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Full text of "Germania: Vierteljahrsschrift für deutsche Alterthumskunde..."

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GERMANIA. 



VIERTELJAHRSSCHRUT 



DEUTSCHE ALTERTHUM8KÜNJ)E. 



BEGRÜNDET VON FRANZ PFEIFFER. 



nEB&(ll>OEäF.BEN 



KARL BARTSCH. 



SIEIIZEHNTEB JAHBOANO. 
* NEOE REIHE FÜNFTER JÄHR&ANG. 

THE 

IHILDEBHAND 
UBKAKY 



WIEN. 

VEBLAO VON CABL OEROLD'S SOHN. 
1872. 







^ 



ö q \ c^^ 



INHALT. 



BdtrS^ zar Kritik der Eddalieder. Von Ludwig EttmÜlIer 1 

Glonae Mellicenses. Von Emanuel Hoff mann 18 

Bruchstücke von Hartmanns von Aue Gregorius. Von K. Schröder und K,Bart8ch 28 

Noch einmal das Namenräthsel dos Primas. Von J. Strobl 39 

Grabschrift auf Neidhart Fuchs. Von Emil Steffenhagen 40 

Za dem von M. Haupt herausgegebenen Gedicht: Von dem übelen Weibe. Von Fedor 

Bech 41 

Der togende buoch. Von K. Hofmann 61 

Ztt Kunz Kistener. Von Richard Wülcker 66 

Das altdeutsche Gedicht' Der Busant* und das altfranzösische "rEscoufle/ Von Rein- 
hold Köhler 62 

Zur Heldensage. Von K. J. Schröer 66 

Besegnungen. Von A. Birlinger 76 

Zar Mythologie und Sprache des Niederrheins. Von demselben 77 

Volksthümliches aus Schwaben. Von demselben 79 

Zeugnisse zu den Volksbüchern. Von demselben 92 

Drei BSthsclmärchen aus Mecklenburg. Von F. Latendorf 94 

Ein TerschoUener Räthselspruch aus Mecklenburg. Von demselben 96 

Hermes. Von Herm. Kurz 98 

Worterklärungen. Von W. C r c c e 1 i u s 99 

Die erste Bearbeitung der düringischen Chronik von Johannes Rothe. Von August 

Witzschel 129 

Zar neuesten Ausgabe von Maurizius und Beamunt Von Fedor Bech.. . . 170 
Über einige Handschriften von Wolframs ' Willehalm. Von Hermann Suchier . . 177 

Gedichte aus einer Lübecker Handschrift. Von Wilhelm Wattenbach 181 

Bruchstück eines niederdeutschen Partonopeus. Von Karl Schröder 191 

über isländische Bearbeitungen fremder Stoffe. Von Eugen Kölbing 193 

Beitrige zur deutschen Mythologie. Von Karl Meyer 197 

Zn Wolfdietrich. Von Ig. Zingerle 207 

Zorn Fortleben der Gudrunsage. Von K. J. Schröer 208 

Zu den Siegfriedsbildem. Von J. Mestorf 211 

Kin arabischer Satz. Von Hermann Suchier 216 

Soldatenleichen in's Wasser geworfen. Von A. Lütolf 216 

Fraaenrollen im Schauspiel. Von Dr. Keußen 216 

über AusUssung und Vertretung des Pronomen relativum. Von Ludwig Tobler 267 

Über die Bedeutung des Adverbiums ntffiet. Von Fedor Bech 294 

Über die Bedeutung von Alm. Von Theoph. Rupp 297 

IK^rkliche und fingierte Ortsnamen in appellativischer Verwendung. Von Friedrich 

Latendorf. 306 

Aiistotiles und Candacis. Von J. V. Zingerle 806 

Der Schwank von den sieben Schwaben. Von Michel Bück 309 

Zwei deutsche Mährchen in einem Schwankbuche des XVIU. Jahrhunderts. 

Von Adolf Wolf 322 

Zum Muspillil Von Ernst Wilken 329 

Mitteldeutsche Predigten. Von Adalbert Jeitteles 336 

Wolframs Willehalm als Volksbuch. Von H. Suchier 366 

Carmen sponsae. Von Karl Schröder 367 

Znr Kritik und Erklärung von Gottfrieds Tristan. Von H. Paul 386 

Handschrift mit Hrabanus Runenalphabete. Von K. Bartsch 407 

Önddarius*. Von Karl Schröder 408 

Zorn Winsbeken. Von Ernst Wilken 410 

Brochttücke eines prosaischen Tristanromans. Von K. Bartsch 416 

Ein Gedicht von Niclaus Manuel Von E. Weller. ^Ä& 

Zim Fortleben der QudruDsage. Von K. J. Sehr 13 ei ^^ä^ 

^rilge MUT HMndßcbriAenfrage der Nibelungen Noth. Von Bk 'BL^LtiX^iiVÄ^T^. ^ ^^ 
Mlttaldmitßebe MMrieDlegenden, Von A. Birlinger ^ 



Aas Maerlanis Spieghel hUtoriael. Von A. Birlinger .... 

BruchslUcko äaea imbekimiilea niederrlieiniacheo Uedichtea. Von delnBsIbeti . . 

Nom uud Ja. Von B. Üteiff - , ■ . - 

Bnicbslllck einer Hb. von Wolframs WillehJÜm. Von K Barticfa 

Altacbwediscbe Schreib er vene. Von demselben. . 

Ein Lied vom heiligen Bock. Ton E. Weiler .... 

Kleine Beiträge lur deulscben OrlanamenforacbUDg. Von M. Buok 

Ober die Wärter Buweding und fiuback. Von G. h. KrJogk 4St 

Ein Standbild Attitaa aiid KriemhildoDS? Von K. J. Sehrner '" 

DouUcbe HnndHchrifien in Fetronell. Von Fr. X. Wabe r 

BmohetOeke einer Randscbrift von Gottfrieds Tristiui. Von K. .Schröder . . . 

LITTERATUR. 

E. Forste mivna, Altdeat«ehee Ntunenbach. Von Ignax Pcttor« 

K. Schiller und A. Ldbben, Mittelnicdordeutochea Wörterbuch. Von Karl SchrlVder lOS 

HHgel. Dr. Kcliard, Ober Otlrid'B Verebetonung. Von K. Bartech T" 

Lippold, Dr. Friedrich, Über die Qnelle dea Gregoriiu Hartmanni von Aue. Von 

demaolben 1' 

Dnnger, X)r. Hermfum. Die äuge vom trojanischen Kriege. Von denuelbeu . , , 1 

Litteraturbericht. Vou dcmaelben 1 

Fb. Dieti, WOrterbach sn Dr. Martin Lulber'a dentachen SohriAen. Von Heinbold 

Boehalcin , , - S 

Jacob Grimm, Deuiaclis Granmatik. Von J. Btrobl . . . S 

Uscar Schade, luterrogatio Sancti Anshelmi de pMnone Domini. Von Kul 

Schröder S 

Ivar AAAen, üwik Ordbog, Von K. Maurer S 

P. Chr. AsbjömBen. Norske Folke-Eveutjr. Von denuelben 3 

Litteratorbe riebt (Fortnetiung). Von Karl Bartsch S 

Th. Ritter v. Kariijan, Zu Seifried Hclbllng und OttAcker von St^ijnnark. Von 



J. Lai 



ibel. 



Dr UoTcbgrnvc, Eauiü bisloHque. Von K. J, ScUrt 

Reirensiein, Junesi A comparative Grammar of tbe Teut«nic languagea. ^ 

F. Möller 

BIBLIOGRAPHIE. 

llibltoeraphische Überaicbt der Erscheinungen aul' dein Gebiete der gennxnisc 
Philologie im Jahre ISTl. Von Karl Bartach 

MISCELLEN. 

Itsmorkungen Lschmanna über mittel bochdeutaelie VemkuniL Von W. Mtll 
Ein Uriof W. WackemngeU au 0. i\ Bonecks. Von demselben .... . 

GcrTinus. Autobiographische Skiize 

Und wenn dur Uimmel war' Papier. Von K. Bartsch ■ . 

Urinuadcnkuial. Von demselben 

Zm&Ue lu XVI, »a— »09 

Übersieht der VorlemDgeu aber denUehe Sprache nnd Litteratnr 

1872. Von Karl Bartsch 

Couitant Philipp Sermre. Von demselben 

Hiwa Freiherr v. Auf'Gu. Von demselban . 

Arvid August At'iulius. Von deoieeibun 

Bericht Ubur die Sitiaiigen der gertnanisliichmi Seetion in Lc^wig. Von E. Hild*- 

Akadimiio für moderne Philologie 

freisaulgaben 

I'araonalnotisou 

Üb?i»l«kt der Vorlesungmi ilb"r deutsche 8 
K. Bart.oh .... 



1 Winter 187*— 78. Ton 



BEITRAGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER 

VOK 

LUDWIG ETTMÜLLER. 



3. Völundarkvida. 

. DieO Gedicht ist uns nur in Trümmern erhalten; die sich ergeben- 
kn Lflcken wurden von dem Sammler der Eddalieder durch Prosa 
srgXnzt Auch die Völundarkvida ist eines von jenen Gedichten , in 
Icnen v vor u, o, y u. s. w. wiederum herzustellen ist, was ich hier 
ain filr alle Mal bemerke. Ich wende mich zu den Stellen, die mir einer 
Berichtigung zu bedürfen scheinen. 

Str. 2. Ein nam peirra Egil at verja 
fögr mcBT fira fadmi Uösum; 
önnur var Svanhv% spanfiadrar dro, 
en in pridja peirra systir 
vardi hvitan hals Völundar, 

In dieser Strophe soll gesagt werden, mit welcher der drei Wal- 
l^rien flieh jeder der drei Brüder verband: wie schickt sich nun hie- 
W die dritte Zeile? Enthält sie nicht hier einfach Blödsinn? Daß die 
indere Swanhwit hieli und Schwanfedem trug, d. h. Walkyrie war, 
das ist es nicht, was wir hier zu vernehmen haben; erfahren müssen 
wir, mit welchem der drei Brüder sie sich verehlichte. Auch ist es 
QMchicklich, daß so in dieser Strophe eine der drei Walkyrien genannt, 
U^ch hervorgehoben wird^ während die also ausgezeichnete keines- 
vegfl die Hauptperson ist Dazu kommt noch, daÜ eine folgende Strophe 
ifle drei nennt und zugleich ihre Herkunft angiebt. Dieß alles zu- 
ttinmen bestimmt mich^ nach Zeile drei keine Lücke anzunehmen, viel- 
Ddir Zeile 3 nur als verderbt zu betrachten. Demnach möchte ich 
r^Aichlagen, Zeile 3 also zu berichtigen: 

Omwr nam Slagfinn, svanfiadrar dro. 
Zlf^idi bemerke ich hier, daß die meisten Strophen der Völundar- 
bida swar vierzeilig, also regelrecht sind, daß daneb^ti ^^d^^^ «xx.^ 
iwtt fibif und eecbazeUige vorkommen, olme da& «vcJbiXiÄ %<ööa»sst«t 

SWauXJÄ. Hern» Seite. Y, (TVIL) Jubrg. \ 



2 LuiJwiiJ rttmCii.ijcr 

Betrachtung ein Verderbnies ergJubt. Schade, dȆ wir aicht wiaaeO) 
wie Bolciie Lieder gesungen worden sind. 

Str. 3. StUu eidan stau uetr at jiat, 

m inn ätta allan prdclu, 

en inn ntvnda naudr um skildi; 

meyjaa- fffstuak ä myrkvan mä, ( ) 

Alvür unga ortög di^gja- 

Gegen flinlzeilige GcBätze an sieh wäre in diesem Liede, wia 

wir soeben geseheo hnbcn, nichts einzuwenden ; aber die knappu Haltung 

des Liedes verbietet Zitsiitze, durch die wir weder etwas nothwendigei 

noch auch nur etwas Neues erfahren. Es genügt ToUlconimen , 

uns gesagt wird^ die drei Walkyrieu haben ihre Gatten verlassen; daS 

eine von ihnen besonders such hervorgehoben wird, ist zum miudesteo 

ganz Uberflllßig. Demnach wird die letzte Zeile als unnftthiger Zasati, 

als späteres Anhüngscl zu streichen 

Auf Strophe 3 hat nun, wie bereits Simrok gezeigt hat, diejenige 
Strophe zu folgen, die jetzt nach den Handschriften als Strophe ^i^ 
gegeben wird. Dort ki5nnte sie nur Bede Vülunds gegenüber dem ihd 
feindlichen Niarenkänig sein, der ihn häimtUckiacli Überrascht und ge 
fangen hat; aber zu einem Feinde solcher Art spricht man nicht voi 
Dingen, die diesen gar nichts angehen; sie haben ja auf das 
Verhaltnias Völunds zum Niarenkflnig und seiner That nicht den gering 
Bten Bezug. Dazu ist die Sti'oplic in einfach crsählcndem Tone gchalt9B| 
aber in leidenschaftlicher Erregung enthält man sich kalter, nihigM 
ErzShInng. Man erwSgo doch nur einmal unbefangen den Wortlaut dci 
Strophe: 

Hladgmlr nk Hervor borin vor HIMvk, 
kann vor Otrün Ktar» tlütttr; 
hon inn um ffekk emUumiim mtl, 
a(3J ä golfi, atilti röddu: 
pd-a »■i nd hi)rr er trr IwUi furr." 
Sind denn dli; gcnciLlogischeu Notizen in Volunds Munde seinem 
heimtückischen Feimle gpgenalxr nnob nur erträglich? Dazu kontml 
noch, daU das in Zeile iJ— ö ErKnh!t<- tlcni Vülund gana uriht.'kiiiilil 
Bein mußte, da er ja nicht daheim war, nie seine Fran enlwicli; wil 
kann er sagen, was er nicht wi-iUy Nur als Erzftlilung des Dichten 
hat die Strophe ihren richtigen 8inn. Wabrschtiinlicb ward sie fiuu 
in einer Handschrift anf dem Rande aber an unrechter SlcUo< 
jfotra^en und von gedankcnlüson AbBcbreib.'ni diioelbiit belasst 
£oii aaa mit Eiufilgmig in dun Tvxli 






BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDAUEDER 3 

Str. 4 (oder nun 5) lautet: 

Korn par af veidi vegreygr shyti, 

Slagfiär ok EgiU sali ftmdu auäay 

gengu üt ok irm ok um säsk (l. adusk); 

austr skreid Egill at Ohrünu^ 

en 8Üdr Slagfidr at Svanhviiu. 
erste Zeile steht hier sinnlos und unterbricht den Zusammenhang 
dem Vorhergehenden. Dieser tritt augenscheinlich hervor^ sobald 
i Zeile 1 streicht. Aber wie kam diese Zeile denn hieher? Sie ge- 
,y wo sie mit Recht steht; der Str. 8 (9) an. Es gab einst ohne 
jifel eine Handschrift, weiche Str. 4, 5, 6, 7 und 8, 1 — 2 nicht ent- 
if sondern gleich 8, 3—4 an Str. 4 (5) anschloß. Als nun ein 
«rer Abschreiber die freilich nöthigen Strophen 4 — 8 seiner Auf- 
hnung einschaltete, ließ er die bereits geschriebene Zeile kom par 
skyti stehen und verschuldete so die Verwirrung. Es liegt jedoch 
der Hand, daß diese Zeile zu Anfange der Str. 4 (5) weder stehen 
n noch darf. 

Str. 5 (6): En einn Völundr sat % Vulfdolum, 
kann slö guU rautt vid gim fastan; 
lukdi kann aUa lindbauga veL 
8vä beid kann sinnar liösar 
kvänar, ef hänum koma gerdu 
larf mehr als einer Berichtigung. Die altnordische Sprache kennt kein 
r (m.), Edelstein, sondern nur ein gim (n.) Feuer, woraus sich er- 
)t, daß ffim und fastan nicht verbunden werden dilrfen. Egilsson hilft 
i auf sehr bedenkliche Weise, indem er ein gimfastr, feuerfest, an- 
mt und dieß, obwohl adjectivisch decliniert, ohne weiteres ^Amboß^ 
euten läßt Ebenso wem'g scheint mir Lünings Vorschlag, fcutan als 
^erb zu nehmen und die Worte durch: ^Er schmiedete das Gold 
n Feuer fest" zu übersetzen, denn kann man Gold fest schmieden? 
1 hat nur zweifache Wahl: entweder ein gimr, Edelstein, anzu- 
men oder das gebräuchliche gimsteirm auch hier zu setzen, also tnd 
itein fastan. — Noch schlimmer steht es um die beiden letzten 
[en. Koma einum drückt nicht aus ^zu einem kommen," sondern 
»n etwas bringen (diese und andere Bedeutungen bei Egilsson be- 
;), weßhalb schon die Eopenhagener das hänum in lum veränderten« 
IT wie elend ist der ganze Gedanke ausgedrückt, wie nichtssagend 
Satz ef hon koma gerdi, ob sie kommen thäte ! Man vertauschte — 
"Um, ist freilich nicht abzusehen — die Synonyms^ biairbr \nA'Väi^ 
[ nun war man za dem ZuQ&tze ef hon koma gerdi ^gsoKiAciä^^ *^Qss& 



4 LÜDWIO ettmOller 

auf kvänar ein Reimwort zu haben. Ursprünglich stund statt die» 
zweier Zeilen sicher nur eine^ und zwar lautete diese: 

beid hann svä biartrar kvänar. 
Str. 9 (10) Zur ersten Zeile: 

Gekk brunnt beru hold steikja 
sagt LOning: „die richtige Erklärung bleibt einer glücklicheren Co 
jectur vorbehalten;^ er schlug nämlich vor statt brunnt hUnu zu les« 
Die Kopenhagener ihrerseits hatten bereits at bruni „beim Feuer'' y* 
geschlagen; freilich sahen sie sich deOhalb genöthigt^ ein nicht v 
handenes brun, n. Feuer, anzusetzen; Munch schrieb G^Skk hann brüt 
was ich ebenso wenig verstehe wie Lüning. Egilsson übersetzt bru 
durch yjSchneeschuhläufer,^ ein Wort, das er nur annimmt^ das jed( 
nicht aufzuweisen ist Auch müßte es bruni lauten, von at bruna 
geleitet Ich glaube, man hat zu lesen: 

Gekk enn brüni beru hold tteikja. 
Brüni ist Eigenname eines Albes und besagt ,,der dunkle, schwarz 
Da nun Völund älfa liödi und visi älfa genannt wird, so darf er, dei 
ich, auch wohl enn brüni genannt werden; denn unter den Alfar, 
deren Genoß oder Fürst er (als kunstreicher Schmied) bezeichnet w 
sind ohne Zweifel die dökkälfar verstanden. Eigenname braucht 1 
brüni deßhalb nicht zu sein. 

12 (13) Hverir 'ro iöfrar peir ä lögdu 
besti byr sima, ok mik bunduf 
Verderbt ist diese Strophe nicht, nur ist die Erklärung eine sonc 
bare und, wie mich dünkt, unrichtige. Lüning, gestützt auf Egils 
und andere Erklärer, sagt: ^byr sima^ bezeichnet jedenfalls „Ha 
und dieses steht fllr das Pronomen der 1. Person. Die Erklär 
schwankt Sima ist gen. plur. von simi, m. oder fim, f. und e 
hier „Ringe" bedeuten. Byrr soll stehen fttr börr, Baum (Träj 
oder flir Burr = Barr (Odhins Vater), gleichsam die schaffende G 
heit der „Ringe." Auf solche Erklänmgen kommt man, wenn i 
nicht die Gesetze der Sprache und andere Dialecte zu Rathe zi 
Byrr hängt wohl mit Burr zusammen, hat aber mit borr gar nichts 
schaffen. Byrr ist das angelsächs. byre, Sohn, Mann, und borr 
angelsächs. bearo (gen. bearves) Baum. Simi bedeutet nirgends „Rü 
sondern überall Band, Fessel (angelsächs. sirnjan, seomjan, vinc 
Und muß denn sima hier gen. plur. sein? Nein, es kann auch 
plur. sein und ist es hier, denn es steht in Apposition zu begti. '. 
hat also zu übersetzen: Wer sind die Männer, welche legten an 
Miuw Bastatrickc, Fesseln? 



BETTRiGE ZUB KBITIK DER EDDALIEDER. 5 

Damit könnte ich schließen, denn ich fürchte nicht; daß gegen 
Erklärung Jemand etwas einwenden wird, was da Stich hält, 
aber 6k mik bunduf Eüngt dieß nicht ganz wie eine prosaische Er- 
klUrang der Worte peir er lögdu ä hyr hesti, sima, die durch ok damit 
verbmiden ward? Dazu kommt noch, daß der Stabreim auf der letz- 
ten Hebung des Verses im Fomyräalag immer verdächtig und bedenk- 
lich ist Soll man diese drei Worte also streichen? Das geht nicht 
an, denn wir haben hier nicht liöddhdttr, sondern fomyräalag. Wie da 
helfen? Einfach so: 

Hverir 'ro iöfvar, peir er ä lögdu 
hesti hyr sima, hundu mik? 
Über Strophe 15 ist bereits oben bei Strophe 3 gesprochen worden, 
ich gehe daher fort zu 

Str. 17. Skinn Nidadi averd d linda 

pcU er ek hvesta sem ek hagaet kunna, 
ok ek herdak sem mer hcegst pdtti; 
sä er mer fränn mcekir (b ßaiTi horinn : 
sekka ek pann Völundi til smidju horinn. 
Diese Strophe zeigt so manches was unstatthaft ist. Zuerst ist 
der Reim skinn : sverd wider das Gesetz; sk darf bekanntlich nicht 
mit SV gebunden werden. Man wird also statt sverd skälm, oder skarr, 
oder ikerdir oder ein anderes mit sverd synonymes Wort zu setzen 
und dem entsprechend das pat der folgenden Zeile zu ändern haben. 
Femer wird es wohlgethan sein, entweder Zeile 3 oder Zeile 4 unter 
den Text zu setzen, denn eine von beiden ist nichts als in den Text 
gekommene Variante, und sicher ist die Strophe eine regelrecht vierzeilige. 
Endlich ist das zweimalige horinn schwerlich zu dulden; man kann 
etwa tu smidju veginn oder gefinn lesen, wenn man Z. 4 behalten will. 
Die erste Hälfte der Str. 24 gehört zu Str. 23, welche eine sechs- 
zeilige, aus drei Gliedern bestehende Strophe ist. Mit der zweiten Hälfte 
der 24. Strophe beginnt ein neuer Abschnitt der Sage, wie schon das 
pä andeutet. 

Str. 27. „ Vd ek, kvad Völundr, verda ek ä ßjum 
Peim er mik Nidadar nämu rekkar.^ 
Hlcejaridi Völundr hofsk at hpti, 
grätandi Bödvildr gekk (w eyju, 
tregdi för fridils ok födur reidi. 
So lautet diese Strophe in den mir zugänglichen Ausgaben. Zu- 
ent bemerke ich, daß sich die beiden ersten Zeilen genau an Str. 26 
anschließen^ also mit dieser Strophe verbundea ^oidssa xsi^^^xl^ ^^sss^ 



6 LUDWIG ETTMÜLLER 

sie nicht eiae Strophe filr sich bildeii sollen, was wohl das beeaere tat* 
Nun zu dem Einzelnen, woran man anstößt Ich glaube nicht, dati 
man hier die gewöhnliche Satzfitgung; vil fk veria d filjtim vor sich 
habe. Wilre dieli, so etUnde vil, nicht vel und nach dem Infinitiv verda 
durfte nicht das Pronomen ek wiederholt sein. Dieses ek belehrt nns, 
daß verda da» Präsens Conj. und das vel ek hier aufmunternder Aus- 
ruf ist, bene ego, = age dum, euge, quod felix fauatumque sit! In 
andern Dialecten steht statt solches vel ek, vel Jm ctc- einfach vel, ireto, 
ioellä, welaga. Demnach hat man zu übersetzen: „Wohlan! sagte Völund, 
komme ich denn auf die Fulisohlen, deren mich dio Recken Nidhads 
beraubten!" Auch das „kvad Völiindr'^ beweist die Richtigkeit dieser 
Erklärung. Ganz äbnhcb steht im Rildibrandsliede: vselaga, quad Kildi- 
brant, wetmtrt aklhit! 

Str. 29, 1 ist wohl die ungekünstelte Wortstellung: vilja Umaa ek 
sofna die bessere, auch metrisch. 

Str 31, 6 scheint mir ein nichtssagender Zusatz, bedenklich auch 
deühalb, weil der Stabreim auf der letzten Hebung {kvän : hmnü) 
ruht. Man lese einfach: 

JtdU ver iöd eigim innan hallar, 
Str. 35, 2. ne ek pik vilja, Völundr, v«t wm ntla. 
In diesem Verse darf man das handschriflliche nita nicht, wie ge- 
schehen ist, in vVa ändern, weil das Gesetz des Stabreimes dagegen 
ist. Freilich, das gebräuchliche ntta, negare, passt hier weder in den 
Sinn, noch hat dasselbe einen acc. der Person bei sichj allein das 
ahd. neajan, ags. ncüan — beide bedeuten afiligere, cniciare, setzen 
ein starkes ntzan, neiz, mtan, näl (altnord. nita, neu) voraus, welches 
die gleiche Bedeutung gehabt haben dürfte. Dieses oder ein abgeleitetes 
nita, nifada, dürfte hier sich finden. Aber ist denn das Präs. vilja (veltm.) 
hier erträglich, da das Prät. vucüir vorausgeht und man demnach eJa 
veUem d. i. vilda erwarten muJi? Man hat sicher zu lesen: ne ek pik 
vilda, Völundr verr zim nita. 

Str. 36, 2 lese man pä epfir mt (statt mt pä eptir) nach dem Ge- 
setze der Allittcration. 



4. Sigurdarkvida Fafntsbana ßunur. 
Zu diesem Licde, das auch „um Regin ok OtrggiöUl'* überschriebeii 
wird, bemerkt Lüning: „Dieses zweite SignrdBÜed ist offenbar 
Bchiedenen nur bruchstückweise erhaltenen GediohMgiM» 
Die Strophen 1 — 12 könnoa Bruchstücke eijl 



BEITRAGE ZUR KTIITIK DEK ED!>ALIEDER. 





ebenso Str. 13—16 und Str. 26 Überbleibsel eines Gedichtes, 
«elciies Regius Bemühung mn Sigurd und den Zug gegen Lyngvi 
donteUle. Au Odins Erscheinung hat der Summier dann Str. 19 — 25 
fengeknüptit, Bruchstücke eines Spruchgedichtes wie der größere Theil 
UäTftmäi und der zweite Theil von Sigrdrifumfll. Difse Strophen 
■od, sowie die Strophen vom Goldhart, im hndithättr gedichtet, b'm- 
g^n die Sti'opLen von Sigurds Zug gegen Lyngvi in dem gewöhn- 
beJieD epischen Storkadarlag. Dieses Gedicht hat aucli dem Ganzen 
die Überschrift Sigurdarkvida gegeben, denn aouat heiilt eine Dichtung 
im liiSdabättr nicht kvlifa, sondern mal, wie Ililvamäl, Grimnismäl, Vaf- 
liTüdnismill.'' 

Die letzte Behauptung ist im Ganzen richtig, auch läßt sieb nicbt 
bereiten, dall unser Gedicht nur aus Bruchstücken besteht; eine an- 
dere Frage ist jedoch, ob diese Bruchstücke ursprünglich verschiedenen, 
Kibstjliidigea Gedichten angehören, und das muß ich bestreiten. Wir 
baben in Hclgakvida Hiörvards sonar ganz die gleiche Erscheinung, 
Alle Strophen, in denen sich Ätli mit Hrtmgerdh herumzankt, sind in 
fiAdi^ttr, die anderen, in denen erzählt wird oder Held zu Held spricht, 
in fomyrdalag gedichtet. Wir müöten also auch in diesem Gedichte 
«ne Zusammenstoppelung von Bruchstücken ursprünglich selbständiger 
Gedichte annehmen, was kaum statthaft sein dürfte. Ganz gleich ver- 
ItJlIt es sich noch mit anderen Liedern der Edda. Ja nooh mehr und 
zwar entscheidendes: das Häkonarmäl, von Eyvind Skaldaspillir im 
Jahre 9li3 gedichtet, zeigt das gleiche Verhattiiisa: alle Strophen, in 
denen von Valbyriea oder andern mythischen Wesen die Rede ist oder 
sie selbst reden, sind in liodahAttr, die andern Strophen, in denen episch 
erzählt wird, in Starkadarlag gedichtet. Hier sehen wir also den Grund 
dieser Erscheinung, demi hier kann Niemand eine Zusammenstoppelnug 
DTSprünghch verschiedener Gedichte annehmen; zugleich belehrt uns 
»her auch dieli Gedicht über die gleiche Erscheinung in den Edda- 
Epische Erzählung und Gespräch zwischen Menschen sind 
in Fomyrdalag abgcfatjt; treten jedoch mythische Wesen in ein 
feepräch , sofort erscheint liüdahättr. Lüuiugs Behauptung in Betreff 
Imda and mät also erleidet Einschränkung. — Aber jetzt zu dem Ein- 
icJoen.- 

Str. 3. ef pär höggiiiuk ordum ä „wenn sie mit Worten unter 

der streiten ;" diese Übersetzung giebt keinen Sinn, und eine an- 

t i]i<^t möglich, sagt LUning. Allerdinga drückt ordum högguaak 

«mander bauen) „sich streiten" gewöhnlich aus, e.b«t *\\a- 

1% rfa dor Dativ ordum vöÜig gen^i^- EvW&va 6. %'uäcX 



8 LUDWIG ETTMÜLLEB 

einmal, und es wird seinen Grund haben. Was die Worte «udrdckfli 
sollen, lehrt die folgende Strophe, wo man liest: er ä camar iQgr, weni 
man den andern anltlgt. Aber ist das ä nach crdnm wiiidich die Pri 
Position? kann es nicht etwa das Adverb (ahd. ana) sein? Dann wQrd( 
d zu hdggwuik, nicht zu ordum, gehören. Freilich kenne ich keiiu 
Stelle, in welcher ä durchaus Adverb sein muÜ, imd auch Egilssoi 
weiß keine anzuführen. Allein ist denn das Altnordische sehon so gaoi 
und gar durchforscht? Nur um auch Anderer Aufmerksamkeit zu er 
regen, habe ich meine Andeutung ausgesprochen. Es soll nicht abge 
schlössen sein. 

Str. 5 ist imtadelhaflt und ganz unentbehrlich, obgleich sie (innei 
halb Lünings erstem Bruchstücke) nicht in liödah&ttr, sondern in Stu 
kadarlag gedichtet ist. Das kann aufikllig sein; aber man beachte, dsi 
diese Strophe kein Theil des Gespräches zwischen Loki und Andvii 
ist, sondern daß der Zwerg diese Worte innerhalb der Stdnhöhle al 
Fluch über das Gold ausspricht 

Str. 9, 3. hrdt ptnr hrcedumk ekki lyt. so liest nach Egilsso 
Cod. R. ; alle Herausgeber setzten statt lyt lyfy ohne daß Einer letzten 
Wort zu erklären weiß. Grimms Erklärung ekJü lyf = €kki lau 
deutsch: „nicht ein Laub,'' d. i. ganz und gar nicht, maß abgewieM 
werden, nicht etwa weil lyf nicht lauf ist (damit würden manche Inte 
preten leicht fertig; sie sagten einfach: „hier steht lyf statt lauf 
sondern weil ein solcher Ausdruck der altnordischen Sprache gftnzlii 
fremd ist Behalten wir also das lyt des Cod. R. Aber die Erkläronj 
Egilsson ist schnell fertig. Er sagt: lyt steht für hlyt^ hlyt aber ftür U 
(von Jdiär, Looß, Theil, Sache) also ekki lyt = non rem, nihily gai 
und gar nicht. Und dafUr wird keine einzige anderweitige Stelle nac 
gewiesen. Darf man also zu Werke gehen? Sehen wir, was aus d 
Stelle zu machen ist Stünde in der Handschrifit: hat pin hrcedumk l 
so wäre die Deutung sofort geftmden: lyt fbr lytt (vereinfachte stün< 
Consonanz des Auslautes, die bekanntlich gar nicht selten ist, wenn am 
nicht so häufig wie in andern Dialecten). Nun wird freilich (in d 
Ausgaben) gewöhnlich litt, nicht lytt gegeben; aber das Adj. lanl 
goth. leitilsj ags. litil und lytil, altsächs. htil, mhd. Wzdj altnord. Ui 
oder litüL Man sieht heraus, daß der Vocal in der Wurzel se 
schwankend ist, und daß man auch im Altnord, lytü neben IXtiüy Ut 
zugeben kann. Gegen die Worte also: hot pin hrcedumk hft, dek 
Drohung fbrchte ich wenig, ist gewiß nichts einzuwenden. Aber ni 
steht vor lyt ekki^ und dieß ekki scheint alles umstoßen zu wolle 
Nor gemach jedoch] dieß ekki ist nichts als in den Text g^ommei 



BETTRiGE ZUB KRITIK DER EDDALIEDER. 9 

OI0886 oder Variante zu lyt. Und somit wäre die Stelle hergestellt, oder 
vielmehr blob richtig erklärt Auch metrisch ist es besser^ wenn ekki 
getilgt wird. 

Str. 14, 3 — 4 Sid mun roesir rikstr und sdlu, 

Prymr um oll lönd orlögsimu. 
Die Kopenhagener setzen nach lönd ein ;, schreiben dann orlög 
rimu und übersetzen diese beiden Wörter mit: ^parcae sie constitu- 
enmt* Lüning folgt ihnen, tilgt aber hinzu: ,,Wenn die Erklärung und 
die Lesart richtig ist, so ist simu praet. von einem sonst nicht mehr 
Yorhandenen stma (seim, aimum) weben, flechten.** — Weder Lesart 
noch Erklärung ist richtig. Orlög drückt niemals Parcae aus, sondern 
fittom, oder im Plur. fata. Die Parcae heißen altnordisch Nomirj und 
ihr Erzeugniss eben sind orlög, fata. Wir haben hier also weder Be- 
fiigniBs noch Aufibrderung, ein nicht vorhandenes äimu, seirny wmum 
Aufzustellen: Egilsson verwirft, und also mit Recht, die Deutung der 
Eopenhagener, aber er setzt prymr von prymja = prumir von pruma, 
und nimmt prymr impersonal mit acc. des Subj. (simu von simr). Diese 
Construction ist nun zwar im Altnord, keineswegs selten, und prumir 
mag so verwendet werden; aber er mußte nachweisen, daß prymr 
ebenso gebraucht wird, und das vermochte er nicht. Also bis ein im- 
personales prymr ^ und ein masc. simr^ gen. simar, acc. plur. simu an- 
derweitig nachgewiesen wird, nehme ich einfach einen Schreibfehler in 
der Handschrift an, (vielleicht ist es gar nur ein Lesefehler), und 
ichreibe: prymr um öü lönd orlögsimi, d. h. es rauscht um alle Lande 
der Schicksalsfaden, was soviel besagt als: seine Schicksale werden 
m allen Landen ruhmreich sein. Die Richtigkeit meiner Deutung be- 
weist auch die Nomagestssaga, welche diese Strophe unseres Liedes 
g^cbÜEÜls enthält, aber die dunkle Zeile ersetzt durch: frcegr um öU 
tSmi med hfi stnu^ wo rücksichtlich der Erklärung freilich keine Schwierig- 
keit stattfindet 

Str. 25. Kemdr ok pveginn skal kcenna hverr 

6k aJb momi mettr, 
Pviat ospnt er, hvar at apni kemr; 

iUt er fyr heill at hrapa. 
Schwierigkeit hat nur die letzte Zeile. Lüning übersetzt: „Übel 
ist es, dem Schicksal zu erliegen'' oder „vor dem Schicksal zu erliegen/ 
Er filgt hinzu: „man könnte auch übersetzen: es gilt fUr ein übles 
Vorzeichen, zu stürzen. Was diese Worte hier bedeuten sollen, begreife 
ich nicht'' Ich in der That auch nicht Übrigens ist Lümü^ xisi^^s^r^^^ 
ob er heiU als fem. (bsIub, fortuna bona) oder s\& ti<^\x\x« iv5^T&»d^\^^ 



10 



LUDWIG ETTMfTLLEB 



tiulimtin soll; fatum, oder fortuna tidversti bedeutet übrigeofl hei'U, f. 
DJenttiU, Honrlem immer salus, boiia fortuna; bei he!ü, n. muß immer 
gott. (»der iUt Btehen, je nachdem es faustum oder infaugtum omra aua- 
flrtleken soll. EgiUson lälit auch im Stich; er gicbt unter heilt, f. malum 
est fortiinau succumbert-. Nun bedeutet aber hrapa eigentiich nicht. 
Bucciimburc, aondom ruere. Will man einen zu den anderen drei Keilen 
paHiondcn Sinn haben, muli man lesen: illt et- fi/r köU ai hrapa, d. b. 
„OB int llbol auf die Halle loa zu BtUrzen," nämlich als ein Elungeriger, 
dar d allein I viir der Abreise nicht gegeascu hat; oder: „ea ist übel, vor 
der Ilallo (als haibvorhungortor) nieder zu stürzen," 

5. Fafnismäl. 
Auch diiill Gedicht hat einige Stellen, welche nech der richtigOD 
Krlilllning, oder doch der Berichtigung bedürftig sind. Sehen wir ein* 
initl Kut 

8tr, 5. llverr pik kvatti, kvi hvetjaik lest. 

mirmßörvi at faraf 

itm fr&neifgi eveinn! ^ü ättir föSur ftifran, 

A homno »kior ä akeiiT, 
|)ii' emton drei Zeilen sind in Ordnung, die vierte jedoch ist biß jetat 
mich «in Kreuz aller ErkUrer, Lüningsagt: „Munch glaubt die Wort«: 
/l l)ninnn skiiir d üfof'tf lesen zu niUssen; or in /wmno ist nämlicb ab- 
f(ckUrKt und könnte auch «r oder ru gelesen werden. So wie bo geben 
dieao Worte durchaus keinen Sinn, die versuchten Veränderungen aber 
obensowenig. Die Kopenhagener lesen: Shomom nkiöra »keiS, woraus 
Olav«en borausbringt : fiüo posthumo non defutt sua pars (nämlich die 
Tapferkeit), Magnus hingegen: nondum genitam texit antenniB in- 
ulructa celox. So auch Ettmöller („den epätgeboronen schützt nicht diu 
Schiff") mit der Erklärung: die Flucht deiner Mutter nach deines Vater« 
Tode hat dich, den noch nicht geborenen, nicht vor der Dienstbarkfflt 
(vgl. Str. 7.) beschirmen können (vgl. Sinf. Anmerk. 4). Das sind Noth- 
behelfe und zugleich Gewaltthätigkeiten gegen die Sprache- Waa soll 
denn gkifjra eigentlich vorstellen ? Kurz, die bisherigen Versuche haben 
nichts herausgebracht." Nicht so rasch, hebor Freund, ich bleibe boi 
meiner Erklärung, obwohl ich, wenn ich nicht atabreimend übersetzt 
hätte, Blatt „schützt" „Iftuft oder guhf* geschrieben h ' ■ ■ ■' ' 
Ski^a ist nämlich 3. Pers. Sing. Präs. Indicat. von 
lauien, eilen*), und d ist die vielbekanate Negation, alsu 




'} VcrgL tiifa, /iroilnwe, vpera roire, eoth. 



BEITRiGE ZUR KBITIK DER EDDALIEDER. H 

nicht, geht nicht Zu skiöa laufen , gehen, vergleiche ich nämlich das 
goth. skevjan, odov noistv^ und das angels. skiojan, ire, currere. Das 
goth. V ist, wie auch sonst wohl, vocalisiert, und e durch t (meinet- 
wegen t) wiedergegeben worden ; mithin skiojan = skitjan, skioa = skivja. 
Das goth. skevjan findet sich im Ulfila Marc. 2, 23. Das angelsächs. 
iciiSjan im Cädmon (edit. Thorpe, pag. 67, 20: mm sceal svutor mid 
grmme gryre golden vurdan fyll and Jeorhcvealm, ponne ic ford scio) *). 
Sehen wir nun, was Egilsson zu unserer Stelle bemerkt. Er sagt: in 
loco perdifficili : j^obömum skiöra skeid^ verto: liberis privignis, pueris, qui 
ceteris liberis post habentur, non deest cursus.^ (Er nimmt also skeidy n. 
corriculum, spacium cursus, an, ich akeid, f. celox, navis). „Adagium 
6886 videtur, cujus sensus: liberi privigni, vel qui a parentibus ceteris 
Uberis post habentur, cum severius duriusque habcri soleant, ssepe 
Btrenuitate praecellunt liberos in deliciis habitos.'^ Egilsson schließt 
sich also, wie man sieht, an Olavsen an; ich finde einen entgegenge- 
setzten Sinn in dem Sprichworte. Nachgeborenen läuft das Schiff nicht, 
will sagen: Nachgebome haben kein gutes Fortkommen im Leben. 
Diese Auffassung scheint mir zu dem voran stehenden ])ü dttir födur 
hitran augenscheinlich besser zu passen, wie zu der ganzen Stimmung 
Fafhirs. Ceterum, quod adtinct ad skiöra, fkhrt Egilsson fort, quoquo 
modo admittendam arbitror rationem Manusenii, in Ed. Serm. T. 11 
propositam, nimirum skiöra est 3. sing, pracs. ind. act. vcrbi obsoleti 
skia, skiöa, declinare, aberrare a recta via, suffixa part. neg. a. mcr 
skiöra, non deficio, mihi non decst. Cum hac radice, et si nusquam, 
qoantum sciam, alio loco ob via, tarnen sumenda, cohaerent: skelaust, 
skdegr, öskiäliga, forte et skidlgr, skiätla, skiädr et plura. Wenn sich 
die Herren etwas mehr um die anderen Dialekte bekilmnicrn würden, 
würden sie leichter imd sicherer zum Ziele kommen. Also noch ein- 
mal: Sbomum skiöra akeid besagt: Nachgoborenen eilt das Schiff nicht, 
d. L sie haben keinen glücklichen Fortgang, kein fröhliches Gedeihen. 

Str. 6. fär er hvatr, er hrörask tekr, 
ef t bameesku er hlaudr, . 
Die Besserung, die Lüning vorschlägt, hrcerask, sich rühren, zu lesen, 
ist ganz richtig und einzig annehmbar. Weder hroßdask, noch fcßdask 
(wie die Kopenhagener wollen) noch hv'örask (wie Munch will, der 
hnSrask = hröma nimmt) giebt einen schicklichen Sinn. Will man sich 



♦) Wäre dieß aeiS Prät. (statt sciovj^ so würde der Inf. sccevan zu lauteu haben 
^ dann dem ^kdojcm noch näher stehen. 



12 LUDWIG ETTMlTLLEß 

einen Begriff von der Erratliseligkeit EgÜBBons machen, bo leae man 
nach, was er unter hr^dask und hrirrcuk alles vorbringt. 

Str. 12 — 16. Mit Recht bemerkt LUning zu diesen Strophen, daß 
sie Bruchstücke eines anderen Gedichtes, und hier „aiemÜch Beltsam" 
eingeschoben seien. Sowohl in Sigurds als auch in Fa&iirs Munde ist 
das ein sehr wunderbares Gesprfich. 

Str. 21, 1 Räd er Jier rädit. en ek rida mun etc. Kann per wirk- 
lich „von dir" bedeuten, wie Lüning will? Ich zweifle. Will man ^cr 
behalten, so muü man die Worte „Dir ist Rath gegeben" erklären 
durch: „mit dir ist es aus, mit dir ists am Ende;" man muß sie also 
als SarkaemuB nehmen*). Will man das nicht, so wird man BcboD ptr 
in mer umwandeln müssen. 

Str. 24. pat e?- 3vist at vita, pä er komum allir aaman 
Sigltva siptir, (;) 
hverr oblaudastr er cüüm; 
•margr er tä hvair er kiör ne rtjfr 
annars briöstum i. 
Man sieht, daß diese Strophe einen Vers zu viel hat. Hier haben wir 
es einmal augenfällig, daß erklärende Glossen in den Test gekommen 
sind. Die dritte ZeUe, hve>T 3hlau3tutr er altna ist nichts als Erklärung 
zu pat (v. 1) und genommen aus Str. 23, wo es heißt: pik kved de 
Shlaudastan alinti, — Aber auch das at vita in v. 1 scheint mir nichts 
als ein Eiuscliiebael zur Verdeutlichung filr Schwachköpfe, in Hinsicbl 
auf die Metrik übrigens keineswegs zu billigen. — Z. 4 endlich tat 
r/(/V sinnlos; man muü, wie schon Lüning bemerkte, rffitr Kjseu. Dia 
Strophe würde also lauten: 

pat er 3viat, pä er komum allir snmnn 

Sigliiia atfnir; 
margr «r ad hvair, er hiör ne rl)dr 
annari bri^dum i. 
Str. 30, 2 ist ;5U schreiben: hvarn vreidir akolit vfjja, denn reiSir 
reimt nicht mit vega. 

Str. 31. Diese ganse Strophe ist ein sputerer, eigentlich aiohts 
sagender Zusatz. Und wiv »diloclit gereimt gleich im V. 1; 
ilviitum er hetra en ae SkoStum! 



•) V«rg\. Nihl. 934. «"I •niol' ''»« 
twar kÖD SukMiniu, Aber du xn r*'' 
rfgielcbea. 



^- Umm 



BEITRÄGE ZtJK KKrTIK DER EDDALIEDER. 

Von den Strophen 32 — 44 gehören zu diesem Gedichte ursprttng- 

lich nur Str. 34, 37, 39. Alle andern in Starkadarlag gedichteten 

r Strophen Bind Trümmer eines anderen Liedes dcsBclben Inhaltee. Hier 

l kein Grund vorhanden, um aua liödahättr in atarkadarlag Uberzu- 

jehen. Übrigens lese man Str. 43, 1 folkvära, atatt folkoiir, Str. 44, 2 

uFingakomi. statt Vinggkornir, alle künstlichen Deutungen, um Sohreib- 

rfehler der Handschrift fest halten zu können, sind zu verwerfen. ^^ 

6. SigrdrifumSl. ^^ 

DieU Lied ist uns auch nur in Bruchstücken erhalten und dazu 
noch in einem Bchr bedenklichen Zustande. Es ist im'hüdahättr ge- 
dichtet, aber manche Strophen sind in Starkadarlag, andere durch 
Zusätze zerstört. Das gilt zumal vou denjenigen Abschnitten, die von 
den Runen handeln. Es scheint, dati entweder der Sammler der Edda- 
heder selbst, oder dann ein späterer Abschreiber seine Kenntnisse in 
der Kunenkundc habe auf gute oder vielmehr schlechte Weise an den 
Mann bringen wollen. Die Strophen in Starkadarlag worden wir denn 
vor allem aus dem Ltede auszuscheiden haben, selbst wenn sie in 
anderer Beziehung wichtig sein sollten, was jedoch keineswegs der 
Fall ist. Jedes Lied, das doch singbar sein soll, muU eine bestimmte 
Form haben; anders geformte Stücke müssen demnach, wenn kein 
3nuid vorhanden ist, eine .Strophenform mit der andern zu vertauschen, 
imßcht sein und können unmöglich zum Liede ursprünglich gehört 
kftben. Ich werde daher versuchen, die herstellbaren Strophen herzu- 
stellen, die andern Stücke jedoch, als zur Ausscheidung bestimmt, zu 
bezeichnen. Finden sich nebenbei Stellen, die sonst einer Berichtigung 
oder vielleicht einer andern Erklärung bedürfen, so soll das Nöthige 
gegeben werden. 

Die erste der überlieferten Strophen ist in Starkadarlag, nicht 
in Li/>dahättr: aber es ist dte Eingangsstrophe. Die eben aus dem 
Schlafe erwachende Sigrdrifa fragt, noch halb achlaftrunken, wer donn 
si« erweckt habe. Sie ist noch nicht in erregter, gehobener Stimmung, 
md somit ist der ruhigere Gang dos Starkadarlag's völlig an seinem 
PUtee, and die Strophe ist sonder Zweifel echt. 

Aber gleich die zweite Strophe ist in Liodahättr. Sigrdrifa hat 
Am Bewaßtsein ihres Wesens wiedererlangt, und so spricht sie denn 
attdt fortan ununterbrochen iu Liödahättr. 

Str. 5 ist in Starkadarlag überhefert, obgleich sie mitten in der 
1 der Sigrdrifa steht. Allein die Strophe ißt in Lii{)Aal\ä.\ta ■anH.xs.e.^X.'i.'CTi., 



14 LUDWIG ETTMOLLER 

Biör fceri ek /^cr, hynpinga txiWr*), 

magni Uanditm, meginJtiri; 
fuUr er kann liöda ok likngtafay 
gcUdra, gamanrüna. 
Es ist also nichts getilgt als nach blandinn und galdra die CopuU el 
und vor galdra das tlberfiüßige gddra. Der christliche Sammler sdu» 
oder doch ein Abschreiber mochte dietS Beiwort 6Xt noth wendig e^ 
achten und schrieb demnach die Strophe in Starkadarlag um. 

Str. 6. »umar ä vettrimumj sttmar ä valbögtum 
nämlich sigränar skaü ptl rhta. Da beide Wörter im Hural stehen, so 
müssen sie Dinge bezeichnen, die am Schwerte sich zwiefach finden, 
wenn sie nämlich nur auf das Schwert zu beziehen sind, wie man vt 
nimmt, und Lüning hat ganz Recht, wenn er sagt, die Wörter seien 
unerklärt, und die Bedeutung bloü errathen (besser: gerathen)^. Der 
Cod. der Völsungas. liest valbystum statt valhöstum^ und Egilsson ninunt 
beide Wörter filr dasselbe Wort, obgleich das eine auf hcui, das andere 
auf fric^f zurückzuführen ist. Er erklärt (raZbedarf hier keiner Erklärung): 
hystj i. q. hust, böst, vide valbyst. Nun, htgt (Thema A) und bygt (Thema I) 
unterscheiden sich nur durch die Declination, und können den gleichen 
Begriff bezeichnen. Unter bust, f. giebt er an a) piscis genus, b) üuiti- 
gium tecti, c) seta porci; (bust, bysl stehen nämlich Air frtcrff byn()y 
deutsch Borste. Er hätte übrigens schreiben können: a) seta, b) fiuti- 
gium tecti, c) piscis. Über böst sagt er: i. q. biiaty byHy vide vaBM 
Sehen wir also nach. Wir finden : valböst, f. pars gladii, incertom quae. 
Als Varianten giebt er au valbasty und valbörst. Er ftlhrt femer an den 
dat sing, valböstu und den dat. plur. vcUböstum, femer ddr valbaäa 
(gen. plur.) gladius (wörtlich wohl ignis, i. e. perditor scutorum), rödmü 
valbastar, gladius (wörtlich radius, i. e. perditor scuti). Puta, fkhrt er 
fort, sie appellari fustigatam gladii partcm anteriorem, a summo dorso 
mucronem versus procurrentem, in gladiis unam tantum aciem haben- 
tibus. Man wird, glaube ich mit diesem skandinavischen Philologen zu- 
frieden sein. Um es kurz zu machen: die Wörter valbast und vaOnut, 
valbysi drücken zunächst aus scutum (wie eldr valbasta und rod'uüvair 
bastar beweisen) ; valböst heißt der Schild, wenn er aus Lindenbast ge- 



*) Ich habe die Lesart des Cod. der Vnlsmigasaga aufgenommen, da die des 
Cod. R. hrynpinga apaldr (Apfelbaum der Brünnen- Versammlung » Held), alsnstark an 
die Skaldenpoesie gemahnt. 

**) Skaidfkaparmdl hat valboJtl unter den Namen des Schwertes, odtfrmi unter 
dMtesa des Sebildea und des Schwertes. 



FBEITRAUF ZUR KHITIK DEß EDDALIEDER. 15 

fertigt ist (weßhalb auch das einfache lind acutum ausdrückt); valbmt, 
vallygt heiüt der Schild, wenu er mit Btachelieher (borstiger) Fiscbhaiit 
iibi'rzogen ist. Somit prkJjlrt alcb aucli, wie der PInral von valbrjgt zur 
Bexeichsiuig eines Scbildes gebraucht werdL'U kann, da ja zu eioem 
Schiläe eine Menge Bast nntbig war. Jetzt zu dem zweiten Worte 
tStirimum*). Soll ich auch liier wieder alles, was Eg^Isaon vorbringt 
Hieben? Nun, cb hat schon seinen Nutzen. Er sagt; Vetrim, f. i. q. 
eStrim, veettrim pars gladii. Vettrima tungur, laminai gladiorum. Üocurrit 
etiain fonua vel|)rima, quae derivari potest a vet {=r veU, vtett, n. 
fastigium, acciivitas, et [irymr, jirßinr), (deutsch trum u, tram) margo, 
Stria, vel mid« a rim, f. areola, spatiolniu, it. assercalus Htj^eoius. Htnc 
vHtrimar esso puto striaB in lamina gladii a capulo mucronem versus 
procurrentea- VStlrima nadr, sei^pens striarum, gladias. Vettrim non in 
Mpulo fuisse, aed in lainiua gladii, docet Lvormac. ed. Kavu. p. 8S: 
tük Skäfnungr uf oddinn af Htntini/i fyfir /rammt vSttrimiita. Egüsson 
muli, als er diese Stelle niederschrieb, uicht recbt wach gewesen sein, 
denn sie heiÜt deutsch: Sköfnung nahm ab den Pfeil von Hwiting 
iSchildname !) vom am Vcttrira. 

Diese Stelle bahnt mir treffUch den Weg zu meiner Erklärung, 
Der Nominativ ist sowohl vvHrim, f. als auch vettrtmi, m. ancusetzen. 
VHt, vait, a. bedeutet Gewicht, Last, jedes Schwere; rimi, m. rim, f. 
über ist eoUicultis, en liden Bakke, wie Rask sagt. Der kleine schwere 
Hflgei ist die Buckel des Schildes. Uuscre Stelle sagt also; Mau solle 
Siegninen einritzen einige auf den Bast des Schildes, einige auf den 
Backein des Schildes, die, wie man weill, von Erz, also schwer waren, 
tlDsere Strophe hat also den ganz guten Sinn: Man solle, wolle man 
Keg Itaben, Siogruncn einritzttn am Griffe des Schwertes (der Angriffs- 
VnSbs), und an dem Baste (oder Fischhaut) und den Buckeln des 
Schildes (der VerthcidigimgswafFe). Wer nur eins tbut, ist nicht des 
Sege« Bicbcr**). 



*) Uui liitl vHlriainm. xii schreiben, iln vor mtn lif g'cwurikneni It nur liingpi- 
Voexl statt tindct. Die Vercinrnaliiiiig de» U Ut niwtattlmft 

'*) Ander» ist <oaüiutt allerdings im Liede vuu Relgi Haddingja^katj, Str. !) zu 
fkllraii, wo rs scutnla cajiularü Dberactzt wixA, also der nandscliilil am Schwerte, 
SüehliUtt. Djw Wuit gehört eben, wie schon gesagt ward, zn den keuningar. and 
dl^ käniieii iiir llaieichnuiig TerscMedenor Dinge gebraucht werden. Will mau m 
r Stttllo •ea&'ntt und uäfTtnii diirchamt «uf d»s Suliwort beKiehan, so b(uieiclin«t 
9 Sticbblatt (den ßn'hild der Hand), das andere den Knituf, und dMCn &'ui>a\ 
I Wr für Singulnr. Aber v*Urimi kooinit auch unter den t^aoiQtv &tA &duV&eft 'sai. 



16 LUDWIG ETTMÜLLEB 

Strophe 9 nimmt sich im Munde einer Jungfirau, und wenn ne 
auch eine Walkyrie ist, einem Jtlnglinge gegenüber sehr sonderbar aiUt 
formell ist sie jedoch nnan tastbar. 

Str. 10. Der erste Text schließt mit ok Uggja Mt dr. Was darauf 
folgt: era svä brattr breki ne 9vä Mar unnir pd kemgtu heiU af h^ kt 
swar an sich metrisch untadelhaft, zerstört aber dennoch den Bau der 
Strophe, die nur aus vier Langzeilen bestehen darf Immerhin smd 
auch die ^blauen Wogen'' bei sturmerregter See etwas aoffidlend; bei 
ruhiger See aber braucht man keine Runen, um heiü af haß zu konmua. 

Str. 12 ist herzusteUen: 

Mälrünar skaüu kunfUL, ef pU viU at momgi per 

heiptum guMi härm 
ä pm pingiy er piödir skolu 

i fuUa doma fara. 

Die nach V. 2 eingefügten Zeilen: P<xt um vindr, paar «an vefry p^er 
um 9tiT aUar saman sind überflüßig und zerstören die Strophe. 

Str. 13 ist, wie Grimm schon 1815 that, also richtig abzutheflen: 
Hugrünar skaUu kunnOj ef pü vüt hverfum vera 

gedsvinnari guma; 
Pcer of red, pcer of reist, 

Pcer of hugdi Hroptr, 

Die folgenden, hier fklschlich angehefteten zwei Verse: 

af peim legi, er lekit hafdi 
or hausi Heidpraupnis 
sind der zweite Theil einer Strophe, deren erste Hälfte verloren ist; 
denn man kann gewiß nicht mit Verstände sagen p€er of rSi^ pcer af 
reist, pcer of hugdi Hroptr or legi. Die noch obiger Halbstrophe an- 
gehängten Worte ok or homi Hoddropnis sind nichts als eine durch 
ok angeheftete Variante zum voranstehenden Verse; beide Namen be- 
zeichnen ja ein und dasselbe Wesen. 

Str. 14 (15) hat zu lauten: 

A biargi stod med brimis eggfcur, 

hafdi ser ä höfdi hidlm. 
pä mcelti satt Mtmis höfud 
frodlikt it fgrsta ard. 

In der dritten Zeile war satt ausgefallen, seine Bedeutung jedoch 
mochte in der Erinnerung eines Schreibers haften und er hängte defihalb 
als ftinfte Zeile an: ok sagdi sanna stafi, wodurch er ft^ilich den Bau 
der Strophe zerstörte. Ohne satt aber wUre Zeile 3 unvollständig. 



b£lTR&6E ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. if 

Str. 15 (16) ist als liödfthftttr also herzustellen: 

A skildt kvad ristnar fyr slAnanda godi, 

ok ä eyra Arvahrs, 
ä Alsviruu hdß, ä hveli er an^sk 
undir reid Rögni». 
I ist gestrichen nach ristnar: peim er stendr, ein unnöthiger, den Vers 
ob anschwellender Zasatz, ferner pvi vor hvdi, weil es den Hochton 
ben würde, folglich in Allitteration stehen müßte; endlich ist ok aus 
m Anfange des dritten Verses in den des zweiten gesetzt worden, 
ich wird der Strophe am Ende eine Zeile angehängt, welche jedoch 
bst Str. 16 und 17 zu streichen ist. Beide sind in Starkadarlag und 
thalten Zusätze eines Mannes , welcher glaubte noch mehrere Dinge 
rchaus nennen zu müssen, an welchen Rimen eingeritzt seien. Ein 
Icher Katalog ist aber hier im Munde der Sigrdrifa völlig geschmack- 
} imd thoricht. 

Str. 18 (19) ist echt, aber sie hat zwei Zusätze, welche den Bau 
r Strophe zerstören. Sie hat zu lauten: 

Aüar väru af skafnar, pcer er väru d rietnar*) 

ok hverfdar md ihn helga miäd; 
pcer 'ro med Amim^ pcer ^ro med Alfum, 
sumar med xüeum v^um, 
^ V. 2 wurde eingeschaltet: ok sendar ä vida vegnj offenbar am zu 
gen, daU der Gebrauch der Runen im Heidenthume einst weit ver- 
ettet war, was hier nicht gesagt werden dar^ da nur von den Runen, 
i im Gebrauche der Götter waren, die Rede ist Nach dem vierten 
vse ward angefügt: sumar hafa menskir menn; aber eben von diesen 
tuen ist, wie gesagt, hier gar nicht die Rede. 
Str. 19 (20) ist herzustellen: 

Pat eru bdkrünar^ pat eru biargrünary 

ok aüar ölrünar 
kveim er pasr knä eer at heUlum hafa: 
nüfUu ef pu namt! 
idi V. 2 ist eingeschoben: ok mcetar meginrünar^ ein höchst über- 
ttiger Zusatz. Zwischen knä und eer ist eingeschaltet dviüar ok dspä* 
', was eigentlich schon in at heiUum liegt, denn sind sie viUar ok 
ükor, so kann man sie nicht ser at heiUum hafa, — Der nach namt 
• neuer Vers zugefügte Satz : unz riufask regln ist unsinnig, da Sigrdri& 
ch nicht annehmen kann, Sigurd werde bis zur Götterdämmerung leben. 



^ fito wieder ein Beitel dea «dv. L 
emUMÜL Meas RetkB. F. (UIL) Jüa^. 



18 KlIAKtTEL HOFFMANN 

Str. 25 (26) ist also herzustellen: 

AUt er vant, ef pH vid pegir, 

pä pikkir pü med bleydi baintm: 
annars dags lattu hans öndu farä, 
ok launa svä lydum lygi. 
Die nach V. 2 eingeschalteten Worte: eda «crnnu sagdr. haettr er heimU 
kvidr^ nema ser godan geti haben etwas schalmeisterliches an sich und 
zerstören die Strophe. 

Str. 27 (28)^ 2 lese man vreidir vega, da reidir : vega niebt. 
allitteriert. 

Str. 35 (36) ist herzustellen; 

Pat rced ik per ü fiunda, at pü trüir aldregi 

vörum vargdropa; 
tUfr er t ungum sgni, 
pd luinn 86 guUi gladdr. 
Die Strophe ward abermals zerstört durch die nach V. 2 eingeschaltetoi 
Worte: hvers pü ert hrodurbani eda hqfir pü feldan fodwy welche nichts 
als eine Erklärung von vargdropi sind, freilich eine allitterierend abge- 
faßte, eben weil man sie einzuschalten beabsichtigte. 

Str. 37 (38) V. 3 ist mit den Eopenhagenem lagü oder kyt statt 
langt zu lesen, denn Sigrdrffa konnte gar nicht sagen langt lif^ langes 
Leben, wenn sie, wie man doch annehmen muß, der Zukunft kundig war. 



So, glaube ich, wird sich dieses Gedicht ganz ändert au8iielime%. 
als in der bisherigen arg zerrQtteten Gestalt 
ZÜRICH. 



GLOSSAE MELLICENSES. 



Die nachstehenden Glossen sind einer Vergil- Handschrift ent- 
nommen, die im J. 1850 ftir die Bibliothek des Benedictiner -Stiftet 
Melck in Oberösterreich acquiriert wurde. 

Auf dem ersten Blatte findet sich am unteren Rande eine radierte. 

alte Signatur, aus der sich noch die Worte herauslesen lassen: *Ad BiUio- 

ihecam Monasterij Montis S. Georgii 1659*. Es lag daher nahe, an dat 

ehemalige Benedictiner-Stift St Geoi^en im badenschen Schwarswalde, 

zwischen Triberg vmd Villingen, zu denken*, genauere Prf&funic jedoch 



atX)8SA£ MELtJCfiKBES. 19 

s Inhaltes sowie der Lesarten dieser Vergil - Handschrift überzeugte 
chy daß dieselbe identisch sein müsse mit der früher im Besitze der 
nedictiner- Abtei Vieoht (oder Fiecht, bei Schwaz in Tirol) befind- 
len, als Codex Viechtianus I bei Heyne- Wagner (vol. IV, p. 629) 
zeichneten Handschrift, über die Jaeck zuerst in Seebode's 'Archiv 

Philologie und Pädagogik', 1824, S. 686 ff. Mittheilung gemacht, 
i die er ftbr seine Vergil- Ausgabe (1826) benützt hatte. Eine Depen- 
\z des Stiftes Viecht ist die ly Stunde entfernte, 2940^ ü. d. M. 
egene Wallfahrtskirche St. (jeorgenberg, mit einem Klostergebäude, 
. vor der Erbauung der jetzigen , im Thale gelegenen großen Abtei 
\ alte Stift bildete. Daher die erwähnte Signatur des Viecht-Melcker 
dex. 

Wie nachlässig Jaeck denselben verglichen hat, beweist schon 

Umstand, dafi er mit keinem Worte die deutschen Glossen, die 
1 in demselben finden, erwähnt hat. Diese Glossen, die meist neben 
dnischen zwischen den Zeilen, seltener am Rande der Handschrift 
len, und zum Theil nur mit der größten Mühe entziffert werden 
UDien, sind der Schrift nach gleich alt mit dem Texte, obwohl sie 
i anderer Hand herrühren. Die Schrift des Textes selbst — ab- 
ehen von einigen Blättern und Blätterlagen, die zur Ergänzung ver- 
mer Partien erst im 15. Jahrhundert in die Handschrift eingeftlgt 
rden sind — gehört dem XI. Jahrhimdert an, ja die entschiedene 
ilichkeit des Schriftcharakters mit dem der 'Formulae Salamonis' 

St. Gallen oder Weißenaü (Sickel, Monum. graph. fasc. IV, tab. 5) 
1 J. 900, oder der ^Annales Weingartenses' (Pörtz, Schrifttafeln, 
h I, tab. 2, n. 3. 4.) vom J. 936, berechtigt sogar, die Handschrift 
1 Ende des X., spätestens dem Anfange des XI. Jahrhunderts zu- 
reisen. 

Die Glossen, erstrecken sich über die Bucolica, Georgica und die 
en vier Bücher der Aeneis, wozu noch einige wenige Stellen des 
. Buches kommen. Hie und da treten sie in der bekannten Geheim- 
rift auf, die auf der Vertauschung der Vocale mit dem im Alphabet 
ächst folgenden Consonanten beruht. Sie stimmen unter den von 

Steinmeyer (in Haupts Zeitschrift XV, 1 — 119) veröffentlichten 
gilglossen noch am meisten mit den Pariser Glossen überein; doch 
ea sie zum Theil auch abweichende Formen, hie und da auch wohi 
ler Unbekanntes. Ihre Würdigung überlasse ich Kundigeren. 

WIEN. EMANITEL HOFFMANN. 



V 



20 



EMANTTEL HOFPMANK 



10 



15 



iO 



2r> 



ao 



85 



Ed. I, 

52. fiigus] chnolo 

69. aristas] agana 
71. quo] uaara 

73. insere] pelzo. impito. propho 
75. proiectus] nkdfrgflfgkt 
82. culminaj firfta 

Ecl. U, 

2. delici&s] zart trat 
11. allia] chlobelonch 
„ serpyllum] chenela 
18. ligustraj auintan 

22. lac novom] Colostrum, piest 

23. (solitos)] sc fuit cantare. 
fanga 

30. hibisco] Nibif faegenberhe 

(ganz verwischt) 
36. disparibas compacta cicutis] 

coniuncta. untergleichen 

41. capreoli] rehpocchiliu 

„ sparsis (pellibus)] fehen 

42. siccant (ubera)J Tugunt 

43. abducere] frlxchfh 

46. calathis] i'umbirinen 

47. papavera] magon 

48. anethi] tOli 

50. caltfaa] binituga 

51. lanuginejchozzana ^zweifel- 
haft wozu gehörig.) 

53. cerea (pruna)] rota l ge- 
leuua 

63. leaena] leuuon 

64. sequitur] yagot 

67. (solj decedens] fkgfntf 

70. semiputata (vitis)] fnmer- 
latun 

73. fastidit] entuuerdot 

Ecl. in, 

8. transversa] enthuuereh 
18. Lycisca] prbcchfb 
27. disperderej uuinuueruon 
30. mulctram] melcchubilo 

^ alit] foukit 

52. deponere (tecum)] geuuet- 
ton 



41. 
49. 
53. 

87. 

40 89. 

92. 

94. 

100. 



ü 13. 
19. 



45. 
öl. 

so 58. 
H2. 



16. 

17. 

55 21. 
31. 

7» 

37. 
39. 



H.» 16. 
84. 



29. 
42. 



3. 



«5 294. 



radio] virga. mesgerln 
numqoamj niohiiitti 
uicine] gebur 
petat] ftrche 
rubusi prama 
firagaj erdberi 
nimium] ceuerro 
procedere] furaoeidon 
ervo] riotgral'e 

Ed. IV, 

vestigia] pilide 

errantesj vagantes [priten 

tan 

hederas] ebeheuui 

sandyxj uueit 

nutantem] nagebuctemo. 

anlikentemo 

]fattet. pirtet 

cni risere] zuonduogen 

Ed. V, 

paUenti] falab \ felialH 
^kaum erkennbar) 
salinncaj uuidili 
rosetis] roftetiu 
testes] heref 
intexere] pinten 
hastasi ftimga 
loliumj ratan 
Carduus] diftil 

EcL VI, 

serta] houbitbant 
pulsae] irl'calde 

EcL vn, 

saetosi] burftaga 

rusco] hulifboü. i. e. uua 

holo 

Ed. vm, 

lynces] luhlk 

Oeo. I, 

ar^to] [gennanioe dieijti 
heiftiro. (das ^ttigifUftti 
merte scheint am Baiu 
we^eAobiAUeiii SU sein.) 



OL088AE MELLICCNfiES. 



21 



294. pectme] rauin 
338. imprimis] zalererift 

Geo. II, 

79. finditur] kifpaltin uairdit 

„ cnneiB] nnekin 

'•* • (jfinditar) via] ida 

82. frondes] zuoke 

84. cyparissis] cedirpoumin 

Geo. irr, 

507. ilia] lancha 

Aen. I, 

32. errabantj krrptxn 

'^ 33. conderej zagirtiftanne 

35. spumasj ueima 

36. inilniis] zprn 

39. exnrere] airbrennen 
45. acnto] noarfemo 
* 47. coninnx] chunena 
105. praeniptas] ftekeler 

„ mons] keunel 
111. breyia] dunni 
^ syrtes] fantkeuurllie 
*^116. volTitnr in caput] fturzta 
aber hoabit 
(ter>] saepias. iegliche 
117. yertc«1 aaerbo 
122. laxis] aissolutis. cergebenen 
125. emissam] uzferlazen 
*137. haec dicite] diz fagentimo 
138. tridentem] atker 

144. adnixas] znofpirderender 

145. detradant] fearcton 
„ tridenti] atkere 

^149. seditio] contentio. ftrit 
156. lora] bridila 
159. portamj stationem navium. 

rtäit 

164. scenal inambraüo. louba 
167. (sa^o) vivoj natarali. felp- 
ooa lenemo 
1» 174. silicis] flinfef 

176. BOtrimenta] sarmenta. fpane 
^ fomite] zantra 

177. arma] instnmieiita. azzale 

178. reramjAfortuBMvementinm. 



106 204. casas] mittebori 

212. frasta trementia] adhuc pal- 

pitantia. fprata lontia 
215. ferinaej sc. camis. vaild- 

fleisc. 
224. velivolum] uuintflougez 
226. defixit (mmina)] niderbe- 
cerda 

110 230. fulmine] blicghe 
„ terres] irbrutelif 
246. premitj vastat. populatur. 
oerot 



251. infandum 
254. subridens 



ahlef 
Tmierente 



m275. fulvo] fblxfr 

291. mitescent] quiescent keftil- 

lent 
313. crispans] fcaclendi 

r, hafitiliaj Tpeer 
320. fluentesj flädenta 
ISO 323. maculosae] fehef 
r, lincis] linx. labf. 
3«S7. parpareo cothorno] mit par- 
puraareie mogifcuobe (von 
jüngerer plamper Hand; die 
letzten drei Bachstaben von 
porparaareie zeigen Rasa- 
ren and Correctaren). 
saras] aaaden 
339. intractabile] anhantcreiflih 
1*5 340. imperiam] regnam. hertuom 
345. intactam] virginem. dierna 
347. scelerelmeindade (von jün- 
gerer Hand aafgefriscbt; 
das letzte e wie es scheint 
aas corrigiert). 

349. impias] fertano 

350. dam] nalingun 
130 367. byrsaml hüt 

368. circamaarej umbeuahen 
385. qaerentem] chlagonten 
388. adveneris] comen bift 
404. spiravere (odorem)] Ttanch- 
ton 
13Ö 435. facosj trenon. 

fcrahrones. hvmuzi 
4äti. Tedo\eii\\ ^^si^^tl 
449. cardo\ «l^^o 



22 



EIIANUEL H0FFMA9K 



140 455. artificumi uuerkmeiftero 
465. humectatj madefacit. ge- 

nazda 
467. hac] per hanc viam. hier- 
hina 

469. tentoria] gecelti 

470. prodita] mradiniu 

145 472. ardentes] candidos. planch 
473. pabola] iiioter 
478. versa] tracta. kedunfenemo 
480. erinibus passis] antfahfe 
„ peplam] uuiimlan. ninih- 
keuuate. 
150 „ [palla pieta. aoinfila 
490. lunatiB (peltis)] ßneuuerblen 
497. (stipante)] stippa. stuppa. 

auurche 
502. pertemptant] pulsant. cIo- 

fedant 
505. testudine] camera obliqua. 
fnibogo 
155 508. Sorte trabebat] uuarf 
512. dispulerat] cetreip 
531. gleoae] uuafen 
534. hie] dara 

537. superante (salo)] üfburren- 
temo iih 
160 539. barbara] cmdelis. ferox. 
heid I (das Ende des Wortes 
ist weggeschnitten). 
540. hospicio] felido 
.559. (ore) fremebant] iaizton 
564» eustode] huotare 
580. iam dadum] g||;forn (iu? 
radiert oder erloschen) 
165 592. eboril helfentbeine 
^ flavo] pleichemo 

598. quae tii] duder 

599. casibus] miffeburin 

603. respectantl conmennemaut 
170 622. vastabat] höroda 
646. cari] fidelis. höldef 
648. rigentem] fcärrenta. ftahenta 
654. maximal herofta 
„ monUe] omamentum gut- 
turis. hÄlfgold 
i75 662. recuTsat] unarbelota 
67J. guoj unara 
690. exmtj ahezoh (auf Rasur) 



694. 

697. 
i»700. 
704. 
711. 
712. 



185 717. 

718. 
724. 
726. 
739. 



190 



740. 
751. 



17. 
23. 

11*5 28. 

29. 

52. 
54. 
55. 



800 



61. 
74. 

«0. 



^ &. 



87. 

90. 

94. 

96. 
«0 98. 

99. 
101. 
103. 



aspirans] redolens. 

chmte 

aulaeisl übihanc 

discumDitur] gifezzan \ 

adolere] ftenchin 

pallaro] könuf 

(infelix)] (propter futu 

casum. milTeburm 

devota] praedestinata 

meintiu 

haec . . . haec] fiu . . . 

interdum] fumenef 

craterasl pachuueiga 

lychni] liuhta 

pateram] Tcftla 

se proluit] pigoz. pitr 

fih 

crinitus] lancfahfo 

nunc] interdum. fumei 

Aen. U, 

Votum] oblatum. 6pfei 
sinus] portus. ftädi 
desertosT errOmta 
tendebatj tentoria fig 
heribergata. 
contorsit] coniecit fco 
fata (deum)] uuillin 
impuleratj kendti 
foedare] perforare. er 
ten. 

fidens animi] palder 
impetus] anatuht 
finxit] (m)acheta (der 
Buchstabe ist erlösche 
vanum] pöfare 
fiüsa SUD proditione] 
mine. inzihte 
in aima] auxiiia. follii 
pellacis] dolod. ünchu: 
tors] fbrtuna. ftita 
promisi] pehioz 
criminibus] inzihten 
arma] ftita 
ingrsta] undancparint 
iam. dudum] nugi|||] 
(zwei Buenstaben 



6L088AK MELUCB5SES. 



33 



lOi. meroeniiir] gecemencke 
choofiui 
iull2. aeernifl] nutzzaldrinen 
II 3. nimbi] Hegeregena 
llö. adytisj mhufer 
122. [ad tc^ndam facüonem 

Boam. unauicefheit 
12Ö. soeliu] factionem. üngaft 
n 129. oomposito] ex pacto. ?oneo- 
lemokemachoten 
^ deatmat] kemeinta 
143. nsqaamj iouuergin 

143. fidee] triuaa 

144. non digna] indigna. leid- 
famiu 

»148. obHvisoere] erkiz 
159. tegant] firholan flnt 
161. fidem] triuua 

163. impiiia] fertftno 

164. [(propter Palamedem oeci- 
Bum eins) fiMstione. üngufte. 

»173. Imninibus arrectis] oculis 
valde apertis. uuiten 
175. emiciiit] saltavit. fchr^chota 
„ trementem] vibrantem. uuä- 
nonten 
184. piaret] purgaret kebuozu 
186. educere] sursam erigere. 
ufleiten 
»&189. violaaset] erutulrti 

195. periurij defbifuorDen 

196. lacrimis coactis] kcbeitcn. 
uzemunten 

197. quos] nos. unfih 

204. horresco referensj hier- 
fagenta erfurchtihez 
^206. Binuat] curvat gimuo- 
fomoda 
211. vibrantibus] lecheccnten. 

kezalen 
215. depaBcitur] fraz 
217. spuiB] ringln 
221. sanie] unfubridu 
M&229. sceloB] meintat 
231. laesent] tarota 

f, intorserit] infcoz 
236. (subiciunt) lapBus] fleifun 
9 Btuppea] ftuuürchina 



ISO 240. minans] eminens. ofTcor- 

rente 
249. festaj festiva. toldhaft. 
254. instractisl keruften. 
270. inBomnisj pro in somnÜB. 

trovmin 
273. lora] bittila 
i^ 293. Sacra] heiligen 

302. excutior somno] expergis- 

cor. erbrnttitnuard 
305. torrensj clingo 
309. fides] mtus. nntriuaa 
31 2. Sigea] promanctoria. btego. 

hörn 
siio315. glomerare] keuugen 
320. Bacra] heiligin 
327. transtolit] ferfiiorta 

329. incendia miBcet] bc. caedi- 
buB. dienflahton 

330. bipatentibus] zuiualfon 
M$332. anguBta] engi 

334. Btricta] evaginata. erzogin 
337. 338. quo . . . quo] d&ra . . . 

d^a 
344. generl eidum 
356. improDa] kitigio 
*7o 357, exegitj uztreip 
363. dominata] herref'otiu 
367. virtuBJ knetheit 
402. paBsis (crinibus)] antfahfiu 
409. delubri] cotefhoufef 
^^ 416. quondfljnj uuilon 
418. tridenti] angero 
441. testudine] fkiltuueri. testudo 

fuibogen 
444. prensant] tiegen 
469 und 485. primo in limine] 

fomantigemo 
280 471. coluber] ung 

492. ariete] instrumentum belli- 

cum. nÜA 
528. portieibuB] forcihon 
546. umbone] rantbouke 
553. oapulo] helza 
^557. truncuB] ft6ch. pötach 
563. direpta] diripienda. behä- 

rotiu ierdenfcülintiz (sie!) 
j^ ca&\\&\ mtti^bianxi 



24 



EVANOEI. HOPFMANN 



Ö66. 

HOO. 
«»606. 
610. 
612. 
616. 

624. 
«»625. 

626. 
629. 

6ni. 

642. 
MO 646. 
647. 
672. 
697. 

• 

712. 

306 714. 

724. 
725. 

72«. 

731. 

aw 736. 

737. 
741. 
753. 

"6 7.'>8. 
774. 

776. 
778. 
781. 
»» 795. 
804. 



(corpora ad terram) miBere] 

niderliezin 

talerintl k^totin 

hebetati ketr&^t 

tridenti] antgrere (sie!) 

emit] uzuuelzit 

nirobo] obombratio deomm. 

fdlto. 

considere] kenallin 

ex imo verti] biftarcituuer- 

den 

omam] ähom 

nntat] unxncot 

coD^eniuit] chrachoti 

Batis snperqne] nbargenuo^ 

lactura] penaorfini 

iam pridem] iafom 

in^rtabani] znohAfta 

snlcus] tractas. diinf. (nach 

f Rasur) 

quae dicam] deidih 

fprihn 

iuxtn] darb! 

passibaBJ veBti^^is. ferten. 

opaca] dou^eniu 

excitat] eruozta 

evasisse] inflofa 

confiisAin] kirtaz 

eripuit] penam 



re^one 
reepexi 



parte, halba 
^oumemiiDan] 

qua greBsam extaleram] 

daribmihuz brahda 

edax] azelinaz 

steterant (comae)] ufTtuon- 

tan 

indulgere] dickelazin 

eveniunt] incomaD 

venies] cumif 

sie demum] dohitemun 

cessi] keuueih 

Aen. III, 



XMi 



1. evertere 



birtorzin 

augor. uogiluuito. 



o. ai^runiB 
heililare. 
^ [angarioin. heilifod. 
7. ubij nu&r 



:»'» 



MO 



ZUO- 9tt 



.100 



^bb 



-W(» 



.165 



7. flistar«] f^tUUm 

8. aestasT fümir 

20. aoapicabiu] anspex. n(^ 
fcoua 

22. inxta] darb! 

23. vir^lta] rmnirUta 

. hastilibiu] virgia. naofTc 

24. acoessi] ane^reii^ieiic 

25. frondentibiis] loobnenten 
30. coit]coagidatiir.geriin(n( 
34. agrestes rnymphas)] uoil 
38. aarfirredior] anage^enc 

., obluctor] in^rB^^imraiic 
40. reddital ge^ban 
43. tnlit] enncavit. zdh 

^ Btipite] relpoome 
45. confixum] ke^tnchao 

.. ferrea Befi^eBl i'ma fluora 
48. BtPterant] ufltaonten 
51. diflideret] mifTedniodi 

55. fas] fidern. trinna 

56. mortalia] inennifjB^ 
63. caeruleiB] blaairouuen 

66. cymbia] ce^^a 

67. pateras] feftla 

70. crepitans] thiozente 

71. dedncunt] anefkiolten 
80. idem] diorelbo 

88. quem?] uaörun 
^ quo] uuira 

92. cortina] ue laben 
101. quo] uuära 

111. nera] cymbala. (kell« 

p Itinnitu cymbalorum. g^ 

fkdllono 
„ Tvaisptum. uueinod 

[celaverunt. btien 

112. sacris] heiligen 
123. vacare] utron 

125. bacchatam] uuinrebon 

138. caeli tractn] ddnfe 

139. luesj füht 

rs letifer] ünganz 
150. iacentis] ininligentef 
155. canit] celit , 

167. ortus] burdic (d in T «*J 



GLOaaAE HELLICENSES. 



,212. 
liln. 

Hl»- 

*22I. 



237. 

SJ«. 

«2«. 



II: 



»421. 
+2fi. 



«7. 



cftm'pio] ceieriler Bnrgo. 
affcricho 

caemleutt] bISudro 
iohomiit] erfuHarcfeia 
HequorAJ kiuuel 
iactsmnr] keuuintuuert'uta 
nimbi] bulirÖEin 
harpyiaej fiiriae. hnlzmiiun 
sesf exlulit) inbrahta 
fnedUfima] honlih 
hnc] dära 

cHprigeuuiu] caprarui». 
ketzn 

thnros] (&£ 
clangoribiis] ruz 
diflpainiTit] ceniiiurtin 
delnfiKHe] kiflohini 
TaDb aidera) lapsaej keäogin 
dirignit] er'tdhota 
rudends] f^galPeil 

formidfltns] fo rdeler 

tnon^tris] tmunterin 

dixit| sc, fio 

snrlil.iiB] lozzitnga 

virtutem] fleffatiheit 

»vuDCuIu»] oheim 

excitat] anfint-hit 

L-onfidprpJ keftitun 

rere] ahtof 

ante ■- . lentandiiKl ziMiii:ir- 

belonß 

ounil druiic 

fetugl zülit 

alba . . albi] bleib . . . bleih 

viam] exitum. uzganc 

ciinvulea] anagerlagnn 

disailuintte] zeresbenfib 

prrttimipl üontinuo. famaiit- 

haß«. 

baraihri] heligrunba 

primal prima« partPB. obpr- 

bmoclii^f 

prtfltrema] sc. parte, mdar- 

bridief 

hamiB] catennÜM. ringelinan 

fOnaml hxpt,piii!> 

inilruit] keruitn 

tabtegniiae] aa4mie 



«020. 
5^. 
r..'}5. 

549. 

a Ö5ß. 

562. 

567. 

569. 
.571. 
.07.1. 
574. 

582. 

me,. 

587. 

593. 

■' 594. 
.597. 
598. 
fiOO. 
fil7. 



«679. 

6S0. 



textilibus] keiniebinan 
obvia] aneuerdic (d in T 
corrig.^ 
quibus] unfder 
auctor) proavua. mudero 
opaci] rcdteliha 
?remio] manniiDti 
(sopor) irriffut] infu^bita 
explorat] errpeboda fd in T 

paedimuB] ^.e^preltomaf 

erebrcBcuntl kr''cknxn 

dimittuntl fiSrefibdeoeiii 

adoiemus] ftanchton 

velatarum . . . aiit«iunarum) 

bkhxitpnp . . . [fgblgfrtpnp 

voces) döz 

niminim] cernofdi 

contorsit] zxiiubrpta 

ad manes] hfllxD 

epumam] Ccum 

elisam] exclrisam. cemdreu 

eyelopum] dürifo 

raiuis] elafod 

candente] oivea \ uuizzera 

gl ob ob] cluuion 

lainbit] lecchota 

murmiire] dös 

nubila] uui^lotiin 

intempRBtal inactuüsu. un 

ii<ierß;hafdiu 

inluvieB] unfnbri 

conaertum] kefrienit 

baesit] subatitit. kcftulta 

praecepsl kaer 

Bpirabile] atamücb 

cyclopis] dürifir 

lumen terebramusj iierizin- 

mef (sie!) 

cum ftraho)] dazih 

oomal comus. cKiirnilo- 

bnum 

addixij petneinta 

(fluctua) aequarej irgruntin 

concilium] keremine 

coniferae] h^ritra^TV 

nws. b6n 



26 



EMANUEL HOFFMANK 



685. discrimine] untarfkeit 
688. Ostia] kemundi 

Aen. IV, 

L iamdudom] gi uom 
^^ 3. reonrsat] unarbilota 
9. msomnia] riftfeloG 
14. fatis] mirTebari 
18. jpertaesnm] . . bidronzan 

(sie! yor b Rasur). 
23. impulit] Innil 
*«> 27. pudorl reini 

30. sinaiiij sc. ooolorum. ouc- 

ring 
32. carpere] consomeris. gin- 

dotuoird 
35. esto] unülno (sie!) 
51. morandi] taaellinnef 
*«5 62. ut (oorr. st aut)] (6te 
64. consulit] ratfrigata 
66. est] consumit. &z 

68. vagator] nuadeloda (d in T 
corrig.) 

69. coniecta] gefcozenoro 
r eerva] hinda 

73. harnndol ftrala 
79. pendet] naftet 
83. incubat] lineda 
87. propugnaculaj bmftaueri 
pendent opera interrupta] 
undemomeniu 
minae murorom] pruftuucri 
famam] linmint 
9 furori] linluiminte (sie! zu 
An&ng des Wortes ist ein 
h verwischt). 
95. femina] uabili (obwohl über 
femina gestellt, dürfte es 
doch vielleicht zu dolo = 
malitia gehören). 
^^ 97. suspectas] znrcriuua 
98. moaus] m6z 
118. ubi] röfe 
121. indagine] mit fpore 
126. propriam dicaboj gibu 
4» 128. annuit] keiazda 
131. venabula] (pidza 
J37. limbo] foume 



«7V 



*« 88. 



91. 



139. 
143. 

4M 145. 

148. 

149. 
151. 

152. 

495 155. 

157. 

159. 

160. 

soo 166. 

» 

170. 
182. 

505 188. 

202. 
207. 
215. 

510 217. 
225. 



250. 
251. 
259. 

515 ^ 

261. 

262. 
264. 

5» 283. 

290. 

302. 
308. 
355. 

5S5 361. 

393. 



fibula] nun^il 
ubi] föte 
choros] corfanc 
(crinem) fluentem] ung 
tatuHL kefalbotiz 
crinem] fÜht 
lustra] cubilia feramm 
dierioger (sie!) 
caprae] Ttein^izze 
pulverulentaj fteubenti 
nos] dffa 
illos] thia 
fulvum] röten 
murmure] doz 
prima] ärifta 
pronuoa Juno] himahi 

iquae praeest nubent 
lehihenden 
specie] hönido 
subten darunteri 
tam] famo 
sortis] huobitbandon 
LenaeumJ uuinlihuu 
semiviro] halpmanlihoi 
comitatul genofcefdi 
subnlxusj kechnufter 
respicit] [gajgoumanei 
(ga vom Sdireiber 
wischt), 
mento] kinne 
riget] ftarket 
ut primum] föfer 
magalia] huttfin 
stellatus (iaspide cd 
kifteinit 
laena] trembil 
telas] uueppe 
discreverat] unterprört 
ambire] blandiciis circ 
venire, petümmen 
arma] instrumenta nav 
(k^fkiziuc 
ubi] föfe 
tenet] kehebit 
fraudo] defraudo. bitei 
querellis] chlagungon 
lenire] kelbchon 



GLOSBAE rtELUCENSES. 



27 



398. deducunt (naves)] anefkiel- 

ten 
I, natati fleks 
402. &rrisj eincomet 
^ „ acervum] huffon 

405. tnident] rcorkint (g von 
zweiter Hand) 

417. carbasiu] f^gil 

433. spatiam] frift 

443. Stridor] charrod 
» 462. bubol hüuuo 

463. queril querebator. fing 

465. horrincant] kepruttint 

491. omosi linbooma 

49L pyram] facgari 
^498. monatrat] zeigota 

504. pj^a] rogo. facgre 

509. crines emisal antfahfiu 

510. Erebum] helligraoba 
517. mola] melo 

^534. procos] fnochenara 
566. iam] noiu 
573. transtris] fkefTtulen 
575. tortosl keauunteniu 
593. navalibus] fkefTt^tin 

^599. aetate confectum] irduo- 
lenan 
605. foroB (naviom)] podema 
612. precesj fldocha 

626. sequare] &hde 

627. quocumqne (tempore)] in- 
(u^lehemo 

«6 638. Jovi fltygio] Plutoni. beb- 
;ote (verschrieben statt 
leligote; t aus d corr.) 
640. permittere] gefrümen 
650 u. 671. que — que] ioh — 
loh 



E 



673- pugnis] ffift 
690. adnixaj linentiu 
MO 694. Iritti] reginbogen 

Aen. V, 

8. ut] t6te 
16. sinus] bdfima 
25. remetiorj mizzo 
29. quo! ubi. uuftr 
5« 42. com] före 

46. annuus — orbis] i&r 
87. notae] ftrimelon 
92. libavit (dapes)] friz 
99. Acheronte] helligraobo 
570 112. (vestes ostro) perpolsae] 
durohunebeno 
131. circnmfleotere (cursus)] 

uuiderceran 
163. palmula] ruodar 
205. morice] tofus. tuapftein 
310. habeto habat 
Ä76 313. subnectit] gimnta (sie! ob 
verschrieDen ftlr gurta? 
oder fhr gimma und zu 
gemma gehörig?) 
- tibula] ringa 
406. plumbo] büge 
432. anhelitus] huofto 
567. frontem] bflkh (sie!) 
MO 604. fidem] i. e. malam. untriuua 

Aen. Vn, 

270. affore] antuuartcumcn 
313. esto] nufiezfo 
320. prae^ans] fuangar 
352. taenia] nettila 



28 KAKL SCUKÖOEB 



BRÜCBSTÜCKE VON HARTMANNS VON A 

GREGORIÜS. 



Zwei PergameDtdoppelblätter in kl. 4^, Hand des 14. Jb. 
jB^elöst von Buchdeckeln, mi Besitz des Cölner Stadtardiivs. Die l 
Doppelblltter gehören sa einer und derselben Lage und folgen 
auf das andere, bildeten jedoch nicht die innersten Blätter der 
der oberste Rand des ersten Doppelblattes ist scharf beschnitte 
daß eine Zeile zerstört ist Die Verse sind nicht abgesetzt, d< 
der Regel der Anfimg eines neuen durch einen rothen Strich bezei 
^Oere Abschnitte durch einen großen rothen Buchstaben. Die S 
ist gut, zwar stellenweise beim Ablösen sehr yerblichen, immerhin 
erkennbar genug, um über die Lesung keinen Zweifel zu lassen 



Bl. V. Oregon* sprach h're 1503 

Virbei^t iz nit so verre 

Wolt ich gemach vor ere 1505 

So Yolget ich uw* lere 
Vn lieze in d^ mine mut 
Want min gemach daz were hie gAt 
Job di\t iz manigeme schaden 
D' nut d' Uebede ist vVladen 1510 

Vn Tirligit sich dnrch gemach 
Daz deme arm^ nie geschach 
Der do rehte ist gemdt 
Wände d^ arbeitit vrobe gut 
Den lib in manige enden 1510 

Wie mohte er iz baz biwenden 
Want ob er sich gewirden kan 
Er wirt vil lihte ein selic man 
Vn euch vb^ die laut 

Vor manigen hVen irkant lo2^> 

Daz ich heisze ein arman 
Do bin ich vnschuldic an 
Ich tra^ sie allisamit hie 
Die hubin die mir min vat' lie 
Sit iz mir nu gezrhit 152n 

Daz mich die selde flrhit 
Vn ich nit want iren grfiz 
ICt frumikeite gedienen muz 
Deiswar ich kw sie wol iriagen 
Sxnen wol sich nur mere 'roaa^ ^5fif^ 



bSfTCRBTdrCKE VON HARTMAKN8 VOtT AUE OftSOORfÜB. 3^ 

Daune sie sich uocli iemafie virsagite 

D* sie ze rehte iagnte 

Säs sal man sie inovfen 

Mit kvmbere selde koofen 

Wan done swivelen ich nit an 1535 

Wirt ich ein rehter ft&m' man 

An iibe vn an sinne 

Ich gediene wol ir mine 

Vn bin ich ab^ ein zage 

Sone miisze ich niem' drie tage 1540 

Geleben so ich hinne keren 

Waz solte ich ane ere 

Ob ich mit reht^ arbeit 

Mit sinne vn oueh bit manheit 

Irwirbe gut vll ere 1545 

Daz pset man mich mere 

Dan deme sin vat^ wnd^ iie 

Vn daz mit schänden zergie 

Weis bedarf ich me dan ich han 

Min [BL 1^] ors smt göt vll wolgetan 1550 

Mine knabben biderbe vll gut 

Vn hant vii getniwen müt 

Ich bin ZV hamasche wol 

Swo man gut biiagen sol 

Do getrüwe ich harte wol genesen 1555 

Diz sol d^ rede ein ende wesen 

H^re uwer hulde si genigen 

Vn des mit holden virziegen 

Daz ich it lai^ir hie biste 

Sone wil ich dich nit me 1560 

Samen vor diser vrist 

Ich höre wol daz dir emist ist 

Swie vngeme ich din enbir 

Lib^ svn nv ganc bit mir 

Want ich wil dich sechen lan 1565 

Waz ich noch dinis dingis han 

Svs fArte in d^ getrAwe man 
Vil sere weinede dan 
In eine keminate 

Die er yil wol biraten 1570 

Mit sidenre wete vant 
Vn gab ime in die hant 
Sine tavele daz er las 
Wie allime sime dinge was 
Des was er truric vn euch vro 1575 

Sin truren schAf sich also 
Ake ich vb hie nv kvnde 
JEr weinite vor der amd^ 



90 V KABL fiCttRODRE 

Do er inne. was geboren 

Do wid^ hatde er ime ireon[i 1580 

Ghite vroide dar abe 
Von hohir geburt ▼& von riohir habe 
. . D^ er nit entwiste 

Nv sprach d* tröwen veste 
D* sin n*re was eewesen I58b 

Svn nv hastv wol geleisen 
Daz ich dir biz here han virdagit 
Din davele hat dir is wol gesagit 
Nv han ich mit dime golde 
Gebarit alse solde .1590 

Nach dinir mnt^ geböte 
Ich han dirz in gode 
Q^merit harte starke 
Fvmfidc vfi zvenzic marke 

Die han wir dir gewnnen 1595 

Swie vbele iz wir kvnne 
Mit sibenzehen yfi nit 

Bl. 2*. (der obere Band Yerschnitten.) 

habe 1601 

Do biia^s dv dich schone abe 
. Zy andmne gewiime 
Hastn dikeine sinne 

Nv antworte ime gr^orius lti05 

Vü sere weinende svs 

Owe lib* h*re 

Ich bin virvallen verre 

Ane alle mine schulde 

Wie ich gotis holde 1610 

Gewinne na d^ missitat 
..Die hie vor mir geschriben stat 

Vil lib^ svn daz sage ich dir 

(Zeile nicht lesbar) 

Gestastu bie d' rittirschafi 1615 

Sich so merit sich die craft 

geliche missitat 

Vfi enwirt din niem^ rat 

Do von so laz din irrikeit 

Die dv ane has geleit . 1620 

Vfi diene gote hie 

Joch vb^ sach er dienist nie 

Svn nv stant du ime hie se clage 

Vfi virkoufe dine kvnsen dage 

Vinbe daz ewige lebea 1625 

8yn den rat im ich dn geibeik 



BRü6fir8TÜClC£ VON KAtTTMANNS VON AÜE GReGORnTS. 31 

Owe lib^ hVe min 
Joch ist minir girde noch mere 
Zv der werlte dan e 

Ich engerüwe niemenne 1630 

Vn iemer varende sin 
Mir endv noch gotis enade achin 
Von wanne ich sie oa* wer 
Svn des bewise dich der 

Der dich nah ime gebildet hat 1635 

Siet dv virwirfis mme rat*) 

Nv do er ze schiffe gie 
Der abbet begab in nie 
Biz er an daz schif getrat 
AIsus riümte er die stat 

Schier schieden sie dieitvgent 1645 

Vnd* alt* vn iugent 
So irgie doch von in beiden 
Ein iemirlichiz scheiden 
Sie enmohten d* ovgen 

Einandir nit virlovgen 1650 

Biz sie sich vor deme breiten se 
Nit mohten gesehen me 

Xv bot d* eilende 
Herze vn hende 
Zv hjemele vn bat vil verre 1655 

Daz in 

Bl. 2''. (der obere Rand verschnitten.) 

were biwant 

Er gebot den mameren 

Daz sie den winden weren 1660 

Nah ir willen vnd^tan 

Vn daz schif lieszin gan 

Swar sie die winde lerten 

Vn andirs nirgg kerten 

Ein Stare wint in do wete 1665 

D* bileib In harte stede 

Vn Vhrden in kvrzen tagen 

Von eime stiirme geslagen 

Vf sinir mät* lant 

Daz was virhergit vfi virbrant 1670 

Alse ich vch e gesagit han 

Daz ir nit me was virlan 

Nit want ir hoibit stat 

Die onch mit kvmbere was bisait 

•) Keine Lücke iu der Hä. 



fß KA^h SCHRÖDER 

Vll alse er die stat ane gesach 1675 

Zv den mamerS er do sprach 
Daz sie dar wenten 
Die segele tu lenten 

Do die bnrgere sahen 
Daz schif dort z\' gahen 1680 

Nu sazzite sie sich mit here 
Disime schifle ze were 
N^ irzo^te in d^ eilende 
Frideliche hende 

Vll yragite die bArgere 1685 

Waz ir angist were 
Des nam6 sie bisvnder 
Alle michil Virnder*) 
Daz er daz nit enweste 
Ir einer d^ ^este 
Vnd^ in sagete ime vil ear 
Alse ich vch e waz in do war 
Alse er ir noit hatde vimvmen 1695 

Ehr sprach so bin ich rehte her ctimp 
Daz ist daz ich eod ie bat 
Daz er mich birente an die stat 
Do ich ze d&ne vände 

Vll mine ivnge stunde 1700 

Nit muszig enlege 
Do man vrlogis phlege 
Oerüchtiz die frowe min 
Ich wil ir seidenere sin 

Ny sahen sie daz er were 170^ 

Vil harte lobebere 
An liebe vfi an gute 
Mit wiUi^eme mvte 
Wart er Diherber. 

Bl. 3\ de was gelegen 

Nv weite er ab^ d^ masze phlegen 2100 

D\Th die gotis ere 
Sone gerte er nit mere 
Wan daz ime diene solte 
Fürbaz er nie enwolte 

Die tavele hadte er allewege 2105 

In sin^ heinlich^ phlege 
Virborgen in sin^ veste 
Daz die nieman eTm\«\/& 



*) Keine Lücke in der H». 



BBUCH8TÜCKE VOK HARTMANNS VON AUE GREOORIUa. tA 

Die do bie ime vondeo was 

An d^ er degeliche las 2110 

Sine sAndelicfae sacfae 

Den ovgen zv vngemache 

Wie er geboren wrde 

Vn die svntlichen bvrden 

Sin* mvf vü sinis vat' 2115 

Vnsere faVen god den bater 

In beiden vmbe Luide 

Vn enwiste nit d^ schulde 

Die vf sin selbis rücke lac 

Die er naht vll dac 2120 

Mit sinir mvf vbite 

Do mit er god betrübete 

Nv was do ze hove ein magit 
Also listlich so man sagit 

Die virstünt sich sinir dage wol 2185 

Als ich nv sagen sol 
Wände sie d^ Keminat^ phlac 
Do die tavele inne lac 
Er hatde genvme zv sinir clage 
le ein zit i deme tage 2130 

Die er niem^ virsaz 
Ny markite die i&ncfrowe daz 
Swan sie in dar in verlie 
Daz er lachende (keine Lücke der Hs. trotz 

des fallenden Wortes) 
Vn schiet ie alse ein rAwich man 2135 

Mit roten ougen von dan 

Nv yleiz sie sich mere 
Innicliche sere 
Wie sie daz rehte irsehe 

Von wanne die clage geschehe 2140 

Vn sleich ime einis taffis mite 
Do er abir nah sime siten 
Ze keminaten clagen gie 
Do was die iuncfrowe hie 
Vn bare sich 214& 

^« 3^. (der obere Rand verschnitten.) 

.... er an d^ tavelen las 

Alse sin gewonheit was 

Do er des harte vil getede 

Mit weinene vn mit gebeite 2160 

Do trAkente er die ovg6 

Vß wante sine doygen 
au. Mm» Mfc# r, am) jMkt^. % 



9A KARL8CHHÖDKR 

Vor alle d^ werlte ^ol bewani 

Nv hatde die marit akvs irvam 

Do er die tavele leite 2155 

Daz irsach sie vil gereite 

Do sin clage ein ende nam 

Die i&ncfrowe vil sdiire kam 

Zy ir frowen yn sprach 

Waz ist nv daz vngimach 2160 

Do Yone min h^re trAret so 

Daz ir mit ime nit sit vnfro 

Die frowe sprach waz meinistv 
Joch schiet er nnweliche nv 
Von vns vil vrolichen hie 2165 

Waz mochte er sit er von nur gie 
Vimvmen han die mere 
Do von er trvric were 
W^te ime solichis it gesagtt 
Daz enhetde er mir mt virdagit ' 2170 

lerne enist zv weinine nit geschehen 
Dv hast entmwen misse sden 
Frowe leid^ ich enhat 
Deiswar ich sach in hvte stan 
Do in ein rüwe eevie 2175 

Die mir an min herze gie 
Sich ioch was iz ie din site 
Vil has mir do mite 
Qemaehit manige swere 

Dv engesa^tis nie gyte mere 2180 

Noch baz dv getetigis 
Wan dv böse mere segitis 
Daz mir ze schaden gezvge 

Frowe diz enist nit ein Ivge 
loch enist andirs nit min clf^ 2185 

Wan daz ich so rehte war sage 
Sich nv meiniz dvz also 
Entruwen io er ist vnvro 
Ich wante [BL 4*J irs wistent michüs baz 
Ja vrowe waz mac wesen daz 2190 

Daz er von uch so gar virstilit 
Want er nch andirs nit enverhilit 
Zvare vrowe waz iz sie 
Ime wonit ein erosze swerde bie 
Ich han iz ouch me war genvmS 2195 

Nu bin ich is an ein ende kvme 
Daz er so groun kvmir treit 
Den er nora niemafie \a\ g«Mid 



V.'..*. 



MtOCHSTÜCKE VON HAHTMANNS VON AUB GREGORIUS. 35 

Sit daz er dissis landis phlac 

So enliez er nie dikeinen dac 2200 

fk* engienge ie wid^ morge 

Eine virborge 

In die keminaten 

Vroiden wol biraten 

Swie vrolichen er dar in gie 2205 

So schiet er ie zeivngist ie 

Herüz vU harte rAweyar 

Doch genam ich iz nie so rehte war 

Aisich häte han getan 

Do ich in sach dar in gan 2210 

Do stail ich mih mit ime dar in 

Va bare mich do biz daz ich in 

Vfl alle sine geberde irsaoh 

Ich sach in groz vngemach 

Von michilre dage began « 2215 

Vn vor ime han 

Ein dinc do ane geschriben was 

Do er daz sach vn las 

So slüc er sich zv den brAsten ie 

Vn bot sich an sine knie 2220 

Mit yenien vil dicke 

Vn manige vf blicke 

Ich engesach niemä mere 

Weine also sere 

Do bie irkante ih harte wol 2225 

Daz sin h^ze ist leidis yol 

Wan done zyiyele ich nit an 

Vmbe einä so h^zeten man 

Swo deme ze weinene geschieh 

Daz ist ane h^ze ruwen nit 2230 

Alse ich in hvte weine sach 

Die frowe triiricliche sprach 
Owe minis lieben hVen 
Waz mac ime dane gewerre 
BL 4^ Mir ist sinis kymberes nit mere kvnt 2235 

Want er ist ionc yn wole gesunt 
Vn riebe ze ^t^ masze 
Dar ZV ich mt enlas^n 
Ich envare sinis willen alsich sol 
Deiswar des .mac mich lösten wol 2240 

Want ers wole virschAlden kan 
Hat dikein wib dikeine dörer man 
Deiswar daz lasze ich ane ssom 
Wan erenwart weisgod nie gebom 



S6 KARL BARTSCH 

Owe mir armen wibe 2245 

loch engischach mime Übe 

Nie dikeiner slahte göt 

Noch oYch niem^ gedöt 

Nit wan von sin einis tüget 

Nv waz mac ime zv sinir i^gent 2250 

So vile ze weinine geschehe 

Als ich dich do höre iehen 

Sv dv mir etzliche rat 
Sit er mirs virswigen hat 

Wie ich sin leit inrare 2255 

Daz ich mich doch an ime beware 
Ich yoilite ob ich iz mir sagen bite 
Ich verlieze in da mite 
Ich weis wole waz Sache 

Ze leide ze leide od^ ze yngemache 2260 

Ime geschehe die ze saeene ist 
Die enhele er mich dikeme Trist 
Nv engere ich noh die zu dikeiner geschiht 
Ze wiszene wid^ sind holden nit 
Wan daz mir die dArch ein list 2265 

Alse not ze wiszene ist 
Ob sin smerze 
lender abo were 
Daz ime min helfe dohte 

(der folgende Vers vom Schreiber ausgelassen) 
Daz er mich ie dikeine eeschiht 
Sie züge zefirihnen od^ mt 
Verswige des waz ich vngewon 
Vfi bin wol gewisit do von 
Daz er mir diz yng^ne sagit 2275 

Nv rate ich vch 

K. SCHR{)li)£R. 



Bei der geringen Zahl von Handschriften, die ans Hartmai 
Gregorius überliefert haben, ist die AufEndung von Bruchst&cken eii 
Denen Handschrift nicht unwichtig, und daher verdienten vorstehei 
Blätter einen vollständigen Abdruck. DieO um so mehr, als sie \ 
einer guten alten Quelle beruhen; denn darauf deutet schon der D 
stand, daß sie in fortlaufenden Zeilen, ohne abgesetzte Verse, | 
schrieben sind. Ihre Heimat haben wir in Mitteldeutschland zu such« 
daraus erklärt sich auch das Beibehalten vieler in der oberdeutad 
Sprache des 13. Jahrhunderts abgeworfener e, die jedoch in mancd 
Fäüea mit des Dichten eigener AuasptacVie tiWxräiAtmTSAii und lei* 



BRUCHSTÜCKE VON HARTMANNft VON AUE GREGORniS. 37 

Mu dem Original herübergenoramen »ein können. Der Text steht zu 
keiner der erhaltenen Handschriften oder Bruchstücke in nächster Ver- 
tiodtscbaft: bald zu dieser , bald zu jeuer neigend, hilft er zuweilen 
Lesarten, selbst Conjecturen der Herausgeber bestätigen, anderwärts 
rideriegen. Es sei erlaubt, das wichtigere zu besprechen. 1509 wird 
ie von mir (Oerman. 14, 429) vennuthete Sehreibung manegeme, wo- 
arch ja nicht in den Auftact zu kommen braucht, bestätigt, joch fttr 
I, welches die Bruchstücke hierund 1611. 1622. 2164 haben, ist vielleicht 
SS echte Auch im armen Heinrich 638 und öft;er hat (oder hatte) die 
braßburger Hs. joch, was die Herausgeber unnöthig in jd verwandeln ; 
;1. mhd. Wb. 1, 77S*. — 1516 bitoenden bestätigt die Lesart von A E 
wenden; es wird zu lesen sein wie mökte ei'z haz bewenden*) — 1517 
I auch die Bruchstücke, die wir mit H bezeichnen wollen, yewirdeti 
sben, 60 wird Bech seine he&art gevürdem wohl kaum aufrecht erhalten. — 
518 die LfCsart stimmt mit£0 gegen A: gleichwohl glaube ich nicht, 
aü sie die echte ist, so wenig wie die von A, sondern Hartmann 
chrieb er wirdet ein taelic nuin, was bei der im 13. Jahrh. üblichen 
Lassprache wirf zu kurz schien ; daher die Änderungen. — 1521 arman 
hr armen man mag leicht das echte sein. — 1524 hnbin bestätigt die 
>esart von A; Bech hat daher wohl Recht mit seinem Vorschlage 
lie huobe mir min vater lie, — 1528 die Hss. gehen auseinander: A hat 
nä frumckeit verdienen, £ mit frumckait ich sey dyenen, H mit frumi- 
'^äe gedienen; das richtige ist mit frümekeiU dienen, — 1531 die Lesart 
roo AE wird durch H bestätigt; und so ist auch zu schreiben dan $1 
uk noch ie man versagete. Soll die folgende Zeile ebenfalls über- 
icUagende Silbe haben, so muü auf der die erste Hebung fallen. — 
153 1 grozem in A, das E H nicht haben, ist hier ebenso wie 1509 ein- 
^hoben; aber auch gaelde ist interpoliert, es hieß entweder mit kum- 
er erkoufen, oder da EH kouftn liabe'U, mit kumbei'e (= H) kaufen, 
rts dem Dichter wohl noch zuzutrauen wäre. — 1540 eone wird richtig 
dn; darauf weist auch schone in E. — 1547 bestätigt H Lachmanns 
lesseniDg. — 1557 bestätigt H die Lesart von A, die allerdings wegen 
ies folgenden htUden auffallend ist; aber doch wird man jetzt Bedenken 
ragen müssen, E zu folgen. — 1562 auch hier stellt sich H zu A mit 
orifl^ wofilr £0 sich, F verstee gar. Die Abweichungen sind auifallend 
ad laisen vennuthen, daß keines der hier stehenden Worte das 
nfMüngliche ist. Ich vermuthe, daß Hartmann entsebe schrieb, ein Wort^ 
las in mhd. Zeit allerdings überwiegend mitteldeutsch ist, aber doch 
«eh bei Gottfried (Trist. 845) vorkommt Der Schreiber von H müßte 
Uerdinge höre aobon in seiner Vorlage geiuudeu W\>^Ti^ ^^\!Ckx '^fiK£w 



Sg R. BABT8CH, 6EUCR8TÜCKE VON HARTMANNS VON ATOS OBEGO]mn.j 

würde ent$eb€ nicht anstößig gewesen sein. — 1563. 64 der Reim 
wie in £. — 1583 i fehlt wie in A, auch 1589 stimmt dime sn 
in A, statt dem, wie 1594 mit ßtnfisic statt ftlnfeehen; ich glaube, 
1589 dim zu schreiben ist. — 1597 scheint der Schreiber gleidi i 
1599 übergesprungen zu sein; vielleicht übersprang er eine Zeile eeintf; 
wie Prosa geschriebenen Vorlage. -- 1602 scMne hat auch H, Ubereü^ 
stimmend mit AG; es wird also immer in A, das GH nicht haben, fli 
streichen sein. — 1607 vil fehlt (= AG^J mit Recht; Bech hat es anA 
nicht aufgenommen; ebenso bestätigt 1612 H die Lesart von AG «li 
Bech, gegen £, der Lachmann folgte. — 1636 fehlt nü wie EEG, lai 
ist wohl mit Recht von Bech gestrichen. — 1642 hat die fhr den Voi 
nothwendige Form abhet sich nur in H erhalten. — 1645 diu hahi 
übereinstimmend alle Hss. (AEH); auf die richtige Lesart iUirt H: 
8wie 8^e gesctieiden ti diu tugent. — 1646 ist die Lesart von H vie^ - 
leicht der von E vorzuziehen. — 1660 bestätigt H die von Bedi fcei- 
behaltene Lesart den winden, woffar Lachmann gegen alle Hss. dht 
Unden, — 1677 xcenien, den mitteldeutschen Conj. ftlr wanien hat H, 
und dieß Verbum auch alle andern Hss., A wcaden (nicht wcmidtm)^ 
wanden EG. Es sind daher beide Zeilen zu lesen 

daz si dar wanien 
die segele unde tonten, 
oder auch und die segele lanlen (vgl. AG) wäre denkbar. — 1680 dort H, 
wie EG, und dieß ist die richtige Lesart. — 1698 hraehte H = EG. — 
2136 die Lesart wie die von G; vgl. German. 14, 430. — 2140 fllr 
tcd von in AE hat H van toonnS; keine von beiden Lesarten ist dift 
echte, sondern Hartmann schrieb von tcnu; vgl. Untersuchungen üb. d. 
Nibcl. S. 190. — 2143 Uagen, das Bech aus EG aufgenommen, wM 
durch H bestätigt. — 2148 alse ist die richtige vom Vers gefordote 
Form, die keine andere Hs. hat — 2158 gehen die Lesarten an»- 
einander: 

A diu mögt vü harte sekiere quam 

E harte schiere 

H iuncfrowe vil schiere 

G maget schiere. 

Letzteres ist offenbar zu kurz. Das echte war diu maget nile seUtri 
kam, was, wenn man vü las, zu kurz war; daher schrieb A ml hmU, 
E hartCj H vertauschte, um eine Hebung zu gewinnen, maget mit /sa^ 
frawe. — 2160 haben AG frawe, waz ist der ungemach, H wob uI m* 
daz ungemach Ich halte yrotoe und im Air Zusätze, waz kann, da der! 
Nachdruck darauf liegt, durchaus die ext^\ie BftV^tisi% txsygen. •*- ^Itf.! 



J. 8TB0BL, HOCH EINMAL DAS NAMENIIÄTRSEL DES PSIlfAS. 39 

sstitigt H LadiinaimB Conjectar. — 2169. 70 mag leicht die Lesart 
m EH gegen A Recht haben. — 2181. 82 hat allein H das richtige 
dageiewi : sagetett bewahrt, das Lachmann herstellte. — 2187 weichen 
le Hsa. Yon einander ab, A sich, meinest duz doch sd, E sich $8 meinest 
a doch also, H sieh nu meines duz alsd. Hartmann schrieb sieh, meinest 
#0/ soj nuj doch, al sind Einschiebnngen. — 2201 H = E, wahr- 
liemlich das echte. — 2208 nach den Lesarten von H(E) wird zu 
sen sein iehs nie. — 2215. 16 auch hier ist den Lesarten von EGH 
er Vorzog zu geben: in der zweiten Zeile hat £ und ieh sack in vor 
n hän, G und sach in vor im hän, H un vor ime hän, A hegen unde 
mr im hän: hier hat H das echte bewahrt; der Vers ist zu schreiben 
wie vor ime hdn; vgl. Genn. 14, 429 zu V. 1469. Dann muß aber 
ogän das andere Reimwort gewesen sein, und die Lesart von A in von 
mmasdicher klage began verwandelt werden: sie ist durch das Bestreben, 
ie folgende Zeile zu verlängern, veranlasst — 2221 H bestätigt wie 
\ Lachmanns Conjectur, nur wird nach GH(E) zu lesen sein mä 
mgen, wobei venjen Plural oder Verbum sein kann. — 2235 in niht mer 
ümmen AGH flberein; es wird daher m^ wohl beizubehalten sein. — 
242 in Bezug auf hat stimmt H zu A gegen EG, denen Bech folgt 
jewan): nach uüp folgt dikeinen, wie in A einen, in E ein, und es wird 
icht SU streichen sein: man lese hdt dehein uüp keinen tiwerren man. — 
344 weiz got ^ A; ich halte wadlich, Lachmanns Conjectur ftlr waer- 
bch in E, die Bech aufgenommen, nicht Air gut; denn sie schwächt 
Se Bestimmtheit des Ausdrucks. — 2249 bestätigt H Lachmanns Besee- 
vng. — 2255 alsS, das Lachmann aus E aufnahm, hat Bech mit Recht 
gestrichen; es fehlt AGH. — 2257 ichn mirz zu schreiben ist nicht 
lothwendig, in versteht sich als Ergänzung von selbst 

K. BARTSCH. 



NOCH EINMAL DAS NAMENRÄTHSEL DES 

PBIMAS. 



Der Aufsatz in dieser Zeitschrift 16, 306 veranlasst mich meine 
inmal gefundene aber ftlr andere Zeiten zurückgelegte Deutung hier 
litzutheilen, damit nicht neuerdings Mtihc und Zeit wie ich meine 
achtloser Weise darauf verschwendet werde. Der Name, den ich finde, 
hrt uns nicht so weit wie der von J. Grion und K. E. H. Krause 
nrausgeklfigelte, aber es entspricht ganz diesem ^^roteosartii^^ 



40 '^BlßL 8TEFFBNHAGEH, 0RAB8CHRIFT AUF NEIDHABT FDGBI. 

Manne/ datt er uns, wo wir Um zu haben meinen, wiederum entg^ 
Denn er nennt sich uns nicht mit einem neuen Namen, sondern iBit.f 
einem schon gekannten: Galtherus.. 

Littera bis bina um dai vel syllaba triaa, wobei der iKchter das fl 
wie griech. ^ als äiueu Buchstaben behandelt. 

Si mihi demcUur capiU ex reliquo genet'auer 

bettia 
Caput ist aber nirgends das üaide, sondern der Anfang also (Gsl) 
therus =" d^po^. 

81 oaUer pennis ero teeta decenUsr d. i. Gal^thur)u8. Das Feminii 
tecta erklärt sich genugsam aus bestia. 

Wenn wir den Namen umwenden, erhalten wir freilich kein schdnei 
reck ßow oder kru$ wolf, aber wirklich nil. 

MÖDLING, lt. NoTerober 187t. J. 8TROBL. 1 



GRABÖCHRIFT AUF NEIDHART FUCHS. 



In MS. 1304 der königl. und UniversitätsBibliothek zu Königs- 
berg auf der Innenseite des Vorderdeckels ist folgende Grrabscfarift in 
Lateinischen Distichen im J. 1479 eingetragen: 

Epitaphium Neithart vochs circa fepulturam fuam wienne. 

Strennuus hie faxo miles neithart operitur, 

Co^ominatus vochs, ingenuus genere. 

Qui dedit hoftibus hie et tranfnuure bella paganis 

jHier fehlt der Pentameter des zweiten Verspaares.] 
5 Sub nota fuam q^ finxit carmina panxit, 

Per q) eins hodie gesta canunt populi. 

Qualiter in czifelmawr vexauerat ipfe colon*, 

Quorum quis primam fumpGt ei violam 

Ex prato q{ locum viele cum ftercore texit, 
10 Tale nephas neithard reddere curat eis. 

Vt monach*, Tic ralit eos veftitque cucullis. 

Hos pupugerunt, quas vafe retundit, apes, 

Ven^s (1. ventres) de funsis doluerunt, quos dedit üUs^ 

Vngento demum fecit eos fetidos, 
15 In fporta effigies fimiles eis attulit ipsis. 

Huc fua non fcribi ßngula (fehlt £Etcta^ queunt 

•Do pacem agriculis,'' cecinit, «nee plus fiunulari 

Inmundo mundo, fed tibi, x*, volo.'^ 

Hie ftans dicat: ei da, x*, locum requiei, 
20 Att eciam conctis^ quos humuE Ute te^V 



I 



FEDOR BECH. VON DEM ÜBELEN WKIBE. 41 

Von dieser Gh^bschrift findet sich in den Beschreibungen des 
rmbmals keine Spur. Vgl. Franz Tschischka Der ^t. Stephansdom in 
Hen, Wien 1832. fol. S. 20 f. and die Abbildung auf Kupfertafel 
XXXIV; von der Hagen Minnesinger V, 266 f. und Wackemagel 
lenda IV, 438 f., 441. Mittheilungen der k. k. Central-Commission 
DT Erforschung u. Erhaltung d. Baudenkmale. XV. Jahrg. Wien 1871, 
eilagen S. XVII f. Ein ^Epitaphium Neithardi*' von Wolfgang Ehainer, 
Bern Priester in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jahrb., nach einem 
[S. der Wiener Hofbibliothek ist mitgetheilt von Jos. v. Bergmann 
1 den angefahrten ^Mittheilungen^ 1. c. S. XL VI. — Während Vers 3 
nf Neithart's Kreuzzug (Haupt S. 108) anspielt . sind die im V. 7 ff. 
srührten Schwanke nur aus den unechten Liedern zu belegen. Den 
erühmten Schwank vom ersten Veilchen behandeln die Lieder 2, 
, 4, 5 des alten Druckes, Hagen MS. IH, 202, 297, 298 mit IV, 436 
ad Wackemagel 441 mit N. 5. Vers 11 betrifll die alte Fabel von 
en zuMönchen geschorenen Bauern, MS. IH, 302 undWacker- 
Igel 441 mit N. 2. Zu V. 12 gehören die Lieder ^Nithart im vaz'' 
ad ^Der brem** MS. III, 194, 195, Haupt p. XXX ff.; zu V. 14 
Diu salbe*' MS. HI, 238; zu V. 15 endlich .,Wie Xcidhart mit 
iaem korb kam ghen Zeysolraawr und geschnitzet bawren in 
Im korb hctt** MS. III, 3()3. Die in V. 17, 18 angefilhrten Worte des 
)iehtflrs sind den beiden letzten , bei Haupt 8. 220 f. ausgemerzten 
krophen des echten Liedes ^Der werlt urloup'' MS. III , 254 ent- 
lommen. 

KÖNIGSBERG, im Juli 1871. Dr. £M1L STEFFENHAGEN. 



ZU DEM VON M. HAUPT HERAUSGEGEBENEN 
GEDICHT: VON DEM ÜBELEN WEIBE- 

VOM 

FEDOR BECH. 



V. 50—64: und gpriche ich Bwan, #t spriehet mz; ^ 

spriche ich wtz, si sprichst moarz; 
nü hüete umbe den naesnarz 
9wer eltchen neme ein unp. 
In Betreff des schwierigen Wortes nacenarz hat Haupt in seiner 
Afinerkoog Smzu sehr pjwsend verwiesen auf eme&V«^^ vn^^xY^AoAst 



42 FEDOR BECK 

und in der Strafibnrger Handschrift des Rosengartens: ir (Kriemluldi) 
neckü $int gemeä, mich dtmket an den sinnen, do Vdiff ein wunderUAtf 
snariz (Pßilzer Handschr. do louff ein schwariz) sowie auf die RedeMh 
art: einen fckelm, einen Jchalk im naeken haben. Freilich geht dantf 
noch nicht hervor , was eigentlich der snarz im Kacken gewesen ml, 
so wenig wie ans der vom Heransgeber angeAihrten Steile des Bemflr 
Idiotikons: enarz gcomma, märze aeuleatie verbis uti erga idiquem\ v^ 
anch noch Stieler 1888 der schnarz, eeknärz, ronchue- futäie, nfih 
eüiosue, aeerhus, vilis rei ae/Hmatio,' Stalder TL, 340; in fthnlicfaem Simil' 
schon steht das Wort bei Meister RumÜlant nach MSH. U^ 369^ w " 
(der Schwalbe) arme quiäel zwitter echürfen snarz oudi eange lägdp 
weniger klar dagegen and mehr durch den Reim bedingt in Lst*' 
bergs LS. I, 632, 62 

got ist der obrist oHsst, 

daz er aim der sünden snartt 

tuenden kan der sündig ist. 
Der snar2 im Nacken der Frau, vor dem junge Männer, die sidi ve^ 
ehelichen wollen, in unserem Gedichte gewarnt werden, muß doek 
etwas gewesen sein, das fhr ein Anzeichen, ein Merkmal galt, ans den 
man auf den hochfahrenden, widerhaarigen, halsstarrigen Sinn eiasr 
Frau zu schließen pflegte. An gewisse Haare im Nacken (ver^. die 
keifhaare ^ vmkhaare Deut. Wort. V, 445) als anerkanntes Anaeidiei 
der Zanksucht zu denken geht deflhalb nicht an, weil dann schwwKdr 
(wie im Rosengarten) gesagt werden könnte: der snarz laufe im Naekea; 
eher ließe sich ein Hautmal (vgl zankfleck bei Adelung) oder dne 
Ader (vgl. 6. Abent. H, 91, 150 soU st mir triuwe gelden Mit tmfrwctfs 
und mit scheiden, Dar an het ich vU schiere erspurt, Daz sie ein bona 
dder rÜTt) vermuthen, wenn nur solche Zeichen als bedeutongsvpll 
gerade im Nacken sich nachweisen ließen. Daher neige ich au dir 
Vermuthung, daß unter nacsnarz eine besondere Kopf- oder HaktradA 
verstanden worden sei, und zwar ein haubtgd}ende, ähnlich dem «iiSr- 
rinc, jenem z. B. von Wolfram und Berthold erwähnten weiblichen 
Kopfputz (vgl. Zamcke-Müller H^ 450*), wenn es nicht gar dasselbe 
bedeutete; snilrrine und snarz sind wenigstens von ein und demselben 
Wortstamme und können ihrer wörtlichen Bedeutung nach schwerlick: 
weit von einander abliegen. Dieses gebende konnte dann benannt seil 
nach dem eigenthünilichen gesnarre oder gesnüarre (Zarncke-MtÜler IT» « 
449^, vergl. auch rüfch bei Uk. t. Liechtenst 259, 27 u. 30), naoh^ 
dem rauschenden Ton, den es beim Bewegen des Nackens odfer Kop&i| 
veranBcbte, JedeD&Ua war solcher Kopfputz nur bei reicheai v«^l 



VON DEM ÜBELEN WEIBR, 



43 



men Frauen zu finden, and eß Iür sehr nnhe, ihn als Zeichen 
t Hochmuth, oder widersppnstifrer Sinnrsiirt aiifzufnasen. Ist diese 
'muthung richtig, eo ist es vielleicht auch erlaubt eine Andening in 
Liede Walthers selpvnr ein icip, nn \nze r^i ganzfieher staele 
. w. 111, 13 Lachm. = m, 15 Rif^ger vorzuschtagen Der Dichter 
teilt dort einer Fmu, welche sieh mit ihren nattlrlichen Reizen be* 
und eitlen Kleidertand und HaarHchmuck verschmäht, eeinen 
und flihrt dann fort: ja hoere ick gmtie von ir gunliu mfwr«, 
r txil h'^r <if ijeliinidfn hdt. Bi ir ■nuinerfiu hin ze ki'reh^n g^t, 
I ir »töarzen nac vil höhe blecken Ut. Ich traene d(i% gehende itng- 
r »W. DaÜ vornehmere, reichere Damen gemeint sind unter denen, 
ihe neben der erst genannten auf dem Wege nach der Kirche 
«Ich hervorthnn und trotz ihres Putzes ihr an Reiz nachstehen, geht ans 
AtVB Gegensatze hervor; dann aber scheint mir der wnrw nac nicht 
Ich machte daher lesen: diu ir nnctnai-x hSke blecken lät. 
, dem letzten Verse ergfthe sich dann anch, daß der snarz ein 
irf« war; vergl. auch »chnatz und schnatzm bei Vilmar Id. 361. 
. 79 — 81 sprich« ich gtiol. »t »prlchet ilbel: 

ipriehe ich kiiimp aljinm ein atclibel, 
«t gprichd reht aUnm ein zein. 
\ ftdiwcT 8U boBtimniendes Wort ist hier sicilhef, über das auch der 
[eher nichts zu sagen weili; es findet sich bia jetzt nirgend» 
■ überliefert. Wenn man jedoch bedenkt, daß unter Einwirkung 
) voransgeh enden w das i (e) in einem Worte öfter in « oder fi 
•©lit, — man vei^l. die Beispiele bei Weinhold Bniriaehe Gramm. 
K45 — 46 und Alemannische Gr. S. 31 , denen sich beifllcen lassen 
mttrrgiden im Leben der heiligen Magdalena 80" nach der Wiener 
tchr.; atcüren = gicirea ßttiicn tonsiUn in Weist. I. 252; wlippe = 
t bei Zamcke-Müllor III, 612'; mtipfel = nnpfel in Kiinigsh. 136", 
■ =: wefcer in Bithmers Urkundenb. v. Prankf. I, 637; die 
h/Ünten) in Martina 4, 108 und 60, 71; jotM = h.jW 323, 21; 
jfjnrte/) Laßb. LS. III, 409, 389 u. s. w. — so könnte man 
sla dialektische Nebenform zu meihel fassen; swibel aber wird 
Ibüi Diefonbach Gloss. 431" als tJberaetKung Xu pessubis geratura lignea 
^cftlhrt aus einem Voeabular des 16. Jahrh.j ingleicben findet sich 
l and gnfgmisieiebel, bei Frisch II, 224'' fltr Galgen Schwengel ; ferner 
[StoWor II, 363 »chwibel, gchideltnl, »chwiebele f. ^ Handhabe, die 
1<e Quere steht, z. B. an einem Ruder, an einer Sense, oder ^cin.& 
I. welche mau dfti Äfegen au den Hals hängt, A;itvi\^. *w^ t\\Ä\V 
äaoe brechen;" man vergj, auch das Zeitw. Kuib«l«n \u ^o*.- 



44 FEDOR BECH 

frieds Tristan 9044 nach der Florentiner Ra^dschr., sowie mcibeUu 
in MSH. III, 196. Zu pesmbis findet sich aber bei Graff VI, 409 
Form scubil beigeftigt und statt dessen auch subil, vergl. Diefenb. l 
subtel, mbel vel ligerinc. 

V. 84: seht wie ein seUeschaft dat si. 
Hier hat der Herausg. einer metrischen Ansicht zu Liebe die in 01 
deutschland sonst allein übliche Form geselleschafi, welche die Hands 
enthält, nicht beibehalten. SeUeschaft wird sich kaum aus guten o 
deutschen Handschriften nachweisen lassen (vergl. Orimm ttber i 
' dank 52); es tritt so ziemlich in eine Reihe mit seile spile verie, a 
mit spenge buH, die man jetzt in d^n neuem Textrevisionen statt 
in Oberdeutschland herkömmlichen Formen geselle gespäe geverte gesp 
gAurt zum Theil gewaltsam einzuführen sucht. Man trifft sie sehr se 
und höchstens nur in solchen Handschriften, die den bessern an W 
nachstehen. Von sMes^igß kenne ich nur ein Beispiel aus einer In 
linearversion der Benediktinerregel (cod. Stuttgart 4*, No. 290, 
dem Anfange des 13. Jahrh.) fol. 21\ seVUscaft eonsortio, das mir Fi 
Pfeiffer früher mittheilte ; aus welchem Theile Deutschlands der Verfa 
jener Handschr. stammt, weiß ich nicht ; sonst ist ja bekannt, daß d 
Form nur in md. und mnd. Sprachdenkmftlem angetroffen wird, 
z. B. die Varr. zu Iwein 5110, v. d. Hagens Germ. X, 174^ Chro 
d. D. St VL, 495. 

V. 150 so sieht #t mir siege vil üf hende und üf die knilbele so i 
gruntübele; zu dem Adverbium grantübele, das in der Anmerkung 
gnuUboese aus Helbling 7, 811 verglichen ist, verweise ich auf RuL 
Merswin, Buch von den neun Felsen, 59 ach herzeliep mtns, wie 
barmet mich dis s^ gruntäbele! ebenso S. 84 und 88. 

V. 164 — 165 n wart mir nie so strenge, 

si werde mir noch strenger; 
ivß zweiten Verse wird wohl mit demselben Rechte wie in V. 90 
f^ si zu schreiben sein. 

V. 243—256 dd ich si (=-. Saelde) mit vlize bat 

daz si mir ze wibe 

gaebe diu mim Itbe 

wa£re wol ze mäzen, 

daz hat si leidet Iclzen 

und hat mir ein wip gegeben 

daz K mir alle die nu Üben 

vm$ner sint gebezzert, 

min jctuist ist t)ermencrU 



VON DEM ÜBELfiN WEIB£. 45 

ich wände S ich genaem$ «i 

da^ nindert zwd oder dti 

lebeten al$8 guate: 

des tet u* unzemude 

daz ei U guaten tciben 

mit lobe welle beliben. 
Eine große Schwierigkeit bietet hier wieder Vers 250: n^ kunet 
vermezzert. Ob und welchen Sinn der Herausgeber darin gefunden 
tf darüber schweigen die Anmerkungen. Nicht nur aber die Bedeutung 
i sonst nirgends belegten Wortes veitnezzem, (denn mit dem von 
hmid Schwab. Wrtb. 376 aufgeftlhrten vermeeeem von maeer hat es 
imi etwas gemein), der Sinn des ganzen Satzes ist schwer anzugeben, 
mftchst will ich es versuchen aus dem Zusammenhange zu bestimmen, 
Icher Sinn darin liegen könne, und obige Verse so wortgetreu wie 
iglich übersetzen. 

„Als ich die Saide angelegentlich bat, sie möchte mir ein Weib 
ben^ das mir vollkommen gemäÜ wäre, da hat sie leider das (letztere) 
berücksichtigt gelassen und mir (statt dessen) ein Weib gegeben, 
II in Vergleich zu mir alle (Ehemänner) weit und breit besser ge- 
ven sind (oder: viel besser daran sind). Meine Kunst ist — ver- 
pf/mi (?). Ehe ich sie heiratete, glaubte ich, in der ganzen Welt 
ren nicht zwei oder drei so gute Frauen zu finden; (indessen) sie 
durchaus nicht darauf bedacht, daü sie neben guten Ehefrauen 
t EIhren suche genannt zu werden.^ 

Was kann hier, so frage ich nun, wSn kamt iet vermezzert heijton? 
tfermezzeim von mezzer, cuUer abgeleitet, so könnte es seiner Bedeutung 
cb so viel sein wie verechr^ten (wie in jenem Liede Walthers aitf 
nig Otto: dd wart er vä gar ze kurz cUe ein vereckr^Un werc) d« h. 
Schneiden mit dem Messer verfehlen oder verderben, verschnitzeln, 
honaen; dann lleüe sich die ganze Zeile etwa so verstehen: meine 
nst d. h. Kraft oder Potenz, die ich als Mann haben sollte gegen- 
ar meiner Ehehälfte, ist zu kurz geschnitten; oder mit Bezug darauf 
1 Frauen oft daz lenger mezzer im Hause tragen (mhd. Wrtrb. II*, 168) : 
ine Macht ist dem Messer der Frau erlegen, ähnfich wie in MSEL 
195 min vAekeit iet verUetet. 

Einen nur wenig verschiedenen Sinn erhält das Ganze , wenn 
Q vermezzem auf daz mez, der mezze (das Maß, Gewicht vergL dazu 
ßerei, maeeerei ■= Maß, MaßfuÜ bei Schmeller II, 625, Schöpf Tirol 
ot 427, J. V. Zingerle Beitr. 11, 52) oder auf mezzaere mezzer = 
eeer, Abwäger zurückfiibrt, denn danu würd^ t% (JAdss^.^ "«t^ 



4!ß FfiDOR hUcU 

meistern in den aitd< Beispielen Pfeiffers XIV, 58 euä vermeietert er jäs 
vederspil, so verdirbt er mit Abrichten seinen Jagdvogel) so viel heiSs* 
als: bei etwas das rechte Mau verfehlen, eine Sache verderben Mt 
sie maßgerecht machen. Auffallend bleibt bei alledem der Ansdrack 
kunst, auch wenn man annimmt, daß er hier einem vom Dichter hertt' 
gezogenen Sprichwort angehört Verständlicher, dünkt mich| würde St \ 
Zeile sein, wenn.es hieße: 

min hone et iti verme^^ert 
d. h. mit meiner Ehehälfte hat sich die Saide ein für alle Male in 
Maße versehen, indem sie selbige mir nicht passend gemacht hat; 
mein Weib entspricht nicht ihrer Bestimmung. Dieß oder etwas Üat 
liches scheint mir der Zusammenhang zu fordern. 

Außerdem wird V. 252 nindert dem Schreiber angehören, indai 
tdas dem höfischen Dichter und seiner Zeit ent|^prechendere Wort seiiL 

V. 322—25 « nam ze mtner eikte 

in die , hant daz .veige sehit 
und sluoe mir eine wnnden mt 
mit dem dehnten. 
Für daz veige schit hat die Handschrift daz vorig eeh,; ich ver- 
mag nicht einzusehen, in wiefern mit dieser Änderung, die zunächst 
nur einen jungem Ausdruck durch . einen älteren ersetzt, auch dea 
Zusammenhange .-sein Recht geschehen sei. Das Weib hat kurz zuvor 
(.V.:31631.7) do^ ««^ (iVQht verderbt aus da^ dehsschUf), daa Schwinge- 
messer, in tausend Stücke geschlagen auf den^ Kopfe ihres Gatten; 
gleich darauf k«nn es doch nicht wieder geheißen haben: sie nahm 
daa joeige eehtt in die Hand und verwundete mich mit dem dehdeenf 
Im dem Wortlaute der Handsohr. daz vorig §. scheint also etwas anderes 
zu stecken; nahe liegt, an den Stunmiel, das übrig gebliebene Stück 
des ddaediiUea «u denken, an den Theil der vorzugsweise das dehi- 
ffssfi-hieß. Sagte der Dichter eiw^ über$ehU, ähnlich wie. nachher tito*- 
rü^ce, iAeretickef Der Schreijber konnte aber- leicht mißverstehen und 
als daz obere d. h. das obengenannte, das vorige fassen und dänisch 

ändern.. 

.'•;. V. 353^—355 ich bat. ei treten hinder mich: 

8L sprach „ich lieze e hähen dich.^ 

do sprach ich j^daz wirde et duo.^ 

Diese Verse seheinen mir nicht richtig überliefert, ftlr hinder miA 

stand wohl ursprünglich da hinder sich = zurück, beiseit, ver|^ 

MüUer-Zamoke I, 690^ 22—24. Und im darauf folgenden Verse wird 

die Antwort dee hartnäckig sich weigemdeu Weibes gelautet habw: 



VON DSM ÜBEUfiM WEIBE. 47 

i lie^ e hähen mieh, ioh wollte mich eher hitiigen UuMen, ehe ich das 
tite: irergl. Iwein 2231 ich iSze mir S nemen den Up; Wackernagel 
eieb. 5691 ick wM mich selber toeten S; Biterolf d&21 ich wolde i 
ier die erde; MSH. I, 198* i Um ich mich scheren unde viüen; Herbort 
oj. 5209 ich lieze S bein unde lide gar an mir gusmden; Engelhard 
S8 ich lieze e mich zenniden, 

V. 512 — 513 : hie gH ez an ein daere (; ewaere). 

dd wart lachen tiure 

An die Stelle des handschriftlichen daere hat der Herausgeber 

ere gesetzt, wie mir scheint ohne Noth. Freilich ist uns bis jezt kein 

bstantiy daere überliefert, aber oderdeutsche Sprachdenkmäler des 

und 14. Jahrhunderts kennen ein Zeitwort daeren, deren, tären fSren, 

i seiner Bedeutung nach den Begriffen tanzen springen sfiln nahe 

mmty außer den bekannten Stellen in Ghrieshabers altd. Predigten, 

bereits das mhd. Wörterb. verzeichnet hat I, 308*"^ noch in der 

iener Handschr. der heiligen Magdalena fol. 4*: ich wil hören vogd 

gen taten saitten dingen, so sagt dort Lucifer; fol. 15^ dem Idnde 

ien singen taeren (: beswaeren) soUu ze allen ziten; fol. 26^ das Idnt 

n /rolichen springende terende unde singende mit welschen triten gahende 

ät es von der Tochter der Herodiaa. Hiemach ist die Form daere, (^ 

lit unmöglich; noch heute heißt es bekanntlich: nun ging dßr (Bettel-) 

ns los. 

In den Versen 514^517 

doch gap mir got ze stiure 

ein eichtn überstieke 

und einen stuol der dicke 

was und nihi ze ewaere 
wieder der Ausdruck überstieke (in der Handschr. vberftiche) nicht 
eht Ohne Zweifel richtig ftlhrt ihn der Erklärer auf stecke zurück.; 
■gl, die Zusammensetzungen dnstieh, di^ichil stuol Nyerup Symb. 
\ Snmerlat 29, 23; dreistickelicher »taZ Weist. U, 65; überstieken = 
t dem nStickelzaun*' die Qrenze überschreiten und dadurch den 
chbar schädigen, Weist II, 47; V, 601 (§. 35); stiekunge, stipatura 
\earum vel arborum Diefenb. 553^. Im Laufe der Rede kehrt das Wort 
demselben Sinne wieder 726, dann wird dafür gesetzt stecke 60^ 
as wohl auch 562 gemeint ist, so daß man mit dem stecken statt mit 
I stecken lesen sollte; an die ,|Stuhlbeine,^ die erst 569 erwähnt 
rden, kann hier schwerlich schon gedacht werden), 666 stab, 590 
Jlgd. Die Waffe, zu der das an Kraft überlegenere Weib greift, heißt 
gegen ein KehtsehSt 511 (dasselbe was bei ^cYiisaYI«! \Sl^ ^^ä MunäMtr 



48 FFiDOR BKCH 

Hoek, „ein Stück ron einem Föhrenstamm^ das su Liohtsplnen beBtimoii 
ist"), im Laufe der Rede fcJni 538, block 620, zocke 713 (wozu anßei 
dem vom Herausg. aus SchraeUer herangezogenen zocher, Ast, minei 
noch zu vergleichen ist Schöpf Tirol. Idiot 890 der zoeh'n, »abge- 
hauener und der Zweige entblößter Ast, Knittel, ital. eoeco*'). Die Be- 
deutung von iiberstieke läßt sich hiemach ziemlich sicher errathen, za- 
mal wenn man das ähnlich gebildete ^äbemicke damit zusammenhilt; 
es war jedenfalls ein Stock , Stecken oder Stab, der chen in iigend 
ein Werkzeug oder sonst etwas hineingesteckt wurde, das obere Ende 
bildete, also etwa ein Stiel, ein Schaft, ein Pflock. 

V. 564 — 565: zekant wart ich äne wadel 

die widertHMirt MfeeA^ 

Die Erklärung, welche von diesen Versen gegeben wird, will miek 

durchaus nicht befriedigen. Daß äne wadel als ,,gerades Wegs, du 

Gegentheil von enwadeU"^ zu verstehen sei, ist, wenn auch sprachlich 

mö^ich, doch aus dem Gebrauch nicht zu erweisen; ohnehin stflnde 

es nach zekant etwas müßig. Außerdem verstehe ich nicht, wie der 

Erklärer den Ausdruck geUeket gefasst haben will; denn sein Citst 

aus Wolfirams Willeh. 238, 13 (#1 warn die vart al$$ gelegen : u- nekeimr 

nuAte des gegflegen, em waere dem andern gar benomen) hat doch , so viel 

ich sehe, mit unserer Stelle weiter nichts gemein als den adverbiales 

Accusativ des Ortes (die wart) ; vergl. Hahns Anmerkung zu Stricken 

kleineren Gedichten Xn, 69. Ich glaube vielmehr, daß toädd hier des 

I Badewedel, lecken aber peitschen oder wedeln wie im Schwitsbadi 

I bedeutet, und übersetze: sofort wurde ich, und zwar nicht mit den 

Badewedel (nicht auf so angenehme Weise wie in der lecke) den W^ 

' wieder zurück gepeitscht. Daß die sogenannte lecke (in Tirol nad 

Schöpf 362 die lak = Bad) oder das lecken noch etwas mehr als bloß« 

benetzen oder begießen mit warmem Badewasser, daß es auch anden 

f damak im Schwitzbad übliche Touren wie das Streichen und dai 

]?\ - Peitschen mittelst des wadde oder wedele, des queeien oder koeUm, über 

/] haupt das Bearbeiten des Körpers im Bade umfaßte, geht zum Hie! 

' aus folgenden Stellen hervor. Das den Würzburger Städtekrieg voi 

1397—1400 schildernde Gedicht in den historischen Volksliedern voi 

R. V. Liliencron I, 193 lautet von 2071-2078: 

an lecke mochten sie nit baden, 
das wart in van stunden schaden, 
sie begerten keines glichen. 
Die badekfMcht begundens strichen, 
daz sie gewunnen einen «iceix, 
nellekien, daz in toart u Keu« 



VON DEM ÜBELEN WEIBE. 49 

Ir questen wären wundeidich, 
daz düeht die badliut nit geUch; 
iie anafUhrliche Beschreibung im Seifned Heibling UI, 16 folg. ; 
Clara Hätzl. S. 273' heißt es: beim Baden 
da ficht man lecken unde streichen, 
kam fröd mag ir gdeichen, 
wann der ofen recht erhitzt 
und wol waidenlich erechwUzt; 
und gab der hing im zehen mark, 
Heyn krey war dannocht nit $o stark, 
80 er eich vff die banck streckt 
vnd sich streichet vnde leckt; 
andere Wendungen enthält die erweiterte Fassung desselben 
ites in Ad. v. Kellers Erzählungen 672, 26 folg. 
dd eichet man hruech feilen, 
an beiden arßbeüen 
sichet man sich streichen, 
kein freude kan ir geleichen, 
wan ein man vff die bank siezet 
vnd dar vff wol ersvnczet 
vnd sich hauwet, da man siezet, 
da hinden vmb die minnegl4Kken u. s. w. 
lern ist zu vergleichen die Beschreibung des Höllenbades bei 
sin 6669 folg. Femer heißt es in einem Meisterliede von dem 
in dieser Zeitschrif); V, 216 

reich mir ein kost und einen hüt, 
einer leck solt uns gewem; 
1 Renner 9651: 

so die leib in werden sat, 
sd gSnt si lecken in ein pat; 
H. in, 211'»: 

swelch badsttib wirt gehizzet also linde, 
ein man gelecket vil, e er enphinde 
hizze, der sin herze gert; 

swie guot diu schtter sin, tint ist boese der hert, 
von hizze enphaekt er doch vil selten vröuden, 
Ibe JiofaBi». nur in übertragenem Sinne, könnte auch gemeint sein 
7: awnf da wart gelecket mit swerten daz sie düngen! und 
ia in GAbent. I, 147, 452: mmi hiez in uidei* 8ived;«a> 
üeim (so wenigstens nach eiuer VaxiaiiX.Q^^ \5l»»xii 



50 FEDOR BECH, VON DEM ÜBELEN WEIBE. 

richtig geliehen (: ecken) im Bitcrolf 10540 nach der neuesten Aii8g»2 
statt gdecken. Der bildliche Ausdruck nach der ron mir versuchten Ei 
klärung erinnert an die Verse in Wolframs Willeh. 436, 7 : eüichs [herieM^ 
auch gein des meres stade: al gewdpent hin zem bade mctn manegen füntm 
keren 8(p*h, des hont nie qtiesten gebrach, vergl. Haupts Zeitschr. Xl| 
50 — 53. Als Seitenstücke zu dem dnß tpqdel lecken vergleiche mtt 
folgende Wendungen: Friedrich von Hausen 53^ 14 diu mich bUuwäi 
äne ruoten; Godefr. Hagen 4900 ir viande si strichen sonder rdde; Iweii 
504 si betwingen dne sloz und dne bant; Parz. 151, 62 er spande se dtä 
türebant; Reinfried 25758 gevangen äne tum und dne bant; 26145 sim 
herze dn aUiu bant twingen; Maere vom Feldbauer 342 dne mezzer vU 
dne scharr schar er mir ; Eriegk Deut. Bürgertum im MitteL 579 d 
scherent manigen dne lauge und dne scharsach. Vergl. M. von Crftfin 314 
und 926. 

V. 660: gehört ir ie der noete gat. 
Das seltene gat = gaJte, gendz, geRche, von welchem in der Anmeriranf 
die Rede ist, findet sich noch in Heinrichs Krone 19188 da^ ist mordm 
gat; Diemers D. Gedd. 136, 14 daz sie mere niender vunden i^j^ot. 

V. 717 folg. sol mich toeten ditze ujipt 

nu ist mir gtiat noch Up 
beide ze kanen niht gegeben: 
ich sol auch förbaz geleben 
einen tac nimmer mere. 
Für ze konen wird in der Anmerkung vermuthet ze fromen, Vielleiclil 
ist der Fehler wo anders zu suchen. Ich möchte lesen : bi dirre (deserf) 
konen statt beide ze konen. 

V. 769 : si phnurrete jenen unde disen. 
Zu phnurren ist in der Anmerkung auf die Erklärung zu Servathui 
168 verwiesen. Das dort aus Oberlin 1216 herangezogene Citat ist sbei 
aus Hadamars von Laber Jagd 55, wo es nun nach Schmeller genauei 
lautet: 

nach manegen ferten snurren 

mm herze aldd begunde: 

widerzucken, phnurren 

ich ez mit dem seile faste künde. 
Zu V. 816 do stceic ich alsam ein müs konnte außer den in der An* 
merkung beigebrachten Stellen noch verwiesen werden auf Livl. Reio* 
Chronik 5982 sie wdren stille sam ein müs; Laßbergs LS. HI, 122, 40 
mmgent dar zuo als ein müs, 

ZEITZ, im Juli 1B7L FEDOR BECH. 



K. HOFMÄNN, DKR TUOENDE BUOCH. 51 



DER TUGENDE BUOCH. 



Die Münchner Hof- und Staatsbibliothek erwarb kürzlich ans der 
*ehweiz eine deutsche Handschrift, deren Inhalt bis jetzt als ineditum 
I betrachten ist, und daher eine kurze Anzeige verdient. Das Werk 
nAt Der tagende buoch und ist 1382 in Luzem von dem dortigen 
tadtschreiber Johannes Fricker geschrieben (nicht verfasst). Es hat 
i Klein-Folio 110 doppelspaltige Blätter. Die Schrift ist sehr schön 
nd gleichmäßig und das Buch ausgezeichnet gut erhalten. Der Inhalt 
t in 98 Capiteln in folgender Tabelle auf den beiden ersten Blättern 
Dgegeben. 

Dis ist dis Baches Tauelle. (Daneben schwarz der Haupttitel 
Ks ist dz Buch der tugenden vn iren widerwertigen siinden.) 

1. Wie man die Sünde fliehen sol. 

2. Von dem geloben. 

3. Von der Sünde, diu da heisset got schelten. 

4. Von blintheit des mutes und stumpheit 

0. Von der tugent diu da heisset gcdinge. vnd wie man got ftirchten 
Sülle. 

& Von dien widerwertigen Sünden der zuoversicht. und von der ver- 
zwiuelunge. vnd von der Sünde diu da heisset vnordenliche zuo- 
versicht ze gotte das ist in der latine praesumpcio. 

7. Von der minne vnd von den werken der minne das ist ir&de, frid, 
erbermde. 

8. Von vnerbarmhertzekeit. 

9. Von drin andern werken der minne das ist von guttiinde vnd von 
almäsen gebende vnd von brüderlichem straffenne. 

10. Von dien widerwertigen Sünden der minne vnd zem ersten von 
hasse vnd von tragheit an gottes dienste vnd von Nide vnd von 
Misflhellunge vnd von Kriege vnd von teilung oder schidunge. 

11. Von ürlige vnd weles ürlig recht si oder nüt vnd von Rassenne. 

12. Von dien die da heissent parten machen. 
3. Von Ergerunge vnd von Tumpheit 

1. Von der ftirstenklichen tugent diu da heisset witze. 

K. Von gehi vnd vnbetrachtunge vnd misstetikeit vnd von vnuersinni. 

5. Von dien widerwertigen Sünden der witze. 
r. Von kOndekeit vnd akuat vnd Meintat« 



52 K. HOFMANN 

18. Von sorgenne vmb zergengkliche ding. 

19. Von Rechtekeit vnd rechtem gerichte. 

20. Von Argwane vnd ob der mensche diu ding diu zwiyellich sinft 
abwegent sülle ze gotte keren. 

21. Von geltenne vnd widergebenne. 

22. Von personen nemende vnd ansehende. 

23. Von lüten ertoedende vnd ob der mensche ane sünde sich sdbei 
müg ertoeden vnd ob der Richter einen vnschuldigen mensehfli 
verdampnen sülle vnd ob ein mensche den andern erslahen mttg 
ane sttnde das er sich selben schirme vor dem tode vnd ob deri 
mensche an dem schuldig werde den er von geschidite hat ertoedet 

24. Von lider abslahenne vnd ob vatter vnd muter mügin ir kii^ 
slahen vnd ob man deheinen menschen stdle ze Kerkel l^en vni^ 
ob diu Sünde desto grosser si da von das der mensch den man iä 
siecht me firünde hat denne ein ander mensche. 

25. Von Stelende vnd von robende. 

26. Von Richtern vnd ob ein Richter sülle vber deheinen menschei 
richten den nieman verleidet vnd ob er die büsse die er mit rechter 
vrteil gesetzet hat müge ane sünde lassen. 

27. Von verteilende vf dem gerichte vnd ob der mensche gebmidei 
si, das er verleide einen andern. 

28. Von appellierende. 

29. Ob der mensche der da verdampnet ist zu dem tode sich selbai 
müge beschirmen ane sünde vor dem tode vnd ob er fliehen mfiga 

30. Von bezügenge vnd ob der mensche gebunden si das er ein gesi| 
si des dinges so er weis. 

31. Von dien fiirsprechen vnd ob der Richter müge gflt nemen vmbi 
sin gerichte. 

32. Von scheltenne von hinderrede von spotte vnd von flächenne. 

33. Von betriegenne an koofiSenne vnd an verkooffenne. 

34. Von Wucher vnd ze dem ersten ob gut liehen vmb wucher sQnde m 

35. Von vbergenne vnd von versnmende. 

36. Von dem gebette vnd zem ersten was gebett si. 

37. Von opher vnd von zehenden. 

38. Von antheissen vnd von gelübde. 

39. Von swerende vnd von meineide. 

40. Von beswerrende. 

41. Von der sünde du da heisset ein vnrecht geisliche. 

42. Ob an gottes dienste dehein oberflüssekeit si. 

4J, Von abgötten anbetten vnd ob es si «in vngeordente geisliohdt 



DER TUGENDE BUOCH. 53 

1. Ob künftige ding sagen sünde si. 

5. Von zouver vnd tiefel besweren vnd bitten vmb helfe vnd rat ob 
das stlnde si. 

6. Ob Sünde si das der mensche künftige ding sage vnd das nimet 
von dem gesüme. 

:7. Wannan von tr5ime komen. 

18. Ob das sünd si das der mensch sich an nimet künftige ding ze 

wissenne von bewegenge oder gesange oder gelegenheit die er 

merket an dien vogelen vnd an dien tieren. 
9. Ob Sünde si das man vnderwilent der lüten wort merket vnd nimet 

als ein zeichen eines künftigen dinges. 
0. Ob Sünde si das man das los wirfet ze wissenne künftige ding. 
»1. Ob die richter damit sündin das si heissent das heisse ysen tragen. 
ä. Von dem zouberbnoche das den menschen künste leret 

3. Ob diu ding sünde sin die der mensche tut oder behaltet dar 
gesuntheit 

4. Ob die ding sünde sin die die lüte ordnent ze erkennen ein gelüke 
oder vngelüke. 

i6. War wnbe vnderwilent der zouerlist den lüten war seit 

16. Ob Sünde si das man gute wort henket an vnd das man heil- 

tum treit 
>7. Von got versflchenne. 
W. Von heiliger dingen enteruDge. 

50. Ob die herren sündin die ämpter emphelent vngelöbigen lüten. 
Nt Ob heüikeit entenmge sünde si vnd wele sünde dar ynder aller 

groest si vnd pine dar vber gange. 
61. Von Symonie. 
G2. Von Oehorsami. 

63. Von dankberkeit vnd von yndankberkeit 
6L Von rechende oder ob es erloubet sL 
Kl Von warheit von liegenne von gelichsemie vnd von rAmepdo, 

66. Von der sünde diu da heisset in knechische yronia. 

67. Von gewerer früntschaft. 

68. Wie sich der mensche gegen sinen frfinden halten sol. 

59. Von liebkosenne vnd von zeppel (zeppel == Streit, ist bis jetzt als 

schwäbisch belegt gewesen 9. BM. s. v, u. Sohmeller 4, 277). 
JO, Von miltekeit 

71. Von gitikeit vnd von guden (= Vergeuden des Vermögens). 

72. Von dien zehen gebotten vnd von der dritten tugende du da heisset 
iMitki 



K. UOFMANN, DEK TUGKNl'E BL'OCH. 




73. Von vngeordenter vorchte vnd von getürstekeit vnd 
vnd von er^tikeit 

74. Von kleinmitikeit vnd grosmütikeit. 

75. Von gedultikeit vnd von vngedullikeit. 

76. Von hertunge an gfttem lebenne vnd von zartlu 

77. Von aelbwaltekeit. 

78. Von der vierden tugeiit du da heisset messikeiL 

79. Von vnmesBikeit 

80. Von vaatenne vnd von &aeh&it. 

81. Von messikeit an esseDne vnd an trinkenne. 

82. Von trunkenheit. 

83. Von k&Bchekeit vnd vnküschekeit. 

84. Von miJter ciiemfltikeit vnd senfter dlemfitikeit. 

85. Von zorne von grimmekeit vnd von aarplieiL 

86. Von diemitikeit vnd üppiger gflnlicheit (= vaua 
592). 

87. Von hochvart von klfigheit vnd akuat. i 

88. Von Bittikeit vnd von zttchtikeit. I 

89. Ob debein epü tngentlicbe \'nd anc Btlnde Bin die der mensche I 
dur knrtzwile vnd diir ein ergetzen. | 

90. Ob BpillQte ir fr^idenriche» ampt triben miigen ano sUnde- (I 
Antwort Ut bejahend.) 

91. Ob ea ein vntugent bi vnd ein gebreate dee der mcnBch enkej 
knrtzwile well han. i 

92. Ob tantzen aünde si vnd ob an liplicher gezicrde sQndfi lig«. 

93. Ob das sllnde si daa sich der mensch nüt zieret. 

94. Ob der frowen vbrige gezierde mlige sin ane sUnde. 

95. Ob dien frowen sUnde ai das si sich malent vnd verwent, 

96. Wie sich die frowen stillen zieren. 

97. Ob die Werkmeister die bubacbe ding machent vnd hübsche 
damit sOnde begangen. 

98. Wie das bflch ein ende hat. 



L 



Dor Schluß steht auf Bl. 104, v". Dann folgen auf 104, p».'» \ 
2w«lf lUthc Chriwti. ( 1. Kroiwilligo Annuth. 2. Gohorsam. 3. Keuad 
4. Fcindffaliebo. 5. Sanftmüthigkeit. G. Wahrhaftigkeit 7. J 
Herz behHtcn. H. GoUps Willen oinflUtig vollbri' S^J 

10. Werke den Worton enlepredien lanaoB. 1 
12. Den Nebenmenschen um Qr 
roo Bl. lOö, r*. hin IÜ8 v°.: 




I RICHABD WÜLCKER, ZU KUNZ KI8TENER. 55 

^'^^fwiaät genomen ist von latine ze tdtsche da mitte die liite hie vor 

/ &e% wurden. Zuletzt 108 v*. bis 110 v". noch ein Stück von dem 

/ Sacnunente des Altars. Am Schlüsse Hie Über est scriptus 1382> Die 

I Schrift dieser zwei letzten Stücke ist von der, welche das ganze Buch 

/ Und dann noch die zwölf Käthe geschrieben hat, verschieden, so daß 

I also Fricker, da sich die Jahrzahl 1382 zunächst nur auf den Schluß 

f bezieht, das Buch noch vor 1382 geschrieben haben könnte. Entschie- 

f den gleichzeitig sind beide Hände. 

' Hinzufilgen muß ich noch, daß die Vergleichungen mit ähnlichen 

lateinischen Werken, die ich bis jetzt angestellt, zu keinem Resultate 
gefidirt haben. 

IfONCHEN. K. HOFBUMN. 



ZU KUNZ KISTENER 



Gödeke wies in seiner Ausgabe der Werke des Pamphilus Gengen- 
bach nach, daß jener Basier Dichter und Drucker das Gedicht »Die 
Jakobsbrfider*' nicht selbst ver&sste. sondern nur ein älteres Gedicht 
Kunz Basteneres, eines sonst unbekannten Dichters, überarbeitete. In 
Betreff des Inhaltes des Eistener'schen Gedichtes verweise ich, wem 
das nur in hundert Exemplaren gedruckte Werkchen nicht zur Hand 
lein sollte, auf Reinh. Eöhler^s Aufsatz (Germania Bd. X p. 447). 
Gödeke kannte nur eine Handschrift des Eistener'schen Gedichtes, 
nimlich die Woifenbfittler. Ebenso wenig erwähnt Eöhler im an- 
geftbrten Aufsätze eine andere; auch Pfeiffer, der in seinem altdeut- 
Bchen Übungsbucbe eine Prosabearbeitung unserer Legende gibt, scheint 
keine andere gekannt zu haben. Gödeke jedoch kommt zum Resultat 
(Oengenb. p. 637 Anmerk. 13), daß Gengenbach eine andere Hs. vor 
lieh hatte, als die, welche der Wolfenbüttler zur Vorlage diente. 

Auf dem Stadtarchive zu Frankfurt am Main befinden sich zwei 
xosammenhängende Papierblätter in Quart, die 93 Zeilen des Eistener'- 
schen Gedichtes enthalten. Der Schrift nach ist dieß Bruchstück an 
deo Anjkng des 15. Jh. oder an das Ende des 14. Jh. zu setzen, der 
%irmohe nach gebort es dem mittlem Deutschland an. Der Text des 
Äank&rter Bruchstückes ist, wenn auch nicht fehlerfrei, doch sorg- 
filliger gearbeitet als das Wolfenbüttler Mscr. — So lässt die Wolfenb. 
Hs., um kleinere Fehler zu übergehen, V. 909, durch gleiche Reime 
BT^geleitet, ftnf Verse weg, die sich in der Frankf Hs. finden.^ auch 
OmgeahMcb bat dieaelben. 



56 BICHABD WÜLCKEB 

Noch sei auf eine Ubereinstimmang der Gengenbach'scheii Bmt* 
beitang mit nDserem Bruchstäcke aufmerksam gemacht Die Vcni 
7 — 17 der Fr. Hs. fehlen der Wolfenb. Es., auch Gengenbach hal m 
nicht. Doch, als bei Gengenbach der aussätzige Freund den Bmdv 
im Gtebirge um ein Mittel gegen seine Krankheit fragt^ antwortet iliB 
derselbe (V. 660): 

Dein jonger herr hat gem&hlet sich 
Zt einer junckfrawen gar tagentrich 
Die hat empfangen ein kint zu stondt 
Wann das zu der walte kant 
So ist es gar ein hübscher knab 
Wer dem sein k&len schneidet ab 
Vnd man dir dann des blüt gyt 
Wo man dich dann bestreicht mit 
Do wirsta allenthalben rein. 

Hiermit stimmt überein, daß nach der Fr. Hs. (V. 7 — 17) das Kind 
erst geboren wird, nachdem der Aussätzige schon wieder längere Zeit 
bei seinem Freunde in Baiem gelebt hat. — Die Wolfenb. Hs. hin- 
gegen weicht von Gengenbach ab, indem sie den Waldbmder dem 
Aussätzigen verkünden lässt (V. 752): 

Der iücher het gemahelt sich 

Zu einre fröwen tagentlich 

Ein kindelin gebiri sie an der dundt. 

So könnte man vielleicht noch manche Spur finden, daß Gtongenbach 
sich treuer an die Fassung des Gedichtes, die der Fr. Hs. bu Grunds 
liegt, hält; um so mehr ist es zu bedauern, daß die Fr. Hs. nur in 
einem Bruchstücke erhalten ist 

Nun noch ein paar Worte über die Frage, wo unser Gedicht ent* 
standen sei. Godeke meint (Gengenb. p. 630), der Entstehungsort sei 
in Baiem zu suchen und stützt seine Meinung auf Erwähnung des 
Klosters Gnadau (Gengenb. V. 1065, Eist V. 1133), das bei P&flEen- 
hofen in der Oberpfalz liegen soll. Doch abgesehen davon, daß Köhler 
uns im angeführten Äus&tze einen weitem Blick auf das Leben unserer 
Sage eröffiiet hat, beruht auch Gödeke's Ansicht auf einem Irrthom- 
Das Erlöster bei Pfaffenhofen in der Oberp&lz heißt Gnadenberg und 
wurde erst 1486 gegründet (vgl. Bruschii chronol. monast Grermao.' 
princip. Ingoist 1551). Ein Kloster Gnadau iLonnte ich in den genaue^ 
sten Werken über Baiem nicht finden. Betrachten ¥nr die weitem 
Ortsangaben im Gedichte, soweit sie Baiem betreffen, so beschränkest 
sie sich alle (Gengenb. V. 4, 340, 486, 657, 683) auf Angabe d^fl 
Landes Baiem ^ während aus Schwaben wenigstens die Stadt 



zu KUNZ KISTENEB. 57 

beb genannt wird (Gengenb. V. 344, 580, 583^ 607). Dieß Haigerloch 
B Hohenzollem-Sigmaringen wird schon 1125 in einer Urkunde Hein- 
liehs V erwähnt (vgl. Hergott geneal. Habsb. Nr. 159^ Neugart cod. 
üfL Alem« Nr. 845), und ist dasselbe, wonach sich der Minnesinger 
Albrecht ▼. Haigerloch nannte. 

Dürfen wir uns also auf die ärmlichen und ungenügenden Orts- 
iDgaben hin fär die Heimat des Dichters entscheiden, so müssen wir 
ne jeden&lls eher in Schwaben, als in Baiem suchen. 

Über Gödeke's Vermuthung (Gb. p. 638), daß Kistener's Gedicht 
nch nur eine Überarbeitung eines älteren Werkes sei (und zwar des 
Wallers von Heinrich v. Linowe), lässt sich schwer entscheiden, so 
linge wir weder etwas Näheres über Kistener Wissen, noch festgestellt 
ist, was unter dem Waller zu verstehen ist. Warum sollen wir aber 
nicht, bis das Gegentheil bewiesen ist, den treuherzigen Versicherungen 
^jEistener's (V. 9 — 12), daß er manche Nacht durchwacht hätte, um die 
"R^Mnpg in Reime zu bringen, Glauben schenken? 

Zu y. 801 des Gengenb. und V. 884 Kistener's bemerke ich noch, 
da& die Sitte, im Mai an einen Brunnen zu ziehen, sich auch in andern 
nhd. Gedichten findet. So heißt es im Busant (Hagen's Gesammt- 
abent I, 356) V. 694 ff. 

Ein herzöge riebe 
da nähe bt mit büse saz, 
d& diu selbe müle was, 
der scboBne walt unde oucb daz lant, 
des site was alsd gewant, 
daz er üf den meigen tak 
YÜ gerne ob einem burnen lak 
mit YTCuwen ynd mit gesinde. 

h Thüringen soll sich diese Sitte noch bis in unsere Zeit erhalten 
kaben, ebenso im Taunus. 

Zum Schlüsse lasse ich nun das Frankf. Bruchstück folgen, und 
&ge die entsprechenden Stellen der Wolfenb. Hs. und der Bearbeitung 
^68 Pamphilus Gengenbach bei. 

Frankfurter Handschrift. 

(Blatt I*) 1 Wer dyn hie uyt wil begern 

Der muß unser auch yn bern 
I Da die bochgezit für gyng 

I Syn ampt er da wieder yn pbyng 

5 Er dyenete yn wol getruwelich 
Daß wol dar noch bewerte sich 
Be fbUea umb qwam daß Jar 
E)t6 Junge greffynne eyn kiut gebar 



58 



RICHAED WÜLCKER 



Daß waß eyn knabe mTneclich 

10 Deß herren son waß fi^adenrich 
Juog ynd alt wart syn gemeyt 
Na hatte der brader Tor geseit 
Also gedachte der gate 
Hejmelichen jn sTnein mate 

15 Got behate mjr myn sjime 
Daß ich daß nyt begTime 
Dar nach yber ynlang wart 
Si forent beißen eine ^art 
Also Iß wolde schicken sich 

20 Daß fngete got Ton hjmelrich 
Den guten fragete der graffe 
Da bist gewesen sa hoffe 

23 Wyt yn djnen dagen. 



Wolfenbüttler Handschrift 

1 Wer din hie nat welle gern (▼. 846) 

Der müs ynser oach enbem 

Do die hoch gezit er ging 

Er das alle zit ane ving 
5 £r dienete in wol getrawelich 

Daß bewerte dar noch sich 



Pamphilas Gengenbach. 

1 Wer dein nit well begeren (t. 763 
Der muß vnsers ho£b enberen 
Ynd do das hochzeit also zergieng 
Ein gewaltig ampt er emphieng 

5 Er dienet jn aber getrewlich 
Das dar nach wol befand sieh 



17 Das noch vber anlang wart 
Sfe furent beissen eine Tart 
Das es wolte schicken sich 

20 Dz wolte got von himelrich 
Do frote der gute den groffen 
Da bist gewesen zu hofe 
Wol in dinen dagen 



17 Do füren sie beissen ein fart 

Der bruder von dem herre gefiragei 

wardt 
Als es doch wolt schicken sich 

20 Do fAget got der minneglich 

Das den guten fraget der jong gtcA 
Da bist gewesen vyl ze hoff 
Sag ob da vtzit bj deinen tagen. 



Frankfurter Handschrift. 

(Blatt I**) (Hast)a je gebort sagen 
25 Er were groß ader kleyn 
Daß du wordest reyne 
Weß gudes daß kosten mochte 
M3rt willen ich iß vor brechte 
Junger herre laßent die rede syn 
30 Vor drußet uch myn 

So sal ich uch Ton hyunen gan 
Ich sal daß nyemant wißtn lan 
Er sprach ich meyn iß nyt also 
So rehte frnntlichen bat er jm da 
35 Daß er yn Ueß wyßen daß 
Wie ym zu bekfitende was 



zu KUNZ KI8TENER 



59 



Er sprach wiltu iß nit abe syn 

So muBtu dem kynde djn 

SDyden daß heabet abe 
40 Vnd mjr deß bladeß git 

Dyn fimcht so edele ist 

Wan du sie an mych strichende bist 

So werde ich reyne und wol gesont 

Vnd genese nff dirre stunt 
45 Ich yn wil syn nyt begem 

Ich bieden dich syn nyt zn g^wem. 



Wolfenbüttler Handschrift. 

24 Hasta ie gehört sagen (t. 859) 
Es wer groß oder klein 
Das da wurdest wieder rein 
Vnd was das kosten möhte 
Mit willen ich für brahte 
Janger her lant die rede sin 

90 VerdroBset ach do heime min 
So wil ich gerne Yon gon 
Ich sei das nieman wissen Ion 
Er sprach ich mein es nüt also 
So rehte frantlich bat er in do 

35 Das er in liesse wissen mere 
Wie ime zh helffen wer 
Er sprach wiltu es nüt absin 
So m&sta dem kinde din 
Schulden ab sin leben 

40 Vnd mir des blutes geben 
Die frvht so edel ist 
Wenne du mir des blütes gist 
Vnd das strich an mich zu stundt 
So wurde ich reine ynd gesunt 

45 Ich wil sin nut begem 

Ich bitte mich sin nut gewem 



Pamphilus Gengenbach. 

24 Oder je gehört habest sagen (v. 776) 
Es sy groß oder klein 
Das du wider wurdest rein 
Wie vyl das kosten mdcht 
Mit gutem willen jch das yolbr&cht 
Der bruder sprach herr lond die 

rede sein 

30 Verdrüsset ewer hie mein 
So wil ich gern von euch gon 
Vnd will es niemandt wissen Ion 
Er sprach nein jch mein es nit also 
Er bat yn gar früntlich do 

35 Das er jn liessi wissen das 
Wie jnl zu helffen was 
Er sprach wend jr sein nit enbem 
Ir wellent es wissen gern 
So müssent jr ewerem kind nemen sein 

l&ben 

40 Vnd müssent mir des blütes geben 
Vwer frucht hat so edel end 
Wan jr mir des blütes gend 
Vnd jch es streich an mich zu stundt 
So würd ich wider rein und gsundt 

45 Ich will sein aber nit begeren 
Ir sond mich auch des nit gewäm. 



Frankfurter Handschrift. 

(Blatt ir) 47 Deß herren son gedohte 

Wie er die truwe foln brechte 
Dar nach yn dem meye wart 
50 Geleit aber eyne vurne fart 

Die Junge greffynne gelüsten wart 
Vor die bürg zu eyme bume kalt 
Zu dem bome hin abe man drug 
Wyn vnd spise ginug 
55 Dar qwamen herren und frauwen '^l 
Sie driebent mancher bände spil 



60 



RICHARD WOLCKER 



Jederman ajn snnden dreip 
Deß herreD bod da heime bleip 
In allen warten er da nß 

60 Njemant bleip in dem hoA 
Wan er vnd der gnde man 
Den hieß er off die moren gan 
Daß er der borge hüte 
Yj\ gerne sprach der gnte 

65 Daß kynt and die ame da heyme bleip 
Dar noch er sie auch yn weg dreip 
Ejn drachte ich vor geßen habe 
Bälde amme drag iß hyn abe 
Sie sprach vor hndet ir deß kyndes mir. 



Wolfenbüttler Handschrift. 

47 Des heren sun gedohte (v. 882) 
Wie er die tmwe volle brohte 
Do noch in dem meygen wart 

50 Der junge groffe leit ein vart 
Yber einen bomen kalt 
Hin ab for die borg in ein walt 
Hin abe men vber der bargen trug 
Win and guter spisen genug 

55 Dar koment heren vnd fröwen vil 
Sie tribent maniger hande spil 
Jederman sin sanders treip 
Des heren sün do heim bleip 
In allen er warte as 

60 Nieman bleip off dem hos 
Wanne er and der gute man 
Den hies er äff die mare gan 
Das er der bärge hüte 
Vil gerne sprach der gute 

65 Die vnd das kint do heim bleip 
zu der ammen er do schreit 
Er sprach ein ding ich vergessen han 
Se balde vnd trage er hin nan 
Sie sprach wer hütet des kindes mir 



Pamphilas Gengenbach. 

47 Des herren san der gedacht (v. 799) 
Wie er die trew an jm volbracbt 
Do dar nach yn dem meyen wtidt 

50 Der jüngling leit ein mol ein fart 
Vber einen brannen kalt 
Von der barg jn den waldt 
Do hin man vber den bninnen trag 
Wein brot and rates genüg 

55 

Jederman do sein schimpff treib 
Der jang her do heim beleih 
Er wartet dem ho^esind aoß 

60 Niemandt beleih do yn dem hanß 
Wann er and der gute man 
Den hieß er aaff die maoren gan 
Das er der barg hate 
Vyl gern sprach der gute 

65 Die amme vnd das kind do heim be 

leib 
Dar nach er sie aach hinw&g treib 
Er sprach eins dinges jch vergesset 

hab 
Se amme vnd trag es hinab 
Sie sprach wer hütet des kindts mii 



Frankfurter Handschrift. 

(BlaU U^) 70 (Er) sprach wol ^yn ich haden dir 

Daß barg dor er ir noch besloß 
Syn leit syn jamer wart so gproß 
Daß ich ich iß kan nyt foUen sagen 
Er fant ligen in den dagen 



7S lob neh. 74 in der wagen. 



zu KUNZ KISTENER. 



61 



75 Sjn kynt daß gutlichen slieff 
So jamerlychen er got ane rief 
Wie we daß mynem herzen dut 
Sid ich doden myn eigen blnt 
Er knjewete vor die wage 

80 So grandelose dage 
Rejn man nye gehorte 
De er dem kynde dede 
Er sprach na wil ich snyden 
Er rieff an godes lyden 
Syn kynt vor ym wachen 



85 



Er sprach ich mag dyr nyt gedun 
Ach kynt myn lieber son 
Er sprach vnd want sich jemerlich 
90 Ich dodete lyeber selber selber mich 
Santo locob fater myn 
Gedenke daß ich dyn son byn 
Vnd hilph myr got er weychen 
Daß er da hude ein zeichen .... 



i 



Wolfenbüttler Handschrift. 

70 Er sprach wol hin ich hüte dir (v. 905) 
Das borg tor er ir nach besloß 
Sin leit sin jamer wart so groß 
Dz ich es nat kan vol sagcMi 
Er vant ligen in der wagen 

75 

SO So gronddoee klage 
Zu sime kinde er sprach 
We hat vnd iemer ach 
Mds ich dir die kele ab sniden 
Z& eren gottes liden 
S5 SiD kint Ton im erwachete 
So gütlich es in iMi lachete 
Er tpiaeh ich en mag dir nut getun 
Kint min lieber sun 
& Inraeh er want sich jemerlich 
A lieber idber mich 

min 
lin 



Pamphilus Gegenbach. 

70 Er sprach gang ich hüten dir(v. 820) 
Das bürg tbor er nach ir beschloß 
Sein leid vnd jamer das was groß 
Das jch es niemandt kan gesagen 
Er fand ligcn in der wagen 

75 Sein kind das so gütlichen schlieff 
Gar jämerlieh er got anrieff 
Sol ich nun tödten mein eigen blut 
Ach wie we das meinem hkrtzen thut 
Er kniewet nider für die wagen 

80 Kein man hört nie grösser klagen 
Noch got anruffen mit gcbät 
Ee das er dem kind den tod an thet 
Er sprach nun wil jch doch schniden 
ZA eren dem gottes liden 

85 Sein kind do vor jm erwachet 
Gar gutiglich es jn an lachet 
Er sprach jch mag dir neüt getan 
Kindt meins vnd auch lieber sün 
Ach todti vyl lieber selber mich 

90 Sprach er vnd wand sich j&merlich 
Er sprach sant Jacob lieber vatter mein 
Gedenk das jch dein sun bin 
Vnd hilff mir ernstlich bitten got 
Das er mir \\e\S ^\k& ^^^x n^x.. 



ItKlSHOLD KÖHLEK 



DAS ALTDEUTSCHE GEDICHT 'DEK BÜS| 
UND DAS ALTFEANZÖS ISCHE "L'ESCOUF 



Drts zuerst in Meyera und Mooyers Altdeutschen Diel 
S. 24 ff. und dnnn in von der Hagens Gesammtaben teuer 3 
herausgegebene Gedicht, welches in der Handschrift üben 
'DiB ist der busnnt', hat folgenden Inhalt: 

Ein Königsaolm von England lernt in Paris die 
Ktinigfi von Frankreich kennen und entführt sie, als sie geg 
Willen dem König von Marokko vermfthlt werden soll. Ala die ¥mk 
den in einen Wald gekommen sind, bittet die ermüdete Königstocbtl 
den Geliebten etwas zu raeten und den Knecht in die nächste St* 
um Herberge vorauszuschicken. 

Die schiene kiusche reine 

«ntsUef im in der »ckSze »in. 

da käte sie zwei vingerUa, 

diu Ko.'t' er beschouivet hdn: 

ein bäiant im daz eine nitm, 

dö er'z von der hentle Ite. 
Er läuft dem Bu8ant*J nach, um ihm den Ring wieder abxajag^ 
wobei er sich so verirrt, dati er sicli niuht wieder zur Köi 
zurückfindet. Die Verzwciäiing daiüber bringt ihn endlich voa Sinnen,! 
reißt sich seine Kleider vom Leihe und geht wie ein Thier auf ■" 
Vieren. — Inzwiachen war die Königstochter erwacht und wartete tut) 
vergeblich auf die Rückkehr des Geliebten. Sie ritt endlich 
vorüborflieUenden Wasser nach und kam so zu einer Mühle, wo si 
freundliche Aufnahme fand. Als sie ein Jahr lang in der Mühle geleb 
hatte, kam ein in dor Nahe wohnender Herzog, der Bruder d«a KOnig 
von England, mit amner Gemahlin und seinem Gesiud') 'Of den i 
tue zu dem schönen kühlen Brunnen unter einer wonnevollen lAxA 
bei der Mühle, um Mich da zu ergötzen. Die Herzogin sah die Küni| 
tochter und erkMiiite an ihrer hchönhoit, ihrem Betragen uu 
kunstvolleu Arbeiten — sie verfertigte aus Gold ondS) 
and Barten — daU »ie von edler Gab""* '■> n 

*| Buiiani, Snaiiart, HiiMard, lU. lin 
Qriaiui und Wniglloit iinlT Uuaibkrt iiitil 1 



DER BUS4NT" UND L'ESCOUFLE'. 



m 



den Falken . 



mit auf ihre Burg Engelatein. Dort blieb die Königstocbter unter den 
JimgfraueD der Herzogin, aber kein Mensch sab sie je fröhlich. Da 
I fitngeo einea Tages Jäger den Herzogs im Walde einen an Leib, Armen 
L und Beinen mit spannenlangen Haaren bedeckten, auf allen Vieren 
Bgebeiiden wilden Mann. Der Herzog nahm an, dali der Mann nicht 
Itod Art wild sei und diircb gute Pflege nieder hergestellt werden 
Üone, and ließ lim deshalb baden und scheeren und so aorgfnltig 
l^cgeo, daU er nach sechs Wochen wieder zu Sinnen kam und reiten 
id geben konnte. 80 wieder hergestellt, sab er eines Tagea einen 
MD aaf einer Stange und sagte auf Befragen, dali er der Falken- 
kundig sei, worauf ihn der Herzog mit vieren seiner Leute f 
Jagd reiten Hell, Bald sieht er einen Bnsant, auf den er den Falken 
Ullt. Als der Falke den Buaant zu Tod gestolien, 
der juvge herre niht enliez, 
dem hilaaiit er daz koubet abe beiz, 
hnl unde vleisck er im abe reiz, 
gebein imd daz gtvidert 
daz warf er von im nidere. 
bon glaubten die Begleiter, der Jüngling wolle wieder wild werden, 
äT er beruhigte sich und ritt, nachdem er noch eine wilde Ente für 
1 Herzog gebeizt hatte, nach der Burg zurück. Seine Begleiter er- 
ilten dem Herzog das Vorgefallene, und als dieser den Jüngling 
{te, warum er den Busant so jämmerlich zerrissen habe, erzühlte 
' ihm, wie er durch einen Busant um seine Geliebte, die Königs- 
kter von Frankreich, gekommen, und daß er der Königssohn von 
jid sei. Die Königstochter, die Alles mit angehört, springt hervor, 
i getrennten Liebenden sind wieder vereint, und mit Bewilligung der 
fch Bolen herbeigeholten, über das Wiederfinden ihrer verlorenen 
ider glüfklicben Altern findet bald die Vermählung statt. 

Ganz Ahnliches erzählt das französische Gedicht rßauoullc', wel- 

Wfbes in einer wahrscheinlich dem 1^. Jahrhundert angehörenden Hand- 

b^ft erhalten und noch ungedruckt ist, von dem aber der ein paar 

Mihro (1852) nach Erscheinen des Gesaromtabenteuers herausgekommene 

!!. Band der Histoire litteiaire de la France, S. 807 — 817, einen Auszug 

> nbr^cht hat. Mach diesem Gedicht, dessen erster Theil, die Geschichte 

W Helden, uns hier nichts angeht, entfuhrt Gaillaume, der 

1 Richard von Monstier-Viler (Montivilliers) in der Nor- 

n die Kaisertochter Aelis. Auf dem Wege nach der 

die Liebenden in einem Watde in det ^■SÄ\ft 'jo'ft. "^n-oN. 

fßaoblafoa, uod Guillaume bettacbV«! räv* Vq^i'^-w^ 




64 REINHOLD KÖHLER DER BÜSANT UND 'LTESOOUFLfi*. 

Tasche (aumoni^re) , welche Aelis ihm geschenkt hmt, als ein We3 

(escoofle) diese Tasche erfasst und mit ihr fortfliegt Gvillainne Ui 

dem Raabvogel nach and findet sich nicht wieder zorück. Adis mc 

ihn vergeblich — aach in der Normandie — and läßt Bich soletit 

Montpellier nieder, wo sie kunstvolle Arbeiten aas Goldfaden i 

Seide verfertigt and sich zahlreiche vornehme Kandscfaaft erwirb^ A 

anter endlich auch die Grafin von Saint-Gilles. Inzwischen hatte aa 

Ghiillaame die verlorene Geliebte unablässig gesucht und war flchb 

lieh ebenfalls nach Saint-Gilles gekommen. Auf einer Falkenjagd, < 

er mitmacht, greift der Falke einen Weihen an, beide Vogel kftmpi 

heftig und fallen miteinander zor Erde. Da packt Gaillaame i 

Weihen und reißt ihm das Herz aus dem Leibe and verschlingt 

dann macht er ein Feuer an und wirft stückweise den zerrissen 

Vogel hinein. Der Graf von Saint-Gilles h5rt davon und l&ßt Guillaoi 

zu sich rufen ; der erzählt ihm seine Geschichte, Aelis ist dabei g^ 

wärtig, und die Erkennung und Wiedervereinigung der Liebend 

erfolgt 

Es ist mir nicht bekannt, daß bisher irgendwo auf die Ubere 

Stimmung beider Gedichte aufmerksam gemacht worden ist Anlaß di 

hätte neuerdings, wäre ihm das französische Gedicht bekannt gewesi 

Freiherr von Tettau gehabt, der in seiner Schrift 'Über einige bis j€ 

unbekannte Erfurter Drucke aus dem 15. Jahrhundert. Ein Beitrag i 

Bibliographie der älteren deutschen Literatur und zur vergleichend 

Sagenkunde', Erfurt 1870, (Separatabdruck aus den Abhandlongwi < 

k. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zn Erfurt) bei Gelege 

heit des Erfurter Druckes des Meistergesanges vom Grafen von Savn 

das arabische Märchen vom Prinzen Kamaralsaman und der Primeti 

Badur, das Gedicht vom Busant und die Geschichte der schöo 

Magelone und ihre Beziehungen zu einander und zum ^Grafen v 

Savoien, zur ^guten Frau' und zum ^Sir Isambrace' bespricht^). 
WEIMAB, October 1871. REINHOLD KÖHLEB. 



*) Herrn von Tettan sind leider dabei auch unbekannt geblieben daf von A) 
sandro D*Ancona herausgegebene italienische Seitenstück zur Magelone 'La Stooa 
Ottinello e Giulia* (Poemetto popolare in ottava rima, riprodotto sulle antiche stam 
Bologna 1867) und des Crestien von Troies 'Contes del roi Goillanme d'Engleter 
Die Übereinstimmniig letzterer Dichtung mit der guten Frau, mit 'Sir Isambrace* i 
mit dem Grafen Ton Savoien* und in gewissen Einzelheiten mit andern Dichtungen, d 
unter mit dem Märchen rem l'rinzen Kamaralsaman, mit dem Busant und mit der Ma 
lone, hat bereits Holland in seinem Crestien von Troies' (Tübingen 1854), S. 77— 
nachgewiesen. 



k. J. SCHRÖER, ZUR HELDENSAGE. B5 

ZUR HELDENSAGE. 

Wenn die von mir Germania XIV; 329 ff. mitgetheilte Ballade von 
r Schönen am Meere die Hoffnung zu beleben geeignet ist*), in den 
itscben Ländern Österreichs noch weitere Spuren von dem einstigen 
ben der Heldendichtung aufzufinden, so dürfen wir auch Kleinigkeiten 
ht gering achten. Ich theile solche Kleinigkeiten in dem Nachfolgen - 
1 mit, wie sie gelegentlich sich mir dargeboten haben. 

I. Steirische Namen aus der Heldensage. 

In dem Programme von 1867 tles Gymnasiums zu Marburop in 
Steiermark hat R. Reichel einen Aufs^itz mitgetheilt: die deutschen 
schlechtsnamen mit besonderer Kucksiebt auf Marburger Namen , 
1 ich. in der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1868 besprochen habe, 
t der Aufforderung an den rührigen Verf., uns mit einem Marburger 
menbüchlein zu erfreuen. Das Programm von 1869 brachte nun von 
n germanistische Kleinigkeiten und das von 1870 ein Marburger 
^menbüchlein ; beide Mittheilungen enthalten manches Beachtenswerthe, 
»von ich Einiges hervorheben will. 

In dem ersteren, Germanistische Kleinigkeiten Oberschriebenen, 
ifsatze theilt R. erstens als Zeugnisse zur Heldensage aus steirischen 
rkunden einen Beitrag zu Weinholds „über den Anthcil Steiermark^ 
I der deutschen Dichtung^ (Vortrag, gehalten in der feierl. Sitzung 
r kais. Akad. vom 30. Mai 1860) mit. E» sind nur solche Zeugnisse, 
e bei Weinhold nicht angeführt werden, ich stelle sie hier kurz 
Mammen^ nur mit Angabe des Jahres ihres Vorkommens, und ver- 
eise in Bezug auf die Angabe des Fundortes auf den Aufsatz selbst. 

Alberich, Graf, im Admontthal 931. — Albricua, Pfarrer , 1248. 
868. — Anielrich von Pettau, 1363. — Piterolf, 1211. Ottl Pürolf, 
H7. — Dietrich Ferner vom Schachen, 1502. — Fasold civis de Juden- 
orcb, 1257. Vasold von Lembach, 1298. Christoph VasoÜ, 1493. Vtuold 
iLietzen, 1868. — Fruto^ Pfarrer in Dechantskirchen, 1187. — Hagen 
Vol^pmg, Amtmann in der Cappel, 1466. — Hawart von Inn, 1187. — 
hrdegen von Pettau, 1354. Herdegen, 1341. — Herwik von Hetzendorf 
i187; von Kapfenberg, 1210; von Gösting, 1214; von Krottendorf, 
1216. — Heteldorfj 1186. — Ikunc, 1177. 1186. 1225. 1231/32. — 

*) D. h. bei denen natarlicli-nicht, die in der Zeitschrift fnr dentsche Philologip 
11I| 184 durch H. Rückert so treffend bczoicbnct und in der llint vorhanden: s. Kndruti 
^M(?. TOD Enut Martin Seite L f., wo die Widerlejnnig: iiuiiier Annahme von Uu- 
pQniQigkeiten gersdezu nimnieJt.' 
t'ÜUUMA. Neue Reihe. V. (1 VIl.j Jubr,;. O 



66 K. J. SCHBÖER 

Irinc, Vicedom der untern Steiermark, 1288. — Irnfried von HimI 
1230. — Nvdungus, Frater in Mellnicb, 1285. — Bamung, 135& 1^ 
1426. 1427. — Budeger, 1163. — SuanahiÜ, 923. 924. — Volker, PI 
in FraOlau, 1292. — Wäant in Admont, 1184. 

Aus dem höfischen Sagenkreis : Oamaret von Silberberg, 1436- 
Parzifal, 1483. — Wigahis von Stein , 1366; Wigeleus von Sl 
1433; WiguUus Vellenbrunner, 1501. 

Der Name ist bekanntlich auch in die Gudrun eingedrungen, ahja 
Wigäleis; Hetels Vasall. Ich lege besondem Werth auf die Namen vm-- 
der Gudrun in Steiermark, als Spuren, die auf die örtliche Heinil 
dieser Dichtung hinweisen, wobei ich einer Bemerkung Rückerts eii- 
gedenk bin in der Zeitschr. für deutsche Philologie HI, 184. 

II. Herrant und Horant 
Zur Gudrun macht R. eine Bemerkung, die ich doch noch Imi^ 
vorheben will. Zingerle bemerkt Germania VI, 253, daß in der HemUSb 
der bair. Seegelände das Seerosenblatt eine bedeutende Rolle spide» 
was an das Wappen auf der blauen Fahne Herwigs von Seeland er* 
innert (sebleter swebent dar inne Gudr. 1373). Grimm GDS. 471/B79 
Ceind in Herwigs Wappen die s jeben Seeblätter der Friesen.*) WejB 
die Gudrun nun in der Steieimark ihre jetzige Gestalt erbalten hal^ 
so meint R., sei zu erinnern, daß das steirische Geschlecht der Wii- 
donier das Seerosenblatt im Schilde führt Vielleicht zeigt das Seerosea- 
blatt den Weg, auf welchem die Sage eingewandert ist Die Namei 
Fruote, Herwic und Heiel in Heteldorff die in Steiermark schon ia 
12. Jahrhundert vorkommen, lassen die Gndrunsage da heimisch e^ 
scheinen. R. erinnert an den Dichter Herrant von Wildon und fragt: 
„stand der Dichter der Küdrün in irgend einer Beziehung bu dieses 
Geschlechte ?^ — Wenn hier der Vermuthung Raum gegeben wordei 
soll, daß jener Dichter Herrand, der Zeitgenosse und Bekannte Ulricki 
von Liechtenstein, der Verfasser der Gudrun sein könnte, so mocUi 
ich dem nicht beistimmen. In der Erzählung von dem ilbelen wSbe, die 
man wohl ehedem ihm zuschrieb, zeigt sich Bekanntschaft mit darl 
Heldensage, mit Asprian, Wittich, Dietrich, Walther und HUdgond;' 
daß er aber mit keinem Namen Beziehung zur Gudrun verräth| spriflhi 
doch stark gegen obige Annahme, wenn jenes Gedicht auch von Herriit 
wäre; dann liegt der Kreis, aus denen er seine übrigen Erzählongoi 
holt, 80 weit ab von einem hehren Stoffe wie die Gudrunaage iat^ dal 
sich daran wohl nicht denken lässt! — Aber einen anderen OedankM 



^ Dieselbeü fnesischen Seeblätter (Ühreu dL<) Heinuumstädter in SiebMiblligV 



ZUR HELDENSAGE. 67 

1^ die Bemerkung R's. au. Herrants e igener Name J£t Ja^in Zeugniss 
tir die Gudrong age! 

' Die Namensform Herrard erscheint in den Jahren 888. 927. 1060 

a. 8. w. Förstemann P. N. 630. So noch im 11. Jahrh. ein Herrantis- 

ptrtk O. N. 233. In ReioheU Marburger Namenbüchlein findet sich ein 

Hierrant aus einer Urkunde von 1189; kein Horant, was ja überhaupt 

keine richtige Form ist Grimm nimmt an für nord. Hiarrandi, ags. 

Hßorrendoy ahd. Herranto bei Haupt II, 4. Im bairischen Sprachgebiet 

seheint Herrant die in älterer Zeit gewöhnlichere Form; erst aus dem 

14. Jahrh. weist Zingerle Germ. I, 293 aus Tirol zweimal Horand nach. 

J. Grimm verweist auf die bei Mone Heldensage S. 59 gesammelten 

Herrant und Horant, welche Schrift ich leider nicht zur Hand habe. 

Die Dichter haben freilich Iloraid, W. Grimm Heldensage 331. Bartsch 

Kolmarer Handschr. 28; 24 ; nur ein alter Druck des Morolf hat Herant 

Heldensage a. a. O« Die durch den Gebrauch des Namens im Gudrun- 

liede selbst geforderte Länge der ersten Silbe, die die Herausgeber 

nöthigt ein unorganisches ö ftir o anzunehmen, möchte die Annahme 

b^&Dstigen, daß das Lied ursprunglich Herrant hatte; durch welchen 

tjofluß dann die andere Form eindrang, ist freilich schwer zu errathen. 

Als ob eine hochdeutsche Gudrunsage, in der Horant noch Herrant 

(Chautrun yielleicht noch Kuntrün) hieß, erst gegen Ende des 12. Jalir- 

liunderta durch eine nordische Quelle umgestaltet worden wäre. — In 

öogam erscheint ein Magister Herrandu4t 1268 Fej6r cod. dipl. IV, 3. 

437 und anno 879 einmal: Herront a. a. O. VII, 1. 81. 

Herr ant von Wildon hätte demnach selbst seinen Namen erhalten von 
g jnem V erehrer der Gudrunsage, vielleicht des Gudrunliedes, das obne- 
tiin Tor Herrants Zeit gedichtet und umgedichtet ist. Er konnte nicht 
der Dichter sein, kaum sein Vater konnte es sein; wenn es überhaupt 
ein Wildonier war, mindestens sein Großvater. Daß der Enkel gerade 
ganz anderen, modernen Stoffen sich zuwendet, ja gerade von dem 
Werke des Großvaters nichts wissen will, kommt schon vorl — Zwei 
beachtenswerthe Thatsachen bleiben immer zurück, wenn wir den aben- 
teoerlichen Sprung auf Herrants Großvater ganz bei Seite lassen: in 
der Steiermark ward in dem Geschlecht, das das Wappenzeichen führte, 
das dem hervorragenden Helden der Gudrun Herwig beigelegt wird, 
ein Elnabe Herrant, d. i. Horand, getauft, nach dem berühmtesten 
Helden der Gudrun. Und der Knabe erwuchs zum Dichter, wohl in 
einer Familie, in der dazu Anregung gegeben wurde. 

Die Gudrunsage muß aber — ob in Liedform oder nicht — in der 

Steiermark schon vor den achtziger Jahren dea VI. 5a\\x\v\xv5ÄÄ\\Ä\i^- 

- "" *^-*» ■ 



es K- ^' SCHRÖER 

kannt gewesen sein. Es ist doch zu aaf&llend, daß, wie wir oW| 
unter Nr. I gesehen haben, gerade 1187 ein Fructo und ein Tffrwt 
auftreten, und 1186 sogar ein Heteldorf^ genannt wird, das weün 
nicht Torkommt and wohl nur durch die Laune eines Verehrers dieioj 
Dichtung so genannt und dann wieder eingegangen ist 

ni. Zur Äbfassivngsseit der Gudrun. 

Hier ist es wohl am Platse, einen Beweis Schr öder s g^en eis 
höheres Älter unseres Gudrunliedes als 1198 zu besprechen. Derselbe 
fahrt aus in seinem anziehenden Aufsätze: corpus juris germanici poCft 
cum (Zeitschr. für deutsche Philologie I, 260), bei der in dem Lkdi 
Horant angewiesenen Stellung habe dem Dichter das Verhftltniss da 
Königs von Böhmen vorgeschwebt Horant ist König, Gudrun 206: 
er ist Schenk y als Herr in Danemark , wie der König von Bdhmea 
Nun, meint Schr/)der, sei dauernd das Recht auf den Königstitd etä 
1198 an Böhmen gelangt, „von dem bloß persönlich berechtiglei 
Wladislaw kann fnglich abgesehen werden.'' Begreift man nun sdioi 
nichty warum von dieser Belohnung Wladislaws durch Ejüser RotiilM 
abgesehen werden kann, der doch die Krone gerade so pers5nlid 
erhielt wie Horant, so ist ja auch s chon Wra tisUw J\ xrf\rt y^i^ 
Heinrich_lV 1086 für seine n Beist and ir q Krieg e mi t der Koni^krMi 
belohnt worden. Auf beide paßt genau, was in der Gudrun von Honui 
gesagt ist: ,der verdiende an dem künige, daz er im der krdne wo 
ze tragene gunde : er gap sie dem beide ze löne.* — Wenn daher, wii 
ich wohl glaube, dem steirischen Dichter der Gudrun in Bezug auf dii 
Stellung Horands zu Hetel die des Herzogs von Böhmen zum KaiM 
vorschwebte, indem der böhmische Fürst — dieß schon im Jahre II 14 — 
das Sclionkcnanit heim Kaiser verwaltet, wie Horant bei Hetd, lai 
indem Horant für geleistete Kriegsdienste mit dem Königstitel beldal 
^ird wie Wratislaw II und Wladislaw II mit dem Konigstitel beloU 
werden, so haben wir hier anzunehmen, daß der Dichter eine Thil' 
sacbe vor Augen hatte, die einmal schon, 1086, eingetreten war iiimI 
in einer dem Dichter nahe stehenden Zeit — 1158 — 1 173 — sich wieder 
holte. 1>ieser Zeitraum der Regierung des Königs Wladislaw 11 stdit 
sehr nahe dem Auftauchen des Ortsnamens ifef^Morf (1186) oben nnttf 
Nr. I. Die Namen Fruoto und Herwig (1187) müssen freilich mindestsu 
20 Jahre noch früher gegeben sein. 

IV. Die Balladen von der wiedergefundenen Schwester 

vom Blaubart, UJinger etc. berühren sich mit der Gudrun , wie id 

bon in einem Programm -Aufsätze (^Beitrag ixvt '4\^>\!koVi^^^'^T%5&s« 



ZtU HKLDKNSAr.F 

i) S. 14 licintrkte. Frau Hilde sendet Boten an Ortwin, den Bruddr 
^raubten Gudrun, unt ihn aufzufordern zu einer Herfahrt, um sie 
heim zu holen (Gudrnn Str. 109*!). Der Bruder befand aieh 
ide auf der Falkenjagd, als die Boten kami?ii. Indem er die Bol 
ickl. «n-Sth er die Absiclit, und Str. 1098: die vnlken Hex er 
I dd reit er bitlde daii . ila er in kurzf.n zi-leit triieben mtiol yi 
■timint fast wörtlich ku der Ballade vom Uliuger bei übland 
«!. I, 145, wo der Bruder der Geraubten über den Hof reitet. 
er Schweater Stimme zu vernehmen glaubt, wo es dann heilJt: 
^ß teiiu! fnUzmi fitegen, er ließ seine unnäe gtiehen, er uUet 
I tvo einem ßnst«m waUle. Diese Ubereinittimmung fand sehi 
nd Schriften IV, S. 59, wo nofli weiteres nachzulesen ist. 

Näher noch an die Gudrunsage stieift die Fasauni; der Ballac 
Hoffinann sthles. Volkslieder S 29, Nr. 14, w.i ein Ritter iibi 
ßbein reitet und bei einer Schenkwirtbin einkelii-t. Er fragt; v 
euer Töchterlein, oder ist's ein gemietbetes Mädelein? 
i nicht mein Töchterlein, es ist ein gemietlietea Alädelein. 
Ritter haut der Frau Sclienkwirthin das Haupt ab, und 
Scblali: 14. Fiau Schenkwirthin, da hast du deinen Lohn, da] 
Deine Schwester hast groli gezogen, IG. Die alte Konigin üboi 
es wird die herzliebate Mutter sein, 17. Der junge Prinj 
I über dem Rhein, es wird der berzliebste Bruder sein. 
Der Bruder holt die geraubte, als Magd behandel 
wester zur Mutter heim. Eine weniger beksnnte Fassung Ii 
Ballade im Siebenburgischen. Schuster siebenbUrg. Volkslied! 

•) 

Es saü ein Mädchen unter dem Schleier, und näht mit gelber, 

grüner Seide. 

Ea ritten zween Bitter auf und ab, und stoUen dem Mädchen 

den Schleier ab. 

Ach Mutter, geliebte Mutter mein, was soll daü doch mit mir sein? 

Ea reiten zween Ritter auf und ab, und stoßen mir den Schleier ab. 

Ach Tochter, geliebte Tochter mein, das sind nicht Ritter, das 
^innd Freier. 

■ düs Wort k.ium ausgeredet, so traten die Freier zur Thiir 



sich I 

Botem^^H 

bland 1 




■ trinken ruthtn Wc 



M 



70 K. J. SCHBÖEB 

8. Wir sind nicht essens wegen da, wir sind eurer Tochter weg« 
kommen* 

9. Wolh ihr nns sie geben mit gutem Wort, sonst nehmen wir euck 
sie mit Gewalt. 

10. Sie schlugen ihren Vater steintodt, sie ersäuften ihre Mutter Ol 
Blute roth. 

11. Sie ergriffen die Schönste an der Hand, und f&hrten sie aus ihm 
Vaters Land. 

12. Sie führten sie aus ihres Vaters Land, bis in das Rosenlant 

13. Da sie nun heim kamen, und ihre Mutter ihnen entgegen ku. 

14. Ach Sohn, geliebter Sohn mein, wo habt ihr diese Schone be> 
kommen? 

15. Wir haben sie bekommen mit blutigem Schwert, ihr sollt sie haltai 
in Ehren werth. 

16. (Als sie aber Hochzeit gehalten, mussten sie auch ein Leichen' 
begangniss mitmachen.) *) 

Alle diese nicht ganz verständlichen Balladen sind miteinandsi 
verwandt; sie werden nur verständlich als Entstelinngei 
jenes Theils der Gudrunsage, und diese läßt sich aus ihnen gm 
herstellen, indem jede einen Splitter vom Echten eigenthumlich bewahr 
hat — Wo das Meer bekannt ist, wie in Schleswig und in Gottsdiee 
kommen zween Schiffer fiber das Meer, der Bruder und derSehwagei 
der Geraubten, die sie finden und heim holen, dieß ist zu erkennen ii 
der Ballade bei Uhland 127 und in der von der Schönen am Meer ii 
Gottschee (s. Germania 14, 330). 

In dem schlesischen Liede, das ich vorhin anführte, kommt Ein 
Ritter geritten über den Rhein. Hier ist aber der Zug erhalten, diB 
die Gefundene als Lohndirne gehalten ¥rird, daß die Frau, bei der 
sie ist, enthauptet wird, wie Gerlind, und daß am Schluß der Ritter 
sich als Prinz und Bruder entpuppt und „die alte Königin üben 
Rhein, es wird die herzliebste Mutter sein !^ Die siebenbQrgische Fai- 
sung dieses Liedes bat einige Züge, die wieder zur Gudrun stimme 

In der Gottscheer Ballade scheint die übermuthige That GhidronSt 
wie sie die Wäsche in's Meer wirft, noch durchzuschimmern in des 
Worten: sie nahm ein leinen Tuch in die Hand. Mit leinen Tuch übe^ 
setzte ich das im Texte stehende hüderle, so nennt die Gottscheewerin 
das leinene Tüchlein, das sie auf dem Kopfe trägt Im siebenbürgischen 
Liede wurde es zum Schleier (schlämtche). Man begreift nicht, wanm 

*) 8o rentebe ich irenigstens den Text. 



ZUK HELDENSAGE. 71 

die Ritter ihr ihn herabstoßen. Die ganze Beziehung ist verdunkelt. 
Aber hier erscheinen doch wieder zween Ritter, zween Freier, 
sowie in dem schleswi^chen Liede zween Schiffer, im gottscheewi- 
tcben zween junge Herren, in der Gudrun der Bruder Ortwin und 
der Freier Herwic. Verdunkelt ist hier das Verhältniss der Wieder- 
l^efiindenen, das in der schlesischen Ballade deutlich ist, daß sie als 
Lohndime behandelt wird, also nicht bei ihren Eltern ist Die Leute, 
bri denen sie ist, erscheinen als ihre Eltern, und werden beide, man 
we!ß nun nicht warum, erschlagen wie Ludwig und Gerlind; das Mädchen 
wird aber in*8 Rosenland geführt, wo die Mutter ihnen entgegenkömmt 
— daß es die Mutter des Mädchens ebensowohl wie des Einen der Be- 

1 Sreicr ist, wird nicht mehr gefühlt. — In dem Rosenland kann eine 

L Erinnernng an den Rosengarten aus «indem Heldensagen durchschimmern, 
jinleBfiills ist mit einem solchen Kamen kein Seeräuberland gemeint. 

! Das Madchen kömmt in das Paradies ihrer Heimat zurnck. 

Die Verwandtschaft dieser Variationen Einer unverständlichen 
Ballade von einer wiedergefundenen Königstochter, die zween Ritter, 
der Bruder und Geliebte, heimholen, ist unleugbar, und daß dieß der 
Kern ist, der mehr oder weniger durchschimmert, gleichfalls. Soll nun 
das wörtliche Anklingen an den Text der Gudrun in dem Gott- 
lebeewerliede beim Gruss,*) in der verwandten Ballade bei Uhland I, 
U5**), zusammengehalten mit der Übereinstimmung) des Inhalts, soll 
das Alles reiner Zufistll sein? 

,^V. Etzelburc, Ezelen burc. 

Mfillenhoff hat ganz richtig bei Haupt 12, .433 f, mit Hinweis 
anf den Anonymus Belsc notarius und auf Keza bemerkt, daß unter 
Etxellrarc im Nibelungenlied nur Altofen gemeint sein kann. Ausführ- 
lich hat darüber schon ein ungrischer Schriftsteller gehandelt, nämlich 
8teph. Horväth in der Schrift: Pest szabad kirälyi vdrosnak regi Ofen 
nimet nev^rSl. Pesten 1810 (von der königl. Freistadt Pest altem deut- 
•chem Namen: Ofen). 

Die altem Urkunden kennen kein Etzelenburc, ich finde bei 
Prjer erst 1427 einmal: Etzelburg X, 8. 609. — Im 12. Jahrhundert 
erMhemt: das Ufer von Pest (1148 portus de Pest), im 13. Jahrb. urls 
Buda (1248), aber weder ein Ofm noch ein Etzelburc. 

♦) guolen morgen — tcM dm meiden tiw-e Kudr. 1220, 1—4: viel gut« morgen 
itbe ich wenig! Ballade I, 9. 12; auch 1294, 3: ich hin ein armhi uresche mit (Gott- 
•cheewer Ballade 1, 16): ich pin ja deu hinitL Lcuchorin! 

•♦; </nr viMm Iteat er vüegen Kudr. 1098. — et \\et> ^\t Yiälwi «\^^\i. 



72 K. J. SCHRÖER 

Pest scheint schon in vorungrischer Zeit gegründet, der Name 
bezeichnet in bulgarischer Sprache Ealköf^n, die sich damals an der 
Stelle von Pest befanden. Vgl. übrigens Miklosich slav. Elemente im 
Madjarischen 5^0. Das Wort pest i^t in der Bedeutung Ofen auch in't 
Madjarische übergegangen. Ofen ist demnach der deutsche Name 
von Pest. Das alte Pest lag am linken Donauufer und am rechten 
erhob sich ein Kleinpest oder Neupest Dieß alles wird ausf&hrlidi 
und überzeugend bereits nachgewiesen in der genannten Schrift. Dieses 
Neupest stieß nun zusammen mit einer benachbarten Ortschaft, die aai 
den Trümmern des röm. Acincum entstanden war. Die TorgefimdeDen 
Trümmer von Acincum mögen die von der Etzelssage erfüllten deut- 
schen Einwanderer veranlasst haben, dieselben fTir die einstige Bui^ 
Etzels zu halten und so zu nennen. Merkwürdig ist nun, daß die Mad- 
jaren Etzeleuburg Oubuda"*^) (d. i. O-Buda ^^ Alt-Buda) nannten, wie 
Ofen heute noch madjarisch Buda (slovakisch Budjn) heißt« Der Name 
soll von Attilas Bruder Buda stammen, den die Geschichte Bledas 
nennt Die unvolksmäßige, der Romulussage nachgebildete Erzfthlang 
des Keza hat Mnllenhoff bei Hnupt X, 433 mitgetheilt **) 

Etzelhurg hieß madjar. Ö-Buda = Alt-Buda, seitdem gegenübei 
von Pest ein Klein-Pest entstanden war, das bald auch madjarisdi 
Buda genannt ward, weil es wie Buda auf dem jenseitigen Stromofei 
lag. Diesem neuen Buda gegenüber war Etzelburg für die Madjaren 
Alt-Buda. Bei den Deutschen erhielt Klein-Pest den Namen Klein Ofen, 
denn Pest bedeutet Ofen und dieser Name dehnte sich dann irrthiimlicb 
auch auf Etzelburg aus, das nun dem madjarischen O-Buda entspre- 
chend: Alt-Ofen heißt; ursprünglich hieß Pest Alt-Ofen. 

Ofen ist eine deutsche Stadt, wie auch Pest Das deutschgeschriebene 
Ofner Stadtrecht***) aus der Zeit König Sigmunds (1389—1437) ge- 
braucht für Pest noch den Ausdruck Alt-Ofen, nennt aber Alt-0£Bi 
Etzelburg z. B. S. 121 : „wie nimcmt gar fremde wein sol leit geben* Item 
di von Cronfeä (davon später) und von St. Trinitat, di von Vibet« woi 
die von aüen Ofen ienhalben der Tonaw — seint genant in den priefen 
von der fremder wein wegen, daz sie di nicht sullen vorkaufen noch 
leid geben, pei der nechsten puez. Eczelpurgei* des gleich unter unaert 
gnädigen kunigs Sigmunt, zu der zeit kunig zu Ungern, insegil ver- 



*) Njich Keza c. 3 ; hingegen bei Anonymus Belie not. t : Buduuar {y^lt = bnrf. 

**) Heinr. von Mogelin variiert die Enählnug so : do der bof (kunig Esels) n 

ging, do Koch her kein Painionia. da het des knniges Etzels bruder Buda ein stat ge- 

hunet iinfl het <li stat nach i>ineni nanien genennot. das miict den knnig Ktzel gar sOre 

***J Ausg. von Mjchnay und IilcbiieT, PieaVjui^ \^^. 



ZIIR HELDENSAGE 73 . 

wUkürt and verpetscliaft und verprioft. di Eczel pi(/i'gei' haben sich aelbs 
iwnderlieh vorpriefi von wegen der fremden wein, daz si die seibin 
nicht enturren verkaufen. ** lu dem dem Ofner Stadtrecht voranstehen* 
den alten Register S. 14 heißt es aber: „von der Kranfelder — der 
Alien ofner enhalb der Taenaw — weinrechten ; item von der Zelburger 
wdnrechten.' Hier heißt demnach der Etzelburger: Zelburger. — Offen- 
W war der populäre Name Etzelburg, wenn auch in den königlichen 
Kanzleien dafUr der ungrische Name Buda galt. Ungefähr bezeugt 
dieli Alles auch NicoL Olahus"*) (geb. 1493 f 1568), indem er sagt: 
„Hnngari eam arcem et urhem etiam in praesentia Budam, Teutones 
Tero nunc Eczelburg i. e. arcem Atila^. nunc a furnis calcis quse olim 
ex lapidibus illic coquebantur, Ofen vocant^ 

VI. Das Kriemhildenfeld bei Etzelburpj. 

Simon K6za erzählt bekanntlich, nacli Attilas Tode habe ein 
Streit stattgefunden zwischen zwei Söhnen Attilas, einem Sohne von 
der griechischen Königstochter und einem Sohne Kriemhildens. Diet- 
rich steht letzterem bei und verhilft ihm zum Siege: „istuJ enim est 
proelium quod Huni proelium Cru mhelt u*«que adhuc nominantes voca- 
vemnt^ Heinrich von Mogelin erzählt so: „dö teilte her Diterich von 
Berae di iliinen in zwei teile mit sinir list. ouch teilten si sich selber. 
Wenne kernig Etzel hatte zwene sone. der erste der htz Ketoe und 
was von des konigis taclitir von Krichin. der andir hiz Aladrius und 
was frown Crimheldm son (al. Krimilten sun), die was des herzogin 
achter von Burgundia eic. etc." Weiter heißt es dann: ^daz von hern 
Diterichs röte di zwene bnider mit enandir striten daz also vil volkis 
dinlagin wart — daz di Time (al. Tunaw) fldz mit blute so kreftic- 
liclien fuiif/.en tage von Sicambria bis kcgin Potentiana, daz wedir 
mensche noch t!r daz wazzir mochtin getrinkcn. denselben strit nennen 
di Hungir frmcen CrimheÜen sti'it,^ Im cronicon Posoniense ♦*) S. 18 
erscheint diese Angabe entstellt: „istud est illud prelium quod Hungari 
Bemheled prelium vocant usque in diem istum.^ — Das bei Et/.elburg, 
WD Fuße des jetzigen Blocksberges geleirene Kranfeld oder Kronfeld, 
>lu wir oben kennen lernten, zu dem das Ofner Stadtrecht noch die 
Lesarten Kreinfeid, Kreent'eld, Kelenfelde, Kleenfeuld bietet, soll das 
Schkchtfeid jener Kriemhildcnsclilacht sein s. Ofner Stadtr. S. 290 f 
In Urkunden heißt dw kleine Ort: KtlenfM und KelenfeuU, und zwar 



*; Ausgabt- vun 170;; 8. 162. 
**) 9d. ToUy. BiidsB 186'J. 



74 K. ■'■ SPHRrtEF, Zm HELDRNSAfiE. 

m I26<» und I2fll bei Fej^r 9. 7- 706 und 4, 3. 498. öOO. SiÄttr' 
Bchrieb man Kelerefnld und der Name pilt für niadjaris«h, "nd kwwI 
bia auf die arpadisohen Zelten zurückgebend. ' 

Wie dem inirner sei, die SaE« von der Remheleducblacbt aihr 
r^rumhilt, CrimheldBchlacht, konnte immer aucb ein Rembelodfeld aA«r 
r?rum- Crimiltfeld bei Etzelbnrg annehmen, woraus dann Kran- Kron- 
Kreinfeld wurde. Bemerkenswerth Ist immer, daß der dentscbe 
Spracbppbraucb, wie da» Ofiier Stndtrocbt bezeugt , die Namensforni' 
mit r bewahrt, also die der KrimiltBape nähere. Heinrich von MoKelin, 
Inteinischen Quellen folgend, sagt Cap. 2fi; Kelenfeld fal. Keleifeld). ' 

VIT. Namen aus der HeldenBage ans Preaburg, \ 

Einem Verzeicbniaa von Presburffcr Personennamen aus dem JnJirs 
1.^79, aus dem unter anderm ersichtlich wird, daß Presburg vor ."iftfli 
Jahren eo deutsch war wie heute (und so wohl auch krinftic bleibeir 
wird), entnehme ich folgende Namen aus der Heldensage. Eltnrf fidelU. — i 
Eiiijel. Aefhfil Äv^el i-holfrnijer. Als Beiname eines Kohlen trMger" pasnB 
dnr Name des fjftwerge» der Heldensage 
rUiUfJi, vgl. AlhiTieh. — Danetuirdiis.— 
Mehrere Distal und ein Dif^^dlnvn k?in' 

oder Dietrich KurHckweisen. — Lvpns Ehi^hardiis. — Ortfl. — 7V(oA) 
Jetzt noeh In Presburg ein Anton DieKald und in Siebenbürgen ein* 
Familie Tifheh. Das mahnt an Tibalt von Slbenbürgen vrnun Herrftt d«ri 
riehen brrioder! 

Die Ausbeute ist gering. Aber wenn man erwägt, daß mir iH 
das Verzeichniss eines Jahres vorliegt, daß demnach die sieben Natni 
nuH der Helden3a)re gleichzeitig auftauchen an Einem Orte, so ist w, 
doch immer schon ein starkes Lebenszeichen der Heldensage. Resrni- 
ders ansprechend ist, daß Eckart der getrinwe in seiner Eigenschaft, 
wenn anch in der Kanzlei des StadtraMies latinisiert, als fidelis anftriP. 
und im Namen des Kohlenfrllgers Albel Augel durfte in der That ein 
Volkswitz stecken, der auf Anschauungen der Heldendichtnn^ berulit 
Ein Bruchstück des ]>narin. da« ich einst In Presburg fand and dw 
nach metner Ausgabe von 1B.^)7 auch im deutschen Heldenhnch T. 295 
abgedruckt ist, beurkundete wohl schon, daß unsere Heldi 
die Donau hinab entlang dereinst crkluno-en sind, Rn dem W< 
die Nibelungen nach P^txelburg hinab gofaliren sind, sowie 
deren verknmmi'rtn Nachklänge in (I™ '•Iksbtli 

Mn'a Mchtr/irxr Meer die Doni"' Mnnb 




tnn^ beruht 
ini und du 
ihueh T. 295 
Held enBrtl 



A. BIRLINGES, BESEQNUNaKN. 75 



BESEGNUNGEN. 



;m. 467. 8®. XV. Jahrh. Medicinalia et de herbarum viribus. Die 
Besegniingen sind von einer andern spätem Hand (XVI saec). 

f. 158'. W an sich ainerverenck oder verreib und nent sein 

namen. 

Vnser lieber hSrr gang aus auf metten; dratt auf einen merbel- 
in gar hart, er dratt auf ainen merbelstain, es verrenck vnd bracht 
n heillig fleisch, bluet vnd bain. Vpser lieben h^rr gieng draurig 
m KU seine liebe mutter, fand er allain. du mein liebe trautter 
1 der mein! wie khanst du so traurig sein? Mutter, soll ich nit 
irren? hab trotten auf ein merbelstain; hab verrenckt und brechen 
in flaisch, mein bluet, mein bain. O sunne, liebste sune mein! was 
st du mir zw fir, so wil dir dein fleisch (f 158") dein blued, dein bain 
ler zw samen thon. Mutter, ich gib dir himel vnd erd, daz mir mein 
Bch und blued vnd bain wider zemen k^ret : drum gib ich dir himel 
d erd. dH giengen wir vnder dem himel vnd giengen auf erden im 
jnen Gott des vaters f vnd suns f «nd h. gaists f amen, mit namen. 

!. f. 159*. Vir die wirm der zennen vnd nents mit namen. 

Sd Villeg vnder der Stegen leigt 
vnd der mit heller stimm aufschreid: 
Jesu Christo hast mein vergessen 
wil mich wirm läsen fressen! 
Gott der sprach aus seim gettlichen mund 
So wil ich es ist noch nit stund 
Ich hab dein nit vergessen 
weil dier die wirm nit läsen fressen; 
Sie sein weis, swarcz oder rött 
In der 3. stund sein alle dott. 
Im Namen f ^- s. w. 

3. f. 159". Vir Mundfeil. 

Jais hergang über ainen soe; begegnet jm vnser lieber herr: 
Jais hör 

warum drauret so s6r? 
HSrrI warum soll ich nit drauren? 
Mein ßeißcb vnd bain wil mir in memem xoMiSiäL l^«ÄwikKo^• 



76 A. BIRLINGER, BESE6NUK6EN. 

Jais hergreif in gnmd 

Nim Wasser in mund 

Lass wider in grund 

So wird dir dein fleisch und bain gsund 

in X naroen: Gott vatter f u- 8- ^* 

4. Zw dem kreps disen Segen; die namen wie sie haisct 

oder die persson. 

Vnd spricht: kreps, du hast die N. vmpfangen; ir haut vnd ir 
brüst ynd hast gebaud ein haus vnd bei ir wird wonen der kreps vnd 
wirst Ir saugen N. ir mark aus den painen vnd aus der brüst heram; 
zw dcrselbigen frist khumbt vnser lieber herr Jesu Christ; spricht kress 
vnd kreps: was thuest du hie? s6 haben mir N vmgfangen vnd vmsesseB 
jr hauth vnd jr brüst vnd wellen ir saugen ier blue aus den painen, 
aus der brüst! Sprich Gott: des solt ir nicht tun! solt die N. ir brost 
gesund I&n: solt hin gen Babylon gang, da sten drei bmnnen. Ans 
dem ersten flttes ayder, aus dem andern flies milch, aus dem dritten 
rödes blued. däselben solt ir auch bauen ein haus und sold drinkhen 
vnd saugen daz mir auch drunckhen gued, drinck und saug es ans dem 
grund sprich Gott der herr vnd lond die N. ihr brüst (f. 162') gsund, 
daz ir gsund bleib es wohr; das geschach das Longuinus der Rider 
Gott dem herren in sein heillige göttliche brüst stach, die nit sanrt 
und nit fault und nit gird und nit schwirt; als5 sol die N. brüst aneh 
geschegen; daz zell ich dier zw buess. Im namen u. s. w. 

5. Das blued zw verstillen. 

Durch Adams blued erhuob sich der todt 
durch Xristus blued starb er der todt. 
Ich gebuet dir blued, durch Xristus blued 
daz du still stees vnd nit weider gest! 

Im Namen u. s. w. 

6. f. 167^ Wer blättern oder vel jm äugen hat, 

der Sprech also: Osanna gebar Sant Anna, die h. frau sant 
Anna gebar vnser liebe fraw, vnser liebe fraw gebar vnsem lieben 
herm Jesum Christtun, der dreib auch feil und plädem, das nit bricht 
vnd alles das darinnen ist, das helf vns. der man der seinen voBchnl- 
tigen tod an dem heilligen creuz nam der helf vns vier das pl&ter oder 
fier das vell dem N. dich angang oder stad, das helf vns Gott der vater 
a. s. w, \^.^^SSSiiS^^SXSL. 



L BWAHaEn, ZUR MYTHOLOQIR ir. SPRACHE DES inEDERRHEINS. 77 



ZUR MYTHOLOGIE UND SPRACHE DES 
NIEDERRHEINS. . 



fl 



Der sagenkuadige Alex. Kau^natm hat Germ. XI, 411 ff. vnn 
i«D Halden am Niederrhein gehandelt. Ich fand bei Dr. W. C're- 
lliua in Elberfeld eine Ausgabe desselben Werke», das Kaufmann 
indschrifUich benlttzen konnte, Die Ausgabe aus dem Anfang des 
). Jal.Hi. hat den Titel: 

Van Amt buschniaü vü Henrich aym alden vader dem geys^ 
!fii wtinderlich Myrackell, dat geschyet ya yn dem land van Cleue 
f DiiylJbercb tzo Mejerieb. (Ho];!S(;hnitt { Fegt'euer, Gott oben mit e. 
lele.) Gedruckt up sent Marcelleu straissen. (4"} by Servais Kruffter. 
Qiuten HolzscIiuilL 

Das Work iat besprocbeu tod Dr. EmieQ in d. belletrist. Bei- 
igc SU dpD köln. Blilttern I«IJ3. Nr. 214; von Crecclius, Germ. XII, 
IW. — WcllerB Kep. typogr. erwähnt viur andere Ausgaben 1500, 1Ö05. 
fitraßbiirg (Nr. im. 330). 1509 Cölu (Nüyli). 1515 Slralib. (Nr. 9^7). 
Am Schlüsse ist der Ritter Tondalus erwälmL Die Sprache ist 
Bimdftrtlich niederrheinisch, doch bei weitem nicht so mundartlich 
pfbbt als Kaufmanns Hs. Ich theile hier einige Prolifn zur Verglei- 
chung mit. 

1. Der Geist bekennt und warnt. 

(tl. 7*. der geist sacht: ich liess mir cuentuirliche cleider machen. 

fchoio mit langen ancuelen. tebbert mit knuutfen, kogelen mit vil sny- 

IicIm vnd wold ouch ummer mit den besten syn na der werlt loufl'. 

Vfft deeer sachen willen werden ouch vil frauweii verd&rat sonder taael. 

fäl sy vss der maissen vsswendifh vn yuwendich houerdich synt vnd 

Mch houerdich zyereu. damit sy vil lüid tzer hellen ti'ecken. Ich hat 

oicli ouch darzu ergcueu, dat ich der duuei speie tzo doin plach, dobelen, 

karten, bretspelen. dat drei£F ich waü seuen jnir läk. het ich mich niel 

rnhrMfirr uude davan gelaissenn got wold mich gestrailTt Imyn mit 

•™ii aehnelleQ dode, dat ich ewelich verdömpt sülde syn gewost. Do 

Irnt; vm wz sunden werden die raynschen allermeist gepynicht 

itt? der geist sacht: Die doitslegcr, deBtiet, s.'ÄxVct AtÄt^ , 

irf die jm' eygert -fcjTider d'*idei;\, ^v^c^VgTet, ^i 



78 A. BIBLIHGEB, ZÜU MTTHOLOGIE U. SPRACHE DES 



ir-^iK-NN;!:-! 



bedreger, reuuer vnd ouch die ghene dye ungehorsam sjnnt den g 
boden gotz. vnd also sterven nngebycht, nngebuest: die werden gew} 
all verdömpt. 

^ 2. Von den Holden. 

Bl. 11^: want sj mejnt dat idt nit sunde weer vn plach sich t 
bychten vnd vnder wysde den pastoir, dat he yr orloff gaff waer t 
sagenn, mer sy wirt seer dammb gepyniget vn die böse viande qi 
men t«o yr die man heist wysse fr au wen off holden vn sadite 
sie weren selige frauwen off holden die ander der erden woind 
under den schonen boomen off krosen basschen vnnd nömdenn yr 
plaetzen in der lade höaen da sy in woenden vn sachten jr dat i 
die lade warnen sold, dat sie ir stede vn haiser reyn hyelden, da si 
id jn wail gain an irre narang. Dat sacht sy den luden vn wilehe <i 
geloofflen die deden den seligen frauwen off holden ere. 
kregen die böse geiste macht öuer vn behelden die also in yrem | 
louuen. vnd als jn dan die ere niet geschach^ do deden sie den loid 
schaden an yrer narang vn kinderen, dan giengen die lüde na 
wairsagerscher vn vraegden wie idt queem dat yr narang affgyei 
dan sacht sie: ich wil beseen wat dat beduid. So quamen dan < 
bOse geiste tzo yr vn sachten: uns wirt geyn eer gedain als man plee< 
tzo dein, ire kinder haind unse wonung unreyn gemacht^ darumb ha 
sy ungelttck. sy sulden des donnersdags früe zo bed gain vn macl 
dat huiss rein vn bereiden die taeffel mit guoder spysenn dat wir f 
essen, dan salt jn wail gain in all yren Sachen, dat sachte die wa 
segersche den luiden. als sy dan dat deden, so liessen die böse gc 
äff vn deden den luyden geyn verdriess me. 

So kregen diu duuelen die gude luyde in ir gewalt, die sie i 
anderen sachen nit krygen künden, vnd al die ghene die mit < 
wichelien vmbgaint off daran gelouuen werden verdömpt vn ga 
uyss der beschirmung Gotz in die gewalt des duuels. vnd wylch past 
wychelye lest geschien yn synem kyrspel, der is ouch in der gew 
der duuelen. 

3. Feldgespenster. 

Als dat geschien was vraegt Amt: komen al geiste tzo g04 
die up erden sich seen laissen? der geist sprach: neyn. Ich kant eyi 
man der plach arm luid tzo verdrucken vnd verschloch der gemey 
eynen kamp, dair armer luid quic plach tzo gain. der riche man sü 
rad wart gepymcht vp dem kamp dry iair lanck vn braut als c 



Ji. filRLmOEB, VOLKSTHÜBILICHES AUS SCHWABEN. 79 

boBch vnd na dryn jaren wart he begraueu in die helL — der geist 
aacht van so vill luden der eya deil wayl XL jair doit waren gewest 
I vnd waren dat meiste deil acker lüde gewest vnd yrer eyner het dem 
anderen landt affgestolen, die giengen daer vnde boessdenn. BL 12\ 

4. Sturm bei Selbstmord. 

Item uff ein zyt als Amt mit dem geist sprach| do hoiff sich ein 
groissvngewidder mit winden, stürmen und regen, do vraegde 
Amt: wa van dat vngewidder queem? der geist antwort: id hait sich 
ein woecherer bynnen deser vrenn selffs erhangen und yd is ouch 
gewest eyn frawen die hait yr eygenn kyat vermört, dat wil Qot pla- 
gen över vill creaturen, so leyt is Gode der doit des sunders, der sich 
idffii dödet BL 18''. A« BIRLINQEB. 



VOLKSTHÜMLICHES AUS SCHWABEN. 



1. Ältaugsburgisches Festjahr.*) 

Das Advent 3 WocheD vor dem neuen Jahr oder dem Geburttag 
i-\ Christ) sol Petrus, ists wahr, aufgesezt haben, das man sich darinn ufl* 
<Iie Zukunft Christi bereittcn soll. 

Diese 3 Donerstag ist an viel Ortern der Brauch, daU die 
kind in der Statt herumgeen und an die heuser klopfen, den gibt 
man Kuß, Epfel, Birren und Lebkuchen. Diese Necht helt man ftir 
scheulich und verworfen tag, förcht sich vor Gspeimst, Unholden, 
Hexen und Drutten. 

Damach kompt das fest der Geburt Christi. Da hat man an 
Tili orten selzamer spill, wiegen ein hölzin Kind oder Qötzlin 
in der Kirchen und habe diese Nacht so ftlr heilig, daß etlich 
beredt sind all Brunnen werden diesen Augenblick, so Christus geboren 
sei auf diese Nacht zu Wein und in hui wieder zu Wasser; etlich 
sagen, es schlagen all Baum diese Nacht aus. 

Ein jglicher Priester halt diesen tag 3 Meß, etlich gethailt, etlich 
nacheinander. 



*) Papktenbiieeb oder Chronik, rast luMig and mich nntsHch zn lesen. 16/17 
JWh. hi. 9*. (Im FriTAtbesiUe. Mttncfaeu.; 



gO A. BIRLIKGfite 

Am 3. tag darnach beget man Sant Johane fest, da trinkt ydmtt 
Sant Johans Segen, das ist ein gesegneter Wein ob Altar danniA 
man auch Kugele macht Rir das Wetter und schaur. an disem tag 
trinkhen die Männer die sterke die frauwen die schOn. 

Den nechsten Tag darnach an der unschuldigen kindlen ti( 
gehen die jungen Gesellen herumb mit einer Ruthen , schlagen die 
Junckfrawen um den Lebkuchen und diü nennen etlich den pfeffertag; 

Damach am 8. Tag nach der Geburt Christi ist der papistea 
newjar. das winschen sy ejnander, schickhen einander geschenk snm 
newen Jar, auch geben diß die Väter den Kindern, die Man den 
frawen zu einem guten eingaug des jars. In diesen 8 tagen fordert 
man khein schuldt und becht ein besonder brot. 

Nach dem kompt der heylig drey Kinig fest, daran vill em 
Kinig wehlen, spill halten und ein lange wirdtseliaft anrichten. 

Auf diu kompt Liechtmeß, da bringen die papisten den tempd 
vol Wachsliecht mit großem gepreo^; diese wiliet mau ftir alle Gespenst 
hagel, schauer und schreibt darein segen. 

Und alsdann kumpt Fasnacht, der papisten Bachanalia. An 
diesem fest pflegt man vill Kurzweill, spektakelspüll zu halten; mit 
stechen, tumieren, tanzen, rockenfarten, do verklaiden sich die Leut 
laufen wie Narren und Unsinnigen in der statt um mit mancherley 
abenteur was sie erdenken mögen. 

Da siebet man in selzamer ristung seltzam mummerei: die frawen 
in Mannskleidem und die Man in weiblicher Waat und ist fllr wahr 
schäm zucht, erbarkeit frombkait an diesem fest theuer. daran vill 
Bieberey geschieht doch verriebt das gelt alles in der Beicht, all Bos- 
heit und Unzucht ist ziemlich an diesem Fest, ja ain Wolstanndt. 

Die Herren haben ihre Fasnacht an eim sondern tag, darnach 
auf den Afftermontag die Layen. 

In Summa; man fahet daran an allen mutwillen und kurtzweill. 

Etlich lauffen ohne all schäm allerding nackhent umb. Etlich 
kriechen uf allen vieren wie die thür. Etlich brutten Narren auS; etlich 
sein Minch, Kinig etc. und auf di& fest so woll lachens wert ist 

Etlich gehen auf hohen Stelzen mit flüglen und langen schnftblen 
sein Sterken. Etlich Bern, etlich wild Holzleut, etlich teuffei, etlich 
tragen ein frisch Menschenkoth uf einen küssen herum und werren 
jm der flüegen. Etlich sein äffen, etlich in Narrenkleider verbust und 
zwar diso geen in ihr rechten Mummerei und sein in der Wahrheit das, 
so sie anzeigen. Wan jn ein anderer den Narren sticht und Esell Ohr 
macht, 80 wdliens zürnen hauwen und stechen und hye beichten sie 
öffentlich und willig vor ydmanu se\\>B vfei «i\e «»e^'^\i. 



VöLKSTHÜMLlCifES Aüft flCHWABEN. 8l 

iMe Itali oder Welschen stellen sich auch als wollen sie die Teut- 
idien in disemFall überwinden, da seind auch Narren wolfeill, 
dodi etwas subtiler dann die Teutschen. 

Um Ulm in Schwaben hat es ein Brauch an der Faßnacht, wer 
diß tags in ein hauß geht und nit sagt, ich gehe mit Urlaub aus und 
«, den £Edien sye und binden dem als einen Uebelthäter die hftnd auf 
40Q Bngken, klopfen mit einem Beckhen voran und fdren in in der 
Stadt kerom. 

Auf dis kompt die Fast. Den nechsten Tag darnach zu eingang 
denelben laafft das Volk zur Kirchen, da strewet der pfaff eim yden 
vnb ein pfening ein wenig Aschen au£F den kopff. Etlich haben ihr 
eigen Gebet und Andacht uff diese Zeitt fUr den Fror er. 

Auf disen Tag der ascherigen Mitwoch leiten sie die fasten ein 
mit großer Mummerei, halten Bankett und verkleiden sich in ein sonder 
Ibiiier. 

Etlich klagen und suechen die Faßnacht mit Fackeln und Lattemen 
beim hellen tag, sclireien kläglich wo die Faßnacht hinkommen sei. 

Etlich tragen ein bering an einer Stangen und sagen : nimmer Wurst, 
Hering! Etlich henken ein hauffen Bueben an sich und singen ihnen 
^or, etlich fahen einander und tragen einander uff Stangen in Bach. 

Den nechsten Sonntag darnach gibt man der Fasnacht Urlaub, 
Verbozt und verhfüt sich aber, trinken sich voll, spülen und raßlen 
^ulezt. Als dann folgt die traurig fast; darinn eßen sie 40 tag kein 
fleisch, auch nit Milch, Keß, Ayr, schmalz dann vom remischen Stuel 
Krkaufik. da verhtült man die Altar und hajligen mit einem tuech und 
last ein hungertuech herab, daz die syndige Leut die götz nit an- 
leben, noch die heiligen bilder die Christen oder Juden. 

Zu Mitterfast ist der Rosensonntag. Daran segnet der Bapst alle 
gebeichten zu Rom und bestetigt auch den Juden ihr Gsatz. An disem 
Tag hat man an etlichen Orten ein spibl, das die Bueben an langen 
Stangen bretzlen rumtragen in der statt und zwen angethon Man, einer 
in Sjnogrüen oder Eppheu, der heißt der Sommer der ander mit Gemies 
angelegt der heißt der Winter, diese streitten mit einander; da ligt 
der Sommer ob und erschlecht den Winter, darnach geet man darauf 
zum Wein. 

Auf diß kompt der Palm tag. da tragen die Bapisten den Tempel 
▼oller BOachel palmbeum und angebunden Ost. die weyhet man fdr 
alles Ungewitter an das fewr gelegt vnnd ftaert ein hilzen esell auff 
einem w^elein mit einem darauf gemachten Bild ihres Gots in der 
itatt herum, siiigen werfen Palmen für il\n und ttevWw V^ ^Äi^^^^«^^\ 



82 A. BlkLlKQUU 

mit disem ihrem hilzenen Gott Dßr Pfarrer legt sieh vor cUeMm Bild 
nieder, den schlecht ein anderer FüS. Die Sohueler ungen iwid deolii 
mit Finger daraufil Zwen Bachantea legen aich aach mit ■altiiiw 
Ceremonie und Qcsang vor dem bild nieder, da wirft ydeiMünn mit 
j>almen zu, der den ersten erwischt treibt vill aauberei daviL 

Darnach kon^)it die Marterwoob vor Ostern. — Da fahet man u 
3 Nacht vor Ostern zu Nacht Metten au singen. Darein bra^ ab 
groß Volk, mit Hämmern stein und schlegel klüpfel kolbea «tafllBB 
.und klopfen z^ bestimmter Zeit über die armen Juda's, machen lUfor 
jBuster und löschen alle Liecht im Tempel aus. Man hat aach Mi aiga 
I^trument zu diesem scherz. Damach heben und tragen sy ein Qrnsifis 
herum an etlichen orten mit einer anhangenden Latem an «einam htk, 
singen umb die Kirchen in einer Prozession. Viel Bosheit gesolHcht in 
diesen Metten. Die Leut werden an die Stttel genagdL 

Damach sterben die 3 Tag die glockhen. Da fthrt man mit«iBaa 
klopfcuiden Karren und viel tafflen in der Statt henun homft dii 
Volk in die Kirchen zum Passion. 

Am Charfreitag vor Ostern trägt man aber ein Kreaa henim 
legt ein groß gestorben Menschenbild in ein Grab, wirft kreatawuii 
Spachtel mit Ol oder Chrysam in und Tauff. 

Item man segnet im Vorhof des Tempels das fear, das auch aa 
das feuer gelegt ftlr all Wetter und UngestCLmm hilft. ^l« <i<mti wevta 
die Glocken wieder lebendig und lenten der fasten gen HimmeL 

Nimbt man die hilzen bloch oder bild aus dem Gbab wid aingt^la 

Voigt zu Morgen derOstertag, da weihet man den AnbifikiM 
Fladen, Keß, gehektz auf den Altar und schicken die Freund eiaandhr 
des Geweihten oder Fladens. Darauf hat man das Hoduunbt mä 
iroüden, da orglet man mit schall, das erklingt, mit feinen Biul- 
liedlein und hofiert also mit figurieren singen und .pfeiffen den Ohni 
der Menschen, das Fleisch zu kitzlen, daß etwa an einem Pttnteahlf 
zu vil war. 

Wer dan diß drey Tag vor Ostern zum Sacrameot g«et, dtf 
schicket sich gut heuchlerisch — beicht, gürtet sein giitel ab, l^ Jm 
zu seinem Hut etwa in tempell und geht dahin su unserem hvr 
gott. den nechsten tag geet man nach Emaus, daran ist wieder al 
andacht aus. 

Auf diß fest kompt die Creutzwochen da geet die gana atat wdk 
dem Creutz wallen, auß der Statt etwa in ein Dorf jsu einem heilig«^ 
4as er das treidt woll bewarren und wolfeile Zeit von Gott 



VOtKSTHÜMUCHSlS AUS SCHWABEN. ^^ 

isB giciofaicht 3 Tag aneinander, da ißet man ayr und was man guts 
lat im grienen Gras auf dem Kirchhof tmd erminen sich die Leute woll. 

Bold dunmff volgt das Vest der Anffart (daran ydennann voll 
ist und ein fliegel eßen mueß). Da zeucht man das erstanden Bild so 
dise Zeit auf dem Altar gestanden ist yor allem Volk zu dem GewOlb 
hinein und wirft den Teuffei ein scheutzlich Bild an stat herab in den 
idbUgm die umsteendt knaben mit langen gerten bis sie ihn urab- 
riogeB; darauf wirft man oblet vom Himmel herab zu bedeuten das 
Himelbrot 

Gleich darauff über 9 Tag ist der Pfingsttag, da hangt man ein 
hilsen vogel oder tauben unter das Loch im Gewelb; daz bedeut den 
U. Qtmiiy den Apostlen zugeschikt. 

Auf diß Fest kompt Unsers Herren Fronleichnamstag. Da tragt 
■sn das Saerament mit einer pfaffenprozession unter einem köstlichen 
wddLten Himel den vier mit kerzen geziert tragen in einer Monstranz 
Uram an Till Orten mit vill Figuren aus dem alten und newen Testa- 
ment gezogen. Item yil Histori aus den Legenden. Da sihet man den 
^Msicm vül teuffell; heillige u. s. w. Da ist elp Junkfrau St Katharina, 
tfb Sant Barbara, dise Maria u. s. w. tmd geschieht sehr vill lioffart 
II diesem fest Die Juden martern imsem Herregott, etwa ein Mann 
inr Christus sein mus, pankhlen hin und her, henken ihn vor der Stadt 
la das Crevtz mit zwaien Schachern vor dem Saerament geen Engel 
voriier dto werffen mit Rosen zu dem Saerament Item Johannes der 
TaoCer spreohend: sieh das ist das Lamm Gt)ttes. Man street alle Gassen 
tsA graa^ rosen, henkt sj voll meyen etc. etc. alles dem vest zu ehren. 

An diesem Tag reit man auch an vill Orten umb den Fluor, das 
das koren mit vill kerzenstangen. Der pfaff reit auch mit, trägt 
hei^tt leibhaftig am Hals in einem seckel, an bestimpten Orten 
r ab, singt ein Evangelium über das koren und singt der vier 
m vier orten bis er umb die fluer reit. Die Junkfrauen geen schön 
gesehmnckt in einer Prozession auch mit singen und lassen ihn woll 
lud gesehikt vill hoffart, Mnotwill und Btteberei von rennen, schwe- 

singen sehen und gesehen wollen sein. 

Nach dem kompt Sant Veit, dem opfert man vill htiener wo 
sr vast ftlr das vergifft und kaufft ydem khind ein krieglen. 

St Drban ist um pfingeten fewr darvor der Weiuhäcker heilig 
dsBwsrflen sje jemmerlich in das kott oder dreck, so es an seinem 
tag vsgnety ist es d, schön so tragen sie ihn gen Wein in das Wirts- 
hsHs setion hiader den tisch, behenken ihn mit Weinreben und ver- 
trinkken ifaiv hriogea ihn offi ein tmnk und liaiteix q« votl %^vdl^N.^^^ 



84 A. HIRLtNOEK 

Gleich daraufF kompt Sant Johanns des Teuffer. Darmn macfal 
man in allen Gassen Freudenfewr, singt und tanzt darum wie die Jad« 
unib das Kalb, springt darüber, dazu sammeln die Bueben den Tiy 
zuvor Holz mit singen und stelen. An etlichen enden setzt man Vaf 
aufeinander^ diß spilt man auch in den Dörffern ; an diesem tage triokt 
schier ydman Mett nach dem Landesbrauch. 

Damach kompt unser Frauwen Himelfart; da tregt aüt 
Welt Obs, bilschel allerlei kreuter in die kirchen zu weihen filr itte 
sucht und plag übergelegt gewer. Mit disen kreutem geschiht sekr 
vill ZaubereL die ELnaben tragen öst mit dpfien und darauf gemacht 
Vögel die da in die öpfel bicken. der schönst ist Kinig. 

Damach kompt die heilig Kirchweihe daran ein groÜ g^nol 
ist unter den Laien nnd pfaffeu die einander weit darzu laden, die 
Bauren laden gemeinklich ihren p£arrer zu jn in das Wttrtzhaos mit 
seiner Köchin oder Kellerin. £twa wirdt der pfarrer voll so filerea iha 
die Bauren heim etwa hebt der pfarrer einm Bauren den Kopf bis er 
sich aberwirfft und gespeyet Zu Morgends halten die priester gemeinck* 
lieh ein Jahrstag; darzu kommen vil geladen pfaffen und helffen der 
armen Seel noch halb voll gen Himmel, darnach halten sie umb dio 
presenz Nachkirchweihe im Würzhaus oder pfarrhoff und begeen eni 
den jarsdag recht, doch geet man früe zuvor in den tempell sonderlick 
an der Kirchweih mit spiessen und hellmbarten griessen die keiUig«B 
damoch mit der Sackpfeiffen uff den platz oder in daz Würzhaos und 
den ganzen Tag Kirch weihe gehabt, das man den Ablaß zu aubeot 
etwa mit kolben austheilet. die priester richten ihr kremerey aueh n^ 
thuen die taffell auf, setzen die heilligen Götzen herfür mit einem aoP 
gesezten Kranz. Von diesen muÜ man die heillig Kirchweihe Ittaeii* 
£iner sitzt dabei, der muß dem stummen Götz das Wort thuen der kit 
auch sein Sold. Zu den Gebenden sagt er: vergelt es Gott und die 
heillig Kirchweihe. 

Zu Sommerszeiten so es blizt und dondert leüdt man alle GHo* 
cken, festenlich glaubendt daß aus diesem Schall die teuffei in die Fluckl 
geschlagen, nit einschlagen, die Glocken sind aber gemeinklich gfr 
«egnet und von dem bischof getaufft ftlr all Ungewitter derhalb wirdt 
geglaubt sie seien mächtig das Wetter zu vertreiben. 

So oft ein groß vest ist ziert man den Tempel mit Teppichen^ 

großen Mayen, thuet die altar auff, buzt und muzt die Heilligen aiilf^ 

sonderlich den Patron dieses Fests. sezt ihn gekleidt unter die KirdiflD* 

thür zu bettlen da sizt ein Man bei ihm, der ihm das Wort thoet w«ii 

daa Bild nit reden kau; der spricht: gebt St. Geor^eu^ Leonharten etc. 



VOLKSTHrMUCITE^ Ars SCHWABEN .Q3 

etwa« umb Gotts willen, des er nit bedarff sonder die pfaiTen so es 
smiebten venseliren es von des Heiligen wegen. Wie sye auch dem 
fpmtmen nnsBgliclien Out thnn so sye von Walfarten aufheben. Mit diesem 
Vttel bawen sie so gewältige Palftst tempel, clöster etc. etc. das vill 
Vnig nit Termöchten also daß ein Sprichwort bei ihnen dranß worden 
ist neralich: es ist nioJits reichers dan der Bettel, der vermag es 
alles, dan wo es alzeit tropfet ja regnet da verseilet es nimmer. 

Nach dem kompt St. Martin da ißet ein yder Hausvater mit 
•einem geaind eine Gans; ist er in Vermögen kaufil er jn Wein und 
Mett und loben Sant Martin mit vollsein, eßen und trinken singen etc. 
wie auch an etlichen Orten St Michel da man die liechtgans ißet 
ein vder Hausvater mit seinem gesind. 

St Niclaus kompt bald darauf; den fasten die jungen Knaben 
4iß er jnen etwas bescher und underleg. So sy nun entschlafien legt 
jn Vatter und Mutter under oder in die Schuech, gelt, öpfel birren, 
niten n. n. w. daß, so sys zu Morgen finden nommen sies mit Freuden 
ik von St Niclas beschert auf und an. 

Item die Papisten bauen köstlich tempel von orglen marmelen 
pii^ Silber mit kostlichen Altarn; bildwerk voller Amplen, leuchter 
idiilt und heim. 

Der Chor ist etwas erhabner mit scli5nerm Gestül gezirt dann 
i Jas Langhaus« Item ein Sacristei darinn der Pfaflen ristung und Mum- 
' »ei ist 

Sonderlich legen die Augsl). Bisst brott uff das Grab mit einer 
Kenen oder zwno. legens manchmal auf den Altar so zeit es der Me(5n(T 
nnd ist es von der armen Secl wegen. An etlichen Orten opfert man 
Wein brot und mel auf die Altlir. 

Dann so schwadert der Pfaff eine Vigil herein, die weder er 
selbs noch die Menschen verstehen. 

Za EnA der Meß get man mit einem rauchfaß über das grab, 
]iretzlet etwas damit davon. 

Ist die Klag aus, da zeucht der clager die feindselig klagkppn 
wieder ans ; dan an etlichen Orten streiffen sis an den hals an etlichen 
schlecht mans allein umb den köpf und zeucht es fftr das Maul, damit 
die leut des erben lachen nit gewar werden. 

Ob dero Grab pretzlen sie ein wort zehen. 

An etlichen Orten so die erben nicht weinen noch klagen mögen 
*o besolden .sie klagleut als ßege inen die vorhergeen und die äugen 
Bit Zwibel bestreichen daß sie weinen und sich kläglich stellen 



86 



A. BmUHOEB 



II. Augsburgißche 

Vorrede über das Angspurgisclie J«hr ein- 

mU. 

Hier folget nach der Monat Zahl, 
Wat man au Aagsparg's Jahr eii 

Zo sehen oder sn begehen 

Einmal kann ja nicht oft geschehen, 
So scheint es swar , jedoch wenn wird 
Zasammen all dies Zeng summiert 

80 wird nicht ron dem besten Leben 

Bei manchem es ein Faeit geben 
Aus yielen Mährlein kommt einmal 
Daron es endlich lautet kahl. 

Januar. 

So meld ich dipi^Yor allen Dingen 
Das Nene Jahr fangt man an mit Singen 
Und Johlen alle Gassen voU , 
Daß man darob möcht* werden toll 
Da dann das Pfeifen , Geigen , Paucken 
Zu stiller Ruh kann trefflich taugen. 
Um diese Zeit ist der Gebrauch, 
Daß man besucht die Kripplein auch 
Da kann man Wiegen-Licdlein hören , 
Geschieht*s Jahr einmal , wer wollt es 

wehren. 
Gibt es ein Bahn zur Schlittenfahrt , 
80 findt man sich gar bald gepaart, 
Ums Städelein und die Böhr-Kästen 
Geht alleseit der Zug am besten. 

Der Jäger macht wohl selbst die Bahn 

Daß durch die Au man fahren kann 

Und in der Stadt macht man ein Rädli 

Und thut im Wirthshaus dann eiuThätli. 

Ist dann der Frost so stark und seharf, 

Daß man dem Graben trauen darf, 

So thot man auch die Müh* nicht sparen 

Und sehen auf den Schlittschuh fahren. 

Februar. 

Im Homuug gibt es diese Freud, 
Daß sich annäht die Faßnachtszeit . 



8 Jahr einmal*) 

Da wird sich tot der Thur ni 

Schwelleo 
Der Holla-Mfitterlj einstellen , 
Und laden zu dem aehdnen Fest 
Wosn es da»«id dort gibt GHUtT. 
Auf die Bedeuten wird mit Hanfia 
Die ledig' Bursch* zu der Zdt lanfe 
Auchy daß man meint was tehSn^s 1 

sehn, 
In die Faßnaefats Com9die gdm. 
Gleich ftllt mir noeh ein Staddeint 
Man hört in Reimen hübaeh ttd h 
Den Sommer und den Winter atvaitei 
WelchV besser sei zu diesen Zelten 
Auch nimmt jetzt maneher fttr d 

O'seUier 
Ein Fasten-Pretaen zu den Bier. 

Mira. 

Sticht nun das Gras ein wenig ror 
So sehnt man sich gleich Tor das H 
Macht keinen Märzenstanb die Seu 
80 geht man wenigst in 0*sai 

Broiuien 
Es ist ein leichts das Kinder freut 
Und denen Alten kürzt die Zeit 
Win man noch mehrErgotsung hal 
80 geht man an den Hiraehengial 
Und zeigt den Kindern diese Tfaier 
Lockt sie dann mit dem Brod herför 
Geht wohl der Ähni sammt der Abi 
Und zeigt den Enkeln selbst 

Schwanen 
Noeh ist zn dieser Zeit bewußt 
Dem Frauennmmer eine lAni« 
Daß man geht in das Fejelen^Zoi 
Da gibt es manchen armen Tropi 
Der da gezopft wird mit dem Manl 
So bei dem WeibsYolk selten €miL 



•) Unter solchem Titel erschien diese siiieng^eschichtlich ungemein wsi^ 
Reimerei vor etwa 120—180 Jahren in Augsborg und sind bereits kaum noch 
oder drei Exemplare bekannt. Der Inhalt ist uralt und darum nehme der geo 
Ifeaer die neue Schäle mit in Kauf. ^ 



VOLKSTHÜUXJCHES AUS SCHWABEN. 



87 



ApriL 

ilern btld bertn will kommen 
r Ckbnmelk in acbt genommen 
■ler die KimreiYi man geh 
I den Palmeneiel seh 
er ftueb d«ranf IftOt reiten 
\i Jmhr einmal , wbm solTt be- 
deuten? 
>lget die Procenrion 
Heb nicht nm riel Geld davon 
dtm Geifilen nicht sollt sehun 
Ol IV den GrSbem gehen. 
\ Ostern, so legt IS'r der Haas 
' in Hinsem als im Gras 
dtnutag darf man gfanben 
Vead* «n^s Eier-Klanben 
■eh Hansttidten geht die Reis* 
Baeb der Predigt, wie man weiß 
kaum acht Tag' vorbei 
erste Kirreweih 
fifs Geldlosen m'cht gar viel 
Tag verderbt das Spiel, 
bei hnnen Wintertagen 
irand hat zmiammentragen 
FRgt man jetzo anf die Bleich 
bt spasieren so sogleich. 
die Kinder mit den Eltern 
Garten als in Feldern. 
ier Frfihling anmnthig reich 
ibt es auch die Kasen-Leich. 



Ma 



t. 



I nnr ankommt der Maien 
oerteut' nnd Manrer freuen 
•cken vor^s Bauherren Haus 
menbaom, der drüber 'naus 
sf, doch wie ich jetzt meld' 
ftkomm'n ein gut Trinkgeld 
ind sehr viele, welche passen 
» jetzt sei gut Aderlassen 
m Beutel als dem Leib 
i Q'sp&& dann nicht beschreib 

und jene sich erwählen 
an Zeit und Platz wurd' fehlen, 
etncht so Herr aYs Frau 

Schießgraben, Rosenau 
I Bhit werd* im Grünen frisch, 
yen Bronnen, sieben Tisch 



Den hübschen Ablaß anch nieht minder 
Da schleppt ma»siit so Hagd als Kinder 
Doch bleibt 4km Jlger-H&a6lein 's Pr& 
Man fiüire, reite oder geh 

So ist der Weg mit Lost geliert 

Und droben man aceomodirt 

Obgleich der Wirth dort ziemlich 

sclmeid*t 
Die theure Zech doch niemand reot, 

Bei solcJiem Fall läßt sieh aieht spaien 

Man muß anf Warst «nd KatseheB fahren 
Und sich ergütten auf dem Land 
Mit Pomeransen In der Hand. 

Deflwegen stehn ja Thore offen. 

Vor diesem ging's stark nach Gkrsthofen 
Weil alles trefflich eingericht 
Und «II sein Geld ein Lieb ei^m 

g'scbicht 

Tmta eiBem Ort Ein Zeit her aber 

Geht stark die Widlfkhrt nach Kriegs- 

baber 
Nach Teffertingen, Gellenbacb 
Der Steppner Wirth gibt auch nichto 

nach 

Und nach Haasstädten geht's auch wacker 

Hingege» trückaet ein Banacker. 

Dodi was darf ich die Ort' besehreiben 
Da man sich thot die Zeil vertreiben ? 

Die Leut' sind ja gescheid genug 

Und auf das delicatste klug 

Den eilften Mai kann man auch sehen 
Mit vielen Kreuz* und Fahnen gehen 

Bei heiUg Kreuz, wie schon bekannt 

So all herkonmien über Land 
Und in Procession hergehn 
Das wunderbarlich Gut zu sehn 

Jetzt thut man auch von Andechs kommen 

Da wird der Bach in acht genommen 
Daß man nach Tisch gehtauf den Bach 
Zum braunen Bier. Es ist kein Sach 

Daß man sich thut heraus bemühen 

Sieht die Procession einziehen 

So thun sich jetzt die Kinder sehnen 
Daß sie bald die Schulherren krönen. 

Juni. 
Von Junio ist vorzubringen , 
Daß man daim\i^Tl'^\i^\KQLiSc&.^Tw^ 



So g'wlß wai wild's in einer Stadt. 

So lontt ^en Ruhm ur «ndorn hat 
r>oeh einmal miiO mnn'« nheraehen 
DitO «olrhc knhle ftcliiTHnli' vorgehen. 

Der Alu-rjrlimbc int bo itark 

Und mNn niicli FrledberR auf ilun 
Markt 
An Afm Pfio(i«t(lipn»tnß mÜBse lunfen 
(ln«ehirr und PrHieii wnitikdiifpn 

nnb«) w«it mfliror» wird verzehrt 

AU All die nre Wanf iat «erth. 
Itpchftn und Oiibaln dieser Znt 
Kunft man .[et»t unrh pin iintenn Vrit 

(«1 der Fninlnirhnitiniiing emphieni-n 



Wrr 



tollt- 



hier 



irlit 



dienen? 
Itotn ninnbrn !■! man hkld ß^npipl, 
l>»r vini mth im Knlpndnr ni-iirt. 

Mnn ttnht wallfnhrleu auf den Kobel 
Wo der Pro»p«et Itt gut »u nobel 
Ha man brkrimnil «in (rnl (i\nn Wein 
ha« n)>K <*nhl r«eht ergAltlich «ein. 
Daß (tel't li"'n ftuter Braunh verlorn 
t^paalerei man niieh In dn* Kern 
liD<l auebt den IHnititen Halmen an« 
IVn Irlljrt *um Wnnder man nach Hau* 
nie» Ut ein' Freud', die kann pauiren. 
Weil Ol* niehl macht viel Geld ver- 

.luli. 
KMnmt dann der Jnlina herltei , 
So ial aneh l'lrieba Kirrawrih 

1>« «inl dai WeiWvolk heftig laufen 
Sltlliaipf,' Xeiip nnd Spluen etniu- 
kanfen 
(VakaiHtaneti maneher Mann nicht «iMpn 

Wi^fevmnw'iem Weib wird beaeh 

Pia pTvHil' nlmml man anch hilliff mit 
IU0 MA« ffeht o<t«r (tthrt In l^eholu 
l^wl aMiel an den »«kOn«« 9*f»n 
■ Kvhrt aWr auek ein itNtFr(n>f*R 

I ... 



L'nd diiß keiu Rraucb d.iliinter bloii' 
Kehrt man aoeh ein beim MilK«!'» 
In Pfersae, Bergen nnd Inningen, 
Bechhaosen, Haiiiatildlen, GilgfpnffJi. 
Eb eebt. wer'« nicht weit waVjtn "ö 
In Bachen-Anger in der Still 
Und sonnten nur zu Fnß maß waniera* | 
Gpht halt von einen Thor «om ander« 
Dann etwa auf den Lnp in'» Land 
So dieser Zeit »ehr wohl bekannt 
Wo unvergleichlich das Anaaeben 
t'nd nur waa hart'n da» weit HeimEchifc 
Die Rinder sind um dieae Zeit 
Sowohl der JnnK'n al« Allen FrewJ'i 
Da läQt mnn eit^h ein Lieh ge«chehCB 
Und manchen R.itzen driiher fi«b*ii 
Damit ja irerd' wtit rnohts verthan 
HänRt Freund nnd Nachbar»eli»ft 

Ja was mnn hat mit Müh' erruuRen 
Wi"d hier «nf einen SitK veiracblnng«- 

F,h' .InlinK gfiht (rar vorbei 

Ist auch Jacobi-K irreweih 
Da kanft man in d«r Vorstadt sin 
Olwl, Enten, Hühner insgemein 

l'nd wer mit Geld verseh«» nit, 

Nimmt wenigst doch I^vendal m't ■ 

A.gn.i. 
l'raebeint der lieblich« Aoenat 
Da teift sieh manche Büreer-T.ua 
An dem Wahlttg and läßt sieb bSret 
Feirt man der Obrigkeit zn EhrcM 
Da liehet man in eroßem Staat 
Prn klriam wif den emCm lUth 
Tj, winl der Tax dnt«h alle St&nd' 
7.B d*T TrT^tmng ancwendt 
Dnfi wecrn miter Trink" nnd Speiaen 
Ter WahlUp »V «n Wohttmff b ' 
IH Hiikl man anrfc des Jahn «i 
Da* Kalhhaiu md dw RoUaeB-SM 
\iehi ■ywic»» die finttcm Eia^n 

('."1 •■• dinnrtr» »•« rv «eUeti 



Dm Hevhl . 




V0T,K8TH(^\rTiTCnF.<« ATTS SCHWABEN. 



t*^' 



m num, wie bekannt, aneb seben 
H-Qasrdi in Paradi ateben 
dbof iat aneb wobl m boren 
fer ibren Obern 8cbw5ren 
B die Biirger auf den Eid 
onen Bier einander B^tcbeid 
lan erftbrt'a am betten 
erf&nt mit vielen GStten 
ber ala ein Malvasier 
tsen in dem braanen Bier 
csbafen kommt aneb dazu 
: viele Lentbe zn 
Hen ibr Glfiek seibat probiren 
einen viel zn fnrofitiren 
[enafest war nicbt beengen 
ht «in Hühnlein nacb Verlangen 
lem Ta^ wSrd* verzehrt 
e 5d' Red' oft wird gehört 
gt man jetzt mit den Schmalz- 

bretzen 
I einmal sich zn ergötzen 
am Kinder- Friedensfest 
bt man ans das allerbest 
den Kindern macht ein' Freud' 
ib jetst nm diese Zeit 
liOrenz-Tage zn begehen 
ein sehöner Umgang z'seben 
h darauf hat viel Besuch 
geht nacb dem Würstlen-G'rucb 
wenau und der Schießgraben 
rieb manche täglich laben. 

September. 

h dann der September an 
I einmal man sehen kann 
Ina-Comodi dieser Zeit 

auch der Studenten Freud. 
t man, wie ich hör und seh 
\ einmal dem Geld recht weh 

Handwerker kostbar tänzlen 
j die Jungfern ihre Kränzten 
imbringen unverletzt 
r die Antwort ausgesetzf 
Urs wird, wie ich jetzund klage 
mcber Gesellschafr wohl acht 

Tage 
keifen 's einig' Lent' 
« Dor Bchlechtweg die Freud. 



Die man zum Feiern nicbt darf zerren 
Die seben auch den Lech 'namsperren 
Gehn auf den Ablaß mit Manier 
Und trinken da Wein oder Bier; 

Nach Friedbergmußman wieder wallen 
Am Matthesta«, dem Metb zu 6'€aUen 
Auf das Hotscbellen man einkauf 
Und was sonst ist des Jahres Lauf 
Es ahnt aueh viele nnbefohlen 
Die Aderlaß* zu wiederholen 
Da man dem Sommer zum Bescbinft 
Sich auf dem Land ergötzen muß. 
Gwiß muß man auf den Perlach geben 
Den Tburm Micbaeü da zu sehen 
So wird auch jetzt Jahrmarkt gehalten 
Der wird besucht von Jung und Alten 
Auch zaiirt sich jetzt nebst andrer Burst 
Gemeiniglichs Waldmanns Hanswurst. 

October, 

Xnn geht es wieder an ein Sobmauien-^ 
Wo Leute nur ein wenig bansen 

Da muß man ein recht Licht-Gans- 

Mabl 
Anstellen nur nach Wnnseh und Zahl 
Daß die Gesellen sind zufrieden 
So muß man backen, braten, sieden 
Was man erspart ein halbes Jahr 
Das geht oft drauf bei einem Haar 
Der G'spaß ist auch nicbt zu versehmähen ; 
Daß man jetzt kann in's Lerchen geben 
Mitbin bei der Gelegenheit 
Den Einlaß seben unbeschreit 
Weil auch der Zeit die Schnepfen fliegen 
Muß mancher sich derselben biegen 
In ein Pasteten eingewBrzt 
Und also wird die Zeit verkürzt 
Bei einem solchen Schnepfenmahl 
Mit guter Freunde werther Zahl. 

Jetzt wird man auch einkaufen stark 

So auf dem Kraut- als Bübenmarkt 

Nun b'sinn ich mich, was es geb femer 

So fällt mir ein der roth* Figemer 

Den man jetzt trinkt vor G'schber 

' und Durst 
Dazu gut schmeckt ein' tfigne Wurst* 
Damit man gute Freund tmetirt 
Und lange A\>«adL Vutx \MMra\« 



90 



A« BIRL06EB 



Kovember. 



DüA Bau tM ggtimb retoc« biebt 
Uad dMil ab mk rvoi Saehcn 
Piegt nAm « PHtomt sQ Bsetei. 

BfckC dhM HBHaf-Taff lerM 
SobörelaneiB Gant-Qewbrai, 
Wefl nf «et Fcrt ea ekseftlnt 
DüA an fie Maitin^^Mu tnctirt, 
So aOxeit bUCoi Bar recbt Mt 
Die Jod- «Bd Chrutctt id die WeCt 
Es gü* sMh Leute, die wie Zeggen 
9m& jeM emeMeo ia dea Sefaaeeken 
R^vcndfln «min der Sehalwiifh ne 
Hat sabarcife »t 91ei8 vnd MCh 
üad weQ ■■■ aiehf ^waTher kam 

WM aaeh der Bimeli m Adic ge- 

gcoomnieii 
DaA BMB bei Tbatiin in der Stadt 
Sieb aad trmle' oder eise satt 



Deeember. 

Znr WintevMcit soll man schier meinen 
KSnitr aiebts EkgGtiKebes endieinen 
Allein da ist seboa ansgvdaeht 
Der scbdne Btaveb der KsSpfflras. 

Da mum aa dreien DonnerstSnen 
(leb wfSA nicbt wacher ürsaeb wegen) 
Einander b'snebt vnd setiet dar 
Obety KrapIVn nnd noeb mebr Nasch- 



Jetet kommeB erst die reebten Possen 
Das erste ist, da6 vntem Cloflen 
Man liehen mvft, da man bei Liebt 
Die Waaren feil bat, wamm niebt 
Bei Tag? Es ist leiebt sn errafben 
Weil man jetzt gerne geht Gsßaten 
Berteilt einander also fbrt 
Zur Compagnie an*s drifte Ort 
So ist es aneb ein scbindlieb Spotten 
Daft des Cbristkindlebis zwei Vorboten 
f<k^^r.l Xe Bercht n nd Rnprecht mflssen sein 
^ lA^ Die sieb der Zeit ancE'stellen ein 
Dodi aber aneb gar gn>ße Sebreeben 
Bm denen KMem oft erwecken 
Dmntufk&mmt in genessner Bfe&tf 
Aach des Cbriatkmdlems Kirreweib 




Dn bat «an a^b bei Licblasm fieil 
Da gebt man ^«r die fange Watf 

Zn aeben and sieb a^*a 

Sobakes 
Es kehren gbrieUaOs 
Die Fei*flag dareb die Dbtfeia 

Zn sehen eb 

Sie sieb aic^ta aa 
Und an dem liebea Kiadkinaü« 
Geht heftig aa der Ta^f^fiiia Pla^ 

Daan nm Lebaeltaa sie aa 

Vieljnnge 
Uad di e Cam Mjj 
dasG^tfad 

sieb aacb 
der 
Adam, Ewi jad Tiafal IW 
Die da t ulMa e n am wüdt 

Wann diese aoeh kaeai : 

Und denen Gassenknecht 
So stellen sieb arit beieas 8di( 
Auch gW^faDs tfe dias Paig 

Und laasea sieh mit ihiaai 

Andi ia dam altaa Jabr aa^ UtV 
So schaffet andi der kalta Frost 
Des Jahrs einmal reebf gafta Eoil 

Dafi (maa) mit 

Sich wisse ia die Zeit aa 
Dafi salTo ealenlo die ZaU 
Vo« dem Aagsparg'aebea Mir eiamil 

So nach den Monat nini ai ib i i dha 

Jetzt wSre noch viel aa gedenken 
Wie manchesmal sieh noeb befind^ 
Dazu besondere Piicbft f uUi nd't 

Als die Gebmts* aad NaaBeaaUge 

Die HoehzeitleBt* nnd aadba Wege 
Daran man sieb Terbandea aebt 
Daß sie wohl werden sagebtadit» 

Hieher kdnnt man mft F ug woh l debai 

Die Jongfem Hof nnd GoiapagaieD 
Die attn sonst lange Tig* ganennt 
Und eine Lost, die wohl feigSnat 

Wenn man jetzt fiber daa woHt kkgai 

Und TOB dem Jahr etamal tiel sagen 
So bonat man weiden ab g a ftthit 
Mit Gegenfragen nach der Zierd* 

Ob man nicht bald an alem Oifini 

l>ea 3mkca «soiaL ^arbobret aerdn? 



j 

i 



VOLKSTHÜMIiICHES AUS SCHWABEN. 91 

nal, wie es steht da. Und da weiß man schon nach der Reih' 

roback-CoUegia^ Wo alle Tag der Einkehr sei. 

f Tag gms lichtig halte Dies sei ja über'a Jahr eiasiat 

man kann, Tom Bett erkalte Ich schweig dämm wie Stein mid Stahl 

ir das Caffee und Thee Und werde keinen Streit anheben 

in Bereitschaft steh* Die Antwort kann ein andrer geben 

»lade andi nicht minder bklefi mi^ ans dem Jahr einmal 

edem, werd* ak g'sander Ein jeder tiehaii iein* Moial. 

i daa Geld recht lanf 

in ganxe Kränzlein auf 

ni. 

)er die Enöpflisnächte sieb „Apostelpredigen auff das 
— ftar die Einfältigen einfUtig und nützlich geatellt durch 
aeum Wagnerum.^ Getruckt zu Ingolstatt durch WoM^ang 
kl. 8^ S. 26 und 32 heißt es: soll sich ein Christ erinneiH} 
^löp fei s nacht die zu dieser Zeit einfallen ^ bedeuten „weil 
Elerr und auch die Menschen bei einander anklopfen, die 
n Qott anklopfet ist das Herz und klopft im Jahr nicht 
.y sondern ohne Unterlaß'' u. s. w. 

• : „und umb jhres strengen Klopfen und Anhalten wegen, 
1 Messias komme^ haben zweifelsohne daher die Elöpfels- 
1 Namen, daß sie stäts ohn ünderlaß an dem B[immel haben 
t« 

fc. Veitfeuer. Barth. Wagner 1593 S. 190 eine Veitspredigt, 

diese Sitte anspielt^ es wolle jeder zu St Veit laufen und 

faeit anhalten: d.h. ein Exempel seines Lebens und Todea 

Bändern gebe St Veit ein Scheit des Gebets, ein Scheit der 

den jungen Gesellen und Jungfrauen gibt St Veit ein Scheit 

;keit und Keuschheit u. s. w. 

L Johannes Segen sieh Barthol. Wagner 1593 S. 60: Und 

r St Johannes-Segen veracht, also sollen die Christen 

(e Rechnimg machen: die Creutz seien Johannessegen^ es 

Herr schon gebenedeit und gesegnet 

A. BIBLINGER. 



92 A. BIRr.IXOER 



ZEUGNISSE zu DEN VOLKSBÜCHERN. 



I. In einer Predigt des Pfarrers Bosecker zu AltenknnsUt Ifto 
ehen 1614 wird gelegentlich vom Adel bemerkt: 

^Besicht man dem, so sich grosses Adels vnd hoher Gebini 
berfimet ankunfil, so befindet man, daß ihre herrliche und addidM 
Insignia anders nichts als Kriegswaffen , damit jhre Eltern nnd Ulir- 
eitern die Tnng aufT den Wagen geworfen. DeOgleichen daß die tick 
grosser Thatten und weiter Reisen außgethan, etwan drey Meyl hindei 
Weyhenachten gewesen vnd gleich wie jener Schneider sibei 
Mncken — ey ich versprich mich — siben Türken auf! 
ainen straich erschlagen^ u. s. w. 

^Nichts hat so viele eheliche Herzen getrennt, so viel ehelidic 
Bänder zerrißen, so viel grausamste Blut und Mordthaten angestiftdj 
als dieser Erzschelm, der eifersQchtige Argwohn: das hfttte Iftngsteo 
bev ihrem Eavser Theodosio die Kavserin Eudoxia, bei ihrem H. 
Kayser Henrico die hl. Cunegundis, bey ihrem Pfalz grafen Si(p 
fried die H. Genoveva, bei ihrem Grafen von TockenbuTg die 
H. Itta wie auch jene unschuldige Rheingri&fin bei ihrem Rheiognfin 
erfahren" u. s. w. S. 450. 

IL ^Ftir was haltet ihr Christus? — Für Gott? — Ihr sagt: ja. - 
Ist er der^ als den er sich selbst bezeichnet, dem alle Gewalt gegeben 
ist? — Ihr sagt: ja. — Darf man denn Gottes Einsetzung ändern? — 
Ihr mflsst sagen: nein. — Wie wagt ihr denn von Gottes Wort m 
reden, als wärs des Pfaffen von Kaienberg, Markolfus, odei 
eines andern Buben Wort?" 

Als auf des Kaisers Befehl das Interim 1548 auch in Wesel ein 
geAihrt wurde und an Stelle der evangelischen Pfarrer katholisd 
gesinnte den Gottesdienst versahen, und einer derselben, ein Elraamianei 
die Leute von der Kanzel herab vermahnt hatte nicht zänkisch zu sein 
darum auch nicht auf den rechten Gebrauch der Sacramente zu dringen 
sondern Taufe und Nachtmahl so nehmen wie man sie ihnen austheile 
gleichviel ob Christus sie so eingesetzt habe oder nicht, empfieng e 
(Weihnachten 1548) einen anonymen Brief. Ihm ist die Stelle cnt 
nommen. (Das Original befindet sich im Kirchenarchiv zu Wesel.) 

HI. Van Tundalus dem ritter. Zo dieser tzyt anno donii: 
JJ4ff levede oucii eyn groiss edelmaw, mA ^«ä oxidx eyn wrede nuu 



2t:UGNI8SE 2lJ DEU YOIiRSBÖCHERN. M 

il ganta unaclitoam ap sijnre seien selicheit, and woint in dem lande 
[ybemia. disBelve ritter^ as he lach in syme doitbedde, so wart eme 
fn geist entsackt durch eyn engel, ind zoynte eme mencheriiande 
ijiien der verdoempder mynschen etc., as dae van is eyn boicholgyn 
emacht, genoempt Tandalos boich. 

Oonica van der hilliger stat van Coellen, fol. 169*'. 

IV. Cato. 1. Des Weinsbergers Chronik, hs. Kök 16. Jhd. I Bd. 
L 170^ bringt quedam ex Catone moralia. Dabei steht: „Catonis 
dchlin helt man vor eyn kynderboichlin; ich aber halt es vor eyn 
»icklin vor jonge vnd alte man , die Weisheit drauß leren megen« es 
; besser dan golt vnd perlen, den kindern wirts wol eingebilt, datt 
i flieh im manÜalter darnach halten sollen, jha waß darin stehet 
enet der hilligen schrifii, der politien; den rechten, der medicinen 
irhalb leer vnd thon es.^ 

2. In der pronica van der billiger stat van Coellen heiüt es bei 
elegenheit der Erzählung vom Tode des Cato Uticensis fol. 25^ : ind 
ider anderen boicheren die he gemacht hait is eyns dae in he schryfft 
d leirt altzo myrcklich vnderwijsunge, wye men dat mynschlich leuen 
ihicken ind regieren sali mit seedeu. ind vyss dem selven boich is 
Bliogen, as eyndeyll sagen, dat suuerlich ind nutz boicholgyn dat men 
en kynderen in der schoile liest, beyde tzo duytsche ind tzo latijn, 
id ifl gMioempt Catho. 

V. Vom Schlaraffenland. Am Sonntag Septuagesimae, II. Pre- 
igt handelt der churbair. Augustinerprediger Ertl (Nümb. 1721, 4**) 
om Schlaraffenland ad Math. 20: quid hie statis tota die otiosi? 

Inhalt: Wo aus gehet der Weg vom Schlaraffenland? Wohin 
ommt nuui durch den Müssiggang? 

jj&» ist ein Land N. K. doch weiß ich nicht ob es eigentlich ein 
isnd oder kein Land zu benamsen seie? Es is ein Land von seinem 
[amen sehr wol bekannt: Ein Land worinn jedermann gern wohnet 
od lebet and scheint es dem äußerlichen Ansehen nach, als seye diese 
itndschaft viel Lustiger zu bewohnen als das anfangs erschaffene 
lUstort des Paradieß. — Hier in dieser Landschaft gibt es keine 
jrbeiter noch Taglöhner ab, man darf keine Hand zu der Arbeit aus- 
trecken^ weder sitzen noch schwitzen, weder lauffen noch schnauffen: 
um hat jedannoch der besten Tag und alles Woüeben zu genießen. 
Vas ist dann das*^ u. s. w. 

In der Fasnachtpredigt S. 163: „Laßen wir mittun die Fastnacht 
ihren ehe uns der TUrk einen traurigen Aschermitwooh machet und 
K> viel lOOP Chiüten unter die Erden einäscUerl. äeVack^u Vvc ^v^^^V 



«•^ • 



M 1f' lATÜNDÖSI* 

nacht in das Utopisislie Läpp- oder Schlaraffenland hMeio mi 
seyen wir gesoheyd in unsem christlichen Ländern.*^ 

VI. Von den sieben Schwaben. In Spilan C^xlvria I oapw7 
steht nach P. Jahoda in adTent (Predigt oder Commentar) die OescUaiii 
von einer Volksjagd nach einer sicilianischen Höhlc; wo ein alter Bisil 
hanscy der aber vor vielen Jahren hier starb und dees^i Kgiir tad- 
reoht stdiend mit Schild sich erhalten hatte. In der andern hatte er 
^en SpieA. Das Volk -das schatzgraben wollte floh nad ToifalndslB 
die Mftre weiter. ^Die Baoem, sagt der chorbairische An gm t iB ef 
Pk-e^Uger (NOmb. 1721 S. 190), lauffen Bosanim mit großen Tromsdfl% 
&iittlen uifed langen Spiesen ; mit allerhand Ghewefar und Waflbn, «i 
schiene; als wollte ein gaases Kriegsheer wider diesen einigien BiesM 
zu Feld eichen. Da erfüllte sich aber jene Fabel, wie einsnal 
sieben forchtsame Schwaben mit einem Spieß seind aii* 
gangen, einen im Oebüsch verborgenen Hasen aafzujagen 
und nm sein Leben zu bringen.^ 

,,Gleiohermassen wollte die ganze Mannschaft diser ^iliaaer wie* | 
der den einigen Riesen sich anfinachen selben zu todten.*^ \ 

VII. y,Viel Köpf, viel Sinn, sagt einstens der Pfaff von Kaien- - 
borg, da einer ein Wagen voll Krautshäuptlein oder Kopf wngewoiAi 
und einer da, der ander dort hinaosgepturzlet; Einer aus vielen eprsn; 
dem Wirthshaus zu, wo gemeiniglich viel Leut Gesellen und Zeeh- 
brüder sein.^ Winterholler (Magdeb. Missionar) Predigten S. 809. 

A. BIKLUOBS. 



DREI RÄTHSELMÄRCHEN AUS MECKLENBÜßa 



L Zu Germania 14, 269. Die von R. Köhler a. a. O. an g e z o gen en 
Mirchen erinnern mich an eine verwandte Erzfthlung aus Mecklenburg- 
StreHtz, die ich nach der mündlichen Mitdieilung meines lieben sdigeo 
Onkels Joh. Andr. Latendorf (geb. 1782 in dem Dorfe üserin bei 
Neustrelitz) im Herbste 1856 niederschrieb. Diese mecklenbnrgis d ic 
Fassung berührt sich am nftchsten mit der norwegischen, bietet tlbct 
gleichwohl einige nicht unerhebliche Abweichungen. 

Ein Bauer hat drei Söhne, deren jüngster Hans als besondeis 

dumm ^h und von seinem Vater wiederholt zum Denken angefordert 

mrd. Nun rerhrütet sich das Ger^cbti eine ¥J5m*gi^AdDitftt wolle nur im 



bUßt RiTfiBELMiaC^MS AUS tt£CKL£N6ÜttÖ. M 

raten, der ihr drei Fragen idee, and «He drei Brflder, der verspottete 
jiB nicht ausgenommen; machen sich auf 4en Weg. Hans aber bleibt 
dderiiolt zurück, indem er auf <>egen0lltaide stöfU, die er ftUr Kostbar- 
ilen hält und mit dem freudigen Ausruf y^Funtus^ begrüßt Seine 
ftdir, die dmuM regalm&ßig BUFftokk^ipen, werden unwillig und be- 
ikmn, ihn selbst mit -Schlftgen, als er seine vermeinten Funde vor- 
igt Es sind dieÜ nämlich ein todter Vogel, ein BinMi^band und -ein 
hweinsdreck ('n sirtaskoelel). 

Vor -der Koaigstodifter ^igek<nmrmen, bestehen nun die beiden 
eren Brüder mit ihren Antworten schlecht Hans aber wird der 
tmahl der Königstochter, da ihm seine Funde die Antwort an die 
ind geben. Ihr beiderseitiges GhespriiA lautet nftndich: 

K. Hein ist heiß (ohne jeglichen weiteren Zusatz). 

H. wollen 'n Vogel drin braten. 

K. Dann springt der Tiegel. 

H. Ich leg 'n Band drum. 

K. Dann fteftf« WeU 'raus. 

H« wellen'« verspunden. 

S. Du bist 9Xich wohl so glücklich und hast von allem Sehweins- 



H. Richtig. 

Und indem er nun den Sehweinskoetel vorzeigt , endet damit zu 
inen Ghmsten die Unterredung. 

IL Zu -dem in der Germania IV, 146 aus dem Augsburger Räthsel- 
tche inityi^theflten Mfirdh^i filge i^ feigende anziehende Parallele 
•zUy die ich ans dem Munde einer Greisin in Below (bei Wesenberg 
Medclenburg-Strelitz) vernommen habe. 

Eün Bote wird in ein WirÜishaus geschickt mit drei Töchtern, 
ren eine seinem Herren zu Willen gewesen. Auf seine räthselhafte 
ispracbe ^erwiedert nun die Betrofoie in einer ihm unverständlichen 
eise, daß sie nach ihrer Niederkunft mit dem Kinde zu dem Geliebten 
:h begeben werde. Das Gespräch selbst lautet: 

Bote: Guten Tag ihr Jungfern alle drei, 
Ich weiß nicht, wer die rechte sei. 
Ich «oH euch grüßen von dem; 
Ihr werdt wohl wissen von wem. 
Ihr sollt ihm sagen das; 
ihr werdt wohl wissen was. 
Wii th a i to Aler; -Setzt euch ein wenig siedet*, 

{S^rMt euren Herren wieder. 



96 ^' LATENDOKt' 

Wenn der Berg vergeht^ 

Der vor mir steht: 

Dann werd ich ihm schicken das; 

Er wird wohl wissen was. 
III. Wegen des verwandten Inhalts filge ich ein drittes Mircha 
hinzu, das ich derselben alten Frau, einer jetzt verstorbenen lid>ei 
Verwandten, verdanke. 

Heut ist's 'n Jahr und einen Tag, 

Da schmiß ich einen Apfel ins grttne Oras. 

Ich möcht wohl wissen, ob er 

Gefunden war oder nicht. 

O )a, s^' (sagte) si. 

Wat wast, s^' he. 

As he, s^d s6. 

Noch ens, sed' he. 

O ne, s^d se. 
Der ehemalige Bräutigam sieht seine Geliebte mit einem andern 
Manne zur Trauung gehen, und erkundigt sich an der Kirchenthflr. 
ob sie von ihm einst ein ELind bekommen. Ihre Antwort deutet den 
Knaben an. Nach einem andern Bericht aus Userin lautet die letste 
Frage gemüthUch ansprechender: 

Isser noch dor? s^d* he. 

O ne, s^d' se. 
Verwandten Inhalts ist das Räthselmärchen bei K Meier Kinder* 
Beime und Kinder-Spiele aus Schwaben 1851 S. 86, 87 (Nr. 3Ö5), wo 
auch der Apfel als Bild der geschlechtlichen Vereinigung gewählt ist 

SCHWERIN, August 1871. FRIEDRICU LATENDOBF. 



EIN VERSCHOLLENER RATHSELSPRUCH AUS 

MECKLENBURG. 



R. Köhler hat in dem Weimar. Jahrb. V (1856) S. 329 ff. über 
die älteste handschriftliche Bäthselsammlung wie vor ihm Hoffinann von 
Fallersleben ebend. II 233 tL und nach ihm J. M. Wagner im Serap. 
1862 (XXUI) Nr. 6 S. 88 ff. über das älteste gedruckte ^Ratbttchlb* 
eingehende und dankenswerthe Mittheilungen gemacht Eines der von 
ihm besprochenen und mit reichhaltigen literarischen NachweisungeD 
MUßß^eatatteten Räthsel (Nr. 22) bietet ihm die VocanLassung, ein Uteini- 
sÄetf Rätbsel nach Conr, Gresner aiiz\:iÖ5JMWiix, ^^* ^^^ wJtewasj^^^ÄS^ 



N VERSCHOLLENER RiTHSELSPRÜCH AUS MECKLENBURG. 97 

keiten von ftlnf Vögeln gedenkt und aus dem Deutschen über- 
D soll. Die lateinische Fassung lautet: 

Avis est quaedam sine lingua, 

uberibus alit altera pullos, 

tertia laetitiam nescit, 

quarta caret sanguineo succo, 

fructu vescitur ultima trimo. 

Oryphum solve et Phoebus eris mihi, 
em hae aves ciconia, vespertilio, noctua, apis, et quae baccis 
pascituT; inde nominata Germanis, quam aliqui turdorum generi 
ant. 

le deutsche Fassung weiß Köhler nicht beizubringen. Mecklen- 
tet eine solche, aber ohne vollständige Übereinstimmung. Die 
age, wie ich sie aus dem Munde meines Onkels aus der Um- 
^on Neustrelitz gehört und u. a. auch in der Meckl. Zeitung 
Febr. 1862 mitgetheilt habe, lautet: * 

De irst Vagel is god, 

de twed het ken blod, 

de drtldd het k§n tung'. 

de virt soegt sin jungen, 

de fbft het ken gall, 

dat stlÄd de fiv vsegel all. 
zu die entsprechende Antwort: 

De adelar het k^n tmig', 

de fledermüs .soegt @r jungen, 

de kr^yt het ken blöd, 

de imm' ^r smeckt göd, 

de düv het ken gall, 

dat stlnd de fiv vsegel all. 
Krebses — allerdings ein noch seltsamerer Vogel als die Fleder- 
wurde mir von andern der bussksewer genannt, der etwa 
selben Rechte zu den Vögeln zählt, wie die Biene und (was 
h gelegentlich erwähnt wird, s. Köhler a. a. O. S. 348) die Mücke, 
anum des Krebsblutes aber, als in Nirgendheim befindlich, 
ich ein hochdeutscher Spruch, den ich gleichfalls unweit Neu- 
>n einem früheren Pächter in Blumenhagen gehört habe: Glocken- 
aubengall und Krebsblut sind filr das böseste Übel gut 
[WERIN, 17. Juli 1871. FRIEDRICH LATENDOBJ\ 



U. Nmt0 Reibe V. (IVU.) J»hrg, 



98 HERMAKN KURZ, HERMES. 



HERMES. 



Herodot V, 7 : 6ißovxai 'Eq^l^ fidkiöta ^bov. Cäsar B. g. VI, 17: 
Deüm maxime Mercorium colant Tacitus Germ. 9: Deomm maxime 
Mercorium colant Nicht als ob die Herodotische Stelle unbekannt 
wäre; aber sie scheint doch nicht genug beachtet zu sein. Einmal ist 
es klar, daß Cäsar, als er seine Wendung niederschrieb, den Herodot 
(gleichwie nachher Tacitus den Herodot und Cäsar) vor Augen hatte^ 
wodurch die Lesart Deüm, flir welche ohnehin die nachfolgende Auf 
Zählung anderer Gottheiten spricht, über jeden Zweifel hinaus fest- 
gestellt wird. Sodann aber ist die Nachricht, daß bei den Thraken 
die Könige ausschließlich und von dem Volke abweichend den Hermes 
als ihren Hauptgoit verehrt und ihr Geschlecht von ihm abgeleitet 
haben, von Wichtigkeit fiir die germanische Mythologie. Die Identitit 
des Hermes-Mercur-Odin- Wodan steht fest, wenn auch die Kennzeichen^ 
nach welchen die interpretatio graeco-romana verfuhr, noch immer 
fraglich blieben; es verdient indessen bemerkt zu werden, daß die 
antike Welt in diesen An&ngen vergleichender Mythologie im Ganxen 
mit einer auffallenden Sicherheit und Übereinstimmung zu Werke 
gegangen ist. Nim war Odin- Wodan bei einem Theil der Germanen 
vorzugsweise aristokratischer Gott, während er bei einem andern Theil 
derselben (Gr. M. 140 f.) mehr Volksgott gewesen zu sein scheiDi 
Auf ihn führen angelsächsische, skandinavische und gothische Könige 
(bei letzteren Gapt = Gaut; so schreibt auch Gregor von Tours ^ta- 
charius fUr Authari) ihre Abstammung zurück, wie die thrakischen 
auf Hermes; und ganz der Herodotischen Meldung entspricht es, wenn 
im Harbardsliede Harbard-Odin zu Thor höhnend sagt, daß Odin die 
Jarle habe, Thor die Thräle. Hierin ist ein germanisch-thrakischer 
Stammes, oder Culturzusanmienhang ausgesprochen, welcher der stam- 
melnden Erinnerung an Thrakien, Ghiechenland, Byzanz, die bei Paolos 
Diaoonus, Snorri, Saxo nachklingt, zu einem gewissen Rechte Y6rhil& 
Aber nicht bloß durch Hermes knüpft sich dieses Band, sondern nock 
durch eine bedeutender gewordene Nebenform desselben, Odyssens hat 
mit Hermes so vielerlei Berührungen, daß er füglich als sein Doppel- 
gänger unter anderem Namen angesehen werden darf, dessen Sage 
sich theils, trotz der Verdunklung des Gottes zum Heros, in voUeren 
Zügen erbidten hat, theils freilich mit ganz anderartigen Sagen ver- 



W. CBECELIU8, WORTEßKLÄRüKGEK. 99 

roben worden ist Ob die Annahme, daß Odysseus und Odin namens- 
'erwandt seien, richtig ist, muß dahingestellt bleiben; aber von Odin 
trzählt die Sage, wie er im Elend umherirren und seine Gemahlin in 
remder Gewalt lassen musste: und gerade dieß ist auch der Kern der 
3dyB8eu8sage. Tacitus hat die Nachricht vorgefunden, daß Ulixes (d. h. 
lelbstverständlich seine Sage) nach Deutschland gekommen sei. Allein 
ichon die Zeit Homer's hatte eine dunkle Kunde von Festlandswande- 
rungen des sonst seeverstdrmten Helden in ferne Gegenden, wo man 
Dicht Meer noch Schiffe kennt und sein Uuder fbr eine Schaufel hält 
(Odyssee XI, 121 ff., welche Stelle Pausanias I, 12, vielleicht nicht 
ohne Humor, auf die Epiroten deuten will): dieser Wai^derer Odysseus 
erinnert an die Wandernamen Odin's, Gangradr, Gangleri, Vegtamr, 
und an den viator indefessus des Saxo. HERMANN KURZ. 



WORTERKLÄRUNGEN. 



1. Hede. 

In Grimmas Wörterbuch ist hede (stuppa) auf skaidan zurück- 
geführt und mit bairisch Jtaid (Abfall) zusammengestellt. Das Wort 
ist indeß hauptsächlich niederdeutsch und wir haben die verwandten 
in dem Angelsächsischen und Englischen zu suchen. Hier finden wir 
aber ags. heordan heordas (heordan Gl. Cant.; Junii Etymolog. Angli- 
canum), altengl. herdis (Wicleff Bibelübersetzung Richter 16, 9. Vgl. 
kyrdjfg or herdys of flax or hempe, Galfrid. Promptorium parvulorum) 
und neuenglisch in Dialecten herdes (= coarse flax, dressed flax: 
Dictionarj of obsolete and provincial English by Thomas Wright, 
London 1857 II, p. 564), harden (= coarse linen cloth: The dialect ot 
Cmven, London 1 828, Vol. I, p. 212), hards (in Norfolk = coarse flax, 
in anderen Theilen von England hurds genannt; vgl. hirden harden in 
manchen Gegenden = a coars kind of linen cloth: Promptorium Par- 
Tnlomm Rec. Albertus Way, Londini 1843, s. 241). Auch in deutschen 
Glossaren ist das Wort mit r verzeichnet: herdun Gloss. Fuldenses; 
ituppa herdun bei Holtzmann Reichenauer Gloss. s. 117; herde heerde 
fibra Uni bei Eilian Etymologicum teutonicae linguae s. 233. 

In Bezug auf den Ausfall des r ist es zusammenzustellen mit 
Ad aus erkel, köder aus kerder^ miete (altsächs. mieda meoda meda) 
«u (ags.) tneord (goth.) mizdJo, 

Aus d^i verwandten /Sprachen lässt sich grieo\i. XEQulov ^^x^^vScl^'sv.^ 

1* 



100 LTTTERATUR: FÖBSTEMANN, NAMENBUCH. 

2. Ke'bbeigasse. 

Herr Förstemann stellt Germ. XYI, 279 KtbbeUtoiete vermathm^ 
weise zusammen mit Kipperbriicke und denkt an den Handel mit scUedh 
tem G^lde. Auch in Elberfeld gab es vor mehr als einem Mcnschenallar 
eine Kdhelgasse, ein jetzt längst zugebauter schmaler Durchgang. Dort 
ist nie Handel irgend einer Art getrieben worden, wohl aber modite 
sie recht geeignet sein, nachbarliche und andere Zwiste auszufechten. 
Denn sek kebbeln oder kewweln bedeutet im hiesigen Platt y^sich zan- 
ken.'' Den gleichen Namen verzeichnet Fr. Woeste (Iserlohn und 
Umgegend. Beiträge zur Ortsnamendeutung, Ortsgeschichte und Sagen- 
kunde. Iserlohn. Druck und Verlag von J. Bädeker. 1871. S. li) av 
Iserlohn: ,,Wie der Name Kähhelgasse, j. Mflhlengang, entstanden seil 
muß, legt sich jeder leicht zurecht, wenn er weiß, daß yykftbbdD* 
keifen, laut zanken bedeutet.^ So möchte wohl auch KtbbeUwiete n : 
erklären sein. 

Über die Kipperbrücke in Hamburg erlaube ich mir kein UrtheO, | 
da ich fbr diesen Ort nicht local- imd sachkundig bin. Am Niederriids i 
würde man bei einem solchen Namen zunächst an Kipper '=^ Küpper i 
(Küfer) denken, und denselben von dem Gewerbe oder von den 
daher entnommenen Familiennamen ableiten. 

ELBERFELD. W. CRECELIUa 



LITTERATUß. 



Altdeutsches Namenbuch von Prof. Dr. Ernst Fö rs tem an n. Zweiter Baid: 
Ortsnamen. 1. Abtheilnng: A — Ch. Zweite, TÖllig nene Bearbeitnig. 
Nordhaosen 1871. (25 Bogen.) 

Eine neue Auflage des genannten Werkes können wir nicht anders ib 
mit lebhafter Freude begrüßen. Trägt sie auch, was bei der nnermeßlickei 
Fülle des Stoffes und den überaus großen Schwierigkeiten der Aoifulinng 
jeder EinsichtsToUe begreiflich findet, da und dort noch Mängel an aidi, so 
zeigt sie uns doch allenthalben deutliche Spuren einer sehr fleißigen wie waA 
einer gegen früher im Ganzen umsichtigeren Arbeit. 

Wie groß die Anzahl der neu aufgenommenen Namen ist, kann man ia 
der vorliegenden ersten Lieferung z. B. an den Stämmen BAC und BIBG er- 
kennen: die 1. Auflage zählte 682 Namen mit bac auf, die 2. hat deren 785; 
jvnd dort düt 359 Namen mit birg aufgeführt waren, finden wir hier 430- 
btßher noch nicht ausgebeuteten QweWeii) d\e \m« d«A \^In»^'»:^gG^3lj^ «nCnhlt. 




I.ITTERATUK: FÖHSTEMANN. NAMENBUCH. 

rößCcnthuilB erst nach der 1. Auäage von Forst oidilu na Ortsnamen erBcbieneiie 

DrlcandenBainmlungoii, bilden eine stattliche Reihe. Der emsige FleiQ FörstemaniiB 

1 ««b ferner in vielfnchen Spuren einer aorgiiameren Prüfung der Belege ; 

nieder ist, wie bdm Codi'i LaureshumenBiB — durch Rulnnd — lina 

pnal der t'rlcunden selbst zn Käthe gezogen, eine mühevolle Arbeit, die 

I Fallen darauf verwendet werden aoUte, um den großen Vorrath 

r ttlteaten und wichtigaten Namen kritisch ia aiuhli'n. Wie viel Gewinn 

tJnterauchungen fiir die historische Graraniiitik erreicht worden 

, hat nna Föratemann selbat schon in manchem Aafsnt/e der Kuhnachen 

■chrift gezeigt; wir geben nur trinein liingst gehegten Verlangen von Meaem 

ea als eine dringliche Aufgabe bezeichnen, bei einer 

M-iten ReviaioD der nicbtigst'^n Urknn den Sammlungen alle Xamen deruelben 

I Oegfjist.aiid;: von Einielarbeiteu zu machen, worin die grammatischen Er- 

Inuaeen ühersichllicb und erBchöpfend dargestellt Bürden- Trefflich vor- 

1 dieser Beziehung tbeilvreiso schon tu den ersten zwei Bänden 

rinholds Grammatik der dentjcben Mundarten; die Benutzung dieses 

I konnte schon vielfach für Füratemunna Arbeit von Vorlheil sein. 

Vir gehen nun daran, eine Reihe etymologUcli- kritischer Bemerkungen 

uelne interessante Namen der eraten zwei Buchslaben anzuknüpfen, wobei 

fab Gelegenheit finden wird, dieaen und jenen wichtigeren Punkt schärfer ins 

Sp. 3^. Alfi mit Alaia und Aiantia zu Alaffa, Ativp-nj und Ali'ijia'h ge- 
I dürfte wohl auf einen zum Grunde liegenden BaumnuLnen führen; am 
1w)neniBteTi psHste cUe Ahle (der Faulbaum, TrauhenkiiBchbaum), Prunus padus, 
I doch kuin bei den Gewüssernumen auch an aX, anguilln, gedacht werden. 
■Wxinm Alaia Sp. 42 (mit der unrichtigen Verweiaung auf den 1. Band des 
NriiTi-t,biifheH statt auf die 1. Aufl. der ON-l Tiir 'aicher unJeut-ch' /u halten 
«'üßic ich nicht zu erklären ; ist der Name gut überliefert, ao gehört er 
:xMi,'11.>y mit Brcdanati, Welanai'a, wohl auch mit Alze<a zusammen. — 'Ania 
ÜLimme ÄMBAHT (Sp. 72) stellen wir ohne Bedenken das Sp. 239 unter 
— bft aufgeführte Fifanbeian (11. Jhd,, Friceland), deaaen erster Thoil doch 
Btchti anderes als die Zahl fünf, fif, sein wird. — Sp. 100. Apbnpa/alia steht 
wahrscheinlich mit Diltographie für Aphalaha, vgl. Ap/alaga, Abfelbac.h, wo 
gleichfalls nicht der Baum , sondern die Frucht die Benennung hergab. — 
ap lOT gibt Fcirsleniann eine neue Etym^ilogic für nilid. egerde, der angc- 
annimene Überfang von ara in * nragarto. ArktrgarleTi in bloßes e (e? Lexer, 
VM ndwb. 512) kommt una jedoch alhu gewaltsam vor nnd der Zasammeu- 
I -p" von egcrdc mit garte wird gleichfalls (mit Leier] abzuweisen sein. — 
-Ti ]_'l Anita, jetzt Erwitte in Westfalen, will F. mit Bender — Arwitj, 
■" ' ' " '. fügt er hinzu, 'sollte man ein Erbaenfcld (arvi- 

I faerausdenteln kiinnen? Wir halten Aruitdi für die etymologisch sorg- 
e Schreibung des Namena, Stamm arrit'- fervet'-, erwil'-,) Suffii -di, -thi. 
denken verbietet außer dem unerklärten auslautenden i des ndd. 
•tgebsltcne t. Zu vergleichen ist der hübmische ON'. Hrachoviitf'. 
IC. Wtkhe der alteren Formen des ON. (Arvita, Arviti. Arwitli, 
rvitdij doli nun aber vorangestellt werden? Zweifelsohne nicht 
it, sondern eine Nominativfona (,'Sokv. -\, ¥.**««& -\»^i\ 
■- — 8p. 132 steht ein aelUamea Asnagohunc CUuiivi- 




102 LITTERATÜR: FÖESTEMANN, NAMENBUCH. 

herek beisammen; F. bemerkt dazn: *bei den ersten beiden Silben fittt iferl 

altsächs. asna, Zins, Abgabe ein ; wir, die wir nun einmal ron dem Gediak*: 

nicht abgehen können, daß sich unberechenbar viel Natarhistoriscbes am ^ 

ON. muBte ^eraosdenteln' lassen, wenn nur ein annähernd ▼ollstöndiger il^ 

deutscher Nemnich auf uns gekommen wäre, möchten ein ^asuag zuTordent rf 

'sndwag, stddag u. dgl. Adjectiven Terbinden und mit Atnapium und ÄMmg (OiMif 

auf einen bisher unermittelten alten Pflanzennamen besiehen. Im zweiten TWI 

des Namens könnte wohl ein Terstnmmeltes oder verlesenes haue (hove) zu • 

kennen sein? — Sp. 134. Abbqj die Asse bei Wolfenbüttel; Terdiente d 

Deutung Bluhmes (Die Gens Langobardorum 1868) gar keine Beachtung?- 

Sp. 150 OUrammesriohd ; bezüglich des h (wie in deohmuati) vgl. Weinbo) 

AJem. Gramm. §. 287. — Sp. 192 PaHngahei ist doch am natürlichsten 

Patin-gahei aufzulösen ; wegen des frühzeitig eingetretenen ei s. Qnff TV, 7€ 

schon goth. mais! — Sp. 195 Patolontuun; Ausfall von h öfters bei Neugi 

s. Weinhold AI. Gr. §. 231. — Sp. 219 Bauoäa; der Form BattMa weg 

ist der Name wohl zu Langon-, Monzan-, Nitti-, Wonoman- (zu alts. wiaaa 

hft zu stellen (Heyne, Altniederd. Eigenn. S. 36). Zum Stamm BAB s. Sirad 

Jans treffliche Arbeit über die jeverländischen PN. S. 80. ~ Sp. 244 Bi 

floKj Bibüoz j. Biblis bei Lorsch; wir möchten erklären: bibi-fld^, dureh Ai 

stoßnng des dritten Labials (wozu sich Analogien dürften finden lassen, ti 

leicht rid = frid in PN.? Förstemann PN. 1053) bibil6^, von bib^n (nicht s> 

bif) und fl6^, Tgl. waskiwa^ar, renniwöc u. dgl. — Sp. 250 Biangibudiburgj 

Bienenbüttel, deuten wir btan(ö)-gibüdiburg; warum könnten nicht auch 

wie Bihingen, Bionhusen, Biendorp an bfft angeschlossen werden? Vgl. Förstemsi 

Die deutsch. ON. S. 148. Mit biangibudi vergleicht sich leicht -bererigis 

(Var. -saeti). — Sp. 272 Birithi nach F. eine Gegend, in der viel Beo 

wachsen; eher wohl eine bimenreiche. So stellen wir auch Birscachim zu b 

und vergleichen das oben enf^Umte Abfelbach. Die Form -scachim dieses Naro< 

(Sp. 273) läßt, wovon unsere Wörterbücher Nichts melden, auf ein stark 

der I-Declination zugehörendes scach schließen ; so ^de auch das geneftivisi 

Puohsceho (Sp. 293) seine Erklärung aus -8cahj6 und die dativisehe Fo 

Puokgeein stünde = Puohscehin: frühes Auftreten des Umlauts, Scbwichi 

von ch zu h, Ausfall dieses h, s. Weinhold bair. Gramm. Vielleicht ist ai 

für das verderbte Puochstachun (a. a. O.) Puochscachim oder Puochscaehim 

ae = e zu lesen? Wo sich derlei Casus obliqui der Namen erkennen oder i 

muthen lassen, wäre überall Auskunft über die syntaktische Beziehung d 

selben willkommen, so vor Allem Angabe der begleitenden Präpositionen. 

Sp. 278 bemerkt F. unter BLAD, ein solcher Wortstamm von PN. sd i 

jetzt durchaus nicht mehr zweifelhaft; warum entschließt sich Förstemann ni( 

auf Starks Arbeiten zu verweisen, der doch diesen Stamm (1857) richtig 

kannt hat? Im Interesse unserer Forschung kann man nur wünschen, daß i 

gerechte Schätzung ihrer beiderseitigen unbestreitbaren Verdienste bei Föntemt 

und Stark selbst zum Durchbruche käme, statt daß auf der einen Seite 

bittere Schmähung, auf der andern nur stumme Verachtung fortdauere. 

Sp. 311 BRAC; hier kommt uns bei den niederdeutschen Namen, eher als a 

brächa, das ndd. (und engL) brake in den Sinn, dessen Verwendimg in i 

gewit^ nahe läge, besonders wo kein Ackerland an brächa denken ließe. 

Sp. 316 DreiinholOf nach Woeste m aäncnr tc«S^c\i«OL Ki^^^^ '\3^si^W und 1 



UTTERATCR: MITTELNIEDERDEUTSCHES WÖRTERBUCH. 103 

^^ V^Scad' (1871) jetzt Brehlen nnd von ihm erklärt: Breitenhochwald. — Sp. 866 
^ -^USmütin, jetzt Blnnk; an die Stelle von Förstemanns etymologischem Yer- 
^* ^e&e wollen wir mit dem Gedanken an die Wagrier dieses Gebietes eine 
y- ^risehe Deutung setzen: bali = altsloven. bolij major, lunkin (mit deutscher 
^ DsaliTfbrm) zu laka (lanka) palus, silva, pratum. — Sp. 358 erklärt F. mit 
w Z«iatzel Inmcia in Wigberhtesbuncia für Schlacht, denkt aber auch an Zusammen- 
f kaig mit biund. Welche Stütze hat wohl die erste Deutung? und könnte denn 
:' die Übersetzung: Schlucht mit der zweiten Deutung sich Tereinigen lassen ? In 
engerer ördieher Verbindung steht Wigherhiesdent (s. ON. 1. Aufl.), dessen 
-dene TieUeicht zu ags. denn, Lagerstätte oder ahd. tenni, Tenne zu halten ist. 
Ob F5r8temann für die TÖllig neue Bearbeitung seiner ON. alle be- 
■otiten Quellen auch Tollständig erschöpft hat, kann ich nicht untersuchen, 
idi Tennisse aber z. B. aus den vorzüglichen Beiträgen von Crecelius im Buch- 
staben A Adanhe, AlvaUuthorpy Aldulfaahem. 

Was die Ausstattung der neuen Auflage betrifft, so dürfen wir dem Ver- 
leger (F. Förstemann in Nordbausen) unsere Anerkennung nicht versagen ; doch 
können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß bei der bedeutend leichteren 
Bestellnng des Druckes der 2. Auflage ein niedrigerer Preis für das Werk im 
Interesse der Sache wie des Publikums gelegen hätte ; die 2. Auflage wird um 
ein Drittel theurer sein als die erste war und doch — nach dem Maßstab der 
1. Abtheilung — nur etwa 170 Spalten mehr bringen. 

LETTMERITZ, 17. November 1871. IGNAZ PETTER8. 



Mittelniederdeutsches Wörterbuch von K. Schiller und A. Lübben. Erstes 
Heft: A — amt. Bremen, 1872. Verlag von J. Kühtmann*s Buchhandlung, 

Es gereicht uns zu größter Befriedigung, das endliche, lang verkündete 
md sehnlich erwartete Erscheinen der ersten Lieferung des Mittelniederdeutschen 
Wörterbuches anzeigen zu können, eines Werkes, bei welchem, wenn je, die 
tite Phrase von dem ^längst gefühlten Bedürfniß' vollberechtigt ist Denn auch 
fiber die Ej^ise hinaus, welche sich vorzugsweise der Pnblication oder dem 
gnunmatisehen Studium niederdeutscher Sprachdenkmäler widmen, wird es als 
dn Mangel empfiinden worden sein, daß unter der reichen Wörterbuchlitteratur 
imserer Tage ein Werk wie das nun erscheinende fehlte. Nicht daß dieser 
Zweig philologischer Tbätigkeit im Niederdeutschen ohne Pflege geblieben 
wkm Tielmehr haben fast alle Schattierungen des niederdeutschen Sprachge- 
bietes ihre lexicalischen Bearbeitungen aufzuweisen und darunter einige vor- 
zügliche; aber der bedeutende Schritt vom Idiotikon zum umfassenden Wörter- 
buch blieb noch zu thun, zu einem Werke > welches freilich nicht, wie die 
Ankündigung des Verlegers sagt, ^an die Stelle des längst vergriffenen bremisch- 
niedersächsischen Wörterbuches treten soll', sondern das Seitenstück sein zum 
Mittelhochdeutschen Wörterbuch. 

Wir wüßten kaum zwei Männer zu nennen, die zu einem solchen Werke 
besser befähigt wären, als die Herausgeber, von denen der Eine als Editor 
niederdentscher Dichtungen, der Andere als Verfasser des trefflichen Thier- 
imd Kriotarbodbes und der Beiträge zu dnem iiAt^i^km^^vx^VQXw^^!^ ^^»»»s. 



deraTilA 

1er NmdA 



104 LITTF-IUITR: MITTKLNIPIDERIIEITSCIIES WÖBTEHBUCH, 

ht'itt^ii* bckuiDt Ut; Letzteren) Bcboint die Arbeit des Ürdneiu und Redigii 
KU ltl^f allen su lein, — wenn anders wir es richtig verstehen, d&iJ auf 
liliitto mit Umgehung der BOiist üblichen alphabetischen Ordnnug äet 
bei ({omoinschaftlidhen Publicutionen Schüler zuerst genaiint ist. Die Erwartungin 
illn man von dem Zusummen wirken der heidoii Münner hegen durfte, sind i«A 
nicht gotiiuächt worden, wie die Torliegende Liefemog beweist, die in der Tklt 
wenl^ Oruud cu Ausstellungen gibt. DnC ein oder das andere nicht reneichiMtl 
Wort nnchiutragfin sein wird, ist unvermeidlich; auch beschrankt sich dttN 
unsere Bemerkung auf die unerschöpfliche Z:ihl der mit Prüpositionen znsamin«- 
Ituselaten Verh*. Nur einen Wunsch wüßten wir zu äußern: den nämlich, dil 
weiterhin noch mehr n\» schnn genchefaen ist, das Geschlecht der Subitsnäfl 
«ngegebtn werde, auch namentlich üb dieses Substantiv stark odir schwM 
fleoli(>Tt oder in beiden Formen erscheint, und daU ,)ede dieser Modalit&ten <■] 
riiicm Bi'iipioli' illuslriint werde; das ist um so wünschen swerth er , da gemll 
in dlHftm Punkte der Gebrauch im Niederdeutschen ein sehr schwankender id 
Ein Vorwort »noi Wörterbuch wird uns für die Schlnßüeferung d« enU 
Uiindrj vcrbffißon. Wir gestehen, daß wir dasselbe gern schon zu Anfui£ p 
hdbl hSttrn, nltmentlieh am uus demselben zu erfahren, welche räumlichen Di 
■flllicheu Greuicn die Verfasser ihrem Buche gesteckt haben, denn mit rolli 
Sicherheil g<-ht du aus dem vomusfreschicklcn Verieichniss der beantil« 
Qudlcn und Illilfamittnl nicht hervor. Tünschen wir uns nicht, so sollen mn 
•ciU «lieh die PcnkmKler der nirderrhein&ünkischeo oder cölnischen Mand« 
mit in Betncht gtio^n und andererseits der Begriff des Mittel niederdeutsrbn 
hi* «nf dir Periode ausgi^dehnt werden, wo d»s Niederdeutsche sich noch wvh(( 
dem Neuhoch Hvulirhtrn lu weichen. IjetitenM glauben wir aus den Belegen «a 
S4slT«w«U «ehliei^cn tu ditrfen, und wir bekennen, daß wir diesen GeficfaH 
punkl nir durch «QU richtig hsltcn. 

Ihn» erwfthnte (JucUiuiTOTicicbniss, welches ni«ht weniger als einen Dmefc 
tK^n Rillt, iil Olli gUntondes '/.cngniw fiir den Fleiß der Verfasser. Jede 
KwtHÜi:» weiß, dal) die Ausarbeiliing elnea niederdentschen Wörterbacbe« nod 
■WiglMeh nillbpirollN' iat, als die der meisten andern Lexika. Denn hier tdi 
M in kohew Ontde a» Vorarbeiten, an snnurliüdgen Teitnasfabcn; snm frOltta 
TX/tü aind «w Inrunabeln, nm mit Opfern ni beschafien nnd unhandlich S 
4i* B w s Kto my. am daam di« V«rfWw ihr Mattrial gesogen haben, und «I 
dlitiawifclfl bt, w{« ^ «n «ind, ivt daif mdt aneb nicbt auf die Abdrftdl 
4» I H u fc wm, iMiMbwg, BnoM «. A. m. vcria»«, ■ondcm tunll »n di 
lh«*wfcriftwi MlUt naMkfr^hm. IwlMMn «%« wir du QoeUmrenciehBil 
«Im* Wir ab •£)*• AbwttUirMnhhMifc bftaachte«, wvilni vMbnrhr di« Botbm 
b iUP f . <UB f* A*» VnfiMHm gefiil)«n miSf. «m »oA vntiftlndiserea T« 
■rit W iw M» Svkhift ib« Wwitw n f«b«n: d««in wir w«an Torai» und hnA 
4aB dk* MWM^ Kifhr fb ttvc l^>V•I)«alkla ni>fdeiJrBt>ck0 SprachdcdwÜ 




UTTERATÜR: HÜGEL, OTFRID'S VERSBETONUNG. 105 

itea nnterworfenen Chancen des Absatzes geknüpft istj wenn dem aber ein- 
il M iil, so sei um so mehr Jedem ans Herz gelegt, an seinem Theile lur 
rderang des Werkes beisatragen. 

I^EIPZIG. KARL SCHRÖDEa 



el, Dr. Richard, über Otfrid's Versbetonung. Leipzig 1869. 
P. C. W. Vogel. 8. 50 S. 

Die kleine Schrift ist eine wesentliche Bereicherang uniserer metrischen 
rator durch die feinen Beobachtungen über Otfrid's Verskunst, Beobach- 
»y deren Tragweite sich auf die ganze altdeutsche Metrik erstreckt. Der 
isser geht aus von dem zuerst von mir aufgestellten Gesetze : daß bei zwei 
amenstoßenden, durch keine Senkung getrennten Hebungen die erste höheren 
haben muß als die zweite, und untersucht gründlich die einzelnen Wort- 
en, in wiefern sie bei ausgelassener Senkung nicht hebungsfähig sind. 
htenswerth ist für den Artikel die Unterscheidung der älteren von unserer 
«, indem das demonstrative Hervorheben, das die Hss. dann auch immer 
h Aceent bezeichnen, viel häufiger ist als unserm Grefühle nahe liegt, und 
^emäß anch die Hervorhebung des Pronom. person. (S. 14) und des Pos- 
nuDS, die für uns auch etwas auffälliges hat. Wenn ich hier dem Verf. 
ommen beitrete, so finde ich dagegen bedenklich seine Betrachtung der 
Bannten Silbenverschleifnng. Hügel leugnet dieselbe für die ahd. Zeit, weil 
s unglaublich findet, daß man zwei verschleifte Silben so sprechen könne, 
sie als ^e gelten dürfen. Daß sie einsilbig gesprochen werden, ist auch 
t nothwendig, es kommt nur darauf an, daß sie als Zeittheile nicht mehr 
n einnehmen als dine lange Silbe. Es fallen also nach meiner Ansicht in 
Verse gibU giwelich mannd wirklich die beiden Silben gibit auf die Hebung, 
gi in die Senkung. Daß dies der Fall, geht aus den von Hügel später 
33) besprochenen Stellen hervor, wo quemcy bere, wini am Schlüsse des 
«8 stehen ; . denn auf die letzte Hebung kann nichts weiter folgen , mithin 
m die beiden kurzen Silben die Hebung gerade wie gibü innerhalb des 
les. Wenn es Hügel auffallend findet, daß dieser Fall bei Otfricd nur zwei- 
im Reime eintritt, so liegt der Grnnd in dem größeren Tongewichte der 
en Silbe im Althochdeutschen; im Mhd. wird bei leben y ff eben der Vocal 
letzten Silbe feist ganz unterdrückt, daher auch lebn, yebn geschrieben wird, 
ireh gewinnt die vorletzte Silbe wieder den Zeitraum, den ihre Bedeutung 
Trägerin des Reims erfordert. Im Ahd., wo der Ton auf beide Silben von 
le, wini sich beinahe gleichmäßig vertheilen muß, kommt die Reimsilbe 
» zu kurz, und es ist also nur ein selten vorkommender Nothbehelf, wenn 
id dergleichen Worte in den Reim setzt. Ganz Recht aber hat der Verf., 
D er in der Senkung die Verschleifung für 0. leugnet und die von Lach- 
n angeführten Beispiele anders erklärt. Auch bei den folgenden Abschnitten, 
r Aasnahmen von dem logischen Betonungsgesetze u. s. w., wüsste ich nichts 
erinnern, und glaube, daß der Verf. auf ganz richtigem Wege ist, wenn er 
sinigen der bei 0. vorkommenden, schwerlich mit vier Hebungen zu lesen- 
Versen die Möglichkeit einer wirklichen Kürzung um eine Hebung andeutet 
43). Nor mochte ich dieselbe anders auffaa&eu 4eim «^ «s^ 'S ^tvoa^^k^^^ 



106 LITTERATÜR: LIPPOLD, RARTMANNS OREGORIUS. 

der Kürzung, wie sie in späterer Zeit, im Nibelungenliede, beg^^et; ieb •chl'^ 
diese F&lle, die, cbarakteristiscb genug, fast alle auf das 1. Buch kommen, ^^ 
mehr an die Allitterationspoesie an, die aus Gründen, die hier nicht entwt^^ 
werden können, die Kürzung um eine Hebung bevorzugte. 

ROSTOCK, Juni 1870. K. BARTSCH. 



Lippold, Dr. Friedrich, über die Quelle des Gregorius flartmanfli 
von Aue. Leipzig 1869. A. Lorentz. (64 S. 8.) 

J. Strobl, der Grermania 13, 188 — 195 die Untersuchung über dieQvdl 
▼on Hartnanns Gh^gor zuerst aufnahm, kam bereits zu dem Resultate, dal( da 
franzosische Glicht in d^r Gestalt, wie Luzarche es herausgegeben, nicht Hart 
mann rorgelegen haben kann. Darin trifft er mit der Dissertation L^poU*i 
zusanmien; in Bezug auf das von Leo entdeckte lateinische Brachstück abe 
gehen beide auseinander. Nach Strobl ist aus dem lateinischen Texte sui^ 
eine franzosische Bearbeitung geflossen, die in dem uns erhaltenen GedidA 
verkürzt und lückenhaft erscheint und die Hartmann vorlag. Nach Idppold ü 
das lateinische Bruchstück eine Übersetzung von Hartmann's Gredichte, wk 
darin hat er, glaube ich, gegen J. Grimm und Strobl Recht *). Ob 
ein franzosischer oder lateinischer Text vorgelegen, läßt der 
Schlüsse (S. 50) unentschieden. Allein dadurch sind wir, mdne ich, weiter foi 
dem Ziele gerückt worden als nothig war. Die sorgfaltige Vergleiehmg iDi 
Stellen und Züge, wie L. sie vorgenommen, hat doch eine so nahe VerwaBi» 
schaffe zwischen dem französischen und deutschen Gedichte ergeben, daS ai 
kaum mögUch scheint, dazwischen eine gemeinsame Quelle in einer diitta 
Sprache anzunehmen. Denn so müssten wir uns doch wohl das Verhiltnisi n 
denken haben: das französische und das deutsche Gedicht wSren ans derselbei 
lateinischen Quelle geflossen. So treu haben schwerlich zwei Dichter eine «a^ 
dieselbe Quelle in eine andere Sprache übersetzt, daß die beiden am ihr her 
vorgegangenen Dichtungen an so vielen Stellen und so auffallend stimma 
sollten, wie es bei Hartmann und dem französischen Gregor der Fall ist. Be 
zeichnen wir den letzteren mit A, Hartmann mit B, das lateinische Bmchsiüd 
mit X, so erklärt sich zwar bei der Reihenfolge A — B — X, daß B mit A an 
X mit B an so vielen Stellen stimmt; wäre aber ein lateinisches Gedicht (natib 
lieh nicht das uns erhaltene) die gemeinsame Grundlage, dann würde bei dfi 
Verhältniss 

X 

/\ 
A B 

die häuflge Übereinstimmung zwischen A und B bei der Art dickterisdM 
Quellenbenutzung und Übersetzung im l^Tittelalter schwer zu erklären sein. Ah 
die Annahme eines französischen Originals scheint mir unzweifelhaft, und swi 



*) Im lateinisrhen Texte Z. 15 maß natürlich gelesen werden ergo per 
rOraek omrtia) dfrm tran»it Harfna nuirtna, nm Metrum und Reim herzustellen; eboM 
Z. 18 guadruanus statt qwxrdMoawM, 



LITTKRATUR: DUNGFR, TROJAN. KRIEG. 107 

' i^ OriginalB, welches mit dem uns erhaltenen Gedichte nächstverwandt, wenn 

indi nicht identisch war. Identisch deswegen nicht, weil sich Züge im fran- 

*^heii Gedichte finden, die Hartmnnn fehlen, und die er seinem Chamkter 

ladi Juium übergangen hätte: als solche hat L. mit Recht namentlich die 

Anwetzang, die Erkennung, die Buße bezeichnet. Das Resultat ist also ein 

ibolfches wie beim Ercc: freilich hat mich seit Veröffentlichung meiner Ab- 

kndlong der Einblick in die Pariser Hs». überzeugt, daß die Abweichungen 

t B. am Schlüsse nicht so bedeutend seien, wie man nach Hartmann *s Gedichte 

vemmthen sollte, so daß doch in manchen Punkten Hartmann freier dem 

Original gegenübersteht, und trotzdem wird kein anderes Original, höchstens 

ine etwas abweichende Recension, zu suchen sein. Ahnlich liegt es gewiß auch 

ier, nur kommt hinzu, daß in Deutschland wie in Frankreich die geistlichen 

Achtungen stärkere Umarbeitungen erlitten (ich erinnere nur an die Kindheit 

esQ Konrads von Fußesbrunnen) als die weltlichen. 

Der zweite Theil der Abhandlung betrachtet die Sage und vergleicht 
rgfEltig deren verschiedene Fassungen : hier gelangt der Verf. zu dem Resultate 
nes directen Zusammenhanges mit der Oedipussage. Von der verwandten 
niannslegende, denn Albinus bei Greith iät fehlerhaft, sind ihm mehrere 
assoDgen entgangen, die R. Köhler Germania 14, 300 — 304 behandelt hat. 
ft der Verf. den Werken Hartmanns ein so sorgfältiges Studium gewidmet 
} mochten wir ihn ermuntern, das Verhältniss des Iwein zum Chevalier au 
xm zam Gegenstande einer Untersuchung zu machen ; freilich wird es er- 
wünscht sein, die Veröffentlichung des Vaticanischen Textes abzuwarten, die 
robl in nicht allzu femer Zeit erfolgen wird. Der verschiedene und doch ver- 
«ndte Greist deutscher Dichtung tritt durch solche Vergleichungcn am klarsten 
«rror: so bildet auch die vorliegende Abhandlung einen werthvollen Beitrag 
«r ErkenntnisB desselben. Eine kritische Ausgabe des französischen Gregorins 
Bit Benutzung der Arsenalhandschrift wäre nach der wenig genügenden Arbeit 
ron Luzarche ebenfalls ein dankenswerthes Unternehmen und insofern auch für 
lartmann von Bedeutung, als die Arsonalhandschrift in manchen Punkten dem 
leutschen Gedichte näher zu stehen scheint. 

ROSTOCK, December 186». K. B. 



Junger, Dr. Hermann, die Sage vom trojanischen Kriege in den 
Bearbeitungen des Mittelalters und ihren antiken Quellen. (81 S.) gr. 8. 
Leipzig 1869. F. C. W. Vogel. 

In ebenso gründlicher wie kritischer Weise analysiert der Verfasser die 
iQtiken und mittelalterlichen Quellen des Trojanerkrieges, die ersteren jedoch 
inr in soweit sie den mittelalterlichen Bearbeitungen als Quelle gedient haben. 
fÜer kommt vor allen in Betracht Dares, demnächst Dictys und der soge- 
tannte Pindarus Thebanus, der lateinische Homer. Es folgen die mittelalter- 
ichen lateinischen Gedichte, unter denen Josephus Iscanus und Albertus Sta- 
lensis hervorzuheben. Hildebert von Tours wird in der That, nicht bloß von 
[isyser, in Handschriften ein lateinisches Gedicht über den. Tro^BAfixkxv^ b^v 
^ek;^ JedeaAIJß aber mit Unrecht, wie &u{ BeVueu ^%si«QL ^«dü'VQ^N. ^vvs^ 



im 



LITTF.RATrRUEKICHT. 



imechtfis gehiiaft wurdep. Nicht näher bekannt ist mir eine Klage ober Troja'^ 
Zerstörung in Diatichen, die aieh in einer Ha. eu Booen (10. — 11, Jnhrliiuideil) 
findet (vgl. Pectz'a Archiv 8, 371). Ea ist zu veruinthen, da£ es dna fleditU 
des Beraardus Floriaceneia iat, doth miiaate dann die Hb. nicht älter als fnlM 
»ten» aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhundert» aein. Ein Carmen dt ilt- 
structione TVqjae in einer StraQburger Hb, des \!>. Jahrb., aber ohne nithen 
Angilben, fahrt Häncl. cataloguB S. 465 an. Vgl. auch die St. Galler Ha, D SOt 
(10. Jahrhundert) hei Hanel S. 678. — Von beaonderer Bedeutung für dJB 
mitlelnlterlicben Litteraturen ist die altfranzÖBiacho Dichtung dea BenoU dt 
S. More, wL'lche durch Frommnnn'e Anazüge und Vergleichung mit Herholt 
(Geimtiniii Bd. 2) bekannt iat"). Unmittelbar an Bennit achließt aicb Hcrboit 
UD , Ronrud von Wiirzburg benutzte Benott, aber daneben andere Quellen, 
namentlich Ovid'a Metamorpboaen und Heroideu, nnd Statins; der Port«etMf 
dagegen folgt Diciya. Guido von Cotumna schließt sieb wieder im Weaentlichta 
an Benoit an. Von einigen unbedeutenderen Bearbeitungen abgeaeben. folgt 
S. 70 ff. das pseudo.wdlfram'sche Gedicht, über welches hiiT zuerst wiUkommoit 
Nachricht ci-tbeilt wird ; wir sehen daraus, daQ der Verf. dieaer Bichlting. d« 
Wolfram ala Gewährbmimn nennt, untt^r freieater Benutzung der verachiederste» 
Quellen den Trojanerkrieg zu einem willkürlichen ßomnngewebe verarbeitet hat. 
Die nordische Trojamaunasaga foltrt hauptaäcbliah Darea , daneben sind OtÜ, 
Virgil nnd Pindarua Tfaebanus benutet. Eine Tabelle auf S. 80 gibt eine aa> 
schauliche Übersicht des Abhiingi^'kritsverhältniase« dor einzelnen Bcnrbeitungeiu 
Zu bedauern iet. daß nicht aui'h die ziemlich nrnfangreiche DarslellonK dM 
Trojanerkrieges in Enenkei's Wellchronik (cod. Renn. Mouae- II- Bl. 76* 
^6'', vgl. Albrecht von Halbersti.dt S. CCLVll) h'-nutit iat. da dieselbe aciioa 
der Zeit nach unubhiüigig von Konrad dasteht. Viullcicht findet der Verf., 
S. 69 Enenkfl's mit einigen Worten gedenkt, Gelegenheit dies nachsuholen 
wozu ihm die Hs. der Leipziger BalbBbibliolhek am nächsten liegen würde. 



Litteratnrberioht. 

Bei der Ausdehnung, welche die germanistischen Studien 
gewonnen haben, bei der Regsamkeit, welche auf den verschiedensten Gebiet^ 
der germanischen Philologie herrscht, wird es immer schwerer mit den 
Eraebcinungen Schritt zu hallen und orientiert ku bleiben. Zwar wer i 
größeren Stadt lebt, wem reiche litterarische Hülfsmitt»!, wem groQc Bibltntheka 
zu Gebote stehen, wer Gelegenheit hat alle litterarischrn Zeitschriftim ku aehel 
wird diese Schwierigkeit weniger empfinden; wer aber an einen entlegenel 
Ort gebannt ist und nnr wenig bu Gesichte bekomrnl. wie ein groBor Tb« 
unserer Gymnasiall obrer, deren viele sich doch fitr die altdeutschen Stndia 
interessieren, dem wird aie aehr fühlbar werden. Es ist unmöglich, d&fl rinl 
Zeitschrift von allen, auch nnr den bedeutenderen Neuigkeiteu Reoeuaionei) b'ingjj 



•) Wir wolleu bei die»« 
krieg volistlliidig herausgegeben 
)r» ntitAmoTphomi» d'Rnm^r* »t 
£ Ärfo. J'snn 1870. 71. 4. 



Gulf;;enhuit bemerk i 
■l: Bruvtt da Salute Mc 

dp IVpnpi^e gr^eo' Istini 



diß 



citdcm Benntt*« Tnja&« 
et Ic roman de Trwe, « 
I m-ffu-hf |i*r A. Jivlj 



LTTTERATÜRBERICHT : LITTERATÜRGESCHICHTE. 109 

• «/«^'r*^ wir ein bloß kritisches Organ für das germanistische Fach, so ließe 

dtf ^^"id aOen&lls erreichen; allein wie die Sachen liegen, bilden die Becensionen 

*r i^«^ ^^ yerhSltnissmäßigen kleinen Thcil des Inhalts der germanistischen 



.^ ^ Meine Bibliographie, die jetzt neun Jahr^nge durclüaafen und, 

.^ ^ ^ boEe es, manchem sich nützlich erwiesen hat , kann nor gelegentlich orien- 
r^ -^ Veröde Winke geben and moß sie, je mehr der Umfang jährlich wächst, um 
/ ^ mehr beschränken. 

Aus diesem Ghnnde schien es mir zweckmäßig, in Form einer Rerue die 
._ Lesern Erscheinungen kurz zu besprechen, um den Leser, der nicht (Gelegen- 
heit hat sie alle zu sehen, über Stellung, Zweck und Bedeutung des betreffenden 
Werkes kiin zu orientieren. Eine Vollständigkeit soll dabei keineswegs er- 
^ tlrebt werden, da diese Aufgabe der Bibliographie zufallt; ich werde mich 
^ daher auf diejenigen Schriften beschränken, die mir persönlich oder für die 
''- Cknnaiiim zugesandt werden. 

Auf Dissertationen, akademische und Seh ulprogramme wünsche 
^ ieh, da sie am leichtesten der Aufmerksamkeit entgehen, besonders hinzuweisen 
and wäre mir daher deren Blittheilung sehr erwünscht. 

Eine systematische Anordnung zu beobachten ist hier nicht die Absicht; 
et soll nur das Gleichartige und Verwandte zusammen genannt werden. Wir 
beginnen mit der Litteraturgeschichte und Litteraturdenkmälern. Die 
Zahl der Htterargeschichtlichen Darstellungen ist in den letzten 20 Jahren 
außerordentlich gewachsen; die Hauptmasse ist für die Schule bestimmt, auch 
wMtke Bfieher verdienen nicht ganz unberücksichtigt zu bleiben, weil es keines- 
wegs gleichgültig ist, ob aus guten oder schlechten Handbüchern der Schüler 
seine ersten litterarischen Kenntnisse empfängt, der Lehrer selbst sich belehrt. 
Billig Teidient an erster Stelle die Neubearbeitung von Gervinus' Geschichte 
der deutschen Dichtung (6. Auflage. 1. 2. Band. Leipzig, Engelmann. 
1870 — 71) genannt zu werden. War doch Gerrinus derjenige^ der eine historische 
Aoffiusang der deutschen Litteraturgeschichte begründete und dem alle späteren 
bei aller Verschiedenheit des Standpunktes viel rerdanken. Am Ausgang seines 
Lebens zq dem großen Werke seiner Jugend zurückgekehrt, scheute er nicht 
die Mühe gründlichster Durcharbeitung des seit 20 Jahren hinzugekommenen 
Materiab und hat so für die ältere Zeit ein beinahe neues Werk geschaffen, 
dis durchaus auf der Höhe der Forschung steht Wenn auch die Grundanlage, 
die Gmndanschauungen dieselben geblieben, so ist doch überall der Einfluß des 
Fortsehritts der Wissenschaft sichtbar. Freilich manches ist in der Neubearbei- 
tung geschärfter als früher, so die Abneigung gegen die mythologischen For- 
lehnngen, die sogar zu einem bittem Ausfall geführt hat Über dem zweiten 
Bande, am Abschnitt über das deutsche Schauspiel arbeitend, starb er, und 
»ie es sein schon j&fiher ausgesprochener Wunsch war, übernahm ich die 
Weiterffihrnng. Sie würde große Hindemisse bieten, wenn nicht Gervinus selbst 
die Absieht ausgesprochen hätte, an den folgenden Bänden viel weniger zu 
indem; zq beklagen bleibt, daß er nicht wenigstens das 16. Jahrh. noch ganz 
dorehgearbeitet, weil anzunehmen, daß hier mancher Abschnitt umgestaltet 
worden wäre. Ließe sich auch nur von Vilmar s Geschichte der deutschen 
Kational-Literatur, die schon in 14. Auflage (Marburg, Elwert 1871) yor- 
Kegt, das Gleiche rühmen, daß der Verf. bei neuen Auflagen die neuen For- 
uAuDgen bcrßcksicbtigt! Die beiden letzten Drucke Än^ iv^^ ^*^\b».t^ ^^^ 



1^ MTTKllATfmiEKICHT- l.lTTER\Tl*RnRflrmcHTE. 



, *k«r ttnoli in drni vorhergehenden hat oa Vilmar rersäumt, tob m^m_ 
"•*"***(!*« fllr d*ti T«« uud noch mehr fnr die Anmerkangeu Oewjnn i^ 
•*•••*• VW nur pinigM aniiifuhren. wird die zweite der von Kurnjan (1858)^ 
•"•"■H l IL i ■twunii KdubcTformeln sla iluutecbe aus b ei doi scher Zeit erwährt^ 
A *it\ wAhTMil liUie>t fnstitehl. duß es ein Abmkadabrn ohne Sinn ut; baj. 
^ Mttkorhri. Denkmltlerii ist auf Müllenhoff und Scherer nirgend verwieMa) 
«»* S, Ml luilrn »iigellicktc Bemerkung über das Nibeiuogenlied wird Rchw«» 
K^ JmMnil nlior Hm heutigen Stand der Frage orientieren; doa Haricnleben I 
lAvi imtnvT nuch Wernbur von TegernBee beigelegt (S. 170), dem ' Stricket I 
iiiim.f niM-h niiu' Fabehnminlnng 'die Welt' zugeschrieben u. b. w, Grudu weB il 
V^lniitr* Dueh, und mit Kecht, ein« solche Verbreitung geoieüt, ist es üopfMb 1 
,tt>lliw«n<U|[, lUO ei in Allem genau und sorgältig er^nzt verde , ira» bd | 
,i)nifiv AiifRiHi'kaiunkeit nii'lit ecliwer sein wird. Die anregende Kraft, irelehe 1 
yilmu« Uudi Iroli uianüher Einseitigkeit ausübt, macht »ich auch bemerklielr || 
{,t lim nach «oinem Tode von Piderit herausgegebenen Lebcnabildurp II 
^«ulsolior Dichter (Fraukfort a. M.. Volker. 18B9), welche Wiederabdracki 1 
lor (II WiiK>mura Staats- und Oesellsrhafts-Lenieon getieturten iteitrage catbalten) f 
fifi warden erSfltict durch einen Abriß der deutschen LiUeraturgesckichte , in I 
^,«1 Alwchnltleu bis Bodmer reichend. Die Biographien, welche deo Hkopt- \ 
[heil bilden, gebür^n dem 13. und 19. Jahrb. an. unter ihnen sinJ (iir di« ) 
Qoicbichto der deutMhea Philologie liemerkenswerth diu Aufsätze über J. und t 
YV. Orimm, so wie über L. Ulilund, dem Vümar als Dichter und OelehrtcD, 1 
aber nicht als Patrioten gerecht wird; nicbt unerwähnt bleibe auch die ßuhloft- 
abhandlting Über das Volkslied, dessen Wesen und Geschichte gut und kUr 
dargeotellt wird, wie überhanpt Vilmar für dtijsen Zweig, was unch «ein Uuid- 
bBohlei" für Freunde des deutschen Volksliedes (Marburg 1&67) bezeugt, saht 
fpln hngabt war. Vilmars protestantisch -orthodoxer Standpunkt ist bekunt 
uiiii K"*^^ ""^ ""'" ^"■^'i '^on Einfluß gewesen; einen ühnliohcn nimmt «af 
halhollscher Seite ein W. Lindemann, Ueschicbte der deutschon Lii*- 
rstur, welche in zweiter Autiage (Freiburg im Br-, Herdor. 18<>9) vorliegL 
Verglichen mit der ersten ist anerkennend hervorzuheben , daG an Rianclws 
Pankten der Verf. eine großi^rc Objectivität des Urtbeili zeigt; freilich wird, 
auch wer nicht streng lutlierisch ist, an seiner AuDasanug, die übrigejis uitgcndl 
schroff gcnanut werden kauu. manches auszusetzen haben, mehr in der atnieron 
■l( in der älteren Litteratur. Diese hat der Verf. init WSrme und Eenotnim 
dnr neuen Forschungen dargestellt und durch AnalTsen der Dichtungen und 
einxelne Teitstellcn zu beleben gewußt, und so läßt sich srin Buch als ÖB 
wflrdigCB SeitenstOck ku Vilmar, ja In der Genauigkeit diesem überlegen. Im- 
zeichnen, es dürfte daher in katholischen Kreisen mit Rctlit eini^B ÖhnlicIieB 
Erfolges sich erfreuen. Im Einzelnen wird eine nuue Aus^tiiliu auch kiw 
manches zu berichtigen haben : auch hier spukt noi'li Woriiher von Tegaraaetf 
diu Veränderung von Rhdnau in ReichcDan (Walthcr v. Kheinan, S, 
■ehr bedenklich; Wemher vom Niederrhein iiguriert noch als Dichter 
nika (S. 62); ßothe's Elisubuth (B. 67) soll aus ileu ftllareo 
13. Jahrh. geschöpft haben a. s. w. Die Oeaobioh 
Literatur von Klotilde v. d. Horst (3 Th die. Diel 
sucht dagegen iu Vilmars Sinne und Geiste ein 
^ttpreebendes ^(uneio/iuslichea Handbuch lu gel 




LTTTERATURBEBICHT : LITTERATURGE8CHICHTE. Hl 

Analjieii der Dichtangen und Testproben, welche den eiuzelnen Dichtwerken 
■eh anschließen. Ich kann nicht sagen, daß diese unmittelbare Verschmelaung 
IUI Lehrbuch und Lesebuch mir ein glücklicher Gedanke scheint; die Dar- 
Mhmg wird allzusehr fortwährend dadurch unterbrochen. Nur bei einem bio- 
piphisch angelegten Werke wie dem von H. Kurz läßt sich beides vereinigen ; 
; hl Tortiegenden Falle wäre es zweckmäßiger gewesen, die ausgehobenen Stücke 
ib besonderen Band, vom Texte getrennt, nachfolgen zu lassen. Die Texte 
; Süd in Übersetzungen mitgetheilt, welche sich möglichst nahe an die Originale 
ttsehließen, zum Theil nur Umschreibungen in nhd. Sprachformen sind. Auch 
du Lehrbuch der deutschen Literaturgeschichte von H. Th. Traut 
(Halle, Schwetschke. 1871) gibt Proben, aber mit Ausnahme der Lyrik so 
tirfüge, daß sie lieber weggeblieben wären; denn was soll es heißen, wenn 
rem Nibelungenliede Strophe 1. 2. mitgetheilt werden? Neben der im ganzen 
Sehr großen Kürze ist manches unnütz ausgeführt; so wird die Geschichte der 
"Hanesseschen Hundschrift' breit erzählt, wo doch sehr zweifelhaft ist, daß die 
Ptoiser Ha. diesen Namen verdient. Dagegen werden Parzival und Tristan gar 
n d&rfdg skizziert. Die Anordnung ist nicht immer sehr geschickt; weil 
Hartmanns Gh-egor zuerst erwähnt wird, werden unter dem § TiCgenden auch 
sein Erec und Iwein behandelt, die doch an andere Stelle gehörten. Unrichtig- 
keilen sind zahlreich: Spervogel wird ins 13. Jahrh. gesetzt, Gottfried noch 
immer ein Lobgesang auf die heil. Jungfrau beigelegt etc. Viel besser den 
Zwecken der Schule entspricht die Geschichte der deutschen National- 
Literatur von H« Kluge (Altenburg, Bonde. 1871. 3. Auflage), über welche 
R. Beckstein in dieser Zeitschrift (XVI, 346 ff.) ausführlich gehandelt hat» 
weswegen wir uns mit einem empfehlenden Worte begnügen. Werner Hahn's 
Geschichte der poetischen Literatur der Deutschen liegt bereits in 
5. Auflage (Berlin, Hertz. 1870) vor und bezeugt dadurch ihre Brauchbarkeit 
and zweckmäßige Einrichtung. In der That bietet das Buch auf engem Räume 
du Mögliche, in der Einleitung Andeutungen über die Geschichte der Sprache, 
einen Abriß der Poetik, in der ersten Periode einen solchen der germanischen 
Mjthologie, von den Dichtungen Analysen mit hinein verflochtenen einzelneu Stellen, 
und diese Analysen sind bei aller Knappheit lebendig und anschaulich. £8 ist 
daher ein empfehlenswerthes Schulbuch ; ob aber, da der Verf. auch Privatstudium 
im Auge hat, die Weglassung aller litterarischen Verweisungen zweckmäßig bt, 
kann man bezweifeln. Das rechte Maß hienn zu finden ist freilich schwer, und 
das mag den Verf. für seinen Modus bestiuunt haben; ganz fehlen sollte diese 
Sdte aber auch einem Sch:ilbtiche nicht. Ungenauigkeiten zeigt noch diese 
neueste Auflage mehrfach; das Annolied wird noch immer um 1180, das Rolands- 
lied um 1175 gesetzt, Gottfried von Straßburg um 1215, der Dichter von Flore 
wird Konrad von Flecke genannt etc. J.W. Schäfers Grundriss der Ge- 
ichichte der deutschen Literatur, bereits in 11. Auflage (Berlin, Oppen- 
heim. 1870) erschienen, hat jenen Mangel an literarischen Nachweisen nicht, 
gibt im Gtegentheil dieselben ziemlich reichlich. Die Charakteristiken sind aller- 
din^ beinahe zu knapp, und es muß dabei auf den lebendigen Vortrag des 
Lehrers als wesentliche Ergänzung sehr gerechnet werden. Mir will scheinen, 
*k enthalte das übrigens wohl durchdachte und in seinen Urtheilen meist treff- 
fidie Buch für das Bcdürfhiss des Schülers auf der einen Seite zu viel^ auf 
dtt andern xu wenig. Die litterari§ehen Nachweise lO^toiteTi TiC\\?(v\i\AT ^gücrao&x 



112 UrrERATTTRBERICHT : LITTERATURGEßCmCFTTE. 

sein; mitunter sind sie vielleicht nnr aus Streben nach Kone nngenav, la 
§. 25, Anm. 8 (za Eilharts Tristan), ^herausg. in Hoffinanns Fandgr. Th. 1,' 
wo aber nnr die spärlichen Fragmente stehen, während die rollständig erhaltM 
Umarbeitung noch angedruckt ist; andere Fragmente haben bekanntlich Rti 
und Barack seitdem veröffentlicht. Von P. Möbius* Katechismus der deit- 
sehen Literaturgeschichte liegt die 4. Auflage (Leipzig, Weber. 1870) 
vor, die sich als vermehrt und verbessert bezeichnet; hinzugekommen iit lal 
der 3. Auflage eine Einleitung das Studium der deutschen Dichter alz eiM 
der vorzüglichsten nationalen Bildungsmittel . Die Darstellung ist gedrängt, all 
zweckmäßig, die Inhaltsangaben kurz, aber orientierend; wenn jedoch dasYcr 
wort hervorhebt, daß die Vermehrungen der neuen Ausg. sich xomeist ai 
bibliographische Angaben beziehen, so ist dieß sehr mangelhaft geschehen; « 
fehlt bei Walther die Ausg. von Pfeiffer und die von Wilmanns, bei Meidlbil 
sogar die von Haupt, überhaupt sind die bibliograph. Angaben ganz nngleici^ 
mäßig, beim Rother ist keine Ausgabe angeführt, ebenso bei der Kaiserchroa& 
beim Rolandsliede wird eine 2. Auflage (1844) citiert, was wohl Verweehd«^ 
mit dem Grafen Rudolf ist, bei Strickers Karl dagegen wird eine Ausg. dtierf; 
was bei der geringen Bedeutung des Gedichtes überflüßig war. W. Revteri 
Literaturkunde hat ebenfalls bereits die 4. Auflage (Freiburg 1870. Herder] 
erlebt. Hier geht ein Abriss der Poetik voran, der in erweiterter Gestalt, wA 
zahlreichen Belegen und Quellenstellen aus ästhetischen Werken versehen, asd 
besonders als Poetik, eine Vorschule zur Geschichte der schönen Literator ete, 
(Freiburg, Herder. 1870) erschienen ist; er beschäftigt sich fast nur mit da 
neueren Poetik und nimmt auf die poetischen Formen des Mittelalters nur gav 
gelegentlich Rücksicht. Der Litteraturabriss ist allerdings auf das Mlnimiiin be- 
schränkt; dabei nehmen sich vereinzelte Citate von Ausgaben, selbst Abhaad- 
Iniigen (wie Pfeiffers Abhandlung über Walther, Germania V) willküriich in^ 
wunderlich aus, da man jedes System darin vermißt. Sie durften bei einer M 
eng begrenzten Darstellung füglich wegbleiben. Die Inhaltsangaben sind tos 
äeB Verf. Grundsatz, alles religiös und sittlich anstößige auszuschließen, beon- 
flußt, so ist Gottfrieds Tristan aus diesem Grunde keine Analyse au Theü gt 
worden. Das ist schließlich Sache des Geschmacks. Am Schluße ist eine dno- 
nologische Zeittafel angehängt, in der es wie im Buche selbst an Unriditig- 
keiten nicht fehit: Neidhart ist 1246, das Nibelungenlied noch immer 1210, 
Fischarts Tod 1581 gesetzt. Die Form chronologischer Tabellen haben anck 
mehrere andere Hülfsbücher, so das dem Hahn sehen beigegebene, Deutsche 
Literaturgeschichte in Tabellen (Berlin, Hertz. 1870), femer J.W. Schä- 
fers Tabellen zur Geschichte der deutschen Literatur (2. Anfl* 
Altena, Händcke. 1869) und Fr. Kramers Chronologische Übersieht 
der deutschen Literaturgeschichte (Freiburg, Herder. 18G9), die 
sich als Anhang namentlich zu den Handbüchern von Lindemann und Bmgici 
bezeichnet. Unter diesen möchten wir nach Anlage und Ausfnhnuig den 
Schäferschen den Vorzug geben, schon weil es daneben überall auf die gleieh- 
zeitigen historischen Ereignisse Rücksicht nimmt. Ein alphabetisch-biographisehei 
Repertorium sind 0. Lange's Literaturgeschichtliche Lebensbilder 
und Charakteristiken (Berlin, Gärtner. 1870), in denen natürlich die 
ältere deutsche Litteratur dnen verhältnissmäßig kleinen Raum einnimmt. Die 
sfybabetißche Form ist an sieb ganz «iweeVisSifi^^^ ii%sn«o^^ \k^m NaA- 



UTTERATÜKBERICHT: LITTERATURGESCHICHTE. 113 

hlagen; aber gerade deßhalb, weil ein solches Buch oft nachgeBchlagen wird, 
t Genaaigkeit der Angaben doppelt erwünscht. Daran fehlt es nicht selten: 
mrad von Ammenhaosen soll aus dem Geschlechte derer von Ammenhaosen , 
trich YOn Zazikhofen ein bairischer Kitter, Berthold um 1230 geboren sein 
B. w. — Wir fuhren schließlich, wiewohl der jetzt erscheinende Theil sich 
X mit anserm Jahrb. beschäftigt, Gödeke's trefiflichen Grundriss zur 
eschichte der deutschen Dichtung an, von dem das 8. Heft des 3. 
indes (Dresden, Ehlermann. 1870) vorliegt. Seine Vorzüge vor allen ähn- 
hen Büchern zu rühmen, die scharfe und knappe Charakteristik, die Genauig- 
it und Vollständigkeit der bibliographischen und Litteraturangaben, worin 
«rdings die neuere Zeit (vom 16. Jahrb. an) bei ihm das Büttelalter weit 
«iragty wäre überflüßig. Dieser 3. Band verspricht in seinen weiteren Heften 
je wichtige Quelle auch für die Geschichte der germanistischen Wissenschaft 
, werden. Schon in dem Abschnitt über die Romantiker bt vieles dahin 
hlugende zu finden, aber mehr nocb zurück. Die Geschichte der deutschen 
liilologie hat inzwischen allerdings in K. v. Bau mors ausgezeichneter Ge- 
thichte der germanischen Philologie vorzugöweise in Deutschland 
lünchen, Oldenbourg. 1870), welche den 9. Band der ^Geschichte der Wissen- 
ihaften in Deutschland bildet , eine ebenso gründliche wie anziehende Dar- 
;dlnng gefunden; aber naturgemäß konnte hier das Biographische nur neben- 
Eehlich behandelt und auch nach bibliographischer Vollständigkeit nicht gestrebt 
'erden. Gkwiß war unter den jetzigen Germanisten Baumer wie wenige be- 
BfeUf die Greschiehte unserer Wissenschaft zu schreiben, denn er besitzt zu den 
ihrigen Eigenschaften auch die einer leidenschaftslosen, objectiven Darstellung, 
IBS anf einem Gebiete, wo die Meinungeo sich so scharf gegenüberstehen, kein 
geringer Vorzug ist. Begreiflicherweise ist die ältere Zeit am ausführlichsten 
lehandelt; gerade die Anfange der Wissenschaft kennen zu lernen und zn ver- 
fMlgea ist von hohem Interesse, und fiaumers genaues Studium dieser Anfänge 
ist bekannt und oft bethätigt. So nimmt die Zeit bis zum Auftreten der Grimm, 
voBÜt also doch erst die germanistische Wissenschaft anfängt, nahezu die Hälfte 
des Bandes ein. Der Forscher kann Baumer nur dankbar sein, daß er jene 
Voiperiode so eingehend geschildert hat. Den Brüdern Grimm ist eine ebenso 
bebevolle wie gründliche. Lachmann eine ebenso anerkennende wie gerechte 
Dustellong geworden; ob in gleicher Weise Gervinus richtig beurtheilt ist, 
Uiien wir hier dahingestellt sein. Unter den Neueren vermißt man manchen 
Ntaen, wie £« Sommers und C. Hoftnanns, wogegen viel unbedeutendere Namen 
genannt sind. In mancher Beziehung ergänzend istBenfey's Geschichte der 
Sprachwissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland 
(Manchen, Oldenbourg. 1869), der 8. Band der Geschichte der Wissenschaften. 
Asch hier ist die Vorgeschichte der Wissenschaft eingehend und anziehend dar- 
gestellt, nur, weil dad Gebiet und der Zeitraum ein viel größerer, gedrängter 
ond weniger ins Detail gehend. In der neuen Zeit berührt sich Benfey mit Baumer« 
10 in der Darstellung J. Qrrimms, und beide Bücher hier zu vergleichen ist 
▼OD großem Inti^esse. In den Abschnitten über J. Grimm, Bopp und W. v. Hum- 
boldt liegt der Schwerpunkt von Benfey's Buche, liegen die Bichtungen ge- 
leicfan^y die für die weitere Entwicklung der Sprachwissrnsc.Iiaft maßgebend 
vuden. In dem UtterariBcbeu Abschnitt über die emzeW^u *^Vi^A^ ^^a yeA^- 
iamäniäeben Gebietes wird der Specialforscher m^uacViQ \3ti5^t\«vx\^^\^ ^«^ ^"^^ 

OEBMABnA. Nene Reihe Y. (XVU.) J^hrg. % 



114 LÜTEBATUBBERICHT: LFTTEBATURGESCUICUTE. 

gaben finden, die aber bei der Aasdehnang aaf ein so großes Gebiet hum\ 
befremdet; so wird nur, um nur eins anzufahren, (S. 658) eine Geschichte dec^ 
deutschen Sprachwissenschaft (in Pfeiffers Germania VIII) beigelegt, die wohl 
auf Verwechslung mit meiner seit dem 8. Bde. erscheinenden BibliogiapUi 
beruht. 

Ich schließe an die litterargeschichtlichen Werke allgemeinen lohabi 
Schriften an, die einzelne Theüe der Litteratur behandeln. An die Spitze seia 
hier gestellt die beiden letzten Bände von J. Grimms Kleineren Schriftei 
(Berlin, Dummler. 1869 — 70). Sie enthalten Becensionen und Aufsatze, die ii 
Zeitschriften zerstreut waren; darunter vieles aus der ältesten Zeit, das des 
künftigen J. Grimm ankündigt und uns einen tiefen Einblick in sein Werdet 
gestattet. Da diese kleineren Sachen, unter denen ein großer Theil sich wd 
die deutsche Litteratur bezieht, in jetzt seiteneu Zeitschriften erschienen üi 
die wenigsten Gelehrten diese zur Hand haben, so werden gerade diese Biade 
sehr willkommen sein. Wir können es nur billigen, daß die Beiträge zu Fkk- 
zeitschriften (Haupts, Pfeiffers, Kuhns) nicht wieder abgedruckt sind, da bc 
jedem leicht zu Gkbote stehen. Das meiste bt aus den Wiener Jahrbnehoi 
und den Göttingischen Geehrten- Anzeigen: zeigen die Beiträge aus jenen an 
rolle Jünglingsfrische und das Frühlingskeimen der deutschen Philologie, •( 
die Becensionen in diesen das freudige Erblühen der Germanistik und das Bik 
herrlichster und reichster Bianneskraft Der 5. Band enthält als dankenswert^ 
Beigabe ein chronologisches Verzeichniss aller in die Sammlung aufgenonBeMi 
kleineren Schriften. M. Müllers Essays bieten in ihrem 3. Bande (Le^sif 
Engelmann. 1872), den F. Liebrecht übersetzt hat, ^Beiträge zur Literstugc 
schichte, Biographik und Alterthumskunde, darunter auch manches, was dd 
auf ältere deutsche Litteratur bezieht: eine gedrängte Übersicht der EntwieUnn) 
der deutschen Litteratur, welche die Vorrede zu Müllers ^German Classics* (185S 
bildete; dann eine hübsche Charakteristik des altdeutschen Minnegesangs, si 
^des Minnesangs Frühling' anschließend; einen Aufrats über das Karreosdui 
aus Anlaß von Zamcke's Ausgabe. Zur Dialectologie gehört der Aufsatz abc 
die Sprache imd Dichtkunst Schleswig-Holsteins' (1864), zur Tergleicheiide 
Sagenkunde die anziehende Abhandlung über die Wanderung der Märcheo 
Aus dem 1. Bande der Essays 'Beiträge zur vergleichenden Religionswissenscksf 
(1869) gehört nichts direct unserem Gebiete an; dagegen mehreres aus da 
zweiten, der ^Beiträge zur Tergleichenden Mythologie und Ethologie' enthÜi 
Wir erwähnen daraus die Abhandlungen Vergleichende Mythologie^ (1856 
die Normannen in Island' (1858), auf Grund von Dasent's Norsemen in Ict 
land; ^Yolkssage' (1863), Volksthümliche Geschichten aus dem Nordiscbei 
(1859), 'Geschichten aus den West-Hochlanden' (1861), "Über Sitten und €h 
brauche' (1865), 'Unsere Zahlzeichen' (1863), alle in der geschmackyoUen Fon 
die M. Müller in gleichem Maße wie den Stoff beherrscht. 

(Fortsetzung folgt). 

K. BABT8CH. 






MISCEI.LEN. 



MISCELLEN. 



115 



lügen Lacbmann'B fiber mittelhochdeutsche Veriknnit. 
Briere dfaselben an G. F. lionecke vom '2i. November 1S22. 
£s wird nicht dIidg Interesse seiOj dasjenige, was Lachmaim ioi Jahre 18S3 
r mittulboclideutäciic Tcrakunst an Beuecke sdirieb. mit eeinen l'i'ubi.'reD und 
leim Lehren und mit den ncueaten Ansichten auf diesem Gebiete xa ver- 
chen> leb gebe «eine Worte genau nacli der mit dem Originnle überein stimm eD- 
I Ab«ebrift Benecke'e nieder. Bei den ongelührten Beispielen habe ich die 
4umbweüe nicht geändert, auch wo in seinen Ausgaben der Text abweicht. 
nfier «iner Bemerkung und den Citaten, die nur ausnalimsweise ani;pgeben 
nren, iet uichts von mir hinzugefügt. 

OOTTINQES im September 1871. W. MtiLLRR, 

liier in !w« Worten, was iph von mhd. Verskunat weiß. 
Vno Dactylen weiß ich sonst nichts, als daß Trochäen oder Spondcen ( pli- 
Bch ich mich der Aiiadrücke lieber enthidte) darunter ficiniäclit «erden, und daÜ 



Licbtenst. sie ziemlich roh gemacht hat, man mag gerade» oder Tripel 

it amieUmcö. Ich lasse sie daher aus dem Spiele, — Von den andern Versen 

' :ti niigerahr so viel sagen. 

. Das beatinimleste an einem Verse ist die Anzahl der Hebungen. Der 

'öhnliche Vera des erzählenden Oedichtea hat bei stumpfem Reime vier, bei 

[dum nur drei. 

[Daß schon der Stricker zwischen durcb — an« Unkunde ohne Zweifel 
Suebiüche Verse gemacht bat, k&un nns nicht irren 
du ti'c Marsilje« 411 e enpff engen 

und sölhe milte da' beglengen. vgl. Vorr. zum Parz. S. XTV. Ben.] 
Eine Hebung kann aber jede Sylbe werden, die auf it^end eine Art böber 
il itt, als die folgende. 

I. B. Hochton vor Tiefton 
mineg8lhht(e) — ^ 
betont vor unbetont 
i!inder(Wnt) - „ - 
betont gegen stumm 

iftnegslahte linderbfnt Pars. 




I 



efChen oder isehon in himelischen sind unbetont, und taugen nicht wira 
Hl RciiiL, so wenig als die Endnng von mt'nnisi'he 

[ftufter bey Alteren, wie in Maria, und bey Unwissenden wie ileroscbin]. 
ohi Ut die vorletzte Sylbe noch hoher als die letiti;', rtnVer ■VhuWVix w\%^-a. 

» biijoch ii/oielischen Bcliia. 54, SO. 



116 MI8CELLEN. 

So Bind deren in tiiidereu ei)£i?iitliGh eine uubutonte und e 
auch beide zuaamtnen nur Eine unbetonte schwebende Svlbe; dennocb kann Ad 
d e die Hebujig sein ändere - . — ^ oder ,; - „ . 

Hier tbäle uns nun eine Tollsländige Accentlehre Noth. — Ut es z. B. ' 
oder bloß kecke Annahme, wenn ich glaube, uo sei immer tieftonig? Wird ii 
vielen Stellen, wo es in die Senkung kommt, der Auceut, nie es die Liednrdiehiv 
aicb wohl erlauben mögen, durch die äjlbenzliblung gekränkt? Oder iit ci dt 
AiiMprache gemäß, nenn sie sagen 

den gdinen tue: dd muoao er ein an vr6 W. I. 8, 12. 

zwo ziingen stä'nt ünöbne in einem münde Walth. 13, 4. 

awdnne ilinviioge nü ^ergftt das. 48, 18. 

ander vr6uHen siut ünwtp das. 49, 3. 

die aint Anmsere mfr. das. 89, 22. 

üuverm^ldes rucken W. I. T, 6 

DUTergölten diemt im tä ze wS' Parz. 53, 2. 

Ferner: ist es Begel oder nur Freiheit, wenn die elnsjlbige Präposition n 
dem Verbo tieftonig wirdV 

BÖ ninder mörgenst^m äfgienc W. I. 5, 1. 

DiE der müot uäi:b w^rder liebe üf swiaget Wnltfa. 47, 9. 

daz eiz wlderkere gär an muie wÖrdekeitMs. X. 133. a{Walth. 09, SJ)- 

Fremde Wörter scheinen bey Wolfram meist den Accent vom ztt habtn- 

Munit, G&udiu ^G4udtuJ, Bärilik, Änscoiiwe, B<ildier = - , oder - 

aber: bimlere, gastieren 

d. h. im Verse bald ^ J. „ , bald -■ ^ „ oder ^ .: „ . 
D. Sylbenzabl. 1. Begel isl freylieb: Hebung eine Sjibe, Senknng Ott- 
Hier sind also für jeden Dichter besonders die erlaubten KfimuigeD Ui 
Ende und in der Mitte xu IcracD. Elisionen, Orasen etc., deagleichen Dehnangcn. 
Z. B. aus dem Liede Ms. 1. 63*, I24-, 136" (vgl. mit der Heidelb. Hs.) 

Der im (1. Derm) lu sin härise kin gesehen 

So gewinnet [oder so gwiunet, nicht so] mfr iv hülde wöl. 

Der riet mir deich Ir [ai} biete. 
Anderes von Walther: 

wan delcbs al dürcb e! cren miioi TS, G, 

So g^tKt' du nie so wül 89, 30. 

Da« ich SK niene mkc 89, 8. 

Nlen schriet si' vil gü'te 48, 7. 

j& tüun icbz dür diu' 6re 89, 33. (Äccua.) 

Linger bllben nicht 88, IS. 

Ob Ich da"et]xwischen I6ben mä'a 64, 19, 

Mir missegie, do'ichs eine bit 55, 96. 

Dd g6t^ sün hi"en ärde gie, 

dD~versnöchton jeinsylb, do ver, wi« h0Te| in die Juden lo 11. 16 

Eiti k6me rüs ichE mir hflä erdfcht 72, 3. 

Undjebent diu ich ir IHicl (st. übele) gedenke d8, 31. 
2. Eb kann aber nucL eine SenVung »witiAeu »virä WcNmh^«« \tV\5i^, * 



MISCELLEN. 217 

Des BArdeket Mddet Pan. 21, 12. 

^ •— • — v^ — • — 

Tiennal: Kdndwi^r&mürs das. 187, 21. 288, 7. 333, 28. 

— • ■^ • — • — 

In Ldedem seltener, doch nicht unerhört: 

Er fesch ein münsisen Walth. 11, 24. 

Des keisers sprächen dd'die mokiere das. 11, 26. 

Ein Diphthong lindert: 

Vfl Ueb ist mir dkz das. 89, 1 1. 

Oft ist aber die Orthographie zweifelhaft, also des Einzelnen Gebrauch zu 

>r8chen. 

VrfuntUche lie. Vrfnndfnne min das. 88, 9. 21, 

oder Yrinwentl. Vriuwend. 

Der mf'n se vrfunde g^r, wil er mfch gewinnen das. 71, 14. 

oder gere. 

Des 4m tdgent, des lönwen kr&ft das. 12, 25. 

oder aren 

Die sfnt dez hdrzefchen 4u dem schflte das. 12, 26. 

Am merkwürdigsten ist aber, daß so auch unbetonte Sjlben nach dem 

DCte erhöht werden, wenn eine noch minder betonte folgt und eine stärkere 

herging, i. B. 4nd6rö = -i . -i ^ : zumahl ist dieß bey Endsilben gewöhnlich. 

zweiten Fuße (der gewöhnlichen Verse): Zen v^lst^m | dar fnne Parz. 61, 4. 

Entwft'lp^t I mit sw4rzer h4ut das. 44, 18. 
/ ' / ' 

s^ — . -— \^ *i^~- 

Auch wo kein Auftact ist: 

An|k^ di swnren das. 28, 4. 
— ■ — \^ — \^ 
Im dritten Fuße (natürlich nur vor stumpfen Reimen) : 

Daz w4rt mit m'\z4 \ getdji das. 35, 8. 

Daz w&rt verhol In^ | getftn das. 55, 12. 

ünt oüch die hS |t^n |ges^hn das. 12, 30. 

Unt st&rke ylfnls^l yer8l4Dt das. 42, 11. 
Oder auch ohne Auftact: 

W4z dft t8e|t^ I di sfn das. 74, 2. 

D4z er b^'|te|ges^hn das. 18, 12. 

S^hzehn kn4p{p^|ih hftn das. 8, 2. 

Zwelf wöchen Uben|dfc|ein kfnt das. 55, 15. 
In Liedern wohl kaum. ^ 

Die Hauptbedingung ist, daß die vorhergehende Sylbe wirklich lang sein, 
e verstärkte nicht stumm sein muß ; nicht 

D4z er hö|t«; | oder h4|be | gesehen. 
3. Der Auftact kann nicht nur wegfallen , sondern auch bis auf drei Sylben 
flingert werden. 

w^lh^r 8tiu|re disiu msere g^mt Parz. 2, 7. 

D\ ritör sprä |chen wi ist gewüunen das. 103, 8. 
Dahin gehört aber nicht: 

Doh erk4nd ich nfe so wfsen m4n das. 2, 5; 
^^ er ist nur Eine Sjrlhe. 



I 



MlbCELLEN. 

Ich tircifele, ob id Liedero der zweiE^lbige Auft&ct erlaubt ut. 
Eiclieobacti ünverm^ldlez nicken 
ist wobt aoermeldezV (nnTrümedez I. 7, 6.} 
Hartm. in betraget Biner jire Wl (1. 8, 24). 
Zorreilen kommt bei verlängertem Auftacte BcIlMt der Aceeat t 
Öir«iili'eb|t; nat in der IS'ge Parj. 16, 12. 
brüderlichje triüve merte du. 6, 15. 
4, In der Mitte der Veree ijnd uberziUilichc Sylben weit seltener, vielleicl 
gar nicht erlaubt. 

Abrecfaneo muQ miui; 

dar iSndr ein weicbea pötteUc Para. S4, 5. 
gei&cb li nimmer mir dcbein mka (lies kein) das. 25, 37. 
■ Oft muD man ancb nur anders auEaprccheti : Pari. 791 (37, 13): 
H Dt> veniiioclit ich (a, ob er künde lin 

H do ver und ob er einaylbi)^. 

r ni. VeriLudcrung desRbytbmus. Eine Hebung weniger ali ihm | 
bQhrt darf kein Vera haben, aber sie kann unter Umatändeu auf der Stella i 
Senkung etehen. 

1. Die dritte und vierte Stelle der gewöhnlichen Verae wird, Miilli 
weifi, rein gehalten: 

ein männlicher Ver« mnO sich so enden ^ - '- oder: 

^^ . _ nicht: 



J 

r, vielleid 

i 




ein weiblicher ^ 



weil die Versenden rein eu halten die Verskunst aller Völker befiehlt 
Nach dieter Regel ist Parz. 4° (16, 28) kein Vers 



d&la'gpn zwe]|kr^fti|gin hör 



Zwei Hdsuhr. haben: 
da l&c ein kreftigez her 



Ebenso anrichtig Para. 3* (9, 28) ; 
Nn uft'bet min drloubeB tfic 



entweder ürloiibea, fallt bo elwiis i-r1n 
oft sagt: 

Nu ii4'ht min ürloiibea tit; 



«chwerlich : Nu nähet min iLrloiibea t&c. 




So könnte man auch 

dft l&gen xwei kniftlgiu hit 
ttchaldigen- 

2. Im ersten Fuß int et ertaubt, die Iltbung n 
bringen : 

Bälde I ai vli<^ieiil ündc jAgcnt Pan. 



1 

befiehlt. 
irlinoUr uäht, wie Eai;henb 

d 

die i^tcllc der Scnkno; 



MISCELLEN. 

Desgleicheo im zwajtejx: 

gewi!ohs| innen I an mincr haut das. 1, 27; 

jincb wenn der Aufitact fehlt 

min . bnioder | der nifip sih mfir das. G, 30. 
min { bette | dem hdide säa das. 35, 7. 

Aach kann der erste und Evrejlc Fuß ziigleicli iimscblagen: 
bitntge|m^lde I daz roä" möht aehu das, 6, 19. 
V bMier? 

h&ntf^mäde dks man mohte s^hn. 
3.1 

Viir din ' «rip siSz | ich di'siu lil das. 9, 25. 
lind daz f t^Q von | der stinDcn das. 3, 4. 
d£aB ir|lfhn all'^ enpßengen das, 6, 9. 

3. Bey xweysylbigem Auftacle kann der Accent , der eigentlich die eri(a.fl 
rang treffen sollte, zurückliillen auf die »weyte des Äaftacles: 



wir »nören I pesffleelt'phe Pa«. 8, 17. 
du mdosefz' Al&sandrie sin das. 18, 14. 
dwn dreyiylhigen auf die dritte 

iif ein kdltfem gest^ppet aimit das, 24. 4. 
Die Hehung zu versetzen steht wohl in Liedern nicht ganz a 



Das B^lbo tüot anch in!n|stfnen!der i 
rerlich richtig, (dez selbe daz taot ouch m 
Walther: 

Der w&b|tKre| diu t4ge1i£t 89, 35. 



Bender mnot MSF. 205, 4,) 



Wolfram: 

Iwfthlferl du singest 1. 4, 18. 
d&s gejbiut i)i| den tn'nwen dio das. 4, 35. 
Ich habe sonst anch gesweifelt, ob ^— für „ .t stehen könne, wenn c 
tc Sylbe die erste Häl^e einer schwebenden ist. Allerdings gibt das ( 
Iräcblichen Klang. Aber Beispiele sind der Titurcl Str. 3: 
T>lit si dinen gewalt mugen erswingen 



mugen i 



nsylbig: 



B ei ein Fehler, so enthielte folgender erdichtete Vera: der toÜK^gen rösen 
i*) swei Fehler; denn er vcrstÜast auch gegen III. 1. Das Leiden ist nur, daß 
Uer wie ^t immer durch die Schreibung soglciuli beiden abhilfi'n kann, 
, Der toüwfgen rösen glich 



tuuwegeu röseti uugtlicli Puz. 'ül, 10. 




Rni bloUeo Entwürfe Tcredben mSgen, der 

(,'«n, die nicbU BJod, bat benehmrn wlleo. 



Brief W. WftckernageU sn O. F. Benecke nebl 
Eum Iwein, mit^ethejlt tod W. Malier. 



M«meii heralicfaiten Dank, |^elirt«r Herr, Hir Ihil 
e BecenBion meiDea Antbeib vt den Fandj^rabea. 
lal wohl, wo ich immer uiedergeachUgeo bin, 
9 Aoitellunj; in mi«8(!lScken «cfaeint: und doch wflj 
bidenei UnterkoiDtnen bei eioer Bibliothek oder efai4 
I i*t Bchön, nur keine von dieser Art Vtn to mdi 
\ Empfehlung mir helfen kann. "^ 

Verleiben Sic. daß leh Ihnen auf Ihren vorigi 
et habe. Einmal wiir eine Krankheit dnrnn ScM 
r währte; sodann die Oder. Son^t tritt sie JiÜUj 
var sie »o sciclit, daD kein Schiff von Breßlwj{ 
I ich erat vergangene Woche nll meine Bücher i 
" j brauchte ich ta den Naehträffen zum Iwein, ( 
. Nun werde ich aagun. was ieli xn ea|.'eTi i 
lÜber Ihre Voncbläye wegen Einrichtung e 
■t Lachmann und mit mir aolbet Kiitha gepflof 
■e etyiuologiache Anordnunit recht ; 



MrSCELLEN 

loen ■chmerzlich. Jetzt lagee ich ein kleine» BUcblein drucken, eine Geachichte 
I draschen HeiameterB uod Pentameter» bis auf Klopatock, nnd arbeite «aj 
nUlelen der Ut- und der deutachen Spmcbc. Tch bin nnmentüch auf mehrer 
berluain geworden, was in den Wechsel der Vocale rerwandter WSrti 
[ge Getetzlirhkeit bringt. 

Eine Beceniion der Fundgruben, die ich fiir die acbles. Frovincialblätt* 
hrieben habe, wird jetzt bereits f^cdruckt sein. Ich habe darin behauptoWj 
die Schriften, welche man Notkern anschreibt, »on vier »erschiedenen Ver-J 
m seien. Lachmann gibt meinen Gründen seinen Beifall , und ich s' 
Den, wenn Sie wollen, damit za nienste- 

Ich sammle eehon seit längerer Zeit fiir eine vollständige nnd (die St 
gt es mit sich) documentierte Geschichte der alt- nnd mhd. Prosa, 
Jen mich sehr erfrcnen und verbinden , wenn Sie mich aus Ihrem Schatze 
I unterstützeD wollten. Eine Reise nach München wäre notbwcndig. Wer 
( hin könnte! 

Leben Sic wohl und erhalten Sie ein freundliches Wohlwollen 
Ihrem ergebenen 

Wilhelm Wackernagel. 

(MarkgrafenatT. 20.) 



Znin IweiQ. 

S497 — 6503 sind etwas rerändert abgeschrieben i 
pnt 1 



Wohlwollen ^^^H 

Wackernagel. ^H 
rafenatr. 20.) ^^H 

1 Otloc. V. Horo. 166*.^^^H 
87. BS. genannt sindr^^^ 



R2. Kalogr^ant sitet so gut wie die vier welche 87. f>B. genannt sind^ 
US. Ihoon, den sitzenden, ist der unhöflich da liegende Eeit gegenüber- 
, EalogrAant aber, obgleich auch sitzend, wird von ihnen abgesondert 
I xnlebst geoannt , um ihn anf diese Wci<e gleich als die Hauptperson der 
1 Erzählung zn bezeichnen. 
355. Die Stellnng. welche tn^r« 374 hat, ist die ungewöhnlichere: in der 
[el folgt ea dem Snbal. welchem ein run oder niVmrr vorangeht (das M nie 
! mir Bcrht 2'1); es schließt sich nicht an diese Partikeln, sondern an 
I 8nb«t. an, wie folgende negativ gemeinte Frage beweist: wä irart ie hersen 
te teolT altd. Mus. I, 364. Der Annfail des dehmr- ist bei dieser Wort- 
• alt gesetzlich; Hartmann, der sie vorändert, muQte es 375 brauchen; 
uh m aber wie gewöhnlieh, so durfte er nur sagen; daz im ni« iia»t mirt 
V lumm. Es ist beides ein Zeichen roher Sprache , wenn es in der 
■crcbr. 9' heißt: iVA nt inirdt tiiiamfr mf.r Tpi&r rf lieh«, und in v. Lallbergs 
Indt Sl: »6 wird ich nicmer keinen lar. vrn von henen mfrc. 35: dd nie «it 
t yttflrt* i'fin Hellt mir in ijwhän. 

434. Die ftneit bindet «a»t mit ntut . n-il , hast. >iual 10* 22' 49* 51 
j8** 90*. i/ail : "nvatl 47'. ratf : hani Lnirpr. 72' 

' %8ä Km Substant. wird verstanden ans einem siibst. compoa. Boeth. 33 
■fo « fundo) itf an derii buT'ten, danndn (auf barg) du Imrtlg piril 
ject cnmpos, Arist. 336 ; nimdht veitf f.^d 'ine. rfim jii Irbela, 
«u ov^rn kahtln aide haben tolta, noh härlus nah tanrlSt, dne dt 
mde aber ne hat. Ans einem Adj. Bari. 2\0,%^-. 
^An/. mtHnemlir) mm ,/ote «cA «eTat4t, selten ijol gtmuchilWv*.. 



122 MISCELLEN. 

Atu einem Verbnm Boetib. 86: ier gange hediu m hok eUsM&m (Kiebehi 
tffuie dero nere nh. Layenregel fnngednickt) 12^: 96 tehol er predigm^ und 
er äi geeni etc. Ifiec I, 1 1 : unde glaube da» er geerMgii wart , dax er 
an erstarb an der mennürhett^ niht an der gatheit. Pan. 166, SS: eni 
wart der tMe nuxn aldd vor Nantes df dem plan und an den lebenden 
(diu wäpen), 63, 9: der don iedoeh gemischt wart mit flagOerem an der 
ein reUenote ei (die flaitirre) hlieeen. 

768. Von diu nedarf dek nieman verhmnen des ubelen nodk dee 
fren als in not toü behuoten Kiuserclir. 10\ alles des teft ie gwan des hättt 
mich verhmnet ib. 73*". 

789. D6 (n&cTi Erobernng nnd Zerat5nmg Jerosalems) vrowefen siA 
hihren der mamcvalden Sren die in da gesehein was Kaiserclir. 6*. 

821. Vier wie franz. quatre ist die ;rroße Zahl, «fn siekä sneit 
mSr dam andere viere Kaiserchr. 12^ und ob «fn uxeren viere dn. 11135. 
toehter ist deu schämet maqt^ die man tue diser stund in vier landen fmid 
754^ si Iran sfi schcrne niht gesfn, man spreche y,ow^y w€er da» an ir niht!' 
st ehi man oder frowe^ fS lobet man si selten an ein „das^ oder &ns 
BertTi. 248. und wwret ir vierstunt als hluoc K0I. Cod. 108. Die SteDei 
die Ordinalsalil steht (und war ich in dem vierdeti lant^ ich wolde gerne 
her Rol. Cod. 103) zeigen, daß man rier der Grimmschen Theorie 
Zngabezahlen gemäß als 3 4- 1 aufzufassen hat; noch deutlicher wo 
wie Flore 6835: ichn möhtcz selpvierde gesapen noch aetihten &as, Mise. H, 
doM tat niht Salmon selpvierde ; besonders aber Tit. XITI : daz der Aceftstai 
rfr? o arbeitet wcem^ ob siz dd solden aar verkosten, fwd oh Artus owcÄ 
vierde* im hcete hie gähes gebr^sfen, [Hinten ein Zusatz ] 

1002. Hagene grucete in über rant d. h. rerSchtlich, das Has^ 
Seite wendend, ihn über Achsel (dwerhes) ansehend, wie es in der 
4' heißt: über halb en xom er sprach, Ntthart gebrancht jenen AnaänA 
mal nneigentlich : iedoeh s^ neic diu guote mir ein lützel Über sehUdee 
palat. 857. 24\ Die Stelle ans Gndran bringe ich hiemit nicht in Vi 
ich Terstehe sie so: er ritt ihnen gewappnet entgegen nnd rief. 

1073. se slage m5chte ich von slac herleiten: so daß die Hi 
beider gleich schnell rennenden Pferde immer zn gleicher Zeit eiklangen, 
hat den Ausdruck slag slags vom schnellen Beitcn, so dȧ ein Hnf a cM ig 
andern folgt: slag slags jaoen 103^ danne rüeren 262^ eilen 505*; f38^ 
slags slä; 828'* wird, wohl durch ein Wortspiel, slag tlaos fnnr hier « 
schrieben, frnherhin steht immer slags slags) im Sinne Ton Hieb as^ BSil' 
nommen. 

In der burcstrftze reiten die Beiden, obgleich sie für zwei nidift 
genug ist, immer noch nebeneinander her; sie ist ihnen zu eng nnd lie 
sich drangen ; erst am Bnrgthor sncht der Wirth voraus zu kommen, v 
Ton Iwein gedrängt, die Falle zu rühren. 

1190. df legen sich Yomehmen. Tch bemerke hier eine Stdle ai 
welschen Gast, wo PrSsens und Infin. vorkommen, VllI, 7 ^cod. golii. II 
seht, hie sol ntmen bilde 6f, ftcer fS iihermüetic irr, daz er üf leit «roz er wüi 
und dem schaden vil : wan sttaz der man Cf legen mae m zehen järem^ 
//rr venfffn^ oh ez goi iril : t^a »'ot» Uq rnon öf niht ze vil, 

1391. daz fitnschuld\ge Ckr\»U* Uwol l&w. 'Ä\^. von «m 
WAltb. 94, 39. einen iimaUgen Rp 11^, 1^. K\ÄiKi^V^- ^iwx ^t 




MISCELLBN. 123 

lelsylbe gewiß noch nicht. Die accentaierten Hss. geben s. B. iifMrftigen 
h. 120. iinuu{rdigen 124. tinsilndifjen 15. ^nscAldigemo 24. fStminnige 44. t^ 
'\g€s 62. unmhig^r 198. finl/bendex 81. vnguiahiite 57, obgleich der Accent 
ttf» den nächst folgenden stark überwiegt (änrthte ib. 21. linreAtemo 32. 
duUe 35. ja sogar i&nera 81.) nnd so Tollständig accentnierte Wörter wie 
Idlu^iSn ib. 21. unördenhdfl^ 39. undurhgihtigemo 119. selten sind. Daher 
man in solchen Fällen wie ^inmtziga ib. 139. den zweiten Accent nicht 
die dritte, sondern auf die zweite Sylbe zu legen. 

9283. Es ist zu bemerken, daß der Kaiserchr. diese Redensart mit bieten 
I fremd ist: es heißt da entweder zuo eines vuozen komen 46^ oder einem 
He mtoze vaüen 62^ einem an den vuoz valien 64^ 77^ oder einem ze vuozen 
m 80* 82* 87% während der 'Dichter der Genesis (Dint. 111.) immer bieten 
raucht, nnr einmal einem an den fuoz valien 56., woneben 108: si giengen 
tbe ze vuozen, was sich dem ans der Kaiserchr. angeführten zuo eines vuozen 
en Ter^leicht. Wieder anders im Orendel: d6 liez er sich als6 suoze für 
r IMen frowen fuoze 6^. si liezen sieh ouch als6 suoze gegen dem grätoen 
iss ü^ die fuoze 59*. Bieten scheint höfischer zu sein; Homeck hat valien 
I bieten gleich oft, 580* si vielen unde puten sich ze ßlezen der herzogvmen, 
3236. bl6z snrn ein kant wie Reimftr MS. I, 69* ich stän aller fröudem 
k als ein hant bl6z. Hendebl6z Nib. 1066, 3. heißt mit bloßer, leerer Hand: 
' tr da gegen wäget genzäehen al iuwer habe, ob ir verlieset, daz ir drahe git 
Wzer kende altd. Wald. I, 48. Die Lesart hemdebl&z ließe sich yielleicht 

Gkidr. 6620. rerteidigen : daz er ir wan in einem hemde hoete, Toransgesetzt 

es bedeuten kann: bloß bis aufs Hemde. 
8620. Hinter den Verbis welche eine Bewegong oder ein Verweilen be- 
hneii (man könnte sagen hinter den Verbis des Gehens und Stehens) wird 
f gern ausgelassen, sobald das nächste Verbum den dnrch die Bewegung 
Micbtigten Erfolg oder die mit dem Verweilen yerbondene Handlang angibt, 
im letzteren Falle anch das ParticipialadTerbium gesetzt werden könnte; 

bloße Absicht würde im emteren dnrch den Infin. ohne ze aasgedrückt 
ien. So fehlt inti hinter faran 0. I, 17, 91. II, 18, 46. Gen. (Dint. HI) 104. 
n O, V, 7, 20. kamen Gen. 56. gdn Gen. 91. Parz. 7204. Lieders. I, 538 

hinter stanton 0. H, 13, 22. gen. 47. 68. 80. sie stuont, neic im gezogen- 

! Kaiserchr. 26^ nnd 26^ hinter sizan 0. IV, 12, 65. ligen gen. 72. In 

B^^l stehn die beiden Verba anmittelbar nebeneinander; doch heißt es 

Boeth. 199: so er weinön wolta^ stuont er, hdnnota (flere dam parat, alalat) 

im Orendel 35*^: si giengen alle, verbürgen sich nnd 0. V, 7, 12: si stuant 
\y weinSta thdr; stuant üzana thes grobes, rSz V, 7, 2. diu in zuschin erden 
t himile git, beiden halbin scMnit Anno 588. daz die lewin von imo vluhenf 
einen winehel sich smugen Dint. H, 299 (XH. Jahrb.). duo giengen zu^e 
obee aune, die da zuo wären frume, nämen ire wäffen gen. 87. Das Asyndeton 
let noch bei 'einem zweiten Vollworte statt gen. 108.; O. knüpft es dnrch 

an rV, 23, 65. — Daneben aber ist der Gebranch des unde nicht aas- 
lehlossen, ja im reinen Mhd. waltet er Tor. 

3950. Das mitten inne stehende der lewe gilt als Sabject für beide Verba, 
\ Kaiserehr. 99^ d6 clageten in mit väze die vursten in dem rtche guämen des 
rate, sie kuren einen Cuonräten a. a. So wenig in dieser al« m d«t 'ilbxil\^V«Ok 
minetiaa, wo zwei Verba ihr gemeinschafÜicbes Ob^^cX Va ^<&\KiVXA TL<^Kc&«Gk^ 
ibie Ich ein Asjmdeton erkennen. 



124 2CISCELLEN. 

Dies eigene th com dat. hinter werden (auch Kaiterebr. 9^ ml 
wart nie in unmacht nnd Nib. 1961, 2 können unmäht nnd ungemSete 
sein) finde icb noch in einer Redensart Nötktrs: die gewaltigen dirro weHle 
wurden de» in ubelmo^ dar iro fn föne gote» fon ferzoren eoUan werden 45, i 
die heidenen werdent in fsbelmo ze irist (tnrbabnntar gentes) 64, 9. ^ 

4142. er irgezzit dis (d. i. dickst) mit guote^ ob du dinem munte woldet f^' 
fwingen Kaiserchr. 7^^ daz sie in seihen gedwingen ne mugen nok Jidb erwerm 
dchttsten Boetb. 191. 

4782. ich lege dir 9ür ndnen ähent den ich durch dinen willen kete Beibt 94. 
durch nt/, den der tievil den einen ffJ, die im underhMk sint Mar. 146. daz iä 
sin dienest des er gert Klagen (Wiener Hs.) 576. sßezer dann deu Mr «vni 
seineu wart (des Marschalls) deu der marschaUch enp&rt Hom. 689*. hie mü m 
end het ir red, die si dd heten p^d ib. 746\ 

4817. Wir mdssen hier nnd in ähnlichen FiUlen ander mit einem Advnk 
Tertanschen: als ein ander schäfwie sonst ein Schaf, ist ein to^ sckeene du «nAi 
gOeie^ vor der mich unser herr heheete welsch. Gkwt VIII^ 10 (1^4*) MbSn ohii 
außerdem ancb G^te sn besitzen. Oft aber drückt es so überflfissig einen uAm 
in der Sache selbst liegenden Unterschied nnd G^egensats aus, daß es fib mi 
nnübersetsbar bleibt nnd ein solches unde ander znm Beispiel nicht tIcI 
sagen will als ein bloßes unde, vil schiere machete er sieh gereehi unde 
sine holden die mit im tfaren solden Kaiserchr. 2^. der hirre wartete te sue Efin 
wenne siehein böte quceme von vAhe odir von binden oder von anderen den gßsinii 
die er ^ sante 9^ an wU}e unde an kinden unde anderen den gesinden 22*. Dem 
mit sinis selbes hont den vater mit dem kinde unde ander daz gesinde vrumete i 
algemeine (I* olgeRche) in daz gotis riehe 22^ daz der bruoder Astrolabhts 
andere sine genSze spihien mit dem clSze 79^. sie intp6t Ezzioj sie newwrde 
vrSn er nequame in ir phtsel, daz er die wollen ceise under anderen jenetsiXki 
(1. dienestiMen nach der entsprechenden Stelle der Müncber Weltchronik alti 
Wald, m, 282) 85'. 

6008. Obgleich althochd. Beispiele wie wer anderro Boeth. 205. niomi 
nnderro ib. 83. nieman anderro N. 21, 12. nieman gvoiero ib. 80, 8. den 6« 
brauch des GenitiTS hinter dem Nominatir yon wer, swer, ieman^ nieman sidK 
stellen (swer saliger Marien Himmelf. 702. iman armer Kaiserchr. 47^. iemu 
I6ser Walth. 166. nieman guoter ib. 18, 83), so hat er dennoch hinter d< 
casibns obliqnis sein Bedenken. Dergleichen kommt nicht oft Tor wie sm^ 
reiner altd. Wald. III, 174; dagegen desto häufiger die Apposition im gleSeki 
Casus: mochte ich iz etteweme wisem sagen Kaiserchr. 80V iemimne ändert 
bihteb. 25. ieman anderme 60. ieman andern 42. 62 uud schon ahd. mit m 
manne andermo Boeth. 87. 

Zusatz SU 821. — gebrostpn. Die Zugabe hat hier aneh ihre gv 
Bedeutung, da drei selbst schon die große Zahl ist. nu lät mSn eine» tosura d* 
der iesReher sunder phlege daz nAner kihmte widerwege Pars. 4, 2. tocBm nMn 
eines drt, die wcem ze pfände mir gevarn Wilh. II, 66*. nu bm ick tiuwerr dt 
din dri altd. WSld. III, 201. sein lob das sol man miren vil m^ den and 
konig drey Casp. Heldenb. 75*. du pist sterker den mein drege ib. 110*. - 
Die große Zahl vierzig {sanfter vierzic warf dneit 9746.) ist aus MultipKeatic 
der Tier mit der großen Zahl zehn (mein zehen möchten nicht achten^ wie i 
Sieirwr Dächten Hom. 151*) beryoTgegangexk^ w\« «\^ «?qa dem welsdieB Gt 



MISOELLEN. 125 

\ 7 (85^) deutlich ergibt: swer tid ist erslagettj dtr mag aU6 lützel klagen 
t*iiix^ wtmden als viere. 

Nehmen Sie diese Beiträge geneigt auf und lassen Sie mir wissen , wie 
: Si« damit sufirieden sind. Ich halte vieles (namentlich lexicalisches) zarück, 
Sie nicht mit dem sa belästigen, was Sie absichtlich abergangen haben, 
wird so schon genog der Art untergelaofen sein. 

3102. sehen wä hat denselben Sinn ab sehen mit folgendem acc c. inf., 

nü sähen si wä vor in lac ein burc üf der sträze 6080. denselben als nü sähen 

M tor VI ligen o. s. w. Ebenso nu saher loä der künic L6t einen schilt gein der 

h^te bot Parsiv. 78, 25. dö sach er wä dort her gie gegen im ein sölich gast 

XiedeiB. I, 519. sieh wä, ahd. sih no war ist ecce: sich wä ich stän hier stehe 

ich gen. Bl. sih no war ich pin (ecce) N. 101, 2. sino war der man ist (ecce homo) 

goles helfa ne suohta 51, 9. n'no, daz chit nü sihy war sie sundige sint unde 

kenuhüge sint joh werltrVUuoma habent (ecce ipsi peccatores et abondantes 

ii seenlo obtinneront diritias) 72, 12. sino wä er selho stit hinter unser wente 

"W. XVI, 23. secht w6 der tauch s6 höhe pran Hom. 90*. nü seht wä dort here 

wek jln« wtbes hole Iw. 3102. Das Zusammentreflfen der beiden Ortspartikeln 

wä und dort ist hier, wo die Bedeutung der ersteren durch den inteijectionellen 

Mmuieh abgestumpft sein mochte, minder befremdlich als in der yorher aus 

den Ldeders. angefahrten Stelle. Schwer zu erklären ist es, wie war allein zu 

dar Bedeutung ecce hat gelangen können: unz ih tiz svAgendo in minemo muote 

ektota unde ih sus ämerlicha chlaga screib mit temo grifeUy war sah ih ein icih 

sfdii obe mir Boeth. 7. unz tie Musae wüon sitnderigo, wHon sament sus sungen 

M^ suoxe stimmä sus hertotSn, war chämen (ecce conyeniunt) frowün dara in 

iro sdda Cap« 119. Die Wortstellung ist wie sie die Genesis einmal auf sine 

folgen Üfit: sine bestuont er enehalp 84. • 



S Oenrinus. 

Autobiographische Skizze.*) 

% Georg Gotfried Gervinus ist am 20. Mai 1805 in Darmstadt ge- 

^onOf wo er seine Jngendbildung im Gymnasium erhielt. £s war eigne Wahl, 
^ er nach seiner Confirmation die Schale Tcrließ, um Buchhändler zu werden ; 
^ Yerauch einer Lehrlingschaft in Bonn misglückte; der augenblickliche 
Mftagel einer andern Stelle bewog ihn, in ein anderes kaufmännisches Detail- 
gMchäft in seiner Vaterstadt einzutreten, wo er fünf Jahre yerweilte. Hätte 
^ der Zn&ll in ein großes Handlungshaus gefuhrt, so ist sein Glaube, daß 
1 tt Kaufmann geblieben sein würde. Das kleinere Geschäft hatte, nachdem er 
( tt kennen gelernt hatte, keinen Reiz weiter für ihn und er begleitete daher 



i 



*) Nachfolgende Skizze worde mir yon Gervinas' Wittwe zur VerOffentliehong 
freondliehst flberlassen. Ob sie anderwärts schon veröffentlicht ist, yermochte ich nicht 
a ermitteln. Jedenfiüls wird sie den Lesern der Germania willkommen sein. Sie war de, 
wie man ans den litterarischen Beziehangen sieht, im Jahre 1866 abgeschlossen: or- 
•prOa^ich reichte sie nur bis zu den Worten „bis dahm 1848* ; der Schloß ist s\»äter 
issehrfabcn* 



126 MISCELLEN. 

für sidi, in seinen Musestimden, seine Scliulfreonde, die sich dem gelebta 
Stande widmeten, in ihren Stadien; zar ausgedehntesten Lectore anf dem Q^ 
biete der neueren deutschen Literatur blieb ihm Zeit genug, der UbeiWik 
des Gresammtgebietes der deutschen Dichtung erö£Fnete sich eigentlich damb 
schon ihrem spateren Geschichtschreiber. Ästhetische Neigungen waren es, ii 
ihn bestimmten, dem Kaufmannstande zu entsagen. Eine halbjährige YoiW' 
reitung genügte, ihm den Zugang zu der Landesuniyersität zu eröflhen. Dbi 
Rücksicht auf den Lebensunterhalt bestimmte zunächst zu philologischen Stidi» 
Früherwerbene Kenntniss der alten Literatur und eine warme Liebe ffar griechiiekt 
Bildung machte ihn auch in diesen Studien bald heimisch, nur daß ihn die 
Methode und Behandlungsart dieser reizendsten aller Wissenschaften bald ab- 
schreckte. Als er nach einem Jahre Aufenthalts in Gießen 1825 am (Mtn 
nach Heidelberg übersiedelte, stirb gerade der alte Voß, an den er empfoblei 
war; ohne diesen Fall wäre er der Philologie vielleicht gewonnen geblielMik 
So aber fesselte ihn in Heidelberg weit vor allen Lehrern Schlosser, in desMi 
geschichtlichen Vorlesungen es ihm wie Schuppen tou den Augen ütü ni 
sieh ihm die Bäthsel des Lebens öffneten, vor denen ihn bisher Gresdiifti- 
leben und Dichtung und Philosophie und Philologie rathlos gelassen hattea 
Er begriff, daß die Schlüssel zu diesen Käthseln nicht sowohl d^n Lehrer ib 
der Lehre eigen waren, und er glaubte nun endlich in dem GeschiehtsstadiiB 
den Beruf seines Lebens gefunden zu haben. Und in dieser Übersengong htf 
er sich seitdem immer bestärkt sehen müssen. Er hat zwar nach seinem Ab* 
gang von Heidelberg 1828 in Frankfurt zwei Jahre lang an einer PriTatansUl 
sein pädagogisches Talent Tcrsucht, und kam dadurch mit der alten Li^ 
auf die Philologie zurück, doch kam er eigentlich erst dann in ein GelflM 
selbstbefriedigter Thätigkeit, ab er sich um 1830 in Heidelberg niederließ, ■■ 
da Geschichte zu lehren weniger, als zu studieren. Seine Habilitations-Disser 
t'ition : ^Geschichte der Angelsachsen im Überblick" Frankfurt 1830 
ist im Grunde nur ein Fragment von Heften, die er sich damals als Erinnemngei 
bei seiner Leetüre niederschrieb. Später bewegte ihn der Gedanke , Spittkv 
Geschichte der europäischen Staaten durch ein der Zeit und dem Stande de 
Wissenschaft entsprechendes Werk zu ersetzen: ein Rest der Vorbereitangei 
in dieser Richtung ist der „Versuch einer Geschichte von Aragonien 
in den Hist. Schriften, Frankf. 1833. Die zweite darin enthaltene Abhandini 
über i^Machiavelli'* entstand 1831 in Italien, wohin ihn theils eben dieM 
geschichtliche Plan, theib allgemeine Bildungszwecke für ein Jahr himogei 
wohin ihn auch später noch zweimal die Liebe zu Kunst und Altertfanm, vi 
SU Natur und Einsamkeit zurückzukehren trieb. Was von Fähigkeit und ThÜff 
keit in ihm war, ward durch die Anregungen der ersten italienischen ReM 
in ihm lur Blüthe gebracht. Zurückgekehrt drängte es ihn zu einer grüftem 
literarischen Production; er war getheilt zwischen den alten litermriach*iithfr 
tischen Neigungen und den mächtigen politischen Anregungen der Jahre 1830— 3S; 
er überließ, da er mit der Zeit selbst schwankte und dem Inhalt der Ocf hifbti- 
Wissenschaft gegenüber sich in gleichem Interesse für dessen geistigen nd 
politischen Theil behauptete, dem Zufall, wozu er sich bestimmen sollte; a 
gab seinem Verleger die Wahl zwbchen einer Politik auf geschichtlicher Chnd- 
läge (einem Thema, welches er um 1846 in Heidelberg wieder sa Vorlesoga 
berwarsag)f MwUchea einer Geschichte dei eio^oigitÄv^^ecL ^\aa^«Di und eiaer fle 



MI8CELLEK. 127 

lichte der deatochen Dichtung. Der Verleger entschied ohne Bedenken für 
I Letitere. So entstand in acht Jahren 1834 — 42 die Geschichte der 
atschen Dichtung, Leipzig bei Engelmann. Das Handbuch der Ge- 
hiehte der deutschen National-Literatur, Leipzig 1842, ist daraus 
1 Auszug. Während der Ausarbeitung dieses Werkes ward Gerrinus auf Dahl- 
nns Betrieb nach Gottingen berufen. Für seine dortigen Vorlesungen ist die 
ine Schrift: Grundzüge der Historik, Leipzig 1837 geschrieben worden, 
e Broschüre: Über den Göthischen Briefwechsel 1836 ist nur eine 
»rstudie für die späteren Theile der Dichtungsgeschichte. Es ist bekannt, 
IS eine Protestation gegen die willkürliche Aufhebung der Hannoverschen 
irfassong 1837 sieben Professoren in G^ttingen ihre Stellen kostete. Drei 
von mußten das Land verlassen. Darunter G^rvinus« Er ging ein Jahr lang 
eh Italien,. und sammelte damals seine „Kleinen historischen Schriften'' 
Bpsig 1839. Außer dem in dieser Sammlung enthaltenen, hatte Genrinus bis 
hin nichts Einzelnes, Kritisches und dgL von Bedeutung geschrieben. Auf 
r zweiten italienischen Reise entstanden die Venetianischen Briefe 
fnterhaltungsblätter 1839). Nach der Rückkehr ließ er sich in Heidelberg 
eder, in der Absicht nun ganz der politischen Geschichte zu leben. Seit 
344 las er hier wieder als Honorarprofessor; aber er war fürs Lehren viel- 
ieht nicht besonders geschaffen, gewiß nie besonders geneigt und mehrmals 
nkten ihn die Schicksale von dieser Laufbahn ab, als wollten sie ihn mit 
«walt auf der schriftstellerischen Bahn festhalten. So jetzt wieder die politischen 
orqiiele und Regungen, die mehrere Jahre dem Ausbruch von 1848 voran- 
Ingen. Sie machten, daß Ger vinus^ Vorträge in Heidelberg wesentlich didaktisch- 
oütischer Natur wurden; sie veranlaß ten ihn zu verschiedener Gelegenheits- 
liitigkeit und Gelegenheitsschriften: zu der Charakteristik Forsters (in 
äsen gesammelten Werken, Leipzig bei Brockhaus 1844); zu der Mission 
ier Deutsch- Katholiken, Heidelberg 1846; zu der Schrift über die preu- 
»iiehe Verfassung, Mannheim 1847; endlich zu der Redaction der Dent- 
ehen Zeitung vom Juli 1847 bis dahin 1848. Der ungedeihliche Gung 
ier politischen Verhandlungen in Frankfurt drängte ihn früh aus den Bänken 
ier Nationalversammlung in Frankfurt heraus zu einem dritten Ausfluge nach 
tdien und zu der Ausarbeitung seines Werkes über Shakespeare, Leipzig 
1849 f. Die vaterländische politische Beziehung auch dieses scheinbar ganz 
fthetiBchen Werkes ist von ihm selbst in der Vorrede angedeutet. Dort ist 
■eh sehen auf die neueste noch im Werden begriffene Arbeit G^rvinus*, die 
feschichte des neunzehnten Jahrhunderts seit den Wiener Ver- 
r&gen, Leipzig 1855 ff. (bis jetzt 7 Bände, der 8. im Druck) hingewieseui 
ie am tiefrten in seinen ganzen Lebensplan verwebt scheint und schon am 
ehlnße der G^eschichte der Dichtung (1842) gleichsam angekündigt war. Die 
iDkitmig zu diesem Buche (Leipzig 1854) zog dem Verfasser ihrer demo- 
atiaeheo Tendenz wegen einen Proceß wegen Hochverraths und politischer 
Agitation zu, der mit einer partiellen Verurtheilung begann und mit einer 
'■■■■tlon dieses Urtheils endete. Über der angestrengten Thätigkeit für dieses 
lesehiehtiwerky das sich an Schloßers achtzehntes Jahrhundert hart anschließt, 
rar Ck in letzten Jahren sehr eifrig beschäftigt, die Tonwerke Hand eis in 
kotMlilaiid surfickzubürgem. Die Anregung su der S\a.%aA, ^^ ^Büb9Q.^sSL V^ 
db«r Vätentadt Halle gesetzt ward, zn der Gründung dex ^«Q^aOki^Ti ^]S&Ki^^ 



128 MISCELLEN. 

geeellschaft,* zu der Herausgabe seiner Werke dnrch diese Gksellschaft, m 
durch 6. gegeben worden. Auch in dieser Thätigkeit schlSgt, nach d» Ab>| 
dentangen in der Vorrede zu Shakespeare, die Absicht Tor, aof die polititckj 
Moral nnd den Patriotismns in Deutschland zu wirken, die stets ,,fiir die Herr- 
lichkeit des lebendigen Vaterlandes streitende Richtung," die Jacob Giiail 
ab das charakteristischste Wahrzeichen Ton G*s Öffentlicher Thätigkeit m- 
zeichnete. 



^ ^% 11^. ^^^ wenn der Himmel war' Papier. 

Zu den Ton Reinhold Köhler im Orient und Occident EE, 544 — 559 
gegebenen Belegstellen ffige ich eine französische. Trotz des reichen Materiik 
gelang es Köhler nur einen Beleg aus Frankreich beizubringen. Die Steh 
findet sich in dem Liede eines ungenannten Dichters (Archir für das Stodioi 
der neueren Sprachen 43, 244). 

l^ r TW^y^i^ 4p Sc roches et caillo bis 

/^ *^t^f^^)' ierent frait et destrcmpeit 

dou Rin, et dou Rone et dou Lis 

et d*airement atenprei, 

en parchemin conreie 

faissent ciel et terre mis, 

et chascuns fust ententis 

d'escrire la veriteit, 

jai sni bien per ces escris 

ne seroient recordeit: 

d. h. die Tugenden der Mutter Gottes, deren Lobe das Lied gilt, würdoi anck 
d;tnn nioht aufgezählt werden können. K. BARTSCH. 



Qrimmdenkmal. 

Am 24. Februar 1872, dem Geburtstage Wilhelm Grimms, wurde du 
den beiden Brüdern gewidmete, aus freiwilligen Beitragen errichtete MamMV- 
denkmal an dem Geburtshause enthüllt. Gjmnasialdirector Piderit hielt ^ 
Festrede. Das Denkmal^ die Brustbilder darstellend, ist eine Arbeit des Hern 
V. Nordheim in Frankfurt a. M. 



Zosätse m XVI, 99 — 109. 

S. 102, 85 hinter hat: Vgl. auch Grimm 2, 747 ge)>Ya&del'; 108, 86: 
Bezüglich der von Stark mit den deutschen Namen auf -i yergUchaieo eng- 
lischen Kosenamen auf -j und deren Ableitung ans älteren Formen mit 
-ing sei hier auf Koch's Grammatik § 103 verwiesen; 105, 88 konnte nodi 
anf andere PN. mit Participialform venriesen werden, wie Wahsanta, Pduaeiite 
(St. P. 98, 4 u. 5), Willicumo, Wigand, Weriant n. a. neben griechischea 
PN, wie 'jir&oraay BaXlnvea^ *A\i.vvfav u. a.*^ \0^,\^ V. %. u. 8, Jalnig. 



)IE ERSTE BEARBElTÜNCi DER DÜRINGKSCfTEN 
CHRONIK VON JOHANNES ROTHE. 



Die Papierhandschrift auf der herzogl. Bibliothek in Gotha Cod. 
shart. B Nr. 180 enthält von Bl. 158** bis 288^ die Abschrift einer 
Iflringischen Chronik, welche Urban Schlorff, Schößer in Tenneberg 
)ei Waltershausen, iin Jahre 1487 gefertigt hat, wie eine Notiz von 
*<'incr Hand am Ende der Abschrift ausdrücklich sagt: ußgeschreben 
imfi rronicken von mir Vrhnn Schlorffen zu Theneherg anno dm, .1/. CCC, 
LXX^XVIP die czif nchosßer daffelhisf am Montage sent Johannes den tou- 
fm tage. 

Diese Chronik hat fiir die spätere düringische Geschichtsschreibung 
eine nicht geringe Bedeutung gehabt. Sie war die fast einzige Quelle, 
ans welcher alle spätem Chronikenschreiber von der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts an bis auf die jüngste Zeit herab geschöpft 
kaben, und ist durch diese mehrmaligen Wiederholungen und Fort- 
setzungen die eigentliche Volkschronik in Diiringen geworden. Konrad 
StoUe, der seine „thüringisch- erfurtische Chronik" g^gen das Ende 
W 15. Jahrh. schrieb, beginnt mit der Erzählung toy Noe dy archen 
lebmcet haf, und der Anfang dieses Abschnitts lautet tibereinstimmend 
uit den Worten unserer Chronik auf Bl. 167**: Also noe funffhundert 
ftr alt was, da hith her an die Archa zu machene nach deme geböte gotis, 
nde machte sie mit beslagen holczem vnde brachte die mit clister zusam- 
kene, das in den Innden vff den icassem vnde pftäczen stcebethe, das also 
■este heldit, das man es mit keyme tcafen gescheide kan nach mit keime 
cassere abegetaeichen. Auch was sonst L. F. Hesse in der Vorrede zu 
ieiuer Ausgabe von Konrad Stolles Chronik über ihren Inhalt sagt, 
äüt nur vermuthen, da(S Stolle bis zum Anfange des 15. Jahrhunderts 
rnsere Chronik mehr oder weniger genau abgeschrieben hat. Dasselbe 
lat auch Adam ürsinus gethan, dessen chronicon thuringicum, von 
Hencken in den scriptores renim Germ. Bd. III, p. 1239—1360 ab- 
Irackt, von der ersten Zeile an bis zu den Worten p. 1325: „a& man 
take nach der gebuH Christi 1406 iar, da starb Landtgi'affe BaÜzar zu 
Wofiberg auff dem Schhsse ynn gtiefem voUen aUei', acKt tage, -^cyr ^TtVkwvv^ 

OaXANTA. Nene Reihe. F. (TVJL) J^hrg. Vi 



L 



130 AUG. W1TZ9CHEL 

vnd wart begraben tjKn Reinharihborn," nur die Wiederholung 
durch AualaaauDgen, Interpolationen, Unrichtigkeiten und Fehler alta 
Art entstellten Abschrift derselben Chronik ist. Die „Doringache Cf» 
nike," von Wigaud Gersteuberger in seinem thUringiflch-hfisaischeo Ge 
achichtswerke benutzt und oft erwähnt, und daa „alt verlegen ExeopU 
einer geschnebeneD Chronik," welches Johann Bange nach der Vor 
rede zu seiner Chronik sieh abgeachrieben hatte und spilter in Druo 
gab (Milhlhanscn 1594) , atimmen gleichfalls meist ganz wörtlich 
Schlorffs Hb. überein; ebenso haben Binhard und Rivander ftlr üu 
Erzählungen gewöhnlich nur diese Quelle gühubt. Die Popularitfit 
weite Verbreitung dieaea dür. Gesehichtabuches bezeugen auch di 
zahlreichen noch vorhandfai^n Abschriften, welche groüentheils 
16, Jahrhundert angehören*). Der kürzere Umfang und die nu 
DUringen sich beschränkenden Erzählungen mögen zu deaaen BelieUi 
heit wohl WGsenilich beigetragen haben. 

Schlorffs H», beginnt Bl. 158" mit einer gereimten Vorrede 
vierzciligcn Strophen, initgetheilt und ausführlich besprochen von P 
Bech in dieser Zeitschrift Bd. 0, 357 ff. Die Anfang^huchstaben d( 
einzelnen Strophen ergeben zusanimeugestelit die Widmung: Dema ff 
»trengin Bniiien von Tcite/^ibin amcfitmune vf Warlberg. 

Dieser Dedication folgt eiu Abschnitt, überschrieben: Von i 
keifßers ]>alas und beginnt mit den Worten: In Jetne mtmeti golia am« 
In tynea keiJJers jmUin gehom sich zk foiilerst dryarleye tconunge i 
habene in den sine konnfgkUche geionlt vnde ere ersckimt u. s. W. Dari 
achliellt aicli die Schöpfungsgeschichte der Welt in den sieben Wocli« 
tagen, und die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradii 
im ganzen und allgemeinen gleich lauti>nd mit Cup. 1 — 9 in Rotbes dO 
Chronik, in Einzelheiten bisweilen wörtlich zusammeustimmeod, al 
kürzer und gedrilngter und nicht ohne eigentli 'Im liehe AbweichuDg« 
und Besonderheiten. Auf B!. 1G3' — IC7'' ist die Geschichte der orsü 
Menschen und ihrer Nachkommen vom Sündcnfall bis ^ur SUndflii 
und Erbauung der Arche enthalten, in deraelben Weise behandelt ai 
in gleichem Verhöltnisse zur dür. Chronik wie die vorangehenden A 
Bohnilte. Die nachfolgenden Erzählungen von Koah bla Nimroth, dl 
von Ninus und Semirumis, von der Erbauung der dtadt Trier dur 
Trebeta stuhen zicialich wörtlich auch in Buoges Chronik Bl. 1— 



*) iJpr Abdrnok einer «ntchcn diiroh Tide AiwlMiuiigi^ imd prvb« FoUtr Ji 
Art rftd-rhenni, «»c>i fiiii Anlnii^ niid Enile vrn>illinii>«liBn Hb. iat iti* IkMH^ 
CHntna tum yätut md Trtbeta iü ntn JoAr« ia3SiuVAV'Ä^^^-^'a^''^%'^^%tS— ^ 



E EBSTE BEARBEITUNG DRR DÜRPfGIRCHKN CHRONIK ROTHE'S. 131 

Bere Hs. geht nun sogleich HLer auf Ciiears Unterwerfung von Deutsch- 
d und auf die ihm beigelegte Erbauung verschiedener Burgou 
diesem Lande, wie diese Sagen auch Bange Bl, 11 erzählt hat. 
f Bl. 172 nimmt nun die eigentliche dtlringische Geschichte ihren 
Fang, beginnend mit alten Sagen und anhebend mit den Worten: 
dm geaithen hbetf. alexander der große kom'gk, der in tlni Innden, 
dis tonne v0git-hdh, große wKnderwcrd^ tregh, nfeo syn leben wot 
'wißetk. Nach crüfi gebort acht viide czwenezig iar vnde [da] der 
nfg alexander gestorben tcan, da wo» ein votgk in syme here dt hifien 
■ioli u. s. w. und sclilieüt Bl. 288* mit dem Tode Balthasars und 
le« Bruders Wilhelm: Also man schreib nach eristi gebort tuaent 
'CCVI iar, du starb landtgrave Balthasar czh wartpergk uf detne Slosße 
giii^me völligen aldere vnde wart gefurt kein regnhartshorn. ditz ge- 
ich acht tage vw sent vrbans tag. Des musie sine scle mit all/:» glou- 
m »lUn rüge in den ewigen /rede, ameit. In dein andern iare darnach 
•b gyn brtider wilhelm dem got gnade, darunter die schon erwähnte 
[iz von Urban Schlorff, der den ganzeu umßlnglicheo Codex in dem 
Kgvbencn Jahre geschrieben hat. 

DicHC Olironik ist zwar gelegentlich erwälmt worden, hat aber 
ih nicht die ihr gebührende Uücksieht und Beachtung gefunden. 
D hat weder ihren Inhalt genauer untersucht, noch weniger aber 
an gedacht, ihren Ursprung und Verfasaer zu ermitteln; sie gilt 
rdbniicb als ein Auszug aus der hekauutcn dilr. Chronik des Job. 
tbe, welche zuerst in ihrem ganzen Umfange, leider mich der Sonders- 
l»er Hs und ohne alle Berücksichtigung der Ubrigea Hsa., Herr 
I Liiliencrun herausgegeben hat. In der Vorrede zu seiner Ausgabe 
[t Hr. V. Liliencrou p. XI: „Äußerst zahbeich und wohl in allen 
^^^Dern ITandschrifteusammlungcu Deutscblanja vertreten sind solche 
bellen, welche den Rothe zu Grande legend epitomierend, über- 
leitend groüe TheUe wftrtlicb auBschreiben , wie die Werke des 
iBinienneiater. Stolle, SchSorff u. a." und in der Zeitachr. fUr thtlr, 
•chichte I, 228 lesen wir über Konrad titolle's Chronik: „Unter- 
iken wir aber die Stallische Arbeit bis dahin (bis gegen die Mitte 
) 15. Jahrhunderts) etwa» genauer, so zeigt sich bald, dalj sie durch- 
Bgig nichts weiter ist als ein Auszug aus der thüringischen Landes- 
onik, die wir dem Johann Rothe zuschreiben, und zwar so, daß sie 
dfjr R*gcl Wort ftlr Wort daraus absciireibt, jedoch bedeutende 
Isl&aeuDgeu ganzer Capitel eintreten läßt. Bei diesen Auslassungen ist 
ibar, wenigstens zum grollen Theil, die Maxime \ic^o\?,l., Äü.^\!iiaN««i'äl.- 
•hebe, die Oeschichte der Kaiser und Vä^&Ic, ^\e Q(i».Ä>Mä<ii 



132 AUG. ^^ITZPCHEL 

der Kreuzzüge u. dgl. ganz we^zulassoii und sieh auf Thüringen i 
beschränken. Konrad Stolle ist bis 1440 darchaas lediglich ein ve 
kürzter Rothe.*" 

Lesen wir Schlorffs Abschrift genauer durch und vergleichen w 
ihren Inhalt mit Rothes dUr. Chronik, so wird diese Vergleichung de 
Gedanken, unsere Hs. sei nur ein Auszug aus dem andern Geschieht 
werke, bald sehr zweifelhai't und hinf^lig erscheinen lassen. Dei 
neben einer allerdings überraschenden, oft ganz wörtlichen Überei) 
Stimmung des Inhalts und bei einem im Ganzen gleichmäßigen 6ii 
und Verlauf der Erzählung begegnen wir in Schlorfis Hb. auch gai 
andern in Rothes Chronik nicht vorhandenen Erzählungen, einer vöD 
unabhängigen und selbständigen Darstellung, einer besondem, ?< 
der andern Chronik vielfach abgehenden Ordnimg, in der bald grOße 
bald kleinere Abschnitte neben und nach einander stehen und folge 

Zunächst finden wir unter den beiden Chroniken gemeinsann 
Erzählungen in unserer Hs. nicht wenige ; welche bei größerer Av 
führlichkeit oder Breite zugleich mehr Einfachheit, Natürlichkeit oi 
Frische der Darstellung kund geben, auch eine gewiße individoel 
Hingabe au den Gegenstand, selbständige Auffassung , abweichen« 
Motivierung und eigenthümliche Färbung nicht verkennen laasen lu 
wegen dieser Merkmale und Besonderheiten Rothes Chronik sich 
nicht nachgeschrieben; noch weniger daraus entlehnt sein können. £ 
Beispiel dieser Art ist die Erzählung von dem Säugerstreit auf d 
Wartburg Bl. 224*^ — 228*, die Mencken in seinem Abdruck von Ursin 
Chronik weggelassen hat Sie mag deühalb hier eine Stelle finden. 

Nach cristi gebort M. CC. iar dt wart landtgrauen hermanne $in n 

loddeuxig gebom. in den geczüen waren in sime hoffe sechs fädele man m 

gebort vnde von symien wise, hobisch, voimumffiig obir ander luthe, ali 

das man von den selbefi wite in den landen sagitte, die sungen zu widda 

strite vnde machten nuwe lyde xoidder eynander, der hiß einer er heiwrk 

schriber, der was ein hobisscher guter ritther. der andere waUer von 4 

vogilweide, der dritte reynhart von czwechtin, der virde wolferam w 

esschenbach, der funffte iohannes bittirolf, die worn alle czu dem sckHo 

gebom vnde rittermesige gestrenge vnde hobische man, der sechste der W 

heinrich von affterdingen, eyn horgei* von ysenache vnde eynes vomeme 

fromen geslechtis, der was vomunfftig vnde hobisch. der sang alleyne tfiio 

der die vorgenanten alle vnde kreig mit sime gesange widder sye vnde of 

gesenge vnde lyde, vnde die selbigen lyder heißen nach der higk von «on 

/^erp. du gesenge werte also lange icidder eynander, das sie sich varphlieh 

fen^ trer mder an vorlore, den «olde mati Keng€?«\. xmdA oHao disser inj 



E EE8TE BEABBEITUNG DEE DÜBmölÖOHEN CHRONIK ROTHE'S. 133 

was lange gewerte, da umchß auch zwftsschen on der hos damete} also 
^ sie uf eynen abent sungen vnde speüen mit worfeln vnde phliehten 
}thauffe widder heinrichen von affterdingen vnde gewonnen om mit vn- 
icheme speie an, vnde wolden on auch nach einer wiUekor angriffen vnde 
holden vnde on Vordrucken vnde vmb den Itb brengen, ab sie mochten, 
de da das heinrich von affierdingen gesach, da floch her zu frawen 
tphien der landtgrauinne uf gnade vnde schirm vnder oren mänteL die 
(h da recht vor on. In den selben geczifen was ein groser naturlicher 
ißer meister uf artztige, uf allerleye kunste vnde behendickeit, der hieß 
mgsor, ein großer stemluger vnde erfaren in der swarezen kunst, cssu 
me berif sich heinrich von affterdingen sines rechten vnde das wart also 
n der landtgrauinne uf genommen, das her das in eyme iare solde uß- 
igen mit on, vfide weme der obgenante meister denn vnrechJt gebe, der 
U der buse, also sie sich vorwiUekort hebten, veUig werden. Heinrich von 
fterdingen, der erhub sich darnach alztchant czu deme herczogen von 
terrich, deme her allezeit schönes lob gab in sime gesenge, vnde sagitte 
i sine Sache vnde bat on, das her om brife an meistern clingsom wolde 
hen, das her nm durch sinen willen beholfen sin loolde, da her om die 
ife brachte, da tröste her heinrichen von affierdingen wol vnde gelobette 
ü, das her darvmJbe mit on in doringen czihen wolde. vnde also der selbe 
eister das om alezulange vorczouch uf die zeit, das es nahe eyn iar was 
\ie sich heinrich affterdingen erwegen hatte, das her nummer me czu 
nde torsfe kommen vnde in großer leyde vnd in sorgen was, da es an 
m andern tage syn solde, also es uffgennmmen was von der landtgrafinnen, 
i schickte es meiater clingsor, das sie die geiste in der nacht fürten von 
n sibben bürgen uß vngam kein ysenache in eines htrgers hoff, gelegen 
rt an sente Jörgen tor, der hiß heUegreffe. dieser meister clingsor was 
r ein wolgelarter man vnde was ryche, her hatte alle iar zcu gulde drye- 
ßent gülden von deme konnige von vngam. dit geschach nach cristi gebort 
\ CC. VII iar. da saß der selbe meister eines abindes in deme garten 
US wertis zu ysenache vnde sach das gestime mit großeme vliße an. da 
igetten an die eddeln, die dae kegenwertig bie am warn vnde zu ome uf 
hisscheit dar quamen, ab her icht fremdis an deme gestime sehe, das 
r on das offenbarte, da antwerte her on: ir soU wissen, das in disser 
icht deme konnige zu vngam eyne tochter gebom werdit eyns heüigens 
)ens vnde wirt gegeben disses landiß fursten sone czti eyme elichen wtbt. 
n orer togunt vnd heilikeit sich froxcen sal alle cristenheit. vnde an dem 
\dem tage sagitte her das landtgrauen hermanne zu wart per g mit großen 
oyden» 

In den selben gecziten quam meister clingsor , der mit %viv«u dvw.e.Y\v 
9^ reehi aU eyn bisschoff, czu toarfpag uf deme rübtcrVMi^e «Mi «*^ 



IJ4 *l'G- WITÜÖCHEI. 

»tikeideiie dit senyKie widdei' lieinriche von affterdin<ien , darvmh her Jiff 
kommtm lotu. da man widder an wolferam vfm e»fckenhach mit »tfnm lyd^i^ 
die hn- g&Kungen hafte, vnde. d»e mm«ter rlingaor tlm mit *men redtt 
nicht ohxnpinden morlife, Sja nam hfr sich nn, Ais hrr om ei7ieti andtrn 
umden iroldf. m!l de» hekendicheit her obirwundfn wol stU wr-rden. dt' 
haiwvr vmsfsr rllnggor den ti[ßl da» der qttü'm in eyitet me.iitle.r» gtM^ 
irndf. redte vtide »Uvtffte wolfframmc. in kffjenwerfii-keil btndfgrmien hth 
mnim »ine» ffrimen niidf nnea rati» vnde huh an von nmbeginne d,er weiMi 
hiß nf die gebnri c-iiiti vtm aßen rfMelczm vnde genfhirkten tfoH» heheaOee 
lichm zw redene. da hvb woljtrani an vmi der vm-borgen heiUckeit ds, 
einigm Kortis, wie das zcu ßei»che worden were, vnde tjnb eich mit JMMf 
reden in diu mi-Me vnd vf da» sncrament ilee lychnama cristi, wj/e sieh i^ 
in diu brot vnnnnndelt. i^ndc hciniß'f das mit vil erhoner rt^de, vndt Ü 
her betjvnde reden von den towten crixH, münden des etoiijen vnter» mß' 
heü »ick wandelt in bml vnde let/n vnde lei/e her »ich eine» »ime } 
litehen vaiere durch die mmde di-r wiT^de ttn dem altar de» heiligen 
geoppherl hat eyn vmhefieeket o/tpher, vnde nue »ich a!eo herlichen teg^ 
liehen von allen erbnm jiri»tem allen ejiden opphirt, da» die heilige critla- 
heit czn eyme pfände vnde ha,ndtfe»ten »iner großen vnaii»»]ireehtiehen /iW 
also vhil. dn fnrete vaeh enmochte der twfil nickt, uf genntworten, ißon 
vorhnrfp boßkeit ome de» nicht statte, da» her »ich also, in große tifi 
horgene heilige rede gebe, vnde darvmhe »n wart der tnfil sttim vndt 
wotferame abirtennden , vnde meieler clinggnr» behendiekett die wtrittA 
vnde ging mit »ehemeden daiiion. da icnlde m'ii»ter dingeor icümen 
teolferam gelnrt were vnde die »chriß, k^mde. de» her allezeit Icvckaft 
imde hroekte dm tiißl dar ezu. da» her rmi da» erfaren »olde. der ^ 
ein» nachti» es» om in einer Herberge in eyne» [htrger»] kuß hegen 
brothuße, der hiß gol»c.halk, da »tdder reynkart pynkemayt ynne 
da her lag iv eyme gtegnen gemache liic der dnrncsrn, vnde frngi^lhe woift 
rammen von der nafiire der hymmelteneketi »prri-ii rnde vnn den tltrrun 
die da erre tanßen . vndr tmi der pinnettn bewnfuuge gar beheiidielicha 
vnde da irol/eravi nicht zru konde geantteorten nach da* gi-xUnie ttdsr dt 
planeten recht genennmi. da lackte der tufil in honmeiße vnde »jtrach: du 
bist eyn /eye, eyn snyppeOfOah. in di»se mvren ich dm »ehribe, vnde »ehr» 
da in eTfnen »teyn in die tt'tnl mit »ime ßngere. da» gem-ick Iteißt 
die diTuifer kempnate. »Idder liß iler werf den »teyn, da der tt^ in J« 
»vhreben halte, iiß ilr.r wniil brechen rndc nn in die l'or»il füren vtli 
wolde »in in npne hnße nicht Hden. aho dite genchen waa, da wuntU 
tt^ clingfor di»»e »engere vor landtgraven ktrmanM, vnde der ' 
un mit i!ri/notten gar herlich. aUo noch meirler 
mtt dm tynm, die aUt b*gabct wordm. 



mR EBBTE BEAKBEITUNG DER DÜBINQISCHEN CHBONIK BOTHFS. 135 

Wer diesen Abschnitt mit §§. 416—425 der dttr. Chronik ver- 
gleicht , wird zugestehen, daß derselbe daraus nicht ausgezogen, ja 
kr nicht einmal nacherzählt ist. 

Andere Erzähhingen dersc^lben Art will ich hier nicht weiter ans- 
chreiben; einige, noch aus einem andern Gnmde beachtenswerthe 
Rdgen später, andere können leicht in Ursinus Chronik gefunden 
■rerden, deren durch und durch fehlerhafter Abdruck filr diesen Zweck 
der Vergleichung doch ausreichen dürfte. Ich verweise auf die Sagen 
tmd Berichte von der lebendigen Mauer um das Schloß Neuenburg 
(Drein, p. 126S— 69), von der listigen Erbauung einer Burg bei Weißen- 
iee durch die Landgräfin Jutta (Urs. p. 1269 f.), von dem Gespräche 
des Herrn Walter von Vargila mit dem L^in^lgrafen Ludwig über die 
II Elisabet (Urs. p. 1279 f. \ von dem Zwist desselben Landgrafen mit 
•einer Schwester, der Markgräfin Jutta von Meispcn (Urs. p. 1281 f.), 
▼on dessen Kriegszupre gegen don Herzog von Polen (Urs p. 1283 f.); 
eine VerglHchung dieser Abschnitte mit denselben Berichten in der 
dtJr. Chronik §§. 376, 375, 428, 433 434% 436 wird ihre besondem 
Eiffcnthümlichkftiton und zugleich auch ihre völlige Unabhängigkeit 
von fler dttr. Chronik nicht vorkonnen la«*son. Beachtung verdient auch 
die Erzählung von der Zerstöruns: eines Bi^rgfrits, den ein Herr von 
Saiza auf dem Klostergebiete von Reinhanlsbrunn errichtet hatte, durch 
den Lnndcrrafen Ludwi^f den Fronnnen. Der SelilulS derselben lautet 
n der H-*. B!. 231) : nich esfiea^ spr^f^h dir f'Lr<te rzu slmi hof-nnelster, 
\tT solde dt^m apte die kotte hecza^en* da hfir die hef*zalen wolde, da sprach 
ier apf, her dnrff^e des nicht fhfui, tonn das durch des clostei^s nutz ge- 
sehen foere, vnde also hltihen dl' koste da vnheczalt. da das der landfgrave 
twmam, da muste der hofemeister die koste dentH clostere von stjme eigen 
jdde lieczalen. also wenig wolde he die gotishnßere hf*.sweren. Nichts dem 
ihnliches wird in der dür. Chron. §. 44ö gesagt; dagegen stimmen mit 
diesen Worten tiberein die Annall. Reinhardsb. p. 197, 2 — 9 und Ködiz 
von Salfeld im Leben des h Liulwig p. 51, 1() — 27. Mit der Erzählung 
▼OD der Zerstörung der Stadt Fritzlar durch den Landg»'afen Eonrad 
ist bei Srhlorff Bl. 247' noch die besondere Mittheilung verbunden: 
da lißen die von hirßjelde sente wip'echten da d/innen füren, de in der 
hlvßi da begraben lag, vnde bestatten den ei^barlichen czu hirßfe'de, ditz 
wu in dtme herhiste nach des hei igen crticzis tage» Von dieser Trans- 
lation des h. Wiprecht aus dem Münster zu Fritzlar nach Hursfeld 
steht in der dtlr. Chron. §*. 475 kein Wort. Die Restauration der alten 
verfallenen Schauenburg durch den Abt von Reinhardsbrunn und deren 
Obergabe zu getreuer Hand an den Grafen von Heimeberg wiid BL 252 



Ä.OU 



13(5 AUG. wnzscHEL 

80 erzälilt: In dtine seihen jare da buwüte der api asu nynharU 
sehawinhorg mdder, d/iM ffcztcanne loddewig mit dem harte gdmwä 
tmde von den landfgrnuen czu doringen durch des tlogtern wäUsk ea 
ehen was, vmh des willen, das icht eyn ander qvteme vnde et hwmüi 
dosiere czu schaden, vnde tath es da qrauen hermanne von Aauaikr 
getruwir hanU der marcgrauen heinrichs von missen hruder von der m 
toegen was. darnach als marrgrafe heinrich vomam, da» deme lawli 
von schade geschach vnde her das landt hir nach mechtidichen jfww 
da czubrach her schotnuhorg nndeinceit czu gründe vnde^ den herg da 
vnde czubrach lichienwaldt vnd den kalinberg, die malittenhorg, sfrasif 
rudolffißtein vnde vil der andern hirge, die in der aeweitracht fji 
worden. BrandinfeJß vnde scharffinherg die hieben, wan sie lagen ea 
vnde wom wol gehnnt von deme landfgi'auen zti hf^ssen vnd deme j 
von hennenherg. Damit vergl. man dür. Chron. §. 500. 

Selbstftndis: und von der dür. Chronik §. 632 durchaus nn&H 
berichtet Hs. BI. 268' über den Tod des Land^afen Albrecht in 
und seine letzte Lebenszeit: also man schreib nach crisfi gebrrf 
CCCXIIII jare, alßo nach Inndtgrane friddrich kreig mit den von l 
da starb landf graue Alhrechi, d^er vafer d^s freidigen landtgranen 
richs czu Erfoiie in gi'oßeme ermute vnde wart begraben da «ci 
vnßer Üben frawen kirchen, also her LXIIII jar alt was. do an i 
dieser gnante*) vortreih, dti czoch hpr czu den von erforte vnde 
die dorff die vmh sie gelegen sint, das sie om alle selbczende spise 
gen vnde ußrichte solden^ die wile her lehette, also quam es dicke, < 
die eddeln die czu erfoiie yn reihen, czu huß hä, vnde hyesch vi 
phleger czwene ader drye tage die ph'onde vnde mtisfe dan hyndem 
den synen darffetum vnde gehrechen liden vnde wart da vngeach 
d4m fursfen, erham luthen, bürgern vnde gehnrn, die uf on ßngercz 
iCfie her ging, vnde sin spotten, so karte sich syn son landtgraue fr 
vmbe die vntruwe, die her on siner mutther vnde an om gethai 
auch nicht an on. d.as selbe tath frawe alheit sine wertynne, die h 
wartperg vnde czue ysenache mit sime sone vnde orer tochter. al 
her allen luthen vngeneme vmh die vntogunt , die er an einen \cy 
kinden geubü hatte. 

Noch mehr fallen in die Augen solche Stellen und Abs 
der Chronik, welche Vorgänge und Ereignisse erzählen, deren in 
größerem Werke mit keinem Worte gedacht wird oder nur gan 
und andeutend Erwähnung geschieht. 

*) Wahrecheinlich ist in der Üb. aas^«{«i]i\«ii lofntgraw FrvWricfc, 



; EBSTE BEARnKITUNG DER UÜRINQISCIIEN CHRONIK ROTHE'S, I37 

Nachtlem BL 200*— 201' die Erbauiins der Wartburg etwas ab- 
bich^Dcl von der liHr. dironik (vg]. TTrsin. p. 1256 f. Bnneo Rl. 44" 
l Ciirpn. g. 344 f.) >rzalilt worden ist. filhrt der Chrnnift «n fort: 
h den aeVen <iicz!(m was g^'^ße fio-ede in den Inndem, ifas vU hakt hun- 
I lAorben. dn hattfi ifrnne lodd^niq vnl knmit vnd^ liß idfiine vrm dfme 
bi/e tjothn dar füren vnde hiweffe daa mttßhvß vnde die nndem 
mwtttfn vndf forme ilnivff'' vndf liß es mit hlyp df.rkim. nidder hrante 
mmi* der daehivfit! abf vnde wart mH czipeh gedngJd. damarh nlsn her 
«1 gebvwMe kostlickfn vnde die thiren iar ein ende nomen. da hetfreif her 
Jen teal vnde den rinfi mit graben vnde mvren, da ijlrzvnt iiaennche hfl, 
rarf" itjkliche dnrßschnfft in deme lande ezu dorinpen mvniim. dn ".in sf«rke 
Ht mnm hßni machen vitdi^ d-ir mi ei-heiten vnde füren, also man das 
with wnl mercket an dmi gchitire der mnrn. dn was cor die «tat ysenanhe 
gelegen uff aenfe petera bertje einlachen der hnreil vnde der neße vnde halte 
eaetit h'rcken, die beide, czuhrnchen synt. eifne aenfe petera, da ein dogter 
Kot. das nne in der atat lit czu aenfe nir/ilaita, die andere kirche lag an 
ieme herge aho man kein viapnck gehet, der nach heißt aenfe Icaftherin 
herg. dn das ehnter tente mcnl/ivF h/f, da aaßen erbar luthe vnde hatten 
final fchonen ufeipien hoff da, der ii-ntt rzn der rzif vor der aldett atat 
yimnche. da vnßir fi'awen ktrcHe lith, da der thum tat. da saßen detefzsche 
hrrreti. die hatten ein dorßiehen vnder nn. geheißen krianmilharh. da aente 
Jm-ijen tJior nve lit, da anßen ffrbnr htthe in eyme utrynen hnfe, die hißen 
rfjV hKlIri/rrßm i~nde haffrn ein ftirteerg, dn nue der nuwe ajiifnl lit. da 
leart der »tat mure du geßtrt czu den dren, also legen sie nach vnd 
VTfrheidentlieh alle dri/e in der »tat muren. die hofeatefe Ai nue die clo- 
riere le^tfn. heida preddiger vnde harfußeri, die 100m gegeben den erbam 
luihen , von de)\ aie aidder ezu den clotfem gegtiien aint. diaae afat wart 
mgehnhm tzn biiteen nach criafi gehm-t tufient LXXIII jar. die dorff, die 
Jffl" von dmie metHhtei$ie viom, alao obim afelefeld, da* tal hinder söm*" 
katherin vnde ammera, dna in deme ammertmgen felde lag, fronia, wege- 
ußa vnde. monesn'd. die imrdsn all.e wutte, wan die Ivthe czogen in die 
mnee Modi yaenaehe xmde erbetfen den acker daniß, daa aie der hifke 

I pmufditig KOrdm vnde mtiaten or recht vorkaiiffen vnd^. namen sere abe. 

k^srcA wartpergia miSen icnrt die atat an den malt gebuwet, vnde die aide 

mjfßt hiß auch yaenaehe, tcan man machte da daa yßen, daa nmn mie tufh 

^B tUr rtda. 

^K WeBenllich nntersclieidet siL'h von dieser au efiih Hieben ErKHhlunj; 

^^k knrxe Bericht über den Anfang und Beginn der Stadt Eifienacb 

H^ ' tö der dilr. Chronik. 

H ■ ß»fi^ 'ou der Königin Reinswig wird m 4w CNvcüw. %. ^^^ 

^ ^ach^ AmtÜhriiob mitgethiält bt aie in.\iMstgc"S^'"^'>-^'^ 



i 



]3? AUO WITZ8CHF.T. 

Dan selbe eloster (nftml. das NicoUikloster iu Etsftnach) lag Ai vor af 
ttmte peterx herge vor yamaeke in der tild^v »tat vnde toas geringe mä dm 
g^mwe, vnde du» foniisur vnde bttmp wom on ferre vvde die »tat vnrgitj 
da. mnn hat auch efrzUehen mdun hf^rhrebim , das sich da» »elhi 
rzu seMilstete mit deme ersten erhübe von einer konniginne von eJigiUan-H^ 
die hiß retfnsu'tg. also dae or herre der konnig gestnrb, der nr fiß dir 
maßen lib was. wnn her sie ezii et/ner konniginne eneelt hafte von 
geringen gfislrchfe durch we togimt. der tniwe sie nieht vorgesten 
vnde gtth nneh sirne tode also große almoßen vnde hilf vnde Uß fciWsi 
aho groß gebeth vor sine sele, dn* nie wrt/nfe in loe'chen pi/n^n her tiMT^ 
so wolde sie on erlnßen, also verre or das mogelich gejrgn mnefde. dn 
or geriffenhnii , das or herre sin fegefw (tu doringen in deme fnnd« W( 
in e\pne berge, der hiße der horseilberg. den nnmen hatten om die tu^ht^ 
die darvmbe voneten. gegeben wan sie dieke dartfnne horten gar jfrmmaliai 
getehreif von den seien, die daripine leden. darvmhe nnnten siV den e*lh» 
frg hnr der seien berg, das man nue ezusammene spricht At- h^-tejherg, 
das dneff da» harte daran h/t d/i» nanie die seihe knnniglnne sathanat 
iriete, lean die hnßen geiste or dn ernthenen. aUo nennen e» die litthe IWWS 
»elhinstete. da, bhib die selbe konniginne vndn bwoefte die kirehe da 
Maß da mit wen jnngfrawen dren manche «i>, vnde ertoitte mit oren ff«'« 
werk«n, gebefke unde almoßen oris Herren sele, vnde nam 
heilig« ivngfraicen vnde tcihißnamen, vnde di/nte qMe biß an nr nd*, 
vnde darnach ah si/e gestarb, da Uß sie on eifne mherUche hohe von ge'^M 
vnde gut«, da czogen sie mitte keyn t/itenafhe vff sen'e petir» herg vnit 
namen da das eleit vnde den orden an sieh vnde Koneten da mehr daä 
hundert iar. 

BI. 218'' wird die fromme ehristliche Dpnkwpisf Lndwis» 
milden Lundf^rnfTi wortreicher «Is in der dllr. Chron § 3fi"2 geschildert 
Daran reiht eich B. 21^' die Erzilliliine von einem Streite desoelh*» 
Lnndfn'nfpn mit Erftirt nnd von dem Brande der KrHmerbrllcke dnaelbsk 
Aleo man sehreib nach a'isti gebort M. C. LXXV jar, da huh sieh 
mveytracht cztcusschen deme selben milden landigrauen vnde der »tat Erfwte, 
die ezu on gerzogen hatten die grauen in deme laude exii doi-ingen vndl 
on gelt darwibe gegeben, das sie on helfen solden widder oren eygen Aerrnii 
vnde der krigk wert« kartete czH, wan dei- keifer friddrieh, de» »wewtei 
kynde die landtgrafen tcom, der u-oble de» nickt »taten vnde sunetUi »k 
vnder eynander. vnde in deme iare ua» gar ein heißer vnde trogkentt 
ntmmer vnde vil großer Ketter, vnde da vorhrante die kremer hruehe 
ErfoTie von deme blicke vnde die cxicve kirchen dar an, biß an 
htiß vnde an der schütten kirchen, vnde ialh gar großen teki 
fAt'eAf aiaiät. Von beiden Yorgäagea Bc\iiie\gV 4\e p6\i«« 



rmer brücke a 



IflE EE8TE BEARHEITÜNG DER PÜBINGISCHEN CHRONIK ROTHE'ß. 1 39 

Die Veranlassung zum Bau der Georj^enkirche in Eisenach wird 

a untrer Hs. Bl. 221' ganz anders mitgethcilt als in der dttr. Chron. 

H. 302. Mit diesem Bau wird die Sage von der Georgenfahne, die 

F. Rothe in der andern Chronik nicht herdhrt hat, so in Zusaramen- 

bang gebracht. Disspr landffp'aue loddeicig huweffe eyne schone kirche in 

Ar staf czfi ysenache in sents ieorien ere des heiligen riffhers, den her 

hitundem lib hatte, ditz geachnch nach crisH gebort M, CXC iar. das was 

die Sache, Tceifier friddrich der wolde ohir mer mit vil forsten czihen vnde 

Jas heiUge grab getcinnen, da vam landtgraue lodd^oig der milde das 

trueze an sich vnde czoch mit om, da wart ome von gote von deme him- 

■i«fe vmh siner almoßen vnde ander gnfen werke vyilhn sente Jeorien banir 

getmdeJagit^ d/irvnder her den vorstrit vor deme keißere tath Widder die 

fmglntchigen vnde geJtegette. vnde das banir wart bracht kein wartpei^g. da 

iamie wart es ohir lange czit h^acht kein miasen nf eyn sloß, da^ heißet 

der taranf. da entprante das selbe hnß vnde vil luthe sahen es zu ej/me 

fenster uß deme fitre fliegen in die hiffte, das m/mant wüste %oue ds hen 

{tt/im. darvmbe so Uß der landgrane buxoin sente Jeorien kirchen zu yse- 

nnehe vnde die f>farre da hene legen, th'e vor lag an der stat, da ytcztmt 

iie bar fußen ore kirchen han, da lag vor eipue klej/ne kirche^ geiojfh^t in 

fente michels ere. darvmb so hat die ffarre zu sehnte Jeorien nach oren 

Ürehqff da behalden, der genant ist der gemeijne kirchoff. 

Einer Belagerung: des Schlosses Orlnmünde von dem rttm. König 
Heinrich wird in der dür. Chronik nirgends gedacht. Schlorffs Hs. sagt 
darüber Bl. 223**: In den seihen gecziten dae belag der romische konnig 
hehh^ch das sloß czu orlemvvde darvmbe, das der grafe von orlamunde 
hdfer des herczogen heinrichs von brunswig widder sinen vater gewest loas. 
Von der h. Elisabeth heißt es Bl 229": Sente Elizabet die was 
tfoOcommen an dem libe, brun an deme anttlitze, schone mit deme ange- 
nchte, ernst in der wanderunge, geczuchtig mit den sethen, gtiftlich mit, den 
Worten, innigk in orme gebathe vnde auß der maßen barmherzig o''ir mme 
fnthe, fredesam vnder deme hofegpsinde, demutig kegen oren meyden vnde 
vol togunde vnde gotlicher libe, Elisabets braune Gesichtsfarbe finden 
wir in der dür. Chron. nie erwiihnt, tiberhpupt darin keine Stelle, wo- 
her der Verfasser unserer Chronik seine Schilderung genommen haben 
könnte. 

In der Zeit des Streites um das Erbe von Düringen und Hessen 
zwischen der Herzogin Sophie von Brabant und dem Markgrafen 
Heinrich von Meißen kommt nach Bl 251'' die herczogin von brabant 
m doringen vnde brachte oren son heinrichen mit or, vnde machte on eynen 
kndtgrauen czu hessen vnde man nante on das kini von Kei&«eu> xx^iU l\^ 



liÖ AHG, WITZ8CHEL 

or dar an nicht gniigen, aie hi'egck ilas landt ca« fbringen mart 
heinriehe von missen an. da rithrn om sine Herren vnde /rund«, her * 
das landt. czu dnnngfn hehnl^iim tiß also htni/e. das es om mit rechft 
Herne ricke ad^ mit demp surrte anqmcuimen worde. da ging fraioe Sopk 
ezu deme tknre czu ysenachf alfo die etat vor w fxugesloasen wat, W 
fiyesck jfti, indfi da man sie nicht in laßen icolde, da nam gi* «yiu 
viide kyir en senle Jeoriijm Ihor das man die ivarezeichen CC jare fil 
in da» eichene holtz. Von diesem Axthieb der HerKOgin in das GflO^O 
thor zu Eifionacli sagt Rothea dar. Chronik kein Wort. Vgl. §. 490, 49 
4f!4, 497. Auch hpißt in diesor Chronik der Sohn der Hereogin, . 
hini von hessen" nicht Heinrich, sdndem Ludeioig, 

Einen ^anz besondern, bei ÜrBinus p. 1305 fehlenden Ziisatt 
der Bericht llber die Schlacht bei Lucka Bl. 263'': da n-ordm «nlagt 
CCCLX man mit helmen vnde gar »ere vet volkis wart gefangen, vna» 
wart also groß moti, das die Stehen die roß uf sneten vnde krochen darf 
vnde woUljm sich alzo behalden, das sie biem I^en mochten hlibe. vndt ' 
hatte irr t^ wibißnam IX erslagen mit eyme rockene, da man an «pHm 
der nue nach da seibist in der ktrchen zit lucka ist zu varczeichm. i 
von deme so wart das Sprechwort: hnt dich, es geht dir anders alt 
swaben v&r hicka. Vgl. dür. Chron. §. 60R, wo von dieser streitbaro 
Frau und ihrem Rocken nichts vorkommt. 

Verschieden von der dUr. Chron. §. 626 wird auf Bl. 267'' Folgendi 
erzahlt: Nach cristi gehört tvßent CCCXVTT iare, da sammete landfgnp» 
friddrich der freidige eyn heer czu lungede vnde wolde czihen uf dm 
voft Volda. da wart om ejfn son zu gotha gfhorn, de» teart htr also ßrm 
dits her die herfart zu rythen Heß. 

An den Tod Friedrichs des Kreidigen ist Bl. 271* eine in de 
dtir. Chron. §. 640—641 nicht berflhrte Sage geknüpft: darnach ' 
«yn «»1 gerne erfaren, wie es vmb sine seU gewest were, vnde hß da» wr- 
Stichen eynen meiste von der swarczen kunst. der ofßnbarie, das sine 
OT fegefnr lede in deme gründe hinder loartperg tmrf«- deme hindenl» 
thoi^me. 

Bl. 285" steht die Notiz : In deme selben jare ijuam da* »laß Urandtti 
b'vg an die hergchaß. In der dttr. Chronik fehlt sie. 

Nach diesen Mittheilungen, die noch durch allerlei kleinere, ii 
dilr. Chronik fremde Zusätze und Abweichungen der Erzähli 
mehrt werden könnten, darf man den Gedanken, Schlorff» 
enth&lt« einen Auszug aus Rothe'e grOQerer Arbeit, wohl 
geben und fallen lassen. 

Zur Vcr8chiedcah<^it des Inlialla ki>miTi* 
eilende SteÜnoe '"'^ Reiheafvlge 4^ 



EHSTE BEARBFITÜNO DER DCIUNGI8CHEN CHRONIK ROTHE'S. 141 

It im äanzeu die Erzählung iu beiden Chroniken dunselbeu (rang 
ä gleichen Schritt, einzelne AbBchnitte jedüch, namentlich eine nicht 
riogo Anzahl kleiner Berichte und Angaben, sind bei Schlorff anders 
■teilt and geordnet als in der dllr. Chronik und diese Verschieden- 
it tritt nicht selten in so aufiUlHger und eigeathUinlicher Weise her- 
r, daß gerade dieses ganz unerklärliche Abgehen von der Ordnung 
d Gruppierung des geHchichtlichen Stoffes in der andern Chronik 
t einem Aiiazuge daraus nicht vereinbar eracheiot. Passen wir diese 
rjtßern oder kJeiucrn Ahachnitte, in der altem Landgrafbngcschichte 
ahireicher vorbanden als in der späteru Zeit, noch besonders ins 
nge, so stimmen sie mit denselben Erzählungen und Berichten der 
. Chronik in ihrem Wortlaute meistentheils so genau, oft Wort lllr 
^ort nberein, daß an einem inuera Zusammenhange, an einer ge 
iseo Verwandtschaft und Abhängigkeit der beiden Geschichtswerke 
1 einander wieder nicht gezweifelt werden darf. 

Herr von Liliencron hat in der Vorrede zu seiner Ausgabe der 
'. Chronik des Job. Hothe durch eine sorgDtltige Quellenanalyse und 
irch die den einzelnen Berichten beigeschriebenen Citate darzuthuo 
nacht, daU die dUr. Landesgescbichte aus einer einzigen Haupt- 
! geschöpft sei, aus der von Eccard iu der historia geneologica 
iucipam Saxoniae superioria abgednickten historia de landgrariis 
Uriogiae. Diese lateinische Vorlage habe Job, Rothe fast vollständig 
deutsches Geschichtswerk hineingearbeitet und bald wörtlich 
tzt, bald in breiter ausschmückender Darstellung umschrieben. 
I lasse diese Meinung vor der Uaud besteben. 

Sehen wir nun jene Abauhnitte und Stellen, deren Reihenfolge 
beiden Clironiken von einander abweicht, zunächst in dieser historia 
idgravionim nach, so zeigt sich, daß dieselben in der dtlr. Chronik 
; alle durchaus willkürlich iu eine andere, von der lat. Vorlage 
geLende Ordnung gebracht siud, während Schlorffs Chronik nicht 
B in diesen, sondern, wie eine fortgesetzte Vergleichuug erkennen 
, in allen Erzählungen durch die ganze Geschichte der Landgrafen 
idurcb bis zum Tode Heiuricha uud dann weiter bis zu den Streitig- 
iteo Friedrichs des Freidigen mit seinem Vater, dem Landgrafen 
irecht, kurz von Bl. 196"— 261", beinahe Schritt vor Schritt der 
ipria landgraviorum bei Eccard folgt, eine Übereinstimmung, die 
1 besonders iu den vielen kleinen Berichten und Angaben in die 
, welche zwischen den Hauptereignisacn , ohne mit den- 
-igeutliclieu Zusammenhang zu haben, in beidan Wfttta'a 
Sc vorkowmeo. UuterbrocheQ wicd ^«ae Wi^. &ax^- 



f 



1^ AUG. WITZSCHEL 

or dar an nicht gnugen, sie hiesch das landt czu doringen maregraum 
heinriehe von missen an. da rithen om sine herren vnde ßrunde, her stUi 
das landt czu doringen behalden hiß also lange, das es om mit rdhte rar 
deme riche oder mit deme strerte angewunnen toorde. da ging ßrawe SopHik 
czu deme thore czti ysenachey also die stat vor or ezugeslossen was, tiA 
hyesch yn, vnde da man sie nicht in laßen wolde, da nam sie egne tf 
vnde hyic en sente Jeorigen thor, das man die warezeichen CC jare saA, 
in das eichene holtz. Von diesem Axthieb der Herzogin in das Georgen- 
thor zu Eisenach sap^ Rothes dttr. Chronik kein Wort Vgl §. 490, 49t, 
494, 497. Auch heißt in dieser Chronik der Sohn der Henogin, «d» 
kint von hessen^ nicht Heinrich, sondern Ludewig. 

Einen ^anz besondern, bei Ursinus p. 1305 fehlenden Zusatz hit 
der Bericht über die Schlacht bei Lucka Bl. 263**: da worden erdagsä 
CCCLX man mit hehnen vnde gar sere vel volkis wart gefangen, vnde ib 
wart also groß mort, das die Swahen die roß uf sneten vnde krochen dan^ 
vnde wolden sich alzo behalden, das sie biem leben mochten hltbe- vnde iä 
hatte or eyn wibißnam IX erslagen mit eyme rockene, da man an spinä, 
der nue nach da seibist in der kirchen zu lucka ist zu warczeiehen. mk 
von deme so wart das sprechwort: hut dich, es geht dir anders ab Ai 
swaben vor lucka. Vgl. dür. Chron. §. 608, wo von dieser streitbarea 
Frau und ihrem Rocken nichts vorkommt. 

Verschieden von der dür. Chron. §. 626 wird auf Bl. 267** Folgendflt 
erzählt: Nach cristi gebort tußent CCCXVII iare, da sammete landtgrem 
friddrich der freidige eyn heer czu tungede vnde wolde czihen uf den Sfi 
von Volda. da wart om eyn son zu gotha gebom, des wart her also fnt, 
das her die herfart ztt rythen ließ. 

An den Tod Friedrichs des Freidigen ist Bl. 271' eine in der 
dür. Chron. §. 640—641 nicht berührte Sage geknüpft: damaiA hm 
syn son gerne erfaren, wie es vmb sine sele gewest were, vnde hß das vor- 
suchen eynen meisten von der swarczen ktinst. der ofßnbarte, das sineftk 
or fegefur lede in deme gründe hinder wartperg vnder deme hindente^ 
thorme. 

Bl. 285* steht die Notiz: In deme selben jare quam das^sloß Brande»- 
borg an die herschafft. In der dür. Chronik fehlt sie. 

Nach diesen Mittheilungen, die noch durch allerlei kleinere, der 
dür. Chronik fremde Zusätze und Abweichungen der Erzählung ver- 
mehrt werden könnten, darf man den Gedanken, SchlorSs Abschrift 
enthalte einen Auszug aus Rothe's größerer Arbeit, wohl schon stf 
^eben und fallen lassen. 

Zur Vierschiedenheit des InVvaUa ^lotimcdA. tcvx!^ 4\ä mehrmals ak- 
^ejchende Stellung und Reihenfolge der eixÄXVe^ "XlV^XaMäwea^ Tä« 



KCB ERSTE BEARBEITUNG DER DÜRINOISCHEN CHRONIK ROTHE*S. 141 

fejQt im Ganzen die Erzählung in beiden Chroniken denselben Gang 
Knd gleichen Schritt, einzelne Abschnitte jedoch, namentlich eine nicht 
geringe Anzahl kleiner Berichte und Angaben, sind bei Schlorff anders 
gestellt und geordnet als in der dür. Chronik und diese Verschieden- 
heit tritt nicht selten in so aufiklliger und eigenthümlicher Weise her- 
vor, daß gerade dieses ganz unerklärliche Abgehen von der Ordnung 
nnd (Gruppierung des geschichtlichen Stoffes in der andern Chronik 
mit einem Auszüge daraus nicht vereinbar erscheint. Fassen wir diese 
großem oder kleinem Abschnitte, in der altem Landgrafengeschichte 
zahlreicher vorhanden als in der spätem Zeit, noch besonders ins 
Auge, so stimmen sie mit denselben Erzählungen und Berichten der 
dflr. Chronik in ihrem Wortlaute meistentheils so genau, oft Wort flir 
Wort überein, daß an einem innern Zusammenhange, an einer ge 
wissen Verwandtschaft und Abhängigkeit der beiden Geschichtswerke 
von einander wieder nicht gezweifelt werden darf. 

Herr von Liliencron hat in der Vorrede zu seiner Ausgabe der 
dflr. Chronik des Joh. Rothe durch eine sorgfkltige Quellenanalyse und 
durch die den einzelnen Berichten beigeschriebenen Citate darzuthun 
Tersucht, daß die dür. Landesgeschichte aus einer einzigen Haupt- 
({Qelle geschöpft sei, aus der von Eccard in der historia geneologica 
principum Saxoniae superioris abgedruckten historia de landgraviis 
Umringiae. Diese lateinische Vorlage habe Joh. Rothe fast vollständig 
in sein deutsches Geschichtswerk hineingearbeitet und bald wörtlich 
Ibersetzt, bald in breiter ausschmückender Darstellung umschrieben, 
[ch lasse diese Meinung vor der Hand bestehen. 

Sehen wir nun jene Abschnitte und Stellen, deren Reihenfolge 
A beiden Chroniken von einander abweicht, zunächst in dieser historia 
andgraviorum nach, so zeigt sich, daß dieselben in der dtlr. Chronik 
Tast alle durchaus willkürlich iu eine andere, von der lat. Vorlage 
ibgehende Ordnung gebracht sind, während Schlorffs Chronik nicht 
ülein in diesen, sondern, wie eine fortgesetzte Vergleichung erkennen 
läßt, in allen Erzählungen durch die ganze Geschichte der Landgrafen 
bindurch bis zimi Tode Heinrichs und dann weiter bis zu den Streitig- 
keiten Friedrichs des Kreidigen mit seinem Vater, dem Landgrafen 
Albrecht, kiurz von Bl. 196** — 261**, beinahe Schritt vor Schritt der 
bistoria landgraviorum bei Eccard folgt, eine Übereinstimmung, die 
ganz besonders in den vielen kleinen Berichten und Angaben in die 
Augen (kllt, welche zwischen den Hauptereignissen, ohne mit den- 
selben einen eigentlichen Zusammenhang zu haben, in beiden Werken 
iD gleicher Stelle vorkommen. Unterbrochen ^d. di^%^ ibxX ^s^^- 



144 AUG. WITZSCHKL 

vorbrante in der nacht sente peters monstir vnde der pfqffen hußire a 
sente peters berge vnde in deni hrule, vnde sente Seuerus monstir, vnJk i 
ioorden fanden die lichname sente Seuerus vnde siner fravoen sente vi 
cencian vnde siner tochter [sente Innocencian] die lange zeit verborge 
gewest warn. 

Noch mehr als mit den Worteu der dür. Chronik stimmt die« 
Abschnitt überein mit der Erzählung derselben Fehden in der histori 
de landgraviis Thuringiae bei Eecard p. 358, 65 — 360, 14; er ist du 
aus übersetzt, nur in etwas freier und wortreicher Fassung. Die* 
Abstammung unterliegt hier keinem Zweifel. Dasselbe Verhältniss ab« 
in dem wir diesen Bericht zur historia landgraviorum finden, tritt un 
durch den größten Theil der Hs. hindurch beinahe auf jeder Seite eiri 
gegen; überall wo der Verf. der Chronik nicht eigener Localkondf 
gefolgt ist, begegnen wir einer genauen und vollständigen Übere» 
Stimmung des Inhalts wie auch der äußern Ordnung und Reihenfolge 
mit der lat. Landgrafengeschichte. Schlorffs Hs. ist, um es kurz toi 
und bestimmt zu sagen, von Bl. 196* — 261'' eine deutsche Bearbeitoig 
oder vielmehr Übersetzung der düriugischen Landesgeschichte, weldn 
in jener von Eecard herausgegebenen historia de landgr. Thur. roi 
S. 351 — 453, 29 enthalten ist. Dann folgt der Chronikenschreiber voi 
Bl. 262^ bis zum Ende beinahe ausschließlich der andern von Pistoria 
und Struve edierten historia de landgraviis und gibt in derselben Wei« 
übersetzt und bearbeitet und in unveränderter Ordnung und Folg 
ihren Inhalt von §. 81—153. Wohl mögen einzelne Abschnitte in dicw 
zweiten Hälfte wieder der ersten Landgrafengeschichte bei Eecard enl 
lehnt sein, welche von S. 457 an mit der histor. landgr. bei Pistoria 
meist zusammen stimmt. 

Die Thaten und Lebensverhältnisse der dür. Landgrafen bis nn 
Tode Balthasars, ihre Beziehungen zu den deutschen Kaisem und i 
andern geistlichen und weltlichen Fürsten des Reichs, ihr Verhalte 
zu den eigenen Unterthanen und Vasallen, merkwürdige Ereignisse nn 
Begebenheiten, namentlich aussergewöhnliche WitterungsverhJÜtniB» 
Mißwachs, Theuerung, Wassernoth und große Brände, die Schicksal 
einzelner Städte und Klüsler im Lande, besonders der Klöster i 
Eisenach, Erfurt und Keinhardsbrunu, bilden den Hauptinhalt diese 
dür. Landeschronik in deutscher Sprache. Und diesen Inhalt hat de 
Chronist aus den genannten lat. Werken nicht selten ganz wörtKc 
übersetzt, gewöhnlich aber in einer breiten, nach eigener Phanttsi 
ausmalenden Darstellung umschrieben, ott auch mit seinen theils d0 
Ijocalaage, tiieiJs der eigenen Orl&kewviXivv^^ ^\i\YvQm\\\^\i^\vT^t\\8Lte^ alld 



E ER8TP. BEARBETTUNO DEH DÜRIN(3I8CHE^ CHRONIK ROTflE'S. l4i 

t erweitert und vermehrt. Doch lassen alle diese ZusKtze und Ai 
mdckungen keinen Zweifnl darüber zu, dnß jene beiden Landgraf« 
■chichten die alleinigen Quellen ftir den bei weitem grrtßten Thi 
I gesammten Inlialts gewesen sind, eine Thatsache, die hier 
rerkennbarer und zweifelloser vor Augen liegt, als sie zwi 
Üies dür. Chronik und denselben Vorlagen besteht. Wer den obi 
Igehobenen Abschnitt über den Sängerkrieg mit der histor. de 
viift Eco. p. 40Ä— 409 oder in Ursinns Chronik, wie übel es auöl 
i ihrem Texte bestellt Ist, nur einige Seiten, z. B. p. IS 
87 oder 1306. 3S— 1309, 1314—1316 mit der hiator. landgr. bei 
1. p. 414—425 und bei Pistor. c. 84—88, c. 96—99 vergleichen 
, wird ihre vttlHge Übereinstimmung in ihrem Inhalte wie auch in 
■ Ordnung und Reihenfolge sofort wahrnehmen. Und ao verhalt 
I zu den lat. Originalen die ganze tlbrige Chronik. 

Unter den eigenen ZnsÄtzen des Chronisten finden sich einzelne 
richte und Angaben, welche auf einer genauen Bekanntschaft mit 
mschs stftdtischen VerhSltniasen , mit seinen Localsagen und ge- 
Uchtlichen Traditionen beruhen und nur von einem Eisenacher Yer- 
ler herrllhreii können. In der oben ausgehobenen Stelle über da« 
ä Eisenach am Peteraberge zwischen der Höraet und Neaae gelegen 
r den Anfang und Aufbau der jetzigen Stadt am FuUe der Wart- 
;, aber die ältesten Kirchen, Gebäude und Niederlassungen in der 
dt and Umgegend, über die Entstehung gewisser in der Stadtäar, 
l^ner Wüstungen , deren Namen noch heute in den Flurbüchern 
l unter dem Volke leben, haben wir ein Beispiel und Zeugnias 
ler, wenn auch aagenhaften Heimatskunde. Nur ein Eisenacher 
mte solches Detail aus der Stadtchronik wissen , nur ihm konnte 
mtaressant und wichtig genug erscheinen, um es seiner Bearbeitung 
r Übersetzung der lat, Landgrafengeschichte beizugeben. Andere 
iptele dieser Art sind die Localsagen von der Königin Reinschwig, 
I dem Axthich der Herzogin Sophie von Brabant in das Georgen- 
' and von Friedrichs des Freidigen Fegefeuer im Grunde hinter 
i Wartburg. Woher der Chronist die Nachrieht genommen hat von 
(r Frau, die in der Schlacht bei Lucka neun Schwaben ersehlug, 
t sieb mit Bestimmtheit nicht sagen. Sollte sie aber docli vielleiclit 

Eisenach stammen und dem Schlacbtgemftlde nachgeschrieben 
1, das auf der Wartburg befindlich den Streit vor Lucka darstellte 

mter den Kämpfern eine solche streitbare Frau mit ihrem Spinn- 
Über dieses Gemälde vgl. Rothea dür. Ohron. §. 6Sf>. 

« Hn* B.Ui^ V. ixvnj Ji.hrg \*i 



1 



ä 



146 AÜO. WITZ8CHEL 

Was wir Bl. 232'' über den Guß der Eisenacher Stunng^ 
lesen: sie wart gegossen an dem ersten tage des heumumies als or 
schriß hdiü, kann auch nur von einem Eisenaoher geschrieben 
der sich bei seiner Jahresangabe auf die Glockeninsehrift beni& 

Besondere Beachtung verdient der kleine ^ fast unscheinban Zi-: 
satz, womit der Chronist in dem Abschnitt über den Sflngentrait irf 
der Wartburg das Haus in Eisenach bezeichnet, worin Wolfram im 
Eschenbach seine Herberge hatte und vom Teufel des Nachts heinp* 
sucht ward. Nach der allgemeinen Sage (s. annall. Beinhardsbr. p. IH 
histor. landgr. bei Eceard p. 409) gehörte es zur Zeit des Singer 
krieges einem Bürger Gotschalk, lag, wie die dür. Chron. p. 1700 
Mencken. (§. 425) sagt, an dem Markte „noA« hey dem suleaetibar%* 
oder nach dem Leben der heil. Elisabeth §. 6 dem Brothanse (den 
jetzigen Rathhause?) gegenüber und war nach unserer Chronik dAssdk 
HauSy da sidder reynhart fynkemayl ynne toonete. Reinhard Finkemii 
gehörte einer angesehenen Patricierfamilie an, deren IGtgliedar in da 
Eisenacher Rathsfasten vom Jahre 1345 — 1444 oft genannt werden. E 
lebte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und scheint in da 
ersten Jahren des folgenden gestorben zu sein ; zum ersten Male kows 
sein Nan*e vor in dem Verzeichnisse der Rathamit^eder unter im 
Jahre 1375 , zuletzt unter dem Jahre 1402 oder nach einer andsn^ 
der hiesigen Gymnasialbibliothek gehörigen Abschrift dieser Fssfea 
unter dem Jahre 1404. Rathsherr war er 1375, 1384^ 1392, IS», 
1399, 1400 und 1402 oder 1404; Stadtkämmerer 1383 und Radiamttsftei 
1389, 1394, 1398. Mit diesen Angaben stimmt freilich eine andere meh 
ganz überein in der dür. Chronik bei Schöttgen und Kreysig dqd»- 
mataria et scriptores histor. germ. Bd. I, 105: damoek yn deme emism 
lare, da man sehreib XCII uir(1392), da lifi lantgrave BaUhasar HagmA 
das sloß uffslahinj vnd das tadin dy von Ysenach weder dy Eiehisfdien 
vnd den ersten nayl den slug der ratismeyster von Ysenadk, gesund EAr 
hart Pynkymail, vnd slug da drißig siege vTid gab den meystem, dy m, 
hatten uffgehowin, also monchin groschin zcti vortrinckin. Offenbar soDbd 
diese Worte den Namen des Mannes verherrlichen und dem Andenken 
der Nachwelt überliefern, zugleich bezeugen sie, wenn ich recht sehe, 
auch des Chronikenscbreibers freundschaftliches Verhftltniss sa den 
Eisenacher Rathshcrm. 

In den Rathsfasten steht noch unter dem Jahie 1402, nach der 

andern Abschrift unter dem J. 1404, bei dem Namen Reinhard Pinker 

nail die Bemerkung: hie Beinhat'dus autor est rähmarwn Cftnnameenim 

gui imc9'ibuntur des raths Zucht, vX potet ea& lU«rU vaitio/lAut momns^ 



DIE EB8TB BEARBEITUNG DER DÜRINGI8CHEN CHRONIK R0THE*8. 147 

.Aof diese Notiz und auf die sprachliche Beschaffenheit des von Viknar 
"Witer dem selbstgewählten Titel herausgegebenen Gedichtes „von der 
amptm^ etc. gründete F. Bech in dieser Zeitschr. Bd. 6, 271 ff. 
Bit Scharfsinn und Belesenheit ausgeftahrte Vermuthung, daß 
diesee Spmchgedicht von y^des ivJti$ amcht^ nicht verschieden, vielmehr 
^dssselbe sei, auch diesen Titel gehabt habe, aber nicht von Reinhard 
-Pinkemail, sondern von J. Rothe verfasst sei, der es seinem Freunde 
und Gtonner, . dem Rathsherm R. P. gewidmet habe^ friß das Acrosticbon 
Brinkard, welches die Fuld« Hs. awar unvollständig, vollständig aber 
die Berliner Hs. darbietet, bezeuge. Der Schreiber jener Bemerkung 
in den Eisenacher Fasten habe irrthttmlich in jenen großem Anfangs- 
Imdistaben den Namen des Verfassers vermuthet 

Wenn ein Verhältnisse wie es Bech annimmt, zwischen beiden 
Minnem bestanden, wenn Job. Rothe von jenem Gedichte wirklich 
der Vei&sser ist und es Reinhard Pinkemail gewidmet hat, so möchte 
Bin wohl auch an jenen Zusatz in unserer Hb., der Wolfirams Wohnung 
ii Eisenach zur Zeit des Sängerstreits bestimmt in dasjenige Haus 
Terlegty welches im 14. und 15. Jahrhundert Reinhard Pinkemail be- 
wohnte und besaß, die Vermuthung knüpfen, daß Job. Rothe denselben 
gemacht habe und sich damit als Verfasser der Chronik kund gebe. 
Die wenigen Worte erscheinen, wie auch die in der andern Chronik 
bei Schöttgen und Kreysig über denselben Eisenacher Rathsherm ge- 
gebene Notiz, durchaus als eine absichtsvolle, auf persönlichen Rück- 
nehten und fireundschaftlichen Verhältnissen beruhende Zuthat und 
■eilten ofiianbar Pinkemails Wohnung in den Glanz der heimathlichen 
Sage stellen, mag der Chronist einer schon bestehenden allgemeinen 
Localsage gefolgt sein oder, was gar nicht unwahrscheinlich ist^ nach 
eigener Dichtung und Erfindung dem Hause seines Freundes und 
Gönners diese sagenhafte Berühmtheit beigelegt haben. 

Doch ich will diesem Zusatz nicht mehr Bedeutung und Beweis- 
kraft zuschreiben ab ihm gebührt; er mag vor der Hand nur daftlr zeugen, 
daß die den beiden lat. Landgrafengeschichten nachgeschriebene dttr. 
Landeschronik in Eisenach entstanden und hier ihr Verfasser zu 
Sachen ist. 

Fassen wir aher andere Stellen unserer Handschr. ins Auge und 
ihre ganze mit der dtlr. Chronik des Job. Rothe so auffällig überein- 
itimmende Erzählungsweise, so kann dieser Eisenacher Verfasser nicht 
lioger verborgen bleiben; Rothe's Autorschaft tritt auch von diesem 
Qsschichtswerke unverkennbar und bestimmt ans Tageslicht. 

10* 



148 AUG. wrrzscHEL 

Joh. Rothe war in Creuzbnrg an der Werra geboren, wie < 
noch erhaltene Urkunde des Bfarienstifts in Eisenach vom Jahre 1* 
und das Acrostichon der ersten 24 Capitel in der dür. Chronik Johm 
Rothe von Omzeeborg und das in dem Ritterspiegel JohawMg «on Ort 
borg Rothe gmnamt gleichmäßig besagen *). Wie er nun in der gr5l 
dür. Chronik den geschichtUchen Stoff seiner Quellen gelegeAtlidi 
gilnzt durch Erzählungen, die seine Vaterstadt angehen, dort unter a 
Einwohnern als Sagen und Volksüberlieferungen lebendig und 
aus seiner Jugendzeit noch im Andenken waren, so finden ndi i 
in dieser Chronik einige Abschnitte, die von einem mit Crrasbi 
Schicksalen und localen Traditionen näher bekannten Verfasser 
schrieben sind. Bl. 259^ wird die Belagenmg und Eroberung 
Stadt durch Adolf von Nassau unabhängig von dem Bericht der hL 
Landgr. bei Ecc. p. 448, 33—45 so erziüilt: Da die ttete nue km 
adolfe nickt hulden wolden vnde auch die erbam bähe ane der rei 
erbe willen, da Mmmete konnig adolff ein großes heer vnde cxoek im dort 
vnde nam yeenache yn. das machte toartperg vnde klemme, vnde cBoek 
nach vor eruczeborg, vnde der fort obir der st<idt, da her obir die « 
czoch, der heißt nach darvon des konniges fort, da lag her vir tos 
vor der Stadt vnde konde or nicht gewinnen, czu letctt da sekoß her 
daryn vnde vorbrante die Stadt vnde slug da vor der borgk ein huß 
vnde hiß es dye adolfsborgk, das nue genant ist die aluborg, da gek 
on Wassers vnde bires uf deme slosße, das sie es nicht lenger beha 
konden. Die Königsfiirt über die Werra und die Adolftburg oder i 
bürg, noch heute in Creuzburg bekannte und genannte Localnai 
kommen auch in der dür. Chron. §. 569 und 570 vor, nicht in 
Landgrafengeschichte, die nichts von diesen Localitäten weiß. I 
mehr Detail hat J. Rothe in der dür. Chronik dieser seine Vaters 
angehenden Erzählung hinzugethan. 

Bl. 277* heißt es: In deme seO>en jare da wart ein großer 
czwusschen landtgrafen friddriche deme ernsten vnde deme gramen 
hennenberg, der ein hdfer gewest toas der grauen von tcywuir vnde 
sioartzborg. da der landtgraue lag vor erforte mit den von erforte ' 
do die richtunge gescliach czu wassenborg czwusschen den grauen von aq 
vnde deme lantgrauen, das sie om or landt uf gaben vnde ore stoß} 
wart in der stine geteidinget, das der landtgraue sinen son friddri 



*) Die hier aDgeso^ne Urkunde ist cn finden in der Zeitselir. ftir thfir. 
ond Alterthnmsk. Bd. 3, 38. Über die beiden Acrostichen e. Bech in dieier Zeil 
Bd. 6, 4Ö tf. 55. 



►IE ERSTE BEARBETTTTfG DER DÜEmOISCHEN CHRONIK ROTHE'S. 149 



9oUk des VOM hennenberg tocMer, tmde solde nm am werde kuborg 
damtoeh eswey alofi dar cz^te, Wide darnach vorczoch am dae der landt- 
^nme vnde wegerit es am vnde tcart sin ßendt vnde haiuffte den stein, der 
AmtfcAm ysenache vnde breäingen lid, widder die von saIctM vnde czoeh 
1» den von erfi^ vor schaff mberg vnde hdag e,. vnde da quam der 
im hennenberg vnde wolde sie abe triben vnde streten da, vnde es bieben 
iMe bähe todt uf beide siten. nach so hette es der landtgraue gewonnen, 
litt« IUI mutier das nicht gehindert, die wolde nicht das her lenger davor 
Ife. dar nach da exoch der graue von hennenberg des nachtis vor crucze- 
wmg tmde wolde es erstegen hon, da worden sin die wechtere gewar, das 
hr meht reddelichs ante. 

Dieser Abschnitt weicht von §. 675 der dür. Chronik wesentlich 
■b und zShIt zu den Beispielen ^ welche der Annahme, Sohlorffs Ab- 
idnift WA aus Rothes größerem Werke excerpiert, entschieden wider- 
flüechen. Er ist fast wörtlich aus der histor. Landgr. bei Pistor. Cap. 99 
^Ifcersetsty den Schluß hat aber der Chronist hinzugethan; in der lat. 
Vorlage wird der Belagerung von Creuzburg durch den Grafen von 
Bennebergy die in der dür. Chron. §. 677 noch ausführlicher berichtet 
rird, mit keinem Worte gedacht. 

Es folgt in der Hs. Bl. 278' der Bericht von einer Überschwem- 
lini|i^ der Werra bei Creuzburg: also man czaUe nach cristi gebort 
f. CCC. XLII iar, da wart vtnb sente marian magdalenen tage gar groß 
mner, dae die werra brücken vnde hufiere boyme vnde was gebuwis da 
ie ksg hinweg fürte, vnde warff der mum obine czu hruczAorg ein stucke 
iääer, das man mit schiffen in die etat für vnde in den schiffen kirschen 
am den boymen aß, vnde tat großen schaden. In der dür. Chronik §. 668 
Men wir von demselben Ereigniss nur die Worte: zu Krutsiburgk gyngk 
9 (das Wasser) Mr die st<itnmtcim vnde die dosiirfrawen muf/ten mit. 
ifle yirem gesynde das doetir rumen. In keiner der beiden Landgrafen- 
reSchichten wird dieser Überschwemmung gedacht, auch das Chronicon 
kmp. zum Jahre 1342, das nur den Rahmen ftlr beide Chroniken- 
wriehte geliefert zu haben scheint, sagt nichts von Creuzburg. Es kann 
laker nur Joh. Rothe aus Creuzburg gebürtig diese Berichte in der 
shien wie in der andern Chronik verfasst haben. 

Die Eisenacher Sage von dem sündhaften Leben eines Ritters in 
Treflurt, der aber täglich die sieben Gezeiten betete und deQhalb von 
der Jungfrau Maria bei seinem Sturze vom Hellerstein wunderbar am 
Leben eriialten wurde, sich dann sofort zu Gott bekehrte und in Reue 
und harter Buße sein Leben beschloß^ ist die Übertragung einer Marien- 
legende auf einen Troffurter Ritter. Sie war "WoYA Vm 'äwv^tä^c&V.^. i.^ 



150 , AUG. wrrzscHEL 

Eisenach entstanden nnd dort gleichsam localisiert Ihre ganse Fan 
und ihr Vorkommen in der andern Chronik §. 664 sprechen dafhr, < 
sie anch in unserer Chronik nur von Joh. Rothe^ dem Priester i 
Vicarins an unserer lieben Frauen Elirche in Eisenach^ heirOhren ka 
Sie lautet BL 272**: Da vor tool eyn tar, da aolde der egne vtm dnfi 
eyns naektis aD/eym ruhen obir den heldirHeyn von eifner, hie der i 
geweet was, wan her aUeezit den toibem vnde meiden nach ging viii • 
legierte, das in syme gerichte ngmandt eine toekter obir etwelfjar oft h 
den torete, nue phlag her eyner togunt, dae her aJle tage tnfier Ubenfi 
wen gecssiUen hetthe, wan her wol gelart wae, vnde dieeelben metthen t 
vnßer b'ben frawea betthe her, dae her obir den hddireiegn in der ßui 
nacht reit da hafte her vsfiem voege mieeereOien, dae far qmam i/ ( 
hoehen etein. da dae pfert an dae ende quam, da etoiezie ee widder, 
hyw her ee mit den sporn, das es den steyn mü om abe epang. das fj 
czu vil, der saJttd lag an stucken vnde syn etoert in der scheiden mf si 
sythen; wan in deme faUe riff her vnßer libe frawe an vnde her bleib' 
vnuorletczt. darvmbe tath her sich der werlde ab vnde ging m egme j 
wen rocke ane echue vnde woUen vnde entpeiß nummer fleisdds, ra 
oder wyns, vnd gab alle syn gtä durch got vnde sine lehin einen trmi 
vnde quam keyn ysenache. da ging her zcu den hirehen barfuß wun 
vnd sommer vnde trat cdeo hart dicke in die steyne vnde haHe eekorsei 
das man das da sporete, vnde bat aUe tage vohr den hußem brodt, t 
wan her dee sine notdorft geas, so vorgab her dae obürge den arwmn bä 
' die mit om nach brote gingen, also starb her czu ysenache m großen m 
in armute vnde in eyms heiligen lebene. vnde dae her sterben wcllde, 
koeß her sime bigraß zcu vnßir Üben fraiwen an die aäer v o rsm t ki 
etat des kirchhoffs czwussehen der kirchen vnde der etat muren, da 
schulere zu orer notdorß hen gehn. da lyt her begraben, da Ußen om 
herren uf deme stiffle vnfiirs herren marter an eyne tafdn cwu einesi fn 
an die kirchen malen. 

Auch die Nachricht über das Eisenacher Spiel Ton den flliif kh 
und flinf thörichten Jungfrauen, welches die PredigermOnche im Ji 
1322 zur AufiUirung brachten , lässt an einen Verf. denken , der < 
Mariendienste nicht fem stand, demselben vielmehr zugethan war 
ihn in Schutz nahm. Bl. 270 erzählt der Chronist: Also mum eck 
nach cristi gebort tußent CCCXXII jar, da wart nach ostem veneikn i 



*) sehormn ist wahrscheinlich von Schlorff Terleaen oder ▼ergchrieben am m 
/^. Vgl. Frisch Wb. n, 227*». mhd. Wb. II, 2, 216^ oder sollte sehoffin m der 
jpaegenden Bedeutung naohznw eisen \md \i<MnEQA\ii^V«ii imsl^ 



^lE ERSTE BEARBEITUNO DER DÜRINOI8CHEN CHRONIK ROTHE'S. 151 

Uto die preddiger or abku hon, eyn spei csm ysenache von den funff 
^ridden jungfratoen, alßo das emcangeltum ußicißt. vnde also die fwnff 
^Ondden jungfrafcen vartumet worden, da tathen sie czu male degelichen 
nie unße libe fravoe unde die heilt fjen bathen alle vor sie, vnde das half 
feiiff ftfcA^ vnde diiz was etzwas zu heiie gespelet, wan maria nach die 
^tSigen bethen vor keynen vortumpten nickt, wann sie wollen anders nickt 
■iiJM das got wil. so wil ouch got czu deme jungisten tage nicht barm-' 
Stetig nach genedig mer syn, rundem ejpt gestrenger riehfer, doe vor in 
^9er asit igt her vns genedig vnde barmherczigk, vnde wer sich mit syner 
nee vnde htße hye uf ertriehe ader in deme fegefure vorsumet, der muß 
tti schaden habe, czu deme speie quam auch landtgraue friddrich der 
^eiiige, vnde saeh das vnde hilditte das in sich, vnde wart czu miUe 
omig vnde sprach: was ist der cristen glauft^f was ist nue vnßer hoffe- 
tmge, ^Hßi nicht das vor vns sundert vnße libe fraice betet vnde alle 
tf£f heiligen gefiehen mögen f icorzcu dinen wir on f wurvmbe sollen wir ' 
eren, sollen wir nicht gnade ertcerbenf vnde bleib also funff tage Öi- 
'Hßeme mumuthe, kttme besgnnigitte man on, wie das czu deme jungisten 
^ gesehe vnde nicht ehvr, vnde da sliig on der slag, das her lam wai . 
■ ejfnfr sythen, vnde die spräche entpfil om, das man on obile vor- 
wsn, vnde her lebete darnach wol virdehalb jar vnde besatczte sin selgerethe 
wd esteuih vnde wart begraben czu sente kattherinän vor ysenache in sente 
'dhannes eappeUen. 

Die geschichtlichen Thatsachen, welche der Verfasser unserer 
Huronik ans und nach seinen QuoUen mitthcilt, gibt er im Ganzen 
etren wieder und hält sich fem von absichtlicher Entstellung oder 
lerichtignng. Die breitere, mit Worten ausmalende Schreibweise, deren 
r flieh häufig bedient, mag ihren Grund nur in dem Streben nach 
lentlicher, lebendiger und anschaulicher Darstellung gehabt haben, 
Be der kürzer gefasste lat. Text zum bessern Verständniss nicht selten 
«durfte. Es finden sich aber einzelne kloine Zusätze und individuelle 
)emerkangen, die eigenthümlich und aufß&Uig genu^ sind, um nicht 
tberBehen zu werden. Einige verrathcn den geistlichen Stand, dem der 
ITerf. angehört haben muß, andere sind nicht nur willkürlich, sondern 
mch im Widerspruch mit den benutzten Vorlagen. Daraus aber, daß 
fiese Znsätze, Betrachtungen und IJrtheile fast mit denselben Worten 
neh in der großem dür. Chronik wiedorkehren, darf man mit Recht 
cnehen, daß beide Chroniken einen gemeinsamen Autor haben. 

Bl- 280^ lesen wir: Also man schreib nach cristi g*:bort tusent CCC. L 
isr, da gingen die geißchler mit großen scharen in den steten vnde uf 
4» dorffen mit vanen vnde sringen vnde hywen sicfc, unde die vcoxdAtv wt- 



152 AUG. WITZ8CHFX 

bannen wm deme babitU vmbe des willen, das sie on sdbir hufie tmb sn 
sunde saUüen vnde sieh erlös vnd rediüofi machten mü om oßsnbam huflss, 
die njfemande gAert ezu tkune, danne den offenbam sundem. auch so gJkts 
sie ezeiehen, das man saeh, vxis sunde or igldicker gethan haUe, wan m 
ein teil vilen uf den rucke, ein teyl uf die siien vnde ein iejß uf iss 
buch, darnach ore sunde waren, vnde predigitten, das on nieki erladä 
was. dar von vil ketczerige enstundt. 

Dieser Bericht ist der histor. Landgr. bei Pistor. c 106 nadi- 
geschrieben^ wie die dem Auftreten der OeiOler auch dort vorangehende 
Erzählung von der Tödtung der Juden und die nachfolgende von der 
Sündenvergebung in Rom und dem goldenen Jahre außer allen ZweiM 
setzen. Die Kritik aber ttber die Ketzerei der Geißler gehört dem Ckro- 
nisten allein an. Derselben Beurtheilung unterliegt der Unfug dieser 
Secte zweimal auch in der dür. Chronik, zuerst §. 507 1 wo ihr Er- 
scheinen im Jahre 1261 nach den Worten des CSiron. Samp.: flsno 
domini MCCLXI plura milUa flageHatorum prodieruni in mundmm ge- 
meldet wird, dann §. 688, wo gleichfalls nach CSiron. Samp. a. 1349 
und nach der histor. Landgr. a. a. O. von ihrem Auftreten in Düringen 
die Rede ist An beiden Stellen wird gleichmäßig ihr Thun und TreibcB 
als Ketzerei und schwere Sünde verurtheilt Wie nun Joh. Bothe m 
in der dür. Chronik nicht unterlassen hat, zweimal bei dmrgeboteoflr 
Gelegenheit seinen Unwillen über diesen der Kirche zuwiderlanfondai 
Unfug auszusprechen, so wird sicher auch in unserer Chronik nur Jok 
Rothe und kein anderer den beinahe gleichlautenden Bericht abgefiMit 
haben, der hier wie dort den Anschauungen und Gbimdsätsen eines ] 
Priesters am Marienstifte in Eisenach vollkommen entspricht. 

Bl. 234^ — 239*" wird des Landgrafen Ludwigs Heerfahrt gegen 
den Herzog von Polen, der düringische Kaufleute beraubt hatte, be- 
richtet, und der Zug gegen einen fränkischen Ritter, welcher dem 
Kloster Reinhardsbninn ein Fuder Wein und sechs Pferde weggenommen 
hatte, mit dem Zusätze: solche erbeit muhe vnde koste vnde ebenOmre 
hpsfunt der toguntsame landtgraue dicke durch einer closter vnde ami 
armer lufhe willen. Es folgt dann die Sage von dem armen Krimer in 
Eisenach und des Landgrafen Verheerungszug in das Würzburger Oebiet 
wegen der dem Krämer geraubten Waaren und die Demtttfaigung eines 
Herrn von Salza, der am Aldenberge dem Kloster Reinhardsbrunn zum 
Nachtheil einen Bergfirit errichtet hatte, durch denselben Landgrafen« 
alles der histor. Landgr. Ecc. p. 416—418 und den Reinhardabr. Annalen 
entnommen. Dieselben Erzählungen hat auch die dtlr. Chronik, aber 
/n Anderer Ordnung; §. 436 den Zur liÄeV Poleu^ 437—438 die Sage 



DIE EESTE BEARBEITUNG DER DÜRING18CHEN cnRONlK ROTHE'S, 



W^^ 



fon dem Krämer, 439 vgm Ritter Waltmann von Sedelstadt, 441) den 

tnz in Eisenach, 44J die Zeretßruag des Bergfrits bei Reinhardabrunii, 

! die Heerfaiirt um das Fuder Wein. Daran ist folgende Betracli- 

; geknüpfl ; n« mercket was der mylde logunUiimf. fvrale arbeil ombe 

jpicr elonter iciüen unde konle umbe aeipier armen leiole willen beitwnde, 

■o iV wol ifekoi't hitt. wie her aeyneii esset vor Wirtd>wtj gemeht hat 

hI« wie her mit groasem heere y» Polen xoch vor Lvham, vnibe das der 

rVM^ vam Pofen aeyne burger, die koufmaiuchatz yn PöUn nrnie yn 

Ttgim »aclUenj berotthet unde gesehjfiidet hatte. Diese individuellen Be- 

»JtDiigen stehen in offenbarer Beziehung zu einander; die eine ist 

r ftiideni nachgescbrieben, und zwar rrscbeint die in der dUr. Chronik 

■Is eine Wiederholung und Enveiterung der andern mit Bezugnahme 

f die vorher erzählte Besubützung des armen Krämers, Sieher haben 

eide einen gemeinsamen Autor. 

Bl. 254* wird die Ländertheilung des Markgrafen Heinrich von 
[dßen mit seinen Söhnen Albreeht und Dietrich nach der bistor. 
iMidgr. bei Ecc. p. 4.S2, 26—32 oder bei Piator. c. 63 so erzfthlt: 
AUo man »chrtib nach criati gebori tufiaii CG. LXV iare, da teilte aick 
! heinrieh mit sinen »on, die zeu tvren jaren nii kommen waren, 
tiäo das her <mt behilt missener landi vnde aime sone dittheriche gab her 
■ tku otferlandt vnde did marcgi-afi'eschaft zu landtßherg, vnde aime sone 
Albreehte gab hei' yn das landl czue doringen vnd das phaUsgraßetum zu. 
Saehaxn. Das Pfalzgrafen thum zu •Sachsen erwähnt keine der beiden 
Lfutd grafenge schichten, das hat der Chronist hinzugethan. In iler dlir. 
(3ironik kommt diese Lftndertheilung zweimal vor. Der erste Bericht 
{. &0& stimmt mit den Qnelhn ühnreiu. §. 517 aber, wo nochmals 
^von die Hede ist, hat den Zusatz: dißer lantyrave Alhrechi irit* mech- 
tigk yn Uorytigen vivle teas ouch rforzu eyn phaltz^-ave zu Sachße». 

Bl. 257'' — 2.^8' werden die zwischen dem Landgrafen Albrecht 
rad seinen beiden Söhnen Friedrich und Dietrich jiusb rech enden Feh- 
den nach bistor, Landgrav. Ece. 442, 49—60 erzfthlt. Der Markgraf 
Friedrich filhrt zuerst einen Biachof, der eyn sunderlicher ratith was 
landtgmuen Albrechlia, in Gefangenschaft, wird aber dann «elbst von 
Hmn Grafen von Käfernburg gefangen und zu seinem Witer auf die 
Wwtbarg gebracht, rfer hilt on da gefangen vilnoek eyn Jar. da ijitame» 
' lidhe, dir m beymelichen mit deme aoni' hi/dm, csii wartperg vnde 
WAh om des nac.htis uß denw gefengnisse mide n/ivufn mit oji, loa* s!'- 
bringen vioekten, vnd^ «fegen hindene bie der cisUn'ne obir dirf 
n J'riddriche vnde brachten on darvon. da strafften 
I, her sich widder den viter also 




'<::t^*A^^J 



154 AUG. WITZSCHEL 

antworte her: alles da$ her an myme brtidere vnde an mir thut, de» tot- 
gefie ich tcol, dbir des hissee, den mir myne mutter seüige in mynen badba 
gAiesen hat, des kan ich also wenig vergesse, also mir der narwe ahegM 
Dieser Abschnitt stimmt im Ganzen zusammen mit der dür. Chronik 
§. 543, daß al^er die Freunde und Helfer des jungen Markgrafen die 
Mauer der Wartburg „binden bei der Cisteme^ Übersteigen, ist dei 
Chronisten besondere Ausmalung, die er hier anbringt, wfihrend nadi 
der dtlr. Chron. §. 601 der Markgraf auf diesem Wege die Wartboig 
ersteigt und gewinnt. Auch die Worte, welche Friedrich den Anhingen 
seines Vaters und ihren Straireden entgegnet, lässt die dlir. Chzmnk 
§. 545 ihn bei einer andern Gelegenheit sagen, bei der Aussöhnung 
welche der römische König Rudolf zwischen dem Vater und seinen 
beiden Söhnen unternahm. Diese Ausschmttckungen der geschichtlichen 
Thatsachen, in beiden Chroniken zwar abweichend angebracht, ht- 
stätigen gerade dadurch und durch ihren gleichen Wortlaut den gemein- 
samen Ursprung und Verfasser. 

Bl. 258^: Dae erheittt: landtgraue Albrecht dar nach, uye das her 
die hindere erbelos gemachte, vnde ließ einen son, den her hatte hie hmMm 
von ysenberg die wile das sin eliche frawe noch lebethe, elichen von desu 
konnige vnde her meynte her wolde denselben kebißson ezu eyme henm 
in doringen gemacht habe, da wolden om die erbam luthe nicht hmUe 
nach die stete, da gab her om Thetieberg in vnde das gerichte, das isr 
zcu gehöret, vnde syn wapen was ein hmther lawe mit eyme helme Mr 
das houpt gestorczit, vnde syn name was landtgraue Apetz. Das ist nach- 
erzählt den Worten der histor. Landgr. bei Eccard p. 443, 21 — 30, 
womit auch die bei Pistorius c. 73 übereinstimmt; aber weder die eine 
noch die andere erwähnen das Wappen des Landgrafen Apitz. Die 
Beschreibung desselben, die in gleicher Weise in der dflr. Chronik 
§. 545 vorkommt, ist des Chronisten eigener Zusatz, und zwar des 
Joh. Rothe, der in seinem Ritterspiegel v. 621 — 628 sagt: 

Wer einen fogil adir ein tir 

Furit an sime Schilde, 

Dar an sult ir nu merkin schir, 

Ez 89 zam adir wilde y 

Ist em das antlitze bednckit 

Adir sint em die ougin vorbundin. 

So was die mnter der er in nackit, 

Do eme das woppin wmi fundin. 
Eunigunde von Eisenberg war gestorben nach unserer Chronik 
BL 260^ im Jahre 1297, vnde kwmc obir eyn IvoDm ior dar ma/ck or #w 



£ ERSTE BEARBEITUNG DER DÜRIN6I8CHEN CHRONIK ROTHE*S. 155 

^dignme apito, von den sieh aüü obü czu doringen gehahm haXU, vnde 
i worden beide ezu sente katherinan vor ysenache begraben vnde besehiden 
i dmne elottere da$ dorff zu deme langen hayne, da$ sie nach beeOeeen 
de on eidder von den fureten bestetigit wart essu selgereihe. Die Sohen- 
mg des Dorfes Langenhain bei Waltershausen ist des Eisenadier 
ironisten Zusatz, die histor. Landgr. bei Elcc p. 44t, 1 — 7 mid bei 
iftor. c 80 sagen nichts davon. Die Worte aber: da$ eis nach 6e- 
ScMR vnde on sidder von den fursUn bettetigit wart ceu eelgerethe darf 
tax wohl aof dieselben Anfechtungen, welche nach der dtU*. Chronik 
568 das Kloster später von den FtU*sten wegen dieses Besitzes gehabt 
t^ beziehen y ond wie diese Worte auf derselben genauem Bekannt- 
liaft mit den Klostenrerhältnissen beruhen, so haben sie auch den- 
Iben Autor. 

BL 262 wird Folgendes erzählt: Also das erkante frawe Alheit die 
wäigrqfinne das or stiffson vnde or tochter, der or eydam worden was, 
w van deme lande rnochien kommen, so gab sie om wiße vnde wege dar 
^, das her uf wartperg quam, wan sie hatte landigrauen friddriche 
s» mfdem cssu male Üb, aber vor sime vatere gar hegmdichen. da das 
B von ysenaehe vomommen, da czogen sie in den hayn vor wartpergk 
'i des kanmgis voyten vnde buwetten widder die yseneeher borg vnde 
wäMien den bergk, vnde die von erforte vnde die von moihußen vnde die 
n narthußen lagen mete daruffe von des hmnigis bethe vnde geheiße 
^gen, vnde yr ygkliche stat hatte or eygene koche daruffe, also das nach 
wifien fftnff kellere, die daruffe in den stein gehawen sint, vnde satezten 
ne bliden czuschcn die yseneeher borg vnde die viheborg, dae die bUden- 
ü in den berg gebrochen ist, vnde worffen stettlieh zu wartperg zu, vnde 
r vaier landigraue aU>reeht der muste wartperg rume vnde kmdtgraue 
iddrich der brachte sine hußfrawe da keyn wartperg czu der mutier. 
fo da dÜL eyne lange wile gewerte, das on spise daruffe gebrach vnde 
\ste gebrechen leden, da reyt landtgraue friddrich czu sime swagere deme 
rezogen von Brunswig, vnde mit des hülfe vnde eines bruder uß deme 
terlande vnde missen so spisette he wartperg mit gewcdt vnde treib die 
n ysenache von der frawenborg, vnde da ober der stat hiJt her die wile 
\t dryehundert mannen mit hebnen. vnde da seibist quamen die wayne 
r uß deme sengilbache, vnde des fueßvoOcs mit den wagen was ane czal, 
de fing des konnigis voyte vnde gar vil luthe, die von der yseneeher borg 
IS gerne gewert hetten, vnde fürte sie keyn wartperg vnde satezte sie da 
u da starb or vü hungere in deme gefengnisse, vnde des konnigis voyt 
r starb da auch, vnde die von ysenache die holten on vnde vxirt be- 
aben esu den predigem. 



166 AUG. W1TZ8CHEL 

Den Kern der ganzen Erzählung finden wir in der histor. Landgr. 
bei Pistor. c. 81. Die dort erwähnten Ereignisse sind aber hier nil 
Zusätzen ausgestattet, die auf des Chronisten eigener Kenntnias dieser 
Örtlichkeiten beruhen; denn von den einzehien Flfttsen, welche die 
verschiedenen Belagerungsmannschafien eingenommen hatten, von des 
fbnf in den Felsen gehauenen Kellern und Küchen ist dort keine Bede. 
Diese Zuthaten lassen zunächst den Eisenacher Verfasser bestinnt 
erkennen, daraus aber, daß dieselben Notizen auch in der dflr. Cihitmik 
§• 601 — 605 vorkommen, erhellt, daß dieser Ver&sser Job. Bothe ist 
Albrecht Knut hatte gegen den Markgrafen Friedrich den Frei- 
digen übermüthige Rede geführt und gedroht, ihn wieder von den 
Lande zu bringen, zu dem er ihm geholfen habe, da amtworte der hent: 
das ml ich bewaren ab ich kan, vnde liß on angrifen tmde Uß om ew- 
«ftincb den kaph ezu ysenache uff deme margkte abeslahen vnde on en 
den fredigem da selbis begraben. So unsere Chron. Bl. 269** in Übor- 
einstimmung mit der dür. Chron. §• 634, die noch hinzusetzt: ebdidu 
kronieken sagen das her an Heß yn dem stocke erworgen. Die histor. 
Landgr. Pist e. 88, welche hier als Quelle gedient hat, sagt: jFVJakrin» 
marchio quendam nobilem Albertum Knut pro aliguibus fiivoUs vmim 
prolaüs — turri mancipavitj qui mortuus est et sepuüus in eonvenhi frsr 
trum praedicatorum in Ysenach, Und das chron. Samp. zum Jahr 1318: 
Friderictis marchio quendam militem dictum Knut pro aliquibus frivdt 
€i indoete prolatis captum in Warperg fame miserahiUter neea»iL Beide 
Chroniken stimmen also hier gegen ihre Quellen überein; Job. Rolhe 
folgt, wie es seheint, einer Eisenacher Überlieferung. 

Bl. 280*'— 281': Der herczoge von Brunswig, genant heretoge AlbreeÜ 
vomme saltze, roubete die erbam luthe in deme lande cssu doringem twie 
tath on vil obirlasts vnde tcolde des nicht laßen durch des landigrüfm 
friddrichs von doringen willen, vnde sprach: her roob sin landi vor dm 
doringen wol behalden, ab es marcgrafen reynette, vnde hiU des aße rouhen 
uf. da sammette landtgraue friddrich der frnntholde egn grofiis meektigi* 
heer, also es vor bie LX jam ye gesehen wart, vnde czoch in saehxen vnde 
gewan die hindenborg vnde wynthußen vnde nach andei'e czwey stoß, vnde 
vorherefe om alle syn landt vnde vorbrante sine dorfere vnde legte sieh 
vor das saltz vnde lyfi wei'gk vnde katczen machen vnde treib sie hgn czM. 
da hatte der herczoge eyne blye buchßen vnde schoß in das wergh, dits, 
was die erste buchße, die man in diesen landen hatte voimommen. da brachte 
landtgrafe friddrich on dar czu, doft her om nviste vorgißeln nach cw 
ryihen keyn ysenache vnde sich guttlich mit om czu sunen, dar nach brach 
Aar den /rede, da czoch aber landJtgirafe j^riddricK ohxr o«\ omlcru;^ mit 
<fcAt hi/Sent gewapenten vnde brachte on czu steter «utie. 



DIE EH8TF. BRARBEITl'NG DER DCRISOIBCHRN CHRONIK ROTHE'S. 157 

Dieser Abschnitt ist aus der histor. Landgr. Pistor. cap. 114 ge- 
aommen, wie der Wortlaut mehrmals zeigt, und hat denselben Zusatz 
nber die Belagerung des Schlossea Salza, der auch in der noch wort- 
reicheren Diirstellung der dUr. Chron. §. 706—707 vorkommt. Aber 
die Abäaderung der Worte „venire in ITm/ringiam" des lat. Textes, 
welche in der einen Clironik nach czu rylken keyn ysenacke, in der auderu 
jpt yaenaehe zu kommen lautet, spricht deutlich für den Eisenacher Ver- 
gaser Job. Rothe. 

Zuletzt filbre ich noch eine Stelle an an» dem Berichte über die 
Qe&ugenschaft Ludwigs des Springers auf dem G ibichen stein , den 
unsere Chronik nach der histor, Landgr. bei Pistor. c. 15 gibt, wie 
(Ke gleiche Reihenfolge der vorangehenden und nachfolgenden Ab- 
schnitte sieht bezweifeln lässt. In diesem Berichte heilit es Bl. 302'': 
W «jori (der Graf Ludwig) oth6 «ner krangkeif wiütn, alio her sich 
AtUe, uß rfetn ve»ter gi-sloßm Wide sech* frbar luthe die saßen mit om 
äff drr kemwitteit besloßen imde htitten nyn. Diese sechs Wftcbtor kom- 
men wieder vor in der dür. Chronik p. 1676 (§, 347): wkVb dy gyn 
hatten dy hattin dan ■nwsßh-nefi wo' onde veste bailossin, der tcas sechse. 
Duca bemerkt Hr. v. Liliencron: „Da alles übrige der kürzeren Dar- 
stellung der beiden (Quellen (nändich der Annall. Reinhardsb. p. 12, 16 
bis 13. 24 und der histor. Landgr. Ece. p. 357, 5Ö— 358, 14) hinzu- 
^(bgtr Detail ganz tiiebtlich nur Ausschmückung des Chronisten selbst 
i«t, Bo wird man sich filr dieee sechs Wiit-hter nicht nach einer andern 
Quelle- umsehen wollen." Kilr uns ist da« Erscheinen der sechs Wächter 
in beiden Chroniken ein un verwerfliches Zeugnis» tllr Rothea Autor- 
achaft auch von der in Schlorffs Abschrift enthaltenen Chronik. 

Diese unxweifelhafte Autorschat^ erklltrt nun ganz von selbst die 
vielfache, fast durchgehende LTbereinstiramung der beiden Chroniken 
in ihrem Wortlaute und Ausdrucke. Beft'hten wir dieseii Verhaltniss 
KCDauer, so begegnen wir dem gleichen Wortlaut zunKchst in einer 
ziemlichen Anzahl gröüerer imd kleinerer Abeehnilte, welche vom 
Anfang bis zum Ende in beinahe unveränderter Fassung und nur mit 
geringeu Abweichungen in beiden Chroniken stehen. Aber auch in den 
Abschnitten der dtlr. Chronik, welche den Inhalt in Schlorffa Hs. ent- 
weder kürzer und gedrängter oder umlangliclier und mit allerlei Er- 
Eeiterungeu wiedergeben, finden wir auffällige Ü herein Stimmung. Eine 
ergleichung der Hs. Blatt lUr Blatt mit der dtlr. Chronik zeigt, daß 
ozer Inhalt mit Ausnahme der ihr allein gehörigen Stelleu und 
litte theila vollständig und Wort Rir Wort, wenn auch nicht 
einer andern Ordnung und Folge, in die äüi. Cä«ö^'^ "«S.*i.fex 
I I 



158 AUG. WITZ8CHEL 

anfgenommen ist, theilB versteckter und Yerschluiigener gleich eioen 
rothen Faden sich durch dieselbe hindurch zieht Scheiden wir in eine 
nicht geringen Anzahl Capitel der großem Chronik die einaebieD d 
anwesentlichen Zuthaten aus, womit J. Rothe den geschichtlichen Sld 
seiner lat Quellen vermehrt hat, beseitigen wir auch die der eigonl 
liehen Geschichtserzählung vorgesetzten Einleitungsworte , die durd 
ihren Sinn, öfter noch durch die seltsamen Wortstellungen midbUei 
und nur angebracht sind, um in die Anfangsbuchstaben der Capite 
das Acrostichou zu legen, womit des Verfassers Name, Person um 
Lebensstellung verewigt wird: so bleibt beinahe überall der Inhal 
unserer Chronik, meist auch dem Wortlaute nach erkennbar/ nur alUi 
llbrig, wenn auch durch Umstellung und Vertauschung einaelner Au 
drücke und Bedewendungen bisweilen abgeändert oder durch fis* 
fbgung von Worten und Sätzen ins Breite gezogen. Die kürser gefiustei 
Berichte dagegen stellen sich in den meisten Fällen als unverkennbüB 
Auszüge aus unserer Chronik dar. 

In Beispielen diesen Sachverhalt nachzuweisen und anschaolifili 
zu machen, muß ich hier unterlassen. Den einen oder andern Absehnitt 
auszuschreiben würde daftir nicht ausreichen; die genügende AnnM 
aber von beweisenden Stellen zu geben gestattet nicht der Raum, vi 
den ich mich zu beschränken habe. Ein Beispiel fast wOrtlich flbereiD- 
stimmender Darstellung ist enthalten in der oben ausgehobenen EnA- 
lung von Heinrichs Kämpfen mit seinem Gegenkönige Rudolf von Bhei&- 
felden. Auch auf Ursinus Chronik kann ich nicht gut verweisen, ikr 
durch und durch verderbter und interpolierter Text kann dieser BeweiB- 
ftlhrung wenig dienen. Zur Noth lassen sich vergleichen die ElrsähluiigeD 
von Dietrich und Irminirid p. 1244—1248 mit §. 159—168 der dfir. 
Chronik *) und die von Joh. Rothe besonders ausgeschmückte und in 
Oang gebrachte Sage von der Flucht der Landgräfin von der Wart- 
burg p. 1297 f. mit §. 519—521. 



*) Waa wir am Ende dieses nach Ekkeh. 176 flg. gegebenen Beneblet fibef 
die Kämpfe zwischen Dietrich und Inninfrid in unserer Chron. Bl. ISO* noch lesen: 
die Sctchfien die heatalten Schidingen vnde vormantmi den konnig Hnei gelobdi», der fsi 
ofi Sckidingen vnde waa andernt der Vruinä lag m aUeme rechtm. dU geeehatk «cd 
eritti gthort DXX jar. da buweUen He dar nach die bürge, die nach der Saehxen imrf 
heißen vnde die nam der aide riUer Hag yn, vnde von ttime getUchte eint die erhar bäh 
hmunen , die vor dem, Uartze tconen, genant die Hacken, also bleib der erheim UUke fi 
tu doringen, die Sachxen xcaren vnde nue doringiech sprechen, man wil OMieh dae sii de 
geexUen die von Staiberg eich erhüben vnde Stalberg buufetten etc.; nndwas mm Tlieil ni 
denselben Worten, doch etwas breiter auch in der dür. Chronik §. 166» 7 lad 161 
wieder rorkommif gehört ebenfalls zn (Veii KTmse\Kvn^<i\rancEa , die Job. Roth^ des 



DIE EBBTE BEABBEITUNG DER DÜRINGI8CHEN CHRONIK ROTHE*S. 159 

Dieses bloßgelegte Textverhältniss der einen Chronik zur andern 
hat noch andere beachtenswerthe Seiten. Zuerst widerlegt es die schon 
berührte Meinung des Heim v. Lilieneron, daß die zweite größere 
Hilfte der dttr. Chronik unmittelbar auf die von Eccard abgedruckte 
historia de landgraviis Thuringi» gegründet sei. Sie beruht vielmehr 
auf unserer Chronik. Diese ist beinahe vollständig in das größere Werk 
hineingearbeitet und von der darin enthaltenen dttr. Landesgeschichte 
der eigentliche Kern, an den sich die ganze ttbrige Kirchen- und 
Profangeschichte und jede Vervollständigung aus schriftlichen Quell^ 
Volkssagen und Localnachrichten angesetzt haben. Die dttr. Chronik 
gibt sich in ihrer ganzen Beschaffenheit vom Anfiuig bis zum Ende 
als eine zweite vermehrte und erweiterte Ausgabe unserer Chronik ssu 
erkennen; eine genauere Betrachtung und Vergleichung der beiden 
Werke kann sich dieser Überzeugung nicht verschließen. Selbst der 
IVolog in Schlorils Hs. mit der Dedication an den Ritter Bruno von 
Teideben ist stellenweise ftir das der Landgräfin Anna gewidmete 
größere Werk benutzt worden^ 16 Strophen sind daraus als Bausteine, 
ein wenig behauen und anders gestellt, zum Aufbau der gereimten 
Vorrede nochmals verwendet und darin angebracht. 

Der sprachliche Einklang der beiden Chroniken ist auch ftlr ihre 
Tezteskritik nicht zu ttbersehen. Daftlr nur ein paar Beispiele. In der 
ditr. Chronik p. 1649, 37 (§. 167) heißt es: riüer Hag der gab gynen 
fnmdin egn zceichin yn deme erstin slaffe vnde quamen gtälingin zcu der 
äad vnde degin vngemeldit obir dy toechter vnde quamen yn dy stad vnde 
riffn er keyner mit grofiim gedone. Statt des sinnlosen keyner hat schon 
Bech kreyer vermuthet Diese Vermuthung wird bestätigt durch die 
Hb. des Fabricius auf der Bibliothek in Weimar und durch die Worte 
in SchlorflEs Abschrift Bl. 179*: cdsso quamen sie czu der stadt in deme 
enUn klaffe vnde etegen daryn vnde begunden da ore kreyer rufen. Das 
Wort kreyer braucht Rothe wieder §. 661. 

p. 1666 (§. 329) wird vom Kaiser Konrad erzählt: vnde der fiom 
qpi wip, dy hiez Crifide vnde waz keyser Heinrichiz dez eretin eweethr. 
So auch Cod. Fabr. Dagegen steht nach den Worten der histor. Landgr. 
Ecc p. 351: Canradv^ duxü uxorem nominis CHselam, quae erat fiUa 



flioff und Inhalt seiner Vorlagen so gern und so oft hinsnsetzt und damit seine Antor- 
Mhaft anch von unserer Chronik kund thut Auch die kleine Variante in beiden Er- 
riOdimgen, wonach in Schlorffs Tis. der erste Kampf hie deme Wwemehe, in der dttr, 
Chronik hejf Bonebergk geschah, ist nicht zu übersehen. Sie IMsst wenigstens die eine 
Chronik nicht als eine Epitome aus der andern, sondern jede als eine selbttindi^e 
Arbeit erscheine». 



IßO AlTO. WTTZ8CHEL 

snrorü Henrid bei ScUorff BL 196*: der nam ein te^, di* hiß 
vndt die was keißer Heinrich» de» erttim meetter toe/tt«r. ITiul so ä 
der dttr. Clironik za verbesBem. Vgl §. 257. 

p. 1743 rg.519") lesen wir, daß der Landgraf Albert Beiaer 
gram ward vndf, hfit^ er gerne vorgebtn tmde mockU 4at nicht zeu 
vor er gehmein diftiem, bei Schlorff dagegen Bl. 255' finden wir: e 
A*//*' »iner frmoen m/trgkarethan gerne Vfyrgeben mide hmde da» incAt 
vorborgen czu irfge hrengen. Das Wort toege ist in der dar. rThronilc I 
gefallen, wie ancli der Cod. Fabr. beatÄtigt. 

p. 1745 (§. 521): in deme riUerhuße wordin tcn Warp^ atS ■ 
linkntkin leu kouße geimndin, als die Landgräfin Margaretha von 
Wartburg zu fliehen sich anschickt. Statt Unkotkin hat die Sondenfc 
Ha. hlathin. Beides ist verdorben und der Fehler bcniht aaf der 
hftufigen Verschreibang oder Verlesung der beiden Buclifitabeo e und 
Schlorffa Hs. hat Bl. 256": da nam »ie (Margaretha) ore kUynotle \ 
or gelt vnd« ging uf da» ritterhiiß mit dornte liofemeiatere. der Uß »ii 
eyme fengter nß an »eilen vnde lylachen. Und so hat J. Rothe in 
dflr. Chronik geschrieben entweder litachin oder linlackin. Der Cod 
Fabr. hat UiUich. Vgl. noch Binhard tbür. Chronik p. 197. la der 
art der I>r. Hs. UntMthin ist außerdem noch das zweite t la k 
schrieben. 

Umgekehrt lässt sieh auch Schlorffa Abschrift, die an mel 
Stellen lückenhaft ist. aus der dür. Chronik ergänzen und verbi 
Bl. IM": Nitrh rrviti gehört- DCCXXVIII iar da buwifte Mn(« honifa 
fritachelar, da vxu vur kmne »tat-, da iva* wa»»er uff lyti berge darvmi 
»ntrzte der habt»!, den bifschoff zk mi-nlze nlt*- vnde natexte »erä bonifa 
an »ine ttadl u. s. w. Die LUcke zi-igt der Sinn und eine Vei^leiohtittj 
mit der dUr. Chronik p. 1653 (§. 193—194); den ungemhren MaDtta! 
dafilr gibt Bange Bl. 27*. Darnach mischte man ergänzen und sebretben; 
nach eritti gebort DOC'XXVIII iar da fiunfit" nente, Bontfaciu» ßr^ 
»f.helar. da wo» vor keine »tat. da wi» nndirgit de» inaßer» >iff eime i 
*.in klein »tetirkin, da» hieß dfir gehurbergk. da wom heiden njfe, 
tmkartf h»r warf« Imtnile ein« kerehin tn »enfe Brigiden ere. tMeh 
fgorh her iriärrr kein rome znt deme babinfe vnde vorkundigele dame 
her getan haltr. der baaletigefe on dit mite gab am vordir getealt. In 
ifextiten Uli» rin hUachoß zeu Mentcze, der hieß Geroldu» vnd« liu 
»on, ilur hieß GerwUib, dar icart bigschoß' vnde inlug den mit 
kant, '^"W »inen vai/r irghig. ilarvmhc unia*» der babiM den 
mmfM ot« u. ». w. 

ff/. 21(t: f'«' ohgenanle Inndlgraa doringe* 

dtt gtbar nach ^ne tochUrf f 



etealt, /it Ai 

i 



DI£ ERSTE BEARBEITUNG DER DÜRINGISCHEN CHRONIK ROTHE*S. 161 



konnige zu behmen. Aus §. 370 • der dür. Chron. wird etwa zu 
Schreiben sein: die was die schönste vnde om die libeste, die gab her 
"VI. 8. w. Bei Ursinas p. 1267 finden wir nur die hieß Gutte vnd was die 
Jnggie, die gab er etc. 

Bl. 228^ wird erzählt, daß der Landgraf Hermann nicht in Rein- 
lardsbrann, sondern nach seinem Willen zu Eisenach im Katharinen- 
UoBter begraben ward, in dem andern jare dar nach da starb syn son 
im vian eyn jungding vnd der koß bie einen vater vnde wart da begraben 
ttii sente kattherinen in deme kohre. Hier ist gewiß zu schreiben: der 
hoß eine bigräfi bi sime vater u. s. w. nach der dttr. Chron. §. 424*. 

Die ganze dür. Landeschronik in Schlorffs Hs. von Bl. 196* bis 
261^ ist ihrem Hauptinhalte nach, wie ich schon oben gesagt habe, 
AHB den beiden y von Pistorius und Eccard herausgegebenen Historien 
tlber die Landgrafen in Dtlringen genommen. Woher stammen aber 
die andern Erzählungen verschiedenen Inhalts, welche auf Bl. 160^ bis 
195^ dieser Chronik vorangehen? Ich kann diese Frage nur theilweise 
keantworten; nicht fiir jeden Abschnitt ist es mir bis jetzt gelungen 
die sichere Quelle aufzufinden. Es sind mir zu solchem Suchen leider 
lüclit die nöthigen Hilfsmittel zur Hand. 

Zuerst lesen wir auf Bl. 161'' — 170' biblische Geschichten von 
4er Erschaffung der Welt bis zum babylonischen Thurmbau, aber nicht 
XSUMsh Genes. Cap. 1 — 1 1 erzählt^ sondern nach der historia scholastica 
des Petrus Comestor. Ob Joh. Rothe aus diesem alten und vielbenutzten 
^ferke das ihm Brauchbare selbst ausgewählt und zusammengestellt 
liat oder in einer jungem Arbeit schon ausgesucht; geordnet und zu- 
rechtgelegt vorfand und dieser dann nur bequem gefolgt ist und nach- 
"^ .geschrieben hat, wage ich nicht zu entscheiden. Ich möchte aber glau- 
Iwn, daß zwischen dem gelehrten und berllhmten Theologen in der 
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und dem schreiblustigen Chronisten 
«OB dem Anfange des 15. Jahrhunderts, dem liistorische Kritik, Prüfung 
und Auswahl bekanntlich etwas fem lag, wohl ein Vermittler gestan- 
1^ den haben dürfte, der ihm vorgearbeitet und seiue Chronikenschreiberei 
^ oder vielmehr Übersetzungsarbeit erleichtert hatte. Die historia de land- 
■ graviis Thuringise Pistor. beginnt also : Noe hdbuit tres filios, Sem, Cham 
%- dJaphet. ab illis ortae sunt LXXII generationes seu gentes. hinc e^t, quod 
- ChriMhu misit ad iüas LXXII discipnhs: hae generationes seu gentes 
"^ LXXII disseminatcB sunt per orheni et mundum in trihiis partibus, ita 
^ ^nod munäus est divisus in tres partes: ita quod Sem cum sua generatiotie 
I nrtäus est Asiam, Cham cum sua generafione Aphiaim^ Ja^^hot E\iTo^aT\\> 
I ^eäpariem mundt ad aquilonem seu ad plagam 8eplentrioual««x , »otV,\\\v% 



162 AUG. WITZ8CJHEL 

est cum Septem ßliis suis et filiis filiorum. Das alles scheint surückii' 
gehen auf eine Stelle in der historia scholastica Cap. 37 : Bedü Mogm 
ad principium genealogiae Noe, dicetis: hae sunt generationes fiUorumSait 
et incipit a Japhet minari, ut ultimo loco ponatur Sem, cujus succestimm 
texere intendit: texuntitr autem ex eis LXX duae generatianes, quiMisem 
de Japhet, XXX de Cham, XXVII de Sem. hi tres disseminati smd 
tribus partibus orhis secundum Antiquinum, Sem Asiam, Cham Aphnem, 
Japhet Europam sortitus est, vel expressitis dicitur secundum Josefhus 
fiUi Japhet tennerunt septentrianalem regionem a Tauro et Ämemo, mat\ 
tibus Ciliciae et Syriae, nsque ad ßuvium Thanaim, in Europa vero wsftt 
ad Gadira. Seine Bekanntschaft mit Petrus Comcstor und dessen Be- 
nutzung bekennt der unbekannte Verfasser der LandgrafengeschidilB 
noch bestimmter im 2. Cap.: et hoc tangitur in historia scholastiea tm 
didtur: y,f actum est eo tempore discidium inier Romanos pro P&mftjoi 
Julio Caesare."^ Diese Worte finden sich vor in der histor. schoL (edit 
Venet. 1729) p. 559. Es wäre daher wohl denkbar, datt jene historia Jb 
landgraviis, deren Anfang so wenig als der von der andern bei Eeeui 
uns vollständig und imgekürzt in den gedruckten Ausgaben Torzoliegci 
scheint, mit der Schöpfungsgeschichte wie andere mittelalterliche Chronika 
und Geschichtswerke begonnen, und diese Geschichte bis auf Nodi 
nach Petrus Comestor fortgeftlhrt und erzählt hätte. Es müBste MBA 
der Verfasser auch den Anfang des Prologs zur histor. scholastica wM- 
lich Air sein Werk benutzt und angebracht, nachher aber selbständig ii 
einer seinem Zwecke angemessenen Weise fortgesetzt und zu Ende ge- 
führt haben. Joh. Rothe wtlrde alsdann diesen ftir uns verlorenen Anfing 
der Landgrafengeschichte nach seiner Weise nur übersetzt haben, wie 
er die gleich folgenden Abschnitte daraus entlehnt und bisweilen woil- 
getreu wiedergegeben hat. Doch ich will bei dieser Vermuthang niehft 
weiter verweilen. 

Das aber steht fest: die biblische Geschichte in Schlorffii Hi^, 
ein Stück mittelalterlicher Historienbibel, beruht wie auch in der anden 
dür. Chronik hauptsächlich auf der historia scholastica und ist darsM 
mosaikartig zusammengesetzt. Den Bew:'is daftlr werden nachfolgeodi 
Beispiele geben. Absichtlich bringe ich aus der Hs. nur solche Stdieii 
bei^ die in der größern dür. Chronik entweder anders gefasst sind oda 
gar nicht vorkommen. 



Hs. BL 163*: Adam dufetsich rote Histor. schol. Cap. 18: Et 

erde, wan her dar von geschaffen tcart. sonat rubeus vel rubra terra, fuia st 

her pah sime wibe den namen Eua, cundum Josephum de rubea terra cott 

das sich dutit leben, v:an von er so «persa f adus e«l. — tiii|;oiiiä m • 



3TE BEAHBBITUNa DER DÜRINaiSCHEN CHRONIK ROTHE*S. 163 



aZiud nomen, Eva, quod sonat mUi, 
eo quod futwra esset mater omnium 
viventium, — dixü eam Evam, quasi 
aUudens ejulatui parwdarum'; maseu- 
lus enim recenter natus ejuiando dicU 
a, mulier vero e; e vd a, quatquot 
nascuntur ab Eva. 

Cap. 25: past aliosXVannos naius 
est ei Abel et sorar ejus Ddhora. — 
Abel, quod sonat luctus vel moeror vel 
vapor,quasicitotransüuirus; — tarnen 
secundum Josephum interpretaitur ni- 
hil hie, quia non rdiquii semen super 
terrafn. 



alle lebinde luthe. so eyn kint 
nrdet, ist es ein knechtichen, 
U es a, ist es ein meidichen, 
ü es ee. darvmhe so sprach 
€ schrien edle e ader a, die 
Int von Eua, Vgl. dür. Chron. 

iS^i Also die toerü gestanden 
issig jar, da wart adame ge- 
i san Abel vnd delbora sin 
Abel dutit sich betruhnisse 
dem, wan her zcitlichin vor- 
dner eldem betruhnisse, aber 
osephu^ außlegit, so bedutit 
Ü das, wanne her reyne vnde 
irb vnde liß nicht hindere uff 
wanne her numme dan XV 

XU. 

4^ von Lamech, dem Sohne 
Ts heißt es : disser was von 
me rechene der sibende vnde 
le vnder den andern vnde ein 
her was der erste, der zwey 
e vnd ein eebrecher, her was 
gesetcze qdams vnfiirs vaters 
brach: es werden zwey in 
sehe. vgl. dür. Chron. §.11 

i.: also die werü gestanden 

IXXIIjar, da gebar iaredth 

einen son vnde oho lamech 

ide Mich adame in Cayns ge- 

^e vnde der snodiste waz, oho 

ser Enoch, der sibende auch 

ime in Sethis geborten, der 

vnde der heäigiste biß uff die 

on got nam in das paradiß. 

\ Chronik §. 14 am Ende. 

ie weitem Erzählungen von Lamech und seinen Kindern Jabal, 

ind Tuhalkain und ihrer Schwester ^oema ^Aer \DÄAr%d\Ä^ ioA. 



Cap. 28: Lamech, qui septimus ab 
Adam etpessimus, qui primus biga- 
miam introduxit et sie aduUerium 
contra legem naJtufrae et dei decretum 
commisit. in prima enim ereatione 
unica unico facta est mutier, ei deus 
per OS Adae decreverat: erunt duo in 
came tma. 



Cap. 30: sicut ergo in generatione 
Cain septimus, seüicet Lantech, fuit 
pessimus, ita in generatione Seth sep- 
timus, sdlicet Enoch, fuit optimus, 
et transtulit illum deus in paradisum 
voluptcUis ad tempus. 



164 AUG. wrrzscHEL 

ziemlich wortreich ausgeftlhrt und bi*eiter als in der hiBtor. scholii 
So lesen wir BL 165** von Tabalkain: der ging 2h fMe mö tnne 
dere Jabcd vnde halff om der schaff vnde des vihes hnlhen, vnde i 
äbe bome die heyde vnde struche, uff das ml graflis da gewuchße, da 
her gewar, das ertz gesmultzen toas nß der erden vnde hatte g^touen 
sieh geformet uff der erden vnde was geronnen vnde hart toorden. 
das hub er uff vnde frfig es in das für vnde smeltzte es vnde farmetet 
her vx)lde, vnde goß es. alzo lange treib her das an, das her aüerle^ 
vorsucht^ in deme ertriehe, ab es smeüze wolde, biß das her den ywi 
anch vorsuchte, den fant her das her weich in deme füre wart, ab 
wolde nicht smelczen, vnde darvmme so muste he erdencken, wie he 
auch geerbeitte vnde zu nutcze brechfe mit slahene, wan es weük « 
vnde goß einen aneboß von ere vnde hemere vnde treib da das t/ßen 
czu her wolde. ditz geschach als die tcerlet gestanden hatte DCXl 
dieser was der erste gißer vnde der erste smedt vnde meistier was 
von eHcze vnde von ysene phleget zu machene. 

Das ist geschrieben nach den Worten in der histor. Bchol. p 
Sella genuit Tubalcain, qui ferrariam artem primus invenit, res ht 
phidenter exercnit, sailfturas opertim in metallis in libidineni oati 
fabricavit. — cum enim frutices incendisset in paseuis, venae metaü 
fluxerunt in rivulos et sublatae laminae figuras locorum, in quäms ^ 
erunt, referebant. Vgl. dttr. Chron. 12. 

Von seiner Schwester Noema heißt es in der Hs. BL löß* 
obgenante tubalkayn der hatte eine sicester, die hieß noema. die fant « 
die den schafen entfallen was, vnde want die ezusttmene tmde st 
dai'uß ein turh, alzo man teckin ader horde machet, vnde erdackU 
nach maneherleye gestncke vnde getcirche von woUen vnde von hasU 
von andern dingen. Daiiir finden sich in der bist schol. p. 32 nn 
wenigen Worte : soror vero Tubalcain Noema, qu€ie invenit artem c 
texturae. Vgl. dtir. Chron. 12. 

Der Abschnitt über die Sttndfliith erzählt Bl. 168': die eat 
sie in die archke gingen^ fräs an deme sibenczenden tage des apnU» 
zu ebirheymisch nysan heißet, da slofi sich das ertriehe uff vnde die I 
gössen xoasser. das selbe fafhen die tcolken des himmds vnde es re^ 
allen enden virczig tage vn>le virczig nacht ane vnderlafi, vnde das v 
ggng obir alle berge wie hoch die sint funffcssehn eile, nff das es die 
gereynigitte von den sftnden der luthe, vnde oho hoch so sal aud^ 
für gehin vor deme jungisten tage, abir das paradiß das traff es ny 
die arche geswebit hatte sybben monden vnde XXVII tage, da hehi 
te^ einen hohen berge in deme lande amveniea> der da qmant ist l 



S ERSTE BEAEBEITL'KU DKH DÜKINGISCHEN CHBONIK RflTHES. 165 

csxhndeii mandeii vnde xinen erstäii tage, du tatk noe ein fenater 
meh die iqiüczeii der berge blecken, litw nach obir XL tage da 
ufi einen rohen, ditr quam nickt icidder. ah d^er ein aß funde 
i aptßele nder ab her in deiiie wassere vorstarbe, des weiß man 
e, w. Uos ist ziisamiuengeBQtjit aus folgondcu eiazcluen Sätzen 
ist. hchol. p, 38: aeaxe'itesimo anno vitne tiKoe ingreaaus est Noe 
cum OHinibna, qiuie dixerat ei dominus, quae et ntdu dieino et 
ministei'io adducta sunt mense aecnado die XVIZ, qtii ab He- 
im dicitur — Mogaes autem in legttimia Nisan, id est Äpritem 
msem comtituit. p. 39: inffretso Noe in aream rupti sunt fontes 
id €»t aqitae, quae »unt in visceribue terrae, et caiaractae coeli, 
Jktuetrae, aperlae suttl-, id est nuhes. — e( pltiii supei' terram XL^ 
tt noctibrs et rievata arca in siibUme ferebaiur et super i 
montea exerevü aqua altior cubüis XV, ut ablueret- sordes acris, 
9«W amxndei-ani opera homimtnu ii^qne ad eitadem loeum ascetidct 
jüdicii ob aeria purgationem. — coeperunt aquae minui meme VII, tta, 
<fvad XXVII die vunisia reqaievit arca super montes Armeniae. — hu/'ua 
däuvii et tirctte, ut ait Joaephits, memariam fadunt etiam, qui barbarorum^ 
reseripeeritni. — Mitnaase Dajuaacenaa de eisdem sie ait: 
r Nvmidiam excdsiui mona in Arvienia, qui Baris appellatur, in 
0» eonfugientäs sermo eat dUuvii tetitpvre liberatos et quernque in a> 
i tlweetwn. decimo tandem menae prinut die meiisia apparuenmt caea- 
I flBORlit«ti> cumque traitsiascnt XL diea, aperuit Noe feneatram et e^niait 
Ml, f«i' noM reaei-tehatur, fotie interceptna aquis, vel inoeniens eupei'- 
m» eadawrr in aquis est iüectua eo. 

Der Prolog otlor diu Einleitung zur liistorica scliolastica lautet 
ler ersten kleinem Hälfte so: Imperatoriae majealalis eat in palalio 
kattitn miinaionea, anditai-ium vel consiatoHum, in quo jui-a decemii, 
\wm in qua cibaria dtalrihuif, thalicmum in quo quicscit. ad hunc 
imperator noatsr, qui imperal veada et man, mundum kunc liabet 
tibi ad ntUum ejW (»nnia diaponunlvr. unde illud Jei'emiae: 
et terram ego ivipleo. aecundum hoc dicitur dominua: unde domiai 
pleaitudo sfus. anüaum jutti hnJ-et pro thalamo, guia deliciae 
m' üt quieaccre et ease cum ßliis kominum. seeundum hoc dicitur 
MI tt anima cujnaque sponsa. sacittm acripturam habet pro coenaculo, 
(0 eia auos itiebrial, ut sobrioa reddat: uiidc ambuiavimtia in dotno 
m eoaanuu, id eat in saa-a sciiptura id ipaum aapientes. 

Wurtu IjLit J. Kotbe in seiaer breiteu uiuäeli reibenden Weise 
t aber dann von der laL Vorlage ab und ^iht aa Aea 
lAäl. Schriü mit einem Speiaehauae det ^Vt\is,t£vi«ö 'a.-o.- 
wie es eciicint, desäcu 'W£U^& ^^^''^^wii^ "as^^ 



(CK- I; 



166 AUG. WITZ8CHEL 

Aosmaluiig. Das Ganze ist unter der Überschrift von de» kegmr» fdm 
als Einleitung der nachfolgenden bibl. Geschichte vorangestdlt ul 
lautet auf Bl. 160^— 16P also. 

In deme namen gatis amen. In eynes heißere palae gtbam eitk m 
forderet dreyerleye tvonunge zu habene, in den eine honnigldiehe gead 
vnde ere erechinet. die erete wonunge ist ein eehonie wythee fj/ffeelbeMtlm 
hueß, da her ynne ein gerichte vnde*) eynen radt 'heldet vnde ein vol^ 
heeammet, toan her mit on teydingen wiL die andere vxmunge iei ein mwiß 
huß, da her mit eime volke zu tyeeche ^tczet vnde eine epiee vmme iejfA 
egme igJdichen nach einer wirdickeit. die dritte wenunge ist »ine eUf 
hämmere, da eine beevndeme gemach ynne eynt. in der »dbin wiße U 
got vnßir heyeer vnd honnig die werü zcu eyme richtekuße, da her ym 
richtet obir ein volgk vnde echichet nach eime willen vnde gebuHi der erdm, 
deme mere, den winden vnde allen creaturen, nach deme also b ee e k nlm 
»tekt: hymmel vnde erden erfoUe ick, vnde in deme »altere: de» herrinit 
da» ertriche vnde alle» das darynne ist. eyn elaffkammer i»t die «sie vek 
da» hercze eyne» ighlichen gerechten fromen gatfurchtigen menechen, 
e» »tet ge»chrd>en in deme buche der wißheit: myn hut ist, da» iek 
mü den hindern der luihe. eyn mueßhuß, da her ein volgk mne »pifU^ 
da» i»t die heilige echrifft, da mancherleyge tyeche inne »tdiin: eyn tgeA, 
da man issit die heilige »chriJH nach orme gei»tlichen eyrme, toie grob ier 
iext ist; eyn Heck, da man die echrifft voretehit in eyme vorbilde teie 
gUehenieee; eyn tiech, da man die echnffi elecht voretehit also nie brtU; 
eyn tiech, da man die geechichte vorhanden hat, die got mü den »im» 
gethan hat; eyn tiech, da man vorhanden hat vnghwbiger vnde hofier Uk 
Üben, uf da» man »ich davor gehute vnde auch gotie gerichte vnde wwHdet 
darynne erhenne, also eint die hoete dieeer tieeche gotie Itbe, goti» guie, 
goti» gedult, gotie demut, gotie barmherczicheä , gotie almechtickeit, gcßi» 
gerechticheä, gotie wunderlichheit, gotie geetrengiheit, gotie gnade, goti» wiß- 
heä, nach deme alzo ein ighlicher uß der heiligen echrifft ge»pißet werdä, 
der eie UßL von diesen palae vnde ore »chickunge so schribet ezu erst an 
der prophete moyeee vnde spricht: In deme anbeginne geeckuff got hymmd 
vnde erden von nickte, hirmitte so schlußet her uß mancherl^?- vngUntben 
der heiden. 

Es beweisen diese Beispiele hinlänglich die Abhängigkeit der 
biblischen Geschichte in Schlorffs Hs. von der historia scholastica 
des Petrus Comestor und ihren Ursprung daraus, mag der Chronift 
den Stoff selbst aus dieser Quelle geschöpft oder von einem andern 
bereits gesammelt und verarbeitet vorgefimden haben. Nur andeuten 



V •"^ f^th in der Hs. 



■ DIE EB8TE B£ABBEITUNG DER DÜRINGISCHEN CHRONIK ROTHE'S. 167 

?-'^iD ich noch, daß die aufgestellten Gründe und Beweise ftür Rothe's 

■ Autorschaft von unserer handschrifU. Chronik gerade durch diese Er- 
tfOilmigcn sowohl in ihrer Übereinstimmung im Ganzen und Allgemeinen 

. aut dem gleichen Anfang der dür. Chronik, wie auch in ihren beson- 
■^ dem Abweichungen davon und detaillierten Ausführungen eine weitere 
: Stutze und Festigung erhalten. 

Nicht mit derselben Sicherheit vermag ich von den übrigen Ab- 
schnitten Herkommen und Abstammung nachzuweisen. Das meiste ist 
UTerkennbar der historia de landgraviis Thuringiae bei Pistorius und 
Stmve nachgeschrieben, bisweilen in wörtlicher Übereinstimmung da- 
mit; die Kämpfe zwischen Dietrich und Irminfrid (Bl. 175^ — ISO") 
sind nach Ekkehard erzählt, die Legende von Bonifacius (Bl. 182* — 190^) 
ist eine deutsche Bearbeitung der lateinischen bei Mencken 1,834 — 851, 
stimmt aber in ihrer Sprache mit der ebend. p. 851 — 864 gedruckten 
deutschen Legende weniger überein, besser mit dem Texte, welchen 
aus einer alten Hs. Herr H. C. v. d. Gabelentz in der Zeitschr. fbr 
thür. Gesch. tmd Alterthumsk. Bd. 6, 235 — 248 mitgetheilt hat. Woher 
aber J. Rothe die Stamm- und Gcschlechtssagen von den Grafen von 
Henneberg, Schwarzburg, Käfemburg, Gleichen und Brandenburg, der 
Herren von Frankenstein, von Treffiirt, von Wangenheim und von 
Erfa genommen hat, habe ich nicht ausfindig machen können, auch 
nicht die Quelle der Sagen von den beiden Mainzer Bischöfen Hatto 
und Willigis. Die Sage von Trebeta und der Ghündung seines Reiches 
bei Trier kann möglicher Weise auf die gesta Trevirorum (Pertz scrip- 
tores rer. Germ. Bd. 8, 130. 145, 5) oder auf Ekkehard (Pertz scrip- 
tores Bd. 6, 36) zurückgehen. Dieselbe Sage findet sich auch in der 
zweiten von Merzdorf edierten Historienbibel p. 634. Vielleicht wird es 
später möglich die unmittelbaren Quellen von diesen sagenhaften Be- 
richten noch aufzufinden. 

' Die dür. Chronik hat Joh. Rothe im Jahre 1421 vollendet, wie 
das in den Anfangsbuchstaben der einzelnen Capitel angebrachte Acro- 
Btichon bestimmt sagt. Die Abfassung unserer Chronik ftdlt natllrlich 
m eine fiühere Zeit Das folgt aus ihrem ganzen Verhältniss zu der 
andern, namentlich aus dem fast durchgehend genauen Anselüuß in 
ihrem Inhalte und dessen Anordnung an die beiden lat. Vorlagen. 
Es ist nicht wahrscheinlich, daü das größere Werk, wenn es vor dem 
kürzeren aus den verschiedenen lat. Qeschichtswerken zusammenge- 
tragen, übersetzt und niedergeschrieben wäre, ohne jeden erdenklichen 
Grund in der Darstellung der dür. Geschichte und in der Reihenfolge 
der erzählten EreigDiaae von seineu H.aupU\a^Wexi ^c^^Xft^ ^^gs^v^^^ 
ißin, während in einer zweiten, spätem BeaT\>^\\.\m% öät ^^» \j»5ÄR»r 



16S 



AUG. WITZÖCHKL 



geschicilto dergleichen Abänderungen eich erklären und begreifen lasMo. 
Job. Rothe wollte nicht allee nochmals in dereelbcn Weiec wiedergeben 
und erzählen, wie er ob schon einmal gethan hatte, und hierbei verirrte 
er eich eelbBt su unrichtigen Angaben, willkUrlioben AuBSchmilckungea 
und Entstellungen der geechichtlicbt.'n Thataacben, denen wir in äst 
dür. Chronik an manchen Stellen begegnen. 

Schlorffs Abschrift schließt mit dem Tode der beiden Landgraf« 
Balthasar und Wilhelm in den Jahren 1406 und 1407. Der Wortlaot 
des Schlußes, namentlich die Worte darin des mueae sine seU mit allO' 
gloubigen seien rv^n in den ewigen /rede und dem. got gnade lassen 
nehmen, dall in dieser Abschrift die Chronik vollständig erhalten ist 
Kb hegt daher nahe zu vermuthen, daß Job. Rotbc sein Werk in d; 
Zeit und nicht später verfasst und abgeseblussen hat. Diese Vormuthuag 
wird noch dui'ch die Chronik des Ursinus gestutzt. Das von ihm be- 
nutzte Exemplar kann nichts weiter enthalten haben, denn von den 
Todesjahre des Landgrafen Wilhelm springt seine Erzälilung sogleich 
über zum Jahre 1436, nachdem er vorher dem Landgrafen Fnedriti 
dem EinfUltigen ein Lob crtheilt und dessen VermSldung mit der 
Grlifin Anna von Schwarzburg berichtet hat. Von dem harten Wint« 
dagegen, dessen Auflrcteu und andauernde Strenge in P^iscnaeh und dw 
Umgegend Rothes dur. Chronik und die von Scfaöttgen und Kreysig al^ 
gedruckte so wortreich schildern, sagen Ursinus und Bange kein Wort 
Die oben aus der Erzilhlung vom Sängerstreit auf der Wartburg 
angefllhrte und besprochene Stelle da sidder nynhart pyiikeniayl ymu 
wonete dürfte für diese Zeit der Abfassung ebenfalls sprechen. Naolk 
dem Jahre 1402 oder 1404 kommt Reinhard Pinkernail in den Eisen- 
acher Rathsfasten nicht mehr vor, er ist wahrschoinhch in dieser Zeil 
gestorben. J. Rothe scheint seine Chronik in einer Zeit nngefaogoo 
und vollendet zu haben, in welcher das Andenken an den vorstorbenai 
Freund noch frisch und lebendig in seiner Seele war; mit der-Zott 
trat aber auch diese Erinnerung zurück und in den Hintergrund, daher 
seine spätere dllr. Chronik §. 421 jenes Haus nicht mehr in derseUno 
Weise kennzeichnet. 

Nach den Worfen der gereimten Vorrede 

Tifgunf unda frommickeid, 

dt {eh an ueh irfinde, 

und dii: uch ohHe tad ist leid, 

di reisin mich gar swinde, 
_JBnin<^. Mit'r fceto, 

ir Jrinif hismvHrn, 




E ERSTE BEARBEITUNG DER DÜRINGISCHEN CHRONIK ROTHEtt 189 

mag ich nicht ohirtrete, 

ich schribe uch von umndim 

Ein teil die ich gesament han 

der herschaft von Doringin 

80 ich ällir beste kan, 

darczu von andh'n dingin, 
kt J. Rothe die Arbeit auf Veranlassung des Ritters Bruno von Teit- 
ben übemomjtten und ausgeftlhrt. Wann derselbe Amtmann oder 
3gt auf der Wartburg geworden und wie lange er es gewesen ist, 
inn ich nicht sagen. In den Eisenacher Rathsfasten ist zu dem Jahre 
rl9 beigeschrieben: advocatus in Warfburg Bruno de Teiteleben, und 
18 einer Urkunde vom J. 1403 (abgedruckt in Heusingers opuscula 
238) geht hervor, daß in diesem Jahre Er Lux von Vamrode voit 
Warperch war. Vielleicht läßt sich über die Lebensverhältnisse des 
itters Bruno von Teitleben und über seine Amtmannsstelle auf der 
Tartburg noch einiges aus Urkunden ermitteln. 

Das Ergebniss der ganzen Untersuchung ist kurz zusammenge- 
isBt Folgendes. 

Schlorffs Hs. enthält nicht einen Auszug aus der bekannten dttr. 
hronik des Joh. Rothe — dieser Annahme widerspricht der vielfach, 
od wesentlich abweichende Inhalt und dessen verschiedene Anordnung 
nd Reihenfolge in beiden Chroniken — sondern eine selbständige 
brbeit, in der Hauptsache eine deutsche Bearbeitung oder Übersetzung 
ier beiden lat. Landgrafengeschichten, von Pistorius und Eccard her- 
Augegeben. Mit diesen stimmt ihr Inhalt sowie der Gang und Verlauf 
Ier Erzählungen durchaus überein bis auf des Chronisten eigene Zu- 
tee^ die den geschichtUchen Stoflf der beiden Quellen ergänzen, vervoU- 
ttodigen und ausmalen. Aus einigen dieser Zuthaten erkennt man mit 
Bestimmtheit den Eisenacher Verfasser, aus andern dagegen und ihren 
lesendem Eigenthümlichkeiten und charakteristischen Merkmalen, die 
3 gleicher Weise auch in der dür. Chronik vorkommen, ersieht man, 
aß nur Joh. Rothe diese Chronik verfasst haben kann. Sie ist die 
nste und älteste dür. Landeschronik in deutscher Sprache und gehört 
ahrscheinlich dem ersten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts an; jeden- 
•Hb ist sie vor der größern dür. Chronik geschrieben, in die sie, bald 
^hr bald weniger in ihrem Ausdruck und Wortlaut, auch in den £r- 
Ihhmgen und deren Reihenfolge abgeändert und mit allerlei geschicht- 
chen Zusätzen und stofflichen Erweiterungen versehen, wieder auf«^ 
enommen und hinein gearbeitet ist. M3Qi« \^V^lA^^^^S£^A^ 



FEDOR BECn 



ZUR NEUESTEN AUSGABK VON MAURIZIÜS 
UND BEAMÜNT. 



FEDOR BECH. 



In den vor Kurzem erschienenen „Festgaben fiir Gustav Hon» 
findet üich auch ein altdeutsches Gedicht von 1784 Versen, aus def 
berühmten Ambraser Handschritt zu Wien (Nr. 73 gr. fol.), unter dea 
Titel: „ Moriz von Craon eine altdeutsche Erzählung. Hcrausgegeba 
von M. Haupt". DalJ dieses Gedicht schon einmal, vor mehr aisÜ 
Jahren, bekannt gemacht worden ist, und zwar im „neunten Band 
des Neuen Jahrbuches der berlinischen Gesellschaft ftlr deutsdi 
Sprache," orfHhrt der Leser aus der Einleitung S. 29, nicht aber in 
H. F. Malimann es gewesen, der es unter dem Titel Mauritius 19 
Bearount verfiffontliclite und in seiner Weise auch kritisch zu berichtii^ 
suchte. Die neueste AuB<!;abe bekundet eine merkwürdige Sch«u « 
dem Namen MaUmann. Sie vormeidet, wie es scheint mit Absiehl 
alles was irgend einen, wenn auch noch so geringen Antheil MaOmun 
verrathen ktinnte. Sie will durchweg, in den gröUten wie in d« 
kleinstcu Dingen, neu und selbstfindig scheinen, ohne es in Wirklick 
keit zu sein. Wer sich nicht die Mühe nimmt Malimanns Arbeit V 
vergleichen, — und dazu werden, da Herr Haupt über seinen Vor 
ganger so beredt zu schweigen weiß, die wenigsten Leser sich b« 
wogen ftlhlen, — der wird sich diesem falschen Scheine gifiubig bftugoii 

Man sollte meinen, eine neue kritische Ausgabe, die sich di 
Ansehen gibt als beruhte sie auf einer bessern Vergleichung d« 
Handschrift, die sich einer bessern und überlegeneren Methode in de 
AufTasBUDg und Wiederherstellung des Textes bcwullt ist; eine siiloh 
Ausgabe, der die wisHcnschaftlichen Resultate der letzten Jahrzetul 
zu Gute kamen, brauchte nicht in dieser Weise ihre Überlegenlie 
zu docnmentieren, sondern hfltte um bankgerecht zu erscheinet}, 
den Schein des lasttrbaer&n roubes meiden kfinnen, Oder 
so schwer, den schon von MaOmanu berrilhroT"*»" Vm-besi 
TwttCB iin Bereiche der Varianten ein 





EUB NEUESTEN AUSGABE VON MAURIZIUS UND BEAMUNT. 171 

der Ausgabe Maßmanns habe ich z. B. folgende, von Herrn 
tillschweigend adoptierte Änderungen des Textes wahrgenommen: 
dd kuop tin gennde an die herren f)ir das überlieferte d6 h^op, 
7. a. d. Ä./ V. 251 dehein fllr kein; V. 311 Anem vor tUfte ein- 
V. 692 em ßirhte iht die sinfluot ftlr das handschriftliche er 
mt d. 8., nur daß M. vorkte statt vürhte hat drucken lassen; 
diu was (Hb. warn) ze vlXze drin getragen; V. 757 tumeiee tu 
-neri zif); V. 1170 er muose in ir (Hs. mir statt tu ir) gebende; 
> ewie ubde ir, herre, zouwe (Hs. Wie vbel jr heroBn); V. 1281 
ich vil wol (Hs. fehlt weil) ervam; V. 1299 ie wart gegeben in 
jewab (Hs. Ye wart g. meinem gewalt)] V. 1308 eS kumet ir 
mSre wider an iutoer ^e, in der Hs. nymmer ftlr wider; V. 1377 
tatt des überiieferten gefuege; V. 1709 also was ez ir ergdn, wo 
:z von M. ist. Wie sehr auch Maßmann an andern Stellen fehl- 
a hat, einen Herausgeber von redlicher Gesinnung konnte dieß 
•estimmeU; ihm die Urheberschaft in den genannten Stellen 
zu machen. Der jlingere Herausgeber hat aber unter den von 
m stiller Weise entlehnten Änderungen auch einige, die be- 
1 scheinen. So ist V. 642 für die Lesart beschiessen nach Maß- 
»setst besUezen. Nach meinem Daftlrhalten hat sich hier Herr H. 
verleiten lassen dem Texte Gewalt anzuthun. Um mich dem 
'erstflndlich zu machen, setze ich die betreffenden Verse her 
46): 

vememet in welker akte 

er daz schef mahle. 

künde ich iuz gesagen! 

sin gestelle daz was ein wagen, 

Rhte getraemet 

und als ein schef gesckraemet 

daz ze Kälne soUe fiiezen. 

büwen unde besliezen 

kiez ez der meister zehant. 

alumbe an iekweder want 

da borte man dannoch 

durch die büne manic loch. 
mächst war an besrhiezen wohl nichts zu ändern. Es ist ein 
isdruck der Zimmerleute, auch wohl der Schiffbauer, und in 
und Mitteldeutschland sowie in Schwaben verbreitet Man vgl. 
achs GI088. 128*^ coassare beschiessen, beschliessen mit breden^ 
' 146' eaniabulare beschiessen mü brcterea, bVwJowv; ^Btä^^v 



172 FEDOS BECH 

179"; Adelung s. v. beschießen; Stalder II, 317 besddefieti, den Boim 
pßaHem; 356 beschüssen, -enen, bohlen (einen Stall) beschässUaden BdÜt; 
Diefenb. Gloss. 128' coassatto ein beschytz beschütz beschoiz; 51V tak- 
latum beachot van brederen, bune; dazu Graffs Sprachsch. YI 562 sdai, 
absis (stibadversa) ; Mhd. Wörterb. 11^ 174* schiez, m., die Giebelieito^! 
Schmeller III, 410 der schieß, schießen, schießet, die schießen, das ft..- 
schieß, Seite eines Gebäudes, Gicbelseite; ebenda die schiefihr^» 
Hierher gehört namentlich eine Stelle aus den Vier Bttchem der KOnigi 
hrsg. von Merzdorf S. 133: dat hüs was vori van deme neddmrsien hm 
(= a pavimento) beschaten (d. i. beschälen, mhd. beschozxen) 9iit mroi 
delen (= texit, operuit tabulatis abiegnis). Ausserdem verdient das W«t 
erschiezen verglichen zu werden bei Heinrich von dem Türiin 12660: 
ir gereite was vil nahe {wähef) gesniten, mit golde wol erschozzen {: vet- 
drozzen); hier hat es die Bedeutung: mit Metall belegen, anslega^ 
durchschießen. Etwas ähnliches wird beschiezen bedeuten in der oba 
angefilhrten Stelle, nämUch: das Schiff (oder das gesteüe desselbeB) 
an den Seiten mit Brettern versehen. Ist diese Auffassung aber ridi% 
dann erscheint auch das danebengestellte bdwen seinem Sinne nidi 
zu allgemein und darum matt. Ich vermuthe daher, daß hUnen iatk 
gestanden habe d. h. das gesteUe des Schiffes mit einer büne, eines 
Brettergerüst, einem Verdeck, oder auch einer Bretterwand versehen, 
vergl. D. W. II, 510 (und 226). Nicht hierher zu gehören scheint 
büenen das aus verbüenen in der Martina 30, 90 zu folgern ist In V. 646 
ist unter büne nicht sowohl das Verdeck als die seitliche Bretterwand 
gemeint, durch welche man Löcher bohrte um die Ruder hindurch ni 
stecken. Wenn übrigens in den oben aus Diefenbach angefthrtei 
Stellen contabulare und coassare auch mit beschließen erklärt werden, 
so ist das offenbar ein Wort jüngeren Ursprungs und erst aus be- 
schießen entstellt. 

Ferner ist von llaßmann entnommen die Änderung in Vs. 701 
mamaere und stiuraere. Auch hier fragt sichs, ob beide das Richtige 
getroffen haben. Die^ Handschr. bietet — nach M. und nach BL — 
Matnaren und Stiwern Nach seinen g&ten weren Waren sie alle gddei 
wan si ein man sneit, Haupt ändert ausserdem den zweiten Vers in: 
tiach sinem guote maere. Ich dachte erst an : stiure : nach einem gwM 
tiure u. s. w. Indessen daß die Bedienungsmannschaft des Schiffet 
entsprechend dem Reichthum ihres Herren gekleidet geweseo 
seiy das ist es wohl nicht was der Dichter sagen will; dazu würde der 
bcj^Tfiodende Satz nicht recht passen: trän si (= diu kteit) ein moi 
^ unmittelbar zuvor heißt es: do xoa^ ez oUez «amA ^r ^f^li cbM« 
w» ffevar; und darnach kann d\e SlcÄ^ e\.v?«L ^^ ^änärX \ia^«^\ 



ZUR NEUESTEN AUSGABE VON MlüRIZIÜß UND BEAMUNT. 173 

mamaei-e nnde afture 
nach siner coverfivre 
wdren st alle gekleit. 
Der Schreiber konnte gou'tiure in seiner Vortage gefunden und 
verleBen hsiben; vgl. Sanierl, 37, 15 fatere govertivre. Über sthire, 
itBre, SteuejTnann, hier im Sing., sieh Mhd. Wörterb. IP, 652' 
Veldekes Eneit 1C9, 40; das Wort stiuraere scheint jünger und 
mir in diesem Sinne nar aus St. Brandnn hrsg. von SehrSder 1504 
kannt: daz wart in swEre. dd »prach der sturere; in der älteren Ge- 
jeneB Gedichtes konnte dafllr auch gestanden haben: daz wart in 
dS wpraeh der slüre. Die coverf.ivre zeigte das Wappen des Ritters; 
ihm richteten sich die Kleider und WafFon, welche der Ritter trug- 
'■wird die Sache dargestellt z. B. im Parz. 14, 15 folg.: der herre 
B mit gemden stten Rf sJne eonerfiiire gemiten ankfr lieht hermtn: 
nach muog ourk dw: andsr tnn üfme schiÜ und an der wSt; im Erec 
»in rot wo» gm^-et mit ficher covertiure, — sin wdjpenroc alsam 
McaaU grilme als ein grax, vgl. 2338; Ulrich von Liecht. 171, 17~-19; 
ISO richtet sich hiemach die Kleidung des Gefolges, daher die Aua- 
tko über ein tragen, zuo im kleiden, vgl. meine Anm. zu Erec 1910 
'2873; Cloaener Chron. 48 imd 49 ritter und knehte alle in einem 
|( o. 8. w. 

Eine andere Stelle, in der Herr Haupt mit Maßmann llberein- 
imt, ist V. 1121—23: die rigel wSren ahu», hok von Vnkdmix, daz 
' ocrbrinnen mkan. Die Handschr. hat Bulramtg. Auch hier erfährt 
Leser nicht, was sich der Herausgeber bei dem holz von Vtclcanua 
iclit habe. JedenfallK bat er es filr eine besondere Art agpind^ gß- 
$a. Doch könnte hier auch ein Mißvcrständniss oder ein Verderbniss 
Textes vorliegen, so daß es erlaubt witre ein anderes Wort zu ver- 
leo. Vielleicht steckt in Bul^eamm der Ausdnicfc hmm (oder hois) 
a» (ebenua), von dem es im Flore 2071 — 74 heifJt: ein boum der heizet 
M, des kraft sol tnan stts mit dem Urkunde erkennen, daz fiur mae »tn 
gebrennen und bei dem Megenberger 321, 3 folg. ^mnus haiz a!n eiban ; 
ioiane» holz ist gar hert und enhoeicht dem fiur niht leiht; und bei 
Ssd Troj. 30014 Üz ehenö dem hohe qwec, daz ntemer kan üf erden «" 
noch encerden. Oder vielmehr es ist der hois L^banus (Diefenbach 
p. flSG*"), somit das Cedemhols: gemeint, vgl. Leysers Predd. 116, 39 

•faffownmf holz uf dem vialde Lyhano daz ist »3 edelrn 

' « Li nimmer eori'äten mach; dazu 117, 21 ein herc der hiesc 
m H. h. 35, 28 der caninc Salomon mahhQla ntio ««E^Knno 
•">ne Lybano. Das „Ho\z ^om.'WÄÖL Yig\»».TOMl^ 



174 FEDOR BECH 

mochte unser Dichter aus dem verlorenen Gedichte HeinrichB fi 
Veldek entlehnt haben, in welchem dieser die Minne Salomos besai 
und aus welchem der Verf. unserer Erzählung die Schilderung fi^ 
dem Bette Salomos rühmend hervorhebt,'*') vergl. Vs. 1160 folg. mi 
Williram 24, 25. Auch die rigel innen an der Thür der Minne: 
wie sie Gottfiried im Tristan schildert, waren zum Theil eedenn. 
Trist 17019 — 23; dort freilich bedeuten sie etwas anders als hier, 
man dem Zusammenhange nach an die sponda denken muß. 

Aufiallend ist bei Vers 1592 (ir hete dirre schrie benomen) 
Bemerkung von H., daß schrie in der Handschr. fehle. MaOmann 
das Wort im Texte auf, ohne einer Abweichung seitens der Han< 
zu gedenken. Wem hat man hier zu glauben? Ist Herrn 
Angabe richtig, so war es wieder nicht bankgerecht, daß er Maß 
Besserung als die seinige hinstellte. 

Für den Kritiker ist es bekanntlich sehr wichtig, daß er 
zu ermitteln sucht, welchem Sprachgebiete der Verfasser angehört 
Herr Haupt scheint in diesem Falle voraus zu setzen, daß dieß 
Leser von selbst errathen werde; er emendiert ohne die fVage voi 
erledigt zu haben. Die Reime am (:= arm) : vam 232, 27^ 616, 
(= rüm) : Oraün 826, ruon (j=^ ruom) : vertuon 721, began : bequicm 8|j 
903, 920, kan (= kam) : man 135, 179, 279, 741, 796, venum : mm 
1260, buggeran : an 1250 fähren uns zu der Annalime, daß der Ver 
fasser des Gedichtes dem alemannischen Sprachstamme angehörte. Audi 
die Reimverbindungen sal (= sol) : misseval 1318, : nahtigal 1714^ Sm 
saü : gewaü 1300 könnten darauf deuten, obwohl sie in dem genanntea 
Dialecte sehr selten vorkommen, vgl. Weinhold Alem. Gramm. S. 394^ 
weit häufiger dagegen bei niederd. und mittcld. Schriftstellern, wie bd 
Heinrich von Veldeke, bei Herbort von Fritzlar, in Athis und Proph. u. 
s. w. Ebenso findet sich aber bei Herbort vemam : dan 3540, ^eioai ^ 
^am 3624, bei Fridrich von Husen veman:versan 46, 8; 47, 18; bei 
Heinrich von Veld. Tnrnum : tun, bei Herbort stm : Agamemnum; so dafi 
auch diese Art Reime für das Alemannische nicht streng beweisend 
wären. Daß das Mitteldeutsche einen gewissen Einfluß auf die Sprache 
unseres Dichters geübt habe, ergibt sich noch aus andern Erschei- 
nungen im vorliegenden Gedichte. So trifft man in V. 162 und 167 
die Form krete (: bete), Kröte, die bei Oberdeutschen nur krote oder 
hratte lautet; abgesehen von den althochd. Beispielen bei Ghraff IV, 583 



*; Yergl Gotfried im Tristan 7424 folg: von Veldekm Beimiek Dir tprmA^ 
tolUn sinnen: wie mcoI tone er txm mirmtnl 



KUR NEUESTEN AUSGABE VON IfAURIZIUS UND BEAlfUNT. 175 

ehrtid), findet sich hrete während des 12. und 13. Jahrhunderto 
bei md: Dichtem vor, wie bei Herbort 8364 ffinge ich ah ein crete 
; in den Brachstücken niederrheinischer Gedichte von Lachmann 
10, 68 slangen, credin, »pinnen ist da vile; in Heinrich Heslers Apo- 
bei Roth Dicht, des Mittelalters (Stadtamhof 1845) ö, 123 swan 
irdiaeh abgote, die sich glichent vbeln kreten, vor unser sehepfer an 
Diefenb. 83" s. v. bufo. Auch phlihte (pUhte), prara, in V. 968 
Ort vorzugsweise diesen Dialecten an; ebenso zenddte in V. 961, 
Zamcke-Müller HI, 895^ In V. 1743—46 ist sehr zweifelhaft, 
H. die Sprachformen des Dichters getroffen habe, wenn er in den 
setzt: ja ich toeiz rehte, der mich fröuwen mehte, der swante sine 
als stau des meres ünde; die Hs. hat frd mächte flLr fröuwen mehte 
1^ mehte als conj. prät von machen wäre im Mitteldeutschen unantast- 
ütt*, Tgl. meine Zusammenstellung über den umgelauteten Conj. Prät 
^ dieser Zeitschrift XV, 154 — 155 (und 156); dieß vorausgesetzt 
ttente dann auch inV. 1137 gemehte (: geslehte) gestanden haben. Als 
W. Sprachform ließe sich auch gemäß der Überlieferung die schwache 
dedination von müre, Mauer , halten in V. 17Q2: dd gienc si durch ir 
Mkvii da Ober die burcmüren und 860 hin gegen der buremüren : si sluogen, 
|r iabOren^ sie findet sich z. B. in Athis S. 53, Eneit 23, 37; 35, 1; 
blOsung 6182 und 6203; Pass. H. 169, 77; Alexander 6699; über 
tMire, fbr welches H. tamhüre gesetzt hat, vergl. Oberlin 1611 plur. 
kib^bren, Eneit 46, 27 H mit tapüren; 345, 35 G fabüre unde seitenspil] 
Leysers Predd. 42, 36; Karlmeinet 371, 6 u. 9. Ob die Beispiele der Hs. 
fkY. 701—702 und 217—218 dem Schreiber angehören oder zum Theil 
dem Original, vermag ich nicht zu unterscheiden. Auch diu kaüe in 
V. 1069 ließe sich als md. Form auffassen, vgl. Eneit 77, 5 und 91, 6, 
obwohl sie, wie H. nachweist, auch bei Oberdeutschen vorkömmt Das- 
selbe gilt von der Negation niet (: schiet) 1741 , sieh Zamcke-Müller 
m, 653* und Weinhold Alem. Gramm. 234. Die angegebenen, dem 
MttteldeutBchen verwandten Sprachformen, sowie die vertraute Bekannt- 
idiaft mit Heinrich von Veldek lassen vermuthen, daß der Dichter am 
Bhein und zwar in der Nähe des mitteldeutschen Sprachgebietes seine 
Heimat hatte. 

Schließlich erlaube ich mir noch, tlber folgende Stellen meine 
abweichende Vermuthung zu äußern. V. 230 steht ganz si (nämlich 
Bidme) alsd verhran] in der Hs. fehlt si] ich würde gare s' oder gar si 
fttr ganz gesetzt haben. 

y. 280 ist wederthalp im Sinne von in neutra parte verdächtig Air 
dewederha^ oder enwederhalp; wederthalp kenne \c^ u\)x vkx ^^x^ft&»^ 



176 F. BCCH, ZUR NEUESTEN AUSGABE VON MAURIZIÜB UND BBAlfCKt 

tang in tdram partem] ans Oberlin 1958; und unter den Varianten a 
Parz. 396, 18 haben toederhalp für dewederhalp nur einige weniger be- 
vorzugte Handschriften; weder ftir enweder zeigt sich ttberhaupt enl 
später, wie im Reinfried 17885, 21204, bei Closener 323, 26. 

V. 393—396 ich zdUe ze gewinne, swenne tch wm der Minne m 
dienste od ere durch min heil erwürbe rehtes lones teä] die Hs. brin^ 
vorderliche mynne anstatt von der Minne] weit weniger gewaltsam wiR 
gewesen die Änderung vorderlicher minne] vorderNeh hier im Sime 
von hoch, vornehm, edel. 

V. 409 »wachen Ion gebent boesin wtp ; in der Hs. aü aolhe Urne ftr 
»wachen Idn; ich vermuthe daraus: vil stoache gebent b. w. 

V. 522 — 23 owe, mähte ich wizzen daz, naeme e danne ir war, mit 
der gezwimgenen Erklärung: „so würde ich dann eher zn ihr gAm 
und sehen wie sie gesinnt ist;^ doch ftigt der Erklärer weislich hiini: 
„aber danne ist ungeftlgig gestellt und die Zeile vielleicht verderbt' 
Sehr nahe lag die Umstellung: e danne ir naeme war. 

V. 806 wie daz brunne ein schinwer, als wenn eine Scheuer brennte; 
in diesem Sinne scheint wie daz bei älteren Dichtem nicht vorzukommen, 
ich vermuthe daher ah dd daftlr. Vgl. über wie daz = obgleich Myst I, 
278, 33; Birlinger Von St. Martin 4, 2; = daß Zupitza zu Virginil 
17, 4; Koeditz v. Salfeld 53, 19; 61, 34; Rieger im Glossar zur H. Elisa- 
beth S. 425. 

V. 841 folg. einen huot truoc man im dar : der bevienc im die äintt 
gar, daz im nie kein schnmde die hüt verritzen künde; wie durch dne 
Schrunde die Haut verritzt werden könne, wird Herr Haupt wissen, hier 
begreife ich es nicht Die Handschr. hat kainer darunder ftir kein sehrunde; 
daraus entnehme ich kein er (Erz, Waffe, Lanzenspitze) darunde. Ans 
oberdeutschen Quellen hat Beispiele von unde = unter das Mhd. Wh. HL 
189; aber auch mitteldeutsche brauchen es wie Herbort Troj. 4449, 4709. 
4988, 5144, 9087, 11551, Ernst von Kirchbei^ S. 612, Böhmer Üi- 
kundenb. d. St. Frankfurt S. 530: uf deme gademe, daz darunde lieget 
(a. 1334). 

V. 845 folg. dannoch zdch er an me einen halsberc er hiK 

die riemen strecken vil vaste unde (Hs. mit) recken. Was das strecken 
und redcen hier bedeuten soll, wird der Leser kaum begreifen. Dw 
Herausgeber selber hat es nicht erklärt. Höchst wahrscheinlich aber 
hieß es stricken und im letzten Verse mit ricJcen ftir das überiieferte 
mit recken. Über ric = Verstrickung, Knoten, Schleife sieh Mhd. Wb. 
U^ 68); Marfina42, 35; 152, 54; 183, CO; MSH. I, 146, 37; Meister 
AJtachwert 9, 8. Das GegentVieii, die riemea enl«lT\cke!«i> t^^ V« 1074. 



8ucui£B, Ober einige handscur v. wolframs willehaul 177 

V. 850 ist in den Worten do giene er üf daz sehef ttän ohne Noth 
hl in dän geändert Der Dichter hat sä im Reime V. 660 (: (ddä)^ 
«7 and 1700 (: da); vgl. in dieser Zeitschrift VI, 242. 

Für das überlieferte stricken muß wohl strecken gesetzt werden 
V. 1124 : und was gestricket dar an (nämlich an die rigel des Bettes) 

fr lieharten hitUe enmitten zsamne gezogen'^ der Sinn ist: über 

s Bettbretter waren vier Leopardenfelle gebreitet (und das bedeutet 
strecket) und in der Mitte zusammengezogen; Beispiele^ in denen 
'ecken ähnlich gebraucht wird wie hier, weist das Wörterbuch von 
imcke-Müller III, 670", 27—32 auf; Parz. 82, 28 ; Kinth. Jesu 94, 10. 

V. 1463 — 64 ermanet si mit schoener bete, daz si düz durch unsin 
»; dieselbe Auffassung bei Maßmann, nur daß er durch mich liest 
r das handschriftliche durch in] ftür ermanet steht außerdem in der 
s. ermante. Ich vermuihe dafür: er mante si (nämlich die maget) mit 
hoener bete, biz si ditz durch in tete. 

Die Negation scheint mir vom Schreiber getilgt in folgenden Zeilen: 
. 142 des enkunde in niht enoenden, er mw>ste ez mit werken enden; 
}ch wohl em müeste, vgl. Wigal. 39, 17. — V. 205 daz ich niht wol 
ae gdän, ich schaffe daz si müezen u. s. w.; wahrscheinlich ichn schaffe 
. 8. w. — V. 188 des wolde er niht erwinden, er müeste auch daz er- 
mden] lies em müeste. — V. 494 vne mohte ich mich der gar erwem, 
Ai fnmwe welle mich emem\ besser mvn frouwe enweüe. — Dagegen 
mmte niht fehlen in V. 1311: ich waene auch niht daz ieman lebe, vgl 
136-^7. 

Mit Recht ist in der Einleitung S. 31 vom Herausgeber vermerkt, 
laß sich in dem Gedichte noch keine Spuren finden, die an den er- 
ihlenden Ton bei Hartmann oder Wolfram erinnerten. £ine gewisse 
Iberanstimmung mit Hartmanns Büchlein I, 1879 — 84 zeigen im Mau- 
isius die Verse 1673-^78. 

ZEITZ, November 1871. 



ÜBER EINIGE HANDSCHRIFTEN VON WOLF- 
RAMS WILLEHALM. 



1. 

Jakob Pttterich von Reichertshausen erwähnt in seinem Ehren- 
biidb vom J. 14C2 (Earajan in Haupts Zeitschrift VI 50); daü er eine 
Hb. besaß; die alle drei Thcile des Willehalm enthielt. Nun schreibt 
sr ÜWcb von Türheim, dem Verl. des dritten TWtXä, «iXidSi ^«ö. ^^^\rä 

(nSSMAmA. N0ae Reibv. V. (XVU.) Jahrg. VI 



178 H£RMANN SUGHIER 

von Ulrich von dem Türlin verfaßten Theil zu. Diesen Febkr bepk 
aber unter allen erhaltenen H^s. des WiUehalm nur eine, wefihilb i 
vermuthen, daß diese ehedem in Pttterichs Besitz war. Es ist diefl ii 
Wolfenbattier Hs. (o)*) August 30. 12. foL Pg. 14. Jahik, die m 
Nürnberg stammt und im J. 1664 vom Herzog Ulridi filr SO Thak 
gekauft wurde. 

9 

Die Wiener Papier-Hs. 3035 (z) 15. Jahrfa. ist eine Abschrift im 
Heidelberger Hs. 404 (1) 14. Jahrh. (nach Wilken, OeMhichte im 
Heidelbergischen BüchersammluDgen S. 468) oder Ende des 13. Jakk 
(nach Karl Roth, Rennewart S. 60). Nach Karl Roth (Rennewart S. 61) 
ist auch die MOnchener Papier-Hs. Ton Tttriieims Willehalm (Oenn. 89. 
15. Jahrh.) eine Abschrift der Heidelberger Hs. 404. 

3. 

Roths Annahme (Rennewart S. 60. 115), die Wiener Ha. 2610' 
(m) sei eine Abschrift der Wolfenbtlttler (o), erweist sich als irrigi it 
dem m in Tflrlins WiUehalm 3, 26 den Verf. richtig vlreich von im 
tuemlein nennt, wo o fehlerhaft ulreich von Turhein schreibt; ebeoio- 
wenig kann o eine Abschrift von m sein. 

4. 
Ebensowenig ist die Kölner Papier-Hs., die früher Eberliard vvi 
Groote gehörte, eine Abschrift der Kasseler (n), was Roth (Ranoeimt 
S. 105) (Ur gewiß erklärt, weder in *den beiden ersten Thdlen dv 
Willehalm noch im dritten. Die von Roth mitgetheilte Stelle, auf die 
er seine Ansicht gründet, beweist gerade die Unmöglichkeit der kt- 
nähme, da statt der Worte Mer van Erringen' der Papier-Hs. (BflOBS- 
wart S. 109 V. 22) die Kasseler Hs. Bl. 325' unrichtig 'der vaa enfr- 
ringen' hat 

5. 
Uffenbach gibt in der bibliotheca UfFenbachiana 1720 IV. 178—9 
Nachricht von seiner Willehalm-Hs. (Vol. CXLIV 4« Pg.), welche den 
ersten und zweiten Theil enthielt, und theilt den Anfang und den 
•Schluß des ersten Theiles daraus mit. Casparsons Vermuthung (Wil- 
helm der Heilige. Erster Theil. S. III), Uffenbachs Hs. sei in Hambmg? 
gaben die Vf. des litterarischen Grundrisses S. 179 filr baare Mün»c 
aus, und Lachmann (Vorrede zu Wolfram S. XXXIH) forschte ver- 
gebens in Hamburg nach der Existenz dieser Hs. Petersen (Glesdiichte 

^ Wir fügen die BMeiehnung I.f^c\\miimB ^Vma. 



ÜBER EINIGE HANDSCHRIFTEN VON WOLFRAMS WILLEHALH. 17!9 

er Hambnrgischen Stadtbibliothek S. 245) erklärte CasparBons Angabe 
br unrichtig; doch wurde das über den Verbleib von Uffenbaohs Hs. 
BiTBchende Dunkel bis jetzt nicht aufgehellt — Es ist aber keinem 
iweifel unterworfen, daß die Hs. Uffenbachs dieselbe ist, die sich 
egenwärtig auf der Leipziger Stadtbibliothek befindet (Rep. 11. 127. 
* Pg. 14. Jahrh. 116 Bl. vgl. Robert Neumann , catalogus librorum 
umuscriptorum qui in bibliotheca senatoria civitatis Lipsiensis asser« 
B&tnr S. 33 CIX). Diese Hs. enthält Bl. 21—116 Wolframs Willehalm, 
em der von andrer Hand geschriebene, von Ulrich von dem Türlin 
er&flte erste Hieil vorgebunden ist Obgleich hier der Text des letztern 
Gedichtes bedeutend verkürzt ist, so ist diese Hs. doch fbr die Kritik 
on Wichtigkeit, da ihr der echte nur in der Heidelberger Hs. 395 
rfaaltene Text zu Grunde liegt Darauf lässt die Hs. noch die Fort- 
etzung der Heidelberger Hs. 395 (Vivianz Ritterschlag) in verkürzter 
Gestalt folgen, woran sich eine Stelle aus Wolframs Willehalm (7, 23 
ns 10, 16) mit Unterbrechungen anschließt — Lachmann legte dieser 
Ib., die er mit t bezeichnete, und die Haltaus für das gloss. germ. be- 
BOtste (Haupt Vorrede zu Wolfram S. XXXVI), einen besondem Werth 
bei. Daß sie aber dieselbe ist, die Uffenbach besaß, beweist eine G^en- 
nberstellung ihres Textes mit den von Uffenbach mitgetheilten Proben. 
Einzelne Abweichungen erweisen sich als Nachlässigkeiten Uffenbachs 
oder erklären sich daraus, daß die Schrift in t stellenweise halb erloschen 
oder durch Löcher entstellt ist In der Überschrift löste Uffenbach in 
kvneginne den bis auf einen Punkt erloschenen Strich über v als n 
waLY.3 hat die Hs. deutlich nigent; der erste Strich des n ist jedoch 
mit derselben Dinte, mit der die Randbemerkungen der ersten Seite 
psdirieben sind, zu F verlängert, so daß es nun fugent heißt. Die 
von Uffenbach mitgetheilten Stellen weichen, wie die Recension der 
Leipziger Hs. tlberhaupt, von dem Texte aller übrigen Hss. des Türlin- 
Bchen Gedichtes ab. Leider konnte ich kein Autograph Uffenbachs 
eriangen, um es mit den Ztlgen der dem ersten Blatte der Hs. einge- 
schriebenen Randbemerkungen zu vergleichen. 

Leipziger Hs. Bibl. Uff. IV. 178—9. 

[Bl. 1\] Hfe Yahet an. wie sante , wille- Hie vahet an wie Santa Willehalme 

halme 
Sewan arabel j die kvneginne. c ^) gewan Arabel die Kanniginne. 

A*)U^ wisbait ain anevanc. All wißheit ain ane^anc 

nt h^a mvt. vnd gedane Sit Herta Mut md gedanc 



<) Die tJhenebnft ist roth. ') A reicht über dxe\ X^VL^el« 



180 H. SUCHIER, OBEE EINIGE HANDSCHB. V. WOLFRAMS WILLEHAU 



Leipsiger Hs. 
dir nigent. Tod Tiid^tenig sTt 

80 gedenke, vrz megde kint 
Das da mensche, mit vnz w^rc 

Tnd Bimde doch v^bere. 
Ain got Tnd doch trivalt. 

got Tnd mische mit gewalt. 
(Folgen sechs Verse.) 
So gib mir helf. v^sag mir niht. 

sit dir dez. mi gelobe gith. 
Daz dv bist anegengez ort. 

gip mir sin. ynde wort 
Die mich d^ warhaft wfsen. 

▼nd och d{n§ namö brisen. 
La dine helfe wMen an mir schi. 

ich vlrich von dem [tjvrliii ^) 
Dvr dez bvchez ane[ge]ngc. 

dez materie. vnz vil enge 
H^ wolfran [hat] bedytet 

dv w{rt nv baz belvtet. 
Daz sprich ich nit rmbedaz. 

daz min mvnt ie gespreche b<az 
Ir svnt ez and^z yersten 

wie ez von erste mvst ergen. 
[Bl. 1*"] W* der gr[av]e waz von iiariboii 

wie d[v]r [t]odez gelt zc [leii] 
Enterbet wrden sinv kint 

vnd wie sv. och gehaieen s[i]t. 
Wie gevangö wart d^ margiz 

vnd wie dv kvnegi de arabiz. 
Mit im entran. vn wart get6fet. 

vn wie tvr er sit ir mi[n]e kvfet 
(Folgen vier Verse) 
Daz sag ich so ich beste kan. 

svz hep ich in gottez nam an. 

[Bl. 20'] vil manic tosent ergewä. 
D* werde sarrazine 
die man hiez die sine 

Die prvf ich alsvz mit d* zai. 

er bedaht cht b^gc vh tal. 
Do man koni sah die w^den 

vz den shiffen. vf die erden. 
D* den kvneg Thibalt 

dcz maneg getoft' mä engalt. 



Bibl. üff. IV. 178—9. 

Dir fiigent vnd vnlertenig aint 

So gedenke sos Meyde- Kint 
Datz du Mensche mit vns werc 
Vnd sunde doch verbere 
Ain Gott vnd doch trivalt 
Gott vnd Mensche mit gewallt etc 

So gib mir heiffe versag mir nibt 
Sit dir detz min gelobe gith 
Datz du bist anegenges ort. 
Gip mir sie vnde wort 
Die mich der warheit wisen 
Vnd och dinen nahmen brisen 
L:tß dine helfe werden an mir schin 
Ich Vlrich von dem Vrlin 
Der des Buches anegenge 
Detz materie watz vil enge 
Herr Wolfram uns bedutet 
Die wirt nu bass belutet 
Datz sprich ich nit nmbedats 
Datz min munt ie gespreche batz 
Ir sullent etz anders versten 
Wie etz von ersten must ergen 
Wie er grave watz von Naribon 
Wie der dodetz gelt ze Ion 
Enterbet worden sincr kint 
Vnd wie su och gebaissen sint 
Wie gevangen wart der margis 
Vnd wie die Kunigin de Arabis 
Mit im entran vnd wart getuvet 
Vnd wie tur er sit ir min erkufet ett 

Datz sag ich so ich beste Kan 
Sus hep ich in Gottes namen an etc 

Finis : 
Vil manic tusent er gewan 
Der werden Sanatzine 
Dir^ mane hies die syne 

Die prüf ich alsutz mit der Zal 
Er bedath est berge vnd tal 
Do man Kom sach die werden 
Vtz den schiffen uf die erden 
Da den Knnig Thibalt 
Detz manger getodter man eugait. 
HERMANN SUCBIE& 



^) In KJanimeni ergiinzen wir tVie voil l^^^Vvtni N^t*t\i\xja^ti>j».\^^ 



WATTENBACH, GEDICHTE AU8 EINEK LÜBECKEB UAMDSCUBUT. Igl 

GEDICHTE AUS EINER LÜBECKER HAND- 
SCHRIFT. 



Simon Baczcb von Homburg, d. h. Hohenburg in der Rheinpfalz, 
mgte 1441 in Erfurt den Grad eines Bacealarius und wurde 1444 
selbst Magister artiun* . Im Jahre 1457 ist er Rector der Universität 
urt gewesen, später aber Syndicus der Stadt Lübeck geworden, und 

solcher 1464 gestorben. Er hatte zwei Neffen, Walter und Hugo 

e; Letzterer ist 1447 in Rom gestorben. Eine reichhaltige Brief- 

omlungj deren Besitzer er gewesen war, erwarb Simon 1449 fllr 

Goldgulden; später ist sie in der Lübecker Rathsbibliothek ver- 

hrt worden, und jetzt Cod. 152 der Stadtbibliothek. 

Auf den letzten Blättern dieser Handschrift sind allerlei ernste 
i scherzhafte Lieder und Sprüche eingetragen, die meisten lateinisch, 
ige deutsch, andere gemischt. Ein merkwürdiges Lied der Knaben, 
lohe 1457 nach Al ont- S ai nt-Miche l pilgerten, hat hieraus Herr Prof« 
ntels in der Zeitschrift des Vereins fiir Lübeckische Geschichte 2, 539 
ausgegeben. Im letzten Herbst war es mir durch die Freundlichkeit 

Herrn Prof. Mantels in Lübeck verstattet, diese Handschrift zu 
lutzen, aus welcher ich hier die deutschen und gemischten Stücke, 

Ausnahme des eben erwähnten, mittheile. 

Auf fol. 237 V. findet sich die folgende Klage eines alt und arm 
fordenen Lebemannes über sein thörichtes Leben, welche ich hier, 
. geringen Ausnahmen, genau nach der Handschrift gebe, obgleich 

Versuchung zu Änderungen nahe liegt. Denn augenscheinlich ist 

n iederde utsch gedichtet, was schon die Endreime schlagend be- 
isen, und durch den Aufzeichner in ein unberechtigtes Kauderwelsch 
igesetzt. Bedauerlicher ist, daß die erste Strophe kaum verständlich 
;, und zwei Zeilen derselben fehlen, ^^fy^^ir ^'Wy, ^ 

Ich sorgen nun in myns herczen gmnt, 
Hijr Damals schad my nicht eyn punt, 
Das ich so frutelich koude verczeren, 
Dat de as mus du vyl fmnde entberen, 
Des ich vorczijden nicht enwas yroyt. 

Ach lebe g eselle Bu'-spar din gut J^tJ^s^^^y 

\ 1 tOTj^.. ;. , 



Ig2 WILHELM WATTENBACH 

2. 

Was sal ich nn leyder aqg&a? 
Bij Yortijdeii plach ich zca staen 
Bj den besten wcer sij gingen; 
Zen bere sca wine sij mich gerne entphingen. 
Nu schawen sij mich nacht nnd dach, 
Sint ich nich meer geben enmach« 
Des bin ich bedmbet in mjme moyt: 
Ach lebe geselle nn spar din gat. 

3. 

Was hilffet mich das ich ▼jlle dage? 
Alle myne front und myne magCi 
Dy wjUen mich noch syen noch horeui 
Umbe das ich das mjn hijr zca T^m 
Also dorlichen hebbe hinne bracht 
Und han das also zca nichte gemacht. 
Des doch njemant wyser endät. 
Ach lebe geselle na spar din gut. 

4. 

Ich endachte nye an das selbe leyt, 
Das mich leyder na an geyt^ 
und das das gelt so nncze were, 
Und ich das nan erste kennen lere. 
Ach das ich das nicht Torendachte« 
Und han das myne so nbel hynne bracht. 
Des werfen midi dy beben ander dy fase: 
Ach lebe geselle na spar din gat 

5. 

Dy mich eyns plagen zca prisen, 
Dat sint dy dy mich nun mit fingeren wysen. 
Ach manich gat hebbe ich yn gedan. 
Na lassen sij mich Tor der d^m st&n, 
Und spylen mit mir der antrawen. 
Ach solde das mich nich sere rawen, 
Das ich das amer lyden maß! 
Ach lebe geselle na spar din gut. 

6. 

Eyns do ich eyn fin geselle was, 
/T?Y^ Und alle man myt mir dranck and as, 
Da rafent mich dy gesellen an: 
Nu danket sij hijr kommers ka^ 



4, 1 Ich an dachte, 4, 6 brachin. ^, % dva mwjk, %^ 1 



GEDICHTE AUS EINER LÜBECKER HANDSCHRIFT. |68 

Dy lejder über mich is gescheen, 
Sij enkomeren uch niTiier nicht, 
Und diyben mit mir ir schaden und epdt 
Ach lebe geteUe nu spar din gut. 

7. 

Eyn man madi woyi ejn gut getalle sin» 
Es sij zcu byre adder son wyn : 
Er besorge och den n6cs mede 
Yo hijr and dar an meynigen steden, 
Yo myt masen nnd nich aca ^yle^ 
Dar Tor ich manigen waren wyl, 
Want mase ist zcu allen dingen gut. 
Ach lebe geseUe na spar din gnt. 

8. 

Dj wyl eyn gesel ul ww m hlt, 
AI lade yn dar scn begsilt 
H&t er adder nicht, so achtet men keyn, 
Nymant wil jm syn gemeyn. 
/ Almim flaet en alß er der dabei sij, 
Nymant wyl ym meer stan bij. 
Ach wo dicke erqwillet ym sin blat! 
Ach lebe geselle nn spar din gat. 

9. 

Er ist unwert der do nicht enh&t^ 
Und och nicht na rade stellet sin st&t: 
Des mercke ich an mir selben woyl. 
Mit dobelen habschen and ander qwal, 
Also men in der werlet mach yicieren, 
Das könne ich meysterlich regiren 
Und was aß der massen na mynem möd. 
Ach leber geselle spar dyn gat 

10. 

Ich hebbe gedacht in myme made, 
Erwarfe ich noch eyns gelt and gut, 
Ich enwolde es so rergaesten nicht, 
Als mir leyder is geschiet. 
Ach dat ich das nich han bedacht. 
Dos hat mich in dys liden bracht, 
Und myn hercze in heyse gloyt 
Ach leber geselle na spar din got. 



Time u. 



184 WILHELM WATTENBACH 

11. 

Ich plach zcu czeren mit den frouwen 
yCx^JUJ Und zca heyschen eyn geselle gut: 

Mjn gelt ist nß, es hat mich gerawen, 
Das ich nj werelde na dem namen stnnt. 

IDer bettelstaff ist mir bercTt, 
Der do mich manich dnsent gülden steyt; 
Lejder hedde ich nun wasser nnde brdtt! 
Ach leber geselle spar din gut Amen. 

Unmittelbar hierauf folgt auf fol. 238 eine Überschrift Ab: 
Rathsaal oder ein Gerichtazimmer: 

Wer wjl geen in dys gemach, 

der sij vor hyn dar sca bedacht, 

Das er habe eynen hobeschen mnnt 

und spreche beschedelichen zca aller stont. 

Wer das gebricht, der sij berichti 

was yme geschieht, das er das clage nicht. 

Hierauf folgt dieser Spruch ^ der noch jetzt gang und gi 

Item ez alio. 

Manich man kämet dar manich man ist, 
Manich man wes nicht wer manich man bt. 
Weste manich man wer manich man were 
Manich man bode manich man zcncht und ere. 

Sodann der folgende: ^ ^^*^w 7iu»*w h*^v 

Alter ane wysheit, wysheyt ane werck, »»»vä**- 

H^fard ane gnt, gnt ane ere, /V^^ 

Adel ane dogend, herschaff ane dinst, 
Volk ane zcncht, stete ane gerichte, 
Gewalt ane gnade, innckfrawe ane schemede, 
Geistlicher erden ane frede, meyster nngelait^ 
Dese czwelfe stucke han dy werlt Terkeyrt. 



1. 3 mut. gegen den Reim. 



GEDICHTE AI:B EINEIi LÜUECKEK HANDSCHRIFT. 185 

mau übereinstimmend leeen wir im Cod. tat. Monac. 641 



Alter 


\ 




/ Weißheit 


Weißheit 


\ 


/ 


^ Werk 


Hochfart 




\ / 


Bichtum 


ßichtum 




\ / 


Er 


Adel 




\ / 


Tagend 


Itersebafil 
Volk 

Ste't 




f\ 


Dienst 
Zacht 
Getickt 


Gewalt 
Jngent 

Fröwen 


/ 


/\ 


Genad 
Verebt 

Sch!tm 


OeUtUch löt 


/ 




\Frid 


Der 


"j 


stake Eil 




Macht der weit vngelflbei 


9 Til. 



Cod DUQ mö{;G vergönnt sein, auch das mitzutheilen, was in der 
hener Haudsehrift darauf folgt: 
Vil ding eint vast klfiglicll 
Und ftllei» mefiechen gar achedlich: 
z »erzeren des llbs nmcht, 
■Di cijt verlieioti tag nnd nacht, 
\ Gottes gent^d verBOmen on klag, 
[Viid die aiÜod mercn all tag. 

_tteb wol mitt eren, 
f XMr mag oitt me werden, 
Dann apeiH nnd geirant, 

" d WBE du hin für hoat geeant. 



Zn Älzi 



uff der Br> 



Hette ich all rechte richter in einem sacke, 
Die weit ich tragen nff minem nacke, 
Und dor zu all getrüe füreprecher, 
Noch wer min sack Icr. 
Schwarcz Echwan und wisse rappen, 
Die siut seltczem. Noch selczeiner 
bt ein rechter richter, 
Der in allen aachen gerecht wer, 
^W lü • , heilgenpäeger und kcUaer. 

id aehriber, 
in recht verreclient weteii. 




im 



WILHELM WATTENBACH 



Doch wir kehren zn der Ltlbccker Handschrift zurück. Zunächit 
Ciiljft da« Hcbnn erwähnte Lied der Wallfahrer; sodann folgende Prianifl; 
Wner on dem suntage nicht fnie off ttejt 
Und xeu kircben miBio und predige geyt, 
We«r an dam montage nicht gedenket aller globigeo seien, 
Da« in got niyiider ir pine und ir qirele, 
Wero ati dem dinstagc nicht in dem hercien tr<j't 
Ifr-T enge] lop lind der hoger drjefaldicheyt, 
Weer an dem mitnrochcn nicht gedenke dut, 
Dm Judoa verkanfft das vnschuldige blnt, 
Wner an dem domstage nicht betracht das awiczeu, 
I)a> gnitam ralien mit siegen und mit smiczen, 
Weer an dem fritagc nicht gedenket der notbt, 
l)aa Jfaiwn« Criitus vor nnß leyt den bitteren döt, 
Wa«r lun aumslagD nicbt de bimelscbo kojaerin eret, 
D«r iat in dum criitenglaabeu nicbt wol geleret 

tiach vcmclii dienen lateiniBchen 8tUcken folgt fol. 242 üo gt 
rnlitdlit«! I<i<i(I 7.U Kliren des Scbulerbischofs, dem ein lateinisches, 
»inrtn» und kaum verständliches zum Preise des h. Martin sieb 

IanItlinfU. tlnffmann von Fallerslcben hat in dem BUchlein: In da|p 
|ilMt<i Nun Min«ut und teid ü-oh (Hannover 1854) die ihm bekannten 
IikIIi iHf^iinlachcn, halb deutschen Stücke zusammengestellt. Damoler 
(»I siiflh |>, H9 (lin Mnrtinslied. Der S chttler biachof wird in manchen 
ri<rii|i »HiAltsnun latuiniitchen Liedern gefeiert, anter welchen eines tod 
IllUrtui td. ('hampolliün p. 41 bemerkenswerth ist; das hier nun Fol- 
Kmidn nbf'r iil mninos Wissens unbekannt. 

huuf n»iiu* <w)f«iH'I, Habe orlup ar» grammatiea, t 

mnuit fuelui (umÜnviV, donatui et rtthoriea, 

»"'■■"H"" l** »nier elago, nymant sal mer studiron, 

htm iuMItmiui pitriUr riam laimia ledunt frigora, 
H NM i\f*<nm hnj-llgoo dnge. 



20 man maß henilcn firen. 



A yiiu filitiiMtif dominus, 



)\*H iii|l»ii "1' »"•' «chawcn, 
IMuJJriifM uminfmilpr, 



i»'ll>i|i wir »Uli fmiKTi 



M |itt>»t »»• ("rit""! 
(h wfttw ruft /tr««'^, 

m (tef («Ht M» »fto "' '">'«•"• 



Prowe dich turba scolaiUca, 
las clingeu dje aUBse mtuiea, 
ad premli» honorem, 
mit springen tind singen >n iubilo 
25 pelifnt fordin i 



In Iwidem tanli prcsiUit 
sAlthii dich rrowen an dytm 
de »ludio eettare, 
m^ essen und 
et corpiartertt 



GEDICHTE AU8 EINEB LÜBECEEB HAND8CHBIFT. 



187 



omJM bach gebath da«, 
mdia i$Uerpon(u 



i dem win propera$y 

ik hjT dM do nicht sur ist 



Dye borsenkneth dje sin so frow 
de novo tarn egifcogo, 
dy bort man lute schauen, 
ingenti cordU iübilOf 
40 dye bursenscboler alle. 



ine andere Art dieser Mischpoesie zeigt uns Hoffinann's n. 30 
indem auf eine lateinische Strophe immer die deutsche Über- 
: folgt. Auch diese Art ist in unserer Handschrift foL 243 ver- 



l. 

(»mabüem 
Uvirgmemf 
tua wmertt 
mnuheret 

occulU. 
tens inMor: 
\andu9 est amor. 
;elinck batt eyn frauwelin fyn, 
ete den willen syn. 



Si quU ante ianuamf 
aUrahat cqrrigiaim 

ocadie, 
Dy iuncfraawe off dem bette lacb^ 
gar heymlich cza dem seriber sprach 
Ist ymant Tor dem dnreleyn, 
der czng den nmen und gk hyer in 
gar hemlich. 



4. 



^abe wyl er u* geben, 
1 na syme willen leben 

gar heymlich. 
na spneh ^e iancfiraawe esart : 
dye liebe dem seriber beschert. 


Clericue iUudfeeeratj 
quidqidd virgo iuetertU, 
et intravit cameram^ 
levando ei eamUiam 

oeouUe. 




Der seriber was csu malle gut. 


2. 

ülud derieui 
bat ddus 


er dat was an in dye iuncfraawe mnt 
Her ginck al in das kemerlyn, 
dach hoff er ir off das hemdelyn 


n$ hoipiekim 
kU peiMulum 

oeculte. 


gar hemlich. 
5. 


ten» etc. 

ort eyn seriber gnt, 

off sinen faß. 

ik Tor der ioncfrowen dar, 

et da mit dem ringe dor vor 


lUü eie iacentibue 
veniebat nMeu» 
ad Virginia hoepidum 
et tangebat peeeulum 

oeculte. 


gar hemlich. 

3. 

eeneUetulo 
bat eUrieo: 


Sy hatten sich al ambcgefEungen, 
er kosset sy amb ir rode wangen : 
Da stant der gebor, 
er cloppet mit dem ringe daror 
gar heymlich. 



sur SM ist, gegen den Beim. 

6 Vana, Dieser Befirain ist nnr noch bei der «weiten and hei d«t V^ta^m^ 
u^Bäsatet, wo Vom steht 4, 10 gmr hemUch le\i\V ^i ^ ^oiiMgirv 



188 



WILHELM WATTEKBACH 



6. 

Vir^ i<iceru Uetulo 
respondtbat ruatieo: 
Si qttU ante utHMom^ 
qtUTcU nbi aUam 

oeculU, 
Dy iuncfrauw off dem bedde la^h, 
gar känelich czn dem bAr sprach : 
Der do vor der dura ist, 

der Sache jm eyn ander nist, 

« 

wan ich han hye goden frist 
gar hejmlich. 

7. 

JlUs sie iacentif/us 
irepidabai leetulus. 
Dum audivit Kmitum, 
heu me ! dixii rusUcus 

occuUe, 



Als sij gar fiuHch 

da hört der gebor da« bettj» 

Da sprach er: Oot ron h yt iridb, 

wyt verleset mich wjn Üpt so i 



8. 

Heu heu quidqmd rtrwm 4aM, 
nunc hae totum perdidij 
cargentuvi^ aurum^ terieum: 
tarn plus amat clericum 

occuUe. 
Vane petens. 

Ach wy han ich nun Teresert 

r6ß, hamiß und pert, 

Silber, siden and golt, 

want sij ist noch dem scriber h<^ 

gar hejmlich. 
Vergebens sprach der inngeltnck, 
noch ist dye Ijebe dem scriber betcke 



Weiterhin finden wir auf fol. 243 v. das von Fic^iard im Prinl 
Archiv 3, 260 herausgegebene und von Hoffmann S. 90 wiederho 
Trinklied; welches lauter Zeilen aus lateinischen Earchenliedem i 
höchst profanen Eingängen verbindet Natürlich fehlt es nicht an i 
weichungen, aber es sind auch zwei bedeutende Erweiterungen hiiu 
gekommen, die Episoden vom Würfelspiel und von der Magd. I 
Gang des Liedes bei Fichard ist einfacher, und namentlich auch ( 
Schluß besser passend, so dal! ich diese Form für ursprünglicher hili 
möchte. In der Lübecker Handschrift lautet es so : 



1. 

Woyl uf snel in dyc tabcrnc ! . ^ 
Aurora lucU rutücU, 

Liebenf^gesellen , ich dronck gar gerne, 
Sicut cerouß detiderat 



•'■■ ' 



2. 



Uns ist ejn voyl fas ojB^ethan . ., 
Jam lueis orio ndere. . 
Ich wejs nit bessers ip mjrjiem wan : 
Ä 9oiis ortu» cardine. 






3. 

Liber wyrt, schenck unß den wyn: 
Tti deprecamur suppliees. 
Laß anß drincken.ondfrolich sin: 
Sit nohis in te requiet. 

4. 

Wan wjr liden so großen droet: 
Agnoscat omne seculum^^- ^\ ^ ^ > 
Gebet unß ouwers broMdi^.^jii Ip^'^ 
Exaudi preces suppUcum, 



ii" 



•• » 



fehlt. N : :-. -..^ .:v ^^ .. r " . 



V *> 



GRDICHTE AUS EINER LÜBECKER HANDSCHRIFT. 



189 



5. 

dem cnise, das ist din from: 
udent viscera, 

din hercze, es sij ejn thum: 
's gaudia, 

-6. 

en cmß al wydder dje want: 
edant sompma. 
nachte der werdde geschant 
X secuta. 

7. 

drye worffei uff das bret : 
locii mislico. 

ras ouwer herczc begcrt: 
dngens gladio. 

8. 

'n thus sex adder quater thus : 
mne seculum. 

IS yme ejnne großen rusch : 
ms miraculum. 



12. 

Dem eynen wart da ejn backentlag, 
FrtKitusque ventris floruU. 
Der ander ander dem tysche lag, 
üt cum iudex advenerii. 

13. 

Den dritten binden sij an dje want: 
Ligatus es ut solveres. 
Der Teyrtc sprach : beczal ein hant« 
Vel cruderis sepdes. 

14. 

Keyte dye quam do geloufen, 
Sic incepit dicere : 
Yr hem, ir solt uch nit mer roufen 
In gravi isto corpore, 

15. 

Sy h^ben wydder an czu krigen 
Noctis sub sitendo^ 
By weme Keytte solde lygen, 
Facta est contencio. 



9. 

das gelt der do gcwan : 
mptor gencium. 

noch eyns, myn liebe kompan : 
IS elaquencium, 

10. 

iye worffei enweych von czoni, 
U reducere. 

geschant hutte adder morn, 
avit provide, 

11. 

t quam, sij worden fiil : 
juuntur hominum. 
ir worden ußgeezogen : 
rbe gentilium. 



16. 

Geselle, sal ich lygen bij dir, 

Da groasorum munera, 

Adder ich nemme eynen ander ciu mir, 

Sponsoque reddes premia. 

17. 

Keytte dye nam da dye kappen, 
Data viro soda. 

Und alles das der monich da hatte, 
Vera ferens gaudia, 

18. 

Geyp mir wydder myne kappe, ich wyl 

beczalen 
Te lucis ante terminum. 
Ich wyl eyn ander phant gan holen : 
Sie firmat spes credendum. 



1 ij 9ex, 17, 2 vero, 



190 W. WATTENBACH, GfiDtCItTE AÜ8 filKER LOBSCKEB HA 



19. 

Do der arm monieh herfaeym qaam, 
NU tibi retinuU, 
Schande und laater master hau, 
Feno iacere peritM. 




90. 

Des abendes lange dtcaea 
In ympms tt eamdcUy 1 

Kan des morgens sotge machen 
S^adofum tecuUt, 

Hast do dje brach beeehifiea, 
Hoe epulutm hme tu eamedit. 

Waren die letzten Stücke von unleugbarer Leichtfertigkeit m M 
dagegen ein L oblied zu ^hren der heiligen Caeci lia auf fbl. 262 angoi* 
scheinlich ganz ernsthaft gemeint: 

MenU iota na |;ar achan Ipaa dueens in froaden tU 

f ine nota gottes tron lumen lueen» hoe al be dfl 

pauidei CedUa. in vera earitaUj 

PißUntatus 81 versmade, Hee düeeia woji gebom, 

mundi ticUuM ir nich behadde, kine ^eeta brat aflereom 

quart tprevii vHia. a iumma potutaU* 






In mundi gUUu keyn froude ist, 
nam cor inflahtm vorgejt alwis 
cfet henefidwn, 

Permottita myi pjnen swar 
hec in vita gancc offenbar, 
non Urnen entrvaUi^ 
CoiUULte si verwan 
•eUmiaU do sy ging an 
tormenia non negat<u 

Endlich findet sich noch fol. 
Schrift keine Erklärung gewährt, 
ständlich erscheint, daß wir uns 
aneignen können. 

Uinas Carmen. 

Sole certans liliosa^ 

cunctis regnit graciosa^ 

non exoea: 

dorste ick wat van dje reden. 

Mkc ptmUe mentie prota 

capia camem generoea^ 

gtortoea^ 

so bin ick wol toTreden. 



Intereedat vor nnfi alle 
frau» tU cedat oaeh ▼onrallen 
in euneti mimdi vidmn, 
Sic pott mortem wy anß erwerbe 
eummam mortem, dai rechte erbe: 
nobii erit gaudium. 



268 eine Mjschpoesie, deren Über 
während der Lihalt so wenig ver 
die Frage der letzten Zeile seiht 

Tu in hoc wbcdUo 

respice edipnmy 

ne ficU rebeUio 

bonorum per ecUpeim, 

Nam naturt bifurcaie 

pf-anat esee depuraie 

praviicUe, 

We kan dat wol a ^punden ? 



W. WATtfeNBACE 



JKL 8GHBÖOEB, BBÜOHSTOCK EINES NIEDEBD. PASTONOPEUS. 191 

iRUCHSTÜCK EINES NIEDERDEUTSCHEN 

PARTONOPEÜS. 



Unter den Handschriftenfiragmenten im Besits des Stadtarchives 
5ln befindet sich auch ein loses Pergamentblatt in 4®, Handschrift 
15. Jahrh., welches ein Bruchstück des Partonopeos in nieder- 
icher oder^ genauer begrenzt, n jederrheinisch-cöln i sche r Mundart 
It Die Verse sind nicht abgesetzt^ doch ist der Anfangsbuchstabe 
ersten Wortes jeder neuen Reimzeile roth durchstrichen. Das 
unent ist an verschiedenen Stellen stark beschmutzt und dadurch 
Lesung einzelner Wörter unsicher oder ganz unmöglich: solche 
m sind nachfolgends durch Punkte bezeichnet. Die Schreibung 
ich nicht geändert^ nur Interpnnction zugefügt 

31. 1\ Deme ir gauyt so schone gichte. 

Ich sain uch wes ich uch verplichte: 

Horte he id dat ir in garczun besteit zu scheiden. 

He soilde id uch mit zome gelde.' 
5 Herman hadde veil scheir verstain 

Dat he bespot was, ind macht sich sain 

Van eme zu synen gesellen weder 

Ind hadde dat hoift geslagen neder. 

Alsus sal man quade scheike voren 
10 De lojsheit ind logen rören. 

He bedaichte sich ind seichte 

Hulpe ind rait do, wa he moichte 

Id gewrechen na sinen wille. 

Partonopeus in lach euch neit stille 
15 Ind beiade zu dem houe 

Dat man eme grosen prys gaff mit loue. 

Dat gelucke in was eme neit gehas. 

He horde ey so bas, 

Ind alz he zur jersten soilde ryden, 
20 So Quam eme Herman zu der rechter syden 

Vp m vnuersein ^ereden: 

Eyn richlich orz hadde he bescreden 

Ind hadde eyn sper lanck ind groit, 

Partonopeus hadae he gerne doit 
25 Gestochen, off he hadde gemogen, 

Ind quam vp in de . . . . gevlogen. 

Partonopeus de sach in komen 

Ind hadfde in balde vemomen 

zu eme in daichte 

30 Des aichte. 



192 KARL SCHRÖDER, BRUCHSTÜCK ETNES NIEDERD. PABTOllOPEinL 

Eyn korczewylen begaff . . . do 
.... in twanck de noit dar zo 

Ind weder vmb zu Hermanne wert 

Mer Herman de wart so sere ervert, 
35 Dat ho sin mysdo; 

Ind [Bl. V] Partonopeus de veste 

Mit Byrne sper dat he menlichen hilt, 

In sine scholder beneuen sinen schilt 

Du stach he eme eyne wunde 
40 Der eme manich man wail gunde 

Ind stach in zu der erden neder 

Dat he nfimer vp orz in quam seder. 

Dat wart zu sure sinen vrunden 

De eme da zu den hui den deynden, 
45 Der eme da alz vele zu den hulpen quamen 

Dat sij mit krachte namen 

Partonopeus ind Gaudine 

Ind daden in an veil grose pyne, 

Dat sij veil na in der noit 
50 Beyde soilden sin bleuen doit, 

. . . dat . . . Partonopeus mit groser kracht 

Van al deme intfacht 

Ind begunde sich sere snellen^ 

Ind halp Gaudin sime gesellen^ 
55 Dat sij beide wail gesunt 

Danne quamen vngewunt. 

Dit sach myn vrauwe Melyore, 

Id sach euch her Kursult we id vore 

Ind gaff Partonopeus al den prys, 
60 Ind he sade, he in kan den in geynre wijs 

Geprouen in künde dat da eman besser were. 

Des vroude sych Melyore harde sere 

Ind in vort* 

Men sij sprach so stille dat wert, 
65 Dat id neman in moichte verstain. 

Ind alz sij dit hadde gedain, 

Do was der konick van Syre 

Der hier erzählte Kampf zwischen Partonopeus und Hennann irt 
in den bei Maßmann (Partonopeus und Melior. Berlin 1847. S. 1—23^ 
30 — 44; 53 — 120) abgedruckten Bruchstücken der niederlindisclMB 






33 Hier scheint ein Wort za fehlen, etwa reU oder ieetde. 44 Der Terdriik 

Yen ließe sich etwa so herstellen: de eme da tu deynate Hunden. 67 Großes D. 

60 61 Die comunpierte Stelle möchte ich so herstellen: 

Ind sade 'i*n kan in g^ynrc w\js 
GeproTen dat eman ^eaMti nv^t^^ . 



EUGEN KÖLBINO, tlBKlt ISLÄNDISCHE BEARBEITUNGEN. 

SearbütuDg nicht enthalteD, doch kauii obue WoitereR behauptet werden, 
ikH unser Bnicbstllck mit jener Bearbeituug nichts zu echaffen hat: 
der Niederländer folgt seiner franzöai sehen Vorlage mit ängstlicher 
Genauigkeit, währeud unser Text derselben durchaus frei gegenllber- 
rtehi, wie ein Blick auf das Gedicht dos Denis Piramus (ed. Crapelet. 
Paria 1834. Vgl. etwa voh V. 8779 anj darthut. Weit näher steht 
unser Text dorn tiedichte Konrads vou Wilrzburg (ed. Bartsch, Wien 
1671): da wo uuser Bruchstück einsetzt, steht bei Konrad V. 15775 fast 
dasselbe Keimwort; V. 6 und (i unseres Textes entsprechen sehr nahe 
Kourads Worten V. 15782 f; 

das sin dft gesch impfet vrm, 
daz veratuont er achiero. 
Doch gleich von diesem Vorse an entfernen sich beide Bearbei- 
tungen TOD eiDHoder: imser Bruchstück ist viel kürzer gegenühev dem 
tingathmigen Kourad; Hermanus Tod, der hier gleich folgt, steht dort 
em V. 1."i899 ff., dann allerdings mit ähnlichen Worten, vgl. V. 24 f. 
mit Konrad V. 15903: 

Bos wolte er sich dS rechen 
und in ze töde stechen. 
Immer aber bleibt imser Text selbständig genug, uro die Annahme 
einer einfachen Übertragung von Kom-ads Gedicht auszusehließen ; 
iigegen spricht auch die ungewölinhehe Reinheit der Reime; der ein- 
lige Reim, der leisen Aiistoli erregen künnte. V. 35 mysde : veste, 
findet seine Bercchtigiuig in der Mundart und seine Analogien sogar 
bei Heinrich von Veldcke (b. Pfeiffer, Freie Foraclmng p. 424). 
LEIPZIG, August 1S7L KARL SCHRÖDER. 



ÜBER ISLÄNDISCHE BEARBEITUNGEN 
FUEMDER STOFFE. 

Als bei den Isländern die einheimische Geschichts Schreibung vei-- 
liegie, fiungen sie bekanntlich an sich filr ausländische Stoffe zu interes- 
Allärdings bedeutend später als ia Norwegen, wo dieser Ge- 
k schon im 13. Jalirh. in voller Bliithc stand. Als nämlich in 
Verödoug und Eutvölkcrung Islands durch verheerende 
eigene Geschichte den Bewohnern dor Insel 
■, griffen die isUludiacVAB« S<i\v'c\\\.?.\.>?i«it i."^ 
Vi 




194 EUGEN KÖLBING 

den am norwegischen Hofe schon längst eingeführten, aof IsUmd dt» 
mals vielleicht noch wenig bekannten Riddarasögor, schrieben sie ih^ 
bearbeiteten und kürzten sie, um auf diese Weise ihren Landsieiitai 
eine neue Unterhaltungslectüre zu schaffen. Diese isländischen Be 
arbeitungen sind wohl auch der Hauptgrund, weßhalb wir von i 
wenigen der romantischen Sagas alte norwegische Handschriften haboi 
Unter diese letzteren würde wohl nur Cod. Holm. 6. fol. , welcher & 
von Keyser und Unger edierte Barlaamssaga ok Josaphats enthält, ml 
Cod. mbr. Nr. 4 — 7. fol. in der Delag. Mscr-Sammlung in Ups. Unrr. 
Bibl.y (beschrieben Antiq. Tidskr. 1848 p. 97), der vor allem die Streng 
leikar- und die Elis-Saga enthält, zu rechnen sein, während die ältesta 
uns überlieferten Handschriften derParcevalssaga, lyentssag^ Tristnmi- 
saga etc. sämmtlich erst aus isländischer Zeit datieren (vgL Riddarasögv 
pag. XXXV 8.). Daß aber die Isländer diese ihnen an und ftlr sich fem 
liegenden Stoffe mit warmem Interesse ergriffen haben, sehen wir i. B. 
daran, daß, wie G. Brynjulfsson mir mittheilte, noch jetzt Namen wie 
Tristram oder Ivent, aus diesen Sagas entlehnt, auf Island dardh 
aus nicht selten vorkommen. Von dem Bestreben, welches überhaii|it 
im Norden herrschte, die den Lesern ursprünglich fremdartigen Stoffsy 
sich durch Veränderung der Localität näher zu rücken, zeugt folgende! 
Beispiel. 

Cod. Holm, chart. 1. fol. (beschrieben von Arwidsson: Förteckning 
etc. p. 13 s) enthält unter andern eine »i^^^ ^ Damasta ok Jwu 
Sm&landskonungi^ betitelte Erzählung. Der Inhalt ist folgender: 

Catalactus ist der König von Grikkland. Seine Gemahlin lebt 
nicht mehr. Seine Tochter Gratiäna ist gelehrt und schön, verschmilit 
aber alle Freier. Cat. hat zwölf spekingar an seinem Hofe, welche 
alle Sommer zu Gericht sitzen. Der Sohn eines derselben heißt Damasts, 
ein unterrichteter und wohlgebildeter junger Mann, vom König n 
seinem speciellen Dienste ausersehen. Eines Tages kommen drei 
Schiffe, reich mit Gold geschmückt; das schönste derselben trägt König 
Jon von Smäland, ein Reich, welches nach der Angabe des Sags- 
schreibers südlich von Frankreich liegen soll, von diesem nicht dorek 
Wasser, sondern durch Wüsten und große Wälder getrennt. Cat. ent- 
bietet jenen zu einem Mahle, bei dem er um Grat anhält. Als Cit 
sie selbst um ihre Meinung fragt, versetzt sie, sie liebe zwar im Augen- 
blicke keinen Menschen, aber von allen Ausländem und Innlinden 
habe ihr bis jetzt noch keiner so gefallen wie J6n. Sie giebt dann die 
Einwilligung zu ihrer Verheirathung. Nach Abhaltung einiger Qelag^ 
äa denen jedoch Damastu nicht tVieVL mmm\^ «^^1 I^n wieder ab, ei 



ÜBER ISLiNDISCHE BEARBETUNQEN FREMDER STOFFE. 195 

ivd aber ausgemacht^ daß er im Winter wiederkehren soll. Damaata 
t sdir unwillig über den Ausfall der Sache; er reist bei den ein- 
ilnen spekingar herum und gewinnt sie Air seine Zwecke. Mit 1000 
Mim zieht er in den Wald^ welchen Jon passieren muß, um ihm 
imr aufzulauern. Der vergeblich durch einen Traum gewarnte wählt 
Dch diesen Weg, und wird nach langem Kampfe erschlagen. Catal. 
erohigt sich bald über diesen Frevel und söhnt sich mit seinen spe- 
iDgar aus. 

Die Königstochter stirbt. Dem Damastu erscheint im Traume die 
hria, der er immer treu gedient hat und befiehlt ihm, in voller 
(ttstung zu Grati&na's Grabe zu reiten. Hier trifft er einen Riesen 
iflieimr, der das Grab aufwühlt, und die Reize der todten Gratidna 
^eßen will, da er es bei Lebzeiten nicht gekonnt habe. Es kommt 
m einem Kampfe zwischen Dam. und dem Riesen. Dam. erschlägt 
ks letzteren Pferd, Falke und Hund, und schlägt diesem selbst die 
nie Hand ab, die aber wieder heil wird. Endlich giebt der Riese den 
Kampf auf, bemerkt aber, er sei es gewesen, der Dam. in Gratidna 
Porliebt gemacnt und ihn zur Ermordung Jön's veranlaßt habe, ebenso 
rie durch seine Zaubermittel die Grat, in Scheintod verfallen sei. Er 
rittfa ihm schließlich, das Mädchen auf seinem Wagen mitzunehmen. 
IKeß geschieht, im Palaste ihres Vaters wacht Grat, von ihrem Schein- 
tod auf und Damastu heirathet sie später. 

Diese Erzählung ist besonders deßhalb Air uns interessant, weil 
Mnurer: Isländische Volkssagen der Gegenwart, Leipzig 1860 p. 32Ö ss. 
4 isländisches Märchen berichtet, das S&ra Eyjdifr & Völlum der 
itndlichen Erzählung seiner Großmutter nachgeschrieben hat, und 
^ches offenbar mit jener Erzählung identisch ist Nur ist bei Maurer 
^ ein Upplendingakonungr zur Zeit des Ölafr Haraldson. Eine Dam. 
Htsprechende Persönlichkeit kommt hier nicht vor, so daß die ganze 
txfthlung bedeutend abgekürzt wird. Übrigens stimmen die einzelnen 
Mge so ziemlich, sogar der Name des Riesen, über dessen Eigenthüm- 
dikeit wir uns nun nicht mehr wundem werden (Maurer 1. c. p. 322), 
it nach beiden Berichten derselbe. Bei den vielen Beziehungen, die 
iwischen Island und Norwegen zur Zeit Olafs hins helga bestanden, 
«ancht man nicht gerade anzunehmen, daß diese Translocation der 
läge durchaus in Norwegen müße vor sich gegangen sein; wir können 
fiese Willkührlichkeit eben so gut einem Isländer zuschreiben.*) 



*) Üb«r die Quelle dieser Geschichte ist es mir nicht gelangen, etwas m finden. 



i 



EUGEN KÖLBINO, ÜBER ISLÄNDISCHE BEARBEITUNGEN. 

Welche Freiheiten sich die Bearbeiter dieser ausländischen Stol 
überhaupt gestatteten, zeigt uoa noch ein anderer Fall. Cod. Hrfl 
ch&rt 16, 4", hesclirieben von Arwidssoo 1. c. p. 125. Oberliefert un 
u. a. eine Tfddelssa^a riddara Iblgendeu Inhalts: 

In der Burg San'e lebt ein Ritter Tiödel, der 12000 Ritter untt 
sich hat. Einige Tage Jeder Woche ist er immer ohne Grund abweae» 
Snine Gemahlin, ein böses Weib, sucht ihn durch alle nx'Sglichei 
Schmeicheleien zu llberreden, ihr zu sagen, was er an den betreffend« 
Tagen treibe. Er gesteht ihr endlich, er nehme an diesen Tagen di 
Geetalt eines weiüen Bären an und fUhrt sie selbst mit sich hin&aS i 
den Wald, filgt aber hinzu, sie möge ja nicht seine Kleider wegnebiMl 
sonst mflUo er seine Thiergestalt t^r immer behalten. Jene aber gdi 
zu einem Grafen, dem sie schon längst zugethan ist, und fordert di«M 
auf, ihres Gemahls Kleider wegzunehmen. Üieli geschieht, und aievat 
heirathet sich bald darauf mit ihm. nachdem sie erst den gWlIltet 
Schmerz über das Verschwinden ihres Gemahls geheuchelt hat - 
Kuree Zeit darauf sieht der König auf der Jagd einen weißen BlrM 
der sich goberdet wie ein Mensch und ihm in das SchloU folgt So 
bald dieser den Grafen und seine Gemahlin erblickt, reißt er beide) 
die Kleider vom Leibe. Als der König das Tbier tödten will, ipriob 
ein Ritter die Vermuthimg aus, es möge TiAdel sein, der sich M 
seiner Frau rKchon wolle. Da man dieser dann mit Foltern droht, g» 
Steht sie ihr Verbrechen und holt die Kleider, die jedoch das Thiel 
im Beisein von andern Menschen nicht nehmen will. Als man dasielb 
aber im Zimmer allein lässt, geht die Verwandlung vor eich, and i3l 
man wieder nach ihm sieht, liegt Titidel im Bette, die Thierhaut nebtf 
ihm. Seine Gemahlin aber wird f\tr ihren Frevel gestraft. 

Diese Erzählung ist bis auf den Namen fast vollständig identiseS 
mit dem „Bisclaretz Ijöd," enthalten int Strengleikar eda Ljödab^ 
udg. af Keyser og Unger pag, 30 ss. Der nach der von mir mitga 
tbeilten Fassung Tiödel genannte Ritter heiUt dort Bisciaret, uach defl 
franz. Bisclaveret. Auch von der Verwandlung in einen weiÜon Bim 
weili die Quelle nichts; der Ritter sagt seiner Gemahlin nur L I 
p. 31.29: ec hinii»kiphimk. Man vgl. übrigens über diese Verwandlunj 
Grimm, Deutsche Slythologie II p. 1U61: „Es ist zu erwarti'O, W 
dem nord. Altcrtlium auch ein Übergang des meüschlichon Lm)>«> Ü 
den des Bltn-n wohlbekannt war, da dieü Tbier ÖLr vernünftig gtl 

und hochgehalten wurde In Norwegen herrscht der Glaub e, dai 

diu Lapplftnder »ich in Bären verwandeln." Vgl. auch doa. p«, ' 
033. — Die meh herausstellenden AWinwWngeu werden auch' 



K. MEYEB, BEITRÄGK ZUR UEUTSCUEN MYTlIOLOGrE. 'ftff' ' 

i Bearbeiter zur Last fallen, da uns für die UrsprOn^lichkeil der in 

^Sbeogleikar ontbnltenen Fassung daa trunzOeiselic Original bürgt. 

t Aach unter den übrigen isländischen Volkssagen befindet sieb 

r Übereeugung nach Vieles, was aus sttdlllndtBcbon Goschichten 

rtragen ist; bei der Leclüre von jVmaaon's })ji^d9Hgur og 

Lbin ich sehr oft auf Züge gestossen, die mir schon aus den 

bcbriAlicb vorhandenen rom. Sagas bekannt waren. Vor ailem 

l^iiieber die bei Maurer 1. c. p, 17U erwKhnten nättilrustcinar, 

i roiD, Sagas eine eben so grolie Rolle spielen, wie in den 

pFfilksnittrcboD. Eben dahin spricht eich übrigens Maurer, gewiU 

^Jeatendate Autorität auf diesem Gebiete, in seiner Anzeige des 

ftanrlümten Buches von Amason, Germ. Vli, 348 aus. 

I (^EHNITZ im Nov, 1S71. EUGEN KÖLBIMO. 



EITRAGE ZUK UEUTSCHEN MYTHOLOGIE. "^ 

Bekanntlich unterscheidet die nordische Götterlehre zwei neben 

uoder bestehende, theilwcise auch durch Ueirath unter sich ver- 

ffldene Göttergeschlechter, das der Aseu und das der Wanen (an. 

tm und vaiiir). Niich der Überlieferung des Nordens führten Äsen und 

Hanen unter einander zuerst Kiieg; nachher beim Friedensscbluße 

men Niördr und Freyr, zwei Götter aus dem Geschlechte der Wanen, 

I Geiseln zu den Ason (Yngl. Saga c. 4) und wurden Genoasen der- 

wlbeD' ftlftn hat schon längst diese Erxi'thlung so gedeutet, daU man 

Luiwhm, jene beiden Gottheiten hätten zuerst einem andern Stamme 

Bigehört, und es seien dieselben erat spater in das nordische Gölter 

eingetreten (W, Müller- Nibelnngensage, S, V.i&, altdeutsche 

SeKpon, S. 259; Simrock. Mythologie, zweite Ausgabe, S. 177). Es 

idelt »ich also zunächst darum, nachzuweisen, einmal von was iVir 

die Verehrung der Wanen ausgegangen, und dann, auf 

lehfiin Wege dieselbe in dcu Norden eingedrungen ist. 

Nun habeu aber seltsamer Weise alle diejenigen, welche bisher 

B Frage erörterten, gar nicht an die Möglichkeit gedacht, daÜ jene 

'•'■e Buerst vielleicht nichtgermanischen Stämmen angehören 

■'■'■selben nur b<'i 'iiii (Jerraanen gesucht und einen 

1 gar nicht in Anschlag gebracht'). Meist 



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mltia%tM n>4«. mJ Mk Imm »am n<iu •<-•'*•• M 
64j(«a^ fifcoMHMtt 9BrfclL ¥iMfn' l 
n illi r Vwwii rt ii m faift—Ottnw* i^imi In; 
M> A» fMMkaBckt .)Unt_-. id • JB m tank 1 
JJ «Mcr Mf JCM n&icrkua (Mi 



BETTKAGB ZUB DEUTSCUEN MYTHOLOGO!. 



191 



I nun der faUobeo Lesart ^Nertham* zu Liebe eine weibliche Gott _ 
[ Niörd angenommen und diese neben den märnliclien Niördr ge- 
lt (J. Grimin. Myth. 197), und auf dieser Combination beruht die 
Bcht, daU die Wanen suebischen Ursprungs seien. War nun aber 
.betreffende Göttinn eine mütterliche Erdgotlheit, so muli sie viel- 
ir mit der nordiBchen Jörd identisch sein, deren Name auch als 
leUatiTam vorknmuit und UDserm Erde' entspricht; der Name selbst 
i also denjenigen Begriff enthalten haben, welchen ihm Tacitus 
Uich und klar anweist. Indessen Hertha wird dieselbe auch nicht 
Bissen haben; schwerlich wäre sonst die gewöhnliche weibliche 
long des Accusativs ^ain' in die rerhältutBsmälJig seltene ,um' ge- 
worden. Im Gegentheil deutet der nordische Name Jörd an, 

der Wortstamm aufu auslautete, daij also ein jenem entsprechendes 
liribus, ahd. erdu anzunehmen ist, welch letzteres freilich in seiner 
BÜativen Bedeutung später in die A-Declination Übergegangen und 
geworden ist Also Erthu hieli die Göttinn bei Ihren suebischen 
ebrern, und Erthus werden die Römer sie genannt haben, ihre 
Ine Tellas mochte ihnen die Hinzuftigung des s erleichtern; viel- 
bt hatte nuch das Wort anlautendes h: Ilerthu, Herthus; Qber 
teres vgl. Uhland a. a. 0. • 

Es läßt sich nun die Frage aufwerfen, ob nicht die Isis des 
itas mit seiner Erthus oder Herthus identisch gewesen sei. Die 
lentare Grundlage heider Göttinnen spricht dafür und ebenso der 
Rtand, daU Jörd, die Mutter des Donnergottes, wie Frigg als Wodans 

lahlin erscheint (Snorra Edda, utgefin af Sveinbinii Egilssyni, S. 7). 
Dn Tacitus ferner das Signum der Isis in modum liburnEC figuratum' 
Bt und andrerseits der Inselgöttin ein ,invehl popuHs' zuschreibt, so 
nte letzteres auch nur mittels eines Fuhrwerkes geschehen, das 
leich Schiff war*). Das Fahrzeug der Frigg aber, die llburna, wird 
Imch ein Wagen gewesen sein, wenn anders das in Rodulü cbronicon 
Btiic S. Trudonis Hb. XI {J. Grimm. Myth. 237) erwähnte auf das 
dentbuni zurückweist. Drittens endlich können die Germania Cap. 40 

szäbllen sieben Völkerschaften die ebend. Cap. 9 genannte pars 
borum sein. Entgegen steht aber dieser Annahme, dali auch die 

i zwischen Frigg und Jörd unterscheidet, und daß Tacitus, der 
h den Cultus der letztern so ausführlich beschreibt, die Identität 
er nirgends andeutet. Wer nun an letzterer trotzdem festhalten 



*) Zma VmberfahreD eeatbrf' 
Zweifel mngfäealtt, nm 



i^i^ 



» Fuhmctk-, ivU<-i' 



200 K. MEYER 

wollte, mÜBste annehmen, die Edda repräsentiere eine spfttere Strii 
der Mythenentwicklung, in welcher die einst und bei den GemiM 
des Festlands einheitlich gefaßte Göttinn je nach den verschied«« 
Seiten ihres Wesens in verschiedene Persönlichkeiten zerlegt worin 
sei; Jörd wärde nach dieser Annahme bloß die nrsprüngliche elemeotai 
Grundlage, Frigg die in späterer Zeit bedeutendere, ethische Seite di 
und derselben Gottheit darstellen. Und Tacitus könnte nach Ewm &■ 
vorliegenden Quellen oder Berichten ein göttliches Wesen zweimil g^ 
schildert haben, ohne es zu wissen. 

Sodann die dritte Stelle, Germania Cap. 45: ei^ jam dofei 
Suebici maris litore Aestiorum gentes adluuntur, quibos ritos habit» 
que Sueborum, lingua Britannicse propior. matrem deam venecsite 
insigne superstitionis formas aprorum gestaut: id pro armis onaiff^ 
tutela securum dese cultorem etiam inter hostis prsestat — Dafi ik 
Aestier keine Sueben, daß sie überhaupt keine Germanen waren, bitti 
nie sollen bezweifelt werden. Die Sprache ist das entscheidende, aoek 
wenn sich aus dem Berichte des Tacitus nur das negative Resultat, dil 
sie ungermanisch war, keineswegs aber das positive, daß sie der bei- 
tannischen nahe stand, festhalten läßt. Daß bei der Verachiedenheil 
der Sprache die Übereinstimmung von ritus und habitus wenig so b^ 
deuten hat, ist klar; Tacitus selber entkräftet dieselbe, wenn er &ft- 
fährt: rarus ferri, frequens fustium usus, frumenta ceterosqii 
fructus patientius quam pro solita Germanorum inertii 
laborant — sed et mare scrutantur ac soli omnium sucinum, qaod ipa 
glesum *) vocant, inter vada atque in ipso litore legunt — Der Gebmck 
des Knüttels wie die Gewinnung des Bernsteins weisen deutlich daiaif 
hin, daß die Aestier **) des Tacitus dieselbe Nation sind, welche spiftv 
unter dem Namen Prcussen auftritt. Dieses Volk also verehrte die 
mater deum und trug Eberbilder als Symbol derselben. Nun kann aber 
Tacitus, wie schon Uhland (Schriften VI, 183 Anm. I) nachweiitv 
unmöglich die altrömische Terra mater und die ursprunglich phry^sche 
mater deum in dem Grade verwecheelt haben , daß er beide f&r ideo- 
tisch hielt; die Göttinn der Aestier muß folglich eine von der Genn. 1 
C. 40 geschilderten Gottheit verschiedene gewesen sein. ' 



*) Das Wort glesum ist allerdings deutsch ; allein Tacitus schreibt eben daiielbt 
mit Unrecht den Aestiem zu (Müllenhoff. Deutsche Alterthnmskunde I, 48S). Die bei- 
den Fundorte des Bernsteins, der von Pytheas an der Nordsee erwihnte imd der 
ostseeische des Tacitus sind überhaupt in älterer und neuerer Zeit nur m oft W 
wecbnelt ivorden. 

**) Über ihren Nameu vg\. Pior«o\i. YAektroxi, ^. "ift. 



BEITRÄGE ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE. 

Haben wir nun einerseila bei den Germanen des Festlands keine 
1 der Götterfarailie der Wanen gefunden, so treten uns (ließelben 
r ikandoiavischen Norden um ao bedeutender eolgegen. Dort heilSt 
! weiblicbe Gottheit deraelben Freyja, und zwischen ihr und der 
Hihen Göttermuttor bieten sich mehrere Aniilogien. Wie der letztem 
cGber nsich Tacitus heilig war, ao war er ea der Freyja nach Hynd- 
lljAd Str. 5 und 7; ebenso opfert ihr nach der Hcrvararaaga (ed. 
Tcrel. p. 138, rd. 1785 p. 124) Ileidrekr einen solchen; noch häufiger 
«lieh eracheint dieses Thier bei dem Watiengott Freyr (Snorra Edda, 
:38). Ferner kennt die Edda ein Geschmeide der Freyja, welches den 
ren Brisinga men föhrt (Hamarsheimt, Str. \^, 15, 19). J. Grimm 
283) hält die Brisinge, deren Kleinod Freyja trägt, für die 
terge, welche dasselbe nach Olafs Tryggvnsünar Saga II, 17 ge- 
ihmiedet haben; ea ist nur schade, daß von einem Zwergegeschlecht 
1 Namens sonst nirgends die Rede ist. Wialicenus (Symbolik von 
Qoe und Tag, S. 26) denkt an die Sonne und hült den Schmuck 
I ein Symbol derselben, wobei aber gerade der Name Brisinge un- 
tlärt bleibt. Ohne Zweifel sind die Brisinge, wie das schon Uhlaud 
ihriAen VI, 185) nachf^ewiesen hat, nichts anders als die Preusaen, 
} ein Theil des von Tacitns Aestier genannten Volkes. Sind aber 
kinge und Preusaen einerseits, Preuasen und Aestier andrerseits 
«tisch, so kann der Stoff des nach ihnen benannten Schmuckes kein 
uderer sein als der Bernstein. BestH,nd aber der Schmuck der Freyja 
) Beraatein, so wird auch diese mit der an der Bernstein k liste ver- 
tea Göttinn identisch sein. Auch die friedliche Natur der Wanen^ütter 
ier<eitfl und der des Aeatiervolkos andrerseita stimmen zuaiimmen. 
« mnäcbst dieses anbetrifft, so l&lit sich dieaer sein Charakter wenig- 
14 isdirect aus Tacitus nachweisen; auch Jemandes (C. 17) nennt 
iwn jiacatum hominum genus omnino', und andere älinlich lautende 
• hat Pierson (Elektron S. 57) gesammelt. Nach der Annahme 
I Letatern sollen die Preusaen erat in Folge der beständigen Er- 
ingB- und Bekehningsversuche der Polen bösartiger geworden 
1 (a. a. 0. S. !05). F-benao haben nun auch die Wanen einen viel 
dlichern Charakter als die Äsen (W. Müller, altd. Uel. 262); ja es 
«int. dali die kriegerischen Züge, welche sich auch bei ihnen finden, 
mäter angedichtet wurden, als sie dem nordischen Götter- 
waren. Der Üermane konnte sich seine Götter 
'stellf die Wanen sollten durch solche 

«n Gottheiten, ähnlicher ^e- 



202 K. MEYER 

Dicht umhin können, die Identität der altpreossischen Göttermatfter mt 
der nordischen Freyja als höchst wahrscheinlich xa betrachten nl 
zwar in der Weise , daü jene aus altpreussischem Kultus in den gv- 
manischen übergegangen ist. 

Freyja ist nun aber keineswegs die einzige Gottheit ans des 
(Jeschlechte der Wanen. Neben ihr steht vielmehr ein mannlielMi 
Wesen, Freyr, und dazu kommt noch drittens Niördr, der Vater Freyi 
und Freyjas. Letzterer charakterisiert sich bei Snorri (S. 15, 16) deil> 
lieh genug als Gk>ttheit eines Küstenlandes. Schon der. Name seinsr 
Wohnung Nöatün fSnorri S. 15) spricht hiefur, noch nnzweideutigv 
aber die von Snorri ihm zugeschriebenen Verse, in welchen der Gott 
seinen Abscheu gegen die Berge und gegen das Gehenl der Wölfe, Mwie 
seine Sehnsucht nach dem Gesang der Schwäne ausspricht Auch die 
ihm sonst zugeschriebenen Eigenschaften, das Beherrschen der Winde, 
das Stillen des Meeres sowie der Umstand, daß man ihn zur See ood 
bei der Fischerei anruft, sprechen dafür. Erwägt man hiezn, daß sein 
Name sich einer Deutung aus dem Deutschen entzieht (J. Grimm. Mydi. 
198), so weist auch letzteres auf ein nichtgermanisches Küstenland hia. 
Vermählt ist Niördr nach Snorri mit der Skadi, einer Riesinn; mit 
ihr soll er auch Freyr und Freyja erzeugt haben. Im Gegenaatze hien 
berichtet ein Lied der altern Edda, die Oegisdrekka (Str. 36), 
habe einen Sohn mit der eigenen Schwester gezeugt, und in eben d 
selben Liede (Str. 32) wird der Freyja vorgeworfen, sie habe den dgeocB 
Bruder umarmt Der von Niörär begangene Incest wird OberdieO fni 
der Ynglinga saga (Cap. 4) bestätigt; doch scheint letztere, wie sick 
auch aus der Vergleichung von Yngl. s. Cap. 3 mit Oegisdr. Str. 26 
ergiebt, aus ersterer geschöpft zu haben, nnd die Oegisdrekka wIn 
demnach als einzige Quelle hietllr zu betrachten. Was nun aber ebei 
diese betrifft, so ist der Oesammtcharakter dieser Dichtung, in weldier 
Loki den einzelnen Gottheiten der Reihe nach unsaubere Geschichten 
vorwirft, wohl zu beachten. Es gehört keineswegs in das Reich der 
Unmöglichkeit, daß alle diese Verläumdungen nichts als Erfindungen 
des Verfassers dieser Dichtung sind. 

Freyr nun, der Sohn Niörds, hat im allgemeinen große Ähnlich- 
keit mit seinem Vater. Er gebietet über Regen und Sonnenachein, sowie 
über das Wachsthum der Erde; und damit auch ihm der Besng nnf 
das Wasser nicht fehle, rufen ihn die Seefahrer um günstigen Wind 
an (Forum, sog. 2, 16). Im Allgemeinen ist er jedenfalls ein befiruchtea- 
der Naturgott und entspricht insofern dem Charakter der ack^banenden 
iestier. Daher stammt wohl seine phaXiv&eW ^aVox ^kfi. Biraoa. C. 233)^ 



BEITBÄOE ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE. 

) demselben Grunde ist ihm der Eber als Symbol der Fruebt- 
irkeil heilig, Wenn er nebeabei (Skirn. Ifl) als Mörder des Rieeea 
aufb-itt, oder wenn er in der Völuspä (Str. 53) in den letzten 
Feltkampf verflochten erscheint, bo beruht das auf der schon ange- 
nteten Tendenz, sein urBprUngliches Wesen mich mehr germanischer 
it amznbilden, 

Aue dem mehr oder weniger gleichen Wirkungskreise dieser beiden 
;er hat nun MuUenhoff auf die urspriingliche Identität beider ge- 
hloBsen und behauptet, Niördr sei aus Freyr entwickelt und von ihm 
[ctrennt (vgl. W. A. Schmidt. Allgem. Ztschr. f. Gsech. VIII. 229). 
ichtig ist jedenfalls, daü der Vater jugendlicher und schwächer, der 
Atn dagegen männlicher und kräftiger erscheint; auch die ursprüng- 
^fae Identität beider scheint ziemlich sicher. Wahrschoinlich ist der 
wrklärbure Name Niördr der ältere, den der Gott bei den Äestiern 
tte. Freyr hingegen, eigentlich mehr ein Appellativum uLs ein Nomen 
^prium und zuerst wohl bloße Anrede der mild und freundlich herr- 
linkenden Gottheit (Müllenhoff a. a. O. 2'M)) wurde allntälig der üblichere 
jltme des Gottes bei seinen gernianisuhen Verehrern, und in Folge 
Dnen erscheint deraelbe auch unter diesem Namen ausgebildeter und 
edeutungsvollcr. Aus diesen beiden Namen aber, dem ursprünglich 
mnden und dem germanischen, wird sich die schciubar doppelte Natur 
r einen Gottheit erklären lassen. 

Anch die Göllinn Freyja muli anfanglich von frier! lieben der Natur 
resen aein. Auch sie zwar ersciieint walkürenartig aU Todtenwäbleriim 
trimnism. H); sie ist aber in diesem Falle an Friggs Stelle neben 
Wd getreten. Deutlich läUt sich überhaupt bei dieser Göttinn die mehr 
Usche Seite von ihrer elementaren Grundlage unterächciden. Was 
Xtere anbetrifft, so ist sie wie Freyr eine Gottheit der schönen Jahres- 
j fo namentlich in der Tbrymskvida. Daneben aber muß sie, wie 
t SohiDOck Brisinga men beweist, in irgend einer Beziehung zum 
rnstein gestanden liabeu; auch die goldenen Tbränen, welche sie 
I ihren entschwnmienen Geliebten Odr weint, werden auf derselben 
raentaren Grundtage beruhen, zumal wenn man die goldenen Bern- 
Unlhränan der Ileliaden (Preller. Griecb. Myth. I, 342) in Anschlag 
Für Freyjas Bezug auf den Bernstein spricht auch der Zu- 
inhang, in wtichem sie mim Meere steht, welch lelzterer durch 
> Mardöll (Mcerfiaii) iiinl Gofn {verwandt mit aa. geban, 
izeugt wild; auch der Bernstein wird ja vom 
gleich den münnlicheu Waaen.- 



201 K. MEYER 

heit eines Küstenlandes bezeichnet. Daneben aber erscheint nun Frejji 
in der E^da auch als Göttinn der Liebe (Simrock. Myth. 358), fa 
reinen wie der anreinen, and man wird wohl annehmen dürfen, difi 
diese ethische Seite ihres Charakters wie die kriegerische der ge^ 
manischen Umbildung, die physische Grundlage ihres Wesens hingcgei 
noch den Aestiern angehören wird. 

Ein umstand indessen scheint der schon au%estellten Behaaptani^, 
daß sich in Deutschland keine Spuren der Wanen finden, im Wege 
XU stehen. Ein gothisches Kunenzeichen nämlich lautet Iggvs, und du 
demselben entsprechende angelsachsische Ing. Das Wort ist einerseiti 
verwandt mit dem von Tacitus (G. (Jap. 2) aberlieferten Namen dei 
germanischen Stammes der Ingävonen sowie andrerseits mit dem !■• 
gunar Freyr der Oegisdrekka (Str. 43) und dem Yngvi als Ahnhem 
der Wölsunge (Helg. Hund. I, 54, Sig. 11, 14). Der Ahnherr derWol- 
sunge ist nach der sonstigen Überlieferung des Nordens kein anderer 
als Odin; der Ingunar Freyr der Oegisdrekka hingegen bietet man* 
cherlei Schwierigkeiten. Simrock, welcher (Mvth. 349) denselben, analog 
dem ags. fireä Ingvina, als Herrn der Inguine auffiUit, übersieht, difi 
wir statt des allerdings wünacheuswerthen Gen. Plur. einen QeiL Siag. 
haben. Es liegt zwar sehr nahe, das r in Ingunar su streichen und saf 
diese Weise einfach an das schwedische Königsgeschlecht der Yngtinge 
anzuknüpfen, welches in der That den Gott als seinen Ahnherrn be* 
trachtete (Yngl. s. Cap. 12); aber die handschriftliche Überliefenmg 
bietet hiezu keine Handhabe. Faßt man aber Ingunar Freyr wörtück 
als den Freyr von Ings Freund (Ingvinr), so muü einmal Inga Freood 
Freys Vater gewesen sein, und andrerseits war Ing dann ursprünglich 
ein ander« r als Freyr. Ing oder Iggvs hiel^ wohl der mythische Stam» 
vater des ingävonischen Stammes, und der Name bezeichnet ihn sb 
den AUumschlinger, etwan als einen die gnnze Erde umschlingendes 
Himmelsgott, als Personification des ags. upheofon, des üfhimil i» 
Wessobrunnergebets, des upphiminn der Völuspä (Str. 3), des Himmel^ 
der sich über der Erde wölbt. Hat uns Ing auf diesem Wege von Frejr 
weggeführt, so scheint der oben mit Odin identische Yngvi, der Ahn- 
herr der Wölsunge, auch hier auf denselben Gott zu deuten, and wir 
hätten uns die Sache ungefähr folgendermaßen vorzustellen. Ing war 
ein Beiname Wodans, und an ihn knüpfte der Stamm der Ingävooen 
seine Herkunft; der Beiname löste sich dann später als selbstftndigei 
Wesen ab und gestaltete sich zum Stammheros; letzteres konnte schlieli- 
lieh wieder mit einer andern Gottheit, in vorliegendem Falle also nit 
Freyr, zusammenfließen. 



BEITRÄGE ZUK DEUTSCHEN MYTHOL<')GIE. 

Zu den Ingävonen nun geliürten erstlich im Westen Friesen und 
Cliauken (Haupts Ztsclir. XI, 186), sodann im Norden die Dänen (Be6- 
vulf V. 1045, 1320 ed. Heyne), Ganten (Ilaupta Ztschr. XI, 195) und 
wohl auch die Goten (ebend. S. 196). Bei Friesen und Chauken Gudet 
uch nichts, was an Freyr und seine Verwandtschaft za denken nuthigt, 
da der von Rieger (a. a. 0. 197 ff.) benutzte helgoländische Unfug 
ebensowohl an Isis (Frigg) denken laut. Auch hinsichtlich der Goten 
hegen zwingende Beweise nicht vor, da das |ori'ov i^' agfiaita^^g 
irnäg des Atlianarich (Sozomenns, lii»t. eccl. 6, 37) auch auf Thor 
(Grimm. Myth. 151) Bezug haben könnte. Für die Dänen hingegen 
i»t Freyr durch den Ciiltus des Frodhi zu Heidhra auf Seeland bezeugt, 
auf welchen Muncb (Det norske Folks Historie, ubors. v. C'laussen, 
Ü. 20 S.) den CuUus des Freyr svi Upsala zurückgeführt hat; auch 
Saxoe mythische Friedenskönige geliureu hierher. Auch die gautische 
Syritha Saxos (S. 125) dient zur Bestätigung, wenn W. Müller (altd. 
283) mit Recht Syritha mit Syr, einem Namen Freyjas bei Snorri 
21) zusammenstellt. 

Am berühmtesten indesBea war der Cultus des Freyr bei den 
ivedeu. Dort stand im Tempel zu Upsala nach Adam von Bremen 
((Jap. 23:i) sein Bild neben denen Tliors und Odins, und man tvird wohl 
unehmen dürfen, der uralte Himmelitgolt T_fr sei in Folge dieses erst 
tpäter eingefrihrten (Julius von seiner frühern Bideutung verdrängt 
■Orden'). Hier im Norden wird auch der Name Yngvi, der einst dem 
Odin zukam (oben S. 204) auf ihn übertragen worden sein, weil die- 
jenigen, welche seinen Cultus nach Schweden brachten, zum Stamme 
der Ynglinge gehörten. (Munch a. a. 0. 2i). Der Königsstamm der 
Ynglinge, welcher in Sctiweden htrrschte und das Ueiligthum in Upsala 
toordnete> stammte nach der Ynglinga saga (Cap. 12) von ihm ab. 

Wir Kaben uns oben iS. 201 ff.) bemüht, den Cultus der Wanen- 
gMter ala ursprünglich mstisch darzustellen. Von den Aestiem also kam 
derselbe zuerst zu den Dänen, und von diesen hinwiederum nach Schwe- 
dtD. Aus Schweden empfiengen ilin die heidnischen Norweger (Muncb 
>. a. 0. 21), und aus Norwegen gelangte er endlich nach Island, wo sich 
bekanntlich das nordische Ileidenthum am längsten erhalten hat. 

Die deutsche Mythologie im engem Sinne des Wortes sowie die 

niBchc im weitern wird durcli die Entfernung der Wanen. etwas 

Norden hingegen Ijj.'idl dieses Göttergeschlecht gleich 

wenn wir auch iiiichzuweisen suchten, dali das- 

andern Glieder der nol4\aiit*w "triw^c 
cap. 9) an4 AwoTtasMst ■a.tA'^^«*. 




206 K. MEYER, BEITRÄGE ZUR DEUTSCHEN MTTHOLOOIE. 

selbe aus einem fremden Cultus entlehnt warde, so hat es doch, ein- 
mal im Norden eingeführt, dort eine solche Bedeutung gewonnen uni 
sich so sehr in Mythus und Cultus eingedrängt, daß es als ein weseot- 
licher Bestandtheil derselben muß betrachtet werden. Dagegen versidi 
es sich von selbst, daß, falls der versuchte Nachweis richtig ist, vm 
der deutschen Heldensage und zwar speciell aus der Nibelnngensage 
Freyr ausgeschlossen ist, mag nun letztere von den Bargonden oder, 
was sich allein wissenschaftlich begründen läßt, von den Franken aai- 
gegangen sein. 

Auffallen könnte es noch, daß spätere Quellen im Gegensätze n 
der von Tacitus allein genannten Göttermutter der Aestier den heid- 
nischen Preussen eine ziemlich bedeutende Zahl von Gottheiten n- 
schreiben. (Vgl. Voigt. Gesch. Preussens I, 574 ff.) Indessen erstlich liegt 
zwischen Tacitus und jenen spätem, Simon Grünau and Lucas David, 
ein Zeitraum von mindestens vierzehn Jahrhunderten, während welcher 
das altpreussische Heidenthum mancherlei Metamorphosen darchmacheo 
konnte. Zweitens darf aus der Nachricht des Tacitus noch keineswegs 
geschlossen werden, daß die Göttermutter in der That damals die ein- 
zige Gottheit der Aestier gewesen sei, obschon wir die Ursachen nickt 
kennen, aus welchen der römische Geschichtschreiber diese allein ge- 
nannt und alle andern verschwiegen hat Drittens endlich gründen sich 
die Nachrichten über das altpreussische Heidenthum auf eine nicht mdir 
vorhandene und vielleicht überhaupt erträumte Chronik des Bischoft 
Christian von Oliva (Pierson. Elektron S. 61); es sind dieselben also, 
so lange diese nicht zum Vorschein kommt, nicht als saverläfiige 
Quellen zu betrachten. Sollten aber Grünau und David durch neuen 
Entdeckungen Bestätigung ihrer Nachrichten erhalten, so verrathen ge- 
rade die drei Hauptgötter der Preussen wiederum fremden und sirir 
skandinavischen Einfluß. Perkunos, Potrimpos und Pikullos erinnern 
doch gar zu auffallend an die drei schwedischen Gotter, Thor, Odis 
und Freyr, im Tempel zu Upsala. Dazu kommt, daß die angebliche 
preussische Sage selbst die Einführung ihres Cultus mit skandinavischen 
Einwanderern in Zusammenhang bringt (Pierson S. 59). Nach dieser 
Annahme hätten die Preussen den dritten Gott Pikullos (Freyr) wieder 
von demselben Stamme empfangen, welcher denselben früher von ihneo 
entlehnt hatte. Dergleichen Erscheinungen sind zwar auffallend, aber 
keineswegs unerhört Ist doch z. B. auch der Kerlingische Sagenkreii 
durch die germanischen Einwanderer nach Frankreich gekommeOi 
später aber erst durch französischen Einfluß in Deutschland wieder be- 
Jamnt geworden. 

BASEL, FehfxxMi 1871. lElSl^YStlSL. 



IG. ZINGEELE, ZU WOLFDiETHICH. 

ZU WOLFDIETRICH. 



lo der Einleitung zum Ortiiit (DtJutBches Heldenbuuh B. 1) h^ 

merken diu Herausgeber s. XVIII: „Auih bei Orlnits AuafiUirt gegen 

die Drachen sind die Zeitangaben genau," Es ergibt sich daraus, daß 

ierVerfasBer eine genaue Kenntniss des betreffenden Schauplatze» der 

indluug haben muesto. Dies möchte ich auch vom Dichter des Wolf- 

ietrich (A) behaupten. Wie sicher und richtig klingen die Verse: 

555 Dö kerte er von der bürge durch den vil tiefen tan 
her nider gen der Etsche, dft vant der kUeue man 
die rehten lanteträzen. 

556 Ze berge 1h der Etsclie g&hcn er began 
harte baldiclichen gegen Triente dan. 
dfi säzen arzUute an der selben stunt: 
dö täten im die armen ir gn'izen jämer kunt 

Bezeichnend ist hier das Nennen der arzUute. War bei Trient 
CT Bergbau Bchon früher betrieben (Kink, codex Wangianua 431 ff.), 
i kam er dennoch erat in Blilthe unter dem FtirstbiBchofe Friedrich 
OD Wanga, der 1208 die bekannten Berggesetze gab, denen als Zu- 
die Verordnungen 1213 und 1214 folgten. Diese Bergwerks- 
rdnang (landamenta et postae in facto arzenteriae) abgedr. bei Kink 
L 443 — 449 ist meines Wissens die älteste Deutachlands. *J Daß der 
Bei^ban nun lebhaft betrieben wurde und reichen Sogen spendete, 
«weisen nicht nur die vielen Unternehmungen des Bischofs, zu denen 
t große Summen bedurfte, sondern auch die von ihm stammende 
infiwhrift auf dorn Wangathurm (erbaut 1210): 

Montes argenlum mihi dant nomenquo Tridentum, 
Der Dichter konnte, mit vollem Rechte deßhalb sagen: „da säzen 
zliute.*' Drei Tage weilte Wolfdietrich in Trient, dann bat er: 
561 daz si im tseten des wurmes vart bekant: 

dfi zeigten se im bi dem Aferse zuo der Steines want. 

fl wieaen ihn zur Feiewand bei dem Mers^ MersS scheint mir das 

ftrdeuKohte ^tirc^ zu sein, von dem Perini sagt: „Marcfe, fi-azione del 

mtme di Cavrasto distretto di Stenico. Sono 6 case isolate 3 ore 

•j Eb kommeD in derselben msln"'-* •'"iitidie Wurte v.n : 7. 11. luilliia tctrau 444. 

tnhi 444. neque in r '' -lia prt;;viini;it l-'ircirirf, Bed tautum 

te tene&Dtnr ic-*' -'il 44ü. el rixiliiijimi toDueril 

■i aliqnli (r "t ooinis. ■.U& &«,u.4n.'- 

allqu- 



I 



206 K. J. 8CHRÖER 

distanti da Stenico.^ (Dizionario geografico statistico del Trentmo 278L) 

In der Nähe liegt val Marza. Wolfdietricli ritt demnach nach Jofr 

carien bis Marce, wo die Würmer sich befanden, und konnte von dort 

dann den directen Weg über Ballino und Tenno an den Gardasee e» 

schlagen; der heutzutage noch beliebt ist (Webers Tirol III 337), ofa^ 

wenn er sich östlich hielt, in die Lombardie und nach Venetien komiMa 

Nehmen wir Merse in Judicarien an, so stimmt 

562 Urloup nam do ze Triende Wolf her Dietrich. 

du gähte über die beide der helt vil lobeUcL 

er k^rte üf eine straze in den wilden tan 

ganz gut dazu. Der Held musste über die Tbalsohic (Heide) rata 

und gelangte auf die Straße nach Judicarien, das jetzt noch besondoi 

am Eingange durch seine wiidschcenen Stellen berühmt ist 

IG. ZINGERLE. 






ZUM FORTLEBEN DER GUDRUNSAGE- 

Ich habe oben S. 65 eine Bemerkung gemacht über die Art, irie 
: Herr Martin in seiner Ausgabe der Gudrun S. L ff. meine MitdieiluDg. 
Germ. 14, 327, über das Fortleben der Gudrunsage abfertigt E» i« 
1 im Interesse des Gegenstandes wohl erlaubt darauf zurückzukomncit 
um so mehr, als es dort an Kaum gebrach bis in's Einzelne nachiB' 
weisen, was man von der Gründlichkeit der von Herrn Martin mit « 
viel Sicherheit vorgetragenen Anschauungen zu halten habe. — MH 
erstaunlicher Oberflächlichkeit beginnt Herr Martin gleich mit eines 
lapsus, der eines transrhenanischen Feuilletonisten würdig wäre: ^4« 
Volkslieder aus Gottschee an der Save." So. Also das „Herzogthna 
Gottschee" Hegt an der Saveü? — „Alle drei (Lieder)," erzÄhlt HerrE 
weiter, „sind verschiedene Versionen desselben Grundtextes." So, Di» 
ist nun wieder eine Behauptung, die mindestens ebenso gründlich ist 
als die vorige, dal) Gottschee an der Save liegt ! — In der zweiten Version 
kommen zur Schönen am Meer der Geliebte und der Bruder, undfirageB 
(offenbar unerkannt): filr wen sie lieber wäscht, filr den Bruder oder I 
filr den Geliebten. Sie erklärt: fiir den Bruder, „einen Liebsten krieg 
ich wieder, einen Bruder nimmermehr." Da ergreift sie der Eine (woÜ 
der Geliebte in schlimmer Absicht) und der Bruder nimmt sich ihrer 
an. Hierin ist wohl die Absicht zu erkennen, dem verdunkelten Inhalt 
der Gudrunballade I ein Motiv unterzulegen, doch habe ich a. a. 0. ancb 
biDgewiesen auf eine bekannte deut&^Vi^ ß^lUde^ an die diese Varsioa 



ZUM FORTLKBF.N DER GCDRUNSAGE. 



wiirlltcli aukliiigt, — Die ili-itte V'ersiou nun bedient sich desBelben 
EingaDges, an den sie jedoch eine Erzäbluog ankntlpfl, in der weder 
von einem Bmder, noch von einem Geliebten die Rede ist, die viel- 
raehr klar und deutlich mit der nIoTonischeu Ballade von der schönen 
Vida zusammenhangt, die ihrem Kinde und ihrem Oemahl geraubt wird. 
Von einem Bruder nnd Geliebten, den Hauptgeatatten der Versionen 
I. II, keine Spur! Und dieli soll nur eine „verschiedene Version des- 
iietben Grnndtextes" sein. — Die Angabo des Volkssängers : daß III 
die richtige Version seJ, ftlhrt nun Herr M. gegen mich an; warum 
verschweigt er denn die von mir ebenso mitgetheilte Aussage von fllnf 
Sängerinnen? „Beide (Versionen) seien schon recht, es seien zwei ver- 
«chiedene Lieder, III sei aber mehr im Hinterland (an der aloveniachen 
Sprachgrenze) üblich. Sie kannten noch ein drittes Lied, das auch so 
w&ngt. und dieß ist nun U." Indem Herr M. nun diese Angabe ver- 
"cbweigt. gibt er den Inhalt der Ballade auf Grundlage von III, wo 
offenbar der Stoff eines sloveniechen Liedes an den Eingang des deut- 
schen Liedes angehängt istl — Indem Herr M. zugibt, dall der Gruß 
nebst Antwort und das Angebot des Ringes nebst der Zurückweisung 
inr Gudrun stimmen, findet er das doch nicht genügend. Wir wollen 
alle Beine Bedenken und Einwände vorftthren. 

Er erzählt vom Inhalt der ersten Version: „als sie abfahren, 'sie 
lahm ein leinen Tucb in die Hand und ftlhrt damit über das breite 
Meer, und als sie binüberkommea grüßen und halsen and kKssen die 
■hlnglinge (!) sie." 

Indem er die Worte meiner Übersetzung buchstÄblich citiert, setzt 
<!T (innerhalb der Anführungszeichen, also indem er meine Übersetzung 
m citicron vorgibt) nur das Wörtchen damit hinzu!*) Der Text hat: 
Mit tDurot über es proite mm', meine Übersetzung: und fährt Über 
da« breite Meer. — Nachdem der Leser mit der kleinen Text- 
laderung schon ein wenig voreingenommen ist im Sinuc Herrn Ms., 
teroerkt dieser: „ganz haltlos aber ist der Vorschlag: das Tuch, 
»elchea die Meererin nimmt, als sie über das Meer fthrt, durch eine 
.Änderung des Textes in Verbindung zu bringi'n mit den Kleidern, die 
Ktidrun in'a Meer wirft." 

Das ist nun die rielitige Art! sich selbst die grßste Oberflächlich- 
Iteit zu erlauben, und einem Andern -vta ^SSfftten , was er sage sei 
«ganz haltlos." - Ich kann Her^ »icheru. «hiü itli nie 





210 K. J. SCHHÖER, ZÜM-FOBTLEBEN DER 0UDBUN8A0E. 

etwsa za bvhimptea pflege, ilas so 'ganz haltlos iat, wie Beine obt 
ngeftlhrteti nnd noch anzufillirendeu Einn-endungei]! — Ich bcmerkl 
zu der Zeile: 'sie nnhiD ein leinen Tul'Ii in die Hand'; „was licißt dwl 
darf man nach Kndrun 1271 nu die W&scho denken, welche Kudnv 
in'« JAfKT wirft? ich möchte daher fast vermuthen, es sei Zeile 22 (i 
imi Kurijt übfr et proile mer, was eine Wiederholung vonVerill 
i%l) za lesen: unt hincet rs in flat jtroile mer, was geUndert wurdi 
weil man e» nicht niphr vprKtand." — Daß diese Annahme guiz 
Im' »ei, hat Herr M. iiooli zu erweisen. — In der zweiten V 
wo die Liebe des Bruders oder zum Bruder mit der des Geliebl 
oder zum Geliebten verglichen wird, stellte ich das Lied bei DhUni 
117, wo der Bnider zur Schwester unter anderni sagt: dein jung« 
Leben rett' ich nicht (daß außer des Vergleichs der Lielie zwiadii 
Brader und Schwester mit der Liebe zwischen dem Geliebten und dt 
Geliebten auch noch jener Ausruf: halt! am .Schluß der Goitschecwi 
Ballade II mit der Ballade aus Gräters Iduna stimmt, bebe ich noch 
mala hervor) and setzte hinzu: dieß könne daran erinnern, „daß |l 
auch Bruder Ortwin die Schwester eher sterben lassen will, als 
er sie stehle Str. 125G {und bete ich Awndei-/ ttiresler, die Ueze ick . 
Iten S etc.). Im Volkslied freilich soll die Weigerung des Bruders 
die Liebe des Geliebten in helleres Licht stellen, wJtlirend in At 
Gudrun Ortwin von dem edlen Motive geleitet wird, die mit Gadmnai 
Gefangenen mit zu rcttr^n. Aber kommen im Volkslied nicht oFlMotil 
in Vergessenheit, indem Thatsachen, zerstUckt und unverstanden odi 
umgedeutet, manchmal fortleben?" Was soll es nun, wenn Herr Marti 
trotz dieser Auseinandersetzung sagt: „wie Schröer in den Eigen 
thlimlichk eilen dieses Liedes Beziehungen auf Ortwin und Herwig ha 
finden künnen, ist mir nicht begreiflich." Das muß nun fUr 
der den Sachverhalt nicht kennt, aussehen, als ob ich irgend ein« 
Thorhcit vorgebracht hfltte, die eben ein Manu wie Herr Martin 
nicht begreifen kann! — Wird denn dieser Ton in unserer Wissenschd 
nie aufhören?! — 

Was soll man aber sagen zu dum noch nicht besprochenen Ginwi 
gegen weine Deutung deä Schlusses von I: sie nahm ein h 
in die Hand und führt über das breite Meer, und wie sie dann lüf> 
gekommen: dort grüßen nie sie und halsen sie sie un' 
BIO di« Moererin (am Meer weilende), die schitne 
Meoreriu! 

Kann hier wohl ein Zweifel sein, wie dns zu * 
'■■ "' • das Meer gekommen und AiitV, »i*o 



leinen TU 
jann lüf> ■ 



. ME8T0BF, ZU DEN MEGFRIEDBILDEBN. 

■dort WGilten? HeiT Martin ist auderoi- Meinung: „deim die VeriDutliiug, 
" die halsendoa JUugliDgc (wo ist von halaendeu JUnglingeii die 
le?) nicbt Seerüuber, sondern Verwandte geweaen, läsat aicli nicht 
eisen. " Sic, Herr Martin glaubt also, der oben wrlrtlioh gegebene 
AhiÜ bedeute: ale sie bin ist gekommen an das Ufer über dem Meer, 
1 wurde aie dort begrüÜt, gehalst und geküast — von wem? von den 
Bien, die sie eutfitlirten ! — Herr Martin, der behauptet, daß die 
i Lieder drei Versionen «Jines Grundtextes sind, vergisat, daß in I 
f ^ine als Geliebter durch den Ring erkamit wird, in H der ^ine 
i Geliebter, der andere als Bruder erscheint und also nicht als 
-äuber, kann in'a Blaue hinein eageu: daß die Jilnghnge nicht Sce- 
►er, sondern Verwandte gewesen, ließe sieb nicht erweisen! Und 
Q annehmen: die die geraubte Schwester und Gebebte Heimholeu- 
, der Bruder und Brilutigam, hätten sie nicht frlkher gegrUßt and 
küflst, nls naoiideTO sie mit ihr Uber's Meer gefahren! — Wer nach 
im Schblssel sucht zur ErklUrung des hier dargelegten Verfahrens 
rm M.'b, den erinnern wir nur an die Worte H. RUckert'ß, die der- 
le in der Zeitschr. f. deuteche Philologie 3, 184 über die iu Rede 
leoden Qoltecheewer Balladen ausgesprochen und die nun erst reclit 
Lichte einer Dlvination erscheinen; sie sind geschrieben im Juni 
fO; „daß sie (die Gottacheewer Balladen) auf die Gudrunsage znrtlek- 
i«n, kann nur der läugnen, der aus Eigensinn oder, hört mau es 
nr, aas Consequenz seines literanscben Schematismus, die Möglicli- 
t einer einstigen Verbreitung der Gudrunsage — ob des älteren zu 
idc liegenden Mythus ist etwas anderes — durch ganz Deutschland 
ignen zu mllsseu glaubt." 

WIEN, Im MÜn 1872. K. J, SCBEOEB. 



ZU DEN SIEGFRIEDBILDERN. 

In dem Borichto über die Verhandlungen der Philologenvirsamm- 
; des Jahres 1809 in Kiel (s, Germania 15, 121 ff.) ist auch der 
Ttftrag des Herrn Professor Chr. Petersen über den kurz vorher statt- 
Blbteo orchlirilogisclieu Congrees in Kopenhagen auszUglicb mitge- 
I k Der Redner gedachte unter anderm der von Professor Karl 

I »steitteu Abbildung eines schwedischen Kunenateiuea, welcher 

L f die Sage von Sigurd Fafnetödter bildlich darstellt 

^■^^ * Beme''l'"na:, dali Unterzeichnete tvue ^«JwtVICv 

^^^^1 1 und c'meiL 7.<Nei\fö\i ^\\\äw^-(N 

^ m ^^ 



212 J- MESTORP 

Rtmeustein zu übersetzen beabaichtifre und zugleich auch 
Bildwerke in Norwegen und einen Stein in Angeln besprechen wer 
Diese Übersetzung mit den in Aussicht genommenen Nachträgen 
im Jahre 1870 bei Otto Meißner in Hamburg erachienen und brii 
auf vier beigegebeuen Tufeln die Abbildungen der schwedischen Stei 
eines norwegischen Kirchenportals, zweier Stuhllehnen und des St«iiU 
in Angel». In der Voraussetzung, daß diese Schrift wenigstens eiiu) 
Lesern der Germania nicht unbekannt geblieben, erlaube ich mir, 
Betracht der Aufmerksamkeit und des lehhaftcu Interesses, welch 
diese mittelaltcrliehen Kunstwerke gerade jetzt in den nordJscbi 
Reichen erregen, hier noch einiges über den von mir besprachein 
Angeler Stein hinzuzufUgen. 

Meine Beschreibung stützte sich auf den Bericht des Ben 
Pastor Augu^tini zu Uelsbye an die Schleaw. holst. Altertli. OeaeUsch« 
auf einige brie6iche Mittheilungen des actnellen Predigers zn Del^ 
und Fahrenstedt und auf eine im Jahre 1836 von J. HarteriUfi 
worfeiie Zeichnung, die der Versammlung in Kiel von Hemi 1 
Petersen vorgelegt wurde. Mein Wunsch den Stein selbst ia Ao^ 
schein zu uehmeu, hfU sich damals nicht realisieren; erst im verwit' 
Herbste ward mir in Folge einer an mich ergangenen freundlichen 
ladung des Flerm Oeb. Rath Michelseu in Schleswig die Qeh 
dazu geboten, die ich mit Freuden ergritf. Herr Geh. Rath Midiel*4l 
welcher (nicht mit Unrecht,! rügte, daß mnn wagen könne «B 
wichtiges Denkmal der Vorzeit zu beschreiben ohne es selbst 
«u haben, schien nicht viel von meinem Sigurd- oder Siegfricdsteio 
halten, obgleich er zu artig war es mir gerade aus zu sagen. J 
einem klaren sonnigen Octobcrtage fuhren wir (Herr Geh. Ratk 1 
nebst Gemahlin, Herr Dr. I'aulacn aus Schleswig und Uaterz.) rt 
nach dem Herrenhofe Fahrenstedt, wo man sogar die Existens an 
mit Figuren bedeckten Steines bezweifelte, und von dort in Be^leito* 
des Herrn Baron v. Gorsdorff (Besitzer von Fahrenstedt) iinch dl 
Kirche. Es war Mittn-,', dio Sonne stand hoch, und sonach lag dl 
Stein, in der Mauer gen Süden, iu günstigster Beleuchtung. Die B 
Schädigung war bei weitem nicht so stark, wie der Bericht dtis He«! 
Pastor H. befllrchten ließ, und der Sleinkohlenthecr glUcklichferw^ 
so dttnn aufgetragen, daß er die Figuren nicht im geringsten verdod 
Ortr Stein, ein gewöhnlicher Granitblni'k, ist an der Basis^ dtu 
]27 Centim6tres lang und an dem hochsteu Punkte 85 Cent 
An der linken Seite ist dicht vor dem Schitabi-I des VognU tlt 
L^nge auch ein ÜtlXck abgeicbltigoo. &u,c^ vm di'ittea ) 



ZV DEK SIEGFlUEDßlLDERN. 

di? Oberfladie beschädigt, da nicht nur die Figtiren, die in den übrigen 
Feldern sehr gut conscrvicrt sind, hier gänzlich fehlen, aondern auch 
. 4e unter den Figuren hinlaufende Leiste an diesem Punkte beschädigt 
ist. Nachdem ich die Figuren mit Kreide umzogen hatte, traten sie 
«if dem schwarzen Grunde überraschend klar zu Tage und wurden 
von den Anwesenden erkannt, wie nachstehend beachrieben: 

In dem ersten Felde ist ein Vogel, der dem Habicht auf Säves 
Abbildung des Ramsundberges viel ähnlicher ist, als der Figur auf der 
I von mir benutzten Mnrtevilleschen Zeichnung. 

In dem Kweiton Felde steht ein Pferd, kenntlich an der Form 
its Kopfes and den vier Beinen. Ein Reiter ist nicht vorhanden, wohl 
aber irgend eine andere Bürde auf dem Rücken des Thieres, ähnlich 
wie auf den sehwedischen und norwegischen Bildem, 

Im dritten Felde ist, wie gesagt, nichts zu entdecken, obwohl 
cns der unebenen Fläche zu schließen, daß auch dort etwas gewesen ist. 

Im vierten Felde steht — was unbegreiflichorwoise von Herrn 
lUrlevillc ganz üborBehcn ist - deutlich und unverkennbar ein Baum, 
lier, ehe ich mich geäußert, von den Anweaenden als Eiche erkannt 
wurde. 

Die Umrahmungen im Rundbogenstil sind, wie auch der Drache, 
»nf der Martevi 11c sehen Zeichnung getreu wiedergegeben, Ein Versuch 
vnn dem ganzen Steine einen Abklatsch zu nehmen, mißglückte; doch 
gelangen solche von den einzelnen Feldern, die noch in meinem Be- 
silE sind. 

Unser Ausflug nach der nafurschönen und historisch merkwürdigen 
Landsehaft Angeln war sonach vom besten Erfolg gekrönt gewesen: 
nicht allein hatte ich die von mir beschriebenen Figuren dcuthcher 
und charakteristischer gefunden, als auf der mir vorliegenden Zeichnung, 
M war noch eine vierte, der Baum, hinzugekommen, und meine Reise- 
eefUhrtcn, namentlich der sachkundige Herr Geh. Rath Michelson, hatten 
fich von der Existenz des Steines und der Zulässigkeit meiner Deutung 
der Figuren vollständig Uberzeugt. — Auch Herr Professor Handel- 
aann in Kiel (Conservator der schlesw. holst. Alterthüraer) , welcher 
*uf einer amtlichen Reise in Schleswig den Stein besichtigt, hat sieh 
tiinKichtlii'h der bildlichen Figuren und ihrer Bedeutung mit mir ein- 
ventaoden erklärt. 

Wir finden somit auf dem Steine zu Fahrenstedt einen Drachen. 

Vogel, ein Pferd und einen Baum ; was in dem dritten Felde 
I. bIHbt zu errathen. D<r n.m,,, lEi.lnl .teilt sieh, der Sage 
dam'Vügn), ob« " ■'■■«sei' lji' [■ 'li^ \'.i\iVv\-c\\\tt w*<i^'B.%\., "y.-wK 



214 J- MESTORF, ZU DEN i>IEGFBIEDBILD£BN, 

sie beschließt Herr Geh.R. Michelsen hatte die Güte mich darüber 
zu belehreO; daß bei manchen mittelalterlichen Bildwerken die Lesung 
von rechts und links nach der Mitte geboten ist Wenden wir die 
Methode auf unseren anglischen Stein an, so fallen Feld 1 und 4, Vogdl 
und Baum, zusammen. Bemerkenswerth ist noch, daß das Amtssiegd 
der Struxdorf-Harde ^ein Eichbaum ist, weil ehemals das gtnie 
Land mit Eichwald bestanden war.*' 

Eine fernere Stütze für meinen Versuch, die bildlichen Fignm 
des beschriebenen Steines auf die Sigurdsage zu beziehen , finde vk 
in Herrn Etatsrath Worsaaes Erklärung der Darstellungen auf den 
Goldbracteaten (Vgl. Forestillingcme paa Guldbracteateme, Eopenk 
1870*). Ich darf voraussetzen, daß diese Schrift den Lesern derOcr 
mania bereits bekannt ist, und brauche deßhalb nicht näher auf dieselbe 
einzugehen. Mit Recht macht Herr Etatsrath Worsaae geltend, daß die 
nicht über ] V« Zoll große Bildfläche nur Raum fiir die Hauptperson 
des darzustellenden Stoffes hatte, der zu besserem Verständniss einige 
Nebendinge: Drache, Vogel, Roß, Schmiedewerkzeuge o. s. w. bei- 
gegeben wurden. Die Gestalt des Drachen auf den Bracteaten (Worsaie 
a. a. O. S. 327 Fig. 1 und Taf 16 Fig. 3) erinnert an den Fahrenstedter 
Drachen, desgleichen, auf einigen Exemplaren, die Gestalt des Vogeb 
und des wunderlich verkürzten und verschränkten Pferdes. Glaubt nun 

m 

Herr Etatsrath W. diese Bracteatenbilder auf die Sigurdsage beziehen 
zu dürfen, so ist ein gleiches auch hinsichtlich des anglischen Steinei 
gestattet. 

Folgen wir Herrn W. in seiner Auslegung der Bracteaten-Figureiu 
so sehen wir, zu imserer Überraschung, gleichsam ein goldenes Bilder 
buch zur ganzen Wölsimgasage vor uns, von dem 4. Capitel wo Odin 
die Walküre mit dem Apfel zu Rerir sendet, bis zum Tode der schönen 
Sigurdstochter Swanhilde. Die Entdeckung dieser Bildwerke in den 
drei nordischen Reichen ist von höchstem Interesse, nicht nur weil sie 
uns Einblick in das künstlerische Schaffen jener Zeit gewähren, sie 
liefern zugleich den Beweis, daß die Sage von den Wölsungen so tief 
in den Herzen des Volkes wurzelte, daß sie über 800 Jahr« lang Dichter, 
Maler imd Bildschnitzer zu künstlerischen Darstellimger inspirierte. 

HAMBURG 1871. J. MESTOSF. 

*) Diese Schrift, von welcher kärzlich eine französische Übersetzaog erschioieo 
— Ij«j Empreintes des Bnicteates on Or, Copcnha^e, Thiele — ist ousiüglieh rvA 
mir behandelt im Globus Bd. XIX. 22. 



H. SUCUIER, EIN AKAB. SATZ. — A. LÜTOI.F, SOLDATENLEICHEN. 215 

EIN ARABISCHER SATZ 

rfindet sich im Niederrhciniächcn Bruchstück der Schlacht von Aliscans, 
das in Karl Roths Denkmälern 1840. S. 79 ff. gedruckt ist. Die be- 
treffende Stelle heißt VI. 112 — 113: W[alegrape] rief in haidenisse dö: 
^arride arride bi Mahomed, helft so!^ Nach Prof. Dietrichs Erklärung 
haben die Arabischen Worte: nrride bi Mahomed! die Bedeutung: 
lulf mir Mahomed! mid zwar ist arride der Imperativ der vierten Con« 

jugation der Wurzel ^'^ rad können, willfährig sein. Der frz. Text 

bietet (jedoch an einer andern Stelle): Avoiz! s'escrient. Aidiez sire 
Mahom! bataiUe d' Aliscans V. 5875 nach Jonckbloets, S. 168 nach 
Guessards und de Montaiglons Ausgabe. HERMANN 8UCHIER. 



SOLDATENLEICHEN INS WASSER GEWORFEN. 



Wir wollen hier nur auf einige Beispiele der Art hinweisen. Zu 
Lorch wurde der Leichnam des hl. Florian in den Fluli geworfen. 
(Hartyrol. Hieronyan. in Bern zu IV non. Maji); in Sirmium geschah 
dasselbe mit s. Munatus. (Daselbst VII Kai. April.) Das nämliche er- 
zählen die Passionalgeschichtcn der thebäischen Märtyrer der Schweiz, 
wo 8. Felix und Regula in Zürich, s. Victor und Ursus in Solo- 
thom nach ihrer Hinrichtung in's Wasser (Limmat und Aar) gestürzt 
werden. 

Vom hl. Mauritius in Agaunum soll wenigstens das Haupt der 
vorbeifließenden Rhone übergeben worden sein. (Baulacre Oeuvres II, 
74). Auch St. Quintins Leiche ward bei Vermandois in den Fluß 
geworfen. Nach Prokopius (de hello Gothico 1. II. c. 25 ed. Bonn.) 
haben die Franken imter König Theodebert bei der Eroberung von 
Pavia dem Flusse Menschenopfer dargebracht, wozu Prokopius be- 
merkt: „iSolche Christen sind diese Barbaren, daß sie viele Bräuche 
des alten Aberglaubens fortwährend beobachten." Noch 1252 ließ Erz- 
bischof Arnold von Trier Soldaten des Königs Wilhelm von Holland, 
nachdem sie getödtet waren, in den Strom werfen. (Hefele Concilien^ 
gesch. VI, 6). 

LUCERN. A. LÜTOU?\ 



216 KEUSSEN, FRAUENBOLLEN IM SCUAL'SPIEL. 



FRAUENROLLEN IM SCHAUSPIEL.*) 



Actio exhibita de S. Alczio. 

Den 23. vnd 24. Junii ist alhie aufm Eirchoff von ein biß Bidiem 
Uhren ein publica actio durch d. Henricum Reck Vicarium aUe 
(später nach Errichtung des Gymnasiums erster Regent desselben) da 
S. Alexio in Zusehung etlicher tausendt ]!ilcnschen exhibirt wwde^ 
ist mit aller Spectatorum gutem Contentement vnd Satisfaction abgango, 
dessen d. Reck ehr vnd die Actores lob gehabt Actores faerunt : AmoU 
ElumpertSy ''^*) Johann Horstcr, Johann Ouerhauß, Gördt Bolt, Jacok 
Gehnen, ***) Johann Schick, Johann Repges, Zander Pfennings, ConraJ 
Now, Heinrich Eicker, Johann Mennickcs, Heinrich Küsters, Conni 
New, Hermann Scherer, Johann Honüelcr, Adam Janßcn, Heinrich der 
Eemmerling alle Eempische Bürger. 

Maria HonOeler, Beclgen Mennickes, Beeigen Klandten, £n^ 

Bonacker, Conrad Now Tochter, Hb. Hüls Tochter, Sibertz Tochter. 

Aus dem Eempener RathsprotokoU vom Jahre 1659. 
CREFELD. Dr. KEUSSEN. 



LITTERATUR. 



Wörterbuch zu Dr. Martin Luthers deutschen Schriften von Ph. Dietx ii 

Marburg. Erster Band. (A — F) Nebst einem ausführlichen ^ die EigeMt 
der Sprache lJh*s. behandelnden Vorfoorte und einem Verzeichnisse der k- 
niäzten zahlreichen Originaldrucke LtKscher Schriften und HamdeduifUt^ 
Leipzig, Verlag von F. C. W. Vogel. 1870. LXXXVI n. 772 Seiten. 4. 

Nehmen an dem vorliegenden WÖrterbnch zn Luther's deatschen Sehiito 
▼enchiedene Kreise Interesse, so haben wir deutschen Philologen vor ailen C^ 
Bache, uns dieser hochwillkommenen Gabe zu erfreuen. Dieses Work bietet m 
nicht allein eine reiche Fälle neuer Belehrung, sondern es wird i\\w\\ ein Giwm^ 
stein sein für den Aufbau t/eiterer Forschung. Wollten wir e^ nur als eiK 
Ergänzung und einen Nachtrag zu der Brüder Grimm deutschem Worterboebe 
betrachten, welches seiner Anlage nach unmöglich eine Specialitat erfolleo kaia 
so würden wir es ungtsrecht unterschätzen. Es ist vielmehr die erste omfisscBde 
lezicalische Darstellung der Sprache des bedcuteudätcu deutschen Schriftstdlei« 



♦; Vgl. Koberstein 11% 24o, Aiimerk. 27. **) Er war 1667 Bfirgenneicter. 

♦^ 1668 Bflrgermei^ter. 




LITTERATUK: DIETZ, WÖRTERBUCH. 217 

jEiigleich die erste umfassende lexicalische Darstellung des werdenden und 
fc^im D wachsenden Neuhochdeutschen. Bis jetzt liegt von diesem wichtigen Buche 
ein erster Band vor. *) Seine Bedeutung wird erst recht hervortreten, wenn 
▼ollendet ist und wenn zugleich, worauf ich schon anderwärts **) hingedeutet, 
anderes ergänzendes Werk ihm zur Seite tritt, die grammatische Dar- 
■^«Uung der Sprache Luther's von Frommann. 

Im Vorworte gibt der Verfasser nach Erledigung des Litterarischen ^eine 
Charakteristik der wesentlichsten Eigcnthümlichkeiten der Sprache Luther*s, 
i jedoch von grammatibcher Vollständigkeit ganz und gar abgesehen ist**, 
grammatische Auseinandersetzung wird jedem Fachmann dankenswerth 
leinen, mehr noch den Benutzem des Wörterbuchs, welche durch sie die 
Belehrung über Luther*s Sprache empfangen. Im Einzelnen bietet sich 
Verfasser Gelegenheit, an das verdienstliche Schriftchen von Opitz „Über 
^3ie Sprache Luthers** (Halle 1869) anzuknüpfen und dasselbe zu ergänzen 
^der zu berichtigen. 

Die Charakteristik, die uns Dietz in kurzen Zügen entwirft, würde ge- 
wonnen haben, wenn sie äußerlich übersichtlichor gegeben wäre. Die Seiten 
4ea Vorworts sind, da sie nicht wie das Wörterbuch in zwei Spalten zerfallen, 
ziemlich breit, was das Suchen erschwert. Dabei sind die einzelnen grammati- 
^elien Erscheinungen nicht unter einzelne Absätze gebracht, sondern die Dar- 
stellung geht in ^inem Zuge weiter, was ebenfalls als unbequem befunden wer- 
den muß. 

Dietz erweist sich als ein geschulter Kenner des älteren Deutschen, aber 
doch begegnet es ihm öfters, die grammatischen Verhältnisse nicht richtig be- 
stimmt und gesondert zu haben. Wenn ich zuvörderst auf solche Einzelheiten 
^iifinerksam mache, so geschieht es nicht, um die willkommene Einleitung zum 
^^örterbuch als fehlerhaft oder tadelnswerth erscheinen zu lassen, sondern weil 
^ Anbetracht des engen und nothwendigen Zusammenhangs des Grammatischen 
Hut dem Lezicalischen solche Erinnerungen für die künftige Arbeit des Lexico- 
([raphen vielleicht nicht ohne Vortheil sein werden. 

Luther gebrauchte im Anfange seines Wirkens a für o in addevy während 

«r später das hochdeutsche odder sich zu eigen machte. „Anders verhält es 

«idi,* heißt es dann weiter (S. VII) bei Dietz, ^mit a statt e: während einige 

kierher gehörige Wörter nur anfangs hin und wieder des Umlautes entbehren, 

wie z. B. langst [langist], lare doctrina, gelart, hochgeiarf, ungelart, vorkart, schma- 

hoif verdotmatsehen, andere dagegen, z. B. walzen, prachtig (welche beide noi*h 

Inder Bibel von 1545 neben wetzen und prechtig vorkommen) länger schwanken, 

lifit L. bei einigen den Umlaut e nie zu, wie z. B. in gartner, weingartner und 

dem PI. von saal, thal, nacht,^ Hier sind verschiedene Erscheinungen unter 

^e Rubrik gebracht, altes und neues vermischt. Wenn man auch in gelart, 

$dnrt eine nach Analogie geschaffene Art von Rückumlaut annehmen kann, so 

darf solche nur uncigentlich gebrauchte Terminologie nicht dazu verleiten, in 

£esen Bildungen ein ., Entbehren*^ des „Umlauts*' anzunehmen. Und völlig un- 

■tttthaft wäre dieß bei lare -- lere. Die Worte schmähen und verdolnuUsehen 

imd zusammengestellt, und doch hat das erste langen, das zweite kurzen VocaL 



*) Nachträglich (Ende Mai 1872): luid das erste Heft des zweiten Bandes. 
*♦; BeiUge der AUgemeinen Zeitung 1870 IJi. ^o\. Äv''^^ ^^^' 



218 LITTERATUR: DIETZ, WÖRTERBUCH. 

Wenn in schmähen der Vocal a statt er cracheint, so ist dieß eine Altertki 
keit in Luther's Sprache, beide Formen, die mit Laut und mit UmUnt, 
früher neben einander vor ; dagegen ist dolmcUachen eine mundartliche N< 
da die frühere Form, so weit wir sie zurückverfolgen können, ein e, 
ein ei hat. Das Wort entbehrt gar nicht des Umlauts, sondern der Last f 
eine Verdampfung des ursprünglichen e-Lautes, nicht eine Alterthfimlichkcit 
Bildung gartner ist die ursprüngliche, der später eingeführte, wenn anck 
früh begegnende Umlaut hat keinen etymologischen Grund und gesdiak 
durch Analogie, also kann es auch hier nicht heißen, das Wort enthalt ä^j 
Umlauts. Welche Pluralform von thcU ist gemeint: thal^ thale oder (kaUr^fUkA] 
Wenn erstere, da das Wort mit saal und nacht auf eine Stufe gestellt wiid, • I 
ist heute noch kein Umlaut eingeführt, und wenn letztere, so mnsste ttsi W 
sonders genannt werden im Gegensätze zu den Worten mit PluralbildiiBg wi\ 
-er, die den Umlaut haben. 

Als Beispiele rom umgekehrten Falle, daß e für a steht, fahrt Dietc 
erbeit, enneiy ebenteur^ schwankend seien geiceltig, tcerlich, offenberlieky sea'tatif- 
Die drei ersten Worte gehören nur äußerlieh zusammen ; einmal haben die hi 
den ersten kurzen, das letzte langen Vocal, sodann sind die Grunde der Wuk 
lung des a, ä'm e, e verschieden, erznei ist eine alte, auch im Mittelhoehdeutsdb» 
(hier erzenie) sanctionicrte Form, erbeit ist altmitteldeutsch und lebt heute nodk 
in den Dialecten, und ebenteuer ist eine Umdeutschung, welche der alten Fem 
mit d wieder gewichen ist. — Die andern Beispiele, bei denen Schwankofa 
sich zeigen, mussten ebenfalls gesondert werden, da Verschiedenheit der Qm- 
tität des e stattfindet. Bei teerlich siebt man nicht, welches Wort gemeint ifr 
geweitig und offenberlich sind altmitteldeutsche Formen und stehen sowohl fff 
Mittelhochd. wie vom Nhd. ab, dagegen ist senftmUtig, welches allerdings Üi 
jetzt nur in md. Quellen nachgewiesen scheint, die regelmäßige Fonn, da m^ 
mutig erst dann ausschließlich in Gebrauch kommen konnte, nachdem der Unter- 
schied vom Adj. senfte und vom Adv. sanfte verwischt war und letzteres ibcr 
ersteres den Sieg davongetragen hatte. Auf diesen Wechsel kommt auch Dieb 
S. XXI zu sprechen, wenn auch nicht in ganz deutlicher Weise. 

Auch in den Fällen, in denen e statt ei steht, sind die Beispiele nur aack 
der äußern Erscheinung, nicht nach ihrem Wesen gegeben. Dietz fuhrt aa: 
zwenzig (= aceinzig), vcegem (== weigern), enzel (= tinzel)^ eimmes (= eimmeü. 
Ameise), erbes (= erbeis)^ leb (= leiby Brot», t'ortelischer (= vorteiU^eker). Wir 
sehen hier f, natürlich e, an Stelle von ci, wie heute noch in den md. Dialedca. 
aber zwei Beispiele gehören nicht hierher: eimmes und erbes. Während jene 
die Wandelung im Stamme zeigen, steht in diesen e für ei in der Endung oAa 
zum wenigsten in einer Silbe, die in Folge der Betonung thatsachlick dea 
Charakter einer Endsilbe erhält. Die Worte ändern sich nicht in etmai^, erbe», 
sondern in eimmes , 4rbi's, Von dem ersten Worte, neben welchem Luther bäa- 
figer eimmeis gebraucht, hat das jüngere Schriftdeutsch keinen Grebrmueh gemacht, 
während aus dem zweiten unser erbse entstand. Es liegt also nicht qualitative 
Vocalwandelung , sondern Schwächung vor , darum waren diese beiden Bei^pieie 
an einem andern Orte unterzubringen. 

Die Auseinandersetzung über Luther^s Gebrauch des i (t) für ei auf S. TIH 

befriedigt, dagegen kann man gar nicht mit dem folgenden Satze über i' für ür 

einrerBtanden Bein, Auch hier um iu&iMWcVie , ^om mfidfitnen Standpirnkte av 



LITTKUATUR; DIETZ, WURTEKBfCII. 



iffene Äuizlkliliiiig der Beispiele. £b heißt da: .Die Beispiele des i (y) für 
Ftind theila solche, die nai in den früheren Schriften vorkommen, thcil» 
solche , VEclclie den spiiteren wie früheren angeboren. Beispiele der ersten Art 
mi: »pil IndoB, gtapilt, Mit, gribe, liben, yder (doch 1523 auch schon yedcr), 
fitnann (noch 1631) yli'd neben geiid, fride (erecheint bis zum J. 153U norh 
TOiherrschend ohne t), lieh aegrotns, diser etc.; Beiapiole der letzten: begir, 
i^rtU, girig, btgirig, htgirlich, papir, Jilicr neben ßther, widtr fwidder], ßdtiit , 
gtfidrrt \_/!ddem, gefiddtrl], untifer, iti/eln [siiff'dn], lihe, iglich, iUI, iCtig, itzand. 
Bei der Endung i>r<n schwankt L. zwischen iren und itren." Hier stehen in 
friedlicher Eintracht Fülle neben einsuder, die der GramniHtiker nothwendip; 
in lODderu hnt. Erst muasCen die i aufgezühlt werden, die, ursprünglich kurz 
lieb erhalten haben (wie tpil, fride) uud wäre es nur io der Rechtschreibung. 
Die Verdopplung des Consonanten deutet auch auf kurze Aussprache (ßddcm), doch 
dirf _^ nicht hierher gerechnet werden, das geliört in ein anderes Capjtel (vgl. 
S, 621 unter F). Zweitens wuren die i zu nennen, welche als Zeugnisse mitteld. 
Dialecles lang sind und dem hochdeutschen iV entsprechen {hilt, ticli]. Daran 
tren die FUlle tu schließen, in denen Luther der hgchdcutscheu Hcchtschrei- 
buDg ein Zngestündniss macht, denu daU er auch i'e diphthongisch gesprochen 
habe, daran ist gar nicht zu denken. Und daraus geht nun viertens die Weise 
der Bechtichreibnng hervor, ursprünglich kurze i, die in der Aussprache durch 
den durchgehenden Zug der Verlängerung der Stammsilben zu langen geworden 
ibd, auch mit le zu bezeichnen. Düb e in ie wird so zum Dehnungszeichen 
und ist es bis auf den heutigen Tag. In tren und lereii schwankt die mittel- 
dratscbc und die neuhochdeutsche Bechtschreibung. Solehe Auseinandersetzung 
•ärde allerdings ein paitr Sätze mehr erfordert haben, allein die größere 
UcDlIichkcit npA grainmatische Richtigkeit würe auch in einem kurzen Vorworte 
n erieichen gewesen ohne Breite und Ha um Verschwendung. 

AI» Beispiele des o für c werden die Voraetzaylben vor ^= «er, wie sie 
L nach mitteld. Weise in der ersten Zeit verwendet, und twulß für eietlf 
genaiiDt- Das letztere Ist gewilS mit Unrecht hierhergesetzt, tlier ist ü für e 
inzunehmen. Dietz hat ja später S. IX fg. selbst angegeben, daß L. die. Um- 
laut« i< und 11 nicht bezeichnete. Und ebenso haben die Druckereien vielfach 
p Laut statt dos Umlauts gesetzt. Bei aiBolf tritt eben, wie auch Dietz unter 
I, 47tS angibt, die Verdunkelung des c ein, wie in noch andern Wörtern: 
IWjfW, hStle, weiche wir jetzt als feststehend gebrauchen. Auf S. XVI wird 
legensftlzc zu dem Fehlen von 3 und U in Luthcr's UandschrifC eine Reihe 
I Worten aufgeführt, die wie ipürm (= wurm), gül (^ gut) „einen sonst 
■wSfanlichcn Umlaut" zeigen sollen. Diesen Ausspruch nimmt Dietz dnun 
, hulbwega zurück, indem er es als iwcifelbaft hinatt-llt, ob in diesen 
I der Umlaut U enthalten sei oder nicht. Ich glaube, das ist gnr nicht 
dfelhaft; dieses U ist nur für unser Auge ein Umlaut; wer sich in der Schrift 
1 16. Jahrhunderts umgesehen hat, der wird in Erfahrung gebracht habea, 
1 Pünktchen oder Strichelchen den Buchstaben u vom n unterscheiden 
' neben » und m erscheint, hcrvurtrcteo lassen sollen. Hier 



I der Fall, wie frübw der Ring über dem u angewandt wurde, den w 
r nhe» ** "taalirifl noch als Bogen haben. 

•■■UitismDS bcaprocheti. Die ersten Fälle sind 
ilÜfasBung wieder etwa* avÄiw^tSi , ■»"»». 



2n UTTESA'nrS: DIETZ, WÖBTEBBTCB 

X- B. pmgl «iH, f Utk Kr .bcujee«* A ü den n«ri 4n Bc»|>Mn. I^ 
etk«fat Uttcs «c FiBe bcrihrt «adca BÖaMa, ta dta» L. üb AJlen ft* 
Ult Dhsw ctsOt «ek 4na rm mOmI der Cnlenchüd na h w tiewi Cebw o el fc 
merfcr mridrtig ■OMMwngeitefft »d die BcMpde 4m t Sr f , «iif 
tM DIcts satAUoL .MH k (gk, ek) fBr 9 koont tst tsdUa, fa^ra, fateftf 
(tn«dbbcA), k»tixm, btyt [Witteskryt dock Mit 1531 nv )ri(l(M6«rjr), dfoj^ 
Ir<n^, taU^ iOT«l^ rMC^ Mrd^ jtencfc 0% adupoaei, tprmttt, hi/mti, barmktrmdt- 
Uek, timirtdUieUiek, ktrdOidt (kirglieb), viUUUitk a. s. ».' ZoBichrt war 4m 
aabmleiMle t ron drtn aiiiluUciideii t zu traiu^n. dam kitte über die Katv 
d<ra gk ood et etwas geaagt »eiii mÖMen. Innerfanlb dea anlaiiteDdeB 1: lind 
rhenfafU venchiedeae Encheiniuti^en luiler eine K».tegowie gebnckt. Wenn k 
>tat( de« gemeindeatKcben g bei L. in jx^oi steht, «> ist kier äu uralter nittdd. 
Itrsuch eiogehaltea. Dagegen in kritdu «tebt keineawegs k fSr g, ».'mlern du 
ife ist durehana berechtigt; m steht schon in den ältevten dentidiea Hand»chrift«B| 
da* i ist schon gothisch, und die HochdeatBcben haben dabei behurl, mmI 
erat wir Neueren fa&ben gritehe eingeführt aas eitel Pedanterie, damit du Wott 
dem Ut. gnuatt nahe komme. Hier ist muu der Fall, wie wir CAritba ap> 
geführt hnbcn für da* deutsch gewordene SriM, Dam (vi Twi oder Tum wegm 

Die Beispiele des Wechsels von lA und g in rinifkrr, timehtrUf d» 
ickUe/ttt, er idtleckt neben einiger, dnigrrlei, iMegit. tehUit stehen tucbt uf 
/incr Linie, tiniehtr statt einiger ist neu und mundartlich, tkUdut »her iat lli, 
denn mhd. steht ilehtt, und tehUgMl ist eine Analogieschreibnng atid dtt* 
schließlicli auch Aualogieform wie 10,9 für stuA. 

8. XVIII fg. folgt die Betrachtung der FleiionscigenthümlichkeiteB. n 
welcher mitunter die gramniatisehc SlcIEnng der einjseben Wörter 'ebenfalls nieU 
tur Oeltuiig kommt. So gedenkt bietx des Wechsels der Flnralformeu auf -tr 
unil auf -e, wie törfer neben ilorfr.. Unter diese Beispiele ist auch hÜder oed 
Uide eingereiht, mit Unrecht. Die andern Wörter sind sänuntJicb eineilluge 
Nentra, das alte fAMe, welches auch bei L. vorkommt, wird erst durch Apoe^ 
einsilbig und dann erst wird der Plural auf -er gebildet. Wenn der Plural alf 
■e vorkotnnit, so lieht man nicht, ob ciue Form »nf -e vorliegt oder die nUa 
flciionslosc, die uns auch sonst bei L. begegnet; }jild oder Wde war daher in 
einem bcsondem Sutxc xu besprechen. ~~ Apncope und flexioDslnae Form wu^ 
vom Verfasser Im folgenden Satxe lermischt: „bäulig erscbdDt nuch Apooop« 
des t d», wo ilie heutige Scliriftsp räche in gewühnlichor Prosa dieaclbc nickt 
g«sUttct, wie 1. B. arm für armi, d«» fitr ÜMt. hrtt (nr brrJt (welcher PIumI 
3 Ho*. Se, 90. 22. 3». S7 u. öfter neben breUer vorkommt), brol für breit, 
ding für dinge, fa»» für fa»»e, frSieh für /rStelie, fHtchi für /rUchlt u. s. t* 
Apocopo ist hier nur in den PI. der Masculiuu und Fi-miinua »11:1111 ehmen, a 
Kelten ulso bItX die Beispiele: artii, /rüVA und frllchl, bei den iLiigefUbrtta 
Ncutris liegt es nüher, Alturthiimlichkeit der Plurulformeii onsunchtnen, — ~* 
mehr, als diese eiiiBlIbigcn Formen üfter» die ausschliefllicben c'^' 
lirM, ding, Es ist dalirr iinriehtig, wenigxtens nnrielitig gramm' 
wenn der Verfasser im Wörterbuch unter aa» S. S u*"* 
OH d. 1. otar, brol d. \. brote. Der Plural brel iat 
gewiesen. 

A/g Beispiel r"n dar Syticopicvu.!)^ d«;» b 
^^^*^duiig vmb hat» vnd Aaderi wiilöi. Hi« 




^Biig^ 



LITTERATÜR: DIETZ, WÖRTERBUCH. 221 

tm es liegt der syntaktische Fall vor, daß, wenn zwei Substantiva mit 
ler Flexion durch die Copula und yerbonden auf einander folgen, das erste 
nexion rerliert. (S. Kehrein Gr. d. d. Spr. d. 15. — 17. Jhds. 3, §. 140.) 
hat in der Syntax diesen Fall nicht berührt, sondern nur den andern 
ichen, daß die Flexion eines Adjectivs abfällt, wenn ein zweites in gleicher 
ton nachgesetzt wird, wie z. B. ein weiß und schwarzes Feld (Gr. 4, 497). 
S. XXI heißt es: „der attributive Vocativ hat bei L. im Gegensatz zu 
_ heutigen Schriftsprache stets die organische schwache Form, z. B. lieben 
B^"*!!.*' So viel mir bekannt, steht auch heute noch im Plural die schwache 
i^R^^istD gleichberechtigt neben der starken. 

Die Belehrung über Luther*s Conjugation (S. XXI ffg.) ist lichtvoll und 

iig; bei dem unorganischen e im Praet. der starken Verba z. B. sähe, lose 

sich sagen lassen, daß diese Erscheinung eine Eigenthümlichkeit des 

ild. Dialectes ist, die sich heute noch findet, nachdem die Schriftsprache 

nach längerem Gebrauche wieder aufgegeben hat. Vielleicht hat zur Sanc- 

lierung dieses e der meistersängerische Gebrauch beigetragen, zu Gunsten 

Verses, um eine Senkung zu erhalten, und zu Gunsten des Reimes, um 

senden Reim herzustellen, ein « nach Bedürfhiss hinzuzufügen. 

Auf das Vorwort folgt das „Quellenverzeichniss.^ Es ist chronologisch 

-'^^rdnet. Wir finden da außer den Hauptwerken Luthers eine überaus große 

' ^'■CcQge kleinerer Flugschriften, Predigten, Sendbriefe u. dgl. So ist dieses Ver- 

^^khniss zugleich ein Beitrag zur Bibliographie der Luther-Litteratur. Die Titel 

~^ ^bd sorgfaltig beschrieben mit Angabe der Zeilenenden, und auch den sonstigen 

^bÜographischen Anforderungen ist genügt. Hier mag zugleich auf einen andern 

^bauchen Beitrag zur Luther-Litteratur hingewiesen sein. Es ist dieß ein Anti- 

- Iiuriatscatalog , der wegen seiner genauen Angaben in hervorragender Weise 

ab ein bibliographisches Hülfsmittel dienen kann, und in der That, wie der 

Titel besagt, zu den Werken von Panzer, Weller, Goedeke und Heyse ein 

Supplement bildet. *) In dem Verzeichniss von Dietz finden wir 298 Nummern, 

im Catalog von Kuczynski 555 Nummern. Beide Bibliographien ergänzen sich, 

Biitanter hat das eine Verzeichniss von einem beiderseitig vertretenen Werke 

eine Ausgabe aufzuweisen, welche dem andern fehlt. 

Auch Briefe Luther's hat Dietz für sein Wörterbuch benutzt. Ich glaube 
nicht 9 daß dies unbedingt nöthig war, wenigstens nicht in so ausgedehnter 
Weise, sobald die Literaturbelege ausreichten. Briefwechsel sind jetzt ein be- 
liebter Artikel, und sie haben gewiß für Geschichte und Litteratur einen hohen 
Werth. Inwiefern sie aber auch für Grammatik und Lcxicon dienen können, 
darüber fehlen noch durchaus methodische Grundsätze. So weit ich bis jetzt 
die Benutzung von Briefen in dieser Richtung beobachtet habe, scheint sie mir 
sehr eklektisch betrieben worden zu sein. 

Die erste Frage bei Anlegung eines Wörterbuchs ist die nach der An- 
ordnung. Man wird es durchaus billigen, daß Dietz die streng alphabetische 



*) Der Titel lautet: Thesaurus libellonim historiam reformatioms illnstrantium. 
Verzeichniss einer Sammlung: von nahezu 3000 Fl.i^chriften Luthor's und seiner Zeit- 
genossen. Nach den Originalen aufgenommen und bearbeitet von Arnold Knczj^ski. 
Zu den beigesetzten Preisen zu haben bei T. O. Weigel, Bnchhändler in Leipzig. 
Sapplement zu den Handbüchern von Panzer, Weller, Goedeke und Heyse. Leipzig 
T. 0. Waigel 1870. 



222 LITTERATUR: DrETZ, WÖETEBBUCII. 

vrälille. Hat daa Wörterbucb zu Luther's deuUclieii Schriflen nnch )q 
Beilie einen wUaentchuftliclien Zweck, bo ist ce seinem Inhalte nai^h doeli i 
gleich ein praictiBches Bucli, und in HinbliclL auf den gröGereu Kreis dar LaMT 
and Benutzer konnte rd eine Ordtjang naclt Stummen gar nicht gedacht na- 
Aev. Sclmieriger iat die «weite Frage, wie soll geordnet werden hiniichllich d«r 
Wortgeatnltung? Soll die ehemalige oder die heutige Form maßgebend sein! 
Die erste winsoaBubaftlicbe würde «ich empfehlen, wenn ein ähnliches Werk, 
etwa für H;inB Sachs odt?r fiir Fischart, angelegt werden sollte. Da mümitrti 
also X- B-, wenn der Schriftalellcr durcbaua erbeil, ersnei gebrancbt hätte, diefc 
Worte unter das E zu stehen kommen. Bei Luther dagegen würde sich du 
Kweite praktiBche Verfahren empfehlen. Denn die wichtigsten Schriften Liilher't 
haben heute noch eine praktische Oeltang, and haben nach dem BeüTirfnis** 
der Zeit eprachliche Wandlungen durchgemacht. Der Mann der Wissenschaft 
wird ea eher ertragen, von e.rlielf, tmei« auf arbtit, amtine verwiesen zu werden. 
als umgekehrt der praktische Benutzer von arbeil, ameiie auf erbell, riaeit. Dan 
kummt, daß Luther innerhalb seiner eigenen Zeit die Sprachformen wedutH; 
und man kann doch nicht verlangen, daß hier das Leiicon der Form in Liebe 
getrennte Artikel liefere, wenn es sieb auch manchmal scblccbterdings nkht 
vermeiden lüssl. AIsu hat in verschiedener Iticlituug die von Diett cinguhftltttia 
praktische Anordnung ihre Berechtigung. Dazu iat er bedacht gewesen , Utk 
die speciGach lutheriacben, vom heutigen Gebrauche abweichenden Wortfonnei 
zu verzeichnen und von ihnen auf die im Alphabet gewählten au verweisu. 
Auf solche Weise genügt er aucii den Anforderungen der Wisaenschaft. 

Nach nnserer Beobachtung können wir ca lohend anerkennen, dafl der 
Verfaaaer das einmal angenommene Priucip der Anordnung mich dem ticutlgea 
Gebrauche der Form uod zugleich der Rechtschreibung im Oanzen coDseqMDt 
durchgefulirt hat. Doch iat er auch manchmal davon abgewichen. So veruiehB«! 
er 7.. B. S. S8 Abmeieji (abmähen), während es eigentlich heißen aollta: Jt- 
niiVAcTi (abmäen). Dazu gehörte dann die Verweisung: ^Aimden, s. ahmiäim* 
wenn auch beide Worte nur durch zwei Artikel getrennt stünden. Solobo FW« 
gibt es nun noch mehrere im WÜrlerbuclie. Ich muß sie, um mein Urtfawl IB 
begründen, wenigsteua in der Mehrzahl anführen. 

S. 23 AUHntn. Musste mit Verweisung auf ablehnen hingestellt werden, 
der Artikel selbst gehörte unter ÄbUknrn , was ganz fehlt, während AbtAwii 
aufgenommen int, trotzdem kurz nachher auch Abltinutig folgt. 

5. 2.'i. Abliegen, Hier steht dem praktischen Principe gcmÜß die Ver«d- 
snng ^B. ablUgtn, ganz in rechter Weise. Dagegen iat S. 252 Jietiegen als Artikd 
«uagefÜhrt, Das gani anf gleicher Stufe stehende Abtriegm S. 84 ist nicht «H 
Verweisung auf ahlrilgm hingeatellt, sondern gleich ausgeführt. Ebenso iWriejw 
S. 287. 

8. 45 Ader, md. Form für oda: Es folgt Verwciaong auf orfsr, ihns 
hätte die Belehrung über diese Form geaplrt oder noch ctwaa gedrSngtar •* 
geben werden künnen. ^ — 

S. 48 Äher. Hier steht der Artikel , wilhrcnd Pr auf 8. 4P 
gehörte, welche« nou im Wb. auf Ährr vurvrcisl. 

S. 50 Alhirr. Streng genommen niüsste Alhem «• 
i)Urt> Vorm aiher bei I- erklärt werden, D« -'■- 
Mi*r anJ Alhtrn in der Rcihcnl'olge d' 



IlMÜ iTTl ^' ['-iHi 



LITTERAtUB: DEETZ, WÖRTERBUCH. 223 

S. 78. Angefehr, Der Verf. rerweist auf ohngefähr^ bringt aber doch einige 
Beispiele bei. Das mag deßhalb gerechtfertigt sein, weil dieses alte angrfehr 
nur in den ältesten Dmcken Lntherscher Schriften begegnet. Da es sich nur 
um den Nachweis der Form handelte, brauchte das eine nicht ganz kurze Citat 
■nr nach der Stelle, nicht nach dem Wortlaut angefahrt zu werden. 

S. 114 Ärgtoahn. Hier hätte um so mehr das moderne Ärgicohn verzeichnet 
sein sollen, als die o-Form in den Bildungen Luther nicht ganz fremd gewesen 
10 sein scheint. 

S. 147 Auf$teub€m, Sonst geht Dietz etymologisch zu Werke, er hätte 
abo hier Äufetäubem ansetzen müssen, wie er auch S. 188 auM$Uiubem schreibt. 
Aber da jetzt ttöbem g^lt, hätten bei -atäubem (-steubern) Verweisungen stechen 
lud unter jener heutigen Form der Artikel untergebracht werden müssen. 

S. 156 Äugenbraune, Diese Form ist wohl gewählt, weil sie mit dem 
Lotiier'schen augbran am ersten harmoniert und auch heute noch nicht ganz 
Tcnchwunden ist. Indeß hätte doch das jetzt wieder geläufigere Augenbraue die 
•ite Stelle unter den verschiedenen Formen erhalten sollen. Dietz ist wohl 
dem deutschen Wb. gefolgt, welches auch Augenbraune ansetzt. 

S. 202 Bahnen (von ban^ Bahn). Wenn auch L. nur die Form mit Um- 
hot anwendet, so musste doch das heute gültige Bahnen für die Icxicalische 
finordnnng maßgebend sein. S. 202 Batzen, Musste als Beizen eingeordnet wer- 
den mit Bemerkung der Lutherschcn Schreibart baytzen. 

S. 204 Bfindelj Bändig, Hier ist auf bendel und bendig verwiesen, während 
lieh sonst Dietz nicht nach dem e bei L. richtet, sondern nach ä ordnet. 

8. 207 Bap$t, Wenn auch die Schreibung Luther *8 nie Papst war, so 
tonsste doch das Wort, wenn das Princip der praktischen Nutzbarkeit ein- 
gehalten werden sollte, unter P eingereiht werden. Ich glaube nicht, daß ein 
Oeistlicher, der si<;h über Luthers Aussprüche und Ansichten im Wörterbuche 
unterrichten will, hier zum ersten Bande greifen und unter B suchen wird. 

S. 221. Bedrauen, Unser heutiges Deutsch bedient sich bei diesem Worte 
iweier Nebenformen: drohen und dreuen oder dräuen, Dietz schreibt S. 451 an 
enter Stelle Dräuen und an zweiter dräuen. Da Luther den Umlaut nicht kund- 
gibt in bedrauen^ so verfuhr hier der Verf. anders. Dennoch, glaube ich, hätte 
Bedräuen angesetzt werden sollen. 

S. 304 Bilgerin. Heute gilt P und die Form auf -im. Darum war einfach 
auf Pilgrim zu verweisen. 

S. 326. Bodeniy boden. So verlangen wir allerdings vom wissenschaftlichen 
Standpunkte aus die Anordnung. Hier aber musste umgekehrt Boden (bodem) 
geMhrieben werden. Solche Fälle noch mehrere, wie z. B. Böge S. 327. 

S. 330 Bosam und S. 332 Bo$em, Bösen, Hier hätte sich bei allen diesen 

Wortformen einfach Verweisung auf Busen S. 364 empfohlen^ welches Dietz 

gtnz richtig aufnimmt, „obgleich diejenigen deutschen Schriften, deren Heraus- 

gtbe L. selbst besorgte, nur die Formen bosam y bösem , bösen bieten. ** Unter 

diesen Formen würde Niemand, selbst nicht einmal der, welcher das alte buosem 

im Kopf hat, suchen. Hier ein recht deutliches Beispiel, wie vortheilhaft auch 

In einem wissenschaftlich angelegten Wörterbuche für das frühere Neuhochdeutsch 

lack die Heranziehung des heuligen Gebrauches sein würde. In diesem Falle 

ttSüte natürlich angesetzt sein: Busen s. bosam ^ bösem ^ bösen. Und unter der 

tauigsten dieser Formen müaate der lexicaUacbe AilWieX aU^^xi. "Wx^t ^^st Ns]^ 

ßnk^tebeo Wb. von Diets gehörte das Lexicaliaehe aua%C!\i>A^^O^ Tnftxst B>Meiv. 



224 LITTERATÜR: DIETZ. WÖBTEBBUCH. 

S. 345 Breuen. Hier war die Form nur zu. verzeichnen und aU die * 
bei L. zn charakterisieren, sonst aber auf Brauen zn Terweisen, wo di 
Sprachgebrauch zu belogen war. Dicß um so mehr, als S. 3S9 Bm 
zeichnet ist. 

S. 3G7 Bütti'ger. Auf bötticher ist verwiesen. Darum bedaifte a bit 
ganz kurzen Angabe über die Form, keines Stellenbelegs in wöitiidN 
führung. 

S. 385 Dacht. Hier ist auf lacht verwiesen, dagegen nicht auf dbel/. 
die heutige Form ist und welches auch richtig auf S. 444 abgebandd 

S. 530 Endchrist. St'lbst die Luther sehen Bibel- Concordanzen habe 
vor mehr als 100 Jahren diese alte nmdeutschende Form wieder in Ji 
verwandelt. Ich glaube, daß das Wort auch so in diesem Wb. zn ven 
war. Unter Endchi'ist galt es nur, das Formale zu erörtern« and zwar etw 
führlicher, als es jetzt bei Dietz geschehen. Denn diese Form igt sehr inte 
Für den, welcher sich über den Antichrist bei L. zn belehren wumd 
Dietz wenigstens in soweit gesorgt, daß er ihn von Antickrisiisek S. 1 
endechrUt verweist. 

S. 552 Er für her. Der Verfasser hat sich mit der Yerzeidmai 
dieser Zusammensetzungen erah, erauf S. 553, emach, emitder S. 582 
eine rechte Plage gemacht. Für den Fachmann genügte der Artikel 1 
dann vielleicht noch etwas ausführlicher hätte gehalten werden können. 
ist doch gezwungen die Zusammensetzungen mit her nochmals anzvfiiki 
man nur unter dieser Form die Worte suchen wird. 

S. 555 Erbeis (erhes). Auf S. 527 steht ganz richtig: ^Emeis, a. a 
Warum hat also Dietz hier nicht auf das heutige Erbse einfach venriei 
dann unter dieser Form, welche S. 558 mit Verweisung anf erbeis eii 
ist, das Lexicalische abgehandelt? 

S. 690 Forcht. Hier hätte einfach erwähnt zu werden braachen, di 
alte Form nur noch in den frühesten Schriften vorkommt, mit Verwdii 
die Stellen, ohne Ausführung. Der Wortlaut konnte dann auch nnter 
kommen, wenn es auch dann im Citat forcht lautete. Dann hätten die Bil 
forchtlich, forchtsam sich hier sparen lassen. 

Schließlich gedenke ich des Wortes Feil auf S. 645, an welches im 
Menge Bildungen anschließen. Dieses Wort ist ein recht deutliches Beisp: 
ein Lexicograph in das Gedränge kommen kann. Soll hier feil bleibet 
soll fehl gesetzt werden? Dietz hat sich für feil entschieden, wahrscheinl 
nicht genüthigt zu sein, bei Annahme vom heutigen fehl immer das 
Klammer zu setzen. Trotzdem hätte ich mich für fehl entschieden; ic 
bei den zahlreichen Zusammensetzungen einfach die Form hingpesetz* 
Klammeranführung y wenn einmal bei dem ersten Vorkommen über di( 
das Nothige gesagt war. Das Citat bringt ja ohnehin Luther's Bedeweise 
allein um dem praktischen Bedürfnisse zn genügen, hätte ich so das Vc 
eingerichtet und von feil auf fthl verwiesen, sondern weil auch der 
seltener war in früherer Zeit als ^ und rr. Ein Wörterbuch zu Lnther i 
kein Idiotikon. 

Andere Grundsätze müssen aber gelten, wenn es sich um Worte 1 
welche wir nicht mehr haben. Da muß das Wörterbuch ohne allen Zwe 



l.ITTERATUR: DIETZ, WURTERBITCH. 225 

e <ies IdJDtikona einhaltcii. So war ce z, B. von Dietz durchaus richtig, 
er dat Wort freidig nicht S. 710 unter FTciidty abhandelte, sondern ihm 
besondere Stelle iinm'ea mid bei Freudig nur aagf.e: b. fri^idii/. Denn die 

lerha/te Umwandelnog io fremüg, die xn einem MiliTerstUndniaae führt, kann 
nicht maßgebend seia. Eben durch Lutlier's Bibel muQ das verlorene Wort 

BTin Sprachschatze wieder gewonncu werden. 

Dahin gehört auch bezemen S. 299, ivelohcE in der Bibel nur einmal vor- 

imt. Trot« der Vei^nderung in hKähmen in den BibelauaRnben und Concor- 

ten hat Dietz mit allem Recht sich von dieser Neuerung nicht beeinfloUeii 

Ebenso ordnete er Luther's ejigai s^stemgemäQ unter Augen S. 15&, Db- 
n kiinn man doch fragen, ob auch Eräugen S. 5ä3 als auagefülirter Artikel 
Platie Wttr. Hier würde ivh diese Form anführen, zugleich auf äugen, aber 
I a,at treigneH Tcrwcia^n, und unter letzterem daa LeiicaÜsche bringen. Zum 
featon hätte Kr/inr/nen als Ärtikelwort angesetzt werden müssen, welcbes 
che wieder einfuhren wollen. 

Das Lezicon bringt seiner Natur nach das Grammatiachc zcntreut nuter 
eiuselDen Artikeln. Abgegrenzter für sich tritt uns die Lautlehre entgegen 
r den einzelnen Buchslnben. Wer sich auf dicaem Gebiete genauer unter- 
leg will, als CB ihm durch das einleitende Vorwort von Dielz geboten wird, 
I sieb geviQ nach den Belehrungen über die einzelnen Buchstaben um. 
ithougen A^ilich und Consonantenrerbindungen werden nicht leicht in einem 
terbuche specielle grammatiache Behandlung finden, sondern nur unter den 
ichen Lauten. 

Betrachten wir die einzelnen Buchatabeu, so weit sie bis jetzt erledigt 
, nacK dieser Seiti' hin, so wird dem Verf. das Lob freudig ertheilt werden, 
er bei möglichster Kürze ausreichende Belehrung bietet. Manchmal würden 
allerdings noch Weitürca oder andere Fassung wünschen, 

A: Die (cnm grano salis) Rückumlaute gtkart, gdarl, die im Vorworte ge- 
lt «ind, hat Dietz hier unbcrUckaichtigt gelassen, — Unter «) sind die Worte 
" ' a Vergleich zu unserer heutigen Schreibung kein Dehnungszeichen 
m. Hier hlittcn die ursprünglichen Kürzen (wie ban, bezaka) von den 
jigUcIien Längen (wie hart, räl) getrennt werden aollen, — Die .Schreibung 
' nebra ii Latte kurz erwähnt werden können. 

B: Die Erweichung des 6 zu «i in bäte zu watt wird wohl unter W be- 
werden, deshalb würt^ die Noiix am Platze gewesen: s. auch VV. 
C: Die Verdoppelung et hätte hier nicht unerwähnt bleiben sollen, wenn 
ill Beispiele erat unter E gegeben werden. 

D: Unter den Beiapielcn der Dentniraedia statt der heutigen Ten uia hütteu 
principiellc Trennung derer genünscbt, welche Ijn Mhd, ebenfalls (/ habou 
i) von den andern, welche auch im Mlid. gleich dem Nhd. der Jüngern 
die Tennis aufweisi'n. Dietz führt zwar in Kliunmer bei einigen die mhd. 
in, doch entapricht dieß nicht einer geordneten grammatischen 
llung. Unter diesen Beispielen ütclit uuch Dilringen. Das Wort musate 
indem genannt werden, denu wir schreiben heute nicht Türingen, soudern 
was aus TKuriN^iu entstand, wie die lateinisch sehreibenden Ohro- 
und Uistoriker sich den N'amcn zurecht gemacht iiabeu. Ubt^^uue, V'^^<a>^ 
Ingea utuerdi;^ meäei- sich der vorzuwagen. 

Jim Jtooi- V. (nn I J^qt- \'%t 



226 UTTERATUR: DIETZ, WÖRTERBUCH. 

E: Hier hätten 8ich öfters zur Erleiehtemng der Übersicht Trenni 
der Terschiedenen Wortclassen, der KQrzen und Längen empfohlen, bei 
Schreibung e für ä und <r, der Schreibung eh fui e und S^ der Schreibang 
för e und i. Die Yon uns nicht gebilligte Darstellung des e für a und d 
Vorwort findet sich auch hier, ebenso sind die Plurale von naddy waal und 
als des Umlauts entbehrend genannt. Das unorganische e im Praet. der 
Verba ist hier unberücksichtigt geblieben« 

F: Hier ist alles erschöpft und zugleich gut geordnet dargestdlt. 

Hat dir Lexicograph vorzugsweise den Sprachgebrauch hinaichtlieh 
Wortbedeutung zu belegen, so wird ihm in zweiter Reihe auch die Ai 
zu Theil, die grammatischen Elemente zur Geltung zu bringen. Außer den 
den Lauten abhängigen Wortformen müssen die Eigenthnmlichkeiten der 
der Gebrauch der Genera zu Tage treten. Nach all diesen Richtangen hia 
Dietz seine Aufgabe in würdigster Weise gelöst. Aber auch hier sei es 
gestattet, einige Wünsche zu äußern. 

Ob ein SubstantiTum Masculinum, Femininum oder Neutnim ist, ob 
stark oder schwach decliniert wird, ebenso ob ein Verbum nach der oder ji 
Conjugation geht, das alles möchte man consequent angegeben finden. Bei 
Vermischung der yerschiedencn Flezionsarten ist es schon in Lnther^s Sj 
häufig, daß z. B. der Singular stark, dagegen der Plural schwach ist, daS 
Genitiv im Singular zu der schwachen Flexion auf n noch ein #, das 
sticum der starken, hinzufugt. In solchen Fällen wird allerdings die blofie 
Zeichnung m. , /. und n. statt ittm. «trr/i. ; stf. swf. und stn, twn. toi 
sein. Gerade die Substantiva, welche im Gegensatze zur alten Zeit 
flectieren oder im Gegensatze zur neuen Zeit alterthümlich , werden v 
sichtlich der Declination am meisten interessieren, darum werden Citate, 
uns neben der Wortbedeutung auch zugleich grammatische AnfschluMe 
vor aUem willkommen sein. So z. B. ist bei Böge S. 327 auch die N( 
form bogen angegeben. Aus einem Citat ersehen wir den modernen 
bogen* f also müssen wir uns begnügen, wenn es nur heißt: m. (maacnlmi 
Dasselbe gilt von Filrste S. 757. Nicht alle Artikel befriedigen in 
Weise. Bei fliege S. 690 z. B. hätte statt /. gesetzt werden sollen ««/.; 
belehrte von yomherein, denn mit /. allein ist nichts anzufangen, da Jedi 
weiß, daß das Wort Femininum ist. Das /. brauchte also auch gar nicbt ^ 
stehen. Das wichtigste ist der Gegensatz zum heutigen Gebrauche, da wir ßtti 
stark im Sii^gular flectieren. Solche Fälle, die eine genaue grammatiscbe Bl 
Zeichnung der Declination vermissen lassen, könnten noch mehrere nanihd 
gemacht werden. Es mag diese Andeutung genügen. 

Dasselbe ist der Fall bei der Conjugation. Auch hier nur ein paar Bd 
spiele. Brennen S. 344. Heute brauchen wir nur brennen swr. auch in iatm 
sitiver Bedeutung. Luther wendet, wie uns Dietz grammatisch belehrt and «i 
er auch durch zwei Citate belegt, auch noch das starke brinnen mn; aber di 
starke Verbum steht in diesen Citateu nur im Praesens. Ein 6rafi im Pka^ 
ist nicht nachgewiesen. Kommt es überhaupt nicht vor, dann hatte der 
graph zu dem Satze, daß das et. brinnen noch einigemal eracheine, 
zusetzen: im Praesens und Infinitiv; Praet. bran fehlt, dagegen Part 
«• aöörennen. (S. 5.) — Die einfachen Verba werden im Wb. natürlich 
ireiiia vod ^frammatischen Bemerkungen 'b^^UX^ hvoü^iK^ ^^ Cmnynita, 




UTTERATÜR: DIETZ, WÖRTERBUCH. 22? 

will man tot Vollendoog des Cransen lich auch durch naammengesetzte 
aber ihre Flexion imtenichten. Bei Ärupeien S. 101 bieten die Citate 
aebwaohe Praeteritom, deßhalb, TorauBgesetzt, daß sich das starke gar nicht 
y war XU schreiben: „Aiupeien swr., mhd. an »pHwen stv. und swr. — ^ 
IMe lexicaliscbe Arbeit des Verfassers yerdient unsere höchste Anerken- 
Die Bedentangen sind scharf gesondert, die Beispiele sind so ausgewShlt, 
der Sprachgebrauch Luiher's deutlich erkannt werden kann. Daß der Verf. 
iter noch hätte sparsamer sein können in der Anzahl, soll nur in Hinblick 
den nicht geringen Umfang des ersten Bandes gesagt sein, der erst bis 
F reicht. Was das Werk besonders auszeichnet, ist seine Correctheit. Ein- 
Verstoße siod gerade in einem solchen Buche nicht zu yenneiden, und 
Yerfiwser hat solche, die ihm selbst nach Vollendung des Druckes entgegen- 
sind, berichtigt. 
Mit den Berichtigungen sind auch einzelne Nachträge yerbunden. Einen 
lg bat der Verf. in dem letzten zusammenfassenden Verzeichnisse aus- 
was eigentlich schade ist. Die wichtige Stelle über allein (solum, 
l) im Sendbrief yom Dolmetschen, auf welche ich Germ. 6, 471 hinwies, 
ebenso wie dem d. Wb. entgangen. Auf dem Umschlage zum ersten 
wurde sie nachgetragen, aber jetzt fehlt sie wieder unter den Nachträgen 
8. 767. 
Dafi auch in lexicaUscher Hinsicht die Arbeit yon Dieti zu manchen 
MDeningen Anlaß geben würde, wenn es auf eine Kritik nach dieser Rieh- 
^g hin abgesehen wäre, wird man ohne Versicherung glauben. Ich habe mir 
Wbe Dinge gar manche notiert, aber ich bringe sie nicht yor, einmal weil 
r Aügeoieinen jede Wörterbuchsarbeit, die mit Kenntniss und eifriger Hingabe 
PSrdart wird, yiel zu sehr die Hochachtung herausfordert, als daß man den 
Dank durch einzelne Ausstellungen zu beeinträchtigen wagen darf, 
zweitens, weil einzelne Bemerkungen nur Einzelheiten berühren, die nur 
seltenen Fällen auf eine principielle Berichtigung hinauslaufen. Meine Beur- 
wandte sich yorzugsweise dem Grammatischen zu. Nicht etwa einer 
Auflage, welche solche Bücher fast nie erleben, sollen meine Erinne- 
sn Ghite kommen, sondern, wie ich bei Besprechung des einleitenden 
angedeutet, der weiter schreitenden Arbeit des Verfassers. Wohl ist 
kicfater in einem reinlich gedruckten Buche Mängel ausfindig zu machen, 
dem Verfieuser, den Tausende und aber Tausende yon Zetteln und Notizen 
, möglich ist, sie zu yermeiden. Nichtsdestoweniger darf eine wohl- 
le Beurtheilung die jetzt schärfer henrortretenden Unebenheiten und 
ichtigkeiten bezeichnen, damit der Lexicograph sie künftig, so yiel an ihm 
▼ermeide. Wird uns in diesem Wörterbuch zu Luther's deutschen Schriften 
T<nTOgliches Werk geboten, so wird der Verfasser es nicht ungerechtfertigt 
wenn wir es so yoUkommen wie möglich wünschen. Andererseits vrird 
■aehdem er in Erfedirung gebracht, daß nach einer Richtung nicht alle 
leche befriedigt sind, sich bestreben, die Fortsetzung seines Werkes so yoU- 
■%meo wie möglich zu liefern. Und das ist keine Anforderung der höchsten 
K Vollständigkeit, Conscqueuz des Planes und der Ausführung, Genauigkeit 
IN JLiOgik in der Darstellung des historisch gegebenen Sprachstoffes: das ist 
Sk was wir klnftig in höherem Maße ersehnen. 



238 LTTTERATUB: J. GBDIM, DEUTSCHE GRAMMATIK. 

Das Wörterbuch Ton Dietz ist gleich beim Erscbeineo der erstoi 
rang freudig begrüßt worden. Allseitig wurde die große Bedeutung des ¥ 
erfasst und anerkannt, wurde dem Manne, der ein so schweres Werk begi 
warmer Dank zu Theil. Möge diese Anerkennung und dieser Dank sidi 
bewahren durch eine thätige äußere Unterstützung des Werkes. Wer unli 
Facbgenossen nicht in der Lage ist, mit diesem Wörterbuch seine < 
Bibliothek zu schmücken, der sorge für seine Anschaffung auf offent 
Bibliotheken und für seine Verbreitung in den Kreisen der Theologen. 

Indem wir dem Verfasser zur Vollendung des ersten Bandes hen 
Glückwunsch darbringen, wollen wir ihm zugleich Kraft und mathige Am 
wünschen zur Fortsetzung und Vollendung seiner gewaltigen Aufgabe. Mc 
das Bewußtsein hegen, daß er nicht allein ein längst begehrtes , nothwe 
und dankenswerthes Unternehmen in*s Werk gesetzt hat, sondern daC 
Luther- Wörterbuch auch zu den bedeutendsten Leistungen gebort, wekh 
langem auf dem Gebiete der deutschen Philologie geliefert sind. 

JENA Tor Weihnachten 1870. REINHOLD BECHSTEDi. 



Deutiche Grammatik von Jacob Orimm. Erster TheiL Zweite Ausgabe, 
yermehrter Abdruck. Besorgt durch Wilhelm Scherer. Berlin, FenL I 
lers Verlagsbuchhandlung 1870. XXX und 992 SS. 8^ 

Wenn ich jetzt erst — nach Jahresfrist — auf dieses Buch sa ^i 
komme, so bedürfte wohl nicht das der Rechtfertigung, daß es aberiuuql 
geschieht, sondern daß es so spät geschieht. Aber wer vermöchte bei 
Buche, das man nie weglegt ohne neues gelernt zu haben, zu dem man 
oft genug zurückkehren kann, zu sagen: jetzt hast du al^esehlossen, 
kannst du die Feder zur Hand nehmen und deine Beobaehtangen i 
schreiben. Und wen hätte nicht in solchen Lagen das bange GefSlü 
kommen nichts der Sache würdiges sagen zu können, wenigstens nicht 
nicht andere neben und mit ihm ebenso fühlen und wissen, leieht aber 
sagen könnten? Bei solchen Bedenklichkeiten kann es aber geschehen 
nothwendiges ungethan bleibt und doch sollte die Germania ein den 
Erängnis wie es eine neue Ausgabe der Grammatik ist, nicht onbespi 
lassen. So liegt sie denn da ein Geschenk eines liebenden Meisters, ein Z 
eines dankbaren Schülers, der mit treuer, selbstloser Hand Fleiß und S< 
diesem schönen Unternehmen gewidmet. 

J. Grimm hat seiner Grammatik die Liebe, mit der er sie beg 
sein ganzes reiches Leben hindurch bewahrt. Auf vielen Gebieten s 
Wissenschaft hat er seine Pflugschar eingesetzt, zu keiner Pflanzong 
aber lieber und öfter zurückgekehrt wie zu dieser, welche an Bedeutong i 
lieh auch alle seine anderen Hauptwerke hinter sich lässL Die im Jahre 
begcmA^e Umarbeitung ist freilich nicht weit gediehen, zahlreiche Ai 
widmen sich aber theik ganz der Grammatik, theils bringen sie haofig 
merkangen zu ihr. Nebenbei aber trägt er sich was die Lectare ibm 
in sein Handexemplar ein. 

ißt diesen Nachtragen Yetsehen und ^venii^^aXi «nRhfiint nun dieser 
Abdruck snnächit der iweiten Auagabe d«a «t%'U;Ti ^%sA^a. ''^iV^ ^«l V 



LITTEBATUR: J. GRIMM, DEUTSCHE GRAMMATIK. 229 

»er xn Werke gegangen zeigt und rechtfertigt er in Beinen^ einleitenden") Be- 
kung^. Er hat die Zusätze, die oft reichlich und daher wenig übersichtlich 
weißen Ränder des Handexemplares füllen, an die rechte Stelle eingetragen. 
I ist auch die einzig mögliche Art einer solchen Arbeit. Daß die gramm. 
rtchnng heute in rieltn und wichtigen Punkten ganz anders steht als sie 
1 in der Gramm, zeigt, weiß jeder. Über die Endergebnisse der gramm. For- 
Qng kann ihn daher das Buch nicht belehren, ja es bietet manches, was 
ilweise schon J. Grimm als Irrthum erkannt und anderswo berichtigt hat. 
ite die neue Ausgabe auf den Stand des heutigen Wissens gebracht werden 
it sollte durch Hinweisungen bei Irrthümem oder weiter geführten Ansichten 
B Lieser die Möglichkeit geboten werden sein Wissen zu berichtigen und 

erweitem? 

Das erstere kann und darf billiger Weise Nieman d fordern. Es war daher 
eh ein wenig gegründeter Vorwurf, der in dieser Zeitschrift der neuen Aus- 
be des Schmeller gemacht -'wurde. Ausgehend yon ganz und nnstreitbar 
htigen Grundsätzen hat der geehrte Verfasser des angezogenen Aufsatzes 
kl Herausgeber großes Unrecht gethan. Was er wünschte ist noth wendig, 

es aber von einer neuen Ausgabe zu verlangen war? Solche grundlegende 
beiten müssen in ihrer Gänze mitgetheilt werden, das ist eine Forderung 
r Pietät, die doch höher steht als der geringe praktische Vortheil. Auch 

der UnYolist3uidigkeit und theil weisen Unyollkommenheit behalten derlei 
erke ihren Werth. Und wer darf das alte Gefüge, das wir' so ehrwürdiger 
jid yerdanken, sprengen und unter ihrem Namen etwas ganz neues, anderes, 
d das würde es, bieten? Das einzige was billiger Weise vielleicht gefordert 
bden kann sind Nachträge, zu denen sich wohl Frommann entschließen wird, 
anderes ist es, ob nicht in kurzen Noten auf neu gewonnenes oder 
gefundenes hinzudeuten gewesen war. So hat es MüllenhofiT gethan in 
r Ausgabe der Deutschen Heldensage und so auch Frommann. Aber Scherer 
t ganz richtig die Unmöglichkeit auch dieser Behandlung für die Gramm, ge- 
^ Wo hätten diese Noten anfangen und wo aufhören sollen, wenn es der 
iransgeber nicht so gehalten hätte« wie es leider einigen Bänden Ublands er- 
■gen, wo die Noten mehr das Werk des Zufalls, als der denkenden Arbeit 
t sdn scheinen. Was die Noten nie geleistet hätten, das erwarten wir von 
■er Geschichte der Deutschen Grammatik auch über Grimm hinaus, zu der 
er Herausgeber der Grammatik vielleicht doch einmal Muße finden wird. 

Die Nachträge und Znsätze J. Grimms reichen bis in sein Todesjahr. 
• 597 zieht er „Forschung und Kritik^ an. Vierzig Jahre lang ist dieser erste 
■od durch seine Hand gegangen, wie oft mag er ihn zu Nachträgen hervor- 
iftolt haben. FUrwahr eine schöne Liebe, die sich auch noch dadurch bcthätigt, 
dl er so manches Erinncrungsblatt aus seinem äußern und inuern Leben in 
küelben vctbirgt. W. Scherer spricht Seite XXIII davon. Wir kannten diese 
■BJge, menschlich schöne Art Grimms, diese Treue gegen das Leben, seineu 
■tiienschein und seinen Schatten — beidos ist verewigt — wer aber hat 
kie Zeilen ohne Rührung gelesen? Wer möchte diesen Zug zum großen Bilde 
■Hen? Halte man nicht für unbedeutend, was kleinlich scheint. Diese Art 
' das Zeichen wahrer menschlicher Güte. Und die Geschichte der stolzen 
■fiuige unserer Wissenschaft ist die Geschichte edeler Meii«^V\c^. 

Nebe» den RandgloBBen , die das Herz in ¥oTm nou «Vammi^^Ti '^&^i^^^^^^i:^ 
bi^ äteben in friedlicher Eintracht die wiBBCüBeViaiK^^Vi^ TatiäNiä* 



230 LITTERATUR: J. GRIMM, DEUTSCHE GRABOfATK. 

Man erinnert sich hente kaum mehr daran, mit welch* entai 
Schwierigkeiten J. Grimm bei dem Anfbaue seiner Ghramm. xu kimpfen 
wir fast (ich sage fast) im Überflüsse schwimmend, denken kaum meb, 
Grimm noch keine Yollständige Ausgabe des Heland sn Gtebote stand, 
TeriäOlicher Otfried n« s. w. So hat denn Grimm seinen Nachfolgeni sack; 
der inneren Geschichte der deutschen Sprachen ein reiches Feld lo 
ThStigkeit hinterlassen. 

Grimms Zusätze betreffen zunächst Nachträge zu den Belagen, ^e 
TOÜ diese sind hat W. Scherer schon nachgewiesen, wie jedem 
sich das Bedürfnis nach möglichst YoUstiLndlger Indnction aufdrängt, 
neben Schleicher auch Holtzmann in seiner altd. Gramm. Seite YU. F8r 
Dialecte, das ags. und altn. vor allem wären derartige Arbdten eine 
Nothwendigkeit. Des Unsicheren, das sich gerade in diesen Mnndaitsa 
hinschleppt y ist fast eine erdrückende Menge. Nirgends freilich ist bei 
in den Nachträgen Vollständigkeit auch nur angestrebt Wer je ein Bidi 
der Bibliothek desselben, wie sie jetzt die Berliner Uniyersitäts-Bibliotbek 
wahrt, in der Hand hatte , erinnert sich der vielfachen Zusätze in den 
schönen Zügen seiner Hand. Solche Lesefrüchte haben auch in das 
ezemplar J. Ghimms Eingang gefunden und wie mancher Fall lebhite 
Grimms Erinnerung war, so fand er häufiger Nachträge als ein anderer, 
größerer Sorgfalt und besonderem Hinblick auf die Grammatik scheint 
Notker und Heland gelesen und ausgezogen worden zu sein. Die Zusätze 
oft größeren Umfanges, wie im mhd. 593. 595. 599, im mittelniederi. 
dänischen 670. 677. 685. Das ags. ward bereichert yorzüglich aus KeaM 
Cod. dipl., von dem alle 6 Bände ausgezogen scheinen, ferner aus BeoTolf wM 
(Thorkelins und) Kemble's Ausgabe, aus Schmids Gesetzen der Angelsafhwit 
Cädmon, Boethius, theilwcise ans dem Ez. Buch, vieles noch nach CongbsHi 
Illustration. Im altnordischen hat das altschwediscbe öftere Rücksicht gefönte. 
Die reichsten und allseitigsten Zusätze erfuhr aber das mittelhochdeotiek, 
wie beim Entwicklungsgänge unserer Studien nicht anders zu erwarten vti. 
Ich gebe hier nur was mir nach flüchtiger Durchsicht nach der Seite hin vd 
gefallen: Diemer D. Gedichte, Wolfram, Frauendienst, Erec, H. v. LtbeB 
Biterolf, W. v. Rheinau, Rudolf v. Ems (Barlaam, W. v. Orlenz) Flore, Am 
Eneit, Wizlav v. Rügen, Lanselet, Eradius, Tristan (Maßmann), Flecke, Otak« 
gute Frau, Hartman (manche besondere Bereicherung aus der Ausgabe des Iwea) 
Konrad, Mystiker, Neifen, Gesammtabenteuer, Grieshaber Pred., Berthold, 99§ 
Hdbelinc, W. von Elmendorf, Ffaffenleben, Warnung, Ernst, Geoi^g, RAdait 
TOD Braunschweig, Heinr. v. Neustadt Apollonius, 586 und 857, an wdeh leli 
terer Stelle, der fehlerhaften Gx>thaer Hs. folgend, irriger Weise ein stuke 
Zeitwort noeben angenommen wird. Das mhd. Wörterbuch wird angezogen M 
Nib. nach C Seite 853. Ausserdem sind herbei gezogen J. Gotthelf für dii 
Berner MA., Müllenhoff zum Quikbom, Meynert Volkslieder. Briefliche Äußern^ 
Lachmanns S. 715.*) 



*) Eine kleine Ungenanigkeit, die mir aufgefallen ist, mag bemerkt werte 
Saito 867 (— 949) steht bekrellenf cod. vind. 653. 122* Es ist die alte Besdchmfi 
itn^ BoUte eifrenthch beiMen cod. theo!. 653. Die Stelle ist Genesis 80. 12 



LTTTERATUR: SCHADE, INTERROGATIO 8ANCTI AN8HELML 231 

Nebeo der einfacheren Form der Nachträge finden sich auch in den 
terkongen Ans&tze zu Untersuchungen, hie und da auch Resultate solcher, 
^ Seite 690 üher den Gehrauch Yon erde stark oder schwach, wo es riel- 
lit Ton Stricker richtiger heißen soll „erde und erden". Zum Worte Hheide 

wohl das Citat lauten Iw.'S. 464. Wie sehr Lachmanns feine Untersuchungen 
liefen Fragen uns gefordert haben, lassen uns diese und die folgenden Seiten 

Gramm, nicht Ycrgessen. Die Spuren der t«-Declination der fem. bringen erst 

Zusitse. Beachtenswerthes fugt Seite 594 unter 6 an, wo gerade das 
Benhafle der Zusätze wieder zum Weiterforschen drängt. Ebenso auch 597. 
. SeitenstQck zu riben : yertriben, das Grimm S. 598 aus Parziyal 184, 15 
Bhrt, hätte ihm auch , an dem theil weise benutzten Apollonins »chüeben : 
«n bieten können. Die kleinen Irrthumer, die Seite 599 mit ome und 6me 
^crgelaofen sind, lassen sich aus dem mhd. Wtb. schon leicht bessern. Hier 
d auch die TOn Gr. angeführten Stellen aus dem Renner nachzutragen. 
Anfragen bringt S. 654, Hinweisungen auf lebende Mundarten öfter z. B. 

736, Sprachyergleichendes wird herangezogen S. 751. 

Doch wo Ui dieses Reichthums ein Ende? Nur kurz andeuten wollte ich, 
I TieUeitig anregend diese Nachträge sind. Wir werden alle bei unseren 
nftigen Arbeiten auch die Zusätze des großen Meisters dankbar benutzen und 
iter fuhren. Wir werden aber auch dankbar dessen gedenken, der Zeit und 
She nicht gescheut und sich und dem großen Manne ein so ehrendes Denk- 
J gesetat. 

MÖDLING, 29. October 1871. JOSEPH 8TR0BL. 



car Schade, Interrogatio Sancti Anshelmi de passione Domini. Halis SaxO' 
num in libraria orphanotrophei MDCCCLXX. IV u. 13. 4^. 

Es ist ein verdienstliches Unternehmen, die lateinischen Quellen deutscher 
sdichte, die im Mittelalter große Verbreitung hatten, auf's Neue und in cor- 
iten Texten dem Publicum zugänglich zu machen. Seiner Visio Tnugdali und 
n Liber de infantia hat Schade eine Interrogatio S. Anshelmi, oder wie der 
B Mittelalter geläufigere Titel lautet: Passio Aüsbelmi, folgen lassen. Hoffen 
r, daß der Herausgeber fortfahre mit dergleichen Publicationen , und schiene 
s besonders, um ein Beispiel anzuführen, der Elucidarius eine solche zu yer- 



Schade hat seinem Abdrucke eine Gießener Handschrift des 15. Jahr- 
laderts zu Grunde gelegt und eine zweite ebenfalls Gießener Hs. des 14. Jahr- 
nderts zur Vergleichung heraugezogcn. Von einer besseren Hs. hat der Her 
ügeber, wie es scheint, keine Kunde gehabt; ich gebe nachfolgend einige 
rohen aus ihr, die deßhalb von Wichtigkeit sind, weil nicht unerhebliche Stücke 
ihr enthalten sind, die im Schade'schcn Abdruck fehlen, die aber das nieder* 
ütsche Gedicht, die Vorlage des niederrheinischen, enthält. *) 



*) 8. Lübben, Ancelmus vom Leiden Christi. Als Anhang zu seiner Ausgabe des 
»Hl. Bremen 1869. Beiläa6g bemerke ich zu Lübbens Notiz p. XIX: 'SSancto anshelm 
Ute vDsir lieben frowen lange zieth mit fasten wachen vnde mil aivdftc\i\i%«i&. ^i^tV^^^S^ 
as Verbnm fehlt)* ^ daß cSib Verbum nicht fehlt , weim miü «\jiNX >vaU.«\ikMX>»Q>^« 



232 



LITTERÄTUK: ÖCÜAUE, IiNTEKUüGATlO hiANCTl ASiSHKUII. 



Diese Handschrift beailizt die Leipziger UniTersitalibibliothek Ms. 36&| 
sie geborte früher dem JncobekloEtor in Pegau. Die Hs. io kl. 4° ist auf Pa 
gament, klar und dentlich, trenn aucU uicbt fehlerlos geBchrieben, und gehH 
der Mitte des 13. JahrbandertE. Der Charakter der Schrift würde berechtigea, 
ihr ein noch hühoTCB Alter eu Tindiciereu, wenn nicht die Erwühnnng der Dome« 
kröne im franiÖftiacheD Besitz entgegenstünde; dieselbe gelangte im Decemboi' 
1238 in die Hände Ludwigs IX. (Schade p. IV Note). Daraus aber mit 8chkd( 
zu acliiie&i:n, daß der Dialog überhaupt erst Anfangs des 14. JahrhundertA g«- 
schrieben sei, ist nicht statthaft, da unsere Handschrift älter iat; außerdem k(UU 
der Dialog recht wohl vor 12i)8 geaclirieben sein, denn die Erwilhuang d 
Dornenkrone ist nieht durch den Gedankengang gefordert, sondern ein lo* 
Einacbiebsel : der Sinn leidet nicht die mindeste Einbuße, wenn die Worte 'haue 
[^oronam habet rei Francie (p. 9, 13) wegfallen. 

Die rein stjliatischen Verschiedenheiten beider Texte sind so be4etttnk< 
wie sie nnr sein können, ohne den Sinn lu alterieren; ich lime sie bei Seite 
und verzeichne nur die wichtigeren Abweichungen. 

5, 5: tarnen — ciplicabo /üAif. 17: per portam — dormientibos /Mi. 
24 : Budavit de corpore suo quia omuia preacivit. ridelicet — quia prcacMI 
fthll. 38 : misereri. Tercia quoil patri discipnlus commendareL 

6, 4; retrosum; <|Uod bis factum est. Et postea diiit. ?S- que voutur 
aureu ductus fuit per plateam scribarum et propbetaruui in domum Anne. 
24: mundo — ■ eonveaiaiit fehlt. 97: alapam dicena sie respondes ponttficl?' 
Cui Jhesus si male. 29: tunc Inniavit panniculum de eumisia et ligavit oeulw 
tamquom. 36: eontremuenint — aurgenaque fehlt, 

7, 3: lacrimarum et plorabo die nc nocte quia louge factua est toinui 
consolator. Et Maria. 4 : quc audiens — in eternum fehlt. 7 : L't ego i 
et andivi omnia quc tota illa nocte facielinntur scilicet ülusiones blasfemias d 
contumelias quas iilio mco infcrebant. Et cum negasset, 10; cui cum — (Ja- 
mane fehlt. 11: kariaairoa domino, taoi miscrahiliter Iractatnr filins tum quoJ 
nuÜDB explicare potesL Et cnrrcns. 13: Anahelmus — pertransirit fddt. 
17: vidubam desiderabilem vnitum sputis Judoorum maculatum et crines düv 
nialOB. Et ejulans et plorans et alta voce clamuna dixi. 39 : dJco vobia, nd*- 
bitia celum apertum et Hlium hominis sedentem a dextria dci. Tunc princepa- 
.35: et quorura — paverat fehlt. 

8, 1 : de regno suo. Jlicaus antem tliiit regnuin meain. 7: 
RvBpomlit Tylatus quid est. 9: Tiitena cum dampnatum, retiilit i 
dieeuB Pecvari tradcna sanguioem juatuni et abiens laqueo se suspendit. Jit 
antcm Pjistus ad principes sacerdotuin et ad lurbas 'Nullam 
in homine isto.' At illi. 14: doccna — iucipiens feAll. 16: qu'ui — üHl 
diebns fehlt. 17: erat antcm — co ficri fMl. 24: hac Corona — cor« 
feUt, 28 : ainJci Heroiles et Pflatos. Pilatus aulcm volebat dimiltere J 
at illi pelcbaut Barraban diceiiteB 'tolle et dimitte Borraban, rt Glain»1w4 
'crncifige, cmcifigG eum.* Hie vcro diiit 'quid ciiim malt fecilV Nidlam c 
morUa Invenio in hoc homine; corripinm ergo illnp et dimjtlam.' At Uli Ih 
■tubant vocibuB magnia ut criii:i<igrrutur. l'ior autt>n< P^'l-ti miBit ad com dicci 

9, ti: AnBhellnUB - — quasi Icproius /sAi wi«i Onini* • 
qni «e ttgem facil in co con' '-THid.' * '1 : rt g U> 



UTTEKATUil: HüUADi:, LNTKÜKüüATlO 6ANCTI ÄNSHELMI. 



ero tradidit voluntuti 

ibit — crucifigeretui' fehlt. 



eornm /chlt. 28: carcerem, Jbetum ^ 
i. Quid factum fuit poütea? 33: ut sc 
I Lacas Buribit fthll. 

10, 4 : unde Lucas — turba populi feJdt. 
, id est in me, iu arido quid dct, Lac est in saucÜB meis? Ducebuntur. 

[ eom autem — qiiumvis oiuuium uonteinptat habcatur fehU. 24: lucum 
, DudAvi-ruiit eum totaliter. 30 : Iraieratit et uUvum aimilem incusac' 
I ita qood omnia membra i3t ossa appatebaut, ut impkrctur illud in psalmo 
meraverunt omuia O&sa raea.' Cum audircm aouum inalleoruin et viderem 
liter manus et pedca ejus confixurunt, iterum gtadiuti Symeouis e 
Szit. 

11, 3: quasi lintenm, qua totum «anguincm de manibus et podibiu Gli^n 
I deQuentem suscepi, et fuit veetis. 10: similiter et — Iscael est desceadt 

14: tUQC matri potuil — liliua ilei sum micbique coupatere /e/i^£. 

Von Z. 24 UD eathält uua uuscrc Hs. einen breit aufffcfiibrten Plaucti) 

;. Nach dem Schade'schea Texte würden v. 930— 1008 de» niederdeutathea 

bchtea ala eine selbständige Zuthat Uea Dichters erscbeiueu, nüLrcnd ditt 

Evallitiodige An liattBp unkte flir den bctreS'enden Passus dea Gedichtes bietet. 

' PltinctuB Uariao ist iiicbt obne diebterinube Schüuheit und möge bier 

r<&ieii PUts linden, eiunial zur Vervollsläudigang unserer Nuchricbt über die 

I Uipciger Ha., und aodanii um eine Vergleicbung mit den lateioiBcbeu versi 

liöwten MaricDklagen , wie Mone Schauspiele des Mittelaltörs 1, 37 tF, deren 

ptbeilt hat, für Ändere, die ein Interesse daran haben niÜgen, zu ermög* 

. Derselbe lautet: 

Stsbam juxtu cruceui nierore plenu quia ei Boiaeiuiu ferre nou potui, et 
mant inecum mnlieres a quibus vel deoiorttia susleutabar. Unde ego videns 
pae Tiden« me plus dolebat du me quam de sc Aspieiebam ego in' 
Tdii rt misern dotninuui raeum et filiuin meuni in cruee pendcntom et morte 
lurpissima morieutem, tantaquc Iristicia et dolore vexabar quod non pUBset ex- 
plicari seraione. Nee miruni: discurrcbat enim tiunguis ejus ex quatunr partibus 
irrigautibus undis, liguo manibue et pedibua affixia. Du vultu ijjius pulcritudo 
efSoicrat omnia, et qui fuerut pre ülii» hominum speciosus, faetus est omni 
inilecDTUB. Videbam quod implebatnr ülud proplieticum in eo Vidimus euni et 
DOD erat aspectus et non erat ci specics neqtie decor, quia vultum ejus iui- 
'laorum fedaverat livor. Isic erat micbi dolor maxlmua quia vidtbaui me dem 
I quem genueraui nee supercrat alins, et ideo non paterat in me 
i_ dolor meuB. Vox penitua p^rienit oinuiu, set dabam gemitus ut sutipiria 
. Yolebam loquj, set dular >urba rumpcbat quia verbum inentc conceptujii 
d formncioncm oria pretenderet, impcrfcctuni non modicu» dolor coidi« 
, Videbam morientem quem diligit unima mea, et tota liquefiebam prc 
ungustja. A«picicbat et ipse, ut est bcnigniesimo voltu, me matrem 
I et verbis pauuia voluit me eonsolari, set consolari non potui (sie). 
1 diceiido: Fili nii, fili mi, ve mich!, ve michi, quja micbi det ut moriai' 
? O mieern quid faciam? Moritur Ülius: cur non moritur secum mestisBiiiia 
' Pill mJ, fili Uli, amor uniue, fili ditleiBsime, noii me derelioqncre, jiost 
! me ad te ipsum ut ego moriar tecum; male boIub morieris, tecilm 
p^matur iata tua. genitrix. mors miaora, noU miehi parcero, tu ntliLtu 
1^ pUces. Extrshe r'irea, trucida malrem, mattem nmyA üam Wto -^fefvint. 



234 LITTERATUR: SCHADE, INTERR06AT10 SANCTI ANSHELML 



Fili, dolcor nnice *), singulare gaudium, vita anime mee et omne 
ut ego ipsa nunc moriar tecum que te ad mortem genui. fiU, 
miseram et exaudi preccm meam, decet enim filiam exandire matrem desolatOL 
Ezaadi me, obBecro, et in tuo me suscipe patibulo, at qai iina Tita TixemU 
et uno «e amore dilexcrunt, ana mortc pereant. *^) Jadei miaeri, o Jidä 
impii, nolitc michi parcere ex quo natum meum unicam cnicifigitia': et mt 
cmcifigite aut alia qaacamqne seva morte perimite ut tantnm cum filio met 
simul finiar, male enim solus moritur. Cur ergo post filium mater Tirit in dokn! 
O mors miscra, non parcis proli, non parcas et michi, ta michi soli, o 
esto seva: tnnc summe gauderem si mori possem cum filio meo ac Chriato 
Duice est mori misere, set mors optata recedit. Melius michi est morte 
quam Titam ducere mortis, set fugit a uie misera et me infelicem relinqnit eii 
inultum nunc mors optata esset. fili carc, o benignissime nate misere matm^ 
suscipe preces: desine nunc matri esse durus qui cunctis semper fiiiati benigam 
SuBcipe matrem tecum in crucem et vivam tecum post mortem semper. Nil Ten 
dulcius est michi quam te amplexato in cruce commori tecum, et niehil ccrte 
amarius est quam viyere post tuam mortem. Tu michi pater, tu michi sponsv» 
tu michi filius^ omnia tu michi: nlmc orbor patre, riduor sponso, deaolor prok^ 
omnia perdo. fili mi, ultra quid faciam? Ve michi, ye michi, fili mi! Quo rad» 
carissime **^jy ubi me vertam dilectissime, quis michi solaciuin, quia michi consiliiai 
bubsidiumque prestabit, benignissimc? Fili dulcissime, omnia poasibilia tibi snC: 1 
si non vis ut moriar tecum, michi saltem relinquc aliquod benigne coDailium.* Tue 1 
filius mcus jam anxius in cruce, oculis et vultu michi annuens, de Johanne tu 
qui patieus erat et multum tristis et semper plorans Mulier, ecce filius ton 
ac si diceret mater dulcissima, moUis ad flendnm, mollis ad dolendami ti 
scis quia ad hoc veni in mundum, de te camem assumpsi, ut per emcit n^ 
plicium salvarem genus hamanum. quo modo igitur implebnntor s crip t ar e? 
Scis enim quia oportet me pati pro salute humaui generis. Die namqne teröi 
rcsurgam, tibi et discipulis meis patenter apparens. Desine flere, depone doloreo^ 
quia ad patrem vado et ad gloriam pateme majestatis percipiendam conacendo. 
Immo congratulari michi quia nunc inveni ovem erroneam quam tarn longo 
tempore perdidi. Moritur unus ut inde reviviscat totus mundus. Unius ob meri- 
tum cuncti perierc, minores cuncti salvantur unius ob meritumt). Qaod placct 
deo patri, quomodo tibi displicet, mater dilccta? Caliccm quem dedit mtdU 
pater, non vis ut bibam illum? Noli flere mater, noli plangere speciosisnma 
mater: non te desero^ non te derelinquo, tecum sum, tecum ero omni tempors, 
scilicet si secundum camem subjaceo imperio mortis, secundum diTinitatem ma 
fui et ero immortalis et impassibilis. Bene scis unde proceasi et unde veni: 
quaro ergo contristaris si illuc ascendo unde descendi? Tempus est ut reTcrtar 
ad cum qui me misit. Et ego quo yado, non potes modo venire, venies autea 
postea. Interim Johannes qui est nepos tuus, reputabitur tibi filioa et caram 
habebit tui et ipse erit tibi solacium fidele.' Iterum Johannem intnitna ait 'Eeee 
mater tua: ei servias, curam illius habe, eam tibi commendo. Suscipe matren 



*) S. Mone p. 46 v. 98. **) Hier und in don folgenden S&tzen schimoien 

deutlich erkennbar die Verse eines mir übrigens unbekannten Planctus Mariae im Vers- 
maß des Stabat mater durch, etAva: una vita qui vixerunt, uno amore dilexenmt, noi 
morte pereant ; vgl. auch : meo sim\\\ i\i\\KT ; t(\aV> hq\\]a TOL^ivtax \ mors optata reeedit: 
fii^t a me misera, '**) Vg\. die»eii Vaaavxa )qc\ ^^tkft ^. ^ n, V^ ^, WlSn 

iHsiichon. 



UTTERÄTUR: IVAK AASEN, NORSK OBIIBOG 



235 



m, immo magis suscipe meam. Hec paDca verba diiit. Johnnnee autum et 
I Ucrimaa fandere non ceMabiiinus; tacebftmus ambo quia prc dolore loqui 
1 poteramuH. Andit^bamu« Christum loquentom voce tbucsl et ipsam vide- 
Diia paalHtim morienteai, nt:u ni poturamua respondere verbuni quia videbamaa 
n JUD qaaai mortuain. Erat aulem hora sexta etc. (Schade 11, 37.) 

11, S9; vocat iete. Et dtcebant äinite, videamUE si veniat Heimat et 
■ret enm. ) Poat bec scieus Jhesiis quia otnnia conmmmata sunt, dicit 
:io. 33: in hac oommendacione ^ in finem Betuli fehlt. 

12, 3: et eieuntes — upparucrunt multie feJill. 5: soli Judei autcni 
leri induraverant corda snn. Stnbant antem omoes noti. 20: tane gandium — 
ifeutonem et autiafaccionem /<A^f. ST: quantum Bi — unicas easet /e/ilf. 

; juiait corpus dari Joseph. Qaod cam Juaeph deponcrct, stabum cgo eureuin 
[Hcieiis nt cum brachium aolveret, ogo tangorem et dooBciilarcr, quod et feci. 
: Cöram mc rideo. O quid fecisti, tili kariaalme? Quave te Judei tain cmde- 
r cmcifixrniQt? In gremio mco te mortuum t«neo: Iriatiasima matcr, fili mi, 
d foctet? Vp michi, fili mÜ Ve michi, fili mi! Ubi eet tuntiim gaudium quod 
BAtivitate tuH habai? Ve michi, in quantatn triatitian et dolorem veraam 
gsadiuni moum! Die dli dulcisBime, amor nnice, vita animc inee, amor oninie, 
^are gaudium, imicum solaciuDi, quare tne dimittia aic in doluref**) 

13, 1: venit et — eonBimilitadinem eoniarmai&t\vr fehlt. {) : Dumqaaro 
[omm penam paaauB fiiiBset, quinque tarnen vulnern que reservaturua est in 
n jndicti, fcmanaerunl. Von hier an fällt der Schreiber atw der Rollu; was 
ii folgt, berichtet er ineist nicht mehr in der ersten, sondern in der dritten 
lon: de quo matcr et diacipuli non modicum fucrunt consolati. Et cum 
eph et NychodeuiuB dominum aepelire vcUent, heata virgo eum magno merurc 
itsbne corpua teauit et aepelire non permiBiI dicens karissimi mei, nolitc 

bm cito tradere eepultare. Date illam miaere matri aue ut habeam illum 
lern defonctun]. Set ei illum deponilia in sepiilcrum, me mieeram aepelite cum 

***) qnia paat illum scmper male habcbo. Uli poncbant Chrialum in tum- 

D, et illa trahebat illum ad ae ipaam: illa volebat eum retincre. et illi vole- 

it eDm tradere icpullurc, et aic erat hec pia lia et contentio inter cos. 

nea tarnen aic amare fleltant ut vix qiiisque eorum ad plenum posaet rerba 

''%m«re. Videbant marrcm omni aolacio vd roboru deatitutam , et super illam 

iwiiu dabant planctiira qu&m super dominum suum exatinctum: mHJor erat illja 

'lolor de niatris dolore quam de dumini sui mortc. Cum nutem. licet ipa.i mul- 

_tDiii renitente, in scpulcrum positus fuiaact, ad eum intrare roluit, aet prohibita 

sepulcrnm te. proatravit f), et cum eatu Johannes. 31; Jude! antem — 

1 ono denario vendiderunt fthli. 
LEIPZIG, im Juiuar !87r. KARL SCHRÖDER. 



Hrtk Ordbog' af Ivar Aasen. Anden forögede Udgave nf Ordbog over del 
nonke Polkesprog. Chriatiania, Mailing, 1S71 und fgg. 

: Aaaen ist bekanntlich eine Specialität ganz eigen th Um lieh er Art. 
t im vollsten Sinne dea Wortes, bat er die Sprache dea Volk«, ans 




'*) Vgl. V. 1123 fi. Am Qiei\t\iVGi. **'^'**- 
tl Vgl. V. Hfib— IWi Am G»Ä>t\.M*. 



236 



LITTEKATUR; IVAK AASKN. NORSK ORDBOr,. 



dem er hervorgegangen, xum auaschließliebeii Gegenstände seiner Stadien gf 
macbt, nud diese Studien durch grändliches Eingeben auf die Spr acbgeschicbli 
aUinälich eo sehr vertieft, däü er unbedenklich noter den Oruminntikera mä 
Lexicngraphen der Gegenwart eine licrvorragcnde Stelle beiinapi-ticbeQ dnrf- Br 
iat so IQ aagcn der Eriinder der neunoriregiBchen Spruche, indem er znoi srtten 
Mals die nornrcgiäciicu Volkadiulectc in ihren Beziehungen tintcr sich und H 
der altDordischen Sprache antersuchte, die principielle Einheit fc^tutellte, »elefaa 
dicielbcn nocb immer als eine eigenUiümücIie Fortbildung dieser letttcren, der 
isländiauhcn und fxringischeu Mundart parallelgeheud , aufziifRaseu und iei 
Btbwediacben und dtLitiachco Sprache gcgeniiberzuaclzeu hcreclitigc, endlieh aneb 
die Forderung hieran knüpfte, daß die Schriltepraehe Norwegens selbst darcb 
liurUckgehea auf ihre Geschichte sowobl als nuf ihre dialectliche Gestaltung 
von der Herrschaft des Dünischen sieb zn emaneipieren und wieder nstioMl 
zu macbcn habe. Auf der einen Seite ist Auen hiernach recht eigentlich der 
Vater der norwegischen „Ma als) ruber. " d. b. jener so überaus riihrigen tad 
regsamen Partei, welche in aller Eile eine neue norwegische Scbriftsprnelis 
oonstruieren möclile, and nclchc in dem bu früh verstorbenen Astsniand Olafsen 
Vinje eines ihrer begabtesten HUupter, und in der von diesem redigierten üeit- 
ecbrift „Döleu" ein vielbesprochcneti Organ besessen hatte; auf der andern 
Seite aber greift dessen wissenscbaftüelie Wirksamkeit weit über die Grenten 
Norwegens hinaus, und nach dieser letzteren Seite bin ist des Hanno uult 
ikD dieser Stelle am Platz su gedenken. 

Die beiden Werke Aasen's. auf welclieu dessen Bedeutung Toranglwrisi 
beruht, sind bekanntlich seine Grammatik und sein Wörterbuch. Die orftere 
cnobien zuent unter dem Titel „Det norsko Folkesprogs Grammatik^ im Jahre 
184U, das letzter« unter dem Titel „Ordbog nver det norske Folkesprog" im 
Jabre 1850; beide erregten bei ihrem ersten Auftreten bereits die allgemeiM 
Aufmerksamkeit, und brachten dem Verfaieer von competentcii Beurtheüem, in* 
P. A. Htinch, Teiche« Lob ein, aber doch beruhten beide um so mehr arf 
unvollständigem Mati-rrnJe, als der Verfasser mit großer SelbstverU-tignnng U 
dem kritischen Grundsätze festhielt, keine Daten auftnuehmen. von deren V<V- 
läfilichkeit er sicli nicht durcb eigene Et&hrung überzeugt iiatto. Seitdem bll 
derselbe seine Sammluiißen towobl als seine Studien nnverdrowen fortgeseM, 
und uls reife Frudht derselben croehieu bereit« im Jalire 1 1«64 eine volUtändlf 
uuigi' arbeitete Aiififtge der alten Dialectgrammatik, jetzt unter dem neunn Tltd 
nNorsk Grammatik." Jctit sendet der unermüdliche Verfasser eine neue Bear. 
hrilung des Wörterbuches uiicb, gleichfalls unter einem entsprechend abge- 
änderten Titel, und auf diese mit rin paar Worten anfntci'ksani zu nachW 
siebt sich der Unters, veranluset, nachdem er lange geang zugewartet h4t, ob 
nicht eine berufenere Feder sich der Saebo annehmen «erde. 

E« sind sei bstverstäud lieb tniiiiehst philologische Interessen, welchen das 
W&rterbacb zu dienen bestimmt ist. und über die Vorzüge, w«lehe niieh diAHT 
Seite hin demselben in seiner nnnmebrtg«n Gestalt zukommen, mögen Pbiloh-gn 
iirtlieilen: aber auch saehürhe Udobrnng ist um dem Wtrku in reichstem 'Ma£c 
lu schöpfi'91 , und in dieser Iteiirhung mag bivr Eüüicn buncckt wnrdcB, m 
bein Dntcbgcben der bisher ei«cliienenvn ücft^^^^^. ^ .^XlSt. 
lui. Eine FBlle , -- - - - 




LITTERATUR: IVAR AASEN, NORSK ORDBOO. 237 

die altnordische Mythologie von Werth sind. Man sehe sieh beispiels- 

das Wort „Alv" oder „Elv^ sammt den reichen von ihm aas sich er- 

^beiiden Zosammensetsongen an, oder wieder die Worte ^^Dverg,^ ,, Drang, ^ 

_-ka]I, -tnss, -kong, «troll^ n. dgl. m. ; wie reiche und zugleich wie indi- 

^*^iiell ausgeprägte Züge ans dem Leben der Eiben und Zwerge, der Riesen 

Gespenster bieten sie nicht? Die anmittelbar auf die Götter- oder Helden- 

anrückweisenden Wörter, wie die Bezeichnong Baldurbraa für eine Pflanze, 

«Bleiche auch auf Island den gleichen Namen tragt, Brising für ein Lustfcuer, 

-•^h^^rtl ein Sonnwendfeuer , Amiod, wie im Isländischen amlödi, für einen ein- 

Jl^ltigen Menschen, Bjarkemaal, für yeraltete und unverständliche Redeweise 

^2* dgl. m. waren zwar bereits bekannt; aber für den neueren Volksglauben 

■^■•det man eine Reihe der schätzbarsten Aufschlüsse, die bisher noch unbeachtet 

^^iblieben za sein scheinen. Ich will nur Zweierlei bemerken. Für Gespenster, 

in der Nähe verrückter Grenzsteine umgehen, wird die drastische Bezeich- 

lyDeildegast^ mitgethoilt; bei uns in Deutschland ungemein häufig, sind 

^'**cbe Grespenster der isländischen Volkssage völlig fremd, die Bezeichnung als 

^^^^l^ft," die auch sonst in Norwegen für dergleichen vorkommt, erinnert aber 

^^ «Itdentsche Namen wie Arbogast und Albogast, Salogast und Widugast, und 

'^blte somit uralt sein. Die Ausdrücke Ghind, Gandferd, Gandfluga, welche 

^^hon in der altnordischen Litteratur ihre Rolle spielen und von der isländischen 

.^^^ksMge bis auf den heutigen Tag herab festgehalten werden, belegt das 

,^ärterbDch gleichfalls, jedoch die beiden letzteren nur aus den nördlichsten 

y^iairken Norwegens; erinnert man sich nun, daß gandr und gandreid schon 

^^ Alterthume ganz vorzugsweise den Finnen zugeschrieben wurde, und ersieht 

^ H ü i andererseits aas Professor Friis's eben erschienener vortrefflicher „Lappisk 

Mythologie'' (Christiania, 1871), daß Gandstav und GandsBske noch immer zum 

^«nberapparate eines lappischen Noaiden gehören, und daß Gandflaer noch 

'^Uner von solchen ausgeschickt werden, so erhebt sich der Verdacht, daß diese 

9%iuey dem übrigen germanischen Volksglauben so fremdartig gegenüberstehende 

Z^nbergattung arsprünglich lappischer Import sein möge. Nach einer anderen, 

4ier verwandten Seite liegt folgende Bemerkung. In einem Aufsätze über islän- 

diache Apokrypha, welchen der 13. Jahrgang dieser Zeitschrift gebracht hat, 

ll«t Bef. ausgeiführt, daß die im Jahre 1781 zu Hrappsey gedruckte Armanns- 

*%ga ein Machwerk aus spätester Zeit sei, und bei dieser Gelegenheit auch auf 

^ie dorchaus unislftndischen Namensformen Armaun, Ulmann^ Dalmann, Gr&mann 

^ derselben hingewiesen (S. 65. 66). Die beiden ci-stgenannten Formen konnten 

^^hon damals auf bestimmt nachweisbare Mißverständnisse zurückgeführt wer- 

4«n; aar Erklärung der vierten verhilft ihm nun unversehens unser Wörterbuch. 

£■ weist nach, daß der Ausdruck Blaamann, d. h. Schwarzrock, in einzelnen 

Qegenden von Norwegen für den Bewohner des Küstenlandes, und der Ausdruck 

Chnuunann, d. h. Graurock, umgekehrt für den Bergbewohner gebraucht werde; 

tollte nicht von diesem Provincialismus aus die Bezeichnung als Name von 

Swggeistem in die isländische Sage gekommen sein? — Auffälliger als solcher 

■mythologischer Reichthum ist, daß gelegentlich rein sprachliche Erklärungen 

^der Parallelen za vereinzelten Ausdrücken in den alten Quellen sich bieten. 

SkfSr nur ein Beispiel. In der Laxdsela, cap. 31, wird von dem Ochsen Harri 

pfählt, daß er vier Homer gehabt habe, darunter ein abwärts gerichtetes, von 

^ e« beißt: ^|)at var bnuuivaka hans." Das Wort i*t eVu unttii U-you.t'vöv^'V^^x 



238 LITTER ATUB: A8BJÖRNSEN, NORSKE FOLKE-EVENTYR 

Aasen aber weist die Bezeichnang brannyekja für die niedersteii EndcD ci 

Rennthiergeweibes aus HalliDgdal nacb. Selbst das Recbtsgebiet gdit wM 

leer aus. Das Wort „Bumerke'* ist auf GniDd der ersten AusgalM bereiti iH 

Homeyer in seinem Meisterwerke über die Haus- und Hofmarken Temckri 

worden, and der Gebrauch der „Bodstikka** kann ebenfalls nicht gervte d 

etwas bisher Unbekanntes betrachtet werden; aber auffallend dmif naa i 

immerhin finden, den „ Annfred " noch in dem Wörterbuche genannt m mkm 

welcher sonst nur aus Verordnungen aus dem Ende des 13. vid AwftmgB i 

14. Jhdts. bekannt ist, oder die „Benkjargaaya" als eine prOYincidle Benid 

nung der Morgengabe definiert zu bekommen, während in den Siteren Urkndi 

und Geschichtsquellen die bekkjargjöf eine etwas räthselhafte Rolle spiel 

Noch Mancherlei ließe sich hervorheben, was allgemeineres cultnrhiatoiiscli 

Interesse hätte, wie z. B. die auffällig große Zahl deutscher Worte, welche 

die norwegische Volkssprache übergegangen ist, oder die yielfache spradilid 

Aufklärung, welche diese letztere umgekehrt einzelnen dunklen Wnnebi unser 

deutschen Volksdialecte gewährt, wie denn z. B. unser Loekmf f&r S^ 

„Beckerl, Beckerl^ in dem norwegisch-isländischen bekri, bekre == Widderi sdi 

Erklärung findet u. dgl. m. Um nicht zu weitläufig zu werden, mag indea 

mit einer Bemerkung geschlossen werden, welche auf einen Mangel da n 

trefflichen Werkes aufmerksam zu machen sich erlaubt. Der hochverdiente l 

Verfasser gibt genaue Nachweisungen über das örtliche Vorkommen der t 

ihm verzeichneten Worte in der G^enwart, und er verweist auch punktf 

auf die ihnen zu Grunde liegenden älteren Wortformen. Aber nicht das nmidfl 

wird von ihm für eine Verknüpfung der beiden Extreme g^than, also für e 

geschichtliche Verfolgung des einzelnen Wortes durch die verschiedenen Perio^ 

der Sprachgeschichte. Für ausländische Worte wäre interessant die Zeit ik 

Eindringens in Norwegen fixiert zu sehen; aber auch hierum nimmt sich ( 

Verf. nicht an. Nun ist allerdings richtig, daß solche sprachgeschicfatiic 

Ezcurse nicht strengstens in das Bereich eines Wörterbuches der gegenw a rCi f 

Volkssprache Norwegens gehören; aber könnten sie nicht dennoch ebenso | 

in dasselbe aufgenommen werden, wie Schmeller solche seinerzeit in sein Bau 

sches Idiotikon y oder wie unser Verf. selbst die altnordischen Wortformen 

das seinige aufgenommen hat? K. MAURER. 



Honke Folke-Eventirr, fortalte af P. Chr. Asbjömsen. Ny Sämling (i 
Bidrag fra Jörgen Moes Reiser og Optcgnelser). Christiania, i Kommiü 
hos Jak. Djbwad, 1871; VIII und 248 SS. in 8®. 

Asbjomsen's und Moe's norwegische Volksmährchen sind vor gerade 
Jahren, nämlich in den Jahren 1842 — 43 zum ersten Male an's Tagesli 
getreten, dann aber im Jahre 1852 in einer zweiten und vermehrten Ausg 
wieder erschienen. Beide Male war eine Fortsetzung derselben in Anssicht 
stellt worden; aber bis in das vorige Jahr hinein blieb diese Aussicht a 
in gleicher Feme, und eine im Jahre 1866 erschienene dritte Aasgabe brai 
nur zwei neue Stücke, ließ dafür die Einleitung und die Anmerkungen, wd 
die zweite Ausgabe begleitet hatten, weg, und vertröstete bezuglich der weite 
FortBeUuDg neaerdingt auf die Z^kkunSL Bo^i^^i ii%x ^«t X«c€aaaer tiots i 



UTTERATUR: A8B JOHNSEN, N0R8KE FOLKE-EVENTYR. 239 

Überhäufiing mit Amtsgeschäften , die seine StelluDg als Forstmeister mit sich 
Iningt, und trotz aller populären sowohl als wissenschaftlichen Tbätigkeit, welche 
dessen eifriger Betrieb der Naturgeschichte mit sich brachte, fortwährend für 
die Sagenforschung thätig; seine „Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn*' er- 
schienen in wiederholten Auflagen, erst 1845 und 1848 in xwei Bänden, dann 
1859 und 1866 ebenso, endlich 1870 in einem Bande, und nicht minder 
brachten yerschiedene Gelegenheitsschriften, wie zumal einige Jahrgänge Ton 
aJnletraeet,*' einzelne Mittheilungen über norwegische Sagen und Mährchen yon 
•einer Hand. Jetzt endlich wird das alte Versprechen eingelöst, und wir er- 
halten eine zweite Sammlung der Volksmahrchen, welche zum Theil aus schon 
früher gelegentlich herausgegebenen Stücken > zum Theil aber auch aus bisher 
angedruckten besteht. Referent begrüßt mit Freuden diesen neuen Beitrag zur 
Kunde der norwegischen Volksüberlieferungcn , und kann sich das Vergnügen 
lüdit yersagen desselben in der Germania Meldung zu thun, obwohl allerdings 
gerade sein Beruf hiezu in Frage gestellt werden könnte. 

Vergleicht man diese zweite Sammlung, welche ebenso wie die dritte 

Ausgabe der ersten Ton Asbjömsen allein besorgt worden bt, mit dieser letzteren, 

ao wird man sich vielleicht auf den ersten Blick etwas enttäuscht fühlen. Die 

2ahl der Nummern^ welche diese zweite Sammlung aufweist (45), steht nämlich 

«war der der ersten Sammlung (60) ziemlich gleich, und gleich geblieben ist 

akh auch die saftige Frische, und zumal der köstliche Humor der Darstellung; 

aber doch sind Erzählungen, wie etwa die verschiedenen von „Askeladden" 

«der von „Smeden^ som de ikke turde slippe ind i Helvede,^ von „Kvsemen 

som maier paa Havsens Bund,** oder von „Jomfruen paa Glasberget^ u. dgl. m., 

ErsShlaogen, welche auf den alten Götterglauben zurückweisen, oder umgekehrt 

^g^myii^ verbreitete Sagenstoffe in einer unerwartet neuen und durch und 

dorch norwegisch nationalen Gestalt reproducieren, hier in weit geringerer Zahl 

vtttreten als in der kostbaren, vielberühmten ersten Sammlung. Bei einigem 

Kachdenken wird man sich indessen diesen Umstand sehr einfach zu erklären 

wissen. Die Zahl der bestimmt ausgeprägten Mährebenfiguren, die Zahl auch 

der auf sie bezüglichen Erzählungen ist bekanntlich von vornherein eine ziem- 

Beh eng begrenzte. Nun hatte bereits die im Jahre 1852 erschienene Ausgabe 

der ersten Sammlung auf zwanzigjährigen Nachforschungen beruht, und waren 

demnach damals schon die weitaus meisten Sagenstoffe den Sammlern bekannt 

geworden, selbstverständlich auch gerade die schönsten und werthvoUsten Er- 

lUilnngen von ihnen bereits für ihre erste Veröffentlichung ausgewählt worden ; 

ebe noihwendige Folge hievon ist aber die, daß für die zweite Sammlung nur 

du minder Werthvolle unter den älteren Materialien, dann eine minder reich- 

fiehe Nachlese aus späteren Jahren übrig blieb. Der Verfasser hat es mit vollem 

Beehte verschmäht, bloße Varianten bereits früher veröffentlichter Erzählungen 

Hon neuerdings mitzutheilen , und er bat damit sicherlich den größten Theil 

ieiner neuerdings gesammelten Materialien bei Seite zu legen gehabt; einzelne 

tfaehzSgler, dann aber zumal auch kleinere Erählungen, die bald auf der Grenze 

der Legende, bald auf der Grenze des Schwankes oder auch der Thierfabel 

ateheui bilden den Inhalt des nunmehr vorliegenden Bandes. Aber selbst diese 

Nachlese ist noch so reich an vortrefflichen Stücken, daß sie den Vergleich 

out weitaof den mebten Sammlungen vollkommen aushält und die meisten von 

ihitea immerhin noch überragt; wer weniger aui m^^ÜioV^^A^Xi^ "os^^ ^mi^^^- 



240 LITTERATURI^ERICHT: LITTE RATniGESCHICHTE. 

geschichtliche Aasbente geht, und mehr anf den Genuß Werth kgt. v 
die Betrachtang des frischen, sprudelnden Yolkshumorcs gewihrt, wird lii 
sogar geneigt sein, dieser zweiten Sammlung in mancher Bexielmiig OMi 1 
einzuräumen. Man kann nicht leicht eine ergötzlichere Greschielite leMi i 
Ton „Bamse Bra'kar' und die unmittelbar vorhergebenden Tom Binaol] 
andererseits fehlt es aber auch nicht an alten Bekannten , die nn ^ 
gnngen in norwegischem Gewände wieder begrüßen wird, wie s. B. nie 
Titel ^Praesten og RIokkeren'' die Sage vom Abt von St. Galkn, nta 
Titel „Kjseresten i Skoven" die vom Ritter Blaubart. „Hanen, som £üdtiB 
karret'' ist aus den Grimm*schen Kinder- und HausmSlirchen ebenso bi 
wie „Ikke kjörende og ikke ridende", die „Venner i Liv og Dod* erim 
einzelnen Zügen schlagend an eine Legende, die Ref. nach den blensk t 
in seinen isländischen Volkssagen ]98 — 201 mitgetheilt hatte, and .BJCB 
mod Strömmcn'* nicht minder an ^Klipt eda skorid" in Jon Amasoa'iUi 
|)j6dsögur II, S. 536 u. dgl. m. Der Forscher wird auch in diesem Btade 
des Stoffes für seine Thätigkeit. der schlichte Freund des Volksthnaßdi 
reiches Maß der anziehendsten Erzählungen finden, und gani gleidi^fi| 
den sicherlich Beide dem Herausgeber Dank wissen für die schone OalK. ' 
er ihnen neuerdings wieder bieten mochte. K. 11 AÜBER 



Litteraturbericht. 

(Fortsetzung.). 

Zu einzelnen Theilcn der Litteraturgeschicbtc übergebend, ervilii 
£. A. W. Günthers Deutsche Heldensage des Mittelalteri 
nover, Brandes. 1870) zunächst, damit man nach dem Titel nicht eii 
Stellung der Heldensage erwarte; es ist vielmehr eine Analyse des Inh: 
Gedichte aus dem Kreise der Heldensage, wobei auch die nordischi 
Stellungen berücksichtigt sind. Die Analysen sind warm und leben 
sehrieben und somit das Buch für die Zwecke der Schule wohl zu ein 
Die Abhandlung von R. Foß, zur Carlssage (Berlin, Grartner. 1869 
ich hier aus gleichem Grunde, weil der Titel manchen irre fuhren kl 
handelt von drei aus der französischen Karlssagc entnommenen Gredichten 1 
welche der Verf. nach den Quellen beleuchtet und erklärt. Die einleitm 
vorausgehende Schilderung der Karlssage im Allgemeinen, haaptsichl 
G. Paris* Forschungen ruhend . orientiert ganz gut über den Gegenst 
Der Geschichte der kirchlichen Dichtung in Deutschland ist in den 
Jahrzehnten ein sehr eifriges Studium zugewendet worden. Neben dem b 
den Werke von Ph. Wackeruagel, seinem Deutschen Kirchenliede / 
ches wir demnächst besonders zurückkommen, und welches eine an* 
üehe Fundgrube ist und bleiben wird, nenne ich die Geschieh 
Kirchenliedes und Kirchengesangs von E. E. Koch (3. Auf 
7. Bd. Stuttgart, Belser. 1866 — 71). Seiner ganzen Anlage nach ist 
eine streng gelehrte Arbeit, daher auch der gelehrte Apparat nur in bescl 
Umfange gegeben ist. Die Zeit von der Reformation an nimmt begr 
w&§e den größten Baum ^*, za Wii YAX^^u ^\^ \^^<\«Ek ^sn^tjen 1 




LITTERATÜRBERICHT: LITTERATURGE8CHICHTE. 241 

btiiches Altertham and Mittelalter, nur die Einleitung, die etwa die Hälfte 
geraten Bandes ausfüllt. Die Anordnung ist im Wesentlichen eine biogra- 
y namentlich in der neueren Zeit, und hier sind auch des Verf. Studien 
diger und tiefer, hier hat er überall direct aus den Quellen selbst ge- 
f hier beginnt daher sein Buch wirklich verdienstlich zu sein. In der 
den Periode yennisst man diese Selbständigkeit, und auch mit der ein- 
jpgenden Litteratur ist der Verf. nicht genügend bekannt; so kennt er nicht 
llbigers Werk über die Sängerschule in St. Gallen, citiert von Bertholds 
idigten nur Eüings Ausgabe, schreibt Gottfried von Straßburg den Lobgesang 
Ton dem er nur v. d. Hagens Text anführt, citiert Joh. Pfeiffers deutsche 
■iiker u. s. w. Durch die eingeflochtenen Lieder und Liedstellen gewinnt 
Dantellung an Lebendigkeit, und so bildet das Buch jedenfalls eine an- 
^ode Leetüre and verdient Verbreitung in weiteren Kreisen. H. M. Schiet- 
^ra GesckMkte der geistlichen Dichtung und kirchlichen Ton- 
ika t (1. Bd. Hannover, Rümpler. 1869) ist ebenfalls in nicht gelehrter Form 
«fust, doch zeigt sich der Verf. hinter seiner allgemein verständlichen Dar- 
Ixang £ast überall gut orientiert, am meisten da, wo seine Hauptstärke liegt, 
dem Gebiete der Tonkunst, deren Geschichte er schon in früheren Arbeiten 
wng&ngliches Studium gewidmet hat. Ob nicht die Darstellung der politi- 
i« Verliähiiiaaa «inen zu breiten Raum einnimmt? Es will uns so scheinen, 
t bei emer etwaigen Fortsetzung wäre das wohl zu bedenken, zumal da die 
ichichtserzählung nicht in einem wirklichen lebendigen Zusammenhange mit 
1 eigentlichen Gegenstande steht. In einem der Anhänge ist eine Aaswahl 
tüicher Dichtungen ganz oder stückweise in Übersetzung mitgetheilt. Einen 
^cialbeitrag zur Geschichte der kirchlichen Dichtung enthalten die Litte rata r- 
Kträge aus St. Gallen von £. Götzinger (St. Gallen, Huber. 1870); 
bieten zwei Abhandlungen, Geschichte des ev.ingel. Kirchengesangs in 
Gallen', und die Singgesellschaft zum Antlitz in St. Güllen. Nur die erste 
i5rt in den Bereich der älteren Litteratur, es iät ein Vortrag, demgemäß 
populärer Form, und auch nicht streng au das Thema sich haltend, doch 
d auch der Litterarhistoriker von Fach manches anziehende Dutail darin 
len, wozu ich namentlich die genauen Mittheilungen über St. Gallische 
mngb&cher, besonders über das Altherrsche, rechne. Die zweite Abhandlung 
för den Betrieb der Musik und Poesie in der Schweiz im 17. und 18. Jahrh. 
rreich. Die Geschichte des geistlichen Schauspiels behandelt auf Grund strenger 
ellenfonchang £. Wilken in seiner Geschichte der geistlichen Spiele 
Deatschland (Göttingen, Vandenheeck. 1872). Es ist damit eine wirkliche 
cke in unserro wissenschaftlichen Apparat ausgefüllt, denn die bbherigeu 
ntellnngsversuche sind, so treffliches sie entlialton, nicht von Männern, die 
^rall unmittelbar aus den Quellen schöpften. Dor Verf. zerlegt den Stoff in 
{ende Abschnitte: Weihnachtcjclus, Ostercyclus, Cyilen des spätem Kircheu- 
rei (Himmelfahrt, Fronleichnani), Legcndeuspiclo, Eutwickeluug des geistlichen 
ielsy Aufführung und Ökonomie, Stellung zu Kirche und Staat, nationale und 
torgeschichtliche Bedeutung, Sprachliches. Zu dem gewissenhaft benutzten 
.terial kommt jetzt noch hinzu das Spiegelbuch, welches M. Rieger (German. 
, 173) herausgegeben, das aus Benutzung verschiedener geistlicher Spiele 
rrori^egangpn. Zu dem Künzelsauer Fronleichuamsspiel sind nachzutragen 
nera liitAeUungeD im Archiv des Vereina f. d iv\Ttem\^T%. Yt%s^^'&> ^^ ^\ 



242 LFTTERATUBBERICHT : LITTERATURGESCHICHTE. 

aach wären hier zu erwähnen gewesen die wahrscheinlich einem Fronldchni»- 
spiel angehörenden Bruchstücke eines Spiels, welches den Text der £i15mi| 
rerarbeitet hat (German. 7, 35). Die Benutzung Ton Ph. Wackemagels Kntk» 
lied 2, 341 — 376 ergibt auch noch einige Nachträge. Zar Litteratar aber fa 
Spiel von den zehn Jungfrauen ist nachzutragen Kochs Abhandlung in iv 
Zeitschr. des thüring. Geschichtsvereius, zu den Uerausgebem außer ScIomBv 
(vgl. Grött. GA. 1872, Nr. 5) auch Stephan, der Herausgeber des Eisenacig 
Spiels und der heil. Katharina. — Auf das Gebiet der allgemeinen Littente- 
geschichte führt uns Delepierre*» Schrift La parodie chez lea Greci, 
chez les Romains et chez les modernes (Londres 1870. Trfibner). Bier 
ist ein anziehender Gegenstand iu anziehender Form behandelt, wie der YoC 
schon mehrere (Histoire des fous litt^raires etc.) behandelt hat. Im MitteliHw 
spielt namentlich die Parodie des Kirchlichen eine große Rolle, and hier ttt 
sich dem vom Verf. mehr berührten als benutzten Material gar vieles beiflga. 
Die Goliardenlieder, die aus dem Latein und der Volkssprache gemischten Lied« 
(namentlich deutsch-lateiui^.cbe, wie sie Hofimauns In dulci jubilo gesammeh hij 
bieten hier eine Fülle von Stoff; solche Parodien wie die des Ave Bfaria nd 
Pater noster (German. 14, 405) zeigen den nichts heiliges schonenden Cber- 
muth des Mittelalters. Auch die Umdichtung weltlicher Gesänge in gastliche 
gehört hierher und hätte Erwähnung verdient. Der Verf. hat es indessen bai^- 
sächlich auf die Darstellung der Neuzeit abgesehen; es ließe sich aas den 
mittelalterlichen Quellen eine inhaltreiche Ergänzung dazu schreiben. In mii' 
chem berührt sich der Gegenstand mit der Doctordissertation von C. Wendeler, 
de praeambulis eorunique historia in Germania, part. I (Balis Saz. 1870], 
worin zum ersten Mal auf Grund des reichen aber erst unvollständig bekamt 
gemachten Materials eine geschichtliche Darstellung der Priamel gegeben irad 
Der vorliegende 1. Theil handelt von Wesen, Namen und Ursprung d^ Pritmd 
und berichtigt manchen Irrthum der Vorgänger (Schletter, Rodler, Bergmami^. 
Es ist zu erwarten und zu wünschen, daß der Verf. den Gegenstand auch ia 
deutschem Gewände behandeln uu'i uns in Verbindung damit eine mSgfichct 
vollständige Ausgabe der altdeutschen Priameln geben wird; eine solche Sibb- 
lung wäre eine reiche Quelle, die den Humor und Witz, freilich aneh die Üa- 
flätigkeit der alten Zeit trefflich veranschaulichte. — Für die Gescbichte der 
Fabeldichtung bedeutsam istH. Oesterlej's Romulus, die Parapbrmaen da 
Phädrus und die Aesopische Fabel im Mittelalter (Berlin, Weidmann. 1870), 
worin der Einliuß der Fabelsammlung des Romulus auf die mittelalterüekea 
Fabeldichtungcn in den Volkssprachen, namentlich in Deutschland und Frtnk- 
reich, nachgewiesen wird, an Marie de France, Gerhard v. Minden nnd den 
ungenannten Dichter, von dessen Fabeln Hoffuiann v. Fallersleben eine Aus- 
wahl im nd. Aesopus wovon später) gegeben hat. Die sorgfältige Tabelle aaf 
S. XXXI ff. zeigt genau daä Verhältniss des lateinischen Textes in alleo drei 
Bearbeitungen. Für die Kritik de^ Originalü ist durch Benutzung gnter oad 
alter Quellen eine solide Grundlage geschaffen. Einen beachtenswerthen Beitrag 
zur Fabeldichtung gibt auch G. Dietzel in seinen Bausteinen zar Ge- 
schichte der deutscheu Fabel «Programm des Vizthumschen Gynuias. sn 
Dresden 1871). Die mittelalterliche Fabel zwar ist hier nur kurz behandelt, 
aber es ßodeü sich darin viele tieffeuvl^i uud ^\ite Bemerkungen 3ber Wesei 
f Oeachicbte der Fabel überbaupl und 'ü\k«i ^^ YiXk^^^\3a&% ^\ 



LITTERATITRBERICHT: CHRESTOMATHIEN. 243 

it — Eine höchst wichtige Arbeit für die Geschichte der NoTellenlitteratur 
ft H. Oesterlej unternommen durch seine Ausgabe der Qesta Rom an o- 
LjBy woYon der erste Fascikel (Berlin, Weidmann. 1871) yorliegt. Er enthält 
B einleitenden Untersuchungen und den Anfang des Textes. Die Arbeit bemht 
tf der grfindlichsten Erforschung der außerordentlich zahlreichen and weit- 
ntrenten Hss. und alten Drucke. Die Einleitung gibt über die rerschiedenen 
Beensionen erschöpfende Nachricht uud gelaugt zu dem Resultate, daß das 
''erk in England nicht später als im Anfang des 14. Jahrhs. verfasst ist. 
Ir begrüßen freudigst diese bedeutende Arbeit und sehen ihrer Vollendung 
h Spannung entgegen. Wegen der theilweisen Verwandtschaft des Stoffes 
Uleße ich an des Freih. v. Tettau Abhandlung über einige bis jetzt 
■bekannte Erfurter Drucke aus dem 15. Jh. (Erfurt, Villaret 1870), 
1 60 Separatabzügen aus den Schriften der Ei'furter Akademie. Es sind fol- 
snde Sagenstoffe, welche aus Anlaß alter Drucke eingehend und gründlich 
Bhandelt werden : die Königin von Frankreich, der König im Bade, der Möringer, 
■r Oraf von Savojen; den Schluß bildet der Abdruck eines so gut wie unbe- 
uinten Dmckes, eines Gedichts, der Bauern Lob (Erfurt 1497), ganz im Stile 
ner derben naturwüchsigen Zeit und nicht ohne sitteugeschichtliches Interesse. 
B der Abhandlung über den Möringer kann aber schlechterdings nicht zugegeben 
revden, daß Heinrich von Moiungen mit Gottfried von Neifen gleichaeitig 
:dcbt und ein Schwabe gewesen sei; die Hss. der Lieder Heinrichs sind ober* 
leatsch, Aber die Reime beweisen deutlich des Dichters Heimat im mittleren 
Deutschland. 

Ehe wir zu den einzelnen Litteraturgebieten und Schriftstellern übergehen, 
vollen wir einige Chrestomathien und Schriften zur Metrik erwähnen. In ersterer 
Beiiehiing nenne ich die zweite Auflage vou Müllenhoff's altdeutschen 
Sprachproben (Berlin 1871. Weidmann); sie haben den Zweck als Grundlage 
für Übungen in Grammatik und Textkritik zu dienen. Diesem doppelten Zwecke 
siteprechend sind die Texte theiU in kritischer Behandlung, theiU in diplo- 
»tMcbcm Abdruck gegeben, mehreren nach neuen Hss.-Vergleichungen, die 
iamiiftch auch für den Gelehrten die Texte werthvoll machen. Für die kritischen 
bcrt^UnngSTersuche würde sich empfehlen, bei Konrads Weltlohn uud Herz- 
lire die Varianten sämmtlicher Hss. unten beizufügen. Dasselbe wäre beim 
raen Heinrich angebracht; daß hier Haupts Text mit Lachmanns Besserungen 
idäch. abgedruckt und auf das, was seitdem geleistet worden, gar keine Rück- 
cht genommen ist, bezeugt den beschränkten Schulstandpunkt deutlich genug, 
ber welchen hinaus die Berliner studierende Jugend nicht blicken darf. Eine 
ihr empfehlenswerthc altnord. Chrestom:ithie gibt L. F. A. W immer in seinem 
in einem schätzbaren Glossar begleiteten Oldnordisk Laisebog (Koben- 
svn 1870. Steen & Sön)- Die prosaischen Texte sind der Jüngern Edda, der 
eimskringla, Morkiuskinna und einigen Sagas, die poetischen der altern Edda 
itnommen, wozu noch £yvind*s HäkonarmÄl als Prob'j des einfachen Skalden - 
ils kommt. Der verkünstelte ist durch die in den Sagas vorkoniuienden Strophen 
ertreten, cUe hinten erklärt und übersetzt sind. So erhält man auf engem 
laume ein Terhältnissmäßig reiches Bild der altuord. Poesie und Prosa; die 
Loswmhl ist geschickt gemacht. In dem Glossar ist häuflg auf des Verf. altnord. 
trammatik verwie&eD. Ausschließlich populäre 7i¥iQ(*,Ve n«xIo\^ ^« N^ vX^^'t ^ . 
>eiebacb zur Geachiehtc dvr deutschen l/\tt<iTa\WT ^*^. K\iÄw.\Ä\V^ 



244 UTTERATÜRBESICHT: METRIK. 

1870. Engelmann). Es schließt sich an des Verf. Abriß der LitterfttorgeseUclli 
als Beispielsammlang an. Die Proben sind alle in Übersetnmgen mter Beavteni 
der besten vorhandenen gegeben ; in den meisten FUlen ist die poetiaebe Fan 
beibehalten, mitunter eine wörtliche Prosaübersetzong geliefot, wie bei Otfridi 
Ludwigslied etc. Ob damit eine annähernd richtige YorsteUang tob dem Oii^ 
nalen gegeben ist, möchten wir allerdings bezweifeln. YernalekeD's Litt«- 
raturbnch, in 7. Auflage yorliegend (I. Theil: ans der ▼orcbriatlicheB lA 
Wien 1870. Braumüller) verfolgt ähnliche Tendenz. Der größere Thal da 
Bandes umfasst das nichtgermanische Alterthum, das germanische neideulhw 
wird durch einen gedrängten Abriß der nordischen Gtöttersage eiöffiiet; dnn 
schließt sich die nordische Darstellung der Sgurdssage, und hieran, euie ehm 
eigenthümliche Zusammenstellung, ein Stfiek ew W. Jordans NibdimgCB (cne 
ähnliche ist die Einreihung einer Scene aus Shalcespeare*s J. Caenr); iv 
Charakteristik der 'Übergangsperiode vom Heidenthum cum CkMmAmm ümm 
passend Stücke aus dem Heliand. Ea ist nicht bloße Aaswahl toh TatVi 
sondern zugleich Einfuhrung in die Litteratnr dureh orientierende ÜbenUte 
Die Forschungen über die Form der Poesie häÜMt^ m. dm letileii Jahra 
manches schöne Resultat zu Tage gefordert Aus Yilmar's Neehlaaee kl ik 
2. Theil seiner Anfangsgründe der deutschen Ghtunmatik eine Deatschi 
Yerskunst nach ihrer geschichtlichen Entwickelung (Mftrbing 1870. 
Elwert) erschienen, freilich keine fertige Arbeitt ddnr der Hennig. C W. M. 
Qrein manche Partien ergänzend zufügen musste. Er hat sich öm ttlefat leUln 
Aufgabe mit großer Umsicht unterzogen, und wir besitzen dadank 4ie enilc 
zusammenhängende und historische Darstelfong der deutschen Metrik » 
mit Beispielen versehen. Auf Einzelheiten, die vielleicht schärfer oder 
gefasst sein könnten, gehen wir hier nicht ein, sondern empfehlen das Beck 
jedem, der sich über diesen Gegenstand belehren will. Die flttßige DiaaeitelMB 
von Herm. Schubert de Anglosazonum arte metrfea (BeroL 1870) 
betritt ein erst wenig cultiviertes Gebiet: Yerf. geht aUerJfalgs von den la- 
richtigen Gesichtspunkt aus, daß Lachmann den Beweb ftlr die Metrik dv 
ältesten deutschen Gedichte geliefert, dieselben seien durchweg in HalbeaÜji 
von vier Hebungen verfasst ; er nimmt auch im Ags. viel Mlufiger vier 



an als mir richtig scheint, aber er räumt doch ein, daß daneben HdSfeM 
von nur drei Hebungen vorkommen, und das ist den Aufrtdlongen tos n^^ 
gegenüber ia der That ein nicht unwesentlicher Fortschritt; er bmn^te ■« 
einen Schritt weiter zu gehen, um auf den Standpunkt zo gelanya, der d» 
einzig richtige für die allitterierende Poesie nicht nur der Angel- and AfMdMi, 
sondern auch fürs Hochdeutsche ist Einen recht hübschen Beitrag snr Metrik 
des 16. Jahrhs. liefert M. Rachel in dem Freiberger G^ymnasial-ProgiaaB 
von 1870 ^Reimbrechung und JOr^reim im Drama des H. Sacks 
und anderer gleichzeitiger Dramatiker, witrin die erwähnten Mittel, die Moee* 
tonie der Reimpaare zu unterbrechen und die Abschlüsse zn benignen, |li 
etwas der älteren Kunst zwar nicht fremdes, aber von H. Saeha znerel^ fen^- 
dem es seit dem 18. Jahrb. so gut wie verschwunden, wieder an%BneHins 
und sjstematisch angewendet nacbgewienin werden. Solche Speefalnnterraehttglfe 
auf einzehien QehietSen sind sehr erwünscht und müssen voraifigehen, ehe tte 
gmiäue Qeschlehte der deutschen Me%rik ermöglicht wird. Auf Idlg^ntfMtfe 
Boden gteht E. Brficke'i ann^^ende V^mSt^^V« ^Vl%V^\^%U^V%uatnif 



LITTERXTITRBEHICHT; GOTKISCH. ALTHOCHDEUTSCH 245 

KB der nenhochd. Venkonst' (Wien 1871. Gerold), die ich hier er- 
«, weil lie, wenn auch anf die moderne Metrik lieh beziehend, doch durch 
Gmudged Büken von Bedeutung für die altere ist. Die phyaiologJBche Än- 
iirniig, die sich für die Sprachwissenachaft so fruchtbar erwiesen, zeigt aich 
gleich bedeutend auf taetriBchem Gebiete. Es ergibt sich, daß die bisherigen 
IKbKiiiiiigen bäuSg fehl giengen, und daß die Dichter mehr aus angabomem 
ngefShl heraus , als auf jener Grundlage das richtige fanduD. Das Wesen 
Lingen und KUrzeii gewinnt eine tiefere Begründung. Die rhythmische 
erweilt sich nicht als Pedanterie, sondera als auf dem innersten Wesen 
EChjtfamns berabend. Gern sähen wir den feinfühligen Verf. auch dai Ge 
älterer deutscher Metrik betreten. 
Beginnen wir die Übersicht der Litteraturdenkmäl er mit dem 
ihischen. so haben wir die 5. Auflage von Stamms Ulfilaa CFadurborn 
73. Schöningh) lU erwähnen, die dritte, die M. Heyne besorgt hat. Erst 
r der Hand des neuen Bearbeiters ist das Bucb allen Anforderungen der 
letuebafl gerecht geworden und bat daher die verdiente Anerkennung und 
rbreitnng gefunden. Der Herau«^. hat in jeder folgenden Auflage sich be- 
die neuesten ForMkongen zu varwerthen, in der 4, schon die wichtigen 
Dfttionen üppströms , so daß auch in kritischer Hinsicht die Aasgabe jetzt 
is steht. Grammatik nnd Wörterbuch Bitd Eum Theil wesentlich umgestaltet, 
I entere, das Wörterbuch hat in der neuen Auflage eine Erweiterung da- 
erfahren, daß von den Compositii auch der zweite Tbeil an alphabetischer 
verzeichnet ist. Wir wösaten in der Thiit für das Studium des Gothischen 
besseres Hülfamittel als Hebe's Aasgabe. 

Dem althochdentach eo Gebiete gehört die sorgfältige Dissertation von 
einmejer, de glossis quibnidam Vergilian is (Bero). 1669), eine 
le Ausgabe der Pariser Virgilglossen mit ergebniss reicher grammatischer Ein- 
g; der Verf. bat inzwischen (in Haopts Zeitschr. XV, 1) den Gegenstand in 
Umfange behandelt, auch die Pariser Glossen anfs neue hernusgegeben 
grammatisch betrachtet; als Ergünzung zu seinem Material kommen jetzt 
roD E. Hoffmann in dieser Zeitschrift XVJT, 18 ff. herausgehenen Melker 
hinzu. Eine freie Übersetzung des Waltbarins in Form der Nibe- 
irtrophe hat Franz Linnig geliefert: Walther von Aquitanien, 
licht in 12 Gesängen (Paderborn 1868. Schöningh), eine recht wohl 
iDgene Arbeit, deren Anhang Untersuch an gen über die Wallhariusiage und 
I Darstellnng des heidnisch 'germanischen Hei denl eben s im Anschluß an 
tltfaarius bilden, beides mit Sachkenntniss geschrieben; am Schluß folgt ein 
Irnck der ags. Valderesbrachstficke nach MüUenbofl', und der Bruchstückp 
mbd. ■ Wallher, letztere freilich nichts weniger als fehlerfrei. 

Ungleich zahlreicher sind die Arbeiten auf mittelhocfadeutachem 

lieto. Halten wir eine ungefähre chronologische Ordnung ein, so beginnen 

mit dem Melker Marientied, welches J. Strobi ans Pfeiffers Nachlaß 

, photalithQgraphischem Abdruck herausgegeben (Wien 1870. Branmüller). 

^BeT beabsichtigte seinen Freunden, die ihn boi Abschluß des l'2, Bdes. der 

— ADia mit einem Album überraschten, damit zu danken; leidiT kam er nicht 

die Arbeit zu vollenden, nodnrch wir ohne Zweifel um manche Bereiche- 

d« Kritik dieses ältesten Marienliedes gekommen sind. IndeQ auch jetet 

difl kleine SehriA oicht aar leinen Freunden eme &i\ift, wwiti wi.'^ ^äi- 



LITTKnATHltBKRlOfTT: MtTTELIIOCHI'KUTtH'H. 

müthige Erinnerung bbid, soudern die gntgelimgcn« Nachbildung wird jeden . 
Foncfaer über diu Lied die sichewte Grundlage bieten. Ober Ilarlinftniii 
Rede »om Glauben handelt dne Leipziger DinBertatJoD von K. Reinen- 
berger aus Siebenbürgen (Hermannatadt 1871), die wie *o manche -^iait 
ans Zamoke's anregender Schule hervorgegangen. Der Verf. weist Evident £e 
Unmöglichkeit von Diemers Annahme bezüglich HartiuaaaB nach, und zeigt dil 
der Dichter in MitteldeutHc bland zu Hause war, eine Meinung, die entachieda 
zuerit Pfeiffer ausgesprochen hat. Den bei einem geietliehen Dichter ät* H. 
Jahrhs, nicht ferne liegenden Gedanken einer Interpolation weilt R. mit schlagoh 
den Gründen zurück. Eine (jueUeuuntcrijucbung ist am Schloß in Ansiicbt g^ 
stellt. König Roth er liegt zum ersten Male kritisch bearbeitet in H. Rückerli 
Ausgabe (Leipzig 1 873. Brockhauä] vor, die die von mir herausgegebenen 
'Deutschen Dicbtnngen des Mittelalters' eröffnet, eine Samrolong, die 
sich an Pfeiffers Deutsche Claasiker des Mittelalters anreiht und abnliclie Zweckt 
verfolgt Die Collati^'n der Heidelberger H«. des Rother bat die Kritik wesenl- 
lich gefordert, die Einleitung behandelt zum ersten Mal eingehend die Qe- 
schichte der Sage und Dichtung, welche nach R&ckert eine dreimalige Bev- 
heitung erfahren hat. Das Nibelungenlied liegt in mehreren Aasgabeo vor, 
luerst der erste Theil meiner größeren Ausgabe (Leipzig 1870. BrockhuH), 
welche die Texte der beiden uns erhaltenen Hauptbearbeitungen , und soweit 
sie erkennbar, die Leeart des beiden vorgelegenen Originals enthält. Der iweitr 
Theil wird den gesanimlen kritischen Apparat, mit kritischen Anmerkungen, 
und ein den Wortvorralh erschöpfendes Wörterbuch enthalten. Von der Ausgab« 
des NihelungenliedeH in den deutschen Clnsiikern ist soeben die driW 
Auflage (Leipzig 1672. Brockhaus) eriichienen, in welcher die kritiscben Er- 
gebnisse der großen Anagabe bereits verwerthet sind. Zarncke's Ausgabe dei 
Nibehtngcntiedes liegt in 4. Aufl. (Leipzig 1871. Wigand) vor. Zu in«tMi 
Befriedigung hat der Herausg. an einer Anzahl von Stellen sich den in nelnff 
Recension (Germania XIII) ansgesprochenen Bemerkungen angcschliMseni in 
Interesse der Forschung hätte ich gewünscht, daß er seine (Germ. XIII, 416 0.1 
in Aussicht gestellte Widerlegung des ersten Theiles meiner Recension gegeboi 
hätte. Von Bearbeitungen des Nibelungenliedes liegen mir zwei mehr oder 
weniger freie vor, beide in 2. Auflage: die eine von L. Gerlacb (Dresden. 
Kaufmann; gießt das alte Lied in moderne Rhythmen und strebt nach raiigUab- 
ster Durclifiihrung der Cüsurreime und zwar mit unleugbarem Geschick, D■tll^ 
lieh anf Kosten der Treue und auch nicht ohne HißverstHndnisse zn begckm 
(wie gleich 1, 4 'mögt' falsch nufgcfasit ist). Im 9. Tbeile, von Etxcis Wer 
bnng an , ist dagegen der CSsarreim ganz aufgegeben . was naiürlich eräa 
ganz andern Eindruck macht; man ficht den Grund dieser verschiedenen Be- 
handlung nicht recht ein. Die andere Bearbcitang Siegfried und Kripmhilil<! 
von W. Wegner [Brandenburg a. H. 1871 [1867]. Mililer) beseicbnct sick 
als Neudichluiig und kann daher hier nur beitiufig crTrithnl werden. Der Vetf- 
hat mit Hülfe dur nordiaehen, vielfach reineren Gestultung das mittelalterlJok 
modische Gewand abzustreifen und ein treueres Colorit herzuitellon " 
und es ist ihm das bis zu einem gewision Grai^« ~'tnngcn 
SohluQwendung de« Oa../rM grlnngcn, seheint , <ns 

Ver£ OD fielen Stellen doch 



LITTERATURBEßTCHT : MITTELHOCHDEÜTSCIT. 247 

•ge an, so ist vor allem die Fortsetzung des deutseben Heldenbuches 
STTonuheben, von dem der 3. und 5. Theil jetzt erscbienen. Jener entbält 
rtnit und die Wolfdietriebe naeb MQllenboffs Vorarbeiten bersg. von 
• Amelung und 0. Jan icke (Berlin 1871. Weidmann). Es ist der erste 
bdl, der von den Wolfdietrieben die Bearbeitungen A und B entbält. Der 
«tere ist wie Ortnit von Amelung, der letztere von Jänicke bearbeitet. Die 
eChode der Bearbeitung verdient, was Genauigkeit betriflY, alle Anerkennung; 

der Darstellung des Metriscben freilieb maebt sieb der bekannte conservative 
mndpunkt überall geltend. Ist der Ortnit um 1226 verfasst, wie Müllenboff 
n, 80 folgt daraus nocb nicbt, daß wir den Text in unüberarbeiteter Gestalt 
«tzen. Um 1226 war unzweifelbaft die Nibelungenstrophe nocb unentstellt 

ihrer 4. Zeile, und schon die relativ beste Überlieferung zeigt sie entstellt. 
immt man als Grundsatz an, daß wo das Metrische verderbt schien, geändert 
ftden durfte, so musste es genau genommen auch hier geschehen, richtiger 
«r in keinem von beiden Fällen. Das gleiche gilt von den Wolfdietrichen, 
oltzmanns Verfahren war daher mehr berechtigt, als die einfache Rücküber- 
bong in Sprachformen des 13. Jhs. Anders steht es mit den Dichtungen des 

Bandes, die Zupitza (Berlin 1870) bearbeitet hat; hier ist zwar auch die 
berlieferung meist ganz, aber nicht so stark überarbeitet, und lässt sich eher 
ae Herstellung erreichen. Er enthält Dietrichs Abenteuer von ^Al brecht 
>n Kemenaten, dem Z. unbedingt Goldemar, Ecke, Sigenot und Virginal 
= Dietrichs Drachenkämpfen) beilegt, eine Ansicht, die er in der Einleitung 
»eh weiter zu begründen sucht Im Anhang folgen die Bruchstücke von 
ietrieb und Wenezlan. Meine Bemerkungen (German. XV, 249) konnte der 
eraiiBg. nicht mehr benutzen; er hat die Kritik nicht unwesentlich gefordert, 
eOich noch lange nicht zum Abschluß gebracht. In den altdeutschen Studien 
terlin 1871. Weidmann) schließen sich zwei Abhandlungen an das Helden- 
icb an: das jfingere Gedicht vom Riesen Sigenot von E. Stein mey er, und 
BT Geschichte des Eckenliedes von W. Wilmanns. Jene untersucht das Ver- 
UtDiss der jüngeren Texte unter einander und zu ihrer Vorlage zum ersten Male 
rundlich; es wird die Umarbeitung des Sigenot wohl mit Recht nach Alemannien 
triegt. Wilmanns zeigt daß die jüngeren Gestaltungen des Ecke nicht aus 
im Lassbergischen Texte hervorgegangen sind, sondeni dnß alle drei erhaltenen 
ezte auf ein verlorenes Gedicht aus der besten mhd. Zeit hinweisen. Die 
ite Abhandlung von Jänicke, über den Ritter von Staufcnberg, gibt einen 

reine mhd. Formen umgeschriebenen berichtigten Text mit Anmerkungen 
d Untersuchung, welche das Gedicht in den Anfang des 14. Jhs setzt und 
n Dichter als Nachahmer Konrads bezeichnet. — Aus dem Kreise höfischer 
»esie begegnen wir Ulrich von Zatzikhoven, mit dessen Lanzelet sich die 
ssertation von J. Bächtold (Frauenfeld 1870) beschäftigt. Riichtold zeigt, 
ft was Pfeiffer als Beweis eines zeitweisen Anfenthaltes in Mittel- oder Niedor- 
atschland bei Ulrich ansah, vollkommen alemannisch ist, bestimmt die Ab- 
laiiDgszeit durch die ersichtliche Nachahmung des Erec näher (Anfang des 
L Jbs.), gibt auch über die übrigen Dichter des Thurgaus schätzenswerthe 
»tizen; am wenigsten geglückt scheint mir der Versuch, den Dichter gegen 
»rvinus* Urtheil in Schutz zu nehmen. Hartmanns Erec in zweiter Ausgabe 
n F. Bech ist fast gleichzeitig mit der zweiten Ausgabe Haupts erschienen 
*eipxig 1870. Brockhaus); auf letztere werden wir ein andermal zu sprechen 



248 UTTERATURBERIICHT : MITTELHOCHDEUTSCH, 

kommeD. Bech hat eine wirkliebe kritische Neabearbeitnng Yoigenommen, u 
daß die Besitzer der ersten Aasgabe diese zweite nicht werden entbehren k5ni& 
Sechs Lieder nnd der arme Heinrich Hartmanns ▼. d. Ane siid fir 
den Schnlgebrancb herausgeg. von Bernh. Schulz (Leipzig 1871. TcnbMi)^ 
mit Anmerkungen und Glossar, beides allerdings sehr dürftig and, namesdak 
erstere, sehr fehlerhaft; auch in kritischer Beziehung ohne Bedeutnng, er gÜ 
fast unverändert Haupts Text wieder, bei den Liedern zeigt sich stellenweife Beck 
Ausg. benutzt. Wie für die Schule eine Bearbeitung, wie sie hier geboten wiii 
sich zweckmäßig erweist, mögen andere beurtheilen; sicher ist, daß sie dem L^nr 
viel , ja das mebte zu thun übrig lässt. Derselbe Bearbeiter hat Auch eme Alt- 
wähl aus den Liedern Walthers von der Vogelweide (Leipzig 1871 
Teubner) veranstaltet ; auch hier ist des Selbständigen , was der Auswahl eiia 
wissenschaftlichen Werth geben könnte , so gut wie Nichts , und das wenige nW* 
deutend ; die Auswahl selbst aber ist mit Geschmack und Verständniss gekroia 
und verdient nach dieser Seite Anerkennung. Von Pfeiffers Ausgabe 4tr 
Lieder Walthers ist die 3. Auflage (Leipzig 1870. Brockhaus), vod ar 
bearbeitet, erschienen; ich darf sagen, daß ich die Mühe nicht gescheut, Tetf 
uni Anmerkungen nach Kräften zu bessern und denke anderswo meinen kritkKhi 
Antheil zu begründen. Zur Sprachdichtung Walthers v. d. Vogelwei^t 
liefert A. Thurnwald (Programm der Wiedner Kommunal- Obeirealsckik ■ 
Wien 1869) Beiträge, indem er die Sprüche behandelt, die in W^althen enta 
Aufenthalt am Wiener Hofe , bei K. Philipp und bei Landgraf Hennan g^ 
boren. Enthält das auf geschichtlichem Grunde entworfene BUd von W*i Leki 
in dieser Zeit auch nichts wesentlich neues, so zeigt der Verf. sieb M 
überall umsichtig und besonnen, in den sehwebenden Streitfragen sich ein Citf 
bildend. Einige Mißverständnisse des Textes {hinder sich S. 9 bedeutet wM 
hinter ihn : S. 24, Z. 1 1 muß es heißen: weil es demjenigen verwandt ge^ 
wesen ) sind wohl nur Versehen. Wolframs Parzival nnd Titurellie^* 
meiner Ausgabe (Leipzig 1870 — 71. Brockhaus) in 3 Theilen jetzt abgescUosNi 
vor; ich hoffe daß dieser erste Versuch eines fortlaufenden Commentars YicK 
vnd nicht nur Laien, zur Förderung des Verständnisses dienen wird. Man «iri 
manches, was z B. Haupt inzwischen beigebracht, hier bereits finden, nv iA 
weniger Selbstgefühl vorgetragen. Daß ich die von mir, ich denke überseqgfii 
nachgewiesenen Titurelbruchstücke aufgenommen, bedarf keiner BechtfeitigPt 
Für Wolframs Willehalm is' durch San-Martes Buch über Wolframs ¥•■ 
Eschenbach Rittergedicht Wilhelm von Orange (Qnedlinbuig 1871* 
Basse) eine genaue Quellenuntersuchnng geliefert, bei der man nur bedtatfi 
muß, daß der Verf. die einschlagenden trefflichen Arbeiten von 6. Paxis wd 
Im Gautier nicht gekannt oder nicht benutzt hat. Sie würden ihn vor maadMi 
Irrthümem bewahrt haben; die neue Ausgabe von Guessard und MontaigM 
konnte nicht mehr verwerthet werden. Die angehängten sehr Terdienslfite 
Namensverzeichnisse führen manchen Namen an nicht richtiger Stelle aSi * 
wird Ljbilnn (S. 163) als in den französischen Texten nicht vorkoiuww^ 
erwähnt I aber der Name beruht auf Mißverständniss von V. 351 le bitii 
der Name Liwes Njgruns ist wahrscheinlich aus Pr^ Noiron en 
md so könnten wir noch manches zu dem übrigens fordernden Boche 
trmgen, Zn Freidank gibt einen weribvollen Beitrag die Dissertation von Her»- 
PsLul über die ursprünglicbe AnoTdüwii^ >io\iYT^\^i.\kV%'^^%^tLeide«- 



LITTERATURBEBICHT: MITTELHOCHDEUTSCH. 249 

(Leipag 1870). Sie weist überzeagend nach, daß nicht die von Grimm, 
nrn hn MSlIerschen Druck befolgte im wesentlichen das Ursprüngliche darstellt. 
Anhingpe handeln über einige Stellen bei Freidank and über den Anbang der 
elberger Es. A, von dem Paul nachweist, daß er nicht, wie Pfeiffer annahm, 
Queue Freidanks, sondern (wenigstens überwiegend) aus Freidank entlehnt ist 
die kleinen erzählenden Dichtungen ist durch die Auswahl von Erzählungen 
Schwänken Ton H. Lambel (Leipzig 1872. Brockhaus), wdche den 12. Bd. 
^Deutschen Classiker des MA.' bildet, eine wesentliche Forderung gegeben, 
aufgenommenen Texte haben durchweg eine kritische Bearbeitung erfahren, 

grüßten Theil zum ersten Mal, aber auch der Amis von Benecke, mit dem 
Sammlung anhebt, ist durch Benutzung neuer Quellen gegenüber Beneckes 
gäbe sehr gefordert, ebenso die 3 Gedichte Konrads von Würzburg. Die 
leitnngen handeln von den Verfassern und den behandelten Stoffen, und 
gen auch in letzterer Beziehung manches beachtenswerthe und neue ; die 
ungeschickte allgemeine Einleitung stellt die litterar- und culturgeschichtliche 
sutung der schwankartigen Erzählungen ins rechte Licht. Konrads von 
rzburg Partonopier und Meliur, an dem Pfeiffer die letzte Zeit seines 
ms arbeitete, ist von mir vollendet, erschienen (Wien 1871. Braumüller), 
sieh mit demTurnei von Nanteiz und den Liedern und Sprüchen 
Fr. Boths Nachlaß und mit den Fragmenten des heil. Nico laus, die ich 
ld zuschreibe. Damit liegen nun sämmtliche Dichtungen Konrads in kritisch 
betteten Texten vor, freilich wird die Kritik an mancher der früher herans- 
1>enen noch viel zu thun finden. Den jüngeren Titurel nimmt in einer be- 
em Beziehung zum Gegenstande E. Droysen in seiner Abhandlung der 
opel des heil. Gral (Bromberg 1872. Müller), indem hier Str. 319— 410 
j. Titurel kunstgeschichtlich erläutert werden, ein werthvoller Beitrag für 
V'erständniss der häufig unklaren Graltempelschilderung. Mit Recht bemerkt 
Verf., daß wenn auch der Dichter einen bestimmten Bau vor Augen und 
)mne gehabt, er doch keineswegs eine treue Nachbildung desselben in seinen 
phen hat liefern wollen , sondern seiner unklaren Phantasie ebenso dabei die 
sl schießen ließ. Lässt sich sein Vorbild nicht mehr nachweisen, so ist doch 
Nachahmung des Titurel- Graltempels in wirklichen Bauten, wie namentlich 
ttal, nicht zu verkennen, und hier hätte wohl auf die Schrift von H. Holland 

Germania 6, 246 f.) verwiesen werden können. Über Bruder Berthold 
Begensburg handelt das Programm von Job. Schmidt (Realobergjmnzs. 
der Landstrasse. Wien 1871). Der Verf. sucht zuerst nachzuweisen, daß 
sieben deutschen Abhandlungen von Bruder David, die Pfeiffer herausgab, 
lieh alle von ihm sind ; Pfeiffer zweifelte bezüglich der letzten und war ge- 
t sie Berthold beizulegen, was bei dem Verhältniss Bertholds zu David an 

nieht undenkbar wäre. Allein Schmidt zeigt daß, wenn auch wie erklärlich 
es Stück manche Anklänge an Berthold aufweist, sich dieselben ebenso in 
andern Abhandlungen Davids finden, und daß diese siebente keineswegs 
Stil und GMankenkreis der übrigen abweicht. Weiter gibt die Abhandlung 
lüge aus den lateinischen Predigten Bertholds, und sucht endlich aus den 
fig vorkommenden Verweisungen eine ungefähre Reihenfolge der Predigten 
mstellen. Über das mitteldeutsche Buch der Väter vom Verf. des 
öonals liegt eine dankenswerthe Untersuchung von Jos. Haupt vor (Wien 
1. 0«rold), die sich zunächst auf die vom DicVitBC X^^omti^«^ ^fS^nfii «t- 



250 l^ITTERATURBERICHT : MITTELHOCHDEUTSCH. 

streckt, dann zeigt daß das Passional später als das Lelnm der Vlter 
ist, and endlich die Hss. and Fragmente bespricht Za den leteteraa 
wir demnächst manche Nachträge bringen. Herrorheben will ich die 
daß die Leipziger Hs. sich als keineswegs rollständig heraotttelK. Flr 
Biarienlegenden im Passional erweist H. als Quelle nicht onmittelber 
sondern Jacobus a Voragine , der Botho benatzte. Ob H. aber Bedit hal, M 
Dichter mit dem Verf. des Laabacher Barlaam za identificieren , icheiit d| 
vorläufig noch zweifelhaft. Ebenfalls das Bach der Väter behandelt der S. TUl 
von Zingerle's Findlingen (Wien 1870. Gerold), worin die omfiuialfl 
Meraner Fragmente mitgetheilt sind , nnd wo sich aach schon ergab (S. 2), m 
die Leipziger Hs. nicht vollständig ist. Am Schiasse folgt ein Vuieichi^ 
seltener Worter ans dem Werke. Eine Untersuchang über Brader Phili||i 
Marienleben verdanken wir ebenfalls J. Haapt(Wien 1871. Oerdd), «ini 
er zanäcbst aus den Reimen den Nachweis führt, daß dieselben nicht okv 
deutsch, auch kaum mitteldeutsch, sondern überwiegend niederrhein. oder gnttd 
niederl. sind, und daraus schließt er, daß das Original ein mittelniederläadtichi 
war. Daher will er Seitz der Pommetsf. Hs., wofür andere Sei es haben, ibli 
Karthause Sei cm in Belgien erklären. Wichtiger als diese Vermathong wMi 
mir der Nachweis der verschiedenen Bearbeitungen , die das Marienld)a 9 
fahren, indem es durch eine Bearbeitung der Evangelien vermehrt and mit te 
Evang. Nicod. combiniert in Hss. erscheint. So wenig dichteriachen Woi 
Philipps Werk auch hat , so verdient es wegen der großen Verbrdimg B» 
achtung ; es sei hier auch noch an die Verwendung erinnert, welche es ii te 
Reiiuchroniken und den daraus aufgelösten Prosabearbeitungen gefanden hL 
Ein anderes Legendenwerk, Sanct Brandan, behandelt C. Schröder, iite 
er den lateinischen und drei deutsche Texte herausgibt (Erlangen 1871. BeiolAi 
voraus geht eine litterarische Einleitung über die Sage, auch über dit Bi' 
Ziehungen im Wartburgkriege, die auf eine eigenthümliche Sagenfassnng Ma 
Der lateinische Text ist nach einer Hs. des 12. Jahrb. in Leipzig g^gcba; 
das erste deutsche Gedicht (mitteldeutsch) wird zum ersten Male hier eM 
CS ist die älteste ursprünglichste Bearbeitung, aus der das nd. and mnL Ocdtt 
geflossen. Die ursprüngliche Heimat sucht Schröder am Niederrhein. Am SgUmi 
folgt eine Ausgabe des Volksbuches nach dem ältesten Drucke mit YvMb 
der späteren; Anmerkungen sprachlicher und sachlicher Art machen die fla^if 
Arbeit noch werthvolter. Zur Lvrik des 14. Jahrhs. gehört A. Lfitolfs AI 
handlung Herr Otto vom Turne der Minnesinger zu Lucem (Einiiedeln 18T( 
Benzinger), aus dem Geschichtsfreund XXV. Der Verf. handelt zuerst toa da 
Geschlechte im Allgemeinen, dann von Otto insbesondere« den er von 121 
bis 1330 nachweist; seine Lieder sind am Schlüsse mitgetheilt, auch die ktt 
Urkunde (1330), welche er in deutscher Sprache ausgestellt, so wie eine sanbe 
Nachbildung des Gemäldes der Pariser Hs. und eines Urknndensiegels, dss d 
Identität der Wappen beweist Gelegentlich sind auch manche Notizen fib 
andere Schweizer Lyriker ans Urkunden gegeben. Zum Schauspiel des 14. Ji 
erwähne ich A. Frejbe s Übertragung des Spiels von den zehn Jni 
frauen (Leipzig 1870. Naumann), das F. als Opera seria gegeben au Eiseai 
am 24. April 1322 bezeichnet. Die Übersetzung schließt sich mogliehst ti 
dem Originale an. Der Schwerpunkt des Büchleins liegt aber in der am 
Bcblomenen Abhandlung 'zum \eTstÜLi\du\«& un^ vox ^^axdx^fi^ dee Spid 



LITTERATUJRBERIGHT: MITTELHOCHDKUTRCH. jot 

hes bekanatlich auf den Laadgrafen Friedrich einen so unauslösehlichen 
Iniek machte. Die sachverständige und warme Schilderung wird man mit 
pi6g^ lesen ; der Verf. hat es verstanden zerstreute Zuge zu einem lebens- 
nen Bilde künstlerisch zu gestalten. Derselbe Verf. hat auch eine Über- 
iing des mystischen Gedichtes Ein Seel vor Gottes Füssen lag (Leip- 
1870. Naumann) geliefert, welches ich im Anhang zur Erlösung S. 242 ff. 
iQsgegeben. In dem Anhang, welcher die religiöse Bedeutung des Gedichtes 
terty ist auch noch ein anderes, *Gott und die Seele' (Erlösung 214 ff.), 
Cbersetznng mitgetheilt, und zwar nach dem Vorgange Ph. Waokemagels 
l Gedichte gesondert, was vielleicht das richtige ist. S. 60, 1 ist aus sehnder 
Ige nhd. wohl kaum verständlich; wenn nicht sehnender musste man Sehn- 
htsUage setzen. Einen wcrtlivollen Beitrag zur Mystik liefern die Offen- 
rungeu der Schwester Mechthild von Magdeburg oder das fließende 
^ der Gottheit, welche P. Gall Morel (Regensburg 1869. Manz) aus der 
k zu Einsiedeln herausgegeben. Es ist wohl nicht zu bezweifeln, wie Morel 
it, daß die Äbtissin des Cistercienserklosters S. Agnes in Magdeburg die 
>£userin ist, was zuerst Monc behauptete. Das Buch, zum Theil in Versen, 

iprachlich wie sachlich anziehend; man wünschte, daß der Herausgeber es 
dl ersterer Seite mehr ausgebeutet hätte, zumal da es durch seinen Inhalt 
ch auch für nicht philologische Kreise Interesse hat. Wir wollen hinzufugen, 
B E. Böhmer in dieser Mechthild die von Dante erwähnte Matelda (Jahrbuch 
r deutschen Dante-Gesellschaft 3, 101 ff.) zu finden glaubt, wofür in der That 
Bches spricht. Im Inhalt verwandt ist der Nonne von Engel thal buch- 
^ von der genaden überlast, welches C. Schröder für den litterarisohen 
'^in (108. Publicat. 1871) herausgegeben. Nicht unwahrscheinlich ist Schrö- 
I Vermuthung, daß Christine Ebnerin (1^77 — 1356) die Verfasserin ist. 
4i wahrscheinlicher scheint die Conjectur zu werden durch eine von Schröder 
ttehene Notiz in der Donaueschinger Hs. 293 (Barack S. 236); hier heißt 

1350. Ejn kloster Ijgt drj mylen von Nürenberg das heyst Engeltail; das 
bj sancte Elsbethon ziten angefangen auch von eyner yrer dienerin, das 
^ kloeter ist prediger ordens, do sind so fiel seliger gotts kinder ynnen 
'eaen das es eyn wunder ist. Onder den selbigen was eyne, die hieß CristiDa 
lerin, deren legend und lesen man ym kloster und zu NSrenberg hait. der 
d von gott onder anderen Offenbarungen geoffenbaret von disem Daler 

Tanler), der dise sermonen hait geprediget, das er gott der liebsten menschen 
B was, als er yn (ye?) uff crtrich hett etc. Tauler, der hier erwähnt ist, 
von B. Bähring in einer kleinen Schrift Johannes Tanler und die 
ttes freunde (Hamburg o. J.) geschildert, welche in neuer Ausgabe (nn- 
bidert) ohne den Anspruch neue Forschungen zu geben, doch eine auf ernst- 
en Studien beruhende Darstellung von Taulers und der Gottesfreunde Leben 

Wirken enthält. Der Mystik gehört auch an der Mönch von Heils- 
>nn, zum ersten Mal vollständig horausgeg. von Th. Merzdorf (Berb'n 1870. 
im). Der Herausgeber legt ihm nach dem Vorgange von Pfeiffer außer 
1 Buch von den 6 Namen des Fronleichnams, als dessen Verf. das gereimte 
bworf der Gothaer Hs. einen muncli von Halsprunne nennt, auch die in der 
delberger Hs. damit zusammenstehenden Gedichte, das Buch von den 7 Gradon, 
Tochter von Syon und S. Alexius bei. Hat diese Ansicht manches für 
y fo musste sie auf mehr philologischem Wege getSVäliX ii«t\«CL ^\ viv ^^\ 



252 LITTERATURBERICHT: MITTELH0CHDE0T8CH. 

Einleitang geschehen, wozu es an Material nicht fehlte. Die Terle und 
sehr genau, s. B. Bnch der 7 Ghrade V. 25 1. chainen f. cluuiaa; 7 
18 gelaaben; 47 meinem; 53 disem; 60 schaden; 61 waeo — niemaiiv 6S, 
sten — den tac, 84 dem, überall mit der Hs. ; V. 87 natOrlieh der tdl ■. 
Der österreichische Didahtiker Peter Snchenwirt, 'sein Leben und 
Werke ist der Gegenstand eines Programmes ron Fr. Kratoehwil 
1871), worin des Dichters Leben, seine Lebensanschaaong and aeiB 
besprochen wird, etwa in der Weise wie Kanaan den Teiehner behaadeJt 
Die Fortsetzung der Abhandlang aber S's Sprache, Wortvorratli , Metrik, 
ziehnng zum Teichner und Bedeatong in der Litteratnr des 14. Jka., 
wegen Ranmmangels wegbleiben. Es ist erfrenlich, daß auch den 
unserer altdeutschen Dichtung ein liebcTolles Interesse sieh anwendet; 
Wirt Terdient es, denn er ist eine f&r seine Zeit nicht unbedeutende 
Für ihn war übrigens durch Koberstdus musterhafte Arbeiten aelioii vor 
rennien mehr geboten als für irgend einen seiner Zehgenossen. Zwei 
Epigonen hat auch J. Ziogerle in seinen Beitr&gen zur ftlteren tirol 
sehen Litteratur behandelt:!. Oswald von Wolkenstein (Wien 18i 
IL Hans Vintler (Wien 1871). Beide Abhandlungen sind VorOofer 
siehligter Ausgaben ; erstere nmfasst des Dichters Leben und Dichten, die 
gibt Verbesserungen zu B. Webers Texte und mehrere Gedichte nach der Wc 
Steiner Hs. (X). In dem siebensprachigen Gedichte S. 86 ff. ut 36^ S 
a iy wn lesen. Zu der Biographie des Dichters hat inzwischen Zingerie 
einen berichtigenden Nachtrag oben XVI, 75 gegeben. Die Abhandlaig 
Vintler bespricht zunächst die Hss., deren es 5 gibt, wozu der alte 
▼on 1486 kommt der einer Hs. gleichsteht; dann den Verfasser, ia dem 2. al 
Recht Hans, nicht Konrad V. sieht, endlich das VerfaUtniss zu der fion 
rirtÄ. In die neuere Zeit führt uns die Übersetzung Ton S. Brants Nari 
schiff von K. Simrock (Berlin 1871. Lipperheide) hinüber. Ohne 
dienste des Übersetzers zu nahe zu treten, will es uns doch scheiiieB, all 
in diesem Falle es einer Übersetzung nicht bedurft hätte, da das OriginJ 
jedem nicht gelehrten Leser mit einiger Nachhülfe durch Erlintenmg 
Worte Yerständlich ist Gewiss liest sich Simrocks Erneuerung glatter, 
sind besser, aber oft ist auch der Ausdruck zwar glatt, aber aMlt, 
charakteristisch. Eine besondere Anziehungskraft erhält das schün ai 
Buch durch die Wiedergabe der Holzschnitte der ersten Ausgabe. Weon 
so sind hier die mit erläuternden Anmerkungen yersehenen Auagaben am 
wie sie die Deutschen Dichter des 16. Jahrhs. (Leipzi| 
bieten, von denen als 4 — 6 Bd« Dichtungen von Hans Saeha (1S7< 
vorliegen. Der erste Tbeil enthält Geistliche und weltliche Liedl 
aus den Hss. von K. Gödeke herausgegeben, die zum ersten Mal diese 
von H. Sachsens dichterischer Thätigkeit zeigen, und in der Thal das • 
günstige Urtheil über ihn als Meistersänger zu berichtigen geeignet and; m 
2. Theil bringt Spruchgedichte hersg. von J. Tittmann, im Gänsen 64, ii 
den gedruckten Sachen geschickt ausgewählt, darunter viele treffÜdi erritt 
Schwanke; der 8. eine freilich kleine Auswahl aus den Drama tiselK 
Gedichten, ebenfalls von Httmann. Wir mochten] wünschen, in einem 4. Bdeha 
dietelhe fortgesetzt zu sehen. Denn wenn auch inzwischen Keller den KU 
drmek der alten Ausgabe von H. ^aeW ^»Y«ik Xmi^sosawk \ax^ "«oia. daaU 



MISOELLEN. 253 

5 Bde. enchienen lind (Litterar. Verein, 102—106. Pabltcat. 1870), so 
Lbe doch nur aaf den engen Kreis der Mitglieder beschränkt und ent- 
fvid mehr eis das erfrenliche Interesse an dem wackem Nürnberger begehrt. 
Unternehmen wird der Gklehrte mit aufrichtiger Freude begrfißen, da 
Amgaben so selten geworden sind und kaum jede Bibliothek ein toU- 
Exemplar besitzt. Einen ansiehenden ßeitrag zur Geschichte des 
i's im 16. Jahrhundert liefert F. Leibings Programm, die Inscenie- 
If des iweit&gigen Lncerner Osterspieles vom J. 1588 durch 
art Cysat (Elberfeld 1869), Mittheilungen, die den handschriftlichan 
Cjrsafs in Lncem entnommen sind und sich über alte Details der 
BDunmgy Yerwaltung, Polizei, Fremdenordnung, Besetzung der Bollen, Proben, 
Decorationen, Kosten etc. rerbreiten. Die beigegebenen Tafeln er- 
das «eenische Arrangement. K. BABTSCH 

(Fortsetzung folgt) 



MI8CELLEN. 



Übenioht 

It Voriesmigen Über deutsche Sprache und Litteratur an den Universitäten 
fcP eel w JJands, östMrrMehs*) und der Schweiz im Sommersemester 1872. 

I& den Jahrgängen IX und X dieser Zeitschrift gab Pfeiffer eine Über- 
der oben bezeichneten Vorlesungen. Ich nehme mit einigen Modificationen 
Sache irieder auf; ich ordne die Vorlesungen sachlich, nicht na^h der 
len Beihenfolge der Universitäten. Aufgenommen habe ich auch die 
über vergleichende Grammatik und vergleichende Mjthologie, ebenso 
in denen deutsche Bechtsquellen und Tadtus* Germania erklärt 
leh wünschte in Zukunft in jedem 1. und 3. Hefte des Jahrgangs 
Übersicht zu geben und möchte deßhalb an meine Faphgenossen die 
iten, unmittelbar nach vollendetem Druck mir die Lectionsverzeichnisse 
nen. 
Yei^gleichende Grammatik: Münster-Bickell , Tübingen- Bapp; Ein- 
^fmg in das Studium der indogermanischen Sprachen: Halle-Kuhn; Elemente 
wi^eieh. Ghrammatik: Leipzig-Curtius f vergleich. Grammatik des Deutschen, 
irieehea, Lithanischen : Leipzig Leskien ; vergl. Grammatik der indogermani- 
wm Spraehen: Wien-MüUer. 

Deatsehe Grammatik: Berlin- Müllenhoff, Freiburg-Martin, Gießen. 
4gmiid> Gdttingen-MüUer, Leipzig-Zarnckei Zürich-Schweizer = Sidler ; vergi. 
iff*^^^ der altgerman. Dialecte: Basel-Heyne. 

Gothische Grammatik (mit jtectüre des Ulfilas): Bonn - Birlii||er 
iifinrald-Hüfer, Heidelbe^-Bartsch. 



*) Leider konnten die Vorlesungen der Prager Universität nieht aufgenommeg 
idsn, da der LectSonskattlog von dort noch den 4« Mix V. 3. v[i'^\»ii "oi^^ ^xi^- 



254 MISCELLEN. 

AlthochdeatBche Grammatik: Bonn-Diesi Marbiirg-Grreio. 

Mittelhochdeatflche Grammatik: M&nster-Storck; mbd. ud 
Grammatik : Rostock- Bechiteio. 

Neuhochdeutsche Grammatik: Würsbnrg-Lexer; dentseke 
graphie: Greifswald-Höfer; über den deutschen Stil: Bonn-Andresen; die 
deutschen Personennamen in ihrer heutigen Erscheinung: derselbe. 

Altsächsische Grammatik: Erlangen-Raumer ; mit Erklimag 
Heliand: Breslau- Zupitza» Marburg-Grein. 

Angelsächsische Grammatik: Münster-Horstmann ; rnnj 
Grammatik und Leetüre (Beovulf): Wien- Scherer. 

Englische (historische) Grammatik: Königsberg-Schipper; 
Sjutaz: Halle-Tschischwitz. 

Deutsche Mythologie: Heidelberg - Bartsch ; WQnburg-Lexer: 
gleichende Mythologie: Basel-Mahl j, Berlin- Steinthal , Heidelberg- LefaiaDs: 
gem. Relig^onsgeschichte : Tübingen -Roth. 

Deutsche Alterthümer: Basel-Mejer; mit Tacitus Germania : 
Waits; Tacitus Germania: Berlin - Maßman , Bonn- Ritter , Gießen -Lul 
Heidelberg- Scherrer, Bem-Tobler; über das Leben auf deutschen Bargen: 
brück- Zingerle ; deutsche Dichterwappen des 13. — 19. Jahrhs. : Graz-Pichlecj 

Deutsche Rechtsqnellen, Erklärung: Basel-Heasler, Bonn-Schi 
Eriangen- Vogel ; LexSalica: Straßburg-Binding; Sachsenspiegel: Berlin-Hoi 
Halle- Philipps, Leipzig- Hock, Straßburg- Laband. i 

Deutsche Litteraturgeschichte: Breslau-Rückert (2. TheilX Giel^ 
Zimmermann, Göttingen-Tittmann, Tübingen -Keller, Zürich-Ettmüller, Bem-Psk 
(bis zur Reformation); ältere germanische Litteraturgeschichte mit TorleM 
ausgewählter Stücke und mit Rücksicht auf die gleichzeitige romanische IM 
ratur: München-Hofmann; über mhd. Dichtungen: Erlangen-Raumer; Gretehki 
der d. Litter. vom Ende des MA. bis auf die neueste Zeit: München-LeflMl 
Geschichte der neuem Litteratur: Halle- Hajm; Geschichte des geistigen Lchi 
von Luther bis Lessing: Straßburg- Laas ; Gesch. d. deutschen Litt, des 18. Jahiki 
Wien-Tomaschek ; Litteratur und Kunst des 18. Jhs.: München-Carri^re; d 
Gtöthe- und Schillerzeit: Zürich -Honegger: deutsche Litteratur von 1805 — 1 
Dorpat-Masing. — Über das deutsche Epos im MA.: Basel-Heyne; über Wes 
und Geschichte der epischen Poesie: Berlin-Steinthal; die Lyrik der Dentschcii 
ihren Ursprüngen bis zu ihrer weltlitterarhistorischen Entfaltung und Aasdehns^ 
Leipzig- Minckwitz ; die deutsche Lyrik seit Opitz: Bem-Schöni; Gr5the*s fi 
dichte: Bem-Bülan; Geschichte des deutschen Kirchenliedes: Kiel-WeiBlMll 
über das religiöse Schauspiel des MA. : Tübingen-Fehr ; das deutsche LHii|l 
bis und mit Lessing: Bem-Schöni; über das Volkslied in seiner Bedentn^ fl 
die neuere Litteratur: Leipzig-Hildebrand ; über die deutschen Volkslieder: Bea 
Tobler; über Lessing und seine Zeit: Kiel-Groth; über Lessing als Denker li 
Kunstkritiker: Freiburg-Spicker; Herder und Göthe bis zu G5fhe*s RflekU 
aus Italien: StraGburg-Laas ; Göthe: Tübingcn-Kellor; Göthe's Faost: HeiddlMI 
Bartsch, Reichlin-Meldegg ; über Schiller und seine Werke: T3bingen-K5ift 
über Schillers Wallenstein : Wien-Tomaschek ; die schweizerischen Tellspide ■ 
SehiJlers Teil: Bera-Pabst. 

Angeisächsische LitteTatuT^^%eV\e\\\.^\ W^^Xi^o. 
Englische Li tteraturgeseVveYklt*. Qi\«^Vw.\Äm^v^ ^«ääiö^söa ^ 
engliBchen Dramas bis auf SbaVespeix^-. ^twXäm-UK^. 



BilSCELLEN. 255 

Oänische Litteraturgeschlchte: Kiel-Möbius. 
Deutsche Metrik: Leipzig- Minckwitz ; altdeutsche Metrik : Königsberg- 
de; mittelhochd. : Marburg-Lucae. 
Sprachdenkmäler. 

Gothische: Ulfilas: Berlin-Maßmann^ Bonn-Birlinger, Erlangen-Raumer, 
bwald-Höfer, Heidelberg-Bartsch, Tübingen-Keller. 
Gothische und althochdeutsche: Königsberg-Schade. 
Althochdeutsche: Freiburg-Martin, Gtöttingen- Wilken , Graz-Jeitteles, 
brnck-Zingerle, Jena-Sierers ; Eyangelinm Matthaei : Gießen-Weigand. 
Altdeatsche: Breslau-Ruckert, Halle-Zacher, Kiel- Weinhold. 
Mittelhochdeutsche: 
^ Nibelungenlied: Basel-Mejer (ausgewählte Stücke); Bem-Tobler; 

iMiii-Siimoek (mit Einleitung), Graz-Heinzel, Marbnrg-Lucae, Münster- Storok. 

Kndrnn: Göttingen- Wilken. 
' Hartmann 's Erec: Bostock-Beehstein. 

Wolfram's Parzival: G^ttingen - Müller , Halle -Zacher, Jena • Siegers. 

lochd. Übungen (Parziyal): Wien-Scherer. 

Gottfried 's Tristan: Innsbmck-Zingerle. 

Walther Fon der Vogelweide: Königsberg-Schade, Leipzig-Hilde- 

Zfbrieh-Ettmüller. 
Neid hart: Breslau-Zupitza. 
Vridank: Tübingen- Holland. 
Alttftchsische: Heliand: Breslau- Znpitza, Marburg-Grein. 
Angelsftchsische: über den Beovulf: Berlin-Müllenhoff. 
Altnordische: Eddalieder: Göttiugen- Wilken , Zürich-EttmüUer ; Hraf- 

lins: Strafibnig-Bergmann ; ETrbyggjasaga : Leipzig-Zamcke. 
Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Soeietäten, Ktänz- 
werden gehalten in Basel , Berlin, Breslau, Göttingen, Graz, Halle, Jena, 
Py Merbnrgy Rostock, Wien und Tübingen. K. BARTSCH. 



Constant Philipp Serrare. 

6. April d. J. starb der verdiente belgische Litterarhistoriker Sermre) 
t ' der begeistertsten Förderer der nationalen flämischen Bestrebungen. Er 
em 22. Sept. 1805 zu Antwerpen geboren und wurde schon als ganz Junger 
to durch Willems in das Studium der altniederländischen Sprache und 
Irmtnr eingeführt. Seine Liebe für die heimische Sprache betbätigte er schon 
itildent in Lowen^ wo er Geschichte und Rechte studierte, durch Gründung 
r sfbdentischen litterarischen Gesellschaft, die jährlich einen flämischen Alma- 
i b4sraii8gab. Nachdem er 1832 Dr. j[uris geworden, wurde er 1885 als 
Ümor der Gkschicbte an der Universität Gent angestellt; hier gründete er 
BtöauBAert a. a. eine flämische Zeitschrift, die Ncderduitsche Letteroefeningen , 
1839 ^die fl&mische Bibliophilengesellschaft. Auch war er ein Hauptbegründer 
■iedörlSndischen Sprachcougresse, die die Förderung der Volkssprache sich 
Sftiqptaii^^be' machten. 1854 übernahm er zu der Professur der Geschichte 
I die für niederländische Litteratur und führte beide b\^ x\i %e\\i«t \m k>Q:^^ 
1 eriolgteo Qaiegderung. Ihm verdankt die mn\. LAtter^VOLt haa.^^ ^«x'C^- 



256 



MIsrELLEX 



volle Bereicheruag, mnoche treffliche Testauagabe; i 
ffibeluDgCDfragm eilte, das 4. Bach von Wapene Martijn, WiueUu u. k- 1 
Fnndgriibe für die nlte Lltteratur wurde lein in fäaf Büaden tod 1 8ö5- 
eraehieneDeB VaderUodich MuBcnm für i.itteratur und AlterthauMknnde. 
allen leinen Arbeiten weht der Hauch reiner Begeiaterung für die WiweDM 
itud einer tbatkräftigen I^iebe zu leiuem Vulke. K. B. 



Hans Freiherr von Anfseii, 
leb kiUiQ ea mir uicht versagen , mit ein p&ar Worten des Uuine 
gedenken, mit dem ich noch vor wenig Titgeu iu StraDburg, Zimmer an ZId 
wohnend, iiuammeu war, und der nuu urschreukend plötzlich auf deiD'RSi^i 
von StraGburg, das et freilich ichon krank etreieht hatte und krsnk rv 
iu Münaterlingen bei Kouatanz am 6. Mai im 73. Jahre (er war am 1. S^ 
1801 geboren} starb. Aufaeia, dem ich durch mehijährige ThätigVeit an 
tuauiicben UoBeum {lSb5 — bS) nahe stand, hat sich selbst immer als Diletlu) 
in der Wiitsenschaft bezeichDet, und das war er auch, aber im besten Sil 
erfilltt von dem Feuereifer einer energüchen Natur, die tu GroQem angi 
war und äroßes wollte. Wir OermauUten »ollen ua ihm nicht vorgesaen, 
er der erste war, der eine dem dcutscfaen Ältertbum gewidmete Zeitschrift 
längerer Dauer begründete. SeiD n^nieigcr fUr Kunde dea deutscbeo HJ 
altera," den dann Mono allein weiter führte, ist noch heute ein DDentbelirlid 
Qnelleuwerlt. Fili Aufseaa war ea nur ein vorbereitender Sehritt f&r die Hl 
that aeinea Lebens, die Begründung des 'germanischen Muaenma.' Über Ziele 
Aufgaben deaaelbeu xn reden tat hier nicht der Ort; gewiO war in dem gai 
Katwurfe von Aufteas viel Unreifes, OilBttantiaehea, Unmögliches ; gflwjfl t 
man Becht, den von ihm eingeschlagenen Weg zu verlasaen — ob aaa l 
vielleicht etwas zu weit darin gieng, nicht das Rind mit dem Bade atiiaehit 
■oll hier nnerörtert bleiben — ; aber unverkümmert bleiben wird ihm der I 
edlem Patriotismus eingegebene Gedanke , den er mit eiserner Energie U 
mehreren Deceonien endlich verwirklichte. Daß er uaob aehnjährigem BttUi 
zarücktrat war in der Ordnung, aber sicher ial, daO kein anderer Vor«! 
durch dieae eraten zehn scbweraten Jahre da^ .Muaeiim" biudurcbzufiibnfB 
tuocht hütte. Drum Ebre »einem Andenken! k. H. 



Anrid Aa^at A&elinB, 
der verdiente Forscher aaf dem Gi'bicte nordischer Sage nud Liltc>ratar, 'M 
SS. Sept. 1B71 in GnkSping, wo er 49 Jahre lang Pfarrer war, im Alter 
I 86 Jahren (geb. 6. Hai 179&) geaturben. Am bcfcannleslcn ist «r dank 

I von ihm und Qeijer veranaialt^te Sanimlung Bi'hwcdUclier Volkslieder (9' 

I Folk<risor) geworden. Ihr reibt lirh würdig das Hauptwerk eeinl 

I 'jvenaka f olkela SaguhUfder an, wclekes ihm ein Jahr T<^r «»•'•■wi " 

I lu vollenden beachieden war; ea sublleßt mit 

L irelcber £e äBgeobilduog in Schwedi 




^^ .-i. Lk. r,mf. -J^- 



™* —.^if*^ z^^* 



fBEK AUSLASSUNG UKD VERTRETUNG DESj 
PRONOMEN EELATIVUM. /.ij^^^ujr 



Im Jalirgang XIII (91—104) dieser ZeitBcbrift habe ich über den 
brauch Ton und als relativer Conjunction gohandelt. Die damals 
igeeprooheue Ansicht, daß jener Gebrauch einen Mittelpunkt der 
izen Syntax bilde, indem er parataktische und hypotaktiaclie Satz- 
ig mit einander vermittle, hat sich mir seither noch bestätigt, 
i erUtube mir daher, um diesen Punkt möglicbet vollständig zu er- 
Ggen, zunächst noch einige Nachtrage zn bringen, ehe ich auf den 
be rerwandten, in der Überschrift angegebenen Gegenstand eingehe. 
Daa im Wessobrunner Gebet vorkommende enH zur Einleitung 
k NÄchsatzes hat Wackernagel (Zeitachr. f. deutsche Phil, 1, 304) 
lw>hl flir das Sächsische als für das Hochdeutsche „unerhört" gefimden 
A daher auch fiir jene Stelle das Wort überhaupt bezweifelt. Den von 
U angeflthrten Gebrauch des griech. xa( und des pro veozali sehen e 
jenem Sinne hatte ich (a, a, 0. S. 95 und Kuhns Zeitschr, VI, 358) 
reit« beigebracht. Dass das altfranzöaiache et zur Einführung von 
ichsStzen in mannigfacher und freier Weise dient (s. meines Bruders 
lolf Li dia dou vrai aniel 24—25), ist weniger auffallend and unt- 
richt mmächet dem Gebrauehe unseres so, mag aber hier noch erwähnt 
irden, da «i auch umgekehrt vielfach fast ;= un d vorkommt. Übrigens 
iweisen ausländische Parallelen für den Gebrauch unseres und natUr- 
h nichts, aber so ganz unerhört i.st der in Frage stehende auch in 
nnanischem Munde nicht: ähnliche Verwendung von and im älteren 
lisch habe ich schon a. a, 0. S. 94 nachgewiesen und filge jetzt 
als Beleg die Stellen Chaucer CT. 4763. 6101 hinzu, wd der 
rdersatz zwar nicht temporal, aber conditional in Form eines Frage- 
see ißt; Uberdieü wiederhole ich, daß Nachsätze mit und so einge- 
*IL, Bach Vordersätzen mit wo =^ als, in der Volkssprache der Schweiz 
r Torkommen. 

lf bemerkenswertho Weise steht umgekehrt inti einen conditio- 
»rdersatz einleitend, wie das mhd. wnrfe, fortgesetzt durch 
■ FraozÖGischen n, quandn. a. durch que, \n i^T S>\^\tQ'"5x. 
r. ^xy^l.) /»ifg. \1 



258 LUDWIG TOBLER 

2; 6; 29; wo die Construction allerdings ebenso wenig klar und p 
ist wie an vielen andern Stellen dieses Dichters. Indem er dort 
Versuchung Christi mit der des ersten Menschen vergleicht^ der lö 
nicht so siegreich widerstand; iUhrt er nach einem abgeschl 
Satze fort: 

Intt er er iz firslunti, thetz uuidorort irvuunti, 
loh thaz er es firleipti, iz auur thara kleipti 
In then boum, thar si iz nam : ni missigiangin uuir so firam. 
Ich übersetze: Gesetzt daß es (das Obst, der Apfel v. 4. 14 
bevor er (Adam) es verschlang, an seine Stelle zurückkehrte und (< 
er) was er davon übrig ließ, wieder an den Baum hängte, wo sie (K 
es nahm : so wären wir nicht so weit irre gegangen. 

Auch im Altfiranz. werden Bedingungssätze mit et oder it(i 
imterscheiden von ae, wenn) eingeleitet, aber sie sind dann Hanp 
Sätze, indem das zeitliche Verhältniss von Bedingtem und B 
umgekehrt wird, so daß man ein solches et oder n ^ und dann 
aber dann (dann = dafür) auffassen kann, wie denn die beiden 
junctionen, einzeln oder verbunden, auch im Sinne eines leichten 6^ 
gensatzes = cependant gebraucht wurden, abermals entsp 
imserm und (a. a. O. S. 28 — 29, vgl. Germ. XIII, 101). 

Daß der älteren Sprache der freie Gebrauch des und nicht 
ist^ zeigt auch wieder die Stelle Otfr. 1, 4, 56, wo Zacharias, derVc^ 
kündung des Engels von der Geburt eines Kindes sein und MiMr 
Gattin hohes Alter entgegenhaltend, mit dem Satze schließt: 

Uuio meg ih uuizzan thanne thaz uns kind uuerde? 
int uns ist iz in der elti binoman unz in entL 
Dieses inti wird mit ja doch oder da doch zu übersetzen sein; i, % 
23 steht es folgernd = also, denn; im Ludw. Lied V. 18 = aber, Joi 
ebd. V. 15 vielleicht = wenn. Zu den Belegen tdr den Gebrauch te 
mhd. und = temporalem als, welches theilweise in causales da ftbo^ 
geht, hat Haupt in seiner neuen Ausgabe des Erec p. 407 — 8, wo « 
auch auf die schon zu Gotfr. von Neifen 8, 17 gesammelten Stelte 
verweist, noch einige hinzugefdgt, so daß die Samndung nun ziemfick 
vollständig sein wird. Causal = da steht und Wolfr. Wh. 209, 22. 

Mehrere sonst für relativen Gebrauch des und angefahrte SteBtt 
erklärt Haupt als Anakoluthe, wie ich mit der Stelle Arm. Heinr. 1088 
und andern schon früher gethan hatte; auch Erec 8146, Nib. 207^' 
und Wolfr. Wh. 168, 2 scheinen hierher zu gehören. 

Zu den Bealparallelen trage ich hier nur nach, daß das altoonL 
ok mit dem mhd. und auch darin übereinstimmt, daß es geradeiK 



ÜBER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES PRON. RELATIVÜM. 259 

Pron. relat vertreten kann. So steht es in einer Stelle der Snorr. 
L Gylf. cap. n, wo zwei Handschriften statt oA; lesen er. — Endlich 
erwähnt y daß der Gebrauch von und = wenn bis ins Sanskrit 
ftckreicht, wo ca (= griech. xs, xs und = na in xaC) und ced {ca 
deiktischem id) so vorkommen; s. Delbrück, Syntakt Forschimg. 
69. 

Eine zweite Gestalt, in welcher der Übergang von parataktischer 
;zftlgung in hypotaktische vorliegt, ist der fUr das Deutsche hinläng- 
1 bekannte Ursprung des Pron. rel. aus einem demonstrativum oder 
errogativum. Den erstem hat Windisch in seinen „Untersuchungen 
er den Ursprung des Relativpronomens in den indogerm. Sprachen^ 
leipzig 1869) gründlich nachgewiesen, und ich habe in meiner Be- 
rechung dieses Buches (Zeitschr. f. Völkerps. und Sprachw. VU, 333) 
ich den Ursprung des Relativums aus dem Interrogativum nicht un- 
«mbar mit dem erstem gefunden, insofern auch das Interrogativum 
h auf ein (durch den Ton unterschiedenes) Demonstrativum zurück- 
tren lässt. Die Frage, ob diese beiden unter sich nicht zunächst 
rch ein Indefinitivum zu vermitteln seien, will ich hier nicht berilhren • 
I aber das Relativum im Lateinischen zunächst aus dem indefiniten, 
hi aus dem interrogativen qais zu erklären sei (Kviäala, Sitzungsb. 
* Wiener Akad. Bd. 65 p. 77) kann ich nicht wahrscheinlich finden. 

Ich habe nun aber a. a. 0. S. 339 auch von Auslassung des 
>n. relat gesprochen und mir eine nähere Betrachtung dieser be- 
iders auf germanischem Gebiete vorkommenden Erscheinung vor- 
lalten. Dieselbe scheint mir eine besondere Behandlung um so mehr 
bedürfen, da manche scheinbare Fälle derselben auch eine andere 
ifiassung zulassen. Ich werde daher in der folgenden Darstel- 
ig von den Fällen ausgehen, wo die Auslassung des Pron. relat. 
^eifelhaft ist, und zrwar zunächst weil ebenso gut Auslassung des 
3monstrativums angenommen werden kann; dann lasse ich die- 
ligen folgen, wo statt Auslassung des Relat Attraction desselben 
genommen werden muß oder kann, bis wir auf Fälle kommen, wo 
ir noch die Annahme von Auslassung zulässig scheint Als Rest 
s einer (unzweifelhaft dagewesenen) Zeit, wo es noch kein Pron. 
lat gab, lässt sich die firagliche Erscheinung nicht wohl auffassen, 
i schon die ältesten Denkmäler unserer Sprache, so wie die der 
nrerwandten Sprachen, ein Pron. relat oder wenigstens eine ent 
^hende Partikel aufweisen, und auch in den Dialekten, wo die 
Auslassung vorkommt, daneben die Setzung gilt und vorherrscht. Da- 
!^n mag als Folge und Zeichen eines verhältnissmässig späten 



2H0 



LUDWIG TOni.Rlt 



Aufkommena des Prou. relat. in den germanischen Spraclicn (vgl 
Orimm Gr. 3, 23) nicht bloü die tlieilweise AusluBsung dcssclba 
sondern auch die Thatsache gelten, daß bis auf neuere Zeit Bt»( 
eines wirklichen flectierbaren Pronomens, oder sogar neben demselhri 
zur Verstärkung, auch Adverbia oder Conjunctionen zur 
Zeichnung der Relation dienen konnten. Da nun solche Vertretung 
oder Verstärkung des Fron, relat. durch andere Wörter sich 
Auslassung desselben zuweilen schwer unterscheiden lässt, so vrerAt 
ich Bio zum Schlüsse noch in besondere Betrachtung ziehen. 

Den einfachsten Fall, wo man zwischen Annahme von ÄnBU»- 
Bung des Demonstrativums oder des Relativunis znnÄchst Bchwankaa 
kann, aber sich wold durchgängig f^r die erstere entscheiden wird, 
bilden die im Mhd. nicht seltenen Stellen, wo einem Substautivum , dit 
zunächst mit oder ohne Verb um hingestellt ist, ein Zusatz, meist 
sein oder heißen, zu näherer Bestimmung beigegeben wird, iDtcl 
zwar eben so, daß diesem Zusatz ein auf das genannte SubstantiTum 
zurückweisendes Pronomen, demonstrativum wenn er als Hanptsati^ 
relativum wenn er als Nebensatz gelten sollte, mangelt, indem 
detisch das Substantiv fortwirkt. Grimm hat in seiner Abhandlnsf; 
„über einige Fälle der Attraction" (Berl. Akad. 1858 S. 8, vgl. «ndi 
Gramm. IV, 592) diese Fälle erwähnt, jedoch nur um zu sagen, daS 
sie keine Attraction, sondern eben nur Apposition enthalten. AU Bei- 
spiele eitiert er u. a, Parz. 501,20; wer was ein man lac vorme Grftl!' 
Lanz. 449: sprach einer, stuont da nähe bt. Boner 43, 68; wir Efihen 
bi dem viure ein tierli, was gehiure. 51, 9. eiamäls da im engegea 
kam ein awacher esel, was nicht kluoc. Ich ftige noch bei: Dietr. 
1 Ausf. {v. Stark) Str. 40: daran (an einem Schilde) entworfen stnodfl 
ein lebe, was von golde reich. 23: darob ein licht karfunkel lag, dir- 
neben zwen jachande und ein granat, läucht als der tac. — In sUen 
diesen Fällen wirkt das Substantivum im gleichen Casus (NominaliTi 
fort, dagegen in Stellen wie Wolfdietr. (Holtzmann) 960,3: mit btmderi 
tuaend beiden, het er bracht in daz lant ,..., muß keidm, resp. da» 
zu ergänzende Pronomen, aus dem Dativ in den Accusativ umgeeetil 
werden. Indessen haben Haupt (Erec S. 394) und Hildebrand (ZeitschrJ 
f. d. Phil. 2, 261) solche CaEusgcmeinschafl Bogar zwischen Norni-' 
nativ und Accusativ nachgewiesen, wo sie doch schwerer ist a 
zwischen obliquen Casus, und so mflgcn alle diese Fälle als Zeu{;ni 
ohne Ergänzung eines Pronomens erklärt r ' Her ea gibt ar 

wo diese Erklärung ausgeschlossen bleu hiift det 

f bei Boner lantel 




BER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES PRON. RELATIVUM. 261 

slangen was gebunden. Hier muß doch Vor uxirt und was ein 
la gesetzt und ein (ohne Zweifel demonstratives) diu und der 
et werden. Auch bei Chaucer finde ich Stellen dieser Art, z« B. 
191: 

With him ther was dwelling a pore scolar, 
Had lemed art, but al his fantasy . . . 
1 deutschen Volksliedern ist ähnliches bekanntlich nicht selten, 
'oranstellung des Verbums im zweiten Satz deutet darauf, daß 
ronomen, wenn man eines ergänzen soll oder will, das de- 
strative sein müsste; indessen ist das Gesetz der Inversion in 
Item Sprache noch nicht fest genug, um einen sichern Schluß in 
' Richtung zu erlauben. Bei den Zusätzen mit heißen nimmt 
n Auslassung des Fron, relat an; nur in der Formel: einez, 

. . . will er auch Ergänzung eines andern Pronomens offen lassen, 
reiß nicht; worauf Qrimm dabei sich sttltzt; die Stellung des 
oder hiez (immer vor dem Namen) gibt keinen Anhalt, und bei 
zung des Demonstrativums kann man den Zusatz als Parenthese 
sen, wenn die Fortsetzung ohne Wiederau&ahme durch ein De- 
rativum erfolgt Beispiele fkir heizet liefert besonders der Physio- 

vgl. MSch. Denkm. S. 199 ff. Neben der Einleitungsformel: ein 
sizit — und ist . . . oder: daz ist — (wo nichts zu ergänzen bleibt) 
aet (S. 202) die andere: In demo mere ist einez, heizet serra, 
ebet ..., imd die dritte: Ein slahta naderon ist, heizet vipera, 
iero zelet physiologus etc. — 

Betreffend die zahlreicheren und wichtigeren, aber auch schon 
srigeren Fälle, wo eigentlich beide Pronomina stehen sollten, 
las eine ausgelassen ist, darf man wohl von der Grundansicht 
ben, daß Auslassung des Demonstrativums eher anzunehmen 
reil das Relativimi zur Anknüpfung und zum Verständniss des 
'enden Satzes weniger leicht entbehrt werden kann und weil das 
Qstrativum leichter aus dem Relativum heraus ergänzt werden 
als umgekehrt. Im Lateinischen und Qriechischen ist meines 
ns die Auslassung des Relativums geradezu unerhört, die des 
Qstrativums sehr häufig. Eigenthümlich ist dagegen das hoUänd. 
i, eigtl. = dasjenige, aber geradezu für relatives was. Fflr das 
che kommt noch der besondere Umstand in Betracht, daß in der 

Sprache, welche noch kein relatives welch kennt, die beiden 
mina immer gleich lauten oder, genauer ausgedrückt, wirklich 
id dasselbe Wort nur in verschiedener Anwendung sind* Daraus 
ft sich zum voraus, daß Auslassung des einen oder andern noch 



262 LUDWIG TOBLEK 

näher lag als sonst^ indem sie sich ja schön zur Venneidang 
Gleichklang empfahl. IlVeilich konnte der Gleichlaut aach die Fi 
haben y daß man, besonders bei schnellem Sprechen oder 
eines der beiden Wörtchen ohne Absicht, weder auf Kürze nodi 
Wohlklang, unbewnsst und nnr darum ausließ, weil man Raubte 
das andere schon gesetzt zu haben. Steinthal hat in seiner Zei 
1, 174 — 5 fUr die Annahme, daß im Deutschen eher Auslassung 
Relativums anzunehmen sei, den trochäischen Gang der dentsdiflii 
Rede angeftlhrt, dem zufolge das Demonstrativum stärker betont werft 
Aber dieß könnte doch nur fär die keineswegs überwiegenden ¥A 
gelten, wo das Relativum unmittelbar auf das DemonstratiYum folf;^ 
und auch dann wird die höhere Betonung des letztem mehr darin ümi 
Ghrund haben, daß dasselbe, wenn es überhaupt steht, dann Am 
durch seine zeigende, sinnliche Kraft das Übergewicht über das ab- 
stractere Relativum davon trägt. 

Der Qleichlaut aber, den wir hier zunächst in Anschlag gebfa^ 
haben, tritt nur dann vollständig ein, wenn beide Pronomina auchit 
ihrer Casusform zusammentreffen, und hinwider wird dann auch a» 
inner n Gründen die Auslassung des einen am leichtesten stattfindoL 
So steht oft einfaches der ftlr (is) qui, z. B. Musp. 24. 43. Ludw. L 
14. 29. Aber auch wenn die Casus ungleich sind, kann das RelativiB 
das Demonstr. mit vertreten z. B. Ludw. L. 45. (cf. Musp. 9: dar»' 
dahin, wo) und so sagt ja noch Schiller (Ritter Toggb.): die ihr sack^ 
trägt den Schleier. Wenn Attraction dazu kommt, so findet dien 
meistens am Relativum statt und das Demonstr. kann dann um N 
eher wegbleiben, weil es eine Spur seines Daseins eben dem Gas* 
des Relativums mitgetheilt hat 

Besondere Betrachtung verlangen Conjunctionen wie seitdeo^ 
indem, nachdem. Nehmen wir hier dem demonstrativ, so ist du 
zu ergänzende Relativum nicht ein zweites dem, sondern ein dafi^ wel- 
ches aber, wenn wir es nicht als bereits erstarrte Conjunction, sonden 
noch als lebendiges Neutrum des Fron, relat. nehmen, und weoa 
wir die große Freiheit der Attraction bedenken, welche unserer 
älteren Sprache zustand, eher mit attrahiertem Casus in dem enthalten 
sein könnte. Wir haben ftlr seitdem in dieser Auffassung die 
Analogie des lateinischen: ex quo, wie fllr so bald ohne folgeodei 
als (weil so selbst relativ sein kann) die von guum-j ut-, nbi priiiiii& 
Unserm nachdem entspricht in der alten Zeit die Verbindung i^ 
diu, wo der Instrumentalis ebenfalls ein folgendes (conjunctionales) ißa 
verlangt oder in sich enthält. Im äit^ni Englisch findet sich trfUr tkaf, 



CUER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES FRON. RELATIVUM. 26j 

1 zwar Bowühl im Sinne von aachdem, postquam (so bei Chuucs 
'. 4973) als im Sinne von nacli dem, was — , Becundum id, quod - 
Itzner^ Ällengl. Sprachproben 306, 40). Diese zwei Verbindungen 
1 offenbar dem Sinne nacli ziemticb von einander verscbieden und 

ist klar, dall insbesondere das that in beiden versckicdtnen Wcrtli 

, aber daß es beide Mal relativ sei, kann nicht wo)il bezweifelt 
rden; denn auch im zweiten Falle, wo die entgegengesetzte Annahme 

r stattfinden könnte, weil die Möghchkeit der ÄUElassunn; des Re- 

mms im Engliauhcn, und zwar schon im älteren, im Allgemeinen 
■ unbestritten gilt, steht doch der Umstand entgegen, dali sie gerade 
tnittelbar nach einem bloßen Demonstrativnm kaum vorkommt. Da- 

. daß öfter im Angoleächsisehen den Dativ regiert (wie denn in 
r That äßer tham, postea, vorkommt), dürften wir absehen, da die 

asnnterschiede schon im altern Englisch ziemlich erloschen sind. 
Eben dasselbe würde für die Verbindung for that — , dato daß — 
hancer CT. 5315) gelten, da for in dieser Bedeutung im Ags. den 
Itiv regiert; es findet sieh aber ebendort (v. 2070) f<yr that auch in 
rBedentung: (darum) weil. Ganz entsprochende Verbindungen zeigt 
I Alt- nnd Mittelhochdeutsche, und zwar mit Präpositionen, welche 
D Aecusativ regieren, so daß das folgende daz änsserhch wohl dieser 
tsns sein könnte; aber der Zusammenhang lehrt sogleich, daß das 
t paiz wie in den englischen Verbindungen (mit einziger Ausnahme 
I zweiten Falles von afier that) nicht das Pronomen quod, sondern 
e gleichlautende Conjunction ist: für daz heißt: über dcu Zeitpunkt 
Haus daß — , seitdem; dvrck das ist = zu dem Zweck daß, damit; 
iHänd. trni dal, darum daß, weil. Daneben kommt allerdings auch der 
wirklich pronominale Fall vor, z. B. Muspilli V. 36: bt daz er in 

rolti kiwcrkot hapeta ^ flir das was er — (dagegen Otfr. 5, 23, 6 

|(Aas = datilr daß und in da; = während, Wack. Leseb.'' 169,15). 

Bei thiü mezzA (in den Ambros. Hymnen Wack. Leseb. ' 62, 38) 

gl schon das gttem adraodura des Grundtextes die richtige Spur; 

hü kSimen wir wohl auch in den jetzt veralteten dieweil und der- 

!il (während) den ersten Theil als Zusammenfassung von Demon- 
ntirnm nnd Kelativum aufiassen und uns die sonst anzunehmende 

^ftnzung von daz ersparen? Dabei muß uns freilich einfallen (vgl. 
. XI IT, 98), daß in Verbindungen, wie die tcife und besonderer 
: der Relation eben durch und stattfindet und daß später an 

t Stelle dieses und auch ein daß vorkommt; aber das Letztere 
tftens könnte leicht zu viel beweisen, denn wie die altere Sprache 
lor» das spiUe Mittclliochdeutsch) vor relativen oder intorro- 



264 LUDWIG TOBLER 

gativen Pronominen und Adverbien in offenbar pleonastischerWci 
noch ein und zuzusetzen liebte (Germ. XIIT, 97), so seist sie nt 
denselben gern ein ebenso pleonastisches daz, ein Gebrauch, der i& 
Volkssprache fortlebt (Frommanns Zeitschr. f. d. Mundart 2, 190; 
auch in der Schweiz ist er häufig) und abermals im filtern 
seine Parallele findet, wo übrigens (bei (Thaucer) nicht bloO 
tchere, whäe, how (eigenthümlich umgekehrt that how, wie wenn, li 
ihaugh, when und nach if, or (ehe) cts, sondern auch nsLck whiek ( 
Personen und Sachen), nach whether (welcher von beiden, CT. 1 
imd nach tchat (5602) noch ein that hinzugefiigt wird, so wie ein m 
nach there, wo (CT. 1438. 3651. 4489) und nach which, welche (l&ttj. 
Im Angelsächsischen steht the im Sinne von thät, daß, hftufig in ol* 
sprechenden Verbindungen, aber nicht nach interrogaÜTen oder benüi 
relativen Formen mit dem Anlaut hv- (engl, wh-)^ sondern nach uiAm 
mit dem Anlaut th-, welche wenigstens noch demonstrativ au^ebflk 
werden können, dann also nicht pleonastisch, z. B. thäs the, daftr 
daß, weil; nach dem was oder wie; seitdem daß ((jhrein, Glossar 2, 516^ 
Dagegen kommt auch im Mittelniederländischen dat in Relativsllm 
oder abhängigen Fragesätzen pleonastisch vor (Hör. belg. VI, 14L 15^ 
und in einzelnen Fällen, besonders nach wie, begegnet solches im 
auch im Mittelhochdeutschen schon früh: Anno 43, 24: wie grdz dos— 
= swie groz. Frid. 23, 11 : swie wo daz. MF. 87, 25: swer daz. JeroadL 
1, 287: swä daz, 1, 52: wie dcui. (Dagegen tote daz M. v. Craon 806 
wie wenn.) Auch nach e war der Zusatz von daz nicht selten, z. S. 
MF. 129, 32, neben e danne; heute ist er sowohl nach ehe als nack 
bevor und seit imerhört, imd doch ist klar, daß er gerade bei dieses 
Adverbien, die an sich selbst nichts Relatives haben, hinzugedaeht 
werden muß. In damit lässt sich da zur Noth relativ (= wo) fSuset 
imd damit die Annahme der Ellipse vermeiden, aber das synonyma 
auf daß der altem Sprache gehört zu den obigen Verbindungen dei 
daz mit Präpositionen, (denen auch noch bis beizufiigen ist) und be* 
stätigt durch die neuhochdeutsche Gestalt des daß, verschieden tos 
dem pronominalen das, daß das daz auch dort (wo nicht der Sinn 
deutlich das Pron. relat verlangt) als Conjunction au&ufassen, abo 
vor demselben ein Demonstrativum wenigstens ergänzt werden könne. 
Wenn trotzdem auch die Conjunction ausgelassen werden kann, 
wie mehrere der angeführten Fälle zeigen, so lässt sich doch daraoii 
obwohl dem conjunctionalen daß das pronominale zu (3-runde liegt, 
noch nicht schließen, das auch das letztere, und dann natürlich ancb 
relatives der und die weggelassen werden konnte. 



OBEB AUSLASSUNG UND VERTBETUNQ DES PBON. BELATIYUM. 265 

Hier sei nur noch ein in den beiden Bächsischen Dialecten Yor- 
mmender Gebrauch erwähnt , den man ebenfalls nicht als einfache 
Bslassung der Conjunction daß auffassen kann, sondern nur so, 
i diese mit dem adverbialen Casus des vorangehenden Demonstra- 
ums zusammen gezogen oder nach ihrer relativen Eigenschaft darin 
t enthalten ist Attraction kann man dieß Verhältnisse so wie das 
Sü bei dem nach Präpositionen angenommene , nur dann heissen, 
nm man die Conjunction noch als lebendiges , also auch casuelles, 
onomen gelten lässt. Heyne hat im Glossar zum H^liand (S. 333*, 5) 
Ule der Attraction^ von den vorhin bezeichneten nicht gehörig 
lerschieden. Wirkliche Attraction liegt vor V. 1627: alles thes un- 
ites thes gi . . • gil^stead, wo das zweite thea offenbar für that (das, 
od) steht; ebenso in der Stelle 2117. Etwas locker ist die Beziehung 
ft thea V. 35, da ihm kein demonstratives thes vorausgeht und man 
ch nicht sieht, wovon dieser Genitiv abhangen soll, ausser etwa von 
m vorangegangenen that; immerhin steht das thes für thes thaJt, 
isen was — . Wirkliche Attractionen sind von den a. a. O. zur Ver- 
sichung citierten Stellen noch 1105. 1354. 2117. 4926; dagegen in 
El Stellen 476. 1554. 4093. steht thes allerdings auch für thes that, 
er im Sinne von: dafür daß (nicht etwa: für das, was — ) abhängig 
m Begriff des Dankens. Etwas verschieden ist V. 4928, wo ein de- 
mstratives thes vorausgeht und das folgende relative dann geradezu 
'daß stehen muß. Stellen wo einfaches thes in der zuerst ange- 
benen Weise fhr thes that, dafUr daß, steht, sind noch 2289 (ab- 
Dgig von ISn), 3585 (abh. von diwrjan, preisen) und 1358, wo thes 
t: darfiber, darum, daß — umschrieben werden kann. 

Ein ähnliches thäs hat das Angelsächsische. Grein, Gloss. 2, 569, b 
klärt es als Attraction oder Ellipse von folgendem the, meist = daß. 
dessen sind die dafür angeführten Stellen zum Theil verschiedenartig: 
mes. 711 wird thäs als wirkliche Attraction zu nehmen sein, zumal 
k ein thät erst noch folgt; auch 2692 erlaubt eine ähnliche Auffassung. 
thäs mit wie zu übersetzen ist, muß das zu ergänzende the dem- 
»Däß gedacht werden; ebenso in der Verbindung td thäs ^=^ eo ubi, 
ler: eo quo. — Dann findet sich aber statt des adverbialen Genitivs 
äs auch der Dativ mit Präpositionen: for tham, darum daß, weil; 
r tham, bevor, imd der Instrumentalis th^, alles mit Ergänzung von 
Igendem the (hier wieder = daß) oder mit Hineinlegung der Relation 
das Pronomen selbst In den Fällen, die Grein vorausschickt und 
r die er ein relatives d. h. pronominales the, im Unterschied von 
m conjunctionalen, ansetzt, ist nach unserer Auffassung nicht Ellipse, 



266 LUDWIG TOliLEIi 

sondern wirklich Attrnction aczunehmcn, so in der Stelle Beov. 13W 
wo fhiU = dafilr daß, aLbllngig vou danken, ganz dem (A« ili 
llt'Iiand entspricht. An einigen der dort angeftlhrten Stellen cr&cbeii 
Attraction von der härtesten Art, nümlich solche, wo der Nominati 
ihr unterliegt und daraus der Schein entsteht, als oh daa Subject 
Verb, finit. in einem Casus ohÜq. stände. Indessen begegnet i 
Attraction wiudorum auch int IlSband häufig, ahd. ist sie selteH 
(doch bei laidor und Otfried verhältnissmällig häufig), mhd. noch t 
beschränkt, besonders auf das Neutrum, daa fUr den Untorsohied 
Canus rectus und obliquus weniger empfindlich ist. Auch eräcl 
äusserst selten der Fall, daU ein persönlicher Accusativ den Mond 
nativ vertritt, wie Isidor 17" 3: dhm mlue bergS chisitzit (den, der— 
wahrscbcinlicb durch das possidentem des Originals veranlasst). Ii 
Ags. citiert Grein (a. a. 0.) ebenfalls nur einen Fall dieser Art, 
121, wo tkd Übrigens auch directe =:: qui (nicht eos qui) genomme 
werden kann, mit Ergänzung des gleichlautenden Accusativs das D« 
monstrativurns davor (s. oben). Im Heliand steht 3G0!). 4113 nli 
thena allein, sondern mit folgendem tke, flir etim qti-i. MF. 133, 17—1 
verlangt schon das Versmall die, diu — , während Wack. Lcseb. ■ 307, 
einfaches die (quam) fllr eam qufn angenommen hatte. 

Die Erscheinungen der Attraction nun, auf welche wir 
zunächst aber nur auf negativem Wege, geführt worden sind, gedenki 
ich durchaus nicht als solche ausführlich zu behandeln, da Grimi 
(a. a. 0.) ziemlich alles Wesentliche bereits beigebracht hat und «i 
Vormehrtmg der Beispiele ebenso leicht als unfruchtbar erscbni 
sondern immer nur negativ, so weit Attraction in einzelnen Füllen de« 
Schein von Auslassung des Relativuma mit sich tUhrt. Nur um zu xeig«a 
was ich unter Attraction positiv verstehe, und zugleich um Qrimin 
Sammlung vou Beispielen wenigstens filr die .ältere Zeit, wo sie wenige 
reichlich ist, nocli um einige zu vermehren, führe ich folgende Stelleo 

MSch. 57, 3t]— 39: Daz anegenge bist du, truhlin .... der erd 
Job des himiles, wiigcs unde luftes und alles dea viurtn ist (jüies dcasi 
was — ), also de» zunächst fUr daz (was), vor welchem und aaa 
dann allerdings noch ein demonstratives de» zu ergänzen ist; 
ini Text stehcndo il*a ist also nicht dieses letztere, sonst hüttea 
nach demselben einfach das relative das zu crgäazou und daan. 
keine Attraction; diese filhrt vielmehr meistens Auslnssun}; 
monstrativurns mit sicli, wrlclies dafUr dem ßdallvuui seil 
aufntithigt Eiue Parallele da^tu au ist das 

de« Vocals, der oinon Umlaut onn Ji di« 

eJoee Vocak zum Era; • 



Danen v 
daan ebe 



CbEB AUSLASTUNG UND VEHTKETUNG DES PKON. BELATIVUM. 26Tj 

Ebd. 92, 30, 4: Den vater 5rit da zi himili der buh 
mit tUtn er hSA hin erdi giwunnun. 
; denen, die ßr hier auf Erden gewonnen hat. So iDterpnngieren 
: in der Übersetzung, im Texte muß man siüh aber ein Komma 
a ror dem den denken, sonst hätten wir eben wieder Äualasaung. 
tatt Attraction, des Rclativums. 

166, 2: neo wiht archonnit des aih fona rehte scheidit 
Liebe) kennt niehta von dem was sich vom Reckte scheidet 
lichts Unrechtes). 

In der Stelle Miisp. 77 nehme ich das zweite deru nicht als 
kttraction filr diu, sondern als Dutiv abhängig von gimarcMt: fllr die da 
£e Grenze) abgesteckt ist. Als Attraction nehme ich auch Stelleu 
i Otfr. 3, 20, 14, wo nur der seltene Fall vorliegt, daß das attra- 
irto thes auf ein vorhergehendes Possessivurn sich bezieht und fdr 
D Nominativ steht, und 3, 22, 20, wo der partitive Genitiv ihero 
sh unmittelbar als relativer Accusativ zu iruuellu gezogen werde^n 
rm, wie noch heute deren ähnliche Constraction erlaubt. 

Ein älteres Beispiel von Ättraction ist auch die Stelle Wack. 
«eb." 142,31; 

Nach diu si dA hmämun die söna si frumitun. 
th dem (nach Maßgabe dessen), was sie da vernahmen, schlössen 
j die Versölinung. 

Weitere Beispiele liefert Heinr. v. Melk (Ausg. v. Heinzel), Er- 
menmg 43. 277. 713. 

Einen Schritt weiter filhren uns Fälle, wo statt Ättraction das 
indet, was Steiutha j (a. a. 0. S. 147—156) Verschräuknng nennt: 
wird nämlich das Substantiviim aus dem Hauptsatze in den Ncben- 
Iz hineingezogen. War nun der Casus des Fron. rel. ohnehin derselbe 
e der des SubstantivumH , so kann er keiner eigentlichen Attraetion 
terliegen, sondern es findet eine Vertretung des Demonstrativums, 
ip, Artikels, durch das gleichlautende Rclativum statt, wie die, von 
r wir oben ausgiengen, uur daß hier ein Substantivum mit im Spiel 
i(wie freilieh auch oben schon bei tkiü mezzü, wenn wir es erklären: 
r die Weise, auf welche — statt wie, und bei die/weil nach der 
^^rtigen Erklärung). Wirkliche Auslassung des Relativums anzunehmen 
beint onvennöidlich ftlr den Fall, wo jene Casuggleichheit nicht statt- 
'et, aber die Anualime falscher Analogie mit dem ersten bleibt 
immer noch eine ebenso gute Erklärung. Ich gebe nun zuerst die 
urnnteu Beispiele des ersten Falles vollständig, auch in ihrem 
da sie bisl"— »"gends zuBammcngcaltUV wtiÄ noi\ l\.VwKkRÄv; 
bt > wurden. 



LRst^^VH 



n Wüaaa a 



ci 



268 LUDWIG TOBLEK 

Id der Stelle GIobs. Itab. 069'': melotis, das fei munieliä for& i 
tragaut — nimmt Grimm (a. a. O.) das als Relativum, ^ quotl, |] 
die Erklärung des fremden Wortes als zusammengezogen aus : das Fl 
welches — , quam pelUm, für: petÜB, quam — . Die Stellung des VeriiiH 
scheint in der That diese AufTassung zu unterstützen, welche auch d 
uothwendigeo KUrze des Glosaenstiles entspricht. 

Otfr. 1, 17, 74 heißt es in der ErzShiung von den Wüaaa 1 
dem Morgenlande: 

Si uuurtun slafente fon engilon gimanote, 
in droume ei in zelitun tken uuog si faran sooltn 
(nicht; welchen Weg, sondern: den Weg, welchen — ). 
Otfr. 4, 24, 9: 

(Aer man thaz giagaleizit tbaz sih kunbg heizit, . 

ther uuiderot . . . themo koisore. 

Kicht; der Mann, welcher — , sondern: welcher Mann . .., der .■■ 

In der St. Gallischen Abhandlung de syllogiamis heißt es (Wm 

Leseb. 119, 22): 2Vw mäht dero selo gegebin ist kuot unde nbel 

bechenninne unde uuär unde lugi, daz ist reda: Das Vermögen, w( 

der Seele gegeben ist; das lateinische Original könnte aber gi 

gut lauteA: quffi facultas animcB data est, flir: facultas quce — 

Gr. Rud. 21: ia der naht si do woldeu (in der Nacht, in w 
eher, wo, al»J ^^^ 
sich heben alse sie taten ^^^| 

von der kemenateu, ^^H 

daz golt sie zusamene trugen. ^^H 

RoL L. 10, 24: daz erbe uch uwer vorderen an brachten, 
daz EIrbe, welches eure Vorfahren auf euch* gebracht, oder allenlkl 
was eure V. als Erbe auf euch gebracht. ^^^ 

Jeroschin XXVII biu(ni?n) der zit der lügende kurc ^^^M 
her Diterich von Aldcnburc ^^^| 

rcgnirte, . . (folgt der Kachsutz) ^^^ 

innerhalb der Zeit, in welcher — , quo tempore — ■ Dieses Jnti drr 
erinnert an die weil (oben) und bestätigt die dort vorgeschlagene 1 
ing ohne ErgHnzung von daß odor nnd. 
Parz. 749, l: 6 wol diu wip dich sulen s^hnl 
(wolil den W., die dich — ). 
321, 13^15: Ez tuot manc iflseüt herzen w6 
das strenge mortUcba r£- 
AD minem tAi 

man hier mit Lacbmann nM '«t die I 

ich ciao andere . " weua 




L^hlagese 1 

J 



4 



f RER AUSLASSUNG LND VERTRETUNG DES FRON. BELATIVUM. 269% 

Stello als zeuginatische Oonstnicdon eines Subjects mit zwa 

licateD erklärt (wofür dort allerdings ganz fthnlicbe Fälle angefülut 

len), oder wenn man mit Bartsch im Anfang dea letzten Verses 

Aa zusetzt, wie in der vorigen Stelle ein diu. aber es scheiot mir 

auch nicht unmöglich, daa daz relativ zu nehmen, obwohl die 

fhgten Adjectiva diese Auffassung hier etwas schwerer erscheinen 

a als au deu andern Stellen. Lateinisch könnte wohl gesagt wer* 

.: dolet multos quee facta est atrox cacdes. 

Renner 1325S: und wirt ein ander § gewert 

deune er, d^ dinge er begert. 

Anderer erlangt eher aU er die Dinge, die er begehrt. 

Klage 1591: wie kern, daz der vater min 

zurndo wider Gemöten, 

BÖ manegen bouc röten 

' BÖ wir in gäben hier enlant, 

unde in dem willen er si vant? 
konnten Rüdiger imd Gemot an einander gerathen, da die Bur- 
iden bei R. so fi-eundliche Aufnahme gefunden hatteu und auch er 
ihnen dankbare Geneigtheit, aUo: nach den reichen Geschenken, 
sie empfangen, und bei der Geneigtheit (sie zu vergelten), in der 
lie gefiinden hatte. 

Ich flige hier noch zwei Stellen bei, in welchen das Relativunj 
1 k^nem Substantivum begleitet ist tmd das Demonstrativum nicht 
genau in sich fasst wie in den bisherigen Fällen. 
MF. 140, 14: daz ich singe owe von der ich iemer dienen sol. 
der (Geliebten), der ich immer dienen werde: de ea, cui — . Die 
len der haben also nicht ganz denselben Sinn, indem das (zu er- 
lende) erste mit von zusammengehört, das andere der reine 
iv isL 

Ebenda S. 310 (in einer wahrscheinlich unechten Strophe Eteio- 
■a dea Alten): 

waz ich b(Eser handelunge erliten'hfln 
von den i's wol erlfizen möhte ala — 
dit so fast: von denen, die mich wohl damit hätten verschonen 
rfen, sondern unbestimmter: von aolchen (Leuten), von denen ich 
nicht erwarten konnte. 
Dagegen wird auszuschließen sein die Stelle MF. 62, 30: 

so haben ir willen die vögele singen. 
an nach vögele noch ein dd best oder nicht, macht weder fbr das 
•che) Versmaß noch fiir die Constructioa etwa.^ »»%■, iW^^i.^'fc 

k 



270 LUDWIG TOBLEIi 

ist liloli, ob die als Pron. rel, zu nehmen und dann nach Art 
obigen Beiäpiele mit umgekehrter Stellung zu ttberaetzon sei: dieVCgi 
welche singon (mögen), oder ob mit Haupt (a. a. O.) wieder ji 
Zeugmn anzunehmen sei, wobei dann die Artikel bleibt. Die li 
Aiiuabme wird hier wobl vorzuziehen Etin; auch lateinisclt wttrda 
diesem Falle schwerlich gesagt werden: qum aves eantant fUr: a\ 
quiB cantnnt (genauer: cantent, denn haben und singen in udm 
ätello mlUsen doch wohl, wie die andern Verbalformen anf -ea vnA 
und nachher, als Conjunctive gelten), wenn nicht Singvögel von andn 
besondera unterschieden werden sollen. 

Auch die Stelle Erec 1227 gehört nicht liieher, wenn wir der 
Haupt angenommenen Lesart folgen: 

jS, warne ich raich ze unzit, 
sam der liase so er in dem netze lit — 
wogegen bei Weglassung; der Worte so er die vorhin bemerkte Schwierig 
kcit eintritt 

Dagegen gcliBren nocb hieher, aus späterer Zeit, zwei Stellen 
Dietr. 1 Ausf. 176: Soll ich von dir hio hän filr gut 

den echimpf du mit mir hast getriben. 
Veit Weber, Lied v. Freiburg bei Uliland 2, 386: 
darum mir stett band 'geben 
die schilt ich an mir h&n. 
und eis nißdcrdoutechcs Beispiel: 
Rein. Vos 32G9 (LUbben): 

difn scliadeu he uns to donde plecht 
darvor kricht he nu sin recht, 
nur dali in darvor = für den derAceosAtiv von der Präposition ab 
hiUigL 

unter den Fällen, wo die Casus des Substantivums imd d« B*l» 
tivums nicht ubereiustimmen , ist di>r leichteste, wenn beim Ni 
übcrjraug cwisebon Nominativ nud Accusativ stattlmdct, deren 
dort in der Form nicht zur Erscheinung kommt 

Otfr. 5, 4. 34 häüi ea von der Erde, weldie bei der AofarBtelnPi 
Cblisti «^bte: 

joh ti »liiiino Üiar irg«b ihai drvso thar in im img. 
Eell« eetxt nadt drtgo Komma, nimmt also oitwedcr 
Aiulaastuig dca Ileladvunis oder vielleicht Veilreinng 
ilas fol^udo iJuv «a. Lelatvrc ist boini fries. ti«- gmns 
im Abd- konuat neiiMW Wiiwus thmr > 
r Proo. der etvten nnd «wi-ib!!» Fl 




CBEB ÄUSLAS8Ü50 UND VERTBETUNG DES PEON. RELÄTIVÜM. 271 

htion vor (b. «nt); auch wird durch unsere Auffasaung Einklang 
ischen der Cttsnr des Verses und der grammatischen Construction 
igefltellt. Thnz dreso ist also = qui thesaiirus, fllr thesaurura, qui; 
. Cic. pr, Soll. 33: qviai prima innocentis mihi dofensio est oblata, 
Eepi, für: susccpi primam inn. defensionem, qufe mihi oblata est. 
• drängt sich in eolchen Fällen der RelativBatz im Lat. raeistens 
«ran, eben weil er auch den vorherrschenden Substantivhegriff in 
Ml aafgCDommcn hat, So fasse ich auch Otfr. 2, 14, 44: Mit tkemo 
htnnen thu nu quist — ohne Komma nach brunnen und ohne Ergän- 
ag eines tken zusammen, indem ich tkemo selbst relativ nehme, wo- 
i sein Casus zu quist allerdings nur mit Attraction passt: quo fönte 
t ftmle. qu^ii dicis. 

Nach der Erklärung der ersten Stelle aus Otfrid müssten wir im 
tein 6347: 

' wir mUezen morgen an iu gesehn den jämer unz an dise vrist 
an manegem hie geschehen ist, 
It den eher dfr erwarten, aber wo Accusativ und Nominativ lautbar 
1 unterscheiden, scheint das ti-ansitive Verbum Über das intransitive 
Bezug auf Rectionskraft den Sieg davonzutragen, und man tässt 
an lieber den Schein aufkommen, dali das Subject im Accusativ stehe 
ir das Relativum einfach weggelassen, als daß dem transitiven Verbum 
a Object entzogen sei. Grimm wollte lesen: den jämer den — -, wo- 
; nur die Auslassung des Relativs umgangen, aber die Härte des 
nisgegensatzes nicht gemildert wäre; Lachmann: doi jämer, womit 
in der Indifferenz des Neutrums versteckt wäre. 
Parz. 476, 16 — 18: wser ich dan herre übern grSl, 
der möhte mich ergetzon niht 
de« miers mir iwer munt vergibt, 
ft Parzival bei der Nachriobt vom Tode seiner Mutter). Nimmt 
a fttr veiyehen die Construction mit Genitiv der Sache an, welche ' 

der guten Zeit vorherrscht und auch Parz. 227, 3 vorliegt, so ge- 
1 die Stelle zu den obigen mit gleichem Casus und hat weiter nichts 
underes. Nimmt man aber verjehen mit Accusativ an, so ist für 
isen der Genitiv {des fllr daz) eingetreten, also die Verschränkung 
t Attraction compliciert. 

So mag auch eine von Grimm filr Auslassung angeführte Stelle 
piterer Zeit: 1 

I le von den grösten freuden ich mein leben empfunden — 
fc noch als Attraction erklärt werden. | 



4 



4 



272 LUDWIG TOBLER 

Noch schwieriger ist der Fall Neith. 53, 39: 

Von so grözem leide mir riuwe fine yrende gii 
trüre ich wol von schulden . . . 
Wenn wir übersetzen: Über so großes Leid, das (Nomin.) mir K 
ohne Frende verursacht, traure ich mit Recht — j so nehmen wir 
lassung des Relatiyums daz an; es könnte aber auch das 
in «3 stecken, tmd leide ftür leit (Subject zu gU) an das Yon Mrt 
hängige von attrahiert sein. Für die deutsche Übersetzong 
wir auch so die Ergänzung eines relativen das nicht wohl en 
lateinisch würden wir die Erklärung fassen: propter (tantnm) 
quantum etc. Diese Auffassung ist zwar etwas gezwungen, aber 
Gedanke bleibt derselbe, tmd ähnliche Construction finde ich in 
Stelle Germ. 3, 426, 38 (Predigtmärchen, von Pfeiffer): 

üffe deme selben pferde er dö ritet, daz het er mir mein 
genomen (dasselbe Pferd, auf dem er reitet, (das) hatte er mir uiiredlp{ 
mäßig genommen). Hier liegt offenbar Verschränkung vor, verbim< 
mit Attraction, und zwar deijenigen Art von Attraction, welche 
rückgreifende oder regressive nennt (weil sie vom Nebensätze auf 
Hauptsatz, statt umgekehrt, übergeht) und welche wir bisher noch 
zu berühren hatten, weil sie keinen Schein von Auslassung des Bdir 
tivums mit sich ftihrt und auch das Demonstrativum, meistens umte 
Artikel wieder aufzunehmen, stehen lässt So werden wir auch im tor 
liegenden Falle nicht etwa hinter pferde ergänzen: üf dem, sondenda 
wirklich dastehende deme relativ nehmen, trotz dem dabei stehento 
selben, wie auch lateinisch wohl gesagt werden könnte: (in) qmo ^tK 
für eodem ipso, quo — und dieß vielleicht fUr: eundem ipsnm, qiio--v 
Ähnlicher Gebrauch von sdbo findet sich schon bei Otfirid 2, 5, 23: 

in selben uuorton er then man 

tho then eristen giuuan, 

so uuard er hiar, thes uuas not, 

fon thesemo firdanot 
Mit denselben Worten (mit Vorspiegelung von Herrlichkeit), mit deoa 
er (der Teufel) den ersten Menschen gewann, ward er hier von diesea 
(vom zweiten Adam, Christus, den er versuchte) vernichtet. 

4, 16, 46: Thaz selba si imo sagetun, 
si hiar bifora zelitun. 
Sie sagten ihm dasselbe, was sie vorher gesagt hatten. Währond ii 
der ersten Stelle das Pron. reL aus dem nachfolgenden so entnonuna 
und zu selben gezogen werden kann (vgl. so selb so, gerade wie) selifliDi 
MD der zweiten allerdings einfache Auslassung desselben angenommeo 



OBEB iirsLASSUNG UND VERTRETUNO DES PBON. EELATIVUM. 

piit'sa maaseo, obwohl eine Umkehrtmg in: Was sie ihm sagten, 
) schon vorher gesagt, bei Otfrid nicht ganz undeokbar ist! 
Ein reineres und planeres Beispiel von Attraction dieser Art bietet 
: Stelle im Arm. Heinr. 183, wenn wir nämlich daselbst nicht 
kt den meisten Herausgebern nach vant Punkt setzen, sondern nofr 
pomma; dann stellt '(■■ 

den besten meister er da vant, ^H 

der Seite ime etc. 
; der beste Meister, den er da fand, (der) sagte ihm — , lat, quem 
^timom magistrum invenit, (hie) ei dixit, ganz ähnlich dem oben an- 
sfllhrten Satze aus Cicero; nur weicht diese Stelle von den obigen 
I ab, daß sie mit Verschrfinkung eben noch Attraction, in der 
igegebenen Weise, verbindet. Von dieser Art ist endlich auch ein 
ie der deutsches Beispiel, Rein. Vos 3269: 

n schaden he uns to donde plecht, darvor kricht he nu stn recht — 
> also der Schein einer Verwechslung zwischen Nominativ und Accu- 
tiv (Hildebraud in der Zeitschr. f. d. Phil. 1, 442) einfach durch 
raction zu erklären ist, sowie in der Stelle Weisth. 4, 378. / 

Zurückblickend auf die bisher aufgezählten Stellen, gebe ich zu, 
iß sich manche von ihnen einfacher durch Auslassung des Rela- 
erklären lassen, wenn man nämlich einen solchen Terminus 
berhaupt als „Erklärung" gelten lassen will, während er doch im 
oder ziemlich offenbar, eben nur die erst zu erklärende 
^raeherscheinung als Thatsache bezeichnet. Ich glaube daher, wenu 
I gilt eine wirklich wiBsenschaftliehe Syntax zu schaffen (und 
nt geschaffen werden muß wenigstens die Lehre vom Satzgefüge), 
9 mQsse man sich jenes Ausdrucks mögLchst enthalten und ihn iür 
Wie auisparen, die sich fttr einmal wirklich noch nicht erklären lassen, 
i ist aber die Frage, ob überhaupt solche Fälle noch übrig bleiben ; 
lan die bereit» angeführten, in welchen wir meistens nur eine schein- 
ire Auslassung des Pron. rel. gefunden haben, helfen uns einige 
' allerdings noch tibrige erklären, in welchen der Mangel des Pron, rel. 
irirkllch vorliegt und nicht unmittelbar aus den bislier angenommenen 
Forme« der Attraction und Verschränkung erklärt werden kann, wohl 
aber mittelbar, so nämlich, daß jene Fälle bei ihrer Häutigkeit und 
bei dem in der That starken Scheine einer in ihnen vorliegenden 
utassung des Relat. auch stark genug waren, durch bloß äußere, 
' oder weniger falsche Analogie oder Übertragung auf andere 
3 diesen eine wirkliche Auslassung zu erzeugen. Diese Fslle 
! nicht sah' Und zum Theil w\e4e.v ixiLvOvi \i^t,to-sfÄ.^^ 

HjTfn Aeilt F. e ' 



274 LITDWIO TOBLER 

Heiliuguugi'u benchränkt iiud erklärbar; ich habe daher auch oidili 
dagegen, wenn man ihre Zahl vermehren will durch Hiozunahme At^ 
jenigeii unter den obigen Stellen, deren Erklärung auf priniärem VVeg« 
etwas künstlich oder gewaltsam erscheinen mochte^ es bleibt auch 
nach diesem Abzug die Zahl der übrigen noch groU genug, ua 
vorhin ausgesprochene Annahme aufrecht zu halten, besonders da 
die ganze Masse der oben nicht ausdrfieklich behandelten gewöhnlichen 
Attractionen hinzurechnen darf, in denen ebenfalls schon der Schein 
von Auslassung des Relat. sieh leicht einstellt. Ich gehe nun dasu Über, 
die wenigen Fälle wirkhcher Auslassung, gleichsam nur als Nachtrag, 
darzustellen. 

Bei Otfrid, der Überhaupt Beispiele frir alles Mögliche (und fut 
machten wir sagen; auch ftlr allerlei Unmögliches, d. h. Unhaltbare«, 
das denn auch wirklich keine weitere Geltung erlangt hat) aufweist, 
weil er die Li tteraturap räche noch in ihrem ersten Werden und völligen 
Flusse darstellt, und weil seine Persönlichkeit an Geist und Spracli- 
gewalt mit der eines Ulfila nicht von ferne zu vergleichen ist — bei 
Otfrid also, dem wir oben schon mancherlei Beispiele entnommen haben, 
linden wir auch einige Fälle unzweifelhafter Auslassung des Relativuins 
ohne Attraction oder Verschränkung, zunächst nach all. 

1, 6, 1.^ spricht Elisabeth zu der sie während ihrer beideraeitigeo 
Schwang erschad besuchenden Maria: 

allo uuihi in uuorolti thir gotes boto saget! , 
st qusment, so gimeinit. ubar thin houbit. 
Kell« setzt nach sageti Semikolon, ich weiß aber nicht, wie er dam 
diesen Conjunctiv erklären will, außer durch die Reimnoth, welche 
allerdings unsem Otfrid zu allerlei Gewaltsamkeiten und Willkarlich- 
keiten veranlasst; auch fällt dann der Mangel aller Verbindung zwischen 
den beiden Zeilen und Sätzen auf. Allo wiht sind alle die heiligen und 
herrlichen Eigenschaften, die der Engel Gabriel im vorigen Qesange 
(b, 15 sq. 4il sq.) der Jungfrau als göttliche Gnaden verkündigt hatte; 
von diesen siigt nun Kiisabeth, ditl^ sie wirklich Über Maria kommen 
werden. Ich nehme also den ersten Satz als relativen Vnrdersatx, d«n 
«weiten als Haupt- und Nachsatz, und tinde die Kelatiou eben in dem 
Conjunctiv angedeutet . dor gerade in KclativsStzen nach alt oocji üt 
andern Spracheu vurkommt (vgl. D^brilck a. a. 0. S. 47). 
wo er zugleich FrnXeritum ist, etwa mit Hülfszeitwort obeni 
den kann: Alles waa diT Kugel gesagt haben mag. Ein wirl 
aominftler Ausdruck der Itolatiou fehlt •>•*■, aber entt 

I ittid belcanotUcb »ubr hftufig den ( 'iagn 



alt oocji in 



DflEK AUSLASSUNG UND VERTRETUNO DES PRON. RELATIVUM. 

b ohne die ConjuDction daz, und sodann Ist zu bedenken, dali &ua 
i Begriff all sehr leicht ein relatives Fügewort entwickelt werden 
n, durch Umsetzung desselben id jeder der — , so wie umgekehrt 
lativa wie <piicunque, oöos den Begriff der Allheit erreichen. Daß nun 
r der Conjunctiv hinzukonimon mUsse, um dem all solche relative 
Kraft zu geben, ist nicht zu verlangen, am wenigsten von einem 
■Ifrid, and so sagt er denn 

I 1^. eüu thisu rediua, uuir hiar nu scribun obana ^m 

ui quam iz in sin muat etc. ^| 

It der Indicativ steht, ohne Zweifel in einem Kelativsatz nach diu, das 
■ durch thim beschränkt ist. Hieher kann nun, trotz dem zeitlichen 
kstand, wohl auch die von Qrimm aus einem Weiethum (S, 309) bei- 
brachte Stelle gezogen werden: ein ieglicher man, zu Scliweicb wonet. 
Ein zweiter Fall, wo Otfrid das Pron. rel. wegläBst, dagegen das 
irbom des relativen Satzes wieder in den Conjunctiv setzt, tritt ein, 
a der Hauptsatz negativ ist, und zwar den Begriff von Niemand, 
licer, also das gerade Gegentheil von all oder jeder enthalt; 
r Erklärung wird eben darum das vorhin Gesagte genügen. 

1, 1, 93: nist untar in thaz thulte thaz kuning iro uualte. 
nter den Franken ist keiner, der das dulde, daß ein (nicht ein- 
mischer) König sie regiere. — Dasselbe gilt drittens von dem zwi- 
I Xibeu all und kein in gerader Mitte liegenden irgend einer. 
1, 17, 24: Ist iaman biar in lanle es iauuiht tboh firstante? 
Die Magier fragen, ob Irgend Jemand im jüdischen Laude sei, der 
i^end etwas von der Bedeutung des Sterns verstehe, den sie schon 
im fernen Osten gesehen. 

Die mhd. Stellen, die ich noch anzuführen habe, sind ebenfalls 
licht zahlreich und lassen sich zum großem Theil auch anders er- 
klären, so daß kaum eine einzige übrig bleibt, in welcher dann die 
Weglaasnng des Kelativums aus bloßer NachlSssigkeit oder momentaner 
l'nbeholfenheit erklärt werden mag. Es ist die Stelle 
Parz. 589, 29: Dechein aül atuont dar unde, 
diu sich geliehen künde 
der gri'.zen sül du zwischen stuont, 
Wo abrigens statt a^l im dritten Vers leicht diu gelesen und durch 

E\ einfache Auskunft der große Dichter von olnem kleinen Versehen 
•it werden könnte, da wir oben di'ei auih-re Stellen des Parzivai, 
denen man sonst diese stützen könnte, anders erklärt haben. D.iß 
elender Versmacher späterer Zelt, wie der Verfasser des von 
Archiv 9. •titgetheillen Liet\e9 au^ die Ä\.i>.>\\. 'fe'w?OÄiii.\'j,, 
S 



*■) 



276 LUDWIG TOBLER 

sich Nachlässigkeiten erlauben konnte wie die dort am Schluß de 
ersten Strophe wahrscheinlich vorliegende, bedarf keiner ErkllroDi 
kaum der Erwähnimg. Und doch können wir vielleicht auch di0Ni 
armen Silnder lossprechen, wenn wir die Stelle noch einmal und etwa 
anders ansehen. Sie lautet: 

Doch wil ich mich druf fleissen, 
Ob ich mit gsang möcht loben und auch breisen, 
auch allzeit eer beweisen 
StraOburg der werden stat, 

den armen gutz gthon hat. (vgl. darüber a. a. O. S. 128.) 
Am einfachsten ist allerdings hier die Ergänzung eines relativen ü 
im Anfang der letzten Zeile, aber es können zur Noth die beiden letita 
Zeilen auch zeugmatisch so verbunden werden, daß Straßburg la 
der vorletzten Zeile, wo es Dativ ist, in die letzte als Nominativ her 
übergezogen wird. Dieses Verfahren ist zwar etwas roh, doch niek 
ganz ohne Beispiele, da Haupt (Erec S. 394) wenigstens Zeugma 
r^ I zwischen Accusativ tmd Nominativ, und zwischen Genetiv und Dalfa 
auch aus der besten Zeit anfUhrt Von der erstem Art ist die SteA 

Klage 1112: er het bi Osterlande ein hüs an Ungermarke stSt, 
wo man sonst nach hüs ein relatives daz zu ergänzen geneigt wire 
In demselben Gedichte 1376 lesen wir die ähnliche Stelle: 
mit zühten si ze hüse bat ein frowe saz dar inne. 
welche Haupt (392) als Zeugma des Nominativ frowe zu sswei Verbei 
anAlhrt. Sie erinnert aber auch an die oben besprochenen Fälle voi 
Auslassung des Pron. demonstr. bei Zusätzen, besonders da hier du 
Verbum voransteht, während in dem ersten Citat die Stellung des M 
eher auf relative Redeform weist. Die oben citierte Stelle aus dm 
Wolfdietrich lässt ebenfalls alle drei Auffassungen zu, dagegen wnri 
schließlich doch noch einmal Auslassung des Relativums (oder Paiet- 
these) anzunehmen sein: 

Dietr. 1 Ausf. 2. wol achzig ritter unverzeit, 

im hülfen dick aus nöten, 
gab im zu steur die künigin her. 
Auslassung des Relativums in bloßer Fortsetzung eines Relativsatsei, 
der mit dem Pronomen eingeleitet war, hat wenig Auffallendes, auek 
wenn an der zweiten Stelle ein anderer Casus zu verstehen ist, irie 
schon bei Otfrid, 2, 1, 11—12: {then fortgesetzt durch joh sc tier) 
und ebenso MF. 128, 20: 

nu j&mert mich vil maneger senelicher klage, 

die si hfit von nur veTuome^u 

und (sCt diu) ir nie zi^ Vietiieix \LnjA^ \»i&ffi&» 



Dbeb Auslassung vst* vertretuhc des pron- relativum, 

, neuerer Zeit findet sich solche Freiheit häafig bei Gathe; s. Kehrai 
mmm. d. nhd. Spr. ü, 2. §. 162. 

Hiemit iet der Voirath von Stellen, die ich zur Beleuchtung dee 
iglicfaen GebraucheH beizubringen hatte, fiir einmal erschöpft. Ich 
be meine Sammlung von Belegen keineswegs als vollständig, und 
Jte es für leicht möglich, daß bei größerer Belesenheit, besonders 
der durch neue Piiblicationen noch immer sich bereichernden Litte- 
IT des Mittelhochdeutschen, einzelne neue Variationen sich finden 
■den, doch werden die überhaupt möglichen Hauptformen im Bis- 
Fgen 80 ziemlich vertreten sein. 

Kbt einen, offenbar hieher gehörigen Gebraneh habe ich noch 
^e^ort, weil er in der That ganz einzig dasteht, unter die bisher 
bandelten Fülle und Kategorien der Erklärung sich nicht unterbringen 
lit und auch nur im ältesten Hochdeutsch vorkommt, nachher bald 
i spurlos verschwindet: ich meine die Weglafisung des Pron. 
1. bei dem Pron. der ersten und zweiton Person im Nomi- 
tiv. Die Tliatsacbe dieses Gebrauches ist hinlänglich bekannt, und 
"ar in der bestimmteren Gestalt, daÜ nach den Pron. der ersten und 
■eiten Person im Ahd. nicht nur das gewöhnliche Pronomen rcla- 
lun der nicht nöthig iat, um Relation derselben anzuzeigen, sondern 
oh das jenem Pronomen entstammende und in der abgeschwächten 
mn der zuweilen gleichlautende A dverbium rf(?r (da, wo), welches 
en drei Personen zur Verstärkung (a. u,) der Relation beigefügt wer- 
D kann und auch der ersten und zweiten Person oft beigefllgt vor- 
mmt, denselben doch keineswegs unentbehrlich ist. So finden j 
r das bloße ih fitr der ich bei Otfrid 2, 14, W, da fltr der du 
BT du der bei Kero, im Wessnbr. Gebet, bei Offrid ], 2, Ö2, im I 
Itenmser (wo im H6l. 1602 fader is (Ua ohne iku gesetzt ist und ) 
rtgefahren wird Ike in, was doch wohl als dritte Person zu nehmen 
) obwohl die Lond. Handschrift mit Ihn liist fortfährt und auch Otfr. 
I der entsprechenden Stelle 2, 21, 27 bist druhtin thu setzt), in der 
diortado i> f^r die ihr oder ihr die, in dem Augshurger Gebet 
ISoh. XIV) thir für tw en!. uns für nos fum. Grimm (Gramm. 3, 17) 
t den Gebrauch aus dem in älterer Zeit noch lebendig gewesenen 
lihbl von Unvereinbarkeit des der dritten Person entnommenen 
I. rel. (eigentlich demonatrati vum) mit den beiden ersten, und 
; Annahme wird nicht ohne allen Grund sein; doch verdient bo- 
jtkt £u werden, dali im Isid. (de nat. dom. cap. III) einmal auch 
'i. h. Sr ohne der för 71// vorkommt, wie ja auch einfaches der 
« out nicht selten iot (b, o.). Kb wird 8.\bo zu \ie4e\is.%'ii. »Kva., ^ä!!» 

* ^ 



27« 



LI-DWTG TOBLF.R 



überhaupt in älterer Zeit der hypotAktiscbe Satzbau erst im Werdi 
und vom parataktixcIieD noch nicht scharf geschieden wnr. So iat dei 
ftach X. B. bei Otfrid oft schwer zu eatscbeiden, ob iker aU Demon- 
atpativnm oder Relativum zu nehmen sei, und nur die Stellung 
Verbums, obwohl auch diese noch nicht t'est geregelt ist, kann goleg«o& 
lieh den AuEscblag geben. In dieser Beziehung ist nun eben aadt 
bemerk en e we rth , daß bei dem relativen Gebratich der ersten nnd 
zweiten Person das Verbum fast durchgängig an's Ende des Sattes 
gestellt und eben dadurch der relative Charakter desselben angedeulat 
isi Das Merkwürdigste scheint mir aber, dali jener Gebrauch, nach- 
dem er Jahrhunderte lang verstummt war, in der Prosa der Mystiker 
des vierzehnten Jahrhunderts wieder auflebte, jedoch 
dann abermals, und wohl f^ir immer, zu verlieren, wenn man nicht mit 
Grimm (a. a. O. 20) in der gehäuften Redeweise: ich der ich, ihr 
die ihr u. 8. w. eine Nachwirkung denselben noch heute finden wiL 
Vgl, Kehrein a. s. 0. §. 121. wo übrigens nur für die zweite Person 
Belege (aus Pfeiffer) gegeben sind. 

Bisher haben wir uns fast auescblieülich auf dem Gebiete des 
Hochdeutschen bewegt und nur im Anfang gelegentlich einige Suteii- 
blicke auf die Bfirhsischen Dialectc geworfen. Nun können wir 
länger auDer Acht lassen, daU die Auslassung des Pron. rel. auch in 
den nordischen Sprachen, und zwar mit einiger Regelmäßigkeit und 
bis auf heute, im Gebrauch ist. Dadurch wird zunUchst der hochdeutacho 
Gebrauch gcwissermaUen bestätigt und ein gemeinsam gennamscbS' 
Zug nach dieser Richtung aufgedeckt, aber die Eracbeinnog selbst 
DatOrlich nicht erklärt; wohl aber kanu eine auf dem Boden eiD< 
Dislects bereitB mit einigem Erfolge versuchte Erklärung ihrerseiU 
bestätigt werden, wenn sie sich auf die Erscheinungen in den andern 
Dialecten anwenden lässt. Dieß ist denn auch in der Hauptsache der 
Fall; nur dürfen wir nicht erwarten und verlangen, dali unsere obige 
ErklAnuig, welche sich zunächst nur auf Erscheinungen im Allem 
Hochdeutsch zu richten hatte, ohne weiters allen ähnlichen ErBcbei 
nuDgen im beutigen Englisch oder Schwedisch GenHge thue, sonden 
es bleibt der Fall mtiglich und scheint wirklich stattzufinden, daß di* 
heute in den nordischen Sprachen ftblicheu Formen zum Thett 
Öbertragungen von andern, altem «eii-n und nur auf diese lotctern 
unsere Erklärung, aus Attrnction mit oder ohne Verschränkuitf*, 
mittelbar paser. Auch dann noch iinilj cum toi 
dir- «ordischi'ii S|irftohen 



ÜBER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES PRON. RELATIVUM 279 

Aemonstr. in, en, das von dem Stamm ta durchans verschieden ist und 
nirgends (auch im deutschen ener^ jener nicht) Neigung zu relativem 
Clebr&uch zeigt , jener Erklärung einige Schwierigkeit bereiten, denn 
wie beruht ja wesentlich auf dem ebenso alten Gebrauch des Fron. 
demoüBtr. ta theils als Artikel, theils als Fron, relativum im Hoch- 
deutschen und auch in den sächsischen Dialecten. Daß das Ägs. im 
Kominativ Sing. m. und f. den Stamm sa gebraucht, füllt nicht 
ichwer in's Gewicht, da sa mit fa so nahe verwandt ist, wie im Griech. 
o mit TO (welche beide auch relativ vorkommen, s. Windisch a. a. O. 
377), in den übrigen Casus des Masc. und Fem. und im ganzen Neutrum 
Misschließlich ta gilt, übrigens sa flir sich allein, ohne folgendes ta, 
auch relativ gebraucht wird. 

Was nun zunächst das Altnordische, genauer das Altisländisehe 
oder Altnorwegische betrifft, welches nicht geradezu als Grund- 
sprache ftb* die neunordischen Schriftsprachen gelten kann (vgl. Maurer 
in der Zeitschr. f. deutsche Fhil. 1, 42), so ist mir auf diesem Gebiete 
Auslassung oder Attraction des Relativums nicht vorgekommen, und 
ieh erkläre mir den Mangel, wenn er wirklich durchgängig ist, oder 
die Seltenheit von Ausnahmefällen, welche vorkommen mögen, aus dem 
Grunde, daß das Altnordische an den Fartikeln er (noch kürzer enklit. -s) 
und $em zwei sehr fUgsame Mittel besaß, die Relation anzudeuten, 
während andererseits der suffigierte oder auch (sogar mit sa zusammen) 
vorgesetzte Artikel in das Fron, demonstr. sa (ta), welches sonst aller- 
dings auch relativ vorkommt, wenigstens vor dem Substantiv nicht 
jenen doppelten Werth annehmen ließ, der im Deutschen den Schein 
einer Auslassung des Fron. rel. erzeugte. 

Im Altschwedischen und Altdänischen (wo der suffigierte 
Artikel weniger Regel ist als im Isländischen, vgl. Gr. 4, 378) finden 
wir zunächst, wie im Hochdeutschen und Sächsischen, bloß schein- 
bare Auslassung des Fron, relativum, d. h. Zusammenfassung des- 
selben mit dem (ausgelassenen) Demonstrativum, mit Attraction oder 
Verschränkung; z.B. them für dem, der — (Dietrich altnord. Leseb. * 
274, 15. 34. 38. 385, 40), epter th§, nach dem wie oder was — 275, 7, 
daneben freilieh auch efter th^ soni — 386, 30; um thefi ttma kann var 
irepin, zu der Zeit (wo) er ersclJagen wurde (quo tempore) ; und ebenso 
vielleicht auch noch 171, 28: alle the dele fhöm komir l mellum, jeder 
Streit, der zwischen ihnen vorkommt; dann aber auch wirkliche 
Auslassung, und zwar auch im Nominativ (z. B. 274, 4. 275, 4. 276, 27). 
Die Scheidung zwischen beiden Fällen ist oft nicht leicht, denn wäh- 
rend in der Stelle 302, 10; i thän stadh hans hhdh vav uig^ii (jwu. A<w: 



280 LUDWIG TOBLEB 

Stelle, wo sein Blut — ) das thän relativ genommen werden kaim((|ii 
loco), spricht die gleichbedeutende Aosdrucksweise: i mxmma stadklui 
var drepinn (Z. 14) für Auslassung; wenn man nicht das oben za d« 
deutschen Stellen mit seih Bemerkte hier auf sam anwenden dar£ Wm 
hier aus prosaischen Denkmälern belegt ist, gilt auch ftir die PoeM 
In dem altdänischen Volkslied ^^Jung Svendal^ (bei Lüning, Etil 
p. 23) kann zwar in Strophe 28 und 31 Auslassung des demonstratim 
oder persönlichen Pronomens statt des relativen angenommen werdo^ 
aber im altschwedischen Ivan (Ausg. v. Liffmann und Stephens 18IS) 
kommt Auslassung des letztem unzweifelhaft vor (gleich von AnGuig 
V. 19. 28. 142 u. 8. f.). In beiden Sprachen hat sich der C^fanack 
bis auf heute fortgepflanzt, wo er ganz ähnlich imd wohl ebenso bid| 
wie im Englischen vorkommt; ich verweise dafUr auf die GhramnitikaL 
Im Schwedischen scheint er, strenger als im Dänischen und Engfisdia^ j 
auf das Fron. rel. im Accusativ beschränkt Übrigens lassen ock: 
auch hier manche Fälle als Verschränkung auffassen, da das Praa, 
demonstr. den, det, welches auch neben dem suffigierten Artikel (e)% 
{e)t vorkommt, zugleich relativ sein kann, ausgenommen im Nominllif;. 
nur ist jene Auffassung noch weniger sicher als im Deutschen, «eli 
der Nominativ mit dem Dativ und Accusativ allenthalben gleidi liatai 
In dem grammatischen Beispielsatz : den mannen du nyss sag (der Mii% 
den du so eben sähest), kann also den mannen Accusativ abhiBi^ 
von sag sein (quem hominem vidisti, filr: homo quem — ), audi mm 
das Verbum des Hauptsatzes ein intransitivum ist, und wir haben daa 
nur rückwirkende Attraction anzunehmen. Eben solche findet desfe* 
Uch beim Pronomen personale statt und erzeugt dann, da dort der 
Accusativ vom Nominativ sich unterscheidet, in Hauptsätzen mit dm 
Verbum sein den Schein (der freilich auch noch anderswo und M 
andern Gründen vorkommt), als regiere dieses den Accusativ; s.& 
det är kenne jag aUkar: es ist sie {eam, denn ea heißt hm) die ich lidM^ 
oder vielleicht: daß ich liebe, wie auch in der französischen üb- 
schrcibung: c'est eüe que faime, eUe filr tüam und que, statt f^ gum, 
f)ir quod genommen werden kann. Beim Pron. interrog. hvem, wer, tritt 
wieder Ungewißheit ein, da diese offenbar oblique Form (wie des) 
auch als Nominativ dient; also: hvem var det, du helsade pa (mit dff 
aus dem Englischen bekannten und auch im Holländischen bei er ^ 
daar (wo) üblichen Nachsetzung der zum Fron, relat gehörenden Fii* 
Position): wer war es, den du grüßtest (eigentl. zu dem du — ) oder: 
wen war es (daß) du grüßtest. (Daß selbst heißt aber att, nidbt dd^ 
Vollen Jt> unnöthig ist Annahme von kw^Ws^m^ in FäUen wie: sadoM 



ÜBER ÄUSLÄBSüSG UND VERTRETUNG DES PRON. HELATIVUM. 281 

>«y otArfonn dem, so (getban, beschaffen) wie ich sie wiederfand — , da 
i filr sich allein schon auch wie bedeuten kann. 

Beim Dänischen will ich mich nicht länger aufhalten, da der 
(«brauch dem Schwedischen ziemlich genau entspricht. Beispiele finden 
I allenthalben, darunter natürlich auch solche, wo Verschränkung, 
pt oder ohne Attraction, nicht mehr angenommen werden kann, weil 
g Pronomen de gar nicht im Spiele ist, sondern der unbestimmte 
Itikel («i) oder der suffigierte bestimmte (en), z. B. en aßen han 
m, eines Abends (an welchem, als) er kam ; aä grceaet vi har slaaM, 
et Gras (das) wir gemäht haben; jeg har fiindet noget, jeg gjame 
Ua hede otn, ich habe etwas gefunden, worum ich gerne bitten mfichte 
Brnndtrig, Danske Folkeminder, 3, 201); im letzteren Beispiel und 
manchen ähnlichen kann man nicht etwa asyndetischc oder zeug- 
dscbe Verbindung zweier selbständiger Sätze annehmen, weil dann 
B Wortstellung anders auefallen und dem om ein der (dar-um) vor- 
letzt werden mllsste. 

Am bekanntesten ist endhch der Gebrauch im Englischen, 

a dem auch wieder die schon bisher versuchten Erklärungsweisen 

, Beeonders bomorkenswerth sind hier Fügungen wie: in the 

' you did, auf die Weiae, auf welche, wie ihr thatet; at Ihe lime 

', zu der Zeit als wir zusammenkamen, und lihulich schon bei 

er: in the bette mite he can (CT. 476fi), weil hier nicht bloll ein 

datiTnm, sondern auch die dazu gehörige Prseposition ausgelassen 

int, was eben am einfachsten durch Annahme relativer Bedeutung 

t lie mit Verschränkung des Substantivs sich erklürt, In der altengl. 

klle: aUe wkiU ich was on ei-ihe (Mätzner, a. a. O. 307, 103), so 

Bgc ich auf Erden war. fehlt zwar ttte, liegt aber in dem all (vgl. 

so). Ergänzt man in allen solchen Fällen lieber die Conjunction dall 

kat), welche ja auch in Objectsätzen, schon bei Ohaucer (CT. 4798) 

i auch im Deutschen, ausgelassen wird, so gelten die darüber gleich 

Sfangs gemachten Bemerkungen. Der ebenfalls be achte nswerthe Fall, 

daa Relativnm im Genetiv durch das PossesBivum vertreten 

ifd (schon bei Chaucer, CT. 4691: one she know not his condicionn, 

Her, dessen Charakter sie nicht kannte), berührt sich mit einer nach- 

ir noch zu besprechenden Erscheinung, 

Waa endhch die von den Grammatikern (natürlich erfolglos!) 
tgeachriebene oder wenigstens empfohlene Einschrfinkung des Ge- 
ba auf den Accusativ betrifft, so ist kein innerer Grund dof^ir 
rsOf als etwa der, daß der Casus rectns sich eben we^ü^t 
eio obli^iius anl an Usst; aber ec mxi^ '^% a.'vs.äa -^'a.iSa, 



J_ 



J- 



282 LUDWIO TOBTiEB 

unserer Auffassung nicht wirklich unterdrückt, wenigst^AS in alk» 
Fällen (von denen nach meiner Ansicht der Grebrauch überhaupt 
gieng), wo ein Substantiv mit dem Artikel der Gegenstand der 
ist Historisch ist der Gebrauch im Nominativ ebenso alt wie im 
sativy er findet sich bei Chaucer ungefidir gleich oft in beiden 
vgl. z. B. CT. 4968. 5449 (Nom.) mit 5267. 5473 (Acc.); flir den » 
führe ich noch an: Mätzner a. a. 0. 3öl, 66. Percy, Reliq. 1, 76 (Ti 

Auch in den romanischen Sprachen kommt W^lassimg 
Pron. rel. vor, tmd zwar im Nominativ wie im Accusativ. Diez (' 
3*, 365) beschränkt den Gebrauch auf den Fall; wo Hanptuli 
Nebensatz negativ sind, und will dann nicht das Pronomen, Mi 
die Conjunction qus ergänzen, welche mit der Negation zusamiMi 
lateinischen quin entspricht Dieser Fall gleicht ziemlich dem 
besprochenen im Althochdeutschen, nur daU dort der Nebensati 
negativ ist, was übrigens auch im Romanischen nicht immer 
Der Gebrauch ist aber auch nicht an negative Hauptsätze gebi 
sondern überhaupt freier. Beispiele dafür hat mein Bruder vor J 
in einem Schulprogramm gesammelt, welches keine weite V 
gefunden haben wird; ich theile daher einige hier mit Prove: 
(Bartsch, Leseb. ' 96, 64) : Que tals la cufen baxUa teuer, n<m a mau t 
(Denn Mancher glaubt sie (eine Geliebte) in seiner Gewalt zu 
der doch nur die Prahlerei hat.) — Man könnte hier den zweiten Sü 
wohl auch als selbständig fassen: (und) hat (doch) nur — , aberfli 
später noch zu anderm Zweck anzufahrendes Beispiel, wo ebenSA 
nach tal die Correlation fehlt, spricht fllr die erstere Auffassong. Av 
franz. Gerart de Viane 753: Mal aü, per ceü vo$ araü an mlU (V«^ 
wünscht sei, wer darum euch fllr schlecht halten wollte). Tristan 1, 6L 
t£l i ara, ferai dolent (Mancher wird da sein, dem ich Schmerz berolfl 
werde). «Italienisch, besonders häufig bei Machiavelli, z. B. di qui mia 
quelle ho detto, che. . . (das was ich gesagt habe) Princ. 25. de' ragii 
namenti ho avuti seco (aus den Unterredungen, die ich mitili 
gehabt). Ital. Leseb. S. 81 ; doch auch bei Neueren, z. B. Azeglio (Niool 
de' Lapi c. 11): onde non apparisse la tempesta, si sentit 
nel cuore. Guerrazzi (Beatrice Cenci c. 8): impadronitisi dell 
prima carrozza, fosse loro capitata davanti. — AuchimSpn 
sehen finde ich ein Beispiel (Ochoa, tesoro de los romanc S. 35): 
Que segun del modo os veo, vos estais mal enojado. 

Aus diesen Beispielen erhellt, daß die Auslassung auch im Nen 
nativ gar nicht unerhört ist, aber freilich auch, daß Erklärung t) 
Xttracüon hier nicht auge\)racVit ^w^iTÖL^Ti Y%s«i, '^^U Pronomina i 



CBEB AUSLASSUNG IfNP VERTHETUNG DF.B PRON, BELATtVUM. 

l quello und der Artikel nie zugleich relative Bedeutung gehabt haben, 
rfer ale Demonstrativa zugleich das Relativum einBchließen konntei^, 
I etwa umgekehrt das lat. ipiali» ein tali», oder wie qui im Anfang 
MB Satzes filr m stehen konnte. Da nun die bloße Erinnerung an 
kiniBcbe Attractionen (die allerdings gerade in der Volkssprache der 
mOdie bäu6|! sind) nicht ausreichen konnte, um den Gebrauch fort- 
päansen, zumal da auch die dazu nöthifren Caauaformen ereti>rben 
■n, Bo wird er sich ans neuem Trieb erzeugt haben, und zwar 
recheinlich aus asyndetisebpr oder parenthetischer Nebenordnnng 
Unterordnung, eine Erklärung, die wir jii auch auf dem ger- 
biech'^n Gebiet offen lassen mussten und auf romanischem, wo ein 
hafteres Temperament des Volkes die scheinbare VerbiudungBlosig- 
t der Sätze durch Accent noch leichter überwindet, um so eher 
ten laes^n können. 

Von dieser Parallele, welche bei den vielfachen Berilhrongen 
fachen Romanischem und Germanischem, besonders im Mittelalter, 
wenig wie die Vergleichung des Gebrauches von und mit dem des 
)t*xa. «' im Anfang dieser Abhandlung, als Abschweifung erscheinen 
d, kehre ich auf das germanische Gebiet zurück, um zum SchluU 
T äIb Anhang eine Reihe von Erscheinungen zu betrachten, welche 
1 als Vertretung den Pron. relat. durch andere Wörter 
Mnuncnfassen lassen, nnd von der AualaBsiing desselben, wenn 
I auch zum Thoil nur als eine scheinbare oder wenigstens zweifel- 
fte gelten kann, einereeitB unterschieden werden müssen, andererseits 
3oeh nicht ganz getrennt werden können. 

Den Gebrauch dos gothiachen et als (meistens cnkiitiseher) Rela- 
L tkiiiBpartikel darf ich als hinlänglich bekannt voraussetzen und will 
■An hier nicht weiter in Behandlung ziehen, obachon er sehr Eigen- 
VAflmliches an sich hat und verschieden aufgefasst werden kann, wie 
ich denn der bei Grimm (in der Abhandlung über Attraction) walten- 
den Ansicht, das « bilde mit dem vorangestellten Demonstrativ um 
ruBammen ein wirkliches Pron. relativum, nicht beistimmen kann, schon 
»eil die Anhängung desselben ei an das Pron. personale eine solche 
Auffassung nicht erträgt. Von dem altnonl. er, dessen ältere Gestalt -* 
I Bit dem gftth. i» in dem imfiectierten izei ohne Zweifel noch ganz 
ich ist (nur daß in dem letztern die Verbindung zweier, 
UaI erstarrter, Casus desselben Pron. Stammes i auffallt), war 
l^entlicb die Rede, und der eben dort auch schon erwähnte, 
Mrband nehmende und da-s i-r verdräugeaAc (itbvwa.'iSv nss-c 
a. dHo. »nm) bewarf keine Erklilrung, \ie4«u&.etÄ -^^ft-K«. -«w 



284 liUDWIG TOBLER * 

ihn mit dem ähnlichen des fast gleichbedeutenden so im filtern Dei 
vei^leichen. Dagegen muß nähere Betrachtung der Partikel ihe m' 
werden^ welche zwar offenbar dem gewöhnlichen demonstrativen 
dann auch relativen Pron. Stamm ta zugehört und eine Abkfinnmg 
Abstumpfung irgend einer casuellen oder adverbialen Form des» 
sein muß, aber in ihrem Gebrauche, besonders auf sächsischem Gh 
nicht ganz fest tmd klar erscheint 

Grimm (Ghr. 3, 20) handelt von der im Ahd. besonders bei T 
häufig vorkommenden Setzung eines thar nach dem Pronomen 
doch beinahe nur im Nominativ, ftlgt aber bei, daß in diesem ( 
Sing. m. neben ther thar, thie thar auch ther thie, ther ihe, Ma tk 
komme, und fragt dann: ^was ist das lliie tmd ihe in diesen Fon 
ein entstelltes tonloses thar'i^ Diese Formen sind in der That , 
würdig,^ und nachdem der Meister nur eine fragende Antwort z 
theilen gewagt hat, werden wir doppelt vorsichtig zu Werke ( 
müssen. Rieger hat (in dieser Zeitschr. 9, 310) das Tatianische 
thar und ther thie gewiß richtig der ags. Formel se ihe gleichgei 
aber die Frage ist dadurch noch nicht gelöst, da das ags. ihe el 
dunkel oder wenigstens zweideutig ist wie das ahd., und m dort 
ohne folgendes ihe relativ vorkommt, wie ther ohne ihar, tMc; 
(Wo ther ther steht, wie z. B. im Ludw. Lied V. 15, ist nicht 
erste = is, das zweite = qui zu nehmen, sondern schon das ers 
qui, das zweite =• thar.) 

Da das the^ hauptsächlich auf sächsischem Gebiete vorkomn 
wird auch die Erklärung desselben dort gesucht werden müssen; 
sind zur Feststellung des Thatbestandes auch die ahd. Quellen 
noch etwas vollständiger beizuziehen. Das ihe b egegnet nämlich 
bei Otfrid, imd nicht bloß in der von Grimm angefiihrten Verbii 
thio ihe (welche ich in der Stelle 4, 35, 21 nicht finde, wohl ab< 
' Lud. 75), sondern auch ther the 5, 11, 39. Daneben findet sich 
nachgesetztes thar: Ad Mon. 108. 1, 15, 23. 2, 21, 43 (nach ther). 
11. 1, 41 (nach thaz). Davon zu unterscheiden, aber filr die Ve 
chung mit dem sächsischen Gebrauch wichtig, ist der von unflectii 
the als Pron. rel. selbst: 1, 27, 33 (für thie oder thero), 2, 9, 3£ 
then) und wohl noch öfter; meine Angaben machen auch hier k 
Anspruch auf Vollständigkeit Wieder etwas anders ist das the v 
(vos, quibus, eine Verbindung, von welcher nachher noch besoi 
die Rede sein muß); in der Stelle endlich 5, 23, 3: 

mit thiu druhtin lonot tbemo thi imo thionot. 



ÜBEB AUSLASSUNG UND VEBTSETUNG UE8 PEON. BELATrVÜM 285 

thi der Form nach von the schwerlich verschieden, also auch 
'der Bedeutung dem vorher angeflibrten the als Pron. re). wahr- 
eiolicb gleich, wenn man nicht thema als attrahierteB Relativum und 
n thi als Zusatz nehmen will ; im letztem Fall wgre das t dasselbe 
I in der geschwächten Nebenform dir für dar, welche gewiß nicht 
t dir, tibi identisch ist Auch in andern ahd. Denkmfilern lässt sich 
nnflectiertes Relativum (Ae nachweisen, je nachdem man die hand- 
lifUichen Formen auswählt und auslegt. So geben in der Exhortatio 
ich. in der ersten Zeile d« für quam; die Handschrift B hat the mit 
eines Accentes, und Wackemagel (Leseb. ') gibt the. Das dS 
14 und 17 ist nicht Relativum, sondern Demonstrativun) oder Artikel, 
► Btehen de — de (eos — quos) neben einander, und auch Wacker- 
b1 gibt dort the — IhS. Dagegen im Freising. Fat. Nost. Z. 8, wo 
dS — de schreiben, gibt Wack. de — de. Die Handschriften 
en offenbar, auch wo sie etwas von Accenten haben, nicht Halt 
Dg, am Unterschiede hier mit einiger Sicherheit durchzufilhren. 
\ abgestumpfte Formen sowohl beim demonstrativen als beim reln- 
n der üblich waren, scheint sicher, aber vom einen auf das andere 
schließen unaicher, weil das Demonstrativum in manchen Fällen 
Accent und dann wolil auch seine vollere Form haben musste, um 
jm tragen, während das Relativum zwar weniger leicht ganz fehlen, 
r mit abgeschwächter Lautform sich durchgängig eher begnügen 
Dte. 

Gibt es also eju tmäcctiertes ahgeschwSchtes the statt des Pron. 
sowohl auf hochdeutschem wie auf sächsischem Boden (wo es auch 
CoDJunction in vielseitiger Anwendung vorkommt), so muß doch 
tm das dem Pron. rel. selbst noch nachgesetzte the unterschieden 
äen, welches mit (Aar wechselt und in jener Verbindung offenbar 
It seibat relativ, sondern nur demonstrativ sein kann. In den sach- 
ten Dialecten kommt nun freilich jener Wechsel, aus dem sich auf 
'^ktehdeutscliem Gebiete 'A* als AbschwHchung von tkar (thfi) erklären 
lisst, nicht vor, wohl aber im Altsüchsischen das volle thar nach dem 
^rfto. relat. ganz wie tkar und the im Ahd., z, B. Hei. 2406. 235S, 
^wenn man in solchen Stellen zweifeln könnte, ob die Formen thes, 
L. nicht demonstrativ zu nehmen seien und das folgende tkar selbst 
"on. rel. vertrete (wie im Altfriesischen , Altdänischen und Alt- 
ischen ther, neudäniach dei-, und wo in deutschen Mundarten), 
'Q eme Stelle wie Hei. 3431, wo nach einem demonstrativen them 
a.l&tfm tkär folgt, jenen Zweifel wohl beseitigen. Im Ags. linde 
i« » gebraucht, uoch weniger eine AbwVwüidftBa^ ^f.öi 




^lüst 
Alt- 
en), 
kern J 

nde ^^^M 

•M 



286 LUDWIG TOfiLBB 

za the, wohl aber the in gewissen Fällen dem selbst schon 

86 nachgesetxty und diese Fälle sind es, durch welche die Entsckeidi 

ttber den Ursprung und Werth des the überhaupt erschwert wird. 

Daß $e Air sich allein schon (also ohne folgendet the) reb 
stehen kann, zeigen die von Qrein (Sprachschatz 2, 417^ 3) geBammel 
Stellen, z. B. Cädm. Gen. 2116; wo das folgende the ttkr tkee {ü 
steht; $e the zusammen also nicht etwa = dich, den — (was es n 
allerdings auch heißen könnte), sondern = der dich. Natttrlieh | 
auch eeö = qu», aber schwierig ist die Stelle Cädm. Qen. 2119. 

and hälegu treöv, se6 thu vid rodora veard rihte healdest 
Daß and hier Präposition im Sinne von ftlr ist; leidet keinen Zwd 
seö aber soll nach Grein mit Attraction fiJür eeö ihe stehen. Allerdk 
steht es nicht im richtigen Casus, aber wovon der Nominativ „itt 
hiert*^ sein könnte, sehe ich nicht, denn treöv ist ja Accusativ abhiBj 
von and und das folgende healdest verlangt ebenfalls AccusatiT; 
sollte also thd, mit oder ohne the^ stehen. Bouterwek will «t» ki 
dessen Gebrauch fUr Fron. rel. aber selbst erst noch zu beweim 
(s. u.). Oder sollten se und seö in relativem Gebrauch indeclioal 
sein? das ist doch unwahrscheinlich und schwerlich durch md 
Stellen nachzuweisen; anfUhren ließe sich dafür höchstens, daß m 
Beovulf einige Male für seo geschrieben steht: 1260. 1497 von Gren 
Mutter, was Heyne (zu V. 1260) aus der mannweiblichen Wildheit il 
Wesens erklären will; 2421 bezogen auf Vyrd; 2685. 1344 auf ii 
1888 auf yldo\ aber diese Stellen beweisen doch nur Vertretung 
weiblichen Form durch die männliche, und nur im Nominativ, n 
völlige Indifferenz der Geschlechter und Casus. Dennoch müssen 
fUr gleich nachher noch anzuführende Fälle die Möglichkeit e 
flexionslosen relativen se offen lassen. 

Daß relativer Gebrauch von the ohne vorhergehendes #e mSf 
ist, bedarf noch weniger eines Beweises als der umgekehrte 1 
reichliche Belege dafür stehen übrigens a. a. 0. 573 ff.; nur sind 
Stellen, wo wirklich nur ein relatives the steht, nicht ganz unterschi 
von solchen, wo ihm mit th anlautende flectierte Formen vorang« 
welclic selbst auch relativ sein könnten imd dann das th als hl 
(demonstrativen) Zusatz erscheinen ließen. Ich flQire hier als < 
besondem Fall bloß noch den an, wo the mit einer nachgesetzten 
Position zu verbinden ist, z. B. se frumstöl, f Ae hi of &drifen vui 
Genes. 964 (fbr of tham)\ aber wenn wir nun damit die Stelle 
gleichen: vuldres beäm, se the älmihtig god em throvede (Kreux 
so ist zwar die Constructiou mil Oiex ^t\&^v)^S&<^\i hißt ^nz dies 



ÜBER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES PRON. RELATIVUM. 287 

varbin, aber ob $e hier demonstrativ oder relativ, und im letztem 
le tke bloßer ZosatE sei; ist eben die Frage, die wir noch genauer 
ersuchen müssen. 

In diesem dritten Fall nämlich, wo 9e und iie in einer zunächst 
b fraglichen Weise mit einander verbunden sind, sind Stellen seu 
BTBcheiden, wo dem 9e the ein se als Artikel oder Demonstrativum 

solches kann auch he stehen) vorausgeht oder nachfolgt, und 
he, wo dieß nicht stattfindet Beispiele der ersten Art sind: «ebid 
^y se the — (Crist u. Satan 304). se hselend, ee the — (Elene 913). 
I« hine sylfiie up fthl»ned, ee sceal — (Manna m6d 62), he the6dum 
d racian, eethe — (Andr. 621); ein Beispiel der (seltenem) zweiten 

ist Andr. 161 : thä väs gemyndig, se the — . In allen diesen Fällen 
i im Hauptsatz und Nebensatz der Nominativ; ob das Relativum 
der Ae sei, ist nicht ausztmiachen , denn wenn auch ein demon- 
tives ee oder he daneben steht, kann dieses Demonstrativum noch 
sal durch se aufgenommen werden und the allein das Relativum 
. Aach die Stelle Andr. 666: thät cynebeam^ se the ficenned veard — 
M noch hieher, da die Enallage des Geschlechtes zwischen thät 

96 fbr das the immer noch beide Auffassungen zulässt Aber in 
Stelle Güdläc 366: thonne hit men duge, se the . . . dre6ged, .wO' 

im Dativ steht, muß se relativ und the als Zusatz genommen wer- 
, weiVDi man nicht einen offenbaren Fehler in der Construction an- 
nen will. Ebenso beim Accusativ des Hauptsatzes in der Stelle 
le 303: ge deäde thone d^man ongunnon, se (he of deäde sylf voruld 
tte. 

Wo vor dem the nicht se, sondern ein mit th anlautender Casus 
]. steht, thäs, ihcere, thäm, thone, thära, wird man diese Formen 
lonstrativ auffassen, da die sonst wenigstens bei ungleichem Casus 
Belativums anzunehmende Attraction (wobei dann the bloßer Zu- 

zu dem attrahierten Relativum sein würde) zwar nicht unerhört 
).), aber doch in manchen Fällen hart wäre, besonders bei thära, 
li welchem dann der übliche Singular des Verbums doppelt auf- 
n würde. Anders ist der Fall (Rats. 33, 12) : geara gehvam, thäs 
guman brücad, wo thäs nicht wohl demonstrativ sein kann; ebenso 
les. 400: thäs leohtes, thäs the (he) him thenced lange niötan, wo 
dem Demonstrativum kein Wiederholung rechtfertigender Nachdruck 
t, und Dan. 261: god, under thäs fädmum the — , wo ftuch die 
imnng der Pronomina durch ein eingeschobenes Substantiv be- 
keoBwerth ist So muß sich also die Ansicht je nach dem Zusammen^ 



L 



LITWDIO TOBLEB 

[ kang der Stelle richten und kann darum im Ganzen scbwankenil bl« 
' Heyne nimmt im Qloae. su Beonilf das the als Zusatz , Riegel 
'Oloas. zu seinem Lesebuch das Demonstratiy. . 

Auch ein letzter Fall des Vorkommens beider neben eim 
hilft zu keiner Entscbf'idung. Ks wird nämlich se oder the, oder i 
auch vor das Prou. pera. gesetzt, um diesem Relation mitzatb 
Diesen Gebrauch werden wir. so weit er das Fron, pera. selba 
trifft, nachher noch besonders zu besprechen haben; hier h*n4 
sich nur darum, welche Bedeutung dem vorgesetzten se und the 
Eukomme, und ob sich aus dieser Verbindung ftlr die Bestimmus 
Wesens dieser Wörtcheu eudhcb etwas Sicheres entnehmen Uesa 
the vor ic (der ich oder ich, der), htm (denen oder dem), 
(deren), hü (dessen) Exponent der Relation selbst sein muQ und 
etwa bloHer Zusatz sein kann, ist ziembch klar, zumal da das 
pers. zuweilen wegbleibt und the dann fUr th£ ic, the ge u. s. w. 
(b. d. Stellen Grein a. a. 0. 418. 676), einzig die vorkommende 
Stellung tku the fUr the thu könnte Jenei' Auffassung entgegensl 
Wie ist nun aber bei ee htm, se mec das se zu nehmen? An dei 
den einzigen Stellen, die Grein für diese Verbindung citiert, gel 
demonstratives se mit Substantiv im Nominativ voraus; dadon: 
aber über das folgende nichts entschieden. Nehmen wir dieaes n 
so muß es indeclinabel sein, weil es als Nominativ zu dem üaaos 
des Fron. pers. nicht paLlt; nehmen wir es aber demonstrativ und 
natftriich als wiederaufgenommenen Nominativ, so fehlt ein Zeiche 
Relation ganz und dafiir bietet der oben besprochene ahd. Geb 
keine Parallele, da er nur iiir den Nominativ gilt und auch (mit 
einzigen Ausnahme) nur fllr die erste und zweite Person. Steher 
drittens se und tAe vor dem Pron. pers. mit einander verbunden 
dann natürlich ge immer vor dem the: se the him (cui) se the hü h 
(cujus cor), so wird kh allerdings demonstrativ zu nebmeu sein, 
wenn ein se mit Substantiv bereits vorangieng (se ver, te the Al 
Psalm 111, 1), aber wenn wir daraus schlicl^en, daÜ diese Äui&w 
auch Rlr den zweiten Fall zu gelten habe, so bleibt die dort ben 
Schwierigkeit. 

Immerbin steht nach allem Vorigen fest, daU im Aga. tA* H 
als Vertretung wie als Verstärkung des Pi-on. rel. vorkomiB^ i 
bandelte es sich hier. Ob nun Ihe in der erstem I 
gestumpfter Casus des Pronomens oder da 
gebliebener Stamm selbst sei, ist schwer 
e» ia der tweitfn Function urst ' «i 



im Aga. tk* h 



TBEE AUSLASSlTNr. IIND VERTRETI:N0 des PKON. RELATIVUM. 289 ■ 

Binse TOD da, also wahracheinlicli durch Abatutnpfoug &us tkar,' 
tb die Mittelform ther hindurch (wie ahd- neben d<ir auch der 
dir ala Zusatz zuiu Proii, rel. vorkommen und in der Fonn da 
■ schon früh aufgegangen ist) entstanden sei, ist höcliat wi 
rißlicb. Dann aber dürfen wir wohl noch weiter sehUeßen, vmt 
Km thn wurde das gleichlautende eratere uuch in der Bede u tu ag' 
(irOnglicIi nicht verschieden sein, nur dali dieselbe dort die demoo- 
Itive Function mit der relativen vertauschte, wie ja auch unser d a 
und zum Theil noch heute, zugleich lür lelalivea wo gilt. 
leAufTasaun^ wird nun durch die oben bereits kurz erwähnte That- 
e begtStigt, daß nicht nur in der Schriftsprache wo mit näch- 
ster Prteposition fUr alle möglichen Relationen gilt, sondern in 
Volksapraclie auch allein geradezu fllr dae Pron. rel. (in Baiem, 
Uitlelrheiu, in der Schweiz, s. Kehrein a. a. Ü. §. 130|, und daß 
kdem Sächsischen nächstverwandten Dialecte, der friesische und 
sehe, fhiir (=: thar, da) ebenso gebrauchen. BeticfTend das Frie- 
t verweise ich auf die in Rieger's Lesebuch enthaltenen reicb- 
I Belege und bemerke nur, daß 'her dort au einigen Stellaa 
idings auch als hioller Zusatz nach relativem Fron., wie ags. the, 
Bfaeet werden künnte, wenn nicht die andere AufTattsung an den 
ten Stelleu überwiegend wahrscheinlich oder einzig luüglicii wäre ; 
z. B. 202, 12 mit 204, 10. wo sonst Ihi relativ scheinen könnte, 
lit freierer Beziehung steht ther 208, 13 nach efi«- Ikam (nachdem 
kßV), mit nad] folgen der Prteposition 209, 17; thä domar, tiier — bi, 
Ue Gesetze, nach welclien — . Auffallend und nicht etwa mit unserm 
ler zu verwechseln ist das ther ohne vorhergehendes thi = der, wel- 
hr - 207, 30, vgl. 208, 12. 

K Beispiele desselben Gebrauches von ther im Altsch wediacheo 
^m ich in dem schon ohon für Auslassung des Kelativuuis citiertei^' 
■I gleich von Anfang an; im Neuschwedisi/heu scheint er erloschen,- 
(uKnischu Belege enthalt Dietr. Leseh." 170 ff. und :i8H ff., wo da- 
nken auch sMii und Auslassung vorkommt. Audi tiudcu sich daselbst 
ie Verbindungen tk»- th« (386, 11), the ther (386, 35), then ther (387, 40, 
I 171, 32), fhi- tka f38S, 17), welche offenbar den altliochdcutsclien. 
Kihea, von denen wir oben ausgegaugt^u sind. Im heutigen Däniscbi 
md der neben einander, letzteres also von unserm deilj^ 
I unterscheiden, welches dänisch dun lautet. So schreibt 
ner Abliandlung: Sagtiet om Holger Dauske p. 5: Den Holge] 
if öptraider i Sagnene. 



4 



290 LUDWIG TOBLER 

Oben wurde der Qebraueh des nordischen nem, «am mit d 
8 in unserer altem Sprache verglichen. Fälle dieses Oebntnchesk 
seit ältester Zeit bis ins vorige Jahrhundert vor, doch wv et 
herrschend wie das nord. scm. Beispiele aus den verschiedeoei 
gibt Kehrein a. a. O. §. 129. Man hat nun den Gebrauch a 
Sächsischen finden wollen, aber reine unmittelbare Vertretung d< 
reL durch das relative Adverbium lässt sich schwerlich nadi 
Im Altsächsischen begegnen allerdings Stellen, wo der Gebraa 
zuliegen scheint, aber bei näherer Ansicht erscheint er beding 
ein vorangehendes gihus (jeder, H^l. 5461) oder ein «$ mit i 
(1277) oder durch Zusammenfassung des so mit einem folgenden 
lativ (2835. 5788. 1215) oder durch ein folgendes Pron. pers.. 
noch besonders die Rede sein wird ; in der Stelle 525 steht i 
als gerade Fortsetzung des the 523, sondern mehr conjunctioi 
erlösen die Menschen, die (ebenso) lange darauf gewartet 
wie (sie) nun (der Erfüllung) sich freuen mögen. — Im An{ 
sischen fahrt Grein (a. a. O. 499) ftlr svä statt Pron. rel. Ste! 
wo nvylc (in dem bereits der Stamm sva steckt), oder wä kmji 
svä hvä (beide im Sinn von quicunque wie das alts. gihue oben] 
geht, also die Beziehung des svä keine rein pronominale seh 
Beov. 1396 ist svä nicht auf das (ebenfalls jeder bedeutende) 
zu beziehen, sondern das gewöhnliche wie, bezüglich auf das 
des Hauptsatzes. Reden d. Seel. 151 ist svä nicht so fast auf i 
hergehende eall, sondern auf das ihm beigeftlgte svä mieel xu b< 
Monna cräfL 3 wird svä ebenso wenig gerade Fortsetzung des 
gehenden thä sein wie oben so von the in einer Stelle des I 
sondern eher = wie, wie auch Psalm 64, 10. Der Gebrauch 
wesentlich beschränkt auf den Fall nach jeder und all^ ui 
dann geht meistens noch ein svä vorher: wo dieß fehlt (EUc 
Dan. 62. 157) erinnern wir uns, daß nach eben jenen Begr 
Althochdeutscheu das Relativ um wegbleiben konnte. — Heyne 
in der Stelle Beov. 93: (Gott schuf die Erde) vlite beorhtne vo 
Väter bebüged, svä als Vertretung des Pron. Acc. Sg. m. be 
auf vang, aber es wird eher zu übersetzen sein: (den Erdk 
(weit) wie (ihn) das Meer umfasst, denn Grein (498, 7) fiihrt i 
Stellen an, wo svä in ganz ähnlichem Zusammenhang offenbi 
zweite Bedeutung hat; eher mag in Alfreds Gesetzen c. 42 (bei 
Leseb. 160, 27) die erstere gelten. 

Am nächsten schließt sich dem ags. svä das englische 
ßutsUinden aus ags, eaX-s/vä wie wh^^t ^\^ ^xx^ ^\^^ ^ ^^lehes ai 



OBEB AUSLASSUNG UKD VEKTRETUNG DES PKON. RELATIVUM. gOt 

1 08 in der Bodeutung ebenso, auch fortlebt. Wie 

^du iigs. avü beaondere nach avyk (solch) in relativer Bedeutung 

ist daa Corrolativum zu dem aus avylc entstandenen engl. 

[ifaches aa, das man mit welch Übersetzen kann, ohne dämm 

1 dOrfeu, e» vortrete das Pron, relat Weiteres weili ich über 

I Gebrauch nicht beizulegen, glaube aber, ohne es in diesem 

igenblick nachweisen zu können, daU im ültcm Englisch auf »uch 

leh whiek (auB httylc, welch) folgen konnte. Ein a» nach fitere und 

■ ist oben nachgewiesen. 

Auch das mhd. alt streift bisweilen an das Pron. reL, ohne doch 
ieser AofTassung bestimmt und notbwendig zu unterliegen. In der 

Parz. 5, 8 daz in der tot die pfllbte brach 
als in ir vater leben verjach, 
klärt Bartsch aia geradezu = relativnm der sc. pßikt^: daß ihnen 
r Tod den Antheil entzog, den des Vaters Leben ihnen zusicherte. 
Aer unmittelbar und eigentlich kann mnn doch schwerlich ein als 
: entsprechen lassen, dagegen lässt sich, mit Annahme eines 
iusatxes zwischen den beiden Verben brach und verjack erklären! 
Fie des V. L. ihn (den Antheil) ihnen zugesichert hatte, so daß 
a Tod ihre Lage geradezu umgekehrt wurde. Ganz ähnlich 
teht als im Iwein 790; auch das sd in der oben angef^lhrten Stelle 
I HSIiand (525) war von dieser Art, — Im Vridanc 173, 1 wird aU 
itt statt Pron. rel., bezüglich auf die drei Dinge, mit denen der 
haticlirist die Welt bezwingen will, zu nehmeu sein, sondern als Zeit- 
> (wann) seines Kommens. 
Eher sind einige Fälle anzuführen, wo die Conjunetion daß (der 
n Vielseitigkeit nur und gleichkommt, so daß beide zusammen so 
-tiemlicb die ganze Syntax des Satzgefüges umfassen) fiir das Pron. 
»L eintritt, was ja auch nicht verwundern bann, da dall selbst lu-- 
iprSsglich ein Casus jenes Pronomens ist und wir üben schon einige 
slier spielende Fälle berührt haben. Doch findet ehie wirkliche Stell- 
Tertr«tnng auch hier nicht statt, vielmehr ein Wechsel der Construction, 
Verwandlung eines Relativsatzes in einen Adverb ialfifttz. 

Schon das gothiache ei steht bekanntlich an einigen Stellen ge- 
mt von dem zugehörigen Demonstrativum, so daß es als Conjunetion 
fgufaast werden kann, bei Zeitbestimmungen, ähnlich den im Anfang 
«prochenen mit nachdem, seit, bis, wo ein daß ergänzt werden 
im. oder muß. Umgekehrt kommt das attnord. at (daß) BtaU des 
Leseb, 332, 22. — Bei. CWucw 



202 LUDWIG TOBLER 

(CT. Ö463): fro thennes that she went, von da, von wo sie k» 
sonders nahe berührt sich aber ein Relativsatas - mit einem Oom 
satZy wenn der Hauptsatz negativ ist So steht schon im Ags. 
(aus thät ihe, wobei ihe als bloßer Zusatz zur Conjimetion I 
betrachten ist, während es allerdings auch für dieselbe eintritt^ 
und besonders in der Verbindung thäs the, s. Gh*ein a. a. O. 576 
fie — cenig (Niemand), so daß wir es mit der ttbersetsen od 
tauschen können; Beispiele bei Grein 573, 6. Ganz äknUch ste 
auch bei Otfrid 4, 29, 18 nihein, thaz = keiner, der (wonadi v« 
auch die oben anders erklärte Stelle 1, 1, 93 hieher zu zi^en ii 
ftar ther)y mhd. nieman, daz = Niemand, der — , und noch he 
diese Redeweise in der schweizerischen Volkssprache üblich, w« 
der auf einen Superlativ folgende Relativsatz mit daß, statt n 
Pronomen (oder Adverb wo s. o.) angeknüpft werden kann. Au 
Gebrauch des englischen that von Personen mag durch soldie 
rung des Pronomens mit der Conjunction mit veranlasst sein. 2 
klärung dient auch der umgekehrte Fall, daß Relativsätze statt 
Sätzen stehen (z. B. Amis 521 — 23), wie lateinisch qni mit Con 
•== ut is etc. Statt des Prou. pers. nach daz kann auch das Poasei 
resp. der Genetiv des personale, stehen, z. B. Ernst 3732 (liu' 
nieman ir art erkande = deren Art). Vrid. 76, 25: 
sone weiz ich keinen riehen man daz ich sin guot unt sSne 
wolte haben — keinen (von solcher Beschaffenheit, keinen so t\ 
daß ich.., oder: keinen, dessen — 

Dieser letzte Fall ftlhrt uns auch zum letzten Punkt, de 
haupt noch zu besprechen war, nachdem er bereits zweimal vorlä 
rührt und angekündigt war, zur Vertretung des Pron. relat 
das personale mit einer Conjunction. Von derselben Vei 
ohne Conjunction war schon oben die Rede, aber ab von eii 
die zwei ersten Personen beschränkten und früh erloschenen Ge 
im Hochdeutschen. Hier nun müssen wir zunächst auf den €h 
des sächsischen the zurückgreifen, das freilich in diesem Fal 
wirkliche Conjunction ist, aber durch seine Flexionslosi^eit 
bloßen conjunctionalen Exponenten der Relation darstellt. Ob i; 
the im Ags. noch se steht und wie dieß zu beurtheilen sei, 
hier nicht mehr in Frage, sondern es handelt sich jetzt nur n 
das nachfolgende Pron. pers. Die Hauptformen der Verbindm 
schon oben angeftihrt worden, hier ist nur noch beizufügen, d 
achen the und den Casus obl. eines Pron. pers. ein ebenfid 



ÜBER AUSLASSUNG UND VERTRETUNG DES PRON. RELATIVUM. 293 

Subject eingeschaltet wird, z. B. the he usic s» unS; die 
— , the ic htm = denen ich — , the thu hü, dessen ... du — ; ebenso 
Fron, demonstr.; z. B. se god, the this hü beäcen väs (der^Gotty 
Zeichen dieO war). Auch bei Otfrid (1, 23, 27) sind the — tu 
quibus) von einander getrennt Ohne solche Besonderheiten findet 
der Gebrauch bekanntlich auch im Altsächsischen. Hei. 1, 1308: 
k, quos. In der Übersetzung von Psalm 18, 3 (Heyne, klein. Denkm. 
&) ateht therthiro genau entsprechend dem schlecht lateinischen qtuh 
— eorvm des Originals, welches hinwider dem hebräischen nach- 
ist, wo die Construction des allgemeinen Relativiuns *)VM nAi 

n. pers. regelrecht ist und der des ags. the in ihrem ganzen Umfang 

tepricht. Der Gebrauch des gotischen ei unterscheidet sich von dem 

ihe dadurch, daß jenes dem Pronomen angehängt, nicht voraus- 

ickt wird; vgl. ikei : the ic, nur dem thuei entspricht auch ein 

Mtt the neben the thu (s. o.). Im Altsächs. erscheint statt the ein 

: Hdl. 1324 sd is (cujus), 2097 so ina, quem^ und so in dem halb 

^--«liBischen Hildebr. Lied 34 sQ se (quos). Bei Otfrid ad mon. 157 findet 

J*^ ein pleonastisches ^ nach ther (qui). Eine Häufung anderer Art, 

^*^lche doch auch hieher spielt, zeigt ein englisches Beispiel, wo nach 

"[^fsm wirklichen Pron. rel. who noch ein them folgt, weil jenes durch 

^Sn beigefügtes many eingeschränkt wurde: ...the gentry, who were 

^lliged many of them to retrench their expense (Hume) =: von welchen 

"^ele — , oder: welche zu einem großen Theil.. . — Eine Stelle aus 

^Siaucer, wo nach ausgelassenem und durch nichts vertretenem Rela- 

%ivnm his im Sinne von cujus steht, wurde oben angeführt. Dagegen 

Erwähne ich hier eine dort versparte provenzalische Parallele, wo in 

Ibemerkenswerther Weise nach tcU im Sinne von mancher das Rela- 

'thrum weggelassen ist, nachdem es vorher verbunden mit dem Posses- 

•hmm im Sinne von cujus gestanden hat Die Stelle findet sich in 

Bartsch Denkm. 40, 6: 

Tal home am que sos aibs nom azauta 
E m^azauta sos aibs de tal non am; 
"^^^nanchen Mann liebe ich, dessen Benehmen mir nicht gefällt, und 
« geftllt mir das (sein) Benehmen von Manchem, den ich (darum 
> ^ 4sch) nicht liebe. Im zweiten Satz ist auch noch auffallend, daß das 
^ FoBsessivum seinem Beziehungsworte vorangeht. 

Weniger auffallend ist das Eintreten persönlicher Pronomina statt* 
'^lativer in der bloßen Fortsetzung von Relativsätzen, indem das 
ftdativnm im ersten Glied gesetzt war, und dMiü '?r«iÄJB^\Ä\Ä \iÄ^ v^ 



894 FEDOB BECH 

nachwirkt; daß es durch eine copulatiye Conjanction mit Proa. 
aufgenommen werden kann. 

Für diese Redeform finde ich im Ags., wo aie doch am 
zu erwarten und angebahnt war, keine Beispielci dag^en bei 
ly IS^^ö: int iz =: et qiiod; 3, 18, 34: joh gie = ei quos; im 
lied V. 15 ind ^ = et qui, wenn man nicht ind = wenn nehmcB 
Im Mhd. kommt Ahnliches vor, was bei der dort herrschende^ 
oder Vielseitigkeit im Gebrauche von und noch weniger su ve 
ist, flberdieO freilich mit einer Art von Enallage verbanden ist So 
Arm. Heinr. 274, Iwein 3781. Ein nhd. Beispiel, sogar ohne 
tion, gibt Tieck: Scheusal, das ich nicht anschauen, viel weniger 
ihm etwas verhandeln mag. 

Auch in den romanischen Spracheq ist der Gebrauch 
weisen; s. Diez^ Gramm. 3, 57 ff. Wenn M achiaveUi (in einem 
s. meines Bruders Leseb. p. 80) sagt: mi pasco di quel cibo dkee 
e che io nacqui per lui, so kann man und muß num fireüich 
e che . . per lui stehe flir: e per il quäle, aber eben daraus ist 
daß das zweite che gar nicht mehr dasselbe Wort ist wie das 
nicht nur nicht derselbe Casus, sondern überhaupt kein Casus 
nur noch allgemeines, an sich unbestimmtes Zeichen der Relation, genii 
wie das ags. the in ähnlichen Fällen schon bei einfachem BlBllti^ 
Satze (s. o.). 

BERN, FebniAr 1872. LUDWIG TOBLES. 



über die bedeutung des adverbiums 

Näher 

TOH 

FEDOR BECH. 



Unsere ältere Sprache zeigt mehrere Wortverbindungen^ in deiMi 
das Adverbium naher von der damals wie heute üblicheren Bedeatmil 
völlig abgewichen und scheinbar in die entgegengesetzte übergegaogci 
ist, sodaß es sich der von hoher vilrder sunder nähert Die Fälle fsai 
selten. Sie tauchen auf am Ende des 13., mehren sich aber im Lsvfi 
des 15. Jahrhunderts. Da in den mir zugänglichen Wörterbüchen 
dieaer Bedeutung nirgends gedacht ist, so scheint es mir der Mäk< 
ertb, das Erreichbare zusaitvineii zxjl «\.^)\^ti\ «oSx&fö^'^Aa&R. Lese 
arrfen jedenfalls noch weitere Be\Äip'\eV \i«LQVix>a\x^'^«ii ^nA^si. 





ÜBER DIE BEDEUTUNG DE8 ADVEKBIUltlS NÄHER. 295 

jF ^. Hartmjums Qregor 3568 nach der VatikanischeD Hdschr. (13. Jhrh.) : 

^ ■ begunden näher (W. aunder) brechen daz unhrüt und den müt; — 

. 1880, 1 nach der Beriiner Handschrift (14. Jahrh.): tcicht näher 

übrigen Hdschr. hjdher) baz; — König Rother 1620 Friderich — 

hUz Aepriäne sine benke rfuiken nnhei* (= weiter ab, weg); — 

ich von dem Türlin in der Krone 5791 er bevalch in in gotes 

und hiez in näher strichen. Oawein xooU niht tcüchen, sioie übd 

waere geheizen; — J. Titurel 4818, 4 kitlch und »In gesiebte toas 

dd van der richeit näher schabende (so nach der Wiener wie nach 

Heidelberger Hdschr.; im alten Druck steht vUrder statt näher, 

. V. d. Hagens Germania 8, 272); — Warnung 1335: si stSnt 

von der stete, durch der rät und er ez tele, daz er verlos er 

de guot, wo Haupt näher in hoher geändert hat; — Erlösung 5265 

der Nürnberger Hdschr. des dräten sie näher (Prager Hdschr. 

ir) baz; — Das Rechtsbuch nach Distinctionen (Ortloff, Samml. 

jBf^- Becbtsqu. I) II, 1, 15 (121): hebet tnan obene stetjne Hz, domete 

j glai kessel ist ingemüH, unde thüt man dy näher, daz mag man tkün 

^i^it rechte; — ebenda Dist. 16, 136: hat aber eines eine huUe gesmä, 

'^f^i^ er iekt des stnen darin geczüget mit sins selbes erheit, das mac er 

' «did{ wäher (bei Boebme abher) nemen äne schaden dei* ßeischhutten ; — 

oibenda Dist. 20, 174: aMe shsse, dy an dy thoim gefestent unde gesmet 

•iitfA, gAom czu deme hüse, sundem malslos tnide beiden dy treit man 

9*9ol näher (bei Boehme dy nympt man wol abe); — ebenda Dist. 26, 

236: sint sy (die siczebenke) abir nicht gefdget unde sust gehgef, daz 

uffe siegt, dy tild man lool heraber (Wolfenbüttler Hdschr. näher) 

schtdt; — Dist. 26, 251: sint sy abir ledige steyne, nicht zeit müren 

Sdeyth, unde sin ledige bret, dy nicht gefestent sinth, dy nempt man vwl 

oie her (Wolfenbüttler Hdschr. näher), is were denne in deme koitffe üsz- 

^aumen; — ebenda Cap. H, Dist. 11, 153: holcz unde mist mag eyn 

«um wcl vor sine hovereyt legen uf eyne bescheiden zeit, nfich köre unde 

^fe§ecae deA rätes unde der gemeyne in wichbilde (nacli der Wolfenbüttler 

Hdschr. das nmn das näher tun schullen, nach Boehnic) das man das 

herabe und weg retome und nemen stille) \ — Alte Qeraische Statuten 

(in Walchs Vermischten Beitrügen II, 132) 73: darzu mag man in mit 

gdiarsam zwingen, den mist neher zu thun; auch hat der rath zu gebieten 

hamholz, farwerge, stein od^er anders in itzlicher zeit, die ein rath zu setzen 

hat, nähe zu thun; — Lieder Muscatbluts (nach E. v. Groote) 94, 16 

hmipt er dem riehen vur sin dor, man heisf in naher driben; — H. v. 

Pfolsprundt. Buch der Bündth-Ertznci, 94, 16: icue geswnht leith, die 

nicht nehiiv wil, die treiht das [lad . nehr und "ceugt «U >:a>iV. i\v.v%*,^^ 



296 FEDOK BECH, OBER ]>!£ BEDEUTUNG DBS ADVEBBIDMS nIhQL 

man den Text falsch erklftrt hat in der Änmerkong damntar: ,< 
Bchwalst die sich nicht der EEant nfthem, die nichi einen Abeee« 
den will." 

In allen hi er angefahrten Fällen bedeutet näher so viel wie 
weiter nach hinten , mehr zurttck, beiseit, fort^ ^^j eeertm, 
es Bteht nicht zu ^ferner", sondern zn „weiter yor, niher hem' 
Oegensatz. Der Comparativ ist seiner Bedeatimg nach anf n&ek = 
pcne, post fergum znrückzufiLhren. Interessant ist nach dieser Säle 
von Hermann Lotze mitgetheilte Stelle ans dem sogenaimten 
Buch (Zar jttdisch-deutschen Litterator im Archiv ftlr litlentnrQi; 
schichte I, S. 97) : sich neigt der Kuechi, Aehimaaz stund dernSA; Ik 
KuBchi lief geschwinden, gen Maehanaim was im gdck, wo shmi imdi 
richtig wiedei^egeben ist mit y,trat zurück*^. 

Die beigebrachten Beispiele zeigen zur Oenflge, daß man ■flU 
überall berechtigt ist, das von der handschriftlichen Tradition gewilrt 
näher zu entfernen und durch landläufigere Wörter wie hihar, «Aw 
u. dgl. zu ersetzen; meine Bemerkung zu Hartmanns Gregor 3658 h* 
darf nach dieser Seite der Berichtigung. 

Aber im Anschluß an die hier entwickelte Bedeutnng kamidi 
Dicht unterlassen noch eine andere Frage zu berühren. BekiimtM 
bedeutet näher, när, naeher, niher, ner nicht selten auch: bilKgef , W - 
feiler; ebenso die Positiven nähe, n^A = billig, wolfeil^ vgl. fkfeijfilii 
bei Zamcke zu Brants Narrenschiff 70, 1 (und S. 477), Rennor lOlM 
Diefenb. s. v. triobolaris (im Gegensatz zu hdchguüie, vgl. Mhd. Wort) 
V. d. Hagens Museum ftlr Altd. L. u. K. II, 95 man kamjß sg nid 
ald teure; vgl. auch hdch und nach verbieten in den Weist I, 351, 369 
413; V, 54 u. 55; femer Freiberger Stadtrecht S. 177 (XXVI) IJ 
hetlen im zu uähe geschatcet und dazu die Antithese S. 178 heUen sin 
zu tüer geschatcet; Pfeiffers Predigtmärlein in dieser Zeitschrift m, 41 
ich gebe siu ime zuo kaufende unde wil siu ime nShe gehen; Puigoldt 
Rechtsb. VIII, 49 vorkeuffen eyme etzwas abe zu nähe veile; 50: wer dgm 
nähe veile keuffet. Sollte sich diese Bedeutung nicht aus der obeo bc 
rührten entwickelt haben, so daß nach, näher oder noeAer zu ÜMW 
wäre als: weiter abliegend vom eigentlichen Werthe, also unter da 
Werthe oder Preise, im Gegensatz zu höhe, hSher oder tüsret vogl 
Weist. 1, 267 weü auch der eUer sfm den fal und läss Ibsen, so soUwm 
im des dritten p/enning neher geben ze lösen denn er werdt ist 



THEOPH. BUPP, ÜBER DIE BEDEUTUNG VON ALM. 297 



ÜBER DIE BEDEUTUNG VON ALM. 



Eb wird gewöhnlich angenommen, daß das Wort Alm ans Alp, 
klb, Alben, in der Aossprache Albn^ Albm sich entwickelt habe, und 
hnlidie Lautbildimgen in der deutschen Sprache lassen diese Ablei- 
tng als befriedigend erscheinen. 

Bei Schmeller (Bair. Wörterbuch) finden wir diese Lautformen 
«r an susammengezogenen Wörtern reichen österreichisoh-bairischen 
[ondart verzeichnet, ohne daß das Ergebniss derselben , Alm, von 
im als ein fbr sich selbstbestehendes Wort angeftlhrt würde. Ghimm 
•gegen nimmt Alm mit der Bedeutung Bergweide in seinem Wörter- 
«oeh der deutschen Sprache als selbständig in die Schriftsprache auf. 
fit dieser Annahme wollte nun, ohne Zweifel, nicht gesagt werden, 
laß der Ursprung aller der schon seit vielen Jahrhunderten in der 
eutschen Sprache vorkommenden Alm (Alme) als nachgewiesen be- 
iachtet werden müsse, sei es als Wort, sei es als An- oder Auslaut; 
am wie wir in der Folge erkennen werden, haben zwar alle näher 
der entfernter den Sinn der Weide, aber die wenigsten sind auf 
tuen Zusammenhang mit Bergen zu deuten. Alm als Bergweide kommt 
nch erst im XIX. Jahrhundert vor. 

Das von Hans Sachs angefUhrte alm soll heissen: almen und 
at nur des Reimes wegen seine Endsilbe en verloren: almen aber 
li, wie wir gleich zeigen werden, in der Bedeutung gleich Almend» 
nd Ahnenden, Almanden oder Allmanden (Gemeinweiden) gab es 
öt vielen Jahrhunderten, sowohl in Thälem, als auf Bergen. 

Um das aus der jetzigen volksthümlichen Aussprache hervor- 
legmgene Alm auf die „almen^ des Ambraser Liederbuchs und die 
rea Hans Sachs anwendbar zu machen, müsste, wie mir scheint, — da 
Be mögliche Umwandlung des b oder p in m bei Alben oder Alpen 
nch anderwärts nicht nachzuweisen ist, — dargethan werden, daß die- 
lelb^ Aussprache, nicht nur zwei Jahrhunderte vorher bestanden, son- 
dern auch in der Schriftsprache gebräuchlich gewesen, während die 
Ahnen aus Almend thatsächlich schon mehrere Jahrhunderte vor diesen 
vorkommen. 

In Österreich haben wh* drei Ortschaften und einen Nebenfluß 
acr Traun^ welche Alm heissen. In PrewÄseii «vxA äa^ 'Ö^Ä'« ^S^^v 



298 THEOPH. HUPP 

lind Untcr-Almo, in Siebenbürgen Alme und Almen. Ein Fluß Alme 
ist in PreuBsen und Lippe-Detmold. 

Alm'), Alrac kann, nach Sclimeller und meiner nachtrAglichen 
Ausflllining ale gieicbbedeutend mit Alraen oder Almend"), Almand. 
Almeine ^) u. s. w. betrachtet werden, welche Oemein-Out, Gemein- 
Weide *) bezeichnen, und gibt Alra, Alme auch den Begriff der Weida 
im Allgemeinen, wie für die Zeit vor der GüterBonderung auf jeden 
Fall anzunehmen ist (siehe S. 304. Anm. 31) 8o hegt es sehr nahe, dsG 
die erwähnten Ortschaften von Ansiedlungen auf oder neben frühetw 
Weiden stammen*), der Flull aber entweder durch eine Weide (Alm, 
Alme) floli, oder selbst als Weide (Fischweide, Fisehcnz), als Nahrung»- 
quelle (s. Schmellor, Weide) aufgefasBt wurde. EbenBO konnte bb Bich 
verbalten mit den Ortschaften Almdorf (Österreich), Almendorf (Pw». 
Kurheasen), Almenbausen (Preussen), wovon es mehrere in Duutidi- 
land gibt, und endlich mit den vielen (ungefähr achtzig) Ort»-, Plall' 
und Bergnamen innerhalb des gcrmanifichen Sprachgebiet«, weletu 
mit Ahn. Almen, femer mit Alim*) anlauten.') 



') Wie Elm = Klme, Um = Ilme. Vgl. Leier mhd. IIW. 1, MI. 
') Sclimeller Bayr. Wörterb. 2. Aufl. 67. Friscli s. t. Allmoud. ') Grimm Weblli. 
V, 211. Haupt'« ZeitBchr. Vm, 392 u. f. Bonocke, MflUcr a, Z, 11, 103. FrUeh {ÄÜ 
mend) .mm hat ftir gemein ttnch nur mein vor Altera getup." *| Leier bM. 

HW. I, 10. al-meinde, al-menilo = gemetnile-trift. In einer Urkunde vnn 11S6 heUt 
0«; in Silva pablica, quod vulgu almeide (almeinde?) dieitur; wail nicht i» 
gewöluilich baumarma Almcnd allein, aimdem aucb der Wald eine Weide fttr Tim* 
nod durch die Jagd (». Scbmeller) eine solcbe filr Menschen bietet; dinQ mt^ «oU 
die Venmlaasung bu der oft vorkoin inenden Auadrockswciap ,«uiint> and wrid»" 
(vgl. das alid. wnnja, daa goth. vinja) gewesen SPiii. '1 Spute AnneflUing^ ■■' 

Abnoiidan heißen, aueh ahne Andeatang dieser dnr^ den Übontang der Weidn aur A» 
»iedlung verlnderten BesümmuDK: Allraand, AlLnändle, vric die beiden Orte boi FTFodt» 
»ladt IWlIrtembcrg). ') In Schivabeu macht die gi>sclifcrfte Auvspracbe au« Jü» «<> 
Allm, aus weg- ein wegkgebcn u. s. w. Das inbd. bat dagegen „al der llp,* •■! 
dac laiiC u. s. VI. — Allmarsbacb und die meisten m't All anlautenden Ortsnam« 
werden illiriRens im IS. -IS. .lahrh. mit AI geschrieben, *> Wa« ioh M«r »««► 

■ttae, ßndet in den vieirn An- und Aualauten mit A. Aa, Aba. Abs, Aach, Ach. SA 
loh IL 1. w. (W«M«r, liacli, FluQ) bei Orts-, Fluß- und Berg-Nunrn eine buUftipa<i 
Dberün«timmiing , weil die Nennung von dem, wan iiir Erhaltung des Männchen as 
neihigateo war, aucti am h.1iili>,'sicn lu Bi'zeiehniiugen vun den bivrauf bciOgüob» 
negenstünden und Örtlirhkciten dienen mas«te. Xocb im XIV —XV. Jahrb. 
wir (Griinm Weistb.l in der <>fl »orlt^.mi.MUrloTi Z».ainmt.i.l.-Ilur,ir v.m Waaivr^ 
Weidp und in der RinrJhmmnB de* <i ' "ri dem 

irtehen y-'ir» Oemoinde-AngphnriEru 
pwiue OkkliitidliiuB dii-oci fr«l. \- • 

I «^tair »"^'>" "SM) •^"'"■•■ 

[ t WObtün voa 8l 0»U. 

! <A nur ia LcAaD in ^''i. 




tBER DIE BEDEUTUNG VON ALM. opg ' 

Die große Vorbroitung der Stämme AI «ind Alm mit den ver- 
eliiedeneii Endungen a, e, i, o, u, r, a und den weiteren Zusätzen, 
ie sie das Wesen der einzelnen Sprachen bedungen, scheint jedoch 
if eine allgemeinere Quelle, auf eine Urquelle binznweisen, welche 
ie Mt^lichkeit einer lautlichen Übereinstimmung in einzelnen Fällen 
uunehmen gestattet. Ein derartiger Einklang wäre nun wohl an und 
Ir sich kein Beweis einer Zusammengehörigkeit, in Bezug auf Ur- 
; und Bedeutung des Worte«, aber er gestallet fiieh zu einem 
icht zu unt(?rs eh ätz enden Anhiiltsp unkte, wenn neben dem Gleichlautc 
. difi Bedeutung dos Wortes aus dem Begriffe abgeleitet werden 
, welchen die gefundene gemeinschaftliche Wurzel ausdrilckt. 
Bei den Griechen finden wir Alma, Almi und ähnliche Namen 
ler Anlaut« von Orts-, Wasser- und Berg-Benennungen. Mau leitet 
leselben von aig (Salz) ab. DieÜ mag nuu im Allgemeinen und 
menlUch bei Ortscliaften, welche an dem Meere gelegen waren oder 
lit Salz in irgend einem Zusammenhang standen, richtig sein, obwohl 
■f die ersten Ansiedler an Meeresufern — wenn man diese nicht 
erhältniEsmäüig spät angekommen voraussetzt. — der Eindruck des 
[eeree von seiner nährenden Eigenschaft, dem von seiner salzenden 
orBugegaogen sein wird, und in diesem Falle eher an das indogorm. 
j nllhren gedacht werden mUsste**). 

Im Lateinischen haben wir almuB, nährend, segeuspendend 

. B. w. Almo (jetzt Dacchia) hieli der Bach südlich von Ilom, in 

«Ichem einst, wohl absichtlich, das Bild der Erdgottheit (magna mater) 

I Jahr gewaschen wiu-de. Almo hicü auch der Gott des Badies. 

Ne jrachthare Gemahlin Kalfdans des fabelhaften Königs der Norweger 

• die mythische Alm-veig (Alm-Topf). 

Bei den Romaneu treffen wir raelir als siebzig, bei dem Misch- 
«Ik in Ungarn ungeftilu" vierzig Alma, Almas u. b, w. , als Namen 
äer Stammwörter von Orts-, FluÜ- und Berg-Benennungen, welche 
teilweise auch auf alma, Apfel, Bezug haben können"). Ira ganzen 
lanischen Sprachgebiete zählen wir 168 Ortsnamen mit Alm, Alme 
; a. w. anlautend und zwar in Thälern, 16 Flußnamen und bloß 6 
brgnamen. 

Pie Spanier haben ausser den hier eingerechneten, ungefähr 60 
ts-, Fluü- nnd Berg-Namen, 36 Wftrter, welche alle auf den Begriff 

•) Die beinahe Untliohe Übereineliramling zwiaclieti al, oähron, und Sl-s Salz, 
viellnicht Tprsnlusniii: ^nwetifin. daD daii 8hIc aU Symbol f;)W( freundlicher Bewir- 
C bMr»chtet wurde. Vg}. dta ital. alitwe Dn4 flaa \M.. ^\l^\\^a.Te■, tero«i liVi^''iv. 
iM/«rJ n. *. *„ JZruor, GerstBrimehl , «ioos, Hfcio, «ÄA n.*.«. ■^■^■«" 
fejM**"» A^ ^. Alap, Onind. Boden, K\*-ito u. <■■ •«• , 



300 THEOPH. KUPP 

def Nährenden zoiUckfUhren. Hier kann nun allerdingi eingewenikl 
werden, daß das Stammwort alm& u. s. w. in vielen Fällen mit im 
langen Anwesenliett der Araber in Spanien zosammenhliigeD werii^ 
allein dieser mehr als wahrscheinliche Umstand ist fib* anaere AnfiassHg 
eher bestätigend, als verneinend, da bekanntlich das Wort alma m 
Arabischen Wasser bedeutet, das wir als ein nährendes Element miter 
dieser Benennung bereits erkannt haben; femer in den aemitisdiei 
Sprachen verschiedene Wurzelwörter erhalten sind^ die wir in des 
indogerm. Sprachen wiederfinden.^^ 

Als Auslaut von Orts-, Fluß- und Berg-Namen kommt alm 
vor, doch finden wir z. B. Ah-alm den Namen eines Dorfes in 
Ach-alm, Ach-elm im XI. Jahrh., Ach-abne, Ach-almen, Ach-afanin im 
XIL Jahrh. ; später Ach-aln und Ach-el, den Namen eines Berges wd 
ehemaligen Ghrafensitzes in Würtemberg; Gähn (Gad-alm), Ort k 
Preußen; Mono- (Mons-, Mont-) alm, den Berg in den Pjrenlen; Mont- 
sw-(swa-) alm, ein Dorf in Ost-Flandern ; Schwalm oder Swalm- d. L 
Sway- ( "= Viehhof) alm, als Fluß in Hessen-Darmstadt; Swahnen (Swif- 
almen) ein Dorf im Limburgischen. 

Weun nun, wie wir oben gesehen, das Alm bei Orts- und Floß- 
Benennungen viel häufiger in Thälem als auf Bergen voricommt, wts 
von oben herein gegen die Ableitung des Wortes Alm von Alb, Alboi} 
also von Berg zeugen würde ^ so ist auch noch der Umstand zu ht- 
rücksichtigen, daC diejenigen unserer Vorfahren ^ welche Air ilra 
Unterhalt auf Viehzucht hauptsächlich angewiesen waren, ihre Weite 
anfänglich nicht auf Bergen gesucht haben werden. 

Es liegt bekanntlich in der Natur der Menschen, das Bequose 
dem Unbequemen vorzuziehen; demnach ist anzunehmen, daß we die 
Weiden (Almen) in den Thälem zuerst benutzt und mit einem Namen 
bezeichnet^ später durch das BedUrfniss gezwungen, ihre Herden aif 
die Berge getrieben und die dort bezogenen Weiden, sehr wahrschem- 
lieh mit dem schon gewohnten Namen, entweder mit ahn, alme oder 
nach der Ofltersonderung. auch mit almend u. s. w. benannt habei. 

Dieß vorausgesetzt wiire die Benützung und Benennung der Weide 
auf den Bergen notliwondig jünger , als die in Thälem und 08 kAmte 
in diesem Falle der Name Alm, dessen Entstehung als wahrscbeinlidi 
ursprünglich und unmittelbar, wir gleich nachzuweisen versuchen wer 



'*) Vgl Max Malier Yorlesangen tu s. w. v. B. 296. MiurUoa (Hiitoria ^mtd 
d0 JE^pMMM I, S04) führt als UberUel'etl au, da'V d^r Name des Volkes der Alma-fiier 
wwn JÜmst (WMMerj und dem liameu 'ünet kDStt^«t)& ^^&%^«^ «X^^^ä^x^«^ 



OBEB die BEDGUTUNO von ALM. 90t 

den, nicht als aus dem später zum weiden benützten Berge aus Alp, 
Alb^ Alben, noch aus dem Albn, Albm der heutigen Aussprache ent- 
itanden angenommen werden; das Wort Weide (goth. vinja) aber ist 
«^ne Zweifel späteren wohl nur europäischen Ursprungs. 

Ctegen die Ableitung von Alp scheint auch das Wort Elm") 
ab Name oder Anlaut mit den Formen EUm, Ein zu sprechen, in so- 
fern es besonders fbr Beseichnungen von Ortschaften (vgl. Hofimann 
Encykl. der Völker- und Staatenkunde) schon im VHI. Jahrh. ver- 
wendet vorkommt und nach Graff (Sprachschatz) und den nächstfol- 
genden Ausftihru^en die gleiche Wurzel mit Alm, Alme^ Almend hat, 
dabei ebenfalls einen allgemeineren Ursprung als den erwähnten schon 
vermöge der Bedeutung seiner Wurzel gleichsam vermittelt^*). 

Wasser als Weide betrachtet, versteht es sich ohnehin von selbst, 
daß Alm nicht von Alp stammen kann, da mit wenigen Ausnahmen 
Bur die Thalwasser fischreich sein und so zu Almen werden konnten. 
Vom VIII. bis XI. Jahrhundert haben wir, nach Förstemann, 
die Ortschaften Almaha, Elmaha (Elmen), Almina (Almin, Almen)^ 
*f*Amf Elma, Elmoa, Alna, Almagehiison, Almeiiesdorf und andere auf- 
zuweisen, welche, wo sie noch bestehen, im Atdaute gröUtenthdls bis 
%uf unsere Tage sich gleich geblieben sind. 

Als Weide finden wir das Wort almen, wenn auch in Zusammen- 

«etzongien mit Ach, in der Zwiefalter Chronik; femer von dem Abt 

Berthold schon im XII. Jahrhundert erwflhnt, welches der drei Jahre 

vor diesem schreibende Mönch Ortlieb Ach-almin ^^) nannte. EbenfiUls 

mit in schrieb dieser übrigens alle sonst auf en ausgehende Ortsnamen. 

Hansen heißt bei ihm Hausin, Tußlingen Tuzzelingin u. s. w. ohne 

daß er dadurch, wie seine Auslegung des Wortes andeutet, dem Worte 

einen andern Sinn geben wollte (vgl. Hess, Mon. Guelf 169, 204, 217). 

Im Ambraser Liederbuch heißt es 339, 12: ^laufi* aus hinauff den 

almen*, und 340, 38: „lug ob du die almen nicht sehest^; bei Hans 

Saeha I, 251^ 

'*) Alpe, Albe oder Elbe ältere Namen der Berge; nach Opitz bei Qrimm 
D. WOrterb. I, 245. El häufige Ableitung auf al, i1, u1 zurOckftihreud Grimm D. W. 
in, 390. «Alle diese el sind Überreste aus dem großen Vorratb unserer alten Sprache*, 
b«Berkt derselbe (D. W. III, 400, D. 1 auf Graff hinweisend). — Elbe, der Fluß, bei 
den SOmern Albis, bei den Griechen 'AXßiq, später Albia, Alba (FOrstemann II, 45, 
Orimm D.W. III, 401). *') Der Schweizer spricht das Elm, welches bei ihm 

ItDge der Name des höchst gelegenen Dorfes ^-ar, und das unzweifelhaft eine Weide 
l^tdeatete, ittit stark betontem a und gedehntem e wie ASlm, den Glamer Familien- 
ttlBlni yEhner* wie ^^mer aus. '*) Almin bei Grimm WeisthUmer V, 657. — 

OitUeb, bei Hess, Mon. üuelf. 169. Montcm, i^ula pTacilct^wnA^ tit^n KOc.tvXwA^ 



80B THEOPH. KUPP 

„und Tand vil steiglein allentbalbm 
in Gebirg hinauf zu den 3101(00)". 

Bei M. Behatn {ans Sulzbauh, Würtemb. 1421 ; die pfeSiD, üebt 
Schiiieller B. W. 2. AuH.) kommt alme vor; bei Grimra WeUtbüta« 
V, 475: almen iu einem Dinkliofspruoli aus Priiitzhoim bei Zaben;. 
Gr. W. VI, 311, in einer Kundschaft über die wilden Bliumc « 
Löchgaii bei Besigbeim (Würt.), dasselbe in der entstclheu Fora 
eiman; Gr. W. V, 211 und 212 aliiioi im XV Jahrhundert ange- 
ftÜirt; ferner das eben erwähnte almin, almindon Gr. W. V. SM 
und 688 im XIV. Jahrb., alman (Gr. W. VI, 31lj, 317) im XV. Jhrh, 
almay (Gr. W. IV, 5.'i9) im XVI. Jahrb., almand, almeud, almondei 
bei demselben; ferner bei Closener, Königshüfen und Ko()p Eidg: 
Bunde II vielfach und zu verschiedenen Zeiten als ^Vhuand oder Ge- 
meinde- Weide '*). 

Bei der Ableitung des Wortes Alm von Alp oder Albeu mOUte 
somit ausFier Acht gelassen werden, daß die Namen: al-meide, al-menf, 
al-meindis ") (XII. Jahrb.), almio, almen, alme, almeine, almend u. s. *. 
schon seit seclia bis sieben Jahrhunderten als Bezeicbnungeu von Ge- 
mein- Weiden; femer theilweiee ä.U Ortsnamen, deren Bedeutung aof 
dieselbe Bestimmung hinweist, schon seit acht bis zehn Jahrb. vor 
kommen. Aueb ist zu berücksichtigen, daü die unter den Namen Alb, 
Alp oder Alpen bekannten Berge, wahrscheinlich ihrer vorzugswei« 
nährend geglaubten Eigenschaften wegen, sei es andern Bergen, »« 
ea ihren Thälern gegenüber, wie auch das indogermanische al (nlthren) 
als Anlaut auszudrücken scheint (siehe S. 298, Anm. 7), diese beeonde« 
Benennungen erhalten haben. Denn die meisten ihrer Thäler '•) war«) 
entweder mit Wasser bedeckt, oder wenigstens in sumpfigem Zastaaä, 
so daß die umwohnenden VolkastSmme am frühsten auf diese Berge 
geflihrt wurden. Aus denselben Gründen und weil dadurch ftlr dif 
Bewohner der Alpenthäler die Bergweide von besonderer Wichtigk««' 
wurde, benennt namentlich der Schweizer den Berg und die ßergmiiit 
mit den Namen Alp (Alpen) oder Alb (Alben). 



") Vgl. Haapt'« ZeiUcbtiß VIU, 392 u, f. ~ Alnieii. >lia«D, Mmernl, timMii 
n. s. w. aU QemeiDweide kommt jetzt hauptsäclilich im HUdwcstoo von DeDUcUuil 
mit Eiiuchtuß des ElsaMes und der Si;hweU. f<ir. Die im tiatdea Ü«at 
Jialt^tien alm, elin, alme, aXtnea a. i, w. kSiiuteu auch Spraoljreate 
VulkMtaniiii iu seioBU frUlieieu Woliiuitxcu iiirlli:k)i:el«i>BBu tiaL 
IIW. 3U. llau)il'a ZeilauliriR Vlll, 390 u. f.; weiter algmtudui, 
Jalifti. ■'} Noch der Anfaui; nnsert* Jalirhuiidett* 

/Or WeldpD MuhiaiiMsiu ivarcii. 



D DeDUcUuil 
•"♦"'•■"IJf \ 



ÜBER DIE BEDEUTUNO VON AUL 303 

Waren nun, wie vrir oben gesehen, die Namen Alme, Almen u. s. w. 
für Weiden auch als Oemcinweidcn gegeben^ * ') so kann zwar bei der 
später benutzten Bergweide eine gleichlautende Benennung dieser, ge- 
wiss ebenfalls gemeinschaftlichen Weiden als eine natürliche Folge 
angenommen werden; doch ist dabei die sprachliche Möglichkeit nicht 
aasgeschlossen, daß hie und da, wo es sich von Bergweiden handelt, 
auch aus Alben das Almen hat werden können. 

Gibt aber al (nähren), wie wir später weiter ausführen, den Be- 
griff des Nährens oder Weidens und verbinden Alb (Alba, Alben) oder 
Alp (Alpä ^^)y Alpen) mit diesem den der Berge, so sind wohl für das 
ganze Alb- und Alpcngebiet die Auslaute b (bä, ben) und p (pa, pen) 
als Hinweisungen auf die besondere Lage der Weide und, wenn nicht 
ala Abkürzung der Bezeichnung von Bergen, doch immerhin als zu- 
treffende Benennungen, sowohl für Weid-Berge als f)lr Berg- Weiden 
XU betrachten. 

Der Unterschied zwischen der Schweizer und der jetzigen öster- 
reichisch-bairischen mundartlichen Bezeichnung ist nur in der im 
Schweizer Dialecte weniger gebräuchlichen Zusammenziehung der Wör- 
ter zu suchen, da die leichte Umwandlung des h oder p in m auch 
für diesen hätte eintreten können. 

Daß bei der Deutung von Namen, welche die primitiven Mittel 
und Quellen der Erhaltung des Menschen als solche bezeichnen, nämlich 
der ältesten Benennungen von Wasser , Weide u. s. w. auf den ur- 
sprünglichen Werth der Wurzel, wie allgemein auch ihr Sinn sein 
mag, zurückgegriffen werden muü, versteht sich wohl von selbst Nach 
Qraff (Sprachschatz) wäre die Wurzel von Alp, Alb, sowie von Elm 
das indog. al. 

AI, das bei der Abzweigung der indoeurop. Sprachen von der 
arischen Ursprache durch Erweichung des r in 2 (vgl. Leo Meyer, 
die goth. Sprache S. 277) entstanden zu sein scheint und eine 
besondere Bedeutung von ar ausdrückt, heiüt wachsen, wachsen 
machen, nähren. Das gleiche bedeutet das celtischc (gälische) a 1 a, das 
goth. aljan^ das ahd. alan, das altu. ala nähren, erhalten (ohne 



^') Im XrV. Jahrh. war k. B. in Achv^^s die Atmende tou den Sonderg^tem 
Hoch nicht ansgeachiedeu. Kopp, E\d^, Bünde II, 309. *'*) Alb^ AIpA ahd. (Alpa 

gftliacb, Berg) kommen noch jetzt im Schweizer Dialect vor. Man sagt s. B. ^nft d*AIpft 
vflk". Kopp (Eidg. B. II, 632) envfthnt aas dem XIII. Jalirh. eine Vor-alpa. AIp& viel- 
leicht a]-pa(d) = Al-pes; (päd, sskr. = pes, lat.) Päd = Fuß, wohl noch mit der Be- 
destung einer Flüche dnrch die Benennung des mm aufnetzen eines Fußes nöthigen 
fianm.«. 



904 THEOPH. RUPP, ÜBER DTE BEDEUTUNO TON ALIL 

Bestimmung der Mittel), hervorbringen (lat alo), aus welchen die 
Nomina al, ala'*), alan, alam*®) und so AI, Aln, Alm^ Elm, 
Alme, Almen (Ebnen), Alman, Almend, Almeine*') u. b. w. als Be- 
nennungen von Nahrangsquellen entstanden sind**). 

Wenn wir nun das häufige Auftreten der Stämme Al^ Alm u. s. w. 
und damit die eben angeillhrte Bedeutung derselben im IndogennaiL, 
im Celtisehen, Lat., Ooth., Altn., Althoch- und späteren Deutschen 
berücksichtigen, seine vielfache Verwendung bei indoeurop. Völkern 
fbr dieselben oder doch annähernd dasselbe bedeutenden G^enstinde 
ins Auge fassen ; femer uns vergegenwärtigen, daß die Dinge aus dem 
Wasser entstanden g<Mlaeht wurden (Ilias XIV, 246), dasselbe aiek 
für ganze Völkerschaften Hauptquelle ihrer Existenz sein rnuzste ; ea^ 
lieh, daß die Menschen zu alten Zeiten am liebsten da rieh nieder 
ließen, wo sie ftlr ihre Herden gute und bequeme Weideplätse, filr siek 
selbst aber, sei es durch Viehzucht, sei es durch Fischfang oder Jagd 
ihre Nahrung und ihren Unterhalt finden konnten, so dOrfte es nick 
zu gewagt erscheinen, wenn wir annehmen, daß nicht nur AI, senden 
auch Alm, Elm sehr wahrscheinlich schon in Asien den Begriff dd 
Nährenden und vielleicht auch des Erzeugenden ausgedrückt habe«. 

Dieß vorausgesetzt wird die Bezeichnung von Weiden**), Ort- 
schaften, Oewässem und Bergen mit Namen, welche die Stamm- oder 
Endsilbe al, alm, ein, elni u. s. w. enthalten, bei den meisten indo- 
europ. Völkern als in Übereinstimmung mit der Bedeutung diewr 
Stämme aufzufassen sein. 

REUTUKOEN 1871. THEOPH. HUPP. 



") Aus dem Celtischen oder aus dem Altnordischen. Noch im Jahre 961 kifl6 
das heutige Almendingen (Würtemberg) Alamuntinga (Memminger, Ehingen S. 100); 
wenige Jahre später kommt es als Almnndinga (Stalin W. Q.); im VIII. Jalirii find« 
wir es bei FGrstemann 11. 86 als Alahmnntinga. *^ Beide ans dem GoA. oiv 

aus dem Althochdeutschen. ") (Ge)mein-Al. Gemein- oder gwneinsdiafUidv 

Nähren, Füttern, Weiden, Gemein-Ats oder Weide (vgl. Sohmeller B^jr. WOrtwhach 
2. Aufl. 181), Beseichnungen , welche erst nach der Gütersonderung entstanden isia 
können, folglich einer höheren Stufe der Entwicklung angehören (Tgl. Waits. D. Vcr 
fassnngsgeschichte I, 42). **) Förstemann Namenbuch II, 56 nimmt aljan goth. 

= nähren, tlieilweise als Stammwort der Ortsnamen mit dem Anlaat El, AI und Als 
an. In der «weiten Auflage finden wir II, 65, verschiedene dieser Oitanamen miler 
dem Stammwort Alm an, als erweiterten Stamm von Flußnamen erwähat Alaaa iit 
aber, wie wir oben gesehen, eine der vielen ähnlich lautenden Formen, weldie Cknö- 
Weiden bedeoten und denen als solchen nur sehr selten der bessernde Einfloß dar 
Bach- oder FlnO-NShe zu gut kommt ") Schmeller Bayr. WOrterb. IV, 27. 

Waid (nuaida), das Ausgehen auf den Fang von Wild, Fischen, Vögeln. 



FIRED. lATENDORF, WIBKLICHB UND FINQIEBTE OBTSNAMEN. 30i> 



WIRKLICHE UND FINGIERTE ORTSNAMEN 
IN APPELLATIVISCHER VERWENDUNG. 



Zu dem reichen Material, das frühere Jahrgänge dieser Zeit- 
jtbift ans den Händen Wackemagers, Eöhler's u. s. w. für diese an- 
sehende sprachliche Erscheinung gesammelt haben, liefere ich folgende 
-Unne erste Nachlese aus Seb. Franck an neuen theils Belegen theils 
Vorbindangen. 

Bethlehem, gewöhnlich Bezeichnung des Bettels, der Armuth; 

ber des Bettes. Christus ist ain solicher Haintz vnnd Sieman 

ifjL gleich in ainem stall, laßt sein knecht herrschen, in Wirtzhäusern 
Uk.BeÜdehem oben an sitzen, in beiden (sie) Ugen, ligt er im stro. 
Pbnd. Nr. 152 med. 

Ofübenheim. Wann einer nun hust wider die Ordnung der kirchen 
md alt herkummen, nun mit jm dahin, er ist auffrurisch, sein leer 
Imet ZOT auflfirur, er zerrüttet die einigkeit der kirchen. Es seind 
pitbemheimer, sy haben die weiber gemein. 

Das Wort soll wohl ursprünglich die in versteckten Schlupfwinkeln 
Beischlicher Lost firöhnenden Ketzer treffen. Chronica. 1531. 132^. 

Mmdbrann = Maul. Der got Venter vnnd das closter maulbrunn 
(ich meyn das loch ynder der nasen) treibt vnnd lert vns fast alle, 
alles was wir thun, reden vnnd k&nden. Sprichw. II 5P. 

MiUenhauaen Bezeichnung der Freigebigkeit, die Welt ist nur von 
wäteidimuen, wann jr pfeiff vol ist vnd was sie nit mag. Paradox. Nr. 
m. 156. g. E. 

SMmg. RübUng. Wahrscheinlich Bezeichnung der Strafe des 
Ortes, wo man geriiben, mit Ruthen (an den Ribbenf) gestrichen wird. 
Antiochus — geplagt — wendet er bedc sein wort vnd meinung. Das 
haißt compelle intrare, gehn Riibling inn das bad fören. Güld. Arch. 
Aagspuig Steyner. 1539 Bl. 251^'*'). Der mensch ist so hefftig vercrea- 



*) Die beiden Citote sind nach dem Exemplar der kOni^l. Bibl. su Dresden, 
k| crwihne dieß, weil C. A. Hase in dem bibliogpr. Anhang seiner Schrift S. Franck 
^ Word der Sehwarmgeist Leipzig 1869 aus dem Jahre 1689 nnr eine Ausg. s. 1. 
Andere bio- nnd bibliograpb. Irrthümer des Werke» gedenke ich in anderem 
dMimlegen, resp. su berichtigen. 
QtaMAXU, M0ti§ JMh: F. (JVJ7.> Jahrg. ^^ 



306 ^' ▼• ZINGESLB 

tart, das ihn Gott nit darauß kan pringenn, dann mit grossen scb 
vnnd vil leydensy — muß Gott — gehenn ribUnng inn das bad fü 
damit ehr ihm die mfenn vnd randen alles annemens vnnd seins ai^ 
willens wider abnemen. Ebend. 25o\ 

SchaOcihansen. Vtere foro. Rieht deinen schrägen ghen mi 
Du most von gduUekshausen sein. Spri<&w. II 87*. 

Straßburg unserm heutigen an die Luft gesetzt werden und 
specifisch berlinischen ^bei Mutter Grün wohnen^ u. dgh verwand 
Er ist ghen Straßburg auff die hochzeit gezogen. — Es ist bei 
bißlin au%angen; nitt vberbliben das eim in eim ang wee 
Sprichw. n lOlV 

SCHWERIN. FSIED& LATEHDO 8F. 



AKISTOTILES UND CANDACIS. 



Unter den berühmtesten Männern, die von Franenliebe be 
wurden, wird wiederholt Aristoteles genannt In einem 3ed 
Frauenlobs heißt es: 
»^^3,73. Her Affelus Filius und her Antelön 

küuc Allexander und der künic Salonpiön, 

AristotUes und der starke Samson^ 

swie rieh, swie starc, swie khioc sie wim, 

doch liezens sich wSp tcereo. 1 

Bartsch Meisterlieder S. 342. In einem andern Gedichte sagt der 
Meister schon, daß Aristoteles geritten worden: 
Olofem versnitten 

wart und euch Aristotiles von eim wibe geritten. 
Ettmüller S. 102. Bartsch Liederdichter S. 247. Bartsdi Iflei^ 
S. 262. In einem andern Meistersingerliede (Bartseh, Mmstsrl 
S. 403) liest man: 

dfi bi man michel wunder sach 
daz einen wisen man ein frouwe reit 
der man hiez Aristotiles 
und was der wisten ein, der wart gebom. 
swie wtse er was, doch sm vemunft 
verschriet ein wlp: man bete ez wol verswom. 
Auch Oswald v. Wolkenstein kannte diese Sage*): 



*) Eines der ältesten Ze\ig;iuB8e 1^ ^« ^«^<^ \a^Xa^ ^»t ^^^jbo&^m^ 
&ebweig, wo es V. 16180— S3 von XiVlää^ YieM^V. 



AKISTOTILEä UND CANDACLS. 307 

AristotUeB, ein maister groU, 

aiu woib in Uberachrait. 

zwar seiner kunst er nicht genoU, 

hoflichen si in rait. 
Webers Ausgabe S. 257. Auch Hugo v.Montfort spielt zweimal auf 
diese Erz&hlung an, in Nr. 24: 

AriatotileB der gemait 

in allen kUuetcn zwar, 

ain junkfraw iu da rait, 

do er waa worden grfi. 
id in Nr. 38: 

Ariatotilea den kluogen 

liebi Überkam in mit gewalt, 

Bin junkfraw chund im es fiiogen, 

do er was worden alt. 

Bi Alexanders zeiten 

tett Iins ain stoltze magt 

mit ainer gaisel reiten, 

als die iatory sagt. *) 
Alle diese Zeugniasc — ältere konnte ich nicht finden — sind jung 
und besielien sidi woid auf die Erzählung „Aristoteles und Pbyllis" 
(Gea.-Abent. I, S. 21—35). 

Hugo V. Monrtort bemerkt ausdrücklich, dalJ Aristoteles von einer 
Jungfrau geritten worden. Davon weicht Hans Sachs in seiner Com ü die : 
„Persones, die kOnigin, reitt den philosophum Aristotelem" ab, indem 
hier Aristoteles von der Königin selbst bethürt v^ud geritten wird. 
lActus V.) Sachs folgte somit einer andern Vorlage, als der bekannten 
Erzählung. Eine ftimlicbe Fassung gibt mis Heinz kSenllinger in seiner 
Reimchronik (Schwelliiandscbrift) **), der bei dem Buch der Makka- 
btter die Alexaudreis des Ulrich von Eschenbach (IM. Iü7«— 2«V) ein- 
flicht und hier Bl. 19ü* ff. erzählt, wie Aristoteles von der Königin 
Candacis besdiritten wurde. Da diese Bearbeitung meines Wissens 
uuch nie verüfientlicht wurde, theile ich dieselbe hier mit. 

i\ liel ungern begotigeu 

den i!|>i)I vun üem dibd wunder irit, 

dQ SilariD diu hcIkedii ri<it 

deo wiaeu Arialatileni. 
im« dflr Jun^raa weiclit hier voll den übrigen ZEiigniiitcii rIi. K. I 

-■ Hagta» Ges.-A, 1, LXXV, 

Vgl. duritbe. .Ehie (;,".t"»l'liie au» J-^m JiUV. iB.\iAk.- NNvmv \%Wj ■*.. 



y 



306 



J. y. ZniGBLE, ABI8TOTILB8 OHD CANDA0I8. 



Pratiacä daz riebe lant 
het ein küniginne in ir hant, 
diu selbe vrou hiez Candacis. 
nu sullet ir sin gewis, 
5 wie si enpfie den werden man. 
niht wol ich daz geaagen kan, 
waz 6i gruzer rtcheit 
des tagea het an sich geleit. 
im beschiet besanderlich 

10 diu selbe küniginne rtch 
einen riehen palas, 
der ze inn gemaeh gebouwen was. 
dar in wart gewiset 
Aristotiles, den man priset, 

15 der mit 1er des forsten pflae. 
vor dem palas ein garte lac 
mit boumen groz unde wit. 
nu geschacb daz bi der zit, 
daz er Alexander strafen begunde, 

20 ab er im guotes gunde. 
ditz was durch die künigin, 
wan er vor ir ser rorbte siu. 
er sprach: „künie, lieber sun, 
des solt du dich abe tuon , 

25 wan ez niht stSt vürsten wol.^ 
dar nach , als ich iu sagen sol , 
bat diu frou den werden man, 
daz er so bald niht schiede dan. 
do sprach er: „sueziu kunigin, 

30 durch dich strftft mich der meister 

min, 
er rsetet mir, daz ich Ton dir var." 
dö sprach diu küniginne klftr: 
„wes Yolgest du dem äffen? 
wiltu*z , so wil ich schaffen , 

35 daz ich in rite als ein pfert*^ 
y gerne ** sprach der vürste wert, 
„min trüt, und liesest mich daz sehen, 
s6 kund mir lieber niht geschehen.'' 

Des anderen morgens vmd 
40 Candacis bereite sich dar zno. 



ein kleines hemde ti an lieh nu, 
alein ti in den guten kam, 
dd noch das toIc alles lac, 
alsd daz nieman wachem pflac, 

45 dann AriBtotiles , der las 
in einer kamer, dft er sas 
in einem Tenster gto dem gartea. 
dar üs begund er warten, 
dd lach er die fronwe 

50 waten in dem toawe. 

ez het das minnicitche wip 
gar schoen nnd wol gestalten^, 
(▼il lieht der durch das hemde sehca) 
wts und wol geitaltin bein. 

55 das hemdel sich se berge sdch 
über diu knie vil hdch. 
der meister di vrou wen gerne ladi, 
die gedank er von im brach 
und sazte sich zem bnoche nider. 

60 dar nAeh riht er sich üf wider 
und leint sich an das Tensterfin 
und sach vast an die künigin, 
diu lieht gerar im tonwe woot 
si gap dem meister hdhen maot. 

65 aber körte er diu engen dan, 
doch twanc si den wiken sMui 
mit sendelicher qn&le, 
das er zem dritten mile 
an die küniginne sach. 

70 suo ir Aristotiles sprach: 
„d minnidichiu Yionwey 
was suochet ir im tonwe?* 
nu lie diu vronwe sftese 
das hemdei üf die füese 

75 und sprach: „ich maoa mir sdiasde 

jehea, 
daz ir mich habt alsd gesehen, 
doch slt ez alsd kernen ist, 
so helft mir dan in knrser firist, 
ob ir weit das ich genese 

80 und niht des argen tödes wese. 
hiute fruo kam ich her in. 
mich hat beyangen swanrin pili« 



2 irr A. 24 des] diz Et. 28 von dan tts, 3t liest H». 

eg ßs, 62 schoenen Es, 54 nnd fehlt H«. 57 maist E$» 59 
67 seodieicher Et, 69 aber an U«. 'Vt vsxv^^^x. m ^nok B»« 



51 
dem Bt' 



M. BÜCK, DER SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 



309 



wolt ich wol, ieh mac niht baz.^ 
üf das gras diu Troawe saz. 
„des libes maos ich gar Terzagen , 
im weit mich denne hinnen tragen." 
er sprach: „tongt ir dft yon genesen, 
sd wil ich iwer helfer wesen." 
in den garten an das gras 
giene er, dft diu vrouwe sas, 
und wolt si üf den rucke nemen. 
si sprach: ,,ich mSeste mich des 

Schemen , 
ob ich einen man s6 nfthen 
zno mir solte Tfthen. 
ich wolt d immer dise n6t 
liden bis an minen tdt. 
weit ir gensBdic wesen mir, 
td mfiest ir kriechen als ein tier 
ond mich üf iuch sitsen." 
also gesigt si an riinen witscn , 
das er s6 Terre sich vergas, 
er bukte sich , üf in si saz. 



alsd reit si Aristander. 

nn het sich Alexander 
105 durch die geschiht den morgen 

in ein yenster dft Tcrborgen. 

ir red het er vemomen och. 

dd diser gdn dem palas kroch 

und gdn der stiege, als ich ez habe, 
110 dd ruofte Alezander abe: 

„d Tater trüt, lieber man, 

sag an, durch waz ist daz getan?" 

der meister sich üf rihte 

und fl5ch von diser unpflihtCt 
115 dd im ditz also geschach, 

zno Alexander er alsd sprach: 

„diu Tronwe hftt betrogen mich. 

sun, durch wip enstrftf ich dich , 

swie ez uns fürbaz 'ergd , 
120 durch keine vrouwe niht m^ 

ich dich, min sun, strftfen sol.^ 

hie mite was dem künige wol. 

J. ZINOERLE. 



ER SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 



Die Geschichte von den gewappneten Mannen, welche auf einen 
aen losziehen, ist ohne Zweifel sehr alt Sie mag anderen ähnlichen 
ich, bald diesem, bald jenem Völklein nachgesagt worden sein. Eine 
ihe unterhaltender Geschichtlein der Zimmerischen Chronik fand ich 
lon Vorjahren im Volksmunde fortlebend, und nicht allein in Schwaben, 
idem auch in der Schweiz, in Baiem und in Österreich. Sie sind 
3r sicherlich nicht erst im 16. Jahrhundert entstanden, so wenig als 
B. das bekannte Volksräthsel : „Es war einmal ein ZwiefuÜ auf einem 
iefuß, da kam ein VierfuÜ und fraß dem Zwiefuß sein Sparmus 
leister). Da nahm der Zwiefuß den Driefuß und warf damit den 
srfuß, daß er hinken muß.^ Dieses harmlose Ding findet sich aber 
lon in einer sehr alten Predigt an die Königin und die Beginen zu 



86 mich denn von hinnen Hs, 90 (pe do die Hs, 93 ainem Hs, 95 solt 
• ▼. Hs, 95 disew Hs, 110 her ab H». 115 diiiz fehlt Hs. 118 cn- 

f] Bo 9tnf H9, 119 wie Ht. 



310 MICHEL BÜCK 

Königsfelden, in der es also lautet: Ez saz zwifiiz auf drif&z und het 
amen f&z, do chom vierf&z und nam zwifuz ainen fuz, do zuccht iwi- 
fuz drifuz vnd warf vierfuz daz er ainen fuz liez. SduneUer, bair« Wb. I, 
769. Wechseln auch in diesen Geschichten Fassung, Namen der Hdden 
und Ortlichkeiten, das Wesen des Witzes bleibt doch immer dasselbe. 
Gegenseitige Neckereien btoachbarter Völker^ Landschaften itad örter 
müssen schon aus dem Grunde alt sein, weil die Lust an Neckerden 
und Spässen dem gesunden Menschen angeboren ist, und weil der 
Volkswitz immer um so fruchtbarer ist, je mehr sich ein Volk seiner 
natürlichen Ursprttnglichkeit zu erfreuen hat. Ich erinnere hier an die 
Spottnamen der Völker, welche in's graue Alterihtittet' zurUckreichen 
Wackemagel, in Haupf s Zeitschr. 6, 254 ff. 

Mit dem Anfang des 16. Jahrhunderts taucht die Geschichte von 
den sieben Schwaben aus dem Dunkel der Zeiten auf. Bebel und 
KirchhofT wissen zuerst von ihnen zu erzählen. Nach der Zeit ihres 
Auftauchens könnte die Geschichte mit den unglücklichen Ejiegen der 
Schwaben gegen die Schweizer im Zusammenhang stehen, um so mehr, 
als mehrere Abenteuer der sieben Schwaben schwabenseits den Schwei- 
zern nachgesagt werden. Überdieß scheint mir auch die Überliefertmg, 
daß der berühmte Hase im Walde Schwaderloch gesessen habe, auf 
die geschichtliche Thatsache hinzudeuten, daß sich die Schweizer im 
Jahre 1499 im Schwaderloch verschanzt hatten und dort einen Angriff 
der Schwaben erwarteten. Man weiß ja, wie die Schweizer von den 
Schwaben mit allerlei Geschichten von der Schweizerkuh, dem großen 
Ochsen am Bodensee, mit dem nachgeahmten Geplftrr des Stiers von 
Uri, mit dem Anhängen von Euhschwänzen und dem Rufe Kuhmftnler 
geärgert wurden. Wie nahe liegt es, zu glauben, daß die Schweizer 
ihrerseits den Schwaben die Laibe aus demselben Ofen heimgegeben 
haben. Als Neck- oder Fatzstück der Schwaben ist indessen der Firosch 
älter denn der Hase. Jener lässt sich in dieser Eigenschaft bis in die 
erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Eine alie Augsburger 
Handschrift erzählt : warumb die Schwaben und die von Ulen mit den 
froeschcn gefatzt werdent. Es soll nämlich zu Kaiser Friedrichs Zeiten 
ein fremder Häringhändler nach Ulm gekommen sein und seine Waaie 
den Herren von Ulm, die bislang keine Häringe gesehen, verkauft 
haben. Wie billig, hätte der Bürgermeister zuerst nach einem gegritfen, 
lim ihn an das Feuer zu halten und dann zu verzehren. Der Fisch 
sei aber dem Bürgermeister aus der Hand und in's Gras gerutscht 
m/ßg' hätte dieser nach dem H&ring ^^ft^n.^ statt seiner aber einen 
Frosch erwischt Da er den Froftc\\ mwViX\Ä\ >AKasni\»^ ^sdn|, ^^tMoi 



DER SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 311 

srlich: kwäck, kwäck! 211 schreien an. ^Alsbald seit der burger- 
3r kwäck hin, kwäck her, da hast das fiSlwer gesen und wischt 
it ins mul.^ Germania, Neue Reihe 1; 1, 76. 
Hase und Frosch werden in der ^schwäbischen Tafelrunde,*^ des 
^n Wunderiiom 2, 481, zusammen als Verderber der Schwaben 
int« Ich setae nur die Air unsere Zwecke wichtigsten Strophen 
IbeH her: 

Neuh Sdiwaben gengen über Land, 
Zu einer Domenhecken, 
&s schlief ein Has ganz starr iin Gras 
Die Ohren thät er recken. 

All neun an ihrem Schwabenspieß 
Stehn männlich hintr einander. 
Der schwäbisch Bund thät als ein Beut 
Des Hasen Panner greifen. 

So rieht ein Frosch neun Schwaben hin, 
Die schier besiegt eiti Hasen, 
Drum hassen Schwaben immerhin 
Die Frösche und auch die Hasen. ^ 

Wir begegnen dein Frosch übrigens schon in Kirchhoffs Wend- 
ith, wie das gleich nachher des Nähern erzählt werden soll. Im 
eigehen möchte ich auf eine Notiz in Richentals Chronik des 
tanzer Conzils aufmerksam machen, der zufolge das Frösche- und 
eckenesseh bei uns durch die Welschen eingeführt worden zu sein 
int. £s heißt dort: man hat och fail hopatzger vnd Schnecken, die 
n die Walhen. Daß man in Schwaben die Frösche schon im Jahre 
hoppeter, hoppatzer, jetzt auch hupfezar nannte und nennt, 
It aus dem liber deeimacionis pro papa, Freiburger Diöcesan- 
V 1, 130, wo das Dorf Hoppetenzell , fVeilich falsch, mit Cella 
ram übersetzt ist. 

Älter als Frosch und Hase, aber ganz verschollen, ist die Fatzung 
Schwaben mit dem Reiher. Die Chronik des Sigmund Münsterlein 
Augsburg, 15. Jahrb. Roth, Beitr. XV. 258, weiß nämlich von der 
inft der drei oberdeutschen Stämme die schmutzige Geschichte zu 
ilen: 

Die Swaben seyen von hohem Stamm, 
sie schayß ein reyger ab einem paum, 



312 MICHEL BÜCK 

▼nd von der Schwaben stank 

sindt kommen die Frank 

vnd auß der Francken ayr 

sindt komen die ynsaubem Payr* 
Wir können wohl kaum mehr erfahren , warum die Schi 
von einem Reiher herkommen. Es wäre doch allanktlhni an den 
sehen Reiher der Vergessenheit anknüpfen zu wollen. Die UnaanbeAdl 
des Reihers wird schon von Paracelsus in einem Sprichworte angedeoM^ 
das heute noch gang und gäbe ist 

Für die meisten alten und neuen Darstellongen der Schwab» 
streiche ist die im Wendunmuth befindliche Erzähliing von den iMi 
Schwaben maßgebend geblieben. Nach ihr wallfahren neun Schwabs 
gen Trier und Aachen. Sie haben schön den bekannten langen l^iel 
bei sich^ wie ihn die Landsknechte und wie ihn nach der Zinunon* 
sehen Chronik^ Baracks Ausgabe 3, 454, auch die schwäbischen Bauen 
auf Eirchweihen mitzuschleppen pflegten. Der Männlichste geht „ge- 
hamest^ voran. Zuerst erschrecken die neun Gesellen an einem „roS- 
keffer oder humusseln^^ den sie brummen hören. Der Vordere in seinn 
Hamasch lässt ^ einen blind schleichen'^, der Nachfolgende riecht du 
und wittert Pulver und Lunte. Eilig rennen sie davon über ein Hag^ 
auf eine Wiese, welche Tages zuvor geheuet worden und wo ein Bedun 
liegen geblieben. Einer tritt auf den Rechenstiel , welcher ihm aofixt 
an die Nase springt Etliche Tage später durchwandern die Neim ein 
Brachfeld und begegnen da einem Hasen. Einer der Schwaben ruft 
Rageneurle, gang anher! Weil aber der Hase keine Miene macht aeiiMB 
Platz zu verlassen, fkngt der Schwabe zu beten an, und als auch das 
nichts fruchtet, schreit er in seiner Angst: hau! hurle hau! hau, han, 
hau! Jetzt läuft der Hase davon. Endlich kommen die Schwaben an 
die Mosel und rufen einem am anderen Ufer stehenden Manne so. Der 
verstand sie aber nicht und frug immerfort: wat? wat? Die gaftea 
Schwaben glaubten, er heiße sie waten. Der Keckste watet daher in 
die Mosel hinein und ertrinkt alsbald. Das Wasser flößte seinen Hut 
an's andere Ufer. Über dem Hut quackte zufiülig ein Frosch wat! wat! 
wat! Da sagten die andern acht: kann er überhin waten, warum wir 
nit auch ? Wateten also gleichfalls in die Mosel und ertranken snhand- 
Wendunmuth Nr. 274. Ausgabe des lit V. in Stuttg. Band 95 S. 318. 
Beschwichtigend setzt der wackere Schriftsteller einen Reim 
„Es seind d'Schwaben hierdurch nit gschmeht 
In Frölichkeit es hingeht, 
Ein jeder gfellt jm seW^et W& 
Andre wissen von im auc^ wk%.^ 



DER SCHWANK VON DEN SIKBEN SCHWABEN. 313 

Die schwäbische Mundart ist nicht übel nachgeahmt, wenn der eine 
nft: nBageneorle gang anher/ denn heute noch heißt der Hase neben 
(isiigohry Mummelgöschle auch Ragenfturle, d. i. Ragendöhrlein, und 
Bmite ^ noch hdre ich die weinenden Dorfbuben plärren : hau , hurle, 
pmleld! AufißsUend ist mir die Ähnlichkeit der weiteren Abenteuer 
Büefer neun Landsleute mit einer Eichhasenjagdgeschichte; mit der 
^ir Oberschwaben die Schweizer „stimmen^. Denn Rudi und Uli, 
^'Vdche mitsammen auf die Eichhömchenjagd gehen, erschrecken an 
^ ibem Eichhasen (Eichhorn), hüpfen über einen Zaun, Uli purzelt einem 
Odisen auf die Gabel, Rudi tritt auf einen Rechen und schlägt sich 
Hit dem Stiel die Nase wimd. Im Walde finden sie endlich einen Eich* 
Useii. Uli klettert ihm nach, indeO Rudi heimeilt, eine Bratpfanne zu 
kolen. Das Eichhörnchen flüchtet sich von Ulis Baum auf einen be* 
Uichbarten. Uli aber sagt: kann er dahinüber hupfen, warum ich nit 
ktich? hüpft ihm nach und ftllt so zu todt Auch die Geschichte mit 
Ion Bnfe watt, watt! hat eine Doppelgängerin. Da steht einmal ein 
Idiwabenschultheiß mit seinem Gemeinderath auf einer Brücke und 
bewundert die im Wasser abgespiegelte Landschaft. Sie rathen zu- 
mmmeaf was das wohl für ein schönes Land sein möge. Plötzlich 
■ebwindelt^s dem Schultheiß, kopfüber stürzt er mit einem lauten 
JPBiiinpP^ in's Wasser. Die Gemeinderäthe verstehen: kommt! und 
■Uixten sich eilig nach, um elendiglich zu ertrinken. 

Das Reutlinger Volksbüchlein von den sieben Schwaben enthält 
die Geschichte ziemlich ausführlich. Nur schade, daß die Untermund- 
flrten der sieben schwäbischen Gaue, aus welchen die Sieben zusammen- 
gelesen sindy in den Gesprächen derselben so schlecht durchgeführt 
nid. So wie dieses Büchlein erzählt, höre ich die Geschichte jetzt fast 
tÜMsraU wiedererzählen. Nebenher schwimmen einzelne kleine Abenteuer, 
lose herum, da sie bald den Sieben aufgedichtet, bald gewissen be- 
uchbarten Ortschaften aufgehalst werden. Nach dem Reutlinger Buch- 
hm lässt sich in der Nähe von Überlingen ein langohriges Ungethüm 
idieDy das ein Anwohner des See's, der Seehase, zu bewältigen unter- 
nimmt Er wirbt in allem Schwabenlande Spießgesellen zur Ausführung 
«eines Werkes. Bei Hechingen gevrinnt er den Nestelschwaben, 
bei Bopfingen den Gelbfüßler, an der Donau den Enöpfles- 
*chwaben^ bei Meitingen in Lechschwaben treibt er den Blitz- 
'chwaben auf, zu Memmingen den Spiegel Schwaben und in den 
^berschwäbischen Alpen den langen, handfesten Allgäuer. Sie er- 
Qben auf ihrem Zuge an den Bodensee allerhand spassige Abenteuer, 
in zehn Cspiteln geschildert wird. Sie \iWiÄ^\ii NCütCL"^ A^\!«wJiAB&. 



314 MICHKL BÜCK 

2u Augsburg, vom Blitzschwab und dem Mädlc von Schwabeck , 
ihn auf die ^Kirbe^ (Kirchweih) kommen heißt Von dem Kampi 
einem Baier , dt^ sie mit den Schwaben in der Kttcfae Iiinselt, ( 
von einem Streit zwischen dem Blitzschwab und Spiegelschwäb wi 
des ^Hemminger Manns, ^ dessen Eemwitz schon Boner in sei 
Edelstein kennt. Nr. XCIX. 180. Ferner von ihrem Durst zu 1 
mingen, wie dann die Sieben durch das blaue Meer Bchwimmön, 
sie einen Gehenkten vom Galgen nehmen und dessen Däumling 
Siegeszeichen mitnehmen, wie Rudi der Nestelschwab seine Httl 
eine Schweizerin, findet, endlich wie die Sieben an den BoJen 
kommen, den Hasen bekriegen, in Überlingen einziehen tiod < 
^schwäbischen Heiland^ zum Dank ftir das glücklich bestandene AI 
teuer ein Eirchlein erbauen. , 

Was zunächst die Zahl der Schwaben anbetrifit, so haben 
älteren, zum Theil schon angefahrten Quellen neun, alle jüngi 
sieben. In einer Komödie des Herzogs Julius von Braunschweig, 
titelt: 9, Von einem Wirth'', heißt es gleichfalls: „Mey dücht gfaj 
vth dat Land, da ein Hass ncgen Minschen-vorschrcckct hat", 
gegen man erst kürzlich in den Zeitungen las, daO ein alter geistli 
Herr in Südamerika, der auch einmal etwas von den Sieben ge 
haben muß, eiheb reisenden Deutschen mit allem Eifer fragte, was y 
das Volk mache, unter dem einmal vor langen Jahren sieben Mii 
mit einem Hasen Krieg geftlhrt? 

Neun und sieben sind alte, sprichwörtlich gewordene, he 
Zahlen, die oft zur Bezeichnung einer unbestimmten, ungefilhren 
benutzt werden. So haben nach schwäbischem Glaubet! die i 
Weiber neun Häute, dauert ein langes Regenwetter neun Tage, bri 
neun Klaffcnjahre den besten Bauern um, pachtet man auf neun L 
fklle, ist eine weitscliichte Verwandtschaft ein Schnittlein aus der net 
Suppe (Nagelmagschaft), so braucht man zu unzähligen Zauberdi 
neunerlei Hölzer, neunerlei Kräuter u. s. f. Schon in der Edda ( 
die Neunzahl eine große Rolle. Ich erinnere nur an Odin, der 
Nächte an der Weltesche hing, an die neun Nächte, welche iterm 
braucht, um zur Hei zu reiten, an die neunte Nacht, in de)r voin I 
Draupnir acht gleich sbhwere abträufcln u. s. w. Ob es einnlai 
Stätnmc der Schwaben gegeben hat, ist eine unbeantwoFtbare Fi 
Wie ftir die Neunzahl ließen sich auch ftlr die Siebenzahl eine M 
von Beispielen anflihren. Ich beschränke mich auf die AnfUihmg 
eieben Heerschilde und auf die der Siebener, wie Wir den 
äebaßß unserer ÄmtsverBammlungeii ^oü «XXat TjföA \k«t x^^Emsit 8i 



DER SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 315 

kn bei uns im Ocricht, der Stabhaltcr mit den sechs Richtern. Mit 
^binnft ward einst im Allgäu der landschädliche Mann ^ttbersicbnet,*' 
ftm sechs ehrbare Mftnner ihm zwei Finger in den Schopf legten 
lil mit ihrem Eide ^überkamen^, und der Kläger den siebenten Eid 
Iter schwor. (14. Jahrhundert, vgl. Heider, Ausftihrung etc. der 
iehsstadt Lindau S. 651.) In der That fasste auch der Volkswitz die 
ben Schwaben als ein lächerliches Abbild des Dorfgerichtes auf, 
Khalb sie mitunter geradezu als Schultheiß und Richter aufgefasst 
r€cn. Vgl. Birliilger und Bnck „Volksthtlmliches aus Schwaben" 

161. 

Wir kommen nun auf die einzelnen Helden zu sprechen. 

Der erste und vorderste am Spieß ist der Allgäu er. Man gibt 
I eine eiserne Sturmhaube und ein kurzes Schwert. Sein zweites 
3rt lautet: Bigost! es ist halt nc Sach! 

Nach ihm kommt der Seehas. Wie die Bewohner d^s Sandes 
i Nürnberg Sandhasen genannt werden, so bei uns die Anwohner 
I Bodensee's und Federsec's Seehasen. Schmcller a. a. O. 1172. 

Nicht selten wird etwas Schlechtes, Stümperhaftes als Hase be- 
ebnet. So nennen wir Schwaben eine Kegelkugel, die das Aufwilrfs- 
)tt verfehlt^ einen Sandhasen, pfuschende Zimmerleute heißt der 
Isbufger Dachhasen, der Holländer alle Pfuscher zusammen Bön- 
sen. Was mOgen wohl die Geschlechtsnamen Wonhas^ Sathas be- 
sten? Das Kaninchen heißt in Schwaben Kielhas, wie der unreife, 
eh nicht flttgge Rabe Kiclrapp. Vielleicht ist aber Kielhas aus Küngcl- 
s entstanden, wie Spiclmag aus Spindelmag. Aus allem erhellt, daß 
ui mit dem Hasen etwas Unreifes bezeichnen will. An dieser Stelle 
D ich gleich folgen lassen, was sich ttbor den Seehasen im Nach- 
He des Freiherm von Laßberg vorfindet 

„Die Schwaben**, sagt er, „nennen die Bewohner der Ufer des 

idensees, insbesondere die Konstanzer Seehasen. Ich habe nicht be- 

srkt, daß die Hasen in diesen Gegenden häufiger vorkommen, als 

fibrigen Schwaben, habe auch nirgends auffinden, noch erkunden 

tmen, warum und wie die Benennung aufgekommen. Die Nötitia 

[oitütum utriti8<][ue imperii hat mich deßhalb auf eine Vermuthung 

Uirt Soivie die Römer unter ihren Hilfsvölkem einige Kohorten 

( dem Breisgau hatten, Brisigovii scniorcs, B. juniore^, so zählten 

auch aus der Gegend um Konstanz ein Bataillon oder Reppment 

ihrem Heere, das Prima Flavia Gallicana Constantia hieß, wovon 

Soldat^i im oberen Theilo des Schildes einen laufenden Hasen 

nali hatten, Sie standen wie die BreisganeT wx\\ftT ÄÄTOi^Ä^S^fe ^«käv 



316 MICHEL BÜCK 

magister peditum, der dem praefectus praetorio Italiae imtergeori 
war. Daß zur Zeit der Ab£A88iing der Notitia unter Kaiser Theodoi 
oder seinen Söhnen die Gegend um den Bodenaee zu Gbdlia geredi 
wurde, ist bekannt, darum Gallicana, den weiteren Zusatz Flavia mod 
das Regiment von den Cäsaren der Constantiery welche gens Fla 
hieß, erhalten haben, unter welchen es wahrscheinlich errichtet wnj 
Ich sehe nach dem Gesagten gar nicht ein, was uns abhalten ad 
die Seehasen fUr diesesmal von den Constanzer Auxiliartrappen i 
zuleiten. Wollte man die Sache noch weiter ausspinnen, ao k5ii 
man die Schnurre von den sieben redlichen Schwaben, welche i 
einem Spieß auf einen Hasen losgiengen, in Beziehung bringen i 
annehmen, daß einige römische Soldaten dieselbe zrun Spott i 
schwäbischen Hilfstruppen erfunden haben. In der Notitia dignitiii 
Lugdun. 1608 p. 132 heißt es: Prima Flavia Gallicana Consta! 
a Constantio eins autore et a Gallico, ubi degebat, denominata. Hi 
rutilns in caerulea patina equus, in medio viridis orbis consisteb 
cui quadrupes toto innuti pectore videbatur, ut Pierius describit: Rr 
cipem totum orbem victoriae superasse indicat, siquidem equus vie 
riam indicat Sed in meo codice et Ursiniano videtur lepns cnrrei 
qui vigilantiae et velocitatis est symbolum.^ So viel Laßberg. 

Der dritte am Spieß ist der Nesselschwab. Er trägt eine 1 
teme in der Hand und „auf dem Buckel ein Bündele*^. Ihn ka 
schon ein Lied des XVH. Jahrhunderts. „Taille douce eines s&l 
Herren in bittrer Manier J. 1650.^ Ejiaben Wunderhom 2, 474. 

„Der Nestel ohn Maß und Ziel 
Sind um und um her bunden^ 
Er gab wol ab ein Nestelschwab 
Wie man schon längst hat funden.^ 

Der vierte Schwabe ist der Blitzschwab. Er fährt stets i 
Wort: Potz Blitz! im Munde. Eine Rede, welche man heutzutage i 
nur noch in Niederschwaben zu hören bekommt Der Oberschwi 
(Allgäuer) schwört immer beim Donner, ihm ist alles „donderschlftchti 
Der Blitzschwabe trägt ein Schwert und eine FiedeL 

Der fbnfle am Spieß nennt sich Spiegelschwab, von i 
glänzenden Rockärmeln, an die er seine unfläthige Nase wischt, a 
benannt. Er trägt als Wehr ein Barbierbecken am Hintern. 

Der sechste Schwabe heißt Gelb füßler, er heißt auch Hau« 

oder Jockele. Er trägt lange Stiefel und Sporen dran, damit er hinft 

ausschlagen kann« In der Hand führt er ein langes Messer. Währa 

des Sturmes löst er den AUg&uet «X> ^mdi %\.^\. n^tcv^ «[& ^^vriO. V< 

heißt es in des Knaben Vf\m^exViQrcL% 



DEB SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 317 

^Du Jockei bist der vorderst gwiß, geh da voran, 

Ich mnO dahinten vorne stan/ 
im Reatlinger Volksbüchlein: 

„Gang Jockele, gang du voran 

Du hast Sporen und Stiefel an, 

Daß dich das Thier nicht beißen kann.*^ 
Bmer der vielen Textabarten, die im Volke umgehen: 

„Hanselimann gang du voran 

Du haust die gräußste Stiefel an.^ 
ist die bekannteste Person unter den Sieben, die gereimte Auf- 
lemng an ihn ist längst Sprichwort geworden. Der Name Gelbfiißler 
nte ursprünglich auch mit dem Frosche zusammengehangen haben. 
li Wendimmuth Nr. 199 reist ein Schwabe mit einem Schweizer 
dl den Elsaß. Dem Schwaben kommt die Lust an zu krebsen, 
in er erwischt Frösche fUr Krebse. So oft er eines Frosches hab- 
i wird, sagt er: Lug, Uli, ich hab wieder einen mit oim gelben 
inle. Nach der jetzigen Lesart kommt der Gelbfllßler daher, daß 
guten Bopfinger dem Kaiser einmal recht viele Eier verehren 
Hen, und da dieselben nicht alle auf den Wagen giengen, durch 
dn Stadtknecht einstampfen ließen, wovon dieser begreiflich gelbe 
ne bekommen. Angesichts der in Schwaben noch viel verbreiteten 
ven gelben Lederhosen wird eine Anspielung auf diese Tracht 
HD von der Hand gewiesen werden können, zumal da ein Theil 
; Volkes die Sache von diesem Gesichtspunkte auffasst. Auch der 
>8Gh dürfte um seiner engen Hosen willen Neckfigur für die Schwaben 
rorden sein. Vgl. Birlinger, Alsatia 1, 94. 

Der siebte, letzte mid am Ende am firühesten bekannte der 
liehen Schwaben ist der Knöpflesschwab. Er trägt den Knöpfles- 
lel, einen runden hölzernen Kochlöffel, Pfannen und Häfen. In der 
bweiz, in Oberschwaben, Lechschwaben und im Elsaß heißen die 
UklöOchen, Knöpfle, Knöpfli, in Niederschwaben Spätzle, 
ben den Suppen aller Namen sind diese Knöpflen oder Spätzlen 
I Leibessen der Schwaben. Wenn es wahr ist, was Sachße in der 
ischrift filr deutsches Recht Bd. 14, 37 erzählt, so wäre der Knöpf- 
ichwab schon ziemlich alt. Denn er sagt dort, daß sich in einem 
m, aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammenden Codex 
I Sachsenspiegels die vier Hauptstämme des deutschen Volkes ab- 
oldet fibiden, nämlich der Baier, der Sachse mit dem Messer, der 
mke mit dem Mantel und dem kurzen Gewand, endlich auch der 
iwabe mit einem ganz deutlichen Knttpüe«\^SQ\ Vn ^^^ ^«sA« 



318 MICHEL BÜCK 

Um ufcl&t zu weitläufig zu werden, Bol| von den kleiiiercn 
teuern der Sieben nur noch auf das Durchschwimmen des 
Meeres näher eingegangen werden. Ein blttbendeS; thaubedecktes 
land, das vom Winde ins Wogen versetzt wird, hat in der That 
Ähnlichkeit mit einer Wasserfläche. Die sieben Schwaben, 
immer geradeaus der Na^e nach über Stock mid Stein dem See 
wanderten; kamen ^unyerdanks^ an einen Flachsacker, 
werfen sie sich in die vermeintliche Fluth und arbeiten sich 
durch. Die drollige Musterung nach dieser That findet man imVc 
thümlichen 1; 461 erzählt. Merkwürdigerweise spuckt unter den 
sehen die Geschichte von dem Dorchschwimn^en eines 
schon vor anderthalb tausend Jahren. Paulus Diaconus cap. 20 
zählt nämlich, daß als die Langobarden aus RugUand (Niedei 
ausgezogen waren , sich ein Krieg zwischen ihnen und den Hc 
entsponnen habe. Der Herulerkönig sei während der Entscheidi 
Schlacht gemüthlich beim Brettspiel sitzen geblieben, da er sich 
dingt auf die Unbesiegbarkeit seiner Heruler verlassen habe. Wi 
halber hätte er jedoch einen Diener auf einen benachbarten 
steigen heissen, um von Zeit zu Zeit über den Gang der 
Nachricht zu geben. Der König habe ihm mit dem Tode gedroht, vi^ 
er berichte; daß die Heruler fliehen. Plötzlich rief dieser Diener: 
du Qerulervolk; was fUr ein Zorn kommt über dich von dem 
des Himmels! Da fragte der König: fliehen etwa meine Hc 
Worauf ihm der Diener geantwortet: Du selbst^ o König h^ ei 
sagt. Die fliehenden Heruler hätten aber den Kopf so sehr t< 
daß sie grüne Flachsfelder fUr Wasser angesehen, demzufolge die 
weit ausgebreitet und sich, um sich zu retten, in die vermei 
Wogen gestürzt, wobei sie alle erschlagen worden seien. — In 
Darstellung Pauls findejt sich auch der Vorläufer einer anderen Y« 
anekdote. Man ers^hlt sich nämlich von einem hohen Herrn, 
wärtig muß es der verstorbene König Willielm von WUrtemberg 
der ein krankes Leibroß gehabt und einem Diener den Auftng P 
geben hatte, vom Befinden des Pferdes hin u^d wieder Nachricht i 
bringen, falls er aber den Tod melde, solle ihm „der Kragen oop 
dreht werden^. AU das geflirchtete Ereiguiss eingetreten, koronit ^ 
Diener mit dem Bericht: Herr der Schimmel frißt nicht mehr, eritf 
nicht mehr, er schnauft nicht mehr und regt sich nicht mehr! gAl 
Wetter!", donnert der Herr dazwischen, „dann ist er ja todt!' B 
habt es selber gesagt, o Herr! erwiedert der Diener erleichtert 
Herzens, O/Teubar ist dieser /.ug vjV^i Avt\ dv»s Durehschwimmens i 



DER 8CHWA!*K VON DEN SIEBEN SCHWABEN. 



ifflider eine uralte VolkswiUbistorie, und w«r da» #diQn zu Faul 

I pjscons Zeiten. PauJ wird die G^achichto bei seineu Laudsleuteu, 

den HeiTÜeni zum Spott nttciiB^ji^oQ , gelttirl und für baaie 

■llQ^e aqgeQoiDmen haben, wie uuxtJte Uiuicnu nNapolcou den Schuster- 

lelleo" aiteh wörtlich ftlr walir annehmen. So miSgen viele Schurken- 

«ich^r die wir dem Euleuepiegel, dem Scbinderliannes, dem baierischen 

dem Bchwaraen Verl und anderen Volkuhelden naclisagen, viele 

«heaalter hindurch immer wieder anderen, gerade im Volksleben 

ipfcaDatea Abenteurern oder Helden uacligesagt worden sein, und ich 

I lebhaft davon überzeugt, dal! einige selbst Über die Völkerwanderung 

llckreichen, so gut wie stabreimend« Redensarten, wie Sprichwürt^r 

tntd andere geistige UrerbBtUckleln mehr. 

Ich komme nun schlieClioli auf den Hasen, den SpieU uud den 
fawSbischcn Heiland zu sprechen. 

Der Hase hat im Volkaleben immer eine gftwiflse Holle gespielt, 
licbkeiten und Scbijdf sind nach ihm beuauni, Sprichwörter und 
nautcD heften sieb an seinen Namen, alt und jung scherzt mit 
wo man seiner ansichtig wird — und wer erinnerte sich nicht 
Eäw köstlichen Zeit, da ihm der Osterhase über alleä theuer war? Im 
h&liwabenlande gibt es kaum ein StHdtebeu, wo man nicht entweder 
''^im JQUgen, alten, schwarzen, weissen, goldenen n. s. w. HasenwirÜi 
einjkelirea könnte. Wie ot^ steht man dort den aus Papier gesohnitzetten 
Uaaeutatiz, wo nebt Hasen mit einer Brctzcl im Maul an dem lustigen 
FiedW hinaufspringeu! Auf allen Markungen begegnen wir iu alten und 
jungen Taj^en Fluruameu wie Hasenpfuhl, HaHenbrllhi, Hasenberg, Hasen- 
vaidf-, llasenwiesen, Hasengärtleiu, Hasenstaig n. s. w. In allen Auen den 
Pflanzen: HasenfiiU, Hasenbrot, Hasenklee u. s. w. Wer kennt nicht 
die Ke de ns arten : laufen wie ein Hase, murmeln wie ein liase, ziegeln 
wie Kiolhaseu, ein Haseumäulu machen, merken wo der Has läuft, 
Wü der ilas im Pfefl'er liegt u. s, w. Das auf dem Felde arbeitende 
Volk treibt mit ibm liberall seinen Suherz. Die Schwaben zwiseheu 
lUor und Lech rufen ihm zu: Has, Has Langolir, leg mir vor! Die am 
Boticnaee: Lua, lua, der Ha»! Die an der Donau: Has, Has, Langohr, 
givbat ein guten Tambor! Andere rufen ihm andere, schlimmere An- 
zUgUtihkeiten nach, denn jeder Hirteubube und jeder Knecht sinnt 
darauf, dem davoi;^agendei) Hasen eiupe anzuhangen. Wo ein guter 
infall fehlt, wird der Hase wenigstens mittelst des ausgestreckten 
lieustiels und eines knallnachahmeuden Bumma I zu erschrecken ge- 
• iJiipht esnug damit, er muli den Hexen seine Uestalt leihen, 
' ~ . das Kraut a\ihesfteu V«\övft\i, "vctw« 



320 MICHEL BÜCK 

mit drei Beinen omherrennend die frommen Bäuerinnen in Schi 
setzen, daß sie mit hasenschartigen Eandem niederkommen ui( 
gleichen Unfiihren mehr treiben. Bei den nichthexenden alten Wi 
dient sein Wedel als Fingerwärmer im Handschah, mit dem Hast 
vor dem Gesichte gehen unsere Bursche als Pelzmärte im DorJ 
u. s. w. Wer erinnerte sich endlich nicht mit einiger Wehmut 
Zeit, da ein „seidehasenhärener Hut*^ das schönste Tn^n im Schi 
lande war? So muß der arme Tropf überall herhalten, er muß „ 
und Has^ sein und wenn man eine Gegend recht emiedrigen 
sagt man ihr zum Spott nach, sie liege da, wo Fuchs und Ha 
ander gute Nacht sagen! 

Die größte Ehre legt der Hase als Osterhase ein. Man weil 
er zu dieser Würde als Sinnbild der fVuchtbarkeit gekonunen is 
wie das Ei auch, das er legt. Die doppeldottrigen Eier deute 
am augenscheinlichsten an, weßhalb die Henne von Gebweilei 
Anno 1272 täglich zwei doppeldottrige Eier legte, in die Chrc 
gekommen ist Vgl. Merian Topogr. des Eis. S. 19. Aus der 
Ursache muß der Gansloser Schultheiß auf einem gefundenen ( 
den Gemeindehasen ausbrüten. Und als er einnickend rücklings i 
Ei und die Hecke sitzt, rumpelt ein Hase aus dem Busch, dei 
Schultheiß freudebewegt nachruft: Potz Blitz! Btteble, kennst den 
Vatter ett? woidle komm dohear! Ein Streich der den Oben 
und Bopfingem gleichfalls nachgesagt wird. Nicht minder in de 
nung ist es, wenn die Kißlegger Hebamme ihre Kinder aus dem H 
nest holt 

Von dieser Seite her betrachtet, macht der Hase den Ein 
eines abgesetzten alten m3rthischen Wesens. Wie viele yorchrii 
Deutschthümer mußten sich vor dem Sonnenlichte des Christel 
in scheinbar sinnlose Eonderreime, in harmlose Volksräthsel| in 
hafte Redensarten flüchten, um dort ihre letzte Ruhestätte zu ! 
Nehelennia mit dem Hasen versinnbildlicht^ wie bekannt ist, die F 
barkeit, als Erdgöttin mit dem Hasen. Möglicherweise lebt diese i 
deutsche Erdmutter auch in Oberdeutschland fort Wenigstens 
ich unter den Bauern den aufiälligen Glauben an eine Has^ni 
Wer diese zufUlig schieße, verderbe sich die Jagd auf Jahre 1 
An ihr hänge das Glück wie am Schnittlauchkönig. Ob die ( 
den Hasen wegen dieser seiner Mutterschaft fiir unrein hielten od< 
man damals schon wußte, was unsere Jäger behaupten, daß er 
JtAmmeizeit öfters an den fVanzosen leide, ist schwer zu sagen 
das classiBcbe Alterthum von Wuw w^XvÄXftiv, %xää\. tsäxl vbl "«»0« 



DER SCHWANK VON DEN SIEBEN SCHWABEN 

1 Hederich. Nach Petersen (Germania XV. 123) soll sich zu Thunges^ 
in der Schfreiz eine Kirche „Unserer lieben Frau anm Hasen" 
Mir ist aber diu* ein ThUngenthal im ktinigl. wOrt. Oberamt 
il bekannt, woselbst sich io der Sakristei ein gemaltes Muttergottes- 
t befindet, zu dessen FllsKen ein Hase sitzt. Maa erzählt dazu: es 
te einst ein Schenk von Limpurg, dem ThUngenthal gehört, auf 
r Jagd einen Hasen verfolgt. In der Noth sei letzterer in die Kirche 
laufen und habe sieb gleichsam Hilfe suchend an das im Winkel 
hende Muttergottesbild angeschmiegt. Üer Schenk, von diesem Än- 
ek gerilbrt, hätte den Hasen wieder laufen und das fragliche Bild 
der Sakristei maleu lassen. 

Zu den sieben Schwaben steht der Hase sicherlich nur in seiner 
i Eigenschaft, nämlich als friedfertiger, furchtsamer Vermehrer 
nes äeschleuhts, in Beziehung. Eiu schneller Üase ist im l'arzival 
■19) ein Vorbild der Furchtsamkeit, das zaghafte Weib wird im 
Ben Heinrich als eines hasen genöz bezeichnet, haaenwer beiUt die 
•Mt im Ring des Heinrich von Wittenweiler und vor der Schlacht 
; Sempacb durfte der Herr von Ochsenstein zu dem von Hasenburg, 
• zur Vorsicht raahiitt;, sagen: Hasenburg, hasenherzi Ftlr den 
T der Hase stets ein schlechter Angang und heute noch 
tt ea achief, „wenn einem ein Hase über den Weg läuft." Gleich 
batem und alten Weibern war er uukriegerisch und darum ein 
ilimmes Begegnisa. In der Zeit zwischen 1.Ö4S und r>2 sollten die 
iwSbischeu Reich sstildte viel l.ngemacb von einem zweibeinigen 
wn, nämlich dem kaiserlichen itatlie Haas erdulden. Der hatte 
t die alten freisinnigen Stadträthe abzusetzen und reformations- 
ndliche Räthe einzusetzen. Sogleich bemächtigte sich der Volkswitz 
Bea Namens. Die von ihm eingesetzten Räthe hieli man nHuseuräthi;'' 
[ vom Kaiser sagte man: „er lassL- durch den Hasen die Zunü- 
r auffressen." Zimmer'sehe Chronik 4, 23. 

Der berühmte sieben Mannslängen, d. i. siebenmal sieben Schuh 
wende Schwabenspieli wird mit dem eroberten Däumling des Por- 
ten in dem Kircblein „zum schwäbischen Heiland" aufgehangen, 
I einstens des htlmen Siegfrieds Speer zu Worms und der wach- 
Ideme Spieli des Riesen Hajmon zu Ambras. Heutzutage ist nur 
I der große Herrgott von Bilatingen spricli wörtlich , zu dem flbri- 
I die Weiber, welche über ihi-e Männer zu klagen haben, kein 
8 Zutrauen besitzen, „da er halt auch ein Mannsbild sei und 
veläre doch alle zuannimenlu-lfen!'^ Ob nicht eines der riesigen 
oke zu Hohen Lodnian atii See Au\a\l> iia.\i. ifevi 'Ä^\'i*i ig^'^'fÄa- 



^ 



322 ADOLF WOLF 

in der dortigen Gegend zu suchen? Möglicherweise ist Si JQtM 
Panner^ das die Schwaben zu tragen hatten und dessen Vorrechte U 
von Bodman im Jahre 1392 so tapfer verfocht, zu dem allen mU 
Schwaben gemeinsamen Spieß herabgewürdigt worden , dann hit vU 
leicht auch das „Hasen -Panner^ der schwäbischen Tafelrunde eW 
nur auf St Jörgens Panner anspitzen wollen. 

AULENDORF, im Herbstmonat 1871. 



ZWEI DEUTSCHE MÄHRCHEN IN EINEM 
SCHWANKBUCHE DES XVHL JAHRHUNDEKR 

Die k. k. Hof bibliothek in Wien besitzt seit Kurzem ein Sdund 
buch des 18. Jahrhunderts , welches den Titel ftihrt: Die | Ladied 

Schule^ I Das ist: | Auserlesene, rare und kurtz- | weilige, Hirt 

rien, I ... in Druck gegeben | Von | Georg Christoph Ruckard , j Bai, 
Verlegts Joh. Ändr. Scheuer. 1736. | Dieses Buch in 12*, mit eino 
Titelkupfer, Titelblatt^ einer nicht paginierten Vorrede von zwei Seik 
und 306 paginierten Seiten, ist ohne Zweifel sehr selten, da idii 
keinem bibliographischen Nachschlagewerke eine Erwähnung deneb 
finden konnte; es wurde dem Dialecte und der Localiaienmg nadii 
Schwäbisch-Hall gedruckt, wo damals ähnliche Werke zu erscheÖM 
pflegten (vgl. das weiter unten anzuführende Vademecnm) und oitU 
213 Oeschichten, Anekdoten u. s. w., von denen die meisten ans di 
älteren Bflchem ähnlichen Schlages entnommen sind. So wird i. ] 
No. XXI von einem Rabi Ben Salomon von Prag die Sage von de 
Juden von Venedig berichtet, No. LXXVH und LXXVDDE ersdü« 
Lalenburger Streiche von den Bauern von Oanßlosen, No. CXXXl 
ist die Erzählung von der Matrone von Ephesus u. s. w. uns inten 
sieren aber namentlich zwei Mährchen^ die aus den Eander- und Hai 
mährchen der Brüder Ghrimm allbekannten No. 61 DasBfirle« 
No. 98 Doctor Allwissend, welche sich in ziemlich abweichend 
Versionen in diesem Buche befinden. Wir glauben, es wird Manch 
nicht unwillkommen sein, wenn wir diese beiden Mährchen hier wo 
getreu hersetzen. Das Mährchen vom Bürle steht ab Nummer CXI 
S. 219-231: 

„Vorzeiten wäre ein Bauer, der hatte einen Sohn, welcher sc 
mütbwillig wäre. Als nun der VaXtoc ^^^Vyf^XL^ %l<^oi2^ der Sohn all* 




ZWEI DEUTSCHE BIÄHBCHEN. 323 

bAey Schalckheit an^ und tbäte denen Bauren in seinem Dorff grossen 

PHBohrnden zafbgen, so daß sie auch sich genöthiget sahen , ihm gleich- 

pAdb Schaden zu thun, daß sie ihn aus dem Dorff bringen möchten. 

rim waren die Bauren einmals mit einander einig , und Schäften an, 

^ß dem Einhim (so hieß er mit Namen) des Nachts sein Backofen 

igeworffen ward, vermeinten, er solle kein Brod mehr bachen, die- 

eil er nicht viel Übriges hatte, ihm auch keinen mehr bauen kunte, 

wolte ihm auch keiner von seinen Nachbarn vergönnen, daß er in 

»«mem Ofen bachen thäte, wolten ihn also auf diese Art vertreiben, 

gescheid waren sie. Der gute Einhim gedachte, ich hab ofit hören 

;en, was man gen Augspurg bringet, das gilt alles Oeld, und nahm 

rothen Leimen von dem Ofen, stieß den aufe allerschönest und 

^^^kinest, thäte solchen in ein ledern Säcklein, gienge also damit auf 

Jkugspurg zu, und kehrete bey einer Wirihin, welche eine Wittwe war, 

i^jmr Herberg ein, diese hatte nur eine einige Tochter, mit derer hielte 

also Hauß. Nun thäte der gute Einhim eins, und sprach zu der 

-"Wirthin, hebt mir das Säcklein fein fleißig auf, daß mir kein Schade 

geschiehet, denn es stünde sonst mein Verderben darauf, und 

mÜBste entlauffen. Da sprach die Wirthin: Ey mein lieber Freund, 

dflrffi kein Sorg haben, und wann das lauter schön gemahlen Gold 

80 solte euch kein Statlblein darvon kommen. Als nun der Ein- 

i^-^Um schlaffen gegangen war, gedachte die Tochter, was hat er nur im 

1^ ''Siek, daß ers so theuer und wohl befiehlt, gieng hin, und machte den 

^ Sick auf, da fände sie den Leimen, und meinte nicht änderst, als es 

^ ^Wire lauter gemahlen Oold, lieffe zu der Mutter und sprach: Warlich, 

r| ^ ist lauter gemahlen Oold in dem Sack, die Mutter besähe es auch, 

tnd meinte, es wäre ihm also: sprach derohalben zu ihrer Tochter: 

^- ^alt, ich wills auslären, und will ihm schwartze Pfennige darein thun, 

%r wird ea morgen nicht mercken. 

Als nun des Meißens der gute Einhim aufstund, hieß die Wirthin 
Uurer Tochter, sie solte ihm seinen Sack geben, da brachte sie ihm 
den Sack mit den schwartzen Pfenningen, er sähe wol, daß er nicht 
^e vorhin gewesen wäre, schwiege still, dankte der Wirthin umb ihre 
fierberg, und zog nach Hauß. Als er ftir das Thor kam, band er seinen 
Sack auf, den er voller schwartzen Pfenning fände, da wurde er von 
Heiizen froh, gieng heim, und sprach zu denen Bauren in seinem 
Dorff: Botz tausend, wie habt ihr mir eine Schalckheit bewiesen, daß 
ihr mir meinen Backofen eingeworffen, jetzt hab ich einen Sack voller 
Pfenning daraus gelößt, ich kan wol einen andern machen, das ver- 
droß die Bauren^ und fragten ihn, wo er fte\T\e Exd^ ^&&x \jRsa&s^'^^^^- 




324 ADOLF WOLF 

kaufit hätte? Da sprach er: Zu Augspurg lößt man aus aller Wi 
Geld; die Bauren giengen heim, und schlugen alle ihre Backöftn 
fuhren mit grossen Wägen gen Augspurg, und yermeinten, sie 
viel Geld heraus bringen, und hielten auf dem Berlach, es käme 
niemand, der darum kaufite, sie hielten biü Nachmittage, lößten 
kein Geld, deß waren sie sehr zornig, und fuhren wieder zur 
hinauß, fuhren auch die gantze Nacht, biß sie wieder nach Hauß 
hungerig und durstig, auch die Roß müdt und matt, da woidco 
dem Einhirn noch feinder, weiten ihn gar umbringen, und 
Der Lauer hat uns beschissen, wie sollen wir ihm nur thun, diA 
ihn bezahlen, und giengen mit einander zu Rath. 

Nun hatte der gute Einhirn eine Kühe, die trieb man tiu 

anderen Kühen, die weiten sie ihm erschlagen, welches sie dann 

thaten. Da der gute Einhirn die Kühe also todt fände, fluchte er 

nicht, und sähe wol, wo es herkäme, schindete derowegen seine Ki 

und gienge wieder auf Augspurg zu, da bekam er aber eine giil 

Beut. Als er nun auf dem Berlach stand, und seine Haut &ii hitt^j 

da käme ein alter Lederer oder Gerber, und fragte, wie er iha A 

Haut wolte geben? Da böte er sie um zween Gulden, wurden iick 

des Kauffis eins, daß er ihm solte fiinff und zwantzig Batzen danrnkgi-l:» 

ben. Nun muste der Lederer noch etwas ausrichten, daß er nidit gU^I 

hingehen kunte, sprach derowegen zum Einhirn, höre Bauer, gdie^l 

frage auf dem Mittellech nach einem Lederer, so wird man dir 

Hauß zeigen, das sieht also, gab ihm damit alle Wahrseichen, 

sagte, warte nur meiner, ich will bald kommen, und dich 

stellen ; da gieng der gute Einhirn dahin, und fände, wie ihm dar 

gesagt Der alte Lederer hatte ein schön junges Weib, als sie nniB — ^ 

Bauren sähe, daß er jung und stark wäre, auch sich aU^ bey ^ 

befände, fienge sie an mit ihm vertrafüich zu reden, und spi^" 

Lieber Bauer, was wäre es, wenn ihr mir ein kleines Dienstlein dr^^-^ 

der Einhirn verstünde ihren Willen, und willfahrete ihrem 

gehren. Als er fertig ward, sagte er : Frau, jetzt wann euer Mann kor 

so will ichs ihm sagen , daß ihr so leichtfertig seid , und so bald 

unter einen Frembden legt. Da antwortete die Frau, ach nein, 

nicht, ihr brächtet mich sonst von haüßlichen Ehren, und in eine ^^^ P 

Schande vor meinen Freunden; Ich will euch hundert Gulden f^^^Sr 

und kommet wieder wann ihr wolt, nehmet ein Haut zum Fürr ^^ 

ich will euch allezeit gar willig seyn. Der gute Einhirn nahm da^^^^ ^ 
und wartete biß der Mann kam, der gab ihm auch fbnff und 
Batzen^ aJso zohe er wiederum ^räieu N^ ^^, 




ZWEI DEUTSCHE MÄHKCHEN. 

Als der EiDlürn heim kumt:, sprach er zu seinen Nachbauren: 
1 wie habt ihr mir eine Schaickheit gethau, daU ihr mir habt mciae 
) erscblitgen, jetzt hab icli au» der Haut hundert Gulden gelOet, 
1 seigete ihnen hiemit das Geld, das thjlt ihuen erst recht zorn, 
UbteiiB und giengen heim, schlugen alle ihre Rühe zu totU, achun- 
, nahmen die Haut, und führten sie wieder auf Augspurg, und 
I «e allda fail. Da kamen dann die Lederer, und woUen Haut 
m, wann sie dann einen Bauren fragten, wie theuer die Haut, 
prach er um hundert Gulden, und dann der ander auch also, bill auf 
KD letzten, da sprachen die Lederer: Wir glauben, die Bauren scynd 
losinnig, oder sie meynen wir sind Narren , dali sie eine Haut umb 
tndcrt Gniden bieten, spotteten ihrer, und faillMon nur desto öffter, 
nd legton einem jeden hundert und filnffHeÜfr darauf, oder hundert 
rentKor, deU wurden die Bauren sehr zornig, und wollen nun den 
diim gar ausrotten, daß er sie erst auch nmb ihre Küh gebracht. 
Nun liattt' der Einhim eine gute alte Mutter, da fielen die Bauren 
t sein Hauli. und wollen ihn umbringen, ku allem Glück war er nicht 
lelilugcn sie ihm seine gute alte Mutter zu todt, und giengen 
riedor davon. Als er heim kam, fände er seine Mutter also todt liegen, 
B gedachte er wol, wer es gothan hätte, nahm »eine Mutter aUo er- 
arret, trug sie weit buk dem Dnrff, und lainets an ein Stauden, da 
un von weitem ein Wein-Fuhrmann gefahren, der hatte vier starke 
ford, und ein gut Fuder Wein, das hatte der Einbini ersehen, nähme 
eine Mutt«r, und stellele sie geschwind mitten im Weg, ehe sein der 
Tohrmann innen ward, versteckte sich wieder hinter die Stauden, und 
rolte sehen wie es gehen würde. Als der Fuhrmann nun daher führe, 
»he er die Frau im Wcgo stehen, und wie sie nicht weichen wolte, 
diryc er holla Frau geht weg, oder ich fahre über euch, aber die 
^ran wolte nieht wciehen, und thjlte eben als iijtrte sie es nicht, wie 
I dann auch so wäre, der Fuhrmann u-urde zornig, und sprach: daß 
Üoh Gntl schände, wilt du mich erat vexieren, und mein spotleu, peitschte 
«f aeinc Pferde, und führe das todte Weib uuib, und gleich über sie 
B, das salic der Einhirn, wischte hinter dem Zaun herfllr, und sagte: 
r dii Schelm, da hast mir meine Mutter ?.\\ todt gel'ahren, du must 
f einem Itad urfaulen, der Fuhrmann meinte, es wären ihrer mehr 
., flcliDitte seinem Sattel-Pferd die Streng ab, und ritte eilends dar 
'* nalim der Kiiiliini seine Mutter, und begrübe sie, saß auf das 
führte dl ij Wagen mit Wein in sein DorfT, vexierte die 
^4* • i^J '^er grossen Thorheit, daß ihr mir meine Muttor 
i JiaC man mir drey Rot vraÄ ft-o-w ""^ *%ea. 



^^^ 



326 ADOLF WOLF 

Wein danun gegeben; da wollten die Bauren gar toll worden, nahm« 
iiiTi gefangen, und rathsehlagten , wie sie doch nnr seiner abkifm«^ 
hielten ihn gcföDglich biß an den Morgen, da giengen sie zu RstÜ, 
und wollen den guten Einlürn ertrÄnken, schoben ihn in einen Sjick, 
und trugen ihn auf die Brücken, dann der Lech floß vor dem Dorf 
hin. Als sie nun also stunden, und wollten ihn in das Wasser werffen, 
fieng ein alter Bauer an und sprach : Ey sollen wir dann gleich 
frühe einen Tod vollbringen, und sind noch nicht in der Kirche p;- 
weBen, wir wollen zuvor in die Kirche gehen, und dam Einhjm » 
lang im Sack liegen lassen. Als sie dahin giengeo, und der Einhim 
hörte, daÜ keiner nicht mehr da war, schrye er fUr und für, ich n^ 
CB nicht lernen, ich will es nicht lernen. 

Als nun der gute Einhim also im Sack atacke, schicketc e» sitk 
ungcfehr, daß ein Saü-Treiber einen Hauffen SaUe triebe, der hflrota 
das Schreyen, und dachte, was ist es doch, das er nicht lernen wäl, 
gienge hinzu, und fragte, was wilt du nicht lernen? Da antwort«tB 
Einhirn, ach da will mein Vatter einen Gold-Schmidt aus mir maclini, 
und ich mag und will keiner werden; sprach der Saütreiber, wie 
weit ichs so gern lernen, wann man es mich nur lernen liesse; P» 
sprach der Einhim, lieber kreuch du in den Sack, wann dann tnMB 
Vattor kommet, wird er dich an statt meiner das Gold- Schmidt- Hwril- 
werck lernen lassen. Der einfältige Satttreiber lioÜ sich überreden, 
machte den Sack auf, ließ den Einhirn heraus, und kroch an sUlt 
setner hinein, der Einhim knUpfRe den Sack zu, und ließ den Sad- 
trcibor also liegen, und trieb die vSatle den Lech hinab. Als nun ^' 
Bauren von der Kirchen kamen, wurffen sie den Salltretber in du 
WaBBcr und ertränckten ihn. 

Als es nun Abend wurde, käme der gute Einhim wiedpr mit dm 
Sauen, da verwunderten sich die Bauren sehr, und meinten, er triebe 
die SaUe aus dem Wasser, giengen wieder miteinander zu Rath, mA 
boechlossen, sie weiten einen in das Wasaer worffen, und wann er an 
Boden etwas sehen thäte, sollte er die HUnde über sich werffwi, Mj 
wollten sie alle miteinander hineinspringen, auff daß ein jeder aovi« 
SaUe bekomme. Als der Bauer hinein käme (verstehe in das Wasser)^ 
eahe er nichts dann Wasser, und wolte ertrinken, da warff er die HinJl 
tlber sich, und vermeinte, sie sotten ihm helfen, veretmider 
er sehe einen Hauffen Salle, sprangen derowcgen 
crsatlfften sich selber, und brachten Di'' 

LAIso gcschiehet es gemeiniglich den 
Orabf? graben, and zuletzt selber i 
fo aie den Eiubim aus dem Uorfl k 




ZWEI DEUTSCHE MAHRCHKN. 

«y, irußten abor nicht, ilftß er sie alle würde uro Leib und Leben 
ringea: Wie dann auf eine Zeit anch ein Weib dachte, wann »ic nur 
m-n Mann alle Tag verklaprte, so müßte er darnach thun was sie 
'oUte, ea gienge aber doch einen gantz andern Weg." 

Das Mshrchen hat in dieser Fassung am meisten Ahnüclikcil mit 
er dritten in den Anmerkungen zu Grimm KM. (Bd. 3 S. 107 ff.) an. 
fefhbrten Version, in diT das BUrte Herr Hände heißt. Ob in dem 
Einbirn unseres Mährchens nicht ein Anklang an den ITnihns 
:e (a. Grinra u. Schmcller, Lat Qeä. S. 354 ff.) mag dahingoetcllt 
bäbeo. 

Das zweite Mährchen ist die Nummer CLIX. S. 239—245 der 
■acJjenden Schide. 

■ „Ein gewiBBor lustiger Bauer wurde Grillet genennet (Grillen ist 
b kleines Thieriein, welches schreyet bey der Nacht in denen Caminen), 
'eilen er Begierde hatte sich lustig zu machen, besonne er sicli durch 
las Land zu lauffen, und einen Walirsagcr abzugeben, und sagte allen- 
alben, er kiiiine alle Sachen erratlien, wofern er nur 3. ganlze. Tag 
ing würde von Moi^n an biß auf den Abend, von den besten Speisen, 
nd von den herrlichsten Wein, den man wird ßnden können, tractirt 
rerdon. Er reiste mit dieser Resolution ab, und kam in ein Land an, 
llwo eine vornehme Dame hatte einen schönen Diamanten -King ver- 
jhren (es hatten ihn aber 3. Laqueyen gestohlen). Als nun diese Dame 
kOretc, daß ein Wahrsager wäre ankonunen, ward sie sehr erfreuet; 
•Sic schicktA gleich zu ihm, und ließ ihn höhten, fragte ihn: ob er ihr 
Mjjcn könnte, wo ihr diamantener Ring wäre hingekommen? Der 
Wahrsager sprach zu ihr: freylich ja, er wolle und könne ihr solches 
gw leicht sagen, abor solches könne nicht eher geschehen, als in etwas 
Zi'it, und einige Unkosten; Sie fragte; wie lange er denn Zeit begehrte, 
nnd was vor Unkosten man thun müste; Da sagte er: Er begehrte 
3. Tage, in wahrenden Tagen aber, verlangte er von Morgen an biß 
auf den Abend prächtig tractiret zu werden, sonsten könnte er nicht 
iten Propheüschen Geist zum Wahrsagen haben; Diese Dame welche 
whr reich war, nnd diese Unkoslen nicht achtete, befahl gleich ihrem 
Uofmeiater ihm zu gehen, alle diese Speise, die er begehren würde. 
£r w*rd darauf in ein Zimmer geRlbret, man gab ihm zu Nachts zu 
— -' — aber dasselbige Abend-Essen ward nicht mit seinen 3. Mahl- 
let, welches sollte 3, gantze Tag lang, wSren. Als er sich 
,te, veriiieynten die 3. Laqueyen welche hatten den 
gestohlen, niclit anderster, als daß der Wahrsager 
iel gewesen seyn, und der ihm. wi\äift% ^'Kft»^\&^^^ 



328 ADOLF WOLF, ZWEI DEUTSCHE MÄHRCHBN. 

und glaubten, er wird solches offenbahren, nachdem sie hatten 
einander Rath gehalten, entschlossen sie sich, biß daß diese 3. 
wftren vorbey gegangen; solches mit abzuwarten, es wurde aber 
fohlen ; daß einer von ihnen den Herrn Wahrsager moste bey 
ersten Mahlzeit aufwarten, sobald es nun Tag war, setzte er sidi 
Tafel, und wurde ihme wie einem vornehmen Herrn au%ewartet ml 
bedienet; der Laquey welcher ihm aufwartete, nahm wohl Achtimg ni 
alle seine Thaten, und wäre sehr fleißig, ihme Trincken einzosdiendui 
und zu geben: Als er nun sehr satt war, so begehrte er aich niete 
zu legen, und ungefehr warff er die Augen auf diesen Laquey, ml 
sagte überlaut: Sehet, daist schon einer! Dieser Laquey glaubte, dat 
dieser Wahrsager wollte sagen, sehet, da ist schon einer von dflaen 
3. Dieben, welcher den Diamant gestohlen hat, alleine seine Meynoog 
des Wahrsagers war änderst, dann er wollte nur sagen: Nun leji 
gelobet, sehet da ist schon einer, von denen 3. Mahlzeiten, wdche 'nk 
so sehr gewünschet habe, welches nun Ursach wäre, daß dieser ame 
Laquey gantz bestürtzt wurde, gienge hin, solches seinen Cammeradei 
zu sagen, und crzehlte ihnen, was ihm begegnet wäre, and veraichate 
sie, daß ihr Raub entdeckt würde: Sie fiengen an ihr Glewiasen sa 
bedencken, und entschlossen miteinander, damit sie noch besser Er 
leuterung davon bekommen möchten, daß einer aus ihnen zweyen sollte 
gehen, ihm nun aufzuwarten: Als nun des andern morgenden TagH^ 1 
man wieder aniieng den Herrn Grillet, oder Wahrsager zu speissB, ' 
welcher noch besser bedient wurde, als auf das erste mahl, nach der 
Mahlzeit, als er nun wollte schlaffen gehen, und da er in seiner KamiMr 
war, sagte er gantz laut: Nun sei Danck, da seynd schon zwey; D« 
Laquey kam alsobald seinen Cammeraden diese böse Bottschaft si 
bringen, und glaubte wie der erste Cammerad, daß der Wahrsager 
solches seinetwegen redet, beschlossen sie gleichwohl noch einmaU im 
dritten zu schicken, daß er den Wahrsager solle bey der Taffei auf- 
warten, und nach dieser Zeitung, die er ihnen würde bringen, wollten 
sie sehen, was sie alle drey miteinander alsdann thun sollten: Des 
andern Tags deckte man von neuem die Tafel, und man tractirte ihn 
gleich wie zuvor. Die Dame hatte so große Sorge über ihren Wahr 
sager, daß sie offtmals hinschickte, wie es um ihn stünde, tmd ob man 
ihm wohl tractirte; der dritte Laquey, welcher vor Furcht zittertet 
bildete sich ein, daß bey einem jedenmahl, wenn er zu trincken be- 
gehrte, er ihm trohete, als er nun hatte zu Nacht gegessen, so danokete 
er den lieben Gott^ und am Ende seines Gebets, fieng er überlavt an 
zo sagen: Nun sey Danck, da «e;yn^ «\^ «J\^ ^^^1^ v!h wilnachete auf 






EBN8T WILKEN, ZUM IIUSPILLI. 329 

kr Welt nichts anderster, ich bin anjetzo zufrieden. Du mein Freund^ 
i^te er inm Laquey: sage zu der Dame, daß ich werde die Ehre 
itben, sie zu besuchen ; Als nun der Laquey alles dieses seinen Cam- 
xeraden hatte erzehlet, so glaubten sie nicht änderst, der Wahrsager 
Ürde nun jetzt hin zu ihrer Dame gehen, und es offenbahren, daß 
^ den Diamanten-Ring gestohlen hätten, und nun hencken miisten: 
Hir Forcht wüsten sie nicht, was sie thun sollten, nahmen wiederum 
Qn Ring, thaten vor der Dame einen Fußfall, und gaben ihr den Ring 
nieder; Alleine die Dame Hesse gleich den Wahrsager sagen, man hätte 
tf den Diamant nun wieder gebracht, und ließ die drey Laquey en 
Bit Spieß-Ruthen peitschen.*' 

Die gereimte Erzählung, welche in der Abendzeitung für 1819 
Qrimm E^. 3, 179) steht, scheint mit der vorstehenden dürftigen 
reraion ziemlich übereinzustimmen ; erwähnt zu werden verdient auch, 
Aß in der Erzählung im Casseler Boten f. 1822 (Grimm, 1. c.) der 
Ülwissende Felix Gritte heißt, welcher Name vielleicht nur ein Miß- 
«rständniss ftLr Grillet ist. 

Die Wiener Hofbibliothek hat gleichfalls in jüngster Zeit eine 
ker vorstehenden sehr ähnliche Sammlung erworben, wie denn viele 
Jesehichten fast wörtlich in beiden vorkommen. Der Titel derselben 
sk: Etwas ftir Alle | in einer eingemachten | ALLABATRITTA | Oder ; 

Lustigen Gesellschaft, | ans Liecht gebracht | Von | Erhard Michael 

grendenbery . | Hall, | Bey Johann Andreas Scharff. 1731. ,' (12^ 288 S. 
■. Titelkupfer.) Diese ebenso den Bibliographen unbekannt gebliebene 
Simmlung enthält 298 Nummern. Die Nummer 228 (S. 137—163) gibt 
Wer der Überschrift: Ein artliches Gedichte, Nicolai Machiavelli, vom 
Ertz-Teufiel Belfagor etc. eine Übersetzung des Belfagor und Nr. 270 
S. 236 — 248) ist eine Übersetzung des Mährchens die Puppe (La poa- 
'da) von Straparola (Notte 5. 2.). 

WIEN, im April 1872. ADOLF WOLF. 



ZUM MÜSPILLI. 

Ein Ordnungsversuch. 



Die zuerst von Bartsch mit Erfolg begonnene Kritik des sog. 
fuspilli ist meines Erachtcns noch immer zu keinem befriedigenden 
Lbschluß gelangt Bei der letzten Besprechung des Gegenstandes 
Qerm. XVI^121 fg.) scheint das „dogmatisclve" l\i\AX^%%^ äsä ,Jkcv- 



330 ERN8T WILKEM 

tische" überwogen zu haben: was in kritischer Beziehung nen vei 
wird, z. B. die Streichung von V. 58—62 (Müll,), ist doch wohl 
zur Genüge motiviert In sachlicher Beziehung kann ich mit dem Vi 
jenes Aufsatzes eher übereinstimmen, wenigstens mit dem S. 153 a. i. 
ausgeftlhrten Standpunkt, daß der Dichter des Muspilli gegeben 
was (kirchlicher) Glaube gewesen, doch in volksthümlicher Form, 
man mit Sicherheit von deutscher^ aber nur angewiss von heidnisdier 
Auffassung reden dtlrfe. Dagegen möchte in dem Schlußsatz S. IM 
wieder etwas zu viel gesagt sein. 

Auf die Widersprüche in der Behandlung des Schicksals i& 
Seele ist S. 123 fg. mit Recht neues Gewicht gelegt, doch möchte idk 
die Schwierigkeit, das Ganze einem Dichter zuzuschreiben , weniger 
darin finden, daß die beiden differierenden Ansichten der Dogmstibr 
über ein entweder sogleich nach dem Tode des Einzelnen oder ertt 
am jüngsten Tage über Alle ergehendes Gericht oder auch eine zwie- 
fache, aber verschiedenartige Entscheidung in unserm Gedicht cot- 
fundiert erscheinen — denn die Einheit der Zeit (und des Ortes) Im! 
nur (tar geschulte Kunstdichter Bedeutung, während die freie poetiselM 
Phantasie Vergangenheit der Gegenwart, und dieser auch die Zukinft 
gleichzusetzen liebt*). Versetzte sich der Dichter lebhaft in die ZvkmAt 
so fiel Einst und Jetzt zusammen, und wer einem Gedicht poetiM^ 
Freiheiten zugesteht, würde auch das wohl hinnehmen, daß einige 
Menschen gleich nach dem Tode, andere erst nach längerem SdiU 
(im Grabe) gerichtet würden. Auf dogmatische Subtilitäten kommt ei 
dem Muspilli-Dichter überhaupt nicht an, wie auch a. a. O. S. 15S 
oben mit den Worten: „Um das Alles kümmert sich unser Dichter 
nicht"* eingeräumt zu sein scheint. 

Dagegen wäre die Vorftlhrung eines Seelengerichts, das eisbA 
als Kampf zwischen Engeln und Teufeln um die Seele erscheint^ nebe» 
der förmlichen Weise eines Weltgerichts, wo Christus richtet, und dtf 
Teufel höchstens den Ankläger spielt, in demselben Gedichte woU 
überall befremdlich, da dann auch die Einheit der Handlang fehko 
würde, und der Versuch, jenen Kampf der Engeln und Dämonen A 1 
Vorspiel des Weltgerichts hinzustellen, im Gedicht selbst keinen Anhah 1 
findet. Das Gedicht ist also wohl nicht aus einem Guße geword^ I 

*) Bekanntlich wird im Hebräischen das Futar als ers&hlendes Tempos ▼«- 
wandt, im Gotischen steht das Praesens oft ftir's Futunim, und weitere Belege far äf 
freie AnffM8§ang der Tempora (selbst anf grammatischem Felde) geben andere abe 
Spncben, 



ZUM MUSPILLL 331 



von 



" ^fcn d die Ordnung des Textes ist ausserdem vcrwiri% da die Partie 
^?^r. 37—62 (wie jetzt ziemlich allgemein zugegeben wird) den Zusammen 
^^k«iig unterbricht Bevor ich nun eine neue kritische Anordnung ver- 
^^v^che, mögen hier noch ein paar allgemeine Bemerkungen, welche 
f ifc ojfenttich nicht unbedacht scheinen werden^ derselben Bahn zu brechen 



^l Streichung oder Ausscheidung von Versen ist bei einem so alten 

^X^enkmal nur als ultima ratio erlaubt, wenn jeder andere Ausweg 
•: f^lt In manchen Fällen wird Umstellung den Vorzug verdienen, oder 
f ^Mo d«f eine formelle Überarbeitung annehmen, wie namentlich im 
^' Sfuspüli dort, wo gereimte Verse an Stelle von stabreimenden getreten 
7 ^Snä *). — Wenn man nun unserm Gedicht einen nur volksthümlich go- 
^ Cafiten, im Grunde doch christlich kirchlichen Inhalt zuerkennt, so ist 
^. Vum auch nicht mehr berechtigt, dem ursprflnglichen Gedicht eine 
«Aische Richtung überhaupt abzusprechen, da eine Behandlung der 
-' letzten Dinge im Anschluße an die Kirchenlehren ohne eine moralische 
^ Nutzanwendung geradezu aufiällig wäre. Dagegen ist das wohl möglich, 
"^ ^kfi der moralische Standpunkt zunächst mehr praktisch-populär war, 
i" ^nd dann durch Interpolationen daneben eine mehr kirchlich-dogma- 
» tische Anschauung eingeföhrt ward. Die Ermahnung, durch Fasten 
c nd Almosen vor dem Gerichtstag Gottes Zorn zu sühnen, scheint 
^ junger und weniger nahe liegend als die andere, auf Erden recht zu 
richten, damit man auch Gottes Gericht nicht zu sehr fürchten müsse 
s^ — doch handelt es sich hier allerdings nur um Wahrscheinlichkeit. 
* Ündlich scheint mir in diesem Falle, wo der Stoff an und fbr sich 
' lUcht volksthümlich sein konnte, die Annahme mehrerer Lieder un- 
wahrscheinlich: Ein altes Lied oder Gedicht (denn gesungen ist es 
■ •chwerlich jemals worden) ward, denke ich, (vielleicht mehrfach) er- 
weitert, wobei strenger kirchliche Weisheit reichlich zu Worte kam, aber 
tolerant genug blieb, auch das Widersprechende der älteren, freier aufge. 
fassten Theile, gewissermaßen als ein Minoritätsvotum, gelten zu lassen. 
Nimmt man demnach ein älteres Gedicht an, das sich formell 
Inöglichst an die Weise des epischen Volksliedes anschloß, so scheint 
mh einzig angemessener Anfang desselben sich V. 37 (Müllenh.) dar- 
zubieten. Von dem Kampf des Elias und Antichrist gelangt der Dichter 
mit V. 50 zu lebhafter Schilderung des Weltunterganges, womit aber 



*) Der eDdreimende Vers 7 (Müllenh.) lässt sich durch Umstelloiig leicht siun 
einfmch aUiterierenden inachen, yergl. V. 66 meiner Rec, und auch V. 61, 62 sind nich^ 
albo schwer nnf sUhreimende Form surückxafübien^ ^v^X. V . ^iö^ ^^ ia»ak«t ^S>j^^^\!Ckv5sk^ 



832 ERN8T WILKEN 

ein christlicher Dichter schwerlich abschloß. Schon der so viel i 
weiß noch von Niemand gestrichene V. 57 leitet zur Betrmchtnng d 
Menschen und seines Schicksals im allgemeinen Ruin über, und i 
Steigerung zu dem vorhergegangenen Weltbrande wird der Zustai 
einer verlorenen Seele warnend vorgeführt. Die Verse 61, 62 sii 
weder überfltißiger noch gar störender Zusatz zu dem Vorhergehende 
nur die gereimte Form wird dem Bearbeiter gehören. Aber auch hi< 
brauchen wir den Faden nicht abzuschneiden. An das fast etwi 
proleptisch klingende ^sär verit st za wize" schließt sich V. 2 (MüUenh 
^wanta sär sd sih diu s&la in den sind arhevit'' eriäutemd an, und ai 
den Kampf des Elias mit dem Antichrist folgt, wenn auch vielleid 
nicht dogmatisch, so doch poetisch richtig der Kampf der Engel uo 
Teufel um die Menschensecle, die hier collectiv wie schon V. 61 ii 
die Menschenseclen im Allgemeinen zu stehen scheint Daß ich V. 
des fiberlieferten Textes hier ausscheide, wird um so weniger als Wil 
kttr erscheinen^ da auch Bartsch, der einen anderen Standpunkt eii 
nahm, ähnlich verfuhr. 

Vers 6 und 7 des überlieferten Textes verwerfe ich gleichfall 
nicht, doch unterbricht hier die Reflexion etwas störend die DarsteUnnj 
jene Verse mögen früher am Ende des alten Gedichts gestanden habei 
und mag der Reim in V. 7 auf Rechnung des Uberarbeiters kommeE 
Im Übrigen wird mein kritischer Standpunkt aus nachfolgender Rc 
cension zur Oenüge erhellen, und bemerke ich nur, daß ich strengerei 
metrischen Theorien zu genügen hier nicht bemüht sein konnte, m 
auch Fragen der Detailkritik nur nebenbei Rechnung getragen habe. - 

A) Das alte Lied (vom Elias und Antichrist, und vom Streit de 

Engel und Teufel um die Seelen). 

Daz hortih rahhon diä weroltrehtwison 
daz sculi der antichristo mit Eliase pägan. 
der warch ist kiwäfanit, wirdit denne untar in wie arhapan. 
kenfun sint so kreftic, diu kosa ist so mihhil. 
5 Elias stntit pi den ewigen lip, 
wili d^n rehtkemon daz nhhi kistarkan^ 
pidiü scal imo helfan der himiles kiwaltit. 
der antichristo stet pi dcmo altfiante, 
stet pi deroo SatanUse, der inan farscnkan scal. 
10 pidiü scal er in deru wicsteti wunt pivallan, 
enti in dcmo sinde sigalos werdan. 
doh winit des vilo uüsero gotmantio, 
daz JElias in demo wige arwartit werde, 
«Ar b6 dhz EUAsefi p\uot iiv etÖLÄ V\\xvvA\^ 



ZUM MUSPILLI. 

15 sü iupriDDfiDl di^ pergä, poiim iii kistentit ') 

einte iD erdu, abS, artruknent, i 

muor farswilhit sih, awilizot lougjö der bimil, 1 

mäno vallit, prinnit mittilagart, I 

stein ni kisteutit. vcrit deout: stüata^o in lant, 
20 wUi dar ') mit viurÜ viriho wisön. 

dSf ni mac denne niäc aüdremo lielfau vora demo muspille. 

denne daz proitä wasal allaz farprinuit, 

enti fuir enti luft iz allaz arfurpit; 

wSr ist denne diu marlia, dar man eo mit sinen mägon piec? 
'25 diu marha ist pisenffit '), pidwuQgan stet diu sela, 

ni weiz mit wiü pnaze : sär si za wtze veiit. 

wanta aar so sih diu süla in den sind arhevit, 

eoti si den tihhamun likkau liizit, 

so quimit ein heri fona himilzungalön, 
30 daz andar fona pehhe, diu pägant dar umpi sla*). — - 

ipu sia duz satanässea kiaiudi gininuit, 

daz leitit sia sfir dar iru leit wirdit, 

io fuir enti in fiustn : dazi ist rehto virinlth dinc. 

npi sia avar kihalöut die, di& dar fona himüe quenmnt, 
36 enti si dero engilö eigan wirdit, 

di6 pringent sia keim^) sär Qf in himilO rihlii, 

dar! ist up fino töd, lioht äno fiDstri, 

selida äno aorgOu, dSjr nist neoman siuli. 

detine der man iu pardisQ pü kiwinnit, 
40 hÜB in himile, dar auimit imu hiliU kinuoc. 

pidiö ist dürft miliii allero mannü welihhemo, 

daz in ea sin muut kispane, untar desen i 

daz er kotes willuii keruo tuo 

enti bellä fuir hartü wise, 
45 pehhes plna, dar piutit der satanäü altist 

lieizzan laue, so mac huckan za dit\ 

sorgen drSto der sih suottgan weiz. 

we demo in vinstrt acal Binö virinä atöen, 

prinnaii iu pehhe, daz ist relito palwtc diuc. 
!^ denne'') der mau liarH zc gote, avar imü hilfa ui quimit, 

wänit sih kinädä wenaga sSIa, 

ni ist in kihuctin himiiiscin gote, 

wanta hiar in wcrolti afier ni werkSta. 



) Du kiKtentit kehrt v. 19 aiit beiaorem Rei^lit windet, iui<l aing diiher laer 
lieh iieiu. AbuUch ist mir auch daji „priniiit miltilagart" v. IS uicht uuver- 
, tin „arbibfl mittilagart" würde ilort Kwi^chpn ,iuäno vallU" and „xUiu q; 
fa bester m schon , w-mirend v. 15 „iuprinpaut die pngä' UDverdNcbtig ist. 
') Hs. *erit mit diu fiiiru. ') Hu. fHrpninnan. And«res in V. 36, 2li ist Tod 

' Ui^wtellt. *) Hb. dar l)li[;>iit aiu unpi. V. 31 beginnt in der Hs. mit wanla. 

*)dl In der H«., toq mir aus oietrischeii Orilndcu ergüuzt. ''I LUcIih in d«i 

« nnUr demiu mJUiiiilii. ", Ha, -Inii. iUr nviiv >,\.:l«\. A\e V\-, ei,V'. 



II 



334 ERNST WILK£N, ZUM MUSPILLL 

8org6n mac diu sela, onzi diu suona arget^ 
55 za wederemo heije si werde gthalSt. ^ 

B) Erste Fortsetzung (vom Weltgericht). 

Sd denne der mahtigo khuninc das mahal kipannity 
dara scal queman chunno kiühhaz; 
denne ni kitar pamo nohhein den pan furisiz^n; 
ni allere manne welih ze demo manale sculL 
60 dftr scal er vora demo rihhe az rahhu stantan. 
pt daz er ^ in werolti kiwerköt hap@ta. 

Stdiu ist demo manne sd guot, denne er ze demo mahale quin 
az er rahhono welihha rehto arteile^ 
denne ni darf er sorgen, denne er ze dem suonu quimit 
65 ni weiz der winago man, welihhan wartä er hab^t, 
denne er mit den miaton marrit daz rehta, 
daz der tiufal d&r pt kitamit stentit, 
der hapSt in movu rahhono welihha^ 
daz der man in erdu ubiles kifrumita, 
70 daz er iz allaz kisa^et, denne er ze dem suonu quimit 
ni scolta manne nohnein miatün intfahan, 

f (möglicher Schloß) 

fnoh mein giumrchan, wanta nioman toeiz wio sär] 
72 sin tac piqueme, daz er towan scal.') — 

C) Zweite Fortsetzung (vom Weltgericht, B parallel stellend). 

So daz himilisca hom kihlütit wirdit 
enti sih der suanäri ana den sind arhevit, 
5 denne hevit sih mit imo herjo meista, 
daz ist allaz so pald, daz imo kipägan nioman mac. 
denne verit er ze dem mahalsteti, deru dir kimarchot ist, 
d^ wirdit diu suona, dia man dar io sag^ta. 
denne varant engilä uper diö marhä, 
80 wecchant deotä, wissant ze dinge; 

denne scal manne ^ilih fona deru moltu arst^n, 

lossan sih ar dero lewo vazzon, scal imo avar sin lip piqueni 

daz er sin reht allaz kirahhon muozzi, 

enti imo after sinen tatin arteilit werde — 

85 (denne der kisizzit d<'r dar snonnan scal 
enti arteilan scal tdtSn enti qaekk^n, 
denne stSt dir umpi engilo menigi, 
rehUro**) gomono gamst sd mihhiL 
dara qoimit ze dem rihtonga sd yilo dÜ dar ar resti üfantSnt) 

90 so dir manne nohhein wiht pimidan ni mac. 



*) Hb, gihaldt werde. Das raona im V. rorher gehört rielleicht dem le 
Aa&eicibner, und wSre dafür ein älteres sahha, sabhunga oder sechia oder snocb 
2a erwarten, ^) ^ Veis l des UbwW^tetXfeu Ttx\.^*. »'"^ Rvu ^otero. 



ADALBEKT JETTTELE8, MITTELDEUTSCHE PREDEOTEN, 



335 



dar sciil denn^ liant sprelihan, houpit sagen, 
allero Udo welih unzi in den luzigun ficger, 
waz or untar desen mannun meines'^) kifrumita. 
dar niat eo so listic man, der dar iowiht arliugaa niegi, 
95 daz er kitarnan me?i tätü deLheina, 

niz al vora demo knuninge kichundit werde; 
Gzzan er iz mit alamusanu ^ri ilel rehto 
end mit vastCLn diö virinä kipuazit. 

m sorge der dar kipuazit habet, denne er ze dem buodu quimit 
100 wirdit denne furi kitragan daz (rÖDO cbr&ci, 
d&r der lieligo Christ ana arbangan wart. 
denne augit er diu mäs&n, diö er in deru taennüci intfSnc, 
ddr") er durh deees mancunnes minna nh marUi/ron liaz.'*) 
GÖTTINGEN EKNST WILKEN, 



MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 

MITOETHEILT VON ADALBEKT JEITTELES. 



1 
1 



Die nachfolgenden PredigtbnichBtlicke, deren Mittheilung ich dem 
erstorbenen Regierungsrathe Herrn Josef Diemer verdanke, bestehen 
18 fünf ganzen und zwei durchschnittenen Blättern von Doppellagen 
iner sauber geschriebenen Pergamenthandscbrift des IS^ahrhnnderts 
I k]. 4°, welche aus Klagenfurt stammen soll. 

Sie behandeln im einfachen Legeqdenton die Apostel- und Heiligen- 
eachicbtc, an deren Erzählung gewöhnlich am Schlüsse ein kurzes 
lebet geknüpft ist. Nur eine einzige Predigt, die aus ÄntaH einer 
irchenweihe entstanden ist und in welcher Gott, 'die heilige Christen- 
eit, die Apostel und die Bibel symboliflch gedeutet worden, bildet 
De Ausnahme, so daÜ man sieb zu der Annahme versucht f^hlt, die 
rucliBtllcke gehörten einem Mischcodex an, worin theils Predigten, 
teils Heiligeulegen den in bunter Abwechslung eingetragen waren. 
Ibwohl bei der Beschaffenheit dieser Bruchstücke nur eine einzige 
t^digt ganz ist, scheinen sie mir dennoch theils wegen ihres Inhalts 
nd kömigen Prosastils, theils auch und hauptsächlich wegen der 
^onthUmlicb gefUrbten, stark mit mitteldeutschen Elementen durch- 
kakten Mundart der Mittbeilung wertb zu sein. 

") H«. murdes. ") Os. dia. ") CoaieetDr. 

Die Ten« 85—89 )uJl« ich fllr eine Interpolntlaii, au 84 achlisQt Bieh 9Q du<^«V 
- Yaa 78 gchBit in dieser Form wohl dem letitcu B«&t\icäWt , v\iäbx«i\A. «a^ 1» - 



336 IDALBKRT JEITTELEB 

Zur Beleuchtung des Denkmals diene folgende {^i'auimatisuha 
Charakteristik. 

I. Zur Lautlehre. 
a) Voeale. 

Hier mag vor Allem der Eigeutbarolicbkeit der H». erwähnt 
den, dftÜ sehr häufig das Zeichen ü begegnet, welches Air fol) 
Laute Verwendung findet: 1. für w>, z, B. für, aüehet, müt, gut, 
büze, zu; 2. fUr üe, z. B. vüre, vüzin, vir»ünin, gute, diwxtüle; 3. fltt 
Ü, z. B. üf, üb; 4. ftir iu, z. B. für, früni, tut, tmttt, tüvil, äütSre, 
üh, hüte, gebülia; 5. Blr U, z. ^.'vurri, küntu, t&re, mürutir, käme, 1 
ginne, ÜHIU, fiügin, viriüre, vür, ühir; (5. für n, z. B.Jüde, Jrüme, 
stünde, lüfl, umrdm, kündirt, ümme. Da dieses Schriftzeichen in dl 
Druckereien gewöhnlich mangelt oder nicht in genügender Anziihl vo 
banden und an und fUr sieh, wenigstens iu der vorliegenden Huid 
Schrift, bedeutungalüs ist, so wähle ich zur ßezeiv^^hnung dei 
Diphthonge und des langen u-Vocals das Zeichen ü, während iob 
jeneu Füllen, wo damit die kurzen Voeale u und ü bezeichnet öl 
das Zeicheu u schlechthiu als Stellvertreter gebrauche. Als fem 
vocaÜachc Eigen thUmlichkeiten stelle ich folgende zusamiiieD: 

u steht für ü In sal fUr sol 

« iür i \a hrengin, brengen, ftlr it in pfeUince, a^eite (acc lg.], 
Merten, für u in antwerte, aTtltoeniin, wofern diese Form nicht auf 
Infinitiv antwerten zurückzufahren ist 

u für o in tulich, siile, salhir, trhimin (ptc. prt). 

«ist regelmäßige Bezeichnung iUr «f. Beispiele: lege, nSvte, ^nimi, 
wene, virhSle, gewSre, rStis, brechte, itere, wSrin, tSldin, altert, Imgenm, 
■mordere, merterere, kemerere, zouiierere, zolnere, nindSi-e, toihe, gnedigt, 
wuiligin, »eUsSne. Seltener steht es für ä, z. B. grSve, schickere, orv^ 
(neben vrägen)\ manchmal f)lr m, z. B. it^lg, menis, tSdingen, mftttr (»i^heii 
meiiltfr), gerete, mtwedir. 

ä steht ausnahmsweise füv e in karte, lekärle (ueben ivkvrtr); f\lr 
ei in dntwedir; fUr w. in t/uämin (conj. prt.). 

tritt öfter H\r w ein, Z. B. in gehöret, iiiistürit, fröliche, schiki» 
(acc. ni. sg.), bSiir, grdzlr, bisweilen fUr ou: biftÖtoit, gctövit, gilähit. 

~t steht für ie in cl&t't, vl^ln, iniflihin, eich, lieht, irgin, obwohl ii 
den beiden letzten Wörtern allerdings auch kurzes i angenoinia^B IfT^ 
den kann. 

« steht für ä iu schetehert, I !büü( (nebeD 

*r iD yieaime. 



MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 

ie einigemal fUr i^ z. B. in geriecktit, siege, wUckt, lieatin, nieäir 
lal filr I in virtriebin. 
ou fÜT o in zouh (neben zök). 

Der Umlaut des korzcn u und o fehlt stetig; ausnahmsweise der 
a {lanffir). Unter den langen Vocalen und Diphthongen mangelt 
tweg der Umlaut des uo (geschrieben m), z. B, hüte (imp.), vir- 
m, muien, furin, vme, und gewöhnlich auch jener des 3 (s. oben), 
aahmeweise der des ä: gudmin. 

h) Consonanten. 
h wird öfter fllr cÄ angewendet Dreß ist z. B. der Fali in sprah, 
, Ol, tih, üh, noh, näh, ouh, durh; offenbar nur als ein Schreibfehler 
uhffe ä. i. schnffe. h steht für c in dem Worte burk (neben iure und 
th). Im Gegensatz zu dieser stellvertretenden Verwendung von h 
.andere Consonanten fehlt organisches h in einigen Wörtern, z. B. 
tort (= vorhte, 1. conj. prt.), bevttle (=^ bevülhe), beidintalbin. 

eh steht fllr c, z. B. in chriuce (neben crflce), slüch, trUch, bureh, 
ick, v^zichtiche (neben vliziclhhe) ; fltr h fast durchgehend» in dev 
iBonanz Verbindung ht, z. B. »lachte, richtSre, Rckt, vechten, mochte, 
dächte, nicht, icht u. s. w. Hingegen i^It ck fort in svie, stmlin, 
\Ulkh. 

c steht für ch in swelic (Schreibfehler?); sc für seh in ienbm, 
ft, gescack, biicoße. 
t für dm tu (einmal neben dÜ), virterbin, sentU, lante (dat. neben 
s); es mangelt in botüchaf, viirtscheffe, anwerte (neben antwerte)f 
ria(7) and zweimal in nih. 
. d iür t nach l und n, z. B. in wolde, solde, konde, gildis, geldin, 
lüdicSehe, eldir, eldim, undir u, a. 
ji statt b in inpinde, inpunde, inpundirt. 

b statt p im Auslaut mancher Wörter, z. B. gi-ah, stob, Itb, gab, 
ti, hOh; im Anlaut in bilgertm neben pHgerim. 
/statt /in il/e, bischoffis; für ß (mittelst Assimilation) in wirt- 
ft. Umgekehrt einfaches / für doppeltes in hegrifin. 
iz fllr z in wKaze, vlizziclivhe, gHkzir, üzze. 
kk iür ck in dikke, irquikkiie, ekkeateine. 

mm filr mb in umme (neben umbe), fllr einfaches m nach vorauf- 
rader Kürzung des Wurzelvocals in immir, ja selbst ohne diese 
i diphthongischer Länge in niemmir. 

Statt des Buchatabens z wird öfter c, einmal sogar es {cseickdl^ 
ibrieben, z. B. ce, dt, ceirhin, ähir\, cimmmn, Bvbmttt, 



4 



338 IDALSEBT JBITTEUB 

IL Zar Fornenlehre. 

a) Cliarakteristisch ist die Keigang za gewissen ToDeren (gezoge 
Fonnen der Dedinstion mid OoDJagatioii. So heißt der dit 
nuse: und neatr. des Artikels und Fron, der gewOlmEeh d 
der dat sg. Ton er r^elmäfiig itme, der starke Datir der A( 
tiTa endet hinfig anf -eme (ime)y z. B. «rat ffr &eü m e Gtite, wdt 
zkme here, nmeme emde. Man vergleiche femer Formen wie m 
lobüe, legeU; gdegii, gemiarleret; dwumerm; wa a er e (dat.), wo 
(dat) n« d^. 

b) Der InfinitiT endet hinfig anf e statt oi, s. B. gew^, getn 
irof/me, h^e. Übe, spreche, nähe, gedenke, gehöre, n, werde, Dk 
Wegfidl des n erstreckt sich anch anf die 1. pinr. pnus. \ 
praet. bei invertierter Wortfolge, z. B. habe wir, bame wir, gA 
wir, 9td wir, weide wir, wisase wir, Jaame wir, wtoehie wir. 

c) Der 2. Person praes. nnd praet sg. fehlt gewöhnlich das t, s. 
bis, gUdis, sihes, rStis, gAütis, beriehtis, mSius, kabis, häs, t/^ & 
heHs, bekSrtis, soUes, woUUs. 

d) Die 3. Person sg. praes. nnd 2. pl. praet ind. enden einmal 
in: hie wirldn man die steine; '- — ir hiengin m <m das crieL 
ersten Falle sdieint ein Schreibfehler obznwalten, im zw« 
Kftrzung ans int vorzuliegen. Bestätigung für letztere Anridrt 
währt die 2. pl. praes. conj. mitsüä: das ir den 9wigin Kl kn 
mGzint. 

e) Bemerkenswerth sind die Praeteritalformen sabsute, seizde, « 
(neben saJbsie). Elrstere begegnet anch in Genesis nnd Exodos 
Diem. 24, 1. 61, 4. 89, 17 u. a. O. Ffir die beiden letztmn* 
in conjunctivem Sinne gebraucht sind, gibt andere Bdegs I 
in dieser Zeitschrift lö, 139. 

f) Der nom. sg. fem. und ebenso der nom. und acc pl. neatr. 
starken Adjectivs und adjectiv. flectierten Pronomens sowie 
Artikels lautet allenthalben auf e statt auf in, z. B. dk,^i 
sie selbe, sine knie, gr^ suche, manige eeichin. Diese Ei| 
thümlichkeit steht im Gegensatz zu dem oben erwähnten Hfl 
nach volleren Formen, ist aber echt mitteldeutsch. 

m. Zur Wortbildungslehre und Syntax. 

Die meisten unbetonten e der Ableitungs- und Bildungssilb^ < 
viele der Endungen lauten i, z. B. keisir, offir, vnmdir, morgims, 
chine, unsir, grdnr, obiristin, vbüis, tüsint, JicUiin, siizin, irqaiekin, ji 
liezis, nagilie, irrüin, Wnnde, sloljinde w. ^.'s^. ^xÄ von diesem H«n 



lOTTELDEUTSCHE PRBDIQTEN. 339! 

tir « za vetwendeii; werden sogar gewisse Wurzeln ei^^rifiidn; man' 
L die Partikeln ir, vir, bi, in, das Pronomen iz, is. 

Femer mögen auch einige besondere Wort- und Schreibformen 
d seltenere oder in den mhd. Wörterbüchern mangelnde Wörter zur 
toanem Charakteristik der Hs. rerzeichnet werden: 

heidvntaUnn, hagere (m. Bogenschütze); brdstei (= hrShestei), hureh- 
1^ die (einmal fitr der, nom. sg.); dinne (= da inne), diseU (gen. sg. 
il iirre)j d4ltöre, forchten (vb.), frawede (fem.), geduldicUcke, gehSrehen, 
ioacA (praet. neben geseJiach), gewaU (fem.), geware (adj.), gmnnen 
igelmäüig ftlr geurinnen)f heidine (m.), hienir {=zjener)y ire (gen. pl. n. 
t fem. sg. von er), kumin (ptc. praet), jungire (schwm.), kimtn" 
ne (neben kuniginne)^ lebvndine, leOnn (vb. = ld>en), hüben (vb. = ge- 
^), niemcenmn (acc. sg.), niemmir, offir (stn.), quädirri (vb.), recht 
V.), riehtesch^ (n.), schieris (adv. Superlativ ftlr eehieriet?), »criben 
ben $ehriben)y ecrift (neben eehrift), sükiein, swelic (= ewdicK) 
ir« (3. prt ind.), tabele (fem.), tegeltohis, umme {=umbe), unsire 
IL pl. von ieh)f ütze (praep.), dzeme (= Hz deme), ikirthctlp (praep. 
dat.), üzwertie (adj. äußerlich), vile (neben tn'Q, virbine (Schreibfehler 
ffirderlnne), virgißnisse (ü.)» virterben (=vtrderben), vischräche {schwm.? 
(ehe verfolgender Vogel y Fischreiher?), imUemunden (vb.), vuÜestein, 
Mle (praet.), toeinmnde, wene, wenne (Conj. = wende, wände), werüde 
it fem.), wile (einmal für ml, 1. prs. sg.), wU (adv.), wole (1. prs. 
aj.), wole (adv.), züfam (vb., hinzutreten), zun (= zu den), zweir (geni) 

Endlich einige Redensarten und Constructionen : richte nemen, die 
k^ üf triben, steine wirken, zovber stellen, sich eines dinges verhüben 
att erhüben) f sich eines dinges bekennen, sich zu etwas bekennen, es 
igestehen, schaffen mit Inf. (= heizen), einen daz crüce an hdhen heizen, 
dem ^wigin ßlre gemeinit sin, zu d. ew. F. bestimmt, ftlr die Hölle 
if sein, vastenzü wazzere unt zu brdte, diz stünt sidir, das eräugnete 
dl nachmals, melden mit Gen., meinen mit Gen. (lieben), hüben mit 
sc, (glauben), sinis eigin dankis, mit isirin banden, des heiligis crüeis, 
i grdzin vUzze, mit zomigin mute, andire die farstin , alUz mmnislich 
suw, hdsifr wiecht ungetrüwir (voc), aüir ßrgiRchis (alljährlich), in 
^ stetelich (allenthalben). 

Nach diesen Vorbemerkungen lasse ich nun den Inhalt der ein* 
nen Lagen mit Ausnahme jener Eingangs erwähnten verstümmelteti 
ei Blätter in vollständiger Mittheilung folgen. Um den Charakter des 
mkmals nicht zu verwischen, habe ich außer einigen orthographischen 
iderungen fast nur in den wenigen Fällen offenbarer Verderbniss am 



340 ADALBERT JEITTELES 

Texte gebesBert, hingegen, wie sich von selbst versteht/ überaD 
Interpunction und ebenso die Qaantitätsverhftltnisse bezeichnet 
lassnngen des Schreibers sind von mir, so gut es möglieh war, 
gänzt, aber als solche jedesmal durch eckige Klammem 
hervorgehoben y Abkürzungen in den meisten Fällen au%elOBt 

1. Lage Bl. 1 da der boum vore stünt, unt slüch allis 

dir nidir, daz dar inne was unt s. M. (Martine) war ') nicht, das 
volc wart dö alliz gelöbic unt geteuft unt der tüvel wart virtribin. ei 
nätere bete ce einim male einin menschin gebizzin unt was 
unt nieman getrüwete daz er genese, alse schiere so s« M. das 
dar ubir tet, s6 vür daz virgiftnisse von deme menschin unt was 
der tüvel hete daz lüt betrogin, daz sie giengin vur ein holz, di 
ein grab, dar brächtin si ire offir unt wänden, daz ein heilige dl 
S. M. frägete dd, wie der heilige hieze. dd ne konde is in 
birichtin. dö vür s. M. dar mit sinin pfaffin unt tet sin gebet d& 
bat unsim herrin, daz er ime wolde iroffine, wer der wSre, der dftleüBi 
do iroffinite [iz] ime der almehtige got ^) unt er sach bi deme grabe 
einin tunkelin schimin einis menschin, der sprach zu ime: 
bischof, daz lüt ist harte mit mir betrogin, ich was leidir ein m( 
unt wart hie virterbit ich nehän nih gemeinis mit den merterkm.') 
mit der rede virloubitin sih die lüte des imgeloubin. dö er dd nooM 
ende hegende nähin unt wole wiste, wenner solde virscheidin, unh 
daz liez er sinin wec nicht, eme vüre da bt zu einir stat, dÄ sin brSiti 
was. die pfaffin die da wärin, die hetin ceworfin undir ein andir; A 
wolde er virsünin. aldä er reit üffe deme Stade des wazzeris, das 4 
heizit die Lire^), da sach er die vischrächin vlizin üffe deme wasiii 
unt slindin die vische. do sprach er zu sinin pfaffin: 'Sehit, diz iit «i 
bilde des tüvelis unt der armen s§le. alse diso vögele den yisdi 
Iftgint, daz sie sie virslinden, als5 lägint die tüvele den sSlen, das f 
sie virslinden unt zu deme Ewigen tode brengin.' d5 gebot er ift 
vogelin cehant, daz sie daz wazzir liezin unt irin wec flugin. dd er i 
hine zu der stat quam, da er hine wolde unt sine pfaffin hete vindn 
aldä wart er sich, daz er niht langir lebe solde. da wart michil clagii 
pfaffin unt muniche sprächin alle gemeinliche : ^herre vatir, weme lein 
du ims? die armin schäf sulin die vreislichin wolve^) vil schiere best! 
wir wizzin wole, daz dir die ^wige gn&de vil bereite ist iedoch irbam 




*) war prät. «on werren. *) aHngot *) d*e mertereren. *) lire « 

Jjrirtf *) wolv«. 



MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 34Jt 

h. ni>ir uns arme^ die dA hie l&zist* dd der heilige herre dise rede 

nam^ d5 weinite er vil sSre unt tet sin gebet unt sprah zft unsirme' 

nrm: ^herre, bin ich dime lAte noh dechein fiiimey ihne widir rede 

s erbeite nichts ich tän daz dA gebAtis. din wille der gewerde/ nftch: 

im wortin sd sach er den tAvil da bt stftn. dd sprach der gAte s. M.: 

t$ ni&& tA hiC; blAtigir wolf? dA nevindist an mir niht Abhrahämis: 

Uz aal mich intphfthin.' Mit dirre rede sd virschiet er unt fAr zA den 

fipn gn4din. O wt vil Uebin, waz sal unsir vü armin werdin, daz 

t sd heilic man den tAvil an slme ende mAste sehin? Deme gAten 

tte Ambrosien ce Meilan nnde sente Severino ce Colne, den .wart 

ßSnet sin heilige ende unt sie sfihin in ce himile fArin^). Liebin ^ nA 

&t hAte unsim herrin stuir gnftdin^ daz er uns irquicken wolle von 

üe tdde der armin sMe, alse er die tötin*) irquickin wolde durh des 

in 8. Mertinis willen, daz wir intflthin mAzen deme &wigin- t6de 

en. 

S. Andree apostoli. 

Mox ut Yocem domini praedicantis audivit beatus Andreas, relicti» 

ibuSy quorum usu actuque vivebat, eterne vite secutus est praemia 

gientenu Der gAte sanctus Andreas, des tao wir hAte begdn, der 

s sente P8tris brAdir unt unsir herre selbe bik&rte^) in, da er vAr 

ehinde. dd er unsirs herren stimme virnam, dd Üez er schif unt 

mey des er sich^) begienc, unt volgite unsirme herrin^ der ime daz Idn 

Iftch des dwigin libis. Der selbe gotis böte, der wa8 der mildeste 

m, der immir mochte werdin. den sante unsir herre ce Griechin ce 

sdigen daz gotis wort dd quam er in ein laut, daz hiez Achaia. 

stAnt ein grdze^) burchstat inne, die hiez Patras,. unt hegende d& 

1 gAten sämen ce werfene des cristinlichin geloubin unt tet da grdze 

chin, als uns die bAch sagint da irtrunkin in der habe wol nÄhe 

ne lande in deme mer drizich knappin; die warf daz mer Az unt 

irdin in die stat getragin. die irquikkite alle die gAte s. Andr&as 

a deme tdde. Andirs manige ceichin tet der heilige apostolus unt 

(irte ce gote manic tAsint des lAtes. dd was in deme lande ein burch^ 

^e, der hiez Eg^as, der hazzite die cristinheit säre. der quam ce 

tras in die stat unt begonde die cristenheit ce twingene, daz sie dio 

gote ane bettin. da widir sazto sich s. Andrdas unt sprach: 'ez wdre 

vft^, daz dA dich bekertis, wenne dA ce richt^re gesazt bist, diuz dA 

Q obiristen richtere hetis vor ougin unt liezis die abgote unt ane- 

<) farin deuilieh. *) dri totin. ') bikirte. So schreib* ich ohne B«- 

hen diue Form des prcU, in Ueheremttimmwng mit Qramm, P, 254 vmd dem deui^ 
«I WA, V, 408, 410, ^) siecb. ^) grdse unUnrhd^ *) doMkfW 



042 ADALBERT JEITTELBS 

» 

bettis den, der himil unt erdin geschiif/ des antwerte ime £{ 
jprach: ^Bis dft Andrias, der unsir gote cestörity ont rStia d 
einir bände gelonbin, den der keisir von Rome virbotin bat all 
die in deme riebe aint?' dö spracb s. Andreas: *der keisir vo 
unt andire die furstin die newizzin nicbt des, daz der gotis su 
in diae werlt ont gebom wart von sente Meiten der §wigm 
unt gemarteret wolde werde an deme beiligin crftee den worti 
er uns irlöste von deme Ewigen tode.* Dö spraeb Egeaa: *idi we 
d& m^nia den, der von stme jungerin wart virkouft unt den di 
viengin unt PilAtus biez an daz crfice bftbin. wie mocbte der i* 
gebelfin, der ime selbir niebt gebelfiiD moebte?^ Dö spracb 8.A 
*0 wt woldis du wizzin, wie redilicbe unsir berre dar zu qiuu 
er den tot leit nicbt ungemO; sundir slnis eigin dankis, wände 
is uns vor gesagit, mir unt andim stnin jungerin , das er < 
wolde kiesin, daz er uns wider br^cbte zu dem Swigin Übe/ E 
werte ime EgSas unt spracb: ^Ez wSre dankis oder undankis, • 
iedöcb. wie mocbte er danne got stn?' D6 spracb s. Ändr^ 
vimemit micb geduldiclfcbe; icb sage dir die tougene imt di< 
des beiligis crftcis^/ d5 spracb der burcgr^ve: *Iz nemac nidi 
gnftde, ez ist ein micbil ungn&de.' S. Andreas sprab dft: *d 
menscbe wart betrogen an dem boume, dö er daz obez az, das 
verbot; durcb daz wart allez mennislicb kunne') virlom undei 
nibt ledic werden, der gotis sun der newurde') gemarteröt i 
boume des beiligen chriuces. ditz soltes dft vimemen vil geduld 
unde geiouben an den almebtigen got.' dö spracb Egöas: * 
gfttltcben geboret; dftne gebcsrest oucb micb gütllcben, icb b« 
bAben an daz cbriuce, daz dft d4 loubes.' des antworte^) s. Andr< 
spracb: Vort icb daz orüce icbt, icbne loubete^) daz crftce n 
bin des immir gerende, daz icb an deme crftce irsterbe, dft n 
mdster an löste unt alle dise werlt' dö biez in der burc^r^v 
kerker stözin. dft was [er] alle die nacbt predigende das g< 
unt bat die lAte, daz [sie] sine martir nib irritin. des morgini 
der grftve vur sieb brengen unt spracb: *wie nü Andröa, bftst 
icht bedftcbt nocb? ftntwedir mfne gote salt dft ane beten ode 
crftoe beize icb dicb bftbin.' dö sprab s. Andrö: *böre micb, töi 
dft zft deme öwigin Are gemeinit bist, dine dröwe^ forcbt i< 

*) de« heüi^f crücis vgl. Oramm, IV, 640, ') aUes menniBlicli 

Qrmmm. 17, 488. *) newrde. *) antwrtte. >) lobete. Oder k 

Bm, reehi und in dem obigen loobes U^t der Fehlerf ^ drowe. Die 

FK0k.^hekU mir dmck dit lMb9nfanMf^ dxoTive^ drQa^ drde, drd hnUämgUa 



• MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 343 

Apb hoffe sft deme heUigin crüce alse ce einir wirtscheffe/ der gr6ve 
!9^^ in d6 yilliti unt hiez in daz crüce an h&hin unt gebdt, daz man 

.'jhft m daz crüce nicht nagilte, sun 

-t- • 1. Lage BL 2. * wige morgin. Nu sich ce berge unt ein 

ail^HiKch zeichiny als du sihes an deme himile^ daz heiz morgene bindin 
dhiin vanin. b5 nimis du den sige/ dö sach er ce berge unt sach 
heilige crüce st&n an deme himile^ daz schein als die sonne ^). des 
es vil frü^) der kunic Constantin hiez ein crüce machin unt hiez 
an slnin vanin bindin unt vacht dö mit den heidin unt gesigite in 
i'^^e unt slük ire unt vienc ir also vile *), b5 er wolde, unt reit widir ce 
• ^Scixistantinopole mit grozin §rin. dd sprach er zu stnir mütir sancte 
^walenin: 'Mütir, nü geloube wir des, daz unsir herre J^sus Cristus 
Ä*-CTÜcigit wart durh alle dise werlt, unt mit deme ceichine so hftn 
'''^'^ife gesigit an den heidin. Nü wizze wir wole, daz er zu J^rusaldm 
9^iiiartirt wart Nü solde wir mit grozin vlizze^) dar umme werbin, daz 
'^iir daz heilige crüce vindin, daz iz uns kume ce seidin unt der cristen- 
*^^t ce tröste unt ce gnftdin. Nü var ubir mer mit grözzir rittirschaft 
''^^t suche daz heilige crüce vil vlizzidiche/ Sancta Helena vür ce 
^^msal^ mit grozime here unt hiez die judin alle vur sich kumin. 
^'ft quam vur si wol drü tüsint dö sprach die kunigin: *Irwelit üz ü*), 
^ie die allir wtsistin sin, unt die kumin vur mich unt anwertin mir 
ich si vrege/ dö kurin si üzir in drü hundirt man, die dft wise 
unt die d wole kondin. dö sprftchin si zu ein andir: Vaz wirbit 
^ kuniginne oder waz wü si mit uns redin?* dÖ sprach einir, der 
Judas von sancte Stephanis gesiechte, des vatir hiez Symon: 
Jt herrin, ich w^ne, daz si umbe daz here kumin si, daz si umbe daz 
ce vorschin wolle, dft Jdsus Cristus ane gehangin wart die stat 
"^eis ich aleine wole wA daz ligit, die wisite mir min vatir unt min 
^dir vatir unt rietin mir daz, swanne die stunde qu^me, daz man dar 

umbe begonde vrftgin, daz ich iz nicht virh^le, wände ez inmocbte 

■ I ' ■ ' ■ 

Überhmtpi dürfte der Wurtel dieiu Worts von jeher longor Voeal irme gewohnt haben. 
Dkm geht sehen wum Theä aus den bei Oraff II, 244 ff, mügetheiUen Belegen hervor und 
JkdeC durch den bei Fiek^ vgh Wörlerb. der indog, Spr. II, 768 aufgestellten Zusammen- 
hang mit einem indog, Stammztw. thr&vja, mit altn, thrä, thr&r, ags, thrdTian auch vom 
Sfrmehvergleiehenden Standitunkt lebendige Bestätigung, *) de sfame. *) des 

•otgenet vil frft. Es bleibt unentschieden, ob mit dieser Zeitbestimmung der neue Satn 
enheU oder der alte scJUiesst, *) vile wohl nur eine vollere Form von ril, nicht der 

Jke ti e rte aecphir,, vgl, toeiter unten: TÜe gütis borgin. Dass Übrigens das md, Überhaupt 
Üe Neigung hat, den Wörtern, denen e als Ausgcmg nicht gebührt, ein solches arum- 
hangen, dmrüber s, Pfeiffer tu Jeroschin LVIII, *) mit grdzin vlitae, vgl, FSrommaimi 
«t» Herh. 8. 224, W. Grimm z, Graf Rudf 7, *) uiz u. 



344 ADALBERT JEITTELES 

nicht virholm sin, unt daz ich das 6 töte, denne ich den üb 
unt sprächin ouh, swenne daz crüce wurde fundin, so wnrde wir lüs^ 
virtribin iint unsir e wurde alle cestörit Nu h£n [ich] iz ü gag *t^^ 
nüne meldit min nicht, ob ir üwir ^re wollit behaben imt daz ^ 
Mit der rede giengin si tut die koniginne. dö sprach die ytoi^^* » 
herrin, ir wizit wole, daz üwir eldim heilige lüte wärin, den hat#^^ ^ 
gelobit, ein heilant ce sendene, von dem sprach 6r') Moyses: proplkebt 
Yobis suscitabit deus de fiructibus vestris; quis non audierit illom, nile. 
dictos erit Ein wlssagin sal ü got irqoikkin von üwirme gesl^BcJite- 
swer deme nicht gehörchit, der sal si virflüchit von deme spra^Ki M 
Ysaias: Ecce, virgo accipiet et pariet filium et yo. . Ein magit ^ba/«. 
phldiin unt sal ein sun gwinnin, der sal got geheizin werde. cK^^ 
selbe gotis sim gebom wart von sancte Merien unt numic cddiiB vr ^^ 
ü tet — üwir tötin hiez er üf stto, die blinden [machete er] *) seho^ 
die miselsuchtigin machete er reine, daz wazzir machete er zu idne wt 
andir manic ceichin tet er — daz inhalf alliz nicht, ir martirtit^ k 
unt hiengin in an daz crüce. an sineme t5de geschfihin sole ceidfli: 
w^rt ir nicht virsteinit, ir mochtet wole geloubin, daz er got w^re. m 
deme tode irstünt er, ce himele vür er: des inwolt ir allis nicht p- 
loubin. den heiligin geist sante er her nidir sfnin jungerin den zwdE 
apostolm, die wurdin sprechinde zwo unt sibincic zungin. das ist afls 
vil war: unt ir setzit üch noch widir deme rechtin geloubin imt A 
virsteinit unt wollit got niht irkennin? Nu bin ich here knmin, dtt 
ich wizzin wil, war daz crüce kumin si, da unsir herre J^sns OriitM 
ane gemartirlt wart daz sult ir mir vil balde wtsin oder ir mftzit alk 
den grimmin tot kiesin.' des antwertin die judin unt spr&chin: 'frowe^ 
umbe daz crüce inwizze wir nicht des sint wol drü hundirt jir, dtt 
daz alliz geschach; unsir vetere wärin dannoch nicht gebom, icht mfir 
danne wir selbe, wie mochte wir danne, gnädige firowe, didi UBibe 
daz crüce icht berichte, war daz kumin si?* do sprach die kaniginae: 
'ubilis todis müzit ir alle sterbin, ime wisit mir daz heilige crüce.' 

Mit zomigin müte^) hiez sie die judin in den kerkSre . • . . • 

ubir nacht unt vundin woldin wä daz heilige crüce 

l§ge. des morginis hiez si die kunegin abir für sich f^n unt eprid 
zu in: 'ir herrin, hat ir üch noch icht bedächt? wisit mir das crüce, 
oder also helfe mir der dar ane gemarteret wart ich heize üch also 

*) %r. Hier konnte etwa auch er >«- her, herre gemeint «em. *) marhMft er 

fehlt dat erste mal; rieUekht soll es das zvoeite mal fehlen und ist durch Vareehem da 
Schreibers vertceehselL ') martirt ^ mit somipn mute vgL YF. Oriaun m 

Graf Bad, Ä 7. 



MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 345 

mdinc virbrennin.' Si sprächin abir, alsd si d tfitin, daz si dar nicht 
^e wistin. dd gebot die kuningin, daz man ein michil für machite 
' 81 alle dar in würfe, die judin irquämin des vil s^re unde nämin 
WD, den recht schnldigin, unt gäbin in der koningin unt sprächin : 
^e^ läz nns ledic unt habe dir disin, der wisit dir alliz daz du 

* d6 liez si die andim unt sprach zu Jüda: Men tdt unt daz lebin 
ich TUT dich, wtse mir daz heilige crüce, ich läze dich leibin; 

^ du des nicht; ubilis todis sterbe ich dich.' Judas sprach raste, 
' ^^viste d& nicht umbe. d5 hiez si in werfin in eine grdbin. iä. lac 
'^Q sibin nacht ungezzin unt ungetrunkin« d5 die sibin nacht umme 
'^üii, do rief er zu den. ritterin, die sin da phlägin: 'ir herrin, cihit 
^ üz unt brengit mich^) yur die kuninginne.' . dd zugin sie in Üz 

* orftchtin in yur die frowen unt sie hiez ime ze ezzine geben, unt 
S^Ute sich yil vaste unt nam eine houwen an sine haut unt gienc 

^^ zu der stat unt tet sin gebet vil vlizichliche unt begonde zu 
^A^ene. die kunegin volgite ime dö unt hiez ime helfin. dö si begondin 
be dar, do quam ein ertbibunge ') imt die stat, dk diz belüge crüce 
', die wart alle irwegit imt quam ein alsd süze smac, alse alle die 
im würze da werin, die in der werilde irgin wSrin. der tüvil f&r da 
me in der luft') unt rief: 'o wg dissis tagis unt o w& dirre michilin 
pi4de, die ich nü lidin sol. der andir Judas virriet sinin meistir, 
' was min firünt; dirre Judas wil mich virtriebin mit deme crüce, 
i er nü suchet, swanne^) daz nü vimdin wirt, sd bin ich gehönit unt 
) mine genöze.' Var vur dich, ubile tüvil/ sprach Judas, 'alse du 
rerkit häs, in die ^wigin hellewize. ich geloube vil vaste, daz Jdsus 
18 8un ist, der an deme crüce gemartirt wart' dö grübin sie vil 
iveliche unt vundin drü crüce. dö sprach die kunegin sancta Helena: 
L newizze wir nicht, welich daz heilige crüce si, wände der zweir^) 
«ichSre, die mit unsirme herrin gemartirt wurdin, sint^) der crüce 
sL' dö sprach Judas: 'Nü rüche iz unsir herre ce offene, welich daz 
crüce si.' undir des vürte man^) einin tötin man da vure. dö hiez 
las, daz man den tötin niedir setzte, imt nam ein crüce unt legete 
üffe den tötin; der nestünt nicht üf. alsam tet er daz andere; dan- 
ih lac er stille, dö er daz dritte üf in legete, daz ^) daz heilige crüce 
8, dö stünt der töte üf unt wart lebinde. dö wart Judas geteuft unt 
rt genant Quiriacus unt wart sider bischof ') imt ein vil dumechtic 



') brenf^it mir. *) ertbibunge undeutlich, ") in dUuft *) snaanne. 

*) zweir, «. i/oAn mhd. Gramm. I, Wo, •) sin. '; wrte man. *) da. 

^ biflchofi. 



346 AD ALBERT JEITTELE8 

man. dd die kunigin des crücis gewis was, dö sprach sie: 'Nüne hak 
wir der nagele nicht, die durch sine hende unt durch süie Tftxe giengm. 
die wile daz ich der nicht hän, sdne wile ich nicht weain fir6.' ik 
Tastete sie dii tage sü wazzere unt zu brdte ont QuiriacoSy der & Jtdsi 
hiez, unt alle die mit ir d& wärin, unt b&tin unsim henrin tiinir gnidii, 
daz er die nagele wolde iroffene. d6 irhdrte sie unsir herre nnt & 
erde insldz sich, d& die nagele Ifigin, unt si irschinin also schöne, ah» 
si guldin w§rin. unt alsd wurdin sie fiindin unt die knnigin wart fl 
vrd unt nam si dö unt daz heilige crüce hiez sie in xwei segin, uk 
daz mSrre teil vürte si ipit ire ce Constantinopole, das minre lies ■ 
ce Jerusalem unt für wider zu irme sune unt br&chte ime das cHlee 
halbiz unt die nagele, der hiez er einin an sinin zomn slahin, der 
hangete ^) vor stnis rossis houbete. den vürte er, die wtle er lebiie, «st 
nlU^h ime andire kunige, nemellche so si zu Tolcwtge vürin, wände oe 
hetin des geloubin, daz si siege vöchtin al die wfle, das si den nsgil 
hattin. diz was vor gewissagit von einime heiligin proph^tin, 85 die 
Schrift sagit der sprach: et erit ad^ in freno r^s sanctom domia» 

vocabit ; daz der kunic an sineme zoume tu 

2. Lage Bl. 1 laus wöre, der ime irschinen wkt. 

dd sie sinin namin gehörtin, dd hübin sie ir hende üf unt lobitin gel 
unt sageten deme kunige, daz iz ein heilic bischof wöre in deme lande^ 
dar er sie hete gesant der kunic sante ime dö ein guldin crüee oat 
ein andere kunicliche gäbe unt hiez sie varin zu sende Nicolfto, du 
sie ime sagitin des kunigis botischaf, daz er des böte, das er sin ge- 
denke wolde gegin gote unt daz si ime gnäde sagitin, das er in ge- 
holfin bete, dö vürin^) sie in wec unt sagitin ime, wie is in irgaogm 
was. er bivalch si gote unt si vürin wider zu deme kunige. die irfle 
daz sanctus Nicolaus hie in ertriche was, dö tet er manic ceiehin^ m 
dem wazzere, üffe deme mer: den half er dicke, swer in ane ni 
sider^) dem male daz er virschiet unt ce gotis riohe quam, die ceidnii, 
die er sider hat getan biz an disin tac in wazzere unt in walde ut 
in allir stetelich, die mochte ü nieman volUh sagin. dö er Tirsc^et snt 
bigrabin wart, dö flöz olei üzze dem marmilsteine, d& er imde ls& 
swelich^) mensche da mite bestrichin wart, swaz suchte*) s6 der hele^ 
der wart s&n gesunt dö wart zu sime grabe ^ gröze suche, dar hüb skh 
ein pUgerfm unt binachte in deme walde in einis morddres hüs, dtf 
in dem walde was unt die lüte nidir slüc. dö bat er in der herberge; 



') hangete tpeeißseh mcL Form, «. Lexer, mhd, Handwib, I, li9S, *) tArb 

tmleserlieh, ^ eceichin. ^) s\d\ ^\ swelic *) eftche. ^ s& rime g*be. 



M1TTEI.DEUTSCIIE PREDIGTEN. 347 

dö lech er 8i ime. dö er gaz unt getrank, dö machite er ime ein bette ^) 
ant tet daz gerne , wände er der pfenninge wart geware^ die der bil- 
gerfm trftc. dö der pilgerim sich dd leite, dd bevalch er sich deme 
gAten saneto Nicoläo nnt intslief. cehant stünt der schSchdre üf unt 
dftc ime den hals abe mit einir ackis unt begrub daz hoabit ftzirthalp 
deme hfts unt nam dö sinin schaz allin nnt leite sich släfin. zu mittir 
lischt quam s. Nicoläus für die ture unt hiez sich in Iftzin. der sch6- 
chSre frägete wer da w@re. d6 sprach er, iz wdre Nicoläus^ der bischof 
Ton Stamirre^. dd newolde er in nicht in l&zin. des andim nachtis 
quam er zu der seibin stunde, des drittin nachtis quam er vor deme 
tage mit grdzime lichte alse mit einime blicke unt stiz die tmre 
i^zxe deme angin unt gienc dar in unt sprach: 'wise mir vil schiere, 
war hAst du minin bilgenm getan; wen daz ich vil ungeme iemanne 
idit leidis tftn, du hettis gamit widir mich den ftwigin tot, wende 
du minen pilgerim hast irmordit/ dd gienc s. N. für daz hüs unt 
souh daz houbit here vure unt gienc zu deme lichamin unt satzete ^ iz 
eesamene. alsd wart der pilgerim lebinde. ier sch^ch^re was irkumin 
dirre dinge, daz er; sich nicht virwiste. dd hiez in s. Nie, daz er deme 
pilgerime bettete, als er d&r gelegit was, dö er irmordit was, unt sprach : 
*al hie bevule du dich ^) mir, al hie lege ich dich.' dft mite fdr s. N. ce 
himele unt der mord^re.fÜr zu unt weckite^) den pilgerin. dö er dö 
irwachite, dö sprach er: 'o wi, wie unsanfte ich gesläfin h&nf des ant- 
werte ime der^mordere alsö][weinninde unt sprach: Vorliebe, imsanfte 
Uüst du gesl&fin, wende ich bete dich irmordit' ein zeichin was deme 
pilgirime an deme halse bilibin alumme als ein röt sidin vadim. dö 
giengen sie dö bftde zu sente Nicol&o unt sagitin diz gröze wundir 
mllir der4,werilde, unt der^mordöre wart ein gut man. £z was in den 
seibin ziten ein schifinan, deme brach sin schif unt virlös sin gut unt 
yirarmite. dö er dö niemannin vant, der ime borgete, dö quam er zu 
eime judin unt bat in, daz er ime borgite so vil schatzis, daz er ce 
Bchiffe qudme. hienir sprach, daz er daz gerne tete, ob er ime pfant 
setzte, dö sprach der cristin man, daz er pfandis nicht inhete. wenne 
er ime wolde •) so vile gütis borgin, so sie in ein wurdin, er swüre ime 
tffe sente Nicol&i altere, daz er ime gulde, so er schieris'') mochte, der 
jade 18ch ime dö ein gut stucke goldis üffe s. N. [altöre]. dö der cristin 

*) eioe botte. ') Stamirre. Venoechtltmff mit Smyma (vgl, Bariteh, Kmwod» 

Partancpier S. 429) oder EtUsleUung aus etat Mirre d. i, Myra in Lykknf ') satcete. 

*) bdYole dd dich. *) weekite. Gewöhnlich heißt dat prät, wacte oder wahte, 
i. mhd. Wtb. HI, 451. •) wenne wolde er ime. ') schieria w< vjohl fltr scbierirt 
aU £h^9erlatn) des Adv. tu faatmi. 



l 



348 ADAI-IiEKT JEITTKLKS 

man (laz golt hete inpfangin, dö gicnc er inwec ant gwan ein sclüf 
uat vor ubir roer unt wart schiere riche. dG daz der Jude gesncli, dS 
sprach er zd ime: 'Kö bist dö rIche, nfi gilt mir.' d5 sprach der criitia 

man ' mir äffe a. S. 

altSre unt ick I&ze dich frt.' d6 sprach der criBtio, daz er des ger^ 
were. diz wart getedingit wände ') biz frü. der cristin gedächte vil ajige 
unt Qam also vil goldis, bö er deme judia geldin solde, unt irgrQb 
einin etab unt tet iz dar !n imde virmachite iz, doz iz nteman mochte 
gesehin unt quam des morgenes frü zu deme judin unt sprach: *Nft 
g9n wir zii s. N. altijrc, du wil ich dir gew?re, daz ich dir din gflt 
alliz hän gegebin an dine hant.' der Jude gienc dö mit ime vil unüA- 
liche. du si zu deme altere quiLmin, dö nain der cristin man stnin «tap 
unt gab in deme judin an stne hant unt mit der unkust bÖ swflre er 
ce Bente Nicolai altere, daz er ime sin gut alliz virgoldin hete tml ii 
ime an Bine hant hetc gegebin. dö er den elt hete getan, dd nam er 
elnin stab wider unt wart ein vil vrö man. der Jude gienc dö schrtende 
unt sprach: '0 wl, Nicolfie, wie bäst dö mich sua betrogin! gildis dö 
mir nicht, söne sal dir got noch man nimmir getrüwe. Salt du iz nicht 
rechin, söne wii ich dir nimmir dechein ere gesprechin.' Mit der rtAe 
gienc der cristin mau inwec, unt also got wolde, dö begonde in Btw 
ce aläfime unt mitten an deme wcge sü viel er nider unde slief mit 
der stap lac bi ime. undir dcB für ein man da vure mit eime fOdir 
houwis, dö er den man vant släfinde, dö sprach er z<\ ime, daz er Qf 
atftnde. bienir lac bö virsläfin, daz er nicht hörte, dö bienir dö lange 
gerief unt der man nicht Gl' atönt, der da slicf, dö w4nde bienir, der 
den wagen ") dil vüi'te, daz er durb sine schalcheit nicht üf wolde stin, 
unt für ubir in mit deme wagene. der wagin druckte den man ce t5de 
unt den stap druckte er ce stuckin, daz daz golt dar flz schein, ifai 
quam is') mere, daz der man tot w6re, der den judin hete betrogin. 
der Jude quam dö geloufin unt nam den stap in die hant unt sprach: 
'wienft, bijsir wiecht ungetrüwir*}, was diz daz golt, da dB mich mite 
betrogin büsV s. Nicoläus bat mir geriechtit, an den ich mich liez, der 
hat mir eine trüwe biscbeinil.' Alse lief er rfifinde zu sente NicoUi» 
munslere. Man hflb dö den tötin man üf unt trüch in vur daz nmnttir 
uut der etap lac bt ime. dö viel der judo nidir an sine knie ant w«mile 

') nando tn unmgenllieher Vlrreautitiig ßir wui. v;it bJuL Ht6. 
WM) bi« W. Grimm ™ tJra/ Badoy il. 13. 20, » Alkit 19. ') i 

A«( wan. *) U. ') bÖiir wifeoht angeuflwir; vgl. f^ 

OArmtk da Vocaeiet 3Ktitr allraiUivw A4j«ttiM, J» 
4Mkri ii, /ehU. 



] 



MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 349 

m\ Bere unt sprach: 'herre s. Nicolfie^ du has mir wole geriechtit ubir 
den ungetrdwin man. wilt du daz ich des geloube, daz du diz gei&a 
habis unt daz ich geloube, daz J^sus Cristus der wäre got si, so hilf 
mir, daz er lebinde werde unt das er sine sunde gebüze: sO laze ich 
mich toufin/ döne was nicht lanc, der man wart lebinde nnt st&nt üf 
unt viel deme judin ce vüzin unt bikante sich sinis unrechtin ^) und 
wolde ime sin gut geldin. des newolde der jude nicht nemin: er hiez 
iz armen lütin gebin. unt der Jude wart geteuft unt bihielt die sele. 
die heidine roubitin die cristinheit in s. N. lande, da n&nin sie eine 
tavelin, da was s. N. bilde ane gemälet dO iz der heidine heim brächte 
unt er virnam von eime cristin, daz daz der mildiste bischof w^e, 
der ie wurde '), der dar ane gescribin were, dö nam er die tabelin unt 
blonde sie ce erine durh daz bilde, daz dar ane stünt. ce einim mÜe 
gienc er üzeme hüs unt sprah zu deme bilde: 'Nicoläe, hüte wol d& 
lieime.' undir des quämin diebe unt stälin alliz, daz in deme hüs was, 
in daz bilde, imt trügin iz in den walt') unt teilitin daz gut. dO der 
man wider quam, dÖ was sin gut aUiz yirlom. d5 begreif er daz bUde 
unt sprah: 'Nicoläe, hilf mir, daz mir min gut wider werde,' unt he- 
gende daz bilde ce slahine unt sprah: 'alsüs sal ich dich vil dikke 
elahin unt villin unt ce jungist in deme f^re brennin/ aldä die diebe 
säzin, dar quam s. Nie. gegangin in einis bischoffis bilde unt sprah 
zu in: 'ir unseligin, waz ich durch üwir dübe geslagin bin! gebit iz 
widir oder ich melde üh unt ich schaffe«) Üh aUe irhangin.' die diebe 
irrorchtin daz vil sere unt brächtin daz gut alliz widir. do daz der 
heidin gesach, do lobite er got imt den gütin s. Nicoläum allir sinir 
gute. Zu den seibin citen, d5 [man] s. Nicoläum witen suchte, dO was 
ein man, der hete ein siech kint, der reichite s. Nicoläo ein vaz von 

golde unt von silbere, wende er riebe was. daz 

2. Lage. Bl. 2 de daz gotis wort, do hiez ime 

der kunic daz houbit abe slahin. der junge brüdir, der kunic Polimius, 
der nam den heiligin lichamin unt bivalch in zu der erdin. der eldir 
brüdir, der in gemartirt hete, der wart besezzin cehant mit dem tüvele 
unt quam ce sancto Bartholomei grabe alsd schiiende. Mine liebin ^), 
wir nelesin nicht des an den buchen, daz dechein heilige were, der 
80 grozin gewalt hete ubir die tüvele also s. Bartholomeus. Nu bitit 



*) unrechtiD. Das Adj, wbstafUiviach vencendet oder vertchtieben fiir onrechtiB ? 

toahrtehehdieh das erstere, vgl. weiter tmten: die (werlt) was alle begrifin mit deme nn- 

reehtin. ') wurde ift wohl conj. prät. kaum tchon unser ind. wurde. ') in dem 

walt *) sahfTe. Hier hat schaffen die Bedeutung * heißen, latHn, vgl, das öHerr. 

^schaffen' ') M 1. 



350 



ADALBEKT JEITTEI.FR 



in Bioir giiadin hüte, dai er fl weginde si iimme uuBJm herrin, dnx er 
Uli biscbirme yor deme leidigin tQvele unt Q helfe, du ir ä«n Swi^n 
lib beaitziu müzint. 

S, Mathei apoBloH et evangel. 
Der gute sanctus MnthSuB, der heilige apoetolua unt ^vangelista, 
der was, b5 uqs daz heilige Evangelium sngit, eiu offin anndSre DBt 
waa ein zolnere. den bikärte unsir herre aelbe unt hat in vü hSr ge- 
rn achit ') ,1 daz er beide ist: der zwelf botiu einir unt der vier dvangeliiliii 
ein. d& sante unsir herre ce Mörlant in eine etat, die hiez Nadaber. 
d& was inne ein kunic, der hiez EgIippuB. in deme lande vftrin zwSiit 
sonberSre, der ein hiez Zoroc ''), der andir hiez Arfaxat. die Bt&ltiii nttchil 
zoubir unt machtin die lüte blint, Bweotie sie woldin, unt tUttn in, du 
sie sich niergin geregin mochtin, unt andirs manic dinc t&tin aie, du 
eeltsene was, unt sagitin den lütin, düz Bie gote vSrin. der «ras vil, 
die des'geloubitin durh michil wuudir, daz sie tätin. dö s. MatbSni 
dar quam, dö sagete er deme löte, daz aie trugenßre wgrin, unt sweine 
sie dehein echadin t&tin, den wider tet er mit der gotis gewalt. d3 
inphienc in ce häs Candacls, reginae eunuchuB, der kuntginne kerne- 
rSre von MSrlant, nnt Bprah zd ime: 'unsir herre bat dissia laodit 
rüche, wende er dich here gesant hat den worttn, daz dÜ daz laut 
berichtia, waude si got nicht irkennint'. S. Mathcus antwerte ime dO: 
'oneirs herren gnäde die iat vil grOz; der nevirgizzit atnir hantgetit 
nicht von eime ende biz au daz andire', dÖ aprah der komerftre:'«» 
ist grSz wimdir unt wundirt mich sere, wie daz kumc, daz d& tut 
andire die apostoli^) uneirs herrin zwo unt sibincic zungin alaS «ob 
sprecbint, alae die dinne gebom aint, odir baz." des antwerte ime a 
MathSus unt sprah: 'unsir herre Jesus Cristua, derw&r*) beilant, der 
wart von htmeie her nidir gesant den wortin, daz er widir brachte di» 
w«rlt in atnis vatir riebe, die was alle begrifin mit deme unrechtin unt 
ane betetin^) holz unt steine, dar umbe bat uub unsir herre gesant altt 
wtt s6 die werlt ist, dsz wir sie bikSrtin, unt gab uns die kanit, du 
wir sprechin swö unt sibinzic zungin, den wortin, daz uns d«b^ 
dürft were deheinis düteris; durch daz sd kunne wir zwo tut nbinde 



« da 



') Til heiT gemaebll. ') Zoroe Btt «vji.e, Duli' 

S49, MjSl diettr Zaubrnr Zdrnes. *) iindife die Äpflstoli ; iU»t« Ctmi^metUm I^^ 

lAnt andir« di« Inntiii) W n (Tnnnn. IT. 411 hiniHtHf^gm. ') V^t. 

Sil. ') ane batelio. EMtfeader fthll AiW da» /VnuHam li« aU SvhjlH 

teahntKämiicha' , dU Centtmttion iit rine nach d/ 
im v»rkw$fhmdt aU* f«6m«tej» aaa balata oA 




MITTELDEUTSCHE PREDIGTEN. 351 

■ODgiii baa dan ieman^)/ andir des starp des kunigiB snn, der hiez 

Enfiranoiiy unt fadb sich gröz weinin in des konigis hüs. dar lief der 

kemer^rey der s. Maihdum geberberget bete, dö er d6 sach^ daz daz 

kint töt was, dd sprab er zu der kuninginne: ^frowe, sentit n&cb s. 

liatbSo, deme gotis apostolo, der irquikkit daz kint mit den gnftdin 

gotis'. nndir des qufimin die zonberftre nnt woldin daz kint irqnicken 

▼on deme tdde nnt mocbtin [iz nicbt]. d6 sprab der kemerSre : *firowe, 

Imus dise zonberSre virterben, wende allir slacbte leit komit von in.' 

dd gienc er n&cb s. MathSo. al die wile qu&min die zonberdre unt 

brichtin tracbin mit in gefürt, da mite sie die lüte pflftgin ce virterbine *). 

den gebot s. Mathias, daz sie insliefin, nnt die zonberftre mocbtin sie 

aicht irweckin mit deheinin irin liestin. d6 gebot in dö s* Mathgas per 

patrem et filinm et per spiritom sanctom, daz sie inweo f(irin, daz sie 

oiemmir nieman dÄ mir gesehe. als6 fürin sie inwec, die zouberdre, 

unt flohin üzze deme lante unt vürin in daz lant ce Babyldnie. 

8. MathSns quam d8 fdr den kunic nnt tet sto gebet unt sprach zft 

deme kinde: *£ufranon, in unsirs herrin namin stant üf/ cehant stftnt 

das kint üf unt er nam iz bt der haut unt z5h iz üf. d6 daz der kunic 

Eglippus gesacb unt die kuneginne sin w!b, d6 vielin sie deme apo- 

stolo sü YÜzin unt bätin in, daz sie getövit müsten werdin. dd sagit 

«r in den geloubin vore unt toufte beide den kunic unt die kuninginne 

nnt daz kint, daz von deme töde irquickit was, unt des kunigis tochter 

nnt lütifl vi] manic tüsint dd der kunic Eglippus dd starb, d6 intpfienc 

das knniciiche einir, der hiez Hyrtacus; der nemeinte gotis nicht unt 

wolde des kimigis tochtir nemin ce wtbe, Eufenissam, die bete gote 

im magetüm gelobit'). der selbe martirte s. Mathlum, unt die biscoffe 

heidinische ^), den daz leit was, daz man die abgote cebrach, die gerietin 

daz er gehoubit wart unt also vür er zu den dwigin gn&din ftmen. 

Sermo in dedicande die^) ecclesie. 
Fundainenta ejus in montibus sanctis diligit d. p. s. s. o. t Jacob, 
nnsir herre der almehtige der wtsite deme heiligin prophlten eine burh, 
die er bigonde zu wirkine von anegenge dirre werlde. hie wirkit^) man 
die steine, da ce himele legit man sie unt d& ce himele wirt sie vollin- 
brächt do der heilige man her D&vid dise burch ane sach von den 
gnidin des heiligin geistis, d6 sprach er: 'fundamentum ejus' et cetera. 
*die burch,' sprab er, 'die ich sehe, die ist geyuUemundit üffe den 
heiligin bergin/ die burch daz ist die heilige cristenheit, die heiligin 



*) daz ieman. *) Tirbine. *) gelonbit. *) die biscoffe heidinische, 

vgl Oramm. IV, 417, 487. ^) de; d. t. wohl » diem. <) wirkin. 



352 ADALBERT JEITTELES 

apostoli die sint ouh mit den tugendin [gemeinit] ^), üffe die int geTuli-f - 
mondit die heilige eristenheit^ wende sie gäbin ir lib zu der maitir dnnl 
der cristinheite willin. von disin bei^in ist geschriben: leTavi ocoki; 
^ich hüb mtne ougin üf/ sprach der proph^ta, *zü den be]f;in, dannii 
mir helfe kumin sal/ werliche^ swer sie ane rüfit unt in bcTÜhit rffei 
angist; sie helfint ime. dise bure sal gedmmirt werdin, alae 8. Johamei 
quit, de vivis atque electis lapidibns, von den leibindin steinin mi 
von den irweltin steinin. liebin, also manic heilic mensche sd in £ii 
werlt kumit, also manic sülstein'') wart onsirme herrin zft dbir hm. 
alse man die üzwertigin borge cimmirt, also tut unsir trechtin die 
himelischin Jerusalem, da wir alle gesaminit sulin werde, daz ist muin 
herrin bore, von der gescribin ist: J^rusal^m, quae aedificator ut dntM; 
unsirs herrin burh wirt gecimmirt alse ein burc wie tftt der der ene 
bore wil cinmierin? der gwinnit steine nnt behouwit die ont wiiidt 
die ont billit sie mit sime wäfine nach sime richtesciüte ont qoidiit 
sie unt legit danne sinin vullemunt ont mürit danne dar tL dar il 
hörit danne mortere unt vuUesteine unt ekkesteine. so die mürs tf 
getribin ist, so vestint man die burc mit grabin, mit gewere^ mit andin 
dingin, die da zu horint also tut unsir herre: manigin schönin itea 
hat er gesaminit von anegenge dirre werlde. der Srste stein was ix 
gute Abel; der leste stein daz ist der jungiste mensche , der noek 
gebom sal werdin in dise werlt, der ce gotis liche getermint*) ist die 
steine bihöwit der almehtige got tegelichis, swenne er den mensdni 
reinigit von slnin sundin entwedir mU der toufe oder mit der rftve 
oder mit der büze. so wirkit^) er sie ouh, swenne man den mensdün 
l^rit unt scheffit^) mit den gotis wortin wie er sule lebin. so qu&dirt^ 
man in mit den vier tugindin, mit den vier evangelien, das er allii 
des geloubin sal, des ein cristin mensche "^ geloubin sal von rechte, die 
riechte sal man nemin ^) nach der heiligin scrift, daz ist daz richtisdut, 
die ist vil gewere unt nelügit nicht. So billit^) man die steine, du 
dechein werre ane si. tunsionibus pressuris expoliuntur lapides per 
manum summi artificis. der obirste steinmetze der billit*) sine stdne 

alle, die des wert sint, daz sie an stne murin kumin sulin 

3. Lage Bl. 1 ubir mer unt ubir lant gegin 

Antonio imt sinin wibe^^) Cleopatre. da quamin sie cesamine in mir 



f 



>) gemeinit. DU Gmjeciur bleibt /raglieh. ') sülstein ichwer leaerUeh. *) ge- 

termint ist sehr tmdeuüich und zuAtchen beiden Wörtern noch em Wort. *) wiikit 

m der hier Bedeutung * bearbeiten, ^) scheffit. Von dem, ein, schaffen oder dem seht. 

•eheffen? die Bedeutung scheint 'bilden, durch Bildung eine Richtung geben. *) q"dirt 

9 menschin. •) nimin. *) \A\\\\\. ^'^ «ksäxl wibe, 9gL ähU. Com- 

s(rueti<men oben. 



SnXTELDEUTSCHE I'UEDIGTEN. 

izin tiabc CiSa dem mer, die hiez Leucades unt Ist in Griechin lande. 

• kunigmne von Egj-pti lande unt Antoniua her was michil ^özir 

me des kunigis von Rüme, sie hetin achte hundirt tfisint ') galiden *) An 

äere schiff, dÄ die bogPre *) inne säzin ; der kcisir hete michil miimir 

l iedoch biet&nt er sie fiffe demo mer. unt [sie] vächtin dA man des 

i iingewia was beidintalbin : der keisir wart vechtinde widir die 

ir, da die kimiginne ane was unt wart cem Grstin sigelös; Agrippa, 

I keiairs swägir, wart vechtinde widir Antonimn unt viene in lebinde 

I quam algprichte (lerne keisire ce helfe, der keisir karte sich dö 

dir mit vacht starke mit der kunigin. die slachte wart dö vil gröz 

t daz mer aJliz mit blute, eö wit so die habe was, da daz volcwic 

r gescach. die kuneginne wart dG wichinde unt ir her wart gar 

rangin unt irslagin unt sie selbe wart gevangin. Rostra navium, die 

, den galtclin, die snebile, die hiez der keiair ce Röme vürin unt 

E an dem markite dincstfilc niachin unt andirswä in der stat, da 

) faerrin fiitzin soldin, die des gerii^htis pflfLgin, unt hiez die selbin 

1 unt die snebile da öf slahe ce einin*} würceichine, daz er da ge- 

^t hete. die snebile wärin wehe unt gut, sumiliche ubir guldit, sumi- 

[ie mit silbere bielagin, sumiliche gemalt, sumiliche mit messinge 

ST mit iaiue oder andira vil wole gemachit. dö der keisir sJnin vlant 

tooium hete gevangin, dö hiez er ime daz houbit abe slahiu unt 

nch zil der kimingio: 'du bist gevangin, din lant daz wil ich habin. 

ihäst") mir BÖ vil ce lastire getan, ich newil dich nicht läziu lebin; 

pde du iedoch einis richiu kunigis tochtir bist imt din ßrste man 

i riebe kunic was, sO küs dir swelin tot b6 dfl wollis, des tüdis ISz 

I dich Bterbin.' dö sprach Cleopatra: 'herre keisir, nä daz got alsS 

Ide, daz (ich] minin liebin man Antonium virliesin aolde unt min 

it unt min Iftte unt min ßre, waz solde mir der lib danne mer? ich 

negere nicht langir ce lebine; nü füre mich mit dir hinnin zfi Ale- 

Xftndric, daz ich in deme eilende ieht irsterbe. aC schiere ich danne 

baes vatir pfelliuce ane geaehin mac, so läz mich sterbin des tödis, 

I ich wolle,' der keiair tef also unt fürte sie mit ime zftAlexandrIe 

i b3 schiere') so sie irs vatir palas ane gesach, do sprach sie: Tierre 

n>ir« daz palas mtnea vatir unt daz lant, daz wÜint min eigin was, 

1 ich geaehin]; nfi läz mich irsterbin des tödia, des ich gere unt 

ich selbe wole.' des virhancte ir der keisir unt sie hiez ir gwinnin 

<) h Wirlcliehkeil waren « nur 800 Scjfife, #. /"«(er, Oeschichle Somi 11. 52.9. 

•aUden «. Laar mM. BttndKib. I, 138. ') schift. ') bogere fiir bogenSre. 

') eiiiin vyl. Barlth, Jlache Uolerdkhlfr S. 34H. 'j do hitsl. 



354 ADALBERT JEITTELES, MITTELDEUTSCHE PBEDIOTEK. 

zwei aspin ^ tier, die sint der nätüre : swen sie bizint, den g^ der 
ane ont also sIMnde müz er sterbin. die zwSne wnrme satzte ri 
ir braste, die bizzin sie nnt sngin sie nnt alsd sldfinde kds sie 
bittim ißt der keisir nam dö in der stat der kuniginne schati 
bisazte daz lant, alse ime sine vurstin gerietin, nnt f&r widir ee I 
mit grözin 6rin. Gbözir sige mit *) solhir frowede nedorfte nie w< 
vor Cristis gebnrte. d6 gebot der keisir Oetovianns AogastoSy du 
den seibin m&nt, in deme iz geschach, nSb ime hieze*) Angnstiiiii, 
qoit fiwist^), nnt daz man den allir j^rgilichis bigienge mit grOnr 
wede. Mine liebin ^)y diz stünt sidir, daz sich die cristinheit hfili 
gr6zir übe yfl nach vier hnndirt j&r, daz iz die cristin bigiengii 
deme seibin vlize alse onh die heidine gewone wärin. daz gesad 
konegin Endoxia, die s. PStirs ketenin ce R6me br&chte, mt bal 
b&bis, daz er allim deme lüte gebute bi gote nnde sie dar zft twimg 
dem banne ; daz sie allir j^rgilichis^ zu deme mnnstir qaftmin, 
sancti Pdtiris ketinin gewihit wSren^, nnt da betin ir j&rmarkit mit 
ir vrowede ^), die der cristenheit giceime, nnde daz sie d bigiengin 
der heidine site, daz sie daz nfl bigiengin in nnsirs herrin Sre m 
guten s. PStirs den wortin, daz sie got inpunde von allin Irin bi 
alse s. Pdtir inpnndin wart von den fsirin banden nnt von des k 
HSrödis gewalt. Mine liebin ^), den tac bigSn wir hüte. S. Pgtir i 
nicht gebundin joch gevangin alse hüte, wene disen tac nnt dise 
gecit die heizit man ce Rome: ad vincnla, zun banden nnt i 
ketenin, wende sie die heilige kunegin ce Röme brächte alse h& 
iz als8 mite '®) schuf, alse wir ü gesagit hftn. Nu bi^t hüte den 
s. Pdtim, wende die heilige cristinheit nehis dem almehtigen g 
ime st3t, daz er nns helfe wolde, daz nns got inpinde wol 
allin nnsim snndin, daz wir fröliche spreche müzin: diripisti >^ i 
mea t s. h. 1. herre, du h&st unsir bant cebrochin, wir snli 
lobin allir dinir gn&din, qni vivis et regnas deos. 

^) aqiiii, ». mhd. Wtb. I, 65. ^ mit. Di« Hs. hat nnt; ob obige Em 

richtig, »oü nieJU behauptet toerden, ^ biet. *) twisL Die Länge di 

seheint mir au§ den volleren Formen onwest, ougeste, ongste , onst, laL angnsto) 
wgehen. >) M. 1. *) allin iergilicbifl. ^ w& unUaerlich. 

•) andir ir vrowede vgl, ör. IV, 419. '•) mite = dk mite, t. 

i93^. Mar. Eai^ z. Free (2. Ätug.) V. 1060. *') diripisti tie. 



H. SUCinER, WOLFB/VMS WILLEHALM ALS VOLKSBUCH. 



WOLFRAMS WILLEHALM ALS VOLKSBUCal 



Weder wo von der Entstehung der VoIksbücUer, noch wo von der 
■pXtern Geschichte von Wolframs Werken die Rede ist, ist der Hand- 
•dirift C. 28 (fol. Pp. 405 pagin. BI.) der Züricher Kantonachulbibliothek 
gedacht worden, die Mone (Quellen und Forschungen S, 177) bespricht, 
nnd die unter anderm Wolframs Willehalm als Volksbuch bearbeitet 
enthält. Da es nicht ohne Interesse sein wird, zu sehen, wie der Be- 
arbeiter Wolfram zustutzte, um ihn für das 15. Jahrh. lesbar zu machen, 
9o will ich ein StUck der Bearbeitung (Vivianz Tod) unten mittheilen, 
^ch verdanke dieses BruchstUck sowie die folgenden Nachrichten über 
Üe Handschrift der Güte des Herrn Prof. Gröber. Die Handschrift 
mthält: 1. Bl. 1 — 47 das Leben Karls d. Gr. {nach Mones Angabe 
Änd darin auller der Sage von Flos auch ÄuszUge aus den Haimons- 
kindem und dem Rolandsliede enthalten) mit dem Expllcit: per me 
Georg Hochmuth caplanum Tburici et Nordling opidorum 1475. — 
. Bl. 49 — 101 Wilehalm. Hier hat die Seite 42 Zeilen in ^iner Columue. 
U. 49r— 58r Türlins AntheU, 58r-67 (?) Wolframs Antheil, 67 (?) bis 
tOlr Tilrbeims Äntheil. Snltus est liber isto p mo Georgiü Hochmut |cap- 
planom opid. Thurtci nee non Nordling | In vigilia omnium sanctorum 
mo dni. mUlesimo ^ua | dringentesimo septuagesimo quinto hora VllI (?) 
pOBt meridies. — 3. BI. 107 — 212 Legendcnsammlung olrne Angabe des 
Schreibers, aber von ähnlicher Hand 'in Thureoy 1478' geschrieben. — 
4. BL 215—221 Parabel vom edeln Kau&nann. — 5. Bl. 227—254 
Erzählung vom hl. Georg. — 6. Bl. 259—261 das Buch von Hester 
der Königin. — 7. BL 261-264 König Albrecht von Hispanienland. — 
8. BL 264—296 Abli. flber 7 Spiele als Mittel gegen die 7 Todsünden, 
geschrieben von Ulrich Ileidenrich 1474. — 9. BL 299—402. Konrad 
»on Ammenliausens Schachzabelbuch, in Versen. Datum 1474. Wacker- 
I tiagel in Kurz und WeiÜenbacha Beiträgen I, S. 46 erwähnt diese Hand- 
t nicht. Am Rande von jüngerer Rand: Georgius Hohenmüt von 
l Caplan zu Nordling und uz Zürich zum frowen münster. — 
1,402 — 405 tlber das Evangelium von Nicoderaus. Schreiber Klewi 
IT. N. i — 7 sind ohne Scbrcibeniaraen. — In wiefern es begründet 
Mnne a. a. 0. und Wackernagel (Geschichte der deutschen 
S. 356—357) annehmen, dali nÄmlich die Handschrift auf 
beruhe, Mciß idi niflit zu entacheiieu. 'Ho.'iV^wis 




356 H. SUCHKB, WOLFRAMS WILLEHALM ALS VOLKSBUCH. 

die Handschrift auch das Volksbuch vom Kaiser Pontianus mit der 
geistlichen Auslegung. Der Übergang von Türlins Willehafan zu Wolf- 
rams Aniheil geschieht ohne Absatz. Nun die Probe der Handschiift 

nach Prof. Gröbers Abschrift: [58 v] vinantz des keysers sun *) 

hatt I den heidenen grossen schaden getan wan er hatt mit syner ; 
eignen band fünf kunigh erschlagen ynd do er den fünfte ze tod> 
schlag do kam des selbn kuniges sun ynd stach ein schwert in | in 
das im das ingeweyd vß hanget ^ vnd sin roß tod vnder im lag | Tnd 
do stieß er sin ingeweyd wider in ynd kroch so er best mocht I dort 
ynder ein linden ^ ynd leit sich do nyder ynd ruft got an da» | er in 
synes jungen tods ließ geniessen den er dur synen namen | litte Ynd 
sin arme sei entpfienge ynd sy yor dem bösen geiste be | htttte ynd 
da er in todiniger not lag do kam ein engel ze im | ynd sprach Vintnb 
din gebett hat got erhortt ynd wan diu sele | yon dim lib ist scheidei 
so wU ich sy füren fbr gots angesicht yfi | weller ritter dich an rofo 
ist in strittes noth den wil got erhöm | do sprach der Jungling yininti 
Über engel bit got dz er mich | so lang laß leben das ich myiia 
lieben frttnd wilhlm noch einest | mog gesechen der engel sprach im 
will dich got euch geweren | er wirtt z& dir komen ee das dv stiibeit 
ynd do yerschwand der | engel yor sinen ougen ynd lag er in todoi 
nötten ynd ruft got an | Nim was wilhlm euch in großen nötten das er 
nit wäre hat ge | nomen war yinantz komen was noch ab sin her ysd 
also reitte | er ymb ynd ymb ynd do fand er yinantz dort ligen *) ik 
ob er tode | wer Do erlasch im alle du firöd die er ie gehebt hett oder 
gewan | ynd do sprach er mit weynenden ougen o edli firacht wer idi 
für I dich töd das wäre ein klein ding won ich wurd des niemer mer 
frö |won al myn fröd ist da hin ynd myner liebll gemachel kybuiggl 
W()n_ all ynser fröd an dir lag O we den iemerlichn klag ynd doi 
wilhlm mit so kleglicher klag in clagt do thet_finanta syne | ougen ein 
klein yf ^) ynd sach wilhlm an ynd do dz wilhlm sach | do sprach er 
kind myn machtu so rede mit mir ynd sag mir | ob kein zpinen 
mensch by dir sig gesin der hab gegebn das geseg | nott brott ynd 
din bicht gehörtt finantz sprach es ist niemant by | mir gesin den der 
engel gotz hat mich wol getrost das ich sol kum | men zu den ewigoi 



') Der Bearbeiter betrachtet yivianz als den Sohn yoo Kaiser Ludwig und WUIe* 
kalma Schwester (Blancheflor). Wolfram (vgl. W. 23, 1. 48, 5) und TOrlin (8. 102 b. 
106 b) nennen ihn nur Willehalms Schwestersohn, da ihnen das nihere fiber ttat 
Abstammung unbekannt ist. Im frz. ist er Willehalms Bruderssohn« *) TgL Wolf- 

rams Willehalm 26, 25. *) vgl. daselbst 49, 8. *) Tgt. daselbst 60, 17. 

') r/rl. daselbst G5, 6. 



KABL 8CHRÖDEB, CABMEN 8FON8AE. 



357 



1 Tod seit mir oach das ich dich noch [59r] noch solt sechen 

lancken dir vnd kyburgen myner getruwen | basen alles gAtz won 

in uch mer gAtz schuldig den vatter | vnd mfitter vnd bitt got dz 

r min sttnd vergeh vnd laß dir | min gemachel ^ empholhen sin 

lastu des gesegnottn brottes | by dir so gib mir es zem essen das 

n jüngste spiß sig vnd | do gieng wilhlm vber syn teschen vnd 

m in dem namenn | gottes des sacramend vnsers hfn ihn xpi des 

nottn brotz | vnd das noß er mit großf andacht vnd glich schied 

le von I sym lib vnd gieng ein gAtter geschmack von sym Hb '')• 

H. SUCHIEB. 



CARMEN SPONSAE. 



[n einer Handschrift des 15. JahrL in kl. 4^, gemischt aus Per* 
it und Papier, im Besitze der Bibliothek des Marcellen- (Jesuiten-) 
lasiums in Cöln imd enthaltend niederdeutsche Predigten*), be- 
sieh auch das nachfolgende niedliche geistliche Volkslied, über- 
ben: Carmen sponse ad sponsum, et cantatur sie: Puer nobis 



ur. 

Eedich die vlogele van SeraphjD, 
le so hoe vliegen 
▼en in die ewieheit 
me Buyssen Ueve. 
woldich sain *god vader mijn, 
' mir eyne cronen 
80 lange hain rnnb gedient. 
3 wilt du mirs Ionen?' 
ülTatwoldsta mit der cronen mijn? 
Adsta mit der cronen? 
iha wal ejn clair Spiegel sijn 
an claire mijn ogen . 
if er dat ich dir eyn Spiegel bijn, 
ch ich mich verblijden. 
ijff mjT noch eyn dupel crone 
ze mich bij dijn zijden. 



5. *Na wis blidei mijn lieve brayt, 
ich sal dir geven die cronen , 

ich hain so vele jnnferen schoea 
her baven in mjme trone. 

6. Sj sint getsieret ind wal gedaen, 
sj comen uys veiren landen, 

sy hain oyergolde deyder aen 
ind palmen in eren banden. 

7. As sy TOT die portien qnamen, 
do vrageden sj nnsen heren, 

ofte ere loen sie honderyalt, 
sy haven da umb gestreden. 

8. 'Gkyt Tort, ir heren van Seraphyn 
geyt vort ir engele alle , 

vertzieret mir diese zarten bmyt» 
dat sy mir wal bevalle . 



^ In allen Darstellangen stirbt Vivianz unTerheiratot, außer in dieser Prosa 
tcmg, wo 'man im zft der ee hett geben der knnigin eine die mit kybnrg was 
Bl. 57v. ') vgl. Wolframs WillehaUn 69, 14. 

*) Das Vonetzblatt bezeugt das ursprüngliche Eigenthumsrecht an der Hand- 
Ldber fratrum sancte Crucis in Colouia. Bibliotbeksnummer ist: Ms. 40 ia 



LITTEHATUB: ZU 8. HELBUHQ UND OTTACKEB VON STEIERMABK. 



9. Bj leidenden ny in der junferen 

ty «oldeu sj da tiiereo, 

da quam die beylge driTaldicbeit 

ind aolde sj confinnereD. 

10. Maria bracht eyn hemdeclien, 
dat wu van Bijden clejne. 

'na doe dyt an, o tzarte bra^ , 
van Banden bystu tejne. 

11. Unae bere bracht ejacn maiitel 

ejrn mautel van goedem golde. 

'ua doet ja umb mijnre lieren bruyt, 

want dit ist rayne trnwo . 

12. Der heiige geyet brachte ere ejae 

cronen 
■o wonderlicb geslagen, 
CÖLN, Juli 1871. 



da.t all die bereu van Sontpbfn 
aliulcben nie easageQ. 

13, Joliannes bracbtirejo hoedieba, 
ejD boedicben van mynnen. 

ey geinck vur ercn brudcgoio «ta«D 
88 ejae koDjncgynne. 

14. Älda HO was «yn Tiier ontfeagit, 
alda »o sat sy yane. 

*acb mich sprach »y, 'a eajaae UeS, 
ich borne in dijore layami . 



15. Ore et ero 
des ovcrsten vaders myone, 
dat is Jhesus Marien aoen , 
god laysBCn uns gewynneu. 



KABL SCHBÖPEK. 



LITTERATÜR, 



Za Seifried Eelbling nsd Ottaoker von Steiennark. Zwei Vortrage tod Tbeodpr 
Bitter roo Karajau, wirkUchem Mitgliede der kaiterl. Akailenu« te 
WissenBchaften. Wien, ans der k. k. Hof- nnd Staatsdruckerei. In 
bei Carl Gerold's Sohn. 1870. 8. 26 S. 
Weder die lange Zeit unter dem Namen eines Seifried Helbling 
Sammlung von Gedichten, noch Ottackers KeJmcbronik sind uns in einer Über- 
lieferung erhallen, die ecbon durch ihr Alter Vertrauen einflötten konnte. & 
muß daher als etwas höchst danken swerthea begi'üQt werden , daß llerr nn 
Karajan von dieaen Denkmälern, denen er schon vor vielen Jahren aeine be- 
sondere nnd erfolgreiche Sorgfalt Euwendcte, uns nun noch Fragmente biihn 
unbekannter, an die Abfaaaaugazeit der Werke mindestens uabe beranrUckender, 
ja gleichzeitiger Hondachriften zugänglich macht, mag auch der Umfang dieaCr 
Fragmente nur ein kleiner sein, und sollte die Yergleichung clee neu er«chlN' 
senen mit den altbekannten Quellen diese auch nur 'im Ganzen als viel beners 
erkennen lassen , als nach ihrem Alter allein sd vermutben war. ScboB ^M 
solche Beglaubigung nnd Festigung der bisherigen Texte wäre ein nicbt geiiof 
EU achtendes Ergcbuias; übcrdieß sind zwei neue Gedichte dadurch bakanl 
geworden, die dadurch nicbt nnintereeaaut werden, weil si« so kars »Ind. 

Wenden wir uns nun tut Betrachtung des einzelnen, annlichst «n 
ling. So nämlich neuiit U. v. Karajan den Dichter noch imif 
wohlbegrün deteo Einwände E. Martins (Haupts Zeitschr. II 
legnng auf S. 3. ^ [379. 380} als vollkommen mißlm 
maß, U, j. Ejimjitn Btiitzt sich darauf, dn'' 



FERIlTUE: zu fi. HELBUNG UND OTTACKER VON 8TEIEBMABK. 359 

hoTegampelraan, der et geschrieben haben soll, ganz entschieden als 
Q Dichter beseichne und ihn ein&ch Seifried Helbling nenne, 'also mit 
m Namen, hinter dem nicht, wie bei andern, die er Torbringt, irgend etwas 
riscbes in wittern ist. Daß er ihn scheknisch' todt sein lasse nnd ihn 
age, daza möge €(r seine Gründe gehabt haben, und sei am Ende eine 
ion» wie so Tieles andere in seinen Gedichten. Jl^an aber werde 'als Ver- 
sr eines oder des andern der Büchlein außer an dieser Stelle kein anderer 
iter genannt, der hier genannte aber durchaus nicht- getadelt, sondern ab 
snmann in Schutz genommen nnd kehren die diesem Dichter in den Mund 
gten Klagen allenthalben in den einzelnen Gedichten wieder. Liegt es da 
t nahe, dem Dichter des 13. Büchleins auch die übrigen zuzuweisen?.. 
l das soll man nur deßhalb nicht dürfen, weil der Dichter des 13. Büchleins 

dort zu den bereits Todten zählt War ers denn nicht auch in gewissem 
le? Er, der sich als todt und überlebt, mit der Gegenwart zerÜEtUen, ihr ' 
m mehr angehörig schildert?' Man sieht, Hr. ▼. Kangan Termengt durch- 

in dieser Argumentation den Dichter des 13. Büchleins mit 4er Gestalt 
Spielmanns Seifried Helbling, den er uns wohl als Beprüsentanten der 
sen Gattung vorführt und charakterisiert, indem er ihn einen Brief an einen 
idesgenossen schreiben lässt. Es ist unrichtig, wenn Herr ▼. Karajan sagt: 
Yerfftsser des 13. Büchleins bezeichne den ^hovegumpelman,' der es ge- 
rieben haben soll, als einen Dichter, und weiter, es werde als Ver- 
ser eines oder des andern der Büchlein außer an dieser Stelle kein 
srer Dichter genannt: der hoTegumpdoian schreibt nur den Brief, nicht 
ganze Büchlein, und als Verfasser dieses oder eines andern der Büchlein 
l auch an dieser Stelle Niemand genannt. Der Verfasser des 13. Büch- 
I müsste sich nur, und das setzt Hr. ▼. Euirajan Toraus, unter jener Gestalt 
st schildern wollen. Aber das bt ungbublich. Es bt wiederum unrichtig, daß 
er Helbling durchaus nicht getadelt, sondern als Ehrenmann in Schutz 
lommen werde: dieser charakterlose Schwilchling, der zwar die echten 
er noch gesehen haben will und die entschwundene gute Zeit beklagt, aber 
Binem Athem um des lieben Brotes willen den Mantel nach dem Winde 
g;ty sich Ton räuberischem Gesindel in der Schänke bewirthen Iftsst und 
m dafür die Spur von Fuhrleuten verräth, die auf der Kremserstraße um 
Isen fahren, der soll ab Ehrenmann in Schutz genommen werden? Und 
sber Dichter wird sich unter einer solchen Maske TorfÜhren? Und wenn 
I Tollends, was freilich nahe liegt, dem Verfasser des 13. Büchleins auch 
übrigen zuschreibt, wie kann dann dieser armselige Spielmann zugleich der- 
e Dichter sein, der seiner eigenen Schilderung zufolge in behagliehen Ver- 
niesen lebt und also weder Noth noch seinem ganzen Wesen nach Lust 

überhaupt, am allerwenigsten um einen solchen Preis, seinen Frieden mit 
neuen Zeit, die ihm mißfallt, zu machen. Freilich, wenn irgendwo, so hätte 
' dieser anonymen Sammlung gegenüber die Kritik nicht bloß das Becht, 
lie Pflicht zu fragen, ob sie auch wirklich von einem und demselben Ver^ 
er sei. — Doch genug. Nur die Achtung vor den Verdiensten des Herrn 
Larajan, besonders um diesen angeblichen Helbling, konnte mich bewegen, 
BiDgehend eine Frage zu besprechen, in der außer ihm selbst wohl Niemand 
ir zweifelt, damit er nicht sage, man habe seine Gründe ungehört und 
itsinnig verworfen. 



360 LITTERiLTUB: ZU & HELBLINQ UND OTTACKEB VOM 8TEIEB1ÜK 

Der hieher gehörige Fund nnn, nüt dem ans Hr. v. Karajan b^mt 
macht, besteht in vier kleinen Pergamentblättchen, die außer den beiden sekn 
erwähnten, bisher unbekannten Gredichten (BL 4) im ganien 66 Zeilen da 
16. Gedichtes der genannten Sammlung enthält: nämlich V. 678 — 712 of 
BL 1, 753—759 auf BL 2% 773—779 auf BL 2\ 798—798 aaf BL r, 
818—818 auf 3\ Vers 713—752 und der Schluß des Gedichtes toh 8S) 
an standen auf einem Doppelblatt, das Yor dem sweiten und Tierten Blatte cii- 
zufngen wäre, aber yerioren ist, ebenso wie je dreixehn Verse auf jeder Ssüi 
Yon BL 2 und 3 durch die Scheere des Buchbinders Terloren giengen» Dil 
Blätter wurden nämlich Yon Herrn Jos. Haupt als Haftbänder anf dem Siebi 
einer aus dem Nachlasse K. L. Fembergers zu Egenberg (f 1635) an dMHif> 
bibliothek gekommenen Handschrift aufgeleimt gefunden. Hr. t. Karajan wfo^t 
ihre Herstammung mit großer Wahrscheinlichkeit zurück bis auf den Freikeoi 
Beichart Strein von Schwarzenau, denselben, von dem die in der ToUständipi 
Handschrift unserer Sammlung auf BL 96 stehenden Anmerkungen (Hsipli 
Zeitschr. IV, 241) herrühren. Die Schrift der Bruchstficke zeigt, wie idi mid 
durch Autopsie überzeugt habe, die Züge des ausgehenden 18. Jhs., nur dii 
schon mehrfach erwähnten Gedichte auf BL 4 sind, wie auch Hr. t. Kanjsi 
selbst angiebt, größer und offenbar zu Tcrschiedener Zeit* geschrieben , nd 
während auf BL 1 — 3 je zwanzig Verszeilen abgesetzt auf der Säte stdNB, 
sind hier die Verse unabgesetzt und nur durch Punkte getrennt (wohl weg« 
der Länge der Verse) und stehen sechzehn Zeilen auf jeder Seite. 

^Ich hatte also,' sagt Hr. y. ELangan S. 7 [383] *mit einem Male Bnek* 
stücke einer bei meiner Bearbeitung Sei&ieds aus den wiederkehrenden LQcksi 
nach je 32 Zeilen als Vorlage Yermutheten kleinen Handschrift wirklich tot 
mir. Jene des ersten Büchleins, in welchem die Lücken begegnen, cndddt 
allerdings nur auf der Seite sechzehn Zeilen, während die Torliegende des !& 
deren zwanzig zeigt, auf dem letzten Blatte stehen aber auch hier mir sech- 
zehn Zeilen, bedingt durch den Schluß der beiden kleineren Gredichte» so ds6 
sich denken lässt, daß auch die Yorangegangenen Theile der Handschrift aack 
Bedarf zwischen sechzehn und zwanzig ZeUen mochten gewechselt haben. 

ZuYÜrderst hätte hier , wo es sich um die Ermittelung der ursprüngliehsi 
Einrichtung der Yolbtändigen Handschrift aus den Biuchstüeken handelt, das 
letzte Blatt mit den beiden kleineren Gedichten aus dem Spiele bldben soUcbi 
denn diese sind, wie schon erwähnt wurde, deutlich erst später anf das er- 
sprünglich leere Schlußblatt der Hs. hinzugeschrieben worden. Aber aach die 
Lücken im ersten Büchlein nach V. 32 und 64 beweisen nicht was sie beweisei 
sollen: sie erklären sich aus einer Handschrift, die sechzehn Zeilen anf der 
Seite hatte, durchaus nicht so einfach, wie Hr. y. Karajan meint. Denn gesetzt 
es standen durchgängig sechzehn Zeilen auf der Seite, also auch auf dtffr ersta, 
so müssten die jetzt nach Y. 32 fehlenden Zeilen (mindestens^ eft Ver^na^ 
zuoberst auf BL 2*, die nach V. 64 fehlenden auf 3* um eben so riel Zeika 
tiefer als nns nach 32 fehlen, gestanden haben: ob dem ersten besehriebenen 
Blatte ein leeres vorangieng, ändert am wesentlichen nichts. Was bUft aber 
bei solcher Saehkge die Annahme Yon sechzehn Zeilen auf der Seite aar Er- 
klärung einer zweimaligen Lücke gerade nach je 32 Zeilen? zweier Lücken, 
die« falls aach die Zahl der ausgefallenen Verse nicht an beiden Stellen gleidi 
Mcm sollte, doch das gemein haben, daß dle&e Zahl jedesmal durch 2 theilbar 



PERATÜB: ZU 8. HBLBLINQ UND OTTACKER VON STEIERMARK. 361 

Es wäre bei der dafgelogten Annahme immer ein merkwürdig methodischer 
consequenter Zofiül. Und dieser Zufall wird nicht erklärlicher, wenn wir 
ihmen, was doch wahrscheinlich ist, daß anf der ersten Seite » die ja wohl 
i den Utel tmg, etwas weniger als sechsehn Zeilen standen, oder wenn 
noch eine andere Möglichkeit berücksichtigen, daß das Gedicht nicht anf 
oder wenn BL 1 leer gelassen war, anf Bl. 2* begann, sondern anf l^ nnd 
^im die Schrift za schonen, leer gelassen war. Wohl aber erklären sich 
ie Lücken gans leicht bei einer Handschrift, deren erstes Blatt anf der 
deraeite leer war, auf 1 außer der Überschrift die ersten 82 Zeilen, Jede 
ende Seite aber 32 + x Zeilen enthielt, wobei x = 2, jedenfalls aber 
ük 2 theilbar sein muß ; denn wie die Reime beweisen, fehlt mindestens ein 
^Muur, aber man kann zweifeln, ob das, was an diesen Stellen am Inhalt 
ergänzen wäre, nicht mehr als ein Verspaar forderte. Unter diesen Yoraus- 
ODgen standen die nach V. 32 ausgefallenen Verse auf 2* oben, die nach 
anagefallenen auf 2^ oben, und es genügte die Beschädigung des oberen 
ides dieses zweiten Blattes, um eine zweimalige Lücke nach je 32 Versen 
Temrsachen. Diese Lücken erweisen sich also keineswegs als tauglich > um 
I Handschrift zu reconstruieren, wie sie Hr. t. Karajan yermuthet. 

Eine weitere Bestätigung seiner Ansicht sieht er in den Blattzahlen, auf 
»he die schon erwähnten Anmerkungen Streins sich beziehen, und welche 
shaus nicht jene der uns bis jetzt erhalten gewesenen einzigen Handschrift 
L ^Diese Anmerkungen,' fahrt er fort| Veisen nämlich auf eine Handschrift 
, welche 231 Blätter enthielt. Würde nun jedes dieser Blätter auf je 40 
en angeschlagen, so ergäbe dieß eine Gesammtzahl ron Versen für Helb- 
;, die dessen wirkliche Verszahl um beiläufig sechshundert überträfe. Es ist 
ler mit vieler Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Torangegangenen 
Bile der alten kleinen Handschrift wirklich etwa büchleinweise weniger Zeilen 
den einzelnen Seiten enthielten.' 
Hiezu ist nun zunächst zu bemerken, daß die Hs., auf die jene Blatt- 
len in den Anmerkungen Streins sich beziehen, doch wohl mehr als 231 
tter enthielt. Auf 231, zufallig die letzte Blattzahl in den Anmerkung^, 
id erst ungefähr der 559. Vers des 11. Gedichts, wie Hr. y. Karajan einst 
Mt bestimmte (Zeitschr. 4, 243). Wenn also schon diese Zahl, mit 40 multi- 
nert, eine um, ungefähr 600 Verse zu hohe Gesammtsumme ergiebt, so kann 
I nnr bedenklich machen gegen die Annahme Yon 20 Zeilen auf der Seite, 
I in unsem Bruchstücken, und gegen die hier schon stillschweigend voraus- 
letzte Identität der Hs., deren Reste uns in diesen Bruchstücken Yorliegen, 
t jener, zu welcher die Anmerkungen geschrieben wurden. Eine Bestätigung 
' andern Annahme Yon der büchleinweisen Abwechslung von 16 auf 20 Zeilen 
mta darin nur dann erblickt werden, wenn die Yorher erwähnten Stützen 
ht Tersagt hätten. 

Ich selbst habe einen Versuch gemacht, mit Hülfe der in Streins An- 
rkungen Yorkommenden Blattzahlen und den Yon Herrn y. Karajan ermittelten 
iprechenden Versstellen *) die Einrichtung jener Handschrift zu reconstruieren, 



*) Für die Anm. zu fol. 1 wird es unnöthig sein, eine besondere Versstelle zu 
aen; ich halte sie fQr eine auf die ganze Sammlung bezügliche und daher an die 
»e gestellte Bemerkung, etwa eine hingeworfene Vermuthung über den Autor. Die 
1. zu foL 12 wird sich ungefähr auf 1, 400 ff. bez\e\\e;^. 



362 LTTTEBATUB: ZU 8. HELBLING UND OTTACKER VOH VTEnSBMk 

lud ich will mit meinem Ergebnisse nicht sorückhalten , Inn mir aber f 
kommen bewnsst, daß es sich in dieser Frage nar nm ein größeres • 
geringeres Maß ron Wahrscheinliehkeit handehi kann, nicht wn Gewifth 
Ich gieng dabei von der Beobachtung ans, daß die Aufeinanderfolge der ( 
dichte die nftmliehe war, wie in der erhaltenen yoUstindigen Ha., imd von i 
noch wahrscheinlichem Voranssetsnog, daß jedes Qedicht mit einem neosn Bh 
begonnen habe. Ich dividierte also, da das dritte Qedicht auf BL 91 biga 
die Yerszahl der beiden ersten durch 90, die Yersaahl des dritten, dai i 
BL 91 — 100 reichte, durch 11, die der ersten drei Gkdichte dureh 101 a-s. 
and erhielt aof diesem Wege Werthe, die swischen 82, 38 und 86 adiwaakti 
32 mit 281 moltipliciert würde um vieles weni^ar Yerse ergelMB, ab i 
Gesammtsahi der Gedichte bis etwa sum 559. Vers, der etwa 15 aasats 
(8262 y.) Auch das arithmetbche Mittel jener Werthe, 34, ergibe si m 
Verse. Es bleibt also wohl nur die Annahme von 86 Versen anf dem Bht 
Qbrig, «nd wenn dabei etwa ein halbes Hundert Verse su viel htamällm 
wfirde diese Differens sieh wohl leicht ansglaichim duck db AamahMS, k 
manches Blatt, das den Schluß eines BaflUobs entluelt, weniger Vene gadk 
haben werde« 

Doch anriek an «tsem Bruchstücken! Schon aus den citierCen Änßemp 
des Herrn t. Kanaan geht hervor, daß er glaubt, die Hs^ su der sie ^ikMi 
habe alle die Gedichte, die uns in der erhaltenen veMsliiwIigen Hs. voriieca 
auch enthalten. Und an einer dritten Stolle (S. 8 [384]) bemerkt er, dii 
nnsem Bruchstücken gans gewiß eine lange Reihe von eben so kleinen Mii 
und enger beschriebenen Blättern vorangieng. Nun, dank einen (^üeUicbi 
Zufall sind wir ja in der Lage, wenigstens ßu «ne bestimmte Zeit gans gwi 
ammgeben, wie viel Blätter unsere Hs. lählte. Eine Hand des beginnenden 17. Jb 
(Hr. V. Kangan bezeichnet sie S. 8 [384] als die des Freiherm Job ITiit— i 
V. Ennenkel) hat die einzelnen Seiten am oberen Bande mit arabisehen ZÜn 
beseiehBet und unsere Blätter tragen die Zahlen 86. 36. — 89. 40. — ^ 
42. — 45. 46. Abo 46 Seiten oder 23 Blätter mindestens haben dsnl» 
zifferer noch vorgelegen. Wie Hr. v. Karajan berechnet , haben anf der n» 
lorenen 44. Seite nur die zwei letzten Verse des Gedichtes (858. 854) pti^ 
den und S. 43 schloss mit V. 852. Multiplicieren wir 43 mit 20, ao ^^ 
860 Verse, um 8 mehr als die wirkliche Verszahl, eine Differenz, die siehbiril 
ausgleicht, wenn an den fünf Stellen, wo jetzt Absätze im G^edicht sich Uk^ 
schon in der alten Hs. solche waren und jedesnud eine Zeile leer Uieb iri 
die erste Seite des Titels halber nur 17 Zeilen zählte. Also die 23 BBtti 
die dem Bezifferer vorlagen, enthielten gerade das ganze 15. GMieht aad 1 
zwei bisher unbekannten GMicbte auf dem letzten Blatte. Dieses lelits BW 
war aber, wie wir uns erinnern, ursprünglich leer, und erst sptter mw 
Jemand jene beiden Gedichte darauf. Wie, wenn jener Bezifferer nur die b 
schriebenen Seiten gezählt hätte und auch vor dem ersten Blatte dn mb 
schriebenes gewesen wäre? Das gäbe eine kleine Einzelhandschrift des 15. BM 
leins von 24 Blättern oder vier solchen Lagen, wie uns eine — die letsts - 
mit Verlost eines Doppelblattes in den gefundenen Fragmenten vorliegt, i 
sechs Blätter oder drei Doppelblättem ; die junge Papierhs. der 15 Ge£cki 
stellte sich demnach als eine auf solchen Einzelhss. beruhende Sammbrng k 
Dcu Sammler dürfen wir wob\ \\x dem Neii^A«^ det erwähnten Anmcikiiiige 



TEBATOB: SIT & HELBUNG UND OTTACKER VOH BTETERIffARK, 368 

fei nuiien, ans dessen Besits ja auch, wie' Hr. t. Kangän wahrscheinlich 
ht, die neugefundenen Blätter stammen. Er wäre dabei nicht ohne Auswahl 
isgaagen, denn gleich die beiden erst durch diese Bruehst&cke bekannt 
vdenen Gedichte hätte er nicht aufgenommen, aus welchem Gkunde lässt 
I schwerlich sagen. 

Nor dlbfen wir, wenn wir genau sein wollen, nicht, wie Ur. t. Karajan 
t, die Junge Papierhs. mit der 'Abschrift Richard Streins' identificieren : 
i diese müsste jedenfalls Foliobezeichnungen tragen, die xu den Anmerkungen 
IMD wSrden, was bei jener bekanntlich nicht der Fall ist Ein Tcrlorenes 
Mglied awischen den alten Blättern und der Papierhs. muß jedenfalls auch 
wer in jenen lieber Fragmente einer alle 15 Gkdichte enthaltenden 
ii als SU meiner Annahme sich bekennen wollte. Denn bestünde ein 
les sieht und wäre die in unsem Bruchstücken wieder gefundene alte Hs« 
^■mittelbare Vorlage der Papierhs. gewesen, wie Hr. v. Karajan will, so 
■lea die Foliobeseichnungen in Streins Anmerkungen sich auf die alte Hs. 
il besieheO} und unsere Blätter würden dann doch wohl auch solche Folio- 
lehnungen ron Streins Hand neben den Seitenbeseichnungen aufweisen, 
«eine obige, jedaifalls su wenig sichere Berechnung, womach diese An- 
km^gen eher auf eine Hs. mit 18 als 20 Zeilen auf der Seite deuten, will 
IMm gar kein Gewicht legen. 

Was nun den Abdruck betrifft, so hat mir wiederholte Vergleichong der 
rii WumfraG und die Benützung als Haftbänder vielfach beschädigten Blätter 
I Beihe toh Berichtigungen ergeben, die ich im folgendea mittheile. 

Auf die in der Handschrift fast ausnahmslos durchgeführte Unterscheidung 
i te- und inlautendem / und auslautendem «, sowie auf übergeschriebenes e, 
' ia den Helblingblättem einigemale, in dem unten zur Sprache kommenden 
ViMnt aus Ottacker neben übergeschriebenem o consequent statt der im Ab- 
ck durchgeführten Nebeneinanderstellung erscheint, nehme ich überall keine 
bkhty oe im Abdruck ist in der Hs. es. In meinen Angaben bedeutet ( ) 
tiOeh im Pergament, [ ] unsichere Lesung, doch erwähne ich beides ^ens 
In solchen Fällen, wo die Ergänzung zweifelhaft sein konnte. 

BL 1*. XV, 674 roi. — w(i)der chom,n deutlich; am Schluß der Zeile 

Punkt« — 675 Gor, — 679 las ich env. . Ji die Form des t scheint die 

VTortschluß gewöhnliche zu sein, so daß kein e mehr dagestanden hätte; 

^gen 680 scheint verworch[t^ zu stehen, jedenfalls nicht verroht, — 682 da. 

Ka. — 683 reÄtt*vgL 816. — 686 Iwrt = B (d. i. Pap.-Hs.) scheint 
nach wiederholter genauer Betrachtung sicher: keinesfalls h&rt YgL S. 9 

ij. — 687 ahUet = B. — 688 tnoht — fo: / durch Wurmfraß beschädigt, 
' wohl noch erkennbar. — 691 rit = B^ wodurch die Bemerkung über 
5 t S. 9 [385] beseitigt ist 

BL 1\ XV, 698 ovf = B. ~ 699 sprah vgl. S. 9 [385]. — 703 wo 
S. 9 [885]. — 705 Der: tou D ein Theü sichtbar. — 706 phafhaU. — 
Fede» Tgl. S. 9 [385]. — 710 on mich doh = B. vgl. S. 9 [385]. 

BL 2*. XV, 753 r{o)U — 755 en ein. — 756 erßicein. — 759 sturen: 
t nicht sicher: gleich nach dem ersten Strich ist ein Loch, es könnte also 
k eiurem gestanden haben. 

BL 2^ XV, 773 fhaden — d[it]zl — 115 dan = B, nicht d^an: das 
ebliche Abkürzungszeichen ist nichts als ein von dem ^^\\ti^<^w \^>^<(i\i ^^ä^^ 



864 UTTERATUB: ZU S. HELBLINO UND OTTACKEB VOV BTEDEBUI 

d xnrfickgehender Hakeo; der gans so auch in ward 679» mder 818 n «■ 
ist — 777 ind. (.) — 778 fprah. — 779 Herr. 4 

61. S\ XV, 798 vue(r) ygl. 8. 9 [885]. — wekaimwrek. ^ 

BL 8^ XY, 815 fMdung. — 816 niu(e)t. — 818 Quer über die mi 
Hälfte der Zeile geht der Schnitt, das angebliche h ist daher imkemtli^ «■ 
aber ist ans den erhaltenen oberen Rändern der Baohstaben noek stf eneha 
daß groeaten stand. Die sweite Hälfte dieses Wortes und Schade (so) kd ll 
unversehrt. ! 

Yon Varianten bleiben also nach meiner Vergleiehang mar folgende. V. €11 
haase f. haa (B) mit überfnllter erster Hebong oder sehwebender 
aUh. — 678 9ehanden f. §duxnde. — 679 fehlt m» was Niemaäd 
wird; ervorhie (B) ist wohl nur yerschrieben ans emj(arhie), was unsere findl 
stScke bieten. — 703 veinde f. veindm (B) ist JedenfaUs richtig; ein UM 
Yersehen dagegen ist 706 vngenah f. vngemack. Zweifelhaft Ueibt nttA bM 
Lesnng 778 daz f. diUe (B). Einige, damnter gerade die anfflLDigslen 
Lesarten sind durch meine Yergldchnng besatigt: Y. 686. 687« 691. 
710. 775. 

Orthographische und dialectische Eigenthiunlichkeiten der Es. statt 
Öeransgeber S. 9 [885] susammen, jedoch nicht gans Tollständig. ich 
noch hinzu: im Yocalismus e = ce: wer 690, die Sehrdbimg « fBr t 
gevcertH 755; cß = 6: groeuen 818; ein Beispiel fehlenden ümkrati kt 1 
779; im CoDsonantismns bemerke ich die mehrmal erscheinende Sikidki^ 
^ f. eck 682. 689. 756. 778. ss f . ss neben diesem gebrauefat 695. M^ 
697. 777. cht f. ht: envarehU 680, und A f. ^r vor < in irahi {fraU B)^trif 
103, zugleich ein weiteres Beispiel fehlenden Umlauts, endlieh das iUbefaaiit 
ch =k (c). 

Indem ich mich nun zur Besprechung der beiden neu bekannt gewutai 
Gkdichte auf Bl. 4 wende, beginne ich zunächst nüt den BerichtigungeBf ii 
sich mir aus der Yer^eichung mit der Hs. ergaben. Z. 3 naeh nm$ mM 

die Hs. keinen Reimpunkt zu haben. — 4 gel. — e nach eiatQ. — 10/** 
f(c)hdvnde {l aus v gebessert) f. fvenechelvnde , was Hr. v. Kanaan in t^ 
lunde bessert. Die richtige Lesart der Hs. bedarf keiner Besserung: dti Wort 
entspricht seiner Bedeutung nach dem Sinne vortrefflich s. Grimm DWB. 4, 614] 
was die Form angeht, so verhält sich filnechdn zu funeeln, wie J**^ 

zu Amsel, Ferechen zu Ferse Weinhold §. 154. — Nach /onfd^vndi ^'i'^ 
punkt — 9 nach ratQ. — 10 gestiere. Ob ein Beimpunkt folgt, iit j^ 
wenigstens nicht mehr erkennbar. *- 13 Der Reimpunkt steht deutlieh ^ 
oren, dann vif elf {t); der angebliche Reimpunkt ist der naeh zwei UeM* 
Löchern noch sichtbare Rest des t, — 15 der Schluß dieser Zeile v^^ 
Anfang von 16 ist unsicher: statt in gotes las ich . .r go[t] als Schluß fO> ^ 
in 16 beginnt zom nicht die Zeile, wenn überhaupt xom dagestanden kit;* 
ersten zwei Buchstaben des Wortes, das unter dem n von dem in Z. 15 b^p't 
sind mindestens unsicher und könnten auch he sein ; stand rielleidit (iM ^i 

tes z()]m oder [vo]r go[t] | [de Äe]m? Ob wirt oder wirt steht, kann ich ■■• 
entscheiden. Bedenklich Ton vom herein, noch ehe ich die Hs. einsah, v*'^ 
das Schlußwort des Gedichtes bei Herrn y. Karajan: vrien, dai ohne K^ 
wäre, ea atcht aber nicht iu der ü*. Tic^x^Ä^V VbX we zu lesen, und tw dio* 



ERATUB: 2U S. HELBUKO UND OTT ACKER VON STEIERMAUK; 365 

istaben ghiubte ich mit ziemlicher Sicherheit ein t, darnach ein n eq er- 
es, mko tarenj ein dem Sinne entsprechendes Reimwort auf das in Z. 13 
h den Punkt gefundene Reim wort oren. Doch will ich nicht unterlassen, 
mal XU erinnern, daß Ton dem Schluß des Gedichts von Sminwol (Z. 15) 
d^er mu wirt tekum .ore. ist. 

Daß suTÖrderst durch die Auf&idung der Reimworte in Z. 18 und 16 
iBotmehe Aufbau des Schlusses sich wesentlich anders darstellen muß, 
i auf der Hand. Aber auch sonst bin ich mit der Gestaltung des Gredichtee 
Benm t. Karajan nicht ganz duTerstanden. Die Ergänzung von was in 
1 seiner Heistdlung ist unnöthig: es liegt in dieser Stelle ein neuer Beleg 
vorauagesehickten NominatiYs ror, dem im folgenden Satz ein obliquer 
m enta|iricht, woron J. Ghrimm Kl. Sehr. 3, 333 — 338 Beispielb gegeben 
f «ster welchen die aus Diemer 274, 13. Wh. 21, 1. Parz. 76, 1. 296, 1 
ner Stelle ganz analog sind. Z. 2 und 3, 4 und 5 der Stollen (und als 
ha und Abgesang ^iner dreizeillgen Strophe sind hier wie beim folgenden 
ich die Absätze bei Herrn y. Karajan gemeint) sind natürlich als ^ine 
Heile zu fassen. Bei dem ersten scheint auch Hr. t. Kangan dieser An- 
t; die letzteren aber scheint er trennen zu wollen : er schreibt sie wenigstens 
großen An£u)gsbuch8taben , wiewohl weder nenne noch flhucheiunde ein 
■wort hab^ und in beiden 'Wörtern vor dem folgenden er EUsion statt 
. Im Abgesang Z. 4 ist oZ« ganz unnöthig in aU6 geändert worden. Das 
ücht, eine hübsche Probe politischer Satire ; die ich mit dem Herausgeber 
10 [886]} auf Herzog Albrecht beziehe, wäre also folgenderweise zu schreiben-: 

Ein herre gewaltic ftne sin, 

sein wierdez ingesinde habent einen under in, 

Smirzwol ich den nenne: er g^t dem herren n&ch an aller stat. 

iSmirzwol der kan liste vil. 

swenn der herr ze rftte mit den besten sitzen wil, 

Smirzwol gdt fünschelonde: er muoz ie komen an des herren rät. 

jSmirzwol kan sein rede wol dar gestieren, 

Waffen, Smirzwol, über dich geschiieren! 

wie du den herren umb die 6ren 

viselst als ein habergans! 

der teuYel Yar dir in den grans! 

Smirzwol vor gotee xom wirt seinem toren. 
Es ist dieselbe Strophenform, die in dem zweiten Gedichte erscheint, 
^ x&zn wird nicht fehl gehen, wenn man beide demselben Verfasser zuerkennt. 
Zürn Abdruck dieses zweiten Spruches habe ich zunächst folgende Be- 
dungen zu machen. Z. 1 konnte ich wenigstens ouf von nicht mehr sicher 
^xinen. Es scheint fast, als ob die Züge der Hs. an manchen Stellen seit 
ersten Lesung durch Hm. y. K. noch mehr Yerblasst wären. — 3 Der 
^ponkt nach dent nicht deutlich. — de. — daz, — 4 goUshelfen als ein 
^; Reimpunkt nach chvmt undeutlich. — 6 seigen. Deutlich ist nur ge* — 

^ibricheinlich wor. Reimpunkt undeutlich. — 8 las ich zv /, tef ,od, , . Yor 
(^ ist noch ein quer gezogener Balken wie eines t sichtbar, auch das n 
^ ftaht ist nicht recht deutlich: Hr. y. Karajan hat an dieser Stelle richtiger 
iiiQthet als gelesen; nach naht kein Reimpnnkt: der Ansatz des folgenden 
■^ getäuscht. — 9 frvmt — Ein Yon mir schon Yor Em«vcl\t d^x Ha^ \^^^^ 



366 LITTERATUB: ZU 8. HELBUNG UND OTTACKES VOH BTBEBlä 

hat ergänstea er wird durch diese bestätigt: e ist dnrch em Loeh im F 
ansge&lleii, r ist noch sichtbar. — 10 • tot dae feUt. — 18 €mi§,f 
vnit: das angebliche Abkfiniingsieichen ist nur der obere Th&l des 
sdmittenen d. — 14 tsTden. — 15 r[a]^.] J[cho]n / [U]. — 16 

Was die Textherstellimg betrifft, so setze ich Z. 6 naeh yhaal 
sondern (!); Z. 8. 11 (:) st. (,); Z. 9 (,) st (;). 

Der iweite Theil der PablieatioQ macht uns mit maem BndilU 
Otlacken Beimchronik bekannt, bestehend in einem einigen tum dum !■ X 
gegrfindeten Capnziner-Kloster in Klagenfnrt stammenden PergamenlUiii 
8 Spalten an 47 Zeilen auf der Seile» das dort ab Deeka eines 
bandes diente. Nach Herrn von Karajans Ansieht gehört ea dem 18., 
beginnenden 14. Jahrhundert an: anf mich hat es mehr den 
14. Jhs. genannt. 

Nach einer am unteren Rande der Vorderseite befindliche 
war unser Blatt das erste der 'XXYIU' Bage. Auf diese Wahmehmn^ 
und Ton der Annahme von Quintemionen ausgehend, bereehnet Hr. t« 
daß *die ToUst&ndige Handschrift, was ihre rordere Hälfte betxiA| 
selbe enthielt, was uns in der einen Wiener ganz^ in der sweitea «ii 
Admonter, Jenaer, WolfenbGttler und Stockholmer zum TheQ 
namentlich aber auch, *daß schon zur Zeit des Dichten jene beliebte 
▼on der Belagerung Yon Accon, bei 8000 Zeilen fftllend, welche qpiter 
holt einzeln in Handschriften zu Jena, Wolfenbüttel und 8t. OaUea 
und möglicherweise auch später in das größere Seimwerk eingesckobm 
könnte, schon damals einen Bestandtheil von Ottaekers Chronik bQdele'. 
Besultat, bei dem wir uns übrigens auch das Bewußtsein erhattan woDa, 
wir es mit bloßer Wahrscheinlichkeit zu thun haben. 

Ich wende mich nun dem Abdruck zu, der auch hier einiger 

bedarf. Z. 3 steht hruderx die Angabe S. 19 [569] ist also unricht^. — tSK 
f. Wir. Die Angabe S. 18 [568] ist darnach zu modifideren. — 27 
scheinlich fluft = TF. — 82 hermit, — 50. 51 stehen anf äner Zeile: 
Z. 135. 136 — 149. 150 — 174. 175 — 186. 187. Hr. t. K. 
es S. 16 [566] im Allgemeinen, ohne im Abdruck die einzelnen FUe 

lieh zu machen. Z. 51 steht wahrscheinlich chomi, — Unechten Üaliitfir* 
und 6 hat die Hs. öfter: vgL 66. 37. 70. 103. 104 u. 5. — 52 e«M..«: 
die Lücke hat gerade Raum für zwei Buchstaben (ß\). Anf sddie Bintf* 
hältnisse sollte bei Bezeichnung von Lücken in Abdrücken die m5||^iclMte Set 
falt und Aufmerksamkeit verwendet werden, nicht überall ist die E fgian n ■ 
selbstverständlich wie hier. — 55 Akersar, — 63 hegundn: dieAngibeS>tt 
[569] ist also richtig. — 67 .^. — 68 tevifchen kein Punkt naeb AmM-" 
79 zwüchn, — 80 gcnsüichn f. gcteatUchn: die Angabe S. 18 [568] ist nddl^'' 
97 Do undeutlich. — 99 las ich noch nihf [m]ere. ^100 [AaHnm id ^ 
schwach sichtbar. — 101 gdovbn, — 102 war = WO, — 106 Dk (b* 

dev) f. Deuj, — tcarht, — 108 furpaz oder furpat, — 109 sv versSä, — lU* 
in w€md ist deutlich. — 114 flos, — 117 t-&«rtrufi(fii als ^ Wort: die TVetf*! 
ist scheinbar in Folge des Schnörkels des r. — 118 — 126 und 165—1'^ 
Die Lücke ist durch die Verwendung des Blattes entstanden, durch welck ^ 
gMDie Schrift bis auf ein paar Anian%«WOix%\A.Wiv völlig unlesbar wurde. D^ 



REBATUB: ZU & BELBLING UND OTTACKER VON STEIERMARK. 367 

hl ich mich bemüht, wenigstens die ansgefallenen Zeilen nach dem Raum 
1 den sarückgelassenen Sparen sa beseichnen : ich zählte an der Stelle von 
t— ISl bei Hm. t. K. nar 2, an der Stelle Ton 122—126 abär 6 Zeilen, 
Ifusen abo 8 and gerade so viel Verse fehlen wirklich; nar kann die Ha. 
Uigatem an dieser Stelle keine Capitelüberschrift gehabt haben. Das wäre 
' der Kritik der oben erwähnten Berechnang des Hm. t. Karajan S. 16 
6] m ber&cksichtigen. — 128 g*bn. — 129 Soldan. — 130 greifen (f) — 
L J^ lesbar. — 132 Swom ist gans lesbar. — Statt fnohie scheint moki sii 
Mo: für e scheint kein Ranm zu sein and sichtbar ist es mindesten« nicht *— 
h g em ü m ist inn ansicher. — 133 Die ganze Seite ist trotz Hrn« t. Kan^jan« 
* Mhr ondentlich and schwer za lesen. Sie scheint aber richtig gelesen bis aof 

«ngeheaerliche Form ehamniob^ (statt chembd W, ^emmd 0)y die Hr. t. EL 
SO [570] noch besonders hervorhebt, aber sicher nicht in der Hs. steht. Ich 

ekmmmeli ofBon lasse ich, ob statt cb nicht doch vielleicht a geschrieben steht, 
■Pohl <s die größere Wahrscheinlichkeit hat; das zweite m ist aach nicht 
m deutlich, bei genaaer Betrachtang aber, die ich an dieser Stelle nicht 
irte, doch za erkennen; Unser Brachstiick stimmt also mit den andern Hss., 
d aar Aber den Vocal kann vielleicht* Zweifel bestehen. — 134 mihi. — 

16 ^roBR. — 143 Sor, — 144 echavb. — 145 gepwrdn f. gewundm daraaeh 
berichtigen S. 20 [570]. — fa zwischen zwei Ponkten. — 150 .01/ wahr- 

Mnlieh. — 160 wahrscheinlich mvet. *— 164 warhaii, — 178 AU es 

ia lesbar. — 175 Elrt = W. — 176 fUhU — 177 haidemdeeher. — 

iS grabe. — 187 las ich D^ brtid^ ndjjßetug: einen Pankt am Sehlasse der 
l&e sah aneh ich nicht. 

Die orthographischen and dialectischen Eigenthümliehkeiten des Brach* 
lekee hat Hr. v. K. S. 18 [568] bis 20 [570] freilich nicht ganz erschöpfend 
htert. Ich beschränke mich aaf folgende Bemerkangen: Hr. v. K. bespricht 

19 [569] die Vorliebe der Hs. far die Hinwegiassang stammer e, dann fährt 
fort: ^Tonlose e erscheinen in R (so nennt er das Brachstück) des Metram s (?) 
Igen hie and da aasgelassen. Mit einziger Aasnahme von 132 sieht man 
slit ein, waram die andern Beispiele anders beartheilt werden sollen, al^ die 
lieh nachher besprochenen Verstöße gegen diese dem Metram dienende mhd. 
»gel: wenn im : verleim 18. 19, geeüU : geseüt 38. 39, statt iren : verleiten 

s. w. stehen, also VerstoGe sind, waram nicht aach fuom : ewuom 14. 15, 
In Iddn : m^ufia 28. 29, und erftmdn : vberwundn 116. 117? Ein Versehen 
ttft der Bemerknng über Z. 159 (S. 20 [570]) zu Grande liegen, denn tcol 
}k^ ja aach in £. Wenn aber Hr. v. K. weiter za Z. 68 bemerkt, der Artikel 
ir, welchen WO nach meUter haben, störe das Metram, so ist das offenbar 
irichtig, and daG K teulschen schreibt, deutet doch darauf, daß in seiner 
orltge auch der Artikel stand und zu lesen ist: der miMr der Uuteehen him 

gern). 

OBERHOLLABRUNN. J. T.AMRVJ^ 



368 IlTTERATUR: DE BOBCHQRAVE, ESSAI HI8T0BIQUE. 



Esiai historique sur lea colonies Beiges oo Hoogrie et 
de Borchgraye. Brnzelles 1871. 

Die k5n. belgUche Akademie hat jüngst die io der Übendnift 
Schrift mit einem ausgeschriebenen Preise gekrönt Sie ist mm 
unter dem Titel: essai historiqae snr les colonies beiges qoi B*4/tMank 
Hongrie et en Transsilyanie pendant les XI. Xll. et XUL siMea par Ei^l: 
de Borchgraye Dr. en droit secrdtaire de legatioii L classe etc. 
cooronnd par l'acad^mie royale de Belgiqae, 

Der Verf. hat mit Gewissenhaftigkeit und Fleiß aosammeageileUl 
nur irgend snr Aufhellung dieser Erscheinung bisher ron dentscheiiy 
und ungrischen Forschem den Urkunden der Yorseit abgewonnen 
konnte. Er hat dabei mit großer Treue überall auch deren gedacht^ deaa 
seine Aufklärungen au danken sind. Er hat ausserdem su seinem Zwecke üi 
und Siebenbürgen selbst bereist und es ist ihm da auch im Ghuizen 
sich auf dem ihm fremden Boden fast wie ein Eingebomer mrecht m 
was nicht leicht war. Nur in unwesentlichen Kleinigkeiten wird hin wüd 
Berichtigendes nachcotragen sein*). Insofern als er auch die Sprache 
Mandarten in den Kreis seiner Forschung zieht, ist es wohl gestatteti 
darauf einzugehen. 

Nach einer allgemeinen Einleitung über Einwanderung der 
deren Christianisierung und über die Durchzüge der ELreuzfahrer durch Ui 
werden zuerst die ältesten flandrischen Einwanderer nach Ungarn 
Ton denen man Nachricht hat. Dieß sind Lütticher in Erlan, die 1048—1 
eingewandert sind, deren Nachkommen noch 1447 ihre alte Lütticher 
sprechen y was bei einem Besuch einer Deputation in Lütticb sich h 
und die endlich im 16. Jahrh. verschwinden , aucune trace n*en rappeDe 
souYenir aujourd'hui. Dagegen könnte doch hervorgehoben werden der 
von Erlau. Erlau ist ein deutscher Name> vgl. ahd. Erlowa Graff I,46S. 
Fluß Eger, der vorbeifließt und sich in die Theiß ergießt, hat der Stsdt 
zweiten Namen, urkundlich Agria, Eger gegeben. Auch hier ist an 
zu erinnern. Ein Fluß Eger, Nebenfluß der Wemitz, fließt bei 
und heißt ahd. Agira, Agara; ein Nebenfluß der Elbe und eine deiilMli|^i: 
Stadt Böhmens heisscn gleichfalls Eger ahd. Agara. In der Qtgcad i* 
Verdun wird auch ein altes Agira verzeichnet, Förstemann Ortsnamen 8. IS." 
Wahrscheinlich waren jene Lütticher, wenn nicht ganz, so doch thdlvai 
vlaemischer Nationalität. Von wallonischen Ortsnamen finde ich kdne Spv 
in jenen Gegenden, wohl aber deutsche. Es sind in der Hewescher Oeip M 
Schaft, deren Hauptstadt Eilau ist, so noch zwei andere Ortsnamen adblM 
indem sie unter lauter nngrischen Namen der Umgebung merkwürdig ahstechwi 
1. Bö de (spr. rcedc), was an niederländisch reede erinnert. Urknndlieh firii 
ich es Rhode geschrieben im Jahre 1370 bei Fejör cod. dipl. IX, 4. SIT. |^ 
Dazu können auch das friesische Wincredea und ahd. Dachreda, UmpreÜ 
und verchiedene deutsche Ortsnamen: Rh e den ahd. Redun verglichen ««da; 
und 2. Hort, in älteren Urkunden Uord, ist wohl altsächa. hord der Hoi^ 



*) Wenn er z. B. Deutsch - Pilsen in der Honter Gespansohaft in Ungarn 8. 59 
zur Zips rechnet, oder das Kuhländchen in Mähren einmal S. 99 für eine deotMb* 
AjuiedluDg in Ungarn zu haüteu scUemt. 






UTTERATUE: DE BOKCHGRAVE, ESSAI HISTOBIQUE. 369 

• £b konnte auch vom ungriBchen hordani tragen, hord er trägt, ab- 
Bitet werden. Nnn ist aber als Ortsbezeicbnnng die 3. Person des Zeitworts 
vmhrscbeinlich ; die Verwandlang des d in t aber, was ich für eine Verhoch- 
itMhiiDg halte, unter Madjaren andenkbar. 

£benso möchte ich za dem interessanten Capitel 3: les Flamands dans 

diairiet de Batar, noch eine Bemerkung machen. Die im 12* and 
^ Jalirh. erscheinenden Flandrenses omnes de Batar in der Ugotscher 
q^aDschaft mochten einen Bückhalt haben an der alten dentschen Ansiedlang 
ü Satmar-Nemeti, die in anmittelbarer Nachbarschaft wohnte. Ortsnamen, die 
ja diesen Flamändem noch heute eine Spur rerrathen, sind einige heryorzu- 
bcD. Da in ungrischen Namen and Wörtern, auch in altem Urkunden schon, 
deutsches W eintritt, läßt der Name des Flüßchens Batar die natür- 
Deutung zu, aus altsächsisch watar (jetzt nd. water) Wasser. In 
Ipischen Urkunden erscheint sogar einmal 1383 noch ein Laurentius de 
btar Fejdr cod. dipl. X, 1. 100, worunter kein anderer Ort zu verstehn 
% ab die possessio Batar am Flüßchen Batar, nach der sich auch ein Ladis* 
m aehreibt um 1388 Fej^r X. 1, 497. — Der Name des Berges Hark in der 
■he des Batarflfißchens sieht ebenso niederdeutsch aus, vgL mnl. hark f. 
gge, Bechen. — Der Ugotscher Ortsname Ardö urkundlich Ardou scheint 
pi altes Ardouwa gewesen zu sein, vgl. Ardaha Nebenfluß der Lahn Forste* 
jpBn Ortsn. 95. Man kann dabei an altsächs. ard6n denken, das auch wohnen 
iMeotet. 

t Den Ort Halom will ich nicht aus altsächs. holm deuten, da der Name 
Mjarische Endung schon von altersher hat; fireilich stimmt madjai. halom 
li^ sa altsächs. holm, was dasselbe bedeutet 

Ein Dorf der Ugotscher Gespanschaft heißt Sz&szfalu d. i. Sachsen- 
N^f nnd nach einer Urkunde von 1430 F^'. X, 7. 232. heißt Ugotscha 
Ast „Szaszfalu alias Ugocha,** also auch Sachsend o rf. — Da wir ron anderen 
Wachen in jener Gegend keine Nachricht haben, werden wir wohl alle diese 
maen auf jene Flandrenses zurückbeziehen müssen. 

S. 37 gibt Ton BorcBgraye eine Etymologie des Namens der Zips, der 
h nicht beistimmen kann, die aber zu einigen Bemerkungen Anlaß gibt, die 
^ am. Platze sind. Ich habe bereits in meinem Wörterb. der Mundarten des 
igr. Berglandes S. 107 f. die bei Haltaus unter zip citierte Urkunde an* 
iffilirt, wo im Jahre 1154 die novi coloni Flandrenses pro justitia, quae cip 
eator, triginta numos persolvunt. Das erklärt Herr yon B. nun so: „la rede- 
nee en nature — en bld, que les Flamands et autres colons devaient acquitter 

^diange du droit de juridiction propre, s'appelait zip (racine sep oa osep^ 
{)*• — Tschechisch könnte man in gewissem Sinne unter osep allerdings die 
at verstehn. Mir scheinen hier aber andere Wortformen näher zu liegen, die 
ir heranzuziehen wären. Sie hatten für ihre Rechte, cip genannt, baares QM 

erlegen. Diese Rechte waren wohl ursprünglich für Naturalien, oip genannt^ 
rüehen und hatten dafür den Namen. Das Wort erinnert zunächst an da« 
eh bei Adelung aufgeführte Meissenische Sippmaß. Bei Leonhard 
lach ist das alte Leipziger Sipmas 4 Metzen, quarta pars modii; im 
tenbatgischen 3 % kleine Maß. — Bei UUrieh Altenburger Volksklänge, 
rickan 1861 finde ich Seite 193 „Sippens — Viertelscheffel, Sippmaß*. — 
) nun dieß Wort nach Frisch auf Sieb (mhd. sip) zurückzuführen iat <ideii^ 

OEBMAIOA. Neue Reihe. V. ßTH.) Jahrg. ^\. 



370 UTTERATÜH: DE BOECHGRAYE, ESSAI HI8TOKIQUE. 

nicht, ein Zosammenhang — etwa eine umdeutende Anlehnung des Wortei 
jenes cip — ist Torhanden, da in demselben meissnischen GU>biete das eiat 
das andere vorkönmit. Zu erwägen ist hier auch noch was ich über den Wi 
zwischen s und z im Anlaute bemerkt habe, besonders in nd. und md. 
arten: die Laute des ungr. Berglandes (1864) S. 222 (216). Kon ist 
aniufuhren mhd. sippern Ertrag abwerfen mhd. Wtb. III, 902, was unter i 
xipkorn daselbst 901* anzuführen gewesen wäre. Dieß zipkorn, tres 
arenae et tritici Haltaus 212, bestätigt die obige Annahme über die 
▼on cip. 

Was aber gegen allen Zusammenhang des Namens der Zips bü 
flandrischen Einwanderern spricht, ist: daß der Name, der lateinisehi 
Zepus, Scepus lautet, wie ich nun sehe*), Yor der Colonisierung 
Gegend rorhanden war. Anonymus Belae notarius nennt die Gegend 
Silva Zepus und in einer Urkunde Yon 1096 erscheinen presbjteri 
Scepus Fej^ II, 17. Der Name rührt demnach nicht ron den etwa llttj 
eingewanderten oder ron den im meissenischen 1154 erscJicinendea Flanden 

Der Ort Zipsa in Galizien^ der 1827 erwähnt wird, a. meine 
S. 80, hätte freilich eine Station der Einwanderer aus dem meissnisehen 
zeiohnen können. Die deutsche Form des Namens Zips ist schon 
in einer Urkunde ron 1198 bei Fqdr II, 844, wo ein Gola de Zipiis 
wähnt wird. 

Seite 40 f. werden die sogenannten Gründner besprochen, zu deasi 
Bewohner der Zipser Bergstädte Schmölnitz, Gölnita, Wagendriii 
die von Dopschau, Metzenseifen und die von Deutsch-Prabes 
Krickerhäu etc. gezählt werden. Der Verf. hält dieselben für später« B^L^ 
Wanderer, nach dem TatareneinfEÜl, indem bei ihnen das alte VoIkilitT 
Schlesiens und Thüringens gleichzeitig auftritt, das bei den übrig*! 
Zipsern nicht anzutreffen ist Ich glaube, daß wir darüber zu uiÜmA* 
noch nicht in der Lage sind. Hätte die Zips einen Sammler, etwa vis t^ 
Siebenbürger Sachsen, deren Volkslieder Fr. W. Schuster gesammelt htttf' 
deren Vorhandensein schon jenes Argument hiDfälHg erseheinen läßt **), sowiA 
sich wohl bald herausstellen, daß daselbst dieselben Volksballaden gefnü 
werdc'n, die über DeutBchland überall verbreitet sind und für die es iiuMitf 
Deutschlands kaum Grenzen gibt; sie reichen bekanntlich ja selbst Sber li 
niederländische Sprachgrenze hinaus. Jedesfalls kennen wir solche Y<dkifieiv 
nicht, die nur Schlesien und Thüringen angehörten und nicht vielmdir 4c^ 
scbes Gemeingut sind. Der zweite Grund, den B. anführt, daß die QaeUen A* 
die Gründnerorte nicht über das 14. Jahrb. hinaufreichen, ist nidit hslte 
Gölnitsy urkundlich Gilnuchbania, erscheint schon 1280; seiiie Pmkp^ 
wurden erneuert 1290. Wagendrüssel erhielt die Freiheiten der Zips 127)1* 
1290. Deutsch-Praben^ urkundlich Prouna erscheint schon 1290—119^ 
Dopschan ist aber nicht von Schlesien oder Thüringen, sondern von ^ 
ältesten ungrischen Bergstadt Wania, jetzt Schemnitz, ans colonisiert worden ISSfc 



*) Ich habe mit dem Obigen auch meine eigenen firfiheren Annahmen n ^ 
richtigen. 

**) Denn dann müssten ja die Siebenbürger Sachsen ebenso spiters fS^ 

Wanderer sein. 



LITTERATUR: DE BORCHORAYE, ESSAI HISTORIQUE. 871 

Schemnitz ist eine vor dem Tatareneinfall Wania genannte Bergstadt, 

nach demselben^ yielleicht Yon Sebnitz an der Sebnitz im Meissnerlande aas, 

>lkert wurde. — Die Ejrickerhäner Orte sind Yon den Bergstädten ans ge- 

idet. Über alles das findet sich urkundlicher Nachweis in meiner Darstellung 

Mundarten des ungr, Berglandes S. 48 f. 

Ein Wort aber, das zwar nicht niederländisch, aber eehtnieder rheinisch 
, das die Einwanderer vom Niederrhein nach Schlesien und Siebenbürgen 
lacht, findet sich gerade bei den Grnndnern häufig* Das ist das 
frt stfe, seife Bach. So bei Dopschau Tiefenseifen, der Ort Metzen- 
fen, bei Ptaben: in der saifen vgl« mein Wtb. 96; Nachtr. 45. Darst. 74. 
n kann ich noch anf&hren aus Gölnitz you 1287: caput fluYÜ (Smolnik) 
olkenseifen nominati; in Neusol 1390 ein: Schucherseifen. Auf sieben- 
igische seifen aus dem 14., 15. Jahrh. habe ich hingewiesen Gknnania IX, 
1. YgL J. Grimm bei Haupt VII, 460. Weinhold schles. Wörterb. 89. 

Auffiülend ist daß der Verf. hier S. 40 noch nach sio?akischer Aussprache 
rikehaj schreibt, indem er S. 102 u. s. die richtige; von mir urkundlich 
ebgewiesene Form Krickerhän anwendet 

S. 55 heißt es: 'le mot Zibin est slaYe.' In den Urkunden heißt Her- 
■Bstadt im 14. Jh/ Cibinium majus, das oberungrisehe Zeben: Cibinium 
BUS Fejdr X, 8. 250. X, 4, 367. 428. Für letzteres kömmt auch die Form 
Imicia vor Fej^r IX, 5, 391. Es war noch im 17. Jahrh. eine deutsche 
tdt, die madjarisch S zeben sloYakisch Sabinow heißt. Daraus scheint 
' nieht zu erhellen daß Zibin slaYisch ist. 

Anerkennenswerth ist, daß der Verf. auch die Mundarten heranzieht und 
denselben die Spuren der Abstammung der Bevölkerung jener Yerschiedenen 
liedlnngen zu suchen bemüht ist So schwierig eine solche Untersuchung ist, 
gewichtig können ihre Ergebnisse In die Wagschale fallen, wenn sie gründ- 
und methodisch gefuhrt wird. Sie vermag Thatsachen vorzuführen, die 
tlieh sprechen, wo alle anderen Urkunden schweigen ; sie führt demnach der 
ehichtlichen Forschung neue Quellen der Erkenntniss zu, denen man sich 
an nicht mehr wird verschließen können. Je gewichtiger aber diese Art der 
tersuchang ist, desto mehr müssen wir wünschen, daß sie scharf und streng 
ährt wird und strenge scheide zwischen wirklich beweisenden Thatsachen 
l allgemeinen Analogien, die dieß nicht sind. 

Formen wie: boven oben, poes Katze, trekken ziehen, druischen 
ichen, driesch Neuland, dorpel Schwelle; greb, greppel Furche, kleiner 
kben^ groejen aufwachsen, killen frieren, kernen buttern, knagen nagen, 
rat Kruste, mitgteloos ohnmächtig, kwaad schlimm, slibberen gleiten, 
iwijken ohnmächtig werden etc., die holländisch sind, hat der Verf. S. 97 bis 
mit Becht hervorgehoben und mit den dafür in der Zips üblichen Formen 
[^chen, die lautlich ziemlich genau übereinstimmen (hoben, pnse, trekken, 
siseben, driesch, dürpel, greb, greppel, grünen, killen, kirnen, 
%genf knrst, matelos, quad, schlibberen, beschwaigen etc.). Ob- 
il dieselben zum Theil in niederdeutschem, zum Thefl in mitteldeutschem 
»iel auch sonst nachgewiesen sind, so kann ihnen in ihrer Totalität — und ihre 
d Hefte sieh leicht um das zehnfache vermehren — ihre Beweiskraft nieht 
leeprodien werden, besonders wenn man dieselben Ausdrücke im siebenbürg, 
bsischen wieder findet, dessen ältere SprachdenkmAU x. nCVx. tw-^j^ ^^ Vs«*«^ 



372 MISCELLEN. 

lieber niederländische Wortformen xeigen (wie lyffrynddagdief feif = lie 
vriend, dag, dief, yijf s. Germania 9, 482). 

Andere Formen wie appel Apfel, azen futtern, terwyl derweQ a 
die a. a. 0. noch angeführt werden, erscheinen mir aber zu wenig beseid 
weil sie über zn weite Gebiete rerbreitet sind. Entschieden nicht 
war z. B. bloch m. der ungeschickte Mann, Block, da bloch die o 
dentsche Form des niederländischen blök und allgemein deutschen Bl 
ist Anders steht es mit Wörtern wie lichter die ELlafter, in den 
Bergstädten nnd in der Zips. Das Wort ist so eingebürgert, daß danu» 
ein Zeitwort gebildet wird: Iftchtern, in Käsmark l^achtern, die Ahm 
breiten, ausholen, mit ausgebreiteten Armen messen. Hier stockt nied< 
ch für f; die hochdeutsche Form für lichter ist lafter, s. Schradler II, 44i 
So hat sich vereinzelt das niederländische ch für f erhalten in dem üfm 
Worte: krachmel für krachtmeel d. L Stärkemehl, woraus der Zipser iqgv 
ein Zeitwort bildet: Wäsche krachen für Wäsche stärken. Dieß Wortü 
culturhistorisch merkwürdig, indem esmit dem nl. ch fürf und demW^gfil 
des t wie in der Zips, übergegangen ist ins Polnische (kroch mal) und Bmiirii 
(krachmal), so daß zu erkennen ist von welchem deutschen Stamme Pote 
und Russen das Stärkemehl erhalten haben. Es ist anzunehmen, daß dieFcoi 
krachtmeel, die in der Zips noch zu erkennen ist, auch bei den anden, 
▼erhochdeutschten, flandrischen Ansiedlungen an der polnisch-russischen Groü 
gegolten hat. Das grimmsche Wörterbuch hat Bd. 5, 1952 die polniscksmi 
russische Form unter kraftmehl angeführt, hat aber die deutsche ObeqiHi^ 
form der Zips übersehen. 

Möge der geehrte Herr Verf. in diesen meinen Bemerkungen dv te 
Wunsch erblicken, zu der interessanten Frage meinerseits noch einen geriigii 
Beitrag zu liefern. Die Anerkennung, die seine gründliche und mit Cmm^ 
ausgeführte Arbeit verdient, sollte dadurch keinen Abbruch leiden. 

K. J. SCHBÖES. 



MISCELLEN. 



Bericht über die Sitsimgen der germanistischen Section auf der 28. Ter 
^ Sammlung deutscher Philologen und Schalmänner zu Leipzig, 22. Im 
25. Mai 1872. 

I. Sitzung. (Mittwoch, 22. Mai.) Nach der ersten allgemeinen Sitsng 
constituierte sich gegen 127t Uhr die Section unter Yorsits des in Kiel g^ 
wählten Präsidenten Prof. Dr. Fr. Zamcke. In seiner Ansprache gedachte öcr 
selbe kurz der großen Ereignisse, die erst jetzt die für 1870 btttimmte Y«" 
Sammlung ermöglichten, widmete den in den ▼erflossenen 3 Jahren abgesdue* 
denen Fachgenossen mit warmen Worten einen dankenden Nachruf und M 
freudig die rege Theilnabme hervor, die die deutsche Philologie mehr vfi 
mehr Endet 



MISCELLEN. 373 

Nachdem auf Vorschlag des YorsitzeBden die Plrof. Dr. A. Ebert und 
Hildebrand zn Vieepräsidenten, Prof. Dr. Sieyers ans Jena, Dr. Lippold ans 
ekan, Dr. Branne und der untevzeichnete Berichterstatter aus Leipzig zu 
riftfuhrem gewählt waren, theilte der Vorsitzende mit, daß Prof. Dr. Böhmer 

Halte den ftir die erste Sitzung angekündigten Vortrag %ber die Echt- 
t der Chronik des Dino Compagni* leider zu halten rerhindert sei; 
h in der 3. Sitzung werde der Vortrag des Prof. Dr. F. Liebrecht aus 
ttich über den Weinschwclg und die Quelle der Tristansage aus^Eillen, wo- 

jedoch Prof. Dr. Creizenach ans Frankfurt a. M. über den Ursprung des 
ndeamus sprechen wolle. Nach Angabe der Tagesordnung für die 2. Sitzung 
Dlgte der Schluß der ersten iV, Uhr. 

Folgende Begrüßungsschriften kamen zur Vertheilung 

1. von Prof. Dr. Möbius in Kiel: Über die altnordische Sprache, von 
. Th. Mobius, Prof. an der Univ. Kiel (Halle, Buchh. des Waisenh. 1872). 

2. Von Prof. Dr. F. W. Bergmann in Straßburg: Sprachliche Studien, 
• Serie, *zu welcher Wortsippe gehört die lat Vorsetzpartikel Re- (zurück, 
eder/? Beantwortet Ton Dr. F. W. Bergmann. (Straßburg, Silbermann'sche 
ididnickerei 1872.) 

Außerdem waren in einer Anzahl von Exemplaren zur Verfügung gestellt 
von Dr. Lübben das 1. Heft des von ihm u. Dr. K. Schiller bearbeiteten mittel- 
sderdentschen Wörterbuchs (Bremen, Kühtmann u. Comp.), 2. von Dr. F. Bober- 
t das Osterprogr. 1871 der Realschule I, zum heiligen Geist in Breslau, ent- 
ikend seine Abhandlung: Wielands Romane. Ein Beitrag zur Greschichte und 
«orie der Prosadichtung. 

In das Album zeichneten sich folgende 114 Mitglieder ein: 
Angermaun, Dr. und Oberlehrer, aus Meissen; Apelt, Dr., aus Weimar; 
rtsch, K., Prof. aus Heidelberg; Bau Icke, Fr., aus Berlin; Berlit, 
)fg, ans Hersfeld; Blasendorff, Dr., aus Stargard in Pommern; Bober- 
:, F., Dr. aus Berlin; Braune, W., Dr. in Leipzig; Brecher, Ad., , 
tri. aus Berlin; Clemm, W., Prof. aus Gießen; Creizenach, Th., aus 
nkfurt a. M.; Creizenach, W., stud. phil. in Leipzig; Diestel, G., 
f. aus Dresden; Dietze, Dr. und Gymnasiallehrer aus Wittenberg ; Döring, 
nh«, Dr. u. Gymnasiallehrer in Leipzig; Dunger, Herm., Dr. aus Dresden; 
srt. Ad., Prof. in Leipzig; Förstemann, E., aus Dresden; Förster, B., 
aus Berlin; Franke, Dr., aus Celle; Friedberg, Prof. in Leipzig; Gelbe, 
, Dr. aus Döbeln; Goldmann, F., Dr. aus Halle; Gröber, Dr. u. Prof. 

Zürich; Habich, Edm., aus Boston; Hagen, Th. v., aus Mühlhausen 
h.; Hanecke, Dr. au8Co]berg;Harczik, Ignaz, Dr. aus Berlin; Heller, H., 

ans Berlin; Hermann, Fr. C, aus Berlin; Heusser, Fr., Dr. u. Gym- 
all. ans Cassel; Hildebrand, Karl, Dr. in Leipzig; Hildebrand, Rud., 
P. in Leipzig; Hübner, Cand. der Phil, aus Klein-Helmsdorf; Hügel, R., 

in Leipzig; Imelmann, F., Dr. aus Berlin; Imme, Th., stud. phU.; 
licke, 0., Dr. und Oberlehrer aus Berlin; Kaufmann, Dr. aus Göttingen; 
rber, Dr. aus Rathenow; Kindscher, Prof. aus Zerbst; Kluge, Prof. 
Altenburg; Knauer, 0., Dr. in Leipzig; Koch, Fr., Prof., aus Eisenaeh; 
sh, Ernst, Dr. und Oberlehrer aus Grimma; Köhler, Reinh., Dr. und 
iotfaekar aus Weimar; Köhler, Arth., Dr. aus Dresden; Kolbe, A., 
und Oberlehrer ans Stettin; Körting, Gustav, Dr. aus Dresden^ L^ibea^ 



374 



UiSCELLKN, 



Eugen, Dt. aiu Boatock; Lamprecht, Prof. aiu Cbenmita; Laitftü, Db i 
u. OberleliTer mna BerlJD; Luner, W., Dr. auB Wetzlar-, Lebmann, Dr. Ol '■ 
Wernigerode; Leiat, Dr. ai» Magdeburg; Lemcke, tl., aiu Stettin; Lt* Ü 
kien. A., Prof. in Leipzig; Lidforsa, Edf., Dr. und Prof. aaa Lqnd i. 6«b*.( 
Liebrecbt, Fei., Prof. nua Lülticb; Lippold, Fritz, Dr. ans Zwickaa; Lob», f 
E-, Keallebrer au» Halle; Lübbcn, A., Dr. aua Otdenbiirg; Lucae, K-. Pi*L 
aua Marburg; Mahn, Dr. aua Berlin; Mankel, W., aas Hanau; HelgBr.CU 
aas Flensburg; Mejer, E. Tl., Dr. aua Bremen; Michaelia, Dr. und Pni 
au« Berlin; Mobiua, Tb., aua Leipzig. Prof. in Kiel; Müller, Dr. aiia Kor 
Neumann, Dr. und Oberlehrer au« Pyriti; Nenmann, E.. Cand. pbfl. i 
Halle; Opitz, Dr. aua Naumburg a. S.; Palm, U., Dr. and Prof. au« BrtalM; 
Paacb, Dr. und Prof. au« Altenburg; Paul, Ilerm., Dr. aua Jena; 
Eealicboldir. aua Magdeburg; Petera, Ignas, aua Leitmeriti; Qua 
aua Zvrickau; Kebling, O., Dr. und GjmnaaiBlI ehrer au« Kiel; Bediteb.D'. 
aua Hamburg; Bcifferachcid, AI., Dr. aua Bonn; Richter, Alb., an« Lelpii^; 
Bockingcr, Ludnr,, Dr., KeichaarchiTsateaaor und Academiker aus Hänehen; 
Rodemrah t, R., au« Berlin; Röpe, Georg, Dr. aua Hamburg; 
berg, W., stud. phil. au« Leiptig; Schmidt, Job., aus Bona; Scbmollilf. 
G^muiBaiall. aua Stargard i. P.; Scboenbacb, Dr. aua Wien; Schoi 
Karl, »tud. phil. aus Casael; Schreyer, Dr. aua Pforta; Schröder, Karl, Dr- 
in Leipzig; ScbrÖer, KarlJuliua, Dr. und Prof. an« Wien; Schub 
aoa Berlin; Schucbardt, Hugo, aua Leipzig; Schwenke, Dr. au« ScUcü; 
Sievera, Dr. u. Prof. uui Jena; Stcinbruck, Oberlehrer aua Colbei^; Steif 
meyer, Dr. aua Berlin; Timm, GtiBtav, Dr. ans Boaloak; Voi - - - 

in Leipzig; Voigt, F., atud. phil. in Leipzig; Venediger, Edm., Cand. pbiL 
aua Halle; WeiaacnborD, Prof. aus Erfurt; Wilken, E., Dr. phtl. an 
Göttingen; Wilmanna, W., aus Berlin; Wimmer, F. A., au« Kopenbagtt; 
Wilaachel, Dr. u. Prof. aua Eiacnacb; Wöroer, Prof. aua Mcäi 
cker, Ernst, Dr. aua Frankfurt a. M.; Zacher, R., aus Halle; Zarncka, fr- 
Dr. nud Profpasor in Leipzig; Zölluer, Dr. ans Dresden. 

II. Sitiung. (Donnerstag, den 33. Mai.) Der Vorsitzende erthMU dtn 
Prof. Dr. A. Leskieu das Wort zu seintm angekündigten Vortrage 'VorgUi- 
c hungd er AualuutBgesctxo dcB Litauischen, Slaviacbeu und U«fll 
■ chen . Redner siebt dabei ab von den Ü herein Stimmungen, die io den bet«U 
getrennten Sprachen zu Teracbiedvnen Zeiten durch dieselben l'rtaebui i 
Auslautageretccn eingetreten aind , stellt sich vielmehr aein Tbema in e 
Formulierung so: sind die Eraebeinuugen, die wir als gotbiaelit 
ADaUutBgeaotze insaiiiuenfasaen, alle erst nach dem SelbsISedtr 
werden des Gothiacben eingetreten, oder geh ei 
nicht Tielmebr in diePeriode dtr Gemeinsamkeit des alafv^ 
Beben zurück? Daß zwiechen der Zeit dea IndcgcrmanischeR i 
■eben EutwickJuogsphasen liegen, die letEteres mit einzelnen Ter 
geaeinsam dnrcbgemitcbt hat, ist unzweifelhaft. Eine aal 
aamkeit des Sluvodeutscben ; in aie rdlit der germaniset 
deutenden Tlieile, in ihr bat auch das deutsche Aw 



EUie Vergteichung der beiden itaviacbeil 
hireheuiiujmh) zeigt, daß i-vj Zeit ibiu P.laltt 




MISCELLEN. 375 

^'^^eriehrty t d in Folge geringerer Widerstandskraft walirtcheinlich schon abge« 
^Oen waren. Dem gegenüber hat der gothische consonantisehe Auslaut (der 
^'i^eaüsche gehört der Einielgeschichte des Gothischen an) nur noch Ursprung- 
^^es a (tou r keine Form mehr nachweisbar). So sind durch Scherer die Auf- 
vtellangen Westphals und Schleichers modifieiert und praecisiert worden. Schein- 
bar dem widerstreitende Formen ^ wie i. B. hana(-ns) TCrweisen nun eben lur 
Anknupfang ans Slarodeutsche. Wenn das einheitliche Slarische noch § und 
HiMÜe hatte, dann waren diese natärlich auch in der Periode des Slaro- 
deatachen noch da, die Nasale sind erst auf germanischem Boden gefiallen. 
Anden i und d, deren Verlust ist unter andern nach den entsprechenden For- 
men der secnndären OptatiTcndungen (g. vigai, sL Teii, lit jei'6\ g. vigain-a, 
bL 8. pl. aor. Tezi| [= *Tezant]) schon für die einheitliche Periode der drei 
Familien wenigstens wahrscheinlich. 

Die Widersprüche, die sich aus der einfachen Formulierung Scherers (von 
urspr. auslautenden Conss. bleiben im goth. nur « [und r] ; dieß Lautgeseti wirkt 
iiar einmal, sodaß von urspr. Gruppen nur der letste Consonant föllt) ergeben, 
"wenn man unmittelbar ans indogerm. anknüpft, treten henror im 
Nom. 8g. der r-Stämme, der n-Stämme, in der 1. plur. praes. (-rS| -ns, -mas). 
Beseitigt werden sie durch Herbeiziehnng des slaro-lit. 

Erstens: 1. pl. präs. lit. vezame, goth. rigam haben beide das« schon 
Terloren, yermutblich schon Tor ihrer Trennung. 

Zweitens: Bei den n- Stämmen ergibt sich durch Yergleichung der lit. 
Form auf -ü (akmü), der slav. auf 7 (kamy) zunächst mit Sicherheit ein lito- 
«laT. ^akmiln, das den langen Vocal durch Ersatzdehnung für verlorenes «, u 
lur a in Folge einer Lautneignng vor Nasal hat. In der Einheitsperiode der 
drei nordeurop. Familien giengeo also die Stämme auf -an aus, n kam schon 
allein ins Gothische und rerfiel hier dem spec. gothischen Gesetze. 

Drittens: Ebenso die r-Stämme. Lit. mötö, slar. mati gehen zunächst 
anf ein *mätSr (e durch Ersatzdehnung) zurück^ und dazu stimmt in der Form 
goth. bropar aus *bro))är. 

Es ist also das Gesetz dahin lu modificieren: (r) s bleiben von den 
ins Goth. übergegangenen Auslauten. 

Es blickt da eine chronologische Reihenfolge in der Wirkung der Aus- 
hmtsgesetze durch, die zu erweisen und genauer festzustellen das Tooalische 
Anslantsgesetz dient. Nun sind die von Westphal und Schleicher aufgestellten 
Regeln des Vocalab falls nicht durchgreifend und consequent. Einmal bleiben 
Aasnahmen übrig — und dann die Frage unerledigt, wie verhält sich das con- 
sonantisehe Auslautsgesetz zum vocalischen für das Schicksal der dadurch in 
den Auslaut gerückten Vocale? Wären alle ins Gk>th. übergegangenen cons. 
Aaslaute vor dem Eintreten des vocal. Auslautsgesetzes abgefallen (s und r aus- 
genommen), dann stünden z. B. beri (aus *b§rjät)) und managei (-ein) im Wider- 
spruch. Ebenso ist es mit dem auslautenden d und d, statt deren man doch 
Yerkfirsung des alten ä erwarten sollte. Wie erklärt sich das? 

In allen Fällen, wo im Goth. ein langer Vocal im Auslaute erscheint, 
folgte arspr. ein Nasal; tnggö(n), namö(n)y managei(n), die gen. pL -d, -d (n 
oder m folgend): — das cons. Auslautsgesetz erstreckte sich also auf n nur 
bei vorausgegangenem kurzen Vocal ; es erhielt sich zunächst noch nach langem, 
sodaß das voc. Abfallgesetz nicht wirken konnte. Die verschiedene Behaadlan|[ 



376 MISCELLEK. 

des n nach Länge oder Küne zeigen abch die sUt. Sprachen. ' Itier Udte 
die Nasale in den Nasalyocalen bewahrt nur nach Toramgehender Linge (fintt 
^ -an, iena = -ftm). Bei aller Unabhängigkeit der Entwicklung in bdda 
Sprachen sieht man doch wie die yerschiedenen Verbindongen, Nasal mit langoi 
oder kurzem Vocal in beiden gleich Torschieden wirken. Doch ist das nai cm 
Stütze, kein Beweis für die Gleichartigkeit der Erscheinong im Denttdui; 
directe Erklärung b'efert aber das slaT. bei einer scheinbaren Annahme: Um 
hätte ja, nach des Redners Annahme daß t schon in Torgerm. Zeit gebUei 
sei, im Goth. sein n verlieren müssen, wenn sich das t* nicht als nr^. ii er- 
wiese. Für den Abfall des t ist Ersatsdehnung eingetreten, wie deutlich •■ 
dem slay. hervorgeht (3. pl. aor. vez^ aus *Tezän aus *Tezant). So geschah <• 
Entwicklung wohl auch im Gothischen, den Übergang von a xa u kann 
als Lautneigung vor Nasalen oder als durch Analogie mit den andern F 
entstanden aufiFassen. Aus dieser Periode^ wo n nach Längen noch nicht is- 
bequem war, stammen Tielleicht Uuhadein^ vüjahaipein^ gagudein, vaad daaih 
müssen auch die Optativformen *nimain, *nemein noch zulässig gewesen sem 
(vgl. andere germanische Diall.)* Hier hat -a nichts mit dem Aoslantsgesebe 
zu thun (auch in p<üa nicht', wo es nach Ansicht des Bedners ans einer SWt 
stammt, in der der Auslaut überhaupt noch nicht entstellt war: es ist eiie 
angefügte Verstärkung des Pronomens, wie sie im slavolit. sehr Terbreitet sied). 

Endlich sind alle ins Goth. auslautend gekommenen n geschwunden, wk 
Ausnahme von borun (*nimain, ^ntoein), d. h. n blieb nur nach ü oder Dip^ 
thongen, und wenn man das slav. wieder herbeizieht, wo ä mit Nasal com Nanl- 
vocale wird, nicht aber daft 0, so läßt sich wohl auch fürs Goth. annehmes: 
Die Vocale, die mit n zu Nasalvocc. werden konnten, haben das 
n verloren, ü und die Diphth. haben es erhalten. In einer Periode 
des Goth. muß es Nasalvocale gegeben haben, die aber wie im slaT.-lit. später 
zu einfachen Längen wurden. 

Es würde sich also folgende Entwicklungsreihe in den Anslaatsgesetaea 
ergeben : 

Erstens schwanden t und d, schon in vorgerm. Zeit, ebenso • in dea 
n- und r-Stämmen; 

Zweitens giengen in der Entwicklung des Germ, die Nasale nach kunen 
Vocalen verloren. In dieser Periode drang das voc Auslautsgesetz durch. 

Drittens mit ä (i 6) bildete n zunächst einen Nasalvocal, der dann zar 
einfachen Länge ward; nach ü und Diphth. blieb n (a in bdreina zwar nidit 
sicher erklärbar, doch unabhängig vom Auslautsgesots). 

So kommt auch Consequenz in das voc Auslautsgesetz: ä, 1 aoslantead 
fiel, langer Voc. ward verkürzt, o» zu a (ti, au bleiben). Von den Ansnahnen 
wird gibai erklärt als entstanden aus gihaja (Scherer); vgl. lit. mergoje; aosn 
wird auf n<mja zurückgeführt; in nimai und l>lind<U des oi = d aafge£uit 
(Scherer). 

Eine Debatte über den eben angehörten Gegenstand entspann sich nickt, 
so trug denn Her^ Prof. Dr. K. J. Schröer aus Wien gleich darauf vor ^üher 
die deutschen Sporaden in den nichtdeutschen Ländern der oste^ 
reichischen Monarchie und ihre Bedeutung. Nachdem derselbe ein 
JBild entworfen von der Ausbreitung des deutschen Elementes über alle Gebiete 
der MoDäTchief und hervorgehoben, daS^ ^tva^^W^^ \xtl\.«c allen Nationalitäten 



MI8CELLEN. 377 

^^^treffen ist, indem in den deutschen Theil des Gesammtstaates keine der 
^^em Nationalitäten eingedrnngeo , knüpfte er hieran die Betrachtang , daß 
Wer wohl kein Znfall, sondern eine geschichtliche Nothwendigkeit, ein Natnr- 
Ctiaets so erkennen sein wird, das in der Sendung des deutschen Elementes 
in «einer Gesamrotheit für diese Gebiete gesucht werden muß. Nicht sowohl 
Deatechösterreich, als yielmehr aus aUen Gegenden Deutschlands sind seit 
Jahren nach und nach diese Einwanderer sngestromt Kleinere deutsehe 
Auiedelungen darunter sind wohl schon untergegangen und werden auch künftig 
vereehwinden ; die großen Sprachinseln aber tou zehntausend bis hunderttausend. 
Ja dreimalhunderttausend Seelen, die rorgeführt werden, sind nicht be- 
stimmt unterzugehen. — Sehr, verweilt nun länger bei jenen Sprach- 
liiselnf deren Mundarten er specielle Studien gewidmet hat. Den Haidebauern, 
in Ungarn, im 17. Jh. eingewanderten Protestanten, die die Ton Sehr, heraus- 
gegebenen Weihnachtsspiele mitbrachten; den Heanzen, tou deren Sprache 
er in Frommanns Zeitschrift ein Wörterbuch veröffentlichte; den Deutschen 
^es vngriichen Berglandes, von deren Mundart er ein Wörterbuch, eine 
Xjnntlelire und Sprachproben herausgegeben; endlich den Bewohnern von Gott* 
nebeoy Ton deren Mundart Sehr, jüngst ein Wörterbuch veröffentlicht. — Von 
den Deutschen des ungr. Berglandes hebt er besonders hervor ihren Zusammen- 
limng unter einander, mit den Siebenbürger Sachsen und dem Niederrhein, der 
ens der Mundart nachzuweisen ist, sowie ihre Yerschiedenheit, die durch spätere 
Znwmndemngen aus verschiedenen Gegenden Deutschlands, wie dieß gleichfalls 
warn der Mundart erkennbar ist, erklärt wird. — Die Mundart von Gottschee 
geholt, obwohl Gottschee im slovenischen Sprachgebiete liegt, zu den deutsch- 
Imnbardischen Mundarten der deutschen Sporaden Italiens und Welschtirols« 
Diese Sprache war früher weiter ausgebreitet, sie ist zu erkennen in deutsch- 
itafienischen Yocabularien des 15. Jhs., ja selbst in den Spracheigenheiten 
Thomasins von Circlaria. Obwohl übertüncht vom Kärntischen, ist ein 
Untergrand wahrzunehmen, der in alemannisches und fränkisches Sprachgebiet 
sQr&ckweist. Sehr, hebt noch hervor den Schatz deutscher epischer Yolks- 
diehtong, die in (rottschee noch lebendig ist. Er bespricht endlich die äußern 
xtnd innem Verhältnisse dieser deutschen Colonien, gibt ein reiches Material 
Über jede Art ihrer Entwickelung und konnte schließlich auf Grund seiner ein« 
gehenden Kenntniss aller in Betracht kommenden Yerhältnisse für das Gedeihen 
imd die Lebensfähigkeit des Deutschthums in jenen Gregenden die besten Hoff- 
nungen aussprechen. Allgemeiner Beifall lohnte dem Redner für seinen cultur- 
bistorisch und sprachlich gleich anziehenden Yortrag. 

Eine kurze Pause folgte, dann sprach Prof. Dr. Hildebrand in Leipzig 
über *Land undLeute. Er erinnerte zunächst daran, daß vieles aus dem Thun 
und Denken unserer Vorzeit auf allgemeinen Empfindungen beruhte, von allen 
anerkannt, aber eben darum nicht ausgesprochen wurde, und doch wären es 
naturgemäß gerade Dinge, die einzeln durch aller Sinn gehende Grundfäden 
darstellend, zusammen die eigentlichste und bedeutendste Gknndlage des ganzen 
Volksthums bilden. Wenn auch nicht bewußt im Schriftthum überliefert, lassen 
sich solche Grrundf äden doch noch erkennen in bedeutsamen Wendungen der 
Sprache, der litterarischen wie der gesprochenen. So hat sich auch die dem 
deutschen Yolksbewußtsein eigenthümliche Anschauung von der Einheit des 
Besitzes mit dem Besitzer in einer reichen Fülle von Redensarten nieder- 



37ä MISCELLEN. 

gelegt, die dne trccIiseUeitige Vertretung des Becitzer* und ä*i 
BeBitEBS enthalten. Von den zahlreichen Belegen, die der B«di 
Litteratnr des MitteUltcrs bis in den Tolksthiimlicben Rcdcbraneli unserer Ttf( 
geummelt vorführte, hier nur so riel als nüthig um die Sache in« rechte Uck 

ßcdeusitrten wie; Was roaa die Papiennühle nennt, diu ist oieio OnU'i 
'ich bin der Bruder vom Geschäft' n. ä., kann mau jetit uocb klle Tage hÖra. 
Sie tragen dieselbe Anschauung, wie sie der Verf. der Wormser Gaatordnnt 
für den ReichstHg vom 2. Dec. 1520 hegte, der da schrieb: es sollen in «Jl« 
andern beusern. die nit offen würt sein, diese ordn. gehalten «erden- Ebmo 
wie jetit jemand abgebrannt sein , oder man einem die Traaerbotseliaft nehlcs 
kann, daß 'er brenne', io konnte auch im Mühlhäuser Studtrecbte d«a 13. Jhti 
gescbrieben worden : Weri aber das di man undir des brcntc von unglukc tm 
nmi seibin, eder dai un ein andir man brente di umi gram «ere — ' alicr ^kiA 
darauf: Burnit aber eiuin man sin guit . Ebenso singt Albrecht von Johani 
(HSF. 92) Bwer si (die vronivu) vor mir nennet, der bat gar micb le friuade 
gauzei jär, het er micb joch verbrennet. Neidhart 53, 12 klagt 'mieli hU 
ein ungctriuwcr tougenlicben angexünilet , bat mir vil verbrant, des miniu luiwM 
selten leben; vgl. auch 161, 3. Im mittelalterlichen Hausbucbe werden 
Conmandanten einer Burg Verbal tnngsmaOregeln gegeben für gewiise Fallt 
I. B. wann mau dich stormpt an einem eude . . (87, 16); wollen 
au dir under die erden graben . . (39, 11). Wie bisher mit Haus und ßwf, 
so kann man auch mit Feldbesitz eins sein: swer selbe teilet nndc weit aaii 
witert awie er wil, den ensol der hagel slabon selten (Neldh. XXVI. 14) 
und später aus dem 14. Jahrb. ez wer denn, daa ainer dorn andern go*^ 
ze triben oder le fiircDd über sich, daz mag er wol tän , sonst sind At 
Wege rerbotoii fiirs Vieh (Weisth. 4, 377). Häufig ist der Ausdruck 
tind GrenEbezeicbnungen ' ij morgen landis gelegen luschen Gotaen jobwiMi 
und Wenielchis kindco. (Grüniager Kirchenzinsbucb v. 1471). Ein Weltv- 
auer freat sieb über einen Landtaaecb: dann des bat maich gaut abgegmil. 
Frankf. Volksth. 5, 19. Und «o conacquent ist die sich in all diesen Bd- 
■pielen anssp rech ende Änicbaunng, daß nach Danneils Zeugniß (Wörterb. i" 
altm. plattd. M. 264") 'kalwen nicht aticin von der Eub, aucb vom BeKliO 
derselben gebraucht wird: Schult bat kalwt, d. h. seine Kuh. 

Weiter sind Fürsten und Herren eins mit Land und Leuten. Ein Bi 
herr klagt: dai ich ime (die tocbtcr) bAn versagt, dar nuibe wüestet 
nich. Iw. 4474, ähnlich Scbwnur. 31. Und auch da wieder in Flur- nl 
Grenzbezeichnungcn : der See Peipus grenzt gegen dreien berren, under 
jeder wa« domf tu gebieten, . . der Moscowiter, der König au« Polto, 
auch der König aus Schneden (Kiechel 120); und gemiscbt ist d«r 
in folgendem : das eins aptis . . eigen ano giengs . . an s. Pennini 
tind von danncn nn der beni eigen von Zvcinbruclten, und «oo 
die heim von Wartinberg. (Weistb. der Gerechtsame d«a 
kreis XU Dreis, v. J. 1357.) Nicht minder reich sind 
tretung des Fürsten durch das Land; 'Branusehwr 
(sc. Herzog Erich t. Br.) furi das Schwert ■ b 
Kegeiisbnrgur Schlacht 1&04 (SolUu 3,39). 
getaticlt, weil er 'die teuren Fiirtteii kodli 



ad «oa daMM» Ifl 



MISCELLEN. 379 

'U (Körner 18i;. Die Zimmerische Chron. hat 2, 241 die SteUe 'ah die drei 
v«ten Metz, Baden nnd WQrtenberg im Feld nider gelegen . . worden . ibid. 
^ 7 wird Tor Ulrich y. Wirtemberg als vor dem tyrannen Würtenberg* ge- 
^^mt Öfter gebrancht Elia Charl. y. Orleans in ihren Briefen ^Chorpfials' für 
^H PfiJagrafen. Der ernste Gebranch solcher Kedewendongen ergibt sich aach 
^ dem Froschm. II, 6, 11 f: ^stehe fest, mein mann, es wird sonst arg, da 
^iQgst die Brandenburger Mark', ermahnt Markgraf Ludwig den Marquard 
ibflenhagen, und 'er trug ihn sicher, leis und woU, wie man sein herren tragen 
Mf . Bei Gelegenheit eines Mainzer Turniers erzählt Wilwolt y. Schaumburg 
L 48), wie ein Ritter den andern Vor den yier landen, Ba3nm, Schwaben, 
kwnkn und Reinländem beklagt Dazu stimmt, wenn nach einem Weisthum 
i, 621) *die 14 heimburger ordinatim sitzen sollent: Ettringen, Hausen, Cotten- 
eim n. s. w/ Endlich Mas land*, oder *das ganze land als Vertreter für seine 
lewohner: GotAr. y. Str. erklärt seine Wendung (Trist 9264) *hie mite sd 
rmzt dai laut besant' durch den Zusatz Mie lantbarüne die mein ich. Von 
em ganzen lande wird in einer Rechtsfrage ein antwort yunden (Weisth. 4, 686). 
HS Land (d. h. die Schöffen als Vertreter der Landesgerichtsbarkeit) wird 
■eh gefragt, was rechtens sei, oder wie maus in einem gewissen Falle halten 
DÜe. Der richter und *daz laut stehen im Sachsenspiegel öfter nebeneinander 
!• die beiden Factoren bei der Rechtsprechung. 

Wegen der Torgerückten Zeit kam es auch hierüber trotz des anlachenden 
Moffes nicht zu einer Debatte, die Sitzung ward IIV4 ^^^ geschlossen. 

m. Sitzung (Freitag den 24. Mai). Gegen 8V3 Uhr erhält Prof. Dr. Siey er s 
ns Jena das Wort zu seinem angekündigten Vortrage über den Umlaut', 
ledner betont zunächst den fühlbaren Mangel einer deutschen Lautlehre mit 
Ingehender Begründung der lautlichen Entwicklung; freilich sei die Schwierig- 
ceit nicht unbedeutend wegen der Größe des Beobachtungsfeldes, die Betrachtung 
ler deutschen Lautyerhältnisse müsse unterstützt werden durch die Kenntniss 
ilninitlicher indogermanischer Sprachen und der Physiologie der menschlichen 
Spreche überhaupt 

Der Umlaut muß , so geht der Vortragende auf sein Thema ein , nach 
Kaftgabe der Erscheinungen im ahd. und ags. erklärt werden; besonders in 
ar stere m zeigt er sich ja noch im Entstehen, während die andern Dialecte ihn 
x>llendet aufweisen. Dann darf die für den t-Umlaut zu findende Erklärung 
»iiie andere sein als für die durch a und t* bewirkten Wandelungen , alle drei 
Srseheinnngen stehn auf gleichen physiologischen Principien. Bisher ward der 
•UmlAut aufgefasst als einfache Assimilation, dem steht aber entgegen, daß er 
rat durchdringt, nachdem t längst yerloren war; die Annahme, er sei schon 
or der schriftlichen Fixierung da gewesen, ist durch nichts berechtigt nnd ganz 
nhalibar, denn bei dem großen angelsächsischen Einflüsse und ihrer Handhabung 
vrch einen Notker würde die tiefgehende Erscheinung des Umlauts nicht ohne 
Luadracksmittel geblieben sein. Und auch in den Dialecten kann dieselbe nicht 
rüher aufgetreten sein als in den Schriftdenkmälern, denn die ganze ahd. 
jitteratur ist ja eine dialectische. Endlich weist auch kdne Spur in den Rei- 
sen auf ihr damaliges Vorhandensein. Was rief also den Umlaut heryor zu 
iner Zeit als t der Endungen schon zu e geworden war? Sicher etwas nicht 
;esehriebenes, aber doch gehörtes, und da nach den Gesetzen der Lautphysio- 
ogie nur der unmittelbar benachbarte Laut den andern inficieren. ksjin^ so m\iß 
ieß der folgende Coosonant; der zwischen beiden Nöo^Äca *\ä^\»^ ^ijjw^^säk ^^\i.* 



380 MISCELLEN. 

In den slawischen Sprachen üben die moollierten Consonanten (Yenchnic 
producte aus Consonanten mit j) einen ähnlichen Einfloß auf bentehb«k] 
Vocale, wie er im deutschen Umlaute vorliegt. Zunächst trat ein V( 
der Articulationsstelle für den Consonanten ein und durch die Yeriideniil 
des Mundcanales eine Modification des Yocals. Im Slawischen erstreckt nck diai| 
Wirkung über mehrere yorhergehende Consonanten, greift sogar in eia 
ständiges vorausstehendes Wort über. Wie hier, muß auch im Dfaitschea deriv*' 
änderte Consonant die Ursache der Yocalmodification gewesen sein. Die TW 
Sache, daß unsere Sprache jetzt keine moullierten Laute mehr* besitzt, spodÜ 
nicht gegen ihr Vorhandensein in älterer Zeit, auch das Neugrieehisdie % 
frei Ton solchen Erweichungen, während sie im Altgriech. doch dagewesen a!, 
nur so läßt sich die Epenthese erklären. 

Redner führt dann folgende Puncto als für seine EriLlärong spreekai 
auf: 1. Das j der schw. Conjngation erscheint im Ahd. nur noch hie ond danr 
u und o regelmäßig, vor a seltener, vor e und t kaum, d. h. j hat sidi wk 
dem Torausgehenden Laute vor u, o hie und da selten la einem monUierts 
Laute verbunden, vor a ganz häufig, vor e, t fast immer; in tonmen (dtejta) 
ist m moulliert, ein j nicht mehr zu hören. — 2. Wo im altnoid. ünÜHt 
des a auch bei unursprüngl. t eintritt, da geht dem t iomier ein g oderi 
voraus, in den Gutturalen aber liegt etwas den Umlaut forderndes, sie stekei 
den moullierten Lauten am nächsten. Sie behielten die Beigabe der MonlUeniig, 
als dieselbe in den übrigen Consonanten schon längst geschwanden war. St 
sind die Gutturale im Schwed., Norw., Friesischen palatalisiert worden: aoek k 
niederdeutschen Denkmälern finden wir öfters nach k ein j eingeschoben, nd 
das Altbulgarische zeigt gleiche Tendenz der Gutturale in den Impermtivea ds 
Verba von guttural ausgehenden Wurzeln. 

Der Eintritt der Consonantenerweichung muß wohl noch in die gcfii 
germanische Zeit versetzt werden, denn auch das (roihische weist Sporen saL 
Hier beruht i meist auf Ersatzdehuung, nur ein kleiner Rest von 31 RDca 
ist wirklich alt, aber davon sind 26 t- und ^a-Stämme, die 5 übrigen mit Aw- 
nähme von jSr etymologisch noch unklar. — Im Gemeingermanischen trat die 
MouUiemng ein, sobald t oder j folgte; neue Moullierungen entstanden später 
nicht wieder, aber im Ahd. erhielten sich die alten am längsten — ihre Wir^ 
kungen liegen im Umlaute vor. 

Dr. W. Braune wendet gegen die aufgestellten Theorien den nordiscbei 
o-Umlaut ein und fragt, ob der Redner auch in Formen wie köllnda eonsoasi- 
tische Vermittlung annehme. Sievers erklärt sich dahin, daß diese Yennittiia; 
nur nicht Moullierung zu nennen sei, sondern Labialisierung und bemft sick 
auf verwandte Erscheinungen der slavischen Sprachen. Da Braune jedodi La- 
bialisierung in kölludu z. B. bestreitet, führt der Redner noch einige Analogiea 
aus der Zendsprache vor, gibt aber zu, daß in Endsilben die Assimilation wohl 
etwas anders zu beurtheilen sein möchte. Den letzten Einwarf Brannes, daß du 
spätere Yerschwinden der Moullierung doch nicht erklärt sei, da sie sich doeh 
sonst, wo einmal nachweisbar vorhanden, z. B. in den slavischen Sprachen, er- 
halten habe, beantwortet er dahin, daß wirklich auch im gesprochenen Slavisches 
bisweilen Moullierungen fortfallen, indem den bisher moullierten Cons. ein 
leises i vorklingt. Yielleicht sei so auch der deutsche Umlaut, iJso dorek 
Epenthese zu erklären, jedenfalls aV>«r «\x^« ^aa ^^>r«aikden der Monllienng 
^it dem rascheren Umaicbgreifcn dca \3iiiÄa»XÄ m N^^ydämä^. 



MISCELLEN. 3gl 

Hierauf sprach Dr. £. H. Meyer aas Bremen ^über die Rosengärten . 
Terfolgt ihre geographische Verbreitong über ganz Dentschland hin und 
^gt so den Sammlangen. Grimms, Uhlands, Rochholzens und Pfannenschmids 
4i eine Anzahl neu aufgefundener bei. Als den westlichsten in Norddeutsch- 
^ beseiehnet er den bei Zwolle an der Oberyssel, der schon im 12. Jahrh« 
Hkommen soll. Zahlreich sind sie in Oldenburg (9), femer in der Heide neben 
bengrftbem und Ringwällen, vor den Thoren Osnabrücks, Wismars, Rostocks, 
I Tambach, im Taunus u. s. w. Die fränkischen waren meist Frühlingsspielen 
sidmet, in Tirol ist der Luarinsche hervorzuheben. — Gelegen sind sie meist 
' heidnischen Begräbnisstätten, auch bei Quellen und Brunnen, bisweilen 
den sie den Mittelpunkt Ton Sagen, oft dienen sie als Festspielplätze. In 

Nähe begegnen häufig noch GÖttemamen (Ostara). Versammlungen wurden 
' solchen Plätzen während des Mittelalters bis zur Neuzeit abgehalten. In 

Dichtung rom 18. Jahrb. an auftretend lassen sie oft eine Parallele mit 
imdies zu. Die Bedeutung der Rosengärten ergibt sich nun aus der der 
mej die das Sinnbild des Lebens und Sterbens zugleich ist, und zwar ist 
. allen Rosenarten die funfblättrige die hier in Frage kommende. Andere 
ignisse für die Bedeutung der Rose gibt die Sprache. Der heimische Name 
(Hage :=} Butte. Daher die Namen auf -büttel (=» buttild) identisch mit 
•engarten, oftmals freilich durch Lantwandelungen schwer erkennbar, so 
B. wenn aus Butteiberg Butterberg wird. Auch bei diesen so benannten 
en. hat man oft Grabumen gefunden, die auf altheidnische Begräbnissplätze 
weisen. Wie hier die Rose den Tod yersinnbildlicht, so steht sie in Sagen 
l Gebräuchen wieder in Beziehung zur Frühlingsgöttin, oder deren christ- 
ten Vertreterin, der Jungfrau Maria, die im *Rosenhag sitzt, an deren Kirchen 
senbüsche blühen. Den Namen Hildesheim führt der Redner auf ein alts. 
dinosheim zurüdL, lässt aber für den ersten Tbeil der Zusammensetzung 
ifelhaft, ob er zu hild (Kampf) oder zu heln (celare) gehöre, jedenfalls be- 
te aber der Name das heim der hervorbrechenden Göttin, des Morgenroths = 
engarten; noch der Vocab. theuton. von 1482 gibt aurora rösens&me. Der 
•erstreifen an der Thür des Rosengartens aber ist das Sinnbild für den Weg 
Jenseits und auch Gibiko, der Krimhilde Vater, ist eine todbedeutende 
lalt, wie alle damit zusammengesetzten Namen zum Tode Bezug haben. 
Jich ists mit Ute. Der Kampf im Rosengarten aber kann nicht bloß irdische 

Ghimm) oder meteorologbche Bedeutung haben (Uhland), er hat Bezug 

Himmelreich. In dem Zuge zu den Hunnen ostwärts dürfen wir nichts 
irisches suchen, es ist das ein mythischer Nachklang und bedeutet den Zug 
Paradies. Einen mythischen Rest haben wir auch im lieblichen Phäakenbild 
RSdeger zu erkennen. Endlich geben auch Attila, Horche, im Waltharius 
im, zu mythischer Deutung Anlaß. 

Nach einer Pause von 10 Minuten erhält lOY^ Uhr Prof. Creizenach 
Frankfurt a. M. das Wort, um 'über die Entstehung des Gaudea- 
iliedes zu sprechen. Die bisherige Angabe, daß das Lied im 15. Jahrh. 
tanden sei, ist unrichtig.*) Unser Gaudeamus ist vielmehr in Anlehnung 



*) Zu den Zeugnissen des 16. Jahrhs. ist nach einer Mittheilung R. Köhlers 
isntragen die Beziehung in H. Sachsens Gedichte »Der Gesang der vollen brüder** 
h V, Tb. 3. Bl. 409*>; bei Tittmann 2, 267): „der vollen brüder ordn wir han und 
las gimdeafMu äingeUj das fortuna laß wir eTkUngeu," uivd «,Vr«a «^IUAt\ ^de» s.ll«& 
fckß wir rergeßen, frölich das f^mtdecmvs Bingen*^. ^,^^^. 



382 MISCELLEX. 

an ein Kirchenlied entstanden, das ans dem Kreise der Gtoiimrden herror 
nnd die Vergänglichkeit der Erdendinge cum (Gegenstände hatte. Die 
Stmctor unseres Liedes, vor allen Dingen die 4. Halbzeile nnd dann 
typische Wendungen ^igitur und ubi sunt führen zum Anschluft an tc 
gegangenes und zwar an Bußpredigten, wie sie besonders dem IS. Jb. 
waren. Nachdem der Büß- oder Leichenredner die Klägliehkeit des irdi 
Jammerthals, die Hilflosigkeit der Mensehen genugsam geschildert^ knnpi 
mit igitur die Auflbrderung zur Beue an. Das ubi nmi ete. hebt nod 
den Ghnndgedanken der gehaltenen Bede herror alle die einst miehtig 
berühmt waren, sie sind dahin, es ist alles eitel . Ein Lied nun, das in < 
Weise den Schluß einer Bnßrede bildete, liegt mit den besprochenen 
typischen Wendungen und dem wesentlichen GedankeuTorrath miaerez L 
bisweilen in wortlicher Übereinstimmung, ror in einer Pariser Handsdmft 
Jahre 127(^. An dieß lehnte sich unser Gaudeamus entweder unmittelba 
oder es hat gleiche Quelle mit ihm. Seine 4. Zeile aber ist nicht alt, wie i 
manches andere noch, Kindleben, der den ersten Druck 1781 besoigte, 
nach seinem eigenen Gestandniss einiges daran TerSndert 

Hierauf gab der Vorsitzende Herrn Dr. Jänicke aus Berlin das 
zu einem Antrage betrefis des niederdeutschen Wörterbuchs, bearbeitet m 
Lübben in Oldenburg und Dr. K. Schiller in Schwerin. JSnicke hob hi 
daß ein ToUständiges und brauchbares Wörterbuch der ganzen niederdeoti 
Sprache noch nicht rorliege trotz des dringenden Bedürfiusses, daß zwar d 
mal der Versuch dazu gemacht worden sei, aber mit entschiedenem Ifißei 
nnd dieser werde auch allem Anscheine nach das neueste UntemrimieB 
beiden Herrn Lexicographen scheitern lassen, wenn nicht gründliche und n 
Abhilfe der Übelstände eintritt. Nachdem nilmHch die Beiden lange Jahre 
durch Zeit und G^d geopfert hatten zur Beschaffung des nöthigCD Mati 
nnd zur Anlegung ron umfassenden Sammlungen, fand sich mit Muhe ein 
opferungsfahiger Verleger (Kühtmann u. Comp, in Bremen), der das Werk 
Honorarzahlung und unter der Bedingung übernahm, daß mindestens 250 £ 
plare abgesetzt würden. Diese Höhe hat nun zwar der Absatz erreieht mmi 
Fortsetzung des Werkes ist gesichert, aber seine Bearbeiter bedürfen dria( 
um demselben mehr Zeit widmen zu können, Erleichterung Yon Scho^esebi 
und wo möglich eine positire Unterstützung. Jänicke beantragt, die 8e 
wolle an die betreffenden Begierungen das entsprechende Ersudien rie 
Der Vorsitzende erweitert den Antrag dahin, daß auch an den deotBchen Ki 
als den Beherrscher des weitesten Gebietes niederdeutscher Zunge, das üi 
Stützungsgesuch gehe. Die Versammlung stimmt dem bei und beaiiflngt 
Präsidium und den Antragsteller mit der Ausfuhrung des BeschhuMi. 

Vicepräsident Hildebrand bezeichnet zunächst die Vollendung des mu 
deutschen Wörterbuchs als dringend wünschenswerth für das große Nenl 
deutsche und fordert dann zur Unterstützung der deutschen Gemeinden in 
tirol auf, die in ihrem Volksthum trotz des wackersten Ankampfena gegen 
umwohnende Wälschthum gefährdet sind. Schon in Kiel habe Zing^le tou 1 
brück den Germanisten die fernen Landsleute ans Herz gelegt, aber krifti 
Hilfe thue noth, als bisher geleistet sei, ror allen Dingen handle es sieh 
regelmäßige Geldsendungen und Bücher. Bedner beantragt schließlich die Seet 
casae — zur Zeit über 20 RÜAt. — i.\wc ^t^Xäol ^3T^«cl^Sl^Qn^ zu rerwei 



MISCELLEN. 383 

-Von. Zarocke erwSlini, daß sich in Leipzig schon seit längerer Zeit ein Comit^ 

*m diesem Zweeke gebildet habe, von dem aach eine gedrackte Orientierung 

iber die ganze Frage in einer großen Aozahl von Exemplaren in der Section 

T«rtheflt worden sei. Er tritt dem Antrage Hildebrands hinsichtlich der Ver- 

««sdiing der Sectionscasse bei, legt den Anwesenden möglichste thätliche Unter- 

i stStsiuig der Tiroler Gemeinden ans Herz und verspricht, in der nächsten Hanpt- 

I Sitzung die Oesammtheit der Philologenrersammlong zur Beihilfe anzuregen. — 

: Vachdem der Vorsitzende dann noch mitgetheilt hatte, daß in der 4. Sitzung 

I «ohl der Vortrag des Prof* Victor Jacoby aus&llen werde, da sich der genannte 

. Herr noch nicht in der Afitgliederliste eingezeichnet habe, wird diese Sitzung 

I getehloesen gegen 11 Vs U^i"* 

IV. Sitzung (Sonnabend den 25. Mai). 8 Y, Uhr beginnt die Sitzung mit dem 
Vortrage des Dr. Hugo Schuchardt, Privatdocenten in Leipzig, ^über syn- 
taetische Modificationen anlautender Consonanten im Mittel- und 
Süditalienischen.Er bezeichnet mit dem Ausdruck 'syntactische Modificationen 
Yerinderungen eines Wortes in seinem Anlaute, die fSr den letzteren im Zusam- 
aoenhange des Satzes durch den Auslaut des vorhergehenden Wortes entstehen. 
Derartige Consonantenmodificationen finden sich bei Notker, im Hebräischen, 
im Irisdien und Bretonischen und zwar kann da je nach der Natur des beein- 
flnfienden Torausgeheoden Lautes Verhärtuug oder Erweichung stattfinden. In 
f^eidier Weise existiert auch in den mittel- und süditalienischen Dialecten sowie 
im sardischen ein durchgreifendes Anlautsgesetz, nach welchem ein Wortanlaut 
in verschiedenen Formen auftreten kann, die der Redner unterscheidet als starke 
(bei vorausgehendem Consonanten oder betontem Vocale) und als schwache (bei 
vorassgehendem unbetonten Vocale). Der Unterschied zwischen starker und 
schwacher Form kann ein qualitativer sein (bewirkt durch verschiedene Arti- 
ndationsart) oder ein quantitativer (durch verschiedenen Accent oder verschiedene 
Qaantit&t). 

ffildebrand bringt im Anschluß daran aus süddeutschen Mundarten con- 
sonantische Angleichungen bei, wie Salaggessen = Salat gegessen, Bbmck, 
ans d'bruck = die brück. Schröer gedenkt der reichen Entwicklung von Assi- 
adlationen im Magyarischen, besonders in der metrischen Sprache. Prof. Lid- 
forsa ans Lund tritt dem Vorschlage des Dr. Schuchardt bei, an Stelle des 
^Avsdmcks consonantische Assimilation besser und wissenschaftlicher zu sagen 
cooaonantbche Ersatzdehnung'; die Sache findet er im Spanischen und Fran- 
adozehen ebenfalb vor und bringt Belege aus beiden Sprachen. 

Hierauf werden zunächst einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt. 
Der Vorsitzende theilt mit, daß das Gesammtpräsidium dringend abgerathen 
habe, die Angelegenheit der Tiroler Gremeinden vor der allgemeinen Versammlung 
za verhandeln, demnach müsse auch von einer Geldsammlung in weiterem Kreise 
abgestanden werden. — Es sei dann fürs nächste Jahr Innsbruck als Versamm- 
loDgsort der Phil, und Schulm. erwählt worden, Prof. Zingerle werde dort der 
natürliche PriUident sein, die Section möge dem beistimmen. Nachdem dieß ge- 
aehehen, beantragt der Vorsitzende, an Stelle des bisherigen zu eng gewordenen 
Namens germanistische Section den entsprechendem ^germanistisch- 
romanistische S. zu setzen. Dr. Schuchardt schlägt germano-romanische 
8.* vor, und nachdem eine Interpellation des Dr. Schoenbach über die Stellung 
der neubegründeten Section für neuere Sprachen von Dr. Knauer dahin beant- 



384 MISCELLEX. 

wortet ist, daß dieselbe bloß praktische Zwecke verfolge, beantragt Hildel 
als Sectionsnamen dentsch-romanische Abtheilung xa wihlen. Der 
wand Prof. Eberts, daß mit 'deatsch nicht der Umfang der germanischen 
bezeichnet werde, wird darch Berufung auf J. Grimm't deutsche* 6r 
beseitigt und da Zamcke und Schuchardt ihre Anträge zorackxiehen, 
nur der Hildebrandsche Vorschlag zur Abstimmung, er wird ei 
wir bilden Ton nun die deutsch-romanische Abtheilnng. 

Weiter thcilt der Vorsitzende mit, 1. daß Herr Max Moltke das 
brieflich ersucht habe der Versammlung mitzutheilen, daß der An£uti voa ¥• 
Jacobi in der yertheilten Nummer des Ton ihm (Moltke) redigierten Spraehviik 
noch durch Druckfehler gegen Ende arg entstellt sei; 2. daß Prof. Y. Jaciki 
auf seine An^ge, ob ihm noch die Abhaltung seines beabsichtigtea Yvtapt 
yerstattct werden könne, eine yemeinende Antwort erhalten habe. 

Der letzte Vortrag wurde von Prof. Dr. Gröber aus ZOrich gMlm 
^über eine bisher unbekannte Branche der chanson de gesteFierr 
bras*, die sich zugleich mit einer ebenfalls dem Kreise der Karlssage u^ 
hörigen Dichtung mit dem Titel destruction de Borne in einer hannoTcmte 
Handschrift befindet. Bedner fasst nach eingehender Anseinander s etiiiag As 
beider Verhältniss sein Urth eil dahin zusammen: Destruction und Fierahnsal 
▼on demselben Verfasser, die in jener Hs. rorliegenden Stücke sind jedod 
Überarbeitungen ; das lasst sich daraus erkennen, daß im ersten Thc^l des 
bras Bom als Schauplatz gilt, während im zweiten sich Spanien stiOselnraigari 
unterschiebt 

Schließlich richtet Bct. Wilford aus America noch die Bitte an disT» 
Sammlung, nach Kräften für die Einfuhrung des lateinischen als aUgeafta 
linguistischen Alphabets wirken zu wollen. 

Gegen lO'A Uhr erklärt der Vorsitzende die dießjäbrige 
der Sectinn für geschlossen. 

LEIPZIG, im Juni 1872. KABL HILDEBRAND. 



Akademie f%r moderne Philologie. 

Unter diesem Titel hat die Berliner Gesellschaft f&r das Stodima te 
neueren Sprachen eine Lehranstalt gegründet, die bezweckt , Stadiereadcii 
welche sich in den neueren Sprachen wissenschaftlich und praktisch anahOte 
wollen, dazu Gelegenheit zu geben. Diesem Zwecke dient ein Cyckis Ton Y<v- 
lesungen und Übungen, an denen jeder Studierende g^egen ein Honorar voa 
20 Thlr. für das Semester theilnchmen kann. Die Akademie Tertritt die Stdb 
eines Seminars für neuere Sprachen, und es befremdet einigermaßen, sie nidt 
in Verbindung mit der Uniyersität gesetzt zu sehen. Von den mitwirkendei 
Kräften, unter denen wir Mätzner, Goldbeck, Mahn, Herrig, Leo nennen, ki» 
man das Beste erwarten. Das Englische, welches uns hier zunächst angdit^ iit 
in seinen verschiedenen Entwickelungsstufen, vom An gelsächsischen an, nr- 
treten: Erklärung des BeÖTulf, historische Grammatik der englischen Spridie, 
Geschichte der englischen Litteratur, Shakespeare, Sheridan, Ben Jonson ctct 
also eine Vollständigkeit, wie man sie an keiner Universität findet« 



ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG VON GOTT- 
FRIEDS TRISTAN. 



Eiae einigermaßen abschließende kritische Bearbeitung des Textes 
II Gottfirieds von Straßburg Tristan fehlt uns bis jetzt Die Heraus- 
ber y. d. Hagen, Maßmann und Bechstein befolgen ein eklektisches 
H&a