe, dass die Direktion der 

der Handelsredaktion 
Deutschen Bank />f/ die offiziellen Mitteilungen, die.'tellweisö i'Ct 1 

sehr wichtig sind, und die allen anderen Leitungen zugehen, sper- 
ren werde und da^s, wenn keine Einigung zu erzielen sei, unsere 
Blätter Gefahr laufen, wesentliche Nachrichten, die aide anderen 
Blatter veröffentlichen können, nicht zu haben, wodurch natürlich 
das Renommii der Zeitung gesj^hädigt wird. Golds^jhmidt verharrt aber 
auf seinem eigensinnigen Standpunkt und hat damit eine kleine Un- 
stiramigkeit, die in jeder R<-^daktian elnma/^ vorkomiaen kann, zu ein 
Affaire aufgebauscht. Nun soll Herr Dr. Ullstein in einer SJuterre 
düng mit i^m Herrn Dr. Gol dschmidt ^'ge^sagt haben: MEntweder Sie ge 
hen zur Deutschen Bank, oder unsere Wege trennen sich.» Ich habe 
dieser Unterredung nicht beigewohnt, wliLl aber garnicht an der 
Richtigkeit der Gol dschmi Uschen Darstellung zweifeln. Jedenfalls 
kann ich Sie auf mein Ehrenwort versichern, das.s der Verlag gar- 
nicht daran dachte, Herrn Dr. Goldschmidt aus diesem Anlass etwa z 
zu kündij(fgen . Im Gegenteil J die Pirmeninhtiber konferierten mih. mir 
noch darüber, wie die Angelegenheit invifi Reine zu bringen sei und 

ich kann Sie ver.sichem, dass gerade bei dieser Konferenz von al - 



GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

Herrn Georg 



VI. 



BERLIN W.^, den 



^ 



Jen Seiten für Herrn Dr. Qoldschmidt eine starke Sympathie hervor- 
trc-tt. Es \vurde seh] iessllch erwogen, ob ich nicht die Stiche in die 
Hand nehmen, und* eine für alle Teile befriedigende Vermitt ] ungsak^ 
tion einleiten wollte« Ich erklärte mich dazu bereit. Da empfing 
der Verlag einen Brief von Herrn Dr. Gol dS';hmidt , in dam erklärt 
wurde, dass das Verl angen . (1/Js Herrn Dr. Ullstein (v/ie Guldsehmidt 
annahm, namens des Verlages) an ihn gestellt habe, nJwJt t der Ehre 



und der Würde eines unabhängigen Journalisten entgegensei. purch 
die Behauptung, dass der Verlag einem seiner Redakteure eine ohr- 
lose Qder würdelose Haltung zumuten könne, fühlten sich sämtliche 
Inhaber des Hauses beleidigt und darauf hin sahen sie keinen ande^ 
ren Weg, als Herrn Dt». Guldsehmidt zu kundigen. Auf meine Veran- 
lassung '^vurde der Kündigungsbrief noch so formiillert, dass aus ihm 
zu ersehen war, dass der Verlag sich beleidigt fühlte und einzig 
diese Beleidigung Kündigungsgrund sei. Ich S(^hlug diese Passung 
auch deshalb vor, weil ich der festen Oberzeugung war, dass, wenn 



Herr Dr. Golds'hmidt diesen Entlassungsgrund erfuhr 



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sich doch mindestens veranlasst sehen wurde, zu erklaren, dass er 
den Verlag nicht habe beleidigen wollen. Ich habe ihn durch eine 
Reihe von Kollegen beinahe bitten lassen, diese E'^'klarung dem Ver- 
lag schriftlich abzugeben und habe ihm sehr deutlich gleichzeitig 
zusichern lassen, lass dann der Verlag die Kündigung zurücknehmen 
und dann ich die Sache mit der Deutschen Bank ins Reine brin&ren 
\/urde. Das hat Herr Dr. Gol ds'^hmidt, der leider sehr sohl echt bera 
ten war, nicht getan. Und so ist es denn zum Ausscheiden des Herrn 
Dr. Goldschiiidt gekommen. Er ist also keineswegs wegen übertriebe- 



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GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

o Herrn 



VII. 



Qeorg Hei'^mcinn - 



BERLIN W.^, den 



ner st^kopfiger Ehrenhaf tigtkeit entlassen worden, wie Sie schi^ei 
ben, sondern er hat tatsäbhlich nicht bloss gegen einen Bankdieek-] 
tor, ( ler Ja auch kein seh] echterer Mensch istals andere), sondern 
auch gegen seinen Verlag ohne die Spur eines Beweises schwere Be- 



"T^^/^Cifiiyn^^i^a^^ 




leidigungen erhoben* 

Herr Cuno hat in der ^jUD ^ haiibunftig^n Sitzung des Verein 
»Berliner Presse^ Herrn Dr. Goldsohmidts pekuniäre Vei^hal tnisse 
in einer, wie ich zugebe, überaus ungeschickten Weise herangezo- 
gen. Aber da ich Ihnen nun einmal über die ganze Af faire reinen 
Weis einschenken möchte, so kann ich diese pekuniären Verhältnisse] 
nicht umgehen, so ungern ich auch von ihnen spreche./Ich darf Sie 
aber wbhl bitten, di^se Angaben nur als vertraul Iche Äusserungen 



zu betrachten. Herr Dr. Goldschmidt ist 



in der Tat 



in einer sehr misslichen pekuniären Situation gewesen. Diese Lage, 
die er einzig' und allein seinem geradezu unglaublichen Leichtsinn 
verd^^nkte, war aber an sich garnicht das Schlimmste. Viel schlim- 



mer v/ur, dass er seine Glaubiger auf die allerunanstandigste Weise 
behandelte, Leute, die selbst nicht viel übri^j hatten und die ihm 
aushalfen, hinterher ohne jede Antwort auf Mahnungen liess, sie 
nicht einmac einer Zeile für wert hielt usw. Dem Verlag waren die 
se Verhältnisse zu Ohren gekommen, und er Sr^.h sich in der Tat ver-| 
anlasst , darüber zi diskutieren, ob man einen Handelsredakteur 
im Amte lassen könne, dessen Beruf es sei, Vermogensverwalter zu 
kritisieren und der gleichzeitig in dieser Weise an allen Ecken 
und Enden hing und sich nicht einmal bemute, in ehrenhafter Art 



seine Gläubiger zu behandeln. Da ich fürchtete, die 



pekuniäre Si 



VIII. 



GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

Herrn 



Qeorg Hermcinn - 



BERLIN W.^, den 



•f. 



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« 



tuation Go] dschraidt s konnte zu einer Kataöti\)i)he im Verlag fuhren, 
so tat ich mich mit einem Ku3]egen ausserhalb dets Hauses zusam- 
men, um GcJ.dschmidt s Verhältnis.^Be zu sanieren. Jener Kollege und 
ich schössen einen namhaften Betrng zusammen, veranlassten dann 
den Vater Dr. Goldschmidts , der ein vermögender, aber etwas son- 
derbarer Herr i.'^t, auch wenigstens etwas zu geben, schrieben an 



die Gl aubiger, regulierten seine Angelegenheiten, nahmen sein Qeld| 
in Verwahrung, gaben ihm ein sehr anständiges monatliches Taschen 
geld und verpflichteten ihn ehronwörtlich, keine neuen Schulden 
zu machen, ohne uns davon zu verstandigen. Dieses Elrrenwort hat 
Herr Dr. Goldsehmidt leider nicht gehalten. Er hat auch in diesem 
Fall get'.n, Wc.s ich ihm in anderen Fällen zum Vorwurf mache; Er 
hat denselben hohen sittlichen Massstab, den er an die Handlung 




anderer legt, nicht zum Ma^e seiner eigenen Handlungeo gemacht. 
Seit diesem Ehrenwort bruch war ich innerlich mit Herrn Dr. Gold- 
schiiidt fertig, den ich frisch von der Universit at in den Plutus 
genommen hatte, der mir alles vei-^dankt, was er heute ist, den ich 
wirklich aufrichtig gern gehabt habe und von dem ich leider heute 
sagen muss, dass ich ihn nicht für einen übertriebenen starrköpfi- 
gen Ehrenmann ,sondet*n für einen Menschen halte, der sittliche Por 



derungen immer nur für andere propagiert. Trotzdem ich schon vor 
öenem Fall Qoldschmidt im Hause Ullstein, innerlich mit Goldschmid 
fertig war, habe ich nach dem Bruch mit Ullstein mich noch bemüht, 
ihm die Situation so angenehm wie möglich zu machen. Sein Vertrag 
lief im April ab. Sein Gehalt für Dezember und Januar war vol^än- 
clig gepfändet und sein flehalt für Februar noch zu einem erhebli- 



IX. 
GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. 

— — . Herrn Qeorg Hermann 



BERLIN W.^, den 

^ , Kleiststrasse 21. 

Borchcirafc 



s 



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chon Tel]. Wenn er bis zum Ablauf seines Vertrages im Ullstein- 
schen Betrieb geblieben wäre, so wurde er für die Monate Dezember 
Januhr und Wdhrsobein] ieh auch Februar Gogut wie nichts zu leben 
gehabt haben. Ich sorgte da_'ür, das.s Ullsteins ihm auf einma] das 
ganze noch freie gehalt auszahlten, wodurch er mehr als tausend 
Mark auf einmal in die Hand bekam. Und damit er in der y.age sei^ 
sich nochotwas dazu zu verdienen, befürwortete ich bei Ullsteins, 
nicht bloss, dass sie seinen Antre^g, ihn sofort zu beurlauben, 
stattgaben, sondern dass ihm auch entgegen seinem Vertrage gestat-| 
tet wurde, anderwärts literarisch zu arbeiten. Wahrend Herr Gold- 
schmidt noch von dieser Vergünstigung, ^ür andere Journale arbei/ 

ten zu dürfen, profitierte, schrieb er Jenen Artikel im März, der 
— wi^ 

für den Eingeweihten klar war/ eine schwere Beschuldigung der Fir- 
ma Ullstein & Co, enthielt. Sie mögen das für anständ^^iJ^iT^hal ten, 
ich kann es nicht, obwohl ich sehr viel verstehe, sehr viel begrei 
fe und sehr viel verzeihe. Aber eine solche Handlungsweise onfeohr t 



mich, auch wenn sie sich gegen einen Verleger richtet. Ich kann 



über solche Dinge nicht philosophisch lächeln, denn ich bin nun 
einmcL^ keine Dichternatur, sondern bin mein ganzes Leben lang ein 
Agitator unci Kampf n^ gewesen, den Unrecht stets in Rage brachte 
und der auch gegenüber dem Fall Goldschmidt nicht schweigen konn- 
te . 

Aus der D^i^legung des sogegannten Pal 1 es Goldschmidt, 
die ich Ihnen gegeben habe, wird Jedenfalls eins zweifellos eins 
flür Sie hervorgehen, das.-- ich, wenn ich überhaupt eine Vollziehung 
Instanz war, diese Vollziehung in so-kol 1 egialem Sinne ausgeübt 



X. 
GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutus. ' B E R L I N W. « dCIl 

_._ Herrn Qeorg Hermann - Borchuf^fH?'^""^'- 



s 



hübe, wie es überhaupt nur mogjii3h wur. Ich bestreite auf das ent- 
schiedenste, dass ioh in diesem Fall Vortreter Kein ver»legeriseher| 
Interessen gewesen bin, obwoh] hier die verlegerisohen Interessen 
wie ich £:]aube, Ihnen dargelegt zu. haben, zweifellos die berechtig 
teren gewesen sind. Wenn ich hier nach meinem Verstände und nicht 
nu h meinem Harzen gehandelt hätte, ich wäre viel schroffer gewese 
als die H^^^^^^ Uli stein überhaupt sein können. 

Nun wäre es aber niemandem im Vei*ein „Berliner Presse» 
aber eingefallen, Goldschiaidt etwa zur Verantwortung zu ziehen, 
wenn er einen sehr groben Artikel gegen die Herren Ullstein ^ Co. 



geschrieben hatte, denn das ginge uns garni"*hts an. Herr Dr. G.ld- 
schmidt hat aber seinen Artikel in eine Fassung gebracht, die in 
der Laienwelt den Eindruck erwecken musste, als ob die ganze ber- 
liner Finesse oder doch wenigstens ein sehr erheblicher ^eil von ih 
noTcvlisch verseucht sei. Wegen diese» Allgemeinheit der Angriffe 

"^TE interpelliert" wc)rden und darin ^iegt denn auch wohl der wesent 
lieh st e Unterschied zwischen dem Artikel des Herrn Dr. Goldschmidt 
und meinem Attlkol in s«-chen Mancke. Ich habe einen bestimmten Men 
sehen beschuldigt. Das war eine private Sache zwischen mir und die 
sen Manschen, die niemanden etwas anging. Ich hätte mir mit Recht 
Jede Einmischung sehr schon verbeten. Herr Dr. Goldschmidt aber 
hut einen Artikel geschrieben, der die Presse allgemein beschimpf- 
te, der dw.3 Ansehen der Presse in der Offen :1 tchieit auf das We- 
sentlichste su/schädigen geeignet war und deshalb hat der Verein 
fiBerliner Presseweingrei ':en müssen. Dass durch die Ungeschicklich 
keit der Redakti'^.nskol 1 egen auß dem Hau^ e Ullstein im Verein viel- 



XI. 



GEORG BERNHARD 



Herausgeber des Plutus. 



Hrr:^]i Qrc rr 



BERLIN W.^, den 

Kleist^trasse 21. 






jeioht wirklieh der Eindruck erweckt wurden war, dass es sieh um 
einen U] ] st einsclien Rachefeldzug handele, bedauere ich am aller- 
meisten, da»s steht ja riber auf einem ganz un.leren Blatt. 

Meine Stellung im Hause Ullatein ^scheinen Sie übrigen s| 
donh »stark zu vey^kennen . Auch hiei» moohte i','h Ihnen, um verschie- 
denen Fabeln, die im Umlauf sind, entgegenzutreten, doch einmL. 1 
eine etwas nähere D^irleyung geben. Wie Ihnen nicht unbekannt sein 
durfte, hatte eine ahftl iche ^/ie ich vor mir Herrn Felix S^j^^Jc im 



Hause. Heri' Felix Sif^^ führte den Titel Chefredakteur der Ul 1 - 
steinsohen Tageszeitungen. Als ich zu Ullsteins engagiert wurde, 
und das Kind einen M^^^^n haben musst e, war ich klu^- genug, einen 
Titel , der etwa besagt hatten Bliefredakt eur der Chefredakteure 






u vermeiden und es wurde schliesslich der Titel Mit5"^l ied * der . Ver- 



lagsdirektion von Ullstein & Col gewählt. In Wirklichkeit bin ich 
aber dorjh, wenn Sie so wollen, der genercJ chef redctkteur im Hause. 
Das heisst, meine Stellung ist im Hause, von Einzelheiten abgese- 
hen, derjenigen Stellung m^ ähnlich, die alle Chefredakteure ein- 
nehmen. Denn diese Chefredakteure sind doch alle samt und sonders 
Mittler zwischen Verlag und Redaktton und obei^ste redaktionelle 
Vei'wal tungsbeamte des Verlages* Wenn Sie alle diese ChepredaktQure 
TTTTTTttr für unwürdig erklären wollten, im Vorstand des Vereins 



i^n:? 



«Berliner Presse» zu sitzen, so ist das eine Prinzipienfrage. Aber 
diese Prinzipienfrage haben Sie ja garnicht aufgerollt, sondern Sl^ 
haben sich ganz direkt gegen meine Persern gewendet. Dass Ihr An- 
griff meiner Person galt und nicht dem Prinzip, musste ich Ja 
auch daraus a i iiiJ i «w^ '^dass Sie die Wiederwalil des Kollegen Kirstein 



XII. 



GEORG BERNHARD 

Herausgeber des Plutiis. 

Herrn 



Georg Hermann - 



BERLIN W.« den 

Borchai^Vft'r"""- 



5 

1 



der Ja ebenfalls Verl agsdirektor der Finaa Ullstein & Co • ist, 
widerstandslos passieren liessen. 

Meine Antwort auf Ihren Brief ist, wie ich zu meinem 
Schrecken sehe, beinahe eine Broschüre gew(;rden. Aber ich konnte 
es mir doch nicht versagen, Ihnen die ganze Angelegenheit einmal 
sehr ausfuhrlich darzustellen, damit Sie sehen, wie schief Ihre 
ganze Auffassung der Situation war. 



Ich habe Ihnen als altem Jugendbekannten gegenüber 
auch nicht Qleichgil tigkeit heucheln wollen. Sie mögen ruhig aus 
Uiiifang und Ton meiner Ausführungen entnehmen, wie weh Sie mir mit 
der Art Ihres Auftretens getan haben. Aber wenn ich hoffen darf, 
Sie durch meine Zeilen überzeugt zu haben, tso soll zwischen uns 
wieder ulles so sein, wie es bisher gev^esen ist. 

Mit besten Qriissen 




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CLARA BERNHARDINE REIGART 
N O 55 HUFELANDSTR. 17 



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getnruf : 'X>ht>* 36C1 («Webenoitf^tu^). 

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93ert{n'®tttnet9a(b/ ben 

etemenifttafte 16—22. 



Sehr geehrter ^^err ! 



-; DEZ 1912 



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Nehmen Sie meinen aufrichtigen Dank für Jhren **rief, den ich gewiß richtig 
auffasse. Solche Anregungen aus Elternkreisen sind immer sehr willkommen; 
veranlassen sie Abstellung eines von der Schule übersehenen Ühelstandes, 
so ist ihr Nutzen unbestreitbar; aber schon die blose Aussprache trägt 
ihren Segen und verhindert Mißverständnisse. 

Sachlich möchte ich Jhnen zunächst sagen, daß die Verschlechterung der Aus- 
spräche Jhres Töcljterchens keine außergev/öhnliche Ersclieinung ist. Sie müs- 
sen bedenken, daß selbstverständlich die Schülerinnen der VII, Klasse von 

r 

allen durchschnittlich die schlechteste Aussprache haben müssen, so sehr 

und so kunstgerecht man sich auch bemühen mag, sie zu bessern. Das wird vo» 

« 
Klasse zu Klasse besser, ^hre Eva hört diese anfängerhafte Aussprache und 

macht sie nach, wie ja Kinder leider erfahrungsgemäß grade das nachahmen, 

« 

was sie nicht nachahmen sollen. Dieselbe Erscheinung werden sie noch einmal 

r 

in der IV. erleben, falls ^hre/ Eva vorher schon Englisch treiben sollte* 

■ 

Die Lauteif, der fremdem Sprache werden ja ganz systematisch geübt, raber es 
dauert immer eine Weile, bis das wirkt. Fräulein Zuckschwerdt hat eine 
gute Aussprache; sie ist, wie alle Lehrer nnd Lehrerinnen der fremden Spra- 

r 

chen jahrelang in Frankreich gewesen und hat das Land auch in den letzten 
Jahren wieder aufgesucht. Wie eine geborene Französin kann ja eine deutsche 
natürlich nicht sprechen. Hätten wir aber eine echte Französin, so würde 
das oft entsetzliche Französisch der Anfängerinnen dennoch seine verhäng- 

r 

nisvolle Wirkung tun. Wer darauf so besonderes Gewicht legt, der muß sein 



Kind allein i nterrlchten lassen: Das beöte ist, wenn sie nur einen hört • 
At)er nun weiter. Einer geborenen Französin den Unterricht, besonders den 
Anfangsunterricht anzi.wertrauen, wäre ein sehr gewagtes Unternehmen. Jcli 
hrbe darin etwas Erfahrung, indem ich en der Seminarschule in Jena einen 
Franzosen, der kein Anfänger war, franz. Unterricht habe erteilen sehen. 
Worin für den Deutschen die eigentlichen Schwierigkeiten liegen, war ilim 
nur auf Umv'efren klar zu machen» Jch entsinne mich noch, wie er sich einmal 
eine ganz lächerliche Schwierigkeit selber schuf, indem er von den Kindern 
eine besondere Aussprache des ui zu erreichen suchte, bis man ihm zuhilf e 
kam. Dabei war er phonetisch gebildet, konnte also ebensogut wie unsere 
Lehrer den Kindern angeben, wie sie die Laute zu bilden haben. 

4 

Nun gibt es die Einrichti:ng der Austauschlehrerinnen. Wir v/ürden durch die 
staiitliche Vermittlungsstelle eine französische diplomierte Lehrerin zuge- 
wiesen erhalten. Unterricht darf sie nicht geben, sie gibt Nachmittags je 
2 Konversationsstunden, an denen ^nippen von höchstens 6 Schülerinnen teil- 
nehmen. Diese Gruppen werden nicht nach Klassenzugehörigkeit sondern nach 
dem' Grad der Sprachfertigkeit gebildet. So würden bei uns ^0 bis 36 Schüle- 
rinnen in 6 Gruppen, oder wenn man die Dauer auf 1 1/2 Stunde beschränkt 
40 - 48 Seh. in 8 Gruppen unterrichtet werden können. Die Einrichtung hat 
gewiß manches für sich. Es kommt eben darauf an, wieviel ein Kind dadurch 

lernt, daß es einmal in der Woche 1 l/2 Std. Gelegenheit zum Sprechen und 
Hören hat. Aber Sie können sich denken, daß es natürlich vom Zufall abhängl; 
ob man eine geschickte Lehrerin, ja ob man eine mit musterhafter Aussprache 
bekommt.^^Jch schiebe ein, daß wir uns oft über das Englisch und Französisch 
entsetzen, das unsere Kinder von ihrem Fräuleins mitbringen ! j Manche mei- 
ner Kollegen, die den Versuch mit solchen ••Assistentir nen»* , wie man sie 
nennt gemacht haben, sind sehr zufrieden, andere haben wieder sehr üble Er- 
fahrungen gemacht, Jn summa ist der Erfolg nicht so, daß ich bisher daran 



fi^jeum mit OUtlmtnm 
itt 93ettin-®?ttttet9alb. 



93ertin'®tttttet9atb^ ben 

etementftraHe 16-22. 



^etttnif : «Pfib. 3601 (g^etenanf^tu^). 

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nicht gedacht habe, es hier zu versuchen. Außerdem v/erden gewöhnlich nur 
ältere Schülerinnen herangezogen; es würde darauf ankoramcn, ob man eine 
Gruppe zusaHäenbekäme, in die Jhre/ Eva paßte - aber nocb haben wir es 
ja nicht und werden es a^ch nächstes Schuljahr nicht baben. 
Nun ist aber das Sprechen einer Fremdsprache durchaus nicht das Ziel, um 
dessenwillen sie auf der Seh le getrieben wird» Wäre es das, so müßte man 
es allerdings ganz anders anfangen. Vor einiger Zeit zeigte ich einer Dame 
und ihrer 14 jährigen Tochter die Schule ."Dar. Kind spricht fertig Franzö- 
sich" sagte die Mutter stolz. Jch sprach mit dem Kinde und zeigte der ver- 
blüfften Mutter, daß es sehr wenig Französisch könne, nämlich grade nur 
soviel, um über die sehr beschränkte Zahl von Dingen und Vorgängen zu re- 
den, die zwischen ihr und "Mademoiselle" alltäglich vorkamen. Dann fragte 
ich sie, ob sie mir das so oft von ihr gebrauchte "Je m'en souviens" erklä- 

« 

ren könnte. Das körnte sie nicht und hielt das en sogar für eine Präpositicji 

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Die Seh le t t gut, wenn sie sich hinsichtlich der zu erreichenden Sprach- 



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fertigkeit keinen Jllusionen hingibt, besonders die Mädchenschule, die ja 
die Kinder noch 2-3 Jahr kürzer behält als ein Realgymnasium» Wir suchen 
vielmehr die bildende Kraft zu heben, die in jeder Fremdsprache steckt, und 
die ich Jhnen ja nicht weiter auseinanderzusetzen brauche: Literatur und 
Kultur und beides als Spiegel und zur Klärung deutscher Sprache und deut- 
schen V.'esens. 

Wie helfe ich Jhnen vorläufig ? Vielleicht, indem ich umfrage, ob einige 
Kindor Lust haben, sich an einem privatem Sprechnachmittag beteiligen wolle 
Jch sage Jhnen allerdings im Voraus, daß die Neigung, sich für einen oder 
gar zwei l^achmittage festzulegen bei den Elt^^rn recht gering ist. Der Schu- 



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vermitteln kann ich V7enigstens 

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Lassen Sie mich Jhnen nochmals für Jhren Brief danken. Ja wenn jeder so 
handeln yrollte ! Das sollten sich die zum Muster nehmen, die, wenn ihnen 
etwas an der Schule nicht pafit, gleich einen öffentlichen Skend.-a daraus 
machen - ich denke an Willi Rath - und Jhnen stehen doch auch alle 
Zeitungen zur Verfügung. Wenn Sie Jhre Liebenswürdigkeit krönen wollen, so 
erweisen Sie mir doch gelegentlich die Ehrer Jhres Besuches zu jeder Jhnen 
passenden Tagesstunde, die wir telefonisch verabreden könnten. Denn so lang 
meine Epistel ist - Sie werden doch nur drs Kein heraushören und mündlich 
könnte ich Jhnen noch "besser erklären, warum ich mich zu den "Assistentinen 
nicht entschließen kann. Auch könnte ich Jhnen noch auseinandersetzen, daß 
sie die Gefahr einer nicht ganz pariser Aussprache doch wohl überschätzen 
und* daß schließlich unsere/ Mädels ganz nett aussprechen lernen* 
Vor Allem: erhalten Sie meiner Sch^^le Jhre Neigu.ng und lassen Sie mich 
immer v/issen, wenn ^ie Ausstellungen haben. Jch werde stets sein 



♦'^hr aufrichtig dankbarer 





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Brenion, den 3. Januar 1913 



Sehr geehrter Herr Georg Hermann. 



Ihren vdrklichen Namen habe ich vergessen, ob- 
v/ohl ich ihn erfuhr, als Sie vor einigen Jahren in Wolfenschiessen 
mit meiner Tochter bekannt wurden, Frau Vera Schrecker aus Worms. 
"Jettchen Gebert" hatte ich ihr geschenkt und dann "Henriette Ja- 
kobi." Ach xvie lieb ich diese Bücher, immer wieder lese ich äet mit 
demselben Entzücken an der v.imdervollen Art zu erzählen, an Jett- 
chen und ihrem Onkel Jason und all den anderen Menschen. 

Als meine Tochter dann aus Engelberg zurückkam und uns be- 
suchte, erzählte sie mir, dass Sie vor hätten einen Roman über 
Madame Friedrich auf der Pfaueninsel zu schreiben und dass Sie 






gern von ihr hören würden von jemand, der mit ihr lebte. Nun, ich 
könnte von ihr erzählen, bin auch auf der Pfaueninsel geboren und 
mit der Madame Friedrich zui* Schule gefahren, d.h. sie sass mit 
in unserem Schulwagen so manches Mal, um in Potsdam. Einkclufe zu 
machen, auf dem Schoss hatte sie eine lange bunt bestickte Tas^che, i 
deren frühere Bestimmung ich bald herausbuchstabiert hatte "bon 
voyage.^ Auf dem Rückwege von der Stadt, wie wir da draussen alle- 
samt Potsdam nannten, musste ich dann Madame Friedrich die Bimen 



anbeissen, saftige grosse, die sie nach dem. Anbiss, den ich ihr 
übrigens ehrlicherweise jedesmal wieder anbot, mit ihrem zahnlosen 
Munde aufessen konnte, mir wars lieb, wenn sie mehrere ass, denn 
das hofften und verlangten wir nicht, eine ganze abzukriegen, ich 



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war nicht das einzige mitfahrende Kind, mein älterer Bruder war 



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auch dabei und anfangs iTieiner Stadtschulfahrten, lesen und schrei- 
ben lernte ich in der Klippschule oben auf Nikolsköe, sogar noch 
zwei Schwestern; zuweilen aber bekamen v/ir jedes für einen Gro- 



sehen Himbeeren, das waren ri-inde fjrosse Bonbon von Liepe an der 
grünen Brücke, die schon damals wie jetzt rot wai\ den Namen aber, 
glaiib' ich, hat sie gelindert, die Himbeeren waren in einer dunkel 
blauen Tüte, eine Farbe, die man jetzt bei keinem Krümer mehx* fin- 
det. Schon die Wohnung der Friedrich hatte etwas ;2:eh0imnisvoll An- 



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ziehendes für mich, das Bevier, wo sie wohnte, Airften wir nicht 
betreten, es war uns von unseren Eltern verboten, wie wir auch 
stets aus dem Zimmer geschickt wurden, wenn sie unsere Mxitter be- 
suchte. Wohl gerade v/eil es verboten war, schlich ich mich zuwei- 
len in die nähere Umgebung und schlüpfte ins Maschinenhaus, traf 
ich dann ihren Mann, den Herrn Maschinenmeister, dann gäbe es ein 
Glück! er liess mich die Dampfmaschine ansehen und nalim mich mit 
ins schmale Arbeitsstübchen, wo er mit ganz groben dicken Fingern 
die feinsten Sachen arbeitete. Und war Madame guter Laune, liess 
sie mich in die Wunderküche mit den schönen Milchtöpfen, ein gold- 
ner vom Kaiser Nikolaus wai* auch dabei - wo sind sie nur alle ge- 
blieben ? 

• Wähjrend ich schreibe, lebt r^^eine Kindheit in mir auf und ich 
fange an zu schwatzen, was dem Alter gar so leicht passiert, wenn 
die Erinnerung zu Gaste kommt, darum will ich nur rasch aufhören. 

In Bremen, Nordstr. 78 b. wohne ich und bin mit dankbarem 
Gruss^ an den" Verfasser von Jettchen Gebert stets die Ihre. 

gez. Luise Heins geb. Fintelraann. 



Frauengruppe 

der 

Freien Vereinigung 
f. d. J. d. 0. J. 



Fernsprecher: Norden 659 



Artilleriesir. 31 




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BUDAPEST, VI, DESSEWFFY-UTCZA 45. 



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Von der Wiener und Prager Börse anerkannter 
Zucker-Chemiker 



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HAMBURG !• April 19B 

11ALSTERUFER 



Sehp geehplep HevT, 



Im lillepapischen Echo lese ich Ihpe^ 

offenen ßpieftoechsel mit Hepbepl Eulenbepg* 

Dun habe ich zwar nichl den Oopzug^ 
Sie persönlich zu kennen^ und ebenso kenne ich 
Herbert Eulenberg nup aus seinen IDepken, abep 
gepcide aus diesem Gpunde kann ich - fpei oon 
jedep persönlichen Zu- oder Abneigung - beup- 
leilen^ toie Ihr Brief und seine Anltoorl auf 
lillepapisch inlepessieple Kreise loirken muss- 
ten« Herbepl Eulenbepg isl in diesem kleinen 
Schapmützel unleplegen, Don oben hepab odep 
gapnichlj haben Sie geglaubt, loüpd* ep antmop- 
ten - und Pichtigl ep bpachte nichts Bessepes 
feptig, als hochfahpend den Beleidigten zu spie 
len« Oass ep aus Ihpem offenen ßpief nicht die 
Auf pichtigkeit hepausschmeckle und Sie dahin 
üepkannte, an die Absicht einep 'Änpempelung*^ 
zu glauben, ist tpauplg füp ihn und zeigt, dass 
ep tpotz seiner dichterischen Begabung * denn 
die hat erl« die Gabe nicht besitzt, die erst 
den Dichter über die Menschen hebtxQpösse des 
Empfindens* 

IDapum Ich, ein Ihnen g&nzlich Unbe«- 
kanntep, Ihnen dies schreibe? Oeil ich glaube, 
Dass an einem offenen Briefwechsel auch jeder 
Lesep Anteil nehmen darf und befugt ist, seine 
Meinung zu sagen. Ich toüpde auch Hepbert Eu- 
lenberg schreiben - aber nach seiner Anlmort 
an Sie scheint es mir nicht mehr der Mühe mert 



und ein unnützes Beginnen« 



Mit vorzüglicher Hochachtung 
y Ihr ergebene? 

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bitte Timen inoinen al lorherz] ich^ton 



verlnncUichston DAnk für die c^oggc lloberraschung abzustatten 



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durch dio liGbGTi3\T:ir-.li^n Dehorvaichun^^ Tlire 



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eloichcn Titels Ijo-oitot ha>)Gn . Ich ha^io liGido Bücher mit 



toi^^o^dom intoro-so rolcson und {-ab nie 



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nnun f^ svo '^vr'J^ rH, cn 



Kar-oradon v;oitör dio sie 



h hioiiiit roinor:! '^anko anschlionsen 



Beide "^erko ha.l)on in mir dio Uo'borz.oucunr' ,r;ofGstif;t , (lass o 
niir Gin Vor.-n'Jp-on soin v/ird, in don ko!r.nGndGn Taron dos 



Friedens weitoro 



'^'erke aus Ihrer FodGr zu losen, zunä'.'hst 



gov/iss die Fortsetzung von Jottchon Gehört, !! g n r i e t t e 



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Indcn ich meinen 



Dank wiederhole, ornpfchlG ich mich mit dem 
drucke der vorzü^^-lichston Hochachtung und get^^euer Gcfolg- 



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Lcitmeritz, den 6« Dezoitiber 1915 



(iiL kUUiXt^ /u^ ji^do ^xM 4uJft/^u clflt ^^ 
Ui^i Ut*^aUiUi ^^*^^h/k. Alu*ilu^ ^Uejfln /»^ ^ 

/3(Mm. iiMUi ((q^ t^Uc uul^ ^^U/6u <^ ^**« '^'7 ^'^ 



{liii.(UUun UiHJ /Uafi, IjQjlci /l<JC ßvitc /U*i<>( ttfdHupi M 

^Ul. iahe ^**«^ ^ M4W anjUx^4/iL 4i4Üu< lUi^ 

/jäu/»' jiU tu, Uil/ flUxcl A4^i «CUif uL iHtZ /n/ih.^ 

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Bank-Commission. 



Fernsprecher: Amt Lützow. No. 889. 
Telegramm- Adresse: „Curtsland". 



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Berlin IV lo, den 

Matthäikirch-Strasse 16. 






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3. 2. 16. 



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Sehr geehrter Herr Borchardt! 

Also ich bin ganz gerührt, daes Sie mir auf meine impulsiven. Zeilen 
so eine ausführliche auf alles eingehende Karte abschrieben haben« 
Besonders interessierte mich, was Sie mir über Ihr schönes Buch, des« 
sen Ursprung erzählten und zugleich ein kleines Licht auf sich selber 
warfen. _ ,. . : . , ^.^i^^ ^^ ,-. 

Vielen Dank, daas Sie sich dazu Zeit genommen haben, f-rrf , 

Der Storm« Heyse Gedanke^ der Ihnen vorgeschwebt, nun. allerdings mit 

sehr stark, modernen Nerven und Gefühlen haben Sie ihn wiedergegeben» 

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Und einen rückwärtsschauenden Träumer wird Sie wol kaum einer nennen, 
der ein Buch richtig zu lesen versteht, nicht blos als Unterhaltung, 

ohne sich Rechensciaf t darüber zu geben .Denn einen Träumer würde ich 
den schon nicht nennen, der Humor hat, welcher oft sogar zur Satyre 
wird, einen überlegenen Humor, der wol, ehe er etwas im Leben ver« 
wirft, lieber darüber ein Lächeln findet, ^ : 

Uebrigens mache ich mir kein falsches Bild,, denn ich kenne Sie sogar 
im BiltJ, und wie Sie da neben Ihrem Tisch mit der PorzelleuiSammlung 
a la Jason Gebert sitzen, sehr'^gesund'* gar nicht biedermeierlich sen« 
timental angehaucht, da sehen Sie nach gar keiriem Träumer aus, was 
meinem Geschmack nach entsetzlich für Sie und für andere sehr unbe» 

quem wäre, sondern als verstünden Sie sehr gut das Leben beim rich- 
tigen Wickel zu packen, und es praktisch zu verstehen. 
Ich bin nebenbei auch sehr realistisch, u:xd bedauere die Menschen die 
Träume wegen, sich manche schöne Wirklichkeit etiigleiten lassen. 
Auch kenne ich nie t nur Herrn Schön, sonder auch Ihre andern Bücher. 

Und im Biedermeier zeigen Sie doph aucn ganz deutlich, dass das, was 
uns im Biedermeier vorschwebt, gar nicht so wäi^, denn die verehrten 

Dichter dlAaerZeit sind wol samt ihren Büchern schon vermodert. 

Ich musB^a immer an Jens Peter Jakobsen denken, der, in: Hier solltn 



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Rosen stehen, so nett von den Pagen sait, dass diese Art, die wir 
meinen nur auf der Bühne von Frauen darges**.lt wird, die früheren 

gar nicht so lieblich waren. :»• r ' -^^ '<• u^i 
Ich glaube, uns modernen Nervenmenschen, mit der ewigen Sucht nach 
Ahwechslüfek würde es auch mit dem Biedermeier so gehen. Besonders 
uns Frauen, die damairnoch h^^lch sitti^' im' Hause' schalteten, und— 
d.h; Briefe an verehrte 'Künstler durftön'^öie auch" schreiben und wur« 
"■"äe das 4bensb wenig falsch aufgefasst wie von Ihnen. 
Das wfer wirklich zu allerliebst von Ihnen. Nochmais Dank. 
TJebrigens hatte* im Winter hier in Dresden meine' Sc^auspiellehirerin 



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Alice Politz'^'^inen- Rezitationsabend mit speziell 5riefvorlesungen 
•aus der von' Ihnen bevorlü|teh4öit"^kehalteäriiun möchte ich nächstes 



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Jahr mit der Fortsetzung ri)lgef\:^ Das Bie3ei?meler ■"im #iegef'ünsefer 



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♦Zeit. Di wei^dö^ ich mich noch' ganz besonders mit ihren Büchern zu be 

schäftigen haben. . , ■ . 

Also Äarf ich heute einen freundschaftlichen kollegialen Gruss hin 



zuftigeii'iü -meiner Vörehrung?' ' 

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Verbindlichst 

OS eife öflutf.- Tea Girardelli, 
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Niederlössnitz» Dresden, Südstr 10 



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BERUN W15-CHARLOTTENBURG 

KURFQRSTENOAMM 210 



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Eingesandten Manuskripten ist stets 
Porto für Rücksendung beizulegen 




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©araiooet. 17,üärz 1916. 

•dkitdtaOt 64. 



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Sehr geehrter Herr ! 

Man streitet sich hier ülelfaoh darü- 
ber, ob die von Ihnen in Ihren beiden Romanünl 
Jettchen Gebert" und „Henriette Jacoby" ge-\ 
zeicuneten Gestalten, insbesondere das Jett- 
chen und Onhel Jason, gelebt haben. Würden 
Sie die Liebenswürdigheit haben und dem Streir\ 
te durch eine Beantwortung dieser Frage ein 

Ende machen ? 

Zu besonder em Danke würden Sie mich 
persönlich noch verpflichten, wenn Sie im Be-\ 
jahungsfalle einige Kurze Angaben darüber an-\ 
fügen würden, ob das wirkliche Schicksal 
Jettchens das gleiche oder ein ähnliches ge- 
wesen ist. 

Einen für Ihre gefl, Antwort üorgerichte-] 
ten Briefumschlag mit Freimarke gestatte ich 
mir hierneben beizufügen. 

Hochachtungsvoll und ergebenst 





Herrn Dr. öeor£ Hermann 
zur Kenntnisnahme! 

Dorothea Walter. 



Oharlottenbur^j, den 16. 4* 16. 



üehr ijeenrtör iierr liusBel 



yj. 



iin^ii ^lafall •- ich kann ihn mar als ein^n 



ungl tcktiell^eii bez^-^iohn^n -• varianke ich die enntnl» Ihr^jr i.ritlk 
über dei neuen Ho uan von Joortj er aaan ** *einric?) .iohjn Jun.» in '♦Yei- 



höÄ^n a lajiBin^CB** .4onat8h<:jf ten, Jiföhreoh^inlioh 



/Ä ^ 



icli^ar, das 



#ort ••Uitteat ^a g^rf ochwie^on -- w iret .)u «in ?hil;)0or»h deblieben** zu 
beheraiiien in eine.ü i^a^Hnblick, ia aiich Ihre .j»orte ibor die IMchtun^i 
üeorg Henmnns wirklich nioht 1?erihrt halben, als seien *vie ier /-eder 
oifieii o-iiohlicheri .vritik«r« ©ritno:ni^on. Vi^Uleicht tue ich ieotg Her« 
nn gar keinen Gefallen, ^^enn ich ih/j T«rf.eidi;;e (ich hoffe ec so« 



«ar i.a atillon), aber tr^t^deia zutn^t mich etw .e, j^^ie .hilruciohie 
beieeite äu l'iOöea. ^olgeudes Tjjchte ion ihfion sagen: 

Joder ;i«ri!3ch, rier als .;chxif tatellor aolneri .jer.if erfillt, 
eetKt «ioh nat ir jcTiäo« <rJor öffentliohen Aaf nerxsaiakelt a io. un-ü jjerarJe 
der ;»cnrift8teller als .vrltikex, **eon er einen iaiuen hat wie Uie, (r.f.e'nr^ 
ter Herr J::u«8e^ wir<S c^t^t« nit deiti 'J>e8oni^^ren Intoreese seiner :;^e8er z\x 

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I echoen haben. Sieiner /inaioht nach Ist trota ansohelnenclor i-eichtiigkelt 

oioht» so schwer und verantwortunjisvoll, al» w«nn ein- Jrteil aber die 

küns tierische Ax^elt eines anderen .ienschen «b^jCf^ohen werden s >11, nenn 

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heute sehn eaechen, die v n iea Dichter Jeor« uernann noch nicht« bia- 

her kannten, Ihre -sritik iljor -jieinrich aohön*' leeen, dann wird 
huohetena einer -. uni auch dleae ./cinnXi^t ^..ift^nnm.t ist noch zu be- 
zweifeln -- de» ;;uoh dennoch leBen. Seaweoken Jie einen solchen -- 
•Arfolg" ? 

Äine :.ritiic «an,» «bfalliÄ sein, aber «le muee ihre Sachlichkei